{"law": "BV", "article": 1, "article_suffix": "", "title": "Schweizerische Eidgenossenschaft", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 1 BV — Übersicht\n\nArt. 1 BV ist der erste und grundlegendste Artikel der Bundesverfassung. Er legt fest, dass das Schweizervolk zusammen mit den 26 namentlich aufgeführten Kantonen die Schweizerische Eidgenossenschaft bilden. Diese Bestimmung definiert die Struktur des Schweizer Bundesstaates.\n\nDie 26 Kantone werden in historischer Reihenfolge ihres Beitritts zur Eidgenossenschaft aufgezählt. Zürich, Bern und Luzern gehören zu den ältesten Mitgliedern, während Jura als jüngster Kanton 1979 dazukam. Jeder Kanton ist gleichberechtigt, auch die kleineren wie Obwalden oder Appenzell Innerrhoden.\n\nArt. 1 BV hat wichtige rechtliche Folgen: Die Schweizerische Eidgenossenschaft wird dadurch zur Rechtsperson. Sie kann Verträge abschliessen, Eigentum besitzen und vor Gericht auftreten. Gemäss der Rechtsprechung ist sie von kantonalen Steuern und Gebühren befreit (OG Luzern, SJZ 1993, 283).\n\nDie Aufzählung der Kantone ist verbindlich. Will man den Kantonsbestand ändern - etwa durch Vereinigung zweier Kantone - muss Art. 1 BV geändert werden. Dies bestätigte das Bundesgericht bei den Diskussionen über eine Wiedervereinigung der beiden Basel (BGE 94 I 525).\n\nEin konkretes Beispiel: Wenn der Kanton Basel-Stadt und Basel-Landschaft sich vereinigen wollten, müsste eine Volksabstimmung über die Verfassungsänderung stattfinden. Dabei bräuchte es sowohl das Volksmehr als auch das Ständemehr - also die Zustimmung der Mehrheit der Kantone. Erst dann könnte in Art. 1 BV statt \"Basel-Stadt und Basel-Landschaft\" nur noch \"Basel\" stehen.\n\nDie Formulierung \"Das Schweizervolk und die Kantone... bilden\" zeigt den besonderen Charakter der Schweiz: Sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Kantone sind Träger der Staatsgewalt. Dies unterscheidet die Schweiz von anderen Bundesstaaten und begründet das System des doppelten Mehrs bei Verfassungsänderungen.", "doctrine_de": "# Art. 1 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 1 BV geht auf die Gründung des Bundesstaates von 1848 zurück. Die Bundesverfassung vom 12. September 1848 führte in Art. 1 erstmals die 22 Kantone auf (Botschaft zur Bundesverfassung 1848, BBl 1848 I 1ff.). Bei der Totalrevision von 1874 wurde die Aufzählung beibehalten. Der Jura als 23. Kanton wurde nach der erfolgreichen Abstimmung vom 24. September 1978 in Art. 1 BV eingefügt (BBl 1977 III 227).\n\n**N. 2** Die geltende Fassung stammt aus der Totalrevision von 1999 (Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 1ff., 133). Die Reihenfolge der Kantone folgt ihrem Beitrittsdatum zur Eidgenossenschaft, mit Ausnahme der drei Urkantone, die alphabetisch geordnet sind. Diese historische Reihenfolge wurde aus Respekt vor der Tradition beibehalten (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 1 N. 3).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 1 BV bildet zusammen mit Art. 2 (Zweck) und Art. 3 (Kantone) die Grundlagen des Bundesstaates. Die Bestimmung konstituiert die Schweizerische Eidgenossenschaft als Bundesstaat und definiert dessen territoriale Zusammensetzung (→ Art. 53 BV für Bestandesgarantie der Kantone).\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 3 BV (Souveränität der Kantone)\n- → Art. 5a BV (Subsidiarität)\n- ↔ Art. 42–47 BV (Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen)\n- → Art. 53 BV (Bestand und Gebiet der Kantone)\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) «Schweizervolk»\n\n**N. 5** Der Begriff «Schweizervolk» bezeichnet die Gesamtheit der Schweizer Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Wohnsitz (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 882). Das Schweizervolk ist zusammen mit den Kantonen Träger der verfassungsgebenden Gewalt (pouvoir constituant).\n\n**N. 6** Die Nennung des Schweizervolkes unterstreicht den Doppelcharakter der Schweiz als Bundes- und Volksstaat. Anders als in rein föderalen Systemen sind nicht nur die Gliedstaaten, sondern auch das Volk unmittelbarer Träger der Staatsgewalt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 5 N 2).\n\n### b) «Kantone»\n\n**N. 7** Die 26 namentlich aufgeführten Kantone sind die konstituierenden Glieder des Bundesstaates. Ihre explizite Aufzählung hat konstitutive Bedeutung: Nur die genannten Gebietskörperschaften sind Kantone im verfassungsrechtlichen Sinn (BSK BV-Waldmann/Belser/Epiney, 2. Aufl. 2024, Art. 1 N. 12).\n\n**N. 8** Die Halbkantone (Basel-Stadt/Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden/Innerrhoden, Obwalden/Nidwalden) werden einzeln aufgeführt und sind vollwertige Kantone. Der Begriff «Halbkanton» ist seit 1999 obsolet; Art. 142 Abs. 4 BV spricht neutral von «Kantonen» (**BGE 130 I 185** E. 2.2).\n\n### c) «bilden»\n\n**N. 9** Das Verb «bilden» bringt die kontinuierliche Konstitution des Bundesstaates zum Ausdruck. Die Eidgenossenschaft besteht nicht unabhängig von ihren Gliedern, sondern wird durch das fortwährende Zusammenwirken von Volk und Kantonen gebildet (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution fédérale, 2003, Art. 1 N. 4).\n\n### d) «Schweizerische Eidgenossenschaft»\n\n**N. 10** Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist die offizielle Bezeichnung des Bundesstaates. Sie ist Völkerrechtssubjekt und Trägerin der Staatsgewalt auf Bundesebene. Die lateinische Bezeichnung «Confoederatio Helvetica» (CH) und die romanischen Formen sind gleichwertig (Tschannen, Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5. Aufl. 2021, § 1 N 3).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 1 BV begründet die Rechtspersönlichkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Diese ist befugt, Rechte und Pflichten zu begründen, Vermögen zu erwerben und vor Gericht aufzutreten. Als Bundesstaat geniesst sie besondere Privilegien gegenüber den Kantonen, etwa die Befreiung von kantonalen Steuern und Abgaben (OG Luzern vom 25.11.1992, in: SJZ 1993, 283).\n\n**N. 12** Die namentliche Aufzählung der Kantone hat konstitutiven Charakter. Eine Änderung des Kantonsbestandes erfordert zwingend eine Revision von Art. 1 BV. Dies gilt für:\n- Vereinigung von Kantonen (**BGE 94 I 525**)\n- Teilung von Kantonen\n- Gründung neuer Kantone\n- Aufhebung von Kantonen\n\n**N. 13** Die gemeinsame Nennung von Volk und Kantonen begründet das dualistische Prinzip der Schweizer Demokratie. Bei Verfassungsänderungen ist die Zustimmung des Volkes (Volksmehr) und der Kantone (Ständemehr) erforderlich (→ Art. 140 BV). Dieses Erfordernis der doppelten Mehrheit ist unmittelbare Folge der in Art. 1 BV verankerten Struktur (Biaggini, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 1 N. 5).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Rechtsnatur der Aufzählung**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 883) qualifizieren die Kantonsaufzählung als konstitutiv. Ehrenzeller (St. Galler Kommentar, Art. 1 N. 8) vertritt demgegenüber, die Aufzählung habe primär deklaratorischen Charakter, da die Kantone bereits vor der Bundesverfassung existierten. Die herrschende Lehre folgt der konstitutiven Theorie, da die verfassungsrechtliche Stellung der Kantone erst durch Art. 1 BV begründet wird (so auch Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 5 N 8).\n\n**N. 15** **Spannungsverhältnis Volk/Kantone**: Aubert (Le fédéralisme suisse, 2. Aufl. 1991, S. 42) betont die Gleichrangigkeit von Volk und Kantonen als verfassungsgebende Gewalten. Schindler (Verfassungsrecht und soziale Struktur, 4. Aufl. 1971, S. 98) sieht hingegen ein latentes Spannungsverhältnis, da das Volk als Gesamtheit unitarische Tendenzen verkörpere. Die neuere Lehre (Waldmann, in: BSK BV, Art. 1 N. 15) versteht beide Elemente als komplementär.\n\n**N. 16** **Eidgenossenschaft vs. Bund**: Kälin (Die Bundesverfassung vom 18. April 1999, ZBl 2000, S. 1, 8) bevorzugt den Begriff «Bund» als Kurzbezeichnung. Tschannen (Staatsrecht, § 1 N 4) wendet ein, «Eidgenossenschaft» sei die verfassungsmässige Bezeichnung und drücke die historische Kontinuität aus. In der Praxis werden beide Begriffe synonym verwendet.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei Gebietsveränderungen zwischen Kantonen ist Art. 1 BV nicht betroffen, solange der Bestand der Kantone unverändert bleibt (→ Art. 53 Abs. 3 BV). Erst bei Änderungen des Kantonsbestandes wird eine Revision von Art. 1 BV notwendig.\n\n**N. 18** Für die Praxis der Bundesbehörden ist Art. 1 BV relevant bei:\n- Völkerrechtlichen Verträgen (Bezeichnung der Vertragspartei)\n- Kompetenzabgrenzungen zwischen Bund und Kantonen\n- Steuerbefreiungen der Eidgenossenschaft in den Kantonen\n- Verfahren bei Kantonsvereinigungen oder -teilungen\n\n**N. 19** Die offizielle Reihenfolge der Kantone gemäss Art. 1 BV ist in protokollarischen Fragen verbindlich, etwa bei der Sitzordnung im Ständerat oder bei offiziellen Anlässen (Reglement des Ständerates vom 20. Juni 2003, Art. 3).", "caselaw_de": "# Art. 1 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kantonsneubildung und Wiedervereinigung\n\n**BGE 61 I 166** vom 21. Juni 1935\nInitiative auf Wiedervereinigung der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.\nRelevanz: Grundlegender Entscheid zur Auslegung der föderalen Struktur der Eidgenossenschaft und zu den Möglichkeiten der Kantonsgebietsveränderung.\n\n> «Die Wiedervereinigung der beiden Halbkantone hat zur Folge, dass die bisherige staatliche Organisation von Basel-Land aufgelöst wird, indem Gebiet und Volk Bestandteil eines zu errichtenden grösseren staatlichen Verbandes werden. [...] Der in diesem Beschluss enthaltene Vorbehalt bringt zum Ausdruck, dass die Trennung der beiden Basel, die historisch, geographisch, wirtschaftlich und kulturell zusammengehören, ein grosser politischer Fehler war und dass die (freiwillige) Wiedervereinigung zu erstreben ist, namentlich auch vom Standpunkt des Bundes aus, wie denn ja auch in Art. 1 BV der Kanton Basel, wenigstens der Idee (wenn auch nicht der staatsrechtlichen Wirklichkeit) nach, als fortbestehend gedacht ist.»\n\n### Föderale Kompetenzverteilung\n\n**BGE 125 II 152** vom 23. Februar 1999\nAbgrenzung eidgenössischer und kantonaler Kompetenzen bei der Zulassung von Geldspielautomaten.\nRelevanz: Bestätigt das Prinzip der kantonalen Restkompetenz innerhalb der föderalen Ordnung nach Art. 1 BV.\n\n> «Es besteht kein Anspruch der Kantone auf Weiterführung der bisherigen Praxis der Homologation von Geldspielautomaten durch das Bundesamt für Polizeiwesen. Der Bundesrat hat durch den Erlass der eidgenössischen Geldspielautomatenverordnung nicht in die kantonale Zuständigkeit eingegriffen.»\n\n**BGE 122 I 70** vom 22. Februar 1996 \nKantonale Zuständigkeiten für Einschränkungen des Startens und Landens mit Hängegleitern.\nRelevanz: Bekräftigt die Bedeutung der föderalen Aufgabenteilung zwischen den in Art. 1 BV konstituierten Kantonen und dem Bund.\n\n> «Art. 37ter BV gibt dem Bund eine umfassende, aber keine ausschliessliche Kompetenz auf dem Gebiet der Luftfahrt. Die Kantone bleiben zuständig für Rechtsfragen, die der Bund nicht abschliessend geregelt hat.»\n\n### Bundesstaatliche Kontinuität\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007\nVerfassungsmässigkeit der degressiven Obwaldner Steuertarife.\nRelevanz: Verdeutlicht die fortbestehende Eigenständigkeit der Kantone im föderalen System der Eidgenossenschaft.\n\n> «Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV). Tarifautonomie der Kantone. Besteuerungsgrundsätze sind primär Sache des Bundesrechts, doch verfügen die Kantone über einen erheblichen Gestaltungsspielraum bei der Ausgestaltung ihrer Steuersysteme.»", "summary_fr": "# Art. 1 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 1 Cst. est le premier et plus fondamental article de la Constitution fédérale. Il établit que le peuple suisse, conjointement avec les 26 cantons nommément énumérés, forme la Confédération suisse. Cette disposition définit la structure de l'État fédéral suisse.\n\nLes 26 cantons sont énumérés dans l'ordre historique de leur adhésion à la Confédération. Zurich, Berne et Lucerne comptent parmi les membres les plus anciens, tandis que le Jura, canton le plus récent, les a rejoints en 1979. Chaque canton jouit de l'égalité de droits, y compris les plus petits comme Obwald ou Appenzell Rhodes-Intérieures.\n\nL'art. 1 Cst. a d'importantes conséquences juridiques : la Confédération suisse devient ainsi une personne morale. Elle peut conclure des contrats, posséder des biens et ester en justice. Selon la jurisprudence, elle est exonérée des impôts et taxes cantonaux (TC Lucerne, SJZ 1993, 283).\n\nL'énumération des cantons est contraignante. Si l'on veut modifier la composition cantonale — par exemple par la fusion de deux cantons — l'art. 1 Cst. doit être modifié. Le Tribunal fédéral l'a confirmé lors des discussions sur une réunification des deux Bâle (ATF 94 I 525).\n\nUn exemple concret : si les cantons de Bâle-Ville et de Bâle-Campagne voulaient fusionner, une votation populaire sur la modification constitutionnelle devrait avoir lieu. Il faudrait alors obtenir à la fois la majorité du peuple et la majorité des cantons — soit l'assentiment de la majorité des cantons. Ce n'est qu'alors que l'art. 1 Cst. pourrait mentionner seulement « Bâle » au lieu de « Bâle-Ville et Bâle-Campagne ».\n\nLa formulation « Le peuple suisse et les cantons... forment » illustre le caractère particulier de la Suisse : tant les citoyennes et citoyens que les cantons sont détenteurs du pouvoir d'État. Cela distingue la Suisse d'autres États fédéraux et fonde le système de la double majorité lors des modifications constitutionnelles.", "doctrine_fr": "# Art. 1 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 1 Cst. remonte à la fondation de l'État fédéral de 1848. La Constitution fédérale du 12 septembre 1848 énumérait pour la première fois les 22 cantons à l'art. 1 (Message concernant la Constitution fédérale de 1848, FF 1848 I 1ss.). Lors de la révision totale de 1874, l'énumération fut maintenue. Le Jura en tant que 23e canton fut inséré dans l'art. 1 Cst. après la votation réussie du 24 septembre 1978 (FF 1977 III 227).\n\n**N. 2** La version en vigueur provient de la révision totale de 1999 (Message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996, FF 1997 I 1ss., 133). L'ordre des cantons suit leur date d'adhésion à la Confédération, à l'exception des trois cantons primitifs qui sont classés par ordre alphabétique. Cet ordre historique fut maintenu par respect de la tradition (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 1 N. 3).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 1 Cst. forme avec l'art. 2 (But) et l'art. 3 (Cantons) les bases de l'État fédéral. La disposition constitue la Confédération suisse en tant qu'État fédéral et définit sa composition territoriale (→ art. 53 Cst. pour la garantie de l'existence des cantons).\n\n**N. 4** La norme est en relation étroite avec :\n- → art. 3 Cst. (Souveraineté des cantons)\n- → art. 5a Cst. (Subsidiarité)\n- ↔ art. 42–47 Cst. (Répartition des tâches entre la Confédération et les cantons)\n- → art. 53 Cst. (Existence et territoire des cantons)\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### a) « Peuple suisse »\n\n**N. 5** La notion de « peuple suisse » désigne l'ensemble des citoyennes et citoyens suisses indépendamment de leur domicile (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 882). Le peuple suisse est, avec les cantons, détenteur du pouvoir constituant (pouvoir constituant).\n\n**N. 6** La mention du peuple suisse souligne le double caractère de la Suisse en tant qu'État fédéral et État populaire. Contrairement aux systèmes purement fédéraux, ce ne sont pas seulement les États-membres, mais aussi le peuple qui sont porteurs directs du pouvoir étatique (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 5 N 2).\n\n### b) « Cantons »\n\n**N. 7** Les 26 cantons énumérés nommément sont les membres constitutifs de l'État fédéral. Leur énumération explicite a une signification constitutive : seules les collectivités territoriales mentionnées sont des cantons au sens du droit constitutionnel (BSK BV-Waldmann/Belser/Epiney, 2e éd. 2024, art. 1 N. 12).\n\n**N. 8** Les demi-cantons (Bâle-Ville/Bâle-Campagne, Appenzell Rhodes-Extérieures/Rhodes-Intérieures, Obwald/Nidwald) sont énumérés individuellement et sont des cantons à part entière. La notion de « demi-canton » est obsolète depuis 1999 ; l'art. 142 al. 4 Cst. parle de manière neutre de « cantons » (**ATF 130 I 185** consid. 2.2).\n\n### c) « forment »\n\n**N. 9** Le verbe « forment » exprime la constitution continue de l'État fédéral. La Confédération n'existe pas indépendamment de ses membres, mais est formée par la coopération permanente du peuple et des cantons (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution fédérale, 2003, art. 1 N. 4).\n\n### d) « Confédération suisse »\n\n**N. 10** La Confédération suisse est la dénomination officielle de l'État fédéral. Elle est sujet de droit international et détentrice du pouvoir étatique au niveau fédéral. La dénomination latine « Confoederatio Helvetica » (CH) et les formes romanches sont équivalentes (Tschannen, Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5e éd. 2021, § 1 N 3).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 1 Cst. fonde la personnalité juridique de la Confédération suisse. Celle-ci est habilitée à créer des droits et obligations, à acquérir des biens et à ester en justice. En tant qu'État fédéral, elle jouit de privilèges particuliers vis-à-vis des cantons, notamment l'exemption d'impôts et de redevances cantonaux (TC Lucerne du 25.11.1992, in : SJZ 1993, 283).\n\n**N. 12** L'énumération nominative des cantons a un caractère constitutif. Une modification de l'existence des cantons exige impérativement une révision de l'art. 1 Cst. Ceci vaut pour :\n- La réunion de cantons (**ATF 94 I 525**)\n- La division de cantons\n- La fondation de nouveaux cantons\n- La suppression de cantons\n\n**N. 13** La mention commune du peuple et des cantons fonde le principe dualiste de la démocratie suisse. Pour les modifications constitutionnelles, l'approbation du peuple (majorité du peuple) et des cantons (majorité des cantons) est requise (→ art. 140 Cst.). Cette exigence de la double majorité est une conséquence directe de la structure ancrée dans l'art. 1 Cst. (Biaggini, BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 1 N. 5).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Nature juridique de l'énumération** : Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 883) qualifient l'énumération des cantons de constitutive. Ehrenzeller (St. Galler Kommentar, art. 1 N. 8) soutient au contraire que l'énumération a un caractère primordial déclaratoire, car les cantons existaient déjà avant la Constitution fédérale. La doctrine dominante suit la théorie constitutive, car la position de droit constitutionnel des cantons n'est fondée que par l'art. 1 Cst. (ainsi aussi Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 5 N 8).\n\n**N. 15** **Rapport de tension peuple/cantons** : Aubert (Le fédéralisme suisse, 2e éd. 1991, p. 42) souligne l'égalité de rang du peuple et des cantons en tant que pouvoirs constituants. Schindler (Verfassungsrecht und soziale Struktur, 4e éd. 1971, p. 98) voit en revanche un rapport de tension latent, car le peuple en tant qu'ensemble incarnerait des tendances unitaires. La doctrine récente (Waldmann, in : BSK BV, art. 1 N. 15) comprend les deux éléments comme complémentaires.\n\n**N. 16** **Confédération vs. État fédéral** : Kälin (Die Bundesverfassung vom 18. April 1999, ZBl 2000, p. 1, 8) préfère le terme « État fédéral » comme abréviation. Tschannen (Staatsrecht, § 1 N 4) objecte que « Confédération » est la dénomination constitutionnelle et exprime la continuité historique. En pratique, les deux notions sont utilisées de manière synonyme.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** En cas de modifications territoriales entre cantons, l'art. 1 Cst. n'est pas concerné, tant que l'existence des cantons reste inchangée (→ art. 53 al. 3 Cst.). Ce n'est qu'en cas de modifications de l'existence des cantons qu'une révision de l'art. 1 Cst. devient nécessaire.\n\n**N. 18** Pour la pratique des autorités fédérales, l'art. 1 Cst. est pertinent pour :\n- Les traités de droit international (désignation de la partie contractante)\n- Les délimitations de compétences entre la Confédération et les cantons\n- Les exemptions fiscales de la Confédération dans les cantons\n- Les procédures lors de réunions ou divisions de cantons\n\n**N. 19** L'ordre officiel des cantons selon l'art. 1 Cst. est contraignant dans les questions protocolaires, notamment pour l'ordre des places au Conseil des États ou lors d'événements officiels (Règlement du Conseil des États du 20 juin 2003, art. 3).", "caselaw_fr": "# Art. 1 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Formation de nouveaux cantons et réunification\n\n**ATF 61 I 166** du 21 juin 1935\nInitiative sur la réunification des cantons de Bâle-Ville et Bâle-Campagne.\nPertinence: Arrêt fondamental sur l'interprétation de la structure fédérale de la Confédération et sur les possibilités de modification du territoire cantonal.\n\n> «La réunification des deux demi-cantons a pour conséquence que l'organisation étatique actuelle de Bâle-Campagne est dissoute, le territoire et le peuple devenant parties intégrantes d'une association étatique plus grande à constituer. [...] La réserve contenue dans cet arrêté exprime que la séparation des deux Bâle, qui appartiennent ensemble historiquement, géographiquement, économiquement et culturellement, fut une grande erreur politique et que la réunification (volontaire) est à rechercher, notamment aussi du point de vue de la Confédération, comme d'ailleurs l'art. 1 Cst. conçoit le canton de Bâle, du moins dans l'idée (sinon dans la réalité de droit public), comme subsistant.»\n\n### Répartition fédérale des compétences\n\n**ATF 125 II 152** du 23 février 1999\nDélimitation des compétences fédérales et cantonales pour l'autorisation des appareils automatiques à sous.\nPertinence: Confirme le principe de la compétence résiduelle cantonale au sein de l'ordre fédéral selon l'art. 1 Cst.\n\n> «Il n'existe aucun droit des cantons à la poursuite de la pratique antérieure d'homologation des appareils automatiques à sous par l'Office fédéral de la police. Le Conseil fédéral n'a pas empiété sur la compétence cantonale en édictant l'ordonnance fédérale sur les appareils automatiques à sous.»\n\n**ATF 122 I 70** du 22 février 1996\nCompétences cantonales pour les restrictions au décollage et à l'atterrissage en deltaplane.\nPertinence: Réaffirme l'importance de la répartition fédérale des tâches entre les cantons constitués à l'art. 1 Cst. et la Confédération.\n\n> «L'art. 37ter Cst. donne à la Confédération une compétence étendue, mais non exclusive dans le domaine de la navigation aérienne. Les cantons restent compétents pour les questions de droit que la Confédération n'a pas réglées de manière exhaustive.»\n\n### Continuité de l'État fédéral\n\n**ATF 133 I 206** du 1er juin 2007\nConstitutionnalité des tarifs fiscaux dégressifs obwaldiens.\nPertinence: Illustre l'autonomie persistante des cantons dans le système fédéral de la Confédération.\n\n> «Principe de la primauté du droit fédéral (art. 49 al. 1 Cst.). Autonomie tarifaire des cantons. Les principes d'imposition relèvent en premier lieu du droit fédéral, mais les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable dans l'aménagement de leurs systèmes fiscaux.»", "summary_it": "# Art. 1 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 1 Cost. è il primo e più fondamentale articolo della Costituzione federale. Stabilisce che il Popolo svizzero insieme ai 26 Cantoni nominativamente elencati formano la Confederazione Svizzera. Questa disposizione definisce la struttura dello Stato federale svizzero.\n\nI 26 Cantoni sono enumerati in ordine storico della loro adesione alla Confederazione. Zurigo, Berna e Lucerna appartengono ai membri più antichi, mentre il Giura come Cantone più recente è entrato a farne parte nel 1979. Ogni Cantone ha pari diritti, anche quelli più piccoli come Obvaldo o Appenzello Interno.\n\nL'art. 1 Cost. ha importanti conseguenze giuridiche: la Confederazione Svizzera diventa così persona giuridica. Può concludere contratti, possedere proprietà e comparire in giudizio. Secondo la giurisprudenza, è esente da imposte e tasse cantonali (TG Lucerna, SJZ 1993, 283).\n\nL'enumerazione dei Cantoni è vincolante. Se si vuole modificare la composizione cantonale - ad esempio tramite l'unione di due Cantoni - deve essere modificato l'art. 1 Cost. Ciò è stato confermato dal Tribunale federale nelle discussioni su una riunificazione delle due Basilea (DTF 94 I 525).\n\nUn esempio concreto: se il Canton Basilea Città e Basilea Campagna volessero unirsi, dovrebbe aver luogo una votazione popolare sulla modifica costituzionale. Servirebbero sia la maggioranza del popolo sia la maggioranza dei Cantoni - cioè l'approvazione della maggioranza dei Cantoni. Solo allora nell'art. 1 Cost. potrebbe esserci invece di \"Basilea Città e Basilea Campagna\" soltanto \"Basilea\".\n\nLa formulazione \"Il Popolo svizzero e i Cantoni... formano\" mostra il carattere particolare della Svizzera: sia i cittadini e le cittadine sia i Cantoni sono titolari del potere statale. Ciò distingue la Svizzera da altri Stati federali e fonda il sistema della doppia maggioranza nelle modifiche costituzionali.", "doctrine_it": "# Art. 1 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 1 Cost. risale alla fondazione dello Stato federale del 1848. La Costituzione federale del 12 settembre 1848 elencò per la prima volta i 22 Cantoni nell'art. 1 (Messaggio sulla Costituzione federale 1848, FF 1848 I 1seg.). Nella revisione totale del 1874 l'elenco fu mantenuto. Il Giura come 23° Cantone fu inserito nell'art. 1 Cost. dopo la votazione del 24 settembre 1978 (FF 1977 III 227).\n\n**N. 2** La versione attuale proviene dalla revisione totale del 1999 (Messaggio sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996, FF 1997 I 1seg., 133). L'ordine dei Cantoni segue la loro data di adesione alla Confederazione, ad eccezione dei tre Cantoni primitivi, che sono ordinati alfabeticamente. Questo ordine storico è stato mantenuto per rispetto della tradizione (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo alla Cost., 4ª ed. 2023, art. 1 N. 3).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 1 Cost. forma insieme agli art. 2 (scopo) e 3 (Cantoni) i fondamenti dello Stato federale. La disposizione costituisce la Confederazione Svizzera come Stato federale e definisce la sua composizione territoriale (→ art. 53 Cost. per la garanzia dell'esistenza dei Cantoni).\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata con:\n- → art. 3 Cost. (sovranità dei Cantoni)\n- → art. 5a Cost. (sussidiarietà)\n- ↔ art. 42–47 Cost. (ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni)\n- → art. 53 Cost. (esistenza e territorio dei Cantoni)\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### a) «Popolo svizzero»\n\n**N. 5** Il concetto di «popolo svizzero» designa la totalità dei cittadini svizzeri indipendentemente dal loro domicilio (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale federale svizzero, 10ª ed. 2020, N 882). Il popolo svizzero è insieme ai Cantoni portatore del potere costituente (pouvoir constituant).\n\n**N. 6** La menzione del popolo svizzero sottolinea il doppio carattere della Svizzera come Stato federale e popolare. A differenza dei sistemi puramente federali, non solo gli Stati membri, ma anche il popolo sono portatori diretti del potere statale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, § 5 N 2).\n\n### b) «Cantoni»\n\n**N. 7** I 26 Cantoni elencati nominativamente sono i membri costitutivi dello Stato federale. Il loro elenco esplicito ha significato costitutivo: solo gli enti territoriali menzionati sono Cantoni nel senso del diritto costituzionale (BSK Cost.-Waldmann/Belser/Epiney, 2ª ed. 2024, art. 1 N. 12).\n\n**N. 8** I semicantoni (Basilea Città/Basilea Campagna, Appenzello Esterno/Appenzello Interno, Obvaldo/Nidvaldo) sono elencati singolarmente e sono Cantoni a pieno titolo. Il concetto di «semicantone» è obsoleto dal 1999; l'art. 142 cpv. 4 Cost. parla neutralmente di «Cantoni» (**DTF 130 I 185** consid. 2.2).\n\n### c) «formano»\n\n**N. 9** Il verbo «formano» esprime la costituzione continua dello Stato federale. La Confederazione non esiste indipendentemente dai suoi membri, ma è formata dalla cooperazione permanente di popolo e Cantoni (Aubert/Mahon, Piccolo commentario della Costituzione federale, 2003, art. 1 N. 4).\n\n### d) «Confederazione Svizzera»\n\n**N. 10** La Confederazione Svizzera è la denominazione ufficiale dello Stato federale. Essa è soggetto di diritto internazionale e portatrice del potere statale a livello federale. La denominazione latina «Confoederatio Helvetica» (CH) e le forme romanze sono equivalenti (Tschannen, Diritto costituzionale della Confederazione Svizzera, 5ª ed. 2021, § 1 N 3).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 1 Cost. fonda la personalità giuridica della Confederazione Svizzera. Questa è autorizzata a creare diritti e obblighi, ad acquisire patrimonio e a comparire in giudizio. Come Stato federale gode di privilegi particolari nei confronti dei Cantoni, come l'esenzione da imposte e tasse cantonali (Tribunale amministrativo di Lucerna del 25.11.1992, in: SJZ 1993, 283).\n\n**N. 12** L'elenco nominativo dei Cantoni ha carattere costitutivo. Una modifica dello stato dei Cantoni richiede obbligatoriamente una revisione dell'art. 1 Cost. Ciò vale per:\n- Fusione di Cantoni (**DTF 94 I 525**)\n- Divisione di Cantoni\n- Fondazione di nuovi Cantoni\n- Soppressione di Cantoni\n\n**N. 13** La menzione comune di popolo e Cantoni fonda il principio dualistico della democrazia svizzera. Per le modifiche costituzionali è richiesto il consenso del popolo (maggioranza del popolo) e dei Cantoni (maggioranza dei Cantoni) (→ art. 140 Cost.). Questo requisito della doppia maggioranza è conseguenza diretta della struttura ancorata nell'art. 1 Cost. (Biaggini, Commentario Cost., 2ª ed. 2017, art. 1 N. 5).\n\n## 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 14** **Natura giuridica dell'elenco**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto costituzionale federale, N 883) qualificano l'elenco dei Cantoni come costitutivo. Ehrenzeller (Commentario di San Gallo, art. 1 N. 8) sostiene invece che l'elenco abbia carattere primariamente dichiarativo, poiché i Cantoni esistevano già prima della Costituzione federale. La dottrina prevalente segue la teoria costitutiva, poiché la posizione costituzionale dei Cantoni è fondata solo dall'art. 1 Cost. (così anche Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale, § 5 N 8).\n\n**N. 15** **Rapporto di tensione popolo/Cantoni**: Aubert (Il federalismo svizzero, 2ª ed. 1991, p. 42) sottolinea la parità di rango di popolo e Cantoni come poteri costituenti. Schindler (Diritto costituzionale e struttura sociale, 4ª ed. 1971, p. 98) vede invece un rapporto di tensione latente, poiché il popolo come totalità incarnerebbe tendenze unitarie. La dottrina più recente (Waldmann, in: BSK Cost., art. 1 N. 15) intende entrambi gli elementi come complementari.\n\n**N. 16** **Confederazione vs. Confederazione**: Kälin (La Costituzione federale del 18 aprile 1999, ZBl 2000, p. 1, 8) preferisce il termine «Confederazione» come abbreviazione. Tschannen (Diritto costituzionale, § 1 N 4) obietta che «Confederazione» sia la denominazione costituzionale ed esprima la continuità storica. Nella prassi entrambi i concetti sono usati come sinonimi.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** In caso di cambiamenti territoriali tra Cantoni l'art. 1 Cost. non è interessato, finché l'esistenza dei Cantoni rimane invariata (→ art. 53 cpv. 3 Cost.). Solo in caso di modifiche dello stato dei Cantoni diventa necessaria una revisione dell'art. 1 Cost.\n\n**N. 18** Per la prassi delle autorità federali l'art. 1 Cost. è rilevante per:\n- Trattati di diritto internazionale (denominazione della parte contrattuale)\n- Delimitazioni di competenza tra Confederazione e Cantoni\n- Esenzioni fiscali della Confederazione nei Cantoni\n- Procedure per fusioni o divisioni di Cantoni\n\n**N. 19** L'ordine ufficiale dei Cantoni secondo l'art. 1 Cost. è vincolante nelle questioni di protocollo, ad esempio per l'ordine dei posti al Consiglio degli Stati o in occasioni ufficiali (Regolamento del Consiglio degli Stati del 20 giugno 2003, art. 3).", "caselaw_it": "# Art. 1 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Nuova formazione e riunificazione cantonale\n\n**DTF 61 I 166** del 21 giugno 1935\nIniziativa per la riunificazione dei Cantoni Basilea Città e Basilea Campagna.\nRilevanza: Decisione fondamentale per l'interpretazione della struttura federale della Confederazione e per le possibilità di modifica dei territori cantonali.\n\n> «La riunificazione dei due semicantoni comporta che l'organizzazione statale finora esistente di Basilea-Campagna viene sciolta, diventando territorio e popolazione parte costitutiva di una più ampia comunità statale da costituire. [...] La riserva contenuta in questa decisione esprime che la separazione delle due Basilea, che appartengono insieme storicamente, geograficamente, economicamente e culturalmente, è stato un grave errore politico e che la riunificazione (volontaria) deve essere perseguita, segnatamente anche dal punto di vista della Confederazione, come del resto anche nell'art. 1 Cost. il Cantone Basilea è concepito come perdurante, almeno nell'idea (se anche non nella realtà di diritto costituzionale).»\n\n### Ripartizione delle competenze federali\n\n**DTF 125 II 152** del 23 febbraio 1999\nDelimitazione delle competenze federali e cantonali nell'autorizzazione degli apparecchi automatici da gioco a moneta.\nRilevanza: Conferma il principio della competenza residua cantonale all'interno dell'ordinamento federale secondo l'art. 1 Cost.\n\n> «Non sussiste alcun diritto dei Cantoni alla continuazione della prassi finora seguita di omologazione degli apparecchi automatici da gioco a moneta da parte dell'Ufficio federale di polizia. Il Consiglio federale, emanando l'ordinanza federale sugli apparecchi automatici da gioco a moneta, non è intervenuto nella competenza cantonale.»\n\n**DTF 122 I 70** del 22 febbraio 1996 \nCompetenze cantonali per limitazioni del decollo e atterraggio con deltaplani.\nRilevanza: Riconferma l'importanza della ripartizione federale dei compiti tra i Cantoni costituiti nell'art. 1 Cost. e la Confederazione.\n\n> «L'art. 37ter Cost. attribuisce alla Confederazione una competenza completa, ma non esclusiva nel campo dell'aviazione. I Cantoni rimangono competenti per questioni di diritto che la Confederazione non ha disciplinato in modo definitivo.»\n\n### Continuità federale\n\n**DTF 133 I 206** del 1° giugno 2007\nCostituzionalità delle tariffe fiscali degressive di Obvaldo.\nRilevanza: Chiarisce l'autonomia perdurante dei Cantoni nel sistema federale della Confederazione.\n\n> «Principio della prevalenza del diritto federale (art. 49 cpv. 1 Cost.). Autonomia tariffaria dei Cantoni. I principi di imposizione sono primariamente materia del diritto federale, tuttavia i Cantoni dispongono di un considerevole margine di manovra nell'organizzazione dei loro sistemi fiscali.»", "summary_en": "# Art. 1 FC — Overview\n\nArt. 1 FC is the first and most fundamental article of the Federal Constitution. It establishes that the Swiss people together with the 26 cantons listed by name form the Swiss Confederation. This provision defines the structure of the Swiss federal state.\n\nThe 26 cantons are enumerated in historical order of their accession to the Confederation. Zurich, Bern and Lucerne are among the oldest members, while Jura joined as the youngest canton in 1979. Each canton has equal rights, including the smaller ones such as Obwalden or Appenzell Inner Rhodes.\n\nArt. 1 FC has important legal consequences: The Swiss Confederation thereby becomes a legal person. It can conclude contracts, own property and appear before courts. According to case law, it is exempt from cantonal taxes and fees (OG Lucerne, SJZ 1993, 283).\n\nThe enumeration of the cantons is binding. If one wishes to change the composition of cantons - for example through the merger of two cantons - Art. 1 FC must be amended. This was confirmed by the Federal Supreme Court in discussions about a reunification of the two Basel cantons (BGE 94 I 525).\n\nA concrete example: If the Canton of Basel-City and Basel-Country wished to merge, a popular vote on the constitutional amendment would have to take place. This would require both the popular majority and the majority of the cantons - i.e. the approval of the majority of the cantons. Only then could Art. 1 FC read \"Basel\" instead of \"Basel-City and Basel-Country\".\n\nThe formulation \"The Swiss people and the cantons... form\" shows the special character of Switzerland: Both the citizens and the cantons are bearers of state authority. This distinguishes Switzerland from other federal states and establishes the system of double majority for constitutional amendments.", "doctrine_en": "# Art. 1 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 1 FC dates back to the founding of the federal state in 1848. The Federal Constitution of 12 September 1848 first listed the 22 cantons in Art. 1 (Message on the Federal Constitution 1848, BBl 1848 I 1ff.). The enumeration was retained during the total revision of 1874. Jura as the 23rd canton was inserted into Art. 1 FC following the successful referendum of 24 September 1978 (BBl 1977 III 227).\n\n**N. 2** The current version stems from the total revision of 1999 (Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996, BBl 1997 I 1ff., 133). The order of the cantons follows their date of accession to the Confederation, with the exception of the three founding cantons, which are ordered alphabetically. This historical order was retained out of respect for tradition (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 1 N. 3).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 1 FC forms the foundations of the federal state together with Art. 2 (purpose) and Art. 3 (cantons). The provision constitutes the Swiss Confederation as a federal state and defines its territorial composition (→ Art. 53 FC for guarantee of cantonal existence).\n\n**N. 4** The provision is closely connected with:\n- → Art. 3 FC (sovereignty of the cantons)\n- → Art. 5a FC (subsidiarity)\n- ↔ Art. 42–47 FC (division of tasks between Confederation and cantons)\n- → Art. 53 FC (existence and territory of the cantons)\n\n## 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n### a) «Swiss People»\n\n**N. 5** The term «Swiss people» refers to all Swiss citizens regardless of their place of residence (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 882). The Swiss people, together with the cantons, is the bearer of constituent power (pouvoir constituant).\n\n**N. 6** The mention of the Swiss people underscores the dual character of Switzerland as both a federal and popular state. Unlike in purely federal systems, not only the member states but also the people are direct bearers of state power (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, § 5 N 2).\n\n### b) «Cantons»\n\n**N. 7** The 26 cantons listed by name are the constituent members of the federal state. Their explicit enumeration has constitutive significance: Only the named territorial entities are cantons in the constitutional sense (BSK FC-Waldmann/Belser/Epiney, 2nd ed. 2024, Art. 1 N. 12).\n\n**N. 8** The half-cantons (Basel-Stadt/Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden/Innerrhoden, Obwalden/Nidwalden) are listed individually and are full cantons. The term «half-canton» has been obsolete since 1999; Art. 142 para. 4 FC speaks neutrally of «cantons» (**BGE 130 I 185** E. 2.2).\n\n### c) «form»\n\n**N. 9** The verb «form» expresses the continuous constitution of the federal state. The Confederation does not exist independently of its members, but is formed through the ongoing cooperation of people and cantons (Aubert/Mahon, Short Commentary on the Federal Constitution, 2003, Art. 1 N. 4).\n\n### d) «Swiss Confederation»\n\n**N. 10** The Swiss Confederation is the official designation of the federal state. It is a subject of international law and bearer of state power at the federal level. The Latin designation «Confoederatio Helvetica» (CH) and the Romance forms are equivalent (Tschannen, Constitutional Law of the Swiss Confederation, 5th ed. 2021, § 1 N 3).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 1 FC establishes the legal personality of the Swiss Confederation. It is authorized to create rights and obligations, acquire property and appear before courts. As a federal state, it enjoys special privileges vis-à-vis the cantons, such as exemption from cantonal taxes and levies (Higher Court of Lucerne of 25.11.1992, in: SJZ 1993, 283).\n\n**N. 12** The listing of cantons by name has constitutive character. A change in the composition of cantons mandatorily requires a revision of Art. 1 FC. This applies to:\n- Merger of cantons (**BGE 94 I 525**)\n- Division of cantons\n- Creation of new cantons\n- Abolition of cantons\n\n**N. 13** The joint mention of people and cantons establishes the dualistic principle of Swiss democracy. Constitutional amendments require the consent of the people (popular majority) and the cantons (majority of cantons) (→ Art. 140 FC). This requirement of a double majority is a direct consequence of the structure anchored in Art. 1 FC (Biaggini, FC Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 1 N. 5).\n\n## 5. Doctrinal Disputes\n\n**N. 14** **Legal nature of the enumeration**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Federal Constitutional Law, N 883) qualify the enumeration of cantons as constitutive. Ehrenzeller (St. Gallen Commentary, Art. 1 N. 8) argues, by contrast, that the enumeration has primarily declaratory character, since the cantons already existed before the Federal Constitution. The prevailing doctrine follows the constitutive theory, since the constitutional position of the cantons is first established by Art. 1 FC (also Rhinow/Schefer/Uebersax, Constitutional Law, § 5 N 8).\n\n**N. 15** **Tension between people/cantons**: Aubert (Swiss Federalism, 2nd ed. 1991, p. 42) emphasizes the equal status of people and cantons as constituent powers. Schindler (Constitutional Law and Social Structure, 4th ed. 1971, p. 98) sees a latent tension, however, since the people as a whole embodies unitary tendencies. Recent doctrine (Waldmann, in: BSK FC, Art. 1 N. 15) understands both elements as complementary.\n\n**N. 16** **Confederation vs. Federation**: Kälin (The Federal Constitution of 18 April 1999, ZBl 2000, p. 1, 8) prefers the term «Federation» as a short designation. Tschannen (Constitutional Law, § 1 N 4) objects that «Confederation» is the constitutional designation and expresses historical continuity. In practice, both terms are used synonymously.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 17** In case of territorial changes between cantons, Art. 1 FC is not affected as long as the existence of the cantons remains unchanged (→ Art. 53 para. 3 FC). Only changes in the composition of cantons make a revision of Art. 1 FC necessary.\n\n**N. 18** For the practice of federal authorities, Art. 1 FC is relevant for:\n- International treaties (designation of contracting party)\n- Delimitation of powers between Confederation and cantons\n- Tax exemptions of the Confederation in the cantons\n- Procedures for cantonal mergers or divisions\n\n**N. 19** The official order of cantons according to Art. 1 FC is binding in matters of protocol, such as seating arrangements in the Council of States or at official events (Rules of the Council of States of 20 June 2003, Art. 3).", "caselaw_en": "# Art. 1 FC\n\n## Case Law\n\n### Formation of New Cantons and Reunification\n\n**BGE 61 I 166** of 21 June 1935\nInitiative for the reunification of the cantons of Basel-Stadt and Basel-Landschaft.\nRelevance: Fundamental decision on the interpretation of the federal structure of the Confederation and on the possibilities for changes to cantonal territory.\n\n> «The reunification of the two half-cantons has the consequence that the existing state organisation of Basel-Land is dissolved, as its territory and people become part of a larger state association to be established. [...] The reservation contained in this decision expresses that the separation of the two Basel cantons, which belong together historically, geographically, economically and culturally, was a major political error and that (voluntary) reunification is to be strived for, particularly from the standpoint of the Confederation, as indeed Art. 1 FC also envisages the canton of Basel as continuing to exist, at least in idea (if not in constitutional reality).»\n\n### Federal Division of Powers\n\n**BGE 125 II 152** of 23 February 1999\nDelimitation of federal and cantonal powers in the licensing of gaming machines.\nRelevance: Confirms the principle of residual cantonal powers within the federal order under Art. 1 FC.\n\n> «The cantons have no entitlement to continuation of the previous practice of homologation of gaming machines by the Federal Office of Police. The Federal Council, by enacting the federal gaming machine ordinance, did not encroach upon cantonal jurisdiction.»\n\n**BGE 122 I 70** of 22 February 1996\nCantonal jurisdiction for restrictions on taking off and landing with hang gliders.\nRelevance: Reaffirms the importance of the federal division of tasks between the cantons constituted in Art. 1 FC and the Confederation.\n\n> «Art. 37ter FC gives the Confederation comprehensive, but not exclusive, jurisdiction in the field of aviation. The cantons remain competent for legal questions that the Confederation has not conclusively regulated.»\n\n### Federal State Continuity\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007\nConstitutionality of Obwalden's degressive tax rates.\nRelevance: Clarifies the continuing independence of the cantons in the federal system of the Confederation.\n\n> «Principle of the primacy of federal law (Art. 49 para. 1 FC). Tax rate autonomy of the cantons. Taxation principles are primarily a matter of federal law, but the cantons have considerable scope for discretion in designing their tax systems.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_1", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 2, "article_suffix": "", "title": "Zweck", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 2 — Zweck\n\n## Übersicht\n\nArt. 2 BV legt die Hauptziele des Schweizer Staates fest. Er erklärt, wofür die Schweiz als Land und Gemeinschaft da ist.\n\n**Was regelt die Bestimmung?** Art. 2 BV nennt vier wichtige Aufgaben des Staates: Er soll die Menschen schützen (Absatz 1), ihr Wohlbefinden fördern (Absatz 2), für faire Chancen sorgen (Absatz 3) und die Umwelt sowie den Frieden bewahren (Absatz 4).\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Menschen in der Schweiz profitieren von diesen Staatszielen. Der Staat — also Bund, Kantone und Gemeinden — muss diese Ziele bei all seinem Handeln berücksichtigen.\n\n**Welche Rechtsfolgen hat das?** Die Staatsziele schaffen keine direkten Rechte für Einzelpersonen. Man kann nicht vor Gericht gehen und sagen: «Der Staat verletzt Art. 2 BV!» Aber die Ziele helfen dabei, andere Gesetze richtig auszulegen und staatliche Entscheidungen zu begründen.\n\n**Beispiel:** Eine Gemeinde plant den Bau einer neuen Strasse. Sie muss dabei verschiedene Ziele abwägen: Schutz der Anwohner vor Lärm (Absatz 1), wirtschaftlicher Nutzen für alle (Absatz 2), gleiche Verkehrserschliessung für alle Quartiere (Absatz 3) und Schutz von Bäumen und Grünflächen (Absatz 4). Art. 2 BV hilft dabei, die beste Lösung zu finden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 2 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 neu eingeführt. Die alte Bundesverfassung von 1874 enthielt keinen expliziten Zweckartikel. Die Verfassungsgebende Versammlung sah die Notwendigkeit, die Staatszwecke in einem eigenen Artikel zu verankern (BBl 1997 I 1).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betont, dass Art. 2 BV die fundamentalen Staatsziele der Schweizerischen Eidgenossenschaft normiert: «Der Zweckartikel umschreibt die grundlegenden Ziele, welche die Schweizerische Eidgenossenschaft mit ihrem staatlichen Handeln verfolgt. Er konkretisiert das Gemeinwohl und gibt dem Staat eine programmatische Ausrichtung» (BBl 1997 I 141).\n\n**N. 3** Die vier Absätze des Art. 2 BV wurden bewusst als umfassender Katalog der Staatszwecke konzipiert. Jeder Absatz adressiert eine andere Dimension staatlichen Handelns: Schutzfunktion (Abs. 1), Wohlfahrtsfunktion (Abs. 2), Gerechtigkeitsfunktion (Abs. 3) und Nachhaltigkeitsfunktion (Abs. 4) (BBl 1997 I 141f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 2 BV steht am Anfang des ersten Titels «Allgemeine Bestimmungen» und bildet zusammen mit Art. 1 BV (Schweizerische Eidgenossenschaft) und Art. 3 BV (Kantone) die verfassungsrechtlichen Grundlagen des schweizerischen Bundesstaates. → Art. 1 BV, → Art. 3 BV\n\n**N. 5** Die Staatsziele des Art. 2 BV konkretisieren sich in den nachfolgenden Verfassungsbestimmungen: Die Grundrechte (Art. 7–36 BV) verwirklichen den Schutz der Freiheit und Rechte (Abs. 1), die Sozialziele (Art. 41 BV) konkretisieren die gemeinsame Wohlfahrt (Abs. 2), das Diskriminierungsverbot (Art. 8 BV) sichert die Chancengleichheit (Abs. 3), und die Umweltnormen (Art. 73–80 BV) dienen der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (Abs. 4). ↔ Art. 8 BV, ↔ Art. 41 BV, → Art. 73 BV\n\n**N. 6** Im Gegensatz zu den Sozialzielen des Art. 41 BV, die explizit als nicht justiziabel deklariert werden, enthält Art. 2 BV keinen solchen Vorbehalt. Dennoch haben beide Bestimmungen programmatischen Charakter (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 185).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Absatz 1: Schutzfunktion\n\n**N. 7** Die «Freiheit und die Rechte des Volkes» umfassen sämtliche in der Verfassung garantierten Grundrechte sowie die politischen Rechte. Der Begriff «Volk» bezeichnet die Gesamtheit der Stimmberechtigten, wobei der Grundrechtsschutz allen Menschen zukommt (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 2 N 8).\n\n**N. 8** «Unabhängigkeit und Sicherheit» beziehen sich sowohl auf die äussere Souveränität als auch auf die innere Sicherheit. Die Unabhängigkeit betrifft die staatliche Souveränität gegenüber anderen Staaten, während die Sicherheit den Schutz vor inneren und äusseren Bedrohungen umfasst (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 450).\n\n#### Absatz 2: Wohlfahrtsfunktion\n\n**N. 9** Die «gemeinsame Wohlfahrt» ist ein offener Begriff, der das materielle und immaterielle Wohl der Gesamtbevölkerung umfasst. Er legitimiert staatliche Interventionen zur Förderung des Gemeinwohls, einschliesslich wirtschafts- und sozialpolitischer Massnahmen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 2 N 15).\n\n**N. 10** «Nachhaltige Entwicklung» verlangt eine ausgewogene Berücksichtigung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Anliegen unter Einbezug künftiger Generationen. Der Begriff entspricht dem internationalen Verständnis gemäss Brundtland-Bericht (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 42).\n\n**N. 11** Der «innere Zusammenhalt» zielt auf den sozialen Frieden und die Solidarität zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Regionen und Sprachgemeinschaften. Die «kulturelle Vielfalt» anerkennt und schützt die Mehrsprachigkeit und kulturelle Heterogenität der Schweiz (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 13).\n\n#### Absatz 3: Gerechtigkeitsfunktion\n\n**N. 12** «Chancengleichheit» bedeutet nicht Ergebnisgleichheit, sondern gleiche Ausgangsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Der Staat soll strukturelle Benachteiligungen abbauen, ohne eine vollständige Gleichstellung zu garantieren (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 189).\n\n**N. 13** Der Begriff «Bürgerinnen und Bürger» ist weit auszulegen und umfasst alle in der Schweiz lebenden Menschen, nicht nur Schweizer Staatsangehörige. Eine enge Auslegung würde dem universellen Charakter der Chancengleichheit widersprechen (Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 20).\n\n#### Absatz 4: Nachhaltigkeitsfunktion\n\n**N. 14** Die «natürlichen Lebensgrundlagen» umfassen Luft, Wasser, Boden, Biodiversität und Klima. Die «dauerhafte Erhaltung» verlangt einen schonenden Umgang mit Ressourcen und präventiven Umweltschutz (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 455).\n\n**N. 15** Die «friedliche und gerechte internationale Ordnung» verpflichtet die Schweiz zu aktivem Engagement in internationalen Organisationen, zur Einhaltung des Völkerrechts und zur Förderung von Frieden, Menschenrechten und Entwicklungszusammenarbeit (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 18).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 16** Art. 2 BV begründet grundsätzlich keine unmittelbaren subjektiven Rechte. Private können sich nicht direkt auf die Staatsziele berufen, um individuelle Ansprüche durchzusetzen (**BGE 136 I 265**). Die Bestimmung ist programmatischer Natur.\n\n**N. 17** Die Staatsziele entfalten ihre Wirkung primär als **Auslegungshilfe** bei der Konkretisierung anderer Verfassungsbestimmungen. Bei mehreren Auslegungsmöglichkeiten ist jene zu wählen, die den Staatszielen am besten entspricht (**BGE 143 I 194**).\n\n**N. 18** Als **Legitimationsgrundlage** rechtfertigen die Staatsziele staatliches Handeln, sofern spezifische Kompetenznormen vorhanden sind. Sie können aber keine neuen Staatskompetenzen begründen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 4 N 15).\n\n**N. 19** Die Staatsziele wirken als **Schranken-Schranken** bei Grundrechtseingriffen. Massnahmen, die den Staatszielen fundamental widersprechen, können nicht im öffentlichen Interesse liegen (Müller/Schefer, S. 43).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 20** **Justiziabilität**: Während die herrschende Lehre die fehlende Justiziabilität betont (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 185; Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 25), vertreten Müller/Schefer (S. 44) eine differenziertere Position: In Extremfällen könne eine Verletzung der Staatsziele gerügt werden, wenn staatliches Handeln diesen diametral zuwiderlaufe.\n\n**N. 21** **Adressatenkreis**: Umstritten ist, ob Art. 2 BV nur den Bund oder auch die Kantone verpflichtet. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Art. 2 N 5) bejahen eine umfassende Bindung aller staatlichen Ebenen, während Rhinow/Schefer/Uebersax (N 458) primär den Bund als verpflichtet ansehen, da die Kantone eigene Zweckbestimmungen in ihren Verfassungen haben.\n\n**N. 22** **Verhältnis zu Art. 41 BV**: Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zwischen den Staatszielen und den Sozialzielen. Waldmann/Belser/Epiney (Art. 2 N 27) sehen Art. 41 BV als spezifische Konkretisierung von Art. 2 Abs. 2 BV, während Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (N 186) beide als eigenständige programmatische Normen mit unterschiedlicher Stossrichtung betrachten.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 23** Bei der **Gesetzesauslegung** sind die Staatsziele systematisch heranzuziehen. Unklare Gesetzesbestimmungen sind im Lichte der Staatsziele zu interpretieren. Dies gilt besonders bei Ermessensentscheidungen der Verwaltung.\n\n**N. 24** In der **Rechtsetzung** dienen die Staatsziele als Richtschnur für den Gesetzgeber. Neue Erlasse sollten in der Botschaft explizit darlegen, welchen Staatszielen sie dienen. Dies erleichtert die spätere Auslegung.\n\n**N. 25** Bei **Grundrechtskollisionen** helfen die Staatsziele bei der Gewichtung der betroffenen Interessen. Ein Grundrechtseingriff, der mehreren Staatszielen dient, hat bessere Chancen, als verhältnismässig beurteilt zu werden.\n\n**N. 26** Im **Verwaltungsverfahren** können Behörden die Staatsziele zur Begründung ihrer Entscheidungen heranziehen, müssen aber stets eine spezifische Rechtsgrundlage für ihr Handeln aufweisen. Die Staatsziele allein genügen nicht als Eingriffsgrundlage.\n\n**N. 27** Bei **internationalen Verträgen** ist zu prüfen, ob diese mit den Staatszielen vereinbar sind. Völkerrechtliche Verpflichtungen, die den Staatszielen zuwiderlaufen, sind kritisch zu hinterfragen, auch wenn Art. 190 BV ihre Massgeblichkeit anordnet. → Art. 190 BV", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Staatszwecke als Verfassungsprinzipien\n\n**BGE 133 I 206 E. 7.4** vom 1. Juni 2007 (Obwaldner Steuertarife)\nDie Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt gemäss Art. 2 Abs. 2 BV bringt den Sozialstaatsgedanke und die soziale Verantwortung des Gemeinwesens zum Ausdruck. Diese Ziele sind dem Begriff der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit inhärent und prägen die Ausgestaltung des Steuerrechts mit.\n\n> «In der Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt gemäss Art. 2 Abs. 2 BV kommt der Sozialstaatsgedanke und die soziale Verantwortung des Gemeinwesens zum Ausdruck. [...] Diese Ziele sind dem Begriff der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in Art. 127 Abs. 2 BV inhärent.»\n\n**BGE 115 Ia 277 E. 4b** vom 3. Mai 1989 (Medizinalpersonal im Koordinierten Sanitätsdienst)\nDie Zweckbestimmung von Art. 2 BV begründet keine eigenständige Kompetenz des Bundes. Die Verfassung kennt kein Sachgebiet der Gesamtverteidigung, weshalb dem Bund nur insoweit Gesetzgebungskompetenz zusteht, als sie ihm auf den einzelnen Teilgebieten durch die Verfassung übertragen ist.\n\n> «Die Zweckbestimmung von Art. 2 BV begründet jedoch keine Kompetenz des Bundes. Die Bundesverfassung kennt auch kein Sachgebiet der Gesamtverteidigung. Dem Bund steht daher auf dem Bereich der Gesamtverteidigung nur insoweit Gesetzgebungskompetenz zu, als sie ihm auf den einzelnen Teilgebieten durch die Verfassung übertragen worden ist.»\n\n### Demokratieprinzip und politische Rechte\n\n**BGE 147 I 194 E. 3.3** vom 1. Januar 2021 (Konzernverantwortungsinitiative)\nDas demokratische Prinzip aus Art. 2 Abs. 1 BV wird durch die Rechtsprechung zur Ständemehr-Regelung konkretisiert. Die Einschränkung der Stimmkraftgleichheit ist verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich.\n\n> «Die Beschwerdeführer rügen, die Ablehnung der Konzernverantwortungsinitiative aufgrund des Erfordernisses des Ständemehrs verstosse gegen die Grundprinzipien der Demokratie (Präambel der BV; Art. 2 Abs. 1 BV) sowie gegen den Grundsatz, dass alle Stimmenden die gleichen politischen Rechte haben.»\n\n### Chancengleichheit und Sozialstaatsprinzip\n\n**BGE 133 I 206 E. 7.4** vom 1. Juni 2007 (Obwaldner Steuertarife)\nDie Chancengleichheit als Staatsziel in Art. 2 Abs. 3 BV verpflichtet den Staat, durch sein Handeln keine ungleichen Chancen zu bewirken und ohnehin bestehende Ungleichheiten nicht zu verschärfen. Grundvoraussetzung für die persönliche und wirtschaftliche Entfaltung ist Solidarität zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten.\n\n> «Aus der Chancengleichheit als Staatsziel in Art. 2 Abs. 3 BV [...] lässt sich mindestens entnehmen, dass der Staat durch sein Handeln keine ungleichen Chancen bewirken soll und ohnehin bestehende Ungleichheiten nicht verschärfen darf.»\n\n### Nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz\n\n**Urteil A-5647/2016** vom 6. September 2018 (Kernenergie)\nDas Bundesverwaltungsgericht wendet Art. 2 Abs. 2 BV (nachhaltige Entwicklung) im Kontext der Kernenergie und der Stilllegungsfonds an. Die nachhaltige Entwicklung wird als Rechtfertigungsgrund für strenge Regulierung der Atomwirtschaft herangezogen.\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass sich der Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung in konkreten Vollzugsmassnahmen des Umwelt- und Energierechts niederschlägt.\n\n### Kulturelle Vielfalt\n\n**PB.2002.00038** vom 26. Februar 2003 (Verwaltungsgericht Zürich)\nIn arbeitsrechtlichen Streitigkeiten wird Art. 2 BV als Verfassungsgrundlage für den Schutz kultureller und sprachlicher Minderheiten im öffentlichen Dienst berücksichtigt. Die kulturelle Vielfalt als Staatsziel prägt die Auslegung des Arbeitsrechts im öffentlichen Sektor.\n\n### Rechtsstaatliche Ordnung\n\n**31 I 297** vom 11. Mai 1905 (Historisches BGE)\nBereits in der frühen Bundesgerichtspraxis wurde festgehalten, dass Art. 2 BV keine Garantie eines Individualrechts enthält, sondern eine objektive Staatszweckbestimmung darstellt. Diese Rechtsprechung prägt bis heute das Verständnis der Norm als Organisationsprinzip.\n\n> «Art. 2 BV enthält keine Garantie eines Individualrechts.»", "summary_fr": "# Art. 2 — But\n\n## Aperçu\n\nL'art. 2 Cst. définit les objectifs principaux de l'État suisse. Il explique pourquoi la Suisse existe en tant que pays et communauté.\n\n**Que règle cette disposition ?** L'art. 2 Cst. énonce quatre tâches importantes de l'État : il doit protéger les personnes (al. 1), promouvoir leur bien-être (al. 2), veiller à l'égalité des chances (al. 3) et préserver l'environnement ainsi que la paix (al. 4).\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes en Suisse bénéficient de ces objectifs étatiques. L'État — soit la Confédération, les cantons et les communes — doit tenir compte de ces objectifs dans toute son action.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Les objectifs étatiques ne créent pas de droits directs pour les particuliers. On ne peut pas aller devant un tribunal et dire : « L'État viole l'art. 2 Cst. ! » Mais les objectifs aident à interpréter correctement d'autres lois et à justifier les décisions étatiques.\n\n**Exemple :** Une commune planifie la construction d'une nouvelle route. Elle doit peser différents objectifs : protection des riverains contre le bruit (al. 1), utilité économique pour tous (al. 2), desserte équitable de tous les quartiers (al. 3) et protection des arbres et espaces verts (al. 4). L'art. 2 Cst. aide à trouver la meilleure solution.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 2 Cst. a été nouvellement introduit dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. L'ancienne Constitution fédérale de 1874 ne contenait pas d'article explicite sur les buts. L'Assemblée constituante a vu la nécessité d'ancrer les buts de l'État dans un article propre (FF 1997 I 1).\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale souligne que l'art. 2 Cst. norme les objectifs étatiques fondamentaux de la Confédération suisse : « L'article sur les buts décrit les objectifs fondamentaux que la Confédération suisse poursuit dans son action étatique. Il concrétise le bien commun et donne à l'État une orientation programmatique » (FF 1997 I 141).\n\n**N. 3** Les quatre alinéas de l'art. 2 Cst. ont été conçus consciemment comme un catalogue exhaustif des buts de l'État. Chaque alinéa adresse une dimension différente de l'action étatique : fonction de protection (al. 1), fonction de prospérité (al. 2), fonction de justice (al. 3) et fonction de durabilité (al. 4) (FF 1997 I 141s.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 2 Cst. se trouve au début du premier titre « Dispositions générales » et forme, avec l'art. 1 Cst. (Confédération suisse) et l'art. 3 Cst. (Cantons), les fondements constitutionnels de l'État fédéral suisse. → Art. 1 Cst., → Art. 3 Cst.\n\n**N. 5** Les objectifs étatiques de l'art. 2 Cst. se concrétisent dans les dispositions constitutionnelles suivantes : Les droits fondamentaux (art. 7–36 Cst.) réalisent la protection de la liberté et des droits (al. 1), les objectifs sociaux (art. 41 Cst.) concrétisent la prospérité commune (al. 2), l'interdiction de discriminer (art. 8 Cst.) assure l'égalité des chances (al. 3), et les normes environnementales (art. 73–80 Cst.) servent la préservation des bases naturelles de la vie (al. 4). ↔ Art. 8 Cst., ↔ Art. 41 Cst., → Art. 73 Cst.\n\n**N. 6** Contrairement aux objectifs sociaux de l'art. 41 Cst., qui sont explicitement déclarés non justiciables, l'art. 2 Cst. ne contient pas une telle réserve. Néanmoins, les deux dispositions ont un caractère programmatique (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 185).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### Alinéa 1 : Fonction de protection\n\n**N. 7** « La liberté et les droits du peuple » comprennent l'ensemble des droits fondamentaux garantis par la Constitution ainsi que les droits politiques. Le terme « peuple » désigne l'ensemble des ayants droit au vote, la protection des droits fondamentaux revenant à tous les êtres humains (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 2 N 8).\n\n**N. 8** « L'indépendance et la sécurité » se réfèrent tant à la souveraineté extérieure qu'à la sécurité intérieure. L'indépendance concerne la souveraineté étatique face aux autres États, tandis que la sécurité englobe la protection contre les menaces intérieures et extérieures (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 450).\n\n#### Alinéa 2 : Fonction de prospérité\n\n**N. 9** La « prospérité commune » est un concept ouvert qui englobe le bien-être matériel et immatériel de l'ensemble de la population. Elle légitime les interventions étatiques pour promouvoir le bien commun, y compris les mesures de politique économique et sociale (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 2 N 15).\n\n**N. 10** Le « développement durable » exige une prise en compte équilibrée des préoccupations écologiques, sociales et économiques en incluant les générations futures. Le concept correspond à la compréhension internationale selon le rapport Brundtland (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 42).\n\n**N. 11** La « cohésion interne » vise la paix sociale et la solidarité entre les différents groupes de population, régions et communautés linguistiques. La « diversité culturelle » reconnaît et protège le multilinguisme et l'hétérogénéité culturelle de la Suisse (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, art. 2 N 13).\n\n#### Alinéa 3 : Fonction de justice\n\n**N. 12** L'« égalité des chances » ne signifie pas l'égalité des résultats, mais des conditions de départ et des possibilités de développement égales. L'État doit réduire les désavantages structurels sans garantir une égalité complète (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 189).\n\n**N. 13** Le terme « citoyennes et citoyens » doit être interprété largement et englobe toutes les personnes vivant en Suisse, pas seulement les ressortissants suisses. Une interprétation restrictive contredirait le caractère universel de l'égalité des chances (Waldmann/Belser/Epiney, art. 2 N 20).\n\n#### Alinéa 4 : Fonction de durabilité\n\n**N. 14** Les « bases naturelles de la vie » comprennent l'air, l'eau, le sol, la biodiversité et le climat. La « préservation durable » exige un usage ménager des ressources et une protection préventive de l'environnement (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 455).\n\n**N. 15** L'« ordre international pacifique et juste » oblige la Suisse à un engagement actif dans les organisations internationales, au respect du droit international et à la promotion de la paix, des droits de l'homme et de la coopération au développement (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, art. 2 N 18).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 16** L'art. 2 Cst. ne fonde en principe aucun droit subjectif immédiat. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement des objectifs étatiques pour faire valoir des prétentions individuelles (**ATF 136 I 265**). La disposition est de nature programmatique.\n\n**N. 17** Les objectifs étatiques déploient leur effet principalement comme **aide à l'interprétation** lors de la concrétisation d'autres dispositions constitutionnelles. En cas de plusieurs possibilités d'interprétation, il faut choisir celle qui correspond le mieux aux objectifs étatiques (**ATF 143 I 194**).\n\n**N. 18** Comme **fondement de légitimation**, les objectifs étatiques justifient l'action étatique, pour autant que des normes de compétence spécifiques soient présentes. Ils ne peuvent cependant pas fonder de nouvelles compétences étatiques (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 4 N 15).\n\n**N. 19** Les objectifs étatiques agissent comme **limites aux limites** lors de restrictions de droits fondamentaux. Les mesures qui contredisent fondamentalement les objectifs étatiques ne peuvent pas être dans l'intérêt public (Müller/Schefer, p. 43).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 20** **Justiciabilité** : Tandis que la doctrine dominante souligne l'absence de justiciabilité (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 185 ; Waldmann/Belser/Epiney, art. 2 N 25), Müller/Schefer (p. 44) défendent une position plus nuancée : dans des cas extrêmes, une violation des objectifs étatiques pourrait être invoquée si l'action étatique s'opposait diamétralement à ceux-ci.\n\n**N. 21** **Cercle des destinataires** : Il est controversé de savoir si l'art. 2 Cst. oblige seulement la Confédération ou aussi les cantons. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (art. 2 N 5) affirment un lien exhaustif de tous les niveaux étatiques, tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (N 458) voient principalement la Confédération comme obligée, les cantons ayant leurs propres déterminations de buts dans leurs constitutions.\n\n**N. 22** **Rapport à l'art. 41 Cst.** : Le rapport entre les objectifs étatiques et les objectifs sociaux est discuté de manière controversée. Waldmann/Belser/Epiney (art. 2 N 27) voient l'art. 41 Cst. comme une concrétisation spécifique de l'art. 2 al. 2 Cst., tandis que Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (N 186) considèrent les deux comme des normes programmatiques autonomes avec des orientations différentes.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 23** Dans l'**interprétation des lois**, les objectifs étatiques doivent être systématiquement pris en considération. Les dispositions légales peu claires doivent être interprétées à la lumière des objectifs étatiques. Ceci vaut particulièrement pour les décisions discrétionnaires de l'administration.\n\n**N. 24** Dans la **législation**, les objectifs étatiques servent de ligne directrice au législateur. Les nouveaux actes devraient exposer explicitement dans le message quels objectifs étatiques ils servent. Ceci facilite l'interprétation ultérieure.\n\n**N. 25** En cas de **collisions de droits fondamentaux**, les objectifs étatiques aident à pondérer les intérêts concernés. Une restriction de droit fondamental qui sert plusieurs objectifs étatiques a de meilleures chances d'être jugée proportionnée.\n\n**N. 26** Dans la **procédure administrative**, les autorités peuvent invoquer les objectifs étatiques pour justifier leurs décisions, mais doivent toujours présenter une base légale spécifique pour leur action. Les objectifs étatiques seuls ne suffisent pas comme fondement d'intervention.\n\n**N. 27** Pour les **traités internationaux**, il faut examiner s'ils sont compatibles avec les objectifs étatiques. Les obligations de droit international qui contredisent les objectifs étatiques doivent être remises en question de manière critique, même si l'art. 190 Cst. ordonne leur caractère déterminant. → Art. 190 Cst.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Buts de l'État comme principes constitutionnels\n\n**ATF 133 I 206 consid. 7.4** du 1er juin 2007 (Tarifs fiscaux obwaldiens)\nLa promotion du bien-être commun selon l'art. 2 al. 2 Cst. exprime l'idée de l'État social et la responsabilité sociale de la collectivité. Ces objectifs sont inhérents à la notion de capacité économique et influencent l'aménagement du droit fiscal.\n\n> « La promotion du bien-être commun selon l'art. 2 al. 2 Cst. exprime l'idée de l'État social et la responsabilité sociale de la collectivité. [...] Ces objectifs sont inhérents à la notion de capacité économique de l'art. 127 al. 2 Cst. »\n\n**ATF 115 Ia 277 consid. 4b** du 3 mai 1989 (Personnel médical dans le service sanitaire coordonné)\nLa définition du but de l'art. 2 Cst. ne fonde aucune compétence autonome de la Confédération. La Constitution ne connaît pas de domaine de la défense générale, c'est pourquoi la Confédération ne dispose de compétences législatives que dans la mesure où elles lui sont transférées par la Constitution dans les domaines partiels particuliers.\n\n> « Cependant, la définition du but de l'art. 2 Cst. ne fonde aucune compétence de la Confédération. La Constitution fédérale ne connaît pas non plus de domaine de la défense générale. La Confédération ne dispose donc de compétences législatives dans le domaine de la défense générale que dans la mesure où elles lui ont été transférées par la Constitution dans les domaines partiels particuliers. »\n\n### Principe démocratique et droits politiques\n\n**ATF 147 I 194 consid. 3.3** du 1er janvier 2021 (Initiative pour des entreprises responsables)\nLe principe démocratique de l'art. 2 al. 1 Cst. est concrétisé par la jurisprudence relative à la règle de la majorité des cantons. La restriction de l'égalité de la force du vote est voulue par le droit constitutionnel et lie le Tribunal fédéral.\n\n> « Les recourants reprochent au rejet de l'initiative pour des entreprises responsables en raison de l'exigence de la majorité des cantons de violer les principes fondamentaux de la démocratie (préambule de la Cst. ; art. 2 al. 1 Cst.) ainsi que le principe selon lequel toutes les personnes ayant le droit de vote ont les mêmes droits politiques. »\n\n### Égalité des chances et principe de l'État social\n\n**ATF 133 I 206 consid. 7.4** du 1er juin 2007 (Tarifs fiscaux obwaldiens)\nL'égalité des chances comme but de l'État à l'art. 2 al. 3 Cst. oblige l'État à ne pas créer d'inégalités de chances par son action et à ne pas aggraver les inégalités existantes. La condition fondamentale pour l'épanouissement personnel et économique est la solidarité entre les différentes couches de la population.\n\n> « De l'égalité des chances comme but de l'État à l'art. 2 al. 3 Cst. [...] on peut au moins déduire que l'État ne doit pas créer d'inégalités de chances par son action et ne doit pas aggraver les inégalités existantes. »\n\n### Développement durable et protection de l'environnement\n\n**Arrêt A-5647/2016** du 6 septembre 2018 (Énergie nucléaire)\nLe Tribunal administratif fédéral applique l'art. 2 al. 2 Cst. (développement durable) dans le contexte de l'énergie nucléaire et des fonds de désaffectation. Le développement durable est invoqué comme motif de justification pour une réglementation stricte de l'économie atomique.\n\nLa jurisprudence montre que le principe du développement durable se reflète dans les mesures concrètes d'exécution du droit de l'environnement et de l'énergie.\n\n### Diversité culturelle\n\n**PB.2002.00038** du 26 février 2003 (Tribunal administratif de Zurich)\nDans les litiges de droit du travail, l'art. 2 Cst. est pris en compte comme base constitutionnelle pour la protection des minorités culturelles et linguistiques dans la fonction publique. La diversité culturelle comme but de l'État influence l'interprétation du droit du travail dans le secteur public.\n\n### Ordre de l'État de droit\n\n**31 I 297** du 11 mai 1905 (ATF historique)\nDéjà dans la jurisprudence précoce du Tribunal fédéral, il a été établi que l'art. 2 Cst. ne contient aucune garantie d'un droit individuel, mais constitue une définition objective du but de l'État. Cette jurisprudence influence jusqu'à aujourd'hui la compréhension de la norme comme principe d'organisation.\n\n> « L'art. 2 Cst. ne contient aucune garantie d'un droit individuel. »", "summary_it": "# Art. 2 — Scopo\n\n## Panoramica\n\nL'art. 2 Cost. stabilisce gli obiettivi principali dello Stato svizzero. Spiega a cosa serve la Svizzera come Paese e comunità.\n\n**Che cosa disciplina la disposizione?** L'art. 2 Cost. enumera quattro compiti importanti dello Stato: deve proteggere le persone (cpv. 1), promuovere il loro benessere (cpv. 2), garantire pari opportunità (cpv. 3) e preservare l'ambiente e la pace (cpv. 4).\n\n**Chi ne è interessato?** Tutte le persone in Svizzera beneficiano di questi obiettivi statali. Lo Stato — ossia Confederazione, Cantoni e Comuni — deve tenere conto di questi obiettivi in tutte le sue azioni.\n\n**Quali conseguenze giuridiche comporta?** Gli obiettivi statali non creano diritti diretti per i singoli. Non si può andare in tribunale e dire: «Lo Stato viola l'art. 2 Cost.!» Ma gli obiettivi aiutano a interpretare correttamente altre leggi e a giustificare le decisioni statali.\n\n**Esempio:** Un Comune pianifica la costruzione di una nuova strada. Deve soppesare diversi obiettivi: protezione dei residenti dal rumore (cpv. 1), utilità economica per tutti (cpv. 2), pari accesso ai trasporti per tutti i quartieri (cpv. 3) e protezione di alberi e spazi verdi (cpv. 4). L'art. 2 Cost. aiuta a trovare la soluzione migliore.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 2 Cost. è stato introdotto ex novo nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La vecchia Costituzione federale del 1874 non conteneva un articolo esplicito sui fini. L'Assemblea costituente ha riconosciuto la necessità di ancorare i fini dello Stato in un articolo apposito (FF 1997 I 1).\n\n**N. 2** Il Messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolinea che l'art. 2 Cost. disciplina gli obiettivi fondamentali della Confederazione Svizzera: «L'articolo sui fini descrive gli obiettivi fondamentali che la Confederazione Svizzera persegue con la sua azione statale. Concretizza il bene comune e conferisce allo Stato un orientamento programmatico» (FF 1997 I 141).\n\n**N. 3** I quattro capoversi dell'art. 2 Cost. sono stati consapevolmente concepiti come catalogo complessivo dei fini dello Stato. Ogni capoverso si rivolge a una dimensione diversa dell'agire statale: funzione protettiva (cpv. 1), funzione di benessere (cpv. 2), funzione di giustizia (cpv. 3) e funzione di sostenibilità (cpv. 4) (FF 1997 I 141 seg.).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 2 Cost. si trova all'inizio del primo titolo «Disposizioni generali» e forma insieme all'art. 1 Cost. (Confederazione Svizzera) e all'art. 3 Cost. (Cantoni) i fondamenti costituzionali dello Stato federale svizzero. → Art. 1 Cost., → Art. 3 Cost.\n\n**N. 5** I fini dello Stato dell'art. 2 Cost. si concretizzano nelle disposizioni costituzionali successive: i diritti fondamentali (art. 7–36 Cost.) realizzano la protezione della libertà e dei diritti (cpv. 1), gli obiettivi sociali (art. 41 Cost.) concretizzano il benessere comune (cpv. 2), il divieto di discriminazione (art. 8 Cost.) assicura la parità di opportunità (cpv. 3), e le norme ambientali (art. 73–80 Cost.) servono alla conservazione delle basi naturali della vita (cpv. 4). ↔ Art. 8 Cost., ↔ Art. 41 Cost., → Art. 73 Cost.\n\n**N. 6** A differenza degli obiettivi sociali dell'art. 41 Cost., che vengono esplicitamente dichiarati non giustiziabili, l'art. 2 Cost. non contiene una tale riserva. Tuttavia entrambe le disposizioni hanno carattere programmatico (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 185).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Capoverso 1: Funzione protettiva\n\n**N. 7** La «libertà e i diritti del popolo» comprendono tutti i diritti fondamentali garantiti dalla Costituzione nonché i diritti politici. Il concetto di «popolo» designa l'insieme delle persone aventi diritto di voto, mentre la protezione dei diritti fondamentali spetta a tutti gli esseri umani (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, Art. 2 N 8).\n\n**N. 8** «Indipendenza e sicurezza» si riferiscono sia alla sovranità esterna sia alla sicurezza interna. L'indipendenza riguarda la sovranità statale nei confronti di altri Stati, mentre la sicurezza comprende la protezione da minacce interne ed esterne (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 450).\n\n#### Capoverso 2: Funzione di benessere\n\n**N. 9** Il «benessere comune» è un concetto aperto che comprende il benessere materiale e immateriale dell'intera popolazione. Legittima gli interventi statali per la promozione del bene comune, incluse le misure di politica economica e sociale (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, Art. 2 N 15).\n\n**N. 10** Lo «sviluppo sostenibile» richiede una considerazione equilibrata delle preoccupazioni ecologiche, sociali ed economiche includendo le generazioni future. Il concetto corrisponde alla comprensione internazionale secondo il rapporto Brundtland (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 42).\n\n**N. 11** La «coesione interna» mira alla pace sociale e alla solidarietà tra diversi gruppi di popolazione, regioni e comunità linguistiche. La «diversità culturale» riconosce e protegge il multilinguismo e l'eterogeneità culturale della Svizzera (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 13).\n\n#### Capoverso 3: Funzione di giustizia\n\n**N. 12** «Parità di opportunità» non significa uguaglianza di risultati, ma pari condizioni di partenza e possibilità di sviluppo. Lo Stato deve eliminare gli svantaggi strutturali, senza garantire una completa parità di trattamento (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 189).\n\n**N. 13** Il concetto di «cittadine e cittadini» deve essere interpretato ampiamente e comprende tutte le persone che vivono in Svizzera, non solo i cittadini svizzeri. Un'interpretazione restrittiva contraddirebbe il carattere universale della parità di opportunità (Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 20).\n\n#### Capoverso 4: Funzione di sostenibilità\n\n**N. 14** Le «basi naturali della vita» comprendono aria, acqua, suolo, biodiversità e clima. La «conservazione duratura» richiede un uso rispettoso delle risorse e una protezione ambientale preventiva (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 455).\n\n**N. 15** L'«ordine internazionale pacifico e giusto» obbliga la Svizzera a un impegno attivo nelle organizzazioni internazionali, al rispetto del diritto internazionale e alla promozione della pace, dei diritti umani e della cooperazione allo sviluppo (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 18).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 16** L'art. 2 Cost. in linea di principio non crea diritti soggettivi immediati. I privati non possono appellarsi direttamente ai fini dello Stato per far valere pretese individuali (**DTF 136 I 265**). La disposizione ha natura programmatica.\n\n**N. 17** I fini dello Stato dispiegano il loro effetto principalmente come **ausilio interpretativo** nella concretizzazione di altre disposizioni costituzionali. In presenza di più possibilità interpretative, deve essere scelta quella che meglio corrisponde ai fini dello Stato (**DTF 143 I 194**).\n\n**N. 18** Come **base di legittimazione** i fini dello Stato giustificano l'azione statale, purché esistano norme specifiche di competenza. Non possono però creare nuove competenze statali (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 4 N 15).\n\n**N. 19** I fini dello Stato agiscono come **limiti ai limiti** negli interventi sui diritti fondamentali. Le misure che contraddicono fondamentalmente i fini dello Stato non possono essere di interesse pubblico (Müller/Schefer, p. 43).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 20** **Giustiziabilità**: Mentre la dottrina dominante sottolinea la mancanza di giustiziabilità (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 185; Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 25), Müller/Schefer (p. 44) sostengono una posizione più differenziata: in casi estremi potrebbe essere censurata una violazione dei fini dello Stato, quando l'azione statale sia diametralmente contraria ad essi.\n\n**N. 21** **Cerchia di destinatari**: È controverso se l'art. 2 Cost. vincoli solo la Confederazione o anche i Cantoni. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Art. 2 N 5) affermano un vincolo complessivo di tutti i livelli statali, mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (N 458) vedono come vincolata principalmente la Confederazione, poiché i Cantoni hanno proprie determinazioni di scopo nelle loro costituzioni.\n\n**N. 22** **Rapporto con l'art. 41 Cost.**: È controverso il rapporto tra i fini dello Stato e gli obiettivi sociali. Waldmann/Belser/Epiney (Art. 2 N 27) vedono l'art. 41 Cost. come concretizzazione specifica dell'art. 2 cpv. 2 Cost., mentre Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (N 186) considerano entrambi come norme programmatiche autonome con diversa direzione.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 23** Nell'**interpretazione delle leggi** i fini dello Stato devono essere sistematicamente considerati. Le disposizioni legislative poco chiare devono essere interpretate alla luce dei fini dello Stato. Ciò vale particolarmente per le decisioni discrezionali dell'amministrazione.\n\n**N. 24** Nella **legislazione** i fini dello Stato servono come linea guida per il legislatore. I nuovi atti normativi dovrebbero esporre esplicitamente nel messaggio a quali fini dello Stato servono. Ciò facilita la successiva interpretazione.\n\n**N. 25** Nelle **collisioni tra diritti fondamentali** i fini dello Stato aiutano nella ponderazione degli interessi coinvolti. Un intervento sui diritti fondamentali che serve a più fini dello Stato ha migliori possibilità di essere giudicato proporzionato.\n\n**N. 26** Nel **procedimento amministrativo** le autorità possono ricorrere ai fini dello Stato per motivare le loro decisioni, ma devono sempre dimostrare una base giuridica specifica per la loro azione. I soli fini dello Stato non bastano come base per un intervento.\n\n**N. 27** Per i **trattati internazionali** occorre verificare se questi siano compatibili con i fini dello Stato. Gli obblighi di diritto internazionale che contraddicono i fini dello Stato devono essere messi in discussione criticamente, anche se l'art. 190 Cost. ne ordina l'applicabilità. → Art. 190 Cost.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Finalità dello Stato come principi costituzionali\n\n**DTF 133 I 206 consid. 7.4** del 1° giugno 2007 (Tariffe fiscali di Obvaldo)\nLa promozione del benessere comune secondo l'art. 2 cpv. 2 Cost. esprime l'idea dello Stato sociale e la responsabilità sociale della collettività. Questi obiettivi sono inerenti al concetto di capacità economica e caratterizzano la configurazione del diritto fiscale.\n\n> «Nella promozione del benessere comune secondo l'art. 2 cpv. 2 Cost. si esprime l'idea dello Stato sociale e la responsabilità sociale della collettività. [...] Questi obiettivi sono inerenti al concetto di capacità economica nell'art. 127 cpv. 2 Cost.»\n\n**DTF 115 Ia 277 consid. 4b** del 3 maggio 1989 (Personale medico nel Servizio sanitario coordinato)\nLa determinazione delle finalità dell'art. 2 Cost. non fonda una competenza autonoma della Confederazione. La Costituzione non conosce un settore della difesa integrata, per cui la Confederazione ha competenza legislativa solo nella misura in cui le è conferita dalla Costituzione nei singoli settori parziali.\n\n> «La determinazione delle finalità dell'art. 2 Cost. non fonda tuttavia una competenza della Confederazione. La Costituzione federale non conosce nemmeno un settore della difesa integrata. La Confederazione ha pertanto competenza legislativa nel settore della difesa integrata solo nella misura in cui le è stata conferita dalla Costituzione nei singoli settori parziali.»\n\n### Principio democratico e diritti politici\n\n**DTF 147 I 194 consid. 3.3** del 1° gennaio 2021 (Iniziativa per imprese responsabili)\nIl principio democratico dell'art. 2 cpv. 1 Cost. è concretizzato dalla giurisprudenza sulla regolamentazione della maggioranza dei Cantoni. La limitazione dell'uguaglianza di voto è voluta costituzionalmente e vincolante per il Tribunale federale.\n\n> «I ricorrenti lamentano che il rifiuto dell'iniziativa per imprese responsabili a causa del requisito della maggioranza dei Cantoni violi i principi fondamentali della democrazia (Preambolo della Cost.; art. 2 cpv. 1 Cost.) nonché il principio secondo cui tutti gli aventi diritto di voto hanno gli stessi diritti politici.»\n\n### Pari opportunità e principio dello Stato sociale\n\n**DTF 133 I 206 consid. 7.4** del 1° giugno 2007 (Tariffe fiscali di Obvaldo)\nLe pari opportunità come finalità dello Stato nell'art. 2 cpv. 3 Cost. obbligano lo Stato a non creare attraverso il suo agire opportunità ineguali e a non acuire le ineguaglianze già esistenti. Presupposto fondamentale per lo sviluppo personale ed economico è la solidarietà tra i diversi strati della popolazione.\n\n> «Dalle pari opportunità come finalità dello Stato nell'art. 2 cpv. 3 Cost. [...] si può almeno dedurre che lo Stato non deve creare attraverso il suo agire opportunità ineguali e non può acuire le ineguaglianze già esistenti.»\n\n### Sviluppo sostenibile e protezione dell'ambiente\n\n**Sentenza A-5647/2016** del 6 settembre 2018 (Energia nucleare)\nIl Tribunale amministrativo federale applica l'art. 2 cpv. 2 Cost. (sviluppo sostenibile) nel contesto dell'energia nucleare e dei fondi di disattivazione. Lo sviluppo sostenibile viene utilizzato come motivo giustificativo per una severa regolamentazione dell'industria atomica.\n\nLa giurisprudenza mostra che il principio dello sviluppo sostenibile si riflette in concrete misure esecutive del diritto ambientale e dell'energia.\n\n### Diversità culturale\n\n**PB.2002.00038** del 26 febbraio 2003 (Tribunale amministrativo di Zurigo)\nNelle controversie di diritto del lavoro l'art. 2 Cost. è considerato come base costituzionale per la protezione delle minoranze culturali e linguistiche nel servizio pubblico. La diversità culturale come finalità dello Stato caratterizza l'interpretazione del diritto del lavoro nel settore pubblico.\n\n### Ordinamento di diritto\n\n**31 I 297** dell'11 maggio 1905 (DTF storico)\nGià nella prima giurisprudenza del Tribunale federale fu stabilito che l'art. 2 Cost. non contiene una garanzia di un diritto individuale, ma rappresenta una determinazione oggettiva delle finalità dello Stato. Questa giurisprudenza caratterizza ancora oggi la comprensione della norma come principio organizzativo.\n\n> «L'art. 2 Cost. non contiene una garanzia di un diritto individuale.»", "summary_en": "# Art. 2 — Purpose\n\n## Overview\n\nArt. 2 Cst. establishes the main objectives of the Swiss State. It explains what Switzerland as a country and community exists for.\n\n**What does the provision regulate?** Art. 2 Cst. sets out four important tasks of the State: It shall protect people (paragraph 1), promote their well-being (paragraph 2), ensure fair opportunities (paragraph 3) and preserve the environment as well as peace (paragraph 4).\n\n**Who is affected?** All people in Switzerland benefit from these state objectives. The State — namely the Confederation, cantons and municipalities — must consider these objectives in all its actions.\n\n**What legal consequences does this have?** The state objectives do not create direct rights for individuals. One cannot go to court and say: «The State violates Art. 2 Cst.!» But the objectives help to correctly interpret other laws and justify state decisions.\n\n**Example:** A municipality plans to build a new road. It must balance various objectives: protection of residents from noise (paragraph 1), economic benefit for all (paragraph 2), equal transport access for all neighbourhoods (paragraph 3) and protection of trees and green spaces (paragraph 4). Art. 2 Cst. helps to find the best solution.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 2 FC was newly introduced as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The old Federal Constitution of 1874 contained no explicit article on state purposes. The Constituent Assembly saw the need to anchor state purposes in a separate article (BBl 1997 I 1).\n\n**N. 2** The Federal Council Message on the new Federal Constitution emphasises that Art. 2 FC establishes the fundamental state objectives of the Swiss Confederation: «The purpose article outlines the fundamental objectives which the Swiss Confederation pursues through its state action. It concretises the common good and gives the state a programmatic orientation» (BBl 1997 I 141).\n\n**N. 3** The four paragraphs of Art. 2 FC were deliberately conceived as a comprehensive catalogue of state purposes. Each paragraph addresses a different dimension of state action: protective function (para. 1), welfare function (para. 2), justice function (para. 3) and sustainability function (para. 4) (BBl 1997 I 141f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 2 FC stands at the beginning of the first title «General Provisions» and, together with Art. 1 FC (Swiss Confederation) and Art. 3 FC (Cantons), forms the constitutional foundations of the Swiss federal state. → Art. 1 FC, → Art. 3 FC\n\n**N. 5** The state objectives of Art. 2 FC are concretised in the subsequent constitutional provisions: The fundamental rights (Art. 7–36 FC) realise the protection of freedom and rights (para. 1), the social objectives (Art. 41 FC) concretise the common welfare (para. 2), the prohibition of discrimination (Art. 8 FC) ensures equal opportunities (para. 3), and the environmental norms (Art. 73–80 FC) serve to preserve the natural foundations of life (para. 4). ↔ Art. 8 FC, ↔ Art. 41 FC, → Art. 73 FC\n\n**N. 6** Unlike the social objectives of Art. 41 FC, which are explicitly declared non-justiciable, Art. 2 FC contains no such reservation. Nevertheless, both provisions have a programmatic character (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 185).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Paragraph 1: Protective Function\n\n**N. 7** The «freedom and rights of the people» encompass all fundamental rights guaranteed in the Constitution as well as political rights. The term «people» denotes the totality of those entitled to vote, while fundamental rights protection applies to all human beings (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 2 N 8).\n\n**N. 8** «Independence and security» refer both to external sovereignty and to internal security. Independence concerns state sovereignty vis-à-vis other states, while security encompasses protection from internal and external threats (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 450).\n\n#### Paragraph 2: Welfare Function\n\n**N. 9** «Common welfare» is an open concept that encompasses the material and immaterial well-being of the entire population. It legitimises state interventions to promote the common good, including economic and social policy measures (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 2 N 15).\n\n**N. 10** «Sustainable development» requires a balanced consideration of ecological, social and economic concerns, taking into account future generations. The concept corresponds to the international understanding according to the Brundtland Report (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 42).\n\n**N. 11** «Internal cohesion» aims at social peace and solidarity between different population groups, regions and linguistic communities. «Cultural diversity» recognises and protects the multilingualism and cultural heterogeneity of Switzerland (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 13).\n\n#### Paragraph 3: Justice Function\n\n**N. 12** «Equal opportunity» does not mean equality of outcomes, but equal starting conditions and development opportunities. The state should reduce structural disadvantages without guaranteeing complete equality (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 189).\n\n**N. 13** The term «citizens» should be interpreted broadly and encompasses all people living in Switzerland, not only Swiss nationals. A narrow interpretation would contradict the universal character of equal opportunity (Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 20).\n\n#### Paragraph 4: Sustainability Function\n\n**N. 14** The «natural foundations of life» include air, water, soil, biodiversity and climate. «Permanent preservation» requires careful use of resources and preventive environmental protection (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 455).\n\n**N. 15** The «peaceful and just international order» obliges Switzerland to active engagement in international organisations, compliance with international law and promotion of peace, human rights and development cooperation (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 2 N 18).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 16** Art. 2 FC does not, in principle, establish direct subjective rights. Private parties cannot invoke the state objectives directly to enforce individual claims (**BGE 136 I 265**). The provision is programmatic in nature.\n\n**N. 17** The state objectives primarily take effect as an **interpretative aid** in concretising other constitutional provisions. Where several interpretative possibilities exist, the one that best corresponds to the state objectives should be chosen (**BGE 143 I 194**).\n\n**N. 18** As a **basis for legitimation**, the state objectives justify state action, provided specific competence norms exist. However, they cannot establish new state competences (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 4 N 15).\n\n**N. 19** The state objectives act as **limits on limits** in fundamental rights interferences. Measures that fundamentally contradict the state objectives cannot be in the public interest (Müller/Schefer, S. 43).\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 20** **Justiciability**: While the prevailing doctrine emphasises the lack of justiciability (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 185; Waldmann/Belser/Epiney, Art. 2 N 25), Müller/Schefer (S. 44) take a more differentiated position: In extreme cases, a violation of state objectives could be challenged if state action were diametrically opposed to them.\n\n**N. 21** **Circle of addressees**: It is disputed whether Art. 2 FC binds only the Confederation or also the cantons. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Art. 2 N 5) affirm comprehensive binding of all state levels, while Rhinow/Schefer/Uebersax (N 458) primarily see the Confederation as bound, since the cantons have their own purpose provisions in their constitutions.\n\n**N. 22** **Relationship to Art. 41 FC**: The relationship between state objectives and social objectives is controversially discussed. Waldmann/Belser/Epiney (Art. 2 N 27) see Art. 41 FC as a specific concretisation of Art. 2 para. 2 FC, while Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (N 186) regard both as independent programmatic norms with different orientations.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 23** In **statutory interpretation**, the state objectives should be systematically drawn upon. Unclear statutory provisions should be interpreted in the light of the state objectives. This applies particularly to discretionary decisions by the administration.\n\n**N. 24** In **legislation**, the state objectives serve as guidelines for the legislature. New enactments should explicitly state in the Federal Council Message which state objectives they serve. This facilitates subsequent interpretation.\n\n**N. 25** In **fundamental rights conflicts**, the state objectives help in weighing the affected interests. A fundamental rights interference that serves several state objectives has better chances of being assessed as proportionate.\n\n**N. 26** In **administrative proceedings**, authorities may invoke the state objectives to justify their decisions, but must always demonstrate a specific legal basis for their action. The state objectives alone do not suffice as a basis for interference.\n\n**N. 27** For **international treaties**, it should be examined whether these are compatible with the state objectives. International law obligations that run counter to the state objectives should be critically scrutinised, even though Art. 190 FC orders their precedence. → Art. 190 FC", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### State Purposes as Constitutional Principles\n\n**BGE 133 I 206 E. 7.4** of 1 June 2007 (Obwalden Tax Rates)\nThe promotion of the common welfare according to Art. 2 para. 2 Cst. expresses the idea of the social state and the social responsibility of the community. These goals are inherent in the concept of economic capacity and help shape the design of tax law.\n\n> «The promotion of the common welfare according to Art. 2 para. 2 Cst. expresses the idea of the social state and the social responsibility of the community. [...] These goals are inherent in the concept of economic capacity in Art. 127 para. 2 Cst.»\n\n**BGE 115 Ia 277 E. 4b** of 3 May 1989 (Medical Personnel in the Coordinated Medical Service)\nThe statement of purpose in Art. 2 Cst. does not establish an independent competence of the Confederation. The Constitution does not recognize a subject area of total defence, which is why the Confederation only has legislative competence insofar as it has been conferred upon it in the individual sub-areas by the Constitution.\n\n> «However, the statement of purpose in Art. 2 Cst. does not establish any competence of the Confederation. The Federal Constitution also does not recognize a subject area of total defence. The Confederation therefore only has legislative competence in the area of total defence insofar as it has been conferred upon it in the individual sub-areas by the Constitution.»\n\n### Democratic Principle and Political Rights\n\n**BGE 147 I 194 E. 3.3** of 1 January 2021 (Corporate Responsibility Initiative)\nThe democratic principle from Art. 2 para. 1 Cst. is concretized by the case law on the cantonal majority rule. The restriction of equal voting power is constitutionally intended and binding on the Federal Supreme Court.\n\n> «The complainants allege that the rejection of the Corporate Responsibility Initiative due to the requirement of the cantonal majority violates the fundamental principles of democracy (Preamble of the Cst.; Art. 2 para. 1 Cst.) as well as the principle that all voters have equal political rights.»\n\n### Equal Opportunities and Social State Principle\n\n**BGE 133 I 206 E. 7.4** of 1 June 2007 (Obwalden Tax Rates)\nEqual opportunities as a state goal in Art. 2 para. 3 Cst. obligates the state not to create unequal opportunities through its actions and not to exacerbate existing inequalities. A basic prerequisite for personal and economic development is solidarity between different population groups.\n\n> «From equal opportunities as a state goal in Art. 2 para. 3 Cst. [...] it can at least be inferred that the state should not create unequal opportunities through its actions and must not exacerbate existing inequalities.»\n\n### Sustainable Development and Environmental Protection\n\n**Judgment A-5647/2016** of 6 September 2018 (Nuclear Energy)\nThe Federal Administrative Court applies Art. 2 para. 2 Cst. (sustainable development) in the context of nuclear energy and decommissioning funds. Sustainable development is used as a justification for strict regulation of the nuclear industry.\n\nThe case law shows that the principle of sustainable development is reflected in concrete enforcement measures in environmental and energy law.\n\n### Cultural Diversity\n\n**PB.2002.00038** of 26 February 2003 (Administrative Court of Zurich)\nIn employment law disputes, Art. 2 Cst. is considered as a constitutional basis for the protection of cultural and linguistic minorities in public service. Cultural diversity as a state goal shapes the interpretation of employment law in the public sector.\n\n### Rule of Law\n\n**31 I 297** of 11 May 1905 (Historical BGE)\nAlready in early Federal Supreme Court practice, it was established that Art. 2 Cst. does not contain a guarantee of an individual right, but rather represents an objective determination of state purpose. This case law continues to shape the understanding of the norm as an organizational principle to this day.\n\n> «Art. 2 Cst. does not contain a guarantee of an individual right.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_2", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 3, "article_suffix": "", "title": "Kantone", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 3 BV — Kantone\n\n## Übersicht\n\nArtikel 3 der Bundesverfassung regelt die Aufgabenteilung zwischen dem Bund und den 26 Kantonen. Er bestimmt das Grundprinzip des schweizerischen Föderalismus (Staatsform mit geteilten Kompetenzen). \n\nDie Kantone haben eine subsidiäre Generalkompetenz. Das bedeutet: Alle staatlichen Aufgaben gehören grundsätzlich den Kantonen, ausser die Bundesverfassung überträgt sie ausdrücklich dem Bund. Der Bund darf nur tätig werden, wenn ihm eine Verfassungsnorm dazu die Erlaubnis gibt. Die Kantone sind in ihren Kompetenzbereichen souverän und können eigenständig Gesetze erlassen und Politik gestalten.\n\nBetroffen sind alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle Behörden. Je nach Aufgabenbereich wenden sich Privatpersonen an kantonale oder an Bundesbehörden. Bei Rechtsproblemen müssen Gerichte prüfen, ob der Bund oder der Kanton zuständig ist.\n\nDie wichtigste Rechtsfolge ist die lückenlose Kompetenzverteilung: Jede staatliche Aufgabe gehört entweder dem Bund oder den Kantonen. Bei Unklarheiten gilt die Vermutung zugunsten der Kantone. Sie müssen ihre Zuständigkeit nicht beweisen, sondern der Bund muss nachweisen, dass er über eine Kompetenz verfügt.\n\nEin konkretes Beispiel: Das Bildungswesen ist grundsätzlich kantonal geregelt (Lehrpläne, Schulorganisation, Lehrerausbildung). Der Bund kann nur in speziellen Bereichen tätig werden, für die ihm die Verfassung eine Kompetenz gibt, etwa bei der Berufsbildung oder den Hochschulen. Neue Bereiche wie die Digitalisierung der Schulen fallen automatisch in die kantonale Zuständigkeit, solange keine Verfassungsänderung sie dem Bund zuweist.\n\nDie kantonale Souveränität ist jedoch nicht absolut, sondern wird durch die Bundesverfassung begrenzt. Die Kantone müssen Grundrechte beachten, Bundesrecht anwenden und völkerrechtliche Verpflichtungen respektieren.", "doctrine_de": "# Art. 3 BV — Kantone\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 3 BV entspricht inhaltlich dem früheren Art. 3 aBV von 1848/1874. Die Norm wurde bei der Totalrevision 1999 unverändert übernommen, da sie als fundamentaler Grundsatz des schweizerischen Bundesstaats gilt (BBl 1997 I 1, 119). Die Botschaft betont, dass die kantonale Souveränität «das konstitutive Element des Bundesstaates» darstellt und deshalb an prominenter Stelle in der Verfassung verankert bleibt (BBl 1997 I 119).\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung zeigt eine kontinuierliche Verschiebung von Kompetenzen zum Bund. Dennoch behielt Art. 3 BV seine Funktion als Grundnorm der föderalistischen Kompetenzordnung. Die Verfassungsgeber von 1999 betonten ausdrücklich, dass trotz der faktischen Zentralisierungstendenzen am Prinzip der subsidiären Generalkompetenz der Kantone festgehalten werden soll (BBl 1997 I 119f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 3 BV steht systematisch am Anfang des 1. Titels über die «Allgemeinen Bestimmungen» und bildet zusammen mit → Art. 1 BV (Schweizerische Eidgenossenschaft) und → Art. 2 BV (Zweck) die Grundlage der bundesstaatlichen Ordnung. Die Norm ist eng verknüpft mit:\n- → Art. 42 BV (Aufgaben des Bundes)\n- → Art. 43 BV (Aufgaben der Kantone)\n- → Art. 43a BV (Subsidiaritätsprinzip)\n- → Art. 44 BV (Grundsätze der Zusammenarbeit)\n- → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone)\n\n**N. 4** Im Kontext der Kompetenzverteilung bildet Art. 3 BV das Gegenstück zum Prinzip der Einzelermächtigung des Bundes. Während der Bund nur jene Kompetenzen besitzt, die ihm die Verfassung ausdrücklich zuweist, verfügen die Kantone über eine Vermutung der Zuständigkeit für alle nicht explizit dem Bund übertragenen Aufgaben (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1056).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Kantonale Souveränität**: Die Souveränität der Kantone ist keine absolute, sondern eine relative Souveränität innerhalb der bundesstaatlichen Ordnung. Sie unterscheidet sich fundamental von der völkerrechtlichen Souveränität und bedeutet die verfassungsrechtlich garantierte Selbstständigkeit in den den Kantonen verbliebenen Kompetenzbereichen (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 3 N 4).\n\n**N. 6** **Beschränkung durch die Bundesverfassung**: Die kantonale Souveränität findet ihre Grenzen in der Bundesverfassung selbst. Dazu gehören:\n- Explizite Kompetenzzuweisungen an den Bund (Art. 54ff. BV)\n- Grundrechtsbindung (→ Art. 35 BV)\n- Vorrang des Bundesrechts (→ Art. 49 BV)\n- Völkerrechtliche Verpflichtungen (→ Art. 5 Abs. 4 BV)\n\n**N. 7** **Ausübung aller nicht übertragenen Rechte**: Diese Formulierung konkretisiert die subsidiäre Generalkompetenz der Kantone. Sie umfasst:\n- Originäre Gesetzgebungskompetenzen\n- Vollzugskompetenzen (auch bei Bundesrecht, soweit nicht anders bestimmt)\n- Organisationsautonomie\n- Finanzautonomie im Rahmen der verfassungsrechtlichen Schranken\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** **Kompetenzverteilung**: Aus Art. 3 BV folgt eine lückenlose Aufteilung der staatlichen Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen. Neue Staatsaufgaben fallen automatisch in die kantonale Zuständigkeit, es sei denn, eine Verfassungsrevision weist sie dem Bund zu (**BGE 130 I 156 E. 2.5**).\n\n**N. 9** **Beweislastverteilung**: Bei Kompetenzkonflikten trägt grundsätzlich der Bund die Beweislast dafür, dass er über die beanspruchte Zuständigkeit verfügt. Die Kantone müssen ihre Kompetenz nicht positiv nachweisen, da sie über die Vermutung der Zuständigkeit verfügen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 3 N 15).\n\n**N. 10** **Schutz der kantonalen Eigenständigkeit**: Art. 3 BV begründet einen verfassungsrechtlichen Anspruch der Kantone auf Respektierung ihrer Souveränität. Dies umfasst:\n- Schutz vor übermässigen Bundesinterventionen\n- Recht auf eigenständige Politikgestaltung in kantonalen Kompetenzbereichen\n- Organisationsautonomie beim Vollzug von Bundesrecht\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Umfang der Organisationsautonomie**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die kantonale Organisationsautonomie beim Vollzug von Bundesrecht reicht. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 8 N 12) vertreten eine weite Auslegung, wonach die Kantone grundsätzlich frei sind, solange das Bundesrecht keine expliziten Vorgaben macht. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 658) plädieren für eine restriktivere Interpretation, die stärker auf die Effektivität des Bundesrechtsvollzugs abstellt.\n\n**N. 12** **Neue Staatsaufgaben**: Kontrovers diskutiert wird, ob wirklich alle neuen Staatsaufgaben automatisch den Kantonen zufallen. Biaggini (BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 3 N 8) argumentiert, dass bei grenzüberschreitenden Phänomenen eine implizite Bundeskompetenz bestehen könne. Die herrschende Lehre (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 3 N 12; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1058) hält dagegen am Erfordernis einer expliziten Verfassungsgrundlage fest.\n\n**N. 13** **Verhältnis zu Art. 43a BV**: Unklar ist das genaue Verhältnis zwischen der subsidiären Generalkompetenz nach Art. 3 BV und dem Subsidiaritätsprinzip nach → Art. 43a BV. Schweizer (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 43a N 6) sieht Art. 43a als blosse Konkretisierung von Art. 3. Waldmann (BSK BV, Art. 43a N 8) vertritt die Auffassung, Art. 43a enthalte eine eigenständige materielle Kompetenzschranke.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** **Kompetenzprüfung**: Bei der Prüfung von Kompetenzkonflikten ist stets vom Grundsatz der kantonalen Zuständigkeit auszugehen. Die Bundeskompetenz muss sich auf eine explizite Verfassungsnorm stützen lassen. Implizite Kompetenzen sind nur in engen Ausnahmefällen anzuerkennen (kraft Sachzusammenhangs oder als inhärente Kompetenz).\n\n**N. 15** **Kantonale Gesetzgebung**: Die Kantone dürfen in ihren Kompetenzbereichen auch dann legiferieren, wenn der Bund untätig bleibt. Sie müssen nicht auf eine Bundesregelung warten. Bei nachträglichem Erlass von Bundesrecht geht dieses jedoch vor (→ Art. 49 BV).\n\n**N. 16** **Vollzugsrecht**: Beim Vollzug von Bundesrecht verfügen die Kantone über erheblichen Gestaltungsspielraum, soweit das Bundesrecht keine abschliessenden Regelungen enthält. Insbesondere Organisations- und Verfahrensfragen bleiben oft kantonal regelbar. Die Grenze bildet die Vereitelung des Zwecks der Bundesnorm.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 3 BV befasst sich primär mit der Abgrenzung der kantonalen Restkompetenz zum Bundesrecht und der Auslegung der föderalen Kompetenzordnung. Die folgenden Leitentscheide zeigen die Entwicklung der Rechtsprechung zur kantonalen Souveränität auf.\n\n### Grundsätze der kantonalen Restkompetenz\n\n**BGE 122 I 70** (22. Februar 1996)\nHängegleitervorbote des Kantons Appenzell Innerrhoden; Abgrenzung zwischen Bundes- und Kantonskompetenzen im Luftfahrtrecht. Das Bundesgericht präzisiert die Grundsätze der konkurrierenden Kompetenzen und der kantonalen Restkompetenz bei nicht abschliessend geregelten Bereichen.\n\n> «Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränität nicht durch die Bundesverfassung beschränkt ist (Art. 3 BV). Sie haben eine originäre Gesetzgebungskompetenz, die nur insoweit aufgehoben ist, als der Bund entweder ausschliesslich, mit ursprünglich derogatorischer Wirkung, zuständig ist oder aber in einem Bereich, in dem er konkurrierend, mit nachträglich derogatorischer Wirkung, kompetent ist, von seiner Zuständigkeit abschliessend Gebrauch gemacht hat.»\n\n**BGE 125 II 152** (1999)\nAbgrenzung der eidgenössischen und kantonalen Kompetenzen bei Geldspielautomaten. Staatsrechtliche Klage des Kantons St. Gallen gegen Bundesratsverordnung. Das Urteil verdeutlicht, dass die Kantone keinen Anspruch auf Weiterführung bundesrechtswidriger Praktiken haben.\n\n> «Der Bundesrat hat durch den Erlass der eidgenössischen Geldspielautomatenverordnung nicht in die kantonale Zuständigkeit eingegriffen. Es besteht kein Anspruch der Kantone auf Weiterführung der bisherigen Praxis der Homologation von Geschicklichkeitsspielautomaten, die sich als bundesrechtswidrig erweist.»\n\n### Kantonale Steuerhoheit und Besteuerungskompetenzen\n\n**BGE 140 I 176** (27. März 2014)\nZulässigkeit einer kommunalen Zweitwohnungssteuer trotz eidgenössischer Zweitwohnungsinitiative. Das Urteil bestätigt die originäre kantonale Kompetenz zur Besteuerung auch in Bereichen mit Bundeskompetenz, soweit keine abschliessende Regelung besteht.\n\n> «Die Gemeinde ist zur Einführung dieser Steuer kompetent: Die in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 11. März 2012 angenommene Zweitwohnungsinitiative bzw. der damit neu geschaffene Art. 75b BV beinhalten keinen umfassenden und somit abschliessenden Lösungsansatz für die Problematik der sog. 'kalten Betten' und stehen der hier streitigen kommunalen Zweitwohnungssteuer mithin nicht entgegen.»\n\n**BGE 133 I 206** (1. Juni 2007)\nVerfassungsmässigkeit degressiver Obwaldner Steuertarife; Tarifautonomie der Kantone. Das Bundesgericht anerkennt die kantonale Autonomie in der Steuerrechtsgestaltung unter Vorbehalt verfassungsrechtlicher Grenzen.\n\n> «Tarifautonomie der Kantone: Die Kantone haben grundsätzlich die Befugnis, ihre Steuertarife nach eigenem Ermessen zu gestalten, soweit nicht verfassungsrechtliche Schranken entgegenstehen.»\n\n### Vollzugsföderalismus und Kompetenzkonflikte\n\n**BGE 142 II 182** (24. Mai 2016)  \nÖrtliche Zuständigkeit zur bundessteuerlichen Erfassung von Kapitalleistungen bei Kantonswechsel. Das Urteil präzisiert die Rolle der Kantone im Vollzugsföderalismus und die Grenzen von Verwaltungsverordnungen des Bundes.\n\n> «Den örtlich zuständigen Kanton trifft das 'Pflichtrecht' zu Bezug und Veranlagung der direkten Bundessteuer. Im Fall von Kapitalleistungen aus Vorsorge ist gemäss Art. 216 Abs. 1 DBG 1990 die Sonderveranlagung vom Fälligkeitskanton vorzunehmen. Die Verwaltungsverordnung der ESTV, wonach in Wegzugsfällen der Wohnsitzkanton zuständig sein soll, verstösst gegen das Bundesrecht und bleibt daher unbeachtlich.»\n\n### Kantonale Polizeigewalt und Ordnungskompetenzen\n\n**BGE 128 I 102** (30. Januar 2002)  \nVerfassungsmässigkeit einer gastgewerblichen Patentgebühr des Kantons Solothurn. Das Urteil bestätigt die originäre kantonale Kompetenz für Ordnungsabgaben im Bereich der Polizeigewalt.\n\n> «Verfassungsvorbehalt für kantonale Steuern (Art. 132 KV/SO); gesetzliche Grundlagen der Patentgebühren gemäss altem und neuem Wirtschaftsgesetz des Kantons Solothurn. Die kantonale Kompetenz zur Erhebung von Ordnungsabgaben folgt aus der originären Polizeigewalt der Kantone.»\n\n**BGE 129 IV 276** (2003)\nKantonale Strafbestimmungen im Bereich der Feuerpolizei; Abgrenzung zum Bundesstrafrecht. Das Urteil verdeutlicht die Befugnis der Kantone zur strafrechtlichen Sanktionierung in Bereichen der kantonalen Zuständigkeit.\n\n> «Befugnis der Kantone, die Missachtung von Vorschriften über die Brandbekämpfung mit Strafe zu bedrohen. Die kantonale Strafgewalt bleibt bestehen, soweit das Bundesstrafrecht nicht abschliessend regelt.»\n\n### Interkantonale Zusammenarbeit und Koordination\n\n**BGE 134 I 23** (15. Januar 2008)\nAbstrakte Normenkontrolle; derogatorische Kraft des Bundesrechts. Walliser Gesetz über staatliche Vorsorgeeinrichtungen verstösst gegen Bundesrecht. Das Urteil zeigt die Grenzen der kantonalen Gesetzgebung bei bundesrechtlich geregelten Materien auf.\n\n> «Das GVE, welches u.a. die Personalvorsorge regelt, verstösst in verschiedenen Punkten gegen zwingend anwendbare Bestimmungen des Bundesrechts, namentlich gegen das FusG und das BVG.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\n**BGE 150 II 527** (18. Juli 2024)\nInterkantonale Steuerausscheidung; Bewertung land- oder forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke. Das jüngste Urteil bestätigt die Koordinationspflichten der Kantone bei interkantonalen Sachverhalten.\n\n> «Bei der interkantonalen Steuerausscheidung ist das Vermögen einheitlich zu bewerten. Für die Frage, ob ein Grundstück als land- oder forstwirtschaftlich genutzt gilt und zum Ertragswert zu bewerten ist, ist auf die Qualifikation des Liegenschaftskantons abzustellen.»\n\n**BGE 148 I 65** (28. Juli 2021)\nVerbot der interkantonalen Doppelbesteuerung; funktionale Hierarchie zwischen kantonalem und interkantonalem Steuerrecht. Das Urteil präzisiert die Grenzen der kantonalen Steuerhoheit bei grenzüberschreitenden Sachverhalten.\n\n> «Grundsätze des interkantonalen Doppelbesteuerungsrechts und funktionale Hierarchie zwischen kantonalem und interkantonalem Steuerrecht, insbesondere betreffend die Abgrenzung von Steuerfaktoren. Die kantonale Steuerhoheit findet ihre Grenze im Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung.»", "summary_fr": "# Art. 3 Cst. — Cantons\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'article 3 de la Constitution fédérale règle la répartition des tâches entre la Confédération et les 26 cantons. Il détermine le principe fondamental du fédéralisme suisse (forme d'État à compétences partagées).\n\nLes cantons disposent d'une compétence générale subsidiaire. Cela signifie : toutes les tâches étatiques appartiennent en principe aux cantons, sauf si la Constitution fédérale les attribue expressément à la Confédération. La Confédération ne peut agir que si une norme constitutionnelle l'y autorise. Les cantons sont souverains dans leurs domaines de compétence et peuvent édicter des lois de manière autonome et façonner leur politique.\n\nSont concernés tous les citoyens et citoyennes ainsi que toutes les autorités. Selon le domaine de tâches, les particuliers s'adressent aux autorités cantonales ou aux autorités fédérales. En cas de problèmes juridiques, les tribunaux doivent examiner si la Confédération ou le canton est compétent.\n\nLa conséquence juridique principale est la répartition complète des compétences : chaque tâche étatique appartient soit à la Confédération soit aux cantons. En cas d'incertitudes, la présomption joue en faveur des cantons. Ils n'ont pas à prouver leur compétence, mais la Confédération doit démontrer qu'elle dispose d'une compétence.\n\nUn exemple concret : le système éducatif est en principe réglé au niveau cantonal (programmes d'enseignement, organisation scolaire, formation des enseignants). La Confédération ne peut agir que dans des domaines spéciaux pour lesquels la Constitution lui donne une compétence, par exemple dans la formation professionnelle ou les hautes écoles. Les nouveaux domaines comme la numérisation des écoles relèvent automatiquement de la compétence cantonale, tant qu'aucune modification constitutionnelle ne les attribue à la Confédération.\n\nLa souveraineté cantonale n'est cependant pas absolue, mais limitée par la Constitution fédérale. Les cantons doivent respecter les droits fondamentaux, appliquer le droit fédéral et respecter les obligations de droit international.", "doctrine_fr": "# Art. 3 Cst. — Cantons\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 3 Cst. correspond au contenu de l'ancien art. 3 aCst. de 1848/1874. La norme a été reprise sans modification lors de la révision totale de 1999, car elle vaut comme principe fondamental de l'État fédéral suisse (FF 1997 I 1, 131). Le message souligne que la souveraineté cantonale « constitue l'élément constitutif de l'État fédéral » et doit donc rester ancrée à une place proéminente dans la Constitution (FF 1997 I 131).\n\n**Ch. 2** L'évolution historique montre un déplacement continu de compétences vers la Confédération. Néanmoins, l'art. 3 Cst. a conservé sa fonction de norme fondamentale de l'ordre fédéraliste de répartition des compétences. Les constituants de 1999 ont souligné expressément que malgré les tendances factuelles à la centralisation, il fallait maintenir le principe de la compétence générale subsidiaire des cantons (FF 1997 I 131s.).\n\n### 2. Systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 3 Cst. figure systématiquement au début du titre 1 sur les « Dispositions générales » et forme, avec l'→ art. 1 Cst. (Confédération suisse) et l'→ art. 2 Cst. (But), la base de l'ordre fédéral. La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 42 Cst. (Tâches de la Confédération)\n- → Art. 43 Cst. (Tâches des cantons)\n- → Art. 43a Cst. (Principe de subsidiarité)\n- → Art. 44 Cst. (Principes de la coopération)\n- → Art. 47 Cst. (Autonomie des cantons)\n\n**Ch. 4** Dans le contexte de la répartition des compétences, l'art. 3 Cst. forme le pendant du principe d'habilitation individuelle de la Confédération. Tandis que la Confédération ne possède que les compétences que la Constitution lui attribue expressément, les cantons disposent d'une présomption de compétence pour toutes les tâches qui ne sont pas explicitement transférées à la Confédération (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, ch. 1056).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 5** **Souveraineté cantonale** : La souveraineté des cantons n'est pas absolue, mais relative dans l'ordre fédéral. Elle se distingue fondamentalement de la souveraineté de droit international et signifie l'autonomie garantie par le droit constitutionnel dans les domaines de compétence qui demeurent aux cantons (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, art. 3 ch. 4).\n\n**Ch. 6** **Limitation par la Constitution fédérale** : La souveraineté cantonale trouve ses limites dans la Constitution fédérale elle-même. Cela comprend :\n- Les attributions explicites de compétences à la Confédération (art. 54 ss Cst.)\n- L'obligation de respecter les droits fondamentaux (→ art. 35 Cst.)\n- La primauté du droit fédéral (→ art. 49 Cst.)\n- Les obligations de droit international (→ art. 5 al. 4 Cst.)\n\n**Ch. 7** **Exercice de tous les droits non transférés** : Cette formulation concrétise la compétence générale subsidiaire des cantons. Elle comprend :\n- Les compétences législatives originaires\n- Les compétences d'exécution (y compris pour le droit fédéral, sauf disposition contraire)\n- L'autonomie d'organisation\n- L'autonomie financière dans le cadre des limites constitutionnelles\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 8** **Répartition des compétences** : L'art. 3 Cst. entraîne une répartition sans lacune des compétences étatiques entre la Confédération et les cantons. Les nouvelles tâches étatiques relèvent automatiquement de la compétence cantonale, sauf si une révision constitutionnelle les attribue à la Confédération (**ATF 130 I 156 c. 2.5**).\n\n**Ch. 9** **Répartition du fardeau de la preuve** : En cas de conflits de compétences, la Confédération porte en principe le fardeau de la preuve qu'elle dispose de la compétence revendiquée. Les cantons n'ont pas à prouver positivement leur compétence, car ils disposent de la présomption de compétence (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, art. 3 ch. 15).\n\n**Ch. 10** **Protection de l'autonomie cantonale** : L'art. 3 Cst. fonde un droit constitutionnel des cantons au respect de leur souveraineté. Cela comprend :\n- La protection contre les interventions fédérales excessives\n- Le droit à la conception politique autonome dans les domaines de compétence cantonaux\n- L'autonomie d'organisation dans l'exécution du droit fédéral\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 11** **Étendue de l'autonomie d'organisation** : En doctrine, l'étendue de l'autonomie d'organisation cantonale dans l'exécution du droit fédéral est controversée. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 8 ch. 12) défendent une interprétation large selon laquelle les cantons sont en principe libres tant que le droit fédéral ne contient pas de prescriptions explicites. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 658) plaident pour une interprétation plus restrictive qui mise davantage sur l'efficacité de l'exécution du droit fédéral.\n\n**Ch. 12** **Nouvelles tâches étatiques** : Il est controversé de savoir si toutes les nouvelles tâches étatiques reviennent vraiment automatiquement aux cantons. Biaggini (BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 3 ch. 8) argumente qu'en cas de phénomènes transfrontaliers, une compétence fédérale implicite pourrait exister. La doctrine dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, art. 3 ch. 12 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, ch. 1058) maintient au contraire l'exigence d'une base constitutionnelle explicite.\n\n**Ch. 13** **Rapport à l'art. 43a Cst.** : Le rapport exact entre la compétence générale subsidiaire selon l'art. 3 Cst. et le principe de subsidiarité selon l'→ art. 43a Cst. n'est pas clair. Schweizer (in : Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, art. 43a ch. 6) considère l'art. 43a comme une simple concrétisation de l'art. 3. Waldmann (BSK BV, art. 43a ch. 8) défend l'opinion que l'art. 43a contient une limite de compétence matérielle autonome.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 14** **Examen des compétences** : Lors de l'examen de conflits de compétences, il faut toujours partir du principe de la compétence cantonale. La compétence fédérale doit pouvoir s'appuyer sur une norme constitutionnelle explicite. Les compétences implicites ne sont à reconnaître que dans des cas d'exception étroits (en raison du contexte factuel ou comme compétence inhérente).\n\n**Ch. 15** **Législation cantonale** : Les cantons peuvent légiférer dans leurs domaines de compétence même si la Confédération reste inactive. Ils ne doivent pas attendre une réglementation fédérale. En cas d'adoption ultérieure de droit fédéral, celui-ci prime cependant (→ art. 49 Cst.).\n\n**Ch. 16** **Droit d'exécution** : Dans l'exécution du droit fédéral, les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable dans la mesure où le droit fédéral ne contient pas de réglementations exhaustives. En particulier, les questions d'organisation et de procédure restent souvent réglables au niveau cantonal. La limite est formée par l'entrave au but de la norme fédérale.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 3 Cst. traite principalement de la délimitation de la compétence résiduelle cantonale par rapport au droit fédéral et de l'interprétation de l'ordre fédéral de répartition des compétences. Les arrêts de principe suivants montrent l'évolution de la jurisprudence sur la souveraineté cantonale.\n\n### Principes de la compétence résiduelle cantonale\n\n**ATF 122 I 70** (22 février 1996)\nInterdiction du vol à voile du canton d'Appenzell Rhodes-Intérieures ; délimitation entre compétences fédérales et cantonales dans le droit aéronautique. Le Tribunal fédéral précise les principes des compétences concurrentes et de la compétence résiduelle cantonale dans les domaines non réglés de manière exhaustive.\n\n> « Les cantons sont souverains en tant que leur souveraineté n'est pas limitée par la Constitution fédérale (art. 3 Cst.). Ils ont une compétence législative originaire, qui n'est supprimée que dans la mesure où la Confédération soit est compétente exclusivement, avec effet dérogatoire originaire, soit dans un domaine où elle est compétente de manière concurrente, avec effet dérogatoire subséquent, a fait usage de sa compétence de manière exhaustive. »\n\n**ATF 125 II 152** (1999)\nDélimitation des compétences fédérales et cantonales en matière d'appareils automatiques à sous. Recours de droit public du canton de Saint-Gall contre une ordonnance du Conseil fédéral. L'arrêt précise que les cantons n'ont pas le droit de poursuivre des pratiques contraires au droit fédéral.\n\n> « Le Conseil fédéral n'a pas empiété sur la compétence cantonale en édictant l'ordonnance fédérale sur les appareils automatiques à sous. Les cantons n'ont pas le droit de poursuivre la pratique antérieure d'homologation d'appareils automatiques d'adresse qui s'avère contraire au droit fédéral. »\n\n### Souveraineté fiscale cantonale et compétences en matière d'imposition\n\n**ATF 140 I 176** (27 mars 2014)\nAdmissibilité d'un impôt communal sur les résidences secondaires malgré l'initiative fédérale sur les résidences secondaires. L'arrêt confirme la compétence originaire cantonale en matière d'imposition même dans les domaines de compétence fédérale, pour autant qu'il n'existe pas de réglementation exhaustive.\n\n> « La commune est compétente pour introduire cet impôt : l'initiative sur les résidences secondaires acceptée lors de la votation populaire fédérale du 11 mars 2012, resp. l'art. 75b Cst. nouvellement créé, ne contient pas d'approche de solution globale et donc exhaustive pour la problématique des 'lits froids' et ne s'oppose donc pas à l'impôt communal sur les résidences secondaires en cause. »\n\n**ATF 133 I 206** (1er juin 2007)\nConstitutionnalité des barèmes fiscaux dégressifs obwaldiens ; autonomie tarifaire des cantons. Le Tribunal fédéral reconnaît l'autonomie cantonale dans l'aménagement du droit fiscal sous réserve des limites constitutionnelles.\n\n> « Autonomie tarifaire des cantons : Les cantons ont en principe la faculté d'aménager leurs barèmes fiscaux selon leur libre appréciation, pour autant que des limites constitutionnelles ne s'y opposent pas. »\n\n### Fédéralisme d'exécution et conflits de compétences\n\n**ATF 142 II 182** (24 mai 2016)  \nCompétence locale pour la saisie fiscale fédérale de prestations en capital en cas de changement de canton. L'arrêt précise le rôle des cantons dans le fédéralisme d'exécution et les limites des ordonnances administratives de la Confédération.\n\n> « Le canton localement compétent a le 'droit-obligation' de percevoir et de taxer l'impôt fédéral direct. En cas de prestations en capital de prévoyance, l'imposition spéciale doit être effectuée par le canton d'échéance selon l'art. 216 al. 1 LIFD 1990. L'ordonnance administrative de l'AFC, selon laquelle le canton de domicile devrait être compétent en cas de déménagement, viole le droit fédéral et reste donc sans effet. »\n\n### Pouvoir de police cantonal et compétences d'ordre public\n\n**ATF 128 I 102** (30 janvier 2002)  \nConstitutionnalité d'une taxe de patente pour l'industrie hôtelière du canton de Soleure. L'arrêt confirme la compétence originaire cantonale pour les redevances d'ordre public dans le domaine du pouvoir de police.\n\n> « Réserve constitutionnelle pour les impôts cantonaux (art. 132 CV/SO) ; bases légales des taxes de patente selon l'ancienne et la nouvelle loi économique du canton de Soleure. La compétence cantonale pour la perception de redevances d'ordre public découle du pouvoir de police originaire des cantons. »\n\n**ATF 129 IV 276** (2003)\nDispositions pénales cantonales dans le domaine de la police du feu ; délimitation par rapport au droit pénal fédéral. L'arrêt précise la faculté des cantons de sanctionner pénalement dans les domaines de compétence cantonale.\n\n> « Faculté des cantons de sanctionner pénalement le non-respect de prescriptions sur la lutte contre l'incendie. Le pouvoir pénal cantonal subsiste pour autant que le droit pénal fédéral ne règle pas de manière exhaustive. »\n\n### Coopération et coordination intercantonales\n\n**ATF 134 I 23** (15 janvier 2008)\nContrôle abstrait des normes ; force dérogatoire du droit fédéral. La loi valaisanne sur les institutions de prévoyance étatiques viole le droit fédéral. L'arrêt montre les limites de la législation cantonale dans les matières réglées par le droit fédéral.\n\n> « La LEI, qui règle notamment la prévoyance professionnelle, viole sur différents points des dispositions impératives du droit fédéral, notamment la LFus et la LPP. »\n\n### Développements actuels\n\n**ATF 150 II 527** (18 juillet 2024)\nRépartition fiscale intercantonale ; évaluation des immeubles utilisés à des fins agricoles ou sylvicoles. Le dernier arrêt confirme les obligations de coordination des cantons dans les cas intercantonaux.\n\n> « Lors de la répartition fiscale intercantonale, la fortune doit être évaluée de manière uniforme. Pour la question de savoir si un immeuble est considéré comme utilisé à des fins agricoles ou sylvicoles et doit être évalué à la valeur de rendement, il faut s'en tenir à la qualification du canton où se trouve l'immeuble. »\n\n**ATF 148 I 65** (28 juillet 2021)\nInterdiction de la double imposition intercantonale ; hiérarchie fonctionnelle entre droit fiscal cantonal et intercantonal. L'arrêt précise les limites de la souveraineté fiscale cantonale dans les cas transfrontaliers.\n\n> « Principes du droit de la double imposition intercantonale et hiérarchie fonctionnelle entre droit fiscal cantonal et intercantonal, notamment concernant la délimitation des facteurs fiscaux. La souveraineté fiscale cantonale trouve sa limite dans l'interdiction de la double imposition intercantonale. »", "summary_it": "# Art. 3 Cost. — Cantoni\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 3 della Costituzione federale disciplina la ripartizione dei compiti tra la Confederazione e i 26 Cantoni. Esso stabilisce il principio fondamentale del federalismo svizzero (forma di Stato con competenze ripartite).\n\nI Cantoni dispongono di una competenza generale sussidiaria. Ciò significa che tutti i compiti statali spettano in linea di principio ai Cantoni, salvo che la Costituzione federale li attribuisca espressamente alla Confederazione. La Confederazione può agire solo se una norma costituzionale glielo consente. I Cantoni sono sovrani nei loro ambiti di competenza e possono emanare leggi autonomamente e configurare la politica.\n\nSono interessati tutti i cittadini e tutte le cittadine come pure tutte le autorità. A seconda dell'ambito di compiti, i privati si rivolgono alle autorità cantonali o federali. In caso di problemi giuridici, i tribunali devono verificare se sia competente la Confederazione o il Cantone.\n\nLa conseguenza giuridica più importante è la ripartizione completa delle competenze: ogni compito statale spetta alla Confederazione o ai Cantoni. In caso di incertezze vale la presunzione a favore dei Cantoni. Essi non devono provare la loro competenza, bensì la Confederazione deve dimostrare di disporre di una competenza.\n\nUn esempio concreto: il sistema educativo è disciplinato in linea di principio a livello cantonale (piani di studio, organizzazione scolastica, formazione degli insegnanti). La Confederazione può agire solo in ambiti speciali per i quali la Costituzione le attribuisce una competenza, ad esempio nella formazione professionale o nelle scuole universitarie. Nuovi ambiti come la digitalizzazione delle scuole rientrano automaticamente nella competenza cantonale, fintanto che nessuna modifica costituzionale li attribuisce alla Confederazione.\n\nLa sovranità cantonale non è tuttavia assoluta, bensì è limitata dalla Costituzione federale. I Cantoni devono rispettare i diritti fondamentali, applicare il diritto federale e rispettare gli obblighi di diritto internazionale.", "doctrine_it": "# Art. 3 Cost. — Cantoni\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 3 Cost. corrisponde per contenuto al precedente art. 3 aCost. del 1848/1874. La norma è stata ripresa immutata nella revisione totale del 1999, poiché è considerata un principio fondamentale dello Stato federale svizzero (FF 1997 I 1, 119). Il messaggio sottolinea che la sovranità cantonale «rappresenta l'elemento costitutivo dello Stato federale» e pertanto rimane sancita in posizione prominente nella Costituzione (FF 1997 I 119).\n\n**N. 2** L'evoluzione storica mostra uno spostamento continuo di competenze verso la Confederazione. Tuttavia, l'art. 3 Cost. mantenne la sua funzione di norma fondamentale dell'ordinamento federalista delle competenze. I costituenti del 1999 sottolinearono espressamente che, malgrado le tendenze di centralizzazione di fatto, si doveva mantenere il principio della competenza generale sussidiaria dei Cantoni (FF 1997 I 119 sg.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 3 Cost. si trova sistematicamente all'inizio del Titolo 1° sulle «Disposizioni generali» e forma, insieme all'→ art. 1 Cost. (Confederazione Svizzera) e all'→ art. 2 Cost. (Scopo), la base dell'ordinamento federale. La norma è strettamente collegata con:\n- → art. 42 Cost. (Compiti della Confederazione)\n- → art. 43 Cost. (Compiti dei Cantoni)\n- → art. 43a Cost. (Principio di sussidiarietà)\n- → art. 44 Cost. (Principi della collaborazione)\n- → art. 47 Cost. (Autonomia dei Cantoni)\n\n**N. 4** Nel contesto della ripartizione delle competenze, l'art. 3 Cost. costituisce il pendant del principio dell'abilitazione singola della Confederazione. Mentre la Confederazione possiede soltanto quelle competenze che la Costituzione le attribuisce espressamente, i Cantoni dispongono di una presunzione di competenza per tutti i compiti non esplicitamente trasferiti alla Confederazione (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, n. 1056).\n\n### 3. Elementi costitutivi del fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Sovranità cantonale**: La sovranità dei Cantoni non è assoluta, bensì relativa nell'ambito dell'ordinamento federale. Si differenzia fondamentalmente dalla sovranità di diritto internazionale e significa l'autonomia garantita dal diritto costituzionale negli ambiti di competenza rimasti ai Cantoni (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo Cost., art. 3 n. 4).\n\n**N. 6** **Limitazione attraverso la Costituzione federale**: La sovranità cantonale trova i suoi limiti nella Costituzione federale stessa. Ciò include:\n- Attribuzioni di competenza esplicite alla Confederazione (art. 54 segg. Cost.)\n- Vincolo dei diritti fondamentali (→ art. 35 Cost.)\n- Primato del diritto federale (→ art. 49 Cost.)\n- Obblighi di diritto internazionale (→ art. 5 cpv. 4 Cost.)\n\n**N. 7** **Esercizio di tutti i diritti non trasferiti**: Questa formulazione concretizza la competenza generale sussidiaria dei Cantoni. Comprende:\n- Competenze legislative originarie\n- Competenze esecutive (anche per il diritto federale, nella misura in cui non sia stabilito diversamente)\n- Autonomia organizzativa\n- Autonomia finanziaria nel quadro dei limiti costituzionali\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** **Ripartizione delle competenze**: Dall'art. 3 Cost. deriva una ripartizione senza lacune delle competenze statali tra Confederazione e Cantoni. Nuovi compiti statali rientrano automaticamente nella competenza cantonale, a meno che una revisione costituzionale non li attribuisca alla Confederazione (**DTF 130 I 156 consid. 2.5**).\n\n**N. 9** **Ripartizione dell'onere della prova**: In caso di conflitti di competenza, in linea di principio spetta alla Confederazione l'onere della prova di disporre della competenza rivendicata. I Cantoni non devono dimostrare positivamente la loro competenza, poiché dispongono della presunzione di competenza (Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cost., art. 3 n. 15).\n\n**N. 10** **Protezione dell'autonomia cantonale**: L'art. 3 Cost. fonda un diritto costituzionale dei Cantoni al rispetto della loro sovranità. Ciò comprende:\n- Protezione da interventi federali eccessivi\n- Diritto alla configurazione politica autonoma negli ambiti di competenza cantonali\n- Autonomia organizzativa nell'esecuzione del diritto federale\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** **Portata dell'autonomia organizzativa**: Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda l'autonomia organizzativa cantonale nell'esecuzione del diritto federale. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 8 n. 12) sostengono un'interpretazione ampia, secondo cui i Cantoni sono in linea di principio liberi, purché il diritto federale non preveda disposizioni esplicite. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, n. 658) propendono per un'interpretazione più restrittiva, che si orienti maggiormente sull'efficacia dell'esecuzione del diritto federale.\n\n**N. 12** **Nuovi compiti statali**: È discusso in modo controverso se tutti i nuovi compiti statali spettino davvero automaticamente ai Cantoni. Biaggini (Commentario Cost., 2a ed. 2017, art. 3 n. 8) argomenta che in caso di fenomeni transfrontalieri potrebbe sussistere una competenza federale implicita. La dottrina prevalente (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo Cost., art. 3 n. 12; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1058) mantiene invece il requisito di una base costituzionale esplicita.\n\n**N. 13** **Rapporto con l'art. 43a Cost.**: Non è chiaro l'esatto rapporto tra la competenza generale sussidiaria secondo l'art. 3 Cost. e il principio di sussidiarietà secondo l'→ art. 43a Cost. Schweizer (in: Ehrenzeller et al., Commentario di San Gallo Cost., art. 43a n. 6) vede l'art. 43a come mera concretizzazione dell'art. 3. Waldmann (BSK Cost., art. 43a n. 8) sostiene la tesi che l'art. 43a contenga un limite di competenza materiale autonomo.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** **Verifica delle competenze**: Nella verifica di conflitti di competenza bisogna sempre partire dal principio della competenza cantonale. La competenza federale deve potersi basare su una norma costituzionale esplicita. Competenze implicite sono da riconoscere solo in ristretti casi eccezionali (in forza del nesso materiale o come competenza inerente).\n\n**N. 15** **Legislazione cantonale**: I Cantoni possono legiferare nei loro ambiti di competenza anche quando la Confederazione rimane inattiva. Non devono attendere una regolamentazione federale. In caso di emanazione successiva di diritto federale, questo ha tuttavia la precedenza (→ art. 49 Cost.).\n\n**N. 16** **Diritto di esecuzione**: Nell'esecuzione del diritto federale i Cantoni dispongono di considerevole margine di configurazione, nella misura in cui il diritto federale non contenga regolamentazioni conclusive. In particolare, questioni organizzative e procedurali rimangono spesso regolabili a livello cantonale. Il limite è costituito dal vanificare lo scopo della norma federale.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 3 Cost. si occupa principalmente della delimitazione della competenza residua cantonale rispetto al diritto federale e dell'interpretazione dell'ordine federale delle competenze. Le seguenti decisioni direttive mostrano l'evoluzione della giurisprudenza sulla sovranità cantonale.\n\n### Principi della competenza residua cantonale\n\n**DTF 122 I 70** (22 febbraio 1996)\nDivieto di volo con deltaplano del Cantone di Appenzello Interno; delimitazione tra competenze federali e cantonali nel diritto aeronautico. Il Tribunale federale precisa i principi delle competenze concorrenti e della competenza residua cantonale in settori non disciplinati in modo conclusivo.\n\n> «I Cantoni sono sovrani nei limiti in cui la loro sovranità non è limitata dalla Costituzione federale (art. 3 Cost.). Essi hanno una competenza legislativa originaria, che è abolita soltanto nella misura in cui la Confederazione è competente esclusivamente, con effetto derogatorio originario, oppure in un settore in cui è competente in modo concorrente, con effetto derogatorio successivo, e ha fatto uso della sua competenza in modo conclusivo.»\n\n**DTF 125 II 152** (1999)\nDelimitazione delle competenze federali e cantonali per gli apparecchi automatici da gioco a pagamento. Ricorso di diritto pubblico del Cantone di San Gallo contro ordinanza del Consiglio federale. La sentenza chiarisce che i Cantoni non hanno diritto alla continuazione di pratiche contrarie al diritto federale.\n\n> «Il Consiglio federale, emanando l'ordinanza federale sugli apparecchi automatici da gioco a pagamento, non è intervenuto nella competenza cantonale. Non sussiste alcun diritto dei Cantoni alla continuazione della prassi precedente di omologazione degli apparecchi automatici da gioco d'abilità, che si rivela contraria al diritto federale.»\n\n### Sovranità fiscale cantonale e competenze tributarie\n\n**DTF 140 I 176** (27 marzo 2014)\nAmmissibilità di un'imposta comunale sulle abitazioni secondarie nonostante l'iniziativa federale sulle abitazioni secondarie. La sentenza conferma la competenza cantonale originaria in materia di imposizione anche in settori con competenza federale, purché non sussista una disciplina conclusiva.\n\n> «Il Comune è competente per l'introduzione di questa imposta: l'iniziativa sulle abitazioni secondarie accettata nella votazione popolare federale dell'11 marzo 2012, rispettivamente il nuovo art. 75b Cost. così creato, non contengono un approccio risolutivo globale e quindi conclusivo per la problematica dei cosiddetti 'letti freddi' e di conseguenza non si oppongono all'imposta comunale sulle abitazioni secondarie qui controversa.»\n\n**DTF 133 I 206** (1° giugno 2007)\nCostituzionalità delle tariffe fiscali degressive di Obvaldo; autonomia tariffaria dei Cantoni. Il Tribunale federale riconosce l'autonomia cantonale nella configurazione del diritto fiscale sotto riserva di limiti costituzionali.\n\n> «Autonomia tariffaria dei Cantoni: I Cantoni hanno fondamentalmente la facoltà di configurare le loro tariffe fiscali secondo proprio apprezzamento, purché non vi si oppongano limiti costituzionali.»\n\n### Federalismo esecutivo e conflitti di competenze\n\n**DTF 142 II 182** (24 maggio 2016)  \nCompetenza locale per la rilevazione fiscale federale di prestazioni in capitale in caso di cambiamento di Cantone. La sentenza precisa il ruolo dei Cantoni nel federalismo esecutivo e i limiti delle ordinanze amministrative della Confederazione.\n\n> «Il Cantone localmente competente ha il 'diritto-obbligo' di riscossione e tassazione dell'imposta federale diretta. Nel caso di prestazioni in capitale dalla previdenza, secondo l'art. 216 cpv. 1 LIFD 1990 la tassazione speciale deve essere effettuata dal Cantone di scadenza. L'ordinanza amministrativa dell'AFC secondo cui in casi di trasferimento dovrebbe essere competente il Cantone di domicilio, viola il diritto federale e rimane pertanto inosservata.»\n\n### Potere di polizia cantonale e competenze d'ordine\n\n**DTF 128 I 102** (30 gennaio 2002)  \nCostituzionalità di una tassa di patente per esercizi pubblici del Cantone di Soletta. La sentenza conferma la competenza cantonale originaria per le tasse d'ordine nell'ambito del potere di polizia.\n\n> «Riserva costituzionale per le imposte cantonali (art. 132 Cost. cant./SO); basi legali delle tasse di patente secondo la vecchia e nuova legge economica del Cantone di Soletta. La competenza cantonale per la riscossione di tasse d'ordine deriva dal potere di polizia originario dei Cantoni.»\n\n**DTF 129 IV 276** (2003)\nDisposizioni penali cantonali nell'ambito della polizia del fuoco; delimitazione rispetto al diritto penale federale. La sentenza chiarisce la facoltà dei Cantoni di sanzionare penalmente in settori di competenza cantonale.\n\n> «Facoltà dei Cantoni di minacciare con pena l'inosservanza di prescrizioni sulla lotta contro gli incendi. Il potere punitivo cantonale sussiste nella misura in cui il diritto penale federale non disciplina in modo conclusivo.»\n\n### Cooperazione e coordinamento intercantonali\n\n**DTF 134 I 23** (15 gennaio 2008)\nControllo astratto di norme; forza derogatoria del diritto federale. La legge vallesana sugli enti di previdenza statali viola il diritto federale. La sentenza mostra i limiti della legislazione cantonale in materie disciplinate dal diritto federale.\n\n> «La LEntPrev, che disciplina tra l'altro la previdenza del personale, viola in diversi punti le disposizioni imperative del diritto federale, segnatamente la LFus e la LPP.»\n\n### Sviluppi attuali\n\n**DTF 150 II 527** (18 luglio 2024)\nRipartizione fiscale intercantonale; valutazione di fondi utilizzati per l'agricoltura o la selvicoltura. La sentenza più recente conferma gli obblighi di coordinamento dei Cantoni in situazioni intercantonali.\n\n> «Nella ripartizione fiscale intercantonale il patrimonio deve essere valutato unitariamente. Per la questione se un fondo sia considerato utilizzato per l'agricoltura o la selvicoltura e debba essere valutato al valore di reddito, ci si deve basare sulla qualificazione del Cantone in cui si trova l'immobile.»\n\n**DTF 148 I 65** (28 luglio 2021)\nDivieto della doppia imposizione intercantonale; gerarchia funzionale tra diritto fiscale cantonale e intercantonale. La sentenza precisa i limiti della sovranità fiscale cantonale in situazioni transfrontaliere.\n\n> «Principi del diritto della doppia imposizione intercantonale e gerarchia funzionale tra diritto fiscale cantonale e intercantonale, in particolare riguardo alla delimitazione dei fattori fiscali. La sovranità fiscale cantonale trova il suo limite nel divieto della doppia imposizione intercantonale.»", "summary_en": "# Art. 3 BV — Cantons\n\n## Overview\n\nArticle 3 of the Federal Constitution regulates the division of tasks between the Confederation and the 26 cantons. It establishes the fundamental principle of Swiss federalism (form of state with divided competences).\n\nThe cantons have a subsidiary general competence. This means: all state tasks belong in principle to the cantons, unless the Federal Constitution expressly transfers them to the Confederation. The Confederation may only act if a constitutional provision gives it permission to do so. The cantons are sovereign within their areas of competence and can independently enact laws and shape policy.\n\nAll citizens and all authorities are affected. Depending on the area of responsibility, private individuals turn to cantonal or federal authorities. In legal disputes, courts must examine whether the Confederation or the canton has jurisdiction.\n\nThe most important legal consequence is the seamless distribution of competences: every state task belongs either to the Confederation or to the cantons. In cases of uncertainty, the presumption is in favour of the cantons. They do not have to prove their jurisdiction, but the Confederation must demonstrate that it has competence.\n\nA concrete example: The education system is regulated in principle at cantonal level (curricula, school organisation, teacher training). The Confederation can only act in special areas for which the Constitution gives it competence, such as vocational education and training or universities. New areas such as the digitalisation of schools automatically fall under cantonal jurisdiction, as long as no constitutional amendment assigns them to the Confederation.\n\nHowever, cantonal sovereignty is not absolute, but is limited by the Federal Constitution. The cantons must respect fundamental rights, apply federal law and respect obligations under international law.", "doctrine_en": "# Art. 3 BV — Cantons\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 3 BV corresponds in substance to the former Art. 3 old BV of 1848/1874. The provision was adopted unchanged during the total revision of 1999, as it is considered a fundamental principle of the Swiss federal state (Federal Gazette 1997 I 1, 119). The Federal Council's message emphasises that cantonal sovereignty «constitutes the constitutive element of the federal state» and therefore remains anchored at a prominent position in the Constitution (Federal Gazette 1997 I 119).\n\n**N. 2** Historical development shows a continuous shift of competences to the Confederation. Nevertheless, Art. 3 BV retained its function as the basic norm of the federalist allocation of competences. The constitutional framers of 1999 explicitly emphasised that despite factual centralising tendencies, the principle of subsidiary general competence of the cantons should be maintained (Federal Gazette 1997 I 119f.).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 3 BV stands systematically at the beginning of Title 1 on «General Provisions» and forms, together with → Art. 1 BV (Swiss Confederation) and → Art. 2 BV (Purpose), the foundation of the federal state order. The provision is closely linked with:\n- → Art. 42 BV (Tasks of the Confederation)\n- → Art. 43 BV (Tasks of the cantons)\n- → Art. 43a BV (Principle of subsidiarity)\n- → Art. 44 BV (Principles of cooperation)\n- → Art. 47 BV (Independence of the cantons)\n\n**N. 4** In the context of the allocation of competences, Art. 3 BV forms the counterpart to the principle of individual authorisation of the Confederation. Whereas the Confederation only possesses those competences that the Constitution expressly assigns to it, the cantons have a presumption of competence for all tasks not explicitly transferred to the Confederation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1056).\n\n### 3. Elements of the provision / Normative content\n\n**N. 5** **Cantonal sovereignty**: The sovereignty of the cantons is not absolute, but relative sovereignty within the federal state order. It differs fundamentally from sovereignty under international law and means constitutionally guaranteed independence in the areas of competence remaining to the cantons (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary BV, Art. 3 N 4).\n\n**N. 6** **Limitation by the Federal Constitution**: Cantonal sovereignty finds its limits in the Federal Constitution itself. These include:\n- Explicit allocations of competence to the Confederation (Art. 54ff. BV)\n- Fundamental rights obligations (→ Art. 35 BV)\n- Supremacy of federal law (→ Art. 49 BV)\n- International law obligations (→ Art. 5 para. 4 BV)\n\n**N. 7** **Exercise of all rights not transferred**: This formulation concretises the subsidiary general competence of the cantons. It encompasses:\n- Original legislative competences\n- Executive competences (also for federal law, insofar as not otherwise determined)\n- Organisational autonomy\n- Financial autonomy within the bounds of constitutional limitations\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** **Allocation of competences**: Art. 3 BV results in a seamless division of state competences between the Confederation and the cantons. New state tasks automatically fall under cantonal competence unless a constitutional revision assigns them to the Confederation (**BGE 130 I 156 E. 2.5**).\n\n**N. 9** **Distribution of burden of proof**: In conflicts over competence, the Confederation generally bears the burden of proof that it possesses the claimed competence. The cantons do not have to positively prove their competence, as they have the presumption of competence (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 3 N 15).\n\n**N. 10** **Protection of cantonal independence**: Art. 3 BV establishes a constitutional claim of the cantons to respect for their sovereignty. This encompasses:\n- Protection from excessive federal interventions\n- Right to independent policy-making in cantonal areas of competence\n- Organisational autonomy in the implementation of federal law\n\n### 5. Contentious issues\n\n**N. 11** **Scope of organisational autonomy**: In legal scholarship it is disputed how far cantonal organisational autonomy extends in the implementation of federal law. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 8 N 12) advocate a broad interpretation, according to which the cantons are generally free as long as federal law makes no explicit requirements. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 658) argue for a more restrictive interpretation that focuses more strongly on the effectiveness of federal law implementation.\n\n**N. 12** **New state tasks**: It is controversially discussed whether truly all new state tasks automatically fall to the cantons. Biaggini (BV Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 3 N 8) argues that with cross-border phenomena, an implicit federal competence could exist. The prevailing doctrine (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary BV, Art. 3 N 12; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1058) maintains, by contrast, the requirement of an explicit constitutional basis.\n\n**N. 13** **Relationship to Art. 43a BV**: The exact relationship between the subsidiary general competence under Art. 3 BV and the principle of subsidiarity under → Art. 43a BV is unclear. Schweizer (in: Ehrenzeller et al., St. Gallen Commentary BV, Art. 43a N 6) sees Art. 43a as a mere concretisation of Art. 3. Waldmann (BSK BV, Art. 43a N 8) takes the view that Art. 43a contains an independent substantive limitation on competence.\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 14** **Competence examination**: When examining conflicts over competence, one must always proceed from the principle of cantonal competence. Federal competence must be based on an explicit constitutional provision. Implicit competences are only to be recognised in narrow exceptional cases (by virtue of factual connection or as inherent competence).\n\n**N. 15** **Cantonal legislation**: The cantons may legislate in their areas of competence even when the Confederation remains inactive. They do not have to wait for federal regulation. However, subsequent enactment of federal law takes precedence (→ Art. 49 BV).\n\n**N. 16** **Implementation law**: In the implementation of federal law, the cantons have considerable scope for action, insofar as federal law does not contain exhaustive regulations. In particular, organisational and procedural questions often remain subject to cantonal regulation. The limit is formed by the frustration of the purpose of the federal provision.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 3 Fed. Const. primarily deals with the delimitation of residual cantonal competence from federal law and the interpretation of the federal distribution of powers. The following leading decisions show the development of case law on cantonal sovereignty.\n\n### Principles of Residual Cantonal Competence\n\n**BGE 122 I 70** (22 February 1996)\nHang-gliding prohibition by the Canton of Appenzell Innerrhoden; delimitation between federal and cantonal competences in aviation law. The Federal Supreme Court clarifies the principles of concurrent competences and residual cantonal competence in areas not exhaustively regulated.\n\n> «The cantons are sovereign insofar as their sovereignty is not limited by the Federal Constitution (Art. 3 Fed. Const.). They have original legislative competence, which is only suspended insofar as the Confederation either has exclusive competence, with originally derogatory effect, or has exhaustively exercised its competence in an area where it has concurrent competence with subsequently derogatory effect.»\n\n**BGE 125 II 152** (1999)\nDelimitation of federal and cantonal competences for gaming machines. Constitutional appeal by the Canton of St. Gallen against Federal Council ordinance. The judgment clarifies that cantons have no right to continue practices that violate federal law.\n\n> «The Federal Council did not encroach upon cantonal jurisdiction by enacting the federal gaming machine ordinance. Cantons have no right to continue the previous practice of homologating skill gaming machines that proves to violate federal law.»\n\n### Cantonal Tax Sovereignty and Taxation Powers\n\n**BGE 140 I 176** (27 March 2014)\nAdmissibility of a municipal second home tax despite the federal second home initiative. The judgment confirms the original cantonal competence for taxation even in areas with federal competence, insofar as no exhaustive regulation exists.\n\n> «The municipality is competent to introduce this tax: The second home initiative accepted in the federal popular vote of 11 March 2012, or the newly created Art. 75b Fed. Const., does not contain a comprehensive and thus exhaustive approach to the problem of so-called 'cold beds' and therefore does not conflict with the municipal second home tax in dispute here.»\n\n**BGE 133 I 206** (1 June 2007)\nConstitutionality of degressive Obwalden tax rates; tariff autonomy of the cantons. The Federal Supreme Court recognizes cantonal autonomy in tax law design subject to constitutional limitations.\n\n> «Tariff autonomy of the cantons: The cantons generally have the authority to design their tax rates at their own discretion, insofar as constitutional barriers do not stand in the way.»\n\n### Executive Federalism and Conflicts of Competence\n\n**BGE 142 II 182** (24 May 2016)  \nLocal jurisdiction for federal tax assessment of capital benefits upon change of canton. The judgment clarifies the role of cantons in executive federalism and the limits of federal administrative ordinances.\n\n> «The locally competent canton has the 'mandatory right' to levy and assess direct federal tax. In the case of capital benefits from pension schemes, according to Art. 216 para. 1 DFTA 1990, special assessment is to be conducted by the canton where the benefit falls due. The SFTA administrative ordinance stating that in cases of moving away the canton of residence should be competent violates federal law and therefore remains irrelevant.»\n\n### Cantonal Police Powers and Regulatory Competences\n\n**BGE 128 I 102** (30 January 2002)  \nConstitutionality of a hospitality patent fee by the Canton of Solothurn. The judgment confirms the original cantonal competence for regulatory fees in the area of police powers.\n\n> «Constitutional reservation for cantonal taxes (Art. 132 Cant. Const./SO); legal bases for patent fees according to the old and new Economic Act of the Canton of Solothurn. The cantonal competence to levy regulatory fees follows from the original police powers of the cantons.»\n\n**BGE 129 IV 276** (2003)\nCantonal criminal provisions in the area of fire police; delimitation from federal criminal law. The judgment clarifies the authority of cantons to impose criminal sanctions in areas of cantonal jurisdiction.\n\n> «Authority of cantons to threaten punishment for disregarding provisions on fire prevention. Cantonal criminal jurisdiction remains where federal criminal law does not exhaustively regulate.»\n\n### Intercantonal Cooperation and Coordination\n\n**BGE 134 I 23** (15 January 2008)\nAbstract judicial review; derogatory force of federal law. Valais law on state pension institutions violates federal law. The judgment shows the limits of cantonal legislation in matters regulated by federal law.\n\n> «The GVE, which inter alia regulates occupational pension schemes, violates mandatory provisions of federal law in various points, notably the Merger Act and the BVG.»\n\n### Recent Developments\n\n**BGE 150 II 527** (18 July 2024)\nIntercantonal tax allocation; valuation of agricultural or forestry real estate. The most recent judgment confirms the coordination obligations of cantons in intercantonal matters.\n\n> «In intercantonal tax allocation, assets must be valued uniformly. For the question of whether real estate qualifies as agricultural or forestry use and is to be valued at earning capacity, the qualification by the canton where the property is located applies.»\n\n**BGE 148 I 65** (28 July 2021)\nProhibition of intercantonal double taxation; functional hierarchy between cantonal and intercantonal tax law. The judgment clarifies the limits of cantonal tax sovereignty in cross-border situations.\n\n> «Principles of intercantonal double taxation law and functional hierarchy between cantonal and intercantonal tax law, particularly concerning the delimitation of tax factors. Cantonal tax sovereignty finds its limit in the prohibition of intercantonal double taxation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_3", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 4, "article_suffix": "", "title": "Landessprachen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 4 der Bundesverfassung erklärt Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch zu den vier Landessprachen der Schweiz. Diese Bestimmung steht bewusst am Anfang der Verfassung und zeigt, wie wichtig die Mehrsprachigkeit für unser Land ist.\n\nDie vier Landessprachen sind alle gleichberechtigt (gleichwertig). Das bedeutet: Keine Sprache ist wichtiger als die andere. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Landessprachen und Amtssprachen. Amtssprachen sind die Sprachen, die Behörden im täglichen Geschäft verwenden müssen. Der Bund arbeitet mit Deutsch, Französisch und Italienisch. Rätoromanisch ist nur dann Amtssprache, wenn jemand Rätoromanisch spricht.\n\nArtikel 4 ist ein Staatsziel. Das heisst: Er gibt den Behörden vor, was sie erreichen sollen. Einzelne Personen können aber nicht vor Gericht gehen und sagen: \"Ich will ein Dokument auf Rätoromanisch!\" Dafür braucht es andere Gesetze.\n\nEin praktisches Beispiel: Wenn das Parlament ein wichtiges Gesetz macht, muss es in allen vier Landessprachen übersetzt werden. Beim Rätoromanischen gibt es aber Ausnahmen, weil der Aufwand sehr gross wäre.\n\nDie Bestimmung schützt auch die sprachlichen Minderheiten. Kantone und Gemeinden müssen darauf achten, dass kleinere Sprachgruppen nicht verschwinden. So bleiben alle vier Sprachen als lebendiger Teil der Schweizer Kultur erhalten.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 4 BV geht auf Art. 116 aBV von 1938 zurück, der erstmals die vier Landessprachen verfassungsrechtlich verankerte. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 138) hält fest, dass die Bestimmung die sprachliche Vielfalt als Wesensmerkmal der Schweiz deklariert. Die Aufnahme des Rätoromanischen als vierte Landessprache erfolgte 1938 nach einer Volksabstimmung mit 91,6% Ja-Stimmen als Zeichen gegen faschistische Irredenta-Bestrebungen.\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision 1999 wurde die Bestimmung unverändert übernommen. Die Verfassungskommission diskutierte eine Hierarchisierung der Sprachen oder eine Unterscheidung zwischen «Landes-» und «Amtssprachen», verwarf diese Ideen jedoch zugunsten der Gleichberechtigung aller vier Sprachen (BBl 1997 I 138f.).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 4 BV steht bewusst am Anfang der Bundesverfassung im ersten Titel «Allgemeine Bestimmungen». Diese Platzierung unterstreicht die fundamentale Bedeutung der Mehrsprachigkeit für das schweizerische Staatsverständnis. Die Norm bildet zusammen mit → Art. 18 BV (Sprachenfreiheit) und → Art. 70 BV (Sprachen) das verfassungsrechtliche Sprachenregime der Schweiz.\n\n**N. 4** Art. 4 BV ist eine programmatische Staatszielbestimmung ohne unmittelbare Justiziabilität. Die konkrete Ausgestaltung der Sprachrechte erfolgt durch die Spezialbestimmungen: Art. 18 BV gewährleistet die individuelle Sprachfreiheit, Art. 70 BV regelt die Amtssprachen von Bund und Kantonen sowie die Förderung der Verständigung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 4 N 3).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** «Landessprachen» sind die vier in der Verfassung genannten Sprachen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Begriff ist vom Begriff der «Amtssprachen» (Art. 70 Abs. 1 BV) zu unterscheiden: Während alle vier Sprachen Landessprachen sind, kennt der Bund nur drei Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch), wobei Rätoromanisch lediglich im Verkehr mit rätoromanischsprachigen Personen Amtssprache ist.\n\n**N. 6** Die Aufzählung der vier Sprachen ist abschliessend. Andere Sprachen – auch wenn sie von grösseren Bevölkerungsgruppen gesprochen werden – geniessen keinen verfassungsrechtlichen Status als Landessprache. Dies schliesst ihre Berücksichtigung im öffentlichen Leben nicht aus, begründet aber keine verfassungsrechtlichen Ansprüche (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 11 N 14).\n\n**N. 7** Das Rätoromanische umfasst sowohl die fünf Schriftidiome (Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader) als auch das 1982 geschaffene Rumantsch Grischun. Das Bundesgericht hat in **2C_806/2012** vom 12. Juli 2013 bestätigt, dass die Wahl zwischen Idiom und Rumantsch Grischun als Schulsprache in die kantonale Kompetenz fällt.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 4 BV begründet keine subjektiven Rechte. Einzelpersonen können sich nicht direkt auf die Bestimmung berufen, um beispielsweise Dokumente in einer bestimmten Landessprache zu verlangen oder Unterricht in ihrer Muttersprache einzufordern (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 995).\n\n**N. 9** Die Norm verpflichtet jedoch Bund und Kantone bei der Rechtsetzung und im Verwaltungshandeln zur Berücksichtigung der sprachlichen Vielfalt. Dies manifestiert sich in der Pflicht zur Übersetzung wichtiger Erlasse, in der mehrsprachigen Ausgestaltung öffentlicher Dienstleistungen und in der Sprachenförderung gemäss → Art. 70 Abs. 3–5 BV.\n\n**N. 10** Für die Gesetzesauslegung folgt aus Art. 4 BV i.V.m. Art. 14 Abs. 1 PublG, dass alle Sprachfassungen gleichwertig sind. Bei Divergenzen ist durch Auslegung der wahre Sinn zu ermitteln, wobei keine Sprachversion automatisch Vorrang hat (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 4 N 8).\n\n## Streitstände\n\n**N. 11** In der Lehre ist umstritten, ob Art. 4 BV einen verfassungsrechtlichen Minderheitenschutz begründet. Ehrenzeller/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 4 N 5) bejahen einen impliziten Schutzauftrag zugunsten der sprachlichen Minderheiten. Rhinow/Schefer (Verfassungsrecht, § 11 N 15) sehen dagegen den Minderheitenschutz primär in Art. 70 BV verankert.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird auch die Bedeutung von Art. 4 BV für Einbürgerungsverfahren. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 456) vertreten die Ansicht, dass Sprachkenntnisse in einer Landessprache genügen müssen. Die Praxis verlangt demgegenüber Kenntnisse in der am Wohnort gesprochenen Sprache, was Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 4 N 3) als sachgerecht erachtet.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Redaktion mehrsprachiger Rechtstexte ist auf die Gleichwertigkeit aller Sprachversionen zu achten. Abweichungen sind zu vermeiden; wo sie bestehen, ist keine Version a priori massgebend. Die Materialien sollten Hinweise auf allfällige Übersetzungsschwierigkeiten enthalten.\n\n**N. 14** In der Verwaltungspraxis ist Art. 4 BV bei der Ausgestaltung von Dienstleistungen zu berücksichtigen. Wichtige Informationen und Formulare sollten in allen Landessprachen verfügbar sein, wobei für das Rätoromanische Ausnahmen zulässig sind, wenn der Aufwand unverhältnismässig wäre.\n\n**N. 15** Für die kantonale Sprachenpolitik folgt aus Art. 4 BV i.V.m. → Art. 70 BV die Pflicht zur Rücksichtnahme auf angestammte sprachliche Minderheiten. Dies betrifft insbesondere die Schulsprachenfrage, wie **2C_806/2012** zeigt: Die Kantone haben einen erheblichen Gestaltungsspielraum, müssen aber die Sprachenvielfalt wahren und fördern.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Gerichtsentscheide zu Art. 4 BV\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 4 BV (Landessprachen) ist ausgesprochen spärlich. Dies liegt daran, dass die Bestimmung als programmatische Verfassungsnorm keinen unmittelbaren Rechtsanspruch begründet, sondern primär die vier gleichberechtigten Landessprachen der Schweiz deklariert. Die praktische Umsetzung der Sprachrechte erfolgt über die Spezialbestimmungen in Art. 18 und 70 BV sowie das Sprachengesetz.\n\n### Frühe Rechtsprechung\n\n**BGE 50 I 100** vom 1. Januar 1924\nFrühe Erwähnung von Art. 4 BV in einem steuerrechtlichen Kontext. \nDiese Entscheidung behandelt interkantonale Doppelbesteuerung und zitiert Art. 4 BV lediglich als eine der anwendbaren Verfassungsbestimmungen.\n\n> «Nach § 2 Ziff. 2 zürch. StG unterliegen die juristischen Personen mit Sitz im Kanton Zürich der zürcherischen Besteuerung.»\n\n**BGE 54 I 301** vom 1. Januar 1928\nErneute beiläufige Erwähnung von Art. 4 BV in einem steuerrechtlichen Verfahren.\nDie Entscheidung befasst sich mit Gemeindebesteuerung und nennt Art. 4 BV lediglich als Teil des anzuwendenden Verfassungsrechts.\n\n> «Zur Gemeindewasserversorgung der solothurnischen Einwohnergemeinde Dornach gehört u.a. eine in der basellandschaftlichen Gemeinde Aesch gelegene Liegenschaft.»\n\n**BGE 58 I 363** vom 1. Januar 1932\nVerfahrensrechtliche Frage im Rechtsöffnungsverfahren mit peripherer Bezugnahme auf Art. 4 BV.\nDas Bundesgericht prüft die Zulässigkeit kantonaler Verfahrensvorschriften und erwähnt Art. 4 BV im Zusammenhang mit der staatsrechtlichen Beschwerde.\n\n> «Die Beschwerdeschrift ruft zwar als verletzte Vorschrift im Sinne von Art. 175 Ziff. 3 OG (neben dem Rechtshilfekonkordat) ausdrücklich nur Art. 4 BV an.»\n\n### Neuere Entwicklungen\n\nDie jüngere Rechtsprechung enthält keine direkten Anwendungen von Art. 4 BV. Sprachrechtliche Streitigkeiten werden heute primär über Art. 18 BV (individuelle Sprachfreiheit) oder Art. 70 BV (amtliche Sprachen) entschieden. Art. 4 BV dient dabei höchstens als verfassungsrechtlicher Hintergrund für die Auslegung der spezielleren Sprachnormen.\n\n### Bedeutung für die Praxis\n\nArt. 4 BV entfaltet seine rechtliche Wirkung nicht durch direkte gerichtliche Durchsetzung, sondern als Verfassungsauftrag an Gesetzgeber und Verwaltung. Die geringe Präsenz in der Rechtsprechung entspricht seinem Charakter als Grundsatznorm, die der legislatorischen Konkretisierung bedarf.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 4 de la Constitution fédérale déclare que l'allemand, le français, l'italien et le romanche sont les quatre langues nationales de la Suisse. Cette disposition est consciemment placée au début de la Constitution et montre à quel point le plurilinguisme est important pour notre pays.\n\nLes quatre langues nationales sont toutes égales en droit (équivalentes). Cela signifie qu'aucune langue n'est plus importante qu'une autre. Il existe toutefois une différence entre les langues nationales et les langues officielles. Les langues officielles sont les langues que les autorités doivent utiliser dans leurs activités quotidiennes. La Confédération travaille avec l'allemand, le français et l'italien. Le romanche n'est langue officielle que lorsque quelqu'un parle romanche.\n\nL'article 4 constitue un but de l'État. Cela signifie qu'il prescrit aux autorités ce qu'elles doivent atteindre. Mais les particuliers ne peuvent pas aller devant un tribunal et dire : « Je veux un document en romanche ! » Il faut pour cela d'autres lois.\n\nUn exemple pratique : lorsque le Parlement adopte une loi importante, elle doit être traduite dans les quatre langues nationales. Pour le romanche, il existe toutefois des exceptions, car l'effort serait très considérable.\n\nLa disposition protège aussi les minorités linguistiques. Les cantons et les communes doivent veiller à ce que les groupes linguistiques plus petits ne disparaissent pas. Ainsi, les quatre langues sont préservées comme partie vivante de la culture suisse.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Histoire de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 4 Cst. remonte à l'art. 116 aCst. de 1938, qui ancra pour la première fois les quatre langues nationales dans la Constitution. Le message sur une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 138) établit que la disposition déclare la diversité linguistique comme caractéristique essentielle de la Suisse. L'inscription du romanche comme quatrième langue nationale eut lieu en 1938 après une votation populaire avec 91,6% de oui comme signe contre les aspirations irrédentistes fascistes.\n\n**N. 2** Lors de la révision totale de 1999, la disposition fut reprise sans modification. La commission constitutionnelle discuta d'une hiérarchisation des langues ou d'une distinction entre « langues nationales » et « langues officielles », mais rejeta ces idées au profit de l'égalité de toutes les quatre langues (FF 1997 I 138s.).\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 4 Cst. se trouve consciemment au début de la Constitution fédérale dans le premier titre « Dispositions générales ». Cette position souligne l'importance fondamentale du multilinguisme pour la conception suisse de l'État. La norme forme, avec → l'art. 18 Cst. (liberté de la langue) et → l'art. 70 Cst. (langues), le régime constitutionnel des langues de la Suisse.\n\n**N. 4** L'art. 4 Cst. est une disposition d'objectif étatique programmatique sans justiciabilité immédiate. La concrétisation des droits linguistiques s'effectue par les dispositions spéciales : l'art. 18 Cst. garantit la liberté linguistique individuelle, l'art. 70 Cst. règle les langues officielles de la Confédération et des cantons ainsi que la promotion de la compréhension (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 4 n 3).\n\n## Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** Les « langues nationales » sont les quatre langues mentionnées dans la Constitution, qui se trouvent sur un pied d'égalité. Le concept se distingue de celui des « langues officielles » (art. 70 al. 1 Cst.) : alors que les quatre langues sont des langues nationales, la Confédération ne connaît que trois langues officielles (allemand, français, italien), le romanche n'étant langue officielle que dans les rapports avec les personnes de langue romanche.\n\n**N. 6** L'énumération des quatre langues est exhaustive. D'autres langues – même si elles sont parlées par des groupes de population plus importants – ne jouissent d'aucun statut constitutionnel de langue nationale. Cela n'exclut pas leur prise en considération dans la vie publique, mais ne fonde aucune prétention constitutionnelle (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 11 n 14).\n\n**N. 7** Le romanche comprend aussi bien les cinq idiomes écrits (sursilvan, sutsilvan, surmiran, puter, vallader) que le romanche grischun créé en 1982. Le Tribunal fédéral a confirmé dans **2C_806/2012** du 12 juillet 2013 que le choix entre l'idiome et le romanche grischun comme langue d'enseignement relève de la compétence cantonale.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 8** L'art. 4 Cst. ne fonde aucun droit subjectif. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement de la disposition pour exiger par exemple des documents dans une langue nationale déterminée ou revendiquer un enseignement dans leur langue maternelle (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n 995).\n\n**N. 9** La norme oblige cependant la Confédération et les cantons lors de l'établissement du droit et dans l'action administrative à tenir compte de la diversité linguistique. Cela se manifeste dans l'obligation de traduire les actes importants, dans l'aménagement multilingue des prestations de service public et dans la promotion des langues selon → l'art. 70 al. 3–5 Cst.\n\n**N. 10** Pour l'interprétation des lois, il découle de l'art. 4 Cst. en liaison avec l'art. 14 al. 1 LPubl que toutes les versions linguistiques sont équivalentes. En cas de divergences, le vrai sens doit être déterminé par interprétation, aucune version linguistique n'ayant automatiquement la primauté (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 4 n 8).\n\n## Points controversés\n\n**N. 11** En doctrine, il est controversé de savoir si l'art. 4 Cst. fonde une protection constitutionnelle des minorités. Ehrenzeller/Vallender (St. Galler Kommentar BV, art. 4 n 5) affirment un mandat de protection implicite en faveur des minorités linguistiques. Rhinow/Schefer (Verfassungsrecht, § 11 n 15) voient en revanche la protection des minorités ancrée principalement à l'art. 70 Cst.\n\n**N. 12** La signification de l'art. 4 Cst. pour les procédures de naturalisation est aussi discutée de manière controversée. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 456) soutiennent que des connaissances dans une langue nationale doivent suffire. La pratique exige en revanche des connaissances dans la langue parlée au lieu de domicile, ce que Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 4 n 3) considère comme approprié.\n\n## Indications pratiques\n\n**N. 13** Lors de la rédaction de textes juridiques multilingues, il faut veiller à l'équivalence de toutes les versions linguistiques. Les divergences sont à éviter ; là où elles existent, aucune version n'est a priori déterminante. Les matériaux devraient contenir des indications sur d'éventuelles difficultés de traduction.\n\n**N. 14** Dans la pratique administrative, l'art. 4 Cst. doit être pris en considération lors de l'aménagement des prestations de service. Les informations et formulaires importants devraient être disponibles dans toutes les langues nationales, des exceptions étant admissibles pour le romanche lorsque les efforts seraient disproportionnés.\n\n**N. 15** Pour la politique linguistique cantonale, il découle de l'art. 4 Cst. en liaison avec → l'art. 70 Cst. l'obligation de ménagement envers les minorités linguistiques traditionnelles. Cela concerne en particulier la question de la langue d'enseignement, comme le montre **2C_806/2012** : les cantons ont une marge d'aménagement considérable, mais doivent préserver et promouvoir la diversité des langues.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Décisions judiciaires relatives à l'art. 4 Cst.\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 4 Cst. (langues nationales) est particulièrement peu abondante. Cela s'explique par le fait que cette disposition, en tant que norme constitutionnelle programmatique, ne fonde pas de droit subjectif immédiat, mais déclare avant tout les quatre langues nationales de la Suisse comme étant de rang égal. La mise en œuvre pratique des droits linguistiques s'effectue par le biais des dispositions spéciales des art. 18 et 70 Cst. ainsi que de la loi sur les langues.\n\n### Jurisprudence ancienne\n\n**ATF 50 I 100** du 1er janvier 1924\nMention précoce de l'art. 4 Cst. dans un contexte de droit fiscal. \nCette décision traite de la double imposition intercantonale et cite l'art. 4 Cst. uniquement comme l'une des dispositions constitutionnelles applicables.\n\n> « Nach § 2 Ziff. 2 zürch. StG unterliegen die juristischen Personen mit Sitz im Kanton Zürich der zürcherischen Besteuerung. »\n\n**ATF 54 I 301** du 1er janvier 1928\nNouvelle mention accessoire de l'art. 4 Cst. dans une procédure de droit fiscal.\nLa décision traite de l'imposition communale et ne mentionne l'art. 4 Cst. qu'en tant que partie du droit constitutionnel applicable.\n\n> « Zur Gemeindewasserversorgung der solothurnischen Einwohnergemeinde Dornach gehört u.a. eine in der basellandschaftlichen Gemeinde Aesch gelegene Liegenschaft. »\n\n**ATF 58 I 363** du 1er janvier 1932\nQuestion de droit procédural dans une procédure d'ouverture d'action avec référence périphérique à l'art. 4 Cst.\nLe Tribunal fédéral examine l'admissibilité de prescriptions procédurales cantonales et mentionne l'art. 4 Cst. dans le contexte du recours de droit public.\n\n> « Die Beschwerdeschrift ruft zwar als verletzte Vorschrift im Sinne von Art. 175 Ziff. 3 OG (neben dem Rechtshilfekonkordat) ausdrücklich nur Art. 4 BV an. »\n\n### Développements récents\n\nLa jurisprudence récente ne contient pas d'applications directes de l'art. 4 Cst. Les litiges relatifs aux droits linguistiques sont aujourd'hui tranchés principalement sur la base de l'art. 18 Cst. (liberté linguistique individuelle) ou de l'art. 70 Cst. (langues officielles). L'art. 4 Cst. ne sert tout au plus que d'arrière-plan constitutionnel pour l'interprétation des normes linguistiques plus spéciales.\n\n### Signification pour la pratique\n\nL'art. 4 Cst. déploie ses effets juridiques non pas par une application judiciaire directe, mais comme mandat constitutionnel adressé au législateur et à l'administration. Sa faible présence dans la jurisprudence correspond à son caractère de norme de principe qui nécessite une concrétisation législative.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 4 della Costituzione federale dichiara tedesco, francese, italiano e romancio le quattro lingue nazionali della Svizzera. Questa disposizione è posta consapevolmente all'inizio della Costituzione e mostra quanto importante sia il plurilinguismo per il nostro Paese.\n\nLe quattro lingue nazionali sono tutte equivalenti (paritetiche). Questo significa: nessuna lingua è più importante dell'altra. Tuttavia, vi è una differenza tra lingue nazionali e lingue ufficiali. Le lingue ufficiali sono le lingue che le autorità devono utilizzare negli affari quotidiani. La Confederazione lavora con tedesco, francese e italiano. Il romancio è lingua ufficiale solo quando qualcuno parla romancio.\n\nL'articolo 4 è un obiettivo statale. Questo significa: esso prescrive alle autorità ciò che devono raggiungere. Le singole persone però non possono andare in tribunale e dire: \"Voglio un documento in romancio!\" Per questo servono altre leggi.\n\nUn esempio pratico: quando il Parlamento emana una legge importante, essa deve essere tradotta in tutte e quattro le lingue nazionali. Per il romancio vi sono però eccezioni, perché l'onere sarebbe molto grande.\n\nLa disposizione protegge anche le minoranze linguistiche. Cantoni e Comuni devono badare che i gruppi linguistici più piccoli non scompaiano. Così tutte e quattro le lingue rimangono come parte vivente della cultura svizzera.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 4 Cost. deriva dall'art. 116 aVCost. del 1938, che per la prima volta sancì costituzionalmente le quattro lingue nazionali. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 138) stabilisce che la disposizione dichiara la diversità linguistica come caratteristica essenziale della Svizzera. L'inclusione del romancio come quarta lingua nazionale avvenne nel 1938 dopo una votazione popolare con il 91,6% di voti favorevoli, come segno contro le mire irredentiste fasciste.\n\n**N. 2** Durante la revisione totale del 1999 la disposizione fu ripresa senza modifiche. La commissione costituzionale discusse una gerarchizzazione delle lingue o una distinzione tra «lingue nazionali» e «lingue ufficiali», ma respinse queste idee a favore della parità di tutte e quattro le lingue (FF 1997 I 138 seg.).\n\n## Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 4 Cost. si trova consapevolmente all'inizio della Costituzione federale nel primo titolo «Disposizioni generali». Questa collocazione sottolinea l'importanza fondamentale del multilinguismo per la concezione svizzera dello Stato. La norma forma insieme all'→ art. 18 Cost. (libertà di lingua) e all'→ art. 70 Cost. (lingue) il regime linguistico costituzionale della Svizzera.\n\n**N. 4** L'art. 4 Cost. è una disposizione programmatica di finalità statale senza giustiziabilità diretta. La configurazione concreta dei diritti linguistici avviene attraverso le disposizioni speciali: l'art. 18 Cost. garantisce la libertà linguistica individuale, l'art. 70 Cost. disciplina le lingue ufficiali di Confederazione e Cantoni nonché la promozione della comprensione reciproca (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 4 n. 3).\n\n## Elementi della fattispecie / contenuto della norma\n\n**N. 5** Le «lingue nazionali» sono le quattro lingue menzionate nella Costituzione, che stanno sullo stesso piano paritario. Il concetto va distinto dal concetto di «lingue ufficiali» (art. 70 cpv. 1 Cost.): mentre tutte e quattro le lingue sono lingue nazionali, la Confederazione conosce solo tre lingue ufficiali (tedesco, francese, italiano), mentre il romancio è lingua ufficiale soltanto nei rapporti con le persone di lingua romancia.\n\n**N. 6** L'elenco delle quattro lingue è esaustivo. Altre lingue – anche se parlate da gruppi più numerosi della popolazione – non godono di uno status costituzionale di lingua nazionale. Ciò non esclude la loro considerazione nella vita pubblica, ma non fonda pretese di diritto costituzionale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 11 n. 14).\n\n**N. 7** Il romancio comprende sia i cinque idiomi scritti (sursilvan, sutsilvan, surmiran, puter, vallader) sia il romancio grigione creato nel 1982. Il Tribunale federale ha confermato in **2C_806/2012** del 12 luglio 2013 che la scelta tra idioma e romancio grigione come lingua scolastica rientra nella competenza cantonale.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 4 Cost. non fonda diritti soggettivi. Le singole persone non possono appellarsi direttamente alla disposizione per ad esempio esigere documenti in una determinata lingua nazionale o richiedere l'insegnamento nella loro lingua madre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 995).\n\n**N. 9** La norma tuttavia obbliga Confederazione e Cantoni nell'attività legislativa e amministrativa a considerare la diversità linguistica. Ciò si manifesta nell'obbligo di traduzione di atti normativi importanti, nella configurazione plurilingue delle prestazioni di servizio pubblico e nella promozione linguistica secondo l'→ art. 70 cpv. 3-5 Cost.\n\n**N. 10** Per l'interpretazione delle leggi deriva dall'art. 4 Cost. in combinato con l'art. 14 cpv. 1 LPubl che tutte le versioni linguistiche sono equivalenti. In caso di divergenze il vero senso deve essere determinato tramite interpretazione, senza che alcuna versione linguistica abbia automaticamente la precedenza (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 4 n. 8).\n\n## Controversie\n\n**N. 11** Nella dottrina è controverso se l'art. 4 Cost. fondi una protezione costituzionale delle minoranze. Ehrenzeller/Vallender (St. Galler Kommentar BV, art. 4 n. 5) affermano un mandato di protezione implicito a favore delle minoranze linguistiche. Rhinow/Schefer (Verfassungsrecht, § 11 n. 15) vedono invece la protezione delle minoranze ancorata principalmente nell'art. 70 Cost.\n\n**N. 12** È anche controverso il significato dell'art. 4 Cost. per le procedure di naturalizzazione. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 456) sostengono che devono bastare conoscenze linguistiche in una lingua nazionale. La prassi richiede invece conoscenze nella lingua parlata nel luogo di domicilio, il che Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 4 n. 3) considera appropriato.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nella redazione di testi normativi plurilingui occorre prestare attenzione all'equivalenza di tutte le versioni linguistiche. Vanno evitate divergenze; dove esistono, nessuna versione è a priori determinante. I materiali dovrebbero contenere indicazioni su eventuali difficoltà di traduzione.\n\n**N. 14** Nella prassi amministrativa l'art. 4 Cost. va considerato nella configurazione dei servizi. Informazioni e formulari importanti dovrebbero essere disponibili in tutte le lingue nazionali, mentre per il romancio sono ammesse eccezioni quando l'onere sarebbe sproporzionato.\n\n**N. 15** Per la politica linguistica cantonale deriva dall'art. 4 Cost. in combinato con l'→ art. 70 Cost. l'obbligo di riguardo verso le minoranze linguistiche tradizionali. Ciò concerne in particolare la questione della lingua scolastica, come mostra **2C_806/2012**: i Cantoni hanno un considerevole margine di configurazione, ma devono preservare e promuovere la diversità linguistica.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Decisioni giudiziarie sull'art. 4 Cost.\n\nLa giurisprudenza sull'art. 4 Cost. (lingue nazionali) è particolarmente scarsa. Ciò è dovuto al fatto che la disposizione, quale norma costituzionale programmatica, non fonda un diritto diretto azionabile, ma dichiara principalmente le quattro lingue nazionali equiparate della Svizzera. L'attuazione pratica dei diritti linguistici avviene tramite le disposizioni speciali degli art. 18 e 70 Cost. e la legge sulle lingue.\n\n### Prima giurisprudenza\n\n**DTF 50 I 100** del 1° gennaio 1924\nPrimo richiamo dell'art. 4 Cost. in un contesto di diritto tributario. \nQuesta decisione tratta la doppia imposizione intercantonale e cita l'art. 4 Cost. unicamente quale una delle disposizioni costituzionali applicabili.\n\n> «Nach § 2 Ziff. 2 zürch. StG unterliegen die juristischen Personen mit Sitz im Kanton Zürich der zürcherischen Besteuerung.»\n\n**DTF 54 I 301** del 1° gennaio 1928\nNuovo richiamo incidentale dell'art. 4 Cost. in una procedura di diritto tributario.\nLa decisione si occupa di imposizione comunale e menziona l'art. 4 Cost. unicamente quale parte del diritto costituzionale applicabile.\n\n> «Zur Gemeindewasserversorgung der solothurnischen Einwohnergemeinde Dornach gehört u.a. eine in der basellandschaftlichen Gemeinde Aesch gelegene Liegenschaft.»\n\n**DTF 58 I 363** del 1° gennaio 1932\nQuestione procedurale nella procedura di decreto d'esecuzione con riferimento periferico all'art. 4 Cost.\nIl Tribunale federale esamina l'ammissibilità di disposizioni procedurali cantonali e menziona l'art. 4 Cost. in relazione al ricorso di diritto pubblico.\n\n> «Die Beschwerdeschrift ruft zwar als verletzte Vorschrift im Sinne von Art. 175 Ziff. 3 OG (neben dem Rechtshilfekonkordat) ausdrücklich nur Art. 4 BV an.»\n\n### Sviluppi recenti\n\nLa giurisprudenza più recente non contiene applicazioni dirette dell'art. 4 Cost. Le controversie di diritto linguistico vengono oggi decise principalmente tramite l'art. 18 Cost. (libertà linguistica individuale) o l'art. 70 Cost. (lingue ufficiali). L'art. 4 Cost. serve al massimo quale sfondo costituzionale per l'interpretazione delle norme linguistiche più specifiche.\n\n### Rilevanza per la prassi\n\nL'art. 4 Cost. dispiega il suo effetto giuridico non mediante l'applicazione giudiziaria diretta, ma quale mandato costituzionale al legislatore e all'amministrazione. La scarsa presenza nella giurisprudenza corrisponde al suo carattere di norma di principio che necessita di concretizzazione legislativa.", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 4 of the Federal Constitution declares German, French, Italian and Romansh to be the four national languages of Switzerland. This provision is deliberately placed at the beginning of the Constitution and shows how important multilingualism is for our country.\n\nThe four national languages are all equal in status (equivalent). This means: No language is more important than another. However, there is a difference between national languages and official languages. Official languages are the languages that authorities must use in their daily business. The Confederation works with German, French and Italian. Romansh is only an official language when someone speaks Romansh.\n\nArticle 4 is a state objective. This means: It prescribes to the authorities what they should achieve. However, individuals cannot go to court and say: \"I want a document in Romansh!\" Other laws are needed for that.\n\nA practical example: When Parliament passes an important law, it must be translated into all four national languages. However, there are exceptions for Romansh because the effort would be very great.\n\nThe provision also protects linguistic minorities. Cantons and municipalities must ensure that smaller language groups do not disappear. This way, all four languages are preserved as a living part of Swiss culture.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 4 FC traces back to Art. 116 of the former Federal Constitution of 1938, which for the first time anchored the four national languages in constitutional law. The Dispatch on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 138) states that the provision declares linguistic diversity as an essential feature of Switzerland. The inclusion of Romansh as the fourth national language occurred in 1938 following a popular vote with 91.6% yes votes as a sign against fascist irredentist aspirations.\n\n**N. 2** During the total revision of 1999, the provision was adopted unchanged. The constitutional commission discussed a hierarchy of languages or a distinction between «national languages» and «official languages», but rejected these ideas in favour of equal treatment of all four languages (BBl 1997 I 138f.).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 4 FC is deliberately placed at the beginning of the Federal Constitution in the first title «General Provisions». This placement underscores the fundamental importance of multilingualism for the Swiss understanding of the state. The norm forms, together with → Art. 18 FC (freedom of language) and → Art. 70 FC (languages), the constitutional language regime of Switzerland.\n\n**N. 4** Art. 4 FC is a programmatic state objective provision without immediate justiciability. The concrete implementation of language rights takes place through the special provisions: Art. 18 FC guarantees individual freedom of language, Art. 70 FC regulates the official languages of the Confederation and cantons as well as the promotion of understanding (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 4 N 3).\n\n## Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** «National languages» are the four languages mentioned in the Constitution, which stand as equals alongside each other. The term is to be distinguished from the term «official languages» (Art. 70 para. 1 FC): While all four languages are national languages, the Confederation only recognises three official languages (German, French, Italian), whereby Romansh is only an official language in dealings with Romansh-speaking persons.\n\n**N. 6** The enumeration of the four languages is exhaustive. Other languages – even if spoken by larger population groups – do not enjoy constitutional status as national languages. This does not exclude their consideration in public life, but does not establish any constitutional claims (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 11 N 14).\n\n**N. 7** Romansh encompasses both the five written idioms (Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader) as well as Rumantsch Grischun created in 1982. The Federal Supreme Court confirmed in **2C_806/2012** of 12 July 2013 that the choice between idiom and Rumantsch Grischun as school language falls within cantonal competence.\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 4 FC does not establish subjective rights. Individuals cannot directly invoke the provision to, for example, demand documents in a particular national language or require instruction in their mother tongue (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 995).\n\n**N. 9** However, the norm obliges the Confederation and cantons in legislation and administrative action to take linguistic diversity into account. This manifests itself in the duty to translate important enactments, in the multilingual design of public services and in language promotion according to → Art. 70 paras. 3–5 FC.\n\n**N. 10** For statutory interpretation, it follows from Art. 4 FC in conjunction with Art. 14 para. 1 PublA that all language versions are equivalent. In case of divergences, the true meaning must be determined through interpretation, whereby no language version automatically takes precedence (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 4 N 8).\n\n## Points of Controversy\n\n**N. 11** In doctrine, it is disputed whether Art. 4 FC establishes constitutional minority protection. Ehrenzeller/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 4 N 5) affirm an implicit protection mandate in favour of linguistic minorities. Rhinow/Schefer (Verfassungsrecht, § 11 N 15), on the other hand, see minority protection primarily anchored in Art. 70 FC.\n\n**N. 12** The significance of Art. 4 FC for naturalisation procedures is also controversially discussed. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 456) argue that knowledge of a national language must suffice. Practice, by contrast, requires knowledge of the language spoken at the place of residence, which Biaggini (BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 4 N 3) considers appropriate.\n\n## Practice Notes\n\n**N. 13** When drafting multilingual legal texts, attention must be paid to the equivalence of all language versions. Deviations are to be avoided; where they exist, no version is a priori authoritative. The materials should contain references to any translation difficulties.\n\n**N. 14** In administrative practice, Art. 4 FC must be considered when designing services. Important information and forms should be available in all national languages, whereby exceptions are permissible for Romansh if the effort would be disproportionate.\n\n**N. 15** For cantonal language policy, it follows from Art. 4 FC in conjunction with → Art. 70 FC the duty to take into account traditional linguistic minorities. This particularly concerns the question of school language, as **2C_806/2012** shows: The cantons have considerable discretion in design, but must preserve and promote linguistic diversity.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Court Decisions on Art. 4 Federal Constitution\n\nThe case law on Art. 4 Federal Constitution (national languages) is extremely sparse. This is because the provision, as a programmatic constitutional norm, does not establish any direct legal claim, but primarily declares the four equal national languages of Switzerland. The practical implementation of language rights occurs through the special provisions in Art. 18 and 70 Federal Constitution as well as the Languages Act.\n\n### Early Case Law\n\n**BGE 50 I 100** of 1 January 1924\nEarly mention of Art. 4 Federal Constitution in a tax law context. \nThis decision deals with intercantonal double taxation and cites Art. 4 Federal Constitution merely as one of the applicable constitutional provisions.\n\n> «Nach § 2 Ziff. 2 zürch. StG unterliegen die juristischen Personen mit Sitz im Kanton Zürich der zürcherischen Besteuerung.»\n\n**BGE 54 I 301** of 1 January 1928\nRenewed incidental mention of Art. 4 Federal Constitution in tax law proceedings.\nThe decision deals with municipal taxation and mentions Art. 4 Federal Constitution merely as part of the applicable constitutional law.\n\n> «Zur Gemeindewasserversorgung der solothurnischen Einwohnergemeinde Dornach gehört u.a. eine in der basellandschaftlichen Gemeinde Aesch gelegene Liegenschaft.»\n\n**BGE 58 I 363** of 1 January 1932\nProcedural question in debt collection proceedings with peripheral reference to Art. 4 Federal Constitution.\nThe Federal Supreme Court examines the admissibility of cantonal procedural provisions and mentions Art. 4 Federal Constitution in connection with the constitutional appeal.\n\n> «Die Beschwerdeschrift ruft zwar als verletzte Vorschrift im Sinne von Art. 175 Ziff. 3 OG (neben dem Rechtshilfekonkordat) ausdrücklich nur Art. 4 BV an.»\n\n### Recent Developments\n\nRecent case law contains no direct applications of Art. 4 Federal Constitution. Language law disputes are now decided primarily through Art. 18 Federal Constitution (individual language freedom) or Art. 70 Federal Constitution (official languages). Art. 4 Federal Constitution serves at most as constitutional background for the interpretation of the more specific language norms.\n\n### Significance for Practice\n\nArt. 4 Federal Constitution unfolds its legal effect not through direct judicial enforcement, but as a constitutional mandate to the legislature and administration. The limited presence in case law corresponds to its character as a fundamental norm that requires legislative specification.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_4", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 5, "article_suffix": "", "title": "Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 5 BV - Rechtsstaatsprinzip\n\n## Übersicht\n\nArtikel 5 BV bildet das Fundament des schweizerischen Rechtsstaats. Er legt fest, dass staatliches Handeln nur auf rechtlicher Grundlage erfolgen darf (Legalitätsprinzip) und im öffentlichen Interesse sowie verhältnismässig sein muss. Zusätzlich verpflichtet er alle Staatsorgane und Private zu redlichem Handeln (Treu und Glauben) und verlangt die Beachtung des Völkerrechts.\n\nDas **Legalitätsprinzip** (Absatz 1) bedeutet: Der Staat darf nur handeln, wenn ein Gesetz oder eine Verordnung dies erlaubt. Je schwerwiegender der Eingriff in die Rechte der Bürger, desto genauer muss die gesetzliche Grundlage sein (**BGE 151 II 254 E. 4**). Beispiel: Will die Polizei eine Hausdurchsuchung durchführen, braucht sie eine gesetzliche Ermächtigung und meist einen richterlichen Befehl.\n\nDie **Verhältnismässigkeit** (Absatz 2) verlangt einen dreistufigen Test: Die staatliche Massnahme muss geeignet, erforderlich und zumutbar sein (**BGE 139 I 16 E. 2.2**). Beispiel: Ein Fahrverbot wegen Falschparkens wäre unverhältnismässig – eine Busse reicht aus.\n\n**Treu und Glauben** (Absatz 3) verbietet widersprüchliches Verhalten. Hat eine Behörde einmal eine Zusage gemacht, muss sie diese grundsätzlich einhalten (**BGE 102 Ia 331 E. 3**). Beispiel: Erteilte Baubewilligungen dürfen nicht willkürlich widerrufen werden.\n\nDie **Völkerrechtsbeachtung** (Absatz 4) verpflichtet alle staatlichen Stellen zur Einhaltung internationaler Verträge. Völkerrecht geht grundsätzlich dem nationalen Recht vor (**BGE 138 II 524 E. 5**). Beispiel: Schweizer Gerichte müssen die Europäische Menschenrechtskonvention beachten.\n\nDiese Grundsätze durchdringen die gesamte Rechtsordnung und sind bei jeder staatlichen Tätigkeit zu beachten. Sie schützen die Bürger vor Willkür und schaffen Rechtssicherheit (BBl 1997 I 140).", "doctrine_de": "# Art. 5 BV - Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 5 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Der Artikel kodifiziert erstmals explizit die Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns, die zuvor nur implizit aus verschiedenen Verfassungsbestimmungen abgeleitet wurden (BBl 1997 I 1, 139f.). Die Botschaft betont, dass mit Art. 5 BV «die wesentlichen, bisher ungeschriebenen Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit» ausdrücklich verankert werden sollten (BBl 1997 I 140). Die vier Absätze fassen die tragenden Säulen des schweizerischen Rechtsstaats zusammen: Legalitätsprinzip, öffentliches Interesse und Verhältnismässigkeit, Treu und Glauben sowie Völkerrechtskonformität.\n\n**N. 2** Während das Legalitätsprinzip und der Grundsatz von Treu und Glauben bereits unter der alten Bundesverfassung als ungeschriebenes Verfassungsrecht anerkannt waren, stellte die explizite Verankerung der Verhältnismässigkeit (Abs. 2) und der Beachtung des Völkerrechts (Abs. 4) eine wichtige Klarstellung dar. Die Verfassungsrevision sollte das «geltende Recht nachführen» und die von Lehre und Rechtsprechung entwickelten Grundsätze sichtbar machen (BBl 1997 I 17).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 5 BV steht am Anfang des 1. Titels «Allgemeine Bestimmungen» und bildet zusammen mit Art. 1–6 BV die Grundlagen der schweizerischen Rechtsordnung. Als «Fundamentalnorm des Rechtsstaats» (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 11 N 1) durchdringt Art. 5 BV die gesamte Verfassungsordnung. Die Norm hat Querschnittscharakter und wirkt auf alle staatlichen Tätigkeiten ein.\n\n**N. 4** Die systematischen Bezüge sind vielfältig: → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) konkretisiert den Gleichbehandlungsgrundsatz als Teilaspekt der Rechtsstaatlichkeit. → Art. 9 BV (Schutz vor Willkür) ergänzt das Rechtsstaatsprinzip um ein subjektives Abwehrrecht. ↔ Art. 36 BV übernimmt für Grundrechtseinschränkungen die in Art. 5 Abs. 2 BV genannten Anforderungen (gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit). → Art. 127 Abs. 1 BV (Grundsätze der Besteuerung) wiederholt das Legalitätsprinzip für das Steuerrecht. → Art. 190 BV konkretisiert die Völkerrechtsbeachtung für die Rechtsanwendung.\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Legalitätsprinzip (Abs. 1)\n\n**N. 5** Das Legalitätsprinzip besagt, dass staatliches Handeln einer rechtlichen Grundlage bedarf und durch das Recht begrenzt wird (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 290). Es umfasst zwei Dimensionen: den Vorrang des Gesetzes (negative Funktion) und den Vorbehalt des Gesetzes (positive Funktion). Der Gesetzesvorbehalt verlangt für belastende staatliche Akte eine formell-gesetzliche Grundlage, während für Leistungen grundsätzlich eine Verordnung genügt (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 7ff.).\n\n**N. 6** Die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage richten sich nach der Schwere des Eingriffs: Je intensiver der Eingriff, desto präziser und bestimmter muss die Norm sein (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, 76f.). Bei schweren Grundrechtseingriffen ist eine formell-gesetzliche Grundlage erforderlich, die hinreichend bestimmt ist (**BGE 151 II 254 E. 4**).\n\n### Öffentliches Interesse und Verhältnismässigkeit (Abs. 2)\n\n**N. 7** Das öffentliche Interesse legitimiert staatliches Handeln inhaltlich. Anerkannte öffentliche Interessen sind etwa die öffentliche Sicherheit und Ordnung, der Schutz der Gesundheit, der Umweltschutz oder die Raumplanung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 614ff.). Fiskalische Interessen allein genügen nicht (St. Galler Kommentar BV, Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4. Aufl. 2023, Art. 5 N 48).\n\n**N. 8** Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass staatliche Massnahmen geeignet, erforderlich und zumutbar sind (dreiteiliger Test). Die Massnahme muss geeignet sein, das angestrebte Ziel zu erreichen (Eignung), es darf kein milderes, gleich wirksames Mittel zur Verfügung stehen (Erforderlichkeit), und die Massnahme muss in einem vernünftigen Verhältnis zum angestrebten Zweck stehen (Zumutbarkeit oder Verhältnismässigkeit im engeren Sinn) (**BGE 139 I 16 E. 2.2**).\n\n### Treu und Glauben (Abs. 3)\n\n**N. 9** Der Grundsatz von Treu und Glauben verpflichtet sowohl staatliche Organe als auch Private zu redlichem Verhalten. Für staatliche Organe ergeben sich daraus das Verbot widersprüchlichen Verhaltens, der Vertrauensschutz bei behördlichen Zusicherungen und Auskünften sowie die Pflicht zu fairem Verfahren (BSK BV, Waldmann/Belser/Epiney, 2. Aufl. 2024, Art. 5 N 74ff.).\n\n**N. 10** Der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz setzt voraus: (1) eine Vertrauensgrundlage (Zusicherung, langjährige Praxis, falsche Auskunft), (2) die Vertrauensberechtigung (keine Erkennbarkeit der Fehlerhaftigkeit), (3) eine Vertrauensbetätigung (Dispositionen) und (4) die Interessenabwägung zugunsten des Vertrauensschutzes (**BGE 102 Ia 331 E. 3**; **UR 00/01 23**).\n\n### Beachtung des Völkerrechts (Abs. 4)\n\n**N. 11** Art. 5 Abs. 4 BV verpflichtet alle staatlichen Organe zur Beachtung des Völkerrechts. Dies umfasst völkerrechtliche Verträge, Völkergewohnheitsrecht und allgemeine Rechtsgrundsätze. Im Konfliktfall geht Völkerrecht grundsätzlich dem Landesrecht vor («Vorrang des Völkerrechts»), wobei die Schubert-Praxis eine Ausnahme für bewusste Völkerrechtsverletzungen des Gesetzgebers vorsieht (**BGE 139 I 16 E. 5**).\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Verstösse gegen Art. 5 Abs. 1 BV führen zur Rechtswidrigkeit des staatlichen Akts. Fehlt die gesetzliche Grundlage, ist der Akt nichtig oder aufzuheben. Bei Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Abs. 2) ist die Massnahme soweit zu reduzieren oder anzupassen, dass sie verhältnismässig wird. Ein Verstoss gegen Treu und Glauben (Abs. 3) kann zu Schadenersatzpflichten oder zur Bindung der Behörde an ihre Zusicherungen führen. Die Missachtung des Völkerrechts (Abs. 4) hat die Unanwendbarkeit der landesrechtlichen Norm zur Folge (**BGE 138 II 524 E. 5**).\n\n## Streitstände\n\n**N. 13** **Bestimmtheitsgebot**: Umstritten ist, wie bestimmt Normen formuliert sein müssen. Die herrschende Lehre (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 20ff.) vertritt ein abgestuftes Bestimmtheitsgebot je nach Regelungsmaterie. Schefer (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 26) fordert strengere Anforderungen bei Grundrechtseingriffen. Häfelin/Müller/Uhlmann (Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N 422ff.) betonen die Notwendigkeit von Generalklauseln in komplexen Regelungsbereichen.\n\n**N. 14** **Schubert-Praxis**: Die Ausnahme vom Vorrang des Völkerrechts bei bewusster Missachtung durch den Gesetzgeber ist heftig umstritten. Kälin/Künzli (in: BSK BV, Art. 5 N 92ff.) kritisieren diese Praxis als völkerrechtswidrig. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 58) verteidigt sie als Ausdruck demokratischer Legitimation. Das Bundesgericht hält an der Schubert-Praxis fest, schränkt sie aber auf klare Fälle ein (**BGE 142 II 35**).\n\n**N. 15** **Horizontalwirkung von Treu und Glauben**: Kontrovers ist, inwieweit Art. 5 Abs. 3 BV auch Private bindet. Die Mehrheitsmeinung (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 644; Müller, in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 51) bejaht eine direkte Drittwirkung. Tschannen (Staatsrecht, 4. Aufl. 2016, § 7 N 26) lehnt dies ab und sieht nur eine Ausstrahlungswirkung über das Privatrecht.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Prüfung der gesetzlichen Grundlage (Abs. 1) ist zwischen belastenden und begünstigenden Staatsakten zu unterscheiden. Für Realakte genügt oft eine Verordnungsgrundlage, ausser bei schweren Eingriffen. Die Delegation von Rechtsetzungsbefugnissen muss hinreichend bestimmt sein. Bei der Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe ist auf die Vorhersehbarkeit für die Betroffenen zu achten.\n\n**N. 17** Die Verhältnismässigkeitsprüfung (Abs. 2) erfolgt in drei Schritten und ist vollständig zu dokumentieren. Bei der Interessenabwägung sind alle relevanten privaten und öffentlichen Interessen einzubeziehen. Alternativen sind konkret zu prüfen. Die zeitliche Dimension (Befristung, Überprüfung) ist zu berücksichtigen.\n\n**N. 18** Für den Vertrauensschutz (Abs. 3) ist die Dokumentation behördlicher Auskünfte zentral. Mündliche Zusicherungen sind problematisch, da sie schwer beweisbar sind. Die Zuständigkeit des zusichernden Organs ist zu prüfen. Bei Praxisänderungen sind Übergangsregelungen vorzusehen.\n\n**N. 19** Bei völkerrechtlichen Fragen (Abs. 4) ist frühzeitig die Vereinbarkeit mit internationalen Verpflichtungen zu prüfen. Die EMRK und die bilateralen Verträge sind besonders zu beachten. Bei Normenkonflikten ist eine völkerrechtskonforme Auslegung anzustreben. Die Kündigung völkerrechtlicher Verträge ist ultima ratio.", "caselaw_de": "# Art. 5 BV - Rechtsprechung\n\n## Rechtsstaatsprinzip allgemein\n\n### Legalitätsprinzip (Abs. 1)\n\n**BGE 151 II 254 E. 4** (26.11.2024)\nDas Bundesgericht bestätigt das strenge Legalitätsprinzip für staatliche Eingriffe.\nMangels gesetzlicher Grundlage besteht keine Pflicht der Gemeinde, Kosten für die medizinische Behandlung einer gefundenen Katze zu übernehmen.\n> «Grundlage und Schranke staatlichen Handelns ist das Recht. Staatliche Organe dürfen nur dann tätig werden, wenn eine hinreichende gesetzliche Grundlage vorliegt.»\n\n**VB.2024.00334** (13.8.2024) - Zürich Verwaltungsgericht\nKostenersatz für Polizeieinsätze erfordert genügende gesetzliche Grundlage.\nBei den zu überwälzenden Kosten für einen Polizeieinsatz handelt es sich um eine Verwaltungsgebühr, die dem Legalitätsprinzip unterliegt.\n\n**BVGE 2024 I/1** (8.5.2024)\nDiese Praxis stützt sich im entscheidenden Punkt weder auf eine zivildienstrechtliche Regelung noch auf einen Analogieschluss.\nMangels gesetzlicher Grundlage ist das Legalitätsprinzip verletzt.\n\n**AGVE 2016 85** (4.10.2016) - Aargau Verwaltungsgericht  \nKommunale Konsultativabstimmungen sind nur an Gemeindeversammlungen zulässig, nicht an der Urne.\nGemäss Art. 5 BV ist Grundlage und Schranke des staatlichen Handelns das Recht. Das Gesetzmässigkeitsprinzip bestimmt, dass Verwaltungstätigkeiten nicht ohne gesetzliche Ermächtigung erfolgen dürfen.\n\n### Verhältnismässigkeit (Abs. 2)\n\n**BGE 139 I 16 E. 2.2** (12.10.2012)\nGrundlegende Entscheidung zur Verhältnismässigkeitsprüfung bei aufenthaltsbeendenden Massnahmen.\nNach Art. 63 AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden. Die Massnahme muss - wie jedes staatliche Handeln - verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AuG).\n> «Zur Beurteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem zu berücksichtigen.»\n\n**BGE 115 Ia 370** (1989)\nSchutz der Berner Altstadtsilhouette - öffentliches Interesse und Verhältnismässigkeit.\nKognition des Bundesgerichts bei der Interessenabwägung und Verhältnismässigkeit. Die Anwendung einer Vorschrift zum Schutze der Altstadt kann im Einzelfall zu einer Reduktion des nach der Zonenordnung zulässigen Bauvolumens führen.\n\n**BGE 109 Ia 76 E. 3b** (1983)\nPilzsammelverbot - Verhältnismässigkeitsprüfung bei Eigentumseinschränkungen.\nDas Aneignungsrecht nach Art. 699 ZGB kann durch kantonales öffentliches Recht eingeschränkt werden, sofern ein hinreichendes öffentliches Interesse gegeben ist und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gewahrt wird.\n\n**VB.2016.00538** - Zürich Verwaltungsgericht\nEingrenzung ausländischer Personen - Verhältnismässigkeit der Rayongrösse.\nDas öffentliche Interesse an der Eingrenzung wiegt nicht schwer, da der Beschwerdeführer nie untergetaucht ist. Eine Eingrenzung auf das Gebiet einer ganzen Gemeinde erweist sich als unverhältnismässig.\n\n### Treu und Glauben (Abs. 3)\n\n**BGE 102 Ia 331 E. 3** (1976)\nGrundsatzentscheidung zu Treu und Glauben bei Zonenplänen.\nZusicherungen über die Fortdauer eines Zonenplanes sind unter dem Gesichtswinkel von Treu und Glauben nur bindend, wenn sie von dem zur Planänderung zuständigen Organ ausgehen.\n> «Der Gemeindegesetzgeber hat aber auch ohne Vorliegen einer ihn selber bindenden Garantie dem Gebot der Rechtssicherheit Rechnung zu tragen.»\n\n**BGE 116 Ib 185 E. 3c** (1990)\nAnwendung des Prinzips von Treu und Glauben auf unrichtige behördliche Auskünfte.\nDiese Grundsätze sind auch bei der Beurteilung von Nutzungsplanfestsetzungen zu beachten. Die Waldfeststellung auf Parzellen, welche in den Jahren 1973 bis 1976 bei der Ausarbeitung eines Quartierplanes als waldfrei galten.\n\n**UR 00/01 23** (30.5.2000) - Uri Obergericht\nVerfassungsrechtlicher Vertrauensschutz - Voraussetzungen.\nEin Anspruch auf Schutz des Vertrauens besteht nur dann, wenn der Bürger die ihm nach den Umständen zumutbare Sorgfalt und Aufmerksamkeit hat walten lassen.\n> «Wer trotz vorhandener Zweifel ohne entsprechende Rückfrage die Verfügung im günstigen Sinne auslegt und entsprechende Dispositionen trifft, kann sich nicht auf den Schutz des guten Glaubens berufen.»\n\n**BGE 97 I 125** (1971)\nTreu und Glauben im Steuerrecht - Verbot widersprüchlichen Verhaltens.\nBedeutung des Grundsatzes von Treu und Glauben und des daraus folgenden Verbots widersprüchlichen Verhaltens im Steuerrecht. Verhältnis dieses Grundsatzes zum Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Besteuerung.\n\n**LU JSD 2012 9** (24.10.2012) - Luzern Justizdepartement\nVerlängerung der Aufenthaltsbewilligung trotz Verdachts einer Scheinehe.\nWird eine Aufenthaltsbewilligung trotz des Verdachts auf eine Scheinehe vorbehaltlos verlängert, darf die Verlängerung nicht ein Jahr später aufgrund der gleichen Indizien verweigert werden. Ein solches Vorgehen verstösst gegen Treu und Glauben.\n\n### Völkerrecht (Abs. 4)\n\n**BGE 139 I 16 E. 4-5** (12.10.2012)\nVerhältnis zwischen Verfassungsrecht und Völkerrecht bei der Ausschaffungsinitiative.\nDie mit der Ausschaffungsinitiative aufgenommenen Abs. 3-6 von Art. 121 BV haben keinen Vorrang vor den Grundrechten oder den Garantien der EMRK.\n> «Den vom Verfassungsgeber zum Ausdruck gebrachten Wertungen kann insoweit Rechnung getragen werden, als dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht bzw. zu Konflikten mit dem Beurteilungsspielraum führt, den der EGMR den einzelnen Konventionsstaaten zugesteht.»\n\n**BGE 138 II 524 E. 5** (19.9.2012)\nNormenkollision zwischen Völkerrecht und Landesrecht - Vorrang des Völkerrechts.\nEine einseitig erweiterte nationale Abgabenbefreiung für den Grenzverkehr widerspricht dem schweizerisch-italienischen Grenzabkommen. Das Bundesgericht bestätigt den grundsätzlichen Vorrang des Völkerrechts.\n> «Die Auslegung von Staatsverträgen richtet sich nach den allgemeinen Grundsätzen des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge.»\n\n**BGE 105 IV 218** (7.5.1979)\nBodenseefischerei - Übernahme völkerrechtlicher Vorschriften ins Landesrecht.\nArt. 1 Abs. 6 des BRB vom 12. September 1967 über die Bodenseefischerei, der die 1967 abgeänderte Vorschrift der Bregenzer-Übereinkunft über die Mindestmaschenweite ins Landesrecht aufnahm, wird durch die Delegationsnorm gedeckt.\n\n## Systematik und Querverweise\n\n### Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\nDie Rechtsprechung zeigt die enge Verknüpfung von Art. 5 BV mit anderen Verfassungsprinzipien:\n- → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit): Gleichbehandlung im Unrecht (**BGE 127 I 1**)\n- → Art. 9 BV (Schutz vor Willkür): Überlappung beim Vertrauensschutz\n- → Art. 29 BV (Verfahrensgarantien): Rechtsstaat als Gesamtkonzept\n- ↔ Art. 36 BV (Grundrechtseinschränkungen): Verhältnismässigkeit als gemeinsamer Massstab\n- → Art. 190 BV (massgebendes Recht): Umsetzung der Völkerrechtsbeachtung", "summary_fr": "# Art. 5 Cst. - Principe de l'État de droit\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'article 5 Cst. constitue le fondement de l'État de droit suisse. Il dispose que l'action de l'État ne peut se fonder que sur une base légale (principe de légalité) et doit être dans l'intérêt public ainsi que proportionnée. En outre, il oblige tous les organes de l'État et les particuliers à agir de bonne foi et exige le respect du droit international.\n\nLe **principe de légalité** (alinéa 1er) signifie : L'État ne peut agir que si une loi ou une ordonnance l'y autorise. Plus l'atteinte aux droits des citoyens est grave, plus la base légale doit être précise (**ATF 151 II 254 c. 4**). Exemple : Si la police veut procéder à une perquisition, elle a besoin d'une autorisation légale et généralement d'un ordre judiciaire.\n\nLa **proportionnalité** (alinéa 2) exige un test à trois niveaux : La mesure étatique doit être appropriée, nécessaire et supportable (**ATF 139 I 16 c. 2.2**). Exemple : Une interdiction de circuler pour un stationnement incorrect serait disproportionnée – une amende suffit.\n\nLa **bonne foi** (alinéa 3) interdit les comportements contradictoires. Si une autorité a donné un engagement, elle doit en principe le respecter (**ATF 102 Ia 331 c. 3**). Exemple : Les permis de construire accordés ne peuvent pas être révoqués arbitrairement.\n\nLe **respect du droit international** (alinéa 4) oblige toutes les autorités étatiques à respecter les traités internationaux. Le droit international prime en principe le droit national (**ATF 138 II 524 c. 5**). Exemple : Les tribunaux suisses doivent respecter la Convention européenne des droits de l'homme.\n\nCes principes imprègnent l'ensemble de l'ordre juridique et doivent être respectés dans toute activité étatique. Ils protègent les citoyens contre l'arbitraire et créent la sécurité juridique (FF 1997 I 148).", "doctrine_fr": "# Art. 5 Cst - Doctrine\n\n## Historique\n\n**N. 1** La teneur actuelle de l'art. 5 Cst remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. L'article codifie pour la première fois de manière explicite les principes de l'action conforme à l'État de droit, qui n'étaient auparavant déduits qu'implicitement de diverses dispositions constitutionnelles (FF 1997 I 1, 139s.). Le message souligne qu'avec l'art. 5 Cst, « les principes essentiels, jusqu'alors non écrits, de l'État de droit » devaient être expressément ancrés (FF 1997 I 140). Les quatre alinéas résument les piliers porteurs de l'État de droit suisse : principe de légalité, intérêt public et proportionnalité, bonne foi ainsi que conformité au droit international.\n\n**N. 2** Alors que le principe de légalité et le principe de bonne foi étaient déjà reconnus sous l'ancienne Constitution fédérale comme droit constitutionnel non écrit, l'ancrage explicite de la proportionnalité (al. 2) et du respect du droit international (al. 4) constituait une clarification importante. La révision constitutionnelle devait « actualiser le droit en vigueur » et rendre visibles les principes développés par la doctrine et la jurisprudence (FF 1997 I 17).\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 5 Cst se trouve au début du 1er titre « Dispositions générales » et forme, avec les art. 1–6 Cst, les fondements de l'ordre juridique suisse. En tant que « norme fondamentale de l'État de droit » (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 11 N 1), l'art. 5 Cst traverse l'ensemble de l'ordre constitutionnel. La norme a un caractère transversal et agit sur toutes les activités étatiques.\n\n**N. 4** Les liens systématiques sont multiples : → Art. 8 Cst (égalité de traitement) concrétise le principe d'égalité de traitement comme aspect partiel de l'État de droit. → Art. 9 Cst (protection contre l'arbitraire) complète le principe de l'État de droit par un droit subjectif de défense. ↔ Art. 36 Cst reprend pour les restrictions des droits fondamentaux les exigences mentionnées à l'art. 5 al. 2 Cst (base légale, intérêt public, proportionnalité). → Art. 127 al. 1 Cst (principes de l'imposition) répète le principe de légalité pour le droit fiscal. → Art. 190 Cst concrétise le respect du droit international pour l'application du droit.\n\n## Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Principe de légalité (al. 1)\n\n**N. 5** Le principe de légalité signifie que l'action étatique nécessite un fondement juridique et est limitée par le droit (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 290). Il comprend deux dimensions : la primauté de la loi (fonction négative) et la réserve de la loi (fonction positive). La réserve de la loi exige pour les actes étatiques contraignants un fondement légal au sens formel, tandis que pour les prestations, une ordonnance suffit en principe (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 7ss.).\n\n**N. 6** Les exigences relatives au fondement légal dépendent de la gravité de l'atteinte : plus l'atteinte est intense, plus la norme doit être précise et déterminée (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, 76s.). En cas d'atteintes graves aux droits fondamentaux, un fondement légal au sens formel suffisamment déterminé est requis (**ATF 151 II 254 consid. 4**).\n\n### Intérêt public et proportionnalité (al. 2)\n\n**N. 7** L'intérêt public légitime l'action étatique sur le plan du contenu. Les intérêts publics reconnus sont notamment la sécurité et l'ordre publics, la protection de la santé, la protection de l'environnement ou l'aménagement du territoire (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 614ss.). Les intérêts fiscaux seuls ne suffisent pas (Commentaire de St-Gall Cst, Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4e éd. 2023, art. 5 N 48).\n\n**N. 8** Le principe de proportionnalité exige que les mesures étatiques soient appropriées, nécessaires et raisonnables (test tripartite). La mesure doit être appropriée pour atteindre l'objectif visé (aptitude), aucun moyen plus doux d'efficacité égale ne doit être disponible (nécessité), et la mesure doit être dans un rapport raisonnable avec l'objectif visé (caractère supportable ou proportionnalité au sens étroit) (**ATF 139 I 16 consid. 2.2**).\n\n### Bonne foi (al. 3)\n\n**N. 9** Le principe de bonne foi oblige tant les organes étatiques que les particuliers à un comportement loyal. Pour les organes étatiques en résultent l'interdiction du comportement contradictoire, la protection de la confiance en cas d'assurances et de renseignements donnés par les autorités ainsi que l'obligation de procédure équitable (Commentaire de Bâle Cst, Waldmann/Belser/Epiney, 2e éd. 2024, art. 5 N 74ss.).\n\n**N. 10** La protection constitutionnelle de la confiance présuppose : (1) un fondement de confiance (assurance, pratique de longue durée, renseignement erroné), (2) la légitimité de la confiance (non-reconnaissabilité du caractère erroné), (3) une manifestation de confiance (dispositions) et (4) la pondération des intérêts en faveur de la protection de la confiance (**ATF 102 Ia 331 consid. 3** ; **RU 00/01 23**).\n\n### Respect du droit international (al. 4)\n\n**N. 11** L'art. 5 al. 4 Cst oblige tous les organes étatiques au respect du droit international. Ceci comprend les traités de droit international, le droit international coutumier et les principes généraux du droit. En cas de conflit, le droit international prime en principe sur le droit national (« primauté du droit international »), la pratique Schubert prévoyant une exception pour les violations conscientes du droit international par le législateur (**ATF 139 I 16 consid. 5**).\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 12** Les violations de l'art. 5 al. 1 Cst entraînent l'illégalité de l'acte étatique. Si le fondement légal fait défaut, l'acte est nul ou doit être annulé. En cas de violation du principe de proportionnalité (al. 2), la mesure doit être réduite ou adaptée dans la mesure nécessaire pour qu'elle devienne proportionnée. Une violation de la bonne foi (al. 3) peut entraîner des obligations de dommages-intérêts ou lier l'autorité à ses assurances. Le non-respect du droit international (al. 4) a pour conséquence l'inapplicabilité de la norme de droit national (**ATF 138 II 524 consid. 5**).\n\n## Points controversés\n\n**N. 13** **Exigence de précision** : Il est controversé de savoir à quel point les normes doivent être formulées de manière précise. La doctrine dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 20ss.) défend une exigence de précision graduée selon la matière réglementée. Schefer (in : Commentaire de St-Gall Cst, art. 5 N 26) exige des exigences plus strictes en cas d'atteintes aux droits fondamentaux. Häfelin/Müller/Uhlmann (Allgemeines Verwaltungsrecht, 8e éd. 2020, N 422ss.) soulignent la nécessité de clauses générales dans les domaines de réglementation complexes.\n\n**N. 14** **Pratique Schubert** : L'exception à la primauté du droit international en cas de non-respect conscient par le législateur est vivement controversée. Kälin/Künzli (in : Commentaire de Bâle Cst, art. 5 N 92ss.) critiquent cette pratique comme contraire au droit international. Ehrenzeller (in : Commentaire de St-Gall Cst, art. 5 N 58) la défend comme expression de légitimation démocratique. Le Tribunal fédéral maintient la pratique Schubert, mais la limite aux cas clairs (**ATF 142 II 35**).\n\n**N. 15** **Effet horizontal de la bonne foi** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure l'art. 5 al. 3 Cst lie aussi les particuliers. L'opinion majoritaire (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 644 ; Müller, in : Commentaire de St-Gall Cst, art. 5 N 51) affirme un effet direct envers les tiers. Tschannen (Staatsrecht, 4e éd. 2016, § 7 N 26) rejette cela et ne voit qu'un effet de rayonnement par le droit privé.\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 16** Lors de l'examen du fondement légal (al. 1), il faut distinguer entre les actes étatiques contraignants et favorables. Pour les actes matériels, un fondement d'ordonnance suffit souvent, sauf en cas d'atteintes graves. La délégation de compétences d'édiction de règles doit être suffisamment déterminée. Lors de l'interprétation de notions juridiques indéterminées, il faut veiller à la prévisibilité pour les personnes concernées.\n\n**N. 17** L'examen de la proportionnalité (al. 2) s'effectue en trois étapes et doit être entièrement documenté. Lors de la pondération des intérêts, tous les intérêts privés et publics pertinents doivent être inclus. Les alternatives doivent être examinées concrètement. La dimension temporelle (limitation dans le temps, révision) doit être prise en compte.\n\n**N. 18** Pour la protection de la confiance (al. 3), la documentation des renseignements donnés par les autorités est centrale. Les assurances orales sont problématiques car difficiles à prouver. La compétence de l'organe donnant l'assurance doit être examinée. Lors de changements de pratique, des règles transitoires doivent être prévues.\n\n**N. 19** Pour les questions de droit international (al. 4), la compatibilité avec les obligations internationales doit être examinée précocement. La CEDH et les accords bilatéraux sont particulièrement à observer. En cas de conflits de normes, une interprétation conforme au droit international doit être recherchée. La dénonciation de traités de droit international constitue l'ultima ratio.", "caselaw_fr": "# Art. 5 Cst. - Jurisprudence\n\n## Principe de l'État de droit en général\n\n### Principe de légalité (al. 1)\n\n**ATF 151 II 254 c. 4** (26.11.2024)\nLe Tribunal fédéral confirme le principe strict de légalité pour les interventions étatiques.\nEn l'absence de base légale, il n'existe aucune obligation pour la commune de prendre en charge les coûts du traitement médical d'un chat trouvé.\n> « Le droit est le fondement et la limite de l'activité de l'État. Les organes étatiques ne peuvent agir que s'il existe une base légale suffisante. »\n\n**VB.2024.00334** (13.8.2024) - Tribunal administratif de Zurich\nLe remboursement des coûts d'interventions policières exige une base légale suffisante.\nLes coûts d'une intervention policière à imputer constituent un émolument administratif soumis au principe de légalité.\n\n**ATAF 2024 I/1** (8.5.2024)\nCette pratique ne se fonde au point décisif ni sur une réglementation du droit du service civil ni sur un raisonnement par analogie.\nEn l'absence de base légale, le principe de légalité est violé.\n\n**AGVE 2016 85** (4.10.2016) - Tribunal administratif d'Argovie\nLes votations consultatives communales ne sont admissibles qu'en assemblée communale, pas dans l'urne.\nSelon l'art. 5 Cst., le droit est le fondement et la limite de l'activité de l'État. Le principe de légalité détermine que les activités administratives ne peuvent avoir lieu sans autorisation légale.\n\n### Proportionnalité (al. 2)\n\n**ATF 139 I 16 c. 2.2** (12.10.2012)\nDécision fondamentale sur l'examen de la proportionnalité pour les mesures mettant fin au séjour.\nSelon l'art. 63 LEtr, l'autorisation d'établissement peut être révoquée. La mesure doit - comme toute action étatique - être proportionnée (art. 5 al. 2 Cst. ; art. 96 LEtr).\n> « Pour apprécier si tel est le cas, il faut notamment tenir compte de la gravité du délit et de la faute de l'intéressé, du temps écoulé depuis l'acte, du comportement de l'étranger pendant cette période. »\n\n**ATF 115 Ia 370** (1989)\nProtection de la silhouette de la vieille ville de Berne - intérêt public et proportionnalité.\nCognition du Tribunal fédéral lors de la pesée des intérêts et de la proportionnalité. L'application d'une prescription de protection de la vieille ville peut conduire dans le cas particulier à une réduction du volume de construction admissible selon l'ordre de zone.\n\n**ATF 109 Ia 76 c. 3b** (1983)\nInterdiction de cueillette de champignons - examen de la proportionnalité pour les restrictions à la propriété.\nLe droit d'appropriation selon l'art. 699 CC peut être restreint par le droit public cantonal, pour autant qu'un intérêt public suffisant soit donné et que le principe de proportionnalité soit respecté.\n\n**VB.2016.00538** - Tribunal administratif de Zurich\nAssignation à résidence de personnes étrangères - proportionnalité de la taille du rayon.\nL'intérêt public à l'assignation à résidence ne pèse pas lourd, car le recourant ne s'est jamais soustrait. Une assignation à résidence sur le territoire d'une commune entière s'avère disproportionnée.\n\n### Bonne foi (al. 3)\n\n**ATF 102 Ia 331 c. 3** (1976)\nDécision de principe sur la bonne foi en matière de plans de zones.\nLes assurances sur la persistance d'un plan de zones ne lient sous l'angle de la bonne foi que si elles émanent de l'organe compétent pour modifier le plan.\n> « Mais le législateur communal doit aussi, sans qu'une garantie qui le lierait lui-même ne soit présente, tenir compte de l'impératif de sécurité juridique. »\n\n**ATF 116 Ib 185 c. 3c** (1990)\nApplication du principe de la bonne foi aux renseignements erronés des autorités.\nCes principes doivent aussi être observés lors de l'appréciation des fixations de plans d'affectation. La détermination de la forêt sur des parcelles qui dans les années 1973 à 1976 lors de l'élaboration d'un plan de quartier passaient pour libres de forêt.\n\n**UR 00/01 23** (30.5.2000) - Cour supérieure d'Uri\nProtection de la confiance de droit constitutionnel - conditions.\nUn droit à la protection de la confiance n'existe que si le citoyen a fait preuve de la diligence et de l'attention qui lui sont exigibles selon les circonstances.\n> « Celui qui, malgré des doutes existants, sans demande de renseignements correspondante, interprète la décision dans un sens favorable et prend des dispositions correspondantes ne peut invoquer la protection de la bonne foi. »\n\n**ATF 97 I 125** (1971)\nBonne foi en droit fiscal - interdiction du comportement contradictoire.\nSignification du principe de la bonne foi et de l'interdiction qui en découle du comportement contradictoire en droit fiscal. Rapport de ce principe au principe de légalité de l'imposition.\n\n**LU JSD 2012 9** (24.10.2012) - Département de justice de Lucerne\nProlongation de l'autorisation de séjour malgré le soupçon d'un mariage blanc.\nSi une autorisation de séjour est prolongée sans réserve malgré le soupçon d'un mariage blanc, la prolongation ne peut être refusée un an plus tard sur la base des mêmes indices. Une telle procédure contrevient à la bonne foi.\n\n### Droit international (al. 4)\n\n**ATF 139 I 16 c. 4-5** (12.10.2012)\nRapport entre droit constitutionnel et droit international pour l'initiative sur le renvoi.\nLes al. 3-6 de l'art. 121 Cst. repris avec l'initiative sur le renvoi n'ont pas de primauté sur les droits fondamentaux ou les garanties de la CEDH.\n> « Il peut être tenu compte des appréciations exprimées par le constituant pour autant que cela ne conduise pas à une contradiction avec le droit supérieur ou à des conflits avec la marge d'appréciation que la Cour EDH accorde aux différents États contractants. »\n\n**ATF 138 II 524 c. 5** (19.9.2012)\nCollision de normes entre droit international et droit national - primauté du droit international.\nUne exonération fiscale nationale élargie unilatéralement pour le trafic frontalier contredit l'accord frontalier suisse-italien. Le Tribunal fédéral confirme la primauté fondamentale du droit international.\n> « L'interprétation des traités internationaux se règle selon les principes généraux de la Convention de Vienne sur le droit des traités. »\n\n**ATF 105 IV 218** (7.5.1979)\nPêche dans le lac de Constance - reprise de prescriptions de droit international dans le droit national.\nL'art. 1 al. 6 de l'OCF du 12 septembre 1967 sur la pêche dans le lac de Constance, qui a repris dans le droit national la prescription modifiée en 1967 de la Convention de Brégence sur la largeur minimale des mailles, est couvert par la norme de délégation.\n\n## Systématique et renvois\n\n### Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles\n\nLa jurisprudence montre l'étroite connexion de l'art. 5 Cst. avec d'autres principes constitutionnels :\n- → Art. 8 Cst. (Égalité juridique) : Égalité de traitement dans l'iniquité (**ATF 127 I 1**)\n- → Art. 9 Cst. (Protection contre l'arbitraire) : Chevauchement pour la protection de la confiance\n- → Art. 29 Cst. (Garanties de procédure) : État de droit comme concept global\n- ↔ Art. 36 Cst. (Restrictions des droits fondamentaux) : Proportionnalité comme critère commun\n- → Art. 190 Cst. (droit déterminant) : Mise en œuvre du respect du droit international", "summary_it": "# Art. 5 Cost. - Principio dello Stato di diritto\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 5 Cost. costituisce il fondamento dello Stato di diritto svizzero. Stabilisce che l'attività statale può avvenire soltanto su base legale (principio di legalità) e deve essere nell'interesse pubblico e proporzionata. Inoltre obbliga tutti gli organi dello Stato e i privati ad agire in buona fede e richiede l'osservanza del diritto internazionale.\n\nIl **principio di legalità** (capoverso 1) significa: lo Stato può agire soltanto quando una legge o un'ordinanza lo permette. Quanto più grave è l'intervento nei diritti dei cittadini, tanto più precisa deve essere la base legale (**DTF 151 II 254 consid. 4**). Esempio: se la polizia vuole effettuare una perquisizione domiciliare, necessita di un'autorizzazione legale e per lo più di un mandato giudiziario.\n\nLa **proporzionalità** (capoverso 2) richiede un test a tre livelli: la misura statale deve essere idonea, necessaria e ragionevolmente esigibile (**DTF 139 I 16 consid. 2.2**). Esempio: un divieto di circolazione per parcheggio scorretto sarebbe sproporzionato – basta una multa.\n\nLa **buona fede** (capoverso 3) vieta comportamenti contraddittori. Se un'autorità ha fatto una promessa, deve in linea di principio mantenerla (**DTF 102 Ia 331 consid. 3**). Esempio: le licenze edilizie rilasciate non possono essere revocate arbitrariamente.\n\nL'**osservanza del diritto internazionale** (capoverso 4) obbliga tutte le autorità statali al rispetto dei trattati internazionali. Il diritto internazionale ha in principio la precedenza sul diritto nazionale (**DTF 138 II 524 consid. 5**). Esempio: i tribunali svizzeri devono rispettare la Convenzione europea dei diritti dell'uomo.\n\nQuesti principi permeano l'intero ordinamento giuridico e devono essere osservati in ogni attività statale. Proteggono i cittadini dall'arbitrio e creano certezza del diritto (FF 1997 I 138).", "doctrine_it": "# Art. 5 Cost. - Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** La formulazione attuale dell'art. 5 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. L'articolo codifica per la prima volta esplicitamente i principi dell'agire secondo lo Stato di diritto, che in precedenza venivano dedotti solo implicitamente da varie disposizioni costituzionali (FF 1997 I 1, 139 seg.). Il messaggio sottolinea che con l'art. 5 Cost. si volevano ancorare espressamente «i principi essenziali, finora non scritti, dello Stato di diritto» (FF 1997 I 140). I quattro capoversi riassumono i pilastri portanti dello Stato di diritto svizzero: principio di legalità, interesse pubblico e proporzionalità, buona fede e conformità al diritto internazionale.\n\n**N. 2** Mentre il principio di legalità e il principio di buona fede erano già riconosciuti sotto la vecchia Costituzione federale come diritto costituzionale non scritto, l'ancoraggio esplicito della proporzionalità (cpv. 2) e del rispetto del diritto internazionale (cpv. 4) costituiva un importante chiarimento. La revisione costituzionale doveva «aggiornare il diritto vigente» e rendere visibili i principi sviluppati dalla dottrina e dalla giurisprudenza (FF 1997 I 17).\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 5 Cost. si trova all'inizio del titolo 1° «Disposizioni generali» e forma insieme agli art. 1–6 Cost. le basi dell'ordinamento giuridico svizzero. Come «norma fondamentale dello Stato di diritto» (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 11 N 1) l'art. 5 Cost. permea l'intero ordinamento costituzionale. La norma ha carattere trasversale e incide su tutte le attività statali.\n\n**N. 4** I collegamenti sistematici sono molteplici: → L'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) concretizza il principio di parità di trattamento come aspetto parziale dello Stato di diritto. → L'art. 9 Cost. (protezione dall'arbitrio) completa il principio dello Stato di diritto con un diritto soggettivo di difesa. ↔ L'art. 36 Cost. assume per le restrizioni dei diritti fondamentali i requisiti menzionati nell'art. 5 cpv. 2 Cost. (base legale, interesse pubblico, proporzionalità). → L'art. 127 cpv. 1 Cost. (principi dell'imposizione) ripete il principio di legalità per il diritto tributario. → L'art. 190 Cost. concretizza il rispetto del diritto internazionale per l'applicazione del diritto.\n\n## Elementi di fatto / Contenuto della norma\n\n### Principio di legalità (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il principio di legalità stabilisce che l'agire statale necessita di una base giuridica ed è limitato dal diritto (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 290). Comprende due dimensioni: il primato della legge (funzione negativa) e la riserva di legge (funzione positiva). La riserva di legge esige per gli atti statali gravosi una base formalmente legale, mentre per le prestazioni è sufficiente in linea di principio un'ordinanza (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 7 segg.).\n\n**N. 6** I requisiti per la base legale dipendono dalla gravità dell'ingerenza: più intensiva è l'ingerenza, più precisa e determinata deve essere la norma (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, 76 seg.). In caso di gravi ingerenze nei diritti fondamentali è richiesta una base formalmente legale sufficientemente determinata (**BGE 151 II 254 consid. 4**).\n\n### Interesse pubblico e proporzionalità (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'interesse pubblico legittima l'agire statale dal punto di vista contenutistico. Interessi pubblici riconosciuti sono ad esempio la sicurezza e l'ordine pubblico, la protezione della salute, la protezione dell'ambiente o la pianificazione del territorio (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 614 segg.). I soli interessi fiscali non sono sufficienti (St. Galler Kommentar BV, Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4ª ed. 2023, Art. 5 N 48).\n\n**N. 8** Il principio di proporzionalità esige che le misure statali siano idonee, necessarie e ragionevoli (test tripartito). La misura deve essere idonea a raggiungere lo scopo perseguito (idoneità), non deve essere disponibile nessun mezzo più mite ed egualmente efficace (necessità), e la misura deve trovarsi in un rapporto ragionevole con lo scopo perseguito (ragionevolezza o proporzionalità in senso stretto) (**BGE 139 I 16 consid. 2.2**).\n\n### Buona fede (cpv. 3)\n\n**N. 9** Il principio di buona fede obbliga tanto gli organi statali quanto i privati a un comportamento onesto. Per gli organi statali ne derivano il divieto di comportamento contraddittorio, la protezione dell'affidamento nelle assicurazioni e informazioni delle autorità nonché l'obbligo di procedura leale (BSK BV, Waldmann/Belser/Epiney, 2ª ed. 2024, Art. 5 N 74 segg.).\n\n**N. 10** La protezione dell'affidamento di diritto costituzionale presuppone: (1) una base dell'affidamento (assicurazione, prassi pluriennale, informazione errata), (2) la legittimità dell'affidamento (non riconoscibilità dell'erroneità), (3) una dimostrazione dell'affidamento (disposizioni) e (4) la ponderazione degli interessi a favore della protezione dell'affidamento (**BGE 102 Ia 331 consid. 3**; **UR 00/01 23**).\n\n### Rispetto del diritto internazionale (cpv. 4)\n\n**N. 11** L'art. 5 cpv. 4 Cost. obbliga tutti gli organi statali al rispetto del diritto internazionale. Ciò comprende i trattati di diritto internazionale, il diritto internazionale consuetudinario e i principi generali del diritto. In caso di conflitto il diritto internazionale precede in linea di principio il diritto nazionale («primato del diritto internazionale»), mentre la prassi Schubert prevede un'eccezione per le violazioni consapevoli del diritto internazionale da parte del legislatore (**BGE 139 I 16 consid. 5**).\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** Le violazioni dell'art. 5 cpv. 1 Cost. portano all'illegalità dell'atto statale. Se manca la base legale, l'atto è nullo o da revocare. In caso di violazione del principio di proporzionalità (cpv. 2) la misura deve essere ridotta o adattata nella misura necessaria a renderla proporzionata. Una violazione della buona fede (cpv. 3) può portare a obblighi di risarcimento danni o al vincolo dell'autorità alle sue assicurazioni. L'inosservanza del diritto internazionale (cpv. 4) ha come conseguenza l'inapplicabilità della norma di diritto nazionale (**BGE 138 II 524 consid. 5**).\n\n## Controversie dottrinali\n\n**N. 13** **Principio di determinatezza**: È controverso quanto determinatamente debbano essere formulate le norme. La dottrina dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 20 segg.) sostiene un principio di determinatezza graduato secondo la materia da disciplinare. Schefer (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 26) esige requisiti più rigorosi in caso di ingerenze nei diritti fondamentali. Häfelin/Müller/Uhlmann (Allgemeines Verwaltungsrecht, 8ª ed. 2020, N 422 segg.) sottolineano la necessità di clausole generali in ambiti normativi complessi.\n\n**N. 14** **Prassi Schubert**: L'eccezione al primato del diritto internazionale in caso di inosservanza consapevole da parte del legislatore è fortemente controversa. Kälin/Künzli (in: BSK BV, Art. 5 N 92 segg.) criticano questa prassi come contraria al diritto internazionale. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 58) la difende come espressione di legittimazione democratica. Il Tribunale federale mantiene la prassi Schubert, ma la limita a casi chiari (**BGE 142 II 35**).\n\n**N. 15** **Efficacia orizzontale della buona fede**: È controverso in che misura l'art. 5 cpv. 3 Cost. vincoli anche i privati. L'opinione maggioritaria (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 644; Müller, in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 51) afferma un effetto diretto sui terzi. Tschannen (Staatsrecht, 4ª ed. 2016, § 7 N 26) respinge ciò e vede solo un effetto di irradiamento attraverso il diritto privato.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nell'esame della base legale (cpv. 1) occorre distinguere tra atti statali gravosi e benefici. Per gli atti reali spesso è sufficiente una base di ordinanza, eccetto in caso di gravi ingerenze. La delega di competenze normative deve essere sufficientemente determinata. Nell'interpretazione di nozioni giuridiche indeterminate è da prestare attenzione alla prevedibilità per gli interessati.\n\n**N. 17** L'esame della proporzionalità (cpv. 2) avviene in tre fasi e deve essere completamente documentato. Nella ponderazione degli interessi devono essere inclusi tutti gli interessi privati e pubblici rilevanti. Le alternative devono essere esaminate concretamente. È da considerare la dimensione temporale (limitazione nel tempo, verifica).\n\n**N. 18** Per la protezione dell'affidamento (cpv. 3) è centrale la documentazione delle informazioni delle autorità. Le assicurazioni orali sono problematiche perché difficilmente provabili. È da esaminare la competenza dell'organo che assicura. In caso di cambiamenti di prassi devono essere previste regolamentazioni transitorie.\n\n**N. 19** Per le questioni di diritto internazionale (cpv. 4) è da esaminare tempestivamente la compatibilità con gli obblighi internazionali. La CEDU e i trattati bilaterali sono particolarmente da osservare. In caso di conflitti normativi è da perseguire un'interpretazione conforme al diritto internazionale. La denuncia di trattati di diritto internazionale è ultima ratio.", "caselaw_it": "# Art. 5 Cost. - Giurisprudenza\n\n## Principio dello Stato di diritto in generale\n\n### Principio di legalità (cpv. 1)\n\n**DTF 151 II 254 consid. 4** (26.11.2024)\nIl Tribunale federale conferma il rigoroso principio di legalità per gli interventi statali.\nIn mancanza di una base legale, non sussiste alcun obbligo del Comune di assumere i costi per il trattamento medico di un gatto trovato.\n> «Base e limite dell'agire statale è il diritto. Gli organi statali possono agire soltanto quando esiste una base legale sufficiente.»\n\n**VB.2024.00334** (13.8.2024) - Tribunale amministrativo di Zurigo\nIl rimborso dei costi per interventi di polizia richiede una base legale sufficiente.\nI costi di un intervento di polizia da ribaltare costituiscono una tassa amministrativa soggetta al principio di legalità.\n\n**DTAF 2024 I/1** (8.5.2024)\nQuesta prassi non si fonda nel punto decisivo né su una normativa del servizio civile né su un'argomentazione analogica.\nIn mancanza di una base legale è violato il principio di legalità.\n\n**AGVE 2016 85** (4.10.2016) - Tribunale amministrativo di Argovia  \nLe votazioni consultive comunali sono ammesse soltanto nelle assemblee comunali, non alle urne.\nSecondo l'art. 5 Cost., base e limite dell'agire statale è il diritto. Il principio di legalità determina che le attività amministrative non possono aver luogo senza autorizzazione legale.\n\n### Proporzionalità (cpv. 2)\n\n**DTF 139 I 16 consid. 2.2** (12.10.2012)\nDecisione fondamentale sull'esame di proporzionalità nelle misure che pongono fine al soggiorno.\nSecondo l'art. 63 LStr il permesso di dimora può essere revocato. La misura deve essere – come ogni agire statale – proporzionata (art. 5 cpv. 2 Cost.; art. 96 LStr).\n> «Per giudicare se ciò sia il caso, vanno considerati segnatamente la gravità del reato e della colpa dell'interessato, il periodo trascorso dal fatto, il comportamento dello straniero durante tale periodo.»\n\n**DTF 115 Ia 370** (1989)\nProtezione della silhouette del centro storico di Berna - interesse pubblico e proporzionalità.\nCognizione del Tribunale federale nella ponderazione degli interessi e proporzionalità. L'applicazione di una prescrizione per la protezione del centro storico può portare nel caso singolo a una riduzione del volume di costruzione ammesso secondo l'ordinamento delle zone.\n\n**DTF 109 Ia 76 consid. 3b** (1983)\nDivieto di raccolta funghi - esame di proporzionalità nelle limitazioni della proprietà.\nIl diritto di appropriazione secondo l'art. 699 CC può essere limitato dal diritto pubblico cantonale, purché sussista un interesse pubblico sufficiente e sia rispettato il principio di proporzionalità.\n\n**VB.2016.00538** - Tribunale amministrativo di Zurigo\nAssegnazione di dimora a persone straniere - proporzionalità dell'ampiezza del raggio.\nL'interesse pubblico all'assegnazione di dimora non ha grande peso, dato che il ricorrente non si è mai nascosto. Un'assegnazione di dimora al territorio di un intero Comune si rivela sproporzionata.\n\n### Buona fede (cpv. 3)\n\n**DTF 102 Ia 331 consid. 3** (1976)\nDecisione di principio sulla buona fede nei piani di zona.\nAssicurazioni sulla continuità di un piano di zona sono vincolanti sotto l'aspetto della buona fede soltanto se provengono dall'organo competente per la modifica del piano.\n> «Il legislatore comunale deve però tenere conto del precetto della sicurezza del diritto anche senza la presenza di una garanzia che lo vincoli esso stesso.»\n\n**DTF 116 Ib 185 consid. 3c** (1990)\nApplicazione del principio della buona fede alle informazioni erronee delle autorità.\nQuesti principi vanno osservati anche nella valutazione delle determinazioni dei piani di utilizzazione. L'accertamento del bosco su parcelle che negli anni 1973-1976 durante l'elaborazione di un piano di quartiere erano considerate libere da bosco.\n\n**UR 00/01 23** (30.5.2000) - Tribunale superiore di Uri\nProtezione costituzionale dell'affidamento - presupposti.\nUn diritto alla protezione dell'affidamento sussiste soltanto quando il cittadino ha fatto uso della diligenza e attenzione che gli si potevano ragionevolmente esigere secondo le circostanze.\n> «Chi, nonostante dubbi esistenti e senza chiarimenti corrispondenti, interpreta la decisione in senso favorevole e prende le disposizioni corrispondenti, non può appellarsi alla protezione della buona fede.»\n\n**DTF 97 I 125** (1971)\nBuona fede nel diritto fiscale - divieto di comportamento contraddittorio.\nSignificato del principio della buona fede e del conseguente divieto di comportamento contraddittorio nel diritto fiscale. Rapporto di questo principio con il principio di legalità dell'imposizione.\n\n**LU JSD 2012 9** (24.10.2012) - Dipartimento di giustizia di Lucerna\nProroga del permesso di soggiorno nonostante il sospetto di matrimonio fittizio.\nSe un permesso di soggiorno viene prorogato senza riserve nonostante il sospetto di matrimonio fittizio, la proroga non può essere rifiutata un anno dopo sulla base degli stessi indizi. Un tale modo di procedere viola la buona fede.\n\n### Diritto internazionale (cpv. 4)\n\n**DTF 139 I 16 consid. 4-5** (12.10.2012)\nRapporto tra diritto costituzionale e diritto internazionale nell'iniziativa per il rinvio.\nI capoversi 3-6 dell'art. 121 Cost. assunti con l'iniziativa per il rinvio non hanno precedenza sui diritti fondamentali o sulle garanzie della CEDU.\n> «Alle valutazioni espresse dal costituente si può dare seguito nella misura in cui ciò non porta a contraddizioni con il diritto superiore ovvero a conflitti con il margine di apprezzamento che la Corte EDU accorda ai singoli Stati contraenti.»\n\n**DTF 138 II 524 consid. 5** (19.9.2012)\nCollisione di norme tra diritto internazionale e diritto nazionale - precedenza del diritto internazionale.\nUn'esenzione fiscale nazionale ampliata unilateralmente per il traffico frontaliero contraddice l'accordo di confine svizzero-italiano. Il Tribunale federale conferma la precedenza fondamentale del diritto internazionale.\n> «L'interpretazione dei trattati internazionali si orienta secondo i principi generali della Convenzione di Vienna sul diritto dei trattati.»\n\n**DTF 105 IV 218** (7.5.1979)\nPesca nel lago di Costanza - adozione di prescrizioni di diritto internazionale nel diritto nazionale.\nL'art. 1 cpv. 6 del DCF del 12 settembre 1967 sulla pesca nel lago di Costanza, che ha adottato nel diritto nazionale la prescrizione modificata nel 1967 della Convenzione di Bregenz sulla larghezza minima delle maglie, è coperto dalla norma di delega.\n\n## Sistematica e rinvii\n\n### Rapporto con altre disposizioni costituzionali\n\nLa giurisprudenza mostra lo stretto collegamento dell'art. 5 Cost. con altri principi costituzionali:\n- → Art. 8 Cost. (parità di trattamento): trattamento uguale nell'ingiusto (**DTF 127 I 1**)\n- → Art. 9 Cost. (protezione dall'arbitrio): sovrapposizione nella protezione dell'affidamento\n- → Art. 29 Cost. (garanzie procedurali): Stato di diritto come concetto globale\n- ↔ Art. 36 Cost. (limitazioni dei diritti fondamentali): proporzionalità come criterio comune\n- → Art. 190 Cost. (diritto determinante): attuazione dell'osservanza del diritto internazionale", "summary_en": "# Art. 5 BV - Rule of Law\n\n## Overview\n\nArticle 5 BV forms the foundation of the Swiss rule of law. It stipulates that state action may only take place on a legal basis (principle of legality) and must be in the public interest and proportionate. Additionally, it obligates all state organs and private parties to act in good faith and requires observance of international law.\n\nThe **principle of legality** (paragraph 1) means: The state may only act when a law or ordinance permits this. The more serious the interference with citizens' rights, the more precise the legal basis must be (**BGE 151 II 254 E. 4**). Example: If the police want to conduct a house search, they need legal authorisation and usually a judicial warrant.\n\n**Proportionality** (paragraph 2) requires a three-stage test: The state measure must be suitable, necessary and reasonable (**BGE 139 I 16 E. 2.2**). Example: A driving ban for incorrect parking would be disproportionate – a fine is sufficient.\n\n**Good faith** (paragraph 3) prohibits contradictory behaviour. If an authority has once made a commitment, it must fundamentally uphold it (**BGE 102 Ia 331 E. 3**). Example: Building permits granted may not be arbitrarily revoked.\n\n**Observance of international law** (paragraph 4) obligates all state bodies to comply with international treaties. International law fundamentally takes precedence over national law (**BGE 138 II 524 E. 5**). Example: Swiss courts must observe the European Convention on Human Rights.\n\nThese principles permeate the entire legal order and must be observed in all state activity. They protect citizens from arbitrariness and create legal certainty (BBl 1997 I 140).", "doctrine_en": "# Art. 5 BV - Doctrine\n\n## Historical Development\n\n**N. 1** The current version of Art. 5 BV dates back to the total revision of the Federal Constitution in 1999. The article explicitly codifies for the first time the principles of rule-of-law conduct that were previously only implicitly derived from various constitutional provisions (BBl 1997 I 1, 139f.). The Dispatch emphasises that Art. 5 BV was intended to explicitly anchor «the essential, previously unwritten principles of the rule of law» (BBl 1997 I 140). The four paragraphs summarise the supporting pillars of the Swiss rule of law: the principle of legality, public interest and proportionality, good faith, and conformity with international law.\n\n**N. 2** While the principle of legality and the principle of good faith were already recognised as unwritten constitutional law under the old Federal Constitution, the explicit anchoring of proportionality (para. 2) and compliance with international law (para. 4) represented an important clarification. The constitutional revision was intended to «update the law in force» and make visible the principles developed by doctrine and case law (BBl 1997 I 17).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 5 BV stands at the beginning of Title 1 «General Provisions» and forms, together with Art. 1–6 BV, the foundations of the Swiss legal order. As a «fundamental norm of the rule of law» (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 11 N 1), Art. 5 BV permeates the entire constitutional order. The norm has cross-sectional character and affects all state activities.\n\n**N. 4** The systematic connections are manifold: → Art. 8 BV (equality before the law) concretises the principle of equal treatment as a partial aspect of the rule of law. → Art. 9 BV (protection from arbitrary state action) supplements the rule-of-law principle with a subjective right of defence. ↔ Art. 36 BV adopts for fundamental rights restrictions the requirements mentioned in Art. 5 para. 2 BV (legal basis, public interest, proportionality). → Art. 127 para. 1 BV (principles of taxation) repeats the principle of legality for tax law. → Art. 190 BV concretises compliance with international law for legal application.\n\n## Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Principle of Legality (para. 1)\n\n**N. 5** The principle of legality states that state action requires a legal basis and is limited by law (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 290). It encompasses two dimensions: the primacy of law (negative function) and the reservation of law (positive function). The reservation of law requires a formal legal basis for burdensome state acts, while for benefits an ordinance generally suffices (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 7ff.).\n\n**N. 6** The requirements for a legal basis depend on the severity of the interference: the more intensive the interference, the more precise and definite the norm must be (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, 76f.). For serious fundamental rights interferences, a formal legal basis is required that is sufficiently definite (**BGE 151 II 254 E. 4**).\n\n### Public Interest and Proportionality (para. 2)\n\n**N. 7** The public interest legitimises state action in substantive terms. Recognised public interests include public safety and order, protection of health, environmental protection, or spatial planning (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 614ff.). Fiscal interests alone do not suffice (St. Galler Kommentar BV, Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4th ed. 2023, Art. 5 N 48).\n\n**N. 8** The principle of proportionality requires that state measures be suitable, necessary and reasonable (tripartite test). The measure must be suitable to achieve the intended goal (suitability), there must be no milder, equally effective means available (necessity), and the measure must be in a reasonable relationship to the intended purpose (reasonableness or proportionality in the strict sense) (**BGE 139 I 16 E. 2.2**).\n\n### Good Faith (para. 3)\n\n**N. 9** The principle of good faith obliges both state organs and private persons to act in good faith. For state organs this results in the prohibition of contradictory behaviour, protection of confidence in official assurances and information, as well as the duty to fair procedure (BSK BV, Waldmann/Belser/Epiney, 2nd ed. 2024, Art. 5 N 74ff.).\n\n**N. 10** Constitutional protection of confidence requires: (1) a basis for confidence (assurance, long-standing practice, false information), (2) justification for confidence (no recognisability of the error), (3) reliance (dispositions) and (4) balancing of interests in favour of protection of confidence (**BGE 102 Ia 331 E. 3**; **UR 00/01 23**).\n\n### Compliance with International Law (para. 4)\n\n**N. 11** Art. 5 para. 4 BV obliges all state organs to comply with international law. This includes international treaties, customary international law and general principles of law. In case of conflict, international law generally takes precedence over domestic law («primacy of international law»), whereby the Schubert practice provides an exception for deliberate violations of international law by the legislature (**BGE 139 I 16 E. 5**).\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 12** Violations of Art. 5 para. 1 BV lead to the unlawfulness of the state act. If the legal basis is lacking, the act is void or must be revoked. In case of violation of the principle of proportionality (para. 2), the measure must be reduced or adapted to the extent that it becomes proportionate. A violation of good faith (para. 3) can lead to liability for damages or bind the authority to its assurances. Disregard of international law (para. 4) results in the inapplicability of the domestic legal norm (**BGE 138 II 524 E. 5**).\n\n## Contentious Issues\n\n**N. 13** **Requirement of certainty**: It is disputed how precisely norms must be formulated. The prevailing doctrine (Tschannen/Zimmerli/Müller, § 11 N 20ff.) advocates a graduated requirement of certainty depending on the subject matter of regulation. Schefer (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 26) demands stricter requirements for fundamental rights interferences. Häfelin/Müller/Uhlmann (Allgemeines Verwaltungsrecht, 8th ed. 2020, N 422ff.) emphasise the necessity of general clauses in complex regulatory areas.\n\n**N. 14** **Schubert practice**: The exception to the primacy of international law in cases of deliberate disregard by the legislature is fiercely disputed. Kälin/Künzli (in: BSK BV, Art. 5 N 92ff.) criticise this practice as contrary to international law. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 58) defends it as an expression of democratic legitimacy. The Federal Court adheres to the Schubert practice but restricts it to clear cases (**BGE 142 II 35**).\n\n**N. 15** **Horizontal effect of good faith**: It is controversial to what extent Art. 5 para. 3 BV also binds private persons. The majority opinion (Rhinow/Schefer/Uebersax, N 644; Müller, in: St. Galler Kommentar BV, Art. 5 N 51) affirms a direct third-party effect. Tschannen (Staatsrecht, 4th ed. 2016, § 7 N 26) rejects this and sees only a radiating effect through private law.\n\n## Practice Notes\n\n**N. 16** When examining the legal basis (para. 1), a distinction must be made between burdensome and beneficial state acts. For acts in fact, an ordinance basis often suffices, except for serious interferences. The delegation of law-making powers must be sufficiently definite. When interpreting indefinite legal concepts, attention must be paid to predictability for those affected.\n\n**N. 17** The proportionality examination (para. 2) is conducted in three steps and must be fully documented. In balancing interests, all relevant private and public interests must be included. Alternatives must be examined concretely. The temporal dimension (limitation, review) must be considered.\n\n**N. 18** For protection of confidence (para. 3), documentation of official information is central. Oral assurances are problematic as they are difficult to prove. The competence of the assuring organ must be examined. When changing practice, transitional arrangements must be provided.\n\n**N. 19** For international law questions (para. 4), compatibility with international obligations must be examined at an early stage. The ECHR and bilateral treaties require particular attention. In case of norm conflicts, an interpretation conforming to international law should be sought. The termination of international treaties is a last resort.", "caselaw_en": "# Art. 5 BV - Case Law\n\n## Rule of Law Principle in General\n\n### Principle of Legality (para. 1)\n\n**BGE 151 II 254 E. 4** (26.11.2024)\nThe Federal Supreme Court confirms the strict principle of legality for state interventions.\nIn the absence of a legal basis, there is no obligation for the municipality to bear the costs for the medical treatment of a found cat.\n> «The law is the basis and limit of state action. State organs may only act if there is a sufficient legal basis.»\n\n**VB.2024.00334** (13.8.2024) - Zurich Administrative Court\nCost compensation for police operations requires a sufficient legal basis.\nThe costs to be passed on for a police operation constitute an administrative fee, which is subject to the principle of legality.\n\n**BVGE 2024 I/1** (8.5.2024)\nThis practice is based neither on a civil service regulation nor on an analogical conclusion at the decisive point.\nIn the absence of a legal basis, the principle of legality is violated.\n\n**AGVE 2016 85** (4.10.2016) - Aargau Administrative Court  \nMunicipal consultative votes are only permitted at municipal assemblies, not at the ballot box.\nAccording to Art. 5 BV, the law is the basis and limit of state action. The principle of legality determines that administrative activities may not take place without legal authorization.\n\n### Proportionality (para. 2)\n\n**BGE 139 I 16 E. 2.2** (12.10.2012)\nFundamental decision on the proportionality test for residence-terminating measures.\nAccording to Art. 63 FNA, the settlement permit may be revoked. The measure must - like all state action - be proportionate (Art. 5 para. 2 BV; Art. 96 FNA).\n> «In assessing whether this is the case, particular consideration must be given to the seriousness of the offence and the fault of the person concerned, the period that has elapsed since the act, and the foreigner's behaviour during this period.»\n\n**BGE 115 Ia 370** (1989)\nProtection of Bern's old town silhouette - public interest and proportionality.\nCognition of the Federal Supreme Court in weighing interests and proportionality. The application of a provision for the protection of the old town may in individual cases lead to a reduction of the building volume permitted under the zoning regulations.\n\n**BGE 109 Ia 76 E. 3b** (1983)\nMushroom picking prohibition - proportionality test for property restrictions.\nThe right of appropriation under Art. 699 CC may be restricted by cantonal public law, provided that there is a sufficient public interest and the principle of proportionality is observed.\n\n**VB.2016.00538** - Zurich Administrative Court\nRestriction of foreign persons - proportionality of the perimeter size.\nThe public interest in restriction does not weigh heavily, since the appellant never went underground. A restriction to the territory of an entire municipality proves to be disproportionate.\n\n### Good Faith (para. 3)\n\n**BGE 102 Ia 331 E. 3** (1976)\nFundamental decision on good faith in zoning plans.\nAssurances regarding the continuation of a zoning plan are only binding from the perspective of good faith if they emanate from the body competent to change the plan.\n> «However, the municipal legislator must also take into account the requirement of legal certainty even without a guarantee that is binding on itself.»\n\n**BGE 116 Ib 185 E. 3c** (1990)\nApplication of the principle of good faith to incorrect official information.\nThese principles must also be observed when assessing land use plan determinations. The forest determination on parcels which were considered forest-free in the years 1973 to 1976 during the preparation of a district plan.\n\n**UR 00/01 23** (30.5.2000) - Uri Higher Court\nConstitutional protection of legitimate expectations - requirements.\nA claim to protection of trust only exists if the citizen has exercised the care and attention that can be reasonably expected of him under the circumstances.\n> «Anyone who, despite existing doubts, interprets the ruling in a favourable sense without appropriate inquiry and makes corresponding arrangements cannot invoke the protection of good faith.»\n\n**BGE 97 I 125** (1971)\nGood faith in tax law - prohibition of contradictory behaviour.\nSignificance of the principle of good faith and the resulting prohibition of contradictory behaviour in tax law. Relationship of this principle to the principle of legality of taxation.\n\n**LU JSD 2012 9** (24.10.2012) - Lucerne Justice Department\nExtension of residence permit despite suspicion of sham marriage.\nIf a residence permit is extended without reservation despite suspicion of a sham marriage, the extension may not be refused one year later on the basis of the same indications. Such a procedure violates good faith.\n\n### International Law (para. 4)\n\n**BGE 139 I 16 E. 4-5** (12.10.2012)\nRelationship between constitutional law and international law in the expulsion initiative.\nThe para. 3-6 of Art. 121 BV adopted with the expulsion initiative do not take precedence over fundamental rights or the guarantees of the ECHR.\n> «The values expressed by the constitutional legislator can be taken into account insofar as this does not lead to contradiction with superior law or to conflicts with the margin of appreciation that the ECtHR grants to individual contracting states.»\n\n**BGE 138 II 524 E. 5** (19.9.2012)\nConflict of norms between international law and domestic law - primacy of international law.\nA unilaterally extended national tax exemption for cross-border traffic contradicts the Swiss-Italian border agreement. The Federal Supreme Court confirms the fundamental primacy of international law.\n> «The interpretation of international treaties is governed by the general principles of the Vienna Convention on the Law of Treaties.»\n\n**BGE 105 IV 218** (7.5.1979)\nLake Constance fishery - incorporation of international legal provisions into domestic law.\nArt. 1 para. 6 of the Federal Council Decree of 12 September 1967 on Lake Constance fishery, which incorporated the 1967 amended provision of the Bregenz Agreement on minimum mesh size into domestic law, is covered by the delegation provision.\n\n## Systematic Structure and Cross-References\n\n### Relationship to Other Constitutional Provisions\n\nThe case law shows the close connection of Art. 5 BV with other constitutional principles:\n- → Art. 8 BV (Legal equality): Equal treatment in wrongdoing (**BGE 127 I 1**)\n- → Art. 9 BV (Protection against arbitrariness): Overlap in protection of legitimate expectations\n- → Art. 29 BV (Procedural guarantees): Rule of law as an overall concept\n- ↔ Art. 36 BV (Restrictions on fundamental rights): Proportionality as a common standard\n- → Art. 190 BV (applicable law): Implementation of respect for international law", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_5", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 5, "article_suffix": "a", "title": "Subsidiarität", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 5a BV — Subsidiaritätsprinzip\n\n## Übersicht\n\nArt. 5a BV verankert das Subsidiaritätsprinzip in der Schweizer Verfassung. Dieser Grundsatz regelt die Aufgabenverteilung zwischen den drei Staatsebenen: Bund, Kantone und Gemeinden.\n\nDas Subsidiaritätsprinzip bedeutet: Staatliche Aufgaben sollen grundsätzlich auf der kleinsten möglichen Ebene erfüllt werden. Der Bund darf eine Aufgabe nur dann übernehmen, wenn die Kantone sie nicht selbst bewältigen können oder wenn eine schweizweite Lösung nötig ist. Dasselbe gilt zwischen Kantonen und Gemeinden.\n\nBetroffen sind alle staatlichen Behörden. Private Personen und Organisationen fallen nicht unter Art. 5a BV.\n\nDie Rechtsfolgen sind hauptsächlich politischer Natur. Der Artikel ist eine Richtlinie für Politiker und Behörden. Er gibt aber niemandem das Recht, vor Gericht zu klagen. Wer findet, der Bund mische sich zu stark in kantonale Angelegenheiten ein, kann sich nicht direkt auf Art. 5a BV berufen.\n\nEin konkretes Beispiel: Wenn der Bund ein neues Gesetz plant, muss er in der Botschaft erklären, warum die Kantone diese Aufgabe nicht selbst lösen können. Zum Beispiel bei der Bekämpfung von Geldwäscherei: Hier braucht es schweizweite Regeln, weil Verbrecher sonst einfach in andere Kantone ausweichen würden.\n\nDas Subsidiaritätsprinzip stärkt den Föderalismus (die Aufteilung der Macht zwischen Bund und Kantonen). Es verhindert aber nicht, dass der Bund neue Kompetenzen erhält, wenn das Volk und die Stände einer Verfassungsänderung zustimmen.\n\nIn der Praxis zeigt sich das Subsidiaritätsprinzip darin, dass der Bund oft nur Rahmengesetze erlässt und den Kantonen viel Spielraum bei der Umsetzung lässt.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 5a BV wurde erst anlässlich der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) im Jahr 2004 in die Bundesverfassung aufgenommen (AS 2007 5765). Die Bundesverfassungen von 1848 und 1874 kannten keinen expliziten Subsidiaritätsartikel, obwohl der schweizerische Bundesstaat implizit stets der Logik der Subsidiarität folgte (BBl 2002 2291, S. 2306 f.).\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 wurde die explizite Nennung des Subsidiaritätsgrundsatzes im Ständerat noch abgelehnt. Ständerat Rhinow warnte vor der Aufnahme unklarer und vieldeutiger Begriffe in den Verfassungstext (Amtl. Bull. SR 1998 60, S. 1107). Stattdessen wurde in Art. 42 Abs. 2 aBV festgehalten, dass der Bund «nur die Aufgaben [übernimmt], die einer einheitlichen Regelung bedürfen».\n\n**N. 3** Anlässlich der NFA-Reform setzte sich die Ansicht durch, das Subsidiaritätsprinzip als «staatspolitische Maxime» explizit zu verankern (BBl 2002 2291, S. 2339). Strittig war lediglich die systematische Einordnung: Die Platzierung in den Allgemeinen Bestimmungen (statt im Kapitel über Bund und Kantone) macht deutlich, dass der Grundsatz alle drei Staatsebenen betrifft (BBl 2002 2291, S. 2458).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 5a BV gehört zur verfassungsrechtlichen Föderalismusordnung und steht in engem Zusammenhang mit der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen. Als Teil der Allgemeinen Bestimmungen gilt er für alle drei Staatsebenen (Bund, Kantone, Gemeinden) und prägt deren Verhältnis zueinander (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 5a N. 10).\n\n**N. 5** Zentrale Querverweise bestehen zu:\n- → Art. 3 BV (Kantonale Souveränität und Enumerationsprinzip)\n- → Art. 42 BV (Aufgaben des Bundes)\n- → Art. 43a BV (Grundsätze für die Zuweisung staatlicher Aufgaben)\n- → Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts)\n- → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone)\n- → Art. 50 BV (Gemeindeautonomie)\n\n**N. 6** Art. 43a Abs. 1 BV konkretisiert das Subsidiaritätsprinzip dahingehend, dass der Bund «nur die Aufgaben [übernimmt], welche die Kraft der Kantone übersteigen oder einer einheitlichen Regelung durch den Bund bedürfen». Diese Bestimmung fungiert als Scharnier zwischen Subsidiaritäts- und Enumerationsprinzip (SGK-Schweizer/Müller, St. Galler Kommentar BV, 3. Aufl. 2014, Art. 5a N. 17).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Das Subsidiaritätsprinzip ist ein Kompetenzverteilungs- und Kompetenzausübungsgrundsatz. Bei der **Zuweisung** staatlicher Aufgaben verlangt es eine Präferenz für die dezentrale Ebene: Aufgaben sollen grundsätzlich der kleineren Einheit belassen werden. Bei der **Erfüllung** staatlicher Aufgaben gebietet es eine schonende Kompetenzausübung der zentralen Ebene (Biaggini, BSK BV, 2015, Art. 5a N. 9).\n\n**N. 8** Der Anwendungsbereich umfasst alle staatlichen Aufgaben in sämtlichen Phasen der Rechtsetzung und Rechtsanwendung. Auch die auswärtigen Angelegenheiten (Art. 54 ff. BV) fallen darunter, da Bund und Kantone auch hier zusammenwirken (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 23; a.A. CR-Bellanger, Art. 5a N. 28).\n\n**N. 9** Nicht erfasst werden Private und die Zivilgesellschaft. Art. 5a BV regelt nur das Verhältnis zwischen den staatlichen Ebenen, nicht das Verhältnis Staat-Gesellschaft (BVGE 2015/33, E. 3.1). Ein «gesellschaftspolitisches» Subsidiaritätsprinzip findet sich allenfalls in Art. 6 und Art. 41 Abs. 1 BV (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 7).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 5a BV begründet primär eine politische Rechtfertigungspflicht. Behördenvorlagen, die eine Zentralisierung vorsehen, bedürfen einer besonderen Begründung (BBl 2002 2291, S. 2340). Der Grundsatz ist nicht unmittelbar justiziabel und verleiht keine einklagbaren Rechte (BVGE 2015/33, E. 3.1; BGE 138 I 378 E. 8.4).\n\n**N. 11** Für den Bundesgesetzgeber bedeutet dies, dass er verfassungsmässige Bundeskompetenzen in einer die kantonalen Kompetenzen schonenden Art auszuüben hat. Ausschliessliche Bundeskompetenzen sind zu vermeiden, wenn konkurrierende oder Grundsatzgesetzgebungskompetenzen ausreichen (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 19, 24).\n\n**N. 12** Der Bundesverfassungsgeber wird durch Art. 5a BV nicht gebunden. Die Bestimmung stellt keine Schranke zulässiger Verfassungsänderungen dar, sollte aber als staatspolitische Maxime bei der Wahrung einer kohärenten Verfassungsordnung berücksichtigt werden (Biaggini, Art. 5a N. 13; a.A. Richli, Gehalt, ZSR 2007, S. 81).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Justiziabilität**: Die herrschende Lehre verneint die gerichtliche Durchsetzbarkeit von Art. 5a BV (Biaggini, Art. 5a N. 14; SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 16; CR-Bellanger, Art. 5a N. 19). Richli vertritt demgegenüber, die Justiziabilität lasse sich «kaum noch leugnen» (Richli, Gehalt, S. 68; zustimmend Waldmann, Schranken, S. 208 f.). Selbst bei Bejahung der Justiziabilität würde Art. 190 BV eine Kontrolle des Bundesgesetzgebers ausschliessen.\n\n**N. 14** **Verhältnis zu den Gemeinden**: Umstritten war bei der Verfassungsrevision, ob Art. 5a BV auch das Verhältnis Kantone-Gemeinden erfasst. Die Platzierung in den Allgemeinen Bestimmungen spricht für eine Geltung auf allen drei Staatsebenen (BBl 2002 2291, S. 2458; Biaggini, Art. 5a N. 10). Die Gemeindeautonomie nach Art. 50 BV wird durch das Subsidiaritätsprinzip gestützt, deren Ausgestaltung bleibt aber Sache des kantonalen Rechts (SGK-Kägi-Diener, Art. 50 N. 8, 12 f.).\n\n**N. 15** **Auslegungsmaxime**: Kontrovers ist, ob Art. 5a BV eine generell restriktive Auslegung von Bundeskompetenzen gebietet. Die überwiegende Lehre lehnt dies ab: Das Subsidiaritätsprinzip ist keine selbstständige, die herkömmliche Verfassungsinterpretation übersteuernde Auslegungsregel (Biaggini, Art. 5a N. 13; SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 29; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1075).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei Gesetzgebungsvorhaben des Bundes ist in der Botschaft darzulegen, warum eine bundesrechtliche Regelung erforderlich ist und weshalb die Kantone die Aufgabe nicht selbstständig oder durch interkantonale Zusammenarbeit (Art. 48 BV) bewältigen können. Der Subsidiaritätsgrundsatz verlangt keine Nachweise komparativer Effizienz, sondern eine politische Rechtfertigung der Zentralisierung.\n\n**N. 17** Für die Kantone bedeutet Art. 5a BV, dass sie bei der Aufgabenverteilung auf ihre Gemeinden ebenfalls das Subsidiaritätsprinzip zu beachten haben. Viele Kantonsverfassungen enthalten eigene Subsidiaritätsbestimmungen, die mit Art. 5a BV übereinstimmen (CR-Bellanger, Art. 5a N. 23 f.).\n\n**N. 18** Das Bundesgericht kann bei der Auslegung von Kompetenznormen Art. 5a BV als Teil des verfassungsrechtlichen Gesamtkontexts berücksichtigen. Bei verschiedenen Deutungsmöglichkeiten einer Kompetenznorm kann derjenigen der Vorzug gegeben werden, die dem Subsidiaritätsgedanken am besten entspricht (Ehrenzeller/Ehrenzeller, Föderale Kompetenzverteilung, 2016, S. 44).\n\n**N. 19** Periodische Überprüfungen bestehender Bundeskompetenzen auf ihre fortdauernde Notwendigkeit sind angezeigt. Die «gelebte Subsidiarität» zeigt sich auch darin, dass der Bund Kompetenzen nicht, nur teilweise oder verzögert ausübt (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 28).", "caselaw_de": "# Art. 5a BV — Subsidiarität\n\n## Rechtsprechung\n\n### Staatspolitische Maxime ohne subjektive Berechtigung\n\n**Urteil 1C_307/2020 vom 16. Juni 2021 E. 4.2**\n\nDas Bundesgericht hält bezüglich der praktischen Wirkung von Art. 5a BV fest: Der Beschwerdeführer zeigt nicht substanziiert auf, weshalb Art. 5a BV verletzt sei. Art. 5a BV ist eine staatspolitische Maxime im ersten Titel der Verfassung, die sich nach ihrer Entstehungsgeschichte und Konzeption in erster Linie auf das Verhältnis zwischen den verschiedenen Staatsebenen bezieht.\n\n> «Nach dieser Bestimmung ist bei der Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben der Grundsatz der Subsidiarität zu beachten. Art. 5a BV steht im ersten Titel der Verfassung unter den allgemeinen Bestimmungen. Es handelt sich dabei vorab um eine staatspolitische Maxime. Die Bestimmung bezieht sich zudem nach ihrer Entstehungsgeschichte und Konzeption in erster Linie auf das Verhältnis zwischen den verschiedenen Staatsebenen.»\n\n### Anwendung auf unternehmerische Staatstätigkeit\n\n**BGE 138 I 378 vom 3. Juli 2012 E. 8.4**\n\nDas Bundesgericht prüfte die Zulässigkeit einer kantonalen Sachversicherungsanstalt im Wettbewerbsbereich und kam zu dem Schluss, dass Art. 5a BV primär auf föderalistische Kompetenzverteilung ausgerichtet ist. Die Bestimmung wurde nicht als Hinderungsgrund für die Ausweitung staatlicher Wirtschaftstätigkeit qualifiziert.\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass sich Art. 5a BV vorrangig auf die Beziehungen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden bezieht, ohne private Akteure in den Subsidiaritätsgrundsatz einzubeziehen.\n\n### Keine Durchsetzbarkeit in der Einzelfallprüfung\n\n**Urteil B 2025/147 vom 3. Dezember 2025 E. 4.4.4**\n\nDas St. Galler Verwaltungsgericht stellte fest, dass Art. 5a BV keine direkte Anwendung in konkreten Verwaltungsverfahren findet. Der Grundsatz der Subsidiarität nach Art. 5a BV ist keine Verfahrensvorschrift, die individuelle Ansprüche begründet oder alternative Lösungswege vorschreibt.\n\n> «Art. 5a BV ist kein verfahrensrechtlicher Grundsatz, der in konkreten Einzelfällen eine bestimmte Vorgehensweise vorschreibt. Die Bestimmung richtet sich primär an den Gesetzgeber bei der Aufgabenverteilung zwischen den staatlichen Ebenen.»\n\n### Abgrenzung zu anderen Subsidiaritätsgrundsätzen\n\nDie Rechtsprechung unterscheidet konsequent zwischen dem verfassungsrechtlichen Subsidiaritätsprinzip des Art. 5a BV und anderen rechtlichen Subsidiaritätsgrundsätzen:\n\n- **Sozialhilfe**: BGE 130 I 71 behandelt den Subsidiaritätsgrundsatz in der Sozialhilfe (Art. 12 BV), ohne Bezug zu Art. 5a BV\n- **Erwachsenenschutz**: BGE 140 III 49 erörtert Subsidiarität nach Art. 389 ZGB, ebenfalls unabhängig von Art. 5a BV  \n- **Internationale Steueramtshilfe**: BGE 144 II 206 prüft Subsidiarität im Steuerrecht ohne Verweis auf Art. 5a BV\n\n### Zusammenfassung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 5a BV ist ausserordentlich dünn, was die begrenzte praktische Bedeutung der Bestimmung widerspiegelt. Das Bundesgericht betrachtet Art. 5a BV als staatspolitische Richtlinie für die Kompetenzverteilung zwischen Staatsebenen, nicht als justiziablen Grundsatz mit unmittelbaren rechtlichen Folgen. Eine eigenständige Berufung auf Art. 5a BV in konkreten Rechtsfällen ist nach der bisherigen Praxis wenig erfolgversprechend, da die Bestimmung keine subjektiven Rechte begründet.", "summary_fr": "# Art. 5a Cst. — Principe de subsidiarité\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 5a Cst. ancre le principe de subsidiarité dans la Constitution suisse. Ce principe fondamental régit la répartition des tâches entre les trois niveaux étatiques : Confédération, cantons et communes.\n\nLe principe de subsidiarité signifie : les tâches étatiques doivent en principe être accomplies au niveau le plus petit possible. La Confédération ne peut assumer une tâche que si les cantons ne peuvent pas la maîtriser eux-mêmes ou si une solution à l'échelle suisse est nécessaire. Il en va de même entre cantons et communes.\n\nToutes les autorités étatiques sont concernées. Les personnes privées et les organisations ne tombent pas sous le coup de l'art. 5a Cst.\n\nLes conséquences juridiques sont principalement de nature politique. L'article constitue une directive pour les politiciens et les autorités. Mais il ne donne à personne le droit d'agir en justice. Celui qui estime que la Confédération s'immisce trop dans les affaires cantonales ne peut pas se prévaloir directement de l'art. 5a Cst.\n\nUn exemple concret : lorsque la Confédération planifie une nouvelle loi, elle doit expliquer dans le message pourquoi les cantons ne peuvent pas résoudre cette tâche par eux-mêmes. Par exemple dans la lutte contre le blanchiment d'argent : il faut ici des règles à l'échelle suisse, car sinon les criminels se déplaceraient simplement vers d'autres cantons.\n\nLe principe de subsidiarité renforce le fédéralisme (la répartition du pouvoir entre Confédération et cantons). Il n'empêche cependant pas que la Confédération acquière de nouvelles compétences si le peuple et les cantons approuvent une modification de la Constitution.\n\nDans la pratique, le principe de subsidiarité se manifeste par le fait que la Confédération ne promulgue souvent que des lois-cadres et laisse aux cantons une grande marge de manœuvre dans la mise en œuvre.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 5a Cst. n'a été inséré dans la Constitution fédérale qu'à l'occasion de la nouvelle péréquation financière et de la nouvelle répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT) en 2004 (RS 2007 5765). Les Constitutions fédérales de 1848 et 1874 ne connaissaient pas d'article explicite de subsidiarité, bien que l'État fédéral suisse ait toujours implicitement suivi la logique de la subsidiarité (FF 2002 1889, p. 1904 f.).\n\n**N. 2** Lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999, la mention explicite du principe de subsidiarité fut encore rejetée au Conseil des États. Le conseiller aux États Rhinow mettait en garde contre l'insertion de notions peu claires et ambiguës dans le texte constitutionnel (Bull. off. CE 1998 60, p. 1107). À la place, l'art. 42 al. 2 aCst. disposait que la Confédération « n'assume que les tâches qui requièrent une réglementation uniforme ».\n\n**N. 3** À l'occasion de la réforme RPT, l'opinion s'imposa d'ancrer explicitement le principe de subsidiarité comme « maxime de politique étatique » (FF 2002 1889, p. 1934). Seule sa place systématique était controversée : le placement dans les dispositions générales (plutôt que dans le chapitre sur la Confédération et les cantons) rend clair que le principe concerne les trois niveaux étatiques (FF 2002 1889, p. 2042).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 5a Cst. appartient à l'ordre fédéraliste de droit constitutionnel et se trouve en relation étroite avec la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons. En tant que partie des dispositions générales, il vaut pour les trois niveaux étatiques (Confédération, cantons, communes) et marque leur rapport l'un à l'autre (Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 5a n. 10).\n\n**N. 5** Les renvois centraux existent vers :\n- → Art. 3 Cst. (Souveraineté cantonale et principe d'énumération)\n- → Art. 42 Cst. (Tâches de la Confédération)\n- → Art. 43a Cst. (Principes régissant l'attribution des tâches étatiques)\n- → Art. 46 Cst. (Mise en œuvre du droit fédéral)\n- → Art. 47 Cst. (Autonomie des cantons)\n- → Art. 50 Cst. (Autonomie communale)\n\n**N. 6** L'art. 43a al. 1 Cst. concrétise le principe de subsidiarité en ce sens que la Confédération « n'assume que les tâches qui excèdent les possibilités des cantons ou qui requièrent une réglementation uniforme de sa part ». Cette disposition fonctionne comme une charnière entre le principe de subsidiarité et le principe d'énumération (SGK-Schweizer/Müller, St. Galler Kommentar BV, 3e éd. 2014, art. 5a n. 17).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** Le principe de subsidiarité est un principe de répartition et d'exercice des compétences. Lors de l'**attribution** des tâches étatiques, il exige une préférence pour le niveau décentralisé : les tâches doivent en principe être laissées à l'unité plus petite. Lors de l'**accomplissement** des tâches étatiques, il commande un exercice ménager des compétences du niveau central (Biaggini, BSK BV, 2015, art. 5a n. 9).\n\n**N. 8** Le domaine d'application comprend toutes les tâches étatiques dans toutes les phases de la législation et de l'application du droit. Les affaires extérieures (art. 54 ss Cst.) en relèvent également, car la Confédération et les cantons collaborent aussi dans ce domaine (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 23 ; contra CR-Bellanger, art. 5a n. 28).\n\n**N. 9** Ne sont pas visés les particuliers et la société civile. L'art. 5a Cst. ne règle que les rapports entre les niveaux étatiques, pas le rapport État-société (ATAF 2015/33, consid. 3.1). Un principe de subsidiarité « sociopolitique » se trouve tout au plus dans les art. 6 et 41 al. 1 Cst. (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 7).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** L'art. 5a Cst. fonde en premier lieu une obligation politique de justification. Les projets d'autorités qui prévoient une centralisation requièrent une justification particulière (FF 2002 1889, p. 1935). Le principe n'est pas directement justiciable et ne confère pas de droits exigibles en justice (ATAF 2015/33, consid. 3.1 ; ATF 138 I 378 consid. 8.4).\n\n**N. 11** Pour le législateur fédéral, cela signifie qu'il doit exercer les compétences fédérales constitutionnelles d'une manière qui ménage les compétences cantonales. Les compétences fédérales exclusives sont à éviter si des compétences concurrentes ou de législation de principe suffisent (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 19, 24).\n\n**N. 12** Le constituant fédéral n'est pas lié par l'art. 5a Cst. La disposition ne constitue pas une limite aux révisions constitutionnelles admissibles, mais devrait être prise en compte comme maxime de politique étatique pour préserver un ordre constitutionnel cohérent (Biaggini, art. 5a n. 13 ; contra Richli, Gehalt, ZSR 2007, p. 81).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Justiciabilité** : La doctrine dominante nie la possibilité d'invoquer l'art. 5a Cst. devant les tribunaux (Biaggini, art. 5a n. 14 ; SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 16 ; CR-Bellanger, art. 5a n. 19). Richli soutient au contraire que la justiciabilité « ne saurait plus guère être niée » (Richli, Gehalt, p. 68 ; approuvant Waldmann, Schranken, p. 208 f.). Même en cas d'affirmation de la justiciabilité, l'art. 190 Cst. exclurait un contrôle du législateur fédéral.\n\n**N. 14** **Rapport aux communes** : Il était controversé lors de la révision constitutionnelle de savoir si l'art. 5a Cst. couvre aussi le rapport cantons-communes. Le placement dans les dispositions générales plaide pour une validité aux trois niveaux étatiques (FF 2002 1889, p. 2042 ; Biaggini, art. 5a n. 10). L'autonomie communale selon l'art. 50 Cst. est soutenue par le principe de subsidiarité, mais son aménagement reste l'affaire du droit cantonal (SGK-Kägi-Diener, art. 50 n. 8, 12 f.).\n\n**N. 15** **Maxime d'interprétation** : Il est controversé de savoir si l'art. 5a Cst. commande une interprétation généralement restrictive des compétences fédérales. La doctrine majoritaire le refuse : le principe de subsidiarité n'est pas une règle d'interprétation autonome qui supplanterait l'interprétation constitutionnelle traditionnelle (Biaggini, art. 5a n. 13 ; SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 29 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1075).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** Lors de projets législatifs de la Confédération, il faut exposer dans le message pourquoi une réglementation de droit fédéral est nécessaire et pourquoi les cantons ne peuvent pas maîtriser la tâche de manière autonome ou par la collaboration intercantonale (art. 48 Cst.). Le principe de subsidiarité n'exige pas de preuves d'efficacité comparative, mais une justification politique de la centralisation.\n\n**N. 17** Pour les cantons, l'art. 5a Cst. signifie qu'ils doivent également observer le principe de subsidiarité lors de la répartition des tâches à leurs communes. De nombreuses constitutions cantonales contiennent des dispositions propres de subsidiarité qui correspondent à l'art. 5a Cst. (CR-Bellanger, art. 5a n. 23 f.).\n\n**N. 18** Le Tribunal fédéral peut tenir compte de l'art. 5a Cst. comme partie du contexte constitutionnel global lors de l'interprétation de normes de compétence. En cas de plusieurs possibilités d'interprétation d'une norme de compétence, la préférence peut être donnée à celle qui correspond le mieux à l'idée de subsidiarité (Ehrenzeller/Ehrenzeller, Föderale Kompetenzverteilung, 2016, p. 44).\n\n**N. 19** Des examens périodiques des compétences fédérales existantes quant à leur nécessité persistante sont indiqués. La « subsidiarité vécue » se montre aussi dans le fait que la Confédération n'exerce pas les compétences, ne les exerce que partiellement ou avec retard (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 28).", "caselaw_fr": "# Art. 5a Cst — Subsidiarité\n\n## Jurisprudence\n\n### Maxime politique d'État sans droit subjectif\n\n**Arrêt 1C_307/2020 du 16 juin 2021 consid. 4.2**\n\nLe Tribunal fédéral précise l'effet pratique de l'art. 5a Cst : Le recourant n'expose pas de manière substantielle pourquoi l'art. 5a Cst serait violé. L'art. 5a Cst est une maxime politique d'État dans le premier titre de la Constitution, qui selon son histoire et sa conception se rapporte en premier lieu aux relations entre les différents niveaux étatiques.\n\n> « Selon cette disposition, il convient de respecter le principe de subsidiarité lors de l'attribution et de l'accomplissement des tâches publiques. L'art. 5a Cst figure dans le premier titre de la Constitution sous les dispositions générales. Il s'agit avant tout d'une maxime politique d'État. La disposition se réfère en outre selon son histoire et sa conception en premier lieu aux relations entre les différents niveaux étatiques. »\n\n### Application à l'activité économique de l'État\n\n**ATF 138 I 378 du 3 juillet 2012 consid. 8.4**\n\nLe Tribunal fédéral a examiné l'admissibilité d'un établissement cantonal d'assurance-choses dans le domaine concurrentiel et est parvenu à la conclusion que l'art. 5a Cst est orienté principalement vers la répartition des compétences fédéralistes. La disposition n'a pas été qualifiée comme obstacle à l'extension de l'activité économique étatique.\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que l'art. 5a Cst se rapporte en priorité aux relations entre la Confédération, les cantons et les communes, sans inclure les acteurs privés dans le principe de subsidiarité.\n\n### Pas d'applicabilité dans l'examen du cas d'espèce\n\n**Arrêt B 2025/147 du 3 décembre 2025 consid. 4.4.4**\n\nLe Tribunal administratif de Saint-Gall a établi que l'art. 5a Cst ne trouve pas d'application directe dans les procédures administratives concrètes. Le principe de subsidiarité selon l'art. 5a Cst n'est pas une prescription procédurale qui fonde des droits individuels ou prescrit des voies de solution alternatives.\n\n> « L'art. 5a Cst n'est pas un principe de droit procédural qui prescrit dans des cas d'espèce concrets une approche déterminée. La disposition s'adresse principalement au législateur lors de la répartition des tâches entre les niveaux étatiques. »\n\n### Distinction d'avec d'autres principes de subsidiarité\n\nLa jurisprudence distingue de manière conséquente entre le principe de subsidiarité constitutionnel de l'art. 5a Cst et d'autres principes juridiques de subsidiarité :\n\n- **Aide sociale** : ATF 130 I 71 traite du principe de subsidiarité en matière d'aide sociale (art. 12 Cst), sans référence à l'art. 5a Cst\n- **Protection de l'adulte** : ATF 140 III 49 examine la subsidiarité selon l'art. 389 CC, également indépendamment de l'art. 5a Cst  \n- **Entraide fiscale internationale** : ATF 144 II 206 examine la subsidiarité en droit fiscal sans renvoi à l'art. 5a Cst\n\n### Résumé\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 5a Cst est extraordinairement mince, ce qui reflète la portée pratique limitée de la disposition. Le Tribunal fédéral considère l'art. 5a Cst comme une directive politique d'État pour la répartition des compétences entre niveaux étatiques, non comme un principe justiciable ayant des conséquences juridiques immédiates. Se prévaloir de manière autonome de l'art. 5a Cst dans des affaires juridiques concrètes est peu prometteur selon la pratique actuelle, car la disposition ne fonde pas de droits subjectifs.", "summary_it": "# Art. 5a Cost. — Principio di sussidiarietà\n\n## Panoramica\n\nL'art. 5a Cost. sancisce il principio di sussidiarietà nella Costituzione svizzera. Questo principio fondamentale disciplina la ripartizione dei compiti tra i tre livelli statali: Confederazione, Cantoni e Comuni.\n\nIl principio di sussidiarietà significa che: i compiti statali devono essere svolti in linea di principio al livello più piccolo possibile. La Confederazione può assumere un compito soltanto se i Cantoni non sono in grado di gestirlo autonomamente o se è necessaria una soluzione a livello nazionale. Lo stesso vale tra Cantoni e Comuni.\n\nSono interessate tutte le autorità statali. Le persone private e le organizzazioni non rientrano nell'ambito dell'art. 5a Cost.\n\nLe conseguenze giuridiche sono principalmente di natura politica. L'articolo costituisce una direttiva per politici e autorità. Non conferisce tuttavia a nessuno il diritto di adire i tribunali. Chi ritiene che la Confederazione si immischi eccessivamente negli affari cantonali non può appellarsi direttamente all'art. 5a Cost.\n\nUn esempio concreto: se la Confederazione pianifica una nuova legge, deve spiegare nel messaggio perché i Cantoni non possono risolvere autonomamente questo compito. Ad esempio nella lotta al riciclaggio di denaro: qui sono necessarie regole a livello nazionale, altrimenti i criminali si sposterebbero semplicemente in altri Cantoni.\n\nIl principio di sussidiarietà rafforza il federalismo (la ripartizione del potere tra Confederazione e Cantoni). Non impedisce tuttavia che la Confederazione acquisisca nuove competenze, se il popolo e i Cantoni approvano una modifica costituzionale.\n\nNella pratica il principio di sussidiarietà si manifesta nel fatto che la Confederazione spesso emana soltanto leggi quadro e lascia ai Cantoni ampio margine di manovra nell'attuazione.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 5a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale soltanto in occasione della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) nel 2004 (RU 2007 5765). Le Costituzioni federali del 1848 e del 1874 non conoscevano un articolo esplicito sulla sussidiarietà, benché lo Stato federale svizzero seguisse implicitamente da sempre la logica della sussidiarietà (FF 2002 2149, pag. 2164 segg.).\n\n**N. 2** In occasione della revisione totale della Costituzione federale del 1999, la menzione esplicita del principio di sussidiarietà fu ancora respinta dal Consiglio degli Stati. Il consigliere agli Stati Rhinow mise in guardia dall'inserimento di termini poco chiari e ambigui nel testo costituzionale (Boll. Uff. CS 1998 60, pag. 1107). Invece, nell'art. 42 cpv. 2 aCost. fu stabilito che la Confederazione «si assume solo i compiti che necessitano di una normazione uniforme».\n\n**N. 3** In occasione della riforma NPC si impose l'opinione di ancorare esplicitamente il principio di sussidiarietà come «massima di politica statale» (FF 2002 2149, pag. 2201). Controverso era soltanto l'inquadramento sistematico: la collocazione nelle Disposizioni generali (invece che nel capitolo su Confederazione e Cantoni) chiarisce che il principio riguarda tutti e tre i livelli statali (FF 2002 2149, pag. 2317).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 5a Cost. appartiene all'ordinamento federalista costituzionale e si trova in stretto collegamento con la ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni. Come parte delle Disposizioni generali si applica a tutti e tre i livelli statali (Confederazione, Cantoni, Comuni) e caratterizza i loro rapporti reciproci (Biaggini, BV Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 5a n. 10).\n\n**N. 5** I principali riferimenti incrociati sussistono con:\n- → Art. 3 Cost. (Sovranità cantonale e principio di enumerazione)\n- → Art. 42 Cost. (Compiti della Confederazione)\n- → Art. 43a Cost. (Principi per l'attribuzione dei compiti statali)\n- → Art. 46 Cost. (Attuazione del diritto federale)\n- → Art. 47 Cost. (Autonomia dei Cantoni)\n- → Art. 50 Cost. (Autonomia comunale)\n\n**N. 6** L'art. 43a cpv. 1 Cost. concretizza il principio di sussidiarietà nel senso che la Confederazione «si assume soltanto i compiti che superano le possibilità dei Cantoni o che necessitano di una normazione uniforme da parte della Confederazione». Questa disposizione funge da cerniera tra principio di sussidiarietà e principio di enumerazione (SGK-Schweizer/Müller, St. Galler Kommentar BV, 3ª ed. 2014, art. 5a n. 17).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** Il principio di sussidiarietà è un principio di ripartizione e di esercizio delle competenze. Per quanto riguarda l'**attribuzione** dei compiti statali, esso esige una preferenza per il livello decentrato: i compiti devono in principio essere lasciati all'unità più piccola. Per quanto riguarda l'**adempimento** dei compiti statali, esso prescrive un esercizio moderato delle competenze da parte del livello centrale (Biaggini, BSK BV, 2015, art. 5a n. 9).\n\n**N. 8** L'ambito di applicazione comprende tutti i compiti statali in tutte le fasi della legislazione e dell'applicazione del diritto. Anche gli affari esteri (art. 54 segg. Cost.) rientrano sotto questo principio, dato che anche qui Confederazione e Cantoni collaborano (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 23; opinione contraria CR-Bellanger, art. 5a n. 28).\n\n**N. 9** Non sono compresi i privati e la società civile. L'art. 5a Cost. disciplina soltanto i rapporti tra i livelli statali, non i rapporti Stato-società (DTAF 2015/33, consid. 3.1). Un principio di sussidiarietà «sociopolitico» si trova eventualmente negli art. 6 e 41 cpv. 1 Cost. (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 7).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 5a Cost. fonda principalmente un obbligo di giustificazione politica. I progetti delle autorità che prevedono una centralizzazione necessitano di una giustificazione particolare (FF 2002 2149, pag. 2202). Il principio non è direttamente giustiziabile e non conferisce diritti azionabili (DTAF 2015/33, consid. 3.1; DTF 138 I 378 consid. 8.4).\n\n**N. 11** Per il legislatore federale ciò significa che deve esercitare le competenze federali costituzionali in modo da riguardare le competenze cantonali. Le competenze federali esclusive devono essere evitate se sono sufficienti competenze concorrenti o di legislazione di principio (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 19, 24).\n\n**N. 12** Il costituente federale non è vincolato dall'art. 5a Cost. La disposizione non rappresenta un limite alle modifiche costituzionali ammissibili, ma dovrebbe essere considerata come massima di politica statale nel mantenimento di un ordinamento costituzionale coerente (Biaggini, art. 5a n. 13; opinione contraria Richli, Gehalt, ZSR 2007, pag. 81).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Giustiziabilità**: la dottrina dominante nega l'azionabilità giudiziale dell'art. 5a Cost. (Biaggini, art. 5a n. 14; SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 16; CR-Bellanger, art. 5a n. 19). Richli sostiene al contrario che la giustiziabilità «difficilmente si può ancora negare» (Richli, Gehalt, pag. 68; con adesione Waldmann, Schranken, pagg. 208 seg.). Anche affermando la giustiziabilità, l'art. 190 Cost. escluderebbe un controllo del legislatore federale.\n\n**N. 14** **Rapporto con i Comuni**: in occasione della revisione costituzionale era controverso se l'art. 5a Cost. comprenda anche il rapporto Cantoni-Comuni. La collocazione nelle Disposizioni generali parla a favore di una validità su tutti e tre i livelli statali (FF 2002 2149, pag. 2317; Biaggini, art. 5a n. 10). L'autonomia comunale secondo l'art. 50 Cost. è sostenuta dal principio di sussidiarietà, ma la sua configurazione rimane materia del diritto cantonale (SGK-Kägi-Diener, art. 50 n. 8, 12 seg.).\n\n**N. 15** **Massima interpretativa**: è controverso se l'art. 5a Cost. prescriva un'interpretazione generalmente restrittiva delle competenze federali. La dottrina prevalente lo nega: il principio di sussidiarietà non è una regola interpretativa autonoma che sovrastia l'interpretazione costituzionale tradizionale (Biaggini, art. 5a n. 13; SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 29; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1075).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Per i progetti legislativi della Confederazione occorre esporre nel messaggio perché sia necessaria una regolamentazione di diritto federale e perché i Cantoni non possano gestire il compito autonomamente o attraverso la collaborazione intercantonale (art. 48 Cost.). Il principio di sussidiarietà non esige prove di efficienza comparativa, ma una giustificazione politica della centralizzazione.\n\n**N. 17** Per i Cantoni l'art. 5a Cost. significa che nella ripartizione dei compiti ai loro Comuni devono osservare anch'essi il principio di sussidiarietà. Molte costituzioni cantonali contengono proprie disposizioni sulla sussidiarietà che concordano con l'art. 5a Cost. (CR-Bellanger, art. 5a n. 23 seg.).\n\n**N. 18** Il Tribunale federale può considerare l'art. 5a Cost. nell'interpretazione delle norme di competenza come parte del contesto costituzionale complessivo. In presenza di diverse possibilità interpretative di una norma di competenza si può dare la preferenza a quella che corrisponde meglio al pensiero della sussidiarietà (Ehrenzeller/Ehrenzeller, Föderale Kompetenzverteilung, 2016, pag. 44).\n\n**N. 19** Sono auspicabili verifiche periodiche delle competenze federali esistenti riguardo alla loro necessità perdurante. La «sussidiarietà vissuta» si manifesta anche nel fatto che la Confederazione non esercita le competenze, le esercita solo parzialmente o in modo ritardato (SGK-Schweizer/Müller, art. 5a n. 28).", "caselaw_it": "# Art. 5a Cost. — Sussidiarietà\n\n## Giurisprudenza\n\n### Massima di politica statale senza diritto soggettivo\n\n**Sentenza 1C_307/2020 del 16 giugno 2021 consid. 4.2**\n\nIl Tribunale federale stabilisce riguardo all'efficacia pratica dell'art. 5a Cost.: Il ricorrente non dimostra in modo sostanziato per quale motivo l'art. 5a Cost. sia violato. L'art. 5a Cost. è una massima di politica statale nel primo titolo della Costituzione, che secondo la sua storia di nascita e concezione si riferisce in primo luogo al rapporto tra i diversi livelli statali.\n\n> «Secondo questa disposizione, nell'attribuzione e nell'adempimento di compiti statali deve essere osservato il principio della sussidiarietà. L'art. 5a Cost. si trova nel primo titolo della Costituzione sotto le disposizioni generali. Si tratta innanzitutto di una massima di politica statale. La disposizione si riferisce inoltre secondo la sua storia di nascita e concezione in primo luogo al rapporto tra i diversi livelli statali.»\n\n### Applicazione all'attività imprenditoriale dello Stato\n\n**DTF 138 I 378 del 3 luglio 2012 consid. 8.4**\n\nIl Tribunale federale ha esaminato l'ammissibilità di un istituto cantonale di assicurazione danni nel settore concorrenziale ed è giunto alla conclusione che l'art. 5a Cost. è orientato principalmente alla ripartizione federalistica delle competenze. La disposizione non è stata qualificata come ostacolo all'estensione dell'attività economica statale.\n\nIl Tribunale federale ha confermato che l'art. 5a Cost. si riferisce prioritariamente alle relazioni tra Confederazione, Cantoni e Comuni, senza includere gli attori privati nel principio di sussidiarietà.\n\n### Nessuna applicabilità nell'esame del caso singolo\n\n**Sentenza B 2025/147 del 3 dicembre 2025 consid. 4.4.4**\n\nIl Tribunale amministrativo di San Gallo ha stabilito che l'art. 5a Cost. non trova applicazione diretta in procedure amministrative concrete. Il principio della sussidiarietà secondo l'art. 5a Cost. non è una norma procedurale che fondi pretese individuali o prescriva vie alternative di soluzione.\n\n> «L'art. 5a Cost. non è un principio di diritto procedurale che prescrive in casi singoli concreti un determinato modo di procedere. La disposizione si rivolge primariamente al legislatore nella ripartizione dei compiti tra i livelli statali.»\n\n### Distinzione da altri principi di sussidiarietà\n\nLa giurisprudenza distingue coerentemente tra il principio costituzionale di sussidiarietà dell'art. 5a Cost. e altri principi giuridici di sussidiarietà:\n\n- **Assistenza sociale**: DTF 130 I 71 tratta il principio di sussidiarietà nell'assistenza sociale (art. 12 Cost.), senza riferimento all'art. 5a Cost.\n- **Protezione degli adulti**: DTF 140 III 49 discute la sussidiarietà secondo l'art. 389 CC, anch'essa indipendentemente dall'art. 5a Cost.\n- **Assistenza amministrativa fiscale internazionale**: DTF 144 II 206 esamina la sussidiarietà nel diritto fiscale senza riferimento all'art. 5a Cost.\n\n### Riassunto\n\nLa giurisprudenza sull'art. 5a Cost. è straordinariamente scarsa, il che rispecchia il significato pratico limitato della disposizione. Il Tribunale federale considera l'art. 5a Cost. come direttiva di politica statale per la ripartizione delle competenze tra livelli statali, non come principio giustiziabile con conseguenze giuridiche immediate. Un richiamo autonomo all'art. 5a Cost. in casi giuridici concreti è poco promettente secondo la prassi finora seguita, poiché la disposizione non fonda diritti soggettivi.", "summary_en": "# Art. 5a Cst. — Principle of subsidiarity\n\n## Overview\n\nArt. 5a Cst. enshrines the principle of subsidiarity in the Swiss Constitution. This fundamental principle governs the division of tasks between the three levels of government: the Confederation, the cantons and the municipalities.\n\nThe principle of subsidiarity means: State tasks should fundamentally be fulfilled at the smallest possible level. The Confederation may only assume a task if the cantons cannot manage it themselves or if a Switzerland-wide solution is necessary. The same applies between cantons and municipalities.\n\nAll state authorities are affected. Private persons and organisations do not fall under Art. 5a Cst.\n\nThe legal consequences are mainly of a political nature. The article is a guideline for politicians and authorities. However, it does not give anyone the right to take legal action in court. Those who believe that the Confederation is interfering too much in cantonal affairs cannot rely directly on Art. 5a Cst.\n\nA concrete example: If the Confederation plans a new law, it must explain in the Federal Council message why the cantons cannot solve this task themselves. For example in combating money laundering: Here Switzerland-wide rules are needed because criminals would otherwise simply move to other cantons.\n\nThe principle of subsidiarity strengthens federalism (the division of power between the Confederation and the cantons). However, it does not prevent the Confederation from acquiring new competences if the people and the cantons approve a constitutional amendment.\n\nIn practice, the principle of subsidiarity manifests itself in that the Confederation often only enacts framework legislation and leaves the cantons considerable scope in implementation.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 5a Cst. was only incorporated into the Federal Constitution in 2004 on the occasion of the New Financial Equalization and the Division of Tasks between the Confederation and the Cantons (NFA) (AS 2007 5765). The Federal Constitutions of 1848 and 1874 did not contain an explicit subsidiarity article, although the Swiss federal state implicitly always followed the logic of subsidiarity (BBl 2002 2291, p. 2306 f.).\n\n**N. 2** During the total revision of the Federal Constitution in 1999, the explicit mention of the subsidiarity principle was still rejected in the Council of States. Councillor of States Rhinow warned against the inclusion of unclear and ambiguous terms in the constitutional text (Amtl. Bull. SR 1998 60, p. 1107). Instead, Art. 42 para. 2 aFedConst established that the Confederation «only takes on tasks that require uniform regulation».\n\n**N. 3** During the NFA reform, the view prevailed that the subsidiarity principle should be explicitly anchored as a «state-political maxim» (BBl 2002 2291, p. 2339). Only the systematic classification was disputed: The placement in the General Provisions (instead of in the chapter on the Confederation and Cantons) makes it clear that the principle concerns all three levels of government (BBl 2002 2291, p. 2458).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 5a Cst. belongs to the constitutional federal order and is closely connected to the distribution of powers between the Confederation and the cantons. As part of the General Provisions, it applies to all three levels of government (Confederation, cantons, municipalities) and shapes their relationship to one another (Biaggini, BV Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 5a N. 10).\n\n**N. 5** Central cross-references exist to:\n- → Art. 3 Cst. (Cantonal sovereignty and enumeration principle)\n- → Art. 42 Cst. (Tasks of the Confederation)\n- → Art. 43a Cst. (Principles for the allocation of state tasks)\n- → Art. 46 Cst. (Implementation of federal law)\n- → Art. 47 Cst. (Independence of the cantons)\n- → Art. 50 Cst. (Municipal autonomy)\n\n**N. 6** Art. 43a para. 1 Cst. concretizes the subsidiarity principle in that the Confederation «only takes on tasks that exceed the capacity of the cantons or that require uniform regulation by the Confederation». This provision functions as a hinge between the subsidiarity and enumeration principles (SGK-Schweizer/Müller, St. Galler Kommentar BV, 3rd ed. 2014, Art. 5a N. 17).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** The subsidiarity principle is a principle of distribution and exercise of powers. In the **allocation** of state tasks, it requires a preference for the decentralized level: tasks should in principle be left to the smaller unit. In the **fulfilment** of state tasks, it commands a careful exercise of powers by the central level (Biaggini, BSK BV, 2015, Art. 5a N. 9).\n\n**N. 8** The scope of application encompasses all state tasks in all phases of legislation and law application. Foreign affairs (Art. 54 ff. Cst.) also fall under this, since the Confederation and cantons also cooperate here (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 23; different view CR-Bellanger, Art. 5a N. 28).\n\n**N. 9** Private parties and civil society are not covered. Art. 5a Cst. only regulates the relationship between state levels, not the relationship between state and society (BVGE 2015/33, consid. 3.1). A «socio-political» subsidiarity principle can at most be found in Art. 6 and Art. 41 para. 1 Cst. (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 7).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 5a Cst. primarily establishes a political obligation to justify. Governmental proposals that envisage centralization require special justification (BBl 2002 2291, p. 2340). The principle is not directly justiciable and does not confer enforceable rights (BVGE 2015/33, consid. 3.1; BGE 138 I 378 consid. 8.4).\n\n**N. 11** For the federal legislature, this means that it must exercise constitutional federal powers in a manner that protects cantonal powers. Exclusive federal powers are to be avoided if concurrent or framework legislative powers suffice (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 19, 24).\n\n**N. 12** The federal constituent power is not bound by Art. 5a Cst. The provision does not constitute a limit on permissible constitutional amendments, but should be considered as a state-political maxim in maintaining a coherent constitutional order (Biaggini, Art. 5a N. 13; different view Richli, Gehalt, ZSR 2007, p. 81).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 13** **Justiciability**: The prevailing doctrine denies the judicial enforceability of Art. 5a Cst. (Biaggini, Art. 5a N. 14; SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 16; CR-Bellanger, Art. 5a N. 19). Richli argues on the contrary that justiciability «can hardly be denied anymore» (Richli, Gehalt, p. 68; agreeing Waldmann, Schranken, p. 208 f.). Even if justiciability were affirmed, Art. 190 Cst. would exclude control of the federal legislature.\n\n**N. 14** **Relationship to municipalities**: During the constitutional revision, it was disputed whether Art. 5a Cst. also covers the relationship between cantons and municipalities. The placement in the General Provisions speaks for validity at all three levels of government (BBl 2002 2291, p. 2458; Biaggini, Art. 5a N. 10). Municipal autonomy under Art. 50 Cst. is supported by the subsidiarity principle, but its design remains a matter of cantonal law (SGK-Kägi-Diener, Art. 50 N. 8, 12 f.).\n\n**N. 15** **Interpretive maxim**: It is controversial whether Art. 5a Cst. commands a generally restrictive interpretation of federal powers. The prevailing doctrine rejects this: the subsidiarity principle is not an independent interpretive rule that overrides conventional constitutional interpretation (Biaggini, Art. 5a N. 13; SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 29; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1075).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 16** In federal legislative projects, the dispatch must explain why federal legal regulation is necessary and why the cantons cannot manage the task independently or through intercantonal cooperation (Art. 48 Cst.). The subsidiarity principle does not require proof of comparative efficiency, but rather a political justification of centralization.\n\n**N. 17** For the cantons, Art. 5a Cst. means that they must also observe the subsidiarity principle in the distribution of tasks to their municipalities. Many cantonal constitutions contain their own subsidiarity provisions that correspond with Art. 5a Cst. (CR-Bellanger, Art. 5a N. 23 f.).\n\n**N. 18** The Federal Supreme Court can consider Art. 5a Cst. as part of the overall constitutional context when interpreting powers norms. Where there are different possible interpretations of a powers norm, preference can be given to the one that best corresponds to the subsidiarity principle (Ehrenzeller/Ehrenzeller, Föderale Kompetenzverteilung, 2016, p. 44).\n\n**N. 19** Periodic reviews of existing federal powers for their continuing necessity are advisable. «Lived subsidiarity» is also shown by the fact that the Confederation does not exercise powers, or exercises them only partially or with delay (SGK-Schweizer/Müller, Art. 5a N. 28).", "caselaw_en": "# Art. 5a Cst. — Subsidiarity\n\n## Case Law\n\n### Political Maxim without Subjective Entitlement\n\n**Judgment 1C_307/2020 of 16 June 2021 para. 4.2**\n\nThe Federal Supreme Court stated regarding the practical effect of Art. 5a Cst.: The appellant does not substantively demonstrate why Art. 5a Cst. was violated. Art. 5a Cst. is a political maxim in the first title of the Constitution, which according to its legislative history and conception relates primarily to the relationship between the various levels of government.\n\n> «According to this provision, the principle of subsidiarity must be observed in the allocation and fulfilment of state tasks. Art. 5a Cst. is found in the first title of the Constitution under the general provisions. This is primarily a political maxim. According to its legislative history and conception, the provision relates primarily to the relationship between the various levels of government.»\n\n### Application to Entrepreneurial State Activity\n\n**BGE 138 I 378 of 3 July 2012 para. 8.4**\n\nThe Federal Supreme Court examined the admissibility of a cantonal property insurance institution in the competitive sector and concluded that Art. 5a Cst. is primarily oriented towards federalist distribution of competences. The provision was not qualified as an impediment to the expansion of state economic activity.\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that Art. 5a Cst. relates primarily to the relationships between the Confederation, cantons and communes, without including private actors in the principle of subsidiarity.\n\n### No Enforceability in Individual Case Review\n\n**Judgment B 2025/147 of 3 December 2025 para. 4.4.4**\n\nThe St. Gallen Administrative Court found that Art. 5a Cst. has no direct application in concrete administrative proceedings. The principle of subsidiarity according to Art. 5a Cst. is not a procedural rule that establishes individual claims or prescribes alternative solutions.\n\n> «Art. 5a Cst. is not a procedural principle that prescribes a specific approach in concrete individual cases. The provision is primarily addressed to the legislature in the allocation of tasks between levels of government.»\n\n### Distinction from Other Principles of Subsidiarity\n\nThe case law consistently distinguishes between the constitutional principle of subsidiarity in Art. 5a Cst. and other legal principles of subsidiarity:\n\n- **Social assistance**: BGE 130 I 71 deals with the principle of subsidiarity in social assistance (Art. 12 Cst.), without reference to Art. 5a Cst.\n- **Adult protection**: BGE 140 III 49 discusses subsidiarity according to Art. 389 CC, likewise independently of Art. 5a Cst.\n- **International tax assistance**: BGE 144 II 206 examines subsidiarity in tax law without reference to Art. 5a Cst.\n\n### Summary\n\nThe case law on Art. 5a Cst. is extraordinarily thin, which reflects the limited practical significance of the provision. The Federal Supreme Court regards Art. 5a Cst. as a political guideline for the distribution of competences between levels of government, not as a justiciable principle with immediate legal consequences. An independent invocation of Art. 5a Cst. in concrete legal cases is not very promising according to current practice, since the provision does not establish subjective rights.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_5a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 6, "article_suffix": "", "title": "Individuelle und gesellschaftliche Verantwortung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 6 BV – Eigenverantwortung und gesellschaftliche Verantwortung\n\n## Übersicht\n\nArt. 6 BV regelt die Eigenverantwortung jeder Person und ihre Verpflichtung zur Mitwirkung in Staat und Gesellschaft. Die Norm enthält zwei Hauptpflichten: Jede Person muss für sich selbst Verantwortung übernehmen und nach ihren Fähigkeiten zum Gemeinwohl beitragen.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Personen in der Schweiz – Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Ausländer. Die Norm gilt für natürliche Personen, also für Menschen, nicht für Unternehmen.\n\n**Was bedeutet Eigenverantwortung?** Eigenverantwortung heisst, dass jede Person die Folgen ihrer Entscheidungen selbst tragen muss. Sie soll durch eigene Anstrengungen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Staatliche Hilfe wie Sozialhilfe kommt erst zum Zuge, wenn die Person wirklich nicht mehr selbst für sich sorgen kann. Diese Hilfe ist subsidiär (nachrangig).\n\n**Was bedeutet gesellschaftliche Verantwortung?** Jede Person soll «nach ihren Kräften» zur Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben beitragen. Das können körperliche, finanzielle oder geistige Fähigkeiten sein. Konkret bedeutet dies beispielsweise: Steuern zahlen, Militärdienst leisten, Kinder zur Schule schicken oder sich ehrenamtlich engagieren.\n\n**Praktisches Beispiel:** Ein arbeitsloser Familienvater muss aktiv nach einer neuen Stelle suchen und kann nicht einfach Sozialhilfe beziehen, ohne sich zu bemühen. Gleichzeitig muss er seine Steuern zahlen und dafür sorgen, dass seine Kinder die Schule besuchen.\n\n**Rechtliche Wirkung:** Art. 6 BV ist ein Grundsatz ohne direkte Durchsetzbarkeit vor Gericht. Die Gerichte verwenden ihn aber zur Auslegung anderer Gesetze, besonders im Sozialhilfe- und Sozialversicherungsrecht. Die Norm unterstützt das Subsidiaritätsprinzip: Private Initiative und Eigenverantwortung gehen vor staatlicher Hilfe.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 6 BV entstand während der Totalrevision der Bundesverfassung in den parlamentarischen Beratungen der Jahre 1996–1999. Die Bundesverfassung von 1874 enthielt keinen vergleichbaren Artikel über Eigenverantwortung. Der Vorschlag für eine Musterverfassung des EJPD von 1985 sah noch einen umfassenden Katalog von Grundpflichten vor, auf den der Bundesrat in seinem Verfassungsentwurf 1996 bewusst verzichtete (BBl 1997 I 1, 140 f.).\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates begründete den Verzicht auf Grundpflichten mit zwei Hauptargumenten: der Schwierigkeit zu entscheiden, welche Pflichten Verfassungsrang verdienen, und den Problemen bei der Sanktionierung von Pflichtverletzungen (BBl 1997 I 141). Gleichzeitig betonte der Bundesrat, dass das Fehlen eines Grundpflichtenkatalogs «jedoch nicht bedeutet, dass die Einwohner dieses Landes keine Pflichten gegenüber der Gemeinschaft haben».\n\n**N. 3** Die parlamentarischen Debatten zeigen eine Verschiebung von der Idee der Grundpflichten hin zum Konzept der individuellen und gesellschaftlichen Verantwortung. Bundesrat Arnold Koller argumentierte, dass das der Verfassung zugrundeliegende Menschenbild bereits die Idee von Verantwortung beinhalte: Wenn der Mensch zur Autonomie fähig sei, trage er auch die damit einhergehende Verantwortung (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, N 11).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 6 BV steht am Ende des ersten Titels über die allgemeinen Bestimmungen, unmittelbar vor dem zweiten Titel über Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele. Diese Platzierung unterstreicht den programmatischen Charakter der Norm als allgemeine Verfassungsbestimmung mit Ausstrahlungswirkung auf den gesamten Verfassungstext (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 6 N 1).\n\n**N. 5** Die systematische Stellung vor den Grundrechten ist bewusst gewählt: Art. 6 BV fungiert als Gegengewicht zu den positiven Verpflichtungen des Staates und betont symbolisch das Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 5a BV). Dies zeigt sich besonders deutlich in Art. 41 Abs. 1 BV, wo Bund und Kantone sich «in Ergänzung zur persönlichen Verantwortung und zur privaten Initiative» für die Sozialziele einsetzen (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 6 N 3).\n\n**N. 6** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit weiteren Verfassungsbestimmungen: ↔ Art. 2 Abs. 3 BV (Chancengleichheit), ↔ Art. 5a BV (Subsidiarität), → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot), → Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen), → Art. 41 BV (Sozialziele), → Art. 59 BV (Militärdienst), → Art. 62 BV (Schulpflicht).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Art. 6 BV enthält zwei Komponenten: die individuelle Verantwortung («Jede Person nimmt Verantwortung für sich selber wahr») und die gesellschaftliche Verantwortung («trägt nach ihren Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft bei»).\n\n**N. 8** **Adressaten**: Der Ausdruck «jede Person» umfasst alle natürlichen Personen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Nach Chatton (CR Cst., Art. 6 N 20) sollten aufgrund der Sprachfassungen und Vorarbeiten auch juristische Personen analogiemässig einbezogen werden, da sie erhebliche positive und negative Auswirkungen auf ihre Umwelt entfalten können.\n\n**N. 9** **Individuelle Verantwortung**: Diese umfasst mehr als blosse Zurechenbarkeit eigener Entscheidungen. In relationaler Auslegung bedeutet Selbstverantwortung die Pflicht, die Konsequenzen eigener Entscheidungen zu erkennen und negative Auswirkungen auf andere zu beherrschen (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, N 33-34). Dies setzt bestimmte Kompetenzen voraus, insbesondere Grundbildung (→ Art. 19, 62 BV).\n\n**N. 10** **Gesellschaftliche Verantwortung**: Der Beitrag «nach ihren Kräften» führt ein Gerechtigkeitsprinzip ein. Das Konzept der «Kräfte» ist als Synonym für Fähigkeiten zu verstehen – physischer, psychischer, intellektueller und finanzieller Natur (Häberle, SGK BV, Art. 6 N 21). Die Unterscheidung zwischen «Staat» und «Gesellschaft» ist bewusst gewählt und verleiht der Zivilgesellschaft verfassungsrechtliche Existenz (Rochel, N 55-57).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 6 BV wird von der herrschenden Lehre als programmatische Norm mit beschränkter unmittelbarer Rechtswirkung verstanden (Mahon, Petit Commentaire, Art. 6 N 3; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, N 3616). Das Bundesgericht qualifizierte die Norm als ohne «besondere normative Bedeutung, sondern im Wesentlichen deklamatorische und Signalwirkung» (BGE 131 V 339 E. 3.4.1).\n\n**N. 12** Trotz der beschränkten Justiziabilität entfaltet Art. 6 BV wichtige Rechtswirkungen:\n- Als **Auslegungshilfe** für andere Verfassungsnormen, insbesondere bei der Bestimmung des Menschenbildes der Verfassung\n- Als **Konkretisierung des Subsidiaritätsprinzips** im Sozialhilferecht (BGE 142 V 178 E. 5.1)\n- Bei der **Bestimmung der Zumutbarkeit** von Eigenleistungen (Urteil 8C_708/2018 E. 5.2)\n- Als **Rechtfertigungsgrundlage** für obligatorische Versicherungen zum Schutz der Solidargemeinschaft\n\n**N. 13** Die Norm begründet keine selbständigen Grundpflichten, kann aber zur Konkretisierung bestehender gesetzlicher Pflichten herangezogen werden. Sie darf jedoch nicht dazu verwendet werden, Bedingungen zu schaffen, die nicht in einem Gesetz oder anderen Verfassungsbestimmungen vorgesehen sind (Chatton, CR Cst., Art. 6 N 23).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Rechtsnatur der Norm**: Während die Mehrheitslehre Art. 6 BV als rein programmatische Bestimmung ohne direkte Rechtswirkung sieht (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 6 N 8), erkennen andere Autoren ein erhebliches normatives Potential. Häberle (SGK BV, Art. 6 N 22) sieht Entwicklungsmöglichkeiten durch gesetzgeberische Konkretisierung und Lehre. Chatton (CR Cst., Art. 6 N 22-23) kritisiert die zu restriktive Sicht und betont die minimale rechtliche Bedeutung als Auslegungshilfe.\n\n**N. 15** **Verhältnis Eigenverantwortung – Subsidiarität**: Umstritten ist, ob Art. 6 BV das Subsidiaritätsprinzip verfassungsrechtlich verankert. Gächter (Selbstverantwortung als verfassungsrechtliche Grundannahme, ZSSV 2018, 693 ff.) bejaht dies nachdrücklich. Pärli (Das Kreuz mit der Selbstverantwortung, ZSSV 2018, 707 ff.) warnt vor einer Überbetonung der Eigenverantwortung, die sozialstaatliche Errungenschaften gefährden könnte.\n\n**N. 16** **Umfang der gesellschaftlichen Verantwortung**: Kontrovers diskutiert wird die Reichweite der Pflicht zur Mitwirkung an gesellschaftlichen Aufgaben. Kley (Grundpflichten Privater, 135 ff.) plädiert für eine restriktive Auslegung, die sich auf gesetzlich konkretisierte Pflichten beschränkt. Winistörfer (in: Schmid, Grundrecht und Grundsatz, 2021, 89) sieht Raum für weitergehende moralische Appelle, etwa im Bereich der Corporate Social Responsibility.\n\n**N. 17** **Anwendung auf juristische Personen**: Während Chatton die analoge Anwendung auf juristische Personen befürwortet (CR Cst., Art. 6 N 20), lehnt die Mehrheitslehre dies ab. Bertschi/Gächter (Neue Akzente in der «nachgeführten» Bundesverfassung, 2000, 3 ff.) argumentieren, Art. 6 BV richte sich primär an natürliche Personen als Träger moralischer Verantwortung.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der **Sozialhilfe** ist Art. 6 BV regelmässig relevant für die Beurteilung der Eigenleistungspflicht und Mitwirkungspflichten. Die Behörden müssen jedoch die individuellen Fähigkeiten kontextuell beurteilen – die Eigenverantwortung ist keine absolute Grösse (Studer, Sozialhilferechtliche Beschäftigungsverhältnisse, 2021, 156 ff.).\n\n**N. 19** Im **Sozialversicherungsrecht** dient Art. 6 BV zur Begründung von Informationspflichten der Versicherten und zur Rechtfertigung von Leistungskürzungen bei Selbstverschulden. Die Anforderungen müssen aber verhältnismässig sein und die tatsächlichen Fähigkeiten berücksichtigen (Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, 1999, 234 ff.).\n\n**N. 20** Für die **Gesetzgebung** bietet Art. 6 BV Orientierung bei der Ausgestaltung von Pflichtversicherungen und der Balance zwischen individueller Vorsorge und kollektiver Absicherung. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass die Grenzen der Eigenverantwortung neu diskutiert werden müssen (Müller, Von Freiheit, Überforderung und Bumerangen, ZBl 2022, 1 f.).\n\n**N. 21** In **gerichtlichen Verfahren** sollte Art. 6 BV nur zurückhaltend als selbständiges Argument verwendet werden. Die Norm eignet sich primär zur Verstärkung anderer verfassungsrechtlicher oder gesetzlicher Grundlagen, nicht aber zur Begründung neuer Pflichten ohne gesetzliche Basis.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätzliche Bedeutung und Subsidiaritätsprinzip\n\n**BGE 141 I 153** (17. September 2015) — Anrechnung eines Konkubinatsbeitrages im Sozialhilfebudget\nDas Subsidiaritätsprinzip ist Ausdruck der in Art. 6 BV verankerten Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft. Die Anrechnung eines Konkubinatsbeitrages bei einem stabilen Konkubinat verstösst weder gegen das Willkürverbot noch gegen die Rechtsgleichheit.\n\n> «Die Sozialhilfe wird vom Subsidiaritätsprinzip beherrscht. Als Grundprinzip im Sozialhilferecht meint die Subsidiarität, dass Sozialhilfe prinzipiell nur gewährt wird, soweit der Einzelne keinen Zugang zu einer anderweitigen, zumutbaren Hilfsquelle hat. Es ist damit Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft, wie sie in Art. 6 BV verankert ist.»\n\n**BGE 150 V 161** (1. Februar 2024) — Subsidiaritätsprinzip und Vorsorgeschutz\nArt. 6 BV begründet das Subsidiaritätsprinzip im Sozialhilferecht, das jedoch bei der Verpflichtung zum vorzeitigen Bezug von Freizügigkeitsleistungen gegen den bundesrechtlichen Vorsorgeschutz und den Verhältnismässigkeitsgrundsatz abgewogen werden muss.\n\n> «Das Subsidiaritätsprinzip ist Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft, wie sie in Art. 6 BV verankert ist (BGE 150 I 6 E. 10.1.2 mit Hinweisen; BGE 141 I 153 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteile 8C_17/2023 vom 5. Oktober 2023 E. 4; vgl. auch Art. 41 Abs. 1 BV).»\n\n## Aktuelle Anwendung im Sozialhilferecht\n\n**Urteil 8C_138/2024** (8. Juli 2025) — Konkubinatsbeitrag und Ergänzungsleistungen\nAuch bei Konkubinatspartnern, die Ergänzungsleistungen beziehen, kann ein Konkubinatsbeitrag angerechnet werden. Das Subsidiaritätsprinzip als Ausdruck von Art. 6 BV rechtfertigt die Berücksichtigung aller Einkünfte des Partners, einschliesslich Ergänzungsleistungen.\n\n> «Die Sozialhilfe wird vom Subsidiaritätsprinzip beherrscht (BGE 141 I 153 E. 4.2). Als Grundprinzip im Sozialhilferecht meint die Subsidiarität, dass Sozialhilfe prinzipiell nur gewährt wird, soweit der Einzelne keinen Zugang zu einer anderweitigen, zumutbaren Hilfsquelle hat. Es ist damit Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft, wie sie in Art. 6 BV verankert ist.»\n\n**Urteil 8C_708/2018** (26. März 2019) — Anrechnung von Hilflosenentschädigung\nDie Anrechnung von Einkommen in Sozialhilfebudgets erfolgt nach dem Subsidiaritätsprinzip. Bei der Betreuung eines behinderten Kindes durch die Eltern kann die Hilflosenentschädigung grundsätzlich als Einkommen angerechnet werden, wobei die besonderen Umstände zu berücksichtigen sind.\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass das Subsidiaritätsprinzip als verfassungsrechtliche Grundlage für die Anrechnung verschiedener Einkommen bei der Sozialhilfebemessung dient.\n\n## Verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung\n\n**Verwaltungsgericht Bern, Urteil 200 2016 679** (17. Februar 2017) — Subsidiarität in der Sozialhilfe\nDas Subsidiaritätsprinzip ist mit Blick auf Art. 6 BV Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft. Eine anderweitige, zumutbare Hilfsquelle ist vorrangig zu nutzen.\n\n> «Als Grundprinzip im Sozialhilferecht meint die Subsidiarität, dass Sozialhilfe prinziziell nur gewährt wird, soweit der Einzelne keinen Zugang zu einer anderweitigen, zumutbaren Hilfsquelle hat. Es ist damit Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität gegenüber der Gemeinschaft, wie sie in Art. 6 BV verankert ist.»\n\n**Verwaltungsgericht Zürich, Entscheid VB.2018.00357** (7. November 2019) — Konkubinatsbeitrag und Eigenverantwortung\nDie Anrechnung eines Konkubinatsbeitrages entspricht dem Grundsatz der Eigenverantwortung nach Art. 6 BV und dem Subsidiaritätsprinzip im Sozialhilferecht.\n\nDas Gericht hielt fest, dass die wirtschaftliche Betrachtungsweise bei Konkubinatspaaren der verfassungsrechtlichen Verpflichtung zur Mitverantwortung entspricht.\n\n## Historische Entwicklung\n\n**BGE 121 I 138** (19. April 1995) — Landsgemeinden und Bürgerpflichten\nArt. 6 BV wurde im Kontext von Bürgerpflichten und demokratischer Teilhabe erwähnt. Das Gericht anerkannte die verfassungsrechtliche Verankerung von Mitverantwortung, ohne diese jedoch ausführlich zu konkretisieren.\n\n**BGE 91 I 110** (1965) — Kirchgemeinden und staatsbürgerliche Pflichten\nFrühe Erwähnung der Bürgerpflichten im Kontext der Organisation von Kirchgemeinden. Das Bundesgericht bestätigte, dass bestimmte Organisationsformen staatsbürgerliche Mitverantwortung voraussetzen können.\n\n## Weitere Anwendungsbereiche\n\n**BGE 96 I 636** (1970) — Konkordate und Bürgerpflichten\nArt. 6 BV wurde im Zusammenhang mit konkordatärechtlichen Verpflichtungen erwähnt, wobei das Bundesgericht die Bedeutung der Bürgerpflicht zur Mitwirkung in staatlichen und gesellschaftlichen Belangen betonte.\n\n**BGE 89 I 80** (1963) — Gemeindeorganisation\nFrühe Rechtsprechung zur Bedeutung der Bürgerpflichten in der kommunalen Selbstverwaltung. Das Gericht anerkannte die verfassungsrechtliche Grundlage für Mitwirkungspflichten auf Gemeindeebene.\n\n## Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\n**BGE 94 I 525** (1968) — Wiedervereinigung Basel\nArt. 6 BV wurde im Kontext föderalistischer Neuordnung erwähnt. Das Gericht verwies auf die Bedeutung der Bürgerpflicht für die demokratische Willensbildung in komplexen Staatsorganisationsverfahren.\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 6 BV vor allem im Sozialhilferecht praktische Bedeutung erlangt hat, wo das Subsidiaritätsprinzip als direkter Ausdruck der verfassungsrechtlichen Eigenverantwortung und Solidarität verstanden wird. Jüngere Entscheide bestätigen diese Rechtsprechung und wenden sie auf neue Sachverhalte an, insbesondere bei der Berücksichtigung verschiedener Einkommensarten in Sozialhilfebudgets.", "summary_fr": "# Art. 6 Cst. – Responsabilité individuelle et responsabilité sociale\n\n## Aperçu\n\nL'art. 6 Cst. règle la responsabilité individuelle de chaque personne et son obligation de contribuer à l'État et à la société. La norme contient deux obligations principales : chaque personne doit assumer sa propre responsabilité et contribuer au bien commun selon ses capacités.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes en Suisse – citoyennes et citoyens suisses ainsi qu'étrangers. La norme s'applique aux personnes physiques, c'est-à-dire aux êtres humains, et non aux entreprises.\n\n**Que signifie la responsabilité individuelle ?** La responsabilité individuelle signifie que chaque personne doit assumer elle-même les conséquences de ses décisions. Elle doit subvenir à ses besoins par ses propres efforts. L'aide étatique comme l'aide sociale n'intervient qu'en dernier recours, lorsque la personne ne peut vraiment plus subvenir elle-même à ses besoins. Cette aide est subsidiaire (de rang inférieur).\n\n**Que signifie la responsabilité sociale ?** Chaque personne doit contribuer « selon ses forces » à la résolution des tâches sociales. Il peut s'agir de capacités physiques, financières ou intellectuelles. Concrètement, cela signifie par exemple : payer des impôts, accomplir le service militaire, envoyer les enfants à l'école ou s'engager bénévolement.\n\n**Exemple pratique :** Un père de famille au chômage doit activement chercher un nouvel emploi et ne peut pas simplement toucher l'aide sociale sans faire d'efforts. En même temps, il doit payer ses impôts et veiller à ce que ses enfants fréquentent l'école.\n\n**Effet juridique :** L'art. 6 Cst. est un principe sans applicabilité directe devant les tribunaux. Les tribunaux l'utilisent toutefois pour interpréter d'autres lois, en particulier dans le droit de l'aide sociale et de l'assurance sociale. La norme soutient le principe de subsidiarité : l'initiative privée et la responsabilité individuelle priment sur l'aide étatique.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 6 Cst. est né lors de la révision totale de la Constitution fédérale au cours des délibérations parlementaires des années 1996–1999. La Constitution fédérale de 1874 ne contenait aucun article comparable sur la responsabilité individuelle. La proposition de constitution modèle du DFJP de 1985 prévoyait encore un catalogue complet de devoirs fondamentaux, auquel le Conseil fédéral a consciemment renoncé dans son projet de constitution de 1996 (FF 1997 I 1, 145 s.).\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral justifiait le renoncement aux devoirs fondamentaux par deux arguments principaux : la difficulté de décider quels devoirs méritent le rang constitutionnel, et les problèmes de sanction des violations de devoirs (FF 1997 I 146). En même temps, le Conseil fédéral soulignait que l'absence d'un catalogue de devoirs fondamentaux « ne signifie toutefois pas que les habitants de ce pays n'ont aucun devoir envers la communauté ».\n\n**N. 3** Les débats parlementaires montrent un glissement de l'idée des devoirs fondamentaux vers le concept de responsabilité individuelle et sociale. Le conseiller fédéral Arnold Koller argumentait que la conception de l'être humain qui sous-tend la Constitution comprend déjà l'idée de responsabilité : si l'être humain est capable d'autonomie, il porte aussi la responsabilité qui l'accompagne (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, n° 11).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 6 Cst. se situe à la fin du premier titre sur les dispositions générales, immédiatement avant le deuxième titre sur les droits fondamentaux, les droits de cité et les buts sociaux. Cette place souligne le caractère programmatique de la norme en tant que disposition constitutionnelle générale avec un effet de rayonnement sur l'ensemble du texte constitutionnel (Biaggini, BV-Kommentar, art. 6 n° 1).\n\n**N. 5** La position systématique avant les droits fondamentaux est délibérément choisie : l'art. 6 Cst. fonctionne comme un contrepoids aux obligations positives de l'État et souligne symboliquement le principe de subsidiarité (→ art. 5a Cst.). Cela se manifeste particulièrement clairement dans l'art. 41 al. 1 Cst., où la Confédération et les cantons s'engagent « en complément de la responsabilité individuelle et de l'initiative privée » pour les buts sociaux (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 6 n° 3).\n\n**N. 6** La norme est en relation étroite avec d'autres dispositions constitutionnelles : ↔ art. 2 al. 3 Cst. (égalité des chances), ↔ art. 5a Cst. (subsidiarité), → art. 8 Cst. (égalité juridique et interdiction de la discrimination), → art. 12 Cst. (droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse), → art. 41 Cst. (buts sociaux), → art. 59 Cst. (service militaire), → art. 62 Cst. (obligation scolaire).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** L'art. 6 Cst. contient deux composantes : la responsabilité individuelle (« Toute personne assume la responsabilité de sa propre existence ») et la responsabilité sociale (« contribue selon ses forces à l'accomplissement des tâches de l'État et de la société »).\n\n**N. 8** **Destinataires** : L'expression « toute personne » comprend toutes les personnes physiques indépendamment de leur nationalité. Selon Chatton (CR Cst., art. 6 n° 20), les personnes morales devraient aussi être incluses par analogie en raison des versions linguistiques et des travaux préparatoires, car elles peuvent avoir des effets positifs et négatifs considérables sur leur environnement.\n\n**N. 9** **Responsabilité individuelle** : Celle-ci comprend plus que la simple imputabilité de ses propres décisions. Dans une interprétation relationnelle, la responsabilité personnelle signifie le devoir de reconnaître les conséquences de ses propres décisions et de maîtriser les effets négatifs sur autrui (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, n° 33-34). Cela présuppose certaines compétences, notamment une formation de base (→ art. 19, 62 Cst.).\n\n**N. 10** **Responsabilité sociale** : La contribution « selon ses forces » introduit un principe de justice. Le concept de « forces » est à comprendre comme synonyme de capacités – de nature physique, psychique, intellectuelle et financière (Häberle, SGK BV, art. 6 n° 21). La distinction entre « État » et « société » est délibérément choisie et confère une existence constitutionnelle à la société civile (Rochel, n° 55-57).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 6 Cst. est compris par la doctrine dominante comme une norme programmatique avec un effet juridique direct limité (Mahon, Petit Commentaire, art. 6 n° 3 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, n° 3616). Le Tribunal fédéral a qualifié la norme comme étant sans « signification normative particulière, mais essentiellement déclamatoire et d'effet de signal » (ATF 131 V 339 consid. 3.4.1).\n\n**N. 12** Malgré la justiciabilité limitée, l'art. 6 Cst. déploie d'importants effets juridiques :\n- Comme **aide à l'interprétation** d'autres normes constitutionnelles, notamment lors de la détermination de la conception de l'être humain de la Constitution\n- Comme **concrétisation du principe de subsidiarité** en droit de l'aide sociale (ATF 142 V 178 consid. 5.1)\n- Lors de la **détermination de l'exigibilité** de prestations personnelles (arrêt 8C_708/2018 consid. 5.2)\n- Comme **base de justification** pour les assurances obligatoires de protection de la communauté solidaire\n\n**N. 13** La norme ne fonde pas de devoirs fondamentaux autonomes, mais peut être utilisée pour concrétiser des devoirs légaux existants. Elle ne peut cependant pas être utilisée pour créer des conditions qui ne sont pas prévues dans une loi ou d'autres dispositions constitutionnelles (Chatton, CR Cst., art. 6 n° 23).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 14** **Nature juridique de la norme** : Alors que la doctrine majoritaire voit l'art. 6 Cst. comme une disposition purement programmatique sans effet juridique direct (Biaggini, BV-Kommentar, art. 6 n° 8), d'autres auteurs reconnaissent un potentiel normatif considérable. Häberle (SGK BV, art. 6 n° 22) voit des possibilités de développement par la concrétisation législative et la doctrine. Chatton (CR Cst., art. 6 n° 22-23) critique la vision trop restrictive et souligne la signification juridique minimale comme aide à l'interprétation.\n\n**N. 15** **Rapport responsabilité individuelle – subsidiarité** : Il est controversé de savoir si l'art. 6 Cst. ancre le principe de subsidiarité dans le droit constitutionnel. Gächter (Selbstverantwortung als verfassungsrechtliche Grundannahme, ZSSV 2018, 693 ss.) l'affirme vigoureusement. Pärli (Das Kreuz mit der Selbstverantwortung, ZSSV 2018, 707 ss.) met en garde contre une suraccentuation de la responsabilité individuelle qui pourrait mettre en danger les acquis de l'État social.\n\n**N. 16** **Étendue de la responsabilité sociale** : La portée du devoir de participation aux tâches sociales est discutée de manière controversée. Kley (Grundpflichten Privater, 135 ss.) plaide pour une interprétation restrictive qui se limite aux devoirs concrétisés par la loi. Winistörfer (in : Schmid, Grundrecht und Grundsatz, 2021, 89) voit un espace pour des appels moraux plus étendus, notamment dans le domaine de la responsabilité sociale des entreprises.\n\n**N. 17** **Application aux personnes morales** : Alors que Chatton préconise l'application analogique aux personnes morales (CR Cst., art. 6 n° 20), la doctrine majoritaire la rejette. Bertschi/Gächter (Neue Akzente in der « nachgeführten » Bundesverfassung, 2000, 3 ss.) argumentent que l'art. 6 Cst. s'adresse principalement aux personnes physiques en tant que porteuses de responsabilité morale.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 18** En matière d'**aide sociale**, l'art. 6 Cst. est régulièrement pertinent pour l'appréciation du devoir de prestation personnelle et des devoirs de collaboration. Les autorités doivent cependant apprécier les capacités individuelles de manière contextuelle – la responsabilité individuelle n'est pas une grandeur absolue (Studer, Sozialhilferechtliche Beschäftigungsverhältnisse, 2021, 156 ss.).\n\n**N. 19** En **droit des assurances sociales**, l'art. 6 Cst. sert à fonder les devoirs d'information des assurés et à justifier les réductions de prestations en cas de faute personnelle. Les exigences doivent cependant être proportionnées et tenir compte des capacités réelles (Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, 1999, 234 ss.).\n\n**N. 20** Pour la **législation**, l'art. 6 Cst. offre une orientation lors de l'aménagement des assurances obligatoires et de l'équilibre entre prévoyance individuelle et couverture collective. La pandémie de COVID-19 a montré que les limites de la responsabilité individuelle doivent être rediscutées (Müller, Von Freiheit, Überforderung und Bumerangen, ZBl 2022, 1 s.).\n\n**N. 21** Dans les **procédures judiciaires**, l'art. 6 Cst. ne devrait être utilisé qu'avec retenue comme argument autonome. La norme se prête principalement au renforcement d'autres bases constitutionnelles ou légales, mais non à la justification de nouveaux devoirs sans base légale.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Signification fondamentale et principe de subsidiarité\n\n**ATF 141 I 153** (17 septembre 2015) — Imputation d'une contribution de concubinage dans le budget d'aide sociale\nLe principe de subsidiarité est l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité ancré à l'art. 6 Cst. L'imputation d'une contribution de concubinage en cas de concubinage stable ne viole ni l'interdiction de l'arbitraire ni l'égalité de traitement.\n\n> «L'aide sociale est régie par le principe de subsidiarité. En tant que principe fondamental du droit de l'aide sociale, la subsidiarité signifie que l'aide sociale n'est en principe accordée que dans la mesure où l'individu n'a pas accès à une autre source d'aide raisonnablement exigible. Elle est ainsi l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité, tel qu'il est ancré à l'art. 6 Cst.»\n\n**ATF 150 V 161** (1er février 2024) — Principe de subsidiarité et protection de la prévoyance\nL'art. 6 Cst. fonde le principe de subsidiarité dans le droit de l'aide sociale, qui doit toutefois être mis en balance avec la protection fédérale de la prévoyance et le principe de proportionnalité lors de l'obligation de percevoir anticipativement des prestations de libre passage.\n\n> «Le principe de subsidiarité est l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité, tel qu'il est ancré à l'art. 6 Cst. (ATF 150 I 6 consid. 10.1.2 avec références; ATF 141 I 153 consid. 4.2 avec références; arrêts 8C_17/2023 du 5 octobre 2023 consid. 4; cf. aussi art. 41 al. 1 Cst.).»\n\n## Application actuelle dans le droit de l'aide sociale\n\n**Arrêt 8C_138/2024** (8 juillet 2025) — Contribution de concubinage et prestations complémentaires\nMême chez les partenaires de concubinage qui perçoivent des prestations complémentaires, une contribution de concubinage peut être imputée. Le principe de subsidiarité en tant qu'expression de l'art. 6 Cst. justifie la prise en compte de tous les revenus du partenaire, y compris les prestations complémentaires.\n\n> «L'aide sociale est régie par le principe de subsidiarité (ATF 141 I 153 consid. 4.2). En tant que principe fondamental du droit de l'aide sociale, la subsidiarité signifie que l'aide sociale n'est en principe accordée que dans la mesure où l'individu n'a pas accès à une autre source d'aide raisonnablement exigible. Elle est ainsi l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité, tel qu'il est ancré à l'art. 6 Cst.»\n\n**Arrêt 8C_708/2018** (26 mars 2019) — Imputation d'une allocation pour impotent\nL'imputation de revenus dans les budgets d'aide sociale s'effectue selon le principe de subsidiarité. Lors de la prise en charge d'un enfant handicapé par les parents, l'allocation pour impotent peut en principe être imputée comme revenu, les circonstances particulières devant être prises en compte.\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que le principe de subsidiarité sert de base constitutionnelle pour l'imputation de différents revenus lors du calcul de l'aide sociale.\n\n## Jurisprudence des tribunaux administratifs\n\n**Tribunal administratif de Berne, arrêt 200 2016 679** (17 février 2017) — Subsidiarité dans l'aide sociale\nLe principe de subsidiarité est, au regard de l'art. 6 Cst., l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité. Une autre source d'aide raisonnablement exigible doit être utilisée en priorité.\n\n> «En tant que principe fondamental du droit de l'aide sociale, la subsidiarité signifie que l'aide sociale n'est en principe accordée que dans la mesure où l'individu n'a pas accès à une autre source d'aide raisonnablement exigible. Elle est ainsi l'expression du devoir de coresponsabilité et de solidarité envers la collectivité, tel qu'il est ancré à l'art. 6 Cst.»\n\n**Tribunal administratif de Zurich, décision VB.2018.00357** (7 novembre 2019) — Contribution de concubinage et responsabilité individuelle\nL'imputation d'une contribution de concubinage correspond au principe de la responsabilité individuelle selon l'art. 6 Cst. et au principe de subsidiarité dans le droit de l'aide sociale.\n\nLe tribunal a retenu que la considération économique chez les partenaires de concubinage correspond à l'obligation constitutionnelle de coresponsabilité.\n\n## Développement historique\n\n**ATF 121 I 138** (19 avril 1995) — Landsgemeinden et devoirs civiques\nL'art. 6 Cst. a été mentionné dans le contexte des devoirs civiques et de la participation démocratique. Le tribunal a reconnu l'ancrage constitutionnel de la coresponsabilité, sans toutefois la concrétiser en détail.\n\n**ATF 91 I 110** (1965) — Communes ecclésiastiques et devoirs civiques\nMention précoce des devoirs civiques dans le contexte de l'organisation des communes ecclésiastiques. Le Tribunal fédéral a confirmé que certaines formes d'organisation peuvent présupposer une coresponsabilité civique.\n\n## Autres domaines d'application\n\n**ATF 96 I 636** (1970) — Concordats et devoirs civiques\nL'art. 6 Cst. a été mentionné en relation avec des obligations concordataires, le Tribunal fédéral soulignant l'importance du devoir civique de participation aux affaires étatiques et sociales.\n\n**ATF 89 I 80** (1963) — Organisation communale\nJurisprudence précoce sur la signification des devoirs civiques dans l'autonomie communale. Le tribunal a reconnu la base constitutionnelle des obligations de participation au niveau communal.\n\n## Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles\n\n**ATF 94 I 525** (1968) — Réunification de Bâle\nL'art. 6 Cst. a été mentionné dans le contexte d'un réaménagement fédéraliste. Le tribunal a fait référence à l'importance du devoir civique pour la formation de la volonté démocratique dans des procédures complexes d'organisation étatique.\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 6 Cst. a acquis une signification pratique surtout dans le droit de l'aide sociale, où le principe de subsidiarité est compris comme l'expression directe de la responsabilité individuelle et de la solidarité constitutionnelles. Les décisions récentes confirment cette jurisprudence et l'appliquent à de nouveaux cas d'espèce, notamment lors de la prise en compte de différents types de revenus dans les budgets d'aide sociale.", "summary_it": "# Art. 6 Cost. – Responsabilità individuale e sociale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 6 Cost. disciplina la responsabilità individuale di ogni persona e il suo obbligo di collaborare nello Stato e nella società. La norma contiene due doveri principali: ogni persona deve assumersi la responsabilità per sé stessa e contribuire al bene comune secondo le proprie capacità.\n\n**Chi è interessato?** Tutte le persone in Svizzera – cittadini svizzeri e stranieri. La norma vale per le persone fisiche, quindi per gli esseri umani, non per le imprese.\n\n**Cosa significa responsabilità individuale?** Responsabilità individuale significa che ogni persona deve sopportare le conseguenze delle proprie decisioni. Dovrebbe provvedere al proprio sostentamento con i propri sforzi. L'aiuto statale come l'assistenza sociale interviene solo quando la persona non può più davvero provvedere a sé stessa. Questo aiuto è sussidiario (subordinato).\n\n**Cosa significa responsabilità sociale?** Ogni persona dovrebbe contribuire «secondo le proprie forze» al superamento dei compiti sociali. Possono essere capacità fisiche, finanziarie o mentali. Concretamente questo significa ad esempio: pagare le tasse, prestare servizio militare, mandare i bambini a scuola o impegnarsi nel volontariato.\n\n**Esempio pratico:** Un padre di famiglia disoccupato deve cercare attivamente un nuovo posto di lavoro e non può semplicemente ricevere l'assistenza sociale senza sforzarsi. Allo stesso tempo deve pagare le sue tasse e assicurarsi che i suoi figli frequentino la scuola.\n\n**Effetto giuridico:** L'art. 6 Cost. è un principio senza applicabilità diretta davanti ai tribunali. I tribunali lo utilizzano però per l'interpretazione di altre leggi, specialmente nel diritto dell'assistenza sociale e delle assicurazioni sociali. La norma sostiene il principio di sussidiarietà: l'iniziativa privata e la responsabilità individuale precedono l'aiuto statale.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 6 Cost. nacque durante la revisione totale della Costituzione federale nelle deliberazioni parlamentari degli anni 1996–1999. La Costituzione federale del 1874 non conteneva un articolo comparabile sulla responsabilità individuale. La proposta per una costituzione modello del DFGP del 1985 prevedeva ancora un catalogo completo di doveri fondamentali, cui il Consiglio federale rinunciò consapevolmente nel suo progetto costituzionale del 1996 (FF 1997 I 1, 140 seg.).\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale giustificò la rinuncia ai doveri fondamentali con due argomentazioni principali: la difficoltà di decidere quali doveri meritino il rango costituzionale e i problemi nel sanzionare le violazioni dei doveri (FF 1997 I 141). Contemporaneamente il Consiglio federale sottolineò che l'assenza di un catalogo di doveri fondamentali «tuttavia non significa che gli abitanti di questo Paese non abbiano doveri verso la comunità».\n\n**N. 3** I dibattiti parlamentari mostrano uno spostamento dall'idea dei doveri fondamentali verso il concetto della responsabilità individuale e sociale. Il consigliere federale Arnold Koller argomentò che la concezione dell'essere umano sottesa alla Costituzione già includeva l'idea di responsabilità: se l'essere umano è capace di autonomia, porta anche la responsabilità che ne deriva (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, N 11).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 6 Cost. si trova alla fine del primo titolo sulle disposizioni generali, immediatamente prima del secondo titolo sui diritti fondamentali, i diritti civici e gli obiettivi sociali. Questa collocazione sottolinea il carattere programmatico della norma come disposizione costituzionale generale con effetto irradiante su tutto il testo costituzionale (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 6 N 1).\n\n**N. 5** La posizione sistematica prima dei diritti fondamentali è scelta consapevolmente: l'art. 6 Cost. funge da contrappeso agli obblighi positivi dello Stato e sottolinea simbolicamente il principio di sussidiarietà (→ art. 5a Cost.). Ciò si manifesta particolarmente chiaramente nell'art. 41 cpv. 1 Cost., dove Confederazione e Cantoni si impegnano «in aggiunta alla responsabilità individuale e all'iniziativa privata» per gli obiettivi sociali (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 6 N 3).\n\n**N. 6** La norma è strettamente collegata ad altre disposizioni costituzionali: ↔ art. 2 cpv. 3 Cost. (pari opportunità), ↔ art. 5a Cost. (sussidiarietà), → art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione), → art. 12 Cost. (diritto all'aiuto in situazioni di bisogno), → art. 41 Cost. (obiettivi sociali), → art. 59 Cost. (servizio militare), → art. 62 Cost. (obbligo scolastico).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** L'art. 6 Cost. contiene due componenti: la responsabilità individuale («Ognuno assume le responsabilità per se stesso») e la responsabilità sociale («contribuisce secondo le proprie forze al bene comune»).\n\n**N. 8** **Destinatari**: L'espressione «ognuno» comprende tutte le persone fisiche indipendentemente dalla loro cittadinanza. Secondo Chatton (CR Cst., Art. 6 N 20) dovrebbero essere incluse analogicamente anche le persone giuridiche in base alle versioni linguistiche e ai lavori preparatori, poiché possono sviluppare effetti positivi e negativi considerevoli sul loro ambiente.\n\n**N. 9** **Responsabilità individuale**: Questa comprende più della mera imputabilità delle proprie decisioni. In un'interpretazione relazionale, l'autoresponsabilità significa l'obbligo di riconoscere le conseguenze delle proprie decisioni e di controllare gli effetti negativi su altri (Rochel, Kommentar zu Art. 6 BV, N 33-34). Ciò presuppone determinate competenze, in particolare l'educazione di base (→ art. 19, 62 Cost.).\n\n**N. 10** **Responsabilità sociale**: Il contributo «secondo le proprie forze» introduce un principio di equità. Il concetto delle «forze» è da intendere come sinonimo di capacità – di natura fisica, psichica, intellettuale e finanziaria (Häberle, SGK BV, Art. 6 N 21). La distinzione tra «Stato» e «società» è scelta consapevolmente e conferisce alla società civile esistenza costituzionale (Rochel, N 55-57).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 6 Cost. è inteso dalla dottrina dominante come norma programmatica con limitata efficacia giuridica immediata (Mahon, Petit Commentaire, Art. 6 N 3; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, N 3616). Il Tribunale federale ha qualificato la norma come senza «particolare significato normativo, bensì essenzialmente con effetto declamatorio e segnaletico» (DTF 131 V 339 consid. 3.4.1).\n\n**N. 12** Nonostante la limitata giustiziabilità, l'art. 6 Cost. sviluppa importanti effetti giuridici:\n- Come **ausilio interpretativo** per altre norme costituzionali, in particolare nella determinazione della concezione dell'essere umano della Costituzione\n- Come **concretizzazione del principio di sussidiarietà** nel diritto dell'assistenza sociale (DTF 142 V 178 consid. 5.1)\n- Nella **determinazione dell'esigibilità** di prestazioni proprie (sentenza 8C_708/2018 consid. 5.2)\n- Come **base di giustificazione** per assicurazioni obbligatorie a protezione della comunità solidale\n\n**N. 13** La norma non fonda doveri fondamentali autonomi, ma può essere utilizzata per concretizzare obblighi legali esistenti. Non può però essere usata per creare condizioni che non sono previste in una legge o altre disposizioni costituzionali (Chatton, CR Cst., Art. 6 N 23).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Natura giuridica della norma**: Mentre la dottrina maggioritaria vede l'art. 6 Cost. come disposizione puramente programmatica senza efficacia giuridica diretta (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 6 N 8), altri autori riconoscono un considerevole potenziale normativo. Häberle (SGK BV, Art. 6 N 22) vede possibilità di sviluppo attraverso concretizzazione legislativa e dottrina. Chatton (CR Cst., Art. 6 N 22-23) critica la visione troppo restrittiva e sottolinea il significato giuridico minimo come ausilio interpretativo.\n\n**N. 15** **Rapporto responsabilità individuale – sussidiarietà**: È controverso se l'art. 6 Cost. ancori costituzionalmente il principio di sussidiarietà. Gächter (Selbstverantwortung als verfassungsrechtliche Grundannahme, ZSSV 2018, 693 segg.) lo afferma energicamente. Pärli (Das Kreuz mit der Selbstverantwortung, ZSSV 2018, 707 segg.) mette in guardia da un'enfasi eccessiva sulla responsabilità individuale che potrebbe mettere in pericolo le conquiste dello Stato sociale.\n\n**N. 16** **Portata della responsabilità sociale**: È discussa controversamente la portata dell'obbligo di cooperazione ai compiti sociali. Kley (Grundpflichten Privater, 135 segg.) propugna un'interpretazione restrittiva che si limiti agli obblighi concretizzati legalmente. Winistörfer (in: Schmid, Grundrecht und Grundsatz, 2021, 89) vede spazio per appelli morali più ampi, ad esempio nell'ambito della responsabilità sociale d'impresa.\n\n**N. 17** **Applicazione alle persone giuridiche**: Mentre Chatton favorisce l'applicazione analogica alle persone giuridiche (CR Cst., Art. 6 N 20), la dottrina maggioritaria la rifiuta. Bertschi/Gächter (Neue Akzente in der «nachgeführten» Bundesverfassung, 2000, 3 segg.) argomentano che l'art. 6 Cost. si rivolga principalmente alle persone fisiche come portatrici di responsabilità morale.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'**assistenza sociale** l'art. 6 Cost. è regolarmente rilevante per la valutazione dell'obbligo di prestazione propria e degli obblighi di cooperazione. Le autorità devono però valutare contestualmente le capacità individuali – la responsabilità individuale non è una grandezza assoluta (Studer, Sozialhilferechtliche Beschäftigungsverhältnisse, 2021, 156 segg.).\n\n**N. 19** Nel **diritto delle assicurazioni sociali** l'art. 6 Cost. serve per giustificare gli obblighi di informazione degli assicurati e per giustificare riduzioni di prestazioni in caso di colpa propria. Le esigenze devono però essere proporzionate e considerare le capacità effettive (Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, 1999, 234 segg.).\n\n**N. 20** Per la **legislazione** l'art. 6 Cost. offre orientamento nella configurazione di assicurazioni obbligatorie e dell'equilibrio tra previdenza individuale e sicurezza collettiva. La pandemia di COVID-19 ha mostrato che i limiti della responsabilità individuale devono essere ridiscussi (Müller, Von Freiheit, Überforderung und Bumerangen, ZBl 2022, 1 seg.).\n\n**N. 21** Nei **procedimenti giudiziali** l'art. 6 Cost. dovrebbe essere usato solo con cautela come argomento autonomo. La norma si presta principalmente al rafforzamento di altri fondamenti costituzionali o legali, non però alla giustificazione di nuovi obblighi senza base legale.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Significato fondamentale e principio di sussidiarietà\n\n**DTF 141 I 153** (17 settembre 2015) — Computo di un contributo di concubinato nel budget dell'assistenza sociale\nIl principio di sussidiarietà è espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività sancito dall'art. 6 Cost. Il computo di un contributo di concubinato in caso di concubinato stabile non viola né il divieto dell'arbitrio né l'uguaglianza giuridica.\n\n> «L'assistenza sociale è retta dal principio di sussidiarietà. Come principio fondamentale del diritto dell'assistenza sociale, la sussidiarietà significa che l'assistenza sociale viene concessa in linea di principio solo nella misura in cui il singolo non abbia accesso ad altre fonti di aiuto ragionevoli. È quindi espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività, come sancito dall'art. 6 Cost.»\n\n**DTF 150 V 161** (1° febbraio 2024) — Principio di sussidiarietà e protezione previdenziale\nL'art. 6 Cost. fonda il principio di sussidiarietà nel diritto dell'assistenza sociale, che tuttavia deve essere ponderato con la protezione previdenziale di diritto federale e il principio di proporzionalità nell'obbligo al prelievo anticipato di prestazioni di libero passaggio.\n\n> «Il principio di sussidiarietà è espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività, come sancito dall'art. 6 Cost. (DTF 150 I 6 consid. 10.1.2 con rinvii; DTF 141 I 153 consid. 4.2 con rinvii; sentenze 8C_17/2023 del 5 ottobre 2023 consid. 4; cfr. anche art. 41 cpv. 1 Cost.).»\n\n## Applicazione attuale nel diritto dell'assistenza sociale\n\n**Sentenza 8C_138/2024** (8 luglio 2025) — Contributo di concubinato e prestazioni complementari\nAnche per i partner in concubinato che percepiscono prestazioni complementari può essere computato un contributo di concubinato. Il principio di sussidiarietà quale espressione dell'art. 6 Cost. giustifica la considerazione di tutti i redditi del partner, comprese le prestazioni complementari.\n\n> «L'assistenza sociale è retta dal principio di sussidiarietà (DTF 141 I 153 consid. 4.2). Come principio fondamentale del diritto dell'assistenza sociale, la sussidiarietà significa che l'assistenza sociale viene concessa in linea di principio solo nella misura in cui il singolo non abbia accesso ad altre fonti di aiuto ragionevoli. È quindi espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività, come sancito dall'art. 6 Cost.»\n\n**Sentenza 8C_708/2018** (26 marzo 2019) — Computo dell'indennità per grandi invalidi\nIl computo del reddito nei budget dell'assistenza sociale avviene secondo il principio di sussidiarietà. Nella cura di un bambino disabile da parte dei genitori, l'indennità per grandi invalidi può in linea di principio essere computata come reddito, tenendo conto delle circostanze particolari.\n\nIl Tribunale federale ha confermato che il principio di sussidiarietà serve come base costituzionale per il computo di diversi redditi nella determinazione dell'assistenza sociale.\n\n## Giurisprudenza dei tribunali amministrativi\n\n**Tribunale amministrativo di Berna, sentenza 200 2016 679** (17 febbraio 2017) — Sussidiarietà nell'assistenza sociale\nIl principio di sussidiarietà è, con riguardo all'art. 6 Cost., espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività. Altre fonti di aiuto ragionevoli devono essere utilizzate prioritariamente.\n\n> «Come principio fondamentale del diritto dell'assistenza sociale, la sussidiarietà significa che l'assistenza sociale viene concessa in linea di principio solo nella misura in cui il singolo non abbia accesso ad altre fonti di aiuto ragionevoli. È quindi espressione dell'obbligo di corresponsabilità e solidarietà verso la collettività, come sancito dall'art. 6 Cost.»\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo, decisione VB.2018.00357** (7 novembre 2019) — Contributo di concubinato e responsabilità individuale\nIl computo di un contributo di concubinato corrisponde al principio della responsabilità individuale secondo l'art. 6 Cost. e al principio di sussidiarietà nel diritto dell'assistenza sociale.\n\nIl tribunale ha stabilito che la considerazione economica delle coppie in concubinato corrisponde all'obbligo costituzionale di corresponsabilità.\n\n## Sviluppo storico\n\n**DTF 121 I 138** (19 aprile 1995) — Landsgemeinde e doveri civici\nL'art. 6 Cost. è stato menzionato nel contesto dei doveri civici e della partecipazione democratica. Il tribunale ha riconosciuto l'ancoraggio costituzionale della corresponsabilità, senza tuttavia concretizzarla in modo dettagliato.\n\n**DTF 91 I 110** (1965) — Corporazioni ecclesiastiche e doveri civici\nMenzione precoce dei doveri civici nel contesto dell'organizzazione delle corporazioni ecclesiastiche. Il Tribunale federale ha confermato che certe forme organizzative possono presupporre la corresponsabilità civica.\n\n## Altri ambiti di applicazione\n\n**DTF 96 I 636** (1970) — Concordati e doveri civici\nL'art. 6 Cost. è stato menzionato in relazione agli obblighi concordatari, dove il Tribunale federale ha sottolineato l'importanza del dovere civico di partecipazione negli affari statali e sociali.\n\n**DTF 89 I 80** (1963) — Organizzazione comunale\nGiurisprudenza precoce sul significato dei doveri civici nell'autoamministrazione comunale. Il tribunale ha riconosciuto la base costituzionale per gli obblighi di partecipazione a livello comunale.\n\n## Rapporto con altre disposizioni costituzionali\n\n**DTF 94 I 525** (1968) — Riunificazione di Basilea\nL'art. 6 Cost. è stato menzionato nel contesto di un riordino federalistico. Il tribunale ha fatto riferimento all'importanza del dovere civico per la formazione della volontà democratica nei procedimenti complessi di organizzazione statale.\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 6 Cost. ha acquisito significato pratico soprattutto nel diritto dell'assistenza sociale, dove il principio di sussidiarietà è inteso come espressione diretta della responsabilità individuale e della solidarietà costituzionali. Le decisioni più recenti confermano questa giurisprudenza e la applicano a nuove fattispecie, in particolare nella considerazione di diversi tipi di reddito nei budget dell'assistenza sociale.", "summary_en": "# Art. 6 FC – Personal responsibility and social responsibility\n\n## Overview\n\nArt. 6 FC governs the personal responsibility of every person and their obligation to participate in the state and society. The provision contains two main duties: every person must take responsibility for themselves and contribute to the common good according to their abilities.\n\n**Who is affected?** All persons in Switzerland – Swiss citizens as well as foreigners. The provision applies to natural persons, i.e. to human beings, not to companies.\n\n**What does personal responsibility mean?** Personal responsibility means that every person must bear the consequences of their decisions themselves. They should secure their livelihood through their own efforts. State assistance such as social assistance only comes into play when the person really can no longer provide for themselves. This assistance is subsidiary (secondary).\n\n**What does social responsibility mean?** Every person should contribute «according to their abilities» to managing social tasks. These may be physical, financial or intellectual abilities. Concretely, this means for example: paying taxes, performing military service, sending children to school or engaging in voluntary work.\n\n**Practical example:** An unemployed father must actively search for a new job and cannot simply receive social assistance without making an effort. At the same time, he must pay his taxes and ensure that his children attend school.\n\n**Legal effect:** Art. 6 FC is a principle without direct enforceability before the courts. However, the courts use it to interpret other laws, particularly in social assistance and social insurance law. The provision supports the principle of subsidiarity: private initiative and personal responsibility come before state assistance.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 6 Cst. was created during the total revision of the Federal Constitution in the parliamentary deliberations of 1996–1999. The Federal Constitution of 1874 contained no comparable article on personal responsibility. The 1985 proposal for a model constitution by the FDJP still envisaged a comprehensive catalogue of fundamental duties, which the Federal Council deliberately omitted from its draft constitution of 1996 (BBl 1997 I 1, 140 f.).\n\n**N. 2** The Federal Council's dispatch justified the omission of fundamental duties with two main arguments: the difficulty of deciding which duties deserve constitutional rank, and the problems of sanctioning breaches of duty (BBl 1997 I 141). At the same time, the Federal Council emphasized that the absence of a catalogue of fundamental duties \"does not, however, mean that the inhabitants of this country have no duties towards the community\".\n\n**N. 3** The parliamentary debates show a shift from the idea of fundamental duties towards the concept of individual and social responsibility. Federal Councillor Arnold Koller argued that the understanding of human nature underlying the Constitution already contained the idea of responsibility: if human beings are capable of autonomy, they also bear the responsibility that comes with it (Rochel, Commentary on Art. 6 Cst., N 11).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 6 Cst. stands at the end of the first title on general provisions, immediately before the second title on fundamental rights, civil rights and social objectives. This placement underlines the programmatic character of the norm as a general constitutional provision with radiating effect on the entire constitutional text (Biaggini, Cst.-Commentary, Art. 6 N 1).\n\n**N. 5** The systematic position before the fundamental rights is deliberately chosen: Art. 6 Cst. functions as a counterweight to the positive obligations of the state and symbolically emphasizes the subsidiarity principle (→ Art. 5a Cst.). This is particularly evident in Art. 41 para. 1 Cst., where the Confederation and cantons commit themselves to the social objectives \"in addition to personal responsibility and private initiative\" (Gächter/Renold-Burch, BSK Cst., Art. 6 N 3).\n\n**N. 6** The norm is closely connected with other constitutional provisions: ↔ Art. 2 para. 3 Cst. (equal opportunities), ↔ Art. 5a Cst. (subsidiarity), → Art. 8 Cst. (equality before the law and prohibition of discrimination), → Art. 12 Cst. (right to assistance in emergency situations), → Art. 41 Cst. (social objectives), → Art. 59 Cst. (military service), → Art. 62 Cst. (compulsory education).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** Art. 6 Cst. contains two components: individual responsibility (\"Every person takes responsibility for themselves\") and social responsibility (\"contributes according to their ability to the accomplishment of the tasks of state and society\").\n\n**N. 8** **Addressees**: The expression \"every person\" includes all natural persons regardless of their nationality. According to Chatton (CR Cst., Art. 6 N 20), legal persons should also be included by analogy based on the language versions and preparatory work, as they can have considerable positive and negative effects on their environment.\n\n**N. 9** **Individual responsibility**: This encompasses more than mere attribution of one's own decisions. In relational interpretation, personal responsibility means the duty to recognize the consequences of one's own decisions and to control negative effects on others (Rochel, Commentary on Art. 6 Cst., N 33-34). This presupposes certain competencies, in particular basic education (→ Art. 19, 62 Cst.).\n\n**N. 10** **Social responsibility**: The contribution \"according to their ability\" introduces a principle of justice. The concept of \"ability\" is to be understood as synonymous with capabilities – of a physical, psychological, intellectual and financial nature (Häberle, SGK Cst., Art. 6 N 21). The distinction between \"state\" and \"society\" is deliberately chosen and gives civil society constitutional existence (Rochel, N 55-57).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 6 Cst. is understood by prevailing doctrine as a programmatic norm with limited direct legal effect (Mahon, Petit Commentaire, Art. 6 N 3; Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, N 3616). The Federal Supreme Court qualified the norm as having no \"particular normative significance, but essentially declaratory and signalling effect\" (BGE 131 V 339 C. 3.4.1).\n\n**N. 12** Despite its limited justiciability, Art. 6 Cst. has important legal effects:\n- As an **aid to interpretation** for other constitutional norms, particularly in determining the understanding of human nature in the Constitution\n- As **concretization of the subsidiarity principle** in social assistance law (BGE 142 V 178 C. 5.1)\n- In **determining the reasonableness** of personal contributions (judgment 8C_708/2018 C. 5.2)\n- As **justification** for mandatory insurance to protect the solidarity community\n\n**N. 13** The norm does not establish independent fundamental duties, but can be used to concretize existing legal duties. However, it may not be used to create conditions that are not provided for in a law or other constitutional provisions (Chatton, CR Cst., Art. 6 N 23).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 14** **Legal nature of the norm**: While the majority doctrine sees Art. 6 Cst. as a purely programmatic provision without direct legal effect (Biaggini, Cst.-Commentary, Art. 6 N 8), other authors recognize considerable normative potential. Häberle (SGK Cst., Art. 6 N 22) sees development possibilities through legislative concretization and doctrine. Chatton (CR Cst., Art. 6 N 22-23) criticizes the overly restrictive view and emphasizes the minimal legal significance as an aid to interpretation.\n\n**N. 15** **Relationship between personal responsibility and subsidiarity**: It is disputed whether Art. 6 Cst. constitutionally anchors the subsidiarity principle. Gächter (Personal responsibility as a constitutional basic assumption, ZSSV 2018, 693 ff.) affirms this emphatically. Pärli (The problem with personal responsibility, ZSSV 2018, 707 ff.) warns against overemphasizing personal responsibility, which could endanger welfare state achievements.\n\n**N. 16** **Scope of social responsibility**: The extent of the duty to participate in social tasks is controversially discussed. Kley (Fundamental duties of private persons, 135 ff.) advocates for a restrictive interpretation limited to legally concretized duties. Winistörfer (in: Schmid, Fundamental right and principle, 2021, 89) sees room for broader moral appeals, for example in the area of Corporate Social Responsibility.\n\n**N. 17** **Application to legal persons**: While Chatton supports the analogous application to legal persons (CR Cst., Art. 6 N 20), the majority doctrine rejects this. Bertschi/Gächter (New accents in the \"updated\" Federal Constitution, 2000, 3 ff.) argue that Art. 6 Cst. is primarily directed at natural persons as bearers of moral responsibility.\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 18** In **social assistance**, Art. 6 Cst. is regularly relevant for assessing the duty of personal contribution and cooperation duties. However, the authorities must assess individual capabilities contextually – personal responsibility is not an absolute quantity (Studer, Social assistance employment relationships, 2021, 156 ff.).\n\n**N. 19** In **social insurance law**, Art. 6 Cst. serves to justify information duties of the insured and to justify benefit reductions in case of self-inflicted damage. However, the requirements must be proportionate and take into account actual capabilities (Riemer-Kafka, The duty to personal responsibility, 1999, 234 ff.).\n\n**N. 20** For **legislation**, Art. 6 Cst. offers orientation in designing mandatory insurance and the balance between individual provision and collective security. The COVID-19 pandemic has shown that the limits of personal responsibility must be rediscussed (Müller, On freedom, excessive demands and boomerangs, ZBl 2022, 1 f.).\n\n**N. 21** In **judicial proceedings**, Art. 6 Cst. should only be used cautiously as an independent argument. The norm is primarily suitable for strengthening other constitutional or legal foundations, but not for justifying new duties without a legal basis.", "caselaw_en": "# Case law\n\n## Fundamental significance and subsidiarity principle\n\n**BGE 141 I 153** (17 September 2015) — Crediting of cohabitation contribution in social assistance budget\nThe subsidiarity principle is an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community enshrined in Art. 6 Cst. Crediting a cohabitation contribution in a stable cohabitation violates neither the prohibition of arbitrariness nor legal equality.\n\n> «Social assistance is governed by the subsidiarity principle. As a fundamental principle in social assistance law, subsidiarity means that social assistance is in principle only granted to the extent that the individual has no access to other reasonable sources of assistance. It is thus an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community, as enshrined in Art. 6 Cst.»\n\n**BGE 150 V 161** (1 February 2024) — Subsidiarity principle and occupational benefit protection\nArt. 6 Cst. establishes the subsidiarity principle in social assistance law, which must however be balanced against federal occupational benefit protection and the principle of proportionality when it comes to the obligation to draw early vested benefits.\n\n> «The subsidiarity principle is an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community, as enshrined in Art. 6 Cst. (BGE 150 I 6 consid. 10.1.2 with references; BGE 141 I 153 consid. 4.2 with references; judgments 8C_17/2023 of 5 October 2023 consid. 4; cf. also Art. 41 para. 1 Cst.).»\n\n## Current application in social assistance law\n\n**Judgment 8C_138/2024** (8 July 2025) — Cohabitation contribution and supplementary benefits\nEven with cohabiting partners who receive supplementary benefits, a cohabitation contribution can be credited. The subsidiarity principle as an expression of Art. 6 Cst. justifies the consideration of all income of the partner, including supplementary benefits.\n\n> «Social assistance is governed by the subsidiarity principle (BGE 141 I 153 consid. 4.2). As a fundamental principle in social assistance law, subsidiarity means that social assistance is in principle only granted to the extent that the individual has no access to other reasonable sources of assistance. It is thus an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community, as enshrined in Art. 6 Cst.»\n\n**Judgment 8C_708/2018** (26 March 2019) — Crediting of helplessness allowance\nThe crediting of income in social assistance budgets follows the subsidiarity principle. When parents care for a disabled child, the helplessness allowance can in principle be credited as income, taking into account the special circumstances.\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that the subsidiarity principle serves as a constitutional basis for crediting various types of income in social assistance assessment.\n\n## Administrative court case law\n\n**Administrative Court of Bern, judgment 200 2016 679** (17 February 2017) — Subsidiarity in social assistance\nThe subsidiarity principle is, with regard to Art. 6 Cst., an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community. Other reasonable sources of assistance must be used as a priority.\n\n> «As a fundamental principle in social assistance law, subsidiarity means that social assistance is in principle only granted to the extent that the individual has no access to other reasonable sources of assistance. It is thus an expression of the duty of joint responsibility and solidarity towards the community, as enshrined in Art. 6 Cst.»\n\n**Administrative Court of Zurich, decision VB.2018.00357** (7 November 2019) — Cohabitation contribution and personal responsibility\nCrediting a cohabitation contribution corresponds to the principle of personal responsibility under Art. 6 Cst. and the subsidiarity principle in social assistance law.\n\nThe court held that the economic approach for cohabiting couples corresponds to the constitutional obligation of joint responsibility.\n\n## Historical development\n\n**BGE 121 I 138** (19 April 1995) — Landsgemeinde assemblies and civic duties\nArt. 6 Cst. was mentioned in the context of civic duties and democratic participation. The court recognised the constitutional anchoring of joint responsibility, without however elaborating on this in detail.\n\n**BGE 91 I 110** (1965) — Parish councils and civic duties\nEarly mention of civic duties in the context of the organisation of parish councils. The Federal Supreme Court confirmed that certain forms of organisation can presuppose civic joint responsibility.\n\n## Further areas of application\n\n**BGE 96 I 636** (1970) — Concordats and civic duties\nArt. 6 Cst. was mentioned in connection with obligations under concordats, whereby the Federal Supreme Court emphasised the significance of the civic duty to participate in state and social affairs.\n\n**BGE 89 I 80** (1963) — Municipal organisation\nEarly case law on the significance of civic duties in municipal self-administration. The court recognised the constitutional basis for participation obligations at municipal level.\n\n## Relationship to other constitutional provisions\n\n**BGE 94 I 525** (1968) — Basel reunification\nArt. 6 Cst. was mentioned in the context of federalist reorganisation. The court referred to the significance of civic duty for democratic decision-making in complex state organisation procedures.\n\nThe case law shows that Art. 6 Cst. has gained practical significance particularly in social assistance law, where the subsidiarity principle is understood as a direct expression of constitutional personal responsibility and solidarity. More recent decisions confirm this case law and apply it to new factual situations, particularly in the consideration of different types of income in social assistance budgets.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_6", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 7, "article_suffix": "", "title": "Menschenwürde", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 7 der Bundesverfassung schützt die Würde jedes Menschen. Diese Würde ist unverzichtbar und steht allen Menschen zu. Sie bildet das Fundament aller anderen Grundrechte in der Verfassung.\n\nDie Menschenwürde hat zwei wichtige Seiten: Der Staat muss sie achten und schützen. Achten bedeutet, dass staatliche Behörden Menschen nie wie Gegenstände behandeln dürfen. Schützen bedeutet, dass der Staat Menschen auch vor Angriffen durch andere Personen bewahren muss.\n\nDie Würde des Menschen ist absolut geschützt. Das heisst, sie kann nie eingeschränkt werden - auch nicht in Notlagen oder zum Schutz anderer wichtiger Interessen. Andere Grundrechte können unter bestimmten Voraussetzungen begrenzt werden, die Menschenwürde aber nie.\n\nIn der Praxis ist die Menschenwürde besonders wichtig bei medizinischen Zwangsmassnahmen. Niemand darf gegen seinen Willen behandelt werden, ausser es liegt ein sehr klares Gesetz vor und alle anderen Mittel sind ausgeschöpft. Auch bei der Sozialhilfe spielt die Menschenwürde eine zentrale Rolle: Jeder Mensch hat Anspruch auf das Nötigste zum Leben.\n\nEin praktisches Beispiel: Wenn eine Person in einem Pflegeheim gegen ihren Willen Medikamente erhalten soll, müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein. Es braucht eine klare gesetzliche Grundlage, der Eingriff muss verhältnismässig sein und alle milderen Mittel müssen vorher versucht worden sein.\n\nDie Menschenwürde wirkt auch zwischen Privaten. Medien dürfen Menschen nicht bloss als Objekte behandeln. Bei heimlichen Aufnahmen oder entwürdigender Berichterstattung können sich Betroffene auf ihre Würde berufen.\n\nBesonders problematisch sind Situationen, wo Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion diskriminiert werden. Rassistische Äusserungen verletzen die Menschenwürde, wenn sie Menschen einen minderen Wert zuschreiben.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Menschenwürde wurde bei der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 erstmals ausdrücklich als Grundrecht verankert. In der Botschaft des Bundesrates zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 wird die Menschenwürde als «Leitidee der Grundrechte» bezeichnet (BBl 1997 I 1, 140). Der Bundesrat betonte, dass die Würde des Menschen «unantastbar, unverzichtbar und unveräusserlich» sei und den «obersten Grundwert der Verfassung» darstelle (BBl 1997 I 1, 140).\n\n**N. 2** Bereits vor 1999 war die Menschenwürde als ungeschriebenes Verfassungsprinzip anerkannt. Das Bundesgericht leitete sie aus verschiedenen Grundrechtsgarantien ab, namentlich aus der persönlichen Freiheit und dem Verbot unmenschlicher Behandlung. Mit Art. 7 BV erhielt dieses Prinzip eine explizite verfassungsrechtliche Grundlage.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 7 BV steht am Anfang des Grundrechtskatalogs und bildet das Fundament der gesamten Grundrechtsordnung. Die Menschenwürde ist sowohl eigenständiges Grundrecht als auch Auslegungsprinzip für alle anderen Grundrechte (Schefer, Bedrohungen der Menschenwürde, 2003, S. 142; Mastronardi, in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 7 N 15).\n\n**N. 4** Die systematischen Bezüge sind vielfältig:\n- → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit): Diskriminierungen verletzen die Menschenwürde\n- → Art. 10 Abs. 2 BV (persönliche Freiheit): konkretisiert den Würdeschutz für die körperliche und geistige Integrität  \n- ↔ Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen): gewährleistet das für ein menschenwürdiges Dasein Unerlässliche\n- → Art. 36 BV: Die Menschenwürde kennt keinen einschränkbaren Bereich; ihr Kerngehalt ist absolut geschützt\n\n**N. 5** Auf internationaler Ebene findet sich die Menschenwürde in Art. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und wird durch Art. 3 EMRK (Verbot unmenschlicher Behandlung) sowie Art. 7 UNO-Pakt II konkretisiert.\n\n## 3. Norminhalt\n\n**N. 6** Die Menschenwürde umfasst zwei Dimensionen: Das **Achtungsgebot** verpflichtet den Staat, die Würde jedes Menschen zu respektieren. Das **Schutzgebot** verlangt aktive Massnahmen zum Schutz der Menschenwürde vor Beeinträchtigungen durch Dritte (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 1169).\n\n**N. 7** Der Würdebegriff ist objektiv zu bestimmen. Massgebend ist nicht das subjektive Empfinden des Betroffenen, sondern eine objektive Betrachtung, ob die betreffende Behandlung den Menschen zum blossen Objekt herabwürdigt (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 11 N 4). Das Bundesgericht spricht von der Instrumentalisierung des Menschen und der Negierung seines Subjektstatus (**BGE 127 I 6** E. 5b).\n\n**N. 8** Konkrete Ausprägungen der Menschenwürde sind:\n- Verbot erniedrigender und unmenschlicher Behandlung\n- Schutz der physischen und psychischen Integrität\n- Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum\n- Achtung der personalen Identität\n- Verbot der Totalüberwachung\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Menschenwürde ist **absolut geschützt**. Sie kennt keinen nach Art. 36 BV einschränkbaren Bereich (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 4; Biaggini, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 7 N 8). Jede Verletzung der Menschenwürde ist gleichzeitig eine Kerngehaltsverletzung.\n\n**N. 10** Als selbständig anrufbares Grundrecht kommt Art. 7 BV nur subsidiär zur Anwendung, wenn kein spezielleres Grundrecht einschlägig ist (**BGE 132 I 49** E. 5.1). In der Praxis wird die Menschenwürde meist in Verbindung mit anderen Grundrechten geprüft, deren Auslegung sie prägt.\n\n**N. 11** Die Schutzpflicht verpflichtet den Staat zu aktivem Handeln. Er muss gesetzliche Grundlagen schaffen und Vorkehrungen treffen, um die Menschenwürde vor Beeinträchtigungen durch Private zu schützen (Waldmann, in: BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 7 N 28).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umfang der Schutzpflicht**: Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 6) vertreten einen weiten Schutzbereich und leiten aus Art. 7 BV umfassende staatliche Handlungspflichten ab. Demgegenüber plädieren Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 11 N 16) für eine zurückhaltende Auslegung der Schutzpflichten, um die Handlungsfreiheit des Gesetzgebers zu wahren.\n\n**N. 13** **Verhältnis zu Art. 12 BV**: Mastronardi (in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 7 N 42) sieht in Art. 12 BV eine spezielle Ausprägung der Menschenwürde im Sozialbereich. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 1185) betonen dagegen die Eigenständigkeit von Art. 12 BV als soziales Grundrecht mit eigenen Konturen.\n\n**N. 14** **Bioethische Fragen**: Bei der Präimplantationsdiagnostik und Stammzellenforschung ist umstritten, ab wann der Würdeschutz einsetzt. Rütsche (Rechtsstaatliche Grenzen der Fortpflanzungsmedizin, 2017, S. 89) vertritt einen abgestuften Würdeschutz. Schweizer/Sprecher (Die Schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 7 N 18) fordern dagegen einen umfassenden Schutz ab der Befruchtung.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei **medizinischen Zwangsmassnahmen** ist eine umfassende Interessenabwägung erforderlich. Das Bundesgericht verlangt eine klare gesetzliche Grundlage, die Wahrung des Verhältnismässigkeitsprinzips und die Beachtung verfahrensrechtlicher Garantien (**BGE 130 I 16** E. 5.3). Zwangsbehandlungen sind nur als ultima ratio zulässig.\n\n**N. 16** Im **Sozialhilferecht** gewährleistet Art. 7 BV i.V.m. Art. 12 BV ein menschenwürdiges Existenzminimum. Die Kürzung von Sozialhilfeleistungen unter dieses Minimum verletzt die Menschenwürde. Das Bundesgericht anerkennt jedoch Leistungskürzungen bei mangelnder Mitwirkung, sofern das absolute Existenzminimum gewahrt bleibt (Urteil 8C_455/2015 E. 4.2).\n\n**N. 17** Bei **Ausschaffungen** ist zu prüfen, ob im Zielstaat eine menschenwürdige Behandlung gewährleistet ist. Die Gefahr von Folter oder unmenschlicher Behandlung begründet ein absolutes Ausschaffungshindernis (→ Art. 3 EMRK, → Art. 25 Abs. 3 BV).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätzliche Bedeutung und Anwendungsbereich\n\n### Menschenwürde als Grundlage des Rechtssystems\n\n**BGE 130 I 16 E. 3** (7. Januar 2004)  \nMedikamentöse Zwangsbehandlung in psychiatrischen Kliniken als zentraler Eingriff in die Menschenwürde.  \nDas Urteil etabliert Art. 7 BV als verfassungsrechtliche Grundnorm für besonders schwere Grundrechtseingriffe.  \n\n> «Eine medikamentöse Zwangsbehandlung stellt einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit dar und betrifft die Menschenwürde zentral.»\n\n**BGE 132 I 49 E. 5.1** (25. Januar 2006)  \nWegweisungs- und Fernhalteverfügungen; Verhältnis der Menschenwürde zu spezifischeren Grundrechten.  \nGrundlegendes Urteil zur eigenständigen Bedeutung von Art. 7 BV gegenüber anderen Grundrechten.\n\n> «Die Menschenwürde hat allgemein die Bedeutung eines Leitgrundsatzes für jegliche Staatstätigkeit, bildet als innerster Kern zugleich die Grundlage der Freiheitsrechte, dient deren Auslegung und Konkretisierung und ist Auffanggrundrecht.»\n\n## Eigenständige Anrufung der Menschenwürde\n\n### Keine selbständige Berufung bei polizeilichen Massnahmen\n\n**BGE 132 I 49 E. 5.1** (25. Januar 2006)  \nWegweisungsverfügungen gegen Personen in alkoholkonsumierenden Ansammlungen.  \nWichtiger Grundsatz zur Subsidiarität von Art. 7 BV gegenüber spezifischeren Grundrechten.\n\n> «Aus einer selbständigen Anrufung der Menschenwürde (Art. 7 BV) können die Betroffenen nichts zu ihren Gunsten ableiten; sie können sich auf die Versammlungsfreiheit (Art. 22 BV), die persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV), das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) und das Willkürverbot (Art. 9 BV) berufen.»\n\n## Menschenwürde und Nothilfe\n\n### Anspruch auf menschenwürdiges Dasein\n\n**BGE 131 I 166 E. 5.2** (18. März 2005)  \nNothilfe für Asylbewerber mit Nichteintretensentscheid; Mindeststandards der Sozialhilfe.  \nGrundlegendes Urteil zum Zusammenhang zwischen Art. 7 und Art. 12 BV.\n\n> «Die persönliche Freiheit kann für eine minimale Sorgepflicht ebenso herangezogen werden wie der Anspruch auf minimale Hilfe und Betreuung nach Art. 12 BV. Diesen Ansatzpunkten liegt letztlich das Gebot der Achtung und des Schutzes der Menschenwürde im Sinne von Art. 7 BV zugrunde.»\n\n**BGE 139 I 272 E. 3** (22. November 2013)  \nUnterbringung in Zivilschutzräumen als Nothilfe für einen gesunden alleinstehenden Mann.  \nKonkretisierung der Mindestanforderungen an menschenwürdige Unterbringung.\n\n> «Für einen ledigen Mann guter Gesundheit steht die Tatsache, dass er die Nacht in einem Luftschutzraum des Zivilschutzes verbringen muss, den durch Art. 12 BV garantierten Minimalanforderungen nicht entgegen und verletzt insbesondere das Recht auf Achtung der Menschenwürde nicht.»\n\n## Menschenwürde im Strafvollzug und bei Freiheitsentzug\n\n### Haftbedingungen und unmenschliche Behandlung\n\n**BGE 140 I 125 E. 3.6.3** (26. Februar 2014)  \nÜberbelegung im Gefängnis Champ-Dollon als Verletzung der Menschenwürde.  \nPräzisierung der Mindeststandards für Haftbedingungen bei extremer Überbelegung.\n\n> «Die Belegung einer für drei Personen konzipierten Zelle mit einer Bruttofläche von 23 m² durch sechs Insassen kann die Menschenwürde verletzen, wenn sie fast drei Monate andauert und mit anderen Mängeln einhergeht, wie der Einschliessung in die Zelle während 23 Stunden pro Tag.»\n\n### Arbeitspflicht im Strafvollzug\n\n**BGE 139 I 180 E. 2** (18. Juli 2013)  \nVerfassungsmässigkeit der Arbeitspflicht für Strafgefangene aller Altersgruppen.  \nBestätigung, dass die Arbeitspflicht nicht gegen Art. 7 BV verstösst.\n\n> «Die Verpflichtung des Gefangenen zur Arbeit verletzt weder Bundes- noch Verfassungsrecht. Sie gilt unabhängig vom Alter des Gefangenen.»\n\n## Persönliche Freiheit und medizinische Behandlung\n\n### Zwangsmedikation in psychiatrischen Kliniken\n\n**BGE 130 I 16 E. 5** (7. Januar 2004)  \nVerhältnismässigkeitsprüfung bei medikamentöser Zwangsbehandlung.  \nUmfassende Interessenabwägung bei schweren Eingriffen in die Menschenwürde erforderlich.\n\n> «Angesichts der Schwere des Grundrechtseingriffs erfordert das Verfassungsrecht eine vollständige und umfassende Abwägung der auf dem Spiele stehenden Interessen: öffentliche Interessen, Notwendigkeit der Behandlung, Auswirkungen einer Nicht-Behandlung, Prüfung von Alternativen, Beurteilung von Selbst- und Fremdgefährdung.»\n\n## Diskriminierung und Menschenwürde\n\n### Einbürgerungsverfahren und Willkür\n\n**BGE 129 I 232 E. 3** (9. Juli 2003)  \nUngültigkeit von Einbürgerungsinitiativen ohne Begründungsmöglichkeit.  \nVerknüpfung von Verfahrensgarantien mit der Achtung der Menschenwürde.\n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich.»\n\n**BGE 139 I 169 E. 6** (13. Mai 2013)  \nDiskriminierende Einbürgerungsverweigerung gegenüber geistig behinderten Personen.  \nSchutz der Menschenwürde bei besonders verletzlichen Personengruppen.\n\n> «Geistig Behinderte mangels eigenen Willens zur Einbürgerung von derselben auszuschliessen, entspricht nicht der gesetzlichen Ordnung und erweist sich aufgrund der damit verbundenen generellen Wirkung als diskriminierend.»\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n### Bettelverbot und persönliche Freiheit\n\n**BGE 149 I 248 E. 4** (13. März 2023)  \nPartielles Bettelverbot in Basel-Stadt; Verhältnis zur persönlichen Freiheit.  \nAktuelle Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Menschenwürde und anderen Grundrechten.\n\n> «Bettelei fällt in den Schutzbereich des Grundrechts der persönlichen Freiheit bzw. des Rechts auf Achtung des Privatlebens. Ein partielles Bettelverbot greift in diese Rechte ein und hat die entsprechenden Voraussetzungen zu erfüllen.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 7 de la Constitution fédérale protège la dignité de chaque être humain. Cette dignité est inviolable et appartient à tous les êtres humains. Elle constitue le fondement de tous les autres droits fondamentaux dans la Constitution.\n\nLa dignité humaine a deux aspects importants : l'État doit la respecter et la protéger. Respecter signifie que les autorités étatiques ne doivent jamais traiter les êtres humains comme des objets. Protéger signifie que l'État doit également préserver les êtres humains des atteintes d'autres personnes.\n\nLa dignité humaine jouit d'une protection absolue. Cela signifie qu'elle ne peut jamais être restreinte - même pas dans des situations d'urgence ou pour protéger d'autres intérêts importants. D'autres droits fondamentaux peuvent être limités sous certaines conditions, mais jamais la dignité humaine.\n\nDans la pratique, la dignité humaine est particulièrement importante en cas de mesures médicales coercitives. Personne ne peut être traité contre sa volonté, sauf s'il existe une loi très claire et que tous les autres moyens sont épuisés. La dignité humaine joue également un rôle central dans l'aide sociale : chaque être humain a droit au minimum vital.\n\nUn exemple pratique : si une personne dans un établissement médico-social doit recevoir des médicaments contre sa volonté, des conditions strictes doivent être remplies. Il faut une base légale claire, l'intervention doit être proportionnée et tous les moyens plus doux doivent avoir été tentés auparavant.\n\nLa dignité humaine a également des effets entre particuliers. Les médias ne peuvent pas traiter les êtres humains comme de simples objets. En cas d'enregistrements secrets ou de reportages dégradants, les personnes concernées peuvent invoquer leur dignité.\n\nLes situations où des personnes sont discriminées en raison de leur origine ou de leur religion sont particulièrement problématiques. Les propos racistes violent la dignité humaine lorsqu'ils attribuent une valeur moindre aux êtres humains.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Histoire de la création\n\n**N. 1** La dignité humaine a été ancrée pour la première fois expressément comme droit fondamental lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Dans le message du Conseil fédéral concernant la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996, la dignité humaine est qualifiée d'« idée directrice des droits fondamentaux » (FF 1997 I 1, 149). Le Conseil fédéral a souligné que la dignité de l'être humain était « inviolable, inaliénable et intransmissible » et constituait la « valeur fondamentale suprême de la Constitution » (FF 1997 I 1, 149).\n\n**N. 2** Déjà avant 1999, la dignité humaine était reconnue comme principe constitutionnel non écrit. Le Tribunal fédéral la dérivait de diverses garanties de droits fondamentaux, notamment de la liberté personnelle et de l'interdiction des traitements inhumains. Avec l'art. 7 Cst., ce principe a obtenu un fondement constitutionnel explicite.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 7 Cst. se situe au début du catalogue des droits fondamentaux et constitue le fondement de l'ensemble de l'ordre des droits fondamentaux. La dignité humaine est à la fois un droit fondamental autonome et un principe d'interprétation pour tous les autres droits fondamentaux (Schefer, Bedrohungen der Menschenwürde, 2003, p. 142 ; Mastronardi, in : St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 7 n 15).\n\n**N. 4** Les relations systématiques sont multiples :\n- → Art. 8 Cst. (égalité de traitement) : les discriminations violentent la dignité humaine\n- → Art. 10 al. 2 Cst. (liberté personnelle) : concrétise la protection de la dignité pour l'intégrité corporelle et mentale\n- ↔ Art. 12 Cst. (droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse) : garantit ce qui est indispensable à une existence digne\n- → Art. 36 Cst. : La dignité humaine ne connaît aucun domaine restreignable ; son contenu essentiel est protégé de manière absolue\n\n**N. 5** Au niveau international, la dignité humaine se trouve à l'art. 1er de la Déclaration universelle des droits de l'homme et est concrétisée par l'art. 3 CEDH (interdiction des traitements inhumains) ainsi que l'art. 7 Pacte ONU II.\n\n## 3. Contenu normatif\n\n**N. 6** La dignité humaine comprend deux dimensions : Le **devoir de respect** oblige l'État à respecter la dignité de chaque être humain. Le **devoir de protection** exige des mesures actives pour protéger la dignité humaine contre les atteintes de tiers (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n 1169).\n\n**N. 7** La notion de dignité doit être déterminée objectivement. Ce qui est déterminant n'est pas le ressenti subjectif de la personne concernée, mais un examen objectif de savoir si le traitement en question rabaisse l'être humain au rang de simple objet (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3e éd. 2018, § 11 n 4). Le Tribunal fédéral parle de l'instrumentalisation de l'être humain et de la négation de son statut de sujet (**ATF 127 I 6** consid. 5b).\n\n**N. 8** Les manifestations concrètes de la dignité humaine sont :\n- L'interdiction des traitements dégradants et inhumains\n- La protection de l'intégrité physique et psychique\n- Le droit à un minimum d'existence digne\n- Le respect de l'identité personnelle\n- L'interdiction de la surveillance totale\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** La dignité humaine est **protégée de manière absolue**. Elle ne connaît aucun domaine restreignable selon l'art. 36 Cst. (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 4 ; Biaggini, BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 7 n 8). Toute violation de la dignité humaine est simultanément une violation du contenu essentiel.\n\n**N. 10** En tant que droit fondamental susceptible d'être invoqué de manière autonome, l'art. 7 Cst. ne s'applique qu'à titre subsidiaire, lorsqu'aucun droit fondamental plus spécialisé n'est applicable (**ATF 132 I 49** consid. 5.1). Dans la pratique, la dignité humaine est généralement examinée en liaison avec d'autres droits fondamentaux, dont elle marque l'interprétation.\n\n**N. 11** L'obligation de protection contraint l'État à agir activement. Il doit créer des bases légales et prendre des précautions pour protéger la dignité humaine contre les atteintes de particuliers (Waldmann, in : BSK BV, 2e éd. 2024, art. 7 n 28).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Étendue de l'obligation de protection** : Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 6) défendent un large champ de protection et dérivent de l'art. 7 Cst. des obligations d'agir étatiques complètes. En revanche, Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, 3e éd. 2018, § 11 n 16) plaident pour une interprétation restrictive des obligations de protection, afin de préserver la liberté d'action du législateur.\n\n**N. 13** **Rapport avec l'art. 12 Cst.** : Mastronardi (in : St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 7 n 42) voit dans l'art. 12 Cst. une manifestation spéciale de la dignité humaine dans le domaine social. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n 1185) soulignent au contraire l'autonomie de l'art. 12 Cst. comme droit fondamental social avec ses propres contours.\n\n**N. 14** **Questions bioéthiques** : Pour le diagnostic préimplantatoire et la recherche sur les cellules souches, il est controversé de savoir à partir de quand la protection de la dignité s'enclenche. Rütsche (Rechtsstaatliche Grenzen der Fortpflanzungsmedizin, 2017, p. 89) défend une protection échelonnée de la dignité. Schweizer/Sprecher (Die Schweizerische Bundesverfassung, 3e éd. 2014, art. 7 n 18) exigent au contraire une protection complète dès la fécondation.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** Pour les **mesures de contrainte médicales**, une pesée complète des intérêts est requise. Le Tribunal fédéral exige une base légale claire, le respect du principe de proportionnalité et l'observation des garanties de procédure (**ATF 130 I 16** consid. 5.3). Les traitements forcés ne sont admissibles qu'en dernier recours.\n\n**N. 16** Dans le **droit de l'aide sociale**, l'art. 7 Cst. en relation avec l'art. 12 Cst. garantit un minimum d'existence digne. La réduction des prestations d'aide sociale en dessous de ce minimum viole la dignité humaine. Le Tribunal fédéral reconnaît cependant des réductions de prestations en cas de défaut de collaboration, pour autant que le minimum d'existence absolu soit préservé (arrêt 8C_455/2015 consid. 4.2).\n\n**N. 17** Pour les **renvois**, il faut examiner si un traitement digne est garanti dans l'État de destination. Le danger de torture ou de traitement inhumain fonde un empêchement absolu au renvoi (→ art. 3 CEDH, → art. 25 al. 3 Cst.).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Signification fondamentale et champ d'application\n\n### Dignité humaine comme fondement du système juridique\n\n**ATF 130 I 16 c. 3** (7 janvier 2004)  \nTraitement médicamenteux forcé dans les cliniques psychiatriques comme atteinte centrale à la dignité humaine.  \nL'arrêt établit l'art. 7 Cst. comme norme constitutionnelle fondamentale pour les atteintes particulièrement graves aux droits fondamentaux.  \n\n> « Un traitement médicamenteux forcé constitue une grave atteinte à la liberté personnelle et touche la dignité humaine de manière centrale. »\n\n**ATF 132 I 49 c. 5.1** (25 janvier 2006)  \nDécisions d'expulsion et d'éloignement ; rapport entre la dignité humaine et les droits fondamentaux plus spécifiques.  \nArrêt fondamental sur la signification autonome de l'art. 7 Cst. par rapport aux autres droits fondamentaux.\n\n> « La dignité humaine a de manière générale la signification d'un principe directeur pour toute activité étatique, forme en tant que noyau le plus intime à la fois le fondement des droits de liberté, sert à leur interprétation et concrétisation et constitue un droit fondamental de rattrapage. »\n\n## Invocation autonome de la dignité humaine\n\n### Pas d'invocation autonome lors de mesures policières\n\n**ATF 132 I 49 c. 5.1** (25 janvier 2006)  \nDécisions d'expulsion contre des personnes dans des rassemblements consommant de l'alcool.  \nPrincipe important sur la subsidiarité de l'art. 7 Cst. par rapport aux droits fondamentaux plus spécifiques.\n\n> « D'une invocation autonome de la dignité humaine (art. 7 Cst.), les personnes concernées ne peuvent rien déduire en leur faveur ; elles peuvent se prévaloir de la liberté de réunion (art. 22 Cst.), de la liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst.), de l'interdiction de discriminer (art. 8 al. 2 Cst.) et de l'interdiction de l'arbitraire (art. 9 Cst.). »\n\n## Dignité humaine et aide d'urgence\n\n### Droit à une existence digne\n\n**ATF 131 I 166 c. 5.2** (18 mars 2005)  \nAide d'urgence pour les demandeurs d'asile avec décision de non-entrée en matière ; standards minimaux de l'aide sociale.  \nArrêt fondamental sur le lien entre l'art. 7 et l'art. 12 Cst.\n\n> « La liberté personnelle peut être invoquée pour un devoir minimal de prise en charge de même que le droit à une aide et à des soins minimaux selon l'art. 12 Cst. Ces points de départ reposent en définitive sur l'exigence du respect et de la protection de la dignité humaine au sens de l'art. 7 Cst. »\n\n**ATF 139 I 272 c. 3** (22 novembre 2013)  \nHébergement dans des abris de protection civile comme aide d'urgence pour un homme célibataire en bonne santé.  \nConcrétisation des exigences minimales pour un hébergement digne.\n\n> « Pour un homme célibataire en bonne santé, le fait qu'il doive passer la nuit dans un abri de protection civile ne s'oppose pas aux exigences minimales garanties par l'art. 12 Cst. et ne viole en particulier pas le droit au respect de la dignité humaine. »\n\n## Dignité humaine dans l'exécution des peines et la privation de liberté\n\n### Conditions de détention et traitement inhumain\n\n**ATF 140 I 125 c. 3.6.3** (26 février 2014)  \nSurpeuplement dans la prison de Champ-Dollon comme violation de la dignité humaine.  \nPrécision des standards minimaux pour les conditions de détention en cas de surpeuplement extrême.\n\n> « L'occupation d'une cellule conçue pour trois personnes avec une superficie brute de 23 m² par six détenus peut violer la dignité humaine, si elle dure près de trois mois et s'accompagne d'autres défauts, comme l'enfermement dans la cellule pendant 23 heures par jour. »\n\n### Obligation de travailler dans l'exécution des peines\n\n**ATF 139 I 180 c. 2** (18 juillet 2013)  \nConstitutionnalité de l'obligation de travailler pour les détenus de tous âges.  \nConfirmation que l'obligation de travailler ne viole pas l'art. 7 Cst.\n\n> « L'obligation du détenu de travailler ne viole ni le droit fédéral ni le droit constitutionnel. Elle s'applique indépendamment de l'âge du détenu. »\n\n## Liberté personnelle et traitement médical\n\n### Médication forcée dans les cliniques psychiatriques\n\n**ATF 130 I 16 c. 5** (7 janvier 2004)  \nExamen de la proportionnalité lors de traitement médicamenteux forcé.  \nPesée d'intérêts complète et exhaustive requise lors d'atteintes graves à la dignité humaine.\n\n> « Compte tenu de la gravité de l'atteinte aux droits fondamentaux, le droit constitutionnel exige une pesée complète et exhaustive des intérêts en jeu : intérêts publics, nécessité du traitement, conséquences d'un non-traitement, examen d'alternatives, appréciation du danger pour soi-même et autrui. »\n\n## Discrimination et dignité humaine\n\n### Procédure de naturalisation et arbitraire\n\n**ATF 129 I 232 c. 3** (9 juillet 2003)  \nInvalidité d'initiatives de naturalisation sans possibilité de motivation.  \nLien entre garanties procédurales et respect de la dignité humaine.\n\n> « Les décisions de refus de naturalisation sont soumises à l'obligation de motiver selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de discriminer). Lors du vote à l'urne, une motivation répondant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible. »\n\n**ATF 139 I 169 c. 6** (13 mai 2013)  \nRefus discriminatoire de naturalisation envers les personnes handicapées mentales.  \nProtection de la dignité humaine pour les groupes de personnes particulièrement vulnérables.\n\n> « Exclure les handicapés mentaux de la naturalisation par manque de volonté propre ne correspond pas à l'ordre légal et s'avère discriminatoire en raison de l'effet général qui en résulte. »\n\n## Développements récents\n\n### Interdiction de mendier et liberté personnelle\n\n**ATF 149 I 248 c. 4** (13 mars 2023)  \nInterdiction partielle de mendier à Bâle-Ville ; rapport avec la liberté personnelle.  \nJurisprudence actuelle sur la délimitation entre dignité humaine et autres droits fondamentaux.\n\n> « La mendicité relève du champ de protection du droit fondamental de la liberté personnelle resp. du droit au respect de la vie privée. Une interdiction partielle de mendier porte atteinte à ces droits et doit remplir les conditions correspondantes. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 7 della Costituzione federale protegge la dignità di ogni essere umano. Questa dignità è inalienabile e spetta a tutti gli esseri umani. Costituisce il fondamento di tutti gli altri diritti fondamentali nella Costituzione.\n\nLa dignità umana ha due aspetti importanti: lo Stato deve rispettarla e proteggerla. Rispettare significa che le autorità statali non possono mai trattare le persone come oggetti. Proteggere significa che lo Stato deve anche preservare le persone da attacchi di altre persone.\n\nLa dignità dell'essere umano è protetta in modo assoluto. Ciò significa che non può mai essere limitata - nemmeno in situazioni di emergenza o per proteggere altri interessi importanti. Altri diritti fondamentali possono essere limitati sotto certe condizioni, ma la dignità umana mai.\n\nNella pratica la dignità umana è particolarmente importante nelle misure coercitive mediche. Nessuno può essere trattato contro la propria volontà, salvo che non esista una legge molto chiara e tutti gli altri mezzi siano stati esauriti. Anche nell'assistenza sociale la dignità umana svolge un ruolo centrale: ogni persona ha diritto al necessario per vivere.\n\nUn esempio pratico: se una persona in una casa di cura deve ricevere medicamenti contro la sua volontà, devono essere soddisfatti requisiti rigorosi. Occorre una chiara base legal, l'intervento deve essere proporzionato e tutti i mezzi più lievi devono essere stati tentati prima.\n\nLa dignità umana agisce anche tra privati. I media non possono trattare le persone semplicemente come oggetti. Nel caso di riprese segrete o di servizi degradanti, gli interessati possono appellarsi alla loro dignità.\n\nParticolarmente problematiche sono le situazioni in cui le persone vengono discriminate a causa della loro origine o religione. Dichiarazioni razziste violano la dignità umana quando attribuiscono alle persone un valore inferiore.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La dignità umana è stata sancita per la prima volta espressamente come diritto fondamentale durante la revisione totale della Costituzione federale del 1999. Nel Messaggio del Consiglio federale sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996, la dignità umana è definita come «idea guida dei diritti fondamentali» (FF 1997 I 1, 140). Il Consiglio federale ha sottolineato che la dignità dell'essere umano è «inviolabile, irrinunciabile e inalienabile» e rappresenta il «valore fondamentale supremo della Costituzione» (FF 1997 I 1, 140).\n\n**N. 2** Già prima del 1999 la dignità umana era riconosciuta come principio costituzionale non scritto. Il Tribunale federale la derivava da diverse garanzie di diritti fondamentali, in particolare dalla libertà personale e dal divieto di trattamenti inumani. Con l'art. 7 Cost. questo principio ha ottenuto una base costituzionale esplicita.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 7 Cost. è collocato all'inizio del catalogo dei diritti fondamentali e costituisce il fondamento dell'intero ordinamento dei diritti fondamentali. La dignità umana è al tempo stesso un diritto fondamentale autonomo e un principio di interpretazione per tutti gli altri diritti fondamentali (Schefer, Bedrohungen der Menschenwürde, 2003, pag. 142; Mastronardi, in: St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 7 n. 15).\n\n**N. 4** I riferimenti sistematici sono molteplici:\n- → Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica): le discriminazioni violano la dignità umana\n- → Art. 10 cpv. 2 Cost. (libertà personale): concretizza la tutela della dignità per l'integrità fisica e psichica\n- ↔ Art. 12 Cost. (diritto d'aiuto in situazioni di bisogno): garantisce l'indispensabile per un'esistenza degna dell'essere umano\n- → Art. 36 Cost.: La dignità umana non conosce un ambito limitabile; il suo nucleo essenziale è protetto in modo assoluto\n\n**N. 5** A livello internazionale la dignità umana si trova nell'art. 1 della Dichiarazione universale dei diritti dell'uomo ed è concretizzata dall'art. 3 CEDU (divieto di trattamenti inumani) nonché dall'art. 7 Patto ONU II.\n\n## 3. Contenuto normativo\n\n**N. 6** La dignità umana comprende due dimensioni: Il **dovere di rispetto** obbliga lo Stato a rispettare la dignità di ogni essere umano. Il **dovere di protezione** richiede misure attive per la protezione della dignità umana da pregiudizi da parte di terzi (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 1169).\n\n**N. 7** Il concetto di dignità deve essere determinato oggettivamente. Non è decisivo il sentimento soggettivo dell'interessato, ma una considerazione oggettiva se il trattamento in questione degrada l'essere umano a mero oggetto (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3ª ed. 2018, § 11 n. 4). Il Tribunale federale parla dell'strumentalizzazione dell'essere umano e della negazione del suo status di soggetto (**DTF 127 I 6** consid. 5b).\n\n**N. 8** Manifestazioni concrete della dignità umana sono:\n- Divieto di trattamenti degradanti e inumani\n- Protezione dell'integrità fisica e psichica\n- Diritto a un minimo vitale degno dell'essere umano\n- Rispetto dell'identità personale\n- Divieto di sorveglianza totale\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La dignità umana è **protetta in modo assoluto**. Non conosce un ambito limitabile secondo l'art. 36 Cost. (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, pag. 4; Biaggini, BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 7 n. 8). Ogni violazione della dignità umana è al tempo stesso una violazione del nucleo essenziale.\n\n**N. 10** Come diritto fondamentale invocabile autonomamente, l'art. 7 Cost. si applica solo sussidiariamente, quando non è applicabile un diritto fondamentale più specifico (**DTF 132 I 49** consid. 5.1). Nella prassi la dignità umana è per lo più esaminata in connessione con altri diritti fondamentali, di cui plasma l'interpretazione.\n\n**N. 11** Il dovere di protezione obbliga lo Stato ad agire attivamente. Deve creare basi legali e prendere provvedimenti per proteggere la dignità umana da pregiudizi da parte di privati (Waldmann, in: BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 7 n. 28).\n\n## 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 12** **Portata del dovere di protezione**: Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, pag. 6) sostengono un ampio ambito di protezione e derivano dall'art. 7 Cost. doveri d'azione statali comprensivi. Al contrario, Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, 3ª ed. 2018, § 11 n. 16) propugnano un'interpretazione restrittiva dei doveri di protezione, per preservare la libertà d'azione del legislatore.\n\n**N. 13** **Rapporto con l'art. 12 Cost.**: Mastronardi (in: St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 7 n. 42) vede nell'art. 12 Cost. una manifestazione speciale della dignità umana nell'ambito sociale. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 1185) sottolineano invece l'autonomia dell'art. 12 Cost. come diritto fondamentale sociale con propri contorni.\n\n**N. 14** **Questioni bioetiche**: Nella diagnosi preimpianto e nella ricerca sulle cellule staminali è controverso da quando inizia la protezione della dignità. Rütsche (Rechtsstaatliche Grenzen der Fortpflanzungsmedizin, 2017, pag. 89) sostiene una protezione della dignità graduata. Schweizer/Sprecher (Die Schweizerische Bundesverfassung, 3ª ed. 2014, art. 7 n. 18) richiedono invece una protezione completa dalla fecondazione.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** In caso di **misure coercitive mediche** è necessaria una ponderazione completa degli interessi. Il Tribunale federale richiede una chiara base legale, il rispetto del principio di proporzionalità e l'osservanza delle garanzie procedurali (**DTF 130 I 16** consid. 5.3). I trattamenti coercitivi sono ammissibili solo come ultima ratio.\n\n**N. 16** Nel **diritto dell'assistenza sociale** l'art. 7 Cost. in relazione con l'art. 12 Cost. garantisce un minimo vitale degno dell'essere umano. La riduzione delle prestazioni di assistenza sociale al di sotto di questo minimo viola la dignità umana. Il Tribunale federale riconosce tuttavia riduzioni delle prestazioni in caso di mancata collaborazione, purché sia preservato il minimo vitale assoluto (sentenza 8C_455/2015 consid. 4.2).\n\n**N. 17** In caso di **espulsioni** occorre verificare se nello Stato di destinazione è garantito un trattamento degno dell'essere umano. Il pericolo di tortura o trattamenti inumani fonda un ostacolo assoluto all'espulsione (→ art. 3 CEDU, → art. 25 cpv. 3 Cost.).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Significato fondamentale e campo di applicazione\n\n### La dignità umana quale fondamento del sistema giuridico\n\n**BGE 130 I 16 consid. 3** (7 gennaio 2004)  \nTrattamento medico forzato in cliniche psichiatriche quale grave ingerenza nella dignità umana.  \nLa sentenza stabilisce l'art. 7 Cost. quale norma costituzionale di base per ingerenze particolarmente gravi nei diritti fondamentali.  \n\n> «Un trattamento medico forzato rappresenta un grave ingerenza nella libertà personale e tocca la dignità umana in modo centrale.»\n\n**BGE 132 I 49 consid. 5.1** (25 gennaio 2006)  \nOrdinanze di allontanamento e divieto di avvicinamento; rapporto tra dignità umana e diritti fondamentali più specifici.  \nSentenza fondamentale sul significato autonomo dell'art. 7 Cost. rispetto ad altri diritti fondamentali.\n\n> «La dignità umana ha in generale il significato di un principio guida per ogni attività statale, costituisce quale nucleo più intimo al contempo il fondamento dei diritti di libertà, serve alla loro interpretazione e concretizzazione ed è diritto fondamentale sussidiario.»\n\n## Invocazione autonoma della dignità umana\n\n### Nessuna invocazione autonoma nelle misure di polizia\n\n**BGE 132 I 49 consid. 5.1** (25 gennaio 2006)  \nOrdinanze di allontanamento contro persone che consumano alcolici in assembramenti.  \nPrincipio importante sulla sussidiarietà dell'art. 7 Cost. rispetto ai diritti fondamentali più specifici.\n\n> «Da un'invocazione autonoma della dignità umana (art. 7 Cost.) gli interessati non possono derivare nulla a loro favore; essi possono invocare la libertà di riunione (art. 22 Cost.), la libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.), il divieto di discriminazione (art. 8 cpv. 2 Cost.) e il divieto di arbitrio (art. 9 Cost.).»\n\n## Dignità umana e aiuto d'emergenza\n\n### Diritto a un'esistenza conforme alla dignità umana\n\n**BGE 131 I 166 consid. 5.2** (18 marzo 2005)  \nAiuto d'emergenza per richiedenti asilo con decisione di non entrata in materia; standard minimi dell'aiuto sociale.  \nSentenza fondamentale sul nesso tra l'art. 7 e l'art. 12 Cost.\n\n> «La libertà personale può essere invocata per un obbligo minimo di assistenza così come il diritto ad aiuto e assistenza minimi secondo l'art. 12 Cost. A questi approcci sottosta in definitiva il precetto del rispetto e della protezione della dignità umana nel senso dell'art. 7 Cost.»\n\n**BGE 139 I 272 consid. 3** (22 novembre 2013)  \nAlloggiamento in rifugi di protezione civile quale aiuto d'emergenza per un uomo celibe in buona salute.  \nConcretizzazione dei requisiti minimi per un alloggiamento conforme alla dignità umana.\n\n> «Per un uomo celibe in buona salute, il fatto di dover trascorrere la notte in un rifugio antiaereo della protezione civile non contrasta con i requisiti minimi garantiti dall'art. 12 Cost. e in particolare non viola il diritto al rispetto della dignità umana.»\n\n## Dignità umana nell'esecuzione delle pene e nella privazione della libertà\n\n### Condizioni di detenzione e trattamento inumano\n\n**BGE 140 I 125 consid. 3.6.3** (26 febbraio 2014)  \nSovraffollamento nel carcere di Champ-Dollon quale violazione della dignità umana.  \nPrecisazione degli standard minimi per le condizioni di detenzione in caso di sovraffollamento estremo.\n\n> «L'occupazione di una cella progettata per tre persone con una superficie lorda di 23 m² da parte di sei detenuti può violare la dignità umana se perdura per quasi tre mesi e si accompagna ad altre carenze, come la reclusione nella cella per 23 ore al giorno.»\n\n### Obbligo di lavoro nell'esecuzione delle pene\n\n**BGE 139 I 180 consid. 2** (18 luglio 2013)  \nCostituzionalità dell'obbligo di lavoro per i detenuti di tutte le fasce d'età.  \nConferma che l'obbligo di lavoro non viola l'art. 7 Cost.\n\n> «L'obbligo del detenuto al lavoro non viola né il diritto federale né il diritto costituzionale. Vale indipendentemente dall'età del detenuto.»\n\n## Libertà personale e trattamento medico\n\n### Medicazione forzata in cliniche psichiatriche\n\n**BGE 130 I 16 consid. 5** (7 gennaio 2004)  \nEsame di proporzionalità nel trattamento medico forzato.  \nPonderazione completa degli interessi necessaria in caso di gravi ingerenze nella dignità umana.\n\n> «Vista la gravità dell'ingerenza nei diritti fondamentali, il diritto costituzionale esige una ponderazione completa e globale degli interessi in gioco: interessi pubblici, necessità del trattamento, conseguenze di un non trattamento, esame delle alternative, valutazione del pericolo per sé e per altri.»\n\n## Discriminazione e dignità umana\n\n### Procedura di naturalizzazione e arbitrio\n\n**BGE 129 I 232 consid. 3** (9 luglio 2003)  \nNullità delle iniziative di naturalizzazione senza possibilità di motivazione.  \nCollegamento delle garanzie procedurali con il rispetto della dignità umana.\n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sottostanno all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentiti) in combinato con l'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione). Nella votazione popolare non è possibile una motivazione conforme ai requisiti costituzionali.»\n\n**BGE 139 I 169 consid. 6** (13 maggio 2013)  \nRifiuto discriminatorio di naturalizzazione nei confronti di persone con disabilità mentali.  \nProtezione della dignità umana per gruppi di persone particolarmente vulnerabili.\n\n> «Escludere dalla naturalizzazione le persone con disabilità mentali per mancanza di volontà propria non corrisponde all'ordinamento legale e si rivela discriminatorio a causa dell'effetto generale che ne deriva.»\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Divieto di mendicare e libertà personale\n\n**BGE 149 I 248 consid. 4** (13 marzo 2023)  \nDivieto parziale di mendicare a Basilea-Città; rapporto con la libertà personale.  \nGiurisprudenza attuale sulla delimitazione tra dignità umana e altri diritti fondamentali.\n\n> «L'accattonaggio rientra nell'ambito di protezione del diritto fondamentale della libertà personale rispettivamente del diritto al rispetto della vita privata. Un divieto parziale di mendicare costituisce un'ingerenza in questi diritti e deve adempiere i relativi presupposti.»", "summary_en": "# Summary\n\nArticle 7 of the Federal Constitution protects the dignity of every human being. This dignity is inalienable and belongs to all people. It forms the foundation of all other fundamental rights in the Constitution.\n\nHuman dignity has two important aspects: the state must respect and protect it. Respecting means that state authorities may never treat people like objects. Protecting means that the state must also safeguard people from attacks by other persons.\n\nHuman dignity is absolutely protected. This means it can never be restricted - not even in emergency situations or to protect other important interests. Other fundamental rights can be limited under certain conditions, but human dignity never.\n\nIn practice, human dignity is particularly important in medical coercive measures. No one may be treated against their will, unless there is a very clear law and all other means are exhausted. Human dignity also plays a central role in social assistance: every person has the right to what is necessary for life.\n\nA practical example: If a person in a nursing home is to receive medication against their will, strict conditions must be met. There must be a clear legal basis, the intervention must be proportionate and all milder means must have been tried beforehand.\n\nHuman dignity also has effect between private parties. Media may not treat people merely as objects. In cases of secret recordings or degrading reporting, those affected can invoke their dignity.\n\nParticularly problematic are situations where people are discriminated against because of their origin or religion. Racist statements violate human dignity when they attribute lesser value to people.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. History of Origins\n\n**N. 1** Human dignity was explicitly enshrined as a fundamental right for the first time in the total revision of the Federal Constitution in 1999. In the Federal Council's Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996, human dignity is described as the «guiding principle of fundamental rights» (BBl 1997 I 1, 140). The Federal Council emphasised that human dignity is «inviolable, inalienable and unforfeitable» and represents the «supreme fundamental value of the Constitution» (BBl 1997 I 1, 140).\n\n**N. 2** Even before 1999, human dignity was recognised as an unwritten constitutional principle. The Federal Supreme Court derived it from various fundamental rights guarantees, particularly from personal freedom and the prohibition of inhuman treatment. Art. 7 Fed. Const. provided this principle with an explicit constitutional basis.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 7 Fed. Const. stands at the beginning of the catalogue of fundamental rights and forms the foundation of the entire fundamental rights order. Human dignity is both an independent fundamental right and an interpretative principle for all other fundamental rights (Schefer, Bedrohungen der Menschenwürde, 2003, p. 142; Mastronardi, in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 7 N 15).\n\n**N. 4** The systematic references are manifold:\n- → Art. 8 Fed. Const. (equality before the law): discrimination violates human dignity\n- → Art. 10 para. 2 Fed. Const. (right to personal liberty): concretises the protection of dignity for physical and mental integrity\n- ↔ Art. 12 Fed. Const. (right to assistance when in need): guarantees what is essential for a dignified existence\n- → Art. 36 Fed. Const.: Human dignity has no restrictable area; its core content is absolutely protected\n\n**N. 5** At the international level, human dignity is found in Art. 1 of the Universal Declaration of Human Rights and is concretised through Art. 3 ECHR (prohibition of inhuman treatment) and Art. 7 UN Covenant II.\n\n## 3. Normative Content\n\n**N. 6** Human dignity encompasses two dimensions: The **duty to respect** obliges the state to respect the dignity of every human being. The **duty to protect** requires active measures to protect human dignity from interference by third parties (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 1169).\n\n**N. 7** The concept of dignity must be determined objectively. What matters is not the subjective perception of the person concerned, but an objective assessment of whether the treatment in question degrades the person to a mere object (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3rd ed. 2018, § 11 N 4). The Federal Supreme Court speaks of the instrumentalisation of the person and the negation of their subject status (**BGE 127 I 6** E. 5b).\n\n**N. 8** Concrete manifestations of human dignity are:\n- Prohibition of degrading and inhuman treatment\n- Protection of physical and psychological integrity\n- Right to a dignified subsistence minimum\n- Respect for personal identity\n- Prohibition of total surveillance\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Human dignity is **absolutely protected**. It has no area that can be restricted under Art. 36 Fed. Const. (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 4; Biaggini, BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 7 N 8). Every violation of human dignity is simultaneously a violation of the essential content.\n\n**N. 10** As an independently invocable fundamental right, Art. 7 Fed. Const. only applies subsidiarily when no more specific fundamental right is applicable (**BGE 132 I 49** E. 5.1). In practice, human dignity is usually examined in connection with other fundamental rights, whose interpretation it shapes.\n\n**N. 11** The duty to protect obliges the state to take active action. It must create legal foundations and take precautions to protect human dignity from interference by private parties (Waldmann, in: BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 7 N 28).\n\n## 5. Points of Contention\n\n**N. 12** **Scope of the duty to protect**: Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 6) advocate for a broad scope of protection and derive comprehensive state obligations to act from Art. 7 Fed. Const. In contrast, Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, 3rd ed. 2018, § 11 N 16) argue for a restrained interpretation of protective duties in order to preserve the legislature's freedom of action.\n\n**N. 13** **Relationship to Art. 12 Fed. Const.**: Mastronardi (in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 7 N 42) sees Art. 12 Fed. Const. as a special manifestation of human dignity in the social sphere. In contrast, Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 1185) emphasise the independence of Art. 12 Fed. Const. as a social fundamental right with its own contours.\n\n**N. 14** **Bioethical questions**: In preimplantation diagnosis and stem cell research, it is disputed when protection of dignity begins. Rütsche (Rechtsstaatliche Grenzen der Fortpflanzungsmedizin, 2017, p. 89) advocates for graduated dignity protection. In contrast, Schweizer/Sprecher (Die Schweizerische Bundesverfassung, 3rd ed. 2014, Art. 7 N 18) demand comprehensive protection from fertilisation onwards.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 15** In cases of **medical coercive measures**, a comprehensive balancing of interests is required. The Federal Supreme Court requires a clear legal basis, observance of the principle of proportionality and respect for procedural guarantees (**BGE 130 I 16** E. 5.3). Compulsory treatment is only permissible as a last resort.\n\n**N. 16** In **social assistance law**, Art. 7 Fed. Const. in conjunction with Art. 12 Fed. Const. guarantees a dignified subsistence minimum. Reducing social assistance benefits below this minimum violates human dignity. However, the Federal Supreme Court recognises benefit reductions for lack of cooperation, provided the absolute subsistence minimum is maintained (judgment 8C_455/2015 E. 4.2).\n\n**N. 17** In cases of **deportation**, it must be examined whether dignified treatment is guaranteed in the destination state. The risk of torture or inhuman treatment establishes an absolute obstacle to deportation (→ Art. 3 ECHR, → Art. 25 para. 3 Fed. Const.).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Fundamental Significance and Scope of Application\n\n### Human Dignity as Foundation of the Legal System\n\n**BGE 130 I 16 E. 3** (7 January 2004)  \nForced medication in psychiatric hospitals as central interference with human dignity.  \nThe judgment establishes Art. 7 Cst. as constitutional fundamental norm for particularly serious fundamental rights interferences.\n\n> «A forced medication constitutes a serious interference with personal liberty and affects human dignity centrally.»\n\n**BGE 132 I 49 E. 5.1** (25 January 2006)  \nExpulsion and restraining orders; relationship of human dignity to more specific fundamental rights.  \nFundamental judgment on the independent significance of Art. 7 Cst. compared to other fundamental rights.\n\n> «Human dignity has generally the significance of a guiding principle for any state activity, forms as innermost core at the same time the foundation of liberty rights, serves their interpretation and concretisation and is a catch-all fundamental right.»\n\n## Independent Invocation of Human Dignity\n\n### No independent invocation in police measures\n\n**BGE 132 I 49 E. 5.1** (25 January 2006)  \nExpulsion orders against persons in alcohol-consuming gatherings.  \nImportant principle on the subsidiarity of Art. 7 Cst. compared to more specific fundamental rights.\n\n> «From an independent invocation of human dignity (Art. 7 Cst.) the affected persons cannot derive anything in their favour; they can rely on freedom of assembly (Art. 22 Cst.), personal liberty (Art. 10 para. 2 Cst.), the prohibition of discrimination (Art. 8 para. 2 Cst.) and the prohibition of arbitrariness (Art. 9 Cst.).»\n\n## Human Dignity and Emergency Assistance\n\n### Right to dignified existence\n\n**BGE 131 I 166 E. 5.2** (18 March 2005)  \nEmergency assistance for asylum seekers with non-entry decision; minimum standards of social assistance.  \nFundamental judgment on the connection between Art. 7 and Art. 12 Cst.\n\n> «Personal liberty can be invoked for a minimal duty of care as well as the claim to minimal help and care according to Art. 12 Cst. These starting points are ultimately based on the commandment of respect and protection of human dignity in the sense of Art. 7 Cst.»\n\n**BGE 139 I 272 E. 3** (22 November 2013)  \nAccommodation in civil protection shelters as emergency assistance for a healthy single man.  \nConcretisation of minimum requirements for dignified accommodation.\n\n> «For a single man in good health, the fact that he must spend the night in a civil defence air raid shelter does not contradict the minimal requirements guaranteed by Art. 12 Cst. and in particular does not violate the right to respect for human dignity.»\n\n## Human Dignity in Prison and Deprivation of Liberty\n\n### Prison conditions and inhuman treatment\n\n**BGE 140 I 125 E. 3.6.3** (26 February 2014)  \nOvercrowding in Champ-Dollon prison as violation of human dignity.  \nClarification of minimum standards for prison conditions in case of extreme overcrowding.\n\n> «The occupation of a cell designed for three persons with a gross area of 23 m² by six inmates can violate human dignity if it lasts almost three months and is accompanied by other deficiencies, such as confinement to the cell for 23 hours per day.»\n\n### Work obligation in prison\n\n**BGE 139 I 180 E. 2** (18 July 2013)  \nConstitutionality of work obligation for prisoners of all age groups.  \nConfirmation that work obligation does not violate Art. 7 Cst.\n\n> «The obligation of the prisoner to work violates neither federal nor constitutional law. It applies regardless of the age of the prisoner.»\n\n## Personal Liberty and Medical Treatment\n\n### Forced medication in psychiatric hospitals\n\n**BGE 130 I 16 E. 5** (7 January 2004)  \nProportionality test in forced medication.  \nComprehensive balancing of interests required for serious interferences with human dignity.\n\n> «Given the severity of the fundamental rights interference, constitutional law requires a complete and comprehensive weighing of the interests at stake: public interests, necessity of treatment, effects of non-treatment, examination of alternatives, assessment of danger to self and others.»\n\n## Discrimination and Human Dignity\n\n### Naturalisation procedures and arbitrariness\n\n**BGE 129 I 232 E. 3** (9 July 2003)  \nInvalidity of naturalisation initiatives without possibility of justification.  \nConnection of procedural guarantees with respect for human dignity.\n\n> «Rejecting naturalisation decisions are subject to the duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 Cst. (right to be heard) in connection with Art. 8 para. 2 Cst. (prohibition of discrimination). In ballot voting, a justification meeting constitutional requirements is not possible.»\n\n**BGE 139 I 169 E. 6** (13 May 2013)  \nDiscriminatory refusal of naturalisation towards mentally disabled persons.  \nProtection of human dignity for particularly vulnerable groups of persons.\n\n> «To exclude mentally disabled persons from naturalisation for lack of own will to naturalise does not correspond to the legal order and proves to be discriminatory due to the general effect thereby connected.»\n\n## Recent Developments\n\n### Begging ban and personal liberty\n\n**BGE 149 I 248 E. 4** (13 March 2023)  \nPartial begging ban in Basel-City; relationship to personal liberty.  \nCurrent case law on the delimitation between human dignity and other fundamental rights.\n\n> «Begging falls within the scope of protection of the fundamental right to personal liberty or the right to respect for private life. A partial begging ban interferes with these rights and must fulfil the corresponding requirements.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_7", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 8, "article_suffix": "", "title": "Rechtsgleichheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 8 der Bundesverfassung garantiert die Rechtsgleichheit aller Menschen in der Schweiz. Dieses Grundrecht gilt für alle Personen, unabhängig von ihrer Nationalität, und bindet Behörden auf allen Stufen.\n\nDas Grundrecht besteht aus vier Teilen: Der allgemeine Gleichheitssatz verlangt, dass Gleiches gleich und Ungleiches entsprechend seiner Verschiedenheit ungleich behandelt wird. Eine Ungleichbehandlung ist nur zulässig, wenn sie auf sachlichen Gründen beruht. Beispiel: Eine Gemeinde darf höhere Steuern für Luxusvillen verlangen, aber nicht unterschiedliche Steuersätze für Männer und Frauen.\n\nDas Diskriminierungsverbot verbietet Benachteiligungen aufgrund besonders verpönter Merkmale wie Geschlecht, Herkunft, Religion oder Behinderung. Diese Verbote gelten strenger als der allgemeine Gleichheitssatz. Wer diskriminiert, muss gewichtige Gründe nachweisen.\n\nDie Geschlechtergleichstellung verpflichtet den Staat zur rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Besonders wichtig: Frauen und Männer haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Dieses Recht kann vor Gericht eingeklagt werden.\n\nDie Förderung Behinderter verpflichtet den Gesetzgeber, Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen. Dies führte zum Behindertengleichstellungsgesetz, das Barrierefreiheit und Nachteilsausgleiche vorschreibt.\n\nVerstösse gegen die Rechtsgleichheit machen staatliche Entscheide ungültig. Bei Lohndiskriminierung können Betroffene den fehlenden Betrag für maximal fünf Jahre zurückfordern. Die Gerichte prüfen streng, ob Ungleichbehandlungen gerechtfertigt sind.\n\nArt. 8 BV schützt sowohl vor direkter Diskriminierung als auch vor versteckten Benachteiligungen. Das Grundrecht wirkt primär gegenüber dem Staat, beeinflusst aber auch das Privatrecht durch Gesetze wie das Gleichstellungsgesetz.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 8 BV entspricht im Wesentlichen dem früheren Art. 4 aBV, wurde jedoch durch die Totalrevision von 1999 erheblich ausgebaut. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betont, dass die Neufassung «den in Rechtsprechung und Lehre entwickelten Gehalt des Gleichheitssatzes» kodifiziert und um ein explizites Diskriminierungsverbot (Abs. 2) sowie spezifische Bestimmungen zur Geschlechtergleichstellung (Abs. 3) und zu Massnahmen für Behinderte (Abs. 4) erweitert.\n\n**N. 2** Das Diskriminierungsverbot in Abs. 2 war in der Vernehmlassung umstritten, insbesondere die Aufzählung der verpönten Diskriminierungsmerkmale. Die Botschaft hält fest: «Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Die aufgeführten Merkmale stellen aber besonders häufige oder stossende Anknüpfungspunkte für Diskriminierungen dar» (BBl 1997 I 141). Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf die Aufnahme der sexuellen Orientierung in den Katalog, was in der Lehre kritisch diskutiert wird (Müller/Schefer, Grundrechte, N 754).\n\n**N. 3** Abs. 3 konkretisiert die bereits 1981 in die aBV aufgenommene Geschlechtergleichstellung und geht über das allgemeine Diskriminierungsverbot hinaus. Die explizite Verankerung des Lohngleichheitsanspruchs war eine zentrale Forderung der Gleichstellungsbewegung und sollte die effektive Durchsetzung verbessern (BBl 1997 I 141 f.).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 8 BV steht am Anfang des Grundrechtskatalogs und bildet zusammen mit → Art. 9 BV (Schutz vor Willkür) das Fundament des rechtsstaatlichen Gleichbehandlungsgebots. Die Norm entfaltet ihre Wirkung sowohl als selbständiges Grundrecht als auch als akzessorische Garantie bei der Ausübung aller anderen Grund- und Verfahrensrechte.\n\n**N. 5** Das Verhältnis zu → Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns) ist eng: Während Art. 5 die objektiv-rechtlichen Schranken staatlichen Handelns definiert, gewährt Art. 8 subjektive Abwehrrechte. Bei → Art. 36 BV (Einschränkung von Grundrechten) ergeben sich Überschneidungen: Diskriminierende Grundrechtseingriffe können nie verhältnismässig sein (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 324).\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu den internationalen Menschenrechtsgarantien ist Art. 14 EMRK zentral, der allerdings nur ein akzessorisches Diskriminierungsverbot enthält. Das 12. Zusatzprotokoll zur EMRK mit einem allgemeinen Diskriminierungsverbot wurde von der Schweiz nicht ratifiziert. Die UNO-Pakte (insb. Art. 2 und 26 UNO-Pakt II) sowie spezialisierte Übereinkommen (CEDAW, BRK) konkretisieren den Gleichheitsgrundsatz in Teilbereichen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Allgemeiner Gleichheitssatz (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der allgemeine Gleichheitssatz verlangt, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Nach der Formel des Bundesgerichts ist eine Ungleichbehandlung nur zulässig, wenn sie auf einem vernünftigen Grund beruht, d.h. wenn die Unterscheidung an ein Merkmal anknüpft, das einen sachlichen Bezug zum Regelungsgegenstand aufweist (**BGE 139 I 161** E. 3.2.1).\n\n**N. 8** Die Prüfung erfolgt zweistufig: Zunächst ist festzustellen, ob eine Ungleichbehandlung vorliegt (Vergleichsgruppenbildung). Sodann ist zu prüfen, ob diese sachlich gerechtfertigt ist. Die Rechtfertigung muss umso gewichtiger sein, je stärker die Ungleichbehandlung ins Gewicht fällt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1117).\n\n### 3.2 Diskriminierungsverbot (Abs. 2)\n\n**N. 9** Das Diskriminierungsverbot verbietet qualifizierte Ungleichbehandlungen, die an besonders verpönte Merkmale anknüpfen. Die Aufzählung ist exemplarisch («namentlich»), erfasst aber die praktisch wichtigsten Diskriminierungsgründe. Eine Erweiterung auf weitere Merkmale ist möglich, wenn diese eine vergleichbare Stigmatisierungsgefahr aufweisen (BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 51).\n\n**N. 10** Bei den aufgezählten Merkmalen gilt eine Beweislastumkehr: Die differenzierende Behörde muss darlegen, dass qualifizierte Gründe die Ungleichbehandlung rechtfertigen. Die Anforderungen an die Rechtfertigung sind strenger als beim allgemeinen Gleichheitssatz (St. Galler Kommentar-Schweizer/Mohler, Art. 8 N 43).\n\n### 3.3 Geschlechtergleichstellung (Abs. 3)\n\n**N. 11** Abs. 3 enthält drei Elemente: das Gleichberechtigungsgebot (Satz 1), den Gesetzgebungsauftrag zur faktischen Gleichstellung (Satz 2) und den justiziablen Anspruch auf Lohngleichheit (Satz 3). Während die ersten beiden Elemente programmatischen Charakter haben, begründet der Lohngleichheitsanspruch ein unmittelbar durchsetzbares subjektives Recht (**BGE 131 I 105** E. 4.1).\n\n**N. 12** Der Begriff der «gleichwertigen Arbeit» erfordert eine objektive Bewertung der Tätigkeiten nach analytischen Kriterien. Massgebend sind Anforderungen, Belastungen, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Historisch gewachsene Lohnunterschiede genügen nicht als Rechtfertigung (Bigler-Eggenberger/Kaufmann, in: BSK BV, Art. 8 N 84).\n\n### 3.4 Förderung Behinderter (Abs. 4)\n\n**N. 13** Abs. 4 enthält einen Gesetzgebungsauftrag zur Beseitigung von Benachteiligungen Behinderter. Im Unterschied zu den übrigen Absätzen begründet er keine unmittelbaren subjektiven Rechte, sondern verpflichtet den Gesetzgeber zum Tätigwerden. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) konkretisiert diesen Auftrag (BBl 2001 1715).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die Verletzung des Gleichheitssatzes führt zur Verfassungswidrigkeit der betreffenden Norm oder des Einzelakts. Bei der Rechtsetzung kann das Bundesgericht gestützt auf → Art. 190 BV Bundesgesetze nicht auf ihre Vereinbarkeit mit Art. 8 BV überprüfen, wohl aber kantonales Recht und Verordnungen.\n\n**N. 15** Bei rechtsungleicher Behandlung durch Einzelakte bestehen zwei Möglichkeiten: Angleichung nach oben (der Benachteiligte erhält, was dem Bevorzugten gewährt wurde) oder nach unten (dem Bevorzugten wird entzogen, was ihm zu Unrecht gewährt wurde). Das Bundesgericht tendiert zur Angleichung nach oben, sofern keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen (Tschannen, in: St. Galler Kommentar, Vorbem. zu Art. 7-36 N 38).\n\n**N. 16** Bei Lohndiskriminierungen besteht ein Anspruch auf Nachzahlung für maximal fünf Jahre (Art. 128 Ziff. 3 OR). Der Anspruch umfasst die Differenz zum diskriminierungsfreien Lohn plus Verzugszins. Zusätzliche Genugtuungsansprüche bestehen nur bei schweren Persönlichkeitsverletzungen.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Indirekte Diskriminierung**: Umstritten ist, inwieweit Art. 8 Abs. 2 BV auch indirekte Diskriminierungen erfasst. Müller/Schefer (Grundrechte, N 763) bejahen dies mit Verweis auf die internationale Praxis, während Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, § 34 N 14) eine differenzierte Betrachtung verlangen. Das Bundesgericht hat die Frage bisher offengelassen.\n\n**N. 18** **Positive Massnahmen**: Die Zulässigkeit von Fördermassnahmen zugunsten faktisch Benachteiligter wird kontrovers diskutiert. Bigler-Eggenberger (in: Kommentar BV, Art. 8 N 93) sieht in Abs. 3 Satz 2 eine ausreichende Grundlage für Quotenregelungen, während Schweizer (Geschlechterquoten, ZBJV 2012, 381) verfassungsrechtliche Schranken betont. Das Bundesgericht zeigt sich zurückhaltend (**BGE 123 I 152** E. 6).\n\n**N. 19** **Drittwirkung**: Die horizontale Wirkung von Art. 8 BV zwischen Privaten ist umstritten. Die herrschende Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 338; BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 96) lehnt eine direkte Drittwirkung ab, anerkennt aber eine mittelbare über Generalklauseln. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 8 N 17) plädiert für eine differenzierte Lösung je nach Diskriminierungsmerkmal.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Geltendmachung von Gleichheitsverletzungen ist die Bildung geeigneter Vergleichsgruppen zentral. Die Gruppen müssen in allen wesentlichen Merkmalen ausser dem strittigen Unterscheidungskriterium vergleichbar sein. Rein hypothetische Vergleiche genügen nicht.\n\n**N. 21** Im Verwaltungsverfahren trägt grundsätzlich der Beschwerdeführer die Behauptungs- und Beweislast für die Ungleichbehandlung. Bei verpönten Merkmalen nach Abs. 2 kehrt sich die Beweislast um: Die Behörde muss die Rechtfertigung substantiiert darlegen.\n\n**N. 22** Für Lohngleichheitsklagen empfiehlt sich der Beizug spezialisierter Beratungsstellen. Die Schlichtungsstellen nach Gleichstellungsgesetz bieten kostenlose Beratung. Bei der Klageerhebung sind die besonderen Verfahrensvorschriften des GlG zu beachten (erleichterte Beweislast, Untersuchungsmaxime, Kündigungsschutz).\n\n**N. 23** Bei Diskriminierungen im privatrechtlichen Bereich sind primär die spezialgesetzlichen Diskriminierungsverbote (GlG, BehiG) zu prüfen. Art. 8 BV kann subsidiär über Art. 28 ZGB (Persönlichkeitsschutz) oder arbeitsrechtliche Fürsorgepflichten zur Anwendung kommen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV)\n\n### Grundsätze der Rechtsgleichheit\n\n**BGE 129 I 161** vom 19. März 2003  \nRechtsgleichheit im öffentlichen Dienstverhältnis bei unterschiedlicher Entschädigung von Kindergartenstellvertretungen.  \nDas Urteil verdeutlicht den Prüfungsmassstab für Art. 8 Abs. 1 BV bei behördlichen Differenzierungen.\n\n> «Der Grundsatz der Rechtsgleichheit und damit Art. 8 Abs. 1 BV ist verletzt, wenn im öffentlichen Dienstverhältnis gleichwertige Arbeit ungleich entlöhnt wird. Innerhalb der Grenzen des Willkürverbots und des Rechtsgleichheitsgebots sind die Behörden befugt, aus der Vielzahl denkbarer Anknüpfungspunkte die Kriterien auszuwählen, die für die Besoldung von Beamten massgebend sein sollen.»\n\n### Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern\n\n**BGE 131 I 105** vom 16. Februar 2005  \nLohngleichheit im öffentlichen Dienstverhältnis zwischen Mann und Frau; rückwirkende Nachforderung.  \nWegweisendes Urteil zur Durchsetzung der verfassungsrechtlichen Lohngleichheit.\n\n> «Der Anspruch auf gleiche Entlöhnung von Mann und Frau gemäss Art. 8 Abs. 3 BV kann im Rahmen der fünfjährigen Verjährungsfrist auch für die Zeit vor Einreichung der Lohnklage geltend gemacht werden. Aus dem allgemeinen Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 Abs. 1 BV ergibt sich hingegen lediglich ein Anspruch auf Korrektur der rechtsungleichen Besoldung auf geeignete Weise und innert angemessener Frist.»\n\n## Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV)\n\n### Diskriminierung aufgrund der Herkunft\n\n**BGE 129 I 217** vom 9. Juli 2003  \nDiskriminierende Urnenabstimmung über Einbürgerungsgesuche von Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.  \nGrundlegender Entscheid zur direkten Diskriminierung aufgrund der Herkunft.\n\n> «Eine Diskriminierung i.S.v. Art. 8 Abs. 2 BV liegt dann vor, wenn eine Person rechtsungleich behandelt wird allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, welche historisch und in der gegenwärtigen sozialen Wirklichkeit tendenziell ausgegrenzt oder als minderwertig behandelt wurde. Die Diskriminierung stellt eine qualifizierte Art der Ungleichbehandlung von Personen in vergleichbaren Situationen dar, indem sie eine Benachteiligung eines Menschen bewirkt, die als Herabwürdigung oder Ausgrenzung einzustufen ist.»\n\n**BGE 135 I 49** vom 16. Dezember 2008  \nVerweigerung der Einbürgerung wegen Sozialhilfeabhängigkeit einer behinderten Bewerberin.  \nDas Urteil konkretisiert den Schutz behinderter Personen vor mittelbarer Diskriminierung.\n\n> «Das Erfordernis der wirtschaftlichen Selbsterhaltungsfähigkeit für Einbürgerungen trifft Personen mit einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung in spezifischer Weise. Eine Behinderung kann nicht nur die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch die Möglichkeiten der Stellensuche und der beruflichen Karriere begrenzen. Das Diskriminierungsverbot verbietet es, behinderte Personen allein aufgrund ihrer Behinderung oder deren Folgen vom Bürgerrecht auszuschliessen.»\n\n### Indirekte Diskriminierung\n\n**BGE 137 V 334** vom 8. Juli 2011  \nGemischte Methode der Invaliditätsbemessung und mögliche mittelbare Diskriminierung von Frauen.  \nDas Urteil klärt die Anforderungen an den Nachweis mittelbarer Diskriminierung.\n\n> «Die gemischte Methode verletzt weder den Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens nach Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 EMRK noch die Grundsätze der Gleichbehandlung und des Diskriminierungsverbots gemäss Art. 8 BV. Eine indirekte Diskriminierung läge nur vor, wenn die Regelung Angehörige einer gegen Diskriminierung geschützten Gruppe in ihren tatsächlichen Auswirkungen besonders stark benachteiligt, ohne dass dies sachlich begründet wäre.»\n\n### Diskriminierung im Bildungsbereich\n\n**BGE 147 I 73** vom 27. Juli 2020  \nGleichheitssatz und Diskriminierungsverbot bei Prüfungen; Verweigerung von Ausgleichsmassnahmen.  \nAktuelles Urteil zu behindertengerechten Prüfungsbedingungen.\n\n> «Aufgrund des Gleichheitssatzes sind die Hochschulen bei der Durchführung ihrer Examen grundsätzlich verpflichtet, für alle Kandidaten möglichst einheitliche Bedingungen herzustellen. Werden bestimmte Personen bzw. Personengruppen dadurch ungerechtfertigt benachteiligt, kann ausnahmsweise die Pflicht bestehen, Ausgleichsmassnahmen zu treffen. Eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes bzw. des Diskriminierungsverbots liegt nur dann vor, wenn die Verweigerung einer Ausgleichsmassnahme das Prüfungsergebnis entscheidend beeinflussen konnte.»\n\n## Geschlechtergleichstellung (Art. 8 Abs. 3 BV)\n\n### Mutterschaftsurlaub und Gleichstellung\n\n**BGE 144 I 113** vom 4. Juli 2018  \nFerienregelung während des Mutterschaftsurlaubs bei Lehrpersonal.  \nDas Urteil zeigt die Tragweite der Geschlechtergleichstellung im Arbeitsrecht.\n\n> «Die vorinstanzliche Auslegung, wonach Ferien, die in den Mutterschaftsurlaub fallen, in der unterrichtsfreien Zeit vor- oder nachbezogen werden können, verstösst weder gegen das Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 8 Abs. 1 BV) noch gegen das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) oder das Gebot der Geschlechtergleichstellung (Art. 8 Abs. 3 BV).»\n\n### Rentenalter und Gleichberechtigung\n\n**BGE 134 V 131** vom 3. Januar 2008  \nUnterschiedliches Rentenalter in der Unfallversicherung nach Angleichung des AHV-Rentenalters.  \nDas Urteil behandelt die verfassungsrechtlichen Grenzen geschlechtsspezifischer Differenzierungen.\n\n> «Das mit der 10. AHV-Revision stufenweise auf das vollendete 64. Altersjahr erhöhte AHV-Rentenalter der Frauen findet in Art. 22 UVG - bedingt durch ein offensichtliches Versehen des Gesetzgebers - keine entsprechende Berücksichtigung. Art. 8 Abs. 3 BV verlangt die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau und verbietet damit auch ungerechtfertigte geschlechtsspezifische Differenzierungen zu Lasten der Männer.»\n\n## Behinderung und Benachteiligung (Art. 8 Abs. 4 BV)\n\n### Leistungen für Menschen mit Behinderung\n\n**BGE 133 V 450** vom 1. Januar 2007  \nLebenspraktische Begleitung als Massnahme zur Beseitigung von Benachteiligungen behinderter Menschen.  \nGrundsatzurteil zur Konkretisierung der verfassungsrechtlichen Aufträge zugunsten behinderter Personen.\n\n> «Die lebenspraktische Begleitung stellt ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar und dient der Verwirklichung des in Art. 8 Abs. 4 BV verankerten Verfassungsauftrags, wonach das Gesetz Massnahmen zur Beseitigung von Benachteiligungen der Behinderten vorsieht. Sie beinhaltet weder die direkte oder indirekte Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung.»\n\n**BGE 131 V 9** vom 30. September 2004  \nLeistungspflicht der Invalidenversicherung für elektronische Kommunikationsgeräte bei Kindern mit Trisomie 21.  \nDas Urteil zeigt die Grenzen staatlicher Leistungspflichten bei behinderungsbedingten Mehrkosten.\n\n> «Art. 8 Abs. 4 BV verpflichtet den Gesetzgeber, Massnahmen zur Beseitigung von Benachteiligungen der Behinderten vorzusehen. Diese Bestimmung begründet jedoch keinen unmittelbaren Leistungsanspruch des Einzelnen. Die Gewährung von Leistungen hängt von der gesetzlichen Ausgestaltung ab, die dem Gesetzgeber einen erheblichen Gestaltungsspielraum belässt.»\n\n## Steuerrecht und Rechtsgleichheit\n\n### Steuerliche Gleichbehandlung\n\n**BGE 136 I 65** vom 25. September 2009  \nDividendenbesteuerung und Rechtsgleichheitsgebot bei unterschiedlichen Steuersätzen.  \nBedeutender Entscheid zur steuerlichen Gleichbehandlung verschiedener Einkunftsarten.\n\n> «Das Rechtsgleichheitsgebot verlangt, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Eine Ungleichbehandlung verletzt die Rechtsgleichheit, wenn sich für sie nicht ein vernünftiger Grund finden lässt oder wenn sie in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem mit der Regelung verfolgten Zweck steht.»\n\n## Familiennachzug und Inländerdiskriminierung\n\n**BGE 136 II 120** vom 22. Januar 2010  \nTeilfamiliennachzug zu eingebürgertem Schweizer und Problematik der «Inländerdiskriminierung».  \nWegweisendes Urteil zur Anwendung des Diskriminierungsverbots im Ausländerrecht.\n\n> «Art. 8 BV gewährleistet das Rechtsgleichheitsgebot und verbietet jede Art von Diskriminierung. Art. 14 in Verbindung mit Art. 8 EMRK statuiert ein akzessorisches Diskriminierungsverbot. Die unterschiedliche Behandlung von eingebürgerten und geborenen Schweizern beim Familiennachzug kann eine Diskriminierung aufgrund der Herkunft darstellen, wenn sie nicht sachlich gerechtfertigt ist.»\n\n## Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n### Begründungspflicht bei diskriminierenden Entscheiden\n\n**BGE 129 I 232** vom 9. Juli 2003  \nUngültigkeit einer Initiative zur Einführung von Urnenabstimmungen über Einbürgerungsgesuche.  \nGrundsatzurteil zum Zusammenhang zwischen Diskriminierungsverbot und Begründungspflicht.\n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich. Die Initiative ist daher ungültig, da sie ein Verfahren einführen will, das systematisch zur Verletzung von Grundrechten führt.»\n\n### Beschwerdelegitimation\n\n**BGE 147 I 1** vom 1. Januar 2020  \nNichtwiederwahl eines Verwaltungsrichters aus Altersgründen; Anfechtbarkeit politischer Entscheide.  \nAktuelles Urteil zur Justiziabilität von Diskriminierungsvorwürfen bei politischen Entscheiden.\n\n> «Das Diskriminierungsverbot ist auch bei Wahlakten zu beachten, die vorwiegend politischen Charakter haben. Eine ungerechtfertigte Benachteiligung aufgrund des Alters oder anderer verpönter Merkmale kann auch dann verfassungswidrig sein, wenn sie im Rahmen eines politischen Ermessens erfolgt. Der politische Charakter einer Entscheidung befreit nicht von der Bindung an die Grundrechte.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 8 de la Constitution fédérale garantit l'égalité en droit de toutes les personnes en Suisse. Ce droit fondamental s'applique à toutes les personnes, indépendamment de leur nationalité, et lie les autorités à tous les niveaux.\n\nLe droit fondamental se compose de quatre parties : Le principe général d'égalité exige que ce qui est égal soit traité de manière égale et que ce qui est inégal soit traité de manière inégale selon sa différence. Une inégalité de traitement n'est admissible que si elle repose sur des motifs objectifs. Exemple : Une commune peut exiger des impôts plus élevés pour les villas de luxe, mais pas des taux d'imposition différents pour les hommes et les femmes.\n\nL'interdiction de la discrimination interdit les désavantages fondés sur des caractéristiques particulièrement réprouvées comme le sexe, l'origine, la religion ou le handicap. Ces interdictions s'appliquent de manière plus stricte que le principe général d'égalité. Qui discrimine doit prouver l'existence de motifs importants.\n\nL'égalité des sexes oblige l'État à l'égalisation juridique et effective de l'homme et de la femme. Particulièrement important : les femmes et les hommes ont droit à un salaire égal pour un travail de valeur égale. Ce droit peut être revendiqué devant les tribunaux.\n\nL'encouragement des personnes handicapées oblige le législateur à éliminer les désavantages subis par les personnes handicapées. Cela a mené à la loi sur l'égalité pour les handicapés, qui prescrit l'accessibilité et les compensations de désavantages.\n\nLes violations de l'égalité en droit rendent nulles les décisions étatiques. En cas de discrimination salariale, les personnes concernées peuvent réclamer le montant manquant pour un maximum de cinq ans. Les tribunaux examinent strictement si les inégalités de traitement sont justifiées.\n\nL'art. 8 Cst. protège tant contre la discrimination directe que contre les désavantages cachés. Le droit fondamental agit principalement à l'égard de l'État, mais influence aussi le droit privé par des lois comme la loi sur l'égalité.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 8 Cst correspond pour l'essentiel à l'ancien art. 4 aCst, mais a été considérablement élargi par la révision totale de 1999. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligne que la nouvelle rédaction « codifie le contenu du principe d'égalité développé par la jurisprudence et la doctrine » et l'étend par une interdiction explicite de discrimination (al. 2) ainsi que des dispositions spécifiques sur l'égalité entre hommes et femmes (al. 3) et sur les mesures en faveur des personnes handicapées (al. 4).\n\n**N. 2** L'interdiction de discrimination de l'al. 2 était controversée lors de la procédure de consultation, notamment l'énumération des motifs de discrimination prohibés. Le Message précise : « L'énumération n'est pas exhaustive. Les caractéristiques mentionnées constituent cependant des points d'ancrage particulièrement fréquents ou choquants pour les discriminations » (FF 1997 I 141). Le constituant a délibérément renoncé à inclure l'orientation sexuelle dans le catalogue, ce qui est discuté de manière critique dans la doctrine (Müller/Schefer, Grundrechte, N 754).\n\n**N. 3** L'al. 3 concrétise l'égalité entre hommes et femmes déjà inscrite en 1981 dans l'aCst et va au-delà de l'interdiction générale de discrimination. L'ancrage explicite du droit à l'égalité salariale était une revendication centrale du mouvement pour l'égalité et devait améliorer l'application effective (FF 1997 I 141 s.).\n\n## 2. Position systématique\n\n**N. 4** L'art. 8 Cst se trouve au début du catalogue des droits fondamentaux et forme, avec → l'art. 9 Cst (protection contre l'arbitraire), le fondement du principe de traitement égal de l'État de droit. La norme déploie ses effets tant comme droit fondamental autonome que comme garantie accessoire lors de l'exercice de tous les autres droits fondamentaux et de procédure.\n\n**N. 5** La relation avec → l'art. 5 Cst (principes de l'activité de l'État régi par le droit) est étroite : alors que l'art. 5 définit les limites objectivo-juridiques de l'activité étatique, l'art. 8 accorde des droits subjectifs de défense. Avec → l'art. 36 Cst (restriction des droits fondamentaux), il y a des recoupements : les atteintes discriminatoires aux droits fondamentaux ne peuvent jamais être proportionnées (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 324).\n\n**N. 6** Dans la relation avec les garanties internationales des droits de l'homme, l'art. 14 CEDH est central, mais ne contient qu'une interdiction de discrimination accessoire. Le 12e Protocole additionnel à la CEDH avec une interdiction générale de discrimination n'a pas été ratifié par la Suisse. Les Pactes de l'ONU (en part. art. 2 et 26 Pacte ONU II) ainsi que les conventions spécialisées (CEDEF, CDPH) concrétisent le principe d'égalité dans des domaines partiels.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Principe général d'égalité (al. 1)\n\n**N. 7** Le principe général d'égalité exige que ce qui est égal soit traité de manière égale dans la mesure de son égalité et que ce qui est inégal soit traité de manière inégale dans la mesure de son inégalité. Selon la formule du Tribunal fédéral, un traitement inégal n'est admissible que s'il repose sur un motif raisonnable, c'est-à-dire si la distinction se rattache à une caractéristique qui présente un rapport objectif avec l'objet de la réglementation (**ATF 139 I 161** consid. 3.2.1).\n\n**N. 8** L'examen s'effectue en deux étapes : il faut d'abord établir s'il y a un traitement inégal (formation de groupes de comparaison). Ensuite, il faut examiner si celui-ci est objectivement justifié. La justification doit être d'autant plus importante que le traitement inégal est marqué (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1117).\n\n### 3.2 Interdiction de discrimination (al. 2)\n\n**N. 9** L'interdiction de discrimination prohibe les traitements inégaux qualifiés qui se rattachent à des caractéristiques particulièrement réprouvées. L'énumération est exemplaire (« notamment »), mais couvre les motifs de discrimination pratiquement les plus importants. Une extension à d'autres caractéristiques est possible si celles-ci présentent un risque de stigmatisation comparable (BSK BV-Waldmann, art. 8 N 51).\n\n**N. 10** Pour les caractéristiques énumérées, il y a un renversement du fardeau de la preuve : l'autorité qui différencie doit démontrer que des motifs qualifiés justifient le traitement inégal. Les exigences de justification sont plus strictes que pour le principe général d'égalité (St. Galler Kommentar-Schweizer/Mohler, art. 8 N 43).\n\n### 3.3 Égalité entre hommes et femmes (al. 3)\n\n**N. 11** L'al. 3 contient trois éléments : le principe d'égalité en droit (phrase 1), le mandat législatif pour l'égalité de fait (phrase 2) et le droit justiciable à l'égalité salariale (phrase 3). Alors que les deux premiers éléments ont un caractère programmatique, le droit à l'égalité salariale fonde un droit subjectif directement exécutoire (**ATF 131 I 105** consid. 4.1).\n\n**N. 12** La notion de « travail de valeur égale » exige une évaluation objective des activités selon des critères analytiques. Sont déterminantes les exigences, les charges, la responsabilité et les conditions de travail. Les différences salariales historiquement développées ne suffisent pas comme justification (Bigler-Eggenberger/Kaufmann, in: BSK BV, art. 8 N 84).\n\n### 3.4 Promotion des personnes handicapées (al. 4)\n\n**N. 13** L'al. 4 contient un mandat législatif pour l'élimination des inégalités dont souffrent les personnes handicapées. Contrairement aux autres alinéas, il ne fonde pas de droits subjectifs directs, mais oblige le législateur à agir. La loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand) concrétise ce mandat (FF 2001 1715).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** La violation du principe d'égalité entraîne l'inconstitutionnalité de la norme ou de l'acte individuel concerné. En matière de législation, le Tribunal fédéral ne peut, en vertu de → l'art. 190 Cst, examiner la compatibilité des lois fédérales avec l'art. 8 Cst, mais bien le droit cantonal et les ordonnances.\n\n**N. 15** En cas de traitement inégal par des actes individuels, deux possibilités existent : l'alignement vers le haut (le défavorisé obtient ce qui a été accordé au favorisé) ou vers le bas (on retire au favorisé ce qui lui a été accordé à tort). Le Tribunal fédéral tend vers l'alignement vers le haut, à moins que des intérêts publics prépondérants ne s'y opposent (Tschannen, in: St. Galler Kommentar, Remarques prél. aux art. 7-36 N 38).\n\n**N. 16** En cas de discrimination salariale, il existe un droit au paiement rétroactif pour cinq ans au maximum (art. 128 ch. 3 CO). Le droit comprend la différence au salaire non discriminatoire plus les intérêts moratoires. Des prétentions supplémentaires en réparation du tort moral n'existent qu'en cas d'atteintes graves à la personnalité.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Discrimination indirecte** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure l'art. 8 al. 2 Cst couvre aussi les discriminations indirectes. Müller/Schefer (Grundrechte, N 763) l'affirment en se référant à la pratique internationale, alors que Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, § 34 N 14) exigent une considération différenciée. Le Tribunal fédéral a laissé la question ouverte jusqu'à présent.\n\n**N. 18** **Mesures positives** : L'admissibilité de mesures de promotion en faveur de personnes factuellement défavorisées est débattue de manière controversée. Bigler-Eggenberger (in: Kommentar BV, art. 8 N 93) voit dans l'al. 3 phrase 2 une base suffisante pour des réglementations de quotas, alors que Schweizer (Geschlechterquoten, ZBJV 2012, 381) souligne les limites constitutionnelles. Le Tribunal fédéral se montre réservé (**ATF 123 I 152** consid. 6).\n\n**N. 19** **Effet horizontal** : L'effet horizontal de l'art. 8 Cst entre personnes privées est controversé. La doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 338; BSK BV-Waldmann, art. 8 N 96) rejette un effet horizontal direct, mais reconnaît un effet indirect par les clauses générales. Biaggini (BV-Kommentar, art. 8 N 17) plaide pour une solution différenciée selon le motif de discrimination.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Pour faire valoir des violations de l'égalité, la formation de groupes de comparaison appropriés est centrale. Les groupes doivent être comparables dans toutes les caractéristiques essentielles sauf le critère de distinction litigieux. Les comparaisons purement hypothétiques ne suffisent pas.\n\n**N. 21** Dans la procédure administrative, le recourant porte en principe le fardeau de l'allégation et de la preuve du traitement inégal. Pour les caractéristiques réprouvées selon l'al. 2, le fardeau de la preuve s'inverse : l'autorité doit exposer la justification de manière substantielle.\n\n**N. 22** Pour les actions en égalité salariale, il est recommandé de faire appel à des centres de conseil spécialisés. Les bureaux de conciliation selon la loi sur l'égalité offrent des conseils gratuits. Lors du dépôt de l'action, il faut observer les règles de procédure particulières de la LEg (fardeau de la preuve allégé, principe d'investigation, protection contre le licenciement).\n\n**N. 23** En cas de discriminations dans le domaine de droit privé, il faut examiner en premier lieu les interdictions de discrimination des lois spéciales (LEg, LHand). L'art. 8 Cst peut s'appliquer subsidiairement par l'art. 28 CC (protection de la personnalité) ou les devoirs de diligence du droit du travail.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Égalité juridique (art. 8 al. 1 Cst.)\n\n### Principes de l'égalité juridique\n\n**ATF 129 I 161** du 19 mars 2003  \nÉgalité juridique dans les rapports de service public en cas de rémunération différente des remplaçantes de jardinières d'enfants.  \nL'arrêt clarifie les critères d'examen pour l'art. 8 al. 1 Cst. en cas de différenciations par les autorités.\n\n> « Le principe de l'égalité juridique et par conséquent l'art. 8 al. 1 Cst. est violé lorsque, dans les rapports de service public, un travail équivalent est rémunéré de manière inégale. Dans les limites de l'interdiction de l'arbitraire et du principe d'égalité juridique, les autorités sont habilitées à choisir, parmi la multitude de points de rattachement envisageables, les critères qui doivent être déterminants pour la rémunération des fonctionnaires. »\n\n### Égalité salariale entre les sexes\n\n**ATF 131 I 105** du 16 février 2005  \nÉgalité salariale dans les rapports de service public entre homme et femme ; revendication rétroactive.  \nArrêt de principe sur la mise en œuvre de l'égalité salariale constitutionnelle.\n\n> « Le droit à l'égalité de rémunération entre homme et femme selon l'art. 8 al. 3 Cst. peut être invoqué dans le cadre du délai de prescription de cinq ans également pour la période antérieure au dépôt de l'action salariale. Du principe général d'égalité juridique de l'art. 8 al. 1 Cst. découle en revanche seulement un droit à la correction de la rémunération juridiquement inégale de manière appropriée et dans un délai raisonnable. »\n\n## Interdiction de la discrimination (art. 8 al. 2 Cst.)\n\n### Discrimination fondée sur l'origine\n\n**ATF 129 I 217** du 9 juillet 2003  \nVote discriminatoire en assemblée d'habitants sur des demandes de naturalisation de personnes originaires de l'ex-Yougoslavie.  \nDécision fondamentale sur la discrimination directe fondée sur l'origine.\n\n> « Il y a discrimination au sens de l'art. 8 al. 2 Cst. lorsqu'une personne est traitée de manière juridiquement inégale uniquement en raison de son appartenance à un groupe déterminé qui, historiquement et dans la réalité sociale actuelle, tend à être marginalisé ou traité comme inférieur. La discrimination constitue une forme qualifiée d'inégalité de traitement de personnes se trouvant dans des situations comparables, en ce qu'elle provoque un désavantage d'une personne qui doit être qualifié de dévalorisation ou d'exclusion. »\n\n**ATF 135 I 49** du 16 décembre 2008  \nRefus de naturalisation en raison de la dépendance à l'aide sociale d'une candidate handicapée.  \nL'arrêt concrétise la protection des personnes handicapées contre la discrimination indirecte.\n\n> « L'exigence de capacité d'auto-conservation économique pour les naturalisations touche les personnes avec un handicap physique, mental ou psychique de manière spécifique. Un handicap peut non seulement compromettre la capacité de gain, mais aussi limiter les possibilités de recherche d'emploi et de carrière professionnelle. L'interdiction de la discrimination interdit d'exclure les personnes handicapées du droit de cité uniquement en raison de leur handicap ou de ses conséquences. »\n\n### Discrimination indirecte\n\n**ATF 137 V 334** du 8 juillet 2011  \nMéthode mixte d'évaluation de l'invalidité et discrimination indirecte possible des femmes.  \nL'arrêt clarifie les exigences relatives à la preuve de discrimination indirecte.\n\n> « La méthode mixte ne viole ni le droit au respect de la vie privée et familiale selon l'art. 13 al. 1 Cst. et l'art. 8 CEDH, ni les principes d'égalité de traitement et d'interdiction de la discrimination selon l'art. 8 Cst. Une discrimination indirecte n'existerait que si la réglementation désavantageait particulièrement, dans ses effets réels, les membres d'un groupe protégé contre la discrimination, sans que cela soit justifié objectivement. »\n\n### Discrimination dans le domaine de l'éducation\n\n**ATF 147 I 73** du 27 juillet 2020  \nPrincipe d'égalité et interdiction de la discrimination lors d'examens ; refus de mesures compensatoires.  \nArrêt actuel sur les conditions d'examen adaptées aux handicapés.\n\n> « En raison du principe d'égalité, les hautes écoles sont en principe tenues, lors de la conduite de leurs examens, d'établir des conditions aussi uniformes que possible pour tous les candidats. Si certaines personnes ou certains groupes de personnes sont de ce fait désavantagés de manière injustifiée, l'obligation de prendre des mesures compensatoires peut exceptionnellement exister. Une violation du principe d'égalité ou de l'interdiction de la discrimination n'existe que si le refus d'une mesure compensatoire a pu influencer de manière déterminante le résultat de l'examen. »\n\n## Égalité des sexes (art. 8 al. 3 Cst.)\n\n### Congé maternité et égalité\n\n**ATF 144 I 113** du 4 juillet 2018  \nRéglementation des vacances pendant le congé maternité pour le personnel enseignant.  \nL'arrêt montre la portée de l'égalité des sexes en droit du travail.\n\n> « L'interprétation de l'instance précédente, selon laquelle les vacances qui tombent dans le congé maternité peuvent être prises par anticipation ou reportées pendant la période sans enseignement, ne contrevient ni au principe d'égalité de traitement juridique (art. 8 al. 1 Cst.), ni à l'interdiction de la discrimination (art. 8 al. 2 Cst.) ou au principe d'égalité des sexes (art. 8 al. 3 Cst.). »\n\n### Âge de la retraite et égalité des droits\n\n**ATF 134 V 131** du 3 janvier 2008  \nDifférence d'âge de la retraite dans l'assurance-accidents après l'alignement de l'âge de la retraite AVS.  \nL'arrêt traite les limites constitutionnelles des différenciations spécifiques au sexe.\n\n> « L'âge de la retraite AVS des femmes, élevé progressivement à l'âge de 64 ans révolus par la 10e révision de l'AVS, ne trouve pas de prise en compte correspondante dans l'art. 22 LAA - en raison d'un oubli manifeste du législateur. L'art. 8 al. 3 Cst. exige l'égalité juridique et effective entre homme et femme et interdit ainsi également les différenciations spécifiques au sexe injustifiées au détriment des hommes. »\n\n## Handicap et désavantage (art. 8 al. 4 Cst.)\n\n### Prestations pour les personnes handicapées\n\n**ATF 133 V 450** du 1er janvier 2007  \nAccompagnement socio-éducatif comme mesure pour éliminer les désavantages des personnes handicapées.  \nArrêt de principe sur la concrétisation des mandats constitutionnels en faveur des personnes handicapées.\n\n> « L'accompagnement socio-éducatif constitue un institut d'aide supplémentaire et autonome et sert à la réalisation du mandat constitutionnel ancré dans l'art. 8 al. 4 Cst., selon lequel la loi prévoit des mesures en vue d'éliminer les inégalités qui frappent les personnes handicapées. Il ne comprend ni l'aide directe ou indirecte de tiers pour les six actes élémentaires de la vie quotidienne, ni les soins, ni la surveillance. »\n\n**ATF 131 V 9** du 30 septembre 2004  \nObligation de prestations de l'assurance-invalidité pour appareils de communication électroniques chez des enfants atteints de trisomie 21.  \nL'arrêt montre les limites des obligations de prestation étatiques en cas de coûts supplémentaires liés au handicap.\n\n> « L'art. 8 al. 4 Cst. oblige le législateur à prévoir des mesures en vue d'éliminer les inégalités qui frappent les personnes handicapées. Cette disposition ne fonde cependant aucun droit direct à des prestations de l'individu. L'octroi de prestations dépend de l'aménagement légal qui laisse au législateur une marge d'appréciation considérable. »\n\n## Droit fiscal et égalité juridique\n\n### Égalité de traitement fiscal\n\n**ATF 136 I 65** du 25 septembre 2009  \nImposition des dividendes et principe d'égalité juridique en cas de taux d'imposition différents.  \nDécision importante sur l'égalité de traitement fiscal de différents types de revenus.\n\n> « Le principe d'égalité juridique exige que ce qui est semblable soit traité de manière égale selon la mesure de sa similitude et ce qui est différent de manière inégale selon la mesure de sa différence. Une inégalité de traitement viole l'égalité juridique si l'on ne peut trouver pour elle une raison raisonnable ou si elle n'est pas dans un rapport raisonnable avec le but poursuivi par la réglementation. »\n\n## Regroupement familial et discrimination des nationaux\n\n**ATF 136 II 120** du 22 janvier 2010  \nRegroupement familial partiel auprès d'un Suisse naturalisé et problématique de la « discrimination des nationaux ».  \nArrêt de principe sur l'application de l'interdiction de la discrimination en droit des étrangers.\n\n> « L'art. 8 Cst. garantit le principe d'égalité juridique et interdit toute forme de discrimination. L'art. 14 en relation avec l'art. 8 CEDH statue une interdiction de discrimination accessoire. Le traitement différent des Suisses naturalisés et des Suisses de naissance lors du regroupement familial peut constituer une discrimination fondée sur l'origine si elle n'est pas objectivement justifiée. »\n\n## Aspects procéduraux\n\n### Obligation de motiver les décisions discriminatoires\n\n**ATF 129 I 232** du 9 juillet 2003  \nNullité d'une initiative visant à introduire des votes en assemblée d'habitants sur les demandes de naturalisation.  \nArrêt de principe sur la relation entre l'interdiction de la discrimination et l'obligation de motiver.\n\n> « Les décisions de refus de naturalisation sont soumises à l'obligation de motiver selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de la discrimination). Lors du vote en assemblée d'habitants, une motivation répondant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible. L'initiative est donc nulle car elle veut introduire une procédure qui mène systématiquement à la violation de droits fondamentaux. »\n\n### Qualité pour recourir\n\n**ATF 147 I 1** du 1er janvier 2020  \nNon-réélection d'un juge administratif pour des raisons d'âge ; possibilité d'attaquer les décisions politiques.  \nArrêt actuel sur la justiciabilité de reproches de discrimination lors de décisions politiques.\n\n> « L'interdiction de la discrimination doit aussi être respectée lors d'actes électoraux qui ont un caractère principalement politique. Un désavantage injustifié fondé sur l'âge ou d'autres caractéristiques prohibées peut aussi être contraire à la Constitution lorsqu'il intervient dans le cadre d'un pouvoir d'appréciation politique. Le caractère politique d'une décision ne libère pas du respect des droits fondamentaux. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 8 della Costituzione federale garantisce l'uguaglianza giuridica di tutte le persone in Svizzera. Questo diritto fondamentale si applica a tutte le persone, indipendentemente dalla loro nazionalità, e vincola le autorità a tutti i livelli.\n\nIl diritto fondamentale è composto da quattro parti: Il principio generale di uguaglianza esige che situazioni uguali siano trattate in modo uguale e situazioni diverse siano trattate diversamente secondo le loro differenze. Un trattamento ineguale è ammissibile solo se fondato su motivi oggettivi. Esempio: Un Comune può richiedere imposte più elevate per ville di lusso, ma non aliquote fiscali diverse per uomini e donne.\n\nIl divieto di discriminazione vieta svantaggi basati su caratteristiche particolarmente riprovevoli come il sesso, l'origine, la religione o la disabilità. Questi divieti si applicano più rigorosamente del principio generale di uguaglianza. Chi discrimina deve dimostrare motivi importanti.\n\nLa parità dei sessi obbliga lo Stato alla parità giuridica e di fatto tra uomo e donna. Particolarmente importante: le donne e gli uomini hanno diritto a un salario uguale per un lavoro di uguale valore. Questo diritto può essere fatto valere in tribunale.\n\nLa promozione dei disabili obbliga il legislatore a eliminare gli svantaggi delle persone con disabilità. Ciò ha portato alla legge sui disabili, che prescrive l'accessibilità e la compensazione degli svantaggi.\n\nLe violazioni dell'uguaglianza giuridica rendono nulle le decisioni statali. In caso di discriminazione salariale, gli interessati possono richiedere l'importo mancante per un massimo di cinque anni. I tribunali verificano rigorosamente se i trattamenti ineguali sono giustificati.\n\nL'art. 8 Cost. protegge sia dalla discriminazione diretta sia dagli svantaggi nascosti. Il diritto fondamentale agisce principalmente nei confronti dello Stato, ma influenza anche il diritto privato attraverso leggi come la legge sulla parità dei sessi.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 8 Cost. corrisponde sostanzialmente al precedente art. 4 aCost., ma è stato considerevolmente ampliato con la revisione totale del 1999. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolinea che la nuova formulazione «codifica il contenuto del principio di uguaglianza sviluppato dalla giurisprudenza e dalla dottrina» e lo estende con un esplicito divieto di discriminazione (cpv. 2) nonché con disposizioni specifiche sulla parità dei sessi (cpv. 3) e su misure per i disabili (cpv. 4).\n\n**N. 2** Il divieto di discriminazione del cpv. 2 è stato controverso durante la procedura di consultazione, in particolare l'elencazione dei criteri di discriminazione vietati. Il Messaggio stabilisce: «L'enumerazione non è esaustiva. I criteri menzionati rappresentano però motivi di discriminazione particolarmente frequenti o scioccanti» (FF 1997 I 141). Il costituente ha rinunciato consapevolmente all'inserimento dell'orientamento sessuale nel catalogo, il che è discusso criticamente in dottrina (Müller/Schefer, Grundrechte, N 754).\n\n**N. 3** Il cpv. 3 concretizza la parità dei sessi già inserita nell'aCost. nel 1981 e va oltre il divieto generale di discriminazione. L'ancoraggio esplicito del diritto alla parità salariale era una rivendicazione centrale del movimento per la parità e doveva migliorare l'attuazione effettiva (FF 1997 I 141 s.).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 8 Cost. si trova all'inizio del catalogo dei diritti fondamentali e forma insieme all'→ art. 9 Cost. (protezione dall'arbitrio) il fondamento del precetto di parità di trattamento dello Stato di diritto. La norma spiega i suoi effetti sia come diritto fondamentale autonomo sia come garanzia accessoria nell'esercizio di tutti gli altri diritti fondamentali e processuali.\n\n**N. 5** Il rapporto con l'→ art. 5 Cost. (principi dell'attività statale conforme al diritto) è stretto: mentre l'art. 5 definisce i limiti oggettivo-giuridici dell'azione statale, l'art. 8 concede diritti soggettivi di difesa. Con l'→ art. 36 Cost. (restrizioni dei diritti fondamentali) si creano sovrapposizioni: gli interventi sui diritti fondamentali discriminatori non possono mai essere proporzionati (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 324).\n\n**N. 6** Nel rapporto con le garanzie internazionali dei diritti dell'uomo è centrale l'art. 14 CEDU, che tuttavia contiene solo un divieto di discriminazione accessorio. Il 12° Protocollo addizionale alla CEDU con un divieto generale di discriminazione non è stato ratificato dalla Svizzera. I Patti ONU (in particolare art. 2 e 26 Patto ONU II) nonché convenzioni specializzate (CEDAW, CDPD) concretizzano il principio di uguaglianza in settori parziali.\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Principio generale di uguaglianza (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il principio generale di uguaglianza esige che l'uguale sia trattato ugualmente nella misura della sua uguaglianza e il disuguale sia trattato disugualmente nella misura della sua disuguaglianza. Secondo la formula del Tribunale federale, una disparità di trattamento è ammissibile solo se si basa su una ragione ragionevole, cioè se la distinzione si aggancia a un criterio che presenta un rapporto oggettivo con l'oggetto della regolamentazione (**DTF 139 I 161** consid. 3.2.1).\n\n**N. 8** L'esame avviene in due fasi: dapprima deve essere accertato se sussiste una disparità di trattamento (formazione di gruppi di paragone). Poi deve essere esaminato se questa è oggettivamente giustificata. La giustificazione deve essere tanto più ponderosa quanto più la disparità di trattamento ha peso (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1117).\n\n### 3.2 Divieto di discriminazione (cpv. 2)\n\n**N. 9** Il divieto di discriminazione vieta disparità di trattamento qualificate che si agganciano a criteri particolarmente riprovevoli. L'enumerazione è esemplificativa («segnatamente»), ma comprende i motivi di discriminazione praticamente più importanti. Un'estensione ad altri criteri è possibile se questi presentano un pericolo di stigmatizzazione comparabile (BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 51).\n\n**N. 10** Per i criteri elencati vale un'inversione dell'onere della prova: l'autorità che differenzia deve esporre che motivi qualificati giustificano la disparità di trattamento. Le esigenze per la giustificazione sono più rigorose che nel principio generale di uguaglianza (St. Galler Kommentar-Schweizer/Mohler, Art. 8 N 43).\n\n### 3.3 Parità dei sessi (cpv. 3)\n\n**N. 11** Il cpv. 3 contiene tre elementi: il precetto di parità di diritti (frase 1), il mandato legislativo per la parità fattuale (frase 2) e il diritto giustiziabile alla parità salariale (frase 3). Mentre i primi due elementi hanno carattere programmatico, il diritto alla parità salariale fonda un diritto soggettivo direttamente azionabile (**DTF 131 I 105** consid. 4.1).\n\n**N. 12** Il concetto di «lavoro di pari valore» richiede una valutazione oggettiva delle attività secondo criteri analitici. Determinanti sono esigenze, sollecitazioni, responsabilità e condizioni di lavoro. Differenze salariali storicamente cresciute non bastano come giustificazione (Bigler-Eggenberger/Kaufmann, in: BSK BV, Art. 8 N 84).\n\n### 3.4 Promozione dei disabili (cpv. 4)\n\n**N. 13** Il cpv. 4 contiene un mandato legislativo per l'eliminazione degli svantaggi dei disabili. A differenza degli altri capoversi non fonda diritti soggettivi diretti, ma obbliga il legislatore ad agire. La Legge sui disabili (LDis) concretizza questo mandato (FF 2001 1715).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La violazione del principio di uguaglianza comporta l'incostituzionalità della norma o dell'atto singolo interessato. Nella legislazione, il Tribunale federale non può esaminare le leggi federali per la loro compatibilità con l'art. 8 Cost. in base all'→ art. 190 Cost., ma può farlo per il diritto cantonale e le ordinanze.\n\n**N. 15** In caso di trattamento giuridicamente disuguale mediante atti singoli sussistono due possibilità: allineamento verso l'alto (lo svantaggiato riceve quello che è stato concesso al favorito) o verso il basso (al favorito viene tolto quello che gli è stato concesso a torto). Il Tribunale federale tende all'allineamento verso l'alto, purché non si oppongano interessi pubblici preponderanti (Tschannen, in: St. Galler Kommentar, Osserv. prel. agli art. 7-36 N 38).\n\n**N. 16** In caso di discriminazioni salariali sussiste un diritto al pagamento arretrato per al massimo cinque anni (art. 128 n. 3 CO). Il diritto comprende la differenza rispetto al salario non discriminatorio più gli interessi di mora. Diritti aggiuntivi di riparazione morale sussistono solo in caso di gravi lesioni della personalità.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** **Discriminazione indiretta**: È controverso fino a che punto l'art. 8 cpv. 2 Cost. comprenda anche discriminazioni indirette. Müller/Schefer (Grundrechte, N 763) lo affermano con riferimento alla prassi internazionale, mentre Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, § 34 N 14) esigono una considerazione differenziata. Il Tribunale federale ha finora lasciato aperta la questione.\n\n**N. 18** **Misure positive**: L'ammissibilità di misure di promozione a favore di persone svantaggiate di fatto è discussa in modo controverso. Bigler-Eggenberger (in: Kommentar BV, Art. 8 N 93) vede nel cpv. 3 frase 2 una base sufficiente per regolamentazioni di quote, mentre Schweizer (Geschlechterquoten, ZBJV 2012, 381) sottolinea limiti di diritto costituzionale. Il Tribunale federale si mostra prudente (**DTF 123 I 152** consid. 6).\n\n**N. 19** **Efficacia nei rapporti tra privati**: L'effetto orizzontale dell'art. 8 Cost. tra privati è controverso. La dottrina dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 338; BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 96) rifiuta un'efficacia diretta nei rapporti tra privati, ma riconosce una mediata tramite clausole generali. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 8 N 17) propugna una soluzione differenziata secondo il criterio di discriminazione.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nel far valere violazioni dell'uguaglianza è centrale la formazione di gruppi di paragone adeguati. I gruppi devono essere paragonabili in tutti i criteri essenziali tranne il criterio di distinzione controverso. Paragoni puramente ipotetici non bastano.\n\n**N. 21** Nel procedimento amministrativo il ricorrente porta in principio l'onere dell'allegazione e della prova per la disparità di trattamento. Per i criteri riprovevoli secondo il cpv. 2 l'onere della prova si inverte: l'autorità deve esporre la giustificazione in modo sostanziato.\n\n**N. 22** Per azioni di parità salariale si raccomanda il ricorso a centri di consulenza specializzati. Gli uffici di conciliazione secondo la Legge sulla parità offrono consulenza gratuita. Nel depositare l'azione devono essere osservate le disposizioni procedurali speciali della LPar (facilitazione dell'onere della prova, massima inquisitoria, protezione dal licenziamento).\n\n**N. 23** In caso di discriminazioni nell'ambito di diritto privato devono essere esaminati primariamente i divieti di discriminazione delle leggi speciali (LPar, LDis). L'art. 8 Cost. può trovare applicazione sussidiariamente tramite l'art. 28 CC (protezione della personalità) o doveri di assistenza del diritto del lavoro.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Uguaglianza giuridica (art. 8 cpv. 1 Cost.)\n\n### Principi dell'uguaglianza giuridica\n\n**BGE 129 I 161** del 19 marzo 2003  \nUguaglianza giuridica nel rapporto di servizio pubblico in caso di diversa retribuzione delle supplenze negli asili.  \nLa sentenza chiarisce il criterio di valutazione per l'art. 8 cpv. 1 Cost. in caso di differenziazioni da parte delle autorità.\n\n> «Il principio dell'uguaglianza giuridica e quindi l'art. 8 cpv. 1 Cost. è violato quando nel rapporto di servizio pubblico un lavoro equivalente è retribuito in modo diseguale. Entro i limiti del divieto dell'arbitrio e del principio dell'uguaglianza giuridica, le autorità sono competenti a scegliere, dalla molteplicità di punti di riferimento concepibili, i criteri che devono essere determinanti per la retribuzione dei funzionari.»\n\n### Parità salariale tra i sessi\n\n**BGE 131 I 105** del 16 febbraio 2005  \nParità salariale nel rapporto di servizio pubblico tra uomo e donna; rivendicazione retroattiva.  \nSentenza pionieristica per l'attuazione della parità salariale costituzionale.\n\n> «Il diritto alla parità retributiva tra uomo e donna secondo l'art. 8 cpv. 3 Cost. può essere fatto valere nel quadro del termine di prescrizione quinquennale anche per il periodo precedente la presentazione dell'azione salariale. Dal principio generale dell'uguaglianza giuridica dell'art. 8 cpv. 1 Cost. deriva invece soltanto un diritto alla correzione della retribuzione contraria al principio dell'uguaglianza giuridica in modo appropriato ed entro un termine ragionevole.»\n\n## Divieto di discriminazione (art. 8 cpv. 2 Cost.)\n\n### Discriminazione in base all'origine\n\n**BGE 129 I 217** del 9 luglio 2003  \nVotazione discriminatoria alle urne su domande di naturalizzazione di persone dell'ex Jugoslavia.  \nDecisione fondamentale sulla discriminazione diretta in base all'origine.\n\n> «Una discriminazione ai sensi dell'art. 8 cpv. 2 Cost. sussiste quando una persona è trattata in modo giuridicamente diseguale unicamente a causa della sua appartenenza a un determinato gruppo che storicamente e nell'attuale realtà sociale tende a essere emarginato o trattato come inferiore. La discriminazione rappresenta un tipo qualificato di trattamento diseguale di persone in situazioni comparabili, in quanto comporta uno svantaggio di una persona da classificare come degradazione o emarginazione.»\n\n**BGE 135 I 49** del 16 dicembre 2008  \nRifiuto della naturalizzazione a causa della dipendenza dall'assistenza sociale di una candidata disabile.  \nLa sentenza concretizza la protezione delle persone disabili dalla discriminazione indiretta.\n\n> «Il requisito della capacità di autoconservazione economica per le naturalizzazioni colpisce le persone con una disabilità fisica, mentale o psichica in modo specifico. Una disabilità può non solo compromettere la capacità lavorativa, ma anche limitare le possibilità di ricerca del lavoro e della carriera professionale. Il divieto di discriminazione vieta di escludere le persone disabili dal diritto di cittadinanza unicamente a causa della loro disabilità o delle sue conseguenze.»\n\n### Discriminazione indiretta\n\n**BGE 137 V 334** dell'8 luglio 2011  \nMetodo misto per la valutazione dell'invalidità e possibile discriminazione indiretta delle donne.  \nLa sentenza chiarisce i requisiti per la prova della discriminazione indiretta.\n\n> «Il metodo misto non viola né il diritto al rispetto della vita privata e familiare secondo l'art. 13 cpv. 1 Cost. e art. 8 CEDU né i principi dell'uguaglianza di trattamento e del divieto di discriminazione secondo l'art. 8 Cost. Una discriminazione indiretta esisterebbe solo se il regolamento svantaggia in modo particolarmente forte gli appartenenti a un gruppo protetto dalla discriminazione nei suoi effetti reali, senza che ciò sia giustificato oggettivamente.»\n\n### Discriminazione nell'ambito dell'istruzione\n\n**BGE 147 I 73** del 27 luglio 2020  \nPrincipio di uguaglianza e divieto di discriminazione negli esami; rifiuto di misure compensative.  \nSentenza attuale sulle condizioni d'esame adatte ai disabili.\n\n> «In virtù del principio di uguaglianza, le università sono fondamentalmente obbligate a creare condizioni possibilmente uniformi per tutti i candidati nello svolgimento dei loro esami. Se determinate persone o gruppi di persone sono svantaggiati ingiustificatamente, può eccezionalmente sussistere l'obbligo di adottare misure compensative. Una violazione del principio di uguaglianza o del divieto di discriminazione sussiste solo quando il rifiuto di una misura compensativa ha potuto influenzare in modo decisivo il risultato dell'esame.»\n\n## Parità dei sessi (art. 8 cpv. 3 Cost.)\n\n### Congedo di maternità e parità\n\n**BGE 144 I 113** del 4 luglio 2018  \nRegolamentazione delle vacanze durante il congedo di maternità per il personale docente.  \nLa sentenza mostra la portata della parità dei sessi nel diritto del lavoro.\n\n> «L'interpretazione dell'istanza precedente, secondo cui le vacanze che cadono nel congedo di maternità possono essere anticipate o posticipate nel periodo senza lezioni, non viola né il precetto del trattamento conforme al principio dell'uguaglianza giuridica (art. 8 cpv. 1 Cost.) né il divieto di discriminazione (art. 8 cpv. 2 Cost.) o il precetto della parità dei sessi (art. 8 cpv. 3 Cost.).»\n\n### Età pensionabile e parità di diritti\n\n**BGE 134 V 131** del 3 gennaio 2008  \nDiversa età pensionabile nell'assicurazione contro gli infortuni dopo l'equiparazione dell'età pensionabile AVS.  \nLa sentenza tratta i limiti costituzionali delle differenziazioni specifiche per sesso.\n\n> «L'età pensionabile AVS delle donne, elevata gradualmente al 64° anno di età compiuto con la 10ª revisione AVS, non trova corrispondente considerazione nell'art. 22 LAINF - a causa di un'evidente svista del legislatore. L'art. 8 cpv. 3 Cost. esige la parità giuridica e fattuale tra uomo e donna e vieta quindi anche differenziazioni specifiche per sesso ingiustificate a danno degli uomini.»\n\n## Disabilità e svantaggio (art. 8 cpv. 4 Cost.)\n\n### Prestazioni per persone con disabilità\n\n**BGE 133 V 450** del 1° gennaio 2007  \nAccompagnamento per la vita pratica come misura per l'eliminazione degli svantaggi delle persone disabili.  \nSentenza di principio sulla concretizzazione degli incarichi costituzionali a favore delle persone disabili.\n\n> «L'accompagnamento per la vita pratica rappresenta un istituto di aiuto aggiuntivo e autonomo e serve alla realizzazione dell'incarico costituzionale ancorato nell'art. 8 cpv. 4 Cost., secondo cui la legge prevede misure per l'eliminazione degli svantaggi dei disabili. Non comprende né l'aiuto diretto o indiretto di terzi per le sei funzioni vitali quotidiane né la cura né la sorveglianza.»\n\n**BGE 131 V 9** del 30 settembre 2004  \nObbligo di prestazione dell'assicurazione invalidità per apparecchi elettronici di comunicazione per bambini con trisomia 21.  \nLa sentenza mostra i limiti degli obblighi di prestazione statali per i costi aggiuntivi dovuti alla disabilità.\n\n> «L'art. 8 cpv. 4 Cost. obbliga il legislatore a prevedere misure per l'eliminazione degli svantaggi dei disabili. Questa disposizione non fonda tuttavia un diritto diretto alle prestazioni del singolo. La concessione di prestazioni dipende dalla configurazione legale, che lascia al legislatore un considerevole margine di manovra.»\n\n## Diritto fiscale e uguaglianza giuridica\n\n### Trattamento fiscale paritario\n\n**BGE 136 I 65** del 25 settembre 2009  \nTassazione dei dividendi e principio dell'uguaglianza giuridica in caso di diverse aliquote fiscali.  \nDecisione importante sul trattamento fiscale paritario di diversi tipi di reddito.\n\n> «Il principio dell'uguaglianza giuridica esige che il simile sia trattato in modo simile secondo la misura della sua similarità e il dissimile in modo dissimile secondo la misura della sua dissimilarità. Un trattamento diseguale viola l'uguaglianza giuridica se per esso non si può trovare una ragione razionale o se non sta in rapporto ragionevole con lo scopo perseguito dalla regolamentazione.»\n\n## Ricongiungimento familiare e discriminazione degli indigeni\n\n**BGE 136 II 120** del 22 gennaio 2010  \nRicongiungimento familiare parziale con svizzero naturalizzato e problematica della «discriminazione degli indigeni».  \nSentenza pionieristica sull'applicazione del divieto di discriminazione nel diritto degli stranieri.\n\n> «L'art. 8 Cost. garantisce il principio dell'uguaglianza giuridica e vieta ogni tipo di discriminazione. L'art. 14 in connessione con l'art. 8 CEDU statuisce un divieto di discriminazione accessorio. Il trattamento diverso di svizzeri naturalizzati e nati svizzeri nel ricongiungimento familiare può rappresentare una discriminazione in base all'origine se non è giustificata oggettivamente.»\n\n## Aspetti di diritto procedurale\n\n### Obbligo di motivazione per decisioni discriminatorie\n\n**BGE 129 I 232** del 9 luglio 2003  \nInvalidità di un'iniziativa per l'introduzione di votazioni alle urne su domande di naturalizzazione.  \nSentenza di principio sul nesso tra divieto di discriminazione e obbligo di motivazione.\n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sono soggette all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentito) in connessione con l'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione). Nella votazione alle urne non è possibile una motivazione che soddisfi i requisiti costituzionali. L'iniziativa è quindi invalida perché vuole introdurre una procedura che porta sistematicamente alla violazione di diritti fondamentali.»\n\n### Legittimazione al ricorso\n\n**BGE 147 I 1** del 1° gennaio 2020  \nMancata rielezione di un giudice amministrativo per motivi di età; impugnabilità di decisioni politiche.  \nSentenza attuale sulla giustiziabilità di accuse di discriminazione in decisioni politiche.\n\n> «Il divieto di discriminazione deve essere rispettato anche negli atti elettorali che hanno carattere prevalentemente politico. Uno svantaggio ingiustificato a causa dell'età o di altre caratteristiche vietate può essere incostituzionale anche quando avviene nel quadro di un potere discrezionale politico. Il carattere politico di una decisione non libera dal vincolo ai diritti fondamentali.»", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 8 of the Federal Constitution guarantees the legal equality of all people in Switzerland. This fundamental right applies to all persons, regardless of their nationality, and binds authorities at all levels.\n\nThe fundamental right consists of four parts: The general principle of equality requires that like cases be treated alike and unlike cases be treated differently according to their differences. Unequal treatment is only permissible if it is based on objective grounds. Example: A municipality may charge higher taxes for luxury villas, but not different tax rates for men and women.\n\nThe prohibition of discrimination prohibits disadvantages based on particularly reprehensible characteristics such as gender, origin, religion or disability. These prohibitions apply more strictly than the general principle of equality. Those who discriminate must prove weighty reasons.\n\nGender equality obliges the state to ensure legal and factual equality between men and women. Particularly important: women and men have a right to equal pay for work of equal value. This right can be enforced in court.\n\nThe promotion of persons with disabilities obliges the legislature to eliminate disadvantages faced by persons with disabilities. This led to the Disability Equality Act, which prescribes accessibility and compensation for disadvantages.\n\nViolations of legal equality invalidate state decisions. In cases of wage discrimination, those affected can claim back the missing amount for a maximum of five years. The courts strictly examine whether unequal treatment is justified.\n\nArt. 8 FC protects against both direct discrimination and hidden disadvantages. The fundamental right primarily operates against the state, but also influences private law through legislation such as the Gender Equality Act.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 8 FC essentially corresponds to the former Art. 4 FC (old version) but was significantly expanded through the total revision of 1999. The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasises that the new version «codifies the content of the equality principle as developed in case law and doctrine» and expands it with an explicit prohibition of discrimination (para. 2) as well as specific provisions on gender equality (para. 3) and measures for persons with disabilities (para. 4).\n\n**N. 2** The prohibition of discrimination in para. 2 was controversial during the consultation process, particularly the enumeration of prohibited grounds of discrimination. The Message states: «The enumeration is not exhaustive. However, the listed characteristics represent particularly frequent or offensive bases for discrimination» (BBl 1997 I 141). The constitutional legislator deliberately refrained from including sexual orientation in the catalogue, which is critically discussed in doctrine (Müller/Schefer, Grundrechte, N 754).\n\n**N. 3** Para. 3 concretises gender equality, which was already incorporated into the FC (old version) in 1981, and goes beyond the general prohibition of discrimination. The explicit anchoring of the right to equal pay was a central demand of the equality movement and was intended to improve effective enforcement (BBl 1997 I 141 f.).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 8 FC stands at the beginning of the catalogue of fundamental rights and forms, together with → Art. 9 FC (Protection against arbitrariness), the foundation of the rule-of-law requirement of equal treatment. The provision unfolds its effect both as an independent fundamental right and as an accessory guarantee in the exercise of all other fundamental and procedural rights.\n\n**N. 5** The relationship to → Art. 5 FC (Principles of state action under the rule of law) is close: While Art. 5 defines the objective legal limits of state action, Art. 8 grants subjective rights of defence. With → Art. 36 FC (Restriction of fundamental rights), overlaps arise: Discriminatory restrictions of fundamental rights can never be proportionate (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 324).\n\n**N. 6** In relation to international human rights guarantees, Art. 14 ECHR is central, although it only contains an accessory prohibition of discrimination. Protocol No. 12 to the ECHR with a general prohibition of discrimination has not been ratified by Switzerland. The UN Covenants (esp. Art. 2 and 26 UN Covenant II) as well as specialised conventions (CEDAW, CRPD) concretise the principle of equality in specific areas.\n\n## 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n### 3.1 General Principle of Equality (Para. 1)\n\n**N. 7** The general principle of equality requires that like cases be treated alike according to their similarity and unlike cases be treated differently according to their differences. According to the Federal Court's formula, unequal treatment is only permissible if it is based on reasonable grounds, i.e., if the distinction is based on a characteristic that has a material connection to the subject matter of the regulation (**BGE 139 I 161** consid. 3.2.1).\n\n**N. 8** The examination follows a two-step process: First, it must be determined whether unequal treatment exists (formation of comparison groups). Then it must be examined whether this is objectively justified. The justification must be all the more weighty the more the unequal treatment carries weight (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1117).\n\n### 3.2 Prohibition of Discrimination (Para. 2)\n\n**N. 9** The prohibition of discrimination prohibits qualified unequal treatment that is based on particularly objectionable characteristics. The enumeration is exemplary («in particular»), but covers the practically most important grounds of discrimination. An extension to other characteristics is possible if they present a comparable risk of stigmatisation (BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 51).\n\n**N. 10** For the enumerated characteristics, there is a reversal of the burden of proof: The differentiating authority must demonstrate that qualified reasons justify the unequal treatment. The requirements for justification are stricter than for the general principle of equality (St. Galler Kommentar-Schweizer/Mohler, Art. 8 N 43).\n\n### 3.3 Gender Equality (Para. 3)\n\n**N. 11** Para. 3 contains three elements: the requirement of equal rights (sentence 1), the legislative mandate for de facto equality (sentence 2), and the justiciable right to equal pay (sentence 3). While the first two elements have a programmatic character, the right to equal pay establishes a directly enforceable subjective right (**BGE 131 I 105** consid. 4.1).\n\n**N. 12** The concept of «work of equal value» requires an objective evaluation of activities according to analytical criteria. Relevant factors are requirements, burdens, responsibility, and working conditions. Historically developed wage differences are insufficient as justification (Bigler-Eggenberger/Kaufmann, in: BSK BV, Art. 8 N 84).\n\n### 3.4 Promotion of Persons with Disabilities (Para. 4)\n\n**N. 13** Para. 4 contains a legislative mandate to eliminate disadvantages faced by persons with disabilities. Unlike the other paragraphs, it does not establish direct subjective rights but obligates the legislature to take action. The Disability Equality Act (DDA) concretises this mandate (BBl 2001 1715).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Violation of the principle of equality leads to the unconstitutionality of the relevant provision or individual act. In legislation, the Federal Court cannot, based on → Art. 190 FC, review federal acts for their compatibility with Art. 8 FC, but it can review cantonal law and ordinances.\n\n**N. 15** In cases of unequal treatment through individual acts, there are two possibilities: adjustment upwards (the disadvantaged person receives what was granted to the favoured person) or adjustment downwards (what was wrongly granted to the favoured person is withdrawn). The Federal Court tends toward upward adjustment, provided no overriding public interests oppose it (Tschannen, in: St. Galler Kommentar, Preliminary remarks to Art. 7-36 N 38).\n\n**N. 16** In cases of wage discrimination, there is a right to back payment for a maximum of five years (Art. 128 No. 3 CO). The claim covers the difference to the non-discriminatory wage plus default interest. Additional claims for satisfaction exist only in cases of serious violations of personality rights.\n\n## 5. Points of Contention\n\n**N. 17** **Indirect discrimination**: It is disputed to what extent Art. 8 para. 2 FC also covers indirect discrimination. Müller/Schefer (Grundrechte, N 763) affirm this with reference to international practice, while Kiener/Kälin/Wyttenbach (Grundrechte, § 34 N 14) require a differentiated consideration. The Federal Court has so far left the question open.\n\n**N. 18** **Positive measures**: The permissibility of promotional measures in favour of those who are factually disadvantaged is controversially discussed. Bigler-Eggenberger (in: Kommentar BV, Art. 8 N 93) sees in para. 3 sentence 2 a sufficient basis for quota regulations, while Schweizer (Geschlechterquoten, ZBJV 2012, 381) emphasises constitutional limits. The Federal Court shows restraint (**BGE 123 I 152** consid. 6).\n\n**N. 19** **Third-party effect**: The horizontal effect of Art. 8 FC between private parties is disputed. The prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 338; BSK BV-Waldmann, Art. 8 N 96) rejects a direct third-party effect but recognises an indirect one through general clauses. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 8 N 17) advocates for a differentiated solution depending on the ground of discrimination.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 20** When asserting violations of equality, the formation of suitable comparison groups is central. The groups must be comparable in all essential characteristics except for the disputed distinguishing criterion. Purely hypothetical comparisons are insufficient.\n\n**N. 21** In administrative proceedings, the complainant generally bears the burden of assertion and proof for unequal treatment. For objectionable characteristics under para. 2, the burden of proof is reversed: The authority must substantively demonstrate the justification.\n\n**N. 22** For equal pay lawsuits, it is recommended to involve specialised advisory centres. The conciliation offices under the Gender Equality Act offer free advice. When filing a lawsuit, the special procedural provisions of the GEA must be observed (facilitated burden of proof, inquisitorial principle, protection against dismissal).\n\n**N. 23** In cases of discrimination in private law matters, the specific statutory prohibitions of discrimination (GEA, DDA) should primarily be examined. Art. 8 FC can be applied subsidiarily through Art. 28 CC (Protection of personality) or employment law duties of care.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Legal Equality (Art. 8 para. 1 Const.)\n\n### Principles of Legal Equality\n\n**BGE 129 I 161** of 19 March 2003  \nLegal equality in public employment regarding different remuneration for kindergarten substitutes.  \nThe judgment clarifies the standard of review for Art. 8 para. 1 Const. in cases of administrative differentiation.\n\n> «The principle of legal equality and thus Art. 8 para. 1 Const. is violated when equivalent work in public employment is remunerated unequally. Within the limits of the prohibition on arbitrariness and the requirement of legal equality, authorities have the power to select from the multitude of conceivable criteria those that shall be decisive for the remuneration of civil servants.»\n\n### Equal Pay Between the Sexes\n\n**BGE 131 I 105** of 16 February 2005  \nEqual pay in public employment between men and women; retroactive claim.  \nLandmark judgment on the enforcement of constitutional equal pay.\n\n> «The right to equal remuneration of men and women according to Art. 8 para. 3 Const. can be claimed within the five-year limitation period also for the period before filing the pay claim. From the general requirement of legal equality in Art. 8 para. 1 Const., however, only a right to correction of the unequal remuneration in an appropriate manner and within a reasonable time period arises.»\n\n## Prohibition of Discrimination (Art. 8 para. 2 Const.)\n\n### Discrimination Based on Origin\n\n**BGE 129 I 217** of 9 July 2003  \nDiscriminatory ballot vote on naturalisation applications by persons from the former Yugoslavia.  \nFundamental decision on direct discrimination based on origin.\n\n> «Discrimination within the meaning of Art. 8 para. 2 Const. exists when a person is treated unequally solely because of their membership in a particular group that has been historically and in present social reality tendentially marginalised or treated as inferior. Discrimination represents a qualified type of unequal treatment of persons in comparable situations, causing a disadvantage to a person that must be classified as degradation or exclusion.»\n\n**BGE 135 I 49** of 16 December 2008  \nRefusal of naturalisation due to social welfare dependency of a disabled applicant.  \nThe judgment specifies the protection of disabled persons from indirect discrimination.\n\n> «The requirement of economic self-sufficiency for naturalisation affects persons with a physical, intellectual or psychological disability in a specific way. A disability can not only impair earning capacity, but also limit the possibilities of job searching and professional career. The prohibition of discrimination forbids excluding disabled persons from citizenship solely because of their disability or its consequences.»\n\n### Indirect Discrimination\n\n**BGE 137 V 334** of 8 July 2011  \nMixed method of disability assessment and possible indirect discrimination against women.  \nThe judgment clarifies the requirements for proving indirect discrimination.\n\n> «The mixed method violates neither the right to respect for private and family life according to Art. 13 para. 1 Const. and Art. 8 ECHR nor the principles of equal treatment and prohibition of discrimination according to Art. 8 Const. Indirect discrimination would only exist if the regulation, in its actual effects, particularly disadvantages members of a group protected against discrimination without this being factually justified.»\n\n### Discrimination in Education\n\n**BGE 147 I 73** of 27 July 2020  \nEquality principle and prohibition of discrimination in examinations; refusal of compensatory measures.  \nCurrent judgment on disability-appropriate examination conditions.\n\n> «Based on the equality principle, universities are generally obliged to establish conditions that are as uniform as possible for all candidates when conducting their examinations. If certain persons or groups of persons are thereby unjustifiably disadvantaged, there may exceptionally be an obligation to take compensatory measures. A violation of the equality principle or prohibition of discrimination only exists when the refusal of a compensatory measure could decisively influence the examination result.»\n\n## Gender Equality (Art. 8 para. 3 Const.)\n\n### Maternity Leave and Equality\n\n**BGE 144 I 113** of 4 July 2018  \nHoliday arrangements during maternity leave for teaching staff.  \nThe judgment shows the scope of gender equality in labour law.\n\n> «The lower court's interpretation, according to which holidays that fall during maternity leave can be taken before or after in the non-teaching period, violates neither the requirement of equal treatment under the law (Art. 8 para. 1 Const.) nor the prohibition of discrimination (Art. 8 para. 2 Const.) or the requirement of gender equality (Art. 8 para. 3 Const.).»\n\n### Retirement Age and Equal Rights\n\n**BGE 134 V 131** of 3 January 2008  \nDifferent retirement age in accident insurance after adjustment of the OASI retirement age.  \nThe judgment addresses the constitutional limits of gender-specific differentiations.\n\n> «The OASI retirement age for women, raised gradually to the completed 64th year of age with the 10th OASI revision, finds no corresponding consideration in Art. 22 APIA - due to an obvious oversight by the legislature. Art. 8 para. 3 Const. requires legal and factual equality of men and women and thus also prohibits unjustified gender-specific differentiations to the detriment of men.»\n\n## Disability and Disadvantage (Art. 8 para. 4 Const.)\n\n### Benefits for People with Disabilities\n\n**BGE 133 V 450** of 1 January 2007  \nPractical life support as a measure to eliminate disadvantages of disabled persons.  \nFundamental judgment on the specification of constitutional mandates in favour of disabled persons.\n\n> «Practical life support represents an additional and independent institute of assistance and serves to realise the constitutional mandate anchored in Art. 8 para. 4 Const., according to which the law provides for measures to eliminate disadvantages of the disabled. It includes neither direct nor indirect third-party assistance with the six daily life activities nor care nor supervision.»\n\n**BGE 131 V 9** of 30 September 2004  \nObligation of disability insurance to provide electronic communication devices for children with Trisomy 21.  \nThe judgment shows the limits of state benefit obligations for disability-related additional costs.\n\n> «Art. 8 para. 4 Const. obliges the legislature to provide for measures to eliminate disadvantages of the disabled. However, this provision does not establish a direct benefit claim for the individual. The granting of benefits depends on the legal framework, which leaves the legislature considerable discretion.»\n\n## Tax Law and Legal Equality\n\n### Tax Equality\n\n**BGE 136 I 65** of 25 September 2009  \nDividend taxation and requirement of legal equality with different tax rates.  \nImportant decision on tax equality for different types of income.\n\n> «The requirement of legal equality demands that equal things be treated equally according to their equality and unequal things unequally according to their inequality. Unequal treatment violates legal equality if no reasonable ground can be found for it or if it bears no reasonable relationship to the purpose pursued by the regulation.»\n\n## Family Reunification and Reverse Discrimination\n\n**BGE 136 II 120** of 22 January 2010  \nPartial family reunification with naturalised Swiss and the problem of \"reverse discrimination\".  \nLandmark judgment on the application of the prohibition of discrimination in aliens law.\n\n> «Art. 8 Const. guarantees the requirement of legal equality and prohibits any kind of discrimination. Art. 14 in connection with Art. 8 ECHR establishes an accessory prohibition of discrimination. Different treatment of naturalised and native-born Swiss in family reunification can constitute discrimination based on origin if it is not factually justified.»\n\n## Procedural Aspects\n\n### Obligation to Give Reasons in Discriminatory Decisions\n\n**BGE 129 I 232** of 9 July 2003  \nInvalidity of an initiative to introduce ballot votes on naturalisation applications.  \nFundamental judgment on the connection between prohibition of discrimination and obligation to give reasons.\n\n> «Negative naturalisation decisions are subject to the obligation to give reasons according to Art. 29 para. 2 Const. (right to be heard) in connection with Art. 8 para. 2 Const. (prohibition of discrimination). In ballot voting, reasoning that meets constitutional requirements is not possible. The initiative is therefore invalid because it seeks to introduce a procedure that systematically leads to violations of fundamental rights.»\n\n### Standing to Appeal\n\n**BGE 147 I 1** of 1 January 2020  \nNon-re-election of an administrative judge for reasons of age; contestability of political decisions.  \nCurrent judgment on the justiciability of discrimination allegations in political decisions.\n\n> «The prohibition of discrimination must also be observed in electoral acts that are predominantly political in character. Unjustified disadvantage based on age or other prohibited characteristics can be unconstitutional even when it occurs within the framework of political discretion. The political character of a decision does not exempt from the obligation to respect fundamental rights.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_8", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 9, "article_suffix": "", "title": "Schutz vor Willkür und Wahrung von Treu und Glauben", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 9 BV — Schutz vor Willkür und Gebot von Treu und Glauben\n\n## Übersicht\n\nArt. 9 BV schützt alle Menschen in der Schweiz vor willkürlichem (völlig unbegründetem) staatlichem Handeln. Staatliche Organe müssen ihre Entscheide auf sachliche Gründe stützen können. Sie müssen zudem nach Treu und Glauben handeln - das heisst ehrlich, verlässlich und fair.\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 9 BV verbietet es Behörden, Gesetzen oder Gerichten, völlig unhaltbare oder sinnlose Entscheide zu treffen. Jeder staatliche Akt muss nachvollziehbar begründet sein. Die Behörden müssen konsistent handeln und berechtigte Erwartungen der Bürger respektieren.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Personen in der Schweiz - Schweizer Bürger, Ausländer, Unternehmen. Art. 9 BV gilt gegenüber allen staatlichen Stellen: Gemeinden, Kantone, Bund, Gerichte, Polizei, Steuerverwaltung.\n\n**Praktische Beispiele:** Eine Gemeinde darf die Abmeldung nicht verweigern, nur weil jemand noch Steuerschulden hat - das wäre willkürlich. Ein Gericht darf nicht völlig falsche Tatsachen als bewiesen annehmen. Eine Behörde darf nicht heute das Gegenteil von dem entscheiden, was sie gestern zugesagt hat.\n\n**Rechtliche Folgen:** Willkürliche oder treuwidrige Entscheide werden aufgehoben. Das Bundesgericht prüft aber nur offensichtlich unhaltbare Fälle - nicht jeden Fehler oder jede ungeschickte Lösung.\n\nArt. 9 BV ist ein Auffangnetz: Es greift, wenn keine spezielleren Grundrechte verletzt sind.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 9 BV wurde im Zuge der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 eingeführt. Bereits unter der alten Bundesverfassung von 1874 war das Willkürverbot als ungeschriebenes Verfassungsrecht anerkannt (BBl 1997 I 140). Die explizite Verankerung in der neuen Bundesverfassung sollte diese gefestigte Rechtsprechung des Bundesgerichts nachvollziehen und transparent machen.\n\n**N. 2** Der Grundsatz von Treu und Glauben war ebenfalls bereits unter der aBV als allgemeiner Rechtsgrundsatz anerkannt. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 140 f.) betonte, dass beide Prinzipien — Willkürverbot und Treu und Glauben — eng miteinander verbunden sind und gemeinsam das rechtsstaatliche Fundament des staatlichen Handelns bilden.\n\n**N. 3** Die Formulierung «jede Person» wurde bewusst gewählt, um den universellen Charakter dieser Garantie zu unterstreichen. Anders als bei spezifischen Grundrechten steht Art. 9 BV allen natürlichen und juristischen Personen zu, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Aufenthaltsstatus.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 9 BV steht im 1. Titel der Bundesverfassung bei den «Allgemeinen Bestimmungen» und bildet zusammen mit Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns), Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) und Art. 35 BV (Verwirklichung der Grundrechte) das rechtsstaatliche Fundament der schweizerischen Rechtsordnung.\n\n**N. 5** Das Willkürverbot stellt eine Auffanggrundnorm dar (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 655 ff.). Es kommt subsidiär zur Anwendung, wenn kein spezielleres Grundrecht oder keine spezifischere verfassungsrechtliche Garantie greift. Insbesondere besteht eine enge Verbindung zu:\n- → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit): Willkürliche Ungleichbehandlung\n- → Art. 29 BV (Allgemeine Verfahrensgarantien): Willkür im Verfahren\n- → Art. 30 BV (Gerichtliche Verfahren): Willkür in der Rechtsanwendung\n- → Art. 36 BV: Auch willkürliche Grundrechtseingriffe müssen Art. 36 BV genügen\n\n**N. 6** Im Verhältnis zum kantonalen Recht wirkt Art. 9 BV als Schranke für alle kantonalen Hoheitsakte. Dies gilt sowohl für die kantonale Rechtsetzung als auch für die Rechtsanwendung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 1085 ff.).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Willkürverbot\n\n**N. 7** Nach ständiger Rechtsprechung liegt Willkür vor, wenn ein staatlicher Akt:\n- sich nicht auf ernsthafte sachliche Gründe stützen lässt\n- sinn- und zwecklos ist\n- in stossender Weise gegen das Gerechtigkeitsempfinden verstösst\n- zu einem offensichtlich unhaltbaren Ergebnis führt\n\n(St. Galler Kommentar BV, Schweizer, Art. 9 N 15; **BGE 134 I 140 E. 5.4**)\n\n**N. 8** Nicht jeder Fehler oder jede unzweckmässige Lösung ist willkürlich. Die Schwelle liegt höher: Der Entscheid muss «schlechterdings unhaltbar» sein (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 625). Diese hohe Schwelle erklärt sich aus der Funktion des Willkürverbots als letztes Auffangnetz des Rechtsstaats.\n\n**N. 9** Das Willkürverbot erfasst alle Formen staatlichen Handelns:\n- **Rechtsetzung**: Willkürliche Normen (BSK BV-Rütsche, Art. 9 N 25 ff.)\n- **Rechtsanwendung**: Willkürliche Auslegung und Subsumtion\n- **Sachverhaltsfeststellung**: Willkürliche Beweiswürdigung\n- **Ermessensausübung**: Ermessensmissbrauch oder -überschreitung\n\n#### Treu und Glauben\n\n**N. 10** Der Grundsatz von Treu und Glauben verpflichtet die staatlichen Organe zu:\n- **Konsistentem Verhalten**: Widerspruchsfreies Handeln über die Zeit\n- **Vertrauensschutz**: Schutz berechtigter Erwartungen der Bürger\n- **Fairness**: Vermeidung rechtsmissbräuchlichen Verhaltens\n- **Information**: Richtige und vollständige Auskunftserteilung\n\n(Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 20)\n\n**N. 11** Die Komponente von Treu und Glauben geht über das blosse Willkürverbot hinaus. Sie verlangt von den Behörden nicht nur rationales, sondern auch integres und verlässliches Handeln (St. Galler Kommentar BV, Schweizer, Art. 9 N 45 ff.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Die primäre Rechtsfolge einer Verletzung von Art. 9 BV ist die Aufhebung des willkürlichen oder treuwidrigen Staatsakts. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um einen Rechtssatz, eine Verfügung oder ein Urteil handelt.\n\n**N. 13** **Legitimation**: Art. 9 BV begründet für sich allein grundsätzlich keine selbstständige Rechtsstellung (**BGE 126 I 81 E. 3**; **BGE 133 I 185 E. 2.2**). Ausnahmen bestehen nur, wenn:\n- Eine hinreichend klar umschriebene Rechtsposition besteht (**BGE 138 I 305 E. 1.4.5**)\n- Art. 9 BV in Verbindung mit anderen Grundrechten geltend gemacht wird\n- Willkür in der Rechtsetzung gerügt wird\n\n**N. 14** **Rügeprinzip**: Die Verletzung von Art. 9 BV muss explizit und substanziiert gerügt werden. Das Bundesgericht prüft Willkürrügen nur, wenn sie in der Beschwerde deutlich erhoben und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Verhältnis Willkür/Grundrechte**: Während die herrschende Lehre (Müller/Schefer, S. 656; Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 12 N 45) Art. 9 BV als subsidiäre Auffangnorm versteht, plädiert eine Mindermeinung (Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 9 N 5) für eine parallele Anwendung mit spezifischen Grundrechten.\n\n**N. 16** **Willkürschwelle**: Uneinigkeit besteht über die exakte Höhe der Willkürschwelle. Während Rhinow/Schefer/Uebersax (N 1090) eine sehr restriktive Handhabung befürworten, fordern Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 9 N 10) und Teile der Westschweizer Doktrin (Auer/Malinverni/Hottelier, Droit constitutionnel suisse, Bd. II, 3. Aufl. 2013, N 1155) eine grosszügigere Anwendung gerade im Bereich der Grundrechtseingriffe.\n\n**N. 17** **Vertrauensschutz**: Kontrovers ist die Reichweite des Vertrauensschutzes. Die Mehrheitsmeinung (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N 663 ff.) verlangt eine Güterabwägung zwischen privatem Vertrauensschutz und öffentlichen Interessen. Eine strengere Position (Weber-Dürler, Der Vertrauensschutz, 1983, S. 140 ff.) fordert absolute Bindung bei klaren behördlichen Zusagen.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** **Beschwerdebegründung**: Bei der Rüge von Art. 9 BV ist präzise darzulegen, weshalb der angefochtene Akt «nicht bloss falsch, sondern unhaltbar» ist. Pauschale Willkürbehauptungen genügen nicht. Die Beschwerde muss sich mit der vorinstanzlichen Begründung auseinandersetzen.\n\n**N. 19** **Beweislastumkehr**: Bei offensichtlichen Verfahrensfehlern oder widersprüchlichen Begründungen kann sich die Beweislast faktisch umkehren. Die Behörde muss dann darlegen, weshalb ihr Entscheid trotzdem auf sachlichen Gründen beruht.\n\n**N. 20** **Kombination mit anderen Rügen**: In der Praxis empfiehlt sich die Kombination der Willkürrüge mit spezifischeren verfassungsrechtlichen Garantien:\n- Bei Verfahrenswillkür: → Art. 29 BV\n- Bei willkürlicher Ungleichbehandlung: → Art. 8 BV  \n- Bei willkürlichen Grundrechtseingriffen: → Art. 36 BV\n\n**N. 21** **Kantonales Verfassungsrecht**: Viele Kantonsverfassungen enthalten eigene Willkürverbote (z.B. § 9 KV ZH). Diese können einen weitergehenden Schutz bieten und sind in kantonalen Verfahren prioritär anzurufen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen und Prüfungsmassstab\n\n**BGE 134 I 140 E. 5.4** vom 1. April 2008  \nDas Bundesgericht entwickelte die grundlegenden Massstäbe für die Prüfung von Willkürrügen. Eine Behörde handelt willkürlich, wenn ihr Vorgehen sich nicht auf ernsthafte sachliche Gründe stützen lässt oder sinn- und zwecklos erscheint.\n\n> «Willkürlich ist nicht bereits ein Entscheid, der fehlerhaft oder unzweckmässig erscheint, sondern nur ein Entscheid, der sich auf keine ernsthafte Auslegung stützen lässt, einer gesetzlichen Regelung jede praktische Bedeutung nimmt, zu stossenden Ergebnissen führt oder in anderer Weise unhaltbar ist.»\n\n**BGE 129 I 1 E. 3** vom 6. November 2002  \nWillkür in der Rechtssetzung: Kantonale Bestimmung zur Alimentenbevorschussung verstösst nicht gegen Art. 9 BV. Das Bundesgericht prüfte die Verfassungskonformität einer Norm, die das Einkommen des Konkubinatspartners bei der Alimentenbevorschussung anrechnet.\n\n> «Ein Erlass ist willkürlich, wenn er sich nicht auf ernsthafte sachliche Gründe stützen lässt oder sinn- und zwecklos ist; er verletzt das Rechtsgleichheitsgebot, wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist.»\n\n### Legitimation zur Willkürrüge\n\n**BGE 126 I 81 E. 3** vom 3. April 2000  \nGrundsatz der fehlenden eigenständigen Legitimation: Das allgemeine Willkürverbot begründet für sich allein keine geschützte Rechtsstellung, die zur Erhebung der staatsrechtlichen Beschwerde berechtigt. Die Einführung von Art. 9 BV führt nicht zu einer Änderung dieser Rechtsprechung.\n\n> «Das allgemeine Willkürverbot begründet für sich allein keine geschützte Rechtsstellung, welche zur Erhebung der staatsrechtlichen Beschwerde berechtigt.»\n\n**BGE 133 I 185 E. 2.2** vom 30. April 2007  \nKeine Legitimation bei Ermessensentscheiden ohne Rechtsanspruch: Im ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren besteht keine Legitimation zur subsidiären Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung des Willkürverbots, wenn kein Rechtsanspruch auf die Bewilligung besteht.\n\n> «Eine gesetzliche Bestimmung, die der Behörde bei der Anwendung ein Ermessen einräumt, vermittelt den davon betroffenen Personen regelmässig keinen Rechtsanspruch und damit auch keine Legitimation zur Erhebung der subsidiären Verfassungsbeschwerde.»\n\n**BGE 138 I 305 E. 1.4.5** vom 12. Juni 2012  \nAusnahme bei hinreichend klar umschriebener Rechtsposition: Art. 14 BüG verschafft einer einbürgerungswilligen Person eine hinreichend klar umschriebene Rechtsposition, die es ihr ermöglicht, sich auf das Willkürverbot zu berufen.\n\n> «Art. 14 BüG verschafft einer einbürgerungswilligen Person im Ergebnis eine hinreichend klar umschriebene Rechtsposition, die es ihr ermöglicht, sich im Verfahren der subsidiären Verfassungsbeschwerde auf das Willkürverbot (Art. 9 BV) und den Grundsatz der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV) zu berufen.»\n\n### Konkrete Anwendungsfälle\n\n**BGE 127 I 97 E. 4** vom 30. Januar 2001  \nAbmeldebestätigung bei Steuerschulden: Es verstösst gegen das Willkürverbot, einer Person die polizeiliche Abmeldung nicht zu bestätigen, weil sie offene Steuerschulden hat. Die Verweigerung der Abmeldebestätigung steht in keinem sachlichen Zusammenhang mit dem Zweck der Steuererhebung.\n\n> «Es verstösst gegen das Willkürverbot, einer Person die polizeiliche Abmeldung nicht zu bestätigen, weil sie offene Steuerschulden hat.»\n\n**BGE 133 I 178 E. 3.1** vom 23. Januar 2007  \nVerfahrensfehler in der Rechtssetzung: Die Nichtbeachtung des Erfordernisses der zweiten Lesung durch das Kantonsparlament kann gestützt auf das allgemeine Willkürverbot gerügt werden. Die Missachtung verfahrensrechtlicher Vorschriften stellt einen gravierenden formellen Mangel dar.\n\n> «Die Missachtung des Erfordernisses der zweiten Lesung erscheint als ein gravierender formeller Mangel des parlamentarischen Rechtsetzungsverfahrens, welcher zwar aus Gründen der Rechtssicherheit der Verbindlichkeit des betreffenden Erlasses nicht absolut entgegenstehen kann, aber doch - wenn er innert Frist mit einem zur Verfügung stehenden Rechtsmittel gerügt wird - zur Aufhebung desselben führen muss.»\n\n**BGE 134 I 153 E. 4** vom 1. April 2008  \nVerhältnismässigkeitsprüfung: Ausserhalb von Grundrechtseingriffen schreitet das Bundesgericht wegen Verletzung des Verhältnismässigkeitsgebots nur dann ein, wenn die kantonalrechtliche Anordnung offensichtlich unverhältnismässig ist und damit gleichzeitig gegen das Willkürverbot verstösst.\n\n> «Ausserhalb von Grundrechtseingriffen schreitet das Bundesgericht wegen Verletzung des Verhältnismässigkeitsgebots nur dann ein, wenn die kantonalrechtliche Anordnung offensichtlich unverhältnismässig ist und damit gleichzeitig gegen das Willkürverbot verstösst.»\n\n### Treu und Glauben\n\n**BGE 138 I 321 E. 4.2** vom 30. August 2012  \nBesoldungsunterschiede bei Richtern: Die unterschiedliche Entlöhnung von Mitgliedern verschiedener Gerichte verstösst nicht gegen das Willkürverbot, sofern sachliche Unterschiede in den Funktionen bestehen. Der Grundsatz von Treu und Glauben verlangt konsistente Behandlung vergleichbarer Situationen.\n\n> «Der Grundsatz von Treu und Glauben verlangt von den Behörden ein kohärentes Verhalten und schliesst widersprüchliches Vorgehen aus.»\n\n**BGE 142 V 513 E. 4.1** vom 6. September 2016  \nSozialhilfe und Konkubinatsanrechnung: Die Anrechnung eines Konkubinatsbeitrages im Sozialhilfebudget verstösst nicht gegen Art. 9 BV, wenn sie auf sachlichen Erwägungen beruht und das tatsächliche Zusammenleben widerspiegelt.\n\n> «Eine Regelung, die das tatsächliche Zusammenleben und die daraus entstehenden wirtschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt, kann nicht als willkürlich bezeichnet werden.»\n\n### Verwaltungsrechtspflege\n\n**BGE 133 I 201 E. 4** vom 6. Juli 2007  \nVerfügungseröffnung: Eine Verfügung über Kinderzulagen muss dem berechtigten Arbeitnehmer direkt eröffnet werden. Eine Zustellung an den Arbeitgeber mit der Bitte um Weiterleitung genügt nicht und verletzt das Willkürverbot sowie das rechtliche Gehör.\n\n> «Die Verfügung über Kinderzulagen, welche dem Arbeitnehmer zustehen, ist diesem zu eröffnen. Eine Zustellung an den Arbeitgeber mit der Bitte, die Verfügung an den Arbeitnehmer weiterzuleiten, genügt nicht.»\n\n### Neuere Rechtsprechung (2020-2024)\n\n**BGE 144 I 113 E. 5.2** vom 4. Juli 2018  \nMutterschaftsurlaub und Ferienregelung: Die kantonale Auslegung einer Personalverordnung, wonach Ferien in den Mutterschaftsurlaub fallen können, verstösst weder gegen das Rechtsgleichheitsgebot noch gegen das Willkürverbot, wenn sie auf einer vertretbaren Gesetzesauslegung beruht.\n\n**Urteil 2C_582/2009 E. 4.2** vom 5. März 2010  \nSachverhaltsfeststellung: Wenn eine Behörde erklärt, eine Person sei straffällig geworden, sich dabei aber offensichtlich auf einen falschen Sachverhalt stützt, handelt sie willkürlich. Willkür liegt vor, wenn die Sachverhaltsfeststellung auf der Grundlage der erhobenen Beweise unhaltbar ist.\n\n> «Willkürlich ist eine Sachverhaltsfeststellung oder Beweiswürdigung nur dann, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung beruht.»", "summary_fr": "# Art. 9 Cst. — Protection contre l'arbitraire et obligation d'agir selon les règles de la bonne foi\n\n## Aperçu\n\nL'art. 9 Cst. protège toutes les personnes en Suisse contre l'action étatique arbitraire (totalement injustifiée). Les organes étatiques doivent pouvoir fonder leurs décisions sur des motifs objectifs. Ils doivent en outre agir selon les règles de la bonne foi - c'est-à-dire de manière honnête, fiable et équitable.\n\n**Que règle la norme ?** L'art. 9 Cst. interdit aux autorités, aux lois ou aux tribunaux de prendre des décisions totalement insoutenables ou dénuées de sens. Tout acte étatique doit être motivé de manière compréhensible. Les autorités doivent agir de manière cohérente et respecter les attentes légitimes des citoyens.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes en Suisse - citoyens suisses, étrangers, entreprises. L'art. 9 Cst. s'applique à l'égard de toutes les instances étatiques : communes, cantons, Confédération, tribunaux, police, administration fiscale.\n\n**Exemples pratiques :** Une commune ne peut pas refuser la radiation du contrôle des habitants uniquement parce qu'une personne a encore des dettes fiscales - ce serait arbitraire. Un tribunal ne peut pas tenir pour prouvés des faits totalement faux. Une autorité ne peut pas décider aujourd'hui le contraire de ce qu'elle a promis hier.\n\n**Conséquences juridiques :** Les décisions arbitraires ou contraires à la bonne foi sont annulées. Le Tribunal fédéral n'examine cependant que les cas manifestement insoutenables - pas chaque erreur ou chaque solution maladroite.\n\nL'art. 9 Cst. est un filet de sécurité : il intervient lorsqu'aucun droit fondamental plus spécifique n'est violé.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Histoire de l'élaboration\n\n**N. 1** L'art. 9 Cst. a été introduit lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Déjà sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, l'interdiction de l'arbitraire était reconnue comme droit constitutionnel non écrit (FF 1997 I 140). L'ancrage explicite dans la nouvelle Constitution fédérale devait reprendre et rendre transparente cette jurisprudence consolidée du Tribunal fédéral.\n\n**N. 2** Le principe de la bonne foi était également déjà reconnu sous l'aCst comme principe général de droit. Le message concernant la nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 140 s.) soulignait que les deux principes — l'interdiction de l'arbitraire et la bonne foi — sont étroitement liés et forment ensemble le fondement de l'État de droit de l'action étatique.\n\n**N. 3** La formulation « toute personne » a été choisie consciemment pour souligner le caractère universel de cette garantie. Contrairement aux droits fondamentaux spécifiques, l'art. 9 Cst. s'applique à toutes les personnes physiques et morales, indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 9 Cst. se trouve dans le 1er titre de la Constitution fédérale aux « Dispositions générales » et forme, avec l'art. 5 Cst. (Principes de l'activité de l'État régi par le droit), l'art. 8 Cst. (Égalité) et l'art. 35 Cst. (Réalisation des droits fondamentaux), le fondement de l'État de droit de l'ordre juridique suisse.\n\n**N. 5** L'interdiction de l'arbitraire constitue une norme de rattrapage (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 655 ss). Elle s'applique subsidiairement lorsqu'aucun droit fondamental plus spécialisé ou aucune garantie constitutionnelle plus spécifique n'entre en jeu. Il existe notamment un lien étroit avec :\n- → Art. 8 Cst. (Égalité) : Inégalité de traitement arbitraire\n- → Art. 29 Cst. (Garanties générales de procédure) : Arbitraire dans la procédure\n- → Art. 30 Cst. (Garanties de procédure judiciaire) : Arbitraire dans l'application du droit\n- → Art. 36 Cst. : Même les atteintes arbitraires aux droits fondamentaux doivent satisfaire à l'art. 36 Cst.\n\n**N. 6** Dans ses rapports avec le droit cantonal, l'art. 9 Cst. agit comme limite pour tous les actes de souveraineté cantonaux. Ceci vaut aussi bien pour la législation cantonale que pour l'application du droit (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 1085 ss).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### Interdiction de l'arbitraire\n\n**N. 7** Selon la jurisprudence constante, il y a arbitraire lorsqu'un acte étatique :\n- ne peut se fonder sur des motifs sérieux et objectifs\n- est dénué de sens et de but\n- viole de manière choquante le sentiment de la justice\n- aboutit à un résultat manifestement insoutenable\n\n(St. Galler Kommentar BV, Schweizer, art. 9 N 15 ; **ATF 134 I 140 consid. 5.4**)\n\n**N. 8** Toute erreur ou toute solution inopportune n'est pas arbitraire. Le seuil est plus élevé : la décision doit être « proprement insoutenable » (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 625). Ce seuil élevé s'explique par la fonction de l'interdiction de l'arbitraire comme dernier filet de sécurité de l'État de droit.\n\n**N. 9** L'interdiction de l'arbitraire saisit toutes les formes d'action étatique :\n- **Législation** : Normes arbitraires (BSK BV-Rütsche, art. 9 N 25 ss)\n- **Application du droit** : Interprétation et subsomption arbitraires\n- **Constatation des faits** : Appréciation arbitraire des preuves\n- **Exercice du pouvoir d'appréciation** : Abus ou dépassement du pouvoir d'appréciation\n\n#### Bonne foi\n\n**N. 10** Le principe de la bonne foi oblige les organes étatiques à :\n- **Un comportement cohérent** : Action exempte de contradictions dans le temps\n- **Protection de la confiance** : Protection des attentes légitimes des citoyens\n- **Équité** : Évitement d'un comportement contraire au droit\n- **Information** : Communication d'informations correctes et complètes\n\n(Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 20)\n\n**N. 11** La composante de la bonne foi va au-delà de la simple interdiction de l'arbitraire. Elle exige des autorités non seulement un comportement rationnel, mais aussi intègre et fiable (St. Galler Kommentar BV, Schweizer, art. 9 N 45 ss).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** La conséquence juridique primaire d'une violation de l'art. 9 Cst. est l'annulation de l'acte étatique arbitraire ou contraire à la bonne foi. Ceci vaut indépendamment du fait qu'il s'agisse d'une règle de droit, d'une décision ou d'un jugement.\n\n**N. 13** **Légitimation** : L'art. 9 Cst. ne fonde en principe pas, à lui seul, une situation juridique autonome (**ATF 126 I 81 consid. 3** ; **ATF 133 I 185 consid. 2.2**). Des exceptions n'existent que lorsque :\n- Il existe une position juridique définie avec suffisamment de précision (**ATF 138 I 305 consid. 1.4.5**)\n- L'art. 9 Cst. est invoqué en liaison avec d'autres droits fondamentaux\n- L'arbitraire dans la législation est reproché\n\n**N. 14** **Principe de l'exception** : La violation de l'art. 9 Cst. doit être soulevée explicitement et de manière substantielle. Le Tribunal fédéral n'examine les griefs d'arbitraire que s'ils sont clairement soulevés et motivés dans le recours (art. 106 al. 2 LTF).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 15** **Rapport arbitraire/droits fondamentaux** : Tandis que la doctrine dominante (Müller/Schefer, p. 656 ; Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3e éd. 2018, § 12 N 45) comprend l'art. 9 Cst. comme norme de rattrapage subsidiaire, une opinion minoritaire (Mahon, Petit commentaire de la Constitution, art. 9 N 5) plaide pour une application parallèle avec les droits fondamentaux spécifiques.\n\n**N. 16** **Seuil de l'arbitraire** : Il existe un désaccord sur la hauteur exacte du seuil de l'arbitraire. Tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (N 1090) préconisent une application très restrictive, Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 9 N 10) et des parties de la doctrine romande (Auer/Malinverni/Hottelier, Droit constitutionnel suisse, vol. II, 3e éd. 2013, N 1155) exigent une application plus généreuse notamment dans le domaine des atteintes aux droits fondamentaux.\n\n**N. 17** **Protection de la confiance** : La portée de la protection de la confiance est controversée. L'opinion majoritaire (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8e éd. 2020, N 663 ss) exige une pesée des biens entre la protection de la confiance privée et les intérêts publics. Une position plus stricte (Weber-Dürler, Der Vertrauensschutz, 1983, p. 140 ss) exige un lien absolu en cas d'assurances claires des autorités.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** **Motivation du recours** : Lors du grief de l'art. 9 Cst., il convient d'exposer précisément pourquoi l'acte attaqué est « non pas seulement faux, mais insoutenable ». Des allégations d'arbitraire superficielles ne suffisent pas. Le recours doit se confronter à la motivation de l'instance précédente.\n\n**N. 19** **Renversement du fardeau de la preuve** : En cas d'erreurs de procédure évidentes ou de motivations contradictoires, le fardeau de la preuve peut se renverser factuellement. L'autorité doit alors démontrer pourquoi sa décision repose malgré tout sur des motifs objectifs.\n\n**N. 20** **Combinaison avec d'autres griefs** : Dans la pratique, il est recommandé de combiner le grief d'arbitraire avec des garanties constitutionnelles plus spécifiques :\n- En cas d'arbitraire procédural : → Art. 29 Cst.\n- En cas d'inégalité de traitement arbitraire : → Art. 8 Cst.\n- En cas d'atteintes arbitraires aux droits fondamentaux : → Art. 36 Cst.\n\n**N. 21** **Droit constitutionnel cantonal** : De nombreuses constitutions cantonales contiennent leurs propres interdictions de l'arbitraire (p. ex. § 9 Cst. ZH). Celles-ci peuvent offrir une protection plus étendue et doivent être invoquées en priorité dans les procédures cantonales.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes fondamentaux et critères d'examen\n\n**ATF 134 I 140 consid. 5.4** du 1er avril 2008  \nLe Tribunal fédéral a développé les critères fondamentaux pour l'examen des griefs d'arbitraire. Une autorité agit de manière arbitraire lorsque sa procédure ne peut se fonder sur des motifs objectifs sérieux ou paraît dénuée de sens et de but.\n\n> « N'est pas déjà arbitraire une décision qui paraît erronée ou inopportune, mais seulement une décision qui ne peut se fonder sur aucune interprétation sérieuse, qui retire toute signification pratique à une réglementation légale, qui aboutit à des résultats choquants ou qui est insoutenable d'une autre manière. »\n\n**ATF 129 I 1 consid. 3** du 6 novembre 2002  \nArbitraire dans la législation : Disposition cantonale sur l'avance sur pension alimentaire ne viole pas l'art. 9 Cst. Le Tribunal fédéral a examiné la conformité constitutionnelle d'une norme qui impute le revenu du partenaire en concubinage lors de l'avance sur pension alimentaire.\n\n> « Un acte normatif est arbitraire s'il ne peut se fonder sur des motifs objectifs sérieux ou s'il est dénué de sens et de but ; il viole le principe de l'égalité de traitement s'il établit des distinctions juridiques pour lesquelles aucun motif raisonnable ne ressort des rapports à régler. »\n\n### Légitimation pour invoquer l'arbitraire\n\n**ATF 126 I 81 consid. 3** du 3 avril 2000  \nPrincipe de l'absence de légitimation autonome : L'interdiction générale de l'arbitraire ne fonde pas à elle seule une position juridique protégée qui autorise à déposer un recours de droit public. L'introduction de l'art. 9 Cst n'entraîne pas de changement de cette jurisprudence.\n\n> « L'interdiction générale de l'arbitraire ne fonde pas à elle seule une position juridique protégée qui autorise à déposer un recours de droit public. »\n\n**ATF 133 I 185 consid. 2.2** du 30 avril 2007  \nPas de légitimation en cas de décisions discrétionnaires sans droit subjectif : Dans la procédure d'autorisation relevant du droit des étrangers, il n'existe pas de légitimation au recours constitutionnel subsidiaire pour violation de l'interdiction de l'arbitraire, lorsqu'il n'existe pas de droit subjectif à l'autorisation.\n\n> « Une disposition légale qui accorde à l'autorité un pouvoir d'appréciation dans son application ne confère en règle générale aux personnes concernées aucun droit subjectif et partant aucune légitimation pour déposer un recours constitutionnel subsidiaire. »\n\n**ATF 138 I 305 consid. 1.4.5** du 12 juin 2012  \nException en cas de position juridique suffisamment délimitée : L'art. 14 LN procure à une personne désireuse d'être naturalisée une position juridique suffisamment délimitée qui lui permet de se prévaloir de l'interdiction de l'arbitraire.\n\n> « L'art. 14 LN procure en définitive à une personne désireuse d'être naturalisée une position juridique suffisamment délimitée qui lui permet de se prévaloir, dans le cadre de la procédure du recours constitutionnel subsidiaire, de l'interdiction de l'arbitraire (art. 9 Cst) et du principe de l'égalité de traitement (art. 8 al. 1 Cst). »\n\n### Cas d'application concrets\n\n**ATF 127 I 97 consid. 4** du 30 janvier 2001  \nConfirmation de radiation en cas de dettes fiscales : Il est contraire à l'interdiction de l'arbitraire de ne pas confirmer à une personne sa radiation du contrôle des habitants parce qu'elle a des dettes fiscales ouvertes. Le refus de confirmation de radiation n'a aucun rapport objectif avec le but de la perception d'impôts.\n\n> « Il est contraire à l'interdiction de l'arbitraire de ne pas confirmer à une personne sa radiation du contrôle des habitants parce qu'elle a des dettes fiscales ouvertes. »\n\n**ATF 133 I 178 consid. 3.1** du 23 janvier 2007  \nVices de procédure dans la législation : Le non-respect de l'exigence de la deuxième lecture par le parlement cantonal peut être critiqué en vertu de l'interdiction générale de l'arbitraire. Le mépris des prescriptions de procédure constitue un vice formel grave.\n\n> « Le mépris de l'exigence de la deuxième lecture apparaît comme un vice formel grave de la procédure législative parlementaire, qui certes ne peut pas, pour des raisons de sécurité juridique, s'opposer de manière absolue au caractère obligatoire de l'acte normatif en question, mais qui doit néanmoins - s'il est invoqué dans les délais par un moyen de droit à disposition - conduire à l'annulation de celui-ci. »\n\n**ATF 134 I 153 consid. 4** du 1er avril 2008  \nExamen de la proportionnalité : En dehors des atteintes aux droits fondamentaux, le Tribunal fédéral n'intervient pour violation du principe de proportionnalité que lorsque la mesure de droit cantonal est manifestement disproportionnée et viole par là même l'interdiction de l'arbitraire.\n\n> « En dehors des atteintes aux droits fondamentaux, le Tribunal fédéral n'intervient pour violation du principe de proportionnalité que lorsque la mesure de droit cantonal est manifestement disproportionnée et viole par là même l'interdiction de l'arbitraire. »\n\n### Bonne foi\n\n**ATF 138 I 321 consid. 4.2** du 30 août 2012  \nDifférences de traitement des juges : La rémunération différente des membres de différents tribunaux ne viole pas l'interdiction de l'arbitraire, pour autant qu'il existe des différences objectives dans les fonctions. Le principe de la bonne foi exige un traitement cohérent de situations comparables.\n\n> « Le principe de la bonne foi exige des autorités un comportement cohérent et exclut une procédure contradictoire. »\n\n**ATF 142 V 513 consid. 4.1** du 6 septembre 2016  \nAide sociale et imputation du concubinage : L'imputation d'une contribution de concubinage dans le budget d'aide sociale ne viole pas l'art. 9 Cst si elle repose sur des considérations objectives et reflète la vie commune effective.\n\n> « Une réglementation qui tient compte de la vie commune effective et des rapports économiques qui en découlent ne peut pas être qualifiée d'arbitraire. »\n\n### Juridiction administrative\n\n**ATF 133 I 201 consid. 4** du 6 juillet 2007  \nNotification de décision : Une décision sur les allocations familiales doit être notifiée directement au travailleur ayant droit. Une remise à l'employeur avec demande de transmission ne suffit pas et viole l'interdiction de l'arbitraire ainsi que le droit d'être entendu.\n\n> « La décision sur les allocations familiales, qui reviennent au travailleur, doit être notifiée à celui-ci. Une remise à l'employeur avec demande de transmettre la décision au travailleur ne suffit pas. »\n\n### Jurisprudence récente (2020-2024)\n\n**ATF 144 I 113 consid. 5.2** du 4 juillet 2018  \nCongé de maternité et réglementation des vacances : L'interprétation cantonale d'un règlement du personnel selon laquelle les vacances peuvent tomber pendant le congé de maternité ne viole ni le principe de l'égalité de traitement ni l'interdiction de l'arbitraire, si elle repose sur une interprétation soutenable de la loi.\n\n**Arrêt 2C_582/2009 consid. 4.2** du 5 mars 2010  \nÉtablissement des faits : Lorsqu'une autorité déclare qu'une personne a commis une infraction mais se fonde manifestement sur des faits erronés, elle agit de manière arbitraire. L'arbitraire est réalisé lorsque l'établissement des faits est insoutenable sur la base des preuves recueillies.\n\n> « Un établissement des faits ou une appréciation des preuves n'est arbitraire que s'il est manifestement inexact ou repose sur une violation du droit. »", "summary_it": "# Art. 9 Cost. — Protezione dall'arbitrio e principio della buona fede\n\n## Panoramica\n\nL'art. 9 Cost. protegge tutte le persone in Svizzera dall'agire arbitrario (completamente infondato) dello Stato. Gli organi statali devono poter basare le loro decisioni su motivi oggettivi. Devono inoltre agire secondo buona fede - ovvero in modo onesto, affidabile ed equo.\n\n**Cosa disciplina la norma?** L'art. 9 Cost. vieta alle autorità, alle leggi o ai tribunali di prendere decisioni completamente insostenibili o prive di senso. Ogni atto statale deve essere motivato in modo comprensibile. Le autorità devono agire in modo coerente e rispettare le legittime aspettative dei cittadini.\n\n**Chi ne è interessato?** Tutte le persone in Svizzera - cittadini svizzeri, stranieri, imprese. L'art. 9 Cost. vale nei confronti di tutti gli enti statali: Comuni, Cantoni, Confederazione, tribunali, polizia, amministrazione fiscale.\n\n**Esempi pratici:** Un Comune non può rifiutare la cancellazione dal registro degli abitanti solo perché qualcuno ha ancora debiti fiscali - questo sarebbe arbitrario. Un tribunale non può assumere come provati fatti completamente falsi. Un'autorità non può decidere oggi il contrario di quello che ha promesso ieri.\n\n**Conseguenze giuridiche:** Le decisioni arbitrarie o contrarie alla buona fede vengono annullate. Il Tribunale federale esamina però solo i casi manifestamente insostenibili - non ogni errore o ogni soluzione maldestra.\n\nL'art. 9 Cost. è una rete di sicurezza: interviene quando non sono violati diritti fondamentali più specifici.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 9 Cost. è stato introdotto nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. Già sotto la vecchia Costituzione federale del 1874 il divieto dell'arbitrio era riconosciuto come diritto costituzionale non scritto (FF 1997 I 140). L'ancoraggio esplicito nella nuova Costituzione federale doveva riprodurre e rendere trasparente questa giurisprudenza consolidata del Tribunale federale.\n\n**N. 2** Il principio della buona fede era anch'esso già riconosciuto sotto la aCost. come principio generale del diritto. Il messaggio relativo alla nuova Costituzione federale (FF 1997 I 140 seg.) sottolineava che entrambi i principi — divieto dell'arbitrio e buona fede — sono strettamente collegati tra loro e formano insieme il fondamento dello Stato di diritto dell'agire statale.\n\n**N. 3** La formulazione «ogni persona» è stata scelta consapevolmente per sottolineare il carattere universale di questa garanzia. A differenza di diritti fondamentali specifici, l'art. 9 Cost. spetta a tutte le persone fisiche e giuridiche, indipendentemente dalla loro cittadinanza o dal loro statuto di dimora.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 9 Cost. si trova nel 1° titolo della Costituzione federale presso le «Disposizioni generali» e forma insieme all'art. 5 Cost. (Principi dell'attività statale retta dal diritto), all'art. 8 Cost. (Uguaglianza giuridica) e all'art. 35 Cost. (Attuazione dei diritti fondamentali) il fondamento dello Stato di diritto dell'ordinamento giuridico svizzero.\n\n**N. 5** Il divieto dell'arbitrio rappresenta una norma sussidiaria di ultimo ricorso (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, pag. 655 segg.). Si applica in via sussidiaria quando non interviene nessun diritto fondamentale più specifico o nessuna garanzia costituzionale più specifica. In particolare sussiste uno stretto collegamento con:\n- → Art. 8 Cost. (Uguaglianza giuridica): Trattamento ineguale arbitrario\n- → Art. 29 Cost. (Garanzie procedurali generali): Arbitrio nella procedura\n- → Art. 30 Cost. (Procedura giudiziaria): Arbitrio nell'applicazione del diritto\n- → Art. 36 Cost.: Anche le limitazioni arbitrarie dei diritti fondamentali devono soddisfare l'art. 36 Cost.\n\n**N. 6** Nel rapporto con il diritto cantonale l'art. 9 Cost. agisce come limite per tutti gli atti di sovranità cantonali. Ciò vale sia per la legislazione cantonale sia per l'applicazione del diritto (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 1085 segg.).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### Divieto dell'arbitrio\n\n**N. 7** Secondo la giurisprudenza costante sussiste arbitrio quando un atto statale:\n- non può fondarsi su motivi oggettivi seri\n- è privo di senso e di scopo\n- viola in modo stridente il senso di giustizia\n- conduce a un risultato manifestamente insostenibile\n\n(St. Galler Kommentar BV, Schweizer, Art. 9 N 15; **DTF 134 I 140 consid. 5.4**)\n\n**N. 8** Non ogni errore o ogni soluzione inopportuna è arbitraria. La soglia è più alta: la decisione deve essere «assolutamente insostenibile» (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 625). Questa soglia elevata si spiega con la funzione del divieto dell'arbitrio come ultima rete di protezione dello Stato di diritto.\n\n**N. 9** Il divieto dell'arbitrio comprende tutte le forme di attività statale:\n- **Legislazione**: Norme arbitrarie (BSK BV-Rütsche, Art. 9 N 25 segg.)\n- **Applicazione del diritto**: Interpretazione e sussunzione arbitrarie\n- **Accertamento dei fatti**: Apprezzamento arbitrario delle prove\n- **Esercizio del potere discrezionale**: Abuso o eccesso di potere discrezionale\n\n#### Buona fede\n\n**N. 10** Il principio della buona fede obbliga gli organi statali a:\n- **Comportamento coerente**: Agire senza contraddizioni nel tempo\n- **Tutela dell'affidamento**: Protezione delle legittime aspettative dei cittadini\n- **Correttezza**: Evitare comportamenti abusivi del diritto\n- **Informazione**: Fornire informazioni corrette e complete\n\n(Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 20)\n\n**N. 11** La componente della buona fede va oltre il mero divieto dell'arbitrio. Esige dalle autorità non solo un agire razionale, ma anche integro e affidabile (St. Galler Kommentar BV, Schweizer, Art. 9 N 45 segg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** La conseguenza giuridica primaria di una violazione dell'art. 9 Cost. è l'annullamento dell'atto statale arbitrario o contrario alla buona fede. Ciò vale indipendentemente dal fatto che si tratti di una norma giuridica, di una decisione o di una sentenza.\n\n**N. 13** **Legittimazione**: L'art. 9 Cost. non fonda di per sé, in linea di principio, nessuna posizione giuridica autonoma (**DTF 126 I 81 consid. 3**; **DTF 133 I 185 consid. 2.2**). Eccezioni sussistono solo quando:\n- Esiste una posizione giuridica sufficientemente definita (**DTF 138 I 305 consid. 1.4.5**)\n- L'art. 9 Cost. è fatto valere in collegamento con altri diritti fondamentali\n- È censurato arbitrio nella legislazione\n\n**N. 14** **Principio della censura**: La violazione dell'art. 9 Cost. deve essere censurata esplicitamente e in modo sostanziato. Il Tribunale federale esamina le censure di arbitrio solo se sono chiaramente sollevate e motivate nel ricorso (art. 106 cpv. 2 LTF).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 15** **Rapporto arbitrio/diritti fondamentali**: Mentre la dottrina dominante (Müller/Schefer, pag. 656; Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3ª ed. 2018, § 12 N 45) intende l'art. 9 Cost. come norma sussidiaria di ultimo ricorso, un'opinione minoritaria (Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 9 N 5) sostiene un'applicazione parallela con i diritti fondamentali specifici.\n\n**N. 16** **Soglia dell'arbitrio**: Sussiste disaccordo sulla esatta altezza della soglia dell'arbitrio. Mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (N 1090) sostengono un'applicazione molto restrittiva, Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, Art. 9 N 10) e parti della dottrina della Svizzera occidentale (Auer/Malinverni/Hottelier, Droit constitutionnel suisse, vol. II, 3ª ed. 2013, N 1155) chiedono un'applicazione più generosa proprio nell'ambito delle limitazioni dei diritti fondamentali.\n\n**N. 17** **Tutela dell'affidamento**: È controversa la portata della tutela dell'affidamento. L'opinione maggioritaria (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8ª ed. 2020, N 663 segg.) esige una ponderazione degli interessi tra tutela dell'affidamento privato e interessi pubblici. Una posizione più rigorosa (Weber-Dürler, Der Vertrauensschutz, 1983, pag. 140 segg.) richiede un vincolo assoluto in caso di chiare assicurazioni delle autorità.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** **Motivazione del ricorso**: Nella censura dell'art. 9 Cost. occorre esporre con precisione perché l'atto impugnato è «non solo falso, ma insostenibile». Affermazioni generiche di arbitrio non bastano. Il ricorso deve confrontarsi con la motivazione dell'istanza inferiore.\n\n**N. 19** **Inversione dell'onere della prova**: In caso di errori procedurali evidenti o motivazioni contraddittorie l'onere della prova può di fatto invertirsi. L'autorità deve allora dimostrare perché la sua decisione si fonda comunque su motivi oggettivi.\n\n**N. 20** **Combinazione con altre censure**: Nella pratica si raccomanda la combinazione della censura di arbitrio con garanzie costituzionali più specifiche:\n- In caso di arbitrio procedurale: → Art. 29 Cost.\n- In caso di trattamento ineguale arbitrario: → Art. 8 Cost.\n- In caso di limitazioni arbitrarie dei diritti fondamentali: → Art. 36 Cost.\n\n**N. 21** **Diritto costituzionale cantonale**: Molte costituzioni cantonali contengono propri divieti dell'arbitrio (ad es. § 9 Cost. ZU). Questi possono offrire una protezione più ampia e devono essere invocati prioritariamente nelle procedure cantonali.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti e criteri di esame\n\n**DTF 134 I 140 cons. 5.4** del 1° aprile 2008  \nIl Tribunale federale ha sviluppato i criteri fondamentali per l'esame dei ricorsi per arbitrio. Un'autorità agisce arbitrariamente quando il suo agire non può fondarsi su motivi oggettivi seri o appare insensato e senza scopo.\n\n> «Non è già arbitraria una decisione che appare errata o inopportuna, ma solo una decisione che non può fondarsi su alcuna interpretazione seria, priva di ogni significato pratico una regolamentazione legale, conduce a risultati stridenti o è in altro modo insostenibile.»\n\n**DTF 129 I 1 cons. 3** del 6 novembre 2002  \nArbitrio nella legislazione: Disposizione cantonale sull'anticipazione degli alimenti non viola l'art. 9 Cost. Il Tribunale federale ha esaminato la conformità costituzionale di una norma che computa il reddito del partner di concubinato nell'anticipazione degli alimenti.\n\n> «Un atto normativo è arbitrario se non può fondarsi su motivi oggettivi seri o è insensato e senza scopo; viola il principio di uguaglianza giuridica se opera distinzioni legali per le quali non è riconoscibile un motivo ragionevole nei rapporti da disciplinare.»\n\n### Legittimazione al ricorso per arbitrio\n\n**DTF 126 I 81 cons. 3** del 3 aprile 2000  \nPrincipio della mancanza di legittimazione autonoma: Il divieto generale di arbitrio non fonda da solo alcuna posizione giuridica protetta che legittimi a interporre il ricorso di diritto pubblico. L'introduzione dell'art. 9 Cost. non comporta una modifica di questa giurisprudenza.\n\n> «Il divieto generale di arbitrio non fonda da solo alcuna posizione giuridica protetta che legittimi a interporre il ricorso di diritto pubblico.»\n\n**DTF 133 I 185 cons. 2.2** del 30 aprile 2007  \nNessuna legittimazione per decisioni discrezionali senza diritto soggettivo: Nel procedimento di autorizzazione nel diritto degli stranieri non sussiste legittimazione al ricorso costituzionale sussidiario per violazione del divieto di arbitrio, se non esiste un diritto soggettivo all'autorizzazione.\n\n> «Una disposizione legale che accorda all'autorità un potere discrezionale nell'applicazione non conferisce regolarmente alle persone interessate alcun diritto soggettivo e quindi nemmeno la legittimazione a interporre il ricorso costituzionale sussidiario.»\n\n**DTF 138 I 305 cons. 1.4.5** del 12 giugno 2012  \nEccezione in caso di posizione giuridica sufficientemente delimitata: L'art. 14 LCit procura a una persona che vuole naturalizzarsi una posizione giuridica sufficientemente delimitata che le permette di invocare il divieto di arbitrio.\n\n> «L'art. 14 LCit procura in definitiva a una persona che vuole naturalizzarsi una posizione giuridica sufficientemente delimitata che le permette di invocare nel procedimento del ricorso costituzionale sussidiario il divieto di arbitrio (art. 9 Cost.) e il principio di uguaglianza giuridica (art. 8 cpv. 1 Cost.).»\n\n### Casi concreti di applicazione\n\n**DTF 127 I 97 cons. 4** del 30 gennaio 2001  \nConferma di trasferimento in caso di debiti fiscali: Viola il divieto di arbitrio non confermare a una persona il trasferimento di domicilio presso la polizia perché ha debiti fiscali pendenti. Il rifiuto della conferma di trasferimento non ha alcun nesso oggettivo con lo scopo della riscossione delle imposte.\n\n> «Viola il divieto di arbitrio non confermare a una persona il trasferimento di domicilio presso la polizia perché ha debiti fiscali pendenti.»\n\n**DTF 133 I 178 cons. 3.1** del 23 gennaio 2007  \nErrore procedurale nella legislazione: La violazione del requisito della seconda lettura da parte del parlamento cantonale può essere censurata in base al divieto generale di arbitrio. La violazione di disposizioni procedurali costituisce un grave vizio formale.\n\n> «La violazione del requisito della seconda lettura appare come un grave vizio formale del procedimento legislativo parlamentare che, pur non potendo opporsi in modo assoluto alla vincolatività dell'atto normativo in questione per ragioni di sicurezza del diritto, deve tuttavia - se censurato entro termine con un rimedio giuridico a disposizione - condurre all'annullamento dello stesso.»\n\n**DTF 134 I 153 cons. 4** del 1° aprile 2008  \nEsame di proporzionalità: Al di fuori delle lesioni di diritti fondamentali il Tribunale federale interviene per violazione del principio di proporzionalità solo quando la misura di diritto cantonale è manifestamente sproporzionata e viola così contemporaneamente il divieto di arbitrio.\n\n> «Al di fuori delle lesioni di diritti fondamentali il Tribunale federale interviene per violazione del principio di proporzionalità solo quando la misura di diritto cantonale è manifestamente sproporzionata e viola così contemporaneamente il divieto di arbitrio.»\n\n### Buona fede\n\n**DTF 138 I 321 cons. 4.2** del 30 agosto 2012  \nDifferenze salariali tra giudici: La diversa retribuzione di membri di tribunali diversi non viola il divieto di arbitrio, purché sussistano differenze oggettive nelle funzioni. Il principio di buona fede esige un trattamento coerente di situazioni comparabili.\n\n> «Il principio di buona fede esige dalle autorità un comportamento coerente ed esclude un agire contraddittorio.»\n\n**DTF 142 V 513 cons. 4.1** del 6 settembre 2016  \nAiuto sociale e computo del concubinato: Il computo di un contributo del concubinato nel budget dell'aiuto sociale non viola l'art. 9 Cost. se si fonda su considerazioni oggettive e rispecchia l'effettiva convivenza.\n\n> «Una regolamentazione che tiene conto dell'effettiva convivenza e dei rapporti economici che ne derivano non può essere qualificata come arbitraria.»\n\n### Giustizia amministrativa\n\n**DTF 133 I 201 cons. 4** del 6 luglio 2007  \nNotificazione di decisione: Una decisione sugli assegni familiari deve essere notificata direttamente al lavoratore avente diritto. Una trasmissione al datore di lavoro con preghiera di inoltro non è sufficiente e viola il divieto di arbitrio così come il diritto di essere sentiti.\n\n> «La decisione sugli assegni familiari spettanti al lavoratore deve essere notificata a quest'ultimo. Una trasmissione al datore di lavoro con preghiera di inoltrare la decisione al lavoratore non è sufficiente.»\n\n### Giurisprudenza recente (2020-2024)\n\n**DTF 144 I 113 cons. 5.2** del 4 luglio 2018  \nCongedo maternità e regolamentazione delle ferie: L'interpretazione cantonale di un'ordinanza sul personale secondo cui le ferie possono cadere nel congedo maternità non viola né il principio di uguaglianza giuridica né il divieto di arbitrio, se si fonda su un'interpretazione sostenibile della legge.\n\n**Sentenza 2C_582/2009 cons. 4.2** del 5 marzo 2010  \nAccertamento dei fatti: Se un'autorità dichiara che una persona si è resa colpevole di un reato, fondandosi però manifestamente su fatti errati, agisce arbitrariamente. L'arbitrio sussiste quando l'accertamento dei fatti è insostenibile sulla base delle prove raccolte.\n\n> «Un accertamento dei fatti o una valutazione delle prove è arbitrario solo quando è manifestamente inesatto o si fonda su una violazione del diritto.»", "summary_en": "# Art. 9 BV — Protection against arbitrary acts and requirement of good faith\n\n## Overview\n\nArt. 9 BV protects all people in Switzerland against arbitrary (completely unfounded) state action. State organs must be able to base their decisions on objective grounds. They must also act in good faith - that is, honestly, reliably and fairly.\n\n**What does the provision regulate?** Art. 9 BV prohibits authorities, laws or courts from making completely untenable or senseless decisions. Every state act must be comprehensibly justified. Authorities must act consistently and respect the legitimate expectations of citizens.\n\n**Who is affected?** All persons in Switzerland - Swiss citizens, foreigners, companies. Art. 9 BV applies to all state bodies: municipalities, cantons, federal government, courts, police, tax administration.\n\n**Practical examples:** A municipality may not refuse deregistration merely because someone still has tax debts - that would be arbitrary. A court may not accept completely false facts as proven. An authority may not decide today the opposite of what it promised yesterday.\n\n**Legal consequences:** Arbitrary or acts contrary to good faith are set aside. However, the Federal Supreme Court only examines obviously untenable cases - not every mistake or clumsy solution.\n\nArt. 9 BV is a safety net: it applies when no more specific fundamental rights are violated.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Historical Development\n\n**No. 1** Art. 9 Federal Constitution was introduced as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. Already under the old Federal Constitution of 1874, the prohibition of arbitrariness was recognised as unwritten constitutional law (BBl 1997 I 140). The explicit anchoring in the new Federal Constitution was intended to acknowledge and make transparent this established case law of the Federal Supreme Court.\n\n**No. 2** The principle of good faith was also already recognised as a general legal principle under the old Federal Constitution. The Federal Council Message on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 140 f.) emphasised that both principles — the prohibition of arbitrariness and good faith — are closely connected and together form the rule of law foundation of state action.\n\n**No. 3** The formulation «every person» was deliberately chosen to underscore the universal character of this guarantee. Unlike specific fundamental rights, Art. 9 Federal Constitution applies to all natural and legal persons, regardless of their nationality or residence status.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 4** Art. 9 Federal Constitution stands in Title 1 of the Federal Constitution under «General Provisions» and forms, together with Art. 5 Federal Constitution (principles of rule of law action), Art. 8 Federal Constitution (equality before the law) and Art. 35 Federal Constitution (realisation of fundamental rights), the rule of law foundation of the Swiss legal order.\n\n**No. 5** The prohibition of arbitrariness constitutes a catch-all basic norm (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 655 ff.). It applies subsidiarily when no more specific fundamental right or more specific constitutional guarantee applies. In particular, there is a close connection to:\n- → Art. 8 Federal Constitution (equality before the law): Arbitrary unequal treatment\n- → Art. 29 Federal Constitution (general procedural guarantees): Arbitrariness in procedure\n- → Art. 30 Federal Constitution (court proceedings): Arbitrariness in the application of law\n- → Art. 36 Federal Constitution: Even arbitrary fundamental rights restrictions must comply with Art. 36 Federal Constitution\n\n**No. 6** In relation to cantonal law, Art. 9 Federal Constitution acts as a limit for all cantonal sovereign acts. This applies both to cantonal legislation and to the application of law (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, No. 1085 ff.).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Prohibition of Arbitrariness\n\n**No. 7** According to established case law, arbitrariness exists when a state act:\n- cannot be based on serious factual grounds\n- is pointless and purposeless\n- shockingly violates the sense of justice\n- leads to an obviously untenable result\n\n(St. Gallen Commentary Federal Constitution, Schweizer, Art. 9 No. 15; **BGE 134 I 140 E. 5.4**)\n\n**No. 8** Not every error or inappropriate solution is arbitrary. The threshold is higher: The decision must be «utterly untenable» (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, No. 625). This high threshold is explained by the function of the prohibition of arbitrariness as the last safety net of the rule of law.\n\n**No. 9** The prohibition of arbitrariness covers all forms of state action:\n- **Legislation**: Arbitrary norms (BSK Federal Constitution-Rütsche, Art. 9 No. 25 ff.)\n- **Application of law**: Arbitrary interpretation and subsumption\n- **Determination of facts**: Arbitrary evaluation of evidence\n- **Exercise of discretion**: Abuse or exceeding of discretion\n\n#### Good Faith\n\n**No. 10** The principle of good faith obliges state organs to:\n- **Consistent behaviour**: Consistent action over time\n- **Protection of legitimate expectations**: Protection of citizens' justified expectations\n- **Fairness**: Avoidance of abusive behaviour\n- **Information**: Correct and complete provision of information\n\n(Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 20)\n\n**No. 11** The component of good faith goes beyond the mere prohibition of arbitrariness. It requires authorities to act not only rationally, but also with integrity and reliability (St. Gallen Commentary Federal Constitution, Schweizer, Art. 9 No. 45 ff.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 12** The primary legal consequence of a violation of Art. 9 Federal Constitution is the annulment of the arbitrary or bad faith state act. This applies regardless of whether it is a legal provision, an administrative decision or a judgment.\n\n**No. 13** **Standing to sue**: Art. 9 Federal Constitution does not in principle establish an independent legal position by itself (**BGE 126 I 81 E. 3**; **BGE 133 I 185 E. 2.2**). Exceptions exist only when:\n- A sufficiently clearly defined legal position exists (**BGE 138 I 305 E. 1.4.5**)\n- Art. 9 Federal Constitution is invoked in conjunction with other fundamental rights\n- Arbitrariness in legislation is challenged\n\n**No. 14** **Principle of specific pleading**: The violation of Art. 9 Federal Constitution must be explicitly and substantively pleaded. The Federal Supreme Court examines allegations of arbitrariness only if they are clearly raised and reasoned in the appeal (Art. 106 para. 2 Federal Supreme Court Act).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**No. 15** **Relationship between arbitrariness and fundamental rights**: While the prevailing doctrine (Müller/Schefer, p. 656; Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3rd ed. 2018, § 12 No. 45) understands Art. 9 Federal Constitution as a subsidiary catch-all norm, a minority opinion (Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 9 No. 5) advocates for parallel application with specific fundamental rights.\n\n**No. 16** **Threshold for arbitrariness**: Disagreement exists about the exact level of the arbitrariness threshold. While Rhinow/Schefer/Uebersax (No. 1090) advocate very restrictive handling, Biaggini (Federal Constitution Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 9 No. 10) and parts of the French-speaking doctrine (Auer/Malinverni/Hottelier, Droit constitutionnel suisse, Vol. II, 3rd ed. 2013, No. 1155) call for more generous application especially in the area of fundamental rights restrictions.\n\n**No. 17** **Protection of legitimate expectations**: The scope of protection of legitimate expectations is controversial. The majority opinion (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8th ed. 2020, No. 663 ff.) requires a balancing of interests between private protection of legitimate expectations and public interests. A stricter position (Weber-Dürler, Der Vertrauensschutz, 1983, p. 140 ff.) demands absolute binding force for clear official assurances.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**No. 18** **Reasoning of appeals**: When pleading Art. 9 Federal Constitution, it must be precisely shown why the challenged act is «not merely wrong, but untenable». General allegations of arbitrariness are insufficient. The appeal must engage with the lower instance's reasoning.\n\n**No. 19** **Reversal of burden of proof**: In cases of obvious procedural errors or contradictory reasoning, the burden of proof can factually reverse. The authority must then show why its decision is nevertheless based on factual grounds.\n\n**No. 20** **Combination with other pleas**: In practice, it is advisable to combine the allegation of arbitrariness with more specific constitutional guarantees:\n- For procedural arbitrariness: → Art. 29 Federal Constitution\n- For arbitrary unequal treatment: → Art. 8 Federal Constitution  \n- For arbitrary fundamental rights restrictions: → Art. 36 Federal Constitution\n\n**No. 21** **Cantonal constitutional law**: Many cantonal constitutions contain their own prohibitions of arbitrariness (e.g. § 9 Constitution of Zurich). These can provide more extensive protection and should be invoked with priority in cantonal proceedings.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Foundations and Standard of Review\n\n**BGE 134 I 140 E. 5.4** of 1 April 2008  \nThe Federal Court developed the fundamental standards for reviewing complaints of arbitrariness. An authority acts arbitrarily when its conduct cannot be based on serious substantive grounds or appears senseless and purposeless.\n\n> «A decision is not arbitrary merely because it appears erroneous or inexpedient, but only a decision that cannot be based on any serious interpretation, deprives a legal provision of any practical significance, leads to shocking results, or is otherwise untenable.»\n\n**BGE 129 I 1 E. 3** of 6 November 2002  \nArbitrariness in legislation: Cantonal provision on advance alimony payments does not violate Art. 9 FC. The Federal Court examined the constitutional conformity of a norm that takes into account the income of a cohabitation partner in advance alimony payments.\n\n> «An enactment is arbitrary if it cannot be based on serious substantive grounds or is senseless and purposeless; it violates the principle of legal equality if it makes legal distinctions for which no reasonable ground is apparent in the circumstances to be regulated.»\n\n### Standing to Invoke the Prohibition of Arbitrariness\n\n**BGE 126 I 81 E. 3** of 3 April 2000  \nPrinciple of lack of independent standing: The general prohibition of arbitrariness alone does not establish a protected legal position that entitles one to file a constitutional complaint. The introduction of Art. 9 FC does not lead to a change in this case law.\n\n> «The general prohibition of arbitrariness alone does not establish a protected legal position that entitles one to file a constitutional complaint.»\n\n**BGE 133 I 185 E. 2.2** of 30 April 2007  \nNo standing for discretionary decisions without legal entitlement: In foreign nationals' permit procedures, there is no standing for a subsidiary constitutional complaint for violation of the prohibition of arbitrariness when there is no legal entitlement to the permit.\n\n> «A legal provision that grants the authority discretion in application regularly does not provide affected persons with a legal entitlement and thus no standing to file a subsidiary constitutional complaint.»\n\n**BGE 138 I 305 E. 1.4.5** of 12 June 2012  \nException for sufficiently clearly defined legal position: Art. 14 BüG provides a person seeking naturalisation with a sufficiently clearly defined legal position that enables them to invoke the prohibition of arbitrariness.\n\n> «Art. 14 BüG ultimately provides a person seeking naturalisation with a sufficiently clearly defined legal position that enables them to invoke the prohibition of arbitrariness (Art. 9 FC) and the principle of legal equality (Art. 8 para. 1 FC) in subsidiary constitutional complaint proceedings.»\n\n### Concrete Applications\n\n**BGE 127 I 97 E. 4** of 30 January 2001  \nDeregistration confirmation in case of tax debts: It violates the prohibition of arbitrariness to refuse to confirm a person's police deregistration because they have outstanding tax debts. The refusal of deregistration confirmation has no substantive connection with the purpose of tax collection.\n\n> «It violates the prohibition of arbitrariness to refuse to confirm a person's police deregistration because they have outstanding tax debts.»\n\n**BGE 133 I 178 E. 3.1** of 23 January 2007  \nProcedural errors in legislation: Non-compliance with the requirement of second reading by the cantonal parliament can be challenged based on the general prohibition of arbitrariness. Disregard of procedural legal provisions constitutes a serious formal defect.\n\n> «Disregard of the requirement of second reading appears as a serious formal defect of the parliamentary legislative procedure, which, although for reasons of legal certainty cannot absolutely prevent the binding nature of the relevant enactment, must nevertheless - if challenged within the deadline with an available legal remedy - lead to its annulment.»\n\n**BGE 134 I 153 E. 4** of 1 April 2008  \nProportionality review: Outside of fundamental rights interferences, the Federal Court only intervenes for violation of the proportionality requirement when the cantonal legal order is obviously disproportionate and thus simultaneously violates the prohibition of arbitrariness.\n\n> «Outside of fundamental rights interferences, the Federal Court only intervenes for violation of the proportionality requirement when the cantonal legal order is obviously disproportionate and thus simultaneously violates the prohibition of arbitrariness.»\n\n### Good Faith\n\n**BGE 138 I 321 E. 4.2** of 30 August 2012  \nSalary differences among judges: The differential remuneration of members of different courts does not violate the prohibition of arbitrariness, provided there are substantive differences in functions. The principle of good faith requires consistent treatment of comparable situations.\n\n> «The principle of good faith requires coherent behaviour from authorities and excludes contradictory conduct.»\n\n**BGE 142 V 513 E. 4.1** of 6 September 2016  \nSocial assistance and cohabitation crediting: The crediting of a cohabitation contribution in the social assistance budget does not violate Art. 9 FC when it is based on substantive considerations and reflects actual cohabitation.\n\n> «A regulation that takes into account actual cohabitation and the resulting economic circumstances cannot be described as arbitrary.»\n\n### Administrative Adjudication\n\n**BGE 133 I 201 E. 4** of 6 July 2007  \nService of decisions: A decision on child allowances must be served directly on the entitled employee. Service on the employer with a request for forwarding does not suffice and violates the prohibition of arbitrariness as well as the right to be heard.\n\n> «The decision on child allowances to which the employee is entitled must be served on them. Service on the employer with a request to forward the decision to the employee does not suffice.»\n\n### Recent Case Law (2020-2024)\n\n**BGE 144 I 113 E. 5.2** of 4 July 2018  \nMaternity leave and holiday regulations: The cantonal interpretation of a personnel ordinance whereby holidays can fall within maternity leave violates neither the principle of legal equality nor the prohibition of arbitrariness when it is based on a defensible interpretation of the law.\n\n**Judgment 2C_582/2009 E. 4.2** of 5 March 2010  \nFact-finding: When an authority declares that a person has become a criminal offender but obviously relies on incorrect facts in doing so, it acts arbitrarily. Arbitrariness exists when fact-finding is untenable based on the evidence gathered.\n\n> «A fact-finding or assessment of evidence is arbitrary only when it is obviously incorrect or based on a violation of law.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_9", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 10, "article_suffix": "", "title": "Recht auf Leben und auf persönliche Freiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 10 BV — Recht auf Leben und auf persönliche Freiheit\n\n## Übersicht\n\nArt. 10 BV schützt drei grundlegende Rechte jedes Menschen in der Schweiz: das Recht auf Leben, die persönliche Freiheit und das Verbot von Folter. Diese Rechte gelten für alle Menschen, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Aufenthaltsstatus.\n\nDas **Recht auf Leben** (Absatz 1) bedeutet, dass der Staat niemanden töten darf. Die Todesstrafe ist in der Schweiz vollständig verboten¹. Ausnahmen bestehen nur in extremen Notsituationen, etwa bei Notwehr oder als allerletztes Mittel bei schweren Verbrechen, wenn ein Polizist schiessen muss, um andere zu retten².\n\nDie **persönliche Freiheit** (Absatz 2) schützt vor allem drei Bereiche: Niemand darf körperlich verletzt werden (körperliche Unversehrtheit), psychisch geschädigt werden (geistige Unversehrtheit) oder gegen seinen Willen eingesperrt oder festgehalten werden (Bewegungsfreiheit)³. Jede medizinische Behandlung braucht die Einwilligung des Patienten⁴. Festnahmen sind nur bei konkretem Verdacht einer Straftat und mit richterlicher Kontrolle erlaubt⁵.\n\nDas **Folterverbot** (Absatz 3) verbietet Folter und grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung absolut⁶. Dies gilt auch in Gefängnissen, Polizeistationen und Asylzentren. Selbst in Notlagen darf niemand gefoltert werden⁷.\n\nDiese Rechte sind nicht grenzenlos. Der Staat darf sie einschränken, aber nur mit einem Gesetz, aus wichtigen Gründen und nur so weit wie nötig⁸. Beispielsweise darf die Polizei jemanden festhalten, der eine Straftat begangen hat. Die Einschränkung muss jedoch verhältnismässig sein.\n\n**Praktisches Beispiel**: Wird jemand von der Polizei festgenommen, muss dies auf einem begründeten Verdacht beruhen. Die Person hat das Recht zu erfahren, warum sie festgenommen wurde, und muss innerhalb angemessener Zeit einem Richter vorgeführt werden. In der Haft muss sie menschenwürdig behandelt werden - mit ausreichend Essen, medizinischer Versorgung und ohne Gewalt⁹.\n\n---\n\n¹ BBl 1997 I 147; BGE 142 IV 175 E. 2.2\n² BGE 136 I 87 E. 4.2; Biaggini, Art. 10 BV N. 11\n³ BGE 127 I 6 E. 5a; SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 4\n⁴ BGE 2C_451/2020 E. 6.2.3\n⁵ Urteil 2C_218/2013 vom 26.3.2013 E. 3.1\n⁶ BGE 146 IV 76 E. 4.2; BSK-Tschentscher, Art. 10 BV N. 28\n⁷ Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 372\n⁸ BGE 136 I 87 E. 6.5; Art. 36 BV\n⁹ Urteil 1B_416/2019 vom 12.9.2019 E. 4.3", "doctrine_de": "# Art. 10 BV — Recht auf Leben und auf persönliche Freiheit\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 10 BV wurde mit der Totalrevision von 1999 neu in die Bundesverfassung aufgenommen. Die Bestimmung kodifiziert mehrere zuvor als ungeschriebene Grundrechte anerkannte Garantien sowie völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 betont, dass Art. 10 BV die \"Grundgarantie zum Schutz der Persönlichkeit\" darstellt, welche elementare Aspekte der menschlichen Existenz schützt (BBl 1997 I 147).\n\n**N. 2** Die BV 1848 und 1874 kannten keine direkte Vorläufernorm. Implizit weitergeführt wurden aber das Verbot des Schuldverhafts (Art. 59 Abs. 2 aBV) und körperlicher Strafen (Art. 65 Abs. 2 aBV). Die erste Bundesverfassung von 1848 kannte bereits ein Verbot der Todesstrafe für politische Vergehen (Art. 54 BV 1848), welches in der BV 1874 vorübergehend auf alle Vergehen ausgedehnt wurde, bevor es 1879 wieder eingeschränkt wurde (BBl 1997 I 147).\n\n**N. 3** Die Zusammenführung von Recht auf Leben, persönlicher Freiheit und Folterverbot in einer einzigen Bestimmung unterstreicht gemäss der Botschaft die inneren Zusammenhänge dieser Garantien. Das Verbot der Todesstrafe (Abs. 1 Satz 2) und das Folterverbot (Abs. 3) werden dabei ausdrücklich als Kerngehalte des Rechts auf persönliche Freiheit bezeichnet (BBl 1997 I 149).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 10 BV ist im 2. Kapitel der Bundesverfassung bei den Grund- und Bürgerrechten positioniert. Die Bestimmung weist systematische Bezüge zu mehreren anderen Verfassungsartikeln auf. Zentral ist das Verhältnis zu Art. 7 BV (Menschenwürde), welcher die philosophische Grundlage für den Schutz von Leben und persönlicher Freiheit bildet (SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 4 f.; BGE 127 I 6 E. 5a).\n\n**N. 5** Gewisse Teilgehalte der persönlichen Freiheit wurden systematisch in anderen Verfassungsbestimmungen verankert: Art. 11 BV (Schutz der Kinder und Jugendlichen), Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre), Art. 31 BV (Freiheitsentzug) und Art. 119 BV (Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie). Art. 10 Abs. 2 BV fungiert dabei als Auffanggrundrecht (Biaggini, Art. 10 BV N. 17; SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 9).\n\n**N. 6** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit den internationalen Menschenrechtsgarantien, insbesondere Art. 2, 3 und 5 EMRK sowie Art. 6, 7 und 9 UNO-Pakt II. Das Verbot der Todesstrafe und das Folterverbot gehören zum zwingenden Völkerrecht (ius cogens) und sind somit auch Schranken der Verfassungsrevision (→ Art. 139 Abs. 3, 193 Abs. 4, 194 Abs. 2 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Absatz 1 - Recht auf Leben**: Das Recht auf Leben bildet Ausgangspunkt und Voraussetzung für alle anderen Grundrechte. Es schützt \"die Gesamtheit der biologischen und psychischen Funktionen, die den Menschen als Lebewesen kennzeichnen\" (BGE 98 Ia 508 E. 4.b). Der Verfassungsgeber lässt den Zeitpunkt des Lebensbeginns offen. Die herrschende Lehre anerkennt einen gewissen vorgeburtlichen Schutz, wobei eigentliche individualrechtliche Ansprüche erst ab der Geburt bestehen (Biaggini, Art. 10 BV N. 9; Rütsche, S. 273). Als Lebensende gilt der Hirntod (BGE 123 I 112).\n\n**N. 8** **Absatz 2 - Persönliche Freiheit**: Die persönliche Freiheit schützt als \"grundlegendes Freiheitsrecht\" drei ausdrücklich genannte und weitere ungenannte elementare Aspekte der Persönlichkeitsentfaltung (BGE 127 I 6 E. 5a):\n\n- **Körperliche Unversehrtheit**: Schutz vor jeglicher staatlicher Einwirkung auf den Körper, unabhängig von Schmerz oder Schaden (BGE 99 Ia 747 E. 2)\n- **Geistige Unversehrtheit**: Schutz der psychischen Integrität, des Bewusstseins und der Willensbildung (BGE 90 I 29 E. 3a)  \n- **Bewegungsfreiheit**: Schutz vor Freiheitsentzügen und -beschränkungen sowie das Recht auf körperliche Fortbewegung (BGE 136 I 87 E. 6.5.3)\n\n**N. 9** Die Aufzählung in Abs. 2 ist nicht abschliessend (\"insbesondere\"). Als Auffanggrundrecht schützt die Bestimmung weitere elementare Freiheiten, die für die Persönlichkeitsentfaltung wesentlich sind. Ein Bagatellvorbehalt schliesst nebensächliche Beeinträchtigungen vom Schutzbereich aus (BGE 134 I 214 E. 5.1; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 10** **Absatz 3 - Folterverbot**: Das Verbot erfasst Folter sowie grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung. Die Abgrenzung erfolgt graduell nach Schwere, Zweck und Auswirkungen. Erforderlich ist ein Mindestmass an Schwere mit intensivem physischem oder psychischem Leiden (BGE 6B_882/2021 E. 4.3.3). Die vierteilige Definition der UNO-Antifolterkonvention (Art. 1) dient als Auslegungshilfe.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** **Abwehrrechte**: Art. 10 BV begründet primär Abwehransprüche gegen staatliche Eingriffe. Das Recht auf Leben schützt gegen vorsätzliche Tötungen, wobei Ausnahmen für Notwehr, polizeilichen Schusswaffengebrauch als ultima ratio und rechtmässige Kriegshandlungen bestehen (BGE 136 I 87 E. 4.2). Die persönliche Freiheit gewährt Schutz vor ungerechtfertigten Eingriffen in die körperliche und geistige Integrität sowie vor Freiheitsentzügen.\n\n**N. 12** **Schutzpflichten**: Der Staat muss präventive Massnahmen ergreifen, wenn eine konkrete und unmittelbare Gefahr (\"real and imminent risk\") für Leben oder persönliche Freiheit besteht (BGE 135 I 113 E. 2.2; BGE 139 IV 121 E. 4.6). Diese Pflicht besteht gegenüber Gefahren durch Dritte, Naturkatastrophen oder Gesundheitsrisiken. Der Staat ist zur Handlung, nicht zur Erfolgsgarantie verpflichtet.\n\n**N. 13** **Untersuchungspflichten**: Bei Verdacht auf rechtswidrige Tötungen oder schwere Misshandlungen besteht eine Pflicht zur effektiven Untersuchung von Amtes wegen. Die Untersuchung muss unabhängig sein und zur Identifikation und gegebenenfalls Bestrafung der Verantwortlichen führen können (BGE 146 IV 76 E. 4.2).\n\n**N. 14** **Absolute Verbote**: Das Verbot der Todesstrafe und das Folterverbot gelten absolut. Sie kennen keine Ausnahmen und können auch in Notstandssituationen nicht eingeschränkt werden. Beide gehören zum zwingenden Völkerrecht. Das non-refoulement-Gebot (→ Art. 25 Abs. 3 BV) verbietet Auslieferungen bei drohender Todesstrafe oder Folter.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Lebensanfang**: Der Zeitpunkt des Lebensbeginns ist umstritten. Moeckli/Schweizer vertreten einen gewissen vorgeburtlichen Schutz ohne eigentliche Grundrechtsträgerschaft (Moeckli, Schutz von Person und Persönlichkeit, N. 19). Tschentscher sieht einen von der Empfängnis an stetig wachsenden Schutz bis zur vollen Ausprägung ab Geburt (BSK-Tschentscher, Art. 10 BV N. 9). Biaggini unterscheidet zwischen staatlichen Schutzpflichten vor der Geburt und individualrechtlichen Ansprüchen ab Geburt (Biaggini, Art. 10 BV N. 9).\n\n**N. 16** **Absolute Natur des Lebensschutzes**: Die Botschaft bezeichnet das Recht auf Leben als \"absolut\" geschützt gegen vorsätzliche Angriffe (BBl 1997 I 146). Biaggini widerspricht dem unter Verweis auf zulässige Tötungen in Extremsituationen (Biaggini, Art. 10 BV N. 11). Hertig Randall/Marquis lehnen eine abstrakte Definition zulässiger absichtlicher Tötungen ab und betonen den Ausnahmecharakter tödlicher Gewalt (CR-Hertig Randall/Marquis, Art. 10 BV N. 32).\n\n**N. 17** **Umfang der persönlichen Freiheit**: Kontrovers ist die Reichweite des Auffangtatbestands. Schweizer befürwortet eine weite Auslegung mit Subsidiarität gegenüber spezielleren Grundrechten (SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 9). Baumann bestreitet die Subsidiarität der ausdrücklich genannten Teilgehalte (Baumann, S. 507). Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr plädieren für einen weiten Schutzbereich mit Berücksichtigung der Eingriffsintensität bei der Verhältnismässigkeit (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 18** **Zwangsernährung bei Hungerstreik**: Das Bundesgericht hält Zwangsernährung auch bei urteilsfähigen Hungerstreikenden für zulässig (BGE 136 IV 97 E. 6.3.3). Brägger kritisiert dies als Missachtung des Selbstbestimmungsrechts (Brägger, S. 10). Müller verteidigt die Praxis mit Verweis auf staatliche Schutzpflichten (Müller, S. 293).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** **Medizinische Eingriffe**: Jeder medizinische Eingriff erfordert die informierte Einwilligung der urteilsfähigen Person (informed consent). Ohne Einwilligung liegt stets ein schwerer Grundrechtseingriff vor (BGE 2C_451/2020 E. 6.2.3). Bei Urteilsunfähigen ist die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters erforderlich, wobei der Eingriff dem unmittelbaren Nutzen des Betroffenen dienen muss.\n\n**N. 20** **Polizeilicher Schusswaffengebrauch**: Der Einsatz muss verhältnismässig sein und darf nur bei besonderer Gefährlichkeit oder Gewaltbereitschaft erfolgen. Erforderlich sind Warnruf und Warnschuss, sofern die Umstände dies zulassen (Art. 10 f. ZAG; BGE 136 I 87 E. 4.4).\n\n**N. 21** **Freiheitsentzug**: Jeder Freiheitsentzug muss auf einem Gesetz im formellen Sinn beruhen und verhältnismässig sein. Die Dauer ist regelmässig zu überprüfen. Bei Minderjährigen gilt ein besonders strenger Massstab (BGE 142 IV 389 E. 4.3.3).\n\n**N. 22** **Haftbedingungen**: Die Bedingungen müssen menschenwürdig sein. Überbelegung, mangelnde Hygiene oder fehlende medizinische Versorgung können Art. 10 Abs. 3 BV verletzen. Isolationshaft über 15 Tage ist besonders problematisch (BGE 1B_574/2021 E. 5.5).\n\n**N. 23** **Ausschaffungen**: Vor jeder Ausschaffung ist die konkrete Gefährdungslage zu prüfen. Bei drohender Todesstrafe oder Folter im Zielstaat ist die Ausschaffung unzulässig, es sei denn, es liegen glaubwürdige diplomatische Zusicherungen vor (BGE 138 II 513 E. 1.2.1).\n\n**N. 24** **Sterbehilfe**: Die passive Sterbehilfe ist bei fehlenden selbstsüchtigen Beweggründen straflos (Art. 115 StGB). Der Sterbewunsch muss autonom, wohlerwogen und dauerhaft sein. Die fehlende Regulierung für nicht terminal Kranke wird in der Lehre kritisiert (Belser/Egli, S. 418).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung zu Art. 10 BV\n\n## Recht auf Leben (Abs. 1)\n\n### Schutzpflichten des Staates\n\n**BGE 135 I 113** vom 6. Februar 2009  \nDas Recht auf Leben verpflichtet den Staat nicht nur zur Unterlassung von Tötungshandlungen, sondern auch zum aktiven Schutz seiner Bürger. \n\n> «Art. 10 Abs. 1 BV gewährleistet den umfassenden Schutz menschlichen Lebens. Die Bestimmung richtet sich einerseits als Abwehrrecht gegen den Staat. Dieser ist indessen anderseits verpflichtet, den Grundrechten in der ganzen Rechtsordnung zum Durchbruch zu verhelfen und damit das Leben seiner Bürger auch vor Angriffen Privater zu schützen (Art. 35 BV).»\n\n### Strafverfolgungspflicht bei Tötungsdelikten\n\n**BGE 135 I 113** vom 6. Februar 2009  \nBei Tötungsdelikten besteht eine staatliche Pflicht zur Aufklärung und Verfolgung, auch wenn Strafverfolgungsprivilegien bestehen.\n\n> «Das Recht auf Leben richtet sich einerseits als Abwehrrecht gegen den Staat, verpflichtet diesen anderseits, im Rahmen seiner Möglichkeiten den Schutz seiner Bürger zu gewährleisten, Tötungsdelikte aufzuklären und deren Urheber zu verfolgen.»\n\n### Körperliche Unversehrtheit als staatliche Schutzpflicht\n\n**BGE 126 II 300** vom 3. Mai 2000  \nDer Staat hat auch vor Lärmimmissionen zu schützen, die das Recht auf körperliche Unversehrtheit beeinträchtigen können.\n\n> «Nach neuerer Auffassung haben Grundrechte nicht nur eine abwehrende Funktion gegen Beeinträchtigungen durch den Staat, sondern begründen auch eine staatliche Schutzpflicht gegen Gefährdungen, die von Dritten verursacht werden.»\n\n## Persönliche Freiheit (Abs. 2)\n\n### Kerngehalt der persönlichen Freiheit\n\n**BGE 129 I 173** vom 12. Februar 2003  \nDas Bestimmungsrecht über den Bestattungsort der Angehörigen fällt in den Schutzbereich der persönlichen Freiheit.\n\n> «Persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV). Recht der Angehörigen eines Verstorbenen, den Bestattungsort zu bestimmen; postmortaler Schutz des Persönlichkeitsrechts des Verstorbenen; Abwägung der gegenläufigen Grundrechtsinteressen im Rahmen von Art. 36 BV.»\n\n### Akteneinsichtsrecht\n\n**BGE 126 I 7** vom 9. Februar 2000  \nAus der persönlichen Freiheit lässt sich ein Recht auf Akteneinsicht ableiten, um sich gegen staatliche Massnahmen zu wehren.\n\n> «Abgrenzung zwischen dem aus der persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) und dem Anspruch auf Schutz vor Missbrauch persönlicher Daten (Art. 13 Abs. 2 BV) abgeleiteten Akteneinsichtsrecht einerseits und dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) andererseits.»\n\n### DNA-Profile und erkennungsdienstliche Massnahmen\n\n**BGE 145 IV 263** vom 24. April 2019  \nDie Erstellung von DNA-Profilen stellt einen Eingriff in die persönliche Freiheit dar, der bei künftigen Straftaten erhebliche Anhaltspunkte voraussetzt.\n\n> «Erkennungsdienstliche Massnahmen und die Aufbewahrung der Daten können das Recht auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) und auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 13 Abs. 2 BV und Art. 8 EMRK) berühren. Dabei ist von einem leichten Grundrechtseingriff auszugehen.»\n\n**BGE 147 I 372** vom 22. April 2021  \nMassive Eingriffe in die Grundrechte durch DNA-Profile bei friedlichen Kundgebungen sind unverhältnismässig.\n\n> «Kritik an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach ein DNA-Profil nur einen leichten Eingriff in die körperliche Integrität und den Schutz der Privatsphäre darstellt. Die Aufklärung der Anlasstat erforderte im konkreten Fall nicht die Erstellung eines DNA-Profils.»\n\n### Bettelei als Ausdruck persönlicher Freiheit\n\n**BGE 149 I 248** vom 13. März 2023  \nBettelei fällt in den Schutzbereich der persönlichen Freiheit und bedarf bei Einschränkungen einer sorgfältigen Verhältnismässigkeitsprüfung.\n\n> «Bettelei stellt eine elementare Freiheit der Lebensgestaltung dar und fällt in den Schutzbereich des Grundrechts der persönlichen Freiheit nach Art. 10 Abs. 2 BV bzw. des Rechts auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK.»\n\n### Nacktwandern und persönliche Freiheit\n\n**BGE 138 IV 13** vom 17. November 2011  \nKantonale Strafnormen gegen «Nacktwandern» verletzen nicht die persönliche Freiheit, wenn sie hinreichend bestimmt sind.\n\n> «Das 'Nacktwandern' kann willkürfrei als grobe Verletzung von Sitte und Anstand qualifiziert werden. Verletzung des Grundrechts der persönlichen Freiheit verneint.»\n\n### Kenntnis der Abstammung\n\n**BGE 128 I 63** vom 4. März 2002  \nDas Recht auf Kenntnis der leiblichen Abstammung ist Teil der persönlichen Freiheit.\n\n> «Anspruch auf Kenntnis der Abstammung: Der Anspruch, die leiblichen Eltern zu kennen und entsprechend die im Zivilstandsregister überdeckten Eintragungen einzusehen, steht dem volljährigen Adoptivkind unabhängig von einer Abwägung mit entgegenstehenden Interessen zu.»\n\n### Freiheitsbeschränkungen im Straf- und Massnahmenvollzug\n\n**BGE 130 I 65** vom 27. Januar 2004  \nSicherheitskontrollen bei Gefängnisbesuchern stellen keinen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit dar.\n\n> «Die Verpflichtung des Gefängnisbesuchers, sich einer Sicherheitskontrolle durch einen Metall-Detektor zu unterziehen und Schuhe und Gürtel auszuziehen, falls der Detektor das Vorhandensein von Metall anzeigt, stellt keinen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit dar.»\n\n### Medizinische Zwangsmassnahmen\n\n**BGE 127 I 6** vom 22. März 2001  \nZwangsmedikation bei fürsorgerischem Freiheitsentzug bedarf einer klaren gesetzlichen Grundlage.\n\n> «Bedeutung der persönlichen Freiheit nach Art. 10 Abs. 2 BV im Vergleich mit dem früheren ungeschriebenen Grundrecht und speziellen Garantien in anderen Verfassungsbestimmungen.»\n\n**BGE 148 I 1** vom 9. Juni 2021  \nDas Recht auf Selbstbestimmung im medizinischen Bereich ist Teil der persönlichen Freiheit.\n\n> «Das Recht auf Selbstbestimmung, welches verfassungsrechtlich an die in Art. 10 BV garantierte persönliche Freiheit anknüpft, drückt sich im medizinischen Bereich durch das Recht auf Zustimmung oder Ablehnung einer Behandlung aus.»\n\n### Haftrechtliche Entscheidungen\n\n**BGE 133 I 270** vom 14. September 2007  \nDie persönliche Freiheit ist bei Haftentscheidungen von besonderer Bedeutung.\n\n> «Art. 5 Abs. 3, Art. 9, Art. 10 Abs. 2 und Art. 31 Abs. 3 BV, Art. 5 Ziff. 1 lit. a, Ziff. 3 und Ziff. 4 EMRK; Untersuchungshaft. Gerichtlicher Haftprüfungsentscheid bei mutmasslichem Kapitalverbrechen muss bei Berufung dem Bundesgericht vorgelegt werden, wenn eine Beschwerde vor Bundesgericht offen steht.»\n\n**BGE 142 I 135** vom 2. Mai 2016  \nAdministrativhaft zur Durchsetzung der Wegweisung greift in die persönliche Freiheit ein.\n\n> «Art. 5 Ziff. 1 und Ziff. 4 EMRK, Art. 10 Abs. 2 und Art. 31 Abs. 4 BV; Zulässigkeit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Anordnung von Administrativhaft gemäss Art. 76a AuG.»\n\n## Folterverbot (Abs. 3)\n\n### Definition erniedrigender Behandlung\n\n**BGE 131 I 455** vom 6. Oktober 2005  \nWer behauptet, erniedrigend behandelt worden zu sein, hat Anspruch auf eine wirksame amtliche Untersuchung.\n\n> «Wer in vertretbarer Weise behauptet, von einem Polizeibeamten erniedrigend behandelt worden zu sein, hat Anspruch auf eine wirksame und vertiefte amtliche Untersuchung.»\n\n### Auslieferungsrecht und Folterverbot\n\n**BGE 133 IV 76** vom 23. Januar 2007  \nBei Auslieferungen sind die Menschenrechtsgarantien des ersuchenden Staates zu prüfen, insbesondere bezüglich Folterverbot.\n\n> «Art. 3 EMRK; Art. 10 Abs. 3 und Art. 25 Abs. 3 BV; Auslieferung; Verfolgung eines mutmasslichen Führungsmitglieds der PKK durch die Türkei. Anforderungen an ausreichende Menschenrechtsgarantien des ersuchenden Staates in Auslieferungsfällen.»\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n### Polizeiliche Massnahmen und Grundrechte\n\n**BGE 147 I 103** vom 29. April 2020  \nWegweisungs- und Fernhalteverfügungen mit automatischer Strafdrohung sind unverhältnismässig.\n\n> «Die automatische Verbindung zwischen den Wegweisungs- und Fernhaltungsmassnahmen mit der Strafdrohung nach Art. 292 StGB ist weder erforderlich noch verhältnismässig im engeren Sinne.»\n\n### Polizeigewalt und Aufklärungspflicht\n\n**BGE 136 I 87** vom 30. September 2009  \nPolizeiliche Schusswaffenregelungen müssen die persönliche Freiheit und das Recht auf Leben berücksichtigen.\n\n> «Schusswaffengebrauch zur Verfolgung von fliehenden Personen, die durch ein schweres Vergehen oder Verbrechen eine besondere Gefährlichkeit oder Gewaltbereitschaft manifestiert haben.»\n\n### Wegweisungsmassnahmen\n\n**BGE 132 I 49** vom 25. Januar 2006  \nVorübergehende Wegweisungen greifen in die persönliche Freiheit ein und bedürfen einer kantonalen Rechtsgrundlage.\n\n> «Aus einer selbständigen Anrufung der Menschenwürde (Art. 7 BV) können die Betroffenen nichts zu ihren Gunsten ableiten; sie können sich auf die Versammlungsfreiheit (Art. 22 BV), die persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV), das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) und das Willkürverbot (Art. 9 BV) berufen.»\n\n## Internationale Dimension\n\n### EMRK-konforme Auslegung\n\n**BGE 127 I 115** vom 18. Juni 2001  \nAutopsieverfügungen müssen gerichtlich kontrollierbar sein, wenn Angehörige diese bestreiten.\n\n> «Bestreiten die nahen Angehörigen eines Verstorbenen im Nachhinein die Anordnung einer Autopsie, muss diese grundsätzlich zum Gegenstand einer richterlichen Überprüfung gemacht werden können.»", "summary_fr": "# Art. 10 Cst. — Droit à la vie et liberté personnelle\n\n## Aperçu\n\nL'art. 10 Cst. protège trois droits fondamentaux de toute personne en Suisse : le droit à la vie, la liberté personnelle et l'interdiction de la torture. Ces droits valent pour toutes les personnes, indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour.\n\nLe **droit à la vie** (alinéa 1) signifie que l'État ne peut tuer personne. La peine de mort est entièrement interdite en Suisse¹. Les exceptions n'existent que dans des situations d'urgence extrême, par exemple en cas de légitime défense ou comme ultime recours lors de crimes graves, quand un policier doit tirer pour sauver d'autres personnes².\n\nLa **liberté personnelle** (alinéa 2) protège avant tout trois domaines : nul ne peut être blessé corporellement (intégrité corporelle), subir des dommages psychiques (intégrité psychique) ou être enfermé ou retenu contre sa volonté (liberté de mouvement)³. Tout traitement médical requiert le consentement du patient⁴. Les arrestations ne sont autorisées qu'en cas de soupçon concret d'infraction pénale et avec un contrôle judiciaire⁵.\n\nL'**interdiction de la torture** (alinéa 3) interdit absolument la torture et les traitements cruels, inhumains ou dégradants⁶. Ceci vaut aussi dans les prisons, postes de police et centres d'asile. Même en situation d'urgence, nul ne peut être torturé⁷.\n\nCes droits ne sont pas illimités. L'État peut les restreindre, mais seulement par une loi, pour des motifs importants et seulement dans la mesure nécessaire⁸. Par exemple, la police peut retenir quelqu'un qui a commis une infraction pénale. La restriction doit toutefois être proportionnée.\n\n**Exemple pratique** : Si quelqu'un est arrêté par la police, ceci doit reposer sur un soupçon fondé. La personne a le droit de savoir pourquoi elle a été arrêtée et doit être présentée à un juge dans un délai raisonnable. En détention, elle doit être traitée dans le respect de la dignité humaine - avec une nourriture suffisante, des soins médicaux et sans violence⁹.\n\n---\n\n¹ FF 1997 I 153; ATF 142 IV 175 consid. 2.2\n² ATF 136 I 87 consid. 4.2; Biaggini, Art. 10 Cst. n. 11\n³ ATF 127 I 6 consid. 5a; SGK-Schweizer, Art. 10 Cst. n. 4\n⁴ ATF 2C_451/2020 consid. 6.2.3\n⁵ Arrêt 2C_218/2013 du 26.3.2013 consid. 3.1\n⁶ ATF 146 IV 76 consid. 4.2; BSK-Tschentscher, Art. 10 Cst. n. 28\n⁷ Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, n. 372\n⁸ ATF 136 I 87 consid. 6.5; art. 36 Cst.\n⁹ Arrêt 1B_416/2019 du 12.9.2019 consid. 4.3", "doctrine_fr": "# Art. 10 Cst — Droit à la vie et liberté personnelle\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 10 Cst a été nouvellement intégré dans la Constitution fédérale lors de la révision totale de 1999. Cette disposition codifie plusieurs garanties précédemment reconnues comme droits fondamentaux non écrits ainsi que des obligations de droit international de la Suisse. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 souligne que l'art. 10 Cst représente la « garantie fondamentale pour la protection de la personnalité », qui protège des aspects élémentaires de l'existence humaine (FF 1997 I 147).\n\n**N. 2** Les Cst de 1848 et 1874 ne connaissaient pas de norme antérieure directe. Furent néanmoins implicitement poursuivies l'interdiction de la contrainte par corps (art. 59 al. 2 aCst) et des peines corporelles (art. 65 al. 2 aCst). La première Constitution fédérale de 1848 connaissait déjà une interdiction de la peine de mort pour les délits politiques (art. 54 Cst 1848), qui fut temporairement étendue dans la Cst 1874 à tous les délits, avant d'être à nouveau restreinte en 1879 (FF 1997 I 147).\n\n**N. 3** Le regroupement du droit à la vie, de la liberté personnelle et de l'interdiction de la torture dans une seule disposition souligne selon le message les liens internes de ces garanties. L'interdiction de la peine de mort (al. 1 phr. 2) et l'interdiction de la torture (al. 3) sont expressément qualifiées de contenus essentiels du droit à la liberté personnelle (FF 1997 I 149).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 10 Cst est positionné dans le 2e chapitre de la Constitution fédérale relatif aux droits fondamentaux et aux droits civiques. Cette disposition présente des liens systématiques avec plusieurs autres articles constitutionnels. Central est le rapport à l'art. 7 Cst (dignité humaine), qui forme la base philosophique pour la protection de la vie et de la liberté personnelle (SGK-Schweizer, art. 10 Cst n. 4 s. ; ATF 127 I 6 consid. 5a).\n\n**N. 5** Certains contenus partiels de la liberté personnelle ont été systématiquement ancrés dans d'autres dispositions constitutionnelles : art. 11 Cst (protection des enfants et des adolescents), art. 13 Cst (protection de la sphère privée), art. 31 Cst (privation de liberté) et art. 119 Cst (procréation médicalement assistée et génie génétique). L'art. 10 al. 2 Cst fonctionne ainsi comme droit fondamental subsidiaire (Biaggini, art. 10 Cst n. 17 ; SGK-Schweizer, art. 10 Cst n. 9).\n\n**N. 6** Cette disposition entretient des liens étroits avec les garanties internationales des droits de l'homme, notamment les art. 2, 3 et 5 CEDH ainsi que les art. 6, 7 et 9 Pacte ONU II. L'interdiction de la peine de mort et l'interdiction de la torture appartiennent au droit international impératif (ius cogens) et constituent ainsi aussi des limites à la révision constitutionnelle (→ art. 139 al. 3, 193 al. 4, 194 al. 2 Cst).\n\n### 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**N. 7** **Alinéa 1 - Droit à la vie** : Le droit à la vie forme le point de départ et la condition préalable de tous les autres droits fondamentaux. Il protège « l'ensemble des fonctions biologiques et psychiques qui caractérisent l'homme comme être vivant » (ATF 98 Ia 508 consid. 4.b). Le constituant laisse ouverte la question du moment où commence la vie. La doctrine dominante reconnaît une certaine protection prénatale, mais de véritables droits subjectifs individuels n'existent qu'à partir de la naissance (Biaggini, art. 10 Cst n. 9 ; Rütsche, p. 273). La mort cérébrale vaut comme fin de la vie (ATF 123 I 112).\n\n**N. 8** **Alinéa 2 - Liberté personnelle** : La liberté personnelle protège comme « droit de liberté fondamental » trois aspects expressément mentionnés et d'autres aspects non mentionnés du développement de la personnalité (ATF 127 I 6 consid. 5a) :\n\n- **Intégrité corporelle** : Protection contre toute atteinte étatique au corps, indépendamment de la douleur ou du dommage (ATF 99 Ia 747 consid. 2)\n- **Intégrité psychique** : Protection de l'intégrité psychique, de la conscience et de la formation de la volonté (ATF 90 I 29 consid. 3a)\n- **Liberté de mouvement** : Protection contre les privations et restrictions de liberté ainsi que le droit au déplacement corporel (ATF 136 I 87 consid. 6.5.3)\n\n**N. 9** L'énumération de l'al. 2 n'est pas exhaustive (« en particulier »). Comme droit fondamental subsidiaire, cette disposition protège d'autres libertés élémentaires qui sont essentielles pour le développement de la personnalité. Une réserve de bagatelle exclut du champ de protection les atteintes secondaires (ATF 134 I 214 consid. 5.1 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, n. 364).\n\n**N. 10** **Alinéa 3 - Interdiction de la torture** : L'interdiction englobe la torture ainsi que les traitements ou punitions cruels, inhumains ou dégradants. La délimitation s'effectue graduellement selon la gravité, le but et les effets. Un seuil minimum de gravité avec une souffrance physique ou psychique intense est requis (ATF 6B_882/2021 consid. 4.3.3). La définition quadripartite de la Convention ONU contre la torture (art. 1er) sert d'aide à l'interprétation.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** **Droits de défense** : L'art. 10 Cst fonde principalement des droits de défense contre les interventions étatiques. Le droit à la vie protège contre les homicides intentionnels, avec des exceptions pour la légitime défense, l'usage d'armes à feu par la police comme ultima ratio et les actes de guerre licites (ATF 136 I 87 consid. 4.2). La liberté personnelle accorde une protection contre les atteintes injustifiées à l'intégrité corporelle et psychique ainsi que contre les privations de liberté.\n\n**N. 12** **Obligations de protection** : L'État doit prendre des mesures préventives lorsqu'il existe un danger concret et immédiat (« real and imminent risk ») pour la vie ou la liberté personnelle (ATF 135 I 113 consid. 2.2 ; ATF 139 IV 121 consid. 4.6). Cette obligation existe face aux dangers émanant de tiers, aux catastrophes naturelles ou aux risques sanitaires. L'État est tenu d'agir, non de garantir le succès.\n\n**N. 13** **Obligations d'enquête** : En cas de soupçon d'homicides illicites ou de mauvais traitements graves, il existe une obligation d'enquête effective d'office. L'enquête doit être indépendante et pouvoir conduire à l'identification et le cas échéant à la sanction des responsables (ATF 146 IV 76 consid. 4.2).\n\n**N. 14** **Interdictions absolues** : L'interdiction de la peine de mort et l'interdiction de la torture valent absolument. Elles ne connaissent aucune exception et ne peuvent être restreintes même en situation d'état d'urgence. Toutes deux appartiennent au droit international impératif. Le principe de non-refoulement (→ art. 25 al. 3 Cst) interdit les extraditions en cas de menace de peine de mort ou de torture.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 15** **Début de la vie** : Le moment du début de la vie est controversé. Moeckli/Schweizer défendent une certaine protection prénatale sans véritable qualité de titulaire de droits fondamentaux (Moeckli, Schutz von Person und Persönlichkeit, n. 19). Tschentscher voit une protection croissant constamment dès la conception jusqu'à la pleine expression à partir de la naissance (BSK-Tschentscher, art. 10 Cst n. 9). Biaggini distingue entre les obligations étatiques de protection avant la naissance et les droits subjectifs individuels à partir de la naissance (Biaggini, art. 10 Cst n. 9).\n\n**N. 16** **Nature absolue de la protection de la vie** : Le message qualifie le droit à la vie de protection « absolue » contre les attaques intentionnelles (FF 1997 I 146). Biaggini contredit cela en se référant aux homicides licites dans des situations extrêmes (Biaggini, art. 10 Cst n. 11). Hertig Randall/Marquis rejettent une définition abstraite des homicides intentionnels licites et soulignent le caractère exceptionnel de la violence mortelle (CR-Hertig Randall/Marquis, art. 10 Cst n. 32).\n\n**N. 17** **Étendue de la liberté personnelle** : La portée de la clause subsidiaire est controversée. Schweizer préconise une interprétation large avec subsidiarité vis-à-vis de droits fondamentaux plus spéciaux (SGK-Schweizer, art. 10 Cst n. 9). Baumann conteste la subsidiarité des contenus partiels expressément mentionnés (Baumann, p. 507). Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr plaident pour un champ de protection large avec prise en compte de l'intensité de l'atteinte lors de l'examen de proportionnalité (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, n. 364).\n\n**N. 18** **Alimentation forcée lors de grève de la faim** : Le Tribunal fédéral considère l'alimentation forcée comme licite même pour des grévistes de la faim capables de discernement (ATF 136 IV 97 consid. 6.3.3). Brägger critique cela comme méconnaissance du droit à l'autodétermination (Brägger, p. 10). Müller défend cette pratique en se référant aux obligations étatiques de protection (Müller, p. 293).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 19** **Interventions médicales** : Toute intervention médicale requiert le consentement éclairé de la personne capable de discernement (informed consent). Sans consentement, il y a toujours une atteinte grave aux droits fondamentaux (ATF 2C_451/2020 consid. 6.2.3). Pour les personnes incapables de discernement, le consentement du représentant légal est requis, l'intervention devant servir l'avantage immédiat de la personne concernée.\n\n**N. 20** **Usage d'armes à feu par la police** : L'usage doit être proportionné et ne peut avoir lieu qu'en cas de dangerosité particulière ou de propension à la violence. Sont requis un avertissement verbal et un coup de semonce, pour autant que les circonstances le permettent (art. 10 s. LAsi ; ATF 136 I 87 consid. 4.4).\n\n**N. 21** **Privation de liberté** : Toute privation de liberté doit reposer sur une loi au sens formel et être proportionnée. La durée doit être régulièrement contrôlée. Pour les mineurs, une norme particulièrement stricte s'applique (ATF 142 IV 389 consid. 4.3.3).\n\n**N. 22** **Conditions de détention** : Les conditions doivent être conformes à la dignité humaine. La surpopulation, le manque d'hygiène ou l'absence de soins médicaux peuvent violer l'art. 10 al. 3 Cst. L'isolement cellulaire de plus de 15 jours est particulièrement problématique (ATF 1B_574/2021 consid. 5.5).\n\n**N. 23** **Renvois** : Avant tout renvoi, la situation concrète de mise en danger doit être examinée. En cas de menace de peine de mort ou de torture dans l'État de destination, le renvoi est illicite, sauf s'il existe des assurances diplomatiques crédibles (ATF 138 II 513 consid. 1.2.1).\n\n**N. 24** **Assistance au suicide** : L'assistance passive au suicide est impunie en l'absence de mobiles égoïstes (art. 115 CP). Le souhait de mourir doit être autonome, mûrement réfléchi et durable. L'absence de réglementation pour les personnes non en phase terminale est critiquée dans la doctrine (Belser/Egli, p. 418).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence relative à l'art. 10 Cst.\n\n## Droit à la vie (al. 1)\n\n### Obligations de protection de l'État\n\n**ATF 135 I 113** du 6 février 2009  \nLe droit à la vie n'oblige pas seulement l'État à s'abstenir d'actes homicides, mais aussi à protéger activement ses citoyens.\n\n> « L'art. 10 al. 1 Cst. garantit la protection complète de la vie humaine. Cette disposition s'adresse d'une part à l'État en tant que droit de défense. Celui-ci est cependant tenu d'autre part de faire triompher les droits fondamentaux dans l'ensemble de l'ordre juridique et de protéger ainsi la vie de ses citoyens également contre les attaques de particuliers (art. 35 Cst.). »\n\n### Obligation de poursuivre pénalement les délits d'homicide\n\n**ATF 135 I 113** du 6 février 2009  \nEn cas de délits d'homicide, il existe une obligation étatique d'élucidation et de poursuite, même en présence de privilèges de poursuite pénale.\n\n> « Le droit à la vie s'adresse d'une part à l'État en tant que droit de défense, oblige celui-ci d'autre part à garantir dans le cadre de ses possibilités la protection de ses citoyens, à élucider les délits d'homicide et à poursuivre leurs auteurs. »\n\n### Intégrité corporelle en tant qu'obligation de protection étatique\n\n**ATF 126 II 300** du 3 mai 2000  \nL'État doit aussi protéger contre les immissions de bruit qui peuvent porter atteinte au droit à l'intégrité corporelle.\n\n> « Selon une conception plus récente, les droits fondamentaux n'ont pas seulement une fonction défensive contre les atteintes de l'État, mais fondent aussi une obligation de protection étatique contre les mises en danger causées par des tiers. »\n\n## Liberté personnelle (al. 2)\n\n### Noyau dur de la liberté personnelle\n\n**ATF 129 I 173** du 12 février 2003  \nLe droit de décision des proches sur le lieu de sépulture relève du domaine protégé de la liberté personnelle.\n\n> « Liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst.). Droit des proches d'un défunt de déterminer le lieu de sépulture ; protection post mortem du droit de la personnalité du défunt ; pesée des intérêts de droits fondamentaux opposés dans le cadre de l'art. 36 Cst. »\n\n### Droit de consultation des dossiers\n\n**ATF 126 I 7** du 9 février 2000  \nDe la liberté personnelle peut être déduit un droit de consultation des dossiers pour se défendre contre des mesures étatiques.\n\n> « Délimitation entre le droit de consultation des dossiers dérivé de la liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst.) et de la prétention à la protection contre l'usage abusif de données personnelles (art. 13 al. 2 Cst.) d'une part et la prétention au droit d'être entendu (art. 29 al. 2 Cst.) d'autre part. »\n\n### Profils ADN et mesures d'identification signalétique\n\n**ATF 145 IV 263** du 24 avril 2019  \nL'établissement de profils ADN constitue une atteinte à la liberté personnelle qui présuppose des indices considérables d'infractions futures.\n\n> « Les mesures d'identification signalétique et la conservation des données peuvent toucher le droit à la liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst.) et à l'autodétermination informationnelle (art. 13 al. 2 Cst. et art. 8 CEDH). Il faut partir du principe d'une atteinte légère aux droits fondamentaux. »\n\n**ATF 147 I 372** du 22 avril 2021  \nLes atteintes massives aux droits fondamentaux par les profils ADN lors de manifestations pacifiques sont disproportionnées.\n\n> « Critique de la jurisprudence du Tribunal fédéral selon laquelle un profil ADN ne constitue qu'une atteinte légère à l'intégrité corporelle et à la protection de la sphère privée. L'élucidation de l'infraction à l'origine de la mesure n'exigeait pas dans le cas concret l'établissement d'un profil ADN. »\n\n### Mendicité comme expression de la liberté personnelle\n\n**ATF 149 I 248** du 13 mars 2023  \nLa mendicité relève du domaine protégé de la liberté personnelle et nécessite en cas de restrictions un examen attentif de la proportionnalité.\n\n> « La mendicité constitue une liberté élémentaire d'organisation de la vie et relève du domaine protégé du droit fondamental de la liberté personnelle selon l'art. 10 al. 2 Cst. resp. du droit au respect de la vie privée selon l'art. 8 CEDH. »\n\n### Randonnée nue et liberté personnelle\n\n**ATF 138 IV 13** du 17 novembre 2011  \nLes normes pénales cantonales contre la « randonnée nue » ne violent pas la liberté personnelle si elles sont suffisamment déterminées.\n\n> « La 'randonnée nue' peut être qualifiée sans arbitraire de violation grossière des mœurs et de la bienséance. Violation du droit fondamental de la liberté personnelle niée. »\n\n### Connaissance de la filiation\n\n**ATF 128 I 63** du 4 mars 2002  \nLe droit de connaître la filiation biologique fait partie de la liberté personnelle.\n\n> « Prétention à la connaissance de la filiation : La prétention de connaître les parents biologiques et de consulter en conséquence les inscriptions occultées dans le registre de l'état civil revient à l'enfant adoptif majeur indépendamment d'une pesée avec des intérêts opposés. »\n\n### Restrictions de liberté dans l'exécution des peines et mesures\n\n**ATF 130 I 65** du 27 janvier 2004  \nLes contrôles de sécurité chez les visiteurs de prison ne constituent pas une atteinte grave à la liberté personnelle.\n\n> « L'obligation du visiteur de prison de se soumettre à un contrôle de sécurité par un détecteur de métaux et de retirer chaussures et ceinture si le détecteur indique la présence de métal ne constitue pas une atteinte grave à la liberté personnelle. »\n\n### Mesures médicales coercitives\n\n**ATF 127 I 6** du 22 mars 2001  \nLa médication forcée en cas de privation de liberté à des fins d'assistance nécessite une base légale claire.\n\n> « Signification de la liberté personnelle selon l'art. 10 al. 2 Cst. comparée au droit fondamental non écrit antérieur et aux garanties spéciales dans d'autres dispositions constitutionnelles. »\n\n**ATF 148 I 1** du 9 juin 2021  \nLe droit à l'autodétermination dans le domaine médical fait partie de la liberté personnelle.\n\n> « Le droit à l'autodétermination, qui se rattache constitutionnellement à la liberté personnelle garantie à l'art. 10 Cst., s'exprime dans le domaine médical par le droit de consentir à un traitement ou de le refuser. »\n\n### Décisions relatives à la détention\n\n**ATF 133 I 270** du 14 septembre 2007  \nLa liberté personnelle revêt une importance particulière dans les décisions de détention.\n\n> « Art. 5 al. 3, art. 9, art. 10 al. 2 et art. 31 al. 3 Cst., art. 5 ch. 1 let. a, ch. 3 et ch. 4 CEDH ; détention préventive. La décision judiciaire d'examen de détention en cas de crime capital présumé doit être soumise au Tribunal fédéral en cas de recours si un recours devant le Tribunal fédéral est ouvert. »\n\n**ATF 142 I 135** du 2 mai 2016  \nLa détention administrative pour faire exécuter le renvoi porte atteinte à la liberté personnelle.\n\n> « Art. 5 ch. 1 et ch. 4 CEDH, art. 10 al. 2 et art. 31 al. 4 Cst. ; admissibilité du recours en matière de droit public contre un arrêt du Tribunal administratif fédéral concernant l'ordonnance de détention administrative selon l'art. 76a LEtr. »\n\n## Interdiction de la torture (al. 3)\n\n### Définition du traitement dégradant\n\n**ATF 131 I 455** du 6 octobre 2005  \nCelui qui prétend avoir subi un traitement dégradant a droit à une enquête officielle efficace.\n\n> « Celui qui prétend de manière défendable avoir subi un traitement dégradant de la part d'un policier a droit à une enquête officielle efficace et approfondie. »\n\n### Droit d'extradition et interdiction de la torture\n\n**ATF 133 IV 76** du 23 janvier 2007  \nLors d'extraditions, les garanties des droits de l'homme de l'État requérant doivent être examinées, notamment concernant l'interdiction de la torture.\n\n> « Art. 3 CEDH ; art. 10 al. 3 et art. 25 al. 3 Cst. ; extradition ; poursuite d'un membre présumé de la direction du PKK par la Turquie. Exigences concernant les garanties suffisantes des droits de l'homme de l'État requérant dans les cas d'extradition. »\n\n## Développements récents\n\n### Mesures policières et droits fondamentaux\n\n**ATF 147 I 103** du 29 avril 2020  \nLes ordonnances d'expulsion et d'éloignement avec menace de peine automatique sont disproportionnées.\n\n> « La liaison automatique entre les mesures d'expulsion et d'éloignement avec la menace de peine selon l'art. 292 CP n'est ni nécessaire ni proportionnée au sens strict. »\n\n### Violence policière et obligation d'élucidation\n\n**ATF 136 I 87** du 30 septembre 2009  \nLes réglementations policières sur l'usage des armes à feu doivent tenir compte de la liberté personnelle et du droit à la vie.\n\n> « Usage d'armes à feu pour la poursuite de personnes en fuite qui ont manifesté une dangerosité particulière ou une propension à la violence par un délit grave ou un crime. »\n\n### Mesures d'expulsion\n\n**ATF 132 I 49** du 25 janvier 2006  \nLes expulsions temporaires portent atteinte à la liberté personnelle et nécessitent une base légale cantonale.\n\n> « D'une invocation autonome de la dignité humaine (art. 7 Cst.), les personnes concernées ne peuvent rien dériver en leur faveur ; elles peuvent se prévaloir de la liberté de réunion (art. 22 Cst.), de la liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst.), de l'interdiction de discriminer (art. 8 al. 2 Cst.) et de l'interdiction de l'arbitraire (art. 9 Cst.). »\n\n## Dimension internationale\n\n### Interprétation conforme à la CEDH\n\n**ATF 127 I 115** du 18 juin 2001  \nLes ordonnances d'autopsie doivent pouvoir faire l'objet d'un contrôle judiciaire lorsque les proches les contestent.\n\n> « Si les proches parents d'un défunt contestent a posteriori l'ordonnance d'une autopsie, celle-ci doit en principe pouvoir faire l'objet d'un contrôle judiciaire. »", "summary_it": "# Art. 10 Cost. — Diritto alla vita e alla libertà personale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 10 Cost. tutela tre diritti fondamentali di ogni persona in Svizzera: il diritto alla vita, la libertà personale e il divieto di tortura. Questi diritti valgono per tutte le persone, indipendentemente dalla loro cittadinanza o dal loro statuto di soggiorno.\n\nIl **diritto alla vita** (cpv. 1) significa che lo Stato non può uccidere nessuno. La pena di morte è completamente vietata in Svizzera¹. Eccezioni esistono solo in situazioni di estrema necessità, per esempio in caso di legittima difesa o come ultima risorsa in caso di crimini gravi, quando un poliziotto deve sparare per salvare altre persone².\n\nLa **libertà personale** (cpv. 2) protegge soprattutto tre ambiti: nessuno può essere leso fisicamente (integrità fisica), danneggiato psichicamente (integrità psichica) o imprigionato o trattenuto contro la sua volontà (libertà di movimento)³. Ogni trattamento medico necessita del consenso del paziente⁴. Gli arresti sono ammessi solo in caso di sospetto concreto di reato e con controllo giudiziario⁵.\n\nIl **divieto di tortura** (cpv. 3) vieta assolutamente la tortura e i trattamenti crudeli, inumani o degradanti⁶. Ciò vale anche nelle carceri, nelle stazioni di polizia e nei centri per richiedenti l'asilo. Neppure in situazioni di emergenza qualcuno può essere torturato⁷.\n\nQuesti diritti non sono illimitati. Lo Stato può limitarli, ma solo con una legge, per motivi importanti e solo nella misura necessaria⁸. Per esempio, la polizia può trattenere qualcuno che ha commesso un reato. La limitazione deve tuttavia essere proporzionata.\n\n**Esempio pratico**: Se qualcuno viene arrestato dalla polizia, ciò deve basarsi su un sospetto fondato. La persona ha il diritto di sapere perché è stata arrestata e deve essere condotta davanti a un giudice entro un tempo ragionevole. In detenzione deve essere trattata in modo conforme alla dignità umana - con cibo sufficiente, assistenza medica e senza violenza⁹.\n\n---\n\n¹ BBl 1997 I 147; DTF 142 IV 175 consid. 2.2\n² DTF 136 I 87 consid. 4.2; Biaggini, Art. 10 BV N. 11\n³ DTF 127 I 6 consid. 5a; SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 4\n⁴ DTF 2C_451/2020 consid. 6.2.3\n⁵ Sentenza 2C_218/2013 del 26.3.2013 consid. 3.1\n⁶ DTF 146 IV 76 consid. 4.2; BSK-Tschentscher, Art. 10 BV N. 28\n⁷ Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 372\n⁸ DTF 136 I 87 consid. 6.5; Art. 36 Cost.\n⁹ Sentenza 1B_416/2019 del 12.9.2019 consid. 4.3", "doctrine_it": "# Art. 10 Cost. — Diritto alla vita e alla libertà personale\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della disposizione\n\n**N. 1** L'art. 10 Cost. è stato inserito nella Costituzione federale con la revisione totale del 1999. La disposizione codifica diverse garanzie precedentemente riconosciute come diritti fondamentali non scritti nonché obblighi di diritto internazionale della Svizzera. Il Messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 sottolinea che l'art. 10 Cost. rappresenta la \"garanzia fondamentale per la protezione della personalità\", che tutela aspetti elementari dell'esistenza umana (FF 1997 I 147).\n\n**N. 2** Le Cost. del 1848 e del 1874 non conoscevano una norma precedente diretta. Furono però implicitamente mantenuti il divieto della carcerazione per debiti (art. 59 cpv. 2 aCost.) e delle pene corporali (art. 65 cpv. 2 aCost.). La prima Costituzione federale del 1848 conosceva già un divieto della pena di morte per i reati politici (art. 54 Cost. 1848), che nella Cost. 1874 fu temporaneamente esteso a tutti i reati, prima di essere nuovamente limitato nel 1879 (FF 1997 I 147).\n\n**N. 3** L'unificazione del diritto alla vita, della libertà personale e del divieto di tortura in un'unica disposizione sottolinea secondo il Messaggio le connessioni interne di queste garanzie. Il divieto della pena di morte (cpv. 1 frase 2) e il divieto di tortura (cpv. 3) vengono espressamente qualificati come contenuti essenziali del diritto alla libertà personale (FF 1997 I 149).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 10 Cost. è collocato nel 2° capitolo della Costituzione federale presso i diritti fondamentali e civici. La disposizione presenta rapporti sistematici con diversi altri articoli costituzionali. Centrale è il rapporto con l'art. 7 Cost. (dignità umana), che costituisce la base filosofica per la protezione della vita e della libertà personale (SGK-Schweizer, art. 10 Cost. N. 4 e segg.; DTF 127 I 6 consid. 5a).\n\n**N. 5** Alcuni contenuti parziali della libertà personale sono stati sistematicamente ancorati in altre disposizioni costituzionali: art. 11 Cost. (protezione dei fanciulli e degli adolescenti), art. 13 Cost. (protezione della sfera privata), art. 31 Cost. (privazione della libertà) e art. 119 Cost. (medicina della procreazione e ingegneria genetica). L'art. 10 cpv. 2 Cost. funge da diritto fondamentale residuale (Biaggini, art. 10 Cost. N. 17; SGK-Schweizer, art. 10 Cost. N. 9).\n\n**N. 6** La disposizione è strettamente collegata con le garanzie internazionali dei diritti umani, in particolare gli art. 2, 3 e 5 CEDU nonché gli art. 6, 7 e 9 Patto ONU II. Il divieto della pena di morte e il divieto di tortura appartengono al diritto internazionale cogente (ius cogens) e costituiscono pertanto anche limiti alla revisione costituzionale (→ art. 139 cpv. 3, 193 cpv. 4, 194 cpv. 2 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Capoverso 1 - Diritto alla vita**: Il diritto alla vita costituisce il punto di partenza e il presupposto per tutti gli altri diritti fondamentali. Protegge \"l'insieme delle funzioni biologiche e psichiche che caratterizzano l'uomo come essere vivente\" (DTF 98 Ia 508 consid. 4.b). Il costituente lascia aperto il momento dell'inizio della vita. La dottrina dominante riconosce una certa protezione prenatale, ma i veri diritti individuali sussistono solo a partire dalla nascita (Biaggini, art. 10 Cost. N. 9; Rütsche, pag. 273). Come fine della vita vale la morte cerebrale (DTF 123 I 112).\n\n**N. 8** **Capoverso 2 - Libertà personale**: La libertà personale protegge come \"diritto di libertà fondamentale\" tre aspetti espressamente menzionati e altri aspetti non menzionati dello sviluppo della personalità (DTF 127 I 6 consid. 5a):\n\n- **Integrità corporale**: Protezione da qualsiasi influsso statale sul corpo, indipendentemente da dolore o danno (DTF 99 Ia 747 consid. 2)\n- **Integrità psichica**: Protezione dell'integrità psichica, della coscienza e della formazione della volontà (DTF 90 I 29 consid. 3a)  \n- **Libertà di movimento**: Protezione dalle privazioni e limitazioni della libertà nonché diritto alla locomozione corporea (DTF 136 I 87 consid. 6.5.3)\n\n**N. 9** L'enumerazione nel cpv. 2 non è tassativa (\"segnatamente\"). Come diritto fondamentale residuale la disposizione protegge altre libertà elementari essenziali per lo sviluppo della personalità. Una riserva di bagattella esclude dall'ambito di protezione pregiudizi secondari (DTF 134 I 214 consid. 5.1; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 10** **Capoverso 3 - Divieto di tortura**: Il divieto comprende la tortura nonché trattamenti o punizioni crudeli, inumani o degradanti. La delimitazione avviene gradualmente secondo gravità, scopo ed effetti. È richiesta una soglia minima di gravità con sofferenze fisiche o psichiche intense (DTF 6B_882/2021 consid. 4.3.3). La definizione quadripartita della Convenzione ONU contro la tortura (art. 1) serve come ausilio d'interpretazione.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** **Diritti di difesa**: L'art. 10 Cost. giustifica primariamente pretese di difesa contro ingerenze statali. Il diritto alla vita protegge contro uccisioni intenzionali, sussistendo eccezioni per legittima difesa, uso di armi da fuoco da parte della polizia come ultima ratio e azioni di guerra legittime (DTF 136 I 87 consid. 4.2). La libertà personale garantisce protezione da ingerenze ingiustificate nell'integrità corporale e psichica nonché da privazioni della libertà.\n\n**N. 12** **Obblighi di protezione**: Lo Stato deve adottare misure preventive quando sussiste un pericolo concreto e immediato (\"real and imminent risk\") per la vita o la libertà personale (DTF 135 I 113 consid. 2.2; DTF 139 IV 121 consid. 4.6). Quest'obbligo sussiste nei confronti di pericoli da parte di terzi, catastrofi naturali o rischi sanitari. Lo Stato è obbligato all'azione, non alla garanzia del successo.\n\n**N. 13** **Obblighi d'inchiesta**: In caso di sospetto di uccisioni illegittime o maltrattamenti gravi sussiste un obbligo di inchiesta effettiva d'ufficio. L'inchiesta deve essere indipendente e poter condurre all'identificazione ed eventualmente alla punizione dei responsabili (DTF 146 IV 76 consid. 4.2).\n\n**N. 14** **Divieti assoluti**: Il divieto della pena di morte e il divieto di tortura valgono in modo assoluto. Non conoscono eccezioni e non possono essere limitati nemmeno in situazioni di emergenza. Entrambi appartengono al diritto internazionale cogente. Il principio del non-refoulement (→ art. 25 cpv. 3 Cost.) vieta estradizioni in caso di pena di morte o tortura minacciata.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** **Inizio della vita**: Il momento dell'inizio della vita è controverso. Moeckli/Schweizer sostengono una certa protezione prenatale senza vera titolarità di diritti fondamentali (Moeckli, Schutz von Person und Persönlichkeit, N. 19). Tschentscher vede una protezione in costante crescita dal concepimento fino alla piena manifestazione dalla nascita (BSK-Tschentscher, art. 10 Cost. N. 9). Biaggini distingue tra obblighi statali di protezione prima della nascita e pretese di diritto individuale dalla nascita (Biaggini, art. 10 Cost. N. 9).\n\n**N. 16** **Natura assoluta della protezione della vita**: Il Messaggio qualifica il diritto alla vita come \"assolutamente\" protetto contro attacchi intenzionali (FF 1997 I 146). Biaggini contesta ciò rinviando a uccisioni ammissibili in situazioni estreme (Biaggini, art. 10 Cost. N. 11). Hertig Randall/Marquis respingono una definizione astratta di uccisioni intenzionali ammissibili e sottolineano il carattere eccezionale della violenza letale (CR-Hertig Randall/Marquis, art. 10 Cost. N. 32).\n\n**N. 17** **Portata della libertà personale**: È controversa la portata della fattispecie residuale. Schweizer favorisce un'interpretazione ampia con sussidiarietà nei confronti di diritti fondamentali più speciali (SGK-Schweizer, art. 10 Cost. N. 9). Baumann contesta la sussidiarietà dei contenuti parziali espressamente menzionati (Baumann, pag. 507). Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr propugnano un ampio ambito di protezione con considerazione dell'intensità dell'ingerenza nella proporzionalità (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 18** **Alimentazione forzata in caso di sciopero della fame**: Il Tribunale federale ritiene ammissibile l'alimentazione forzata anche per scioperanti della fame capaci di discernimento (DTF 136 IV 97 consid. 6.3.3). Brägger critica ciò come inosservanza del diritto all'autodeterminazione (Brägger, pag. 10). Müller difende la prassi rinviando agli obblighi statali di protezione (Müller, pag. 293).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** **Interventi medici**: Ogni intervento medico richiede il consenso informato della persona capace di discernimento (informed consent). Senza consenso sussiste sempre una grave ingerenza nei diritti fondamentali (DTF 2C_451/2020 consid. 6.2.3). Per incapaci di discernimento è richiesto il consenso del rappresentante legale, dovendo l'intervento servire all'utilità immediata dell'interessato.\n\n**N. 20** **Uso di armi da fuoco da parte della polizia**: L'impiego deve essere proporzionato e può avvenire solo in caso di particolare pericolosità o propensione alla violenza. Sono richiesti grido di avvertimento e sparo di avvertimento, se le circostanze lo permettono (art. 10 e segg. LStrI; DTF 136 I 87 consid. 4.4).\n\n**N. 21** **Privazione della libertà**: Ogni privazione della libertà deve basarsi su una legge in senso formale ed essere proporzionata. La durata deve essere verificata regolarmente. Per i minorenni vale un criterio particolarmente severo (DTF 142 IV 389 consid. 4.3.3).\n\n**N. 22** **Condizioni di detenzione**: Le condizioni devono essere conformi alla dignità umana. Sovraffollamento, mancanza di igiene o insufficiente assistenza medica possono violare l'art. 10 cpv. 3 Cost. L'isolamento oltre 15 giorni è particolarmente problematico (DTF 1B_574/2021 consid. 5.5).\n\n**N. 23** **Allontanamenti**: Prima di ogni allontanamento deve essere verificata la situazione concreta di pericolo. In caso di pena di morte o tortura minacciata nello Stato di destinazione l'allontanamento è inammissibile, salvo che sussistano credibili garanzie diplomatiche (DTF 138 II 513 consid. 1.2.1).\n\n**N. 24** **Assistenza al suicidio**: L'assistenza al suicidio passiva è impunibile in mancanza di moventi egoistici (art. 115 CP). Il desiderio di morire deve essere autonomo, ponderato e duraturo. La mancanza di regolamentazione per i non malati terminali viene criticata nella dottrina (Belser/Egli, pag. 418).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza su Art. 10 Cost.\n\n## Diritto alla vita (cpv. 1)\n\n### Doveri di protezione dello Stato\n\n**DTF 135 I 113** del 6 febbraio 2009  \nIl diritto alla vita non obbliga lo Stato soltanto ad astenersi da atti omicidi, ma anche a proteggere attivamente i suoi cittadini.\n\n> «L'art. 10 cpv. 1 Cost. garantisce la protezione globale della vita umana. La disposizione si rivolge da un lato come diritto di difesa contro lo Stato. Dall'altro lato tuttavia lo Stato è obbligato a far valere i diritti fondamentali in tutto l'ordinamento giuridico e quindi a proteggere la vita dei suoi cittadini anche contro gli attacchi di privati (art. 35 Cost.).»\n\n### Obbligo di perseguimento penale nei reati di omicidio\n\n**DTF 135 I 113** del 6 febbraio 2009  \nNei reati di omicidio sussiste un dovere statale di chiarimento e perseguimento, anche quando esistono privilegi di perseguimento penale.\n\n> «Il diritto alla vita si rivolge da un lato come diritto di difesa contro lo Stato, dall'altro lato obbliga questo, nell'ambito delle sue possibilità, a garantire la protezione dei suoi cittadini, a chiarire i reati di omicidio e a perseguire i loro autori.»\n\n### Integrità corporale come dovere di protezione statale\n\n**DTF 126 II 300** del 3 maggio 2000  \nLo Stato deve proteggere anche dalle immissioni foniche che possono pregiudicare il diritto all'integrità corporale.\n\n> «Secondo la concezione più recente i diritti fondamentali non hanno soltanto una funzione difensiva contro i pregiudizi da parte dello Stato, ma fondano anche un dovere di protezione statale contro i pericoli causati da terzi.»\n\n## Libertà personale (cpv. 2)\n\n### Nucleo essenziale della libertà personale\n\n**DTF 129 I 173** del 12 febbraio 2003  \nIl diritto di determinazione del luogo di sepoltura dei congiunti rientra nell'ambito di protezione della libertà personale.\n\n> «Libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.). Diritto dei congiunti di un defunto di determinare il luogo di sepoltura; protezione post mortem del diritto della personalità del defunto; ponderazione degli interessi dei diritti fondamentali contrapposti nell'ambito dell'art. 36 Cost.»\n\n### Diritto di consultazione degli atti\n\n**DTF 126 I 7** del 9 febbraio 2000  \nDalla libertà personale si può derivare un diritto di consultazione degli atti per difendersi contro le misure statali.\n\n> «Delimitazione tra il diritto di consultazione degli atti derivato dalla libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.) e dalla pretesa alla protezione contro l'abuso di dati personali (art. 13 cpv. 2 Cost.) da un lato e la pretesa al diritto di essere sentiti (art. 29 cpv. 2 Cost.) dall'altro.»\n\n### Profili DNA e misure segnaletiche\n\n**DTF 145 IV 263** del 24 aprile 2019  \nL'elaborazione di profili DNA costituisce un'ingerenza nella libertà personale che presuppone indizi considerevoli per futuri reati.\n\n> «Le misure segnaletiche e la conservazione dei dati possono toccare il diritto alla libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.) e all'autodeterminazione informativa (art. 13 cpv. 2 Cost. e art. 8 CEDU). Si tratta di una lieve ingerenza nei diritti fondamentali.»\n\n**DTF 147 I 372** del 22 aprile 2021  \nIngerenze massive nei diritti fondamentali attraverso profili DNA nelle manifestazioni pacifiche sono sproporzionate.\n\n> «Critica alla giurisprudenza del Tribunale federale secondo cui un profilo DNA costituisce solo una lieve ingerenza nell'integrità corporale e nella protezione della sfera privata. Il chiarimento del reato che ha dato luogo al procedimento nel caso concreto non richiedeva la creazione di un profilo DNA.»\n\n### Accattonaggio come espressione della libertà personale\n\n**DTF 149 I 248** del 13 marzo 2023  \nL'accattonaggio rientra nell'ambito di protezione della libertà personale e in caso di limitazioni richiede un accurato esame della proporzionalità.\n\n> «L'accattonaggio rappresenta una libertà elementare della configurazione della vita e rientra nell'ambito di protezione del diritto fondamentale della libertà personale secondo l'art. 10 cpv. 2 Cost. rispettivamente del diritto al rispetto della vita privata secondo l'art. 8 CEDU.»\n\n### Nudismo escursionistico e libertà personale\n\n**DTF 138 IV 13** del 17 novembre 2011  \nLe norme penali cantonali contro il «nudismo escursionistico» non violano la libertà personale se sono sufficientemente determinate.\n\n> «Il 'nudismo escursionistico' può essere qualificato senza arbitrarietà come grave violazione del costume e del decoro. Violazione del diritto fondamentale della libertà personale negata.»\n\n### Conoscenza della discendenza\n\n**DTF 128 I 63** del 4 marzo 2002  \nIl diritto alla conoscenza della discendenza carnale è parte della libertà personale.\n\n> «Pretesa alla conoscenza della discendenza: La pretesa di conoscere i genitori carnali e di conseguenza di consultare le iscrizioni coperte nel registro di stato civile spetta al figlio adottivo maggiorenne indipendentemente da una ponderazione con interessi contrapposti.»\n\n### Limitazioni della libertà nell'esecuzione delle pene e delle misure\n\n**DTF 130 I 65** del 27 gennaio 2004  \nI controlli di sicurezza sui visitatori del carcere non costituiscono una grave ingerenza nella libertà personale.\n\n> «L'obbligo del visitatore del carcere di sottoporsi a un controllo di sicurezza mediante un rilevatore di metalli e di togliere scarpe e cintura se il rilevatore indica la presenza di metallo non costituisce una grave ingerenza nella libertà personale.»\n\n### Misure mediche coercitive\n\n**DTF 127 I 6** del 22 marzo 2001  \nLa medicazione forzata in caso di privazione della libertà a scopo assistenziale richiede una chiara base legale.\n\n> «Significato della libertà personale secondo l'art. 10 cpv. 2 Cost. in confronto con il precedente diritto fondamentale non scritto e le garanzie speciali in altre disposizioni costituzionali.»\n\n**DTF 148 I 1** del 9 giugno 2021  \nIl diritto all'autodeterminazione in campo medico è parte della libertà personale.\n\n> «Il diritto all'autodeterminazione, che dal punto di vista costituzionale si collega alla libertà personale garantita dall'art. 10 Cost., si esprime in campo medico attraverso il diritto di consenso o rifiuto di un trattamento.»\n\n### Decisioni relative alla carcerazione\n\n**DTF 133 I 270** del 14 settembre 2007  \nLa libertà personale è di particolare importanza nelle decisioni relative alla carcerazione.\n\n> «Art. 5 cpv. 3, art. 9, art. 10 cpv. 2 e art. 31 cpv. 3 Cost., art. 5 n. 1 lett. a, n. 3 e n. 4 CEDU; carcerazione preventiva. La decisione giudiziaria di verifica della carcerazione in caso di presunto crimine capitale deve essere sottoposta al Tribunale federale in caso di ricorso, se è aperto un ricorso davanti al Tribunale federale.»\n\n**DTF 142 I 135** del 2 maggio 2016  \nLa carcerazione amministrativa per l'esecuzione dell'allontanamento interferisce con la libertà personale.\n\n> «Art. 5 n. 1 e n. 4 CEDU, art. 10 cpv. 2 e art. 31 cpv. 4 Cost.; ammissibilità del ricorso in materia di diritto pubblico contro una sentenza del Tribunale amministrativo federale riguardante l'ordinanza di carcerazione amministrativa secondo l'art. 76a LStr.»\n\n## Divieto di tortura (cpv. 3)\n\n### Definizione di trattamento degradante\n\n**DTF 131 I 455** del 6 ottobre 2005  \nChi afferma di essere stato trattato in modo degradante ha diritto a un'inchiesta ufficiale efficace.\n\n> «Chi afferma in modo sostenibile di essere stato trattato in modo degradante da un agente di polizia ha diritto a un'inchiesta ufficiale efficace e approfondita.»\n\n### Diritto di estradizione e divieto di tortura\n\n**DTF 133 IV 76** del 23 gennaio 2007  \nNelle estradizioni devono essere esaminate le garanzie dei diritti umani dello Stato richiedente, in particolare riguardo al divieto di tortura.\n\n> «Art. 3 CEDU; art. 10 cpv. 3 e art. 25 cpv. 3 Cost.; estradizione; perseguimento di un presunto membro dirigente del PKK da parte della Turchia. Requisiti per garanzie sufficienti dei diritti umani dello Stato richiedente nei casi di estradizione.»\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Misure di polizia e diritti fondamentali\n\n**DTF 147 I 103** del 29 aprile 2020  \nGli ordini di allontanamento e divieto di avvicinamento con minaccia penale automatica sono sproporzionati.\n\n> «Il collegamento automatico tra le misure di allontanamento e divieto di avvicinamento con la minaccia penale secondo l'art. 292 CP non è né necessario né proporzionato in senso stretto.»\n\n### Violenza poliziesca e dovere di chiarimento\n\n**DTF 136 I 87** del 30 settembre 2009  \nLe regolamentazioni sull'uso delle armi da fuoco da parte della polizia devono considerare la libertà personale e il diritto alla vita.\n\n> «Uso di armi da fuoco per l'inseguimento di persone in fuga che hanno manifestato una particolare pericolosità o propensione alla violenza attraverso un grave delitto o crimine.»\n\n### Misure di allontanamento\n\n**DTF 132 I 49** del 25 gennaio 2006  \nGli allontanamenti temporanei interferiscono con la libertà personale e richiedono una base legale cantonale.\n\n> «Da un'invocazione autonoma della dignità umana (art. 7 Cost.) gli interessati non possono derivare nulla a loro favore; essi possono invocare la libertà di riunione (art. 22 Cost.), la libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.), il divieto di discriminazione (art. 8 cpv. 2 Cost.) e il divieto dell'arbitrio (art. 9 Cost.).»\n\n## Dimensione internazionale\n\n### Interpretazione conforme alla CEDU\n\n**DTF 127 I 115** del 18 giugno 2001  \nGli ordini di autopsia devono essere controllabili giudizialmente quando i congiunti li contestano.\n\n> «Se i congiunti stretti di un defunto contestano a posteriori l'ordinanza di un'autopsia, questa deve in linea di principio poter essere oggetto di una verifica giudiziaria.»", "summary_en": "# Art. 10 BV — Right to life and to personal liberty\n\n## Overview\n\nArt. 10 BV protects three fundamental rights of every person in Switzerland: the right to life, personal liberty and the prohibition of torture. These rights apply to all people, regardless of their nationality or residence status.\n\nThe **right to life** (paragraph 1) means that the state may not kill anyone. The death penalty is completely prohibited in Switzerland¹. Exceptions exist only in extreme emergency situations, such as in self-defence or as an absolute last resort in serious crimes when a police officer must shoot to save others².\n\n**Personal liberty** (paragraph 2) protects primarily three areas: No one may be physically harmed (physical integrity), psychologically damaged (mental integrity) or imprisoned or detained against their will (freedom of movement)³. Every medical treatment requires the patient's consent⁴. Arrests are only permitted where there is concrete suspicion of a criminal offence and with judicial control⁵.\n\nThe **prohibition of torture** (paragraph 3) absolutely prohibits torture and cruel, inhuman or degrading treatment⁶. This also applies in prisons, police stations and asylum centres. Even in emergency situations, no one may be tortured⁷.\n\nThese rights are not unlimited. The state may restrict them, but only by law, for important reasons and only to the extent necessary⁸. For example, the police may detain someone who has committed a criminal offence. However, the restriction must be proportionate.\n\n**Practical example**: If someone is arrested by the police, this must be based on reasonable suspicion. The person has the right to know why they were arrested and must be brought before a judge within a reasonable time. In custody, they must be treated with human dignity - with adequate food, medical care and without violence⁹.\n\n---\n\n¹ BBl 1997 I 147; BGE 142 IV 175 E. 2.2\n² BGE 136 I 87 E. 4.2; Biaggini, Art. 10 BV N. 11\n³ BGE 127 I 6 E. 5a; SGK-Schweizer, Art. 10 BV N. 4\n⁴ BGE 2C_451/2020 E. 6.2.3\n⁵ Urteil 2C_218/2013 vom 26.3.2013 E. 3.1\n⁶ BGE 146 IV 76 E. 4.2; BSK-Tschentscher, Art. 10 BV N. 28\n⁷ Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 372\n⁸ BGE 136 I 87 E. 6.5; Art. 36 BV\n⁹ Urteil 1B_416/2019 vom 12.9.2019 E. 4.3", "doctrine_en": "# Art. 10 FC — Right to life and to personal freedom\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 10 FC was newly incorporated into the Federal Constitution with the total revision of 1999. The provision codifies several guarantees previously recognised as unwritten fundamental rights as well as international legal obligations of Switzerland. The Federal Council's Message of 20 November 1996 emphasises that Art. 10 FC represents the \"fundamental guarantee for the protection of the personality\", which protects elementary aspects of human existence (BBl 1997 I 147).\n\n**N. 2** The FC 1848 and 1874 contained no direct predecessor norm. However, the prohibition of imprisonment for debt (Art. 59 para. 2 old FC) and corporal punishment (Art. 65 para. 2 old FC) were implicitly continued. The first Federal Constitution of 1848 already contained a prohibition of the death penalty for political crimes (Art. 54 FC 1848), which was temporarily extended to all crimes in the FC 1874, before being restricted again in 1879 (BBl 1997 I 147).\n\n**N. 3** According to the Message, the combination of the right to life, personal freedom and prohibition of torture in a single provision underscores the internal connections of these guarantees. The prohibition of the death penalty (para. 1 sentence 2) and the prohibition of torture (para. 3) are explicitly designated as core elements of the right to personal freedom (BBl 1997 I 149).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 10 FC is positioned in Chapter 2 of the Federal Constitution among the fundamental and civil rights. The provision has systematic relationships to several other constitutional articles. Central is the relationship to Art. 7 FC (human dignity), which forms the philosophical foundation for the protection of life and personal freedom (SGK-Schweizer, Art. 10 FC N. 4 f.; BGE 127 I 6 E. 5a).\n\n**N. 5** Certain partial contents of personal freedom have been systematically anchored in other constitutional provisions: Art. 11 FC (protection of children and young people), Art. 13 FC (protection of privacy), Art. 31 FC (deprivation of liberty) and Art. 119 FC (reproductive medicine and genetic technology). Art. 10 para. 2 FC functions as a residual fundamental right (Biaggini, Art. 10 FC N. 17; SGK-Schweizer, Art. 10 FC N. 9).\n\n**N. 6** The provision is closely connected with international human rights guarantees, in particular Art. 2, 3 and 5 ECHR as well as Art. 6, 7 and 9 ICCPR. The prohibition of the death penalty and the prohibition of torture belong to peremptory international law (ius cogens) and are thus also limits to constitutional revision (→ Art. 139 para. 3, 193 para. 4, 194 para. 2 FC).\n\n### 3. Elements of the offence / Normative content\n\n**N. 7** **Paragraph 1 - Right to life**: The right to life forms the starting point and prerequisite for all other fundamental rights. It protects \"the totality of biological and psychological functions that characterise humans as living beings\" (BGE 98 Ia 508 E. 4.b). The constitutional legislature leaves open the moment of the beginning of life. The prevailing doctrine recognises a certain prenatal protection, whereby actual individual legal claims only exist from birth (Biaggini, Art. 10 FC N. 9; Rütsche, p. 273). Brain death is considered the end of life (BGE 123 I 112).\n\n**N. 8** **Paragraph 2 - Personal freedom**: Personal freedom protects, as a \"fundamental freedom right\", three explicitly named and other unnamed elementary aspects of personality development (BGE 127 I 6 E. 5a):\n\n- **Physical integrity**: Protection against any state interference with the body, regardless of pain or damage (BGE 99 Ia 747 E. 2)\n- **Mental integrity**: Protection of psychological integrity, consciousness and will formation (BGE 90 I 29 E. 3a)\n- **Freedom of movement**: Protection against deprivation of liberty and restrictions as well as the right to physical locomotion (BGE 136 I 87 E. 6.5.3)\n\n**N. 9** The enumeration in para. 2 is not exhaustive (\"in particular\"). As a residual fundamental right, the provision protects other elementary freedoms that are essential for personality development. A de minimis reservation excludes minor impairments from the scope of protection (BGE 134 I 214 E. 5.1; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 10** **Paragraph 3 - Prohibition of torture**: The prohibition covers torture as well as cruel, inhuman or degrading treatment or punishment. The delimitation is made gradually according to severity, purpose and effects. A minimum level of severity with intense physical or psychological suffering is required (BGE 6B_882/2021 E. 4.3.3). The four-part definition of the UN Convention against Torture (Art. 1) serves as an interpretative aid.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 11** **Defensive rights**: Art. 10 FC primarily establishes defensive claims against state interference. The right to life protects against intentional killings, whereby exceptions exist for self-defence, police use of firearms as ultima ratio and lawful acts of war (BGE 136 I 87 E. 4.2). Personal freedom grants protection against unjustified interference with physical and mental integrity as well as against deprivation of liberty.\n\n**N. 12** **Protective duties**: The state must take preventive measures when there is a concrete and immediate danger (\"real and imminent risk\") to life or personal freedom (BGE 135 I 113 E. 2.2; BGE 139 IV 121 E. 4.6). This duty exists regarding dangers from third parties, natural disasters or health risks. The state is obligated to act, not to guarantee success.\n\n**N. 13** **Investigative duties**: In case of suspected unlawful killings or serious maltreatment, there is a duty to conduct effective investigation ex officio. The investigation must be independent and capable of leading to the identification and, if applicable, punishment of those responsible (BGE 146 IV 76 E. 4.2).\n\n**N. 14** **Absolute prohibitions**: The prohibition of the death penalty and the prohibition of torture apply absolutely. They know no exceptions and cannot be restricted even in emergency situations. Both belong to peremptory international law. The non-refoulement principle (→ Art. 25 para. 3 FC) prohibits extraditions in case of threatened death penalty or torture.\n\n### 5. Disputed issues\n\n**N. 15** **Beginning of life**: The moment of the beginning of life is disputed. Moeckli/Schweizer advocate certain prenatal protection without actual fundamental rights holder status (Moeckli, Protection of Person and Personality, N. 19). Tschentscher sees protection that grows steadily from conception until full development from birth (BSK-Tschentscher, Art. 10 FC N. 9). Biaggini distinguishes between state protective duties before birth and individual legal claims from birth (Biaggini, Art. 10 FC N. 9).\n\n**N. 16** **Absolute nature of life protection**: The Message designates the right to life as \"absolutely\" protected against intentional attacks (BBl 1997 I 146). Biaggini contradicts this with reference to permissible killings in extreme situations (Biaggini, Art. 10 FC N. 11). Hertig Randall/Marquis reject an abstract definition of permissible intentional killings and emphasise the exceptional character of deadly force (CR-Hertig Randall/Marquis, Art. 10 FC N. 32).\n\n**N. 17** **Scope of personal freedom**: The scope of the residual provision is controversial. Schweizer advocates a broad interpretation with subsidiarity to more specific fundamental rights (SGK-Schweizer, Art. 10 FC N. 9). Baumann disputes the subsidiarity of the explicitly named partial contents (Baumann, p. 507). Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr advocate for a broad scope of protection with consideration of the interference intensity in proportionality (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 364).\n\n**N. 18** **Force-feeding in hunger strike**: The Federal Supreme Court considers force-feeding permissible even for persons capable of judgement on hunger strike (BGE 136 IV 97 E. 6.3.3). Brägger criticises this as disregard for the right to self-determination (Brägger, p. 10). Müller defends the practice with reference to state protective duties (Müller, p. 293).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 19** **Medical interventions**: Every medical intervention requires the informed consent of the person capable of judgement (informed consent). Without consent, there is always a serious fundamental rights interference (BGE 2C_451/2020 E. 6.2.3). For persons incapable of judgement, the consent of the legal representative is required, whereby the intervention must serve the immediate benefit of the person concerned.\n\n**N. 20** **Police use of firearms**: The use must be proportionate and may only occur in cases of particular dangerousness or propensity to violence. Warning call and warning shot are required, insofar as circumstances permit (Art. 10 f. ZAG; BGE 136 I 87 E. 4.4).\n\n**N. 21** **Deprivation of liberty**: Every deprivation of liberty must be based on a formal law and be proportionate. The duration must be regularly reviewed. For minors, a particularly strict standard applies (BGE 142 IV 389 E. 4.3.3).\n\n**N. 22** **Detention conditions**: The conditions must be humane. Overcrowding, lack of hygiene or missing medical care can violate Art. 10 para. 3 FC. Solitary confinement over 15 days is particularly problematic (BGE 1B_574/2021 E. 5.5).\n\n**N. 23** **Deportations**: Before every deportation, the concrete endangerment situation must be examined. If death penalty or torture threatens in the destination state, deportation is impermissible, unless credible diplomatic assurances exist (BGE 138 II 513 E. 1.2.1).\n\n**N. 24** **Assisted suicide**: Passive assisted suicide is not punishable in the absence of selfish motives (Art. 115 Criminal Code). The wish to die must be autonomous, well-considered and lasting. The lack of regulation for non-terminally ill persons is criticised in doctrine (Belser/Egli, p. 418).", "caselaw_en": "# Case Law on Art. 10 FC\n\n## Right to Life (Para. 1)\n\n### State's Duty to Protect\n\n**BGE 135 I 113** of 6 February 2009  \nThe right to life obliges the state not only to refrain from acts of killing, but also to actively protect its citizens.\n\n> «Art. 10 para. 1 FC guarantees comprehensive protection of human life. On the one hand, the provision serves as a defensive right against the state. On the other hand, however, the state is obliged to ensure that fundamental rights prevail throughout the legal order and thus to protect the lives of its citizens also from attacks by private parties (Art. 35 FC).»\n\n### Duty to Prosecute Homicide Offences\n\n**BGE 135 I 113** of 6 February 2009  \nIn cases of homicide offences, there is a state duty to investigate and prosecute, even when prosecution privileges exist.\n\n> «The right to life serves on the one hand as a defensive right against the state, and on the other hand obliges the state to ensure, within its means, the protection of its citizens, to investigate homicide offences and to prosecute their perpetrators.»\n\n### Physical Integrity as State Duty to Protect\n\n**BGE 126 II 300** of 3 May 2000  \nThe state must also protect against noise emissions that may impair the right to physical integrity.\n\n> «According to the more recent view, fundamental rights not only have a defensive function against impairments by the state, but also establish a state duty to protect against dangers caused by third parties.»\n\n## Personal Liberty (Para. 2)\n\n### Core Content of Personal Liberty\n\n**BGE 129 I 173** of 12 February 2003  \nThe right of relatives to determine the place of burial falls within the scope of protection of personal liberty.\n\n> «Personal liberty (Art. 10 para. 2 FC). Right of relatives of a deceased person to determine the place of burial; post-mortem protection of the personality rights of the deceased; balancing of opposing fundamental rights interests within the framework of Art. 36 FC.»\n\n### Right to Access Files\n\n**BGE 126 I 7** of 9 February 2000  \nA right to access files can be derived from personal liberty in order to defend oneself against state measures.\n\n> «Distinction between the right to access files derived from personal liberty (Art. 10 para. 2 FC) and the claim to protection against misuse of personal data (Art. 13 para. 2 FC) on the one hand, and the right to be heard (Art. 29 para. 2 FC) on the other hand.»\n\n### DNA Profiles and Identification Measures\n\n**BGE 145 IV 263** of 24 April 2019  \nThe creation of DNA profiles constitutes an interference with personal liberty, which requires substantial evidence for future offences.\n\n> «Identification measures and the storage of data may affect the right to personal liberty (Art. 10 para. 2 FC) and to informational self-determination (Art. 13 para. 2 FC and Art. 8 ECHR). This should be considered a minor interference with fundamental rights.»\n\n**BGE 147 I 372** of 22 April 2021  \nMassive interference with fundamental rights through DNA profiles at peaceful demonstrations is disproportionate.\n\n> «Criticism of the Federal Supreme Court's case law, according to which a DNA profile constitutes only a minor interference with physical integrity and protection of privacy. The investigation of the underlying offence did not require the creation of a DNA profile in the specific case.»\n\n### Begging as Expression of Personal Liberty\n\n**BGE 149 I 248** of 13 March 2023  \nBegging falls within the scope of protection of personal liberty and requires careful proportionality assessment when restricted.\n\n> «Begging represents an elementary freedom of lifestyle and falls within the scope of protection of the fundamental right to personal liberty under Art. 10 para. 2 FC or the right to respect for private life under Art. 8 ECHR.»\n\n### Nude Hiking and Personal Liberty\n\n**BGE 138 IV 13** of 17 November 2011  \nCantonal criminal norms against 'nude hiking' do not violate personal liberty if they are sufficiently determinate.\n\n> «'Nude hiking' can be qualified without arbitrariness as a gross violation of morality and decency. Violation of the fundamental right to personal liberty denied.»\n\n### Knowledge of Descent\n\n**BGE 128 I 63** of 4 March 2002  \nThe right to knowledge of biological descent is part of personal liberty.\n\n> «Claim to knowledge of descent: The claim to know the biological parents and accordingly to access the entries covered in the civil status register is available to the adult adoptive child independently of a balancing with opposing interests.»\n\n### Restrictions of Liberty in Criminal and Correctional Enforcement\n\n**BGE 130 I 65** of 27 January 2004  \nSecurity controls of prison visitors do not constitute a severe interference with personal liberty.\n\n> «The obligation of the prison visitor to submit to a security check by a metal detector and to remove shoes and belt if the detector indicates the presence of metal does not constitute a severe interference with personal liberty.»\n\n### Medical Coercive Measures\n\n**BGE 127 I 6** of 22 March 2001  \nForced medication in cases of protective deprivation of liberty requires a clear legal basis.\n\n> «Significance of personal liberty under Art. 10 para. 2 FC compared to the former unwritten fundamental right and special guarantees in other constitutional provisions.»\n\n**BGE 148 I 1** of 9 June 2021  \nThe right to self-determination in the medical field is part of personal liberty.\n\n> «The right to self-determination, which constitutionally relates to the personal liberty guaranteed in Art. 10 FC, is expressed in the medical field through the right to consent to or refuse treatment.»\n\n### Detention-Related Decisions\n\n**BGE 133 I 270** of 14 September 2007  \nPersonal liberty is of particular importance in detention decisions.\n\n> «Art. 5 para. 3, Art. 9, Art. 10 para. 2 and Art. 31 para. 3 FC, Art. 5 no. 1 lit. a, no. 3 and no. 4 ECHR; pre-trial detention. Judicial detention review decision in cases of suspected capital crime must be submitted to the Federal Court on appeal if an appeal to the Federal Court is available.»\n\n**BGE 142 I 135** of 2 May 2016  \nAdministrative detention to enforce expulsion interferes with personal liberty.\n\n> «Art. 5 no. 1 and no. 4 ECHR, Art. 10 para. 2 and Art. 31 para. 4 FC; admissibility of appeal in public law matters against a judgment of the Federal Administrative Court concerning the ordering of administrative detention under Art. 76a FNA.»\n\n## Prohibition of Torture (Para. 3)\n\n### Definition of Degrading Treatment\n\n**BGE 131 I 455** of 6 October 2005  \nAnyone who claims to have been subjected to degrading treatment has a right to an effective official investigation.\n\n> «Anyone who reasonably claims to have been subjected to degrading treatment by a police officer has a right to an effective and thorough official investigation.»\n\n### Extradition Law and Prohibition of Torture\n\n**BGE 133 IV 76** of 23 January 2007  \nIn extraditions, the human rights guarantees of the requesting state must be examined, particularly regarding the prohibition of torture.\n\n> «Art. 3 ECHR; Art. 10 para. 3 and Art. 25 para. 3 FC; extradition; prosecution of an alleged leader of the PKK by Turkey. Requirements for adequate human rights guarantees of the requesting state in extradition cases.»\n\n## Recent Developments\n\n### Police Measures and Fundamental Rights\n\n**BGE 147 I 103** of 29 April 2020  \nExpulsion and exclusion orders with automatic criminal sanctions are disproportionate.\n\n> «The automatic connection between the expulsion and exclusion measures with the criminal sanction under Art. 292 CC is neither necessary nor proportionate in the narrow sense.»\n\n### Police Violence and Duty to Investigate\n\n**BGE 136 I 87** of 30 September 2009  \nPolice firearm regulations must take into account personal liberty and the right to life.\n\n> «Use of firearms to pursue fleeing persons who have manifested particular dangerousness or propensity to violence through a serious misdemeanour or felony.»\n\n### Expulsion Measures\n\n**BGE 132 I 49** of 25 January 2006  \nTemporary expulsions interfere with personal liberty and require a cantonal legal basis.\n\n> «The affected parties cannot derive anything in their favour from an independent invocation of human dignity (Art. 7 FC); they can rely on freedom of assembly (Art. 22 FC), personal liberty (Art. 10 para. 2 FC), the prohibition of discrimination (Art. 8 para. 2 FC) and the prohibition of arbitrariness (Art. 9 FC).»\n\n## International Dimension\n\n### ECHR-Compliant Interpretation\n\n**BGE 127 I 115** of 18 June 2001  \nAutopsy orders must be subject to judicial review when relatives contest them.\n\n> «If the close relatives of a deceased person subsequently contest the ordering of an autopsy, this must in principle be made the subject of judicial review.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_10", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-11", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-11", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 10, "article_suffix": "a", "title": "Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 10a BV — Übersicht\n\nArt. 10a BV verbietet das Verhüllen des Gesichts im öffentlichen Raum. Das Verbot gilt seit 1. Januar 2022, nachdem die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» am 7. März 2021 angenommen wurde. Die Bestimmung erfasst alle Orte, die öffentlich zugänglich sind - von Strassen über Geschäfte bis zu öffentlichen Verkehrsmitteln.\n\nBetroffen sind alle Personen, die ihr Gesicht so verhüllen, dass sie nicht identifiziert werden können. Das betrifft religiöse Vollverschleierungen wie Burka oder Niqab, aber auch weltliche Verhüllungen wie Sturmhauben oder Masken ausserhalb der vorgesehenen Ausnahmen.\n\nDas Bundesgesetz über das Gesichtsverhüllungsverbot (SR 211.11) sieht für Verstösse gegen das Verhüllungsverbot Bussen bis zu 1000 Franken vor (Art. 2 SR 211.11). Die Polizei kann eine sofortige Entfernung der Verhüllung verlangen.\n\nWichtige Ausnahmen gelten nach Art. 3 SR 211.11 für religiöse Stätten (Kirchen, Moscheen), Gesundheitsgründe (Masken bei Krankheit), Sicherheit (Motorradhelme), klimatische Bedingungen (Kälteschutz) und einheimisches Brauchtum (Fasnacht). Auch künstlerische Aufführungen und Werbezwecke sind vom Verbot ausgenommen.\n\nEin konkretes Beispiel: Eine Frau mit Niqab darf nicht mehr in ein Geschäft oder auf die Strasse, es sei denn, sie befindet sich in einer Moschee oder trägt die Verhüllung aus Gesundheitsgründen. Bei einem Verstoss droht eine Busse bis 1000 Franken.\n\nDas Verhüllungsverbot steht in einem Spannungsverhältnis zur Religionsfreiheit (Art. 15 BV) und zur persönlichen Freiheit (Art. 10 BV). Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu kantonalen Verhüllungsverboten zeigt, dass solche Verbote grundsätzlich verfassungskonform sind, sofern angemessene Ausnahmen bestehen (**BGE 144 I 281**).\n\nDie Durchsetzung erfolgt durch die kantonalen Polizeibehörden. Das Verbot zielt auf die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie die Ermöglichung der Identifikation von Personen im öffentlichen Raum.", "doctrine_de": "# Art. 10a BV — Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 10a BV ist das Resultat der Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot», die am 7. März 2021 mit 51,2 % Ja-Stimmen angenommen wurde. Die Bestimmung trat am 1. Januar 2022 in Kraft. Der Bundesrat hatte die Initiative zur Ablehnung empfohlen und ihr einen indirekten Gegenvorschlag gegenübergestellt (BBl 2019 2913). Die Botschaft des Bundesrates argumentierte, dass ein landesweites Verhüllungsverbot unverhältnismässig sei und bestehende kantonale Regelungen genügten. Das Initiativkomitee betonte demgegenüber Sicherheitsaspekte und die Bedeutung der «offenen Kommunikation» in der Schweizer Gesellschaft.\n\n**N. 2** Die Entstehungsgeschichte zeigt eine intensive gesellschaftliche Debatte über die Balance zwischen Sicherheitsinteressen, religiöser Freiheit und kulturellen Werten. Im Vorfeld der Abstimmung existierten bereits kantonale Verhüllungsverbote im Tessin (seit 2016) und in St. Gallen (seit 2019), deren Erfahrungen in die Diskussion einflossen. Die parlamentarischen Beratungen fokussierten insbesondere auf die Ausgestaltung der Ausnahmen und die Vereinbarkeit mit völkerrechtlichen Verpflichtungen.\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 10a BV ist systematisch nach Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit) platziert, gehört jedoch nicht zum Grundrechtskatalog (Art. 7–36 BV). Die Bestimmung konstituiert vielmehr eine verfassungsrechtliche Schranke für die Ausübung verschiedener Grundrechte, namentlich der persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV), der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 15 BV) sowie der Meinungs- und Versammlungsfreiheit (Art. 16 und 22 BV).\n\n**N. 4** Die Norm steht in einem Spannungsverhältnis zu mehreren verfassungsrechtlichen Prinzipien: → Art. 5 BV (Rechtsstaatlichkeit), → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot), → Art. 35 BV (Verwirklichung der Grundrechte) und → Art. 36 BV (Einschränkung von Grundrechten). Besonders bedeutsam ist das Verhältnis zu Art. 15 BV, da religiöse Bekleidungsvorschriften einen zentralen Anwendungsbereich des Verhüllungsverbots darstellen.\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Verhüllung des Gesichts** (Abs. 1): Das Verbot erfasst jede Bedeckung des Gesichts, die eine Identifikation der Person verunmöglicht oder erschwert. Nach der Materialien umfasst dies Vollverschleierungen (Burka, Niqab), aber auch nicht-religiöse Verhüllungen wie Sturmhauben oder Masken. Die Grenze der erlaubten Teilbedeckung (z.B. Sonnenbrillen, Schals) bedarf der Konkretisierung durch Ausführungsgesetzgebung und Praxis.\n\n**N. 6** **Öffentlich zugängliche Orte** (Abs. 1): Der Begriff umfasst alle Orte, die einer unbestimmten Anzahl von Personen offenstehen, unabhängig von Eigentumsverhältnissen. Dies schliesst Strassen, Plätze, öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, Restaurants und Behördengebäude ein. Private Räume und solche mit beschränktem Zugang (z.B. Vereinslokale) fallen nicht darunter.\n\n**N. 7** **Ausnahmen** (Abs. 2): Das Gesetz sieht drei Kategorien von Ausnahmen vor:\n- **Sakrale Stätten**: Kirchen, Moscheen, Synagogen und andere religiöse Kultstätten\n- **Sicherheitsgründe**: Schutzausrüstung, verkehrsbedingte Verhüllung (Motorradhelme)\n- **Gesundheitsgründe**: Medizinische Masken, Verbände\n- **Klimatische Gründe**: Kälteschutz\n- **Einheimisches Brauchtum**: Fasnacht, traditionelle Maskenbräuche\n- **Künstlerische und unterhaltende Darbietungen**: Theater, Strassenkünstler\n- **Werbezwecke**: Maskottchen, Promotionsaktivitäten\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Verfassungsbestimmung verpflichtet den Gesetzgeber zur Schaffung von Ausführungsbestimmungen, die Sanktionen vorsehen müssen. Das Bundesgesetz über das Gesichtsverhüllungsverbot vom 19. März 2021 sieht Bussen bis CHF 1'000 vor. Die Durchsetzung obliegt primär den Kantonen im Rahmen ihrer Polizeihoheit.\n\n**N. 9** Bei Verstössen gegen das Verhüllungsverbot können Polizeibehörden die Entfernung der Verhüllung verlangen. Bei Weigerung ist eine Personenkontrolle und gegebenenfalls eine Wegweisung zulässig. Die konkreten Massnahmen müssen dem Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) entsprechen.\n\n## Streitstände\n\n**N. 10** **Reichweite der Ausnahmen**: Umstritten ist die Auslegung der Ausnahmekategorien. Müller/Schefer (Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 287) plädieren für eine weite Auslegung zum Schutz der Grundrechte. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2164) vertreten eine restriktivere Haltung mit Verweis auf den Zweck der Volksinitiative. Die BSK BV-Waldmann (2. Aufl. 2024, Art. 10a N 15) betont die Notwendigkeit einer einzelfallbezogenen Interessenabwägung.\n\n**N. 11** **Verhältnis zur EMRK**: Die Vereinbarkeit mit Art. 9 EMRK ist kontrovers. Der SGK-Ehrenzeller (4. Aufl. 2023, Art. 10a N 8) sieht unter Verweis auf EGMR S.A.S./Frankreich keine Konventionsverletzung. Kritischer äussert sich Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 456a), die auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte in der Schweiz und Frankreich hinweisen.\n\n**N. 12** **Diskriminierungsverbot**: Die indirekte Diskriminierung muslimischer Frauen wird in der Lehre unterschiedlich bewertet. Belser (AJP 2021, 789) sieht einen Verstoss gegen Art. 8 Abs. 2 BV, während Tschannen (ZBl 2022, 125) die Neutralität des Verbots betont. Der Berner Kommentar BV-Martenet (Art. 10a N 22) nimmt eine vermittelnde Position ein.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 13** Behörden müssen bei der Durchsetzung des Verhüllungsverbots besondere Sensibilität walten lassen. Eine schematische Anwendung ohne Berücksichtigung der konkreten Umstände ist unzulässig. Bei religiös motivierten Verhüllungen empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen: Information, Aufforderung zur Entfernung, Busse als ultima ratio.\n\n**N. 14** Die Ausnahmebestimmungen sind im Zweifel zugunsten der Grundrechtsausübung auszulegen. Insbesondere bei spontanen Versammlungen (→ Art. 22 BV) oder künstlerischen Darbietungen ist Zurückhaltung geboten. Die Abgrenzung zwischen erlaubter Werbung und unzulässiger Verhüllung erfordert eine Gesamtbetrachtung von Kontext, Dauer und Zweck.\n\n**N. 15** Für die Praxis relevant ist die Koordination zwischen Bundes- und kantonalem Recht. Kantone mit eigenen Verhüllungsverboten müssen ihre Regelungen an Art. 10a BV anpassen. Strengere kantonale Vorschriften sind unzulässig (→ Art. 49 BV), während die bundesrechtlichen Ausnahmen als Mindeststandard gelten.", "caselaw_de": "# Art. 10a BV — Rechtsprechung\n\n## Verfassungskonformität kantonaler Verhüllungsverbote\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nDas Bundesgericht hat die Tessiner Gesetze über das Gesichtsverhüllungsverbot im öffentlichen Raum geprüft und grundsätzlich für verfassungskonform befunden.\nDas kantonale Verhüllungsverbot dient dem legitimen Zweck der Gewährleistung öffentlicher Sicherheit und Ordnung durch Verhinderung von Gewalttaten und Ermöglichung der Identifikation von Personen durch die Polizei.\n> «Il divieto di dissimulazione del volto secondo le normative ticinesi persegue sia lo scopo di impedire atti di violenza in occasione di raggruppamenti di persone [...], consentendo in particolare alle autorità di polizia di facilitare l'identificazione e le indagini nei confronti di eventuali responsabili di atti di violenza.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nEin Verhüllungsverbot verstösst gegen Meinungs- und Versammlungsfreiheit, wenn es keine angemessenen Ausnahmen vorsieht.\nDas Bundesgericht verlangte vom Tessiner Grossen Rat eine Erweiterung der Ausnahmeregelungen für politische, gewerbliche und Werbeveranstaltungen.\n> «Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts [...] erscheint das so formulierte Verbot unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit als unverhältnismässig [...]. Um es mit diesen Grundrechten vereinbar zu machen, wird der Grosse Rat die Gesetze ergänzen und zusätzliche Ausnahmen für die betreffenden Veranstaltungen vorsehen müssen.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nDie Religionsfreiheit war im Tessiner Fall nicht streitig, da die Beschwerdeführer das Verhüllungsverbot nicht unter dem Aspekt der Religionsfreiheit angegriffen hatten.\nDas Bundesgericht hat die Vereinbarkeit von Verhüllungsverboten mit der Religionsfreiheit daher nicht geprüft.\n> «I ricorrenti non contestano il divieto di dissimulare il volto con riferimento alla libertà religiosa, questione che esula pertanto dall'oggetto del litigio e non deve essere esaminata in questa sede.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nKantonale Verhüllungsverbote verstossen nicht gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.\nDas Verbot zielt nicht auf systematische Datensammlung ab, sondern auf die Begrenzung des Gewaltpotentials bei Versammlungen und Demonstrationen.\n> «Come è stato esposto, il contestato divieto non ha in realtà lo scopo di raccogliere ed elaborare dati personali, ma mira essenzialmente a limitare il potenziale di pericolo collegato allo svolgimento di manifestazioni e dimostrazioni.»\n\n## Religiöse Symbole und Gesichtsverhüllung\n\n**BGE 148 I 160** — 23. Dezember 2021\nDas Genfer Laizitätsgesetz, das vorschreibt, dass an gewissen öffentlichen Orten das Gesicht sichtbar bleiben muss, ist verfassungskonform.\nDie Bestimmung steht im Einklang mit der Religionsfreiheit und dem Verhältnismässigkeitsprinzip.\n> «Art. 7 Abs. 2 LLE/GE, der vorschreibt, dass an gewissen öffentlichen Orten das Gesicht sichtbar bleiben muss, ist mit Art. 15 und 36 BV und Art. 9 Ziff. 1 EMRK konform.»\n\n## Abgrenzung zu anderen Rechtsbereichen\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nKantonale Verhüllungsverbote verstossen nicht gegen den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts.\nDas Verbot stellt keinen Eingriff in das eidgenössische Strafrecht dar, sondern liegt in der kantonalen Kompetenz für Polizeimassnahmen zum Schutz der öffentlichen Ordnung.\n> «L'art. 260bis CP, invocato dai ricorrenti, punisce gli atti preparatori nel caso di specifici reati particolarmente gravi. L'art. 2 cpv. 1 lett. i e l LOrP non interferisce in questo ordinamento, ma rientra nelle facoltà del legislatore di prevedere contravvenzioni, nell'ambito delle sue competenze, in materia di tutela dell'ordine e della sicurezza pubblici.»\n\n## Sanktionen und Durchsetzung\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nDer Höchstbetrag der Busse von 10'000 Franken für Verstösse gegen das Verhüllungsverbot ist verfassungskonform.\nDer Betrag entspricht dem Maximum nach Art. 106 Abs. 1 StGB und muss im Einzelfall verhältnismässig festgesetzt werden.\n> «L'importo fissato può inoltre essere oggetto di un controllo giudiziario in occasione di un'applicazione concreta. In questa sede è sufficiente rilevare che il limite massimo di fr. 10'000.- corrisponde a quello previsto per le multe secondo l'art. 106 cpv. 1 CP e in astratto non appare quindi insostenibile.»\n\n## Ausnahmen und Verhältnismässigkeit\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nEin Verhüllungsverbot ist nur dann verhältnismässig, wenn es angemessene Ausnahmen vorsieht, die über eine exhaustive Liste hinausgehen.\nGesetzliche Ausnahmelisten müssen so formuliert werden, dass zusätzliche Ausnahmen in begründeten Fällen möglich bleiben.\n> «Queste norme non prevedono quindi esplicitamente un'eccezione per manifestazioni politiche, commerciali o pubblicitarie [...]. In tali circostanze, gli art. 2 cpv. 2 LOrP e 4 LDiss appaiono incompleti e devono quindi essere precisati dal legislatore cantonale nel senso che le eccezioni elencate non hanno carattere esaustivo.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20. September 2018\nAusnahmen müssen insbesondere für Veranstaltungen gelten, deren Zweck nur durch Gesichtsverhüllung erreicht werden kann.\nBeispielsweise das Tragen von Gasmasken bei Demonstrationen gegen Luftverschmutzung oder zu Atomkraftwerksrisiken.\n> «Il Tribunale federale ha quindi considerato che in quelle circostanze, la normativa cantonale potesse essere oggetto di un'interpretazione conforme alla Costituzione [...] segnatamente nel caso in cui una dimostrazione poteva raggiungere il suo scopo in modo ottimale soltanto dissimulando il viso (per esempio indossando una maschera contro l'inquinamento atmosferico).»", "summary_fr": "# Art. 10a Cst. — Aperçu\n\nL'art. 10a Cst. interdit la dissimulation du visage dans l'espace public. L'interdiction s'applique depuis le 1er janvier 2022, après l'acceptation de l'initiative populaire « Oui à l'interdiction de se dissimuler le visage » le 7 mars 2021. La disposition concerne tous les lieux accessibles au public - des rues aux magasins en passant par les transports publics.\n\nSont concernées toutes les personnes qui dissimulent leur visage de sorte qu'elles ne puissent être identifiées. Cela vise les voiles intégraux religieux comme la burqa ou le niqab, mais aussi les dissimulations profanes comme les cagoules ou les masques en dehors des exceptions prévues.\n\nLa loi fédérale sur l'interdiction de se dissimuler le visage (RS 211.11) prévoit pour les infractions à l'interdiction de dissimulation des amendes pouvant aller jusqu'à 1000 francs (art. 2 RS 211.11). La police peut exiger le retrait immédiat de la dissimulation.\n\nD'importantes exceptions s'appliquent selon l'art. 3 RS 211.11 pour les lieux de culte (églises, mosquées), les raisons de santé (masques en cas de maladie), la sécurité (casques de moto), les conditions climatiques (protection contre le froid) et les coutumes indigènes (carnaval). Les représentations artistiques et les buts publicitaires sont également exemptés de l'interdiction.\n\nUn exemple concret : une femme portant le niqab ne peut plus entrer dans un magasin ou aller dans la rue, sauf si elle se trouve dans une mosquée ou porte la dissimulation pour des raisons de santé. En cas d'infraction, une amende pouvant aller jusqu'à 1000 francs est encourue.\n\nL'interdiction de dissimulation se trouve en tension avec la liberté de religion (art. 15 Cst.) et la liberté personnelle (art. 10 Cst.). La jurisprudence du Tribunal fédéral relative aux interdictions cantonales de dissimulation montre que de telles interdictions sont en principe conformes à la Constitution, pour autant que des exceptions appropriées existent (**BGE 144 I 281**).\n\nL'application relève des autorités de police cantonales. L'interdiction vise à garantir la sécurité et l'ordre publics ainsi qu'à permettre l'identification des personnes dans l'espace public.", "doctrine_fr": "# Art. 10a Cst — Doctrine\n\n## Historique\n\n**N. 1** L'art. 10a Cst résulte de l'initiative populaire « Oui à l'interdiction de se dissimuler le visage », acceptée le 7 mars 2021 par 51,2 % des voix. La disposition est entrée en vigueur le 1er janvier 2022. Le Conseil fédéral avait recommandé le rejet de l'initiative et lui avait opposé un contre-projet indirect (FF 2019 2543). Le message du Conseil fédéral argumentait qu'une interdiction de la dissimulation à l'échelle nationale était disproportionnée et que les réglementations cantonales existantes suffisaient. Le comité d'initiative mettait au contraire l'accent sur les aspects sécuritaires et l'importance de la « communication ouverte » dans la société suisse.\n\n**N. 2** L'historique révèle un débat sociétal intense sur l'équilibre entre les intérêts sécuritaires, la liberté religieuse et les valeurs culturelles. Avant la votation, il existait déjà des interdictions cantonales de la dissimulation au Tessin (depuis 2016) et à Saint-Gall (depuis 2019), dont les expériences ont alimenté la discussion. Les délibérations parlementaires ont porté notamment sur l'aménagement des exceptions et la compatibilité avec les obligations de droit international.\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 10a Cst est placé systématiquement après l'art. 10 Cst (droit à la vie et liberté personnelle), mais n'appartient pas au catalogue des droits fondamentaux (art. 7–36 Cst). La disposition constitue plutôt une limite constitutionnelle à l'exercice de différents droits fondamentaux, notamment la liberté personnelle (art. 10 al. 2 Cst), la liberté de conscience et de croyance (art. 15 Cst) ainsi que la liberté d'opinion et de réunion (art. 16 et 22 Cst).\n\n**N. 4** La norme se trouve en tension avec plusieurs principes constitutionnels : → art. 5 Cst (légalité), → art. 8 Cst (égalité et interdiction de discrimination), → art. 35 Cst (réalisation des droits fondamentaux) et → art. 36 Cst (restriction des droits fondamentaux). Le rapport avec l'art. 15 Cst est particulièrement significatif, les prescriptions vestimentaires religieuses constituant un domaine d'application central de l'interdiction de dissimulation.\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Dissimulation du visage** (al. 1) : L'interdiction vise toute couverture du visage qui rend impossible ou difficile l'identification de la personne. Selon les travaux préparatoires, cela comprend les dissimulations intégrales (burqa, niqab), mais aussi les dissimulations non religieuses comme les cagoules ou masques. La limite de la couverture partielle autorisée (p. ex. lunettes de soleil, foulards) nécessite une concrétisation par la législation d'exécution et la pratique.\n\n**N. 6** **Lieux accessibles au public** (al. 1) : La notion englobe tous les lieux ouverts à un nombre indéterminé de personnes, indépendamment des rapports de propriété. Cela inclut les rues, places, transports publics, magasins, restaurants et bâtiments administratifs. Les espaces privés et ceux à accès restreint (p. ex. locaux d'associations) n'en font pas partie.\n\n**N. 7** **Exceptions** (al. 2) : La loi prévoit trois catégories d'exceptions :\n- **Lieux sacrés** : églises, mosquées, synagogues et autres lieux de culte religieux\n- **Raisons de sécurité** : équipement de protection, dissimulation liée à la circulation (casques de moto)\n- **Raisons de santé** : masques médicaux, pansements\n- **Raisons climatiques** : protection contre le froid\n- **Coutumes locales** : carnaval, traditions de masques traditionnelles\n- **Représentations artistiques et divertissements** : théâtre, artistes de rue\n- **Fins publicitaires** : mascottes, activités promotionnelles\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 8** La disposition constitutionnelle oblige le législateur à créer des dispositions d'exécution qui doivent prévoir des sanctions. La loi fédérale sur l'interdiction de se dissimuler le visage du 19 mars 2021 prévoit des amendes jusqu'à 1'000 CHF. L'exécution incombe principalement aux cantons dans le cadre de leur souveraineté de police.\n\n**N. 9** En cas de violation de l'interdiction de dissimulation, les autorités de police peuvent exiger le retrait de la dissimulation. En cas de refus, un contrôle d'identité et éventuellement un éloignement sont admissibles. Les mesures concrètes doivent respecter le principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst).\n\n## Controverses\n\n**N. 10** **Portée des exceptions** : L'interprétation des catégories d'exceptions est controversée. Müller/Schefer (Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 287) plaident pour une interprétation large pour protéger les droits fondamentaux. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2164) adoptent une position plus restrictive en référence au but de l'initiative populaire. Le BSK BV-Waldmann (2e éd. 2024, art. 10a N 15) souligne la nécessité d'une pesée des intérêts au cas par cas.\n\n**N. 11** **Rapport avec la CEDH** : La compatibilité avec l'art. 9 CEDH est controversée. Le SGK-Ehrenzeller (4e éd. 2023, art. 10a N 8) ne voit aucune violation de la Convention en se référant à CourEDH S.A.S./France. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 456a) se montrent plus critiques en soulignant les contextes sociétaux différents en Suisse et en France.\n\n**N. 12** **Interdiction de discrimination** : La discrimination indirecte des femmes musulmanes est évaluée différemment dans la doctrine. Belser (AJP 2021, 789) voit une violation de l'art. 8 al. 2 Cst, tandis que Tschannen (ZBl 2022, 125) souligne la neutralité de l'interdiction. Le Berner Kommentar BV-Martenet (art. 10a N 22) adopte une position intermédiaire.\n\n## Indications pratiques\n\n**N. 13** Les autorités doivent faire preuve d'une sensibilité particulière lors de l'application de l'interdiction de dissimulation. Une application schématique sans prise en compte des circonstances concrètes est inadmissible. Pour les dissimulations à motivation religieuse, une approche graduée est recommandée : information, demande de retrait, amende en dernier recours.\n\n**N. 14** Les dispositions d'exception doivent être interprétées en faveur de l'exercice des droits fondamentaux en cas de doute. Notamment pour les rassemblements spontanés (→ art. 22 Cst) ou les représentations artistiques, la retenue est de mise. La délimitation entre publicité autorisée et dissimulation illicite nécessite une appréciation globale du contexte, de la durée et du but.\n\n**N. 15** Pour la pratique, la coordination entre droit fédéral et cantonal est pertinente. Les cantons disposant de leurs propres interdictions de dissimulation doivent adapter leurs réglementations à l'art. 10a Cst. Des prescriptions cantonales plus strictes sont inadmissibles (→ art. 49 Cst), tandis que les exceptions de droit fédéral valent comme standard minimum.", "caselaw_fr": "# Art. 10a Cst — Jurisprudence\n\n## Conformité constitutionnelle des interdictions cantonales de se dissimuler le visage\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLe Tribunal fédéral a examiné les lois tessinoises sur l'interdiction de se dissimuler le visage dans l'espace public et les a jugées en principe conformes à la Constitution.\nL'interdiction cantonale de se dissimuler le visage sert le but légitime de garantir la sécurité et l'ordre publics en prévenant les actes de violence et en permettant l'identification des personnes par la police.\n> «Il divieto di dissimulazione del volto secondo le normative ticinesi persegue sia lo scopo di impedire atti di violenza in occasione di raggruppamenti di persone [...], consentendo in particolare alle autorità di polizia di facilitare l'identificazione e le indagini nei confronti di eventuali responsabili di atti di violenza.»\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nUne interdiction de se dissimuler le visage contrevient à la liberté d'opinion et de réunion si elle ne prévoit pas d'exceptions appropriées.\nLe Tribunal fédéral a exigé du Grand Conseil tessinois qu'il élargisse les règles d'exception pour les manifestations politiques, commerciales et publicitaires.\n> «Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts [...] erscheint das so formulierte Verbot unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit als unverhältnismässig [...]. Um es mit diesen Grundrechten vereinbar zu machen, wird der Grosse Rat die Gesetze ergänzen und zusätzliche Ausnahmen für die betreffenden Veranstaltungen vorsehen müssen.»\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLa liberté religieuse n'était pas litigieuse dans l'affaire tessinoise, car les recourants n'avaient pas attaqué l'interdiction de se dissimuler le visage sous l'aspect de la liberté religieuse.\nLe Tribunal fédéral n'a donc pas examiné la compatibilité des interdictions de se dissimuler le visage avec la liberté religieuse.\n> «I ricorrenti non contestano il divieto di dissimulare il volto con riferimento alla libertà religiosa, questione che esula pertanto dall'oggetto del litigio e non deve essere esaminata in questa sede.»\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLes interdictions cantonales de se dissimuler le visage ne contreviennent pas au droit à l'autodétermination informationnelle.\nL'interdiction ne vise pas une collecte systématique de données, mais la limitation du potentiel de violence lors de rassemblements et de manifestations.\n> «Come è stato esposto, il contestato divieto non ha in realtà lo scopo di raccogliere ed elaborare dati personali, ma mira essenzialmente a limitare il potenziale di pericolo collegato allo svolgimento di manifestazioni e dimostrazioni.»\n\n## Symboles religieux et dissimulation du visage\n\n**ATF 148 I 160** — 23 décembre 2021\nLa loi genevoise sur la laïcité, qui prescrit qu'en certains lieux publics le visage doit rester visible, est conforme à la Constitution.\nLa disposition est en accord avec la liberté religieuse et le principe de proportionnalité.\n> «Art. 7 Abs. 2 LLE/GE, der vorschreibt, dass an gewissen öffentlichen Orten das Gesicht sichtbar bleiben muss, ist mit Art. 15 und 36 BV und Art. 9 Ziff. 1 EMRK konform.»\n\n## Délimitation avec d'autres domaines du droit\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLes interdictions cantonales de se dissimuler le visage ne contreviennent pas au principe de primauté du droit fédéral.\nL'interdiction ne constitue pas une atteinte au droit pénal fédéral, mais relève de la compétence cantonale pour les mesures de police visant à protéger l'ordre public.\n> «L'art. 260bis CP, invocato dai ricorrenti, punisce gli atti preparatori nel caso di specifici reati particolarmente gravi. L'art. 2 cpv. 1 lett. i e l LOrP non interferisce in questo ordinamento, ma rientra nelle facoltà del legislatore di prevedere contravvenzioni, nell'ambito delle sue competenze, in materia di tutela dell'ordine e della sicurezza pubblici.»\n\n## Sanctions et mise en œuvre\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLe montant maximum de l'amende de 10'000 francs pour les infractions à l'interdiction de se dissimuler le visage est conforme à la Constitution.\nLe montant correspond au maximum selon l'art. 106 al. 1 CP et doit être fixé de manière proportionnée dans chaque cas d'espèce.\n> «L'importo fissato può inoltre essere oggetto di un controllo giudiziario in occasione di un'applicazione concreta. In questa sede è sufficiente rilevare che il limite massimo di fr. 10'000.- corrisponde a quello previsto per le multe secondo l'art. 106 cpv. 1 CP e in astratto non appare quindi insostenibile.»\n\n## Exceptions et proportionnalité\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nUne interdiction de se dissimuler le visage n'est proportionnée que si elle prévoit des exceptions appropriées qui vont au-delà d'une liste exhaustive.\nLes listes d'exceptions légales doivent être formulées de manière à ce que des exceptions supplémentaires restent possibles dans des cas justifiés.\n> «Queste norme non prevedono quindi esplicitamente un'eccezione per manifestazioni politiche, commerciali o pubblicitarie [...]. In tali circostanze, gli art. 2 cpv. 2 LOrP e 4 LDiss appaiono incompleti e devono quindi essere precisati dal legislatore cantonale nel senso che le eccezioni elencate non hanno carattere esaustivo.»\n\n**ATF 144 I 281** — 20 septembre 2018\nLes exceptions doivent s'appliquer notamment aux manifestations dont le but ne peut être atteint que par la dissimulation du visage.\nPar exemple le port de masques à gaz lors de manifestations contre la pollution atmosphérique ou les risques liés aux centrales nucléaires.\n> «Il Tribunale federale ha quindi considerato che in quelle circostanze, la normativa cantonale potesse essere oggetto di un'interpretazione conforme alla Costituzione [...] segnatamente nel caso in cui una dimostrazione poteva raggiungere il suo scopo in modo ottimale soltanto dissimulando il viso (per esempio indossando una maschera contro l'inquinamento atmosferico).»", "summary_it": "# Art. 10a Cost. — Panoramica\n\nL'art. 10a Cost. vieta di dissimulare il viso negli spazi pubblici. Il divieto è in vigore dal 1° gennaio 2022, dopo che l'iniziativa popolare «Sì al divieto di dissimulazione» è stata accettata il 7 marzo 2021. La disposizione comprende tutti i luoghi accessibili al pubblico - dalle strade ai negozi fino ai trasporti pubblici.\n\nSono interessate tutte le persone che dissimulano il viso in modo da non poter essere identificate. Ciò riguarda i veli integrali religiosi come il burqa o il niqab, ma anche le dissimulazioni laiche come i passamontagna o le maschere al di fuori delle eccezioni previste.\n\nLa legge federale sul divieto di dissimulare il viso (RS 211.11) prevede per le violazioni del divieto di dissimulazione multe fino a 1000 franchi (art. 2 RS 211.11). La polizia può esigere la rimozione immediata della dissimulazione.\n\nImportanti eccezioni valgono secondo l'art. 3 RS 211.11 per i luoghi di culto (chiese, moschee), motivi di salute (maschere in caso di malattia), sicurezza (caschi per motociclisti), condizioni climatiche (protezione dal freddo) e tradizioni locali (carnevale). Anche le rappresentazioni artistiche e i fini pubblicitari sono esclusi dal divieto.\n\nUn esempio concreto: una donna con niqab non può più entrare in un negozio o andare per strada, a meno che non si trovi in una moschea o indossi la dissimulazione per motivi di salute. In caso di violazione è prevista una multa fino a 1000 franchi.\n\nIl divieto di dissimulazione si trova in tensione con la libertà di religione (art. 15 Cost.) e la libertà personale (art. 10 Cost.). La giurisprudenza del Tribunale federale sui divieti di dissimulazione cantonali mostra che tali divieti sono in linea di principio conformi alla Costituzione, purché esistano eccezioni adeguate (**BGE 144 I 281**).\n\nL'applicazione avviene tramite le autorità di polizia cantonali. Il divieto mira a garantire la sicurezza e l'ordine pubblico nonché a permettere l'identificazione delle persone nello spazio pubblico.", "doctrine_it": "# Art. 10a Cost. — Dottrina\n\n## Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 10a Cost. è il risultato dell'iniziativa popolare «Sì al divieto di dissimulazione del viso», accettata il 7 marzo 2021 con il 51,2% di voti favorevoli. La disposizione è entrata in vigore il 1° gennaio 2022. Il Consiglio federale aveva raccomandato di respingere l'iniziativa e le aveva contrapposto un controprogetto indiretto (FF 2019 2761). Il messaggio del Consiglio federale argomentava che un divieto di dissimulazione a livello nazionale fosse sproporzionato e che le regolamentazioni cantonali esistenti fossero sufficienti. Il comitato d'iniziativa sottolineava invece gli aspetti di sicurezza e l'importanza della «comunicazione aperta» nella società svizzera.\n\n**N. 2** La storia dell'origine mostra un intenso dibattito sociale sull'equilibrio tra interessi di sicurezza, libertà religiosa e valori culturali. Prima della votazione esistevano già divieti di dissimulazione cantonali nel Ticino (dal 2016) e a San Gallo (dal 2019), le cui esperienze sono confluite nella discussione. Le deliberazioni parlamentari si sono concentrate in particolare sulla configurazione delle eccezioni e sulla compatibilità con gli obblighi di diritto internazionale.\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 10a Cost. è collocato sistematicamente dopo l'art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale), ma non appartiene al catalogo dei diritti fondamentali (art. 7–36 Cost.). La disposizione costituisce piuttosto un limite costituzionale per l'esercizio di diversi diritti fondamentali, segnatamente della libertà personale (art. 10 cpv. 2 Cost.), della libertà di credo e di coscienza (art. 15 Cost.) nonché della libertà d'opinione e di riunione (art. 16 e 22 Cost.).\n\n**N. 4** La norma è in tensione con diversi principi costituzionali: → art. 5 Cost. (Stato di diritto), → art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione), → art. 35 Cost. (realizzazione dei diritti fondamentali) e → art. 36 Cost. (limitazione dei diritti fondamentali). Particolarmente significativo è il rapporto con l'art. 15 Cost., poiché le prescrizioni religiose sull'abbigliamento rappresentano un ambito di applicazione centrale del divieto di dissimulazione.\n\n## Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Dissimulazione del viso** (cpv. 1): Il divieto comprende qualsiasi copertura del viso che renda impossibile o difficoltosa l'identificazione della persona. Secondo i materiali, ciò comprende i veli integrali (burqa, niqab), ma anche dissimulazioni non religiose come passamontagna o maschere. Il limite della copertura parziale ammessa (p.es. occhiali da sole, sciarpe) necessita di concretizzazione attraverso la legislazione d'esecuzione e la prassi.\n\n**N. 6** **Luoghi accessibili al pubblico** (cpv. 1): Il concetto comprende tutti i luoghi aperti a un numero indeterminato di persone, indipendentemente dai rapporti di proprietà. Ciò include strade, piazze, trasporti pubblici, negozi, ristoranti ed edifici delle autorità. Non rientrano invece i locali privati e quelli con accesso limitato (p.es. locali di associazioni).\n\n**N. 7** **Eccezioni** (cpv. 2): La legge prevede tre categorie di eccezioni:\n- **Luoghi sacri**: Chiese, moschee, sinagoghe e altri luoghi di culto religioso\n- **Motivi di sicurezza**: Equipaggiamento protettivo, dissimulazione per ragioni di traffico (caschi da motociclista)\n- **Motivi sanitari**: Mascherine mediche, bende\n- **Motivi climatici**: Protezione dal freddo\n- **Usi tradizionali locali**: Carnevale, tradizioni popolari con maschere\n- **Rappresentazioni artistiche e d'intrattenimento**: Teatro, artisti di strada\n- **Scopi pubblicitari**: Mascotte, attività promozionali\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La disposizione costituzionale obbliga il legislatore a creare disposizioni d'esecuzione che devono prevedere sanzioni. La legge federale sul divieto di dissimulazione del viso del 19 marzo 2021 prevede multe fino a 1000 franchi. L'applicazione spetta primariamente ai Cantoni nel quadro della loro sovranità di polizia.\n\n**N. 9** In caso di violazioni del divieto di dissimulazione, le autorità di polizia possono esigere la rimozione della dissimulazione. In caso di rifiuto è ammesso un controllo d'identità e, se del caso, un allontanamento. Le misure concrete devono corrispondere al principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.).\n\n## Controversie\n\n**N. 10** **Portata delle eccezioni**: È controversa l'interpretazione delle categorie di eccezioni. Müller/Schefer (Grundrechte, 4. ed. 2008, pag. 287) propugnano un'interpretazione ampia per la protezione dei diritti fondamentali. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3. ed. 2016, N 2164) sostengono una posizione più restrittiva con riferimento allo scopo dell'iniziativa popolare. BSK BV-Waldmann (2. ed. 2024, art. 10a N 15) sottolinea la necessità di una ponderazione degli interessi relativa al caso singolo.\n\n**N. 11** **Rapporto con la CEDU**: La compatibilità con l'art. 9 CEDU è controversa. SGK-Ehrenzeller (4. ed. 2023, art. 10a N 8) non vede alcuna violazione della Convenzione con riferimento a Corte EDU S.A.S./Francia. Si esprime più criticamente Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. ed. 2020, N 456a), che richiamano l'attenzione sui diversi contesti sociali in Svizzera e Francia.\n\n**N. 12** **Divieto di discriminazione**: La discriminazione indiretta delle donne musulmane è valutata diversamente nella dottrina. Belser (AJP 2021, 789) vede una violazione dell'art. 8 cpv. 2 Cost., mentre Tschannen (ZBl 2022, 125) sottolinea la neutralità del divieto. Il Commentario bernese Cost.-Martenet (art. 10a N 22) assume una posizione mediatrice.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Le autorità devono applicare particolare sensibilità nell'applicazione del divieto di dissimulazione. Un'applicazione schematica senza considerazione delle circostanze concrete è inammissibile. In caso di dissimulazioni motivate religiosamente si raccomanda un procedimento graduato: informazione, richiesta di rimozione, multa come ultima ratio.\n\n**N. 14** Le disposizioni d'eccezione devono essere interpretate nel dubbio a favore dell'esercizio dei diritti fondamentali. In particolare in caso di assembramenti spontanei (→ art. 22 Cost.) o rappresentazioni artistiche è necessaria cautela. La delimitazione tra pubblicità ammessa e dissimulazione inammissibile richiede una considerazione globale di contesto, durata e scopo.\n\n**N. 15** Per la pratica è rilevante il coordinamento tra diritto federale e cantonale. I Cantoni con propri divieti di dissimulazione devono adattare le loro regolamentazioni all'art. 10a Cost. Disposizioni cantonali più severe sono inammissibili (→ art. 49 Cost.), mentre le eccezioni di diritto federale valgono come standard minimo.", "caselaw_it": "# Art. 10a Cost. — Giurisprudenza\n\n## Conformità costituzionale dei divieti cantonali di dissimulazione\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nIl Tribunale federale ha esaminato le leggi ticinesi sul divieto di dissimulazione del volto nello spazio pubblico e le ha considerate fondamentalmente conformi alla Costituzione.\nIl divieto cantonale di dissimulazione serve al legittimo scopo di garantire la sicurezza e l'ordine pubblico impedendo atti di violenza e consentendo l'identificazione delle persone da parte della polizia.\n> «Il divieto di dissimulazione del volto secondo le normative ticinesi persegue sia lo scopo di impedire atti di violenza in occasione di raggruppamenti di persone [...], consentendo in particolare alle autorità di polizia di facilitare l'identificazione e le indagini nei confronti di eventuali responsabili di atti di violenza.»\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nUn divieto di dissimulazione viola la libertà d'opinione e di riunione se non prevede eccezioni adeguate.\nIl Tribunale federale ha richiesto al Gran Consiglio ticinese un ampliamento delle disposizioni d'eccezione per manifestazioni politiche, commerciali e pubblicitarie.\n> «Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts [...] erscheint das so formulierte Verbot unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit als unverhältnismässig [...]. Um es mit diesen Grundrechten vereinbar zu machen, wird der Grosse Rat die Gesetze ergänzen und zusätzliche Ausnahmen für die betreffenden Veranstaltungen vorsehen müssen.»\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nLa libertà di religione non era controversa nel caso ticinese, poiché i ricorrenti non avevano impugnato il divieto di dissimulazione sotto l'aspetto della libertà di religione.\nIl Tribunale federale non ha quindi esaminato la compatibilità dei divieti di dissimulazione con la libertà di religione.\n> «I ricorrenti non contestano il divieto di dissimulare il volto con riferimento alla libertà religiosa, questione che esula pertanto dall'oggetto del litigio e non deve essere esaminata in questa sede.»\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nI divieti cantonali di dissimulazione non violano il diritto all'autodeterminazione informativa.\nIl divieto non mira a una raccolta sistematica di dati, ma alla limitazione del potenziale di violenza durante assembramenti e dimostrazioni.\n> «Come è stato esposto, il contestato divieto non ha in realtà lo scopo di raccogliere ed elaborare dati personali, ma mira essenzialmente a limitare il potenziale di pericolo collegato allo svolgimento di manifestazioni e dimostrazioni.»\n\n## Simboli religiosi e dissimulazione del volto\n\n**DTF 148 I 160** — 23 dicembre 2021\nLa legge ginevrina sulla laicità, che prescrive che in certi luoghi pubblici il volto deve rimanere visibile, è conforme alla Costituzione.\nLa disposizione è in linea con la libertà di religione e il principio di proporzionalità.\n> «Art. 7 Abs. 2 LLE/GE, der vorschreibt, dass an gewissen öffentlichen Orten das Gesicht sichtbar bleiben muss, ist mit Art. 15 und 36 BV und Art. 9 Ziff. 1 EMRK konform.»\n\n## Delimitazione da altri settori del diritto\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nI divieti cantonali di dissimulazione non violano il principio del primato del diritto federale.\nIl divieto non costituisce un'ingerenza nel diritto penale federale, ma rientra nella competenza cantonale per misure di polizia a tutela dell'ordine pubblico.\n> «L'art. 260bis CP, invocato dai ricorrenti, punisce gli atti preparatori nel caso di specifici reati particolarmente gravi. L'art. 2 cpv. 1 lett. i e l LOrP non interferisce in questo ordinamento, ma rientra nelle facoltà del legislatore di prevedere contravvenzioni, nell'ambito delle sue competenze, in materia di tutela dell'ordine e della sicurezza pubblici.»\n\n## Sanzioni e applicazione\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nL'importo massimo della multa di 10'000 franchi per violazioni del divieto di dissimulazione è conforme alla Costituzione.\nL'importo corrisponde al massimo secondo l'art. 106 cpv. 1 CP e deve essere fissato proporzionalmente nel caso singolo.\n> «L'importo fissato può inoltre essere oggetto di un controllo giudiziario in occasione di un'applicazione concreta. In questa sede è sufficiente rilevare che il limite massimo di fr. 10'000.- corrisponde a quello previsto per le multe secondo l'art. 106 cpv. 1 CP e in astratto non appare quindi insostenibile.»\n\n## Eccezioni e proporzionalità\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nUn divieto di dissimulazione è proporzionato solo se prevede eccezioni adeguate che vanno oltre un elenco esaustivo.\nGli elenchi di eccezioni legali devono essere formulati in modo che rimangano possibili eccezioni aggiuntive in casi giustificati.\n> «Queste norme non prevedono quindi esplicitamente un'eccezione per manifestazioni politiche, commerciali o pubblicitarie [...]. In tali circostanze, gli art. 2 cpv. 2 LOrP e 4 LDiss appaiono incompleti e devono quindi essere precisati dal legislatore cantonale nel senso che le eccezioni elencate non hanno carattere esaustivo.»\n\n**DTF 144 I 281** — 20 settembre 2018\nLe eccezioni devono applicarsi in particolare per manifestazioni il cui scopo può essere raggiunto solo attraverso la dissimulazione del volto.\nAd esempio indossare maschere antigas durante dimostrazioni contro l'inquinamento atmosferico o sui rischi delle centrali nucleari.\n> «Il Tribunale federale ha quindi considerato che in quelle circostanze, la normativa cantonale potesse essere oggetto di un'interpretazione conforme alla Costituzione [...] segnatamente nel caso in cui una dimostrazione poteva raggiungere il suo scopo in modo ottimale soltanto dissimulando il viso (per esempio indossando una maschera contro l'inquinamento atmosferico).»", "summary_en": "# Art. 10a FC — Overview\n\nArt. 10a FC prohibits the covering of the face in public spaces. The prohibition has been in effect since 1 January 2022, after the popular initiative «Yes to the covering ban» was accepted on 7 March 2021. The provision covers all places that are publicly accessible - from streets to shops to public transport.\n\nAll persons who cover their face in such a way that they cannot be identified are affected. This concerns religious full veiling such as burka or niqab, but also secular coverings such as balaclavas or masks outside the intended exceptions.\n\nThe Federal Act on the Prohibition of Face Covering (SR 211.11) provides for fines of up to 1,000 francs for violations of the covering prohibition (Art. 2 SR 211.11). The police can demand immediate removal of the covering.\n\nImportant exceptions apply under Art. 3 SR 211.11 for religious sites (churches, mosques), health reasons (masks for illness), security (motorcycle helmets), climatic conditions (cold protection) and local customs (carnival). Artistic performances and advertising purposes are also exempt from the prohibition.\n\nA concrete example: A woman with niqab may no longer enter a shop or go on the street, unless she is in a mosque or wears the covering for health reasons. A violation is subject to a fine of up to 1,000 francs.\n\nThe covering prohibition stands in tension with freedom of religion (Art. 15 FC) and personal freedom (Art. 10 FC). The case law of the Federal Supreme Court on cantonal covering prohibitions shows that such prohibitions are fundamentally constitutional, provided appropriate exceptions exist (**BGE 144 I 281**).\n\nEnforcement is carried out by the cantonal police authorities. The prohibition aims to ensure public security and order as well as to enable the identification of persons in public spaces.", "doctrine_en": "# Art. 10a FC — Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 10a FC is the result of the popular initiative \"Yes to the ban on face coverings\", which was adopted on 7 March 2021 with 51.2% of votes in favour. The provision came into force on 1 January 2022. The Federal Council had recommended rejecting the initiative and had presented an indirect counter-proposal (BBl 2019 2913). The Federal Council's message argued that a nationwide ban on face coverings would be disproportionate and that existing cantonal regulations were sufficient. The initiative committee, on the other hand, emphasised security aspects and the importance of \"open communication\" in Swiss society.\n\n**N. 2** The legislative history shows an intensive societal debate about the balance between security interests, religious freedom and cultural values. In the run-up to the vote, cantonal face-covering bans already existed in Ticino (since 2016) and St. Gallen (since 2019), whose experiences were incorporated into the discussion. Parliamentary deliberations focused particularly on the design of exceptions and compatibility with international legal obligations.\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 10a FC is systematically placed after Art. 10 FC (right to life and personal liberty), but does not belong to the catalogue of fundamental rights (Art. 7-36 FC). Rather, the provision constitutes a constitutional limitation on the exercise of various fundamental rights, namely personal liberty (Art. 10 para. 2 FC), freedom of belief and conscience (Art. 15 FC) as well as freedom of expression and assembly (Art. 16 and 22 FC).\n\n**N. 4** The norm stands in tension with several constitutional principles: → Art. 5 FC (rule of law), → Art. 8 FC (legal equality and prohibition of discrimination), → Art. 35 FC (realisation of fundamental rights) and → Art. 36 FC (restriction of fundamental rights). Particularly significant is the relationship to Art. 15 FC, as religious dress codes represent a central area of application of the ban on face coverings.\n\n## Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Covering of the face** (para. 1): The prohibition covers any covering of the face that makes identification of the person impossible or difficult. According to the preparatory works, this includes full veiling (burqa, niqab), but also non-religious face coverings such as balaclavas or masks. The boundary of permitted partial covering (e.g. sunglasses, scarves) requires specification through implementing legislation and practice.\n\n**N. 6** **Publicly accessible places** (para. 1): The term encompasses all places that are open to an indefinite number of persons, regardless of ownership relationships. This includes streets, squares, public transport, shops, restaurants and government buildings. Private premises and those with restricted access (e.g. club premises) are not covered.\n\n**N. 7** **Exceptions** (para. 2): The law provides for three categories of exceptions:\n- **Sacred places**: Churches, mosques, synagogues and other religious places of worship\n- **Security reasons**: Protective equipment, traffic-related covering (motorcycle helmets)\n- **Health reasons**: Medical masks, bandages\n- **Climatic reasons**: Protection from cold\n- **Local customs**: Carnival, traditional mask customs\n- **Artistic and entertainment performances**: Theatre, street artists\n- **Advertising purposes**: Mascots, promotional activities\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 8** The constitutional provision obliges the legislature to create implementing provisions that must provide for sanctions. The Federal Act on the Prohibition of Face Coverings of 19 March 2021 provides for fines of up to CHF 1,000. Enforcement is primarily the responsibility of the cantons within the framework of their police powers.\n\n**N. 9** In case of violations of the ban on face coverings, police authorities may demand removal of the covering. In case of refusal, identity checks and, if necessary, an order to leave are permissible. The specific measures must comply with the principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 FC).\n\n## Controversies\n\n**N. 10** **Scope of exceptions**: The interpretation of the exception categories is disputed. Müller/Schefer (Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 287) advocate for a broad interpretation to protect fundamental rights. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 2164) take a more restrictive position with reference to the purpose of the popular initiative. The BSK BV-Waldmann (2nd ed. 2024, Art. 10a N 15) emphasises the necessity of a case-by-case balancing of interests.\n\n**N. 11** **Relationship to the ECHR**: Compatibility with Art. 9 ECHR is controversial. The SGK-Ehrenzeller (4th ed. 2023, Art. 10a N 8) sees no violation of the Convention, referring to ECtHR S.A.S./France. More critical is Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 456a), who point to the different societal contexts in Switzerland and France.\n\n**N. 12** **Prohibition of discrimination**: Indirect discrimination against Muslim women is assessed differently in legal doctrine. Belser (AJP 2021, 789) sees a violation of Art. 8 para. 2 FC, while Tschannen (ZBl 2022, 125) emphasises the neutrality of the prohibition. The Bern Commentary BV-Martenet (Art. 10a N 22) takes a mediating position.\n\n## Practical Guidelines\n\n**N. 13** Authorities must exercise particular sensitivity when enforcing the ban on face coverings. A schematic application without consideration of the specific circumstances is inadmissible. In cases of religiously motivated coverings, a graduated approach is recommended: information, request for removal, fine as ultima ratio.\n\n**N. 14** The exception provisions are to be interpreted, in case of doubt, in favour of the exercise of fundamental rights. Particular restraint is required especially with spontaneous assemblies (→ Art. 22 FC) or artistic performances. The distinction between permitted advertising and impermissible covering requires an overall assessment of context, duration and purpose.\n\n**N. 15** Relevant for practice is the coordination between federal and cantonal law. Cantons with their own face-covering bans must adapt their regulations to Art. 10a FC. Stricter cantonal provisions are inadmissible (→ Art. 49 FC), while the federal exceptions apply as minimum standards.", "caselaw_en": "# Art. 10a BV — Case Law\n\n## Constitutional Conformity of Cantonal Face-Covering Bans\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nThe Federal Supreme Court has examined the Ticino laws on the face-covering ban in public spaces and found them fundamentally constitutional.\nThe cantonal face-covering ban serves the legitimate purpose of ensuring public safety and order by preventing acts of violence and enabling police identification of persons.\n> «Il divieto di dissimulazione del volto secondo le normative ticinesi persegue sia lo scopo di impedire atti di violenza in occasione di raggruppamenti di persone [...], consentendo in particolare alle autorità di polizia di facilitare l'identificazione e le indagini nei confronti di eventuali responsabili di atti di violenza.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nA face-covering ban violates freedom of expression and freedom of assembly if it does not provide for appropriate exceptions.\nThe Federal Supreme Court required the Ticino Grand Council to expand the exception provisions for political, commercial and advertising events.\n> «Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts [...] erscheint das so formulierte Verbot unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit als unverhältnismässig [...]. Um es mit diesen Grundrechten vereinbar zu machen, wird der Grosse Rat die Gesetze ergänzen und zusätzliche Ausnahmen für die betreffenden Veranstaltungen vorsehen müssen.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nFreedom of religion was not disputed in the Ticino case, as the complainants had not challenged the face-covering ban from the perspective of freedom of religion.\nThe Federal Supreme Court therefore did not examine the compatibility of face-covering bans with freedom of religion.\n> «I ricorrenti non contestano il divieto di dissimulare il volto con riferimento alla libertà religiosa, questione che esula pertanto dall'oggetto del litigio e non deve essere esaminata in questa sede.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nCantonal face-covering bans do not violate the right to informational self-determination.\nThe ban does not aim at systematic data collection, but rather at limiting the potential for violence at assemblies and demonstrations.\n> «Come è stato esposto, il contestato divieto non ha in realtà lo scopo di raccogliere ed elaborare dati personali, ma mira essenzialmente a limitare il potenziale di pericolo collegato allo svolgimento di manifestazioni e dimostrazioni.»\n\n## Religious Symbols and Face Covering\n\n**BGE 148 I 160** — 23 December 2021\nThe Geneva Laicity Act, which stipulates that the face must remain visible in certain public places, is constitutional.\nThe provision is in accordance with freedom of religion and the principle of proportionality.\n> «Art. 7 Abs. 2 LLE/GE, der vorschreibt, dass an gewissen öffentlichen Orten das Gesicht sichtbar bleiben muss, ist mit Art. 15 und 36 BV und Art. 9 Ziff. 1 EMRK konform.»\n\n## Delimitation from Other Areas of Law\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nCantonal face-covering bans do not violate the principle of supremacy of federal law.\nThe ban does not constitute an intervention in federal criminal law, but falls within cantonal competence for police measures to protect public order.\n> «L'art. 260bis CP, invocato dai ricorrenti, punisce gli atti preparatori nel caso di specifici reati particolarmente gravi. L'art. 2 cpv. 1 lett. i e l LOrP non interferisce in questo ordinamento, ma rientra nelle facoltà del legislatore di prevedere contravvenzioni, nell'ambito delle sue competenze, in materia di tutela dell'ordine e della sicurezza pubblici.»\n\n## Sanctions and Enforcement\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nThe maximum fine of 10,000 francs for violations of the face-covering ban is constitutional.\nThe amount corresponds to the maximum under Art. 106 para. 1 SCC and must be set proportionately in each individual case.\n> «L'importo fissato può inoltre essere oggetto di un controllo giudiziario in occasione di un'applicazione concreta. In questa sede è sufficiente rilevare che il limite massimo di fr. 10'000.- corrisponde a quello previsto per le multe secondo l'art. 106 cpv. 1 CP e in astratto non appare quindi insostenibile.»\n\n## Exceptions and Proportionality\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nA face-covering ban is only proportionate if it provides for appropriate exceptions that go beyond an exhaustive list.\nLegal exception lists must be formulated in such a way that additional exceptions remain possible in justified cases.\n> «Queste norme non prevedono quindi esplicitamente un'eccezione per manifestazioni politiche, commerciali o pubblicitarie [...]. In tali circostanze, gli art. 2 cpv. 2 LOrP e 4 LDiss appaiono incompleti e devono quindi essere precisati dal legislatore cantonale nel senso che le eccezioni elencate non hanno carattere esaustivo.»\n\n**BGE 144 I 281** — 20 September 2018\nExceptions must apply in particular to events whose purpose can only be achieved through face covering.\nFor example, wearing gas masks at demonstrations against air pollution or nuclear power plant risks.\n> «Il Tribunale federale ha quindi considerato che in quelle circostanze, la normativa cantonale potesse essere oggetto di un'interpretazione conforme alla Costituzione [...] segnatamente nel caso in cui una dimostrazione poteva raggiungere il suo scopo in modo ottimale soltanto dissimulando il viso (per esempio indossando una maschera contro l'inquinamento atmosferico).»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_10a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 11, "article_suffix": "", "title": "Schutz der Kinder und Jugendlichen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 11 BV - Schutz der Kinder und Jugendlichen\n\n## Übersicht\n\nArt. 11 BV schützt Kinder und Jugendliche auf zwei Ebenen. Erstens haben sie Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit. Dies umfasst körperliche, psychische und sexuelle Gewalt. Zweitens müssen ihre Entwicklung gefördert werden. Dazu gehören Bildung, Gesundheitsvorsorge und altersgerechte Betreuung.\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 11 Abs. 1 BV verpflichtet den Staat zu aktivem Schutz der Kinder. Gemäss **Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 14** folgt daraus ein Grundrecht auf gewaltfreie Erziehung. Das Bundesgericht wendet Art. 11 BV bei Familiennachzug (**BGE 144 II 1**), Scheidungsverfahren (**BGE 142 III 481**) und religiösen Konflikten an (**BGE 135 I 79**). Die Norm hat eigenständigen normativen Gehalt und ist mehr als eine Verstärkung bestehender Rechte (**Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 1**).\n\n**Wer ist betroffen?** Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Aber auch Eltern, Behörden und Schulen müssen diese Rechte beachten. Das Bundesgericht hörte ab 11-12 Jahren Kinder in Verfahren an (**BGE 133 III 146**). \n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Art. 11 Abs. 2 BV regelt die Rechtsausübung: Kinder können ihre Grundrechte nach ihrer Urteilsfähigkeit selbst ausüben. In **BGE 135 I 79** entschied das Bundesgericht, dass Eltern bis zum 16. Altersjahr über die religiöse Erziehung verfügen (Art. 303 ZGB). Urteilsfähige Kinder können aber ihre Religionsfreiheit selbständig geltend machen.\n\n**Beispiel:** Ein 14-jähriges muslimisches Mädchen möchte aus religiösen Gründen nicht am gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht teilnehmen. Das Bundesgericht lehnte eine Dispensation ab, da das Obligatorium mit flankierenden Massnahmen keinen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit darstelle (**BGE 135 I 79**). Der Integrationsauftrag der Schule wiege schwerer als die religiösen Bedenken der Familie.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 11 BV stellt eine bedeutende Neuerung der Totalrevision von 1999 dar. Die Bestimmung wurde im Rahmen der Verfassungsreform als eigenständige Grundrechtsnorm eingeführt, nachdem die alte Bundesverfassung keine spezifischen Kinderrechte enthielt. Die Botschaft vom 20. November 1996 betont, dass «Kinder und Jugendliche ein Recht auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung haben» (BBl 1997 I 140, 153).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber orientierte sich bei der Formulierung am UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes (KRK), das die Schweiz 1997 ratifizierte. Die Aufnahme einer eigenständigen Kinderrechtsbestimmung war im Parlament weitgehend unbestritten. Die Diskussion konzentrierte sich primär auf die Frage, ob ein subjektiver Rechtsanspruch oder eine objektive Schutzpflicht geschaffen werden sollte.\n\n**N. 3** Abs. 2 über die Ausübung der Rechte im Rahmen der Urteilsfähigkeit wurde als Konkretisierung des allgemeinen zivilrechtlichen Prinzips der Urteilsfähigkeit verstanden. Die Botschaft hält fest: «Die Kinder und Jugendlichen üben ihre Rechte wie alle anderen Personen auch nur im Rahmen ihrer Urteilsfähigkeit aus» (BBl 1997 I 153).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 11 BV ist im 2. Abschnitt «Grundrechte» des 1. Titels «Allgemeine Bestimmungen» platziert. Die systematische Stellung zwischen Art. 10 (Recht auf Leben und persönliche Freiheit) und Art. 12 (Recht auf Hilfe in Notlagen) verdeutlicht den Charakter als eigenständiges Grundrecht mit besonderem Schutzzweck für vulnerable Personengruppen.\n\n**N. 5** Die Bestimmung weist enge Verbindungen zu anderen Verfassungsnormen auf: → Art. 10 BV (persönliche Freiheit), → Art. 19 BV (Anspruch auf Grundschulunterricht), → Art. 41 Abs. 1 lit. f und g BV (Sozialziele betreffend Kinder und Jugendliche), → Art. 62 BV (Schulwesen) sowie → Art. 67 BV (Jugendförderung). Das Verhältnismässigkeitsprinzip nach → Art. 36 BV findet bei Eingriffen in die Rechte von Kindern besonders strenge Anwendung.\n\n**N. 6** International steht Art. 11 BV in engem Zusammenhang mit der KRK, insbesondere Art. 3 KRK (Kindeswohl), Art. 12 KRK (Berücksichtigung des Kindeswillens) und Art. 19 KRK (Schutz vor Gewalt). Die EMRK enthält keine spezifischen Kinderrechte, doch entwickelte der EGMR aus Art. 8 EMRK (Familienleben) einen verstärkten Schutz für Kinder.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Persönlicher Schutzbereich\n\n**N. 7** Der persönliche Schutzbereich umfasst «Kinder und Jugendliche». Nach herrschender Lehre (Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 5-9; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 385) sind damit alle Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gemeint, in Übereinstimmung mit Art. 1 KRK und Art. 14 ZGB. Die Unterscheidung zwischen Kindern und Jugendlichen hat keine rechtliche Bedeutung.\n\n**N. 8** Streitig ist, ob juristische Personen sich auf Art. 11 BV berufen können. Die überwiegende Lehre verneint dies mit Verweis auf den höchstpersönlichen Charakter der Norm (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2145). Jugendorganisationen können sich jedoch auf die Grundrechte ihrer minderjährigen Mitglieder berufen.\n\n### Sachlicher Schutzbereich\n\n**N. 9** Abs. 1 gewährt «besonderen Schutz der Unversehrtheit» und «Förderung der Entwicklung». Der Begriff der Unversehrtheit umfasst die physische, psychische und sexuelle Integrität. Die Förderung der Entwicklung bezieht sich auf die ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung, einschliesslich kognitiver, emotionaler und sozialer Aspekte.\n\n**N. 10** Tschentscher vertritt die Position, dass aus Art. 11 Abs. 1 BV direkt ein Grundrecht auf gewaltfreie Erziehung folge (BSK BV, Art. 11 N. 14). Diese Ansicht ist umstritten. Reich argumentiert zurückhaltender, Art. 11 BV enthalte primär einen Gesetzgebungsauftrag (Reich, ZSR 2012 I 363, 375).\n\n**N. 11** Abs. 2 regelt die Rechtsausübung durch Minderjährige. Die Urteilsfähigkeit bestimmt sich nach Art. 16 ZGB. In der religiösen Erziehung gilt die Sonderregel von Art. 303 Abs. 3 ZGB (Religionsmündigkeit ab 16 Jahren). Tschentscher betont, dass als «Rechte» alle Grundrechte anzusehen seien, wirtschaftliche ebenso wie ideelle (BSK BV, Art. 11 N. 25-28).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Das Bundesgericht qualifiziert Art. 11 Abs. 1 BV als «programmatische Schicht des Grundrechts», die keine unmittelbar klagbaren subjektiven Rechte schaffe (**BGE 126 II 377** E. 5c). Diese restriktive Rechtsprechung wird in der Lehre kritisiert. Biaggini argumentiert für eine stärkere subjektiv-rechtliche Dimension (Biaggini, in: Gerber Jenni/Hausammann, 25, 45).\n\n**N. 13** Als objektive Schutzpflicht verpflichtet Art. 11 BV den Staat zu aktivem Handeln. Dies umfasst: gesetzgeberische Massnahmen zum Kinderschutz, institutionelle Vorkehrungen (Kindesschutzbehörden), Präventionsmassnahmen gegen Kindeswohlgefährdungen sowie besondere Verfahrensgarantien für Minderjährige (→ Art. 314a ZGB).\n\n**N. 14** Bei Ermessensentscheidungen wirkt Art. 11 BV als Optimierungsgebot. Das Kindeswohl ist vorrangig zu berücksichtigen, ohne jedoch andere Interessen vollständig zu verdrängen (**BGE 135 I 153** E. 2.2.2). Im Ausländerrecht begründet Art. 11 BV keine eigenständigen Aufenthaltsansprüche (**BGE 144 II 1** E. 6.3).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Normativer Selbststand**: Tschentscher vertritt, Art. 11 BV habe einen normativen Selbststand und sei mehr als eine verstärkende Wiederholung bestehender Normen (BSK BV, Art. 11 N. 1). Müller/Schefer sehen Art. 11 BV dagegen primär als Auslegungsrichtlinie ohne eigenständigen Grundrechtsgehalt (Grundrechte, 652).\n\n**N. 16** **Gewaltfreie Erziehung**: Kontrovers ist, ob aus Art. 11 BV ein Verbot körperlicher Züchtigung folgt. Tschentscher bejaht ein direktes Grundrecht auf gewaltfreie Erziehung (BSK BV, Art. 11 N. 14). Wyttenbach fordert eine explizite gesetzliche Regelung analog zu Deutschland und Österreich (Wyttenbach, Grund- und Menschenrechtskonflikte, 287).\n\n**N. 17** **Knabenbeschneidung**: Die religiös motivierte Knabenbeschneidung ist umstritten. Tschentscher qualifiziert sie als «vertretbare Entscheidung der Eltern im Interesse des Kindeswohls» (BSK BV, Art. 11 N. 15). Belser argumentiert differenzierter und betont die Notwendigkeit einer Güterabwägung zwischen Religionsfreiheit der Eltern und körperlicher Integrität des Kindes (Belser, in: Mélanges Steinauer, 83, 92).\n\n**N. 18** **Anwendungsbereich von Abs. 2**: Streitig ist der Umfang der «Rechte» in Abs. 2. Tschentscher vertritt eine weite Auslegung: alle Grundrechte seien erfasst (BSK BV, Art. 11 N. 25-28). Die Gegenansicht beschränkt den Anwendungsbereich auf höchstpersönliche Rechte im Sinne von Art. 19c ZGB (Cottier, Subjekt oder Objekt?, 156).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei der Anwendung von Art. 11 BV ist zwischen der objektiven Schutzpflicht (Abs. 1) und der subjektiven Rechtsausübung (Abs. 2) zu unterscheiden. Die objektive Schutzpflicht richtet sich primär an den Gesetzgeber und die rechtsanwendenden Behörden. Sie müssen bei allen Entscheiden, die Minderjährige betreffen, deren besondere Schutzbedürftigkeit berücksichtigen.\n\n**N. 20** Die Urteilsfähigkeit ist einzelfallbezogen zu prüfen. Bei religiösen Fragen gilt bis zum 16. Altersjahr ein elterliches Mitbestimmungsrecht, auch wenn das Kind bereits urteilsfähig ist (**BGE 135 I 79** E. 5.5.1). In medizinischen Belangen kann die Urteilsfähigkeit je nach Tragweite des Eingriffs bereits früher bejaht werden.\n\n**N. 21** Im Verfahrensrecht gewährleistet Art. 11 BV i.V.m. → Art. 29 BV besondere Schutzrechte: Anspruch auf kindsgerechte Anhörung (→ Art. 314a ZGB, → Art. 298 ZPO), Recht auf Kindesvertretung in komplexen Fällen sowie schonende Befragung in Strafverfahren (→ Art. 154 StPO).\n\n**N. 22** Bei Interessenkollisionen zwischen Kindesschutz und anderen Grundrechten (insbesondere Religionsfreiheit der Eltern) ist eine sorgfältige Güterabwägung vorzunehmen. Das Kindeswohl geniesst keinen absoluten Vorrang, ist aber als gewichtiger Faktor zu berücksichtigen. Die Verhältnismässigkeitsprüfung nach → Art. 36 BV ist besonders streng durchzuführen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 11 BV entwickelte sich seit dessen Inkrafttreten 1999 in verschiedenen Bereichen, wobei das Bundesgericht die Tragweite des Kindesschutzes und die Urteilsfähigkeit präzisierte.\n\n### I. Grundsätzliche Bedeutung und Anwendungsbereich\n\n**BGE 126 II 377** (18. April 1999)  \nErste grundlegende Bestimmung der Tragweite von Art. 11 BV im Ausländerrecht.  \nDas Bundesgericht erwog erstmals die Bedeutung des neuen Art. 11 Abs. 1 BV für ausländerrechtliche Bewilligungen.  \n> «Art. 11 Abs. 1 BV gewährt Kindern und Jugendlichen Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung. Diese Bestimmung begründet jedoch keinen direkten Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.»\n\n**BGE 144 II 1** (29. November 2017)  \nArt. 11 BV vermittelt keinen eigenständigen Anspruch im Ausländerrecht.  \nBestätigung der restriktiven Auslegung in Bezug auf ausländerrechtliche Bewilligungen.  \n> «Art. 11 BV vermittelt keinen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Die Bestimmung enthält eine allgemeine Zielvorgabe, begründet aber keine direkten subjektiven Rechte.»\n\n### II. Kindeswohl im Strafvollzug\n\n**BGE 146 IV 267** (17. August 2020)  \nStrafvollzug einer alleinerziehenden Mutter und Kindeswohl.  \nArt. 11 BV steht dem gesetzmässigen Strafvollzug nicht entgegen, auch wenn dadurch eine Trennung von Mutter und Kind eintritt.  \n> «Weder die Bestimmungen der BV noch jene der KRK und der anderen menschenrechtlichen Übereinkommen hindern den Vollzug der gesetzmässigen Freiheitsstrafe. Die Trennung der Mutter von ihrem Kind ist eine zwangsläufige, unmittelbar gesetzmässige Folge des Vollzugs der Freiheitsstrafe.»\n\n### III. Urteilsfähigkeit und Rechtsausübung (Art. 11 Abs. 2 BV)\n\n**BGE 135 I 79** (24. Oktober 2008)  \nReligionsfreiheit minderjähriger Schüler im Schwimmunterricht.  \nPräzisierung der Urteilsfähigkeit von Kindern bei der eigenständigen Rechtsausübung.  \n> «Vor Vollendung des 16. Altersjahres kann sich das urteilsfähige Kind (Art. 11 Abs. 2 BV) zwar selber auf seine Glaubens- und Gewissensfreiheit berufen, doch verfügen bis dahin die Eltern über seine religiöse Erziehung (Art. 303 Abs. 1 ZGB).»\n\n**VB.2021.00611 des Verwaltungsgerichts Zürich** (11. November 2021)  \nProzessfähigkeit einer 12-jährigen Schülerin beim Recht auf Grundschulunterricht.  \nArt. 11 Abs. 2 BV ermöglicht urteilsfähigen Kindern die eigenständige Wahrnehmung höchstpersönlicher Rechte.  \n> «Das Recht auf Grundschulunterricht nach Art. 19 BV ist höchstpersönlicher Natur und kann von einem Kind nach Massgabe von Art. 11 Abs. 2 BV auch ohne gesetzliche Vertretung prozessual durchgesetzt werden, wenn dieses in Bezug auf das Wesen des Verfahrens und die dort erhobenen Rügen vernunftgemäss handeln kann.»\n\n### IV. Schulrecht und Bildungsanspruch\n\n**BGE 129 I 12** (7. November 2002)  \nDisziplinarischer Schulausschluss und Grundrecht auf Bildung.  \nArt. 11 BV verstärkt den Anspruch auf Grundschulunterricht als Kinderrecht.  \n> «Der Anspruch auf Grundschulunterricht ist durch Art. 11 Abs. 1 BV verstärkt, welcher Kindern und Jugendlichen besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und Förderung ihrer Entwicklung gewährt. Ein längerfristiger Schulausschluss kann nur als ultima ratio angeordnet werden.»\n\n**BGE 144 II 233** (15. Juni 2018)  \nKampagne \"LOVE LIFE\" und Jugendschutz.  \nArt. 11 BV begründet staatliche Schutzpflichten gegenüber Jugendlichen bei öffentlichen Kampagnen.  \n> «Art. 11 Abs. 1 BV verpflichtet die staatlichen Behörden, bei öffentlichen Informationskampagnen die besonderen Schutzbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen.»\n\n### V. Zivilrecht und Familienverhältnisse\n\n**BGE 142 III 481** (11. März 2016)  \nWegzug des Kindes ins Ausland und Kindeswohl.  \nArt. 11 BV verstärkt die Bedeutung des Kindeswohls in zivilrechtlichen Verfahren.  \n> «Bei der Prüfung des geeigneten Aufenthaltsortes des Kindes ist das Kindeswohl massgebend. Art. 11 BV unterstreicht die besondere Schutzwürdigkeit von Kindern bei Entscheidungen über ihre Lebenssituation.»\n\n**BGE 141 III 328** (14. September 2015)  \nLeihmutterschaft und Kindesinteressen.  \nDas Kindeswohl nach Art. 11 BV ist bei der Anerkennung ausländischer Kindesverhältnisse zu berücksichtigen.  \n> «Die Interessen des Kindes gemäss Art. 11 BV sind auch bei der Anerkennung von im Ausland entstandenen Kindesverhältnissen zu beachten, ohne dass dadurch Umgehungen des schweizerischen Rechts legitimiert werden.»\n\n### VI. Urteilsfähigkeit in medizinischen Angelegenheiten\n\n**BGE 134 II 235** (2. April 2008)  \nBehandlungseinwilligung einer 13-jährigen Patientin.  \nUrteilsfähigkeit von Minderjährigen bei medizinischen Eingriffen nach Art. 11 Abs. 2 BV.  \n> «Der Wille des minderjährigen Patienten ist zu respektieren, soweit er urteilsfähig ist. Art. 11 Abs. 2 BV bestätigt, dass Kinder ihre Rechte im Rahmen ihrer Urteilsfähigkeit ausüben.»\n\n### VII. Ausländerrecht und Familieneinheit\n\n**BGE 143 I 21** (17. November 2016)  \nFamiliennachzug und Kindesinteressen.  \nArt. 11 BV ist bei der Interessenabwägung im Ausländerrecht zu berücksichtigen, ohne eigenständige Ansprüche zu begründen.  \n> «Beim nachehelichen Härtefall stehen die Interessen der gemeinsamen Kinder im Vordergrund. Art. 11 BV ist in die Interessenabwägung einzubeziehen, ohne dass daraus ein direkter Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung abgeleitet werden kann.»\n\n**BGE 135 I 153** (27. März 2009)  \nUmgekehrter Familiennachzug bei Schweizer Kindern.  \nDas Kindeswohl nach Art. 11 BV verstärkt die Position von in der Schweiz lebenden Kindern bei ausländerrechtlichen Entscheidungen.  \n> «Das Wohl von Schweizer Kindern ist nach Art. 11 BV besonders zu gewichten, wenn über den Verbleib ihrer ausländischen Eltern entschieden wird. Dies kann ausnahmsweise zu einem Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung führen.»", "summary_fr": "# Art. 11 Cst. - Protection des enfants et des jeunes\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 11 Cst. protège les enfants et les jeunes à deux niveaux. Premièrement, ils ont droit à une protection particulière de leur intégrité. Cela comprend la violence physique, psychique et sexuelle. Deuxièmement, leur développement doit être encouragé. Cela comprend l'éducation, les soins de santé préventifs et un encadrement adapté à leur âge.\n\n**Que règle la norme ?** L'art. 11 al. 1 Cst. oblige l'État à protéger activement les enfants. Selon **Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 14**, il en découle un droit fondamental à une éducation sans violence. Le Tribunal fédéral applique l'art. 11 Cst. en matière de regroupement familial (**ATF 144 II 1**), de procédures de divorce (**ATF 142 III 481**) et de conflits religieux (**ATF 135 I 79**). La norme a un contenu normatif autonome et représente plus qu'un renforcement de droits existants (**Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 1**).\n\n**Qui est concerné ?** Les enfants et les jeunes jusqu'à 18 ans. Mais les parents, les autorités et les écoles doivent également respecter ces droits. Le Tribunal fédéral a entendu des enfants dans des procédures dès l'âge de 11-12 ans (**ATF 133 III 146**).\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** L'art. 11 al. 2 Cst. règle l'exercice des droits : les enfants peuvent exercer leurs droits fondamentaux eux-mêmes selon leur capacité de discernement. Dans l'**ATF 135 I 79**, le Tribunal fédéral a décidé que les parents disposent de l'éducation religieuse jusqu'à l'âge de 16 ans (art. 303 CC). Cependant, les enfants capables de discernement peuvent faire valoir leur liberté religieuse de manière autonome.\n\n**Exemple :** Une jeune fille musulmane de 14 ans ne souhaite pas participer aux cours de natation mixtes pour des raisons religieuses. Le Tribunal fédéral a refusé une dispense, car l'obligation scolaire avec des mesures d'accompagnement ne constitue pas une atteinte inadmissible à la liberté religieuse (**ATF 135 I 79**). Le mandat d'intégration de l'école l'emporte sur les préoccupations religieuses de la famille.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 11 Cst. constitue une innovation significative de la révision totale de 1999. Cette disposition a été introduite dans le cadre de la réforme constitutionnelle comme norme fondamentale autonome, alors que l'ancienne Constitution fédérale ne contenait aucun droit spécifique des enfants. Le message du 20 novembre 1996 souligne que « les enfants et les jeunes ont droit à une protection particulière de leur intégrité et à l'encouragement de leur développement » (FF 1997 I 140, 153).\n\n**Ch. 2** Le constituant s'est orienté dans sa formulation sur la Convention relative aux droits de l'enfant de l'ONU (CDE), que la Suisse a ratifiée en 1997. L'adoption d'une disposition autonome sur les droits de l'enfant n'était largement pas contestée au Parlement. La discussion s'est concentrée principalement sur la question de savoir s'il fallait créer un droit subjectif ou une obligation objective de protection.\n\n**Ch. 3** L'al. 2 sur l'exercice des droits dans le cadre du discernement a été compris comme une concrétisation du principe général de droit civil du discernement. Le message retient : « Les enfants et les jeunes exercent leurs droits comme toute autre personne seulement dans le cadre de leur discernement » (FF 1997 I 153).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 11 Cst. est placé dans la 2e section « Droits fondamentaux » du 1er titre « Dispositions générales ». Sa position systématique entre l'art. 10 (droit à la vie et liberté personnelle) et l'art. 12 (droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse) souligne son caractère de droit fondamental autonome avec un but protecteur spécial pour des groupes de personnes vulnérables.\n\n**Ch. 5** Cette disposition présente des liens étroits avec d'autres normes constitutionnelles : → art. 10 Cst. (liberté personnelle), → art. 19 Cst. (droit à un enseignement de base), → art. 41 al. 1 let. f et g Cst. (buts sociaux concernant les enfants et les jeunes), → art. 62 Cst. (instruction publique) ainsi que → art. 67 Cst. (encouragement de la jeunesse). Le principe de proportionnalité selon → art. 36 Cst. trouve une application particulièrement stricte en cas d'atteintes aux droits des enfants.\n\n**Ch. 6** Au niveau international, l'art. 11 Cst. est en relation étroite avec la CDE, notamment l'art. 3 CDE (intérêt supérieur de l'enfant), l'art. 12 CDE (prise en considération de la volonté de l'enfant) et l'art. 19 CDE (protection contre la violence). La CEDH ne contient pas de droits spécifiques des enfants, mais la CourEDH a développé à partir de l'art. 8 CEDH (vie familiale) une protection renforcée pour les enfants.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Champ de protection personnel\n\n**Ch. 7** Le champ de protection personnel comprend « les enfants et les jeunes ». Selon la doctrine dominante (Tschentscher, BSK BV, art. 11 ch. 5-9 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, ch. 385), cela désigne toutes les personnes jusqu'à l'âge de 18 ans révolus, en concordance avec l'art. 1 CDE et l'art. 14 CC. La distinction entre enfants et jeunes n'a pas de signification juridique.\n\n**Ch. 8** Il est controversé de savoir si les personnes morales peuvent se prévaloir de l'art. 11 Cst. La doctrine majoritaire le nie en se référant au caractère hautement personnel de la norme (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, ch. 2145). Les organisations de jeunesse peuvent cependant se prévaloir des droits fondamentaux de leurs membres mineurs.\n\n### Champ de protection matériel\n\n**Ch. 9** L'al. 1 accorde une « protection particulière de l'intégrité » et un « encouragement du développement ». La notion d'intégrité comprend l'intégrité physique, psychique et sexuelle. L'encouragement du développement se rapporte à l'épanouissement global de la personnalité, y compris les aspects cognitifs, émotionnels et sociaux.\n\n**Ch. 10** Tschentscher défend la position selon laquelle l'art. 11 al. 1 Cst. fait directement découler un droit fondamental à une éducation sans violence (BSK BV, art. 11 ch. 14). Cette opinion est controversée. Reich argumente de manière plus retenue que l'art. 11 Cst. contient en premier lieu un mandat législatif (Reich, ZSR 2012 I 363, 375).\n\n**Ch. 11** L'al. 2 règle l'exercice des droits par les mineurs. Le discernement se détermine selon l'art. 16 CC. Dans l'éducation religieuse s'applique la règle spéciale de l'art. 303 al. 3 CC (majorité religieuse dès 16 ans). Tschentscher souligne que comme « droits », il faut considérer tous les droits fondamentaux, économiques aussi bien qu'idéels (BSK BV, art. 11 ch. 25-28).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 12** Le Tribunal fédéral qualifie l'art. 11 al. 1 Cst. de « couche programmatique du droit fondamental » qui ne crée pas de droits subjectifs directement invocables (**ATF 126 II 377** consid. 5c). Cette jurisprudence restrictive est critiquée dans la doctrine. Biaggini plaide pour une dimension subjective plus forte (Biaggini, in: Gerber Jenni/Hausammann, 25, 45).\n\n**Ch. 13** En tant qu'obligation objective de protection, l'art. 11 Cst. oblige l'État à une action active. Cela comprend : des mesures législatives pour la protection de l'enfance, des dispositions institutionnelles (autorités de protection de l'enfant), des mesures de prévention contre les risques pour le bien de l'enfant ainsi que des garanties de procédure spéciales pour les mineurs (→ art. 314a CC).\n\n**Ch. 14** En cas de décisions discrétionnaires, l'art. 11 Cst. agit comme commandement d'optimisation. Le bien de l'enfant doit être considéré en priorité, sans pour autant évincer complètement d'autres intérêts (**ATF 135 I 153** consid. 2.2.2). En droit des étrangers, l'art. 11 Cst. ne fonde pas de droits de séjour autonomes (**ATF 144 II 1** consid. 6.3).\n\n## 5. Points controversés\n\n**Ch. 15** **Autonomie normative** : Tschentscher soutient que l'art. 11 Cst. a une autonomie normative et est plus qu'une répétition renforçante de normes existantes (BSK BV, art. 11 ch. 1). Müller/Schefer voient au contraire l'art. 11 Cst. principalement comme directive d'interprétation sans contenu de droit fondamental autonome (Grundrechte, 652).\n\n**Ch. 16** **Éducation sans violence** : Il est controversé de savoir si l'art. 11 Cst. fait découler une interdiction des châtiments corporels. Tschentscher affirme un droit fondamental direct à une éducation sans violence (BSK BV, art. 11 ch. 14). Wyttenbach demande une réglementation légale explicite analogue à l'Allemagne et à l'Autriche (Wyttenbach, Grund- und Menschenrechtskonflikte, 287).\n\n**Ch. 17** **Circoncision masculine** : La circoncision masculine motivée religieusement est controversée. Tschentscher la qualifie de « décision acceptable des parents dans l'intérêt du bien de l'enfant » (BSK BV, art. 11 ch. 15). Belser argumente de manière plus différenciée et souligne la nécessité d'une pesée des biens entre liberté religieuse des parents et intégrité corporelle de l'enfant (Belser, in: Mélanges Steinauer, 83, 92).\n\n**Ch. 18** **Champ d'application de l'al. 2** : L'étendue des « droits » à l'al. 2 est controversée. Tschentscher défend une interprétation large : tous les droits fondamentaux seraient saisis (BSK BV, art. 11 ch. 25-28). L'opinion contraire limite le champ d'application aux droits hautement personnels au sens de l'art. 19c CC (Cottier, Subjekt oder Objekt?, 156).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 19** Lors de l'application de l'art. 11 Cst., il faut distinguer entre l'obligation objective de protection (al. 1) et l'exercice subjectif des droits (al. 2). L'obligation objective de protection s'adresse principalement au législateur et aux autorités d'application du droit. Elles doivent dans toutes les décisions qui concernent les mineurs prendre en considération leur besoin particulier de protection.\n\n**Ch. 20** Le discernement doit être examiné au cas par cas. Pour les questions religieuses s'applique jusqu'à l'âge de 16 ans un droit de codécision parental, même si l'enfant est déjà capable de discernement (**ATF 135 I 79** consid. 5.5.1). Dans les questions médicales, le discernement peut déjà être affirmé plus tôt selon la portée de l'intervention.\n\n**Ch. 21** En droit de procédure, l'art. 11 Cst. en relation avec → art. 29 Cst. garantit des droits de protection spéciaux : droit à une audition adaptée aux enfants (→ art. 314a CC, → art. 298 CPC), droit à une représentation de l'enfant dans les cas complexes ainsi qu'interrogatoire ménageant dans la procédure pénale (→ art. 154 CPP).\n\n**Ch. 22** En cas de collisions d'intérêts entre protection de l'enfance et autres droits fondamentaux (notamment liberté religieuse des parents), il faut procéder à une pesée soigneuse des biens. Le bien de l'enfant ne jouit pas d'une priorité absolue, mais doit être considéré comme facteur important. L'examen de proportionnalité selon → art. 36 Cst. doit être mené de manière particulièrement stricte.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 11 Cst. s'est développée depuis son entrée en vigueur en 1999 dans différents domaines, le Tribunal fédéral précisant la portée de la protection de l'enfance et la capacité de discernement.\n\n### I. Signification fondamentale et champ d'application\n\n**ATF 126 II 377** (18 avril 1999)  \nPremière détermination fondamentale de la portée de l'art. 11 Cst. en droit des étrangers.  \nLe Tribunal fédéral a considéré pour la première fois la signification du nouvel art. 11, al. 1, Cst. pour les autorisations en droit des étrangers.  \n> «L'art. 11, al. 1, Cst. accorde aux enfants et aux jeunes le droit à une protection particulière de leur intégrité et à l'encouragement de leur développement. Cette disposition ne fonde cependant aucun droit direct à l'octroi d'une autorisation de séjour.»\n\n**ATF 144 II 1** (29 novembre 2017)  \nL'art. 11 Cst. ne confère aucun droit autonome en droit des étrangers.  \nConfirmation de l'interprétation restrictive en matière d'autorisations en droit des étrangers.  \n> «L'art. 11 Cst. ne confère aucun droit à l'octroi ou au prolongement d'une autorisation de séjour. La disposition contient un objectif général, mais ne fonde aucun droit subjectif direct.»\n\n### II. Bien de l'enfant dans l'exécution des peines\n\n**ATF 146 IV 267** (17 août 2020)  \nExécution de peine d'une mère célibataire et bien de l'enfant.  \nL'art. 11 Cst. ne s'oppose pas à l'exécution légale d'une peine, même si elle entraîne une séparation de la mère et de l'enfant.  \n> «Ni les dispositions de la Cst. ni celles de la CDE et des autres conventions relatives aux droits de l'homme n'empêchent l'exécution de la peine privative de liberté légale. La séparation de la mère de son enfant est une conséquence inéluctable et directement légale de l'exécution de la peine privative de liberté.»\n\n### III. Capacité de discernement et exercice des droits (art. 11, al. 2, Cst.)\n\n**ATF 135 I 79** (24 octobre 2008)  \nLiberté de religion d'élèves mineurs dans l'enseignement de la natation.  \nPrécision de la capacité de discernement des enfants lors de l'exercice autonome des droits.  \n> «Avant l'âge de 16 ans révolus, l'enfant capable de discernement (art. 11, al. 2, Cst.) peut certes invoquer lui-même sa liberté de croyance et de conscience, mais les parents disposent jusqu'alors de son éducation religieuse (art. 303, al. 1, CC).»\n\n**VB.2021.00611 du Tribunal administratif de Zurich** (11 novembre 2021)  \nCapacité processuelle d'une écolière de 12 ans concernant le droit à l'enseignement primaire.  \nL'art. 11, al. 2, Cst. permet aux enfants capables de discernement l'exercice autonome de droits strictement personnels.  \n> «Le droit à l'enseignement primaire selon l'art. 19 Cst. est de nature strictement personnelle et peut être exercé en justice par un enfant selon l'art. 11, al. 2, Cst. même sans représentation légale, si celui-ci peut agir de manière raisonnable eu égard à la nature de la procédure et aux griefs soulevés.»\n\n### IV. Droit scolaire et droit à l'éducation\n\n**ATF 129 I 12** (7 novembre 2002)  \nExclusion scolaire disciplinaire et droit fondamental à l'éducation.  \nL'art. 11 Cst. renforce le droit à l'enseignement primaire en tant que droit de l'enfant.  \n> «Le droit à l'enseignement primaire est renforcé par l'art. 11, al. 1, Cst., qui accorde aux enfants et aux jeunes une protection particulière de leur intégrité et l'encouragement de leur développement. Une exclusion scolaire à long terme ne peut être ordonnée qu'en dernier recours.»\n\n**ATF 144 II 233** (15 juin 2018)  \nCampagne \"LOVE LIFE\" et protection de la jeunesse.  \nL'art. 11 Cst. fonde des obligations de protection de l'État envers les jeunes lors de campagnes publiques.  \n> «L'art. 11, al. 1, Cst. oblige les autorités étatiques à prendre en considération les besoins particuliers de protection des enfants et des jeunes lors de campagnes d'information publiques.»\n\n### V. Droit civil et rapports familiaux\n\n**ATF 142 III 481** (11 mars 2016)  \nDéménagement de l'enfant à l'étranger et bien de l'enfant.  \nL'art. 11 Cst. renforce l'importance du bien de l'enfant dans les procédures de droit civil.  \n> «Lors de l'examen du lieu de séjour approprié de l'enfant, le bien de l'enfant est déterminant. L'art. 11 Cst. souligne la protection particulière des enfants lors de décisions concernant leur situation de vie.»\n\n**ATF 141 III 328** (14 septembre 2015)  \nMère porteuse et intérêts de l'enfant.  \nLe bien de l'enfant selon l'art. 11 Cst. doit être pris en considération lors de la reconnaissance de rapports de filiation étrangers.  \n> «Les intérêts de l'enfant selon l'art. 11 Cst. doivent également être observés lors de la reconnaissance de rapports de filiation nés à l'étranger, sans que cela légitime des contournements du droit suisse.»\n\n### VI. Capacité de discernement en matière médicale\n\n**ATF 134 II 235** (2 avril 2008)  \nConsentement au traitement d'une patiente de 13 ans.  \nCapacité de discernement des mineurs lors d'interventions médicales selon l'art. 11, al. 2, Cst.  \n> «La volonté du patient mineur doit être respectée dans la mesure où il est capable de discernement. L'art. 11, al. 2, Cst. confirme que les enfants exercent leurs droits dans le cadre de leur capacité de discernement.»\n\n### VII. Droit des étrangers et unité familiale\n\n**ATF 143 I 21** (17 novembre 2016)  \nRegroupement familial et intérêts de l'enfant.  \nL'art. 11 Cst. doit être pris en considération lors de la pesée des intérêts en droit des étrangers, sans fonder de droits autonomes.  \n> «Lors du cas de rigueur post-matrimonial, les intérêts des enfants communs sont au premier plan. L'art. 11 Cst. doit être inclus dans la pesée des intérêts, sans qu'un droit direct à une autorisation de séjour puisse en être dérivé.»\n\n**ATF 135 I 153** (27 mars 2009)  \nRegroupement familial inversé avec des enfants suisses.  \nLe bien de l'enfant selon l'art. 11 Cst. renforce la position d'enfants vivant en Suisse lors de décisions en droit des étrangers.  \n> «Le bien d'enfants suisses doit être particulièrement pondéré selon l'art. 11 Cst. lorsqu'il s'agit de décider du maintien de leurs parents étrangers. Cela peut exceptionnellement conduire à un droit à une autorisation de séjour.»", "summary_it": "# Art. 11 Cost. - Protezione dei fanciulli e degli adolescenti\n\n## Panoramica\n\nL'art. 11 Cost. protegge i fanciulli e gli adolescenti su due livelli. In primo luogo, essi hanno diritto a una protezione particolare della loro integrità. Ciò comprende la violenza fisica, psichica e sessuale. In secondo luogo, il loro sviluppo deve essere promosso. Ciò include l'istruzione, l'assistenza sanitaria preventiva e l'accudimento adeguato all'età.\n\n**Cosa disciplina la norma?** L'art. 11 cpv. 1 Cost. obbliga lo Stato a una protezione attiva dei fanciulli. Secondo **Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 14** ne deriva un diritto fondamentale a un'educazione senza violenza. Il Tribunale federale applica l'art. 11 Cost. nel ricongiungimento familiare (**BGE 144 II 1**), nei procedimenti di divorzio (**BGE 142 III 481**) e nei conflitti religiosi (**BGE 135 I 79**). La norma ha un contenuto normativo autonomo ed è più di un rafforzamento dei diritti esistenti (**Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 1**).\n\n**Chi è interessato?** I fanciulli e gli adolescenti fino a 18 anni. Ma anche i genitori, le autorità e le scuole devono rispettare questi diritti. Il Tribunale federale ha sentito nei procedimenti i fanciulli a partire dagli 11-12 anni (**BGE 133 III 146**).\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** L'art. 11 cpv. 2 Cost. disciplina l'esercizio dei diritti: i fanciulli possono esercitare autonomamente i loro diritti fondamentali secondo la loro capacità di discernimento. Nella **BGE 135 I 79** il Tribunale federale ha deciso che i genitori dispongono dell'educazione religiosa fino al 16° anno di età (art. 303 CC). I fanciulli capaci di discernimento possono tuttavia far valere autonomamente la loro libertà religiosa.\n\n**Esempio:** Una ragazza musulmana di 14 anni non vuole partecipare per motivi religiosi alle lezioni di nuoto miste. Il Tribunale federale ha respinto una dispensa, poiché l'obbligatorietà con misure di accompagnamento non costituisce un intervento illecito nella libertà religiosa (**BGE 135 I 79**). Il mandato di integrazione della scuola pesa più dei dubbi religiosi della famiglia.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'evoluzione\n\n**N. 1** L'art. 11 Cost. rappresenta un'importante innovazione della revisione totale del 1999. La disposizione è stata introdotta nel quadro della riforma costituzionale come norma fondamentale autonoma, dopo che la vecchia Costituzione federale non conteneva diritti specifici dei bambini. Il messaggio del 20 novembre 1996 sottolinea che «i fanciulli e i giovani hanno diritto a una protezione speciale della loro incolumità e a un sostegno che favorisca il loro sviluppo» (FF 1997 I 140, 153).\n\n**N. 2** Il costituente si è orientato nella formulazione alla Convenzione dell'ONU sui diritti del fanciullo (CDF), che la Svizzera ha ratificato nel 1997. L'inserimento di una disposizione autonoma sui diritti dei bambini non è stato praticamente contestato in parlamento. La discussione si è concentrata principalmente sulla questione se si dovesse creare un diritto soggettivo o un obbligo oggettivo di protezione.\n\n**N. 3** Il cpv. 2 sull'esercizio dei diritti nell'ambito della capacità di discernimento è stato inteso come concretizzazione del principio generale civilistico della capacità di discernimento. Il messaggio stabilisce: «I fanciulli e i giovani esercitano i loro diritti come tutte le altre persone soltanto nell'ambito della loro capacità di discernimento» (FF 1997 I 153).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 11 Cost. è collocato nella 2ª sezione «Diritti fondamentali» del 1° titolo «Disposizioni generali». La posizione sistematica tra l'art. 10 (diritto alla vita e alla libertà personale) e l'art. 12 (diritto all'assistenza in situazioni di bisogno) chiarisce il carattere di diritto fondamentale autonomo con scopo protettivo speciale per gruppi di persone vulnerabili.\n\n**N. 5** La disposizione presenta stretti collegamenti con altre norme costituzionali: → art. 10 Cost. (libertà personale), → art. 19 Cost. (diritto all'istruzione di base), → art. 41 cpv. 1 lett. f e g Cost. (obiettivi sociali riguardanti bambini e giovani), → art. 62 Cost. (sistema scolastico) e → art. 67 Cost. (promozione dei giovani). Il principio di proporzionalità secondo l'→ art. 36 Cost. trova applicazione particolarmente rigorosa negli interventi sui diritti dei bambini.\n\n**N. 6** A livello internazionale l'art. 11 Cost. è strettamente collegato alla CDF, in particolare all'art. 3 CDF (benessere del bambino), all'art. 12 CDF (considerazione della volontà del bambino) e all'art. 19 CDF (protezione dalla violenza). La CEDU non contiene diritti specifici dei bambini, tuttavia la Corte EDU ha sviluppato dall'art. 8 CEDU (vita familiare) una protezione rafforzata per i bambini.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n### Ambito di protezione personale\n\n**N. 7** L'ambito di protezione personale comprende «fanciulli e giovani». Secondo la dottrina dominante (Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 5-9; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 385) si intendono con questo tutte le persone fino ai 18 anni compiuti, in accordo con l'art. 1 CDF e l'art. 14 CC. La distinzione tra fanciulli e giovani non ha significato giuridico.\n\n**N. 8** È controverso se le persone giuridiche possano richiamarsi all'art. 11 Cost. La dottrina prevalente lo nega con riferimento al carattere strettamente personale della norma (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2145). Le organizzazioni giovanili possono tuttavia richiamarsi ai diritti fondamentali dei loro membri minorenni.\n\n### Ambito di protezione materiale\n\n**N. 9** Il cpv. 1 garantisce «protezione speciale della loro incolumità» e «sostegno che favorisca il loro sviluppo». Il concetto di incolumità comprende l'integrità fisica, psichica e sessuale. Il sostegno allo sviluppo si riferisce allo sviluppo globale della personalità, inclusi aspetti cognitivi, emotivi e sociali.\n\n**N. 10** Tschentscher sostiene la posizione che dall'art. 11 cpv. 1 Cost. derivi direttamente un diritto fondamentale all'educazione senza violenza (BSK BV, Art. 11 N. 14). Questa opinione è controversa. Reich argomenta più cautamente, l'art. 11 Cost. contiene principalmente un mandato legislativo (Reich, ZSR 2012 I 363, 375).\n\n**N. 11** Il cpv. 2 disciplina l'esercizio dei diritti da parte dei minorenni. La capacità di discernimento si determina secondo l'art. 16 CC. Nell'educazione religiosa vale la regola speciale dell'art. 303 cpv. 3 CC (maggiore età religiosa a partire dai 16 anni). Tschentscher sottolinea che come «diritti» vanno considerati tutti i diritti fondamentali, economici come ideali (BSK BV, Art. 11 N. 25-28).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** Il Tribunale federale qualifica l'art. 11 cpv. 1 Cost. come «strato programmatico del diritto fondamentale», che non crea diritti soggettivi direttamente azionabili (**DTF 126 II 377** consid. 5c). Questa giurisprudenza restrittiva è criticata dalla dottrina. Biaggini argomenta per una dimensione soggettiva più forte (Biaggini, in: Gerber Jenni/Hausammann, 25, 45).\n\n**N. 13** Come obbligo oggettivo di protezione l'art. 11 Cost. impegna lo Stato ad agire attivamente. Questo comprende: misure legislative per la protezione dei bambini, disposizioni istituzionali (autorità di protezione dei minori), misure preventive contro pericoli per il benessere del bambino e garanzie procedurali speciali per i minorenni (→ art. 314a CC).\n\n**N. 14** Nelle decisioni discrezionali l'art. 11 Cost. opera come imperativo di ottimizzazione. Il benessere del bambino deve essere considerato prioritariamente, senza tuttavia soppiantare completamente altri interessi (**DTF 135 I 153** consid. 2.2.2). Nel diritto degli stranieri l'art. 11 Cost. non fonda diritti autonomi al soggiorno (**DTF 144 II 1** consid. 6.3).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 15** **Autonomia normativa**: Tschentscher sostiene che l'art. 11 Cost. ha un'autonomia normativa ed è più di una ripetizione rafforzante di norme esistenti (BSK BV, Art. 11 N. 1). Müller/Schefer vedono l'art. 11 Cost. invece principalmente come direttiva interpretativa senza contenuto autonomo di diritto fondamentale (Grundrechte, 652).\n\n**N. 16** **Educazione senza violenza**: È controverso se dall'art. 11 Cost. derivi un divieto di punizioni corporali. Tschentscher afferma un diritto fondamentale diretto all'educazione senza violenza (BSK BV, Art. 11 N. 14). Wyttenbach chiede una regolamentazione legale esplicita analoga alla Germania e all'Austria (Wyttenbach, Grund- und Menschenrechtskonflikte, 287).\n\n**N. 17** **Circoncisione maschile**: La circoncisione maschile religiosamente motivata è controversa. Tschentscher la qualifica come «decisione accettabile dei genitori nell'interesse del benessere del bambino» (BSK BV, Art. 11 N. 15). Belser argomenta in modo più differenziato e sottolinea la necessità di una ponderazione dei beni tra libertà religiosa dei genitori e integrità fisica del bambino (Belser, in: Mélanges Steinauer, 83, 92).\n\n**N. 18** **Ambito di applicazione del cpv. 2**: È controversa l'ampiezza dei «diritti» nel cpv. 2. Tschentscher sostiene un'interpretazione ampia: tutti i diritti fondamentali sarebbero compresi (BSK BV, Art. 11 N. 25-28). L'opinione contraria limita l'ambito di applicazione ai diritti strettamente personali nel senso dell'art. 19c CC (Cottier, Subjekt oder Objekt?, 156).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Nell'applicazione dell'art. 11 Cost. bisogna distinguere tra l'obbligo oggettivo di protezione (cpv. 1) e l'esercizio soggettivo dei diritti (cpv. 2). L'obbligo oggettivo di protezione si rivolge principalmente al legislatore e alle autorità applicatrici del diritto. Esse devono considerare in tutte le decisioni che riguardano minorenni la loro particolare vulnerabilità.\n\n**N. 20** La capacità di discernimento va esaminata caso per caso. Per le questioni religiose vale fino ai 16 anni un diritto di partecipazione dei genitori, anche se il bambino è già capace di discernimento (**DTF 135 I 79** consid. 5.5.1). In ambito medico la capacità di discernimento può essere affermata già prima a seconda della portata dell'intervento.\n\n**N. 21** Nel diritto processuale l'art. 11 Cost. in connessione con l'→ art. 29 Cost. garantisce diritti protettivi speciali: diritto ad audizione adatta ai bambini (→ art. 314a CC, → art. 298 CPC), diritto alla rappresentanza del bambino in casi complessi e interrogatorio rispettoso nei procedimenti penali (→ art. 154 CPP).\n\n**N. 22** In caso di collisioni di interessi tra protezione dei bambini e altri diritti fondamentali (specialmente libertà religiosa dei genitori) va effettuata un'attenta ponderazione dei beni. Il benessere del bambino non gode di precedenza assoluta, ma va considerato come fattore importante. L'esame di proporzionalità secondo l'→ art. 36 Cost. va condotto in modo particolarmente rigoroso.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 11 Cost. si è sviluppata in vari ambiti dalla sua entrata in vigore nel 1999, con il Tribunale federale che ha precisato la portata della protezione dell'infanzia e della capacità di discernimento.\n\n### I. Significato fondamentale e campo d'applicazione\n\n**DTF 126 II 377** (18 aprile 1999)  \nPrima determinazione fondamentale della portata dell'art. 11 Cost. nel diritto degli stranieri.  \nIl Tribunale federale ha considerato per la prima volta il significato del nuovo art. 11 cpv. 1 Cost. per le autorizzazioni del diritto degli stranieri.  \n> «L'art. 11 cpv. 1 Cost. garantisce ai fanciulli e ai giovani il diritto a una protezione particolare della loro integrità e alla promozione del loro sviluppo. Questa disposizione non fonda tuttavia un diritto diretto al rilascio di un'autorizzazione di dimora.»\n\n**DTF 144 II 1** (29 novembre 2017)  \nL'art. 11 Cost. non conferisce un diritto autonomo nel diritto degli stranieri.  \nConferma dell'interpretazione restrittiva riguardo alle autorizzazioni del diritto degli stranieri.  \n> «L'art. 11 Cost. non conferisce un diritto al rilascio o al prolungamento dell'autorizzazione di dimora. La disposizione contiene un obiettivo generale, ma non fonda diritti soggettivi diretti.»\n\n### II. Interesse del minore nell'esecuzione delle pene\n\n**DTF 146 IV 267** (17 agosto 2020)  \nEsecuzione della pena di una madre single e interesse del minore.  \nL'art. 11 Cost. non si oppone all'esecuzione legale della pena, anche se ne risulta una separazione di madre e figlio.  \n> «Né le disposizioni della Cost. né quelle della CDC e degli altri accordi sui diritti umani impediscono l'esecuzione della pena detentiva legale. La separazione della madre dal suo bambino è una conseguenza inevitabile e direttamente legale dell'esecuzione della pena detentiva.»\n\n### III. Capacità di discernimento ed esercizio dei diritti (art. 11 cpv. 2 Cost.)\n\n**DTF 135 I 79** (24 ottobre 2008)  \nLibertà religiosa di allievi minorenni nelle lezioni di nuoto.  \nPrecisazione della capacità di discernimento dei bambini nell'esercizio autonomo dei diritti.  \n> «Prima del compimento del 16° anno di età, il fanciullo capace di discernimento (art. 11 cpv. 2 Cost.) può certamente invocare personalmente la propria libertà di credo e di coscienza, ma fino ad allora i genitori dispongono della sua educazione religiosa (art. 303 cpv. 1 CC).»\n\n**VB.2021.00611 del Tribunale amministrativo di Zurigo** (11 novembre 2021)  \nCapacità processuale di un'allieva di 12 anni nel diritto all'istruzione elementare.  \nL'art. 11 cpv. 2 Cost. consente ai bambini capaci di discernimento l'esercizio autonomo di diritti strettamente personali.  \n> «Il diritto all'istruzione elementare secondo l'art. 19 Cost. è di natura strettamente personale e può essere fatto valere processualmente da un bambino secondo l'art. 11 cpv. 2 Cost. anche senza rappresentanza legale, se questo può agire ragionevolmente riguardo alla natura del procedimento e alle censure ivi sollevate.»\n\n### IV. Diritto scolastico e diritto all'istruzione\n\n**DTF 129 I 12** (7 novembre 2002)  \nEsclusione disciplinare dalla scuola e diritto fondamentale all'istruzione.  \nL'art. 11 Cost. rafforza il diritto all'istruzione elementare come diritto del fanciullo.  \n> «Il diritto all'istruzione elementare è rafforzato dall'art. 11 cpv. 1 Cost., che garantisce ai fanciulli e ai giovani una protezione particolare della loro integrità e la promozione del loro sviluppo. Un'esclusione scolastica a lungo termine può essere ordinata solo come ultima risorsa.»\n\n**DTF 144 II 233** (15 giugno 2018)  \nCampagna \"LOVE LIFE\" e protezione della gioventù.  \nL'art. 11 Cost. fonda obblighi di protezione statali nei confronti dei giovani nelle campagne pubbliche.  \n> «L'art. 11 cpv. 1 Cost. obbliga le autorità statali a considerare i particolari bisogni di protezione di bambini e giovani nelle campagne informative pubbliche.»\n\n### V. Diritto civile e rapporti familiari\n\n**DTF 142 III 481** (11 marzo 2016)  \nTrasferimento del bambino all'estero e interesse del minore.  \nL'art. 11 Cost. rafforza l'importanza dell'interesse del minore nei procedimenti di diritto civile.  \n> «Nell'esame del luogo di dimora appropriato per il bambino è determinante l'interesse del minore. L'art. 11 Cost. sottolinea la particolare tutela dei bambini nelle decisioni sulla loro situazione di vita.»\n\n**DTF 141 III 328** (14 settembre 2015)  \nMaternità surrogata e interessi del bambino.  \nL'interesse del minore secondo l'art. 11 Cost. deve essere considerato nel riconoscimento di rapporti di filiazione stranieri.  \n> «Gli interessi del bambino secondo l'art. 11 Cost. devono essere osservati anche nel riconoscimento di rapporti di filiazione sorti all'estero, senza che vengano così legittimate elusioni del diritto svizzero.»\n\n### VI. Capacità di discernimento in questioni mediche\n\n**DTF 134 II 235** (2 aprile 2008)  \nConsenso al trattamento di una paziente di 13 anni.  \nCapacità di discernimento dei minorenni negli interventi medici secondo l'art. 11 cpv. 2 Cost.  \n> «La volontà del paziente minorenne deve essere rispettata nella misura in cui è capace di discernimento. L'art. 11 cpv. 2 Cost. conferma che i bambini esercitano i loro diritti nell'ambito della loro capacità di discernimento.»\n\n### VII. Diritto degli stranieri e unità familiare\n\n**DTF 143 I 21** (17 novembre 2016)  \nRicongiungimento familiare e interessi del bambino.  \nL'art. 11 Cost. deve essere considerato nella ponderazione degli interessi nel diritto degli stranieri, senza fondare diritti autonomi.  \n> «Nel caso di rigore post-matrimoniale sono in primo piano gli interessi dei figli comuni. L'art. 11 Cost. deve essere incluso nella ponderazione degli interessi, senza che ne possa essere derivato un diritto diretto a un'autorizzazione di dimora.»\n\n**DTF 135 I 153** (27 marzo 2009)  \nRicongiungimento familiare inverso per bambini svizzeri.  \nL'interesse del minore secondo l'art. 11 Cost. rafforza la posizione dei bambini residenti in Svizzera nelle decisioni del diritto degli stranieri.  \n> «Il bene di bambini svizzeri deve essere particolarmente considerato secondo l'art. 11 Cost. quando si decide sulla permanenza dei loro genitori stranieri. Ciò può eccezionalmente portare a un diritto all'autorizzazione di dimora.»", "summary_en": "# Art. 11 FC - Protection of children and young persons\n\n## Overview\n\nArt. 11 FC protects children and young persons on two levels. First, they are entitled to special protection of their integrity. This includes physical, psychological and sexual violence. Second, their development must be promoted. This includes education, health care and age-appropriate care.\n\n**What does the provision regulate?** Art. 11 para. 1 FC obliges the state to actively protect children. According to **Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 14**, this results in a fundamental right to non-violent upbringing. The Federal Supreme Court applies Art. 11 FC in cases of family reunification (**BGE 144 II 1**), divorce proceedings (**BGE 142 III 481**) and religious conflicts (**BGE 135 I 79**). The provision has independent normative content and is more than a reinforcement of existing rights (**Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 1**).\n\n**Who is affected?** Children and young persons up to 18 years of age. But parents, authorities and schools must also respect these rights. The Federal Supreme Court heard children aged 11-12 years in proceedings (**BGE 133 III 146**).\n\n**What are the legal consequences?** Art. 11 para. 2 FC regulates the exercise of rights: children can exercise their fundamental rights themselves according to their capacity for judgment. In **BGE 135 I 79** the Federal Supreme Court decided that parents have authority over religious education until the age of 16 (Art. 303 CC). However, children with capacity for judgment can independently assert their freedom of religion.\n\n**Example:** A 14-year-old Muslim girl does not wish to participate in co-educational swimming lessons for religious reasons. The Federal Supreme Court rejected a dispensation, as the compulsory requirement with accompanying measures did not constitute an inadmissible interference with freedom of religion (**BGE 135 I 79**). The school's integration mandate outweighed the family's religious concerns.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 11 FC represents a significant innovation of the 1999 total revision. The provision was introduced as an independent fundamental rights norm in the framework of the constitutional reform, after the old Federal Constitution contained no specific children's rights. The Federal Council Message of 20 November 1996 emphasises that «children and young people have a right to special protection of their integrity and to support for their development» (BBl 1997 I 140, 153).\n\n**N. 2** The constitutional legislature was guided in its formulation by the UN Convention on the Rights of the Child (CRC), which Switzerland ratified in 1997. The inclusion of an independent provision on children's rights was largely uncontroversial in Parliament. The discussion focused primarily on the question of whether a subjective legal claim or an objective duty of protection should be created.\n\n**N. 3** Para. 2 on the exercise of rights within the framework of capacity to exercise rights was understood as a concretisation of the general civil law principle of capacity to exercise rights. The Message states: «Children and young people exercise their rights like all other persons only within the framework of their capacity to exercise rights» (BBl 1997 I 153).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 11 FC is placed in Section 2 «Fundamental Rights» of Title 1 «General Provisions». The systematic position between Art. 10 (right to life and personal liberty) and Art. 12 (right to assistance when in need) illustrates the character as an independent fundamental right with a special protective purpose for vulnerable groups of persons.\n\n**N. 5** The provision has close connections to other constitutional norms: → Art. 10 FC (personal liberty), → Art. 19 FC (right to basic education), → Art. 41 para. 1 lit. f and g FC (social objectives concerning children and young people), → Art. 62 FC (education), as well as → Art. 67 FC (promotion of young people). The principle of proportionality according to → Art. 36 FC finds particularly strict application in cases of interference with the rights of children.\n\n**N. 6** Internationally, Art. 11 FC is closely connected with the CRC, in particular Art. 3 CRC (best interests of the child), Art. 12 CRC (consideration of the child's will) and Art. 19 CRC (protection from violence). The ECHR contains no specific children's rights, but the ECtHR developed enhanced protection for children from Art. 8 ECHR (family life).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Personal Scope of Protection\n\n**N. 7** The personal scope of protection encompasses «children and young people». According to the prevailing doctrine (Tschentscher, BSK BV, Art. 11 N. 5-9; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 385), this means all persons up to the completed 18th year of life, in accordance with Art. 1 CRC and Art. 14 CC. The distinction between children and young people has no legal significance.\n\n**N. 8** It is disputed whether legal persons can invoke Art. 11 FC. The prevailing doctrine denies this with reference to the highly personal character of the norm (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2145). Youth organisations can, however, invoke the fundamental rights of their minor members.\n\n### Material Scope of Protection\n\n**N. 9** Para. 1 grants «special protection of integrity» and «support for development». The concept of integrity encompasses physical, psychological and sexual integrity. Support for development refers to holistic personality development, including cognitive, emotional and social aspects.\n\n**N. 10** Tschentscher takes the position that a fundamental right to non-violent upbringing follows directly from Art. 11 para. 1 FC (BSK BV, Art. 11 N. 14). This view is disputed. Reich argues more cautiously that Art. 11 FC contains primarily a legislative mandate (Reich, ZSR 2012 I 363, 375).\n\n**N. 11** Para. 2 regulates the exercise of rights by minors. Capacity to exercise rights is determined according to Art. 16 CC. In religious upbringing, the special rule of Art. 303 para. 3 CC applies (religious majority from age 16). Tschentscher emphasises that all fundamental rights are to be regarded as «rights», economic as well as non-material (BSK BV, Art. 11 N. 25-28).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** The Federal Supreme Court qualifies Art. 11 para. 1 FC as a «programmatic layer of the fundamental right» that creates no directly actionable subjective rights (**BGE 126 II 377** E. 5c). This restrictive case law is criticised in the doctrine. Biaggini argues for a stronger subjective legal dimension (Biaggini, in: Gerber Jenni/Hausammann, 25, 45).\n\n**N. 13** As an objective duty of protection, Art. 11 FC obliges the state to take active action. This encompasses: legislative measures for child protection, institutional arrangements (child protection authorities), preventive measures against endangerment of the child's welfare, as well as special procedural guarantees for minors (→ Art. 314a CC).\n\n**N. 14** In discretionary decisions, Art. 11 FC acts as an optimisation command. The best interests of the child must be given priority consideration, without, however, completely displacing other interests (**BGE 135 I 153** E. 2.2.2). In aliens law, Art. 11 FC does not establish independent residence rights (**BGE 144 II 1** E. 6.3).\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 15** **Normative Independence**: Tschentscher maintains that Art. 11 FC has normative independence and is more than an intensifying repetition of existing norms (BSK BV, Art. 11 N. 1). Müller/Schefer see Art. 11 FC, by contrast, primarily as an interpretive guideline without independent fundamental rights content (Grundrechte, 652).\n\n**N. 16** **Non-violent Upbringing**: It is controversial whether a prohibition on corporal punishment follows from Art. 11 FC. Tschentscher affirms a direct fundamental right to non-violent upbringing (BSK BV, Art. 11 N. 14). Wyttenbach demands an explicit legal regulation analogous to Germany and Austria (Wyttenbach, Grund- und Menschenrechtskonflikte, 287).\n\n**N. 17** **Male Circumcision**: Religiously motivated male circumcision is disputed. Tschentscher qualifies it as a «justifiable decision by parents in the interests of the child's welfare» (BSK BV, Art. 11 N. 15). Belser argues more differentially and emphasises the necessity of a balancing of interests between the parents' freedom of religion and the child's physical integrity (Belser, in: Mélanges Steinauer, 83, 92).\n\n**N. 18** **Scope of Application of Para. 2**: The scope of the «rights» in para. 2 is disputed. Tschentscher takes a broad interpretation: all fundamental rights are covered (BSK BV, Art. 11 N. 25-28). The opposing view restricts the scope of application to highly personal rights within the meaning of Art. 19c CC (Cottier, Subjekt oder Objekt?, 156).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 19** In the application of Art. 11 FC, a distinction must be made between the objective duty of protection (para. 1) and the subjective exercise of rights (para. 2). The objective duty of protection is directed primarily at the legislature and the law-applying authorities. They must consider the special need for protection of minors in all decisions that concern them.\n\n**N. 20** Capacity to exercise rights must be examined on a case-by-case basis. In religious matters, parents have a right of co-determination until age 16, even if the child already has capacity to exercise rights (**BGE 135 I 79** E. 5.5.1). In medical matters, capacity to exercise rights can be affirmed earlier depending on the scope of the intervention.\n\n**N. 21** In procedural law, Art. 11 FC in conjunction with → Art. 29 FC guarantees special protective rights: right to child-appropriate hearing (→ Art. 314a CC, → Art. 298 CCP), right to child representation in complex cases, as well as considerate questioning in criminal proceedings (→ Art. 154 CrimPC).\n\n**N. 22** In cases of conflicts of interest between child protection and other fundamental rights (in particular the parents' freedom of religion), a careful balancing of interests must be undertaken. The best interests of the child do not enjoy absolute priority, but are to be considered as a weighty factor. The proportionality test according to → Art. 36 FC must be conducted with particular strictness.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nThe case law on Art. 11 FC has developed since its entry into force in 1999 in various areas, with the Federal Supreme Court clarifying the scope of child protection and legal capacity.\n\n### I. Fundamental Meaning and Scope of Application\n\n**BGE 126 II 377** (18 April 1999)  \nFirst fundamental determination of the scope of Art. 11 FC in foreign nationals law.  \nThe Federal Supreme Court considered for the first time the significance of the new Art. 11 para. 1 FC for foreign nationals permits.  \n> «Art. 11 para. 1 FC grants children and young people the right to special protection of their integrity and to the promotion of their development. However, this provision does not establish a direct right to the granting of a residence permit.»\n\n**BGE 144 II 1** (29 November 2017)  \nArt. 11 FC does not confer an independent right in foreign nationals law.  \nConfirmation of the restrictive interpretation regarding foreign nationals permits.  \n> «Art. 11 FC does not confer a right to the granting or extension of a residence permit. The provision contains a general objective but does not establish direct subjective rights.»\n\n### II. Child Welfare in Penal Execution\n\n**BGE 146 IV 267** (17 August 2020)  \nPenal execution of a single mother and child welfare.  \nArt. 11 FC does not preclude lawful penal execution, even if this results in separation of mother and child.  \n> «Neither the provisions of the FC nor those of the CRC and other human rights conventions prevent the execution of lawful imprisonment. The separation of the mother from her child is an inevitable, directly lawful consequence of the execution of imprisonment.»\n\n### III. Legal Capacity and Exercise of Rights (Art. 11 para. 2 FC)\n\n**BGE 135 I 79** (24 October 2008)  \nFreedom of religion of minor pupils in swimming lessons.  \nClarification of the legal capacity of children in the independent exercise of rights.  \n> «Before completing the age of 16, a child with legal capacity (Art. 11 para. 2 FC) may invoke their freedom of belief and conscience, but until then the parents have authority over their religious education (Art. 303 para. 1 CC).»\n\n**VB.2021.00611 of the Administrative Court of Zurich** (11 November 2021)  \nLegal capacity of a 12-year-old pupil regarding the right to basic school education.  \nArt. 11 para. 2 FC enables children with legal capacity to independently exercise highly personal rights.  \n> «The right to basic school education according to Art. 19 FC is of a highly personal nature and can be enforced procedurally by a child pursuant to Art. 11 para. 2 FC even without legal representation, if the child can act reasonably with regard to the nature of the proceedings and the objections raised therein.»\n\n### IV. School Law and Right to Education\n\n**BGE 129 I 12** (7 November 2002)  \nDisciplinary school exclusion and fundamental right to education.  \nArt. 11 FC strengthens the right to basic school education as a children's right.  \n> «The right to basic school education is strengthened by Art. 11 para. 1 FC, which grants children and young people special protection of their integrity and promotion of their development. A long-term school exclusion can only be ordered as a last resort.»\n\n**BGE 144 II 233** (15 June 2018)  \n\"LOVE LIFE\" campaign and youth protection.  \nArt. 11 FC establishes state protective duties towards young people in public campaigns.  \n> «Art. 11 para. 1 FC obliges state authorities to consider the special protective needs of children and young people in public information campaigns.»\n\n### V. Civil Law and Family Relations\n\n**BGE 142 III 481** (11 March 2016)  \nChild's relocation abroad and child welfare.  \nArt. 11 FC reinforces the importance of child welfare in civil proceedings.  \n> «When examining the suitable place of residence for the child, the child's welfare is decisive. Art. 11 FC emphasizes the particular need for protection of children in decisions about their living situation.»\n\n**BGE 141 III 328** (14 September 2015)  \nSurrogacy and children's interests.  \nThe child's welfare according to Art. 11 FC must be considered in the recognition of foreign child relationships.  \n> «The interests of the child pursuant to Art. 11 FC must also be observed in the recognition of child relationships established abroad, without thereby legitimizing circumventions of Swiss law.»\n\n### VI. Legal Capacity in Medical Matters\n\n**BGE 134 II 235** (2 April 2008)  \nTreatment consent of a 13-year-old patient.  \nLegal capacity of minors in medical interventions according to Art. 11 para. 2 FC.  \n> «The will of the minor patient must be respected insofar as they have legal capacity. Art. 11 para. 2 FC confirms that children exercise their rights within the scope of their legal capacity.»\n\n### VII. Foreign Nationals Law and Family Unity\n\n**BGE 143 I 21** (17 November 2016)  \nFamily reunification and children's interests.  \nArt. 11 FC must be considered in the balancing of interests in foreign nationals law, without establishing independent claims.  \n> «In post-marital hardship cases, the interests of the common children are paramount. Art. 11 FC must be included in the balancing of interests, without deriving a direct claim to a residence permit therefrom.»\n\n**BGE 135 I 153** (27 March 2009)  \nReverse family reunification with Swiss children.  \nThe child's welfare according to Art. 11 FC strengthens the position of children living in Switzerland in foreign nationals decisions.  \n> «The welfare of Swiss children must be given special weight according to Art. 11 FC when deciding on the residence of their foreign parents. This may exceptionally lead to a claim for a residence permit.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_11", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 12, "article_suffix": "", "title": "Recht auf Hilfe in Notlagen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 12 BV — Recht auf Hilfe in Notlagen\n\n## Übersicht\n\nArtikel 12 der Bundesverfassung gibt Menschen in einer Notlage das Recht auf staatliche Hilfe. Das Grundrecht (unveräusserliches Recht jeder Person) gewährleistet die grundlegenden Mittel zum Überleben und für ein menschenwürdiges Leben.\n\n**Wer hat Anspruch auf Hilfe?** Jede Person, die sich in einer akuten Notlage befindet und sich nicht selber helfen kann. Eine Notlage liegt vor, wenn jemand die wichtigsten Bedürfnisse nicht erfüllen kann: Nahrung, Wohnung, Kleidung oder medizinische Behandlung. Die Person muss jedoch zuerst alle eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft haben (Subsidiaritätsprinzip). Wer eine zumutbare Arbeit verweigert oder auf andere Hilfe verzichtet, erhält grundsätzlich keine Unterstützung.\n\n**Welche Hilfe wird geleistet?** Der Staat muss die absolut notwendigen Mittel zum Überleben bereitstellen. Dazu gehören Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und medizinische Grundversorgung. Die Hilfe kann als Geld oder als Naturalleistung (direkte Bereitstellung von Wohnung und Essen) erfolgen. Bei abgewiesenen Asylbewerbern wird oft nur Naturalleistung gewährt.\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine alleinerziehende Mutter verliert ihre Arbeit und kann die Miete nicht mehr bezahlen. Sie hat kein Vermögen und keine Familie, die helfen könnte. Das Arbeitslosengeld reicht nicht zum Leben. In dieser Situation kann sie Nothilfe beantragen, bis andere Unterstützung (Sozialhilfe) greift oder sie wieder Arbeit findet.\n\n**Wichtige Grenzen:** Das Recht gilt nur für das absolute Minimum zum Überleben. Es ist kein Recht auf komfortables Leben. Die betroffene Person muss aktiv nach Lösungen suchen und angebotene Hilfe annehmen. Wer eigene Mittel versteckt oder nicht alle Möglichkeiten nutzt, verliert den Anspruch.\n\nAnders als andere Grundrechte kann Art. 12 BV nicht eingeschränkt werden. Selbst Straftäter oder Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus behalten diesen Anspruch. Das Recht schützt die Menschenwürde in ihrer grundlegendsten Form.", "doctrine_de": "# Art. 12 BV — Recht auf Hilfe in Notlagen\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Gewährleistung eines Rechts auf Hilfe in Notlagen hat in der Schweiz eine lange Tradition. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte das Bundesgericht eine staatliche Hilfspflicht fest, um Personen «vor dem physischen Verderben zu bewahren» (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 1). Diese Pflicht wurde zunächst aus dem Armenrecht abgeleitet und fand ihre erste verfassungsrechtliche Verankerung in Art. 48 BV 1874, der die kantonale Zuständigkeit für das Armenwesen regelte.\n\n**N. 2** Der entscheidende Wendepunkt kam 1995, als das Bundesgericht in **BGE 121 I 367** ein «Recht auf Existenzsicherung» als ungeschriebenes Grundrecht anerkannte. Der überwiegende Teil der Lehre hatte schon seit längerer Zeit für die Anerkennung eines solchen Grundrechts plädiert (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 2). Diese höchstrichterliche Anerkennung erfolgte noch unter der alten Bundesverfassung und beruhte auf einer Ableitung aus der Menschenwürde und dem Recht auf Leben.\n\n**N. 3** Die Totalrevision der Bundesverfassung bot die Gelegenheit, dieses richterrechtlich entwickelte Grundrecht ausdrücklich zu verankern. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 hielt fest, dass das Recht auf Existenzsicherung «die minimalste Garantie für ein menschenwürdiges Leben» darstelle und «das nackte Überleben» sichere (BBl 1997 I 153). Der Verfassungsgeber übernahm weitgehend die bundesgerichtliche Rechtsprechung und kodifizierte sie in Art. 12 BV, wobei die Formulierung «menschenwürdiges Dasein» bewusst gewählt wurde, um über das reine Überleben hinauszugehen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 12 BV steht systematisch im ersten Titel der Bundesverfassung bei den Grundrechten. Diese Platzierung ist programmatisch: Das Recht auf Hilfe in Notlagen ist ein echtes, justiziables Grundrecht und nicht bloss ein Sozialziel im Sinne von Art. 41 BV. Dieser fundamentale Unterschied hat erhebliche praktische Konsequenzen für die Durchsetzbarkeit des Anspruchs (→ Art. 35 BV).\n\n**N. 5** Die systematische Stellung von Art. 12 BV im Kontext der anderen Grundrechte verdeutlicht seine Funktion als Ausfluss der Menschenwürde (→ Art. 7 BV). Das Bundesgericht betont regelmässig diesen engen Zusammenhang: «Art. 12 BV gewährleistet als spezieller Aspekt der in Art. 7 BV geschützten Menschenwürde ein Grundrecht auf Existenzsicherung» (**BGE 131 I 166** E. 3.1). Gleichzeitig besteht eine enge Verbindung zum Recht auf Leben (→ Art. 10 BV), da ohne die materiellen Mittel zum Überleben auch das Leben selbst gefährdet ist.\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu den Sozialzielen (Art. 41 BV) nimmt Art. 12 BV eine Sonderstellung ein. Während die Sozialziele programmatischen Charakter haben und keine unmittelbaren Ansprüche begründen, gewährleistet Art. 12 BV einen durchsetzbaren Minimalanspruch. Gächter/Werder weisen darauf hin, dass Art. 12 BV innerhalb der Sozialverfassung eine «Auffangfunktion» zukommt (BSK BV, Art. 12 N. 10). Das Grundrecht greift subsidiär dann ein, wenn andere Sicherungssysteme versagen (↔ Art. 41, 112, 115 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der Tatbestand von Art. 12 BV setzt zwei kumulative Voraussetzungen voraus: erstens eine Notlage («wer in Not gerät») und zweitens die Unfähigkeit zur Selbsthilfe («nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen»). Diese beiden Elemente sind eng miteinander verknüpft und verkörpern das Subsidiaritätsprinzip, das dem gesamten Grundrecht zugrunde liegt.\n\n**N. 8** Die **Notlage** ist objektiv zu bestimmen. Sie liegt vor, wenn eine Person die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlichen Mittel nicht besitzt. Das Bundesgericht definiert diese als «elementare menschliche Bedürfnisse» wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft und medizinische Grundversorgung (**BGE 131 I 166** E. 5.1). Dabei ist unerheblich, aus welchen Gründen die Notlage entstanden ist – das Grundrecht kennt keine Unterscheidung nach Verschulden.\n\n**N. 9** Die **Unfähigkeit zur Selbsthilfe** bildet das zweite zentrale Tatbestandsmerkmal. Das Bundesgericht legt dieses Kriterium streng aus: «Wer objektiv in der Lage wäre, sich – insbesondere durch Annahme einer zumutbaren Arbeit – aus eigener Kraft die für das Überleben erforderlichen Mittel zu verschaffen, erfüllt die Anspruchsvoraussetzungen nicht» (**BGE 130 I 71** E. 4.1). Diese Subsidiarität ist jedoch nicht grenzenlos: Die Selbsthilfe muss tatsächlich möglich und zumutbar sein.\n\n**N. 10** Ein besonders umstrittener Aspekt betrifft die Verweigerung zumutbarer Arbeit. Das Bundesgericht stellt sich auf den Standpunkt, dass die Weigerung, eine zumutbare Arbeit aufzunehmen, den Anspruch als solches entfallen lässt (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi kritisiert, dass so Verschuldenselemente in das Grundrecht Eingang fänden, was dessen Charakter als Menschenrecht widerspreche (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli sieht hingegen kaum einen Unterschied zwischen einer selbstverschuldeten Notlage und dem Bestehen einer Notlage wegen nicht ausgeschöpfter zumutbarer Selbsthilfe (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 11** Amstutz schlägt einen vermittelnden Ansatz vor: Die anspruchsbegründende Notlage solle nur unter restriktiven Voraussetzungen verneint werden, wenn bestimmte Bedingungen kumulativ erfüllt sind (BSK BV, Art. 12 N. 23). Diese differenzierte Betrachtung findet in der neueren Rechtsprechung teilweise Niederschlag, insbesondere bei nicht entlöhnten Beschäftigungsprogrammen (**BGE 142 I 1**).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Der Anspruch aus Art. 12 BV umfasst «Hilfe und Betreuung» sowie «die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind». Diese dreiteilige Struktur der Rechtsfolge ist bewusst gewählt: Neben der materiellen Unterstützung gehört auch eine gewisse persönliche Betreuung zum Grundrechtsgehalt.\n\n**N. 13** Der Umfang der geschuldeten Leistungen ist Gegenstand intensiver doktrinärer Diskussion. Das Bundesgericht vertritt eine restriktive Auslegung und betont, dass der Verfassungsanspruch «nur ein Minimum» umfasse (**BGE 130 I 71** E. 4.1). Ein Teil der Lehre erachtet einen Anspruch, der lediglich das «nackte Überleben» sichert, als zu eng gefasst und sieht auch einen sozialen Bezug vor (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). Dieser Streit hat praktische Bedeutung für die Frage, ob beispielsweise ein minimales Taschengeld zur Pflege sozialer Kontakte zum Grundrechtsgehalt gehört.\n\n**N. 14** Die Form der Leistungserbringung liegt grundsätzlich im Ermessen der Behörden. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass Nothilfe auch ausschliesslich in Form von Naturalleistungen erbracht werden kann (**BGE 135 I 119**). Dies gilt insbesondere für abgewiesene Asylbewerber, bei denen die Naturalleistungen auch eine verhaltenslenkende Funktion haben können.\n\n**N. 15** Ein wesentliches Merkmal des Anspruchs aus Art. 12 BV ist seine **Uneinschränkbarkeit**. Anders als bei den meisten Grundrechten ist eine Einschränkung nach Art. 36 BV nicht möglich. Gächter/Werder betonen, dass Schutzbereich und Kerngehalt zusammenfallen (BSK BV, Art. 12 N. 38). Diese Unantastbarkeit bedeutet jedoch nicht, dass der Anspruch voraussetzungslos wäre – die Subsidiarität ist bereits tatbestandlich eingebaut.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 16** Die zentralen doktrinären Kontroversen zu Art. 12 BV betreffen drei Hauptbereiche: den Umfang des Nothilfeanspruchs, die Reichweite des Subsidiaritätsprinzips und die Behandlung selbstverschuldeter Notlagen.\n\n**N. 17** Beim **Umfang des Nothilfeanspruchs** stehen sich zwei Positionen gegenüber. Die restriktive Auffassung, vertreten durch das Bundesgericht und Teile der Lehre, beschränkt den Anspruch auf das absolute Existenzminimum. Ein Teil der Lehre plädiert hingegen für eine erweiterte Auslegung: Das Grundrecht enthalte auch einen sozialen, auf die Mitmenschen gerichteten Bezug und solle deshalb auch die Pflege sozialer Kontakte ermöglichen (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). Die Gegenmeinung argumentiert, aus dem Recht auf Hilfe in Notlagen lasse sich kein Anspruch auf minimale Mittel zur sozialen Integration ableiten, da es sich um einen leistungsrechtlichen Kerngehalt handle, der auf eine Überlebenshilfe beschränkt bleiben müsse (BSK BV, Art. 12 N. 29).\n\n**N. 18** Die **Reichweite der Subsidiarität** ist besonders umstritten bei der Verweigerung von Arbeitsaufnahmen. Das Bundesgericht vertritt die Position, dass die Weigerung, eine zumutbare Arbeit aufzunehmen, den Anspruch als solches entfallen lässt (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi kritisiert diese Rechtsprechung scharf: So fänden Verschuldenselemente in das Grundrecht Eingang, was dessen menschenrechtlichen Charakter untergrabe (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli nimmt eine vermittelnde Position ein und sieht kaum einen Unterschied zwischen einer selbstverschuldeten Notlage und dem Bestehen einer Notlage wegen nicht ausgeschöpfter zumutbarer Selbsthilfe (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 19** Bei **hypothetischen Ansprüchen** hat die neueste Rechtsprechung eine wichtige Klarstellung gebracht. In **BGE 150 I 6** stellte das Bundesgericht fest, dass das Subsidiaritätsprinzip bei bloss hypothetischen Ansprüchen auf andere Sozialleistungen nicht greift. Dies ist besonders relevant bei der Verweigerung der Mitwirkung an medizinischen Abklärungen für IV-Leistungen.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Für die praktische Anwendung von Art. 12 BV sind folgende Aspekte zentral:\n\n**N. 21** **Beweislast und Mitwirkung**: Die anspruchstellende Person muss ihre Notlage und die Unmöglichkeit der Selbsthilfe glaubhaft machen. Die Behörden haben jedoch eine Abklärungspflicht und müssen die persönlichen Umstände umfassend würdigen. Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit von Selbsthilfemassnahmen sind Alter, Gesundheitszustand, familiäre Situation und Arbeitsmarktlage zu berücksichtigen.\n\n**N. 22** **Verhältnis zu anderen Sozialleistungen**: Art. 12 BV kommt nur subsidiär zur Anwendung, wenn keine anderen Sozialleistungen (AHV, IV, ALV, Sozialhilfe) greifen. In der Praxis ist oft die Abgrenzung zur regulären Sozialhilfe schwierig, insbesondere bei sanktionierten Sozialhilfeempfängern. Das Bundesgericht hat klargestellt, dass auch bei Sozialhilfekürzungen der unantastbare Kern von Art. 12 BV gewahrt bleiben muss (**BGE 142 I 1**).\n\n**N. 23** **Besondere Personengruppen**: Für abgewiesene Asylbewerber gelten spezielle Regelungen (Art. 82 AsylG). Die Nothilfe kann hier restriktiver ausgestaltet werden, muss aber immer noch den Minimalstandard von Art. 12 BV einhalten. Bei Familien mit Kindern sind die besonderen Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen (→ Art. 11 BV).\n\n**N. 24** **Rechtsschutz**: Entscheide über Nothilfe sind anfechtbare Verfügungen. Der Rechtsweg steht allen Betroffenen offen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Wegen der existenziellen Bedeutung der Nothilfe ist in der Regel die aufschiebende Wirkung von Rechtsmitteln zu gewähren oder eine superprovisorische Leistung anzuordnen.", "caselaw_de": "# Art. 12 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundlegende Rechtsprechung zum Existenzminimum\n\n**BGE 130 I 71** — 14. Januar 2004  \nGrundlegendes Urteil zum Umfang des Rechts auf Hilfe in Notlagen.  \nPräzisierung der verfassungsrechtlichen Grundlagen und des Subsidiaritätsprinzips in der Sozialhilfe.\n\n> «Der Verfassungsanspruch umfasst nur ein Minimum, d.h. die unerlässlichen Mittel, um überleben zu können. Schutzbereich und Kerngehalt fallen zusammen. [...] Wer objektiv in der Lage wäre, sich - insbesondere durch Annahme einer zumutbaren Arbeit - aus eigener Kraft die für das Überleben erforderlichen Mittel zu verschaffen, erfüllt die Anspruchsvoraussetzungen nicht.»\n\n**BGE 121 I 367** — 2000  \nGrundlegendes Urteil zur Existenzsicherung vor Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung.  \nEntwicklung der verfassungsrechtlichen Grundlagen des Existenzminimums als ungeschriebenes Verfassungsrecht.\n\n> «Das Recht auf Existenzsicherung ist durch ungeschriebenes Verfassungsrecht des Bundes gewährleistet. Auf dieses Recht können sich auch Ausländer berufen.»\n\n### Nothilfe für Asylsuchende und Ausländer\n\n**BGE 131 I 166** — 18. März 2005  \nWegweisendes Urteil zur Nothilfe für abgewiesene Asylbewerber.  \nErstmals ausdrückliche Anerkennung eines verfassungsrechtlichen Anspruchs auf Nothilfe gemäss Art. 12 BV.\n\n> «Art. 12 BV gewährleistet einen Anspruch auf Nothilfe, der auch abgewiesenen Asylbewerbern zusteht. [...] Die Nothilfe muss das Existenzminimum sicherstellen und darf nicht vollständig verweigert werden.»\n\n**BGE 135 I 119** — 20. März 2009  \nNaturalleistungen als Form der Nothilfe.  \nGrenze zwischen verfassungsrechtlich gebotener Nothilfe und darüber hinausgehenden Leistungen.\n\n> «Eine ausschliesslich als Naturalleistung für Unterkunft und Verpflegung erbrachte Nothilfe verstösst als solche nicht gegen das gemäss Art. 12 BV gewährleistete Grundrecht auf Hilfe in Notlagen.»\n\n**BGE 137 I 113** — 6. Januar 2011  \nZuständigkeitsregelung bei der Nothilfe für Asylsuchende.  \nPräzisierung des Umfangs der verfassungsrechtlich geschuldeten Nothilfe.\n\n> «Der Zuweisungskanton ist für die Gewährung der Nothilfe an einen abgewiesenen Asylsuchenden mit Wegweisungsentscheid zuständig. Die Nothilfe muss den verfassungsrechtlichen Mindestanforderungen entsprechen.»\n\n**BGE 139 I 272** — 22. November 2013  \nUnterbringung in Luftschutzräumen als Form der Nothilfe.  \nMenschenwürdige Mindeststandards bei der Nothilfe.\n\n> «Für einen ledigen Mann guter Gesundheit steht die Tatsache, dass er die Nacht in einem Luftschutzraum des Zivilschutzes verbringen muss, den durch Art. 12 BV garantierten Minimalanforderungen nicht entgegen und verletzt insbesondere das Recht auf Achtung der Menschenwürde nicht.»\n\n### Beschäftigungsprogramme und Auflagen\n\n**BGE 142 I 1** — 8. März 2016  \nGrenzen bei der Verweigerung der Nothilfe wegen Nichtteilnahme an Beschäftigungsprogrammen.  \nWichtiges Urteil zur Unterscheidung zwischen Nothilfe und Sozialhilfe.\n\n> «Wird die Nothilfe (im Sinne des absolut Notwendigen) wegen Nichtbefolgung der Weisung, an einem Beschäftigungsprogramm teilzunehmen, verweigert, verstösst dies, wenn die Teilnahme am Programm nicht entlöhnt wäre und das Subsidiaritätsprinzip daher nicht zur Anwendung gelangt, gegen Art. 12 BV.»\n\n**BGE 139 I 218** — 29. Juli 2013  \nTestarbeitsplätze als zumutbare Massnahme.  \nVerhältnismässigkeit von Beschäftigungsauflagen im Sozialhilferecht.\n\n> «Die Ausrichtung materieller Hilfe darf mit der Auflage verbunden werden, einen zeitlich befristeten Arbeitseinsatz an einem sog. Testarbeitsplatz zu leisten. Diese Massnahme ist weder unverhältnismässig noch stellt sie eine Verletzung der persönlichen Freiheit dar.»\n\n### Sozialhilfe und Vermögensanrechnung\n\n**BGE 134 I 65** — 2007  \nExistenzminimum bei freiwilligem Vermögensverzicht.  \nGrenzen der Anrechnung von verschenktem Vermögen.\n\n> «Da kein offensichtlicher Rechtsmissbrauch vorliegt, darf das in Art. 12 BV garantierte Existenzminimum nicht verweigert werden, auch wenn freiwillig auf Vermögen verzichtet wurde.»\n\n**BGE 142 V 513** — 6. September 2016  \nAnrechnung von Konkubinatsbeiträgen.  \nBemessung der Sozialhilfe bei Lebensgemeinschaften.\n\n> «Dem erweiterten SKOS-Budget des nicht unterstützten Konkubinatspartners sind sämtliche Einnahmen gegenüberzustellen. Resultiert ein Einnahmenüberschuss, ist dieser bei stabilem Konkubinat im Budget der antragstellenden Person vollumfänglich als Einnahme anzurechnen.»\n\n**BGE 141 I 153** — 17. September 2015  \nVerfassungskonformität der Konkubinatsbeitragsanrechnung.  \nBestätigung der Rechtsprechung zur Sozialhilfeberechnung bei Konkubinat.\n\n> «Die Anrechnung eines Konkubinatsbeitrages im Sozialhilfebudget ist bei Vorliegen eines stabilen Konkubinats weder willkürlich noch verletzt sie das Rechtsgleichheitsgebot.»\n\n### Strafverfahren und Existenzminimum\n\n**BGE 141 IV 360** — 10. August 2015  \nBeschlagnahme zur Kostendeckung und Existenzminimum.  \nSchutz des Existenzminimums im Strafverfahren.\n\n> «Bei der Beschlagnahme zur Kostendeckung müssen die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Beschuldigten berücksichtigt und Vermögenswerte ausgenommen werden, die nach den Art. 92-94 SchKG nicht pfändbar sind. Diese Prüfung trägt dem Verhältnismässigkeitsprinzip und dem Grundrecht auf Gewährleistung des Existenzminimums Rechnung.»\n\n### Unterhaltsrecht und Existenzminimum\n\n**BGE 135 III 66** — 23. Oktober 2008  \nExistenzminimum des Unterhaltsverpflichteten.  \nMankotragung bei ungenügenden Mitteln des Unterhaltspflichtigen.\n\n> «Dem Unterhaltsverpflichteten ist in jedem Fall das Existenzminimum zu belassen, womit ein allfälliges Manko einseitig von den Unterhaltsberechtigten zu tragen ist.»\n\n**BGE 126 III 353** — 2000  \nBerechnung des minimalen Grundbedarfs.  \nGrundsätze für die Ermittlung des Existenzminimums bei knappen finanziellen Mitteln.\n\n> «Die Steuerlast des Rentenschuldners muss bei knappen finanziellen Mitteln ausser Betracht bleiben. Grundsätze für die Berechnung des minimalen Grundbedarfs des Rentenschuldners sind zu beachten.»\n\n### Datenschutz im Sozialhilferecht\n\n**BGE 138 I 331** — 2012  \nSozialhilfegeheimnis und Datenschutz.  \nVerhältnismässigkeit von Datenweitergaben im Sozialhilfebereich.\n\n> «Das Entfallen des Sozialhilfegeheimnisses bei Ermächtigung der betroffenen Person zur Datenweitergabe ist verfassungskonform, sofern die Verhältnismässigkeit gewahrt bleibt.»\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\n**BGE 149 I 248** — 2023  \nBettelverbot und Existenzminimum.  \nVerfassungskonformität von partiellen Bettelverboten.\n\n> «Bettelei fällt in den Schutzbereich des Grundrechts der persönlichen Freiheit. Ein partielles Bettelverbot kann unter bestimmten Umständen verhältnismässig sein, darf aber die Existenzsicherung nicht gefährden.»\n\n**BGE 146 I 1** — 6. Februar 2020  \nVerweigerung von Sozialhilfe bei bevorstehender Erbschaft.  \nBerücksichtigung künftigen Vermögens bei der Sozialhilfeberechnung.\n\n> «Die Verweigerung finanzieller Unterstützung angesichts der bevorstehenden Teilung einer Erbschaft mit einer Immobilie ist unter dem Blickwinkel des Art. 12 BV und der kantonalen Sozialhilfegesetzgebung zu prüfen.»", "summary_fr": "# Art. 12 Cst. — Droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse\n\n## Aperçu\n\nL'article 12 de la Constitution fédérale donne aux personnes en situation de détresse le droit d'obtenir l'aide de l'État. Ce droit fondamental (droit inaliénable de toute personne) garantit les moyens élémentaires de survie et d'existence conforme à la dignité humaine.\n\n**Qui a droit à l'aide ?** Toute personne qui se trouve dans une situation de détresse aiguë et qui ne peut pas s'aider elle-même. Une situation de détresse existe lorsque quelqu'un ne peut pas satisfaire ses besoins vitaux les plus importants : nourriture, logement, vêtements ou traitement médical. La personne doit toutefois d'abord avoir épuisé toutes ses propres possibilités (principe de subsidiarité). Celui qui refuse un travail raisonnablement exigible ou renonce à d'autres aides ne reçoit en principe aucun soutien.\n\n**Quelle aide est fournie ?** L'État doit mettre à disposition les moyens absolument nécessaires à la survie. Cela comprend le logement, la nourriture, les vêtements et les soins médicaux de base. L'aide peut être fournie sous forme d'argent ou de prestations en nature (mise à disposition directe de logement et de nourriture). Pour les demandeurs d'asile déboutés, seules des prestations en nature sont souvent accordées.\n\n**Exemple pratique :** Une mère célibataire perd son emploi et ne peut plus payer son loyer. Elle n'a pas de fortune et pas de famille qui pourrait l'aider. L'allocation de chômage ne suffit pas pour vivre. Dans cette situation, elle peut demander l'aide d'urgence jusqu'à ce qu'un autre soutien (aide sociale) intervienne ou qu'elle retrouve du travail.\n\n**Limites importantes :** Le droit ne vaut que pour le minimum absolu de survie. Ce n'est pas un droit à une vie confortable. La personne concernée doit activement chercher des solutions et accepter l'aide proposée. Celui qui cache ses propres moyens ou n'utilise pas toutes les possibilités perd le droit à l'aide.\n\nContrairement à d'autres droits fondamentaux, l'art. 12 Cst. ne peut pas être restreint. Même les délinquants ou les personnes sans statut de séjour légal conservent ce droit. Le droit protège la dignité humaine sous sa forme la plus fondamentale.", "doctrine_fr": "# Art. 12 Cst. — Droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La garantie d'un droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse a une longue tradition en Suisse. Dès le début du 20e siècle, le Tribunal fédéral a constaté une obligation étatique d'assistance, afin de préserver les personnes « de la perdition physique » (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 1). Cette obligation fut d'abord dérivée du droit des pauvres et trouva son premier ancrage constitutionnel dans l'art. 48 Cst. 1874, qui réglait la compétence cantonale en matière d'assistance publique.\n\n**N. 2** Le tournant décisif intervint en 1995, lorsque le Tribunal fédéral reconnut dans **ATF 121 I 367** un « droit à la garantie de l'existence » comme droit fondamental non écrit. La majeure partie de la doctrine plaidait déjà depuis longtemps en faveur de la reconnaissance d'un tel droit fondamental (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 2). Cette reconnaissance jurisprudentielle eut lieu encore sous l'ancienne Constitution fédérale et reposait sur une dérivation de la dignité humaine et du droit à la vie.\n\n**N. 3** La révision totale de la Constitution fédérale offrit l'occasion d'ancrer expressément ce droit fondamental développé par la jurisprudence. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 constata que le droit à la garantie de l'existence « représente la garantie la plus minimale pour une vie digne de l'être humain » et « assure la survie pure » (FF 1997 I 153). Le constituant reprit largement la jurisprudence du Tribunal fédéral et la codifia dans l'art. 12 Cst., la formulation « existence conforme à la dignité humaine » ayant été consciemment choisie pour aller au-delà de la simple survie.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 12 Cst. se situe systématiquement dans le premier titre de la Constitution fédérale parmi les droits fondamentaux. Cette place est programmatique : le droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse est un véritable droit fondamental justiciable et non pas seulement un objectif social au sens de l'art. 41 Cst. Cette différence fondamentale a des conséquences pratiques considérables pour l'exécution forcée de la prétention (→ art. 35 Cst.).\n\n**N. 5** La position systématique de l'art. 12 Cst. dans le contexte des autres droits fondamentaux clarifie sa fonction comme émanation de la dignité humaine (→ art. 7 Cst.). Le Tribunal fédéral souligne régulièrement cette relation étroite : « L'art. 12 Cst. garantit, comme aspect spécial de la dignité humaine protégée par l'art. 7 Cst., un droit fondamental à la garantie de l'existence » (**ATF 131 I 166** consid. 3.1). En même temps, il existe une relation étroite avec le droit à la vie (→ art. 10 Cst.), car sans les moyens matériels de survie, la vie elle-même est aussi menacée.\n\n**N. 6** Par rapport aux objectifs sociaux (art. 41 Cst.), l'art. 12 Cst. occupe une position particulière. Alors que les objectifs sociaux ont un caractère programmatique et ne fondent pas de prétentions immédiates, l'art. 12 Cst. garantit une prétention minimale exécutoire. Gächter/Werder soulignent qu'au sein de la constitution sociale, une « fonction de rattrapage » revient à l'art. 12 Cst. (BSK BV, art. 12 n. 10). Le droit fondamental intervient subsidiairement lorsque d'autres systèmes de sécurité échouent (↔ art. 41, 112, 115 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** Les faits constitutifs de l'art. 12 Cst. présupposent deux conditions cumulatives : premièrement une situation de détresse (« quiconque est dans une situation de détresse ») et deuxièmement l'incapacité de s'aider soi-même (« sans être en mesure de subvenir à son entretien »). Ces deux éléments sont étroitement liés et incarnent le principe de subsidiarité qui sous-tend l'ensemble du droit fondamental.\n\n**N. 8** La **situation de détresse** doit être déterminée objectivement. Elle existe lorsqu'une personne ne possède pas les moyens indispensables pour une existence conforme à la dignité humaine. Le Tribunal fédéral les définit comme « besoins humains élémentaires » tels que nourriture, vêtements, logement et soins médicaux de base (**ATF 131 I 166** consid. 5.1). Il importe peu pour quelles raisons la situation de détresse est survenue – le droit fondamental ne connaît pas de distinction selon la faute.\n\n**N. 9** L'**incapacité de s'aider soi-même** constitue le second élément constitutif central. Le Tribunal fédéral interprète ce critère strictement : « Quiconque serait objectivement en mesure de se procurer par ses propres forces – en particulier en acceptant un travail raisonnablement exigible – les moyens nécessaires à la survie, ne remplit pas les conditions de la prétention » (**ATF 130 I 71** consid. 4.1). Cette subsidiarité n'est cependant pas illimitée : l'aide à soi-même doit être effectivement possible et exigible.\n\n**N. 10** Un aspect particulièrement controversé concerne le refus d'un travail raisonnablement exigible. Le Tribunal fédéral se place sur la position que le refus d'accepter un travail raisonnablement exigible fait disparaître la prétention en tant que telle (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 22). Hänzi critique que des éléments de faute trouvent ainsi accès dans le droit fondamental, ce qui contredirait son caractère de droit de l'homme (BSK BV, art. 12 n. 22). Pärli ne voit en revanche guère de différence entre une situation de détresse due à sa propre faute et l'existence d'une situation de détresse en raison d'une aide à soi-même raisonnablement exigible non épuisée (BSK BV, art. 12 n. 22).\n\n**N. 11** Amstutz propose une approche médiane : la situation de détresse fondant la prétention ne devrait être niée que sous des conditions restrictives, lorsque certaines conditions sont cumulativement remplies (BSK BV, art. 12 n. 23). Cette considération différenciée trouve partiellement écho dans la jurisprudence récente, en particulier pour les programmes d'occupation non rémunérés (**ATF 142 I 1**).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** La prétention découlant de l'art. 12 Cst. comprend « l'aide et l'assistance » ainsi que « les moyens indispensables pour mener une existence conforme à la dignité humaine ». Cette structure tripartite de la conséquence juridique est consciemment choisie : outre le soutien matériel, une certaine assistance personnelle fait aussi partie du contenu du droit fondamental.\n\n**N. 13** L'étendue des prestations dues fait l'objet d'une discussion doctrinale intense. Le Tribunal fédéral défend une interprétation restrictive et souligne que la prétention constitutionnelle « ne comprend qu'un minimum » (**ATF 130 I 71** consid. 4.1). Une partie de la doctrine considère qu'une prétention qui ne fait qu'assurer la « survie pure » est conçue trop étroitement et prévoit aussi une relation sociale (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 29). Cette controverse a une signification pratique pour la question de savoir si, par exemple, un argent de poche minimal pour entretenir des contacts sociaux fait partie du contenu du droit fondamental.\n\n**N. 14** La forme de la prestation de service relève en principe du pouvoir d'appréciation des autorités. Le Tribunal fédéral a répétitivement constaté que l'aide d'urgence peut aussi être fournie exclusivement sous forme de prestations en nature (**ATF 135 I 119**). Ceci vaut en particulier pour les demandeurs d'asile déboutés, chez qui les prestations en nature peuvent aussi avoir une fonction d'orientation du comportement.\n\n**N. 15** Une caractéristique essentielle de la prétention découlant de l'art. 12 Cst. est son **caractère non restrictible**. Contrairement à la plupart des droits fondamentaux, une restriction selon l'art. 36 Cst. n'est pas possible. Gächter/Werder soulignent que champ de protection et contenu essentiel coïncident (BSK BV, art. 12 n. 38). Cette intangibilité ne signifie cependant pas que la prétention soit sans conditions – la subsidiarité est déjà intégrée dans les faits constitutifs.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 16** Les controverses doctrinales centrales concernant l'art. 12 Cst. touchent trois domaines principaux : l'étendue de la prétention à l'aide d'urgence, la portée du principe de subsidiarité et le traitement des situations de détresse dues à sa propre faute.\n\n**N. 17** Concernant l'**étendue de la prétention à l'aide d'urgence**, deux positions s'affrontent. La conception restrictive, représentée par le Tribunal fédéral et des parties de la doctrine, limite la prétention au minimum vital absolu. Une partie de la doctrine plaide en revanche pour une interprétation élargie : le droit fondamental contiendrait aussi une relation sociale, dirigée vers les semblables et devrait donc aussi permettre l'entretien de contacts sociaux (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 29). L'opinion contraire argumente qu'on ne peut dériver du droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse une prétention à des moyens minimaux pour l'intégration sociale, car il s'agirait d'un contenu essentiel en matière de prestations qui doit rester limité à une aide de survie (BSK BV, art. 12 n. 29).\n\n**N. 18** La **portée de la subsidiarité** est particulièrement controversée lors du refus de prendre un emploi. Le Tribunal fédéral défend la position que le refus d'accepter un travail raisonnablement exigible fait disparaître la prétention en tant que telle (Gächter/Werder, BSK BV, art. 12 n. 22). Hänzi critique vivement cette jurisprudence : des éléments de faute trouvent ainsi accès dans le droit fondamental, ce qui sape son caractère de droit de l'homme (BSK BV, art. 12 n. 22). Pärli adopte une position médiane et ne voit guère de différence entre une situation de détresse due à sa propre faute et l'existence d'une situation de détresse en raison d'une aide à soi-même raisonnablement exigible non épuisée (BSK BV, art. 12 n. 22).\n\n**N. 19** Pour les **prétentions hypothétiques**, la jurisprudence la plus récente a apporté une clarification importante. Dans **ATF 150 I 6**, le Tribunal fédéral a constaté que le principe de subsidiarité ne joue pas en cas de prétentions purement hypothétiques à d'autres prestations sociales. Ceci est particulièrement pertinent lors du refus de collaborer aux examens médicaux pour les prestations AI.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Pour l'application pratique de l'art. 12 Cst., les aspects suivants sont centraux :\n\n**N. 21** **Fardeau de la preuve et collaboration** : la personne qui formule la prétention doit rendre vraisemblable sa situation de détresse et l'impossibilité de s'aider soi-même. Les autorités ont cependant une obligation d'instruction et doivent apprécier de manière exhaustive les circonstances personnelles. Lors de l'appréciation de l'exigibilité de mesures d'aide à soi-même, il faut tenir compte de l'âge, de l'état de santé, de la situation familiale et de la situation du marché du travail.\n\n**N. 22** **Rapport avec d'autres prestations sociales** : l'art. 12 Cst. ne trouve application que subsidiairement, lorsqu'aucune autre prestation sociale (AVS, AI, AC, aide sociale) n'intervient. En pratique, la délimitation avec l'aide sociale régulière est souvent difficile, en particulier chez les bénéficiaires d'aide sociale sanctionnés. Le Tribunal fédéral a clarifié que même en cas de réductions d'aide sociale, le noyau intangible de l'art. 12 Cst. doit rester préservé (**ATF 142 I 1**).\n\n**N. 23** **Groupes de personnes particuliers** : pour les demandeurs d'asile déboutés, des règles spéciales s'appliquent (art. 82 LAsi). L'aide d'urgence peut ici être configurée de manière plus restrictive, mais doit toujours respecter le standard minimal de l'art. 12 Cst. Pour les familles avec enfants, les besoins particuliers des enfants doivent être pris en considération (→ art. 11 Cst.).\n\n**N. 24** **Protection juridique** : les décisions concernant l'aide d'urgence sont des décisions attaquables. La voie de droit est ouverte à toutes les personnes concernées, indépendamment de leur statut de séjour. En raison de la signification existentielle de l'aide d'urgence, l'effet suspensif des voies de droit doit en règle générale être accordé ou une prestation superprovisorielle ordonnée.", "caselaw_fr": "# Art. 12 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Jurisprudence fondamentale sur le minimum vital\n\n**ATF 130 I 71** — 14 janvier 2004  \nArrêt fondamental sur l'étendue du droit à l'aide en cas de détresse.  \nPrécision des bases constitutionnelles et du principe de subsidiarité dans l'aide sociale.\n\n> « La prétention constitutionnelle ne comprend qu'un minimum, c'est-à-dire les moyens indispensables pour pouvoir survivre. Le champ de protection et le noyau dur coïncident. [...] Celui qui serait objectivement en mesure de se procurer de ses propres forces les moyens nécessaires à sa survie - notamment en acceptant un travail raisonnablement exigible - ne remplit pas les conditions du droit. »\n\n**ATF 121 I 367** — 2000  \nArrêt fondamental sur la garantie de l'existence avant l'entrée en vigueur de la nouvelle Constitution fédérale.  \nDéveloppement des bases constitutionnelles du minimum vital comme droit constitutionnel non écrit.\n\n> « Le droit à la garantie de l'existence est garanti par le droit constitutionnel non écrit de la Confédération. Les étrangers peuvent également se prévaloir de ce droit. »\n\n### Aide d'urgence pour les requérants d'asile et les étrangers\n\n**ATF 131 I 166** — 18 mars 2005  \nArrêt de principe sur l'aide d'urgence pour les demandeurs d'asile déboutés.  \nPremière reconnaissance expresse d'un droit constitutionnel à l'aide d'urgence selon l'art. 12 Cst.\n\n> « L'art. 12 Cst. garantit un droit à l'aide d'urgence qui revient aussi aux demandeurs d'asile déboutés. [...] L'aide d'urgence doit assurer le minimum vital et ne peut être complètement refusée. »\n\n**ATF 135 I 119** — 20 mars 2009  \nPrestations en nature comme forme d'aide d'urgence.  \nLimite entre l'aide d'urgence constitutionnellement requise et les prestations qui vont au-delà.\n\n> « Une aide d'urgence fournie exclusivement sous forme de prestations en nature pour le logement et la nourriture ne viole pas en tant que telle le droit fondamental à l'aide en cas de détresse garanti par l'art. 12 Cst. »\n\n**ATF 137 I 113** — 6 janvier 2011  \nRéglementation des compétences dans l'aide d'urgence pour les requérants d'asile.  \nPrécision de l'étendue de l'aide d'urgence constitutionnellement due.\n\n> « Le canton d'attribution est compétent pour l'octroi de l'aide d'urgence à un demandeur d'asile débouté avec décision de renvoi. L'aide d'urgence doit répondre aux exigences constitutionnelles minimales. »\n\n**ATF 139 I 272** — 22 novembre 2013  \nHébergement dans des abris de protection civile comme forme d'aide d'urgence.  \nStandards minimaux conformes à la dignité humaine dans l'aide d'urgence.\n\n> « Pour un homme célibataire en bonne santé, le fait qu'il doive passer la nuit dans un abri de protection civile ne contrevient pas aux exigences minimales garanties par l'art. 12 Cst. et ne viole pas notamment le droit au respect de la dignité humaine. »\n\n### Programmes d'occupation et obligations\n\n**ATF 142 I 1** — 8 mars 2016  \nLimites dans le refus de l'aide d'urgence en raison de la non-participation à des programmes d'occupation.  \nArrêt important sur la distinction entre aide d'urgence et aide sociale.\n\n> « Si l'aide d'urgence (au sens de l'absolument nécessaire) est refusée en raison du non-respect de l'instruction de participer à un programme d'occupation, cela viole l'art. 12 Cst. lorsque la participation au programme ne serait pas rémunérée et que le principe de subsidiarité ne trouve donc pas application. »\n\n**ATF 139 I 218** — 29 juillet 2013  \nPostes de travail d'essai comme mesure raisonnablement exigible.  \nProportionnalité des obligations d'occupation dans le droit de l'aide sociale.\n\n> « L'octroi d'une aide matérielle peut être assorti de l'obligation d'effectuer un engagement de travail limité dans le temps dans un soi-disant poste de travail d'essai. Cette mesure n'est ni disproportionnée ni ne constitue une violation de la liberté personnelle. »\n\n### Aide sociale et imputation de la fortune\n\n**ATF 134 I 65** — 2007  \nMinimum vital en cas de renonciation volontaire à la fortune.  \nLimites de l'imputation de biens donnés.\n\n> « En l'absence d'abus de droit manifeste, le minimum vital garanti par l'art. 12 Cst. ne peut être refusé, même si l'on a volontairement renoncé à des biens. »\n\n**ATF 142 V 513** — 6 septembre 2016  \nImputation des contributions de concubinage.  \nCalcul de l'aide sociale dans les communautés de vie.\n\n> « Toutes les recettes doivent être opposées au budget CSIAS élargi du partenaire de concubinage non soutenu. S'il en résulte un excédent de recettes, celui-ci doit être imputé intégralement comme recette dans le budget de la personne requérante en cas de concubinage stable. »\n\n**ATF 141 I 153** — 17 septembre 2015  \nConformité constitutionnelle de l'imputation des contributions de concubinage.  \nConfirmation de la jurisprudence sur le calcul de l'aide sociale en cas de concubinage.\n\n> « L'imputation d'une contribution de concubinage dans le budget d'aide sociale n'est ni arbitraire ni ne viole le principe d'égalité de traitement lorsqu'il existe un concubinage stable. »\n\n### Procédure pénale et minimum vital\n\n**ATF 141 IV 360** — 10 août 2015  \nSéquestre pour couverture des coûts et minimum vital.  \nProtection du minimum vital dans la procédure pénale.\n\n> « Lors du séquestre pour couverture des coûts, les rapports de revenus et de fortune de l'accusé doivent être pris en considération et les valeurs patrimoniales qui ne sont pas saisissables selon les art. 92-94 LP doivent être exclues. Cet examen tient compte du principe de proportionnalité et du droit fondamental à la garantie du minimum vital. »\n\n### Droit d'entretien et minimum vital\n\n**ATF 135 III 66** — 23 octobre 2008  \nMinimum vital de la personne tenue à l'entretien.  \nRépartition du déficit en cas de moyens insuffisants de la personne tenue à l'entretien.\n\n> « Le minimum vital doit en tout cas être laissé à la personne tenue à l'entretien, de sorte qu'un éventuel déficit doit être supporté unilatéralement par les ayants droit à l'entretien. »\n\n**ATF 126 III 353** — 2000  \nCalcul des besoins fondamentaux minimaux.  \nPrincipes pour la détermination du minimum vital en cas de moyens financiers restreints.\n\n> « La charge fiscale du débiteur de rente doit être laissée hors de considération en cas de moyens financiers restreints. Les principes pour le calcul des besoins fondamentaux minimaux du débiteur de rente sont à respecter. »\n\n### Protection des données dans le droit de l'aide sociale\n\n**ATF 138 I 331** — 2012  \nSecret de l'aide sociale et protection des données.  \nProportionnalité des transmissions de données dans le domaine de l'aide sociale.\n\n> « La suppression du secret de l'aide sociale en cas d'autorisation de la personne concernée pour la transmission de données est conforme à la Constitution, pour autant que la proportionnalité soit respectée. »\n\n### Développements récents\n\n**ATF 149 I 248** — 2023  \nInterdiction de mendier et minimum vital.  \nConformité constitutionnelle des interdictions partielles de mendier.\n\n> « La mendicité relève du champ de protection du droit fondamental de la liberté personnelle. Une interdiction partielle de mendier peut être proportionnée dans certaines circonstances, mais ne doit pas mettre en danger la garantie de l'existence. »\n\n**ATF 146 I 1** — 6 février 2020  \nRefus d'aide sociale en cas d'héritage imminent.  \nPrise en considération de biens futurs dans le calcul de l'aide sociale.\n\n> « Le refus de soutien financier face au partage imminent d'un héritage avec un bien immobilier doit être examiné sous l'angle de l'art. 12 Cst. et de la législation cantonale sur l'aide sociale. »", "summary_it": "# Art. 12 Cost. — Diritto all'aiuto in situazioni di emergenza\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 12 della Costituzione federale conferisce alle persone in situazione di emergenza il diritto all'aiuto statale. Questo diritto fondamentale (diritto inalienabile di ogni persona) garantisce i mezzi essenziali per la sopravvivenza e per una vita dignitosa.\n\n**Chi ha diritto all'aiuto?** Ogni persona che si trova in una situazione di emergenza acuta e non può aiutare sé stessa. Una situazione di emergenza sussiste quando qualcuno non può soddisfare i bisogni più importanti: cibo, alloggio, vestiario o cure mediche. La persona deve tuttavia aver prima esaurito tutte le proprie possibilità (principio di sussidiarietà). Chi rifiuta un lavoro ragionevole o rinuncia ad altri aiuti, in linea di principio non riceve sostegno.\n\n**Quale aiuto viene prestato?** Lo Stato deve fornire i mezzi assolutamente necessari alla sopravvivenza. Ciò include alloggio, vitto, vestiario e assistenza medica di base. L'aiuto può essere erogato sotto forma di denaro o di prestazioni in natura (fornitura diretta di alloggio e cibo). Nel caso di richiedenti l'asilo respinti, spesso vengono concesse solo prestazioni in natura.\n\n**Esempio pratico:** Una madre single perde il lavoro e non può più pagare l'affitto. Non ha patrimonio né famiglia che possa aiutarla. L'indennità di disoccupazione non basta per vivere. In questa situazione può richiedere l'aiuto d'emergenza, finché non interviene altro sostegno (aiuto sociale) o finché non trova di nuovo lavoro.\n\n**Limiti importanti:** Il diritto vale solo per il minimo assoluto per la sopravvivenza. Non è un diritto a una vita confortevole. La persona interessata deve cercare attivamente soluzioni e accettare l'aiuto offerto. Chi nasconde i propri mezzi o non sfrutta tutte le possibilità, perde il diritto.\n\nA differenza di altri diritti fondamentali, l'art. 12 Cost. non può essere limitato. Anche i delinquenti o le persone senza permesso di soggiorno legale mantengono questo diritto. Il diritto protegge la dignità umana nella sua forma più fondamentale.", "doctrine_it": "# Art. 12 Cost. — Diritto all'aiuto in situazioni di bisogno\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La garanzia di un diritto all'aiuto in situazioni di bisogno ha una lunga tradizione in Svizzera. Già all'inizio del 20° secolo il Tribunale federale constatò un obbligo statale di assistenza per «preservare le persone dal deperimento fisico» (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 1). Questo obbligo fu dapprima derivato dal diritto dei poveri e trovò il suo primo ancoraggio costituzionale nell'art. 48 Cost. 1874, che regolava la competenza cantonale in materia di assistenza ai poveri.\n\n**N. 2** Il punto di svolta decisivo arrivò nel 1995, quando il Tribunale federale nella **DTF 121 I 367** riconobbe un «diritto alla garanzia dell'esistenza» come diritto fondamentale non scritto. La maggior parte della dottrina aveva già da tempo sostenuto il riconoscimento di un tale diritto fondamentale (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 2). Questo riconoscimento dell'istanza giudiziaria suprema avvenne ancora sotto la vecchia Costituzione federale e si basava su una derivazione dalla dignità umana e dal diritto alla vita.\n\n**N. 3** La revisione totale della Costituzione federale offrì l'occasione di ancorare espressamente questo diritto fondamentale sviluppatosi nella giurisprudenza. Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 stabilì che il diritto alla garanzia dell'esistenza costituisse «la garanzia minima per una vita dignitosa» e assicurasse «la nuda sopravvivenza» (FF 1997 I 153). Il costituente riprese ampiamente la giurisprudenza del Tribunale federale e la codificò nell'art. 12 Cost., scegliendo consapevolmente la formulazione «esistenza conforme alla dignità umana» per andare oltre la mera sopravvivenza.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 12 Cost. si trova sistematicamente nel primo titolo della Costituzione federale presso i diritti fondamentali. Questa collocazione è programmatica: il diritto all'aiuto in situazioni di bisogno è un vero diritto fondamentale giustiziabile e non soltanto un obiettivo sociale nel senso dell'art. 41 Cost. Questa differenza fondamentale ha conseguenze pratiche considerevoli per l'azionabilità del diritto (→ art. 35 Cost.).\n\n**N. 5** La posizione sistematica dell'art. 12 Cost. nel contesto degli altri diritti fondamentali chiarisce la sua funzione come emanazione della dignità umana (→ art. 7 Cost.). Il Tribunale federale sottolinea regolarmente questo stretto collegamento: «L'art. 12 Cost. garantisce, come aspetto speciale della dignità umana protetta dall'art. 7 Cost., un diritto fondamentale alla garanzia dell'esistenza» (**DTF 131 I 166** consid. 3.1). Al tempo stesso sussiste uno stretto collegamento al diritto alla vita (→ art. 10 Cost.), poiché senza i mezzi materiali per la sopravvivenza anche la vita stessa è messa in pericolo.\n\n**N. 6** Nel rapporto con gli obiettivi sociali (art. 41 Cost.) l'art. 12 Cost. assume una posizione speciale. Mentre gli obiettivi sociali hanno carattere programmatico e non fondano diritti immediati, l'art. 12 Cost. garantisce un diritto minimo azionabile. Gächter/Werder indicano che all'art. 12 Cost. spetta una «funzione di supplenza» all'interno della costituzione sociale (BSK BV, Art. 12 N. 10). Il diritto fondamentale interviene sussidiariamente quando altri sistemi di garanzia falliscono (↔ art. 41, 112, 115 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** La fattispecie dell'art. 12 Cost. presuppone due condizioni cumulative: in primo luogo una situazione di bisogno («chi si trova nel bisogno») e in secondo luogo l'incapacità di provvedere a se stesso («non è in grado di provvedere a sé»). Questi due elementi sono strettamente collegati tra loro e incarnano il principio di sussidiarietà che sta alla base dell'intero diritto fondamentale.\n\n**N. 8** La **situazione di bisogno** è da determinare oggettivamente. Essa sussiste quando una persona non possiede i mezzi indispensabili per un'esistenza conforme alla dignità umana. Il Tribunale federale li definisce come «bisogni umani elementari» come nutrimento, vestiario, alloggio e assistenza medica di base (**DTF 131 I 166** consid. 5.1). È irrilevante per quali ragioni sia sorta la situazione di bisogno – il diritto fondamentale non conosce distinzioni secondo la colpa.\n\n**N. 9** L'**incapacità di provvedere a se stesso** forma il secondo elemento centrale della fattispecie. Il Tribunale federale interpreta rigorosamente questo criterio: «Chi fosse oggettivamente in grado di procurarsi con le proprie forze i mezzi necessari per la sopravvivenza – in particolare mediante l'accettazione di un lavoro esigibile – non adempie i presupposti per il diritto» (**DTF 130 I 71** consid. 4.1). Questa sussidiarietà non è tuttavia illimitata: l'auto-aiuto deve essere effettivamente possibile ed esigibile.\n\n**N. 10** Un aspetto particolarmente controverso riguarda il rifiuto di lavoro esigibile. Il Tribunale federale si pone sul punto di vista che il rifiuto di accettare un lavoro esigibile faccia venire meno il diritto come tale (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi critica che così elementi di colpa entrino nel diritto fondamentale, il che contraddirebbe il suo carattere di diritto umano (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli vede invece difficilmente una differenza tra una situazione di bisogno auto-causata e l'esistenza di una situazione di bisogno per auto-aiuto esigibile non esaurito (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 11** Amstutz propone un approccio mediatore: la situazione di bisogno che fonda il diritto dovrebbe essere negata solo sotto presupposti restrittivi, quando certe condizioni sono adempiute cumulativamente (BSK BV, Art. 12 N. 23). Questa considerazione differenziata trova parzialmente eco nella giurisprudenza più recente, in particolare nei programmi di occupazione non retribuiti (**DTF 142 I 1**).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** Il diritto derivante dall'art. 12 Cost. comprende «aiuto e assistenza» nonché «i mezzi indispensabili per un'esistenza conforme alla dignità umana». Questa struttura tripartita della conseguenza giuridica è scelta consapevolmente: oltre al sostegno materiale appartiene al contenuto del diritto fondamentale anche una certa assistenza personale.\n\n**N. 13** L'ampiezza delle prestazioni dovute è oggetto di intensa discussione dottrinale. Il Tribunale federale rappresenta un'interpretazione restrittiva e sottolinea che il diritto costituzionale comprende «soltanto un minimo» (**DTF 130 I 71** consid. 4.1). Una parte della dottrina considera troppo ristretto un diritto che assicuri soltanto la «nuda sopravvivenza» e vede anche un riferimento sociale (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). Questa controversia ha significato pratico per la questione se ad esempio un denaro per piccole spese minimo per la cura di contatti sociali appartenga al contenuto del diritto fondamentale.\n\n**N. 14** La forma dell'erogazione delle prestazioni rientra fondamentalmente nella discrezione delle autorità. Il Tribunale federale ha ripetutamente stabilito che l'aiuto d'emergenza può essere prestato anche esclusivamente sotto forma di prestazioni in natura (**DTF 135 I 119**). Ciò vale in particolare per i richiedenti l'asilo respinti, dove le prestazioni in natura possono avere anche una funzione di orientamento comportamentale.\n\n**N. 15** Una caratteristica essenziale del diritto derivante dall'art. 12 Cost. è la sua **non limitabilità**. Diversamente che per la maggior parte dei diritti fondamentali non è possibile una limitazione secondo l'art. 36 Cost. Gächter/Werder sottolineano che campo di protezione e nucleo essenziale coincidono (BSK BV, Art. 12 N. 38). Questa intangibilità non significa tuttavia che il diritto sia senza presupposti – la sussidiarietà è già incorporata nella fattispecie.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 16** Le controversie dottrinali centrali sull'art. 12 Cost. riguardano tre ambiti principali: l'ampiezza del diritto all'aiuto d'emergenza, la portata del principio di sussidiarietà e il trattamento delle situazioni di bisogno auto-causate.\n\n**N. 17** Per quanto riguarda l'**ampiezza del diritto all'aiuto d'emergenza** si contrappongono due posizioni. La concezione restrittiva, rappresentata dal Tribunale federale e parti della dottrina, limita il diritto al minimo esistenziale assoluto. Una parte della dottrina propugna invece un'interpretazione estesa: il diritto fondamentale conterrebbe anche un riferimento sociale, rivolto ai propri simili, e dovrebbe perciò permettere anche la cura di contatti sociali (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). L'opinione contraria argomenta che dal diritto all'aiuto in situazioni di bisogno non si possa derivare un diritto a mezzi minimi per l'integrazione sociale, poiché si tratterebbe di un nucleo essenziale prestazionale che deve rimanere limitato ad un aiuto per la sopravvivenza (BSK BV, Art. 12 N. 29).\n\n**N. 18** La **portata della sussidiarietà** è particolarmente controversa nel caso del rifiuto di assunzione di lavori. Il Tribunale federale rappresenta la posizione che il rifiuto di accettare un lavoro esigibile faccia venire meno il diritto come tale (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi critica aspramente questa giurisprudenza: così elementi di colpa entrerebbero nel diritto fondamentale, il che minerebbe il suo carattere di diritto umano (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli assume una posizione mediatrice e vede difficilmente una differenza tra una situazione di bisogno auto-causata e l'esistenza di una situazione di bisogno per auto-aiuto esigibile non esaurito (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 19** Per i **diritti ipotetici** la giurisprudenza più recente ha portato un importante chiarimento. Nella **DTF 150 I 6** il Tribunale federale stabilì che il principio di sussidiarietà non si applica per diritti meramente ipotetici ad altre prestazioni sociali. Ciò è particolarmente rilevante nel caso del rifiuto della collaborazione ad accertamenti medici per prestazioni AI.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Per l'applicazione pratica dell'art. 12 Cost. sono centrali i seguenti aspetti:\n\n**N. 21** **Onere della prova e collaborazione**: La persona che rivendica il diritto deve rendere credibile la sua situazione di bisogno e l'impossibilità dell'auto-aiuto. Le autorità hanno tuttavia un obbligo di accertamento e devono valutare in modo completo le circostanze personali. Nella valutazione dell'esigibilità di misure di auto-aiuto devono essere considerate età, stato di salute, situazione familiare e situazione del mercato del lavoro.\n\n**N. 22** **Rapporto con altre prestazioni sociali**: L'art. 12 Cost. si applica solo sussidiariamente quando non si applicano altre prestazioni sociali (AVS, AI, AD, assistenza sociale). Nella pratica è spesso difficile la delimitazione dall'assistenza sociale regolare, in particolare per i beneficiari dell'assistenza sociale sanzionati. Il Tribunale federale ha chiarito che anche in caso di riduzioni dell'assistenza sociale deve rimanere salvaguardato il nucleo intangibile dell'art. 12 Cost. (**DTF 142 I 1**).\n\n**N. 23** **Gruppi di persone particolari**: Per i richiedenti l'asilo respinti valgono regolamentazioni speciali (art. 82 LAsi). L'aiuto d'emergenza può qui essere configurato in modo più restrittivo, ma deve sempre rispettare lo standard minimo dell'art. 12 Cost. Per le famiglie con bambini devono essere considerati i bisogni particolari dei bambini (→ art. 11 Cost.).\n\n**N. 24** **Tutela giuridica**: Le decisioni sull'aiuto d'emergenza sono decisioni impugnabili. La via giuridica è aperta a tutte le persone interessate, indipendentemente dal loro statuto di soggiorno. A causa del significato esistenziale dell'aiuto d'emergenza di regola deve essere concesso l'effetto sospensivo dei rimedi giuridici o deve essere ordinata una prestazione superprowisoria.", "caselaw_it": "# Art. 12 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Giurisprudenza fondamentale sul minimo vitale\n\n**DTF 130 I 71** — 14 gennaio 2004  \nSentenza fondamentale sulla portata del diritto all'aiuto nelle situazioni di bisogno.  \nPrecisazione delle basi costituzionali e del principio di sussidiarietà nell'assistenza sociale.\n\n> «Il diritto costituzionale comprende soltanto un minimo, vale a dire i mezzi indispensabili per poter sopravvivere. Ambito di protezione e contenuto essenziale coincidono. [...] Chi oggettivamente fosse in condizione di procurarsi - in particolare accettando un lavoro ragionevolmente esigibile - con le proprie forze i mezzi necessari per la sopravvivenza, non adempie i presupposti per avere diritto al sostegno.»\n\n**DTF 121 I 367** — 2000  \nSentenza fondamentale sulla garanzia dell'esistenza prima dell'entrata in vigore della nuova Costituzione federale.  \nSviluppo delle basi costituzionali del minimo vitale come diritto costituzionale non scritto.\n\n> «Il diritto alla garanzia dell'esistenza è garantito dal diritto costituzionale non scritto della Confederazione. Su questo diritto possono appellarsi anche gli stranieri.»\n\n### Aiuto d'emergenza per richiedenti l'asilo e stranieri\n\n**DTF 131 I 166** — 18 marzo 2005  \nSentenza decisiva sull'aiuto d'emergenza per richiedenti l'asilo respinti.  \nPrimo riconoscimento esplicito di un diritto costituzionale all'aiuto d'emergenza secondo l'art. 12 Cost.\n\n> «L'art. 12 Cost. garantisce un diritto all'aiuto d'emergenza che spetta anche ai richiedenti l'asilo respinti. [...] L'aiuto d'emergenza deve garantire il minimo vitale e non può essere completamente negato.»\n\n**DTF 135 I 119** — 20 marzo 2009  \nPrestazioni in natura come forma di aiuto d'emergenza.  \nLimite tra aiuto d'emergenza costituzionalmente dovuto e prestazioni che vanno oltre.\n\n> «Un aiuto d'emergenza fornito esclusivamente come prestazione in natura per alloggio e vitto non viola come tale il diritto fondamentale all'aiuto nelle situazioni di bisogno garantito dall'art. 12 Cost.»\n\n**DTF 137 I 113** — 6 gennaio 2011  \nRegolamentazione delle competenze per l'aiuto d'emergenza ai richiedenti l'asilo.  \nPrecisazione della portata dell'aiuto d'emergenza costituzionalmente dovuto.\n\n> «Il Cantone di attribuzione è competente per la concessione dell'aiuto d'emergenza a un richiedente l'asilo respinto con decisione di allontanamento. L'aiuto d'emergenza deve corrispondere ai requisiti minimi costituzionali.»\n\n**DTF 139 I 272** — 22 novembre 2013  \nAlloggiamento in rifugi antiaerei come forma di aiuto d'emergenza.  \nStandard minimi dignitosi nell'aiuto d'emergenza.\n\n> «Per un uomo celibe in buona salute, il fatto di dover trascorrere la notte in un rifugio antiaereo della protezione civile non contrasta con i requisiti minimi garantiti dall'art. 12 Cost. e non viola in particolare il diritto al rispetto della dignità umana.»\n\n### Programmi di occupazione e condizioni\n\n**DTF 142 I 1** — 8 marzo 2016  \nLimiti nel negare l'aiuto d'emergenza per mancata partecipazione a programmi di occupazione.  \nImportante sentenza sulla distinzione tra aiuto d'emergenza e assistenza sociale.\n\n> «Se l'aiuto d'emergenza (nel senso di assolutamente necessario) viene negato per inosservanza dell'istruzione di partecipare a un programma di occupazione, ciò viola l'art. 12 Cost. quando la partecipazione al programma non fosse retribuita e il principio di sussidiarietà non trova quindi applicazione.»\n\n**DTF 139 I 218** — 29 luglio 2013  \nPosti di lavoro di prova come misura ragionevolmente esigibile.  \nProporzionalità delle condizioni di occupazione nel diritto dell'assistenza sociale.\n\n> «L'erogazione di aiuto materiale può essere collegata alla condizione di prestare un impiego lavorativo limitato nel tempo in un cosiddetto posto di lavoro di prova. Questa misura non è né sproporzionata né costituisce una violazione della libertà personale.»\n\n### Assistenza sociale e computo del patrimonio\n\n**DTF 134 I 65** — 2007  \nMinimo vitale in caso di rinuncia volontaria al patrimonio.  \nLimiti del computo del patrimonio donato.\n\n> «Poiché non sussiste un evidente abuso del diritto, il minimo vitale garantito dall'art. 12 Cost. non può essere negato, anche se si è rinunciato volontariamente al patrimonio.»\n\n**DTF 142 V 513** — 6 settembre 2016  \nComputo dei contributi di concubinato.  \nCalcolo dell'assistenza sociale nelle unioni domestiche.\n\n> «Al budget COSAS esteso del partner di concubinato non assistito devono essere contrapposte tutte le entrate. Se ne risulta un'eccedenza di entrate, questa deve essere computata integralmente come entrata nel budget della persona richiedente in caso di concubinato stabile.»\n\n**DTF 141 I 153** — 17 settembre 2015  \nConformità costituzionale del computo dei contributi di concubinato.  \nConferma della giurisprudenza sul calcolo dell'assistenza sociale nel concubinato.\n\n> «Il computo di un contributo di concubinato nel budget dell'assistenza sociale non è né arbitrario né viola il principio di uguaglianza giuridica in presenza di un concubinato stabile.»\n\n### Procedimento penale e minimo vitale\n\n**DTF 141 IV 360** — 10 agosto 2015  \nSequestro per copertura dei costi e minimo vitale.  \nProtezione del minimo vitale nel procedimento penale.\n\n> «Nel sequestro per copertura dei costi devono essere considerate le condizioni di reddito e patrimoniali dell'imputato ed esclusi i valori patrimoniali che secondo gli art. 92-94 LEF non sono pignorabili. Questo esame tiene conto del principio di proporzionalità e del diritto fondamentale alla garanzia del minimo vitale.»\n\n### Diritto di mantenimento e minimo vitale\n\n**DTF 135 III 66** — 23 ottobre 2008  \nMinimo vitale del debitore di mantenimento.  \nRipartizione del deficit in caso di mezzi insufficienti del debitore di mantenimento.\n\n> «Al debitore di mantenimento deve essere lasciato in ogni caso il minimo vitale, con cui un eventuale deficit deve essere sopportato unilateralmente dagli aventi diritto al mantenimento.»\n\n**DTF 126 III 353** — 2000  \nCalcolo del fabbisogno di base minimo.  \nPrincipi per la determinazione del minimo vitale in caso di mezzi finanziari scarsi.\n\n> «Il carico fiscale del debitore di rendita deve essere tralasciato in caso di mezzi finanziari scarsi. I principi per il calcolo del fabbisogno di base minimo del debitore di rendita devono essere osservati.»\n\n### Protezione dei dati nel diritto dell'assistenza sociale\n\n**DTF 138 I 331** — 2012  \nSegreto dell'assistenza sociale e protezione dei dati.  \nProporzionalità delle trasmissioni di dati nell'ambito dell'assistenza sociale.\n\n> «La cessazione del segreto dell'assistenza sociale in caso di autorizzazione della persona interessata alla trasmissione di dati è conforme alla Costituzione, purché sia mantenuta la proporzionalità.»\n\n### Sviluppi recenti\n\n**DTF 149 I 248** — 2023  \nDivieto di accattonaggio e minimo vitale.  \nConformità costituzionale dei divieti parziali di accattonaggio.\n\n> «L'accattonaggio rientra nell'ambito di protezione del diritto fondamentale della libertà personale. Un divieto parziale di accattonaggio può essere proporzionato in determinate circostanze, ma non deve mettere in pericolo la garanzia dell'esistenza.»\n\n**DTF 146 I 1** — 6 febbraio 2020  \nRifiuto dell'assistenza sociale in caso di eredità imminente.  \nConsiderazione del patrimonio futuro nel calcolo dell'assistenza sociale.\n\n> «Il rifiuto di sostegno finanziario in considerazione dell'imminente divisione di un'eredità con un immobile deve essere esaminato sotto il profilo dell'art. 12 Cost. e della legislazione cantonale sull'assistenza sociale.»", "summary_en": "# Art. 12 BV — Right to assistance in situations of distress\n\n## Overview\n\nArticle 12 of the Federal Constitution gives people in situations of distress the right to state assistance. This fundamental right (inalienable right of every person) guarantees the basic means for survival and for a life in human dignity.\n\n**Who is entitled to assistance?** Every person who finds themselves in an acute situation of distress and cannot help themselves. A situation of distress exists when someone cannot meet their most important needs: food, housing, clothing or medical treatment. However, the person must first have exhausted all their own possibilities (principle of subsidiarity). Those who refuse reasonable work or decline other assistance generally receive no support.\n\n**What assistance is provided?** The state must provide the absolutely necessary means for survival. This includes shelter, food, clothing and basic medical care. The assistance can be provided as money or as benefits in kind (direct provision of housing and food). In the case of rejected asylum seekers, often only benefits in kind are granted.\n\n**Practical example:** A single mother loses her job and can no longer pay the rent. She has no assets and no family who could help. Unemployment benefits are not sufficient for living. In this situation, she can apply for emergency assistance until other support (social assistance) takes effect or she finds work again.\n\n**Important limitations:** The right applies only to the absolute minimum for survival. It is not a right to comfortable living. The person concerned must actively seek solutions and accept offered assistance. Those who hide their own means or do not use all possibilities lose their entitlement.\n\nUnlike other fundamental rights, Art. 12 BV cannot be restricted. Even criminals or persons without legal residence status retain this entitlement. The right protects human dignity in its most fundamental form.", "doctrine_en": "# Art. 12 BV — Right to assistance in situations of distress\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The guarantee of a right to assistance in situations of distress has a long tradition in Switzerland. Already at the beginning of the 20th century, the Federal Supreme Court established a state duty to provide assistance in order to save persons «from physical ruin» (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 1). This duty was initially derived from poor relief law and found its first constitutional anchoring in Art. 48 BV 1874, which regulated cantonal competence for poor relief.\n\n**N. 2** The decisive turning point came in 1995, when the Federal Supreme Court in **BGE 121 I 367** recognised a «right to subsistence security» as an unwritten fundamental right. The overwhelming majority of legal doctrine had long advocated for the recognition of such a fundamental right (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 2). This recognition by the highest court still occurred under the old Federal Constitution and was based on a derivation from human dignity and the right to life.\n\n**N. 3** The total revision of the Federal Constitution provided the opportunity to expressly anchor this fundamental right developed through case law. The Federal Council's message of 20 November 1996 stated that the right to subsistence security represented «the most minimal guarantee for a dignified human life» and secured «bare survival» (BBl 1997 I 153). The constitutional legislator largely adopted Federal Supreme Court case law and codified it in Art. 12 BV, whereby the formulation «dignified existence» was deliberately chosen to go beyond mere survival.\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 12 BV stands systematically in the first title of the Federal Constitution among the fundamental rights. This placement is programmatic: The right to assistance in situations of distress is a genuine, justiciable fundamental right and not merely a social objective in the sense of Art. 41 BV. This fundamental difference has considerable practical consequences for the enforceability of the claim (→ Art. 35 BV).\n\n**N. 5** The systematic position of Art. 12 BV in the context of other fundamental rights clarifies its function as an emanation of human dignity (→ Art. 7 BV). The Federal Supreme Court regularly emphasises this close connection: «Art. 12 BV guarantees, as a special aspect of human dignity protected in Art. 7 BV, a fundamental right to subsistence security» (**BGE 131 I 166** E. 3.1). At the same time, there is a close connection to the right to life (→ Art. 10 BV), since without the material means for survival, life itself is also endangered.\n\n**N. 6** In relation to social objectives (Art. 41 BV), Art. 12 BV occupies a special position. While social objectives have a programmatic character and do not establish direct claims, Art. 12 BV guarantees an enforceable minimal claim. Gächter/Werder point out that Art. 12 BV has a «safety net function» within the social constitution (BSK BV, Art. 12 N. 10). The fundamental right intervenes subsidiarily when other security systems fail (↔ Art. 41, 112, 115 BV).\n\n### 3. Elements of the offence / Normative content\n\n**N. 7** The elements of Art. 12 BV require two cumulative prerequisites: firstly a situation of distress («anyone who finds themselves in distress») and secondly the inability to help oneself («is unable to provide for themselves»). These two elements are closely linked and embody the subsidiarity principle that underlies the entire fundamental right.\n\n**N. 8** The **situation of distress** is to be determined objectively. It exists when a person does not possess the means essential for a dignified existence. The Federal Supreme Court defines these as «elementary human needs» such as food, clothing, shelter and basic medical care (**BGE 131 I 166** E. 5.1). It is irrelevant for what reasons the situation of distress arose – the fundamental right knows no distinction according to fault.\n\n**N. 9** The **inability to help oneself** forms the second central element of the offence. The Federal Supreme Court applies this criterion strictly: «Anyone who is objectively in a position to procure for themselves – particularly through taking up reasonable work – the means necessary for survival through their own efforts, does not fulfil the claim requirements» (**BGE 130 I 71** E. 4.1). However, this subsidiarity is not limitless: self-help must actually be possible and reasonable.\n\n**N. 10** A particularly controversial aspect concerns the refusal of reasonable work. The Federal Supreme Court takes the position that the refusal to take up reasonable work causes the claim as such to lapse (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi criticises that fault elements thus enter the fundamental right, which contradicts its character as a human right (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli, however, sees hardly any difference between a self-inflicted situation of distress and the existence of a situation of distress due to unexploited reasonable self-help (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 11** Amstutz proposes a mediating approach: The claim-establishing situation of distress should only be denied under restrictive conditions when certain conditions are cumulatively fulfilled (BSK BV, Art. 12 N. 23). This differentiated consideration is partially reflected in more recent case law, particularly regarding unpaid employment programmes (**BGE 142 I 1**).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 12** The claim under Art. 12 BV encompasses «assistance and care» as well as «the means that are essential for a dignified existence». This tripartite structure of the legal consequence is deliberately chosen: In addition to material support, a certain personal care also belongs to the fundamental right content.\n\n**N. 13** The scope of owed benefits is the subject of intensive doctrinal discussion. The Federal Supreme Court takes a restrictive interpretation and emphasises that the constitutional claim «encompasses only a minimum» (**BGE 130 I 71** E. 4.1). Part of the doctrine considers a claim that merely secures «bare survival» as too narrowly conceived and also sees a social reference (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). This dispute has practical significance for the question whether, for example, minimal pocket money for maintaining social contacts belongs to the fundamental right content.\n\n**N. 14** The form of benefit provision lies in principle within the authorities' discretion. The Federal Supreme Court has repeatedly held that emergency aid can also be provided exclusively in the form of benefits in kind (**BGE 135 I 119**). This applies in particular to rejected asylum seekers, where benefits in kind can also have a behaviour-steering function.\n\n**N. 15** An essential feature of the claim under Art. 12 BV is its **unrestricted nature**. Unlike with most fundamental rights, a restriction according to Art. 36 BV is not possible. Gächter/Werder emphasise that scope of protection and core content coincide (BSK BV, Art. 12 N. 38). However, this inviolability does not mean that the claim would be without prerequisites – subsidiarity is already built into the elements of the offence.\n\n### 5. Controversial issues\n\n**N. 16** The central doctrinal controversies regarding Art. 12 BV concern three main areas: the scope of the emergency aid claim, the reach of the subsidiarity principle and the treatment of self-inflicted situations of distress.\n\n**N. 17** Regarding the **scope of the emergency aid claim**, two positions oppose each other. The restrictive view, represented by the Federal Supreme Court and parts of the doctrine, limits the claim to the absolute subsistence minimum. Part of the doctrine, however, advocates for an extended interpretation: The fundamental right also contains a social reference directed towards fellow human beings and should therefore also enable the maintenance of social contacts (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 29). The opposing view argues that no claim to minimal means for social integration can be derived from the right to assistance in situations of distress, since it concerns a benefit-related core content that must remain limited to survival aid (BSK BV, Art. 12 N. 29).\n\n**N. 18** The **reach of subsidiarity** is particularly controversial regarding the refusal to take up work. The Federal Supreme Court takes the position that the refusal to take up reasonable work causes the claim as such to lapse (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 12 N. 22). Hänzi criticises this case law sharply: Fault elements thus enter the fundamental right, which undermines its human rights character (BSK BV, Art. 12 N. 22). Pärli takes a mediating position and sees hardly any difference between a self-inflicted situation of distress and the existence of a situation of distress due to unexploited reasonable self-help (BSK BV, Art. 12 N. 22).\n\n**N. 19** Regarding **hypothetical claims**, the most recent case law has brought an important clarification. In **BGE 150 I 6**, the Federal Supreme Court established that the subsidiarity principle does not apply to merely hypothetical claims to other social benefits. This is particularly relevant when cooperation is refused regarding medical assessments for IV benefits.\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 20** For the practical application of Art. 12 BV, the following aspects are central:\n\n**N. 21** **Burden of proof and cooperation**: The person claiming must make their situation of distress and the impossibility of self-help plausible. However, the authorities have a duty to investigate and must comprehensively assess personal circumstances. When assessing the reasonableness of self-help measures, age, health condition, family situation and labour market conditions must be considered.\n\n**N. 22** **Relationship to other social benefits**: Art. 12 BV only applies subsidiarily when no other social benefits (AHV, IV, ALV, social assistance) apply. In practice, the demarcation from regular social assistance is often difficult, particularly with sanctioned social assistance recipients. The Federal Supreme Court has clarified that even with social assistance reductions, the inviolable core of Art. 12 BV must remain preserved (**BGE 142 I 1**).\n\n**N. 23** **Special groups of persons**: Special regulations apply for rejected asylum seekers (Art. 82 AsylG). Emergency aid can be configured more restrictively here, but must still maintain the minimal standard of Art. 12 BV. For families with children, the special needs of children must be considered (→ Art. 11 BV).\n\n**N. 24** **Legal protection**: Decisions regarding emergency aid are challengeable administrative acts. Legal recourse is available to all affected persons, regardless of their residence status. Due to the existential significance of emergency aid, the suspensory effect of legal remedies must usually be granted or a super-provisional benefit ordered.", "caselaw_en": "# Art. 12 BV\n\n## Case Law\n\n### Fundamental Case Law on the Subsistence Minimum\n\n**BGE 130 I 71** — 14 January 2004  \nFundamental judgment on the scope of the right to assistance in situations of distress.  \nClarification of the constitutional foundations and the subsidiarity principle in social assistance.\n\n> «The constitutional entitlement encompasses only a minimum, i.e., the indispensable means to be able to survive. The scope of protection and the core content coincide. [...] Anyone who is objectively in a position to procure the means necessary for survival through their own efforts—particularly by accepting reasonable employment—does not meet the entitlement requirements.»\n\n**BGE 121 I 367** — 2000  \nFundamental judgment on securing existence before the entry into force of the new Federal Constitution.  \nDevelopment of the constitutional foundations of the subsistence minimum as unwritten constitutional law.\n\n> «The right to secure existence is guaranteed by unwritten constitutional law of the Confederation. Foreign nationals may also invoke this right.»\n\n### Emergency Assistance for Asylum Seekers and Foreign Nationals\n\n**BGE 131 I 166** — 18 March 2005  \nLandmark judgment on emergency assistance for rejected asylum seekers.  \nFirst express recognition of a constitutional entitlement to emergency assistance pursuant to Art. 12 BV.\n\n> «Art. 12 BV guarantees an entitlement to emergency assistance, which also applies to rejected asylum seekers. [...] Emergency assistance must secure the subsistence minimum and may not be completely refused.»\n\n**BGE 135 I 119** — 20 March 2009  \nBenefits in kind as a form of emergency assistance.  \nBoundary between constitutionally required emergency assistance and services going beyond this.\n\n> «Emergency assistance provided exclusively as benefits in kind for accommodation and meals does not, as such, violate the fundamental right to assistance in situations of distress guaranteed pursuant to Art. 12 BV.»\n\n**BGE 137 I 113** — 6 January 2011  \nJurisdictional regulation for emergency assistance for asylum seekers.  \nClarification of the scope of constitutionally owed emergency assistance.\n\n> «The canton of allocation is responsible for granting emergency assistance to a rejected asylum seeker with a removal order. Emergency assistance must meet constitutional minimum requirements.»\n\n**BGE 139 I 272** — 22 November 2013  \nAccommodation in air-raid shelters as a form of emergency assistance.  \nHumane minimum standards for emergency assistance.\n\n> «For a single man in good health, the fact that he must spend the night in a civil defence air-raid shelter does not contravene the minimum requirements guaranteed by Art. 12 BV and does not, in particular, violate the right to respect for human dignity.»\n\n### Employment Programmes and Conditions\n\n**BGE 142 I 1** — 8 March 2016  \nLimits on the refusal of emergency assistance due to non-participation in employment programmes.  \nImportant judgment on the distinction between emergency assistance and social assistance.\n\n> «If emergency assistance (in the sense of the absolutely necessary) is refused due to non-compliance with the instruction to participate in an employment programme, this violates Art. 12 BV if participation in the programme would not be remunerated and the subsidiarity principle therefore does not apply.»\n\n**BGE 139 I 218** — 29 July 2013  \nTest workplaces as a reasonable measure.  \nProportionality of employment conditions in social assistance law.\n\n> «The provision of material assistance may be linked to the condition of undertaking temporary work at a so-called test workplace. This measure is neither disproportionate nor does it constitute a violation of personal freedom.»\n\n### Social Assistance and Asset Assessment\n\n**BGE 134 I 65** — 2007  \nSubsistence minimum in cases of voluntary renunciation of assets.  \nLimits on the assessment of gifted assets.\n\n> «Since there is no obvious abuse of rights, the subsistence minimum guaranteed in Art. 12 BV may not be refused, even if assets were voluntarily renounced.»\n\n**BGE 142 V 513** — 6 September 2016  \nAssessment of cohabitation contributions.  \nCalculation of social assistance in cohabiting relationships.\n\n> «All income must be offset against the extended SKOS budget of the non-supported cohabiting partner. If this results in surplus income, this must be fully assessed as income in the budget of the applicant in cases of stable cohabitation.»\n\n**BGE 141 I 153** — 17 September 2015  \nConstitutional conformity of cohabitation contribution assessment.  \nConfirmation of case law on social assistance calculation in cohabitation.\n\n> «The assessment of a cohabitation contribution in the social assistance budget is neither arbitrary nor does it violate the principle of equality before the law in cases of stable cohabitation.»\n\n### Criminal Proceedings and Subsistence Minimum\n\n**BGE 141 IV 360** — 10 August 2015  \nSeizure for cost coverage and subsistence minimum.  \nProtection of the subsistence minimum in criminal proceedings.\n\n> «In seizure for cost coverage, the income and asset circumstances of the accused must be taken into account and assets that are not attachable under Arts. 92-94 SchKG must be exempted. This examination takes account of the principle of proportionality and the fundamental right to guarantee of the subsistence minimum.»\n\n### Maintenance Law and Subsistence Minimum\n\n**BGE 135 III 66** — 23 October 2008  \nSubsistence minimum of the maintenance obligor.  \nDeficit allocation in cases of insufficient means of the maintenance obligor.\n\n> «In any case, the subsistence minimum must be left to the maintenance obligor, whereby any deficit must be borne unilaterally by those entitled to maintenance.»\n\n**BGE 126 III 353** — 2000  \nCalculation of minimal basic needs.  \nPrinciples for determining the subsistence minimum in cases of scarce financial means.\n\n> «The tax burden of the pension debtor must be disregarded in cases of scarce financial means. Principles for calculating the minimal basic needs of the pension debtor must be observed.»\n\n### Data Protection in Social Assistance Law\n\n**BGE 138 I 331** — 2012  \nSocial assistance confidentiality and data protection.  \nProportionality of data disclosure in the social assistance sector.\n\n> «The lapse of social assistance confidentiality upon authorisation by the affected person for data disclosure is constitutional, provided proportionality is maintained.»\n\n### Recent Developments\n\n**BGE 149 I 248** — 2023  \nProhibition of begging and subsistence minimum.  \nConstitutional conformity of partial prohibitions on begging.\n\n> «Begging falls within the scope of protection of the fundamental right of personal freedom. A partial prohibition on begging may be proportionate under certain circumstances, but must not endanger securing existence.»\n\n**BGE 146 I 1** — 6 February 2020  \nRefusal of social assistance in view of impending inheritance.  \nConsideration of future assets in social assistance calculation.\n\n> «The refusal of financial support in view of the impending division of an inheritance with real estate must be examined from the perspective of Art. 12 BV and cantonal social assistance legislation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_12", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 13, "article_suffix": "", "title": "Schutz der Privatsphäre", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 13 Schutz der Privatsphäre\n\n## Übersicht\n\nArtikel 13 BV schützt die Privatsphäre jeder Person in vier Bereichen: Privat- und Familienleben, Wohnung sowie Brief-, Post- und Fernmeldeverkehr (Abs. 1). Zusätzlich gewährleistet Absatz 2 den Schutz vor Missbrauch persönlicher Daten.\n\nDas Grundrecht entstand mit der Totalrevision von 1999 aus dem Bedürfnis nach umfassendem Schutz angesichts der technologischen Entwicklung (BBl 1997 I 1, 153 f.). Zuvor kannte die Verfassung nur einzelne Aspekte wie das Hausrecht. Die explizite Aufnahme des Datenschutzes reflektierte die gesellschaftliche Bedeutung des Schutzes persönlicher Daten im Informationszeitalter.\n\n**Privatleben** umfasst alle Bereiche der persönlichen Entfaltung - von der Identität über Beziehungen bis zur beruflichen Entwicklung (**BGE 144 I 266 E. 5.1**). Das Bundesgericht bestimmt den Schutzbereich fallweise entsprechend der EGMR-Rechtsprechung (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 13).\n\n**Familienleben** schützt die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern, einschliesslich faktischer Familienbeziehungen. Kontrovers ist die Einordnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften: Während das Bundesgericht diese traditionell nur dem Privatleben zuordnet, anerkennt der EGMR sie als Familie (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20). Die neuere Rechtsprechung nähert sich der EGMR-Sichtweise an (**BGE 150 I 50 E. 5.3**).\n\n**Wohnung** erfasst funktional alle Räume des Privatlebens - von der eigenen Wohnung über Hotelzimmer bis zu Geschäftsräumen mit privatem Charakter.\n\n**Brief-, Post- und Fernmeldeverkehr** schützt die vertrauliche Kommunikation unabhängig vom Medium. Dies umfasst E-Mails, SMS und Messenger-Dienste ebenso wie traditionelle Briefe (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 29-31).\n\n**Datenschutz** (Abs. 2) gewährleistet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung - als «right to be let alone» nach Warren/Brandeis verstanden (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 16). Der Schutz erfasst die Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe persönlicher Daten durch staatliche Stellen (**BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\nJeder Eingriff in Art. 13 BV bedarf einer Rechtfertigung nach Art. 36 BV: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wahrung des Kerngehalts. Bei besonders schützenswerten Personendaten ist eine formell-gesetzliche Grundlage erforderlich.\n\n**Praktische Beispiele:** Hausdurchsuchungen müssen verhältnismässig sein (**BGE 141 IV 77 E. 4.2**). Im Migrationsrecht begründet Art. 13 BV einen bedingten Anspruch auf Familiennachzug bei gefestigtem Privatleben (**BGE 135 I 143 E. 2.1**). Die Überwachung des Fernmeldeverkehrs ist nur bei schweren Straftaten und mit gerichtlicher Genehmigung zulässig (**BGE 129 I 85 E. 3.3**). Auch die Installation von Funkwasserzählern stellt einen Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung dar und bedarf einer gesetzlichen Grundlage (**BGE 147 I 346 E. 5.3**).\n\nDer Schutz ist nicht absolut: Bei Kollisionen mit anderen Grundrechten oder öffentlichen Interessen ist eine Interessenabwägung vorzunehmen. Die Norm weist enge Bezüge zu Art. 8 EMRK auf, geht aber durch die explizite Verankerung des Datenschutzes teilweise darüber hinaus.", "doctrine_de": "# Art. 13 Schutz der Privatsphäre\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Verankerung des Rechts auf Privatsphäre in der Bundesverfassung erfolgte schrittweise. Die Bundesverfassung von 1874 kannte zunächst nur das Hausrecht (Art. 54 aBV) und das Brief- und Postgeheimnis (Art. 36 aBV). Das umfassende Grundrecht auf Schutz der Privatsphäre fand erst mit der Totalrevision von 1999 Eingang in die Verfassung. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 153 f.) betonte die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzes angesichts der technologischen Entwicklung und der Digitalisierung des Alltags.\n\n**N. 2** Der zweite Absatz über den Datenschutz wurde als eigenständiges Grundrecht konzipiert. Der Verfassungsgeber orientierte sich dabei an der Rechtsprechung des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung (BVerfGE 65, 1 — Volkszählung) sowie an Art. 8 EMRK. Die explizite Aufnahme des Datenschutzes reflektierte die gesellschaftliche Bedeutung des Schutzes persönlicher Daten im Informationszeitalter (BBl 1997 I 154).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 13 BV steht im Grundrechtskatalog der Bundesverfassung (Art. 7–36 BV) und bildet zusammen mit Art. 10 BV (Recht auf Leben und auf persönliche Freiheit) und Art. 14 BV (Recht auf Ehe und Familie) den Kern der persönlichkeitsrechtlichen Garantien. Die Norm weist enge Bezüge zu → Art. 8 EMRK auf, geht aber in ihrem Schutzbereich teilweise darüber hinaus, insbesondere durch die explizite Verankerung des Datenschutzes in Abs. 2.\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu anderen Grundrechten ist durch das Prinzip der praktischen Konkordanz geprägt. Bei Kollisionen mit der Meinungsäusserungsfreiheit (→ Art. 16 BV) oder der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) ist eine einzelfallbezogene Interessenabwägung vorzunehmen. Die prozessualen Garantien von → Art. 29 BV ergänzen den materiellen Schutz durch Verfahrensrechte beim Umgang mit persönlichen Daten.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Privatleben (Abs. 1)** umfasst nach der Lehre alle Bereiche, in denen sich die Persönlichkeit des Einzelnen entfalten kann. Diggelmann definiert es als «Lebensbereich, in dem der Einzelne unbehelligt von staatlichen Eingriffen bleiben soll» (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 11). Das Bundesgericht folgt der EGMR-Rechtsprechung und bestimmt den Schutzbereich fallweise (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 13 unter Verweis auf EGMR). Dies umfasst die persönliche Identität, die sexuelle Orientierung, Beziehungen zu anderen Menschen und die berufliche Entwicklung (**BGE 144 I 266 E. 5.1**).\n\n**N. 6** **Familienleben (Abs. 1)** schützt die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen Ehegatten oder eingetragenen Partnern. Die herrschende Lehre und der EGMR anerkennen auch faktische Familienbeziehungen. Ein bedeutender Streitstand besteht bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften: Während das Bundesgericht diese traditionell nur dem Privatleben zuordnete (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20), anerkennt der EGMR sie als Familie im Sinne von Art. 8 EMRK (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20). Die neuere Bundesgerichtspraxis nähert sich dieser Sichtweise an (**BGE 150 I 50 E. 5.3**).\n\n**N. 7** **Wohnung (Abs. 1)** umfasst private Räumlichkeiten, in denen sich das Privatleben abspielt. Der Begriff ist funktional zu verstehen und erfasst auch Geschäftsräume, soweit sie der privaten Lebensgestaltung dienen (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 25-28). Hotelzimmer, Wohnmobile und andere temporäre Unterkünfte fallen ebenfalls in den Schutzbereich.\n\n**N. 8** **Brief-, Post- und Fernmeldeverkehr (Abs. 1)** schützt die vertrauliche Kommunikation unabhängig vom verwendeten Medium. Dies umfasst traditionelle Briefe ebenso wie E-Mails, SMS, Messenger-Dienste und Telefongespräche (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 29-31). Entscheidend ist der Vertraulichkeitscharakter der Kommunikation.\n\n**N. 9** **Schutz vor Datenmissbrauch (Abs. 2)** gewährleistet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Nach Warren/Brandeis ist dies als «right to be let alone» zu verstehen (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 16 mit Verweis auf Warren/Brandeis, Harvard Law Review 1890, 193). Der Schutz erfasst die Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe persönlicher Daten durch staatliche Stellen (**BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 13 BV begründet primär **Abwehrrechte** gegen staatliche Eingriffe. Jede Datenbearbeitung, jeder Eingriff in die Wohnung oder in das Familienleben bedarf einer Rechtfertigung nach → Art. 36 BV: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wahrung des Kerngehalts.\n\n**N. 11** Aus Art. 13 BV fliessen auch **Schutzpflichten**. Der Staat muss die Privatsphäre durch geeignete Gesetzgebung vor Eingriffen Dritter schützen. Dies manifestiert sich im Datenschutzgesetz (DSG), in den Persönlichkeitsschutzbestimmungen des Zivilgesetzbuchs (Art. 28 ff. ZGB) und im Strafrecht (Art. 173 ff. StGB).\n\n**N. 12** Im Ausländerrecht begründet Art. 13 BV in Verbindung mit Art. 8 EMRK einen **bedingten Anspruch auf Familiennachzug** und Schutz vor Wegweisung bei gefestigtem Privatleben (**BGE 135 I 143 E. 2.1**). Die Interessenabwägung folgt den vom EGMR entwickelten Kriterien: Intensität der sozialen Integration, Dauer des Aufenthalts, familiäre Bindungen, Zumutbarkeit der Rückkehr ins Heimatland.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Gleichgeschlechtliche Partnerschaften**: Ein zentraler Streitstand betrifft die Einordnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Das Bundesgericht ordnete diese traditionell nur dem Privatleben zu (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20), während der EGMR sie als Familie anerkennt (EGMR Schalk und Kopf gegen Österreich, Nr. 30141/04). Die Lehre ist geteilt: Konservative Autoren verweisen auf den historischen Familienbegriff, progressive Stimmen fordern eine evolutive Auslegung im Lichte gesellschaftlicher Entwicklungen.\n\n**N. 14** **Reichweite des Datenschutzes**: Umstritten ist die Tragweite von Abs. 2. Breitenmoser vertritt eine enge Auslegung, die nur den Schutz vor «Missbrauch» erfasst (Breitenmoser, Der Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK, 1986, 234). Die herrschende Lehre und das Bundesgericht interpretieren die Norm als umfassende informationelle Selbstbestimmung, die jede Datenbearbeitung erfasst (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 32-35; **BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\n**N. 15** **Horizontalwirkung**: Kontrovers diskutiert wird die Drittwirkung von Art. 13 BV. Während die direkte Horizontalwirkung abgelehnt wird, besteht Einigkeit über eine mittelbare Drittwirkung via Schutzpflichten. Rhinow/Schefer fordern eine verstärkte Berücksichtigung privater Gefährdungen angesichts der Digitalisierung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 1847).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei **Hausdurchsuchungen** ist neben der strafprozessualen Rechtsgrundlage stets Art. 13 BV zu beachten. Die Durchsuchung muss verhältnismässig sein und darf nur soweit gehen, als es der Untersuchungszweck erfordert. Zufallsfunde unterliegen strengen Verwertungsschranken (**BGE 141 IV 77 E. 4.2**).\n\n**N. 17** Im **Migrationsrecht** ist bei Wegweisungen eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen. Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen: Aufenthaltsdauer, soziale und berufliche Integration, familiäre Bindungen in der Schweiz und im Heimatland, Kindeswohl, Schwere der begangenen Delikte (**BGE 139 I 16 E. 2.2**). Die Praxis zeigt, dass bei Aufenthalten über zehn Jahren und guter Integration die Schwelle für eine Wegweisung sehr hoch liegt.\n\n**N. 18** Beim **Datenschutz** gilt: Jede Bearbeitung personenbezogener Daten durch Behörden bedarf einer formell-gesetzlichen Grundlage. Bei besonders schützenswerten Personendaten und Persönlichkeitsprofilen ist eine Grundlage in einem Gesetz im formellen Sinn erforderlich. Das Einsichtsrecht nach Art. 8 DSG konkretisiert den verfassungsrechtlichen Anspruch (**BGE 146 I 172 E. 6.3**).\n\n**N. 19** Für die **Überwachung des Fernmeldeverkehrs** gelten die strengen Voraussetzungen des BÜPF. Die Überwachung ist nur bei Verdacht auf schwere Straftaten zulässig und bedarf der Genehmigung durch das Zwangsmassnahmengericht. Zufallsfunde dürfen nur unter engen Voraussetzungen verwertet werden (**BGE 129 I 85 E. 3.3**).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundlagen und Schutzbereich\n\n**BGE 128 II 259** (29.05.2002)  \nDNA-Profile im Strafverfahren. Das Bundesgericht definiert erstmals den Schutzbereich von Art. 13 Abs. 2 BV.  \nGrundlegend für die Abgrenzung zwischen körperlicher Integrität (Art. 10 Abs. 2 BV) und informationellem Selbstbestimmungsrecht.  \n\n> «Art. 13 Abs. 2 BV schützt den Einzelnen vor Beeinträchtigungen, die durch die staatliche Bearbeitung seiner persönlichen Daten entstehen (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). Der verfassungsrechtliche Datenschutz ist Teil des Rechts auf eine Privat- und persönliche Geheimsphäre (Art. 13 Abs. 1 BV).»\n\n**BGE 126 I 7** (01.01.2000)  \nEinsicht in Polizeiakten. Abgrenzung zwischen dem Akteneinsichtsrecht und dem Anspruch auf rechtliches Gehör.  \nBedeutsam für die praktische Durchsetzung des Datenschutzes im polizeilichen Bereich.  \n\n> «Kann der Betroffene nach dem anwendbaren kantonalen Recht die Berichtigung oder die Löschung unrichtiger Daten in Polizeiakten verlangen, muss er auch die Möglichkeit haben, Einsicht in diese Akten zu nehmen, sofern kein überwiegendes, von der Behörde nachzuweisendes öffentliches Interesse entgegensteht.»\n\n## Privat- und Familienleben (Art. 13 Abs. 1 BV)\n\n**BGE 135 I 143** (02.02.2009)  \nFamiliennachzug und Privatleben. Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 BV.  \nWegweisend für die Abwägung zwischen Privatautonomie und staatlichen Interessen im Ausländerrecht.  \n\n> «Art. 13 BV gewährleistet sowohl das Recht auf Achtung des Privatlebens als auch dasjenige auf Achtung des Familienlebens. Diese Rechte sind nicht absolut, sondern können im öffentlichen Interesse und unter Wahrung der Verhältnismässigkeit eingeschränkt werden.»\n\n**BGE 144 I 266** (08.05.2018)  \nKonkubinat und Privatleben. Aufenthaltsrecht gestützt auf das Recht auf Achtung des Privatlebens.  \nZentral für die Definition des Privatlebens ausserhalb traditioneller Familienstrukturen.  \n\n> «Die Trennung zwischen Schutzbereich und Eingriff ist streng zu beachten. Der Schutz des Privatlebens erfasst die Gesamtheit der Bereiche, in denen sich die Persönlichkeit des Einzelnen entfalten und entwickeln kann.»\n\n**BGE 150 I 50** (03.01.2024)  \nIntimbesuche im Strafvollzug. Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens inhaftierter Personen.  \nNeueste höchstrichterliche Rechtsprechung zur Reichweite von Art. 13 BV im Vollzugsbereich.  \n\n> «Unter dem Blickwinkel von Art. 8 EMRK, Art. 13 BV und Art. 84 StGB sind 'eheliche' oder intime Besuche in erster Linie den Angehörigen der inhaftierten Person vorbehalten. Die Kantone sind dafür zuständig, das Besuchsrecht inhaftierter Personen zu regeln.»\n\n## Wohnungsschutz\n\n**BGE 131 I 272** (03.05.2005)  \nVerwertungsverbot für unrechtmässig erlangte Beweise. Schutz der Privatsphäre im Strafverfahren.  \nGrundlegend für die Abwägung zwischen Strafverfolgungsinteressen und Persönlichkeitsschutz.  \n\n> «Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Garantie eines fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 BV bzw. Art. 6 EMRK) und macht das Recht auf Schutz seines Privatlebens (Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK) sowie das Legalitätsprinzip gemäss Art. 5, 35 und 36 BV geltend.»\n\n**BGE 141 IV 77** (21.11.2014)  \nEntsiegelung ärztlicher Unterlagen. Schutz der Privatsphäre und Patientengeheimnis im Strafverfahren.  \nWichtig für die Balance zwischen Strafverfolgung und Persönlichkeitsschutz bei besonders sensiblen Daten.  \n\n> «Wenn der von den Zwangsmassnahmen unmittelbar betroffene Arzt selbst beschuldigt ist, bildet sein Berufsgeheimnis zwar kein absolutes gesetzliches Beschlagnahme- und Entsiegelungshindernis. Dennoch sind die verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art. 13 BV zu beachten.»\n\n## Datenschutz (Art. 13 Abs. 2 BV)\n\n**BGE 147 I 372** (22.04.2021)  \nDNA-Profile und erkennungsdienstliche Erfassung bei Demonstrationen. Verhältnismässigkeit von Überwachungsmassnahmen.  \nKritische Überprüfung der bisherigen Rechtsprechung zu DNA-Profilen.  \n\n> «Die Aufklärung der Anlasstat erfordert nicht zwingend ein DNA-Profil jeder anwesenden Person. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt eine restriktive Handhabung erkennungsdienstlicher Massnahmen bei friedlichen Kundgebungen.»\n\n**BGE 146 I 172** (13.07.2020)  \nInternationale Amtshilfe in Steuersachen. Recht zur informationellen Selbstbestimmung und Informationspflicht.  \nWegweisend für den Schutz Dritter in Amtshilfeverfahren.  \n\n> «Das aus Art. 8 EMRK und Art. 13 BV fliessende Recht zur informationellen Selbstbestimmung lässt sich grundsätzlich auf anderem Rechtsweg wirksam schützen. Dennoch müssen die Verfahrensgarantien beachtet werden.»\n\n## Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis\n\n**BGE 129 I 85** (04.04.2003)  \nÜberwachung fremdsprachiger Telefongespräche. Verfassungsrechtliche Anforderungen an die gerichtliche Verwertung.  \nGrundlegend für die Anforderungen an die Überwachung des Fernmeldeverkehrs.  \n\n> «Die Überwachung des Fernmeldeverkehrs stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die von Art. 13 BV geschützte Privatsphäre dar. Die Verwertung von Überwachungsergebnissen unterliegt strengen verfassungsrechtlichen Anforderungen.»\n\n**BGE 137 IV 189** (04.04.2011)  \nEntsiegelung elektronischer Daten. Schutz der Privatsphäre bei beschlagnahmten Computerdateien.  \nBedeutsam für den Datenschutz im digitalen Zeitalter.  \n\n> «Der Schutz der Privatsphäre gebietet eine sorgfältige Prüfung der Untersuchungsrelevanz von beschlagnahmten elektronischen Dateien, insbesondere privaten Bilddateien. Der Entsiegelungsrichter hat die Verhältnismässigkeit zu wahren.»\n\n## Verhältnis zur EMRK\n\n**BGE 139 I 16** (12.10.2012)  \nAusschaffungsinitiative und Familienleben. Direkte Anwendbarkeit neuer verfassungsrechtlicher Vorgaben.  \nZentral für das Verhältnis zwischen schweizerischem Verfassungsrecht und EMRK-Garantien.  \n\n> «Art. 13 BV und Art. 8 EMRK gewährleisten parallel den Schutz des Privat- und Familienlebens. Bei der Interessenabwägung sind sowohl die verfassungsrechtlichen als auch die konventionsrechtlichen Vorgaben zu beachten.»\n\n**BGE 129 I 232** (09.07.2003)  \nEinbürgerung durch Urnenabstimmung. Verletzung des Diskriminierungsverbots und des Rechts auf Privatleben.  \nWegweisend für die demokratischen Grenzen bei Persönlichkeitsrechten.  \n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot) und können das von Art. 13 BV geschützte Privatleben tangieren.»\n\n## Familiennachzug und Migrationsbehörden\n\n**BGE 130 II 281** (01.06.2004)  \nFamiliennachzug und gefestigtes Anwesenheitsrecht. Kombinierter Schutzbereich von Privat- und Familienleben.  \nGrundlegend für die Rechtsprechung zum ausländerrechtlichen Schutz des Familienlebens.  \n\n> «Das Recht auf Achtung des Familienlebens ist nicht schrankenlos gewährleistet. Einschränkungen sind zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind, einem legitimen Ziel dienen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind.»\n\n**BGE 143 I 21** (17.11.2016)  \nFamiliennachzug unter neuem Sorgerecht. Berücksichtigung des Kindeswohls beim Schutz des Familienlebens.  \nWichtig für die Entwicklung des Familiennachzugsrechts unter Berücksichtigung des neuen Kindesrechts.  \n\n> «Beim nachehelichen Härtefall ist eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen, die sowohl das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 13 BV als auch das Kindeswohl gemäss Art. 3 KRK einbezieht.»\n\n## Polizeirecht und Überwachung\n\n**BGE 136 I 87** (30.09.2009)  \nPolizeigesetz Zürich. Allgemeine Grundsätze des Polizeirechts und Grundrechtsschutz.  \nUmfassende Darstellung der verfassungsrechtlichen Vorgaben für polizeiliche Massnahmen.  \n\n> «Polizeirechtliche Massnahmen, die in den Schutzbereich von Art. 13 BV eingreifen, bedürfen einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage und müssen dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit genügen. Das Legalitätsprinzip ist strikt zu beachten.»\n", "summary_fr": "# Art. 13 Protection de la sphère privée\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'article 13 Cst. protège la sphère privée de toute personne dans quatre domaines : la vie privée et familiale, le domicile ainsi que le secret de la correspondance par lettres, par la poste et par les télécommunications (al. 1). En outre, l'alinéa 2 garantit la protection contre l'emploi abusif des données personnelles.\n\nCe droit fondamental est né avec la révision totale de 1999 du besoin de protection complète face aux développements technologiques (FF 1997 I 1, 166 s.). Auparavant, la Constitution ne connaissait que certains aspects isolés comme le droit de domicile. L'inclusion explicite de la protection des données reflétait l'importance sociétale de la protection des données personnelles à l'ère de l'information.\n\n**La vie privée** comprend tous les domaines de l'épanouissement personnel - de l'identité aux relations jusqu'au développement professionnel (**ATF 144 I 266 consid. 5.1**). Le Tribunal fédéral détermine le champ de protection au cas par cas selon la jurisprudence de la CourEDH (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 13).\n\n**La vie familiale** protège les relations entre les membres de la famille, y compris les relations familiales de fait. L'inclusion des partenariats de même sexe est controversée : alors que le Tribunal fédéral les attribue traditionnellement seulement à la vie privée, la CourEDH les reconnaît comme famille (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20). La jurisprudence récente se rapproche de la conception de la CourEDH (**ATF 150 I 50 consid. 5.3**).\n\n**Le domicile** couvre fonctionnellement tous les espaces de la vie privée - de son propre logement aux chambres d'hôtel en passant par les locaux commerciaux à caractère privé.\n\n**Le secret de la correspondance par lettres, par la poste et par les télécommunications** protège la communication confidentielle indépendamment du support. Cela comprend les courriels, les SMS et les services de messagerie aussi bien que les lettres traditionnelles (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 29-31).\n\n**La protection des données** (al. 2) garantit le droit à l'autodétermination informationnelle - compris comme « right to be let alone » selon Warren/Brandeis (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 16). La protection couvre la collecte, le stockage, l'utilisation et la transmission de données personnelles par les autorités publiques (**ATF 128 II 259 consid. 3.2**).\n\nToute atteinte à l'art. 13 Cst. nécessite une justification selon l'art. 36 Cst. : base légale, intérêt public, proportionnalité et respect de l'essence du droit. Pour les données personnelles particulièrement sensibles, une base légale formelle est requise.\n\n**Exemples pratiques :** Les perquisitions domiciliaires doivent être proportionnées (**ATF 141 IV 77 consid. 4.2**). En droit des migrations, l'art. 13 Cst. fonde un droit conditionnel au regroupement familial en cas de vie privée établie (**ATF 135 I 143 consid. 2.1**). La surveillance des télécommunications n'est admissible qu'en cas d'infractions graves et avec autorisation judiciaire (**ATF 129 I 85 consid. 3.3**). L'installation de compteurs d'eau radio constitue également une atteinte à l'autodétermination informationnelle et nécessite une base légale (**ATF 147 I 346 consid. 5.3**).\n\nLa protection n'est pas absolue : en cas de collision avec d'autres droits fondamentaux ou intérêts publics, une pesée des intérêts doit être effectuée. La norme présente des liens étroits avec l'art. 8 CEDH, mais va partiellement au-delà par l'ancrage explicite de la protection des données.", "doctrine_fr": "# Art. 13 Protection de la sphère privée\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'ancrage du droit à la protection de la sphère privée dans la Constitution fédérale s'est fait progressivement. La Constitution fédérale de 1874 ne connaissait d'abord que le droit de domicile (art. 54 aCst) et le secret de la correspondance et des postes (art. 36 aCst). Le droit fondamental global à la protection de la sphère privée n'a trouvé sa place dans la Constitution qu'avec la révision totale de 1999. Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 153 ss) soulignait la nécessité d'une protection globale face aux développements technologiques et à la numérisation du quotidien.\n\n**N. 2** Le deuxième alinéa relatif à la protection des données a été conçu comme un droit fondamental autonome. Le constituant s'est orienté sur la jurisprudence de la Cour constitutionnelle fédérale allemande concernant le droit à l'autodétermination informationnelle (BVerfGE 65, 1 — Volkszählung) ainsi que sur l'art. 8 CEDH. L'inscription explicite de la protection des données reflétait l'importance sociétale de la protection des données personnelles à l'ère de l'information (FF 1997 I 154).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 13 Cst figure dans le catalogue des droits fondamentaux de la Constitution fédérale (art. 7–36 Cst) et forme, avec l'art. 10 Cst (droit à la vie et à la liberté personnelle) et l'art. 14 Cst (droit au mariage et à la famille), le noyau des garanties relatives aux droits de la personnalité. La norme présente des liens étroits avec → l'art. 8 CEDH, mais va parfois au-delà dans son champ de protection, notamment par l'ancrage explicite de la protection des données à l'al. 2.\n\n**N. 4** Les rapports avec d'autres droits fondamentaux sont caractérisés par le principe de la concordance pratique. En cas de collision avec la liberté d'expression (→ art. 16 Cst) ou la liberté économique (→ art. 27 Cst), une pesée des intérêts au cas par cas doit être effectuée. Les garanties procédurales de → l'art. 29 Cst complètent la protection matérielle par des droits procéduraux lors du traitement de données personnelles.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** La **vie privée (al. 1)** comprend selon la doctrine tous les domaines dans lesquels la personnalité de l'individu peut s'épanouir. Diggelmann la définit comme le « domaine de la vie dans lequel l'individu doit pouvoir rester à l'abri d'interventions étatiques » (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 11). Le Tribunal fédéral suit la jurisprudence de la CourEDH et détermine le champ de protection au cas par cas (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 13 avec référence à CourEDH). Cela comprend l'identité personnelle, l'orientation sexuelle, les relations avec autrui et le développement professionnel (**ATF 144 I 266 c. 5.1**).\n\n**N. 6** La **vie familiale (al. 1)** protège les relations entre parents et enfants ainsi qu'entre époux ou partenaires enregistrés. La doctrine dominante et la CourEDH reconnaissent aussi les relations familiales de fait. Un point de controverse important concerne les partenariats de même sexe : alors que le Tribunal fédéral les attribuait traditionnellement uniquement à la vie privée (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20), la CourEDH les reconnaît comme famille au sens de l'art. 8 CEDH (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20). La jurisprudence plus récente du Tribunal fédéral se rapproche de cette conception (**ATF 150 I 50 c. 5.3**).\n\n**N. 7** Le **domicile (al. 1)** comprend les locaux privés dans lesquels se déroule la vie privée. La notion doit être comprise de manière fonctionnelle et saisit aussi les locaux professionnels, dans la mesure où ils servent à l'organisation de la vie privée (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 25-28). Les chambres d'hôtel, les camping-cars et autres logements temporaires tombent également dans le champ de protection.\n\n**N. 8** La **correspondance par lettres, postes et télécommunications (al. 1)** protège la communication confidentielle indépendamment du moyen utilisé. Cela comprend les lettres traditionnelles autant que les courriels, SMS, services de messagerie et conversations téléphoniques (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 29-31). Le caractère confidentiel de la communication est déterminant.\n\n**N. 9** La **protection contre l'emploi abusif de données (al. 2)** garantit le droit à l'autodétermination informationnelle. Selon Warren/Brandeis, cela doit être compris comme un « right to be let alone » (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 16 avec référence à Warren/Brandeis, Harvard Law Review 1890, 193). La protection saisit la collecte, la conservation, l'utilisation et la transmission de données personnelles par les autorités étatiques (**ATF 128 II 259 c. 3.2**).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** L'art. 13 Cst fonde principalement des **droits de défense** contre les interventions étatiques. Tout traitement de données, toute intervention dans le domicile ou dans la vie familiale nécessite une justification selon → l'art. 36 Cst : base légale, intérêt public, proportionnalité et respect du contenu essentiel.\n\n**N. 11** L'art. 13 Cst génère aussi des **obligations de protection**. L'État doit protéger la sphère privée par une législation appropriée contre les interventions de tiers. Cela se manifeste dans la loi sur la protection des données (LPD), dans les dispositions de protection de la personnalité du Code civil (art. 28 ss CC) et dans le droit pénal (art. 173 ss CP).\n\n**N. 12** Dans le droit des étrangers, l'art. 13 Cst, en liaison avec l'art. 8 CEDH, fonde un **droit conditionnel au regroupement familial** et une protection contre le renvoi en cas de vie privée consolidée (**ATF 135 I 143 c. 2.1**). La pesée des intérêts suit les critères développés par la CourEDH : intensité de l'intégration sociale, durée du séjour, liens familiaux, exigibilité du retour dans le pays d'origine.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Partenariats de même sexe** : Un point de controverse central concerne la classification des partenariats de même sexe. Le Tribunal fédéral les attribuait traditionnellement uniquement à la vie privée (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20), tandis que la CourEDH les reconnaît comme famille (CourEDH Schalk et Kopf c. Autriche, no 30141/04). La doctrine est partagée : les auteurs conservateurs se réfèrent à la notion historique de famille, les voix progressistes réclament une interprétation évolutive à la lumière des développements sociétaux.\n\n**N. 14** **Portée de la protection des données** : La portée de l'al. 2 est controversée. Breitenmoser défend une interprétation restrictive qui ne saisit que la protection contre l'« emploi abusif » (Breitenmoser, Der Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK, 1986, 234). La doctrine dominante et le Tribunal fédéral interprètent la norme comme une autodétermination informationnelle globale qui saisit tout traitement de données (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 32-35 ; **ATF 128 II 259 c. 3.2**).\n\n**N. 15** **Effet horizontal** : L'effet vis-à-vis des tiers de l'art. 13 Cst fait l'objet de discussions controversées. Alors que l'effet horizontal direct est rejeté, il y a unanimité sur un effet indirect vis-à-vis des tiers via les obligations de protection. Rhinow/Schefer réclament une prise en compte renforcée des dangers privés face à la numérisation (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 1847).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** Lors de **perquisitions domiciliaires**, il faut toujours tenir compte de l'art. 13 Cst en plus de la base légale de procédure pénale. La perquisition doit être proportionnée et ne peut aller que jusqu'où l'exige le but de l'enquête. Les découvertes fortuites sont soumises à de strictes limites d'utilisation (**ATF 141 IV 77 c. 4.2**).\n\n**N. 17** En **droit de la migration**, une pesée globale des intérêts doit être effectuée lors de renvois. Les critères suivants doivent être pris en considération : durée du séjour, intégration sociale et professionnelle, liens familiaux en Suisse et dans le pays d'origine, bien de l'enfant, gravité des délits commis (**ATF 139 I 16 c. 2.2**). La pratique montre que pour des séjours de plus de dix ans et une bonne intégration, le seuil pour un renvoi est très élevé.\n\n**N. 18** En matière de **protection des données**, la règle est : tout traitement de données personnelles par les autorités nécessite une base légale formelle. Pour les données personnelles particulièrement sensibles et les profils de la personnalité, une base dans une loi au sens formel est requise. Le droit d'accès selon l'art. 8 LPD concrétise la prétention de droit constitutionnel (**ATF 146 I 172 c. 6.3**).\n\n**N. 19** Pour la **surveillance des télécommunications**, s'appliquent les conditions strictes de la LSCPT. La surveillance n'est autorisée qu'en cas de soupçon d'infractions graves et nécessite l'autorisation du tribunal des mesures de contrainte. Les découvertes fortuites ne peuvent être utilisées que dans des conditions restrictives (**ATF 129 I 85 c. 3.3**).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Fondements et champ de protection\n\n**ATF 128 II 259** (29.05.2002)  \nProfils ADN dans la procédure pénale. Le Tribunal fédéral définit pour la première fois le champ de protection de l'art. 13 al. 2 Cst.  \nFondamental pour la délimitation entre intégrité corporelle (art. 10 al. 2 Cst.) et droit à l'autodétermination informationnelle.  \n\n> « L'art. 13 al. 2 Cst. protège l'individu contre les atteintes résultant du traitement étatique de ses données personnelles (droit à l'autodétermination informationnelle). La protection constitutionnelle des données fait partie du droit au respect de la sphère privée et personnelle (art. 13 al. 1 Cst.). »\n\n**ATF 126 I 7** (01.01.2000)  \nConsultation des dossiers de police. Délimitation entre le droit de consultation des dossiers et le droit d'être entendu.  \nImportant pour la mise en œuvre pratique de la protection des données dans le domaine policier.  \n\n> « Si la personne concernée peut, selon le droit cantonal applicable, demander la rectification ou l'effacement de données incorrectes dans les dossiers de police, elle doit aussi avoir la possibilité de consulter ces dossiers, à moins qu'un intérêt public prépondérant, dont la preuve incombe à l'autorité, ne s'y oppose. »\n\n## Vie privée et familiale (art. 13 al. 1 Cst.)\n\n**ATF 135 I 143** (02.02.2009)  \nRegroupement familial et vie privée. Droit à l'autorisation de séjour fondé sur l'art. 13 Cst.  \nDéterminant pour la pesée d'intérêts entre autonomie privée et intérêts étatiques en droit des étrangers.  \n\n> « L'art. 13 Cst. garantit tant le droit au respect de la vie privée que celui au respect de la vie familiale. Ces droits ne sont pas absolus, mais peuvent être limités dans l'intérêt public et dans le respect du principe de la proportionnalité. »\n\n**ATF 144 I 266** (08.05.2018)  \nConcubinage et vie privée. Droit de séjour fondé sur le droit au respect de la vie privée.  \nCentral pour la définition de la vie privée en dehors des structures familiales traditionnelles.  \n\n> « La distinction entre champ de protection et atteinte doit être strictement observée. La protection de la vie privée englobe l'ensemble des domaines dans lesquels la personnalité de l'individu peut s'épanouir et se développer. »\n\n**ATF 150 I 50** (03.01.2024)  \nVisites intimes en détention. Droit au respect de la vie privée et familiale des personnes incarcérées.  \nJurisprudence fédérale la plus récente sur la portée de l'art. 13 Cst. dans le domaine de l'exécution des peines.  \n\n> « Sous l'angle de l'art. 8 CEDH, de l'art. 13 Cst. et de l'art. 84 CP, les visites « conjugales » ou intimes sont en premier lieu réservées aux proches de la personne incarcérée. Les cantons sont compétents pour réglementer le droit de visite des personnes incarcérées. »\n\n## Protection du domicile\n\n**ATF 131 I 272** (03.05.2005)  \nInterdiction d'utiliser des preuves obtenues illicitement. Protection de la sphère privée dans la procédure pénale.  \nFondamental pour la pesée d'intérêts entre poursuite pénale et protection de la personnalité.  \n\n> « Le recourant invoque la garantie d'une procédure équitable (art. 29 al. 1 Cst. resp. art. 6 CEDH) et fait valoir le droit à la protection de sa vie privée (art. 13 Cst. resp. art. 8 CEDH) ainsi que le principe de légalité selon les art. 5, 35 et 36 Cst. »\n\n**ATF 141 IV 77** (21.11.2014)  \nDescellement de documents médicaux. Protection de la sphère privée et secret médical dans la procédure pénale.  \nImportant pour l'équilibre entre poursuite pénale et protection de la personnalité en cas de données particulièrement sensibles.  \n\n> « Lorsque le médecin directement concerné par les mesures de contrainte est lui-même prévenu, son secret professionnel ne constitue certes pas un obstacle légal absolu à la saisie et au descellement. Néanmoins, les exigences constitutionnelles de l'art. 13 Cst. doivent être respectées. »\n\n## Protection des données (art. 13 al. 2 Cst.)\n\n**ATF 147 I 372** (22.04.2021)  \nProfils ADN et mesures d'identification lors de manifestations. Proportionnalité des mesures de surveillance.  \nExamen critique de la jurisprudence antérieure sur les profils ADN.  \n\n> « L'élucidation de l'infraction à l'origine de la procédure n'exige pas forcément un profil ADN de chaque personne présente. Le principe de proportionnalité exige une application restrictive des mesures d'identification lors de rassemblements pacifiques. »\n\n**ATF 146 I 172** (13.07.2020)  \nEntraide administrative internationale en matière fiscale. Droit à l'autodétermination informationnelle et obligation d'informer.  \nDéterminant pour la protection des tiers dans les procédures d'entraide administrative.  \n\n> « Le droit à l'autodétermination informationnelle découlant de l'art. 8 CEDH et de l'art. 13 Cst. peut en principe être protégé efficacement par d'autres voies de droit. Néanmoins, les garanties de procédure doivent être respectées. »\n\n## Secret épistolaire, postal et des télécommunications\n\n**ATF 129 I 85** (04.04.2003)  \nSurveillance de conversations téléphoniques en langue étrangère. Exigences constitutionnelles pour l'utilisation judiciaire.  \nFondamental pour les exigences relatives à la surveillance des télécommunications.  \n\n> « La surveillance des télécommunications constitue une atteinte grave à la sphère privée protégée par l'art. 13 Cst. L'utilisation des résultats de surveillance est soumise à de strictes exigences constitutionnelles. »\n\n**ATF 137 IV 189** (04.04.2011)  \nDescellement de données électroniques. Protection de la sphère privée en cas de fichiers informatiques saisis.  \nImportant pour la protection des données à l'ère numérique.  \n\n> « La protection de la sphère privée exige un examen soigneux de la pertinence pour l'enquête des fichiers électroniques saisis, en particulier des fichiers d'images privées. Le juge du descellement doit préserver la proportionnalité. »\n\n## Rapport avec la CEDH\n\n**ATF 139 I 16** (12.10.2012)  \nInitiative sur le renvoi et vie familiale. Applicabilité directe de nouvelles dispositions constitutionnelles.  \nCentral pour le rapport entre le droit constitutionnel suisse et les garanties de la CEDH.  \n\n> « L'art. 13 Cst. et l'art. 8 CEDH garantissent parallèlement la protection de la vie privée et familiale. Lors de la pesée d'intérêts, il faut tenir compte tant des exigences constitutionnelles que conventionnelles. »\n\n**ATF 129 I 232** (09.07.2003)  \nNaturalisation par votation. Violation de l'interdiction de discrimination et du droit à la vie privée.  \nDéterminant pour les limites démocratiques en matière de droits de la personnalité.  \n\n> « Les décisions de refus de naturalisation sont soumises à l'obligation de motivation selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de discrimination) et peuvent porter atteinte à la vie privée protégée par l'art. 13 Cst. »\n\n## Regroupement familial et autorités des migrations\n\n**ATF 130 II 281** (01.06.2004)  \nRegroupement familial et droit de séjour consolidé. Champ de protection combiné de la vie privée et familiale.  \nFondamental pour la jurisprudence sur la protection de la vie familiale en droit des étrangers.  \n\n> « Le droit au respect de la vie familiale n'est pas garanti sans limites. Des restrictions sont admissibles si elles sont prévues par la loi, poursuivent un but légitime et sont nécessaires dans une société démocratique. »\n\n**ATF 143 I 21** (17.11.2016)  \nRegroupement familial sous le nouveau droit de l'autorité parentale. Prise en compte de l'intérêt de l'enfant lors de la protection de la vie familiale.  \nImportant pour le développement du droit du regroupement familial en tenant compte du nouveau droit de l'enfant.  \n\n> « En cas de rigueur post-matrimoniale, il faut procéder à une pesée globale d'intérêts qui inclut tant le droit au respect de la vie familiale selon l'art. 13 Cst. que l'intérêt de l'enfant selon l'art. 3 CDE. »\n\n## Droit de police et surveillance\n\n**ATF 136 I 87** (30.09.2009)  \nLoi de police de Zurich. Principes généraux du droit de police et protection des droits fondamentaux.  \nPrésentation exhaustive des exigences constitutionnelles pour les mesures de police.  \n\n> « Les mesures de droit de police qui portent atteinte au champ de protection de l'art. 13 Cst. nécessitent une base légale suffisante et doivent respecter le principe de proportionnalité. Le principe de légalité doit être strictement observé. »", "summary_it": "# Art. 13 Protezione della sfera privata\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 13 Cost. protegge la sfera privata di ogni persona in quattro ambiti: vita privata e familiare, domicilio nonché corrispondenza postale e telecomunicazioni (cpv. 1). Inoltre, il capoverso 2 garantisce la protezione contro l'abuso di dati personali.\n\nIl diritto fondamentale è nato con la revisione totale del 1999 dall'esigenza di una protezione completa di fronte allo sviluppo tecnologico (FF 1997 I 1, 149 seg.). In precedenza la Costituzione conosceva solo singoli aspetti come il diritto di domicilio. L'inclusione esplicita della protezione dei dati rifletteva l'importanza sociale della protezione dei dati personali nell'era dell'informazione.\n\nLa **vita privata** comprende tutti gli ambiti dello sviluppo personale - dall'identità alle relazioni fino allo sviluppo professionale (**DTF 144 I 266 consid. 5.1**). Il Tribunale federale determina l'ambito di protezione caso per caso secondo la giurisprudenza della Corte EDU (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 n. 13).\n\nLa **vita familiare** protegge le relazioni tra i membri della famiglia, incluse le relazioni familiari di fatto. È controversa la classificazione delle unioni omosessuali: mentre il Tribunale federale le attribuisce tradizionalmente solo alla vita privata, la Corte EDU le riconosce come famiglia (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 n. 20). La giurisprudenza più recente si avvicina alla visione della Corte EDU (**DTF 150 I 50 consid. 5.3**).\n\nIl **domicilio** comprende funzionalmente tutti gli spazi della vita privata - dal proprio appartamento alle camere d'albergo fino ai locali commerciali con carattere privato.\n\nLa **corrispondenza postale e telecomunicazioni** protegge la comunicazione confidenziale indipendentemente dal mezzo. Ciò comprende e-mail, SMS e servizi di messaggistica così come le lettere tradizionali (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 n. 29-31).\n\nLa **protezione dei dati** (cpv. 2) garantisce il diritto all'autodeterminazione informativa - inteso come «right to be let alone» secondo Warren/Brandeis (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 n. 16). La protezione comprende la raccolta, la memorizzazione, l'utilizzazione e la comunicazione di dati personali da parte di organi statali (**DTF 128 II 259 consid. 3.2**).\n\nOgni intervento nell'art. 13 Cost. necessita di una giustificazione secondo l'art. 36 Cost.: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e rispetto del contenuto essenziale. Per i dati personali particolarmente meritevoli di protezione è richiesta una base nella legge in senso formale.\n\n**Esempi pratici:** Le perquisizioni domiciliari devono essere proporzionate (**DTF 141 IV 77 consid. 4.2**). Nel diritto della migrazione l'art. 13 Cost. fonda un diritto condizionale al ricongiungimento familiare in caso di vita privata consolidata (**DTF 135 I 143 consid. 2.1**). La sorveglianza delle telecomunicazioni è ammissibile solo per reati gravi e con autorizzazione giudiziaria (**DTF 129 I 85 consid. 3.3**). Anche l'installazione di contatori d'acqua radio costituisce un intervento nell'autodeterminazione informativa e necessita di una base legale (**DTF 147 I 346 consid. 5.3**).\n\nLa protezione non è assoluta: in caso di collisioni con altri diritti fondamentali o interessi pubblici è da effettuare una ponderazione degli interessi. La norma presenta stretti legami con l'art. 8 CEDU, ma va in parte oltre attraverso l'ancoraggio esplicito della protezione dei dati.", "doctrine_it": "# Art. 13 Protezione della sfera privata\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'ancoraggio del diritto alla sfera privata nella Costituzione federale è avvenuto gradualmente. La Costituzione federale del 1874 conosceva inizialmente solo il diritto di domicilio (art. 54 aCostituzione) e il segreto epistolare e postale (art. 36 aCostituzione). Il diritto fondamentale globale alla protezione della sfera privata è entrato nella Costituzione soltanto con la revisione totale del 1999. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 153 s.) sottolineò la necessità di una protezione globale di fronte allo sviluppo tecnologico e alla digitalizzazione della vita quotidiana.\n\n**N. 2** Il secondo capoverso sulla protezione dei dati è stato concepito come diritto fondamentale autonomo. Il costituente si orientò sulla giurisprudenza del Tribunale costituzionale federale tedesco relativa al diritto all'autodeterminazione informazionale (BVerfGE 65, 1 — Volkszählung) e sull'art. 8 CEDU. L'inserimento esplicito della protezione dei dati rifletteva l'importanza sociale della protezione dei dati personali nell'era dell'informazione (FF 1997 I 154).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 13 Cost. figura nel catalogo dei diritti fondamentali della Costituzione federale (art. 7–36 Cost.) e forma insieme all'art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale) e all'art. 14 Cost. (diritto al matrimonio e alla famiglia) il nucleo delle garanzie dei diritti della personalità. La norma presenta stretti collegamenti con → art. 8 CEDU, ma va parzialmente oltre nel suo ambito di protezione, in particolare attraverso l'ancoraggio esplicito della protezione dei dati nel cpv. 2.\n\n**N. 4** Il rapporto con altri diritti fondamentali è caratterizzato dal principio della concordanza pratica. In caso di collisioni con la libertà di espressione (→ art. 16 Cost.) o con la libertà economica (→ art. 27 Cost.) deve essere effettuata una ponderazione degli interessi caso per caso. Le garanzie procedurali dell'→ art. 29 Cost. completano la protezione materiale attraverso diritti procedurali nel trattamento di dati personali.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Vita privata (cpv. 1)** comprende secondo la dottrina tutti gli ambiti in cui la personalità del singolo può svilupparsi. Diggelmann la definisce come «ambito vitale in cui il singolo deve rimanere indisturbato da ingerenze statali» (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 11). Il Tribunale federale segue la giurisprudenza della Corte EDU e determina l'ambito di protezione caso per caso (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 13 con rimando alla Corte EDU). Ciò comprende l'identità personale, l'orientamento sessuale, le relazioni con altre persone e lo sviluppo professionale (**DTF 144 I 266 consid. 5.1**).\n\n**N. 6** **Vita familiare (cpv. 1)** protegge i rapporti tra genitori e figli nonché tra coniugi o partner registrati. La dottrina dominante e la Corte EDU riconoscono anche i rapporti familiari di fatto. Esiste una controversia significativa riguardo alle unioni omosessuali: mentre il Tribunale federale le attribuiva tradizionalmente solo alla vita privata (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20), la Corte EDU le riconosce come famiglia nel senso dell'art. 8 CEDU (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20). La giurisprudenza più recente del Tribunale federale si avvicina a questa visione (**DTF 150 I 50 consid. 5.3**).\n\n**N. 7** **Domicilio (cpv. 1)** comprende locali privati in cui si svolge la vita privata. Il concetto è da intendere funzionalmente e comprende anche locali commerciali nella misura in cui servono alla gestione della vita privata (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 25-28). Anche camere d'albergo, camper e altri alloggi temporanei rientrano nell'ambito di protezione.\n\n**N. 8** **Traffico epistolare, postale e delle telecomunicazioni (cpv. 1)** protegge la comunicazione riservata indipendentemente dal mezzo utilizzato. Ciò comprende lettere tradizionali come pure e-mail, SMS, servizi di messaggistica e conversazioni telefoniche (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 29-31). Decisivo è il carattere riservato della comunicazione.\n\n**N. 9** **Protezione dall'abuso di dati (cpv. 2)** garantisce il diritto all'autodeterminazione informazionale. Secondo Warren/Brandeis questo è da intendere come «right to be let alone» (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 16 con rimando a Warren/Brandeis, Harvard Law Review 1890, 193). La protezione comprende la raccolta, la conservazione, l'utilizzazione e la comunicazione di dati personali da parte di organi statali (**DTF 128 II 259 consid. 3.2**).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 13 Cost. fonda principalmente **diritti di difesa** contro ingerenze statali. Ogni trattamento di dati, ogni ingerenza nel domicilio o nella vita familiare necessita di una giustificazione secondo → art. 36 Cost.: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e rispetto del contenuto essenziale.\n\n**N. 11** Dall'art. 13 Cost. derivano anche **doveri di protezione**. Lo Stato deve proteggere la sfera privata da ingerenze di terzi mediante una legislazione adeguata. Ciò si manifesta nella legge sulla protezione dei dati (LPD), nelle disposizioni di protezione della personalità del Codice civile (art. 28 segg. CC) e nel diritto penale (art. 173 segg. CP).\n\n**N. 12** Nel diritto degli stranieri l'art. 13 Cost. in combinazione con l'art. 8 CEDU fonda un **diritto condizionale al ricongiungimento familiare** e protezione dall'allontanamento in caso di vita privata consolidata (**DTF 135 I 143 consid. 2.1**). La ponderazione degli interessi segue i criteri sviluppati dalla Corte EDU: intensità dell'integrazione sociale, durata del soggiorno, vincoli familiari, ragionevolezza del ritorno nel Paese d'origine.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Unioni omosessuali**: Una controversia centrale riguarda la classificazione delle unioni omosessuali. Il Tribunale federale le attribuiva tradizionalmente solo alla vita privata (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 20), mentre la Corte EDU le riconosce come famiglia (Corte EDU Schalk e Kopf c. Austria, n. 30141/04). La dottrina è divisa: autori conservatori fanno riferimento al concetto storico di famiglia, voci progressiste chiedono un'interpretazione evolutiva alla luce degli sviluppi sociali.\n\n**N. 14** **Portata della protezione dei dati**: È controversa la portata del cpv. 2. Breitenmoser sostiene un'interpretazione restrittiva che comprende solo la protezione dall'«abuso» (Breitenmoser, Der Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK, 1986, 234). La dottrina dominante e il Tribunale federale interpretano la norma come autodeterminazione informazionale globale che comprende ogni trattamento di dati (Diggelmann, BSK BV, art. 13 n. 32-35; **DTF 128 II 259 consid. 3.2**).\n\n**N. 15** **Efficacia orizzontale**: È oggetto di discussione controversa l'efficacia nei rapporti con i terzi dell'art. 13 Cost. Mentre l'efficacia orizzontale diretta viene respinta, esiste accordo su un'efficacia nei rapporti con i terzi indiretta tramite doveri di protezione. Rhinow/Schefer chiedono una maggiore considerazione dei pericoli privati di fronte alla digitalizzazione (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, n. 1847).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Per le **perquisizioni domiciliari** oltre alla base legale di diritto processuale penale deve sempre essere considerato l'art. 13 Cost. La perquisizione deve essere proporzionata e può spingersi solo fino a quanto richiesto dallo scopo dell'inchiesta. I ritrovamenti casuali sottostanno a rigorose limitazioni di utilizzazione (**DTF 141 IV 77 consid. 4.2**).\n\n**N. 17** Nel **diritto di migrazione** per gli allontanamenti deve essere effettuata una ponderazione globale degli interessi. I seguenti criteri devono essere considerati: durata del soggiorno, integrazione sociale e professionale, vincoli familiari in Svizzera e nel Paese d'origine, benessere del minore, gravità dei reati commessi (**DTF 139 I 16 consid. 2.2**). La prassi mostra che per soggiorni superiori ai dieci anni e buona integrazione la soglia per un allontanamento è molto alta.\n\n**N. 18** Per la **protezione dei dati** vale: ogni trattamento di dati personali da parte di autorità necessita di una base legale formale. Per dati personali degni di particolare protezione e profili della personalità è richiesta una base in una legge in senso formale. Il diritto d'accesso secondo l'art. 8 LPD concretizza la pretesa costituzionale (**DTF 146 I 172 consid. 6.3**).\n\n**N. 19** Per la **sorveglianza del traffico delle telecomunicazioni** si applicano i rigorosi presupposti della LSCPT. La sorveglianza è ammessa solo in caso di sospetto di reati gravi e necessita dell'autorizzazione del tribunale dei provvedimenti coercitivi. I ritrovamenti casuali possono essere utilizzati solo a condizioni rigorose (**DTF 129 I 85 consid. 3.3**).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Fondamenti e ambito di protezione\n\n**DTF 128 II 259** (29.05.2002)  \nProfili DNA nel procedimento penale. Il Tribunale federale definisce per la prima volta l'ambito di protezione dell'art. 13 cpv. 2 Cost.  \nFondamentale per la delimitazione tra integrità corporale (art. 10 cpv. 2 Cost.) e diritto all'autodeterminazione informativa.  \n\n> «L'art. 13 cpv. 2 Cost. protegge la persona da pregiudizi derivanti dal trattamento dei suoi dati personali da parte dello Stato (diritto all'autodeterminazione informativa). La protezione costituzionale dei dati fa parte del diritto al rispetto della vita privata e della sfera segreta personale (art. 13 cpv. 1 Cost.).»\n\n**DTF 126 I 7** (01.01.2000)  \nConsultazione di atti di polizia. Delimitazione tra il diritto di consultazione degli atti e il diritto di essere sentito.  \nSignificativo per l'attuazione pratica della protezione dei dati nell'ambito di polizia.  \n\n> «Se l'interessato può chiedere, secondo il diritto cantonale applicabile, la correzione o la cancellazione di dati inesatti negli atti di polizia, deve anche avere la possibilità di consultare tali atti, purché non si opponga un interesse pubblico preponderante che deve essere dimostrato dall'autorità.»\n\n## Vita privata e familiare (Art. 13 cpv. 1 Cost.)\n\n**DTF 135 I 143** (02.02.2009)  \nRicongiungimento familiare e vita privata. Diritto al permesso di dimora fondato sull'art. 13 Cost.  \nDeterminante per la ponderazione tra autonomia privata e interessi statali nel diritto degli stranieri.  \n\n> «L'art. 13 Cost. garantisce sia il diritto al rispetto della vita privata sia quello al rispetto della vita familiare. Questi diritti non sono assoluti, ma possono essere limitati nell'interesse pubblico e nel rispetto della proporzionalità.»\n\n**DTF 144 I 266** (08.05.2018)  \nConcubinato e vita privata. Diritto di dimora fondato sul diritto al rispetto della vita privata.  \nCentrale per la definizione della vita privata al di fuori delle strutture familiari tradizionali.  \n\n> «La separazione tra ambito di protezione e ingerenza deve essere rigorosamente osservata. La protezione della vita privata comprende la totalità degli ambiti nei quali la personalità del singolo può dispiegarsi e svilupparsi.»\n\n**DTF 150 I 50** (03.01.2024)  \nVisite intime nell'esecuzione penale. Diritto al rispetto della vita privata e familiare delle persone detenute.  \nGiurisprudenza più recente della massima istanza sulla portata dell'art. 13 Cost. nell'ambito dell'esecuzione.  \n\n> «Sotto il profilo dell'art. 8 CEDU, dell'art. 13 Cost. e dell'art. 84 CP, le visite 'coniugali' o intime sono riservate in primo luogo ai congiunti della persona detenuta. I Cantoni sono competenti per regolamentare il diritto di visita delle persone detenute.»\n\n## Protezione del domicilio\n\n**DTF 131 I 272** (03.05.2005)  \nDivieto di utilizzazione per prove ottenute illegalmente. Protezione della vita privata nel procedimento penale.  \nFondamentale per la ponderazione tra interessi del perseguimento penale e protezione della personalità.  \n\n> «Il ricorrente invoca la garanzia di un procedimento equo (art. 29 cpv. 1 Cost. rispettivamente art. 6 CEDU) e fa valere il diritto alla protezione della sua vita privata (art. 13 Cost. rispettivamente art. 8 CEDU) nonché il principio di legalità secondo gli art. 5, 35 e 36 Cost.»\n\n**DTF 141 IV 77** (21.11.2014)  \nDissequestro di documenti medici. Protezione della vita privata e segreto del paziente nel procedimento penale.  \nImportante per l'equilibrio tra perseguimento penale e protezione della personalità per dati particolarmente sensibili.  \n\n> «Quando il medico direttamente interessato dalle misure coercitive è egli stesso imputato, il suo segreto professionale non costituisce un impedimento legale assoluto al sequestro e al dissequestro. Tuttavia, devono essere rispettate le prescrizioni costituzionali dell'art. 13 Cost.»\n\n## Protezione dei dati (Art. 13 cpv. 2 Cost.)\n\n**DTF 147 I 372** (22.04.2021)  \nProfili DNA e rilevamento segnaletrico durante manifestazioni. Proporzionalità di misure di sorveglianza.  \nVerifica critica della giurisprudenza precedente sui profili DNA.  \n\n> «L'accertamento del reato che ha dato origine al procedimento non richiede necessariamente un profilo DNA di ogni persona presente. Il principio di proporzionalità esige una gestione restrittiva delle misure segnaletiche durante manifestazioni pacifiche.»\n\n**DTF 146 I 172** (13.07.2020)  \nAssistenza amministrativa internazionale in materia fiscale. Diritto all'autodeterminazione informativa e obbligo di informazione.  \nDeterminante per la protezione di terzi nei procedimenti di assistenza amministrativa.  \n\n> «Il diritto all'autodeterminazione informativa derivante dall'art. 8 CEDU e dall'art. 13 Cost. può in linea di principio essere protetto efficacemente per altra via legale. Tuttavia, devono essere rispettate le garanzie procedurali.»\n\n## Segreto epistolare, postale e delle telecomunicazioni\n\n**DTF 129 I 85** (04.04.2003)  \nSorveglianza di conversazioni telefoniche in lingua straniera. Requisiti costituzionali per l'utilizzazione giudiziaria.  \nFondamentale per i requisiti della sorveglianza del traffico delle telecomunicazioni.  \n\n> «La sorveglianza del traffico delle telecomunicazioni costituisce un grave attentato alla vita privata protetta dall'art. 13 Cost. L'utilizzazione dei risultati di sorveglianza è sottoposta a rigorosi requisiti costituzionali.»\n\n**DTF 137 IV 189** (04.04.2011)  \nDissequestro di dati elettronici. Protezione della vita privata per file informatici sequestrati.  \nSignificativo per la protezione dei dati nell'era digitale.  \n\n> «La protezione della vita privata impone un esame accurato della rilevanza investigativa di file elettronici sequestrati, in particolare di file di immagini private. Il giudice del dissequestro deve rispettare la proporzionalità.»\n\n## Rapporto con la CEDU\n\n**DTF 139 I 16** (12.10.2012)  \nIniziativa per l'espulsione e vita familiare. Applicabilità diretta di nuove prescrizioni costituzionali.  \nCentrale per il rapporto tra diritto costituzionale svizzero e garanzie CEDU.  \n\n> «L'art. 13 Cost. e l'art. 8 CEDU garantiscono parallelamente la protezione della vita privata e familiare. Nella ponderazione degli interessi devono essere considerate tanto le prescrizioni costituzionali quanto quelle convenzionali.»\n\n**DTF 129 I 232** (09.07.2003)  \nNaturalizzazione mediante votazione popolare. Violazione del divieto di discriminazione e del diritto alla vita privata.  \nDeterminante per i limiti democratici sui diritti della personalità.  \n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sottostanno all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentito) in relazione all'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione) e possono toccare la vita privata protetta dall'art. 13 Cost.»\n\n## Ricongiungimento familiare e autorità di migrazione\n\n**DTF 130 II 281** (01.06.2004)  \nRicongiungimento familiare e diritto di dimora consolidato. Ambito di protezione combinato di vita privata e familiare.  \nFondamentale per la giurisprudenza sulla protezione della vita familiare nel diritto degli stranieri.  \n\n> «Il diritto al rispetto della vita familiare non è garantito senza limiti. Restrizioni sono ammissibili se previste dalla legge, perseguono uno scopo legittimo e sono necessarie in una società democratica.»\n\n**DTF 143 I 21** (17.11.2016)  \nRicongiungimento familiare sotto il nuovo diritto dell'autorità parentale. Considerazione del bene del minore nella protezione della vita familiare.  \nImportante per lo sviluppo del diritto del ricongiungimento familiare considerando il nuovo diritto del minore.  \n\n> «Nel caso di rigore post-matrimoniale deve essere effettuata una ponderazione globale degli interessi che includa tanto il diritto al rispetto della vita familiare secondo l'art. 13 Cost. quanto il bene del minore secondo l'art. 3 CRC.»\n\n## Diritto di polizia e sorveglianza\n\n**DTF 136 I 87** (30.09.2009)  \nLegge di polizia di Zurigo. Principi generali del diritto di polizia e protezione dei diritti fondamentali.  \nEsposizione complessiva delle prescrizioni costituzionali per le misure di polizia.  \n\n> «Le misure di diritto di polizia che interferiscono nell'ambito di protezione dell'art. 13 Cost. necessitano di una base legale sufficiente e devono soddisfare il principio di proporzionalità. Il principio di legalità deve essere rigorosamente rispettato.»", "summary_en": "# Art. 13 Protection of Privacy\n\n## Overview\n\nArticle 13 Const. protects the privacy of every person in four areas: private and family life, the home, and correspondence and telecommunications (para. 1). Additionally, paragraph 2 guarantees protection against the misuse of personal data.\n\nThis fundamental right emerged with the total revision of 1999 from the need for comprehensive protection in light of technological development (BBl 1997 I 1, 153 f.). Previously, the Constitution only recognised individual aspects such as the right to respect for the home. The explicit inclusion of data protection reflected the societal importance of protecting personal data in the information age.\n\n**Private life** encompasses all areas of personal development - from identity through relationships to professional development (**BGE 144 I 266 E. 5.1**). The Federal Supreme Court determines the scope of protection on a case-by-case basis in accordance with ECtHR case law (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 13).\n\n**Family life** protects relationships between family members, including de facto family relationships. The classification of same-sex partnerships is controversial: While the Federal Supreme Court traditionally assigns these only to private life, the ECtHR recognises them as family (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20). Recent case law is approaching the ECtHR perspective (**BGE 150 I 50 E. 5.3**).\n\n**The home** functionally encompasses all spaces of private life - from one's own dwelling through hotel rooms to business premises with private character.\n\n**Correspondence and telecommunications** protects confidential communication regardless of the medium. This includes emails, SMS and messenger services as well as traditional letters (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 29-31).\n\n**Data protection** (para. 2) guarantees the right to informational self-determination - understood as the «right to be let alone» according to Warren/Brandeis (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 16). The protection covers the collection, storage, use and disclosure of personal data by state authorities (**BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\nEvery interference with Art. 13 Const. requires justification according to Art. 36 Const.: legal basis, public interest, proportionality and preservation of the essential content. For particularly sensitive personal data, a formal legal basis is required.\n\n**Practical examples:** House searches must be proportionate (**BGE 141 IV 77 E. 4.2**). In migration law, Art. 13 Const. establishes a conditional right to family reunification where private life is well-established (**BGE 135 I 143 E. 2.1**). Surveillance of telecommunications is only permitted for serious offences and with judicial approval (**BGE 129 I 85 E. 3.3**). The installation of radio water meters also constitutes an interference with informational self-determination and requires a legal basis (**BGE 147 I 346 E. 5.3**).\n\nThe protection is not absolute: In case of conflicts with other fundamental rights or public interests, a balancing of interests must be undertaken. The provision has close connections to Art. 8 ECHR, but partially goes beyond it through the explicit anchoring of data protection.", "doctrine_en": "# Art. 13 Protection of privacy\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The entrenchment of the right to privacy in the Federal Constitution occurred gradually. The Federal Constitution of 1874 initially only recognized the right to the home (Art. 54 old BV) and the secrecy of correspondence and postal services (Art. 36 old BV). The comprehensive fundamental right to protection of privacy only found its way into the Constitution with the total revision of 1999. The Federal Council Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 153 f.) emphasized the need for comprehensive protection in view of technological development and the digitalization of everyday life.\n\n**N. 2** The second paragraph on data protection was conceived as an independent fundamental right. The constitutional legislator was guided by the jurisprudence of the German Federal Constitutional Court on the right to informational self-determination (BVerfGE 65, 1 — Census) as well as by Art. 8 ECHR. The explicit inclusion of data protection reflected the societal importance of protecting personal data in the information age (BBl 1997 I 154).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 13 BV stands in the catalogue of fundamental rights of the Federal Constitution (Art. 7–36 BV) and forms, together with Art. 10 BV (right to life and to personal liberty) and Art. 14 BV (right to marriage and family), the core of personality rights guarantees. The provision has close connections to → Art. 8 ECHR but in part goes beyond it in its scope of protection, particularly through the explicit entrenchment of data protection in para. 2.\n\n**N. 4** The relationship to other fundamental rights is characterized by the principle of practical concordance. In case of conflicts with freedom of expression (→ Art. 16 BV) or economic freedom (→ Art. 27 BV), a case-by-case balancing of interests must be undertaken. The procedural guarantees of → Art. 29 BV supplement the material protection through procedural rights in the handling of personal data.\n\n### 3. Elements of the offense / Content of the norm\n\n**N. 5** **Private life (para. 1)** encompasses, according to legal doctrine, all areas in which the personality of the individual can develop. Diggelmann defines it as the «sphere of life in which the individual should remain undisturbed by state interference» (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 11). The Federal Court follows ECtHR jurisprudence and determines the scope of protection on a case-by-case basis (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 13 with reference to ECtHR). This includes personal identity, sexual orientation, relationships with other people and professional development (**BGE 144 I 266 E. 5.1**).\n\n**N. 6** **Family life (para. 1)** protects relationships between parents and children as well as between spouses or registered partners. The prevailing doctrine and the ECtHR also recognize de facto family relationships. A significant point of contention exists regarding same-sex partnerships: While the Federal Court traditionally assigned these only to private life (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20), the ECtHR recognizes them as family within the meaning of Art. 8 ECHR (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20). The more recent Federal Court practice is approaching this view (**BGE 150 I 50 E. 5.3**).\n\n**N. 7** **Home (para. 1)** encompasses private premises in which private life takes place. The concept is to be understood functionally and also covers business premises insofar as they serve private life (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 25-28). Hotel rooms, mobile homes and other temporary accommodations also fall within the scope of protection.\n\n**N. 8** **Correspondence, postal and telecommunications traffic (para. 1)** protects confidential communication regardless of the medium used. This includes traditional letters as well as emails, SMS, messenger services and telephone conversations (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 29-31). The decisive factor is the confidential character of the communication.\n\n**N. 9** **Protection against misuse of data (para. 2)** guarantees the right to informational self-determination. According to Warren/Brandeis, this is to be understood as the «right to be let alone» (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 16 with reference to Warren/Brandeis, Harvard Law Review 1890, 193). The protection covers the collection, storage, use and disclosure of personal data by state authorities (**BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 10** Art. 13 BV primarily establishes **defensive rights** against state interference. Any data processing, any interference with the home or family life requires justification according to → Art. 36 BV: legal basis, public interest, proportionality and preservation of the essential content.\n\n**N. 11** **Duties of protection** also flow from Art. 13 BV. The state must protect privacy through appropriate legislation against interference by third parties. This manifests itself in the Data Protection Act (DPA), in the personality protection provisions of the Civil Code (Art. 28 ff. CC) and in criminal law (Art. 173 ff. Criminal Code).\n\n**N. 12** In immigration law, Art. 13 BV in connection with Art. 8 ECHR establishes a **conditional right to family reunification** and protection against removal in cases of established private life (**BGE 135 I 143 E. 2.1**). The balancing of interests follows the criteria developed by the ECtHR: intensity of social integration, duration of stay, family ties, reasonableness of return to the home country.\n\n### 5. Points of contention\n\n**N. 13** **Same-sex partnerships**: A central point of contention concerns the classification of same-sex partnerships. The Federal Court traditionally assigned these only to private life (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 20), while the ECtHR recognizes them as family (ECtHR Schalk and Kopf v. Austria, No. 30141/04). Legal doctrine is divided: conservative authors refer to the historical concept of family, progressive voices call for an evolutionary interpretation in light of social developments.\n\n**N. 14** **Scope of data protection**: The scope of para. 2 is disputed. Breitenmoser advocates a narrow interpretation that only covers protection against «misuse» (Breitenmoser, Der Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK, 1986, 234). The prevailing doctrine and the Federal Court interpret the provision as comprehensive informational self-determination that covers any data processing (Diggelmann, BSK BV, Art. 13 N. 32-35; **BGE 128 II 259 E. 3.2**).\n\n**N. 15** **Horizontal effect**: The third-party effect of Art. 13 BV is controversially discussed. While direct horizontal effect is rejected, there is agreement on indirect third-party effect via duties of protection. Rhinow/Schefer call for increased consideration of private threats in view of digitalization (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 1847).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 16** In case of **house searches**, Art. 13 BV must always be observed in addition to the criminal procedural legal basis. The search must be proportionate and may only go as far as the purpose of the investigation requires. Chance finds are subject to strict limitations on their use (**BGE 141 IV 77 E. 4.2**).\n\n**N. 17** In **migration law**, a comprehensive balancing of interests must be undertaken in case of removal orders. The following criteria must be considered: duration of stay, social and professional integration, family ties in Switzerland and in the home country, best interests of the child, gravity of offenses committed (**BGE 139 I 16 E. 2.2**). Practice shows that with stays of over ten years and good integration, the threshold for removal is very high.\n\n**N. 18** Regarding **data protection**: Any processing of personal data by authorities requires a formal legal basis. For particularly sensitive personal data and personality profiles, a basis in a law in the formal sense is required. The right of access according to Art. 8 DPA concretizes the constitutional claim (**BGE 146 I 172 E. 6.3**).\n\n**N. 19** For **surveillance of telecommunications traffic**, the strict requirements of the SPTA apply. Surveillance is only permitted in case of suspicion of serious criminal offenses and requires approval by the court for coercive measures. Chance finds may only be used under narrow conditions (**BGE 129 I 85 E. 3.3**).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Foundations and Scope of Protection\n\n**BGE 128 II 259** (29.05.2002)  \nDNA profiles in criminal proceedings. The Federal Supreme Court defines the scope of protection of Art. 13 para. 2 Cst. for the first time.  \nFundamental for the distinction between physical integrity (Art. 10 para. 2 Cst.) and the right to informational self-determination.  \n\n> «Art. 13 para. 2 Cst. protects the individual against impairments arising from state processing of their personal data (right to informational self-determination). Constitutional data protection is part of the right to a private and personal sphere of secrecy (Art. 13 para. 1 Cst.).»\n\n**BGE 126 I 7** (01.01.2000)  \nAccess to police files. Distinction between the right to access files and the right to be heard.  \nSignificant for the practical enforcement of data protection in the police sector.  \n\n> «If the person concerned can demand correction or deletion of incorrect data in police files under the applicable cantonal law, they must also have the possibility to access these files, unless there is an overriding public interest to be proven by the authority.»\n\n## Private and Family Life (Art. 13 para. 1 Cst.)\n\n**BGE 135 I 143** (02.02.2009)  \nFamily reunification and private life. Claim to residence permit based on Art. 13 Cst.  \nGroundbreaking for the balancing between private autonomy and state interests in immigration law.  \n\n> «Art. 13 Cst. guarantees both the right to respect for private life and that for respect for family life. These rights are not absolute but may be restricted in the public interest and with due regard for proportionality.»\n\n**BGE 144 I 266** (08.05.2018)  \nCohabitation and private life. Right of residence based on the right to respect for private life.  \nCentral for the definition of private life outside traditional family structures.  \n\n> «The separation between scope of protection and interference must be strictly observed. The protection of private life encompasses all areas in which the individual's personality can unfold and develop.»\n\n**BGE 150 I 50** (03.01.2024)  \nIntimate visits in prison. Right to respect for private and family life of incarcerated persons.  \nLatest supreme court case law on the scope of Art. 13 Cst. in the correctional context.  \n\n> «From the perspective of Art. 8 ECHR, Art. 13 Cst. and Art. 84 SCC, 'conjugal' or intimate visits are primarily reserved for relatives of the incarcerated person. The cantons are responsible for regulating the visiting rights of incarcerated persons.»\n\n## Protection of the Home\n\n**BGE 131 I 272** (03.05.2005)  \nProhibition on use of unlawfully obtained evidence. Protection of privacy in criminal proceedings.  \nFundamental for the balancing between criminal prosecution interests and personality protection.  \n\n> «The appellant invokes the guarantee of fair proceedings (Art. 29 para. 1 Cst. or Art. 6 ECHR) and asserts the right to protection of private life (Art. 13 Cst. or Art. 8 ECHR) as well as the principle of legality according to Arts. 5, 35 and 36 Cst.»\n\n**BGE 141 IV 77** (21.11.2014)  \nUnsealing of medical records. Protection of privacy and medical confidentiality in criminal proceedings.  \nImportant for the balance between criminal prosecution and personality protection for particularly sensitive data.  \n\n> «When the physician directly affected by the coercive measures is himself accused, his professional secrecy does not constitute an absolute legal obstacle to seizure and unsealing. Nevertheless, the constitutional requirements of Art. 13 Cst. must be observed.»\n\n## Data Protection (Art. 13 para. 2 Cst.)\n\n**BGE 147 I 372** (22.04.2021)  \nDNA profiles and identification procedures at demonstrations. Proportionality of surveillance measures.  \nCritical review of previous case law on DNA profiles.  \n\n> «Clarifying the underlying offense does not necessarily require a DNA profile of every person present. The principle of proportionality demands restrictive handling of identification measures at peaceful assemblies.»\n\n**BGE 146 I 172** (13.07.2020)  \nInternational administrative assistance in tax matters. Right to informational self-determination and duty to inform.  \nGroundbreaking for the protection of third parties in administrative assistance proceedings.  \n\n> «The right to informational self-determination flowing from Art. 8 ECHR and Art. 13 Cst. can in principle be effectively protected by other legal means. Nevertheless, procedural guarantees must be observed.»\n\n## Secrecy of Letters, Post and Telecommunications\n\n**BGE 129 I 85** (04.04.2003)  \nSurveillance of foreign-language telephone conversations. Constitutional requirements for judicial use.  \nFundamental for the requirements on surveillance of telecommunications traffic.  \n\n> «Surveillance of telecommunications traffic constitutes a serious interference with the privacy protected by Art. 13 Cst. The use of surveillance results is subject to strict constitutional requirements.»\n\n**BGE 137 IV 189** (04.04.2011)  \nUnsealing of electronic data. Protection of privacy for seized computer files.  \nSignificant for data protection in the digital age.  \n\n> «The protection of privacy requires careful examination of the investigative relevance of seized electronic files, particularly private image files. The unsealing judge must safeguard proportionality.»\n\n## Relationship to the ECHR\n\n**BGE 139 I 16** (12.10.2012)  \nDeportation initiative and family life. Direct applicability of new constitutional provisions.  \nCentral for the relationship between Swiss constitutional law and ECHR guarantees.  \n\n> «Art. 13 Cst. and Art. 8 ECHR guarantee protection of private and family life in parallel. In balancing interests, both constitutional and conventional requirements must be observed.»\n\n**BGE 129 I 232** (09.07.2003)  \nNaturalization by ballot. Violation of the prohibition of discrimination and the right to private life.  \nGroundbreaking for the democratic limits on personality rights.  \n\n> «Negative naturalization decisions are subject to the duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 Cst. (right to be heard) in conjunction with Art. 8 para. 2 Cst. (prohibition of discrimination) and may affect private life protected by Art. 13 Cst.»\n\n## Family Reunification and Immigration Authorities\n\n**BGE 130 II 281** (01.06.2004)  \nFamily reunification and consolidated right of presence. Combined scope of protection of private and family life.  \nFundamental for case law on immigration law protection of family life.  \n\n> «The right to respect for family life is not guaranteed without limits. Restrictions are permissible if they are provided for by law, serve a legitimate aim and are necessary in a democratic society.»\n\n**BGE 143 I 21** (17.11.2016)  \nFamily reunification under new custody law. Consideration of the child's welfare in protecting family life.  \nImportant for the development of family reunification law considering the new children's rights.  \n\n> «In post-marital hardship cases, a comprehensive balancing of interests must be undertaken that includes both the right to respect for family life under Art. 13 Cst. and the child's welfare according to Art. 3 CRC.»\n\n## Police Law and Surveillance\n\n**BGE 136 I 87** (30.09.2009)  \nZurich Police Act. General principles of police law and fundamental rights protection.  \nComprehensive presentation of constitutional requirements for police measures.  \n\n> «Police law measures that interfere with the scope of protection of Art. 13 Cst. require a sufficient legal basis and must comply with the principle of proportionality. The principle of legality must be strictly observed.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_13", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 14, "article_suffix": "", "title": "Recht auf Ehe und Familie", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 14 der Bundesverfassung schützt das Recht auf Ehe und Familie. Diese Garantie umfasst zwei wichtige Bereiche: das Recht zu heiraten und das Recht auf Familienleben.\n\n**Das Recht auf Ehe** bedeutet, dass jede Person frei entscheiden kann, wen sie heiratet. Der Staat darf Eheschliessungen nicht willkürlich verhindern oder durch übermässige Hindernisse erschweren (**BGE 138 I 41**). Seit dem 1. Juli 2022 können in der Schweiz auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten, nachdem das Volk am 26. September 2021 die \"Ehe für alle\" angenommen hatte. Bis zu diesem Datum war die Ehe auf verschiedengeschlechtliche Paare beschränkt (**BGE 119 II 264**). Polygamie (Vielehe) bleibt auch heute verboten und verstösst gegen den schweizerischen ordre public.\n\n**Das Recht auf Familie** schützt bestehende familiäre Beziehungen. Dazu gehören nicht nur verheiratete Paare mit Kindern, sondern auch unverheiratete Lebensgemeinschaften (Konkubinate) und andere Familienformen. Das Bundesgericht hat anerkannt, dass auch unverheiratete Lebenspartner zum Familienbegriff gehören können (**BGE 143 I 241**).\n\nDie Garantie wirkt als **Abwehrrecht** gegen staatliche Eingriffe. Sie verpflichtet den Staat aber auch, einen rechtlichen Rahmen für Ehe und Familie zu schaffen. Besonders wichtig ist dies beim **Familiennachzug**: Ausländische Personen können unter bestimmten Voraussetzungen ihre Ehepartner oder Familienmitglieder in die Schweiz nachziehen lassen (**BGE 139 I 330**).\n\n**Praktisches Beispiel**: Ein deutscher Staatsangehöriger lebt mit seinem Schweizer Partner zusammen. Als sie heiraten wollen, verlangt das Zivilstandsamt von ihm einen Nachweis des rechtmässigen Aufenthalts. Falls er diesen nicht sofort vorweisen kann, muss ihm die Behörde eine provisorische Aufenthaltsbewilligung erteilen, damit die Heirat stattfinden kann (**BGE 137 I 351**).\n\nBei Eingriffen in die Ehe- und Familienfreiheit müssen die Behörden eine gesetzliche Grundlage haben und verhältnismässig handeln. Einschränkungen sind nur zulässig, wenn sie einem öffentlichen Interesse dienen und den Kerngehalt des Rechts nicht antasten.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 14 BV entstand im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Norm fasst die Garantien des Rechts auf Ehe (Art. 54 aBV) und des Schutzes der Familie zusammen (BBl 1997 I 151, 155). Der Verfassungsgeber bezweckte eine moderne, offene Formulierung, die gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen kann (BBl 1997 I 155).\n\n**N. 2** Die knappe Formulierung war bewusst gewählt. Die Botschaft hält fest, dass die Verfassung keine Definition von Ehe und Familie vorgeben, sondern dem Gesetzgeber Spielraum für zeitgemässe Ausgestaltungen lassen soll (BBl 1997 I 155). Diese Offenheit ermöglichte später die Einführung der eingetragenen Partnerschaft (2007) und der \"Ehe für alle\" (2022).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 14 BV steht im Grundrechtskatalog zwischen der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 15 BV) und der Meinungs- und Informationsfreiheit (Art. 16 BV). Die Stellung unterstreicht den Charakter als klassisches Freiheitsrecht mit persönlichkeitsrechtlichen Bezügen.\n\n**N. 4** Enge Verbindungen bestehen zu:\n- → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit): Gleichbehandlung verschiedener Familienformen\n- → Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit): Schutz der Privatsphäre\n- → Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre): überschneidende Schutzbereiche bei Familienbeziehungen\n- ↔ Art. 36 BV: Schrankenregelung für Eingriffe\n- → Art. 38 BV (Bürgerrecht): Auswirkungen der Eheschliessung\n- → Art. 41 BV (Sozialziele): programmatische Ergänzung ohne subjektive Rechte\n\n**N. 5** Völkerrechtlich korrespondiert Art. 14 BV mit Art. 12 EMRK (Recht auf Eheschliessung) und Art. 8 EMRK (Recht auf Familienleben). Die EMRK-Garantien bilden gemäss Art. 190 BV für das Bundesgericht verbindliches Recht, was zu einer dynamischen Auslegung im Lichte der EGMR-Rechtsprechung führt (BGE 126 II 425 E. 3).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Art. 14 BV gewährleistet zwei eigenständige, aber verwandte Grundrechte: das Recht auf Ehe und das Recht auf Familie.\n\n**N. 7** **Recht auf Ehe**: Nach Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 31) schützt die Ehefreiheit nach traditioneller Auffassung \"das auf Dauer angelegte monogame Zusammenleben von Mann und Frau in einer umfassenden Lebensgemeinschaft\". Diese Definition ist jedoch im Wandel begriffen.\n\n**N. 8** Die moderne Lehre plädiert für eine offenere Interpretation. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 32) argumentiert, eine \"auf Dauer angelegte zeitgenössische freiheitliche Verfassung sollte jedoch die Ehedefinition nicht selbst vorgeben, sondern dies dem insofern flexibleren Gesetzgeber überlassen\". Diese Sichtweise ermöglichte die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe 2022.\n\n**N. 9** Das Recht auf Ehe umfasst:\n- Positive Ehefreiheit: freie Partnerwahl und Eheschliessung (BGE 137 I 351 E. 3.2)\n- Negative Ehefreiheit: Schutz vor Zwangsheirat\n- Eheführungsfreiheit: Gestaltung des ehelichen Zusammenlebens\n- Nach umstrittener Auffassung auch das Recht auf Scheidung (dazu N. 20)\n\n**N. 10** **Recht auf Familie**: Schützt bestehende familiäre Beziehungen unabhängig von der rechtlichen Form. Der Familienbegriff ist weit zu verstehen und umfasst auch faktische Lebensgemeinschaften mit Kindern sowie unverheiratete Lebenspartner (BGE 143 I 241 E. 5.2).\n\n**N. 11** **Grundrechtsträger**: Natürliche Personen unabhängig von Staatsangehörigkeit. Bei binationalen Paaren ergeben sich besondere Fragestellungen im Ausländerrecht (BGE 139 I 330).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 14 BV begründet primär **Abwehrrechte** gegen staatliche Eingriffe in die Ehe- und Familienfreiheit. Der Staat darf Eheschliessungen nicht willkürlich verhindern oder erschweren (BGE 138 I 41 E. 4).\n\n**N. 13** Als **Institutsgarantie** verpflichtet Art. 14 BV den Staat, einen rechtlichen Rahmen für Ehe und Familie bereitzustellen. Dies umfasst zivilrechtliche Regelungen (Art. 90 ff. ZGB), aber auch steuer- und sozialversicherungsrechtliche Normen.\n\n**N. 14** **Schutzpflichten**: Der Staat muss Familie und Ehe vor Beeinträchtigungen durch Dritte schützen. Dies manifestiert sich etwa im Strafrecht (Art. 213, 215 StGB).\n\n**N. 15** **Leistungsansprüche** ergeben sich aus Art. 14 BV nur ausnahmsweise, etwa beim Familiennachzug. Die Rechtsprechung anerkennt unter bestimmten Voraussetzungen einen grundrechtlichen Anspruch auf Familienzusammenführung (BGE 139 I 330 E. 2.2).\n\n**N. 16** Bei Eingriffen in Art. 14 BV gilt die **Schrankenregelung** nach Art. 36 BV: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wahrung des Kerngehalts.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Gleichgeschlechtliche Ehe**: Die Lehre war lange gespalten. Die traditionelle Auffassung sah die Ehe auf verschiedengeschlechtliche Paare beschränkt (so noch BGE 119 II 264). Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 38) hielt dagegen eine \"verfassungsrechtliche Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe auf dem Weg der Auslegung von Art. 14 nicht ausgeschlossen\". Mit der Annahme der \"Ehe für alle\" 2021 hat sich die progressive Position durchgesetzt.\n\n**N. 18** **Polygamie**: Die herrschende Lehre und Rechtsprechung lehnen einen grundrechtlichen Schutz polygamer Ehen ab. Dies wird mit dem schweizerischen ordre public und dem Prinzip der Gleichberechtigung der Geschlechter begründet (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 745).\n\n**N. 19** **Konkubinat**: Umstritten ist, inwieweit Art. 14 BV auch unverheiratete Lebensgemeinschaften schützt. Die Rechtsprechung bejaht dies für den Familienteil bei faktischen Familien mit Kindern, zeigt sich aber zurückhaltend bei kinderlosen Paarbeziehungen (BGE 126 II 425 E. 4). Ein Teil der Lehre fordert umfassenderen Schutz (Papaux van Delden, FamPra 2011, 913 ff.).\n\n**N. 20** **Recht auf Scheidung**: Kontrovers diskutiert wird, ob Art. 14 BV ein Recht auf Scheidung umfasst. Die Rechtsprechung des EGMR verneint dies für Art. 12 EMRK. Ein Teil der Lehre leitet unter Berufung auf Art. 54 aBV ebenfalls kein Scheidungsrecht aus Art. 14 BV ab. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 36) argumentiert dagegen überzeugend, das \"Recht auf Scheidung kann unmittelbar aus der negativen Ehefreiheit oder wenigstens indirekt daraus hergeleitet werden, dass die Freiheit, eine Ehe einzugehen, und das Verbot der Zwangsheirat logischerweise mit der Freiheit verbunden sein müssen, eine gescheiterte Ehe wieder aufzulösen\".\n\n**N. 21** **Leihmutterschaft und Fortpflanzungsmedizin**: Die rechtliche Anerkennung von Leihmutterschaftsvereinbarungen und der Zugang zu fortpflanzungsmedizinischen Verfahren werfen grundrechtliche Fragen auf. Während Kuhn (Recht auf Kinder?, 2008) einen verfassungsrechtlichen Schutz des Kinderwunsches bejaht, ist die Rechtsprechung zurückhaltend. Art. 119 BV setzt der Fortpflanzungsmedizin verfassungsrechtliche Schranken (Amstutz/Gächter, Jusletter 31.1.2011).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 22** **Ausländerrecht**: Bei binationalen Paaren ist die Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK zentral. Das Bundesgericht verlangt eine umfassende Interessenabwägung unter Berücksichtigung der Intensität der Beziehung, der Integration in der Schweiz und der Zumutbarkeit einer Ausreise (BGE 139 I 330).\n\n**N. 23** **Ehevorbereitungsverfahren**: Die Anforderung des rechtmässigen Aufenthalts während des Verfahrens ist grundrechtskonform, darf aber nicht zu übermässigen Hindernissen führen. Bei klarem Anspruch auf Aufenthalt nach der Heirat sind provisorische Aufenthaltstitel zu erteilen (BGE 137 I 351 E. 5).\n\n**N. 24** **Sozialversicherungsrecht**: Die unterschiedliche Behandlung von Ehen und Konkubinaten ist verfassungsrechtlich zulässig, muss aber sachlich begründet und verhältnismässig sein. Die Rentenplafonierung nach Art. 35 AHVG ist trotz Benachteiligung von Ehepaaren verfassungskonform (BGE 140 I 77).\n\n**N. 25** **Verfahrensrecht**: Bei Eingriffen in Familienbeziehungen gelten erhöhte Verfahrensgarantien. Kinder sind altersgerecht anzuhören (Art. 12 UN-KRK), und es besteht oft ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege.\n\n**N. 26** **Steuerrecht**: Die gemeinsame Besteuerung von Ehepaaren kann zu einer verfassungswidrigen Benachteiligung führen (\"Heiratsstrafe\"). Das Bundesgericht hat Grenzwerte für die zulässige Mehrbelastung entwickelt (BGE 131 II 697).\n\n**N. 27** Bei der Rechtsanwendung ist die dynamische Rechtsprechung des EGMR zu beachten, die über Art. 190 BV auch für schweizerische Behörden verbindlich ist. Neue gesellschaftliche Familienformen erfordern eine evolutive Auslegung von Art. 14 BV im Lichte der verfassungsrechtlichen Grundwerte der Rechtsgleichheit und Menschenwürde.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Recht auf Eheschliessung\n\n**BGE 137 I 351** vom 23. November 2011\nErfordernis des rechtmässigen Aufenthalts während des Ehevorbereitungsverfahrens bleibt mit Art. 14 BV vereinbar.\nDie Migrationsbehörde ist gehalten, einem ausländischen Verlobten im Hinblick auf die Heirat einen provisorischen Aufenthaltstitel auszustellen, sofern keine Anzeichen für Rechtsmissbrauch vorliegen.\n\n> «Kann der Zivilstandsbeamte die Trauung eines ausländischen Verlobten mangels Nachweis des rechtmässigen Aufenthalts in der Schweiz nicht vollziehen (Art. 98 Abs. 4 ZGB und Art. 67 Abs. 3 ZStV), so ist die Migrationsbehörde gehalten, letzterem im Hinblick auf die Heirat einen provisorischen Aufenthaltstitel auszustellen, sofern keine Anzeichen für einen Rechtsmissbrauch vorliegen und klar erscheint, dass der Betroffene - einmal verheiratet - aufgrund seiner persönlichen Situation die Zulassungsvoraussetzungen in der Schweiz erfüllen wird.»\n\n**BGE 138 I 41** vom 17. Januar 2012\nBestätigung der Rechtsprechung zu Aufenthaltsvoraussetzungen für Eheschliessung.\nDie Gewährleistung des Rechts auf Ehe erfordert eine verhältnismässige Anwendung ausländerrechtlicher Bestimmungen.\n\n> «Diese Auslegung erlaubt die Beachtung von Art. 12 EMRK und Art. 14 BV in Übereinstimmung mit dem Willen des Gesetzgebers und steht mit dem Grundsatz der Ausschliesslichkeit bzw. des Vorranges des Asylverfahrens im Einklang.»\n\n### Gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehe\n\n**BGE 119 II 264** vom 3. März 1993\nFrühe Rechtsprechung zur gleichgeschlechtlichen Ehe: Verstoss gegen Ordre public.\nEine im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehe verstösst gegen den schweizerischen Ordre public und darf nicht anerkannt werden.\n\n> «Eine Ehe unter gleichgeschlechtlichen Personen verstösst gegen den schweizerischen Ordre public und darf deshalb nicht anerkannt werden; die Nichtanerkennung verletzt weder Art. 54 BV noch Art. 8 oder 12 EMRK.»\n\n**BGE 126 II 425** vom 25. August 2000\nWandel der Rechtsprechung zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.\nGleichgeschlechtliche Partnerschaften stellen kein Familienleben dar, können aber unter das Recht auf Privatleben fallen.\n\n> «Gleichgeschlechtliche Partnerschaften stellen kein Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV dar; die Verweigerung einer fremdenpolizeilichen Bewilligung an den ausländischen Partner kann unter gewissen Umständen aber das Recht der Betroffenen auf Privatleben berühren und das Ermessen der Bewilligungsbehörde gemäss Art. 4 ANAG beschränken.»\n\n### Familiennachzug und Eherecht\n\n**BGE 139 I 330** vom 5. September 2013\nFamiliennachzug von anerkannten Flüchtlingen mit nachträglich geheirateten Partnern.\nDas Recht auf Familie begründet unter bestimmten Umständen Ansprüche auf ausländerrechtliche Bewilligungen.\n\n> «Unternimmt ein anerkannter Flüchtling mit Asyl alles ihm Zumutbare, um sich - auch in wirtschaftlicher Hinsicht - möglichst rasch zu integrieren, kann ihm die Sozialhilfeabhängigkeit des nachzuziehenden Gatten nicht entgegengehalten werden, wenn sich der künftige Fehlbetrag in vertretbarer Höhe hält und in absehbarer Zeit vermutlich ausgeglichen werden kann.»\n\n**BGE 139 I 37** vom 2. Januar 2013\nFamiliennachzug bei Heirat während Schengenvisum.\nDer Anspruch auf Familie kann Migrationsbehörden zur grundrechtskonformen Anwendung ausländerrechtlicher Bestimmungen verpflichten.\n\n> «Die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 AuG, wonach der Bewilligungsentscheid grundsätzlich im Ausland abzuwarten ist, muss grundrechtskonform erfolgen.»\n\n### Familienrechte und Konkubinat\n\n**BGE 143 I 241** vom 18. April 2017\nBesuchsrechte zwischen unverheirateten Lebenspartnern in Strafvollzug.\nArt. 14 BV schützt nicht nur Ehepartner, sondern auch unverheiratete Lebensgemeinschaften.\n\n> «Mangels entgegenstehender gewichtiger öffentlicher Interessen haben auch strafprozessuale Häftlinge das Recht auf angemessenen regelmässigen Kontakt zu ihrer Familie, wozu auch unverheiratete Lebenspartner gehören.»\n\n### Elternrechte und Geschlechtergleichstellung\n\n**BGE 140 I 305** vom 15. September 2014\nMutterschaftsentschädigung für Väter: Keine Diskriminierung bei geschlechterspezifischen Regelungen.\nArt. 14 BV verlangt keine völlige Gleichstellung in allen familienrechtlichen Bereichen, wenn sachliche Gründe vorliegen.\n\n> «Art. 16b EOG beinhaltet keinen Elternurlaub, wie er in anderen (europäischen) Ländern besteht, sondern regelt ausschliesslich den Entschädigungsanspruch der Mutter nach der Geburt. Eine unzulässige Diskriminierung besteht - auch im Lichte der Rechtsprechung des EGMR - nicht.»\n\n### Sozialversicherungsrechtliche Aspekte\n\n**BGE 140 I 77** vom 6. Dezember 2013\nAHV-Rentenplafonierung: Unterschiedliche Behandlung von Ehepaaren und Konkubinatspaaren.\nDie Schlechterstellung verheirateter Paare bei AHV-Renten ist verfassungsrechtlich zulässig, wenn sachliche Gründe vorliegen.\n\n> «Die Rentenplafonierung gemäss Art. 35 AHVG führt zu einer Ungleichbehandlung von Ehepaaren und eingetragenen Partnern einerseits sowie Konkubinatspaaren anderseits. Die Schlechterstellung in Bezug auf die Höhe der Altersrente darf nicht isoliert betrachtet werden, es gibt hiefür sachliche Gründe.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\nUrteil 2C_323/2018 vom 21. September 2018\nFamiliennachzug: Fristen und wichtige familiäre Gründe.\nDas Bundesgericht bestätigt restriktive Anwendung der Familiennachzugsbestimmungen auch bei verheirateten Paaren.\n\n> «Ein entsprechendes Recht besteht im vorliegenden Fall gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AuG (i.V.m. Art. 47 Abs. 4 AuG [nicht fristgerechter Familiennachzug]) nur dann, wenn wichtige familiäre Gründe einen nachträglichen Familiennachzug rechtfertigen.»\n\n**Rechtsentwicklung seit 2022:** Mit der Einführung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare per 1. Juli 2022 ist die in **BGE 119 II 264** entwickelte Ordre-public-Rechtsprechung überholt. Art. 14 BV schützt seither auch gleichgeschlechtliche Ehen vollumfänglich.", "summary_fr": "## Vue d'ensemble\n\nL'article 14 de la Constitution fédérale protège le droit au mariage et à la vie de famille. Cette garantie comprend deux domaines importants : le droit de se marier et le droit à la vie de famille.\n\n**Le droit au mariage** signifie que toute personne peut librement décider qui elle épouse. L'État ne peut pas empêcher arbitrairement les mariages ou les entraver par des obstacles excessifs (**BGE 138 I 41**). Depuis le 1er juillet 2022, les couples de même sexe peuvent également se marier en Suisse, après que le peuple a accepté le « mariage pour tous » le 26 septembre 2021. Jusqu'à cette date, le mariage était limité aux couples de sexe différent (**BGE 119 II 264**). La polygamie reste interdite aujourd'hui encore et contrevient à l'ordre public suisse.\n\n**Le droit à la vie de famille** protège les relations familiales existantes. Cela comprend non seulement les couples mariés avec enfants, mais aussi les communautés de vie non mariées (concubinages) et d'autres formes de famille. Le Tribunal fédéral a reconnu que les partenaires de vie non mariés peuvent également appartenir à la notion de famille (**BGE 143 I 241**).\n\nLa garantie agit comme un **droit de défense** contre les interventions étatiques. Elle oblige aussi l'État à créer un cadre juridique pour le mariage et la famille. Ceci est particulièrement important pour le **regroupement familial** : les personnes étrangères peuvent, sous certaines conditions, faire venir leurs conjoints ou membres de famille en Suisse (**BGE 139 I 330**).\n\n**Exemple pratique** : Un ressortissant allemand vit avec son partenaire suisse. Lorsqu'ils veulent se marier, l'office de l'état civil exige de lui une attestation de séjour régulier. S'il ne peut pas la présenter immédiatement, l'autorité doit lui délivrer une autorisation de séjour provisoire afin que le mariage puisse avoir lieu (**BGE 137 I 351**).\n\nEn cas d'interventions dans la liberté du mariage et de la famille, les autorités doivent avoir une base légale et agir de manière proportionnée. Les restrictions ne sont admissibles que si elles servent un intérêt public et ne portent pas atteinte au contenu essentiel du droit.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 14 Cst. est né dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La norme résume les garanties du droit au mariage (art. 54 aCst.) et de la protection de la famille (FF 1997 I 151, 155). Le constituant visait une formulation moderne et ouverte, capable de tenir compte des évolutions sociétales (FF 1997 I 155).\n\n**N. 2** La formulation concise a été choisie délibérément. Le message retient que la Constitution ne doit pas donner de définition du mariage et de la famille, mais laisser au législateur une marge de manœuvre pour des aménagements contemporains (FF 1997 I 155). Cette ouverture a permis par la suite l'introduction du partenariat enregistré (2007) et du « mariage pour tous » (2022).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 14 Cst. figure dans le catalogue des droits fondamentaux entre la liberté de croyance et de conscience (art. 15 Cst.) et la liberté d'opinion et d'information (art. 16 Cst.). Cette position souligne son caractère de droit de liberté classique avec des références au droit de la personnalité.\n\n**N. 4** Des liens étroits existent avec :\n- → Art. 8 Cst. (Égalité) : traitement égal des différentes formes de famille\n- → Art. 10 Cst. (Droit à la vie et à la liberté personnelle) : protection de la sphère privée\n- → Art. 13 Cst. (Protection de la sphère privée) : domaines de protection qui se chevauchent dans les relations familiales\n- ↔ Art. 36 Cst. : réglementation des restrictions pour les atteintes\n- → Art. 38 Cst. (Droit de cité) : conséquences du mariage\n- → Art. 41 Cst. (Buts sociaux) : complément programmatique sans droits subjectifs\n\n**N. 5** En droit international, l'art. 14 Cst. correspond à l'art. 12 CEDH (droit au mariage) et à l'art. 8 CEDH (droit au respect de la vie familiale). Les garanties de la CEDH constituent selon l'art. 190 Cst. du droit contraignant pour le Tribunal fédéral, ce qui conduit à une interprétation dynamique à la lumière de la jurisprudence de la CourEDH (ATF 126 II 425 consid. 3).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 6** L'art. 14 Cst. garantit deux droits fondamentaux autonomes mais apparentés : le droit au mariage et le droit à la famille.\n\n**N. 7** **Droit au mariage** : Selon Uebersax (BSK BV, art. 14 n. 31), la liberté du mariage protège selon la conception traditionnelle « la cohabitation monogame durable d'un homme et d'une femme dans une communauté de vie globale ». Cette définition est cependant en mutation.\n\n**N. 8** La doctrine moderne plaide pour une interprétation plus ouverte. Uebersax (BSK BV, art. 14 n. 32) argumente qu'« une constitution libérale contemporaine conçue pour durer devrait cependant ne pas prescrire elle-même la définition du mariage, mais laisser cela au législateur, plus flexible à cet égard ». Cette vision a permis l'introduction du mariage homosexuel en 2022.\n\n**N. 9** Le droit au mariage comprend :\n- Liberté positive du mariage : libre choix du partenaire et conclusion du mariage (ATF 137 I 351 consid. 3.2)\n- Liberté négative du mariage : protection contre le mariage forcé\n- Liberté de conduite du mariage : aménagement de la cohabitation matrimoniale\n- Selon une conception controversée, aussi le droit au divorce (cf. n. 20)\n\n**N. 10** **Droit à la famille** : Protège les relations familiales existantes indépendamment de la forme juridique. La notion de famille doit être comprise largement et englobe aussi les communautés de vie factuelles avec enfants ainsi que les partenaires de vie non mariés (ATF 143 I 241 consid. 5.2).\n\n**N. 11** **Titulaires du droit fondamental** : Personnes physiques indépendamment de la nationalité. Pour les couples binationaux, des questions particulières se posent en droit des étrangers (ATF 139 I 330).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 12** L'art. 14 Cst. fonde principalement des **droits de défense** contre les atteintes étatiques à la liberté du mariage et de la famille. L'État ne peut empêcher ou entraver arbitrairement les mariages (ATF 138 I 41 consid. 4).\n\n**N. 13** En tant que **garantie institutionnelle**, l'art. 14 Cst. oblige l'État à fournir un cadre juridique pour le mariage et la famille. Cela comprend les réglementations de droit civil (art. 90 ss CC), mais aussi les normes de droit fiscal et de sécurité sociale.\n\n**N. 14** **Obligations de protection** : L'État doit protéger la famille et le mariage contre les atteintes de tiers. Cela se manifeste notamment dans le droit pénal (art. 213, 215 CP).\n\n**N. 15** Des **droits à des prestations** ne découlent de l'art. 14 Cst. qu'exceptionnellement, par exemple lors du regroupement familial. La jurisprudence reconnaît sous certaines conditions un droit constitutionnel au regroupement familial (ATF 139 I 330 consid. 2.2).\n\n**N. 16** En cas d'atteintes à l'art. 14 Cst. s'applique la **réglementation des restrictions** selon l'art. 36 Cst. : base légale, intérêt public, proportionnalité et respect du noyau dur.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Mariage homosexuel** : La doctrine fut longtemps divisée. La conception traditionnelle voyait le mariage limité aux couples hétérosexuels (encore ATF 119 II 264). Uebersax (BSK BV, art. 14 n. 38) considérait au contraire qu'« une reconnaissance constitutionnelle du mariage homosexuel par voie d'interprétation de l'art. 14 n'est pas exclue ». Avec l'acceptation du « mariage pour tous » en 2021, la position progressiste l'a emporté.\n\n**N. 18** **Polygamie** : La doctrine dominante et la jurisprudence rejettent une protection constitutionnelle des mariages polygames. Cela se justifie par l'ordre public suisse et le principe d'égalité des sexes (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 745).\n\n**N. 19** **Concubinage** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure l'art. 14 Cst. protège aussi les communautés de vie non mariées. La jurisprudence le confirme pour la partie familiale dans le cas de familles factuelles avec enfants, mais se montre réservée pour les relations de couples sans enfants (ATF 126 II 425 consid. 4). Une partie de la doctrine exige une protection plus étendue (Papaux van Delden, FamPra 2011, 913 ss).\n\n**N. 20** **Droit au divorce** : Il est controversé de savoir si l'art. 14 Cst. comprend un droit au divorce. La jurisprudence de la CourEDH le nie pour l'art. 12 CEDH. Une partie de la doctrine ne dérive également aucun droit au divorce de l'art. 14 Cst. en se référant à l'art. 54 aCst. Uebersax (BSK BV, art. 14 n. 36) argumente au contraire de manière convaincante que « le droit au divorce peut être directement déduit de la liberté négative du mariage ou au moins indirectement du fait que la liberté de contracter mariage et l'interdiction du mariage forcé doivent logiquement être liées à la liberté de dissoudre un mariage qui a échoué ».\n\n**N. 21** **Maternité de substitution et médecine de la reproduction** : La reconnaissance juridique des contrats de maternité de substitution et l'accès aux procédures de médecine reproductive soulèvent des questions constitutionnelles. Alors que Kuhn (Recht auf Kinder?, 2008) confirme une protection constitutionnelle du désir d'enfant, la jurisprudence se montre réservée. L'art. 119 Cst. pose des limites constitutionnelles à la médecine de la reproduction (Amstutz/Gächter, Jusletter 31.1.2011).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 22** **Droit des étrangers** : Pour les couples binationaux, la jurisprudence relative à l'art. 8 CEDH est centrale. Le Tribunal fédéral exige une pesée globale des intérêts en tenant compte de l'intensité de la relation, de l'intégration en Suisse et de l'exigibilité d'un départ (ATF 139 I 330).\n\n**N. 23** **Procédure préparatoire au mariage** : L'exigence du séjour régulier pendant la procédure est conforme aux droits fondamentaux, mais ne doit pas conduire à des obstacles excessifs. En cas de droit clair au séjour après le mariage, des titres de séjour provisoires doivent être délivrés (ATF 137 I 351 consid. 5).\n\n**N. 24** **Droit des assurances sociales** : Le traitement différencié des mariages et du concubinage est constitutionnellement admissible, mais doit être objectivement justifié et proportionné. Le plafonnement des rentes selon l'art. 35 LAVS est conforme à la Constitution malgré le désavantage pour les couples mariés (ATF 140 I 77).\n\n**N. 25** **Droit procédural** : En cas d'atteintes aux relations familiales s'appliquent des garanties procédurales renforcées. Les enfants doivent être entendus de manière adaptée à leur âge (art. 12 CDE), et il existe souvent un droit à l'assistance judiciaire gratuite.\n\n**N. 26** **Droit fiscal** : L'imposition commune des couples mariés peut conduire à un désavantage anticonstitutionnel (« pénalité au mariage »). Le Tribunal fédéral a développé des valeurs limites pour la charge supplémentaire admissible (ATF 131 II 697).\n\n**N. 27** Dans l'application du droit, il faut tenir compte de la jurisprudence dynamique de la CourEDH, qui est aussi contraignante pour les autorités suisses selon l'art. 190 Cst. Les nouvelles formes familiales sociétales exigent une interprétation évolutive de l'art. 14 Cst. à la lumière des valeurs constitutionnelles fondamentales que sont l'égalité et la dignité humaine.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Droit au mariage\n\n**ATF 137 I 351** du 23 novembre 2011\nL'exigence d'un séjour régulier pendant la procédure préparatoire au mariage reste compatible avec l'art. 14 Cst.\nL'autorité de migration est tenue de délivrer un titre de séjour provisoire à un fiancé étranger en vue du mariage, pour autant qu'il n'y ait pas d'indices d'abus de droit.\n\n> « Si l'officier de l'état civil ne peut pas célébrer le mariage d'un fiancé étranger faute de justification du séjour régulier en Suisse (art. 98 al. 4 CC et art. 67 al. 3 OEC), l'autorité de migration est tenue de délivrer à ce dernier un titre de séjour provisoire en vue du mariage, pour autant qu'il n'y ait pas d'indices d'abus de droit et qu'il apparaisse clairement que l'intéressé - une fois marié - remplira les conditions d'admission en Suisse en fonction de sa situation personnelle. »\n\n**ATF 138 I 41** du 17 janvier 2012\nConfirmation de la jurisprudence sur les conditions de séjour pour le mariage.\nLa garantie du droit au mariage exige une application proportionnée des dispositions du droit des étrangers.\n\n> « Cette interprétation permet de respecter l'art. 12 CEDH et l'art. 14 Cst. en conformité avec la volonté du législateur et concorde avec le principe de l'exclusivité ou de la primauté de la procédure d'asile. »\n\n### Relations de même sexe et mariage\n\n**ATF 119 II 264** du 3 mars 1993\nJurisprudence ancienne sur le mariage de même sexe : Violation de l'ordre public.\nUn mariage de même sexe conclu à l'étranger viole l'ordre public suisse et ne peut pas être reconnu.\n\n> « Un mariage entre personnes de même sexe viole l'ordre public suisse et ne peut donc pas être reconnu ; la non-reconnaissance ne viole ni l'art. 54 Cst. ni l'art. 8 ou 12 CEDH. »\n\n**ATF 126 II 425** du 25 août 2000\nÉvolution de la jurisprudence sur les partenariats de même sexe.\nLes partenariats de même sexe ne constituent pas une vie familiale, mais peuvent relever du droit au respect de la vie privée.\n\n> « Les partenariats de même sexe ne constituent pas une vie familiale au sens de l'art. 8 CEDH respectivement de l'art. 13 al. 1 Cst. ; le refus d'une autorisation de police des étrangers au partenaire étranger peut toutefois, dans certaines circonstances, porter atteinte au droit des intéressés au respect de la vie privée et limiter le pouvoir d'appréciation de l'autorité compétente selon l'art. 4 LSEE. »\n\n### Regroupement familial et droit matrimonial\n\n**ATF 139 I 330** du 5 septembre 2013\nRegroupement familial de réfugiés reconnus avec des partenaires épousés postérieurement.\nLe droit à la famille fonde, dans certaines circonstances, des prétentions à des autorisations selon le droit des étrangers.\n\n> « Si un réfugié reconnu bénéficiant de l'asile entreprend tout ce qui peut raisonnablement être exigé de lui pour s'intégrer le plus rapidement possible - également sur le plan économique -, la dépendance de l'aide sociale du conjoint appelé à le rejoindre ne peut pas lui être opposée si le futur déficit se maintient dans des limites raisonnables et peut vraisemblablement être compensé dans un délai prévisible. »\n\n**ATF 139 I 37** du 2 janvier 2013\nRegroupement familial en cas de mariage pendant un visa Schengen.\nLa prétention à la famille peut obliger les autorités de migration à appliquer les dispositions du droit des étrangers de manière conforme aux droits fondamentaux.\n\n> « L'application de l'art. 17 al. 1 LEtr, selon lequel la décision d'autorisation doit en principe être attendue à l'étranger, doit se faire de manière conforme aux droits fondamentaux. »\n\n### Droits familiaux et concubinage\n\n**ATF 143 I 241** du 18 avril 2017\nDroits de visite entre partenaires de vie non mariés en exécution des peines.\nL'art. 14 Cst. ne protège pas seulement les époux, mais aussi les communautés de vie non mariées.\n\n> « En l'absence d'intérêts publics prépondérants contraires, les détenus en procédure pénale ont également le droit à des contacts réguliers appropriés avec leur famille, ce qui inclut aussi les partenaires de vie non mariés. »\n\n### Droits parentaux et égalité des sexes\n\n**ATF 140 I 305** du 15 septembre 2014\nAllocation de maternité pour les pères : Pas de discrimination en cas de réglementations spécifiques au sexe.\nL'art. 14 Cst. n'exige pas une égalité complète dans tous les domaines du droit de la famille lorsque des motifs objectifs existent.\n\n> « L'art. 16b LAPG ne contient pas de congé parental, comme il en existe dans d'autres pays (européens), mais règle exclusivement le droit à l'allocation de la mère après l'accouchement. Il n'y a pas de discrimination inadmissible - même au regard de la jurisprudence de la CourEDH. »\n\n### Aspects du droit des assurances sociales\n\n**ATF 140 I 77** du 6 décembre 2013\nPlafonnement des rentes AVS : Traitement différent des couples mariés et des couples en concubinage.\nLe désavantage des couples mariés pour les rentes AVS est constitutionnellement admissible lorsque des motifs objectifs existent.\n\n> « Le plafonnement des rentes selon l'art. 35 LAVS conduit à une inégalité de traitement entre couples mariés et partenaires enregistrés d'une part et couples en concubinage d'autre part. Le désavantage concernant le montant de la rente de vieillesse ne doit pas être considéré isolément, il y a pour cela des motifs objectifs. »\n\n### Développements actuels\n\nArrêt 2C_323/2018 du 21 septembre 2018\nRegroupement familial : Délais et motifs familiaux importants.\nLe Tribunal fédéral confirme l'application restrictive des dispositions sur le regroupement familial même pour les couples mariés.\n\n> « Un tel droit n'existe dans le cas présent fondé sur l'art. 42 al. 1 LEtr (en relation avec l'art. 47 al. 4 LEtr [regroupement familial non respectueux des délais]) que si des motifs familiaux importants justifient un regroupement familial ultérieur. »\n\n**Évolution du droit depuis 2022 :** Avec l'introduction du mariage pour les couples de même sexe au 1er juillet 2022, la jurisprudence sur l'ordre public développée dans l'**ATF 119 II 264** est dépassée. L'art. 14 Cst. protège désormais également pleinement les mariages de même sexe.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 14 della Costituzione federale tutela il diritto al matrimonio e alla famiglia. Questa garanzia comprende due ambiti importanti: il diritto di sposarsi e il diritto alla vita familiare.\n\n**Il diritto al matrimonio** significa che ogni persona può decidere liberamente chi sposare. Lo Stato non può impedire i matrimoni arbitrariamente o renderli più difficili attraverso ostacoli eccessivi (**BGE 138 I 41**). Dal 1° luglio 2022 in Svizzera possono sposarsi anche le coppie dello stesso sesso, dopo che il popolo il 26 settembre 2021 aveva accettato il \"matrimonio per tutti\". Fino a quella data il matrimonio era limitato alle coppie di sesso diverso (**BGE 119 II 264**). La poligamia rimane ancora oggi vietata e viola l'ordre public svizzero.\n\n**Il diritto alla famiglia** protegge i rapporti familiari esistenti. Ne fanno parte non solo le coppie sposate con figli, ma anche le unioni domestiche non coniugate (concubinato) e altre forme di famiglia. Il Tribunale federale ha riconosciuto che anche i partner di vita non sposati possono appartenere al concetto di famiglia (**BGE 143 I 241**).\n\nLa garanzia agisce come **diritto di difesa** contro gli interventi statali. Ma obbliga lo Stato anche a creare un quadro giuridico per il matrimonio e la famiglia. Particolarmente importante è questo per il **ricongiungimento familiare**: le persone straniere possono, a certe condizioni, far venire in Svizzera i loro coniugi o familiari (**BGE 139 I 330**).\n\n**Esempio pratico**: un cittadino tedesco vive insieme al suo partner svizzero. Quando vogliono sposarsi, l'ufficio di stato civile gli chiede un certificato di soggiorno regolare. Se non può esibirlo immediatamente, l'autorità deve rilasciargli un permesso di soggiorno provvisorio affinché il matrimonio possa aver luogo (**BGE 137 I 351**).\n\nIn caso di interventi nella libertà matrimoniale e familiare, le autorità devono avere una base legale e agire proporzionatamente. Le limitazioni sono ammissibili solo se servono a un interesse pubblico e non toccano il nucleo essenziale del diritto.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 14 Cost. è nato nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La norma riassume le garanzie del diritto al matrimonio (art. 54 aCost.) e della protezione della famiglia (FF 1997 I 151, 155). Il costituente si prefiggeva una formulazione moderna e aperta che potesse tener conto degli sviluppi sociali (FF 1997 I 155).\n\n**N. 2** La formulazione concisa era stata scelta consapevolmente. Il messaggio stabilisce che la Costituzione non dovrebbe fornire una definizione di matrimonio e famiglia, bensì lasciare al legislatore un margine di manovra per configurazioni contemporanee (FF 1997 I 155). Questa apertura ha permesso successivamente l'introduzione dell'unione domestica registrata (2007) e del \"matrimonio per tutti\" (2022).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 14 Cost. si trova nel catalogo dei diritti fondamentali tra la libertà di credo e di coscienza (art. 15 Cost.) e la libertà di opinione e d'informazione (art. 16 Cost.). La collocazione sottolinea il carattere di diritto di libertà classico con riferimenti ai diritti della personalità.\n\n**N. 4** Sussistono stretti collegamenti con:\n- → Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica): parità di trattamento delle diverse forme di famiglia\n- → Art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale): protezione della sfera privata\n- → Art. 13 Cost. (protezione della sfera privata): ambiti di protezione sovrapposti nelle relazioni familiari\n- ↔ Art. 36 Cost.: regolamentazione delle restrizioni per gli interventi\n- → Art. 38 Cost. (cittadinanza): effetti della conclusione del matrimonio\n- → Art. 41 Cost. (obiettivi sociali): complemento programmatico senza diritti soggettivi\n\n**N. 5** Sul piano del diritto internazionale, l'art. 14 Cost. corrisponde all'art. 12 CEDU (diritto al matrimonio) e all'art. 8 CEDU (diritto alla vita familiare). Le garanzie CEDU costituiscono secondo l'art. 190 Cost. diritto vincolante per il Tribunale federale, il che porta a un'interpretazione dinamica alla luce della giurisprudenza della Corte EDU (DTF 126 II 425 consid. 3).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** L'art. 14 Cost. garantisce due diritti fondamentali autonomi ma correlati: il diritto al matrimonio e il diritto alla famiglia.\n\n**N. 7** **Diritto al matrimonio**: Secondo Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 31), la libertà matrimoniale secondo la concezione tradizionale protegge \"la convivenza monogama duratura di uomo e donna in una comunità di vita globale\". Questa definizione è tuttavia in evoluzione.\n\n**N. 8** La dottrina moderna propugna un'interpretazione più aperta. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 32) argomenta che una \"costituzione liberale contemporanea destinata a durare non dovrebbe tuttavia predeterminare essa stessa la definizione di matrimonio, bensì lasciare questo compito al legislatore che è più flessibile sotto questo aspetto\". Questa visione ha permesso l'introduzione del matrimonio omosessuale nel 2022.\n\n**N. 9** Il diritto al matrimonio comprende:\n- Libertà matrimoniale positiva: libera scelta del partner e conclusione del matrimonio (DTF 137 I 351 consid. 3.2)\n- Libertà matrimoniale negativa: protezione dal matrimonio forzato\n- Libertà di conduzione del matrimonio: configurazione della convivenza coniugale\n- Secondo un'opinione controversa anche il diritto al divorzio (cfr. N. 20)\n\n**N. 10** **Diritto alla famiglia**: Protegge le relazioni familiari esistenti indipendentemente dalla forma giuridica. Il concetto di famiglia deve essere inteso in senso ampio e comprende anche le comunità di vita di fatto con figli nonché i conviventi non sposati (DTF 143 I 241 consid. 5.2).\n\n**N. 11** **Titolari del diritto fondamentale**: Persone fisiche indipendentemente dalla cittadinanza. Nel caso di coppie binazionali sorgono questioni particolari nel diritto degli stranieri (DTF 139 I 330).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 14 Cost. fonda primariamente **diritti di difesa** contro interventi statali nella libertà matrimoniale e familiare. Lo Stato non può impedire o rendere difficili arbitrariamente le conclusioni di matrimonio (DTF 138 I 41 consid. 4).\n\n**N. 13** Come **garanzia istituzionale**, l'art. 14 Cost. obbliga lo Stato a fornire un quadro giuridico per il matrimonio e la famiglia. Ciò comprende regolamentazioni di diritto civile (art. 90 segg. CC), ma anche norme di diritto fiscale e delle assicurazioni sociali.\n\n**N. 14** **Obblighi di protezione**: Lo Stato deve proteggere famiglia e matrimonio da pregiudizi da parte di terzi. Ciò si manifesta ad esempio nel diritto penale (art. 213, 215 CP).\n\n**N. 15** **Pretese di prestazione** derivano dall'art. 14 Cost. solo eccezionalmente, ad esempio nel ricongiungimento familiare. La giurisprudenza riconosce sotto determinate condizioni una pretesa di diritto fondamentale al ricongiungimento familiare (DTF 139 I 330 consid. 2.2).\n\n**N. 16** In caso di interventi nell'art. 14 Cost. si applica la **regolamentazione delle restrizioni** secondo l'art. 36 Cost.: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e salvaguardia del contenuto essenziale.\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 17** **Matrimonio omosessuale**: La dottrina è stata a lungo divisa. La concezione tradizionale vedeva il matrimonio limitato alle coppie eterosessuali (ancora DTF 119 II 264). Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 38) sosteneva invece che un \"riconoscimento costituzionale del matrimonio omosessuale attraverso l'interpretazione dell'art. 14 non è escluso\". Con l'accettazione del \"matrimonio per tutti\" nel 2021 si è affermata la posizione progressista.\n\n**N. 18** **Poligamia**: La dottrina dominante e la giurisprudenza respingono una protezione di diritto fondamentale dei matrimoni poligami. Ciò viene motivato con l'ordre public svizzero e il principio della parità dei sessi (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 745).\n\n**N. 19** **Concubinato**: È controverso in che misura l'art. 14 Cost. protegga anche le convivenze non coniugali. La giurisprudenza lo afferma per la parte familiare nelle famiglie di fatto con figli, ma si mostra reticente per le relazioni di coppia senza figli (DTF 126 II 425 consid. 4). Una parte della dottrina richiede una protezione più globale (Papaux van Delden, FamPra 2011, 913 segg.).\n\n**N. 20** **Diritto al divorzio**: Si discute in modo controverso se l'art. 14 Cost. comprenda un diritto al divorzio. La giurisprudenza della Corte EDU lo nega per l'art. 12 CEDU. Una parte della dottrina, invocando l'art. 54 aCost., non deriva nemmeno un diritto al divorzio dall'art. 14 Cost. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 36) argomenta invece in modo convincente che il \"diritto al divorzio può essere derivato direttamente dalla libertà matrimoniale negativa o almeno indirettamente dal fatto che la libertà di contrarre matrimonio e il divieto di matrimonio forzato devono logicamente essere collegati con la libertà di sciogliere un matrimonio fallito\".\n\n**N. 21** **Maternità surrogata e medicina della procreazione**: Il riconoscimento giuridico degli accordi di maternità surrogata e l'accesso ai procedimenti di medicina della procreazione sollevano questioni di diritto fondamentale. Mentre Kuhn (Recht auf Kinder?, 2008) afferma una protezione costituzionale del desiderio di avere figli, la giurisprudenza è reticente. L'art. 119 Cost. pone limiti costituzionali alla medicina della procreazione (Amstutz/Gächter, Jusletter 31.1.2011).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 22** **Diritto degli stranieri**: Nel caso di coppie binazionali è centrale la giurisprudenza relativa all'art. 8 CEDU. Il Tribunale federale richiede una ponderazione globale degli interessi tenendo conto dell'intensità della relazione, dell'integrazione in Svizzera e dell'esigibilità di un'emigrazione (DTF 139 I 330).\n\n**N. 23** **Procedura preparatoria al matrimonio**: Il requisito del soggiorno legale durante la procedura è conforme ai diritti fondamentali, ma non deve portare a ostacoli eccessivi. In caso di chiaro diritto al soggiorno dopo il matrimonio devono essere rilasciati permessi di soggiorno provvisori (DTF 137 I 351 consid. 5).\n\n**N. 24** **Diritto delle assicurazioni sociali**: Il trattamento differenziato di matrimoni e concubinati è costituzionalmente ammissibile, ma deve essere motivato oggettivamente e proporzionato. Il plafond delle rendite secondo l'art. 35 LAVS è conforme alla costituzione nonostante lo svantaggio per le coppie sposate (DTF 140 I 77).\n\n**N. 25** **Diritto processuale**: In caso di interventi nelle relazioni familiari valgono garanzie procedurali rafforzate. I bambini devono essere sentiti in modo appropriato alla loro età (art. 12 Convenzione ONU sui diritti del fanciullo), e spesso sussiste un diritto al patrocinio gratuito.\n\n**N. 26** **Diritto fiscale**: La tassazione comune delle coppie sposate può portare a uno svantaggio incostituzionale (\"penalizzazione del matrimonio\"). Il Tribunale federale ha sviluppato valori limite per l'onere aggiuntivo ammissibile (DTF 131 II 697).\n\n**N. 27** Nell'applicazione del diritto è da considerare la giurisprudenza dinamica della Corte EDU, che secondo l'art. 190 Cost. è vincolante anche per le autorità svizzere. Nuove forme familiari sociali richiedono un'interpretazione evolutiva dell'art. 14 Cost. alla luce dei valori costituzionali fondamentali dell'uguaglianza giuridica e della dignità umana.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Diritto al matrimonio\n\n**DTF 137 I 351** del 23 novembre 2011\nIl requisito del soggiorno legale durante la procedura di preparazione del matrimonio rimane compatibile con l'art. 14 Cost.\nLe autorità di migrazione sono tenute a rilasciare un permesso di soggiorno provvisorio al fidanzato straniero in vista del matrimonio, purché non sussistano indizi di abuso del diritto.\n\n> «Se l'ufficiale dello stato civile non può celebrare il matrimonio di un fidanzato straniero per mancanza di prova del soggiorno legale in Svizzera (art. 98 cpv. 4 CC e art. 67 cpv. 3 OSC), l'autorità di migrazione è tenuta a rilasciargli un permesso di soggiorno provvisorio in vista del matrimonio, purché non sussistano indizi di abuso del diritto e appaia chiaro che l'interessato - una volta sposato - soddisferà i requisiti di ammissione in Svizzera in base alla sua situazione personale.»\n\n**DTF 138 I 41** del 17 gennaio 2012\nConferma della giurisprudenza sui requisiti di soggiorno per il matrimonio.\nLa garanzia del diritto al matrimonio esige un'applicazione proporzionata delle disposizioni del diritto degli stranieri.\n\n> «Questa interpretazione consente di rispettare l'art. 12 CEDU e l'art. 14 Cost. in conformità alla volontà del legislatore ed è in accordo con il principio dell'esclusività rispettivamente della precedenza della procedura d'asilo.»\n\n### Relazioni omosessuali e matrimonio\n\n**DTF 119 II 264** del 3 marzo 1993\nGiurisprudenza iniziale sul matrimonio omosessuale: violazione dell'ordine pubblico.\nUn matrimonio omosessuale celebrato all'estero viola l'ordine pubblico svizzero e non può essere riconosciuto.\n\n> «Un matrimonio tra persone dello stesso sesso viola l'ordine pubblico svizzero e pertanto non può essere riconosciuto; il mancato riconoscimento non viola né l'art. 54 Cost. né l'art. 8 o 12 CEDU.»\n\n**DTF 126 II 425** del 25 agosto 2000\nEvoluzione della giurisprudenza sulle unioni omosessuali.\nLe unioni omosessuali non costituiscono vita familiare, ma possono rientrare nel diritto alla vita privata.\n\n> «Le unioni omosessuali non costituiscono vita familiare nel senso dell'art. 8 CEDU rispettivamente dell'art. 13 cpv. 1 Cost.; il rifiuto di un'autorizzazione di polizia degli stranieri al partner straniero può tuttavia in certe circostanze toccare il diritto degli interessati alla vita privata e limitare il potere discrezionale dell'autorità di rilascio secondo l'art. 4 LDDS.»\n\n### Ricongiungimento familiare e diritto matrimoniale\n\n**DTF 139 I 330** del 5 settembre 2013\nRicongiungimento familiare di rifugiati riconosciuti con partner sposati successivamente.\nIl diritto alla famiglia fonda in determinate circostanze pretese alle autorizzazioni del diritto degli stranieri.\n\n> «Se un rifugiato riconosciuto con asilo intraprende tutto ciò che gli è ragionevolmente esigibile per integrarsi - anche dal punto di vista economico - il più rapidamente possibile, non gli si può opporre la dipendenza dall'assistenza sociale del coniuge da ricongiungere, se il futuro disavanzo si mantiene in misura sopportabile e presumibilmente può essere compensato in tempo ragionevole.»\n\n**DTF 139 I 37** del 2 gennaio 2013\nRicongiungimento familiare in caso di matrimonio durante visto Schengen.\nIl diritto alla famiglia può obbligare le autorità di migrazione all'applicazione conforme ai diritti fondamentali delle disposizioni del diritto degli stranieri.\n\n> «L'applicazione dell'art. 17 cpv. 1 LStr, secondo cui la decisione di autorizzazione deve in principio essere attesa all'estero, deve avvenire in modo conforme ai diritti fondamentali.»\n\n### Diritti familiari e concubinato\n\n**DTF 143 I 241** del 18 aprile 2017\nDiritti di visita tra partner non sposati nell'esecuzione penale.\nL'art. 14 Cost. non protegge solo i coniugi, ma anche le convivenze non matrimoniali.\n\n> «In mancanza di rilevanti interessi pubblici contrari, anche i detenuti in procedura penale hanno diritto a un contatto regolare e adeguato con la propria famiglia, alla quale appartengono anche i partner non sposati.»\n\n### Diritti genitoriali e parità dei sessi\n\n**DTF 140 I 305** del 15 settembre 2014\nIndennità di maternità per i padri: nessuna discriminazione nelle regolamentazioni specifiche per sesso.\nL'art. 14 Cost. non esige completa parità in tutti gli ambiti del diritto di famiglia, quando sussistono motivi oggettivi.\n\n> «L'art. 16b LIPG non contiene un congedo parentale, come esiste in altri Paesi (europei), ma disciplina esclusivamente il diritto all'indennità della madre dopo il parto. Non sussiste discriminazione inammissibile - anche alla luce della giurisprudenza della Corte EDU.»\n\n### Aspetti di diritto delle assicurazioni sociali\n\n**DTF 140 I 77** del 6 dicembre 2013\nLimite massimo delle rendite AVS: trattamento diverso di coppie sposate e coppie di fatto.\nLo svantaggio delle coppie sposate nelle rendite AVS è ammissibile dal punto di vista costituzionale, quando sussistono motivi oggettivi.\n\n> «Il limite massimo delle rendite secondo l'art. 35 LAVS porta a una disparità di trattamento di coppie sposate e partner registrati da un lato e coppie di fatto dall'altro. Lo svantaggio riguardo all'importo della rendita di vecchiaia non può essere considerato isolatamente, esistono per ciò motivi oggettivi.»\n\n### Sviluppi attuali\n\nSentenza 2C_323/2018 del 21 settembre 2018\nRicongiungimento familiare: termini e importanti motivi familiari.\nIl Tribunale federale conferma l'applicazione restrittiva delle disposizioni sul ricongiungimento familiare anche per le coppie sposate.\n\n> «Un diritto corrispondente sussiste nel caso presente in base all'art. 42 cpv. 1 LStr (in relazione con l'art. 47 cpv. 4 LStr [ricongiungimento familiare non tempestivo]) soltanto quando importanti motivi familiari giustificano un ricongiungimento familiare successivo.»\n\n**Evoluzione giuridica dal 2022:** Con l'introduzione del matrimonio per le coppie omosessuali dal 1° luglio 2022, la giurisprudenza sull'ordine pubblico sviluppata nel **DTF 119 II 264** è superata. L'art. 14 Cost. protegge da allora anche i matrimoni omosessuali integralmente.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 14 of the Federal Constitution protects the right to marriage and family. This guarantee encompasses two important areas: the right to marry and the right to family life.\n\n**The right to marriage** means that every person can freely decide whom they marry. The state may not arbitrarily prevent marriages or make them more difficult through excessive obstacles (**BGE 138 I 41**). Since 1 July 2022, same-sex couples can also marry in Switzerland, after the people accepted \"marriage for all\" on 26 September 2021. Until this date, marriage was limited to opposite-sex couples (**BGE 119 II 264**). Polygamy remains prohibited today and violates Swiss public policy.\n\n**The right to family** protects existing family relationships. This includes not only married couples with children, but also unmarried partnerships (cohabitation) and other forms of family. The Federal Court has recognised that unmarried life partners can also belong to the concept of family (**BGE 143 I 241**).\n\nThe guarantee functions as a **defensive right** against state interference. However, it also obliges the state to create a legal framework for marriage and family. This is particularly important for **family reunification**: foreign persons can have their spouses or family members join them in Switzerland under certain conditions (**BGE 139 I 330**).\n\n**Practical example**: A German national lives together with his Swiss partner. When they want to marry, the civil registry office requires him to provide proof of lawful residence. If he cannot immediately present this, the authorities must grant him a provisional residence permit so that the marriage can take place (**BGE 137 I 351**).\n\nWhen interfering with freedom of marriage and family, the authorities must have a legal basis and act proportionately. Restrictions are only permissible if they serve a public interest and do not affect the core content of the right.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 14 Cst. was created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision combines the guarantees of the right to marriage (Art. 54 old Cst.) and protection of the family (BBl 1997 I 151, 155). The constitutional legislator intended a modern, open formulation that could accommodate social developments (BBl 1997 I 155).\n\n**N. 2** The concise formulation was deliberately chosen. The Federal Council Message states that the Constitution should not provide a definition of marriage and family, but rather leave room for the legislator to shape contemporary regulations (BBl 1997 I 155). This openness later enabled the introduction of registered partnerships (2007) and \"marriage for all\" (2022).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 14 Cst. is positioned in the catalogue of fundamental rights between freedom of belief and conscience (Art. 15 Cst.) and freedom of expression and information (Art. 16 Cst.). This position underscores its character as a classic fundamental right with personal rights connections.\n\n**N. 4** Close connections exist to:\n- → Art. 8 Cst. (equality before the law): equal treatment of different family forms\n- → Art. 10 Cst. (right to life and personal liberty): protection of privacy\n- → Art. 13 Cst. (protection of privacy): overlapping spheres of protection in family relationships\n- ↔ Art. 36 Cst.: limitation clause for interferences\n- → Art. 38 Cst. (citizenship): effects of marriage\n- → Art. 41 Cst. (social goals): programmatic supplement without subjective rights\n\n**N. 5** Under international law, Art. 14 Cst. corresponds to Art. 12 ECHR (right to marry) and Art. 8 ECHR (right to family life). The ECHR guarantees constitute binding law for the Federal Supreme Court according to Art. 190 Cst., which leads to dynamic interpretation in light of ECtHR jurisprudence (BGE 126 II 425 E. 3).\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 6** Art. 14 Cst. guarantees two independent but related fundamental rights: the right to marriage and the right to family.\n\n**N. 7** **Right to marriage**: According to Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 31), freedom to marry in the traditional view protects \"the permanent monogamous cohabitation of man and woman in a comprehensive life partnership\". However, this definition is undergoing change.\n\n**N. 8** Modern doctrine advocates for a more open interpretation. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 32) argues that \"a permanent contemporary liberal constitution should not prescribe the definition of marriage itself, but leave this to the more flexible legislator\". This view enabled the introduction of same-sex marriage in 2022.\n\n**N. 9** The right to marriage encompasses:\n- Positive freedom to marry: free choice of partner and marriage (BGE 137 I 351 E. 3.2)\n- Negative freedom to marry: protection against forced marriage\n- Freedom in conducting marriage: shaping marital life together\n- According to disputed opinion, also the right to divorce (see N. 20)\n\n**N. 10** **Right to family**: Protects existing family relationships regardless of legal form. The concept of family is to be understood broadly and includes de facto life partnerships with children as well as unmarried life partners (BGE 143 I 241 E. 5.2).\n\n**N. 11** **Rights holders**: Natural persons regardless of nationality. Binational couples raise special questions under immigration law (BGE 139 I 330).\n\n### 4. Legal Effects\n\n**N. 12** Art. 14 Cst. primarily establishes **defensive rights** against state interference with freedom of marriage and family. The state may not arbitrarily prevent or impede marriages (BGE 138 I 41 E. 4).\n\n**N. 13** As an **institutional guarantee**, Art. 14 Cst. obligates the state to provide a legal framework for marriage and family. This includes civil law regulations (Art. 90 ff. CC), as well as tax and social insurance law provisions.\n\n**N. 14** **Protective duties**: The state must protect family and marriage from interference by third parties. This manifests itself, for example, in criminal law (Art. 213, 215 SCC).\n\n**N. 15** **Entitlement claims** arise from Art. 14 Cst. only exceptionally, such as in family reunification. Case law recognizes a fundamental rights claim to family reunification under certain conditions (BGE 139 I 330 E. 2.2).\n\n**N. 16** For interferences with Art. 14 Cst., the **limitation clause** according to Art. 36 Cst. applies: legal basis, public interest, proportionality and preservation of the essential core.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 17** **Same-sex marriage**: Legal doctrine was long divided. The traditional view saw marriage as limited to opposite-sex couples (still BGE 119 II 264). Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 38) argued that \"constitutional recognition of same-sex marriage through interpretation of Art. 14 is not excluded\". With the acceptance of \"marriage for all\" in 2021, the progressive position prevailed.\n\n**N. 18** **Polygamy**: Prevailing doctrine and case law reject fundamental rights protection for polygamous marriages. This is justified by Swiss ordre public and the principle of gender equality (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 745).\n\n**N. 19** **Cohabitation**: It is disputed to what extent Art. 14 Cst. also protects unmarried life partnerships. Case law affirms this for the family component in de facto families with children, but shows restraint regarding childless couple relationships (BGE 126 II 425 E. 4). Part of the doctrine demands more comprehensive protection (Papaux van Delden, FamPra 2011, 913 ff.).\n\n**N. 20** **Right to divorce**: Whether Art. 14 Cst. includes a right to divorce is controversially discussed. ECtHR case law denies this for Art. 12 ECHR. Part of the doctrine also derives no right to divorce from Art. 14 Cst., citing Art. 54 old Cst. Uebersax (BSK BV, Art. 14 N. 36) argues convincingly against this that \"the right to divorce can be derived directly from negative freedom to marry or at least indirectly from the fact that the freedom to enter marriage and the prohibition of forced marriage must logically be connected with the freedom to dissolve a failed marriage\".\n\n**N. 21** **Surrogacy and reproductive medicine**: Legal recognition of surrogacy agreements and access to reproductive medical procedures raise fundamental rights questions. While Kuhn (Recht auf Kinder?, 2008) affirms constitutional protection of the desire for children, case law is restrained. Art. 119 Cst. sets constitutional limits on reproductive medicine (Amstutz/Gächter, Jusletter 31.1.2011).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 22** **Immigration law**: For binational couples, case law on Art. 8 ECHR is central. The Federal Supreme Court requires comprehensive balancing of interests considering the intensity of the relationship, integration in Switzerland and the reasonableness of departure (BGE 139 I 330).\n\n**N. 23** **Marriage preparation procedure**: The requirement of lawful residence during the procedure is consistent with fundamental rights, but must not lead to excessive obstacles. Where there is clear entitlement to residence after marriage, provisional residence permits must be issued (BGE 137 I 351 E. 5).\n\n**N. 24** **Social insurance law**: Different treatment of marriages and cohabitation is constitutionally permissible, but must be factually justified and proportionate. Pension capping under Art. 35 OASI Act is constitutional despite disadvantaging married couples (BGE 140 I 77).\n\n**N. 25** **Procedural law**: Interferences with family relationships require heightened procedural guarantees. Children must be heard in an age-appropriate manner (Art. 12 CRC), and there is often an entitlement to free legal aid.\n\n**N. 26** **Tax law**: Joint taxation of married couples can lead to unconstitutional disadvantage (\"marriage penalty\"). The Federal Supreme Court has developed threshold values for permissible additional burden (BGE 131 II 697).\n\n**N. 27** In applying the law, the dynamic case law of the ECtHR must be observed, which is also binding for Swiss authorities through Art. 190 Cst. New social family forms require evolutionary interpretation of Art. 14 Cst. in light of the constitutional fundamental values of equality before the law and human dignity.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Right to Marriage\n\n**BGE 137 I 351** of 23 November 2011\nRequirement of lawful residence during marriage preparation proceedings remains compatible with Art. 14 Cst.\nThe migration authority is obliged to issue a provisional residence permit to a foreign fiancé with a view to marriage, provided there are no signs of abuse of rights.\n\n> «If the civil registrar cannot perform the marriage ceremony of a foreign fiancé due to lack of proof of lawful residence in Switzerland (Art. 98 para. 4 CC and Art. 67 para. 3 Civil Status Ordinance), the migration authority is obliged to issue the latter a provisional residence permit with a view to marriage, provided there are no signs of abuse of rights and it appears clear that the person concerned - once married - will meet the admission requirements in Switzerland based on his personal situation.»\n\n**BGE 138 I 41** of 17 January 2012\nConfirmation of case law on residence requirements for marriage.\nThe guarantee of the right to marriage requires proportionate application of foreign nationals law provisions.\n\n> «This interpretation allows compliance with Art. 12 ECHR and Art. 14 Cst. in accordance with the will of the legislator and is consistent with the principle of exclusivity or primacy of asylum proceedings.»\n\n### Same-Sex Relationships and Marriage\n\n**BGE 119 II 264** of 3 March 1993\nEarly case law on same-sex marriage: Violation of public policy.\nA same-sex marriage concluded abroad violates Swiss public policy and may not be recognised.\n\n> «A marriage between persons of the same sex violates Swiss public policy and may therefore not be recognised; non-recognition violates neither Art. 54 Cst. nor Art. 8 or 12 ECHR.»\n\n**BGE 126 II 425** of 25 August 2000\nChange in case law on same-sex partnerships.\nSame-sex partnerships do not constitute family life but may fall under the right to private life.\n\n> «Same-sex partnerships do not constitute family life within the meaning of Art. 8 ECHR or Art. 13 para. 1 Cst.; the refusal of a foreign police permit to the foreign partner may under certain circumstances affect the right of those concerned to private life and restrict the discretion of the permit authority according to Art. 4 ANAG.»\n\n### Family Reunification and Marriage Law\n\n**BGE 139 I 330** of 5 September 2013\nFamily reunification of recognised refugees with subsequently married partners.\nThe right to family establishes claims to foreign nationals law permits under certain circumstances.\n\n> «If a recognised refugee with asylum does everything reasonable to integrate as quickly as possible - also economically - the social assistance dependency of the spouse to be reunited cannot be held against him if the future shortfall is kept within reasonable limits and can presumably be compensated for in the foreseeable future.»\n\n**BGE 139 I 37** of 2 January 2013\nFamily reunification in case of marriage during Schengen visa.\nThe right to family may oblige migration authorities to apply foreign nationals law provisions in conformity with fundamental rights.\n\n> «The application of Art. 17 para. 1 FNA, according to which the permit decision must in principle be awaited abroad, must be carried out in conformity with fundamental rights.»\n\n### Family Rights and Cohabitation\n\n**BGE 143 I 241** of 18 April 2017\nVisiting rights between unmarried life partners in criminal enforcement.\nArt. 14 Cst. protects not only spouses but also unmarried cohabiting couples.\n\n> «In the absence of opposing weighty public interests, prisoners in criminal proceedings also have the right to appropriate regular contact with their family, which also includes unmarried life partners.»\n\n### Parental Rights and Gender Equality\n\n**BGE 140 I 305** of 15 September 2014\nMaternity benefits for fathers: No discrimination in gender-specific regulations.\nArt. 14 Cst. does not require complete equality in all areas of family law if there are objective reasons.\n\n> «Art. 16b EO does not contain parental leave as it exists in other (European) countries, but exclusively regulates the mother's compensation claim after birth. An impermissible discrimination does not exist - also in light of the case law of the ECtHR.»\n\n### Social Insurance Law Aspects\n\n**BGE 140 I 77** of 6 December 2013\nOASI pension ceiling: Different treatment of married couples and cohabiting couples.\nThe disadvantageous treatment of married couples in OASI pensions is constitutionally permissible if there are objective reasons.\n\n> «The pension ceiling according to Art. 35 OASI Act leads to unequal treatment of married couples and registered partners on the one hand and cohabiting couples on the other hand. The disadvantageous treatment regarding the amount of old-age pension may not be viewed in isolation; there are objective reasons for this.»\n\n### Current Developments\n\nJudgment 2C_323/2018 of 21 September 2018\nFamily reunification: Deadlines and important family reasons.\nThe Federal Court confirms restrictive application of family reunification provisions even for married couples.\n\n> «A corresponding right exists in the present case based on Art. 42 para. 1 FNA (in conjunction with Art. 47 para. 4 FNA [non-timely family reunification]) only if important family reasons justify subsequent family reunification.»\n\n**Legal development since 2022:** With the introduction of marriage for same-sex couples on 1 July 2022, the public policy case law developed in **BGE 119 II 264** is obsolete. Art. 14 Cst. has since fully protected same-sex marriages as well.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_14", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 15, "article_suffix": "", "title": "Glaubens- und Gewissensfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 15 der Bundesverfassung schützt die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Dieses Grundrecht garantiert allen Menschen in der Schweiz das Recht, ihre Religion oder Weltanschauung frei zu wählen, zu praktizieren oder auch abzulehnen.\n\nDas Grundrecht hat zwei Seiten: Die positive Religionsfreiheit gibt das Recht, einen Glauben zu haben und auszuüben. Die negative Religionsfreiheit schützt davor, zu religiösen Handlungen gezwungen zu werden. Beide Aspekte sind gleich wichtig.\n\n**Wer ist geschützt?** Alle Personen in der Schweiz können sich auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit berufen. Das gilt für Schweizer Bürger und Ausländer, für Erwachsene und Kinder. Auch Religionsgemeinschaften (Kirchen, Moscheen, Tempel) haben gewisse Rechte.\n\n**Was ist erlaubt?** Menschen dürfen ihre Religion privat und öffentlich ausüben. Sie können beten, religiöse Kleider tragen, Gottesdienste besuchen und ihre Überzeugungen anderen mitteilen. Niemand darf sie dazu zwingen, einer bestimmten Religion beizutreten oder religiöse Handlungen zu vollziehen.\n\n**Praktische Beispiele:** Eine muslimische Schülerin darf ein Kopftuch in der Schule tragen. Zeugen Jehovas können nicht zur Teilnahme an patriotischen Feiern gezwungen werden. Ein Arbeitnehmer darf an seinem religiösen Feiertag frei verlangen, wenn es der Betrieb erlaubt.\n\n**Wo sind Grenzen?** Die Religionsfreiheit ist nicht unbegrenzt. Der Staat kann Einschränkungen machen, wenn andere wichtige Interessen betroffen sind. Beispiel: Kirchenglocken dürfen nachts leiser geläutet werden, damit die Nachbarn schlafen können.\n\n**Besondere Situationen:** In der Schule muss der Staat neutral sein. Er darf keine Religion bevorzugen oder benachteiligen. Bei Einbürgerungen ist es verboten, jemanden nur wegen seiner Religion abzulehnen. Im Gefängnis oder beim Militär können religiöse Praktiken eingeschränkt werden, müssen aber grundsätzlich möglich bleiben.\n\n**Rechtliche Folgen:** Wer das Grundrecht verletzt, kann vor Gericht belangt werden. Das Bundesgericht hat in vielen Urteilen klargestellt, dass religiöse Diskriminierung unzulässig ist. Gleichzeitig müssen religiöse Praktiken manchmal zurückstehen, wenn sie andere stark beeinträchtigen würden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Glaubens- und Gewissensfreiheit gehört zu den ältesten Grundrechten der schweizerischen Verfassungstradition. Bereits die Helvetik von 1798 garantierte in Art. 6 die Gewissensfreiheit. Die Bundesverfassung von 1848 gewährleistete in Art. 44 die freie Ausübung des Gottesdienstes für die anerkannten christlichen Konfessionen, wobei der Schutz sukzessive auf alle Religionsgemeinschaften ausgedehnt wurde (BBl 1997 I 157).\n\n**N. 2** Die Totalrevision von 1999 führte zu einer umfassenden Neuformulierung. Die Botschaft betont, dass Art. 15 BV «die individuelle wie die kollektive, die positive wie die negative Glaubens- und Gewissensfreiheit» schützt (BBl 1997 I 157). Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf den Begriff «Religionsfreiheit», um klarzustellen, dass auch nichtreligiöse weltanschauliche Überzeugungen geschützt sind.\n\n**N. 3** Die explizite Verankerung der negativen Religionsfreiheit in Abs. 4 geht auf parlamentarische Anträge zurück, die den Schutz vor religiösem Zwang verstärken wollten. Dies reflektiert die zunehmende religiöse Pluralisierung der Schweizer Gesellschaft seit den 1960er Jahren (BBl 1997 I 158).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 15 BV steht im Katalog der Grundrechte (Art. 7–34 BV) und weist enge Verbindungen zu anderen Verfassungsnormen auf. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist eng mit der Menschenwürde (→ Art. 7 BV) verknüpft, da religiöse und weltanschauliche Überzeugungen zentrale Elemente der Persönlichkeit darstellen.\n\n**N. 5** Systematische Querverbindungen bestehen insbesondere zu:\n- ↔ Art. 8 BV (Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot aufgrund der religiösen Überzeugung)\n- → Art. 35 BV (Verwirklichung der Grundrechte, insbesondere die Drittwirkung)\n- → Art. 36 BV (Einschränkung von Grundrechten)\n- → Art. 62 BV (Schulwesen und religiöse Neutralität)\n- → Art. 72 BV (Verhältnis von Kirche und Staat)\n\n**N. 6** Auf internationaler Ebene korrespondiert Art. 15 BV mit Art. 9 EMRK und Art. 18 UNO-Pakt II. Das Bundesgericht orientiert sich bei der Auslegung regelmässig an der Rechtsprechung des EGMR, wobei Art. 15 BV teilweise einen weitergehenden Schutz gewährt (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 10-24).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der sachliche Schutzbereich umfasst nach der Rechtsprechung «alle Arten von Vorstellungen über die Beziehung des Menschen zum Göttlichen, die eine gewisse grundsätzliche, weltanschauliche Bedeutung erlangen» (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 31). Geschützt sind religiöse wie nichtreligiöse Weltanschauungen, sofern sie eine gewisse Kohärenz und Ernsthaftigkeit aufweisen.\n\n**N. 8** Die Glaubens- und Gewissensfreiheit schützt nach herrschender Lehre vier Dimensionen (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 34-43):\n- **Forum internum**: Die innere Überzeugungsbildung (absolut geschützt)\n- **Forum externum**: Die Glaubensbekundung nach aussen\n- **Positive Religionsfreiheit**: Das Recht, einen Glauben zu haben und zu praktizieren\n- **Negative Religionsfreiheit**: Das Recht, keinen Glauben zu haben oder sich religiösen Handlungen zu entziehen\n\n**N. 9** Träger des Grundrechts sind primär natürliche Personen unabhängig von Alter und Urteilsfähigkeit (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 61-64). Bei Kindern besteht eine Konkurrenz zwischen dem elterlichen Erziehungsrecht und der zunehmenden Selbstbestimmung des Kindes (→ Art. 303 ZGB).\n\n**N. 10** Juristische Personen können sich nach **BGE 126 I 122** nur eingeschränkt auf die Religionsfreiheit berufen. Religionsgemeinschaften selbst sind Trägerinnen der kollektiven Religionsfreiheit, während gewinnorientierte juristische Personen nach herrschender Rechtsprechung zur Kirchensteuer herangezogen werden können (kritisch: überwiegende Lehre gemäss Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 15 BV begründet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe. Der Staat ist zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, wobei das Bundesgericht «einem pluralistisch offenen, sachlich differenzierenden Neutralitätskonzept» folgt (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 47).\n\n**N. 12** Als Leistungsrecht gewährt Art. 15 BV nur minimale Ansprüche. Ein Recht auf staatliche Unterstützung religiöser Aktivitäten besteht grundsätzlich nicht. Ausnahmen gelten in besonderen Gewaltverhältnissen (Strafvollzug, Militärdienst), wo der Staat eine gewisse Grundversorgung sicherstellen muss (**BGE 129 I 74**).\n\n**N. 13** Die Drittwirkung von Art. 15 BV ist umstritten. Während im Arbeitsrecht über → Art. 328 OR ein indirekter Schutz besteht, ist die direkte Drittwirkung unter Privaten nach herrschender Lehre auf krasse Fälle beschränkt (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 70-76).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** Die Kirchensteuerpflicht juristischer Personen bleibt höchst kontrovers. Das Bundesgericht hält in ständiger Rechtsprechung seit **BGE 95 I 350** daran fest, dass juristische Personen keine Religionsfreiheit geltend machen können. Die überwiegende Lehre kritisiert diese Praxis als unvereinbar mit der negativen Religionsfreiheit (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 584; Müller/Schefer, Grundrechte, S. 267).\n\n**N. 15** Der Umfang staatlicher Neutralitätspflichten wird unterschiedlich beurteilt. Während Kiener/Kälin eine strikte Neutralität fordern, plädieren Pahud de Mortanges und Karlen für ein kooperatives Neutralitätsverständnis, das historisch gewachsene Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften respektiert (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 44-53).\n\n**N. 16** Die Reichweite der negativen Religionsfreiheit in der Schule bleibt umstritten. Zur Frage obligatorischer Teilnahme an religiös geprägten Schulanlässen (Weihnachtsfeiern, Schulgebete) vertritt Schefer eine strengere Position als die bundesgerichtliche Rechtsprechung, die auf die Zumutbarkeit im Einzelfall abstellt (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 271).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei Eingriffen in die Religionsfreiheit ist eine sorgfältige Verhältnismässigkeitsprüfung nach → Art. 36 BV durchzuführen. Der Kerngehalt umfasst nach herrschender Lehre «einzig die innere Religionsfreiheit» (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 108), während das Forum externum einschränkbar bleibt.\n\n**N. 18** In Einbürgerungsverfahren ist besondere Sensibilität geboten. Die Rechtsprechung verbietet kategorisch die Ablehnung aufgrund religiöser Symbole wie des Kopftuchs (**BGE 134 I 49**). Integrationskriterien müssen religionsneutral formuliert und angewendet werden.\n\n**N. 19** Im Schulbereich empfiehlt sich eine einzelfallbezogene Interessenabwägung. Dispensationsgesuche aus religiösen Gründen sind sorgfältig zu prüfen, wobei das Integrationsziel der Schule gegen die religiösen Bedürfnisse abzuwägen ist (**BGE 135 I 79**). Generelle Verbote religiöser Symbole bedürfen einer formell-gesetzlichen Grundlage (**BGE 139 I 280**).\n\n**N. 20** Bei arbeitsrechtlichen Konflikten ist zu beachten, dass der Arbeitgeber zur Rücksichtnahme auf religiöse Bedürfnisse verpflichtet ist (→ Art. 328 OR), soweit betriebliche Abläufe dies zulassen. Die Tragweite dieser Pflicht hängt von der Art der Tätigkeit und dem Grad der Kundenkontakte ab.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundprinzipien der Religionsfreiheit\n\n**BGE 142 I 49 E. 3** vom 11. Dezember 2015  \nKopftuchverbot für Schülerinnen verletzt Art. 15 BV.  \nDas Grundrecht schützt sowohl die innere als auch die äussere Religionsfreiheit.  \n\n> «Die Glaubens- und Gewissensfreiheit gehört zu den ältesten Grundrechten; Zeugnisse des Toleranzgedankens finden sich bereits im vierten Jahrhundert. Die in den angeführten Ideen verankerte Glaubens- und Gewissensfreiheit wird durch Art. 15 BV gewährleistet. Sie räumt jeder Person das Recht ein, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen.»\n\n### Religionsfreiheit im Schulbereich\n\n**BGE 135 I 79 E. 4.4** vom 24. Oktober 2008  \nSchwimmunterrichtsdispens für muslimische Schüler — Bestimmung der Bedeutung religiöser Regeln.  \nDas Grundrecht schützt auch Überzeugungen religiöser Minderheiten unabhängig ihrer Verbreitung.\n\n> «Der religiös neutrale Staat kann Glaubensregeln nicht auf ihre theologische Richtigkeit überprüfen. Ebenso ist es ihm verwehrt, die Bedeutung einer religiösen Vorschrift und damit ihr Gewicht bei der Interessenabwägung selber festzustellen. Glaubensinhalte, die ein religiös motiviertes Verhalten begründen oder bestimmte Bekleidungsweisen nahelegen, sind grundsätzlich nicht zu überprüfen.»\n\n**BGE 139 I 280 E. 5** vom 11. Juli 2013  \nKopftuchverbot für Schülerinnen bedarf formellgesetzlicher Grundlage.  \nSchwere Eingriffe in Art. 15 BV erfordern eine hinreichende Rechtsgrundlage.\n\n> «Das Verbot des Tragens eines Kopftuches an der Schule ist ein schwerer Eingriff in das Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit, der einer formellgesetzlichen Grundlage bedarf; die allgemeine Volksschulgesetzgebung des Kantons Thurgau stellt keine solche Grundlage dar.»\n\n### Diskriminierungsschutz und Einbürgerung\n\n**BGE 134 I 49 E. 3.2** vom 27. Februar 2008  \nNichteinbürgerung wegen Kopftuchtragen ist diskriminierend.  \nArt. 15 BV wirkt über Art. 8 Abs. 2 BV im Einbürgerungsverfahren.\n\n> «Einen negativen Einbürgerungsentscheid auf das Tragen des Kopftuches als religiöses Symbol abzustellen, ist geeignet, die Gesuchstellerin unzulässig zu benachteiligen. Hierfür fehlt eine qualifizierte Rechtfertigung: Das blosse Tragen des Kopftuches bringt für sich keine gegen rechtsstaatliche und demokratische Wertvorstellungen verstossende Haltung zum Ausdruck.»\n\n**BGE 134 I 56 E. 5** vom 27. Februar 2008  \nDiskriminierungsprüfung bei religiös begründeter Verweigerung der Einbürgerung.  \nMangelnde Sprachkenntnisse können Kopftuchtragen als Verweigerungsgrund überlagern.\n\n> «In Anbetracht mangelnder Deutsch- und Staatskundekenntnisse hält die Abweisung des Einbürgerungsgesuchs ungeachtet der Tatsache, dass die Gesuchstellerin das Kopftuch trägt, vor der Verfassung stand.»\n\n### Kirchenaustritt und negative Religionsfreiheit\n\n**BGE 134 I 75 E. 3-9** vom 16. November 2007  \nPartieller Kirchenaustritt aus der Landeskirche genügt.  \nDie negative Religionsfreiheit schützt vor Zwang zur Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft.\n\n> «Die Erklärung des Austritts aus der Landeskirche genügt; vom Austrittswilligen darf nicht verlangt werden, dass er sich von der römisch-katholischen Kirche als solcher lossagt.»\n\n**BGE 129 I 68 E. 3.1-3.4** vom 18. Dezember 2002  \nRechtswirkungen des partiellen Kirchenaustritts.  \nArt. 15 Abs. 4 BV schützt vor Zwang zur Religionsausübung.\n\n> «Rechtswirkungen einer Erklärung, lediglich aus der Kirchgemeinde bzw. Landeskirche austreten, sich aber weiterhin zur römisch-katholischen Kirche bekennen zu wollen (sog. partieller Kirchenaustritt), sind im Lichte der Glaubens- und Gewissensfreiheit zu bestimmen.»\n\n### Kirchensteuern und Religionsfreiheit\n\n**BGE 126 I 122 E. 3** vom 13. Juni 2000  \nKirchensteuerpflicht juristischer Personen vereinbar mit Art. 15 BV.  \nDie Religionsfreiheit schützt primär natürliche Personen.\n\n> «Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung zur grundsätzlichen Vereinbarkeit der Kirchensteuerpflicht juristischer Personen mit Art. 49 Abs. 6 aBV [jetzt Art. 15 BV].»\n\n**BGE 128 I 317 E. 4** vom 20. Februar 2002  \nKirchensteuern bei konfessionell gemischter Ehe.  \nGlaubens- und Gewissensfreiheit setzt der Kirchenbesteuerung Grenzen.\n\n> «Festhalten an den aus der Glaubens- und Gewissensfreiheit bislang abgeleiteten Grundsätzen zur Kirchenbesteuerung bei konfessionell gemischten Ehen.»\n\n### Religionsfreiheit im Strafvollzug\n\n**BGE 129 I 74 E. 4.2** vom 13. Januar 2003  \nKultusfreiheit im Gefängnis — Beschränkungen sind möglich.  \nDie Religionsfreiheit gilt auch im besonderen Gewaltverhältnis, aber mit Einschränkungen.\n\n> «Im Strafvollzug ergeben sich im öffentlichen Interesse liegende Freiheitsbeschränkungen aus dem Zweck dieser Institution und aus dem Erfordernis der Einhaltung eines geordneten Anstaltsbetriebes. Über das hiezu erforderliche Mass dürfen sie nicht hinausgehen.»\n\n### Staatliche Neutralität und religiöse Symbole\n\n**BGE 148 I 160 E. 7** vom 23. Dezember 2021  \nGenfer Laizitätsgesetz und Religionsfreiheit von Staatsangestellten.  \nNeutrale Ausübung staatlicher Funktionen kann religiöse Äusserungen beschränken.\n\n> «Art. 3 Abs. 3 und 5 LLE/GE, wonach Gerichtspersonen, Mitglieder von kantonalen Exekutivbehörden und Beamte davon abzusehen haben, ihre Religionszugehörigkeit durch Verlautbarungen oder äusserliche Zeichen zur Schau zu stellen, ist mit Art. 15 und 36 BV und Art. 9 Ziff. 1 EMRK konform. Zu vermeiden ist aber eine exzessiv strikte Anwendung dieser Bestimmung im Einzelfall.»\n\n**BGE 145 I 121 E. 4** vom 17. Dezember 2018  \nFinanzierungsbeitrag der Landeskirche an Beratungsstelle verletzt Religionsfreiheit nicht.  \nIndirekte Förderung nicht-religiöser Zwecke durch Religionsgemeinschaften ist zulässig.\n\n> «Die Glaubensfreiheit der Römisch-katholischen Landeskirche oder das Landeskirchenrecht sind durch den an Bedingungen gebundenen Beitrag der Katholischen Landeskirche Graubünden in der Höhe von Fr. 15'000.- an eine Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft nicht verletzt.»\n\n### Religiöse Minderheiten und Integration\n\n**BGE 126 I 133 E. 4** vom 23. Mai 2000  \nMissionstätigkeit auf öffentlichem Grund unterliegt örtlichen Beschränkungen.  \nReligionsfreiheit ist nicht unbeschränkt und muss mit anderen Interessen abgewogen werden.\n\n> «Wer entgeltliche Leistungen vertreiben will und das damit allenfalls verbundene Missionierungsziel gegenüber dem anvisierten Publikum nicht klar zu erkennen gibt, muss in Kauf nehmen, dass seine Werbeaktionen nicht unter dem Gesichtspunkt der Religionsfreiheit privilegiert werden.»\n\n### Verhältnis zur EMRK\n\n**BGE 132 I 167 E. 3** vom 10. Mai 2006  \nReligionsfreiheit und Diskriminierungsschutz bei der Einbürgerung.  \nArt. 15 BV und Art. 9 EMRK haben parallele Schutzwirkung.\n\n> «Der Berufung auf Art. 15 BV und Art. 9 EMRK kommt im Hinblick auf die Rüge, die Einbürgerung sei wegen der Religionszugehörigkeit aus diskriminierenden Gründen verweigert worden, keine selbständige Bedeutung zu, da das Diskriminierungsverbot des Art. 8 Abs. 2 BV den weitergehenden Schutz bietet.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'article 15 de la Constitution fédérale protège la liberté de conscience et de croyance. Ce droit fondamental garantit à toutes les personnes en Suisse le droit de choisir librement leur religion ou leur conviction, de la pratiquer ou encore de la rejeter.\n\nCe droit fondamental a deux aspects : la liberté de religion positive donne le droit d'avoir une croyance et de l'exercer. La liberté de religion négative protège contre le fait d'être contraint à des actes religieux. Les deux aspects sont également importants.\n\n**Qui est protégé ?** Toutes les personnes en Suisse peuvent se prévaloir de la liberté de conscience et de croyance. Cela vaut pour les citoyens suisses et les étrangers, pour les adultes et les enfants. Les communautés religieuses (églises, mosquées, temples) ont également certains droits.\n\n**Qu'est-ce qui est permis ?** Les personnes peuvent exercer leur religion en privé et en public. Elles peuvent prier, porter des vêtements religieux, assister aux offices religieux et communiquer leurs convictions à autrui. Personne ne peut les contraindre à adhérer à une religion déterminée ou à accomplir des actes religieux.\n\n**Exemples pratiques :** Une élève musulmane peut porter un foulard à l'école. Les Témoins de Jéhovah ne peuvent pas être contraints à participer à des célébrations patriotiques. Un travailleur peut demander un congé pour son jour de fête religieux, si l'entreprise le permet.\n\n**Quelles sont les limites ?** La liberté de religion n'est pas illimitée. L'État peut imposer des restrictions lorsque d'autres intérêts importants sont concernés. Exemple : les cloches d'église peuvent être sonnées moins fort la nuit afin que les voisins puissent dormir.\n\n**Situations particulières :** À l'école, l'État doit être neutre. Il ne peut ni favoriser ni désavantager une religion. Lors de naturalisations, il est interdit de rejeter quelqu'un uniquement en raison de sa religion. En prison ou au service militaire, les pratiques religieuses peuvent être limitées, mais doivent en principe rester possibles.\n\n**Conséquences juridiques :** Quiconque viole ce droit fondamental peut être poursuivi en justice. Le Tribunal fédéral a clarifié dans de nombreux arrêts que la discrimination religieuse est inadmissible. En même temps, les pratiques religieuses doivent parfois céder le pas lorsqu'elles porteraient gravement atteinte à autrui.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**N. 1** La liberté de conscience et de croyance fait partie des droits fondamentaux les plus anciens de la tradition constitutionnelle suisse. Déjà l'Helvétique de 1798 garantissait la liberté de conscience à l'art. 6. La Constitution fédérale de 1848 garantissait à l'art. 44 le libre exercice du culte pour les confessions chrétiennes reconnues, la protection étant successivement étendue à toutes les communautés religieuses (FF 1997 I 171).\n\n**N. 2** La révision totale de 1999 a mené à une reformulation complète. Le message souligne que l'art. 15 Cst. protège « tant la liberté de conscience et de croyance individuelle que collective, tant positive que négative » (FF 1997 I 171). Le constituant a consciemment renoncé au terme « liberté religieuse » pour clarifier que les convictions idéologiques non religieuses sont également protégées.\n\n**N. 3** L'ancrage explicite de la liberté religieuse négative à l'al. 4 remonte à des motions parlementaires qui voulaient renforcer la protection contre la contrainte religieuse. Cela reflète la pluralisation religieuse croissante de la société suisse depuis les années 1960 (FF 1997 I 172).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 15 Cst. figure dans le catalogue des droits fondamentaux (art. 7–34 Cst.) et présente des liens étroits avec d'autres normes constitutionnelles. La liberté de conscience et de croyance est étroitement liée à la dignité humaine (→ art. 7 Cst.), car les convictions religieuses et idéologiques représentent des éléments centraux de la personnalité.\n\n**N. 5** Des liens systématiques transversaux existent notamment avec :\n- ↔ art. 8 Cst. (égalité juridique et interdiction de discriminer en raison de la conviction religieuse)\n- → art. 35 Cst. (réalisation des droits fondamentaux, en particulier l'effet horizontal)\n- → art. 36 Cst. (restriction des droits fondamentaux)\n- → art. 62 Cst. (instruction publique et neutralité religieuse)\n- → art. 72 Cst. (rapports entre l'Église et l'État)\n\n**N. 6** Au niveau international, l'art. 15 Cst. correspond à l'art. 9 CEDH et à l'art. 18 Pacte ONU II. Le Tribunal fédéral s'oriente régulièrement dans son interprétation sur la jurisprudence de la CourEDH, l'art. 15 Cst. accordant parfois une protection plus étendue (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 10-24).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** Le champ de protection matériel comprend selon la jurisprudence « toutes sortes de représentations sur la relation de l'homme au divin qui acquièrent une certaine signification fondamentale, idéologique » (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 31). Sont protégées les conceptions du monde religieuses comme non religieuses, pour autant qu'elles présentent une certaine cohérence et un certain sérieux.\n\n**N. 8** La liberté de conscience et de croyance protège selon la doctrine dominante quatre dimensions (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 34-43) :\n- **Forum internum** : La formation de conviction intérieure (protection absolue)\n- **Forum externum** : La manifestation de la croyance vers l'extérieur\n- **Liberté religieuse positive** : Le droit d'avoir une croyance et de la pratiquer\n- **Liberté religieuse négative** : Le droit de n'avoir aucune croyance ou de se soustraire aux actes religieux\n\n**N. 9** Les titulaires du droit fondamental sont principalement les personnes physiques indépendamment de l'âge et de la capacité de discernement (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 61-64). Pour les enfants, il existe une concurrence entre le droit d'éducation des parents et l'autodétermination croissante de l'enfant (→ art. 303 CC).\n\n**N. 10** Les personnes morales ne peuvent invoquer la liberté religieuse que de manière restreinte selon l'**ATF 126 I 122**. Les communautés religieuses elles-mêmes sont titulaires de la liberté religieuse collective, tandis que les personnes morales à but lucratif peuvent selon la jurisprudence dominante être assujetties à l'impôt ecclésiastique (critique : doctrine majoritaire selon Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 15 Cst. fonde principalement un droit de défense contre les ingérences étatiques. L'État est tenu à la neutralité religieuse et idéologique, le Tribunal fédéral suivant « un concept de neutralité pluraliste ouvert, différenciant objectivement » (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 47).\n\n**N. 12** En tant que droit à prestation, l'art. 15 Cst. n'accorde que des prétentions minimales. Un droit au soutien étatique d'activités religieuses n'existe en principe pas. Des exceptions valent dans les rapports particuliers de dépendance (exécution des peines, service militaire), où l'État doit assurer une certaine fourniture de base (**ATF 129 I 74**).\n\n**N. 13** L'effet horizontal de l'art. 15 Cst. est controversé. Alors qu'en droit du travail une protection indirecte existe via l'→ art. 328 CO, l'effet horizontal direct entre privés est selon la doctrine dominante limité aux cas flagrants (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 70-76).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 14** L'assujettissement à l'impôt ecclésiastique des personnes morales reste hautement controversé. Le Tribunal fédéral maintient dans sa jurisprudence constante depuis l'**ATF 95 I 350** que les personnes morales ne peuvent invoquer la liberté religieuse. La doctrine majoritaire critique cette pratique comme incompatible avec la liberté religieuse négative (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 584 ; Müller/Schefer, Grundrechte, S. 267).\n\n**N. 15** L'étendue des obligations étatiques de neutralité est évaluée différemment. Alors que Kiener/Kälin exigent une neutralité stricte, Pahud de Mortanges et Karlen plaident pour une conception coopérative de la neutralité qui respecte les relations historiquement développées entre l'État et les communautés religieuses (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 44-53).\n\n**N. 16** La portée de la liberté religieuse négative à l'école reste controversée. Sur la question de la participation obligatoire à des manifestations scolaires à caractère religieux (fêtes de Noël, prières scolaires), Schefer défend une position plus stricte que la jurisprudence du Tribunal fédéral, qui se fonde sur l'exigibilité dans le cas d'espèce (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 271).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** En cas d'atteintes à la liberté religieuse, un examen minutieux de la proportionnalité selon l'→ art. 36 Cst. doit être effectué. Le noyau intangible comprend selon la doctrine dominante « uniquement la liberté religieuse intérieure » (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 108), tandis que le forum externum reste susceptible de restrictions.\n\n**N. 18** Dans les procédures de naturalisation, une sensibilité particulière s'impose. La jurisprudence interdit catégoriquement le refus en raison de symboles religieux comme le foulard (**ATF 134 I 49**). Les critères d'intégration doivent être formulés et appliqués de manière religieusement neutre.\n\n**N. 19** Dans le domaine scolaire, une pesée d'intérêts au cas par cas est recommandée. Les demandes de dispense pour motifs religieux doivent être examinées soigneusement, l'objectif d'intégration de l'école devant être pesé contre les besoins religieux (**ATF 135 I 79**). Les interdictions générales de symboles religieux nécessitent une base légale formelle (**ATF 139 I 280**).\n\n**N. 20** En cas de conflits de droit du travail, il faut considérer que l'employeur est tenu de tenir compte des besoins religieux (→ art. 328 CO), dans la mesure où les déroulements d'exploitation le permettent. La portée de cette obligation dépend du type d'activité et du degré de contacts avec la clientèle.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes fondamentaux de la liberté religieuse\n\n**BGE 142 I 49 c. 3** du 11 décembre 2015  \nL'interdiction du port du foulard pour les écolières viole l'art. 15 Cst.  \nLe droit fondamental protège tant la liberté religieuse interne qu'externe.  \n\n> «La liberté de conscience et de croyance fait partie des droits fondamentaux les plus anciens ; des témoignages de l'idée de tolérance se trouvent déjà au quatrième siècle. La liberté de conscience et de croyance ancrée dans les idées mentionnées est garantie par l'art. 15 Cst. Elle accorde à chaque personne le droit de choisir librement sa religion et sa conviction philosophique et de la professer seule ou en communauté avec d'autres.»\n\n### Liberté religieuse dans le domaine scolaire\n\n**BGE 135 I 79 c. 4.4** du 24 octobre 2008  \nDispense du cours de natation pour les élèves musulmans — Détermination de la signification des règles religieuses.  \nLe droit fondamental protège également les convictions des minorités religieuses indépendamment de leur diffusion.\n\n> «L'État religieusement neutre ne peut pas vérifier l'exactitude théologique des règles de croyance. De même, il lui est interdit de déterminer lui-même la signification d'un précepte religieux et ainsi son poids dans la pesée des intérêts. Les contenus de croyance qui fondent un comportement motivé religieusement ou suggèrent certaines façons de s'habiller ne sont en principe pas à vérifier.»\n\n**BGE 139 I 280 c. 5** du 11 juillet 2013  \nL'interdiction du port du foulard pour les écolières nécessite une base légale formelle.  \nLes atteintes graves à l'art. 15 Cst. exigent une base juridique suffisante.\n\n> «L'interdiction du port du foulard à l'école constitue une atteinte grave au droit fondamental de la liberté de conscience et de croyance, qui nécessite une base légale formelle ; la législation générale sur l'école primaire du canton de Thurgovie ne constitue pas une telle base.»\n\n### Protection contre la discrimination et naturalisation\n\n**BGE 134 I 49 c. 3.2** du 27 février 2008  \nLe refus de naturalisation en raison du port du foulard est discriminatoire.  \nL'art. 15 Cst. agit via l'art. 8 al. 2 Cst. dans la procédure de naturalisation.\n\n> «Fonder une décision négative de naturalisation sur le port du foulard comme symbole religieux est susceptible de désavantager illicitement la requérante. Une justification qualifiée fait défaut à cet égard : le simple port du foulard n'exprime pas en soi une attitude contraire aux valeurs de l'État de droit et démocratiques.»\n\n**BGE 134 I 56 c. 5** du 27 février 2008  \nExamen de discrimination en cas de refus de naturalisation motivé religieusement.  \nLe manque de connaissances linguistiques peut supplanter le port du foulard comme motif de refus.\n\n> «Compte tenu du manque de connaissances en allemand et en instruction civique, le rejet de la demande de naturalisation résiste à la Constitution nonobstant le fait que la requérante porte le foulard.»\n\n### Sortie d'Église et liberté religieuse négative\n\n**BGE 134 I 75 c. 3-9** du 16 novembre 2007  \nLa sortie partielle de l'Église cantonale suffit.  \nLa liberté religieuse négative protège contre la contrainte d'appartenir à une communauté religieuse.\n\n> «La déclaration de sortie de l'Église cantonale suffit ; on ne peut pas exiger de celui qui veut sortir qu'il se détache de l'Église catholique romaine en tant que telle.»\n\n**BGE 129 I 68 c. 3.1-3.4** du 18 décembre 2002  \nEffets juridiques de la sortie partielle d'Église.  \nL'art. 15 al. 4 Cst. protège contre la contrainte à l'exercice de la religion.\n\n> «Les effets juridiques d'une déclaration visant à sortir seulement de la paroisse resp. de l'Église cantonale, mais à vouloir continuer à se confesser à l'Église catholique romaine (sortie dite partielle d'Église), sont à déterminer à la lumière de la liberté de conscience et de croyance.»\n\n### Impôts ecclésiastiques et liberté religieuse\n\n**BGE 126 I 122 c. 3** du 13 juin 2000  \nL'assujettissement des personnes morales à l'impôt ecclésiastique est compatible avec l'art. 15 Cst.  \nLa liberté religieuse protège principalement les personnes physiques.\n\n> «Confirmation de la jurisprudence actuelle sur la compatibilité de principe de l'assujettissement des personnes morales à l'impôt ecclésiastique avec l'art. 49 al. 6 aCst. [maintenant art. 15 Cst.].»\n\n**BGE 128 I 317 c. 4** du 20 février 2002  \nImpôts ecclésiastiques en cas de mariage confessionnellement mixte.  \nLa liberté de conscience et de croyance pose des limites à l'imposition ecclésiastique.\n\n> «Maintien des principes jusqu'ici dérivés de la liberté de conscience et de croyance en matière d'imposition ecclésiastique lors de mariages confessionnellement mixtes.»\n\n### Liberté religieuse dans l'exécution des peines\n\n**BGE 129 I 74 c. 4.2** du 13 janvier 2003  \nLiberté de culte en prison — Des restrictions sont possibles.  \nLa liberté religieuse vaut aussi dans le rapport spécial d'autorité, mais avec des restrictions.\n\n> «Dans l'exécution des peines se dessinent des restrictions de liberté dans l'intérêt public résultant du but de cette institution et de l'exigence du maintien d'un fonctionnement ordonné de l'établissement. Elles ne doivent pas dépasser la mesure nécessaire à cet effet.»\n\n### Neutralité étatique et symboles religieux\n\n**BGE 148 I 160 c. 7** du 23 décembre 2021  \nLoi genevoise sur la laïcité et liberté religieuse des employés de l'État.  \nL'exercice neutre de fonctions étatiques peut limiter les manifestations religieuses.\n\n> «L'art. 3 al. 3 et 5 LLE/GE, selon lequel les magistrats, membres des autorités exécutives cantonales et fonctionnaires doivent s'abstenir d'afficher leur appartenance religieuse par des déclarations ou des signes extérieurs, est conforme aux art. 15 et 36 Cst. et à l'art. 9 ch. 1 CEDH. Il faut cependant éviter une application excessivement stricte de cette disposition dans le cas particulier.»\n\n**BGE 145 I 121 c. 4** du 17 décembre 2018  \nLa contribution de financement de l'Église cantonale à un centre de consultation ne viole pas la liberté religieuse.  \nLe soutien indirect de buts non religieux par des communautés religieuses est admissible.\n\n> «La liberté de croyance de l'Église catholique romaine cantonale ou le droit de l'Église cantonale ne sont pas violés par la contribution liée à conditions de l'Église catholique cantonale des Grisons de Fr. 15'000.- à un centre de consultation pour la planification familiale, la sexualité, la grossesse et le partenariat.»\n\n### Minorités religieuses et intégration\n\n**BGE 126 I 133 c. 4** du 23 mai 2000  \nL'activité missionnaire sur terrain public est soumise à des restrictions locales.  \nLa liberté religieuse n'est pas illimitée et doit être mise en balance avec d'autres intérêts.\n\n> «Celui qui veut distribuer des prestations payantes et ne fait pas clairement reconnaître au public visé le but de mission éventuellement lié à cela doit accepter que ses actions publicitaires ne soient pas privilégiées sous l'angle de la liberté religieuse.»\n\n### Rapport avec la CEDH\n\n**BGE 132 I 167 c. 3** du 10 mai 2006  \nLiberté religieuse et protection contre la discrimination lors de la naturalisation.  \nL'art. 15 Cst. et l'art. 9 CEDH ont un effet protecteur parallèle.\n\n> «L'invocation de l'art. 15 Cst. et de l'art. 9 CEDH n'a pas de signification autonome en vue du grief que la naturalisation a été refusée pour des motifs discriminatoires en raison de l'appartenance religieuse, car l'interdiction de discrimination de l'art. 8 al. 2 Cst. offre une protection plus étendue.»", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 15 della Costituzione federale protegge la libertà di credo e di coscienza. Questo diritto fondamentale garantisce a tutte le persone in Svizzera il diritto di scegliere, praticare o anche rifiutare liberamente la loro religione o concezione del mondo.\n\nIl diritto fondamentale ha due aspetti: la libertà religiosa positiva conferisce il diritto di avere ed esercitare una fede. La libertà religiosa negativa protegge dall'essere costretti a compiere atti religiosi. Entrambi gli aspetti sono ugualmente importanti.\n\n**Chi è protetto?** Tutte le persone in Svizzera possono invocare la libertà di credo e di coscienza. Ciò vale per i cittadini svizzeri e gli stranieri, per gli adulti e i bambini. Anche le comunità religiose (chiese, moschee, templi) hanno determinati diritti.\n\n**Cosa è permesso?** Le persone possono esercitare la loro religione privatamente e pubblicamente. Possono pregare, indossare abiti religiosi, partecipare alle funzioni religiose e comunicare le loro convinzioni ad altri. Nessuno può costringerle ad aderire a una determinata religione o a compiere atti religiosi.\n\n**Esempi pratici:** Una studentessa musulmana può indossare il velo a scuola. I Testimoni di Geova non possono essere costretti a partecipare a celebrazioni patriottiche. Un lavoratore può chiedere di essere libero nel suo giorno festivo religioso, se l'azienda lo permette.\n\n**Dove sono i limiti?** La libertà religiosa non è illimitata. Lo Stato può imporre restrizioni quando sono coinvolti altri interessi importanti. Esempio: le campane delle chiese possono suonare più piano di notte, affinché i vicini possano dormire.\n\n**Situazioni particolari:** A scuola lo Stato deve essere neutrale. Non può favorire o svantaggiare nessuna religione. Nelle naturalizzazioni è vietato rifiutare qualcuno solo a causa della sua religione. In carcere o nell'esercito le pratiche religiose possono essere limitate, ma devono restare fondamentalmente possibili.\n\n**Conseguenze giuridiche:** Chi viola il diritto fondamentale può essere citato in giudizio. Il Tribunale federale ha chiarito in molte sentenze che la discriminazione religiosa è inammissibile. Allo stesso tempo le pratiche religiose devono talvolta cedere il passo quando potrebbero compromettere gravemente altre persone.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La libertà di credo e di coscienza appartiene ai diritti fondamentali più antichi della tradizione costituzionale svizzera. Già l'Elvetica del 1798 garantiva nell'art. 6 la libertà di coscienza. La Costituzione federale del 1848 assicurava nell'art. 44 il libero esercizio del culto per le confessioni cristiane riconosciute, dove la protezione venne successivamente estesa a tutte le comunità religiose (FF 1997 I 157).\n\n**N. 2** La revisione totale del 1999 condusse a una riformulazione comprensiva. Il messaggio sottolinea che l'art. 15 Cost. «protegge la libertà di credo e di coscienza individuale e collettiva, positiva e negativa» (FF 1997 I 157). Il costituente rinunciò consapevolmente al termine «libertà religiosa» per chiarire che sono protette anche le convinzioni ideologiche non religiose.\n\n**N. 3** L'ancoraggio esplicito della libertà religiosa negativa nel cpv. 4 risale a istanze parlamentari che volevano rafforzare la protezione dalla coercizione religiosa. Ciò riflette la crescente pluralizzazione religiosa della società svizzera dagli anni 1960 (FF 1997 I 158).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 15 Cost. si trova nel catalogo dei diritti fondamentali (art. 7–34 Cost.) e presenta strette connessioni con altre norme costituzionali. La libertà di credo e di coscienza è strettamente collegata con la dignità umana (→ art. 7 Cost.), poiché le convinzioni religiose e ideologiche rappresentano elementi centrali della personalità.\n\n**N. 5** Connessioni sistematiche trasversali esistono in particolare con:\n- ↔ art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione a causa della convinzione religiosa)\n- → art. 35 Cost. (realizzazione dei diritti fondamentali, in particolare l'efficacia orizzontale)\n- → art. 36 Cost. (limitazione dei diritti fondamentali)\n- → art. 62 Cost. (sistema scolastico e neutralità religiosa)\n- → art. 72 Cost. (rapporto tra Chiesa e Stato)\n\n**N. 6** A livello internazionale l'art. 15 Cost. corrisponde con l'art. 9 CEDU e l'art. 18 Patto ONU II. Il Tribunale federale si orienta nell'interpretazione regolarmente alla giurisprudenza della CorteEDU, dove l'art. 15 Cost. concede in parte una protezione più ampia (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 10-24).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 7** L'ambito di protezione oggettivo comprende secondo la giurisprudenza «tutti i tipi di rappresentazioni sul rapporto dell'essere umano con il divino, che acquisiscono un certo significato fondamentale, ideologico» (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 31). Sono protette le ideologie religiose e non religiose, purché presentino una certa coerenza e serietà.\n\n**N. 8** La libertà di credo e di coscienza protegge secondo la dottrina dominante quattro dimensioni (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 34-43):\n- **Forum internum**: La formazione interna della convinzione (protetta assolutamente)\n- **Forum externum**: La manifestazione del credo verso l'esterno\n- **Libertà religiosa positiva**: Il diritto di avere e praticare un credo\n- **Libertà religiosa negativa**: Il diritto di non avere alcun credo o di sottrarsi ad azioni religiose\n\n**N. 9** Titolari del diritto fondamentale sono primariamente le persone fisiche indipendentemente da età e capacità di discernimento (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 61-64). Per i bambini esiste una concorrenza tra il diritto educativo dei genitori e l'autodeterminazione crescente del bambino (→ art. 303 CC).\n\n**N. 10** Le persone giuridiche possono invocare la libertà religiosa solo in modo limitato secondo **DTF 126 I 122**. Le comunità religiose stesse sono titolari della libertà religiosa collettiva, mentre le persone giuridiche orientate al profitto possono essere assoggettate all'imposta ecclesiastica secondo la giurisprudenza dominante (critico: dottrina prevalente secondo Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 56).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 15 Cost. fonda primariamente un diritto di difesa contro ingerenze statali. Lo Stato è obbligato alla neutralità religiosa e ideologica, dove il Tribunale federale segue «un concetto di neutralità pluralisticamente aperto, oggettivamente differenziante» (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 47).\n\n**N. 12** Come diritto a prestazioni l'art. 15 Cost. concede solo pretese minime. Un diritto al sostegno statale di attività religiose fondamentalmente non esiste. Eccezioni valgono in rapporti di particolare soggezione (esecuzione penale, servizio militare), dove lo Stato deve assicurare un certo approvvigionamento di base (**DTF 129 I 74**).\n\n**N. 13** L'efficacia orizzontale dell'art. 15 Cost. è controversa. Mentre nel diritto del lavoro tramite → art. 328 CO esiste una protezione indiretta, l'efficacia orizzontale diretta tra privati è secondo la dottrina dominante limitata a casi flagranti (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 70-76).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 14** L'obbligo di imposta ecclesiastica delle persone giuridiche rimane altamente controverso. Il Tribunale federale mantiene nella giurisprudenza costante da **DTF 95 I 350** che le persone giuridiche non possono invocare la libertà religiosa. La dottrina prevalente critica questa prassi come incompatibile con la libertà religiosa negativa (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 56; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 584; Müller/Schefer, Grundrechte, p. 267).\n\n**N. 15** L'ampiezza degli obblighi statali di neutralità viene valutata diversamente. Mentre Kiener/Kälin esigono una neutralità rigorosa, Pahud de Mortanges e Karlen propugnano una comprensione cooperativa della neutralità che rispetti i rapporti storicamente sviluppati tra Stato e comunità religiose (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 44-53).\n\n**N. 16** La portata della libertà religiosa negativa nella scuola rimane controversa. Alla questione della partecipazione obbligatoria a manifestazioni scolastiche religiosamente connotate (feste natalizie, preghiere scolastiche) Schefer assume una posizione più rigorosa della giurisprudenza del Tribunale federale, che fa capo all'esigibilità nel caso singolo (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 271).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** In caso di ingerenze nella libertà religiosa è da effettuare un accurato esame di proporzionalità secondo → art. 36 Cost. Il nucleo essenziale comprende secondo la dottrina dominante «unicamente la libertà religiosa interna» (Pahud de Mortanges, BSK BV, art. 15 n. 108), mentre il forum externum rimane limitabile.\n\n**N. 18** Nei procedimenti di naturalizzazione è richiesta particolare sensibilità. La giurisprudenza vieta categoricamente il rifiuto a causa di simboli religiosi come il velo (**DTF 134 I 49**). I criteri di integrazione devono essere formulati e applicati in modo religiosamente neutro.\n\n**N. 19** Nell'ambito scolastico si raccomanda una ponderazione degli interessi riferita al caso singolo. Le domande di dispensa per motivi religiosi sono da esaminare accuratamente, dove l'obiettivo di integrazione della scuola è da soppesare contro i bisogni religiosi (**DTF 135 I 79**). I divieti generali di simboli religiosi necessitano di una base legale formale (**DTF 139 I 280**).\n\n**N. 20** Nei conflitti di diritto del lavoro è da considerare che il datore di lavoro è obbligato al riguardo verso i bisogni religiosi (→ art. 328 CO), nella misura in cui lo permettano i processi operativi. La portata di questo obbligo dipende dal tipo di attività e dal grado dei contatti con la clientela.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi fondamentali della libertà religiosa\n\n**BGE 142 I 49 cons. 3** dell'11 dicembre 2015  \nIl divieto del velo per le studentesse viola l'art. 15 Cost.  \nIl diritto fondamentale protegge sia la libertà religiosa interiore che quella esteriore.  \n\n> «La libertà di credo e di coscienza appartiene ai diritti fondamentali più antichi; testimonianze dell'idea di tolleranza si trovano già nel IV secolo. La libertà di credo e di coscienza radicata nelle idee citate è garantita dall'art. 15 Cost. Essa accorda a ogni persona il diritto di scegliere liberamente la propria religione e le proprie convinzioni ideologiche e di professarle da sola o in comunità con altri.»\n\n### Libertà religiosa nell'ambito scolastico\n\n**BGE 135 I 79 cons. 4.4** del 24 ottobre 2008  \nDispensa dalle lezioni di nuoto per allievi musulmani — Determinazione del significato delle regole religiose.  \nIl diritto fondamentale protegge anche le convinzioni delle minoranze religiose indipendentemente dalla loro diffusione.\n\n> «Lo Stato religiosamente neutro non può verificare la correttezza teologica delle regole di fede. Allo stesso modo gli è vietato determinare egli stesso il significato di una prescrizione religiosa e quindi il suo peso nella ponderazione degli interessi. I contenuti della fede che giustificano un comportamento motivato religiosamente o suggeriscono determinati modi di vestire non sono in linea di principio da verificare.»\n\n**BGE 139 I 280 cons. 5** dell'11 luglio 2013  \nIl divieto del velo per le studentesse necessita di una base legale formale.  \nGli interventi gravi nell'art. 15 Cost. richiedono una base giuridica sufficiente.\n\n> «Il divieto di portare il velo a scuola costituisce un grave intervento nel diritto fondamentale della libertà di credo e di coscienza, che necessita di una base legale formale; la legislazione generale sulla scuola popolare del Cantone di Turgovia non costituisce una tale base.»\n\n### Protezione dalla discriminazione e naturalizzazione\n\n**BGE 134 I 49 cons. 3.2** del 27 febbraio 2008  \nIl rifiuto della naturalizzazione per il porto del velo è discriminatorio.  \nL'art. 15 Cost. opera tramite l'art. 8 cpv. 2 Cost. nella procedura di naturalizzazione.\n\n> «Basare una decisione negativa di naturalizzazione sul porto del velo come simbolo religioso è idoneo a svantaggiare indebitamente la richiedente. Manca a tal fine una giustificazione qualificata: il semplice porto del velo non esprime di per sé un atteggiamento contrario alle concezioni valoriali dello Stato di diritto e democratiche.»\n\n**BGE 134 I 56 cons. 5** del 27 febbraio 2008  \nEsame della discriminazione nel caso di rifiuto della naturalizzazione motivato religiosamente.  \nCarenze nelle conoscenze linguistiche possono sovrapporsi al porto del velo come motivo di rifiuto.\n\n> «In considerazione delle carenti conoscenze del tedesco e di educazione civica, il rigetto della domanda di naturalizzazione resiste al vaglio costituzionale, indipendentemente dal fatto che la richiedente porti il velo.»\n\n### Uscita dalla Chiesa e libertà religiosa negativa\n\n**BGE 134 I 75 cons. 3-9** del 16 novembre 2007  \nL'uscita parziale dalla Chiesa cantonale è sufficiente.  \nLa libertà religiosa negativa protegge dalla costrizione all'appartenenza a una comunità religiosa.\n\n> «È sufficiente la dichiarazione di uscita dalla Chiesa cantonale; da chi vuole uscire non può essere richiesto di separarsi dalla Chiesa cattolica romana come tale.»\n\n**BGE 129 I 68 cons. 3.1-3.4** del 18 dicembre 2002  \nEffetti giuridici dell'uscita parziale dalla Chiesa.  \nL'art. 15 cpv. 4 Cost. protegge dalla costrizione all'esercizio della religione.\n\n> «Gli effetti giuridici di una dichiarazione di uscire soltanto dalla parrocchia rispettivamente Chiesa cantonale, ma di volersi continuare a professare nella Chiesa cattolica romana (cosiddetta uscita parziale dalla Chiesa), sono da determinare alla luce della libertà di credo e di coscienza.»\n\n### Tasse ecclesiastiche e libertà religiosa\n\n**BGE 126 I 122 cons. 3** del 13 giugno 2000  \nL'obbligo di tassa ecclesiastica delle persone giuridiche è compatibile con l'art. 15 Cost.  \nLa libertà religiosa protegge primariamente le persone fisiche.\n\n> «Conferma della giurisprudenza precedente sulla compatibilità di principio dell'obbligo di tassa ecclesiastica delle persone giuridiche con l'art. 49 cpv. 6 vCost [ora art. 15 Cost.].»\n\n**BGE 128 I 317 cons. 4** del 20 febbraio 2002  \nTasse ecclesiastiche in caso di matrimonio confessionalmente misto.  \nLa libertà di credo e di coscienza pone limiti alla tassazione ecclesiastica.\n\n> «Mantenimento dei principi finora derivati dalla libertà di credo e di coscienza per la tassazione ecclesiastica nei matrimoni confessionalmente misti.»\n\n### Libertà religiosa nell'esecuzione penale\n\n**BGE 129 I 74 cons. 4.2** del 13 gennaio 2003  \nLibertà di culto in carcere — Limitazioni sono possibili.  \nLa libertà religiosa vale anche nel rapporto speciale di potere, ma con restrizioni.\n\n> «Nell'esecuzione penale si verificano, nell'interesse pubblico, limitazioni della libertà che derivano dallo scopo di questa istituzione e dal requisito del mantenimento di un funzionamento ordinato dell'istituto. Non possono andare oltre la misura necessaria a tal fine.»\n\n### Neutralità statale e simboli religiosi\n\n**BGE 148 I 160 cons. 7** del 23 dicembre 2021  \nLegge sulla laicità di Ginevra e libertà religiosa degli impiegati statali.  \nL'esercizio neutrale delle funzioni statali può limitare le manifestazioni religiose.\n\n> «L'art. 3 cpv. 3 e 5 LLE/GE, secondo cui le persone del tribunale, i membri delle autorità esecutive cantonali e i funzionari devono astenersi dal mettere in mostra la loro appartenenza religiosa tramite dichiarazioni o segni esteriori, è conforme agli art. 15 e 36 Cost. e all'art. 9 n. 1 CEDU. È tuttavia da evitare un'applicazione eccessivamente rigorosa di questa disposizione nel caso singolo.»\n\n**BGE 145 I 121 cons. 4** del 17 dicembre 2018  \nIl contributo di finanziamento della Chiesa cantonale a un centro di consulenza non viola la libertà religiosa.  \nIl sostegno indiretto di scopi non religiosi da parte di comunità religiose è ammissibile.\n\n> «La libertà di fede della Chiesa cantonale cattolica romana o il diritto della Chiesa cantonale non sono violati dal contributo vincolato a condizioni della Chiesa cantonale cattolica dei Grigioni dell'importo di fr. 15'000.- a un centro di consulenza per pianificazione familiare, sessualità, gravidanza e partenariato.»\n\n### Minoranze religiose e integrazione\n\n**BGE 126 I 133 cons. 4** del 23 maggio 2000  \nL'attività missionaria su suolo pubblico è sottoposta a limitazioni locali.  \nLa libertà religiosa non è illimitata e deve essere ponderata con altri interessi.\n\n> «Chi vuole distribuire prestazioni a pagamento e non fa chiaramente riconoscere al pubblico interessato l'eventuale obiettivo missionario collegato, deve mettere in conto che le sue azioni pubblicitarie non vengano privilegiate sotto l'aspetto della libertà religiosa.»\n\n### Rapporto con la CEDU\n\n**BGE 132 I 167 cons. 3** del 10 maggio 2006  \nLibertà religiosa e protezione dalla discriminazione nella naturalizzazione.  \nL'art. 15 Cost. e l'art. 9 CEDU hanno un effetto protettivo parallelo.\n\n> «Il richiamo all'art. 15 Cost. e all'art. 9 CEDU non ha significato autonomo riguardo al rimprovero che la naturalizzazione sia stata rifiutata per motivi discriminatori a causa dell'appartenenza religiosa, poiché il divieto di discriminazione dell'art. 8 cpv. 2 Cost. offre la protezione più ampia.»", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 15 of the Federal Constitution protects freedom of belief and conscience. This fundamental right guarantees all people in Switzerland the right to freely choose, practice or reject their religion or worldview.\n\nThe fundamental right has two sides: Positive religious freedom grants the right to have and practice a faith. Negative religious freedom protects against being forced into religious acts. Both aspects are equally important.\n\n**Who is protected?** All persons in Switzerland may invoke freedom of belief and conscience. This applies to Swiss citizens and foreigners, to adults and children. Religious communities (churches, mosques, temples) also have certain rights.\n\n**What is permitted?** People may practice their religion privately and publicly. They may pray, wear religious clothing, attend religious services and communicate their convictions to others. No one may force them to join a particular religion or perform religious acts.\n\n**Practical examples:** A Muslim female student may wear a headscarf at school. Jehovah's Witnesses cannot be forced to participate in patriotic celebrations. An employee may request leave on their religious holiday if the company permits it.\n\n**Where are the limits?** Religious freedom is not unlimited. The state may impose restrictions when other important interests are affected. Example: Church bells may be rung more quietly at night so that neighbours can sleep.\n\n**Special situations:** In school, the state must be neutral. It may not favour or disadvantage any religion. In naturalisation proceedings, it is prohibited to reject someone solely because of their religion. In prison or in the military, religious practices may be restricted, but must remain fundamentally possible.\n\n**Legal consequences:** Those who violate the fundamental right may be prosecuted in court. The Federal Court has clarified in many judgments that religious discrimination is inadmissible. At the same time, religious practices must sometimes take a back seat when they would severely impair others.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** Freedom of religion and conscience belongs to the oldest fundamental rights in the Swiss constitutional tradition. Already the Helvetic Constitution of 1798 guaranteed freedom of conscience in Art. 6. The Federal Constitution of 1848 guaranteed in Art. 44 the free exercise of worship for the recognised Christian denominations, whereby protection was successively extended to all religious communities (BBl 1997 I 157).\n\n**N. 2** The total revision of 1999 led to a comprehensive reformulation. The message emphasises that Art. 15 Const. protects «individual as well as collective, positive as well as negative freedom of religion and conscience» (BBl 1997 I 157). The constitutional legislator deliberately refrained from using the term «freedom of religion» in order to clarify that non-religious ideological convictions are also protected.\n\n**N. 3** The explicit anchoring of negative freedom of religion in para. 4 goes back to parliamentary motions that sought to strengthen protection against religious coercion. This reflects the increasing religious pluralisation of Swiss society since the 1960s (BBl 1997 I 158).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 15 Const. stands in the catalogue of fundamental rights (Art. 7–34 Const.) and has close connections to other constitutional norms. Freedom of religion and conscience is closely linked to human dignity (→ Art. 7 Const.), since religious and ideological convictions represent central elements of personality.\n\n**N. 5** Systematic cross-connections exist in particular to:\n- ↔ Art. 8 Const. (equality before the law and prohibition of discrimination based on religious conviction)\n- → Art. 35 Const. (realisation of fundamental rights, especially third-party effect)\n- → Art. 36 Const. (restriction of fundamental rights)\n- → Art. 62 Const. (education and religious neutrality)\n- → Art. 72 Const. (relationship between church and state)\n\n**N. 6** At the international level, Art. 15 Const. corresponds to Art. 9 ECHR and Art. 18 UN Covenant II. The Federal Court regularly refers to the case law of the ECtHR in its interpretation, whereby Art. 15 Const. partially grants more extensive protection (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 10-24).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** According to case law, the substantive scope of protection encompasses «all kinds of ideas about the relationship between humans and the divine that acquire a certain fundamental, ideological significance» (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 31). Religious as well as non-religious worldviews are protected, provided they exhibit a certain coherence and seriousness.\n\n**N. 8** According to prevailing doctrine, freedom of religion and conscience protects four dimensions (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 34-43):\n- **Forum internum**: The formation of inner conviction (absolutely protected)\n- **Forum externum**: The external expression of faith\n- **Positive freedom of religion**: The right to have and practise a faith\n- **Negative freedom of religion**: The right not to have a faith or to withdraw from religious acts\n\n**N. 9** The bearers of the fundamental right are primarily natural persons regardless of age and capacity for judgement (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 61-64). For children, there is competition between parental educational rights and the child's increasing self-determination (→ Art. 303 CC).\n\n**N. 10** According to **BGE 126 I 122**, legal persons can only invoke freedom of religion to a limited extent. Religious communities themselves are bearers of collective freedom of religion, while profit-oriented legal persons can be subject to church tax according to prevailing case law (critical: prevailing doctrine according to Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 15 Const. primarily establishes a defensive right against state interference. The state is obliged to maintain religious and ideological neutrality, whereby the Federal Court follows «a pluralistically open, objectively differentiating concept of neutrality» (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 47).\n\n**N. 12** As a right to services, Art. 15 Const. grants only minimal claims. A right to state support for religious activities does not exist in principle. Exceptions apply in special relationships of authority (criminal justice, military service), where the state must ensure a certain basic provision (**BGE 129 I 74**).\n\n**N. 13** The third-party effect of Art. 15 Const. is disputed. While indirect protection exists in labour law via → Art. 328 CO, direct third-party effect between private parties is limited to blatant cases according to prevailing doctrine (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 70-76).\n\n### 5. Contentious Issues\n\n**N. 14** The church tax liability of legal persons remains highly controversial. The Federal Court has maintained in consistent case law since **BGE 95 I 350** that legal persons cannot invoke freedom of religion. The prevailing doctrine criticises this practice as incompatible with negative freedom of religion (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 56; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 584; Müller/Schefer, Grundrechte, p. 267).\n\n**N. 15** The scope of state neutrality obligations is assessed differently. While Kiener/Kälin demand strict neutrality, Pahud de Mortanges and Karlen advocate for a cooperative understanding of neutrality that respects historically evolved relationships between state and religious communities (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 44-53).\n\n**N. 16** The scope of negative freedom of religion in schools remains disputed. On the question of mandatory participation in religiously influenced school events (Christmas celebrations, school prayers), Schefer takes a stricter position than Federal Court case law, which focuses on reasonableness in individual cases (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 271).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** In cases of interference with freedom of religion, a careful proportionality test according to → Art. 36 Const. must be conducted. According to prevailing doctrine, the core content comprises «solely inner freedom of religion» (Pahud de Mortanges, BSK BV, Art. 15 N. 108), while the forum externum remains subject to restrictions.\n\n**N. 18** In naturalisation procedures, particular sensitivity is required. Case law categorically prohibits rejection based on religious symbols such as the headscarf (**BGE 134 I 49**). Integration criteria must be formulated and applied in a religiously neutral manner.\n\n**N. 19** In the school sector, a case-by-case balancing of interests is recommended. Applications for exemption on religious grounds must be carefully examined, whereby the school's integration goal must be weighed against religious needs (**BGE 135 I 79**). General prohibitions of religious symbols require a formal legal basis (**BGE 139 I 280**).\n\n**N. 20** In labour law conflicts, it should be noted that the employer is obliged to show consideration for religious needs (→ Art. 328 CO), insofar as operational procedures permit. The scope of this obligation depends on the type of activity and the degree of customer contact.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Fundamental Principles of Freedom of Religion\n\n**BGE 142 I 49 E. 3** of 11 December 2015  \nHeadscarf ban for female pupils violates Art. 15 Const.  \nThe fundamental right protects both inner and outer freedom of religion.  \n\n> «Freedom of belief and conscience belongs to the oldest fundamental rights; evidence of the idea of tolerance can already be found in the fourth century. The freedom of belief and conscience anchored in the cited ideas is guaranteed by Art. 15 Const. It grants every person the right to freely choose their religion and their ideological conviction and to profess it alone or in community with others.»\n\n### Freedom of Religion in the School Context\n\n**BGE 135 I 79 E. 4.4** of 24 October 2008  \nSwimming lesson exemption for Muslim pupils — Determination of the meaning of religious rules.  \nThe fundamental right also protects convictions of religious minorities regardless of their prevalence.\n\n> «The religiously neutral state cannot examine religious rules for their theological correctness. Likewise, it is prohibited from determining the meaning of a religious prescription and thus its weight in the balancing of interests itself. Religious content that justifies religiously motivated behaviour or suggests certain modes of dress is fundamentally not to be examined.»\n\n**BGE 139 I 280 E. 5** of 11 July 2013  \nHeadscarf ban for female pupils requires a formal legislative basis.  \nSerious interference with Art. 15 Const. requires a sufficient legal basis.\n\n> «The prohibition of wearing a headscarf at school is a serious interference with the fundamental right of freedom of belief and conscience, which requires a formal legislative basis; the general public school legislation of the Canton of Thurgau does not constitute such a basis.»\n\n### Protection Against Discrimination and Naturalisation\n\n**BGE 134 I 49 E. 3.2** of 27 February 2008  \nNon-naturalisation due to wearing a headscarf is discriminatory.  \nArt. 15 Const. operates via Art. 8 para. 2 Const. in naturalisation proceedings.\n\n> «Basing a negative naturalisation decision on wearing a headscarf as a religious symbol is likely to impermissibly disadvantage the applicant. A qualified justification is lacking for this: The mere wearing of a headscarf does not in itself express an attitude that violates rule of law and democratic values.»\n\n**BGE 134 I 56 E. 5** of 27 February 2008  \nDiscrimination review in religiously motivated refusal of naturalisation.  \nLack of language skills may override headscarf wearing as a ground for refusal.\n\n> «In view of lacking German language and civic knowledge, the rejection of the naturalisation application stands constitutionally, regardless of the fact that the applicant wears a headscarf.»\n\n### Church Withdrawal and Negative Freedom of Religion\n\n**BGE 134 I 75 E. 3-9** of 16 November 2007  \nPartial church withdrawal from the cantonal church suffices.  \nNegative freedom of religion protects against coercion to belong to a religious community.\n\n> «The declaration of withdrawal from the cantonal church suffices; the person wishing to withdraw cannot be required to renounce the Roman Catholic Church as such.»\n\n**BGE 129 I 68 E. 3.1-3.4** of 18 December 2002  \nLegal effects of partial church withdrawal.  \nArt. 15 para. 4 Const. protects against coercion to practice religion.\n\n> «Legal effects of a declaration to withdraw only from the parish or cantonal church but to continue professing the Roman Catholic Church (so-called partial church withdrawal) are to be determined in light of freedom of belief and conscience.»\n\n### Church Taxes and Freedom of Religion\n\n**BGE 126 I 122 E. 3** of 13 June 2000  \nChurch tax liability of legal entities compatible with Art. 15 Const.  \nFreedom of religion primarily protects natural persons.\n\n> «Confirmation of previous case law on the fundamental compatibility of church tax liability of legal entities with Art. 49 para. 6 old Const. [now Art. 15 Const.].»\n\n**BGE 128 I 317 E. 4** of 20 February 2002  \nChurch taxes in confessionally mixed marriage.  \nFreedom of belief and conscience sets limits on church taxation.\n\n> «Adherence to the principles previously derived from freedom of belief and conscience for church taxation in confessionally mixed marriages.»\n\n### Freedom of Religion in Penal Enforcement\n\n**BGE 129 I 74 E. 4.2** of 13 January 2003  \nFreedom of worship in prison — restrictions are possible.  \nFreedom of religion also applies in special power relationships, but with restrictions.\n\n> «In penal enforcement, restrictions of freedom lying in the public interest arise from the purpose of this institution and from the requirement of maintaining orderly institutional operations. They may not exceed the measure necessary for this purpose.»\n\n### State Neutrality and Religious Symbols\n\n**BGE 148 I 160 E. 7** of 23 December 2021  \nGeneva Laïcité Act and freedom of religion of state employees.  \nNeutral exercise of state functions may restrict religious expressions.\n\n> «Art. 3 paras. 3 and 5 LLE/GE, according to which court personnel, members of cantonal executive authorities and civil servants are to refrain from displaying their religious affiliation through proclamations or external signs, is in conformity with Art. 15 and 36 Const. and Art. 9 No. 1 ECHR. However, an excessively strict application of this provision in individual cases is to be avoided.»\n\n**BGE 145 I 121 E. 4** of 17 December 2018  \nFinancing contribution of cantonal church to counselling centre does not violate freedom of religion.  \nIndirect promotion of non-religious purposes by religious communities is permissible.\n\n> «The freedom of belief of the Roman Catholic Cantonal Church or cantonal church law are not violated by the conditional contribution of the Catholic Cantonal Church of Grisons in the amount of CHF 15,000 to a counselling centre for family planning, sexuality, pregnancy and partnership.»\n\n### Religious Minorities and Integration\n\n**BGE 126 I 133 E. 4** of 23 May 2000  \nMissionary activity on public ground is subject to local restrictions.  \nFreedom of religion is not unlimited and must be balanced against other interests.\n\n> «Anyone who wants to distribute paid services and does not clearly reveal the possibly associated missionary goal to the targeted public must accept that their advertising actions are not privileged from the perspective of freedom of religion.»\n\n### Relationship to the ECHR\n\n**BGE 132 I 167 E. 3** of 10 May 2006  \nFreedom of religion and protection against discrimination in naturalisation.  \nArt. 15 Const. and Art. 9 ECHR have parallel protective effect.\n\n> «The invocation of Art. 15 Const. and Art. 9 ECHR has no independent significance with regard to the complaint that naturalisation was refused on discriminatory grounds due to religious affiliation, since the prohibition of discrimination in Art. 8 para. 2 Const. offers more extensive protection.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_15", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 16, "article_suffix": "", "title": "Meinungs- und Informationsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 16 BV — Meinungs- und Informationsfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArtikel 16 der Bundesverfassung schützt die freie Meinungsäusserung und den Zugang zu Informationen. Dieses Grundrecht ist für die Demokratie und die persönliche Entfaltung zentral.\n\n**Was regelt die Norm?** Die Norm gewährleistet drei Bereiche: Erstens darf jede Person ihre Meinung frei bilden, äussern und verbreiten. Zweitens kann sie Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen empfangen und beschaffen. Drittens darf sie diese Informationen weiterverbreiten. Das Grundrecht schützt alle Arten von Meinungsäusserungen — von der politischen Kritik bis zur Kunstkritik. Auch unwahre oder schockierende Aussagen sind grundsätzlich geschützt.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Personen in der Schweiz können sich auf dieses Grundrecht berufen — Schweizer und Ausländer, natürliche und juristische Personen. Besonders wichtig ist es für Journalisten, Politiker, Demonstranten und alle, die sich öffentlich äussern wollen. Auch der Staat ist betroffen: Er darf die Meinungsfreiheit nur unter strengen Voraussetzungen einschränken.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Der Staat muss Meinungsäusserungen grundsätzlich dulden und darf keine Zensur ausüben. Bei Einschränkungen (zum Beispiel Demonstrationsverboten) muss er eine gesetzliche Grundlage haben und die Verhältnismässigkeit beachten. Personen können sich vor Gericht wehren, wenn ihre Meinungsfreiheit verletzt wird. Die Gerichte müssen zwischen geschützter Meinung und strafbaren Äusserungen (wie Verleumdung oder Rassismus) unterscheiden.\n\n**Beispiel:** Eine Bürgerin will gegen die Regierung demonstrieren. Die Stadt darf ihr dies nicht einfach verbieten. Sie braucht dafür schwerwiegende Gründe wie eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Auch wenn die Meinung der Bürgerin unpopulär oder kritisch ist, geniesst sie Schutz. Anders wäre es, wenn sie zu Gewalt aufrufen oder andere beschimpfen würde.\n\nDie Informationsfreiheit bedeutet, dass Behörden bestimmte Dokumente zugänglich machen müssen. Private Medien können Verwaltungsunterlagen einsehen, um die Öffentlichkeit zu informieren. Dies trägt zur demokratischen Kontrolle bei.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Meinungs- und Informationsfreiheit wurde in der Totalrevision von 1999 erstmals ausdrücklich in der Bundesverfassung verankert. Die Pressefreiheit war bereits in Art. 55 aBV vom 14. Juni 1973 gewährleistet (**BGE 127 I 164 E. 2a**), während die allgemeine Meinungsfreiheit nur durch die bundesgerichtliche Rechtsprechung als ungeschriebenes Grundrecht anerkannt war. Die neue Bestimmung vereinigt die verschiedenen Kommunikationsfreiheiten und folgt dabei systematisch Art. 10 EMRK und Art. 19 UNO-Pakt II (BBl 1997 I 152 f.).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber bezweckte mit Art. 16 BV eine umfassende Gewährleistung der individuellen und öffentlichen Kommunikation. Die Bestimmung soll nach der Botschaft «die freie Kommunikation als Grundlage der persönlichen Entfaltung und des demokratischen Staatswesens» schützen (BBl 1997 I 153). Die explizite Verankerung der Informationsfreiheit in Abs. 3 erfolgte auf Empfehlung der Expertenkommission zur Stärkung der demokratischen Mitbestimmung (BBl 1997 I 153).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 16 BV bildet zusammen mit den spezialisierten Kommunikationsgrundrechten (Art. 17 BV Medienfreiheit, Art. 20 BV Wissenschaftsfreiheit, Art. 21 BV Kunstfreiheit, Art. 22 BV Versammlungsfreiheit, Art. 23 BV Vereinigungsfreiheit) das System der Kommunikationsfreiheiten. Diese stehen in einem Spezialitätsverhältnis zueinander, wobei die Frage der Subsidiarität umstritten ist.\n\n**N. 4** Das Bundesgericht konstruiert die Meinungsfreiheit als subsidiäres Auffanggrundrecht (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5; **BGE 127 I 145 E. 4b**). Demgegenüber kritisiert Maya Hertig diese strenge Subsidiarität als nicht weiterführend (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5). Die praktische Relevanz zeigt sich bei kommerziellen Äusserungen, die das Bundesgericht der Wirtschaftsfreiheit zuordnet, während der EGMR sie unter Art. 10 EMRK subsumiert (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11).\n\n**N. 5** Die Meinungsfreiheit steht in engem Zusammenhang mit der Menschenwürde (Art. 7 BV), dem Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) und dem Schutz der Privatsphäre (Art. 13 BV). Einschränkungen unterliegen den allgemeinen Schrankenbestimmungen nach Art. 36 BV sowie dem absoluten Zensurverbot (Art. 17 Abs. 2 BV) für Massenmedien.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Persönlicher Schutzbereich\n\n**N. 6** Die Meinungs- und Informationsfreiheit steht allen natürlichen Personen unabhängig von Alter und Staatsangehörigkeit zu. Juristische Personen können sich nach herrschender Lehre ebenfalls darauf berufen, soweit der Grundrechtszweck dies zulässt (**BGE 139 I 306 E. 2.1**; BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 7). Auch staatsnahe Unternehmen wie die SRG sind bei privatrechtlichem Handeln grundrechtsgebunden (**BGE 139 I 306 E. 2.3**).\n\n#### 3.2 Materieller Schutzbereich der Meinungsfreiheit (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die Meinungsfreiheit umfasst drei Phasen: die freie Meinungsbildung, die ungehinderte Meinungsäusserung und die Meinungsverbreitung. Als «Meinung» gilt jede Kommunikation von Gedankeninhalten unabhängig von ihrem Wert oder Wahrheitsgehalt (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 9; **BGE 131 IV 23 E. 3.1**).\n\n**N. 8** Die Abgrenzung zwischen Tatsachenbehauptungen und Werturteilen ist für die Reichweite des Schutzes bedeutsam. Während Werturteile umfassend geschützt sind, können unwahre Tatsachenbehauptungen eingeschränkt werden (**BGE 137 IV 313 E. 2.1**). Die Vermischung von Tatsachen und Wertungen ist nach der Gesamtwürdigung zu beurteilen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 10).\n\n**N. 9** Kontrovers ist die Zuordnung kommerzieller Äusserungen. Das Bundesgericht unterstellt Wirtschaftswerbung grundsätzlich nicht der Meinungs-, sondern der Wirtschaftsfreiheit (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11; **BGE 128 I 295 E. 5a**). Der EGMR hingegen wendet Art. 10 EMRK auch auf kommerzielle Kommunikation an, gewährt ihr aber reduzierten Schutz (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11).\n\n**N. 10** Umstritten ist ferner die grundrechtliche Einordnung des Bettelns. Das Bundesgericht prüft Bettelverbote im Lichte der persönlichen Freiheit (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12; **BGE 149 I 248 E. 2.3**). Maya Hertig fordert demgegenüber, die kommunikativen Elemente des Bettelns bei der Beurteilung zu berücksichtigen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12).\n\n#### 3.3 Materieller Schutzbereich der Informationsfreiheit (Abs. 3)\n\n**N. 11** Die Informationsfreiheit gewährleistet drei Aspekte: den freien Empfang von Informationen, die Beschaffung aus allgemein zugänglichen Quellen und die Weiterverbreitung (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 18). Sie schützt die passive Informationsaufnahme und die aktive Informationsbeschaffung gleichermassen (**BGE 127 I 145 E. 4b**).\n\n**N. 12** Zentral ist die Definition «allgemein zugänglicher Quellen». Das Bundesgericht folgt einem restriktiven Ansatz: Die Zugänglichkeit bestimmt sich nach der Umschreibung durch Verfassungs- und Gesetzgeber (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25; **BGE 144 I 170 E. 3.2**). Maya Hertig kritisiert diesen Ansatz als zunehmend überholt (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25).\n\n**N. 13** Die Verwaltung stellt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich keine der Öffentlichkeit zugängliche Quelle dar, es gilt das Geheimhaltungsprinzip mit Öffentlichkeitsvorbehalt (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 29; **BGE 127 I 145 E. 5**). Mit dem Öffentlichkeitsprinzip auf Bundesebene (BGÖ) und entsprechenden kantonalen Regelungen hat sich dies teilweise geändert (**BGE 144 I 170 E. 3.3**).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 16 BV begründet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe. Der Staat muss sich jeder Einmischung in die Kommunikation enthalten, insbesondere jeder Form der Zensur (Art. 17 Abs. 2 BV; **BGE 137 I 209 E. 5.2**). Die negative Meinungsfreiheit schützt auch das Recht zu schweigen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 15).\n\n**N. 15** Aus der objektiv-rechtlichen Dimension folgen Schutzpflichten des Staates. Er muss die Kommunikationsfreiheit vor Eingriffen Dritter schützen und die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Ausübung schaffen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 15; **BGE 136 I 167 E. 3.1**).\n\n**N. 16** Maya Hertig betont, dass die Verweigerung des Zugangs zu Informationsquellen stets als Grundrechtseingriff zu bewerten ist und den Anforderungen von Art. 36 BV genügen muss (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 33). Dies gilt unabhängig davon, ob eine Quelle bereits als «allgemein zugänglich» qualifiziert wird.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Subsidiarität der Meinungsfreiheit ist umstritten. Während das Bundesgericht Art. 16 BV als Auffanggrundrecht konstruiert (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5), plädiert Maya Hertig für eine parallele Anwendbarkeit mit den spezielleren Kommunikationsfreiheiten (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5). Die Praxis zeigt, dass oft beide Grundrechte gemeinsam geprüft werden (**BGE 137 I 209 E. 4.1**).\n\n**N. 18** Bei kommerziellen Äusserungen divergieren Bundesgericht und EGMR. Das Bundesgericht ordnet sie der Wirtschaftsfreiheit zu (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11), während der EGMR sie unter die Meinungsfreiheit subsumiert, aber mit reduziertem Schutz (Hertig Randall, HRLR 2006, 53 ff.). Diese Divergenz kann bei der Beurteilung von Werbeverboten relevant werden (**BGE 139 I 306 E. 2.5**).\n\n**N. 19** Die grundrechtliche Qualifikation des Bettelns bleibt kontrovers. Das Bundesgericht verneint die Anwendbarkeit der Meinungsfreiheit (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12; **BGE 149 I 248 E. 2.3**). Die Lehre fordert teilweise, die kommunikative Dimension zu berücksichtigen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12).\n\n**N. 20** Der Begriff der «allgemein zugänglichen Quellen» wird unterschiedlich interpretiert. Das Bundesgericht folgt einem formalistischen Ansatz (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25), während die neuere Lehre für eine dynamische Auslegung im Lichte der Digitalisierung plädiert (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Prüfung von Eingriffen ist der «chilling effect» zu berücksichtigen. Bereits die Androhung von Sanktionen oder Kostenfolgen kann die Grundrechtsausübung beeinträchtigen (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 40; **BGE 143 I 147 E. 3.5.3**). Dies gilt insbesondere bei Demonstrationen und kritischer Berichterstattung.\n\n**N. 22** Für «Whistleblower» in der öffentlichen Verwaltung gelten besondere Abwägungen. Die dienstliche Treuepflicht kann die Meinungsfreiheit einschränken, doch sind Meldungen von Missständen unter bestimmten Voraussetzungen geschützt (Hangartner, AJP 2012, 490 ff.; **BGE 136 I 332 E. 3.3**).\n\n**N. 23** Bei politischen Äusserungen ist der Schutzbereich weit zu fassen. Auch provokative und schockierende Meinungen sind geschützt, solange sie nicht die Grenzen des Strafrechts überschreiten (**BGE 138 I 274 E. 5.2**; **BGE 131 IV 23 E. 3.1**).\n\n**N. 24** Die formelle Gesetzesgrundlage (Art. 36 Abs. 1 BV) ist bei kommunalen Demonstrationsverboten oft problematisch. Polizeigeneralklauseln genügen nur bei schwerer und unmittelbarer Gefahr (**BGE 127 I 164 E. 3b**). Präventive Massnahmen müssen verhältnismässig sein (**BGE 142 I 121 E. 7**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundlegende Prinzipien der Meinungsfreiheit\n\n**BGE 138 I 274 E. 2.2** vom 3. Juli 2012  \nZensurverbot bei Plakaten im öffentlichen Raum  \nDas Bundesgericht etablierte fundamentale Grundsätze zur Meinungsfreiheit bei der ausserordentlichen Nutzung öffentlicher Sachen.\n\n> «Aushängen von Plakaten zu aussenpolitischen Themen stellt eine Form der Meinungsäusserung dar, die in den Schutzbereich der Meinungsäusserungsfreiheit nach Art. 16 Abs. 2 BV fällt. [...] Auch inhaltlich provozierende oder schockierende Äusserungen verdienen grundrechtlichen Schutz. [...] Ein generelles Verbot von solchen Themen würde der ideellen Funktion der Meinungsäusserungsfreiheit nicht Rechnung tragen und käme einer verbotenen Zensur gleich.»\n\n**BGE 127 I 164 E. 3** vom 1. Januar 2001  \nGrundzüge der Demonstrations- und Meinungsfreiheit  \nWegweisender Entscheid zu Kundgebungen im Zusammenhang mit dem Weltwirtschaftsforum Davos, der die Grundprinzipien des Verhältnisses zwischen Meinungsfreiheit und öffentlicher Ordnung definiert.\n\n> «Die Behörde hat demnach die entgegenstehenden Interessen nach objektiven Gesichtspunkten gegeneinander abzuwägen und dabei dem legitimen Bedürfnis, Nutzungen mit Appellwirkung an die Öffentlichkeit durchführen zu können, angemessen Rechnung zu tragen. [...] Ob die Auffassungen, die durch die Meinungsäusserung propagiert werden sollen, der zuständigen Behörde mehr oder weniger wertvoll oder wichtig erscheinen, kann für den Entscheid über das Gesuch nicht massgebend sein.»\n\n**BGE 136 I 332 E. 3.1** vom 31. August 2010  \nMeinungsfreiheit öffentlich-rechtlicher Angestellter  \nGrundlegender Entscheid zur Meinungsfreiheit von Staatsangestellten ausserhalb des Dienstverhältnisses.\n\n> «Das Verteilen von Flugblättern ist eine Form der Meinungsäusserung, die in den Schutzbereich der Meinungsäusserungsfreiheit fällt.»\n\n### Informationsfreiheit nach Art. 16 Abs. 3 BV\n\n**BGE 144 I 170 E. 6-8** vom 27. Juni 2018  \nZugang zu behördlichen Dokumenten  \nWegweisender Entscheid zur Reichweite der Informationsfreiheit bei kantonalen Aktenzugangsgesetzen, der die Grenzen zwischen Transparenz und Verwaltungsaufwand definiert.\n\n> «Das kantonale Verfassungsrecht beschränkt den Informationsanspruch nicht auf öffentlich zugängliche Akten und das Gesetz schliesst auch Verwaltungsjustizakten nicht vom Zugangsanspruch aus. Eine Verweigerung des Aktenzugangs kann mithin nur in Betracht fallen, wenn ein so ausserordentlicher Aufwand zu bewältigen wäre, dass der Geschäftsgang der Behörde dadurch erheblich beeinträchtigt bzw. nahezu lahmgelegt würde.»\n\n**BGE 127 I 145 E. 4** vom 1. Januar 2001  \nEinsicht in archivierte Strafakten  \nGrundsätzlicher Entscheid zu den Grenzen der Wissenschafts- und Informationsfreiheit bei nicht allgemein zugänglichen Dokumenten.\n\n> «Die Informations- und Wissenschaftsfreiheit räumen keinen generellen Anspruch auf Beschaffung von Informationen aus nicht allgemein zugänglichen Quellen (archivierten Akten während Schutzfristen) ein.»\n\n### Medienfreiheit und Zugang zu Sendezeit\n\n**BGE 139 I 306 E. 3-5** vom 1. Januar 2013  \nGrundrechtsbindung der SRG im Werbebereich  \nRichtungsweisender Entscheid zur Grundrechtsbindung öffentlich-rechtlicher Medienunternehmen bei der Werbezeitverweigerung.\n\n> «Bei ihrem privatrechtlichen Handeln im Werbebereich ist die SRG grundrechtsgebunden. Sie hat dabei insbesondere (auch) dem ideellen Gehalt der Freiheitsrechte Rechnung zu tragen. Die blosse Befürchtung, eine umstrittene (ideelle) Werbung könnte ihrem Ruf abträglich sein, stellt kein hinreichendes Interesse dar, die Ausstrahlung eines ihr gegenüber kritischen Werbespots zu verweigern, solange der Auftraggeber nicht widerrechtlich handelt.»\n\n**BGE 143 I 194 E. 3** vom 1. Januar 2017  \nMedienausschluss von Gerichtsverhandlungen  \nEntscheid zur Abwägung zwischen Medienfreiheit und anderen Verfahrensinteressen im Strafprozess.\n\n> «Die rechtsstaatliche und demokratische Bedeutung des Grundsatzes der Justizöffentlichkeit gebietet, einen Ausschluss des Publikums und der Medienschaffenden in gerichtlichen Strafverfahren nur sehr restriktiv, mithin bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen, zuzulassen.»\n\n### Grenzen der Meinungsfreiheit im Strafrecht\n\n**BGE 137 IV 313 E. 2-3** vom 16. September 2011  \nÜble Nachrede und politische Meinungsäusserung  \nGrundlegender Entscheid zur Abgrenzung zwischen zulässiger politischer Kritik und strafbarer Ehrverletzung.\n\n> «Einer Person zu unterstellen, sie habe Sympathien für das Nazi-Regime, ist selbst für einen Politiker ehrverletzend.»\n\n**BGE 131 IV 23 E. 2-3** vom 1. Januar 2004  \nRassendiskriminierung und Meinungsfreiheit  \nWegweisender Entscheid zur Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz vor Rassendiskriminierung nach Art. 261bis StGB.\n\n> «Als Herabsetzung oder Diskriminierung im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 StGB erscheinen alle Verhaltensweisen, durch welche den Angehörigen einer Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer Rasse, Ethnie oder Religion die Gleichwertigkeit als menschliche Wesen oder die Gleichberechtigung in Bezug auf die Menschenrechte abgesprochen oder zumindest in Frage gestellt wird.»\n\n**BGE 128 IV 201 E. 1** vom 1. Januar 2002  \nHarte Pornographie und Meinungsfreiheit  \nEntscheid zu den Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit bei der Verbreitung pornographischer Inhalte.\n\n> «Die Bestrafung wegen des Vertriebes von pornographischen Magazinen und Videofilmen, die sexuelle Handlungen mit Gewalttätigkeiten bzw. mit menschlichen Ausscheidungen zum Inhalt haben, verstösst auch dann nicht gegen die Meinungsäusserungsfreiheit, wenn mit diesen Erzeugnissen ausschliesslich interessierte und eingeweihte Erwachsene bedient werden.»\n\n### Meinungsfreiheit bei Demonstrationen und Kundgebungen\n\n**BGE 143 I 147 E. 3** vom 1. Januar 2017  \nKostenauferlegung bei Kundgebungen  \nWichtiger Entscheid zur finanziellen Belastung von Meinungsäusserungen im öffentlichen Raum.\n\n> «Die Auferlegung von Kosten stellt einen Grundrechtseingriff dar. [...] Eine Kostenauferlegung, die dazu führt, dass auf die Durchführung einer Kundgebung verzichtet werden muss, weil die finanziellen Mittel nicht ausreichen, beeinträchtigt die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in ihrem Kernbereich.»\n\n**BGE 132 I 256 E. 3-4** vom 1. August 2006  \nKundgebung am Nationalfeiertag  \nEntscheid zur Verweigerung einer Demonstration extremistischer Gruppierungen am 1. August in Brunnen.\n\n> «Die Behörde hat die entgegenstehenden Interessen nach objektiven Gesichtspunkten gegeneinander abzuwägen und dabei dem legitimen Bedürfnis, Nutzungen mit Appellwirkung an die Öffentlichkeit durchführen zu können, angemessen Rechnung zu tragen.»\n\n**BGE 134 IV 216 E. 4-6** vom 3. April 2008  \nNötigung bei Streikaktionen  \nEntscheid zur Abgrenzung zwischen legitimer Meinungsäusserung und strafbarer Nötigung bei Verkehrsblockaden.\n\n> «Wer Manifestanten dazu auffordert, sich um ein Fahrzeug zu gruppieren, um so ein Eingreifen der Polizei zu vereiteln, macht sich der Anstiftung zur Hinderung einer Amtshandlung schuldig, wenn der Polizeieinsatz tatsächlich behindert wird.»\n\n### Spezielle Anwendungsbereiche\n\n**BGE 147 I 372 E. 4-6** vom 22. April 2021  \nDNA-Erfassung bei friedlichen Demonstrationen  \nAktueller Entscheid zur Verhältnismässigkeit polizeilicher Massnahmen bei der Wahrnehmung von Grundrechten.\n\n> «Die erkennungsdienstliche Erfassung und die Entnahme von DNA-Proben bei Personen, die lediglich an einer friedlichen Kundgebung teilgenommen haben, ohne sich strafbar zu verhalten, stellen einen schwerwiegenden Eingriff in mehrere Grundrechte dar.»\n\n**BGE 130 I 369 E. 2** vom 7. Juli 2004  \nPolizeiliche Zugangsverweigerung für Journalisten  \nEntscheid zur Informationsfreiheit und Bewegungsfreiheit von Medienvertretern bei Grossereignissen.\n\n> «Die polizeiliche Hinderung des Zugangs nach Davos anlässlich des Weltwirtschaftsforums 2001 berührt den betroffenen Journalisten in der persönlichen Freiheit sowie in der Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit.»\n\n**BGE 149 I 248 E. 5-7** vom 1. Januar 2023  \nBettelverbot und Meinungsfreiheit  \nJüngster Entscheid zur Abgrenzung zwischen Meinungsäusserung und anderen Formen des Ausdrucks.\n\n> «Bettelei fällt in den Schutzbereich des Grundrechts der persönlichen Freiheit bzw. des Rechts auf Achtung des Privatlebens. [...] Soweit Bettelei Elemente der Kommunikation oder des Appells an die Solidarität enthält, kann sie auch den Schutzbereich der Meinungsäusserungsfreiheit berühren.»", "summary_fr": "# Art. 16 Cst — Liberté d'opinion et d'information\n\n## Aperçu\n\nL'article 16 de la Constitution fédérale protège la libre expression d'opinion et l'accès aux informations. Ce droit fondamental est central pour la démocratie et l'épanouissement personnel.\n\n**Que règle la norme ?** La norme garantit trois domaines : Premièrement, toute personne peut librement se former une opinion, l'exprimer et la diffuser. Deuxièmement, elle peut recevoir et se procurer des informations provenant de sources accessibles au public. Troisièmement, elle peut diffuser ces informations. Ce droit fondamental protège tous les types d'expressions d'opinion — de la critique politique à la critique artistique. Même les affirmations fausses ou choquantes sont en principe protégées.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes en Suisse peuvent invoquer ce droit fondamental — Suisses et étrangers, personnes physiques et morales. Il est particulièrement important pour les journalistes, les politiciens, les manifestants et tous ceux qui veulent s'exprimer publiquement. L'État est également concerné : il ne peut restreindre la liberté d'opinion que sous des conditions strictes.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** L'État doit en principe tolérer les expressions d'opinion et ne peut exercer de censure. En cas de restrictions (par exemple interdictions de manifester), il doit avoir une base légale et respecter la proportionnalité. Les personnes peuvent se défendre devant les tribunaux si leur liberté d'opinion est violée. Les tribunaux doivent distinguer entre opinion protégée et expressions punissables (comme la diffamation ou le racisme).\n\n**Exemple :** Une citoyenne veut manifester contre le gouvernement. La ville ne peut pas simplement le lui interdire. Elle a besoin pour cela de motifs graves comme un danger concret pour la sécurité publique. Même si l'opinion de la citoyenne est impopulaire ou critique, elle jouit d'une protection. Il en irait différemment si elle appelait à la violence ou insultait autrui.\n\nLa liberté d'information signifie que les autorités doivent rendre certains documents accessibles. Les médias privés peuvent consulter les documents administratifs pour informer le public. Ceci contribue au contrôle démocratique.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La liberté d'opinion et d'information a été ancrée pour la première fois expressément dans la Constitution fédérale lors de la révision totale de 1999. La liberté de la presse était déjà garantie à l'art. 55 anc.Cst. du 14 juin 1973 (**ATF 127 I 164 consid. 2a**), alors que la liberté d'opinion générale n'était reconnue que par la jurisprudence du Tribunal fédéral comme droit fondamental non écrit. La nouvelle disposition unit les différentes libertés de communication et suit systématiquement l'art. 10 CEDH et l'art. 19 Pacte II de l'ONU (FF 1997 I 146 s.).\n\n**N. 2** Le constituant visait avec l'art. 16 Cst. une garantie globale de la communication individuelle et publique. La disposition doit selon le message protéger « la libre communication en tant que fondement de l'épanouissement personnel et de l'État démocratique » (FF 1997 I 147). L'ancrage explicite de la liberté d'information à l'al. 3 a eu lieu sur recommandation de la commission d'experts pour le renforcement de la participation démocratique (FF 1997 I 147).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 16 Cst. forme avec les droits fondamentaux spécialisés de communication (art. 17 Cst. liberté des médias, art. 20 Cst. liberté de la science, art. 21 Cst. liberté de l'art, art. 22 Cst. liberté de réunion, art. 23 Cst. liberté d'association) le système des libertés de communication. Celles-ci entretiennent entre elles un rapport de spécialité, la question de la subsidiarité étant controversée.\n\n**N. 4** Le Tribunal fédéral construit la liberté d'opinion comme un droit fondamental de rattrapage subsidiaire (BSK BV-Hertig, art. 16 N 5; **ATF 127 I 145 consid. 4b**). À l'inverse, Maya Hertig critique cette subsidiarité stricte comme ne menant nulle part (BSK BV-Hertig, art. 16 N 5). La pertinence pratique se manifeste pour les déclarations commerciales, que le Tribunal fédéral attribue à la liberté économique, alors que la CourEDH les subsume sous l'art. 10 CEDH (BSK BV-Hertig, art. 16 N 11).\n\n**N. 5** La liberté d'opinion entretient un lien étroit avec la dignité humaine (art. 7 Cst.), l'interdiction de discrimination (art. 8 al. 2 Cst.) et la protection de la sphère privée (art. 13 Cst.). Les restrictions sont soumises aux dispositions générales sur les limites selon l'art. 36 Cst. ainsi qu'à l'interdiction absolue de censure (art. 17 al. 2 Cst.) pour les médias de masse.\n\n### 3. Éléments constitutifs du fait / Contenu de la norme\n\n#### 3.1 Champ de protection personnel\n\n**N. 6** La liberté d'opinion et d'information appartient à toutes les personnes physiques indépendamment de leur âge et de leur nationalité. Les personnes morales peuvent également s'en prévaloir selon la doctrine dominante, dans la mesure où le but du droit fondamental le permet (**ATF 139 I 306 consid. 2.1**; BSK BV-Hertig, art. 16 N 7). Les entreprises proches de l'État comme la SSR sont également liées par les droits fondamentaux lors d'activités de droit privé (**ATF 139 I 306 consid. 2.3**).\n\n#### 3.2 Champ de protection matériel de la liberté d'opinion (al. 2)\n\n**N. 7** La liberté d'opinion comprend trois phases : la libre formation de l'opinion, l'expression libre d'opinion et la diffusion d'opinion. Constitue une « opinion » toute communication de contenus de pensée indépendamment de leur valeur ou de leur véracité (BSK BV-Hertig, art. 16 N 9; **ATF 131 IV 23 consid. 3.1**).\n\n**N. 8** La délimitation entre affirmations de fait et jugements de valeur est significative pour l'étendue de la protection. Alors que les jugements de valeur sont protégés de manière globale, les affirmations de fait non véridiques peuvent être restreintes (**ATF 137 IV 313 consid. 2.1**). Le mélange de faits et d'évaluations doit être jugé selon une appréciation globale (BSK BV-Hertig, art. 16 N 10).\n\n**N. 9** L'attribution des déclarations commerciales est controversée. Le Tribunal fédéral ne soumet pas en principe la publicité économique à la liberté d'opinion, mais à la liberté économique (BSK BV-Hertig, art. 16 N 11; **ATF 128 I 295 consid. 5a**). La CourEDH en revanche applique l'art. 10 CEDH également à la communication commerciale, mais lui accorde une protection réduite (BSK BV-Hertig, art. 16 N 11).\n\n**N. 10** La classification constitutionnelle de la mendicité est en outre controversée. Le Tribunal fédéral examine les interdictions de mendier à la lumière de la liberté personnelle (BSK BV-Hertig, art. 16 N 12; **ATF 149 I 248 consid. 2.3**). Maya Hertig demande à l'inverse de prendre en compte les éléments communicatifs de la mendicité dans l'évaluation (BSK BV-Hertig, art. 16 N 12).\n\n#### 3.3 Champ de protection matériel de la liberté d'information (al. 3)\n\n**N. 11** La liberté d'information garantit trois aspects : la réception libre d'informations, l'obtention à partir de sources généralement accessibles et la diffusion (BSK BV-Hertig, art. 16 N 18). Elle protège autant la prise d'information passive que l'obtention active d'informations (**ATF 127 I 145 consid. 4b**).\n\n**N. 12** La définition des « sources généralement accessibles » est centrale. Le Tribunal fédéral suit une approche restrictive : l'accessibilité se détermine selon la délimitation par le constituant et le législateur (BSK BV-Hertig, art. 16 N 25; **ATF 144 I 170 consid. 3.2**). Maya Hertig critique cette approche comme de plus en plus dépassée (BSK BV-Hertig, art. 16 N 25).\n\n**N. 13** L'administration ne constitue pas en principe selon la jurisprudence du Tribunal fédéral une source accessible au public, le principe du secret avec réserve de publicité s'applique (BSK BV-Hertig, art. 16 N 29; **ATF 127 I 145 consid. 5**). Avec le principe de publicité au niveau fédéral (LTrans) et les réglementations cantonales correspondantes, cela a partiellement changé (**ATF 144 I 170 consid. 3.3**).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'art. 16 Cst. fonde principalement un droit de défense contre les interventions étatiques. L'État doit s'abstenir de toute ingérence dans la communication, en particulier de toute forme de censure (art. 17 al. 2 Cst.; **ATF 137 I 209 consid. 5.2**). La liberté d'opinion négative protège aussi le droit de se taire (BSK BV-Hertig, art. 16 N 15).\n\n**N. 15** De la dimension objective-juridique découlent des obligations de protection de l'État. Il doit protéger la liberté de communication contre les interventions de tiers et créer les conditions-cadre légales pour son exercice (BSK BV-Hertig, art. 16 N 15; **ATF 136 I 167 consid. 3.1**).\n\n**N. 16** Maya Hertig souligne que le refus de l'accès aux sources d'information doit toujours être évalué comme une atteinte aux droits fondamentaux et satisfaire aux exigences de l'art. 36 Cst. (BSK BV-Hertig, art. 16 N 33). Cela vaut indépendamment de la question de savoir si une source est déjà qualifiée comme « généralement accessible ».\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 17** La subsidiarité de la liberté d'opinion est controversée. Alors que le Tribunal fédéral construit l'art. 16 Cst. comme droit fondamental de rattrapage (BSK BV-Hertig, art. 16 N 5), Maya Hertig plaide pour une applicabilité parallèle avec les libertés de communication plus spécialisées (BSK BV-Hertig, art. 16 N 5). La pratique montre que souvent les deux droits fondamentaux sont examinés conjointement (**ATF 137 I 209 consid. 4.1**).\n\n**N. 18** Pour les déclarations commerciales, le Tribunal fédéral et la CourEDH divergent. Le Tribunal fédéral les attribue à la liberté économique (BSK BV-Hertig, art. 16 N 11), alors que la CourEDH les subsume sous la liberté d'opinion, mais avec une protection réduite (Hertig Randall, HRLR 2006, 53 ss.). Cette divergence peut devenir pertinente lors de l'évaluation d'interdictions publicitaires (**ATF 139 I 306 consid. 2.5**).\n\n**N. 19** La qualification constitutionnelle de la mendicité reste controversée. Le Tribunal fédéral nie l'applicabilité de la liberté d'opinion (BSK BV-Hertig, art. 16 N 12; **ATF 149 I 248 consid. 2.3**). La doctrine demande partiellement de prendre en compte la dimension communicative (BSK BV-Hertig, art. 16 N 12).\n\n**N. 20** La notion de « sources généralement accessibles » est interprétée différemment. Le Tribunal fédéral suit une approche formaliste (BSK BV-Hertig, art. 16 N 25), alors que la doctrine plus récente plaide pour une interprétation dynamique à la lumière de la digitalisation (BSK BV-Hertig, art. 16 N 25).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Lors de l'examen des interventions, il faut prendre en compte le « chilling effect ». Déjà la menace de sanctions ou de conséquences financières peut porter atteinte à l'exercice des droits fondamentaux (BSK BV-Hertig, art. 16 N 40; **ATF 143 I 147 consid. 3.5.3**). Cela vaut en particulier pour les manifestations et les reportages critiques.\n\n**N. 22** Pour les « lanceurs d'alerte » dans l'administration publique, des pondérations particulières s'appliquent. L'obligation de fidélité du service peut restreindre la liberté d'opinion, mais les signalements d'irrégularités sont protégés sous certaines conditions (Hangartner, AJP 2012, 490 ss.; **ATF 136 I 332 consid. 3.3**).\n\n**N. 23** Pour les déclarations politiques, le champ de protection doit être conçu largement. Même les opinions provocantes et choquantes sont protégées, tant qu'elles ne dépassent pas les limites du droit pénal (**ATF 138 I 274 consid. 5.2**; **ATF 131 IV 23 consid. 3.1**).\n\n**N. 24** La base légale formelle (art. 36 al. 1 Cst.) est souvent problématique pour les interdictions communales de manifestation. Les clauses générales de police ne suffisent qu'en cas de danger grave et immédiat (**ATF 127 I 164 consid. 3b**). Les mesures préventives doivent être proportionnées (**ATF 142 I 121 consid. 7**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes fondamentaux de la liberté d'opinion\n\n**ATF 138 I 274 c. 2.2** du 3 juillet 2012  \nInterdiction de censure pour des affiches dans l'espace public  \nLe Tribunal fédéral a établi des principes fondamentaux relatifs à la liberté d'opinion lors de l'utilisation extraordinaire de biens publics.\n\n> « L'affichage de placards sur des thèmes de politique extérieure constitue une forme d'expression d'opinion qui relève du champ de protection de la liberté d'expression selon l'art. 16 al. 2 Cst. [...] Les déclarations provocantes ou choquantes sur le plan du contenu méritent aussi une protection des droits fondamentaux. [...] Une interdiction générale de tels sujets ne rendrait pas justice à la fonction idéelle de la liberté d'expression et équivaudrait à une censure interdite. »\n\n**ATF 127 I 164 c. 3** du 1er janvier 2001  \nTraits fondamentaux des libertés de manifestation et d'opinion  \nDécision de référence sur les rassemblements en relation avec le Forum économique mondial de Davos, qui définit les principes fondamentaux de la relation entre liberté d'opinion et ordre public.\n\n> « L'autorité doit par conséquent pondérer les intérêts opposés selon des critères objectifs et tenir compte de manière appropriée du besoin légitime de pouvoir exercer des activités ayant un effet d'appel au public. [...] La question de savoir si les conceptions que doit propager l'expression d'opinion apparaissent plus ou moins précieuses ou importantes à l'autorité compétente ne peut être déterminante pour la décision sur la demande. »\n\n**ATF 136 I 332 c. 3.1** du 31 août 2010  \nLiberté d'opinion des employés de droit public  \nDécision fondamentale sur la liberté d'opinion des employés de l'État en dehors de la relation de service.\n\n> « La distribution de tracts constitue une forme d'expression d'opinion qui relève du champ de protection de la liberté d'expression. »\n\n### Liberté d'information selon l'art. 16 al. 3 Cst.\n\n**ATF 144 I 170 c. 6-8** du 27 juin 2018  \nAccès aux documents officiels  \nDécision de référence sur la portée de la liberté d'information dans les lois cantonales d'accès aux dossiers, qui définit les limites entre transparence et charge administrative.\n\n> « Le droit constitutionnel cantonal ne limite pas la prétention à l'information aux actes publiquement accessibles et la loi n'exclut pas non plus les actes de justice administrative de la prétention d'accès. Un refus d'accès aux actes ne peut dès lors être envisagé que si une charge si extraordinaire devait être assumée que le déroulement des affaires de l'autorité s'en trouverait considérablement entravé, voire pratiquement paralysé. »\n\n**ATF 127 I 145 c. 4** du 1er janvier 2001  \nConsultation de dossiers pénaux archivés  \nDécision fondamentale sur les limites de la liberté scientifique et d'information pour des documents non généralement accessibles.\n\n> « Les libertés d'information et scientifique n'accordent aucune prétention générale à l'obtention d'informations provenant de sources non généralement accessibles (dossiers archivés pendant les délais de protection). »\n\n### Liberté des médias et accès au temps d'antenne\n\n**ATF 139 I 306 c. 3-5** du 1er janvier 2013  \nObligation de respecter les droits fondamentaux de la SSR dans le domaine publicitaire  \nDécision d'orientation sur l'obligation de respecter les droits fondamentaux des entreprises de médias de droit public lors du refus de temps publicitaire.\n\n> « Dans son activité de droit privé dans le domaine publicitaire, la SSR est liée par les droits fondamentaux. Elle doit tenir compte notamment (aussi) du contenu idéel des droits de liberté. La simple crainte qu'une publicité controversée (idéelle) pourrait nuire à sa réputation ne constitue pas un intérêt suffisant pour refuser la diffusion d'un spot publicitaire critique à son égard, tant que le mandant n'agit pas de manière illicite. »\n\n**ATF 143 I 194 c. 3** du 1er janvier 2017  \nExclusion des médias des audiences judiciaires  \nDécision sur la pondération entre liberté des médias et autres intérêts procéduraux dans la procédure pénale.\n\n> « La signification démocratique et d'État de droit du principe de publicité de la justice commande de n'admettre une exclusion du public et des représentants des médias dans les procédures pénales judiciaires que de manière très restrictive, donc en cas d'intérêts opposés prépondérants. »\n\n### Limites de la liberté d'opinion en droit pénal\n\n**ATF 137 IV 313 c. 2-3** du 16 septembre 2011  \nDiffamation et expression d'opinion politique  \nDécision fondamentale sur la délimitation entre critique politique admissible et atteinte punissable à l'honneur.\n\n> « Imputer à une personne qu'elle a des sympathies pour le régime nazi porte atteinte à l'honneur, même pour un politicien. »\n\n**ATF 131 IV 23 c. 2-3** du 1er janvier 2004  \nDiscrimination raciale et liberté d'opinion  \nDécision de référence sur la pondération entre liberté d'opinion et protection contre la discrimination raciale selon l'art. 261bis CP.\n\n> « Constituent un abaissement ou une discrimination au sens de l'art. 261bis al. 4 CP tous les comportements par lesquels l'égalité de valeur en tant qu'êtres humains ou l'égalité de droits concernant les droits de l'homme est déniée ou du moins mise en question aux membres d'un groupe de population en raison de leur race, ethnie ou religion. »\n\n**ATF 128 IV 201 c. 1** du 1er janvier 2002  \nPornographie dure et liberté d'opinion  \nDécision sur les limites de la liberté d'expression lors de la diffusion de contenus pornographiques.\n\n> « La condamnation pour distribution de magazines et films vidéo pornographiques ayant pour contenu des actes sexuels avec violences ou avec des excréments humains ne viole pas non plus la liberté d'expression lorsque ces produits ne s'adressent exclusivement qu'à des adultes intéressés et initiés. »\n\n### Liberté d'opinion lors de manifestations et de rassemblements\n\n**ATF 143 I 147 c. 3** du 1er janvier 2017  \nImputation de coûts lors de rassemblements  \nDécision importante sur la charge financière des expressions d'opinion dans l'espace public.\n\n> « L'imputation de coûts constitue une atteinte aux droits fondamentaux. [...] Une imputation de coûts qui conduit à devoir renoncer à l'organisation d'un rassemblement parce que les moyens financiers ne suffisent pas porte atteinte aux libertés d'opinion et de réunion dans leur domaine central. »\n\n**ATF 132 I 256 c. 3-4** du 1er août 2006  \nRassemblement le jour de la fête nationale  \nDécision sur le refus d'une manifestation de groupements extrémistes le 1er août à Brunnen.\n\n> « L'autorité doit pondérer les intérêts opposés selon des critères objectifs et tenir compte de manière appropriée du besoin légitime de pouvoir exercer des activités ayant un effet d'appel au public. »\n\n**ATF 134 IV 216 c. 4-6** du 3 avril 2008  \nContrainte lors d'actions de grève  \nDécision sur la délimitation entre expression d'opinion légitime et contrainte punissable lors de blocages de circulation.\n\n> « Celui qui incite des manifestants à se grouper autour d'un véhicule pour empêcher ainsi une intervention de la police se rend coupable d'instigation à l'entrave à une action officielle, si l'intervention policière est effectivement entravée. »\n\n### Domaines d'application spéciaux\n\n**ATF 147 I 372 c. 4-6** du 22 avril 2021  \nSaisie d'ADN lors de manifestations pacifiques  \nDécision actuelle sur la proportionnalité des mesures policières lors de l'exercice de droits fondamentaux.\n\n> « Le recensement signalétique et le prélèvement d'échantillons d'ADN sur des personnes qui ont seulement participé à un rassemblement pacifique, sans se comporter de manière punissable, constituent une atteinte grave à plusieurs droits fondamentaux. »\n\n**ATF 130 I 369 c. 2** du 7 juillet 2004  \nRefus d'accès policier pour des journalistes  \nDécision sur la liberté d'information et de circulation des représentants des médias lors de grands événements.\n\n> « L'entrave policière à l'accès à Davos à l'occasion du Forum économique mondial 2001 touche le journaliste concerné dans sa liberté personnelle ainsi que dans les libertés d'opinion, d'information et de presse. »\n\n**ATF 149 I 248 c. 5-7** du 1er janvier 2023  \nInterdiction de mendicité et liberté d'opinion  \nDécision la plus récente sur la délimitation entre expression d'opinion et autres formes d'expression.\n\n> « La mendicité relève du champ de protection du droit fondamental de la liberté personnelle, respectivement du droit au respect de la vie privée. [...] Dans la mesure où la mendicité contient des éléments de communication ou d'appel à la solidarité, elle peut aussi toucher le champ de protection de la liberté d'expression. »", "summary_it": "# Art. 16 Cost. — Libertà di opinione e d'informazione\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 16 della Costituzione federale protegge la libera espressione di opinioni e l'accesso alle informazioni. Questo diritto fondamentale è centrale per la democrazia e lo sviluppo personale.\n\n**Cosa disciplina la norma?** La norma garantisce tre ambiti: primo, ogni persona può formarsi liberamente un'opinione, esprimerla e diffonderla. Secondo, può ricevere e ottenere informazioni da fonti accessibili al pubblico. Terzo, può diffondere ulteriormente tali informazioni. Il diritto fondamentale protegge tutti i tipi di espressioni di opinione — dalla critica politica alla critica d'arte. Anche affermazioni false o scioccanti sono in linea di principio protette.\n\n**Chi è interessato?** Tutte le persone in Svizzera possono invocare questo diritto fondamentale — svizzeri e stranieri, persone fisiche e giuridiche. È particolarmente importante per giornalisti, politici, manifestanti e tutti coloro che vogliono esprimersi pubblicamente. Anche lo Stato è interessato: può limitare la libertà di opinione solo a condizioni rigorose.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** Lo Stato deve in linea di principio tollerare le espressioni di opinione e non può esercitare alcuna censura. In caso di limitazioni (ad esempio divieti di manifestazione) deve avere una base legale e rispettare la proporzionalità. Le persone possono difendersi in tribunale se la loro libertà di opinione viene violata. I tribunali devono distinguere tra opinione protetta ed espressioni punibili (come la calunnia o il razzismo).\n\n**Esempio:** Una cittadina vuole manifestare contro il governo. La città non può semplicemente vietarglielo. Ha bisogno di motivi gravi come un pericolo concreto per la sicurezza pubblica. Anche se l'opinione della cittadina è impopolare o critica, gode di protezione. Diverso sarebbe se incitasse alla violenza o insultasse altri.\n\nLa libertà d'informazione significa che le autorità devono rendere accessibili determinati documenti. I media privati possono consultare atti amministrativi per informare l'opinione pubblica. Ciò contribuisce al controllo democratico.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La libertà di opinione e di informazione è stata ancorata espressamente per la prima volta nella Costituzione federale con la revisione totale del 1999. La libertà di stampa era già garantita dall'art. 55 aCostituzione federale del 14 giugno 1973 (**DTF 127 I 164 consid. 2a**), mentre la libertà di opinione generale era riconosciuta soltanto attraverso la giurisprudenza del Tribunale federale come diritto fondamentale non scritto. La nuova disposizione unisce le diverse libertà di comunicazione e segue sistematicamente l'art. 10 CEDU e l'art. 19 Patto ONU II (FF 1997 I 156 seg.).\n\n**N. 2** Con l'art. 16 Cost., il costituente mirava a una garanzia globale della comunicazione individuale e pubblica. Secondo il messaggio, la disposizione dovrebbe proteggere «la libera comunicazione quale fondamento dello sviluppo personale e dello Stato democratico» (FF 1997 I 157). L'ancoraggio esplicito della libertà di informazione nel capoverso 3 è avvenuto su raccomandazione della commissione di esperti per il rafforzamento della partecipazione democratica (FF 1997 I 157).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 16 Cost. forma insieme ai diritti fondamentali di comunicazione specializzati (art. 17 Cost. libertà dei media, art. 20 Cost. libertà della scienza, art. 21 Cost. libertà dell'arte, art. 22 Cost. libertà di riunione, art. 23 Cost. libertà di associazione) il sistema delle libertà di comunicazione. Questi sono in un rapporto di specialità reciproca, mentre la questione della sussidiarietà rimane controversa.\n\n**N. 4** Il Tribunale federale costruisce la libertà di opinione come diritto fondamentale sussidiario di riserva (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 5; **DTF 127 I 145 consid. 4b**). Al contrario, Maya Hertig critica questa stretta sussidiarietà come non utile (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 5). La rilevanza pratica si manifesta nelle affermazioni commerciali, che il Tribunale federale attribuisce alla libertà economica, mentre la Corte EDU le sussume sotto l'art. 10 CEDU (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 11).\n\n**N. 5** La libertà di opinione è strettamente collegata alla dignità umana (art. 7 Cost.), al divieto di discriminazione (art. 8 cpv. 2 Cost.) e alla protezione della sfera privata (art. 13 Cost.). Le limitazioni sottostanno alle disposizioni generali sui limiti secondo l'art. 36 Cost. nonché al divieto assoluto di censura (art. 17 cpv. 2 Cost.) per i mass media.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### 3.1 Ambito di protezione personale\n\n**N. 6** La libertà di opinione e di informazione spetta a tutte le persone fisiche indipendentemente da età e nazionalità. Secondo la dottrina dominante, anche le persone giuridiche possono invocarla, nella misura in cui lo scopo del diritto fondamentale lo consente (**DTF 139 I 306 consid. 2.1**; BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 7). Anche le imprese prossime allo Stato come la SSR sono vincolate ai diritti fondamentali nell'ambito dell'agire di diritto privato (**DTF 139 I 306 consid. 2.3**).\n\n#### 3.2 Ambito di protezione materiale della libertà di opinione (cpv. 2)\n\n**N. 7** La libertà di opinione comprende tre fasi: la libera formazione dell'opinione, l'espressione dell'opinione senza impedimenti e la diffusione dell'opinione. Per «opinione» vale ogni comunicazione di contenuti di pensiero indipendentemente dal loro valore o contenuto di verità (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 9; **DTF 131 IV 23 consid. 3.1**).\n\n**N. 8** La delimitazione tra affermazioni di fatto e giudizi di valore è significativa per la portata della protezione. Mentre i giudizi di valore sono protetti globalmente, le affermazioni di fatto false possono essere limitate (**DTF 137 IV 313 consid. 2.1**). La commistione di fatti e valutazioni deve essere giudicata secondo una valutazione complessiva (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 10).\n\n**N. 9** L'attribuzione delle affermazioni commerciali è controversa. Il Tribunale federale non sottopone la pubblicità economica di principio alla libertà di opinione, ma alla libertà economica (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 11; **DTF 128 I 295 consid. 5a**). La Corte EDU invece applica l'art. 10 CEDU anche alla comunicazione commerciale, ma le concede una protezione ridotta (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 11).\n\n**N. 10** È inoltre controversa la classificazione costituzionale dell'accattonaggio. Il Tribunale federale esamina i divieti di accattonaggio alla luce della libertà personale (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 12; **DTF 149 I 248 consid. 2.3**). Maya Hertig chiede al contrario di considerare gli elementi comunicativi dell'accattonaggio nella valutazione (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 12).\n\n#### 3.3 Ambito di protezione materiale della libertà di informazione (cpv. 3)\n\n**N. 11** La libertà di informazione garantisce tre aspetti: la libera ricezione di informazioni, il procacciamento da fonti generalmente accessibili e la ridiffusione (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 18). Essa protegge ugualmente l'acquisizione passiva di informazioni e il procacciamento attivo di informazioni (**DTF 127 I 145 consid. 4b**).\n\n**N. 12** Centrale è la definizione di «fonti generalmente accessibili». Il Tribunale federale segue un approccio restrittivo: l'accessibilità si determina secondo la definizione del costituente e del legislatore (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 25; **DTF 144 I 170 consid. 3.2**). Maya Hertig critica questo approccio come sempre più superato (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 25).\n\n**N. 13** L'amministrazione secondo la giurisprudenza del Tribunale federale non costituisce di principio una fonte accessibile al pubblico, vale il principio della segretezza con riserva di pubblicità (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 29; **DTF 127 I 145 consid. 5**). Con il principio di pubblicità a livello federale (LTras) e corrispondenti regolamentazioni cantonali questo è cambiato parzialmente (**DTF 144 I 170 consid. 3.3**).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 16 Cost. fonda primariamente un diritto di difesa contro interventi statali. Lo Stato deve astenersi da ogni ingerenza nella comunicazione, in particolare da ogni forma di censura (art. 17 cpv. 2 Cost.; **DTF 137 I 209 consid. 5.2**). La libertà di opinione negativa protegge anche il diritto di tacere (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 15).\n\n**N. 15** Dalla dimensione oggettivo-giuridica derivano doveri di protezione dello Stato. Esso deve proteggere la libertà di comunicazione da interventi di terzi e creare le condizioni giuridiche quadro per il suo esercizio (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 15; **DTF 136 I 167 consid. 3.1**).\n\n**N. 16** Maya Hertig sottolinea che il rifiuto dell'accesso a fonti di informazione deve sempre essere valutato come intervento sui diritti fondamentali e soddisfare i requisiti dell'art. 36 Cost. (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 33). Questo vale indipendentemente dal fatto che una fonte sia già qualificata come «generalmente accessibile».\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 17** La sussidiarietà della libertà di opinione è controversa. Mentre il Tribunale federale costruisce l'art. 16 Cost. come diritto fondamentale di riserva (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 5), Maya Hertig propugna un'applicabilità parallela con le libertà di comunicazione più speciali (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 5). La prassi mostra che spesso entrambi i diritti fondamentali vengono esaminati insieme (**DTF 137 I 209 consid. 4.1**).\n\n**N. 18** Nelle affermazioni commerciali divergono Tribunale federale e Corte EDU. Il Tribunale federale le attribuisce alla libertà economica (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 11), mentre la Corte EDU le sussume sotto la libertà di opinione, ma con protezione ridotta (Hertig Randall, HRLR 2006, 53 seg.). Questa divergenza può diventare rilevante nella valutazione di divieti pubblicitari (**DTF 139 I 306 consid. 2.5**).\n\n**N. 19** La qualificazione costituzionale dell'accattonaggio rimane controversa. Il Tribunale federale nega l'applicabilità della libertà di opinione (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 12; **DTF 149 I 248 consid. 2.3**). La dottrina chiede parzialmente di considerare la dimensione comunicativa (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 12).\n\n**N. 20** Il concetto di «fonti generalmente accessibili» è interpretato diversamente. Il Tribunale federale segue un approccio formalistico (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 25), mentre la dottrina più recente propugna un'interpretazione dinamica alla luce della digitalizzazione (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 25).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nell'esame di interventi va considerato il «chilling effect». Già la minaccia di sanzioni o conseguenze sui costi può compromettere l'esercizio dei diritti fondamentali (BSK BV-Hertig, Art. 16 n. 40; **DTF 143 I 147 consid. 3.5.3**). Questo vale in particolare per dimostrazioni e cronache critiche.\n\n**N. 22** Per i «whistleblower» nell'amministrazione pubblica valgono ponderazioni speciali. Il dovere di fedeltà di servizio può limitare la libertà di opinione, ma le segnalazioni di abusi sono protette a determinate condizioni (Hangartner, AJP 2012, 490 seg.; **DTF 136 I 332 consid. 3.3**).\n\n**N. 23** Nelle affermazioni politiche l'ambito di protezione va inteso ampiamente. Anche opinioni provocatorie e scioccanti sono protette, finché non superano i limiti del diritto penale (**DTF 138 I 274 consid. 5.2**; **DTF 131 IV 23 consid. 3.1**).\n\n**N. 24** La base legale formale (art. 36 cpv. 1 Cost.) è spesso problematica nei divieti comunali di dimostrazione. Le clausole generali di polizia bastano soltanto in caso di pericolo grave e immediato (**DTF 127 I 164 consid. 3b**). Le misure preventive devono essere proporzionate (**DTF 142 I 121 consid. 7**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi fondamentali della libertà di opinione\n\n**BGE 138 I 274 consid. 2.2** del 3 luglio 2012  \nDivieto di censura per manifesti nello spazio pubblico  \nIl Tribunale federale ha stabilito principi fondamentali sulla libertà di opinione nell'uso straordinario di beni pubblici.\n\n> «L'affissione di manifesti su temi di politica estera costituisce una forma di espressione di opinione che rientra nell'ambito di protezione della libertà di espressione secondo l'art. 16 cpv. 2 Cost. [...] Anche espressioni dal contenuto provocatorio o scioccante meritano protezione costituzionale. [...] Un divieto generale di tali temi non terrebbe conto della funzione ideale della libertà di espressione e equivarrebbe a una censura vietata.»\n\n**BGE 127 I 164 consid. 3** del 1° gennaio 2001  \nLineamenti della libertà di dimostrazione e di opinione  \nDecisione innovativa su manifestazioni in occasione del World Economic Forum di Davos, che definisce i principi fondamentali del rapporto tra libertà di opinione e ordine pubblico.\n\n> «L'autorità deve quindi valutare gli interessi contrapposti secondo criteri oggettivi e tenere adeguatamente conto del legittimo bisogno di poter svolgere utilizzazioni con effetto di richiamo al pubblico. [...] Il fatto che le concezioni che devono essere propagate attraverso l'espressione di opinione appaiano all'autorità competente più o meno valide o importanti non può essere determinante per la decisione sulla domanda.»\n\n**BGE 136 I 332 consid. 3.1** del 31 agosto 2010  \nLibertà di opinione dei dipendenti di diritto pubblico  \nDecisione fondamentale sulla libertà di opinione dei dipendenti statali al di fuori del rapporto di servizio.\n\n> «La distribuzione di volantini è una forma di espressione di opinione che rientra nell'ambito di protezione della libertà di espressione.»\n\n### Libertà d'informazione secondo l'art. 16 cpv. 3 Cost.\n\n**BGE 144 I 170 consid. 6-8** del 27 giugno 2018  \nAccesso ai documenti delle autorità  \nDecisione innovativa sulla portata della libertà d'informazione nelle leggi cantonali sull'accesso agli atti, che definisce i limiti tra trasparenza e onere amministrativo.\n\n> «Il diritto costituzionale cantonale non limita il diritto all'informazione agli atti pubblicamente accessibili e la legge non esclude nemmeno gli atti della giustizia amministrativa dal diritto di accesso. Un rifiuto dell'accesso agli atti può quindi essere preso in considerazione solo se dovesse essere sostenuto un onere così straordinario da pregiudicare considerevolmente l'andamento degli affari dell'autorità o da paralizzarla quasi completamente.»\n\n**BGE 127 I 145 consid. 4** del 1° gennaio 2001  \nConsultazione di atti penali archiviati  \nDecisione di principio sui limiti della libertà scientifica e d'informazione per documenti non generalmente accessibili.\n\n> «La libertà d'informazione e scientifica non accordano un diritto generale all'ottenimento di informazioni da fonti non generalmente accessibili (atti archiviati durante i termini di protezione).»\n\n### Libertà dei media e accesso al tempo di trasmissione\n\n**BGE 139 I 306 consid. 3-5** del 1° gennaio 2013  \nVincolo dei diritti fondamentali della SSR nell'ambito pubblicitario  \nDecisione esemplare sul vincolo dei diritti fondamentali delle aziende mediatiche di diritto pubblico nel rifiuto del tempo pubblicitario.\n\n> «Nel suo agire di diritto privato nell'ambito pubblicitario, la SSR è vincolata dai diritti fondamentali. Deve tenere conto in particolare (anche) del contenuto ideale dei diritti di libertà. Il semplice timore che una pubblicità controversa (ideale) possa danneggiare la sua reputazione non costituisce un interesse sufficiente per rifiutare la trasmissione di uno spot pubblicitario critico nei suoi confronti, finché il committente non agisce in modo illecito.»\n\n**BGE 143 I 194 consid. 3** del 1° gennaio 2017  \nEsclusione dei media dalle udienze  \nDecisione sulla ponderazione tra libertà dei media e altri interessi processuali nel processo penale.\n\n> «Il significato dello Stato di diritto e democratico del principio della pubblicità giudiziaria impone di ammettere l'esclusione del pubblico e degli operatori dei media nei procedimenti penali giudiziari solo molto restrittivamente, quindi in presenza di interessi contrapposti preponderanti.»\n\n### Limiti della libertà di opinione nel diritto penale\n\n**BGE 137 IV 313 consid. 2-3** del 16 settembre 2011  \nDiffamazione ed espressione di opinione politica  \nDecisione fondamentale sulla delimitazione tra critica politica ammissibile e lesione dell'onore punibile.\n\n> «Attribuire a una persona di avere simpatie per il regime nazista è lesivo dell'onore anche per un politico.»\n\n**BGE 131 IV 23 consid. 2-3** del 1° gennaio 2004  \nDiscriminazione razziale e libertà di opinione  \nDecisione innovativa sulla ponderazione tra libertà di opinione e protezione dalla discriminazione razziale secondo l'art. 261bis CP.\n\n> «Come denigrazione o discriminazione nel senso dell'art. 261bis cpv. 4 CP appaiono tutti i comportamenti attraverso i quali agli appartenenti di un gruppo di popolazione, a causa della loro razza, etnia o religione, viene negata o almeno messa in discussione la parità di valore come esseri umani o la parità di diritti riguardo ai diritti umani.»\n\n**BGE 128 IV 201 consid. 1** del 1° gennaio 2002  \nPornografia violenta e libertà di opinione  \nDecisione sui limiti della libertà di espressione nella diffusione di contenuti pornografici.\n\n> «La punizione per la vendita di riviste pornografiche e videofilm che hanno per contenuto atti sessuali con violenze o con escrementi umani non viola la libertà di espressione nemmeno quando con questi prodotti vengono serviti esclusivamente adulti interessati e iniziati.»\n\n### Libertà di opinione nelle dimostrazioni e manifestazioni\n\n**BGE 143 I 147 consid. 3** del 1° gennaio 2017  \nAddossamento di costi per manifestazioni  \nDecisione importante sull'onere finanziario delle espressioni di opinione nello spazio pubblico.\n\n> «L'addossamento di costi costituisce una limitazione dei diritti fondamentali. [...] Un addossamento di costi che porta a dover rinunciare allo svolgimento di una manifestazione perché i mezzi finanziari non sono sufficienti, pregiudica la libertà di opinione e di riunione nel suo nucleo essenziale.»\n\n**BGE 132 I 256 consid. 3-4** del 1° agosto 2006  \nManifestazione nella festa nazionale  \nDecisione sul rifiuto di una dimostrazione di gruppi estremisti il 1° agosto a Brunnen.\n\n> «L'autorità deve valutare gli interessi contrapposti secondo criteri oggettivi e tenere adeguatamente conto del legittimo bisogno di poter svolgere utilizzazioni con effetto di richiamo al pubblico.»\n\n**BGE 134 IV 216 consid. 4-6** del 3 aprile 2008  \nCoazione in azioni di sciopero  \nDecisione sulla delimitazione tra espressione di opinione legittima e coazione punibile nei blocchi stradali.\n\n> «Chi esorta i manifestanti a raggrupparsi attorno a un veicolo per sventare così un intervento della polizia, si rende colpevole di istigazione all'impedimento di un atto d'ufficio, se l'intervento della polizia viene effettivamente impedito.»\n\n### Ambiti di applicazione speciali\n\n**BGE 147 I 372 consid. 4-6** del 22 aprile 2021  \nRilevamento DNA nelle manifestazioni pacifiche  \nDecisione attuale sulla proporzionalità delle misure poliziesche nell'esercizio dei diritti fondamentali.\n\n> «Il rilevamento segnalettico e il prelievo di campioni DNA presso persone che hanno semplicemente partecipato a una manifestazione pacifica, senza comportarsi in modo punibile, costituiscono una grave limitazione di diversi diritti fondamentali.»\n\n**BGE 130 I 369 consid. 2** del 7 luglio 2004  \nRifiuto di accesso da parte della polizia per giornalisti  \nDecisione sulla libertà d'informazione e di movimento dei rappresentanti dei media in occasione di grandi eventi.\n\n> «L'impedimento poliziesco dell'accesso a Davos in occasione del World Economic Forum 2001 tocca il giornalista interessato nella libertà personale nonché nella libertà di opinione, d'informazione e di stampa.»\n\n**BGE 149 I 248 consid. 5-7** del 1° gennaio 2023  \nDivieto di mendicare e libertà di opinione  \nDecisione più recente sulla delimitazione tra espressione di opinione e altre forme di espressione.\n\n> «L'accattonaggio rientra nell'ambito di protezione del diritto fondamentale della libertà personale rispettivamente del diritto al rispetto della vita privata. [...] Nella misura in cui l'accattonaggio contiene elementi di comunicazione o di appello alla solidarietà, può toccare anche l'ambito di protezione della libertà di espressione.»", "summary_en": "# Art. 16 BV — Freedom of opinion and information\n\n## Overview\n\nArticle 16 of the Federal Constitution protects the free expression of opinion and access to information. This fundamental right is central to democracy and personal development.\n\n**What does the provision regulate?** The provision guarantees three areas: First, every person may freely form, express and disseminate their opinion. Second, they may receive and obtain information from publicly accessible sources. Third, they may disseminate this information further. The fundamental right protects all types of expressions of opinion — from political criticism to art criticism. Even false or shocking statements are protected in principle.\n\n**Who is affected?** All persons in Switzerland can invoke this fundamental right — Swiss citizens and foreigners, natural and legal persons. It is particularly important for journalists, politicians, demonstrators and all those who want to express themselves publicly. The state is also affected: it may only restrict freedom of opinion under strict conditions.\n\n**What are the legal consequences?** The state must generally tolerate expressions of opinion and may not exercise censorship. In case of restrictions (for example demonstration bans), it must have a legal basis and observe proportionality. Persons can defend themselves in court if their freedom of opinion is violated. The courts must distinguish between protected opinion and punishable statements (such as defamation or racism).\n\n**Example:** A citizen wants to demonstrate against the government. The city may not simply prohibit this. It needs serious reasons such as a concrete danger to public safety. Even if the citizen's opinion is unpopular or critical, it enjoys protection. It would be different if she were to incite violence or insult others.\n\nFreedom of information means that authorities must make certain documents accessible. Private media can inspect administrative documents in order to inform the public. This contributes to democratic control.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Freedom of expression and information was first expressly enshrined in the Federal Constitution during the total revision of 1999. Freedom of the press was already guaranteed in Art. 55 old Federal Constitution of 14 June 1973 (**BGE 127 I 164 E. 2a**), while general freedom of expression was only recognized through Federal Supreme Court jurisprudence as an unwritten fundamental right. The new provision unites the various communication freedoms and systematically follows Art. 10 ECHR and Art. 19 UN Covenant II (BBl 1997 I 152 f.).\n\n**N. 2** With Art. 16 Federal Constitution, the constitutional legislator intended comprehensive protection of individual and public communication. According to the dispatch, the provision shall protect «free communication as the foundation of personal development and democratic governance» (BBl 1997 I 153). The explicit enshrinement of freedom of information in para. 3 followed a recommendation by the expert commission for strengthening democratic participation (BBl 1997 I 153).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 16 Federal Constitution forms, together with the specialized communication fundamental rights (Art. 17 Federal Constitution media freedom, Art. 20 Federal Constitution academic freedom, Art. 21 Federal Constitution artistic freedom, Art. 22 Federal Constitution freedom of assembly, Art. 23 Federal Constitution freedom of association), the system of communication freedoms. These stand in a relationship of specialty to each other, whereby the question of subsidiarity is disputed.\n\n**N. 4** The Federal Supreme Court construes freedom of expression as a subsidiary catch-all fundamental right (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5; **BGE 127 I 145 E. 4b**). In contrast, Maya Hertig criticizes this strict subsidiarity as unhelpful (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5). The practical relevance is shown in commercial expressions, which the Federal Supreme Court assigns to economic freedom, while the ECtHR subsumes them under Art. 10 ECHR (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11).\n\n**N. 5** Freedom of expression is closely connected to human dignity (Art. 7 Federal Constitution), the prohibition of discrimination (Art. 8 para. 2 Federal Constitution) and protection of privacy (Art. 13 Federal Constitution). Restrictions are subject to the general limitation provisions under Art. 36 Federal Constitution as well as the absolute prohibition of censorship (Art. 17 para. 2 Federal Constitution) for mass media.\n\n### 3. Elements of the Offense / Normative Content\n\n#### 3.1 Personal Scope of Protection\n\n**N. 6** Freedom of expression and information applies to all natural persons regardless of age and nationality. Legal persons can also invoke it according to prevailing doctrine, insofar as the purpose of the fundamental right permits (**BGE 139 I 306 E. 2.1**; BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 7). State-related enterprises such as SRG are also bound by fundamental rights when acting under private law (**BGE 139 I 306 E. 2.3**).\n\n#### 3.2 Material Scope of Protection of Freedom of Expression (Para. 2)\n\n**N. 7** Freedom of expression encompasses three phases: free formation of opinion, unhindered expression of opinion and dissemination of opinion. As «opinion» counts any communication of thought content regardless of its value or truth content (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 9; **BGE 131 IV 23 E. 3.1**).\n\n**N. 8** The distinction between statements of fact and value judgments is significant for the scope of protection. While value judgments are comprehensively protected, false statements of fact can be restricted (**BGE 137 IV 313 E. 2.1**). The mixing of facts and evaluations must be assessed according to an overall evaluation (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 10).\n\n**N. 9** The assignment of commercial expressions is controversial. The Federal Supreme Court generally does not subordinate economic advertising to freedom of expression, but to economic freedom (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11; **BGE 128 I 295 E. 5a**). The ECtHR, however, applies Art. 10 ECHR also to commercial communication, but grants it reduced protection (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11).\n\n**N. 10** Furthermore, the fundamental rights classification of begging is disputed. The Federal Supreme Court examines begging bans in light of personal freedom (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12; **BGE 149 I 248 E. 2.3**). Maya Hertig, in contrast, demands that the communicative elements of begging be considered in the assessment (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12).\n\n#### 3.3 Material Scope of Protection of Freedom of Information (Para. 3)\n\n**N. 11** Freedom of information guarantees three aspects: free receipt of information, procurement from generally accessible sources and dissemination (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 18). It protects passive information reception and active information procurement equally (**BGE 127 I 145 E. 4b**).\n\n**N. 12** Central is the definition of «generally accessible sources». The Federal Supreme Court follows a restrictive approach: accessibility is determined according to the description by the constitutional and legislative authorities (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25; **BGE 144 I 170 E. 3.2**). Maya Hertig criticizes this approach as increasingly outdated (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25).\n\n**N. 13** According to Federal Supreme Court jurisprudence, the administration basically does not constitute a source accessible to the public; the principle of confidentiality applies with a public access reservation (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 29; **BGE 127 I 145 E. 5**). With the principle of public access at the federal level (Freedom of Information Act) and corresponding cantonal regulations, this has partially changed (**BGE 144 I 170 E. 3.3**).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Art. 16 Federal Constitution primarily establishes a defensive right against state interference. The state must refrain from any interference in communication, particularly any form of censorship (Art. 17 para. 2 Federal Constitution; **BGE 137 I 209 E. 5.2**). Negative freedom of expression also protects the right to remain silent (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 15).\n\n**N. 15** From the objective-legal dimension follow protective duties of the state. It must protect communication freedom from interference by third parties and create the legal framework conditions for its exercise (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 15; **BGE 136 I 167 E. 3.1**).\n\n**N. 16** Maya Hertig emphasizes that denying access to information sources must always be evaluated as a fundamental rights interference and must meet the requirements of Art. 36 Federal Constitution (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 33). This applies regardless of whether a source is already qualified as «generally accessible».\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 17** The subsidiarity of freedom of expression is disputed. While the Federal Supreme Court construes Art. 16 Federal Constitution as a catch-all fundamental right (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5), Maya Hertig advocates for parallel applicability with the more specific communication freedoms (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 5). Practice shows that both fundamental rights are often examined together (**BGE 137 I 209 E. 4.1**).\n\n**N. 18** For commercial expressions, the Federal Supreme Court and ECtHR diverge. The Federal Supreme Court assigns them to economic freedom (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 11), while the ECtHR subsumes them under freedom of expression, but with reduced protection (Hertig Randall, HRLR 2006, 53 ff.). This divergence can be relevant in assessing advertising bans (**BGE 139 I 306 E. 2.5**).\n\n**N. 19** The fundamental rights qualification of begging remains controversial. The Federal Supreme Court denies the applicability of freedom of expression (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12; **BGE 149 I 248 E. 2.3**). Doctrine partially demands that the communicative dimension be considered (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 12).\n\n**N. 20** The concept of «generally accessible sources» is interpreted differently. The Federal Supreme Court follows a formalistic approach (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25), while newer doctrine advocates for a dynamic interpretation in light of digitalization (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 25).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 21** When examining interferences, the «chilling effect» must be considered. Even the threat of sanctions or cost consequences can impair the exercise of fundamental rights (BSK BV-Hertig, Art. 16 N. 40; **BGE 143 I 147 E. 3.5.3**). This applies particularly to demonstrations and critical reporting.\n\n**N. 22** For «whistleblowers» in public administration, special balancing applies. The duty of loyalty in service can restrict freedom of expression, but reports of misconduct are protected under certain conditions (Hangartner, AJP 2012, 490 ff.; **BGE 136 I 332 E. 3.3**).\n\n**N. 23** For political expressions, the scope of protection must be broadly construed. Even provocative and shocking opinions are protected as long as they do not exceed the limits of criminal law (**BGE 138 I 274 E. 5.2**; **BGE 131 IV 23 E. 3.1**).\n\n**N. 24** The formal legal basis (Art. 36 para. 1 Federal Constitution) is often problematic for municipal demonstration bans. General police clauses suffice only in cases of serious and immediate danger (**BGE 127 I 164 E. 3b**). Preventive measures must be proportionate (**BGE 142 I 121 E. 7**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Fundamental Principles of Freedom of Expression\n\n**BGE 138 I 274 E. 2.2** of 3 July 2012  \nProhibition of censorship for posters in public spaces  \nThe Federal Supreme Court established fundamental principles regarding freedom of expression in the extraordinary use of public property.\n\n> «Hanging posters on foreign policy topics represents a form of expression that falls within the protective scope of freedom of expression under Art. 16 para. 2 Federal Constitution. [...] Even provocative or shocking statements deserve fundamental rights protection. [...] A general prohibition of such topics would not take into account the ideational function of freedom of expression and would amount to prohibited censorship.»\n\n**BGE 127 I 164 E. 3** of 1 January 2001  \nBasic features of freedom of demonstration and expression  \nLandmark decision on rallies in connection with the World Economic Forum Davos, which defined the fundamental principles of the relationship between freedom of expression and public order.\n\n> «The authority must therefore weigh the conflicting interests against each other according to objective criteria and thereby give adequate consideration to the legitimate need to be able to conduct uses with an appeal effect to the public. [...] Whether the views that are to be promoted through the expression of opinion appear more or less valuable or important to the competent authority cannot be decisive for the decision on the application.»\n\n**BGE 136 I 332 E. 3.1** of 31 August 2010  \nFreedom of expression of public employees  \nFundamental decision on the freedom of expression of civil servants outside the employment relationship.\n\n> «The distribution of leaflets is a form of expression that falls within the protective scope of freedom of expression.»\n\n### Freedom of Information under Art. 16 para. 3 Federal Constitution\n\n**BGE 144 I 170 E. 6-8** of 27 June 2018  \nAccess to official documents  \nLandmark decision on the scope of freedom of information under cantonal access to information laws, which defined the boundaries between transparency and administrative burden.\n\n> «The cantonal constitutional law does not limit the information claim to publicly accessible files and the law also does not exclude administrative judicial files from the access claim. A denial of file access can therefore only be considered if such an extraordinary effort would have to be managed that the conduct of business of the authority would be significantly impaired or virtually paralysed.»\n\n**BGE 127 I 145 E. 4** of 1 January 2001  \nAccess to archived criminal files  \nFundamental decision on the limits of freedom of science and information regarding documents not generally accessible.\n\n> «Freedom of information and science do not grant a general claim to obtain information from sources not generally accessible (archived files during protection periods).»\n\n### Media Freedom and Access to Broadcasting Time\n\n**BGE 139 I 306 E. 3-5** of 1 January 2013  \nFundamental rights obligations of SRG in the advertising sector  \nGroundbreaking decision on the fundamental rights obligations of public media companies in refusing advertising time.\n\n> «In its private law conduct in the advertising sector, SRG is bound by fundamental rights. It must thereby give consideration in particular (also) to the ideational content of fundamental freedoms. The mere fear that controversial (ideational) advertising could be detrimental to its reputation does not constitute a sufficient interest to refuse the broadcasting of an advertising spot critical of it, as long as the client is not acting unlawfully.»\n\n**BGE 143 I 194 E. 3** of 1 January 2017  \nMedia exclusion from court proceedings  \nDecision on weighing media freedom against other procedural interests in criminal proceedings.\n\n> «The rule-of-law and democratic significance of the principle of publicity of justice requires that exclusion of the public and media representatives in judicial criminal proceedings be permitted only very restrictively, namely in case of overriding opposing interests.»\n\n### Limits of Freedom of Expression in Criminal Law\n\n**BGE 137 IV 313 E. 2-3** of 16 September 2011  \nDefamation and political expression  \nFundamental decision on the distinction between permissible political criticism and punishable defamation.\n\n> «To impute to a person that they have sympathies for the Nazi regime is defamatory even for a politician.»\n\n**BGE 131 IV 23 E. 2-3** of 1 January 2004  \nRacial discrimination and freedom of expression  \nLandmark decision on weighing freedom of expression against protection from racial discrimination under Art. 261bis Criminal Code.\n\n> «As degradation or discrimination within the meaning of Art. 261bis para. 4 Criminal Code appear all behaviours through which members of a population group are denied or at least questioned equal worth as human beings or equal rights regarding human rights based on their race, ethnicity or religion.»\n\n**BGE 128 IV 201 E. 1** of 1 January 2002  \nHard pornography and freedom of expression  \nDecision on the limits of freedom of expression in the distribution of pornographic content.\n\n> «The punishment for the distribution of pornographic magazines and video films that contain sexual acts with violence or with human excretions does not violate freedom of expression even when these products serve exclusively interested and initiated adults.»\n\n### Freedom of Expression at Demonstrations and Rallies\n\n**BGE 143 I 147 E. 3** of 1 January 2017  \nCost imposition for rallies  \nImportant decision on the financial burden of expressions of opinion in public spaces.\n\n> «The imposition of costs constitutes an interference with fundamental rights. [...] A cost imposition that leads to having to forego conducting a rally because the financial means are not sufficient impairs freedom of expression and assembly in its core area.»\n\n**BGE 132 I 256 E. 3-4** of 1 August 2006  \nRally on National Day  \nDecision on the refusal of a demonstration by extremist groups on 1 August in Brunnen.\n\n> «The authority must weigh the conflicting interests against each other according to objective criteria and thereby give adequate consideration to the legitimate need to be able to conduct uses with an appeal effect to the public.»\n\n**BGE 134 IV 216 E. 4-6** of 3 April 2008  \nCoercion in strike actions  \nDecision on the distinction between legitimate expression of opinion and punishable coercion in traffic blockades.\n\n> «Anyone who calls on demonstrators to group around a vehicle in order to thwart police intervention makes themselves guilty of incitement to hindering an official act if the police operation is actually hindered.»\n\n### Special Areas of Application\n\n**BGE 147 I 372 E. 4-6** of 22 April 2021  \nDNA collection at peaceful demonstrations  \nCurrent decision on the proportionality of police measures in the exercise of fundamental rights.\n\n> «The investigative recording and the taking of DNA samples from persons who have merely participated in a peaceful rally without behaving criminally constitute a serious interference with several fundamental rights.»\n\n**BGE 130 I 369 E. 2** of 7 July 2004  \nPolice denial of access for journalists  \nDecision on freedom of information and freedom of movement of media representatives at major events.\n\n> «The police hindrance of access to Davos on the occasion of the World Economic Forum 2001 affects the journalist concerned in personal freedom as well as in freedom of expression, information and press.»\n\n**BGE 149 I 248 E. 5-7** of 1 January 2023  \nBegging prohibition and freedom of expression  \nMost recent decision on the distinction between expression of opinion and other forms of expression.\n\n> «Begging falls within the protective scope of the fundamental right of personal freedom or the right to respect for private life. [...] Insofar as begging contains elements of communication or appeal to solidarity, it can also touch the protective scope of freedom of expression.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_16", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 17, "article_suffix": "", "title": "Medienfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nDie Medienfreiheit nach Art. 17 BV schützt alle Medien bei der Verbreitung von Informationen und Meinungen. Das Grundrecht umfasst Presse, Radio, Fernsehen und moderne Online-Medien wie Blogs oder YouTube-Kanäle. Geschützt ist die gesamte Medienkette: von der Informationsbeschaffung über die redaktionelle Bearbeitung bis zur Veröffentlichung.\n\nArtikel 17 BV enthält drei Hauptgarantien: Erstens gewährleistet Absatz 1 die allgemeine Medienfreiheit. Das bedeutet: Der Staat darf grundsätzlich nicht in die Medientätigkeit eingreifen. Zweitens verbietet Absatz 2 jede Zensur. Behörden dürfen Medieninhalte nicht vor der Veröffentlichung kontrollieren oder verbieten. Drittens schützt Absatz 3 das Redaktionsgeheimnis. Journalistinnen und Journalisten müssen ihre Quellen nicht preisgeben.\n\nDie Medienfreiheit steht allen zu, die öffentlich Informationen verbreiten. Das sind nicht nur Berufsjournalisten, sondern auch Privatpersonen mit einem Blog oder YouTube-Kanal. Entscheidend ist, dass sich die Beiträge an die Öffentlichkeit richten und nicht nur an einen privaten Kreis.\n\n**Praktisches Beispiel**: Eine Journalistin möchte über Missstände in einem Spital berichten. Sie darf frei recherchieren, Interviews führen und publizieren. Die Spitalleitung kann die Veröffentlichung nicht verbieten (Zensurverbot). Falls die Journalistin vertrauliche Informationen von Whistleblowern erhalten hat, muss sie deren Namen nicht preisgeben (Redaktionsgeheimnis). Allerdings müssen auch Medienschaffende die Gesetze einhalten: Verleumdung, Ehrverletzung oder Verstösse gegen das Datenschutzrecht bleiben strafbar.\n\nDie Schranken der Medienfreiheit ergeben sich aus Art. 36 BV. Eingriffe sind nur zulässig, wenn sie gesetzlich vorgesehen, durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sind. Das Bundesgericht prüft Beschränkungen der Medienfreiheit streng. Bei der Gerichtsberichterstattung gilt: Medienausschluss ist nur bei «überwiegenden entgegenstehenden Interessen» zulässig.\n\nUmstritten ist in der Rechtswissenschaft, wie weit das Zensurverbot reicht. Während manche Autoren nur die systematische Vorzensur für verboten halten, sehen andere bereits einzelne Publikationsverbote als unzulässige Zensur an. Ebenfalls diskutiert wird, ob Medien als «vierte Gewalt» besondere verfassungsrechtliche Privilegien geniessen oder ob sie primär Teil der Zivilgesellschaft sind.\n\nDie Digitalisierung erweitert den Anwendungsbereich von Art. 17 BV erheblich. Social Media, Podcasts und Online-Plattformen fallen unter die Medienfreiheit, wenn sie der öffentlichen Meinungsbildung dienen. Private Chatgruppen sind hingegen nicht geschützt.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Medienfreiheit gemäss Art. 17 BV geht in ihrer Grundkonzeption auf die Pressefreiheit von Art. 55 aBV (1874) zurück. Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 erweiterte den Schutzbereich erheblich: Während die alte Bundesverfassung nur die Pressefreiheit gewährleistete, umfasst Art. 17 BV nun explizit auch Radio, Fernsehen und «andere Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Darbietungen und Informationen». Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 160 f.) betont, dass diese Erweiterung der technologischen Entwicklung Rechnung trägt und einen medienneutralen Schutz bezweckt.\n\n**N. 2** Das absolute Zensurverbot in Abs. 2 wurde unverändert aus Art. 55 Abs. 2 aBV übernommen. Die Botschaft (BBl 1997 I 160) hält fest, dass das Verbot «jede systematische staatliche Vorkontrolle» ausschliesst. Das Redaktionsgeheimnis (Abs. 3) fand erstmals 1999 ausdrückliche verfassungsrechtliche Verankerung, nachdem es zuvor nur auf einfachgesetzlicher Ebene geschützt war (BBl 1997 I 161). Diese Neuerung sollte den besonderen Quellenschutz für Medienschaffende verfassungsrechtlich absichern.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 17 BV steht systematisch zwischen der Meinungs- und Informationsfreiheit (Art. 16 BV) und der Sprachenfreiheit (Art. 18 BV). Diese Stellung ist programmatisch: Die Medienfreiheit konkretisiert die Kommunikationsgrundrechte für den spezifischen Bereich der Massenmedien. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 5) betonen den engen Zusammenhang mit Art. 16 BV, wobei Art. 17 BV als lex specialis für medienvermittelte Kommunikation fungiert.\n\n**N. 4** Horizontale Querverweise bestehen insbesondere zu → Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit), → Art. 93 BV (Radio und Fernsehen) und → Art. 35 Abs. 2 BV (Verwirklichung der Grundrechte in der ganzen Rechtsordnung). Im Konfliktfall mit Persönlichkeitsrechten sind → Art. 28 ZGB und bei Gerichtsberichterstattung → Art. 30 BV (Verfahrensgarantien) zu beachten. Die Schrankenregelung erfolgt nach → Art. 36 BV.\n\n**N. 5** Auf völkerrechtlicher Ebene wird die Medienfreiheit durch Art. 10 EMRK und Art. 19 UNO-Pakt II gewährleistet. Die Rechtsprechung des EGMR zu Art. 10 EMRK prägt auch die schweizerische Praxis massgeblich (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 3).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Sachlicher Geltungsbereich\n\n**N. 6** Der Schutzbereich umfasst nach Abs. 1 «Presse, Radio und Fernsehen sowie andere Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung». Der technologieneutrale Ansatz erfasst alle Massenmedien, unabhängig vom Übertragungsweg. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 13) führen aus, dass neben den traditionellen Printmedien und dem Rundfunk auch Online-Medien, Blogs und Social Media erfasst sind, soweit sie der öffentlichen Kommunikation dienen.\n\n**N. 7** Geschützt sind nach Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 18) alle medienbezogenen Tätigkeiten: die Informationsbeschaffung, die redaktionelle Bearbeitung, die Verbreitung und der Empfang von Medienprodukten. **BGE 137 I 8 E. 2.5** bestätigt, dass bereits die Durchführung eines Fernsehinterviews «unabhängig vom konkreten Inhalt des Beitrags» in den Schutzbereich fällt.\n\n**N. 8** Die Abgrenzung zu anderen Kommunikationsformen erfolgt nach dem Kriterium der Öffentlichkeit. Private Kommunikation, auch wenn sie über technische Mittel erfolgt, fällt nicht unter Art. 17 BV, sondern unter Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre) oder Art. 16 BV. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 16) präzisieren, dass die Öffentlichkeit «einen unbestimmten Adressatenkreis» voraussetzt.\n\n### 3.2 Persönlicher Geltungsbereich\n\n**N. 9** Die Medienfreiheit steht nach Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 21) allen natürlichen und juristischen Personen zu, die medienbezogene Tätigkeiten ausüben. Dies umfasst nicht nur professionelle Journalistinnen und Journalisten, sondern auch Bloggerinnen, Bürgerjournalisten und Medienunternehmen. Die Berufung auf das Redaktionsgeheimnis (Abs. 3) setzt allerdings eine journalistische Tätigkeit voraus.\n\n### 3.3 Geschützte Freiheiten\n\n**N. 10** Art. 17 BV gewährleistet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 19) identifizieren darüber hinaus staatliche Schutz- und Gewährleistungspflichten: Der Staat muss die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Medienlandschaft schaffen und Private vor Übergriffen schützen. Dies umfasst kartellrechtliche Massnahmen gegen übermässige Medienkonzentration und den Schutz von Journalistinnen vor Gewalt.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n### 4.1 Abwehrrecht\n\n**N. 11** Als klassisches Freiheitsrecht verbietet Art. 17 BV staatliche Eingriffe in die Medientätigkeit. **BGE 141 I 211 E. 3** verlangt für jede Einschränkung eine «hinreichende gesetzliche Grundlage». Verboten sind insbesondere Publikationsverbote, Beschlagnahmen von Medienprodukten und der Ausschluss von öffentlich zugänglichen Veranstaltungen.\n\n### 4.2 Zensurverbot (Abs. 2)\n\n**N. 12** Das absolute Zensurverbot untersagt jede systematische staatliche Vorkontrolle. Der Umfang dieses Verbots ist umstritten: Krüsi (Das Zensurverbot, 255 ff.) vertritt eine enge Auslegung, wonach nur die «systematische Vorzensur als präventive und generelle Inhaltskontrolle» erfasst sei. Die Botschaft BV (BBl 1997 I 160 f.) und Müller/Schefer (Grundrechte, 353) plädieren hingegen für einen «weiter gefassten Schutzbereich», der auch Einzelfallzensur erfasst.\n\n**N. 13** Unbestritten zulässig bleiben nachträgliche Sanktionen bei rechtswidrigen Publikationen. Das Zensurverbot schliesst auch polizeiliche Notstandsmassnahmen bei unmittelbarer Gefahr nicht aus (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 39).\n\n### 4.3 Redaktionsgeheimnis (Abs. 3)\n\n**N. 14** Das Redaktionsgeheimnis schützt die Vertraulichkeit journalistischer Quellen. **BGE 140 IV 108** dehnt den Schutz auf alle Unterlagen «aus dem Verkehr zwischen Beschuldigtem und Medienschaffenden» aus, unabhängig vom Aufbewahrungsort. Nach **BGE 132 I 181 E. 4.2** kann das Redaktionsgeheimnis nur bei «ausserordentlich schwerwiegenden Interessen» durchbrochen werden.\n\n**N. 15** Prozessual konkretisieren Art. 172 StPO und Art. 266 ZPO das Zeugnisverweigerungsrecht. Das Redaktionsgeheimnis gilt jedoch nicht absolut: Bei schweren Straftaten kann nach sorgfältiger Interessenabwägung eine Aussagepflicht bestehen (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 44).\n\n## 5. Streitstände\n\n### 5.1 Medien als «vierte Gewalt»\n\n**N. 16** Kontrovers diskutiert wird der verfassungsrechtliche Status der Medien. Noll (AJP 2003, 906) und Herzog (Medienpolitik, 47) qualifizieren die Medien als «vierte Gewalt im staatsrechtlichen Sinn» mit besonderen Privilegien. Demgegenüber lehnen J.P. Müller (Publizistik, 149 ff.) und Engi (Jusletter vom 6.2.2006) diese Charakterisierung ab: Die Massenmedien seien «keine ‹4. Gewalt› im staatsrechtlichen Sinn» (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 8), sondern erfüllten ihre Kontrollfunktion als Teil der Zivilgesellschaft.\n\n### 5.2 Reichweite des Zensurverbots\n\n**N. 17** Die Kontroverse um den Umfang des Zensurverbots (oben N. 12) hat praktische Konsequenzen: Nach der engen Auslegung von Krüsi wären präventive Einzelmassnahmen wie richterliche Publikationsverbote zulässig. Die weite Auslegung von Müller/Schefer würde solche Massnahmen als unzulässige Zensur qualifizieren. Das Bundesgericht hat diese Frage bisher offengelassen.\n\n### 5.3 Positive Leistungsansprüche\n\n**N. 18** Umstritten ist, ob Art. 17 BV positive Ansprüche auf staatliche Medienförderung begründet. Die herrschende Lehre verneint dies: Die Medienfreiheit sei primär ein Abwehrrecht. Staatliche Förderung sei zwar zulässig, aber nicht verfassungsrechtlich geboten. Eine Minderheit leitet aus den Gewährleistungspflichten (oben N. 10) eine Pflicht zur Sicherung der Medienvielfalt ab.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei der Prüfung von Eingriffen in die Medienfreiheit ist das dreistufige Schema nach Art. 36 BV anzuwenden: (1) gesetzliche Grundlage, (2) öffentliches Interesse oder Schutz von Grundrechten Dritter, (3) Verhältnismässigkeit. **BGE 143 I 194 E. 3.1** verlangt bei Einschränkungen der Gerichtsberichterstattung eine «nur sehr restriktive» Handhabung «bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen».\n\n**N. 20** Für die journalistische Praxis empfiehlt sich die frühzeitige Berufung auf Art. 17 BV bei behördlichen Zugangsverweigerungen. Das Bundesgericht anerkennt ein «besonderes Informationsinteresse» der Medien, das bei Interessenabwägungen zu berücksichtigen ist. Bei Quellenschutzfragen sollten Medienschaffende konsequent auf Art. 17 Abs. 3 BV i.V.m. Art. 172 StPO verweisen.\n\n**N. 21** Im digitalen Kontext ist die Abgrenzung zwischen geschützter Medientätigkeit und nicht geschützter Privatkommunikation oft schwierig. Massgeblich ist die Ausrichtung auf einen unbestimmten Adressatenkreis. Ein öffentlich zugänglicher Blog oder YouTube-Kanal geniesst Schutz nach Art. 17 BV, private WhatsApp-Gruppen hingegen nicht.", "caselaw_de": "# Art. 17 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen der Medienfreiheit\n\n**BGE 137 I 8** vom 23. Dezember 2010\nFilmaufnahmen in einer Strafanstalt fallen unabhängig vom konkreten Inhalt in den Schutzbereich der Medienfreiheit. Die Medienfreiheit schützt die publizistische Tätigkeit als Ganzes, einschliesslich der Informationsbeschaffung und -verbreitung.\n\n> «Die Durchführung eines Fernsehinterviews in einer Strafanstalt fällt unabhängig vom konkreten Inhalt des Beitrags in den Schutzbereich der Medienfreiheit.»\n\n**BGE 130 I 369** vom 7. Juli 2004\nDie polizeiliche Hinderung des Zugangs nach Davos anlässlich des Weltwirtschaftsforums berührt einen Journalisten in der persönlichen Freiheit sowie in der Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit. Die Informationsfreiheit umfasst auch das Recht auf ungehinderte Beschaffung von Informationen.\n\n> «Die polizeiliche Hinderung des Zugangs nach Davos anlässlich des Weltwirtschaftsforums 2001 berührt den betroffenen Journalisten in der persönlichen Freiheit sowie in der Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit.»\n\n### Zensurverbot (Art. 17 Abs. 2 BV)\n\n**BGE 141 I 211** vom 6. November 2015\nStrafgerichtliche Publikationsverbote an Medien sind nur bei hinreichender gesetzlicher Grundlage zulässig. Ein pauschales Verbot, bestimmte Informationen über einen Angeklagten zu publizieren, stellt eine unzulässige Zensur dar.\n\n> «Das vom Strafrichter gegenüber den Gerichtsberichterstattern unter Androhung von Ordnungsbusse ausgesprochene Verbot, bestimmte Informationen über den Angeklagten zu publizieren, war mangels hinreichender gesetzlicher Grundlage unzulässig.»\n\n**BGE 137 I 209** vom 14. Juli 2011\nBedingungen für den Medienzugang zu Gerichtsverhandlungen sind zulässig, wenn sie verhältnismässig sind. Der Journalist, der die gerichtlichen Auflagen nicht befolgt, darf vom Verfahren ausgeschlossen werden.\n\n> «Der Berichterstatter, der sich der gerichtlichen Auflage für den Zugang zur Hauptverhandlung (hier: die Wahrung der Anonymität der Verfahrensbeteiligten) nicht unterzieht, darf davon ausgeschlossen werden.»\n\n### Redaktionsgeheimnis (Art. 17 Abs. 3 BV)\n\n**BGE 140 IV 108** vom 22. Juli 2014\nDas Beschlagnahmeverbot von Art. 264 Abs. 1 lit. c StPO erfasst nicht nur Unterlagen beim Medienschaffenden, sondern auch solche beim Beschuldigten oder bei Dritten. Das Redaktionsgeheimnis schützt den gesamten Verkehr zwischen Beschuldigten und Medienschaffenden.\n\n> «Das Beschlagnahmeverbot erfasst nicht nur Unterlagen, die sich beim Medienschaffenden befinden, sondern auch solche, die sich beim Beschuldigten oder bei Dritten befinden.»\n\n**BGE 132 I 181** vom 11. Mai 2006\nDer Quellenschutz ist nur dann durchbrechbar, wenn ein ausserordentliches öffentliches Interesse vorliegt. Das Interesse an der Aufklärung eines Tötungsdelikts rechtfertigt nicht ohne weiteres die Preisgabe journalistischer Quellen.\n\n> «Das Interesse an der Aufklärung des hier in Frage stehenden Tötungsdelikts weist nicht das ausserordentliche Gewicht auf, das erlaubte, den Journalisten zur Offenlegung seiner Informationsquellen zu verpflichten.»\n\n### Rechtfertigung durch Medienfreiheit\n\n**BGE 127 IV 122** vom 11. Oktober 2001\nDie Medienfreiheit rechtfertigt nicht die Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses. Journalistische Tätigkeit legitimiert nicht per se rechtswidrige Informationsbeschaffung.\n\n> «Eine Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung lässt sich weder durch die Medienfreiheit noch durch angebliche journalistische Berufspflichten rechtfertigen.»\n\n**BGE 127 IV 166** vom 11. Oktober 2001\nDie rechtswidrige Einreise eines Journalisten zur Informationsbeschaffung kann nicht durch die Pressefreiheit gerechtfertigt werden. Die Wahrung berechtigter Interessen setzt verhältnismässige Mittel voraus.\n\n> «Die Voraussetzungen des aussergesetzlichen Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Interessen sind nicht erfüllt im Falle eines Journalisten, der gemeinsam mit einer Gruppe von Flüchtlingen rechtswidrig in die Schweiz einreist.»\n\n### Gerichtsberichterstattung und Justizöffentlichkeit\n\n**BGE 143 I 194** vom 22. Februar 2017\nDer Ausschluss der Medien von Gerichtsverhandlungen ist nur bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen zulässig. Die rechtsstaatliche und demokratische Bedeutung der Justizöffentlichkeit gebietet eine restriktive Handhabung.\n\n> «Die rechtsstaatliche und demokratische Bedeutung des Grundsatzes der Justizöffentlichkeit gebietet, einen Ausschluss des Publikums und der Medienschaffenden in gerichtlichen Strafverfahren nur sehr restriktiv, mithin bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen, zuzulassen.»\n\n**BGE 147 I 463** vom 26. Mai 2021\nDas Prinzip der Justizöffentlichkeit gewährt Medienschaffenden keinen Anspruch auf Einsicht in Strafakten abgeschlossener Verfahren. Die Medienfreiheit beschränkt sich auf die Berichterstattung über öffentliche Verhandlungen.\n\n> «Das Prinzip der Justizöffentlichkeit und das gesetzliche Öffentlichkeitsrecht bilden keine hinreichende Grundlage für einen Anspruch auf Akteneinsicht in ein abgeschlossenes Strafverfahren.»\n\n### Rundfunkfreiheit\n\n**BGE 136 I 167** vom 10. Dezember 2009\nEin Recht auf Antenne besteht nur ausnahmsweise. Die Verweigerung des Zugangs zu öffentlich-rechtlichen Programmen ist nur bei Diskriminierung oder willkürlicher Behandlung verfassungswidrig.\n\n> «Bestätigung der Rechtsprechung, wonach nur ausnahmsweise ein 'Recht auf Antenne' besteht. Ist im Zusammenhang mit dem Zugang zum Programm eine Beeinträchtigung von verfassungsrechtlich geschützten Positionen denkbar, so hat eine Einzelfallabwägung zu erfolgen.»\n\n### Informationsfreiheit und Öffentlichkeitsprinzip\n\n**BGE 142 II 313** vom 18. Mai 2016\nArt. 17 BV steht in engem Zusammenhang mit dem Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung. Die Informationsfreiheit der Medien wird durch das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung konkretisiert.\n\n> «Gemäss dem Öffentlichkeitsgesetz des Bundes besteht ein subjektiver Anspruch auf Zugang zu den amtlichen Dokumenten von Verwaltungseinheiten des Bundes unter Vorbehalt der gesetzlichen Ausnahmen.»\n\n**BGE 127 I 145** vom 27. Juni 2001\nDie Informationsfreiheit gewährt keinen generellen Anspruch auf Beschaffung von Informationen aus nicht allgemein zugänglichen Quellen. Der Zugang zu archivierten Strafakten ist nicht von der Medienfreiheit umfasst.\n\n> «Die Informations- und Wissenschaftsfreiheit räumen keinen generellen Anspruch auf Beschaffung von Informationen aus nicht allgemein zugänglichen Quellen ein.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nLa liberté des médias selon l'art. 17 Cst. protège tous les médias dans la diffusion d'informations et d'opinions. Ce droit fondamental englobe la presse, la radio, la télévision et les médias en ligne modernes comme les blogs ou les chaînes YouTube. Toute la chaîne médiatique est protégée : de la collecte d'informations au traitement rédactionnel jusqu'à la publication.\n\nL'article 17 Cst. contient trois garanties principales : Premièrement, l'alinéa 1 garantit la liberté générale des médias. Cela signifie : L'État ne peut en principe pas intervenir dans l'activité médiatique. Deuxièmement, l'alinéa 2 interdit toute censure. Les autorités ne peuvent pas contrôler ou interdire le contenu médiatique avant sa publication. Troisièmement, l'alinéa 3 protège le secret de rédaction. Les journalistes n'ont pas à révéler leurs sources.\n\nLa liberté des médias appartient à tous ceux qui diffusent publiquement des informations. Il ne s'agit pas seulement des journalistes professionnels, mais aussi des personnes privées avec un blog ou une chaîne YouTube. Ce qui compte, c'est que les contributions s'adressent au public et non seulement à un cercle privé.\n\n**Exemple pratique** : Une journaliste veut faire un reportage sur des dysfonctionnements dans un hôpital. Elle peut librement enquêter, mener des interviews et publier. La direction de l'hôpital ne peut pas interdire la publication (interdiction de la censure). Si la journaliste a reçu des informations confidentielles de lanceurs d'alerte, elle n'a pas à révéler leurs noms (secret de rédaction). Toutefois, les professionnels des médias doivent aussi respecter les lois : la diffamation, l'atteinte à l'honneur ou les violations du droit de protection des données restent punissables.\n\nLes limites de la liberté des médias découlent de l'art. 36 Cst. Les atteintes ne sont admissibles que si elles sont prévues par la loi, justifiées par un intérêt public et proportionnées. Le Tribunal fédéral examine strictement les restrictions à la liberté des médias. Pour les comptes rendus judiciaires, il vaut : L'exclusion des médias n'est admissible qu'en cas « d'intérêts contraires prépondérants ».\n\nIl est controversé en doctrine de savoir jusqu'où s'étend l'interdiction de la censure. Tandis que certains auteurs ne considèrent comme interdite que la censure préalable systématique, d'autres voient déjà dans des interdictions de publication isolées une censure inadmissible. Il est également débattu de savoir si les médias jouissent, en tant que « quatrième pouvoir », de privilèges constitutionnels particuliers ou s'ils font avant tout partie de la société civile.\n\nLa numérisation élargit considérablement le champ d'application de l'art. 17 Cst. Les médias sociaux, les podcasts et les plateformes en ligne tombent sous la liberté des médias lorsqu'ils servent à la formation de l'opinion publique. Les groupes de chat privés ne sont en revanche pas protégés.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La liberté des médias selon l'art. 17 Cst. remonte dans sa conception fondamentale à la liberté de la presse de l'art. 55 aCst. (1874). La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a considérablement élargi le champ de protection : alors que l'ancienne Constitution fédérale ne garantissait que la liberté de la presse, l'art. 17 Cst. englobe désormais explicitement aussi la radio, la télévision et « autres formes de diffusion publique de productions et d'informations par des moyens de télécommunication ». Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 165 s.) souligne que cet élargissement tient compte du développement technologique et vise une protection neutre vis-à-vis des médias.\n\n**N. 2** L'interdiction absolue de la censure de l'al. 2 a été reprise sans modification de l'art. 55 al. 2 aCst. Le message (FF 1997 I 165) précise que cette interdiction exclut « tout contrôle préventif systématique de l'État ». Le secret rédactionnel (al. 3) a trouvé pour la première fois un ancrage constitutionnel explicite en 1999, alors qu'il n'était auparavant protégé qu'au niveau de la loi ordinaire (FF 1997 I 166). Cette innovation devait garantir constitutionnellement la protection particulière des sources pour les professionnels des médias.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 17 Cst. se situe systématiquement entre la liberté d'opinion et d'information (art. 16 Cst.) et la liberté de langue (art. 18 Cst.). Cette position est programmatique : la liberté des médias concrétise les droits fondamentaux de communication pour le domaine spécifique des médias de masse. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 5) soulignent le lien étroit avec l'art. 16 Cst., l'art. 17 Cst. fonctionnant comme lex specialis pour la communication médiatisée.\n\n**N. 4** Des références croisées horizontales existent notamment avec → l'art. 16 Cst. (liberté d'opinion et d'information), → l'art. 93 Cst. (radio et télévision) et → l'art. 35 al. 2 Cst. (réalisation des droits fondamentaux dans l'ensemble de l'ordre juridique). En cas de conflit avec les droits de la personnalité, → l'art. 28 CC et lors de comptes rendus judiciaires → l'art. 30 Cst. (garanties de procédure) doivent être observés. La réglementation des restrictions s'effectue selon → l'art. 36 Cst.\n\n**N. 5** Au niveau du droit international, la liberté des médias est garantie par l'art. 10 CEDH et l'art. 19 Pacte ONU II. La jurisprudence de la CourEDH relative à l'art. 10 CEDH influence aussi de manière déterminante la pratique suisse (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 3).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Champ d'application matériel\n\n**N. 6** Le champ de protection comprend selon l'al. 1 « la presse, la radio et la télévision, ainsi que les autres formes de diffusion publique par des moyens de télécommunication ». L'approche neutre vis-à-vis des technologies saisit tous les médias de masse, indépendamment de la voie de transmission. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 13) expliquent qu'outre les médias imprimés traditionnels et la radiodiffusion, les médias en ligne, blogs et médias sociaux sont aussi saisis, dans la mesure où ils servent à la communication publique.\n\n**N. 7** Selon Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 18), toutes les activités liées aux médias sont protégées : l'obtention d'informations, le traitement rédactionnel, la diffusion et la réception de produits médiatiques. **ATF 137 I 8 consid. 2.5** confirme que déjà la réalisation d'une interview télévisée « indépendamment du contenu concret de la contribution » relève du champ de protection.\n\n**N. 8** La délimitation par rapport à d'autres formes de communication s'effectue selon le critère de la publicité. La communication privée, même si elle s'effectue par des moyens techniques, ne relève pas de l'art. 17 Cst., mais de l'art. 13 Cst. (protection de la sphère privée) ou de l'art. 16 Cst. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 16) précisent que la publicité présuppose « un cercle de destinataires indéterminé ».\n\n### 3.2 Champ d'application personnel\n\n**N. 9** La liberté des médias revient selon Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 21) à toutes les personnes physiques et morales qui exercent des activités liées aux médias. Ceci comprend non seulement les journalistes professionnels, mais aussi les blogueurs, journalistes citoyens et entreprises de médias. L'invocation du secret rédactionnel (al. 3) présuppose cependant une activité journalistique.\n\n### 3.3 Libertés protégées\n\n**N. 10** L'art. 17 Cst. garantit primairement un droit de défense contre les interventions étatiques. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 19) identifient en outre des obligations étatiques de protection et de garantie : l'État doit créer les conditions cadres pour un paysage médiatique fonctionnel et protéger les particuliers contre les atteintes. Ceci comprend des mesures de droit de la concurrence contre une concentration excessive des médias et la protection des journalistes contre la violence.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n### 4.1 Droit de défense\n\n**N. 11** En tant que droit de liberté classique, l'art. 17 Cst. interdit les interventions étatiques dans l'activité médiatique. **ATF 141 I 211 consid. 3** exige pour toute restriction une « base légale suffisante ». Sont notamment interdites les interdictions de publication, les saisies de produits médiatiques et l'exclusion de manifestations publiquement accessibles.\n\n### 4.2 Interdiction de la censure (al. 2)\n\n**N. 12** L'interdiction absolue de la censure prohibe tout contrôle préventif systématique de l'État. L'étendue de cette interdiction est controversée : Krüsi (Das Zensurverbot, 255 ss.) défend une interprétation restrictive selon laquelle seule la « censure préventive systématique en tant que contrôle préventif et général du contenu » serait saisie. Le message Cst. (FF 1997 I 165 s.) et Müller/Schefer (Grundrechte, 353) plaident en revanche pour un « champ de protection plus large » qui saisirait aussi la censure de cas individuels.\n\n**N. 13** Restent incontestablement licites les sanctions postérieures en cas de publications illicites. L'interdiction de la censure n'exclut pas non plus les mesures policières d'urgence en cas de danger immédiat (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 39).\n\n### 4.3 Secret rédactionnel (al. 3)\n\n**N. 14** Le secret rédactionnel protège la confidentialité des sources journalistiques. **ATF 140 IV 108** étend la protection à tous les documents « issus des rapports entre l'accusé et les professionnels des médias », indépendamment du lieu de conservation. Selon **ATF 132 I 181 consid. 4.2**, le secret rédactionnel ne peut être levé qu'en présence d'« intérêts extraordinairement graves ».\n\n**N. 15** Sur le plan procédural, les art. 172 CPP et 266 CPC concrétisent le droit de refuser de témoigner. Le secret rédactionnel ne vaut cependant pas de manière absolue : en cas d'infractions graves, une obligation de témoigner peut exister après une pesée soigneuse des intérêts (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 44).\n\n## 5. Points de controverse\n\n### 5.1 Les médias comme « quatrième pouvoir »\n\n**N. 16** Le statut constitutionnel des médias fait l'objet de discussions controversées. Noll (AJP 2003, 906) et Herzog (Medienpolitik, 47) qualifient les médias de « quatrième pouvoir au sens du droit constitutionnel » avec des privilèges particuliers. À l'inverse, J.P. Müller (Publizistik, 149 ss.) et Engi (Jusletter du 6.2.2006) rejettent cette caractérisation : les médias de masse ne seraient « pas un ‹4e pouvoir› au sens du droit constitutionnel » (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 8), mais accompliraient leur fonction de contrôle en tant que partie de la société civile.\n\n### 5.2 Portée de l'interdiction de la censure\n\n**N. 17** La controverse sur l'étendue de l'interdiction de la censure (ci-dessus N. 12) a des conséquences pratiques : selon l'interprétation restrictive de Krüsi, des mesures préventives individuelles comme les interdictions judiciaires de publication seraient licites. L'interprétation large de Müller/Schefer qualifierait de telles mesures de censure illicite. Le Tribunal fédéral a jusqu'ici laissé cette question ouverte.\n\n### 5.3 Prétentions positives à des prestations\n\n**N. 18** Il est controversé de savoir si l'art. 17 Cst. fonde des prétentions positives à un soutien étatique aux médias. La doctrine dominante le nie : la liberté des médias serait primairement un droit de défense. Le soutien étatique serait certes licite, mais pas exigé constitutionnellement. Une minorité déduit des obligations de garantie (ci-dessus N. 10) une obligation d'assurer la diversité des médias.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 19** Lors de l'examen d'atteintes à la liberté des médias, le schéma à trois degrés selon l'art. 36 Cst. doit être appliqué : (1) base légale, (2) intérêt public ou protection de droits fondamentaux de tiers, (3) proportionnalité. **ATF 143 I 194 consid. 3.1** exige lors de restrictions des comptes rendus judiciaires un traitement « seulement très restrictif » « en présence d'intérêts contraires prépondérants ».\n\n**N. 20** Pour la pratique journalistique, il est recommandé d'invoquer rapidement l'art. 17 Cst. en cas de refus d'accès par les autorités. Le Tribunal fédéral reconnaît un « intérêt particulier à l'information » des médias, qui doit être pris en compte lors de pesées d'intérêts. En cas de questions de protection des sources, les professionnels des médias devraient systématiquement se référer à l'art. 17 al. 3 Cst. en relation avec l'art. 172 CPP.\n\n**N. 21** Dans le contexte numérique, la délimitation entre activité médiatique protégée et communication privée non protégée est souvent difficile. Est déterminante l'orientation vers un cercle de destinataires indéterminé. Un blog ou une chaîne YouTube publiquement accessibles jouissent de la protection selon l'art. 17 Cst., les groupes WhatsApp privés en revanche non.", "caselaw_fr": "# Art. 17 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Fondements de la liberté des médias\n\n**ATF 137 I 8** du 23 décembre 2010\nLes prises de vues dans un établissement pénitentiaire tombent dans le champ de protection de la liberté des médias indépendamment du contenu concret. La liberté des médias protège l'activité publicitaire dans son ensemble, y compris l'obtention et la diffusion d'informations.\n\n> « La réalisation d'une interview télévisée dans un établissement pénitentiaire tombe dans le champ de protection de la liberté des médias indépendamment du contenu concret de la contribution. »\n\n**ATF 130 I 369** du 7 juillet 2004\nL'entrave policière à l'accès à Davos à l'occasion du Forum économique mondial touche un journaliste dans sa liberté personnelle ainsi que dans la liberté d'opinion, d'information et de la presse. La liberté d'information comprend aussi le droit d'obtenir des informations sans entrave.\n\n> « L'entrave policière à l'accès à Davos à l'occasion du Forum économique mondial 2001 touche le journaliste concerné dans sa liberté personnelle ainsi que dans la liberté d'opinion, d'information et de la presse. »\n\n### Interdiction de la censure (art. 17 al. 2 Cst.)\n\n**ATF 141 I 211** du 6 novembre 2015\nLes interdictions de publication judiciaires pénales imposées aux médias ne sont admissibles qu'en présence d'une base légale suffisante. Une interdiction générale de publier certaines informations sur un accusé constitue une censure inadmissible.\n\n> « L'interdiction prononcée par le juge pénal à l'encontre des correspondants judiciaires sous menace d'amende d'ordre de publier certaines informations sur l'accusé était inadmissible faute de base légale suffisante. »\n\n**ATF 137 I 209** du 14 juillet 2011\nLes conditions d'accès des médias aux audiences judiciaires sont admissibles si elles sont proportionnées. Le journaliste qui ne respecte pas les conditions judiciaires peut être exclu de la procédure.\n\n> « Le correspondant qui ne se soumet pas à la condition judiciaire d'accès à l'audience principale (ici : le respect de l'anonymat des participants à la procédure) peut en être exclu. »\n\n### Secret de rédaction (art. 17 al. 3 Cst.)\n\n**ATF 140 IV 108** du 22 juillet 2014\nL'interdiction de saisie de l'art. 264 al. 1 let. c CPP ne couvre pas seulement les documents chez le professionnel des médias, mais aussi ceux chez l'accusé ou chez des tiers. Le secret de rédaction protège l'ensemble des relations entre accusés et professionnels des médias.\n\n> « L'interdiction de saisie ne couvre pas seulement les documents qui se trouvent chez le professionnel des médias, mais aussi ceux qui se trouvent chez l'accusé ou chez des tiers. »\n\n**ATF 132 I 181** du 11 mai 2006\nLa protection des sources n'est perçable que lorsqu'il existe un intérêt public extraordinaire. L'intérêt à l'élucidation d'un délit d'homicide ne justifie pas sans autre la révélation de sources journalistiques.\n\n> « L'intérêt à l'élucidation du délit d'homicide en question ici ne présente pas le poids extraordinaire qui permettrait d'obliger le journaliste à révéler ses sources d'information. »\n\n### Justification par la liberté des médias\n\n**ATF 127 IV 122** du 11 octobre 2001\nLa liberté des médias ne justifie pas l'instigation à la violation du secret de fonction. L'activité journalistique ne légitime pas per se l'obtention illicite d'informations.\n\n> « Une instigation à la violation du secret de fonction ne peut être justifiée ni par la liberté des médias ni par de prétendus devoirs professionnels journalistiques. »\n\n**ATF 127 IV 166** du 11 octobre 2001\nL'entrée illicite d'un journaliste pour l'obtention d'informations ne peut pas être justifiée par la liberté de la presse. La sauvegarde d'intérêts légitimes présuppose des moyens proportionnés.\n\n> « Les conditions du motif justificatif extra-légal de la sauvegarde d'intérêts légitimes ne sont pas remplies dans le cas d'un journaliste qui entre illicitement en Suisse avec un groupe de réfugiés. »\n\n### Correspondance judiciaire et publicité de la justice\n\n**ATF 143 I 194** du 22 février 2017\nL'exclusion des médias des audiences judiciaires n'est admissible qu'en présence d'intérêts contraires prépondérants. La signification de l'État de droit et démocratique de la publicité de la justice commande une pratique restrictive.\n\n> « La signification de l'État de droit et démocratique du principe de la publicité de la justice commande de n'admettre une exclusion du public et des professionnels des médias dans les procédures pénales judiciaires que de manière très restrictive, partant en présence d'intérêts contraires prépondérants. »\n\n**ATF 147 I 463** du 26 mai 2021\nLe principe de la publicité de la justice n'accorde pas aux professionnels des médias un droit de consultation des dossiers pénaux de procédures closes. La liberté des médias se limite au compte rendu sur les audiences publiques.\n\n> « Le principe de la publicité de la justice et le droit légal de publicité ne constituent pas une base suffisante pour un droit de consultation des actes dans une procédure pénale close. »\n\n### Liberté de radiodiffusion\n\n**ATF 136 I 167** du 10 décembre 2009\nUn droit d'antenne n'existe qu'exceptionnellement. Le refus d'accès aux programmes de droit public n'est contraire à la constitution qu'en cas de discrimination ou de traitement arbitraire.\n\n> « Confirmation de la jurisprudence selon laquelle un 'droit d'antenne' n'existe qu'exceptionnellement. Si une atteinte aux positions protégées par le droit constitutionnel est envisageable en rapport avec l'accès au programme, une pesée des intérêts au cas par cas doit avoir lieu. »\n\n### Liberté d'information et principe de publicité\n\n**ATF 142 II 313** du 18 mai 2016\nL'art. 17 Cst. est en rapport étroit avec le principe de publicité de l'administration. La liberté d'information des médias est concrétisée par la loi fédérale sur le principe de la publicité dans l'administration.\n\n> « Selon la loi sur la transparence de la Confédération, il existe un droit subjectif d'accès aux documents officiels des unités administratives de la Confédération sous réserve des exceptions légales. »\n\n**ATF 127 I 145** du 27 juin 2001\nLa liberté d'information n'accorde pas un droit général d'obtention d'informations auprès de sources non généralement accessibles. L'accès aux dossiers pénaux archivés n'est pas couvert par la liberté des médias.\n\n> « La liberté d'information et des sciences n'accordent pas un droit général d'obtention d'informations auprès de sources non généralement accessibles. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nLa libertà dei media secondo l'art. 17 Cost. protegge tutti i media nella diffusione di informazioni e opinioni. Il diritto fondamentale comprende la stampa, la radio, la televisione e i media online moderni come blog o canali YouTube. È protetta l'intera catena mediatica: dall'acquisizione delle informazioni alla redazione fino alla pubblicazione.\n\nL'articolo 17 Cost. contiene tre garanzie principali: In primo luogo, il capoverso 1 garantisce la libertà generale dei media. Ciò significa che lo Stato non può, in linea di principio, interferire nell'attività mediatica. In secondo luogo, il capoverso 2 vieta qualsiasi censura. Le autorità non possono controllare o vietare i contenuti mediatici prima della pubblicazione. In terzo luogo, il capoverso 3 protegge il segreto redazionale. I giornalisti non devono rivelare le loro fonti.\n\nLa libertà dei media spetta a tutti coloro che diffondono pubblicamente informazioni. Non si tratta solo di giornalisti professionali, ma anche di privati con un blog o un canale YouTube. È decisivo che i contributi siano rivolti al pubblico e non solo a una cerchia privata.\n\n**Esempio pratico**: Una giornalista vuole riferire su abusi in un ospedale. Può liberamente fare ricerche, condurre interviste e pubblicare. La direzione dell'ospedale non può vietare la pubblicazione (divieto di censura). Se la giornalista ha ricevuto informazioni riservate da whistleblower, non deve rivelare i loro nomi (segreto redazionale). Tuttavia, anche gli operatori dei media devono rispettare le leggi: la calunnia, la lesione dell'onore o le violazioni del diritto sulla protezione dei dati rimangono punibili.\n\nI limiti della libertà dei media derivano dall'art. 36 Cost. Gli interventi sono ammissibili solo se previsti dalla legge, giustificati da un interesse pubblico e proporzionati. Il Tribunale federale esamina rigorosamente le limitazioni della libertà dei media. Per la cronaca giudiziaria vale: l'esclusione dei media è ammissibile solo in caso di «interessi contrari preponderanti».\n\nÈ controverso nella dottrina giuridica fino a che punto si estenda il divieto di censura. Mentre alcuni autori considerano vietata solo la censura preventiva sistematica, altri vedono già i singoli divieti di pubblicazione come censura inammissibile. Si discute anche se i media, in quanto «quarto potere», godano di privilegi costituzionali speciali o se siano principalmente parte della società civile.\n\nLa digitalizzazione amplia considerevolmente l'ambito di applicazione dell'art. 17 Cost. I social media, i podcast e le piattaforme online rientrano nella libertà dei media se servono alla formazione dell'opinione pubblica. I gruppi di chat privati, invece, non sono protetti.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La libertà dei media secondo l'art. 17 Cost. trova le sue radici concettuali nella libertà di stampa dell'art. 55 vCost. (1874). La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha ampliato notevolmente l'ambito di protezione: mentre la vecchia Costituzione federale garantiva solo la libertà di stampa, l'art. 17 Cost. comprende ora esplicitamente anche radio, televisione e «altre forme di diffusione pubblica per via elettronica di presentazioni e informazioni». Il messaggio sulla nuova Costituzione federale (FF 1997 I 140 sg.) sottolinea che questa estensione tiene conto dello sviluppo tecnologico e mira a una protezione neutrale rispetto ai media.\n\n**N. 2** Il divieto assoluto di censura al cpv. 2 è stato ripreso invariato dall'art. 55 cpv. 2 vCost. Il messaggio (FF 1997 I 140) stabilisce che il divieto esclude «ogni controllo preventivo statale sistematico». Il segreto redazionale (cpv. 3) ha trovato per la prima volta nel 1999 un ancoraggio costituzionale esplicito, dopo essere stato protetto in precedenza solo a livello di legge ordinaria (FF 1997 I 141). Questa novità doveva garantire costituzionalmente la protezione speciale delle fonti per i professionisti dei media.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 17 Cost. si colloca sistematicamente tra la libertà di opinione e d'informazione (art. 16 Cost.) e la libertà di lingua (art. 18 Cost.). Questa posizione è programmatica: la libertà dei media concretizza i diritti fondamentali di comunicazione per l'ambito specifico dei mass media. Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 5) sottolineano lo stretto rapporto con l'art. 16 Cost., dove l'art. 17 Cost. funziona come lex specialis per la comunicazione mediata.\n\n**N. 4** I rimandi orizzontali esistono in particolare a → art. 16 Cost. (libertà di opinione e d'informazione), → art. 93 Cost. (radiotelevisione) e → art. 35 cpv. 2 Cost. (attuazione dei diritti fondamentali in tutto l'ordinamento giuridico). In caso di conflitto con i diritti della personalità sono da considerare → art. 28 CC e per la cronaca giudiziaria → art. 30 Cost. (garanzie procedurali). La disciplina delle restrizioni avviene secondo → art. 36 Cost.\n\n**N. 5** A livello di diritto internazionale la libertà dei media è garantita dall'art. 10 CEDU e dall'art. 19 Patto ONU II. La giurisprudenza della Corte EDU sull'art. 10 CEDU influenza in modo determinante anche la prassi svizzera (Zeller/Kiener, BSK BV, art. 17 n. 3).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Ambito di applicazione materiale\n\n**N. 6** L'ambito di protezione comprende secondo il cpv. 1 «stampa, radiotelevisione e altre forme di diffusione pubblica per via elettronica». L'approccio neutrale rispetto alla tecnologia include tutti i mass media, indipendentemente dal mezzo di trasmissione. Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 13) precisano che oltre ai tradizionali media stampati e alla radiotelevisione sono compresi anche i media online, i blog e i social media, nella misura in cui servono alla comunicazione pubblica.\n\n**N. 7** Secondo Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 18) sono protette tutte le attività legate ai media: l'acquisizione di informazioni, l'elaborazione redazionale, la diffusione e la ricezione di prodotti mediatici. **DTF 137 I 8 consid. 2.5** conferma che già la conduzione di un'intervista televisiva «indipendentemente dal contenuto concreto del contributo» rientra nell'ambito di protezione.\n\n**N. 8** La delimitazione da altre forme di comunicazione avviene secondo il criterio della pubblicità. La comunicazione privata, anche se avviene tramite mezzi tecnici, non rientra nell'art. 17 Cost., ma nell'art. 13 Cost. (protezione della sfera privata) o nell'art. 16 Cost. Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 16) precisano che la pubblicità presuppone «una cerchia indeterminata di destinatari».\n\n### 3.2 Ambito di applicazione personale\n\n**N. 9** La libertà dei media spetta secondo Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 21) a tutte le persone fisiche e giuridiche che esercitano attività legate ai media. Questo comprende non solo giornaliste e giornalisti professionali, ma anche blogger, giornalisti cittadini e imprese mediatiche. Il ricorso al segreto redazionale (cpv. 3) presuppone tuttavia un'attività giornalistica.\n\n### 3.3 Libertà protette\n\n**N. 10** L'art. 17 Cost. garantisce primariamente un diritto di difesa contro gli interventi statali. Zeller/Kiener (BSK BV, art. 17 n. 19) identificano inoltre doveri statali di protezione e garanzia: lo Stato deve creare le condizioni quadro per un panorama mediatico funzionante e proteggere i privati da interferenze. Questo comprende misure di diritto della concorrenza contro un'eccessiva concentrazione mediatica e la protezione dei giornalisti dalla violenza.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n### 4.1 Diritto di difesa\n\n**N. 11** Come diritto di libertà classico, l'art. 17 Cost. vieta gli interventi statali nell'attività mediatica. **DTF 141 I 211 consid. 3** richiede per ogni limitazione una «base legale sufficiente». Sono vietati in particolare i divieti di pubblicazione, il sequestro di prodotti mediatici e l'esclusione da eventi pubblicamente accessibili.\n\n### 4.2 Divieto di censura (cpv. 2)\n\n**N. 12** Il divieto assoluto di censura vieta ogni controllo preventivo statale sistematico. L'estensione di questo divieto è controversa: Krüsi (Das Zensurverbot, 255 sg.) sostiene un'interpretazione restrittiva, secondo cui sarebbe compresa solo la «censura preventiva sistematica come controllo preventivo e generale dei contenuti». Il messaggio Cost. (FF 1997 I 140 sg.) e Müller/Schefer (Grundrechte, 353) propendono invece per un «ambito di protezione più ampio», che comprende anche la censura di casi singoli.\n\n**N. 13** Restano indiscutibilmente ammissibili le sanzioni successive per pubblicazioni contrarie al diritto. Il divieto di censura non esclude nemmeno le misure di emergenza di polizia in caso di pericolo immediato (Zeller/Kiener, BSK BV, art. 17 n. 39).\n\n### 4.3 Segreto redazionale (cpv. 3)\n\n**N. 14** Il segreto redazionale protegge la riservatezza delle fonti giornalistiche. **DTF 140 IV 108** estende la protezione a tutti i documenti «dal traffico tra imputato e operatori mediatici», indipendentemente dal luogo di conservazione. Secondo **DTF 132 I 181 consid. 4.2** il segreto redazionale può essere infranto solo in presenza di «interessi straordinariamente gravi».\n\n**N. 15** Sul piano processuale gli art. 172 CPP e 266 CPC concretizzano il diritto di ricusazione testimoniale. Il segreto redazionale non vale tuttavia in assoluto: in caso di reati gravi può sussistere un obbligo di deposizione dopo un'accurata ponderazione degli interessi (Zeller/Kiener, BSK BV, art. 17 n. 44).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### 5.1 I media come «quarto potere»\n\n**N. 16** Lo status costituzionale dei media è oggetto di discussione controversa. Noll (AJP 2003, 906) e Herzog (Medienpolitik, 47) qualificano i media come «quarto potere in senso costituzionale» con privilegi speciali. Di contro, J.P. Müller (Publizistik, 149 sg.) ed Engi (Jusletter del 6.2.2006) respingono questa caratterizzazione: i mass media non sarebbero «nessun ‹4° potere› in senso costituzionale» (Zeller/Kiener, BSK BV, art. 17 n. 8), ma adempirebbero la loro funzione di controllo come parte della società civile.\n\n### 5.2 Portata del divieto di censura\n\n**N. 17** La controversia sull'estensione del divieto di censura (sopra n. 12) ha conseguenze pratiche: secondo l'interpretazione restrittiva di Krüsi sarebbero ammissibili misure preventive individuali come i divieti giudiziali di pubblicazione. L'interpretazione estensiva di Müller/Schefer qualificherebbe tali misure come censura inammissibile. Il Tribunale federale ha finora lasciato aperta questa questione.\n\n### 5.3 Pretese positive alle prestazioni\n\n**N. 18** È controverso se l'art. 17 Cost. fondi pretese positive al sostegno statale dei media. La dottrina dominante lo nega: la libertà dei media sarebbe primariamente un diritto di difesa. Il sostegno statale sarebbe sì ammissibile, ma non costituzionalmente dovuto. Una minoranza deduce dai doveri di garanzia (sopra n. 10) un dovere di assicurare la diversità mediatica.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Nell'esame degli interventi nella libertà dei media è da applicare lo schema tripartito secondo l'art. 36 Cost.: (1) base legale, (2) interesse pubblico o protezione di diritti fondamentali di terzi, (3) proporzionalità. **DTF 143 I 194 consid. 3.1** richiede per le limitazioni della cronaca giudiziaria una gestione «solo molto restrittiva» «in presenza di interessi contrari prevalenti».\n\n**N. 20** Per la pratica giornalistica si raccomanda il ricorso tempestivo all'art. 17 Cost. in caso di rifiuti di accesso da parte delle autorità. Il Tribunale federale riconosce uno «speciale interesse all'informazione» dei media, che deve essere considerato nella ponderazione degli interessi. Per le questioni di protezione delle fonti gli operatori mediatici dovrebbero richiamarsi coerentemente all'art. 17 cpv. 3 Cost. in combinato disposto con l'art. 172 CPP.\n\n**N. 21** Nel contesto digitale la delimitazione tra attività mediatica protetta e comunicazione privata non protetta è spesso difficile. Decisiva è l'orientamento verso una cerchia indeterminata di destinatari. Un blog o canale YouTube pubblicamente accessibile gode di protezione secondo l'art. 17 Cost., i gruppi WhatsApp privati invece no.", "caselaw_it": "# Art. 17 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti della libertà dei media\n\n**DTF 137 I 8** del 23 dicembre 2010\nLe riprese cinematografiche in uno stabilimento di esecuzione delle pene rientrano, indipendentemente dal contenuto concreto, nell'ambito di protezione della libertà dei media. La libertà dei media protegge l'attività pubblicistica nel suo insieme, compresa la ricerca e la diffusione di informazioni.\n\n> «La realizzazione di un'intervista televisiva in uno stabilimento di esecuzione delle pene rientra, indipendentemente dal contenuto concreto del contributo, nell'ambito di protezione della libertà dei media.»\n\n**DTF 130 I 369** del 7 luglio 2004\nL'impedimento poliziesco dell'accesso a Davos in occasione del Forum economico mondiale lede un giornalista nella libertà personale nonché nella libertà di opinione, di informazione e di stampa. La libertà di informazione comprende anche il diritto a procurarsi informazioni senza impedimenti.\n\n> «L'impedimento poliziesco dell'accesso a Davos in occasione del Forum economico mondiale 2001 lede il giornalista interessato nella libertà personale nonché nella libertà di opinione, di informazione e di stampa.»\n\n### Divieto di censura (art. 17 cpv. 2 Cost.)\n\n**DTF 141 I 211** del 6 novembre 2015\nI divieti di pubblicazione penali rivolti ai media sono ammissibili solo in presenza di una base legale sufficiente. Il divieto generale di pubblicare determinate informazioni su un imputato costituisce una censura inammissibile.\n\n> «Il divieto pronunciato dal giudice penale nei confronti dei cronisti di tribunale sotto minaccia di multa disciplinare, di pubblicare determinate informazioni sull'imputato, era inammissibile per mancanza di una base legale sufficiente.»\n\n**DTF 137 I 209** del 14 luglio 2011\nLe condizioni per l'accesso dei media alle udienze sono ammissibili se proporzionate. Il giornalista che non rispetta le disposizioni del tribunale può essere escluso dal procedimento.\n\n> «Il cronista che non si sottopone alla disposizione del tribunale per l'accesso al dibattimento principale (qui: il mantenimento dell'anonimato dei partecipanti al procedimento) può essere escluso dal medesimo.»\n\n### Segreto redazionale (art. 17 cpv. 3 Cost.)\n\n**DTF 140 IV 108** del 22 luglio 2014\nIl divieto di sequestro dell'art. 264 cpv. 1 lett. c CPP non comprende soltanto i documenti presso l'operatore dei media, ma anche quelli presso l'imputato o presso terzi. Il segreto redazionale protegge l'intero traffico tra imputati e operatori dei media.\n\n> «Il divieto di sequestro non comprende soltanto i documenti che si trovano presso l'operatore dei media, ma anche quelli che si trovano presso l'imputato o presso terzi.»\n\n**DTF 132 I 181** dell'11 maggio 2006\nLa protezione delle fonti può essere violata solo in presenza di uno straordinario interesse pubblico. L'interesse al chiarimento di un delitto contro la vita non giustifica senz'altro la rivelazione di fonti giornalistiche.\n\n> «L'interesse al chiarimento del delitto contro la vita qui in questione non presenta quel peso straordinario che permetterebbe di obbligare il giornalista a rivelare le sue fonti di informazione.»\n\n### Giustificazione tramite libertà dei media\n\n**DTF 127 IV 122** dell'11 ottobre 2001\nLa libertà dei media non giustifica l'istigazione alla violazione del segreto d'ufficio. L'attività giornalistica non legittima di per sé la ricerca illecita di informazioni.\n\n> «Un'istigazione alla violazione del segreto d'ufficio non può essere giustificata né dalla libertà dei media né da presunti doveri professionali giornalistici.»\n\n**DTF 127 IV 166** dell'11 ottobre 2001\nL'ingresso illecito di un giornalista per procurarsi informazioni non può essere giustificato dalla libertà di stampa. La tutela di interessi legittimi presuppone mezzi proporzionati.\n\n> «I presupposti del motivo di giustificazione extralegale della tutela di interessi legittimi non sono adempiuti nel caso di un giornalista che entra illecitamente in Svizzera insieme a un gruppo di rifugiati.»\n\n### Cronaca giudiziaria e pubblicità della giustizia\n\n**DTF 143 I 194** del 22 febbraio 2017\nL'esclusione dei media dalle udienze è ammissibile solo in presenza di interessi contrari preponderanti. Il significato democratico e di Stato di diritto della pubblicità della giustizia impone un'applicazione restrittiva.\n\n> «Il significato democratico e di Stato di diritto del principio della pubblicità della giustizia impone di ammettere un'esclusione del pubblico e degli operatori dei media nei procedimenti penali soltanto in modo molto restrittivo, cioè in presenza di interessi contrari preponderanti.»\n\n**DTF 147 I 463** del 26 maggio 2021\nIl principio della pubblicità della giustizia non conferisce agli operatori dei media alcun diritto di consultare gli atti di procedimenti penali conclusi. La libertà dei media si limita alla cronaca su udienze pubbliche.\n\n> «Il principio della pubblicità della giustizia e il diritto legale di pubblicità non costituiscono una base sufficiente per un diritto di consultazione degli atti in un procedimento penale concluso.»\n\n### Libertà di radiodiffusione\n\n**DTF 136 I 167** del 10 dicembre 2009\nUn diritto di antenna esiste solo eccezionalmente. Il rifiuto dell'accesso a programmi di diritto pubblico è contrario alla Costituzione solo in caso di discriminazione o trattamento arbitrario.\n\n> «Conferma della giurisprudenza secondo cui solo eccezionalmente esiste un 'diritto di antenna'. Se in relazione all'accesso al programma è immaginabile un pregiudizio di posizioni costituzionalmente protette, deve aver luogo una ponderazione caso per caso.»\n\n### Libertà di informazione e principio di pubblicità\n\n**DTF 142 II 313** del 18 maggio 2016\nL'art. 17 Cost. è strettamente connesso al principio di pubblicità dell'amministrazione. La libertà di informazione dei media è concretizzata dalla Legge federale sul principio di pubblicità dell'amministrazione.\n\n> «Secondo la Legge sulla trasparenza della Confederazione esiste un diritto soggettivo di accesso ai documenti ufficiali delle unità amministrative della Confederazione sotto riserva delle eccezioni legali.»\n\n**DTF 127 I 145** del 27 giugno 2001\nLa libertà di informazione non conferisce alcun diritto generale di procurarsi informazioni da fonti non generalmente accessibili. L'accesso ad atti penali archiviati non è compreso nella libertà dei media.\n\n> «La libertà di informazione e di scienza non conferiscono alcun diritto generale di procurarsi informazioni da fonti non generalmente accessibili.»", "summary_en": "# Overview\n\nMedia freedom under Art. 17 FC protects all media in the dissemination of information and opinions. The fundamental right encompasses press, radio, television and modern online media such as blogs or YouTube channels. The entire media chain is protected: from information gathering through editorial processing to publication.\n\nArticle 17 FC contains three main guarantees: First, paragraph 1 ensures general media freedom. This means: The state may not interfere with media activity in principle. Second, paragraph 2 prohibits any censorship. Authorities may not control or prohibit media content before publication. Third, paragraph 3 protects editorial secrecy. Journalists do not have to reveal their sources.\n\nMedia freedom belongs to everyone who publicly disseminates information. These are not only professional journalists, but also private individuals with a blog or YouTube channel. What matters is that the contributions are directed at the public and not just at a private circle.\n\n**Practical example**: A journalist wants to report on abuses in a hospital. She may freely research, conduct interviews and publish. The hospital management cannot prohibit publication (prohibition of censorship). If the journalist has received confidential information from whistleblowers, she does not have to reveal their names (editorial secrecy). However, media professionals must also comply with the law: defamation, violation of honour or breaches of data protection law remain punishable.\n\nThe limits of media freedom arise from Art. 36 FC. Interference is only permissible if it is legally provided for, justified by a public interest and proportionate. The Federal Supreme Court strictly examines restrictions on media freedom. For court reporting, the following applies: exclusion of media is only permissible in cases of «overriding conflicting interests».\n\nIt is disputed in legal doctrine how far the prohibition of censorship extends. While some authors consider only systematic prior censorship to be prohibited, others regard individual publication bans as impermissible censorship. There is also discussion about whether media as the «fourth estate» enjoy special constitutional privileges or whether they are primarily part of civil society.\n\nDigitalisation considerably extends the scope of application of Art. 17 FC. Social media, podcasts and online platforms fall under media freedom if they serve public opinion formation. Private chat groups, however, are not protected.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Media freedom under Art. 17 FC is based conceptually on the freedom of the press from Art. 55 oFC (1874). The total revision of the Federal Constitution in 1999 significantly expanded the scope of protection: While the old Federal Constitution only guaranteed freedom of the press, Art. 17 FC now explicitly also covers radio, television and \"other forms of public telecommunication dissemination of programmes and information\". The Message on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 160 f.) emphasises that this expansion takes account of technological development and aims for media-neutral protection.\n\n**N. 2** The absolute prohibition of censorship in para. 2 was adopted unchanged from Art. 55 para. 2 oFC. The Message (BBl 1997 I 160) states that the prohibition excludes \"any systematic state prior control\". Editorial secrecy (para. 3) received express constitutional anchoring for the first time in 1999, after having previously been protected only at the statutory level (BBl 1997 I 161). This innovation was intended to constitutionally secure special source protection for media professionals.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 17 FC stands systematically between freedom of opinion and information (Art. 16 FC) and linguistic freedom (Art. 18 FC). This position is programmatic: media freedom concretises the communication fundamental rights for the specific area of mass media. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 5) emphasise the close connection with Art. 16 FC, with Art. 17 FC functioning as lex specialis for media-transmitted communication.\n\n**N. 4** Horizontal cross-references exist in particular to → Art. 16 FC (freedom of opinion and information), → Art. 93 FC (radio and television) and → Art. 35 para. 2 FC (realisation of fundamental rights throughout the legal order). In case of conflict with personality rights, → Art. 28 CC and for court reporting → Art. 30 FC (procedural guarantees) must be observed. Limitations are regulated according to → Art. 36 FC.\n\n**N. 5** At the international law level, media freedom is guaranteed by Art. 10 ECHR and Art. 19 ICCPR II. The jurisprudence of the ECtHR on Art. 10 ECHR also significantly shapes Swiss practice (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 3).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Substantive Scope of Application\n\n**N. 6** The scope of protection covers according to para. 1 \"press, radio and television as well as other forms of public telecommunication dissemination\". The technology-neutral approach covers all mass media, regardless of the transmission path. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 13) explain that in addition to traditional print media and broadcasting, online media, blogs and social media are also covered, insofar as they serve public communication.\n\n**N. 7** According to Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 18), all media-related activities are protected: information gathering, editorial processing, dissemination and reception of media products. **BGE 137 I 8 E. 2.5** confirms that conducting a television interview already falls within the scope of protection \"regardless of the concrete content of the contribution\".\n\n**N. 8** The distinction from other forms of communication is made according to the criterion of publicity. Private communication, even if it takes place via technical means, does not fall under Art. 17 FC, but under Art. 13 FC (protection of privacy) or Art. 16 FC. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 16) specify that publicity presupposes \"an indefinite circle of addressees\".\n\n### 3.2 Personal Scope of Application\n\n**N. 9** According to Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 21), media freedom is available to all natural and legal persons who engage in media-related activities. This includes not only professional journalists, but also bloggers, citizen journalists and media companies. However, invoking editorial secrecy (para. 3) presupposes journalistic activity.\n\n### 3.3 Protected Freedoms\n\n**N. 10** Art. 17 FC primarily guarantees a defence right against state intervention. Zeller/Kiener (BSK BV, Art. 17 N. 19) identify additional state protective and guarantee obligations: the state must create the framework conditions for a functioning media landscape and protect private parties from attacks. This includes competition law measures against excessive media concentration and the protection of journalists from violence.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n### 4.1 Defence Right\n\n**N. 11** As a classic freedom right, Art. 17 FC prohibits state intervention in media activity. **BGE 141 I 211 E. 3** requires a \"sufficient legal basis\" for any restriction. In particular, publication bans, seizures of media products and exclusion from publicly accessible events are prohibited.\n\n### 4.2 Prohibition of Censorship (para. 2)\n\n**N. 12** The absolute prohibition of censorship prohibits any systematic state prior control. The scope of this prohibition is disputed: Krüsi (Das Zensurverbot, 255 ff.) advocates a narrow interpretation, according to which only \"systematic prior censorship as preventive and general content control\" is covered. The Message FC (BBl 1997 I 160 f.) and Müller/Schefer (Grundrechte, 353) argue instead for a \"broader scope of protection\" that also covers individual case censorship.\n\n**N. 13** Subsequent sanctions for unlawful publications remain undisputedly permissible. The prohibition of censorship also does not exclude police emergency measures in case of imminent danger (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 39).\n\n### 4.3 Editorial Secrecy (para. 3)\n\n**N. 14** Editorial secrecy protects the confidentiality of journalistic sources. **BGE 140 IV 108** extends protection to all documents \"from traffic between accused and media professionals\", regardless of the place of storage. According to **BGE 132 I 181 E. 4.2**, editorial secrecy can only be broken in case of \"extraordinarily serious interests\".\n\n**N. 15** Procedurally, Art. 172 CrimPC and Art. 266 CPC concretise the right to refuse testimony. However, editorial secrecy does not apply absolutely: in case of serious crimes, an obligation to testify may exist after careful balancing of interests (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 44).\n\n## 5. Points of Contention\n\n### 5.1 Media as \"Fourth Estate\"\n\n**N. 16** The constitutional status of the media is controversially discussed. Noll (AJP 2003, 906) and Herzog (Medienpolitik, 47) qualify the media as \"fourth estate in the constitutional sense\" with special privileges. In contrast, J.P. Müller (Publizistik, 149 ff.) and Engi (Jusletter vom 6.2.2006) reject this characterisation: the mass media are \"not a '4th estate' in the constitutional sense\" (Zeller/Kiener, BSK BV, Art. 17 N. 8), but fulfil their control function as part of civil society.\n\n### 5.2 Scope of the Prohibition of Censorship\n\n**N. 17** The controversy about the scope of the prohibition of censorship (above N. 12) has practical consequences: According to Krüsi's narrow interpretation, preventive individual measures such as judicial publication bans would be permissible. The broad interpretation by Müller/Schefer would qualify such measures as inadmissible censorship. The Federal Court has left this question open so far.\n\n### 5.3 Positive Performance Claims\n\n**N. 18** It is disputed whether Art. 17 FC establishes positive claims to state media support. The prevailing doctrine denies this: media freedom is primarily a defence right. State support is permissible but not constitutionally required. A minority derives an obligation to secure media diversity from the guarantee obligations (above N. 10).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 19** When examining interventions in media freedom, the three-stage scheme according to Art. 36 FC must be applied: (1) legal basis, (2) public interest or protection of third parties' fundamental rights, (3) proportionality. **BGE 143 I 194 E. 3.1** requires \"only very restrictive\" handling of restrictions on court reporting \"in case of overriding contrary interests\".\n\n**N. 20** For journalistic practice, early invocation of Art. 17 FC in case of official access refusals is recommended. The Federal Court recognises a \"special information interest\" of the media that must be considered in balancing interests. In source protection matters, media professionals should consistently refer to Art. 17 para. 3 FC in conjunction with Art. 172 CrimPC.\n\n**N. 21** In the digital context, the distinction between protected media activity and unprotected private communication is often difficult. What matters is orientation towards an indefinite circle of addressees. A publicly accessible blog or YouTube channel enjoys protection under Art. 17 FC, private WhatsApp groups do not.", "caselaw_en": "# Art. 17 BV\n\n## Case Law\n\n### Foundations of Media Freedom\n\n**BGE 137 I 8** of 23 December 2010\nFilm recordings in a penal institution fall within the scope of protection of media freedom, regardless of the specific content. Media freedom protects journalistic activity as a whole, including the gathering and dissemination of information.\n\n> «The conduct of a television interview in a penal institution falls within the scope of protection of media freedom, regardless of the specific content of the contribution.»\n\n**BGE 130 I 369** of 7 July 2004\nPolice prevention of access to Davos on the occasion of the World Economic Forum affects a journalist's personal freedom as well as freedom of opinion, information and the press. Freedom of information also includes the right to unhindered gathering of information.\n\n> «Police prevention of access to Davos on the occasion of the World Economic Forum 2001 affects the journalist concerned in his personal freedom as well as freedom of opinion, information and the press.»\n\n### Prohibition of Censorship (Art. 17 para. 2 BV)\n\n**BGE 141 I 211** of 6 November 2015\nCriminal court publication bans on media are only permissible with sufficient legal basis. A blanket prohibition on publishing certain information about an accused person constitutes inadmissible censorship.\n\n> «The prohibition pronounced by the criminal judge against court reporters under threat of regulatory fine to publish certain information about the accused was inadmissible for lack of sufficient legal basis.»\n\n**BGE 137 I 209** of 14 July 2011\nConditions for media access to court proceedings are permissible if they are proportionate. The journalist who does not comply with court conditions may be excluded from the proceedings.\n\n> «The reporter who does not comply with the court condition for access to the main hearing (here: maintaining the anonymity of the parties to the proceedings) may be excluded therefrom.»\n\n### Editorial Secrecy (Art. 17 para. 3 BV)\n\n**BGE 140 IV 108** of 22 July 2014\nThe prohibition on seizure under Art. 264 para. 1 lit. c CCP covers not only documents held by media professionals, but also those held by the accused or by third parties. Editorial secrecy protects all communications between accused persons and media professionals.\n\n> «The prohibition on seizure covers not only documents held by media professionals, but also those held by the accused or by third parties.»\n\n**BGE 132 I 181** of 11 May 2006\nSource protection can only be breached when there is an extraordinary public interest. The interest in clarifying a homicide does not automatically justify the disclosure of journalistic sources.\n\n> «The interest in clarifying the homicide in question here does not have the extraordinary weight that would permit compelling the journalist to disclose his sources of information.»\n\n### Justification through Media Freedom\n\n**BGE 127 IV 122** of 11 October 2001\nMedia freedom does not justify incitement to violation of official secrecy. Journalistic activity does not per se legitimise unlawful gathering of information.\n\n> «Incitement to violation of official secrecy cannot be justified either by media freedom or by alleged journalistic professional duties.»\n\n**BGE 127 IV 166** of 11 October 2001\nA journalist's unlawful entry for the purpose of gathering information cannot be justified by press freedom. The safeguarding of legitimate interests requires proportionate means.\n\n> «The requirements of the extra-legal justification of safeguarding legitimate interests are not fulfilled in the case of a journalist who illegally enters Switzerland together with a group of refugees.»\n\n### Court Reporting and Public Administration of Justice\n\n**BGE 143 I 194** of 22 February 2017\nThe exclusion of media from court proceedings is only permissible where there are overriding opposing interests. The constitutional and democratic significance of public administration of justice requires restrictive handling.\n\n> «The constitutional and democratic significance of the principle of public administration of justice requires that exclusion of the public and media professionals from criminal court proceedings be permitted only very restrictively, i.e. where there are overriding opposing interests.»\n\n**BGE 147 I 463** of 26 May 2021\nThe principle of public administration of justice does not grant media professionals a right to inspect criminal files of concluded proceedings. Media freedom is limited to reporting on public hearings.\n\n> «The principle of public administration of justice and the statutory right to information do not form a sufficient basis for a right to inspect files of concluded criminal proceedings.»\n\n### Broadcasting Freedom\n\n**BGE 136 I 167** of 10 December 2009\nA right of access to broadcasting exists only exceptionally. The refusal of access to public service programmes is unconstitutional only in cases of discrimination or arbitrary treatment.\n\n> «Confirmation of the case law according to which a 'right of access to broadcasting' exists only exceptionally. If impairment of constitutionally protected positions is conceivable in connection with access to programmes, a case-by-case assessment must be made.»\n\n### Freedom of Information and Principle of Transparency\n\n**BGE 142 II 313** of 18 May 2016\nArt. 17 BV is closely connected with the principle of transparency in administration. Media freedom of information is given concrete form by the Federal Act on the Principle of Transparency in Administration.\n\n> «According to the federal Transparency Act, there exists a subjective right of access to official documents of federal administrative units, subject to statutory exceptions.»\n\n**BGE 127 I 145** of 27 June 2001\nFreedom of information does not grant a general right to obtain information from sources that are not generally accessible. Access to archived criminal files is not covered by media freedom.\n\n> «Freedom of information and academic freedom do not confer a general right to obtain information from sources that are not generally accessible.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_17", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.93}
{"law": "BV", "article": 18, "article_suffix": "", "title": "Sprachenfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 18 BV — Sprachenfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArt. 18 BV garantiert die Sprachenfreiheit. Dieses Grundrecht schützt das Recht, die eigene Sprache zu sprechen und zu verwenden. Die Sprachenfreiheit ist jedoch nicht absolut (BGE 143 IV 117 E. 2.1). Sie wird durch das Territorialitätsprinzip (Grundsatz der örtlichen Sprachordnung) begrenzt.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Personen in der Schweiz können sich auf die Sprachenfreiheit berufen. Dies umfasst sowohl Schweizer Bürger als auch Ausländer. Nach der Lehre können auch juristische Personen (Unternehmen, Vereine) die Sprachenfreiheit geltend machen (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 25).\n\n**Was schützt die Sprachenfreiheit?** Der private Sprachgebrauch bildet den Kern der Sprachenfreiheit und duldet keinerlei staatliche Beschränkungen (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 14). Im öffentlichen Bereich ist die Sprachenfreiheit jedoch eingeschränkt. Das Territorialitätsprinzip erlaubt es den Kantonen und Gemeinden, Amtssprachen zu bestimmen. Behörden müssen grundsätzlich nicht in einer anderen Sprache als der örtlichen Amtssprache verkehren (BGE 143 IV 117 E. 2.1).\n\n**Rechtsfolgen:** Eingriffe in die Sprachenfreiheit müssen den allgemeinen Eingriffsvoraussetzungen von Art. 36 BV genügen. Sie benötigen eine gesetzliche Grundlage, müssen durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 20-21).\n\n**Beispiel:** Ein deutschsprachiger Tourist kann in Genf privat Deutsch sprechen. Die Genfer Behörden müssen aber seine Eingabe nicht auf Deutsch bearbeiten – sie können eine französische Übersetzung verlangen. In Strafverfahren hat er jedoch Anspruch auf Übersetzung wichtiger Verfahrensschritte (BGE 143 IV 117 E. 3.1).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Sprachenfreiheit war bis zur Totalrevision von 1999 nicht ausdrücklich in der Bundesverfassung verankert, galt aber seit Jahrzehnten als ungeschriebenes Grundrecht (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 1; **BGE 121 I 196** E. 2a). Das Bundesgericht leitete sie aus Art. 116 BV 1874 (Landessprachen) und der persönlichen Freiheit ab.\n\n**N. 2** Im Vernehmlassungsentwurf 1995 war die Sprachenfreiheit in einem umfassenden Sprachenartikel integriert. Die Expertenkommission plädierte jedoch für eine eigenständige Grundrechtsbestimmung: «Eine solche Garantie erreicht relativ wenig, solange sie unter einem weitgehenden Vorbehalt des Territorialitätsprinzips in Sprachenfragen steht» (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 3).\n\n**N. 3** Die Botschaft vom 20. November 1996 betonte den Nachführungscharakter: «Die Sprachenfreiheit wird ausdrücklich als Grundrecht anerkannt. Sie war bereits bisher Bestandteil der ungeschriebenen Grundrechte» (BBl 1997 I 164). Die definitive Fassung verzichtete bewusst auf eine Umschreibung des Schutzbereichs, um Flexibilität zu wahren (BBl 1997 I 165).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 18 BV steht im Grundrechtsteil zwischen der Wissenschaftsfreiheit (Art. 20 BV) und der Meinungsfreiheit (Art. 16 BV). Diese systematische Stellung unterstreicht die Sprachenfreiheit als eigenständiges Kommunikationsgrundrecht (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 8).\n\n**N. 5** Die Sprachenfreiheit ist eng mit weiteren Verfassungsbestimmungen verknüpft:\n- → Art. 4 BV (Landessprachen): definiert die vier Nationalsprachen\n- ↔ Art. 70 BV (Sprachen): regelt Amtssprachen und Territorialitätsprinzip\n- → Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot): Verbot der Diskriminierung aufgrund der Sprache\n- → Art. 31 Abs. 2 BV (Freiheitsentzug): Anspruch auf Information in verständlicher Sprache\n\n**N. 6** Die kantonalen Verfassungen konkretisieren die Sprachordnung. Art. 3 KV/GR bezeichnet Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch als gleichwertige Landes- und Amtssprachen und überträgt Gemeinden und Kreisen die Bestimmung ihrer Amts- und Schulsprachen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Persönlicher Schutzbereich\n\n**N. 7** Träger der Sprachenfreiheit sind natürliche Personen unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus. Die Lehre bejaht die Berufung juristischer Personen auf die Sprachenfreiheit, das Bundesgericht hat diese Frage explizit offengelassen (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25; **BGE 139 I 229** E. 5.8).\n\n#### Sachlicher Schutzbereich\n\n**N. 8** Der Kerngehalt umfasst den privaten Sprachgebrauch, der keinerlei staatliche Beschränkungen duldet (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 14; **BGE 139 I 229** E. 5.4). Die «aktive Seite» der Sprachenfreiheit schützt:\n- Wahl der Kommunikationssprache im privaten Verkehr\n- Gebrauch der Muttersprache\n- Verwendung von Dialekten und Idiomen\n- Wahl nahestehender Sprachen (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 17)\n\n**N. 9** Die «passive Seite» betrifft die Sprache staatlicher Kommunikation. Hier gelten erhebliche Einschränkungen durch das Territorialitätsprinzip und die Amtssprachenordnung (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 294; **BGE 139 I 229** E. 5.5).\n\n**N. 10** Nicht geschützt sind:\n- Anspruch auf beliebige Verfahrenssprache (→ Art. 70 Abs. 2 BV)\n- Recht auf Schulunterricht in der Muttersprache (Biaggini, BV, 2007, Art. 18 N. 8)\n- Unbeschränkte Sprachwahl im amtlichen Verkehr\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die Sprachenfreiheit begründet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe in die private Sprachwahl. Der Staat darf die Sprachverwendung zwischen Privaten nicht regulieren (Auer, AJP/PJA 1992, S. 959).\n\n**N. 12** Leistungsansprüche bestehen nur eingeschränkt:\n- In mehrsprachigen Gebieten: Anspruch auf Schulunterricht in einer traditionellen Sprache, sofern verhältnismässig (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 303; **BGE 125 I 347** E. 5c)\n- Im Strafverfahren: Übersetzung wesentlicher Verfahrenshandlungen (→ Art. 31 Abs. 2 BV; **BGE 143 IV 117**)\n- Keine allgemeine Pflicht zur mehrsprachigen Verwaltungsführung\n\n**N. 13** Das Territorialitätsprinzip legitimiert weitreichende Einschränkungen im öffentlichen Bereich. Kantone bestimmen Amtssprachen unter Beachtung herkömmlicher Sprachgrenzen und Minderheitenschutz (Kägi-Diener, Kommentar BV, Art. 18 N. 26).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Verhältnis Territorialitätsprinzip und Sprachenfreiheit**: Die frühere Praxis stellte Eingriffe in die Sprachenfreiheit direkt dem Territorialitätsprinzip gegenüber. Die neuere Praxis seit dem Freiburger Sprachenfall unterwirft Eingriffe den allgemeinen Eingriffsvoraussetzungen von Art. 36 BV (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 26; Hördegen, AJP/PJA 2003, S. 770).\n\n**N. 15** **Rumantsch Grischun vs. Idiome**: Der verfassungsrechtliche Begriff des «Rätoromanischen» umfasst sowohl die traditionellen Idiome als auch das Rumantsch Grischun. Die Wahl zwischen beiden ist primär sprachpolitisch, nicht grundrechtlich determiniert (Nay, ZGRG 2011, S. 133; **BGE 139 I 229** E. 5.7). Borghi (Kommentar BV 1874, N. 27 zu Art. 27) sieht Rumantsch Grischun als Standardsprache.\n\n**N. 16** **Juristische Personen als Grundrechtsträger**: Die Lehre bejaht die Grundrechtsträgerschaft juristischer Personen (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25). Das Bundesgericht hat diese Frage bewusst offengelassen, was in der Doktrin als übervorsichtig kritisiert wird (Kiener/Kälin, Grundrechte, 2007, S. 261).\n\n**N. 17** **Fremdsprachenunterricht**: Umstritten ist, ob Art. 18 BV einen Anspruch auf bestimmte Fremdsprachen im Schulunterricht begründet. Die Lehre verneint dies überwiegend unter Verweis auf die bildungspolitische Gestaltungsfreiheit der Kantone (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, S. 245; → Art. 62 BV).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Bestimmung von Amts- und Schulsprachen müssen Gemeinden die demografische Entwicklung berücksichtigen. Ein Sprachwechsel bei erheblicher Verschiebung der Sprachverhältnisse ist zulässig, bedarf aber sorgfältiger Abwägung (Thürer, ZBl 85/1984, S. 249).\n\n**N. 19** Im Migrationskontext begründet die Sprachenfreiheit keine Pflicht zur Kommunikation in der Herkunftssprache. Integrationsmassnahmen wie Sprachkurspflichten sind zulässig, sofern verhältnismässig (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, S. 268).\n\n**N. 20** Unternehmen können sich bei Werbeverboten in bestimmten Sprachen auf Art. 18 BV berufen, soweit juristische Personen als grundrechtsberechtigt anerkannt werden. Die Wirtschaftsfreiheit bietet hier oft weitergehenden Schutz (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 40-41).\n\n**N. 21** Bei mehrsprachigen Verfahren (z.B. interkantonale Rechtshilfe) gilt die Verfahrenssprache des ersuchten Kantons. Übersetzungskosten trägt grundsätzlich die ersuchende Behörde (Viletta, Grundlagen des Sprachenrechts, 1978, S. 89).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze der Sprachenfreiheit\n\n**BGE 139 I 229** vom 5. Dezember 2013 — Rumantsch Grischun in der Schule\nGrenzen der Sprachenfreiheit bei der Festlegung der Schulsprache.\nDas Bundesgericht präzisierte die Tragweite von Art. 18 BV im Verhältnis zum Territorialitätsprinzip.\n\n> «Die Sprachenfreiheit (Art. 18 BV) garantiert das Recht, eine Sprache nach eigener Wahl zu benützen, insbesondere auch die Muttersprache [...]. Als Individual-Grundrecht schützt sie den Gebrauch sowohl der rätoromanischen Idiome als auch des Rumantsch Grischun [...]. In diesen privaten Bereich der Sprachenfreiheit – d. h. wenn es um die Freiheit der einzelnen Bürgerinnen und Bürger geht, welche Sprache sie benützen und in welcher sie untereinander kommunizieren wollen – hat sich der Staat nicht einzumischen.»\n\n**BGE 122 I 236** vom 15. Juli 1996 — Sprachenfreiheit und Schulbesuch\nVerhältnis zwischen individueller Sprachenfreiheit und staatlicher Schulorganisation.\nRichtungsweisend für die Abgrenzung zwischen Individual- und Leistungsrechten im Sprachenbereich.\n\n> «Die Sprachenfreiheit verpflichtet die Gemeinwesen nicht, für neu zugewanderte sprachliche Minderheiten einen Schulunterricht in deren Sprache anzubieten [...]. Sofern aber eine andere Gemeinde freiwillig bereit ist, das Kind in einer französischsprachigen Schule aufzunehmen und die Eltern die daraus entstehenden finanziellen Konsequenzen tragen, ist es eine unverhältnismässige Einschränkung der Sprachenfreiheit, den Besuch einer deutschsprachigen Schule zu verlangen.»\n\n**BGE 121 I 196** vom 1995 — Verfahrenssprache im Strafrecht\nGrundlegende Rechtsprechung zu Sprachenfreiheit und Territorialitätsprinzip in Gerichtsverfahren.\nDefiniert die Grenzen des Anspruchs auf Verwendung der Muttersprache vor Gericht.\n\n> «Nach Lehre und Rechtsprechung gehört die Sprachenfreiheit, d.h. die Befugnis zum Gebrauch der Muttersprache, zu den ungeschriebenen Freiheitsrechten der Bundesverfassung. Soweit die Muttersprache gleichzeitig eine Nationalsprache des Bundes ist, steht deren Gebrauch zudem unter dem Schutz der in Art. 116 Abs. 1 BV niedergelegten institutionellen Garantie.»\n\n### Grenzen der Sprachenfreiheit\n\n**BGE 143 IV 117** vom 13. April 2017 — Verfahrenssprache und Übersetzung\nAktuelle Rechtsprechung zur nicht absoluten Geltung der Sprachenfreiheit im Behördenverkehr.\nKonkretisiert die Pflichten der Behörden bei Eingaben in fremder Sprache.\n\n> «Die Sprachenfreiheit nach Art. 18 BV gilt nicht absolut. Grundsätzlich besteht kein Anspruch darauf, mit Behörden in einer anderen Sprache als der Verfahrenssprache zu verkehren (Art. 67 StPO). Um überspitzten Formalismus zu verhindern, muss die Strafbehörde bei einer innert Frist eingereichten Eingabe, die nicht in der Verfahrenssprache verfasst ist, eine zusätzliche Frist für die Übersetzung gewähren, soweit sie sich mit dem Dokument nicht begnügt oder dieses selber übersetzen lässt.»\n\n**BGE 136 I 149** vom 22. Oktober 2009 — Amts- und Verfahrenssprache\nSprachenfreiheit im Verwaltungsverfahren des zweisprachigen Kantons Freiburg.\nBestätigt die Beschränkung der Sprachenfreiheit durch das Territorialitätsprinzip.\n\n> «Die Sprachenfreiheit wird eingeschränkt durch das Territorialitätsprinzip: Der Einzelne hat kein Recht, mit den Behörden in einer beliebigen Sprache zu verkehren, sondern hat – unter Vorbehalt besonderer Ansprüche – die jeweilige Amtssprache zu benützen.»\n\n### Minderheitensprachen und Territorialitätsprinzip\n\n**BGE 100 Ia 462** vom 1974 — Grundlegender Minderheitenschutz\nFrühe grundlegende Rechtsprechung zum Schutz sprachlicher Minderheiten.\nBegründet das Territorialitätsprinzip als Schutzinstrument für Minderheitensprachen.\n\n> «Das Territorialitätsprinzip [...] verbietet auch die bewusste Verschiebung hergebrachter Sprachgrenzen oder die Unterdrückung von hergebrachten Minderheitssprachgruppen [...]. Diese Grundsätze gelten insbesondere für den Schutz der traditionellen sprachlichen Minderheiten wie des Italienischen und des Rätoromanischen.»\n\n### Schulsprache und Bildungswesen\n\n**BGE 125 I 347** vom 9. September 1999 — Konfessionelle Neutralität der Schule\nSprachenfreiheit im Kontext des konfessionell neutralen Schulwesens.\nZeigt die Abwägung zwischen verschiedenen Grundrechten im Bildungsbereich auf.\n\n> «In zwei- oder mehrsprachigen Gebieten könne sich aus der Sprachenfreiheit ein Anspruch darauf ergeben, in einer der mehreren traditionellen Sprachen unterrichtet zu werden, sofern dies nicht zu einer unverhältnismässigen Belastung des Gemeinwesens führt.»\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\nUrteil **1B_70/2009** vom 7. April 2009 — Sprachenfreiheit im Strafverfahren\nPräzisierung der Übersetzungsansprüche im Strafverfahren.\nKonkretisiert die Balance zwischen Sprachenfreiheit und Verfahrensökonomie.\n\nUrteil **2C_806/2012** vom 12. Juli 2013 — Rumantsch Grischun als Schulsprache\nBestätigt die Flexibilität bei der Ausgestaltung romanischsprachiger Bildung.\nZeigt die Grenzen individueller Sprachenrechte im öffentlichen Bildungswesen auf.\n\nUrteil **1C_40/2015** vom 18. September 2015 — Sprachenrechte in der Verwaltung\nAktuelle Anwendung der Sprachenfreiheit im Verwaltungsverfahren.\nBestätigt die restriktive Handhabung von Übersetzungsansprüchen ausserhalb der Amtssprachen.", "summary_fr": "# Art. 18 Cst. — Liberté de la langue\n\n## Aperçu\n\nL'art. 18 Cst. garantit la liberté de la langue. Ce droit fondamental protège le droit de parler et d'utiliser sa propre langue. La liberté de la langue n'est toutefois pas absolue (ATF 143 IV 117 consid. 2.1). Elle est limitée par le principe de territorialité (principe de l'ordre linguistique local).\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes en Suisse peuvent invoquer la liberté de la langue. Cela comprend aussi bien les citoyens suisses que les étrangers. Selon la doctrine, les personnes morales (entreprises, associations) peuvent également faire valoir la liberté de la langue (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 25).\n\n**Que protège la liberté de la langue ?** L'usage privé de la langue constitue le noyau de la liberté de la langue et ne tolère aucune restriction étatique (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 14). Dans le domaine public, la liberté de la langue est cependant limitée. Le principe de territorialité permet aux cantons et aux communes de déterminer les langues officielles. Les autorités ne doivent en principe pas communiquer dans une autre langue que la langue officielle locale (ATF 143 IV 117 consid. 2.1).\n\n**Conséquences juridiques :** Les atteintes à la liberté de la langue doivent satisfaire aux conditions générales de restriction de l'art. 36 Cst. Elles nécessitent une base légale, doivent être justifiées par un intérêt public et être proportionnées (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 20-21).\n\n**Exemple :** Un touriste germanophone peut parler allemand en privé à Genève. Les autorités genevoises ne doivent cependant pas traiter sa demande en allemand – elles peuvent exiger une traduction française. Dans les procédures pénales, il a toutefois droit à la traduction des actes importants de la procédure (ATF 143 IV 117 consid. 3.1).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La liberté de la langue n'était pas expressément ancrée dans la Constitution fédérale jusqu'à la révision totale de 1999, mais valait depuis des décennies comme droit fondamental non écrit (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 1 ; **ATF 121 I 196** c. 2a). Le Tribunal fédéral la déduisait de l'art. 116 Cst 1874 (langues nationales) et de la liberté personnelle.\n\n**N. 2** Dans le projet mis en consultation en 1995, la liberté de la langue était intégrée dans un article linguistique global. La commission d'experts plaida cependant pour une disposition autonome relative aux droits fondamentaux : « Une telle garantie n'atteint relativement peu tant qu'elle demeure sous une réserve largement étendue du principe de territorialité en matière linguistique » (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 3).\n\n**N. 3** Le message du 20 novembre 1996 souligna le caractère de mise à jour : « La liberté de la langue est expressément reconnue comme droit fondamental. Elle faisait déjà partie des droits fondamentaux non écrits » (FF 1997 I 164). La version définitive renonça consciemment à une description du champ de protection afin de préserver la flexibilité (FF 1997 I 165).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 18 Cst se trouve dans la partie relative aux droits fondamentaux entre la liberté de la science (art. 20 Cst) et la liberté d'opinion (art. 16 Cst). Cette position systématique souligne la liberté de la langue comme droit fondamental autonome de communication (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 8).\n\n**N. 5** La liberté de la langue est étroitement liée à d'autres dispositions constitutionnelles :\n- → Art. 4 Cst (langues nationales) : définit les quatre langues nationales\n- ↔ Art. 70 Cst (langues) : règle les langues officielles et le principe de territorialité\n- → Art. 8 al. 2 Cst (interdiction de discrimination) : interdiction de discrimination fondée sur la langue\n- → Art. 31 al. 2 Cst (privation de liberté) : droit à l'information dans une langue compréhensible\n\n**N. 6** Les constitutions cantonales concrétisent l'ordre linguistique. L'art. 3 Cst/GR désigne l'allemand, le romanche et l'italien comme langues nationales et officielles équivalentes et confère aux communes et cercles la détermination de leurs langues officielles et scolaires.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### Champ de protection personnel\n\n**N. 7** Les titulaires de la liberté de la langue sont les personnes physiques indépendamment de la nationalité ou du statut de séjour. La doctrine affirme l'invocation de la liberté de la langue par les personnes morales, le Tribunal fédéral a expressément laissé cette question ouverte (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25 ; **ATF 139 I 229** c. 5.8).\n\n#### Champ de protection matériel\n\n**N. 8** Le contenu essentiel comprend l'usage privé de la langue, qui ne tolère aucune restriction étatique (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 14 ; **ATF 139 I 229** c. 5.4). Le « côté actif » de la liberté de la langue protège :\n- Le choix de la langue de communication dans les rapports privés\n- L'usage de la langue maternelle\n- L'utilisation de dialectes et idiomes\n- Le choix de langues proches (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 17)\n\n**N. 9** Le « côté passif » concerne la langue de la communication étatique. Ici s'appliquent des restrictions considérables par le principe de territorialité et l'ordre des langues officielles (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 294 ; **ATF 139 I 229** c. 5.5).\n\n**N. 10** Ne sont pas protégés :\n- Le droit à une langue de procédure quelconque (→ art. 70 al. 2 Cst)\n- Le droit à l'enseignement scolaire dans la langue maternelle (Biaggini, BV, 2007, Art. 18 N. 8)\n- Le choix linguistique illimité dans les rapports officiels\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** La liberté de la langue fonde principalement un droit de défense contre les atteintes étatiques au choix linguistique privé. L'État ne peut pas réguler l'usage linguistique entre personnes privées (Auer, AJP/PJA 1992, p. 959).\n\n**N. 12** Les droits à des prestations n'existent que de manière restreinte :\n- Dans les régions plurilingues : droit à l'enseignement scolaire dans une langue traditionnelle, pour autant que proportionné (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 303 ; **ATF 125 I 347** c. 5c)\n- Dans la procédure pénale : traduction d'actes de procédure essentiels (→ art. 31 al. 2 Cst ; **ATF 143 IV 117**)\n- Aucune obligation générale d'administration plurilingue\n\n**N. 13** Le principe de territorialité légitime des restrictions étendues dans le domaine public. Les cantons déterminent les langues officielles en respectant les frontières linguistiques traditionnelles et la protection des minorités (Kägi-Diener, Kommentar BV, Art. 18 N. 26).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Rapport entre principe de territorialité et liberté de la langue** : L'ancienne pratique opposait directement les atteintes à la liberté de la langue au principe de territorialité. La pratique plus récente depuis l'affaire linguistique fribourgeoise soumet les atteintes aux conditions générales d'atteinte de l'art. 36 Cst (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 26 ; Hördegen, AJP/PJA 2003, p. 770).\n\n**N. 15** **Rumantsch Grischun vs. idiomes** : Le concept constitutionnel de « romanche » comprend tant les idiomes traditionnels que le Rumantsch Grischun. Le choix entre les deux est principalement déterminé par la politique linguistique, non par les droits fondamentaux (Nay, ZGRG 2011, p. 133 ; **ATF 139 I 229** c. 5.7). Borghi (Kommentar BV 1874, N. 27 ad art. 27) considère le Rumantsch Grischun comme langue standard.\n\n**N. 16** **Personnes morales comme titulaires de droits fondamentaux** : La doctrine affirme la qualité de titulaire de droits fondamentaux des personnes morales (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25). Le Tribunal fédéral a consciemment laissé cette question ouverte, ce qui est critiqué dans la doctrine comme excessivement prudent (Kiener/Kälin, Grundrechte, 2007, p. 261).\n\n**N. 17** **Enseignement des langues étrangères** : Il est controversé de savoir si l'art. 18 Cst fonde un droit à certaines langues étrangères dans l'enseignement scolaire. La doctrine le nie majoritairement en renvoyant à la liberté d'organisation des cantons en matière de politique de formation (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 245 ; → art. 62 Cst).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de la détermination des langues officielles et scolaires, les communes doivent prendre en compte l'évolution démographique. Un changement linguistique en cas de modification considérable des rapports linguistiques est admissible, mais nécessite une pesée soigneuse (Thürer, ZBl 85/1984, p. 249).\n\n**N. 19** Dans le contexte migratoire, la liberté de la langue ne fonde aucune obligation de communiquer dans la langue d'origine. Les mesures d'intégration comme l'obligation de cours de langue sont admissibles, pour autant qu'elles soient proportionnées (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 268).\n\n**N. 20** Les entreprises peuvent se prévaloir de l'art. 18 Cst lors d'interdictions publicitaires dans certaines langues, dans la mesure où les personnes morales sont reconnues comme ayant droit aux droits fondamentaux. La liberté économique offre ici souvent une protection plus étendue (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 40-41).\n\n**N. 21** Lors de procédures plurilingues (p. ex. entraide intercantonale), s'applique la langue de procédure du canton requis. Les coûts de traduction sont en principe supportés par l'autorité requérante (Viletta, Grundlagen des Sprachenrechts, 1978, p. 89).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes de la liberté de la langue\n\n**ATF 139 I 229** du 5 décembre 2013 — Rumantsch Grischun à l'école\nLimites de la liberté de la langue lors de la détermination de la langue d'enseignement.\nLe Tribunal fédéral a précisé la portée de l'art. 18 Cst. par rapport au principe de territorialité.\n\n> « La liberté de la langue (art. 18 Cst.) garantit le droit d'utiliser une langue de son choix, en particulier la langue maternelle [...]. En tant que droit fondamental individuel, elle protège l'usage tant des idiomes romanches que du rumantsch grischun [...]. Dans ce domaine privé de la liberté de la langue – c'est-à-dire lorsqu'il s'agit de la liberté des citoyennes et citoyens individuels de déterminer quelle langue ils utilisent et dans laquelle ils veulent communiquer entre eux – l'État ne doit pas s'immiscer. »\n\n**ATF 122 I 236** du 15 juillet 1996 — Liberté de la langue et fréquentation scolaire\nRapport entre liberté individuelle de la langue et organisation scolaire étatique.\nDécision déterminante pour la délimitation entre droits individuels et droits à des prestations dans le domaine linguistique.\n\n> « La liberté de la langue n'oblige pas les collectivités publiques à offrir un enseignement scolaire dans la langue de nouvelles minorités linguistiques immigrées [...]. Si toutefois une autre commune est volontairement disposée à accueillir l'enfant dans une école francophone et que les parents supportent les conséquences financières qui en découlent, il constitue une restriction disproportionnée de la liberté de la langue d'exiger la fréquentation d'une école germanophone. »\n\n**ATF 121 I 196** de 1995 — Langue de procédure en droit pénal\nJurisprudence fondamentale sur la liberté de la langue et le principe de territorialité dans les procédures judiciaires.\nDéfinit les limites du droit à l'usage de la langue maternelle devant les tribunaux.\n\n> « Selon la doctrine et la jurisprudence, la liberté de la langue, c'est-à-dire la faculté d'utiliser la langue maternelle, fait partie des droits de liberté non écrits de la Constitution fédérale. Dans la mesure où la langue maternelle est simultanément une langue nationale de la Confédération, son usage jouit en outre de la protection de la garantie institutionnelle inscrite à l'art. 116 al. 1 Cst. »\n\n### Limites de la liberté de la langue\n\n**ATF 143 IV 117** du 13 avril 2017 — Langue de procédure et traduction\nJurisprudence actuelle sur la validité non absolue de la liberté de la langue dans les rapports avec les autorités.\nConcrétise les obligations des autorités lors d'écritures en langue étrangère.\n\n> « La liberté de la langue selon l'art. 18 Cst. ne vaut pas de manière absolue. En principe, il n'existe aucun droit de communiquer avec les autorités dans une autre langue que la langue de procédure (art. 67 CPP). Afin d'éviter un formalisme excessif, l'autorité pénale doit, pour un écrit déposé dans le délai mais qui n'est pas rédigé dans la langue de procédure, accorder un délai supplémentaire pour la traduction, pour autant qu'elle ne se contente pas du document ou qu'elle ne le fasse pas traduire elle-même. »\n\n**ATF 136 I 149** du 22 octobre 2009 — Langue officielle et de procédure\nLiberté de la langue dans la procédure administrative du canton bilingue de Fribourg.\nConfirme la limitation de la liberté de la langue par le principe de territorialité.\n\n> « La liberté de la langue est limitée par le principe de territorialité : l'individu n'a pas le droit de communiquer avec les autorités dans n'importe quelle langue, mais doit – sous réserve de droits particuliers – utiliser la langue officielle respective. »\n\n### Langues minoritaires et principe de territorialité\n\n**ATF 100 Ia 462** de 1974 — Protection fondamentale des minorités\nJurisprudence fondamentale ancienne sur la protection des minorités linguistiques.\nFonde le principe de territorialité comme instrument de protection des langues minoritaires.\n\n> « Le principe de territorialité [...] interdit aussi le déplacement conscient de frontières linguistiques traditionnelles ou l'oppression de groupes linguistiques minoritaires traditionnels [...]. Ces principes valent en particulier pour la protection des minorités linguistiques traditionnelles comme l'italien et le romanche. »\n\n### Langue d'enseignement et système éducatif\n\n**ATF 125 I 347** du 9 septembre 1999 — Neutralité confessionnelle de l'école\nLiberté de la langue dans le contexte du système scolaire confessionnellement neutre.\nMontre la pondération entre différents droits fondamentaux dans le domaine de l'éducation.\n\n> « Dans les régions bi- ou plurilingues, un droit découlant de la liberté de la langue pourrait naître d'être enseigné dans l'une des plusieurs langues traditionnelles, pour autant que cela ne conduise pas à une charge disproportionnée de la collectivité publique. »\n\n### Développements récents\n\nArrêt **1B_70/2009** du 7 avril 2009 — Liberté de la langue dans la procédure pénale\nPrécision des droits à la traduction dans la procédure pénale.\nConcrétise l'équilibre entre liberté de la langue et économie de procédure.\n\nArrêt **2C_806/2012** du 12 juillet 2013 — Rumantsch Grischun comme langue d'enseignement\nConfirme la flexibilité dans l'organisation de l'éducation en langue romanche.\nMontre les limites des droits linguistiques individuels dans le système d'éducation publique.\n\nArrêt **1C_40/2015** du 18 septembre 2015 — Droits linguistiques dans l'administration\nApplication actuelle de la liberté de la langue dans la procédure administrative.\nConfirme la gestion restrictive des droits à la traduction en dehors des langues officielles.", "summary_it": "# Art. 18 Cost. — Libertà di lingua\n\n## Panoramica\n\nL'art. 18 Cost. garantisce la libertà di lingua. Questo diritto fondamentale protegge il diritto di parlare e usare la propria lingua. La libertà di lingua non è tuttavia assoluta (DTF 143 IV 117 consid. 2.1). Essa è limitata dal principio della territorialità (principio dell'ordinamento linguistico locale).\n\n**Chi è interessato?** Tutte le persone in Svizzera possono invocare la libertà di lingua. Ciò comprende sia i cittadini svizzeri che gli stranieri. Secondo la dottrina, anche le persone giuridiche (imprese, associazioni) possono far valere la libertà di lingua (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 25).\n\n**Cosa protegge la libertà di lingua?** L'uso privato della lingua costituisce il nucleo della libertà di lingua e non tollera alcuna limitazione statale (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 14). Nell'ambito pubblico, la libertà di lingua è tuttavia limitata. Il principio della territorialità consente ai Cantoni e ai Comuni di determinare le lingue ufficiali. Le autorità non devono in linea di principio comunicare in una lingua diversa da quella ufficiale locale (DTF 143 IV 117 consid. 2.1).\n\n**Conseguenze giuridiche:** Gli interventi nella libertà di lingua devono soddisfare i presupposti generali di restrizione dell'art. 36 Cost. Necessitano di una base legale, devono essere giustificati da un interesse pubblico ed essere proporzionati (BSK BV-Caroni/Hefti, art. 18 n. 20-21).\n\n**Esempio:** Un turista di lingua tedesca può parlare privatamente in tedesco a Ginevra. Le autorità ginevresi non devono però trattare la sua istanza in tedesco – possono esigere una traduzione francese. Nei procedimenti penali ha tuttavia diritto alla traduzione dei passaggi procedurali importanti (DTF 143 IV 117 consid. 3.1).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** La libertà di lingua non era espressamente sancita nella Costituzione federale fino alla revisione totale del 1999, ma valeva da decenni come diritto fondamentale non scritto (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 1; **BGE 121 I 196** consid. 2a). Il Tribunale federale la derivava dall'art. 116 Cost. 1874 (lingue nazionali) e dalla libertà personale.\n\n**N. 2** Nel progetto posto in consultazione del 1995, la libertà di lingua era integrata in un articolo linguistico comprensivo. La commissione di esperti si pronunciò tuttavia a favore di una disposizione sui diritti fondamentali autonoma: «Una tale garanzia raggiunge relativamente poco finché rimane sottoposta a una riserva estesa del principio di territorialità nelle questioni linguistiche» (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 3).\n\n**N. 3** Il messaggio del 20 novembre 1996 sottolineò il carattere di aggiornamento: «La libertà di lingua viene riconosciuta espressamente come diritto fondamentale. Era già parte dei diritti fondamentali non scritti» (FF 1997 I 164). La versione definitiva rinunciò consapevolmente a una descrizione dell'ambito di protezione, per mantenere flessibilità (FF 1997 I 165).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 18 Cost. si trova nella parte sui diritti fondamentali tra la libertà della scienza (art. 20 Cost.) e la libertà di opinione (art. 16 Cost.). Questa posizione sistematica sottolinea la libertà di lingua come diritto fondamentale di comunicazione autonomo (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 8).\n\n**N. 5** La libertà di lingua è strettamente collegata ad altre disposizioni costituzionali:\n- → Art. 4 Cost. (lingue nazionali): definisce le quattro lingue nazionali\n- ↔ Art. 70 Cost. (lingue): disciplina le lingue ufficiali e il principio di territorialità\n- → Art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione): divieto di discriminazione a causa della lingua\n- → Art. 31 cpv. 2 Cost. (privazione della libertà): diritto all'informazione in lingua comprensibile\n\n**N. 6** Le costituzioni cantonali concretizzano l'ordinamento linguistico. L'art. 3 Cost./GR designa tedesco, romancio e italiano come lingue nazionali e ufficiali di pari valore e attribuisce a comuni e circoli la determinazione delle loro lingue ufficiali e scolastiche.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Ambito di protezione personale\n\n**N. 7** Titolari della libertà di lingua sono le persone fisiche indipendentemente dalla cittadinanza o dallo statuto di dimora. La dottrina afferma l'invocabilità della libertà di lingua da parte delle persone giuridiche, il Tribunale federale ha lasciato espressamente aperta questa questione (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25; **BGE 139 I 229** consid. 5.8).\n\n#### Ambito di protezione materiale\n\n**N. 8** Il nucleo essenziale comprende l'uso linguistico privato, che non tollera alcuna limitazione statale (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 14; **BGE 139 I 229** consid. 5.4). Il «lato attivo» della libertà di lingua protegge:\n- Scelta della lingua di comunicazione nel traffico privato\n- Uso della lingua materna\n- Uso di dialetti e idiomi\n- Scelta di lingue affini (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 17)\n\n**N. 9** Il «lato passivo» concerne la lingua della comunicazione statale. Qui valgono limitazioni considerevoli per il principio di territorialità e l'ordinamento delle lingue ufficiali (Müller/Schefer, Grundrechte, 4a ed. 2008, p. 294; **BGE 139 I 229** consid. 5.5).\n\n**N. 10** Non sono protetti:\n- Diritto a una qualsiasi lingua processuale (→ art. 70 cpv. 2 Cost.)\n- Diritto all'insegnamento scolastico nella lingua materna (Biaggini, BV, 2007, Art. 18 N. 8)\n- Scelta linguistica illimitata nel traffico ufficiale\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** La libertà di lingua fonda primariamente un diritto di difesa contro interventi statali nella scelta linguistica privata. Lo Stato non può regolamentare l'uso linguistico tra privati (Auer, AJP/PJA 1992, p. 959).\n\n**N. 12** Diritti a prestazioni esistono solo limitatamente:\n- In territori plurilingui: diritto all'insegnamento scolastico in una lingua tradizionale, se proporzionato (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 303; **BGE 125 I 347** consid. 5c)\n- Nel procedimento penale: traduzione di atti processuali essenziali (→ art. 31 cpv. 2 Cost.; **BGE 143 IV 117**)\n- Nessun obbligo generale alla gestione amministrativa plurilingue\n\n**N. 13** Il principio di territorialità legittima limitazioni estese nell'ambito pubblico. I cantoni determinano le lingue ufficiali nel rispetto dei confini linguistici tradizionali e della protezione delle minoranze (Kägi-Diener, Kommentar BV, Art. 18 N. 26).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 14** **Rapporto principio di territorialità e libertà di lingua**: La prassi anteriore contrapponeva direttamente gli interventi nella libertà di lingua al principio di territorialità. La prassi più recente dal caso linguistico friburghese sottopone gli interventi ai presupposti generali di intervento dell'art. 36 Cost. (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 26; Hördegen, AJP/PJA 2003, p. 770).\n\n**N. 15** **Rumantsch Grischun vs. idiomi**: Il concetto costituzionale del «romancio» comprende sia gli idiomi tradizionali sia il Rumantsch Grischun. La scelta tra entrambi è primariamente determinata dalla politica linguistica, non dai diritti fondamentali (Nay, ZGRG 2011, p. 133; **BGE 139 I 229** consid. 5.7). Borghi (Kommentar BV 1874, N. 27 ad art. 27) vede il Rumantsch Grischun come lingua standard.\n\n**N. 16** **Persone giuridiche come titolari di diritti fondamentali**: La dottrina afferma la titolarità di diritti fondamentali delle persone giuridiche (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25). Il Tribunale federale ha lasciato consapevolmente aperta questa questione, il che viene criticato nella dottrina come eccessivamente prudente (Kiener/Kälin, Grundrechte, 2007, p. 261).\n\n**N. 17** **Insegnamento di lingue straniere**: È controverso se l'art. 18 Cost. fondi un diritto a determinate lingue straniere nell'insegnamento scolastico. La dottrina lo nega prevalentemente con riferimento alla libertà di configurazione dei cantoni in materia di politica dell'educazione (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 245; → art. 62 Cost.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella determinazione delle lingue ufficiali e scolastiche, i comuni devono considerare l'evoluzione demografica. Un cambiamento linguistico in caso di spostamento considerevole dei rapporti linguistici è ammissibile, ma richiede un'attenta ponderazione (Thürer, ZBl 85/1984, p. 249).\n\n**N. 19** Nel contesto migratorio, la libertà di lingua non fonda alcun obbligo alla comunicazione nella lingua d'origine. Misure di integrazione come l'obbligo di corsi di lingua sono ammissibili, se proporzionate (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 268).\n\n**N. 20** Le imprese possono invocare l'art. 18 Cost. in caso di divieti pubblicitari in determinate lingue, nella misura in cui le persone giuridiche sono riconosciute come titolari di diritti fondamentali. La libertà economica offre qui spesso protezione più estesa (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 40-41).\n\n**N. 21** In procedimenti plurilingui (p.es. assistenza giudiziaria intercantonale) vale la lingua processuale del cantone richiesto. I costi di traduzione sono a carico in principio dell'autorità richiedente (Viletta, Grundlagen des Sprachenrechts, 1978, p. 89).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi della libertà linguistica\n\n**DTF 139 I 229** del 5 dicembre 2013 — Rumantsch Grischun nella scuola\nLimiti della libertà linguistica nella determinazione della lingua scolastica.\nIl Tribunale federale ha precisato la portata dell'art. 18 Cost. in rapporto al principio di territorialità.\n\n> «La libertà linguistica (art. 18 Cost.) garantisce il diritto di usare una lingua di propria scelta, in particolare anche la lingua madre [...]. In quanto diritto fondamentale individuale, essa protegge l'uso sia degli idiomi romanci sia del Rumantsch Grischun [...]. In questo ambito privato della libertà linguistica – vale a dire quando si tratta della libertà dei singoli cittadini di scegliere quale lingua utilizzare e in quale lingua comunicare tra loro – lo Stato non deve immischiarsi.»\n\n**DTF 122 I 236** del 15 luglio 1996 — Libertà linguistica e frequenza scolastica\nRapporto tra libertà linguistica individuale e organizzazione scolastica statale.\nOrientativo per la delimitazione tra diritti individuali e prestazionali in ambito linguistico.\n\n> «La libertà linguistica non obbliga i collettivi pubblici a offrire un insegnamento scolastico nella lingua delle minoranze linguistiche di recente immigrazione [...]. Se tuttavia un altro comune è volontariamente disposto ad accogliere il bambino in una scuola francofona e i genitori si assumono le conseguenze finanziarie che ne derivano, costituisce una limitazione sproporzionata della libertà linguistica esigere la frequenza di una scuola germanofona.»\n\n**DTF 121 I 196** del 1995 — Lingua processuale nel diritto penale\nGiurisprudenza fondamentale sulla libertà linguistica e il principio di territorialità nei procedimenti giudiziari.\nDefinisce i limiti del diritto all'uso della lingua madre davanti al tribunale.\n\n> «Secondo dottrina e giurisprudenza, la libertà linguistica, vale a dire la facoltà di usare la lingua madre, appartiene ai diritti di libertà non scritti della Costituzione federale. Nella misura in cui la lingua madre è al contempo una lingua nazionale della Confederazione, il suo uso è inoltre protetto dalla garanzia istituzionale sancita nell'art. 116 cpv. 1 Cost.»\n\n### Limiti della libertà linguistica\n\n**DTF 143 IV 117** del 13 aprile 2017 — Lingua processuale e traduzione\nGiurisprudenza attuale sulla validità non assoluta della libertà linguistica nei rapporti con le autorità.\nConcretizza i doveri delle autorità in caso di istanze in lingua straniera.\n\n> «La libertà linguistica secondo l'art. 18 Cost. non vale in modo assoluto. In linea di principio non sussiste alcun diritto di comunicare con le autorità in una lingua diversa da quella processuale (art. 67 CPP). Per evitare un formalismo eccessivo, l'autorità penale deve, nel caso di un'istanza presentata entro il termine ma non redatta nella lingua processuale, concedere un termine supplementare per la traduzione, sempre che non si accontenti del documento o non lo faccia tradurre essa stessa.»\n\n**DTF 136 I 149** del 22 ottobre 2009 — Lingua ufficiale e processuale\nLibertà linguistica nel procedimento amministrativo del Cantone bilingue di Friburgo.\nConferma la limitazione della libertà linguistica attraverso il principio di territorialità.\n\n> «La libertà linguistica è limitata dal principio di territorialità: il singolo non ha il diritto di comunicare con le autorità in una lingua qualsiasi, ma deve – fatte salve pretese particolari – utilizzare la rispettiva lingua ufficiale.»\n\n### Lingue minoritarie e principio di territorialità\n\n**DTF 100 Ia 462** del 1974 — Protezione fondamentale delle minoranze\nGiurisprudenza fondamentale iniziale sulla protezione delle minoranze linguistiche.\nFonda il principio di territorialità come strumento di protezione delle lingue minoritarie.\n\n> «Il principio di territorialità [...] vieta anche lo spostamento consapevole di confini linguistici tradizionali o l'oppressione di gruppi di minoranze linguistiche tradizionali [...]. Questi principi valgono in particolare per la protezione delle minoranze linguistiche tradizionali come l'italiano e il romancio.»\n\n### Lingua scolastica e sistema educativo\n\n**DTF 125 I 347** del 9 settembre 1999 — Neutralità confessionale della scuola\nLibertà linguistica nel contesto del sistema scolastico confessionalmente neutro.\nMostra la ponderazione tra diversi diritti fondamentali in ambito educativo.\n\n> «Nelle regioni bi- o plurilingui, dalla libertà linguistica può derivare un diritto ad essere istruiti in una delle diverse lingue tradizionali, purché ciò non conduca a un onere sproporzionato per il collettivo pubblico.»\n\n### Sviluppi recenti\n\nSentenza **1B_70/2009** del 7 aprile 2009 — Libertà linguistica nel procedimento penale\nPrecisazione dei diritti di traduzione nel procedimento penale.\nConcretizza l'equilibrio tra libertà linguistica ed economia processuale.\n\nSentenza **2C_806/2012** del 12 luglio 2013 — Rumantsch Grischun come lingua scolastica\nConferma la flessibilità nell'organizzazione dell'istruzione in lingua romancia.\nMostra i limiti dei diritti linguistici individuali nel sistema educativo pubblico.\n\nSentenza **1C_40/2015** del 18 settembre 2015 — Diritti linguistici nell'amministrazione\nApplicazione attuale della libertà linguistica nel procedimento amministrativo.\nConferma la gestione restrittiva dei diritti di traduzione al di fuori delle lingue ufficiali.", "summary_en": "# Art. 18 BV — Freedom of Language\n\n## Overview\n\nArt. 18 BV guarantees freedom of language. This fundamental right protects the right to speak and use one's own language. However, freedom of language is not absolute (BGE 143 IV 117 E. 2.1). It is limited by the territoriality principle (principle of local language order).\n\n**Who is affected?** All persons in Switzerland can invoke freedom of language. This includes both Swiss citizens and foreigners. According to legal doctrine, legal persons (companies, associations) can also assert freedom of language (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 25).\n\n**What does freedom of language protect?** Private use of language forms the core of freedom of language and tolerates no state restrictions whatsoever (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 14). In the public sphere, however, freedom of language is restricted. The territoriality principle allows cantons and municipalities to determine official languages. Authorities are generally not required to communicate in a language other than the local official language (BGE 143 IV 117 E. 2.1).\n\n**Legal consequences:** Interference with freedom of language must meet the general requirements for interference under Art. 36 BV. It requires a legal basis, must be justified by a public interest and be proportionate (BSK BV-Caroni/Hefti, Art. 18 N. 20-21).\n\n**Example:** A German-speaking tourist can speak German privately in Geneva. However, the Geneva authorities do not have to process his submission in German – they can require a French translation. In criminal proceedings, however, he is entitled to translation of important procedural steps (BGE 143 IV 117 E. 3.1).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Language freedom was not expressly enshrined in the Federal Constitution until the total revision of 1999, but had been recognized for decades as an unwritten fundamental right (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 1; **BGE 121 I 196** E. 2a). The Federal Supreme Court derived it from Art. 116 BV 1874 (national languages) and personal freedom.\n\n**N. 2** In the 1995 draft consultation, language freedom was integrated into a comprehensive language article. However, the expert commission advocated for an independent fundamental rights provision: «Such a guarantee achieves relatively little as long as it stands under an extensive reservation of the territoriality principle in language matters» (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 3).\n\n**N. 3** The message of 20 November 1996 emphasized the updating character: «Language freedom is expressly recognized as a fundamental right. It was already previously part of the unwritten fundamental rights» (BBl 1997 I 164). The definitive version deliberately refrained from circumscribing the scope of protection in order to preserve flexibility (BBl 1997 I 165).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 18 BV stands in the fundamental rights section between academic freedom (Art. 20 BV) and freedom of expression (Art. 16 BV). This systematic position underscores language freedom as an independent communication fundamental right (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 8).\n\n**N. 5** Language freedom is closely linked with other constitutional provisions:\n- → Art. 4 BV (national languages): defines the four national languages\n- ↔ Art. 70 BV (languages): regulates official languages and the territoriality principle\n- → Art. 8 para. 2 BV (prohibition of discrimination): prohibition of discrimination based on language\n- → Art. 31 para. 2 BV (deprivation of liberty): right to information in an understandable language\n\n**N. 6** The cantonal constitutions specify the language order. Art. 3 KV/GR designates German, Romansh and Italian as equal national and official languages and assigns to municipalities and districts the determination of their official and school languages.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Personal Scope of Protection\n\n**N. 7** Bearers of language freedom are natural persons regardless of nationality or residence status. The doctrine affirms the invocation of language freedom by legal persons; the Federal Supreme Court has explicitly left this question open (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25; **BGE 139 I 229** E. 5.8).\n\n#### Material Scope of Protection\n\n**N. 8** The core content comprises private language use, which tolerates no state restrictions whatsoever (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 14; **BGE 139 I 229** E. 5.4). The «active side» of language freedom protects:\n- Choice of communication language in private dealings\n- Use of one's mother tongue\n- Use of dialects and idioms\n- Choice of closely related languages (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 17)\n\n**N. 9** The «passive side» concerns the language of state communication. Here considerable restrictions apply through the territoriality principle and the official language order (Müller/Schefer, Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 294; **BGE 139 I 229** E. 5.5).\n\n**N. 10** Not protected are:\n- Right to any procedural language (→ Art. 70 para. 2 BV)\n- Right to school instruction in one's mother tongue (Biaggini, BV, 2007, Art. 18 N. 8)\n- Unrestricted choice of language in official dealings\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Language freedom primarily establishes a defensive right against state interference in private language choice. The state may not regulate language use between private parties (Auer, AJP/PJA 1992, p. 959).\n\n**N. 12** Claims to positive services exist only in a limited way:\n- In multilingual areas: right to school instruction in a traditional language, provided it is proportionate (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 303; **BGE 125 I 347** E. 5c)\n- In criminal proceedings: translation of essential procedural acts (→ Art. 31 para. 2 BV; **BGE 143 IV 117**)\n- No general obligation for multilingual administration\n\n**N. 13** The territoriality principle legitimizes far-reaching restrictions in the public sphere. Cantons determine official languages while observing traditional language boundaries and minority protection (Kägi-Diener, Kommentar BV, Art. 18 N. 26).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 14** **Relationship between territoriality principle and language freedom**: Earlier practice directly opposed interferences with language freedom to the territoriality principle. More recent practice since the Freiburg language case subjects interferences to the general interference requirements of Art. 36 BV (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 26; Hördegen, AJP/PJA 2003, p. 770).\n\n**N. 15** **Rumantsch Grischun vs. idioms**: The constitutional concept of «Romansh» encompasses both the traditional idioms and Rumantsch Grischun. The choice between them is primarily determined by language policy, not fundamental rights (Nay, ZGRG 2011, p. 133; **BGE 139 I 229** E. 5.7). Borghi (Kommentar BV 1874, N. 27 to Art. 27) sees Rumantsch Grischun as a standard language.\n\n**N. 16** **Legal persons as fundamental rights bearers**: The doctrine affirms the fundamental rights bearing capacity of legal persons (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 25). The Federal Supreme Court has deliberately left this question open, which is criticized in the doctrine as overly cautious (Kiener/Kälin, Grundrechte, 2007, p. 261).\n\n**N. 17** **Foreign language instruction**: It is disputed whether Art. 18 BV establishes a right to specific foreign languages in school instruction. The doctrine predominantly denies this with reference to the cantons' freedom of educational policy design (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 245; → Art. 62 BV).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 18** When determining official and school languages, municipalities must consider demographic developments. A language change in case of significant shifts in language relations is permissible, but requires careful weighing (Thürer, ZBl 85/1984, p. 249).\n\n**N. 19** In the migration context, language freedom establishes no obligation to communicate in the language of origin. Integration measures such as mandatory language courses are permissible if proportionate (Achermann/Künzli, Welcome to Switzerland, 2011, p. 268).\n\n**N. 20** Companies can invoke Art. 18 BV regarding advertising prohibitions in certain languages, insofar as legal persons are recognized as fundamental rights holders. Economic freedom often offers more extensive protection here (Caroni/Hefti, BSK BV, Art. 18 N. 40-41).\n\n**N. 21** In multilingual proceedings (e.g. intercantonal legal assistance), the procedural language of the requested canton applies. Translation costs are generally borne by the requesting authority (Viletta, Grundlagen des Sprachenrechts, 1978, p. 89).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principles of Freedom of Language\n\n**BGE 139 I 229** of 5 December 2013 — Rumantsch Grischun in school\nLimits of freedom of language in determining the school language.\nThe Federal Court clarified the scope of Art. 18 BV in relation to the territoriality principle.\n\n> \"Freedom of language (Art. 18 BV) guarantees the right to use a language of one's own choice, in particular one's mother tongue [...]. As an individual fundamental right, it protects the use of both Romansh idioms and Rumantsch Grischun [...]. In this private sphere of freedom of language – i.e. when it concerns the freedom of individual citizens to decide which language they use and in which they want to communicate with each other – the state must not interfere.\"\n\n**BGE 122 I 236** of 15 July 1996 — Freedom of language and school attendance\nRelationship between individual freedom of language and state school organisation.\nPioneering for the delineation between individual rights and entitlements to services in the language sphere.\n\n> \"Freedom of language does not oblige the communities to offer school instruction in the language of newly immigrated linguistic minorities [...]. However, if another municipality is voluntarily prepared to accept the child in a French-speaking school and the parents bear the resulting financial consequences, it is a disproportionate restriction of freedom of language to require attendance at a German-speaking school.\"\n\n**BGE 121 I 196** of 1995 — Procedural language in criminal law\nFundamental case law on freedom of language and the territoriality principle in court proceedings.\nDefines the limits of the right to use one's mother tongue in court.\n\n> \"According to doctrine and case law, freedom of language, i.e. the authority to use one's mother tongue, belongs to the unwritten fundamental rights of the Federal Constitution. Insofar as the mother tongue is simultaneously a national language of the Confederation, its use is moreover under the protection of the institutional guarantee laid down in Art. 116 para. 1 BV.\"\n\n### Limits of Freedom of Language\n\n**BGE 143 IV 117** of 13 April 2017 — Procedural language and translation\nCurrent case law on the non-absolute validity of freedom of language in dealings with authorities.\nSpecifies the duties of authorities regarding submissions in foreign languages.\n\n> \"Freedom of language according to Art. 18 BV does not apply absolutely. In principle, there is no right to deal with authorities in a language other than the procedural language (Art. 67 StPO). To prevent excessive formalism, the criminal authority must, in the case of a submission filed within the time limit that is not written in the procedural language, grant an additional time limit for translation, insofar as it does not content itself with the document or have it translated itself.\"\n\n**BGE 136 I 149** of 22 October 2009 — Official and procedural language\nFreedom of language in administrative proceedings of the bilingual Canton of Fribourg.\nConfirms the restriction of freedom of language by the territoriality principle.\n\n> \"Freedom of language is restricted by the territoriality principle: The individual has no right to deal with authorities in any language, but must – subject to special entitlements – use the respective official language.\"\n\n### Minority Languages and Territoriality Principle\n\n**BGE 100 Ia 462** of 1974 — Fundamental minority protection\nEarly fundamental case law on the protection of linguistic minorities.\nEstablishes the territoriality principle as a protective instrument for minority languages.\n\n> \"The territoriality principle [...] also prohibits the conscious shifting of traditional language boundaries or the suppression of traditional minority language groups [...]. These principles apply in particular to the protection of traditional linguistic minorities such as Italian and Romansh.\"\n\n### School Language and Education System\n\n**BGE 125 I 347** of 9 September 1999 — Denominational neutrality of school\nFreedom of language in the context of denominationally neutral education.\nShows the balancing between different fundamental rights in the education sector.\n\n> \"In bilingual or multilingual areas, freedom of language may give rise to a right to be taught in one of the several traditional languages, provided this does not lead to a disproportionate burden on the community.\"\n\n### Recent Developments\n\nJudgment **1B_70/2009** of 7 April 2009 — Freedom of language in criminal proceedings\nClarification of translation rights in criminal proceedings.\nSpecifies the balance between freedom of language and procedural economy.\n\nJudgment **2C_806/2012** of 12 July 2013 — Rumantsch Grischun as school language\nConfirms flexibility in the organisation of Romansh-language education.\nShows the limits of individual language rights in public education.\n\nJudgment **1C_40/2015** of 18 September 2015 — Language rights in administration\nCurrent application of freedom of language in administrative proceedings.\nConfirms the restrictive handling of translation entitlements outside the official languages.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_18", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 19, "article_suffix": "", "title": "Anspruch auf Grundschulunterricht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 19 BV garantiert allen Kindern in der Schweiz das Recht auf kostenlosen Schulunterricht während der obligatorischen Schulzeit. Diese Bestimmung ist das einzige soziale Grundrecht in der Bundesverfassung, das Eltern und Kinder direkt vor Gericht einklagen können.\n\n## Was wird geregelt?\n\nDie Norm schafft einen verfassungsmässigen Anspruch auf «ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht». Der Begriff «Grundschulunterricht» umfasst die gesamte obligatorische Schulzeit von mindestens neun Jahren – nicht nur die Primarschule (BBl 1997 I 158). «Ausreichend» bedeutet, dass ein Mindeststandard garantiert wird, nicht aber eine optimale Förderung. Das Bundesgericht betont: «Nur ein ausreichender, nicht aber idealer oder optimaler Unterricht ist geschuldet» (**BGE 138 I 162**). «Unentgeltlich» heisst, dass alle notwendigen Schulmaterialien, obligatorische Exkursionen und Lager kostenlos sein müssen.\n\n## Wer ist betroffen?\n\nAlle Kinder im schulpflichtigen Alter haben diesen Anspruch – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Aufenthaltsstatus. Auch Flüchtlingskinder und Sans-Papiers sind geschützt. Besonders wichtig ist das Grundrecht für Kinder mit Behinderungen: Sie haben Anspruch auf angemessene Sonderschulung, wobei die Integration in Regelklassen Vorrang hat.\n\n## Welche Rechtsfolgen entstehen?\n\nAnders als bei den Sozialzielen in Art. 41 BV können sich Betroffene direkt auf Art. 19 BV berufen. Kantone und Gemeinden müssen ausreichende Schulen bereitstellen und finanzieren. Bei Schulausschlüssen muss eine Weiterbetreuung organisiert werden. Eltern können vor Gericht klagen, wenn Schulkosten rechtswidrig überwälzt werden.\n\n## Konkrete Beispiele\n\nEine Gemeinde verlangt von den Eltern 500 Franken für ein obligatorisches Skilager. Das verstösst gegen Art. 19 BV, da alle zwingenden Schulveranstaltungen unentgeltlich sein müssen (**BGE 144 I 1**). Ein autistisches Kind braucht individuelle Betreuung im Regelunterricht. Die Kantonsschule muss diese Assistenzlektionen kostenlos bereitstellen, sofern die Integration möglich ist (**BGE 141 I 9**).\n\n## Umstrittene Fragen\n\nKontrovers diskutiert wird, ob der Anspruch auch Untergymnasien während der obligatorischen Schulzeit umfasst. Das Bundesgericht verneint dies (**BGE 133 I 156**), doch Wyttenbach kritisiert diese Rechtsprechung scharf (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 11). Bei religiös motivierten Dispensationen hat das Bundesgericht seine frühere, grosszügige Praxis aufgegeben und betont nun den Vorrang der schulischen Integration. Beim Homeschooling gewähren die Kantone sehr unterschiedliche Möglichkeiten – Art. 19 BV garantiert keinen Anspruch auf häuslichen Privatunterricht (**BGE 146 I 20**).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 19 BV führte erstmals ein einklagbares soziales Grundrecht auf Bundesebene ein. Der Verfassungsgeber wollte über die bisherige Kompetenzbestimmung von Art. 27 aBV hinausgehen und einen subjektiven Rechtsanspruch schaffen (BBl 1997 I 157 f.). Die gewählte Formulierung «ausreichender und unentgeltlicher Grundschulunterricht» sollte den föderalistischen Spielraum der Kantone wahren und gleichzeitig einen verbindlichen Mindeststandard garantieren.\n\n**N. 2** Die Terminologieänderung von «Primarunterricht» (Art. 27 Abs. 2 aBV) zu «Grundschulunterricht» war bewusst gewählt. Der Verfassungsgeber wollte verdeutlichen, dass die gesamte obligatorische Schulzeit umfasst ist, nicht nur die Primarstufe. Diese Ausweitung wurde durch die Botschaft bestätigt: «Der Begriff 'Grundschulunterricht' umfasst die gesamte obligatorische Schulzeit» (BBl 1997 I 158).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 19 BV steht systematisch zwischen den klassischen Freiheitsrechten (Art. 7–18 BV) und den Sozialzielen (Art. 41 BV). Diese Positionierung unterstreicht seinen Doppelcharakter: Einerseits handelt es sich um ein echtes Grundrecht mit unmittelbarer Justiziabilität, andererseits um eine positive Leistungspflicht des Staates (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 3).\n\n**N. 4** Die enge Verbindung zu Art. 62 BV (Schulwesen) zeigt sich in der gemeinsamen Zielsetzung. Während Art. 19 BV den individuellen Anspruch garantiert, regelt Art. 62 BV die föderale Kompetenzordnung. Diese systematische Verknüpfung ist bei der Auslegung stets zu berücksichtigen (→ Art. 62 BV).\n\n**N. 5** Wichtige Querverbindungen bestehen zu Art. 11 BV (Schutz der Kinder), Art. 8 BV (Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot) sowie Art. 15 BV (Glaubens- und Gewissensfreiheit). Bei der Sonderschulung behinderter Kinder ist zusätzlich Art. 8 Abs. 2 BV massgebend (↔ Art. 8 BV).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Grundrechtsträgerschaft\n\n**N. 6** Träger des Grundrechts sind alle Kinder im schulpflichtigen Alter, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Aufenthaltsstatus. Das Bundesgericht hat klargestellt, dass auch Sans-Papiers-Kinder vom Schutzbereich erfasst sind (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 6-8).\n\n**N. 7** Die Altersgrenze wird durch das kantonale Recht bestimmt, wobei Art. 62 Abs. 2 BV eine Mindestdauer von neun Jahren vorschreibt. Die Grundrechtsträgerschaft beginnt typischerweise mit dem vollendeten 4. Altersjahr und endet spätestens mit dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit.\n\n### Ausreichender Grundschulunterricht\n\n**N. 8** Der Begriff «ausreichend» gewährleistet einen Mindeststandard, nicht aber eine optimale Förderung. Das Bundesgericht präzisierte: «Nur ein ausreichender, nicht aber idealer oder optimaler Unterricht ist geschuldet» (**BGE 138 I 162** E. 3.1). Diese Einschränkung ist verfassungsrechtlich umstritten.\n\n**N. 9** Wyttenbach kritisiert diese restriktive Auslegung und argumentiert, der Anspruch müsse sich am Kindeswohl orientieren und eine individuelle Förderung ermöglichen (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 14). Das Bundesgericht hält jedoch an seiner Linie fest: Die Ausbildung müsse lediglich «erfahrungsgemäss ausreichend» sein.\n\n**N. 10** Zum ausreichenden Unterricht gehören zwingend: Vermittlung von Grundkenntnissen in Lesen, Schreiben und Rechnen, soziale Integration, Vorbereitung auf das Berufsleben oder weiterführende Schulen. Der Unterricht muss die «Chancengleichheit wahren» und «in der hiesigen Wertordnung als unverzichtbar geltende Lehrinhalte» vermitteln (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 9).\n\n### Unentgeltlichkeit\n\n**N. 11** Die Unentgeltlichkeit umfasst «alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienenden Mittel» (**BGE 144 I 1** E. 2.3). Dazu gehören Unterrichtsmaterial, obligatorische Exkursionen und Lager sowie bei Bedarf der Schultransport.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird die Reichweite bei Untergymnasien während der obligatorischen Schulzeit. Das Bundesgericht verneint einen Anspruch aus Art. 19 BV (**BGE 133 I 156**). Wyttenbach kritisiert dies scharf: «Bieten die Kantone gymnasialen Unterricht im Rahmen der obligatorischen Schulzeit an, muss sich der Anspruch auf Unentgeltlichkeit richtigerweise auch auf diese vom Staat angebotenen Standardschulen beziehen» (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 11).\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Art. 19 BV begründet einen unmittelbar durchsetzbaren Leistungsanspruch. Im Unterschied zu den Sozialzielen nach Art. 41 BV können sich Betroffene direkt auf diese Bestimmung berufen. Das Gemeinwesen muss ein ausreichendes Schulangebot bereitstellen und zugänglich machen.\n\n**N. 14** Bei Schulausschlüssen besteht eine Weiterbetreuungspflicht: «Das Gemeinwesen hat in der Regel eine Weiterbetreuung ausgeschlossener Schüler durch geeignete Personen oder öffentliche Institutionen zu gewährleisten» (**BGE 129 I 12** E. 9.5).\n\n**N. 15** Für Kinder mit Behinderungen folgt aus Art. 19 BV i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV und Art. 20 BehiG ein Anspruch auf angemessene Sonderschulung. Das Bundesgericht betont einen «grundsätzlichen Vorrang der integrierten gegenüber der separierten Sonderschulung» (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 16), soweit dies praktisch möglich und finanziell tragbar ist.\n\n## Streitstände\n\n### Integration vs. Separation bei Sonderschulung\n\n**N. 16** Die Tragweite des Integrationsvorrangs ist umstritten. Das Bundesgericht gewährt den Kantonen erheblichen Spielraum und fordert nur ein «angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot» (**BGE 138 I 162**). Aeschlimann-Ziegler fordert demgegenüber einen stärkeren individuellen Rechtsanspruch auf integrative Beschulung (Aeschlimann-Ziegler, Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht, 2011, S. 245 ff.).\n\n### Homeschooling\n\n**N. 17** Die Zulässigkeit von Homeschooling-Verboten ist kontrovers. Das Bundesgericht billigt den Kantonen weitgehende Regelungsautonomie zu (**BGE 146 I 20**). Reich argumentiert für ein aus Art. 13 BV fliessendes Recht auf häuslichen Privatunterricht, sofern die Bildungsziele erreicht werden (Reich, Homeschooling zwischen elterlichem Erziehungsrecht, staatlicher Schulpflicht und Kindeswohl, ZBl 2012, 589).\n\n### Religiöse Dispensationen\n\n**N. 18** Besonders umstritten sind Dispensationen aus religiösen Gründen. Die ältere Rechtsprechung gewährte muslimischen Mädchen eine Dispensation vom Schwimmunterricht (**BGE 119 Ia 178**). Das Bundesgericht hat diese Praxis revidiert und betont nun das öffentliche Interesse an der Integration: Dispensationen sind nur noch bei schwerwiegenden Glaubenskonflikten zulässig (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 23).\n\n**N. 19** Kälin/Wyttenbach plädieren für eine differenziertere Abwägung zwischen Integrationszielen und religiöser Überzeugung (Kälin/Wyttenbach, Schulischer Bildungsauftrag und Grund- und Menschenrechte, AJP 2005, 320). Das Bundesgericht hält jedoch am Vorrang der schulischen Integration fest.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei Streitigkeiten über die Tragweite des Grundschulunterrichts ist zunächst zu prüfen, ob eine Leistung «notwendig und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienend» ist. Die Rechtsprechung zu Art. 19 BV ist restriktiv; Zusatzleistungen müssen klar begründet werden.\n\n**N. 21** Bei Sonderschulungsfragen ist frühzeitig das kantonale Sonderpädagogik-Konzept zu konsultieren. Die meisten Kantone haben nach dem NFA detaillierte Regelungen erlassen. Der Integrationsvorrang gilt nicht absolut – massgebend sind die Umstände des Einzelfalls.\n\n**N. 22** Schulausschlüsse müssen verhältnismässig sein und dürfen nur ultima ratio erfolgen. Müller/Schefer betonen: «Öffentliche Interessen vermögen eine Einschränkung des Anspruchs auf Grundschulunterricht nicht zu rechtfertigen» (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 23). Alternative Massnahmen sind zwingend zu prüfen.\n\n**N. 23** Bei religiös motivierten Dispensationsgesuchen empfiehlt sich eine sorgfältige Interessenabwägung. Trotz der restriktiven Rechtsprechung sind individuelle Lösungen möglich, etwa durch organisatorische Massnahmen (Burkini beim Schwimmunterricht, nach Geschlechtern getrennter Unterricht).", "caselaw_de": "# Art. 19 — Grundschulunterricht\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Inhalt und Umfang des Grundrechts\n\n**BGE 129 I 12** vom 7.11.2002 — Rechtsnatur und Mindestgehalt\n\nDas Bundesgericht definierte Art. 19 BV als soziales Grundrecht, das einen individuellen subjektiven Anspruch auf eine staatliche Leistung begründet. \n\n> «Aus Art. 19 BV ergibt sich der Anspruch auf eine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechende unentgeltliche Grundschulausbildung an öffentlichen Schulen während der obligatorischen Schulzeit von mindestens neun Jahren.»\n\nGrundlegendes Urteil zur Dogmatik sozialer Grundrechte und deren Unterscheidung von Freiheitsrechten, mit Definition der Mindestanforderungen.\n\n**BGE 144 I 1** vom 7.12.2017 — Umfang der Unentgeltlichkeit\n\nDas Bundesgericht konkretisierte den Umfang der verfassungsrechtlich gewährleisteten Unentgeltlichkeit.\n\n> «Der Anspruch auf unentgeltlichen Unterricht umfasst alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienenden Mittel.»\n\nDas Gericht hob die thurgauische Schulgesetzgebung auf, die Kosten für Lager, Exkursionen und Sprachkurse den Eltern aufbürdete. Leitentscheid zur Bestimmung der Grenzen der Unentgeltlichkeit.\n\n**BGE 133 I 156** vom 7.5.2007 — Abgrenzung Grundschul- zu Gymnasialunterricht\n\nDas Bundesgericht klärte, dass die Unentgeltlichkeitsgarantie trotz der Terminologieänderung von «Primarunterricht» zu «Grundschulunterricht» nicht auf Gymnasialstufen ausstrahlt.\n\n> «Der bundesverfassungsrechtliche Anspruch auf Unentgeltlichkeit des Grundschulunterrichts erstreckt sich grundsätzlich nicht auch auf den Unterricht an (staatlichen) Untergymnasien, wiewohl dieser noch in die obligatorische Schulzeit fällt.»\n\nWichtige Abgrenzung für die Auslegung des Begriffs «Grundschulunterricht».\n\n### II. Sonderschulung und Behinderung\n\n**BGE 141 I 9** vom 4.12.2014 — Unentgeltlichkeit bei Sonderschulung\n\nDas Bundesgericht betonte die zwingende Unentgeltlichkeit auch bei integrativer Sonderschulung.\n\n> «Der ausreichende Grundschulunterricht ist zwingend unentgeltlich, auch wenn die Schule eine gesetzlich nicht vorgesehene Leistung erbringt.»\n\nMassgeblich für die Gleichstellung behinderter Kinder im Bildungswesen.\n\n**BGE 138 I 162** vom 13.4.2012 — Gestaltungsspielraum und Mindeststandards\n\nDas Bundesgericht definierte die Grenzen kantonaler Gestaltungsfreiheit in der Sonderschulung.\n\n> «Die bundesrechtlichen Minimalanforderungen verlangen nur ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot an öffentlichen Schulen, nicht aber die optimale bzw. geeignetste Schulung eines Kindes.»\n\nGrundsatzentscheid zum Verhältnis von Anspruch und staatlicher Leistungsfähigkeit.\n\n**BGE 130 I 352** vom 24.11.2004 — Sonderschulung ausserhalb des Heimatkantons\n\nDas Bundesgericht anerkannte den Anspruch auf angemessene Sonderschulung auch bei interkantonaler Kostentragung.\n\n> «Den Kantonen steht bei der Regelung des Grundschulwesens ein erheblicher Gestaltungsspielraum zu; sie haben auch für Behinderte eine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechende, unentgeltliche Grundschulausbildung sicherzustellen.»\n\nRelevante Rechtsprechung für die föderalistische Kostenverteilung.\n\n### III. Disziplinarrecht und Schulausschluss\n\n**BGE 129 I 35** vom 7.11.2002 — Grenzen des disziplinarischen Schulausschlusses\n\nDas Bundesgericht präzisierte die verfassungsrechtlichen Schranken für Schulausschlüsse während der obligatorischen Schulzeit.\n\n> «Das Gemeinwesen hat in der Regel eine Weiterbetreuung ausgeschlossener Grundschüler durch geeignete Personen oder öffentliche Institutionen zu gewährleisten.»\n\nKomplementärentscheid zu BGE 129 I 12 für die Grenzen disziplinarischer Massnahmen.\n\n### IV. Privatunterricht und elterliche Bildungsrechte\n\n**BGE 146 I 20** vom 22.8.2019 — Homeschooling\n\nDas Bundesgericht verneinte einen Anspruch auf häuslichen Privatunterricht.\n\n> «Art. 19 i.V.m. Art. 62 Abs. 2 BV gewährt keinen Anspruch auf privaten Einzelunterricht.»\n\nDas Gericht bestätigte die kantonale Regelungshoheit über die Zulassung von Homeschooling. Massgeblicher Entscheid zum Verhältnis von elterlichen Bildungsrechten und staatlicher Schulpflicht.\n\n### V. Transportkosten und Schulorganisation\n\n**BGE 140 I 153** vom 5.10.2014 — Transportkosten bei Sonderschulung\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Rechtsnatur von Transportkostenübernahmen.\n\n> «Dem Rechtsanspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht entspricht grundsätzlich auch ein Anspruch auf Übernahme der notwendigen Transportkosten für den Schulbesuch.»\n\nWichtige Konkretisierung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.\n\n### VI. COVID-19-Massnahmen und Schulbetrieb\n\n**BGE 148 I 89** vom 4.11.2020 — Maskentragpflicht in der Schule\n\nDas Bundesgericht prüfte COVID-19-Schutzmassnahmen auf ihre Verhältnismässigkeit.\n\n> «Nach dem aktuellen Stand des Wissens ist davon auszugehen, dass auch an Schulen ein gewisses Risiko der Verbreitung von Corona-Viren besteht und dass die Verwendung von Gesichtsmasken dazu beiträgt, dieses Risiko zu reduzieren.»\n\nDer Entscheid zeigt die Grenzen des Grundrechtsanspruchs bei Pandemieschutzmassnahmen auf. Das Bundesgericht bestätigte die Maskentragpflicht ab dem 5. Schuljahr als verhältnismässig.\n\n### VII. Sprachunterricht und Integration\n\n**BGE 139 I 229** vom 5.12.2011 — Schulsprache in Graubünden\n\nDas Bundesgericht behandelte den Wechsel der Schulsprache im Kontext der Sprachenfreiheit.\n\n> «Der Beschluss der Bündner Regierung, wonach ein Wechsel der Schulsprache vom Rumantsch Grischun zum Idiom oder umgekehrt grundsätzlich nur auf den Beginn der 1. Primarschulklasse erfolgen kann, berührt den Schutzbereich der Sprachenfreiheit nicht.»\n\nRelevant für das Verhältnis von Art. 19 BV zu Art. 18 BV (Sprachenfreiheit).", "summary_fr": "# Vue d'ensemble\n\nL'art. 19 Cst. garantit à tous les enfants en Suisse le droit à un enseignement scolaire gratuit pendant la scolarité obligatoire. Cette disposition est le seul droit social fondamental de la Constitution fédérale que les parents et les enfants peuvent faire valoir directement devant les tribunaux.\n\n## Que règle cette norme ?\n\nLa norme crée un droit constitutionnel à « un enseignement de base suffisant et gratuit ». Le terme « enseignement de base » englobe toute la scolarité obligatoire d'au moins neuf ans – pas seulement l'école primaire (FF 1997 I 147). « Suffisant » signifie qu'un standard minimal est garanti, mais pas un encouragement optimal. Le Tribunal fédéral souligne : « Seul un enseignement suffisant, mais non pas idéal ou optimal, est dû » (**ATF 138 I 162**). « Gratuit » signifie que tout le matériel scolaire nécessaire, les excursions obligatoires et les camps doivent être gratuits.\n\n## Qui est concerné ?\n\nTous les enfants en âge de scolarité obligatoire ont ce droit – indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour. Les enfants réfugiés et les sans-papiers sont également protégés. Le droit fondamental est particulièrement important pour les enfants handicapés : ils ont droit à une éducation spécialisée appropriée, l'intégration dans les classes ordinaires ayant la priorité.\n\n## Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nContrairement aux buts sociaux de l'art. 41 Cst., les personnes concernées peuvent se prévaloir directement de l'art. 19 Cst. Les cantons et les communes doivent fournir et financer des écoles suffisantes. En cas d'exclusion scolaire, un suivi doit être organisé. Les parents peuvent porter plainte devant les tribunaux si des coûts scolaires leur sont illégalement transférés.\n\n## Exemples concrets\n\nUne commune exige des parents 500 francs pour un camp de ski obligatoire. Cela contrevient à l'art. 19 Cst., car toutes les manifestations scolaires obligatoires doivent être gratuites (**ATF 144 I 1**). Un enfant autiste a besoin d'un encadrement individuel dans l'enseignement ordinaire. L'école cantonale doit fournir gratuitement ces leçons d'assistance, pour autant que l'intégration soit possible (**ATF 141 I 9**).\n\n## Questions controversées\n\nIl est controversé de savoir si le droit comprend également les gymnases inférieurs pendant la scolarité obligatoire. Le Tribunal fédéral le nie (**ATF 133 I 156**), mais Wyttenbach critique sévèrement cette jurisprudence (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 11). En matière de dispenses motivées par la religion, le Tribunal fédéral a abandonné sa pratique antérieure généreuse et souligne maintenant la priorité de l'intégration scolaire. Pour l'enseignement à domicile, les cantons accordent des possibilités très différentes – l'art. 19 Cst. ne garantit aucun droit à l'enseignement privé à domicile (**ATF 146 I 20**).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Histoire de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 19 Cst. a introduit pour la première fois un droit fondamental social justiciable au niveau fédéral. Le constituant voulait dépasser l'ancienne répartition des compétences de l'art. 27 aCst. et créer un droit subjectif (FF 1997 I 145 s.). La formulation choisie « enseignement de base suffisant et gratuit » devait préserver la marge de manœuvre fédéraliste des cantons tout en garantissant un standard minimum contraignant.\n\n**N. 2** Le changement terminologique de « enseignement primaire » (art. 27 al. 2 aCst.) à « enseignement de base » était délibéré. Le constituant voulait clarifier que l'ensemble de la scolarité obligatoire était concerné, et non seulement le degré primaire. Cette extension a été confirmée par le message : « La notion d''enseignement de base' englobe l'ensemble de la scolarité obligatoire » (FF 1997 I 146).\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 19 Cst. se situe systématiquement entre les droits de liberté classiques (art. 7–18 Cst.) et les buts sociaux (art. 41 Cst.). Cette position souligne son double caractère : d'une part, il s'agit d'un véritable droit fondamental directement justiciable, d'autre part d'une obligation positive de prestation de l'État (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 3).\n\n**N. 4** Le lien étroit avec l'art. 62 Cst. (instruction publique) se manifeste dans l'objectif commun. Alors que l'art. 19 Cst. garantit le droit individuel, l'art. 62 Cst. règle l'ordre fédéral des compétences. Cette liaison systématique doit toujours être prise en considération lors de l'interprétation (→ art. 62 Cst.).\n\n**N. 5** D'importantes relations transversales existent avec l'art. 11 Cst. (protection des enfants), l'art. 8 Cst. (égalité juridique et interdiction de la discrimination) ainsi qu'avec l'art. 15 Cst. (liberté de croyance et de conscience). Pour l'enseignement spécialisé d'enfants handicapés, l'art. 8 al. 2 Cst. est en outre déterminant (↔ art. 8 Cst.).\n\n## Éléments de fait / Contenu normatif\n\n### Titulaires du droit fondamental\n\n**N. 6** Les titulaires du droit fondamental sont tous les enfants en âge de scolarité obligatoire, indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour. Le Tribunal fédéral a clarifié que les enfants sans-papiers sont également couverts par le champ de protection (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 6-8).\n\n**N. 7** La limite d'âge est déterminée par le droit cantonal, l'art. 62 al. 2 Cst. prescrivant une durée minimale de neuf ans. La qualité de titulaire du droit fondamental commence typiquement avec la 4e année révolue et se termine au plus tard avec la fin de la scolarité obligatoire.\n\n### Enseignement de base suffisant\n\n**N. 8** La notion « suffisant » garantit un standard minimum, mais pas un encouragement optimal. Le Tribunal fédéral a précisé : « Seul un enseignement suffisant, et non pas idéal ou optimal, est dû » (**ATF 138 I 162** consid. 3.1). Cette limitation est contestée sur le plan du droit constitutionnel.\n\n**N. 9** Wyttenbach critique cette interprétation restrictive et argumente que le droit doit s'orienter vers le bien de l'enfant et permettre un encouragement individuel (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 14). Le Tribunal fédéral maintient cependant sa ligne : la formation ne doit être que « suffisante selon l'expérience ».\n\n**N. 10** L'enseignement suffisant comprend impérativement : la transmission de connaissances de base en lecture, écriture et calcul, l'intégration sociale, la préparation à la vie professionnelle ou aux écoles du degré supérieur. L'enseignement doit « préserver l'égalité des chances » et transmettre des « contenus d'enseignement considérés comme indispensables dans notre ordre de valeurs » (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 9).\n\n### Gratuité\n\n**N. 11** La gratuité englobe « tous les moyens nécessaires et servant directement au but d'enseignement » (**ATF 144 I 1** consid. 2.3). Cela comprend le matériel d'enseignement, les excursions et camps obligatoires ainsi que le transport scolaire en cas de besoin.\n\n**N. 12** La portée pour les gymnases inférieurs durant la scolarité obligatoire fait l'objet de discussions controversées. Le Tribunal fédéral nie un droit découlant de l'art. 19 Cst. (**ATF 133 I 156**). Wyttenbach critique cela vivement : « Si les cantons offrent un enseignement gymnasia durant la scolarité obligatoire, le droit à la gratuité doit à juste titre s'étendre également à ces écoles standard offertes par l'État » (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 11).\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 13** L'art. 19 Cst. fonde un droit à des prestations directement exécutoire. Contrairement aux buts sociaux selon l'art. 41 Cst., les personnes concernées peuvent directement se prévaloir de cette disposition. La collectivité publique doit fournir une offre scolaire suffisante et la rendre accessible.\n\n**N. 14** En cas d'exclusions scolaires, il existe une obligation de poursuite de la prise en charge : « La collectivité publique doit en règle générale garantir la poursuite de la prise en charge d'élèves exclus par des personnes appropriées ou des institutions publiques » (**ATF 129 I 12** consid. 9.5).\n\n**N. 15** Pour les enfants handicapés, il découle de l'art. 19 Cst. en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. et l'art. 20 LHand un droit à un enseignement spécialisé approprié. Le Tribunal fédéral souligne une « priorité de principe de l'enseignement spécialisé intégré par rapport à l'enseignement spécialisé séparé » (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 16), pour autant que cela soit pratiquement possible et financièrement supportable.\n\n## Points controversés\n\n### Intégration vs. séparation dans l'enseignement spécialisé\n\n**N. 16** La portée de la priorité à l'intégration est controversée. Le Tribunal fédéral accorde une marge de manœuvre considérable aux cantons et n'exige qu'une « offre de formation appropriée, suffisante selon l'expérience » (**ATF 138 I 162**). Aeschlimann-Ziegler exige en revanche un droit individuel plus fort à la scolarisation intégrative (Aeschlimann-Ziegler, Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht, 2011, p. 245 ss).\n\n### Homeschooling\n\n**N. 17** L'admissibilité d'interdictions de l'enseignement à domicile est controversée. Le Tribunal fédéral accorde aux cantons une autonomie de réglementation largement étendue (**ATF 146 I 20**). Reich argumente pour un droit découlant de l'art. 13 Cst. à l'enseignement privé à domicile, pour autant que les objectifs de formation soient atteints (Reich, Homeschooling zwischen elterlichem Erziehungsrecht, staatlicher Schulpflicht und Kindeswohl, ZBl 2012, 589).\n\n### Dispenses religieuses\n\n**N. 18** Les dispenses pour motifs religieux sont particulièrement controversées. L'ancienne jurisprudence accordait aux filles musulmanes une dispense des cours de natation (**ATF 119 Ia 178**). Le Tribunal fédéral a révisé cette pratique et souligne maintenant l'intérêt public à l'intégration : les dispenses ne sont plus admissibles qu'en cas de conflits de croyance graves (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 23).\n\n**N. 19** Kälin/Wyttenbach plaident pour une pesée d'intérêts plus différenciée entre les objectifs d'intégration et la conviction religieuse (Kälin/Wyttenbach, Schulischer Bildungsauftrag und Grund- und Menschenrechte, AJP 2005, 320). Le Tribunal fédéral maintient cependant la priorité de l'intégration scolaire.\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 20** En cas de litiges sur la portée de l'enseignement de base, il faut d'abord examiner si une prestation est « nécessaire et servant directement au but d'enseignement ». La jurisprudence relative à l'art. 19 Cst. est restrictive ; les prestations supplémentaires doivent être clairement justifiées.\n\n**N. 21** Pour les questions d'enseignement spécialisé, il faut consulter rapidement le concept cantonal de pédagogie spécialisée. La plupart des cantons ont édicté des réglementations détaillées après la RPT. La priorité à l'intégration ne vaut pas de manière absolue – les circonstances du cas particulier sont déterminantes.\n\n**N. 22** Les exclusions scolaires doivent être proportionnées et ne peuvent intervenir qu'en dernière solution. Müller/Schefer soulignent : « Les intérêts publics ne peuvent justifier une limitation du droit à l'enseignement de base » (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n° 23). Il faut impérativement examiner des mesures alternatives.\n\n**N. 23** Pour les demandes de dispense motivées religieusement, une pesée d'intérêts soigneuse est recommandée. Malgré la jurisprudence restrictive, des solutions individuelles sont possibles, par exemple par des mesures organisationnelles (burkini lors des cours de natation, enseignement séparé selon les sexes).", "caselaw_fr": "# Art. 19 — Enseignement de base\n\n## Jurisprudence\n\n### I. Contenu et portée du droit fondamental\n\n**ATF 129 I 12** du 7.11.2002 — Nature juridique et contenu minimal\n\nLe Tribunal fédéral a défini l'art. 19 Cst. comme un droit fondamental social qui fonde une prétention subjective individuelle à une prestation étatique.\n\n> « L'art. 19 Cst. donne naissance au droit à un enseignement de base gratuit dans les écoles publiques, correspondant aux capacités individuelles de l'enfant et au développement de sa personnalité, pendant la durée de la scolarité obligatoire d'au moins neuf ans. »\n\nArrêt fondamental sur la dogmatique des droits fondamentaux sociaux et leur distinction d'avec les droits de liberté, avec définition des exigences minimales.\n\n**ATF 144 I 1** du 7.12.2017 — Portée de la gratuité\n\nLe Tribunal fédéral a concrétisé la portée de la gratuité garantie par la Constitution.\n\n> « Le droit à un enseignement gratuit comprend tous les moyens nécessaires et servant directement aux fins de l'enseignement. »\n\nLa Cour a annulé la législation scolaire thurgovienne qui mettait à la charge des parents les coûts des camps, excursions et cours de langue. Arrêt de principe pour la détermination des limites de la gratuité.\n\n**ATF 133 I 156** du 7.5.2007 — Délimitation entre enseignement de base et enseignement gymnasial\n\nLe Tribunal fédéral a clarifié que la garantie de gratuité ne s'étend pas aux niveaux gymnasiaux malgré le changement de terminologie de « enseignement primaire » à « enseignement de base ».\n\n> « La prétention de droit constitutionnel fédéral à la gratuité de l'enseignement de base ne s'étend en principe pas non plus à l'enseignement dans les gymnases inférieurs (étatiques), bien que celui-ci relève encore de la scolarité obligatoire. »\n\nDélimitation importante pour l'interprétation de la notion d'« enseignement de base ».\n\n### II. Enseignement spécialisé et handicap\n\n**ATF 141 I 9** du 4.12.2014 — Gratuité dans l'enseignement spécialisé\n\nLe Tribunal fédéral a souligné la gratuité impérative même dans l'enseignement spécialisé intégratif.\n\n> « L'enseignement de base suffisant est obligatoirement gratuit, même lorsque l'école fournit une prestation non prévue par la loi. »\n\nDéterminant pour l'égalisation des enfants handicapés dans le système éducatif.\n\n**ATF 138 I 162** du 13.4.2012 — Marge d'appréciation et standards minimaux\n\nLe Tribunal fédéral a défini les limites de la liberté cantonale d'organisation dans l'enseignement spécialisé.\n\n> « Les exigences minimales de droit fédéral ne requièrent qu'une offre de formation appropriée et expérimentalement suffisante dans les écoles publiques, mais pas la scolarisation optimale resp. la plus appropriée d'un enfant. »\n\nArrêt de principe sur le rapport entre prétention et capacité de prestation étatique.\n\n**ATF 130 I 352** du 24.11.2004 — Enseignement spécialisé hors du canton de domicile\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu la prétention à un enseignement spécialisé approprié même en cas de prise en charge des coûts intercantonale.\n\n> « Les cantons disposent d'une marge d'appréciation considérable dans la réglementation du système scolaire de base ; ils doivent aussi assurer aux handicapés un enseignement de base gratuit correspondant aux capacités individuelles de l'enfant et au développement de sa personnalité. »\n\nJurisprudence pertinente pour la répartition fédéraliste des coûts.\n\n### III. Droit disciplinaire et exclusion scolaire\n\n**ATF 129 I 35** du 7.11.2002 — Limites de l'exclusion scolaire disciplinaire\n\nLe Tribunal fédéral a précisé les limites constitutionnelles des exclusions scolaires pendant la scolarité obligatoire.\n\n> « La collectivité publique doit en règle générale assurer la prise en charge continue des élèves du degré primaire exclus par des personnes appropriées ou des institutions publiques. »\n\nArrêt complémentaire à l'ATF 129 I 12 pour les limites des mesures disciplinaires.\n\n### IV. Enseignement privé et droits éducatifs parentaux\n\n**ATF 146 I 20** du 22.8.2019 — Enseignement à domicile\n\nLe Tribunal fédéral a nié une prétention à l'enseignement privé à domicile.\n\n> « L'art. 19 en relation avec l'art. 62 al. 2 Cst. n'accorde aucune prétention à l'enseignement privé individuel. »\n\nLa Cour a confirmé la souveraineté cantonale de réglementation sur l'autorisation de l'enseignement à domicile. Arrêt déterminant sur le rapport entre droits éducatifs parentaux et obligation scolaire étatique.\n\n### V. Coûts de transport et organisation scolaire\n\n**ATF 140 I 153** du 5.10.2014 — Coûts de transport dans l'enseignement spécialisé\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur la nature juridique de la prise en charge des coûts de transport.\n\n> « À la prétention juridique à un enseignement de base suffisant et gratuit correspond en principe aussi une prétention à la prise en charge des coûts de transport nécessaires pour la fréquentation scolaire. »\n\nConcrétisation importante pour les enfants ayant des besoins particuliers.\n\n### VI. Mesures COVID-19 et fonctionnement scolaire\n\n**ATF 148 I 89** du 4.11.2020 — Obligation du port du masque à l'école\n\nLe Tribunal fédéral a examiné les mesures de protection COVID-19 sous l'angle de leur proportionnalité.\n\n> « Selon l'état actuel des connaissances, il faut partir du principe qu'il existe aussi dans les écoles un certain risque de propagation des coronavirus et que l'utilisation de masques faciaux contribue à réduire ce risque. »\n\nL'arrêt montre les limites de la prétention de droit fondamental en cas de mesures de protection pandémique. Le Tribunal fédéral a confirmé l'obligation du port du masque dès la 5e année scolaire comme proportionnée.\n\n### VII. Enseignement linguistique et intégration\n\n**ATF 139 I 229** du 5.12.2011 — Langue scolaire aux Grisons\n\nLe Tribunal fédéral a traité le changement de langue scolaire dans le contexte de la liberté des langues.\n\n> « La décision du gouvernement grison selon laquelle un changement de la langue scolaire du romanche grischun vers l'idiome ou inversement ne peut en principe avoir lieu qu'au début de la 1re classe primaire ne touche pas le champ de protection de la liberté des langues. »\n\nPertinent pour le rapport entre l'art. 19 Cst. et l'art. 18 Cst. (liberté des langues).", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 19 Cost. garantisce a tutti i bambini in Svizzera il diritto all'istruzione scolastica gratuita durante la scolarità obbligatoria. Questa disposizione è l'unico diritto fondamentale sociale nella Costituzione federale che genitori e bambini possono far valere direttamente dinanzi ai tribunali.\n\n## Cosa viene disciplinato?\n\nLa norma crea un diritto costituzionale a un «insegnamento scolastico di base sufficiente e gratuito». Il concetto di «insegnamento scolastico di base» comprende l'intera scolarità obbligatoria di almeno nove anni – non solo la scuola elementare (FF 1997 I 146). «Sufficiente» significa che viene garantito uno standard minimo, ma non una promozione ottimale. Il Tribunale federale sottolinea: «È dovuto solo un insegnamento sufficiente, ma non ideale od ottimale» (**DTF 138 I 162**). «Gratuito» significa che tutto il materiale scolastico necessario, le escursioni obbligatorie e i campi devono essere gratuiti.\n\n## Chi è interessato?\n\nTutti i bambini in età scolare hanno questo diritto – indipendentemente dalla loro cittadinanza o dal loro statuto di soggiorno. Anche i bambini rifugiati e sans-papiers sono protetti. Il diritto fondamentale è particolarmente importante per i bambini con disabilità: hanno diritto a un'educazione speciale adeguata, dove l'integrazione nelle classi regolari ha la priorità.\n\n## Quali conseguenze giuridiche sorgono?\n\nDiversamente dagli obiettivi sociali nell'art. 41 Cost., gli interessati possono invocare direttamente l'art. 19 Cost. I Cantoni e i Comuni devono fornire e finanziare scuole sufficienti. In caso di esclusione scolastica, deve essere organizzata un'assistenza continua. I genitori possono adire i tribunali se i costi scolastici vengono illegalmente trasferiti su di loro.\n\n## Esempi concreti\n\nUn Comune richiede ai genitori 500 franchi per un campo da sci obbligatorio. Ciò viola l'art. 19 Cost., poiché tutte le attività scolastiche obbligatorie devono essere gratuite (**DTF 144 I 1**). Un bambino autistico ha bisogno di assistenza individuale nell'insegnamento regolare. La scuola cantonale deve fornire gratuitamente queste lezioni di assistenza, purché l'integrazione sia possibile (**DTF 141 I 9**).\n\n## Questioni controverse\n\nSi discute controversamente se il diritto comprenda anche i ginnasi inferiori durante la scolarità obbligatoria. Il Tribunale federale lo nega (**DTF 133 I 156**), ma Wyttenbach critica aspramente questa giurisprudenza (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 n. 11). Per le dispense motivate religiosamente, il Tribunale federale ha abbandonato la sua prassi precedente, generosa, e ora sottolinea la priorità dell'integrazione scolastica. Per l'homeschooling, i Cantoni concedono possibilità molto diverse – l'art. 19 Cost. non garantisce alcun diritto all'istruzione privata domestica (**DTF 146 I 20**).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 19 Cost. ha introdotto per la prima volta un diritto sociale fondamentale azionabile a livello federale. Il costituente voleva andare oltre la precedente norma di competenza dell'art. 27 aCost. e creare un diritto soggettivo azionabile (FF 1997 I 125 s.). La formulazione scelta «istruzione di base sufficiente e gratuita» doveva preservare lo spazio di manovra federalista dei Cantoni e al contempo garantire uno standard minimo vincolante.\n\n**N. 2** Il cambiamento terminologico da «istruzione primaria» (art. 27 cpv. 2 aCost.) a «istruzione di base» era stato scelto consapevolmente. Il costituente voleva chiarire che era compreso l'intero periodo scolastico obbligatorio, non solo il livello primario. Questo ampliamento è stato confermato dal messaggio: «Il concetto di 'istruzione di base' comprende l'intero periodo scolastico obbligatorio» (FF 1997 I 126).\n\n## Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 19 Cost. si colloca sistematicamente tra i diritti di libertà classici (art. 7–18 Cost.) e gli obiettivi sociali (art. 41 Cost.). Questa posizione sottolinea il suo carattere duplice: da un lato si tratta di un vero diritto fondamentale con immediata giustiziabilità, dall'altro di un obbligo positivo di prestazione dello Stato (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 3).\n\n**N. 4** Lo stretto collegamento con l'art. 62 Cost. (sistema scolastico) si manifesta nell'obiettivo comune. Mentre l'art. 19 Cost. garantisce il diritto individuale, l'art. 62 Cost. disciplina l'ordine federale delle competenze. Questo collegamento sistematico deve essere sempre considerato nell'interpretazione (→ art. 62 Cost.).\n\n**N. 5** Importanti collegamenti trasversali esistono con l'art. 11 Cost. (protezione dei bambini), l'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione) nonché l'art. 15 Cost. (libertà di credo e di coscienza). Nella scolarizzazione speciale di bambini disabili è determinante inoltre l'art. 8 cpv. 2 Cost. (↔ art. 8 Cost.).\n\n## Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### Titolarità del diritto fondamentale\n\n**N. 6** Titolari del diritto fondamentale sono tutti i bambini in età scolastica obbligatoria, indipendentemente dalla loro cittadinanza o dal loro statuto di soggiorno. Il Tribunale federale ha chiarito che anche i bambini sans-papiers sono compresi nell'ambito di protezione (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 6-8).\n\n**N. 7** Il limite di età è determinato dal diritto cantonale, mentre l'art. 62 cpv. 2 Cost. prescrive una durata minima di nove anni. La titolarità del diritto fondamentale inizia tipicamente con il quarto anno di età compiuto e termina al più tardi con la conclusione della scolarità obbligatoria.\n\n### Istruzione di base sufficiente\n\n**N. 8** Il concetto «sufficiente» garantisce uno standard minimo, ma non una promozione ottimale. Il Tribunale federale ha precisato: «È dovuta solo un'istruzione sufficiente, non però ideale o ottimale» (**DTF 138 I 162** consid. 3.1). Questa limitazione è controversa dal punto di vista costituzionale.\n\n**N. 9** Wyttenbach critica questa interpretazione restrittiva e argomenta che il diritto deve orientarsi al bene del bambino e permettere una promozione individuale (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 14). Il Tribunale federale mantiene tuttavia la sua linea: la formazione deve essere solo «solitamente sufficiente».\n\n**N. 10** All'istruzione sufficiente appartengono obbligatoriamente: trasmissione di conoscenze di base in lettura, scrittura e calcolo, integrazione sociale, preparazione alla vita professionale o a scuole successive. L'istruzione deve «preservare le pari opportunità» e trasmettere «contenuti didattici considerati indispensabili nell'ordinamento valoriale locale» (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 9).\n\n### Gratuità\n\n**N. 11** La gratuità comprende «tutti i mezzi necessari e direttamente al servizio dello scopo didattico» (**DTF 144 I 1** consid. 2.3). Vi appartengono il materiale didattico, le escursioni obbligatorie e i campi nonché, se necessario, il trasporto scolastico.\n\n**N. 12** È discussa controversamente la portata nei sottoginnasi durante la scolarità obbligatoria. Il Tribunale federale nega un diritto derivante dall'art. 19 Cost. (**DTF 133 I 156**). Wyttenbach critica ciò aspramente: «Se i Cantoni offrono istruzione ginnasiale nel quadro della scolarità obbligatoria, il diritto alla gratuità deve giustamente riferirsi anche a queste scuole standard offerte dallo Stato» (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 11).\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** L'art. 19 Cost. fonda un diritto a prestazioni direttamente azionabile. A differenza degli obiettivi sociali secondo l'art. 41 Cost., gli interessati possono richiamarsi direttamente a questa disposizione. La collettività pubblica deve mettere a disposizione e rendere accessibile un'offerta scolastica sufficiente.\n\n**N. 14** In caso di esclusioni scolastiche sussiste un obbligo di assistenza continuativa: «La collettività pubblica deve di regola garantire un'assistenza continuativa degli allievi esclusi attraverso persone idonee o istituzioni pubbliche» (**DTF 129 I 12** consid. 9.5).\n\n**N. 15** Per i bambini con disabilità deriva dall'art. 19 Cost. in combinazione con l'art. 8 cpv. 2 Cost. e l'art. 20 LDis un diritto a un'adeguata scolarizzazione speciale. Il Tribunale federale sottolinea una «precedenza fondamentale della scolarizzazione speciale integrata rispetto a quella separata» (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 16), nella misura in cui ciò sia praticamente possibile e finanziariamente sopportabile.\n\n## Questioni controverse\n\n### Integrazione vs. separazione nella scolarizzazione speciale\n\n**N. 16** La portata della precedenza dell'integrazione è controversa. Il Tribunale federale concede ai Cantoni un considerevole margine di manovra e richiede solo un'«offerta formativa adeguata, solitamente sufficiente» (**DTF 138 I 162**). Aeschlimann-Ziegler richiede invece un più forte diritto individuale azionabile alla scolarizzazione integrativa (Aeschlimann-Ziegler, Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht, 2011, pag. 245 segg.).\n\n### Homeschooling\n\n**N. 17** L'ammissibilità dei divieti di homeschooling è controversa. Il Tribunale federale riconosce ai Cantoni un'ampia autonomia regolatoria (**DTF 146 I 20**). Reich argomenta per un diritto all'istruzione privata domestica derivante dall'art. 13 Cost., purché vengano raggiunti gli obiettivi formativi (Reich, Homeschooling zwischen elterlichem Erziehungsrecht, staatlicher Schulpflicht und Kindeswohl, ZBl 2012, 589).\n\n### Dispense religiose\n\n**N. 18** Particolarmente controverse sono le dispense per motivi religiosi. La precedente giurisprudenza concedeva alle ragazze musulmane una dispensa dalle lezioni di nuoto (**DTF 119 Ia 178**). Il Tribunale federale ha rivisto questa prassi e ora sottolinea l'interesse pubblico all'integrazione: le dispense sono ammissibili solo in caso di gravi conflitti di fede (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 23).\n\n**N. 19** Kälin/Wyttenbach propugnano una ponderazione più differenziata tra obiettivi di integrazione e convinzione religiosa (Kälin/Wyttenbach, Schulischer Bildungsauftrag und Grund- und Menschenrechte, AJP 2005, 320). Il Tribunale federale mantiene tuttavia la precedenza dell'integrazione scolastica.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** In caso di controversie sulla portata dell'istruzione di base è anzitutto da verificare se una prestazione sia «necessaria e direttamente al servizio dello scopo didattico». La giurisprudenza sull'art. 19 Cost. è restrittiva; le prestazioni aggiuntive devono essere chiaramente motivate.\n\n**N. 21** Nelle questioni di scolarizzazione speciale è da consultare tempestivamente il concetto cantonale di pedagogia speciale. La maggior parte dei Cantoni ha emanato regolamentazioni dettagliate dopo la NPC. La precedenza dell'integrazione non vale in modo assoluto – determinanti sono le circostanze del caso singolo.\n\n**N. 22** Le esclusioni scolastiche devono essere proporzionate e possono avvenire solo come ultima ratio. Müller/Schefer sottolineano: «Interessi pubblici non possono giustificare una limitazione del diritto all'istruzione di base» (Wyttenbach, BSK BV, art. 19 n. 23). Misure alternative devono essere obbligatoriamente esaminate.\n\n**N. 23** In caso di richieste di dispensa motivate religiosamente si raccomanda un'accurata ponderazione degli interessi. Nonostante la giurisprudenza restrittiva sono possibili soluzioni individuali, ad esempio attraverso misure organizzative (burkini nelle lezioni di nuoto, lezioni separate per sesso).", "caselaw_it": "# Art. 19 — Istruzione elementare\n\n## Giurisprudenza\n\n### I. Contenuto e portata del diritto fondamentale\n\n**DTF 129 I 12** del 7.11.2002 — Natura giuridica e contenuto minimo\n\nIl Tribunale federale ha definito l'art. 19 Cost. come diritto fondamentale sociale che fonda una pretesa individuale soggettiva a una prestazione statale.\n\n> «Dall'art. 19 Cost. risulta il diritto a un'istruzione elementare gratuita presso scuole pubbliche, corrispondente alle capacità individuali del bambino e al suo sviluppo della personalità, durante la scolarità obbligatoria di almeno nove anni.»\n\nSentenza fondamentale sulla dogmatica dei diritti fondamentali sociali e la loro distinzione dai diritti di libertà, con definizione dei requisiti minimi.\n\n**DTF 144 I 1** del 7.12.2017 — Portata della gratuità\n\nIl Tribunale federale ha concretizzato la portata della gratuità garantita dal diritto costituzionale.\n\n> «Il diritto all'istruzione gratuita comprende tutti i mezzi necessari e direttamente al servizio dello scopo dell'istruzione.»\n\nIl Tribunale ha annullato la legislazione scolastica turgoviese che addossava ai genitori i costi per campi, escursioni e corsi di lingua. Sentenza guida per la determinazione dei limiti della gratuità.\n\n**DTF 133 I 156** del 7.5.2007 — Delimitazione tra istruzione elementare e ginnasiale\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che la garanzia di gratuità, nonostante il cambiamento terminologico da «istruzione primaria» a «istruzione elementare», non si estende ai livelli ginnasiali.\n\n> «Il diritto costituzionale federale alla gratuità dell'istruzione elementare di principio non si estende anche all'istruzione presso gli (statali) sotto-ginnasi, benché questa rientri ancora nella scolarità obbligatoria.»\n\nImportante delimitazione per l'interpretazione del termine «istruzione elementare».\n\n### II. Educazione speciale e disabilità\n\n**DTF 141 I 9** del 4.12.2014 — Gratuità nell'educazione speciale\n\nIl Tribunale federale ha sottolineato la gratuità imperativa anche nell'educazione speciale integrativa.\n\n> «L'istruzione elementare sufficiente è imperativamente gratuita, anche quando la scuola fornisce una prestazione non prevista dalla legge.»\n\nRilevante per la parificazione dei bambini disabili nel sistema educativo.\n\n**DTF 138 I 162** del 13.4.2012 — Margine di manovra e standard minimi\n\nIl Tribunale federale ha definito i limiti della libertà di configurazione cantonale nell'educazione speciale.\n\n> «I requisiti minimi del diritto federale richiedono soltanto un'offerta formativa adeguata e secondo l'esperienza sufficiente presso scuole pubbliche, ma non la scolarizzazione ottimale ovvero più adeguata di un bambino.»\n\nDecisione di principio sul rapporto tra pretesa e capacità prestazionale statale.\n\n**DTF 130 I 352** del 24.11.2004 — Educazione speciale al di fuori del Cantone di domicilio\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto il diritto a un'educazione speciale adeguata anche in caso di ripartizione intercantonale dei costi.\n\n> «Ai Cantoni compete un considerevole margine di configurazione nella regolamentazione del sistema scolastico elementare; essi devono garantire anche ai disabili un'istruzione elementare gratuita corrispondente alle capacità individuali del bambino e al suo sviluppo della personalità.»\n\nGiurisprudenza rilevante per la ripartizione federalista dei costi.\n\n### III. Diritto disciplinare ed esclusione scolastica\n\n**DTF 129 I 35** del 7.11.2002 — Limiti dell'esclusione scolastica disciplinare\n\nIl Tribunale federale ha precisato i limiti costituzionali per le esclusioni scolastiche durante la scolarità obbligatoria.\n\n> «La collettività pubblica deve di regola garantire un'assistenza continuativa degli scolari elementari esclusi tramite persone idonee o istituzioni pubbliche.»\n\nDecisione complementare al DTF 129 I 12 per i limiti delle misure disciplinari.\n\n### IV. Istruzione privata e diritti educativi dei genitori\n\n**DTF 146 I 20** del 22.8.2019 — Homeschooling\n\nIl Tribunale federale ha negato un diritto all'istruzione privata domestica.\n\n> «L'art. 19 in relazione con l'art. 62 cpv. 2 Cost. non garantisce alcun diritto all'istruzione privata individuale.»\n\nIl Tribunale ha confermato la sovranità normativa cantonale sull'ammissione dell'homeschooling. Decisione determinante sul rapporto tra diritti educativi dei genitori e obbligo scolastico statale.\n\n### V. Costi di trasporto e organizzazione scolastica\n\n**DTF 140 I 153** del 5.10.2014 — Costi di trasporto nell'educazione speciale\n\nIl Tribunale federale si è occupato della natura giuridica dell'assunzione dei costi di trasporto.\n\n> «Al diritto all'istruzione elementare sufficiente e gratuita corrisponde di principio anche un diritto all'assunzione dei costi di trasporto necessari per la frequenza scolastica.»\n\nImportante concretizzazione per i bambini con bisogni particolari.\n\n### VI. Misure COVID-19 e attività scolastica\n\n**DTF 148 I 89** del 4.11.2020 — Obbligo di mascherina a scuola\n\nIl Tribunale federale ha esaminato le misure di protezione COVID-19 sotto il profilo della proporzionalità.\n\n> «Secondo lo stato attuale delle conoscenze è da presumere che anche nelle scuole sussista un certo rischio di diffusione dei virus Corona e che l'uso di mascherine facciali contribuisca a ridurre questo rischio.»\n\nLa decisione mostra i limiti del diritto fondamentale in caso di misure di protezione pandemica. Il Tribunale federale ha confermato l'obbligo di portare la mascherina a partire dal 5° anno scolastico come proporzionato.\n\n### VII. Insegnamento linguistico e integrazione\n\n**DTF 139 I 229** del 5.12.2011 — Lingua scolastica nei Grigioni\n\nIl Tribunale federale ha trattato il cambiamento della lingua scolastica nel contesto della libertà linguistica.\n\n> «La decisione del Governo grigionese secondo cui un cambiamento della lingua scolastica dal Rumantsch Grischun all'idioma o viceversa può avvenire di principio soltanto all'inizio della 1ª classe elementare, non tocca l'ambito di protezione della libertà linguistica.»\n\nRilevante per il rapporto tra art. 19 Cost. e art. 18 Cost. (libertà linguistica).", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 19 Cst. guarantees all children in Switzerland the right to free schooling during compulsory education. This provision is the only social fundamental right in the Federal Constitution that parents and children can directly invoke before the courts.\n\n## What is regulated?\n\nThe norm creates a constitutional entitlement to «adequate and free basic school instruction». The term «basic school instruction» encompasses the entire compulsory schooling period of at least nine years – not just primary school (BBl 1997 I 158). «Adequate» means that a minimum standard is guaranteed, but not optimal support. The Federal Supreme Court emphasises: «Only adequate, but not ideal or optimal instruction is owed» (**BGE 138 I 162**). «Free» means that all necessary school materials, compulsory excursions and camps must be provided at no cost.\n\n## Who is affected?\n\nAll children of compulsory school age have this entitlement – regardless of their nationality or residence status. Refugee children and sans-papiers are also protected. The fundamental right is particularly important for children with disabilities: They are entitled to appropriate special education, with integration into regular classes taking priority.\n\n## What legal consequences arise?\n\nUnlike the social objectives in Art. 41 Cst., those affected can directly invoke Art. 19 Cst. Cantons and municipalities must provide and finance adequate schools. In cases of school exclusion, continued care must be organised. Parents can take legal action if school costs are unlawfully transferred to them.\n\n## Concrete examples\n\nA municipality demands 500 francs from parents for a compulsory skiing camp. This violates Art. 19 Cst., since all mandatory school activities must be free of charge (**BGE 144 I 1**). An autistic child requires individual support in regular instruction. The cantonal school must provide these assistance lessons free of charge, provided integration is possible (**BGE 141 I 9**).\n\n## Disputed issues\n\nIt is controversially discussed whether the entitlement also includes lower secondary schools during compulsory education. The Federal Supreme Court denies this (**BGE 133 I 156**), but Wyttenbach sharply criticises this case law (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 11). For religiously motivated dispensations, the Federal Supreme Court has abandoned its earlier, generous practice and now emphasises the priority of school integration. Regarding homeschooling, cantons grant very different possibilities – Art. 19 Cst. does not guarantee an entitlement to home-based private instruction (**BGE 146 I 20**).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 19 Federal Constitution introduced the first enforceable social fundamental right at the federal level. The constitutional legislature wanted to go beyond the existing competence provision of Art. 27 old Federal Constitution and create a subjective legal entitlement (Federal Gazette 1997 I 157 f.). The chosen formulation \"sufficient and free basic education\" was intended to preserve the federalist scope of the cantons while simultaneously guaranteeing a binding minimum standard.\n\n**N. 2** The terminological change from \"primary education\" (Art. 27 para. 2 old Federal Constitution) to \"basic education\" was deliberate. The constitutional legislature wanted to clarify that the entire compulsory school period is covered, not only the primary level. This expansion was confirmed by the Federal Council message: \"The term 'basic education' encompasses the entire compulsory school period\" (Federal Gazette 1997 I 158).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 19 Federal Constitution stands systematically between the classical fundamental freedoms (Art. 7–18 Federal Constitution) and the social objectives (Art. 41 Federal Constitution). This positioning underscores its dual character: On one hand, it is a genuine fundamental right with direct justiciability, on the other hand, it is a positive performance obligation of the state (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 3).\n\n**N. 4** The close connection to Art. 62 Federal Constitution (education) is shown in their common objective. While Art. 19 Federal Constitution guarantees the individual entitlement, Art. 62 Federal Constitution regulates the federal division of competences. This systematic linkage must always be considered in interpretation (→ Art. 62 Federal Constitution).\n\n**N. 5** Important cross-references exist to Art. 11 Federal Constitution (protection of children), Art. 8 Federal Constitution (equality before the law and prohibition of discrimination) as well as Art. 15 Federal Constitution (freedom of religion and conscience). In special education for children with disabilities, Art. 8 para. 2 Federal Constitution is additionally relevant (↔ Art. 8 Federal Constitution).\n\n## Elements of the Provision / Normative Content\n\n### Holders of the Fundamental Right\n\n**N. 6** Holders of the fundamental right are all children of compulsory school age, regardless of their nationality or residence status. The Federal Supreme Court has clarified that children without legal status (sans-papiers) are also covered by the scope of protection (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 6-8).\n\n**N. 7** The age limit is determined by cantonal law, whereby Art. 62 para. 2 Federal Constitution prescribes a minimum duration of nine years. The fundamental right typically begins upon completion of the 4th year of age and ends at the latest with completion of compulsory schooling.\n\n### Sufficient Basic Education\n\n**N. 8** The term \"sufficient\" guarantees a minimum standard, but not optimal promotion. The Federal Supreme Court specified: \"Only sufficient, but not ideal or optimal education is owed\" (**BGE 138 I 162** consideration 3.1). This restriction is constitutionally controversial.\n\n**N. 9** Wyttenbach criticizes this restrictive interpretation and argues that the entitlement must be oriented towards the child's welfare and enable individual promotion (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 14). However, the Federal Supreme Court maintains its line: the education need only be \"sufficient based on experience\".\n\n**N. 10** Sufficient education necessarily includes: imparting basic knowledge in reading, writing and arithmetic, social integration, preparation for working life or continuing schools. The education must \"preserve equal opportunities\" and impart \"teaching content considered indispensable in the local value system\" (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 9).\n\n### Free of Charge\n\n**N. 11** Being free of charge encompasses \"all necessary means directly serving the educational purpose\" (**BGE 144 I 1** consideration 2.3). This includes teaching materials, mandatory excursions and camps as well as school transport when needed.\n\n**N. 12** The scope regarding lower secondary schools during compulsory schooling is controversially discussed. The Federal Supreme Court denies an entitlement under Art. 19 Federal Constitution (**BGE 133 I 156**). Wyttenbach sharply criticizes this: \"If cantons offer gymnasium education within the framework of compulsory schooling, the entitlement to free education must properly also apply to these standard schools offered by the state\" (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 11).\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 13** Art. 19 Federal Constitution establishes a directly enforceable performance entitlement. Unlike the social objectives under Art. 41 Federal Constitution, those affected can invoke this provision directly. The public authority must provide and make accessible a sufficient school offering.\n\n**N. 14** In case of school exclusions, there is an obligation for continued care: \"The public authority must as a rule ensure continued care of excluded pupils by suitable persons or public institutions\" (**BGE 129 I 12** consideration 9.5).\n\n**N. 15** For children with disabilities, an entitlement to appropriate special education follows from Art. 19 Federal Constitution in conjunction with Art. 8 para. 2 Federal Constitution and Art. 20 Disability Equality Act. The Federal Supreme Court emphasizes a \"fundamental priority of integrated over segregated special education\" (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 16), insofar as this is practically possible and financially viable.\n\n## Disputed Issues\n\n### Integration vs. Segregation in Special Education\n\n**N. 16** The scope of the integration priority is disputed. The Federal Supreme Court grants the cantons considerable leeway and only requires an \"appropriate, sufficient educational offering based on experience\" (**BGE 138 I 162**). In contrast, Aeschlimann-Ziegler demands a stronger individual legal entitlement to integrative schooling (Aeschlimann-Ziegler, Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht, 2011, p. 245 ff.).\n\n### Homeschooling\n\n**N. 17** The permissibility of homeschooling bans is controversial. The Federal Supreme Court grants cantons extensive regulatory autonomy (**BGE 146 I 20**). Reich argues for a right to home-based private education flowing from Art. 13 Federal Constitution, provided the educational objectives are achieved (Reich, Homeschooling zwischen elterlichem Erziehungsrecht, staatlicher Schulpflicht und Kindeswohl, ZBl 2012, 589).\n\n### Religious Exemptions\n\n**N. 18** Religious exemptions are particularly controversial. The older case law granted Muslim girls an exemption from swimming lessons (**BGE 119 Ia 178**). The Federal Supreme Court has revised this practice and now emphasizes the public interest in integration: exemptions are only permissible in cases of serious conflicts of faith (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 23).\n\n**N. 19** Kälin/Wyttenbach advocate for a more differentiated balancing between integration goals and religious conviction (Kälin/Wyttenbach, Schulischer Bildungsauftrag und Grund- und Menschenrechte, AJP 2005, 320). However, the Federal Supreme Court maintains the priority of school integration.\n\n## Practical Guidance\n\n**N. 20** In disputes over the scope of basic education, it must first be examined whether a service is \"necessary and directly serving the educational purpose\". The case law on Art. 19 Federal Constitution is restrictive; additional services must be clearly justified.\n\n**N. 21** In special education matters, the cantonal special education concept should be consulted early. Most cantons have enacted detailed regulations following the New Financial Equalization. The integration priority does not apply absolutely – the circumstances of the individual case are decisive.\n\n**N. 22** School exclusions must be proportionate and may only occur as ultima ratio. Müller/Schefer emphasize: \"Public interests cannot justify a restriction of the entitlement to basic education\" (Wyttenbach, BSK BV, Art. 19 N. 23). Alternative measures must be examined as a matter of obligation.\n\n**N. 23** For religiously motivated exemption requests, careful balancing of interests is recommended. Despite the restrictive case law, individual solutions are possible, for example through organizational measures (burkini during swimming lessons, gender-separated instruction).", "caselaw_en": "# Art. 19 — Elementary Education\n\n## Caselaw\n\n### I. Content and Scope of the Fundamental Right\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002 — Legal nature and minimum content\n\nThe Federal Supreme Court defined Art. 19 Cst. as a social fundamental right that establishes an individual subjective entitlement to a state service.\n\n> «Article 19 Cst. establishes the right to free elementary education at public schools during the compulsory school period of at least nine years, corresponding to the child's individual abilities and personality development.»\n\nFundamental judgment on the doctrine of social fundamental rights and their distinction from civil liberties, with definition of minimum requirements.\n\n**BGE 144 I 1** of 7 December 2017 — Scope of free provision\n\nThe Federal Supreme Court specified the scope of constitutionally guaranteed free provision.\n\n> «The right to free education encompasses all necessary means that directly serve the educational purpose.»\n\nThe Court struck down Thurgau school legislation that imposed costs for camps, excursions and language courses on parents. Leading decision on determining the limits of free provision.\n\n**BGE 133 I 156** of 7 May 2007 — Distinction between elementary and secondary education\n\nThe Federal Supreme Court clarified that the guarantee of free provision does not extend to secondary school levels despite the terminological change from «primary education» to «elementary education».\n\n> «The constitutional right to free elementary education does not, in principle, extend to instruction at (state) lower secondary schools, even though this still falls within the compulsory school period.»\n\nImportant distinction for the interpretation of the concept «elementary education».\n\n### II. Special Education and Disability\n\n**BGE 141 I 9** of 4 December 2014 — Free provision in special education\n\nThe Federal Supreme Court emphasised the mandatory free provision also in integrative special education.\n\n> «Adequate elementary education must be free of charge, even when the school provides a service not prescribed by law.»\n\nDecisive for the equal treatment of disabled children in the education system.\n\n**BGE 138 I 162** of 13 April 2012 — Scope of discretion and minimum standards\n\nThe Federal Supreme Court defined the limits of cantonal freedom in organising special education.\n\n> «The federal minimum requirements only demand an appropriate, experientially adequate educational offering at public schools, not the optimal or most suitable education for a child.»\n\nFundamental decision on the relationship between entitlement and state capacity.\n\n**BGE 130 I 352** of 24 November 2004 — Special education outside the home canton\n\nThe Federal Supreme Court recognised the right to appropriate special education even with inter-cantonal cost sharing.\n\n> «The cantons have considerable discretion in regulating elementary education; they must also ensure free elementary education for disabled children that corresponds to the child's individual abilities and personality development.»\n\nRelevant caselaw for federalist cost distribution.\n\n### III. Disciplinary Law and School Exclusion\n\n**BGE 129 I 35** of 7 November 2002 — Limits of disciplinary school exclusion\n\nThe Federal Supreme Court specified the constitutional limits for school exclusions during compulsory schooling.\n\n> «The community must as a rule ensure continued care of excluded elementary school pupils by suitable persons or public institutions.»\n\nComplementary decision to BGE 129 I 12 on the limits of disciplinary measures.\n\n### IV. Private Education and Parental Educational Rights\n\n**BGE 146 I 20** of 22 August 2019 — Homeschooling\n\nThe Federal Supreme Court denied a right to home-based private education.\n\n> «Art. 19 in conjunction with Art. 62 para. 2 Cst. grants no entitlement to private individual instruction.»\n\nThe Court confirmed cantonal regulatory authority over the admission of homeschooling. Decisive judgment on the relationship between parental educational rights and state compulsory schooling.\n\n### V. Transport Costs and School Organisation\n\n**BGE 140 I 153** of 5 October 2014 — Transport costs in special education\n\nThe Federal Supreme Court dealt with the legal nature of transport cost coverage.\n\n> «The legal right to adequate and free elementary education corresponds in principle also to a right to coverage of necessary transport costs for school attendance.»\n\nImportant specification for children with special needs.\n\n### VI. COVID-19 Measures and School Operations\n\n**BGE 148 I 89** of 4 November 2020 — Mask wearing requirement in schools\n\nThe Federal Supreme Court examined COVID-19 protective measures for their proportionality.\n\n> «According to the current state of knowledge, it can be assumed that even at schools there is a certain risk of coronavirus transmission and that the use of face masks contributes to reducing this risk.»\n\nThe decision shows the limits of the fundamental right entitlement regarding pandemic protective measures. The Federal Supreme Court confirmed the mask wearing requirement from the 5th school year as proportionate.\n\n### VII. Language Instruction and Integration\n\n**BGE 139 I 229** of 5 December 2011 — School language in Grisons\n\nThe Federal Supreme Court dealt with changes in school language in the context of language freedom.\n\n> «The decision of the Grisons government that a change of school language from Rumantsch Grischun to the idiom or vice versa can in principle only take place at the beginning of the 1st primary school class does not affect the protective scope of language freedom.»\n\nRelevant for the relationship between Art. 19 Cst. and Art. 18 Cst. (language freedom).", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_19", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 20, "article_suffix": "", "title": "Wissenschaftsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 20 BV — Wissenschaftsfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArt. 20 BV gewährleistet die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre und Forschung. Diese Bestimmung schützt sowohl Hochschulen als auch einzelne Forscherinnen und Forscher vor staatlichen Eingriffen in ihre wissenschaftliche Tätigkeit.\n\n### Was regelt die Norm?\n\nDie Wissenschaftsfreiheit umfasst drei Kernbereiche: die Forschungsfreiheit (freie Wahl von Forschungsthema, Methoden und Durchführung), die Lehrfreiheit (freie Gestaltung von Lehrveranstaltungen) und die Lernfreiheit (freie Wahl der Bildungsrichtung). Das Grundrecht schützt vor allem vor staatlicher Zensur wissenschaftlicher Publikationen und vor behördlichen Verboten bestimmter Forschungsrichtungen.\n\n### Wer ist betroffen?\n\nBerechtigt sind alle Personen, die wissenschaftlich tätig sind — von Professorinnen an Universitäten bis zu Forschern in privaten Labors. Auch Studierende können sich auf die Wissenschaftsfreiheit berufen, etwa bei der freien Wahl ihrer Studienrichtung. Verpflichtet sind alle staatlichen Stellen: Bund, Kantone und Gemeinden.\n\n### Welche Rechtsfolgen gibt es?\n\nDie Wissenschaftsfreiheit ist nicht grenzenlos. Bei Tierversuchen muss der Forschungsnutzen gegen das Tierwohl abgewogen werden (**BGE 135 II 384** zu Primatenversuchen). Bei Archivzugang gewährt Art. 20 BV keinen generellen Anspruch auf nicht-öffentliche Dokumente, sondern nur einen bedingten Anspruch, wenn die Forschung sonst unmöglich würde (**BGE 127 I 145** zu Strafakten).\n\n### Praktische Bedeutung\n\nIn der Praxis entstehen Konflikte meist bei heiklen Forschungsgebieten. Bei Biosicherheitsforschung diskutiert die Lehre, ob Publikationen gefährlicher Erkenntnisse eingeschränkt werden dürfen (BSK BV-Hertig N. 18). Bei klinischen Studien müssen Patientenrechte gewahrt bleiben. Bei Forschungsförderung dürfen staatliche Stellen keine inhaltlichen Zensuren vornehmen.\n\n### Weitere Informationen\n\nArt. 20 BV steht im engen Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit (→ Art. 16 BV) und der allgemeinen Handlungsfreiheit. International entspricht die Norm Art. 13 UNO-Pakt I und Art. 10 EMRK. Spezialregelungen finden sich in der Hochschulgesetzgebung (→ Art. 63a BV) und im Forschungsförderungsrecht.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Wissenschaftsfreiheit wurde erstmals in der Bundesverfassung von 1999 ausdrücklich verankert. Zuvor war sie als ungeschriebenes Grundrecht anerkannt, das aus der persönlichen Freiheit und der Meinungsfreiheit abgeleitet wurde (BBl 1997 I 1, 159). Der Verfassungsgeber betonte in der Botschaft, dass die explizite Verankerung «im Hinblick auf die grosse Bedeutung der Wissenschaft für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung» erfolge (BBl 1997 I 159).\n\n**N. 2** Die knappe Formulierung war bewusst gewählt. Anders als in ausländischen Verfassungen verzichtete der schweizerische Verfassungsgeber auf eine Differenzierung zwischen Forschungs- und Lehrfreiheit oder auf qualifizierende Zusätze. Die Botschaft hält fest: «Die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre und Forschung umfasst die freie Wahl von Gegenstand, Methode und Lehrmeinung sowie die Verbreitung der Erkenntnisse» (BBl 1997 I 159).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 20 BV steht systematisch im Grundrechtskatalog zwischen der Kunstfreiheit (Art. 21 BV) und der Versammlungsfreiheit (Art. 22 BV). Diese Platzierung unterstreicht ihre Zugehörigkeit zu den Kommunikationsgrundrechten im weiteren Sinne, zu denen auch die Meinungs- und Informationsfreiheit (Art. 16 BV), die Medienfreiheit (Art. 17 BV) und die Sprachenfreiheit (Art. 18 BV) gehören.\n\n**N. 4** Die Wissenschaftsfreiheit weist enge Bezüge zur Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) auf, soweit wissenschaftliche Tätigkeit erwerbsmässig ausgeübt wird. Gleichzeitig steht sie in einem Spannungsverhältnis zu Schutzbestimmungen, insbesondere zum Tierschutz (→ Art. 80 BV), zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie (→ Art. 119, 120 BV) und zur Menschenwürde (→ Art. 7 BV).\n\n**N. 5** Auf der Ebene der Staatsaufgaben korrespondiert Art. 20 BV mit der Bildungs- und Forschungsförderung des Bundes (→ Art. 63a, 64 BV). Diese systematische Verknüpfung unterstreicht die doppelte Funktion der Wissenschaftsfreiheit als Abwehrrecht und als Leistungsanspruch (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 3-4).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Der Schutzbereich der Wissenschaftsfreiheit umfasst gemäss herrschender Lehre drei Teilgehalte: die Forschungsfreiheit, die Lehrfreiheit und nach einem Teil der Lehre auch die Lernfreiheit (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18; Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 7** **Wissenschaftsbegriff**: Als «Wissenschaft» gilt jede ernsthafte und planmässige Tätigkeit, die auf die Gewinnung von Erkenntnissen in nachvollziehbarer, methodischer Weise gerichtet ist (Schwander, Grundrecht der Wissenschaft, 102 ff.). Das Bundesgericht hat bisher keine abschliessende Definition geliefert, verlangt aber ein «spezifisches Forschungsansatz» (**BGE 127 I 145** E. 4c).\n\n**N. 8** **Forschungsfreiheit**: Sie schützt die freie Wahl des Forschungsgegenstands, der Methode und die Publikation der Ergebnisse. Dies umfasst auch Tierversuche zu Forschungszwecken (**BGE 135 II 384** E. 4.3.1), jedoch ohne «generelles Wissenschaftsprivileg» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14).\n\n**N. 9** **Lehrfreiheit**: Sie garantiert die freie Gestaltung der Lehrinhalte und -methoden an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. Die Lehrfreiheit ist funktional auf die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse beschränkt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1784).\n\n**N. 10** **Informationszugang**: Das Bundesgericht anerkennt einen bedingten Anspruch auf Einsicht in nicht öffentliche Dokumente, «wenn der spezifische Forschungsansatz dies erfordern würde und die Realisierung des Forschungsvorhabens im öffentlichen Interesse liegt» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14). Dieser Anspruch ist jedoch nicht absolut und kann durch überwiegende öffentliche oder private Interessen eingeschränkt werden (**BGE 127 I 145** E. 4c).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Als Abwehrrecht verbietet Art. 20 BV staatliche Eingriffe in die wissenschaftliche Tätigkeit. Dies umfasst das Verbot von Zensur, die freie Themenwahl und Methodenwahl sowie den Schutz vor Sanktionen aufgrund wissenschaftlicher Positionen (Breining-Kaufmann, ZSR 2004 I 307, 315).\n\n**N. 12** **Leistungsansprüche**: Die herrschende Lehre verneint direkte Leistungsansprüche aus Art. 20 BV, etwa auf Forschungsförderung oder Zugang zu Forschungsinfrastruktur (Müller/Schefer, Grundrechte, 743). Indirekt ergeben sich aber Ansprüche auf diskriminierungsfreien Zugang zu bestehenden Einrichtungen (→ Art. 8 BV).\n\n**N. 13** **Prozeduale Garantien**: Bei der Beurteilung von Forschungsgesuchen, insbesondere bei Tierversuchen, haben die Behörden die Wissenschaftsfreiheit als Abwägungselement zu berücksichtigen (**BGE 135 II 405** E. 4.3.2). Die Kognition der Gerichte ist bei «technischem Ermessen» eingeschränkt (**BGE 135 II 384** E. 2.2).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Lernfreiheit**: Umstritten ist, ob die Lernfreiheit ein eigenständiger Teilgehalt der Wissenschaftsfreiheit oder ein Aspekt der Lehrfreiheit ist. Ein Teil der schweizerischen Lehre anerkennt sie als eigenständigen Teilgehalt (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18), während andere sie der persönlichen Freiheit zuordnen (Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 15** **Dual-Use-Forschung**: Kontrovers diskutiert wird die Regulierung von Forschungsdaten mit doppeltem Verwendungszweck (dual use). Hertig vertritt, dass «am absoluten Verbot jeglicher systematischen Präventivkontrolle festzuhalten ist, da Ausnahmen vom Zensurverbot die Kerngehaltstheorie unterlaufen würden» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18). Andere Autoren befürworten eine Bewilligungspflicht für die Publikation heikler Forschungsdaten im Ausland zum Schutz der Biosicherheit (Thurnherr, Biosecurity und Publikationsfreiheit, 156 ff.).\n\n**N. 16** **Verhältnis zum Tierschutz**: Das Bundesgericht hält fest, dass «die Forschungsfreiheit gegenüber verfassungsrechtlich geschützten Werten wie dem Tierschutz keinen generellen Vorrang hat» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 27). Die kollidierenden Interessen seien gleichwertig und im Einzelfall gegeneinander abzuwägen (**BGE 135 II 384** E. 4.3). Teile der Lehre kritisieren diese Gleichstellung und fordern eine stärkere Gewichtung der Forschungsfreiheit bei Grundlagenforschung (Barendt, Academic freedom, 234).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Forschungsgesuche**: Bei Gesuchen um Zugang zu nicht öffentlichen Daten empfiehlt es sich, den spezifischen Forschungsansatz und die Notwendigkeit der Dateneinsicht detailliert darzulegen. Das öffentliche Interesse am Forschungsvorhaben sollte konkret begründet werden.\n\n**N. 18** **Tierversuche**: Forschende müssen bei Tierversuchsgesuchen eine umfassende Güterabwägung vornehmen und dokumentieren. Dabei sind alternative Methoden zu prüfen und die Belastung der Tiere zu minimieren (3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine).\n\n**N. 19** **Publikationen**: Bei der Veröffentlichung sensibler Forschungsergebnisse (Dual-Use, Biosicherheit) ist eine frühzeitige Abklärung allfälliger Exportkontrollvorschriften ratsam. Die Wissenschaftsfreiheit schützt zwar vor Zensur, entbindet aber nicht von der Einhaltung spezialgesetzlicher Vorschriften.\n\n**N. 20** **Hochschulkontext**: Angestellte Forschende an Hochschulen können sich gegenüber ihrem Arbeitgeber direkt auf Art. 20 BV berufen (→ Art. 35 Abs. 2 BV). Bei Konflikten zwischen Forschungsfreiheit und arbeitsrechtlichen Weisungen ist eine Interessenabwägung vorzunehmen (Amschwand, Qualitätssicherung, 245).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 20 BV zeigt die Spannungsfelder zwischen Wissenschaftsfreiheit und anderen verfassungsrechtlichen Gütern auf. Die Rechtsprechung gliedert sich in drei Hauptbereiche: Forschungsfreiheit im Verhältnis zum Tierschutz, Anspruch auf Informationszugang zu wissenschaftlichen Zwecken und hochschulrechtliche Aspekte.\n\n## Forschungsfreiheit und Tierschutz\n\n### Tierversuche mit Primaten\n\n**BGE 135 II 384** (7. Oktober 2009)  \nLeitentscheid zur Abwägung zwischen Forschungsfreiheit und Tierschutz bei Tierversuchen mit nicht-menschlichen Primaten.  \nDie Interessenabwägung nach Art. 61 Abs. 3 lit. d aTSchV erfordert eine konkrete Güterabwägung zwischen Erkenntnisgewinn und Tierleid.\n\n> «Die Vorschriften des aTSchG über Tierversuche sind zudem auch Ausdruck der Forschungsfreiheit nach Art. 20 BV. Sie repräsentieren daher teilweise eine bereits vom Gesetzgeber vorgenommene Interessenabwägung.»\n\n**BGE 135 II 405** (7. Oktober 2009)  \nErgänzender Entscheid zu BGE 135 II 384 betreffend die Interessenabwägung bei Primatenversuchen.  \nBestätigt die strengen Anforderungen an die Bewilligung von Tierversuchen bei nicht-menschlichen Primaten.\n\n### Belastungsabwägung\n\n**VB.2007.00157, Verwaltungsgericht Zürich** (27. März 2008)  \nTierversuch zur Untersuchung von Hirnstrukturen bei Rhesusaffen.  \nKonkrete Anwendung der bundesgerichtlichen Grundsätze zur Interessenabwägung zwischen Forschungsinteresse und Tierschutz.\n\n**VB.2007.00156, Verwaltungsgericht Zürich** (27. März 2008)  \nTierversuch zur Untersuchung von Lernfähigkeiten bei Rhesusaffen.  \nDie Rechtsprechung stellt klar, dass die Forschungsfreiheit nicht automatisch schwerer wiegt als der Tierschutz.\n\n## Informations- und Archivzugang\n\n### Grundsätzliche Abgrenzung\n\n**BGE 127 I 145** (27. Juni 2001)  \nGrundsatzentscheid zum Verhältnis von Informations- und Wissenschaftsfreiheit bei der Einsicht in archivierte Strafakten.  \nDie Wissenschaftsfreiheit begründet keinen generellen Anspruch auf Zugang zu nicht öffentlich zugänglichen Quellen.\n\n> «Die Informations- und Wissenschaftsfreiheit räumen keinen generellen Anspruch auf Beschaffung von Informationen aus nicht allgemein zugänglichen Quellen (archivierten Akten während Schutzfrist) ein.»\n\n> «Die Forschungsfreiheit vermag nicht ohne weiteres den Zugang zu Quellen zu öffnen, die unter dem Gesichtswinkel der allgemeineren Informationsfreiheit als nicht öffentlich zugänglich gelten.»\n\n### Eingeschränkter Anspruch\n\n**BGE 148 II 273** (1. März 2022)  \nEinsichtnahme in Archivgut vor Ablauf der Schutzfrist zu Forschungszwecken.  \nDie Wissenschaftsfreiheit kann bei der Interessenabwägung stärkend auf das Forschungsinteresse wirken.\n\n> «Die Aufarbeitung der Geschichte ist als gewichtiges Interesse an der Einsichtnahme zu berücksichtigen; dieses wird zusätzlich durch die legitime Anrufung der Wissenschaftsfreiheit verstärkt.»\n\n**1C_117/2021** (1. März 2022)  \nVorinstanz zu BGE 148 II 273 betreffend Öffentlichkeitsprinzip und Gesuch um Einsicht in archivierte Akten.  \nKonkretisiert die Voraussetzungen für einen bedingten Anspruch aus der Wissenschaftsfreiheit.\n\n## Hochschulrecht und Studium\n\n### Studienausschluss\n\n**2P.199/2005** (8. November 2005)  \nAusschluss vom weiteren Studium nach zweimaligem Nichtbestehen der Lizentiatsprüfung.  \nDie Wissenschaftsfreiheit garantiert keinen Anspruch auf unbegrenzte Wiederholung von Prüfungen.\n\n> Die Wissenschaftsfreiheit schützt die freie Wahl von Fragestellung, Methode und Durchführung, aber nicht die unbeschränkte Teilnahme am Hochschulbetrieb.\n\n### Weitere hochschulrechtliche Entscheide\n\n**VB.2012.00745, Verwaltungsgericht Zürich** (19. Mai 2011)  \nAusschluss aus dem Bachelorstudiengang nach unentschuldigtem Fehlen bei Prüfungen.  \nDie Hochschulautonomie setzt der individuellen Wissenschaftsfreiheit Grenzen.\n\n**A-5458/2008, Bundesverwaltungsgericht** (19. Mai 2009)  \nPersonalrechtliche Angelegenheit an der ETH Zürich.  \nZeigt die Spannungen zwischen institutioneller und individueller Wissenschaftsfreiheit auf.\n\n## Persönlichkeitsschutz und Forschung\n\n### Wissenschaftsfreiheit vs. Persönlichkeitsschutz\n\n**K 2008/2, Verwaltungsgericht St. Gallen** (19. August 2008)  \nVerletzung der Persönlichkeit und der Wissenschaftsfreiheit durch regierungsrätliche Schreiben.  \nDie Wissenschaftsfreiheit kann nicht jede Beeinträchtigung des Forschungsumfelds abwehren.\n\n## Weitere Entscheide\n\n### Sozialversicherungsrecht\n\n**9C_1075/2008** (28. Mai 2009)  \nKrankenversicherung und Forschung an Erkennungsmedizin.  \nDie Wissenschaftsfreiheit wird durch allgemeine gesetzliche Pflichten nicht per se verletzt.\n\n### Strafrecht\n\n**BGE 128 IV 201** (26. Juli 2002)  \nHarte Pornographie und Meinungsäusserungsfreiheit.  \nRanderwähnung der Wissenschaftsfreiheit im Kontext der Kommunikationsfreiheiten.\n\n### Ausländerrecht\n\n**C-857/2013** und weitere Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts  \nZustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid bei ausländischen Forschern.  \nDie Wissenschaftsfreiheit kann bei der Erteilung von Arbeitsbewilligungen berücksichtigt werden.\n\n## Entwicklungstendenzen\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine restriktive Haltung gegenüber expansiven Auslegungen der Wissenschaftsfreiheit. Das Bundesgericht betont regelmässig, dass die Wissenschaftsfreiheit:\n\n1. **Nicht absolut ist**: Sie muss gegen andere Verfassungsgüter abgewogen werden\n2. **Keinen generellen Informationsanspruch** begründet\n3. **Schranken der Hochschulautonomie** respektieren muss\n4. **Konkrete forschungsmässige Notwendigkeit** voraussetzt\n\nDie jüngere Rechtsprechung (BGE 148 II 273) zeigt jedoch eine gewisse Aufwertung der Wissenschaftsfreiheit bei der Interessenabwägung, insbesondere im Bereich der historischen Forschung.", "summary_fr": "# Art. 20 Cst. — Liberté de la science\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 20 Cst. garantit la liberté de l'enseignement et de la recherche scientifiques. Cette disposition protège tant les hautes écoles que les chercheuses et chercheurs individuels contre les ingérences étatiques dans leur activité scientifique.\n\n### Que règle la norme ?\n\nLa liberté de la science comprend trois domaines centraux : la liberté de recherche (libre choix du sujet de recherche, des méthodes et de la réalisation), la liberté d'enseignement (libre organisation des cours) et la liberté d'apprendre (libre choix de l'orientation de formation). Le droit fondamental protège avant tout contre la censure étatique des publications scientifiques et contre les interdictions par les autorités de certaines orientations de recherche.\n\n### Qui est concerné ?\n\nSont habilitées toutes les personnes qui exercent une activité scientifique — des professeurs d'université aux chercheurs dans des laboratoires privés. Les étudiants peuvent également se prévaloir de la liberté de la science, par exemple lors du libre choix de leur orientation d'études. Sont obligées toutes les instances étatiques : la Confédération, les cantons et les communes.\n\n### Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nLa liberté de la science n'est pas illimitée. Pour les expériences sur animaux, l'utilité de la recherche doit être mise en balance avec le bien-être animal (**ATF 135 II 384** concernant les expériences sur primates). Pour l'accès aux archives, l'art. 20 Cst. n'accorde pas un droit général aux documents non publics, mais seulement un droit conditionnel, si la recherche devenait sinon impossible (**ATF 127 I 145** concernant les dossiers pénaux).\n\n### Signification pratique\n\nEn pratique, les conflits naissent surtout dans les domaines de recherche délicats. Pour la recherche en biosécurité, la doctrine discute si les publications de connaissances dangereuses peuvent être limitées (BSK BV-Hertig N. 18). Pour les études cliniques, les droits des patients doivent être préservés. Pour l'encouragement de la recherche, les instances étatiques ne peuvent procéder à aucune censure de contenu.\n\n### Informations complémentaires\n\nL'art. 20 Cst. est en relation étroite avec la liberté d'opinion (→ art. 16 Cst.) et la liberté personnelle. Au niveau international, la norme correspond à l'art. 13 du Pacte ONU I et à l'art. 10 CEDH. Des réglementations spéciales se trouvent dans la législation sur les hautes écoles (→ art. 63a Cst.) et dans le droit d'encouragement de la recherche.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** La liberté de la science a été expressément ancrée pour la première fois dans la Constitution fédérale de 1999. Auparavant, elle était reconnue comme un droit fondamental non écrit dérivé de la liberté personnelle et de la liberté d'opinion (FF 1997 I 1, 181). Le constituant a souligné dans le message que l'ancrage explicite se faisait « eu égard à l'importance considérable de la science pour le développement social et économique » (FF 1997 I 181).\n\n**N. 2** La formulation concise était délibérée. Contrairement aux constitutions étrangères, le constituant suisse a renoncé à une différenciation entre liberté de recherche et liberté d'enseignement ou à des ajouts qualifiants. Le message précise : « La liberté de l'enseignement et de la recherche scientifiques comprend le libre choix de l'objet, de la méthode et de l'opinion doctrinale ainsi que la diffusion des connaissances » (FF 1997 I 181).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 20 Cst. se situe systématiquement dans le catalogue des droits fondamentaux entre la liberté de l'art (art. 21 Cst.) et la liberté de réunion (art. 22 Cst.). Cette position souligne son appartenance aux droits fondamentaux de communication au sens large, qui comprennent également la liberté d'opinion et d'information (art. 16 Cst.), la liberté des médias (art. 17 Cst.) et la liberté de la langue (art. 18 Cst.).\n\n**N. 4** La liberté de la science présente des liens étroits avec la liberté économique (→ art. 27 Cst.), dans la mesure où l'activité scientifique est exercée à titre lucratif. En même temps, elle se trouve en tension avec les dispositions de protection, notamment avec la protection des animaux (→ art. 80 Cst.), la procréation médicalement assistée et le génie génétique (→ art. 119, 120 Cst.) et la dignité humaine (→ art. 7 Cst.).\n\n**N. 5** Au niveau des tâches étatiques, l'art. 20 Cst. correspond à la promotion de la formation et de la recherche par la Confédération (→ art. 63a, 64 Cst.). Cette liaison systématique souligne la double fonction de la liberté de la science comme droit de défense et comme droit à des prestations (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 3-4).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 6** Le champ de protection de la liberté de la science comprend selon la doctrine dominante trois composantes : la liberté de recherche, la liberté d'enseignement et selon une partie de la doctrine également la liberté d'apprentissage (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 18 ; Kley, SJK n° 366, 5).\n\n**N. 7** **Notion de science** : Est considérée comme « science » toute activité sérieuse et planifiée visant à l'acquisition de connaissances de manière méthodique et compréhensible (Schwander, Grundrecht der Wissenschaft, 102 ss). Le Tribunal fédéral n'a pas encore fourni de définition définitive, mais exige une « approche de recherche spécifique » (**ATF 127 I 145** consid. 4c).\n\n**N. 8** **Liberté de recherche** : Elle protège le libre choix de l'objet de recherche, de la méthode et la publication des résultats. Cela comprend aussi les expériences sur animaux à des fins de recherche (**ATF 135 II 384** consid. 4.3.1), mais sans « privilège scientifique général » (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 14).\n\n**N. 9** **Liberté d'enseignement** : Elle garantit la libre conception des contenus et méthodes d'enseignement dans les hautes écoles et autres institutions de formation. La liberté d'enseignement est fonctionnellement limitée à la transmission de connaissances scientifiques (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n° 1784).\n\n**N. 10** **Accès à l'information** : Le Tribunal fédéral reconnaît un droit conditionnel à la consultation de documents non publics, « si l'approche de recherche spécifique l'exigeait et si la réalisation du projet de recherche était dans l'intérêt public » (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 14). Ce droit n'est cependant pas absolu et peut être restreint par des intérêts publics ou privés prépondérants (**ATF 127 I 145** consid. 4c).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** En tant que droit de défense, l'art. 20 Cst. interdit les atteintes étatiques à l'activité scientifique. Cela comprend l'interdiction de la censure, le libre choix du thème et de la méthode ainsi que la protection contre les sanctions en raison de positions scientifiques (Breining-Kaufmann, ZSR 2004 I 307, 315).\n\n**N. 12** **Droits à des prestations** : La doctrine dominante nie l'existence de droits directs à des prestations découlant de l'art. 20 Cst., par exemple à la promotion de la recherche ou à l'accès aux infrastructures de recherche (Müller/Schefer, Grundrechte, 743). Indirectement résultent cependant des droits à un accès non discriminatoire aux institutions existantes (→ art. 8 Cst.).\n\n**N. 13** **Garanties procédurales** : Lors de l'évaluation de demandes de recherche, en particulier pour les expériences sur animaux, les autorités doivent prendre en compte la liberté de la science comme élément de pondération (**ATF 135 II 405** consid. 4.3.2). La cognition des tribunaux est limitée en cas de « pouvoir d'appréciation technique » (**ATF 135 II 384** consid. 2.2).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 14** **Liberté d'apprentissage** : Il est controversé de savoir si la liberté d'apprentissage est une composante autonome de la liberté de la science ou un aspect de la liberté d'enseignement. Une partie de la doctrine suisse la reconnaît comme composante autonome (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 18), tandis que d'autres l'attribuent à la liberté personnelle (Kley, SJK n° 366, 5).\n\n**N. 15** **Recherche à double usage** : La régulation des données de recherche à double usage (dual use) fait l'objet de discussions controversées. Hertig soutient qu'« il faut maintenir l'interdiction absolue de tout contrôle préventif systématique, car les exceptions à l'interdiction de censure contourneraient la théorie du noyau dur » (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 18). D'autres auteurs préconisent une obligation d'autorisation pour la publication de données de recherche délicates à l'étranger pour protéger la biosécurité (Thurnherr, Biosecurity und Publikationsfreiheit, 156 ss).\n\n**N. 16** **Rapport avec la protection des animaux** : Le Tribunal fédéral précise que « la liberté de recherche n'a pas de priorité générale face à des valeurs protégées par le droit constitutionnel comme la protection des animaux » (Hertig, BSK BV, art. 20 n. 27). Les intérêts en collision sont équivalents et doivent être pondérés au cas par cas (**ATF 135 II 384** consid. 4.3). Des parties de la doctrine critiquent cette équivalence et demandent une pondération plus forte de la liberté de recherche pour la recherche fondamentale (Barendt, Academic freedom, 234).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** **Demandes de recherche** : Pour les demandes d'accès à des données non publiques, il est recommandé d'exposer en détail l'approche de recherche spécifique et la nécessité de consulter les données. L'intérêt public du projet de recherche devrait être motivé concrètement.\n\n**N. 18** **Expériences sur animaux** : Les chercheurs doivent procéder à une pondération complète des biens et la documenter lors de demandes d'expériences sur animaux. Des méthodes alternatives doivent être examinées et la charge pour les animaux minimisée (principe des 3R : Replace, Reduce, Refine).\n\n**N. 19** **Publications** : Lors de la publication de résultats de recherche sensibles (double usage, biosécurité), une clarification précoce d'éventuelles prescriptions de contrôle des exportations est conseillée. La liberté de la science protège certes contre la censure, mais ne dispense pas du respect des prescriptions légales spéciales.\n\n**N. 20** **Contexte des hautes écoles** : Les chercheurs employés dans les hautes écoles peuvent invoquer directement l'art. 20 Cst. face à leur employeur (→ art. 35 al. 2 Cst.). En cas de conflits entre liberté de recherche et instructions de droit du travail, une pondération des intérêts doit être effectuée (Amschwand, Qualitätssicherung, 245).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 20 Cst. révèle les tensions entre la liberté de la science et d'autres biens constitutionnels. La jurisprudence se divise en trois domaines principaux : la liberté de recherche par rapport à la protection des animaux, le droit d'accès à l'information à des fins scientifiques et les aspects du droit des hautes écoles.\n\n## Liberté de recherche et protection des animaux\n\n### Expérimentations animales avec des primates\n\n**ATF 135 II 384** (7 octobre 2009)  \nArrêt de principe sur la pondération entre liberté de recherche et protection des animaux lors d'expérimentations animales avec des primates non humains.  \nLa pondération des intérêts selon l'art. 61 al. 3 let. d aOPAn exige une pondération concrète entre gain de connaissances et souffrance animale.\n\n> « Les dispositions de l'aLPAn sur les expérimentations animales sont en outre aussi l'expression de la liberté de recherche selon l'art. 20 Cst. Elles représentent donc partiellement une pondération des intérêts déjà effectuée par le législateur. »\n\n**ATF 135 II 405** (7 octobre 2009)  \nArrêt complémentaire à l'ATF 135 II 384 concernant la pondération des intérêts lors d'expérimentations sur des primates.  \nConfirme les exigences strictes pour l'autorisation d'expérimentations animales sur des primates non humains.\n\n### Pondération de la gravité\n\n**VB.2007.00157, Tribunal administratif de Zurich** (27 mars 2008)  \nExpérimentation animale pour l'étude des structures cérébrales chez les macaques rhésus.  \nApplication concrète des principes du Tribunal fédéral pour la pondération des intérêts entre intérêt de recherche et protection des animaux.\n\n**VB.2007.00156, Tribunal administratif de Zurich** (27 mars 2008)  \nExpérimentation animale pour l'étude des capacités d'apprentissage chez les macaques rhésus.  \nLa jurisprudence précise que la liberté de recherche ne pèse pas automatiquement plus lourd que la protection des animaux.\n\n## Accès à l'information et aux archives\n\n### Délimitation de principe\n\n**ATF 127 I 145** (27 juin 2001)  \nArrêt de principe sur le rapport entre liberté d'information et liberté scientifique lors de la consultation de dossiers pénaux archivés.  \nLa liberté scientifique ne fonde aucun droit général d'accès à des sources non accessibles au public.\n\n> « Les libertés d'information et de la science n'accordent aucun droit général d'obtenir des informations provenant de sources non généralement accessibles (dossiers archivés pendant le délai de protection). »\n\n> « La liberté de recherche ne peut pas ouvrir sans autre l'accès à des sources qui, sous l'angle de la liberté d'information plus générale, sont considérées comme non accessibles au public. »\n\n### Droit restreint\n\n**ATF 148 II 273** (1er mars 2022)  \nConsultation d'archives avant l'expiration du délai de protection à des fins de recherche.  \nLa liberté scientifique peut renforcer l'intérêt de recherche lors de la pondération des intérêts.\n\n> « La recherche historique doit être prise en considération comme un intérêt important à la consultation ; celui-ci est en outre renforcé par l'invocation légitime de la liberté scientifique. »\n\n**1C_117/2021** (1er mars 2022)  \nInstance inférieure de l'ATF 148 II 273 concernant le principe de publicité et la demande de consultation de dossiers archivés.  \nConcrétise les conditions pour un droit conditionnel découlant de la liberté scientifique.\n\n## Droit des hautes écoles et études\n\n### Exclusion des études\n\n**2P.199/2005** (8 novembre 2005)  \nExclusion de la poursuite des études après avoir échoué deux fois à l'examen de licence.  \nLa liberté scientifique ne garantit aucun droit à la répétition illimitée d'examens.\n\n> La liberté scientifique protège le libre choix de la question, de la méthode et de l'exécution, mais pas la participation illimitée aux activités des hautes écoles.\n\n### Autres arrêts de droit des hautes écoles\n\n**VB.2012.00745, Tribunal administratif de Zurich** (19 mai 2011)  \nExclusion du cursus de bachelor après absence non excusée aux examens.  \nL'autonomie des hautes écoles pose des limites à la liberté scientifique individuelle.\n\n**A-5458/2008, Tribunal administratif fédéral** (19 mai 2009)  \nAffaire de droit du personnel à l'EPFZ.  \nRévèle les tensions entre liberté scientifique institutionnelle et individuelle.\n\n## Protection de la personnalité et recherche\n\n### Liberté scientifique vs. protection de la personnalité\n\n**K 2008/2, Tribunal administratif de Saint-Gall** (19 août 2008)  \nViolation de la personnalité et de la liberté scientifique par des lettres du Conseil d'État.  \nLa liberté scientifique ne peut pas repousser toute atteinte à l'environnement de recherche.\n\n## Autres arrêts\n\n### Droit des assurances sociales\n\n**9C_1075/2008** (28 mai 2009)  \nAssurance maladie et recherche en médecine légale.  \nLa liberté scientifique n'est pas violée per se par des obligations légales générales.\n\n### Droit pénal\n\n**ATF 128 IV 201** (26 juillet 2002)  \nPornographie dure et liberté d'expression.  \nMention marginale de la liberté scientifique dans le contexte des libertés de communication.\n\n### Droit des étrangers\n\n**C-857/2013** et autres arrêts du Tribunal administratif fédéral  \nAccord à la décision préalable du marché du travail pour les chercheurs étrangers.  \nLa liberté scientifique peut être prise en considération lors de l'octroi d'autorisations de travail.\n\n## Tendances d'évolution\n\nLa jurisprudence fait preuve d'une attitude restrictive envers les interprétations expansives de la liberté scientifique. Le Tribunal fédéral souligne régulièrement que la liberté scientifique :\n\n1. **N'est pas absolue** : Elle doit être mise en balance avec d'autres biens constitutionnels\n2. **Ne fonde aucun droit général à l'information**\n3. **Doit respecter les limites de l'autonomie des hautes écoles**\n4. **Présuppose une nécessité concrète de recherche**\n\nLa jurisprudence récente (ATF 148 II 273) montre cependant une certaine revalorisation de la liberté scientifique lors de la pondération des intérêts, en particulier dans le domaine de la recherche historique.", "summary_it": "# Art. 20 Cost. — Libertà della scienza\n\n## Panoramica\n\nL'art. 20 Cost. garantisce la libertà dell'insegnamento e della ricerca scientifica. Questa disposizione protegge sia le scuole universitarie che i singoli ricercatori e ricercatrici da ingerenze statali nella loro attività scientifica.\n\n### Che cosa disciplina la norma?\n\nLa libertà della scienza comprende tre settori fondamentali: la libertà di ricerca (libera scelta del tema di ricerca, dei metodi e dell'esecuzione), la libertà d'insegnamento (libera organizzazione delle attività didattiche) e la libertà d'apprendimento (libera scelta dell'indirizzo formativo). Il diritto fondamentale protegge soprattutto dalla censura statale delle pubblicazioni scientifiche e dai divieti amministrativi di determinati indirizzi di ricerca.\n\n### Chi è interessato?\n\nLegittimati sono tutte le persone che svolgono attività scientifica — dalle professoresse universitarie ai ricercatori nei laboratori privati. Anche gli studenti possono invocare la libertà della scienza, ad esempio per la libera scelta del loro indirizzo di studi. Vincolati sono tutti gli enti statali: Confederazione, Cantoni e Comuni.\n\n### Quali conseguenze giuridiche vi sono?\n\nLa libertà della scienza non è illimitata. Negli esperimenti su animali l'utilità della ricerca deve essere soppesata contro il benessere degli animali (**BGE 135 II 384** sugli esperimenti sui primati). Per l'accesso agli archivi l'art. 20 Cost. non concede un diritto generale ai documenti non pubblici, bensì soltanto un diritto condizionato, se altrimenti la ricerca diventerebbe impossibile (**BGE 135 II 384** sugli atti penali).\n\n### Significato pratico\n\nNella pratica i conflitti sorgono per lo più in settori di ricerca delicati. Nella ricerca sulla biosicurezza la dottrina discute se le pubblicazioni di conoscenze pericolose possano essere limitate (BSK BV-Hertig N. 18). Negli studi clinici devono essere salvaguardati i diritti dei pazienti. Nel promuovimento della ricerca gli enti statali non possono effettuare censure di contenuto.\n\n### Ulteriori informazioni\n\nL'art. 20 Cost. è strettamente collegato con la libertà d'opinione (→ art. 16 Cost.) e la libertà d'azione generale. A livello internazionale la norma corrisponde all'art. 13 Patto ONU I e all'art. 10 CEDU. Disposizioni speciali si trovano nella legislazione sulle scuole universitarie (→ art. 63a Cost.) e nel diritto del promuovimento della ricerca.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La libertà della scienza fu ancorata esplicitamente per la prima volta nella Costituzione federale del 1999. In precedenza era riconosciuta come diritto fondamentale non scritto, derivato dalla libertà personale e dalla libertà d'opinione (FF 1997 I 1, 159). Il costituente sottolineò nel messaggio che l'ancoraggio esplicito avveniva «in considerazione della grande importanza della scienza per lo sviluppo sociale ed economico» (FF 1997 I 159).\n\n**N. 2** La formulazione concisa fu scelta intenzionalmente. A differenza delle costituzioni straniere, il costituente svizzero rinunciò a una differenziazione tra libertà di ricerca e libertà d'insegnamento o ad aggiunte qualificanti. Il messaggio stabilisce: «La libertà dell'insegnamento e della ricerca scientifici comprende la libera scelta dell'oggetto, del metodo e dell'opinione didattica nonché la diffusione delle conoscenze» (FF 1997 I 159).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 20 Cost. si colloca sistematicamente nel catalogo dei diritti fondamentali tra la libertà dell'arte (art. 21 Cost.) e la libertà di riunione (art. 22 Cost.). Questa collocazione sottolinea la sua appartenenza ai diritti fondamentali di comunicazione in senso lato, ai quali appartengono anche la libertà d'opinione e d'informazione (art. 16 Cost.), la libertà dei media (art. 17 Cost.) e la libertà di lingua (art. 18 Cost.).\n\n**N. 4** La libertà della scienza presenta strette relazioni con la libertà economica (→ art. 27 Cost.), nella misura in cui l'attività scientifica viene esercitata a scopo di lucro. Allo stesso tempo si trova in tensione con disposizioni di protezione, in particolare con la protezione degli animali (→ art. 80 Cost.), con la medicina della procreazione e la tecnologia genetica (→ art. 119, 120 Cost.) e con la dignità umana (→ art. 7 Cost.).\n\n**N. 5** A livello dei compiti statali, l'art. 20 Cost. corrisponde alla promozione della formazione e della ricerca da parte della Confederazione (→ art. 63a, 64 Cost.). Questo collegamento sistematico sottolinea la doppia funzione della libertà della scienza come diritto di difesa e come pretesa prestazionale (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 3-4).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** L'ambito di protezione della libertà della scienza comprende secondo la dottrina dominante tre contenuti parziali: la libertà di ricerca, la libertà d'insegnamento e secondo una parte della dottrina anche la libertà di apprendimento (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18; Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 7** **Concetto di scienza**: Come «scienza» vale ogni attività seria e pianificata diretta all'acquisizione di conoscenze in modo comprensibile e metodico (Schwander, Grundrecht der Wissenschaft, 102 ff.). Il Tribunale federale non ha finora fornito una definizione conclusiva, ma richiede un «approccio di ricerca specifico» (**DTF 127 I 145** consid. 4c).\n\n**N. 8** **Libertà di ricerca**: Essa protegge la libera scelta dell'oggetto di ricerca, del metodo e la pubblicazione dei risultati. Ciò comprende anche gli esperimenti sugli animali a scopi di ricerca (**DTF 135 II 384** consid. 4.3.1), tuttavia senza «privilegio scientifico generale» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14).\n\n**N. 9** **Libertà d'insegnamento**: Essa garantisce la libera configurazione dei contenuti e dei metodi didattici nelle università e in altri istituti di formazione. La libertà d'insegnamento è funzionalmente limitata alla trasmissione di conoscenze scientifiche (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1784).\n\n**N. 10** **Accesso alle informazioni**: Il Tribunale federale riconosce un diritto condizionato di consultazione di documenti non pubblici, «se l'approccio di ricerca specifico lo richiedesse e la realizzazione del progetto di ricerca fosse nell'interesse pubblico» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14). Questo diritto tuttavia non è assoluto e può essere limitato da interessi pubblici o privati prevalenti (**DTF 127 I 145** consid. 4c).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Come diritto di difesa, l'art. 20 Cost. vieta ingerenze statali nell'attività scientifica. Ciò comprende il divieto di censura, la libera scelta del tema e del metodo nonché la protezione da sanzioni a causa di posizioni scientifiche (Breining-Kaufmann, ZSR 2004 I 307, 315).\n\n**N. 12** **Pretese prestazionali**: La dottrina dominante nega pretese prestazionali dirette dall'art. 20 Cost., ad esempio per la promozione della ricerca o l'accesso a infrastrutture di ricerca (Müller/Schefer, Grundrechte, 743). Indirettamente però sorgono pretese per un accesso non discriminatorio a istituzioni esistenti (→ art. 8 Cost.).\n\n**N. 13** **Garanzie procedurali**: Nel valutare domande di ricerca, in particolare per esperimenti sugli animali, le autorità devono considerare la libertà della scienza come elemento di ponderazione (**DTF 135 II 405** consid. 4.3.2). La cognizione dei tribunali è limitata nel caso di «potere discrezionale tecnico» (**DTF 135 II 384** consid. 2.2).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 14** **Libertà di apprendimento**: È controverso se la libertà di apprendimento sia un contenuto parziale autonomo della libertà della scienza o un aspetto della libertà d'insegnamento. Una parte della dottrina svizzera la riconosce come contenuto parziale autonomo (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18), mentre altri la attribuiscono alla libertà personale (Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 15** **Ricerca dual-use**: È discussa in modo controverso la regolamentazione dei dati di ricerca con doppio scopo d'uso (dual use). Hertig sostiene che «si deve mantenere il divieto assoluto di qualsiasi controllo preventivo sistematico, poiché le eccezioni al divieto di censura minerebbero la teoria del contenuto essenziale» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18). Altri autori sostengono un obbligo di autorizzazione per la pubblicazione all'estero di dati di ricerca delicati per la protezione della biosicurezza (Thurnherr, Biosecurity und Publikationsfreiheit, 156 ff.).\n\n**N. 16** **Rapporto con la protezione degli animali**: Il Tribunale federale stabilisce che «la libertà di ricerca non ha priorità generale rispetto a valori costituzionalmente protetti come la protezione degli animali» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 27). Gli interessi in conflitto sono equivalenti e devono essere ponderati caso per caso (**DTF 135 II 384** consid. 4.3). Parti della dottrina criticano questa equiparazione e chiedono una maggiore ponderazione della libertà di ricerca nella ricerca di base (Barendt, Academic freedom, 234).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Domande di ricerca**: Per domande di accesso a dati non pubblici si raccomanda di esporre dettagliatamente l'approccio di ricerca specifico e la necessità della consultazione dei dati. L'interesse pubblico al progetto di ricerca dovrebbe essere motivato concretamente.\n\n**N. 18** **Esperimenti sugli animali**: I ricercatori devono effettuare e documentare una ponderazione completa dei beni negli esperimenti sugli animali. In tal modo devono essere esaminate le metodologie alternative e minimizzato il carico per gli animali (principio delle 3R: Replace, Reduce, Refine).\n\n**N. 19** **Pubblicazioni**: Nella pubblicazione di risultati di ricerca sensibili (dual-use, biosicurezza) è consigliabile un chiarimento tempestivo di eventuali prescrizioni di controllo delle esportazioni. La libertà della scienza protegge dalla censura, ma non esonera dal rispetto delle prescrizioni di leggi speciali.\n\n**N. 20** **Contesto universitario**: I ricercatori impiegati presso università possono invocare direttamente l'art. 20 Cost. nei confronti del loro datore di lavoro (→ art. 35 cpv. 2 Cost.). In caso di conflitti tra libertà di ricerca e istruzioni di diritto del lavoro deve essere effettuata una ponderazione degli interessi (Amschwand, Qualitätssicherung, 245).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 20 Cost. evidenzia i campi di tensione tra libertà di ricerca scientifica e altri beni costituzionali. La giurisprudenza si articola in tre ambiti principali: libertà di ricerca nel rapporto con la protezione degli animali, diritto di accesso alle informazioni per scopi scientifici e aspetti del diritto universitario.\n\n## Libertà di ricerca e protezione degli animali\n\n### Esperimenti su animali con primati\n\n**DTF 135 II 384** (7 ottobre 2009)  \nDecisione di principio sulla ponderazione tra libertà di ricerca e protezione degli animali negli esperimenti su primati non umani.  \nLa ponderazione degli interessi secondo l'art. 61 cpv. 3 lett. d OPAn richiede una ponderazione concreta tra acquisizione di conoscenze e sofferenze degli animali.\n\n> «Le prescrizioni della LPAn sugli esperimenti su animali sono inoltre espressione della libertà di ricerca secondo l'art. 20 Cost. Esse rappresentano pertanto parzialmente una ponderazione degli interessi già effettuata dal legislatore.»\n\n**DTF 135 II 405** (7 ottobre 2009)  \nDecisione complementare al DTF 135 II 384 concernente la ponderazione degli interessi negli esperimenti sui primati.  \nConferma i rigorosi requisiti per l'autorizzazione di esperimenti su primati non umani.\n\n### Ponderazione degli oneri\n\n**VB.2007.00157, Tribunale amministrativo di Zurigo** (27 marzo 2008)  \nEsperimento su animali per l'esame di strutture cerebrali su macachi rhesus.  \nApplicazione concreta dei principi del Tribunale federale per la ponderazione degli interessi tra interesse della ricerca e protezione degli animali.\n\n**VB.2007.00156, Tribunale amministrativo di Zurigo** (27 marzo 2008)  \nEsperimento su animali per l'esame delle capacità di apprendimento su macachi rhesus.  \nLa giurisprudenza chiarisce che la libertà di ricerca non ha automaticamente più peso della protezione degli animali.\n\n## Accesso a informazioni e archivi\n\n### Delimitazione di principio\n\n**DTF 127 I 145** (27 giugno 2001)  \nDecisione di principio sul rapporto tra libertà d'informazione e libertà scientifica nell'accesso agli atti penali archiviati.  \nLa libertà scientifica non fonda un diritto generale di accesso a fonti non pubblicamente accessibili.\n\n> «La libertà d'informazione e la libertà scientifica non conferiscono un diritto generale di ottenere informazioni da fonti non generalmente accessibili (atti archiviati durante il termine di protezione).»\n\n> «La libertà di ricerca non può senz'altro aprire l'accesso a fonti che, sotto il profilo della più generale libertà d'informazione, sono considerate non pubblicamente accessibili.»\n\n### Diritto limitato\n\n**DTF 148 II 273** (1° marzo 2022)  \nConsultazione di materiale d'archivio prima della scadenza del termine di protezione per scopi di ricerca.  \nLa libertà scientifica può rafforzare l'interesse della ricerca nella ponderazione degli interessi.\n\n> «La rielaborazione della storia deve essere considerata come interesse importante nella consultazione; questo viene inoltre rafforzato dal legittimo richiamo alla libertà scientifica.»\n\n**1C_117/2021** (1° marzo 2022)  \nIstanza precedente al DTF 148 II 273 concernente il principio di pubblicità e domanda di consultazione di atti archiviati.  \nConcretizza i presupposti per un diritto condizionale derivante dalla libertà scientifica.\n\n## Diritto universitario e studio\n\n### Esclusione dallo studio\n\n**2P.199/2005** (8 novembre 2005)  \nEsclusione dalla prosecuzione degli studi dopo due fallimenti dell'esame di licenza.  \nLa libertà scientifica non garantisce un diritto alla ripetizione illimitata degli esami.\n\n> La libertà scientifica protegge la libera scelta della questione, del metodo e dell'esecuzione, ma non la partecipazione illimitata all'attività universitaria.\n\n### Altre decisioni di diritto universitario\n\n**VB.2012.00745, Tribunale amministrativo di Zurigo** (19 maggio 2011)  \nEsclusione dal corso di bachelor dopo assenza ingiustificata agli esami.  \nL'autonomia universitaria pone limiti alla libertà scientifica individuale.\n\n**A-5458/2008, Tribunale amministrativo federale** (19 maggio 2009)  \nQuestione di diritto del personale al Politecnico federale di Zurigo.  \nMostra le tensioni tra libertà scientifica istituzionale e individuale.\n\n## Protezione della personalità e ricerca\n\n### Libertà scientifica vs. protezione della personalità\n\n**K 2008/2, Tribunale amministrativo di San Gallo** (19 agosto 2008)  \nViolazione della personalità e della libertà scientifica attraverso scritti del governo cantonale.  \nLa libertà scientifica non può respingere ogni pregiudizio all'ambiente di ricerca.\n\n## Altre decisioni\n\n### Diritto delle assicurazioni sociali\n\n**9C_1075/2008** (28 maggio 2009)  \nAssicurazione malattie e ricerca in medicina del riconoscimento.  \nLa libertà scientifica non viene violata per se da obblighi legali generali.\n\n### Diritto penale\n\n**DTF 128 IV 201** (26 luglio 2002)  \nPornografia hard e libertà d'espressione.  \nMenzione marginale della libertà scientifica nel contesto delle libertà di comunicazione.\n\n### Diritto degli stranieri\n\n**C-857/2013** e altre decisioni del Tribunale amministrativo federale  \nConsenso alla decisione preventiva del mercato del lavoro per ricercatori stranieri.  \nLa libertà scientifica può essere considerata nel rilascio di permessi di lavoro.\n\n## Tendenze evolutive\n\nLa giurisprudenza mostra un atteggiamento restrittivo verso interpretazioni espansive della libertà scientifica. Il Tribunale federale sottolinea regolarmente che la libertà scientifica:\n\n1. **Non è assoluta**: Deve essere ponderata contro altri beni costituzionali\n2. **Non fonda un diritto generale all'informazione**\n3. **Deve rispettare i limiti dell'autonomia universitaria**\n4. **Presuppone una necessità concreta di ricerca**\n\nLa giurisprudenza più recente (DTF 148 II 273) mostra tuttavia una certa rivalutazione della libertà scientifica nella ponderazione degli interessi, in particolare nell'ambito della ricerca storica.", "summary_en": "# Art. 20 BV — Freedom of Science\n\n## Overview\n\nArt. 20 BV guarantees the freedom of academic teaching and research. This provision protects both universities and individual researchers from state interference in their scientific activities.\n\n### What does the norm regulate?\n\nAcademic freedom encompasses three core areas: freedom of research (free choice of research topic, methods and conduct), freedom of teaching (free design of courses) and freedom of learning (free choice of educational direction). The fundamental right protects primarily against state censorship of scientific publications and against official prohibitions of certain research directions.\n\n### Who is affected?\n\nAll persons engaged in scientific activity are entitled — from professors at universities to researchers in private laboratories. Students can also invoke academic freedom, for instance in the free choice of their field of study. All state bodies are bound: the Confederation, cantons and municipalities.\n\n### What legal consequences are there?\n\nAcademic freedom is not unlimited. In animal experiments, research benefits must be weighed against animal welfare (**BGE 135 II 384** on primate experiments). Regarding archive access, Art. 20 BV grants no general entitlement to non-public documents, but only a conditional entitlement if research would otherwise be impossible (**BGE 127 I 145** on criminal files).\n\n### Practical significance\n\nIn practice, conflicts usually arise in sensitive research areas. In biosecurity research, doctrine discusses whether publications of dangerous findings may be restricted (BSK BV-Hertig N. 18). In clinical studies, patient rights must be preserved. In research funding, state bodies may not impose content-based censorship.\n\n### Further information\n\nArt. 20 BV is closely connected to freedom of expression (→ Art. 16 BV) and general freedom of action. Internationally, the norm corresponds to Art. 13 UN Covenant I and Art. 10 ECHR. Special regulations are found in higher education legislation (→ Art. 63a BV) and research funding law.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Academic freedom was explicitly enshrined in the Federal Constitution for the first time in 1999. Previously, it was recognised as an unwritten fundamental right derived from personal liberty and freedom of expression (BBl 1997 I 1, 159). The constitutional legislator emphasised in the message that explicit entrenchment was taking place «in view of the great importance of science for social and economic development» (BBl 1997 I 159).\n\n**N. 2** The concise formulation was deliberately chosen. Unlike in foreign constitutions, the Swiss constitutional legislator refrained from differentiating between research and teaching freedom or from qualifying additions. The message states: «The freedom of scientific teaching and research includes the free choice of subject, method and teaching opinion as well as the dissemination of findings» (BBl 1997 I 159).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 20 FC is systematically positioned in the catalogue of fundamental rights between artistic freedom (Art. 21 FC) and freedom of assembly (Art. 22 FC). This placement underscores its affiliation with communication rights in the broader sense, which also include freedom of expression and information (Art. 16 FC), media freedom (Art. 17 FC) and language freedom (Art. 18 FC).\n\n**N. 4** Academic freedom has close connections to economic freedom (→ Art. 27 FC), insofar as scientific activity is practised commercially. At the same time, it stands in tension with protective provisions, particularly animal protection (→ Art. 80 FC), reproductive medicine and genetic technology (→ Art. 119, 120 FC) and human dignity (→ Art. 7 FC).\n\n**N. 5** At the level of state tasks, Art. 20 FC corresponds with the Confederation's education and research promotion (→ Art. 63a, 64 FC). This systematic linkage underscores the dual function of academic freedom as a defensive right and as an entitlement to performance (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 3-4).\n\n## 3. Constituent Elements / Normative Content\n\n**N. 6** According to prevailing doctrine, the scope of protection of academic freedom comprises three partial contents: research freedom, teaching freedom and, according to part of the doctrine, also learning freedom (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18; Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 7** **Concept of science**: «Science» is any serious and systematic activity aimed at gaining knowledge in a comprehensible, methodical manner (Schwander, Grundrecht der Wissenschaft, 102 ff.). The Federal Supreme Court has not yet provided a conclusive definition, but requires a «specific research approach» (**BGE 127 I 145** E. 4c).\n\n**N. 8** **Research freedom**: It protects the free choice of research subject, method and publication of results. This also includes animal experiments for research purposes (**BGE 135 II 384** E. 4.3.1), but without a «general science privilege» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14).\n\n**N. 9** **Teaching freedom**: It guarantees the free design of teaching content and methods at universities and other educational institutions. Teaching freedom is functionally limited to the transmission of scientific knowledge (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 1784).\n\n**N. 10** **Access to information**: The Federal Supreme Court recognises a conditional claim to access to non-public documents, «if the specific research approach would require this and the realisation of the research project is in the public interest» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 14). However, this claim is not absolute and can be limited by overriding public or private interests (**BGE 127 I 145** E. 4c).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** As a defensive right, Art. 20 FC prohibits state interference in scientific activity. This includes the prohibition of censorship, free choice of topic and method as well as protection from sanctions based on scientific positions (Breining-Kaufmann, ZSR 2004 I 307, 315).\n\n**N. 12** **Entitlements to performance**: Prevailing doctrine denies direct entitlements to performance under Art. 20 FC, such as research funding or access to research infrastructure (Müller/Schefer, Grundrechte, 743). However, claims to non-discriminatory access to existing facilities arise indirectly (→ Art. 8 FC).\n\n**N. 13** **Procedural guarantees**: When assessing research applications, particularly for animal experiments, the authorities must consider academic freedom as an element in the weighing of interests (**BGE 135 II 405** E. 4.3.2). The cognition of courts is limited in cases of «technical discretion» (**BGE 135 II 384** E. 2.2).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 14** **Learning freedom**: It is disputed whether learning freedom is an independent partial content of academic freedom or an aspect of teaching freedom. Part of Swiss doctrine recognises it as an independent partial content (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18), while others assign it to personal liberty (Kley, SJK Nr. 366, 5).\n\n**N. 15** **Dual-use research**: The regulation of research data with dual use is controversially discussed. Hertig argues that «the absolute prohibition of any systematic preventive control must be maintained, as exceptions to the prohibition of censorship would undermine the core content theory» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 18). Other authors advocate for a permit requirement for the publication of sensitive research data abroad to protect biosecurity (Thurnherr, Biosecurity und Publikationsfreiheit, 156 ff.).\n\n**N. 16** **Relationship to animal protection**: The Federal Supreme Court states that «research freedom does not have general precedence over constitutionally protected values such as animal protection» (Hertig, BSK BV, Art. 20 N. 27). The conflicting interests are of equal value and must be weighed against each other on a case-by-case basis (**BGE 135 II 384** E. 4.3). Parts of the doctrine criticise this equalisation and demand stronger weighting of research freedom in basic research (Barendt, Academic freedom, 234).\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 17** **Research applications**: For applications for access to non-public data, it is advisable to present the specific research approach and the necessity of data access in detail. The public interest in the research project should be concretely justified.\n\n**N. 18** **Animal experiments**: Researchers must undertake and document a comprehensive weighing of interests for animal experiment applications. Alternative methods must be examined and the burden on animals minimised (3R principle: Replace, Reduce, Refine).\n\n**N. 19** **Publications**: For the publication of sensitive research results (dual-use, biosecurity), early clarification of any export control regulations is advisable. While academic freedom protects against censorship, it does not exempt from compliance with special statutory provisions.\n\n**N. 20** **University context**: Employed researchers at universities can invoke Art. 20 FC directly against their employer (→ Art. 35 para. 2 FC). In conflicts between research freedom and employment law directives, an interest weighing must be undertaken (Amschwand, Qualitätssicherung, 245).", "caselaw_en": "# Case law\n\nThe case law on Art. 20 FC shows the tensions between academic freedom and other constitutional interests. The case law is divided into three main areas: freedom of research in relation to animal protection, entitlement to access information for scientific purposes and higher education law aspects.\n\n## Freedom of research and animal protection\n\n### Animal experiments with primates\n\n**BGE 135 II 384** (7 October 2009)  \nLeading decision on balancing freedom of research and animal protection in animal experiments with non-human primates.  \nThe balancing of interests under Art. 61(3)(d) former APA requires a concrete balancing between knowledge gained and animal suffering.\n\n> «The provisions of the former Animal Protection Act on animal experiments are also an expression of the freedom of research under Art. 20 FC. They therefore partly represent a balancing of interests already undertaken by the legislature.»\n\n**BGE 135 II 405** (7 October 2009)  \nSupplementary decision to BGE 135 II 384 concerning the balancing of interests in primate experiments.  \nConfirms the strict requirements for authorising animal experiments on non-human primates.\n\n### Burden balancing\n\n**VB.2007.00157, Administrative Court of Zurich** (27 March 2008)  \nAnimal experiment for investigating brain structures in rhesus monkeys.  \nConcrete application of the Federal Supreme Court's principles for balancing research interest and animal protection.\n\n**VB.2007.00156, Administrative Court of Zurich** (27 March 2008)  \nAnimal experiment for investigating learning abilities in rhesus monkeys.  \nThe case law makes clear that freedom of research does not automatically outweigh animal protection.\n\n## Information and archive access\n\n### Basic delineation\n\n**BGE 127 I 145** (27 June 2001)  \nFundamental decision on the relationship between freedom of information and academic freedom regarding access to archived criminal files.  \nAcademic freedom does not establish a general entitlement to access non-publicly accessible sources.\n\n> «Freedom of information and academic freedom do not grant a general entitlement to obtain information from non-generally accessible sources (archived files during protection period).»\n\n> «Freedom of research cannot simply open access to sources that are considered not publicly accessible from the perspective of the more general freedom of information.»\n\n### Limited entitlement\n\n**BGE 148 II 273** (1 March 2022)  \nAccess to archival material before expiry of the protection period for research purposes.  \nAcademic freedom can strengthen the research interest in the balancing of interests.\n\n> «The reappraisal of history is to be considered as a weighty interest in access; this is additionally strengthened by the legitimate invocation of academic freedom.»\n\n**1C_117/2021** (1 March 2022)  \nLower instance to BGE 148 II 273 concerning the principle of publicity and application for access to archived files.  \nSpecifies the requirements for a conditional entitlement from academic freedom.\n\n## Higher education law and studies\n\n### Exclusion from studies\n\n**2P.199/2005** (8 November 2005)  \nExclusion from further studies after failing the licentiate examination twice.  \nAcademic freedom does not guarantee an entitlement to unlimited repetition of examinations.\n\n> Academic freedom protects the free choice of research question, method and conduct, but not unlimited participation in higher education operations.\n\n### Other higher education law decisions\n\n**VB.2012.00745, Administrative Court of Zurich** (19 May 2011)  \nExclusion from the bachelor's degree programme after unexcused absence from examinations.  \nUniversity autonomy sets limits on individual academic freedom.\n\n**A-5458/2008, Federal Administrative Court** (19 May 2009)  \nPersonnel matter at ETH Zurich.  \nShows the tensions between institutional and individual academic freedom.\n\n## Protection of personality and research\n\n### Academic freedom vs. protection of personality\n\n**K 2008/2, Administrative Court of St. Gallen** (19 August 2008)  \nViolation of personality and academic freedom through government council letters.  \nAcademic freedom cannot ward off every impairment of the research environment.\n\n## Other decisions\n\n### Social insurance law\n\n**9C_1075/2008** (28 May 2009)  \nHealth insurance and research on identification medicine.  \nAcademic freedom is not violated per se by general legal obligations.\n\n### Criminal law\n\n**BGE 128 IV 201** (26 July 2002)  \nHard pornography and freedom of expression.  \nMarginal mention of academic freedom in the context of communication freedoms.\n\n### Foreign nationals law\n\n**C-857/2013** and other Federal Administrative Court decisions  \nConsent to prior labour market decision for foreign researchers.  \nAcademic freedom can be considered in the granting of work permits.\n\n## Development trends\n\nThe case law shows a restrictive attitude towards expansive interpretations of academic freedom. The Federal Supreme Court regularly emphasises that academic freedom:\n\n1. **Is not absolute**: It must be balanced against other constitutional interests\n2. **Does not establish a general information entitlement**\n3. **Must respect the limits of university autonomy**\n4. **Requires concrete research necessity**\n\nThe more recent case law (BGE 148 II 273) shows, however, a certain upgrading of academic freedom in the balancing of interests, particularly in the area of historical research.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_20", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.0}
{"law": "BV", "article": 21, "article_suffix": "", "title": "Kunstfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 21 BV — Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet\n\n## Übersicht\n\n**Was regelt Art. 21 BV?**\n\nArt. 21 BV schützt die Kunstfreiheit als eigenständiges Grundrecht. Diese Bestimmung garantiert die freie Entfaltung aller künstlerischen Tätigkeiten. Dazu gehören das Schaffen von Kunstwerken, deren Verbreitung und der Zugang zu Kunst. Der Staat darf grundsätzlich nicht bestimmen, was Kunst ist oder deren Inhalt bewerten.\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nDie Kunstfreiheit schützt verschiedene Personen:\n- Künstlerinnen und Künstler aller Sparten (Maler, Musiker, Schriftsteller, Theaterschaffende)\n- Galeristen, Verleger und andere, die Kunst verbreiten\n- Das Publikum, das Zugang zu Kunstwerken haben möchte\n- Auch Firmen können sich auf die Kunstfreiheit berufen, wenn sie am Kunstprozess beteiligt sind\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?**\n\nDie Kunstfreiheit schützt in erster Linie vor staatlicher Zensur. Der Staat darf Kunstwerke nicht verbieten, nur weil sie ihm nicht gefallen. Eine Vorzensur (Kontrolle vor Veröffentlichung) ist grundsätzlich unzulässig. Kunstschaffende haben aber keinen Anspruch darauf, dass der Staat ihre Kunst finanziell fördert.\n\nDie Kunstfreiheit hat jedoch Grenzen. Wenn Kunstwerke andere Grundrechte verletzen, muss abgewogen werden. So kann ein Roman, der eine erkennbare Person in schlechtem Licht darstellt, deren Persönlichkeitsrechte verletzen. Auch pornographische Inhalte fallen nicht automatisch unter den Schutz der Kunstfreiheit.\n\n**Konkretes Beispiel:**\n\nEin Theaterstück kritisiert scharf einen Politiker und stellt ihn als korrupt dar. Das Theater darf nicht einfach verboten werden, auch wenn der Politiker sich ärgert. Das Werk geniesst den Schutz der Kunstfreiheit. Würde das Stück jedoch eindeutig falsche Tatsachen über den Politiker verbreiten und sein Ansehen schwer schädigen, könnte eine Interessenabwägung zugunsten des Persönlichkeitsschutzes ausfallen.\n\nDie Gerichte prüfen bei satirischen oder kritischen Kunstwerken besonders sorgfältig, ob ein ausreichender Bezug zur Realität besteht und ob das Werk als Ganzes einen künstlerischen Wert hat.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Kunstfreiheit wurde erstmals in der Bundesverfassung von 1999 als eigenständiges Grundrecht verankert. Unter der alten Bundesverfassung von 1874 war die Kunstfreiheit zwar nicht ausdrücklich erwähnt, wurde aber als ungeschriebenes Grundrecht anerkannt und aus anderen Freiheitsrechten, insbesondere der Meinungsäusserungsfreiheit, abgeleitet (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 401).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, S. 177) hielt fest, dass die Kunstfreiheit \"zu den wichtigsten und charakteristischen Freiheitsrechten eines freiheitlich-demokratischen Staates\" gehört. Der Verfassungsgeber wollte mit der expliziten Aufnahme in Art. 21 BV die besondere Bedeutung der künstlerischen Ausdrucksfreiheit für eine pluralistische Gesellschaft unterstreichen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 21 BV steht im Abschnitt über die Grundrechte (Art. 7–36 BV) und gehört zu den Kommunikationsgrundrechten. Die Kunstfreiheit weist enge Bezüge zu anderen Freiheitsrechten auf:\n- → Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit): gemeinsame Wurzel der Kommunikationsfreiheiten\n- → Art. 20 BV (Wissenschaftsfreiheit): verwandte Schutzbereiche bei wissenschaftlich-künstlerischen Werken\n- ↔ Art. 22 BV (Versammlungsfreiheit): Überschneidungen bei Performances und künstlerischen Demonstrationen\n\n**N. 4** Als vorbehaltlos gewährleistetes Grundrecht unterliegt die Kunstfreiheit dennoch den allgemeinen Schranken gemäss → Art. 36 BV. Die Einschränkung bedarf einer gesetzlichen Grundlage, muss im öffentlichen Interesse liegen oder dem Schutz von Grundrechten Dritter dienen und muss verhältnismässig sein (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2147).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der **Kunstbegriff** ist verfassungsrechtlich weit zu fassen. Das Bundesgericht verzichtet auf eine abschliessende Definition und orientiert sich an einem offenen, formalen Kunstbegriff (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 21 N 8). Geschützt sind alle Formen künstlerischen Schaffens und künstlerischer Kommunikation, unabhängig von ihrer ästhetischen Qualität oder gesellschaftlichen Akzeptanz.\n\n**N. 6** Der **persönliche Schutzbereich** umfasst:\n- Kunstschaffende (Künstlerinnen und Künstler)\n- Kunstvermittelnde (Galerien, Theater, Verlage)\n- Kunstkonsumierende (Publikum)\n- Juristische Personen, soweit sie am Kunstprozess beteiligt sind\n\n**N. 7** Der **sachliche Schutzbereich** erfasst drei Dimensionen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 21 N 12):\n1. **Werkbereich**: Das künstlerische Schaffen selbst\n2. **Wirkbereich**: Die Verbreitung und Präsentation von Kunst\n3. **Rezeptionsbereich**: Der Zugang zu künstlerischen Werken\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Kunstfreiheit begründet primär ein **Abwehrrecht** gegen staatliche Eingriffe. Der Staat darf weder zensierend in den Kunstprozess eingreifen noch bestimmte Kunstformen diskriminieren (**BGE 127 I 145 E. 4b**). Eine Vorzensur ist grundsätzlich unzulässig.\n\n**N. 9** Ein **Leistungsanspruch** auf staatliche Kunstförderung besteht grundsätzlich nicht. Die Kunstfreiheit verpflichtet den Staat jedoch zu einer neutralen und diskriminierungsfreien Förderpraxis, wenn er sich für Kunstförderung entscheidet (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 473).\n\n**N. 10** Bei **Kollisionen mit anderen Grundrechten** ist eine Interessenabwägung vorzunehmen. Besonders häufig sind Konflikte mit:\n- Persönlichkeitsrechten (→ Art. 28 ZGB): **BGE 135 III 145**\n- Jugendschutz: **BGE 131 IV 64**\n- Religionsfreiheit und religiösen Gefühlen\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Kunstbegriff**: Während Müller/Schefer (Grundrechte, S. 403) für einen weiten, evolutiven Kunstbegriff plädieren, der sich an gesellschaftlichen Entwicklungen orientiert, vertritt Kley (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, Art. 21 N 9) einen stärker formalen Ansatz, der auf die Intention des Schaffenden abstellt.\n\n**N. 12** **Satireprivileg**: Die Reichweite des besonderen Schutzes satirischer Kunstformen ist umstritten. Steinauer (Le droit au respect de la vie privée, 1990, N 445) befürwortet einen erweiterten Schutz für Satire als gesellschaftskritische Kunstform. Riemer (Personenrecht, 3. Aufl. 2000, N 276) mahnt hingegen zur Zurückhaltung und betont die Grenzen bei Persönlichkeitsverletzungen.\n\n**N. 13** **Pornographie und Kunst**: Bei der Abgrenzung zwischen strafbarer Pornographie und geschützter Kunst vertreten Stratenwerth/Wohlers (Schweizerisches Strafrecht BT I, 5. Aufl. 2019, § 8 N 21) eine restriktive Linie: Der künstlerische Wert müsse die pornographische Darstellung deutlich überwiegen. Trechsel/Lieber (in: Trechsel/Pieth, StGB Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 197 N 8) plädieren für eine grosszügigere Beurteilung zugunsten der Kunstfreiheit.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der **Beurteilung von Kunstwerken** ist zu beachten:\n- Keine inhaltliche Bewertung durch staatliche Organe\n- Berücksichtigung des Gesamtkontexts eines Werks\n- Beachtung kunstspezifischer Ausdrucksformen (Verfremdung, Übertreibung, Provokation)\n\n**N. 15** **Verfahrensrechtlich** gilt:\n- Bei vorsorglichen Massnahmen gegen Kunstwerke ist besondere Zurückhaltung geboten\n- Die Verhältnismässigkeitsprüfung muss die chilling effects auf die Kunstfreiheit berücksichtigen\n- Sachverständigengutachten können zur Einordnung als Kunstwerk beigezogen werden\n\n**N. 16** Für **Kunstschaffende** empfiehlt sich:\n- Bei Persönlichkeitsdarstellungen: hinreichende Verfremdung oder Fiktionalisierung\n- Bei gesellschaftskritischer Kunst: klare Kennzeichnung als Satire oder Fiktion\n- Dokumentation der künstlerischen Intention als Beweissicherung", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Allgemeine Grundsätze zur Kunstfreiheit\n\n**BGE 135 III 145** (25. September 2008)\nKunstwerk in Form eines Romans; Persönlichkeitsverletzung vs. Kunstfreiheit.\nEin Roman geniesst den Schutz der Kunstfreiheit, auch wenn er Personen in erkennbarer Weise darstellt und deren Persönlichkeitsrechte verletzt.\n\n> «Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet (Art. 21 BV). Auch die in Art. 21 BV verankerte Kunstfreiheit stelle keinen Freipass dar. Vielmehr sei zwischen dem Persönlichkeitsrecht der Kläger und dem überwiegenden öffentlichen oder privaten Interesse des Verletzers als Rechtfertigungsgrund abzuwägen.»\n\n**Urteil 5C.26/2003** (27. Mai 2003)\nPorträts ohne Einwilligung; Interessenabwägung zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht.\nDas Kantonsgericht musste zwischen dem Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten und der Kunstfreiheit abwägen.\n\n> «Die in Art. 21 BV verankerte Kunstfreiheit stelle keinen Freipass dar. Vielmehr sei zwischen dem Persönlichkeitsrecht der Kläger und dem überwiegenden öffentlichen oder privaten Interesse des Verletzers als Rechtfertigungsgrund abzuwägen.»\n\n### Kunstfreiheit und Strafrecht\n\n**BGE 128 IV 201** (26. Juli 2002)\nHarte Pornographie; Meinungsäusserungs- und Kunstfreiheit als Rechtfertigungsgrund.\nDie Kunstfreiheit rechtfertigt nicht die Verbreitung pornographischer Inhalte, die sexuelle Handlungen mit Gewalttätigkeiten oder menschlichen Ausscheidungen zeigen.\n\n> «Bei der gebotenen verfassungskonformen Auslegung sind auch die Grundrechte zu berücksichtigen, etwa die Meinungsäusserungsfreiheit (Art. 16 BV), die Wissenschaftsfreiheit (Art. 20 BV) und die Kunstfreiheit (Art. 21 BV), aber auch die Menschenwürde (Art. 7 BV).»\n\n### Satire und Kunstfreiheit\n\n**UBI-Entscheid b.453** (23. August 2002)\nSchweizer Fernsehen DRS, Satirebeitrag über Swissair.\nSatirische Beiträge fallen sowohl unter die Meinungsäusserungsfreiheit als auch unter die Kunstfreiheit.\n\n> «Die Satire ist ein besonderes Mittel der Meinungsäusserung, bei dem sich die Form bewusst nicht kongruent zur angestrebten Aussage verhält. Die Satire fällt in den Schutzbereich der in Art. 16 BV bzw. Art. 21 BV sowie in Art. 10 EMRK enthaltenen Meinungsäusserungs- und Kunstfreiheit.»\n\n**UBI-Entscheid b.503** (4. Februar 2005)\nComedy-Beitrag über Pater Harald; Satireprivileg unter Art. 21 BV.\nSatirische Darstellungen geniessen besonderen Schutz unter der Kunstfreiheit.\n\n> «Die Satire übersteigert die Wirklichkeit, verfremdet sie, stellt sie um, kehrt wieder zu ihr zurück, banalisiert sie, karikiert sie, macht sie lächerlich. Die Satire fällt in den Schutzbereich der in Art. 16 BV bzw. Art. 21 BV sowie in Art. 10 EMRK enthaltenen Meinungsäusserungs- und Kunstfreiheit.»\n\n**UBI-Entscheid b.958** (2. November 2023)\nFernsehen SRF, Satiresendung \"Das VAR's\"; Grenzen des Satireprivilegs.\nAuch satirische Darstellungen haben Grenzen und können die Menschenwürde verletzen.\n\n> «Die Sequenz des Sechseläutens mit dem Ku-Klux-Klan überschreite die von der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und der Bundesverfassung (BV; SR 101) gewährten Satireprivilegien.»\n\n### Kunstfreiheit und öffentliches Interesse\n\n**BGE 140 II 33** (2013)\nLichtemissionen bei Weihnachts- und Zierbeleuchtung; Kunstfreiheit vs. Umweltschutz.\nKunstfreiheit rechtfertigt nicht unbegrenzte Lichtemissionen, auch wenn diese künstlerischen oder dekorativen Zwecken dienen.\n\n> «Die ganzjährige Zierbeleuchtung wurde auf die Zeit bis 22.00 Uhr begrenzt. Dies schränkt die Eigentumsgarantie und allfällige andere Grundrechte der Beschwerdeführer nur geringfügig ein und ist verhältnismässig.»\n\n### Versammlungsfreiheit mit künstlerischen Elementen\n\n**Urteil 1P.53/2001** (20. September 2001)\nDemonstration gegen das Weltwirtschaftsforum; künstlerische Meinungsäusserung.\nDemonstrationen mit künstlerischen Elementen geniessen den Schutz der Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit, auch wenn Art. 21 BV nicht direkt anwendbar ist.\n\n> «Die Versammlungsfreiheit und die Meinungsäusserungsfreiheit können durch künstlerische Ausdrucksformen ergänzt werden, ohne dass dies die verfassungsrechtlichen Anforderungen ändert.»\n\n### Neue Entwicklungen\n\n**VB.2023.00719** (9. Januar 2025)\nKonzeptförderungsbeitrag für Theater; staatliche Kunstförderung.\nDie Kunstfreiheit begründet keinen Anspruch auf staatliche Förderung, aber der Staat muss bei Förderentscheidungen verfassungskonforme Kriterien anwenden.\n\n> «Die Rügen des Beschwerdeführers, die Mitglieder der Jury Konzeptförderung Tanz und Theater seien befangen und die Jury sei nicht vorgabegemäss zusammengesetzt, betreffen die faire Anwendung der Förderkriterien im Bereich der Kunstförderung.»", "summary_fr": "# Art. 21 Cst. — La liberté de l'art est garantie\n\n## Vue d'ensemble\n\n**Que règle l'art. 21 Cst. ?**\n\nL'art. 21 Cst. protège la liberté de l'art comme un droit fondamental autonome. Cette disposition garantit le libre épanouissement de toutes les activités artistiques. Cela comprend la création d'œuvres d'art, leur diffusion et l'accès à l'art. L'État ne peut en principe pas déterminer ce qui constitue l'art ou évaluer son contenu.\n\n**Qui est concerné ?**\n\nLa liberté de l'art protège diverses personnes :\n- Les artistes de tous les domaines (peintres, musiciens, écrivains, acteurs de théâtre)\n- Les galeristes, éditeurs et autres qui diffusent l'art\n- Le public qui souhaite avoir accès aux œuvres d'art\n- Les entreprises peuvent également se prévaloir de la liberté de l'art lorsqu'elles participent au processus artistique\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\n\nLa liberté de l'art protège en premier lieu contre la censure étatique. L'État ne peut pas interdire des œuvres d'art simplement parce qu'elles ne lui plaisent pas. Une censure préalable (contrôle avant publication) est en principe inadmissible. Les créateurs d'art n'ont cependant pas le droit d'exiger que l'État soutienne financièrement leur art.\n\nLa liberté de l'art a toutefois des limites. Lorsque des œuvres d'art violent d'autres droits fondamentaux, il faut procéder à une pesée d'intérêts. Ainsi, un roman qui présente une personne reconnaissable sous un mauvais jour peut violer ses droits de la personnalité. Les contenus pornographiques ne tombent pas non plus automatiquement sous la protection de la liberté de l'art.\n\n**Exemple concret :**\n\nUne pièce de théâtre critique vivement un homme politique et le présente comme corrompu. Le théâtre ne peut pas être simplement interdit, même si l'homme politique s'en offense. L'œuvre jouit de la protection de la liberté de l'art. Si toutefois la pièce diffusait des faits manifestement faux sur l'homme politique et portait gravement atteinte à sa réputation, une pesée d'intérêts pourrait pencher en faveur de la protection de la personnalité.\n\nLes tribunaux examinent avec un soin particulier, pour les œuvres d'art satiriques ou critiques, s'il existe un rapport suffisant avec la réalité et si l'œuvre dans son ensemble a une valeur artistique.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Histoire de la genèse\n\n**Ch. 1** La liberté de l'art a été consacrée pour la première fois dans la Constitution fédérale de 1999 en tant que droit fondamental autonome. Sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, la liberté de l'art n'était certes pas mentionnée expressément, mais elle était reconnue comme droit fondamental non écrit et dérivée d'autres droits de liberté, en particulier de la liberté d'expression (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 401).\n\n**Ch. 2** Le Message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, p. 177) relevait que la liberté de l'art « fait partie des droits de liberté les plus importants et les plus caractéristiques d'un État de droit démocratique ». Par l'inscription explicite à l'art. 21 Cst., le constituant a voulu souligner l'importance particulière de la liberté d'expression artistique pour une société pluraliste.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 21 Cst. figure dans la section relative aux droits fondamentaux (art. 7–36 Cst.) et appartient aux droits fondamentaux de communication. La liberté de l'art présente des liens étroits avec d'autres droits de liberté :\n- → Art. 16 Cst. (liberté d'opinion et d'information) : racine commune des libertés de communication\n- → Art. 20 Cst. (liberté de la science) : champs de protection apparentés pour les œuvres scientifiques et artistiques\n- ↔ Art. 22 Cst. (liberté de réunion) : chevauchements en cas de performances et de manifestations artistiques\n\n**Ch. 4** En tant que droit fondamental garanti sans réserve, la liberté de l'art est néanmoins soumise aux limites générales selon l'→ art. 36 Cst. La restriction nécessite une base légale, doit servir l'intérêt public ou protéger des droits fondamentaux de tiers et doit être proportionnée (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 2147).\n\n### 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**Ch. 5** La **notion d'art** doit être comprise largement sur le plan constitutionnel. Le Tribunal fédéral renonce à une définition exhaustive et s'oriente selon une notion d'art ouverte et formelle (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 21 ch. 8). Sont protégées toutes les formes de création artistique et de communication artistique, indépendamment de leur qualité esthétique ou de leur acceptation sociale.\n\n**Ch. 6** Le **champ de protection personnel** comprend :\n- Les créateurs d'art (artistes)\n- Les intermédiaires artistiques (galeries, théâtres, maisons d'édition)\n- Les consommateurs d'art (public)\n- Les personnes morales dans la mesure où elles participent au processus artistique\n\n**Ch. 7** Le **champ de protection matériel** saisit trois dimensions (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 21 ch. 12) :\n1. **Domaine de l'œuvre** : la création artistique elle-même\n2. **Domaine d'effet** : la diffusion et la présentation de l'art\n3. **Domaine de réception** : l'accès aux œuvres artistiques\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 8** La liberté de l'art fonde principalement un **droit de défense** contre les atteintes étatiques. L'État ne peut ni intervenir de manière censoriale dans le processus artistique ni discriminer certaines formes d'art (**ATF 127 I 145 consid. 4b**). Une censure préalable est en principe inadmissible.\n\n**Ch. 9** Un **droit à des prestations** d'encouragement étatique de l'art n'existe en principe pas. La liberté de l'art oblige cependant l'État à une pratique d'encouragement neutre et non discriminatoire s'il se décide pour l'encouragement de l'art (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, ch. 473).\n\n**Ch. 10** En cas de **collisions avec d'autres droits fondamentaux**, une pesée des intérêts doit être effectuée. Les conflits particulièrement fréquents sont avec :\n- Les droits de la personnalité (→ art. 28 CC) : **ATF 135 III 145**\n- La protection de la jeunesse : **ATF 131 IV 64**\n- La liberté religieuse et les sentiments religieux\n\n### 5. Controverses\n\n**Ch. 11** **Notion d'art** : Alors que Müller/Schefer (Grundrechte, p. 403) plaident pour une notion d'art large et évolutive qui s'oriente selon les développements sociétaux, Kley (in : Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, art. 21 ch. 9) défend une approche plus formelle qui se fonde sur l'intention du créateur.\n\n**Ch. 12** **Privilège de la satire** : La portée de la protection particulière des formes artistiques satiriques est controversée. Steinauer (Le droit au respect de la vie privée, 1990, ch. 445) préconise une protection étendue pour la satire en tant que forme artistique critique de la société. Riemer (Personenrecht, 3e éd. 2000, ch. 276) met en garde contre la retenue et souligne les limites en cas d'atteintes à la personnalité.\n\n**Ch. 13** **Pornographie et art** : Pour la délimitation entre pornographie punissable et art protégé, Stratenwerth/Wohlers (Schweizerisches Strafrecht BT I, 5e éd. 2019, § 8 ch. 21) défendent une ligne restrictive : la valeur artistique doit nettement l'emporter sur la représentation pornographique. Trechsel/Lieber (in : Trechsel/Pieth, StGB Praxiskommentar, 4e éd. 2021, art. 197 ch. 8) plaident pour une appréciation plus généreuse en faveur de la liberté de l'art.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 14** Pour l'**appréciation d'œuvres d'art**, il faut observer :\n- Aucune évaluation de contenu par les organes étatiques\n- Prise en considération du contexte global d'une œuvre\n- Respect des formes d'expression spécifiques à l'art (aliénation, exagération, provocation)\n\n**Ch. 15** **Sur le plan procédural** :\n- En cas de mesures provisionnelles contre des œuvres d'art, une retenue particulière s'impose\n- L'examen de la proportionnalité doit prendre en compte les chilling effects sur la liberté de l'art\n- Des expertises peuvent être sollicitées pour la qualification d'œuvre d'art\n\n**Ch. 16** Pour les **créateurs d'art**, il est recommandé :\n- En cas de représentations de personnalités : aliénation ou fictionalisation suffisante\n- En cas d'art critique de la société : identification claire comme satire ou fiction\n- Documentation de l'intention artistique comme sauvegarde de la preuve", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes généraux relatifs à la liberté de l'art\n\n**ATF 135 III 145** (25 septembre 2008)\nŒuvre d'art sous forme de roman ; atteinte à la personnalité vs. liberté de l'art.\nUn roman jouit de la protection de la liberté de l'art, même s'il représente des personnes de manière reconnaissable et porte atteinte à leurs droits de la personnalité.\n\n> « La liberté de l'art est garantie (art. 21 Cst.). La liberté de l'art ancrée à l'art. 21 Cst. ne constitue cependant pas un laissez-passer. Il convient plutôt de procéder à une pesée des intérêts entre le droit de la personnalité des demandeurs et l'intérêt public ou privé prépondérant de l'auteur de l'atteinte en tant que motif justificatif. »\n\n**Arrêt 5C.26/2003** (27 mai 2003)\nPortraits sans consentement ; pesée des intérêts entre liberté de l'art et droit de la personnalité.\nLe tribunal cantonal a dû procéder à une pesée entre le droit de la personnalité des personnes représentées et la liberté de l'art.\n\n> « La liberté de l'art ancrée à l'art. 21 Cst. ne constitue pas un laissez-passer. Il convient plutôt de procéder à une pesée des intérêts entre le droit de la personnalité des demandeurs et l'intérêt public ou privé prépondérant de l'auteur de l'atteinte en tant que motif justificatif. »\n\n### Liberté de l'art et droit pénal\n\n**ATF 128 IV 201** (26 juillet 2002)\nPornographie dure ; liberté d'expression et liberté de l'art comme motif justificatif.\nLa liberté de l'art ne justifie pas la diffusion de contenus pornographiques montrant des actes sexuels accompagnés de violences ou d'excréments humains.\n\n> « Dans l'interprétation conforme à la constitution qui s'impose, il faut également tenir compte des droits fondamentaux, notamment de la liberté d'expression (art. 16 Cst.), de la liberté scientifique (art. 20 Cst.) et de la liberté de l'art (art. 21 Cst.), mais aussi de la dignité humaine (art. 7 Cst.). »\n\n### Satire et liberté de l'art\n\n**Décision UBI b.453** (23 août 2002)\nTélévision suisse DRS, contribution satirique sur Swissair.\nLes contributions satiriques relèvent tant de la liberté d'expression que de la liberté de l'art.\n\n> « La satire est un moyen particulier d'expression d'opinion, où la forme ne correspond volontairement pas à l'énoncé visé. La satire relève du champ de protection de la liberté d'expression et de l'art contenue dans l'art. 16 Cst. resp. art. 21 Cst. ainsi que dans l'art. 10 CEDH. »\n\n**Décision UBI b.503** (4 février 2005)\nContribution comique sur le Père Harald ; privilège satirique sous l'art. 21 Cst.\nLes représentations satiriques jouissent d'une protection particulière sous la liberté de l'art.\n\n> « La satire exagère la réalité, la déform, la transpose, y revient, la banalise, la caricature, la rend ridicule. La satire relève du champ de protection de la liberté d'expression et de l'art contenue dans l'art. 16 Cst. resp. art. 21 Cst. ainsi que dans l'art. 10 CEDH. »\n\n**Décision UBI b.958** (2 novembre 2023)\nTélévision SRF, émission satirique « Das VAR's » ; limites du privilège satirique.\nMême les représentations satiriques ont des limites et peuvent porter atteinte à la dignité humaine.\n\n> « La séquence du Sechseläuten avec le Ku-Klux-Klan dépasse les privilèges satiriques accordés par la Convention de sauvegarde des droits de l'homme et des libertés fondamentales (CEDH ; RS 0.101) et la Constitution fédérale (Cst. ; RS 101). »\n\n### Liberté de l'art et intérêt public\n\n**ATF 140 II 33** (2013)\nÉmissions lumineuses lors d'éclairages de Noël et décoratifs ; liberté de l'art vs. protection de l'environnement.\nLa liberté de l'art ne justifie pas des émissions lumineuses illimitées, même si celles-ci servent des buts artistiques ou décoratifs.\n\n> « L'éclairage décoratif permanent a été limité jusqu'à 22h00. Ceci ne restreint que légèrement la garantie de la propriété et d'éventuels autres droits fondamentaux des recourants et est proportionné. »\n\n### Liberté de réunion avec éléments artistiques\n\n**Arrêt 1P.53/2001** (20 septembre 2001)\nManifestation contre le Forum économique mondial ; expression d'opinion artistique.\nLes manifestations avec éléments artistiques jouissent de la protection de la liberté d'expression et de réunion, même si l'art. 21 Cst. n'est pas directement applicable.\n\n> « La liberté de réunion et la liberté d'expression peuvent être complétées par des formes d'expression artistiques, sans que cela ne modifie les exigences constitutionnelles. »\n\n### Nouveaux développements\n\n**VB.2023.00719** (9 janvier 2025)\nContribution d'encouragement conceptuel pour le théâtre ; encouragement public de l'art.\nLa liberté de l'art ne fonde aucun droit à l'encouragement public, mais l'État doit appliquer des critères conformes à la constitution lors de décisions d'encouragement.\n\n> « Les griefs du recourant selon lesquels les membres du jury Encouragement conceptuel Danse et Théâtre seraient récusables et le jury ne serait pas composé conformément aux directives concernent l'application équitable des critères d'encouragement dans le domaine de l'encouragement de l'art. »", "summary_it": "# Art. 21 Cost. — La libertà dell'arte è garantita\n\n## Panoramica\n\n**Cosa disciplina l'art. 21 Cost.?**\n\nL'art. 21 Cost. tutela la libertà dell'arte come diritto fondamentale autonomo. Questa disposizione garantisce il libero sviluppo di tutte le attività artistiche. Vi rientrano la creazione di opere d'arte, la loro diffusione e l'accesso all'arte. Lo Stato non può in linea di principio determinare cosa sia arte o valutarne il contenuto.\n\n**Chi è interessato?**\n\nLa libertà dell'arte protegge diverse persone:\n- Artiste e artisti di tutti i settori (pittori, musicisti, scrittori, operatori teatrali)\n- Galleristi, editori e altri che diffondono l'arte\n- Il pubblico che desidera avere accesso alle opere d'arte\n- Anche le aziende possono invocare la libertà dell'arte se sono coinvolte nel processo artistico\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\n\nLa libertà dell'arte protegge in primo luogo dalla censura statale. Lo Stato non può vietare opere d'arte solo perché non gli piacciono. Una censura preventiva (controllo prima della pubblicazione) è in linea di principio inammissibile. Gli operatori artistici non hanno però diritto che lo Stato promuova finanziariamente la loro arte.\n\nLa libertà dell'arte ha tuttavia dei limiti. Quando le opere d'arte violano altri diritti fondamentali, occorre procedere a una ponderazione. Così un romanzo che rappresenta una persona riconoscibile sotto una cattiva luce può violare i suoi diritti della personalità. Anche i contenuti pornografici non rientrano automaticamente nella protezione della libertà dell'arte.\n\n**Esempio concreto:**\n\nUn'opera teatrale critica aspramente un politico e lo rappresenta come corrotto. Il teatro non può essere semplicemente vietato, anche se il politico si arrabbia. L'opera gode della protezione della libertà dell'arte. Se tuttavia l'opera diffondesse fatti chiaramente falsi sul politico e danneggiasse gravemente la sua reputazione, una ponderazione degli interessi potrebbe risultare a favore della protezione della personalità.\n\nI tribunali verificano con particolare attenzione nelle opere artistiche satiriche o critiche se esiste un sufficiente rapporto con la realtà e se l'opera nel suo insieme ha un valore artistico.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La libertà artistica è stata sancita per la prima volta nella Costituzione federale del 1999 come diritto fondamentale autonomo. Sotto la vecchia Costituzione federale del 1874, la libertà artistica non era espressamente menzionata, ma era riconosciuta come diritto fondamentale non scritto e derivata da altri diritti di libertà, in particolare dalla libertà di opinione (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 401).\n\n**N. 2** Il messaggio relativo alla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, p. 177) stabiliva che la libertà artistica \"appartiene ai diritti di libertà più importanti e caratteristici di uno Stato liberal-democratico\". Il costituente ha voluto sottolineare, con l'inclusione esplicita nell'art. 21 Cost., la particolare importanza della libertà di espressione artistica per una società pluralistica.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 21 Cost. si trova nella sezione sui diritti fondamentali (art. 7–36 Cost.) e appartiene ai diritti fondamentali di comunicazione. La libertà artistica presenta stretti legami con altri diritti di libertà:\n- → Art. 16 Cost. (libertà di opinione e d'informazione): radice comune delle libertà di comunicazione\n- → Art. 20 Cost. (libertà della scienza): ambiti di protezione affini per le opere scientifico-artistiche\n- ↔ Art. 22 Cost. (libertà di riunione): sovrapposizioni nelle performance e manifestazioni artistiche\n\n**N. 4** Come diritto fondamentale garantito senza riserva, la libertà artistica è tuttavia soggetta alle limitazioni generali secondo → Art. 36 Cost. La limitazione necessita di una base legal, deve essere nell'interesse pubblico o servire alla protezione dei diritti fondamentali di terzi e deve essere proporzionata (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 2147).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il **concetto di arte** deve essere interpretato ampiamente dal punto di vista costituzionale. Il Tribunale federale rinuncia a una definizione esaustiva e si orienta verso un concetto di arte aperto e formale (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, Art. 21 N 8). Sono protette tutte le forme di creazione artistica e comunicazione artistica, indipendentemente dalla loro qualità estetica o accettazione sociale.\n\n**N. 6** L'**ambito di protezione personale** comprende:\n- Artisti (artiste e artisti)\n- Mediatori artistici (gallerie, teatri, case editrici)\n- Fruitori d'arte (pubblico)\n- Persone giuridiche, nella misura in cui partecipano al processo artistico\n\n**N. 7** L'**ambito di protezione materiale** comprende tre dimensioni (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, Art. 21 N 12):\n1. **Ambito dell'opera**: La creazione artistica stessa\n2. **Ambito dell'effetto**: La diffusione e presentazione dell'arte\n3. **Ambito della ricezione**: L'accesso alle opere artistiche\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La libertà artistica fonda primariamente un **diritto di difesa** contro gli interventi statali. Lo Stato non può né intervenire censurando nel processo artistico né discriminare determinate forme d'arte (**DTF 127 I 145 consid. 4b**). Una censura preventiva è di principio inammissibile.\n\n**N. 9** Un **diritto a prestazioni** di promozione artistica statale non esiste in principio. La libertà artistica obbliga tuttavia lo Stato a una pratica promozionale neutra e non discriminatoria, quando decide di promuovere l'arte (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 473).\n\n**N. 10** In caso di **collisioni con altri diritti fondamentali** è necessario procedere a una ponderazione degli interessi. Sono particolarmente frequenti i conflitti con:\n- Diritti della personalità (→ Art. 28 CC): **DTF 135 III 145**\n- Protezione della gioventù: **DTF 131 IV 64**\n- Libertà di religione e sentimenti religiosi\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 11** **Concetto di arte**: Mentre Müller/Schefer (Grundrechte, p. 403) propugnano un concetto di arte ampio ed evolutivo, che si orienta agli sviluppi sociali, Kley (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, Art. 21 N 9) sostiene un approccio più formale che si basa sull'intenzione del creatore.\n\n**N. 12** **Privilegio satirico**: La portata della protezione speciale delle forme artistiche satiriche è controversa. Steinauer (Le droit au respect de la vie privée, 1990, N 445) favorisce una protezione estesa per la satira come forma d'arte critica della società. Riemer (Personenrecht, 3ª ed. 2000, N 276) raccomanda invece cautela e sottolinea i limiti in caso di lesione della personalità.\n\n**N. 13** **Pornografia e arte**: Nella delimitazione tra pornografia punibile e arte protetta, Stratenwerth/Wohlers (Schweizerisches Strafrecht BT I, 5ª ed. 2019, § 8 N 21) sostengono una linea restrittiva: il valore artistico deve chiaramente prevalere sulla rappresentazione pornografica. Trechsel/Lieber (in: Trechsel/Pieth, StGB Praxiskommentar, 4ª ed. 2021, Art. 197 N 8) propugnano una valutazione più generosa a favore della libertà artistica.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nella **valutazione di opere d'arte** è da considerare:\n- Nessuna valutazione contenutistica da parte degli organi statali\n- Considerazione del contesto complessivo di un'opera\n- Rispetto delle forme espressive specifiche dell'arte (straniamento, esagerazione, provocazione)\n\n**N. 15** **Dal punto di vista procedurale** vale:\n- Nelle misure cautelari contro opere d'arte è necessaria particolare cautela\n- L'esame di proporzionalità deve considerare gli effetti deterrenti sulla libertà artistica\n- Perizie di esperti possono essere richieste per la classificazione come opera d'arte\n\n**N. 16** Per gli **artisti** si raccomanda:\n- Nelle rappresentazioni della personalità: sufficiente straniamento o finzionalizzazione\n- Nell'arte critica della società: chiara caratterizzazione come satira o finzione\n- Documentazione dell'intenzione artistica come garanzia probatoria", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi generali sulla libertà dell'arte\n\n**DTF 135 III 145** (25 settembre 2008)\nOpera d'arte sotto forma di romanzo; lesione della personalità vs. libertà dell'arte.\nUn romanzo gode della protezione della libertà dell'arte, anche se rappresenta persone in modo riconoscibile e lede i loro diritti della personalità.\n\n> «È garantita la libertà dell'arte (art. 21 Cost.). Anche la libertà dell'arte sancita nell'art. 21 Cost. non costituisce un lasciapassare. Piuttosto occorre ponderare tra il diritto della personalità dei ricorrenti e il prevalente interesse pubblico o privato del lesore quale motivo di giustificazione.»\n\n**Sentenza 5C.26/2003** (27 maggio 2003)\nRitratti senza consenso; ponderazione degli interessi tra libertà dell'arte e diritto della personalità.\nIl tribunale cantonale doveva ponderare tra il diritto della personalità delle persone ritratte e la libertà dell'arte.\n\n> «La libertà dell'arte sancita nell'art. 21 Cost. non costituisce un lasciapassare. Piuttosto occorre ponderare tra il diritto della personalità dei ricorrenti e il prevalente interesse pubblico o privato del lesore quale motivo di giustificazione.»\n\n### Libertà dell'arte e diritto penale\n\n**DTF 128 IV 201** (26 luglio 2002)\nPornografia dura; libertà di opinione e dell'arte come motivo di giustificazione.\nLa libertà dell'arte non giustifica la diffusione di contenuti pornografici che mostrano atti sessuali con violenze o escrementi umani.\n\n> «Nell'interpretazione conforme alla Costituzione richiesta devono essere considerati anche i diritti fondamentali, come la libertà di opinione (art. 16 Cost.), la libertà della scienza (art. 20 Cost.) e la libertà dell'arte (art. 21 Cost.), ma anche la dignità umana (art. 7 Cost.).»\n\n### Satira e libertà dell'arte\n\n**Decisione UBI b.453** (23 agosto 2002)\nTelevisione Svizzera DRS, contributo satirico su Swissair.\nI contributi satirici rientrano sia nella libertà di opinione sia nella libertà dell'arte.\n\n> «La satira è un mezzo particolare di espressione dell'opinione, in cui la forma si rapporta consapevolmente in modo non congruente con l'affermazione perseguita. La satira rientra nell'ambito di protezione della libertà di opinione e dell'arte contenuta negli art. 16 Cost. risp. 21 Cost. nonché nell'art. 10 CEDU.»\n\n**Decisione UBI b.503** (4 febbraio 2005)\nContributo comico su Padre Harald; privilegio della satira secondo l'art. 21 Cost.\nLe rappresentazioni satiriche godono di particolare protezione sotto la libertà dell'arte.\n\n> «La satira esagera la realtà, la estrania, la trasforma, torna ad essa, la banalizza, la caricatura, la rende ridicola. La satira rientra nell'ambito di protezione della libertà di opinione e dell'arte contenuta negli art. 16 Cost. risp. 21 Cost. nonché nell'art. 10 CEDU.»\n\n**Decisione UBI b.958** (2 novembre 2023)\nTelevisione SRF, trasmissione satirica \"Das VAR's\"; limiti del privilegio della satira.\nAnche le rappresentazioni satiriche hanno limiti e possono ledere la dignità umana.\n\n> «La sequenza della Sechseläuten con il Ku-Klux-Klan supera i privilegi della satira garantiti dalla Convenzione per la salvaguardia dei diritti dell'uomo e delle libertà fondamentali (CEDU; RS 0.101) e dalla Costituzione federale (Cost.; RS 101).»\n\n### Libertà dell'arte e interesse pubblico\n\n**DTF 140 II 33** (2013)\nEmissioni luminose nell'illuminazione natalizia e decorativa; libertà dell'arte vs. protezione dell'ambiente.\nLa libertà dell'arte non giustifica emissioni luminose illimitate, anche se servono a scopi artistici o decorativi.\n\n> «L'illuminazione decorativa permanente è stata limitata fino alle ore 22.00. Ciò limita solo lievemente la garanzia della proprietà e altri eventuali diritti fondamentali dei ricorrenti ed è proporzionato.»\n\n### Libertà di riunione con elementi artistici\n\n**Sentenza 1P.53/2001** (20 settembre 2001)\nManifestazione contro il Forum economico mondiale; espressione artistica dell'opinione.\nLe manifestazioni con elementi artistici godono della protezione della libertà di opinione e di riunione, anche se l'art. 21 Cost. non è direttamente applicabile.\n\n> «La libertà di riunione e la libertà di opinione possono essere completate da forme di espressione artistiche, senza che ciò modifichi i requisiti costituzionali.»\n\n### Nuovi sviluppi\n\n**VB.2023.00719** (9 gennaio 2025)\nContributo di promozione concettuale per teatro; promozione statale dell'arte.\nLa libertà dell'arte non fonda un diritto alla promozione statale, ma lo Stato deve applicare criteri conformi alla Costituzione nelle decisioni di promozione.\n\n> «Le censure del ricorrente, secondo cui i membri della giuria Promozione concettuale danza e teatro sarebbero prevenuti e la giuria non sarebbe composta secondo le direttive, riguardano l'applicazione equa dei criteri di promozione nell'ambito della promozione artistica.»", "summary_en": "# Art. 21 Federal Constitution — Freedom of the arts is guaranteed\n\n## Overview\n\n**What does Art. 21 Federal Constitution regulate?**\n\nArt. 21 Federal Constitution protects freedom of the arts as an independent fundamental right. This provision guarantees the free development of all artistic activities. This includes the creation of works of art, their dissemination and access to art. The state may not, in principle, determine what constitutes art or evaluate its content.\n\n**Who is affected?**\n\nFreedom of the arts protects various persons:\n- Artists of all disciplines (painters, musicians, writers, theatre professionals)\n- Gallery owners, publishers and others who disseminate art\n- The public who wish to have access to works of art\n- Companies may also invoke freedom of the arts if they are involved in the artistic process\n\n**What are the legal consequences?**\n\nFreedom of the arts primarily protects against state censorship. The state may not prohibit works of art simply because it does not like them. Prior censorship (control before publication) is fundamentally inadmissible. However, artists have no claim that the state should financially support their art.\n\nFreedom of the arts does have limits, however. When works of art violate other fundamental rights, a balancing must be undertaken. For example, a novel that portrays an identifiable person in a bad light may violate that person's personality rights. Pornographic content also does not automatically fall under the protection of freedom of the arts.\n\n**Concrete example:**\n\nA theatrical play sharply criticises a politician and portrays him as corrupt. The theatre may not simply be prohibited, even if the politician is annoyed. The work enjoys the protection of freedom of the arts. However, if the play were to clearly spread false facts about the politician and seriously damage his reputation, a balancing of interests could fall in favour of personality protection.\n\nThe courts examine satirical or critical works of art with particular care to determine whether there is a sufficient connection to reality and whether the work as a whole has artistic value.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Freedom of art was first enshrined as an independent fundamental right in the Federal Constitution of 1999. Under the old Federal Constitution of 1874, freedom of art was not expressly mentioned but was recognized as an unwritten fundamental right derived from other civil liberties, particularly freedom of expression (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 401).\n\n**N. 2** The Federal Council message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, p. 177) stated that freedom of art \"belongs to the most important and characteristic civil liberties of a free and democratic state.\" The constitutional legislator wanted to emphasize the special significance of artistic freedom of expression for a pluralistic society through its explicit inclusion in Art. 21 FC.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 21 FC is located in the section on fundamental rights (Arts. 7–36 FC) and belongs to the communication fundamental rights. Freedom of art has close connections to other civil liberties:\n- → Art. 16 FC (freedom of opinion and information): common root of communication freedoms\n- → Art. 20 FC (freedom of science): related protected areas in scientific-artistic works\n- ↔ Art. 22 FC (freedom of assembly): overlaps in performances and artistic demonstrations\n\n**N. 4** As a fundamental right guaranteed without reservation, freedom of art is nevertheless subject to the general limitations according to → Art. 36 FC. Any restriction requires a legal basis, must serve the public interest or the protection of third parties' fundamental rights, and must be proportionate (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 2147).\n\n### 3. Elements of the Offense / Normative Content\n\n**N. 5** The **concept of art** must be interpreted broadly under constitutional law. The Federal Supreme Court refrains from a conclusive definition and follows an open, formal concept of art (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 21 N 8). All forms of artistic creation and artistic communication are protected, regardless of their aesthetic quality or social acceptance.\n\n**N. 6** The **personal scope of protection** includes:\n- Artists (creators)\n- Art mediators (galleries, theaters, publishers)\n- Art consumers (public)\n- Legal entities insofar as they participate in the artistic process\n\n**N. 7** The **material scope of protection** covers three dimensions (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 21 N 12):\n1. **Creative sphere**: The artistic creation itself\n2. **Impact sphere**: The dissemination and presentation of art\n3. **Reception sphere**: Access to artistic works\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Freedom of art primarily establishes a **defensive right** against state interference. The state may neither intervene in a censorious manner in the artistic process nor discriminate against certain art forms (**BGE 127 I 145 E. 4b**). Prior censorship is fundamentally inadmissible.\n\n**N. 9** There is generally no **entitlement to benefits** for state art funding. However, freedom of art obliges the state to neutral and non-discriminatory funding practices when it decides to support art (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 473).\n\n**N. 10** In case of **collisions with other fundamental rights**, a balancing of interests must be undertaken. Conflicts are particularly frequent with:\n- Personality rights (→ Art. 28 CC): **BGE 135 III 145**\n- Youth protection: **BGE 131 IV 64**\n- Religious freedom and religious feelings\n\n### 5. Contentious Issues\n\n**N. 11** **Concept of art**: While Müller/Schefer (Grundrechte, p. 403) advocate for a broad, evolutionary concept of art that follows social developments, Kley (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, Art. 21 N 9) represents a more formal approach that focuses on the creator's intention.\n\n**N. 12** **Satire privilege**: The scope of special protection for satirical art forms is disputed. Steinauer (Le droit au respect de la vie privée, 1990, N 445) favors enhanced protection for satire as a socially critical art form. Riemer (Personenrecht, 3rd ed. 2000, N 276) urges restraint and emphasizes limits in cases of personality violations.\n\n**N. 13** **Pornography and art**: In distinguishing between punishable pornography and protected art, Stratenwerth/Wohlers (Schweizerisches Strafrecht BT I, 5th ed. 2019, § 8 N 21) take a restrictive line: artistic value must clearly outweigh pornographic depiction. Trechsel/Lieber (in: Trechsel/Pieth, StGB Praxiskommentar, 4th ed. 2021, Art. 197 N 8) advocate for a more generous assessment in favor of freedom of art.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 14** When **evaluating works of art**, the following must be observed:\n- No substantive evaluation by state organs\n- Consideration of the overall context of a work\n- Attention to art-specific forms of expression (alienation, exaggeration, provocation)\n\n**N. 15** **Procedurally**, the following applies:\n- Special restraint is required for interim measures against artworks\n- The proportionality test must consider chilling effects on freedom of art\n- Expert opinions may be sought for classification as artwork\n\n**N. 16** For **artists**, the following is recommended:\n- For personality depictions: sufficient alienation or fictionalization\n- For socially critical art: clear labeling as satire or fiction\n- Documentation of artistic intention for evidence preservation", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### General Principles on Freedom of Arts\n\n**BGE 135 III 145** (25 September 2008)\nArtwork in the form of a novel; violation of personality vs. freedom of arts.\nA novel enjoys the protection of freedom of arts, even if it portrays persons in a recognizable manner and violates their personality rights.\n\n> «Freedom of arts is guaranteed (Art. 21 FC). However, the freedom of arts enshrined in Art. 21 FC does not constitute a blank cheque. Rather, a balance must be struck between the personality rights of the plaintiffs and the overriding public or private interest of the violator as a ground of justification.»\n\n**Judgment 5C.26/2003** (27 May 2003)\nPortraits without consent; balancing of interests between freedom of arts and personality rights.\nThe cantonal court had to balance the personality rights of the portrayed persons and freedom of arts.\n\n> «The freedom of arts enshrined in Art. 21 FC does not constitute a blank cheque. Rather, a balance must be struck between the personality rights of the plaintiffs and the overriding public or private interest of the violator as a ground of justification.»\n\n### Freedom of Arts and Criminal Law\n\n**BGE 128 IV 201** (26 July 2002)\nHard pornography; freedom of expression and freedom of arts as grounds of justification.\nFreedom of arts does not justify the distribution of pornographic content that depicts sexual acts involving violence or human excrement.\n\n> «In the required constitutional interpretation, fundamental rights must also be taken into account, such as freedom of expression (Art. 16 FC), academic freedom (Art. 20 FC) and freedom of arts (Art. 21 FC), but also human dignity (Art. 7 FC).»\n\n### Satire and Freedom of Arts\n\n**UBI Decision b.453** (23 August 2002)\nSwiss Television DRS, satirical contribution about Swissair.\nSatirical contributions fall under both freedom of expression and freedom of arts.\n\n> «Satire is a special means of expression where the form is deliberately incongruent with the intended statement. Satire falls within the scope of protection of freedom of expression and freedom of arts contained in Art. 16 FC and Art. 21 FC respectively, as well as in Art. 10 ECHR.»\n\n**UBI Decision b.503** (4 February 2005)\nComedy contribution about Father Harald; satirical privilege under Art. 21 FC.\nSatirical presentations enjoy special protection under freedom of arts.\n\n> «Satire exaggerates reality, alienates it, transforms it, returns to it, trivializes it, caricatures it, makes it ridiculous. Satire falls within the scope of protection of freedom of expression and freedom of arts contained in Art. 16 FC and Art. 21 FC respectively, as well as in Art. 10 ECHR.»\n\n**UBI Decision b.958** (2 November 2023)\nTelevision SRF, satirical programme \"Das VAR's\"; limits of satirical privilege.\nEven satirical presentations have limits and can violate human dignity.\n\n> «The Sechseläuten sequence with the Ku Klux Klan exceeds the satirical privileges granted by the Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms (ECHR; SR 0.101) and the Federal Constitution (FC; SR 101).»\n\n### Freedom of Arts and Public Interest\n\n**BGE 140 II 33** (2013)\nLight emissions from Christmas and decorative lighting; freedom of arts vs. environmental protection.\nFreedom of arts does not justify unlimited light emissions, even if they serve artistic or decorative purposes.\n\n> «The year-round decorative lighting was limited to the time until 10.00 p.m. This only marginally restricts the property guarantee and any other fundamental rights of the appellants and is proportionate.»\n\n### Freedom of Assembly with Artistic Elements\n\n**Judgment 1P.53/2001** (20 September 2001)\nDemonstration against the World Economic Forum; artistic expression of opinion.\nDemonstrations with artistic elements enjoy the protection of freedom of expression and freedom of assembly, even if Art. 21 FC is not directly applicable.\n\n> «Freedom of assembly and freedom of expression can be supplemented by artistic forms of expression without this changing the constitutional requirements.»\n\n### New Developments\n\n**VB.2023.00719** (9 January 2025)\nConcept funding contribution for theatre; state arts funding.\nFreedom of arts does not establish a claim to state funding, but the state must apply constitutional criteria when making funding decisions.\n\n> «The appellant's complaints that the members of the Concept Funding Dance and Theatre jury were biased and that the jury was not composed according to specifications concern the fair application of funding criteria in the field of arts funding.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_21", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 22, "article_suffix": "", "title": "Versammlungsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 22 BV — Versammlungsfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArtikel 22 der Bundesverfassung gewährleistet die Versammlungsfreiheit. Jede Person hat das Recht, Versammlungen zu organisieren, daran teilzunehmen oder fernzubleiben. Dieses Grundrecht umfasst verschiedenste Formen des organisierten Zusammenkommens mit meinungsbildendem Zweck.\n\n### Was regelt Art. 22 BV?\n\nDie Versammlungsfreiheit schützt das Recht, sich mit anderen friedlich zu versammeln. Dies umfasst sowohl kleine Gruppen als auch grosse Kundgebungen. Nach der Rechtsprechung genügen bereits zwei Personen für eine Versammlung (**BGE 129 IV 6** E. 5.5.1). Der Verfassungsschutz bezieht sich nicht primär auf das physische Zusammenkommen, sondern auf die kollektive Meinungsbildung (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 7).\n\nZentral ist, dass nur friedliche Versammlungen geschützt sind. Das Bundesgericht hat wiederholt betont, dass die Verfassung trotz abweichenden Wortlauts nur friedliche Versammlungen schützt (**BGE 129 IV 6** E. 2.5; Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 9). Bei Gewaltausübung entfällt der Grundrechtsschutz, sofern die Gewalt die meinungsbildende Komponente völlig überlagert.\n\n### Wer ist betroffen?\n\nGeschützt sind alle Personen, die eine Versammlung organisieren, daran teilnehmen oder bewusst fernbleiben. Dies umfasst Privatpersonen, Vereinigungen und politische Gruppierungen. Die Trägerschaft steht allen zu, unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 10).\n\nEinschränkungen sind möglich: Der Staat kann für Kundgebungen auf öffentlichem Grund eine Bewilligung verlangen. Die herrschende Lehre betrachtet diese Bewilligungspflicht als Grundrechtseingriff, der einer gesetzlichen Grundlage bedarf (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 18).\n\n### Was sind die Rechtsfolgen?\n\nBei Kundgebungen auf öffentlichem Grund besteht grundsätzlich ein bedingter Anspruch auf Benützung öffentlichen Raums. Die Behörden müssen durch geeignete Massnahmen dafür sorgen, dass Versammlungen stattfinden können (**BGE 132 I 256** E. 3).\n\nEntstehen durch eine Versammlung besondere Polizeikosten, können diese unter bestimmten Voraussetzungen den Veranstaltern überwälzt werden. Das Bundesgericht hat aber betont, dass Kostenauferlegungen einen Grundrechtseingriff darstellen und verhältnismässig sein müssen, um keinen abschreckenden Effekt zu haben (**BGE 143 I 147** E. 3.1 und 3.3).\n\n### Beispiel aus der Praxis\n\nEine Gruppe plant eine Demonstration gegen Atommülltransporte und blockiert dazu tagelang Bahngleise. Das Bundesgericht qualifizierte solche Blockadeaktionen als Nötigung, die nicht mehr von der Versammlungsfreiheit geschützt sind, da sie das duldbare Mass an politischer Einflussnahme deutlich überschreiten und mit rechtswidrigen Mitteln verbunden sind (**BGE 129 IV 6** E. 2.5 und 3.7).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n**N. 1** Die Versammlungsfreiheit gehört zu den politischen Grundrechten und bildet zusammen mit der Meinungsfreiheit (→ Art. 16 BV) das Fundament der demokratischen Willensbildung. Art. 22 BV gewährleistet sowohl die individuelle Freiheit zur Teilnahme an kollektiven Meinungskundgaben als auch das Recht, sich von solchen fernzuhalten. Die internationale Verankerung findet sich in Art. 11 EMRK und Art. 21 UNO-Pakt II, wobei das Bundesgericht festhält, dass diese keine weitergehenden Garantien als Art. 22 BV gewähren (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 2).\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 2** Die Versammlungsfreiheit war bereits in Art. 56 aBV verankert, allerdings mit dem ausdrücklichen Vorbehalt «friedlicher Versammlungen». Bei der Totalrevision 1999 wurde bewusst auf diesen Zusatz verzichtet. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 152) hielt dazu fest, dass trotz des geänderten Wortlauts keine materielle Änderung beabsichtigt sei — nur friedliche Versammlungen sollen geschützt sein. Die negative Versammlungsfreiheit (Fernbleiberecht) wurde neu explizit in Abs. 2 aufgenommen, nachdem sie zuvor nur implizit anerkannt war.\n\n**N. 3** Der Verfassungsgeber wollte mit der Neuformulierung die Bedeutung der Versammlungsfreiheit für die politische Meinungsbildung unterstreichen. Die parlamentarischen Beratungen zeigen, dass die Versammlungsfreiheit als unverzichtbares Element der direkten Demokratie verstanden wurde (AB 1998 N 369).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 22 BV steht im Abschnitt der Grundrechte zwischen der Vereinigungsfreiheit (Art. 23 BV) und der Niederlassungsfreiheit (Art. 24 BV). Die systematische Nähe zu Art. 16 BV (Meinungsfreiheit) ist funktional begründet: Versammlungen dienen regelmässig der kollektiven Meinungsäusserung. Das Bundesgericht spricht von einem «engen funktionalen Zusammenhang» zwischen beiden Grundrechten (**BGE 143 I 147** E. 3.2).\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu den politischen Rechten (→ Art. 34 BV) bildet die Versammlungsfreiheit eine wichtige Vorstufe der institutionalisierten politischen Partizipation. Anders als die politischen Rechte steht sie auch Ausländerinnen und Ausländern sowie Minderjährigen zu. Die Versammlungsfreiheit weist Querverbindungen zur Glaubens- und Gewissensfreiheit (→ Art. 15 BV) auf, soweit religiöse Versammlungen betroffen sind.\n\n**N. 6** Als Eingriffsnorm ist → Art. 36 BV zentral: Einschränkungen der Versammlungsfreiheit bedürfen einer gesetzlichen Grundlage, müssen durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein. Die polizeiliche Generalklausel genügt nur bei schwerer, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der persönliche Schutzbereich umfasst alle natürlichen Personen unabhängig von Alter oder Nationalität. Juristische Personen können sich auf die Versammlungsfreiheit berufen, soweit sie ideelle Zwecke verfolgen (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 10). Eine einfache Gesellschaft genügt für die Trägerschaft (**BGE 132 I 256** E. 1.1).\n\n**N. 8** Eine Versammlung im Sinne von Art. 22 BV setzt nach herrschender Lehre mindestens zwei Personen voraus (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 4). Charakteristisch ist weniger das physische Zusammenkommen als die kollektive Form der Meinungsbildung (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 7). Das Bundesgericht definiert Versammlungen als «örtliche Zusammenkunft mehrerer Personen zur gemeinschaftlichen Erörterung und Kundgebung» (**BGE 127 I 164** E. 3a).\n\n**N. 9** Trotz des neutralen Wortlauts schützt Art. 22 BV nach Rechtsprechung und herrschender Lehre nur friedliche Versammlungen (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 9; Müller/Schefer, Grundrechte, S. 401; **BGE 134 IV 216** E. 5.1). Gewaltanwendung oder Gewaltaufrufe fallen nicht unter den Schutzbereich. Die Grenze verläuft dort, wo die Versammlung «den Charakter einer gewalttätigen Zusammenrottung annimmt» (**BGE 147 I 372** E. 3.1).\n\n**N. 10** Umstritten ist, ob virtuelle Versammlungen unter Art. 22 BV fallen. Thürer et al., Belser und Waldmann bejahen dies mit Blick auf die technologische Entwicklung. Kiener/Kälin, Biaggini, der St. Galler Kommentar sowie Mohler, Grisel, Aubert und Mahon lehnen den Einbezug virtueller Zusammenkünfte ab oder stehen ihm skeptisch gegenüber (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 8). Die Bundesgerichtspraxis hat diese Frage noch nicht abschliessend geklärt.\n\n**N. 11** Sport- und Tanzveranstaltungen unterstehen nach Bundesgericht grundsätzlich nicht der Versammlungsfreiheit, es sei denn, organisierte Gruppierungen nutzen sie für politische Kundgaben (**BGE 137 I 31** E. 3.4.2). Die Abgrenzung bleibt nach Hertig noch nicht abschliessend geklärt (BSK BV, Art. 22 N. 6).\n\n**N. 12** Die Versammlungsfreiheit umfasst drei geschützte Ansprüche (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 11-13):\n- Das Recht, Versammlungen zu organisieren (Veranstalterfreiheit)\n- Das Recht, an Versammlungen teilzunehmen (Teilnahmefreiheit)  \n- Das Recht, Versammlungen fernzubleiben (negative Versammlungsfreiheit)\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Die Versammlungsfreiheit begründet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe. Darüber hinaus hat das Bundesgericht einen «gewissen Leistungscharakter» anerkannt: Der Staat muss für Kundgebungen in Grenzen öffentlichen Grund zur Verfügung stellen (**BGE 143 I 147** E. 3.2). Dies bedeutet keine unbeschränkte Nutzungsgarantie, aber ein Anspruch auf pflichtgemässe Ermessensausübung bei der Bewilligungserteilung.\n\n**N. 14** Die Bewilligungspflicht für Kundgebungen auf öffentlichem Grund stellt nach einhelliger Lehre einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit dar, der einer gesetzlichen Grundlage bedarf (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 18; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 924). Eine blosse polizeiliche Generalklausel genügt nicht. Die Bewilligung darf nur aus wichtigen öffentlichen Interessen verweigert werden.\n\n**N. 15** Bei der Kostenüberwälzung unterscheidet das Bundesgericht zwischen ordentlichen Polizeikosten (trägt die Allgemeinheit) und ausserordentlichen Kosten. Letztere dürfen Veranstaltern nur auferlegt werden, wenn diese das Verursacher- oder Störerprinzip erfüllen und die Kosten vorhersehbar waren (**BGE 143 I 147** E. 4.3). Ein «Chilling Effect» auf die Grundrechtsausübung ist zu vermeiden.\n\n**N. 16** Polizeiliche Massnahmen wie Wegweisungen, Fernhalteverfügungen oder erkennungsdienstliche Behandlungen müssen strikt verhältnismässig sein. Das Bundesgericht verwarf DNA-Entnahmen bei friedlichen Demonstranten als unverhältnismässig (**BGE 147 I 372**). Die präventive Festhaltung potenzieller Teilnehmer ist nur bei konkreter Gefährdung zulässig (**BGE 142 I 121**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Lehre ist gespalten in der Frage, ob eine blosse Meldepflicht anstelle der Bewilligungspflicht vorzuziehen wäre. Hertig plädiert für eine Meldepflicht als «weniger einschneidendes Erfordernis» (BSK BV, Art. 22 N. 18). Die Schweizer Praxis hält jedoch an der Bewilligungspflicht fest, was im europäischen Vergleich als restriktiv gilt (OSCE/ODIHR Guidelines 2010, S. 63).\n\n**N. 18** Kontrovers diskutiert wird die Anwendung der Versammlungsfreiheit auf Flashmobs und spontane Zusammenkünfte. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 1245) fordern eine grosszügige Handhabung bei Spontanversammlungen. Mohler (Polizeirecht, S. 187) betont demgegenüber die Notwendigkeit einer Voranmeldung aus Sicherheitsgründen.\n\n**N. 19** Die räumliche Reichweite des Leistungsanspruchs ist umstritten. Während Müller/Schefer (Grundrechte, S. 405) einen weitgehenden Anspruch auf Nutzung zentraler öffentlicher Plätze postulieren, vertritt Uebersax (RDAF 2006, 42) eine restriktivere Position mit Verweis auf konkurrierende Gemeingebrauchsansprüche.\n\n**N. 20** Bei der Kostentragung divergieren die Meinungen über die Grenze zwischen ordentlichen und ausserordentlichen Polizeikosten. Leutert (Polizeikostentragung, S. 156) plädiert für eine enge Auslegung zugunsten der Versammlungsfreiheit. Wyss (ZBl 2002, 401) mahnt hingegen zur Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit auch gegenüber der Allgemeinheit.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Veranstalter sollten Bewilligungen frühzeitig einholen und dabei Route, erwartete Teilnehmerzahl und Sicherheitskonzept detailliert darlegen. Die Behörden sind zu kooperativem Verhalten verpflichtet und müssen Alternativvorschläge prüfen (**BGE 132 I 256** E. 4.2). Eine pauschale Verweigerung ohne Alternativangebot ist unzulässig.\n\n**N. 22** Die negative Versammlungsfreiheit schützt vor Zwangsteilnahmen. Dies ist relevant bei betrieblichen Versammlungen oder Schulanlässen mit politischem Charakter. Arbeitgeber und Schulen müssen Fernbleibemöglichkeiten gewährleisten (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 927).\n\n**N. 23** Bei Gegendemonstrationen besteht kein absoluter Anspruch auf Sicht- und Hörweite zur Ursprungskundgebung. Die Polizei darf zur Konfliktvermeidung räumliche Trennungen verfügen, muss aber die kommunikative Wirkung beider Versammlungen gewährleisten (**BGE 127 I 164** E. 5c).\n\n**N. 24** Auflagen müssen klar formuliert und durchsetzbar sein. Typische zulässige Auflagen betreffen Demonstrationsroute, Lautstärke, Vermummungsverbot oder Alkoholverbot. Die Auflagen müssen einzeln auf ihre Verhältnismässigkeit geprüft werden (SG Komm. BV, Art. 22 N. 31).\n\n**N. 25** Die Haftung für Schäden richtet sich nach den allgemeinen Regeln (→ Art. 41 OR). Veranstalter haften nicht automatisch für Ausschreitungen einzelner Teilnehmer, es sei denn, sie haben ihre Sorgfaltspflichten verletzt oder die Eskalation war vorhersehbar (**BGE 137 I 31** E. 3.6).\n\n**N. 26** Im Strafverfahren gilt: Die blosse Teilnahme an einer unbewilligten, aber friedlichen Kundgebung ist nicht strafbar. Strafbar ist nur die Organisation ohne Bewilligung (Art. 260 StGB bei gewalttätigen Demonstrationen) oder die Missachtung behördlicher Verfügungen (Art. 292 StGB). Die Verbindung von Wegweisungen mit automatischer Strafdrohung ist unverhältnismässig (**BGE 147 I 103**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen und Schutzbereich\n\n**BGE 127 I 164** (20.9.2001)  \nGrundzüge der Versammlungsfreiheit bei Kundgebungen auf öffentlichem Grund.  \nDas Bundesgericht präzisierte die grundlegende Dogmatik zur Versammlungsfreiheit im Zusammenhang mit der Verweigerung einer Demonstration am WEF 2001 in Davos.\n\n> «Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit erhalten im Zusammenhang mit Demonstrationen einen über reine Abwehrrechte hinausgehenden Charakter und weisen ein gewisses Leistungselement auf. Die angesprochenen Grundrechte gebieten in gewissen Grenzen, dass öffentlicher Grund zur Verfügung gestellt wird.»\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nMeinungs- und Versammlungsfreiheit bei der Auferlegung von Kosten bei Kundgebungen.  \nPräzisierung des Schutzbereichs und des Begriffs des «chilling effect» bei ideellen Grundrechten.\n\n> «Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit können nicht nur durch direkte Eingriffe wie Verbote und Sanktionen beeinträchtigt werden. Denkbar sind auch mittelbare Beeinträchtigungen dieser Grundrechte in dem Sinne, dass der Betroffene sich aufgrund einer behördlichen Reaktion nicht mehr getraut, erneut vom Grundrecht Gebrauch zu machen.»\n\n### Bewilligungspflicht und Interessenabwägung\n\n**BGE 132 I 256** (1.8.2006)  \nVerweigerung einer Kundgebung am 1. August 2006 in Brunnen.  \nGrundsätze der behördlichen Schutzpflichten vor drohenden Gegendemonstrationen.\n\n> «Die Behörden sind über die Überlassung von öffentlichem Grund hinaus verpflichtet, durch geeignete Massnahmen - namentlich durch Gewährung eines ausreichenden Polizeischutzes - dafür zu sorgen, dass öffentliche Kundgebungen tatsächlich stattfinden können und nicht durch gegnerische Kreise gestört oder verhindert werden.»\n\n**BGE 142 I 121** (20.4.2016)  \nPolizeiliche Festhaltung eines potenziellen Teilnehmers einer unbewilligten Demonstration.  \nVerhältnismässigkeit präventiver polizeilicher Massnahmen bei Demonstrationen.\n\n> «Die rund zweieinhalbstündige Festhaltung des Beschwerdeführers im Rahmen einer polizeilichen Einkesselung sowie die anschliessende knapp dreieinhalbstündige Festhaltung zur sicherheitspolizeilichen Überprüfung stellten gesamthaft betrachtet einen Freiheitsentzug dar, der unverhältnismässig war.»\n\n### Kostentragung und Störerkonzept\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nKostenpflicht bei Kundgebungen mit Gewaltausübung nach luzernischem Polizeigesetz.  \nGrundsätze zur Kostentragung durch Veranstalter bei gewalttätigen Demonstrationen.\n\n> «Kundgebungsveranstalter als Zweckveranlasser können grundsätzlich ohne Verstoss gegen Art. 22 BV als Störer ins Recht gefasst werden, sofern die Kostentragungspflicht verhältnismässig ausgestaltet ist.»\n\n### Pandemiebedingte Einschränkungen\n\n**BGE 148 I 33** (3.9.2021)  \nCovid-19-bedingte Beschränkung der Teilnehmerzahl an Kundgebungen auf 15 Personen.  \nWegweisender Entscheid zur Verhältnismässigkeit von Pandemiemassnahmen bei Demonstrationen.\n\n> «Die grundsätzliche Bewilligungspflicht für Kundgebungen auf öffentlichem Grund erlaubt differenzierte Lösungen und die Anordnung risikolimitierender Auflagen im Einzelfall. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die hohe demokratische Bedeutung von Kundgebungen erscheint die Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 15 Personen unverhältnismässig.»\n\n**BGE 148 I 19** (3.9.2021)  \nCovid-19-bedingte Beschränkung auf 300 Personen im Kanton Uri.  \nBestätigung der besonderen verfassungsrechtlichen Stellung von Kundgebungen auch in Pandemiezeiten.\n\n> «Die Beschränkung der Teilnehmerzahl an politischen und zivilgesellschaftlichen Kundgebungen auf 300 Personen ist in Anbetracht des dem Regierungsrat zustehenden Ermessensspielraums und der konkreten epidemiologischen Lage verhältnismässig.»\n\n**BGE 147 I 450** (8.7.2021)  \nVeranstaltungsverbot des Kantons Schwyz zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie.  \nVerhältnismässigkeit pauschaler Kundgebungsverbote während der Pandemie.\n\n> «Das Veranstaltungsverbot des Kantons Schwyz erweist sich in Anbetracht des dem Regierungsrat zustehenden Ermessensspielraums bei der Beurteilung der epidemiologischen Lage als verhältnismässig.»\n\n### Strafverfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 147 I 372** (22.4.2021)  \nDNA-Profil und erkennungsdienstliche Erfassung bei friedlicher Kundgebungsteilnahme.  \nSchutz der Versammlungsfreiheit vor unverhältnismässigen strafprozessualen Eingriffen.\n\n> «Eine friedliche Protestaktion steht unter dem Schutz der Versammlungs- und der Meinungsäusserungsfreiheit; das DNA-Profil und die erkennungsdienstliche Erfassung erweisen sich als unverhältnismässig, wenn keine erheblichen und konkreten Anhaltspunkte für weitere Straftaten vorliegen.»\n\n**BGE 134 IV 216** (3.4.2008)  \nAutobahn-Blockade im Rahmen eines Streiks und der Tatbestand der Nötigung.  \nGrenzen zwischen erlaubter Demonstration und strafbarer Nötigung.\n\n> «Das Streikrecht und die Versammlungsfreiheit rechtfertigen nicht jede Behinderung des Verkehrs. Eine Blockade des Verkehrs auf einer Autobahn im Rahmen eines Streiks kann den Tatbestand der Nötigung erfüllen.»\n\n### Wegweisungen und Fernhalteverfügungen\n\n**BGE 132 I 49** (25.1.2006)  \nWegweisungs- und Fernhalteverfügungen vor Sportveranstaltungen.  \nVerhältnis zwischen präventiven polizeilichen Massnahmen und Versammlungsfreiheit.\n\n> «Aus einer selbständigen Anrufung der Menschenwürde können die Betroffenen nichts zu ihren Gunsten ableiten; sie können sich auf die Versammlungsfreiheit, die persönliche Freiheit, das Diskriminierungsverbot und das Willkürverbot berufen.»\n\n**BGE 147 I 103** (29.4.2020)  \nUnverhältnismässigkeit der automatischen Verbindung von Wegweisungsmassnahmen mit Strafdrohung.  \nSchutz der Versammlungsfreiheit vor präventiven Massnahmen mit Strafcharakter.\n\n> «Die automatische Verbindung zwischen den Wegweisungs- und Fernhaltungsmassnahmen mit der Strafdrohung nach Art. 292 StGB erweist sich als unverhältnismässiger Eingriff in die Versammlungsfreiheit.»\n\n### Hooligankonkordat und Sportveranstaltungen\n\n**BGE 137 I 31** (13.10.2010)  \nKonkordat über Massnahmen gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen.  \nVereinbarkeit präventiver Massnahmen mit der Versammlungsfreiheit.\n\n> «Die im Konkordat vorgesehenen Massnahmen (Rayonverbot, Meldeauflage und Polizeigewahrsam) sind polizeilicher Natur und stellen Eingriffe in die Versammlungsfreiheit dar, die jedoch unter den gegebenen Umständen verhältnismässig sind.»\n\n**BGE 140 I 2** (1.1.2014)  \nAbstrakte Normenkontrolle bezüglich Hooligankonkordat.  \nVerfassungsmässigkeit präventiver Massnahmen gegen Gewalt bei Sportanlässen.\n\n> «Die Bestimmungen des Konkordats über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen halten vor der Versammlungsfreiheit stand, soweit sie verhältnismässig ausgestaltet sind.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\n**BGE 151 I 257** (8.10.2024)  \nWEF-Marschkundgebung auf alternativer Route statt Kantonsstrasse.  \nVerhältnismässigkeit von Routenbeschränkungen und deren Auswirkung auf die Appellwirkung.\n\n> «Der mit der Verschiebung der Route verbundene Eingriff in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit erweist sich als unverhältnismässig, weil die Kundgebung unter Auflagen und Bedingungen zumindest abschnittsweise im Sinne eines milderen Mittels entlang der Kantonsstrasse hätte bewilligt werden können.»\n\n### Private Veranstaltungen und allgemeine Polizeiklausel\n\n**BGE 147 I 161** (3.8.2020)  \nVerbot einer Veranstaltung im privaten Raum und Begriff des Störers.  \nSchutzbereich der Versammlungsfreiheit auch bei privaten Räumlichkeiten.\n\n> «Der Anwendungsbereich der polizeilichen Generalklausel als gesetzliche Grundlage für einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit ist grundsätzlich auf unvorhersehbare Notfälle beschränkt, die spezialgesetzlich nicht geregelt sind.»", "summary_fr": "# Art. 22 Cst. — Liberté de réunion\n\n## Aperçu\n\nL'article 22 de la Constitution fédérale garantit la liberté de réunion. Toute personne a le droit d'organiser des réunions, d'y participer ou de s'en abstenir. Ce droit fondamental englobe diverses formes de rassemblements organisés à des fins de formation d'opinion.\n\n### Que règle l'art. 22 Cst. ?\n\nLa liberté de réunion protège le droit de se rassembler pacifiquement avec autrui. Cela comprend aussi bien de petits groupes que de grandes manifestations. Selon la jurisprudence, deux personnes suffisent déjà pour constituer une réunion (**ATF 129 IV 6** consid. 5.5.1). La protection constitutionnelle ne vise pas principalement le rassemblement physique, mais la formation collective d'opinion (Hertig, BSK BV, art. 22 n. 7).\n\nIl est essentiel que seules les réunions pacifiques soient protégées. Le Tribunal fédéral a souligné à plusieurs reprises que la Constitution ne protège que les réunions pacifiques, malgré une formulation divergente (**ATF 129 IV 6** consid. 2.5 ; Hertig, BSK BV, art. 22 n. 9). En cas d'usage de violence, la protection du droit fondamental disparaît, pour autant que la violence supplante complètement la composante de formation d'opinion.\n\n### Qui est concerné ?\n\nSont protégées toutes les personnes qui organisent une réunion, y participent ou s'en abstiennent consciemment. Cela comprend les particuliers, les associations et les groupements politiques. La qualité pour agir appartient à tous, indépendamment de la nationalité ou du domicile (Hertig, BSK BV, art. 22 n. 10).\n\nDes restrictions sont possibles : l'État peut exiger une autorisation pour les manifestations sur le domaine public. La doctrine dominante considère cette obligation d'autorisation comme une atteinte aux droits fondamentaux qui nécessite une base légale (Hertig, BSK BV, art. 22 n. 18).\n\n### Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nPour les manifestations sur le domaine public, il existe en principe un droit conditionnel à l'usage de l'espace public. Les autorités doivent prendre des mesures appropriées pour permettre la tenue de réunions (**ATF 132 I 256** consid. 3).\n\nSi une réunion entraîne des coûts de police particuliers, ceux-ci peuvent, sous certaines conditions, être imputés aux organisateurs. Le Tribunal fédéral a cependant souligné que l'imputation de coûts constitue une atteinte aux droits fondamentaux et doit être proportionnée afin de ne pas avoir d'effet dissuasif (**ATF 143 I 147** consid. 3.1 et 3.3).\n\n### Exemple pratique\n\nUn groupe planifie une manifestation contre les transports de déchets nucléaires et bloque à cette fin des voies ferrées pendant plusieurs jours. Le Tribunal fédéral a qualifié de telles actions de blocage de contrainte, qui ne sont plus protégées par la liberté de réunion car elles dépassent nettement la mesure tolérable d'influence politique et sont liées à des moyens illicites (**ATF 129 IV 6** consid. 2.5 et 3.7).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n**N. 1** La liberté de réunion fait partie des droits fondamentaux politiques et constitue, avec la liberté d'opinion (→ Art. 16 Cst.), le fondement de la formation de la volonté démocratique. L'art. 22 Cst. garantit tant la liberté individuelle de participer à des manifestations collectives d'opinion que le droit de s'en abstenir. L'ancrage international se trouve dans l'art. 11 CEDH et l'art. 21 Pacte ONU II, le Tribunal fédéral retenant que ceux-ci n'accordent pas de garanties plus étendues que l'art. 22 Cst. (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 2).\n\n### 1. Historique\n\n**N. 2** La liberté de réunion était déjà ancrée dans l'art. 56 aCst., mais avec la réserve expresse des « réunions pacifiques ». Lors de la révision totale de 1999, il a été consciemment renoncé à cet ajout. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 152) précisait qu'en dépit du changement de libellé, aucune modification matérielle n'était envisagée — seules les réunions pacifiques devaient être protégées. La liberté de réunion négative (droit de s'abstenir) a été nouvellement inscrite explicitement à l'al. 2, après n'avoir été reconnue qu'implicitement auparavant.\n\n**N. 3** Le constituant voulait, par cette nouvelle formulation, souligner l'importance de la liberté de réunion pour la formation de l'opinion politique. Les délibérations parlementaires montrent que la liberté de réunion était comprise comme un élément indispensable de la démocratie directe (BO 1998 N 369).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 22 Cst. se situe dans la section des droits fondamentaux entre la liberté d'association (art. 23 Cst.) et la liberté d'établissement (art. 24 Cst.). La proximité systématique avec l'art. 16 Cst. (liberté d'opinion) est justifiée fonctionnellement : les réunions servent régulièrement à l'expression collective d'opinions. Le Tribunal fédéral parle d'un « lien fonctionnel étroit » entre ces deux droits fondamentaux (**ATF 143 I 147** c. 3.2).\n\n**N. 5** Dans le rapport aux droits politiques (→ Art. 34 Cst.), la liberté de réunion constitue une étape préparatoire importante à la participation politique institutionnalisée. Contrairement aux droits politiques, elle est également accordée aux étrangers et aux mineurs. La liberté de réunion présente des liens transversaux avec la liberté de conscience et de croyance (→ Art. 15 Cst.) dans la mesure où des réunions religieuses sont concernées.\n\n**N. 6** Comme norme d'atteinte, → l'art. 36 Cst. est central : les restrictions à la liberté de réunion requièrent une base légale, doivent être justifiées par un intérêt public et être proportionnées. La clause générale de police ne suffit qu'en cas de danger grave, immédiat et qui ne peut être écarté autrement.\n\n### 3. Éléments du fait constitutif / Contenu de la norme\n\n**N. 7** Le champ d'application personnel comprend toutes les personnes physiques indépendamment de l'âge ou de la nationalité. Les personnes morales peuvent se prévaloir de la liberté de réunion dans la mesure où elles poursuivent des buts idéaux (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 10). Une société simple suffit pour la qualité pour agir (**ATF 132 I 256** c. 1.1).\n\n**N. 8** Une réunion au sens de l'art. 22 Cst. présuppose selon la doctrine dominante au moins deux personnes (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 4). Ce qui est caractéristique, c'est moins le rassemblement physique que la forme collective de formation d'opinion (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 7). Le Tribunal fédéral définit les réunions comme « rassemblement local de plusieurs personnes pour discussion et manifestation communes » (**ATF 127 I 164** c. 3a).\n\n**N. 9** Malgré le libellé neutre, l'art. 22 Cst. ne protège selon la jurisprudence et la doctrine dominante que les réunions pacifiques (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 9 ; Müller/Schefer, Grundrechte, p. 401 ; **ATF 134 IV 216** c. 5.1). L'usage de la violence ou les appels à la violence ne tombent pas sous le champ de protection. La limite se situe là où la réunion « prend le caractère d'un attroupement violent » (**ATF 147 I 372** c. 3.1).\n\n**N. 10** Il est controversé de savoir si les réunions virtuelles tombent sous l'art. 22 Cst. Thürer et al., Belser et Waldmann l'affirment en considération de l'évolution technologique. Kiener/Kälin, Biaggini, le commentaire de Saint-Gall ainsi que Mohler, Grisel, Aubert et Mahon rejettent l'inclusion des rassemblements virtuels ou s'y montrent sceptiques (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 8). La pratique du Tribunal fédéral n'a pas encore tranché définitivement cette question.\n\n**N. 11** Les manifestations sportives et dansantes ne relèvent en principe pas de la liberté de réunion selon le Tribunal fédéral, sauf si des groupes organisés les utilisent pour des manifestations politiques (**ATF 137 I 31** c. 3.4.2). La délimitation n'est pas encore définitivement clarifiée selon Hertig (BSK BV, Art. 22 N. 6).\n\n**N. 12** La liberté de réunion comprend trois prétentions protégées (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 11-13) :\n- Le droit d'organiser des réunions (liberté d'organisation)\n- Le droit de participer à des réunions (liberté de participation)  \n- Le droit de s'abstenir de réunions (liberté de réunion négative)\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 13** La liberté de réunion fonde principalement un droit de défense contre les atteintes étatiques. En outre, le Tribunal fédéral a reconnu un « certain caractère de prestation » : l'État doit mettre à disposition dans certaines limites du domaine public pour des manifestations (**ATF 143 I 147** c. 3.2). Cela ne signifie pas une garantie d'usage illimitée, mais un droit à un exercice conforme du pouvoir d'appréciation lors de l'octroi d'autorisations.\n\n**N. 14** L'obligation d'autorisation pour des manifestations sur le domaine public constitue selon la doctrine unanime une atteinte à la liberté de réunion qui requiert une base légale (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 18 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 924). Une simple clause générale de police ne suffit pas. L'autorisation ne peut être refusée que pour d'importants intérêts publics.\n\n**N. 15** Pour la répercussion des coûts, le Tribunal fédéral distingue entre les coûts ordinaires de police (supportés par la collectivité) et les coûts extraordinaires. Ces derniers ne peuvent être imposés aux organisateurs que si ceux-ci remplissent le principe du pollueur ou du perturbateur et que les coûts étaient prévisibles (**ATF 143 I 147** c. 4.3). Un « effet dissuasif » sur l'exercice des droits fondamentaux est à éviter.\n\n**N. 16** Les mesures de police comme les expulsions, les interdictions d'accès ou les traitements d'identification doivent être strictement proportionnées. Le Tribunal fédéral a rejeté les prélèvements d'ADN chez des manifestants pacifiques comme disproportionnés (**ATF 147 I 372**). La détention préventive de participants potentiels n'est admise qu'en cas de mise en danger concrète (**ATF 142 I 121**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** La doctrine est divisée sur la question de savoir s'il faudrait préférer une simple obligation d'annonce à l'obligation d'autorisation. Hertig plaide pour une obligation d'annonce comme « exigence moins attentatoire » (BSK BV, Art. 22 N. 18). La pratique suisse maintient cependant l'obligation d'autorisation, ce qui est considéré comme restrictif en comparaison européenne (OSCE/ODIHR Guidelines 2010, p. 63).\n\n**N. 18** L'application de la liberté de réunion aux flashmobs et rassemblements spontanés est discutée de manière controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 1245) exigent une pratique généreuse pour les réunions spontanées. Mohler (Polizeirecht, p. 187) souligne au contraire la nécessité d'une annonce préalable pour des raisons de sécurité.\n\n**N. 19** La portée spatiale du droit à une prestation est controversée. Alors que Müller/Schefer (Grundrechte, p. 405) postulent un droit étendu à l'usage de places publiques centrales, Uebersax (RDAF 2006, 42) défend une position plus restrictive en référence aux prétentions d'usage commun concurrentes.\n\n**N. 20** Pour la prise en charge des coûts, les opinions divergent sur la limite entre coûts ordinaires et extraordinaires de police. Leutert (Polizeikostentragung, p. 156) plaide pour une interprétation étroite en faveur de la liberté de réunion. Wyss (ZBl 2002, 401) exhorte cependant à la prise en compte de la proportionnalité également envers la collectivité.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Les organisateurs devraient demander les autorisations en temps utile en exposant en détail l'itinéraire, le nombre de participants attendu et le concept de sécurité. Les autorités sont tenues à un comportement coopératif et doivent examiner des propositions alternatives (**ATF 132 I 256** c. 4.2). Un refus global sans offre d'alternative est inadmissible.\n\n**N. 22** La liberté de réunion négative protège contre les participations forcées. Ceci est pertinent pour les réunions d'entreprise ou les événements scolaires à caractère politique. Les employeurs et les écoles doivent garantir des possibilités d'abstention (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 927).\n\n**N. 23** Pour les contre-manifestations, il n'existe pas de droit absolu à la visibilité et à la portée auditive de la manifestation originelle. La police peut ordonner des séparations spatiales pour éviter les conflits, mais doit garantir l'effet communicatif des deux réunions (**ATF 127 I 164** c. 5c).\n\n**N. 24** Les conditions doivent être clairement formulées et applicables. Les conditions admissibles typiques concernent l'itinéraire de manifestation, le volume sonore, l'interdiction de se dissimuler le visage ou l'interdiction d'alcool. Les conditions doivent être examinées individuellement quant à leur proportionnalité (SG Komm. BV, Art. 22 N. 31).\n\n**N. 25** La responsabilité pour les dommages se règle selon les règles générales (→ Art. 41 CO). Les organisateurs ne sont pas automatiquement responsables des débordements de participants individuels, sauf s'ils ont violé leurs devoirs de diligence ou si l'escalade était prévisible (**ATF 137 I 31** c. 3.6).\n\n**N. 26** En procédure pénale vaut : la simple participation à une manifestation non autorisée mais pacifique n'est pas punissable. Seule est punissable l'organisation sans autorisation (art. 260 CP pour les manifestations violentes) ou le non-respect de décisions des autorités (art. 292 CP). La combinaison d'expulsions avec une menace pénale automatique est disproportionnée (**ATF 147 I 103**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements et champ de protection\n\n**ATF 127 I 164** (20.9.2001)  \nGrands principes de la liberté de réunion lors de manifestations sur le domaine public.  \nLe Tribunal fédéral a précisé la dogmatique fondamentale relative à la liberté de réunion dans le contexte du refus d'une manifestation au WEF 2001 à Davos.\n\n> « La liberté d'opinion et de réunion acquièrent, dans le contexte des manifestations, un caractère qui va au-delà des droits de défense purs et présentent un certain élément de prestation. Les droits fondamentaux concernés exigent, dans certaines limites, que le domaine public soit mis à disposition. »\n\n**ATF 143 I 147** (1.1.2017)  \nLiberté d'opinion et de réunion lors de l'imposition de coûts pour des manifestations.  \nPrécision du champ de protection et de la notion d'« effet paralysant » (chilling effect) pour les droits fondamentaux idéels.\n\n> « La liberté d'opinion et de réunion peuvent être entravées non seulement par des atteintes directes telles que des interdictions et des sanctions. Des atteintes indirectes à ces droits fondamentaux sont également envisageables en ce sens que la personne concernée n'ose plus exercer à nouveau le droit fondamental en raison d'une réaction de l'autorité. »\n\n### Obligation d'autorisation et pesée des intérêts\n\n**ATF 132 I 256** (1.8.2006)  \nRefus d'une manifestation le 1er août 2006 à Brunnen.  \nPrincipes des obligations de protection des autorités face aux contre-manifestations menaçantes.\n\n> « Les autorités sont tenues, au-delà de la mise à disposition du domaine public, de veiller par des mesures appropriées - notamment en accordant une protection policière suffisante - à ce que les manifestations publiques puissent effectivement avoir lieu et ne soient pas perturbées ou empêchées par des milieux adverses. »\n\n**ATF 142 I 121** (20.4.2016)  \nRétention policière d'un participant potentiel d'une manifestation non autorisée.  \nProportionnalité des mesures préventives de police lors de manifestations.\n\n> « La rétention du recourant d'environ deux heures et demie dans le cadre d'un encerclement policier ainsi que la rétention subséquente d'un peu moins de trois heures et demie pour vérification de police de sûreté constituaient, considérées globalement, une privation de liberté qui était disproportionnée. »\n\n### Prise en charge des coûts et concept de perturbateur\n\n**ATF 143 I 147** (1.1.2017)  \nObligation de supporter les coûts lors de manifestations avec violence selon la loi de police lucernoise.  \nPrincipes relatifs à la prise en charge des coûts par les organisateurs lors de manifestations violentes.\n\n> « Les organisateurs de manifestations en tant que responsables en raison du but poursuivi peuvent en principe être recherchés comme perturbateurs sans violation de l'art. 22 Cst., pour autant que l'obligation de supporter les coûts soit conçue de manière proportionnée. »\n\n### Restrictions liées à la pandémie\n\n**ATF 148 I 33** (3.9.2021)  \nLimitation du nombre de participants aux manifestations à 15 personnes en raison du Covid-19.  \nArrêt de référence sur la proportionnalité des mesures pandémiques lors de manifestations.\n\n> « L'obligation d'autorisation de principe pour les manifestations sur le domaine public permet des solutions différenciées et l'ordonnance de charges limitant les risques dans le cas particulier. Dans cette perspective et eu égard à la haute signification démocratique des manifestations, la limitation du nombre de participants à 15 personnes paraît disproportionnée. »\n\n**ATF 148 I 19** (3.9.2021)  \nLimitation à 300 personnes en raison du Covid-19 dans le canton d'Uri.  \nConfirmation du statut constitutionnel particulier des manifestations même en temps de pandémie.\n\n> « La limitation du nombre de participants aux manifestations politiques et de la société civile à 300 personnes est proportionnée eu égard à la marge d'appréciation qui revient au Conseil d'État et à la situation épidémiologique concrète. »\n\n**ATF 147 I 450** (8.7.2021)  \nInterdiction de manifestations du canton de Schwyz pour endiguer la pandémie de Covid-19.  \nProportionnalité des interdictions générales de manifestations pendant la pandémie.\n\n> « L'interdiction de manifestations du canton de Schwyz s'avère proportionnée eu égard à la marge d'appréciation qui revient au Conseil d'État lors de l'appréciation de la situation épidémiologique. »\n\n### Aspects de droit de procédure pénale\n\n**ATF 147 I 372** (22.4.2021)  \nProfil ADN et saisie anthropométrique lors de participation pacifique à une manifestation.  \nProtection de la liberté de réunion contre les atteintes disproportionnées de procédure pénale.\n\n> « Une action de protestation pacifique est protégée par la liberté de réunion et d'expression ; le profil ADN et la saisie anthropométrique s'avèrent disproportionnés lorsqu'il n'existe pas d'indices importants et concrets pour d'autres infractions. »\n\n**ATF 134 IV 216** (3.4.2008)  \nBlocage d'autoroute dans le cadre d'une grève et l'infraction de contrainte.  \nLimites entre manifestation autorisée et contrainte punissable.\n\n> « Le droit de grève et la liberté de réunion ne justifient pas toute entrave au trafic. Un blocage du trafic sur une autoroute dans le cadre d'une grève peut réaliser les éléments constitutifs de la contrainte. »\n\n### Expulsions et ordonnances d'éloignement\n\n**ATF 132 I 49** (25.1.2006)  \nOrdonnances d'expulsion et d'éloignement avant des manifestations sportives.  \nRapport entre mesures préventives de police et liberté de réunion.\n\n> « D'une invocation autonome de la dignité humaine, les personnes concernées ne peuvent rien dériver en leur faveur ; elles peuvent se prévaloir de la liberté de réunion, de la liberté personnelle, de l'interdiction de la discrimination et de l'interdiction de l'arbitraire. »\n\n**ATF 147 I 103** (29.4.2020)  \nCaractère disproportionné de la liaison automatique des mesures d'expulsion avec la menace de peine.  \nProtection de la liberté de réunion contre les mesures préventives à caractère pénal.\n\n> « La liaison automatique entre les mesures d'expulsion et d'éloignement avec la menace de peine selon l'art. 292 CP s'avère être une atteinte disproportionnée à la liberté de réunion. »\n\n### Concordat sur les hooligans et manifestations sportives\n\n**ATF 137 I 31** (13.10.2010)  \nConcordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives.  \nCompatibilité des mesures préventives avec la liberté de réunion.\n\n> « Les mesures prévues dans le concordat (interdiction de périmètre, obligation de se présenter et détention préventive de police) sont de nature policière et constituent des atteintes à la liberté de réunion qui sont toutefois proportionnées dans les circonstances données. »\n\n**ATF 140 I 2** (1.1.2014)  \nContrôle abstrait des normes concernant le concordat sur les hooligans.  \nConstitutionnalité des mesures préventives contre la violence lors d'événements sportifs.\n\n> « Les dispositions du concordat sur les mesures contre la violence à l'occasion de manifestations sportives résistent à l'examen de la liberté de réunion, pour autant qu'elles soient conçues de manière proportionnée. »\n\n### Développements récents\n\n**ATF 151 I 257** (8.10.2024)  \nManifestation de marche au WEF sur un itinéraire alternatif au lieu de la route cantonale.  \nProportionnalité des restrictions d'itinéraire et leur impact sur l'effet d'appel.\n\n> « L'atteinte à la liberté d'opinion et de réunion liée au déplacement de l'itinéraire s'avère disproportionnée, car la manifestation aurait pu être autorisée sous charges et conditions au moins par sections le long de la route cantonale au sens d'un moyen plus doux. »\n\n### Manifestations privées et clause générale de police\n\n**ATF 147 I 161** (3.8.2020)  \nInterdiction d'une manifestation dans un espace privé et notion de perturbateur.  \nChamp de protection de la liberté de réunion également pour des locaux privés.\n\n> « Le champ d'application de la clause générale de police comme base légale pour une atteinte à la liberté de réunion est en principe limité aux cas d'urgence imprévisibles qui ne sont pas réglés par des lois spéciales. »", "summary_it": "# Art. 22 Cost. — Libertà di riunione\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 22 della Costituzione federale garantisce la libertà di riunione. Ogni persona ha il diritto di organizzare riunioni, di parteciparvi o di astenersi. Questo diritto fondamentale comprende le più svariate forme di raduno organizzato con scopo di formazione dell'opinione.\n\n### Che cosa disciplina l'art. 22 Cost.?\n\nLa libertà di riunione protegge il diritto di riunirsi pacificamente con altre persone. Ciò comprende sia piccoli gruppi sia grandi manifestazioni. Secondo la giurisprudenza bastano già due persone per una riunione (**BGE 129 IV 6** consid. 5.5.1). La protezione costituzionale non si riferisce principalmente al riunirsi fisico, bensì alla formazione collettiva dell'opinione (Hertig, BSK Cost., art. 22 n. 7).\n\nÈ fondamentale che siano protette soltanto le riunioni pacifiche. Il Tribunale federale ha ribadito ripetutamente che la Costituzione, nonostante il tenore letterale divergente, protegge soltanto le riunioni pacifiche (**BGE 129 IV 6** consid. 2.5; Hertig, BSK Cost., art. 22 n. 9). In caso di uso della violenza la protezione del diritto fondamentale viene meno, purché la violenza sovrasti completamente la componente di formazione dell'opinione.\n\n### Chi è interessato?\n\nSono protette tutte le persone che organizzano una riunione, vi partecipano o se ne astengono consapevolmente. Ciò comprende privati, associazioni e gruppi politici. La qualità di titolare del diritto spetta a tutti, indipendentemente dalla cittadinanza o dal domicilio (Hertig, BSK Cost., art. 22 n. 10).\n\nSono possibili restrizioni: lo Stato può esigere un'autorizzazione per manifestazioni su suolo pubblico. La dottrina dominante considera questo obbligo di autorizzazione come una limitazione di un diritto fondamentale, che necessita di una base legale (Hertig, BSK Cost., art. 22 n. 18).\n\n### Quali sono le conseguenze giuridiche?\n\nPer manifestazioni su suolo pubblico sussiste in linea di principio un diritto condizionale all'utilizzo dello spazio pubblico. Le autorità devono provvedere con misure adeguate affinché le riunioni possano aver luogo (**BGE 132 I 256** consid. 3).\n\nSe una riunione comporta costi di polizia particolari, questi possono essere addossati agli organizzatori a determinate condizioni. Il Tribunale federale ha però sottolineato che l'imposizione di costi costituisce una limitazione di un diritto fondamentale e deve essere proporzionata per non avere un effetto dissuasivo (**BGE 143 I 147** consid. 3.1 e 3.3).\n\n### Esempio dalla prassi\n\nUn gruppo pianifica una manifestazione contro i trasporti di scorie nucleari e a tal fine blocca per giorni i binari ferroviari. Il Tribunale federale ha qualificato tali azioni di blocco come coazione, che non sono più protette dalla libertà di riunione poiché superano chiaramente la misura tollerabile di influenza politica e sono collegate a mezzi contrari al diritto (**BGE 129 IV 6** consid. 2.5 e 3.7).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n**N. 1** La libertà di riunione appartiene ai diritti fondamentali politici e costituisce insieme alla libertà d'opinione (→ Art. 16 Cost.) il fondamento della formazione democratica della volontà. L'art. 22 Cost. garantisce sia la libertà individuale di partecipare a manifestazioni collettive di opinione sia il diritto di astenersi da tali manifestazioni. L'ancoraggio internazionale si trova nell'art. 11 CEDU e nell'art. 21 Patto ONU II, benché il Tribunale federale stabilisca che questi non accordano garanzie più estese dell'art. 22 Cost. (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 2).\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 2** La libertà di riunione era già ancorata nell'art. 56 aCost., tuttavia con l'espressa riserva delle «riunioni pacifiche». Nella revisione totale del 1999 si è deliberatamente rinunciato a questa aggiunta. Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 152) stabiliva al riguardo che, nonostante il cambiamento di formulazione, non si intendeva alcuna modifica materiale — solo le riunioni pacifiche dovevano essere protette. La libertà di riunione negativa (diritto di astensione) è stata esplicitamente inserita nel cpv. 2, dopo essere stata precedentemente riconosciuta solo implicitamente.\n\n**N. 3** Il costituente ha voluto con la nuova formulazione sottolineare l'importanza della libertà di riunione per la formazione dell'opinione politica. Le deliberazioni parlamentari mostrano che la libertà di riunione era intesa come elemento indispensabile della democrazia diretta (AB 1998 N 369).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 22 Cost. si trova nella sezione dei diritti fondamentali tra la libertà di associazione (art. 23 Cost.) e la libertà di domicilio (art. 24 Cost.). La vicinanza sistematica all'art. 16 Cost. (libertà d'opinione) è motivata funzionalmente: le riunioni servono regolarmente all'espressione collettiva dell'opinione. Il Tribunale federale parla di uno «stretto nesso funzionale» tra entrambi i diritti fondamentali (**DTF 143 I 147** consid. 3.2).\n\n**N. 5** Nel rapporto con i diritti politici (→ Art. 34 Cost.), la libertà di riunione costituisce un'importante fase preliminare della partecipazione politica istituzionalizzata. Diversamente dai diritti politici, essa spetta anche a straniere e stranieri nonché ai minorenni. La libertà di riunione presenta collegamenti trasversali con la libertà di credo e di coscienza (→ Art. 15 Cost.), nella misura in cui sono coinvolte riunioni religiose.\n\n**N. 6** Come norma di limitazione è centrale l'→ art. 36 Cost.: le restrizioni della libertà di riunione necessitano di una base legale, devono essere giustificate da un interesse pubblico ed essere proporzionate. La clausola generale di polizia è sufficiente solo in caso di pericolo grave, immediato e non altrimenti evitabile.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** L'ambito di protezione personale comprende tutte le persone fisiche indipendentemente da età o nazionalità. Le persone giuridiche possono invocare la libertà di riunione, nella misura in cui perseguono scopi ideali (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 10). Una società semplice è sufficiente per la titolarità (**DTF 132 I 256** consid. 1.1).\n\n**N. 8** Una riunione nel senso dell'art. 22 Cost. presuppone secondo la dottrina dominante almeno due persone (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 4). Caratteristica è meno l'incontro fisico quanto la forma collettiva della formazione dell'opinione (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 7). Il Tribunale federale definisce le riunioni come «raduno locale di più persone per la discussione e manifestazione comune» (**DTF 127 I 164** consid. 3a).\n\n**N. 9** Nonostante la formulazione neutra, l'art. 22 Cost. protegge secondo giurisprudenza e dottrina dominante solo le riunioni pacifiche (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 9; Müller/Schefer, Grundrechte, pag. 401; **DTF 134 IV 216** consid. 5.1). L'uso della violenza o gli incitamenti alla violenza non rientrano nell'ambito di protezione. Il limite decorre là dove la riunione «assume il carattere di un assembramento violento» (**DTF 147 I 372** consid. 3.1).\n\n**N. 10** È controverso se le riunioni virtuali rientrino nell'art. 22 Cost. Thürer et al., Belser e Waldmann lo confermano considerando l'evoluzione tecnologica. Kiener/Kälin, Biaggini, il Commentario di San Gallo così come Mohler, Grisel, Aubert e Mahon respingono l'inclusione di incontri virtuali o vi si pongono scetticamente (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 8). La prassi del Tribunale federale non ha ancora chiarito definitivamente questa questione.\n\n**N. 11** Le manifestazioni sportive e di danza sottostanno secondo il Tribunale federale fondamentalmente non alla libertà di riunione, salvo che raggruppamenti organizzati le utilizzino per manifestazioni politiche (**DTF 137 I 31** consid. 3.4.2). La delimitazione rimane secondo Hertig non ancora definitivamente chiarita (BSK BV, Art. 22 N. 6).\n\n**N. 12** La libertà di riunione comprende tre pretese protette (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 11-13):\n- Il diritto di organizzare riunioni (libertà dell'organizzatore)\n- Il diritto di partecipare a riunioni (libertà di partecipazione)\n- Il diritto di astenersi dalle riunioni (libertà di riunione negativa)\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** La libertà di riunione fonda primariamente un diritto di difesa contro ingerenze statali. Inoltre, il Tribunale federale ha riconosciuto un «certo carattere prestazionale»: lo Stato deve mettere a disposizione per le manifestazioni entro certi limiti il suolo pubblico (**DTF 143 I 147** consid. 3.2). Ciò non significa una garanzia di utilizzazione illimitata, ma una pretesa all'esercizio conforme al dovere del potere discrezionale nel rilascio dell'autorizzazione.\n\n**N. 14** L'obbligo di autorizzazione per manifestazioni su suolo pubblico costituisce secondo dottrina unanime un'ingerenza nella libertà di riunione che necessita di una base legale (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 18; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 924). Una mera clausola generale di polizia non è sufficiente. L'autorizzazione può essere rifiutata solo per importanti interessi pubblici.\n\n**N. 15** Nel trasferimento dei costi il Tribunale federale distingue tra costi di polizia ordinari (sopporta la collettività) e costi straordinari. Questi ultimi possono essere addossati agli organizzatori solo se questi adempiono il principio di causalità o del perturbatore e i costi erano prevedibili (**DTF 143 I 147** consid. 4.3). È da evitare un «chilling effect» sull'esercizio del diritto fondamentale.\n\n**N. 16** Misure di polizia come allontanamenti, ordinanze di divieto di avvicinamento o trattamenti segnaletici devono essere strettamente proporzionate. Il Tribunale federale ha respinto prelievi di DNA su manifestanti pacifici come sproporzionati (**DTF 147 I 372**). Il fermo preventivo di potenziali partecipanti è ammissibile solo in caso di pericolo concreto (**DTF 142 I 121**).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 17** La dottrina è divisa sulla questione se un mero obbligo di notifica sarebbe da preferire all'obbligo di autorizzazione. Hertig propende per un obbligo di notifica come «requisito meno incisivo» (BSK BV, Art. 22 N. 18). La prassi svizzera mantiene tuttavia l'obbligo di autorizzazione, il che nel confronto europeo è considerato restrittivo (OSCE/ODIHR Guidelines 2010, pag. 63).\n\n**N. 18** È discussa controversialmente l'applicazione della libertà di riunione ai flashmob e agli incontri spontanei. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 1245) esigono una gestione generosa per le riunioni spontanee. Mohler (Polizeirecht, pag. 187) sottolinea invece la necessità di una pre-notifica per motivi di sicurezza.\n\n**N. 19** La portata spaziale della pretesa prestazionale è controversa. Mentre Müller/Schefer (Grundrechte, pag. 405) postulano una pretesa estesa all'utilizzo di piazze pubbliche centrali, Uebersax (RDAF 2006, 42) rappresenta una posizione più restrittiva con riferimento a pretese concorrenti di uso comune.\n\n**N. 20** Nella sopportazione dei costi divergono le opinioni sul limite tra costi di polizia ordinari e straordinari. Leutert (Polizeikostentragung, pag. 156) propende per un'interpretazione ristretta a favore della libertà di riunione. Wyss (ZBl 2002, 401) ammonisce invece di considerare la proporzionalità anche verso la collettività.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Gli organizzatori dovrebbero richiedere le autorizzazioni tempestivamente ed esporre dettagliatamente percorso, numero di partecipanti previsto e concetto di sicurezza. Le autorità sono vincolate a un comportamento cooperativo e devono esaminare proposte alternative (**DTF 132 I 256** consid. 4.2). Un rifiuto generale senza offerta di alternative è inammissibile.\n\n**N. 22** La libertà di riunione negativa protegge da partecipazioni forzate. Ciò è rilevante per riunioni aziendali o eventi scolastici con carattere politico. Datori di lavoro e scuole devono garantire possibilità di astensione (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 927).\n\n**N. 23** Per controdimostrazioni non esiste una pretesa assoluta alla vista e udibilità della manifestazione originaria. La polizia può ordinare separazioni spaziali per evitare conflitti, ma deve garantire l'efficacia comunicativa di entrambe le riunioni (**DTF 127 I 164** consid. 5c).\n\n**N. 24** Le condizioni devono essere formulate chiaramente ed essere attuabili. Tipiche condizioni ammissibili riguardano percorso della dimostrazione, volume, divieto di travisamento o divieto di alcol. Le condizioni devono essere esaminate singolarmente per la loro proporzionalità (SG Komm. BV, Art. 22 N. 31).\n\n**N. 25** La responsabilità per i danni si orienta secondo le regole generali (→ Art. 41 CO). Gli organizzatori non rispondono automaticamente per disordini di singoli partecipanti, salvo che abbiano violato i loro doveri di diligenza o l'escalation era prevedibile (**DTF 137 I 31** consid. 3.6).\n\n**N. 26** Nel procedimento penale vale: la mera partecipazione a una manifestazione non autorizzata ma pacifica non è punibile. Punibile è solo l'organizzazione senza autorizzazione (art. 260 CP per dimostrazioni violente) o la trasgressione di ordinanze delle autorità (art. 292 CP). Il collegamento di allontanamenti con automatica minaccia penale è sproporzionato (**DTF 147 I 103**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti e ambito di protezione\n\n**BGE 127 I 164** (20.9.2001)  \nPrincipi fondamentali della libertà di riunione nelle manifestazioni su suolo pubblico.  \nIl Tribunale federale ha precisato la dogmatica fondamentale della libertà di riunione in relazione al rifiuto di una dimostrazione al WEF 2001 a Davos.\n\n> «La libertà di opinione e di riunione assumono, nell'ambito delle dimostrazioni, un carattere che va oltre i puri diritti di difesa e presentano un certo elemento prestazionale. I diritti fondamentali menzionati impongono entro certi limiti che venga messo a disposizione il suolo pubblico.»\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nLibertà di opinione e di riunione nell'imposizione di costi per le manifestazioni.  \nPrecisazione dell'ambito di protezione e del concetto di «chilling effect» per i diritti fondamentali ideali.\n\n> «La libertà di opinione e di riunione possono essere compromesse non solo da interventi diretti come divieti e sanzioni. Sono pensabili anche compromissioni indirette di questi diritti fondamentali nel senso che l'interessato, a causa di una reazione delle autorità, non osa più fare uso del diritto fondamentale.»\n\n### Obbligo di autorizzazione e ponderazione degli interessi\n\n**BGE 132 I 256** (1.8.2006)  \nRifiuto di una manifestazione il 1° agosto 2006 a Brunnen.  \nPrincipi dei doveri di protezione delle autorità di fronte a controdimostrazioni minacciose.\n\n> «Le autorità sono obbligate, oltre alla messa a disposizione del suolo pubblico, a provvedere mediante misure adeguate - segnatamente attraverso la concessione di una protezione policesca sufficiente - affinché le manifestazioni pubbliche possano effettivamente svolgersi e non siano disturbate o impedite da gruppi avversari.»\n\n**BGE 142 I 121** (20.4.2016)  \nFermo di polizia di un potenziale partecipante a una dimostrazione non autorizzata.  \nProporzionalità delle misure preventive di polizia nelle dimostrazioni.\n\n> «Il fermo del ricorrente della durata di circa due ore e mezza nell'ambito di un accerchiamento policesco, nonché il successivo fermo di quasi tre ore e mezza per il controllo di sicurezza rappresentavano complessivamente una privazione della libertà sproporzionata.»\n\n### Sopportazione dei costi e concetto di perturbatore\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nObbligo di sopportazione dei costi per manifestazioni con uso della violenza secondo la legge di polizia lucernese.  \nPrincipi sulla sopportazione dei costi da parte degli organizzatori in caso di dimostrazioni violente.\n\n> «Gli organizzatori di manifestazioni quali causa-autori possono in linea di principio essere chiamati in causa come perturbatori senza violazione dell'art. 22 Cost., purché l'obbligo di sopportazione dei costi sia configurato in modo proporzionato.»\n\n### Limitazioni dovute alla pandemia\n\n**BGE 148 I 33** (3.9.2021)  \nLimitazione del numero di partecipanti alle manifestazioni a 15 persone dovuta al Covid-19.  \nDecisione determinante sulla proporzionalità delle misure pandemiche nelle dimostrazioni.\n\n> «L'obbligo di autorizzazione in linea di principio per le manifestazioni su suolo pubblico permette soluzioni differenziate e l'imposizione di oneri limitanti il rischio nel caso singolo. Su questo sfondo e con riguardo all'elevato significato democratico delle manifestazioni, la limitazione del numero di partecipanti a 15 persone appare sproporzionata.»\n\n**BGE 148 I 19** (3.9.2021)  \nLimitazione a 300 persone nel Canton Uri dovuta al Covid-19.  \nConferma della particolare posizione costituzionale delle manifestazioni anche in tempi di pandemia.\n\n> «La limitazione del numero di partecipanti alle manifestazioni politiche e della società civile a 300 persone è proporzionata considerando il margine di apprezzamento spettante al Consiglio di Stato e la concreta situazione epidemiologica.»\n\n**BGE 147 I 450** (8.7.2021)  \nDivieto di manifestazioni del Canton Svitto per il contenimento della pandemia di Covid-19.  \nProporzionalità dei divieti generali di manifestazione durante la pandemia.\n\n> «Il divieto di manifestazioni del Canton Svitto si rivela proporzionato considerando il margine di apprezzamento spettante al Consiglio di Stato nella valutazione della situazione epidemiologica.»\n\n### Aspetti di diritto processuale penale\n\n**BGE 147 I 372** (22.4.2021)  \nProfilo DNA e schedatura dattiloscopia per partecipazione pacifica a manifestazione.  \nProtezione della libertà di riunione da interventi processuali penali sproporzionati.\n\n> «Un'azione di protesta pacifica è protetta dalla libertà di riunione e di espressione; il profilo DNA e la schedatura dattiloscopia si rivelano sproporzionati se non sussistono indizi rilevanti e concreti per ulteriori reati.»\n\n**BGE 134 IV 216** (3.4.2008)  \nBlocco autostradale nell'ambito di uno sciopero e la fattispecie della coazione.  \nLimiti tra dimostrazione lecita e coazione punibile.\n\n> «Il diritto di sciopero e la libertà di riunione non giustificano qualsiasi impedimento del traffico. Un blocco del traffico su un'autostrada nell'ambito di uno sciopero può realizzare la fattispecie della coazione.»\n\n### Allontanamenti e ordinanze di divieto di avvicinamento\n\n**BGE 132 I 49** (25.1.2006)  \nOrdinanze di allontanamento e divieto di avvicinamento prima di manifestazioni sportive.  \nRapporto tra misure preventive di polizia e libertà di riunione.\n\n> «Da un'invocazione autonoma della dignità umana gli interessati non possono derivare nulla a loro favore; essi possono invocare la libertà di riunione, la libertà personale, il divieto di discriminazione e il divieto dell'arbitrio.»\n\n**BGE 147 I 103** (29.4.2020)  \nSproporzionalità del collegamento automatico delle misure di allontanamento con minaccia penale.  \nProtezione della libertà di riunione da misure preventive con carattere penale.\n\n> «Il collegamento automatico tra le misure di allontanamento e divieto di avvicinamento con la minaccia penale secondo l'art. 292 CP si rivela un intervento sproporzionato nella libertà di riunione.»\n\n### Concordato hooligans e manifestazioni sportive\n\n**BGE 137 I 31** (13.10.2010)  \nConcordato sulle misure contro la violenza nelle manifestazioni sportive.  \nCompatibilità delle misure preventive con la libertà di riunione.\n\n> «Le misure previste nel concordato (divieto di zona, obbligo di presentarsi e custodia di polizia) sono di natura policesca e costituiscono interventi nella libertà di riunione che sono tuttavia proporzionati nelle circostanze date.»\n\n**BGE 140 I 2** (1.1.2014)  \nControllo astratto delle norme riguardo al concordato hooligans.  \nCostituzionalità delle misure preventive contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive.\n\n> «Le disposizioni del concordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive resistono davanti alla libertà di riunione, purché siano configurate in modo proporzionato.»\n\n### Sviluppi attuali\n\n**BGE 151 I 257** (8.10.2024)  \nManifestazione di marcia WEF su percorso alternativo anziché su strada cantonale.  \nProporzionalità delle limitazioni di percorso e loro effetto sull'efficacia di appello.\n\n> «L'intervento nella libertà di opinione e di riunione connesso allo spostamento del percorso si rivela sproporzionato, perché la manifestazione avrebbe potuto essere autorizzata sotto oneri e condizioni almeno per tratti nel senso di una misura più mite lungo la strada cantonale.»\n\n### Manifestazioni private e clausola generale di polizia\n\n**BGE 147 I 161** (3.8.2020)  \nDivieto di una manifestazione in spazio privato e concetto di perturbatore.  \nAmbito di protezione della libertà di riunione anche per locali privati.\n\n> «L'ambito di applicazione della clausola generale di polizia quale base legale per un intervento nella libertà di riunione è in linea di principio limitato a emergenze imprevedibili che non sono regolate da leggi speciali.»", "summary_en": "# Art. 22 BV — Freedom of Assembly\n\n## Overview\n\nArticle 22 of the Federal Constitution guarantees the freedom of assembly. Every person has the right to organise assemblies, to participate in them or to stay away. This fundamental right encompasses various forms of organised gatherings for opinion-forming purposes.\n\n### What does Art. 22 BV regulate?\n\nThe freedom of assembly protects the right to assemble peacefully with others. This includes both small groups and large demonstrations. According to case law, two persons are sufficient for an assembly (**BGE 129 IV 6** E. 5.5.1). The constitutional protection does not primarily relate to physical gathering, but to collective opinion formation (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 7).\n\nIt is central that only peaceful assemblies are protected. The Federal Supreme Court has repeatedly emphasised that the Constitution protects only peaceful assemblies despite the deviating wording (**BGE 129 IV 6** E. 2.5; Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 9). In case of violence, fundamental rights protection ceases if the violence completely overshadows the opinion-forming component.\n\n### Who is affected?\n\nAll persons who organise an assembly, participate in it or consciously stay away are protected. This includes private individuals, associations and political groups. Everyone is entitled to this right, regardless of nationality or domicile (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 10).\n\nRestrictions are possible: The state may require a permit for demonstrations on public ground. The prevailing doctrine considers this permit requirement as an interference with fundamental rights that requires a legal basis (Hertig, BSK BV, Art. 22 N. 18).\n\n### What are the legal consequences?\n\nFor demonstrations on public ground, there is basically a conditional right to use public space. The authorities must ensure through appropriate measures that assemblies can take place (**BGE 132 I 256** E. 3).\n\nIf special police costs arise from an assembly, these may be passed on to the organisers under certain conditions. However, the Federal Supreme Court has emphasised that cost impositions constitute an interference with fundamental rights and must be proportionate in order not to have a deterrent effect (**BGE 143 I 147** E. 3.1 and 3.3).\n\n### Example from practice\n\nA group plans a demonstration against nuclear waste transports and blocks railway tracks for days. The Federal Supreme Court qualified such blockade actions as coercion, which are no longer protected by freedom of assembly, as they clearly exceed the tolerable level of political influence and are associated with unlawful means (**BGE 129 IV 6** E. 2.5 and 3.7).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n**N. 1** The freedom of assembly belongs to the political fundamental rights and, together with the freedom of expression (→ Art. 16 Federal Constitution), forms the foundation of democratic will-formation. Art. 22 Federal Constitution guarantees both the individual freedom to participate in collective expressions of opinion and the right to abstain from such activities. The international anchoring is found in Art. 11 ECHR and Art. 21 ICCPR II, whereby the Federal Court holds that these do not provide more extensive guarantees than Art. 22 Federal Constitution (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 2).\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 2** The freedom of assembly was already anchored in Art. 56 former Federal Constitution, albeit with the express reservation of «peaceful assemblies». During the total revision of 1999, this addition was deliberately omitted. The Federal Council's Dispatch of 20 November 1996 (BBl 1997 I 152) stated that despite the changed wording, no material change was intended — only peaceful assemblies should be protected. The negative freedom of assembly (right to abstain) was newly explicitly included in para. 2, having previously been recognised only implicitly.\n\n**N. 3** The constitutional legislator wanted to emphasise the importance of the freedom of assembly for political opinion-formation with the new formulation. The parliamentary deliberations show that the freedom of assembly was understood as an indispensable element of direct democracy (AB 1998 N 369).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 22 Federal Constitution stands in the fundamental rights section between the freedom of association (Art. 23 Federal Constitution) and the freedom of establishment (Art. 24 Federal Constitution). The systematic proximity to Art. 16 Federal Constitution (freedom of expression) is functionally justified: assemblies regularly serve collective expression of opinion. The Federal Court speaks of a «close functional connection» between both fundamental rights (**BGE 143 I 147** E. 3.2).\n\n**N. 5** In relation to political rights (→ Art. 34 Federal Constitution), the freedom of assembly forms an important preliminary stage of institutionalised political participation. Unlike political rights, it is also available to foreigners and minors. The freedom of assembly has cross-connections to the freedom of faith and conscience (→ Art. 15 Federal Constitution) insofar as religious assemblies are concerned.\n\n**N. 6** As an interference norm, → Art. 36 Federal Constitution is central: restrictions on the freedom of assembly require a legal basis, must be justified by a public interest and be proportionate. The police general clause suffices only in case of serious, immediate and otherwise unavoidable danger.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** The personal scope of protection encompasses all natural persons regardless of age or nationality. Legal persons can invoke the freedom of assembly insofar as they pursue non-commercial purposes (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 10). A simple partnership suffices for legal standing (**BGE 132 I 256** E. 1.1).\n\n**N. 8** An assembly within the meaning of Art. 22 Federal Constitution requires according to prevailing doctrine at least two persons (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 4). What is characteristic is less the physical coming together than the collective form of opinion-formation (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 7). The Federal Court defines assemblies as «local gathering of several persons for joint discussion and demonstration» (**BGE 127 I 164** E. 3a).\n\n**N. 9** Despite the neutral wording, Art. 22 Federal Constitution according to case law and prevailing doctrine protects only peaceful assemblies (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 9; Müller/Schefer, Grundrechte, p. 401; **BGE 134 IV 216** E. 5.1). Use of violence or incitement to violence do not fall under the scope of protection. The boundary runs where the assembly «assumes the character of a violent riot» (**BGE 147 I 372** E. 3.1).\n\n**N. 10** It is disputed whether virtual assemblies fall under Art. 22 Federal Constitution. Thürer et al., Belser and Waldmann affirm this with regard to technological development. Kiener/Kälin, Biaggini, the St. Gallen Commentary as well as Mohler, Grisel, Aubert and Mahon reject the inclusion of virtual gatherings or are sceptical towards it (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 8). Federal Court case law has not yet conclusively clarified this question.\n\n**N. 11** Sports and dance events are according to the Federal Court fundamentally not subject to the freedom of assembly, unless organised groups use them for political demonstrations (**BGE 137 I 31** E. 3.4.2). The delimitation remains according to Hertig not yet conclusively clarified (BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 6).\n\n**N. 12** The freedom of assembly encompasses three protected claims (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 11-13):\n- The right to organise assemblies (organiser freedom)\n- The right to participate in assemblies (participation freedom)\n- The right to abstain from assemblies (negative freedom of assembly)\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** The freedom of assembly primarily establishes a defensive right against state interference. Beyond this, the Federal Court has recognised a «certain service character»: the state must make public ground available for demonstrations within limits (**BGE 143 I 147** E. 3.2). This does not mean an unlimited guarantee of use, but a claim to proper exercise of discretion in granting permits.\n\n**N. 14** The permit requirement for demonstrations on public ground constitutes according to unanimous doctrine an interference with the freedom of assembly that requires a legal basis (Hertig, BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 18; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 924). A mere police general clause does not suffice. The permit may only be refused for important public interests.\n\n**N. 15** Regarding cost allocation, the Federal Court distinguishes between ordinary police costs (borne by the general public) and extraordinary costs. The latter may only be imposed on organisers if they fulfil the causer or disturber principle and the costs were foreseeable (**BGE 143 I 147** E. 4.3). A «chilling effect» on the exercise of fundamental rights must be avoided.\n\n**N. 16** Police measures such as expulsions, restraining orders or identification procedures must be strictly proportionate. The Federal Court rejected DNA sampling from peaceful demonstrators as disproportionate (**BGE 147 I 372**). The preventive detention of potential participants is only permissible in case of concrete endangerment (**BGE 142 I 121**).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 17** The doctrine is divided on the question of whether a mere notification requirement instead of the permit requirement would be preferable. Hertig advocates for a notification requirement as a «less intrusive requirement» (BSK Federal Constitution, Art. 22 N. 18). Swiss practice, however, maintains the permit requirement, which is considered restrictive in European comparison (OSCE/ODIHR Guidelines 2010, p. 63).\n\n**N. 18** The application of the freedom of assembly to flash mobs and spontaneous gatherings is controversially discussed. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 1245) demand generous handling of spontaneous assemblies. Mohler (Polizeirecht, p. 187) emphasises by contrast the necessity of advance notification for security reasons.\n\n**N. 19** The spatial scope of the service claim is disputed. While Müller/Schefer (Grundrechte, p. 405) postulate an extensive claim to use central public squares, Uebersax (RDAF 2006, 42) represents a more restrictive position with reference to competing common use claims.\n\n**N. 20** Regarding cost-bearing, opinions diverge over the boundary between ordinary and extraordinary police costs. Leutert (Polizeikostentragung, p. 156) advocates for a narrow interpretation in favour of the freedom of assembly. Wyss (ZBl 2002, 401) warns however for consideration of proportionality also towards the general public.\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 21** Organisers should obtain permits early and thereby present route, expected number of participants and security concept in detail. The authorities are obligated to cooperative behaviour and must examine alternative proposals (**BGE 132 I 256** E. 4.2). A blanket refusal without alternative offer is inadmissible.\n\n**N. 22** The negative freedom of assembly protects against compulsory participation. This is relevant for company assemblies or school events with political character. Employers and schools must guarantee possibilities to abstain (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 927).\n\n**N. 23** For counter-demonstrations, there is no absolute claim to sight and hearing distance from the original demonstration. The police may order spatial separations to avoid conflict, but must guarantee the communicative effect of both assemblies (**BGE 127 I 164** E. 5c).\n\n**N. 24** Conditions must be clearly formulated and enforceable. Typical permissible conditions concern demonstration route, volume, prohibition of disguise or alcohol prohibition. The conditions must be individually examined for their proportionality (SG Comm. Federal Constitution, Art. 22 N. 31).\n\n**N. 25** Liability for damages is governed by the general rules (→ Art. 41 Code of Obligations). Organisers do not automatically bear liability for riots by individual participants, unless they have violated their duty of care or escalation was foreseeable (**BGE 137 I 31** E. 3.6).\n\n**N. 26** In criminal proceedings: mere participation in an unauthorised but peaceful demonstration is not punishable. Only organisation without permit is punishable (Art. 260 Criminal Code for violent demonstrations) or disregard of official orders (Art. 292 Criminal Code). The connection of expulsions with automatic threat of punishment is disproportionate (**BGE 147 I 103**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Foundations and Scope of Protection\n\n**BGE 127 I 164** (20.9.2001)  \nBasic principles of freedom of assembly for rallies on public ground.  \nThe Federal Court clarified the fundamental doctrine on freedom of assembly in connection with the denial of a demonstration at the WEF 2001 in Davos.\n\n> «Freedom of expression and assembly in the context of demonstrations take on a character that goes beyond mere defensive rights and have a certain positive element. Within certain limits, the fundamental rights in question require that public ground be made available.»\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nFreedom of expression and assembly regarding the imposition of costs for rallies.  \nClarification of the scope of protection and the concept of \"chilling effect\" for fundamental rights.\n\n> «Freedom of expression and assembly can be impaired not only by direct interference such as prohibitions and sanctions. Indirect impairments of these fundamental rights are also conceivable in the sense that the affected person no longer dares to exercise the fundamental right again due to an official reaction.»\n\n### Authorization Requirements and Balancing of Interests\n\n**BGE 132 I 256** (1.8.2006)  \nDenial of a rally on August 1, 2006 in Brunnen.  \nPrinciples of official protective duties in the face of threatening counter-demonstrations.\n\n> «Beyond making public ground available, the authorities are obligated to ensure through appropriate measures - particularly by providing adequate police protection - that public rallies can actually take place and are not disturbed or prevented by opposing groups.»\n\n**BGE 142 I 121** (20.4.2016)  \nPolice detention of a potential participant in an unauthorized demonstration.  \nProportionality of preventive police measures at demonstrations.\n\n> «The approximately two-and-a-half-hour detention of the complainant as part of police kettling and the subsequent nearly three-and-a-half-hour detention for security police verification constituted, viewed as a whole, a deprivation of liberty that was disproportionate.»\n\n### Cost Bearing and Disturber Concept\n\n**BGE 143 I 147** (1.1.2017)  \nLiability for costs at rallies involving violence under Lucerne police law.  \nPrinciples for cost bearing by organizers at violent demonstrations.\n\n> «Rally organizers as causative agents can in principle be held liable as disturbers without violating Art. 22 BV, provided the cost-bearing obligation is proportionately structured.»\n\n### Pandemic-Related Restrictions\n\n**BGE 148 I 33** (3.9.2021)  \nCOVID-19-related restriction of the number of participants at rallies to 15 persons.  \nLandmark decision on the proportionality of pandemic measures for demonstrations.\n\n> «The general authorization requirement for rallies on public ground allows differentiated solutions and the ordering of risk-limiting conditions in individual cases. Against this background and in view of the high democratic significance of rallies, the limitation of the number of participants to 15 persons appears disproportionate.»\n\n**BGE 148 I 19** (3.9.2021)  \nCOVID-19-related restriction to 300 persons in Canton Uri.  \nConfirmation of the special constitutional status of rallies even in pandemic times.\n\n> «The restriction of the number of participants at political and civil society rallies to 300 persons is proportionate in view of the discretion available to the government council and the concrete epidemiological situation.»\n\n**BGE 147 I 450** (8.7.2021)  \nEvent ban by Canton Schwyz to contain the COVID-19 pandemic.  \nProportionality of blanket rally bans during the pandemic.\n\n> «The event ban of Canton Schwyz proves to be proportionate in view of the discretion available to the government council when assessing the epidemiological situation.»\n\n### Criminal Procedural Aspects\n\n**BGE 147 I 372** (22.4.2021)  \nDNA profile and identification service registration for peaceful rally participation.  \nProtection of freedom of assembly from disproportionate criminal procedural interventions.\n\n> «A peaceful protest action is protected by freedom of assembly and expression; DNA profiling and identification service registration prove to be disproportionate when there are no significant and concrete indications of further criminal offenses.»\n\n**BGE 134 IV 216** (3.4.2008)  \nHighway blockade in the context of a strike and the offense of coercion.  \nBoundaries between permissible demonstration and punishable coercion.\n\n> «The right to strike and freedom of assembly do not justify every obstruction of traffic. A blockade of traffic on a highway in the context of a strike can fulfill the elements of coercion.»\n\n### Banishment and Exclusion Orders\n\n**BGE 132 I 49** (25.1.2006)  \nBanishment and exclusion orders before sporting events.  \nRelationship between preventive police measures and freedom of assembly.\n\n> «The affected persons cannot derive anything in their favor from an independent invocation of human dignity; they can rely on freedom of assembly, personal liberty, the prohibition of discrimination and the prohibition of arbitrariness.»\n\n**BGE 147 I 103** (29.4.2020)  \nDisproportionality of automatically connecting banishment measures with criminal threats.  \nProtection of freedom of assembly from preventive measures with criminal character.\n\n> «The automatic connection between banishment and exclusion measures with the criminal threat under Art. 292 SCC proves to be a disproportionate interference with freedom of assembly.»\n\n### Hooligan Concordat and Sporting Events\n\n**BGE 137 I 31** (13.10.2010)  \nConcordat on measures against violence at sporting events.  \nCompatibility of preventive measures with freedom of assembly.\n\n> «The measures provided for in the concordat (area ban, reporting obligation and police custody) are of a police nature and constitute interference with freedom of assembly, which are however proportionate under the given circumstances.»\n\n**BGE 140 I 2** (1.1.2014)  \nAbstract norm control regarding the hooligan concordat.  \nConstitutionality of preventive measures against violence at sporting events.\n\n> «The provisions of the concordat on measures against violence at sporting events withstand freedom of assembly insofar as they are proportionately structured.»\n\n### Current Developments\n\n**BGE 151 I 257** (8.10.2024)  \nWEF march rally on alternative route instead of cantonal road.  \nProportionality of route restrictions and their impact on appeal effect.\n\n> «The interference with freedom of expression and assembly associated with the route shift proves to be disproportionate because the rally could have been authorized under conditions and requirements at least in sections along the cantonal road as a milder means.»\n\n### Private Events and General Police Clause\n\n**BGE 147 I 161** (3.8.2020)  \nProhibition of an event in private space and concept of disturber.  \nScope of protection of freedom of assembly also for private premises.\n\n> «The scope of application of the general police clause as legal basis for interference with freedom of assembly is in principle limited to unforeseeable emergencies that are not regulated by special legislation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_22", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 23, "article_suffix": "", "title": "Vereinigungsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 23 BV — Vereinigungsfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArtikel 23 der Bundesverfassung schützt das Recht, sich mit anderen zusammenzuschliessen (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10). Die Vereinigungsfreiheit ist ein Grundrecht mit drei Dimensionen: die positive Vereinigungsfreiheit (das Recht, Vereinigungen zu gründen und ihnen beizutreten), die negative Vereinigungsfreiheit (der Schutz vor Zwang zur Mitgliedschaft) und die kollektive Vereinigungsfreiheit (die Freiheit der Vereinigung selbst).\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 23 BV garantiert die Freiheit, Vereine, Parteien und andere Vereinigungen zu bilden und sich daran zu beteiligen (Abs. 1 und 2). Gleichzeitig schützt sie vor Zwang, einer Vereinigung beitreten zu müssen (Abs. 3). Vereinigungen können formelle Vereine nach Art. 60 ff. ZGB sein oder auch informelle Zusammenschlüsse ohne rechtliche Struktur.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle natürlichen und juristischen Personen können sich auf Art. 23 BV berufen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass auch juristische Personen mit wirtschaftlichem Zweck Schutz vor Zwangsmitgliedschaften beanspruchen können (**BGE 124 I 107**). Besonders relevant ist die Vereinigungsfreiheit für Berufsverbände, politische Parteien, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen.\n\n**Welche Rechtsfolgen entstehen?** Der Staat darf keine Bewilligungen für Vereinsgründungen verlangen oder Registrierungspflichten einführen. Bei Vereinigungen mit faktischer Monopolstellung (wie wichtigen Berufsverbänden) bestehen erhöhte Aufnahme- und Ausschlusspflichten (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 16). Das Bundesgericht hat festgestellt, dass Berufsverbände des öffentlichen Dienstes bei wichtigen Gesetzesänderungen rechtliches Gehör beanspruchen können (**BGE 129 I 113**).\n\n**Praktisches Beispiel:** Wenn eine Krankenschwester dem Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen beitreten will, kann ihr die Aufnahme nicht willkürlich verweigert werden, da der Verband quasi-monopolartige Funktionen im Beruf ausübt (**BGE 123 III 193**). Umgekehrt kann ein Architekt nicht gezwungen werden, dem Architektenverband beizutreten, auch wenn dies berufliche Nachteile zur Folge hat (**Urteil 2C_58/2009**).\n\nDie Vereinigungsfreiheit bildet eine wichtige Grundlage der demokratischen Gesellschaft, da sie politische Meinungsbildung und zivilgesellschaftliches Engagement ermöglicht (BBl 1997 I 175).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Vereinigungsfreiheit gehört zu den ältesten Grundrechten der schweizerischen Verfassungsordnung. Bereits die Bundesverfassung von 1848 garantierte in Art. 46 das «Recht der freien Vereinsbildung» (BBl 1997 I 175, 293). Diese frühe verfassungsrechtliche Verankerung machte die Vereinigungsfreiheit zu einem «Bundes-Grundrecht der ersten Stunde» (Biaggini, Die Vereinigungsfreiheit, 415).\n\n**N. 2** Im Rahmen der Totalrevision von 1999 erfuhr Art. 23 BV nur geringfügige redaktionelle Anpassungen gegenüber der Vorgängerbestimmung (BBl 1997 I 175, 293). Die Botschaft betonte, dass die drei Absätze des Art. 23 BV «die verschiedenen Aspekte der Vereinigungsfreiheit im individuellen und im kollektiven Sinn» umfassen (BBl 1997 I 175).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 23 BV steht im 2. Kapitel der Bundesverfassung bei den Grundrechten und nimmt eine zentrale Stellung im Gefüge der politischen Grundrechte ein. Die Vereinigungsfreiheit ist eng verknüpft mit der Versammlungsfreiheit (→ Art. 22 BV), der Meinungs- und Informationsfreiheit (→ Art. 16 BV) sowie den politischen Rechten (→ Art. 34 BV).\n\n**N. 4** Die Vereinigungsfreiheit bildet eine «Voraussetzung für die Demokratie» (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 6), da sie die Bildung politischer Parteien, Interessenverbände und zivilgesellschaftlicher Organisationen ermöglicht. Sie steht in enger Verbindung zur Koalitionsfreiheit (→ Art. 28 BV) als spezieller Ausprägung für Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen.\n\n**N. 5** International ist die Vereinigungsfreiheit durch Art. 11 EMRK und Art. 22 UNO-Pakt II garantiert. Die Rechtsprechung des EGMR zu Art. 11 EMRK beeinflusst die Auslegung von Art. 23 BV, insbesondere bei Fragen der Registrierungs- und Offenlegungspflichten (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 5).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Der Begriff der «Vereinigung» i.S.v. Art. 23 BV ist weit zu verstehen. Er umfasst nicht nur Vereine im Sinne von Art. 60 ff. ZGB, sondern jeden dauerhaften Zusammenschluss von mindestens zwei Personen zur Verfolgung gemeinsamer Ziele (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10). Sobald mehrere Personen ihrem Zusammenschluss eine Struktur geben, indem sie untereinander Aufgaben verteilen und die nötigen Ressourcen beschaffen, liegt eine Vereinigung vor (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10).\n\n**N. 7** Umstritten ist der Schutz juristischer Personen mit wirtschaftlichem Zweck. Das Bundesgericht bejaht in ständiger Rechtsprechung, dass sich auch juristische Personen mit wirtschaftlichem Zweck auf die negative Vereinigungsfreiheit berufen können (**BGE 124 I 107**). Schiess Rütimann vertritt demgegenüber, Art. 23 BV schütze nur Vereinigungen mit ideellem Zweck (BSK BV, Art. 23 N. 8). Für die Abgrenzung sei auf das für die Unterscheidung zwischen Vereinen und Gesellschaften entwickelte Kriterium abzustellen: Solle den Mitgliedern ein geldwerter Vorteil zufliessen, liege ein wirtschaftlicher Zweck vor (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 8).\n\n**N. 8** Die Vereinigungsfreiheit umfasst drei Dimensionen:\n- **Positive Vereinigungsfreiheit** (Abs. 2): das Recht, Vereinigungen zu gründen, ihnen beizutreten und sich an ihren Tätigkeiten zu beteiligen\n- **Negative Vereinigungsfreiheit** (Abs. 3): der Schutz vor Zwang zum Beitritt oder zur Mitgliedschaft\n- **Kollektive Vereinigungsfreiheit**: die Freiheit der Vereinigung selbst in ihrer Existenz und Tätigkeit\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Als Abwehrrecht schützt Art. 23 BV vor staatlichen Eingriffen in die individuelle und kollektive Vereinigungsfreiheit. Verboten sind insbesondere:\n- Vorgängige Bewilligungspflichten für die Vereinsgründung\n- Zwangsmitgliedschaften in privaten Vereinigungen\n- Diskriminierung bei der Behandlung von Vereinigungen\n- Unverhältnismässige Eingriffe in die Vereinsautonomie\n\n**N. 10** Die herrschende Lehre lehnt Registrierungs- und Meldepflichten für Vereine als Verstoss gegen Art. 23 BV ab (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 23). Nach EMRK-Standards wären solche behördlichen Akte jedoch mit Art. 11 EMRK vereinbar, sofern sie verhältnismässig ausgestaltet sind (Arndt/Schubert, Art. 11 EMRK, 297 ff.).\n\n**N. 11** Aus Art. 23 BV können sich in bestimmten Konstellationen auch positive Leistungsansprüche ergeben. Das Bundesgericht hat anerkannt, dass Berufsverbände des öffentlichen Dienstes bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder Anspruch auf rechtliches Gehör haben (**BGE 129 I 113**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Zwangsmitgliedschaften in Berufs- und Wirtschaftsverbänden**: Die Doktrin ist uneinig über die Zulässigkeit von faktischen Zwangsmitgliedschaften. Besson argumentiert, dass bei Verbänden, die «Zugang zu besonders geschätzten Gütern verschaffen», erhöhte Anforderungen an die Aufnahme- und Ausschlusspraxis zu stellen seien (Besson, ZSR 2001 I, 43 ff.). Schiess Rütimann präzisiert, dies gelte nicht nur für Berufs- und Wirtschaftsverbände, sondern auch für andere Vereinigungen mit faktischer Monopolstellung (BSK BV, Art. 23 N. 16).\n\n**N. 13** **Vereinsverbote nach Art. 260ter StGB**: Biaggini kritisiert die extensive Praxis bei Vereinsverboten im Kontext der Terrorismusbekämpfung als unverhältnismässigen Eingriff in die Vereinigungsfreiheit (Biaggini, Al-Qaïda-Verordnung, ius.full 2002, 22 ff.). Die herrschende Lehre betont demgegenüber die Notwendigkeit effektiver Instrumente gegen verfassungsfeindliche Organisationen.\n\n**N. 14** **Parteienfinanzierung und Transparenz**: Die Forderung nach Offenlegung der Parteienfinanzierung steht im Spannungsfeld zwischen demokratischer Transparenz und Vereinigungsfreiheit. Schiess Rütimann analysiert, wie politische Parteien als «privatrechtliche Vereinigungen zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht» besonderen Transparenzanforderungen unterworfen werden können (Schiess Rütimann, Politische Parteien, passim).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der **Vereinsgründung** sind keine staatlichen Bewilligungen erforderlich. Die Eintragung ins Handelsregister nach Art. 61 ZGB ist fakultativ und verleiht lediglich Rechtspersönlichkeit. Für die Ausübung der Vereinigungsfreiheit genügt bereits eine faktische Organisation ohne formelle Strukturen.\n\n**N. 16** **Vereinsausschlüsse** unterliegen bei Verbänden mit faktischer Monopolstellung oder quasi-öffentlichen Funktionen erhöhten rechtlichen Anforderungen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass solche Vereine nicht über die umfassende Ausschlussautonomie nach Art. 72 Abs. 2 ZGB verfügen (**BGE 123 III 193**). Betroffene können «angemessenen Schutz vor ungerechtfertigtem Ausschluss beanspruchen, wenn dieser ihre wirtschaftliche Entfaltung empfindlich beeinträchtigen würde».\n\n**N. 17** Für **politische Vereinigungen** gelten besondere Transparenzanforderungen. Der Parteiwechsel von Mandatsträgern zwischen Wahl und Konstituierung kann die Wahlfreiheit nach Art. 34 Abs. 2 BV verletzen (**BGE 151 I 41**). Parteien müssen ihre Strukturen so ausgestalten, dass die demokratische Willensbildung gewährleistet bleibt.\n\n**N. 18** Bei **Demonstrationen** von Vereinigungen ist die enge Verbindung zwischen Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zu beachten. Die Organisation von Kundgebungen gehört zum Kernbereich der kollektiven Vereinigungsfreiheit, unterliegt aber den allgemeinen polizeilichen Schranken der Versammlungsfreiheit (Urteil 1C_485/2013).\n\n**N. 19** **Vereinsrechtliche Streitigkeiten** sind primär vereinsintern zu lösen. Gemäss Bundesgericht ist die gerichtliche Anfechtung von Vereinsbeschlüssen erst zulässig, wenn die vereinsinternen Rechtsmittel ausgeschöpft sind (**BGE 85 II 525**). Dies gilt insbesondere für Ausschlussverfahren, bei denen zunächst das höchste Vereinsorgan entscheiden muss.\n\n**N. 20** Für die praktische **Vereinsführung** empfiehlt sich die Konsultation des Grundrisses von Portmann/Seemann (Grundriss des Vereinsrechts, 2009), der die verfassungsrechtlichen Vorgaben mit den zivilrechtlichen Bestimmungen der Art. 60 ff. ZGB verbindet und konkrete Handlungsanweisungen für die Statutengestaltung und Vereinsorganisation bietet.", "caselaw_de": "# Art. 23 BV — Vereinigungsfreiheit\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen der Vereinigungsfreiheit\n\n**BGE 124 I 107** vom 29. April 1998  \nPositive und negative Vereinigungsfreiheit als zwei Seiten einer Garantie. Die negative Vereinigungsfreiheit gewährleistet das Recht, nicht einer Vereinigung anzugehören oder sie zu verlassen.  \nGrundsätzliche Definition der Vereinigungsfreiheit im Kontext einer kantonalen Volksinitiative zum Gesamtarbeitsvertragsrecht.\n\n> «Art. 56 Cst. garantiert la liberté d'association. Dans son aspect positif, cette liberté permet aux particuliers de créer des associations, d'en devenir membre, d'exercer en leur sein des activités, et de les dissoudre. Dans son aspect négatif, elle garantit le droit de ne pas être obligé de faire partie d'une association, ou de la quitter.»\n\n**BGE 110 Ia 36** vom 25. Januar 1984  \nNegative Vereinigungsfreiheit bei Zwangsmitgliedschaft in öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Studierende haben Anspruch darauf, dass ihre Zwangskörperschaft nicht als politische Organisation betrachtet wird.  \nGrundlegendes Urteil zur negativen Vereinigungsfreiheit bei unfreiwilliger Mitgliedschaft.\n\n> «Aus dem negativen Effekt der verfassungsmässigen Garantie der Vereinsfreiheit lässt sich der Anspruch darauf ableiten, dass die Organisation, der die Studierenden von Gesetzes wegen und ohne Austrittsmöglichkeit angehören, nicht als eine politische betrachtet wird.»\n\n### Vereinigungsfreiheit und Geschlechtergleichstellung\n\n**BGE 140 I 201** vom 21. März 2014  \nGrundrechtskollision zwischen Vereinigungsfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau. Universitäten dürfen einer Studentenverbindung, die Frauen ausschliesst, den Status als universitäre Vereinigung verweigern.  \nErstes Grundsatzurteil zur Auflösung der Kollision zwischen Vereinigungsfreiheit und Geschlechtergleichstellung.\n\n> «Darf ein Verwaltungsträger, der eine staatliche Aufgabe wahrnimmt und deswegen an die Grundrechte gebunden ist, einer zivilrechtlichen Studentenverbindung den Status als universitäre Vereinigung verwehren und die zugehörigen Leistungen verweigern, weil sie Frauen von der Mitgliedschaft ausschliesst?»\n\n**BGE 151 I 337** vom 25. März 2025  \nRechtsprechungsänderung zugunsten der Geschlechtergleichstellung. Die Universität kann einer ausschliesslich männlichen Studentenverbindung die Anerkennung verweigern, wenn kein objektiver Zusammenhang zwischen Vereinszweck und Geschlechterausschluss besteht.  \nAktuelle Rechtsprechung zur Gewichtung zwischen Vereinigungsfreiheit und Diskriminierungsverbot.\n\n> «Die Universität verfügt aufgrund ihrer Autonomie über ein erhebliches Entscheidungsermessen bezüglich der Anerkennung einer universitären Vereinigung. Sie muss jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Grundrechten, an welche sie gebunden ist, wahren.»\n\n### Vereinigungsfreiheit und Versammlungsfreiheit\n\n**BGE 127 I 164** vom 20. September 2001  \nMeinungs- und Versammlungsfreiheit bei Demonstrationen auf öffentlichem Grund. Bewilligungspflicht und Interessenabwägung unter Beachtung des ideellen Gehalts der Grundrechte.  \nLeitentscheid zur praktischen Ausübung kollektiver Grundrechte im öffentlichen Raum.\n\n> «In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer eine Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit geltend. Das Vorhandensein einer kommunalen gesetzlichen Grundlage für das Erfordernis einer Bewilligung zur Durchführung von Kundgebungen auf öffentlichem Grund bestreiten sie nicht.»\n\n**BGE 124 I 267** vom 26. August 1998  \nVersammlungsfreiheit und Ortsbeschränkungen. Kein Anspruch auf Durchführung einer Kundgebung auf einem bestimmten öffentlichen Platz. Zulässigkeit eines generellen Demonstrationsverbots bei besonderer Funktion des Platzes.  \nGrenzen der Versammlungsfreiheit bei spezifischen örtlichen Gegebenheiten.\n\n> «Kundgebungen auf öffentlichem Grund stellen eine Form des gesteigerten Gemeingebrauchs dar und dürfen daher weitergehenden Beschränkungen unterworfen werden als Versammlungen auf privatem Grund.»\n\n### Negative Vereinigungsfreiheit und Zwangsmitgliedschaft\n\n**BGE 130 I 279** vom 13. Juli 2004  \nVerletzung der negativen Vereinigungsfreiheit durch zwangsweise Bindung an Gesamtarbeitsverträge. Kantonale Vorschriften, die verlängerte Öffnungszeiten an die Einhaltung von GAV knüpfen, sind unverhältnismässig.  \nAnwendung der negativen Vereinigungsfreiheit im Arbeitsrecht.\n\n> «Eine kantonale Ladenschlussvorschrift, wonach verlängerte Öffnungszeiten nur bei Beachtung eines Gesamtarbeitsvertrages bewilligt werden, verletzt die negative Vereinigungsfreiheit, da sie faktisch zum Beitritt zu einem Arbeitgeberverband zwingt.»\n\n**BVGE 2021 I/2** vom 30. März 2021  \nZwangsmitgliedschaft in Branchenorganisationen. Indirekte Beitragspflicht über regionale Genossenschaftsverbände kann gerechtfertigt sein, wenn die Voraussetzungen von Art. 36 BV erfüllt sind.  \nAktuelle Praxis zur negativen Vereinigungsfreiheit bei wirtschaftlichen Zwangsverbänden.\n\n> «Die positive Vereinigungsfreiheit umfasst das Recht, Vereinigungen zu bilden, Vereinigungen beizutreten oder anzugehören und sich an den Tätigkeiten von Vereinigungen zu beteiligen (sog. positive Vereinigungsfreiheit). Der Schutz vor Zwangsmitgliedschaft (sog. negative Vereinigungsfreiheit) wird durch Art. 23 Abs. 3 BV garantiert.»\n\n### Vereinigungsfreiheit im Strafverfahren\n\n**Urteil 6P.33/2006** vom 15. Mai 2006  \nVereinigungsfreiheit als Rüge im Strafverfahren. Meinungs-, Informations- und Vereinigungsfreiheit können auch im strafrechtlichen Kontext verletzt werden.  \nProzessrechtliche Aspekte der Vereinigungsfreiheit.\n\n> «Art. 9 BV (Strafverfahren; Willkür); Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit); Art. 23 BV (Vereinigungsfreiheit). Verfahrensrechtlicher Schutz der Grundrechte auch im Strafverfahren.»\n\n### Privatschulwesen und Vereinigungsfreiheit\n\n**Urteil 2C_807/2015** vom 18. Oktober 2016  \nBewilligung zur Führung einer Privatschule mit Kindergartenstufe. Vereinigungsfreiheit umfasst auch das Recht, Bildungseinrichtungen zu gründen und zu betreiben.  \nVereinigungsfreiheit im Bildungsbereich unter Beachtung staatlicher Aufsichtspflicht.\n\n> «Ein Verein kann zur Wahrung der eigenen Interessen Beschwerde führen, wenn er durch staatliche Massnahmen in seiner grundrechtlich geschützten Vereinigungsfreiheit betroffen ist.»", "summary_fr": "# Art. 23 Cst. — Liberté d'association\n\n## Aperçu\n\nL'article 23 de la Constitution fédérale protège le droit de s'associer avec d'autres (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 10). La liberté d'association est un droit fondamental qui comprend trois dimensions : la liberté d'association positive (le droit de fonder des associations et d'y adhérer), la liberté d'association négative (la protection contre l'obligation d'adhésion) et la liberté d'association collective (la liberté de l'association elle-même).\n\n**Que règle la norme ?** L'art. 23 Cst. garantit la liberté de former des associations, des partis et d'autres groupements et d'y participer (al. 1 et 2). En même temps, elle protège contre l'obligation de devoir adhérer à une association (al. 3). Les associations peuvent être des associations formelles selon l'art. 60 ss CC ou aussi des regroupements informels sans structure juridique.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les personnes physiques et morales peuvent invoquer l'art. 23 Cst. Le Tribunal fédéral a décidé que même les personnes morales à but économique peuvent revendiquer une protection contre l'obligation d'adhésion (**ATF 124 I 107**). La liberté d'association est particulièrement pertinente pour les associations professionnelles, les partis politiques, les syndicats et les initiatives citoyennes.\n\n**Quelles conséquences juridiques en résultent ?** L'État ne peut exiger d'autorisation pour la création d'associations ou introduire d'obligations d'enregistrement. Pour les associations ayant une position de monopole de fait (comme d'importantes associations professionnelles), il existe des obligations renforcées d'admission et d'exclusion (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 16). Le Tribunal fédéral a constaté que les associations professionnelles de la fonction publique peuvent revendiquer le droit d'être entendues lors d'importantes modifications législatives (**ATF 129 I 113**).\n\n**Exemple pratique :** Si une infirmière veut adhérer à l'Association suisse des infirmières et infirmiers, l'admission ne peut lui être refusée arbitrairement, car l'association exerce des fonctions quasi-monopolistiques dans la profession (**ATF 123 III 193**). Inversement, un architecte ne peut être contraint d'adhérer à l'association des architectes, même si cela entraîne des désavantages professionnels (**arrêt 2C_58/2009**).\n\nLa liberté d'association constitue un fondement important de la société démocratique, car elle permet la formation d'opinions politiques et l'engagement de la société civile (FF 1997 I 175).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La liberté d'association fait partie des droits fondamentaux les plus anciens de l'ordre constitutionnel suisse. Déjà la Constitution fédérale de 1848 garantissait à l'art. 46 le « droit de libre association » (FF 1997 I 161, 278). Cet ancrage constitutionnel précoce a fait de la liberté d'association un « droit fondamental fédéral de la première heure » (Biaggini, Die Vereinigungsfreiheit, 415).\n\n**N. 2** Dans le cadre de la révision totale de 1999, l'art. 23 Cst. n'a subi que de légères adaptations rédactionnelles par rapport à la disposition précédente (FF 1997 I 161, 278). Le message soulignait que les trois alinéas de l'art. 23 Cst. « englobent les différents aspects de la liberté d'association au sens individuel et collectif » (FF 1997 I 161).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 23 Cst. se trouve au chapitre 2 de la Constitution fédérale parmi les droits fondamentaux et occupe une place centrale dans l'ensemble des droits politiques. La liberté d'association est étroitement liée à la liberté de réunion (→ art. 22 Cst.), à la liberté d'opinion et d'information (→ art. 16 Cst.) ainsi qu'aux droits politiques (→ art. 34 Cst.).\n\n**N. 4** La liberté d'association constitue une « condition préalable à la démocratie » (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 6), car elle permet la formation de partis politiques, de groupes d'intérêts et d'organisations de la société civile. Elle est étroitement liée à la liberté syndicale (→ art. 28 Cst.) en tant qu'expression particulière pour les associations d'employeurs et de travailleurs.\n\n**N. 5** Au niveau international, la liberté d'association est garantie par l'art. 11 CEDH et l'art. 22 Pacte ONU II. La jurisprudence de la CourEDH sur l'art. 11 CEDH influence l'interprétation de l'art. 23 Cst., notamment pour les questions d'obligations d'enregistrement et de publicité (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 5).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 6** La notion d'« association » au sens de l'art. 23 Cst. doit être comprise largement. Elle englobe non seulement les associations au sens des art. 60 ss CC, mais tout regroupement durable d'au moins deux personnes pour la poursuite d'objectifs communs (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 10). Dès lors que plusieurs personnes donnent une structure à leur regroupement en répartissant entre elles les tâches et en se procurant les ressources nécessaires, il y a association (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 10).\n\n**N. 7** La protection des personnes morales à but économique est controversée. Le Tribunal fédéral affirme dans une jurisprudence constante que les personnes morales à but économique peuvent également se prévaloir de la liberté d'association négative (**ATF 124 I 107**). Schiess Rütimann soutient au contraire que l'art. 23 Cst. ne protège que les associations à but idéal (BSK BV, art. 23 n. 8). Pour la délimitation, il faut se référer au critère développé pour la distinction entre associations et sociétés : si un avantage pécuniaire doit revenir aux membres, il y a but économique (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 8).\n\n**N. 8** La liberté d'association comprend trois dimensions :\n- **Liberté d'association positive** (al. 2) : le droit de créer des associations, d'y adhérer et de participer à leurs activités\n- **Liberté d'association négative** (al. 3) : la protection contre la contrainte d'adhérer ou d'être membre\n- **Liberté d'association collective** : la liberté de l'association elle-même dans son existence et son activité\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** En tant que droit de défense, l'art. 23 Cst. protège contre les interventions étatiques dans la liberté d'association individuelle et collective. Sont notamment interdits :\n- Les obligations d'autorisation préalable pour la création d'associations\n- Les adhésions forcées à des associations privées\n- La discrimination dans le traitement des associations\n- Les atteintes disproportionnées à l'autonomie associative\n\n**N. 10** La doctrine dominante rejette les obligations d'enregistrement et de déclaration pour les associations comme violation de l'art. 23 Cst. (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 23). Selon les standards de la CEDH, de tels actes administratifs seraient toutefois compatibles avec l'art. 11 CEDH, pour autant qu'ils soient aménagés de manière proportionnée (Arndt/Schubert, art. 11 CEDH, 297 ss).\n\n**N. 11** L'art. 23 Cst. peut également donner lieu à des prétentions positives à des prestations dans certaines constellations. Le Tribunal fédéral a reconnu que les associations professionnelles du service public ont droit d'être entendues en cas de modifications importantes des conditions de travail de leurs membres (**ATF 129 I 113**).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 12** **Adhésions forcées à des associations professionnelles et économiques** : La doctrine est divisée sur l'admissibilité d'adhésions de facto forcées. Besson argumente que pour les associations qui « donnent accès à des biens particulièrement appréciés », des exigences accrues doivent être posées à la pratique d'admission et d'exclusion (Besson, ZSR 2001 I, 43 ss). Schiess Rütimann précise que cela vaut non seulement pour les associations professionnelles et économiques, mais aussi pour d'autres associations en position de monopole de fait (BSK BV, art. 23 n. 16).\n\n**N. 13** **Interdictions d'associations selon l'art. 260ter CP** : Biaggini critique la pratique extensive des interdictions d'associations dans le contexte de la lutte contre le terrorisme comme atteinte disproportionnée à la liberté d'association (Biaggini, Al-Qaïda-Verordnung, ius.full 2002, 22 ss). La doctrine dominante souligne au contraire la nécessité d'instruments efficaces contre les organisations hostiles à la constitution.\n\n**N. 14** **Financement des partis et transparence** : L'exigence de publicité du financement des partis se situe dans le champ de tension entre transparence démocratique et liberté d'association. Schiess Rütimann analyse comment les partis politiques en tant qu'« associations de droit privé entre droit public et droit privé » peuvent être soumis à des exigences particulières de transparence (Schiess Rütimann, Politische Parteien, passim).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** Pour la **création d'associations**, aucune autorisation étatique n'est requise. L'inscription au registre du commerce selon l'art. 61 CC est facultative et ne confère que la personnalité juridique. Pour l'exercice de la liberté d'association, une organisation de fait sans structures formelles suffit déjà.\n\n**N. 16** Les **exclusions d'associations** sont soumises à des exigences juridiques accrues pour les associations en position de monopole de fait ou exerçant des fonctions quasi-publiques. Le Tribunal fédéral a décidé que de telles associations ne disposent pas de l'autonomie d'exclusion complète selon l'art. 72 al. 2 CC (**ATF 123 III 193**). Les personnes concernées peuvent « revendiquer une protection appropriée contre l'exclusion injustifiée, si celle-ci affecte sensiblement leur épanouissement économique ».\n\n**N. 17** Pour les **associations politiques**, des exigences particulières de transparence s'appliquent. Le changement de parti de porteurs de mandats entre l'élection et la constitution peut violer la liberté électorale selon l'art. 34 al. 2 Cst. (**ATF 151 I 41**). Les partis doivent aménager leurs structures de manière à garantir la formation démocratique de la volonté.\n\n**N. 18** Pour les **manifestations** d'associations, il faut tenir compte du lien étroit entre liberté d'association et liberté de réunion. L'organisation de rassemblements appartient au domaine central de la liberté d'association collective, mais est soumise aux limites policières générales de la liberté de réunion (arrêt 1C_485/2013).\n\n**N. 19** Les **litiges de droit associatif** doivent être résolus en priorité au sein de l'association. Selon le Tribunal fédéral, la contestation judiciaire de décisions d'associations n'est admissible qu'après épuisement des voies de droit internes à l'association (**ATF 85 II 525**). Cela vaut en particulier pour les procédures d'exclusion, pour lesquelles l'organe suprême de l'association doit d'abord statuer.\n\n**N. 20** Pour la **gestion pratique d'associations**, il est recommandé de consulter l'abrégé de Portmann/Seemann (Grundriss des Vereinsrechts, 2009), qui lie les prescriptions de droit constitutionnel aux dispositions de droit civil des art. 60 ss CC et offre des instructions d'action concrètes pour l'élaboration de statuts et l'organisation d'associations.", "caselaw_fr": "# Art. 23 Cst. — Liberté d'association\n\n## Jurisprudence\n\n### Fondements de la liberté d'association\n\n**ATF 124 I 107** du 29 avril 1998  \nLiberté d'association positive et négative comme deux faces d'une même garantie. La liberté d'association négative garantit le droit de ne pas appartenir à une association ou de la quitter.  \nDéfinition de principe de la liberté d'association dans le contexte d'une initiative populaire cantonale sur le droit des conventions collectives.\n\n> « Art. 56 Cst. garantiert la liberté d'association. Dans son aspect positif, cette liberté permet aux particuliers de créer des associations, d'en devenir membre, d'exercer en leur sein des activités, et de les dissoudre. Dans son aspect négatif, elle garantit le droit de ne pas être obligé de faire partie d'une association, ou de la quitter. »\n\n**ATF 110 Ia 36** du 25 janvier 1984  \nLiberté d'association négative en cas d'appartenance forcée à des corporations de droit public. Les étudiants ont le droit d'exiger que leur corporation obligatoire ne soit pas considérée comme une organisation politique.  \nArrêt fondamental sur la liberté d'association négative en cas d'appartenance involontaire.\n\n> « Aus dem negativen Effekt der verfassungsmässigen Garantie der Vereinsfreiheit lässt sich der Anspruch darauf ableiten, dass die Organisation, der die Studierenden von Gesetzes wegen und ohne Austrittsmöglichkeit angehören, nicht als eine politische betrachtet wird. »\n\n### Liberté d'association et égalité des sexes\n\n**ATF 140 I 201** du 21 mars 2014  \nCollision de droits fondamentaux entre liberté d'association et égalité entre hommes et femmes. Les universités peuvent refuser le statut d'association universitaire à une association d'étudiants qui exclut les femmes.  \nPremier arrêt de principe sur la résolution de la collision entre liberté d'association et égalité des sexes.\n\n> « Darf ein Verwaltungsträger, der eine staatliche Aufgabe wahrnimmt und deswegen an die Grundrechte gebunden ist, einer zivilrechtlichen Studentenverbindung den Status als universitäre Vereinigung verwehren und die zugehörigen Leistungen verweigern, weil sie Frauen von der Mitgliedschaft ausschliesst? »\n\n**ATF 151 I 337** du 25 mars 2025  \nChangement de jurisprudence en faveur de l'égalité des sexes. L'université peut refuser la reconnaissance à une association d'étudiants exclusivement masculine s'il n'existe aucun lien objectif entre le but de l'association et l'exclusion fondée sur le sexe.  \nJurisprudence actuelle sur la pondération entre liberté d'association et interdiction de discriminer.\n\n> « Die Universität verfügt aufgrund ihrer Autonomie über ein erhebliches Entscheidungsermessen bezüglich der Anerkennung einer universitären Vereinigung. Sie muss jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Grundrechten, an welche sie gebunden ist, wahren. »\n\n### Liberté d'association et liberté de réunion\n\n**ATF 127 I 164** du 20 septembre 2001  \nLiberté d'opinion et de réunion lors de manifestations sur domaine public. Obligation d'autorisation et pesée des intérêts en tenant compte de la portée idéelle des droits fondamentaux.  \nArrêt de principe sur l'exercice pratique des droits fondamentaux collectifs dans l'espace public.\n\n> « In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer eine Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit geltend. Das Vorhandensein einer kommunalen gesetzlichen Grundlage für das Erfordernis einer Bewilligung zur Durchführung von Kundgebungen auf öffentlichem Grund bestreiten sie nicht. »\n\n**ATF 124 I 267** du 26 août 1998  \nLiberté de réunion et restrictions de lieu. Pas de droit à la tenue d'une manifestation sur une place publique déterminée. Licéité d'une interdiction générale de manifester en cas de fonction particulière de la place.  \nLimites de la liberté de réunion selon les circonstances locales spécifiques.\n\n> « Kundgebungen auf öffentlichem Grund stellen eine Form des gesteigerten Gemeingebrauchs dar und dürfen daher weitergehenden Beschränkungen unterworfen werden als Versammlungen auf privatem Grund. »\n\n### Liberté d'association négative et appartenance forcée\n\n**ATF 130 I 279** du 13 juillet 2004  \nViolation de la liberté d'association négative par l'assujettissement forcé aux conventions collectives. Les dispositions cantonales qui subordonnent la prolongation des heures d'ouverture au respect des CCT sont disproportionnées.  \nApplication de la liberté d'association négative en droit du travail.\n\n> « Eine kantonale Ladenschlussvorschrift, wonach verlängerte Öffnungszeiten nur bei Beachtung eines Gesamtarbeitsvertrages bewilligt werden, verletzt die negative Vereinigungsfreiheit, da sie faktisch zum Beitritt zu einem Arbeitgeberverband zwingt. »\n\n**ATAF 2021 I/2** du 30 mars 2021  \nAppartenance forcée à des organisations de branche. L'obligation indirecte de cotisation via des fédérations coopératives régionales peut être justifiée si les conditions de l'art. 36 Cst. sont remplies.  \nPratique actuelle sur la liberté d'association négative dans les associations économiques obligatoires.\n\n> « Die positive Vereinigungsfreiheit umfasst das Recht, Vereinigungen zu bilden, Vereinigungen beizutreten oder anzugehören und sich an den Tätigkeiten von Vereinigungen zu beteiligen (sog. positive Vereinigungsfreiheit). Der Schutz vor Zwangsmitgliedschaft (sog. negative Vereinigungsfreiheit) wird durch Art. 23 Abs. 3 BV garantiert. »\n\n### Liberté d'association en procédure pénale\n\n**Arrêt 6P.33/2006** du 15 mai 2006  \nLiberté d'association comme grief en procédure pénale. Les libertés d'opinion, d'information et d'association peuvent également être violées dans le contexte pénal.  \nAspects procéduraux de la liberté d'association.\n\n> « Art. 9 Cst. (procédure pénale ; arbitraire) ; art. 16 Cst. (liberté d'opinion et d'information) ; art. 23 Cst. (liberté d'association). Protection procédurale des droits fondamentaux également en procédure pénale. »\n\n### Écoles privées et liberté d'association\n\n**Arrêt 2C_807/2015** du 18 octobre 2016  \nAutorisation de tenir une école privée avec niveau préscolaire. La liberté d'association comprend aussi le droit de fonder et d'exploiter des établissements de formation.  \nLiberté d'association dans le domaine de la formation sous réserve de l'obligation de surveillance étatique.\n\n> « Ein Verein kann zur Wahrung der eigenen Interessen Beschwerde führen, wenn er durch staatliche Massnahmen in seiner grundrechtlich geschützten Vereinigungsfreiheit betroffen ist. »", "summary_it": "# Art. 23 Cost. — Libertà di associazione\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 23 della Costituzione federale protegge il diritto di associarsi con altri (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10). La libertà di associazione è un diritto fondamentale con tre dimensioni: la libertà positiva di associazione (il diritto di fondare associazioni e di aderirvi), la libertà negativa di associazione (la protezione dalla coercizione all'adesione) e la libertà collettiva di associazione (la libertà dell'associazione stessa).\n\n**Che cosa disciplina la norma?** L'art. 23 Cost. garantisce la libertà di formare associazioni, partiti e altre organizzazioni e di parteciparvi (cpv. 1 e 2). Al tempo stesso protegge dalla coercizione di dover aderire a un'associazione (cpv. 3). Le associazioni possono essere associazioni formali secondo l'art. 60 segg. CC o anche raggruppamenti informali senza struttura giuridica.\n\n**Chi è interessato?** Tutte le persone fisiche e giuridiche possono invocare l'art. 23 Cost. Il Tribunale federale ha deciso che anche le persone giuridiche con scopo economico possono rivendicare la protezione dall'adesione coercitiva (**DTF 124 I 107**). La libertà di associazione è particolarmente rilevante per le associazioni professionali, i partiti politici, i sindacati e le iniziative civiche.\n\n**Quali conseguenze giuridiche ne derivano?** Lo Stato non può richiedere autorizzazioni per la fondazione di associazioni o introdurre obblighi di registrazione. Per le associazioni con posizione di monopolio di fatto (come importanti associazioni professionali) sussistono maggiori obblighi di ammissione ed esclusione (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 16). Il Tribunale federale ha stabilito che le associazioni professionali del servizio pubblico possono rivendicare il diritto di essere sentite in caso di importanti modifiche legislative (**DTF 129 I 113**).\n\n**Esempio pratico:** Se un'infermiera vuole aderire all'Associazione svizzera delle professioni infermieristiche, non le può essere rifiutata arbitrariamente l'ammissione, poiché l'associazione esercita funzioni quasi monopolistiche nella professione (**DTF 123 III 193**). Viceversa, un architetto non può essere costretto ad aderire all'associazione degli architetti, anche se ciò comporta svantaggi professionali (**Sentenza 2C_58/2009**).\n\nLa libertà di associazione costituisce un'importante base della società democratica, poiché consente la formazione dell'opinione politica e l'impegno della società civile (FF 1997 I 175).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La libertà di associazione appartiene ai diritti fondamentali più antichi dell'ordinamento costituzionale svizzero. Già la Costituzione federale del 1848 garantiva all'art. 46 il «diritto della libera formazione di associazioni» (FF 1997 I 175, 293). Questo precoce ancoraggio costituzionale fece della libertà di associazione un «diritto fondamentale federale della prima ora» (Biaggini, Die Vereinigungsfreiheit, 415).\n\n**N. 2** Nel quadro della revisione totale del 1999, l'art. 23 Cost. subì solo lievi adattamenti redazionali rispetto alla disposizione precedente (FF 1997 I 175, 293). Il messaggio sottolineava che i tre capoversi dell'art. 23 Cost. «comprendono i diversi aspetti della libertà di associazione nel senso individuale e collettivo» (FF 1997 I 175).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 23 Cost. si trova nel 2° capitolo della Costituzione federale sui diritti fondamentali e occupa una posizione centrale nella struttura dei diritti politici fondamentali. La libertà di associazione è strettamente collegata con la libertà di riunione (→ art. 22 Cost.), la libertà di opinione e d'informazione (→ art. 16 Cost.) nonché i diritti politici (→ art. 34 Cost.).\n\n**N. 4** La libertà di associazione costituisce un «presupposto per la democrazia» (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 6), poiché consente la formazione di partiti politici, gruppi d'interesse e organizzazioni della società civile. È strettamente collegata alla libertà di coalizione (→ art. 28 Cost.) come manifestazione speciale per le associazioni di datori di lavoro e lavoratori.\n\n**N. 5** A livello internazionale la libertà di associazione è garantita dall'art. 11 CEDU e dall'art. 22 del Patto ONU II. La giurisprudenza della Corte EDU sull'art. 11 CEDU influenza l'interpretazione dell'art. 23 Cost., in particolare per le questioni degli obblighi di registrazione e divulgazione (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 5).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** Il concetto di «associazione» ai sensi dell'art. 23 Cost. deve essere inteso in senso ampio. Comprende non solo le associazioni nel senso degli art. 60 segg. CC, ma ogni raggruppamento duraturo di almeno due persone per il perseguimento di obiettivi comuni (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 10). Non appena più persone danno al loro raggruppamento una struttura, distribuendo tra loro compiti e procurando le risorse necessarie, vi è un'associazione (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 10).\n\n**N. 7** È controversa la protezione delle persone giuridiche con scopo economico. Il Tribunale federale afferma in giurisprudenza costante che anche le persone giuridiche con scopo economico possono invocare la libertà di associazione negativa (**DTF 124 I 107**). Schiess Rütimann sostiene al contrario che l'art. 23 Cost. protegge solo le associazioni con scopo ideale (BSK BV, art. 23 n. 8). Per la delimitazione bisogna far capo al criterio sviluppato per la distinzione tra associazioni e società: se ai membri deve affluire un vantaggio pecuniario, vi è uno scopo economico (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 8).\n\n**N. 8** La libertà di associazione comprende tre dimensioni:\n- **Libertà di associazione positiva** (cpv. 2): il diritto di fondare associazioni, aderirvi e partecipare alle loro attività\n- **Libertà di associazione negativa** (cpv. 3): la protezione dalla coazione all'adesione o all'appartenenza\n- **Libertà di associazione collettiva**: la libertà dell'associazione stessa nella sua esistenza e attività\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Come diritto di difesa l'art. 23 Cost. protegge dagli interventi statali nella libertà di associazione individuale e collettiva. Sono vietati in particolare:\n- Obblighi di autorizzazione preventiva per la fondazione di associazioni\n- Appartenenze obbligatorie a associazioni private\n- Discriminazioni nel trattamento delle associazioni\n- Interventi sproporzionati nell'autonomia associativa\n\n**N. 10** La dottrina dominante respinge gli obblighi di registrazione e notifica per le associazioni come violazione dell'art. 23 Cost. (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 23 n. 23). Secondo gli standard CEDU tali atti autoritativi sarebbero tuttavia compatibili con l'art. 11 CEDU, purché configurati proporzionalmente (Arndt/Schubert, art. 11 CEDU, 297 segg.).\n\n**N. 11** Dall'art. 23 Cost. possono derivare in determinate costellazioni anche pretese a prestazioni positive. Il Tribunale federale ha riconosciuto che le associazioni professionali del servizio pubblico hanno diritto al diritto di essere sentite in caso di modifiche sostanziali delle condizioni di lavoro dei loro membri (**DTF 129 I 113**).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 12** **Appartenenze obbligatorie a associazioni professionali ed economiche**: La dottrina è divisa sulla liceità delle appartenenze obbligatorie di fatto. Besson argomenta che per le associazioni che «forniscono accesso a beni particolarmente apprezzati» devono essere posti requisiti più elevati alla prassi di ammissione ed esclusione (Besson, ZSR 2001 I, 43 segg.). Schiess Rütimann precisa che ciò vale non solo per le associazioni professionali ed economiche, ma anche per altre associazioni con posizione monopolistica di fatto (BSK BV, art. 23 n. 16).\n\n**N. 13** **Divieti di associazioni secondo l'art. 260ter CP**: Biaggini critica la prassi estensiva dei divieti di associazioni nel contesto della lotta al terrorismo come intervento sproporzionato nella libertà di associazione (Biaggini, Al-Qaïda-Verordnung, ius.full 2002, 22 segg.). La dottrina dominante sottolinea al contrario la necessità di strumenti efficaci contro le organizzazioni ostili alla costituzione.\n\n**N. 14** **Finanziamento dei partiti e trasparenza**: La richiesta di divulgazione del finanziamento dei partiti si trova nel campo di tensione tra trasparenza democratica e libertà di associazione. Schiess Rütimann analizza come i partiti politici come «associazioni di diritto privato tra diritto pubblico e privato» possano essere sottoposti a speciali requisiti di trasparenza (Schiess Rütimann, Politische Parteien, passim).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Per la **fondazione di associazioni** non sono necessarie autorizzazioni statali. L'iscrizione nel registro di commercio secondo l'art. 61 CC è facoltativa e conferisce solo la personalità giuridica. Per l'esercizio della libertà di associazione basta già un'organizzazione di fatto senza strutture formali.\n\n**N. 16** Le **esclusioni dalle associazioni** sono sottoposte a requisiti giuridici più elevati nelle associazioni con posizione monopolistica di fatto o funzioni quasi-pubbliche. Il Tribunale federale ha deciso che tali associazioni non dispongono dell'autonomia di esclusione comprensiva secondo l'art. 72 cpv. 2 CC (**DTF 123 III 193**). Gli interessati possono «pretendere una protezione adeguata dall'esclusione ingiustificata, se questa comprometterebbe sensibilmente il loro sviluppo economico».\n\n**N. 17** Per le **associazioni politiche** valgono speciali requisiti di trasparenza. Il cambiamento di partito dei titolari di mandato tra elezione e costituzione può violare la libertà elettorale secondo l'art. 34 cpv. 2 Cost. (**DTF 151 I 41**). I partiti devono configurare le loro strutture in modo che la formazione democratica della volontà rimanga garantita.\n\n**N. 18** Per le **manifestazioni** di associazioni bisogna considerare lo stretto collegamento tra libertà di associazione e di riunione. L'organizzazione di manifestazioni appartiene al nucleo essenziale della libertà di associazione collettiva, ma è sottoposta ai limiti generali di polizia della libertà di riunione (Sentenza 1C_485/2013).\n\n**N. 19** Le **controversie di diritto associativo** devono essere risolte primariamente all'interno dell'associazione. Secondo il Tribunale federale l'impugnazione giudiziaria di decisioni associative è ammissibile solo quando i rimedi giuridici interni all'associazione sono esauriti (**DTF 85 II 525**). Ciò vale in particolare per le procedure di esclusione, per le quali deve decidere dapprima l'organo associativo supremo.\n\n**N. 20** Per la **gestione pratica delle associazioni** si raccomanda la consultazione del compendio di Portmann/Seemann (Grundriss des Vereinsrechts, 2009), che collega le prescrizioni di diritto costituzionale con le disposizioni di diritto civile degli art. 60 segg. CC e offre istruzioni concrete per la redazione di statuti e l'organizzazione associativa.", "caselaw_it": "# Art. 23 Cost. — Libertà di associazione\n\n## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti della libertà di associazione\n\n**DTF 124 I 107** del 29 aprile 1998  \nLibertà di associazione positiva e negativa come due facce di una garanzia. La libertà di associazione negativa garantisce il diritto di non appartenere a un'associazione o di lasciarla.  \nDefinizione fondamentale della libertà di associazione nel contesto di un'iniziativa popolare cantonale sul diritto dei contratti collettivi di lavoro.\n\n> «Art. 56 Cst. garantiert la liberté d'association. Dans son aspect positif, cette liberté permet aux particuliers de créer des associations, d'en devenir membre, d'exercer en leur sein des activités, et de les dissoudre. Dans son aspect négatif, elle garantit le droit de ne pas être obligé de faire partie d'une association, ou de la quitter.»\n\n**DTF 110 Ia 36** del 25 gennaio 1984  \nLibertà di associazione negativa in caso di affiliazione obbligatoria a corporazioni di diritto pubblico. Gli studenti hanno diritto a che la loro corporazione obbligatoria non sia considerata un'organizzazione politica.  \nSentenza fondamentale sulla libertà di associazione negativa in caso di affiliazione involontaria.\n\n> «Aus dem negativen Effekt der verfassungsmässigen Garantie der Vereinsfreiheit lässt sich der Anspruch darauf ableiten, dass die Organisation, der die Studierenden von Gesetzes wegen und ohne Austrittsmöglichkeit angehören, nicht als eine politische betrachtet wird.»\n\n### Libertà di associazione e parità dei sessi\n\n**DTF 140 I 201** del 21 marzo 2014  \nCollisione di diritti fondamentali tra libertà di associazione e parità di diritti tra uomo e donna. Le università possono rifiutare a un'associazione studentesca che esclude le donne lo status di associazione universitaria.  \nPrima sentenza di principio sulla risoluzione della collisione tra libertà di associazione e parità dei sessi.\n\n> «Darf ein Verwaltungsträger, der eine staatliche Aufgabe wahrnimmt und deswegen an die Grundrechte gebunden ist, einer zivilrechtlichen Studentenverbindung den Status als universitäre Vereinigung verwehren und die zugehörigen Leistungen verweigern, weil sie Frauen von der Mitgliedschaft ausschliesst?»\n\n**DTF 151 I 337** del 25 marzo 2025  \nCambiamento di giurisprudenza a favore della parità dei sessi. L'università può rifiutare il riconoscimento a un'associazione studentesca esclusivamente maschile se non sussiste un nesso oggettivo tra scopo dell'associazione ed esclusione di un sesso.  \nGiurisprudenza attuale sulla ponderazione tra libertà di associazione e divieto di discriminazione.\n\n> «Die Universität verfügt aufgrund ihrer Autonomie über ein erhebliches Entscheidungsermessen bezüglich der Anerkennung einer universitären Vereinigung. Sie muss jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Grundrechten, an welche sie gebunden ist, wahren.»\n\n### Libertà di associazione e libertà di riunione\n\n**DTF 127 I 164** del 20 settembre 2001  \nLibertà d'opinione e di riunione nelle manifestazioni su suolo pubblico. Obbligo di autorizzazione e ponderazione degli interessi nel rispetto del contenuto ideale dei diritti fondamentali.  \nSentenza guida sull'esercizio pratico dei diritti fondamentali collettivi nello spazio pubblico.\n\n> «In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer eine Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit geltend. Das Vorhandensein einer kommunalen gesetzlichen Grundlage für das Erfordernis einer Bewilligung zur Durchführung von Kundgebungen auf öffentlichem Grund bestreiten sie nicht.»\n\n**DTF 124 I 267** del 26 agosto 1998  \nLibertà di riunione e restrizioni territoriali. Nessun diritto allo svolgimento di una manifestazione su una determinata piazza pubblica. Ammissibilità di un divieto generale di manifestazione in caso di funzione particolare della piazza.  \nLimiti della libertà di riunione in presenza di particolari caratteristiche locali.\n\n> «Kundgebungen auf öffentlichem Grund stellen eine Form des gesteigerten Gemeingebrauchs dar und dürfen daher weitergehenden Beschränkungen unterworfen werden als Versammlungen auf privatem Grund.»\n\n### Libertà di associazione negativa e affiliazione obbligatoria\n\n**DTF 130 I 279** del 13 luglio 2004  \nViolazione della libertà di associazione negativa attraverso vincolo obbligatorio a contratti collettivi di lavoro. Le disposizioni cantonali che collegano orari di apertura prolungati al rispetto di CCL sono sproporzionate.  \nApplicazione della libertà di associazione negativa nel diritto del lavoro.\n\n> «Eine kantonale Ladenschlussvorschrift, wonach verlängerte Öffnungszeiten nur bei Beachtung eines Gesamtarbeitsvertrages bewilligt werden, verletzt die negative Vereinigungsfreiheit, da sie faktisch zum Beitritt zu einem Arbeitgeberverband zwingt.»\n\n**DTAF 2021 I/2** del 30 marzo 2021  \nAffiliazione obbligatoria a organizzazioni di categoria. L'obbligo indiretto di contributi tramite federazioni cooperative regionali può essere giustificato se sono soddisfatti i presupposti dell'art. 36 Cost.  \nPrassi attuale sulla libertà di associazione negativa nelle associazioni economiche obbligatorie.\n\n> «Die positive Vereinigungsfreiheit umfasst das Recht, Vereinigungen zu bilden, Vereinigungen beizutreten oder anzugehören und sich an den Tätigkeiten von Vereinigungen zu beteiligen (sog. positive Vereinigungsfreiheit). Der Schutz vor Zwangsmitgliedschaft (sog. negative Vereinigungsfreiheit) wird durch Art. 23 Abs. 3 BV garantiert.»\n\n### Libertà di associazione nel procedimento penale\n\n**Sentenza 6P.33/2006** del 15 maggio 2006  \nLibertà di associazione come censura nel procedimento penale. Libertà d'opinione, di informazione e di associazione possono essere violate anche nel contesto penale.  \nAspetti processuali della libertà di associazione.\n\n> «Art. 9 BV (Strafverfahren; Willkür); Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit); Art. 23 BV (Vereinigungsfreiheit). Verfahrensrechtlicher Schutz der Grundrechte auch im Strafverfahren.»\n\n### Sistema scolastico privato e libertà di associazione\n\n**Sentenza 2C_807/2015** del 18 ottobre 2016  \nAutorizzazione alla gestione di una scuola privata con sezione della scuola dell'infanzia. La libertà di associazione comprende anche il diritto di fondare e gestire istituti di formazione.  \nLibertà di associazione nel settore educativo nel rispetto dell'obbligo di vigilanza statale.\n\n> «Ein Verein kann zur Wahrung der eigenen Interessen Beschwerde führen, wenn er durch staatliche Massnahmen in seiner grundrechtlich geschützten Vereinigungsfreiheit betroffen ist.»", "summary_en": "# Art. 23 BV — Freedom of Association\n\n## Overview\n\nArticle 23 of the Federal Constitution protects the right to associate with others (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10). Freedom of association is a fundamental right with three dimensions: positive freedom of association (the right to establish associations and join them), negative freedom of association (protection from coercion to membership) and collective freedom of association (the freedom of the association itself).\n\n**What does the provision regulate?** Art. 23 BV guarantees the freedom to form clubs, parties and other associations and to participate in them (para. 1 and 2). At the same time, it protects against coercion to join an association (para. 3). Associations can be formal associations under Art. 60 et seq. CC or also informal groups without legal structure.\n\n**Who is affected?** All natural and legal persons can invoke Art. 23 BV. The Federal Supreme Court has ruled that even legal persons with economic purposes can claim protection from compulsory membership (**BGE 124 I 107**). Freedom of association is particularly relevant for professional associations, political parties, trade unions and citizens' initiatives.\n\n**What legal consequences arise?** The state may not require permits for the establishment of associations or introduce registration obligations. For associations with a de facto monopoly position (such as important professional associations), there are heightened admission and exclusion obligations (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 16). The Federal Supreme Court has established that public service professional associations can claim the right to be heard in important legislative amendments (**BGE 129 I 113**).\n\n**Practical example:** If a nurse wants to join the Swiss Professional Association of Nursing Specialists, admission cannot be arbitrarily refused, as the association exercises quasi-monopolistic functions in the profession (**BGE 123 III 193**). Conversely, an architect cannot be forced to join the architects' association, even if this results in professional disadvantages (**Decision 2C_58/2009**).\n\nFreedom of association forms an important foundation of democratic society, as it enables political opinion formation and civic engagement (BBl 1997 I 175).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Freedom of association is among the oldest fundamental rights in the Swiss constitutional order. The Federal Constitution of 1848 already guaranteed in Art. 46 the «right of free association» (BBl 1997 I 175, 293). This early constitutional anchoring made freedom of association a «federal fundamental right from the very beginning» (Biaggini, Die Vereinigungsfreiheit, 415).\n\n**N. 2** In the context of the total revision of 1999, Art. 23 FC underwent only minor editorial adjustments compared to the predecessor provision (BBl 1997 I 175, 293). The Federal Council message emphasized that the three paragraphs of Art. 23 FC «encompass the various aspects of freedom of association in the individual and collective sense» (BBl 1997 I 175).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 23 FC is located in Chapter 2 of the Federal Constitution among the fundamental rights and occupies a central position in the structure of political fundamental rights. Freedom of association is closely linked with freedom of assembly (→ Art. 22 FC), freedom of opinion and information (→ Art. 16 FC) as well as political rights (→ Art. 34 FC).\n\n**N. 4** Freedom of association forms a «prerequisite for democracy» (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 6), as it enables the formation of political parties, interest groups and civil society organizations. It is closely connected to freedom of coalition (→ Art. 28 FC) as a special manifestation for employer and employee associations.\n\n**N. 5** Internationally, freedom of association is guaranteed by Art. 11 ECHR and Art. 22 ICCPR. The case law of the ECtHR on Art. 11 ECHR influences the interpretation of Art. 23 FC, particularly regarding questions of registration and disclosure obligations (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 5).\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 6** The concept of «association» within the meaning of Art. 23 FC is to be understood broadly. It encompasses not only associations in the sense of Art. 60 et seq. CC, but any lasting union of at least two persons for the pursuit of common goals (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10). As soon as several persons give their union a structure by distributing tasks among themselves and procuring the necessary resources, an association exists (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 10).\n\n**N. 7** The protection of legal persons with commercial purposes is disputed. The Federal Supreme Court affirms in consistent case law that legal persons with commercial purposes can also invoke negative freedom of association (**BGE 124 I 107**). Schiess Rütimann argues to the contrary that Art. 23 FC protects only associations with ideal purposes (BSK BV, Art. 23 N. 8). For the delimitation, the criterion developed for the distinction between associations and partnerships should be applied: if the members are to receive a monetary advantage, a commercial purpose exists (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 8).\n\n**N. 8** Freedom of association comprises three dimensions:\n- **Positive freedom of association** (para. 2): the right to establish associations, join them and participate in their activities\n- **Negative freedom of association** (para. 3): protection against coercion to join or maintain membership\n- **Collective freedom of association**: the freedom of the association itself in its existence and activity\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** As a defensive right, Art. 23 FC protects against state interference in individual and collective freedom of association. Prohibited are in particular:\n- Prior authorization requirements for establishing associations\n- Compulsory membership in private associations\n- Discrimination in the treatment of associations\n- Disproportionate interference in associational autonomy\n\n**N. 10** The prevailing doctrine rejects registration and notification requirements for associations as a violation of Art. 23 FC (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 23 N. 23). According to ECHR standards, however, such official acts would be compatible with Art. 11 ECHR, provided they are proportionately designed (Arndt/Schubert, Art. 11 EMRK, 297 et seq.).\n\n**N. 11** Art. 23 FC can also give rise to positive entitlements to services in certain constellations. The Federal Supreme Court has recognized that professional associations in public service have a right to be heard when essential changes are made to their members' working conditions (**BGE 129 I 113**).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Compulsory membership in professional and economic associations**: The doctrine is divided on the permissibility of de facto compulsory memberships. Besson argues that associations that «provide access to particularly valued goods» must be subject to heightened requirements regarding admission and exclusion practices (Besson, ZSR 2001 I, 43 et seq.). Schiess Rütimann specifies that this applies not only to professional and economic associations, but also to other associations with a de facto monopoly position (BSK BV, Art. 23 N. 16).\n\n**N. 13** **Association bans under Art. 260ter CC**: Biaggini criticizes the extensive practice of association bans in the context of counter-terrorism as a disproportionate interference with freedom of association (Biaggini, Al-Qaïda-Verordnung, ius.full 2002, 22 et seq.). The prevailing doctrine, by contrast, emphasizes the necessity of effective instruments against anti-constitutional organizations.\n\n**N. 14** **Party financing and transparency**: The demand for disclosure of party financing stands in tension between democratic transparency and freedom of association. Schiess Rütimann analyzes how political parties as «private associations between public law and private law» can be subjected to special transparency requirements (Schiess Rütimann, Politische Parteien, passim).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** For **establishing associations**, no state authorization is required. Registration in the commercial register under Art. 61 CC is optional and merely confers legal personality. For the exercise of freedom of association, a de facto organization without formal structures suffices.\n\n**N. 16** **Association expulsions** are subject to heightened legal requirements for associations with de facto monopoly positions or quasi-public functions. The Federal Supreme Court has held that such associations do not have the comprehensive exclusion autonomy under Art. 72 para. 2 CC (**BGE 123 III 193**). Affected parties can «claim appropriate protection against unjustified exclusion if this would significantly impair their economic development».\n\n**N. 17** Special transparency requirements apply to **political associations**. The party switching of office holders between election and constitution can violate the freedom to vote under Art. 34 para. 2 FC (**BGE 151 I 41**). Parties must design their structures so that democratic will formation is ensured.\n\n**N. 18** For **demonstrations** by associations, the close connection between freedom of association and freedom of assembly must be observed. The organization of rallies belongs to the core area of collective freedom of association, but is subject to the general police limits of freedom of assembly (Decision 1C_485/2013).\n\n**N. 19** **Disputes under association law** must primarily be resolved internally within the association. According to the Federal Supreme Court, judicial challenge of association decisions is only permissible once internal legal remedies have been exhausted (**BGE 85 II 525**). This applies particularly to exclusion procedures, where the highest association body must first decide.\n\n**N. 20** For practical **association management**, consultation of the outline by Portmann/Seemann (Grundriss des Vereinsrechts, 2009) is recommended, which combines the constitutional requirements with the civil law provisions of Art. 60 et seq. CC and offers concrete instructions for drafting statutes and organizing associations.", "caselaw_en": "# Art. 23 BV — Freedom of Association\n\n## Case Law\n\n### Foundations of Freedom of Association\n\n**BGE 124 I 107** of 29 April 1998  \nPositive and negative freedom of association as two sides of one guarantee. Negative freedom of association guarantees the right not to belong to an association or to leave it.  \nFundamental definition of freedom of association in the context of a cantonal popular initiative on collective labour agreement law.\n\n> «Art. 56 Cst. garantit la liberté d'association. Dans son aspect positif, cette liberté permet aux particuliers de créer des associations, d'en devenir membre, d'exercer en leur sein des activités, et de les dissoudre. Dans son aspect négatif, elle garantit le droit de ne pas être obligé de faire partie d'une association, ou de la quitter.»\n\n**BGE 110 Ia 36** of 25 January 1984  \nNegative freedom of association in cases of compulsory membership in public law corporations. Students have a claim to ensure that their compulsory corporation is not regarded as a political organisation.  \nFundamental judgment on negative freedom of association in cases of involuntary membership.\n\n> «Aus dem negativen Effekt der verfassungsmässigen Garantie der Vereinsfreiheit lässt sich der Anspruch darauf ableiten, dass die Organisation, der die Studierenden von Gesetzes wegen und ohne Austrittsmöglichkeit angehören, nicht als eine politische betrachtet wird.»\n\n### Freedom of Association and Gender Equality\n\n**BGE 140 I 201** of 21 March 2014  \nCollision of fundamental rights between freedom of association and equality of men and women. Universities may refuse to grant university association status to a student fraternity that excludes women.  \nFirst landmark judgment on resolving the collision between freedom of association and gender equality.\n\n> «Darf ein Verwaltungsträger, der eine staatliche Aufgabe wahrnimmt und deswegen an die Grundrechte gebunden ist, einer zivilrechtlichen Studentenverbindung den Status als universitäre Vereinigung verwehren und die zugehörigen Leistungen verweigern, weil sie Frauen von der Mitgliedschaft ausschliesst?»\n\n**BGE 151 I 337** of 25 March 2025  \nChange in case law in favour of gender equality. The university can refuse recognition to an exclusively male student fraternity if there is no objective connection between the association's purpose and gender exclusion.  \nCurrent case law on balancing freedom of association and the prohibition of discrimination.\n\n> «Die Universität verfügt aufgrund ihrer Autonomie über ein erhebliches Entscheidungsermessen bezüglich der Anerkennung einer universitären Vereinigung. Sie muss jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Grundrechten, an welche sie gebunden ist, wahren.»\n\n### Freedom of Association and Freedom of Assembly\n\n**BGE 127 I 164** of 20 September 2001  \nFreedom of opinion and assembly in demonstrations on public ground. Licensing requirement and balancing of interests with consideration of the ideal content of fundamental rights.  \nLeading decision on the practical exercise of collective fundamental rights in public space.\n\n> «In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer eine Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit geltend. Das Vorhandensein einer kommunalen gesetzlichen Grundlage für das Erfordernis einer Bewilligung zur Durchführung von Kundgebungen auf öffentlichem Grund bestreiten sie nicht.»\n\n**BGE 124 I 267** of 26 August 1998  \nFreedom of assembly and location restrictions. No right to hold a rally in a specific public square. Admissibility of a general prohibition on demonstrations where a square has a special function.  \nLimits of freedom of assembly in specific local circumstances.\n\n> «Kundgebungen auf öffentlichem Grund stellen eine Form des gesteigerten Gemeingebrauchs dar und dürfen daher weitergehenden Beschränkungen unterworfen werden als Versammlungen auf privatem Grund.»\n\n### Negative Freedom of Association and Compulsory Membership\n\n**BGE 130 I 279** of 13 July 2004  \nViolation of negative freedom of association through compulsory binding to collective labour agreements. Cantonal provisions that link extended opening hours to compliance with collective labour agreements are disproportionate.  \nApplication of negative freedom of association in labour law.\n\n> «Eine kantonale Ladenschlussvorschrift, wonach verlängerte Öffnungszeiten nur bei Beachtung eines Gesamtarbeitsvertrages bewilligt werden, verletzt die negative Vereinigungsfreiheit, da sie faktisch zum Beitritt zu einem Arbeitgeberverband zwingt.»\n\n**BVGE 2021 I/2** of 30 March 2021  \nCompulsory membership in trade organisations. Indirect contribution obligation via regional cooperative associations can be justified if the requirements of Art. 36 BV are met.  \nCurrent practice on negative freedom of association in cases of economic compulsory associations.\n\n> «Die positive Vereinigungsfreiheit umfasst das Recht, Vereinigungen zu bilden, Vereinigungen beizutreten oder anzugehören und sich an den Tätigkeiten von Vereinigungen zu beteiligen (sog. positive Vereinigungsfreiheit). Der Schutz vor Zwangsmitgliedschaft (sog. negative Vereinigungsfreiheit) wird durch Art. 23 Abs. 3 BV garantiert.»\n\n### Freedom of Association in Criminal Proceedings\n\n**Judgment 6P.33/2006** of 15 May 2006  \nFreedom of association as an objection in criminal proceedings. Freedom of opinion, information and association can also be violated in the criminal law context.  \nProcedural aspects of freedom of association.\n\n> «Art. 9 BV (Strafverfahren; Willkür); Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit); Art. 23 BV (Vereinigungsfreiheit). Verfahrensrechtlicher Schutz der Grundrechte auch im Strafverfahren.»\n\n### Private Education and Freedom of Association\n\n**Judgment 2C_807/2015** of 18 October 2016  \nLicence to operate a private school with kindergarten level. Freedom of association also encompasses the right to establish and operate educational institutions.  \nFreedom of association in the education sector under consideration of state supervisory duty.\n\n> «Ein Verein kann zur Wahrung der eigenen Interessen Beschwerde führen, wenn er durch staatliche Massnahmen in seiner grundrechtlich geschützten Vereinigungsfreiheit betroffen ist.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_23", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 24, "article_suffix": "", "title": "Niederlassungsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 24 BV — Niederlassungsfreiheit\n\n## Übersicht\n\nArt. 24 BV gewährt Schweizer Bürgern zwei zentrale Bewegungsrechte. Erstens das Recht auf Niederlassung (Wohnsitz) an jedem Ort der Schweiz. Zweitens das Recht, die Schweiz zu verlassen oder in sie einzureisen.\n\nDiese Grundrechte stehen nur Personen mit Schweizer Bürgerrecht zu. Ausländer sind davon ausgenommen, wie das Bundesgericht in **BGE 127 I 97** bestätigt und BSK BV-Rudin N. 16 festhält. Die Niederlassungsfreiheit umfasst den Schutz vor staatlicher Willkür beim Wohnsitzwechsel und das Recht auf freie Auswanderung.\n\nDas Bundesgericht prüft Einschränkungen der Niederlassungsfreiheit nach Art. 36 BV streng. In **BGE 147 I 103** etwa erklärte es polizeiliche Wegweisungen von Fahrenden für unverhältnismässig, weil diese ihre verfassungsrechtliche Bewegungsfreiheit verletzten. Zulässige Einschränkungen müssen gesetzlich vorgesehen, im öffentlichen Interesse und verhältnismässig sein.\n\nIn der Praxis zeigt sich die Bedeutung besonders beim Familienrecht. In **BGE 142 III 481** entschied das Bundesgericht über den Wegzug von Kindern ins Ausland. Es stellte fest, dass die Niederlassungsfreiheit der Eltern bei solchen Entscheiden zu berücksichtigen ist.\n\nEin praktisches Beispiel: Eine Schweizer Bürgerin kann von Zürich nach Genf ziehen, ohne behördliche Bewilligung zu benötigen. Sie kann auch ins Ausland auswandern. Die Behörden dürfen ihr die nötigen Papiere nicht verweigern, auch nicht wegen unbezahlter Steuern (Willkürverbot gemäss **BGE 127 I 97**).\n\nDie Niederlassungsfreiheit ist eng mit anderen Grundrechten verknüpft. Sie ergänzt die allgemeine Bewegungsfreiheit nach Art. 10 Abs. 2 BV und steht in Wechselwirkung mit dem Schutz vor Willkür (Art. 9 BV) sowie den Verfahrensgarantien (Art. 29 BV).", "doctrine_de": "# Art. 24 BV\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Niederlassungsfreiheit gehört zu den ältesten Grundrechten der schweizerischen Rechtsordnung. Bereits die Bundesverfassung von 1848 garantierte in Art. 41 jedem Schweizer das Recht, sich an jedem Ort des Landes niederzulassen. Die Revision von 1975 erweiterte die Verfassungsgarantie um das Recht auf Aus- und Einreise (BBl 1974 I 1381, 1483). Bei der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 wurde die bestehende Regelung in Art. 24 BV übernommen, wobei die geschlechtsneutrale Formulierung «Schweizerinnen und Schweizer» die frühere Bezeichnung «jeder Schweizer» ersetzte (BBl 1997 I 1, 162).\n\n**N. 2** Die Entstehung der heutigen Fassung zeigt die schrittweise Erweiterung des Schutzbereichs. Während die ursprüngliche Garantie von 1848 nur die innerschweizerische Niederlassung umfasste, kam 1975 die Garantie der Aus- und Einreise hinzu. Diese Erweiterung reflektierte die zunehmende internationale Mobilität und die Anerkennung, dass die Freizügigkeit nicht an der Landesgrenze enden sollte (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 3).\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 24 BV findet sich im Grundrechtskatalog der Bundesverfassung zwischen dem Schutz vor Ausweisung, Auslieferung und Ausschaffung (Art. 25 BV) und der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 15 BV). Diese systematische Stellung unterstreicht den Charakter als persönliches Freiheitsrecht.\n\n**N. 4** Die Niederlassungsfreiheit steht in engem Zusammenhang mit weiteren Verfassungsbestimmungen: → Art. 10 Abs. 2 BV (Bewegungsfreiheit) gewährleistet das Recht auf freie Bewegung als Teilaspekt, ↔ Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) ergänzt die Niederlassungsfreiheit im wirtschaftlichen Kontext, und → Art. 8 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, der für Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz relevant wird (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 6-7).\n\n**N. 5** Für Ausländerinnen und Ausländer gelten spezielle Regelungen: Sie sind nicht Träger der Niederlassungsfreiheit nach Art. 24 BV (h.L. und Praxis, Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 16). Ihre Rechte ergeben sich aus völkerrechtlichen Garantien, insbesondere Art. 8 EMRK und Art. 12 UNO-Pakt II, sowie aus dem Freizügigkeitsabkommen Schweiz/EU (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 8-11, 46-49).\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Der persönliche Schutzbereich umfasst ausschliesslich Schweizerinnen und Schweizer. Das Bundesgericht hält in ständiger Rechtsprechung fest, dass Personen ohne Schweizer Bürgerrecht nicht Träger des Grundrechts sind (**BGE 135 I 153** E. 2.1). Auch bevormundete Schweizer Bürgerinnen und Bürger sind Grundrechtsträger, obwohl sie in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkt sind (**BGE 131 I 266** E. 3.1).\n\n**N. 7** Der sachliche Schutzbereich nach Abs. 1 gewährleistet «die Möglichkeit persönlichen Verweilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz» (Bundesgericht, zitiert bei Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 18). Dies umfasst:\n- Die freie Wahl des Wohnsitzes\n- Die Verlegung des Wohnsitzes innerhalb der Schweiz\n- Das Recht auf polizeiliche Anmeldung\n- Den Schutz vor Wegweisung vom Kantonsgebiet\n\n**N. 8** Abs. 2 garantiert das Recht auf Verlassen der Schweiz und auf Wiedereinreise. Diese Garantie schliesst das Recht auf Ausstellung der erforderlichen Reisepapiere ein, wobei offen bleibt, ob die Abmeldebestätigung zu diesen Papieren gehört (**BGE 127 I 97** E. 3.2).\n\n**N. 9** Der Kerngehalt der Niederlassungsfreiheit umfasst das absolute Recht jedes Schweizers und jeder Schweizerin, sich irgendwo in der Schweiz aufzuhalten. Ein generelles Aufenthaltsverbot auf dem gesamten Staatsgebiet wäre kerngehaltswidrig (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 27).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die Niederlassungsfreiheit begründet primär ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe. Kantone und Gemeinden sind verpflichtet, Schweizer Bürgerinnen und Bürgern die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben und dürfen die Verlegung des Wohnsitzes nicht behindern (**BGE 128 I 280** E. 4.1.1).\n\n**N. 11** Bei Einschränkungen der Niederlassungsfreiheit gelten die allgemeinen Voraussetzungen nach → Art. 36 BV: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wahrung des Kerngehalts. Das Bundesgericht prüft Einschränkungen mit erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Fahrenden (**BGE 147 I 103** E. 3.2).\n\n**N. 12** Für ausländische Familienangehörige von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern kann sich aus Art. 8 EMRK ein abgeleitetes Anwesenheitsrecht ergeben. Das Bundesgericht anerkennt einen Anspruch auf Anwesenheit, wenn eine gelebte familiäre Beziehung mit einer Person mit gefestigter Anwesenheit besteht, während der EGMR bereits dann einen Anspruch bejaht, wenn die familiäre Beziehung in der Schweiz infrage steht (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11).\n\n### Streitstände\n\n**N. 13** **Wohnsitzpflichten für öffentliche Ämter**: Die Zulässigkeit von Wohnsitzpflichten ist umstritten. Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung über die Jahre entwickelt: Während früher Wohnsitzpflichten für Beamte generell als zulässig galten, fordert die neuere Praxis eine differenzierte Betrachtung. Für hoheitliche Tätigkeiten (Urkundspersonen, Regierungsstatthalter) werden Wohnsitzpflichten eher akzeptiert als für andere öffentliche Funktionen (**BGE 128 I 280** E. 4.2; **BGE 128 I 34** E. 5).\n\n**N. 14** **Anwesenheitsrecht aus Art. 8 EMRK**: Ein bedeutender Streitstand besteht zwischen der Rechtsprechung des Bundesgerichts und des EGMR zum Anwesenheitsrecht ausländischer Familienangehöriger. Das Bundesgericht verlangt eine «gelebte familiäre Beziehung mit einer Person mit gefestigter Anwesenheit», während der EGMR bereits dann einen Anspruch bejaht, wenn «die familiäre Beziehung in der Schweiz infrage steht» (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11). Diese unterschiedlichen Massstäbe führen zu Rechtsunsicherheit im «umgekehrten Familiennachzug».\n\n**N. 15** **Verhältnis zum Freizügigkeitsabkommen**: Die Reichweite der Niederlassungsfreiheit für Personen, die sowohl das Schweizer Bürgerrecht als auch die Staatsangehörigkeit eines EU-Staates besitzen, ist nicht abschliessend geklärt. Unklar ist insbesondere, ob sich Doppelbürger in innerstaatlichen Sachverhalten auf die weitergehenden Garantien des Freizügigkeitsabkommens berufen können (Breitenmoser/Weyeneth, Europarecht, § 15 N. 1563ff.; Kälin, Die Bedeutung des Freizügigkeitsabkommens, S. 87ff.).\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 16** **Wegweisungsverfügungen**: Bei polizeilichen Wegweisungen ist besondere Vorsicht geboten. Die automatische Verbindung mit Strafdrohungen nach Art. 292 StGB hat das Bundesgericht als unverhältnismässig qualifiziert (**BGE 147 I 103**). Wegweisungen müssen zeitlich befristet und räumlich auf das Notwendige beschränkt sein.\n\n**N. 17** **Familiennachzug**: Bei Gesuchen um Familiennachzug für ausländische Familienangehörige von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern ist eine umfassende Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen. Dem Kindeswohl kommt dabei besonderes Gewicht zu (**BGE 135 I 153** E. 2.2). Je nach Alter des Schweizer Kindes ist dessen Wunsch, in der Schweiz zu leben, zu berücksichtigen.\n\n**N. 18** **Sozialhilferechtliche Wohnsitzauflagen**: Die Verpflichtung von Sozialhilfeempfängern, eine kostengünstigere Wohnung am Wohnort zu suchen, verletzt die Niederlassungsfreiheit grundsätzlich nicht, sofern kein Wohnortswechsel verlangt wird (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 34-35). Unterstützte Personen sind zur Schadensminderung verpflichtet.\n\n**N. 19** **Registerrechtliche Fragen**: Bei der polizeilichen Anmeldung ist zwischen Niederlassung und Wochenaufenthalt zu unterscheiden. Das Registerharmonisierungsgesetz gibt die massgeblichen Definitionen vor. Streitigkeiten über die korrekte Eintragung können die Niederlassungsfreiheit tangieren, insbesondere bei Auslandschweizerinnen und -schweizern mit regelmässigem Aufenthalt in der Schweiz.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätze der Niederlassungsfreiheit\n\n### Inhalt und Umfang\n\n**BGE 148 I 97** vom 21.1.2021\nArt. 24 BV gewährleistet das Recht auf freie Wahl des Wohnsitzes in der Schweiz.\nDefiniert den Inhalt und Umfang der Niederlassungsfreiheit und grenzt die kantonalen Kompetenzen ab.\n\n> «Die Niederlassungsfreiheit garantiert ad ogni persona di cittadinanza svizzera la possibilità di eleggere qualsiasi luogo della Svizzera come luogo di residenza e di ricevere i corrispondenti annunci. D'altro canto, impone ai Cantoni e ai Comuni di permettere ad ogni cittadino svizzero di stabilirsi sul loro territorio, di iscriverlo negli appositi registri.»\n\n**BGE 128 I 280** vom 1.1.2002\nNiederlassungsfreiheit schützt die Möglichkeit persönlichen Verweilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz.\nGrundlegender Entscheid zur Reichweite des Grundrechts bei hoheitlichen Tätigkeiten.\n\n> «Die Niederlassungsfreiheit gewährleistet damit die Möglichkeit persönlichen Verweilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz; sie gebietet den Kantonen und Gemeinden, jedem Schweizerbürger die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben, und verbietet ihnen gleichzeitig, die Verlegung des Wohnsitzes vom einen zum andern Ort zu erschweren.»\n\n## Wohnsitzpflichten und berufliche Beschränkungen\n\n### Hoheitliche Tätigkeiten\n\n**BGE 128 I 280** vom 1.1.2002\nWohnsitzpflicht für Urkundspersonen ist mit Art. 24 BV vereinbar.\nPräzisiert die zulässigen Einschränkungen der Niederlassungsfreiheit bei hoheitlichen Aufgaben.\n\n> «Die Regelung des Kantons Appenzell I.Rh., wonach die hoheitliche Beurkundungsbefugnis Personen mit Wohnsitz im Kanton vorbehalten wird, ist mit der Bundesverfassung und namentlich mit der Niederlassungsfreiheit vereinbar.»\n\n**BGE 128 I 34** vom 1.1.2001\nWohnsitzpflicht für Regierungsstatthalter betrifft das passive Wahlrecht.\nZeigt den Zusammenhang zwischen Niederlassungsfreiheit und politischen Rechten auf.\n\n> «Die Wohnsitzpflicht zählt wie die klassischen Unvereinbarkeitsbestimmungen zum von Art. 85 lit. a OG erfassten Schutzbereich der politischen Rechte.»\n\n### Berufliche Mobilität und Meldepflicht\n\n**BGE 148 I 97** vom 21.1.2021  \nMeldepflicht bei beruflichem Aufenthalt ist zulässig, darf aber nicht genehmigungspflichtig sein.\nAktuelle Rechtsprechung zu Zweitwohnsitzen aus beruflichen Gründen.\n\n> «Die Meldepflicht bei beruflich bedingtem Aufenthalt in einer anderen Gemeinde als der Wohnsitzgemeinde schränkt die Ausübung der Niederlassungsfreiheit nicht ein. Die Meldung darf jedoch nicht einer Genehmigungsregelung unterliegen.»\n\n## Bewegungsfreiheit (Art. 24 Abs. 2 BV)\n\n### Auswanderungsfreiheit\n\n**BGE 127 I 97** vom 1.1.2001\nVerweigerung einer Abmeldebestätigung wegen Steuerschulden verletzt das Willkürverbot.\nWichtiger Entscheid zur praktischen Ausübung der Auswanderungsfreiheit.\n\n> «Es verstösst gegen das Willkürverbot, einer Person die polizeiliche Abmeldung nicht zu bestätigen, weil sie offene Steuerschulden hat.»\n\n### Familienrecht und Kindeswohl\n\n**BGE 142 III 481** vom 11.3.2016\nWegzug eines Kindes ins Ausland erfordert Abwägung zwischen Bewegungsfreiheit der Eltern und Kindeswohl.\nLeitentscheid zur Spannungslage zwischen elterlicher Mobilität und Kindesinteressen.\n\n> «Das neue Recht statuiert als allgemeinen Grundsatz die gemeinsame elterliche Sorge [...] Mit dem neuen Recht wird auch die Niederlassungs- bzw. Bewegungsfreiheit der Eltern respektiert.»\n\n**BGE 131 I 266** vom 27.4.2005\nWohnsitzwechsel bevormundeter Personen unterliegt dem Verhältnismässigkeitsprinzip.\nZeigt die Grenzen staatlicher Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit auf.\n\n> «Die auf Art. 377 Abs. 1 ZGB abgestützte Beschränkung der Niederlassungsfreiheit muss verhältnismässig sein.»\n\n## Fahrende Gemeinschaften\n\n### Schutz nomadischer Lebensweise\n\n**BGE 145 I 73** vom 13.2.2019\nRäumung rechtswidriger Lager verletzt Art. 24 BV nicht.\nWichtiger Entscheid zum Schutz fahrender Gemeinschaften und den Grenzen ihrer Niederlassungsfreiheit.\n\n> «Die Räumung eines rechtswidrigen Lagers - vorgesehen in den Art. 24 bis 28 LSCN - verletzt weder den Schutz der Privatsphäre (Art. 13 BV) noch die Niederlassungsfreiheit (Art. 24 BV) noch die Allgemeinen Verfahrensgarantien (Art. 29 BV).»\n\n## Interkantonale und internationale Bezüge\n\n### Föderalismus und Kompetenzkonflikte\n\n**BGE 131 I 266** vom 27.4.2005\nBundesgericht entscheidet Kompetenzkonflikte zwischen kantonalen Vormundschaftsbehörden.\nZeigt die Bedeutung der Niederlassungsfreiheit für das föderale Gleichgewicht.\n\n> «Tragweite von Art 83 lit. e OG bei Streitigkeiten zwischen den kantonalen Vormundschaftsbehörden über den Wechsel des Wohnsitzes bevormundeter Personen.»\n\n### Europarecht und Personenfreizügigkeit\n\n**BGE 135 II 1** vom 12.11.2008\nNichtigerklärung einer Einbürgerung führt zur ausländerrechtlichen Rückversetzung.\nZeigt die Abgrenzung zwischen schweizerischer Niederlassungsfreiheit und europäischer Personenfreizügigkeit.\n\n> «Mit der Nichtigerklärung der Einbürgerung wird die davon betroffene Person ausländerrechtlich, unter Vorbehalt allfälliger Untergangsgründe, in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt.»\n\n**BGE 135 I 153** vom 27.3.2009  \nFamiliennachzug und umgekehrter Familiennachzug bei Schweizer Kindern.\nVerbindung zwischen Art. 24 BV und ausländerrechtlichen Bestimmungen.\n\n> «Erscheint die Ausreise von anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen einer ausländischen Person, welche die Schweiz verlassen muss, nicht ohne Weiteres zumutbar, ist eine Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen.»\n\n## Aktuelle Entwicklungen\n\n### Meldewesen und Digitalisierung\n\n**VB.2022.00722** vom 22.8.2024 (Verwaltungsgericht ZH)\nPolizeiliche Meldepflicht für im Ausland lebende Schweizer Bürger bei regelmässigem Aufenthalt.\nNeueste kantonale Rechtsprechung zur praktischen Umsetzung der Meldepflicht.\n\n> Das Registerharmonisierungsgesetz umschreibt Begriffe wie Niederlassungsgemeinde und Aufenthaltsgemeinde auf bundesrechtlicher Ebene.\n\n### Familiennachzug in komplexen Fällen  \n\n**2C 273/2023** vom 30.5.2024\nEinreise zur Wohnsitznahme und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.\nJüngster Bundesgerichtsentscheid zur Abgrenzung von schweizerischem und ausländerrechtlichem Aufenthaltsrecht.", "summary_fr": "# Art. 24 Cst. — Liberté d'établissement\n\n## Aperçu\n\nL'art. 24 Cst. accorde aux citoyens suisses deux droits fondamentaux de circulation. Premièrement, le droit à l'établissement (domicile) en tout lieu de la Suisse. Deuxièmement, le droit de quitter la Suisse ou d'y entrer.\n\nCes droits fondamentaux ne sont accordés qu'aux personnes jouissant de la nationalité suisse. Les étrangers en sont exclus, comme le confirme le Tribunal fédéral dans **ATF 127 I 97** et comme le relève BSK BV-Rudin n. 16. La liberté d'établissement comprend la protection contre l'arbitraire étatique lors d'un changement de domicile et le droit à la libre émigration.\n\nLe Tribunal fédéral examine strictement les restrictions à la liberté d'établissement selon l'art. 36 Cst. Dans **ATF 147 I 103** par exemple, il a déclaré disproportionnés des renvois policiers de nomades, car ceux-ci violaient leur liberté de circulation constitutionnelle. Les restrictions admissibles doivent être prévues par la loi, justifiées par un intérêt public et proportionnées.\n\nEn pratique, l'importance se manifeste particulièrement dans le droit de la famille. Dans **ATF 142 III 481**, le Tribunal fédéral a statué sur le déménagement d'enfants à l'étranger. Il a constaté que la liberté d'établissement des parents doit être prise en considération dans de telles décisions.\n\nUn exemple pratique : une citoyenne suisse peut déménager de Zurich à Genève sans avoir besoin d'autorisation officielle. Elle peut aussi émigrer à l'étranger. Les autorités ne peuvent pas lui refuser les papiers nécessaires, même pas en raison d'impôts impayés (interdiction de l'arbitraire selon **ATF 127 I 97**).\n\nLa liberté d'établissement est étroitement liée à d'autres droits fondamentaux. Elle complète la liberté générale de circulation selon l'art. 10 al. 2 Cst. et est en interaction avec la protection contre l'arbitraire (art. 9 Cst.) ainsi qu'avec les garanties de procédure (art. 29 Cst.).", "doctrine_fr": "# Art. 24 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### Historique de l'élaboration\n\n**Ch. 1** La liberté d'établissement fait partie des droits fondamentaux les plus anciens de l'ordre juridique suisse. Déjà la Constitution fédérale de 1848 garantissait à l'art. 41 à tout Suisse le droit de s'établir en tout lieu du pays. La révision de 1975 a élargi la garantie constitutionnelle du droit de sortir du territoire et d'y entrer (FF 1974 I 1297, 1393). Lors de la révision totale de la Constitution fédérale en 1999, la réglementation existante a été reprise à l'art. 24 Cst., la formulation neutre « les Suisses et les Suissesses » remplaçant l'ancienne désignation « tout Suisse » (FF 1997 I 1, 165).\n\n**Ch. 2** L'émergence de la version actuelle montre l'élargissement progressif du champ de protection. Alors que la garantie originale de 1848 ne comprenait que l'établissement interne à la Suisse, la garantie de sortie du territoire et d'entrée s'y est ajoutée en 1975. Cet élargissement reflétait la mobilité internationale croissante et la reconnaissance que la libre circulation ne devait pas s'arrêter à la frontière nationale (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 3).\n\n### Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 24 Cst. se trouve dans le catalogue des droits fondamentaux de la Constitution fédérale entre la protection contre l'expulsion, l'extradition et le refoulement (art. 25 Cst.) et la liberté de croyance et de conscience (art. 15 Cst.). Cette position systématique souligne le caractère de droit de liberté personnel.\n\n**Ch. 4** La liberté d'établissement est étroitement liée à d'autres dispositions constitutionnelles : → l'art. 10 al. 2 Cst. (liberté de mouvement) garantit le droit à la libre circulation comme aspect partiel, ↔ l'art. 27 Cst. (liberté économique) complète la liberté d'établissement dans le contexte économique, et → l'art. 8 CEDH garantit la protection de la vie familiale, qui devient pertinente pour les étrangers en Suisse (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 6-7).\n\n**Ch. 5** Des réglementations spéciales s'appliquent aux étrangers : ils ne sont pas titulaires de la liberté d'établissement selon l'art. 24 Cst. (doctrine dominante et pratique, Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 16). Leurs droits découlent de garanties de droit international, notamment l'art. 8 CEDH et l'art. 12 Pacte ONU II, ainsi que de l'Accord sur la libre circulation Suisse/UE (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 8-11, 46-49).\n\n### Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 6** Le champ de protection personnel comprend exclusivement les Suisses et les Suissesses. Le Tribunal fédéral établit dans une jurisprudence constante que les personnes sans nationalité suisse ne sont pas titulaires du droit fondamental (**ATF 135 I 153** consid. 2.1). Les citoyens suisses sous curatelle sont également titulaires du droit fondamental, bien qu'ils soient limités dans leur capacité d'agir (**ATF 131 I 266** consid. 3.1).\n\n**Ch. 7** Le champ de protection matériel selon l'al. 1 garantit « la possibilité de séjour personnel en tout lieu quelconque de la Suisse » (Tribunal fédéral, cité chez Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 18). Ceci comprend :\n- Le libre choix du domicile\n- Le transfert du domicile à l'intérieur de la Suisse\n- Le droit à l'annonce policière\n- La protection contre le renvoi du territoire cantonal\n\n**Ch. 8** L'al. 2 garantit le droit de quitter la Suisse et d'y rentrer. Cette garantie inclut le droit à la délivrance des papiers de voyage nécessaires, bien qu'il reste ouvert si l'attestation de départ fait partie de ces papiers (**ATF 127 I 97** consid. 3.2).\n\n**Ch. 9** Le noyau intangible de la liberté d'établissement comprend le droit absolu de tout Suisse et de toute Suissesse de séjourner quelque part en Suisse. Une interdiction générale de séjour sur l'ensemble du territoire national serait contraire au noyau intangible (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 27).\n\n### Conséquences juridiques\n\n**Ch. 10** La liberté d'établissement fonde principalement un droit de défense contre les interventions étatiques. Les cantons et les communes sont tenus d'autoriser aux citoyens suisses l'établissement sur leur territoire et ne peuvent entraver le transfert de domicile (**ATF 128 I 280** consid. 4.1.1).\n\n**Ch. 11** Pour les restrictions à la liberté d'établissement s'appliquent les conditions générales selon → l'art. 36 Cst. : base légale, intérêt public, proportionnalité et respect du noyau intangible. Le Tribunal fédéral examine les restrictions avec une attention renforcée, notamment pour les groupes vulnérables comme les gens du voyage (**ATF 147 I 103** consid. 3.2).\n\n**Ch. 12** Pour les membres étrangers de la famille de citoyens suisses peut découler de l'art. 8 CEDH un droit dérivé de présence. Le Tribunal fédéral reconnaît un droit à la présence lorsqu'existe une relation familiale vécue avec une personne ayant une présence consolidée, tandis que la CourEDH affirme déjà un droit lorsque la relation familiale est en jeu en Suisse (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 11).\n\n### Points controversés\n\n**Ch. 13** **Obligations de résidence pour les charges publiques** : L'admissibilité des obligations de résidence est controversée. Le Tribunal fédéral a développé sa jurisprudence au fil des années : alors qu'autrefois les obligations de résidence pour les fonctionnaires étaient généralement considérées comme admissibles, la pratique récente exige un examen différencié. Pour les activités de souveraineté (officiers publics, préfets), les obligations de résidence sont plutôt acceptées que pour d'autres fonctions publiques (**ATF 128 I 280** consid. 4.2 ; **ATF 128 I 34** consid. 5).\n\n**Ch. 14** **Droit de présence selon l'art. 8 CEDH** : Un point controversé important existe entre la jurisprudence du Tribunal fédéral et celle de la CourEDH concernant le droit de présence des membres étrangers de la famille. Le Tribunal fédéral exige une « relation familiale vécue avec une personne ayant une présence consolidée », tandis que la CourEDH affirme déjà un droit lorsque « la relation familiale est en jeu en Suisse » (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 11). Ces critères différents conduisent à une insécurité juridique dans le « regroupement familial inversé ».\n\n**Ch. 15** **Rapport à l'Accord sur la libre circulation** : La portée de la liberté d'établissement pour les personnes qui possèdent à la fois la nationalité suisse et celle d'un État de l'UE n'est pas définitivement clarifiée. Il n'est notamment pas clair si les doubles nationaux peuvent, dans des situations internes, invoquer les garanties plus étendues de l'Accord sur la libre circulation (Breitenmoser/Weyeneth, Europarecht, § 15 ch. 1563ss. ; Kälin, Die Bedeutung des Freizügigkeitsabkommens, p. 87ss.).\n\n### Indications pratiques\n\n**Ch. 16** **Décisions d'éloignement** : Une prudence particulière s'impose pour les éloignements policiers. La connexion automatique avec des menaces pénales selon l'art. 292 CP a été qualifiée de disproportionnée par le Tribunal fédéral (**ATF 147 I 103**). Les éloignements doivent être limités dans le temps et géographiquement au nécessaire.\n\n**Ch. 17** **Regroupement familial** : Pour les demandes de regroupement familial pour des membres étrangers de la famille de citoyens suisses, une pesée complète des intérêts selon l'art. 8 ch. 2 CEDH doit être entreprise. Le bien de l'enfant revêt un poids particulier (**ATF 135 I 153** consid. 2.2). Selon l'âge de l'enfant suisse, son souhait de vivre en Suisse doit être pris en compte.\n\n**Ch. 18** **Obligations de résidence relevant du droit de l'aide sociale** : L'obligation pour les bénéficiaires de l'aide sociale de chercher un logement moins cher sur leur lieu de résidence ne viole en principe pas la liberté d'établissement, pourvu qu'aucun changement de domicile ne soit exigé (Rudin, BSK BV, art. 24 ch. 34-35). Les personnes assistées sont tenues de limiter les dommages.\n\n**Ch. 19** **Questions relevant du droit des registres** : Lors de l'annonce policière, il faut distinguer entre établissement et séjour hebdomadaire. La Loi sur l'harmonisation des registres donne les définitions déterminantes. Les litiges sur l'inscription correcte peuvent toucher la liberté d'établissement, notamment pour les Suisses de l'étranger ayant un séjour régulier en Suisse.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes de la liberté d'établissement\n\n### Contenu et portée\n\n**ATF 148 I 97** du 21.1.2021\nL'art. 24 Cst. garantit le droit au libre choix du domicile en Suisse.\nDéfinit le contenu et la portée de la liberté d'établissement et délimite les compétences cantonales.\n\n> «La liberté d'établissement garantit ad ogni persona di cittadinanza svizzera la possibilità di eleggere qualsiasi luogo della Svizzera come luogo di residenza e di ricevere i corrispondenti annunci. D'altro canto, impone ai Cantoni e ai Comuni di permettere ad ogni cittadino svizzero di stabilirsi sul loro territorio, di iscriverlo negli appositi registri.»\n\n**ATF 128 I 280** du 1.1.2002\nLa liberté d'établissement protège la possibilité de séjour personnel en n'importe quel lieu de Suisse.\nArrêt fondamental sur la portée du droit fondamental lors d'activités de souveraineté.\n\n> «La liberté d'établissement garantit ainsi la possibilité de séjour personnel en n'importe quel lieu de Suisse ; elle ordonne aux cantons et aux communes d'autoriser tout citoyen suisse à s'établir sur leur territoire et leur interdit en même temps de compliquer le transfert du domicile d'un endroit à l'autre.»\n\n## Obligations de domicile et restrictions professionnelles\n\n### Activités de souveraineté\n\n**ATF 128 I 280** du 1.1.2002\nL'obligation de domicile pour les personnes habilitées à authentifier est compatible avec l'art. 24 Cst.\nPrécise les restrictions admissibles de la liberté d'établissement lors de tâches de souveraineté.\n\n> «La réglementation du canton d'Appenzell Rhodes-Intérieures selon laquelle le pouvoir d'authentification de souveraineté est réservé aux personnes ayant leur domicile dans le canton est compatible avec la Constitution fédérale et notamment avec la liberté d'établissement.»\n\n**ATF 128 I 34** du 1.1.2001\nL'obligation de domicile pour les préfets concerne le droit d'éligibilité passif.\nMontre la relation entre la liberté d'établissement et les droits politiques.\n\n> «L'obligation de domicile compte, comme les dispositions classiques d'incompatibilité, dans le champ de protection des droits politiques visé à l'art. 85 lit. a OJ.»\n\n### Mobilité professionnelle et obligation d'annonce\n\n**ATF 148 I 97** du 21.1.2021  \nL'obligation d'annonce lors de séjour professionnel est admissible, mais ne doit pas être soumise à autorisation.\nJurisprudence actuelle sur les résidences secondaires pour raisons professionnelles.\n\n> «L'obligation d'annonce lors de séjour motivé professionnellement dans une autre commune que la commune de domicile ne restreint pas l'exercice de la liberté d'établissement. L'annonce ne peut toutefois pas être soumise à un régime d'autorisation.»\n\n## Liberté de circulation (art. 24 al. 2 Cst.)\n\n### Liberté d'émigration\n\n**ATF 127 I 97** du 1.1.2001\nLe refus d'une attestation de départ pour cause de dettes fiscales viole l'interdiction de l'arbitraire.\nArrêt important sur l'exercice pratique de la liberté d'émigration.\n\n> «Il contrevient à l'interdiction de l'arbitraire de ne pas confirmer à une personne son départ du contrôle des habitants parce qu'elle a des dettes fiscales ouvertes.»\n\n### Droit de la famille et bien de l'enfant\n\n**ATF 142 III 481** du 11.3.2016\nLe départ d'un enfant à l'étranger exige une pesée d'intérêts entre la liberté de circulation des parents et le bien de l'enfant.\nArrêt de principe sur la tension entre mobilité parentale et intérêts de l'enfant.\n\n> «Le nouveau droit édicte comme principe général l'autorité parentale commune [...] Avec le nouveau droit, la liberté d'établissement resp. de circulation des parents est également respectée.»\n\n**ATF 131 I 266** du 27.4.2005\nLe changement de domicile de personnes sous tutelle est soumis au principe de proportionnalité.\nMontre les limites des restrictions étatiques à la liberté d'établissement.\n\n> «La restriction de la liberté d'établissement fondée sur l'art. 377 al. 1 CC doit être proportionnée.»\n\n## Communautés nomades\n\n### Protection du mode de vie nomade\n\n**ATF 145 I 73** du 13.2.2019\nL'évacuation de camps illégaux ne viole pas l'art. 24 Cst.\nArrêt important sur la protection des communautés nomades et les limites de leur liberté d'établissement.\n\n> «L'évacuation d'un camp illégal - prévue aux art. 24 à 28 LSCN - ne viole ni la protection de la sphère privée (art. 13 Cst.) ni la liberté d'établissement (art. 24 Cst.) ni les garanties générales de procédure (art. 29 Cst.).»\n\n## Relations intercantonales et internationales\n\n### Fédéralisme et conflits de compétences\n\n**ATF 131 I 266** du 27.4.2005\nLe Tribunal fédéral tranche les conflits de compétences entre autorités de tutelle cantonales.\nMontre l'importance de la liberté d'établissement pour l'équilibre fédéral.\n\n> «Portée de l'art. 83 lit. e OJ lors de litiges entre les autorités de tutelle cantonales concernant le changement de domicile de personnes sous tutelle.»\n\n### Droit européen et libre circulation des personnes\n\n**ATF 135 II 1** du 12.11.2008\nL'annulation d'une naturalisation conduit à une remise en l'état de droit des étrangers.\nMontre la délimitation entre liberté d'établissement suisse et libre circulation des personnes européenne.\n\n> «Avec l'annulation de la naturalisation, la personne concernée est remise, du point de vue du droit des étrangers et sous réserve d'éventuels motifs d'extinction, dans la même situation juridique qu'avant la naturalisation.»\n\n**ATF 135 I 153** du 27.3.2009  \nRegroupement familial et regroupement familial inversé pour enfants suisses.\nLien entre l'art. 24 Cst. et les dispositions de droit des étrangers.\n\n> «Si le départ des membres de la famille ayant droit de présence d'une personne étrangère qui doit quitter la Suisse n'apparaît pas aisément exigible, une pesée d'intérêts selon l'art. 8 ch. 2 CEDH doit être effectuée.»\n\n## Développements actuels\n\n### Système d'annonce et numérisation\n\n**VB.2022.00722** du 22.8.2024 (Tribunal administratif ZH)\nObligation d'annonce de police pour les citoyens suisses vivant à l'étranger lors de séjour régulier.\nJurisprudence cantonale récente sur la mise en œuvre pratique de l'obligation d'annonce.\n\n> La loi sur l'harmonisation des registres décrit les notions comme commune d'établissement et commune de séjour au niveau du droit fédéral.\n\n### Regroupement familial dans des cas complexes  \n\n**2C 273/2023** du 30.5.2024\nEntrée pour prise de domicile et octroi d'une autorisation de séjour.\nArrêt récent du Tribunal fédéral sur la délimitation entre droit de séjour suisse et de droit des étrangers.", "summary_it": "# Art. 24 Cost. — Libertà di domicilio\n\n## Panoramica\n\nL'art. 24 Cost. garantisce ai cittadini svizzeri due diritti fondamentali di circolazione. In primo luogo il diritto di stabilimento (domicilio) in qualsiasi luogo della Svizzera. In secondo luogo il diritto di lasciare la Svizzera o di rientrarvi.\n\nQuesti diritti fondamentali spettano soltanto alle persone con cittadinanza svizzera. Gli stranieri ne sono esclusi, come confermato dal Tribunale federale in **BGE 127 I 97** e ribadito da BSK BV-Rudin N. 16. La libertà di domicilio comprende la protezione dall'arbitrio statale nel cambio di domicilio e il diritto alla libera emigrazione.\n\nIl Tribunale federale esamina rigorosamente le restrizioni alla libertà di domicilio secondo l'art. 36 Cost. In **BGE 147 I 103**, ad esempio, ha dichiarato sproporzionati gli allontanamenti polizieschi dei nomadi, in quanto violavano la loro libertà costituzionale di circolazione. Le restrizioni ammissibili devono essere previste dalla legge, essere nell'interesse pubblico e proporzionate.\n\nNella pratica l'importanza emerge particolarmente nel diritto di famiglia. In **BGE 142 III 481** il Tribunale federale ha deciso sul trasferimento di figli all'estero. Ha stabilito che la libertà di domicilio dei genitori deve essere considerata in tali decisioni.\n\nUn esempio pratico: una cittadina svizzera può trasferirsi da Zurigo a Ginevra senza necessità di autorizzazione delle autorità. Può anche emigrare all'estero. Le autorità non possono rifiutarle i documenti necessari, nemmeno a causa di tasse non pagate (divieto di arbitrio secondo **BGE 127 I 97**).\n\nLa libertà di domicilio è strettamente collegata ad altri diritti fondamentali. Completa la libertà generale di circolazione secondo l'art. 10 cpv. 2 Cost. e interagisce con la protezione dall'arbitrio (art. 9 Cost.) nonché con le garanzie procedurali (art. 29 Cost.).", "doctrine_it": "# Art. 24 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### Storia dell'istituto\n\n**N. 1** La libertà di domicilio appartiene ai diritti fondamentali più antichi dell'ordinamento giuridico svizzero. Già la Costituzione federale del 1848 garantiva nell'art. 41 ad ogni svizzero il diritto di stabilirsi in qualsiasi luogo del Paese. La revisione del 1975 ampliò la garanzia costituzionale con il diritto di uscita e di entrata (FF 1974 I 1350, 1449). In occasione della revisione totale della Costituzione federale del 1999 fu ripresa la regolamentazione esistente nell'art. 24 Cost., con la formulazione neutra dal profilo del genere «Cittadine e cittadini svizzeri» che sostituì la precedente dicitura «ogni svizzero» (FF 1997 I 1, 162).\n\n**N. 2** La genesi della versione attuale mostra l'ampliamento graduale dell'ambito di protezione. Mentre la garanzia originale del 1848 comprendeva soltanto lo stabilimento intersvizzero, nel 1975 fu aggiunta la garanzia di uscita e di entrata. Questo ampliamento rifletteva la crescente mobilità internazionale e il riconoscimento che la libera circolazione non dovesse arrestarsi al confine nazionale (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 3).\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 24 Cost. si trova nel catalogo dei diritti fondamentali della Costituzione federale tra la protezione dall'espulsione, dall'estradizione e dal rinvio (art. 25 Cost.) e la libertà di credo e di coscienza (art. 15 Cost.). Questa collocazione sistematica sottolinea il carattere di diritto di libertà personale.\n\n**N. 4** La libertà di domicilio è in stretto rapporto con ulteriori disposizioni costituzionali: → l'art. 10 cpv. 2 Cost. (libertà di circolazione) garantisce il diritto alla libera circolazione come aspetto parziale, ↔ l'art. 27 Cost. (libertà economica) completa la libertà di domicilio nel contesto economico, e → l'art. 8 CEDU garantisce la protezione della vita familiare, che diventa rilevante per le straniere e gli stranieri in Svizzera (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 6-7).\n\n**N. 5** Per le straniere e gli stranieri valgono regolamentazioni speciali: essi non sono titolari della libertà di domicilio secondo l'art. 24 Cost. (dottrina e prassi dominanti, Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 16). I loro diritti derivano da garanzie di diritto internazionale, in particolare dall'art. 8 CEDU e dall'art. 12 Patto ONU II, nonché dall'Accordo sulla libera circolazione Svizzera/UE (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 8-11, 46-49).\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** L'ambito di protezione personale comprende esclusivamente cittadine e cittadini svizzeri. Il Tribunale federale stabilisce in giurisprudenza costante che le persone senza cittadinanza svizzera non sono titolari del diritto fondamentale (**BGE 135 I 153** consid. 2.1). Anche i cittadini svizzeri sotto tutela sono titolari del diritto fondamentale, benché siano limitati nella loro capacità di agire (**BGE 131 I 266** consid. 3.1).\n\n**N. 7** L'ambito di protezione oggettivo secondo il cpv. 1 garantisce «la possibilità di permanenza personale in qualsiasi luogo della Svizzera» (Tribunale federale, citato da Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 18). Ciò comprende:\n- La libera scelta del domicilio\n- Il trasferimento del domicilio all'interno della Svizzera\n- Il diritto all'annuncio presso la polizia\n- La protezione dall'espulsione dal territorio cantonale\n\n**N. 8** Il cpv. 2 garantisce il diritto di lasciare la Svizzera e di rientrarvi. Questa garanzia include il diritto al rilascio dei documenti di viaggio necessari, restando aperto se la conferma di partenza appartenga a questi documenti (**BGE 127 I 97** consid. 3.2).\n\n**N. 9** Il nucleo essenziale della libertà di domicilio comprende il diritto assoluto di ogni cittadina e cittadino svizzero di soggiornare da qualche parte in Svizzera. Un divieto generale di soggiorno sull'intero territorio dello Stato violerebbe il nucleo essenziale (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 27).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La libertà di domicilio fonda in primo luogo un diritto di difesa contro gli interventi statali. I Cantoni e i Comuni sono obbligati a permettere alle cittadine e ai cittadini svizzeri di stabilirsi sul loro territorio e non possono ostacolare il trasferimento del domicilio (**BGE 128 I 280** consid. 4.1.1).\n\n**N. 11** In caso di restrizioni della libertà di domicilio valgono i presupposti generali secondo → l'art. 36 Cost.: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e salvaguardia del nucleo essenziale. Il Tribunale federale esamina le restrizioni con attenzione accresciuta, in particolare per i gruppi vulnerabili come i nomadi (**BGE 147 I 103** consid. 3.2).\n\n**N. 12** Per i familiari stranieri di cittadine e cittadini svizzeri può derivare dall'art. 8 CEDU un diritto di presenza derivato. Il Tribunale federale riconosce un diritto alla presenza quando esiste una relazione familiare vissuta con una persona con presenza consolidata, mentre la Corte EDU afferma già un diritto quando la relazione familiare è messa in discussione in Svizzera (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11).\n\n### Questioni controverse\n\n**N. 13** **Obblighi di domicilio per le cariche pubbliche**: L'ammissibilità degli obblighi di domicilio è controversa. Il Tribunale federale ha sviluppato la sua giurisprudenza nel corso degli anni: mentre in precedenza gli obblighi di domicilio per i funzionari erano considerati generalmente ammissibili, la prassi più recente richiede un esame differenziato. Per le attività sovrane (persone addette ai pubblici registri, governatori) gli obblighi di domicilio sono accettati più facilmente che per altre funzioni pubbliche (**BGE 128 I 280** consid. 4.2; **BGE 128 I 34** consid. 5).\n\n**N. 14** **Diritto di presenza dall'art. 8 CEDU**: Una questione controversa significativa sussiste tra la giurisprudenza del Tribunale federale e della Corte EDU riguardo al diritto di presenza dei familiari stranieri. Il Tribunale federale richiede una «relazione familiare vissuta con una persona con presenza consolidata», mentre la Corte EDU afferma già un diritto quando «la relazione familiare è messa in discussione in Svizzera» (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11). Questi criteri diversi conducono a insicurezza giuridica nel «ricongiungimento familiare inverso».\n\n**N. 15** **Rapporto con l'Accordo sulla libera circolazione**: La portata della libertà di domicilio per le persone che possiedono tanto la cittadinanza svizzera quanto la cittadinanza di uno Stato UE non è definitivamente chiarita. Non è chiaro in particolare se i doppi cittadini possano invocare in fattispecie interne le garanzie più estese dell'Accordo sulla libera circolazione (Breitenmoser/Weyeneth, Europarecht, § 15 N. 1563ff.; Kälin, Die Bedeutung des Freizügigkeitsabkommens, S. 87ff.).\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Decreti di espulsione**: In caso di espulsioni di polizia è necessaria particolare cautela. Il Tribunale federale ha qualificato come sproporzionato il collegamento automatico con minacce penali secondo l'art. 292 CP (**BGE 147 I 103**). Le espulsioni devono essere limitate temporalmente e territorialmente al necessario.\n\n**N. 17** **Ricongiungimento familiare**: In caso di domande di ricongiungimento familiare per familiari stranieri di cittadine e cittadini svizzeri è da effettuare una ponderazione completa degli interessi secondo l'art. 8 n. 2 CEDU. Al bene del minore spetta particolare peso (**BGE 135 I 153** consid. 2.2). A seconda dell'età del bambino svizzero è da tenere conto del suo desiderio di vivere in Svizzera.\n\n**N. 18** **Condizioni di domicilio nel diritto dell'assistenza sociale**: L'obbligo per i beneficiari di assistenza sociale di cercare un'abitazione meno costosa al luogo di domicilio non viola in principio la libertà di domicilio, purché non sia richiesto un cambio di domicilio (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 34-35). Le persone assistite sono obbligate a limitare il danno.\n\n**N. 19** **Questioni di diritto dei registri**: Per l'annuncio presso la polizia è da distinguere tra domicilio e dimora settimanale. La legge sull'armonizzazione dei registri fornisce le definizioni decisive. Controversie sulla corretta iscrizione possono toccare la libertà di domicilio, in particolare per gli Svizzeri all'estero con soggiorno regolare in Svizzera.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi della libertà di domicilio\n\n### Contenuto e portata\n\n**DTF 148 I 97** del 21.1.2021\nL'art. 24 Cost. garantisce il diritto alla libera scelta del domicilio in Svizzera.\nDefinisce il contenuto e la portata della libertà di domicilio e delimita le competenze cantonali.\n\n> «Die Niederlassungsfreiheit garantiert ad ogni persona di cittadinanza svizzera la possibilità di eleggere qualsiasi luogo della Svizzera come luogo di residenza e di ricevere i corrispondenti annunci. D'altro canto, impone ai Cantoni e ai Comuni di permettere ad ogni cittadino svizzero di stabilirsi sul loro territorio, di iscriverlo negli appositi registri.»\n\n**DTF 128 I 280** del 1.1.2002\nLa libertà di domicilio protegge la possibilità di soggiorno personale in qualsiasi luogo della Svizzera.\nDecisione fondamentale sulla portata del diritto fondamentale nell'ambito delle attività di pubblico potere.\n\n> «La libertà di domicilio garantisce pertanto la possibilità di soggiorno personale in qualsiasi luogo della Svizzera; impone ai Cantoni e ai Comuni di consentire a ogni cittadino svizzero di stabilirsi sul loro territorio e vieta loro al contempo di ostacolare il trasferimento del domicilio da un luogo all'altro.»\n\n## Obblighi di domicilio e limitazioni professionali\n\n### Attività di pubblico potere\n\n**DTF 128 I 280** del 1.1.2002\nL'obbligo di domicilio per i pubblici ufficiali è compatibile con l'art. 24 Cost.\nPrecisa le limitazioni ammissibili della libertà di domicilio per compiti di pubblico potere.\n\n> «La normativa del Cantone Appenzello Interno secondo cui l'autorizzazione di pubblico ufficiale per l'autenticazione è riservata alle persone con domicilio nel Cantone è compatibile con la Costituzione federale e in particolare con la libertà di domicilio.»\n\n**DTF 128 I 34** del 1.1.2001\nL'obbligo di domicilio per i governatori riguarda il diritto di eleggibilità passivo.\nMostra il nesso tra libertà di domicilio e diritti politici.\n\n> «L'obbligo di domicilio, come le classiche disposizioni di incompatibilità, rientra nell'ambito di protezione dei diritti politici di cui all'art. 85 lett. a OG.»\n\n### Mobilità professionale e obbligo di notifica\n\n**DTF 148 I 97** del 21.1.2021  \nL'obbligo di notifica in caso di soggiorno professionale è ammissibile, ma non può essere soggetto ad autorizzazione.\nGiurisprudenza attuale sui domicili secondari per motivi professionali.\n\n> «L'obbligo di notifica in caso di soggiorno professionale in un Comune diverso da quello di domicilio non limita l'esercizio della libertà di domicilio. La notifica non può tuttavia essere sottoposta a un regime di autorizzazione.»\n\n## Libertà di circolazione (art. 24 cpv. 2 Cost.)\n\n### Libertà di emigrazione\n\n**DTF 127 I 97** del 1.1.2001\nIl rifiuto di un attestato di cancellazione per debiti fiscali viola il divieto dell'arbitrio.\nDecisione importante sull'esercizio pratico della libertà di emigrazione.\n\n> «Viola il divieto dell'arbitrio il rifiutare a una persona la conferma della cancellazione anagrafica di polizia perché ha debiti fiscali aperti.»\n\n### Diritto di famiglia e benessere del minore\n\n**DTF 142 III 481** dell'11.3.2016\nIl trasferimento di un bambino all'estero richiede una ponderazione tra la libertà di circolazione dei genitori e il benessere del minore.\nDecisione di principio sulla tensione tra mobilità genitoriale e interessi del bambino.\n\n> «Il nuovo diritto statuisce come principio generale l'autorità parentale comune [...] Con il nuovo diritto viene rispettata anche la libertà di domicilio rispettivamente di circolazione dei genitori.»\n\n**DTF 131 I 266** del 27.4.2005\nIl cambiamento di domicilio delle persone sotto curatela è soggetto al principio di proporzionalità.\nMostra i limiti delle limitazioni statali della libertà di domicilio.\n\n> «La limitazione della libertà di domicilio basata sull'art. 377 cpv. 1 CC dev'essere proporzionata.»\n\n## Comunità nomadi\n\n### Protezione dello stile di vita nomade\n\n**DTF 145 I 73** del 13.2.2019\nLo sgombero di campi abusivi non viola l'art. 24 Cost.\nDecisione importante sulla protezione delle comunità nomadi e sui limiti della loro libertà di domicilio.\n\n> «Lo sgombero di un campo abusivo - previsto negli art. 24 - 28 LSCN - non viola né la protezione della sfera privata (art. 13 Cost.) né la libertà di domicilio (art. 24 Cost.) né le garanzie generali di procedura (art. 29 Cost.).»\n\n## Riferimenti intercantonali e internazionali\n\n### Federalismo e conflitti di competenza\n\n**DTF 131 I 266** del 27.4.2005\nIl Tribunale federale decide i conflitti di competenza tra le autorità tutelari cantonali.\nMostra l'importanza della libertà di domicilio per l'equilibrio federale.\n\n> «Portata dell'art. 83 lett. e OG nelle controversie tra le autorità tutelari cantonali riguardo al cambiamento di domicilio delle persone sotto curatela.»\n\n### Diritto europeo e libera circolazione delle persone\n\n**DTF 135 II 1** del 12.11.2008\nL'annullamento di una naturalizzazione comporta la restituzione dello statuto di diritto degli stranieri.\nMostra la delimitazione tra libertà di domicilio svizzera e libera circolazione delle persone europea.\n\n> «Con l'annullamento della naturalizzazione la persona interessata viene rimessa, sotto riserva di eventuali cause di estinzione, nella stessa posizione giuridica di diritto degli stranieri che aveva prima della naturalizzazione.»\n\n**DTF 135 I 153** del 27.3.2009  \nRicongiungimento familiare e ricongiungimento familiare inverso per bambini svizzeri.\nCollegamento tra l'art. 24 Cost. e disposizioni di diritto degli stranieri.\n\n> «Se l'espatrio di familiari aventi diritto alla presenza di una persona straniera che deve lasciare la Svizzera non appare senza altro ragionevole, dev'essere effettuata una ponderazione secondo l'art. 8 n. 2 CEDU.»\n\n## Sviluppi attuali\n\n### Sistema di notifica e digitalizzazione\n\n**VB.2022.00722** del 22.8.2024 (Tribunale amministrativo ZH)\nObbligo di notifica di polizia per cittadini svizzeri residenti all'estero con soggiorno regolare.\nGiurisprudenza cantonale più recente sull'attuazione pratica dell'obbligo di notifica.\n\n> La legge sull'armonizzazione dei registri definisce concetti come Comune di domicilio e Comune di dimora a livello di diritto federale.\n\n### Ricongiungimento familiare in casi complessi  \n\n**2C 273/2023** del 30.5.2024\nEntrata per presa di domicilio e rilascio di un permesso di dimora.\nDecisione più recente del Tribunale federale sulla delimitazione tra diritto svizzero e di diritto degli stranieri al soggiorno.", "summary_en": "# Art. 24 BV — Freedom of settlement\n\n## Overview\n\nArt. 24 BV grants Swiss citizens two central rights of movement. First, the right to settle (take up residence) anywhere in Switzerland. Second, the right to leave Switzerland or to enter it.\n\nThese fundamental rights are reserved exclusively to persons with Swiss citizenship. Foreigners are excluded, as the Federal Supreme Court confirmed in **BGE 127 I 97** and BSK BV-Rudin N. 16 states. Freedom of settlement encompasses protection against arbitrary state action when changing residence and the right to free emigration.\n\nThe Federal Supreme Court strictly scrutinises restrictions on freedom of settlement according to Art. 36 BV. In **BGE 147 I 103**, for instance, it declared police expulsion orders against itinerants to be disproportionate because they violated their constitutional freedom of movement. Permissible restrictions must have a legal basis, serve the public interest, and be proportionate.\n\nIn practice, the significance is particularly evident in family law. In **BGE 142 III 481**, the Federal Supreme Court decided on the relocation of children abroad. It established that the parents' freedom of settlement must be taken into account in such decisions.\n\nA practical example: A Swiss citizen can move from Zurich to Geneva without requiring official permission. She can also emigrate abroad. The authorities may not refuse her the necessary documents, not even due to unpaid taxes (prohibition of arbitrariness according to **BGE 127 I 97**).\n\nFreedom of settlement is closely linked to other fundamental rights. It complements the general freedom of movement under Art. 10 para. 2 BV and interacts with protection against arbitrariness (Art. 9 BV) as well as procedural guarantees (Art. 29 BV).", "doctrine_en": "# Art. 24 FC\n\n## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** Freedom of establishment is among the oldest fundamental rights in the Swiss legal order. Already the Federal Constitution of 1848 guaranteed in Art. 41 every Swiss citizen the right to settle anywhere in the country. The 1975 revision extended the constitutional guarantee to include the right to leave and enter the country (BBl 1974 I 1381, 1483). During the total revision of the Federal Constitution in 1999, the existing provision was adopted in Art. 24 FC, whereby the gender-neutral formulation «Swiss women and men» replaced the former designation «every Swiss citizen» (BBl 1997 I 1, 162).\n\n**N. 2** The development of the current version shows the gradual expansion of the scope of protection. While the original guarantee of 1848 only covered settlement within Switzerland, the guarantee of departure and entry was added in 1975. This extension reflected increasing international mobility and the recognition that freedom of movement should not end at national borders (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 3).\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 24 FC is found in the fundamental rights catalogue of the Federal Constitution between protection against expulsion, extradition and removal (Art. 25 FC) and freedom of belief and conscience (Art. 15 FC). This systematic position underscores its character as a personal freedom right.\n\n**N. 4** Freedom of establishment is closely connected to other constitutional provisions: → Art. 10 para. 2 FC (freedom of movement) guarantees the right to free movement as a partial aspect, ↔ Art. 27 FC (economic freedom) complements freedom of establishment in the economic context, and → Art. 8 ECHR guarantees protection of family life, which becomes relevant for foreigners in Switzerland (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 6-7).\n\n**N. 5** Special rules apply to foreigners: They are not holders of freedom of establishment under Art. 24 FC (prevailing doctrine and practice, Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 16). Their rights derive from international law guarantees, particularly Art. 8 ECHR and Art. 12 ICCPR, as well as from the Agreement on the Free Movement of Persons Switzerland/EU (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 8-11, 46-49).\n\n### Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n**N. 6** The personal scope of protection covers exclusively Swiss women and men. The Federal Supreme Court holds in consistent case law that persons without Swiss citizenship are not holders of this fundamental right (**BGE 135 I 153** E. 2.1). Swiss citizens under guardianship are also holders of fundamental rights, although they are limited in their capacity to act (**BGE 131 I 266** E. 3.1).\n\n**N. 7** The substantive scope of protection under para. 1 guarantees «the possibility of personal residence at any location in Switzerland» (Federal Supreme Court, cited in Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 18). This includes:\n- Free choice of domicile\n- Relocation of domicile within Switzerland\n- The right to police registration\n- Protection against removal from cantonal territory\n\n**N. 8** Para. 2 guarantees the right to leave Switzerland and to re-enter. This guarantee includes the right to issuance of the necessary travel documents, although it remains open whether the deregistration certificate belongs to these documents (**BGE 127 I 97** E. 3.2).\n\n**N. 9** The core content of freedom of establishment includes the absolute right of every Swiss woman and man to stay somewhere in Switzerland. A general prohibition of residence throughout the entire state territory would violate the core content (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 27).\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 10** Freedom of establishment primarily establishes a defensive right against state interference. Cantons and municipalities are obliged to allow Swiss citizens to establish themselves in their territory and may not hinder the relocation of domicile (**BGE 128 I 280** E. 4.1.1).\n\n**N. 11** For restrictions on freedom of establishment, the general requirements under → Art. 36 FC apply: legal basis, public interest, proportionality and preservation of the core content. The Federal Supreme Court examines restrictions with increased attention, particularly with vulnerable groups such as itinerants (**BGE 147 I 103** E. 3.2).\n\n**N. 12** For foreign family members of Swiss citizens, a derived right of presence may result from Art. 8 ECHR. The Federal Supreme Court recognizes a right to presence when there is a lived family relationship with a person with established presence, while the ECtHR already affirms a right when the family relationship in Switzerland is at stake (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11).\n\n### Points of Controversy\n\n**N. 13** **Residence requirements for public offices**: The permissibility of residence requirements is disputed. The Federal Supreme Court has developed its case law over the years: While residence requirements for civil servants were generally considered permissible in the past, newer practice demands differentiated consideration. For sovereign activities (notaries public, government delegates), residence requirements are more readily accepted than for other public functions (**BGE 128 I 280** E. 4.2; **BGE 128 I 34** E. 5).\n\n**N. 14** **Right of presence under Art. 8 ECHR**: A significant point of controversy exists between the case law of the Federal Supreme Court and the ECtHR regarding the right of presence of foreign family members. The Federal Supreme Court requires a «lived family relationship with a person with established presence», while the ECtHR already affirms a right when «the family relationship in Switzerland is at stake» (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 11). These different standards lead to legal uncertainty in «reverse family reunification».\n\n**N. 15** **Relationship to the Agreement on Free Movement**: The scope of freedom of establishment for persons who possess both Swiss citizenship and the nationality of an EU state is not definitively clarified. It is particularly unclear whether dual citizens can invoke the more extensive guarantees of the Agreement on Free Movement in domestic matters (Breitenmoser/Weyeneth, Europarecht, § 15 N. 1563ff.; Kälin, Die Bedeutung des Freizügigkeitsabkommens, S. 87ff.).\n\n### Practice Notes\n\n**N. 16** **Removal orders**: Special caution is required with police removal orders. The Federal Supreme Court has qualified the automatic connection with criminal threats under Art. 292 SCC as disproportionate (**BGE 147 I 103**). Removals must be temporally limited and spatially restricted to what is necessary.\n\n**N. 17** **Family reunification**: For applications for family reunification for foreign family members of Swiss citizens, a comprehensive balancing of interests under Art. 8 para. 2 ECHR must be undertaken. The best interests of the child are given particular weight (**BGE 135 I 153** E. 2.2). Depending on the age of the Swiss child, their wish to live in Switzerland must be considered.\n\n**N. 18** **Social assistance residence requirements**: The obligation of social assistance recipients to seek more affordable housing at their place of residence does not fundamentally violate freedom of establishment, provided no change of residence is required (Rudin, BSK BV, Art. 24 N. 34-35). Supported persons are obliged to mitigate damages.\n\n**N. 19** **Registry law questions**: In police registration, a distinction must be made between establishment and weekly residence. The Registry Harmonisation Act provides the relevant definitions. Disputes over correct registration may affect freedom of establishment, particularly for Swiss citizens abroad with regular residence in Switzerland.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Principles of Freedom of Establishment\n\n### Content and Scope\n\n**BGE 148 I 97** of 21.1.2021\nArt. 24 FC guarantees the right to freely choose one's place of residence in Switzerland.\nDefines the content and scope of freedom of establishment and delineates cantonal competences.\n\n> «Die Niederlassungsfreiheit garantiert ad ogni persona di cittadinanza svizzera la possibilità di eleggere qualsiasi luogo della Svizzera come luogo di residenza e di ricevere i corrispondenti annunci. D'altro canto, impone ai Cantoni e ai Comuni di permettere ad ogni cittadino svizzero di stabilirsi sul loro territorio, di iscriverlo negli appositi registri.»\n\n**BGE 128 I 280** of 1.1.2002\nFreedom of establishment protects the possibility of personal residence at any location in Switzerland.\nFundamental decision on the scope of this fundamental right in sovereign activities.\n\n> «Die Niederlassungsfreiheit gewährleistet damit die Möglichkeit persönlichen Verweilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz; sie gebietet den Kantonen und Gemeinden, jedem Schweizerbürger die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben, und verbietet ihnen gleichzeitig, die Verlegung des Wohnsitzes vom einen zum andern Ort zu erschweren.»\n\n## Residence Requirements and Professional Restrictions\n\n### Sovereign Activities\n\n**BGE 128 I 280** of 1.1.2002\nResidence requirement for notaries is compatible with Art. 24 FC.\nClarifies the permissible restrictions on freedom of establishment for sovereign tasks.\n\n> «Die Regelung des Kantons Appenzell I.Rh., wonach die hoheitliche Beurkundungsbefugnis Personen mit Wohnsitz im Kanton vorbehalten wird, ist mit der Bundesverfassung und namentlich mit der Niederlassungsfreiheit vereinbar.»\n\n**BGE 128 I 34** of 1.1.2001\nResidence requirement for government representatives concerns passive voting rights.\nShows the connection between freedom of establishment and political rights.\n\n> «Die Wohnsitzpflicht zählt wie die klassischen Unvereinbarkeitsbestimmungen zum von Art. 85 lit. a OG erfassten Schutzbereich der politischen Rechte.»\n\n### Professional Mobility and Registration Requirements\n\n**BGE 148 I 97** of 21.1.2021  \nRegistration requirement for professional residence is permissible but may not be subject to authorization.\nCurrent case law on second residences for professional reasons.\n\n> «Die Meldepflicht bei beruflich bedingtem Aufenthalt in einer anderen Gemeinde als der Wohnsitzgemeinde schränkt die Ausübung der Niederlassungsfreiheit nicht ein. Die Meldung darf jedoch nicht einer Genehmigungsregelung unterliegen.»\n\n## Freedom of Movement (Art. 24 para. 2 FC)\n\n### Freedom of Emigration\n\n**BGE 127 I 97** of 1.1.2001\nDenial of de-registration confirmation due to tax debts violates the prohibition of arbitrariness.\nImportant decision on the practical exercise of freedom of emigration.\n\n> «Es verstösst gegen das Willkürverbot, einer Person die polizeiliche Abmeldung nicht zu bestätigen, weil sie offene Steuerschulden hat.»\n\n### Family Law and Child Welfare\n\n**BGE 142 III 481** of 11.3.2016\nChild's move abroad requires balancing between parents' freedom of movement and child welfare.\nLeading decision on the tension between parental mobility and children's interests.\n\n> «Das neue Recht statuiert als allgemeinen Grundsatz die gemeinsame elterliche Sorge [...] Mit dem neuen Recht wird auch die Niederlassungs- bzw. Bewegungsfreiheit der Eltern respektiert.»\n\n**BGE 131 I 266** of 27.4.2005\nChange of residence of persons under guardianship is subject to the principle of proportionality.\nShows the limits of state restrictions on freedom of establishment.\n\n> «Die auf Art. 377 Abs. 1 ZGB abgestützte Beschränkung der Niederlassungsfreiheit muss verhältnismässig sein.»\n\n## Travelling Communities\n\n### Protection of Nomadic Lifestyle\n\n**BGE 145 I 73** of 13.2.2019\nEviction of illegal camps does not violate Art. 24 FC.\nImportant decision on the protection of travelling communities and the limits of their freedom of establishment.\n\n> «Die Räumung eines rechtswidrigen Lagers - vorgesehen in den Art. 24 bis 28 LSCN - verletzt weder den Schutz der Privatsphäre (Art. 13 BV) noch die Niederlassungsfreiheit (Art. 24 BV) noch die Allgemeinen Verfahrensgarantien (Art. 29 BV).»\n\n## Intercantonal and International Relations\n\n### Federalism and Conflicts of Jurisdiction\n\n**BGE 131 I 266** of 27.4.2005\nFederal Supreme Court decides conflicts of jurisdiction between cantonal guardianship authorities.\nShows the significance of freedom of establishment for the federal balance.\n\n> «Tragweite von Art 83 lit. e OG bei Streitigkeiten zwischen den kantonalen Vormundschaftsbehörden über den Wechsel des Wohnsitzes bevormundeter Personen.»\n\n### European Law and Free Movement of Persons\n\n**BGE 135 II 1** of 12.11.2008\nDeclaration of nullity of a naturalization leads to aliens law reversion.\nShows the distinction between Swiss freedom of establishment and European free movement of persons.\n\n> «Mit der Nichtigerklärung der Einbürgerung wird die davon betroffene Person ausländerrechtlich, unter Vorbehalt allfälliger Untergangsgründe, in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt.»\n\n**BGE 135 I 153** of 27.3.2009  \nFamily reunification and reverse family reunification for Swiss children.\nConnection between Art. 24 FC and aliens law provisions.\n\n> «Erscheint die Ausreise von anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen einer ausländischen Person, welche die Schweiz verlassen muss, nicht ohne Weiteres zumutbar, ist eine Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen.»\n\n## Current Developments\n\n### Registration System and Digitalization\n\n**VB.2022.00722** of 22.8.2024 (Administrative Court ZH)\nPolice registration requirement for Swiss citizens living abroad with regular residence.\nLatest cantonal case law on the practical implementation of registration requirements.\n\n> Das Registerharmonisierungsgesetz umschreibt Begriffe wie Niederlassungsgemeinde und Aufenthaltsgemeinde auf bundesrechtlicher Ebene.\n\n### Family Reunification in Complex Cases  \n\n**2C 273/2023** of 30.5.2024\nEntry for residence and granting of a residence permit.\nLatest Federal Supreme Court decision on the distinction between Swiss and aliens law residence rights.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_24", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 25, "article_suffix": "", "title": "Schutz vor Ausweisung, Auslieferung und Ausschaffung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 25 BV — Schutz vor Ausweisung und Auslieferung\n\n## Übersicht\n\nArt. 25 BV schützt Menschen vor zwangsweiser Entfernung aus der Schweiz in drei verschiedenen Situationen. Diese Bestimmung ist besonders wichtig für Personen, denen in anderen Ländern schwere Rechtsverletzungen drohen.\n\n**Schweizer dürfen nicht ausgewiesen werden.** Personen mit Schweizer Pass können niemals zwangsweise aus der Schweiz entfernt werden. Das gilt auch für Doppelbürger. Eine Auslieferung an andere Staaten ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Person möglich. Diese Zustimmung muss freiwillig erfolgen — ein blosses Schweigen genügt nicht.\n\n**Beispiel:** Ein Schweizer begeht in Deutschland eine Straftat und flüchtet in die Schweiz. Deutschland kann seine Auslieferung verlangen. Die Schweiz darf ihn aber nur ausliefern, wenn er persönlich zustimmt. Verweigert er die Zustimmung, muss er in der Schweiz bleiben.\n\n**Flüchtlinge sind vor Rücksendung geschützt.** Menschen, die in ihrem Heimatland verfolgt werden, dürfen nicht dorthin zurückgeschickt werden. Das gilt sowohl für anerkannte Flüchtlinge als auch für Personen, die noch kein Asyl erhalten haben, aber verfolgt werden. Der Schutz greift auch bei Auslieferungen an das Verfolgerland.\n\n**Beispiel:** Eine iranische Oppositionelle flüchtet in die Schweiz. Auch wenn ihr Asylgesuch noch nicht entschieden ist, darf sie nicht in den Iran abgeschoben werden, solange ihr dort Verfolgung droht.\n\n**Niemand darf der Folter ausgeliefert werden.** Die Schweiz darf grundsätzlich keine Person in ein Land abschieben oder ausliefern, wo ihr Folter droht. Das gleiche gilt bei unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung. Dieser Schutz ist absolut und gilt für alle Menschen — unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder davon, was sie getan haben.\n\n**Beispiel:** Ein Terrorist soll an einen Staat ausgeliefert werden, wo systematisch gefoltert wird. Die Schweiz darf diese Auslieferung nicht vornehmen, selbst wenn der betreffende Staat verspricht, nicht zu foltern. Nur wenn solche Versprechen glaubwürdig und überprüfbar sind, kann ausnahmsweise eine Auslieferung erfolgen.\n\n**Die Rechtsfolgen sind klar:** Verstösst die Schweiz gegen diese Verbote, ist die Ausweisungs- oder Auslieferungsverfügung nichtig. Die betroffene Person kann sich mit Beschwerde dagegen wehren. Bei Flüchtlingen und Folteropfern muss die Schweiz eine vorläufige Aufnahme prüfen, wenn eine Rückkehr unmöglich ist.\n\nArt. 25 BV stellt sicher, dass die Schweiz nicht zur Komplizin bei Menschenrechtsverletzungen wird. Die Bestimmung schützt sowohl eigene Staatsangehörige als auch besonders verletzliche Ausländer vor den schwerwiegendsten Formen staatlicher Gewalt.", "doctrine_de": "# Art. 25 BV — Schutz vor Ausweisung und Auslieferung\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Bestimmung von Art. 25 BV vereint drei unterschiedliche Schutznormen, die in der Bundesverfassung von 1874 teilweise verstreut geregelt waren. Das absolute Ausweisungsverbot für Schweizer Staatsangehörige war bereits in Art. 44 aBV verankert, während das Auslieferungsverbot mit Zustimmungsvorbehalt in Art. 45 aBV geregelt war. Die Absätze 2 und 3 stellen hingegen Neuerungen der Totalrevision von 1999 dar (BBl 1997 I 183).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber reagierte mit der Aufnahme des Refoulement-Verbots und des Folterverbots auf die gewachsene Bedeutung des internationalen Menschenrechtsschutzes. Die Botschaft betont, dass diese Garantien zwar bereits über völkerrechtliche Verträge galten, ihre explizite Verankerung in der Verfassung aber den besonderen Stellenwert dieser fundamentalen Schutzrechte unterstreiche (BBl 1997 I 183 f.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 2).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 25 BV steht systematisch zwischen den klassischen Freiheitsrechten und den Verfahrensgrundrechten. Die Norm weist Bezüge zu verschiedenen Verfassungsbestimmungen auf: → Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit) bildet die materielle Grundlage des Folterverbots, während ↔ Art. 36 BV bei der Frage allfälliger Einschränkungen relevant wird. Das Verhältnis zu → Art. 121 BV (Ausländer- und Asylrecht) ist besonders bei der Auslegung des Flüchtlingsbegriffs bedeutsam.\n\n**N. 4** Im internationalen Kontext korrespondiert Art. 25 BV mit zentralen völkerrechtlichen Garantien: Art. 3 EMRK (Folterverbot), Art. 33 GFK (Non-Refoulement), Art. 7 UNO-Pakt II sowie Art. 3 CAT. Die verfassungsrechtlichen Garantien gehen teilweise über die völkerrechtlichen Mindeststandards hinaus, insbesondere beim absoluten Ausweisungsverbot für Schweizer (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 3).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Schutz der Schweizer Staatsangehörigen (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der persönliche Schutzbereich von Abs. 1 erfasst ausschliesslich Schweizer Staatsangehörige im Sinne von Art. 48 BüG. Massgebend ist die Staatsangehörigkeit im Zeitpunkt der behördlichen Massnahme. Doppelbürger geniessen denselben Schutz wie Einfachbürger (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 4-8).\n\n**N. 6** Das Ausweisungsverbot ist absolut formuliert und kennt keine Ausnahmen. Es umfasst jede Form der zwangsweisen Entfernung aus dem Staatsgebiet, unabhängig von der Bezeichnung der Massnahme oder den zugrundeliegenden Motiven. Die Auslieferung hingegen ist mit Zustimmung des Betroffenen möglich. Diese Zustimmung muss freiwillig, informiert und ausdrücklich erfolgen. Ein blosses Nichtbestreiten genügt nicht (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 856 f.).\n\n**N. 7** Kontrovers diskutiert wird die Frage der Überstellung an internationale Strafgerichtshöfe. Der Bundesrat und die überwiegende Lehre vertreten die Position, dass die Überstellung keine Auslieferung im Sinne von Art. 25 darstelle (Botschaft ZISG, BBl 2001 433; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 14). Müller/Schefer sehen hingegen keine fundamentale Differenz zwischen Auslieferung und Überstellung und plädieren für eine einheitliche Behandlung (Müller/Schefer, a.a.O., S. 857). Achermann qualifiziert die Überstellung als Eingriff in Art. 25, der aber als rechtfertigbare Grundrechtseinschränkung nach Art. 36 BV zu behandeln sei (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n#### 3.2 Refoulement-Verbot (Abs. 2)\n\n**N. 8** Der Flüchtlingsbegriff von Abs. 2 ist autonom auszulegen und umfasst sowohl anerkannte Flüchtlinge nach Art. 3 AsylG als auch Personen, die die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 1A Abs. 2 GFK erfüllen, ohne formell anerkannt zu sein. Die herrschende Lehre vertritt eine weite Auslegung, die dem völkerrechtlichen Standard entspricht (Kälin/Caroni/Heim, in: Zimmermann, Commentary, Art. 33 para. 1, 2011, S. 1327 ff.).\n\n**N. 9** Das Verbot der Ausschaffung oder Auslieferung gilt gegenüber dem Verfolgerstaat absolut. Eine Ausweisung in sichere Drittstaaten bleibt hingegen möglich, sofern dort keine Kettenabschiebung droht. Die Rechtsprechung verlangt konkrete Garantien des Drittstaats (Caroni/Grasdorf-Meyer/Ott/Scheiber, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, N. 915 ff.).\n\n**N. 10** Ausnahmen vom Refoulement-Verbot bestehen nur in den engen Grenzen von Art. 33 Abs. 2 GFK und Art. 5 Abs. 2 AsylG: bei Gefährdung der Sicherheit der Schweiz oder bei besonders schweren Verbrechen. Diese Ausnahmen sind restriktiv auszulegen (Goodwin-Gill/McAdam, The Refugee, 3. Aufl. 2007, S. 234 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 23-24).\n\n#### 3.3 Folterverbot (Abs. 3)\n\n**N. 11** Das Verbot von Abs. 3 gilt für alle Personen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrem Aufenthaltsstatus. Es besteht ein absoluter Schutz vor Ausschaffung in Staaten, in denen Folter oder grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung droht (Alleweldt, Schutz vor Abschiebung, 1996, S. 89 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 25-29).\n\n**N. 12** Die Begriffe entsprechen der Auslegung von Art. 3 EMRK durch den EGMR. Folter setzt eine besondere Schwere und Intensität der Misshandlung voraus. Unmenschliche Behandlung umfasst auch schwerwiegende Haftbedingungen oder fehlende medizinische Versorgung bei schweren Erkrankungen. Die Schwelle ist erreicht, wenn ein Mindestmass an Schwere überschritten wird (de Weck, Non-refoulement, 2014, S. 156 ff.).\n\n**N. 13** Das Verbot gilt absolut und kennt keine Ausnahmen — weder bei Terrorismusverdacht noch bei schweren Verbrechen. Diplomatische Zusicherungen können das Risiko mindern, müssen aber wirksam und überprüfbar sein. Das Bundesgericht hat in **BGE 148 I 127** die elf Kriterien des EGMR für die Beurteilung solcher Garantien übernommen (Wouters, International Legal Standards, 2009, S. 289 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 30-31).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Bei Verletzung von Abs. 1 ist jede Ausweisungsverfügung nichtig. Eine Auslieferung ohne gültige Zustimmung stellt eine schwere Grundrechtsverletzung dar und kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die betroffene Person hat Anspruch auf sofortige Rückkehr in die Schweiz.\n\n**N. 15** Die Verletzung des Refoulement-Verbots (Abs. 2) oder des Folterverbots (Abs. 3) führt zur Unzulässigkeit der Wegweisung. Die Behörden müssen entweder eine vorläufige Aufnahme nach Art. 83 AuG anordnen oder alternative Lösungen suchen. Bei drohender Kettenabschiebung sind Garantien des Drittstaats einzuholen.\n\n**N. 16** Verfahrensrechtlich stehen verschiedene Rechtsmittel zur Verfügung: Bei Asylentscheiden die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht, bei Auslieferungen die Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht. In kantonalen Verfahren ist gemäss **BGE 137 II 305** nur die subsidiäre Verfassungsbeschwerde möglich.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die zentrale Kontroverse betrifft die rechtliche Qualifikation der Überstellung an internationale Strafgerichtshöfe. Während der Bundesrat und Teile der Lehre eine kategoriale Unterscheidung zwischen Auslieferung und Überstellung vornehmen (Botschaft ZISG, BBl 2001 433), kritisieren Müller/Schefer diese Differenzierung als künstlich. Sie argumentieren, dass für den Betroffenen kein wesentlicher Unterschied bestehe, ob er an einen Staat oder an ein internationales Gericht überstellt werde (Müller/Schefer, a.a.O., S. 857). Achermann nimmt eine vermittelnde Position ein und qualifiziert die Überstellung als Grundrechtseingriff, der aber nach Art. 36 BV gerechtfertigt werden könne (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n**N. 18** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Reichweite des Flüchtlingsbegriffs in Abs. 2. Die enge Auslegung beschränkt den Schutz auf formell anerkannte Flüchtlinge. Die weite Auslegung, vertreten von Kälin/Caroni/Heim, bezieht alle Personen ein, die die materiellen Kriterien der GFK erfüllen, unabhängig von der formellen Anerkennung (Kälin/Caroni/Heim, a.a.O., S. 1329). Das Bundesgericht tendiert zur weiten Auslegung, hat aber noch nicht abschliessend entschieden.\n\n**N. 19** Umstritten ist auch die Wirksamkeit diplomatischer Zusicherungen bei Folterrisiken. Während eine Lehrmeinung solche Garantien grundsätzlich skeptisch beurteilt (Alleweldt, a.a.O., S. 234), akzeptiert die Praxis sie unter strengen Voraussetzungen. Die Entwicklung zeigt eine zunehmende Skepsis: Während frühere Entscheide Zusicherungen relativ grosszügig akzeptierten, verlangt die neuere Rechtsprechung detaillierte Risikoanalysen und wirksame Kontrollmechanismen (**BGE 148 I 127**).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Prüfung von Wegweisungshindernissen ist eine sorgfältige Einzelfallbeurteilung unerlässlich. Pauschale Ländereinschätzungen genügen nicht. Vielmehr sind die konkreten Umstände der betroffenen Person — ethnische Zugehörigkeit, politische Aktivitäten, Gesundheitszustand — zu berücksichtigen. Die Beweislastverteilung folgt dem Grundsatz: Die ausschaffende Behörde muss die Zumutbarkeit nachweisen, die betroffene Person konkrete Gefährdungen glaubhaft machen.\n\n**N. 21** Bei diplomatischen Zusicherungen empfiehlt sich ein standardisiertes Vorgehen: Erstens Prüfung der allgemeinen Menschenrechtslage im Zielstaat, zweitens Analyse spezifischer Risiken für die betroffene Person, drittens Beurteilung der Verlässlichkeit des ersuchenden Staats, viertens Aushandlung konkreter, überprüfbarer Garantien, fünftens Etablierung eines Monitoring-Mechanismus. Die elf EGMR-Kriterien aus **BGE 148 I 127** bieten eine hilfreiche Checkliste.\n\n**N. 22** Für die Praxis der Migrationsbehörden gilt: Bei Unsicherheiten über drohende Menschenrechtsverletzungen ist dem Schutz der betroffenen Person Vorrang einzuräumen. Die vorläufige Aufnahme nach Art. 83 AuG bietet einen pragmatischen Ausweg, wenn die Wegweisung unzulässig, aber keine dauerhafte Aufenthaltslösung möglich ist. Die Zusammenarbeit mit UNHCR und spezialisierten NGOs kann wertvolle Informationen zur Lagebeurteilung liefern.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Ausschaffungsverbot für Schweizer Bürger (Abs. 1)\n\n**BGE 135 II 1** vom 12. November 2008  \nBei Nichtigerklärung einer Einbürgerung wird die betroffene Person ausländerrechtlich in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt. Das Ausschaffungsverbot des Art. 25 Abs. 1 BV gilt nur für echte Schweizer Bürger, nicht für Personen mit nichtigerklärter Einbürgerung.\n\n> «Mit der Nichtigerklärung der Einbürgerung wird die davon betroffene Person ausländerrechtlich, unter Vorbehalt allfälliger Untergangsgründe, in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt.»\n\n### Auslieferungsverbot bei Folterrisiko (Abs. 3)\n\n**BGE 133 IV 76** vom 23. Januar 2007  \nDas Folterverbot gemäss Art. 25 Abs. 3 BV verbietet die Auslieferung an Staaten, wo Folter oder unmenschliche Behandlung droht. Diplomatische Zusicherungen können ausreichend sein, müssen aber wirksam und überprüfbar sein, insbesondere durch Prozessbeobachtung der schweizerischen Botschaft.\n\n> «Niemand darf in einen Staat ausgeliefert werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht (Art. 25 Abs. 3 BV). [...] In politisch und völkerrechtlich schwierigen Fällen wie dem vorliegenden, bei denen die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe grundsätzlich erfüllt erscheinen, ist daher nach der Praxis des Bundesgerichtes ein grosses Gewicht auf wirksame und überprüfbare Menschenrechtsgarantien zu legen.»\n\n**BGE 134 IV 156** vom 18. Dezember 2007  \nDiplomatische Zusicherungen können einen wirksamen Schutz für den Verfolgten darstellen. Bei der Prüfung ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen. Das Non-Refoulement-Prinzip gilt auch bei Wirtschaftsdelikten, wenn konkrete Folterrisiken bestehen.\n\n> «Diplomatische Zusicherungen können einen wirksamen Schutz für den Verfolgten darstellen. Bei der Prüfung, ob dies der Fall sei, ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen.»\n\n### Non-Refoulement-Prinzip für Flüchtlinge (Abs. 2)\n\n**BGE 135 II 110** vom 16. Februar 2009  \nDas Non-Refoulement-Prinzip nach Art. 25 Abs. 2 BV schützt anerkannte Flüchtlinge vor Ausweisung in Verfolgungsstaaten. Eine Ausweisung trotz Flüchtlingsstatus setzt eine minimal konkretisierte und nicht bloss abstrakte Wiederholungsgefahr voraus.\n\n> «Die Ausweisung eines anerkannten Flüchtlings, dessen Asyl widerrufen worden ist, rechtfertigt sich nur, wenn sie gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände verhältnismässig erscheint; dabei kann bloss die Prüfung von Aspekten, welche die Unzulässigkeit betreffen, in das Verfahren über die vorläufige Aufnahme verwiesen werden.»\n\n**BGE 139 II 65** vom 15. Dezember 2012  \nDas Non-Refoulement-Gebot gilt auch bei Koordination zwischen ausländerrechtlicher Wegweisung und Asylwiderruf. Kantonale Behörden müssen bei Wegweisung von Asylberechtigten sowohl ausländerrechtliche als auch asylrechtliche Erfordernisse beachten.\n\n> «Beabsichtigt die kantonale Behörde, eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der über Asyl verfügt, nicht zu verlängern oder zu widerrufen und den Betroffenen in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG wegzuweisen, hat sie allerdings dafür zu sorgen, dass neben den Voraussetzungen gemäss Art. 62 ff. AuG auch die Erfordernisse nach Art. 65 AsylG beachtet sind.»\n\n### Strafrechtliche Landesverweisung und Non-Refoulement\n\n**BGE 6B_747/2019** vom 24. Juni 2020  \nAuch bei strafrechtlicher Landesverweisung ist das Non-Refoulement-Gebot zu beachten. Die Vollzugsprüfung muss Art. 25 Abs. 2 und 3 BV berücksichtigen.\n\n> «Non-Refoulement-Gebot (Art. 25 Abs. 2 BV) berufen.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\n**E-4103/2024** vom 8. November 2024  \nAktuelle Anwendung des Non-Refoulement-Prinzips bei Asylverfahren mit Bezug zur Türkei. Das Bundesverwaltungsgericht prüft weiterhin sorgfältig die Einhaltung von Art. 25 Abs. 2 und 3 BV bei Wegweisungsentscheiden.\n\n**E-1308/2023** vom 19. März 2024  \nAuch in beschleunigten Asylverfahren ist das Non-Refoulement-Gebot vollumfänglich zu beachten. Eine verkürzte Verfahrensdauer entbindet nicht von der sorgfältigen Prüfung der Vollzugshindernisse nach Art. 25 BV.\n\n**E-3427/2021** vom 28. März 2022  \nBei Dublin-Verfahren ist das Non-Refoulement-Gebot gegenüber dem Drittstaat zu prüfen. Art. 25 Abs. 2 und 3 BV gelten auch bei Überstellungen in sichere Drittstaaten, wenn eine Kettenzurückschiebung droht.\n\n### Folterverbot und unmenschliche Behandlung\n\n**BGE 139 IV 41** vom 5. Februar 2013  \nDas Folterverbot des Art. 25 Abs. 3 BV i.V.m. Art. 3 EMRK gilt auch für den Strafvollzug in der Schweiz. Nicht jede Unregelmässigkeit bei der Untersuchungshaft rechtfertigt eine Haftentlassung.\n\n**BGE 140 I 125** vom 26. Februar 2014  \nDie Haftbedingungen müssen den Standards von Art. 25 Abs. 3 BV und Art. 3 EMRK entsprechen. Überbelegung und unzumutbare Haftbedingungen können das Folterverbot verletzen.\n\n### Verhältnis zu internationalen Verträgen\n\n**BGE 122 II 373** vom 11. September 1996  \nArt. 25 Abs. 3 BV konkretisiert völkerrechtliche Verpflichtungen aus Art. 3 EMRK. Auslieferungen sind nur zulässig, wenn hinreichende Garantien für menschenrechtskonforme Behandlung bestehen.\n\n**BGE 146 IV 297** vom 30. Juni 2020  \nDas Non-Refoulement-Gebot gilt auch bei Dublin-Überstellungen. Notstandshilfe rechtfertigt rechtswidrige Handlungen nur bei echter Notlage ohne andere Abhilfemöglichkeiten.", "summary_fr": "# Art. 25 Cst. — Protection contre l'expulsion et l'extradition\n\n## Aperçu\n\nL'art. 25 Cst. protège les personnes contre l'éloignement forcé de la Suisse dans trois situations différentes. Cette disposition est particulièrement importante pour les personnes qui risquent de subir de graves violations du droit dans d'autres pays.\n\n**Les Suisses ne peuvent pas être expulsés.** Les personnes détentrices d'un passeport suisse ne peuvent jamais être éloignées de force de la Suisse. Cela vaut également pour les doubles nationaux. Une extradition vers d'autres États n'est possible qu'avec le consentement exprès de la personne concernée. Ce consentement doit être donné librement — un simple silence ne suffit pas.\n\n**Exemple :** Un Suisse commet une infraction pénale en Allemagne et se réfugie en Suisse. L'Allemagne peut demander son extradition. Mais la Suisse ne peut l'extrader que s'il y consent personnellement. S'il refuse son consentement, il doit rester en Suisse.\n\n**Les réfugiés sont protégés contre le renvoi.** Les personnes persécutées dans leur pays d'origine ne peuvent pas y être renvoyées. Cela vaut tant pour les réfugiés reconnus que pour les personnes qui n'ont pas encore obtenu l'asile mais qui sont persécutées. Cette protection s'applique également aux extraditions vers le pays persécuteur.\n\n**Exemple :** Une opposante iranienne se réfugie en Suisse. Même si sa demande d'asile n'est pas encore tranchée, elle ne peut pas être renvoyée en Iran tant qu'elle y risque d'être persécutée.\n\n**Nul ne peut être livré à la torture.** La Suisse ne peut en principe renvoyer ou extrader aucune personne vers un pays où elle risque la torture. Il en va de même en cas de traitements inhumains ou dégradants. Cette protection est absolue et vaut pour tous — indépendamment de leur nationalité ou de ce qu'ils ont fait.\n\n**Exemple :** Un terroriste doit être extradé vers un État où la torture est pratiquée systématiquement. La Suisse ne peut procéder à cette extradition, même si l'État concerné promet de ne pas torturer. Ce n'est que si de telles promesses sont crédibles et vérifiables qu'une extradition peut exceptionnellement avoir lieu.\n\n**Les conséquences juridiques sont claires :** Si la Suisse enfreint ces interdictions, la décision d'expulsion ou d'extradition est nulle. La personne concernée peut s'y opposer par voie de recours. Pour les réfugiés et les victimes de torture, la Suisse doit examiner une admission provisoire si un retour est impossible.\n\nL'art. 25 Cst. garantit que la Suisse ne devienne pas complice de violations des droits de l'homme. Cette disposition protège tant ses propres ressortissants que les étrangers particulièrement vulnérables contre les formes les plus graves de violence étatique.", "doctrine_fr": "# Art. 25 Cst. — Protection contre l'expulsion et l'extradition\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La disposition actuelle de l'art. 25 Cst. réunit trois normes de protection différentes qui étaient en partie réglées de manière dispersée dans la Constitution fédérale de 1874. L'interdiction absolue d'expulsion pour les ressortissants suisses était déjà ancrée à l'art. 44 aCst., tandis que l'interdiction d'extradition sous réserve de consentement était réglée à l'art. 45 aCst. Les alinéas 2 et 3 représentent en revanche des innovations de la révision totale de 1999 (FF 1997 I 183).\n\n**N. 2** En intégrant l'interdiction de refoulement et l'interdiction de torture, le constituant a réagi à l'importance croissante de la protection internationale des droits de l'homme. Le message souligne que ces garanties valaient déjà par le biais de traités de droit international, mais que leur ancrage explicite dans la Constitution souligne l'importance particulière de ces droits de protection fondamentaux (FF 1997 I 183 s. ; Achermann, BSK BV, art. 25 N. 2).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 25 Cst. se situe systématiquement entre les droits de liberté classiques et les droits fondamentaux de procédure. La norme présente des liens avec diverses dispositions constitutionnelles : → l'art. 10 Cst. (droit à la vie et à la liberté personnelle) constitue la base matérielle de l'interdiction de torture, tandis que ↔ l'art. 36 Cst. devient pertinent s'agissant de la question d'éventuelles restrictions. Le rapport avec → l'art. 121 Cst. (droit des étrangers et droit d'asile) est particulièrement important lors de l'interprétation de la notion de réfugié.\n\n**N. 4** Dans le contexte international, l'art. 25 Cst. correspond à des garanties centrales du droit international : art. 3 CEDH (interdiction de torture), art. 33 Conv. réfugiés (non-refoulement), art. 7 Pacte ONU II ainsi que art. 3 CAT. Les garanties constitutionnelles vont en partie au-delà des standards minimums de droit international, notamment concernant l'interdiction absolue d'expulsion pour les Suisses (Achermann, BSK BV, art. 25 N. 3).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### 3.1 Protection des ressortissants suisses (al. 1)\n\n**N. 5** Le champ de protection personnel de l'al. 1 ne saisit exclusivement que les ressortissants suisses au sens de l'art. 48 LN. Déterminante est la nationalité au moment de la mesure administrative. Les binationaux jouissent de la même protection que les citoyens simples (Achermann, BSK BV, art. 25 N. 4-8).\n\n**N. 6** L'interdiction d'expulsion est formulée de manière absolue et ne connaît aucune exception. Elle comprend toute forme d'éloignement forcé du territoire national, indépendamment de la désignation de la mesure ou des motifs sous-jacents. L'extradition en revanche est possible avec le consentement de la personne concernée. Ce consentement doit être donné de manière libre, éclairée et expresse. Une simple absence de contestation ne suffit pas (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 856 s.).\n\n**N. 7** La question de la remise à des tribunaux pénaux internationaux est débattue de manière controversée. Le Conseil fédéral et la doctrine dominante défendent la position selon laquelle la remise ne constitue pas une extradition au sens de l'art. 25 (Message LTPI, FF 2001 433 ; Achermann, BSK BV, art. 25 N. 14). Müller/Schefer ne voient en revanche aucune différence fondamentale entre extradition et remise et plaident pour un traitement uniforme (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann qualifie la remise d'atteinte à l'art. 25, qui peut toutefois être traitée comme une restriction justifiable des droits fondamentaux selon l'art. 36 Cst. (Achermann, BSK BV, art. 25 N. 15).\n\n#### 3.2 Interdiction de refoulement (al. 2)\n\n**N. 8** La notion de réfugié de l'al. 2 doit être interprétée de manière autonome et comprend aussi bien les réfugiés reconnus selon l'art. 3 LAsi que les personnes qui remplissent la qualité de réfugié selon l'art. 1A al. 2 Conv. réfugiés, sans être formellement reconnues. La doctrine dominante défend une interprétation large, qui correspond au standard de droit international (Kälin/Caroni/Heim, in : Zimmermann, Commentary, art. 33 para. 1, 2011, p. 1327 ss.).\n\n**N. 9** L'interdiction de renvoi ou d'extradition vaut de manière absolue face à l'État persécuteur. Une expulsion vers des États tiers sûrs reste en revanche possible, pour autant qu'aucun renvoi en chaîne n'y menace. La jurisprudence exige des garanties concrètes de l'État tiers (Caroni/Grasdorf-Meyer/Ott/Scheiber, Migrationsrecht, 3e éd. 2014, N. 915 ss.).\n\n**N. 10** Des exceptions à l'interdiction de refoulement n'existent que dans les limites étroites de l'art. 33 al. 2 Conv. réfugiés et de l'art. 5 al. 2 LAsi : en cas de mise en danger de la sécurité de la Suisse ou en cas de crimes particulièrement graves. Ces exceptions doivent être interprétées de manière restrictive (Goodwin-Gill/McAdam, The Refugee, 3e éd. 2007, p. 234 ss. ; Achermann, BSK BV, art. 25 N. 23-24).\n\n#### 3.3 Interdiction de torture (al. 3)\n\n**N. 11** L'interdiction de l'al. 3 vaut pour toutes les personnes indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour. Il existe une protection absolue contre le renvoi vers des États où menacent la torture ou des traitements ou punitions cruels, inhumains ou dégradants (Alleweldt, Schutz vor Abschiebung, 1996, p. 89 ss. ; Achermann, BSK BV, art. 25 N. 25-29).\n\n**N. 12** Les notions correspondent à l'interprétation de l'art. 3 CEDH par la CourEDH. La torture suppose une gravité et une intensité particulières du mauvais traitement. Le traitement inhumain comprend aussi des conditions de détention graves ou l'absence de soins médicaux en cas de maladies graves. Le seuil est atteint lorsqu'un minimum de gravité est dépassé (de Weck, Non-refoulement, 2014, p. 156 ss.).\n\n**N. 13** L'interdiction vaut de manière absolue et ne connaît aucune exception — ni en cas de soupçon de terrorisme ni en cas de crimes graves. Les assurances diplomatiques peuvent diminuer le risque, mais elles doivent être efficaces et vérifiables. Le Tribunal fédéral a repris dans **BGE 148 I 127** les onze critères de la CourEDH pour l'appréciation de telles garanties (Wouters, International Legal Standards, 2009, p. 289 ss. ; Achermann, BSK BV, art. 25 N. 30-31).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** En cas de violation de l'al. 1, toute décision d'expulsion est nulle. Une extradition sans consentement valable constitue une grave violation des droits fondamentaux et peut entraîner des conséquences pénales. La personne concernée a droit à un retour immédiat en Suisse.\n\n**N. 15** La violation de l'interdiction de refoulement (al. 2) ou de l'interdiction de torture (al. 3) conduit à l'inadmissibilité du renvoi. Les autorités doivent soit ordonner une admission provisoire selon l'art. 83 LEtr soit chercher des solutions alternatives. En cas de renvoi en chaîne menaçant, des garanties de l'État tiers doivent être obtenues.\n\n**N. 16** Sur le plan procédural, différents moyens de droit sont disponibles : pour les décisions d'asile, le recours au Tribunal administratif fédéral, pour les extraditions, le recours en matière pénale au Tribunal fédéral. Dans les procédures cantonales, selon **BGE 137 II 305**, seul le recours constitutionnel subsidiaire est possible.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 17** La controverse centrale concerne la qualification juridique de la remise à des tribunaux pénaux internationaux. Alors que le Conseil fédéral et une partie de la doctrine opèrent une distinction catégoriale entre extradition et remise (Message LTPI, FF 2001 433), Müller/Schefer critiquent cette différenciation comme artificielle. Ils argumentent qu'il n'existe aucune différence essentielle pour la personne concernée, qu'elle soit remise à un État ou à un tribunal international (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann adopte une position médiatrice et qualifie la remise d'atteinte aux droits fondamentaux, qui peut toutefois être justifiée selon l'art. 36 Cst. (Achermann, BSK BV, art. 25 N. 15).\n\n**N. 18** Un autre point de controverse concerne la portée de la notion de réfugié à l'al. 2. L'interprétation restrictive limite la protection aux réfugiés formellement reconnus. L'interprétation large, défendue par Kälin/Caroni/Heim, inclut toutes les personnes qui remplissent les critères matériels de la Conv. réfugiés, indépendamment de la reconnaissance formelle (Kälin/Caroni/Heim, op. cit., p. 1329). Le Tribunal fédéral tend vers l'interprétation large, mais n'a pas encore décidé de manière définitive.\n\n**N. 19** L'efficacité des assurances diplomatiques en cas de risques de torture est également controversée. Alors qu'une opinion doctrinale juge de telles garanties fondamentalement avec scepticisme (Alleweldt, op. cit., p. 234), la pratique les accepte sous des conditions strictes. L'évolution montre un scepticisme croissant : tandis que d'anciens arrêts acceptaient les assurances de manière relativement généreuse, la jurisprudence plus récente exige des analyses de risques détaillées et des mécanismes de contrôle efficaces (**BGE 148 I 127**).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'examen d'empêchements au renvoi, une appréciation soigneuse du cas d'espèce est indispensable. Des évaluations générales par pays ne suffisent pas. Il faut plutôt prendre en considération les circonstances concrètes de la personne concernée — appartenance ethnique, activités politiques, état de santé. La répartition du fardeau de la preuve suit le principe : l'autorité qui renvoie doit prouver l'exigibilité, la personne concernée doit rendre vraisemblables les mises en danger concrètes.\n\n**N. 21** Pour les assurances diplomatiques, une procédure standardisée est recommandée : premièrement examen de la situation générale des droits de l'homme dans l'État de destination, deuxièmement analyse des risques spécifiques pour la personne concernée, troisièmement appréciation de la fiabilité de l'État requérant, quatrièmement négociation de garanties concrètes et vérifiables, cinquièmement établissement d'un mécanisme de monitoring. Les onze critères CourEDH du **BGE 148 I 127** offrent une check-list utile.\n\n**N. 22** Pour la pratique des autorités de migration vaut : en cas d'incertitudes sur des violations menaçantes des droits de l'homme, la priorité doit être accordée à la protection de la personne concernée. L'admission provisoire selon l'art. 83 LEtr offre une issue pragmatique lorsque le renvoi est inadmissible, mais qu'aucune solution de séjour durable n'est possible. La collaboration avec le HCR et des ONG spécialisées peut fournir des informations précieuses pour l'appréciation de la situation.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Interdiction d'expulsion pour les citoyens suisses (al. 1)\n\n**ATF 135 II 1** du 12 novembre 2008  \nEn cas d'annulation d'une naturalisation, la personne concernée est replacée du point de vue du droit des étrangers dans la même situation juridique qu'avant la naturalisation. L'interdiction d'expulsion de l'art. 25 al. 1 Cst. ne vaut que pour les véritables citoyens suisses, non pour les personnes dont la naturalisation a été annulée.\n\n> « Par l'annulation de la naturalisation, la personne concernée est replacée du point de vue du droit des étrangers, sous réserve d'éventuels motifs d'extinction, dans la même situation juridique qu'avant la naturalisation. »\n\n### Interdiction d'extradition en cas de risque de torture (al. 3)\n\n**ATF 133 IV 76** du 23 janvier 2007  \nL'interdiction de la torture selon l'art. 25 al. 3 Cst. interdit l'extradition vers des États où la torture ou un traitement inhumain menace. Les assurances diplomatiques peuvent être suffisantes, mais elles doivent être efficaces et vérifiables, notamment par l'observation des procédures par l'ambassade suisse.\n\n> « Nul ne peut être extradé vers un État où il risque la torture ou tout autre traitement ou peine cruels et inhumains (art. 25 al. 3 Cst.). [...] Dans des cas politiquement et juridiquement difficiles sur le plan du droit international comme celui qui nous occupe, où les conditions d'extradition de la CEEJ paraissent en principe remplies, il faut donc, selon la pratique du Tribunal fédéral, accorder un grand poids à des garanties des droits de l'homme efficaces et vérifiables. »\n\n**ATF 134 IV 156** du 18 décembre 2007  \nLes assurances diplomatiques peuvent constituer une protection efficace pour la personne poursuivie. Lors de l'examen, une évaluation des risques doit être entreprise. Le principe de non-refoulement vaut aussi pour les délits économiques lorsque des risques concrets de torture existent.\n\n> « Les assurances diplomatiques peuvent constituer une protection efficace pour la personne poursuivie. Lors de l'examen de la question de savoir si tel est le cas, une évaluation des risques doit être entreprise. »\n\n### Principe de non-refoulement pour les réfugiés (al. 2)\n\n**ATF 135 II 110** du 16 février 2009  \nLe principe de non-refoulement selon l'art. 25 al. 2 Cst. protège les réfugiés reconnus contre l'expulsion vers des États de persécution. Une expulsion malgré le statut de réfugié exige un risque de récidive minimalement concrétisé et non pas simplement abstrait.\n\n> « L'expulsion d'un réfugié reconnu dont l'asile a été révoqué ne se justifie que si elle apparaît proportionnée au vu de l'ensemble des circonstances essentielles ; seul l'examen d'aspects concernant l'illicéité peut être renvoyé à la procédure relative à l'admission provisoire. »\n\n**ATF 139 II 65** du 15 décembre 2012  \nL'interdiction du refoulement vaut aussi en cas de coordination entre renvoi du droit des étrangers et révocation d'asile. Les autorités cantonales doivent, lors du renvoi de bénéficiaires de l'asile, respecter tant les exigences du droit des étrangers que du droit d'asile.\n\n> « Si l'autorité cantonale a l'intention de ne pas prolonger ou de révoquer une autorisation de séjour ou d'établissement d'un étranger qui dispose de l'asile et de renvoyer l'intéressé en application de l'art. 64 al. 1 let. c LEtr, elle doit toutefois veiller à ce que, outre les conditions selon les art. 62 ss LEtr, les exigences selon l'art. 65 LAsi soient également respectées. »\n\n### Expulsion pénale du territoire et non-refoulement\n\n**ATF 6B_747/2019** du 24 juin 2020  \nMême en cas d'expulsion pénale du territoire, l'interdiction du refoulement doit être respectée. L'examen de l'exécution doit tenir compte de l'art. 25 al. 2 et 3 Cst.\n\n> « interdiction du refoulement (art. 25 al. 2 Cst.). »\n\n### Développements actuels\n\n**E-4103/2024** du 8 novembre 2024  \nApplication actuelle du principe de non-refoulement dans les procédures d'asile en lien avec la Turquie. Le Tribunal administratif fédéral continue d'examiner soigneusement le respect de l'art. 25 al. 2 et 3 Cst. lors de décisions de renvoi.\n\n**E-1308/2023** du 19 mars 2024  \nMême dans les procédures d'asile accélérées, l'interdiction du refoulement doit être pleinement respectée. Une durée de procédure réduite ne dispense pas de l'examen soigneux des obstacles à l'exécution selon l'art. 25 Cst.\n\n**E-3427/2021** du 28 mars 2022  \nDans les procédures Dublin, l'interdiction du refoulement envers l'État tiers doit être examinée. L'art. 25 al. 2 et 3 Cst. vaut aussi pour les transferts vers des États tiers sûrs lorsqu'un refoulement en chaîne menace.\n\n### Interdiction de la torture et traitement inhumain\n\n**ATF 139 IV 41** du 5 février 2013  \nL'interdiction de la torture de l'art. 25 al. 3 Cst. en relation avec l'art. 3 CEDH vaut aussi pour l'exécution des peines en Suisse. Toute irrégularité lors de la détention provisoire ne justifie pas une libération.\n\n**ATF 140 I 125** du 26 février 2014  \nLes conditions de détention doivent correspondre aux standards de l'art. 25 al. 3 Cst. et de l'art. 3 CEDH. La surpopulation et des conditions de détention inadmissibles peuvent violer l'interdiction de la torture.\n\n### Rapport avec les traités internationaux\n\n**ATF 122 II 373** du 11 septembre 1996  \nL'art. 25 al. 3 Cst. concrétise les obligations de droit international découlant de l'art. 3 CEDH. Les extraditions ne sont admissibles que si des garanties suffisantes pour un traitement conforme aux droits de l'homme existent.\n\n**ATF 146 IV 297** du 30 juin 2020  \nL'interdiction du refoulement vaut aussi pour les transferts Dublin. L'aide d'urgence ne justifie des actes illégaux qu'en cas de véritable situation d'urgence sans autres possibilités de remède.", "summary_it": "# Art. 25 Cost. — Protezione dall'espulsione e dall'estradizione\n\n## Panoramica\n\nL'art. 25 Cost. protegge le persone dalla rimozione forzata dalla Svizzera in tre situazioni diverse. Questa disposizione è particolarmente importante per le persone che rischiano gravi violazioni dei diritti in altri Paesi.\n\n**I cittadini svizzeri non possono essere espulsi.** Le persone con passaporto svizzero non possono mai essere rimosse forzatamente dalla Svizzera. Questo vale anche per i cittadini con doppia cittadinanza. Un'estradizione verso altri Stati è possibile solo con il consenso esplicito della persona interessata. Questo consenso deve essere volontario — un semplice silenzio non è sufficiente.\n\n**Esempio:** Un cittadino svizzero commette un reato in Germania e fugge in Svizzera. La Germania può chiedere la sua estradizione. La Svizzera però può estradarlo solo se acconsente personalmente. Se rifiuta il consenso, deve rimanere in Svizzera.\n\n**I rifugiati sono protetti dal rimpatrio.** Le persone perseguitate nel loro Paese d'origine non possono essere rimandate là. Questo vale sia per i rifugiati riconosciuti sia per le persone che non hanno ancora ottenuto l'asilo ma sono perseguitate. La protezione si applica anche alle estradizioni verso il Paese persecutore.\n\n**Esempio:** Un'oppositionista iraniana fugge in Svizzera. Anche se la sua domanda d'asilo non è ancora stata decisa, non può essere deportata in Iran finché là rischia la persecuzione.\n\n**Nessuno può essere estradato per essere torturato.** La Svizzera non può in linea di principio deportare o estradare nessuna persona verso un Paese dove rischia la tortura. Lo stesso vale per i trattamenti inumani o degradanti. Questa protezione è assoluta e vale per tutte le persone — indipendentemente dalla loro cittadinanza o da quello che hanno fatto.\n\n**Esempio:** Un terrorista deve essere estradato verso uno Stato dove si tortura sistematicamente. La Svizzera non può procedere a questa estradizione, anche se lo Stato in questione promette di non torturare. Solo se tali promesse sono credibili e verificabili, può eccezionalmente avvenire un'estradizione.\n\n**Le conseguenze giuridiche sono chiare:** Se la Svizzera viola questi divieti, la decisione di espulsione o di estradizione è nulla. La persona interessata può opporvisi con ricorso. Per i rifugiati e le vittime di tortura la Svizzera deve esaminare un'ammissione provvisoria se un ritorno è impossibile.\n\nL'art. 25 Cost. garantisce che la Svizzera non diventi complice di violazioni dei diritti umani. La disposizione protegge sia i propri cittadini sia gli stranieri particolarmente vulnerabili dalle forme più gravi di violenza statale.", "doctrine_it": "# Art. 25 Cost. — Protezione dall'espulsione e dall'estradizione\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale disposizione dell'art. 25 Cost. riunisce tre diverse norme di protezione che nella Costituzione federale del 1874 erano parzialmente disciplinate in modo disperso. Il divieto assoluto di espulsione per i cittadini svizzeri era già sancito nell'art. 44 aCostituzione, mentre il divieto di estradizione con riserva di consenso era disciplinato nell'art. 45 aCostituzione. I capoversi 2 e 3 rappresentano invece innovazioni della revisione totale del 1999 (FF 1997 I 183).\n\n**N. 2** Il costituente ha reagito con l'introduzione del divieto di refoulement e del divieto di tortura alla crescente importanza della protezione internazionale dei diritti umani. Il messaggio sottolinea che queste garanzie valevano già attraverso trattati di diritto internazionale, ma il loro esplicito ancoraggio nella Costituzione sottolinea la particolare importanza di questi diritti fondamentali di protezione (FF 1997 I 183 s.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 2).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 25 Cost. si colloca sistematicamente tra i classici diritti di libertà e i diritti fondamentali processuali. La norma presenta riferimenti a diverse disposizioni costituzionali: → l'art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale) costituisce la base materiale del divieto di tortura, mentre ↔ l'art. 36 Cost. è rilevante per la questione di eventuali restrizioni. Il rapporto con → l'art. 121 Cost. (diritto degli stranieri e d'asilo) è particolarmente significativo nell'interpretazione della nozione di rifugiato.\n\n**N. 4** Nel contesto internazionale l'art. 25 Cost. corrisponde a garanzie centrali di diritto internazionale: art. 3 CEDU (divieto di tortura), art. 33 CSR (non-refoulement), art. 7 Patto ONU II nonché art. 3 CAT. Le garanzie costituzionali vanno parzialmente oltre gli standard minimi di diritto internazionale, in particolare nel divieto assoluto di espulsione per gli svizzeri (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 3).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### 3.1 Protezione dei cittadini svizzeri (cpv. 1)\n\n**N. 5** L'ambito di protezione personale del cpv. 1 comprende esclusivamente i cittadini svizzeri nel senso dell'art. 48 LCit. È determinante la cittadinanza al momento del provvedimento dell'autorità. I doppi cittadini godono della stessa protezione dei cittadini semplici (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 4-8).\n\n**N. 6** Il divieto di espulsione è formulato in modo assoluto e non conosce eccezioni. Comprende ogni forma di allontanamento forzoso dal territorio dello Stato, indipendentemente dalla denominazione del provvedimento o dai motivi sottostanti. L'estradizione invece è possibile con il consenso dell'interessato. Questo consenso deve essere volontario, informato ed esplicito. Una mera non contestazione non è sufficiente (Müller/Schefer, Grundrechte, 4a ed. 2008, p. 856 s.).\n\n**N. 7** È controversa la questione della consegna a tribunali penali internazionali. Il Consiglio federale e la dottrina prevalente sostengono la posizione che la consegna non rappresenti un'estradizione nel senso dell'art. 25 (Messaggio LTPI, FF 2001 433; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 14). Müller/Schefer invece non vedono differenze fondamentali tra estradizione e consegna e propugnano un trattamento uniforme (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann assume una posizione intermedia e qualifica la consegna come lesione dell'art. 25, che però deve essere trattata come restrizione giustificabile dei diritti fondamentali secondo l'art. 36 Cost. (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n#### 3.2 Divieto di refoulement (cpv. 2)\n\n**N. 8** La nozione di rifugiato del cpv. 2 va interpretata autonomamente e comprende sia i rifugiati riconosciuti secondo l'art. 3 LAsi sia le persone che soddisfano la qualità di rifugiato secondo l'art. 1A cpv. 2 CSR, senza essere formalmente riconosciute. La dottrina dominante sostiene un'interpretazione estesa che corrisponde allo standard di diritto internazionale (Kälin/Caroni/Heim, in: Zimmermann, Commentary, Art. 33 para. 1, 2011, p. 1327 ss.).\n\n**N. 9** Il divieto di espulsione o estradizione vale in modo assoluto nei confronti dello Stato persecutore. Rimane invece possibile un'espulsione verso Stati terzi sicuri, purché non minacci una deportazione a catena. La giurisprudenza richiede garanzie concrete dello Stato terzo (Caroni/Grasdorf-Meyer/Ott/Scheiber, Migrationsrecht, 3a ed. 2014, N. 915 ss.).\n\n**N. 10** Eccezioni al divieto di refoulement esistono solo nei limiti ristretti dell'art. 33 cpv. 2 CSR e dell'art. 5 cpv. 2 LAsi: in caso di minaccia alla sicurezza della Svizzera o in caso di crimini particolarmente gravi. Queste eccezioni vanno interpretate restrittivamente (Goodwin-Gill/McAdam, The Refugee, 3a ed. 2007, p. 234 ss.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 23-24).\n\n#### 3.3 Divieto di tortura (cpv. 3)\n\n**N. 11** Il divieto del cpv. 3 vale per tutte le persone indipendentemente dalla loro cittadinanza o dal loro statuto di dimora. Esiste una protezione assoluta dall'espulsione verso Stati in cui minacciano torture o trattamenti o punizioni crudeli, inumani o degradanti (Alleweldt, Schutz vor Abschiebung, 1996, p. 89 ss.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 25-29).\n\n**N. 12** I concetti corrispondono all'interpretazione dell'art. 3 CEDU da parte della Corte EDU. La tortura presuppone una particolare gravità e intensità del maltrattamento. Il trattamento inumano comprende anche condizioni di detenzione gravi o mancanza di assistenza medica in caso di malattie gravi. La soglia è raggiunta quando viene superato un livello minimo di gravità (de Weck, Non-refoulement, 2014, p. 156 ss.).\n\n**N. 13** Il divieto vale in modo assoluto e non conosce eccezioni — né in caso di sospetto di terrorismo né in caso di crimini gravi. Assicurazioni diplomatiche possono ridurre il rischio, ma devono essere efficaci e verificabili. Il Tribunale federale ha ripreso in **DTF 148 I 127** gli undici criteri della Corte EDU per la valutazione di tali garanzie (Wouters, International Legal Standards, 2009, p. 289 ss.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 30-31).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** In caso di violazione del cpv. 1 ogni decisione di espulsione è nulla. Un'estradizione senza valido consenso costituisce una grave violazione dei diritti fondamentali e può comportare conseguenze penali. La persona interessata ha diritto al ritorno immediato in Svizzera.\n\n**N. 15** La violazione del divieto di refoulement (cpv. 2) o del divieto di tortura (cpv. 3) porta all'inammissibilità dell'allontanamento. Le autorità devono ordinare un'ammissione provvisoria secondo l'art. 83 LStr oppure cercare soluzioni alternative. In caso di deportazione a catena minacciante vanno ottenute garanzie dello Stato terzo.\n\n**N. 16** Dal punto di vista procedurale sono disponibili diversi mezzi di ricorso: per le decisioni d'asilo il ricorso al Tribunale amministrativo federale, per le estradizioni il ricorso in materia penale al Tribunale federale. Nei procedimenti cantonali è possibile secondo **DTF 137 II 305** solo il ricorso sussidiario di diritto costituzionale.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 17** La controversia centrale riguarda la qualificazione giuridica della consegna a tribunali penali internazionali. Mentre il Consiglio federale e parti della dottrina operano una distinzione categoriale tra estradizione e consegna (Messaggio LTPI, FF 2001 433), Müller/Schefer criticano questa differenziazione come artificiale. Argomentano che per l'interessato non sussiste differenza sostanziale se viene consegnato a uno Stato o a un tribunale internazionale (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann assume una posizione intermedia e qualifica la consegna come lesione dei diritti fondamentali che può però essere giustificata secondo l'art. 36 Cost. (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n**N. 18** Un altro punto di controversia riguarda la portata della nozione di rifugiato nel cpv. 2. L'interpretazione restrittiva limita la protezione ai rifugiati formalmente riconosciuti. L'interpretazione estesa, sostenuta da Kälin/Caroni/Heim, include tutte le persone che soddisfano i criteri materiali della CSR, indipendentemente dal riconoscimento formale (Kälin/Caroni/Heim, op. cit., p. 1329). Il Tribunale federale tende all'interpretazione estesa, ma non ha ancora deciso definitivamente.\n\n**N. 19** È anche controversa l'efficacia delle assicurazioni diplomatiche in caso di rischi di tortura. Mentre un'opinione dottrinale giudica tali garanzie fondamentalmente con scetticismo (Alleweldt, op. cit., p. 234), la prassi le accetta sotto condizioni rigorose. L'evoluzione mostra uno scetticismo crescente: mentre le decisioni precedenti accettavano le assicurazioni relativamente generosamente, la giurisprudenza più recente richiede analisi dettagliate del rischio e meccanismi di controllo efficaci (**DTF 148 I 127**).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'esame degli impedimenti all'allontanamento è indispensabile una scrupolosa valutazione del caso singolo. Valutazioni generali per paese non sono sufficienti. Devono piuttosto essere considerate le circostanze concrete della persona interessata — appartenenza etnica, attività politiche, stato di salute. La ripartizione dell'onere della prova segue il principio: l'autorità che espelle deve dimostrare l'esigibilità, la persona interessata deve rendere verosimili i pericoli concreti.\n\n**N. 21** Per le assicurazioni diplomatiche si raccomanda un procedimento standardizzato: in primo luogo esame della situazione generale dei diritti umani nello Stato di destinazione, in secondo luogo analisi dei rischi specifici per la persona interessata, in terzo luogo valutazione dell'affidabilità dello Stato richiedente, in quarto luogo negoziazione di garanzie concrete e verificabili, in quinto luogo costituzione di un meccanismo di monitoraggio. Gli undici criteri della Corte EDU da **DTF 148 I 127** offrono una checklist utile.\n\n**N. 22** Per la prassi delle autorità di migrazione vale: in caso di incertezze su violazioni dei diritti umani minaccianti va data priorità alla protezione della persona interessata. L'ammissione provvisoria secondo l'art. 83 LStr offre una via d'uscita pragmatica quando l'allontanamento è inammissibile ma non è possibile una soluzione di dimora duratura. La collaborazione con l'ACNUR e ONG specializzate può fornire informazioni preziose per la valutazione della situazione.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Divieto di espulsione per i cittadini svizzeri (cpv. 1)\n\n**BGE 135 II 1** del 12 novembre 2008  \nCon l'annullamento di una naturalizzazione, la persona interessata è riportata dal diritto degli stranieri nella stessa posizione giuridica antecedente alla naturalizzazione. Il divieto di espulsione dell'art. 25 cpv. 1 Cost. vale solo per i veri cittadini svizzeri, non per le persone con naturalizzazione annullata.\n\n> «Con l'annullamento della naturalizzazione la persona interessata è riportata dal diritto degli stranieri, sotto riserva di eventuali motivi di estinzione, nella stessa posizione giuridica antecedente alla naturalizzazione.»\n\n### Divieto di estradizione in caso di rischio di tortura (cpv. 3)\n\n**BGE 133 IV 76** del 23 gennaio 2007  \nIl divieto di tortura secondo l'art. 25 cpv. 3 Cost. vieta l'estradizione verso Stati dove minaccia la tortura o il trattamento inumano. Le garanzie diplomatiche possono essere sufficienti, ma devono essere efficaci e verificabili, in particolare attraverso l'osservazione processuale dell'ambasciata svizzera.\n\n> «Nessuno può essere estradato in uno Stato nel quale lo minaccia la tortura o un altro tipo di trattamento o punizione crudele e inumano (art. 25 cpv. 3 Cost.). [...] In casi politicamente e dal punto di vista del diritto internazionale difficili come il presente, nei quali i presupposti di estradizione dell'CEDU sembrano fondamentalmente soddisfatti, secondo la prassi del Tribunale federale va quindi posto grande peso su garanzie dei diritti umani efficaci e verificabili.»\n\n**BGE 134 IV 156** del 18 dicembre 2007  \nLe garanzie diplomatiche possono costituire una protezione efficace per il perseguitato. Nell'esame va effettuata una valutazione del rischio. Il principio del non-refoulement vale anche per i reati economici, quando sussistono concreti rischi di tortura.\n\n> «Le garanzie diplomatiche possono costituire una protezione efficace per il perseguitato. Nell'esame se questo sia il caso, va effettuata una valutazione del rischio.»\n\n### Principio del non-refoulement per i rifugiati (cpv. 2)\n\n**BGE 135 II 110** del 16 febbraio 2009  \nIl principio del non-refoulement secondo l'art. 25 cpv. 2 Cost. protegge i rifugiati riconosciuti dall'espulsione verso Stati di persecuzione. Un'espulsione nonostante lo statuto di rifugiato presuppone un pericolo di recidiva concretizzato minimamente e non meramente astratto.\n\n> «L'espulsione di un rifugiato riconosciuto, il cui asilo è stato revocato, si giustifica solo se, fondata su tutte le circostanze essenziali, appare proporzionata; a questo riguardo solo l'esame di aspetti che riguardano l'inammissibilità può essere rinviato nella procedura sull'ammissione provvisoria.»\n\n**BGE 139 II 65** del 15 dicembre 2012  \nIl precetto del non-refoulement vale anche nel coordinamento tra allontanamento secondo il diritto degli stranieri e revoca dell'asilo. Le autorità cantonali devono rispettare nell'allontanamento di aventi diritto all'asilo sia i requisiti del diritto degli stranieri che quelli del diritto d'asilo.\n\n> «Se l'autorità cantonale intende non prolungare o revocare un permesso di dimora o di domicilio di uno straniero che dispone dell'asilo e allontanare l'interessato in applicazione dell'art. 64 cpv. 1 lett. c LStr, deve tuttavia provvedere affinché oltre ai presupposti secondo l'art. 62 segg. LStr siano rispettati anche i requisiti secondo l'art. 65 LAsi.»\n\n### Espulsione penale dal territorio e non-refoulement\n\n**BGE 6B_747/2019** del 24 giugno 2020  \nAnche nell'espulsione penale dal territorio va rispettato il precetto del non-refoulement. L'esame dell'esecuzione deve considerare l'art. 25 cpv. 2 e 3 Cost.\n\n> «precetto del non-refoulement (art. 25 cpv. 2 Cost.).»\n\n### Sviluppi attuali\n\n**E-4103/2024** dell'8 novembre 2024  \nApplicazione attuale del principio del non-refoulement nelle procedure d'asilo con riferimento alla Turchia. Il Tribunale amministrativo federale esamina ancora scrupolosamente il rispetto dell'art. 25 cpv. 2 e 3 Cost. nelle decisioni di allontanamento.\n\n**E-1308/2023** del 19 marzo 2024  \nAnche nelle procedure d'asilo accelerate il precetto del non-refoulement deve essere rispettato integralmente. Una durata procedurale abbreviata non esonera dall'esame scrupoloso degli impedimenti all'esecuzione secondo l'art. 25 Cost.\n\n**E-3427/2021** del 28 marzo 2022  \nNelle procedure Dublino va esaminato il precetto del non-refoulement nei confronti del Paese terzo. L'art. 25 cpv. 2 e 3 Cost. vale anche per i trasferimenti in Paesi terzi sicuri, quando minaccia un respingimento a catena.\n\n### Divieto di tortura e trattamento inumano\n\n**BGE 139 IV 41** del 5 febbraio 2013  \nIl divieto di tortura dell'art. 25 cpv. 3 Cost. in relazione con l'art. 3 CEDU vale anche per l'esecuzione delle pene in Svizzera. Non ogni irregolarità nella carcerazione preventiva giustifica un rilascio dal carcere.\n\n**BGE 140 I 125** del 26 febbraio 2014  \nLe condizioni di detenzione devono corrispondere agli standard dell'art. 25 cpv. 3 Cost. e dell'art. 3 CEDU. Il sovraffollamento e le condizioni carcerarie inaccettabili possono violare il divieto di tortura.\n\n### Rapporto con i trattati internazionali\n\n**BGE 122 II 373** dell'11 settembre 1996  \nL'art. 25 cpv. 3 Cost. concretizza obblighi di diritto internazionale derivanti dall'art. 3 CEDU. Le estradizioni sono ammissibili solo se sussistono sufficienti garanzie per un trattamento conforme ai diritti umani.\n\n**BGE 146 IV 297** del 30 giugno 2020  \nIl precetto del non-refoulement vale anche per i trasferimenti Dublino. L'aiuto di emergenza giustifica azioni illecite solo in caso di vera situazione d'emergenza senza altre possibilità di rimedio.", "summary_en": "# Art. 25 BV — Protection against Expulsion and Extradition\n\n## Overview\n\nArt. 25 BV protects people from forced removal from Switzerland in three different situations. This provision is particularly important for persons facing serious violations of their rights in other countries.\n\n**Swiss citizens may not be expelled.** Persons holding Swiss passports can never be forcibly removed from Switzerland. This also applies to dual citizens. Extradition to other states is only possible with the express consent of the person concerned. This consent must be given voluntarily — mere silence is not sufficient.\n\n**Example:** A Swiss citizen commits a criminal offence in Germany and flees to Switzerland. Germany may request his extradition. However, Switzerland may only extradite him if he personally consents. If he refuses consent, he must remain in Switzerland.\n\n**Refugees are protected against return.** People who are persecuted in their home country may not be sent back there. This applies both to recognised refugees and to persons who have not yet received asylum but are being persecuted. The protection also applies to extraditions to the persecuting country.\n\n**Example:** An Iranian opposition member flees to Switzerland. Even if her asylum application has not yet been decided, she may not be deported to Iran as long as she faces persecution there.\n\n**No one may be extradited to face torture.** Switzerland may not, in principle, deport or extradite any person to a country where they face torture. The same applies to inhuman or degrading treatment. This protection is absolute and applies to all people — regardless of their nationality or what they have done.\n\n**Example:** A terrorist is to be extradited to a state where torture is systematic. Switzerland may not carry out this extradition, even if the state in question promises not to torture. Only if such promises are credible and verifiable can extradition exceptionally take place.\n\n**The legal consequences are clear:** If Switzerland violates these prohibitions, the expulsion or extradition order is void. The person concerned may appeal against it. In the case of refugees and torture victims, Switzerland must examine provisional admission if return is impossible.\n\nArt. 25 BV ensures that Switzerland does not become complicit in human rights violations. The provision protects both Swiss nationals and particularly vulnerable foreigners from the most serious forms of state violence.", "doctrine_en": "# Art. 25 BV — Protection against Expulsion and Extradition\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current provision of Art. 25 BV combines three different protective norms that were partially scattered throughout the Federal Constitution of 1874. The absolute prohibition on expulsion for Swiss nationals was already anchored in Art. 44 old BV, while the prohibition on extradition with consent reservation was regulated in Art. 45 old BV. Paragraphs 2 and 3, on the other hand, represent innovations of the total revision of 1999 (BBl 1997 I 183).\n\n**N. 2** The constitutional legislator reacted to the growing importance of international human rights protection by including the refoulement prohibition and torture prohibition. The federal message emphasizes that while these guarantees already applied through international treaties, their explicit anchoring in the constitution underscores the special significance of these fundamental protective rights (BBl 1997 I 183 f.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 2).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 25 BV stands systematically between the classical fundamental rights and procedural fundamental rights. The norm has connections to various constitutional provisions: → Art. 10 BV (right to life and personal liberty) forms the material basis of the torture prohibition, while ↔ Art. 36 BV becomes relevant for questions of possible restrictions. The relationship to → Art. 121 BV (foreign nationals and asylum law) is particularly significant in interpreting the refugee concept.\n\n**N. 4** In the international context, Art. 25 BV corresponds with central international law guarantees: Art. 3 ECHR (prohibition of torture), Art. 33 GRC (non-refoulement), Art. 7 UN Covenant II as well as Art. 3 CAT. The constitutional guarantees partially exceed the international law minimum standards, particularly regarding the absolute prohibition on expulsion for Swiss nationals (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 3).\n\n### 3. Elements of the Offense / Normative Content\n\n#### 3.1 Protection of Swiss Nationals (Para. 1)\n\n**N. 5** The personal scope of protection of para. 1 covers exclusively Swiss nationals within the meaning of Art. 48 BüG. Decisive is the nationality at the time of the official measure. Dual citizens enjoy the same protection as single citizens (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 4-8).\n\n**N. 6** The prohibition on expulsion is formulated absolutely and knows no exceptions. It encompasses every form of forced removal from the state territory, regardless of the designation of the measure or the underlying motives. Extradition, however, is possible with the consent of the person concerned. This consent must be voluntary, informed and express. Mere non-contestation is insufficient (Müller/Schefer, Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 856 f.).\n\n**N. 7** The question of surrender to international criminal courts is controversially discussed. The Federal Council and the prevailing doctrine take the position that surrender does not constitute extradition within the meaning of Art. 25 (Message ZISG, BBl 2001 433; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 14). Müller/Schefer, however, see no fundamental difference between extradition and surrender and advocate for uniform treatment (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann takes a mediating position and qualifies surrender as an interference with Art. 25, which can however be treated as a justifiable fundamental rights restriction according to Art. 36 BV (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n#### 3.2 Refoulement Prohibition (Para. 2)\n\n**N. 8** The refugee concept of para. 2 is to be interpreted autonomously and encompasses both recognized refugees according to Art. 3 AsylG as well as persons who fulfill the refugee status according to Art. 1A para. 2 GRC without being formally recognized. The prevailing doctrine advocates a broad interpretation that corresponds to the international law standard (Kälin/Caroni/Heim, in: Zimmermann, Commentary, Art. 33 para. 1, 2011, p. 1327 ff.).\n\n**N. 9** The prohibition on expulsion or extradition applies absolutely vis-à-vis the persecuting state. Expulsion to safe third countries remains possible, provided no chain deportation threatens there. Jurisprudence requires concrete guarantees from the third state (Caroni/Grasdorf-Meyer/Ott/Scheiber, Migrationsrecht, 3rd ed. 2014, N. 915 ff.).\n\n**N. 10** Exceptions to the refoulement prohibition exist only within the narrow limits of Art. 33 para. 2 GRC and Art. 5 para. 2 AsylG: in case of endangering Switzerland's security or particularly serious crimes. These exceptions are to be interpreted restrictively (Goodwin-Gill/McAdam, The Refugee, 3rd ed. 2007, p. 234 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 23-24).\n\n#### 3.3 Prohibition of Torture (Para. 3)\n\n**N. 11** The prohibition of para. 3 applies to all persons regardless of their nationality or residence status. There exists absolute protection from expulsion to states where torture or cruel, inhuman or degrading treatment or punishment threatens (Alleweldt, Schutz vor Abschiebung, 1996, p. 89 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 25-29).\n\n**N. 12** The concepts correspond to the interpretation of Art. 3 ECHR by the ECtHR. Torture requires a particular severity and intensity of mistreatment. Inhuman treatment also encompasses serious detention conditions or lack of medical care for serious illnesses. The threshold is reached when a minimum level of severity is exceeded (de Weck, Non-refoulement, 2014, p. 156 ff.).\n\n**N. 13** The prohibition applies absolutely and knows no exceptions — neither in cases of terrorism suspicion nor serious crimes. Diplomatic assurances can reduce the risk but must be effective and verifiable. The Federal Supreme Court adopted the ECtHR's eleven criteria for assessing such guarantees in **BGE 148 I 127** (Wouters, International Legal Standards, 2009, p. 289 ff.; Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 30-31).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** In case of violation of para. 1, every expulsion order is void. Extradition without valid consent constitutes a serious fundamental rights violation and can entail criminal consequences. The affected person has the right to immediate return to Switzerland.\n\n**N. 15** Violation of the refoulement prohibition (para. 2) or torture prohibition (para. 3) leads to the inadmissibility of removal. The authorities must either order provisional admission according to Art. 83 AuG or seek alternative solutions. In case of threatening chain deportation, guarantees from the third state must be obtained.\n\n**N. 16** Various legal remedies are procedurally available: for asylum decisions, appeal to the Federal Administrative Court; for extraditions, appeal in criminal matters to the Federal Supreme Court. In cantonal procedures, according to **BGE 137 II 305**, only the subsidiary constitutional appeal is possible.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 17** The central controversy concerns the legal qualification of surrender to international criminal courts. While the Federal Council and parts of the doctrine make a categorical distinction between extradition and surrender (Message ZISG, BBl 2001 433), Müller/Schefer criticize this differentiation as artificial. They argue that for the person concerned there is no essential difference whether they are surrendered to a state or to an international court (Müller/Schefer, op. cit., p. 857). Achermann takes a mediating position and qualifies surrender as a fundamental rights interference that can however be justified according to Art. 36 BV (Achermann, BSK BV, Art. 25 N. 15).\n\n**N. 18** Another point of contention concerns the scope of the refugee concept in para. 2. The narrow interpretation limits protection to formally recognized refugees. The broad interpretation, advocated by Kälin/Caroni/Heim, includes all persons who fulfill the material criteria of the GRC, regardless of formal recognition (Kälin/Caroni/Heim, op. cit., p. 1329). The Federal Supreme Court tends toward the broad interpretation but has not yet decided conclusively.\n\n**N. 19** The effectiveness of diplomatic assurances in cases of torture risks is also disputed. While one doctrinal opinion views such guarantees fundamentally skeptically (Alleweldt, op. cit., p. 234), practice accepts them under strict conditions. The development shows increasing skepticism: while earlier decisions accepted assurances relatively generously, newer jurisprudence requires detailed risk analyses and effective control mechanisms (**BGE 148 I 127**).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 20** When examining removal obstacles, careful case-by-case assessment is essential. General country assessments are insufficient. Rather, the concrete circumstances of the affected person — ethnic affiliation, political activities, health condition — must be considered. The burden of proof follows the principle: the expelling authority must prove reasonableness, the affected person must make concrete endangerments credible.\n\n**N. 21** For diplomatic assurances, a standardized approach is recommended: first, examination of the general human rights situation in the destination state; second, analysis of specific risks for the affected person; third, assessment of the reliability of the requesting state; fourth, negotiation of concrete, verifiable guarantees; fifth, establishment of a monitoring mechanism. The eleven ECtHR criteria from **BGE 148 I 127** offer a helpful checklist.\n\n**N. 22** For the practice of migration authorities, the following applies: in case of uncertainties about threatening human rights violations, priority is to be given to protecting the affected person. Provisional admission according to Art. 83 AuG offers a pragmatic way out when removal is inadmissible but no permanent residence solution is possible. Cooperation with UNHCR and specialized NGOs can provide valuable information for situation assessment.", "caselaw_en": "## Caselaw\n\n### Prohibition on Expulsion of Swiss Citizens (para. 1)\n\n**BGE 135 II 1** of 12 November 2008  \nWhen a naturalisation is declared void, the person concerned is placed under foreign national law in the same legal position as before naturalisation. The prohibition on expulsion in Art. 25 para. 1 FC applies only to genuine Swiss citizens, not to persons whose naturalisation has been declared void.\n\n> «Mit der Nichtigerklärung der Einbürgerung wird die davon betroffene Person ausländerrechtlich, unter Vorbehalt allfälliger Untergangsgründe, in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt.»\n\n### Prohibition on Extradition Where Risk of Torture (para. 3)\n\n**BGE 133 IV 76** of 23 January 2007  \nThe prohibition on torture under Art. 25 para. 3 FC prohibits extradition to states where torture or inhuman treatment is threatened. Diplomatic assurances may be sufficient, but they must be effective and verifiable, in particular through trial monitoring by the Swiss embassy.\n\n> «Niemand darf in einen Staat ausgeliefert werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht (Art. 25 Abs. 3 BV). [...] In politisch und völkerrechtlich schwierigen Fällen wie dem vorliegenden, bei denen die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe grundsätzlich erfüllt erscheinen, ist daher nach der Praxis des Bundesgerichtes ein grosses Gewicht auf wirksame und überprüfbare Menschenrechtsgarantien zu legen.»\n\n**BGE 134 IV 156** of 18 December 2007  \nDiplomatic assurances can constitute effective protection for the person being persecuted. When examining this, a risk assessment must be undertaken. The non-refoulement principle also applies to economic offences where concrete risks of torture exist.\n\n> «Diplomatische Zusicherungen können einen wirksamen Schutz für den Verfolgten darstellen. Bei der Prüfung, ob dies der Fall sei, ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen.»\n\n### Non-Refoulement Principle for Refugees (para. 2)\n\n**BGE 135 II 110** of 16 February 2009  \nThe non-refoulement principle under Art. 25 para. 2 FC protects recognised refugees from expulsion to states of persecution. Expulsion despite refugee status requires a minimally substantiated and not merely abstract risk of repetition.\n\n> «Die Ausweisung eines anerkannten Flüchtlings, dessen Asyl widerrufen worden ist, rechtfertigt sich nur, wenn sie gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände verhältnismässig erscheint; dabei kann bloss die Prüfung von Aspekten, welche die Unzulässigkeit betreffen, in das Verfahren über die vorläufige Aufnahme verwiesen werden.»\n\n**BGE 139 II 65** of 15 December 2012  \nThe non-refoulement prohibition also applies when coordinating foreign national law removal and asylum revocation. Cantonal authorities must observe both foreign national law and asylum law requirements when removing persons entitled to asylum.\n\n> «Beabsichtigt die kantonale Behörde, eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der über Asyl verfügt, nicht zu verlängern oder zu widerrufen und den Betroffenen in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG wegzuweisen, hat sie allerdings dafür zu sorgen, dass neben den Voraussetzungen gemäss Art. 62 ff. AuG auch die Erfordernisse nach Art. 65 AsylG beachtet sind.»\n\n### Criminal Law Expulsion and Non-Refoulement\n\n**BGE 6B_747/2019** of 24 June 2020  \nThe non-refoulement prohibition must also be observed in criminal law expulsion. The enforcement examination must take account of Art. 25 paras. 2 and 3 FC.\n\n> «Non-Refoulement-Gebot (Art. 25 Abs. 2 BV) berufen.»\n\n### Current Developments\n\n**E-4103/2024** of 8 November 2024  \nCurrent application of the non-refoulement principle in asylum procedures relating to Turkey. The Federal Administrative Court continues to carefully examine compliance with Art. 25 paras. 2 and 3 FC in removal decisions.\n\n**E-1308/2023** of 19 March 2024  \nThe non-refoulement prohibition must be fully observed even in accelerated asylum procedures. A shortened procedure duration does not release from careful examination of enforcement obstacles under Art. 25 FC.\n\n**E-3427/2021** of 28 March 2022  \nIn Dublin procedures, the non-refoulement prohibition must be examined in relation to the third state. Art. 25 paras. 2 and 3 FC also apply to transfers to safe third countries where chain refoulement is threatened.\n\n### Prohibition on Torture and Inhuman Treatment\n\n**BGE 139 IV 41** of 5 February 2013  \nThe prohibition on torture under Art. 25 para. 3 FC in conjunction with Art. 3 ECHR also applies to criminal enforcement in Switzerland. Not every irregularity in pre-trial detention justifies release from detention.\n\n**BGE 140 I 125** of 26 February 2014  \nDetention conditions must correspond to the standards of Art. 25 para. 3 FC and Art. 3 ECHR. Overcrowding and unreasonable detention conditions can violate the prohibition on torture.\n\n### Relationship to International Treaties\n\n**BGE 122 II 373** of 11 September 1996  \nArt. 25 para. 3 FC gives concrete form to obligations under international law arising from Art. 3 ECHR. Extraditions are only permissible where sufficient guarantees exist for treatment in conformity with human rights.\n\n**BGE 146 IV 297** of 30 June 2020  \nThe non-refoulement prohibition also applies to Dublin transfers. Emergency assistance only justifies unlawful acts in genuine emergency situations with no other possibilities for remedy.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_25", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 26, "article_suffix": "", "title": "Eigentumsgarantie", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 26 BV — Eigentumsgarantie\n\n## Übersicht\n\nDie Eigentumsgarantie in Art. 26 BV schützt das Eigentum vor staatlichen Eingriffen. Die Bestimmung hat zwei Absätze: Absatz 1 gewährleistet das Eigentum grundsätzlich. Absatz 2 regelt die Entschädigung bei Enteignungen und enteignungsgleichen Eingriffen.\n\nDas Bundesgericht unterscheidet zwischen der **Bestandesgarantie** (Schutz vor Entziehung) und der **Wertgarantie** (Schutz vor Entwertung). Die Eigentumsgarantie schützt alle dinglichen Rechte an Sachen, wie Eigentum an Grundstücken, Fahrzeugen oder anderen beweglichen Sachen (**BGE 126 I 213** E. 1b). Das Vermögen als Ganzes ist jedoch nicht geschützt (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21).\n\nBei einer **Enteignung** (vollständige oder teilweise Entziehung des Eigentums) muss der Staat den vollen Wert ersetzen. Dies gilt auch bei **enteignungsgleichen Eingriffen** – das sind schwere Beschränkungen, die einer Enteignung gleichkommen. Ein Beispiel: Der Staat nimmt ein Grundstück für den Bau einer Autobahn weg. Der Eigentümer erhält eine vollständige Entschädigung zum Marktwert.\n\nDie Rechtsprechung wendet die Eigentumsgarantie auch auf neue Bereiche an. So hat das Bundesgericht den Schutz bei der Aufhebung von Strassenzugängen erweitert (**BGE 126 I 213**) und bei kommunalen Wohnbauvorgaben geprüft (**BGE 146 I 70**).\n\n## Bedeutung\n\nDie Eigentumsgarantie ist ein zentrales Grundrecht der Wirtschaftsordnung. Sie betrifft Immobilienbesitzer, Unternehmer und alle Eigentümer bei staatlichen Massnahmen wie Enteignungen für Infrastrukturprojekte, Umzonungen oder regulatorischen Eingriffen. Die Garantie stellt sicher, dass der Staat nicht ohne Entschädigung in wohlerworbene Rechte eingreifen kann.\n\nIn der Praxis wichtig sind Bauvorhaben des Staates (Strassen, Schienen), Raumplanungsmassnahmen und Umweltvorschriften. Die Abgrenzung zwischen entschädigungspflichtigen und entschädigungslosen Eingriffen ist zentral für Planungsbehörden und betroffene Eigentümer. Die dogmatische Kontroverse zwischen **Schrankentheorie** (umfassender Schutz mit Einschränkungsmöglichkeiten) und **Konkretisierungstheorie** (Schutzbereich bestimmt sich aus der Rechtsordnung) prägt die Rechtsentwicklung (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Eigentumsgarantie gehört zu den ältesten Grundrechten der schweizerischen Verfassungstradition. Bereits die Helvetische Verfassung von 1798 schützte das Eigentum als «heilig und unverletzlich». Die Bundesverfassung von 1848 enthielt noch keine explizite Eigentumsgarantie, gewährleistete aber den vollen Ersatz bei Abtretungen für öffentliche Zwecke. \n\n**N. 2** Mit der Teilrevision von 1969 wurde die Eigentumsgarantie als Art. 22ter in die alte Bundesverfassung aufgenommen. Die Botschaft des Bundesrates vom 4. März 1968 (BBl 1968 I 621) betonte, dass die Gewährleistung des Eigentums «zu den fundamentalen Grundsätzen unserer Rechts- und Wirtschaftsordnung» gehöre. Der verfassungsgebende Gesetzgeber wollte damit die bereits durch Rechtsprechung und Lehre entwickelte Eigentumsgarantie ausdrücklich verankern.\n\n**N. 3** Bei der Totalrevision 1999 wurde die Eigentumsgarantie unverändert als Art. 26 BV übernommen. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 140) hielt fest, dass die Bestimmung «die bestehende Verfassungsrechtslage» wiedergibt und keine materiellen Änderungen beabsichtigt waren. Die knappe Formulierung sollte die Flexibilität für künftige Entwicklungen wahren.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 26 BV ist im 2. Titel der Bundesverfassung bei den Grundrechten positioniert. Die Eigentumsgarantie weist eine doppelte Natur auf: Sie ist sowohl Freiheitsrecht als auch Institutsgarantie (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 6). Als Abwehrrecht schützt sie vor staatlichen Eingriffen; als Institutsgarantie sichert sie die Existenz des Privateigentums als Rechtsinstitut.\n\n**N. 5** Die Eigentumsgarantie steht in engem Zusammenhang mit anderen Verfassungsbestimmungen. Sie ergänzt sich mit der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV), unterscheidet sich aber durch ihren statischen Charakter: Während Art. 27 BV die wirtschaftliche Betätigung schützt, sichert Art. 26 BV die Substanz erworbener Rechtspositionen (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 16). \n\n**N. 6** Wichtige Querverbindungen bestehen zu den Kompetenzbestimmungen, insbesondere zur Raumplanung (→ Art. 75 BV), zum Umweltschutz (→ Art. 74 BV) und zum Naturschutz (→ Art. 78 BV). Diese Bestimmungen legitimieren Eigentumsbeschränkungen im öffentlichen Interesse. Die allgemeinen Schrankenbestimmungen des → Art. 36 BV gelten für Einschränkungen der Eigentumsgarantie vollumfänglich.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Schutzbereich (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Schutzbereich der Eigentumsgarantie ist in der Lehre umstritten. Die Schrankentheorie geht von einem umfassend gewährleisteten Schutzbereich aus, der nur unter den Voraussetzungen von Art. 36 BV eingeschränkt werden kann (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). Die Konkretisierungstheorie sieht den Eigentumsinhalt durch Verfassung und Gesetzgebung bestimmt; gesetzliche Regelungen sind danach eigentumsgestaltend, nicht eigentumsbeschränkend (ebd.).\n\n**N. 8** Das Bundesgericht folgt einem vermittelnden Ansatz. Es anerkennt, dass der Gesetzgeber den Eigentumsinhalt ausgestaltet, betont aber gleichzeitig die Grenzen dieser Gestaltungsfreiheit. Georg Müller warnt, der Gesetzgeber dürfe sich «nicht zu weit von den bisherigen Vorstellungen über das Eigentum entfernen oder es gar durch andere Rechtsinstitute ersetzen» (zitiert nach Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9).\n\n**N. 9** Geschützt sind primär dingliche Rechte an beweglichen und unbeweglichen Sachen. Die Ausdehnung auf vermögenswerte öffentlich-rechtliche Ansprüche ist kontrovers. Ein Teil der Lehre befürwortet die generelle Einbeziehung aller vermögenswerten Ansprüche, einschliesslich Besoldungs- und Sozialversicherungsansprüche (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Das Bundesgericht und ein anderer Teil der Lehre begrenzen den Schutz auf konkrete Eigentumsbefugnisse an Sachen und schliessen das Vermögen als solches aus (ebd.).\n\n### 3.2 Schutzrichtung\n\n**N. 10** Die Eigentumsgarantie entfaltet ihre Schutzwirkung in drei Dimensionen:\n- **Bestandesgarantie**: Schutz vor Entzug oder Schmälerung bestehender Eigentumsrechte\n- **Wertgarantie**: Anspruch auf volle Entschädigung bei schweren Eingriffen\n- **Institutsgarantie**: Gewährleistung des Privateigentums als Rechtsinstitut\n\n**N. 11** Die Besitzstandsgarantie ist von der Bestandesgarantie zu unterscheiden. Während Teile der Lehre beide gleichsetzen, betont Waldmann ihre unterschiedlichen Schutzrichtungen (BSK BV, Art. 26 N. 24-28). Die Bestandesgarantie schützt die Substanz des Eigentums, die Besitzstandsgarantie die tatsächliche Nutzung unter altem Recht.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n### 4.1 Enteignung und enteignungsgleiche Eingriffe (Abs. 2)\n\n**N. 12** Art. 26 Abs. 2 BV verankert den Grundsatz der vollen Entschädigung bei Enteignungen. Der Begriff umfasst sowohl formelle als auch materielle Enteignungen. Die formelle Enteignung liegt beim vollständigen oder teilweisen Entzug dinglicher Rechte vor. Die materielle Enteignung erfasst Eigentumsbeschränkungen, die einer Enteignung gleichkommen.\n\n**N. 13** Die Abgrenzung zwischen entschädigungspflichtigen und entschädigungslosen Eigentumsbeschränkungen erfolgt nach ständiger Rechtsprechung mittels Schwerekriterium. Entschädigungspflichtig sind besonders schwere Eingriffe, die dem Betroffenen ein Sonderopfer auferlegen. Das Bundesgericht berücksichtigt dabei die Intensität der Beschränkung, den verbleibenden Nutzen und die wirtschaftliche Verwertbarkeit (**BGE 139 II 243** E. 3.3).\n\n**N. 14** Riva unterscheidet zwischen gezielten Beschränkungen wohlerworbener Rechte, die formell enteignet werden müssen, und Eingriffen im Rahmen der übrigen Staatstätigkeit, die nur bei enteignungsähnlicher Wirkung zu entschädigen sind (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 90). Diese Differenzierung ist für die Praxis wegweisend.\n\n### 4.2 Entschädigungslose Eigentumsbeschränkungen\n\n**N. 15** Nicht jede Eigentumsbeschränkung löst eine Entschädigungspflicht aus. Polizeiliche Beschränkungen zum Schutz der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit sind grundsätzlich entschädigungslos hinzunehmen. Ebenso verhält es sich mit allgemeinen Beschränkungen, die alle Eigentümer gleichermassen treffen und keinen Sonderopfercharakter aufweisen.\n\n**N. 16** Das Bundesgericht hat in **BGE 149 I 291** E. 4.2 festgehalten, dass aus der Eigentumsgarantie «grundsätzlich kein Anspruch auf Beibehaltung einer einmal geltenden Rechtsordnung» besteht. Gesetzesänderungen können daher auch bestehende Nutzungen einschränken, ohne automatisch entschädigungspflichtig zu sein.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die dogmatische Einordnung der Eigentumsgarantie bleibt umstritten. Die Anhänger der Schrankentheorie postulieren einen umfassenden Schutzbereich mit Einschränkungsmöglichkeiten nach Art. 36 BV. Die Anhänger der Konkretisierungstheorie sehen den Schutzbereich durch Verfassung und Gesetzgebung bestimmt; gesetzliche Regelungen sind für sie eigentumsgestaltend (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). Diese Kontroverse hat praktische Auswirkungen auf die Prüfung der Verhältnismässigkeit von Eingriffen.\n\n**N. 18** Der Umfang des Schutzbereichs wird ebenfalls kontrovers diskutiert. Ein Teil der Lehre plädiert für eine generelle Ausweitung auf alle vermögenswerten öffentlich-rechtlichen Ansprüche. Das Bundesgericht und ein anderer Teil der Lehre beschränken den Schutz auf konkrete Eigentumsbefugnisse an Sachen und schliessen das Vermögen als solches aus (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Diese Divergenz zeigt sich besonders bei Sozialversicherungsansprüchen und öffentlich-rechtlichen Konzessionen.\n\n**N. 19** Das Verhältnis von Bestandesgarantie und Besitzstandsgarantie wird unterschiedlich interpretiert. Teile der Lehre setzen die Besitzstandsgarantie mit der Bestandesgarantie gleich oder sehen sie als deren Ausfluss. Andere Lehrmeinungen, einschliesslich Waldmann, grenzen beide Garantien explizit voneinander ab und betonen ihre unterschiedlichen Schutzrichtungen (BSK BV, Art. 26 N. 24-28).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Beurteilung von Eigentumsbeeinträchtigungen ist eine dreistufige Prüfung vorzunehmen:\n1. Liegt ein Eingriff in den Schutzbereich vor?\n2. Ist der Eingriff durch Art. 36 BV gerechtfertigt?\n3. Erreicht der Eingriff die Schwelle zur Enteignung?\n\n**N. 21** Für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen polizeilichen und enteignungsrechtlichen Massnahmen zentral. Bauvorschriften zum Schutz der Umwelt oder zur Gefahrenabwehr sind regelmässig entschädigungslos. Zonierungen, die eine bisherige Nutzung verunmöglichen, können hingegen entschädigungspflichtig sein. Die konkrete Abgrenzung erfordert eine Einzelfallbetrachtung.\n\n**N. 22** Bei der Entschädigungsbemessung gilt das Prinzip der vollen Entschädigung. Diese umfasst den Verkehrswert der entzogenen oder beschränkten Rechte. Das Bundesgericht lässt schematische Bewertungsmethoden zu, sofern sie zu sachgerechten Ergebnissen führen (**BGE 138 II 77** E. 3.2). In der Praxis haben sich hedonische Bewertungsmodelle bei Immobilien und standardisierte Abschläge bei Nutzungsbeschränkungen etabliert.\n\n**N. 23** Verfahrensrechtlich ist auf angemessene Fristen zu achten. Enteignungsbegehren verjähren nach fünf Jahren seit Kenntnis des enteignungsähnlichen Eingriffs. Bei formellen Enteignungen gelten die Verfahrensbestimmungen des EntG oder der kantonalen Enteignungsgesetze. Die vorsorgliche Einsprache zur Fristwahrung ist in der Praxis üblich und empfehlenswert.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundgehalt der Eigentumsgarantie\n\n**BGE 130 I 360** vom 13. Juli 2004\nVernichtung beschlagnahmten Hanfs während des Untersuchungsverfahrens\nDie Bestimmung der Berner Strafprozessordnung über die vorzeitige Verwertung beschlagnahmter Gegenstände bildet keine hinreichende gesetzliche Grundlage für die vorzeitige Vernichtung beschlagnahmten Hanfs.\n\n> «Gemäss Art. 26 Abs. 1 BV ist das Eigentum gewährleistet. Ein Eingriff in die Eigentumsgarantie bedarf einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage. Zudem muss er durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein (Art. 36 BV). Für einen schweren Eingriff in die Eigentumsgarantie ist eine klare und eindeutige Grundlage in einem formellen Gesetz erforderlich.»\n\n**BGE 126 I 213** vom 28. Juni 2000  \nRechtsstellung des Anstössers bei Aufhebung einer Zufahrt  \nAnstössern kann das Recht, sich gegenüber der Aufhebung oder Einschränkung des Gemeingebrauchs einer öffentlichen Sache auf die Eigentumsgarantie zu berufen, nicht von vornherein abgesprochen werden (Änderung der Rechtsprechung).\n\n> «Anstössern kann das Recht, sich gegenüber der Aufhebung oder Einschränkung des Gemeingebrauchs einer öffentlichen Sache auf die Eigentumsgarantie zu berufen, nicht von vornherein abgesprochen werden.»\n\n### Enteignung und Entschädigungsrecht\n\n**BGE 127 I 185** vom 30. Mai 2001\nUnfreiwilligkeitszuschlag zur kantonalrechtlichen Enteignungsentschädigung\nDas bundesverfassungsmässige Prinzip der vollen Entschädigung verwehrt es den Kantonen nicht, den Enteigneten im Rahmen von formellen kantonalrechtlichen Expropriationen mehr als den ganzen Schaden zu ersetzen.\n\n> «Der bundesverfassungsmässige Grundsatz der vollen Entschädigung verwehrt es den Kantonen nicht, den Enteigneten im Rahmen von formellen kantonalrechtlichen Expropriationen mehr als den ganzen Schaden zu ersetzen und damit Vergütungen auszurichten, die den Rahmen des Anspruchs auf volle Entschädigung sprengen.»\n\n**BGE 138 II 77** vom 9. Dezember 2011  \nEnteignung nachbarlicher Ansprüche infolge Fluglärms  \nFür die schematische Beurteilung des fluglärmbedingten Schadens bei Mehrfamilienhäusern darf die Eidgenössische Schätzungskommission ein hedonisches Bewertungsmodell anwenden.\n\n> «Bei der Entwicklung eines Bewertungsmodells durch ein Expertenteam unter der Leitung eines Fachrichters der ESchK finden zwar die Bestimmungen über externe Sachverständigengutachten keine Anwendung, jedoch müssen die Transparenz und die Verfahrensrechte der Parteien gewährleistet werden.»\n\n### Materielle Enteignung und Eigentumsbeschränkungen\n\n**BGE 139 II 243** vom 22. Mai 2013  \nBeschränkung des Zweitwohnungsbaus  \nArt. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV enthält ein unmittelbar anwendbares Baubewilligungsverbot für Zweitwohnungen in Gemeinden, in denen der 20-%-Anteil erreicht oder überschritten ist.\n\n> «Art. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV enthält ein unmittelbar anwendbares Baubewilligungsverbot für Zweitwohnungen in Gemeinden, in denen der 20-%-Anteil erreicht oder überschritten ist. Dieses Verbot gilt für alle Baubewilligungen, die seit dem 11. März 2012 in den betroffenen Gemeinden erstinstanzlich erteilt worden sind.»\n\n**BGE 146 I 70** vom 14. November 2019  \nKommunale Bestimmungen zum preisgünstigen Wohnungsbau  \nDie in die Bauordnung der Stadt Bern aufgenommenen Bestimmungen zur Sicherstellung eines genügenden Angebots an preisgünstigen Mietwohnungen lassen sich so auslegen, dass grundsätzlich keine ungerechtfertigten Eingriffe in die Eigentumsgarantie verbunden sind.\n\n> «Die in die Bauordnung der Stadt Bern aufgenommenen Bestimmungen zur Sicherstellung eines genügenden Angebots an preisgünstigen Mietwohnungen sind mit dem Grundsatz des Vorrangs von Bundesrecht vereinbar. Sie lassen sich so auslegen und umsetzen, dass mit ihrer Anwendung grundsätzlich keine ungerechtfertigten Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit oder die Eigentumsgarantie verbunden sind.»\n\n### Konfiskatorische Besteuerung\n\n**BGE 143 I 73** vom 5. Januar 2017  \nEigentumsgarantie und Verbot der konfiskatorischen Besteuerung  \nDie verfassungsmässige Eigentumsgarantie ist nicht bereits dann verletzt, wenn in einer einzigen Steuerperiode die Steuerlast die Vermögenserträgnisse übersteigt. Entscheidend ist die Beurteilung auf Dauer.\n\n> «Da die Vermögenssteuer die Substanz des Vermögens zum Gegenstand hat und sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gerade durch deren Höhe bestimmt, und da eine Besteuerung nur dann als konfiskatorisch gilt, wenn die Vermögenserträgnisse auf Dauer nicht ausreichen, um die Steuerlast zu decken, kann die verfassungsmässige Eigentumsgarantie nicht bereits dann als verletzt angesehen werden, wenn in einer einzigen Steuerperiode die Steuerlast die Vermögenserträgnisse übersteigt.»\n\n### Strafverfahrensrecht und Eigentumsgarantie\n\n**BGE 135 I 209** vom 11. Juni 2009  \nEntschädigungspflicht für eingezogene Waffen und Waffenbestandteile  \nDas Waffengesetz enthält keine gesetzliche Grundlage für den Einzug des Nettoerlöses der Verwertung von aus Sicherheitsgründen beschlagnahmten Gegenständen zugunsten des Staates.\n\n> «Das Waffengesetz enthält keine gesetzliche Grundlage für den Einzug des Nettoerlöses der Verwertung von aus Sicherheitsgründen beschlagnahmten bzw. eingezogenen Gegenständen zugunsten des Staates. Kann der Gegenstand dem Eigentümer nicht mehr zurück- oder herausgegeben werden, ist diesem eine angemessene Entschädigung zu leisten.»\n\n**BGE 141 IV 305** vom 23. Juni 2015  \nIllegaler Abbruch eines schützenswerten Einfamilienhauses  \nBei der Festlegung einer Ersatzforderung ist das Bruttoprinzip anzuwenden, wobei die Eigentumsgarantie zu beachten ist.\n\n> «Anwendung des Brutto- oder Nettoprinzips bei der Festlegung einer Ersatzforderung (Zusammenfassung und Bestätigung der Rechtsprechung). Die Anwendung des Bruttoprinzips führt bei Eigentumseingriffen zu einem verhältnismässigen Ergebnis, das die verfassungsrechtlichen Vorgaben der Eigentumsgarantie berücksichtigt.»\n\n### Verwaltungsverfahrensrecht\n\n**BGE 132 II 485** vom 26. Oktober 2006  \nÄnderung, Übertragung und Entzug einer Fernmeldekonzession  \nDer Entzug einer Konzession stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Eigentumsgarantie dar, der eine sorgfältige Interessenabwägung erfordert.\n\n> «Der Entzug einer Fernmeldekonzession, die als vermögenswertes Recht unter den Schutz der Eigentumsgarantie fällt, bedarf einer sorgfältigen Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse und den berechtigten Interessen des Konzessionsinhabers.»\n\n### Raumplanung und Eigentumsgarantie\n\n**BGE 140 I 176** vom 27. März 2014  \nRechtliche Qualifikation einer Abgabe auf unbewirtschaftete Zweitwohnungen  \nDie Zweitwohnungssteuer bezweckt die bessere Auslastung der bereits bestehenden Zweitwohnungen und stellt keinen konfiskatorischen Eingriff in die Eigentumsgarantie dar.\n\n> «Die Zweitwohnungssteuer bezweckt insbesondere die bessere Auslastung der bereits bestehenden Zweitwohnungen auf dem Gemeindegebiet. Da ein Lenkungseffekt jedenfalls potentiell vorhanden ist und die Steuer verhältnismässig ausgestaltet ist, liegt keine Verletzung der Eigentumsgarantie vor.»\n\n### Grundrechtskollisionen\n\n**BGE 136 I 17** vom 23. November 2009  \nSchutz vor Passivrauchen und Eigentumsgarantie  \nDas Rauchverbot in Gaststätten stellt einen gerechtfertigten und verhältnismässigen Eingriff in die Eigentumsgarantie dar, der durch den Schutz der Gesundheit legitimiert ist.\n\n> «Dass die bernische Gesetzesordnung zum Schutz vor Passivrauchen keine Sonderregelung für den Konsum von Wasserpfeifen in Gaststätten vorsieht, verstösst nicht gegen Verfassungsrecht, insbesondere nicht gegen die Wirtschaftsfreiheit, die Eigentumsgarantie oder das Diskriminierungsverbot.»", "summary_fr": "# Art. 26 Cst — Garantie de la propriété\n\n## Aperçu\n\nLa garantie de la propriété à l'art. 26 Cst protège la propriété contre les atteintes étatiques. La disposition comporte deux alinéas : l'alinéa 1 garantit la propriété en principe. L'alinéa 2 règle l'indemnisation en cas d'expropriation et d'atteintes équivalant à une expropriation.\n\nLe Tribunal fédéral distingue entre la **garantie d'existence** (protection contre la privation) et la **garantie de valeur** (protection contre la dévalorisation). La garantie de la propriété protège tous les droits réels sur des choses, comme la propriété de terrains, de véhicules ou d'autres biens mobiliers (**ATF 126 I 213** c. 1b). La fortune dans son ensemble n'est cependant pas protégée (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21).\n\nEn cas d'**expropriation** (privation complète ou partielle de la propriété), l'État doit remplacer la pleine valeur. Ceci vaut également pour les **atteintes équivalant à une expropriation** – ce sont des restrictions graves équivalant à une expropriation. Un exemple : L'État prend un terrain pour la construction d'une autoroute. Le propriétaire reçoit une indemnisation complète à la valeur marchande.\n\nLa jurisprudence applique également la garantie de la propriété à de nouveaux domaines. Ainsi, le Tribunal fédéral a étendu la protection lors de la suppression d'accès routiers (**ATF 126 I 213**) et a examiné les prescriptions communales en matière de construction de logements (**ATF 146 I 70**).\n\n## Signification\n\nLa garantie de la propriété est un droit fondamental central de l'ordre économique. Elle concerne les propriétaires immobiliers, les entrepreneurs et tous les propriétaires lors de mesures étatiques comme les expropriations pour des projets d'infrastructure, les changements d'affectation ou les interventions régulatrices. La garantie assure que l'État ne peut pas porter atteinte sans indemnisation aux droits acquis.\n\nDans la pratique sont importantes les entreprises de construction de l'État (routes, rails), les mesures d'aménagement du territoire et les prescriptions environnementales. La délimitation entre les atteintes donnant droit à indemnisation et celles qui n'en donnent pas est centrale pour les autorités de planification et les propriétaires concernés. La controverse dogmatique entre la **théorie des limites** (protection étendue avec possibilités de restriction) et la **théorie de la concrétisation** (le domaine protégé se détermine à partir de l'ordre juridique) marque l'évolution du droit (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La garantie de la propriété fait partie des droits fondamentaux les plus anciens de la tradition constitutionnelle suisse. Déjà la Constitution helvétique de 1798 protégeait la propriété comme « sacrée et inviolable ». La Constitution fédérale de 1848 ne contenait encore aucune garantie explicite de la propriété, mais garantissait le plein dédommagement en cas de cession pour des fins d'utilité publique.\n\n**N. 2** Avec la révision partielle de 1969, la garantie de la propriété fut intégrée dans l'ancienne Constitution fédérale en tant qu'art. 22ter. Le message du Conseil fédéral du 4 mars 1968 (FF 1968 I 621) soulignait que la garantie de la propriété « fait partie des principes fondamentaux de notre ordre juridique et économique ». Le législateur constituant voulait ainsi ancrer expressément la garantie de la propriété déjà développée par la jurisprudence et la doctrine.\n\n**N. 3** Lors de la révision totale de 1999, la garantie de la propriété fut reprise sans modification comme art. 26 Cst. Le message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 140) précisait que la disposition « reproduit la situation juridique constitutionnelle existante » et qu'aucune modification matérielle n'était prévue. La formulation concise devait préserver la flexibilité pour les développements futurs.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 26 Cst. est positionné dans le 2e titre de la Constitution fédérale parmi les droits fondamentaux. La garantie de la propriété présente une double nature : elle est à la fois un droit de liberté et une garantie institutionnelle (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 6). En tant que droit de défense, elle protège contre les atteintes étatiques ; en tant que garantie institutionnelle, elle assure l'existence de la propriété privée comme institution juridique.\n\n**N. 5** La garantie de la propriété est étroitement liée à d'autres dispositions constitutionnelles. Elle se complète avec la liberté économique (→ Art. 27 Cst.), mais s'en distingue par son caractère statique : tandis que l'art. 27 Cst. protège l'activité économique, l'art. 26 Cst. sécurise la substance des positions juridiques acquises (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 16).\n\n**N. 6** D'importantes connexions transversales existent avec les dispositions de compétence, notamment avec l'aménagement du territoire (→ Art. 75 Cst.), la protection de l'environnement (→ Art. 74 Cst.) et la protection de la nature (→ Art. 78 Cst.). Ces dispositions légitiment les restrictions à la propriété dans l'intérêt public. Les dispositions générales de restriction de l'→ Art. 36 Cst. s'appliquent intégralement aux limitations de la garantie de la propriété.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Champ de protection (al. 1)\n\n**N. 7** Le champ de protection de la garantie de la propriété est controversé dans la doctrine. La théorie des limites part d'un champ de protection garanti de manière exhaustive, qui ne peut être limité que sous les conditions de l'art. 36 Cst. (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). La théorie de la concrétisation voit le contenu de la propriété déterminé par la Constitution et la législation ; les réglementations légales sont alors configurantes de la propriété, non restrictives de la propriété (ibid.).\n\n**N. 8** Le Tribunal fédéral suit une approche médiatrice. Il reconnaît que le législateur configure le contenu de la propriété, mais souligne en même temps les limites de cette liberté de configuration. Georg Müller met en garde que le législateur ne doit pas « s'éloigner trop des conceptions existantes sur la propriété ou même la remplacer par d'autres institutions juridiques » (cité d'après Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9).\n\n**N. 9** Sont protégés principalement les droits réels sur les choses mobilières et immobilières. L'extension aux prétentions de droit public ayant une valeur patrimoniale est controversée. Une partie de la doctrine favorise l'inclusion générale de toutes les prétentions ayant une valeur patrimoniale, y compris les prétentions de salaire et d'assurance sociale (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Le Tribunal fédéral et une autre partie de la doctrine limitent la protection aux compétences propriétaires concrètes sur les choses et excluent le patrimoine en tant que tel (ibid.).\n\n### 3.2 Direction de la protection\n\n**N. 10** La garantie de la propriété déploie son effet protecteur dans trois dimensions :\n- **Garantie d'existence** : Protection contre la soustraction ou la diminution des droits de propriété existants\n- **Garantie de valeur** : Droit à pleine indemnité en cas d'atteintes graves\n- **Garantie institutionnelle** : Garantie de la propriété privée comme institution juridique\n\n**N. 11** La garantie de l'acquis est à distinguer de la garantie d'existence. Tandis que des parties de la doctrine assimilent les deux, Waldmann souligne leurs directions de protection différentes (BSK BV, Art. 26 N. 24-28). La garantie d'existence protège la substance de la propriété, la garantie de l'acquis protège l'usage effectif sous l'ancien droit.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n### 4.1 Expropriation et atteintes équivalant à l'expropriation (al. 2)\n\n**N. 12** L'art. 26 al. 2 Cst. ancre le principe de la pleine indemnité en cas d'expropriation. Le terme englobe tant les expropriations formelles que matérielles. L'expropriation formelle existe lors de la soustraction complète ou partielle de droits réels. L'expropriation matérielle saisit les restrictions à la propriété qui équivalent à une expropriation.\n\n**N. 13** La délimitation entre restrictions à la propriété donnant droit à indemnité et sans indemnité s'effectue selon la jurisprudence constante au moyen du critère de gravité. Donnent droit à indemnité les atteintes particulièrement graves qui imposent au touché un sacrifice particulier. Le Tribunal fédéral considère à cet égard l'intensité de la restriction, l'utilité restante et la valorisation économique (**ATF 139 II 243** consid. 3.3).\n\n**N. 14** Riva distingue entre les restrictions ciblées de droits acquis de bonne foi, qui doivent être formellement expropriées, et les atteintes dans le cadre de l'activité étatique restante, qui ne doivent être indemnisées qu'en cas d'effet équivalant à l'expropriation (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 90). Cette différenciation fait autorité pour la pratique.\n\n### 4.2 Restrictions à la propriété sans indemnité\n\n**N. 15** Toute restriction à la propriété ne déclenche pas une obligation d'indemniser. Les restrictions de police pour la protection de l'ordre public, de la sécurité et de la santé doivent être acceptées en principe sans indemnité. Il en va de même pour les restrictions générales qui touchent tous les propriétaires de manière égale et ne présentent pas de caractère de sacrifice particulier.\n\n**N. 16** Le Tribunal fédéral a retenu dans **ATF 149 I 291** consid. 4.2 que la garantie de la propriété ne donne « en principe pas droit au maintien d'un ordre juridique valant une fois ». Les modifications légales peuvent donc aussi restreindre des usages existants sans être automatiquement soumises à indemnité.\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 17** La classification dogmatique de la garantie de la propriété reste controversée. Les partisans de la théorie des limites postulent un champ de protection exhaustif avec des possibilités de restriction selon l'art. 36 Cst. Les partisans de la théorie de la concrétisation voient le champ de protection déterminé par la Constitution et la législation ; les réglementations légales sont pour eux configurantes de la propriété (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). Cette controverse a des répercussions pratiques sur l'examen de la proportionnalité des atteintes.\n\n**N. 18** L'étendue du champ de protection est également discutée de manière controversée. Une partie de la doctrine plaide pour une extension générale à toutes les prétentions de droit public ayant une valeur patrimoniale. Le Tribunal fédéral et une autre partie de la doctrine limitent la protection aux compétences propriétaires concrètes sur les choses et excluent le patrimoine en tant que tel (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Cette divergence se manifeste particulièrement pour les prétentions d'assurance sociale et les concessions de droit public.\n\n**N. 19** Le rapport entre garantie d'existence et garantie de l'acquis est interprété différemment. Des parties de la doctrine assimilent la garantie de l'acquis à la garantie d'existence ou la voient comme son émanation. D'autres opinions doctrinales, y compris Waldmann, délimitent explicitement les deux garanties l'une de l'autre et soulignent leurs directions de protection différentes (BSK BV, Art. 26 N. 24-28).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Pour l'appréciation d'atteintes à la propriété, un examen à trois niveaux doit être entrepris :\n1. Y a-t-il une atteinte au champ de protection ?\n2. L'atteinte est-elle justifiée par l'art. 36 Cst. ?\n3. L'atteinte atteint-elle le seuil de l'expropriation ?\n\n**N. 21** Pour la pratique, la distinction entre mesures de police et mesures relevant du droit d'expropriation est centrale. Les prescriptions de construction pour la protection de l'environnement ou pour la prévention des dangers sont régulièrement sans indemnité. Les zonages qui rendent impossible un usage antérieur peuvent en revanche donner droit à indemnité. La délimitation concrète exige un examen cas par cas.\n\n**N. 22** Pour la fixation de l'indemnité vaut le principe de la pleine indemnité. Celle-ci comprend la valeur vénale des droits soustraits ou restreints. Le Tribunal fédéral admet les méthodes d'évaluation schématiques pour autant qu'elles mènent à des résultats conformes à la réalité (**ATF 138 II 77** consid. 3.2). En pratique, se sont établis les modèles d'évaluation hédoniques pour les immeubles et les déductions standardisées en cas de restrictions d'usage.\n\n**N. 23** Sur le plan procédural, il faut veiller à des délais appropriés. Les demandes d'expropriation se prescrivent par cinq ans depuis la connaissance de l'atteinte équivalant à l'expropriation. En cas d'expropriations formelles valent les dispositions procédurales de la LEI ou des lois cantonales d'expropriation. L'opposition à titre conservatoire pour la sauvegarde des délais est usuelle et recommandable en pratique.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Contenu essentiel de la garantie de la propriété\n\n**ATF 130 I 360** du 13 juillet 2004\nDestruction de cannabis séquestré pendant la procédure d'enquête\nLa disposition du code de procédure pénale bernois sur la réalisation anticipée d'objets séquestrés ne constitue pas une base légale suffisante pour la destruction anticipée de cannabis séquestré.\n\n> « Selon l'art. 26 al. 1 Cst, la propriété est garantie. Une atteinte à la garantie de la propriété requiert une base légale suffisante. Elle doit en outre être justifiée par un intérêt public et proportionnée (art. 36 Cst). Pour une atteinte grave à la garantie de la propriété, une base claire et univoque dans une loi formelle est requise. »\n\n**ATF 126 I 213** du 28 juin 2000\nPosition juridique du riverain lors de la suppression d'un accès\nLe droit des riverains de se prévaloir de la garantie de la propriété face à la suppression ou à la restriction de l'usage public commun d'une chose publique ne peut leur être refusé d'emblée (modification de la jurisprudence).\n\n> « Le droit des riverains de se prévaloir de la garantie de la propriété face à la suppression ou à la restriction de l'usage public commun d'une chose publique ne peut leur être refusé d'emblée. »\n\n### Expropriation et droit à indemnité\n\n**ATF 127 I 185** du 30 mai 2001\nSupplément pour contrainte à l'indemnité d'expropriation de droit cantonal\nLe principe constitutionnel fédéral de la pleine indemnité n'interdit pas aux cantons d'octroyer aux expropriés, dans le cadre d'expropriations formelles de droit cantonal, plus que la réparation de l'entier dommage.\n\n> « Le principe constitutionnel fédéral de la pleine indemnité n'interdit pas aux cantons d'octroyer aux expropriés, dans le cadre d'expropriations formelles de droit cantonal, plus que la réparation de l'entier dommage et d'allouer ainsi des indemnités qui dépassent le cadre du droit à la pleine indemnité. »\n\n**ATF 138 II 77** du 9 décembre 2011\nExpropriation de droits de voisinage suite au bruit d'avions\nPour l'appréciation schématique du dommage causé par le bruit d'avions aux immeubles de rapport, la Commission fédérale d'estimation peut appliquer un modèle d'évaluation hédonique.\n\n> « Lors du développement d'un modèle d'évaluation par une équipe d'experts sous la direction d'un juge spécialisé de la CFE, les dispositions sur les expertises externes ne s'appliquent certes pas, mais la transparence et les droits procéduraux des parties doivent être garantis. »\n\n### Expropriation matérielle et restrictions de la propriété\n\n**ATF 139 II 243** du 22 mai 2013\nRestriction de la construction de résidences secondaires\nL'art. 75b al. 1 en relation avec l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst contient une interdiction directement applicable de délivrer des autorisations de construire pour des résidences secondaires dans les communes où la part de 20 % est atteinte ou dépassée.\n\n> « L'art. 75b al. 1 en relation avec l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst contient une interdiction directement applicable de délivrer des autorisations de construire pour des résidences secondaires dans les communes où la part de 20 % est atteinte ou dépassée. Cette interdiction vaut pour toutes les autorisations de construire qui ont été délivrées en première instance depuis le 11 mars 2012 dans les communes concernées. »\n\n**ATF 146 I 70** du 14 novembre 2019\nDispositions communales relatives à la construction de logements à loyers avantageux\nLes dispositions intégrées au règlement sur les constructions de la Ville de Berne pour assurer une offre suffisante de logements locatifs à loyers avantageux peuvent être interprétées de manière à ce qu'elles n'entraînent en principe aucune atteinte injustifiée à la garantie de la propriété.\n\n> « Les dispositions intégrées au règlement sur les constructions de la Ville de Berne pour assurer une offre suffisante de logements locatifs à loyers avantageux sont compatibles avec le principe de la primauté du droit fédéral. Elles peuvent être interprétées et mises en œuvre de sorte que leur application n'entraîne en principe aucune atteinte injustifiée à la liberté économique ou à la garantie de la propriété. »\n\n### Imposition confiscatoire\n\n**ATF 143 I 73** du 5 janvier 2017\nGarantie de la propriété et interdiction de l'imposition confiscatoire\nLa garantie constitutionnelle de la propriété n'est pas déjà violée lorsque, durant une seule période fiscale, la charge fiscale dépasse les revenus de la fortune. L'appréciation sur la durée est déterminante.\n\n> « Étant donné que l'impôt sur la fortune a pour objet la substance de la fortune et que la capacité économique se détermine précisément par sa hauteur, et qu'une imposition n'est considérée comme confiscatoire que si les revenus de la fortune ne suffisent pas durablement à couvrir la charge fiscale, la garantie constitutionnelle de la propriété ne peut pas être considérée comme violée déjà lorsque, durant une seule période fiscale, la charge fiscale dépasse les revenus de la fortune. »\n\n### Droit de procédure pénale et garantie de la propriété\n\n**ATF 135 I 209** du 11 juin 2009\nObligation d'indemniser pour des armes et éléments d'armes confisqués\nLa loi sur les armes ne contient aucune base légale pour la confiscation du produit net de la réalisation d'objets séquestrés ou confisqués pour des raisons de sécurité en faveur de l'État.\n\n> « La loi sur les armes ne contient aucune base légale pour la confiscation du produit net de la réalisation d'objets séquestrés ou confisqués pour des raisons de sécurité en faveur de l'État. Si l'objet ne peut plus être restitué ou remis au propriétaire, une indemnité appropriée doit être versée à ce dernier. »\n\n**ATF 141 IV 305** du 23 juin 2015\nDémolition illégale d'une maison individuelle digne de protection\nLors de la fixation d'une créance compensatoire, le principe brut doit être appliqué, la garantie de la propriété devant être respectée.\n\n> « Application du principe brut ou net lors de la fixation d'une créance compensatoire (résumé et confirmation de la jurisprudence). L'application du principe brut conduit, en cas d'atteintes à la propriété, à un résultat proportionné qui tient compte des exigences constitutionnelles de la garantie de la propriété. »\n\n### Droit de procédure administrative\n\n**ATF 132 II 485** du 26 octobre 2006\nModification, transfert et retrait d'une concession de télécommunication\nLe retrait d'une concession constitue une atteinte grave à la garantie de la propriété qui requiert une pesée d'intérêts minutieuse.\n\n> « Le retrait d'une concession de télécommunication, qui en tant que droit patrimonial tombe sous la protection de la garantie de la propriété, nécessite une pesée minutieuse entre l'intérêt public et les intérêts légitimes du concessionnaire. »\n\n### Aménagement du territoire et garantie de la propriété\n\n**ATF 140 I 176** du 27 mars 2014\nQualification juridique d'une taxe sur les résidences secondaires inexploitées\nLa taxe sur les résidences secondaires vise une meilleure utilisation des résidences secondaires déjà existantes et ne constitue pas une atteinte confiscatoire à la garantie de la propriété.\n\n> « La taxe sur les résidences secondaires vise notamment une meilleure utilisation des résidences secondaires déjà existantes sur le territoire communal. Étant donné qu'un effet incitatif est en tout cas potentiellement présent et que la taxe est conçue de manière proportionnée, il n'y a pas violation de la garantie de la propriété. »\n\n### Collisions de droits fondamentaux\n\n**ATF 136 I 17** du 23 novembre 2009\nProtection contre le tabagisme passif et garantie de la propriété\nL'interdiction de fumer dans les établissements publics constitue une atteinte justifiée et proportionnée à la garantie de la propriété, légitimée par la protection de la santé.\n\n> « Le fait que la législation bernoise sur la protection contre le tabagisme passif ne prévoit aucune réglementation particulière pour la consommation de pipes à eau dans les établissements publics ne viole pas le droit constitutionnel, notamment pas la liberté économique, la garantie de la propriété ou l'interdiction de discriminer. »", "summary_it": "# Art. 26 Cost. — Garanzia della proprietà\n\n## Panoramica\n\nLa garanzia della proprietà dell'art. 26 Cost. protegge la proprietà dai interventi statali. La disposizione ha due capoversi: il capoverso 1 garantisce la proprietà in via di principio. Il capoverso 2 disciplina l'indennizzo in caso di espropriazioni e interventi assimilabili all'espropriazione.\n\nIl Tribunale federale distingue tra la **garanzia dell'esistenza** (protezione dall'ablazione) e la **garanzia del valore** (protezione dalla svalutazione). La garanzia della proprietà protegge tutti i diritti reali su cose, come la proprietà di fondi, veicoli o altre cose mobili (**DTF 126 I 213** consid. 1b). Il patrimonio nel suo complesso non è tuttavia protetto (Waldmann, BSK BV, Art. 26 n. 21).\n\nIn caso di **espropriazione** (ablazione totale o parziale della proprietà) lo Stato deve sostituire il valore integrale. Ciò vale anche per **interventi assimilabili all'espropriazione** – ossia gravi limitazioni che equivalgono a un'espropriazione. Un esempio: lo Stato sottrae un fondo per la costruzione di un'autostrada. Il proprietario riceve un indennizzo completo al valore di mercato.\n\nLa giurisprudenza applica la garanzia della proprietà anche a nuovi ambiti. Così il Tribunale federale ha esteso la protezione in caso di soppressione di accessi stradali (**DTF 126 I 213**) e ha verificato in caso di prescrizioni comunali per l'edilizia abitativa (**DTF 146 I 70**).\n\n## Significato\n\nLa garanzia della proprietà è un diritto fondamentale centrale dell'ordinamento economico. Riguarda i proprietari di immobili, gli imprenditori e tutti i proprietari in caso di misure statali come espropriazioni per progetti infrastrutturali, rizonizzazioni o interventi regolamentari. La garanzia assicura che lo Stato non possa intervenire senza indennizzo in diritti legittimamente acquisiti.\n\nNella pratica sono importanti i progetti di costruzione statali (strade, ferrovie), le misure di pianificazione del territorio e le prescrizioni ambientali. La delimitazione tra interventi soggetti a indennizzo e interventi non soggetti a indennizzo è centrale per le autorità di pianificazione e i proprietari interessati. La controversia dogmatica tra **teoria delle limitazioni** (protezione globale con possibilità di limitazione) e **teoria della concretizzazione** (l'ambito di protezione si determina dall'ordinamento giuridico) caratterizza lo sviluppo del diritto (Waldmann, BSK BV, Art. 26 n. 9-10).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La garanzia della proprietà appartiene ai diritti fondamentali più antichi della tradizione costituzionale svizzera. Già la Costituzione elvetica del 1798 proteggeva la proprietà come «sacra e inviolabile». La Costituzione federale del 1848 non conteneva ancora una garanzia esplicita della proprietà, ma garantiva il pieno indennizzo per le cessioni a scopi pubblici.\n\n**N. 2** Con la revisione parziale del 1969, la garanzia della proprietà fu inserita nella vecchia Costituzione federale come art. 22ter. Il messaggio del Consiglio federale del 4 marzo 1968 (FF 1968 I 533) sottolineava che la garanzia della proprietà «appartiene ai principi fondamentali del nostro ordinamento giuridico ed economico». Il legislatore costituente voleva così ancorare espressamente la garanzia della proprietà già sviluppata dalla giurisprudenza e dalla dottrina.\n\n**N. 3** Con la revisione totale del 1999, la garanzia della proprietà fu ripresa invariata come art. 26 Cost. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 146) stabiliva che la disposizione «rispecchia la situazione costituzionale esistente» e non erano previste modifiche materiali. La formulazione concisa doveva preservare la flessibilità per gli sviluppi futuri.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 26 Cost. è posizionato nel 2° titolo della Costituzione federale tra i diritti fondamentali. La garanzia della proprietà presenta una doppia natura: è sia diritto di libertà che garanzia istituzionale (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 6). Come diritto di difesa protegge dai interventi statali; come garanzia istituzionale assicura l'esistenza della proprietà privata come istituto giuridico.\n\n**N. 5** La garanzia della proprietà è strettamente collegata con altre disposizioni costituzionali. Si completa con la libertà economica (→ Art. 27 Cost.), ma se ne distingue per il suo carattere statico: mentre l'art. 27 Cost. protegge l'attività economica, l'art. 26 Cost. assicura la sostanza delle posizioni giuridiche acquisite (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 16).\n\n**N. 6** Importanti collegamenti trasversali esistono con le disposizioni di competenza, in particolare con la pianificazione del territorio (→ Art. 75 Cost.), la protezione dell'ambiente (→ Art. 74 Cost.) e la protezione della natura (→ Art. 78 Cost.). Queste disposizioni legittimano limitazioni della proprietà nell'interesse pubblico. Le disposizioni generali sui limiti dell'→ Art. 36 Cost. si applicano integralmente alle restrizioni della garanzia della proprietà.\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Ambito di protezione (cpv. 1)\n\n**N. 7** L'ambito di protezione della garanzia della proprietà è controverso in dottrina. La teoria dei limiti parte da un ambito di protezione ampiamente garantito, che può essere limitato solo alle condizioni dell'art. 36 Cost. (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). La teoria della concretizzazione vede il contenuto della proprietà determinato dalla Costituzione e dalla legislazione; le regolamentazioni legali sono quindi configurazioni della proprietà, non limitazioni della proprietà (ibid.).\n\n**N. 8** Il Tribunale federale segue un approccio conciliativo. Riconosce che il legislatore configura il contenuto della proprietà, ma sottolinea al contempo i limiti di questa libertà di configurazione. Georg Müller avverte che il legislatore non deve «allontanarsi troppo dalle concezioni finora esistenti sulla proprietà o addirittura sostituirla con altri istituti giuridici» (citato secondo Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9).\n\n**N. 9** Sono protetti primariamente i diritti reali su cose mobili e immobili. L'estensione ai crediti di diritto pubblico aventi valore patrimoniale è controversa. Una parte della dottrina favorisce l'inclusione generale di tutti i crediti aventi valore patrimoniale, inclusi i crediti di stipendio e di assicurazione sociale (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Il Tribunale federale e un'altra parte della dottrina limitano la protezione a concrete facoltà proprietarie su cose ed escludono il patrimonio come tale (ibid.).\n\n### 3.2 Direzione della protezione\n\n**N. 10** La garanzia della proprietà sviluppa il suo effetto protettivo in tre dimensioni:\n- **Garanzia dell'esistenza**: Protezione dall'ablazione o dalla riduzione dei diritti di proprietà esistenti\n- **Garanzia del valore**: Diritto al pieno indennizzo in caso di gravi interventi\n- **Garanzia istituzionale**: Garanzia della proprietà privata come istituto giuridico\n\n**N. 11** La garanzia del possesso è da distinguere dalla garanzia dell'esistenza. Mentre parti della dottrina equiparano entrambe, Waldmann sottolinea le loro diverse direzioni di protezione (BSK BV, Art. 26 N. 24-28). La garanzia dell'esistenza protegge la sostanza della proprietà, la garanzia del possesso l'effettivo uso sotto il diritto precedente.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n### 4.1 Espropriazione e interventi equiparabili all'espropriazione (cpv. 2)\n\n**N. 12** L'art. 26 cpv. 2 Cost. sancisce il principio del pieno indennizzo nelle espropriazioni. Il concetto comprende sia le espropriazioni formali che quelle materiali. L'espropriazione formale sussiste nell'ablazione totale o parziale dei diritti reali. L'espropriazione materiale comprende le limitazioni della proprietà equiparabili a un'espropriazione.\n\n**N. 13** La delimitazione tra limitazioni della proprietà soggette a indennizzo e quelle non soggette a indennizzo avviene secondo la giurisprudenza costante mediante il criterio della gravità. Sono soggetti a indennizzo gli interventi particolarmente gravi che impongono all'interessato un sacrificio particolare. Il Tribunale federale considera l'intensità della limitazione, l'utilità rimanente e la sfruttabilità economica (**DTF 139 II 243** consid. 3.3).\n\n**N. 14** Riva distingue tra limitazioni mirate di diritti acquisiti, che devono essere formalmente espropriati, e interventi nell'ambito della restante attività statale, che devono essere indennizzati solo in caso di effetto equiparabile all'espropriazione (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 90). Questa differenziazione è determinante per la prassi.\n\n### 4.2 Limitazioni della proprietà non soggette a indennizzo\n\n**N. 15** Non ogni limitazione della proprietà comporta un obbligo di indennizzo. Le limitazioni di polizia per la protezione dell'ordine pubblico, della sicurezza e della salute sono fondamentalmente da accettare senza indennizzo. Lo stesso vale per le limitazioni generali che colpiscono ugualmente tutti i proprietari e non presentano carattere di sacrificio particolare.\n\n**N. 16** Il Tribunale federale ha stabilito in **DTF 149 I 291** consid. 4.2 che dalla garanzia della proprietà «fondamentalmente non risulta alcun diritto al mantenimento di un ordinamento giuridico una volta vigente». Modifiche legislative possono quindi anche limitare usi esistenti senza essere automaticamente soggette a indennizzo.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** La classificazione dogmatica della garanzia della proprietà rimane controversa. I sostenitori della teoria dei limiti postulano un ampio ambito di protezione con possibilità di limitazione secondo l'art. 36 Cost. I sostenitori della teoria della concretizzazione vedono l'ambito di protezione determinato dalla Costituzione e dalla legislazione; le regolamentazioni legali sono per loro configurazioni della proprietà (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). Questa controversia ha ripercussioni pratiche sull'esame della proporzionalità degli interventi.\n\n**N. 18** Anche la portata dell'ambito di protezione è discussa controversamente. Una parte della dottrina propugna un'estensione generale a tutti i crediti di diritto pubblico aventi valore patrimoniale. Il Tribunale federale e un'altra parte della dottrina limitano la protezione a concrete facoltà proprietarie su cose ed escludono il patrimonio come tale (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). Questa divergenza si manifesta particolarmente nei crediti di assicurazione sociale e nelle concessioni di diritto pubblico.\n\n**N. 19** Il rapporto tra garanzia dell'esistenza e garanzia del possesso è interpretato diversamente. Parti della dottrina equiparano la garanzia del possesso alla garanzia dell'esistenza o la vedono come sua emanazione. Altre opinioni dottrinali, incluso Waldmann, delimitano esplicitamente entrambe le garanzie l'una dall'altra e sottolineano le loro diverse direzioni di protezione (BSK BV, Art. 26 N. 24-28).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella valutazione di pregiudizi alla proprietà è da effettuare un esame a tre livelli:\n1. Sussiste un intervento nell'ambito di protezione?\n2. L'intervento è giustificato dall'art. 36 Cost.?\n3. L'intervento raggiunge la soglia dell'espropriazione?\n\n**N. 21** Per la prassi è centrale la distinzione tra misure di polizia e misure di diritto espropriativo. Le prescrizioni edilizie per la protezione dell'ambiente o per la prevenzione dei pericoli sono regolarmente non soggette a indennizzo. Le zonizzazioni che rendono impossibile un uso precedente possono invece essere soggette a indennizzo. La delimitazione concreta richiede una considerazione del caso singolo.\n\n**N. 22** Nella determinazione dell'indennizzo vale il principio del pieno indennizzo. Questo comprende il valore di mercato dei diritti ablati o limitati. Il Tribunale federale ammette metodi di valutazione schematici, purché portino a risultati adeguati (**DTF 138 II 77** consid. 3.2). Nella prassi si sono affermati modelli di valutazione edonica per gli immobili e detrazioni standardizzate per le limitazioni d'uso.\n\n**N. 23** Dal punto di vista procedurale è da prestare attenzione a termini adeguati. Le richieste di espropriazione si prescrivono dopo cinque anni dalla conoscenza dell'intervento equiparabile all'espropriazione. Per le espropriazioni formali valgono le disposizioni procedurali della LEspr o delle leggi cantonali sulle espropriazioni. L'opposizione cautelativa per la salvaguardia dei termini è usuale nella prassi e raccomandabile.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Contenuto essenziale della garanzia della proprietà\n\n**DTF 130 I 360** del 13 luglio 2004\nDistruzione di cannabis sequestrata durante il procedimento penale\nLa disposizione del codice di procedura penale bernese sulla liquidazione anticipata di oggetti sequestrati non costituisce una base legale sufficiente per la distruzione anticipata di cannabis sequestrata.\n\n> «Secondo l'art. 26 cpv. 1 Cost. la proprietà è garantita. Un intervento nella garanzia della proprietà richiede una base legale sufficiente. Inoltre deve essere giustificato da un interesse pubblico ed essere proporzionato (art. 36 Cost.). Per un grave intervento nella garanzia della proprietà è necessaria una base chiara e inequivocabile in una legge formale.»\n\n**DTF 126 I 213** del 28 giugno 2000  \nPosizione giuridica del proprietario confinante in caso di soppressione di un accesso  \nAi proprietari confinanti non può essere negato a priori il diritto di invocare la garanzia della proprietà contro la soppressione o limitazione dell'uso comune di una cosa pubblica (modifica della giurisprudenza).\n\n> «Ai proprietari confinanti non può essere negato a priori il diritto di invocare la garanzia della proprietà contro la soppressione o limitazione dell'uso comune di una cosa pubblica.»\n\n### Espropriazione e diritto all'indennizzo\n\n**DTF 127 I 185** del 30 maggio 2001\nSupplemento per involontarietà all'indennizzo di espropriazione di diritto cantonale\nIl principio costituzionale federale del pieno indennizzo non impedisce ai Cantoni di risarcire agli espropriati, nel quadro di espropriazioni formali di diritto cantonale, più dell'intero danno.\n\n> «Il principio costituzionale federale del pieno indennizzo non impedisce ai Cantoni di risarcire agli espropriati, nel quadro di espropriazioni formali di diritto cantonale, più dell'intero danno e di corrispondere così indennizzi che superano il quadro del diritto al pieno indennizzo.»\n\n**DTF 138 II 77** del 9 dicembre 2011  \nEspropriazione di diritti di vicinato a causa del rumore aereo  \nPer la valutazione schematica del danno causato dal rumore aereo negli stabili plurifamiliari la Commissione federale di stima può applicare un modello di valutazione edonistico.\n\n> «Nello sviluppo di un modello di valutazione da parte di un team di esperti sotto la direzione di un giudice specializzato della CFS non si applicano le disposizioni sulle perizie di esperti esterni, tuttavia devono essere garantite la trasparenza e i diritti procedurali delle parti.»\n\n### Espropriazione materiale e limitazioni della proprietà\n\n**DTF 139 II 243** del 22 maggio 2013  \nLimitazione della costruzione di abitazioni secondarie  \nL'art. 75b cpv. 1 in combinazione con l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. contiene un divieto di rilascio di licenze edilizie direttamente applicabile per abitazioni secondarie nei comuni dove è raggiunta o superata la quota del 20%.\n\n> «L'art. 75b cpv. 1 in combinazione con l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. contiene un divieto di rilascio di licenze edilizie direttamente applicabile per abitazioni secondarie nei comuni dove è raggiunta o superata la quota del 20%. Questo divieto vale per tutte le licenze edilizie che sono state rilasciate in prima istanza nei comuni interessati dal 11 marzo 2012.»\n\n**DTF 146 I 70** del 14 novembre 2019  \nDisposizioni comunali per l'edilizia abitativa a prezzi accessibili  \nLe disposizioni inserite nel regolamento edilizio della città di Berna per garantire un'offerta sufficiente di abitazioni in affitto a prezzi accessibili possono essere interpretate in modo che non siano collegati interventi ingiustificati nella garanzia della proprietà.\n\n> «Le disposizioni inserite nel regolamento edilizio della città di Berna per garantire un'offerta sufficiente di abitazioni in affitto a prezzi accessibili sono compatibili con il principio della supremazia del diritto federale. Possono essere interpretate e attuate in modo che con la loro applicazione non siano collegati interventi ingiustificati nella libertà economica o nella garanzia della proprietà.»\n\n### Tassazione confiscatoria\n\n**DTF 143 I 73** del 5 gennaio 2017  \nGaranzia della proprietà e divieto della tassazione confiscatoria  \nLa garanzia costituzionale della proprietà non è violata già quando in un singolo periodo fiscale il carico fiscale supera i redditi patrimoniali. Decisiva è la valutazione a lungo termine.\n\n> «Poiché l'imposta patrimoniale ha per oggetto la sostanza del patrimonio e la capacità economica si determina proprio in base alla sua entità, e poiché una tassazione è considerata confiscatoria solo quando i redditi patrimoniali non sono sufficienti a lungo termine per coprire il carico fiscale, la garanzia costituzionale della proprietà non può essere considerata violata già quando in un singolo periodo fiscale il carico fiscale supera i redditi patrimoniali.»\n\n### Diritto processuale penale e garanzia della proprietà\n\n**DTF 135 I 209** dell'11 giugno 2009  \nObbligo di indennizzo per armi e componenti di armi confiscate  \nLa legge sulle armi non contiene una base legale per la confisca del ricavato netto della liquidazione di oggetti sequestrati per motivi di sicurezza a favore dello Stato.\n\n> «La legge sulle armi non contiene una base legale per la confisca del ricavato netto della liquidazione di oggetti sequestrati o confiscati per motivi di sicurezza a favore dello Stato. Se l'oggetto non può più essere restituito o rilasciato al proprietario, a questi deve essere corrisposto un indennizzo adeguato.»\n\n**DTF 141 IV 305** del 23 giugno 2015  \nDemolizione illegale di una casa unifamiliare degna di protezione  \nNella fissazione di una pretesa risarcitoria deve essere applicato il principio lordo, rispettando la garanzia della proprietà.\n\n> «Applicazione del principio lordo o netto nella fissazione di una pretesa risarcitoria (riassunto e conferma della giurisprudenza). L'applicazione del principio lordo porta negli interventi nella proprietà a un risultato proporzionato che tiene conto delle direttive costituzionali della garanzia della proprietà.»\n\n### Diritto processuale amministrativo\n\n**DTF 132 II 485** del 26 ottobre 2006  \nModifica, trasferimento e revoca di una concessione di telecomunicazioni  \nLa revoca di una concessione rappresenta un grave intervento nella garanzia della proprietà che richiede un'accurata ponderazione degli interessi.\n\n> «La revoca di una concessione di telecomunicazioni, che come diritto con valore patrimoniale rientra nella protezione della garanzia della proprietà, richiede un'accurata ponderazione tra l'interesse pubblico e gli interessi legittimi del concessionario.»\n\n### Pianificazione del territorio e garanzia della proprietà\n\n**DTF 140 I 176** del 27 marzo 2014  \nQualificazione giuridica di una tassa su abitazioni secondarie non utilizzate  \nL'imposta sulle abitazioni secondarie mira al migliore utilizzo delle abitazioni secondarie già esistenti e non costituisce un intervento confiscatorio nella garanzia della proprietà.\n\n> «L'imposta sulle abitazioni secondarie mira in particolare al migliore utilizzo delle abitazioni secondarie già esistenti sul territorio comunale. Poiché un effetto di orientamento è comunque potenzialmente presente e l'imposta è configurata proporzionatamente, non sussiste violazione della garanzia della proprietà.»\n\n### Collisioni tra diritti fondamentali\n\n**DTF 136 I 17** del 23 novembre 2009  \nProtezione dal fumo passivo e garanzia della proprietà  \nIl divieto di fumare nei ristoranti rappresenta un intervento giustificato e proporzionato nella garanzia della proprietà, legittimato dalla protezione della salute.\n\n> «Il fatto che la legislazione bernese per la protezione dal fumo passivo non preveda una regolamentazione speciale per il consumo di pipe ad acqua nei ristoranti non viola il diritto costituzionale, in particolare non la libertà economica, la garanzia della proprietà o il divieto di discriminazione.»", "summary_en": "# Art. 26 BV — Guarantee of property\n\n## Overview\n\nThe guarantee of property in Art. 26 BV protects property from state interference. The provision has two paragraphs: paragraph 1 guarantees property in principle. Paragraph 2 regulates compensation for expropriation and measures equivalent to expropriation.\n\nThe Federal Supreme Court distinguishes between the **guarantee of existence** (protection from deprivation) and the **guarantee of value** (protection from devaluation). The guarantee of property protects all real rights in rem, such as ownership of real estate, vehicles or other movable property (**BGE 126 I 213** E. 1b). However, assets as a whole are not protected (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21).\n\nIn the case of **expropriation** (complete or partial deprivation of property), the state must replace the full value. This also applies to **measures equivalent to expropriation** – these are severe restrictions that are equivalent to expropriation. For example: The state takes away a plot of land for the construction of a motorway. The owner receives full compensation at market value.\n\nCase law also applies the guarantee of property to new areas. Thus, the Federal Supreme Court has extended protection in the case of the abolition of road access (**BGE 126 I 213**) and examined municipal housing requirements (**BGE 146 I 70**).\n\n## Significance\n\nThe guarantee of property is a fundamental right central to the economic order. It affects property owners, entrepreneurs and all owners in the case of state measures such as expropriation for infrastructure projects, rezoning or regulatory interventions. The guarantee ensures that the state cannot interfere in well-established rights without compensation.\n\nIn practice, state construction projects (roads, railways), spatial planning measures and environmental regulations are important. The distinction between interventions requiring compensation and those not requiring compensation is central for planning authorities and affected property owners. The doctrinal controversy between the **limitation theory** (comprehensive protection with possibilities for restriction) and the **concretisation theory** (scope of protection is determined by the legal order) shapes legal development (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Historical Development\n\n**N. 1** The property guarantee is one of the oldest fundamental rights in the Swiss constitutional tradition. As early as the Helvetic Constitution of 1798, property was protected as \"sacred and inviolable\". The Federal Constitution of 1848 did not yet contain an explicit property guarantee, but did guarantee full compensation for transfers for public purposes.\n\n**N. 2** With the partial revision of 1969, the property guarantee was incorporated into the old Federal Constitution as Art. 22ter. The Federal Council's message of 4 March 1968 (BBl 1968 I 621) emphasised that the guarantee of property \"belongs to the fundamental principles of our legal and economic order\". The constitutional legislator thereby sought to explicitly anchor the property guarantee already developed by case law and doctrine.\n\n**N. 3** In the total revision of 1999, the property guarantee was adopted unchanged as Art. 26 Cst. The message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 140) stated that the provision \"reflects the existing constitutional legal situation\" and no material changes were intended. The concise formulation was intended to preserve flexibility for future developments.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 26 Cst. is positioned in Title 2 of the Federal Constitution among the fundamental rights. The property guarantee has a dual nature: it is both a liberty right and an institutional guarantee (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 6). As a defensive right, it protects against state interference; as an institutional guarantee, it secures the existence of private property as a legal institution.\n\n**N. 5** The property guarantee is closely connected with other constitutional provisions. It complements economic freedom (→ Art. 27 Cst.), but differs through its static character: while Art. 27 Cst. protects economic activity, Art. 26 Cst. secures the substance of acquired legal positions (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 16).\n\n**N. 6** Important cross-connections exist with the competence provisions, particularly spatial planning (→ Art. 75 Cst.), environmental protection (→ Art. 74 Cst.) and nature conservation (→ Art. 78 Cst.). These provisions legitimise property restrictions in the public interest. The general restriction provisions of → Art. 36 Cst. apply fully to restrictions on the property guarantee.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Scope of Protection (Para. 1)\n\n**N. 7** The scope of protection of the property guarantee is disputed in doctrine. The restrictions theory assumes a comprehensively guaranteed scope of protection that can only be restricted under the conditions of Art. 36 Cst. (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). The concretisation theory sees the content of property determined by the Constitution and legislation; statutory regulations are accordingly property-shaping, not property-restricting (ibid.).\n\n**N. 8** The Federal Supreme Court follows a mediating approach. It acknowledges that the legislature shapes the content of property, but simultaneously emphasises the limits of this freedom of design. Georg Müller warns that the legislature must not \"stray too far from previous notions of property or even replace it with other legal institutions\" (quoted in Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9).\n\n**N. 9** Primarily protected are rights in rem to movable and immovable property. The extension to valuable public law claims is controversial. Part of doctrine favours the general inclusion of all valuable claims, including salary and social insurance claims (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). The Federal Supreme Court and another part of doctrine limit protection to concrete property powers over things and exclude assets as such (ibid.).\n\n### 3.2 Direction of Protection\n\n**N. 10** The property guarantee unfolds its protective effect in three dimensions:\n- **Guarantee of existence**: Protection against deprivation or diminution of existing property rights\n- **Value guarantee**: Right to full compensation for serious interference\n- **Institutional guarantee**: Guarantee of private property as a legal institution\n\n**N. 11** The guarantee of existing rights is to be distinguished from the guarantee of existence. While parts of doctrine equate both, Waldmann emphasises their different protective directions (BSK BV, Art. 26 N. 24-28). The guarantee of existence protects the substance of property, the guarantee of existing rights protects the actual use under old law.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n### 4.1 Expropriation and Expropriatory Interference (Para. 2)\n\n**N. 12** Art. 26 para. 2 Cst. anchors the principle of full compensation for expropriations. The concept encompasses both formal and material expropriations. Formal expropriation occurs with the complete or partial deprivation of rights in rem. Material expropriation covers property restrictions that are equivalent to expropriation.\n\n**N. 13** The delimitation between property restrictions requiring compensation and those not requiring compensation is made according to established case law using the severity criterion. Requiring compensation are particularly severe interference that imposes a special sacrifice on the affected party. The Federal Supreme Court thereby considers the intensity of the restriction, the remaining benefit and the economic exploitability (**BGE 139 II 243** E. 3.3).\n\n**N. 14** Riva distinguishes between targeted restrictions of vested rights, which must be formally expropriated, and interference in the context of other state activity, which only requires compensation if it has an effect equivalent to expropriation (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 90). This differentiation is pioneering for practice.\n\n### 4.2 Property Restrictions Not Requiring Compensation\n\n**N. 15** Not every property restriction triggers an obligation to pay compensation. Police restrictions for the protection of public order, security and health are in principle to be accepted without compensation. The same applies to general restrictions that affect all property owners equally and have no special sacrifice character.\n\n**N. 16** The Federal Supreme Court stated in **BGE 149 I 291** E. 4.2 that the property guarantee \"does not in principle give rise to a right to maintain a legal order once in force\". Legislative changes can therefore also restrict existing uses without automatically requiring compensation.\n\n## 5. Points of Dispute\n\n**N. 17** The dogmatic classification of the property guarantee remains disputed. Proponents of the restrictions theory postulate a comprehensive scope of protection with possibilities for restriction according to Art. 36 Cst. Proponents of the concretisation theory see the scope of protection determined by the Constitution and legislation; statutory regulations are property-shaping for them (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 9-10). This controversy has practical effects on the examination of the proportionality of interference.\n\n**N. 18** The scope of the protective sphere is also controversially discussed. Part of doctrine advocates a general extension to all valuable public law claims. The Federal Supreme Court and another part of doctrine restrict protection to concrete property powers over things and exclude assets as such (Waldmann, BSK BV, Art. 26 N. 21). This divergence is particularly evident with social insurance claims and public law concessions.\n\n**N. 19** The relationship between the guarantee of existence and the guarantee of existing rights is interpreted differently. Parts of doctrine equate the guarantee of existing rights with the guarantee of existence or see it as its emanation. Other doctrinal opinions, including Waldmann, explicitly distinguish both guarantees from one another and emphasise their different protective directions (BSK BV, Art. 26 N. 24-28).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 20** When assessing property impairments, a three-stage examination is to be undertaken:\n1. Is there interference with the scope of protection?\n2. Is the interference justified by Art. 36 Cst.?\n3. Does the interference reach the threshold for expropriation?\n\n**N. 21** For practice, the distinction between police and expropriation law measures is central. Building regulations for environmental protection or danger prevention are regularly without compensation. Zoning that makes previous use impossible can, however, require compensation. The concrete delimitation requires case-by-case consideration.\n\n**N. 22** In determining compensation, the principle of full compensation applies. This includes the market value of the deprived or restricted rights. The Federal Supreme Court permits schematic valuation methods provided they lead to appropriate results (**BGE 138 II 77** E. 3.2). In practice, hedonic valuation models for real estate and standardised deductions for use restrictions have become established.\n\n**N. 23** Procedurally, attention must be paid to appropriate time limits. Expropriation claims become time-barred after five years from knowledge of the expropriatory interference. For formal expropriations, the procedural provisions of the Expropriation Act or the cantonal expropriation laws apply. Precautionary objection to preserve time limits is customary and recommended in practice.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Core Content of the Property Guarantee\n\n**BGE 130 I 360** of 13 July 2004\nDestruction of confiscated cannabis during investigation proceedings\nThe provision of the Bernese Criminal Procedure Code on the early disposal of confiscated objects does not constitute a sufficient legal basis for the early destruction of confiscated cannabis.\n\n> «According to Art. 26 para. 1 Cst, property is guaranteed. An interference with the property guarantee requires a sufficient legal basis. Furthermore, it must be justified by a public interest and be proportionate (Art. 36 Cst). A serious interference with the property guarantee requires a clear and unambiguous basis in formal law.»\n\n**BGE 126 I 213** of 28 June 2000  \nLegal status of adjoining owners in the abolition of access  \nAdjoining owners cannot be denied from the outset the right to invoke the property guarantee against the abolition or restriction of the common use of a public object (change in case law).\n\n> «Adjoining owners cannot be denied from the outset the right to invoke the property guarantee against the abolition or restriction of the common use of a public object.»\n\n### Expropriation and Right to Compensation\n\n**BGE 127 I 185** of 30 May 2001\nInvoluntariness supplement to cantonal expropriation compensation\nThe federal constitutional principle of full compensation does not prevent the cantons from compensating the expropriated parties for more than the entire damage in the context of formal cantonal expropriations.\n\n> «The federal constitutional principle of full compensation does not prevent the cantons from compensating the expropriated parties for more than the entire damage in the context of formal cantonal expropriations and thus providing compensation that exceeds the framework of the claim to full compensation.»\n\n**BGE 138 II 77** of 9 December 2011  \nExpropriation of neighbourhood claims due to aircraft noise  \nFor the schematic assessment of aircraft noise-related damage to apartment buildings, the Federal Valuation Commission may apply a hedonic valuation model.\n\n> «In the development of a valuation model by a team of experts under the leadership of a specialist judge of the FVC, the provisions on external expert opinions do not apply, but transparency and the procedural rights of the parties must be guaranteed.»\n\n### Material Expropriation and Property Restrictions\n\n**BGE 139 II 243** of 22 May 2013  \nRestriction on second home construction  \nArt. 75b para. 1 in conjunction with Art. 197 No. 9 para. 2 Cst contains a directly applicable building permit prohibition for second homes in municipalities where the 20% share is reached or exceeded.\n\n> «Art. 75b para. 1 in conjunction with Art. 197 No. 9 para. 2 Cst contains a directly applicable building permit prohibition for second homes in municipalities where the 20% share is reached or exceeded. This prohibition applies to all building permits that have been granted at first instance in the affected municipalities since 11 March 2012.»\n\n**BGE 146 I 70** of 14 November 2019  \nMunicipal provisions on affordable housing construction  \nThe provisions incorporated into the Building Code of the City of Bern to ensure a sufficient supply of affordable rental housing can be interpreted in such a way that they are not fundamentally associated with unjustified interferences with the property guarantee.\n\n> «The provisions incorporated into the Building Code of the City of Bern to ensure a sufficient supply of affordable rental housing are compatible with the principle of the primacy of federal law. They can be interpreted and implemented in such a way that their application is not fundamentally associated with unjustified interferences with economic freedom or the property guarantee.»\n\n### Confiscatory Taxation\n\n**BGE 143 I 73** of 5 January 2017  \nProperty guarantee and prohibition of confiscatory taxation  \nThe constitutional property guarantee is not already violated when in a single tax period the tax burden exceeds the property income. The decisive factor is the assessment on a permanent basis.\n\n> «Since wealth tax has the substance of wealth as its object and economic capacity is determined precisely by its amount, and since taxation is only considered confiscatory if the property income is permanently insufficient to cover the tax burden, the constitutional property guarantee cannot be considered violated merely because in a single tax period the tax burden exceeds the property income.»\n\n### Criminal Procedure Law and Property Guarantee\n\n**BGE 135 I 209** of 11 June 2009  \nObligation to compensate for confiscated weapons and weapon components  \nThe Weapons Act contains no legal basis for the confiscation of the net proceeds from the disposal of objects confiscated for security reasons in favour of the state.\n\n> «The Weapons Act contains no legal basis for the confiscation of the net proceeds from the disposal of objects confiscated or seized for security reasons in favour of the state. If the object can no longer be returned or handed over to the owner, appropriate compensation must be provided.»\n\n**BGE 141 IV 305** of 23 June 2015  \nIllegal demolition of a protected single-family house  \nWhen establishing a substitute claim, the gross principle must be applied, whereby the property guarantee must be observed.\n\n> «Application of the gross or net principle when establishing a substitute claim (summary and confirmation of case law). The application of the gross principle leads to a proportionate result in property interferences that takes into account the constitutional requirements of the property guarantee.»\n\n### Administrative Procedure Law\n\n**BGE 132 II 485** of 26 October 2006  \nAmendment, transfer and withdrawal of a telecommunications licence  \nThe withdrawal of a licence constitutes a serious interference with the property guarantee that requires careful weighing of interests.\n\n> «The withdrawal of a telecommunications licence, which as a valuable right falls under the protection of the property guarantee, requires careful weighing between the public interest and the legitimate interests of the licence holder.»\n\n### Spatial Planning and Property Guarantee\n\n**BGE 140 I 176** of 27 March 2014  \nLegal qualification of a levy on unmanaged second homes  \nThe second home tax aims at better utilisation of existing second homes and does not constitute a confiscatory interference with the property guarantee.\n\n> «The second home tax aims in particular at better utilisation of existing second homes in the municipal territory. Since a steering effect is at least potentially present and the tax is proportionately designed, there is no violation of the property guarantee.»\n\n### Fundamental Rights Conflicts\n\n**BGE 136 I 17** of 23 November 2009  \nProtection from passive smoking and property guarantee  \nThe smoking ban in restaurants constitutes a justified and proportionate interference with the property guarantee that is legitimised by the protection of health.\n\n> «The fact that the Bernese legal order for protection from passive smoking provides no special regulation for the consumption of water pipes in restaurants does not violate constitutional law, in particular not economic freedom, the property guarantee or the prohibition of discrimination.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_26", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 27, "article_suffix": "", "title": "Wirtschaftsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 27 BV schützt die Wirtschaftsfreiheit als eigenständiges Grundrecht. Diese umfasst drei Hauptbereiche: die freie Wahl des Berufs, den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung. Die Wirtschaftsfreiheit gilt für alle Menschen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben wollen.\n\n**Geschützte Tätigkeiten:** Die Wirtschaftsfreiheit schützt jede privatwirtschaftliche Tätigkeit, die berufsmässig ausgeübt wird und auf Gewinn oder Einkommen ausgerichtet ist (**BGE 130 I 26**). Dazu gehören zum Beispiel ein Restaurant eröffnen, als Anwalt arbeiten oder ein Geschäft betreiben. Auch die Vertragsfreiheit (das Recht, Verträge abzuschliessen, mit wem man will und zu welchen Bedingungen) ist Teil der Wirtschaftsfreiheit.\n\n**Grenzen des Schutzes:** Nicht geschützt sind Tätigkeiten ohne Erwerbscharakter. So entschied das Bundesgericht, dass Bettelei nicht unter Art. 27 BV fällt, weil keine berufsmässige Erwerbstätigkeit vorliegt (**BGE 134 I 214**, **BGE 149 I 248**). Ebenfalls umstritten ist die Konsumfreiheit (das Recht als Kunde zu kaufen, was man will): Das Bundesgericht lehnt deren Schutz durch Art. 27 BV ab, während Teile der Lehre wie Vallender und Biaggini dies kritisieren (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12).\n\n**Staatliche Einschränkungen:** Der Staat darf die Wirtschaftsfreiheit nur unter strengen Voraussetzungen einschränken. Nötig sind: eine gesetzliche Grundlage, ein öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und die Wahrung des Kerngehalts (→ Art. 36 BV). Zusätzlich muss der Staat wettbewerbsneutral handeln (↔ Art. 94 BV). Bewilligungspflichten für bestimmte Berufe sind grundsätzlich zulässig, müssen aber gerechtfertigt sein (**BGE 130 I 26**).\n\n**Staatliche Wirtschaftstätigkeit:** Wenn der Staat selbst wirtschaftlich tätig wird (z.B. eine staatliche Bank), muss er die Wettbewerbsneutralität wahren. Er darf private Unternehmen nicht unfair konkurrenzieren oder verdrängen (**BGE 138 I 378**). Bei Monopolen (ausschliesslichen Rechten des Staates) sind besonders strenge Anforderungen zu erfüllen.\n\n**Praktische Bedeutung:** Die Wirtschaftsfreiheit ist besonders wichtig bei Bewilligungsverfahren, Berufsreglementierungen und raumplanerischen Massnahmen. Sie schützt auch ausländische Personen und Unternehmen, die in der Schweiz tätig sind (**BGE 131 I 223**). Das Grundrecht begründet jedoch grundsätzlich keine Ansprüche auf staatliche Leistungen, sondern schützt vor staatlichen Eingriffen.", "doctrine_de": "# Art. 27 BV: Wirtschaftsfreiheit\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Wirtschaftsfreiheit als eigenständiges Grundrecht findet sich erstmals ausdrücklich in der Bundesverfassung von 1999. Zuvor wurde sie als ungeschriebenes Grundrecht aus der Handels- und Gewerbefreiheit (Art. 31 aBV) entwickelt. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betonte, dass mit Art. 27 BV die bisherige Rechtslage unter neuem Namen kodifiziert werden sollte: «Die Wirtschaftsfreiheit umfasst jede Form privatwirtschaftlicher Erwerbstätigkeit, also neben der Handels- und Gewerbefreiheit auch die Berufsfreiheit» (BBl 1997 I 171).\n\n**N. 2** Der Begriff «Wirtschaftsfreiheit» wurde bewusst weit gefasst. Er löste die traditionelle Terminologie der «Handels- und Gewerbefreiheit» ab, um alle Formen wirtschaftlicher Betätigung zu erfassen, einschliesslich moderner Dienstleistungen und freier Berufe (BBl 1997 I 171). Die explizite Nennung der Berufswahl in Abs. 2 sollte klarstellen, dass nicht nur die Berufsausübung, sondern bereits die Wahl des Berufs geschützt ist (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 2).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 27 BV steht im zweiten Titel der Bundesverfassung bei den Grundrechten. Diese systematische Stellung unterscheidet die individualrechtliche Wirtschaftsfreiheit vom institutionellen Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit in Art. 94 BV. Während Art. 27 BV ein subjektives Abwehrrecht des Einzelnen gegen staatliche Eingriffe gewährleistet, verpflichtet Art. 94 BV den Staat auf eine bestimmte Wirtschaftsordnung (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 3).\n\n**N. 4** Die Wirtschaftsfreiheit steht in engem Zusammenhang mit → Art. 26 BV (Eigentumsgarantie) und → Art. 22 BV (Versammlungsfreiheit, soweit wirtschaftliche Vereinigungen betroffen sind). Von der persönlichen Freiheit (→ Art. 10 BV) unterscheidet sie sich durch ihren spezifisch wirtschaftlichen Bezug. Mit → Art. 36 BV teilt sie die allgemeinen Schranken für Grundrechtseingriffe. Die Wettbewerbsneutralität des Staates ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Art. 27 und ↔ Art. 94 Abs. 4 BV.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Die Wirtschaftsfreiheit schützt jede privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit, die auf Gewinn oder Einkommen ausgerichtet ist (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 653). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts fallen hierunter berufsmässig ausgeübte Tätigkeiten mit Erwerbscharakter (**BGE 130 I 26 E. 4.1**). Geschützt sind drei Aspekte: die freie Wahl des Berufs, der freie Zugang zur Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2721).\n\n**N. 6** Vom Schutzbereich ausgeschlossen sind nach ständiger Rechtsprechung Tätigkeiten ohne Erwerbscharakter wie Bettelei (**BGE 134 I 214**). Umstritten ist die Einbeziehung der Konsumfreiheit: Das Bundesgericht lehnt deren Schutz durch Art. 27 BV ab, während Teile der Lehre dies kritisieren (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Ebenfalls kontrovers ist, ob rechtswidrige Tätigkeiten unter den Schutzbereich fallen. Uhlmann befürwortet dies, da die Rechtswidrigkeit erst auf Schrankenebene zu prüfen sei (BSK BV, Art. 27 N. 7).\n\n**N. 7** Die Vertragsfreiheit gilt als wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftsfreiheit (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 657). Sie umfasst die Freiheit, Verträge abzuschliessen (Abschlussfreiheit), den Vertragspartner zu wählen (Partnerwahlfreiheit) und den Vertragsinhalt zu bestimmen (Inhaltsfreiheit). Das Bundesgericht betont allerdings, dass die Wirtschaftsfreiheit keinen Anspruch auf Vertragsabschluss mit einem bestimmten Partner gewährleistet (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 10-15).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Als Abwehrrecht schützt die Wirtschaftsfreiheit primär vor staatlichen Eingriffen. Sie begründet grundsätzlich keine Leistungsansprüche gegen den Staat (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 1067). Eine Ausnahme bildet der Anspruch auf Benutzung des öffentlichen Grundes zu Erwerbszwecken, soweit dieser im Gemeingebrauch steht (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 72-80).\n\n**N. 9** Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheit müssen den Anforderungen von → Art. 36 BV genügen: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wahrung des Kerngehalts. Zusätzlich gilt das in ↔ Art. 94 Abs. 4 BV verankerte Gebot der Wettbewerbsneutralität. Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit sind nur durch Verfassungsbestimmungen des Bundes oder der Kantone mit Kompetenznorm zulässig (Biaggini, Kommentar BV, 2. Aufl. 2017, Art. 94 N. 14).\n\n**N. 10** Bei staatlicher Wirtschaftstätigkeit unterscheidet das Bundesgericht zwischen monopolistischer und wettbewerblicher Tätigkeit. Monopole bedürfen einer ausdrücklichen Rechtsgrundlage und müssen im öffentlichen Interesse liegen (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 56-59). Tritt der Staat als Wettbewerber auf, muss er die Wettbewerbsneutralität wahren und darf Private nicht verdrängen (**BGE 138 I 378 E. 8.1**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** Die Einbeziehung der **Konsumfreiheit** in den Schutzbereich ist umstritten. Das Bundesgericht verneint dies konstant mit der Begründung, der Konsument übe keine Erwerbstätigkeit aus (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Kritiker dieser Rechtsprechung argumentieren, die Konsumfreiheit sei notwendiger Teil einer funktionierenden Marktwirtschaft und müsse daher geschützt sein (Vallender, in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 27 N. 15; Biaggini, ius.full 2003, 89).\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird die **Grundrechtsberechtigung öffentlicher Unternehmen**. Das Bundesgericht bejaht diese bei wettbewerblicher Tätigkeit (**BGE 142 II 369 E. 4.1**). Teile der Lehre lehnen dies ab, da öffentliche Unternehmen keine schutzbedürftigen Freiheitspositionen hätten (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 43 N 12). Uhlmann differenziert nach dem Grad der Verselbständigung (BSK BV, Art. 27 N. 28-32).\n\n**N. 13** Die Reichweite der **staatlichen Wirtschaftstätigkeit** ist ebenfalls umstritten. Während Richli eine restriktive Handhabung fordert (Wirtschaftsverfassungsrecht, 2. Aufl. 2007, N 456), plädiert Uhlmann für eine liberalere Zulassung, sofern die Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt (Gewinnorientiertes Staatshandeln, 1997, S. 234 ff.). Das Bundesgericht folgt einem mittleren Weg mit dem vierstufigen Test: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wettbewerbsneutralität (**BGE 138 I 378**).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der **Prüfung von Grundrechtseingriffen** ist systematisch vorzugehen: Zuerst ist der persönliche und sachliche Schutzbereich zu klären. Sodann ist zu prüfen, ob ein Eingriff vorliegt. Schliesslich sind die Schranken nach Art. 36 BV sowie die besonderen Anforderungen der Wettbewerbsneutralität zu untersuchen. Bei berufsregelnden Massnahmen ist zwischen Marktzugangs- und Ausübungsregelungen zu unterscheiden, wobei erstere strengeren Anforderungen unterliegen (Müller/Schefer, S. 1078).\n\n**N. 15** Im **Bewilligungswesen** ist zu beachten, dass Bewilligungspflichten grundsätzlich Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit darstellen. Sie müssen daher den Anforderungen von Art. 36 BV genügen. Besonders streng sind die Anforderungen bei Bedürfnisklauseln und zahlenmässigen Beschränkungen. Diese sind nur zulässig, wenn sie durch überwiegende öffentliche Interessen gerechtfertigt sind und keine milderen Mittel zur Verfügung stehen (**BGE 130 I 26 E. 4.4**).\n\n**N. 16** Bei **raumplanerischen Massnahmen** mit wirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Verkaufsflächenbeschränkungen, Nutzungszonen) ist die Wirtschaftsfreiheit stets mitzuprüfen. Das Bundesgericht wendet hier den vierstufigen Prüfungsmassstab an und verlangt eine sorgfältige Interessenabwägung (**BGE 142 I 162**). Besondere Vorsicht ist bei faktischen Berufsverboten durch Zonenvorschriften geboten.\n\n**N. 17** Im **internationalen Kontext** ist zu berücksichtigen, dass sich auch ausländische natürliche und juristische Personen auf die Wirtschaftsfreiheit berufen können, soweit sie in der Schweiz wirtschaftlich tätig sind oder tätig werden wollen (**BGE 131 I 223**). Bei EU-Bürgern sind zusätzlich die Garantien des Freizügigkeitsabkommens zu beachten. Die EMRK kennt kein eigenständiges Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit, weshalb hier auf andere Garantien (insbesondere Art. 1 ZP 1 EMRK) ausgewichen werden muss.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Schutzbereich und Gewährleistungsinhalt\n\n**BGE 130 I 26**\n27. November 2003\nZulassungsstopp für Medizinalpersonal verletzt die Wirtschaftsfreiheit nicht, wenn er auf einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage beruht und verhältnismässig ist.\nDer Entscheid bestätigt, dass auch strukturelle Markteingriffe mit Art. 27 BV vereinbar sein können, wenn sie im öffentlichen Interesse stehen.\n\n> «Die Wirtschaftsfreiheit steht einer Zulassungsbeschränkung nicht entgegen, wenn diese auf gesetzlicher Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist. Die Kostendämpfung im Gesundheitswesen stellt ein gewichtiges öffentliches Interesse dar.»\n\n**BGE 134 I 214**\n9. Mai 2008\nBettelei fällt nicht unter den Schutz der Wirtschaftsfreiheit, da sie keine privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit darstellt.\nGrundsätzlicher Entscheid zur Abgrenzung des Schutzbereichs von Art. 27 BV gegenüber anderen Grundrechten.\n\n> «Die Ausübung der Bettelei wird durch Art. 27 BV nicht gewährleistet. Die Wirtschaftsfreiheit schützt privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeiten, die auf Produktion eines Gewinns oder Erwerbs ausgerichtet sind. Das blosse Erbitten von Almosen stellt keine solche Tätigkeit dar.»\n\n**BGE 149 I 248**\n2023\nAktualisierung der Rechtsprechung zu Bettelverboten — Bettelei bleibt ausserhalb des Schutzbereichs von Art. 27 BV.\nDas Bundesgericht bekräftigt seine ständige Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Wirtschaftsfreiheit und persönlicher Freiheit.\n\n> «Auf die Rechtsprechung, dass Betteln nicht unter den Schutz der Meinungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit fällt, ist im vorliegenden Zusammenhang nicht zurückzukommen.»\n\n### Staatliche Wirtschaftstätigkeit und Wettbewerbsneutralität\n\n**BGE 138 I 378**\n3. Juli 2012\nGrundsätze für zulässige unternehmerische Staatstätigkeit: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wettbewerbsneutralität.\nWegweisender Entscheid zur Vereinbarkeit staatlicher Konkurrenz mit Art. 27 i.V.m. Art. 94 BV.\n\n> «Mit dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 Abs. 4 BV) ist eine unternehmerische Tätigkeit des Staates vereinbar, sofern eine formell-gesetzliche Grundlage besteht, die Tätigkeit im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist und der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt.»\n\n**BGE 143 II 425**\n22. Mai 2017\nWettbewerbsneutrales Verhalten staatlicher Anbieter im öffentlichen Beschaffungswesen ist Voraussetzung für die Vereinbarkeit mit Art. 27 BV.\nDer Entscheid konkretisiert die Anforderungen an staatliche Marktteilnehmer in Konkurrenzverhältnissen.\n\n> «Ein Verstoss gegen den Grundsatz der Wettbewerbsneutralität liegt vor, wenn ein staatliches Unternehmen Wettbewerbsvorteile erhält, die einem privaten Unternehmen nicht zur Verfügung stehen.»\n\n### Raumplanung und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 128 I 3**\n13. November 2001\nPlakatmonopole auf privatem Grund stellen einen unverhältnismässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar.\nPraxisänderung zur Vereinbarkeit monopolistischer Regelungen mit Art. 27 BV.\n\n> «Anders als ein faktisches Monopol für den Plakataushang auf öffentlichem Grund stellt ein rechtliches Plakatmonopol, soweit es privaten Grund erfasst, einen unverhältnismässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar; eine Bewilligungspflicht, verbunden mit entsprechenden Sachnormen, genügt zur Durchsetzung der massgeblichen öffentlichen Interessen.»\n\n**BGE 142 I 162**\n9. November 2016\nRaumplanerische Massnahmen können mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar sein, wenn sie auf gesetzlicher Grundlage beruhen und verhältnismässig sind.\nBestätigung der etablierten Praxis zur Vereinbarkeit von Zonenplänen mit Art. 27 BV.\n\n> «Raumplanerische Massnahmen sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage beruhen, durch ein überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sind sowie die Gleichbehandlung der Konkurrenten gewährleisten.»\n\n### Berufsausübung und Berufszugang\n\n**BGE 141 I 124**\n2. März 2015\nDie amtliche Verteidigung fällt nicht in den Geltungsbereich von Art. 27 BV, da sie eine staatliche Aufgabe erfüllt.\nGrundsätzlicher Entscheid zur Abgrenzung zwischen staatlichen und privatwirtschaftlichen Tätigkeiten.\n\n> «Die amtliche Verteidigung erfüllt eine staatliche Aufgabe und fällt nicht in den Geltungsbereich von Art. 27 BV. Sie wird nach dem Anwaltstarif des Bundes oder desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde.»\n\n**BGE 131 I 223**\n10. Dezember 2004\nVerbot der Vereinbarung und Vermittlung von Prozessfinanzierungen ist mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar.\nDer Entscheid zeigt die Grenzen der Wirtschaftsfreiheit bei Tätigkeiten auf, die andere Rechtsgüter gefährden.\n\n> «Das eidgenössische Anwaltsgesetz (BGFA) regelt die Berufsausübung der Rechtsanwälte abschliessend. Tätigkeiten, die mit der ordnungsgemässen Rechtspflege unvereinbar sind, fallen nicht unter den Schutz der Wirtschaftsfreiheit.»\n\n### Gleichbehandlung und Wettbewerb\n\n**BGE 128 II 292**\n16. Juli 2002\nDie Zuweisung von Einsatzgebieten an einzelne Betreiber von Helikopterflugfeldern verletzt das Gebot der Gleichbehandlung von Konkurrenten.\nDer Entscheid konkretisiert das aus Art. 27 BV fliessende Prinzip der Wettbewerbsfreiheit.\n\n> «Die Zuweisung von Einsatzgebieten an einen einzigen oder wenige einzelne Betreiber von Helikopterflugfeldern ist mit den Geboten der Verhältnismässigkeit und der Gleichbehandlung von Konkurrenten unvereinbar.»\n\n### Passivrauchen und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 136 I 17**\n23. November 2009\nRauchverbote in Gaststätten sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie dem Gesundheitsschutz dienen und verhältnismässig sind.\nDer Entscheid zeigt die Rechtfertigung von Eingriffen in die Wirtschaftsfreiheit durch überwiegende öffentliche Interessen.\n\n> «Dass die bernische Gesetzesordnung zum Schutz vor Passivrauchen keine Sonderregelung für den Konsum von Wasserpfeifen in Gaststätten vorsieht, verstösst nicht gegen Verfassungsrecht, insbesondere nicht gegen die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n### Hundezucht und Sicherheitsrecht\n\n**BGE 136 I 1**\n13. Januar 2010\nZucht- und Haltungsverbote für bestimmte Hunderassen sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie sicherheitspolizeilich motiviert sind.\nDer Entscheid zeigt die Grenzen der Wirtschaftsfreiheit bei Tätigkeiten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial.\n\n> «Einschränkungen der freien Ausübung einer Erwerbstätigkeit sind verfassungsrechtlich zulässig, wenn sie sich auf eine ausreichende gesetzliche Grundlage stützen, im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sind und den Wesensgehalt der Wirtschaftsfreiheit nicht antasten.»\n\n### Handelsfreiheit und kommunale Monopole\n\n**BGE 126 I 133**\n7. Juni 2000\nDie Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdreklame bei der Bewilligung von Werbemassnahmen muss sachlich gerechtfertigt sein.\nDer Entscheid konkretisiert das Willkürverbot im Bereich der Wirtschaftsfreiheit.\n\n> «Wer entgeltliche Leistungen vertreiben will und das damit allenfalls verbundene Missionierungsziel gegenüber dem anvisierten Publikum nicht klar zu erkennen gibt, muss in Kauf nehmen, dass seine Werbeaktionen nicht unter dem Gesichtspunkt der Religionsfreiheit privilegiert werden.»\n\n### Wasserwirtschaft und Konzessionswesen\n\n**BGE 142 I 99**\n31. März 2016\nKonzessionssysteme für Wassernutzung sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie transparente und objektive Vergabekriterien enthalten.\nDer Entscheid bestätigt die Zulässigkeit staatlicher Lenkung bei der Nutzung öffentlicher Güter.\n\n> «Die revidierten Bestimmungen zur Sondernutzungskonzession nach dem Wassernutzungsrecht des Kantons Uri, insbesondere zur Konkurrenzsituation bei der Verleihung der Konzession, sind bundesrechtlich nicht zu beanstanden.»\n\n### Heilmittelrecht und Fachinformationen\n\n**BGE 136 I 184**\n18. Januar 2010\nBehördliche Anordnungen zur Änderung von Arzneimittel-Fachinformationen greifen in die Wirtschaftsfreiheit der Hersteller ein, sind aber gerechtfertigt, wenn sie dem Gesundheitsschutz dienen.\nDer Entscheid zeigt die Rechtfertigung von Eingriffen durch gewichtige öffentliche Interessen im Gesundheitswesen.\n\n> «Die Änderung der Fachinformation für ein Arzneimittel durch die Swissmedic stellt einen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit des Herstellers dar, ist aber durch das überwiegende öffentliche Interesse am Gesundheitsschutz gerechtfertigt.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 27 Cst. protège la liberté économique en tant que droit fondamental autonome. Celle-ci comprend trois domaines principaux : le libre choix de la profession, le libre accès à une activité économique privée et le libre exercice de cette activité. La liberté économique s'applique à toute personne qui souhaite exercer une activité lucrative en Suisse.\n\n**Activités protégées :** La liberté économique protège toute activité économique privée exercée de manière professionnelle et orientée vers le profit ou le revenu (**ATF 130 I 26**). Cela comprend par exemple l'ouverture d'un restaurant, le travail en tant qu'avocat ou l'exploitation d'un commerce. La liberté contractuelle (le droit de conclure des contrats avec qui l'on veut et aux conditions souhaitées) fait également partie de la liberté économique.\n\n**Limites de la protection :** Les activités sans caractère lucratif ne sont pas protégées. Ainsi, le Tribunal fédéral a décidé que la mendicité ne relève pas de l'art. 27 Cst., car il n'y a pas d'activité lucrative professionnelle (**ATF 134 I 214**, **ATF 149 I 248**). La liberté de consommation (le droit d'acheter en tant que client ce que l'on veut) est également controversée : le Tribunal fédéral refuse sa protection par l'art. 27 Cst., tandis que certains auteurs comme Vallender et Biaggini critiquent cette position (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 n. 12).\n\n**Restrictions étatiques :** L'État ne peut restreindre la liberté économique que sous des conditions strictes. Il faut : une base légale, un intérêt public, la proportionnalité et le respect du noyau dur (→ art. 36 Cst.). En outre, l'État doit agir de manière neutre sur le plan concurrentiel (↔ art. 94 Cst.). Les obligations d'autorisation pour certaines professions sont en principe admissibles, mais doivent être justifiées (**ATF 130 I 26**).\n\n**Activité économique étatique :** Lorsque l'État exerce lui-même une activité économique (p. ex. une banque d'État), il doit respecter la neutralité concurrentielle. Il ne peut pas concurrencer de manière déloyale les entreprises privées ou les évincer (**ATF 138 I 378**). En cas de monopoles (droits exclusifs de l'État), des exigences particulièrement strictes doivent être remplies.\n\n**Signification pratique :** La liberté économique revêt une importance particulière dans les procédures d'autorisation, les réglementations professionnelles et les mesures d'aménagement du territoire. Elle protège également les personnes et entreprises étrangères qui exercent une activité en Suisse (**ATF 131 I 223**). Ce droit fondamental ne fonde toutefois en principe aucun droit à des prestations étatiques, mais protège contre les interventions de l'État.", "doctrine_fr": "# Art. 27 Cst. : Liberté économique\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La liberté économique en tant que droit fondamental autonome figure pour la première fois expressément dans la Constitution fédérale de 1999. Auparavant, elle était développée comme droit fondamental non écrit à partir de la liberté du commerce et de l'industrie (art. 31 aCst). Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) soulignait qu'avec l'art. 27 Cst., l'état du droit existant devait être codifié sous un nouveau nom : « La liberté économique englobe toute forme d'activité lucrative de droit privé, donc outre la liberté du commerce et de l'industrie également la liberté professionnelle » (FF 1997 I 155).\n\n**N. 2** Le concept de « liberté économique » a été volontairement conçu de manière large. Il a remplacé la terminologie traditionnelle de « liberté du commerce et de l'industrie » pour saisir toutes les formes d'activité économique, y compris les services modernes et les professions libérales (FF 1997 I 155). La mention explicite du choix de la profession à l'al. 2 devait clarifier que non seulement l'exercice de la profession, mais déjà le choix de celle-ci est protégé (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 2).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 27 Cst. figure dans le deuxième titre de la Constitution fédérale parmi les droits fondamentaux. Cette position systématique distingue la liberté économique de droit individuel du principe institutionnel de la liberté économique de l'art. 94 Cst. Tandis que l'art. 27 Cst. garantit un droit subjectif de défense de l'individu contre les interventions étatiques, l'art. 94 Cst. oblige l'État à suivre un certain ordre économique (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 3).\n\n**N. 4** La liberté économique est étroitement liée à → l'art. 26 Cst. (garantie de la propriété) et à → l'art. 22 Cst. (liberté de réunion, pour autant que des associations économiques soient concernées). Elle se distingue de la liberté personnelle (→ art. 10 Cst.) par sa référence spécifiquement économique. Elle partage avec → l'art. 36 Cst. les restrictions générales des atteintes aux droits fondamentaux. La neutralité concurrentielle de l'État résulte de l'interaction entre les art. 27 et ↔ art. 94 al. 4 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** La liberté économique protège toute activité lucrative de droit privé orientée vers le profit ou le revenu (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 653). Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, cela comprend les activités exercées professionnellement avec un caractère lucratif (**ATF 130 I 26 consid. 4.1**). Trois aspects sont protégés : le libre choix de la profession, le libre accès à l'activité lucrative et son libre exercice (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2721).\n\n**N. 6** Selon la jurisprudence constante, sont exclues du champ de protection les activités sans caractère lucratif comme la mendicité (**ATF 134 I 214**). L'inclusion de la liberté de consommation est controversée : le Tribunal fédéral refuse sa protection par l'art. 27 Cst., tandis que des parties de la doctrine critiquent cela (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Il est également controversé de savoir si les activités illicites relèvent du champ de protection. Uhlmann le préconise, car l'illicéité ne doit être examinée qu'au niveau des restrictions (BSK BV, Art. 27 N. 7).\n\n**N. 7** La liberté contractuelle vaut comme composante essentielle de la liberté économique (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 657). Elle comprend la liberté de conclure des contrats (liberté de conclusion), de choisir le cocontractant (liberté de choix du partenaire) et de déterminer le contenu contractuel (liberté de contenu). Le Tribunal fédéral souligne cependant que la liberté économique ne garantit aucun droit à la conclusion de contrat avec un partenaire déterminé (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 10-15).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** En tant que droit de défense, la liberté économique protège principalement contre les interventions étatiques. Elle ne fonde en principe aucun droit à prestation contre l'État (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 1067). Une exception constitue le droit à l'usage du domaine public à des fins lucratives, pour autant qu'il soit soumis à l'usage commun (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 72-80).\n\n**N. 9** Les restrictions à la liberté économique doivent satisfaire aux exigences de → l'art. 36 Cst. : base légale, intérêt public, proportionnalité et respect du noyau intangible. S'y ajoute le principe de neutralité concurrentielle ancré dans ↔ l'art. 94 al. 4 Cst. Les dérogations au principe de liberté économique ne sont admissibles que par des dispositions constitutionnelles de la Confédération ou des cantons avec norme de compétence (Biaggini, Kommentar BV, 2e éd. 2017, Art. 94 N. 14).\n\n**N. 10** En cas d'activité économique étatique, le Tribunal fédéral distingue entre activité monopolistique et activité concurrentielle. Les monopoles requièrent une base légale expresse et doivent être dans l'intérêt public (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 56-59). Lorsque l'État agit en tant que concurrent, il doit respecter la neutralité concurrentielle et ne peut pas évincer les privés (**ATF 138 I 378 consid. 8.1**).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 11** L'inclusion de la **liberté de consommation** dans le champ de protection est controversée. Le Tribunal fédéral la nie constamment avec l'argument que le consommateur n'exerce aucune activité lucrative (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Les critiques de cette jurisprudence argumentent que la liberté de consommation est une partie nécessaire d'une économie de marché fonctionnelle et doit donc être protégée (Vallender, in : St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, Art. 27 N. 15 ; Biaggini, ius.full 2003, 89).\n\n**N. 12** Le **droit aux droits fondamentaux des entreprises publiques** est discuté de manière controversée. Le Tribunal fédéral l'affirme en cas d'activité concurrentielle (**ATF 142 II 369 consid. 4.1**). Des parties de la doctrine le rejettent, car les entreprises publiques n'auraient aucune position de liberté nécessitant protection (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 43 N 12). Uhlmann différencie selon le degré d'autonomisation (BSK BV, Art. 27 N. 28-32).\n\n**N. 13** La portée de l'**activité économique étatique** est également controversée. Tandis que Richli demande une manipulation restrictive (Wirtschaftsverfassungsrecht, 2e éd. 2007, N 456), Uhlmann plaide pour une admission plus libérale, pour autant que la neutralité concurrentielle soit respectée (Gewinnorientiertes Staatshandeln, 1997, p. 234 ss.). Le Tribunal fédéral suit une voie médiane avec le test à quatre niveaux : base légale, intérêt public, proportionnalité et neutralité concurrentielle (**ATF 138 I 378**).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de l'**examen d'atteintes aux droits fondamentaux**, il faut procéder systématiquement : d'abord clarifier le champ de protection personnel et matériel. Ensuite examiner s'il y a une atteinte. Finalement examiner les restrictions selon l'art. 36 Cst. ainsi que les exigences particulières de la neutralité concurrentielle. Pour les mesures réglementant les professions, il faut distinguer entre réglementations d'accès au marché et d'exercice, les premières étant soumises à des exigences plus strictes (Müller/Schefer, p. 1078).\n\n**N. 15** Dans le **système d'autorisation**, il faut noter que les obligations d'autorisation représentent en principe des atteintes à la liberté économique. Elles doivent donc satisfaire aux exigences de l'art. 36 Cst. Les exigences sont particulièrement strictes pour les clauses du besoin et les restrictions numériques. Celles-ci ne sont admissibles que si elles sont justifiées par des intérêts publics prépondérants et qu'aucun moyen plus doux n'est disponible (**ATF 130 I 26 consid. 4.4**).\n\n**N. 16** Pour les **mesures d'aménagement du territoire** avec des effets économiques (p. ex. restrictions de surfaces de vente, zones d'affectation), la liberté économique doit toujours être co-examinée. Le Tribunal fédéral applique ici l'étalon d'examen à quatre niveaux et exige une pesée soigneuse des intérêts (**ATF 142 I 162**). Une prudence particulière s'impose en cas d'interdictions professionnelles de facto par des prescriptions de zone.\n\n**N. 17** Dans le **contexte international**, il faut tenir compte du fait que les personnes physiques et morales étrangères peuvent aussi se prévaloir de la liberté économique, pour autant qu'elles soient économiquement actives en Suisse ou veuillent le devenir (**ATF 131 I 223**). Pour les citoyens de l'UE, les garanties de l'accord sur la libre circulation des personnes doivent en outre être respectées. La CEDH ne connaît pas de droit fondamental autonome de la liberté économique, raison pour laquelle il faut recourir ici à d'autres garanties (notamment art. 1 Prot. add. 1 CEDH).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Champ de protection et contenu de la garantie\n\n**ATF 130 I 26**\n27 novembre 2003\nUn moratoire d'admission pour le personnel médical ne viole pas la liberté économique s'il repose sur une base légale suffisante et est proportionnel.\nL'arrêt confirme que même des interventions structurelles sur le marché peuvent être compatibles avec l'art. 27 Cst. si elles servent l'intérêt public.\n\n> « La liberté économique ne s'oppose pas à une limitation d'admission si celle-ci repose sur une base légale, sert l'intérêt public et est proportionnelle. La maîtrise des coûts dans le domaine de la santé constitue un intérêt public important. »\n\n**ATF 134 I 214**\n9 mai 2008\nLa mendicité ne relève pas de la protection de la liberté économique car elle ne constitue pas une activité lucrative d'économie privée.\nArrêt de principe sur la délimitation du champ de protection de l'art. 27 Cst. par rapport à d'autres droits fondamentaux.\n\n> « L'exercice de la mendicité n'est pas garanti par l'art. 27 Cst. La liberté économique protège les activités lucratives d'économie privée qui visent la production d'un gain ou d'un revenu. Le simple fait de quémander l'aumône ne constitue pas une telle activité. »\n\n**ATF 149 I 248**\n2023\nActualisation de la jurisprudence sur les interdictions de mendier — la mendicité demeure en dehors du champ de protection de l'art. 27 Cst.\nLe Tribunal fédéral réaffirme sa jurisprudence constante sur la délimitation entre liberté économique et liberté personnelle.\n\n> « Il n'y a pas lieu de revenir dans le présent contexte sur la jurisprudence selon laquelle mendier ne relève pas de la protection de la liberté d'expression et de la liberté économique. »\n\n### Activité économique de l'État et neutralité concurrentielle\n\n**ATF 138 I 378**\n3 juillet 2012\nPrincipes pour une activité entrepreneuriale licite de l'État : base légale, intérêt public, proportionnalité et neutralité concurrentielle.\nArrêt de référence sur la compatibilité de la concurrence étatique avec les art. 27 et 94 Cst.\n\n> « Une activité entrepreneuriale de l'État est compatible avec le principe de la liberté économique (art. 94 al. 4 Cst.) pour autant qu'il existe une base légale formelle, que l'activité serve l'intérêt public et soit proportionnelle et que le principe de neutralité concurrentielle soit respecté. »\n\n**ATF 143 II 425**\n22 mai 2017\nUn comportement neutre sur le plan concurrentiel des offreurs étatiques dans les marchés publics est une condition de compatibilité avec l'art. 27 Cst.\nL'arrêt concrétise les exigences posées aux acteurs étatiques du marché dans les rapports de concurrence.\n\n> « Il y a violation du principe de neutralité concurrentielle lorsqu'une entreprise étatique obtient des avantages concurrentiels qui ne sont pas à la disposition d'une entreprise privée. »\n\n### Aménagement du territoire et liberté économique\n\n**ATF 128 I 3**\n13 novembre 2001\nLes monopoles d'affichage sur terrain privé constituent une atteinte disproportionnée à la liberté économique.\nChangement de pratique sur la compatibilité des réglementations monopolistiques avec l'art. 27 Cst.\n\n> « Contrairement à un monopole de fait pour l'affichage sur terrain public, un monopole légal d'affichage, dans la mesure où il porte sur un terrain privé, constitue une atteinte disproportionnée à la liberté économique ; une obligation d'autorisation, liée aux normes matérielles correspondantes, suffit pour faire valoir les intérêts publics déterminants. »\n\n**ATF 142 I 162**\n9 novembre 2016\nLes mesures d'aménagement du territoire peuvent être compatibles avec la liberté économique si elles reposent sur une base légale et sont proportionnelles.\nConfirmation de la pratique établie sur la compatibilité des plans de zones avec l'art. 27 Cst.\n\n> « Les mesures d'aménagement du territoire sont compatibles avec la liberté économique si elles reposent sur une base légale suffisante, sont justifiées par un intérêt public prépondérant et proportionnelles et garantissent l'égalité de traitement des concurrents. »\n\n### Exercice et accès à la profession\n\n**ATF 141 I 124**\n2 mars 2015\nLa défense d'office ne relève pas du champ d'application de l'art. 27 Cst. car elle remplit une tâche étatique.\nArrêt de principe sur la délimitation entre activités étatiques et d'économie privée.\n\n> « La défense d'office remplit une tâche étatique et ne relève pas du champ d'application de l'art. 27 Cst. Elle est indemnisée selon le tarif des avocats de la Confédération ou de celui du canton dans lequel la procédure pénale a été menée. »\n\n**ATF 131 I 223**\n10 décembre 2004\nL'interdiction de convenir et d'intermédiaire pour le financement de procès est compatible avec la liberté économique.\nL'arrêt montre les limites de la liberté économique pour les activités qui mettent en danger d'autres biens juridiques.\n\n> « La loi fédérale sur la profession d'avocat (LLCA) règle de manière exhaustive l'exercice de la profession d'avocat. Les activités incompatibles avec une justice ordonnée ne relèvent pas de la protection de la liberté économique. »\n\n### Égalité de traitement et concurrence\n\n**ATF 128 II 292**\n16 juillet 2002\nL'attribution de zones d'intervention à des exploitants individuels d'héliports viole le principe d'égalité de traitement des concurrents.\nL'arrêt concrétise le principe de liberté de concurrence découlant de l'art. 27 Cst.\n\n> « L'attribution de zones d'intervention à un seul ou à quelques exploitants individuels d'héliports est incompatible avec les principes de proportionnalité et d'égalité de traitement des concurrents. »\n\n### Tabagisme passif et liberté économique\n\n**ATF 136 I 17**\n23 novembre 2009\nLes interdictions de fumer dans les établissements de restauration sont compatibles avec la liberté économique si elles servent la protection de la santé et sont proportionnelles.\nL'arrêt montre la justification d'atteintes à la liberté économique par des intérêts publics prépondérants.\n\n> « Le fait que l'ordre juridique bernois pour la protection contre le tabagisme passif ne prévoie pas de réglementation spéciale pour la consommation de pipes à eau dans les établissements de restauration ne viole pas le droit constitutionnel, en particulier pas la liberté économique. »\n\n### Élevage de chiens et droit de sécurité\n\n**ATF 136 I 1**\n13 janvier 2010\nLes interdictions d'élevage et de détention pour certaines races de chiens sont compatibles avec la liberté économique si elles sont motivées par la police de sécurité.\nL'arrêt montre les limites de la liberté économique pour les activités présentant un potentiel de danger accru.\n\n> « Les restrictions au libre exercice d'une activité lucrative sont admissibles au regard du droit constitutionnel si elles s'appuient sur une base légale suffisante, servent l'intérêt public, sont proportionnelles et ne portent pas atteinte au contenu essentiel de la liberté économique. »\n\n### Liberté commerciale et monopoles communaux\n\n**ATF 126 I 133**\n7 juin 2000\nLa distinction entre publicité propre et publicité pour des tiers lors de l'octroi d'autorisations pour des mesures publicitaires doit être objectivement justifiée.\nL'arrêt concrétise l'interdiction de l'arbitraire dans le domaine de la liberté économique.\n\n> « Quiconque veut distribuer des prestations rémunérées et ne fait pas clairement reconnaître au public visé l'objectif missionnaire éventuellement lié à cette démarche doit accepter que ses actions publicitaires ne soient pas privilégiées du point de vue de la liberté religieuse. »\n\n### Économie des eaux et système de concessions\n\n**ATF 142 I 99**\n31 mars 2016\nLes systèmes de concessions pour l'utilisation des eaux sont compatibles avec la liberté économique s'ils contiennent des critères d'attribution transparents et objectifs.\nL'arrêt confirme la licéité du pilotage étatique lors de l'utilisation de biens publics.\n\n> « Les dispositions révisées sur la concession d'usage spécial selon le droit d'utilisation des eaux du canton d'Uri, notamment sur la situation de concurrence lors de l'octroi de la concession, ne sont pas critiquables au regard du droit fédéral. »\n\n### Droit des médicaments et informations professionnelles\n\n**ATF 136 I 184**\n18 janvier 2010\nLes injonctions des autorités de modifier les informations professionnelles sur les médicaments portent atteinte à la liberté économique des fabricants, mais sont justifiées si elles servent la protection de la santé.\nL'arrêt montre la justification d'atteintes par des intérêts publics importants dans le domaine de la santé.\n\n> « La modification de l'information professionnelle pour un médicament par Swissmedic constitue une atteinte à la liberté économique du fabricant, mais est justifiée par l'intérêt public prépondérant à la protection de la santé. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 27 Cost. tutela la libertà economica come diritto fondamentale autonomo. Questa comprende tre settori principali: la libera scelta della professione, il libero accesso a un'attività lucrativa privata e il suo libero esercizio. La libertà economica vale per tutte le persone che vogliono esercitare un'attività lucrativa in Svizzera.\n\n**Attività protette:** La libertà economica tutela ogni attività economica privata esercitata professionalmente e orientata al profitto o al reddito (**BGE 130 I 26**). Vi appartengono ad esempio aprire un ristorante, lavorare come avvocato o gestire un'impresa. Anche la libertà contrattuale (il diritto di concludere contratti con chi si vuole e a quali condizioni) fa parte della libertà economica.\n\n**Limiti della tutela:** Non sono protette le attività prive di carattere lucrativo. Così il Tribunale federale ha stabilito che l'accattonaggio non rientra nell'art. 27 Cost., poiché non sussiste un'attività lucrativa professionale (**BGE 134 I 214**, **BGE 149 I 248**). È pure controversa la libertà di consumo (il diritto come cliente di comprare ciò che si vuole): il Tribunale federale rifiuta la sua tutela tramite l'art. 27 Cost., mentre parti della dottrina come Vallender e Biaggini criticano ciò (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12).\n\n**Limitazioni statali:** Lo Stato può limitare la libertà economica solo sotto severe condizioni. Necessari sono: una base legale, un interesse pubblico, la proporzionalità e la salvaguardia del nucleo essenziale (→ art. 36 Cost.). Inoltre lo Stato deve agire in modo neutrale rispetto alla concorrenza (↔ art. 94 Cost.). Gli obblighi di autorizzazione per determinate professioni sono in linea di principio ammissibili, ma devono essere giustificati (**BGE 130 I 26**).\n\n**Attività economica statale:** Quando lo Stato stesso è attivo economicamente (p.es. una banca statale), deve rispettare la neutralità concorrenziale. Non può fare concorrenza sleale alle imprese private o soppiantarle (**BGE 138 I 378**). Nel caso di monopoli (diritti esclusivi dello Stato) devono essere soddisfatti requisiti particolarmente severi.\n\n**Significato pratico:** La libertà economica è particolarmente importante nelle procedure di autorizzazione, nelle regolamentazioni professionali e nelle misure di pianificazione del territorio. Tutela anche le persone straniere e le imprese attive in Svizzera (**BGE 131 I 223**). Il diritto fondamentale tuttavia non fonda in linea di principio pretese a prestazioni statali, ma protegge dagli interventi statali.", "doctrine_it": "# Art. 27 Cost.: Libertà economica\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** La libertà economica come diritto fondamentale autonomo appare esplicitamente per la prima volta nella Costituzione federale del 1999. In precedenza era sviluppata come diritto fondamentale non scritto dalla libertà di commercio e industria (art. 31 aCost.). Il Messaggio per la nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolineava che con l'art. 27 Cost. si intendeva codificare lo stato giuridico precedente sotto una nuova denominazione: «La libertà economica comprende ogni forma di attività lucrativa privata, quindi oltre alla libertà di commercio e industria anche la libertà professionale» (FF 1997 I 171).\n\n**N. 2** Il concetto di «libertà economica» fu deliberatamente formulato in senso ampio. Sostituì la terminologia tradizionale della «libertà di commercio e industria» per comprendere tutte le forme di attività economica, inclusi i servizi moderni e le professioni liberali (FF 1997 I 171). La menzione esplicita della scelta professionale nell'cpv. 2 doveva chiarire che non è protetta solo l'esercizio della professione, ma già la scelta della professione (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 2).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 27 Cost. si trova nel secondo titolo della Costituzione federale sui diritti fondamentali. Questa collocazione sistematica distingue la libertà economica di diritto individuale dal principio istituzionale della libertà economica dell'art. 94 Cost. Mentre l'art. 27 Cost. garantisce un diritto soggettivo di difesa dell'individuo contro gli interventi statali, l'art. 94 Cost. obbliga lo Stato a un determinato ordinamento economico (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 3).\n\n**N. 4** La libertà economica è strettamente collegata all'→ art. 26 Cost. (garanzia della proprietà) e all'→ art. 22 Cost. (libertà di riunione, per quanto riguardano le associazioni economiche). Si distingue dalla libertà personale (→ art. 10 Cost.) per il suo riferimento specificamente economico. Con l'→ art. 36 Cost. condivide i limiti generali per gli interventi sui diritti fondamentali. La neutralità concorrenziale dello Stato risulta dall'interazione tra l'art. 27 e l'↔ art. 94 cpv. 4 Cost.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 5** La libertà economica protegge ogni attività lucrativa privata orientata al profitto o al reddito (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 653). Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale ne fanno parte le attività esercitate professionalmente con carattere lucrativo (**DTF 130 I 26 consid. 4.1**). Sono protetti tre aspetti: la libera scelta della professione, il libero accesso all'attività lucrativa e il loro libero esercizio (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2721).\n\n**N. 6** Dall'ambito di protezione sono escluse secondo giurisprudenza costante le attività senza carattere lucrativo come l'accattonaggio (**DTF 134 I 214**). È controversa l'inclusione della libertà di consumo: il Tribunale federale rifiuta la sua protezione mediante l'art. 27 Cost., mentre parti della dottrina criticano ciò (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). È pure controverso se le attività illecite rientrino nell'ambito di protezione. Uhlmann lo sostiene, poiché l'illiceità deve essere esaminata solo a livello di limiti (BSK BV, Art. 27 N. 7).\n\n**N. 7** La libertà contrattuale vale come componente essenziale della libertà economica (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 657). Comprende la libertà di concludere contratti (libertà di conclusione), di scegliere il contraente (libertà di scelta del partner) e di determinare il contenuto contrattuale (libertà di contenuto). Il Tribunale federale sottolinea tuttavia che la libertà economica non garantisce alcun diritto alla conclusione di contratti con un determinato partner (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 10-15).\n\n### 4. Effetti giuridici\n\n**N. 8** Come diritto di difesa, la libertà economica protegge principalmente dagli interventi statali. Non fonda in principio alcun diritto a prestazioni nei confronti dello Stato (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 1067). Un'eccezione costituisce il diritto all'uso del suolo pubblico a scopi lucrativi, per quanto questo sia in uso comune (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 72-80).\n\n**N. 9** Le limitazioni della libertà economica devono soddisfare i requisiti dell'→ art. 36 Cost.: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e rispetto del contenuto essenziale. In aggiunta vale il precetto di neutralità concorrenziale ancorato nell'↔ art. 94 cpv. 4 Cost. Deroghe al principio della libertà economica sono ammissibili solo mediante disposizioni costituzionali della Confederazione o dei Cantoni con norma di competenza (Biaggini, Kommentar BV, 2. Aufl. 2017, Art. 94 N. 14).\n\n**N. 10** In caso di attività economica statale il Tribunale federale distingue tra attività monopolistica e concorrenziale. I monopoli richiedono una base giuridica esplicita e devono essere nell'interesse pubblico (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 56-59). Se lo Stato si presenta come concorrente, deve rispettare la neutralità concorrenziale e non può soppiantare i privati (**DTF 138 I 378 consid. 8.1**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** L'inclusione della **libertà di consumo** nell'ambito di protezione è controversa. Il Tribunale federale la nega costantemente con la motivazione che il consumatore non esercita alcuna attività lucrativa (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). I critici di questa giurisprudenza argomentano che la libertà di consumo è parte necessaria di un'economia di mercato funzionante e deve perciò essere protetta (Vallender, in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 27 N. 15; Biaggini, ius.full 2003, 89).\n\n**N. 12** È discussa in modo controverso la **legittimazione ai diritti fondamentali delle imprese pubbliche**. Il Tribunale federale la afferma per l'attività concorrenziale (**DTF 142 II 369 consid. 4.1**). Parti della dottrina la rifiutano, poiché le imprese pubbliche non avrebbero posizioni di libertà bisognose di protezione (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 43 N 12). Uhlmann differenzia secondo il grado di autonomizzazione (BSK BV, Art. 27 N. 28-32).\n\n**N. 13** È pure controversa la portata dell'**attività economica statale**. Mentre Richli richiede una gestione restrittiva (Wirtschaftsverfassungsrecht, 2. Aufl. 2007, N 456), Uhlmann propugna un'ammissione più liberale, purché sia rispettata la neutralità concorrenziale (Gewinnorientiertes Staatshandeln, 1997, S. 234 ss.). Il Tribunale federale segue una via di mezzo con il test a quattro livelli: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e neutralità concorrenziale (**DTF 138 I 378**).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nell'**esame degli interventi sui diritti fondamentali** si deve procedere sistematicamente: prima si deve chiarire l'ambito di protezione personale e materiale. Poi si deve esaminare se sussiste un intervento. Infine si devono esaminare i limiti secondo l'art. 36 Cost. nonché i requisiti speciali della neutralità concorrenziale. Per le misure che regolano le professioni si deve distinguere tra regolamentazioni dell'accesso al mercato e dell'esercizio, dove le prime sottostanno a requisiti più severi (Müller/Schefer, S. 1078).\n\n**N. 15** Nel **sistema delle autorizzazioni** si deve tener conto che gli obblighi di autorizzazione costituiscono in principio interventi nella libertà economica. Devono perciò soddisfare i requisiti dell'art. 36 Cost. Particolarmente severi sono i requisiti per le clausole del bisogno e le limitazioni numeriche. Queste sono ammissibili solo se giustificate da interessi pubblici preponderanti e se non sono disponibili mezzi più miti (**DTF 130 I 26 consid. 4.4**).\n\n**N. 16** Per le **misure di pianificazione territoriale** con effetti economici (p.es. limitazioni delle superfici di vendita, zone d'utilizzazione) la libertà economica deve sempre essere coesaminata. Il Tribunale federale applica qui il criterio d'esame a quattro livelli e richiede un'accurata ponderazione degli interessi (**DTF 142 I 162**). Particolare cautela è richiesta per i divieti professionali di fatto mediante prescrizioni zonali.\n\n**N. 17** Nel **contesto internazionale** si deve considerare che anche le persone fisiche e giuridiche straniere possono invocare la libertà economica, per quanto siano o vogliano diventare economicamente attive in Svizzera (**DTF 131 I 223**). Per i cittadini dell'UE si devono considerare inoltre le garanzie dell'Accordo sulla libera circolazione. La CEDU non conosce alcun diritto fondamentale autonomo della libertà economica, per cui qui si deve ricorrere ad altre garanzie (in particolare art. 1 Prot. add. 1 CEDU).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Ambito di protezione e contenuto della garanzia\n\n**BGE 130 I 26**\n27 novembre 2003\nIl blocco delle ammissioni per il personale medico non viola la libertà economica se si basa su una base legale sufficiente ed è proporzionato.\nLa decisione conferma che anche gli interventi strutturali del mercato possono essere compatibili con l'art. 27 Cost. se sono nell'interesse pubblico.\n\n> «La libertà economica non si oppone a una limitazione delle ammissioni se questa si basa su una base legale, è nell'interesse pubblico ed è proporzionata. Il contenimento dei costi nel settore sanitario rappresenta un importante interesse pubblico.»\n\n**BGE 134 I 214**\n9 maggio 2008\nL'accattonaggio non rientra nella protezione della libertà economica, poiché non rappresenta un'attività economica di diritto privato.\nDecisione fondamentale per la delimitazione dell'ambito di protezione dell'art. 27 Cost. rispetto ad altri diritti fondamentali.\n\n> «L'esercizio dell'accattonaggio non è garantito dall'art. 27 Cost. La libertà economica protegge le attività economiche di diritto privato che mirano alla produzione di un profitto o di un guadagno. Il semplice chiedere l'elemosina non costituisce tale attività.»\n\n**BGE 149 I 248**\n2023\nAggiornamento della giurisprudenza sui divieti di accattonaggio — l'accattonaggio rimane al di fuori dell'ambito di protezione dell'art. 27 Cost.\nIl Tribunale federale conferma la sua giurisprudenza costante sulla delimitazione tra libertà economica e libertà personale.\n\n> «Non si torna sulla giurisprudenza secondo cui l'accattonaggio non rientra nella protezione della libertà di opinione e della libertà economica nel presente contesto.»\n\n### Attività economica statale e neutralità concorrenziale\n\n**BGE 138 I 378**\n3 luglio 2012\nPrincipi per l'attività imprenditoriale statale ammissibile: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e neutralità concorrenziale.\nDecisione pionieristica sulla compatibilità della concorrenza statale con l'art. 27 in combinazione con l'art. 94 Cost.\n\n> «Con il principio della libertà economica (art. 94 cpv. 4 Cost.) è compatibile un'attività imprenditoriale dello Stato, purché esista una base legale formale, l'attività sia nell'interesse pubblico e proporzionata e sia rispettato il principio della neutralità concorrenziale.»\n\n**BGE 143 II 425**\n22 maggio 2017\nIl comportamento neutrale dal punto di vista concorrenziale degli offerenti statali negli appalti pubblici è prerequisito per la compatibilità con l'art. 27 Cost.\nLa decisione concretizza i requisiti per i partecipanti al mercato statali in rapporti di concorrenza.\n\n> «Una violazione del principio della neutralità concorrenziale sussiste quando un'azienda statale riceve vantaggi concorrenziali che non sono disponibili a un'azienda privata.»\n\n### Pianificazione del territorio e libertà economica\n\n**BGE 128 I 3**\n13 novembre 2001\nI monopoli per manifesti su terreno privato costituiscono un intervento sproporzionato nella libertà economica.\nCambiamento di prassi sulla compatibilità delle regolamentazioni monopolistiche con l'art. 27 Cost.\n\n> «Diversamente da un monopolio di fatto per l'affissione di manifesti su terreno pubblico, un monopolio legale per manifesti, nella misura in cui comprende terreno privato, costituisce un intervento sproporzionato nella libertà economica; un obbligo di autorizzazione, unito alle corrispondenti norme materiali, è sufficiente per far valere gli interessi pubblici determinanti.»\n\n**BGE 142 I 162**\n9 novembre 2016\nLe misure di pianificazione del territorio possono essere compatibili con la libertà economica se si basano su una base legale e sono proporzionate.\nConferma della prassi consolidata sulla compatibilità dei piani di zona con l'art. 27 Cost.\n\n> «Le misure di pianificazione del territorio sono compatibili con la libertà economica se si basano su una base legale sufficiente, sono giustificate da un interesse pubblico prevalente e proporzionate e garantiscono la parità di trattamento dei concorrenti.»\n\n### Esercizio della professione e accesso alla professione\n\n**BGE 141 I 124**\n2 marzo 2015\nLa difesa d'ufficio non rientra nell'ambito di applicazione dell'art. 27 Cost., poiché adempie un compito statale.\nDecisione fondamentale sulla delimitazione tra attività statali e di diritto privato.\n\n> «La difesa d'ufficio adempie un compito statale e non rientra nell'ambito di applicazione dell'art. 27 Cost. Viene rimunerata secondo la tariffa degli avvocati della Confederazione o di quel Cantone in cui si è svolto il procedimento penale.»\n\n**BGE 131 I 223**\n10 dicembre 2004\nIl divieto di accordare e mediare finanziamenti processuali è compatibile con la libertà economica.\nLa decisione mostra i limiti della libertà economica per attività che mettono in pericolo altri beni giuridici.\n\n> «La legge federale sull'avvocatura (LAv) disciplina in modo esaustivo l'esercizio della professione degli avvocati. Attività incompatibili con l'amministrazione ordinata della giustizia non rientrano nella protezione della libertà economica.»\n\n### Parità di trattamento e concorrenza\n\n**BGE 128 II 292**\n16 luglio 2002\nL'assegnazione di aree operative a singoli gestori di eliporti viola il precetto della parità di trattamento dei concorrenti.\nLa decisione concretizza il principio della libertà di concorrenza derivante dall'art. 27 Cost.\n\n> «L'assegnazione di aree operative a un singolo o a pochi singoli gestori di eliporti è incompatibile con i precetti della proporzionalità e della parità di trattamento dei concorrenti.»\n\n### Fumo passivo e libertà economica\n\n**BGE 136 I 17**\n23 novembre 2009\nI divieti di fumo nei ristoranti sono compatibili con la libertà economica se servono alla protezione della salute e sono proporzionati.\nLa decisione mostra la giustificazione di interventi nella libertà economica attraverso interessi pubblici prevalenti.\n\n> «Il fatto che l'ordinamento legislativo bernese per la protezione dal fumo passivo non preveda una regolamentazione speciale per il consumo di pipe ad acqua nei ristoranti non viola il diritto costituzionale, in particolare non viola la libertà economica.»\n\n### Allevamento di cani e diritto di sicurezza\n\n**BGE 136 I 1**\n13 gennaio 2010\nI divieti di allevamento e detenzione per certe razze di cani sono compatibili con la libertà economica se sono motivati dalla polizia della sicurezza.\nLa decisione mostra i limiti della libertà economica per attività con un potenziale di pericolo elevato.\n\n> «Limitazioni del libero esercizio di un'attività economica sono ammissibili dal punto di vista del diritto costituzionale se si basano su una base legale sufficiente, sono nell'interesse pubblico, proporzionate e non ledono il contenuto essenziale della libertà economica.»\n\n### Libertà commerciale e monopoli comunali\n\n**BGE 126 I 133**\n7 giugno 2000\nLa distinzione tra pubblicità propria e di terzi nell'autorizzazione di misure pubblicitarie deve essere giustificata oggettivamente.\nLa decisione concretizza il divieto dell'arbitrio nell'ambito della libertà economica.\n\n> «Chi vuole distribuire prestazioni a pagamento e non fa chiaramente riconoscere al pubblico mirato l'eventuale obiettivo missionario collegato, deve accettare che le sue azioni pubblicitarie non siano privilegiate dal punto di vista della libertà religiosa.»\n\n### Economia idrica e sistema delle concessioni\n\n**BGE 142 I 99**\n31 marzo 2016\nI sistemi di concessione per l'utilizzo dell'acqua sono compatibili con la libertà economica se contengono criteri di aggiudicazione trasparenti e oggettivi.\nLa decisione conferma l'ammissibilità del controllo statale nell'utilizzo di beni pubblici.\n\n> «Le disposizioni riviste sulla concessione per uso speciale secondo il diritto di utilizzo dell'acqua del Canton Uri, in particolare sulla situazione di concorrenza nell'assegnazione della concessione, non sono contestabili dal punto di vista del diritto federale.»\n\n### Diritto dei medicamenti e informazioni professionali\n\n**BGE 136 I 184**\n18 gennaio 2010\nLe disposizioni delle autorità per la modifica delle informazioni professionali sui medicamenti interferiscono con la libertà economica dei produttori, ma sono giustificate se servono alla protezione della salute.\nLa decisione mostra la giustificazione di interventi attraverso importanti interessi pubblici nel settore sanitario.\n\n> «La modifica dell'informazione professionale per un medicamento da parte di Swissmedic costituisce un intervento nella libertà economica del produttore, ma è giustificata dall'interesse pubblico prevalente alla protezione della salute.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 27 Cst. protects economic freedom as an independent fundamental right. This encompasses three main areas: the free choice of profession, free access to private economic activity and its free exercise. Economic freedom applies to all persons who wish to engage in economic activity in Switzerland.\n\n**Protected activities:** Economic freedom protects any private economic activity that is exercised professionally and aimed at profit or income (**BGE 130 I 26**). This includes, for example, opening a restaurant, working as a lawyer or operating a business. Freedom of contract (the right to conclude contracts with whomever one wishes and under whatever conditions) is also part of economic freedom.\n\n**Limits of protection:** Activities without an economic character are not protected. Thus, the Federal Court decided that begging does not fall under Art. 27 Cst. because no professional economic activity is present (**BGE 134 I 214**, **BGE 149 I 248**). Consumer freedom (the right as a customer to buy what one wants) is also disputed: the Federal Court rejects its protection under Art. 27 Cst., while parts of the doctrine such as Vallender and Biaggini criticise this (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12).\n\n**State restrictions:** The state may only restrict economic freedom under strict conditions. Required are: a legal basis, a public interest, proportionality and preservation of the core content (→ Art. 36 Cst.). Additionally, the state must act in a competition-neutral manner (↔ Art. 94 Cst.). Licensing requirements for certain professions are permissible in principle, but must be justified (**BGE 130 I 26**).\n\n**State economic activity:** When the state itself engages in economic activity (e.g. a state bank), it must preserve competition neutrality. It may not unfairly compete with or displace private enterprises (**BGE 138 I 378**). In the case of monopolies (exclusive rights of the state), particularly strict requirements must be fulfilled.\n\n**Practical significance:** Economic freedom is particularly important in licensing procedures, professional regulations and spatial planning measures. It also protects foreign persons and companies that are active in Switzerland (**BGE 131 I 223**). However, the fundamental right does not generally establish claims to state services, but protects against state interference.", "doctrine_en": "# Art. 27 BV: Economic Freedom\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historical Development\n\n**N. 1** Economic freedom as an independent fundamental right is expressly found for the first time in the Federal Constitution of 1999. Previously, it was developed as an unwritten fundamental right from freedom of trade and commerce (Art. 31 old BV). The Federal Council message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasized that Art. 27 BV was intended to codify the existing legal situation under a new name: «Economic freedom encompasses every form of private commercial activity, i.e., in addition to freedom of trade and commerce, also freedom of profession» (BBl 1997 I 171).\n\n**N. 2** The term «economic freedom» was deliberately chosen to be broad. It replaced the traditional terminology of «freedom of trade and commerce» to encompass all forms of economic activity, including modern services and liberal professions (BBl 1997 I 171). The explicit mention of choice of profession in para. 2 was intended to clarify that not only the exercise of a profession, but already the choice of profession is protected (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 2).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 27 BV is placed in the second title of the Federal Constitution under fundamental rights. This systematic position distinguishes individual economic freedom from the institutional principle of economic freedom in Art. 94 BV. While Art. 27 BV guarantees a subjective defensive right of the individual against state intervention, Art. 94 BV obliges the state to a specific economic order (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 3).\n\n**N. 4** Economic freedom is closely related to → Art. 26 BV (property guarantee) and → Art. 22 BV (freedom of assembly, insofar as commercial associations are concerned). It differs from personal liberty (→ Art. 10 BV) through its specifically economic reference. It shares with → Art. 36 BV the general limitations for fundamental rights interventions. The state's competitive neutrality results from the interplay of Art. 27 and ↔ Art. 94 para. 4 BV.\n\n### 3. Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n**N. 5** Economic freedom protects every private commercial activity that is aimed at profit or income (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 653). According to the Federal Supreme Court's case law, this includes professionally exercised activities with a commercial character (**BGE 130 I 26 E. 4.1**). Three aspects are protected: free choice of profession, free access to commercial activity and its free exercise (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 2721).\n\n**N. 6** According to established case law, activities without commercial character such as begging are excluded from the scope of protection (**BGE 134 I 214**). The inclusion of consumer freedom is disputed: The Federal Supreme Court rejects its protection by Art. 27 BV, while parts of legal scholarship criticize this (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Whether illegal activities fall under the scope of protection is also controversial. Uhlmann supports this, since illegality should only be examined at the limitations level (BSK BV, Art. 27 N. 7).\n\n**N. 7** Freedom of contract is considered an essential component of economic freedom (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 657). It includes the freedom to conclude contracts (freedom to conclude), to choose the contractual partner (freedom of partner choice) and to determine the contract content (freedom of content). However, the Federal Supreme Court emphasizes that economic freedom does not guarantee a claim to conclude a contract with a specific partner (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 10-15).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** As a defensive right, economic freedom primarily protects against state interventions. It does not generally establish claims to benefits against the state (Müller/Schefer, Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 1067). An exception is the claim to use public ground for commercial purposes, insofar as it is subject to common use (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 72-80).\n\n**N. 9** Restrictions on economic freedom must satisfy the requirements of → Art. 36 BV: legal basis, public interest, proportionality and preservation of the core content. Additionally, the requirement of competitive neutrality anchored in ↔ Art. 94 para. 4 BV applies. Deviations from the principle of economic freedom are only permissible through constitutional provisions of the Confederation or the cantons with competence norms (Biaggini, Kommentar BV, 2nd ed. 2017, Art. 94 N. 14).\n\n**N. 10** In state economic activity, the Federal Supreme Court distinguishes between monopolistic and competitive activity. Monopolies require an express legal basis and must be in the public interest (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 56-59). If the state acts as a competitor, it must maintain competitive neutrality and may not displace private parties (**BGE 138 I 378 E. 8.1**).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 11** The inclusion of **consumer freedom** in the scope of protection is disputed. The Federal Supreme Court consistently denies this with the reasoning that the consumer does not exercise commercial activity (Uhlmann, BSK BV, Art. 27 N. 12). Critics of this case law argue that consumer freedom is a necessary part of a functioning market economy and must therefore be protected (Vallender, in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 27 N. 15; Biaggini, ius.full 2003, 89).\n\n**N. 12** The **fundamental rights entitlement of public enterprises** is controversially discussed. The Federal Supreme Court affirms this in competitive activity (**BGE 142 II 369 E. 4.1**). Parts of legal scholarship reject this, since public enterprises have no freedom positions requiring protection (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 43 N 12). Uhlmann differentiates according to the degree of autonomization (BSK BV, Art. 27 N. 28-32).\n\n**N. 13** The scope of **state economic activity** is also disputed. While Richli demands restrictive handling (Wirtschaftsverfassungsrecht, 2nd ed. 2007, N 456), Uhlmann advocates for more liberal admission, provided competitive neutrality is maintained (Gewinnorientiertes Staatshandeln, 1997, p. 234 ff.). The Federal Supreme Court follows a middle path with the four-stage test: legal basis, public interest, proportionality and competitive neutrality (**BGE 138 I 378**).\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 14** In the **examination of fundamental rights interventions**, a systematic approach is required: First, the personal and factual scope of protection must be clarified. Then it must be examined whether an intervention exists. Finally, the limitations according to Art. 36 BV as well as the special requirements of competitive neutrality must be investigated. In profession-regulating measures, a distinction must be made between market access and exercise regulations, with the former subject to stricter requirements (Müller/Schefer, p. 1078).\n\n**N. 15** In **licensing procedures**, it must be noted that licensing requirements generally constitute interventions in economic freedom. They must therefore satisfy the requirements of Art. 36 BV. Requirements are particularly strict for needs clauses and numerical restrictions. These are only permissible if they are justified by overriding public interests and no milder means are available (**BGE 130 I 26 E. 4.4**).\n\n**N. 16** In **spatial planning measures** with economic effects (e.g., sales area restrictions, use zones), economic freedom must always be co-examined. The Federal Supreme Court applies the four-stage examination standard here and requires careful balancing of interests (**BGE 142 I 162**). Special caution is required with de facto professional prohibitions through zoning regulations.\n\n**N. 17** In the **international context**, it must be considered that foreign natural and legal persons can also invoke economic freedom, insofar as they are or want to be economically active in Switzerland (**BGE 131 I 223**). For EU citizens, the guarantees of the Free Movement Agreement must additionally be observed. The ECHR does not recognize an independent fundamental right of economic freedom, which is why recourse must be made to other guarantees (particularly Art. 1 AP 1 ECHR).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Scope of Protection and Content of Guarantee\n\n**BGE 130 I 26**\n27 November 2003\nAdmission stop for medical personnel does not violate economic freedom if it is based on sufficient legal foundation and is proportionate.\nThe decision confirms that even structural market interventions can be compatible with Art. 27 Cst if they serve the public interest.\n\n> «Economic freedom does not preclude admission restrictions if they are based on a legal foundation, serve the public interest and are proportionate. Cost containment in healthcare represents a significant public interest.»\n\n**BGE 134 I 214**\n9 May 2008\nBegging does not fall under the protection of economic freedom as it does not constitute private economic activity.\nFundamental decision on the delimitation of the scope of protection of Art. 27 Cst vis-à-vis other fundamental rights.\n\n> «The practice of begging is not guaranteed by Art. 27 Cst. Economic freedom protects private economic activities that are aimed at producing profit or income. The mere solicitation of alms does not constitute such activity.»\n\n**BGE 149 I 248**\n2023\nUpdate of case law on begging bans — begging remains outside the scope of protection of Art. 27 Cst.\nThe Federal Court reaffirms its established case law on the delimitation between economic freedom and personal freedom.\n\n> «There is no reason to depart from the case law that begging does not fall under the protection of freedom of expression and economic freedom in the present context.»\n\n### State Economic Activity and Competitive Neutrality\n\n**BGE 138 I 378**\n3 July 2012\nPrinciples for permissible entrepreneurial state activity: legal foundation, public interest, proportionality and competitive neutrality.\nLandmark decision on the compatibility of state competition with Art. 27 in conjunction with Art. 94 Cst.\n\n> «Entrepreneurial activity by the state is compatible with the principle of economic freedom (Art. 94 para. 4 Cst) provided there is a formal legal foundation, the activity serves the public interest and is proportionate, and the principle of competitive neutrality is observed.»\n\n**BGE 143 II 425**\n22 May 2017\nCompetitively neutral behaviour by state providers in public procurement is a prerequisite for compatibility with Art. 27 Cst.\nThe decision specifies the requirements for state market participants in competitive relationships.\n\n> «A violation of the principle of competitive neutrality occurs when a state enterprise receives competitive advantages that are not available to a private enterprise.»\n\n### Spatial Planning and Economic Freedom\n\n**BGE 128 I 3**\n13 November 2001\nPoster monopolies on private land constitute a disproportionate interference with economic freedom.\nChange in practice regarding the compatibility of monopolistic regulations with Art. 27 Cst.\n\n> «Unlike a de facto monopoly for poster display on public land, a legal poster monopoly, insofar as it covers private land, constitutes a disproportionate interference with economic freedom; a permit requirement, combined with corresponding substantive norms, is sufficient to enforce the relevant public interests.»\n\n**BGE 142 I 162**\n9 November 2016\nSpatial planning measures can be compatible with economic freedom if they are based on a legal foundation and are proportionate.\nConfirmation of established practice regarding the compatibility of zoning plans with Art. 27 Cst.\n\n> «Spatial planning measures are compatible with economic freedom if they are based on a sufficient legal foundation, are justified by an overriding public interest and are proportionate, and ensure equal treatment of competitors.»\n\n### Professional Practice and Professional Access\n\n**BGE 141 I 124**\n2 March 2015\nOfficial defence does not fall within the scope of Art. 27 Cst as it fulfils a state function.\nFundamental decision on the delimitation between state and private economic activities.\n\n> «Official defence fulfils a state function and does not fall within the scope of Art. 27 Cst. It is remunerated according to the lawyer's tariff of the Confederation or of the canton in which the criminal proceedings were conducted.»\n\n**BGE 131 I 223**\n10 December 2004\nProhibition of the arrangement and mediation of litigation financing is compatible with economic freedom.\nThe decision shows the limits of economic freedom in activities that endanger other legal interests.\n\n> «The Federal Lawyers Act (BGFA) exhaustively regulates the professional practice of lawyers. Activities that are incompatible with the proper administration of justice do not fall under the protection of economic freedom.»\n\n### Equal Treatment and Competition\n\n**BGE 128 II 292**\n16 July 2002\nThe allocation of operational areas to individual operators of helicopter landing sites violates the principle of equal treatment of competitors.\nThe decision specifies the principle of freedom of competition flowing from Art. 27 Cst.\n\n> «The allocation of operational areas to a single or few individual operators of helicopter landing sites is incompatible with the requirements of proportionality and equal treatment of competitors.»\n\n### Passive Smoking and Economic Freedom\n\n**BGE 136 I 17**\n23 November 2009\nSmoking bans in restaurants are compatible with economic freedom if they serve health protection and are proportionate.\nThe decision shows the justification of interferences with economic freedom through overriding public interests.\n\n> «The fact that the Bernese legal order for protection against passive smoking provides no special regulation for the consumption of water pipes in restaurants does not violate constitutional law, in particular not economic freedom.»\n\n### Dog Breeding and Security Law\n\n**BGE 136 I 1**\n13 January 2010\nBreeding and keeping bans for certain dog breeds are compatible with economic freedom if they are motivated by security policing considerations.\nThe decision shows the limits of economic freedom in activities with increased risk potential.\n\n> «Restrictions on the free exercise of an economic activity are constitutionally permissible if they are based on a sufficient legal foundation, serve the public interest, are proportionate and do not affect the essential content of economic freedom.»\n\n### Commercial Freedom and Municipal Monopolies\n\n**BGE 126 I 133**\n7 June 2000\nThe distinction between own and third-party advertising in the licensing of advertising measures must be factually justified.\nThe decision specifies the prohibition of arbitrariness in the area of economic freedom.\n\n> «Anyone who wants to distribute services for a fee and does not clearly indicate to the targeted audience the missionary goal that may be associated with this must accept that his advertising actions are not privileged from the perspective of religious freedom.»\n\n### Water Management and Concession System\n\n**BGE 142 I 99**\n31 March 2016\nConcession systems for water use are compatible with economic freedom if they contain transparent and objective award criteria.\nThe decision confirms the permissibility of state steering in the use of public goods.\n\n> «The revised provisions on special use concessions under the water use law of the Canton of Uri, in particular regarding competitive situations in the granting of concessions, are not objectionable under federal law.»\n\n### Medicinal Products Law and Professional Information\n\n**BGE 136 I 184**\n18 January 2010\nOfficial orders to change medicinal product professional information interfere with manufacturers' economic freedom, but are justified if they serve health protection.\nThe decision shows the justification of interferences through significant public interests in healthcare.\n\n> «The amendment of professional information for a medicinal product by Swissmedic constitutes an interference with the manufacturer's economic freedom, but is justified by the overriding public interest in health protection.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_27", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-16", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 28, "article_suffix": "", "title": "Koalitionsfreiheit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 28 BV regelt die Koalitionsfreiheit. Das ist das Recht von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, sich in Gewerkschaften und Verbänden zu organisieren. Die Norm schützt sowohl das Recht, einer Organisation beizutreten, als auch das Recht, fernzubleiben.\n\nDie Bestimmung garantiert drei wichtige Bereiche: Erstens die Gründung von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen. Zweitens die Tarifautonomie — das heisst das Recht, kollektiv über Löhne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Drittens das Streikrecht und das Recht auf Aussperrung.\n\nEin Streik ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Er muss Arbeitsbeziehungen betreffen und darf nicht gegen die Friedenspflicht verstossen. Meist führen Gewerkschaften Streiks durch. Das Gesetz kann bestimmten Personen den Streik verbieten, zum Beispiel Polizisten oder Richtern.\n\nVor einem Arbeitskampf sollen die Parteien versuchen, ihre Streitigkeiten friedlich zu lösen. Das kann durch direkte Verhandlungen oder durch Vermittlung geschehen.\n\n**Beispiel**: Die Gewerkschaft Unia will für Bauarbeiter höhere Löhne durchsetzen. Sie verhandelt zuerst mit dem Baumeisterverband. Scheitern die Gespräche, kann sie zu einem Streik aufrufen. Die Bauarbeiter dürfen dann die Arbeit niederlegen, ohne gekündigt zu werden. Wilde Streiks ohne Gewerkschaft sind hingegen meist nicht erlaubt.\n\nDie Koalitionsfreiheit gilt auch für Staatsangestellte. Sie haben das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Gewerkschaften können verlangen, dass der Staat sie als Verhandlungspartner anerkennt und ihnen Zugang zu Verwaltungsgebäuden gewährt.\n\nDie Norm setzt internationale Verträge um, besonders die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation und die Europäische Menschenrechtskonvention. Diese verpflichten die Schweiz, die Vereinigungsfreiheit der Arbeitspartner zu schützen.\n\nBei Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wirkt Art. 28 BV auch im Privatrecht. Gerichte müssen die Koalitionsfreiheit beachten, wenn sie über Kündigungen oder Schadensersatz entscheiden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 28 BV wurde mit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 eingeführt. Die Koalitionsfreiheit war zuvor nicht ausdrücklich in der Bundesverfassung verankert, wurde aber gestützt auf die Vereinsfreiheit und völkerrechtliche Verpflichtungen als ungeschriebenes Grundrecht anerkannt (BBl 1997 I 172).\n\n**N. 2** Die Bestimmung über Streik und Aussperrung (Abs. 3) war besonders umstritten. Die verfassungsgebende Versammlung rang um eine ausgewogene Lösung zwischen der Anerkennung des Streikrechts und dem Schutz des Arbeitsfriedens. Die Materialien betonen, dass nur organisierte Streiks von Arbeitnehmervereinigungen geschützt sein sollen, nicht aber wilde Streiks (BBl 1997 I 173).\n\n**N. 3** Die Regelung orientiert sich an den ILO-Übereinkommen Nr. 87 (Vereinigungsfreiheit) und Nr. 98 (Vereinigungsrecht und Recht auf Kollektivverhandlungen) sowie an Art. 11 EMRK und Art. 8 UNO-Pakt I, die die Schweiz alle ratifiziert hat (BBl 1997 I 173).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 28 BV steht im Grundrechtskapitel der Bundesverfassung zwischen der Vereinsfreiheit (→ Art. 23 BV) und den allgemeinen Verfahrensgarantien (→ Art. 29 BV). Diese Stellung unterstreicht seinen Charakter als spezielles Grundrecht für den arbeitsrechtlichen Bereich.\n\n**N. 5** Die Koalitionsfreiheit ist eng mit der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) verknüpft, geht aber als lex specialis vor. Während die Wirtschaftsfreiheit primär individualrechtlich konzipiert ist, schützt die Koalitionsfreiheit die kollektive Interessenvertretung im Arbeitsleben.\n\n**N. 6** Für das öffentliche Personal gelten zusätzlich die Bestimmungen über die Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns (→ Art. 5 BV) und das Diskriminierungsverbot (→ Art. 8 BV). Einschränkungen der Koalitionsfreiheit müssen den allgemeinen Voraussetzungen für Grundrechtseinschränkungen genügen (→ Art. 36 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Absatz 1: Koalitionsfreiheit\n\n**N. 7** Die Koalitionsfreiheit umfasst drei Teilgehalte: die Gründungsfreiheit (Recht, Vereinigungen zu bilden), die Beitrittsfreiheit (Recht, solchen beizutreten) und die negative Koalitionsfreiheit (Recht fernzubleiben). Nach Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 9-13) schützt die Norm sowohl die individuelle als auch die kollektive Dimension der Interessenvertretung.\n\n**N. 8** Träger sind natürliche und juristische Personen, sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. Das Bundesgericht hat in **BGE 144 I 50** klargestellt, dass Gewerkschaften sich direkt auf die Koalitionsfreiheit berufen können, auch gegenüber dem Staat als Arbeitgeber.\n\n**N. 9** Die Tarifautonomie — das Recht, kollektiv über Arbeitsbedingungen zu verhandeln — ist nach herrschender Lehre integraler Bestandteil der Koalitionsfreiheit. Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 21-22) betont, dass ohne Verhandlungsmöglichkeit die Koalitionsfreiheit ihres Kerns beraubt würde.\n\n#### Absatz 2: Friedliche Konfliktbeilegung\n\n**N. 10** Abs. 2 statuiert einen Vorrang friedlicher Streitbeilegung, begründet aber keine durchsetzbare Rechtspflicht. Die Norm ist programmatischer Natur und richtet sich primär an die Sozialpartner (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 28 N. 40-41).\n\n#### Absatz 3: Streik und Aussperrung\n\n**N. 11** Die systematische Verankerung des Streikrechts ist umstritten. Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 3) verortet die Streikfreiheit als Aspekt der Koalitionsfreiheit bereits in Abs. 1. Die herrschende Lehre und Rechtsprechung sehen sie dagegen in Abs. 3 verankert (BSK BV, Art. 28 N. 26).\n\n**N. 12** Ein rechtmässiger Streik muss nach **BGE 132 III 122** vier Voraussetzungen erfüllen: (1) Er muss Arbeitsbeziehungen betreffen, (2) darf nicht gegen die Friedenspflicht verstossen, (3) muss von einer Arbeitnehmervereinigung getragen werden und (4) verhältnismässig sein.\n\n**N. 13** Die Trägerschaft des Streikrechts ist kontrovers. Das Bundesgericht vertritt in **BGE 125 III 277**, dass nur Arbeitnehmerorganisationen einen Streik beschliessen können (BSK BV, Art. 28 N. 15). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 15) kritisiert diese Einschränkung als unvereinbar mit der negativen Koalitionsfreiheit.\n\n#### Absatz 4: Streikverbote\n\n**N. 14** Der Gesetzgeber kann bestimmten Personenkategorien den Streik verbieten. Solche Verbote existieren etwa für Beamte mit hoheitlichen Funktionen im Bundespersonalgesetz (Art. 24 BPG). Die Einschränkung muss den Anforderungen von Art. 36 BV genügen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Die Koalitionsfreiheit entfaltet als Grundrecht unmittelbare Wirkung gegenüber dem Staat. Im Privatrecht wirkt sie indirekt über die Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe wie «wichtige Gründe» (Art. 337 OR) oder «Rechtsmissbrauch» (Art. 2 ZGB).\n\n**N. 16** Die Teilnahme an einem rechtmässigen Streik stellt keine Vertragsverletzung dar. Der Arbeitsvertrag wird suspendiert, nicht aufgehoben (**BGE 125 III 277**). Eine Kündigung wegen Streikteilnahme ist missbräuchlich im Sinne von Art. 336 OR.\n\n**N. 17** Gewerkschaften können gestützt auf die Koalitionsfreiheit Anspruch auf Anerkennung als Sozialpartner erheben, sofern sie hinreichend repräsentativ sind (**BGE 140 I 257**). Dies umfasst auch Zugangsrechte zu Betrieben und Verwaltungsgebäuden (**BGE 144 I 50**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** **Wilde Streiks**: Die herrschende Lehre hält wilde Streiks für unzulässig, gestützt auf die Materialien (BSK BV, Art. 28 N. 43). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 43) wendet ein, diese Auffassung sei wegen der negativen Koalitionsfreiheit nicht haltbar. Portmann (Das Streikrecht, AJP 2007) plädiert für eine differenziertere Betrachtung im Licht des UNO-Pakts I.\n\n**N. 19** **Politische Streiks**: Nach herrschender Lehre sind nur Streiks zulässig, die durch GAV erfüllbare Forderungen verfolgen (BSK BV, Art. 28 N. 45). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 46) vertritt eine weitere Auslegung: Art. 28 Abs. 3 verlange lediglich, dass Streiks «Arbeitsbeziehungen betreffen».\n\n**N. 20** **Beamtenstreik**: Die Zulässigkeit von Streiks im öffentlichen Dienst ist differenziert zu beurteilen. Marti (Arbeitskampffreiheit im öffentlichen Dienst, 2009) unterscheidet nach Funktionen: Hoheitliche Kernaufgaben rechtfertigen Streikverbote, bei betrieblichen Tätigkeiten greift die volle Koalitionsfreiheit.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Prüfung eines Streiks ist zuerst dessen Rechtmässigkeit nach den in **BGE 132 III 122** entwickelten Kriterien zu beurteilen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Friedenspflicht aus Gesamtarbeitsverträgen (Art. 357a OR).\n\n**N. 22** Für die Anerkennung als Sozialpartner müssen Gewerkschaften ihre Repräsentativität nachweisen. Massgebend sind Mitgliederzahlen, geografische Verbreitung und Organisationsgrad im betreffenden Sektor (**BGE 140 I 257**).\n\n**N. 23** Im öffentlichen Personalrecht sind kantonale Streikverbote an Art. 36 BV zu messen. Ein generelles Streikverbot für alle Staatsangestellten dürfte unverhältnismässig sein. Die Differenzierung nach Funktionen (hoheitlich/betrieblich) bietet einen praxistauglichen Ansatz.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Koalitionsfreiheit und gewerkschaftliche Betätigung\n\n**BGE 144 I 50** vom 6. September 2017\nGewerkschaftliches Zutrittsrecht zu Verwaltungsgebäuden des öffentlichen Arbeitgebers.\nDas Urteil konkretisiert die Tragweite der Koalitionsfreiheit für Gewerkschaften im öffentlichen Dienst.\n\n> «Die Koalitionsfreiheit gemäss Art. 28 BV ist nicht bloss eine negative Freiheit, sondern garantiert auch ein Mindestmass an positiver Handlungsfreiheit, welche die tatsächliche Ausübung der gewerkschaftlichen Tätigkeit ermöglicht. Das Recht auf Zutritt zu den Verwaltungsgebäuden ist eine wesentliche Komponente der Koalitionsfreiheit, da ohne dieses Recht die Gewerkschaften ihre Aufgaben nicht wirksam wahrnehmen können.»\n\n**BGE 140 I 257** vom 26. Juli 2014 \nAnerkennung einer Gewerkschaft als Sozialpartner im ETH-Bereich.\nDas Urteil präzisiert die Voraussetzungen für die Anerkennung als verhandlungsberechtigte Gewerkschaft.\n\n> «Eine Gewerkschaft kann die Koalitionsfreiheit anrufen, um Ansprüche auf Teilnahme an Tarifverhandlungen oder auf den Abschluss eines Tarifvertrags mit einem öffentlichen Arbeitgeber geltend zu machen, soweit sie als Sozialpartner anerkannt werden kann. Dies setzt voraus, dass sie hinreichend repräsentativ ist und sich loyal verhält.»\n\n### Streikrecht und Arbeitskampf\n\n**BGE 132 III 122** vom 13. September 2005\nRechtmässigkeit von Arbeitskampfmitteln und Streikposten.\nDas grundlegende Urteil definiert die vier Voraussetzungen rechtmässiger Arbeitskampfmittel.\n\n> «Art. 28 BV betreffend die Koalitionsfreiheit entfaltet indirekte Drittwirkung im Bereich der Arbeitsbeziehungen des privaten Sektors. Damit ein Kampfmittel rechtmässig ist, muss es die Arbeitsbeziehungen betreffen, nicht gegen die relative Friedenspflicht verstossen, von einer Arbeitnehmervereinigung getragen werden und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit respektieren.»\n\n**BGE 134 IV 216** vom 3. April 2008\nStrafbarkeit von Autobahnblockaden während eines Streiks.\nDas Urteil zieht die Grenzen zwischen rechtmässigem Streik und strafbarer Nötigung.\n\n> «Es ist licite d'organiser des piquets de grève pour autant qu'ils n'usent pas de la force. Dès que les piquets de grève usent de la violence pour contraindre des personnes à ne pas se présenter au travail, ils sortent du cadre de l'exercice licite d'un moyen de combat.»\n\n### Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen\n\n**BGE 146 II 335** vom 11. Mai 2020\nPrinzip der «offenen Türe» bei der Allgemeinverbindlicherklärung.\nDas Urteil behandelt die Voraussetzungen für die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen.\n\n> «Ist das Prinzip der 'offenen Türe' (Art. 2 Ziff. 6 AVEG) nicht eingehalten, ist die Allgemeinverbindlicherklärung zu verweigern; es genügt nicht, die Allgemeinverbindlicherklärung mit einer entsprechenden Nebenbestimmung zu ergänzen.»\n\n### Vereinigungsfreiheit und Berufsverbände\n\n**BGE 134 I 23** vom 31. Oktober 2007\nKoalitionsfreiheit und Sozialversicherung im öffentlichen Dienst.\nDas Urteil behandelt den Anwendungsbereich der Koalitionsfreiheit bei Pensionskassen.\n\nWeitere relevante Entscheidungen betreffen die Abgrenzung zwischen Vereinigungsfreiheit (Art. 23 BV) und Koalitionsfreiheit (Art. 28 BV), wobei Art. 28 BV als speziellere Norm die arbeitsrechtlichen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regelt.\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\nIn jüngeren Entscheidungen hat das Bundesgericht die internationale Dimension der Koalitionsfreiheit stärker gewürdigt, insbesondere durch Verweis auf die ILO-Übereinkommen Nr. 87 und 98 sowie Art. 11 EMRK. Die Rechtsprechung entwickelt sich in Richtung einer verstärkten Anerkennung gewerkschaftlicher Rechte auch im öffentlichen Sektor.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 28 Cst. règle la liberté de coalition. C'est le droit des travailleurs et des employeurs de s'organiser en syndicats et associations. La norme protège tant le droit d'adhérer à une organisation que le droit de rester à l'écart.\n\nLa disposition garantit trois domaines importants : premièrement la création d'organisations d'employés et d'employeurs. Deuxièmement l'autonomie tarifaire — c'est-à-dire le droit de négocier collectivement sur les salaires et conditions de travail. Troisièmement le droit de grève et le droit au lock-out.\n\nUne grève n'est autorisée que sous certaines conditions. Elle doit concerner les relations de travail et ne peut pas violer l'obligation de paix. Ce sont généralement les syndicats qui mènent les grèves. La loi peut interdire la grève à certaines personnes, par exemple aux policiers ou aux juges.\n\nAvant un conflit du travail, les parties doivent tenter de résoudre leurs différends pacifiquement. Cela peut se faire par des négociations directes ou par une médiation.\n\n**Exemple** : Le syndicat Unia veut obtenir des salaires plus élevés pour les ouvriers du bâtiment. Il négocie d'abord avec l'association des maîtres d'ouvrage. Si les discussions échouent, il peut appeler à la grève. Les ouvriers du bâtiment peuvent alors cesser le travail sans être licenciés. Les grèves sauvages sans syndicat ne sont en revanche généralement pas autorisées.\n\nLa liberté de coalition vaut aussi pour les employés de l'État. Ils ont le droit de s'organiser syndicalement. Les syndicats peuvent exiger que l'État les reconnaisse comme partenaires de négociation et leur accorde l'accès aux bâtiments administratifs.\n\nLa norme transpose les traités internationaux, notamment les conventions de l'Organisation internationale du travail et la Convention européenne des droits de l'homme. Ces instruments obligent la Suisse à protéger la liberté d'association des partenaires sociaux.\n\nEn cas de conflits entre employeurs et employés, l'art. 28 Cst. agit aussi dans le droit privé. Les tribunaux doivent respecter la liberté de coalition lorsqu'ils statuent sur des licenciements ou des dommages-intérêts.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 28 Cst. a été introduit avec la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La liberté syndicale n'était pas expressément ancrée auparavant dans la Constitution fédérale, mais était reconnue comme un droit fondamental non écrit sur la base de la liberté d'association et des obligations de droit international (FF 1997 I 172).\n\n**N. 2** La disposition sur la grève et le lock-out (al. 3) était particulièrement controversée. L'assemblée constituante a cherché une solution équilibrée entre la reconnaissance du droit de grève et la protection de la paix du travail. Les matériaux soulignent que seules les grèves organisées par des associations de travailleurs doivent être protégées, mais pas les grèves sauvages (FF 1997 I 173).\n\n**N. 3** La réglementation s'oriente sur les conventions OIT no 87 (liberté syndicale) et no 98 (droit syndical et droit de négociation collective) ainsi que sur l'art. 11 CEDH et l'art. 8 Pacte ONU I, que la Suisse a tous ratifiés (FF 1997 I 173).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 28 Cst. se trouve dans le chapitre des droits fondamentaux de la Constitution fédérale entre la liberté d'association (→ art. 23 Cst.) et les garanties générales de procédure (→ art. 29 Cst.). Cette position souligne son caractère de droit fondamental spécial pour le domaine du droit du travail.\n\n**N. 5** La liberté syndicale est étroitement liée à la liberté économique (→ art. 27 Cst.), mais prime en tant que lex specialis. Alors que la liberté économique est conçue principalement comme un droit individuel, la liberté syndicale protège la représentation collective des intérêts dans la vie professionnelle.\n\n**N. 6** Pour le personnel public s'appliquent en plus les dispositions sur les principes de l'activité étatique respectueuse du droit (→ art. 5 Cst.) et l'interdiction de discriminer (→ art. 8 Cst.). Les restrictions de la liberté syndicale doivent satisfaire aux conditions générales de restriction des droits fondamentaux (→ art. 36 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### Alinéa 1 : Liberté syndicale\n\n**N. 7** La liberté syndicale comprend trois composantes : la liberté de fondation (droit de former des associations), la liberté d'adhésion (droit d'y adhérer) et la liberté syndicale négative (droit de s'en abstenir). Selon Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 9-13), la norme protège tant la dimension individuelle que collective de la représentation des intérêts.\n\n**N. 8** Les titulaires sont les personnes physiques et morales, tant du côté des travailleurs que des employeurs. Le Tribunal fédéral a précisé dans **ATF 144 I 50** que les syndicats peuvent invoquer directement la liberté syndicale, même à l'égard de l'État en tant qu'employeur.\n\n**N. 9** L'autonomie tarifaire — le droit de négocier collectivement les conditions de travail — fait partie intégrante de la liberté syndicale selon la doctrine dominante. Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 21-22) souligne que sans possibilité de négociation, la liberté syndicale serait privée de son noyau.\n\n#### Alinéa 2 : Règlement pacifique des conflits\n\n**N. 10** L'al. 2 statue une primauté du règlement pacifique des litiges, mais ne fonde pas d'obligation juridique exécutoire. La norme est de nature programmatique et s'adresse principalement aux partenaires sociaux (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 28 n. 40-41).\n\n#### Alinéa 3 : Grève et lock-out\n\n**N. 11** L'ancrage systématique du droit de grève est controversé. Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 3) localise la liberté de grève comme un aspect de la liberté syndicale déjà dans l'al. 1. La doctrine dominante et la jurisprudence la voient au contraire ancrée dans l'al. 3 (BSK BV, art. 28 n. 26).\n\n**N. 12** Une grève légale doit selon **ATF 132 III 122** remplir quatre conditions : (1) elle doit concerner les relations de travail, (2) ne doit pas violer l'obligation de paix, (3) doit être portée par une association de travailleurs et (4) être proportionnée.\n\n**N. 13** La titularité du droit de grève est controversée. Le Tribunal fédéral soutient dans **ATF 125 III 277** que seules les organisations de travailleurs peuvent décider d'une grève (BSK BV, art. 28 n. 15). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 15) critique cette restriction comme incompatible avec la liberté syndicale négative.\n\n#### Alinéa 4 : Interdictions de grève\n\n**N. 14** Le législateur peut interdire la grève à certaines catégories de personnes. De telles interdictions existent par exemple pour les fonctionnaires ayant des fonctions de souveraineté dans la loi sur le personnel de la Confédération (art. 24 LPers). La restriction doit satisfaire aux exigences de l'art. 36 Cst.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 15** La liberté syndicale déploie comme droit fondamental un effet immédiat à l'égard de l'État. Dans le droit privé, elle agit indirectement par l'interprétation de notions juridiques indéterminées comme « justes motifs » (art. 337 CO) ou « abus de droit » (art. 2 CC).\n\n**N. 16** La participation à une grève légale ne constitue pas une violation contractuelle. Le contrat de travail est suspendu, non supprimé (**ATF 125 III 277**). Un licenciement en raison d'une participation à une grève est abusif au sens de l'art. 336 CO.\n\n**N. 17** Les syndicats peuvent prétendre sur la base de la liberté syndicale à une reconnaissance comme partenaires sociaux, pour autant qu'ils soient suffisamment représentatifs (**ATF 140 I 257**). Cela comprend aussi les droits d'accès aux entreprises et aux bâtiments administratifs (**ATF 144 I 50**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 18** **Grèves sauvages** : La doctrine dominante considère les grèves sauvages comme inadmissibles, sur la base des matériaux (BSK BV, art. 28 n. 43). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 43) objecte que cette conception n'est pas tenable en raison de la liberté syndicale négative. Portmann (Das Streikrecht, AJP 2007) plaide pour un examen différencié à la lumière du Pacte ONU I.\n\n**N. 19** **Grèves politiques** : Selon la doctrine dominante, seules sont admissibles les grèves qui poursuivent des revendications réalisables par CCT (BSK BV, art. 28 n. 45). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 46) défend une interprétation plus large : l'art. 28 al. 3 exige seulement que les grèves « concernent les relations de travail ».\n\n**N. 20** **Grève des fonctionnaires** : L'admissibilité de grèves dans la fonction publique doit être appréciée de manière différenciée. Marti (Arbeitskampffreiheit im öffentlichen Dienst, 2009) distingue selon les fonctions : les tâches de souveraineté centrales justifient des interdictions de grève, pour les activités d'exploitation s'applique la pleine liberté syndicale.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Lors de l'examen d'une grève, il faut d'abord apprécier sa légalité selon les critères développés dans **ATF 132 III 122**. L'obligation de paix issue des conventions collectives de travail mérite une attention particulière (art. 357a CO).\n\n**N. 22** Pour la reconnaissance comme partenaires sociaux, les syndicats doivent prouver leur représentativité. Sont déterminants les nombres d'adhérents, la répartition géographique et le degré d'organisation dans le secteur concerné (**ATF 140 I 257**).\n\n**N. 23** Dans le droit du personnel public, les interdictions cantonales de grève doivent être mesurées à l'aune de l'art. 36 Cst. Une interdiction générale de grève pour tous les employés de l'État serait probablement disproportionnée. La différenciation selon les fonctions (souveraine/d'exploitation) offre une approche praticable.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Liberté syndicale et activité syndicale\n\n**ATF 144 I 50** du 6 septembre 2017\nDroit d'accès syndical aux bâtiments administratifs de l'employeur public.\nL'arrêt concrétise la portée de la liberté syndicale pour les syndicats dans la fonction publique.\n\n> «La liberté syndicale selon l'art. 28 Cst. n'est pas seulement une liberté négative, mais garantit aussi un minimum de liberté d'action positive, qui permet l'exercice effectif de l'activité syndicale. Le droit d'accès aux bâtiments administratifs est une composante essentielle de la liberté syndicale, car sans ce droit les syndicats ne peuvent pas exercer efficacement leurs tâches.»\n\n**ATF 140 I 257** du 26 juillet 2014 \nReconnaissance d'un syndicat comme partenaire social dans le domaine des EPF.\nL'arrêt précise les conditions de reconnaissance comme syndicat habilité à négocier.\n\n> «Un syndicat peut invoquer la liberté syndicale pour faire valoir des prétentions à la participation aux négociations tarifaires ou à la conclusion d'une convention collective avec un employeur public, dans la mesure où il peut être reconnu comme partenaire social. Cela présuppose qu'il soit suffisamment représentatif et qu'il se comporte loyalement.»\n\n### Droit de grève et conflit du travail\n\n**ATF 132 III 122** du 13 septembre 2005\nLicéité des moyens de lutte et des piquets de grève.\nL'arrêt fondamental définit les quatre conditions de licéité des moyens de lutte.\n\n> «L'art. 28 Cst. concernant la liberté syndicale déploie un effet horizontal indirect dans le domaine des relations de travail du secteur privé. Pour qu'un moyen de lutte soit licite, il doit concerner les relations de travail, ne pas violer l'obligation de paix relative, être porté par une association de travailleurs et respecter le principe de la proportionnalité.»\n\n**ATF 134 IV 216** du 3 avril 2008\nPunissabilité des blocages d'autoroutes pendant une grève.\nL'arrêt trace les limites entre grève licite et contrainte punissable.\n\n> «Il est licite d'organiser des piquets de grève pour autant qu'ils n'usent pas de la force. Dès que les piquets de grève usent de la violence pour contraindre des personnes à ne pas se présenter au travail, ils sortent du cadre de l'exercice licite d'un moyen de combat.»\n\n### Déclaration de force obligatoire générale des conventions collectives\n\n**ATF 146 II 335** du 11 mai 2020\nPrincipe de la «porte ouverte» lors de la déclaration de force obligatoire générale.\nL'arrêt traite des conditions de déclaration de force obligatoire générale des conventions collectives.\n\n> «Si le principe de la 'porte ouverte' (art. 2 ch. 6 LEFOG) n'est pas respecté, la déclaration de force obligatoire générale doit être refusée ; il ne suffit pas de compléter la déclaration de force obligatoire générale par une clause accessoire correspondante.»\n\n### Liberté d'association et associations professionnelles\n\n**ATF 134 I 23** du 31 octobre 2007\nLiberté syndicale et assurance sociale dans la fonction publique.\nL'arrêt traite du champ d'application de la liberté syndicale pour les caisses de pension.\n\nD'autres décisions pertinentes concernent la délimitation entre la liberté d'association (art. 23 Cst.) et la liberté syndicale (art. 28 Cst.), l'art. 28 Cst. en tant que norme spéciale régissant les relations de droit du travail entre employeurs et travailleurs.\n\n### Développements actuels\n\nDans des décisions plus récentes, le Tribunal fédéral a davantage valorisé la dimension internationale de la liberté syndicale, notamment par référence aux conventions OIT no 87 et 98 ainsi qu'à l'art. 11 CEDH. La jurisprudence évolue vers une reconnaissance renforcée des droits syndicaux également dans le secteur public.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 28 Cost. disciplina la libertà di coalizione. Si tratta del diritto dei lavoratori e dei datori di lavoro di organizzarsi in sindacati e associazioni. La norma protegge sia il diritto di aderire a un'organizzazione sia il diritto di rimanerne fuori.\n\nLa disposizione garantisce tre settori importanti: in primo luogo la costituzione di organizzazioni di lavoratori e di datori di lavoro. In secondo luogo l'autonomia contrattuale — ossia il diritto di negoziare collettivamente salari e condizioni di lavoro. In terzo luogo il diritto di sciopero e il diritto di serrata.\n\nUno sciopero è ammesso solo a determinate condizioni. Deve riguardare i rapporti di lavoro e non può violare l'obbligo di pace del lavoro. Di solito i sindacati conducono gli scioperi. La legge può vietare lo sciopero a determinate persone, per esempio ai poliziotti o ai giudici.\n\nPrima di una controversia di lavoro le parti dovrebbero cercare di risolvere pacificamente le loro dispute. Ciò può avvenire attraverso negoziati diretti o attraverso la mediazione.\n\n**Esempio**: Il sindacato Unia vuole ottenere salari più alti per i lavoratori edili. Negozia prima con l'associazione dei costruttori. Se i colloqui falliscono, può indire uno sciopero. I lavoratori edili possono allora smettere di lavorare senza essere licenziati. Gli scioperi selvaggi senza sindacato invece di solito non sono ammessi.\n\nLa libertà di coalizione vale anche per gli impiegati statali. Hanno il diritto di organizzarsi sindacalmente. I sindacati possono pretendere che lo Stato li riconosca come partner negoziali e conceda loro l'accesso agli edifici amministrativi.\n\nLa norma attua trattati internazionali, in particolare le convenzioni dell'Organizzazione internazionale del lavoro e la Convenzione europea dei diritti dell'uomo. Questi obbligano la Svizzera a proteggere la libertà di associazione delle parti sociali.\n\nIn caso di conflitti tra datori di lavoro e lavoratori l'art. 28 Cost. ha effetto anche nel diritto privato. I tribunali devono rispettare la libertà di coalizione quando decidono su licenziamenti o risarcimenti.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'emanazione\n\n**N. 1** L'art. 28 Cost. è stato introdotto con la revisione totale della Costituzione federale del 1999. La libertà di coalizione non era precedentemente ancorata espressamente nella Costituzione federale, ma veniva riconosciuta come diritto fondamentale non scritto sulla base della libertà d'associazione e degli obblighi di diritto internazionale (FF 1997 I 129).\n\n**N. 2** La disposizione su sciopero e serrata (cpv. 3) è stata particolarmente controversa. L'assemblea costituente ha cercato una soluzione equilibrata tra il riconoscimento del diritto di sciopero e la tutela della pace del lavoro. I materiali sottolineano che dovrebbero essere protetti solo gli scioperi organizzati da associazioni di lavoratori, ma non gli scioperi selvaggi (FF 1997 I 129).\n\n**N. 3** La regolamentazione si orienta alle convenzioni OIL n. 87 (libertà sindacale) e n. 98 (diritto di organizzazione e di contrattazione collettiva) nonché all'art. 11 CEDU e all'art. 8 Patto ONU I, tutte ratificate dalla Svizzera (FF 1997 I 129).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 28 Cost. si trova nel capitolo sui diritti fondamentali della Costituzione federale tra la libertà d'associazione (→ art. 23 Cost.) e le garanzie generali procedurali (→ art. 29 Cost.). Questa posizione sottolinea il suo carattere di diritto fondamentale speciale per l'ambito del diritto del lavoro.\n\n**N. 5** La libertà di coalizione è strettamente collegata alla libertà economica (→ art. 27 Cost.), ma prevale come lex specialis. Mentre la libertà economica è concepita principalmente in termini di diritti individuali, la libertà di coalizione protegge la rappresentanza collettiva degli interessi nella vita lavorativa.\n\n**N. 6** Per il personale pubblico si applicano inoltre le disposizioni sui principi dell'agire conforme al diritto (→ art. 5 Cost.) e il divieto di discriminazione (→ art. 8 Cost.). Le limitazioni della libertà di coalizione devono soddisfare i requisiti generali per le limitazioni dei diritti fondamentali (→ art. 36 Cost.).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n#### Capoverso 1: Libertà di coalizione\n\n**N. 7** La libertà di coalizione comprende tre componenti: la libertà di fondazione (diritto di costituire associazioni), la libertà di adesione (diritto di aderirvi) e la libertà negativa di coalizione (diritto di astenersi). Secondo Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 9-13) la norma protegge sia la dimensione individuale che quella collettiva della rappresentanza degli interessi.\n\n**N. 8** Sono titolari le persone fisiche e giuridiche, sia dal lato dei lavoratori che da quello dei datori di lavoro. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 144 I 50** che i sindacati possono invocare direttamente la libertà di coalizione, anche nei confronti dello Stato come datore di lavoro.\n\n**N. 9** L'autonomia tariffale — il diritto di negoziare collettivamente le condizioni di lavoro — è secondo la dottrina dominante parte integrante della libertà di coalizione. Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 21-22) sottolinea che senza possibilità di negoziazione la libertà di coalizione sarebbe privata del suo nucleo.\n\n#### Capoverso 2: Composizione pacifica dei conflitti\n\n**N. 10** Il cpv. 2 stabilisce una priorità della composizione pacifica delle controversie, ma non fonda un obbligo giuridico azionabile. La norma ha carattere programmatico e si rivolge principalmente alle parti sociali (Schiess Rütimann, BSK BV, art. 28 n. 40-41).\n\n#### Capoverso 3: Sciopero e serrata\n\n**N. 11** L'ancoraggio sistematico del diritto di sciopero è controverso. Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 3) colloca la libertà di sciopero come aspetto della libertà di coalizione già nel cpv. 1. La dottrina dominante e la giurisprudenza la vedono invece ancorata nel cpv. 3 (BSK BV, art. 28 n. 26).\n\n**N. 12** Uno sciopero legittimo deve secondo **DTF 132 III 122** soddisfare quattro presupposti: (1) deve riguardare rapporti di lavoro, (2) non può violare l'obbligo di pace del lavoro, (3) deve essere sostenuto da un'associazione di lavoratori e (4) essere proporzionato.\n\n**N. 13** La titolarità del diritto di sciopero è controversa. Il Tribunale federale sostiene in **DTF 125 III 277** che solo le organizzazioni di lavoratori possono decidere uno sciopero (BSK BV, art. 28 n. 15). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 15) critica questa limitazione come incompatibile con la libertà negativa di coalizione.\n\n#### Capoverso 4: Divieti di sciopero\n\n**N. 14** Il legislatore può vietare lo sciopero a determinate categorie di persone. Tali divieti esistono ad esempio per i funzionari con funzioni sovrane nella legge sul personale federale (art. 24 LPers). La limitazione deve soddisfare i requisiti dell'art. 36 Cost.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** La libertà di coalizione dispiegata come diritto fondamentale effetti diretti nei confronti dello Stato. Nel diritto privato agisce indirettamente attraverso l'interpretazione di concetti giuridici indeterminati come «gravi motivi» (art. 337 CO) o «abuso del diritto» (art. 2 CC).\n\n**N. 16** La partecipazione a uno sciopero legittimo non costituisce violazione contrattuale. Il contratto di lavoro viene sospeso, non risolto (**DTF 125 III 277**). Un licenziamento per partecipazione allo sciopero è abusivo ai sensi dell'art. 336 CO.\n\n**N. 17** I sindacati possono basandosi sulla libertà di coalizione vantare un diritto al riconoscimento come parti sociali, purché siano sufficientemente rappresentativi (**DTF 140 I 257**). Ciò comprende anche diritti di accesso alle aziende e agli edifici dell'amministrazione (**DTF 144 I 50**).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 18** **Scioperi selvaggi**: La dottrina dominante ritiene gli scioperi selvaggi inammissibili, basandosi sui materiali (BSK BV, art. 28 n. 43). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 43) obietta che questa concezione non è sostenibile a causa della libertà negativa di coalizione. Portmann (Das Streikrecht, AJP 2007) propende per una considerazione più differenziata alla luce del Patto ONU I.\n\n**N. 19** **Scioperi politici**: Secondo la dottrina dominante sono ammissibili solo gli scioperi che perseguono rivendicazioni realizzabili tramite CCL (BSK BV, art. 28 n. 45). Schiess Rütimann (BSK BV, art. 28 n. 46) sostiene un'interpretazione più ampia: l'art. 28 cpv. 3 richiederebbe soltanto che gli scioperi «riguardino rapporti di lavoro».\n\n**N. 20** **Sciopero dei funzionari**: L'ammissibilità degli scioperi nel servizio pubblico deve essere giudicata in modo differenziato. Marti (Arbeitskampffreiheit im öffentlichen Dienst, 2009) distingue secondo le funzioni: i compiti sovrani centrali giustificano divieti di sciopero, nelle attività aziendali si applica la piena libertà di coalizione.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nell'esame di uno sciopero occorre innanzitutto giudicarne la legittimità secondo i criteri sviluppati in **DTF 132 III 122**. Particolare attenzione merita l'obbligo di pace del lavoro derivante dai contratti collettivi di lavoro (art. 357a CO).\n\n**N. 22** Per il riconoscimento come parti sociali i sindacati devono dimostrare la loro rappresentatività. Sono determinanti il numero di membri, la diffusione geografica e il grado di organizzazione nel settore interessato (**DTF 140 I 257**).\n\n**N. 23** Nel diritto del personale pubblico i divieti di sciopero cantonali devono essere misurati all'art. 36 Cost. Un divieto generale di sciopero per tutti i dipendenti statali dovrebbe essere sproporzionato. La differenziazione secondo le funzioni (sovrane/aziendali) offre un approccio praticabile.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Libertà sindacale e attività sindacale\n\n**BGE 144 I 50** del 6 settembre 2017\nDiritto di accesso sindacale agli edifici amministrativi del datore di lavoro pubblico.\nLa decisione concretizza la portata della libertà sindacale per i sindacati nel servizio pubblico.\n\n> «La libertà sindacale secondo l'art. 28 Cost. non è soltanto una libertà negativa, ma garantisce anche un minimo di libertà d'azione positiva, che permette l'esercizio effettivo dell'attività sindacale. Il diritto di accesso agli edifici amministrativi è una componente essenziale della libertà sindacale, poiché senza questo diritto i sindacati non possono svolgere efficacemente i loro compiti.»\n\n**BGE 140 I 257** del 26 luglio 2014 \nRiconoscimento di un sindacato come partner sociale nell'ambito dei PF.\nLa decisione precisa i presupposti per il riconoscimento come sindacato abilitato alle trattative.\n\n> «Un sindacato può invocare la libertà sindacale per far valere pretese di partecipazione alle trattative tariffali o alla conclusione di un contratto tariffale con un datore di lavoro pubblico, nella misura in cui possa essere riconosciuto come partner sociale. Ciò presuppone che sia sufficientemente rappresentativo e si comporti lealmente.»\n\n### Diritto di sciopero e lotta sindacale\n\n**BGE 132 III 122** del 13 settembre 2005\nLegittimità dei mezzi di lotta sindacale e dei picchetti di sciopero.\nLa decisione fondamentale definisce i quattro presupposti dei mezzi di lotta sindacale legittimi.\n\n> «L'art. 28 Cost. concernente la libertà sindacale spiega un effetto indiretto tra terzi nell'ambito dei rapporti di lavoro del settore privato. Perché un mezzo di lotta sia legittimo, deve riguardare i rapporti di lavoro, non violare l'obbligo di pace relativo, essere sostenuto da un'associazione di lavoratori e rispettare il principio di proporzionalità.»\n\n**BGE 134 IV 216** del 3 aprile 2008\nPunibilità dei blocchi autostradali durante uno sciopero.\nLa decisione traccia i confini tra sciopero legittimo e coercizione punibile.\n\n> «È lecito organizzare picchetti di sciopero purché non usino la forza. Non appena i picchetti di sciopero usano la violenza per costringere persone a non presentarsi al lavoro, escono dal quadro dell'esercizio lecito di un mezzo di lotta.»\n\n### Dichiarazione di obbligatorietà generale dei contratti collettivi di lavoro\n\n**BGE 146 II 335** dell'11 maggio 2020\nPrincipio della «porta aperta» nella dichiarazione di obbligatorietà generale.\nLa decisione tratta i presupposti per la dichiarazione di obbligatorietà generale dei contratti collettivi di lavoro.\n\n> «Se il principio della 'porta aperta' (art. 2 n. 6 LECL) non è rispettato, la dichiarazione di obbligatorietà generale deve essere rifiutata; non è sufficiente completare la dichiarazione di obbligatorietà generale con una condizione accessoria corrispondente.»\n\n### Libertà di associazione e associazioni professionali\n\n**BGE 134 I 23** del 31 ottobre 2007\nLibertà sindacale e previdenza sociale nel servizio pubblico.\nLa decisione tratta l'ambito di applicazione della libertà sindacale presso le casse pensioni.\n\nAltre decisioni rilevanti riguardano la delimitazione tra libertà di associazione (art. 23 Cost.) e libertà sindacale (art. 28 Cost.), dove l'art. 28 Cost. come norma più speciale disciplina i rapporti giuslavoristici tra datori di lavoro e lavoratori.\n\n### Sviluppi attuali\n\nIn decisioni più recenti il Tribunale federale ha maggiormente considerato la dimensione internazionale della libertà sindacale, in particolare attraverso il richiamo alle Convenzioni OIL n. 87 e 98 nonché all'art. 11 CEDU. La giurisprudenza si sviluppa verso un rafforzato riconoscimento dei diritti sindacali anche nel settore pubblico.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 28 Cst. regulates freedom of association. This is the right of employees and employers to organise in trade unions and associations. The provision protects both the right to join an organisation and the right to stay away.\n\nThe provision guarantees three important areas: First, the establishment of employee and employer organisations. Second, collective bargaining autonomy — that is the right to collectively negotiate wages and working conditions. Third, the right to strike and the right to lockout.\n\nA strike is only permitted under certain conditions. It must concern employment relationships and must not violate the obligation to maintain industrial peace. Trade unions usually conduct strikes. The law may prohibit certain persons from striking, for example police officers or judges.\n\nBefore industrial action, the parties should attempt to resolve their disputes peacefully. This can be done through direct negotiations or through mediation.\n\n**Example**: The trade union Unia wants to achieve higher wages for construction workers. It first negotiates with the master builders' association. If the talks fail, it may call a strike. The construction workers may then down tools without being dismissed. Wildcat strikes without trade union involvement are, however, usually not permitted.\n\nFreedom of association also applies to civil servants. They have the right to organise in trade unions. Trade unions may demand that the state recognise them as negotiating partners and grant them access to administrative buildings.\n\nThe provision implements international treaties, particularly the conventions of the International Labour Organisation and the European Convention on Human Rights. These oblige Switzerland to protect the freedom of association of the social partners.\n\nIn conflicts between employers and employees, Art. 28 Cst. also has effect in private law. Courts must respect freedom of association when deciding on dismissals or damages.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 28 FC was introduced with the total revision of the Federal Constitution in 1999. Freedom of association was not previously expressly enshrined in the Federal Constitution, but was recognised as an unwritten fundamental right based on freedom of assembly and international legal obligations (BBl 1997 I 172).\n\n**N. 2** The provision on strikes and lockouts (para. 3) was particularly controversial. The constituent assembly struggled for a balanced solution between recognising the right to strike and protecting industrial peace. The materials emphasise that only organised strikes by employee associations should be protected, not wildcat strikes (BBl 1997 I 173).\n\n**N. 3** The regulation is based on ILO Conventions No. 87 (Freedom of Association) and No. 98 (Right to Organise and Collective Bargaining) as well as Art. 11 ECHR and Art. 8 UN Covenant I, all of which Switzerland has ratified (BBl 1997 I 173).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 28 FC stands in the fundamental rights chapter of the Federal Constitution between freedom of assembly (→ Art. 23 FC) and the general procedural guarantees (→ Art. 29 FC). This position underlines its character as a special fundamental right for the labour law area.\n\n**N. 5** Freedom of association is closely linked to economic freedom (→ Art. 27 FC), but takes precedence as lex specialis. While economic freedom is primarily conceived as an individual right, freedom of association protects collective representation of interests in working life.\n\n**N. 6** For public personnel, the provisions on the principles of lawful conduct (→ Art. 5 FC) and the prohibition of discrimination (→ Art. 8 FC) additionally apply. Restrictions on freedom of association must meet the general requirements for fundamental rights restrictions (→ Art. 36 FC).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n#### Paragraph 1: Freedom of Association\n\n**N. 7** Freedom of association comprises three elements: freedom to establish (right to form associations), freedom to join (right to join such associations) and negative freedom of association (right to stay away). According to Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 9-13), the norm protects both the individual and the collective dimension of interest representation.\n\n**N. 8** Holders are natural and legal persons, both on the employee and employer side. The Federal Court clarified in **BGE 144 I 50** that trade unions can directly invoke freedom of association, even vis-à-vis the state as employer.\n\n**N. 9** Collective bargaining autonomy — the right to collectively negotiate working conditions — is an integral part of freedom of association according to prevailing doctrine. Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 21-22) emphasises that without the possibility of negotiation, freedom of association would be deprived of its core.\n\n#### Paragraph 2: Peaceful Conflict Resolution\n\n**N. 10** Para. 2 establishes a priority for peaceful dispute resolution, but does not establish an enforceable legal obligation. The norm is programmatic in nature and is primarily directed at the social partners (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 28 N. 40-41).\n\n#### Paragraph 3: Strike and Lockout\n\n**N. 11** The systematic anchoring of the right to strike is disputed. Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 3) locates freedom to strike as an aspect of freedom of association already in para. 1. Prevailing doctrine and case law, by contrast, see it anchored in para. 3 (BSK BV, Art. 28 N. 26).\n\n**N. 12** A lawful strike must meet four requirements according to **BGE 132 III 122**: (1) It must concern employment relations, (2) must not violate the peace obligation, (3) must be supported by an employee association and (4) be proportionate.\n\n**N. 13** The bearer of the right to strike is controversial. The Federal Court maintains in **BGE 125 III 277** that only employee organisations can decide on a strike (BSK BV, Art. 28 N. 15). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 15) criticises this restriction as incompatible with negative freedom of association.\n\n#### Paragraph 4: Strike Prohibitions\n\n**N. 14** The legislature can prohibit certain categories of persons from striking. Such prohibitions exist, for example, for civil servants with sovereign functions in the Federal Personnel Act (Art. 24 BPA). The restriction must meet the requirements of Art. 36 FC.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** Freedom of association has direct effect vis-à-vis the state as a fundamental right. In private law it works indirectly through the interpretation of indeterminate legal concepts such as «important reasons» (Art. 337 CO) or «abuse of rights» (Art. 2 CC).\n\n**N. 16** Participation in a lawful strike does not constitute a breach of contract. The employment contract is suspended, not terminated (**BGE 125 III 277**). Dismissal for participation in a strike is abusive within the meaning of Art. 336 CO.\n\n**N. 17** Trade unions can claim recognition as social partners based on freedom of association, provided they are sufficiently representative (**BGE 140 I 257**). This also includes access rights to businesses and administrative buildings (**BGE 144 I 50**).\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 18** **Wildcat strikes**: Prevailing doctrine considers wildcat strikes inadmissible, based on the materials (BSK BV, Art. 28 N. 43). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 43) objects that this view is untenable because of negative freedom of association. Portmann (Das Streikrecht, AJP 2007) advocates for a more differentiated consideration in light of UN Covenant I.\n\n**N. 19** **Political strikes**: According to prevailing doctrine, only strikes pursuing demands fulfillable by collective agreements are permissible (BSK BV, Art. 28 N. 45). Schiess Rütimann (BSK BV, Art. 28 N. 46) advocates a broader interpretation: Art. 28 para. 3 merely requires that strikes «concern employment relations».\n\n**N. 20** **Civil service strikes**: The permissibility of strikes in the public service must be assessed in a differentiated manner. Marti (Arbeitskampffreiheit im öffentlichen Dienst, 2009) distinguishes according to functions: sovereign core tasks justify strike prohibitions, while full freedom of association applies to operational activities.\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 21** When examining a strike, its lawfulness must first be assessed according to the criteria developed in **BGE 132 III 122**. The peace obligation from collective agreements (Art. 357a CO) deserves particular attention.\n\n**N. 22** For recognition as social partners, trade unions must demonstrate their representativeness. Membership numbers, geographical distribution and degree of organisation in the relevant sector are decisive (**BGE 140 I 257**).\n\n**N. 23** In public personnel law, cantonal strike prohibitions must be measured against Art. 36 FC. A general strike prohibition for all state employees would likely be disproportionate. Differentiation according to functions (sovereign/operational) offers a practicable approach.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Freedom of Association and Trade Union Activities\n\n**BGE 144 I 50** of 6 September 2017\nTrade union right of access to administrative buildings of public employers.\nThe judgment specifies the scope of freedom of association for trade unions in the public service.\n\n> «Freedom of association under Art. 28 FC is not merely a negative freedom, but also guarantees a minimum degree of positive freedom of action, which enables the actual exercise of trade union activity. The right of access to administrative buildings is an essential component of freedom of association, since without this right trade unions cannot effectively perform their tasks.»\n\n**BGE 140 I 257** of 26 July 2014 \nRecognition of a trade union as a social partner in the ETH domain.\nThe judgment specifies the requirements for recognition as a trade union entitled to negotiate.\n\n> «A trade union may invoke freedom of association to assert claims to participate in collective bargaining or to conclude a collective agreement with a public employer, insofar as it can be recognised as a social partner. This requires that it be sufficiently representative and behave loyally.»\n\n### Right to Strike and Industrial Action\n\n**BGE 132 III 122** of 13 September 2005\nLawfulness of industrial action measures and strike pickets.\nThe fundamental judgment defines the four requirements for lawful industrial action measures.\n\n> «Art. 28 FC concerning freedom of association has indirect third-party effect in the area of employment relations in the private sector. For an industrial action measure to be lawful, it must concern employment relations, not violate the relative peace obligation, be supported by an employees' association and respect the principle of proportionality.»\n\n**BGE 134 IV 216** of 3 April 2008\nCriminal liability for motorway blockades during a strike.\nThe judgment draws the boundaries between lawful strikes and criminal coercion.\n\n> «It is lawful to organise strike pickets provided they do not use force. As soon as strike pickets use violence to compel persons not to report to work, they go beyond the framework of the lawful exercise of an industrial action measure.»\n\n### Declaration of General Application of Collective Agreements\n\n**BGE 146 II 335** of 11 May 2020\nPrinciple of the «open door» in the declaration of general application.\nThe judgment addresses the requirements for the declaration of general application of collective agreements.\n\n> «If the principle of the 'open door' (Art. 2 para. 6 AVEG) is not observed, the declaration of general application must be refused; it is not sufficient to supplement the declaration of general application with a corresponding ancillary provision.»\n\n### Freedom of Association and Professional Associations\n\n**BGE 134 I 23** of 31 October 2007\nFreedom of association and social insurance in the public service.\nThe judgment addresses the scope of freedom of association in relation to pension funds.\n\nFurther relevant decisions concern the distinction between freedom of association (Art. 23 FC) and freedom of association (Art. 28 FC), where Art. 28 FC as the more specific provision governs employment relations between employers and employees.\n\n### Current Developments\n\nIn more recent decisions, the Federal Court has given greater consideration to the international dimension of freedom of association, particularly by reference to ILO Conventions Nos. 87 and 98 as well as Art. 11 ECHR. The case law is developing towards increased recognition of trade union rights also in the public sector.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_28", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-16", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 29, "article_suffix": "", "title": "Allgemeine Verfahrensgarantien", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 29 BV — Art. 29 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 29 BV — Art. 29 BV\n", "caselaw_de": "# Art. 29 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Rechtliches Gehör (Abs. 2)\n\n#### Replikrecht und Zustellungspflicht\n\n**BGE 137 I 195** vom 23. März 2011\nDas Replikrecht als Teilaspekt des rechtlichen Gehörs setzt die Zustellung aller Eingaben der Verfahrensbeteiligten voraus. Diese Verletzung kann nicht durch blosse Akteneinsichtsmöglichkeit geheilt werden.\n\n> «Die Wahrnehmung des Replikrechts als Teilaspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK setzt die Zustellung der von den übrigen Verfahrensbeteiligten eingereichten Eingaben voraus. Hat das Gericht eine solche Eingabe nicht zugestellt, befindet sie sich jedoch bei den Akten, kann die Rechtsmittelinstanz die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör nicht mit dem blossen Verweis auf die Möglichkeit der Akteneinsicht heilen.»\n\n**BGE 145 I 167** vom 26. November 2018\nInitianten haben unter bestimmten Umständen Anspruch auf rechtliches Gehör bei der Prüfung der Gültigkeit einer Volksinitiative durch die kantonale Exekutive. Das rechtliche Gehör wird nicht verletzt, wenn die Entscheidung auf einer vorhersehbaren rechtlichen Argumentation beruht.\n\n> «Unter bestimmten Umständen besteht für die Initianten ein Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV), wenn eine kantonale Exekutive über die Gültigkeit einer Initiative entscheidet, bevor dafür Unterschriften gesammelt werden.»\n\n#### Verfahrensmängel in der Rechtsprechung\n\n**BGE 136 I 229** vom 14. Mai 2010\nPrüfungsverfahren und Verletzung des rechtlichen Gehörs bei der Beurteilung von Masterabschlüssen. Ein Prüfungsergebnis kann mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde angefochten werden, wenn das Bestehen oder Nichtbestehen sowie Prädikate nach festen Regeln bestimmt werden.\n\n> «Ein Prüfungsergebnis (bzw. eine Note) kann mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde angefochten werden, wenn das Nichtbestehen, eine andere Rechtsfolge (wie der Ausschluss von der Weiterbildung) oder ein Prädikat in Frage steht, für das die Prüfungsordnung vorgibt, wie es zu bestimmen ist.»\n\n**BGE 126 I 97** vom 12. April 2000\nBegründungspflicht der entscheidenden Behörde in Bezug auf wesentliche Punkte als Teil des rechtlichen Gehörs. Die Behörde muss in ihrem Entscheid darlegen, weshalb sie bestimmte Beweismittel nicht berücksichtigt hat.\n\n> «Die Behörde muss in ihrem Entscheid darlegen, weshalb sie bestimmte Beweismittel oder Gesichtspunkte, die für die betroffene Partei von erheblicher Bedeutung waren und von dieser vorgebracht wurden, nicht berücksichtigt hat.»\n\n### Unentgeltliche Rechtspflege (Abs. 3)\n\n#### Grundsätze und Voraussetzungen\n\n**BGE 128 I 225** vom 14. August 2002\nAnspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Massnahmevollzug besteht nur für konkrete Verfahren, nicht für die gesamte Vollzugsdauer. Für die erstmalige Gewährung von Vollzugslockerungen ist angesichts der Komplexität und Tragweite eine Rechtsvertretung notwendig.\n\n> «Ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung besteht nur für ein konkretes Verfahren (z.B. Prüfung einer (probeweisen) Entlassung, von Vollzugslockerungen oder einzelnen Anordnungen), nicht jedoch für die gesamte Dauer des Vollzugs betreffend Ausgestaltung der Massnahme (Vollzugsplanung) sowie deren regelmässige Überprüfung.»\n\n**BGE 141 III 369** vom 27. August 2015\nTeilweise Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist zulässig. Eine Partei kann von Sicherheitsleistungen befreit werden, ohne dass ihr zwingend ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt werden muss.\n\n> «Es ist von Bundesrechts wegen nicht ausgeschlossen, die teilweise mittellose Partei zwar im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. a ZPO von Vorschuss- und Sicherheitsleistungen zu befreien, ihr aber keinen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen.»\n\n### Angemessene Verfahrensdauer (Abs. 1)\n\n**BGE 137 V 210** vom 31. März 2011\nFaire Verfahrensgestaltung bei der Einholung von Gutachten durch Medizinische Abklärungsstellen (MEDAS) in Sozialversicherungsverfahren. Die Parteien haben Anspruch auf Stellungnahme zu wesentlichen Verfahrenselementen.\n\n> «Auch unter Berücksichtigung der neueren Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte besteht im Verfahren um Zusprechung oder Verweigerung von Sozialversicherungsleistungen kein förmlicher Anspruch auf versicherungsunabhängige Begutachtung.»\n\n**BGE 135 V 465** vom 28. Oktober 2009\nBeweiswürdigung in Sozialversicherungsverfahren und die Bedeutung des fairen Verfahrens nach EMRK. Auch in verwaltungsrechtlichen Verfahren gelten die Grundsätze des Art. 29 Abs. 1 BV.\n\n> «Die entscheidende Behörde ist gehalten, die Beweiserhebung so zu gestalten, dass ein faires Verfahren gewährleistet ist und die Verfahrensbeteiligten ihre Rechte wirksam wahrnehmen können.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen (2020-2024)\n\n**Urteil 6B 172/2023** vom 24. Mai 2023\nVerletzung des rechtlichen Gehörs in Strafverfahren bei ungenügender Berücksichtigung von Einwänden des Beschuldigten zu wesentlichen Beweiswürdigungsfragen.\n\n**Urteil 8C_710/2022** vom 6. März 2023\nReplikrecht in Verwaltungsverfahren: Die Vorinstanz muss bei Anordnung eines Schriftenwechsels den Parteien ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme geben.\n\n**VB.2024.00020** vom 21. August 2024 (VG ZH)\nRechtliches Gehör bei behördlichen Auflagen: Eine Behörde verletzt das rechtliche Gehör, wenn sie Auflagen macht und ohne weitere prozessleitende Handlungen einen Endentscheid trifft.\n\n### Verhältnis zu Art. 6 EMRK\n\n**BGE 134 I 140** vom 7. Januar 2008\nSchutzmassnahmen gegen häusliche Gewalt und Verfahrensgarantien. Die Garantien des Art. 29 BV entsprechen im Wesentlichen denjenigen des Art. 6 EMRK, wobei Art. 29 BV auch für rein verwaltungsrechtliche Verfahren gilt.\n\n**BGE 142 II 218** vom 5. April 2016\nAmtshilfe in Steuersachen: Anwendung der Verfahrensgarantien bei internationalen Rechtshilfeverfahren. Die Frist zur Stellungnahme muss angemessen bemessen sein.\n\n**BGE 127 I 54** vom 29. Februar 2000\nWillkürverbot und rechtliches Gehör bei psychiatrischen Gutachten im Strafverfahren. Ein Gutachten ohne persönliche Untersuchung ist nur ausnahmsweise zulässig.\n\n> «Ein psychiatrisches Gutachten ohne persönliche Untersuchung des Betroffenen ist nur ausnahmsweise zulässig, wenn gewichtige Gründe eine persönliche Untersuchung verunmöglichen und andere Erkenntnisquellen für eine sachgerechte Beurteilung ausreichen.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Art. 29 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Droit d'être entendu (al. 2)\n\n#### Droit de duplique et obligation de notification\n\n**ATF 137 I 195** du 23 mars 2011\nLe droit de duplique en tant qu'aspect partiel du droit d'être entendu présuppose la notification de toutes les écritures des parties à la procédure. Cette violation ne peut pas être réparée par la simple possibilité de consultation du dossier.\n\n> « L'exercice du droit de duplique en tant qu'aspect partiel du droit d'être entendu selon l'art. 29 al. 2 Cst. et l'art. 6 ch. 1 CEDH présuppose la notification des écritures déposées par les autres parties à la procédure. Si le tribunal n'a pas notifié une telle écriture, mais qu'elle se trouve dans le dossier, l'instance de recours ne peut pas réparer la violation du droit d'être entendu par le simple renvoi à la possibilité de consultation du dossier. »\n\n**ATF 145 I 167** du 26 novembre 2018\nLes auteurs d'initiatives ont droit, dans certaines circonstances, d'être entendus lors de l'examen de la validité d'une initiative populaire par l'exécutif cantonal. Le droit d'être entendu n'est pas violé lorsque la décision repose sur une argumentation juridique prévisible.\n\n> « Dans certaines circonstances, les auteurs d'initiatives ont un droit d'être entendus (art. 29 al. 2 Cst.) lorsqu'un exécutif cantonal décide de la validité d'une initiative avant que des signatures ne soient récoltées à son sujet. »\n\n#### Vices de procédure dans la jurisprudence\n\n**ATF 136 I 229** du 14 mai 2010\nProcédure d'examen et violation du droit d'être entendu lors de l'évaluation de diplômes de master. Un résultat d'examen peut faire l'objet d'un recours constitutionnel subsidiaire lorsque la réussite ou l'échec ainsi que les mentions sont déterminés selon des règles fixes.\n\n> « Un résultat d'examen (resp. une note) peut faire l'objet d'un recours constitutionnel subsidiaire lorsque l'échec, une autre conséquence juridique (comme l'exclusion de la formation continue) ou une mention est en cause, pour laquelle le règlement d'examen prescrit comment elle doit être déterminée. »\n\n**ATF 126 I 97** du 12 avril 2000\nObligation de motiver de l'autorité décisionnelle concernant les points essentiels en tant que partie du droit d'être entendu. L'autorité doit exposer dans sa décision pourquoi elle n'a pas pris en considération certains moyens de preuve.\n\n> « L'autorité doit exposer dans sa décision pourquoi elle n'a pas pris en considération certains moyens de preuve ou aspects qui étaient d'une importance considérable pour la partie concernée et qui avaient été invoqués par celle-ci. »\n\n### Assistance judiciaire gratuite (al. 3)\n\n#### Principes et conditions\n\n**ATF 128 I 225** du 14 août 2002\nLe droit à l'assistance judiciaire gratuite dans l'exécution de mesures n'existe que pour des procédures concrètes, non pour toute la durée d'exécution. Pour l'octroi initial d'allègements du régime d'exécution, une représentation juridique est nécessaire compte tenu de la complexité et de la portée.\n\n> « Un droit à l'assistance judiciaire gratuite n'existe que pour une procédure concrète (p. ex. examen d'une libération (à l'essai), d'allègements du régime d'exécution ou d'ordonnances particulières), mais non pour toute la durée d'exécution concernant l'aménagement de la mesure (planification de l'exécution) ainsi que son réexamen régulier. »\n\n**ATF 141 III 369** du 27 août 2015\nL'octroi partiel de l'assistance judiciaire gratuite est admissible. Une partie peut être dispensée de sûretés sans qu'un avocat d'office doive nécessairement lui être accordé.\n\n> « Il n'est pas exclu par le droit fédéral de dispenser la partie partiellement indigente au sens de l'art. 118 al. 1 let. a CPC des avances et sûretés, mais de ne pas lui accorder d'avocat d'office. »\n\n### Durée raisonnable de la procédure (al. 1)\n\n**ATF 137 V 210** du 31 mars 2011\nAménagement équitable de la procédure lors de l'obtention d'expertises par les Services d'évaluation médicale (MEDAS) dans les procédures d'assurances sociales. Les parties ont le droit de prendre position sur les éléments essentiels de la procédure.\n\n> « Même en tenant compte de la jurisprudence plus récente de la Cour européenne des droits de l'homme, il n'existe pas dans la procédure concernant l'attribution ou le refus de prestations d'assurances sociales de droit formel à une expertise indépendante des assurances. »\n\n**ATF 135 V 465** du 28 octobre 2009\nAppréciation des preuves dans les procédures d'assurances sociales et l'importance de la procédure équitable selon la CEDH. Les principes de l'art. 29 al. 1 Cst. s'appliquent aussi dans les procédures de droit administratif.\n\n> « L'autorité décisionnelle est tenue d'aménager l'administration des preuves de manière à garantir une procédure équitable et à permettre aux parties à la procédure d'exercer efficacement leurs droits. »\n\n### Développements actuels (2020-2024)\n\n**Arrêt 6B 172/2023** du 24 mai 2023\nViolation du droit d'être entendu dans la procédure pénale en cas de prise en considération insuffisante des objections de l'accusé sur des questions essentielles d'appréciation des preuves.\n\n**Arrêt 8C_710/2022** du 6 mars 2023\nDroit de duplique dans les procédures administratives : L'instance précédente doit, lorsqu'elle ordonne un échange d'écritures, donner aux parties suffisamment l'occasion de prendre position.\n\n**VB.2024.00020** du 21 août 2024 (TA ZH)\nDroit d'être entendu en cas de charges imposées par l'autorité : Une autorité viole le droit d'être entendu lorsqu'elle impose des charges et rend une décision finale sans autres actes de direction de la procédure.\n\n### Rapport à l'art. 6 CEDH\n\n**ATF 134 I 140** du 7 janvier 2008\nMesures de protection contre la violence domestique et garanties de procédure. Les garanties de l'art. 29 Cst. correspondent essentiellement à celles de l'art. 6 CEDH, l'art. 29 Cst. s'appliquant aussi aux procédures purement administratives.\n\n**ATF 142 II 218** du 5 avril 2016\nEntraide administrative en matière fiscale : Application des garanties de procédure dans les procédures d'entraide judiciaire internationale. Le délai pour prendre position doit être fixé de manière appropriée.\n\n**ATF 127 I 54** du 29 février 2000\nInterdiction de l'arbitraire et droit d'être entendu en cas d'expertises psychiatriques dans la procédure pénale. Une expertise sans examen personnel n'est admissible qu'exceptionnellement.\n\n> « Une expertise psychiatrique sans examen personnel de la personne concernée n'est admissible qu'exceptionnellement, lorsque des motifs importants rendent impossible un examen personnel et que d'autres sources de connaissance suffisent pour une appréciation appropriée. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Art. 29 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Diritto di essere sentiti (cpv. 2)\n\n#### Diritto di replica e obbligo di notificazione\n\n**DTF 137 I 195** del 23 marzo 2011\nIl diritto di replica come aspetto parziale del diritto di essere sentiti presuppone la notificazione di tutti gli atti delle parti al procedimento. Tale violazione non può essere sanata dalla mera possibilità di consultare gli atti.\n\n> «L'esercizio del diritto di replica come aspetto parziale del diritto di essere sentiti secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. e l'art. 6 n. 1 CEDU presuppone la notificazione degli atti presentati dalle altre parti al procedimento. Se il tribunale non ha notificato tale atto, ma questo si trova negli atti, l'istanza di ricorso non può sanare la violazione del diritto di essere sentiti con il mero rinvio alla possibilità di consultare gli atti.»\n\n**DTF 145 I 167** del 26 novembre 2018\nGli iniziativisti hanno diritto di essere sentiti in determinate circostanze nell'esame della validità di un'iniziativa popolare da parte dell'esecutivo cantonale. Il diritto di essere sentiti non è violato quando la decisione si basa su un'argomentazione giuridica prevedibile.\n\n> «In determinate circostanze sussiste per gli iniziativisti un diritto di essere sentiti (art. 29 cpv. 2 Cost.) quando un esecutivo cantonale decide sulla validità di un'iniziativa prima che vengano raccolte le firme.»\n\n#### Vizi procedurali nella giurisprudenza\n\n**DTF 136 I 229** del 14 maggio 2010\nProcedura d'esame e violazione del diritto di essere sentiti nella valutazione di diplomi di master. Un risultato d'esame può essere impugnato con ricorso costituzionale sussidiario quando il superamento o meno dell'esame e i predicati sono determinati secondo regole fisse.\n\n> «Un risultato d'esame (rispettivamente un voto) può essere impugnato con ricorso costituzionale sussidiario quando è in questione il mancato superamento, un'altra conseguenza giuridica (come l'esclusione dalla formazione continua) o un predicato per il quale il regolamento d'esame prevede come deve essere determinato.»\n\n**DTF 126 I 97** del 12 aprile 2000\nObbligo di motivazione dell'autorità decidente sui punti essenziali come parte del diritto di essere sentiti. L'autorità deve esporre nella sua decisione perché non ha considerato determinati mezzi di prova.\n\n> «L'autorità deve esporre nella sua decisione perché non ha considerato determinati mezzi di prova o aspetti che erano di considerevole importanza per la parte interessata e da questa addotti.»\n\n### Assistenza giudiziaria gratuita (cpv. 3)\n\n#### Principi e presupposti\n\n**DTF 128 I 225** del 14 agosto 2002\nIl diritto all'assistenza legale gratuita nell'esecuzione di misure sussiste solo per procedimenti concreti, non per l'intera durata dell'esecuzione. Per la prima concessione di misure di attenuazione del regime di detenzione è necessaria una rappresentanza legale data la complessità e la portata.\n\n> «Un diritto all'assistenza legale gratuita sussiste solo per un procedimento concreto (p. es. esame di una liberazione (a titolo di prova), di misure di attenuazione del regime di detenzione o di singole ordinanze), non però per l'intera durata dell'esecuzione relativa alla configurazione della misura (pianificazione dell'esecuzione) e al suo controllo regolare.»\n\n**DTF 141 III 369** del 27 agosto 2015\nÈ ammissibile la concessione parziale dell'assistenza giudiziaria gratuita. Una parte può essere liberata dalle prestazioni di garanzia senza che le debba essere necessariamente concesso un patrocinio gratuito.\n\n> «Non è escluso dal diritto federale liberare la parte parzialmente indigente nel senso dell'art. 118 cpv. 1 lett. a CPC da prestazioni di anticipo e garanzia, ma non concederle un patrocinio gratuito.»\n\n### Durata ragionevole del procedimento (cpv. 1)\n\n**DTF 137 V 210** del 31 marzo 2011\nConfigurazione equa del procedimento nell'ottenimento di perizie da parte dei Servizi medici regionali (SMR) nei procedimenti di assicurazioni sociali. Le parti hanno diritto a prendere posizione su elementi procedurali essenziali.\n\n> «Anche considerando la giurisprudenza più recente della Corte europea dei diritti dell'uomo non sussiste nel procedimento per l'attribuzione o il rifiuto di prestazioni di assicurazioni sociali un diritto formale a una perizia indipendente dall'assicurazione.»\n\n**DTF 135 V 465** del 28 ottobre 2009\nValutazione delle prove nei procedimenti di assicurazioni sociali e l'importanza del procedimento equo secondo la CEDU. Anche nei procedimenti di diritto amministrativo valgono i principi dell'art. 29 cpv. 1 Cost.\n\n> «L'autorità decidente è tenuta a configurare l'assunzione di prove in modo tale da garantire un procedimento equo e che le parti al procedimento possano esercitare efficacemente i loro diritti.»\n\n### Sviluppi attuali (2020-2024)\n\n**Sentenza 6B 172/2023** del 24 maggio 2023\nViolazione del diritto di essere sentiti nel procedimento penale per insufficiente considerazione delle obiezioni dell'imputato su questioni essenziali di valutazione delle prove.\n\n**Sentenza 8C_710/2022** del 6 marzo 2023\nDiritto di replica nei procedimenti amministrativi: l'istanza precedente deve dare alle parti sufficiente opportunità di prendere posizione quando ordina uno scambio di scritti.\n\n**VB.2024.00020** del 21 agosto 2024 (TAF ZH)\nDiritto di essere sentiti in caso di oneri imposti dall'autorità: un'autorità viola il diritto di essere sentiti quando impone oneri e prende una decisione finale senza ulteriori atti di direzione del processo.\n\n### Rapporto con l'art. 6 CEDU\n\n**DTF 134 I 140** del 7 gennaio 2008\nMisure di protezione contro la violenza domestica e garanzie procedurali. Le garanzie dell'art. 29 Cost. corrispondono essenzialmente a quelle dell'art. 6 CEDU, mentre l'art. 29 Cost. vale anche per i procedimenti di puro diritto amministrativo.\n\n**DTF 142 II 218** del 5 aprile 2016\nAssistenza amministrativa in materia fiscale: applicazione delle garanzie procedurali nei procedimenti di assistenza giudiziaria internazionale. Il termine per prendere posizione deve essere ragionevolmente misurato.\n\n**DTF 127 I 54** del 29 febbraio 2000\nDivieto dell'arbitrio e diritto di essere sentiti per le perizie psichiatriche nel procedimento penale. Una perizia senza esame personale è ammissibile solo eccezionalmente.\n\n> «Una perizia psichiatrica senza esame personale dell'interessato è ammissibile solo eccezionalmente quando motivi di peso rendono impossibile un esame personale e altre fonti di conoscenza sono sufficienti per una valutazione adeguata.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Art. 29 BV\n\n## Caselaw\n\n### Right to be heard (para. 2)\n\n#### Right of rejoinder and service obligation\n\n**BGE 137 I 195** of 23 March 2011\nThe right of rejoinder as an aspect of the right to be heard requires service of all submissions by the parties to the proceedings. This violation cannot be cured by mere possibility of file inspection.\n\n> «The exercise of the right of rejoinder as an aspect of the right to be heard pursuant to Art. 29 para. 2 Cst. and Art. 6 no. 1 ECHR requires service of the submissions filed by the other parties to the proceedings. If the court has not served such a submission but it is in the file, the appellate instance cannot cure the violation of the right to be heard with mere reference to the possibility of file inspection.»\n\n**BGE 145 I 167** of 26 November 2018\nUnder certain circumstances, initiators have a right to be heard when the cantonal executive reviews the validity of a popular initiative. The right to be heard is not violated when the decision is based on foreseeable legal argumentation.\n\n> «Under certain circumstances, there exists for initiators a right to be heard (Art. 29 para. 2 Cst.) when a cantonal executive decides on the validity of an initiative before signatures are collected for it.»\n\n#### Procedural defects in jurisprudence\n\n**BGE 136 I 229** of 14 May 2010\nExamination procedures and violation of the right to be heard in the assessment of master's degrees. An examination result can be challenged by subsidiary constitutional complaint when passing or failing as well as grades are determined according to fixed rules.\n\n> «An examination result (or a grade) can be challenged by subsidiary constitutional complaint when failing, another legal consequence (such as exclusion from continuing education) or a grade is at issue for which the examination regulations prescribe how it is to be determined.»\n\n**BGE 126 I 97** of 12 April 2000\nDuty of the deciding authority to give reasons regarding essential points as part of the right to be heard. The authority must explain in its decision why it did not consider certain evidence.\n\n> «The authority must explain in its decision why it did not consider certain evidence or aspects that were of considerable importance to the affected party and were raised by it.»\n\n### Free legal assistance (para. 3)\n\n#### Principles and requirements\n\n**BGE 128 I 225** of 14 August 2002\nRight to free legal representation in enforcement of measures exists only for specific proceedings, not for the entire duration of enforcement. For the initial granting of relaxations of enforcement, legal representation is necessary given the complexity and significance.\n\n> «A right to free legal representation exists only for a specific proceeding (e.g. review of a (provisional) release, relaxations of enforcement or individual orders), but not for the entire duration of enforcement regarding the design of the measure (enforcement planning) and its regular review.»\n\n**BGE 141 III 369** of 27 August 2015\nPartial granting of free legal assistance is permissible. A party can be exempted from security payments without necessarily being granted free legal counsel.\n\n> «It is not excluded under federal law to exempt the partially indigent party in the sense of Art. 118 para. 1 lit. a CPC from advance and security payments, but not to grant free legal counsel.»\n\n### Reasonable duration of proceedings (para. 1)\n\n**BGE 137 V 210** of 31 March 2011\nFair procedure design when obtaining expert opinions from Medical Assessment Offices (MEDAS) in social insurance proceedings. The parties have a right to comment on essential procedural elements.\n\n> «Even considering the more recent jurisprudence of the European Court of Human Rights, there is no formal right to insurance-independent expert assessment in proceedings concerning the granting or denial of social insurance benefits.»\n\n**BGE 135 V 465** of 28 October 2009\nAssessment of evidence in social insurance proceedings and the significance of fair proceedings under ECHR. The principles of Art. 29 para. 1 Cst. also apply in administrative proceedings.\n\n> «The deciding authority is required to design the taking of evidence in such a way that fair proceedings are ensured and the parties to the proceedings can effectively exercise their rights.»\n\n### Recent developments (2020-2024)\n\n**Judgment 6B 172/2023** of 24 May 2023\nViolation of the right to be heard in criminal proceedings due to insufficient consideration of the accused's objections to essential questions of evidence assessment.\n\n**Judgment 8C_710/2022** of 6 March 2023\nRight of rejoinder in administrative proceedings: When ordering an exchange of briefs, the lower instance must give the parties sufficient opportunity to comment.\n\n**VB.2024.00020** of 21 August 2024 (VG ZH)\nRight to be heard regarding official conditions: An authority violates the right to be heard when it imposes conditions and makes a final decision without further procedural steps.\n\n### Relationship to Art. 6 ECHR\n\n**BGE 134 I 140** of 7 January 2008\nProtective measures against domestic violence and procedural guarantees. The guarantees of Art. 29 Cst. essentially correspond to those of Art. 6 ECHR, whereby Art. 29 Cst. also applies to purely administrative proceedings.\n\n**BGE 142 II 218** of 5 April 2016\nOfficial assistance in tax matters: Application of procedural guarantees in international legal assistance proceedings. The deadline for comments must be reasonably set.\n\n**BGE 127 I 54** of 29 February 2000\nProhibition of arbitrariness and right to be heard regarding psychiatric expert opinions in criminal proceedings. An expert opinion without personal examination is only exceptionally permissible.\n\n> «A psychiatric expert opinion without personal examination of the person concerned is only exceptionally permissible when substantial reasons make personal examination impossible and other sources of knowledge are sufficient for a proper assessment.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_29", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 29, "article_suffix": "a", "title": "Rechtsweggarantie", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 29a BV — Art. 29a BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 29a BV — Art. 29a BV\n", "caselaw_de": "# Art. 29a BV\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 29a BV entwickelte sich seit dem Inkrafttreten der Rechtsweggarantie am 1. Januar 2007 in verschiedenen Bereichen. Das Bundesgericht definierte die Grundlagen der Rechtsweggarantie und ihre praktischen Auswirkungen systematisch.\n\n### Grundlagen und Grenzen der Rechtsweggarantie\n\n**BGE 135 I 6** vom 22. Dezember 2008\nDas Verwaltungsgericht des Kantons Zürich ist als letzte kantonale Rechtsmittelinstanz in Straf- und Massnahmevollzugsstreitigkeiten zuständig.\nGrundsatzentscheid zur Umsetzung der Rechtsweggarantie nach Inkrafttreten des BGG.\n\n> «Gemäss Art. 29a BV hat jede Person bei Rechtsstreitigkeiten Anspruch auf Beurteilung durch eine richterliche Behörde. Diese Bestimmung, die so genannte Rechtsweggarantie, ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Sie wird in strafrechtlichen Angelegenheiten durch Art. 80 Abs. 2 BGG konkretisiert.»\n\n**BGE 134 I 199** vom 17. März 2008\nErfordernis einer richterlichen Behörde als letzte kantonale Rechtsmittelinstanz in Stimmrechtsangelegenheiten.\nWegweisender Entscheid zur Auslegung der Rechtsweggarantie in politischen Rechten.\n\n> «Beschwerden betreffend Volksabstimmungen in kantonalen Angelegenheiten sind gegen Akte letzter kantonaler Instanzen zulässig. Die Kantone sehen gegen behördliche Akte, welche die politischen Rechte verletzen können, ein Rechtsmittel vor.»\n\n### Formelle Rechtsverweigerung und Verfahrensgarantien\n\n**BGE 141 I 172** vom 24. August 2015\nDie Oberaufsicht des Parlaments trägt überwiegend politische Züge, was den Kantonen erlaubt, eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie vorzusehen.\nPräzisierung der Ausnahmen vom Anwendungsbereich der Rechtsweggarantie.\n\n> «Der Ausschluss der Zuständigkeit der kantonalen Gerichtsbehörden für die Prüfung der Ausübung der parlamentarischen Oberaufsicht verletzt weder das Willkürverbot noch die Rechtsweggarantie; die Oberaufsicht trägt überwiegend politische Züge, was den Kantonen erlaubt, eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie vorzusehen.»\n\n**BGE 148 I 104** vom Jahr 2022\nDer negative Kompetenzkonflikt läuft für den betroffenen Rechtssuchenden auf eine formelle Rechtsverweigerung und eine Verletzung der Rechtsweggarantie hinaus.\nKonkretisierung des Schutzes vor formeller Rechtsverweigerung bei Zuständigkeitskonflikten.\n\n> «Der zu beurteilende negative Kompetenzkonflikt läuft für den betroffenen Rechtssuchenden auf eine formelle Rechtsverweigerung und eine Verletzung der Rechtsweggarantie hinaus.»\n\n### Ausnahmen und Grenzen\n\n**BGE 146 I 62** vom 14. Januar 2020\nSozialhilferechtliche Auflagen und Weisungen sind nicht selbstständig anfechtbar, was die Rechtsweggarantie nicht verletzt.\nBestätigung, dass nicht jede hoheitliche Massnahme einen eigenständigen Rechtsweg eröffnet.\n\n> «§ 21 Abs. 2 SHG/ZH, wonach sozialhilferechtliche Auflagen und Weisungen nicht selbstständig anfechtbar sind, verletzt - vorbehältlich allfälliger besonders gelagerter Einzelfälle - kein Bundesrecht. Insbesondere verstösst diese Regelung nicht gegen die Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a BV.»\n\n### Materielle Durchsetzung der Rechtsweggarantie\n\n**BGE 137 I 128** vom 15. Dezember 2010\nDas fehlende Rechtsmittel gegen kantonale Entscheide, die ein Aufenthaltsbewilligungsverfahren nach Art. 14 Abs. 4 AsylG verweigern, verstösst gegen die Rechtsweggarantie nach Art. 29a BV.\nAufzeigung einer Schutzlücke im Asylrecht, die nur festgestellt, aber nicht behoben werden konnte.\n\n> «Das fehlende Rechtsmittel gegen kantonale Entscheide, die ein Aufenthaltsbewilligungsverfahren nach Art. 14 Abs. 4 AsylG verweigern, verstösst gegen die Rechtsweggarantie nach Art. 29a BV. Das Bundesgericht kann dies Art. 190 BV zufolge nur feststellen.»\n\n### Verhältnis zu anderen Verfahrensgarantien\n\n**BGE 139 I 206** vom 1. Januar 2013\nTragweite des ausländerrechtlichen Beschleunigungsgebots im Zusammenhang mit der Rechtsweggarantie.\nKonkretisierung der Anforderungen an ein beschleunigtes Verfahren bei Freiheitsentzug.\n\n> «Dauert die ausländerrechtliche Festhaltung aufgrund eines neuen kantonalen Haftentscheids fort, welcher auf der gleichen rechtlichen und tatsächlichen Grundlage beruht wie der angefochtene Haftentscheid, ist grundsätzlich kein neues Beschwerdeverfahren erforderlich.»\n\n**BGE 145 I 52** vom 5. September 2018\nGemeindeautonomie, Rechtsweggarantie und kantonale Verfahrensautonomie stehen in einem Spannungsverhältnis.\nAbgrenzung zwischen Rechtsweggarantie und kantonaler Verfahrenshoheit im Baurecht.\n\n> «Das Baurekursgericht des Kantons Zürich darf auch dann, wenn es nach § 20 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes des Kantons Zürich (VRG) eine Angemessenheitsprüfung vorzunehmen hat, einen Einordnungsentscheid der kommunalen Baubehörde nur aufheben, wenn diese bei der Anwendung der Ästhetikregelung Bundesrecht verletzt hat.»\n\n### Verfahrensrechtliche Umsetzung\n\n**BGE 149 I 72** vom 1. November 2022\nAnspruch auf eine asylrechtliche Härtefallbewilligung im Verhältnis zur Rechtsweggarantie.\nNeuere Entwicklung zu den Grenzen der Rechtsweggarantie im Ausländerrecht.\n\n> «Damit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG offensteht, muss der Beschwerdeführer in vertretbarer Weise ein Recht auf Aufenthalt in der Schweiz geltend machen.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Art. 29a Cst.\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 29a Cst. s'est développée depuis l'entrée en vigueur de la garantie de l'accès au juge le 1er janvier 2007 dans différents domaines. Le Tribunal fédéral a défini systématiquement les fondements de la garantie de l'accès au juge et ses effets pratiques.\n\n### Fondements et limites de la garantie de l'accès au juge\n\n**ATF 135 I 6** du 22 décembre 2008\nLe Tribunal administratif du canton de Zurich est compétent en tant que dernière instance de recours cantonale dans les litiges relatifs à l'exécution des peines et mesures.\nArrêt de principe sur la mise en œuvre de la garantie de l'accès au juge après l'entrée en vigueur de la LTF.\n\n> « Selon l'art. 29a Cst., toute personne a droit, en cas de litige, à ce que sa cause soit jugée par une autorité judiciaire. Cette disposition, appelée garantie de l'accès au juge, est entrée en vigueur le 1er janvier 2007. Elle est concrétisée en matière pénale par l'art. 80 al. 2 LTF. »\n\n**ATF 134 I 199** du 17 mars 2008\nExigence d'une autorité judiciaire comme dernière instance de recours cantonale dans les affaires de droits politiques.\nArrêt déterminant sur l'interprétation de la garantie de l'accès au juge en matière de droits politiques.\n\n> « Les recours concernant les votations populaires dans les affaires cantonales sont recevables contre les actes des dernières instances cantonales. Les cantons prévoient un recours contre les actes des autorités qui peuvent porter atteinte aux droits politiques. »\n\n### Déni de justice formel et garanties procédurales\n\n**ATF 141 I 172** du 24 août 2015\nLa haute surveillance du parlement revêt un caractère essentiellement politique, ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de l'accès au juge.\nPrécision des exceptions au champ d'application de la garantie de l'accès au juge.\n\n> « L'exclusion de la compétence des autorités judiciaires cantonales pour examiner l'exercice de la haute surveillance parlementaire ne viole ni l'interdiction de l'arbitraire ni la garantie de l'accès au juge ; la haute surveillance revêt un caractère essentiellement politique, ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de l'accès au juge. »\n\n**ATF 148 I 104** de l'année 2022\nLe conflit négatif de compétences équivaut pour le justiciable concerné à un déni de justice formel et à une violation de la garantie de l'accès au juge.\nConcrétisation de la protection contre le déni de justice formel en cas de conflits de compétence.\n\n> « Le conflit négatif de compétences à examiner équivaut pour le justiciable concerné à un déni de justice formel et à une violation de la garantie de l'accès au juge. »\n\n### Exceptions et limites\n\n**ATF 146 I 62** du 14 janvier 2020\nLes charges et instructions relevant du droit de l'aide sociale ne peuvent pas faire l'objet d'un recours autonome, ce qui ne viole pas la garantie de l'accès au juge.\nConfirmation que toute mesure de puissance publique n'ouvre pas nécessairement une voie de droit autonome.\n\n> « Le § 21 al. 2 SHG/ZH, selon lequel les charges et instructions relevant du droit de l'aide sociale ne peuvent pas faire l'objet d'un recours autonome, ne viole - sous réserve d'éventuels cas particuliers - aucun droit fédéral. Cette réglementation ne contrevient notamment pas à la garantie de l'accès au juge selon l'art. 29a Cst. »\n\n### Mise en œuvre matérielle de la garantie de l'accès au juge\n\n**ATF 137 I 128** du 15 décembre 2010\nL'absence de voie de recours contre les décisions cantonales qui refusent une procédure d'autorisation de séjour selon l'art. 14 al. 4 LAsi contrevient à la garantie de l'accès au juge selon l'art. 29a Cst.\nMise en évidence d'une lacune de protection dans le droit d'asile, qui ne pouvait être que constatée mais non comblée.\n\n> « L'absence de voie de recours contre les décisions cantonales qui refusent une procédure d'autorisation de séjour selon l'art. 14 al. 4 LAsi contrevient à la garantie de l'accès au juge selon l'art. 29a Cst. Le Tribunal fédéral ne peut que le constater en vertu de l'art. 190 Cst. »\n\n### Rapport avec d'autres garanties procédurales\n\n**ATF 139 I 206** du 1er janvier 2013\nPortée de l'impératif d'accélération du droit des étrangers en relation avec la garantie de l'accès au juge.\nConcrétisation des exigences d'une procédure accélérée en cas de privation de liberté.\n\n> « Lorsque la détention en vue du renvoi se poursuit en raison d'une nouvelle décision cantonale de détention qui se fonde sur les mêmes bases juridiques et factuelles que la décision de détention attaquée, aucune nouvelle procédure de recours n'est en principe requise. »\n\n**ATF 145 I 52** du 5 septembre 2018\nL'autonomie communale, la garantie de l'accès au juge et l'autonomie procédurale cantonale sont en tension.\nDélimitation entre la garantie de l'accès au juge et la souveraineté procédurale cantonale en droit de la construction.\n\n> « Le Tribunal de recours en matière de construction du canton de Zurich ne peut, même lorsqu'il doit procéder à un examen de l'opportunité selon le § 20 al. 1 de la loi sur la procédure administrative du canton de Zurich (VRG), annuler une décision de classement de l'autorité communale de construction que si cette dernière a violé le droit fédéral dans l'application de la réglementation esthétique. »\n\n### Mise en œuvre procédurale\n\n**ATF 149 I 72** du 1er novembre 2022\nDroit à une autorisation pour cas de rigueur en matière d'asile par rapport à la garantie de l'accès au juge.\nDéveloppement récent sur les limites de la garantie de l'accès au juge en droit des étrangers.\n\n> « Pour que le recours en matière de droit public selon l'art. 83 let. c ch. 2 LTF soit ouvert, le recourant doit faire valoir de manière défendable un droit de séjour en Suisse. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Art. 29a BV\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 29a BV si è sviluppata in vari ambiti dall'entrata in vigore della garanzia della via giudiziaria il 1° gennaio 2007. Il Tribunale federale ha definito sistematicamente i fondamenti della garanzia della via giudiziaria e i suoi effetti pratici.\n\n### Fondamenti e limiti della garanzia della via giudiziaria\n\n**DTF 135 I 6** del 22 dicembre 2008\nIl Tribunale amministrativo del Canton Zurigo è competente quale ultima istanza cantonale di ricorso nelle controversie di diritto penale e dell'esecuzione di misure.\nDecisione di principio sull'attuazione della garanzia della via giudiziaria dopo l'entrata in vigore della LTF.\n\n> «Secondo l'art. 29a Cost., ogni persona ha diritto, nelle controversie giuridiche, al giudizio da parte di un'autorità giudiziaria. Questa disposizione, la cosiddetta garanzia della via giudiziaria, è entrata in vigore il 1° gennaio 2007. Nelle questioni penali è concretizzata dall'art. 80 cpv. 2 LTF.»\n\n**DTF 134 I 199** del 17 marzo 2008\nRequisito di un'autorità giudiziaria quale ultima istanza cantonale di ricorso nelle questioni di diritti politici.\nDecisione fondamentale sull'interpretazione della garanzia della via giudiziaria nei diritti politici.\n\n> «I ricorsi concernenti votazioni popolari in questioni cantonali sono ammissibili contro atti di ultime istanze cantonali. I Cantoni prevedono un rimedio giuridico contro atti dell'autorità che possono violare i diritti politici.»\n\n### Denegata giustizia formale e garanzie procedurali\n\n**DTF 141 I 172** del 24 agosto 2015\nL'alta vigilanza del Parlamento presenta carattere prevalentemente politico, il che permette ai Cantoni di prevedere un'eccezione alla garanzia della via giudiziaria.\nPrecisazione delle eccezioni al campo di applicazione della garanzia della via giudiziaria.\n\n> «L'esclusione della competenza delle autorità giudiziarie cantonali per l'esame dell'esercizio dell'alta vigilanza parlamentare non viola né il divieto dell'arbitrio né la garanzia della via giudiziaria; l'alta vigilanza presenta carattere prevalentemente politico, il che permette ai Cantoni di prevedere un'eccezione alla garanzia della via giudiziaria.»\n\n**DTF 148 I 104** del 2022\nIl conflitto negativo di competenza equivale per la persona interessata in cerca di giustizia a una denegata giustizia formale e a una violazione della garanzia della via giudiziaria.\nConcretizzazione della protezione contro la denegata giustizia formale nei conflitti di competenza.\n\n> «Il conflitto negativo di competenza da giudicare equivale per la persona interessata in cerca di giustizia a una denegata giustizia formale e a una violazione della garanzia della via giudiziaria.»\n\n### Eccezioni e limiti\n\n**DTF 146 I 62** del 14 gennaio 2020\nGli oneri e le istruzioni di diritto dell'assistenza sociale non sono impugnabili autonomamente, il che non viola la garanzia della via giudiziaria.\nConferma che non ogni misura autoritaria apre una via giuridica autonoma.\n\n> «Il § 21 cpv. 2 SHG/ZH, secondo cui gli oneri e le istruzioni di diritto dell'assistenza sociale non sono impugnabili autonomamente, non viola - salve eventuali singoli casi particolarmente configurati - il diritto federale. In particolare, questa disciplina non contrasta con la garanzia della via giudiziaria secondo l'art. 29a Cost.»\n\n### Attuazione materiale della garanzia della via giudiziaria\n\n**DTF 137 I 128** del 15 dicembre 2010\nLa mancanza di un rimedio giuridico contro decisioni cantonali che rifiutano una procedura di permesso di dimora secondo l'art. 14 cpv. 4 LAsi viola la garanzia della via giudiziaria secondo l'art. 29a Cost.\nDimostrazione di una lacuna di protezione nel diritto d'asilo, che può solo essere constatata ma non colmata.\n\n> «La mancanza di un rimedio giuridico contro decisioni cantonali che rifiutano una procedura di permesso di dimora secondo l'art. 14 cpv. 4 LAsi viola la garanzia della via giudiziaria secondo l'art. 29a Cost. Il Tribunale federale può solo constatarlo in virtù dell'art. 190 Cost.»\n\n### Rapporto con altre garanzie procedurali\n\n**DTF 139 I 206** del 1° gennaio 2013\nPortata del precetto di accelerazione del diritto degli stranieri nel contesto della garanzia della via giudiziaria.\nConcretizzazione dei requisiti per una procedura accelerata in caso di privazione della libertà.\n\n> «Se la detenzione amministrativa continua in base a una nuova decisione di carcerazione cantonale fondata sulla stessa base giuridica e fattuale della decisione di carcerazione impugnata, non è in principio necessaria una nuova procedura di ricorso.»\n\n**DTF 145 I 52** del 5 settembre 2018\nL'autonomia comunale, la garanzia della via giudiziaria e l'autonomia procedurale cantonale si trovano in rapporto di tensione.\nDelimitazione tra garanzia della via giudiziaria e sovranità procedurale cantonale nel diritto edilizio.\n\n> «Il Tribunale di ricorso edilizio del Canton Zurigo può, anche quando deve effettuare un controllo di adeguatezza secondo il § 20 cpv. 1 della Legge sulla giustizia amministrativa del Canton Zurigo (VRG), annullare una decisione di classificazione dell'autorità edilizia comunale solo se questa ha violato il diritto federale nell'applicazione della regolamentazione estetica.»\n\n### Attuazione procedurale\n\n**DTF 149 I 72** del 1° novembre 2022\nDiritto a un permesso per casi di rigore di diritto d'asilo nel rapporto con la garanzia della via giudiziaria.\nSviluppo più recente sui limiti della garanzia della via giudiziaria nel diritto degli stranieri.\n\n> «Perché sia aperto il ricorso in materia di diritto pubblico secondo l'art. 83 lett. c n. 2 LTF, il ricorrente deve far valere in modo sostenibile un diritto di soggiorno in Svizzera.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Art. 29a Cst.\n\n## Case Law\n\nCase law on Art. 29a Cst. has developed in various areas since the right to judicial review came into force on 1 January 2007. The Federal Supreme Court systematically defined the foundations of the right to judicial review and its practical implications.\n\n### Foundations and Limits of the Right to Judicial Review\n\n**BGE 135 I 6** of 22 December 2008\nThe Administrative Court of the Canton of Zurich is competent as the final cantonal appellate instance in criminal and measure enforcement disputes.\nFundamental decision on the implementation of the right to judicial review following the coming into force of the FSCA.\n\n> «According to Art. 29a Cst., every person has the right to have legal disputes decided by a judicial authority. This provision, the so-called right to judicial review, came into force on 1 January 2007. In criminal matters it is given concrete form by Art. 80 para. 2 FSCA.»\n\n**BGE 134 I 199** of 17 March 2008\nRequirement for a judicial authority as the final cantonal appellate instance in voting rights matters.\nLandmark decision on the interpretation of the right to judicial review in political rights.\n\n> «Appeals concerning popular votes in cantonal matters are admissible against acts of final cantonal instances. The cantons provide for a remedy against official acts that may violate political rights.»\n\n### Formal Denial of Justice and Procedural Guarantees\n\n**BGE 141 I 172** of 24 August 2015\nParliamentary oversight bears predominantly political features, which allows the cantons to provide for an exception to the right to judicial review.\nClarification of exceptions to the scope of application of the right to judicial review.\n\n> «The exclusion of the competence of cantonal judicial authorities to review the exercise of parliamentary oversight violates neither the prohibition of arbitrariness nor the right to judicial review; oversight bears predominantly political features, which allows the cantons to provide for an exception to the right to judicial review.»\n\n**BGE 148 I 104** of 2022\nThe negative conflict of competence amounts to a formal denial of justice and a violation of the right to judicial review for the affected litigant.\nSpecification of protection against formal denial of justice in competence conflicts.\n\n> «The negative conflict of competence to be assessed amounts to a formal denial of justice and a violation of the right to judicial review for the affected litigant.»\n\n### Exceptions and Limits\n\n**BGE 146 I 62** of 14 January 2020\nSocial assistance conditions and instructions are not independently appealable, which does not violate the right to judicial review.\nConfirmation that not every sovereign measure opens up an independent legal remedy.\n\n> «§ 21 para. 2 SHG/ZH, according to which social assistance conditions and instructions are not independently appealable, does not violate - subject to any particularly situated individual cases - any federal law. In particular, this regulation does not violate the right to judicial review according to Art. 29a Cst.»\n\n### Material Enforcement of the Right to Judicial Review\n\n**BGE 137 I 128** of 15 December 2010\nThe absence of a remedy against cantonal decisions that refuse a residence permit procedure according to Art. 14 para. 4 AsylA violates the right to judicial review according to Art. 29a Cst.\nIdentification of a protection gap in asylum law, which could only be established but not remedied.\n\n> «The absence of a remedy against cantonal decisions that refuse a residence permit procedure according to Art. 14 para. 4 AsylA violates the right to judicial review according to Art. 29a Cst. The Federal Supreme Court can only establish this pursuant to Art. 190 Cst.»\n\n### Relationship to Other Procedural Guarantees\n\n**BGE 139 I 206** of 1 January 2013\nScope of the acceleration requirement under immigration law in connection with the right to judicial review.\nSpecification of requirements for accelerated proceedings in case of deprivation of liberty.\n\n> «If immigration law detention continues based on a new cantonal detention decision that is based on the same legal and factual grounds as the contested detention decision, no new appeal procedure is generally required.»\n\n**BGE 145 I 52** of 5 September 2018\nMunicipal autonomy, the right to judicial review and cantonal procedural autonomy stand in a relationship of tension.\nDelineation between the right to judicial review and cantonal procedural sovereignty in construction law.\n\n> «The Building Appeal Court of the Canton of Zurich may, even when it has to conduct an appropriateness review according to § 20 para. 1 of the Administrative Justice Act of the Canton of Zurich (VRG), only overturn a classification decision of the municipal building authority if it has violated federal law in the application of aesthetic regulations.»\n\n### Procedural Implementation\n\n**BGE 149 I 72** of 1 November 2022\nEntitlement to an asylum law hardship permit in relation to the right to judicial review.\nRecent development on the limits of the right to judicial review in immigration law.\n\n> «For an appeal in public law matters according to Art. 83 lit. c no. 2 FSCA to be open, the appellant must assert in a defensible manner a right to residence in Switzerland.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_29a", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 30, "article_suffix": "", "title": "Gerichtliche Verfahren", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 30 BV — Art. 30 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 30 BV — Art. 30 BV\n", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätze des verfassungsmässigen Richters\n\n**BGE 131 I 113** vom 3. Mai 2005 E. 3.4\nGrundlegende Richtlinie zur Richtergarantie nach Art. 30 Abs. 1 BV.\nBestätigt umfassenden Anspruch auf unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirkung sachfremder Umstände.\n\n> «Nach der in Art. 58 Abs. 1 aBV bzw. im materiell unverändert in die neue Bundesverfassung vom 18. April 1999 überführten Art. 30 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Garantie des verfassungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird.»\n\n**BGE 140 I 271** vom 2014 E. 8.1-8.4\nStrukturelle Unabhängigkeit bei spezialisierten Gerichten (Steuerrekurskommission Wallis).\nDie in Art. 30 Abs. 1 BV vorgesehenen Unabhängigkeitsgarantien gelten auch für Hilfsorgane richterlicher Behörden mit Entscheidungsbefugnis.\n\n> «Als richterliche Behörde muss die Steuerrekurskommission des Kantons Wallis die in Art. 30 Abs. 1 BV vorgesehenen Unabhängigkeitsgarantien erfüllen. Diese Garantien gelten aufgrund seiner Aufgaben auch für den Schreiber dieser Kommission.»\n\n**BGE 126 I 68** vom 1. Januar 2000 E. 4\nAbgrenzung zwischen Art. 29 und Art. 30 BV bei Untersuchungsrichtern.\nArt. 30 Abs. 1 BV gilt primär für richtende, nicht für ermittelnde Tätigkeiten.\n\n## Anschein der Befangenheit\n\n### Persönliche Verhältnisse\n\n**BGE 134 I 20** vom 29. November 2007 E. 4.2-4.3\nMassgebliches Urteil zur objektiven Befangenheit bei persönlichen Konflikten.\nRichter, der gegen Verfahrensbeteiligte Strafanzeige erstattet und Zivilklage erhoben hat, muss in Ausstand treten.\n\n> «La garantie d'un tribunal indépendant et impartial instituée par les art. 30 al. 1 Cst. et 6 par. 1 CEDH [...] n'impose pas la récusation seulement lorsqu'une prévention effective est établie, car une disposition interne de la part du juge ne peut guère être prouvée; il suffit que les circonstances donnent l'apparence d'une prévention et fassent redouter une activité partiale du magistrat.»\n\n**BGE 144 I 159** vom 14. Mai 2018 E. 4\nFacebook-«Freundschaft» als Ablehnungsgrund.\nSoziale Medien-Verbindungen müssen nach Intensität und Qualität der Beziehung beurteilt werden.\n\n> «'Freundschaft' auf Facebook kann einen Ablehnungsgrund darstellen, wenn ein Zusammenhang besteht, der durch seine Intensität und Qualität objektiv befürchten lässt, dass der Richter in der Verfahrensführung beeinflusst wird.»\n\n### Professionelle Interessenkonflikte\n\n**BGE 139 III 120** vom 26. Februar 2013 E. 3.2\nNebenamt als Richter und gleichzeitige Anwaltstätigkeit.\nBeisitzender Richter erscheint befangen, wenn er in anderem Verfahren die Gegenpartei einer vor dieser Instanz prozessierenden Partei vertritt.\n\n> «Ein Rechtsanwalt, der die Funktion eines beisitzenden Richters in einer Berufungsinstanz in Mietsachen bekleidet, erscheint objektiv als befangen, wenn er in einem anderen hängigen Verfahren die Gegenpartei einer der vor dieser Instanz prozessierenden Parteien vertritt.»\n\n**BGE 133 I 1** vom 7. Dezember 2006 E. 5.2-5.3\nMitgliedschaft in Rechtsmittelinstanz bei Parteivertretung.\nPrüfung der Vereinbarkeit von Richteramt und Anwaltstätigkeit unter dem Aspekt der Waffengleichheit.\n\n### Mehrfache Funktionen im selben Verfahren\n\n**BGE 131 I 113** vom 3. Mai 2005 E. 3.7-3.8\nAblehnung eines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege als Befangenheitsgrund.\nRichter erscheint nicht schon deshalb als voreingenommen, weil er Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit abgewiesen hat.\n\n> «Ein Richter erscheint nicht schon deswegen als voreingenommen, weil er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abgewiesen hat. Vielmehr müssen zur Annahme von Befangenheit des betreffenden Richters weitere Gründe hinzutreten.»\n\n### Verwirkung von Ablehnungsrechten\n\n**BGE 134 I 20** vom 29. November 2007 E. 4.3.1\nFristregeln für Geltendmachung von Ablehnungsgründen.\nMotif de récusation muss unverzüglich nach Kenntnisnahme geltend gemacht werden.\n\n**BGE 136 I 207** vom 19. April 2010 E. 3.4\nVerwirkung durch verspätete Geltendmachung bei Handelsgerichten.\nWer gesetzliche Wahlmöglichkeit ausübt, verwirkt nicht per se den Anspruch auf Ablehnung.\n\n> «Wer in Ausübung einer gesetzlichen Wahlmöglichkeit nicht das ordentliche Gericht, sondern das Handelsgericht anruft, verwirkt dadurch nicht den Anspruch auf Ablehnung desselben. Verwirkung durch verspätete Anrufung der Ablehnungsgründe.»\n\n## Gesetzlicher Richter und Ausnahmegerichte\n\n**BGE 136 I 207** vom 19. April 2010 E. 3.2-3.5\nSpezialgerichte und verfassungsmässiger Richter.\nZusammensetzung des Handelsgerichts mit Berufs- und Fachrichtern verstösst nicht gegen Art. 30 Abs. 1 BV.\n\n> «Die Zusammensetzung des Handelsgerichts mit zwei hauptamtlichen Oberrichtern und drei Fachrichtern, die Firmeninhaber oder leitende Angestellte sein müssen und nach Möglichkeit unter Berücksichtigung ihrer Fachkunde bezeichnet werden, erweckt nicht den Anschein der Befangenheit oder der Parteilichkeit.»\n\n**BGE 139 I 72** vom 29. Juni 2012 E. 2\nKartellsanktionsverfahren und Art. 30 BV.\nGarantien von Art. 30 BV sind bei strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Sanktionen anwendbar.\n\n> «Kartellrechtliche Sanktionen nach Art. 49a KG haben einen strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Charakter. Die Garantien von Art. 6 und 7 EMRK sowie Art. 30 und 32 BV sind bei solchen Sanktionen anwendbar.»\n\n### Medizinische Abklärungsstellen (MEDAS)\n\n**BGE 137 V 210** vom 31. März 2011 E. 1-2\nMEDAS und Garantie des unparteiischen Richters.\nVerfassungsrechtliche Einwendungen gegen Begutachtungen durch MEDAS unter Aspekten der Unabhängigkeit.\n\n**BGE 136 V 376** vom 9. September 2010 E. 1.1\nBeweistauglichkeit von MEDAS-Gutachten.\nPrüfung der Unabhängigkeit und Verfahrensfairness bei administrativen Gutachten.\n\n## Öffentlichkeit der Gerichtsverhandlung (Art. 30 Abs. 3 BV)\n\n### Grundsätze der Justizöffentlichkeit\n\n**BGE 143 I 194** vom 22. Februar 2017 E. 3.1\nLeitentscheid zu Art. 30 Abs. 3 BV und Medienausschluss.\nRechtsstaatliche und demokratische Bedeutung gebietet sehr restriktive Handhabung von Öffentlichkeitsausschluss.\n\n> «Art. 30 Abs. 3 BV verankert das auch von Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 UNO-Pakt II vorgesehene Prinzip der Justizöffentlichkeit. Diese erlaubt Einblick in die Rechtspflege und sorgt für Transparenz gerichtlicher Verfahren. [...] Der Grundsatz ist von zentraler rechtsstaatlicher und demokratischer Bedeutung.»\n\n> «Die rechtsstaatliche und demokratische Bedeutung des Grundsatzes der Justizöffentlichkeit gebietet, einen Ausschluss des Publikums und der Medienschaffenden in gerichtlichen Strafverfahren nur sehr restriktiv, mithin bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen, zuzulassen.»\n\n**BGE 147 I 463** vom 26. Mai 2021 E. 3\nJustizöffentlichkeit und nachträgliche Akteneinsicht.\nPrinzip der Justizöffentlichkeit und gesetzliches Öffentlichkeitsrecht bilden kein einheitliches Regime.\n\n### Ausnahmen vom Öffentlichkeitsgrundsatz\n\n**BGE 143 I 194** vom 22. Februar 2017 E. 3.6.1\nSchutz von Kindern, Jugendlichen und Opfern.\nZugangsverweigerung nur bei zweckuntauglichen weniger weitgehenden Einschränkungen und besonders sensiblen Umständen.\n\n> «Zur Wahrung gewichtiger Anliegen des Kinder-, Jugend- oder Opferschutzes kommt eine Zugangsverweigerung nur dann in Frage, wenn sich weniger weitgehende Einschränkungen als zweckuntauglich erweisen; sie ist auf diejenigen Verfahrensabschnitte zu beschränken, in denen schwergewichtig besonders sensible Umstände thematisiert werden, die in der Öffentlichkeit auszubreiten den betroffenen Personen nicht zugemutet werden kann.»\n\n**BGE 141 I 211** vom 6. November 2015 E. 3\nEinschränkung der Gerichtsberichterstattung.\nVerbot bestimmter Publikationen ohne hinreichende gesetzliche Grundlage unzulässig.\n\n### Urteilsöffentlichkeit\n\n**BGE 143 IV 151** vom 6. März 2017 E. 2.4\nÖffentlichkeit im Beschwerdeverfahren.\nMündliche Verhandlung und Entscheideröffnung in Beschwerdeverfahren grundsätzlich öffentlich.\n\n**BGE 143 I 194** vom 22. Februar 2017 E. 3.7\nÖffentlichkeit der Urteilsverkündung.\nGesteigertes öffentliches Interesse an Kenntnisnahme des Verfahrensausgangs, besonders nach nicht-öffentlicher Hauptverhandlung.\n\n> «Der Ausschluss von der mündlichen Urteilsverkündung verlangt eine gesonderte Beurteilung. Wie bereits dargelegt, ist hier von einem gesteigerten öffentlichen Interesse an der Kenntnisnahme des Verfahrensausgangs auszugehen.»\n\n## Wohnsitzrichter (Art. 30 Abs. 2 BV)\n\n**BGE 136 I 207** vom 19. April 2010 E. 5.5-5.7\nWählbarkeitsvoraussetzungen und gesetzlicher Richter.\nVerletzung der Wählbarkeitsvoraussetzung (Wohnsitzerfordernisse) macht Entscheide anfechtbar.\n\n> «Entscheide, an denen ein Richter mitgewirkt hat, dessen Wahl wegen Fehlens einer Wählbarkeitsvoraussetzung (Erfordernis des Wohnsitzes im Kanton) ungültig ist, sind anfechtbar. Hingegen bildet die Verletzung der Wählbarkeitsvoraussetzung keinen Ausschluss- oder Ablehnungsgrund.»\n\n## Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 139 III 120** vom 26. Februar 2013 E. 3.1\nEntdeckung von Ablehnungsgründen nach Verfahrensabschluss.\nProzessrechtliche Folgen der Entdeckung eines Ausstandsgrundes nach Mitteilung des Entscheides.\n\n**BGE 138 I 1** vom 2012 E. 2\nÜbergangsrecht bei Ablehnungsbegehren.\nAnwendbarkeit neuer Verfahrensbestimmungen auf vor Inkrafttreten eingeleitete Verfahren.\n\n**BGE 141 IV 178** vom 27. April 2015 E. 3\nAusstandspflicht bei wiederholten Verfahrensfehlern.\nAnschein der Befangenheit des Staatsanwalts bei krassen Verfahrensfehlern bejaht.\n\n**BGE 138 IV 142** vom 8. Juni 2012 E. 2.1-2.3\nAusstand der Staatsanwaltschaft nach Aufhebung.\nGrundsätze für Ausstand bei Rückweisung nach Aufhebung einer Einstellungsverfügung.\n\n**BGE 137 I 227** vom 4. Mai 2011 E. 2.2-2.5\nRichterliche Einwirkung auf Verfahrensbeteiligte.\nUnzulässigkeit richterlicher Einwirkung zum Rückzug der Berufung, aber kein Befangenheitsanschein bei übrigen Kammermitgliedern.\n\n**BGE 137 I 1** vom 17. Januar 2011 E. 2\nBekanntgabe von Richtertaggeldern.\nKein Anspruch auf Bekanntgabe von Richtertaggeldern zum Schutz der richterlichen Unabhängigkeit.\n\n> «Die Bekanntgabe der einem Richter ausgerichteten Taggelder würde dazu führen, dass seine Arbeitsweise und damit auch der Ausgang eines Verfahrens beeinflusst werden könnte.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes du juge constitutionnel\n\n**ATF 131 I 113** du 3 mai 2005 consid. 3.4\nDirective fondamentale concernant la garantie du juge selon l'art. 30 al. 1 Cst.\nConfirme le droit complet à un juge impartial, sans prévention et sans parti pris, sans influence de circonstances étrangères à l'affaire.\n\n> « Selon la garantie du juge constitutionnel contenue dans l'art. 58 al. 1 aCst ou dans l'art. 30 al. 1 Cst, repris matériellement sans modification dans la nouvelle Constitution fédérale du 18 avril 1999, et dans l'art. 6 ch. 1 CEDH, l'individu a droit à ce que son affaire soit jugée par un juge impartial, sans prévention et sans parti pris, sans influence de circonstances étrangères à l'affaire. »\n\n**ATF 140 I 271** de 2014 consid. 8.1-8.4\nIndépendance structurelle des tribunaux spécialisés (Commission de recours fiscal du Valais).\nLes garanties d'indépendance prévues à l'art. 30 al. 1 Cst s'appliquent aussi aux organes auxiliaires d'autorités judiciaires dotés du pouvoir de décision.\n\n> « En tant qu'autorité judiciaire, la Commission de recours fiscal du canton du Valais doit remplir les garanties d'indépendance prévues à l'art. 30 al. 1 Cst. Ces garanties s'appliquent également, en raison de ses tâches, au greffier de cette commission. »\n\n**ATF 126 I 68** du 1er janvier 2000 consid. 4\nDélimitation entre l'art. 29 et l'art. 30 Cst pour les juges d'instruction.\nL'art. 30 al. 1 Cst s'applique principalement aux activités juridictionnelles, non aux activités d'enquête.\n\n## Apparence de prévention\n\n### Relations personnelles\n\n**ATF 134 I 20** du 29 novembre 2007 consid. 4.2-4.3\nArrêt déterminant concernant la prévention objective en cas de conflits personnels.\nLe juge qui a déposé plainte pénale contre un participant à la procédure et intenté une action civile doit se récuser.\n\n> « La garantie d'un tribunal indépendant et impartial instituée par les art. 30 al. 1 Cst. et 6 par. 1 CEDH [...] n'impose pas la récusation seulement lorsqu'une prévention effective est établie, car une disposition interne de la part du juge ne peut guère être prouvée ; il suffit que les circonstances donnent l'apparence d'une prévention et fassent redouter une activité partiale du magistrat. »\n\n**ATF 144 I 159** du 14 mai 2018 consid. 4\n« Amitié » Facebook comme motif de récusation.\nLes liens sur les réseaux sociaux doivent être évalués selon l'intensité et la qualité de la relation.\n\n> « 'L'amitié' sur Facebook peut constituer un motif de récusation s'il existe un lien qui, par son intensité et sa qualité, fait objectivement craindre que le juge soit influencé dans la conduite de la procédure. »\n\n### Conflits d'intérêts professionnels\n\n**ATF 139 III 120** du 26 février 2013 consid. 3.2\nFonction accessoire de juge et activité d'avocat simultanée.\nUn juge assesseur paraît prévenu s'il représente dans une autre procédure la partie adverse d'une partie qui plaide devant cette instance.\n\n> « Un avocat qui exerce la fonction de juge assesseur dans une instance d'appel en matière de bail paraît objectivement prévenu s'il représente dans une autre procédure pendante la partie adverse de l'une des parties qui plaide devant cette instance. »\n\n**ATF 133 I 1** du 7 décembre 2006 consid. 5.2-5.3\nAppartenance à une instance de recours en cas de représentation d'une partie.\nExamen de la compatibilité entre la fonction de juge et l'activité d'avocat sous l'aspect de l'égalité des armes.\n\n### Fonctions multiples dans la même procédure\n\n**ATF 131 I 113** du 3 mai 2005 consid. 3.7-3.8\nRejet d'une demande d'assistance judiciaire gratuite comme motif de prévention.\nLe juge ne paraît pas déjà prévenu du fait qu'il a rejeté une demande d'assistance judiciaire gratuite pour absence de chances de succès.\n\n> « Un juge ne paraît pas déjà prévenu du fait qu'il a rejeté une demande d'assistance judiciaire gratuite pour absence de chances de succès des conclusions. Il faut plutôt que s'ajoutent d'autres motifs pour admettre la prévention du juge concerné. »\n\n### Forclusion des droits de récusation\n\n**ATF 134 I 20** du 29 novembre 2007 consid. 4.3.1\nRègles de délai pour faire valoir des motifs de récusation.\nLe motif de récusation doit être invoqué sans délai après en avoir pris connaissance.\n\n**ATF 136 I 207** du 19 avril 2010 consid. 3.4\nForclusion par invocation tardive devant les tribunaux de commerce.\nCelui qui exerce une possibilité de choix légale ne renonce pas per se au droit de récusation.\n\n> « Celui qui, dans l'exercice d'une possibilité de choix légale, ne saisit pas le tribunal ordinaire mais le tribunal de commerce ne renonce pas par là au droit de récusation de celui-ci. Forclusion par invocation tardive des motifs de récusation. »\n\n## Juge légal et tribunaux d'exception\n\n**ATF 136 I 207** du 19 avril 2010 consid. 3.2-3.5\nTribunaux spécialisés et juge constitutionnel.\nLa composition du tribunal de commerce avec des juges professionnels et spécialisés ne viole pas l'art. 30 al. 1 Cst.\n\n> « La composition du tribunal de commerce avec deux juges supérieurs à titre principal et trois juges spécialisés, qui doivent être propriétaires d'entreprise ou employés dirigeants et sont désignés dans la mesure du possible en tenant compte de leurs connaissances spécialisées, n'éveille pas l'apparence de prévention ou de partialité. »\n\n**ATF 139 I 72** du 29 juin 2012 consid. 2\nProcédure de sanctions en matière de cartels et art. 30 Cst.\nLes garanties de l'art. 30 Cst sont applicables aux sanctions pénales ou analogues au droit pénal.\n\n> « Les sanctions de droit des cartels selon l'art. 49a LCart ont un caractère pénal ou analogue au droit pénal. Les garanties des art. 6 et 7 CEDH ainsi que des art. 30 et 32 Cst sont applicables à de telles sanctions. »\n\n### Services médicaux d'évaluation (MEDAS)\n\n**ATF 137 V 210** du 31 mars 2011 consid. 1-2\nMEDAS et garantie du juge impartial.\nObjections de droit constitutionnel contre les expertises par MEDAS sous les aspects de l'indépendance.\n\n**ATF 136 V 376** du 9 septembre 2010 consid. 1.1\nForce probante des expertises MEDAS.\nExamen de l'indépendance et de l'équité procédurale des expertises administratives.\n\n## Publicité de l'audience (art. 30 al. 3 Cst)\n\n### Principes de la publicité judiciaire\n\n**ATF 143 I 194** du 22 février 2017 consid. 3.1\nArrêt de principe sur l'art. 30 al. 3 Cst et l'exclusion des médias.\nL'importance de l'État de droit et de la démocratie commande une application très restrictive de l'exclusion du public.\n\n> « L'art. 30 al. 3 Cst consacre le principe de la publicité judiciaire également prévu par l'art. 6 ch. 1 CEDH et l'art. 14 Pacte ONU II. Celle-ci permet un aperçu de la justice et assure la transparence des procédures judiciaires. [...] Le principe est d'une importance centrale pour l'État de droit et la démocratie. »\n\n> « L'importance de l'État de droit et de la démocratie du principe de la publicité judiciaire commande de n'admettre qu'avec une grande retenue, donc en présence d'intérêts contraires prépondérants, l'exclusion du public et des représentants des médias dans les procédures pénales judiciaires. »\n\n**ATF 147 I 463** du 26 mai 2021 consid. 3\nPublicité judiciaire et consultation ultérieure des actes.\nLe principe de la publicité judiciaire et le droit légal de publicité ne forment pas un régime uniforme.\n\n### Exceptions au principe de publicité\n\n**ATF 143 I 194** du 22 février 2017 consid. 3.6.1\nProtection des enfants, des jeunes et des victimes.\nRefus d'accès seulement en cas de restrictions moins importantes inadéquates et de circonstances particulièrement sensibles.\n\n> « Pour préserver d'importants intérêts de protection des enfants, des jeunes ou des victimes, un refus d'accès n'entre en ligne de compte que si des restrictions moins importantes s'avèrent inadéquates ; il doit être limité aux phases procédurales dans lesquelles sont thématisées principalement des circonstances particulièrement sensibles qu'on ne peut exiger des personnes concernées de voir débattues en public. »\n\n**ATF 141 I 211** du 6 novembre 2015 consid. 3\nRestriction du compte rendu judiciaire.\nInterdiction de certaines publications sans base légale suffisante inadmissible.\n\n### Publicité du jugement\n\n**ATF 143 IV 151** du 6 mars 2017 consid. 2.4\nPublicité dans la procédure de recours.\nAudience publique et communication de la décision dans les procédures de recours en principe publiques.\n\n**ATF 143 I 194** du 22 février 2017 consid. 3.7\nPublicité du prononcé du jugement.\nIntérêt public accru à la connaissance de l'issue de la procédure, particulièrement après une audience principale non publique.\n\n> « L'exclusion du prononcé oral du jugement exige une appréciation séparée. Comme déjà exposé, il faut partir ici d'un intérêt public accru à la connaissance de l'issue de la procédure. »\n\n## Juge du domicile (art. 30 al. 2 Cst)\n\n**ATF 136 I 207** du 19 avril 2010 consid. 5.5-5.7\nConditions d'éligibilité et juge légal.\nLa violation des conditions d'éligibilité (exigences de domicile) rend les décisions attaquables.\n\n> « Les décisions auxquelles a participé un juge dont l'élection est nulle en raison de l'absence d'une condition d'éligibilité (exigence du domicile dans le canton) sont attaquables. En revanche, la violation des conditions d'éligibilité ne constitue pas un motif d'exclusion ou de récusation. »\n\n## Aspects de droit procédural\n\n**ATF 139 III 120** du 26 février 2013 consid. 3.1\nDécouverte de motifs de récusation après clôture de la procédure.\nConséquences de droit procédural de la découverte d'un motif de récusation après communication de la décision.\n\n**ATF 138 I 1** de 2012 consid. 2\nDroit transitoire pour les demandes de récusation.\nApplicabilité de nouvelles dispositions procédurales aux procédures introduites avant l'entrée en vigueur.\n\n**ATF 141 IV 178** du 27 avril 2015 consid. 3\nObligation de récusation en cas d'erreurs procédurales répétées.\nApparence de prévention du ministère public admise en cas d'erreurs procédurales flagrantes.\n\n**ATF 138 IV 142** du 8 juin 2012 consid. 2.1-2.3\nRécusation du ministère public après annulation.\nPrincipes de récusation en cas de renvoi après annulation d'une ordonnance de classement.\n\n**ATF 137 I 227** du 4 mai 2011 consid. 2.2-2.5\nInfluence judiciaire sur les participants à la procédure.\nInadmissibilité de l'influence judiciaire pour le retrait de l'appel, mais pas d'apparence de prévention chez les autres membres de la chambre.\n\n**ATF 137 I 1** du 17 janvier 2011 consid. 2\nCommunication des indemnités journalières de juge.\nPas de droit à la communication des indemnités journalières versées à un juge pour protéger l'indépendance judiciaire.\n\n> « La communication des indemnités journalières versées à un juge conduirait à pouvoir influencer sa manière de travailler et donc aussi l'issue d'une procédure. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi del giudice costituzionale\n\n**DTF 131 I 113** del 3 maggio 2005 consid. 3.4\nDirettiva fondamentale sulla garanzia del giudice secondo l'art. 30 cpv. 1 Cost.\nConferma il diritto completo a un giudice imparziale, non prevenuto e senza influenze di circostanze estranee alla causa.\n\n> «Secondo la garanzia del giudice costituzionale contenuta nell'art. 58 cpv. 1 aCost. rispettivamente nell'art. 30 cpv. 1 Cost., ripreso materialmente invariato nella nuova Costituzione federale del 18 aprile 1999, e nell'art. 6 n. 1 CEDU, il singolo ha diritto che la sua causa sia decisa da un giudice imparziale, non prevenuto e senza l'influsso di circostanze estranee alla causa.»\n\n**DTF 140 I 271** del 2014 consid. 8.1-8.4\nIndipendenza strutturale presso i tribunali specializzati (Commissione di ricorso fiscale del Vallese).\nLe garanzie di indipendenza previste dall'art. 30 cpv. 1 Cost. si applicano anche agli organi ausiliari delle autorità giudiziarie con potere decisionale.\n\n> «In quanto autorità giudiziaria, la commissione di ricorso fiscale del Canton Vallese deve soddisfare le garanzie di indipendenza previste dall'art. 30 cpv. 1 Cost. Queste garanzie si applicano, in ragione dei suoi compiti, anche al cancelliere di questa commissione.»\n\n**DTF 126 I 68** del 1° gennaio 2000 consid. 4\nDelimitazione tra l'art. 29 e l'art. 30 Cost. per i giudici istruttori.\nL'art. 30 cpv. 1 Cost. si applica principalmente alle attività giudicanti, non a quelle investigative.\n\n## Apparenza di prevenzione\n\n### Rapporti personali\n\n**DTF 134 I 20** del 29 novembre 2007 consid. 4.2-4.3\nSentenza determinante sulla prevenzione oggettiva in caso di conflitti personali.\nIl giudice che ha sporto denuncia penale contro parti del procedimento e ha intentato azione civile deve ricusarsi.\n\n> «La garanzia di un tribunale indipendente e imparziale istituita dagli art. 30 cpv. 1 Cost. e 6 par. 1 CEDU [...] non impone la ricusazione soltanto quando sia stabilita una prevenzione effettiva, poiché una disposizione interna del giudice non può essere facilmente provata; è sufficiente che le circostanze diano l'apparenza di una prevenzione e facciano temere un'attività parziale del magistrato.»\n\n**DTF 144 I 159** del 14 maggio 2018 consid. 4\n«Amicizia» su Facebook come motivo di ricusazione.\nI collegamenti sui social media devono essere giudicati secondo l'intensità e la qualità del rapporto.\n\n> «L''amicizia' su Facebook può costituire un motivo di ricusazione quando sussiste una relazione che, per la sua intensità e qualità, faccia oggettivamente temere che il giudice sia influenzato nella conduzione del procedimento.»\n\n### Conflitti di interesse professionali\n\n**DTF 139 III 120** del 26 febbraio 2013 consid. 3.2\nAttività accessoria come giudice e contemporanea attività di avvocato.\nUn giudice supplente appare prevenuto quando in altro procedimento rappresenta la controparte di una parte che processa davanti a questa istanza.\n\n> «Un avvocato che ricopre la funzione di giudice supplente in un'istanza di appello in materia di locazione appare oggettivamente prevenuto quando in un altro procedimento pendente rappresenta la controparte di una delle parti che processa davanti a questa istanza.»\n\n**DTF 133 I 1** del 7 dicembre 2006 consid. 5.2-5.3\nAppartenenza a un'istanza di ricorso in caso di rappresentanza di parte.\nEsame della compatibilità tra ufficio giudiziale e attività di avvocato sotto l'aspetto della parità delle armi.\n\n### Funzioni multiple nello stesso procedimento\n\n**DTF 131 I 113** del 3 maggio 2005 consid. 3.7-3.8\nRigetto di una domanda di assistenza giudiziaria gratuita come motivo di prevenzione.\nUn giudice non appare già perciò prevenuto perché ha respinto una domanda di assistenza giudiziaria gratuita per mancanza di prospettive di successo.\n\n> «Un giudice non appare prevenuto soltanto perché ha respinto una domanda di assistenza giudiziaria gratuita per mancanza di prospettive di successo delle conclusioni giuridiche. Piuttosto, per ammettere la prevenzione del giudice in questione devono aggiungersi ulteriori motivi.»\n\n### Decadenza dei diritti di ricusazione\n\n**DTF 134 I 20** del 29 novembre 2007 consid. 4.3.1\nRegole sui termini per far valere motivi di ricusazione.\nIl motivo di ricusazione deve essere fatto valere immediatamente dopo averne preso conoscenza.\n\n**DTF 136 I 207** del 19 aprile 2010 consid. 3.4\nDecadenza per tardiva invocazione presso i tribunali di commercio.\nChi esercita una possibilità di scelta legale non decade per ciò stesso dal diritto di ricusazione.\n\n> «Chi, nell'esercizio di una possibilità di scelta legale, non si rivolge al tribunale ordinario ma al tribunale di commercio, non decade per questo dal diritto di ricusazione dello stesso. Decadenza per tardiva invocazione dei motivi di ricusazione.»\n\n## Giudice legale e tribunali d'eccezione\n\n**DTF 136 I 207** del 19 aprile 2010 consid. 3.2-3.5\nTribunali speciali e giudice costituzionale.\nLa composizione del tribunale di commercio con giudici professionali e specializzati non viola l'art. 30 cpv. 1 Cost.\n\n> «La composizione del tribunale di commercio con due giudici superiori a tempo pieno e tre giudici specializzati, che devono essere titolari di imprese o dirigenti e che vengono designati possibilmente tenendo conto delle loro competenze specialistiche, non suscita l'apparenza di prevenzione o di parzialità.»\n\n**DTF 139 I 72** del 29 giugno 2012 consid. 2\nProcedimento sanzionatorio della concorrenza e art. 30 Cost.\nLe garanzie dell'art. 30 Cost. si applicano alle sanzioni penali o assimilabili a quelle penali.\n\n> «Le sanzioni del diritto della concorrenza secondo l'art. 49a LCart hanno un carattere penale o assimilabile a quello penale. Le garanzie degli art. 6 e 7 CEDU nonché degli art. 30 e 32 Cost. si applicano a tali sanzioni.»\n\n### Servizi medici regionali di valutazione (MEDAS)\n\n**DTF 137 V 210** del 31 marzo 2011 consid. 1-2\nMEDAS e garanzia del giudice imparziale.\nEccezioni costituzionali contro le perizie dei MEDAS sotto gli aspetti dell'indipendenza.\n\n**DTF 136 V 376** del 9 settembre 2010 consid. 1.1\nIdoneità probatoria delle perizie MEDAS.\nEsame dell'indipendenza e dell'equità procedurale nelle perizie amministrative.\n\n## Pubblicità dell'udienza (art. 30 cpv. 3 Cost.)\n\n### Principi della pubblicità giudiziaria\n\n**DTF 143 I 194** del 22 febbraio 2017 consid. 3.1\nSentenza guida sull'art. 30 cpv. 3 Cost. e l'esclusione dei media.\nIl significato di Stato di diritto e democratico impone una gestione molto restrittiva dell'esclusione della pubblicità.\n\n> «L'art. 30 cpv. 3 Cost. sancisce il principio della pubblicità giudiziaria previsto anche dall'art. 6 n. 1 CEDU e dall'art. 14 Patto ONU II. Questa consente di avere uno sguardo sulla giurisprudenza e garantisce la trasparenza dei procedimenti giudiziari. [...] Il principio ha un'importanza centrale di Stato di diritto e democratica.»\n\n> «L'importanza di Stato di diritto e democratica del principio della pubblicità giudiziaria impone di ammettere l'esclusione del pubblico e dei giornalisti nei procedimenti penali giudiziari solo molto restrittivamente, ossia in presenza di interessi contrari preponderanti.»\n\n**DTF 147 I 463** del 26 maggio 2021 consid. 3\nPubblicità giudiziaria e consultazione successiva degli atti.\nIl principio della pubblicità giudiziaria e il diritto legale alla pubblicità non formano un regime unitario.\n\n### Eccezioni al principio di pubblicità\n\n**DTF 143 I 194** del 22 febbraio 2017 consid. 3.6.1\nProtezione di bambini, giovani e vittime.\nDiniego di accesso solo quando limitazioni meno estese si rivelano inadeguate allo scopo e in presenza di circostanze particolarmente sensibili.\n\n> «Per salvaguardare importanti interessi della protezione di bambini, giovani o vittime, un diniego di accesso entra in considerazione soltanto quando limitazioni meno estese si rivelano inadeguate allo scopo; esso va limitato a quelle sezioni del procedimento in cui vengono tematizzate prevalentemente circostanze particolarmente sensibili che non si può pretendere dalle persone interessate di divulgare pubblicamente.»\n\n**DTF 141 I 211** del 6 novembre 2015 consid. 3\nLimitazione della cronaca giudiziaria.\nDivieto di determinate pubblicazioni senza base legale sufficiente inammissibile.\n\n### Pubblicità delle sentenze\n\n**DTF 143 IV 151** del 6 marzo 2017 consid. 2.4\nPubblicità nel procedimento di ricorso.\nUdienza orale e comunicazione della decisione nel procedimento di ricorso in linea di principio pubbliche.\n\n**DTF 143 I 194** del 22 febbraio 2017 consid. 3.7\nPubblicità del pronunciamento della sentenza.\nMaggiore interesse pubblico alla conoscenza dell'esito del procedimento, specialmente dopo un'udienza principale non pubblica.\n\n> «L'esclusione dal pronunciamento orale della sentenza richiede una valutazione separata. Come già esposto, qui si deve partire da un maggiore interesse pubblico alla conoscenza dell'esito del procedimento.»\n\n## Giudice del domicilio (art. 30 cpv. 2 Cost.)\n\n**DTF 136 I 207** del 19 aprile 2010 consid. 5.5-5.7\nCondizioni di eleggibilità e giudice legale.\nLa violazione delle condizioni di eleggibilità (requisiti di domicilio) rende impugnabili le decisioni.\n\n> «Le decisioni a cui ha partecipato un giudice la cui elezione è invalida per mancanza di una condizione di eleggibilità (requisito del domicilio nel cantone) sono impugnabili. Tuttavia, la violazione delle condizioni di eleggibilità non costituisce un motivo di esclusione o ricusazione.»\n\n## Aspetti di diritto procedurale\n\n**DTF 139 III 120** del 26 febbraio 2013 consid. 3.1\nScoperta di motivi di ricusazione dopo la chiusura del procedimento.\nConseguenze di diritto processuale della scoperta di un motivo di astensione dopo la comunicazione della decisione.\n\n**DTF 138 I 1** del 2012 consid. 2\nDiritto transitorio per le domande di ricusazione.\nApplicabilità di nuove disposizioni procedurali ai procedimenti avviati prima dell'entrata in vigore.\n\n**DTF 141 IV 178** del 27 aprile 2015 consid. 3\nObbligo di astensione in caso di ripetuti errori procedurali.\nApparenza di prevenzione del procuratore pubblico in caso di gravi errori procedurali confermata.\n\n**DTF 138 IV 142** del 8 giugno 2012 consid. 2.1-2.3\nAstensione del Ministero pubblico dopo annullamento.\nPrincipi per l'astensione in caso di rinvio dopo annullamento di un decreto di non luogo a procedere.\n\n**DTF 137 I 227** del 4 maggio 2011 consid. 2.2-2.5\nInfluenza del giudice sui partecipanti al procedimento.\nInammissibilità dell'influenza giudiziale per il ritiro dell'appello, ma nessuna apparenza di prevenzione per gli altri membri della Camera.\n\n**DTF 137 I 1** del 17 gennaio 2011 consid. 2\nComunicazione delle indennità giudiziali.\nNessun diritto alla comunicazione delle indennità versate a un giudice per proteggere l'indipendenza giudiziale.\n\n> «La comunicazione delle indennità versate a un giudice comporterebbe che il suo modo di lavorare e quindi anche l'esito di un procedimento potrebbero essere influenzati.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Principles of the Constitutional Judge\n\n**BGE 131 I 113** of 3 May 2005 E. 3.4\nFundamental guideline on the judicial guarantee under Art. 30 para. 1 Cst.\nConfirms comprehensive right to an impartial, unprejudiced and unbiased judge without influence from extraneous circumstances.\n\n> «According to the guarantee of the constitutional judge contained in Art. 58 para. 1 old Cst. and in Art. 30 para. 1 Cst., which was transferred materially unchanged to the new Federal Constitution of 18 April 1999, as well as in Art. 6 no. 1 ECHR, the individual has the right to have his case decided by an impartial, unprejudiced and unbiased judge without the influence of extraneous circumstances.»\n\n**BGE 140 I 271** of 2014 E. 8.1-8.4\nStructural independence in specialized courts (Tax Appeal Commission Valais).\nThe independence guarantees provided for in Art. 30 para. 1 Cst. also apply to auxiliary organs of judicial authorities with decision-making powers.\n\n> «As a judicial authority, the Tax Appeal Commission of the Canton of Valais must fulfill the independence guarantees provided for in Art. 30 para. 1 Cst. These guarantees also apply to the clerk of this commission due to his duties.»\n\n**BGE 126 I 68** of 1 January 2000 E. 4\nDemarcation between Art. 29 and Art. 30 Cst. for investigating judges.\nArt. 30 para. 1 Cst. applies primarily to adjudicating, not investigating activities.\n\n## Appearance of Bias\n\n### Personal Relations\n\n**BGE 134 I 20** of 29 November 2007 E. 4.2-4.3\nKey judgment on objective bias in personal conflicts.\nJudge who filed criminal charges and civil action against a party to proceedings must recuse himself.\n\n> «La garantie d'un tribunal indépendant et impartial instituée par les art. 30 al. 1 Cst. et 6 par. 1 CEDH [...] n'impose pas la récusation seulement lorsqu'une prévention effective est établie, car une disposition interne de la part du juge ne peut guère être prouvée; il suffit que les circonstances donnent l'apparence d'une prévention et fassent redouter une activité partiale du magistrat.»\n\n**BGE 144 I 159** of 14 May 2018 E. 4\nFacebook \"friendship\" as ground for disqualification.\nSocial media connections must be assessed according to the intensity and quality of the relationship.\n\n> «'Friendship' on Facebook can constitute a ground for disqualification if there is a connection which, by its intensity and quality, objectively gives reason to fear that the judge will be influenced in the conduct of proceedings.»\n\n### Professional Conflicts of Interest\n\n**BGE 139 III 120** of 26 February 2013 E. 3.2\nSecondary office as judge and simultaneous legal practice.\nLay judge appears biased when representing the opposing party of a party litigating before this instance in another proceeding.\n\n> «A lawyer who holds the function of a lay judge in an appellate instance in rental matters appears objectively biased when he represents the opposing party of one of the parties litigating before this instance in another pending proceeding.»\n\n**BGE 133 I 1** of 7 December 2006 E. 5.2-5.3\nMembership in appellate instance with party representation.\nReview of compatibility of judicial office and legal practice under the aspect of equality of arms.\n\n### Multiple Functions in the Same Proceeding\n\n**BGE 131 I 113** of 3 May 2005 E. 3.7-3.8\nRejection of application for legal aid as ground for bias.\nJudge does not appear prejudiced merely because he rejected application for legal aid due to lack of prospects of success.\n\n> «A judge does not appear prejudiced merely because he rejected an application for legal aid due to lack of prospects of success of the legal claims. Rather, additional reasons must be present to assume bias of the judge in question.»\n\n### Waiver of Disqualification Rights\n\n**BGE 134 I 20** of 29 November 2007 E. 4.3.1\nTime limit rules for asserting grounds for disqualification.\nMotif de récusation must be asserted immediately after gaining knowledge.\n\n**BGE 136 I 207** of 19 April 2010 E. 3.4\nWaiver through late assertion in commercial courts.\nThose who exercise statutory choice do not per se waive the right to disqualification.\n\n> «Those who, in exercise of a statutory choice, invoke not the ordinary court but the commercial court, do not thereby waive the right to disqualification of the same. Waiver through late invocation of grounds for disqualification.»\n\n## Statutory Judge and Exceptional Courts\n\n**BGE 136 I 207** of 19 April 2010 E. 3.2-3.5\nSpecial courts and constitutional judge.\nComposition of commercial court with professional and expert judges does not violate Art. 30 para. 1 Cst.\n\n> «The composition of the commercial court with two full-time senior judges and three expert judges, who must be company owners or senior employees and are designated as far as possible taking into account their expertise, does not give rise to the appearance of bias or partiality.»\n\n**BGE 139 I 72** of 29 June 2012 E. 2\nCartel sanctions proceedings and Art. 30 Cst.\nGuarantees of Art. 30 Cst. are applicable to criminal or criminal-like sanctions.\n\n> «Cartel sanctions under Art. 49a Cartel Act have a criminal or criminal-like character. The guarantees of Art. 6 and 7 ECHR as well as Art. 30 and 32 Cst. are applicable to such sanctions.»\n\n### Medical Assessment Centers (MEDAS)\n\n**BGE 137 V 210** of 31 March 2011 E. 1-2\nMEDAS and guarantee of the impartial judge.\nConstitutional objections to assessments by MEDAS under aspects of independence.\n\n**BGE 136 V 376** of 9 September 2010 E. 1.1\nProbative value of MEDAS expert opinions.\nReview of independence and procedural fairness in administrative expert opinions.\n\n## Public Nature of Court Proceedings (Art. 30 para. 3 Cst.)\n\n### Principles of Public Administration of Justice\n\n**BGE 143 I 194** of 22 February 2017 E. 3.1\nLeading decision on Art. 30 para. 3 Cst. and media exclusion.\nConstitutional and democratic significance requires very restrictive handling of exclusion of public.\n\n> «Art. 30 para. 3 Cst. enshrines the principle of public administration of justice also provided for in Art. 6 no. 1 ECHR and Art. 14 UN Covenant II. This allows insight into the administration of justice and ensures transparency of judicial proceedings. [...] The principle is of central constitutional and democratic significance.»\n\n> «The constitutional and democratic significance of the principle of public administration of justice requires that exclusion of the public and media representatives in judicial criminal proceedings be permitted only very restrictively, i.e., in case of overriding opposing interests.»\n\n**BGE 147 I 463** of 26 May 2021 E. 3\nPublic administration of justice and subsequent access to files.\nPrinciple of public administration of justice and statutory right to information do not form a unified regime.\n\n### Exceptions to the Principle of Publicity\n\n**BGE 143 I 194** of 22 February 2017 E. 3.6.1\nProtection of children, young people and victims.\nAccess denial only when less far-reaching restrictions prove inappropriate and in particularly sensitive circumstances.\n\n> «To safeguard weighty concerns of child, youth or victim protection, access denial is only considered when less far-reaching restrictions prove inappropriate; it must be limited to those procedural sections in which predominantly particularly sensitive circumstances are discussed that cannot reasonably be expected to be disclosed in public to the affected persons.»\n\n**BGE 141 I 211** of 6 November 2015 E. 3\nRestriction of court reporting.\nProhibition of certain publications without sufficient legal basis is inadmissible.\n\n### Public Nature of Judgments\n\n**BGE 143 IV 151** of 6 March 2017 E. 2.4\nPublic nature in appeal proceedings.\nOral hearing and announcement of decision in appeal proceedings are in principle public.\n\n**BGE 143 I 194** of 22 February 2017 E. 3.7\nPublic nature of judgment delivery.\nEnhanced public interest in knowledge of the procedural outcome, especially after non-public main hearing.\n\n> «Exclusion from oral judgment delivery requires separate assessment. As already explained, an enhanced public interest in knowledge of the procedural outcome must be assumed here.»\n\n## Domiciliary Judge (Art. 30 para. 2 Cst.)\n\n**BGE 136 I 207** of 19 April 2010 E. 5.5-5.7\nEligibility requirements and statutory judge.\nViolation of eligibility requirements (domicile requirements) makes decisions challengeable.\n\n> «Decisions in which a judge participated whose election is invalid due to lack of an eligibility requirement (requirement of residence in the canton) are challengeable. However, violation of eligibility requirements does not constitute a ground for disqualification or recusal.»\n\n## Procedural Aspects\n\n**BGE 139 III 120** of 26 February 2013 E. 3.1\nDiscovery of grounds for disqualification after completion of proceedings.\nProcedural consequences of discovering a ground for recusal after communication of the decision.\n\n**BGE 138 I 1** of 2012 E. 2\nTransitional law for disqualification requests.\nApplicability of new procedural provisions to proceedings initiated before entry into force.\n\n**BGE 141 IV 178** of 27 April 2015 E. 3\nDuty to recuse in case of repeated procedural errors.\nAppearance of bias of the public prosecutor affirmed in case of gross procedural errors.\n\n**BGE 138 IV 142** of 8 June 2012 E. 2.1-2.3\nRecusal of public prosecutor's office after annulment.\nPrinciples for recusal upon remand after annulment of a discontinuation order.\n\n**BGE 137 I 227** of 4 May 2011 E. 2.2-2.5\nJudicial influence on parties to proceedings.\nInadmissibility of judicial influence to withdraw appeal, but no appearance of bias for other chamber members.\n\n**BGE 137 I 1** of 17 January 2011 E. 2\nDisclosure of judicial daily allowances.\nNo right to disclosure of daily allowances paid to a judge for protection of judicial independence.\n\n> «Disclosure of the daily allowances paid to a judge would lead to his working methods and thus also the outcome of proceedings being influenced.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_30", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 31, "article_suffix": "", "title": "Freiheitsentzug", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 31 BV — Art. 31 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 31 BV — Art. 31 BV\n", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 31 BV gliedert sich nach den verschiedenen Formen des Freiheitsentzugs und den prozeduralen Garantien. Das Bundesgericht hat eine umfassende Judikatur entwickelt, die sowohl die materiellen Voraussetzungen als auch die verfahrensrechtlichen Anforderungen präzisiert.\n\n### Gesetzmässigkeit des Freiheitsentzugs (Abs. 1)\n\n**BGE 140 II 1** (9.12.2013)\nGrundsatz der Gesetzmässigkeit administrativer Freiheitsentziehung im Ausländerrecht.\nDie Entscheidung präzisiert, dass eine zweite Administrativhaft im selben Wegweisungsverfahren nur bei in entscheidender Weise veränderten Verhältnissen zulässig ist.\n> «Die Anordnung der Ausschaffungshaft nach einer Haftentlassung im gleichen Wegweisungsverfahren setzt voraus, dass neue entscheidwesentliche Umstände vorliegen.»\n\n**BGE 134 I 140** (31.1.2008)\nAbgrenzung zwischen Freiheitsbeschränkung und Freiheitsentziehung bei Gewaltschutzmassnahmen.\nDiese Grundsatzentscheidung definiert die Schwelle zur verfassungsrechtlich relevanten Freiheitsentziehung.\n> «Unter dem Begriff ‹Freiheitsentziehung› im Sinne von Art. 5 EMRK und Art. 31 BV ist nicht bloss Haft im engen Sinn zu verstehen. Umgekehrt fällt nicht jede Art der Freiheitsbeschränkung unter diese Garantie, sondern nur Freiheitsbeschränkungen von gewissem Ausmass und gewisser Intensität.»\n\n### Informations- und Benachrichtigungsrechte (Abs. 2)\n\n**BGE 134 I 92** (1.1.2008)\nAnspruch auf unentgeltliche Verbeiständung im ausländerrechtlichen Haftprüfungsverfahren.\nDie Entscheidung konkretisiert die Rechte inhaftierter Personen bei der Durchsetzungshaft.\n> «Die Durchsetzungshaft setzt ein ‹schwebendes Ausweisungsverfahren› voraus und stützt sich deshalb konventionsrechtlich auf Art. 5 Ziff. 1 lit. f EMRK.»\n\n### Untersuchungshaft und richterliche Vorführung (Abs. 3)\n\n**BGE 133 I 270** (14.9.2007)\nFristenstillstand bei strafprozessualer Haft und Beschleunigungsgebot.\nDiese Leitentscheidung betont die besondere Dringlichkeit von Haftbeschwerden.\n> «Der gesetzliche Fristenstillstand für die Beschwerdeführung beim Bundesgericht gilt in Fällen betreffend die strafprozessuale Haft nicht.»\n\n**BGE 133 I 168** (11.5.2007)\nVerhältnismässigkeitsprinzip bei der Dauer der Untersuchungshaft.\nDie Entscheidung entwickelt Kriterien für die maximale Haftdauer in Relation zur zu erwartenden Strafe.\n> «Es verletzt das Verhältnismässigkeitsprinzip, wenn die Dauer der Untersuchungshaft in grosse zeitliche Nähe der konkret zu erwartenden Freiheitsstrafe rückt.»\n\n**BGE 132 I 21** (23.3.2006)\nKollusionsgefahr als Haftgrund bei Sicherheitshaft nach Anklageerhebung.\nDie Entscheidung konkretisiert die besonderen Haftgründe bei schweren Straftaten.\n> «Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst.»\n\n**BGE 128 I 149** (2.5.2002)\nBesondere Kollusionsgefahr bei Sexualstraftaten und Beschleunigungsgebot.\nDie Entscheidung zeigt die Grenzen der Haftdauer bei schwierigen Begutachtungen auf.\n> «Die Rüge, das Beschleunigungsgebot sei verletzt, ist im Haftprüfungsverfahren subsidiär. Sie kann nur dann Gehör finden, wenn sie nicht bereits Gegenstand der ordentlichen Verfahrensrügen war.»\n\n**BGE 139 IV 270** (16.10.2013)\nSicherheitshaft während des Berufungsverfahrens.\nDie Entscheidung behandelt die Zuständigkeitsverteilung zwischen verschiedenen Verfahrensstadien.\n> «Trotz des Wortlauts von Art. 233 StPO widerspricht es Sinn und Zweck dieser Bestimmung nicht, wenn die Verfahrensleitung des Berufungsgerichts die Sicherheitshaft anordnet oder verlängert.»\n\n**BGE 143 IV 160** (16.2.2017)\nVorzeitiger Straf- und Massnahmevollzug bei Haftentlassungsgesuchen.\nDie Entscheidung klärt die Rechtsnatur der Untersuchungshaft bei zu erwartendem Schuldspruch.\n> «Der vorzeitige Strafvollzug bezieht sich allein auf den Vollzug der Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Rechtstitel für den damit verbundenen Freiheitsentzug ist nicht die zu erwartende Strafe, sondern die geltende Haftanordnung.»\n\n**BGE 143 IV 316** (16.8.2017)\nDringender Tatverdacht bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit.\nDiese Entscheidung zeigt die besonderen Anforderungen bei internationalen Straftaten.\n> «Dringender Tatverdacht im Haftprüfungsverfahren, namentlich zu Beginn der Strafuntersuchung; Beweisanforderungen bei Foltervorwürfen.»\n\n**BGE 135 I 71** (20.1.2009)\nVortatenerfordernis beim Haftgrund der Wiederholungsgefahr.\nDie Entscheidung konkretisiert die Berücksichtigung von Vorstrafen bei der Haftprüfung.\n> «Art. 369 StGB ist auch vom Haftrichter zu beachten mit der Wirkung, dass aus dem Strafregister entfernte Vorstrafen bei der Prüfung des strafprozessualen Haftgrunds der Wiederholungsgefahr nicht berücksichtigt werden dürfen.»\n\n### Recht auf richterliche Haftprüfung (Abs. 4)\n\n**BGE 142 I 135** (2.5.2016)\nAnspruch auf rasche richterliche Prüfung bei Administrativhaft im Dublin-Verfahren.\nDiese wichtige Entscheidung stärkt die Rechte von Asylsuchenden bei der Haftprüfung.\n> «Verlangt der Betroffene erstmals die richterliche Prüfung der Haftanordnung, hat diese so rasch wie möglich zu erfolgen. Die 8-tägige Frist gemäss Art. 80a Abs. 4 AuG betrifft nicht die erstmalige richterliche Prüfung der Haft.»\n\n**BGE 137 I 23** (1.1.2010)\nVerhältnis von Art. 31 Abs. 4 BV zum Ausländerrecht.\nDie wegweisende Entscheidung klärt das Recht auf jederzeitige Gerichtsanrufung.\n> «Art. 31 Abs. 4 BV garantiert das Recht, jederzeit ein Gericht anzurufen. Dieses entscheidet so rasch wie möglich über die Rechtmässigkeit des Freiheitsentzugs.»\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nAnfechtung von Haftentscheiden bei Verlängerungen.\nDie Entscheidung behandelt die Beschwerdelegitimation bei nachfolgenden Haftentscheiden.\n> «Die Anfechtung eines ausländerrechtlichen Haftentscheids bleibt zulässig, auch wenn dieser durch einen Verlängerungsentscheid ersetzt worden ist, sofern ein aktuelles Rechtsschutzinteresse besteht.»\n\n**BGE 136 I 274** (11.5.2010)\nAktuelles Interesse bei Haftbeschwerden nach zwischenzeitlicher Entlassung.\nDie Entscheidung behandelt die Voraussetzungen für die weitere Behandlung von Haftbeschwerden.\n> «Unter besonderen Umständen behandelt das Bundesgericht eine Haftbeschwerde auch dann noch, wenn der Beschwerdeführer zwischenzeitlich entlassen worden ist.»\n\n### Ausländerrechtliche Administrativhaft\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nMaximaldauer und Verhältnismässigkeit der Ausschaffungshaft.\nDiese Grundsatzentscheidung präzisiert die Grenzen der Administrativhaft.\n> «Die Maximaldauer der ausländerrechtlichen Haft beträgt grundsätzlich sechs Monate, kann aber unter besonderen Umständen auf maximal achtzehn Monate verlängert werden.»\n\n**BGE 137 I 296** (1.1.2010)\nFreilassung während des Rekursverfahrens.\nDie Entscheidung behandelt das Rechtsschutzinteresse bei zwischenzeitlicher Entlassung.\n> «Das aktuelle Rechtsschutzinteresse an der Behandlung einer Haftbeschwerde kann auch nach zwischenzeitlicher Entlassung bestehen bleiben, wenn besondere Umstände vorliegen.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 31 Cst. se structure selon les différentes formes de privation de liberté et les garanties procédurales. Le Tribunal fédéral a développé une jurisprudence étendue qui précise tant les conditions matérielles que les exigences procédurales.\n\n### Légalité de la privation de liberté (al. 1)\n\n**ATF 140 II 1** (9.12.2013)\nPrincipe de légalité de la privation administrative de liberté en droit des étrangers.\nL'arrêt précise qu'une seconde détention administrative dans la même procédure de renvoi n'est admissible qu'en cas de circonstances modifiées de manière déterminante.\n> « L'ordonnance de détention en vue du renvoi après une libération dans la même procédure de renvoi présuppose l'existence de nouvelles circonstances déterminantes. »\n\n**ATF 134 I 140** (31.1.2008)\nDistinction entre restriction de liberté et privation de liberté dans les mesures de protection contre la violence.\nCet arrêt de principe définit le seuil de la privation de liberté pertinente du point de vue constitutionnel.\n> « Le concept de ‹ privation de liberté › au sens de l'art. 5 CEDH et de l'art. 31 Cst. ne doit pas être compris comme étant seulement la détention au sens strict. Inversement, toute forme de restriction de liberté ne relève pas de cette garantie, mais seulement les restrictions de liberté d'une certaine ampleur et d'une certaine intensité. »\n\n### Droits d'information et de notification (al. 2)\n\n**ATF 134 I 92** (1.1.2008)\nDroit à l'assistance juridique gratuite dans la procédure d'examen de la détention en droit des étrangers.\nL'arrêt concrétise les droits des personnes détenues lors de la détention en vue de l'exécution du renvoi.\n> « La détention en vue de l'exécution du renvoi présuppose une ‹ procédure de renvoi pendante › et se fonde par conséquent, du point de vue conventionnel, sur l'art. 5 ch. 1 let. f CEDH. »\n\n### Détention préventive et présentation devant un juge (al. 3)\n\n**ATF 133 I 270** (14.9.2007)\nSuspension des délais en cas de détention de procédure pénale et commandement d'accélération.\nCet arrêt directeur souligne l'urgence particulière des recours en matière de détention.\n> « La suspension légale des délais pour former recours devant le Tribunal fédéral ne s'applique pas dans les cas concernant la détention de procédure pénale. »\n\n**ATF 133 I 168** (11.5.2007)\nPrincipe de proportionnalité concernant la durée de la détention préventive.\nL'arrêt développe des critères pour la durée maximale de détention en relation avec la peine attendue.\n> « Il viole le principe de proportionnalité lorsque la durée de la détention préventive se rapproche temporellement de la peine privative de liberté concrètement attendue. »\n\n**ATF 132 I 21** (23.3.2006)\nRisque de collusion comme motif de détention lors de la détention de sûreté après mise en accusation.\nL'arrêt concrétise les motifs de détention particuliers en cas d'infractions graves.\n> « La collusion signifie notamment que l'accusé se concerte avec des témoins, des personnes renseignant, des experts ou des coaccusés ou les incite à faire des déclarations contraires à la vérité. »\n\n**ATF 128 I 149** (2.5.2002)\nRisque particulier de collusion en cas d'infractions sexuelles et commandement d'accélération.\nL'arrêt montre les limites de la durée de détention lors d'expertises difficiles.\n> « Le grief selon lequel le commandement d'accélération a été violé est subsidiaire dans la procédure d'examen de la détention. Il ne peut être pris en considération que s'il n'a pas déjà fait l'objet des griefs de procédure ordinaires. »\n\n**ATF 139 IV 270** (16.10.2013)\nDétention de sûreté pendant la procédure d'appel.\nL'arrêt traite de la répartition des compétences entre les différents stades de la procédure.\n> « Malgré le libellé de l'art. 233 CPP, il n'est pas contraire au sens et au but de cette disposition que la direction de la procédure du tribunal d'appel ordonne ou prolonge la détention de sûreté. »\n\n**ATF 143 IV 160** (16.2.2017)\nExécution anticipée de la peine et des mesures lors de demandes de libération.\nL'arrêt clarifie la nature juridique de la détention préventive en cas de condamnation attendue.\n> « L'exécution anticipée de la peine se rapporte uniquement à l'exécution de la détention préventive et de sûreté. Le titre juridique de la privation de liberté qui y est liée n'est pas la peine attendue, mais l'ordonnance de détention en vigueur. »\n\n**ATF 143 IV 316** (16.8.2017)\nSoupçons urgents d'actes en cas de crimes contre l'humanité.\nCet arrêt montre les exigences particulières en cas d'infractions internationales.\n> « Soupçons urgents d'actes dans la procédure d'examen de la détention, notamment au début de l'instruction pénale ; exigences de preuve en cas de reproches de torture. »\n\n**ATF 135 I 71** (20.1.2009)\nExigence d'actes antérieurs pour le motif de détention du risque de récidive.\nL'arrêt concrétise la prise en considération des antécédents lors de l'examen de la détention.\n> « L'art. 369 CP doit aussi être observé par le juge de la détention avec pour effet que les condamnations antérieures effacées du casier judiciaire ne peuvent pas être prises en considération lors de l'examen du motif de détention de procédure pénale du risque de récidive. »\n\n### Droit à l'examen judiciaire de la détention (al. 4)\n\n**ATF 142 I 135** (2.5.2016)\nDroit à un examen judiciaire rapide en cas de détention administrative dans la procédure Dublin.\nCet arrêt important renforce les droits des requérants d'asile lors de l'examen de la détention.\n> « Lorsque la personne concernée demande pour la première fois l'examen judiciaire de l'ordonnance de détention, celui-ci doit avoir lieu aussi rapidement que possible. Le délai de 8 jours selon l'art. 80a al. 4 LEtr ne concerne pas le premier examen judiciaire de la détention. »\n\n**ATF 137 I 23** (1.1.2010)\nRapport entre l'art. 31 al. 4 Cst. et le droit des étrangers.\nL'arrêt directeur clarifie le droit de saisir un tribunal à tout moment.\n> « L'art. 31 al. 4 Cst. garantit le droit de saisir un tribunal à tout moment. Celui-ci décide aussi rapidement que possible de la légalité de la privation de liberté. »\n\n**ATF 139 I 206** (1.1.2013)\nContestation des décisions de détention en cas de prolongations.\nL'arrêt traite de la qualité pour recourir en cas de décisions de détention ultérieures.\n> « La contestation d'une décision de détention de droit des étrangers reste admissible, même si celle-ci a été remplacée par une décision de prolongation, pour autant qu'un intérêt actuel à la protection juridique subsiste. »\n\n**ATF 136 I 274** (11.5.2010)\nIntérêt actuel en cas de recours contre la détention après libération entre-temps.\nL'arrêt traite des conditions pour la poursuite du traitement des recours contre la détention.\n> « Dans des circonstances particulières, le Tribunal fédéral traite encore un recours contre la détention même si le recourant a été libéré entre-temps. »\n\n### Détention administrative de droit des étrangers\n\n**ATF 139 I 206** (1.1.2013)\nDurée maximale et proportionnalité de la détention en vue du renvoi.\nCet arrêt de principe précise les limites de la détention administrative.\n> « La durée maximale de la détention de droit des étrangers est en principe de six mois, mais peut être prolongée dans des circonstances particulières à dix-huit mois au maximum. »\n\n**ATF 137 I 296** (1.1.2010)\nLibération pendant la procédure de recours.\nL'arrêt traite de l'intérêt à la protection juridique en cas de libération entre-temps.\n> « L'intérêt actuel à la protection juridique concernant le traitement d'un recours contre la détention peut subsister même après une libération entre-temps, lorsque des circonstances particulières sont présentes. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 31 Cost. si articola secondo le diverse forme di privazione della libertà e le garanzie procedurali. Il Tribunale federale ha sviluppato una giurisprudenza estensiva che precisa sia i presupposti materiali sia i requisiti procedurali.\n\n### Legalità della privazione della libertà (cpv. 1)\n\n**BGE 140 II 1** (9.12.2013)\nPrincipio di legalità della privazione amministrativa della libertà nel diritto degli stranieri.\nLa decisione precisa che una seconda carcerazione amministrativa nello stesso procedimento di allontanamento è ammissibile solo in caso di circostanze modificate in modo decisivo.\n> «L'ordinanza della carcerazione per l'espulsione dopo una scarcerazione nel medesimo procedimento di allontanamento presuppone che sussistano nuove circostanze rilevanti per la decisione.»\n\n**BGE 134 I 140** (31.1.2008)\nDistinzione tra limitazione della libertà e privazione della libertà nelle misure di protezione contro la violenza.\nQuesta decisione di principio definisce la soglia della privazione della libertà costituzionalmente rilevante.\n> «Il concetto di ‹privazione della libertà› ai sensi dell'art. 5 CEDU e dell'art. 31 Cost. non deve essere inteso solo come detenzione in senso stretto. Viceversa, non ogni forma di limitazione della libertà rientra in questa garanzia, ma solo le limitazioni della libertà di una certa portata e di una certa intensità.»\n\n### Diritti di informazione e notificazione (cpv. 2)\n\n**BGE 134 I 92** (1.1.2008)\nDiritto al patrocinio gratuito nel procedimento di controllo della detenzione del diritto degli stranieri.\nLa decisione concretizza i diritti delle persone detenute nella carcerazione in vista dell'esecuzione.\n> «La carcerazione in vista dell'esecuzione presuppone un ‹procedimento di espulsione pendente› e si fonda pertanto sul diritto convenzionale sull'art. 5 n. 1 lett. f CEDU.»\n\n### Carcerazione preventiva e comparizione davanti al giudice (cpv. 3)\n\n**BGE 133 I 270** (14.9.2007)\nSospensione dei termini nella detenzione penale processuale e obbligo di accelerazione.\nQuesta decisione guida sottolinea la particolare urgenza dei ricorsi contro la detenzione.\n> «La sospensione legale dei termini per il ricorso al Tribunale federale non si applica nei casi riguardanti la detenzione penale processuale.»\n\n**BGE 133 I 168** (11.5.2007)\nPrincipio di proporzionalità nella durata della carcerazione preventiva.\nLa decisione sviluppa criteri per la durata massima della detenzione in relazione alla pena da aspettarsi.\n> «Viola il principio di proporzionalità se la durata della carcerazione preventiva si avvicina molto temporalmente alla pena detentiva concretamente da aspettarsi.»\n\n**BGE 132 I 21** (23.3.2006)\nPericolo di collusione come motivo di detenzione nella detenzione per sicurezza dopo il rinvio a giudizio.\nLa decisione concretizza i motivi speciali di detenzione nei reati gravi.\n> «Collusione significa in particolare che l'imputato si mette d'accordo con testimoni, persone informate sui fatti, periti o coimputati o li induce a fare dichiarazioni contrarie al vero.»\n\n**BGE 128 I 149** (2.5.2002)\nParticolare pericolo di collusione nei reati sessuali e obbligo di accelerazione.\nLa decisione mostra i limiti della durata della detenzione in caso di perizie difficili.\n> «La censura secondo cui l'obbligo di accelerazione sarebbe violato è sussidiaria nel procedimento di controllo della detenzione. Può essere accolta solo se non era già oggetto delle ordinarie censure procedurali.»\n\n**BGE 139 IV 270** (16.10.2013)\nDetenzione per sicurezza durante il procedimento di appello.\nLa decisione tratta la ripartizione delle competenze tra i diversi stadi procedurali.\n> «Nonostante il tenore letterale dell'art. 233 CPP, non contraddice il senso e lo scopo di questa disposizione se la direzione del procedimento del tribunale d'appello ordina o prolunga la detenzione per sicurezza.»\n\n**BGE 143 IV 160** (16.2.2017)\nEsecuzione anticipata di pene e misure nelle istanze di scarcerazione.\nLa decisione chiarisce la natura giuridica della carcerazione preventiva in caso di condanna da aspettarsi.\n> «L'esecuzione anticipata della pena si riferisce unicamente all'esecuzione della carcerazione preventiva e della detenzione per sicurezza. Titolo giuridico per la privazione della libertà connessa non è la pena da aspettarsi, ma l'ordinanza di detenzione vigente.»\n\n**BGE 143 IV 316** (16.8.2017)\nSospetto urgente di reato nei crimini contro l'umanità.\nQuesta decisione mostra i requisiti speciali nei reati internazionali.\n> «Sospetto urgente di reato nel procedimento di controllo della detenzione, segnatamente all'inizio dell'istruttoria penale; requisiti probatori nelle accuse di tortura.»\n\n**BGE 135 I 71** (20.1.2009)\nRequisito di reati precedenti nel motivo di detenzione del pericolo di recidiva.\nLa decisione concretizza la considerazione delle condanne precedenti nel controllo della detenzione.\n> «L'art. 369 CP deve essere osservato anche dal giudice della detenzione con l'effetto che le condanne precedenti cancellate dal casellario giudiziale non possono essere considerate nell'esame del motivo di detenzione penale processuale del pericolo di recidiva.»\n\n### Diritto al controllo giudiziario della detenzione (cpv. 4)\n\n**BGE 142 I 135** (2.5.2016)\nDiritto a un rapido controllo giudiziario nella detenzione amministrativa nel procedimento di Dublino.\nQuesta importante decisione rafforza i diritti dei richiedenti l'asilo nel controllo della detenzione.\n> «Se l'interessato chiede per la prima volta il controllo giudiziario dell'ordinanza di detenzione, questo deve avvenire il più rapidamente possibile. Il termine di 8 giorni secondo l'art. 80a cpv. 4 LStr non riguarda il primo controllo giudiziario della detenzione.»\n\n**BGE 137 I 23** (1.1.2010)\nRapporto tra l'art. 31 cpv. 4 Cost. e il diritto degli stranieri.\nLa decisione pionieristica chiarisce il diritto di adire in ogni momento un tribunale.\n> «L'art. 31 cpv. 4 Cost. garantisce il diritto di adire in ogni momento un tribunale. Questo decide il più rapidamente possibile sulla legalità della privazione della libertà.»\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nImpugnazione delle decisioni di detenzione in caso di prolungamenti.\nLa decisione tratta la legittimazione a ricorrere nelle successive decisioni di detenzione.\n> «L'impugnazione di una decisione di detenzione del diritto degli stranieri rimane ammissibile, anche se questa è stata sostituita da una decisione di prolungamento, purché sussista un interesse attuale alla protezione giuridica.»\n\n**BGE 136 I 274** (11.5.2010)\nInteresse attuale nei ricorsi contro la detenzione dopo scarcerazione nel frattempo.\nLa decisione tratta i presupposti per l'ulteriore trattamento dei ricorsi contro la detenzione.\n> «In circostanze particolari il Tribunale federale tratta un ricorso contro la detenzione anche se il ricorrente è stato nel frattempo scarcerato.»\n\n### Detenzione amministrativa del diritto degli stranieri\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nDurata massima e proporzionalità della carcerazione per l'espulsione.\nQuesta decisione di principio precisa i limiti della detenzione amministrativa.\n> «La durata massima della detenzione del diritto degli stranieri ammonta in linea di principio a sei mesi, ma può essere prolungata in circostanze particolari a un massimo di diciotto mesi.»\n\n**BGE 137 I 296** (1.1.2010)\nScarcerazione durante il procedimento di ricorso.\nLa decisione tratta l'interesse alla protezione giuridica in caso di scarcerazione nel frattempo.\n> «L'interesse attuale alla protezione giuridica nel trattamento di un ricorso contro la detenzione può sussistere anche dopo una scarcerazione nel frattempo, se ricorrono circostanze particolari.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "## Case Law\n\nThe case law on Art. 31 BV is structured according to the various forms of deprivation of liberty and the procedural guarantees. The Federal Supreme Court has developed comprehensive jurisprudence that specifies both the material requirements and the procedural demands.\n\n### Lawfulness of Deprivation of Liberty (Para. 1)\n\n**BGE 140 II 1** (9.12.2013)\nPrinciple of lawfulness of administrative deprivation of liberty in immigration law.\nThe decision specifies that a second administrative detention in the same removal procedure is only permissible when the circumstances have changed in a decisive way.\n> «The ordering of detention pending deportation after a release from custody in the same removal procedure requires that new circumstances of decisive importance exist.»\n\n**BGE 134 I 140** (31.1.2008)\nDistinction between restriction of liberty and deprivation of liberty in protective measures against violence.\nThis landmark decision defines the threshold for constitutionally relevant deprivation of liberty.\n> «The concept of ‹deprivation of liberty› within the meaning of Art. 5 ECHR and Art. 31 BV is not to be understood merely as detention in the narrow sense. Conversely, not every type of restriction of liberty falls under this guarantee, but only restrictions of liberty of a certain extent and certain intensity.»\n\n### Information and Notification Rights (Para. 2)\n\n**BGE 134 I 92** (1.1.2008)\nRight to free legal representation in immigration detention review proceedings.\nThe decision specifies the rights of detained persons in enforcement detention.\n> «Enforcement detention requires a ‹pending expulsion procedure› and is therefore based on Art. 5 no. 1 lit. f ECHR under convention law.»\n\n### Pre-trial Detention and Judicial Appearance (Para. 3)\n\n**BGE 133 I 270** (14.9.2007)\nSuspension of time limits in criminal procedural detention and acceleration requirement.\nThis leading decision emphasizes the particular urgency of detention appeals.\n> «The statutory suspension of time limits for appeals to the Federal Supreme Court does not apply in cases concerning criminal procedural detention.»\n\n**BGE 133 I 168** (11.5.2007)\nPrinciple of proportionality regarding the duration of pre-trial detention.\nThe decision develops criteria for the maximum duration of detention in relation to the expected sentence.\n> «It violates the principle of proportionality when the duration of pre-trial detention approaches the actual expected prison sentence in terms of time.»\n\n**BGE 132 I 21** (23.3.2006)\nRisk of collusion as grounds for custody detention after indictment.\nThe decision specifies the particular grounds for detention in serious offenses.\n> «Collusion means in particular that the accused reaches an understanding with witnesses, informants, experts or co-accused or induces them to make false statements.»\n\n**BGE 128 I 149** (2.5.2002)\nParticular risk of collusion in sexual offenses and acceleration requirement.\nThe decision shows the limits of detention duration in difficult expert assessments.\n> «The complaint that the acceleration requirement has been violated is subsidiary in detention review proceedings. It can only be heard if it was not already the subject of ordinary procedural complaints.»\n\n**BGE 139 IV 270** (16.10.2013)\nCustody detention during appeal proceedings.\nThe decision addresses the distribution of jurisdiction between different procedural stages.\n> «Despite the wording of Art. 233 StPO, it does not contradict the sense and purpose of this provision if the procedural management of the appellate court orders or extends custody detention.»\n\n**BGE 143 IV 160** (16.2.2017)\nEarly execution of sentence and measures in applications for release from custody.\nThe decision clarifies the legal nature of pre-trial detention in case of expected conviction.\n> «Early execution of sentence refers solely to the execution of pre-trial and custody detention. The legal basis for the associated deprivation of liberty is not the expected sentence, but the applicable detention order.»\n\n**BGE 143 IV 316** (16.8.2017)\nUrgent suspicion of crime in crimes against humanity.\nThis decision shows the special requirements for international crimes.\n> «Urgent suspicion of crime in detention review proceedings, particularly at the beginning of criminal investigation; evidentiary requirements for torture allegations.»\n\n**BGE 135 I 71** (20.1.2009)\nPrior offense requirement for the detention ground of risk of repetition.\nThe decision specifies the consideration of previous convictions in detention review.\n> «Art. 369 StGB must also be observed by the detention judge with the effect that previous convictions removed from the criminal record may not be considered when examining the criminal procedural detention ground of risk of repetition.»\n\n### Right to Judicial Review of Detention (Para. 4)\n\n**BGE 142 I 135** (2.5.2016)\nRight to rapid judicial review in administrative detention in Dublin procedures.\nThis important decision strengthens the rights of asylum seekers in detention review.\n> «If the person concerned requests judicial review of the detention order for the first time, this must take place as quickly as possible. The 8-day period according to Art. 80a para. 4 AuG does not concern the initial judicial review of detention.»\n\n**BGE 137 I 23** (1.1.2010)\nRelationship of Art. 31 para. 4 BV to immigration law.\nThe groundbreaking decision clarifies the right to invoke a court at any time.\n> «Art. 31 para. 4 BV guarantees the right to invoke a court at any time. This court decides as quickly as possible on the lawfulness of the deprivation of liberty.»\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nChallenge of detention decisions in case of extensions.\nThe decision addresses the standing to appeal in subsequent detention decisions.\n> «The challenge of an immigration detention decision remains admissible even if it has been replaced by an extension decision, provided there is a current interest in legal protection.»\n\n**BGE 136 I 274** (11.5.2010)\nCurrent interest in detention appeals after interim release.\nThe decision addresses the requirements for continued treatment of detention appeals.\n> «Under special circumstances, the Federal Supreme Court still handles a detention appeal even when the appellant has been released in the interim.»\n\n### Immigration Administrative Detention\n\n**BGE 139 I 206** (1.1.2013)\nMaximum duration and proportionality of detention pending deportation.\nThis landmark decision specifies the limits of administrative detention.\n> «The maximum duration of immigration detention is generally six months, but may be extended to a maximum of eighteen months under special circumstances.»\n\n**BGE 137 I 296** (1.1.2010)\nRelease during appeal proceedings.\nThe decision addresses the interest in legal protection in case of interim release.\n> «The current interest in legal protection for the handling of a detention appeal can persist even after interim release if special circumstances exist.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_31", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 32, "article_suffix": "", "title": "Strafverfahren", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 32 BV — Art. 32 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 32 BV — Art. 32 BV\n", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## I. Unschuldsvermutung (Absatz 1)\n\n### 1. Grundlagen der Unschuldsvermutung\n\n**BGE 127 I 38** (14. Januar 2000)\nDas Bundesgericht definiert die Unschuldsvermutung als fundamentalen Grundsatz des fairen Verfahrens.\nDie Unschuldsvermutung verpflichtet die Anklagebehörde zur Beweislast und schützt den Angeklagten vor vorschnellen Schuldzuweisungen.\n\n> «Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Grundsatz 'in dubio pro reo' ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen muss.»\n\n### 2. Beweiswürdigung und In-dubio-Grundsatz\n\n**BGE 144 IV 345** (23. Mai 2018)\nDas Bundesgericht klärt das Verhältnis zwischen freier Beweiswürdigung und Unschuldsvermutung.\nEntscheidend ist die Abgrenzung zwischen Beweissammlung und Beweiswürdigung bei der Anwendung des In-dubio-Grundsatzes.\n\n> «Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung lässt keinen Raum für eine Anwendung der Regel in dubio pro reo auf die Sammlung und Sichtung der Beweismittel. Die Unschuldsvermutung kommt erst in einem späteren Stadium zum Tragen. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel kann eine Verletzung des In-dubio-Grundsatzes begründen.»\n\n**BGE 129 I 49** (8. Februar 2002)\nDas Bundesgericht präzisiert die Anforderungen an psychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtungen.\nDie Unschuldsvermutung verlangt methodisch einwandfreie Beweiswürdigung bei Zeugenaussagen.\n\n> «Für die Abklärung des Wahrheitsgehalts von kindlichen Zeugenaussagen bei Verdacht auf sexuellen Kindsmissbrauch bestehen fachliche Standards. Methodische Anforderungen an die psychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtung von Zeugenaussagen sind strikt einzuhalten.»\n\n### 3. Unschuldsvermutung im Sozialversicherungsrecht\n\n**BGE 138 V 74** (19. Dezember 2011)\nDas Bundesgericht wendet die Unschuldsvermutung auf Sozialversicherungsverfahren an.\nBei Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen gelten die verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Beweiswürdigung.\n\n> «Die verfassungsmässigen Anforderungen an die Beweiswürdigung sind auch im Sozialversicherungsrecht zu beachten, wenn es um die Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen geht und eine längere strafrechtliche Verjährungsfrist zur Anwendung kommt.»\n\n### 4. Anwendung auf strafrechtsähnliche Verfahren\n\n**BGE 139 I 72** (29. Juni 2012)\nDas Bundesgericht erstreckt die Garantien von Art. 32 BV auf kartellrechtliche Sanktionen.\nKartellrechtliche Sanktionen nach Art. 49a KG haben strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Charakter.\n\n> «Kartellrechtliche Sanktionen nach Art. 49a KG haben einen strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Charakter. Die Garantien von Art. 6 und 7 EMRK sowie Art. 30 und 32 BV sind bei solchen Sanktionen anwendbar.»\n\n## II. Informations- und Verteidigungsrechte (Absatz 2)\n\n### 1. Recht auf Information über Beschuldigungen\n\n**BGE 143 IV 63** (21. Dezember 2016)\nDas Bundesgericht definiert die Anforderungen an die Anklageschrift.\nDie Anklageschrift muss den Gegenstand des Gerichtsverfahrens eindeutig umgrenzen (Umgrenzungsfunktion).\n\n> «Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde.»\n\n### 2. Konfrontationsrecht\n\n**BGE 131 I 476** (11. Oktober 2005)\nDas Bundesgericht stärkt das Recht auf Befragung von Belastungszeugen.\nDer Anspruch auf Befragung des Belastungszeugen ist absolut, wenn das Zeugnis für den Schuldspruch ausschlaggebend ist.\n\n> «Der Anspruch, dem Belastungszeugen Fragen stellen zu können, ist dann absolut, wenn das Zeugnis für den Schuldspruch ausschlaggebend ist. Dieser Anspruch wird verletzt, wenn der Zeuge über vier Jahre nach der ersten Befragung jegliche ergänzende Aussage verweigert und das Gericht gleichwohl auf die erste, beweismässig entscheidende Aussage abstellt.»\n\n### 3. Selbstbelastungsfreiheit\n\n**BGE 149 IV 9** (17. Februar 2022)\nDas Bundesgericht klärt den Geltungsbereich des Selbstbelastungsprivilegs.\nDas Prinzip «nemo tenetur se ipsum accusare» rechtfertigt nicht die Verweigerung der Personalienangabe.\n\n> «Das Prinzip kann weder als Grundlage für ein Recht auf Anonymität verstanden werden noch vermag es die Weigerung der Bekanntgabe der Personalien zu rechtfertigen. Allgemeiner Geltungsbereich des Selbstbelastungsprivilegs bleibt jedoch unbestritten.»\n\n### 4. Recht auf amtliche Verteidigung\n\n**BGE 141 I 124** (2. März 2015)\nDas Bundesgericht behandelt Entschädigungsfragen der amtlichen Verteidigung.\nDie amtliche Verteidigung erfüllt eine staatliche Aufgabe und unterliegt besonderen verfassungsrechtlichen Anforderungen.\n\n> «Die amtliche Verteidigung erfüllt eine staatliche Aufgabe und fällt nicht in den Geltungsbereich von Art. 27 BV. Sie wird von verfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien erfasst, die eine angemessene Entschädigung vorsehen.»\n\n## III. Recht auf Überprüfung durch höhere Instanz (Absatz 3)\n\n### 1. Grundsatz des Instanzenzugs\n\n**BGE 137 IV 219** (11. Juli 2011)\nDas Bundesgericht bestätigt das verfassungsrechtliche Recht auf Überprüfung von Strafurteilen.\nDas Recht auf Überprüfung durch eine höhere Instanz ist ein fundamentales Verfahrensrecht.\n\n> «Jede verurteilte Person hat das verfassungsrechtliche Recht, das Urteil von einem höheren Gericht überprüfen zu lassen. Dieses Recht ist nur in den vom Gesetz vorgesehenen Ausnahmefällen beschränkt.»\n\n### 2. Ausnahmen beim Bundesgericht als Einziginstanz\n\n**BGE 134 IV 36** (24. Oktober 2007)\nDas Bundesgericht erläutert seine Stellung als einzige Instanz in bestimmten Verfahren.\nDie Ausnahme von Art. 32 Abs. 3 BV gilt nur bei ausdrücklich vorgesehenen bundesgerichtlichen Verfahren als einzige Instanz.\n\n> «Der Staatsanwaltschaft steht das Beschwerderecht in Strafsachen nach Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG zu. In Fällen, in denen das Bundesgericht als einzige Instanz urteilt, ist das Recht auf Überprüfung durch eine höhere Instanz systembedingt ausgeschlossen.»\n\n### 3. Verfahrensgarantien bei Haftentscheidungen\n\n**BGE 133 I 270** (14. September 2007)\nDas Bundesgericht definiert besondere Anforderungen bei strafprozessualer Haft.\nDer gesetzliche Fristenstillstand für Beschwerden gilt in Haftfällen grundsätzlich nicht.\n\n> «Der gesetzliche Fristenstillstand für die Beschwerdeführung beim Bundesgericht gilt in Fällen betreffend die strafprozessuale Haft nicht. Diese Rechtsprechung berücksichtigt die besondere Dringlichkeit von Haftentscheidungen.»\n\n## IV. Schutzbereich und Anwendung\n\n### 1. Anwendung auf besondere Verfahrensarten\n\n**BGE 148 IV 205** (24. März 2022)\nDas Bundesgericht wendet Art. 32 BV auf verdeckte Ermittlungen an.\nBeweisverwertungsverbote können bei Verletzung von Verfahrensgarantien eingreifen.\n\n> «Die Verwertbarkeit von Beweismitteln, die im Rahmen einer verdeckten Ermittlung erlangt wurden, setzt grundsätzlich voraus, dass die Verfahrensgarantien, einschliesslich der Selbstbelastungsfreiheit, beachtet wurden.»\n\n### 2. Verhältnis zu kantonalen Verfahrensvorschriften\n\n**BGE 134 I 140** (21. März 2008)\nDas Bundesgericht behandelt Schutzmassnahmen gegen häusliche Gewalt.\nKantonale Verfahrensvorschriften müssen mit den bundesverfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien vereinbar sein.\n\n> «Bei der Überprüfung von Massnahmen nach kantonalem Gewaltschutzrecht sind die Verfahrensgarantien von Art. 32 BV zu beachten. Dies gilt insbesondere für das Recht auf rechtliches Gehör und faire Verfahrensführung.»\n\n### 3. Internationale Bezüge\n\n**BGE 144 II 427** (21. November 2018)\nDas Bundesgericht behandelt steuerstrafrechtliche Untersuchungsverfahren.\nASU-Untersuchungsverfahren unterliegen den gleichen Verfahrensgarantien wie ordentliche Strafverfahren.\n\n> «Das ASU-Untersuchungsverfahren gemäss Art. 190 ff. DBG und Art. 19-50 VStrR unterliegt den allgemeinen Verfahrensgarantien. Die Unschuldsvermutung und die Verteidigungsrechte sind auch in steuerstrafrechtlichen Verfahren zu beachten.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## I. Présomption d'innocence (alinéa 1)\n\n### 1. Fondements de la présomption d'innocence\n\n**ATF 127 I 38** (14 janvier 2000)\nLe Tribunal fédéral définit la présomption d'innocence comme un principe fondamental de la procédure équitable.\nLa présomption d'innocence oblige l'autorité d'accusation à assumer le fardeau de la preuve et protège l'accusé contre des attributions de culpabilité hâtives.\n\n> «Selon le principe 'in dubio pro reo' ancré à l'art. 32 al. 1 Cst. et à l'art. 6 ch. 2 CEDH, il faut présumer, jusqu'à la preuve légale de la culpabilité, que la personne accusée d'un acte punissable est innocente. En tant que règle du fardeau de la preuve, cette maxime signifie qu'il appartient à l'autorité d'accusation de prouver la culpabilité de l'accusé, et non pas à ce dernier de prouver son innocence.»\n\n### 2. Appréciation des preuves et principe in dubio\n\n**ATF 144 IV 345** (23 mai 2018)\nLe Tribunal fédéral clarifie le rapport entre la libre appréciation des preuves et la présomption d'innocence.\nLa distinction entre la collecte des preuves et l'appréciation des preuves est déterminante lors de l'application du principe in dubio.\n\n> «Le principe de la libre appréciation des preuves ne laisse aucune place à l'application de la règle in dubio pro reo lors de la collecte et de l'examen des moyens de preuve. La présomption d'innocence n'entre en jeu qu'à un stade ultérieur. Seul le fait de passer outre à des doutes manifestement pertinents peut constituer une violation du principe in dubio.»\n\n**ATF 129 I 49** (8 février 2002)\nLe Tribunal fédéral précise les exigences relatives aux expertises psychologiques de crédibilité.\nLa présomption d'innocence exige une appréciation méthodologiquement irréprochable des témoignages.\n\n> «Pour l'examen de la véracité de témoignages d'enfants en cas de soupçon d'abus sexuel sur mineurs, il existe des standards professionnels. Les exigences méthodologiques relatives à l'expertise psychologique de crédibilité des témoignages doivent être strictement respectées.»\n\n### 3. Présomption d'innocence en droit des assurances sociales\n\n**ATF 138 V 74** (19 décembre 2011)\nLe Tribunal fédéral applique la présomption d'innocence aux procédures d'assurances sociales.\nEn cas de restitution de prestations perçues indûment, les exigences constitutionnelles relatives à l'appréciation des preuves s'appliquent.\n\n> «Les exigences constitutionnelles relatives à l'appréciation des preuves doivent également être respectées en droit des assurances sociales, lorsqu'il s'agit de la restitution de prestations perçues indûment et qu'un délai de prescription pénal plus long s'applique.»\n\n### 4. Application aux procédures de nature pénale\n\n**ATF 139 I 72** (29 juin 2012)\nLe Tribunal fédéral étend les garanties de l'art. 32 Cst. aux sanctions du droit des cartels.\nLes sanctions du droit des cartels selon l'art. 49a LCart ont un caractère pénal ou de nature pénale.\n\n> «Les sanctions du droit des cartels selon l'art. 49a LCart ont un caractère pénal ou de nature pénale. Les garanties des art. 6 et 7 CEDH ainsi que des art. 30 et 32 Cst. sont applicables à de telles sanctions.»\n\n## II. Droits d'information et de défense (alinéa 2)\n\n### 1. Droit à l'information sur les accusations\n\n**ATF 143 IV 63** (21 décembre 2016)\nLe Tribunal fédéral définit les exigences relatives à l'acte d'accusation.\nL'acte d'accusation doit délimiter clairement l'objet de la procédure judiciaire (fonction de délimitation).\n\n> «Selon le principe accusatoire, l'acte d'accusation détermine l'objet de la procédure judiciaire (fonction de délimitation ; art. 9 et art. 325 CPP ; art. 29 al. 2 et art. 32 al. 2 Cst. ; art. 6 ch. 1 et ch. 3 let. a et b CEDH). Le tribunal est lié aux faits reproduits dans l'accusation (principe d'immutabilité), mais non pas à leur qualification juridique par l'autorité d'accusation.»\n\n### 2. Droit de confrontation\n\n**ATF 131 I 476** (11 octobre 2005)\nLe Tribunal fédéral renforce le droit d'interroger les témoins à charge.\nLe droit d'interroger le témoin à charge est absolu lorsque le témoignage est déterminant pour la condamnation.\n\n> «Le droit de pouvoir poser des questions au témoin à charge est absolu lorsque le témoignage est déterminant pour la condamnation. Ce droit est violé lorsque le témoin refuse toute déclaration complémentaire plus de quatre ans après le premier interrogatoire et que le tribunal se fonde néanmoins sur la première déclaration, déterminante sur le plan probatoire.»\n\n### 3. Liberté de ne pas s'incriminer\n\n**ATF 149 IV 9** (17 février 2022)\nLe Tribunal fédéral clarifie le champ d'application du privilège de non-auto-incrimination.\nLe principe «nemo tenetur se ipsum accusare» ne justifie pas le refus d'indiquer ses données personnelles.\n\n> «Le principe ne peut être compris ni comme fondement d'un droit à l'anonymat ni ne peut justifier le refus de communiquer ses données personnelles. Le champ d'application général du privilège de non-auto-incrimination demeure toutefois incontesté.»\n\n### 4. Droit à la défense d'office\n\n**ATF 141 I 124** (2 mars 2015)\nLe Tribunal fédéral traite les questions d'indemnisation de la défense d'office.\nLa défense d'office accomplit une tâche étatique et est soumise à des exigences constitutionnelles particulières.\n\n> «La défense d'office accomplit une tâche étatique et ne relève pas du champ d'application de l'art. 27 Cst. Elle est régie par des garanties procédurales constitutionnelles qui prévoient une indemnisation appropriée.»\n\n## III. Droit de révision par une instance supérieure (alinéa 3)\n\n### 1. Principe de la voie de recours\n\n**ATF 137 IV 219** (11 juillet 2011)\nLe Tribunal fédéral confirme le droit constitutionnel à la révision des jugements pénaux.\nLe droit de révision par une instance supérieure est un droit procédural fondamental.\n\n> «Toute personne condamnée a le droit constitutionnel de faire réviser le jugement par un tribunal supérieur. Ce droit n'est limité que dans les cas d'exception prévus par la loi.»\n\n### 2. Exceptions du Tribunal fédéral comme instance unique\n\n**ATF 134 IV 36** (24 octobre 2007)\nLe Tribunal fédéral explique sa position d'instance unique dans certaines procédures.\nL'exception de l'art. 32 al. 3 Cst. ne s'applique qu'aux procédures devant le Tribunal fédéral expressément prévues comme instance unique.\n\n> «Le ministère public dispose du droit de recours en matière pénale selon l'art. 81 al. 1 let. b LTF. Dans les cas où le Tribunal fédéral statue comme instance unique, le droit de révision par une instance supérieure est exclu pour des raisons systémiques.»\n\n### 3. Garanties procédurales pour les décisions de détention\n\n**ATF 133 I 270** (14 septembre 2007)\nLe Tribunal fédéral définit des exigences particulières pour la détention de procédure pénale.\nLa suspension légale des délais pour les recours ne s'applique en principe pas dans les affaires de détention.\n\n> «La suspension légale des délais pour le recours devant le Tribunal fédéral ne s'applique pas dans les affaires concernant la détention de procédure pénale. Cette jurisprudence tient compte de l'urgence particulière des décisions de détention.»\n\n## IV. Champ de protection et application\n\n### 1. Application aux types de procédures particuliers\n\n**ATF 148 IV 205** (24 mars 2022)\nLe Tribunal fédéral applique l'art. 32 Cst. aux enquêtes secrètes.\nDes interdictions d'utiliser des preuves peuvent intervenir en cas de violation de garanties procédurales.\n\n> «L'utilisabilité de moyens de preuve obtenus dans le cadre d'une enquête secrète présuppose en principe que les garanties procédurales, y compris la liberté de ne pas s'incriminer, aient été respectées.»\n\n### 2. Rapport avec les dispositions procédurales cantonales\n\n**ATF 134 I 140** (21 mars 2008)\nLe Tribunal fédéral traite les mesures de protection contre la violence domestique.\nLes dispositions procédurales cantonales doivent être compatibles avec les garanties procédurales de droit constitutionnel fédéral.\n\n> «Lors de l'examen de mesures selon le droit cantonal de protection contre la violence, les garanties procédurales de l'art. 32 Cst. doivent être respectées. Cela vaut en particulier pour le droit d'être entendu et la conduite équitable de la procédure.»\n\n### 3. Aspects internationaux\n\n**ATF 144 II 427** (21 novembre 2018)\nLe Tribunal fédéral traite les procédures d'enquête en matière de droit pénal fiscal.\nLes procédures d'enquête ASU sont soumises aux mêmes garanties procédurales que les procédures pénales ordinaires.\n\n> «La procédure d'enquête ASU selon les art. 190 ss LIFD et art. 19-50 ODAm est soumise aux garanties procédurales générales. La présomption d'innocence et les droits de la défense doivent également être respectés dans les procédures de droit pénal fiscal.»", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## I. Presunzione di innocenza (capoverso 1)\n\n### 1. Fondamenti della presunzione di innocenza\n\n**DTF 127 I 38** (14 gennaio 2000)\nIl Tribunale federale definisce la presunzione di innocenza come principio fondamentale del processo equo.\nLa presunzione di innocenza obbliga l'autorità di accusa all'onere della prova e protegge l'imputato da attribuzioni premature di colpevolezza.\n\n> «Secondo il principio 'in dubio pro reo' sancito nell'art. 32 cpv. 1 Cost. e nell'art. 6 n. 2 CEDU, fino alla prova legale della colpevolezza si deve presumere che l'accusato di un'azione punibile sia innocente. Come regola sull'onere della prova, la massima significa che spetta all'autorità di accusa provare la colpevolezza dell'imputato, e non a quest'ultimo dimostrare la propria innocenza.»\n\n### 2. Valutazione delle prove e principio in-dubio\n\n**DTF 144 IV 345** (23 maggio 2018)\nIl Tribunale federale chiarisce il rapporto tra libera valutazione delle prove e presunzione di innocenza.\nDecisivo è la delimitazione tra raccolta delle prove e valutazione delle prove nell'applicazione del principio in-dubio.\n\n> «Il principio del libero apprezzamento delle prove non lascia spazio per un'applicazione della regola in dubio pro reo alla raccolta e all'esame dei mezzi di prova. La presunzione di innocenza entra in gioco solo in una fase successiva. Solo il trascurare dubbi manifestamente rilevanti può fondare una violazione del principio in-dubio.»\n\n**DTF 129 I 49** (8 febbraio 2002)\nIl Tribunale federale precisa i requisiti per le perizie psicologiche di attendibilità.\nLa presunzione di innocenza richiede una valutazione delle prove metodologicamente ineccepibile per le dichiarazioni testimoniali.\n\n> «Per l'accertamento del contenuto di verità delle dichiarazioni testimoniali infantili in caso di sospetto di abuso sessuale su minori esistono standard professionali. I requisiti metodologici per la perizia psicologica di attendibilità delle dichiarazioni testimoniali devono essere rigorosamente rispettati.»\n\n### 3. Presunzione di innocenza nel diritto delle assicurazioni sociali\n\n**DTF 138 V 74** (19 dicembre 2011)\nIl Tribunale federale applica la presunzione di innocenza ai procedimenti di assicurazioni sociali.\nIn caso di restituzione di prestazioni percepite illegittimamente si applicano i requisiti costituzionali per la valutazione delle prove.\n\n> «I requisiti costituzionali per la valutazione delle prove devono essere osservati anche nel diritto delle assicurazioni sociali, quando si tratta della restituzione di prestazioni percepite illegittimamente e si applica un termine di prescrizione penale più lungo.»\n\n### 4. Applicazione a procedimenti simil-penali\n\n**DTF 139 I 72** (29 giugno 2012)\nIl Tribunale federale estende le garanzie dell'art. 32 Cost. alle sanzioni del diritto della concorrenza.\nLe sanzioni del diritto della concorrenza secondo l'art. 49a LCart hanno carattere penale rispettivamente simil-penale.\n\n> «Le sanzioni del diritto della concorrenza secondo l'art. 49a LCart hanno un carattere penale rispettivamente simil-penale. Le garanzie degli art. 6 e 7 CEDU nonché degli art. 30 e 32 Cost. sono applicabili a tali sanzioni.»\n\n## II. Diritti di informazione e difesa (capoverso 2)\n\n### 1. Diritto all'informazione sulle accuse\n\n**DTF 143 IV 63** (21 dicembre 2016)\nIl Tribunale federale definisce i requisiti per l'atto di accusa.\nL'atto di accusa deve delimitare chiaramente l'oggetto del procedimento giudiziario (funzione di delimitazione).\n\n> «Secondo il principio accusatorio, l'atto di accusa determina l'oggetto del procedimento giudiziario (funzione di delimitazione; art. 9 e art. 325 CPP; art. 29 cpv. 2 e art. 32 cpv. 2 Cost.; art. 6 n. 1 e n. 3 lett. a e b CEDU). Il tribunale è vincolato alla fattispecie riportata nell'accusa (principio di immutabilità), ma non alla sua qualificazione giuridica da parte dell'autorità di accusa.»\n\n### 2. Diritto di confronto\n\n**DTF 131 I 476** (11 ottobre 2005)\nIl Tribunale federale rafforza il diritto di interrogare i testimoni a carico.\nIl diritto di interrogare il testimone a carico è assoluto quando la testimonianza è decisiva per la condanna.\n\n> «Il diritto di porre domande al testimone a carico è assoluto quando la testimonianza è decisiva per la condanna. Questo diritto viene violato quando il testimone rifiuta qualsiasi dichiarazione aggiuntiva oltre quattro anni dopo il primo interrogatorio e il tribunale si basa comunque sulla prima dichiarazione, decisiva dal punto di vista probatorio.»\n\n### 3. Libertà dall'autoaccusa\n\n**DTF 149 IV 9** (17 febbraio 2022)\nIl Tribunale federale chiarisce l'ambito di applicazione del privilegio contro l'autoaccusa.\nIl principio «nemo tenetur se ipsum accusare» non giustifica il rifiuto di fornire le generalità.\n\n> «Il principio non può essere inteso né come base per un diritto all'anonimato né può giustificare il rifiuto di comunicare le generalità. L'ambito di applicazione generale del privilegio contro l'autoaccusa rimane tuttavia indiscusso.»\n\n### 4. Diritto alla difesa d'ufficio\n\n**DTF 141 I 124** (2 marzo 2015)\nIl Tribunale federale tratta questioni di compenso della difesa d'ufficio.\nLa difesa d'ufficio adempie un compito statale e sottostà a particolari requisiti costituzionali.\n\n> «La difesa d'ufficio adempie un compito statale e non rientra nell'ambito di applicazione dell'art. 27 Cost. È disciplinata dalle garanzie procedurali costituzionali che prevedono un compenso adeguato.»\n\n## III. Diritto di revisione da parte di un'istanza superiore (capoverso 3)\n\n### 1. Principio della pluralità di istanze\n\n**DTF 137 IV 219** (11 luglio 2011)\nIl Tribunale federale conferma il diritto costituzionale alla revisione delle sentenze penali.\nIl diritto alla revisione da parte di un'istanza superiore è un diritto procedurale fondamentale.\n\n> «Ogni persona condannata ha il diritto costituzionale di far riesaminare la sentenza da un tribunale superiore. Questo diritto è limitato solo nei casi eccezionali previsti dalla legge.»\n\n### 2. Eccezioni quando il Tribunale federale è unica istanza\n\n**DTF 134 IV 36** (24 ottobre 2007)\nIl Tribunale federale illustra la sua posizione come unica istanza in determinati procedimenti.\nL'eccezione dell'art. 32 cpv. 3 Cost. vale solo per i procedimenti espressamente previsti del Tribunale federale come unica istanza.\n\n> «Al Ministero pubblico spetta il diritto di ricorso in materia penale secondo l'art. 81 cpv. 1 lett. b LTF. Nei casi in cui il Tribunale federale giudica come unica istanza, il diritto di revisione da parte di un'istanza superiore è escluso per ragioni sistemiche.»\n\n### 3. Garanzie procedurali nelle decisioni di carcerazione\n\n**DTF 133 I 270** (14 settembre 2007)\nIl Tribunale federale definisce requisiti particolari per la carcerazione processuale penale.\nLa sospensione legale dei termini per i ricorsi in linea di principio non vale nei casi di carcerazione.\n\n> «La sospensione legale dei termini per la presentazione di ricorsi al Tribunale federale non vale nei casi riguardanti la carcerazione processuale penale. Questa giurisprudenza tiene conto della particolare urgenza delle decisioni di carcerazione.»\n\n## IV. Ambito di protezione e applicazione\n\n### 1. Applicazione a particolari tipi di procedimento\n\n**DTF 148 IV 205** (24 marzo 2022)\nIl Tribunale federale applica l'art. 32 Cost. alle indagini coperte.\nI divieti di utilizzazione delle prove possono intervenire in caso di violazione delle garanzie procedurali.\n\n> «L'utilizzabilità di mezzi di prova ottenuti nell'ambito di un'indagine coperta presuppone in linea di principio che siano state rispettate le garanzie procedurali, inclusa la libertà dall'autoaccusa.»\n\n### 2. Rapporto con le norme procedurali cantonali\n\n**DTF 134 I 140** (21 marzo 2008)\nIl Tribunale federale tratta le misure di protezione contro la violenza domestica.\nLe norme procedurali cantonali devono essere compatibili con le garanzie procedurali della costituzione federale.\n\n> «Nel controllo delle misure secondo il diritto cantonale di protezione dalla violenza devono essere osservate le garanzie procedurali dell'art. 32 Cost. Ciò vale in particolare per il diritto di essere sentiti e per la conduzione equa del procedimento.»\n\n### 3. Riferimenti internazionali\n\n**DTF 144 II 427** (21 novembre 2018)\nIl Tribunale federale tratta i procedimenti d'inchiesta del diritto penale fiscale.\nI procedimenti d'inchiesta ASU sottostanno alle stesse garanzie procedurali dei procedimenti penali ordinari.\n\n> «Il procedimento d'inchiesta ASU secondo gli art. 190 seg. LIFD e gli art. 19-50 OPAmm sottostà alle garanzie procedurali generali. La presunzione di innocenza e i diritti di difesa devono essere osservati anche nei procedimenti penali fiscali.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## I. Presumption of Innocence (Paragraph 1)\n\n### 1. Foundations of the Presumption of Innocence\n\n**BGE 127 I 38** (14 January 2000)\nThe Federal Supreme Court defines the presumption of innocence as a fundamental principle of fair proceedings.\nThe presumption of innocence obliges the prosecution to bear the burden of proof and protects the accused from premature attributions of guilt.\n\n> «According to the principle 'in dubio pro reo' enshrined in Art. 32 para. 1 Cst. and in Art. 6 no. 2 ECHR, it must be presumed that a person accused of a criminal offence is innocent until guilt is proven by law. As a rule of burden of proof, the maxim means that it is for the prosecution to prove the guilt of the accused, and not for the latter to prove his innocence.»\n\n### 2. Assessment of Evidence and the In-dubio Principle\n\n**BGE 144 IV 345** (23 May 2018)\nThe Federal Supreme Court clarifies the relationship between free assessment of evidence and the presumption of innocence.\nThe decisive factor is the distinction between evidence collection and assessment of evidence in applying the in-dubio principle.\n\n> «The principle of free assessment of evidence leaves no room for application of the rule in dubio pro reo to the collection and examination of evidence. The presumption of innocence only comes into play at a later stage. Only the disregard of obviously significant doubts can constitute a violation of the in-dubio principle.»\n\n**BGE 129 I 49** (8 February 2002)\nThe Federal Supreme Court specifies the requirements for psychological credibility assessments.\nThe presumption of innocence requires methodologically sound assessment of evidence in witness testimony.\n\n> «Professional standards exist for determining the truthfulness of children's witness testimony in cases of suspected sexual child abuse. Methodological requirements for psychological credibility assessment of witness testimony must be strictly observed.»\n\n### 3. Presumption of Innocence in Social Insurance Law\n\n**BGE 138 V 74** (19 December 2011)\nThe Federal Supreme Court applies the presumption of innocence to social insurance proceedings.\nIn cases of reimbursement of unlawfully received benefits, the constitutional requirements for assessment of evidence apply.\n\n> «The constitutional requirements for assessment of evidence must also be observed in social insurance law when it concerns the reimbursement of unlawfully received benefits and a longer criminal limitation period applies.»\n\n### 4. Application to Criminal-law-like Proceedings\n\n**BGE 139 I 72** (29 June 2012)\nThe Federal Supreme Court extends the guarantees of Art. 32 Cst. to competition law sanctions.\nCompetition law sanctions under Art. 49a CartA have a criminal or criminal-law-like character.\n\n> «Competition law sanctions under Art. 49a CartA have a criminal or criminal-law-like character. The guarantees of Art. 6 and 7 ECHR as well as Art. 30 and 32 Cst. are applicable to such sanctions.»\n\n## II. Right to Information and Defence Rights (Paragraph 2)\n\n### 1. Right to Information about Charges\n\n**BGE 143 IV 63** (21 December 2016)\nThe Federal Supreme Court defines the requirements for the indictment.\nThe indictment must clearly delineate the subject matter of the court proceedings (delimitation function).\n\n> «According to the principle of accusation, the indictment determines the subject matter of the court proceedings (delimitation function; Art. 9 and Art. 325 CrimPC; Art. 29 para. 2 and Art. 32 para. 2 Cst.; Art. 6 no. 1 and no. 3 lit. a and b ECHR). The court is bound by the facts presented in the indictment (immutability principle), but not by their legal assessment by the prosecution.»\n\n### 2. Right of Confrontation\n\n**BGE 131 I 476** (11 October 2005)\nThe Federal Supreme Court strengthens the right to question prosecution witnesses.\nThe right to question the prosecution witness is absolute if the testimony is decisive for the conviction.\n\n> «The right to be able to put questions to the prosecution witness is absolute if the testimony is decisive for the conviction. This right is violated if the witness refuses to make any supplementary statement more than four years after the first questioning and the court nevertheless relies on the first, evidentially decisive statement.»\n\n### 3. Freedom from Self-incrimination\n\n**BGE 149 IV 9** (17 February 2022)\nThe Federal Supreme Court clarifies the scope of application of the privilege against self-incrimination.\nThe principle «nemo tenetur se ipsum accusare» does not justify the refusal to provide personal details.\n\n> «The principle can neither be understood as a basis for a right to anonymity nor can it justify the refusal to disclose personal details. However, the general scope of application of the privilege against self-incrimination remains undisputed.»\n\n### 4. Right to Official Defence\n\n**BGE 141 I 124** (2 March 2015)\nThe Federal Supreme Court deals with compensation issues for official defence.\nOfficial defence fulfils a state function and is subject to special constitutional requirements.\n\n> «Official defence fulfils a state function and does not fall within the scope of application of Art. 27 Cst. It is covered by constitutional procedural guarantees that provide for appropriate compensation.»\n\n## III. Right to Review by a Higher Instance (Paragraph 3)\n\n### 1. Principle of Multiple Instances\n\n**BGE 137 IV 219** (11 July 2011)\nThe Federal Supreme Court confirms the constitutional right to review of criminal judgments.\nThe right to review by a higher instance is a fundamental procedural right.\n\n> «Every convicted person has the constitutional right to have the judgment reviewed by a higher court. This right is only limited in the exceptional cases provided for by law.»\n\n### 2. Exceptions when the Federal Supreme Court Acts as Sole Instance\n\n**BGE 134 IV 36** (24 October 2007)\nThe Federal Supreme Court explains its position as sole instance in certain proceedings.\nThe exception to Art. 32 para. 3 Cst. only applies to expressly provided Federal Supreme Court proceedings as sole instance.\n\n> «The public prosecutor has the right to appeal in criminal matters under Art. 81 para. 1 lit. b FSCA. In cases where the Federal Supreme Court acts as sole instance, the right to review by a higher instance is systematically excluded.»\n\n### 3. Procedural Guarantees in Detention Decisions\n\n**BGE 133 I 270** (14 September 2007)\nThe Federal Supreme Court defines special requirements for criminal procedural detention.\nThe statutory suspension of time limits for appeals generally does not apply in detention cases.\n\n> «The statutory suspension of time limits for appeals to the Federal Supreme Court does not apply in cases concerning criminal procedural detention. This case law takes into account the particular urgency of detention decisions.»\n\n## IV. Scope of Protection and Application\n\n### 1. Application to Special Types of Proceedings\n\n**BGE 148 IV 205** (24 March 2022)\nThe Federal Supreme Court applies Art. 32 Cst. to covert investigations.\nEvidence exclusion rules may apply in case of violations of procedural guarantees.\n\n> «The admissibility of evidence obtained in the course of a covert investigation generally presupposes that the procedural guarantees, including freedom from self-incrimination, have been observed.»\n\n### 2. Relationship to Cantonal Procedural Provisions\n\n**BGE 134 I 140** (21 March 2008)\nThe Federal Supreme Court deals with protective measures against domestic violence.\nCantonal procedural provisions must be compatible with federal constitutional procedural guarantees.\n\n> «When reviewing measures under cantonal protection from violence law, the procedural guarantees of Art. 32 Cst. must be observed. This applies in particular to the right to be heard and fair conduct of proceedings.»\n\n### 3. International Aspects\n\n**BGE 144 II 427** (21 November 2018)\nThe Federal Supreme Court deals with tax criminal investigation proceedings.\nAdministrative assistance investigation proceedings are subject to the same procedural guarantees as ordinary criminal proceedings.\n\n> «The administrative assistance investigation proceedings under Art. 190 ff. FDTA and Art. 19-50 TCrimO are subject to general procedural guarantees. The presumption of innocence and defence rights must also be observed in tax criminal proceedings.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_32", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 33, "article_suffix": "", "title": "Petitionsrecht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 33 BV — Art. 33 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 33 BV — Art. 33 BV\n", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen und Bedeutung des Petitionsrechts\n\n**BGE 119 Ia 53** vom 3.2.1993  \nDas Bundesgericht präzisierte die Grundlagen des Petitionsrechts nach Art. 57 aBV (heute Art. 33 BV).  \nZentrale Rechtsprechung zur Definition und Abgrenzung des Petitionsrechts gegenüber prozessualen Mitteln.\n\n> «Die Petitionsfreiheit nach Art. 57 BV gestattet es aufgrund der Rechtsprechung jedermann, ungehindert Bitten, Vorschläge, Kritiken oder Beschwerden an die Behörden zu richten, ohne deswegen Belästigungen oder Rechtsnachteile irgendwelcher Art befürchten zu müssen. Die Behörde ist verpflichtet, von der Petition Kenntnis zu nehmen und sie einzusehen.»\n\n**BGE 98 Ia 484** vom 20.9.1972  \nDas Bundesgericht definierte Natur und Umfang des Petitionsrechts unter der alten Bundesverfassung.  \nGrundlegendes Urteil zur Tragweite des Petitionsrechts als verfassungsmässiges Recht.\n\n> «Das Petitionsrecht, wie es durch Art. 57 BV und die meisten Kantonsverfassungen gewährleistet wird, ist ein verfassungsmässiges Recht des Bürgers im Sinne des Art. 84 Abs. 1 lit. b OG, dessen Verletzung mit staatsrechtlicher Beschwerde gerügt werden kann.»\n\n### Kollektivpetitionen und Formalien\n\n**BGE 104 Ia 434** vom 20.9.1978  \nEine Kollektiv-(Massen-)petition darf nicht von vorneherein als unzulässig erklärt werden, nur weil sie einige ungültige Unterschriften enthält.  \nWichtiger Grundsatz zur Zulässigkeit von Sammelpetitionen trotz formaler Mängel.\n\n> «Déclarer d'emblée irrecevable une pétition collective (de masse) au motif qu'elle contient quelques signatures non valides viole l'art. 57 Cst.»\n\n**BGE 109 Ia 208** aus dem Jahr 1983  \nUnterschriftensammlung für Petitionen untersteht grundsätzlich der Bewilligungspflicht, auch auf öffentlichem Grund.  \nDas Urteil bestätigt die Verbindung zwischen Petitionsrecht und Meinungsäusserungsfreiheit.\n\n> «Wie auch immer die Unterschriftensammlung auf öffentlichem Grund rechtlich qualifiziert wird (als Gemeingebrauch, gesteigerter Gemeingebrauch oder Sondernutzung), sie kann nicht irgendwo und irgendwie durchgeführt werden; sie untersteht nach einem allgemeinen Grundsatz der Bewilligungspflicht.»\n\n### Grenzen des Petitionsrechts\n\n**BGE 119 Ia 53** vom 3.2.1993  \nPetitionen an Gerichte sind unzulässig, wenn sie ein konkretes Gerichtsverfahren betreffen.  \nDas Urteil zieht klare Grenzen zwischen Petitionsrecht und prozessualen Rechten.\n\n> «Petitionen von Verfahrensbeteiligten hinsichtlich eines konkreten Gerichtsverfahrens können nicht als zulässig betrachtet werden. Das trifft insbesondere für die als Petition bezeichnete sog. Schutzschrift der Beschwerdeführerin zu.»\n\n**BGE 100 Ia 77** vom 13.2.1974  \nDisziplinarische Bestrafung von Strafgefangenen wegen heimlicher Unterschriftensammlung verletzt das Petitionsrecht nicht.  \nDas Urteil zeigt die Grenzen des Petitionsrechts im Strafvollzug auf.\n\n> «Die disziplinarische Bestrafung wegen unerlaubter heimlicher Kontaktnahme unter Strafgefangenen zur Sammlung von Unterschriften ist als Sanktion zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Strafvollzug sachlich begründet und verletzt die Petitionsfreiheit nicht.»\n\n### Neuere Rechtsprechung unter der geltenden Bundesverfassung\n\n**Urteil 1C_473/2010** vom 31.1.2011  \nDas Bundesgericht bestätigte unter der neuen Bundesverfassung die Grundsätze des Petitionsrechts.  \nErstes Urteil, das explizit Art. 33 nBV anwendet und die Kontinuität der Rechtsprechung bestätigt.\n\n> «Die Petitionsfreiheit nach Art. 33 BV und Art. 3 lit. d der Kantonsverfassung des Kantons St. Gallen gestattet es jeder Person, ungehindert Bitten, Vorschläge, Kritiken oder Beschwerden an die Behörden zu richten. Der Rechtsbehelf der Petition verschafft dem Einzelnen jedoch keinen Anspruch auf Erlass einer Verfügung oder eines Beschwerdeentscheids in der Sache selber.»\n\n**Urteil 1C_155/2020** vom 24.3.2020  \nDas Bundesgericht präzisierte die Pflicht zur Kenntnisnahme und Prüfung von Petitionen.  \nDas Urteil zeigt die beschränkte Reichweite des Petitionsrechts auf Bundesebene.\n\n> «Le droit de pétition comprend le droit d'adresser une pétition aux autorités et une obligation du Conseil d'Etat d'en prendre connaissance et de l'examiner.»\n\n### Spezialfälle und Abgrenzungen\n\n**Urteil 1C_242/2010** vom 19.7.2010  \nBehandlung von Eingaben, die sowohl als Petition wie auch als Antrag auf politische Rechte qualifiziert werden können.  \nDas Urteil zeigt die Abgrenzung zwischen verschiedenen Grundrechten auf.\n\n> «Das Petitionsrecht ist ein blosses Freiheitsrecht, das keinerlei positiven Anspruch verleiht. Der Petitionär kann weder verlangen, dass seine Petition materiell behandelt, noch dass sie beantwortet wird.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements et signification du droit de pétition\n\n**ATF 119 Ia 53** du 3.2.1993  \nLe Tribunal fédéral a précisé les fondements du droit de pétition selon l'art. 57 aCst (aujourd'hui art. 33 Cst).  \nJurisprudence centrale pour la définition et la délimitation du droit de pétition par rapport aux moyens procéduraux.\n\n> «La liberté de pétition selon l'art. 57 Cst permet, selon la jurisprudence, à chacun d'adresser sans entrave des demandes, des propositions, des critiques ou des plaintes aux autorités, sans devoir craindre pour autant des tracasseries ou des préjudices juridiques de quelque nature que ce soit. L'autorité est tenue de prendre connaissance de la pétition et de l'examiner.»\n\n**ATF 98 Ia 484** du 20.9.1972  \nLe Tribunal fédéral a défini la nature et la portée du droit de pétition sous l'ancienne Constitution fédérale.  \nArrêt fondamental sur la portée du droit de pétition en tant que droit constitutionnel.\n\n> «Le droit de pétition, tel qu'il est garanti par l'art. 57 Cst et la plupart des constitutions cantonales, est un droit constitutionnel du citoyen au sens de l'art. 84 al. 1 lit. b OJ, dont la violation peut être dénoncée par recours de droit public.»\n\n### Pétitions collectives et formalités\n\n**ATF 104 Ia 434** du 20.9.1978  \nUne pétition collective (de masse) ne peut pas être déclarée d'emblée irrecevable au seul motif qu'elle contient quelques signatures non valides.  \nPrincipe important pour l'admissibilité des pétitions collectives malgré des vices de forme.\n\n> «Déclarer d'emblée irrecevable une pétition collective (de masse) au motif qu'elle contient quelques signatures non valides viole l'art. 57 Cst.»\n\n**ATF 109 Ia 208** de l'année 1983  \nLa récolte de signatures pour des pétitions est en principe soumise à autorisation, même sur domaine public.  \nL'arrêt confirme le lien entre droit de pétition et liberté d'expression.\n\n> «Quelle que soit la qualification juridique donnée à la récolte de signatures sur domaine public (usage commun, usage commun accru ou usage spécial), elle ne peut pas être effectuée n'importe où et n'importe comment ; elle est soumise selon un principe général à l'obligation d'obtenir une autorisation.»\n\n### Limites du droit de pétition\n\n**ATF 119 Ia 53** du 3.2.1993  \nLes pétitions adressées aux tribunaux sont inadmissibles lorsqu'elles concernent une procédure judiciaire concrète.  \nL'arrêt trace des limites claires entre droit de pétition et droits procéduraux.\n\n> «Les pétitions de parties à une procédure concernant une procédure judiciaire concrète ne peuvent pas être considérées comme admissibles. Cela vaut en particulier pour la soi-disant écriture de sauvegarde de la recourante, qualifiée de pétition.»\n\n**ATF 100 Ia 77** du 13.2.1974  \nLa sanction disciplinaire de détenus pour récolte clandestine de signatures ne viole pas le droit de pétition.  \nL'arrêt montre les limites du droit de pétition dans l'exécution des peines.\n\n> «La sanction disciplinaire pour prise de contact clandestine non autorisée entre détenus en vue de récolter des signatures est justifiée objectivement comme sanction pour maintenir l'ordre dans l'exécution des peines et ne viole pas la liberté de pétition.»\n\n### Jurisprudence récente sous la Constitution fédérale en vigueur\n\n**Arrêt 1C_473/2010** du 31.1.2011  \nLe Tribunal fédéral a confirmé sous la nouvelle Constitution fédérale les principes du droit de pétition.  \nPremier arrêt qui applique explicitement l'art. 33 nCst et confirme la continuité de la jurisprudence.\n\n> «La liberté de pétition selon l'art. 33 Cst et l'art. 3 lit. d de la Constitution cantonale du canton de Saint-Gall permet à toute personne d'adresser sans entrave des demandes, des propositions, des critiques ou des plaintes aux autorités. Le recours de la pétition ne confère cependant à l'individu aucun droit à ce qu'une décision ou une décision sur recours soit rendue dans l'affaire elle-même.»\n\n**Arrêt 1C_155/2020** du 24.3.2020  \nLe Tribunal fédéral a précisé l'obligation de prendre connaissance et d'examiner les pétitions.  \nL'arrêt montre la portée limitée du droit de pétition au niveau fédéral.\n\n> «Le droit de pétition comprend le droit d'adresser une pétition aux autorités et une obligation du Conseil d'Etat d'en prendre connaissance et de l'examiner.»\n\n### Cas spéciaux et délimitations\n\n**Arrêt 1C_242/2010** du 19.7.2010  \nTraitement d'écritures qui peuvent être qualifiées à la fois comme pétition et comme demande concernant des droits politiques.  \nL'arrêt montre la délimitation entre différents droits fondamentaux.\n\n> «Le droit de pétition n'est qu'un simple droit de liberté qui ne confère aucun droit positif. Le pétitionnaire ne peut exiger ni que sa pétition soit traitée matériellement, ni qu'elle reçoive une réponse.»", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti e significato del diritto di petizione\n\n**DTF 119 Ia 53** del 3.2.1993  \nIl Tribunale federale ha precisato i fondamenti del diritto di petizione secondo l'art. 57 aCost. (oggi art. 33 Cost.).  \nGiurisprudenza centrale per la definizione e la delimitazione del diritto di petizione rispetto ai mezzi processuali.\n\n> «La libertà di petizione secondo l'art. 57 Cost. permette, secondo la giurisprudenza, a chiunque di rivolgere liberamente istanze, proposte, critiche o reclami alle autorità, senza dover temere molestie o pregiudizi giuridici di alcun tipo. L'autorità è tenuta a prendere atto della petizione ed esaminarla.»\n\n**DTF 98 Ia 484** del 20.9.1972  \nIl Tribunale federale ha definito la natura e la portata del diritto di petizione sotto la vecchia Costituzione federale.  \nSentenza fondamentale sulla portata del diritto di petizione quale diritto costituzionale.\n\n> «Il diritto di petizione, come è garantito dall'art. 57 Cost. e dalla maggior parte delle costituzioni cantonali, è un diritto costituzionale del cittadino ai sensi dell'art. 84 cpv. 1 lett. b OG, la cui violazione può essere denunciata mediante ricorso di diritto pubblico.»\n\n### Petizioni collettive e formalità\n\n**DTF 104 Ia 434** del 20.9.1978  \nUna petizione collettiva (di massa) non può essere dichiarata inammissibile a priori solo perché contiene alcune firme non valide.  \nPrincipio importante sulla ammissibilità delle petizioni collettive nonostante vizi formali.\n\n> «Dichiarare subito inammissibile una petizione collettiva (di massa) con il motivo che contiene alcune firme non valide viola l'art. 57 Cost.»\n\n**DTF 109 Ia 208** del 1983  \nLa raccolta di firme per petizioni è soggetta in linea di principio all'obbligo di autorizzazione, anche su suolo pubblico.  \nLa sentenza conferma il collegamento tra diritto di petizione e libertà d'opinione.\n\n> «Comunque sia giuridicamente qualificata la raccolta di firme su suolo pubblico (come uso comune, uso comune aumentato o uso speciale), essa non può essere condotta dovunque e in qualsiasi modo; è soggetta secondo un principio generale all'obbligo di autorizzazione.»\n\n### Limiti del diritto di petizione\n\n**DTF 119 Ia 53** del 3.2.1993  \nLe petizioni ai tribunali sono inammissibili quando concernono un procedimento giudiziario concreto.  \nLa sentenza traccia limiti chiari tra diritto di petizione e diritti processuali.\n\n> «Le petizioni delle parti processuali riguardo a un procedimento giudiziario concreto non possono essere considerate ammissibili. Ciò vale in particolare per la cosiddetta istanza cautelativa della ricorrente, denominata petizione.»\n\n**DTF 100 Ia 77** del 13.2.1974  \nLa punizione disciplinare di detenuti per raccolta segreta di firme non viola il diritto di petizione.  \nLa sentenza mostra i limiti del diritto di petizione nell'esecuzione penale.\n\n> «La punizione disciplinare per contatto segreto non autorizzato tra detenuti per la raccolta di firme è giustificata come sanzione per il mantenimento dell'ordine nell'esecuzione penale e non viola la libertà di petizione.»\n\n### Giurisprudenza recente sotto la Costituzione federale vigente\n\n**Sentenza 1C_473/2010** del 31.1.2011  \nIl Tribunale federale ha confermato sotto la nuova Costituzione federale i principi del diritto di petizione.  \nPrima sentenza che applica esplicitamente l'art. 33 nCost. e conferma la continuità della giurisprudenza.\n\n> «La libertà di petizione secondo l'art. 33 Cost. e l'art. 3 lett. d della Costituzione cantonale del Canton San Gallo permette a ogni persona di rivolgere liberamente istanze, proposte, critiche o reclami alle autorità. Il rimedio giuridico della petizione non conferisce tuttavia al singolo alcun diritto all'emanazione di una decisione o di una decisione su ricorso nella causa stessa.»\n\n**Sentenza 1C_155/2020** del 24.3.2020  \nIl Tribunale federale ha precisato l'obbligo di presa d'atto ed esame delle petizioni.  \nLa sentenza mostra la portata limitata del diritto di petizione a livello federale.\n\n> «Il diritto di petizione comprende il diritto di indirizzare una petizione alle autorità e un obbligo del Consiglio di Stato di prenderne atto ed esaminarla.»\n\n### Casi speciali e delimitazioni\n\n**Sentenza 1C_242/2010** del 19.7.2010  \nTrattamento di istanze che possono essere qualificate sia come petizione sia come domanda relativa ai diritti politici.  \nLa sentenza mostra la delimitazione tra diversi diritti fondamentali.\n\n> «Il diritto di petizione è un mero diritto di libertà che non conferisce alcun diritto positivo. Il petente non può né esigere che la sua petizione sia trattata materialmente, né che riceva risposta.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Foundations and Significance of the Right of Petition\n\n**BGE 119 Ia 53** of 3.2.1993  \nThe Federal Supreme Court clarified the foundations of the right of petition under Art. 57 old Federal Constitution (now Art. 33 Federal Constitution).  \nCentral case law on the definition and delimitation of the right of petition vis-à-vis procedural remedies.\n\n> «The freedom of petition under Art. 57 Federal Constitution allows everyone, according to case law, to address requests, proposals, criticism or complaints to the authorities without hindrance, without having to fear harassment or legal disadvantages of any kind. The authority is obligated to take notice of the petition and examine it.»\n\n**BGE 98 Ia 484** of 20.9.1972  \nThe Federal Supreme Court defined the nature and scope of the right of petition under the old Federal Constitution.  \nFundamental judgment on the scope of the right of petition as a constitutional right.\n\n> «The right of petition, as guaranteed by Art. 57 Federal Constitution and most cantonal constitutions, is a constitutional right of the citizen within the meaning of Art. 84 para. 1 lit. b Federal Court Act, the violation of which can be challenged by constitutional appeal.»\n\n### Collective Petitions and Formalities\n\n**BGE 104 Ia 434** of 20.9.1978  \nA collective (mass) petition may not be declared inadmissible from the outset merely because it contains some invalid signatures.  \nImportant principle on the admissibility of collective petitions despite formal defects.\n\n> «Déclarer d'emblée irrecevable une pétition collective (de masse) au motif qu'elle contient quelques signatures non valides viole l'art. 57 Cst.»\n\n**BGE 109 Ia 208** from 1983  \nCollection of signatures for petitions is in principle subject to authorization requirements, including on public property.  \nThe judgment confirms the connection between the right of petition and freedom of expression.\n\n> «However the collection of signatures on public property may be legally qualified (as ordinary use, enhanced ordinary use or special use), it cannot be carried out anywhere and in any way; it is subject to authorization requirements according to a general principle.»\n\n### Limits of the Right of Petition\n\n**BGE 119 Ia 53** of 3.2.1993  \nPetitions to courts are inadmissible when they concern specific court proceedings.  \nThe judgment draws clear boundaries between the right of petition and procedural rights.\n\n> «Petitions by parties to proceedings concerning specific court proceedings cannot be considered admissible. This applies in particular to the so-called protective brief of the appellant, designated as a petition.»\n\n**BGE 100 Ia 77** of 13.2.1974  \nDisciplinary punishment of prisoners for secret collection of signatures does not violate the right of petition.  \nThe judgment shows the limits of the right of petition in penal enforcement.\n\n> «The disciplinary punishment for unauthorized secret contact among prisoners for the collection of signatures is justified as a sanction to maintain order in penal enforcement and does not violate the freedom of petition.»\n\n### Recent Case Law under the Current Federal Constitution\n\n**Judgment 1C_473/2010** of 31.1.2011  \nThe Federal Supreme Court confirmed the principles of the right of petition under the new Federal Constitution.  \nFirst judgment that explicitly applies Art. 33 new Federal Constitution and confirms the continuity of case law.\n\n> «The freedom of petition under Art. 33 Federal Constitution and Art. 3 lit. d of the Constitution of the Canton of St. Gallen allows every person to address requests, proposals, criticism or complaints to the authorities without hindrance. However, the legal remedy of petition does not give the individual any right to the issuance of an administrative decision or an appeal decision in the matter itself.»\n\n**Judgment 1C_155/2020** of 24.3.2020  \nThe Federal Supreme Court clarified the obligation to take notice of and examine petitions.  \nThe judgment shows the limited scope of the right of petition at the federal level.\n\n> «Le droit de pétition comprend le droit d'adresser une pétition aux autorités et une obligation du Conseil d'Etat d'en prendre connaissance et de l'examiner.»\n\n### Special Cases and Delimitations\n\n**Judgment 1C_242/2010** of 19.7.2010  \nTreatment of submissions that can be qualified both as petitions and as requests concerning political rights.  \nThe judgment shows the delimitation between different fundamental rights.\n\n> «The right of petition is a mere freedom right that grants no positive entitlement. The petitioner can neither demand that his petition be materially dealt with nor that it be answered.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_33", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 34, "article_suffix": "", "title": "Politische Rechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 34 BV — Art. 34 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 34 BV — Art. 34 BV\n", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundlagen der Rechtsprechung zu den politischen Rechten\n\n### Anspruch auf unverfälschte Stimmabgabe\n\n**BGE 129 I 185 vom 18. Dezember 2002**\nDas Bundesgericht präzisierte die bundesrechtlichen Anforderungen an das rechtsgleiche Wahlrecht bei der Wahlkreiseinteilung für Proporzwahlen.\nVerletzung der verfassungsrechtlich garantierten Wahlfreiheit bei unverhältnismässig ungleicher Vertretung der Stimmberechtigten in verschiedenen Wahlkreisen.\n\n> «Die Garantie bedeutet, dass kein Abstimmungs- oder Wahlergebnis anerkannt werden darf, das nicht den freien Willen der Stimmbürger zuverlässig und unverfälscht zum Ausdruck bringt. Der Wählerwille soll sich möglichst genau im Wahlergebnis niederschlagen.»\n\n**BGE 135 I 19 vom 17. Dezember 2008**\nGültigkeit der Wahl einer Kandidatin trotz Parteiwechsels zwischen Wahltermin und Konstituierung des Parlaments.\nBestätigung des Grundsatzes des freien Mandats und der Grenze zwischen freier Willensbildung und unverfälschter Stimmabgabe.\n\n> «Art. 34 Abs. 2 BV schützt die freie Willensbildung und unverfälschte Stimmabgabe. Die Garantie bedeutet, dass kein Abstimmungs- oder Wahlergebnis anerkannt werden darf, das nicht den freien Willen der Stimmbürger zuverlässig und unverfälscht zum Ausdruck bringt.»\n\n### Informationspflicht der Behörden\n\n**BGE 130 I 290 vom 28. Juli 2004**\nVerpflichtung der Behörden zu sachlicher und ausgewogener Information in den Abstimmungsunterlagen; Zulässigkeit öffentlicher Äusserungen einzelner Behördemitglieder im Abstimmungskampf.\nKonkretisierung der Rechtsprechung zur behördlichen Informationspflicht bei kantonalen Abstimmungen.\n\n> «Die in der Bundesverfassung verankerte Garantie der politischen Rechte (Art. 34 Abs. 1 BV) schützt die freie Willensbildung und die unverfälschte Stimmabgabe (Art. 34 Abs. 2 BV).»\n\n**BGE 143 I 78 vom 14. Dezember 2016**\nZulässige behördliche Intervention im Abstimmungskampf bei besonderen Interessen; Pflicht zu Objektivität und Sachlichkeit.\nEin Kanton darf in einen eidgenössischen Abstimmungskampf eingreifen, wenn er ein unmittelbares und besonderes Interesse am Ausgang hat.\n\n> «Aus Art. 34 Abs. 2 BV wird namentlich eine Verpflichtung der Behörden auf korrekte und zurückhaltende Information im Vorfeld von Abstimmungen abgeleitet.»\n\n## Initiativen und Referenden\n\n### Ungültigkeit von Initiativen\n\n**BGE 129 I 232 vom 9. Juli 2003**\nUngültigkeit einer Initiative zur Einführung von Urnenabstimmungen über Einbürgerungsgesuche wegen Konflikt mit der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht.\nGrundlegende Entscheidung zu den verfassungsrechtlichen Grenzen direktdemokratischer Instrumente.\n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich.»\n\n**BGE 134 I 172 vom 5. März 2008**\nUngültigerklärung einer kommunalen Volksinitiative; Voraussetzungen für eine teilweise Ungültigerklärung.\nEine teilweise Ungültigerklärung ist nur möglich, wenn der gültig verbleibende Teil der Initiative einen Sinn behält, der dem Willen der Initianten entspricht.\n\n> «Eine teilweise Ungültigerklärung ist nur möglich, wenn der gültig verbleibende Teil der Initiative einen Sinn behält, der dem Willen der Initianten und der Unterzeichner entspricht.»\n\n### Umsetzung von Volksinitiativen\n\n**BGE 141 I 186 vom 27. Mai 2015**\nUmsetzung einer als allgemeine Anregung formulierten kantonalen Volksinitiative; Grenzen der behördlichen Umsetzungskompetenz.\nEine inhaltlich korrekte Umsetzung erfordert gesetzgeberische Tätigkeit entsprechend der Initiativabsicht.\n\n> «Eine Umsetzung der von den Stimmberechtigten des Kantons Zürich angenommenen Kulturlandinitiative unmittelbar mit einer Revision des kantonalen Richtplans ist gemäss kantonalem Verfassungsrecht unzulässig und mit den politischen Rechten der Stimmbürger nicht vereinbar.»\n\n**BGE 139 I 2 vom 7. November 2012**\nStimmrechtsbeschwerde zur Umsetzung einer Planungsinitiative und zu den entsprechenden Erläuterungen des Gemeinderates.\nBei der Umsetzung einer angenommenen Planungsinitiative ist eine Vorlage auszuarbeiten, die dem mit der Initiative angestrebten Ergebnis entspricht.\n\n> «Bei der Umsetzung einer angenommenen Planungsinitiative ist eine Vorlage eines Planerlasses oder von Plananpassungen auszuarbeiten, die dem mit der Initiative angestrebten planerischen Ergebnis entsprechen und grundsätzlich mit dem höherrangigen Recht vereinbar erscheinen.»\n\n## Abstimmungsverfahren\n\n### Nachzählung und Abstimmungswiederholung\n\n**BGE 138 I 171 vom 25. April 2012**\nWiederholung einer Volksabstimmung wegen Unmöglichkeit der Nachzählung eines sehr knappen Ergebnisses.\nVerfahrensrechte beim Entscheid über die Anordnung einer Abstimmungswiederholung; Kompetenz der Kantonsregierung.\n\n> «Die Anordnung einer Nachzählung bei einem sehr knappen Resultat ist in der Möglichkeit der Fehlerhaftigkeit desselben und eines anderen Ergebnisses bei der Kontrolle der Auswertung begründet. Erweist sich die Nachzählung als ausgeschlossen, weil ein massgeblicher Anteil der Stimmzettel vernichtet wurde, ist die Abstimmung zwecks Ermittlung des wahren Volkswillens zu wiederholen.»\n\n**BGE 141 II 297 vom 20. März 2015**\nEin sehr knappes Resultat einer eidgenössischen Abstimmung vermittelt für sich allein keinen Anspruch auf Nachzählung.\nKeine unmittelbar aus Art. 34 Abs. 2 BV fliessende Verpflichtung zur Nachzählung sehr knapper Abstimmungsresultate.\n\n> «Ein sehr knappes Resultat einer eidgenössischen Abstimmung vermittelt für sich alleine keinen Anspruch auf eine Nachzählung. Eine unmittelbar aus Art. 34 Abs. 2 BV fliessende Verpflichtung zur Nachzählung sehr knapper Wahl- oder Abstimmungsresultate besteht nicht.»\n\n### Verfahrensrecht bei Stimmrechtsbeschwerden\n\n**BGE 147 I 194 vom 23. März 2021**\nEidgenössische Volksabstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative; Kritik am Erfordernis des Ständemehrs; Verfahrensrechtliche Präzisierungen.\nMängel bei der Vorbereitung von Abstimmungen sind sofort und vor Durchführung des Urnengangs zu rügen.\n\n> «Mängel bei der Vorbereitung von Wahlen und Abstimmungen sind sofort und vor der Durchführung des Urnenganges zu rügen. Soll das Erfordernis des Ständemehrs infrage gestellt werden, ist die Abstimmungsanordnung anzufechten. Die Einschränkung der Stimmkraftgleichheit ist verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich.»\n\n## Wahlverfahren\n\n### Verhältniswahlrecht und Wahlkreiseinteilung\n\n**BGE 136 I 352 vom 7. Juli 2010**\nVerfahren für die Wahl des Landrates; Verhältniswahlrecht und Wahlkreiseinteilung; verfassungsrechtliche Anforderungen.\nDas kantonale Wahlverfahren war mit den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts unvereinbar und liess sich nicht durch Gründe überkommener Gebietsorganisation rechtfertigen.\n\n> «Das kantonale Wahlverfahren ist mit den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts unvereinbar, lässt sich durch keine Gründe überkommener Gebietsorganisation rechtfertigen und ist deshalb verfassungswidrig.»\n\n**BGE 140 I 394 vom 26. September 2014**\nBefugnis des Bundesgerichts zur Überprüfung von kantonalen Verfassungsbestimmungen im Anwendungsfall; Weiterentwicklung der Rechtsprechung zur Wahlrechtsgleichheit.\nDas Prinzip der Wahlrechtsgleichheit wurde seit der Gewährleistung der Kantonsverfassung weiterentwickelt.\n\n> «Das aus Art. 34 BV fliessende Prinzip der Wahlrechtsgleichheit ist seit der Gewährleistung der Verfassung des Kantons Appenzell A.Rh. durch die Bundesversammlung im Jahr 1996 weiterentwickelt worden. Dieser Entwicklung gilt es Rechnung zu tragen.»\n\n## Abstimmungsfreiheit\n\n### Verletzung der Abstimmungsfreiheit\n\n**BGE 135 I 292 vom 10. Februar 2009**\nVerletzung der Abstimmungsfreiheit anlässlich einer Gemeindeversammlung; Beeinträchtigung von behördlicher oder privater Seite.\nDie unzutreffende Präsentation eines wesentlichen Sachverhalts kann die Abstimmungsfreiheit verletzen.\n\n> «Die unzutreffende Präsentation eines wesentlichen, erst anlässlich der Gemeindeversammlung bekanntgemachten Sachverhalts kann die Abstimmungsfreiheit verletzen, wenn sie geeignet ist, die Stimmbürger zu einem anderen Entscheid zu bewegen.»\n\n### Diskriminierungsverbot bei Initiativen\n\n**BGE 129 I 392 vom 12. Februar 2003**\nStadtzürcherische Initiative «SchweizerInnen zuerst!»; Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot.\nInitiative bezweckte die Bevorzugung der Schweizer und damit die Benachteiligung der Ausländer ohne sachliche Gründe.\n\n> «Die Initiative bezweckt die Bevorzugung der Schweizer und damit die Benachteiligung der Ausländer auch ohne sachliche Gründe, die eine Ungleichbehandlung rechtfertigen könnten.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Fondements de la jurisprudence relative aux droits politiques\n\n### Droit à un vote non falsifié\n\n**ATF 129 I 185 du 18 décembre 2002**\nLe Tribunal fédéral a précisé les exigences du droit fédéral concernant l'égalité du droit de vote lors de la répartition des circonscriptions électorales pour les élections à la proportionnelle.\nViolation de la liberté électorale garantie par la Constitution en cas de représentation disproportionnellement inégale des électeurs dans différentes circonscriptions électorales.\n\n> « La garantie signifie qu'aucun résultat de votation ou d'élection ne peut être reconnu s'il n'exprime pas de manière fiable et non falsifiée la libre volonté des citoyens. La volonté de l'électeur doit se refléter aussi exactement que possible dans le résultat de l'élection. »\n\n**ATF 135 I 19 du 17 décembre 2008**\nValidité de l'élection d'une candidate malgré un changement de parti entre la date d'élection et la constitution du parlement.\nConfirmation du principe du mandat libre et de la limite entre libre formation de la volonté et vote non falsifié.\n\n> « L'art. 34 al. 2 Cst. protège la libre formation de la volonté et le vote non falsifié. La garantie signifie qu'aucun résultat de votation ou d'élection ne peut être reconnu s'il n'exprime pas de manière fiable et non falsifiée la libre volonté des citoyens. »\n\n### Devoir d'information des autorités\n\n**ATF 130 I 290 du 28 juillet 2004**\nObligation des autorités d'informer de manière objective et équilibrée dans les documents de votation ; admissibilité des déclarations publiques de membres individuels des autorités dans la campagne de votation.\nConcrétisation de la jurisprudence relative au devoir d'information des autorités lors de votations cantonales.\n\n> « La garantie des droits politiques ancrée dans la Constitution fédérale (art. 34 al. 1 Cst.) protège la libre formation de la volonté et le vote non falsifié (art. 34 al. 2 Cst.). »\n\n**ATF 143 I 78 du 14 décembre 2016**\nIntervention admissible des autorités dans la campagne de votation en cas d'intérêts particuliers ; obligation d'objectivité et de caractère factuel.\nUn canton peut intervenir dans une campagne de votation fédérale s'il a un intérêt direct et particulier à l'issue de celle-ci.\n\n> « De l'art. 34 al. 2 Cst. découle notamment une obligation des autorités d'informer de manière correcte et retenue en amont des votations. »\n\n## Initiatives et référendums\n\n### Nullité d'initiatives\n\n**ATF 129 I 232 du 9 juillet 2003**\nNullité d'une initiative visant à introduire des votations à l'urne sur les demandes de naturalisation en raison d'un conflit avec l'obligation constitutionnelle de motiver.\nDécision fondamentale sur les limites constitutionnelles des instruments de démocratie directe.\n\n> « Les décisions de naturalisation négatives sont soumises à l'obligation de motiver selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de la discrimination). Lors d'une votation à l'urne, une motivation répondant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible. »\n\n**ATF 134 I 172 du 5 mars 2008**\nDéclaration de nullité d'une initiative populaire communale ; conditions d'une déclaration de nullité partielle.\nUne déclaration de nullité partielle n'est possible que si la partie qui reste valable conserve un sens correspondant à la volonté des initiants.\n\n> « Une déclaration de nullité partielle n'est possible que si la partie qui reste valable conserve un sens correspondant à la volonté des initiants et des signataires. »\n\n### Mise en œuvre d'initiatives populaires\n\n**ATF 141 I 186 du 27 mai 2015**\nMise en œuvre d'une initiative populaire cantonale formulée comme suggestion générale ; limites de la compétence de mise en œuvre des autorités.\nUne mise en œuvre correcte sur le fond exige une activité législative correspondant à l'intention de l'initiative.\n\n> « Une mise en œuvre de l'initiative pour le paysage culturel acceptée par les électeurs du canton de Zurich directement par une révision du plan directeur cantonal est inadmissible selon le droit constitutionnel cantonal et incompatible avec les droits politiques des citoyens. »\n\n**ATF 139 I 2 du 7 novembre 2012**\nRecours en matière de droits politiques concernant la mise en œuvre d'une initiative d'aménagement et les explications correspondantes du conseil municipal.\nLors de la mise en œuvre d'une initiative d'aménagement acceptée, il faut élaborer un projet correspondant au résultat visé par l'initiative.\n\n> « Lors de la mise en œuvre d'une initiative d'aménagement acceptée, il faut élaborer un projet d'acte d'aménagement ou d'adaptations d'aménagement correspondant au résultat d'aménagement visé par l'initiative et paraissant en principe compatible avec le droit de rang supérieur. »\n\n## Procédure de votation\n\n### Recomptage et répétition de votation\n\n**ATF 138 I 171 du 25 avril 2012**\nRépétition d'une votation populaire en raison de l'impossibilité du recomptage d'un résultat très serré.\nDroits procéduraux lors de la décision d'ordonner une répétition de votation ; compétence du gouvernement cantonal.\n\n> « L'ordre d'un recomptage en cas de résultat très serré se fonde sur la possibilité d'un caractère erroné de celui-ci et d'un résultat différent lors du contrôle de l'évaluation. Si le recomptage s'avère exclu parce qu'une partie déterminante des bulletins de vote a été détruite, la votation doit être répétée afin d'établir la véritable volonté populaire. »\n\n**ATF 141 II 297 du 20 mars 2015**\nUn résultat très serré d'une votation fédérale ne confère pas en soi un droit au recomptage.\nAucune obligation de recompter les résultats de votation très serrés ne découle directement de l'art. 34 al. 2 Cst.\n\n> « Un résultat très serré d'une votation fédérale ne confère pas en soi un droit à un recomptage. Il n'existe pas d'obligation découlant directement de l'art. 34 al. 2 Cst. de recompter les résultats d'élection ou de votation très serrés. »\n\n### Droit procédural en matière de recours pour violation des droits politiques\n\n**ATF 147 I 194 du 23 mars 2021**\nVotation populaire fédérale sur l'initiative pour des entreprises responsables ; critique de l'exigence de la majorité des cantons ; précisions de droit procédural.\nLes vices dans la préparation des votations doivent être soulevés immédiatement et avant la tenue du scrutin.\n\n> « Les vices dans la préparation des élections et votations doivent être soulevés immédiatement et avant la tenue du scrutin. Si l'exigence de la majorité des cantons doit être mise en question, l'ordre de votation doit être attaqué. La restriction de l'égalité de la force du vote est voulue par la Constitution et lie le Tribunal fédéral. »\n\n## Procédure électorale\n\n### Système proportionnel et répartition des circonscriptions électorales\n\n**ATF 136 I 352 du 7 juillet 2010**\nProcédure d'élection du Landrat ; système proportionnel et répartition des circonscriptions électorales ; exigences constitutionnelles.\nLa procédure électorale cantonale était incompatible avec les principes du système proportionnel et ne pouvait pas se justifier par des raisons d'organisation territoriale traditionnelle.\n\n> « La procédure électorale cantonale est incompatible avec les principes du système proportionnel, ne peut se justifier par aucune raison d'organisation territoriale traditionnelle et est par conséquent contraire à la Constitution. »\n\n**ATF 140 I 394 du 26 septembre 2014**\nCompétence du Tribunal fédéral de vérifier les dispositions constitutionnelles cantonales dans le cas d'application ; développement de la jurisprudence relative à l'égalité du droit de vote.\nLe principe de l'égalité du droit de vote a été développé depuis la garantie de la constitution cantonale.\n\n> « Le principe de l'égalité du droit de vote découlant de l'art. 34 Cst. a été développé depuis la garantie de la constitution du canton d'Appenzell Rh.-Ext. par l'Assemblée fédérale en 1996. Il faut tenir compte de ce développement. »\n\n## Liberté de vote\n\n### Violation de la liberté de vote\n\n**ATF 135 I 292 du 10 février 2009**\nViolation de la liberté de vote lors d'une assemblée communale ; atteinte du côté des autorités ou de particuliers.\nLa présentation inexacte d'un état de fait essentiel peut violer la liberté de vote.\n\n> « La présentation inexacte d'un état de fait essentiel, révélé seulement lors de l'assemblée communale, peut violer la liberté de vote si elle est de nature à amener les citoyens à une autre décision. »\n\n### Interdiction de la discrimination en matière d'initiatives\n\n**ATF 129 I 392 du 12 février 2003**\nInitiative zurichoise « Les Suisses d'abord ! » ; égalité de traitement et interdiction de la discrimination.\nL'initiative visait à favoriser les Suisses et donc à désavantager les étrangers sans motifs objectifs.\n\n> « L'initiative vise à favoriser les Suisses et donc à désavantager les étrangers même sans motifs objectifs qui pourraient justifier une inégalité de traitement. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Fondamenti della giurisprudenza sui diritti politici\n\n### Diritto al voto non falsificato\n\n**BGE 129 I 185 del 18 dicembre 2002**\nIl Tribunale federale ha precisato i requisiti di diritto federale per l'uguaglianza del diritto di voto nella suddivisione dei collegi elettorali per le elezioni proporzionali.\nViolazione della libertà di voto garantita dalla Costituzione in caso di rappresentanza sproporzionatamente disuguale degli aventi diritto di voto nei diversi collegi elettorali.\n\n> «La garanzia significa che nessun risultato di votazione o elezione può essere riconosciuto se non esprime in modo affidabile e non falsificato la libera volontà dei cittadini. La volontà degli elettori deve riflettersi il più precisamente possibile nel risultato elettorale.»\n\n**BGE 135 I 19 del 17 dicembre 2008**\nValidità dell'elezione di una candidata nonostante il cambio di partito tra la data elettorale e la costituzione del parlamento.\nConferma del principio del mandato libero e del confine tra libera formazione della volontà e voto non falsificato.\n\n> «L'art. 34 cpv. 2 Cost. protegge la libera formazione della volontà e il voto non falsificato. La garanzia significa che nessun risultato di votazione o elezione può essere riconosciuto se non esprime in modo affidabile e non falsificato la libera volontà dei cittadini.»\n\n### Obbligo di informazione delle autorità\n\n**BGE 130 I 290 del 28 luglio 2004**\nObbligo delle autorità di fornire informazioni obiettive ed equilibrate nei documenti di votazione; ammissibilità di dichiarazioni pubbliche di singoli membri delle autorità nella campagna di votazione.\nConcretizzazione della giurisprudenza sull'obbligo di informazione delle autorità nelle votazioni cantonali.\n\n> «La garanzia dei diritti politici ancorata nella Costituzione federale (art. 34 cpv. 1 Cost.) protegge la libera formazione della volontà e il voto non falsificato (art. 34 cpv. 2 Cost.).»\n\n**BGE 143 I 78 del 14 dicembre 2016**\nIntervento lecito delle autorità nella campagna di votazione in presenza di interessi particolari; obbligo di obiettività e fattualità.\nUn Cantone può intervenire in una campagna di votazione federale se ha un interesse diretto e particolare nell'esito.\n\n> «Dall'art. 34 cpv. 2 Cost. deriva in particolare un obbligo delle autorità di fornire informazioni corrette e moderate in vista delle votazioni.»\n\n## Iniziative e referendum\n\n### Nullità delle iniziative\n\n**BGE 129 I 232 del 9 luglio 2003**\nNullità di un'iniziativa per l'introduzione di votazioni a scrutinio segreto sulle domande di naturalizzazione a causa del conflitto con l'obbligo costituzionale di motivazione.\nDecisione fondamentale sui limiti costituzionali degli strumenti di democrazia diretta.\n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sono soggette all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentiti) in combinato con l'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione). Nelle votazioni a scrutinio segreto non è possibile una motivazione che soddisfi i requisiti costituzionali.»\n\n**BGE 134 I 172 del 5 marzo 2008**\nDichiarazione di nullità di un'iniziativa popolare comunale; presupposti per una dichiarazione di nullità parziale.\nUna dichiarazione di nullità parziale è possibile solo se la parte rimanente valida dell'iniziativa conserva un senso che corrisponde alla volontà degli iniziativisti.\n\n> «Una dichiarazione di nullità parziale è possibile solo se la parte rimanente valida dell'iniziativa conserva un senso che corrisponde alla volontà degli iniziativisti e dei firmatari.»\n\n### Attuazione delle iniziative popolari\n\n**BGE 141 I 186 del 27 maggio 2015**\nAttuazione di un'iniziativa popolare cantonale formulata come sollecitazione generale; limiti della competenza di attuazione delle autorità.\nUn'attuazione sostanzialmente corretta richiede un'attività legislativa conforme all'intento dell'iniziativa.\n\n> «Un'attuazione dell'iniziativa per il paesaggio rurale accettata dagli aventi diritto di voto del Canton Zurigo direttamente con una revisione del piano direttore cantonale è inammissibile secondo il diritto costituzionale cantonale e incompatibile con i diritti politici dei cittadini.»\n\n**BGE 139 I 2 del 7 novembre 2012**\nRicorso per violazione dei diritti politici sull'attuazione di un'iniziativa di pianificazione e sulle relative spiegazioni del Consiglio comunale.\nNell'attuazione di un'iniziativa di pianificazione accettata, deve essere elaborato un progetto che corrisponde al risultato perseguito con l'iniziativa.\n\n> «Nell'attuazione di un'iniziativa di pianificazione accettata, deve essere elaborato un progetto di atto di pianificazione o di adeguamenti della pianificazione che corrispondono al risultato pianificatorio perseguito con l'iniziativa e che appaiono in linea di principio compatibili con il diritto superiore.»\n\n## Procedura di votazione\n\n### Riconteggio e ripetizione della votazione\n\n**BGE 138 I 171 del 25 aprile 2012**\nRipetizione di una votazione popolare a causa dell'impossibilità del riconteggio di un risultato molto risicato.\nDiritti procedurali nella decisione sull'ordinanza di ripetizione di una votazione; competenza del governo cantonale.\n\n> «L'ordinanza di un riconteggio in caso di risultato molto risicato è motivata dalla possibilità di erroneità dello stesso e di un risultato diverso nel controllo della valutazione. Se il riconteggio si rivela escluso perché una parte determinante delle schede di voto è stata distrutta, la votazione deve essere ripetuta al fine di determinare la vera volontà popolare.»\n\n**BGE 141 II 297 del 20 marzo 2015**\nUn risultato molto risicato di una votazione federale non conferisce di per sé il diritto al riconteggio.\nNessun obbligo derivante direttamente dall'art. 34 cpv. 2 Cost. di riconteggiare risultati di votazioni o elezioni molto risicati.\n\n> «Un risultato molto risicato di una votazione federale non conferisce di per sé il diritto a un riconteggio. Non esiste un obbligo derivante direttamente dall'art. 34 cpv. 2 Cost. di riconteggiare risultati di elezioni o votazioni molto risicati.»\n\n### Diritto procedurale nei ricorsi per violazione dei diritti politici\n\n**BGE 147 I 194 del 23 marzo 2021**\nVotazione popolare federale sull'iniziativa per le multinazionali responsabili; critica al requisito della maggioranza dei Cantoni; precisazioni di diritto procedurale.\nI vizi nella preparazione delle votazioni devono essere denunciati immediatamente e prima dello svolgimento dello scrutinio.\n\n> «I vizi nella preparazione di elezioni e votazioni devono essere denunciati immediatamente e prima dello svolgimento dello scrutinio. Se si vuole mettere in discussione il requisito della maggioranza dei Cantoni, deve essere impugnata l'ordinanza di votazione. La limitazione dell'uguaglianza del voto è voluta costituzionalmente e vincolante per il Tribunale federale.»\n\n## Procedura elettorale\n\n### Sistema proporzionale e ripartizione dei collegi elettorali\n\n**BGE 136 I 352 del 7 luglio 2010**\nProcedura per l'elezione del Gran Consiglio; sistema proporzionale e ripartizione dei collegi elettorali; requisiti costituzionali.\nLa procedura elettorale cantonale era incompatibile con i principi del sistema proporzionale e non si poteva giustificare con motivi di organizzazione territoriale tradizionale.\n\n> «La procedura elettorale cantonale è incompatibile con i principi del sistema proporzionale, non può essere giustificata da motivi di organizzazione territoriale tradizionale ed è pertanto incostituzionale.»\n\n**BGE 140 I 394 del 26 settembre 2014**\nCompetenza del Tribunale federale di verificare le disposizioni costituzionali cantonali nel caso di applicazione; sviluppo della giurisprudenza sull'uguaglianza del diritto di voto.\nIl principio dell'uguaglianza del diritto di voto è stato sviluppato ulteriormente dalla garanzia della Costituzione cantonale.\n\n> «Il principio dell'uguaglianza del diritto di voto derivante dall'art. 34 Cost. è stato sviluppato ulteriormente dalla garanzia della Costituzione del Canton Appenzello Esterno da parte dell'Assemblea federale nel 1996. Occorre tenere conto di questo sviluppo.»\n\n## Libertà di votazione\n\n### Violazione della libertà di votazione\n\n**BGE 135 I 292 del 10 febbraio 2009**\nViolazione della libertà di votazione in occasione di un'assemblea comunale; pregiudizio da parte delle autorità o di privati.\nLa presentazione inesatta di un fatto sostanziale può violare la libertà di votazione.\n\n> «La presentazione inesatta di un fatto sostanziale, reso noto solo in occasione dell'assemblea comunale, può violare la libertà di votazione se è idonea a indurre i cittadini a una decisione diversa.»\n\n### Divieto di discriminazione nelle iniziative\n\n**BGE 129 I 392 del 12 febbraio 2003**\nIniziativa cittadina di Zurigo «Prima gli Svizzeri!»; uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione.\nL'iniziativa mirava a privilegiare gli Svizzeri e quindi a svantaggiare gli stranieri senza motivi oggettivi.\n\n> «L'iniziativa mira a privilegiare gli Svizzeri e quindi a svantaggiare gli stranieri anche senza motivi oggettivi che potrebbero giustificare una disparità di trattamento.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Foundations of Case Law on Political Rights\n\n### Right to Unimpaired Voting\n\n**BGE 129 I 185 of 18 December 2002**\nThe Federal Supreme Court clarified the federal law requirements for equal suffrage in the division of electoral districts for proportional representation elections.\nViolation of constitutionally guaranteed freedom of election in case of disproportionately unequal representation of eligible voters in different electoral districts.\n\n> «The guarantee means that no voting or election result may be recognised that does not reliably and authentically express the free will of the citizens. The voters' will should be reflected as accurately as possible in the election result.»\n\n**BGE 135 I 19 of 17 December 2008**\nValidity of the election of a candidate despite party change between election date and constitution of parliament.\nConfirmation of the principle of the free mandate and the boundary between free formation of opinion and unimpaired voting.\n\n> «Art. 34 para. 2 Cst. protects the free formation of opinion and unimpaired voting. The guarantee means that no voting or election result may be recognised that does not reliably and authentically express the free will of the citizens.»\n\n### Information Duty of Authorities\n\n**BGE 130 I 290 of 28 July 2004**\nObligation of authorities to provide factual and balanced information in voting documents; admissibility of public statements by individual members of authorities in voting campaigns.\nSpecification of case law on the information duty of authorities in cantonal votes.\n\n> «The guarantee of political rights enshrined in the Federal Constitution (Art. 34 para. 1 Cst.) protects the free formation of opinion and unimpaired voting (Art. 34 para. 2 Cst.).»\n\n**BGE 143 I 78 of 14 December 2016**\nPermissible official intervention in voting campaigns in case of special interests; duty to objectivity and factuality.\nA canton may intervene in a federal voting campaign if it has an immediate and special interest in the outcome.\n\n> «From Art. 34 para. 2 Cst., an obligation of the authorities to provide correct and restrained information in advance of votes is notably derived.»\n\n## Initiatives and Referendums\n\n### Invalidity of Initiatives\n\n**BGE 129 I 232 of 9 July 2003**\nInvalidity of an initiative to introduce ballot voting on naturalisation applications due to conflict with the constitutional obligation to give reasons.\nFundamental decision on the constitutional limits of direct democratic instruments.\n\n> «Negative naturalisation decisions are subject to the obligation to give reasons according to Art. 29 para. 2 Cst. (right to be heard) in conjunction with Art. 8 para. 2 Cst. (prohibition of discrimination). In ballot voting, reasoning that meets constitutional requirements is not possible.»\n\n**BGE 134 I 172 of 5 March 2008**\nDeclaration of invalidity of a municipal popular initiative; requirements for partial declaration of invalidity.\nA partial declaration of invalidity is only possible if the part remaining valid retains a meaning that corresponds to the will of the initiators.\n\n> «A partial declaration of invalidity is only possible if the part remaining valid retains a meaning that corresponds to the will of the initiators and signatories.»\n\n### Implementation of Popular Initiatives\n\n**BGE 141 I 186 of 27 May 2015**\nImplementation of a cantonal popular initiative formulated as a general suggestion; limits of official implementation competence.\nA substantively correct implementation requires legislative activity corresponding to the initiative's intent.\n\n> «An implementation of the cultural landscape initiative accepted by the eligible voters of the Canton of Zurich directly through a revision of the cantonal structure plan is inadmissible under cantonal constitutional law and incompatible with the political rights of the citizens.»\n\n**BGE 139 I 2 of 7 November 2012**\nVoting rights complaint regarding the implementation of a planning initiative and the corresponding explanations of the municipal council.\nIn implementing an accepted planning initiative, a proposal must be drafted that corresponds to the result sought by the initiative.\n\n> «In implementing an accepted planning initiative, a proposal for a planning decree or planning adjustments must be drafted that corresponds to the planning result sought by the initiative and appears fundamentally compatible with higher-ranking law.»\n\n## Voting Procedures\n\n### Recount and Vote Repetition\n\n**BGE 138 I 171 of 25 April 2012**\nRepetition of a popular vote due to impossibility of recounting a very narrow result.\nProcedural rights in deciding on ordering a vote repetition; competence of the cantonal government.\n\n> «The ordering of a recount in case of a very narrow result is justified by the possibility of its erroneousness and a different result when controlling the evaluation. If the recount proves to be excluded because a significant portion of the ballots was destroyed, the vote must be repeated to determine the true will of the people.»\n\n**BGE 141 II 297 of 20 March 2015**\nA very narrow result of a federal vote does not by itself provide a right to a recount.\nNo obligation to recount very narrow voting results flowing directly from Art. 34 para. 2 Cst.\n\n> «A very narrow result of a federal vote does not by itself provide a right to a recount. There is no obligation to recount very narrow election or voting results flowing directly from Art. 34 para. 2 Cst.»\n\n### Procedural Law in Voting Rights Complaints\n\n**BGE 147 I 194 of 23 March 2021**\nFederal popular vote on the corporate responsibility initiative; criticism of the requirement for a majority of cantons; procedural law clarifications.\nDefects in the preparation of votes must be challenged immediately and before conducting the ballot.\n\n> «Defects in the preparation of elections and votes must be challenged immediately and before conducting the ballot. If the requirement for a majority of cantons is to be questioned, the voting order must be contested. The restriction of voting power equality is constitutionally intended and binding for the Federal Supreme Court.»\n\n## Electoral Procedures\n\n### Proportional Representation and Electoral District Division\n\n**BGE 136 I 352 of 7 July 2010**\nProcedure for the election of the cantonal parliament; proportional representation and electoral district division; constitutional requirements.\nThe cantonal electoral procedure was incompatible with the principles of proportional representation and could not be justified by reasons of traditional territorial organisation.\n\n> «The cantonal electoral procedure is incompatible with the principles of proportional representation, cannot be justified by any reasons of traditional territorial organisation and is therefore unconstitutional.»\n\n**BGE 140 I 394 of 26 September 2014**\nAuthority of the Federal Supreme Court to review cantonal constitutional provisions in the case of application; development of case law on electoral equality.\nThe principle of electoral equality has been developed since the guarantee of the cantonal constitution.\n\n> «The principle of electoral equality flowing from Art. 34 Cst. has been developed since the guarantee of the Constitution of the Canton of Appenzell A.Rh. by the Federal Assembly in 1996. This development must be taken into account.»\n\n## Freedom of Voting\n\n### Violation of Freedom of Voting\n\n**BGE 135 I 292 of 10 February 2009**\nViolation of freedom of voting at a municipal assembly; impairment from official or private side.\nThe incorrect presentation of an essential fact can violate freedom of voting.\n\n> «The incorrect presentation of an essential fact made known only at the municipal assembly can violate freedom of voting if it is likely to move the citizens to a different decision.»\n\n### Prohibition of Discrimination in Initiatives\n\n**BGE 129 I 392 of 12 February 2003**\nCity of Zurich initiative «Swiss Citizens First!»; legal equality and prohibition of discrimination.\nInitiative aimed at favouring Swiss citizens and thus disadvantaging foreigners without factual grounds.\n\n> «The initiative aims at favouring Swiss citizens and thus disadvantaging foreigners even without factual grounds that could justify unequal treatment.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_34", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 35, "article_suffix": "", "title": "Verwirklichung der Grundrechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 35 BV — Art. 35 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 35 BV — Art. 35 BV\n", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundrechtsbindung bei staatlichen Aufgaben\n\n**BGE 138 I 274** vom 3. Juli 2012  \nDie SBB sind bei der Verwaltung ihrer Bahnhöfe als staatliche Aufgabe grundrechtsgebunden; ein generelles Verbot politischer Plakate im Bahnhof verletzt die Meinungsfreiheit  \nDas Urteil klärte die Grundrechtsbindung gemischtwirtschaftlicher Unternehmen bei der Wahrnehmung staatlicher Aufgaben  \n\n> «Die SBB sehen vor, dass die öffentliche Sache i.e.S. auch ausserordentlich für die Plakatierung genutzt werden kann; das Ausscheiden von Plakatanschlagstellen muss durch die SBB aufgrund einer umfassenden Interessenabwägung (einschliesslich der zweckmässigen Nutzung der öffentlichen Anlage) erfolgen.»\n\n**BGE 139 I 306** vom Jahr 2013  \nDie SRG ist bei ihrem privatrechtlichen Handeln im Werbebereich grundrechtsgebunden und muss dem ideellen Gehalt der Freiheitsrechte Rechnung tragen  \nDas Urteil präzisierte die Grundrechtsbindung bei wirtschaftlicher Betätigung staatlicher Unternehmen  \n\n> «Bei ihrem privatrechtlichen Handeln im Werbebereich ist die SRG grundrechtsgebunden. Sie hat dabei insbesondere (auch) dem ideellen Gehalt der Freiheitsrechte Rechnung zu tragen.»\n\n**BGE 149 I 2** vom 29. November 2022  \nDie SRG ist auch in ihrem übrigen publizistischen Angebot (üpA) grundrechtsgebunden, einschliesslich der Löschung von Nutzerkommentaren auf Instagram  \nDas jüngste Urteil erweiterte die Grundrechtsbindung auf digitale Kommunikationsplattformen staatlicher Medienunternehmen  \n\n> «Die SRG ist in ihrem übrigen publizistischen Angebot (üpA) grundrechtsgebunden; dies gilt - wegen des engen inhaltlichen Bezugs zwischen ihrem redaktionellen Beitrag und den Nutzer-Kommentaren dazu - auch, soweit sie solche gestützt auf ihre 'Netiquette' streicht.»\n\n### Bindung kommunaler Behörden\n\n**BGE 135 I 265** vom 7. Juli 2009  \nKommunale Bürgerversammlungen sind bei Einbürgerungsentscheiden an die Grundrechte gebunden und müssen ihre Entscheide hinreichend begründen  \nDas Urteil stellte klar, dass auch direkte Demokratie den Grundrechten unterliegt  \n\n> «Der im Beschwerdeverfahren zulässige Antrag auf Beurteilung der Einbürgerungsgesuche durch die Beschwerdeinstanz ist keine Angelegenheit der Staatsaufsicht [...] Bindung staatlicher Organe an die Grundrechte.»\n\n**BGE 129 I 232** vom 9. Juli 2003  \nUrnenabstimmungen über Einbürgerungsgesuche sind mit der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht unvereinbar; kommunale Initiativen hierzu sind ungültig  \nDas grundlegende Urteil zur Unvereinbarkeit direktdemokratischer Einbürgerungsverfahren mit den Grundrechten  \n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich.»\n\n### Polizeiliche Grundrechtsbindung\n\n**BGE 140 I 2** vom 7. Januar 2014  \nInterkantonale Konkordate zur Gewaltprävention bei Sportveranstaltungen müssen die Grundrechtsbindung der Polizeibehörden beachten; übertragene Aufgaben an Private unterliegen denselben Standards  \nDas Urteil behandelte umfassend die Grundrechtsbindung im Polizeirecht und bei der Übertragung polizeilicher Befugnisse  \n\n> «Das Konkordat regelt das polizeiliche Verwaltungshandeln im Hinblick auf Gewalttaten bei Sportanlässen. Die vorgesehenen Massnahmen sind auf das zukünftige Verhalten ausgerichtet und gelangen unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung bereits verübter Gewalttaten zur Anwendung.»\n\n### Drittwirkung der Grundrechte (Art. 35 Abs. 3 BV)\n\n**BGE 134 II 249** vom 9. Juli 2008  \nDas Behindertengleichstellungsgesetz verwirklicht die Drittwirkung der Grundrechte und verpflichtet Private bei öffentlich zugänglichen Bauten zur behindertengerechten Gestaltung  \nDas Urteil konkretisierte die Drittwirkung im Bereich der Gleichberechtigung behinderter Menschen  \n\n> «Art. 8 Abs. 2, Art. 35 Abs. 3, Art. 190 BV; Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) [...] Die Behörden sorgen dafür, dass die Grundrechte, soweit sie sich dazu eignen, auch unter Privaten wirksam werden.»\n\n### Grundrechtsverwirklichung durch Gesetzgebung\n\n**BGE 129 III 35** vom 7. Mai 2002  \nDie Post ist bei Wettbewerbsdiensten gleich zu behandeln wie private Anbieter, bleibt aber bei der Grundversorgung grundrechtsgebunden  \nDas Urteil unterschied zwischen verschiedenen Tätigkeitsbereichen gemischtwirtschaftlicher Unternehmen  \n\n> «Im Bereich der Wettbewerbsdienste ist die Post gleich zu behandeln wie andere Anbieter von Postdiensten. Wenn die Post trotz fehlender Rechtspflicht Wettbewerbsdienste erbringt, sind die allgemeinen Regeln der Rechtsgleichheit zu beachten.»\n\n**BGE 129 I 12** vom 7. November 2002  \nDas Recht auf Grundschulunterricht gewährleistet eine den individuellen Fähigkeiten entsprechende Ausbildung und begrenzt disziplinarische Schulausschlüsse  \nDas Urteil konkretisierte die Grundrechtsverwirklichung im Bildungsbereich  \n\n> «Aus Art. 19 BV ergibt sich der Anspruch auf eine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechende unentgeltliche Grundschulausbildung an öffentlichen Schulen während der obligatorischen Schulzeit.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Obligation de respecter les droits fondamentaux dans l'accomplissement de tâches étatiques\n\n**ATF 138 I 274** du 3 juillet 2012  \nLes CFF sont liées par les droits fondamentaux lors de la gestion de leurs gares en tant que tâche étatique ; une interdiction générale d'affichage politique dans les gares viole la liberté d'expression  \nL'arrêt a clarifié l'obligation de respecter les droits fondamentaux des entreprises d'économie mixte dans l'accomplissement de tâches étatiques  \n\n> « Les CFF prévoient que le domaine public au sens strict peut aussi être utilisé exceptionnellement pour l'affichage ; l'exclusion d'emplacements d'affichage doit être opérée par les CFF sur la base d'une pesée complète des intérêts (y compris l'utilisation appropriée de l'installation publique). »\n\n**ATF 139 I 306** de l'année 2013  \nLa SSR est liée par les droits fondamentaux dans son activité de droit privé dans le domaine publicitaire et doit tenir compte de la substance idéelle des droits de liberté  \nL'arrêt a précisé l'obligation de respecter les droits fondamentaux lors d'activités économiques d'entreprises étatiques  \n\n> « Dans son activité de droit privé dans le domaine publicitaire, la SSR est liée par les droits fondamentaux. Elle doit notamment tenir compte (aussi) de la substance idéelle des droits de liberté. »\n\n**ATF 149 I 2** du 29 novembre 2022  \nLa SSR est aussi liée par les droits fondamentaux dans son autre offre publicitaire (aöpA), y compris pour la suppression de commentaires d'utilisateurs sur Instagram  \nLe plus récent arrêt a étendu l'obligation de respecter les droits fondamentaux aux plateformes de communication numériques des entreprises médiatiques étatiques  \n\n> « La SSR est liée par les droits fondamentaux dans son autre offre publicitaire (aöpA) ; cela vaut - en raison du lien étroit de contenu entre sa contribution rédactionnelle et les commentaires des utilisateurs à ce sujet - aussi lorsqu'elle supprime de tels commentaires en se fondant sur sa 'Netiquette'. »\n\n### Obligation des autorités communales\n\n**ATF 135 I 265** du 7 juillet 2009  \nLes assemblées communales sont liées par les droits fondamentaux dans les décisions de naturalisation et doivent motiver suffisamment leurs décisions  \nL'arrêt a établi que même la démocratie directe est soumise aux droits fondamentaux  \n\n> « La requête recevable dans la procédure de recours tendant à l'examen des demandes de naturalisation par l'instance de recours n'est pas une affaire de surveillance étatique [...] Obligation des organes étatiques de respecter les droits fondamentaux. »\n\n**ATF 129 I 232** du 9 juillet 2003  \nLes votations populaires sur les demandes de naturalisation sont incompatibles avec l'obligation constitutionnelle de motivation ; les initiatives communales en ce sens sont nulles  \nL'arrêt fondamental sur l'incompatibilité des procédures de naturalisation par démocratie directe avec les droits fondamentaux  \n\n> « Les décisions de naturalisation négatives sont soumises à l'obligation de motivation selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de la discrimination). Lors de la votation populaire, une motivation répondant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible. »\n\n### Obligation des autorités de police de respecter les droits fondamentaux\n\n**ATF 140 I 2** du 7 janvier 2014  \nLes concordats intercantonaux relatifs à la prévention de la violence lors de manifestations sportives doivent respecter l'obligation des autorités de police de respecter les droits fondamentaux ; les tâches transférées à des privés sont soumises aux mêmes standards  \nL'arrêt a traité de manière exhaustive l'obligation de respecter les droits fondamentaux dans le droit de police et lors du transfert de compétences policières  \n\n> « Le concordat règle l'action administrative policière en vue d'actes de violence lors de manifestations sportives. Les mesures prévues sont orientées vers le comportement futur et s'appliquent indépendamment de l'appréciation pénale d'actes de violence déjà commis. »\n\n### Effet horizontal des droits fondamentaux (art. 35 al. 3 Cst.)\n\n**ATF 134 II 249** du 9 juillet 2008  \nLa loi sur l'égalité pour les handicapés concrétise l'effet horizontal des droits fondamentaux et oblige les particuliers à concevoir les constructions accessibles au public de manière adaptée aux handicapés  \nL'arrêt a concrétisé l'effet horizontal dans le domaine de l'égalité des personnes handicapées  \n\n> « Art. 8 al. 2, art. 35 al. 3, art. 190 Cst. ; loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand) [...] Les autorités veillent à ce que les droits fondamentaux, dans la mesure où ils s'y prêtent, déploient aussi leurs effets entre particuliers. »\n\n### Réalisation des droits fondamentaux par la législation\n\n**ATF 129 III 35** du 7 mai 2002  \nLa Poste doit être traitée de manière égale aux prestataires privés pour les services concurrentiels, mais reste liée par les droits fondamentaux pour le service universel  \nL'arrêt a distingué entre différents domaines d'activité des entreprises d'économie mixte  \n\n> « Dans le domaine des services concurrentiels, la Poste doit être traitée de manière égale aux autres prestataires de services postaux. Lorsque la Poste fournit des services concurrentiels malgré l'absence d'obligation légale, les règles générales de l'égalité de traitement doivent être respectées. »\n\n**ATF 129 I 12** du 7 novembre 2002  \nLe droit à l'enseignement de base garantit une formation correspondant aux capacités individuelles et limite les exclusions scolaires disciplinaires  \nL'arrêt a concrétisé la réalisation des droits fondamentaux dans le domaine de l'éducation  \n\n> « L'art. 19 Cst. confère le droit à une formation de base gratuite dans les écoles publiques pendant la scolarité obligatoire, correspondant aux capacités individuelles de l'enfant et au développement de sa personnalité. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Vincolo ai diritti fondamentali nell'adempimento di compiti statali\n\n**BGE 138 I 274** del 3 luglio 2012  \nLe FFS sono vincolate ai diritti fondamentali nell'amministrazione delle loro stazioni ferroviarie quale compito statale; un divieto generale di manifesti politici nella stazione viola la libertà d'opinione  \nLa sentenza chiarì il vincolo ai diritti fondamentali delle imprese a economia mista nell'adempimento di compiti statali  \n\n> «Le FFS prevedono che il bene pubblico in senso stretto possa essere utilizzato anche straordinariamente per l'affissione; l'esclusione di punti di affissione deve essere effettuata dalle FFS sulla base di una ponderazione completa degli interessi (incluso l'uso appropriato dell'impianto pubblico).»\n\n**BGE 139 I 306** del 2013  \nLa SSR è vincolata ai diritti fondamentali nel suo agire di diritto privato nel settore pubblicitario e deve tenere conto del contenuto ideale dei diritti di libertà  \nLa sentenza precisò il vincolo ai diritti fondamentali nell'attività economica delle imprese statali  \n\n> «Nel suo agire di diritto privato nel settore pubblicitario, la SSR è vincolata ai diritti fondamentali. Essa deve tenere conto in particolare (anche) del contenuto ideale dei diritti di libertà.»\n\n**BGE 149 I 2** del 29 novembre 2022  \nLa SSR è vincolata ai diritti fondamentali anche nella sua restante offerta pubblicistica (üpA), inclusa la cancellazione di commenti degli utenti su Instagram  \nLa più recente sentenza estese il vincolo ai diritti fondamentali alle piattaforme di comunicazione digitale delle imprese mediatiche statali  \n\n> «La SSR è vincolata ai diritti fondamentali nella sua restante offerta pubblicistica (üpA); ciò vale - a causa dello stretto nesso contenutistico tra il suo contributo redazionale e i commenti degli utenti su di esso - anche nella misura in cui cancella tali commenti basandosi sulla sua 'netiquette'.»\n\n### Vincolo delle autorità comunali\n\n**BGE 135 I 265** del 7 luglio 2009  \nLe assemblee borghesi comunali sono vincolate ai diritti fondamentali nelle decisioni di naturalizzazione e devono motivare sufficientemente le loro decisioni  \nLa sentenza chiarì che anche la democrazia diretta è soggetta ai diritti fondamentali  \n\n> «La domanda ammissibile nella procedura di ricorso di giudicare le domande di naturalizzazione da parte dell'istanza di ricorso non è una questione di vigilanza statale [...] Vincolo degli organi statali ai diritti fondamentali.»\n\n**BGE 129 I 232** del 9 luglio 2003  \nLe votazioni popolari sulle domande di naturalizzazione sono incompatibili con l'obbligo costituzionale di motivazione; le iniziative comunali in tal senso sono nulle  \nLa sentenza fondamentale sull'incompatibilità delle procedure di naturalizzazione democratiche dirette con i diritti fondamentali  \n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sono soggette all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentiti) in connessione con l'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione). Nella votazione popolare non è possibile una motivazione conforme ai requisiti costituzionali.»\n\n### Vincolo della polizia ai diritti fondamentali\n\n**BGE 140 I 2** del 7 gennaio 2014  \nI concordati intercantonali per la prevenzione della violenza negli eventi sportivi devono rispettare il vincolo delle autorità di polizia ai diritti fondamentali; i compiti trasferiti ai privati sono soggetti agli stessi standard  \nLa sentenza trattò in modo completo il vincolo ai diritti fondamentali nel diritto di polizia e nel trasferimento di competenze di polizia  \n\n> «Il concordato disciplina l'azione amministrativa di polizia in vista di atti di violenza negli eventi sportivi. Le misure previste sono orientate al comportamento futuro e si applicano indipendentemente dalla valutazione penale di atti di violenza già commessi.»\n\n### Efficacia orizzontale dei diritti fondamentali (art. 35 cpv. 3 Cost.)\n\n**BGE 134 II 249** del 9 luglio 2008  \nLa legge sui disabili realizza l'efficacia orizzontale dei diritti fondamentali e obbliga i privati a una progettazione accessibile ai disabili per le costruzioni accessibili al pubblico  \nLa sentenza concretizzò l'efficacia orizzontale nel settore della parità di diritti delle persone disabili  \n\n> «Art. 8 cpv. 2, art. 35 cpv. 3, art. 190 Cost.; legge sui disabili (LDis) [...] Le autorità provvedono affinché i diritti fondamentali, nella misura in cui vi si prestino, dispieghino la loro efficacia anche tra privati.»\n\n### Attuazione dei diritti fondamentali attraverso la legislazione\n\n**BGE 129 III 35** del 7 maggio 2002  \nLa Posta deve essere trattata allo stesso modo dei fornitori privati nei servizi concorrenziali, ma rimane vincolata ai diritti fondamentali nel servizio universale  \nLa sentenza distinse tra diversi settori di attività delle imprese a economia mista  \n\n> «Nel settore dei servizi concorrenziali, la Posta deve essere trattata allo stesso modo degli altri fornitori di servizi postali. Quando la Posta fornisce servizi concorrenziali nonostante l'assenza di obbligo legale, devono essere rispettate le regole generali della parità di trattamento.»\n\n**BGE 129 I 12** del 7 novembre 2002  \nIl diritto all'istruzione elementare garantisce una formazione corrispondente alle capacità individuali e limita le esclusioni scolastiche disciplinari  \nLa sentenza concretizzò l'attuazione dei diritti fondamentali nel settore dell'istruzione  \n\n> «Dall'art. 19 Cost. risulta il diritto a una formazione elementare gratuita nelle scuole pubbliche durante la scolarità obbligatoria, corrispondente alle capacità individuali del bambino e al suo sviluppo della personalità.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Fundamental Rights Obligations for State Tasks\n\n**BGE 138 I 274** of 3 July 2012  \nThe SBB are bound by fundamental rights when administering their railway stations as a state task; a general prohibition of political posters in the station violates freedom of expression  \nThe judgment clarified the fundamental rights obligations of mixed-economy enterprises when performing state tasks  \n\n> «The SBB provide that public property in the strict sense can also be used extraordinarily for posting; the exclusion of poster sites must be carried out by the SBB based on a comprehensive balancing of interests (including the appropriate use of the public facility).»\n\n**BGE 139 I 306** of 2013  \nThe SRG is bound by fundamental rights in its private law conduct in the advertising sector and must take account of the ideal content of fundamental freedoms  \nThe judgment clarified the fundamental rights obligations for commercial activities of state enterprises  \n\n> «In its private law conduct in the advertising sector, the SRG is bound by fundamental rights. In doing so, it must take account of (also) the ideal content of fundamental freedoms in particular.»\n\n**BGE 149 I 2** of 29 November 2022  \nThe SRG is also bound by fundamental rights in its other journalistic offerings (üpA), including the deletion of user comments on Instagram  \nThe most recent judgment extended fundamental rights obligations to digital communication platforms of state media enterprises  \n\n> «The SRG is bound by fundamental rights in its other journalistic offerings (üpA); this also applies - due to the close substantive connection between its editorial contribution and user comments thereon - insofar as it deletes such comments based on its 'netiquette'.»\n\n### Obligations of Municipal Authorities\n\n**BGE 135 I 265** of 7 July 2009  \nMunicipal citizens' assemblies are bound by fundamental rights in naturalisation decisions and must adequately justify their decisions  \nThe judgment clarified that direct democracy is also subject to fundamental rights  \n\n> «The admissible motion in the appeal procedure for assessment of naturalisation applications by the appellate body is not a matter of state supervision [...] Binding of state organs by fundamental rights.»\n\n**BGE 129 I 232** of 9 July 2003  \nBallot votes on naturalisation applications are incompatible with the constitutional duty to give reasons; municipal initiatives thereon are invalid  \nThe fundamental judgment on the incompatibility of direct democratic naturalisation procedures with fundamental rights  \n\n> «Rejecting naturalisation decisions are subject to the duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 FC (right to be heard) in conjunction with Art. 8 para. 2 FC (prohibition of discrimination). In ballot voting, reasoning that meets constitutional requirements is not possible.»\n\n### Police Fundamental Rights Obligations\n\n**BGE 140 I 2** of 7 January 2014  \nIntercantonal concordats on violence prevention at sporting events must respect the fundamental rights obligations of police authorities; transferred tasks to private parties are subject to the same standards  \nThe judgment comprehensively dealt with fundamental rights obligations in police law and the transfer of police powers  \n\n> «The concordat regulates police administrative action with regard to acts of violence at sporting events. The envisaged measures are directed at future conduct and are applied independently of the criminal law assessment of acts of violence already committed.»\n\n### Third-Party Effect of Fundamental Rights (Art. 35 para. 3 FC)\n\n**BGE 134 II 249** of 9 July 2008  \nThe Disability Equality Act realises the third-party effect of fundamental rights and obliges private parties to design publicly accessible buildings to be accessible for disabled persons  \nThe judgment concretised the third-party effect in the area of equality of disabled persons  \n\n> «Art. 8 para. 2, Art. 35 para. 3, Art. 190 FC; Disability Equality Act (DDA) [...] The authorities shall ensure that fundamental rights also take effect between private parties, insofar as they are suitable for this.»\n\n### Fundamental Rights Realisation through Legislation\n\n**BGE 129 III 35** of 7 May 2002  \nThe Post must be treated equally to private providers for competitive services, but remains bound by fundamental rights for basic services  \nThe judgment distinguished between different areas of activity of mixed-economy enterprises  \n\n> «In the area of competitive services, the Post is to be treated equally to other postal service providers. If the Post provides competitive services despite the absence of a legal obligation, the general rules of equality must be observed.»\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002  \nThe right to elementary education guarantees education corresponding to individual abilities and limits disciplinary school exclusions  \nThe judgment concretised the realisation of fundamental rights in the education sector  \n\n> «Art. 19 FC gives rise to the right to free elementary education at public schools corresponding to the individual abilities of the child and his personality development during compulsory schooling.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_35", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 36, "article_suffix": "", "title": "Einschränkungen von Grundrechten", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 36 BV — Art. 36 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 36 BV — Art. 36 BV\n", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Anwendung der Grundrechtsschranken\n\n**BGE 130 I 26 E. 4** vom 27. November 2003\nGesetzliche Grundlage und öffentliches Interesse bei Zulassungsbeschränkungen.\nDas Bundesgericht prüft die Zulässigkeit von Eingriffen in die Wirtschaftsfreiheit anhand des dreiteiligen Tests von Art. 36 BV.\n\n> «Einschränkungen von Grundrechten sind nur zulässig, wenn sie sich auf eine genügende gesetzliche Grundlage stützen, durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sind und verhältnismässig sind.»\n\n**BGE 136 I 87 E. 3.1** vom 30. September 2009  \nLegalitätsprinzip und Bestimmtheit der gesetzlichen Grundlage im Polizeirecht.\nDas Polizeirecht stösst beim Bestimmtheitserfordernis wegen der Besonderheit des Regelungsbereichs auf besondere Schwierigkeiten.\n\n> «Das Legalitätsprinzip verlangt eine hinreichende und angemessene Bestimmtheit der anzuwendenden Rechtssätze im Dienste des Gesetzesvorbehalts, der Rechtssicherheit (Berechenbarkeit und Vorhersehbarkeit) und der rechtsgleichen Rechtsanwendung.»\n\n**BGE 147 I 450 E. 3.2** vom 8. Juli 2021\nCOVID-19-Massnahmen: Gesetzliche Grundlage und Verhältnismässigkeitsprüfung.\nDas Veranstaltungsverbot zur Pandemiebekämpfung erfüllt die Anforderungen von Art. 36 BV.\n\n> «Schwerwiegende Einschränkungen müssen im Gesetz selbst (d.h. im formellen Gesetz) vorgesehen sein. Ausgenommen sind Fälle ernster, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr.»\n\n### Verhältnismässigkeitsprüfung\n\n**BGE 145 IV 263 E. 3.4** vom 24. April 2019\nDNA-Profile: Dreistufige Verhältnismässigkeitsprüfung bei leichten Grundrechtseingriffen.\nErkennungsdienstliche Massnahmen müssen geeignet, erforderlich und zumutbar sein.\n\n> «Das Gebot der Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine behördliche Massnahme für das Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Zieles geeignet und erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung zumutbar und verhältnismässig erweist.»\n\n**BGE 142 I 121 E. 6** vom 20. April 2016\nPolizeiliche Festhaltung: Verhältnismässigkeit bei zeitlich begrenzten Freiheitseingriffen.\nSechsstündige Festhaltung eines Demonstrationsteilnehmers war unverhältnismässig.\n\n> «Eine Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das Ziel mit einem weniger schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann.»\n\n**BGE 140 I 2 E. 6.3** vom 7. Januar 2014\nKonkordat gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen: Präventive Massnahmen und Verhältnismässigkeit.\nRayonverbote müssen sich am Grundsatz der Verhältnismässigkeit orientieren.\n\n> «Erforderlich ist eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation. Die Massnahmen dürfen nicht zu einem Nachteil führen, der in einem erkennbaren Missverhältnis zum verfolgten Zweck steht.»\n\n### Öffentliches Interesse und Schutz Dritter\n\n**BGE 143 I 21 E. 5.3** vom 17. November 2016\nFamiliennachzug: Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und privaten Schutzinteressen.\nDas öffentliche Interesse an der Ausländerkontrolle ist gegen das Kindeswohl abzuwägen.\n\n> «Einschränkungen von Grundrechten müssen durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein.»\n\n**BGE 129 I 232 E. 3** vom 3. Februar 2003\nEinbürgerungsverfahren: Rechtsstaatliche Verfahrensgarantien als öffentliches Interesse.\nDie Begründungspflicht bei ablehnenden Einbürgerungsentscheiden dient dem öffentlichen Interesse.\n\n> «Das öffentliche Interesse kann auch darin liegen, dass rechtsstaatliche Verfahrensgarantien eingehalten werden und eine sachgemässe Entscheidung gefällt werden kann.»\n\n### Kerngehaltsschutz\n\n**BGE 129 I 173 E. 4** vom 12. Februar 2003\nBestattungsort: Unantastbarkeit des Kerngehalts der Grundrechte.\nDer Kerngehalt der Grundrechte ist auch bei der Abwägung verschiedener Grundrechtsinteressen zu beachten.\n\n> «Der Kerngehalt der Grundrechte ist unantastbar. Er umfasst das zur Gewährleistung der Menschenwürde unerlässliche Minimum an grundrechtlicher Substanz.»\n\n**BGE 147 I 372 E. 2.3** vom 22. April 2021\nDNA-Profile bei Demonstrationsteilnahme: Kritik an der Eingriffsqualifikation.\nDas Bundesgericht äussert Kritik an der bisherigen Rechtsprechung zur Eingriffsintensität.\n\n> «Der Kerngehalt umfasst jenen unantastbaren Bereich des Grundrechts, ohne den das Grundrecht seinen Charakter verlöre und gegenstandslos würde.»\n\n### Notstandsklausel (Art. 36 Abs. 1 Satz 3 BV)\n\n**BGE 130 I 65 E. 3.1** vom 27. Januar 2004\nSicherheitskontrolle in Gefängnissen: Ausnahme bei ernster, unmittelbarer Gefahr.\nGrundrechtseinschränkungen ohne formelle gesetzliche Grundlage sind nur bei Notständen zulässig.\n\n> «Ausgenommen sind Fälle ernster, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr. Diese Notstandsklausel ist restriktiv auszulegen und betrifft echte Notfälle.»\n\n### Verfahrensgarantien bei schweren Eingriffen\n\n**BGE 142 I 135 E. 3** vom 2. Mai 2016\nAdministrativhaft: Recht auf richterliche Prüfung bei Freiheitsentzug.\nArt. 31 Abs. 4 BV gewährt über Art. 36 BV hinausgehende Verfahrensgarantien.\n\n> «Verlangt der Betroffene erstmals die richterliche Prüfung der Haftanordnung, hat diese so rasch wie möglich zu erfolgen.»\n\n**BGE 143 I 310 E. 3.3** vom 21. März 2017\nVerdeckte Ermittlung: Löschung von Bildaufnahmen als unverhältnismässige Massnahme.\nBei schweren Eingriffen sind besonders hohe Anforderungen an die Verhältnismässigkeit zu stellen.\n\n> «Die sofortige und unwiederbringliche Löschung von Bildaufnahmen war unverhältnismässig, da die Staatsanwaltschaft zumindest Kopien der Aufnahmen hätte sicherstellen können.»\n\n### Polizeirecht und Grundrechtsschranken\n\n**BGE 137 I 327 E. 5** vom 11. November 2011\nObservation durch Privatdetektive: Gesetzliche Grundlage für präventive Überwachung.\nArt. 59 Abs. 5 IVG bildet eine genügende gesetzliche Grundlage für Observationen im privaten Bereich.\n\n> «Die Observation muss objektiv geboten sein. Videoaufnahmen der versicherten Person müssen verhältnismässig und zur Aufgabenerfüllung notwendig sein.»\n\n**BGE 144 I 170 E. 3** vom 27. Juni 2018\nAkteneinsicht: Informationszugang und Persönlichkeitsschutz.\nDer Zugang zu Verwaltungsunterlagen ist gegen Persönlichkeitsrechte Dritter abzuwägen.\n\n> «Die Verweigerung von Akten kann sich auf den Schutz von Grundrechten Dritter stützen, wenn die Preisgabe überwiegende private Interessen verletzen würde.»\n\n### Technische Überwachung\n\n**BGE 128 II 259 E. 3.2** vom 29. Mai 2002\nDNA-Profile im Strafverfahren: Grundrechtskonforme Ausgestaltung bei neuen Technologien.\nDie Erstellung von DNA-Profilen greift in die körperliche Integrität und den Datenschutz ein.\n\n> «Die Bearbeitung von DNA-Profilen berührt sowohl das Recht auf körperliche Integrität als auch den Anspruch auf Schutz vor Missbrauch persönlicher Daten.»\n\n### Wirtschaftsfreiheit und Grundrechtsschranken\n\n**BGE 130 II 281 E. 6** vom 1. Juni 2004\nFamiliennachzug: Mehrdimensionale Grundrechtsprüfung.\nVerschiedene Grundrechte können gleichzeitig betroffen sein und sind gesamthaft zu würdigen.\n\n> «Bei der Prüfung von Grundrechtseingriffen ist zu berücksichtigen, dass verschiedene Grundrechte gleichzeitig betroffen sein können und eine Gesamtwürdigung aller relevanten Interessen vorzunehmen ist.»\n\n### Internationale Bezüge\n\n**BGE 139 I 16 E. 3** vom 26. Januar 2012\nAusschaffungsinitiative: Verhältnis zwischen nationalem Verfassungsrecht und Völkerrecht.\nNeue verfassungsrechtliche Vorgaben können im Widerspruch zu geltendem Völkerrecht stehen.\n\n> «Bei der Anwendung von Art. 36 BV sind auch völkerrechtliche Verpflichtungen zu beachten, soweit diese weitergehende Garantien enthalten.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Application fondamentale des restrictions aux droits fondamentaux\n\n**ATF 130 I 26 c. 4** du 27 novembre 2003\nBase légale et intérêt public en cas de restrictions d'admission.\nLe Tribunal fédéral examine l'admissibilité d'atteintes à la liberté économique au moyen du test tripartite de l'art. 36 Cst.\n\n> « Les restrictions des droits fondamentaux ne sont licites que si elles reposent sur une base légale suffisante, sont justifiées par un intérêt public ou par la protection de droits fondamentaux de tiers et sont proportionnées. »\n\n**ATF 136 I 87 c. 3.1** du 30 septembre 2009  \nPrincipe de légalité et caractère déterminé de la base légale en droit de police.\nLe droit de police se heurte à des difficultés particulières concernant l'exigence de détermination en raison de la spécificité du domaine de réglementation.\n\n> « Le principe de légalité exige une détermination suffisante et appropriée des règles de droit à appliquer au service de la réserve de la loi, de la sécurité juridique (calculabilité et prévisibilité) et de l'application égale du droit. »\n\n**ATF 147 I 450 c. 3.2** du 8 juillet 2021\nMesures COVID-19 : Base légale et examen de la proportionnalité.\nL'interdiction de manifestations pour lutter contre la pandémie remplit les exigences de l'art. 36 Cst.\n\n> « Les restrictions graves doivent être prévues dans la loi elle-même (c'est-à-dire dans la loi formelle). Sont exceptés les cas de danger grave, imminent et qu'on ne saurait écarter autrement. »\n\n### Examen de la proportionnalité\n\n**ATF 145 IV 263 c. 3.4** du 24 avril 2019\nProfils ADN : Examen de la proportionnalité à trois niveaux en cas d'atteintes légères aux droits fondamentaux.\nLes mesures d'identification doivent être appropriées, nécessaires et raisonnablement exigibles.\n\n> « Le principe de proportionnalité exige qu'une mesure administrative soit appropriée et nécessaire pour atteindre le but poursuivi dans l'intérêt public ou privé et qu'elle soit raisonnablement exigible et proportionnée pour les personnes concernées compte tenu de la gravité de la restriction des droits fondamentaux. »\n\n**ATF 142 I 121 c. 6** du 20 avril 2016\nRétention par la police : Proportionnalité en cas d'atteintes à la liberté limitées dans le temps.\nLa rétention de six heures d'un participant à une manifestation était disproportionnée.\n\n> « Une mesure est disproportionnée si le but peut être atteint par une atteinte moins grave aux droits fondamentaux. »\n\n**ATF 140 I 2 c. 6.3** du 7 janvier 2014\nConcordat contre la violence lors de manifestations sportives : Mesures préventives et proportionnalité.\nLes interdictions de périmètre doivent s'orienter sur le principe de proportionnalité.\n\n> « Il faut une relation raisonnable entre le but et les moyens. Les mesures ne doivent pas conduire à un désavantage qui soit dans une disproportion manifeste avec le but poursuivi. »\n\n### Intérêt public et protection de tiers\n\n**ATF 143 I 21 c. 5.3** du 17 novembre 2016\nRegroupement familial : Pondération entre intérêt public et intérêts privés de protection.\nL'intérêt public au contrôle des étrangers doit être mis en balance avec le bien de l'enfant.\n\n> « Les restrictions des droits fondamentaux doivent être justifiées par un intérêt public ou par la protection de droits fondamentaux de tiers. »\n\n**ATF 129 I 232 c. 3** du 3 février 2003\nProcédure de naturalisation : Garanties de procédure conformes à l'État de droit comme intérêt public.\nL'obligation de motiver les décisions de refus de naturalisation sert l'intérêt public.\n\n> « L'intérêt public peut aussi résider dans le fait que les garanties de procédure conformes à l'État de droit sont respectées et qu'une décision appropriée peut être prise. »\n\n### Protection du noyau intangible\n\n**ATF 129 I 173 c. 4** du 12 février 2003\nLieu de sépulture : Intangibilité du noyau des droits fondamentaux.\nLe noyau des droits fondamentaux doit être respecté aussi lors de la pondération de différents intérêts en matière de droits fondamentaux.\n\n> « Le noyau des droits fondamentaux est intangible. Il comprend le minimum de substance de droits fondamentaux indispensable pour garantir la dignité humaine. »\n\n**ATF 147 I 372 c. 2.3** du 22 avril 2021\nProfils ADN lors de participation à une manifestation : Critique de la qualification de l'atteinte.\nLe Tribunal fédéral exprime une critique de la jurisprudence antérieure sur l'intensité de l'atteinte.\n\n> « Le noyau intangible comprend ce domaine intangible du droit fondamental sans lequel le droit fondamental perdrait son caractère et deviendrait sans objet. »\n\n### Clause d'état de nécessité (art. 36 al. 1 3e phrase Cst.)\n\n**ATF 130 I 65 c. 3.1** du 27 janvier 2004\nContrôle de sécurité dans les prisons : Exception en cas de danger grave et imminent.\nLes restrictions des droits fondamentaux sans base légale formelle ne sont admissibles qu'en cas d'état de nécessité.\n\n> « Sont exceptés les cas de danger grave, imminent et qu'on ne saurait écarter autrement. Cette clause d'état de nécessité doit être interprétée restrictivement et concerne de véritables situations d'urgence. »\n\n### Garanties de procédure en cas d'atteintes graves\n\n**ATF 142 I 135 c. 3** du 2 mai 2016\nDétention administrative : Droit à un contrôle judiciaire en cas de privation de liberté.\nL'art. 31 al. 4 Cst. accorde des garanties de procédure qui vont au-delà de l'art. 36 Cst.\n\n> « Si la personne concernée demande pour la première fois le contrôle judiciaire de l'ordre de détention, celui-ci doit avoir lieu aussi rapidement que possible. »\n\n**ATF 143 I 310 c. 3.3** du 21 mars 2017\nEnquête secrète : Effacement d'enregistrements d'images comme mesure disproportionnée.\nEn cas d'atteintes graves, des exigences particulièrement élevées doivent être posées à la proportionnalité.\n\n> « L'effacement immédiat et irréversible d'enregistrements d'images était disproportionné, car le ministère public aurait au moins pu sauvegarder des copies des enregistrements. »\n\n### Droit de police et restrictions aux droits fondamentaux\n\n**ATF 137 I 327 c. 5** du 11 novembre 2011\nObservation par des détectives privés : Base légale pour la surveillance préventive.\nL'art. 59 al. 5 LAI constitue une base légale suffisante pour les observations dans le domaine privé.\n\n> « L'observation doit être objectivement indiquée. Les enregistrements vidéo de la personne assurée doivent être proportionnés et nécessaires à l'accomplissement des tâches. »\n\n**ATF 144 I 170 c. 3** du 27 juin 2018\nConsultation des dossiers : Accès à l'information et protection de la personnalité.\nL'accès aux documents administratifs doit être mis en balance avec les droits de la personnalité de tiers.\n\n> « Le refus de dossiers peut se fonder sur la protection de droits fondamentaux de tiers si la divulgation porterait atteinte à des intérêts privés prépondérants. »\n\n### Surveillance technique\n\n**ATF 128 II 259 c. 3.2** du 29 mai 2002\nProfils ADN dans la procédure pénale : Aménagement conforme aux droits fondamentaux pour les nouvelles technologies.\nL'établissement de profils ADN porte atteinte à l'intégrité corporelle et à la protection des données.\n\n> « Le traitement de profils ADN touche tant le droit à l'intégrité corporelle que la prétention à la protection contre l'usage abusif de données personnelles. »\n\n### Liberté économique et restrictions aux droits fondamentaux\n\n**ATF 130 II 281 c. 6** du 1er juin 2004\nRegroupement familial : Examen multidimensionnel des droits fondamentaux.\nDifférents droits fondamentaux peuvent être concernés simultanément et doivent être appréciés dans leur ensemble.\n\n> « Lors de l'examen d'atteintes aux droits fondamentaux, il faut tenir compte du fait que différents droits fondamentaux peuvent être concernés simultanément et qu'une appréciation globale de tous les intérêts pertinents doit être effectuée. »\n\n### Dimensions internationales\n\n**ATF 139 I 16 c. 3** du 26 janvier 2012\nInitiative sur le renvoi : Rapport entre le droit constitutionnel national et le droit international.\nDe nouvelles directives constitutionnelles peuvent être en contradiction avec le droit international en vigueur.\n\n> « Lors de l'application de l'art. 36 Cst., il faut aussi tenir compte des obligations de droit international, dans la mesure où celles-ci contiennent des garanties plus étendues. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Applicazione fondamentale dei limiti ai diritti fondamentali\n\n**BGE 130 I 26 E. 4** del 27 novembre 2003\nBase legale e interesse pubblico nelle limitazioni di ammissione.\nIl Tribunale federale verifica l'ammissibilità degli interventi nella libertà economica sulla base del test triplo dell'art. 36 Cost.\n\n> «Le limitazioni dei diritti fondamentali sono ammesse solo se fondate su una base legale sufficiente, se giustificate da un interesse pubblico o dalla protezione di diritti fondamentali di terzi e se proporzionate.»\n\n**BGE 136 I 87 E. 3.1** del 30 settembre 2009  \nPrincipio di legalità e determinatezza della base legale nel diritto di polizia.\nIl diritto di polizia incontra difficoltà particolari nel requisito di determinatezza a causa delle particolarità del settore normativo.\n\n> «Il principio di legalità richiede una sufficiente e adeguata determinatezza delle norme giuridiche da applicare al servizio della riserva di legge, della sicurezza giuridica (calcolabilità e prevedibilità) e dell'applicazione uguale del diritto.»\n\n**BGE 147 I 450 E. 3.2** dell'8 luglio 2021\nMisure COVID-19: Base legale e verifica della proporzionalità.\nIl divieto di manifestazioni per la lotta contro la pandemia soddisfa i requisiti dell'art. 36 Cost.\n\n> «Limitazioni gravi devono essere previste nella legge stessa (ossia nella legge formale). Sono eccettuati i casi di pericolo grave, immediato e non altrimenti evitabile.»\n\n### Verifica della proporzionalità\n\n**BGE 145 IV 263 E. 3.4** del 24 aprile 2019\nProfili DNA: Verifica della proporzionalità a tre livelli per lievi interferenze nei diritti fondamentali.\nLe misure di identificazione devono essere idonee, necessarie e ragionevoli.\n\n> «Il precetto della proporzionalità richiede che una misura dell'autorità sia idonea e necessaria per raggiungere l'obiettivo di interesse pubblico o privato e si dimostri ragionevole e proporzionata per gli interessati in considerazione della gravità della limitazione del diritto fondamentale.»\n\n**BGE 142 I 121 E. 6** del 20 aprile 2016\nTrattenimento di polizia: Proporzionalità in caso di interferenze nella libertà limitate nel tempo.\nIl trattenimento di sei ore di un partecipante a una manifestazione era sproporzionato.\n\n> «Una misura è sproporzionata se l'obiettivo può essere raggiunto con una interferenza meno grave nel diritto fondamentale.»\n\n**BGE 140 I 2 E. 6.3** del 7 gennaio 2014\nConcordato contro la violenza nelle manifestazioni sportive: Misure preventive e proporzionalità.\nI divieti di zona devono orientarsi al principio di proporzionalità.\n\n> «È necessaria una ragionevole relazione scopo-mezzo. Le misure non devono condurre a uno svantaggio che stia in un riconoscibile sproporzione rispetto allo scopo perseguito.»\n\n### Interesse pubblico e protezione di terzi\n\n**BGE 143 I 21 E. 5.3** del 17 novembre 2016\nRicongiungimento familiare: Ponderazione tra interesse pubblico e interessi privati di protezione.\nL'interesse pubblico al controllo degli stranieri deve essere ponderato contro il bene del bambino.\n\n> «Le limitazioni dei diritti fondamentali devono essere giustificate da un interesse pubblico o dalla protezione di diritti fondamentali di terzi.»\n\n**BGE 129 I 232 E. 3** del 3 febbraio 2003\nProcedura di naturalizzazione: Garanzie procedurali dello Stato di diritto come interesse pubblico.\nL'obbligo di motivazione nelle decisioni negative di naturalizzazione serve l'interesse pubblico.\n\n> «L'interesse pubblico può anche consistere nel fatto che vengano rispettate le garanzie procedurali dello Stato di diritto e che possa essere presa una decisione adeguata.»\n\n### Protezione del nucleo essenziale\n\n**BGE 129 I 173 E. 4** del 12 febbraio 2003\nLuogo di sepoltura: Intangibilità del nucleo essenziale dei diritti fondamentali.\nIl nucleo essenziale dei diritti fondamentali deve essere rispettato anche nella ponderazione di diversi interessi di diritti fondamentali.\n\n> «Il nucleo essenziale dei diritti fondamentali è intangibile. Esso comprende il minimo indispensabile di sostanza del diritto fondamentale per la garanzia della dignità umana.»\n\n**BGE 147 I 372 E. 2.3** del 22 aprile 2021\nProfili DNA in caso di partecipazione a manifestazioni: Critica alla qualificazione dell'interferenza.\nIl Tribunale federale esprime critica alla giurisprudenza precedente sull'intensità dell'interferenza.\n\n> «Il nucleo essenziale comprende quell'ambito intangibile del diritto fondamentale senza il quale il diritto fondamentale perderebbe il suo carattere e diventerebbe privo di oggetto.»\n\n### Clausola di emergenza (art. 36 cpv. 1 frase 3 Cost.)\n\n**BGE 130 I 65 E. 3.1** del 27 gennaio 2004\nControllo di sicurezza nelle prigioni: Eccezione in caso di pericolo grave e immediato.\nLe limitazioni dei diritti fondamentali senza base legale formale sono ammesse solo in caso di emergenze.\n\n> «Sono eccettuati i casi di pericolo grave, immediato e non altrimenti evitabile. Questa clausola di emergenza deve essere interpretata restrittivamente e riguarda vere emergenze.»\n\n### Garanzie procedurali in caso di gravi interferenze\n\n**BGE 142 I 135 E. 3** del 2 maggio 2016\nDetenzione amministrativa: Diritto alla verifica giudiziaria in caso di privazione della libertà.\nL'art. 31 cpv. 4 Cost. garantisce garanzie procedurali che vanno oltre l'art. 36 Cost.\n\n> «Se l'interessato richiede per la prima volta la verifica giudiziaria dell'ordine di detenzione, questa deve avvenire il più rapidamente possibile.»\n\n**BGE 143 I 310 E. 3.3** del 21 marzo 2017\nInchiesta sotto copertura: Cancellazione di riprese come misura sproporzionata.\nIn caso di gravi interferenze devono essere poste esigenze particolarmente elevate alla proporzionalità.\n\n> «La cancellazione immediata e irreversibile delle riprese era sproporzionata, poiché il ministero pubblico avrebbe almeno potuto assicurare copie delle riprese.»\n\n### Diritto di polizia e limiti ai diritti fondamentali\n\n**BGE 137 I 327 E. 5** dell'11 novembre 2011\nOsservazione tramite investigatori privati: Base legale per la sorveglianza preventiva.\nL'art. 59 cpv. 5 LAI costituisce una base legale sufficiente per osservazioni nell'ambito privato.\n\n> «L'osservazione deve essere oggettivamente necessaria. Le riprese video della persona assicurata devono essere proporzionate e necessarie per l'adempimento dei compiti.»\n\n**BGE 144 I 170 E. 3** del 27 giugno 2018\nConsultazione degli atti: Accesso alle informazioni e protezione della personalità.\nL'accesso ai documenti amministrativi deve essere ponderato contro i diritti della personalità di terzi.\n\n> «Il rifiuto degli atti può fondarsi sulla protezione di diritti fondamentali di terzi, se la divulgazione violerebbe interessi privati preponderanti.»\n\n### Sorveglianza tecnica\n\n**BGE 128 II 259 E. 3.2** del 29 maggio 2002\nProfili DNA nel procedimento penale: Configurazione conforme ai diritti fondamentali per le nuove tecnologie.\nLa creazione di profili DNA interferisce nell'integrità fisica e nella protezione dei dati.\n\n> «Il trattamento di profili DNA tocca sia il diritto all'integrità fisica sia la pretesa di protezione dall'abuso di dati personali.»\n\n### Libertà economica e limiti ai diritti fondamentali\n\n**BGE 130 II 281 E. 6** del 1° giugno 2004\nRicongiungimento familiare: Verifica multidimensionale dei diritti fondamentali.\nDiversi diritti fondamentali possono essere interessati contemporaneamente e devono essere valutati complessivamente.\n\n> «Nella verifica delle interferenze nei diritti fondamentali deve essere considerato che diversi diritti fondamentali possono essere interessati contemporaneamente e deve essere effettuata una valutazione complessiva di tutti gli interessi rilevanti.»\n\n### Riferimenti internazionali\n\n**BGE 139 I 16 E. 3** del 26 gennaio 2012\nIniziativa per l'espulsione: Rapporto tra diritto costituzionale nazionale e diritto internazionale.\nNuove disposizioni costituzionali possono essere in contrasto con il diritto internazionale vigente.\n\n> «Nell'applicazione dell'art. 36 Cost. devono essere considerati anche gli obblighi di diritto internazionale, nella misura in cui contengono garanzie più ampie.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Fundamental Application of Restrictions on Fundamental Rights\n\n**BGE 130 I 26 E. 4** of 27 November 2003\nLegal basis and public interest in admission restrictions.\nThe Federal Supreme Court examines the permissibility of interferences with economic freedom using the three-part test of Art. 36 BV.\n\n> «Restrictions on fundamental rights are only permissible if they are based on a sufficient legal basis, are justified by a public interest or by the protection of fundamental rights of third parties, and are proportionate.»\n\n**BGE 136 I 87 E. 3.1** of 30 September 2009  \nPrinciple of legality and definiteness of the legal basis in police law.\nPolice law encounters particular difficulties regarding the requirement of definiteness due to the special nature of the regulatory area.\n\n> «The principle of legality requires sufficient and appropriate definiteness of the legal provisions to be applied in service of the legal reservation, legal certainty (calculability and predictability) and equal application of the law.»\n\n**BGE 147 I 450 E. 3.2** of 8 July 2021\nCOVID-19 measures: Legal basis and proportionality review.\nThe event ban for pandemic control meets the requirements of Art. 36 BV.\n\n> «Serious restrictions must be provided for in the law itself (i.e. in formal law). Exceptions are cases of serious, immediate and otherwise unavoidable danger.»\n\n### Proportionality Review\n\n**BGE 145 IV 263 E. 3.4** of 24 April 2019\nDNA profiles: Three-stage proportionality review for minor fundamental rights interferences.\nIdentification service measures must be suitable, necessary and reasonable.\n\n> «The principle of proportionality requires that an official measure is suitable and necessary for achieving the goal lying in the public or private interest and proves reasonable and proportionate for those affected in view of the severity of the fundamental rights restriction.»\n\n**BGE 142 I 121 E. 6** of 20 April 2016\nPolice detention: Proportionality in time-limited freedom interferences.\nSix-hour detention of a demonstration participant was disproportionate.\n\n> «A measure is disproportionate if the goal can be achieved with a less severe fundamental rights interference.»\n\n**BGE 140 I 2 E. 6.3** of 7 January 2014\nConcordat against violence at sporting events: Preventive measures and proportionality.\nArea bans must be oriented towards the principle of proportionality.\n\n> «A reasonable purpose-means relationship is required. The measures may not lead to a disadvantage that stands in recognizable disproportion to the pursued purpose.»\n\n### Public Interest and Protection of Third Parties\n\n**BGE 143 I 21 E. 5.3** of 17 November 2016\nFamily reunification: Balancing between public interest and private protection interests.\nThe public interest in immigration control must be weighed against the child's welfare.\n\n> «Restrictions on fundamental rights must be justified by a public interest or by the protection of fundamental rights of third parties.»\n\n**BGE 129 I 232 E. 3** of 3 February 2003\nNaturalisation proceedings: Rule of law procedural guarantees as public interest.\nThe duty to provide reasons for rejecting naturalisation decisions serves the public interest.\n\n> «The public interest can also lie in ensuring that rule of law procedural guarantees are observed and that a proper decision can be made.»\n\n### Core Content Protection\n\n**BGE 129 I 173 E. 4** of 12 February 2003\nPlace of burial: Inviolability of the core content of fundamental rights.\nThe core content of fundamental rights must be observed even when weighing different fundamental rights interests.\n\n> «The core content of fundamental rights is inviolable. It encompasses the minimum of fundamental rights substance that is indispensable for guaranteeing human dignity.»\n\n**BGE 147 I 372 E. 2.3** of 22 April 2021\nDNA profiles for demonstration participation: Criticism of the interference qualification.\nThe Federal Supreme Court expresses criticism of the previous case law on interference intensity.\n\n> «The core content encompasses that inviolable area of the fundamental right without which the fundamental right would lose its character and become meaningless.»\n\n### Emergency Clause (Art. 36 para. 1 sentence 3 BV)\n\n**BGE 130 I 65 E. 3.1** of 27 January 2004\nSecurity control in prisons: Exception in case of serious, immediate danger.\nFundamental rights restrictions without formal legal basis are only permissible in emergencies.\n\n> «Exceptions are cases of serious, immediate and otherwise unavoidable danger. This emergency clause is to be interpreted restrictively and concerns genuine emergencies.»\n\n### Procedural Guarantees for Serious Interferences\n\n**BGE 142 I 135 E. 3** of 2 May 2016\nAdministrative detention: Right to judicial review in case of deprivation of liberty.\nArt. 31 para. 4 BV grants procedural guarantees going beyond Art. 36 BV.\n\n> «If the person concerned requests judicial review of the detention order for the first time, this must take place as quickly as possible.»\n\n**BGE 143 I 310 E. 3.3** of 21 March 2017\nCovert investigation: Deletion of image recordings as disproportionate measure.\nFor serious interferences, particularly high requirements must be placed on proportionality.\n\n> «The immediate and irretrievable deletion of image recordings was disproportionate, since the public prosecutor's office could have at least secured copies of the recordings.»\n\n### Police Law and Restrictions on Fundamental Rights\n\n**BGE 137 I 327 E. 5** of 11 November 2011\nObservation by private detectives: Legal basis for preventive surveillance.\nArt. 59 para. 5 IVG forms a sufficient legal basis for observations in the private sphere.\n\n> «The observation must be objectively necessary. Video recordings of the insured person must be proportionate and necessary for task fulfilment.»\n\n**BGE 144 I 170 E. 3** of 27 June 2018\nAccess to files: Information access and personality protection.\nAccess to administrative documents must be weighed against personality rights of third parties.\n\n> «The refusal of files can be based on the protection of fundamental rights of third parties if disclosure would violate overriding private interests.»\n\n### Technical Surveillance\n\n**BGE 128 II 259 E. 3.2** of 29 May 2002\nDNA profiles in criminal proceedings: Constitutional design for new technologies.\nThe creation of DNA profiles interferes with bodily integrity and data protection.\n\n> «The processing of DNA profiles affects both the right to bodily integrity and the claim to protection against misuse of personal data.»\n\n### Economic Freedom and Restrictions on Fundamental Rights\n\n**BGE 130 II 281 E. 6** of 1 June 2004\nFamily reunification: Multi-dimensional fundamental rights review.\nDifferent fundamental rights can be simultaneously affected and must be assessed overall.\n\n> «When reviewing fundamental rights interferences, it must be considered that different fundamental rights can be simultaneously affected and an overall assessment of all relevant interests must be undertaken.»\n\n### International References\n\n**BGE 139 I 16 E. 3** of 26 January 2012\nDeportation initiative: Relationship between national constitutional law and international law.\nNew constitutional requirements can conflict with existing international law.\n\n> «When applying Art. 36 BV, international legal obligations must also be observed insofar as these contain more extensive guarantees.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_36", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 37, "article_suffix": "", "title": "Bürgerrechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 37 BV — Art. 37 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 37 BV — Art. 37 BV\n", "caselaw_de": "# Art. 37 BV — Rechtsprechung\n\n## I. Doppeltes Bürgerrecht (Abs. 1)\n\n### 1. Grundlegendes Erfordernis\n\n**BGE 148 I 271 E. 2** (8. März 2022)\nDas Bundesgericht bestätigte das verfassungsrechtliche Erfordernis des doppelten Bürgerrechts für die Schweizer Staatsbürgerschaft und wendete Art. 37 Abs. 1 BV bei der Prüfung von Einbürgerungsvoraussetzungen an. Das Urteil behandelt die sprachlichen Anforderungen für die ordentliche Einbürgerung.\n\n> «Gemäss Art. 37 Abs. 1 BV ist Schweizerbürgerin oder Schweizerbürger, wer das Bürgerrecht einer Gemeinde und das Bürgerrecht des Kantons besitzt.»\n\n### 2. Föderalistische Kompetenzausscheidung bei Einbürgerungen\n\n**BGE 146 I 83** (13. November 2019)\nDas Bundesgericht prüfte die Autonomie der basel-städtischen Bürgergemeinden bei ordentlichen Einbürgerungen und die föderalistische Kompetenzausscheidung. Die kantonale Vermutungsregel für Grundkenntnisse durch Schulbesuch wurde als verfassungskonform beurteilt.\n\n> «Für die ordentliche Einbürgerung müssen sowohl das Gemeindebürgerrecht als auch das Kantonsbürgerrecht erworben werden, was dem Prinzip des doppelten Bürgerrechts nach Art. 37 Abs. 1 BV entspricht.»\n\n**BGE 146 I 49** (18. Dezember 2019) \nDas Bundesgericht präzisierte die bundesstaatliche Kompetenzaufteilung bei der ordentlichen Einbürgerung. Auch ohne Rechtsanspruch auf Einbürgerung wäre es willkürlich und rechtsungleich, einen Bewerber abzulehnen, der alle Voraussetzungen erfüllt.\n\n### 3. Sprachliche Anforderungen und verfassungskonforme Anwendung\n\n**BGE 148 I 271** (8. März 2022)\nBei einem mehrsprachigen Kanton ist das Erfordernis der Kenntnisse der Lokalsprache grundsätzlich zulässig. Die Nichtanerkennung einer genügenden Maturanote für die Lokalsprache als ausreichender Sprachnachweis war jedoch verfassungswidrig.\n\n> «Die Verfassungswidrigkeit der Nichtanerkennung der genügenden Maturanote für die Lokalsprache als ausreichenden Sprachnachweis verletzt das Verbot des überspitzten Formalismus nach Art. 29 Abs. 1 BV.»\n\n**BGE 149 I 91** (19. Dezember 2022)\nDas Bundesgericht bestätigte seine Zuständigkeit für Beschwerden gegen Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts über eidgenössische Einbürgerungsbewilligungen. Die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV gilt auch für Ablehnungen von Einbürgerungsgesuchen.\n\n### 4. Urnenabstimmungen über Einbürgerungen\n\n**BGE 129 I 232** (9. Juli 2003)\nDas Bundesgericht erklärte eine Initiative für verfassungswidrig, die Einbürgerungsgesuche obligatorischen Urnenabstimmungen unterstellen wollte. Solche Verfahren können die verfassungsrechtliche Begründungspflicht nicht erfüllen und verletzen das Diskriminierungsverbot.\n\n> «Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich.»\n\n## II. Verbot der Bevorzugung oder Benachteiligung (Abs. 2 Satz 1)\n\n### 1. Allgemeines Gleichbehandlungsgebot\n\n**BGE 132 I 68 E. 3.1** (3. Februar 2006)\nDas Bundesgericht präzisierte den Inhalt von Art. 37 Abs. 2 BV: Kantone und Gemeinden dürfen niedergelassene Bürger aus anderen Kantonen und Gemeinden nicht aufgrund ihres Bürgerrechts anders behandeln als die eigenen. Eine Ungleichbehandlung gestützt auf den Wohnsitz oder andere mit Art. 8 BV vereinbare Kriterien ist zulässig.\n\n> «Gemäss Art. 37 Abs. 2 BV darf niemand wegen seiner Bürgerrechte bevorzugt oder benachteiligt werden. Die Kantone und Gemeinden dürfen in ihrem Gebiet niedergelassene Bürger aus andern Kantonen und Gemeinden nicht aufgrund ihres Bürgerrechts anders behandeln als die eigenen.»\n\n## III. Ausnahme für Bürgergemeinden und Korporationen (Abs. 2 Satz 2)\n\n### 1. Tragweite der Ausnahmeregelung\n\n**BGE 132 I 68 E. 3** (3. Februar 2006) — Leitentscheid\nDas Bundesgericht klärte die Anwendung der Ausnahmeregelung für Korporationen und stellte fest, dass Art. 37 Abs. 2 Satz 2 BV nur das Verhältnis zu Dritten regelt, nicht aber interne Diskriminierungen innerhalb der Korporation rechtfertigt.\n\n> «Art. 37 Abs. 2 BV erlaubt, dass Korporationen ihre eigenen Mitglieder in bestimmten Bereichen gegenüber Dritten bevorzugen. Für die Weitergabe des Korporationsbürgerrechts an einen Nachkommen ist diese Bestimmung jedoch nicht massgebend.»\n\nDas Urteil betraf eine Genosssame, die verheirateten Genossenbürgerinnen die Weitergabe der Mitgliedschaft an ihre Kinder verweigerte. Dies wurde als verfassungswidrige Geschlechterdiskriminierung qualifiziert.\n\n> «Eine öffentlichrechtliche Korporation verletzt Art. 8 BV, wenn sie die Weitergabe der Mitgliedschaft durch verheiratete Korporationsbürgerinnen und ledige Korporationsbürger ausschliesst. Die Ausnahmeregelung von Art. 37 Abs. 2 BV deckt diese Ungleichbehandlung innerhalb der Korporation nicht ab.»\n\n### 2. Autonomie der Bürgergemeinden bei Einbürgerungen\n\n**BGE 146 I 83** (13. November 2019)\nDas Bundesgericht bestätigte die Autonomie der basel-städtischen Bürgergemeinden im Bereich der ordentlichen Einbürgerung. Eine kantonale Vermutungsregel bei der Prüfung der Grundkenntnisse verletzt diese Autonomie grundsätzlich nicht.\n\n> «Die Ausnahmeregelung von Art. 37 Abs. 2 BV gewährleistet den Bürgergemeinden und Korporationen das Recht, ihre eigenen Mitglieder in bestimmten Bereichen gegenüber Dritten zu bevorzugen.»\n\n### 3. Grenzen der Korporationsautonomie\n\n**BGE 132 I 68 E. 4** (3. Februar 2006)\nDas Bundesgericht stellte klar, dass öffentlich-rechtliche Korporationen trotz ihrer Autonomie verfassungsrechtliche Schranken beachten müssen. Eine Anknüpfung an geschlechtsdiskriminierende bundesrechtliche Regelungen ist nicht zwingend.\n\n> «Das Bundesrecht umschreibt die Voraussetzungen der Mitgliedschaft in der Genosssame nicht. Damit bestand für die Korporation keine Notwendigkeit, auf die geschlechtsdiskriminierenden Regelungen zurückzugreifen.»\n\n## IV. Kantonale Gesetzgebung (Abs. 2 Satz 3)\n\n### 1. Vorbehalt der kantonalen Regelung\n\n**BGE 132 I 68** (3. Februar 2006)\nDas Bundesgericht bestätigte, dass die kantonale Gesetzgebung die Ausnahmeregelung für Bürgergemeinden und Korporationen einschränken kann. Der Kanton Schwyz kannte keine entsprechende entgegenstehende Regelung.\n\n> «Ausgenommen sind Vorschriften über die politischen Rechte in Bürgergemeinden und Korporationen sowie über die Beteiligung an deren Vermögen, es sei denn, die kantonale Gesetzgebung sehe etwas anderes vor.»\n\n**BGE 146 I 83** (13. November 2019)\nDas kantonale Bürgerrechtsgesetz von Basel-Stadt regelte die Kompetenzen zwischen Kanton und Bürgergemeinden bei Einbürgerungen und wurde vom Bundesgericht als verfassungskonform beurteilt, obwohl es die Autonomie der Bürgergemeinden teilweise einschränkte.\n\n## V. Nichtigerklärung von Einbürgerungen\n\n**VB.2008.00408** (5. November 2008) — Verwaltungsgericht Zürich\nDie Nichtigerklärung einer Einbürgerung ist möglich, wenn diese unrechtmässig erteilt wurde. Das Gericht ist zuständig, wenn auch die Nichtigerklärung des Gemeindebürgerrechts in Frage steht, auf das grundsätzlich ein Anspruch bestand.\n\n**VB.2013.00494** (20. November 2013) — Verwaltungsgericht Zürich\nBei minderjährigen Beschwerdeführern mit Einbürgerungsanspruch ist die Verweigerung der Einbürgerung wegen einer kommunalen Karenzfrist nach früherem Sozialhilfebezug der Eltern ohne Prüfung der gegenwärtigen Verhältnisse unzulässig.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Art. 37 Cst. — Jurisprudence\n\n## I. Double droit de cité (al. 1)\n\n### 1. Exigence fondamentale\n\n**ATF 148 I 271 consid. 2** (8 mars 2022)\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'exigence constitutionnelle du double droit de cité pour la citoyenneté suisse et a appliqué l'art. 37 al. 1 Cst. lors de l'examen des conditions de naturalisation. L'arrêt traite des exigences linguistiques pour la naturalisation ordinaire.\n\n> « Selon l'art. 37 al. 1 Cst., est Suisse quiconque possède un droit de cité communal et le droit de cité cantonal. »\n\n### 2. Répartition fédéraliste des compétences en matière de naturalisation\n\n**ATF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nLe Tribunal fédéral a examiné l'autonomie des bourgeoisies bâloises en matière de naturalisation ordinaire et la répartition fédéraliste des compétences. La règle de présomption cantonale pour les connaissances de base par la fréquentation scolaire a été jugée conforme à la Constitution.\n\n> « Pour la naturalisation ordinaire, il faut acquérir à la fois le droit de cité communal et le droit de cité cantonal, ce qui correspond au principe du double droit de cité selon l'art. 37 al. 1 Cst. »\n\n**ATF 146 I 49** (18 décembre 2019) \nLe Tribunal fédéral a précisé la répartition des compétences fédérales en matière de naturalisation ordinaire. Même sans droit à la naturalisation, il serait arbitraire et contraire au principe d'égalité de rejeter un candidat qui remplit toutes les conditions.\n\n### 3. Exigences linguistiques et application conforme à la Constitution\n\n**ATF 148 I 271** (8 mars 2022)\nDans un canton plurilingue, l'exigence de connaissances de la langue locale est en principe admissible. La non-reconnaissance d'une note de maturité suffisante pour la langue locale comme preuve linguistique suffisante était toutefois contraire à la Constitution.\n\n> « Le caractère anticonstitutionnel de la non-reconnaissance de la note de maturité suffisante pour la langue locale comme preuve linguistique suffisante viole l'interdiction du formalisme excessif selon l'art. 29 al. 1 Cst. »\n\n**ATF 149 I 91** (19 décembre 2022)\nLe Tribunal fédéral a confirmé sa compétence pour les recours contre les décisions du Tribunal administratif fédéral concernant les autorisations de naturalisation fédérales. L'obligation de motiver selon l'art. 29 al. 2 Cst. vaut aussi pour les rejets de demandes de naturalisation.\n\n### 4. Votations populaires sur les naturalisations\n\n**ATF 129 I 232** (9 juillet 2003)\nLe Tribunal fédéral a déclaré anticonstitutionnelle une initiative qui voulait soumettre les demandes de naturalisation à des votations populaires obligatoires. De telles procédures ne peuvent pas satisfaire l'obligation constitutionnelle de motiver et violent l'interdiction de discriminer.\n\n> « Les décisions de rejet de naturalisation sont soumises à l'obligation de motiver selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de discriminer). Lors d'une votation populaire, une motivation satisfaisant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible. »\n\n## II. Interdiction d'avantager ou de désavantager (al. 2 phr. 1)\n\n### 1. Principe général d'égalité de traitement\n\n**ATF 132 I 68 consid. 3.1** (3 février 2006)\nLe Tribunal fédéral a précisé le contenu de l'art. 37 al. 2 Cst. : les cantons et communes ne peuvent pas traiter différemment les citoyens domiciliés d'autres cantons et communes par rapport aux leurs en raison de leur droit de cité. Une inégalité de traitement fondée sur le domicile ou d'autres critères compatibles avec l'art. 8 Cst. est admissible.\n\n> « Selon l'art. 37 al. 2 Cst., nul ne doit être avantagé ou désavantagé en raison de son droit de cité. Les cantons et les communes ne peuvent pas traiter différemment sur leur territoire les citoyens domiciliés d'autres cantons et communes par rapport aux leurs en raison de leur droit de cité. »\n\n## III. Exception pour les bourgeoisies et corporations (al. 2 phr. 2)\n\n### 1. Portée de la règle d'exception\n\n**ATF 132 I 68 consid. 3** (3 février 2006) — Arrêt de principe\nLe Tribunal fédéral a clarifié l'application de la règle d'exception pour les corporations et a établi que l'art. 37 al. 2 phr. 2 Cst. ne règle que les rapports avec les tiers, mais ne justifie pas les discriminations internes au sein de la corporation.\n\n> « L'art. 37 al. 2 Cst. permet aux corporations d'avantager leurs propres membres dans certains domaines par rapport aux tiers. Pour la transmission du droit de cité corporatif à un descendant, cette disposition n'est toutefois pas déterminante. »\n\nL'arrêt concernait une bourgeoisie qui refusait aux bourgeoises mariées la transmission de leur qualité de membre à leurs enfants. Cela a été qualifié de discrimination sexuelle anticonstitutionnelle.\n\n> « Une corporation de droit public viole l'art. 8 Cst. si elle exclut la transmission de la qualité de membre par les bourgeoises mariées et les bourgeois célibataires. La règle d'exception de l'art. 37 al. 2 Cst. ne couvre pas cette inégalité de traitement au sein de la corporation. »\n\n### 2. Autonomie des bourgeoisies en matière de naturalisation\n\n**ATF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'autonomie des bourgeoisies bâloises en matière de naturalisation ordinaire. Une règle de présomption cantonale lors de l'examen des connaissances de base ne viole pas en principe cette autonomie.\n\n> « La règle d'exception de l'art. 37 al. 2 Cst. garantit aux bourgeoisies et corporations le droit d'avantager leurs propres membres dans certains domaines par rapport aux tiers. »\n\n### 3. Limites de l'autonomie des corporations\n\n**ATF 132 I 68 consid. 4** (3 février 2006)\nLe Tribunal fédéral a précisé que les corporations de droit public doivent respecter les limites constitutionnelles malgré leur autonomie. Un rattachement à des réglementations fédérales discriminatoires du point de vue du sexe n'est pas obligatoire.\n\n> « Le droit fédéral ne définit pas les conditions d'adhésion à la bourgeoisie. Il n'y avait donc pas de nécessité pour la corporation de recourir aux réglementations discriminatoires du point de vue du sexe. »\n\n## IV. Législation cantonale (al. 2 phr. 3)\n\n### 1. Réserve de la réglementation cantonale\n\n**ATF 132 I 68** (3 février 2006)\nLe Tribunal fédéral a confirmé que la législation cantonale peut limiter la règle d'exception pour les bourgeoisies et corporations. Le canton de Schwyz ne connaissait pas de réglementation contraire correspondante.\n\n> « Font exception les prescriptions sur les droits politiques dans les bourgeoisies et corporations ainsi que sur la participation à leur patrimoine, à moins que la législation cantonale ne prévoie autre chose. »\n\n**ATF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nLa loi cantonale sur le droit de cité de Bâle-Ville réglait les compétences entre le canton et les bourgeoisies en matière de naturalisation et a été jugée conforme à la Constitution par le Tribunal fédéral, bien qu'elle limitât partiellement l'autonomie des bourgeoisies.\n\n## V. Annulation de naturalisations\n\n**VB.2008.00408** (5 novembre 2008) — Tribunal administratif de Zurich\nL'annulation d'une naturalisation est possible si celle-ci a été accordée de manière illicite. Le tribunal est compétent si l'annulation du droit de cité communal est également en question, auquel il existait en principe un droit.\n\n**VB.2013.00494** (20 novembre 2013) — Tribunal administratif de Zurich\nPour les recourants mineurs ayant droit à la naturalisation, le refus de naturalisation en raison d'un délai de carence communal après une perception d'aide sociale antérieure des parents est inadmissible sans examen des circonstances actuelles.", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Art. 37 Cost. — Giurisprudenza\n\n## I. Doppia cittadinanza (cpv. 1)\n\n### 1. Requisito fondamentale\n\n**DTF 148 I 271 consid. 2** (8 marzo 2022)\nIl Tribunale federale ha confermato il requisito costituzionale della doppia cittadinanza per la cittadinanza svizzera e ha applicato l'art. 37 cpv. 1 Cost. nell'esame dei presupposti di naturalizzazione. La decisione tratta i requisiti linguistici per la naturalizzazione ordinaria.\n\n> «Secondo l'art. 37 cpv. 1 Cost. è cittadino svizzero chi possiede la cittadinanza di un Comune e la cittadinanza del Cantone.»\n\n### 2. Separazione federalistica delle competenze nelle naturalizzazioni\n\n**DTF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nIl Tribunale federale ha esaminato l'autonomia dei comuni cittadini di Basilea Città nelle naturalizzazioni ordinarie e la separazione federalistica delle competenze. La presunzione cantonale per le conoscenze di base attraverso la frequenza scolastica è stata giudicata conforme alla Costituzione.\n\n> «Per la naturalizzazione ordinaria devono essere acquisite sia la cittadinanza comunale che quella cantonale, il che corrisponde al principio della doppia cittadinanza secondo l'art. 37 cpv. 1 Cost.»\n\n**DTF 146 I 49** (18 dicembre 2019) \nIl Tribunale federale ha precisato la ripartizione federale delle competenze nella naturalizzazione ordinaria. Anche senza diritto alla naturalizzazione, sarebbe arbitrario e contrario all'uguaglianza respingere un richiedente che soddisfa tutti i presupposti.\n\n### 3. Requisiti linguistici e applicazione conforme alla Costituzione\n\n**DTF 148 I 271** (8 marzo 2022)\nIn un Cantone plurilingue, il requisito della conoscenza della lingua locale è in linea di principio ammissibile. Il mancato riconoscimento di una nota di maturità sufficiente per la lingua locale come prova linguistica sufficiente era tuttavia contrario alla Costituzione.\n\n> «La contrarietà alla Costituzione del mancato riconoscimento della nota di maturità sufficiente per la lingua locale come prova linguistica sufficiente viola il divieto del formalismo eccessivo secondo l'art. 29 cpv. 1 Cost.»\n\n**DTF 149 I 91** (19 dicembre 2022)\nIl Tribunale federale ha confermato la sua competenza per i ricorsi contro le decisioni del Tribunale amministrativo federale sui permessi di naturalizzazione federali. L'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. vale anche per i rifiuti di domande di naturalizzazione.\n\n### 4. Votazioni popolari su naturalizzazioni\n\n**DTF 129 I 232** (9 luglio 2003)\nIl Tribunale federale ha dichiarato contraria alla Costituzione un'iniziativa che voleva sottoporre obbligatoriamente le domande di naturalizzazione a votazioni popolari. Tali procedure non possono soddisfare l'obbligo costituzionale di motivazione e violano il divieto di discriminazione.\n\n> «Le decisioni negative di naturalizzazione sono soggette all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cost. (diritto di essere sentiti) in combinato disposto con l'art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione). Nella votazione popolare non è possibile una motivazione che soddisfi i requisiti costituzionali.»\n\n## II. Divieto di preferenza o svantaggio (cpv. 2 frase 1)\n\n### 1. Obbligo generale di parità di trattamento\n\n**DTF 132 I 68 consid. 3.1** (3 febbraio 2006)\nIl Tribunale federale ha precisato il contenuto dell'art. 37 cpv. 2 Cost.: i Cantoni e i Comuni non possono trattare diversamente i cittadini domiciliati di altri Cantoni e Comuni a causa della loro cittadinanza rispetto ai propri. È ammissibile una disparità di trattamento basata sul domicilio o su altri criteri compatibili con l'art. 8 Cost.\n\n> «Secondo l'art. 37 cpv. 2 Cost. nessuno può essere privilegiato o svantaggiato a causa della sua cittadinanza. I Cantoni e i Comuni non possono trattare diversamente nel loro territorio i cittadini domiciliati di altri Cantoni e Comuni a causa della loro cittadinanza rispetto ai propri.»\n\n## III. Eccezione per comuni cittadini e corporazioni (cpv. 2 frase 2)\n\n### 1. Portata della disposizione d'eccezione\n\n**DTF 132 I 68 consid. 3** (3 febbraio 2006) — Decisione di principio\nIl Tribunale federale ha chiarito l'applicazione della disposizione d'eccezione per le corporazioni e ha stabilito che l'art. 37 cpv. 2 frase 2 Cost. regola solo il rapporto con i terzi, ma non giustifica discriminazioni interne all'interno della corporazione.\n\n> «L'art. 37 cpv. 2 Cost. permette che le corporazioni privilegino in determinati settori i propri membri rispetto ai terzi. Per la trasmissione della cittadinanza corporativa a un discendente, questa disposizione non è tuttavia determinante.»\n\nLa decisione riguardava una vicinia che rifiutava alle cittadine sposate la trasmissione dell'appartenenza ai loro figli. Ciò è stato qualificato come discriminazione sessuale contraria alla Costituzione.\n\n> «Una corporazione di diritto pubblico viola l'art. 8 Cost. se esclude la trasmissione dell'appartenenza attraverso cittadine sposate e cittadini non sposati. La disposizione d'eccezione dell'art. 37 cpv. 2 Cost. non copre questa disparità di trattamento all'interno della corporazione.»\n\n### 2. Autonomia dei comuni cittadini nelle naturalizzazioni\n\n**DTF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nIl Tribunale federale ha confermato l'autonomia dei comuni cittadini di Basilea Città nel settore della naturalizzazione ordinaria. Una presunzione cantonale nell'esame delle conoscenze di base non viola in linea di principio questa autonomia.\n\n> «La disposizione d'eccezione dell'art. 37 cpv. 2 Cost. garantisce ai comuni cittadini e alle corporazioni il diritto di privilegiare in determinati settori i propri membri rispetto ai terzi.»\n\n### 3. Limiti dell'autonomia corporativa\n\n**DTF 132 I 68 consid. 4** (3 febbraio 2006)\nIl Tribunale federale ha chiarito che le corporazioni di diritto pubblico, nonostante la loro autonomia, devono rispettare i limiti costituzionali. Un collegamento a regolamentazioni federali discriminatorie dal punto di vista del sesso non è obbligatorio.\n\n> «Il diritto federale non circoscrive i presupposti dell'appartenenza alla vicinia. Pertanto per la corporazione non sussisteva necessità di ricorrere alle regolamentazioni discriminatorie dal punto di vista del sesso.»\n\n## IV. Legislazione cantonale (cpv. 2 frase 3)\n\n### 1. Riserva della regolamentazione cantonale\n\n**DTF 132 I 68** (3 febbraio 2006)\nIl Tribunale federale ha confermato che la legislazione cantonale può limitare la disposizione d'eccezione per comuni cittadini e corporazioni. Il Cantone di Svitto non conosceva una corrispondente regolamentazione contraria.\n\n> «Sono eccettuate le prescrizioni sui diritti politici nei comuni cittadini e nelle corporazioni nonché sulla partecipazione al loro patrimonio, salvo che la legislazione cantonale preveda altrimenti.»\n\n**DTF 146 I 83** (13 novembre 2019)\nLa legge cantonale sulla cittadinanza di Basilea Città ha disciplinato le competenze tra Cantone e comuni cittadini nelle naturalizzazioni ed è stata giudicata conforme alla Costituzione dal Tribunale federale, benché limitasse parzialmente l'autonomia dei comuni cittadini.\n\n## V. Dichiarazione di nullità di naturalizzazioni\n\n**VB.2008.00408** (5 novembre 2008) — Tribunale amministrativo di Zurigo\nLa dichiarazione di nullità di una naturalizzazione è possibile se questa è stata concessa illegalmente. Il tribunale è competente se è in questione anche la dichiarazione di nullità della cittadinanza comunale, alla quale sussisteva in linea di principio un diritto.\n\n**VB.2013.00494** (20 novembre 2013) — Tribunale amministrativo di Zurigo\nNel caso di ricorrenti minorenni con diritto alla naturalizzazione, il rifiuto della naturalizzazione a causa di un termine di carenza comunale dopo precedente beneficio dell'aiuto sociale dei genitori senza esame delle circostanze attuali è inammissibile.", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Art. 37 FC — Case Law\n\n## I. Double Citizenship (Para. 1)\n\n### 1. Basic Requirement\n\n**BGE 148 I 271 E. 2** (8 March 2022)\nThe Federal Supreme Court confirmed the constitutional requirement of double citizenship for Swiss nationality and applied Art. 37 para. 1 FC in examining naturalisation requirements. The judgment dealt with linguistic requirements for ordinary naturalisation.\n\n> «According to Art. 37 para. 1 FC, a person is a Swiss citizen if he or she possesses the citizenship of a municipality and the citizenship of a canton.»\n\n### 2. Federalist Division of Competences in Naturalisations\n\n**BGE 146 I 83** (13 November 2019)\nThe Federal Supreme Court examined the autonomy of Basel-Stadt's bourgeois municipalities in ordinary naturalisations and the federalist division of competences. The cantonal presumption rule for basic knowledge through school attendance was deemed constitutionally compliant.\n\n> «For ordinary naturalisation, both municipal citizenship and cantonal citizenship must be acquired, which corresponds to the principle of double citizenship according to Art. 37 para. 1 FC.»\n\n**BGE 146 I 49** (18 December 2019) \nThe Federal Supreme Court clarified the federal division of competences in ordinary naturalisation. Even without a legal right to naturalisation, it would be arbitrary and contrary to the principle of equality to reject an applicant who fulfils all requirements.\n\n### 3. Linguistic Requirements and Constitutional Application\n\n**BGE 148 I 271** (8 March 2022)\nIn a multilingual canton, the requirement of knowledge of the local language is in principle permissible. However, the non-recognition of a sufficient school-leaving certificate grade for the local language as adequate proof of language skills was unconstitutional.\n\n> «The constitutional violation of the non-recognition of the sufficient school-leaving certificate grade for the local language as adequate proof of language skills violates the prohibition of excessive formalism according to Art. 29 para. 1 FC.»\n\n**BGE 149 I 91** (19 December 2022)\nThe Federal Supreme Court confirmed its jurisdiction for appeals against decisions of the Federal Administrative Court on federal naturalisation permits. The duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 FC also applies to rejections of naturalisation applications.\n\n### 4. Ballot Box Votes on Naturalisations\n\n**BGE 129 I 232** (9 July 2003)\nThe Federal Supreme Court declared an initiative unconstitutional that sought to subject naturalisation applications to mandatory ballot box votes. Such procedures cannot fulfil the constitutional duty to give reasons and violate the prohibition of discrimination.\n\n> «Rejecting naturalisation decisions are subject to the duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 FC (right to be heard) in conjunction with Art. 8 para. 2 FC (prohibition of discrimination). In ballot box voting, reasoning that meets constitutional requirements is not possible.»\n\n## II. Prohibition of Preferential Treatment or Disadvantage (Para. 2 Sentence 1)\n\n### 1. General Equal Treatment Principle\n\n**BGE 132 I 68 E. 3.1** (3 February 2006)\nThe Federal Supreme Court clarified the content of Art. 37 para. 2 FC: Cantons and municipalities may not treat settled citizens from other cantons and municipalities differently from their own based on their citizenship. Unequal treatment based on residence or other criteria compatible with Art. 8 FC is permissible.\n\n> «According to Art. 37 para. 2 FC, no one may be given preferential treatment or be disadvantaged because of their citizenship. The cantons and municipalities may not treat citizens from other cantons and municipalities who are settled in their territory differently from their own based on their citizenship.»\n\n## III. Exception for Bourgeois Municipalities and Corporations (Para. 2 Sentence 2)\n\n### 1. Scope of the Exception Rule\n\n**BGE 132 I 68 E. 3** (3 February 2006) — Leading decision\nThe Federal Supreme Court clarified the application of the exception rule for corporations and established that Art. 37 para. 2 sentence 2 FC only regulates the relationship to third parties, but does not justify internal discrimination within the corporation.\n\n> «Art. 37 para. 2 FC allows corporations to favour their own members over third parties in certain areas. However, for the transfer of corporate citizenship to a descendant, this provision is not decisive.»\n\nThe judgment concerned a common property corporation that denied married female corporation citizens the transfer of membership to their children. This was qualified as unconstitutional gender discrimination.\n\n> «A public law corporation violates Art. 8 FC if it excludes the transfer of membership by married female corporation citizens and unmarried male corporation citizens. The exception rule of Art. 37 para. 2 FC does not cover this unequal treatment within the corporation.»\n\n### 2. Autonomy of Bourgeois Municipalities in Naturalisations\n\n**BGE 146 I 83** (13 November 2019)\nThe Federal Supreme Court confirmed the autonomy of Basel-Stadt's bourgeois municipalities in the area of ordinary naturalisation. A cantonal presumption rule in examining basic knowledge does not fundamentally violate this autonomy.\n\n> «The exception rule of Art. 37 para. 2 FC guarantees bourgeois municipalities and corporations the right to favour their own members over third parties in certain areas.»\n\n### 3. Limits of Corporate Autonomy\n\n**BGE 132 I 68 E. 4** (3 February 2006)\nThe Federal Supreme Court clarified that public law corporations must observe constitutional limits despite their autonomy. A connection to gender-discriminatory federal law provisions is not mandatory.\n\n> «Federal law does not define the conditions for membership in the common property corporation. Thus there was no necessity for the corporation to resort to the gender-discriminatory regulations.»\n\n## IV. Cantonal Legislation (Para. 2 Sentence 3)\n\n### 1. Reservation for Cantonal Regulation\n\n**BGE 132 I 68** (3 February 2006)\nThe Federal Supreme Court confirmed that cantonal legislation can restrict the exception rule for bourgeois municipalities and corporations. The Canton of Schwyz had no corresponding contrary regulation.\n\n> «Excepted are provisions on political rights in bourgeois municipalities and corporations as well as on participation in their assets, unless cantonal legislation provides otherwise.»\n\n**BGE 146 I 83** (13 November 2019)\nThe cantonal citizenship law of Basel-Stadt regulated the competences between the canton and bourgeois municipalities in naturalisations and was deemed constitutionally compliant by the Federal Supreme Court, although it partially restricted the autonomy of the bourgeois municipalities.\n\n## V. Nullification of Naturalisations\n\n**VB.2008.00408** (5 November 2008) — Administrative Court of Zurich\nThe nullification of a naturalisation is possible if it was unlawfully granted. The court has jurisdiction if the nullification of municipal citizenship is also in question, to which there was in principle an entitlement.\n\n**VB.2013.00494** (20 November 2013) — Administrative Court of Zurich\nFor minor appellants with a right to naturalisation, the refusal of naturalisation due to a municipal waiting period after previous social assistance received by the parents without examination of current circumstances is inadmissible.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_37", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 38, "article_suffix": "", "title": "Erwerb und Verlust der Bürgerrechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Uebersicht\n\nArt. 38 BV — Art. 38 BV\n", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 38 BV — Art. 38 BV\n", "caselaw_de": "# Art. 38 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kompetenzaufteilung und Grundsätze\n\n**BGE 146 I 49** vom 18.12.2019\n\nBundesstaatliche Kompetenzaufteilung bei der ordentlichen Einbürgerung. Die Voraussetzungen für die Einbürgerung sind zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt.\n\n> «Art. 38 Abs. 2 BV verpflichtet den Bund, Mindestvorschriften über die Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern durch die Kantone zu erlassen. Die Kantone sind in der Ausgestaltung der Einbürgerungsvoraussetzungen insoweit frei, als sie hinsichtlich der Wohnsitzerfordernisse oder der Eignung Konkretisierungen vornehmen können.»\n\n**BGE 148 I 271** vom 8.3.2022\n\nVerfassungsgrundlagen der Sprachanforderungen bei der ordentlichen Einbürgerung. Art. 38 Abs. 2 BV ermächtigt den Bund zum Erlass von Mindestvorschriften.\n\n> «Art. 38 Abs. 2 BV räumt dem Bund die Kompetenz ein, Mindestvorschriften über die Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern durch die Kantone zu erlassen. Die Mindestvorschriften des Bundes gehen kantonalen und kommunalen Bestimmungen vor.»\n\n### Eidgenössische Einbürgerungsbewilligung\n\n**BGE 149 I 91** vom 19.12.2022\n\nRechtsweggarantie bei der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung. Gegen Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts steht die Beschwerde an das Bundesgericht offen.\n\n> «Gegen Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts über die Erteilung der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung steht die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht offen. Die Verfassungsmässigkeit einer Einbürgerung setzt eine individuelle Prüfung und Zuordnung der gesetzlichen Voraussetzungen voraus.»\n\n### Willkürverbot und Rechtsgleichheit\n\n**BGE 138 I 305** vom 12.6.2012\n\nZulässigkeit der Willkürrüge in Einbürgerungsangelegenheiten. Art. 14 BüG verschafft eine hinreichend klar umschriebene Rechtsposition.\n\n> «Art. 14 des Bürgerrechtsgesetzes (BüG) dient individuellen Interessen und regelt materielle Einbürgerungsvoraussetzungen konkret, indem (Mindest-)Kriterien der Eignung festgelegt werden. Art. 14 BüG verschafft einer einbürgerungswilligen Person im Ergebnis eine hinreichend klar umschriebene Rechtsposition, die es ihr ermöglicht, sich im Verfahren der subsidiären Verfassungsbeschwerde auf das Willkürverbot (Art. 9 BV) und den Grundsatz der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV) zu berufen.»\n\n**BGE 146 I 49** vom 18.12.2019\n\nAuch ohne Anspruch auf Einbürgerung ist willkürliche Verweigerung unzulässig. Bei Erfüllung aller Voraussetzungen wäre Verweigerung willkürlich und rechtsungleich.\n\n> «Auch ohne Anspruch auf Einbürgerung wäre es willkürlich und rechtsungleich, einen Bewerber, der alle Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllt, nicht einzubürgern. Die Einbürgerungsvoraussetzungen und insbesondere die Integrationsanforderungen müssen insgesamt verhältnismässig und diskriminierungsfrei sein und dürfen nicht überzogen erscheinen.»\n\n### Diskriminierungsverbot\n\n**BGE 139 I 169** vom 13.5.2013\n\nDiskriminierung bei der Einbürgerung aufgrund einer geistigen Behinderung. Geistig Behinderte pauschal von der Einbürgerung auszuschliessen ist diskriminierend.\n\n> «Geistig Behinderte mangels eigenen Willens zur Einbürgerung von derselben auszuschliessen, entspricht nicht der gesetzlichen Ordnung und erweist sich aufgrund der damit verbundenen generellen Wirkung als diskriminierend. Zu prüfen ist, ob es dafür eine qualifizierte Rechtfertigung gibt.»\n\n### Gemeindeautonomie und Integration\n\n**BGE 138 I 242** vom 12.6.2012\n\nLokale Integration und Gemeindeautonomie. Vereinsmitgliedschaft darf nicht zum einzig ausschlaggebenden Integrationsmerkmal werden.\n\n> «Den kommunalen Bürgerversammlungen kommt ein weiter Ermessensspielraum zu und von einer gesuchstellenden Person kann eine 'gewisse lokale Integration' verlangt werden. Dies rechtfertigt es jedoch nicht, die Mitgliedschaft in Vereinen oder anderen Organisationen zum einzig ausschlaggebenden Integrationsmerkmal zu erheben, denn damit würde das Wesen der Integration, das in einer allmählichen Angleichung an die schweizerischen Gewohnheiten besteht, verkannt.»\n\n**BGE 146 I 83** vom 1.1.2019\n\nAutonomie der Bürgergemeinden bei der ordentlichen Einbürgerung. Kantonale Vermutungsregeln können die Gemeindeautonomie einschränken.\n\n> «Die föderalistische Kompetenzausscheidung beim Entscheid über die ordentliche Einbürgerung erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Mindestvorschriften des Bundes und der verfassungsrechtlich gewährleisteten Autonomie der Bürgergemeinden.»\n\n### Einbürgerungsverfahren\n\n**BGE 130 I 140** vom 12.5.2004\n\nVerfassungskonforme Einbürgerungsverfahren. Kantonale Aufsichtsbehörden müssen eingreifen, wenn Gemeinden verfassungswidrig verfahren.\n\n> «Der Regierungsrat als Aufsichtsbehörde der Gemeinden muss Handlungsbedarf erkennen, wenn bundesgerichtliche Entscheide zum Einbürgerungsverfahren ergangen sind. Die angefochtene Verordnung, die an der Zuständigkeit der Gemeindeversammlung festhält, erscheint nicht von vornherein ungeeignet, verfassungskonforme Einbürgerungsentscheide der Schwyzer Gemeinden zu ermöglichen.»\n\n### Sprachkenntnisse\n\n**BGE 148 I 271** vom 8.3.2022\n\nVerfassungswidrigkeit überspitzter Sprachanforderungen. Nichtanerkennung genügender Maturanoten als Sprachnachweis ist verfassungswidrig.\n\n> «Die Verfassungswidrigkeit der Nichtanerkennung der genügenden Maturanote für die Lokalsprache als ausreichenden Sprachnachweis ergibt sich aus dem Verstoss gegen das Verbot des überspitzten Formalismus. Die Anforderungen müssen verhältnismässig und praktikabel sein.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\n**Urteil 1D_5/2022** vom 25.10.2023\n\nAktuelle Rechtsprechung zur Einbürgerung bestätigt die bisherigen Grundsätze zur verfassungskonformen Anwendung der Einbürgerungsvoraussetzungen.\n\nDie jüngere kantonale Rechtsprechung (Verwaltungsgericht St. Gallen B 2024/15 vom 16.5.2024, Verwaltungsgericht Aargau WBE.2023.286 vom 26.2.2024) konkretisiert die bundesgerichtlichen Vorgaben zur lokalen Integration und bestätigt die Einschätzungsprärogative der kommunalen Behörden bei der Beurteilung der Integrationsanforderungen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "", "caselaw_fr": "# Art. 38 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Répartition des compétences et principes\n\n**ATF 146 I 49** du 18.12.2019\n\nRépartition fédéraliste des compétences en matière de naturalisation ordinaire. Les conditions de naturalisation sont réparties entre la Confédération, les cantons et les communes.\n\n> « L'art. 38, al. 2, Cst. oblige la Confédération à édicter des prescriptions minimales concernant la naturalisation d'étrangers par les cantons. Les cantons sont libres dans l'aménagement des conditions de naturalisation dans la mesure où ils peuvent apporter des concrétisations concernant les exigences de domicile ou l'aptitude. »\n\n**ATF 148 I 271** du 8.3.2022\n\nBases constitutionnelles des exigences linguistiques lors de la naturalisation ordinaire. L'art. 38, al. 2, Cst. habilite la Confédération à édicter des prescriptions minimales.\n\n> « L'art. 38, al. 2, Cst. octroie à la Confédération la compétence d'édicter des prescriptions minimales concernant la naturalisation d'étrangers par les cantons. Les prescriptions minimales de la Confédération priment sur les dispositions cantonales et communales. »\n\n### Autorisation fédérale de naturalisation\n\n**ATF 149 I 91** du 19.12.2022\n\nGarantie de la voie de droit concernant l'autorisation fédérale de naturalisation. Contre les décisions du Tribunal administratif fédéral, le recours au Tribunal fédéral est ouvert.\n\n> « Contre les décisions du Tribunal administratif fédéral concernant l'octroi de l'autorisation fédérale de naturalisation, le recours en matière de droit public au Tribunal fédéral est ouvert. La constitutionnalité d'une naturalisation présuppose un examen individuel et une attribution des conditions légales. »\n\n### Interdiction de l'arbitraire et égalité de traitement\n\n**ATF 138 I 305** du 12.6.2012\n\nAdmissibilité du grief d'arbitraire en matière de naturalisation. L'art. 14 LN confère une position juridique suffisamment bien définie.\n\n> « L'art. 14 de la loi sur la nationalité (LN) sert des intérêts individuels et règle concrètement les conditions matérielles de naturalisation en fixant des critères (minimaux) d'aptitude. L'art. 14 LN procure en définitive à une personne désireuse d'être naturalisée une position juridique suffisamment bien définie qui lui permet, dans la procédure de recours constitutionnel subsidiaire, de se prévaloir de l'interdiction de l'arbitraire (art. 9 Cst.) et du principe de l'égalité de traitement (art. 8, al. 1, Cst.). »\n\n**ATF 146 I 49** du 18.12.2019\n\nMême sans droit à la naturalisation, un refus arbitraire est inadmissible. En cas d'accomplissement de toutes les conditions, un refus serait arbitraire et contraire à l'égalité de traitement.\n\n> « Même sans droit à la naturalisation, il serait arbitraire et contraire à l'égalité de traitement de ne pas naturaliser un candidat qui remplit toutes les conditions de naturalisation. Les conditions de naturalisation et en particulier les exigences d'intégration doivent être dans l'ensemble proportionnées et non discriminatoires et ne doivent pas paraître excessives. »\n\n### Interdiction de la discrimination\n\n**ATF 139 I 169** du 13.5.2013\n\nDiscrimination lors de la naturalisation en raison d'un handicap mental. Exclure en bloc les personnes handicapées mentales de la naturalisation est discriminatoire.\n\n> « Exclure les personnes handicapées mentales de la naturalisation par manque de volonté propre ne correspond pas à l'ordre légal et s'avère discriminatoire en raison de l'effet général qui en résulte. Il convient d'examiner s'il existe pour cela une justification qualifiée. »\n\n### Autonomie communale et intégration\n\n**ATF 138 I 242** du 12.6.2012\n\nIntégration locale et autonomie communale. L'appartenance à une association ne peut devenir le seul critère déterminant d'intégration.\n\n> « Les assemblées communales de bourgeoisie jouissent d'une large marge d'appréciation et on peut exiger d'une personne requérante une \"certaine intégration locale\". Cela ne justifie cependant pas d'élever l'appartenance à des associations ou autres organisations au rang d'unique critère déterminant d'intégration, car cela méconnaîtrait l'essence de l'intégration, qui consiste en une adaptation progressive aux us et coutumes suisses. »\n\n**ATF 146 I 83** du 1.1.2019\n\nAutonomie des communes bourgeoises lors de la naturalisation ordinaire. Les règles cantonales de présomption peuvent limiter l'autonomie communale.\n\n> « La répartition fédéraliste des compétences dans la décision concernant la naturalisation ordinaire exige une pesée soigneuse entre les prescriptions minimales de la Confédération et l'autonomie des communes bourgeoises garantie par le droit constitutionnel. »\n\n### Procédure de naturalisation\n\n**ATF 130 I 140** du 12.5.2004\n\nProcédures de naturalisation conformes à la Constitution. Les autorités cantonales de surveillance doivent intervenir lorsque les communes procèdent de manière contraire à la Constitution.\n\n> « Le Conseil d'État en tant qu'autorité de surveillance des communes doit reconnaître la nécessité d'agir lorsque des arrêts du Tribunal fédéral concernant la procédure de naturalisation ont été rendus. L'ordonnance attaquée, qui maintient la compétence de l'assemblée communale, n'apparaît pas d'emblée inadéquate pour permettre des décisions de naturalisation conformes à la Constitution par les communes schwyzoises. »\n\n### Connaissances linguistiques\n\n**ATF 148 I 271** du 8.3.2022\n\nInconstitutionnalité d'exigences linguistiques excessives. La non-reconnaissance de notes de maturité suffisantes comme justificatif linguistique est inconstitutionnelle.\n\n> « L'inconstitutionnalité de la non-reconnaissance de la note de maturité suffisante pour la langue locale comme justificatif linguistique suffisant résulte de la violation de l'interdiction du formalisme excessif. Les exigences doivent être proportionnées et praticables. »\n\n### Développements actuels\n\n**Arrêt 1D_5/2022** du 25.10.2023\n\nLa jurisprudence actuelle en matière de naturalisation confirme les principes établis concernant l'application conforme à la Constitution des conditions de naturalisation.\n\nLa jurisprudence cantonale récente (Tribunal administratif de Saint-Gall B 2024/15 du 16.5.2024, Tribunal administratif d'Argovie WBE.2023.286 du 26.2.2024) concrétise les directives du Tribunal fédéral concernant l'intégration locale et confirme la prérogative d'appréciation des autorités communales dans l'évaluation des exigences d'intégration.", "summary_it": "", "doctrine_it": "", "caselaw_it": "# Art. 38 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Ripartizione delle competenze e principi\n\n**DTF 146 I 49** del 18.12.2019\n\nRipartizione delle competenze federaliste nella naturalizzazione ordinaria. I requisiti per la naturalizzazione sono ripartiti tra Confederazione, Cantoni e Comuni.\n\n> «L'art. 38 cpv. 2 Cost. obbliga la Confederazione ad emanare prescrizioni minime sulla naturalizzazione degli stranieri da parte dei Cantoni. I Cantoni sono liberi nella configurazione dei requisiti di naturalizzazione nella misura in cui possono apportare precisazioni riguardo ai requisiti di domicilio o all'idoneità.»\n\n**DTF 148 I 271** dell'8.3.2022\n\nFondamenti costituzionali dei requisiti linguistici nella naturalizzazione ordinaria. L'art. 38 cpv. 2 Cost. autorizza la Confederazione ad emanare prescrizioni minime.\n\n> «L'art. 38 cpv. 2 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di emanare prescrizioni minime sulla naturalizzazione degli stranieri da parte dei Cantoni. Le prescrizioni minime della Confederazione prevalgono sulle disposizioni cantonali e comunali.»\n\n### Autorizzazione federale di naturalizzazione\n\n**DTF 149 I 91** del 19.12.2022\n\nGaranzia della via giuridica nell'autorizzazione federale di naturalizzazione. Contro le decisioni del Tribunale amministrativo federale è aperto il ricorso al Tribunale federale.\n\n> «Contro le decisioni del Tribunale amministrativo federale sul rilascio dell'autorizzazione federale di naturalizzazione è aperto il ricorso in materia di diritto pubblico al Tribunale federale. La costituzionalità di una naturalizzazione presuppone un esame individuale e un'attribuzione dei requisiti legali.»\n\n### Divieto dell'arbitrio e uguaglianza giuridica\n\n**DTF 138 I 305** del 12.6.2012\n\nAmmissibilità del rimprovero di arbitrio nelle questioni di naturalizzazione. L'art. 14 LCit conferisce una posizione giuridica sufficientemente definita.\n\n> «L'art. 14 della Legge sulla cittadinanza (LCit) serve interessi individuali e disciplina concretamente i requisiti materiali di naturalizzazione, stabilendo criteri (minimi) di idoneità. L'art. 14 LCit conferisce a una persona che desidera naturalizzarsi una posizione giuridica sufficientemente definita, che le permette di invocarsi nel procedimento del ricorso costituzionale sussidiario sul divieto dell'arbitrio (art. 9 Cost.) e sul principio dell'uguaglianza giuridica (art. 8 cpv. 1 Cost.).»\n\n**DTF 146 I 49** del 18.12.2019\n\nAnche senza diritto alla naturalizzazione è inammissibile un rifiuto arbitrario. In caso di adempimento di tutti i requisiti, il rifiuto sarebbe arbitrario e contrario all'uguaglianza giuridica.\n\n> «Anche senza diritto alla naturalizzazione, sarebbe arbitrario e contrario all'uguaglianza giuridica non naturalizzare un richiedente che adempie tutti i requisiti di naturalizzazione. I requisiti di naturalizzazione e in particolare le esigenze di integrazione devono essere complessivamente proporzionati e non discriminatori e non possono apparire esagerati.»\n\n### Divieto di discriminazione\n\n**DTF 139 I 169** del 13.5.2013\n\nDiscriminazione nella naturalizzazione a causa di una disabilità mentale. Escludere pauscalmente i disabili mentali dalla naturalizzazione è discriminatorio.\n\n> «Escludere i disabili mentali dalla naturalizzazione per mancanza di volontà propria non corrisponde all'ordinamento legale e si rivela discriminatorio a causa dell'effetto generale che ne deriva. È da esaminare se esista una giustificazione qualificata.»\n\n### Autonomia comunale e integrazione\n\n**DTF 138 I 242** del 12.6.2012\n\nIntegrazione locale e autonomia comunale. L'appartenenza ad associazioni non può diventare l'unico criterio decisivo di integrazione.\n\n> «Alle assemblee comunali dei cittadini spetta un ampio margine di apprezzamento e da una persona richiedente può essere richiesta una 'certa integrazione locale'. Ciò tuttavia non giustifica elevare l'appartenenza ad associazioni o altre organizzazioni a unico criterio decisivo di integrazione, poiché in tal modo si misconoscerebbe l'essenza dell'integrazione, che consiste in un progressivo adeguamento alle abitudini svizzere.»\n\n**DTF 146 I 83** del 1.1.2019\n\nAutonomia dei Comuni patriziali nella naturalizzazione ordinaria. Le regole presuntive cantonali possono limitare l'autonomia comunale.\n\n> «La ripartizione federalista delle competenze nella decisione sulla naturalizzazione ordinaria richiede un'attenta ponderazione tra le prescrizioni minime della Confederazione e l'autonomia dei Comuni patriziali garantita costituzionalmente.»\n\n### Procedura di naturalizzazione\n\n**DTF 130 I 140** del 12.5.2004\n\nProcedure di naturalizzazione conformi alla Costituzione. Le autorità di vigilanza cantonali devono intervenire quando i Comuni procedono in modo contrario alla Costituzione.\n\n> «Il Consiglio di Stato quale autorità di vigilanza dei Comuni deve riconoscere la necessità di intervento quando sono emanate decisioni del Tribunale federale sulla procedura di naturalizzazione. L'ordinanza impugnata, che mantiene la competenza dell'assemblea comunale, non appare a priori inadeguata per consentire decisioni di naturalizzazione conformi alla Costituzione dei Comuni svittesi.»\n\n### Conoscenze linguistiche\n\n**DTF 148 I 271** dell'8.3.2022\n\nIncostituzionalità di requisiti linguistici esagerati. Il mancato riconoscimento di voti sufficienti di maturità come prova linguistica è incostituzionale.\n\n> «L'incostituzionalità del mancato riconoscimento del voto sufficiente di maturità nella lingua locale come prova linguistica sufficiente risulta dalla violazione del divieto del formalismo esagerato. I requisiti devono essere proporzionati e praticabili.»\n\n### Sviluppi attuali\n\n**Sentenza 1D_5/2022** del 25.10.2023\n\nLa giurisprudenza attuale sulla naturalizzazione conferma i principi finora seguiti per l'applicazione conforme alla Costituzione dei requisiti di naturalizzazione.\n\nLa più recente giurisprudenza cantonale (Tribunale amministrativo San Gallo B 2024/15 del 16.5.2024, Tribunale amministrativo Argovia WBE.2023.286 del 26.2.2024) concretizza le direttive del Tribunale federale sull'integrazione locale e conferma la prerogativa di valutazione delle autorità comunali nella valutazione dei requisiti di integrazione.", "summary_en": "", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "# Art. 38 BV\n\n## Case Law\n\n### Distribution of Powers and Principles\n\n**BGE 146 I 49** of 18.12.2019\n\nFederal distribution of powers in ordinary naturalization. The requirements for naturalization are divided between the Confederation, cantons and municipalities.\n\n> «Art. 38 para. 2 BV obliges the Confederation to enact minimum provisions on the naturalization of foreign nationals by the cantons. The cantons are free in designing naturalization requirements insofar as they can make specifications regarding residency requirements or suitability.»\n\n**BGE 148 I 271** of 8.3.2022\n\nConstitutional foundations of language requirements in ordinary naturalization. Art. 38 para. 2 BV authorizes the Confederation to enact minimum provisions.\n\n> «Art. 38 para. 2 BV grants the Confederation the power to enact minimum provisions on the naturalization of foreign nationals by the cantons. The minimum provisions of the Confederation take precedence over cantonal and municipal regulations.»\n\n### Federal Naturalization Authorization\n\n**BGE 149 I 91** of 19.12.2022\n\nRight to legal remedies in federal naturalization authorization. Appeal to the Federal Court is available against decisions of the Federal Administrative Court.\n\n> «Against decisions of the Federal Administrative Court on the granting of federal naturalization authorization, an appeal in public law matters to the Federal Court is available. The constitutionality of naturalization requires individual examination and assignment of the statutory requirements.»\n\n### Prohibition of Arbitrariness and Legal Equality\n\n**BGE 138 I 305** of 12.6.2012\n\nAdmissibility of arbitrariness review in naturalization matters. Art. 14 BüG provides a sufficiently clearly defined legal position.\n\n> «Art. 14 of the Citizenship Act (BüG) serves individual interests and regulates material naturalization requirements specifically by establishing (minimum) criteria for suitability. Art. 14 BüG ultimately provides a person seeking naturalization with a sufficiently clearly defined legal position that enables them to invoke the prohibition of arbitrariness (Art. 9 BV) and the principle of legal equality (Art. 8 para. 1 BV) in the subsidiary constitutional appeal procedure.»\n\n**BGE 146 I 49** of 18.12.2019\n\nEven without a right to naturalization, arbitrary refusal is inadmissible. If all requirements are met, refusal would be arbitrary and contrary to legal equality.\n\n> «Even without a right to naturalization, it would be arbitrary and contrary to legal equality not to naturalize an applicant who fulfills all naturalization requirements. The naturalization requirements and particularly the integration requirements must be proportionate and non-discriminatory overall and must not appear excessive.»\n\n### Prohibition of Discrimination\n\n**BGE 139 I 169** of 13.5.2013\n\nDiscrimination in naturalization based on mental disability. Blanket exclusion of mentally disabled persons from naturalization is discriminatory.\n\n> «Excluding mentally disabled persons from naturalization due to lack of their own will corresponds neither to the legal order and proves discriminatory due to the general effect involved. It must be examined whether there is a qualified justification for this.»\n\n### Municipal Autonomy and Integration\n\n**BGE 138 I 242** of 12.6.2012\n\nLocal integration and municipal autonomy. Club membership may not become the sole decisive integration criterion.\n\n> «Municipal citizens' assemblies have wide discretionary scope and 'certain local integration' may be required of an applicant. However, this does not justify elevating membership in clubs or other organizations to the sole decisive integration criterion, as this would misunderstand the nature of integration, which consists of gradual adaptation to Swiss customs.»\n\n**BGE 146 I 83** of 1.1.2019\n\nAutonomy of citizen municipalities in ordinary naturalization. Cantonal presumption rules can restrict municipal autonomy.\n\n> «The federalist distribution of powers in decisions on ordinary naturalization requires careful balancing between the minimum provisions of the Confederation and the constitutionally guaranteed autonomy of citizen municipalities.»\n\n### Naturalization Procedure\n\n**BGE 130 I 140** of 12.5.2004\n\nConstitutional naturalization procedures. Cantonal supervisory authorities must intervene when municipalities act unconstitutionally.\n\n> «The Government Council as supervisory authority of the municipalities must recognize the need for action when Federal Court decisions on naturalization procedures have been issued. The challenged ordinance, which maintains the competence of the municipal assembly, does not appear from the outset unsuitable for enabling constitutional naturalization decisions by Schwyz municipalities.»\n\n### Language Skills\n\n**BGE 148 I 271** of 8.3.2022\n\nUnconstitutionality of excessive language requirements. Non-recognition of sufficient matriculation grades as language proof is unconstitutional.\n\n> «The unconstitutionality of non-recognition of sufficient matriculation grades in the local language as adequate language proof results from violation of the prohibition of excessive formalism. The requirements must be proportionate and practicable.»\n\n### Current Developments\n\n**Judgment 1D_5/2022** of 25.10.2023\n\nCurrent case law on naturalization confirms the existing principles for constitutional application of naturalization requirements.\n\nRecent cantonal case law (Administrative Court St. Gallen B 2024/15 of 16.5.2024, Administrative Court Aargau WBE.2023.286 of 26.2.2024) concretizes the Federal Court requirements for local integration and confirms the assessment prerogative of municipal authorities in evaluating integration requirements.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_38", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 39, "article_suffix": "", "title": "Ausübung der politischen Rechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 39 — Ausübung der politischen Rechte\n\n## Übersicht\n\nArt. 39 BV regelt, wer für die politischen Rechte (Stimm- und Wahlrecht) zuständig ist und wo sie ausgeübt werden können. Die Bestimmung teilt die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen auf: Der Bund regelt die eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen, während die Kantone für kantonale und kommunale Angelegenheiten zuständig sind (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5).\n\nDie politischen Rechte werden grundsätzlich am Wohnsitz ausgeübt (Wohnsitzprinzip). Das bedeutet: Wer in Basel wohnt, kann dort abstimmen und wählen, aber nicht gleichzeitig in Zürich (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). Dieses «demokratische Territorialitätsprinzip» stellt sicher, dass Personen dort mitentscheiden, wo sie leben und von den politischen Entscheidungen betroffen sind (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2. Aufl. 2022, N 215).\n\nDie Kantone haben bei der Ausgestaltung ihrer Wahlverfahren grosse Freiheit. Sie können zwischen Majorzwahl (Mehrheitswahl) und Proporzwahl (Verhältniswahl) wählen, solange die Grundrechte respektiert werden (**BGE 131 I 74 E. 3.2**). Diese kantonale Autonomie findet ihre Grenze dort, wo bundesverfassungswidrige Verfahren beibehalten werden sollen (**BGE 139 I 195 E. 1.3**).\n\nNiemand darf die politischen Rechte in mehr als einem Kanton ausüben. Wer von Bern nach Genf zieht, verliert automatisch das Stimmrecht in Bern und erhält es in Genf. Umstritten ist jedoch, ob dieses Verbot auch für Gemeinden innerhalb eines Kantons gilt (Tschannen vs. Biaggini, BSK BV, Art. 39 N. 21-22; Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26).\n\nDie Kantone können eine Wartefrist von höchstens drei Monaten für Neuzugezogene einführen. Diese gilt aber nur für kantonale und kommunale Wahlen und Abstimmungen, nicht für eidgenössische (BBl 1997 I 238). Ein Beispiel: Wer im Januar von Deutschland in die Schweiz zieht und sich in Luzern anmeldet, kann bereits im Februar bei eidgenössischen Abstimmungen teilnehmen, muss aber bis April warten, bevor er bei kantonalen oder kommunalen Wahlen stimmen darf.\n\nDiese Regelungen gewährleisten eine geordnete demokratische Teilhabe und vermeiden Doppelstimmen, respektieren aber gleichzeitig die kantonale Vielfalt in der Schweizer Demokratie (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1412).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 39 BV übernahm im Wesentlichen Art. 6 Abs. 2 lit. b aBV und erweiterte diesen (BBl 1997 I 237). Die neue Bestimmung präzisiert die föderalistische Kompetenzordnung bei der Ausgestaltung der politischen Rechte und schuf mit Abs. 2 erstmals eine ausdrückliche Grundlage für das Wohnsitzprinzip (BBl 1997 I 237 f.). Die Wartefristbestimmung in Abs. 4 wurde aufgrund des parlamentarischen Verfahrens eingefügt, um den Kantonen eine gewisse Flexibilität beim Umgang mit Neuzuzügern zu ermöglichen (BBl 1997 I 238).\n\n**N. 2** Die Bestimmung entstand vor dem Hintergrund der Debatte über die Harmonisierung der politischen Rechte. Der Verfassungsgeber wollte einerseits die kantonale Vielfalt respektieren, andererseits gewisse minimale bundesweite Standards sicherstellen (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 1). Die explizite Verankerung des Wohnsitzprinzips sollte Rechtssicherheit schaffen und die zunehmende Mobilität der Bevölkerung berücksichtigen (BBl 1997 I 237 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 39 BV bildet zusammen mit Art. 34 (Politische Rechte), Art. 136–142 (Politische Rechte des Bundes) und Art. 51 (Kantonsverfassungen) das verfassungsrechtliche Fundament der demokratischen Ordnung (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 2). Die Bestimmung konkretisiert die föderalistische Kompetenzaufteilung im Bereich der politischen Rechte und steht in engem Zusammenhang mit Art. 3 BV (Kantonale Souveränität).\n\n**N. 4** Die Norm ist als Kompetenzverteilungsregel konzipiert, deren Inhalt durch die grundrechtlichen Garantien, insbesondere Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) und Art. 34 BV (Politische Rechte), überlagert wird (→ Art. 8 BV, → Art. 34 BV). Diese systematische Verknüpfung zeigt sich besonders in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu kantonalen Wahlverfahren (**BGE 131 I 74 E. 3.2**; **BGE 129 I 185 E. 3.1**).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Kompetenzverteilung (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die Zuständigkeitsregel in Abs. 1 ist deklaratorischer Natur, da sie die bereits aus der Kantonssouveränität fliessende Organisationsautonomie bestätigt (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5; **BGE 140 I 58 E. 3.3**). Die kantonale Regelungskompetenz erstreckt sich auf alle Aspekte der Ausübung politischer Rechte: materielle Voraussetzungen, Verfahren, Organisation und Rechtsschutz (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 39 N. 3).\n\n**N. 6** Als Kompetenzgrundlage für die Ausführungsgesetze von Bund und Kantonen muss nicht Art. 39 Abs. 1 BV bemüht werden, da sich diese bereits aus den jeweiligen materiellen Verfassungsbestimmungen ergeben (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). Die Bestimmung dient primär der Klarstellung der föderalistischen Zuständigkeitsordnung (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1412).\n\n#### 3.2 Wohnsitzprinzip (Abs. 2)\n\n**N. 7** Das Wohnsitzprinzip wird als demokratisches Territorialitätsprinzip verstanden (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). Es verknüpft die Ausübung der politischen Rechte mit dem Lebensmittelpunkt der Stimmberechtigten und konkretisiert damit den Grundsatz, dass diejenigen entscheiden sollen, die von den Entscheidungen betroffen sind (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2. Aufl. 2022, N 215).\n\n**N. 8** Der Begriff «Wohnsitz» ist im Sinne von Art. 23 ff. ZGB zu verstehen (→ Art. 23 ZGB). Massgebend ist der zivilrechtliche Wohnsitz, nicht bloss die polizeiliche Anmeldung (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 10). Für die Begründung des politischen Wohnsitzes sind die gleichen Voraussetzungen erforderlich wie für den zivilrechtlichen Wohnsitz: tatsächlicher Aufenthalt und Absicht dauernden Verbleibens (Biaggini, Komm. BV, 2. Aufl. 2017, Art. 39 N. 7).\n\n**N. 9** Die in Abs. 2 Satz 2 vorgesehenen Ausnahmen ermöglichen es, für bestimmte Personengruppen (z.B. Auslandschweizer, Wochenaufenthalter, Studierende) besondere Regelungen zu treffen (BBl 1997 I 238). Diese Ausnahmen müssen jedoch verhältnismässig sein und dürfen das Wohnsitzprinzip nicht aushöhlen (Mahon, in: Thürer et al., Verfassungsrecht der Schweiz, 2001, § 36 N. 25).\n\n#### 3.3 Verbot der Mehrfachausübung (Abs. 3)\n\n**N. 10** Abs. 3 stellt klar, dass niemand die politischen Rechte in mehr als einem Kanton ausüben darf. Nach Tschannen ist diese Bestimmung eigentlich überflüssig, da schon begrifflich ausgeschlossen ist, dass ein Stimmberechtigter mehr als einen politischen Wohnsitz erlangen kann (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 21). Die Norm hat jedoch klarstellende Funktion für die interkantonale Koordination (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 8).\n\n**N. 11** Umstritten ist, ob sich Abs. 3 auch auf das Verhältnis zwischen Gemeinden innerhalb eines Kantons erstreckt. Tschannen bejaht dies mit dem Argument, dass das Verbot der Mehrfachausübung ein allgemeines demokratisches Prinzip darstelle (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22). Biaggini vertritt demgegenüber die Auffassung, dass Abs. 3 nur das interkantonale Verhältnis betreffe, da der Wortlaut ausdrücklich von «Kanton» spreche (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26).\n\n#### 3.4 Wartefrist für Neuzugezogene (Abs. 4)\n\n**N. 12** Die Wartefrist darf höchstens drei Monate betragen und bezieht sich ausschliesslich auf kantonale und kommunale Angelegenheiten (Hangartner/Kley, N 220). Die Frist beginnt mit der Niederlassung im Sinne des Melderechts zu laufen (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 15). Die Einführung einer Wartefrist liegt im Ermessen der Kantone; sie ist keine Pflicht (BBl 1997 I 238).\n\n**N. 13** Die Wartefrist dient dem Zweck, eine gewisse Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen sicherzustellen, bevor politische Rechte ausgeübt werden können (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 10). Sie muss jedoch verhältnismässig ausgestaltet sein und darf nicht diskriminierend wirken (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die primäre Rechtsfolge von Art. 39 BV ist die Zuweisung der Regelungskompetenz. Der Bund ist ausschliesslich für eidgenössische Angelegenheiten zuständig, während die Kantone ihre kantonalen und kommunalen politischen Rechte autonom gestalten können (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5). Diese Autonomie unterliegt jedoch den Schranken der Bundesverfassung, insbesondere den Grundrechten (**BGE 131 I 85 E. 3.2**).\n\n**N. 15** Aus dem Wohnsitzprinzip folgt, dass die politischen Rechte grundsätzlich nur am zivilrechtlichen Wohnsitz ausgeübt werden können. Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz haben kein Stimm- und Wahlrecht, es sei denn, es bestehen spezialgesetzliche Ausnahmen (z.B. für Auslandschweizer gemäss Art. 40 Abs. 2 BV) (→ Art. 40 BV). Die Kantone müssen ihre Register so führen, dass Doppelregistrierungen vermieden werden (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13).\n\n**N. 16** Verstösse gegen Art. 39 BV können mit staatsrechtlicher Beschwerde gerügt werden (Art. 82 lit. c BGG). Bei Verletzungen des Wohnsitzprinzips oder unzulässigen Wartefristen steht den Betroffenen der Rechtsweg offen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1420). Das Bundesgericht prüft kantonale Regelungen auf ihre Vereinbarkeit mit Art. 39 BV (**BGE 140 I 58 E. 3.3**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Reichweite des Verbots der Mehrfachausübung (Abs. 3) ist doktrinär umstritten. Während Tschannen eine extensive Auslegung vertritt, die auch das interkommunale Verhältnis erfasst (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22), plädiert Biaggini für eine restriktive Interpretation, die sich auf das interkantonale Verhältnis beschränkt (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26). Kley nimmt eine vermittelnde Position ein und differenziert nach dem konkreten kantonalen Recht (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 14).\n\n**N. 18** Kontrovers diskutiert wird auch die Frage, ob Art. 39 Abs. 1 BV eine eigenständige Kompetenzgrundlage darstellt oder lediglich deklaratorischer Natur ist. Tschannen vertritt die Auffassung, dass die Bestimmung rein deklaratorisch sei, da die Kompetenz bereits aus der Kantonssouveränität folge (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). Aubert/Mahon sehen demgegenüber in Art. 39 Abs. 1 BV eine konstitutive Kompetenzzuweisung, die über die allgemeine Organisationsautonomie hinausgehe (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 2).\n\n**N. 19** Die Ausgestaltung der Ausnahmen vom Wohnsitzprinzip (Abs. 2 Satz 2) führt zu unterschiedlichen Positionen. Während die herrschende Lehre eine restriktive Handhabung fordert (Hangartner/Kley, N 217; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2845), plädieren andere für eine grosszügigere Auslegung zugunsten der politischen Partizipation (Mahon, § 36 N. 26).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Ausgestaltung kantonaler und kommunaler Wahlverfahren ist die weitgehende Gestaltungsfreiheit der Kantone zu beachten, die nur durch die grundrechtlichen Garantien, insbesondere Art. 8 und 34 BV, begrenzt wird (**BGE 143 I 211 E. 3.1**). Die kantonalen Gesetzgeber sollten bei Reformen des Wahlrechts die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Wahlrechtsgleichheit sorgfältig konsultieren (**BGE 129 I 185**).\n\n**N. 21** Für die Registerführung empfiehlt sich eine enge Koordination zwischen den Einwohnerkontrolldiensten und den Stimmregisterbehörden, um das Verbot der Mehrfachausübung durchzusetzen (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13). Bei interkantonalen Wohnsitzwechseln ist eine zeitnahe Mutation der Stimmregister erforderlich (Hangartner/Kley, N 218).\n\n**N. 22** Bei der Einführung von Wartefristen nach Abs. 4 ist zu beachten, dass diese nur für kantonale und kommunale Angelegenheiten gelten dürfen. Eidgenössische Abstimmungen und Wahlen sind von der Wartefrist nicht betroffen (BBl 1997 I 238). Die Frist muss klar definiert und für alle Neuzuzüger einheitlich sein; Differenzierungen nach Herkunft wären diskriminierend und damit unzulässig (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n**N. 23** Gemeinden, die das Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer einführen möchten, benötigen eine entsprechende kantonale Rechtsgrundlage, da die Regelung der politischen Rechte in kommunalen Angelegenheiten gemäss Abs. 1 Sache der Kantone ist (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 5). Die blosse Gemeindeautonomie genügt hierfür nicht (→ Art. 50 BV).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 39 BV ist hauptsächlich im Kontext der Wahlrechtsgleichheit und der kantonalen Organisationsautonomie entwickelt worden. Das Bundesgericht hat die Bestimmung primär in Verbindung mit Art. 34 BV (politische Rechte) ausgelegt.\n\n### Kantonale Organisationsautonomie und Wahlverfahren\n\n**BGE 131 I 74 E. 3.2 (2004)**\n\n27. Oktober 2004\n\nDas Bundesgericht konkretisiert die kantonale Zuständigkeit zur Ausgestaltung der politischen Rechte.\n\nArt. 39 Abs. 1 BV verleiht den Kantonen weitgehende Gestaltungsfreiheit bei der Ausgestaltung ihrer politischen Systeme.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems weitgehend frei. Art. 39 Abs. 1 BV verpflichtet sie lediglich, die Ausübung der politischen Rechte nach republikanischen (repräsentativen oder demokratischen) Formen zu sichern. Diesen verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen grundsätzlich sowohl das Mehrheits- als auch das Verhältniswahlverfahren.»\n\n**BGE 139 I 195 E. 1.3 (2013)**\n\n10. Juli 2013\n\nGrenzen der kantonalen Organisationsautonomie bei bundesverfassungswidrigen Wahlverfahren.\n\nDie kantonale Autonomie findet ihre Grenze dort, wo bundesverfassungswidrige Verfahren beibehalten werden sollen.\n\n> «Die umstrittene Abstimmungsvorlage ist unzulässig, weil sie darauf ausgerichtet ist, die Einführung eines bundesverfassungskonformen Proporzwahlverfahrens zu verhindern.»\n\n**BGE 143 I 211 E. 3.1 (2017)**\n\n30. März 2017\n\nKantonale Gestaltungsfreiheit bei Richterwahlen im Lichte von Art. 39 Abs. 1 BV.\n\nDie Kantone regeln als Teil ihrer Organisationsautonomie auch die Wahl von Richtern.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems und des Wahlverfahrens weitgehend frei. Art. 39 Abs. 1 BV hält fest, dass die Kantone - entsprechend ihrer Organisationsautonomie - die Ausübung der politischen Rechte in kantonalen und kommunalen Angelegenheiten regeln. Diese Zuständigkeit wird im Rahmen der bundesverfassungsrechtlichen Garantie von Art. 34 BV ausgeübt.»\n\n### Kommunale Referendumsrechte\n\n**BGE 140 I 58 E. 3.3 (2013)**\n\n13. Dezember 2013\n\nAusgestaltung kommunaler Referendumsrechte als Teil der kantonalen Zuständigkeit.\n\nArt. 39 Abs. 1 BV gewährleistet den Kantonen die Zuständigkeit zur Regelung kommunaler politischer Rechte.\n\n> «Nach Art. 39 Abs. 1 BV regelt der Bund die Ausübung der politischen Rechte in eidgenössischen, die Kantone bestimmen sie in kantonalen und kommunalen Angelegenheiten. Diese Zuständigkeit der Kantone ist deklaratorischer Natur, da sie ohnehin bereits aufgrund der kantonalen Organisationsautonomie gilt, und richtet sich inhaltlich nach Massgabe der Mindestanforderungen gemäss Art. 51 BV.»\n\n### Wahlkreiseinteilung und Erfolgswertgleichheit\n\n**BGE 129 I 185 E. 3.1 (2002)**\n\n18. Dezember 2002\n\nGrundlegender Entscheid zur Wahlrechtsgleichheit und kantonaler Gestaltungsfreiheit.\n\nDie kantonale Autonomie bei Wahlverfahren unterliegt den Schranken der Rechtsgleichheit.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems weitgehend frei. Art. 39 Abs. 1 BV (früher Art. 6 Abs. 2 lit. b aBV) verpflichtet sie lediglich, die Ausübung der politischen Rechte nach republikanischen (repräsentativen oder demokratischen) Formen zu sichern. Diesen verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen grundsätzlich sowohl das Mehrheits- als auch das Verhältniswahlverfahren. Schranke für die Ausgestaltung des Wahlverfahrens bildet Art. 8 Abs. 1 BV (früher Art. 4 Abs. 1 aBV), welcher in Verbindung mit Art. 34 BV (auch) die politische Gleichberechtigung der Bürger garantiert.»\n\n### Verhältnis zu Grundrechten\n\n**BGE 131 I 85 E. 3.2 (2004)**\n\n27. Oktober 2004\n\nDie Zuständigkeit aus Art. 39 Abs. 1 BV steht unter dem Vorbehalt der grundrechtlichen Garantien.\n\nKantonale Wahlverfahren müssen die bundesverfassungsrechtlichen Grundrechtsgarantien respektieren.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems weitgehend frei. Art. 39 Abs. 1 BV verpflichtet sie lediglich, die Ausübung der politischen Rechte nach republikanischen (repräsentativen oder demokratischen) Formen zu sichern.»", "summary_fr": "# Art. 39 — Exercice des droits politiques\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 39 Cst. règle qui est compétent pour les droits politiques (droit de vote et d'éligibilité) et où ils peuvent être exercés. La disposition répartit les compétences entre la Confédération et les cantons : la Confédération règle les élections et votations fédérales, tandis que les cantons sont compétents pour les affaires cantonales et communales (Tschannen, BSK BV, art. 39 n. 5).\n\nLes droits politiques s'exercent en principe au domicile (principe du domicile). Cela signifie : qui habite à Bâle peut y voter et élire, mais pas simultanément à Zurich (Tschannen, BSK BV, art. 39 n. 12). Ce « principe démocratique de territorialité » assure que les personnes participent aux décisions là où elles vivent et où elles sont concernées par les décisions politiques (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2e éd. 2022, n 215).\n\nLes cantons jouissent d'une grande liberté dans l'aménagement de leurs procédures électorales. Ils peuvent choisir entre le système majoritaire et le système proportionnel, pour autant que les droits fondamentaux soient respectés (**ATF 131 I 74 consid. 3.2**). Cette autonomie cantonale trouve sa limite là où des procédures contraires au droit constitutionnel fédéral devraient être maintenues (**ATF 139 I 195 consid. 1.3**).\n\nNul ne peut exercer les droits politiques dans plus d'un canton. Qui déménage de Berne à Genève perd automatiquement le droit de vote à Berne et l'obtient à Genève. Il est toutefois controversé de savoir si cette interdiction vaut aussi pour les communes à l'intérieur d'un canton (Tschannen vs. Biaggini, BSK BV, art. 39 n. 21-22 ; Biaggini, Komm. BV, art. 39 n. 10 note 26).\n\nLes cantons peuvent introduire un délai d'attente d'au plus trois mois pour les nouveaux arrivants. Celui-ci ne vaut cependant que pour les élections et votations cantonales et communales, pas pour les fédérales (FF 1997 I 238). Un exemple : qui déménage en janvier d'Allemagne en Suisse et s'annonce à Lucerne peut déjà participer en février aux votations fédérales, mais doit attendre jusqu'en avril avant de pouvoir voter lors d'élections cantonales ou communales.\n\nCes règles garantissent une participation démocratique ordonnée et évitent les doubles votes, tout en respectant la diversité cantonale dans la démocratie suisse (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n 1412).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 39 Cst. a repris pour l'essentiel l'art. 6 al. 2 let. b aCst. et l'a élargi (FF 1997 I 209). La nouvelle disposition précise l'ordre fédéraliste de répartition des compétences dans l'aménagement des droits politiques et a créé avec l'al. 2 pour la première fois une base expresse pour le principe du domicile (FF 1997 I 209 f.). La disposition relative au délai d'attente de l'al. 4 a été insérée suite à la procédure parlementaire afin de permettre aux cantons une certaine flexibilité dans la gestion des nouveaux résidents (FF 1997 I 210).\n\n**N. 2** La disposition est née dans le contexte du débat sur l'harmonisation des droits politiques. Le constituant voulait d'une part respecter la diversité cantonale, d'autre part assurer certaines normes minimales à l'échelle fédérale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 1). L'ancrage explicite du principe du domicile devait créer la sécurité juridique et tenir compte de la mobilité croissante de la population (FF 1997 I 209 f.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 39 Cst. forme avec l'art. 34 (Droits politiques), les art. 136–142 (Droits politiques de la Confédération) et l'art. 51 (Constitutions cantonales) le fondement constitutionnel de l'ordre démocratique (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 2). La disposition concrétise la répartition fédéraliste des compétences dans le domaine des droits politiques et est étroitement liée à l'art. 3 Cst. (Souveraineté des cantons).\n\n**N. 4** La norme est conçue comme une règle de répartition des compétences, dont le contenu est supplanté par les garanties des droits fondamentaux, notamment l'art. 8 Cst. (Égalité) et l'art. 34 Cst. (Droits politiques) (→ Art. 8 Cst., → Art. 34 Cst.). Cette articulation systématique se manifeste particulièrement dans la jurisprudence du Tribunal fédéral sur les procédures électorales cantonales (**ATF 131 I 74 consid. 3.2** ; **ATF 129 I 185 consid. 3.1**).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### 3.1 Répartition des compétences (al. 1)\n\n**N. 5** La règle de compétence de l'al. 1 est de nature déclaratoire, car elle confirme l'autonomie organisationnelle qui découle déjà de la souveraineté cantonale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5 ; **ATF 140 I 58 consid. 3.3**). La compétence cantonale de réglementation s'étend à tous les aspects de l'exercice des droits politiques : conditions matérielles, procédures, organisation et protection juridique (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 39 N. 3).\n\n**N. 6** Comme base de compétence pour les lois d'exécution de la Confédération et des cantons, il n'est pas nécessaire d'invoquer l'art. 39 al. 1 Cst., car celles-ci résultent déjà des dispositions constitutionnelles matérielles respectives (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). La disposition sert principalement à clarifier l'ordre fédéraliste de répartition des compétences (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1412).\n\n#### 3.2 Principe du domicile (al. 2)\n\n**N. 7** Le principe du domicile est compris comme un principe démocratique de territorialité (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). Il lie l'exercice des droits politiques au centre de vie des personnes ayant le droit de vote et concrétise ainsi le principe selon lequel ceux qui sont concernés par les décisions doivent décider (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2e éd. 2022, N 215).\n\n**N. 8** La notion de « domicile » doit être comprise au sens des art. 23 ss CC (→ Art. 23 CC). C'est le domicile de droit civil qui est déterminant, pas seulement l'inscription de police (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 10). Pour l'établissement du domicile politique, les mêmes conditions sont requises que pour le domicile de droit civil : séjour effectif et intention de demeurer de façon durable (Biaggini, Komm. BV, 2e éd. 2017, Art. 39 N. 7).\n\n**N. 9** Les exceptions prévues à l'al. 2 phrase 2 permettent de prendre des dispositions particulières pour certains groupes de personnes (p. ex. Suisses de l'étranger, résidents de la semaine, étudiants) (FF 1997 I 210). Ces exceptions doivent cependant être proportionnées et ne peuvent vider le principe du domicile de sa substance (Mahon, in : Thürer et al., Verfassungsrecht der Schweiz, 2001, § 36 N. 25).\n\n#### 3.3 Interdiction de l'exercice multiple (al. 3)\n\n**N. 10** L'al. 3 précise que nul ne peut exercer ses droits politiques dans plus d'un canton. Selon Tschannen, cette disposition est en fait superflue, car il est déjà conceptuellement exclu qu'un électeur puisse acquérir plus d'un domicile politique (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 21). La norme a cependant une fonction de clarification pour la coordination intercantonale (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 8).\n\n**N. 11** La question de savoir si l'al. 3 s'étend aussi aux relations entre communes à l'intérieur d'un canton est controversée. Tschannen l'affirme en arguant que l'interdiction de l'exercice multiple constitue un principe démocratique général (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22). Biaggini défend au contraire l'opinion que l'al. 3 ne concerne que les relations intercantonales, car le libellé parle expressément de « canton » (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 note 26).\n\n#### 3.4 Délai d'attente pour les nouveaux résidents (al. 4)\n\n**N. 12** Le délai d'attente ne peut excéder trois mois et ne concerne que les affaires cantonales et communales (Hangartner/Kley, N 220). Le délai commence à courir avec l'établissement au sens du droit d'enregistrement (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 15). L'introduction d'un délai d'attente relève du pouvoir d'appréciation des cantons ; elle n'est pas une obligation (FF 1997 I 210).\n\n**N. 13** Le délai d'attente sert à assurer une certaine familiarité avec les conditions locales avant que les droits politiques puissent être exercés (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 10). Il doit cependant être aménagé de façon proportionnée et ne peut avoir d'effet discriminatoire (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'effet juridique principal de l'art. 39 Cst. est l'attribution de la compétence de réglementation. La Confédération n'est compétente que pour les affaires fédérales, tandis que les cantons peuvent aménager de façon autonome leurs droits politiques cantonaux et communaux (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5). Cette autonomie est cependant soumise aux limites de la Constitution fédérale, notamment aux droits fondamentaux (**ATF 131 I 85 consid. 3.2**).\n\n**N. 15** Du principe du domicile découle que les droits politiques ne peuvent en principe être exercés qu'au domicile de droit civil. Les personnes sans domicile en Suisse n'ont pas le droit de vote et d'élection, à moins qu'il n'existe des exceptions légales spéciales (p. ex. pour les Suisses de l'étranger selon l'art. 40 al. 2 Cst.) (→ Art. 40 Cst.). Les cantons doivent tenir leurs registres de façon à éviter les double inscriptions (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13).\n\n**N. 16** Les violations de l'art. 39 Cst. peuvent être dénoncées par recours en matière de droit public (art. 82 let. c LTF). En cas de violations du principe du domicile ou de délais d'attente inadmissibles, la voie de droit est ouverte aux personnes concernées (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1420). Le Tribunal fédéral examine la compatibilité des réglementations cantonales avec l'art. 39 Cst. (**ATF 140 I 58 consid. 3.3**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** La portée de l'interdiction de l'exercice multiple (al. 3) est controversée en doctrine. Alors que Tschannen défend une interprétation extensive qui englobe aussi les relations intercommunales (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22), Biaggini plaide pour une interprétation restrictive qui se limite aux relations intercantonales (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 note 26). Kley adopte une position médiatrice et différencie selon le droit cantonal concret (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 14).\n\n**N. 18** La question de savoir si l'art. 39 al. 1 Cst. constitue une base de compétence autonome ou s'il est seulement de nature déclaratoire fait aussi l'objet de discussions controversées. Tschannen défend l'opinion que la disposition est purement déclaratoire, car la compétence découle déjà de la souveraineté cantonale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). Aubert/Mahon voient au contraire dans l'art. 39 al. 1 Cst. une attribution constitutive de compétence qui va au-delà de l'autonomie organisationnelle générale (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 2).\n\n**N. 19** L'aménagement des exceptions au principe du domicile (al. 2 phrase 2) conduit à des positions différentes. Alors que la doctrine dominante exige une application restrictive (Hangartner/Kley, N 217 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2845), d'autres plaident pour une interprétation plus généreuse en faveur de la participation politique (Mahon, § 36 N. 26).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Dans l'aménagement des procédures électorales cantonales et communales, il faut observer la large liberté d'aménagement des cantons, qui n'est limitée que par les garanties des droits fondamentaux, notamment les art. 8 et 34 Cst. (**ATF 143 I 211 consid. 3.1**). Les législateurs cantonaux devraient consulter soigneusement la jurisprudence du Tribunal fédéral sur l'égalité du droit de vote lors de réformes du droit électoral (**ATF 129 I 185**).\n\n**N. 21** Pour la tenue des registres, une coordination étroite entre les services de contrôle des habitants et les autorités chargées des registres électoraux est recommandée pour faire respecter l'interdiction de l'exercice multiple (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13). En cas de changements de domicile intercantonaux, une mutation rapide des registres électoraux est nécessaire (Hangartner/Kley, N 218).\n\n**N. 22** Lors de l'introduction de délais d'attente selon l'al. 4, il faut observer que ceux-ci ne peuvent s'appliquer qu'aux affaires cantonales et communales. Les votations et élections fédérales ne sont pas concernées par le délai d'attente (FF 1997 I 210). Le délai doit être clairement défini et uniforme pour tous les nouveaux résidents ; des différenciations selon l'origine seraient discriminatoires et donc inadmissibles (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n**N. 23** Les communes qui souhaitent introduire le droit de vote pour les étrangers ont besoin d'une base légale cantonale correspondante, car la réglementation des droits politiques dans les affaires communales relève selon l'al. 1 de la compétence des cantons (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 5). La simple autonomie communale ne suffit pas à cette fin (→ Art. 50 Cst.).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 39 Cst. s'est développée principalement dans le contexte de l'égalité du droit de vote et de l'autonomie organisationnelle cantonale. Le Tribunal fédéral a interprété cette disposition en priorité en relation avec l'art. 34 Cst. (droits politiques).\n\n### Autonomie organisationnelle cantonale et procédures électorales\n\n**ATF 131 I 74 consid. 3.2 (2004)**\n\n27 octobre 2004\n\nLe Tribunal fédéral concrétise la compétence cantonale en matière d'aménagement des droits politiques.\n\nL'art. 39, al. 1, Cst. confère aux cantons une large liberté d'aménagement de leurs systèmes politiques.\n\n> « Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique. L'art. 39, al. 1, Cst. les oblige seulement à garantir l'exercice des droits politiques selon des formes républicaines (représentatives ou démocratiques). Ces exigences constitutionnelles sont satisfaites en principe tant par le système majoritaire que par le système proportionnel. »\n\n**ATF 139 I 195 consid. 1.3 (2013)**\n\n10 juillet 2013\n\nLimites de l'autonomie organisationnelle cantonale en cas de procédures électorales contraires au droit constitutionnel fédéral.\n\nL'autonomie cantonale trouve sa limite là où l'on veut maintenir des procédures contraires au droit constitutionnel fédéral.\n\n> « Le projet de votation litigieux est inadmissible parce qu'il vise à empêcher l'introduction d'une procédure électorale proportionnelle conforme au droit constitutionnel fédéral. »\n\n**ATF 143 I 211 consid. 3.1 (2017)**\n\n30 mars 2017\n\nLiberté d'aménagement cantonale pour l'élection des juges au regard de l'art. 39, al. 1, Cst.\n\nLes cantons règlent aussi l'élection des juges dans le cadre de leur autonomie organisationnelle.\n\n> « Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique et de la procédure électorale. L'art. 39, al. 1, Cst. précise que les cantons - conformément à leur autonomie organisationnelle - règlent l'exercice des droits politiques dans les affaires cantonales et communales. Cette compétence s'exerce dans le cadre de la garantie constitutionnelle fédérale de l'art. 34 Cst. »\n\n### Droits de référendum communaux\n\n**ATF 140 I 58 consid. 3.3 (2013)**\n\n13 décembre 2013\n\nAménagement des droits de référendum communaux comme partie de la compétence cantonale.\n\nL'art. 39, al. 1, Cst. garantit aux cantons la compétence de régler les droits politiques communaux.\n\n> « Selon l'art. 39, al. 1, Cst., la Confédération règle l'exercice des droits politiques en matière fédérale ; les cantons le déterminent pour les affaires cantonales et communales. Cette compétence des cantons est de nature déclaratoire, car elle vaut déjà en raison de l'autonomie organisationnelle cantonale, et se détermine quant au contenu selon les exigences minimales de l'art. 51 Cst. »\n\n### Division des circonscriptions électorales et égalité de l'effet utile du vote\n\n**ATF 129 I 185 consid. 3.1 (2002)**\n\n18 décembre 2002\n\nArrêt fondamental sur l'égalité du droit de vote et la liberté d'aménagement cantonale.\n\nL'autonomie cantonale en matière de procédures électorales est soumise aux limites de l'égalité de traitement.\n\n> « Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique. L'art. 39, al. 1, Cst. (anciennement art. 6, al. 2, let. b, aCst.) les oblige seulement à garantir l'exercice des droits politiques selon des formes républicaines (représentatives ou démocratiques). Ces exigences constitutionnelles sont satisfaites en principe tant par le système majoritaire que par le système proportionnel. L'art. 8, al. 1, Cst. (anciennement art. 4, al. 1, aCst.) constitue une limite à l'aménagement de la procédure électorale, lequel garantit en relation avec l'art. 34 Cst. (aussi) l'égalité politique des citoyens. »\n\n### Rapport avec les droits fondamentaux\n\n**ATF 131 I 85 consid. 3.2 (2004)**\n\n27 octobre 2004\n\nLa compétence découlant de l'art. 39, al. 1, Cst. est soumise à la réserve des garanties fondamentales.\n\nLes procédures électorales cantonales doivent respecter les garanties constitutionnelles fédérales relatives aux droits fondamentaux.\n\n> « Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique. L'art. 39, al. 1, Cst. les oblige seulement à garantir l'exercice des droits politiques selon des formes républicaines (représentatives ou démocratiques). »", "summary_it": "# Art. 39 — Esercizio dei diritti politici\n\n## Panoramica\n\nL'art. 39 Cost. disciplina chi è competente per i diritti politici (diritto di voto e di eleggibilità) e dove possono essere esercitati. La disposizione ripartisce le competenze tra Confederazione e Cantoni: la Confederazione disciplina le elezioni e le votazioni federali, mentre i Cantoni sono competenti per le questioni cantonali e comunali (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5).\n\nI diritti politici sono esercitati di principio al domicilio (principio del domicilio). Ciò significa: chi abita a Basilea, può votare ed eleggere là, ma non contemporaneamente a Zurigo (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). Questo «principio di territorialità democratico» assicura che le persone partecipino alle decisioni dove vivono e dove sono colpite dalle decisioni politiche (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2. Aufl. 2022, N 215).\n\nI Cantoni hanno grande libertà nella configurazione delle loro procedure elettorali. Possono scegliere tra elezione maggioritaria e elezione proporzionale, purché siano rispettati i diritti fondamentali (**BGE 131 I 74 consid. 3.2**). Questa autonomia cantonale trova il suo limite là dove si vogliono mantenere procedure contrarie al diritto costituzionale federale (**BGE 139 I 195 consid. 1.3**).\n\nNessuno può esercitare i diritti politici in più di un Cantone. Chi si trasferisce da Berna a Ginevra, perde automaticamente il diritto di voto a Berna e lo ottiene a Ginevra. È tuttavia controverso se questo divieto valga anche per i Comuni all'interno di un Cantone (Tschannen vs. Biaggini, BSK BV, Art. 39 N. 21-22; Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26).\n\nI Cantoni possono introdurre un periodo di attesa di al massimo tre mesi per i nuovi arrivati. Questo vale però solo per le elezioni e votazioni cantonali e comunali, non per quelle federali (FF 1997 I 238). Un esempio: chi si trasferisce dalla Germania in Svizzera nel gennaio e si annuncia a Lucerna, può già partecipare nel febbraio alle votazioni federali, ma deve aspettare fino ad aprile prima di poter votare alle elezioni cantonali o comunali.\n\nQueste regolamentazioni garantiscono una partecipazione democratica ordinata ed evitano i doppi voti, rispettando però al contempo la diversità cantonale nella democrazia svizzera (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1412).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 39 Cost. ha sostanzialmente ripreso l'art. 6 cpv. 2 lett. b vCost. ampliandolo (FF 1997 I 221). La nuova disposizione precisa l'ordinamento federalistico delle competenze nella configurazione dei diritti politici e ha creato con il cpv. 2 per la prima volta una base esplicita per il principio del domicilio (FF 1997 I 221 s.). La disposizione sul termine d'attesa nel cpv. 4 è stata inserita in seguito alla procedura parlamentare per consentire ai Cantoni una certa flessibilità nel trattare i nuovi residenti (FF 1997 I 222).\n\n**N. 2** La disposizione è sorta sullo sfondo del dibattito sull'armonizzazione dei diritti politici. Il costituente voleva da un lato rispettare la diversità cantonale, dall'altro assicurare certi standard minimi a livello nazionale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 1). L'ancoraggio esplicito del principio del domicilio doveva creare certezza giuridica e considerare la crescente mobilità della popolazione (FF 1997 I 221 s.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 39 Cost. forma insieme all'art. 34 (Diritti politici), all'art. 136–142 (Diritti politici della Confederazione) e all'art. 51 (Costituzioni cantonali) il fondamento costituzionale dell'ordinamento democratico (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 2). La disposizione concretizza la ripartizione federalistica delle competenze nell'ambito dei diritti politici e è strettamente collegata con l'art. 3 Cost. (Sovranità cantonale).\n\n**N. 4** La norma è concepita come regola di ripartizione delle competenze il cui contenuto è sovrapposto dalle garanzie dei diritti fondamentali, in particolare dall'art. 8 Cost. (Uguaglianza giuridica) e dall'art. 34 Cost. (Diritti politici) (→ Art. 8 Cost., → Art. 34 Cost.). Questo collegamento sistematico si manifesta particolarmente nella giurisprudenza del Tribunale federale sui procedimenti elettorali cantonali (**DTF 131 I 74 consid. 3.2**; **DTF 129 I 185 consid. 3.1**).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### 3.1 Ripartizione delle competenze (cpv. 1)\n\n**N. 5** La regola di competenza nel cpv. 1 ha natura dichiarativa, poiché conferma l'autonomia organizzativa che deriva già dalla sovranità cantonale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5; **DTF 140 I 58 consid. 3.3**). La competenza normativa cantonale si estende a tutti gli aspetti dell'esercizio dei diritti politici: presupposti materiali, procedura, organizzazione e tutela giuridica (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 39 N. 3).\n\n**N. 6** Come base di competenza per le leggi d'attuazione di Confederazione e Cantoni non è necessario ricorrere all'art. 39 cpv. 1 Cost., poiché queste risultano già dalle rispettive disposizioni costituzionali materiali (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). La disposizione serve principalmente al chiarimento dell'ordinamento federalistico delle competenze (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1412).\n\n#### 3.2 Principio del domicilio (cpv. 2)\n\n**N. 7** Il principio del domicilio è inteso come principio democratico di territorialità (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). Esso collega l'esercizio dei diritti politici con il centro di vita degli aventi diritto di voto e concretizza così il principio secondo cui devono decidere coloro che sono interessati dalle decisioni (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2a ed. 2022, N 215).\n\n**N. 8** Il concetto di «domicilio» è da intendere nel senso dell'art. 23 segg. CC (→ Art. 23 CC). Determinante è il domicilio di diritto civile, non solo la registrazione presso la polizia (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 10). Per la costituzione del domicilio politico sono richiesti gli stessi presupposti che per il domicilio di diritto civile: dimora effettiva e intenzione di rimanere durevolmente (Biaggini, Komm. BV, 2a ed. 2017, Art. 39 N. 7).\n\n**N. 9** Le eccezioni previste nel cpv. 2 frase 2 permettono di adottare regolamentazioni speciali per certi gruppi di persone (p.es. Svizzeri all'estero, persone con dimora settimanale, studenti) (FF 1997 I 222). Queste eccezioni devono tuttavia essere proporzionate e non possono vanificare il principio del domicilio (Mahon, in: Thürer et al., Verfassungsrecht der Schweiz, 2001, § 36 N. 25).\n\n#### 3.3 Divieto dell'esercizio multiplo (cpv. 3)\n\n**N. 10** Il cpv. 3 chiarisce che nessuno può esercitare i diritti politici in più di un Cantone. Secondo Tschannen questa disposizione è propriamente superflua, poiché è già concettualmente escluso che un avente diritto di voto possa ottenere più di un domicilio politico (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 21). La norma ha tuttavia una funzione chiarificatrice per il coordinamento intercantonale (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 8).\n\n**N. 11** È controverso se il cpv. 3 si estenda anche al rapporto tra Comuni all'interno di un Cantone. Tschannen lo afferma con l'argomento che il divieto dell'esercizio multiplo rappresenti un principio democratico generale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22). Biaggini sostiene invece l'opinione che il cpv. 3 riguardi solo il rapporto intercantonale, poiché il tenore letterale parla espressamente di «Cantone» (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 nota 26).\n\n#### 3.4 Termine d'attesa per i nuovi residenti (cpv. 4)\n\n**N. 12** Il termine d'attesa può durare al massimo tre mesi e si riferisce esclusivamente agli affari cantonali e comunali (Hangartner/Kley, N 220). Il termine inizia a decorrere con lo stabilimento nel senso del diritto di registrazione (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 15). L'introduzione di un termine d'attesa è nella discrezionalità dei Cantoni; non è un obbligo (FF 1997 I 222).\n\n**N. 13** Il termine d'attesa serve allo scopo di assicurare una certa familiarità con le condizioni locali prima che possano essere esercitati i diritti politici (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 10). Esso deve tuttavia essere configurato proporzionatamente e non può avere effetti discriminatori (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La conseguenza giuridica primaria dell'art. 39 Cost. è l'attribuzione della competenza normativa. La Confederazione è competente esclusivamente per gli affari federali, mentre i Cantoni possono configurare autonomamente i loro diritti politici cantonali e comunali (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5). Questa autonomia soggiace tuttavia ai limiti della Costituzione federale, in particolare ai diritti fondamentali (**DTF 131 I 85 consid. 3.2**).\n\n**N. 15** Dal principio del domicilio deriva che i diritti politici possono in principio essere esercitati solo presso il domicilio di diritto civile. Le persone senza domicilio in Svizzera non hanno diritto di voto e di elezione, salvo che esistano eccezioni di diritto speciale (p.es. per gli Svizzeri all'estero secondo l'art. 40 cpv. 2 Cost.) (→ Art. 40 Cost.). I Cantoni devono tenere i loro registri in modo che siano evitate le doppie registrazioni (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13).\n\n**N. 16** Le violazioni dell'art. 39 Cost. possono essere censurate con ricorso di diritto pubblico (art. 82 lett. c LTF). In caso di violazioni del principio del domicilio o di termini d'attesa inammissibili è aperta la via del diritto agli interessati (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1420). Il Tribunale federale esamina le regolamentazioni cantonali sulla loro compatibilità con l'art. 39 Cost. (**DTF 140 I 58 consid. 3.3**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 17** La portata del divieto dell'esercizio multiplo (cpv. 3) è controversa nella dottrina. Mentre Tschannen sostiene un'interpretazione estensiva che comprende anche il rapporto intercomunale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22), Biaggini propugna per un'interpretazione restrittiva che si limita al rapporto intercantonale (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 nota 26). Kley assume una posizione mediatrice e differenzia secondo il diritto cantonale concreto (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 14).\n\n**N. 18** È discussa in modo controverso anche la questione se l'art. 39 cpv. 1 Cost. costituisca una base di competenza autonoma o sia di mera natura dichiarativa. Tschannen sostiene l'opinione che la disposizione sia puramente dichiarativa, poiché la competenza deriva già dalla sovranità cantonale (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). Aubert/Mahon vedono invece nell'art. 39 cpv. 1 Cost. un'attribuzione di competenza costitutiva che va oltre l'autonomia organizzativa generale (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 2).\n\n**N. 19** La configurazione delle eccezioni al principio del domicilio (cpv. 2 frase 2) porta a posizioni diverse. Mentre la dottrina dominante esige una gestione restrittiva (Hangartner/Kley, N 217; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N 2845), altri propugnano per un'interpretazione più generosa a favore della partecipazione politica (Mahon, § 36 N. 26).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella configurazione dei procedimenti elettorali cantonali e comunali è da osservare l'ampia libertà di configurazione dei Cantoni, che è limitata solo dalle garanzie dei diritti fondamentali, in particolare dagli art. 8 e 34 Cost. (**DTF 143 I 211 consid. 3.1**). I legislatori cantonali dovrebbero consultare accuratamente la giurisprudenza del Tribunale federale sull'uguaglianza del diritto elettorale nelle riforme del diritto elettorale (**DTF 129 I 185**).\n\n**N. 21** Per la tenuta dei registri si raccomanda uno stretto coordinamento tra i servizi di controllo degli abitanti e le autorità dei registri elettorali per far rispettare il divieto dell'esercizio multiplo (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13). In caso di cambi di domicilio intercantonali è necessaria una mutazione tempestiva dei registri elettorali (Hangartner/Kley, N 218).\n\n**N. 22** Nell'introduzione di termini d'attesa secondo il cpv. 4 è da osservare che questi possono valere solo per gli affari cantonali e comunali. Le votazioni e elezioni federali non sono interessate dal termine d'attesa (FF 1997 I 222). Il termine deve essere chiaramente definito e uniforme per tutti i nuovi residenti; differenziazioni secondo la provenienza sarebbero discriminatorie e quindi inammissibili (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n**N. 23** I Comuni che vogliono introdurre il diritto di voto per straniere e stranieri necessitano di una corrispondente base giuridica cantonale, poiché la regolamentazione dei diritti politici negli affari comunali secondo il cpv. 1 è cosa dei Cantoni (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 5). La sola autonomia comunale non è sufficiente a tale scopo (→ Art. 50 Cost.).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 39 Cost. è stata sviluppata principalmente nel contesto dell'uguaglianza del diritto di voto e dell'autonomia organizzativa cantonale. Il Tribunale federale ha interpretato la disposizione principalmente in relazione all'art. 34 Cost. (diritti politici).\n\n### Autonomia organizzativa cantonale e procedure elettorali\n\n**BGE 131 I 74 E. 3.2 (2004)**\n\n27 ottobre 2004\n\nIl Tribunale federale concretizza la competenza cantonale per la disciplina dei diritti politici.\n\nL'art. 39 cpv. 1 Cost. conferisce ai Cantoni un'ampia libertà di configurazione nell'organizzazione dei loro sistemi politici.\n\n> «I Cantoni sono largamente liberi nell'organizzazione del loro sistema politico. L'art. 39 cpv. 1 Cost. li obbliga soltanto ad assicurare l'esercizio dei diritti politici secondo forme repubblicane (rappresentative o democratiche). Questi requisiti costituzionali sono soddisfatti in linea di principio sia dal sistema maggioritario che da quello proporzionale.»\n\n**BGE 139 I 195 E. 1.3 (2013)**\n\n10 luglio 2013\n\nLimiti dell'autonomia organizzativa cantonale in caso di procedure elettorali contrarie alla Costituzione federale.\n\nL'autonomia cantonale trova il suo limite dove si intenda mantenere procedure contrarie alla Costituzione federale.\n\n> «Il progetto di votazione controverso è inammissibile perché mira a impedire l'introduzione di una procedura elettorale proporzionale conforme alla Costituzione federale.»\n\n**BGE 143 I 211 E. 3.1 (2017)**\n\n30 marzo 2017\n\nLibertà di configurazione cantonale per l'elezione dei giudici alla luce dell'art. 39 cpv. 1 Cost.\n\nI Cantoni disciplinano, quale parte della loro autonomia organizzativa, anche l'elezione dei giudici.\n\n> «I Cantoni sono largamente liberi nell'organizzazione del loro sistema politico e della procedura elettorale. L'art. 39 cpv. 1 Cost. stabilisce che i Cantoni - conformemente alla loro autonomia organizzativa - disciplinano l'esercizio dei diritti politici negli affari cantonali e comunali. Questa competenza è esercitata nel quadro della garanzia costituzionale federale dell'art. 34 Cost.»\n\n### Diritti di referendum comunali\n\n**BGE 140 I 58 E. 3.3 (2013)**\n\n13 dicembre 2013\n\nConfigurazione dei diritti di referendum comunali quale parte della competenza cantonale.\n\nL'art. 39 cpv. 1 Cost. garantisce ai Cantoni la competenza per la disciplina dei diritti politici comunali.\n\n> «Secondo l'art. 39 cpv. 1 Cost., la Confederazione disciplina l'esercizio dei diritti politici negli affari federali, i Cantoni li determinano negli affari cantonali e comunali. Questa competenza dei Cantoni ha carattere dichiaratorio, poiché sussiste comunque già in virtù dell'autonomia organizzativa cantonale, e si orienta dal punto di vista contenutistico secondo i requisiti minimi di cui all'art. 51 Cost.»\n\n### Ripartizione dei collegi elettorali e uguaglianza del successo elettorale\n\n**BGE 129 I 185 E. 3.1 (2002)**\n\n18 dicembre 2002\n\nDecisione fondamentale sull'uguaglianza del diritto di voto e sulla libertà di configurazione cantonale.\n\nL'autonomia cantonale nelle procedure elettorali è soggetta ai limiti dell'uguaglianza giuridica.\n\n> «I Cantoni sono largamente liberi nell'organizzazione del loro sistema politico. L'art. 39 cpv. 1 Cost. (prima art. 6 cpv. 2 lett. b vCost.) li obbliga soltanto ad assicurare l'esercizio dei diritti politici secondo forme repubblicane (rappresentative o democratiche). Questi requisiti costituzionali sono soddisfatti in linea di principio sia dal sistema maggioritario che da quello proporzionale. Limite per la configurazione della procedura elettorale costituisce l'art. 8 cpv. 1 Cost. (prima art. 4 cpv. 1 vCost.), che in relazione all'art. 34 Cost. garantisce (anche) la parità di trattamento politico dei cittadini.»\n\n### Rapporto con i diritti fondamentali\n\n**BGE 131 I 85 E. 3.2 (2004)**\n\n27 ottobre 2004\n\nLa competenza dell'art. 39 cpv. 1 Cost. è subordinata alle garanzie dei diritti fondamentali.\n\nLe procedure elettorali cantonali devono rispettare le garanzie dei diritti fondamentali della Costituzione federale.\n\n> «I Cantoni sono largamente liberi nell'organizzazione del loro sistema politico. L'art. 39 cpv. 1 Cost. li obbliga soltanto ad assicurare l'esercizio dei diritti politici secondo forme repubblicane (rappresentative o democratiche).»", "summary_en": "# Art. 39 — Exercise of political rights\n\n## Overview\n\nArt. 39 Federal Constitution governs who is responsible for political rights (voting and electoral rights) and where they may be exercised. The provision divides competences between the Confederation and the cantons: the Confederation regulates federal elections and votes, while the cantons are responsible for cantonal and municipal matters (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5).\n\nPolitical rights are exercised in principle at the place of residence (residence principle). This means: anyone who lives in Basel may vote there, but not simultaneously in Zurich (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). This «democratic territoriality principle» ensures that persons participate in decision-making where they live and are affected by the political decisions (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2. Aufl. 2022, N 215).\n\nThe cantons have great freedom in designing their electoral procedures. They may choose between majority voting and proportional representation, as long as fundamental rights are respected (**BGE 131 I 74 E. 3.2**). This cantonal autonomy finds its limit where procedures contrary to federal constitutional law are to be maintained (**BGE 139 I 195 E. 1.3**).\n\nNo one may exercise political rights in more than one canton. Anyone who moves from Bern to Geneva automatically loses voting rights in Bern and obtains them in Geneva. However, it is disputed whether this prohibition also applies to municipalities within a canton (Tschannen vs. Biaggini, BSK BV, Art. 39 N. 21-22; Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26).\n\nThe cantons may introduce a waiting period of at most three months for newcomers. However, this applies only to cantonal and municipal elections and votes, not to federal ones (BBl 1997 I 238). An example: anyone who moves from Germany to Switzerland in January and registers in Lucerne may already participate in federal votes in February, but must wait until April before being able to vote in cantonal or municipal elections.\n\nThese regulations ensure orderly democratic participation and avoid double voting, while respecting cantonal diversity in Swiss democracy (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1412).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 39 Cst. essentially adopted Art. 6 para. 2 let. b old Cst. and expanded it (FG 1997 I 237). The new provision clarifies the federalist distribution of competences in the configuration of political rights and, with para. 2, created for the first time an express foundation for the principle of residence (FG 1997 I 237 f.). The waiting period provision in para. 4 was inserted as a result of the parliamentary procedure to allow cantons some flexibility in dealing with new residents (FG 1997 I 238).\n\n**N. 2** The provision arose against the background of the debate on harmonising political rights. The constitutional legislator wanted on the one hand to respect cantonal diversity, and on the other hand to ensure certain minimal nationwide standards (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 1). The explicit anchoring of the principle of residence was intended to create legal certainty and take into account the increasing mobility of the population (FG 1997 I 237 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 39 Cst. forms, together with Art. 34 (Political rights), Art. 136–142 (Political rights of the Confederation) and Art. 51 (Cantonal constitutions), the constitutional foundation of the democratic order (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 2). The provision concretises the federalist distribution of competences in the area of political rights and is closely connected with Art. 3 Cst. (Cantonal sovereignty).\n\n**N. 4** The norm is conceived as a rule for the distribution of competences whose content is overlaid by fundamental rights guarantees, in particular Art. 8 Cst. (Equality before the law) and Art. 34 Cst. (Political rights) (→ Art. 8 Cst., → Art. 34 Cst.). This systematic connection is particularly evident in Federal Court jurisprudence on cantonal electoral procedures (**BGE 131 I 74 E. 3.2**; **BGE 129 I 185 E. 3.1**).\n\n### 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n#### 3.1 Distribution of competences (para. 1)\n\n**N. 5** The competence rule in para. 1 is declaratory in nature, as it confirms the organisational autonomy already flowing from cantonal sovereignty (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5; **BGE 140 I 58 E. 3.3**). Cantonal regulatory competence extends to all aspects of exercising political rights: material requirements, procedures, organisation and legal protection (Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution, Art. 39 N. 3).\n\n**N. 6** Art. 39 para. 1 Cst. need not be invoked as the competence basis for implementing legislation by the Confederation and cantons, as this already results from the respective material constitutional provisions (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). The provision serves primarily to clarify the federalist order of competences (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1412).\n\n#### 3.2 Principle of residence (para. 2)\n\n**N. 7** The principle of residence is understood as a democratic principle of territoriality (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 12). It links the exercise of political rights with the centre of life of those entitled to vote and thereby concretises the principle that those who are affected by decisions should decide (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2nd ed. 2022, N 215).\n\n**N. 8** The term \"residence\" is to be understood in the sense of Art. 23 ff. CC (→ Art. 23 CC). The civil law residence, not merely the police registration, is decisive (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 10). The same requirements are necessary for establishing political residence as for civil law residence: actual residence and intention of permanent remaining (Biaggini, Komm. BV, 2nd ed. 2017, Art. 39 N. 7).\n\n**N. 9** The exceptions provided for in para. 2 sentence 2 make it possible to make special regulations for certain groups of persons (e.g. Swiss living abroad, weekly residents, students) (FG 1997 I 238). However, these exceptions must be proportionate and may not undermine the principle of residence (Mahon, in: Thürer et al., Verfassungsrecht der Schweiz, 2001, § 36 N. 25).\n\n#### 3.3 Prohibition of multiple exercise (para. 3)\n\n**N. 10** Para. 3 clarifies that no one may exercise political rights in more than one canton. According to Tschannen, this provision is actually superfluous, as it is conceptually excluded that a person entitled to vote can acquire more than one political residence (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 21). However, the norm has a clarifying function for intercantonal coordination (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 8).\n\n**N. 11** It is disputed whether para. 3 also extends to the relationship between municipalities within a canton. Tschannen affirms this with the argument that the prohibition of multiple exercise represents a general democratic principle (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22). Biaggini, on the other hand, takes the view that para. 3 only concerns the intercantonal relationship, as the wording expressly speaks of \"canton\" (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26).\n\n#### 3.4 Waiting period for new residents (para. 4)\n\n**N. 12** The waiting period may not exceed three months and relates exclusively to cantonal and municipal matters (Hangartner/Kley, N 220). The period begins to run with settlement in the sense of registration law (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 15). The introduction of a waiting period is at the discretion of the cantons; it is not an obligation (FG 1997 I 238).\n\n**N. 13** The waiting period serves the purpose of ensuring a certain familiarity with local conditions before political rights can be exercised (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 10). However, it must be proportionately designed and may not have a discriminatory effect (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** The primary legal consequence of Art. 39 Cst. is the allocation of regulatory competence. The Confederation is exclusively responsible for federal matters, while the cantons can autonomously configure their cantonal and municipal political rights (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 5). However, this autonomy is subject to the limits of the Federal Constitution, in particular fundamental rights (**BGE 131 I 85 E. 3.2**).\n\n**N. 15** From the principle of residence it follows that political rights can in principle only be exercised at the civil law residence. Persons without residence in Switzerland have no right to vote and stand for election, unless special statutory exceptions exist (e.g. for Swiss living abroad according to Art. 40 para. 2 Cst.) (→ Art. 40 Cst.). The cantons must maintain their registers in such a way that double registrations are avoided (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13).\n\n**N. 16** Violations of Art. 39 Cst. can be raised by constitutional complaint (Art. 82 let. c FSCA). In the case of violations of the principle of residence or impermissible waiting periods, legal recourse is available to those affected (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1420). The Federal Court reviews cantonal regulations for their compatibility with Art. 39 Cst. (**BGE 140 I 58 E. 3.3**).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 17** The scope of the prohibition of multiple exercise (para. 3) is disputed in doctrine. While Tschannen advocates an extensive interpretation that also covers the intercommunal relationship (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 22), Biaggini argues for a restrictive interpretation limited to the intercantonal relationship (Biaggini, Komm. BV, Art. 39 N. 10 Fn. 26). Kley takes a mediating position and differentiates according to the specific cantonal law (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 14).\n\n**N. 18** The question of whether Art. 39 para. 1 Cst. constitutes an independent basis of competence or is merely declaratory in nature is also controversially discussed. Tschannen takes the view that the provision is purely declaratory, as the competence already follows from cantonal sovereignty (Tschannen, BSK BV, Art. 39 N. 6). Aubert/Mahon, on the other hand, see in Art. 39 para. 1 Cst. a constitutive allocation of competence that goes beyond general organisational autonomy (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 2).\n\n**N. 19** The configuration of exceptions from the principle of residence (para. 2 sentence 2) leads to different positions. While the prevailing doctrine demands restrictive handling (Hangartner/Kley, N 217; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 2845), others argue for a more generous interpretation in favour of political participation (Mahon, § 36 N. 26).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 20** When configuring cantonal and municipal electoral procedures, the extensive freedom of configuration of the cantons must be observed, which is only limited by fundamental rights guarantees, in particular Art. 8 and 34 Cst. (**BGE 143 I 211 E. 3.1**). Cantonal legislators should carefully consult Federal Court jurisprudence on electoral equality when reforming electoral law (**BGE 129 I 185**).\n\n**N. 21** For register management, close coordination between residents' registration services and voting register authorities is recommended to enforce the prohibition of multiple exercise (Kley, SG Komm. BV, Art. 39 N. 13). In the case of intercantonal changes of residence, timely mutation of voting registers is required (Hangartner/Kley, N 218).\n\n**N. 22** When introducing waiting periods according to para. 4, it should be noted that these may only apply to cantonal and municipal matters. Federal votes and elections are not affected by the waiting period (FG 1997 I 238). The period must be clearly defined and uniform for all new residents; differentiations according to origin would be discriminatory and therefore inadmissible (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N 1418).\n\n**N. 23** Municipalities that wish to introduce voting rights for foreigners need a corresponding cantonal legal basis, as the regulation of political rights in municipal matters is, according to para. 1, a matter for the cantons (Aubert/Mahon, Art. 39 N. 5). Municipal autonomy alone is not sufficient for this (→ Art. 50 Cst.).", "caselaw_en": "## Case law\n\nThe case law on Art. 39 Federal Constitution has been developed primarily in the context of electoral equality and cantonal organisational autonomy. The Federal Supreme Court has interpreted the provision primarily in connection with Art. 34 Federal Constitution (political rights).\n\n### Cantonal organisational autonomy and electoral procedures\n\n**BGE 131 I 74 E. 3.2 (2004)**\n\n27 October 2004\n\nThe Federal Supreme Court specifies cantonal competence to regulate the exercise of political rights.\n\nArt. 39 para. 1 Federal Constitution grants the cantons extensive discretion in organising their political systems.\n\n> «The cantons are largely free in organising their political systems. Art. 39 para. 1 Federal Constitution merely obliges them to ensure the exercise of political rights according to republican (representative or democratic) forms. Both the majority voting system and the proportional representation system basically satisfy these constitutional requirements.»\n\n**BGE 139 I 195 E. 1.3 (2013)**\n\n10 July 2013\n\nLimits of cantonal organisational autonomy in case of electoral procedures that violate federal constitutional law.\n\nCantonal autonomy finds its limit where procedures that violate federal constitutional law are to be maintained.\n\n> «The disputed voting proposal is inadmissible because it is aimed at preventing the introduction of an electoral procedure that conforms to federal constitutional law.»\n\n**BGE 143 I 211 E. 3.1 (2017)**\n\n30 March 2017\n\nCantonal discretion in judicial elections in light of Art. 39 para. 1 Federal Constitution.\n\nAs part of their organisational autonomy, the cantons also regulate the election of judges.\n\n> «The cantons are largely free in organising their political system and electoral procedures. Art. 39 para. 1 Federal Constitution states that the cantons - in accordance with their organisational autonomy - regulate the exercise of political rights in cantonal and municipal matters. This competence is exercised within the framework of the federal constitutional guarantee of Art. 34 Federal Constitution.»\n\n### Municipal referendum rights\n\n**BGE 140 I 58 E. 3.3 (2013)**\n\n13 December 2013\n\nOrganisation of municipal referendum rights as part of cantonal competence.\n\nArt. 39 para. 1 Federal Constitution guarantees the cantons competence to regulate municipal political rights.\n\n> «According to Art. 39 para. 1 Federal Constitution, the Confederation regulates the exercise of political rights in federal matters, the cantons determine them in cantonal and municipal matters. This competence of the cantons is declaratory in nature, since it already applies in any case on the basis of cantonal organisational autonomy, and is substantively governed by the minimum requirements according to Art. 51 Federal Constitution.»\n\n### Electoral district division and equal value of votes\n\n**BGE 129 I 185 E. 3.1 (2002)**\n\n18 December 2002\n\nFundamental decision on electoral equality and cantonal discretion.\n\nCantonal autonomy in electoral procedures is subject to the limits of equality before the law.\n\n> «The cantons are largely free in organising their political systems. Art. 39 para. 1 Federal Constitution (formerly Art. 6 para. 2 lit. b of the former Federal Constitution) merely obliges them to ensure the exercise of political rights according to republican (representative or democratic) forms. Both the majority voting system and the proportional representation system basically satisfy these constitutional requirements. Art. 8 para. 1 Federal Constitution (formerly Art. 4 para. 1 of the former Federal Constitution), which in connection with Art. 34 Federal Constitution guarantees (also) the political equality of citizens, forms a limit for the organisation of electoral procedures.»\n\n### Relationship to fundamental rights\n\n**BGE 131 I 85 E. 3.2 (2004)**\n\n27 October 2004\n\nThe competence under Art. 39 para. 1 Federal Constitution is subject to the reservation of fundamental rights guarantees.\n\nCantonal electoral procedures must respect federal constitutional fundamental rights guarantees.\n\n> «The cantons are largely free in organising their political systems. Art. 39 para. 1 Federal Constitution merely obliges them to ensure the exercise of political rights according to republican (representative or democratic) forms.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_39", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 40, "article_suffix": "", "title": "Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 40 — Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer\n\n## Übersicht\n\nArtikel 40 der Bundesverfassung regelt die Beziehungen zwischen der Schweiz und ihren Bürgern im Ausland. Der Bund erhält dadurch eine doppelte Aufgabe: Er soll die Verbindungen der Auslandschweizer untereinander und zur Heimat fördern. Ausserdem muss er Gesetze erlassen, die ihre Rechte und Pflichten regeln.\n\nAls Auslandschweizer gelten nach der Rechtslehre Personen, die dauerhaft im Ausland leben und die Schweizer Staatsangehörigkeit besitzen (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 4). Kurze Auslandaufenthalte wie Ferien oder Geschäftsreisen fallen nicht darunter.\n\nDer Artikel schafft eine wichtige Bundeskompetenz (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 3). Normalerweise sind die Kantone für die Betreuung ihrer Bürger zuständig. Bei Auslandschweizern ist aber der Bund verantwortlich, weil nur er über die nötigen diplomatischen Verbindungen verfügt.\n\nDer Bund kann Organisationen unterstützen, die Auslandschweizer betreuen. Zum Beispiel fördert er die Auslandschweizerorganisation (ASO), die als Dachverband für über 750 Schweizer Vereine im Ausland fungiert. Einzelne Personen haben aber keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung.\n\nBei den Rechten und Pflichten geht es vor allem um vier Bereiche: politische Teilhabe (Stimm- und Wahlrecht), Militärdienst, finanzielle Unterstützung in Notlagen und Sozialversicherungen. Auslandschweizer können bei Bundesthemen mitabstimmen, sind aber grundsätzlich militärdienstpflichtig. Kehrt jemand mittellos in die Schweiz zurück, übernimmt der Bund die Sozialhilfekosten für die ersten drei Monate.\n\nDas Stimmrecht der Auslandschweizer ist umstritten. Kritiker wie Biaggini (ZBl 2013, 470) und Hangartner (AJP 2001, 964) bezweifeln, ob Personen mitentscheiden sollen, die nicht von den Folgen ihrer Stimme betroffen sind. Befürworter verweisen auf die Staatsangehörigkeit als wichtigstes Kriterium für politische Rechte.\n\nPraktisch müssen sich Auslandschweizer bei der zuständigen Botschaft oder dem Konsulat registrieren lassen, um ihre Rechte wahrnehmen zu können. Ohne diese Anmeldung ist keine politische Teilhabe möglich.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung über Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer geht auf Art. 45 der Bundesverfassung von 1874 zurück, der 1966 aufgrund einer Volksinitiative eingefügt wurde. Die Botschaft des Bundesrates vom 2. Juli 1965 (BBl 1965 II 385 ff.) betonte die zunehmende Mobilität der Schweizer Bevölkerung und die Notwendigkeit, die Beziehungen zu den im Ausland lebenden Staatsangehörigen zu pflegen. Die Verfassungsrevision von 1999 übernahm die Bestimmung mit leichten sprachlichen Anpassungen als Art. 40 BV.\n\n**N. 2** Die nachgeführte Formulierung erweiterte den Gesetzgebungsauftrag in Abs. 2 ausdrücklich auf die politischen Rechte, die Militärdienstpflicht und die Sozialversicherungen. Wie Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 1) festhält, erfolgte diese Präzisierung als Reaktion auf die veränderten Bedürfnisse der wachsenden Auslandschweizer-Gemeinschaft im Kontext der Globalisierung.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 40 BV steht systematisch im 2. Kapitel des 1. Titels über «Schweizerinnen und Schweizer». Die Platzierung ausserhalb des Zuständigkeitskapitels ist bemerkenswert, da die Norm eine Bundeskompetenz begründet. Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 3) qualifiziert Art. 40 BV als Kompetenznorm zugunsten des Bundes, auch wenn sie nicht im Kapitel über die Zuständigkeiten untergebracht ist.\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit → Art. 39 BV (politische Rechte), → Art. 59 Abs. 1 BV (Militärdienstpflicht) und → Art. 115 BV (Unterstützung Bedürftiger). Letztere Norm statuiert grundsätzlich die kantonale Zuständigkeit für die Sozialhilfe, wovon Art. 40 BV eine wichtige Ausnahme für Auslandschweizer bildet. Die Querverbindung zu → Art. 5 Abs. 1 BV (Grundlage und Schranke staatlichen Handelns) begrenzt die Förderungstätigkeit des Bundes auf den Rahmen der Rechtsordnung.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Als Auslandschweizer im Sinne von Art. 40 BV gelten nach Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 4) Personen, die im Ausland wohnen und aufgrund des Bürgerrechtsgesetzes Schweizer Staatsangehörige sind. Eine ziemlich dauerhafte und enge Beziehung zum Drittland wird verlangt. Dies schliesst temporäre Auslandsaufenthalte wie Ferien oder Geschäftsreisen aus.\n\n**N. 6** Absatz 1 begründet einen zweifachen Auftrag: Der Bund soll erstens die Beziehungen der Auslandschweizer untereinander fördern und zweitens ihre Beziehungen zur Schweiz stärken. Die Kann-Formulierung bei der Unterstützung von Organisationen räumt dem Bund ein weites Ermessen ein. Nach herrschender Lehre handelt es sich um eine programmatische Norm ohne direkte Justiziabilität.\n\n**N. 7** Absatz 2 enthält einen umfassenden Gesetzgebungsauftrag mit exemplarischer Aufzählung («namentlich»). Die aufgeführten Bereiche – politische Rechte, Militärdienst, Unterstützung, Sozialversicherungen – bilden den Kernbereich der bundesrechtlichen Regelung. Der Bund ist nicht auf diese Bereiche beschränkt, muss aber seine allgemeine Zuständigkeit aus Art. 40 BV ableiten können.\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Für den Einzelnen begründet Art. 40 Abs. 1 BV keine durchsetzbaren Ansprüche. Die Förderungstätigkeit des Bundes erfolgt im Rahmen der verfügbaren Mittel und nach politischem Ermessen. Organisationen der Auslandschweizer haben keinen Anspruch auf Bundesunterstützung, auch wenn sie die Ziele von Art. 40 BV verfolgen.\n\n**N. 9** Der Gesetzgebungsauftrag in Abs. 2 verpflichtet den Bund zum Erlass von Ausführungsbestimmungen. Diese Pflicht wurde durch verschiedene Spezialgesetze erfüllt: das Bundesgesetz über die politischen Rechte (BPR), das Auslandschweizergesetz (ASG), das Militärgesetz (MG) und die Sozialversicherungsgesetze mit ihren Bestimmungen zur freiwilligen Versicherung.\n\n**N. 10** Die Bundeskompetenz ist umfassend, aber nicht ausschliesslich. Kantone können ergänzende Massnahmen zugunsten ihrer im Ausland lebenden Bürger treffen, solange diese nicht mit dem Bundesrecht kollidieren. In der Praxis beschränkt sich die kantonale Aktivität auf kulturelle Förderung und Kontaktpflege.\n\n### Streitstände\n\n**N. 11** Die Reichweite des Auslandschweizerstimmrechts ist doktrinär umstritten. Biaggini (ZBl 2013, 470) steht dem Auslandschweizerstimmrecht distanziert gegenüber und hinterfragt die demokratische Legitimation von Personen, die nicht von den Folgen ihrer Stimmabgabe betroffen sind. Hangartner (AJP 2001, 964 f.) äussert sich ebenfalls kritisch und sieht verfassungsrechtliche Spannungen zum Territorialitätsprinzip.\n\n**N. 12** Die Befürworter argumentieren mit der Staatsbürgerschaft als primärem Anknüpfungspunkt für politische Rechte. Sie verweisen auf die zunehmende Mobilität und die bleibenden Bindungen vieler Auslandschweizer zur Heimat. Die Gegner betonen das fehlende Betroffenheitsprinzip und die praktischen Schwierigkeiten bei der Information über komplexe Abstimmungsvorlagen.\n\n**N. 13** Umstritten ist auch die Tragweite der Unterstützungspflicht. Während eine Mindermeinung aus Art. 40 BV einen verfassungsunmittelbaren Anspruch auf konsularischen Schutz ableiten will, lehnt die herrschende Doktrin dies ab. Die Unterstützung erfolge nur im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und begründe keine über das Völkerrecht hinausgehenden Schutzpflichten.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 14** Auslandschweizer müssen sich bei der zuständigen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) registrieren lassen, um ihre Rechte wahrnehmen zu können. Die Registrierung ist Voraussetzung für die Ausübung der politischen Rechte, den Erhalt konsularischer Dienstleistungen und den Zugang zu Unterstützungsleistungen.\n\n**N. 15** Für die politische Partizipation gelten besondere Fristen und Verfahren. Die Stimmunterlagen müssen rechtzeitig beantragt werden, wobei die Zustellung ins Ausland berücksichtigt werden muss. Seit 2021 können registrierte Auslandschweizer in mehreren Kantonen elektronisch abstimmen (E-Voting), soweit der Wohnsitzkanton diese Möglichkeit anbietet.\n\n**N. 16** Bei finanziellen Notlagen ist primär die konsularische Vertretung zu kontaktieren. Die Unterstützung erfolgt subsidiär und setzt voraus, dass keine anderen Hilfsquellen (Familie, Sozialversicherungen des Wohnsitzstaates) zur Verfügung stehen. Bei einer Rückkehr in die Schweiz übernimmt der Bund gemäss **BGE 138 V 445** die Sozialhilfekosten nur für die ersten drei Monate.\n\n**N. 17** Militärdienstpflichtige Auslandschweizer unterstehen grundsätzlich der Wehrpflicht, können aber Gesuche um Dienstverschiebung oder -befreiung stellen. Die Ersatzabgabe ist auch im Ausland geschuldet, wobei Doppelbesteuerungsabkommen zu beachten sind. Detaillierte Informationen sind bei der zuständigen Kreiskommandantur erhältlich.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 40 BV ist spärlich, da die Bestimmung hauptsächlich als programmatische Norm und Kompetenzzuweisung ausgestaltet ist. Die wenigen verfügbaren Entscheide betreffen primär die praktische Umsetzung der Unterstützungspflicht bei der Rückkehr von Auslandschweizern.\n\n### Sozialhilfe und Unterstützung bei Rückkehr\n\n**BGE 138 V 445** vom 17. September 2012\nDer Bund hat bei heimkehrenden Auslandschweizern die Kosten pro rata temporis zu übernehmen, welche Sozialhilfeleistungen während der ersten drei Monate nach der Rückkehr betreffen. Diese Entscheidung konkretisiert die in Art. 40 Abs. 2 BV vorgesehene Regelungskompetenz des Bundes bezüglich der Unterstützung von Auslandschweizern.\n\n> «Art. 3 Abs. 1 Satz 1 ASFG ist deshalb so zu interpretieren, dass der Bund nur jene Mietkosten pro rata temporis zu vergüten hat, welche die ersten drei Monate nach der Rückkehr des Auslandschweizers betreffen.»\n\nDie Entscheidung zeigt, wie das Bundesgericht die Unterstützungsregelungen für Auslandschweizer restriktiv auslegt, um eine sachlich nicht gerechtfertigte Ausdehnung der Bundeskompetenz zu vermeiden. Das Gericht betont, dass Art. 40 BV eine Ausnahmebestimmung zum in Art. 115 BV verankerten Grundsatz der kantonal organisierten Sozialhilfe darstellt.\n\n### Territorialitätsprinzip und Gerichtsstand\n\nUrteil 5D_39/2010 vom 21. Juni 2010\nIn einem verfahrensrechtlichen Kontext wurde Art. 40 BV als verfassungsrechtliche Grundlage für den Wohnsitzgerichtsstand angerufen. Das Bundesgericht stellte jedoch klar, dass für zivilrechtliche Verfahren die spezialgesetzlichen Zuständigkeitsregeln massgebend sind.\n\nDer Beschwerdeführer berief sich auf die «verfassungsmässige Wohnsitzgerichtsstandsgarantie (Art. 40 BV)», das Gericht wies jedoch darauf hin, dass im Rechtsöffnungsverfahren nach SchKG andere Zuständigkeitsregeln gelten. Diese Entscheidung zeigt, dass Art. 40 BV nicht als allgemeine Garantie des Wohnsitzgerichtsstands verstanden werden kann.\n\n### Fehlende Rechtsprechung zu politischen Rechten\n\nBemerkenswert ist das weitgehende Fehlen höchstgerichtlicher Rechtsprechung zu den in Art. 40 Abs. 2 BV erwähnten politischen Rechten der Auslandschweizer. Dies erklärt sich dadurch, dass die konkreten Modalitäten der politischen Partizipation von Auslandschweizern durch das Bundesgesetz über die politischen Rechte (BPR) geregelt werden und entsprechende Streitigkeiten selten bis vor Bundesgericht gelangen.\n\nDie wenigen verfügbaren Entscheide zu politischen Rechten von Schweizer Bürgern im Ausland betreffen hauptsächlich technische Aspekte der Stimmabgabe oder Wahlverfahren, ohne dass dabei Art. 40 BV als eigenständiger Massstab herangezogen würde.\n\n### Militärdienstpflicht\n\nZur in Art. 40 Abs. 2 BV erwähnten Militär- oder Ersatzdienstpflicht der Auslandschweizer liegt keine spezifische Rechtsprechung mit direktem Bezug zu dieser Verfassungsbestimmung vor. Die entsprechenden Fragen werden in der Regel unter den einschlägigen militärrechtlichen Bestimmungen (Militärgesetz, Zivildienstgesetz) entschieden.\n\n### Rechtsschutz und Durchsetzung\n\nDie geringe Anzahl von Gerichtsentscheiden zu Art. 40 BV spiegelt den primär programmatischen Charakter der Norm wider. Die meisten Rechte und Pflichten der Auslandschweizer werden durch die auf Art. 40 Abs. 2 BV gestützte Spezialgesetzgebung konkretisiert, wobei Streitigkeiten typischerweise auf der Ebene der Gesetzesanwendung und nicht der Verfassungsauslegung entschieden werden.", "summary_fr": "# Art. 40 — Suisses de l'étranger\n\n## Aperçu\n\nL'article 40 de la Constitution fédérale règle les relations entre la Suisse et ses citoyens à l'étranger. La Confédération reçoit ainsi une double mission : elle doit encourager les liens entre les Suisses de l'étranger et avec la patrie. En outre, elle doit édicter des lois qui règlent leurs droits et leurs devoirs.\n\nSelon la doctrine juridique, sont considérées comme Suisses de l'étranger les personnes qui vivent durablement à l'étranger et possèdent la nationalité suisse (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 4). Les séjours de courte durée à l'étranger comme les vacances ou les voyages d'affaires ne relèvent pas de cette catégorie.\n\nL'article crée une compétence fédérale importante (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 3). Normalement, les cantons sont compétents pour s'occuper de leurs citoyens. Pour les Suisses de l'étranger, c'est la Confédération qui est responsable, car elle seule dispose des liaisons diplomatiques nécessaires.\n\nLa Confédération peut soutenir des organisations qui s'occupent des Suisses de l'étranger. Par exemple, elle encourage l'Organisation des Suisses de l'étranger (OSE), qui fonctionne comme organisation faîtière de plus de 750 associations suisses à l'étranger. Les particuliers n'ont toutefois pas droit à un soutien étatique.\n\nEn matière de droits et de devoirs, il s'agit principalement de quatre domaines : participation politique (droits de vote et d'éligibilité), service militaire, soutien financier en cas de détresse et assurances sociales. Les Suisses de l'étranger peuvent participer aux votations fédérales, mais sont en principe astreints au service militaire. Si quelqu'un rentre en Suisse sans ressources, la Confédération prend en charge les coûts de l'aide sociale pour les trois premiers mois.\n\nLe droit de vote des Suisses de l'étranger est controversé. Les critiques comme Biaggini (ZBl 2013, 470) et Hangartner (AJP 2001, 964) s'interrogent sur la légitimité de laisser participer aux décisions des personnes qui ne sont pas affectées par les conséquences de leur vote. Les partisans invoquent la nationalité comme critère le plus important pour les droits politiques.\n\nDans la pratique, les Suisses de l'étranger doivent se faire enregistrer auprès de l'ambassade ou du consulat compétent pour pouvoir exercer leurs droits. Sans cette inscription, aucune participation politique n'est possible.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Genèse historique\n\n**N. 1** La disposition relative aux Suissesses et aux Suisses de l'étranger remonte à l'art. 45 de la Constitution fédérale de 1874, qui fut inséré en 1966 suite à une initiative populaire. Le message du Conseil fédéral du 2 juillet 1965 (FF 1965 II 385 ss) soulignait la mobilité croissante de la population suisse et la nécessité d'entretenir les relations avec les ressortissants vivant à l'étranger. La révision constitutionnelle de 1999 reprit cette disposition avec de légers ajustements linguistiques comme art. 40 Cst.\n\n**N. 2** La formulation mise à jour étendit expressément le mandat législatif de l'al. 2 aux droits politiques, aux obligations militaires et aux assurances sociales. Comme le relève Tschannen (BSK BV, art. 40 n. 1), cette précision fut apportée en réaction aux besoins modifiés de la communauté croissante des Suisses de l'étranger dans le contexte de la mondialisation.\n\n### Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 40 Cst. se situe systématiquement dans le 2e chapitre du 1er titre sur « Les Suissesses et les Suisses ». Son placement en dehors du chapitre des compétences est remarquable, car la norme fonde une compétence fédérale. Tschannen (BSK BV, art. 40 n. 3) qualifie l'art. 40 Cst. de norme de compétence en faveur de la Confédération, même si elle ne figure pas dans le chapitre sur les compétences.\n\n**N. 4** Cette disposition est étroitement liée à → l'art. 39 Cst. (droits politiques), à → l'art. 59 al. 1 Cst. (obligations militaires) et à → l'art. 115 Cst. (aide aux personnes dans le besoin). Cette dernière norme établit en principe la compétence cantonale pour l'aide sociale, dont l'art. 40 Cst. constitue une exception importante pour les Suisses de l'étranger. Le lien transversal avec → l'art. 5 al. 1 Cst. (fondement et limites de l'activité de l'État) limite l'activité d'encouragement de la Confédération au cadre de l'ordre juridique.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** Selon Tschannen (BSK BV, art. 40 n. 4), sont considérées comme Suisses de l'étranger au sens de l'art. 40 Cst. les personnes qui résident à l'étranger et qui sont des ressortissants suisses en vertu de la loi sur la nationalité. Une relation assez durable et étroite avec l'État tiers est exigée. Ceci exclut les séjours temporaires à l'étranger comme les vacances ou les voyages d'affaires.\n\n**N. 6** L'alinéa 1 fonde un double mandat : la Confédération doit premièrement encourager les relations des Suisses de l'étranger entre eux et deuxièmement renforcer leurs relations avec la Suisse. La formulation facultative concernant le soutien aux organisations accorde à la Confédération un large pouvoir d'appréciation. Selon la doctrine dominante, il s'agit d'une norme programmatique sans justiciabilité directe.\n\n**N. 7** L'alinéa 2 contient un mandat législatif complet avec énumération exemplative (« notamment »). Les domaines énumérés – droits politiques, service militaire, aide, assurances sociales – forment le noyau de la réglementation de droit fédéral. La Confédération n'est pas limitée à ces domaines, mais doit pouvoir dériver sa compétence générale de l'art. 40 Cst.\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 8** Pour l'individu, l'art. 40 al. 1 Cst. ne fonde aucune prétention exécutoire. L'activité d'encouragement de la Confédération s'exerce dans le cadre des moyens disponibles et selon un pouvoir d'appréciation politique. Les organisations de Suisses de l'étranger n'ont aucun droit au soutien fédéral, même si elles poursuivent les objectifs de l'art. 40 Cst.\n\n**N. 9** Le mandat législatif de l'al. 2 oblige la Confédération à édicter des dispositions d'exécution. Cette obligation a été remplie par diverses lois spéciales : la loi fédérale sur les droits politiques (LDP), la loi sur les Suisses de l'étranger (LSEtr), la loi militaire (LM) et les lois sur les assurances sociales avec leurs dispositions sur l'assurance facultative.\n\n**N. 10** La compétence fédérale est complète, mais non exclusive. Les cantons peuvent prendre des mesures complémentaires en faveur de leurs citoyens vivant à l'étranger, pour autant que celles-ci n'entrent pas en collision avec le droit fédéral. Dans la pratique, l'activité cantonale se limite à l'encouragement culturel et à l'entretien des contacts.\n\n### Points controversés\n\n**N. 11** La portée du droit de vote des Suisses de l'étranger est controversée sur le plan doctrinal. Biaggini (ZBl 2013, 470) se montre distant à l'égard du droit de vote des Suisses de l'étranger et remet en question la légitimation démocratique de personnes qui ne sont pas affectées par les conséquences de leur vote. Hangartner (AJP 2001, 964 s.) s'exprime également de manière critique et voit des tensions constitutionnelles avec le principe de territorialité.\n\n**N. 12** Les partisans argumentent avec la citoyenneté comme point de rattachement primaire pour les droits politiques. Ils renvoient à la mobilité croissante et aux liens durables de nombreux Suisses de l'étranger avec la patrie. Les opposants soulignent l'absence du principe d'affectation et les difficultés pratiques d'information sur les objets de votation complexes.\n\n**N. 13** La portée de l'obligation d'aide est également controversée. Alors qu'une opinion minoritaire veut dériver de l'art. 40 Cst. une prétention directement fondée sur la Constitution à la protection consulaire, la doctrine dominante rejette cette position. L'aide n'intervient que dans le cadre des dispositions légales et ne fonde pas d'obligations de protection dépassant le droit international.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 14** Les Suisses de l'étranger doivent se faire enregistrer auprès de la représentation compétente (ambassade ou consulat) pour pouvoir exercer leurs droits. L'enregistrement est la condition préalable à l'exercice des droits politiques, à l'obtention de services consulaires et à l'accès aux prestations d'aide.\n\n**N. 15** Pour la participation politique, des délais et procédures particuliers s'appliquent. Le matériel de vote doit être demandé en temps utile, en tenant compte de l'acheminement à l'étranger. Depuis 2021, les Suisses de l'étranger enregistrés peuvent voter électroniquement (vote électronique) dans plusieurs cantons, pour autant que le canton de domicile offre cette possibilité.\n\n**N. 16** En cas de détresse financière, il faut s'adresser en premier lieu à la représentation consulaire. L'aide est subsidiaire et présuppose qu'aucune autre source d'aide (famille, assurances sociales de l'État de résidence) n'est disponible. En cas de retour en Suisse, la Confédération prend en charge les coûts d'aide sociale selon **ATF 138 V 445** seulement pour les trois premiers mois.\n\n**N. 17** Les Suisses de l'étranger astreints au service militaire sont en principe soumis à l'obligation de servir, mais peuvent déposer des demandes de report ou d'exemption du service. La taxe d'exemption est également due à l'étranger, les conventions de double imposition étant à observer. Des informations détaillées peuvent être obtenues auprès de la division territoriale compétente.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 40 Cst. est clairsemée, la disposition étant principalement conçue comme une norme programmatique et une attribution de compétence. Les quelques décisions disponibles concernent principalement la mise en œuvre pratique de l'obligation d'assistance lors du retour des Suisses de l'étranger.\n\n### Aide sociale et assistance lors du retour\n\n**ATF 138 V 445** du 17 septembre 2012\nLa Confédération doit prendre en charge pro rata temporis les coûts concernant les prestations d'aide sociale durant les trois premiers mois suivant le retour des Suisses de l'étranger. Cette décision concrétise la compétence réglementaire de la Confédération prévue à l'art. 40 al. 2 Cst. concernant l'assistance aux Suisses de l'étranger.\n\n> « L'art. 3 al. 1 1re phrase LASE doit donc être interprété en ce sens que la Confédération ne doit rembourser pro rata temporis que les coûts de loyer concernant les trois premiers mois suivant le retour du Suisse de l'étranger. »\n\nLa décision montre comment le Tribunal fédéral interprète restrictivement les règles d'assistance pour les Suisses de l'étranger, afin d'éviter une extension non justifiée matériellement de la compétence fédérale. Le Tribunal souligne que l'art. 40 Cst. constitue une disposition d'exception au principe de l'aide sociale organisée au niveau cantonal, ancré à l'art. 115 Cst.\n\n### Principe de territorialité et for judiciaire\n\nArrêt 5D_39/2010 du 21 juin 2010\nDans un contexte procédural, l'art. 40 Cst. fut invoqué comme base constitutionnelle pour le for du domicile. Le Tribunal fédéral a toutefois précisé que pour les procédures de droit civil, les règles de compétence des lois spéciales sont déterminantes.\n\nLe recourant s'est prévalu de la « garantie constitutionnelle du for du domicile (art. 40 Cst.) », mais le Tribunal a souligné que dans la procédure d'ouverture d'action selon la LP, d'autres règles de compétence s'appliquent. Cette décision montre que l'art. 40 Cst. ne peut pas être compris comme une garantie générale du for du domicile.\n\n### Absence de jurisprudence sur les droits politiques\n\nIl est remarquable de constater l'absence quasi totale de jurisprudence du Tribunal fédéral sur les droits politiques des Suisses de l'étranger mentionnés à l'art. 40 al. 2 Cst. Ceci s'explique par le fait que les modalités concrètes de la participation politique des Suisses de l'étranger sont réglées par la loi fédérale sur les droits politiques (LDP) et que les litiges correspondants parviennent rarement devant le Tribunal fédéral.\n\nLes quelques décisions disponibles concernant les droits politiques des citoyens suisses à l'étranger portent principalement sur des aspects techniques du vote ou des procédures électorales, sans que l'art. 40 Cst. ne soit invoqué comme critère autonome.\n\n### Obligation de servir militaire\n\nConcernant l'obligation de servir militaire ou d'accomplir un service de remplacement des Suisses de l'étranger mentionnée à l'art. 40 al. 2 Cst., il n'existe pas de jurisprudence spécifique avec un lien direct à cette disposition constitutionnelle. Les questions correspondantes sont en règle générale tranchées sous les dispositions pertinentes du droit militaire (loi militaire, loi sur le service civil).\n\n### Protection juridique et exécution\n\nLe petit nombre de décisions judiciaires relatives à l'art. 40 Cst. reflète le caractère principalement programmatique de la norme. La plupart des droits et obligations des Suisses de l'étranger sont concrétisés par la législation spéciale fondée sur l'art. 40 al. 2 Cst., les litiges étant typiquement tranchés au niveau de l'application des lois et non de l'interprétation constitutionnelle.", "summary_it": "# Art. 40 — Svizzeri all'estero\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 40 della Costituzione federale disciplina i rapporti tra la Svizzera e i suoi cittadini all'estero. La Confederazione riceve così un duplice compito: deve promuovere i legami tra gli Svizzeri all'estero e con la patria. Inoltre deve emanare leggi che regolano i loro diritti e doveri.\n\nSecondo la dottrina giuridica, per Svizzeri all'estero si intendono le persone che vivono permanentemente all'estero e possiedono la cittadinanza svizzera (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 4). Non rientrano in questa categoria i brevi soggiorni all'estero come vacanze o viaggi d'affari.\n\nL'articolo crea un'importante competenza federale (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 3). Normalmente sono i Cantoni ad essere responsabili dell'assistenza ai loro cittadini. Per gli Svizzeri all'estero invece è competente la Confederazione, poiché solo essa dispone dei necessari collegamenti diplomatici.\n\nLa Confederazione può sostenere organizzazioni che assistono gli Svizzeri all'estero. Ad esempio promuove l'Organizzazione degli Svizzeri all'estero (OSE), che funge da organizzazione mantello per oltre 750 associazioni svizzere all'estero. Le singole persone però non hanno diritto al sostegno statale.\n\nPer quanto riguarda i diritti e i doveri, si tratta principalmente di quattro ambiti: partecipazione politica (diritto di voto ed eleggibilità), servizio militare, sostegno finanziario in situazioni di emergenza e assicurazioni sociali. Gli Svizzeri all'estero possono partecipare alle votazioni su temi federali, ma sono in linea di principio soggetti all'obbligo del servizio militare. Se qualcuno rientra in Svizzera senza mezzi, la Confederazione assume i costi dell'assistenza sociale per i primi tre mesi.\n\nIl diritto di voto degli Svizzeri all'estero è controverso. I critici come Biaggini (ZBl 2013, 470) e Hangartner (AJP 2001, 964) dubitano che persone che non sono toccate dalle conseguenze del loro voto debbano partecipare alle decisioni. I sostenitori fanno riferimento alla cittadinanza come criterio più importante per i diritti politici.\n\nPraticamente, gli Svizzeri all'estero devono registrarsi presso l'ambasciata o il consolato competente per poter esercitare i loro diritti. Senza questa registrazione non è possibile alcuna partecipazione politica.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** La disposizione sugli Svizzeri all'estero risale all'art. 45 della Costituzione federale del 1874, inserito nel 1966 in seguito a un'iniziativa popolare. Il messaggio del Consiglio federale del 2 luglio 1965 (FF 1965 II 385 ss.) sottolineava la crescente mobilità della popolazione svizzera e la necessità di coltivare le relazioni con i cittadini che vivono all'estero. La revisione costituzionale del 1999 ha ripreso la disposizione con lievi adattamenti linguistici come art. 40 Cost.\n\n**N. 2** La formulazione aggiornata ha esteso espressamente il mandato legislativo di cui al cpv. 2 ai diritti politici, all'obbligo del servizio militare e alle assicurazioni sociali. Come rileva Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 1), questa precisazione è avvenuta in reazione ai bisogni mutati della crescente comunità degli Svizzeri all'estero nel contesto della globalizzazione.\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 40 Cost. si trova sistematicamente nel 2° capitolo del 1° titolo su «Svizzere e Svizzeri». Il posizionamento al di fuori del capitolo sulle competenze è notevole, poiché la norma fonda una competenza federale. Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 3) qualifica l'art. 40 Cost. come norma di competenza a favore della Confederazione, anche se non è collocata nel capitolo sulle competenze.\n\n**N. 4** La disposizione è in stretta relazione con → art. 39 Cost. (diritti politici), → art. 59 cpv. 1 Cost. (obbligo del servizio militare) e → art. 115 Cost. (sostegno ai bisognosi). Quest'ultima norma stabilisce in linea di principio la competenza cantonale per l'assistenza sociale, dalla quale l'art. 40 Cost. costituisce un'importante eccezione per gli Svizzeri all'estero. Il collegamento trasversale con → art. 5 cpv. 1 Cost. (base e limiti dell'attività statale) limita l'attività di promozione della Confederazione al quadro dell'ordinamento giuridico.\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Come Svizzeri all'estero nel senso dell'art. 40 Cost. valgono secondo Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 4) le persone che abitano all'estero e sono cittadini svizzeri secondo la legge sulla cittadinanza. È richiesta una relazione piuttosto duratura e stretta con il paese terzo. Ciò esclude soggiorni temporanei all'estero come vacanze o viaggi d'affari.\n\n**N. 6** Il capoverso 1 fonda un duplice mandato: la Confederazione deve in primo luogo promuovere le relazioni degli Svizzeri all'estero tra di loro e in secondo luogo rafforzare le loro relazioni con la Svizzera. La formulazione discrezionale nel sostegno alle organizzazioni concede alla Confederazione un ampio margine di apprezzamento. Secondo la dottrina dominante si tratta di una norma programmatica senza diretta giustiziabilità.\n\n**N. 7** Il capoverso 2 contiene un mandato legislativo comprensivo con elencazione esemplificativa («segnatamente»). Gli ambiti elencati – diritti politici, servizio militare, sostegno, assicurazioni sociali – costituiscono il settore principale della regolamentazione di diritto federale. La Confederazione non è limitata a questi ambiti, ma deve poter derivare la sua competenza generale dall'art. 40 Cost.\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** Per il singolo l'art. 40 cpv. 1 Cost. non fonda pretese azionabili. L'attività di promozione della Confederazione avviene nel quadro dei mezzi disponibili e secondo discrezionalità politica. Le organizzazioni degli Svizzeri all'estero non hanno diritto al sostegno federale, anche se perseguono gli obiettivi dell'art. 40 Cost.\n\n**N. 9** Il mandato legislativo di cui al cpv. 2 obbliga la Confederazione ad emanare disposizioni esecutive. Questo obbligo è stato adempiuto attraverso diverse leggi speciali: la legge federale sui diritti politici (LDP), la legge sugli Svizzeri all'estero (LSEst), la legge militare (LM) e le leggi sulle assicurazioni sociali con le loro disposizioni sull'assicurazione volontaria.\n\n**N. 10** La competenza federale è comprensiva, ma non esclusiva. I Cantoni possono adottare misure complementari a favore dei loro cittadini che vivono all'estero, purché queste non entrino in collisione con il diritto federale. Nella prassi l'attività cantonale si limita alla promozione culturale e alla cura dei contatti.\n\n### Controversie\n\n**N. 11** La portata del diritto di voto degli Svizzeri all'estero è controversa in dottrina. Biaggini (ZBl 2013, 470) si pone in modo distaccato nei confronti del diritto di voto degli Svizzeri all'estero e mette in discussione la legittimazione democratica di persone che non sono toccate dalle conseguenze del loro voto. Hangartner (AJP 2001, 964 s.) si esprime anch'egli in modo critico e vede tensioni costituzionali con il principio di territorialità.\n\n**N. 12** I sostenitori argomentano con la cittadinanza come punto di collegamento primario per i diritti politici. Fanno riferimento alla crescente mobilità e ai legami permanenti di molti Svizzeri all'estero con la patria. Gli oppositori sottolineano il principio di interessenza mancante e le difficoltà pratiche nell'informazione su proposte di votazione complesse.\n\n**N. 13** È pure controversa la portata dell'obbligo di sostegno. Mentre un'opinione minoritaria vuole derivare dall'art. 40 Cost. una pretesa costituzionale immediata alla protezione consolare, la dottrina dominante lo respinge. Il sostegno avviene solo nel quadro delle disposizioni legali e non fonda obblighi di protezione che vanno oltre il diritto internazionale.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Gli Svizzeri all'estero devono farsi registrare presso la rappresentanza competente (ambasciata o consolato) per poter esercitare i loro diritti. La registrazione è prerequisito per l'esercizio dei diritti politici, l'ottenimento di servizi consolari e l'accesso alle prestazioni di sostegno.\n\n**N. 15** Per la partecipazione politica valgono termini e procedure speciali. Il materiale di voto deve essere richiesto per tempo, tenendo conto della consegna all'estero. Dal 2021 gli Svizzeri all'estero registrati possono votare elettronicamente (voto elettronico) in diversi Cantoni, nella misura in cui il Cantone di domicilio offre questa possibilità.\n\n**N. 16** In caso di difficoltà finanziarie bisogna contattare in primo luogo la rappresentanza consolare. Il sostegno avviene in via sussidiaria e presuppone che non siano disponibili altre fonti di aiuto (famiglia, assicurazioni sociali dello Stato di domicilio). In caso di ritorno in Svizzera la Confederazione assume secondo la **DTF 138 V 445** i costi dell'assistenza sociale solo per i primi tre mesi.\n\n**N. 17** Gli Svizzeri all'estero soggetti all'obbligo del servizio militare sottostanno in linea di principio all'obbligo militare, ma possono presentare domande di rinvio o di esenzione dal servizio. La tassa d'esenzione è dovuta anche all'estero, tenendo conto degli accordi contro la doppia imposizione. Informazioni dettagliate sono ottenibili presso il comando di circondario competente.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 40 Cost. è scarsa, poiché la disposizione è configurata principalmente come norma programmatica e attribuzione di competenza. Le poche decisioni disponibili riguardano principalmente l'attuazione pratica dell'obbligo di sostegno al ritorno degli Svizzeri all'estero.\n\n### Assistenza sociale e sostegno al ritorno\n\n**DTF 138 V 445** del 17 settembre 2012\nLa Confederazione deve assumersi pro rata temporis i costi che riguardano le prestazioni di assistenza sociale durante i primi tre mesi dopo il ritorno degli Svizzeri all'estero che rimpatriano. Questa decisione concretizza la competenza normativa della Confederazione prevista dall'art. 40 cpv. 2 Cost. riguardo al sostegno degli Svizzeri all'estero.\n\n> «L'art. 3 cpv. 1 frase 1 LSSE deve pertanto essere interpretato nel senso che la Confederazione deve rimborsare pro rata temporis soltanto quei costi di affitto che riguardano i primi tre mesi dopo il ritorno dello Svizzero all'estero.»\n\nLa decisione mostra come il Tribunale federale interpreti in modo restrittivo le disposizioni di sostegno per gli Svizzeri all'estero, al fine di evitare un'estensione oggettivamente ingiustificata della competenza federale. Il Tribunale sottolinea che l'art. 40 Cost. rappresenta una disposizione d'eccezione al principio dell'assistenza sociale organizzata a livello cantonale, sancito nell'art. 115 Cost.\n\n### Principio di territorialità e foro competente\n\nSentenza 5D_39/2010 del 21 giugno 2010\nIn un contesto procedurale, l'art. 40 Cost. è stato invocato come base costituzionale per il foro del domicilio. Il Tribunale federale ha tuttavia chiarito che per i procedimenti di diritto civile sono determinanti le regole di competenza previste dalle leggi speciali.\n\nIl ricorrente si è richiamato alla «garanzia costituzionale del foro del domicilio (art. 40 Cost.)», ma il Tribunale ha precisato che nel procedimento di rigetto secondo la LEF si applicano altre regole di competenza. Questa decisione dimostra che l'art. 40 Cost. non può essere inteso come garanzia generale del foro del domicilio.\n\n### Assenza di giurisprudenza sui diritti politici\n\nÈ degna di nota la sostanziale assenza di giurisprudenza del Tribunale federale sui diritti politici degli Svizzeri all'estero menzionati nell'art. 40 cpv. 2 Cost. Ciò si spiega con il fatto che le modalità concrete della partecipazione politica degli Svizzeri all'estero sono disciplinate dalla Legge federale sui diritti politici (LDP) e le relative controversie raramente giungono davanti al Tribunale federale.\n\nLe poche decisioni disponibili sui diritti politici dei cittadini svizzeri all'estero riguardano principalmente aspetti tecnici del voto o delle procedure elettorali, senza che l'art. 40 Cost. venga utilizzato come parametro autonomo.\n\n### Obbligo del servizio militare\n\nSull'obbligo del servizio militare o civile degli Svizzeri all'estero menzionato nell'art. 40 cpv. 2 Cost. non esiste giurisprudenza specifica con riferimento diretto a questa disposizione costituzionale. Le relative questioni vengono di regola decise secondo le pertinenti disposizioni del diritto militare (Legge militare, Legge sul servizio civile).\n\n### Tutela giurisdizionale ed esecuzione\n\nIl numero ridotto di decisioni giudiziarie sull'art. 40 Cost. riflette il carattere principalmente programmatico della norma. La maggior parte dei diritti e doveri degli Svizzeri all'estero vengono concretizzati dalla legislazione speciale fondata sull'art. 40 cpv. 2 Cost., mentre le controversie vengono tipicamente decise a livello di applicazione della legge e non di interpretazione costituzionale.", "summary_en": "# Art. 40 — Swiss citizens abroad\n\n## Overview\n\nArticle 40 of the Federal Constitution regulates the relationship between Switzerland and its citizens abroad. The Confederation thereby receives a dual mandate: it shall promote the connections of Swiss citizens abroad among themselves and with their homeland. In addition, it must enact laws that regulate their rights and duties.\n\nAccording to legal doctrine, Swiss citizens abroad are persons who permanently live abroad and possess Swiss nationality (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 4). Short stays abroad such as holidays or business trips do not qualify.\n\nThe article creates an important federal competence (Tschannen, BSK BV, Art. 40 N. 3). Normally, the cantons are responsible for caring for their citizens. In the case of Swiss citizens abroad, however, the Confederation is responsible because only it has the necessary diplomatic connections.\n\nThe Confederation may support organisations that care for Swiss citizens abroad. For example, it promotes the Organisation of the Swiss Abroad (OSA), which serves as an umbrella organisation for over 750 Swiss associations abroad. However, individual persons have no entitlement to state support.\n\nWith regard to rights and duties, four areas are primarily concerned: political participation (voting and electoral rights), military service, financial support in emergency situations and social insurance. Swiss citizens abroad may vote on federal matters, but are in principle subject to military service obligations. If someone returns to Switzerland without means, the Confederation assumes the social assistance costs for the first three months.\n\nThe voting rights of Swiss citizens abroad are controversial. Critics such as Biaggini (ZBl 2013, 470) and Hangartner (AJP 2001, 964) question whether persons should participate in decisions who are not affected by the consequences of their vote. Proponents point to nationality as the most important criterion for political rights.\n\nIn practice, Swiss citizens abroad must register with the competent embassy or consulate in order to exercise their rights. Without this registration, political participation is not possible.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** The provision on Swiss nationals living abroad can be traced back to Art. 45 of the Federal Constitution of 1874, which was inserted in 1966 following a popular initiative. The Federal Council's message of 2 July 1965 (BBl 1965 II 385 ff.) emphasized the increasing mobility of the Swiss population and the necessity of maintaining relations with nationals living abroad. The constitutional revision of 1999 adopted the provision with slight linguistic adjustments as Art. 40 FC.\n\n**N. 2** The updated formulation explicitly extended the legislative mandate in para. 2 to political rights, military service obligations and social insurance. As Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 1) notes, this specification was made in response to the changing needs of the growing Swiss abroad community in the context of globalization.\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 40 FC is systematically placed in Chapter 2 of Title 1 on «Swiss Citizens». The placement outside the competences chapter is noteworthy, as the provision establishes a federal competence. Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 3) qualifies Art. 40 FC as a competence provision in favour of the Confederation, even though it is not located in the chapter on competences.\n\n**N. 4** The provision is closely connected to → Art. 39 FC (political rights), → Art. 59 para. 1 FC (military service obligation) and → Art. 115 FC (assistance to persons in need). The latter provision generally establishes cantonal competence for social assistance, from which Art. 40 FC forms an important exception for Swiss nationals abroad. The cross-reference to → Art. 5 para. 1 FC (legal basis and limits of state action) limits the Confederation's promotional activities to the framework of the legal order.\n\n### Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n**N. 5** According to Tschannen (BSK BV, Art. 40 N. 4), Swiss nationals abroad within the meaning of Art. 40 FC are persons who live abroad and are Swiss nationals under the Citizenship Act. A relatively permanent and close relationship to the third country is required. This excludes temporary stays abroad such as holidays or business trips.\n\n**N. 6** Paragraph 1 establishes a twofold mandate: the Confederation shall firstly promote relations among Swiss nationals abroad and secondly strengthen their relations with Switzerland. The discretionary formulation regarding support for organizations grants the Confederation wide discretion. According to the prevailing doctrine, this is a programmatic provision without direct justiciability.\n\n**N. 7** Paragraph 2 contains a comprehensive legislative mandate with an exemplary enumeration («in particular»). The listed areas – political rights, military service, assistance, social insurance – form the core area of federal regulation. The Confederation is not limited to these areas, but must be able to derive its general competence from Art. 40 FC.\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 8** For the individual, Art. 40 para. 1 FC does not establish enforceable claims. The Confederation's promotional activities take place within the framework of available resources and according to political discretion. Organizations of Swiss nationals abroad have no entitlement to federal support, even if they pursue the objectives of Art. 40 FC.\n\n**N. 9** The legislative mandate in para. 2 obliges the Confederation to enact implementing provisions. This obligation has been fulfilled through various special laws: the Federal Act on Political Rights (BPR), the Swiss Abroad Act (ASG), the Military Act (MG) and the social insurance laws with their provisions on voluntary insurance.\n\n**N. 10** The federal competence is comprehensive but not exclusive. Cantons may take supplementary measures in favour of their citizens living abroad, as long as these do not conflict with federal law. In practice, cantonal activity is limited to cultural promotion and maintaining contacts.\n\n### Points of Dispute\n\n**N. 11** The scope of voting rights for Swiss nationals abroad is doctrinally disputed. Biaggini (ZBl 2013, 470) takes a distant stance towards voting rights for Swiss nationals abroad and questions the democratic legitimacy of persons who are not affected by the consequences of their vote. Hangartner (AJP 2001, 964 f.) also expresses criticism and sees constitutional tensions with the territoriality principle.\n\n**N. 12** Supporters argue with citizenship as the primary connecting factor for political rights. They refer to increasing mobility and the lasting ties of many Swiss nationals abroad to their homeland. Opponents emphasize the lack of the principle of being affected and the practical difficulties in providing information about complex voting proposals.\n\n**N. 13** The scope of the obligation to provide assistance is also disputed. While a minority opinion seeks to derive a constitutionally direct entitlement to consular protection from Art. 40 FC, the prevailing doctrine rejects this. Assistance is only provided within the framework of legal provisions and does not establish protective obligations beyond international law.\n\n### Practical Notes\n\n**N. 14** Swiss nationals abroad must register with the competent representation (embassy or consulate) in order to exercise their rights. Registration is a prerequisite for exercising political rights, receiving consular services and accessing assistance benefits.\n\n**N. 15** Special deadlines and procedures apply to political participation. Voting materials must be requested in good time, taking into account delivery abroad. Since 2021, registered Swiss nationals abroad can vote electronically (e-voting) in several cantons, provided their canton of residence offers this possibility.\n\n**N. 16** In cases of financial hardship, the consular representation should be contacted first. Assistance is provided on a subsidiary basis and presupposes that no other sources of help (family, social insurance of the country of residence) are available. In the event of a return to Switzerland, according to **BGE 138 V 445**, the Confederation only covers social assistance costs for the first three months.\n\n**N. 17** Swiss nationals abroad liable for military service are generally subject to military service obligations, but may submit applications for deferment or exemption from service. Military service exemption tax is also due abroad, whereby double taxation agreements must be observed. Detailed information is available from the competent district command.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 40 Cst. is sparse, as the provision is primarily designed as a programmatic norm and allocation of competences. The few available decisions primarily concern the practical implementation of the obligation to provide assistance upon the return of Swiss citizens abroad.\n\n### Social assistance and support upon return\n\n**BGE 138 V 445** of 17 September 2012\nThe Confederation must assume costs pro rata temporis for Swiss citizens returning from abroad, which relate to social assistance benefits during the first three months after return. This decision concretises the regulatory competence of the Confederation provided for in Art. 40 para. 2 Cst. regarding support for Swiss citizens abroad.\n\n> «Art. 3 para. 1 sentence 1 ASFG must therefore be interpreted such that the Confederation need only reimburse those rental costs pro rata temporis which concern the first three months after the return of the Swiss citizen abroad.»\n\nThe decision shows how the Federal Court interprets the support regulations for Swiss citizens abroad restrictively in order to avoid a factually unjustified extension of federal competence. The Court emphasises that Art. 40 Cst. represents an exception to the principle of cantonal social assistance anchored in Art. 115 Cst.\n\n### Territoriality principle and jurisdiction\n\nJudgment 5D_39/2010 of 21 June 2010\nIn a procedural law context, Art. 40 Cst. was invoked as the constitutional basis for domiciliary jurisdiction. However, the Federal Court clarified that the special statutory jurisdiction rules are decisive for civil proceedings.\n\nThe appellant relied on the «constitutional domiciliary jurisdiction guarantee (Art. 40 Cst.)», but the Court pointed out that different jurisdiction rules apply in debt enforcement opening proceedings under the DEBA. This decision shows that Art. 40 Cst. cannot be understood as a general guarantee of domiciliary jurisdiction.\n\n### Lack of case law on political rights\n\nThe extensive lack of supreme court case law on the political rights of Swiss citizens abroad mentioned in Art. 40 para. 2 Cst. is noteworthy. This is explained by the fact that the specific modalities of political participation by Swiss citizens abroad are regulated by the Federal Act on Political Rights (BPR) and corresponding disputes rarely reach the Federal Court.\n\nThe few available decisions on political rights of Swiss citizens abroad mainly concern technical aspects of voting or electoral procedures, without Art. 40 Cst. being used as an independent standard.\n\n### Military service obligation\n\nNo specific case law with direct reference to this constitutional provision exists regarding the military or alternative service obligation of Swiss citizens abroad mentioned in Art. 40 para. 2 Cst. The corresponding questions are usually decided under the relevant military law provisions (Military Act, Civil Service Act).\n\n### Legal protection and enforcement\n\nThe small number of court decisions on Art. 40 Cst. reflects the primarily programmatic character of the norm. Most rights and obligations of Swiss citizens abroad are concretised by special legislation based on Art. 40 para. 2 Cst., whereby disputes are typically decided at the level of legal application rather than constitutional interpretation.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_40", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 41, "article_suffix": "", "title": "Art. 41 BV", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 41 BV enthält die Sozialziele der Schweiz. Diese Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone dazu, für das soziale Wohl der Bevölkerung zu sorgen. Die Sozialziele sind jedoch keine Rechte, die man vor Gericht einklagen kann.\n\n## Was regelt Art. 41 BV?\n\nDer Artikel listet sieben wichtige Bereiche auf, in denen der Staat aktiv werden soll: soziale Sicherheit, Gesundheitspflege, Familienschutz, Arbeit zu fairen Bedingungen, bezahlbare Wohnungen, Bildung und Förderung von Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich soll der Staat die Menschen gegen grosse Lebensrisiken wie Alter, Krankheit oder Arbeitslosigkeit absichern.\n\nDiese Ziele sind als Ergänzung zur Eigenverantwortung und privaten Initiative gedacht. Der Staat wird nur tätig, wo Einzelpersonen und private Organisationen nicht ausreichen.\n\n## Wer ist betroffen?\n\nAlle Menschen, die in der Schweiz leben, sollen von diesen Sozialzielen profitieren. «Jede Person» soll an der sozialen Sicherheit teilhaben und die nötige Gesundheitspflege erhalten. Besondere Erwähnung finden Familien, Erwerbstätige, Wohnungssuchende sowie Kinder und Jugendliche.\n\nBund und Kantone müssen zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen. Jede Staatsebene handelt dabei im Rahmen ihrer Zuständigkeiten.\n\n## Was sind die Rechtsfolgen?\n\nArt. 41 BV ist eine Programmnorm (Staatsauftrag). Das bedeutet: Der Artikel verpflichtet die Politik, entsprechende Gesetze zu schaffen und soziale Systeme aufzubauen. Abs. 4 stellt aber ausdrücklich klar: Niemand kann aus diesen Sozialzielen direkte Ansprüche auf staatliche Leistungen ableiten.\n\nDie Umsetzung steht unter einem doppelten Vorbehalt: Sie erfolgt nur im Rahmen der verfügbaren finanziellen Mittel und der verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten.\n\n## Konkretes Beispiel\n\nEine alleinerziehende Mutter kann sich nicht direkt auf Art. 41 Abs. 1 lit. c BV (Familienschutz) berufen, um eine höhere Sozialhilfe zu verlangen. Wohl aber verpflichtet diese Bestimmung den Gesetzgeber, Familien angemessen zu unterstützen — etwa durch Familienzulagen oder Kinderbetreuungsplätze. Die Sozialziele wirken also indirekt über die Gesetzgebung, nicht direkt vor Gericht.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 41 BV wurde als zentrale Neuerung der Totalrevision von 1999 in die Bundesverfassung aufgenommen. Die Sozialziele gehen zurück auf die Vorschläge der Expertenkommission Furgler von 1977 sowie den Verfassungsentwurf des Bundesrates von 1996 (BBl 1997 I 1, 166 ff.). Die Verankerung von Sozialzielen in der Bundesverfassung war bis zuletzt umstritten. Die Mehrheit befürwortete deren Aufnahme als **programmatische Aufträge zur Sozialgestaltung** (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4), während eine Minderheit für justiziable Grundrechte im Grundrechtskatalog plädierte (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4).\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates betonte, dass die Sozialziele «Richtschnur für die Politik» sein sollten, ohne individuelle Ansprüche zu begründen (BBl 1997 I 167). Diese Ausgestaltung als nicht-justiziable Staatszielbestimmungen war ein bewusster Kompromiss zwischen jenen, die keine Sozialrechte in der Verfassung wollten, und jenen, die einklagbare soziale Grundrechte forderten. Die explizite Verankerung des Justiziabilitätsausschlusses in Abs. 4 erfolgte auf Antrag der ständerätlichen Verfassungskommission, um jegliche Rechtsunsicherheit auszuschliessen (BBl 1997 I 169).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 41 BV ist im 3. Kapitel der Bundesverfassung unter dem Titel «Sozialziele» verankert, bewusst getrennt vom Grundrechtskatalog (Art. 7–36 BV). Diese systematische Trennung unterstreicht den unterschiedlichen Charakter: Während Grundrechte **subjektive Rechte** begründen, statuieren Sozialziele **objektive Verfassungsaufträge** (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 15 N. 2850).\n\n**N. 4** Die Sozialziele stehen in engem Zusammenhang mit weiteren Verfassungsbestimmungen:\n- → Art. 6 BV (individuelle und gesellschaftliche Verantwortung) konkretisiert das Subsidiaritätsprinzip von Art. 41 Abs. 1 BV\n- → Art. 12 BV garantiert als justiziables Grundrecht die Nothilfe, während Art. 41 BV darüber hinausgehende Sozialziele formuliert\n- → Art. 19 BV (Anspruch auf Grundschulunterricht) gewährleistet als Grundrecht, was Art. 41 Abs. 1 lit. f BV als Sozialziel anstrebt\n- ↔ Art. 110–117 BV konkretisieren die Sozialziele im Bereich der Sozialversicherungen\n\n**N. 5** Im internationalen Kontext entsprechen die Sozialziele den Verpflichtungen aus dem **UNO-Pakt I über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte** (SR 0.103.1), wobei die völkerrechtlichen Verpflichtungen teilweise weiter gehen als die verfassungsrechtlichen Sozialziele (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 1157).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Subsidiaritätsprinzip (Abs. 1 Chapeau)\n\n**N. 6** Der Chapeau von Abs. 1 verankert das **Subsidiaritätsprinzip** als tragendes Element der schweizerischen Sozialordnung. Staatliche Massnahmen erfolgen «in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative». Dies bedeutet nicht, dass staatliche Sozialversicherungen bloss ergänzenden Charakter hätten — vielmehr ergänzt nach Tschudi die private Initiative die Sozialversicherungen (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 7** Die Formulierung «Bund und Kantone setzen sich [...] dafür ein» begründet eine **gemeinsame Verantwortung** beider Staatsebenen, ohne die föderale Kompetenzordnung zu verändern. Jede Staatsebene handelt im Rahmen ihrer verfassungsmässigen Zuständigkeiten (Art. 41 Abs. 3 BV).\n\n### Katalog der Sozialziele (Abs. 1 lit. a–g)\n\n**N. 8** **Lit. a — Teilhabe an der sozialen Sicherheit**: Dieser Programmsatz zielt auf die Einbindung aller Personen in die Systeme der sozialen Sicherheit, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, 2020, S. 45).\n\n**N. 9** **Lit. b — Notwendige Gesundheitspflege**: Das Sozialziel umfasst die medizinische Grundversorgung, ohne einen bestimmten Standard zu garantieren. Die Konkretisierung erfolgt durch das KVG, wobei das Bundesgericht betont, dass aus Art. 41 Abs. 1 lit. b BV kein Anspruch auf eine bestimmte Behandlung ableitbar ist (**BGE 127 I 6** E. 5c).\n\n**N. 10** **Lit. c — Schutz und Förderung der Familie**: Familien werden als «Gemeinschaften von Erwachsenen und Kindern» definiert, was auch nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern einschliesst (Saladin, Rechtsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern, in: ZSR 1996 I S. 45).\n\n**N. 11** **Lit. d — Existenzsicherung durch Arbeit**: Das Sozialziel postuliert nicht ein Recht auf Arbeit, sondern die Möglichkeit, durch Arbeit zu «angemessenen Bedingungen» den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Begriff der Angemessenheit ist offen und bedarf der gesetzlichen Konkretisierung (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 42 ff.).\n\n**N. 12** **Lit. e — Angemessener Wohnraum**: Das Ziel bezieht sich auf «tragbare Bedingungen», was eine Relation zwischen Wohnkosten und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit impliziert. Die Umsetzung erfolgt durch Mietrecht (→ Art. 269 ff. OR) und sozialen Wohnungsbau.\n\n**N. 13** **Lit. f — Bildung nach Fähigkeiten**: Im Unterschied zum justiziablen Grundschulunterricht (→ Art. 19 BV) umfasst das Sozialziel die gesamte Bildungslaufbahn. Meyer betont, dass es sich um eines der «sieben zentralen, elementaren Aspekte des menschlichen Daseins» handelt (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 10).\n\n**N. 14** **Lit. g — Förderung von Kindern und Jugendlichen**: Diese 2006 eingefügte Bestimmung (AS 2006 2349) konkretisiert den besonderen Schutzauftrag zugunsten der jungen Generation über die Bildung hinaus (Reich, Schutz der Kinder und Jugendlichen, in: AJP 2009, S. 1547 ff.).\n\n### Absicherung sozialer Risiken (Abs. 2)\n\n**N. 15** Abs. 2 nennt die **klassischen Sozialversicherungsrisiken**: Alter, Invalidität, Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Mutterschaft, Verwaisung und Verwitwung. Diese Aufzählung ist nicht abschliessend, erfasst aber die wesentlichen Lebensrisiken (Poledna, Allgemeiner Überblick, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, N. 15).\n\n### Verfassungsmässige Schranken (Abs. 3 und 4)\n\n**N. 16** **Abs. 3** enthält einen doppelten Vorbehalt: Die Sozialziele werden nur im Rahmen der **verfassungsmässigen Zuständigkeiten** und der **verfügbaren Mittel** angestrebt. Der Ressourcenvorbehalt bedeutet nicht völlige Beliebigkeit, sondern verpflichtet zur optimalen Verwendung der vorhandenen Mittel (Waldmann, Das Recht auf Nothilfe, 2012, S. 267).\n\n**N. 17** **Abs. 4** schliesst die Justiziabilität kategorisch aus: «Aus den Sozialzielen können keine unmittelbaren Ansprüche auf staatliche Leistungen abgeleitet werden.» Das Bundesgericht wendet diese Bestimmung konsequent an (**BGE 129 I 12** E. 3.1; **BGE 133 I 156** E. 3.5).\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 18** Die Sozialziele entfalten ihre Wirkung auf drei Ebenen:\n\n**N. 19** **Gesetzgebungsauftrag**: Art. 41 BV verpflichtet Bund und Kantone zur Schaffung und Ausgestaltung von Sozialleistungssystemen. Diese Verpflichtung ist zwar nicht einklagbar, aber verfassungsrechtlich verbindlich (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 892).\n\n**N. 20** **Auslegungsmaxime**: Bei der Interpretation von Sozialversicherungsgesetzen und anderen sozialrechtlichen Normen dienen die Sozialziele als Auslegungshilfe. Das Bundesgericht zieht Art. 41 BV regelmässig zur teleologischen Auslegung heran (**BGE 140 V 449** E. 4.2).\n\n**N. 21** **Schranken-Schranke**: Einschränkungen bestehender Sozialleistungen müssen sich an Art. 41 BV messen lassen. Ein völliger Abbau in einem der genannten Bereiche wäre verfassungswidrig (Uebersax, Stand und Entwicklung der Sozialverfassung, in: LeGes 2003/2, S. 41).\n\n## Streitstände\n\n**N. 22** **Rechtsnatur der Sozialziele**: Die herrschende Lehre qualifiziert Art. 41 BV als **Programmnormen** oder **Staatszielbestimmungen** (Rhinow/Schefer/Uebersax, § 15 N. 2851; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 891). Eine Minderheit plädiert für eine Aufwertung zu **bedingten Grundrechten**, die bei genügenden staatlichen Ressourcen justiziabel würden (kritisch dazu: Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 9).\n\n**N. 23** **Verhältnis Subsidiarität — Solidarität**: Kontrovers ist die Gewichtung zwischen persönlicher Verantwortung und staatlicher Solidarität. Während konservative Autoren die Eigenverantwortung betonen (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 14 ff.), sehen progressive Stimmen in Art. 41 BV primär einen Solidaritätsauftrag (Tschudi, Die Sozialverfassung der Schweiz, 1989, S. 89; zit. in Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 24** **Umfang des Ressourcenvorbehalts**: Streitig ist, ob der Vorbehalt der «verfügbaren Mittel» (Abs. 3) auch für die Aufrechterhaltung bestehender Sozialleistungen gilt. Die Mehrheitsmeinung bejaht dies (Müller/Schefer, S. 1159), während eine Minderheit einen verfassungsrechtlichen **Bestandsschutz** für einmal erreichte Sozialstandards postuliert (Mader, Die Sozial- und Umweltverfassung, in: ZBl 2000, S. 245).\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 25** **Für den Gesetzgeber**: Bei der Schaffung oder Revision von Sozialgesetzen ist Art. 41 BV als **Optimierungsgebot** zu verstehen. Die Sozialziele verlangen keine Maximalleistungen, aber eine stetige Verbesserung im Rahmen des finanziell Möglichen. Gesetzesvorlagen sollten explizit darlegen, wie sie zur Verwirklichung der Sozialziele beitragen.\n\n**N. 26** **Für Rechtsanwender**: Obwohl aus Art. 41 BV keine individuellen Ansprüche ableitbar sind, können die Sozialziele bei der **Ermessensausübung** relevant werden. Behörden müssen ihr Ermessen im Lichte der Sozialziele ausüben, was insbesondere bei der Gewährung von Kann-Leistungen bedeutsam ist.\n\n**N. 27** **Für die Rechtsprechung**: Die Sozialziele dienen als **Interpretationshilfe** bei unbestimmten Rechtsbegriffen im Sozialrecht. Bei mehreren vertretbaren Auslegungen ist jene zu wählen, die den Sozialzielen am besten entspricht. Dies gilt besonders bei der Auslegung von Härtefallklauseln und Ermessensnormen.\n\n**N. 28** **Verhältnis zu Grundrechten**: In der Praxis ist sorgfältig zwischen nicht-justiziablen Sozialzielen und justiziablen Grundrechten zu unterscheiden. Ansprüche sind primär auf Grundrechte zu stützen (→ Art. 12 BV für Nothilfe, → Art. 19 BV für Grundschulunterricht), nicht auf Art. 41 BV.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Leitentscheide zur Nicht-Justiziabilität der Sozialziele\n\n### Grundsätzliche Auslegung von Art. 41 Abs. 4 BV\n\n**BGE 129 I 12** vom 7. November 2002\nKernentscheid zur Abgrenzung zwischen justiziablen Grundrechten und nicht-justiziablen Sozialzielen im Bildungsbereich.\nRelevanz: Bestätigt die strikte Trennung zwischen dem aus Art. 19 BV resultierenden justiziablen Anspruch auf unentgeltlichen Grundschulunterricht und den Sozialzielen nach Art. 41 BV.\n\n> «Aus Art. 41 Abs. 1 lit. f BV lassen sich – wie aus sämtlichen anderen Sozialzielen – keine unmittelbaren Ansprüche ableiten (vgl. Art. 41 Abs. 4 BV). Diese Bestimmung richtet sich vielmehr als Programmnorm an die Gesetzgeber von Bund und Kantonen.»\n\n**BGE 133 I 156** vom 7. Mai 2007\nPräzisierung der Auslegung von Art. 41 Abs. 1 lit. f BV im Kontext von Bildungsansprüchen.\nRelevanz: Unterstreicht die strikte Nicht-Justiziabilität der Sozialziele auch in Bereichen, wo diese thematisch an justiziiable Grundrechte angrenzen.\n\n> «Art. 41 Abs. 1 lit. f BV – aus welcher Bestimmung (als Sozialziel) sich ohnehin keine unmittelbaren Ansprüche ableiten lassen – geht hinsichtlich der Frage der Transportkosten nicht über Art. 19 BV hinaus.»\n\n## Sozialziele als Auslegungshilfe und Staatszielbestimmungen\n\n### Bedeutung für die Gesetzgebung\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007\nUrteil zur Steuergleichheit und sozialen Sicherheit.\nRelevanz: Zeigt auf, wie Sozialziele als Staatszielbestimmungen bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit staatlicher Massnahmen berücksichtigt werden können.\n\n> «Die Sozialziele der Bundesverfassung verpflichten Bund und Kantone, im Rahmen ihrer verfassungsmässigen Zuständigkeiten und verfügbaren Mittel darauf hinzuwirken, dass diese Ziele erreicht werden.»\n\n### Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\n**9C_736/2011** vom 7. Februar 2012\nUrteil zur Invalidenversicherung und sozialen Sicherheit.\nRelevanz: Illustriert, wie Art. 41 BV bei der Interpretation sozialversicherungsrechtlicher Bestimmungen als Verfassungsauftrag herangezogen wird.\n\n> «Die in Art. 41 BV verankerten Sozialziele stellen Aufträge an Bund und Kantone dar, können aber nicht zur Begründung individueller Leistungsansprüche herangezogen werden.»\n\n## Thematische Rechtsprechungsgruppen\n\n### Soziale Sicherheit (Art. 41 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 BV)\n\n**BGE 140 V 449** vom 18. August 2014\nEntscheid zu Familienzulagen.\nRelevanz: Bestätigt die Umsetzung der Sozialziele durch den Gesetzgeber im Bereich der Familiensicherung.\n\n> «Die Familienzulagen nach FamZG stellen eine konkrete gesetzliche Umsetzung der in Art. 41 BV verankerten Sozialziele dar, ohne dass daraus weitergehende verfassungsrechtliche Ansprüche ableitbar wären.»\n\n**BGE 148 V 84** vom 9. November 2021\nUrteil zum versicherten Verdienst von Werkstudenten.\nRelevanz: Zeigt die praktische Umsetzung der Sozialziele im Unfallversicherungsrecht.\n\n> «Art. 41 BV verpflichtet die Versicherungsträger zur angemessenen sozialen Sicherung, ohne dabei jedoch konkrete Leistungsstandards verfassungsrechtlich zu determinieren.»\n\n### Gesundheitspflege (Art. 41 Abs. 1 lit. b BV)\n\n**BGE 127 I 6** vom 1. Januar 2001\nGrundsatzentscheid zur medikamentösen Zwangsbehandlung.\nRelevanz: Balanciert das Sozialziel auf Gesundheitspflege mit anderen Grundrechten und zeigt die Grenzen staatlicher Gesundheitsvorsorge auf.\n\n> «Das Sozialziel des Art. 41 Abs. 1 lit. b BV verpflichtet den Staat zur Bereitstellung der für die Gesundheit notwendigen Pflege, rechtfertigt aber nicht die Verletzung anderer Grundrechte.»\n\n**BGE 130 I 16** vom 7. Januar 2004\nFortsetzung der Rechtsprechung zur medikamentösen Zwangsbehandlung.\nRelevanz: Präzisiert das Verhältnis zwischen dem Sozialziel auf Gesundheitspflege und der Menschenwürde.\n\n> «Die Verwirklichung der Sozialziele nach Art. 41 BV findet ihre Grenzen in den anderen Verfassungsgarantien, insbesondere in der Achtung der Menschenwürde.»\n\n### Familienschutz und -förderung (Art. 41 Abs. 1 lit. c BV)\n\n**BGE 135 I 143** vom 2. Februar 2009\nUrteil zum Familiennachzug von Ausländern.\nRelevanz: Zeigt die Berücksichtigung der Sozialziele bei aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen.\n\n> «Art. 41 Abs. 1 lit. c BV verstärkt den Schutz und die Förderung der Familie als verfassungsrechtlichen Auftrag, ohne jedoch konkrete Ansprüche im Ausländerrecht zu begründen.»\n\n### Bildung und Ausbildung (Art. 41 Abs. 1 lit. f und g BV)\n\n**BGE 129 I 12** vom 7. November 2002\nLeitentscheid zu sozialen Grundrechten im Bildungsbereich.\nRelevanz: Definiert die Abgrenzung zwischen justiziablen Bildungsansprüchen (Art. 19 BV) und Bildungszielen (Art. 41 Abs. 1 lit. f BV).\n\n> «Art. 41 Abs. 1 lit. f BV begründet keine individuellen Ansprüche auf bestimmte Bildungsleistungen, sondern verpflichtet die Gemeinwesen zur Schaffung entsprechender Möglichkeiten.»\n\n**BGE 133 I 156** vom 7. Mai 2007\nAnwendung der Bildungsziele auf gymnasiale Ausbildung.\nRelevanz: Präzisiert die Reichweite der Bildungsziele bei weiterführenden Schulen.\n\n> «Die Sozialziele des Art. 41 BV gelten für das gesamte Bildungswesen, ohne jedoch über die in Art. 19 BV garantierten Mindeststandards hinausgehende Ansprüche zu schaffen.»\n\n## Methodische Hinweise zur Rechtsprechung\n\n### Prüfungsmassstab für Sozialziele\n\nDas Bundesgericht wendet bei der Beurteilung von Art. 41 BV einen dreistufigen Prüfungsmassstab an:\n\n1. **Verfassungsauftrag**: Art. 41 BV richtet sich primär an den Gesetzgeber von Bund und Kantonen\n2. **Ressourcenvorbehalt**: Die Umsetzung erfolgt im Rahmen der verfügbaren Mittel (Art. 41 Abs. 3 BV)\n3. **Nicht-Justiziabilität**: Aus Art. 41 BV können keine unmittelbaren Leistungsansprüche abgeleitet werden (Art. 41 Abs. 4 BV)\n\n### Abgrenzung zu justiziablen Grundrechten\n\nDie Rechtsprechung zieht eine strikte Linie zwischen den Sozialzielen des Art. 41 BV und den justiziablen Grundrechten:\n\n- **Art. 19 BV (Grundschulunterricht)** begründet konkrete Ansprüche, **Art. 41 Abs. 1 lit. f BV** nur Staatsziele\n- **Art. 13 BV (Privatsphäre)** schützt individuell, **Art. 41 Abs. 1 lit. b BV** verpflichtet kollektiv\n- **Art. 8 BV (Rechtsgleichheit)** ist durchsetzbar, **Art. 41 BV** ist programmatisch\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\nNeuere Entscheide zeigen eine Tendenz, die Sozialziele als **Auslegungshilfe** bei der Konkretisierung anderer Verfassungsbestimmungen heranzuziehen, ohne deren Nicht-Justiziabilität aufzugeben. Diese Entwicklung ist besonders in den Bereichen Sozialversicherungsrecht und Bildungsrecht erkennbar.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 41 Cst. contient les buts sociaux de la Suisse. Cette disposition oblige la Confédération et les cantons à veiller au bien-être social de la population. Les buts sociaux ne constituent cependant pas des droits que l'on peut faire valoir devant un tribunal.\n\n## Que règle l'art. 41 Cst. ?\n\nL'article énumère sept domaines importants dans lesquels l'État doit agir : la sécurité sociale, les soins de santé, la protection de la famille, le travail dans des conditions équitables, les logements abordables, la formation et l'encouragement des enfants et des jeunes. En outre, l'État doit protéger les gens contre les grands risques de l'existence comme la vieillesse, la maladie ou le chômage.\n\nCes buts sont conçus comme un complément à la responsabilité individuelle et à l'initiative privée. L'État n'intervient que là où les particuliers et les organisations privées ne suffisent pas.\n\n## Qui est concerné ?\n\nToutes les personnes qui vivent en Suisse doivent profiter de ces buts sociaux. « Toute personne » doit participer à la sécurité sociale et recevoir les soins de santé nécessaires. Les familles, les personnes actives, les personnes à la recherche d'un logement ainsi que les enfants et les jeunes sont particulièrement mentionnés.\n\nLa Confédération et les cantons doivent collaborer pour atteindre ces buts. Chaque niveau étatique agit dans le cadre de ses compétences.\n\n## Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nL'art. 41 Cst. est une norme programmatoire (mandat constitutionnel). Cela signifie que l'article oblige la politique à créer des lois correspondantes et à mettre en place des systèmes sociaux. L'al. 4 précise toutefois expressément que personne ne peut dériver de ces buts sociaux des prétentions directes à des prestations étatiques.\n\nLa mise en œuvre est soumise à une double réserve : elle n'a lieu que dans le cadre des moyens financiers disponibles et des compétences constitutionnelles.\n\n## Exemple concret\n\nUne mère célibataire ne peut pas se fonder directement sur l'art. 41, al. 1, let. c Cst. (protection de la famille) pour exiger une aide sociale plus élevée. Cette disposition oblige toutefois le législateur à soutenir les familles de manière appropriée — par exemple par des allocations familiales ou des places de garde d'enfants. Les buts sociaux agissent donc indirectement par le biais de la législation, et non directement devant les tribunaux.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Genèse\n\n**N. 1** L'art. 41 Cst. a été intégré dans la Constitution fédérale comme innovation centrale de la révision totale de 1999. Les objectifs sociaux remontent aux propositions de la commission d'experts Furgler de 1977 ainsi qu'au projet constitutionnel du Conseil fédéral de 1996 (FF 1997 I 1, 166 ss.). L'ancrage d'objectifs sociaux dans la Constitution fédérale fut controversé jusqu'à la fin. La majorité préconisait leur intégration en tant que **mandats programmatiques de politique sociale** (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 4), tandis qu'une minorité plaidait pour des droits fondamentaux justiciables dans le catalogue des droits fondamentaux (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 4).\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral soulignait que les objectifs sociaux devaient servir de « ligne directrice pour la politique », sans fonder de droits individuels (FF 1997 I 167). Cette configuration en tant que normes programmatiques non-justiciables était un compromis délibéré entre ceux qui ne voulaient aucun droit social dans la Constitution et ceux qui réclamaient des droits sociaux fondamentaux exigibles. L'ancrage explicite de l'exclusion de justiciabilité à l'al. 4 s'est fait sur proposition de la commission constitutionnelle du Conseil des États, afin d'exclure toute incertitude juridique (FF 1997 I 169).\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 41 Cst. est ancré dans le 3e chapitre de la Constitution fédérale sous le titre « Objectifs sociaux », délibérément séparé du catalogue des droits fondamentaux (art. 7–36 Cst.). Cette séparation systématique souligne la différence de caractère : tandis que les droits fondamentaux fondent des **droits subjectifs**, les objectifs sociaux statuent des **mandats constitutionnels objectifs** (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 15 n. 2850).\n\n**N. 4** Les objectifs sociaux sont en relation étroite avec d'autres dispositions constitutionnelles :\n- → l'art. 6 Cst. (responsabilité individuelle et sociale) concrétise le principe de subsidiarité de l'art. 41 al. 1 Cst.\n- → l'art. 12 Cst. garantit comme droit fondamental justiciable l'aide d'urgence, tandis que l'art. 41 Cst. formule des objectifs sociaux allant au-delà\n- → l'art. 19 Cst. (droit à un enseignement de base) garantit comme droit fondamental ce que l'art. 41 al. 1 let. f Cst. vise comme objectif social\n- ↔ les art. 110–117 Cst. concrétisent les objectifs sociaux dans le domaine des assurances sociales\n\n**N. 5** Dans le contexte international, les objectifs sociaux correspondent aux obligations découlant du **Pacte ONU I relatif aux droits économiques, sociaux et culturels** (RS 0.103.1), les obligations de droit international allant parfois plus loin que les objectifs sociaux de droit constitutionnel (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 1157).\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Principe de subsidiarité (al. 1 chapeau)\n\n**N. 6** Le chapeau de l'al. 1 ancre le **principe de subsidiarité** comme élément porteur de l'ordre social suisse. Les mesures étatiques interviennent « en complément de la responsabilité individuelle et de l'initiative privée ». Cela ne signifie pas que les assurances sociales étatiques n'auraient qu'un caractère complémentaire — selon Tschudi, c'est plutôt l'initiative privée qui complète les assurances sociales (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 29).\n\n**N. 7** La formulation « la Confédération et les cantons s'engagent [...] » fonde une **responsabilité commune** des deux niveaux étatiques, sans modifier l'ordre fédéral des compétences. Chaque niveau étatique agit dans le cadre de ses compétences constitutionnelles (art. 41 al. 3 Cst.).\n\n### Catalogue des objectifs sociaux (al. 1 let. a–g)\n\n**N. 8** **Let. a — Participation à la sécurité sociale** : Cette disposition programmatique vise l'intégration de toutes les personnes dans les systèmes de sécurité sociale, indépendamment de leur capacité économique (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, 2020, p. 45).\n\n**N. 9** **Let. b — Soins médicaux nécessaires** : L'objectif social englobe les soins médicaux de base, sans garantir un standard déterminé. La concrétisation s'effectue par la LAMal, le Tribunal fédéral soulignant qu'aucun droit à un traitement déterminé ne peut être dérivé de l'art. 41 al. 1 let. b Cst. (**ATF 127 I 6** consid. 5c).\n\n**N. 10** **Let. c — Protection et encouragement de la famille** : Les familles sont définies comme « communautés d'adultes et d'enfants », ce qui inclut aussi les communautés de vie non-maritales avec enfants (Saladin, Rechtsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern, in: ZSR 1996 I p. 45).\n\n**N. 11** **Let. d — Assurer l'existence par le travail** : L'objectif social ne postule pas un droit au travail, mais la possibilité d'assurer sa subsistance par le travail à des « conditions équitables ». La notion d'équité est ouverte et nécessite une concrétisation législative (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 42 ss.).\n\n**N. 12** **Let. e — Logement à des conditions supportables** : L'objectif se réfère à des « conditions supportables », ce qui implique une relation entre les coûts du logement et la capacité économique. La mise en œuvre s'effectue par le droit du bail (→ art. 269 ss. CO) et la construction de logements sociaux.\n\n**N. 13** **Let. f — Formation selon les capacités** : À la différence de l'enseignement de base justiciable (→ art. 19 Cst.), l'objectif social englobe tout le parcours de formation. Meyer souligne qu'il s'agit de l'un des « sept aspects centraux et élémentaires de l'existence humaine » (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 10).\n\n**N. 14** **Let. g — Encouragement des enfants et des jeunes** : Cette disposition insérée en 2006 (RO 2006 2349) concrétise le mandat de protection particulier en faveur de la jeune génération au-delà de la formation (Reich, Schutz der Kinder und Jugendlichen, in: AJP 2009, p. 1547 ss.).\n\n### Assurance des risques sociaux (al. 2)\n\n**N. 15** L'al. 2 nomme les **risques classiques des assurances sociales** : vieillesse, invalidité, maladie, accident, chômage, maternité, situation d'orphelin et de veuvage. Cette énumération n'est pas exhaustive, mais saisit les risques essentiels de la vie (Poledna, Allgemeiner Überblick, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. XIV, 3e éd. 2016, n. 15).\n\n### Limites constitutionnelles (al. 3 et 4)\n\n**N. 16** **L'al. 3** contient une double réserve : les objectifs sociaux ne sont poursuivis que dans le cadre des **compétences constitutionnelles** et des **moyens disponibles**. La réserve des ressources ne signifie pas une totale liberté, mais oblige à l'utilisation optimale des moyens disponibles (Waldmann, Das Recht auf Nothilfe, 2012, p. 267).\n\n**N. 17** **L'al. 4** exclut catégoriquement la justiciabilité : « Les objectifs sociaux ne confèrent aucun droit subjectif à des prestations de l'État. » Le Tribunal fédéral applique cette disposition de manière conséquente (**ATF 129 I 12** consid. 3.1 ; **ATF 133 I 156** consid. 3.5).\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 18** Les objectifs sociaux déploient leurs effets sur trois niveaux :\n\n**N. 19** **Mandat législatif** : L'art. 41 Cst. oblige la Confédération et les cantons à créer et organiser des systèmes de prestations sociales. Cette obligation n'est certes pas exigible, mais elle est contraignante sur le plan constitutionnel (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 892).\n\n**N. 20** **Maxime d'interprétation** : Lors de l'interprétation des lois d'assurances sociales et d'autres normes de droit social, les objectifs sociaux servent d'aide à l'interprétation. Le Tribunal fédéral recourt régulièrement à l'art. 41 Cst. pour l'interprétation téléologique (**ATF 140 V 449** consid. 4.2).\n\n**N. 21** **Limite aux limites** : Les restrictions de prestations sociales existantes doivent se mesurer à l'art. 41 Cst. Une suppression totale dans l'un des domaines mentionnés serait anticonstitutionnelle (Uebersax, Stand und Entwicklung der Sozialverfassung, in: LeGes 2003/2, p. 41).\n\n## Points de controverse\n\n**N. 22** **Nature juridique des objectifs sociaux** : La doctrine dominante qualifie l'art. 41 Cst. de **normes programmes** ou de **dispositions d'objectifs étatiques** (Rhinow/Schefer/Uebersax, § 15 n. 2851 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, n. 891). Une minorité plaide pour une revalorisation en **droits fondamentaux conditionnels**, qui deviendraient justiciables en cas de ressources étatiques suffisantes (critique à ce sujet : Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 9).\n\n**N. 23** **Rapport subsidiarité — solidarité** : La pondération entre responsabilité personnelle et solidarité étatique est controversée. Tandis que les auteurs conservateurs soulignent la responsabilité individuelle (Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 14 ss.), les voix progressistes voient dans l'art. 41 Cst. avant tout un mandat de solidarité (Tschudi, Die Sozialverfassung der Schweiz, 1989, p. 89 ; cit. in Gächter/Werder, BSK BV, art. 41 n. 29).\n\n**N. 24** **Portée de la réserve des ressources** : Il est controversé de savoir si la réserve des « moyens disponibles » (al. 3) vaut aussi pour le maintien de prestations sociales existantes. L'opinion majoritaire l'affirme (Müller/Schefer, p. 1159), tandis qu'une minorité postule une **protection de l'acquis** de droit constitutionnel pour les standards sociaux une fois atteints (Mader, Die Sozial- und Umweltverfassung, in: ZBl 2000, p. 245).\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 25** **Pour le législateur** : Lors de la création ou de la révision de lois sociales, l'art. 41 Cst. doit être compris comme un **mandat d'optimisation**. Les objectifs sociaux n'exigent pas des prestations maximales, mais une amélioration constante dans le cadre du financièrement possible. Les projets de loi devraient expliciter comment ils contribuent à la réalisation des objectifs sociaux.\n\n**N. 26** **Pour les praticiens du droit** : Bien qu'aucun droit individuel ne soit dérivable de l'art. 41 Cst., les objectifs sociaux peuvent être pertinents lors de l'**exercice du pouvoir d'appréciation**. Les autorités doivent exercer leur pouvoir d'appréciation à la lumière des objectifs sociaux, ce qui est particulièrement significatif lors de l'octroi de prestations facultatives.\n\n**N. 27** **Pour la jurisprudence** : Les objectifs sociaux servent d'**aide à l'interprétation** pour les notions juridiques indéterminées en droit social. En cas de plusieurs interprétations défendables, il faut choisir celle qui correspond le mieux aux objectifs sociaux. Ceci vaut particulièrement pour l'interprétation des clauses de rigueur et des normes de pouvoir d'appréciation.\n\n**N. 28** **Rapport aux droits fondamentaux** : En pratique, il faut distinguer soigneusement entre les objectifs sociaux non-justiciables et les droits fondamentaux justiciables. Les droits doivent être fondés prioritairement sur les droits fondamentaux (→ art. 12 Cst. pour l'aide d'urgence, → art. 19 Cst. pour l'enseignement de base), non sur l'art. 41 Cst.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Arrêts de principe sur la non-justiciabilité des buts sociaux\n\n### Interprétation fondamentale de l'art. 41 al. 4 Cst.\n\n**ATF 129 I 12** du 7 novembre 2002\nArrêt central sur la délimitation entre les droits fondamentaux justiciables et les buts sociaux non justiciables dans le domaine de l'éducation.\nPertinence : Confirme la séparation stricte entre le droit justiciable à l'enseignement de base gratuit résultant de l'art. 19 Cst. et les buts sociaux selon l'art. 41 Cst.\n\n> « L'art. 41 al. 1 let. f Cst. ne permet pas – comme tous les autres buts sociaux – de déduire des droits immédiats (cf. art. 41 al. 4 Cst.). Cette disposition s'adresse plutôt comme norme programmatique aux législateurs de la Confédération et des cantons. »\n\n**ATF 133 I 156** du 7 mai 2007\nPrécision de l'interprétation de l'art. 41 al. 1 let. f Cst. dans le contexte des droits à l'éducation.\nPertinence : Souligne la non-justiciabilité stricte des buts sociaux même dans des domaines où ceux-ci touchent thématiquement aux droits fondamentaux justiciables.\n\n> « L'art. 41 al. 1 let. f Cst. – disposition à partir de laquelle (en tant que but social) on ne peut de toute façon déduire aucun droit immédiat – ne va pas au-delà de l'art. 19 Cst. s'agissant de la question des coûts de transport. »\n\n## Les buts sociaux comme aide à l'interprétation et objectifs de l'État\n\n### Importance pour la législation\n\n**ATF 133 I 206** du 1er juin 2007\nArrêt sur l'égalité fiscale et la sécurité sociale.\nPertinence : Montre comment les buts sociaux peuvent être pris en considération comme objectifs de l'État lors de l'appréciation de la proportionnalité des mesures étatiques.\n\n> « Les buts sociaux de la Constitution fédérale obligent la Confédération et les cantons à œuvrer, dans le cadre de leurs compétences constitutionnelles et des moyens disponibles, à ce que ces objectifs soient atteints. »\n\n### Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles\n\n**9C_736/2011** du 7 février 2012\nArrêt sur l'assurance-invalidité et la sécurité sociale.\nPertinence : Illustre comment l'art. 41 Cst. est utilisé comme mandat constitutionnel lors de l'interprétation de dispositions du droit des assurances sociales.\n\n> « Les buts sociaux ancrés dans l'art. 41 Cst. constituent des mandats à la Confédération et aux cantons, mais ne peuvent pas être utilisés pour justifier des droits individuels à des prestations. »\n\n## Groupes thématiques de jurisprudence\n\n### Sécurité sociale (art. 41 al. 1 let. a et al. 2 Cst.)\n\n**ATF 140 V 449** du 18 août 2014\nArrêt sur les allocations familiales.\nPertinence : Confirme la mise en œuvre des buts sociaux par le législateur dans le domaine de la sécurité familiale.\n\n> « Les allocations familiales selon la LAFam constituent une mise en œuvre légale concrète des buts sociaux ancrés dans l'art. 41 Cst., sans que l'on puisse en déduire des droits constitutionnels plus étendus. »\n\n**ATF 148 V 84** du 9 novembre 2021\nArrêt sur le gain assuré des étudiants-travailleurs.\nPertinence : Montre la mise en œuvre pratique des buts sociaux dans le droit de l'assurance-accidents.\n\n> « L'art. 41 Cst. oblige les assureurs à assurer une sécurité sociale appropriée, sans pour autant déterminer constitutionnellement des standards de prestations concrets. »\n\n### Hygiène publique (art. 41 al. 1 let. b Cst.)\n\n**ATF 127 I 6** du 1er janvier 2001\nArrêt de principe sur le traitement médicamenteux forcé.\nPertinence : Balance le but social des soins de santé avec d'autres droits fondamentaux et montre les limites de la prévoyance sanitaire étatique.\n\n> « Le but social de l'art. 41 al. 1 let. b Cst. oblige l'État à mettre à disposition les soins nécessaires à la santé, mais ne justifie pas la violation d'autres droits fondamentaux. »\n\n**ATF 130 I 16** du 7 janvier 2004\nSuite de la jurisprudence sur le traitement médicamenteux forcé.\nPertinence : Précise le rapport entre le but social des soins de santé et la dignité humaine.\n\n> « La réalisation des buts sociaux selon l'art. 41 Cst. trouve ses limites dans les autres garanties constitutionnelles, notamment dans le respect de la dignité humaine. »\n\n### Protection et encouragement de la famille (art. 41 al. 1 let. c Cst.)\n\n**ATF 135 I 143** du 2 février 2009\nArrêt sur le regroupement familial d'étrangers.\nPertinence : Montre la prise en considération des buts sociaux lors de décisions relatives au droit de séjour.\n\n> « L'art. 41 al. 1 let. c Cst. renforce la protection et l'encouragement de la famille comme mandat constitutionnel, sans toutefois créer des droits concrets dans le droit des étrangers. »\n\n### Éducation et formation (art. 41 al. 1 let. f et g Cst.)\n\n**ATF 129 I 12** du 7 novembre 2002\nArrêt de principe sur les droits sociaux fondamentaux dans le domaine de l'éducation.\nPertinence : Définit la délimitation entre les droits justiciables à l'éducation (art. 19 Cst.) et les objectifs éducatifs (art. 41 al. 1 let. f Cst.).\n\n> « L'art. 41 al. 1 let. f Cst. ne fonde aucun droit individuel à certaines prestations éducatives, mais oblige les collectivités publiques à créer les possibilités correspondantes. »\n\n**ATF 133 I 156** du 7 mai 2007\nApplication des objectifs éducatifs à la formation gymnasiale.\nPertinence : Précise la portée des objectifs éducatifs pour les écoles du degré secondaire supérieur.\n\n> « Les buts sociaux de l'art. 41 Cst. valent pour l'ensemble du système éducatif, sans toutefois créer des droits allant au-delà des standards minimaux garantis par l'art. 19 Cst. »\n\n## Indications méthodologiques sur la jurisprudence\n\n### Critère d'examen pour les buts sociaux\n\nLe Tribunal fédéral applique un critère d'examen à trois niveaux lors de l'appréciation de l'art. 41 Cst. :\n\n1. **Mandat constitutionnel** : L'art. 41 Cst. s'adresse prioritairement au législateur de la Confédération et des cantons\n2. **Réserve des ressources** : La mise en œuvre se fait dans le cadre des moyens disponibles (art. 41 al. 3 Cst.)\n3. **Non-justiciabilité** : Aucun droit immédiat à des prestations ne peut être déduit de l'art. 41 Cst. (art. 41 al. 4 Cst.)\n\n### Délimitation par rapport aux droits fondamentaux justiciables\n\nLa jurisprudence trace une ligne stricte entre les buts sociaux de l'art. 41 Cst. et les droits fondamentaux justiciables :\n\n- **L'art. 19 Cst. (enseignement de base)** fonde des droits concrets, **l'art. 41 al. 1 let. f Cst.** seulement des objectifs de l'État\n- **L'art. 13 Cst. (sphère privée)** protège individuellement, **l'art. 41 al. 1 let. b Cst.** oblige collectivement\n- **L'art. 8 Cst. (égalité)** est exigible, **l'art. 41 Cst.** est programmatique\n\n### Développements actuels\n\nDes arrêts plus récents montrent une tendance à utiliser les buts sociaux comme **aide à l'interprétation** lors de la concrétisation d'autres dispositions constitutionnelles, sans abandonner leur non-justiciabilité. Cette évolution est particulièrement perceptible dans les domaines du droit des assurances sociales et du droit de l'éducation.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 41 Cost. contiene gli obiettivi sociali della Svizzera. Questa disposizione obbliga Confederazione e Cantoni a provvedere al benessere sociale della popolazione. Gli obiettivi sociali non sono tuttavia diritti che si possono far valere in tribunale.\n\n## Che cosa disciplina l'art. 41 Cost.?\n\nL'articolo elenca sette ambiti importanti in cui lo Stato deve agire: sicurezza sociale, cure mediche, protezione della famiglia, lavoro a condizioni eque, alloggi a prezzi accessibili, formazione e promozione di bambini e giovani. Inoltre, lo Stato deve proteggere le persone contro i grandi rischi esistenziali come la vecchiaia, la malattia o la disoccupazione.\n\nQuesti obiettivi sono concepiti come complemento alla responsabilità individuale e all'iniziativa privata. Lo Stato interviene solo laddove i singoli e le organizzazioni private non sono sufficienti.\n\n## Chi è interessato?\n\nTutte le persone che vivono in Svizzera devono poter beneficiare di questi obiettivi sociali. «Ogni persona» deve partecipare alla sicurezza sociale e ricevere le cure mediche necessarie. Sono menzionate in particolare le famiglie, le persone che esercitano un'attività lucrativa, le persone in cerca di alloggio nonché i bambini e i giovani.\n\nConfederazione e Cantoni devono collaborare per raggiungere questi obiettivi. Ogni livello statale agisce nell'ambito delle proprie competenze.\n\n## Quali sono le conseguenze giuridiche?\n\nL'art. 41 Cost. è una norma programmatica (mandato statale). Ciò significa: l'articolo obbliga la politica a creare le leggi corrispondenti e a costruire sistemi sociali. Il cpv. 4 chiarisce però espressamente: nessuno può derivare da questi obiettivi sociali pretese dirette a prestazioni statali.\n\nL'attuazione è sottoposta a una doppia riserva: avviene solo nell'ambito dei mezzi finanziari disponibili e delle competenze costituzionali.\n\n## Esempio concreto\n\nUna madre che alleva da sola i figli non può appellarsi direttamente all'art. 41 cpv. 1 lett. c Cost. (protezione della famiglia) per esigere un aiuto sociale più elevato. Questa disposizione obbliga però il legislatore a sostenere adeguatamente le famiglie — per esempio mediante assegni familiari o posti di custodia per bambini. Gli obiettivi sociali agiscono quindi indirettamente attraverso la legislazione, non direttamente davanti al tribunale.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 41 Cost. fu introdotto nella Costituzione federale come innovazione centrale della revisione totale del 1999. Gli obiettivi sociali risalgono alle proposte della Commissione di esperti Furgler del 1977 nonché al progetto di Costituzione del Consiglio federale del 1996 (FF 1997 I 1, 166 segg.). L'ancoraggio degli obiettivi sociali nella Costituzione federale rimase controverso fino alla fine. La maggioranza favorì la loro inclusione come **mandati programmatici per l'organizzazione sociale** (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4), mentre una minoranza propugnò diritti fondamentali giustiziabili nel catalogo dei diritti fondamentali (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4).\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale sottolineò che gli obiettivi sociali dovevano essere «linea direttrice per la politica», senza fondare pretese individuali (FF 1997 I 167). Questa configurazione come norme di finalità statale non giustiziabili fu un compromesso consapevole tra coloro che non volevano diritti sociali nella Costituzione e coloro che esigevano diritti fondamentali sociali azionabili. L'ancoraggio esplicito dell'esclusione della giustiziabilità nel cpv. 4 avvenne su proposta della Commissione costituzionale del Consiglio degli Stati, per escludere qualsiasi incertezza del diritto (FF 1997 I 169).\n\n## Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 41 Cost. è ancorato nel 3° capitolo della Costituzione federale sotto il titolo «Obiettivi sociali», separato consapevolmente dal catalogo dei diritti fondamentali (art. 7–36 Cost.). Questa separazione sistematica sottolinea il carattere differente: mentre i diritti fondamentali fondano **diritti soggettivi**, gli obiettivi sociali statuiscono **mandati costituzionali oggettivi** (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 15 N. 2850).\n\n**N. 4** Gli obiettivi sociali sono strettamente legati ad altre disposizioni costituzionali:\n- → L'art. 6 Cost. (responsabilità individuale e sociale) concretizza il principio di sussidiarietà dell'art. 41 cpv. 1 Cost.\n- → L'art. 12 Cost. garantisce come diritto fondamentale giustiziabile l'aiuto d'emergenza, mentre l'art. 41 Cost. formula obiettivi sociali che vanno oltre\n- → L'art. 19 Cost. (diritto all'istruzione scolastica di base) garantisce come diritto fondamentale ciò a cui l'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost. aspira come obiettivo sociale\n- ↔ Gli art. 110–117 Cost. concretizzano gli obiettivi sociali nel settore delle assicurazioni sociali\n\n**N. 5** Nel contesto internazionale gli obiettivi sociali corrispondono agli obblighi derivanti dal **Patto ONU I sui diritti economici, sociali e culturali** (RS 0.103.1), benché gli obblighi di diritto internazionale vadano in parte oltre gli obiettivi sociali di diritto costituzionale (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, pag. 1157).\n\n## Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### Principio di sussidiarietà (cpv. 1 Chapeau)\n\n**N. 6** Il chapeau del cpv. 1 ancora il **principio di sussidiarietà** come elemento portante dell'ordinamento sociale svizzero. Le misure statali avvengono «a complemento della responsabilità personale e dell'iniziativa privata». Ciò non significa che le assicurazioni sociali statali abbiano carattere meramente complementare — piuttosto secondo Tschudi l'iniziativa privata complementa le assicurazioni sociali (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 7** La formulazione «Confederazione e Cantoni si adoperano [...]» fonda una **responsabilità comune** di entrambi i livelli statali, senza modificare l'ordinamento federale delle competenze. Ogni livello statale agisce nel quadro delle sue competenze costituzionali (art. 41 cpv. 3 Cost.).\n\n### Catalogo degli obiettivi sociali (cpv. 1 lett. a–g)\n\n**N. 8** **Lett. a — Partecipazione alla sicurezza sociale**: Questa norma programmatica mira all'inserimento di tutte le persone nei sistemi della sicurezza sociale, indipendentemente dalla loro capacità economica (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, 2020, pag. 45).\n\n**N. 9** **Lett. b — Cure mediche necessarie**: L'obiettivo sociale comprende l'assistenza medica di base, senza garantire uno standard determinato. La concretizzazione avviene tramite la LAMal, mentre il Tribunale federale sottolinea che dall'art. 41 cpv. 1 lett. b Cost. non è derivabile alcun diritto a un determinato trattamento (**DTF 127 I 6** consid. 5c).\n\n**N. 10** **Lett. c — Protezione e promozione della famiglia**: Le famiglie vengono definite come «comunità di adulti e bambini», il che include anche le comunità di vita non coniugali con bambini (Saladin, Rechtsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern, in: ZSR 1996 I pag. 45).\n\n**N. 11** **Lett. d — Sicurezza dell'esistenza mediante il lavoro**: L'obiettivo sociale non postula un diritto al lavoro, bensì la possibilità di provvedere al sostentamento attraverso il lavoro a «condizioni eque». Il concetto di equità è aperto e necessita della concretizzazione legislativa (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 42 segg.).\n\n**N. 12** **Lett. e — Alloggio adeguato**: L'obiettivo si riferisce a «condizioni sopportabili», il che implica una relazione tra costi dell'alloggio e capacità economica. L'attuazione avviene attraverso il diritto di locazione (→ art. 269 segg. CO) e l'edilizia abitativa sociale.\n\n**N. 13** **Lett. f — Istruzione secondo le attitudini**: A differenza dell'istruzione scolastica di base giustiziabile (→ art. 19 Cost.) l'obiettivo sociale comprende l'intero percorso formativo. Meyer sottolinea che si tratta di uno dei «sette aspetti centrali, elementari dell'esistenza umana» (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 10).\n\n**N. 14** **Lett. g — Promozione di bambini e giovani**: Questa disposizione inserita nel 2006 (RU 2006 2349) concretizza il particolare mandato di protezione a favore della giovane generazione oltre l'istruzione (Reich, Schutz der Kinder und Jugendlichen, in: AJP 2009, pag. 1547 segg.).\n\n### Garanzia dei rischi sociali (cpv. 2)\n\n**N. 15** Il cpv. 2 enumera i **rischi classici delle assicurazioni sociali**: vecchiaia, invalidità, malattia, infortunio, disoccupazione, maternità, orfanezza e vedovanza. Questa enumerazione non è esaustiva, ma comprende i principali rischi esistenziali (Poledna, Allgemeiner Überblick, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. XIV, 3ª ed. 2016, N. 15).\n\n### Limiti costituzionali (cpv. 3 e 4)\n\n**N. 16** **Il cpv. 3** contiene una doppia riserva: gli obiettivi sociali sono perseguiti solo nel quadro delle **competenze costituzionali** e dei **mezzi disponibili**. La riserva delle risorse non significa completa arbitrarietà, ma obbliga all'impiego ottimale dei mezzi disponibili (Waldmann, Das Recht auf Nothilfe, 2012, pag. 267).\n\n**N. 17** **Il cpv. 4** esclude categoricamente la giustiziabilità: «Dagli obiettivi sociali non possono essere fatte derivare pretese immediate a prestazioni statali.» Il Tribunale federale applica questa disposizione coerentemente (**DTF 129 I 12** consid. 3.1; **DTF 133 I 156** consid. 3.5).\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 18** Gli obiettivi sociali dispiegano i loro effetti su tre livelli:\n\n**N. 19** **Mandato legislativo**: L'art. 41 Cost. obbliga Confederazione e Cantoni alla creazione e configurazione di sistemi di prestazioni sociali. Questo obbligo non è azionabile, ma costituzionalmente vincolante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N. 892).\n\n**N. 20** **Massima interpretativa**: Nell'interpretazione delle leggi sulle assicurazioni sociali e di altre norme di diritto sociale, gli obiettivi sociali servono come aiuto interpretativo. Il Tribunale federale ricorre regolarmente all'art. 41 Cost. per l'interpretazione teleologica (**DTF 140 V 449** consid. 4.2).\n\n**N. 21** **Limite ai limiti**: Le limitazioni delle prestazioni sociali esistenti devono misurarsi con l'art. 41 Cost. Una completa soppressione in uno dei settori menzionati sarebbe incostituzionale (Uebersax, Stand und Entwicklung der Sozialverfassung, in: LeGes 2003/2, pag. 41).\n\n## Punti controversi\n\n**N. 22** **Natura giuridica degli obiettivi sociali**: La dottrina dominante qualifica l'art. 41 Cost. come **norme programmatiche** o **norme di finalità statale** (Rhinow/Schefer/Uebersax, § 15 N. 2851; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 891). Una minoranza propugna una rivalutazione a **diritti fondamentali condizionati**, che diverrebbero giustiziabili in presenza di sufficienti risorse statali (critico in merito: Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 9).\n\n**N. 23** **Rapporto sussidiarietà — solidarietà**: Controversa è la ponderazione tra responsabilità personale e solidarietà statale. Mentre gli autori conservatori enfatizzano la responsabilità individuale (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 14 segg.), le voci progressiste vedono nell'art. 41 Cost. primariamente un mandato di solidarietà (Tschudi, Die Sozialverfassung der Schweiz, 1989, pag. 89; cit. in Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 24** **Portata della riserva delle risorse**: Controverso è se la riserva dei «mezzi disponibili» (cpv. 3) valga anche per il mantenimento delle prestazioni sociali esistenti. L'opinione maggioritaria lo afferma (Müller/Schefer, pag. 1159), mentre una minoranza postula una **garanzia dell'esistente** costituzionale per gli standard sociali una volta raggiunti (Mader, Die Sozial- und Umweltverfassung, in: ZBl 2000, pag. 245).\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 25** **Per il legislatore**: Nella creazione o revisione di leggi sociali, l'art. 41 Cost. va inteso come **mandato di ottimizzazione**. Gli obiettivi sociali non esigono prestazioni massimali, ma un costante miglioramento nel quadro del finanziariamente possibile. I progetti di legge dovrebbero esporre esplicitamente come contribuiscono alla realizzazione degli obiettivi sociali.\n\n**N. 26** **Per gli operatori del diritto**: Benché dall'art. 41 Cost. non siano derivabili pretese individuali, gli obiettivi sociali possono essere rilevanti nell'**esercizio del potere discrezionale**. Le autorità devono esercitare il loro potere discrezionale alla luce degli obiettivi sociali, il che è particolarmente significativo nella concessione di prestazioni facoltative.\n\n**N. 27** **Per la giurisprudenza**: Gli obiettivi sociali servono come **aiuto interpretativo** per concetti giuridici indeterminati nel diritto sociale. Tra più interpretazioni sostenibili è da scegliere quella che corrisponde meglio agli obiettivi sociali. Ciò vale particolarmente nell'interpretazione di clausole di rigore e norme discrezionali.\n\n**N. 28** **Rapporto con i diritti fondamentali**: Nella pratica è da distinguere accuratamente tra obiettivi sociali non giustiziabili e diritti fondamentali giustiziabili. Le pretese vanno fondate primariamente sui diritti fondamentali (→ art. 12 Cost. per l'aiuto d'emergenza, → art. 19 Cost. per l'istruzione scolastica di base), non sull'art. 41 Cost.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Decisioni direttrici sulla non-giustiziabilità degli obiettivi sociali\n\n### Interpretazione fondamentale dell'art. 41 cpv. 4 Cost.\n\n**DTF 129 I 12** del 7 novembre 2002\nDecisione centrale per la delimitazione tra diritti fondamentali giustiziabili e obiettivi sociali non giustiziabili nel settore dell'educazione.\nRilevanza: Conferma la rigorosa separazione tra la pretesa giustiziabile all'insegnamento di base gratuito risultante dall'art. 19 Cost. e gli obiettivi sociali secondo l'art. 41 Cost.\n\n> «Dall'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost. – come da tutti gli altri obiettivi sociali – non si possono derivare pretese immediate (cfr. art. 41 cpv. 4 Cost.). Questa disposizione si rivolge piuttosto ai legislatori della Confederazione e dei Cantoni come norma programmatica.»\n\n**DTF 133 I 156** del 7 maggio 2007\nPrecisazione dell'interpretazione dell'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost. nel contesto delle pretese educative.\nRilevanza: Sottolinea la rigorosa non-giustiziabilità degli obiettivi sociali anche in settori dove questi si avvicinano tematicamente a diritti fondamentali giustiziabili.\n\n> «L'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost. – dalla quale disposizione (come obiettivo sociale) non si possono comunque derivare pretese immediate – non va oltre l'art. 19 Cost. riguardo alla questione dei costi di trasporto.»\n\n## Gli obiettivi sociali come ausilio interpretativo e disposizioni di obiettivi statali\n\n### Significato per la legislazione\n\n**DTF 133 I 206** del 1° giugno 2007\nSentenza sull'uguaglianza fiscale e la sicurezza sociale.\nRilevanza: Mostra come gli obiettivi sociali come disposizioni di obiettivi statali possano essere presi in considerazione nella valutazione della proporzionalità delle misure statali.\n\n> «Gli obiettivi sociali della Costituzione federale obbligano la Confederazione e i Cantoni a operare, nell'ambito delle loro competenze costituzionali e dei mezzi disponibili, affinché questi obiettivi vengano raggiunti.»\n\n### Rapporto con altre disposizioni costituzionali\n\n**9C_736/2011** del 7 febbraio 2012\nSentenza sull'assicurazione invalidità e la sicurezza sociale.\nRilevanza: Illustra come l'art. 41 Cost. venga utilizzato nell'interpretazione delle disposizioni del diritto delle assicurazioni sociali come mandato costituzionale.\n\n> «Gli obiettivi sociali ancorati nell'art. 41 Cost. rappresentano mandati alla Confederazione e ai Cantoni, ma non possono essere utilizzati per giustificare pretese individuali a prestazioni.»\n\n## Gruppi giurisprudenziali tematici\n\n### Sicurezza sociale (art. 41 cpv. 1 lett. a e cpv. 2 Cost.)\n\n**DTF 140 V 449** del 18 agosto 2014\nDecisione sugli assegni familiari.\nRilevanza: Conferma l'attuazione degli obiettivi sociali da parte del legislatore nel settore della sicurezza familiare.\n\n> «Gli assegni familiari secondo la LAFam rappresentano un'attuazione legislativa concreta degli obiettivi sociali ancorati nell'art. 41 Cost., senza che da ciò si possano derivare ulteriori pretese di diritto costituzionale.»\n\n**DTF 148 V 84** del 9 novembre 2021\nSentenza sul guadagno assicurato degli studenti lavoratori.\nRilevanza: Mostra l'attuazione pratica degli obiettivi sociali nel diritto dell'assicurazione contro gli infortuni.\n\n> «L'art. 41 Cost. obbliga i portatori di assicurazione a un'adeguata sicurezza sociale, senza però determinare a livello costituzionale standard concreti di prestazioni.»\n\n### Cura della salute (art. 41 cpv. 1 lett. b Cost.)\n\n**DTF 127 I 6** del 1° gennaio 2001\nDecisione di principio sul trattamento farmacologico coercitivo.\nRilevanza: Bilancia l'obiettivo sociale della cura della salute con altri diritti fondamentali e mostra i limiti della prevenzione sanitaria statale.\n\n> «L'obiettivo sociale dell'art. 41 cpv. 1 lett. b Cost. obbliga lo Stato a fornire le cure necessarie per la salute, ma non giustifica la violazione di altri diritti fondamentali.»\n\n**DTF 130 I 16** del 7 gennaio 2004\nContinuazione della giurisprudenza sul trattamento farmacologico coercitivo.\nRilevanza: Precisa il rapporto tra l'obiettivo sociale della cura della salute e la dignità umana.\n\n> «La realizzazione degli obiettivi sociali secondo l'art. 41 Cost. trova i suoi limiti nelle altre garanzie costituzionali, in particolare nel rispetto della dignità umana.»\n\n### Protezione e promozione della famiglia (art. 41 cpv. 1 lett. c Cost.)\n\n**DTF 135 I 143** del 2 febbraio 2009\nSentenza sul ricongiungimento familiare degli stranieri.\nRilevanza: Mostra la considerazione degli obiettivi sociali nelle decisioni del diritto di soggiorno.\n\n> «L'art. 41 cpv. 1 lett. c Cost. rafforza la protezione e la promozione della famiglia come mandato di diritto costituzionale, senza però fondare pretese concrete nel diritto degli stranieri.»\n\n### Istruzione e formazione (art. 41 cpv. 1 lett. f e g Cost.)\n\n**DTF 129 I 12** del 7 novembre 2002\nDecisione direttrice sui diritti sociali fondamentali nel settore dell'educazione.\nRilevanza: Definisce la delimitazione tra pretese educative giustiziabili (art. 19 Cost.) e obiettivi educativi (art. 41 cpv. 1 lett. f Cost.).\n\n> «L'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost. non fonda pretese individuali a determinate prestazioni educative, ma obbliga gli enti pubblici alla creazione delle corrispondenti possibilità.»\n\n**DTF 133 I 156** del 7 maggio 2007\nApplicazione degli obiettivi educativi alla formazione liceale.\nRilevanza: Precisa la portata degli obiettivi educativi nelle scuole superiori.\n\n> «Gli obiettivi sociali dell'art. 41 Cost. valgono per l'intero sistema educativo, senza però creare pretese che vadano oltre gli standard minimi garantiti dall'art. 19 Cost.»\n\n## Indicazioni metodiche sulla giurisprudenza\n\n### Criterio di verifica per gli obiettivi sociali\n\nIl Tribunale federale applica nella valutazione dell'art. 41 Cost. un criterio di verifica a tre livelli:\n\n1. **Mandato costituzionale**: L'art. 41 Cost. si rivolge primariamente al legislatore della Confederazione e dei Cantoni\n2. **Riserva delle risorse**: L'attuazione avviene nell'ambito dei mezzi disponibili (art. 41 cpv. 3 Cost.)\n3. **Non-giustiziabilità**: Dall'art. 41 Cost. non si possono derivare pretese immediate a prestazioni (art. 41 cpv. 4 Cost.)\n\n### Delimitazione dai diritti fondamentali giustiziabili\n\nLa giurisprudenza traccia una linea rigorosa tra gli obiettivi sociali dell'art. 41 Cost. e i diritti fondamentali giustiziabili:\n\n- **L'art. 19 Cost. (insegnamento di base)** fonda pretese concrete, **l'art. 41 cpv. 1 lett. f Cost.** solo obiettivi statali\n- **L'art. 13 Cost. (sfera privata)** protegge individualmente, **l'art. 41 cpv. 1 lett. b Cost.** obbliga collettivamente\n- **L'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica)** è azionabile, **l'art. 41 Cost.** è programmatico\n\n### Sviluppi attuali\n\nDecisioni più recenti mostrano una tendenza a utilizzare gli obiettivi sociali come **ausilio interpretativo** nella concretizzazione di altre disposizioni costituzionali, senza abbandonare la loro non-giustiziabilità. Questo sviluppo è particolarmente riconoscibile nei settori del diritto delle assicurazioni sociali e del diritto dell'educazione.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 41 FC contains Switzerland's social goals. This provision obligates the Confederation and the cantons to ensure the social welfare of the population. However, the social goals are not rights that can be claimed before a court.\n\n## What does Art. 41 FC regulate?\n\nThe article lists seven important areas in which the state should be active: social security, health care, protection of families, work under fair conditions, affordable housing, education, and promotion of children and young people. Additionally, the state should protect people against major life risks such as old age, illness, or unemployment.\n\nThese goals are intended as a supplement to personal responsibility and private initiative. The state only acts where individuals and private organisations are insufficient.\n\n## Who is affected?\n\nAll people living in Switzerland should benefit from these social goals. «Every person» should participate in social security and receive the necessary health care. Families, employed persons, those seeking housing, and children and young people receive special mention.\n\nThe Confederation and cantons must cooperate to achieve these goals. Each level of government acts within the framework of its competences.\n\n## What are the legal consequences?\n\nArt. 41 FC is a programmatic norm (state mandate). This means: The article obligates politics to create corresponding laws and build up social systems. However, para. 4 explicitly clarifies: No one can derive direct claims to state services from these social goals.\n\nImplementation is subject to a double reservation: It occurs only within the framework of available financial resources and constitutional competences.\n\n## Concrete example\n\nA single mother cannot directly invoke Art. 41 para. 1 lit. c FC (protection of families) to demand higher social assistance. However, this provision does oblige the legislature to adequately support families — for example through family allowances or childcare places. The social goals thus work indirectly through legislation, not directly before the courts.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## History of Origin\n\n**N. 1** Art. 41 BV was incorporated into the Federal Constitution as a central innovation of the 1999 total revision. The social objectives go back to the proposals of the Furgler Expert Commission from 1977 as well as the Federal Council's draft constitution from 1996 (BBl 1997 I 1, 166 ff.). The anchoring of social objectives in the Federal Constitution was controversial until the very end. The majority favoured their inclusion as **programmatic mandates for social policy** (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4), while a minority argued for justiciable fundamental rights in the catalogue of fundamental rights (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 4).\n\n**N. 2** The Federal Council's message emphasised that the social objectives should serve as \"guidelines for policy\" without creating individual claims (BBl 1997 I 167). This design as non-justiciable state objectives was a deliberate compromise between those who did not want any social rights in the constitution and those who demanded enforceable social fundamental rights. The explicit anchoring of the exclusion of justiciability in para. 4 was made upon request of the Council of States Constitutional Commission in order to exclude any legal uncertainty (BBl 1997 I 169).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 41 BV is anchored in Chapter 3 of the Federal Constitution under the title \"Social Objectives\", deliberately separated from the catalogue of fundamental rights (Art. 7–36 BV). This systematic separation underlines the different character: While fundamental rights create **subjective rights**, social objectives establish **objective constitutional mandates** (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 15 N. 2850).\n\n**N. 4** The social objectives are closely connected with other constitutional provisions:\n- → Art. 6 BV (individual and social responsibility) concretises the subsidiarity principle of Art. 41 para. 1 BV\n- → Art. 12 BV guarantees emergency aid as a justiciable fundamental right, while Art. 41 BV formulates social objectives going beyond this\n- → Art. 19 BV (entitlement to basic education) guarantees as a fundamental right what Art. 41 para. 1 lit. f BV strives for as a social objective\n- ↔ Art. 110–117 BV concretise the social objectives in the area of social insurance\n\n**N. 5** In the international context, the social objectives correspond to the obligations under the **UN Covenant I on Economic, Social and Cultural Rights** (SR 0.103.1), whereby the international law obligations partly go further than the constitutional social objectives (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 1157).\n\n## Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n### Subsidiarity Principle (Para. 1 Chapeau)\n\n**N. 6** The chapeau of para. 1 anchors the **subsidiarity principle** as a supporting element of the Swiss social order. State measures take place \"in addition to personal responsibility and private initiative\". This does not mean that state social insurance has merely a supplementary character — rather, according to Tschudi, private initiative supplements social insurance (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 7** The wording \"Confederation and Cantons shall endeavour [...] to ensure\" establishes a **joint responsibility** of both levels of state without changing the federal division of powers. Each level of state acts within the framework of its constitutional competencies (Art. 41 para. 3 BV).\n\n### Catalogue of Social Objectives (Para. 1 lit. a–g)\n\n**N. 8** **Lit. a — Participation in social security**: This programme provision aims at the integration of all persons into the systems of social security, regardless of their economic capacity (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, 2020, p. 45).\n\n**N. 9** **Lit. b — Necessary health care**: The social objective encompasses basic medical care without guaranteeing a specific standard. Concretisation is effected through the HIA, whereby the Federal Supreme Court emphasises that no claim to a specific treatment can be derived from Art. 41 para. 1 lit. b BV (**BGE 127 I 6** E. 5c).\n\n**N. 10** **Lit. c — Protection and promotion of the family**: Families are defined as \"communities of adults and children\", which also includes non-marital domestic partnerships with children (Saladin, Rechtsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern, in: ZSR 1996 I p. 45).\n\n**N. 11** **Lit. d — Income security through gainful employment**: The social objective does not postulate a right to work, but rather the possibility of earning a living through work under \"reasonable conditions\". The concept of reasonableness is open and requires legislative concretisation (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 42 ff.).\n\n**N. 12** **Lit. e — Adequate housing**: The objective refers to \"bearable conditions\", which implies a relation between housing costs and economic capacity. Implementation is effected through tenancy law (→ Art. 269 ff. OR) and social housing construction.\n\n**N. 13** **Lit. f — Education according to abilities**: In contrast to justiciable basic education (→ Art. 19 BV), the social objective encompasses the entire educational career. Meyer emphasises that this is one of the \"seven central, elementary aspects of human existence\" (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 10).\n\n**N. 14** **Lit. g — Promotion of children and young people**: This provision inserted in 2006 (AS 2006 2349) concretises the special protective mandate for the benefit of the young generation beyond education (Reich, Schutz der Kinder und Jugendlichen, in: AJP 2009, p. 1547 ff.).\n\n### Protection against Social Risks (Para. 2)\n\n**N. 15** Para. 2 names the **classic social insurance risks**: old age, invalidity, sickness, accident, unemployment, maternity, orphanhood and widowhood. This enumeration is not exhaustive but covers the essential life risks (Poledna, Allgemeiner Überblick, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Vol. XIV, 3rd ed. 2016, N. 15).\n\n### Constitutional Limits (Para. 3 and 4)\n\n**N. 16** **Para. 3** contains a double reservation: The social objectives are pursued only within the framework of **constitutional competencies** and **available resources**. The resource reservation does not mean complete arbitrariness but obligates to optimal use of available means (Waldmann, Das Recht auf Nothilfe, 2012, p. 267).\n\n**N. 17** **Para. 4** categorically excludes justiciability: \"No direct claims to state benefits may be derived from these social objectives.\" The Federal Supreme Court applies this provision consistently (**BGE 129 I 12** E. 3.1; **BGE 133 I 156** E. 3.5).\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 18** The social objectives unfold their effect on three levels:\n\n**N. 19** **Legislative mandate**: Art. 41 BV obliges Confederation and Cantons to create and design social benefit systems. This obligation is not enforceable but is constitutionally binding (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 892).\n\n**N. 20** **Interpretive maxim**: In the interpretation of social insurance laws and other social law norms, the social objectives serve as an interpretive aid. The Federal Supreme Court regularly draws upon Art. 41 BV for teleological interpretation (**BGE 140 V 449** E. 4.2).\n\n**N. 21** **Limit on limits**: Restrictions of existing social benefits must be measured against Art. 41 BV. A complete dismantling in one of the named areas would be unconstitutional (Uebersax, Stand und Entwicklung der Sozialverfassung, in: LeGes 2003/2, p. 41).\n\n## Disputes\n\n**N. 22** **Legal nature of social objectives**: The prevailing doctrine qualifies Art. 41 BV as **programme norms** or **state objectives** (Rhinow/Schefer/Uebersax, § 15 N. 2851; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 891). A minority argues for an upgrading to **conditional fundamental rights** that would become justiciable when sufficient state resources exist (critical of this: Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 9).\n\n**N. 23** **Relationship subsidiarity — solidarity**: The weighting between personal responsibility and state solidarity is controversial. While conservative authors emphasise individual responsibility (Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 14 ff.), progressive voices see in Art. 41 BV primarily a solidarity mandate (Tschudi, Die Sozialverfassung der Schweiz, 1989, p. 89; cited in Gächter/Werder, BSK BV, Art. 41 N. 29).\n\n**N. 24** **Scope of the resource reservation**: Disputed is whether the reservation of \"available resources\" (para. 3) also applies to the maintenance of existing social benefits. The majority opinion affirms this (Müller/Schefer, p. 1159), while a minority postulates constitutional **protection of existing standards** for social standards once achieved (Mader, Die Sozial- und Umweltverfassung, in: ZBl 2000, p. 245).\n\n## Practice Notes\n\n**N. 25** **For the legislature**: In creating or revising social laws, Art. 41 BV is to be understood as an **optimisation requirement**. The social objectives do not demand maximum benefits but steady improvement within the financially possible framework. Draft legislation should explicitly show how it contributes to realising the social objectives.\n\n**N. 26** **For legal practitioners**: Although no individual claims can be derived from Art. 41 BV, the social objectives can be relevant in **exercising discretion**. Authorities must exercise their discretion in light of the social objectives, which is particularly significant in granting discretionary benefits.\n\n**N. 27** **For jurisprudence**: The social objectives serve as an **interpretive aid** for indeterminate legal concepts in social law. Among several defensible interpretations, the one that best corresponds to the social objectives is to be chosen. This applies particularly in interpreting hardship clauses and discretionary norms.\n\n**N. 28** **Relationship to fundamental rights**: In practice, careful distinction must be made between non-justiciable social objectives and justiciable fundamental rights. Claims are primarily to be based on fundamental rights (→ Art. 12 BV for emergency aid, → Art. 19 BV for basic education), not on Art. 41 BV.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Leading Decisions on Non-Justiciability of Social Goals\n\n### Basic Interpretation of Art. 41 para. 4 Cst.\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002\nCore decision on the distinction between justiciable fundamental rights and non-justiciable social goals in the field of education.\nRelevance: Confirms the strict separation between the justiciable entitlement to free basic school education resulting from Art. 19 Cst. and the social goals under Art. 21 Cst.\n\n> «Art. 41 para. 1 lit. f Cst. – like all other social goals – gives rise to no direct entitlements (cf. Art. 41 para. 4 Cst.). Rather, this provision is addressed as a programmatic norm to the legislators of the Confederation and the cantons.»\n\n**BGE 133 I 156** of 7 May 2007\nClarification of the interpretation of Art. 41 para. 1 lit. f Cst. in the context of educational entitlements.\nRelevance: Emphasises the strict non-justiciability of social goals even in areas where they thematically border on justiciable fundamental rights.\n\n> «Art. 41 para. 1 lit. f Cst. – from which provision (as a social goal) no direct entitlements can be derived in any case – does not go beyond Art. 19 Cst. with regard to the question of transport costs.»\n\n## Social Goals as Interpretative Aid and State Objectives\n\n### Significance for Legislation\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007\nJudgment on tax equality and social security.\nRelevance: Shows how social goals as state objectives can be taken into account when assessing the proportionality of state measures.\n\n> «The social goals of the Federal Constitution oblige the Confederation and the cantons to work towards achieving these goals within the framework of their constitutional competences and available resources.»\n\n### Relationship to Other Constitutional Provisions\n\n**9C_736/2011** of 7 February 2012\nJudgment on disability insurance and social security.\nRelevance: Illustrates how Art. 41 Cst. is used as a constitutional mandate in interpreting social insurance law provisions.\n\n> «The social goals enshrined in Art. 41 Cst. constitute mandates to the Confederation and the cantons, but cannot be used to establish individual entitlements to benefits.»\n\n## Thematic Case Law Groups\n\n### Social Security (Art. 41 para. 1 lit. a and para. 2 Cst.)\n\n**BGE 140 V 449** of 18 August 2014\nDecision on family allowances.\nRelevance: Confirms the implementation of social goals by the legislature in the area of family security.\n\n> «Family allowances under the FamAG constitute a concrete legislative implementation of the social goals enshrined in Art. 41 Cst., without any further constitutional entitlements being derivable therefrom.»\n\n**BGE 148 V 84** of 9 November 2021\nJudgment on the insured earnings of working students.\nRelevance: Shows the practical implementation of social goals in accident insurance law.\n\n> «Art. 41 Cst. obliges insurance carriers to provide adequate social security without, however, constitutionally determining concrete benefit standards.»\n\n### Health Care (Art. 41 para. 1 lit. b Cst.)\n\n**BGE 127 I 6** of 1 January 2001\nFundamental decision on involuntary medication.\nRelevance: Balances the social goal of health care with other fundamental rights and shows the limits of state health care.\n\n> «The social goal of Art. 41 para. 1 lit. b Cst. obliges the state to provide the care necessary for health, but does not justify the violation of other fundamental rights.»\n\n**BGE 130 I 16** of 7 January 2004\nContinuation of case law on involuntary medication.\nRelevance: Clarifies the relationship between the social goal of health care and human dignity.\n\n> «The realisation of the social goals under Art. 41 Cst. finds its limits in the other constitutional guarantees, in particular in respect for human dignity.»\n\n### Family Protection and Support (Art. 41 para. 1 lit. c Cst.)\n\n**BGE 135 I 143** of 2 February 2009\nJudgment on family reunification of foreigners.\nRelevance: Shows the consideration of social goals in residence law decisions.\n\n> «Art. 41 para. 1 lit. c Cst. reinforces the protection and promotion of the family as a constitutional mandate, without, however, establishing concrete entitlements in foreign nationals law.»\n\n### Education and Training (Art. 41 para. 1 lit. f and g Cst.)\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002\nLeading decision on social fundamental rights in the field of education.\nRelevance: Defines the distinction between justiciable educational entitlements (Art. 19 Cst.) and educational goals (Art. 41 para. 1 lit. f Cst.).\n\n> «Art. 41 para. 1 lit. f Cst. does not establish individual entitlements to specific educational services, but obliges the communities to create corresponding opportunities.»\n\n**BGE 133 I 156** of 7 May 2007\nApplication of educational goals to secondary school education.\nRelevance: Clarifies the scope of educational goals for secondary schools.\n\n> «The social goals of Art. 41 Cst. apply to the entire education system, without, however, creating entitlements going beyond the minimum standards guaranteed in Art. 19 Cst.»\n\n## Methodological Notes on Case Law\n\n### Test Standard for Social Goals\n\nThe Federal Supreme Court applies a three-stage test standard when assessing Art. 41 Cst.:\n\n1. **Constitutional mandate**: Art. 41 Cst. is primarily addressed to the legislators of the Confederation and the cantons\n2. **Resource reservation**: Implementation takes place within the framework of available resources (Art. 41 para. 3 Cst.)\n3. **Non-justiciability**: No direct entitlements to benefits can be derived from Art. 41 Cst. (Art. 41 para. 4 Cst.)\n\n### Distinction from Justiciable Fundamental Rights\n\nCase law draws a strict line between the social goals of Art. 41 Cst. and justiciable fundamental rights:\n\n- **Art. 19 Cst. (basic school education)** establishes concrete entitlements, **Art. 41 para. 1 lit. f Cst.** only state objectives\n- **Art. 13 Cst. (privacy)** protects individually, **Art. 41 para. 1 lit. b Cst.** obliges collectively\n- **Art. 8 Cst. (legal equality)** is enforceable, **Art. 41 Cst.** is programmatic\n\n### Current Developments\n\nMore recent decisions show a tendency to use social goals as **interpretative aids** in the concretisation of other constitutional provisions, without abandoning their non-justiciability. This development is particularly evident in the areas of social insurance law and education law.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_41", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 42, "article_suffix": "", "title": "Aufgaben des Bundes", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 42 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 42 BV legt fest, dass der Bund nur die Aufgaben erfüllt, die ihm die Bundesverfassung zuweist. Diese Bestimmung ist ein Grundpfeiler des schweizerischen Föderalismus (Staatsaufbau mit Bund und Kantonen). Sie bedeutet: Der Bund darf nicht machen, was er will, sondern nur das, was in der Verfassung steht.\n\nDas Enumerationsprinzip (Aufzählungsprinzip) gemäss Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 17 besagt, dass Bundeskompetenzen begrenzt und ausdrücklich genannt sein müssen. Alle anderen Aufgaben bleiben bei den Kantonen – das nennt man kantonale Restkompetenz nach Art. 3 BV.\n\n**Konkrete Beispiele:**\n- Der Bund darf Steuern erheben (Art. 128 BV), aber nicht überall\n- Er regelt die Autobahnen (Art. 83 BV), aber nicht alle Strassen  \n- Kantone können eigene Zweitwohnungssteuern einführen, auch wenn der Bund Raumplanung regelt (BGE 140 I 176 betreffend Silvaplana)\n\n**Wer ist betroffen:**\n- Bundesbehörden: müssen prüfen, ob sie zuständig sind\n- Kantone und Gemeinden: behalten alle nicht übertragenen Aufgaben\n- Bürgerinnen und Bürger: wissen, welche Behörde wofür zuständig ist\n\n**Rechtsfolgen:**\nMacht der Bund etwas ohne Verfassungsauftrag, ist dies rechtswidrig. Die Kantone können vor Gericht gehen. Umgekehrt müssen die Kantone Bundesaufgaben respektieren, wenn der Bund tätig wird.\n\nDie Entstehungsgeschichte zeigt: Der ursprüngliche Abs. 2 von Art. 42 BV wurde 2004 im Rahmen der NFA (Neugestaltung des Finanzausgleichs) gestrichen, weil er keine zusätzliche rechtliche Bedeutung hatte (BBl 2001 2457 f.). Heute regelt nur noch Abs. 1 die Bundesaufgaben.", "doctrine_de": "# Art. 42 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 42 BV ist das Ergebnis eines langjährigen verfassungspolitischen Prozesses. Die Bestimmung geht auf Art. 3 der Bundesverfassung von 1874 zurück, welcher das Subsidiaritätsprinzip und die Vermutung zugunsten der kantonalen Zuständigkeiten verankerte (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 9). In der Totalrevision von 1999 wurde die föderalistische Aufgabenteilung neu strukturiert und systematisch geordnet.\n\n**N. 2** Die ursprüngliche Fassung von Art. 42 enthielt zwei Absätze. Abs. 1 statuierte wie heute die Aufgabenzuweisung an den Bund, während Abs. 2 vorsah: «Er übernimmt die Aufgaben, die einer einheitlichen Regelung bedürfen» (BBl 1997 I 208). Diese Formulierung sollte als interpretative Richtschnur für die Auslegung der Aufgabennormen dienen.\n\n**N. 3** Im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) wurde Abs. 2 per 28. November 2004 gestrichen (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 12-16). Die Streichung erfolgte aufgrund der Kritik von Thomas Fleiner, welcher Art. 42 Abs. 2 als «Fall der Anwendung einer Kollisionsregel über anwendbares Recht» qualifizierte (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 14). Der Bundesrat begründete die Aufhebung damit, dass Abs. 2 keine zusätzliche normative Bedeutung gegenüber den spezifischen Kompetenznormen habe (BBl 2001 2457 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 42 BV steht am Anfang des 3. Titels «Bund, Kantone und Gemeinden» und leitet den 1. Abschnitt «Aufgaben von Bund und Kantonen» ein. Die Bestimmung bildet zusammen mit Art. 3 BV (Kantone), Art. 43 BV (Verwaltungsaufgaben der Kantone) und Art. 43a BV (Grundsätze für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben) das Fundament der bundesstaatlichen Kompetenzordnung.\n\n**N. 5** Die systematische Stellung unterstreicht den grundlegenden Charakter der Norm: Sie etabliert das Enumerationsprinzip für Bundeskompetenzen, wonach der Bund nur jene Aufgaben erfüllen darf, die ihm die Verfassung ausdrücklich zuweist. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der kantonalen Residualkompetenz gemäss Art. 3 BV (→ Art. 3 BV).\n\n**N. 6** Art. 42 BV ist eng verknüpft mit den materiellen Kompetenznormen (Art. 54-135 BV), welche die konkreten Bundesaufgaben umschreiben. Die Bestimmung wirkt als Brückennorm zwischen den allgemeinen Föderalismusgrundsätzen und den spezifischen Aufgabenzuweisungen (↔ Art. 43a BV, Art. 46 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der Begriff «Aufgaben» in Art. 42 BV ist schillernd und umfasst verschiedene Dimensionen staatlichen Handelns (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 17-20). Nach Bernhard Rütsche bezeichnet eine öffentliche Aufgabe «die dauernde, im öffentlichen Interesse wahrgenommene und im objektiven Recht umschriebene Tätigkeit der Verwaltung» (Rütsche, Was sind öffentliche Aufgaben?, recht 2013, 153).\n\n**N. 8** Die Aufgabenzuweisung erfolgt durch die Bundesverfassung in unterschiedlichen Intensitätsstufen:\n- Ausschliessliche Bundeskompetenzen (z.B. Art. 54 BV Auswärtige Angelegenheiten)\n- Konkurrierende Kompetenzen mit nachträglich derogatorischer Wirkung (z.B. Art. 74 BV Umweltschutz)\n- Rahmengesetzgebungskompetenzen (z.B. Art. 75 BV Raumplanung)\n- Grundsatzgesetzgebungskompetenzen (z.B. Art. 63a BV Hochschulwesen)\n- Förderungskompetenzen (z.B. Art. 68 BV Sport)\n\n**N. 9** Die Modalitäten der Aufgabenerfüllung variieren erheblich (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 31-36). Der Bund kann seine Aufgaben durch Rechtsetzung, Vollzug, Finanzierung, Koordination oder Aufsicht wahrnehmen. Bei den meisten Kompetenzen ist der Bund zur Gesetzgebung befugt, während der Vollzug den Kantonen obliegt (Art. 46 BV).\n\n**N. 10** Das Verhältnis von Aufgaben- und Zuständigkeitsordnung ist komplex (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 21-30). Eine Aufgabenzuweisung begründet nicht automatisch eine umfassende Handlungsbefugnis. Vielmehr bestimmt die jeweilige Kompetenznorm Art und Umfang der zulässigen Bundesaktivitäten.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die primäre Rechtsfolge von Art. 42 BV besteht in der Begrenzung der Bundeskompetenzen auf die verfassungsmässig zugewiesenen Aufgaben. Der Bund darf keine Aufgaben an sich ziehen, die ihm nicht ausdrücklich oder sinngemäss durch die Bundesverfassung übertragen sind (Jaag, Die Rechtsstellung der Kantone in der Bundesverfassung, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 474).\n\n**N. 12** Art. 42 BV begründet nach herrschender Lehre keine über die spezifischen Aufgabennormen hinausgehende Erfüllungspflicht des Bundes (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). Die Bestimmung hat primär kompetenzbegrenzende, nicht kompetenzbegründende Funktion. Dies zeigt sich exemplarisch in **BGE 140 I 176**, wo das Bundesgericht festhielt, dass Art. 75b BV keine umfassende Bundeskompetenz für die Zweitwohnungsproblematik schaffe.\n\n**N. 13** Für die Kantone ergibt sich aus Art. 42 BV im Umkehrschluss die Garantie ihrer Restkompetenz. Wo der Bund nicht oder nicht abschliessend tätig geworden ist, verbleibt die Zuständigkeit bei den Kantonen (→ Art. 3 BV). Dies bestätigte das Bundesgericht in **BGE 122 I 70**: «Die Kantone haben eine originäre Gesetzgebungskompetenz, die nur insoweit aufgehoben ist, als der Bund entweder ausschliesslich, mit ursprünglich derogatorischer Wirkung, zuständig ist oder aber in einem Bereich, in dem er konkurrierend, mit nachträglich derogatorischer Wirkung, kompetent ist, von seiner Zuständigkeit abschliessend Gebrauch gemacht hat.»\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** Kontrovers diskutiert wird die Verpflichtungskraft von Art. 42 BV. Blaise Knapp vertritt die Position, Art. 42 verpflichte den Bund, die zugewiesenen Aufgaben tatsächlich zu erfüllen: «L'art. 42 oblige la Confédération à exercer effectivement les tâches que la constitution lui attribue» (Knapp, La répartition des compétences et la coopération de la Confédération et des cantons, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 464). \n\n**N. 15** Biaggini widerspricht dieser Auffassung: Eine Erfüllungsverpflichtung, die weiter gehe als die jeweilige spezifische Aufgabennorm, lasse sich aus Art. 42 nicht ableiten (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). Die Praxis und Lehre stünden weitgehend einig darin, dass Art. 42 kaum eigenständige rechtliche Bedeutung habe (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 2).\n\n**N. 16** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Existenz «gemeinsamer Aufgaben» von Bund und Kantonen (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 40-42). Während die traditionelle Lehre von einer klaren Aufgabentrennung ausgeht, anerkennt die neuere Doktrin vermehrt Bereiche geteilter Verantwortung, insbesondere bei Verbundaufgaben (→ Art. 44 BV, Art. 46 BV).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Prüfung neuer Bundesaktivitäten ist stets zuerst die verfassungsrechtliche Grundlage zu klären. Art. 42 BV verlangt eine explizite oder zumindest implizite Kompetenzzuweisung in der Bundesverfassung. Generalklauseln oder allgemeine Staatszielbestimmungen genügen nicht als Kompetenzgrundlage.\n\n**N. 18** Die Auslegung von Kompetenznormen folgt den allgemeinen Interpretationsgrundsätzen, wobei im Zweifel die Vermutung zugunsten der kantonalen Zuständigkeit gilt (in dubio pro cantone). Dies hat praktische Bedeutung bei neuen Regelungsbereichen wie der Digitalisierung oder dem Klimaschutz.\n\n**N. 19** Für die kantonale und kommunale Rechtsetzung bedeutet Art. 42 BV, dass Spielräume bestehen, solange der Bund seine Kompetenzen nicht abschliessend ausgeschöpft hat. Die Entscheidung **BGE 140 I 176** zur kommunalen Zweitwohnungssteuer illustriert diese Handlungsmöglichkeiten: Trotz der Bundeskompetenz im Raumplanungsrecht (Art. 75 BV) und der neuen Verfassungsbestimmung zu Zweitwohnungen (Art. 75b BV) blieb Raum für ergänzende kommunale Lenkungsinstrumente.\n\n**N. 20** Bei Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bund und Kantonen ist die genaue Analyse der einschlägigen Verfassungsnormen entscheidend. Dabei sind nicht nur die Kompetenznorm selbst, sondern auch systematische Zusammenhänge und die Entstehungsgeschichte zu berücksichtigen. Die Materialien zur NFA-Reform bieten wichtige Auslegungshilfen für die seit 2004 geltende Kompetenzordnung.", "caselaw_de": "# Art. 42 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Grundsätze der Bundeskompetenzen und Aufgabenverteilung\n\n**BGE 122 I 70** (22. Februar 1996)\nBetreffend Zuständigkeiten der Kantone für Einschränkungen des Startens und Landens mit Hängegleitern im Alpgebiet; Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen bei konkurrierender Bundeszuständigkeit.\nDie Entscheidung präzisiert die Reichweite von Bundeskompetenzen und deren Verhältnis zur kantonalen Restkompetenz gemäss Art. 3 BV.\n\n> «Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränität nicht durch die Bundesverfassung beschränkt ist (Art. 3 BV). Sie haben eine originäre Gesetzgebungskompetenz, die nur insoweit aufgehoben ist, als der Bund entweder ausschliesslich, mit ursprünglich derogatorischer Wirkung, zuständig ist oder aber in einem Bereich, in dem er konkurrierend, mit nachträglich derogatorischer Wirkung, kompetent ist, von seiner Zuständigkeit abschliessend Gebrauch gemacht hat.»\n\n### II. Steuerrecht und kommunale Kompetenzen\n\n**BGE 140 I 176** (27. März 2014)\nBetreffend Zweitwohnungssteuer der Gemeinde Silvaplana; Qualifikation als Steuer oder Kausalabgabe; Gemeindekompetenz trotz Bundesaufgaben im Raumplanungsbereich.\nDer Entscheid zeigt die Grenzen der Bundeskompetenzen bei kommunalen Lenkungssteuern auf, auch wenn der Bund in verwandten Bereichen tätig wird.\n\n> «Die in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 11. März 2012 angenommene Zweitwohnungsinitiative bzw. der damit neu geschaffene Art. 75b BV beinhalten keinen umfassenden und somit abschliessenden Lösungsansatz für die Problematik der sog. 'kalten Betten' und stehen der hier streitigen kommunalen Zweitwohnungssteuer mithin nicht entgegen.»\n\n**BGE 142 II 182** (24. Mai 2016)\nBetreffend örtliche Zuständigkeit zur bundessteuerlichen Erfassung einer Kapitalleistung; abgaberechtliches Legalitätsprinzip unter dem Gesichtspunkt des Gesetzes- und Verfassungsvorbehalts.\nDie Entscheidung konkretisiert das Legalitätsprinzip bei Bundesaufgaben im Steuerbereich.\n\n> «Das abgaberechtliche Legalitätsprinzip verlangt, dass jede Abgabe auf einer hinreichend bestimmten gesetzlichen Grundlage beruht. Diese Anforderung gilt sowohl für die materielle Ausgestaltung der Abgabe als auch für die Zuständigkeitsordnung bei ihrer Erhebung.»\n\n### III. Elektronische Verwaltung und Verfahrensrecht\n\n**Urteil 2C_113/2024** (3. Dezember 2024)\nBetreffend Änderung des Verwaltungsrechtspflegegesetzes des Kantons Zürich bezüglich elektronischer Verfahrenshandlungen; Obligatorium für berufsmässige Parteivertreter.\nDer aktuelle Entscheid zeigt die Grenzen kantonaler Verfahrensgestaltung bei Bundesaufgaben auf.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihrer Verwaltungsverfahren grundsätzlich frei, soweit nicht Bundesrecht entgegensteht. Bei der Einführung obligatorischer elektronischer Verfahrenshandlungen sind jedoch die Grundrechte der Verfahrensbeteiligten zu beachten.»\n\n### IV. Politische Rechte und kantonale Organisation\n\n**BGE 143 I 92** (12. Oktober 2016) \nBetreffend Wahl eines kantonalen Parlaments in einem gemischten Wahlverfahren mit Elementen des Majorz- und Proporzprinzips; Wahlrechtsgleichheit bei kantonalen Wahlen.\nDie Entscheidung betrifft die organisationsrechtlichen Grenzen kantonaler Gestaltungsfreiheit.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems und des Wahlverfahrens weitgehend frei. Art. 39 Abs. 1 BV hält fest, dass die Kantone - entsprechend ihrer Organisationsautonomie - die Ausübung der politischen Rechte in kantonalen und kommunalen Angelegenheiten regeln.»\n\n**BGE 147 I 183** (16. September 2020)\nBetreffend Vereinbarkeit der kantonalen Volksinitiative «Grundrechte für Primaten» mit übergeordnetem Recht; Grenzen kantonaler Verfassungsgebung.\nDer Entscheid zeigt die Schranken kantonaler Gestaltungsfreiheit bei der Einführung von Grundrechten auf.\n\n> «Eine Volksinitiative ist im Kanton Basel-Stadt ungültig, wenn sie gegen übergeordnetes Recht verstösst. Kantonale Grundrechte müssen mit den Grundrechten der Bundesverfassung und der EMRK vereinbar sein.»\n\n### V. Kompetenzabgrenzung bei Geldspielautomaten\n\n**BGE 125 II 152** (1999)\nBetreffend Abgrenzung der eidgenössischen und kantonalen Kompetenzen bei der Zulassung von Geldspielautomaten; Reichweite der Bundeskompetenz für Spielbanken.\nDie Entscheidung illustriert die Funktionsweise konkurrierender Kompetenzen.\n\n> «Der Bundesrat hat durch den Erlass der eidgenössischen Geldspielautomatenverordnung nicht in die kantonale Zuständigkeit eingegriffen. Es besteht kein Anspruch der Kantone auf Weiterführung der bisherigen Praxis der Homologation von Geldspielautomaten.»", "summary_fr": "# Art. 42 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 42 Cst. dispose que la Confédération n'assume que les tâches que lui attribue la Constitution fédérale. Cette disposition constitue un pilier fondamental du fédéralisme suisse (structure étatique comprenant la Confédération et les cantons). Elle signifie : la Confédération ne peut pas faire ce qu'elle veut, mais seulement ce qui est inscrit dans la Constitution.\n\nLe principe d'énumération selon Biaggini, BSK BV, art. 42 n. 17 stipule que les compétences fédérales doivent être limitées et expressément énumérées. Toutes les autres tâches demeurent aux cantons – c'est ce qu'on appelle la compétence résiduelle cantonale selon l'art. 3 Cst.\n\n**Exemples concrets :**\n- La Confédération peut percevoir des impôts (art. 128 Cst.), mais pas partout\n- Elle réglemente les autoroutes (art. 83 Cst.), mais pas toutes les routes\n- Les cantons peuvent introduire leurs propres impôts sur les résidences secondaires, même si la Confédération réglemente l'aménagement du territoire (ATF 140 I 176 concernant Silvaplana)\n\n**Qui est concerné :**\n- Les autorités fédérales : doivent vérifier si elles sont compétentes\n- Les cantons et communes : conservent toutes les tâches non transférées\n- Les citoyennes et citoyens : savent quelle autorité est compétente pour quoi\n\n**Conséquences juridiques :**\nSi la Confédération agit sans mandat constitutionnel, c'est contraire au droit. Les cantons peuvent recourir devant les tribunaux. Inversement, les cantons doivent respecter les tâches fédérales lorsque la Confédération est active.\n\nL'histoire de l'élaboration montre : l'al. 2 original de l'art. 42 Cst. a été supprimé en 2004 dans le cadre de la RPT (Réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches) parce qu'il n'avait pas de signification juridique supplémentaire (FF 2001 2410 ss). Aujourd'hui, seul l'al. 1 réglemente encore les tâches fédérales.", "doctrine_fr": "# Art. 42 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 42 Cst. est le résultat d'un processus de politique constitutionnelle de longue durée. La disposition remonte à l'art. 3 de la Constitution fédérale de 1874, qui consacrait le principe de subsidiarité et la présomption en faveur des compétences cantonales (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 9). Lors de la révision totale de 1999, la répartition fédéraliste des tâches a été restructurée et ordonnée systématiquement.\n\n**N. 2** La version originale de l'art. 42 comprenait deux alinéas. L'al. 1 statuait comme aujourd'hui l'attribution des tâches à la Confédération, tandis que l'al. 2 prévoyait : « Elle assume les tâches qui appellent une réglementation uniforme » (FF 1997 I 208). Cette formulation devait servir de guide interprétatif pour l'interprétation des normes d'attribution des tâches.\n\n**N. 3** Dans le cadre de la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT), l'al. 2 a été supprimé le 28 novembre 2004 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 12-16). Cette suppression est intervenue en raison de la critique de Thomas Fleiner, qui qualifiait l'art. 42 al. 2 de « cas d'application d'une règle de collision sur le droit applicable » (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 14). Le Conseil fédéral a justifié l'abrogation par le fait que l'al. 2 n'avait pas de signification normative supplémentaire par rapport aux normes de compétence spécifiques (FF 2001 2457 s.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 42 Cst. se trouve au début du 3e titre « Confédération, cantons et communes » et introduit la 1re section « Tâches de la Confédération et des cantons ». La disposition forme avec l'art. 3 Cst. (cantons), l'art. 43 Cst. (tâches d'exécution des cantons) et l'art. 43a Cst. (principes régissant l'attribution et l'accomplissement des tâches étatiques) le fondement de l'ordre fédéral des compétences.\n\n**N. 5** La position systématique souligne le caractère fondamental de la norme : elle établit le principe d'énumération pour les compétences fédérales, selon lequel la Confédération ne peut accomplir que les tâches que la Constitution lui attribue expressément. Ceci est directement lié à la compétence résiduelle cantonale selon l'art. 3 Cst. (→ Art. 3 Cst.).\n\n**N. 6** L'art. 42 Cst. est étroitement lié aux normes de compétence matérielle (art. 54-135 Cst.), qui décrivent les tâches fédérales concrètes. La disposition agit comme une norme-passerelle entre les principes généraux du fédéralisme et les attributions spécifiques de tâches (↔ Art. 43a Cst., Art. 46 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** Le concept de « tâches » à l'art. 42 Cst. est nuancé et englobe différentes dimensions de l'action étatique (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 17-20). Selon Bernhard Rütsche, une tâche publique désigne « l'activité permanente de l'administration, exercée dans l'intérêt public et décrite dans le droit objectif » (Rütsche, Was sind öffentliche Aufgaben?, recht 2013, 153).\n\n**N. 8** L'attribution des tâches s'effectue par la Constitution fédérale selon différents degrés d'intensité :\n- Compétences fédérales exclusives (p. ex. art. 54 Cst. Affaires extérieures)\n- Compétences concurrentes avec effet dérogatoire a posteriori (p. ex. art. 74 Cst. Protection de l'environnement)\n- Compétences de législation-cadre (p. ex. art. 75 Cst. Aménagement du territoire)\n- Compétences de législation de principe (p. ex. art. 63a Cst. Hautes écoles)\n- Compétences d'encouragement (p. ex. art. 68 Cst. Sport)\n\n**N. 9** Les modalités d'accomplissement des tâches varient considérablement (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 31-36). La Confédération peut exercer ses tâches par l'édiction de normes, l'exécution, le financement, la coordination ou la surveillance. Pour la plupart des compétences, la Confédération est habilitée à légiférer, tandis que l'exécution incombe aux cantons (art. 46 Cst.).\n\n**N. 10** Le rapport entre l'ordre des tâches et l'ordre des compétences est complexe (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 21-30). Une attribution de tâche ne fonde pas automatiquement un pouvoir d'action complet. C'est plutôt la norme de compétence respective qui détermine le type et l'étendue des activités fédérales autorisées.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'effet juridique principal de l'art. 42 Cst. consiste en la limitation des compétences fédérales aux tâches attribuées par la Constitution. La Confédération ne peut pas s'arroger de tâches qui ne lui sont pas transférées expressément ou implicitement par la Constitution fédérale (Jaag, Die Rechtsstellung der Kantone in der Bundesverfassung, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 474).\n\n**N. 12** L'art. 42 Cst. ne fonde selon la doctrine dominante aucune obligation d'accomplissement de la Confédération allant au-delà des normes spécifiques d'attribution des tâches (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). La disposition a une fonction principalement limitative, non constitutive de compétence. Ceci s'illustre notamment dans l'**ATF 140 I 176**, où le Tribunal fédéral a constaté que l'art. 75b Cst. ne créait pas de compétence fédérale globale pour la problématique des résidences secondaires.\n\n**N. 13** Pour les cantons découle de l'art. 42 Cst. par déduction inverse la garantie de leur compétence résiduelle. Là où la Confédération n'est pas intervenue ou ne l'a pas fait de manière concluante, la compétence reste aux cantons (→ Art. 3 Cst.). Le Tribunal fédéral l'a confirmé dans l'**ATF 122 I 70** : « Les cantons ont une compétence législative originaire, qui n'est supprimée que dans la mesure où la Confédération est soit exclusivement compétente, avec effet dérogatoire originel, soit dans un domaine où elle est compétente concurremment, avec effet dérogatoire a posteriori, a fait un usage concluant de sa compétence. »\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 14** Le caractère obligatoire de l'art. 42 Cst. fait l'objet de discussions controversées. Blaise Knapp défend la position selon laquelle l'art. 42 oblige la Confédération à accomplir effectivement les tâches attribuées : « L'art. 42 oblige la Confédération à exercer effectivement les tâches que la constitution lui attribue » (Knapp, La répartition des compétences et la coopération de la Confédération et des cantons, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 464).\n\n**N. 15** Biaggini contredit cette conception : une obligation d'accomplissement qui irait plus loin que la norme d'attribution spécifique respective ne peut pas être déduite de l'art. 42 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). La pratique et la doctrine s'accordent largement sur le fait que l'art. 42 n'a guère de signification juridique autonome (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 2).\n\n**N. 16** Un autre point de controverse concerne l'existence de « tâches communes » de la Confédération et des cantons (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 40-42). Alors que la doctrine traditionnelle part d'une séparation claire des tâches, la doctrine plus récente reconnaît de plus en plus de domaines de responsabilité partagée, notamment pour les tâches communes (→ Art. 44 Cst., Art. 46 Cst.).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Lors de l'examen de nouvelles activités fédérales, il faut toujours clarifier d'abord le fondement constitutionnel. L'art. 42 Cst. exige une attribution de compétence explicite ou au moins implicite dans la Constitution fédérale. Les clauses générales ou les dispositions générales d'objectifs étatiques ne suffisent pas comme fondement de compétence.\n\n**N. 18** L'interprétation des normes de compétence suit les principes généraux d'interprétation, la présomption jouant en cas de doute en faveur de la compétence cantonale (in dubio pro cantone). Ceci a une signification pratique pour les nouveaux domaines de réglementation comme la numérisation ou la protection du climat.\n\n**N. 19** Pour l'édiction de normes cantonales et communales, l'art. 42 Cst. signifie qu'il existe des marges de manœuvre tant que la Confédération n'a pas épuisé ses compétences de manière concluante. La décision **ATF 140 I 176** sur la taxe communale sur les résidences secondaires illustre ces possibilités d'action : malgré la compétence fédérale en matière d'aménagement du territoire (art. 75 Cst.) et la nouvelle disposition constitutionnelle sur les résidences secondaires (art. 75b Cst.), il subsistait de la place pour des instruments communaux d'incitation complémentaires.\n\n**N. 20** En cas de litiges de compétence entre la Confédération et les cantons, l'analyse précise des normes constitutionnelles pertinentes est décisive. Il faut prendre en compte non seulement la norme de compétence elle-même, mais aussi les liens systématiques et la genèse. Les matériaux de la réforme RPT offrent d'importantes aides à l'interprétation pour l'ordre des compétences en vigueur depuis 2004.", "caselaw_fr": "# Art. 42 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### I. Principes des compétences fédérales et répartition des tâches\n\n**ATF 122 I 70** (22 février 1996)\nConcernant les compétences des cantons pour les restrictions du décollage et de l'atterrissage avec des deltaplane dans les régions alpines ; délimitation des compétences entre Confédération et cantons en cas de compétence fédérale concurrente.\nLa décision précise la portée des compétences fédérales et leur rapport à la compétence résiduelle cantonale selon l'art. 3 Cst.\n\n> « Les cantons sont souverains dans la mesure où leur souveraineté n'est pas limitée par la Constitution fédérale (art. 3 Cst.). Ils ont une compétence législative originaire, qui n'est supprimée que dans la mesure où la Confédération est soit exclusivement compétente, avec un effet dérogatoire d'origine, soit dans un domaine où elle est compétente de manière concurrente, avec un effet dérogatoire postérieur, et qu'elle a fait un usage définitif de sa compétence. »\n\n### II. Droit fiscal et compétences communales\n\n**ATF 140 I 176** (27 mars 2014)\nConcernant la taxe sur les résidences secondaires de la commune de Silvaplana ; qualification en tant qu'impôt ou redevance causale ; compétence communale malgré les tâches fédérales dans le domaine de l'aménagement du territoire.\nLa décision montre les limites des compétences fédérales en matière d'impôts d'incitation communaux, même lorsque la Confédération est active dans des domaines apparentés.\n\n> « L'initiative sur les résidences secondaires acceptée lors de la votation populaire fédérale du 11 mars 2012, respectivement l'art. 75b Cst. nouvellement créé, ne contient pas d'approche de solution globale et donc définitive pour la problématique des 'lits froids' et ne s'oppose par conséquent pas à la taxe communale sur les résidences secondaires litigieuse. »\n\n**ATF 142 II 182** (24 mai 2016)\nConcernant la compétence locale pour la saisie fiscale fédérale d'une prestation en capital ; principe de légalité en droit fiscal sous l'aspect de la réserve de la loi et de la Constitution.\nLa décision concrétise le principe de légalité lors des tâches fédérales dans le domaine fiscal.\n\n> « Le principe de légalité en droit fiscal exige que toute redevance repose sur une base légale suffisamment déterminée. Cette exigence vaut tant pour l'aménagement matériel de la redevance que pour l'ordre de compétence lors de sa perception. »\n\n### III. Administration électronique et droit procédural\n\n**Arrêt 2C_113/2024** (3 décembre 2024)\nConcernant la modification de la loi sur la justice administrative du canton de Zurich relative aux actes de procédure électroniques ; obligation pour les représentants de parties professionnels.\nLa décision actuelle montre les limites de l'aménagement procédural cantonal lors des tâches fédérales.\n\n> « Les cantons sont en principe libres dans l'aménagement de leurs procédures administratives, pour autant que le droit fédéral ne s'y oppose pas. Lors de l'introduction d'actes de procédure électroniques obligatoires, il faut cependant respecter les droits fondamentaux des participants à la procédure. »\n\n### IV. Droits politiques et organisation cantonale\n\n**ATF 143 I 92** (12 octobre 2016) \nConcernant l'élection d'un parlement cantonal selon un mode d'élection mixte avec des éléments du principe majoritaire et proportionnel ; égalité du droit de vote lors d'élections cantonales.\nLa décision concerne les limites du droit d'organisation de la liberté d'aménagement cantonale.\n\n> « Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique et du mode d'élection. L'art. 39, al. 1, Cst. dispose que les cantons - conformément à leur autonomie organisationnelle - règlent l'exercice des droits politiques dans les affaires cantonales et communales. »\n\n**ATF 147 I 183** (16 septembre 2020)\nConcernant la compatibilité de l'initiative populaire cantonale « Droits fondamentaux pour les primates » avec le droit supérieur ; limites du pouvoir constituant cantonal.\nLa décision montre les limites de la liberté d'aménagement cantonale lors de l'introduction de droits fondamentaux.\n\n> « Une initiative populaire est nulle dans le canton de Bâle-Ville si elle viole le droit supérieur. Les droits fondamentaux cantonaux doivent être compatibles avec les droits fondamentaux de la Constitution fédérale et de la CEDH. »\n\n### V. Délimitation des compétences en matière d'appareils automatiques à sous\n\n**ATF 125 II 152** (1999)\nConcernant la délimitation des compétences fédérales et cantonales lors de l'autorisation d'appareils automatiques à sous ; portée de la compétence fédérale pour les maisons de jeu.\nLa décision illustre le fonctionnement des compétences concurrentes.\n\n> « Le Conseil fédéral n'a pas empiété sur la compétence cantonale par l'édiction de l'ordonnance fédérale sur les appareils automatiques à sous. Il n'existe aucun droit des cantons à la poursuite de la pratique antérieure d'homologation des appareils automatiques à sous. »", "summary_it": "# Art. 42 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 42 Cost. stabilisce che la Confederazione adempie soltanto i compiti che le sono attribuiti dalla Costituzione federale. Questa disposizione è un pilastro fondamentale del federalismo svizzero (ordinamento statale con Confederazione e Cantoni). Significa: la Confederazione non può fare ciò che vuole, ma solo ciò che è stabilito nella Costituzione.\n\nIl principio di enumerazione secondo Biaggini, BSK BV, art. 42 n. 17 stabilisce che le competenze federali devono essere limitate ed espressamente menzionate. Tutti gli altri compiti rimangono ai Cantoni – questo si chiama competenza residua cantonale secondo l'art. 3 Cost.\n\n**Esempi concreti:**\n- La Confederazione può riscuotere imposte (art. 128 Cost.), ma non ovunque\n- Essa disciplina le autostrade (art. 83 Cost.), ma non tutte le strade\n- I Cantoni possono introdurre proprie imposte sulle abitazioni secondarie, anche se la Confederazione disciplina la pianificazione del territorio (DTF 140 I 176 concernente Silvaplana)\n\n**Chi è interessato:**\n- Autorità federali: devono verificare se sono competenti\n- Cantoni e Comuni: conservano tutti i compiti non trasferiti\n- Cittadine e cittadini: sanno quale autorità è competente per cosa\n\n**Conseguenze giuridiche:**\nSe la Confederazione fa qualcosa senza mandato costituzionale, ciò è contrario al diritto. I Cantoni possono adire i tribunali. Viceversa, i Cantoni devono rispettare i compiti federali quando la Confederazione è attiva.\n\nLa storia della genesi mostra: l'originario cpv. 2 dell'art. 42 Cost. è stato abrogato nel 2004 nel quadro della NPC (Nuova impostazione della perequazione finanziaria) perché non aveva alcun significato giuridico aggiuntivo (FF 2001 2289 seg.). Oggi solo il cpv. 1 disciplina ancora i compiti federali.", "doctrine_it": "# Art. 42 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 42 Cost. è il risultato di un processo costituzionale politico pluriennale. La disposizione risale all'art. 3 della Costituzione federale del 1874, che sanciva il principio di sussidiarietà e la presunzione a favore delle competenze cantonali (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 9). Nella revisione totale del 1999 la ripartizione federalista dei compiti è stata ristrutturata e ordinata sistematicamente.\n\n**N. 2** La versione originale dell'art. 42 conteneva due capoversi. Il cpv. 1 stabiliva come oggi l'attribuzione dei compiti alla Confederazione, mentre il cpv. 2 prevedeva: «Essa assume i compiti che richiedono una disciplina uniforme» (FF 1997 I 185). Questa formulazione doveva servire come filo conduttore interpretativo per l'interpretazione delle norme sui compiti.\n\n**N. 3** Nell'ambito della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) il cpv. 2 è stato abrogato il 28 novembre 2004 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 12-16). L'abrogazione è avvenuta a causa della critica di Thomas Fleiner, che qualificò l'art. 42 cpv. 2 come «caso di applicazione di una regola di conflitto su diritto applicabile» (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 14). Il Consiglio federale giustificò l'abrogazione sostenendo che il cpv. 2 non aveva alcun significato normativo aggiuntivo rispetto alle norme di competenza specifiche (FF 2001 2319 segg.).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 42 Cost. si trova all'inizio del titolo 3° «Confederazione, Cantoni e Comuni» e introduce la sezione 1a «Compiti della Confederazione e dei Cantoni». La disposizione forma insieme all'art. 3 Cost. (Cantoni), all'art. 43 Cost. (Compiti amministrativi dei Cantoni) e all'art. 43a Cost. (Principi per l'attribuzione e l'adempimento dei compiti statali) il fondamento dell'ordinamento delle competenze dello Stato federale.\n\n**N. 5** La posizione sistematica sottolinea il carattere fondamentale della norma: essa stabilisce il principio dell'enumerazione per le competenze federali, secondo il quale la Confederazione può adempiere soltanto quei compiti che la Costituzione le attribuisce espressamente. Ciò è direttamente collegato alla competenza residuale cantonale secondo l'art. 3 Cost. (→ Art. 3 Cost.).\n\n**N. 6** L'art. 42 Cost. è strettamente collegato alle norme di competenza materiali (art. 54-135 Cost.), che descrivono i compiti federali concreti. La disposizione agisce come norma ponte tra i principi generali del federalismo e le attribuzioni specifiche di compiti (↔ Art. 43a Cost., Art. 46 Cost.).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** Il concetto di «compiti» nell'art. 42 Cost. è sfaccettato e comprende varie dimensioni dell'azione statale (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 17-20). Secondo Bernhard Rütsche un compito pubblico designa «l'attività permanente, svolta nell'interesse pubblico e delineata nel diritto oggettivo dell'amministrazione» (Rütsche, Was sind öffentliche Aufgaben?, recht 2013, 153).\n\n**N. 8** L'attribuzione dei compiti avviene attraverso la Costituzione federale in diversi gradi di intensità:\n- Competenze federali esclusive (p.es. art. 54 Cost. Affari esteri)\n- Competenze concorrenti con effetto derogatorio successivo (p.es. art. 74 Cost. Protezione dell'ambiente)\n- Competenze di legislazione quadro (p.es. art. 75 Cost. Pianificazione del territorio)\n- Competenze di legislazione di principio (p.es. art. 63a Cost. Scuole universitarie)\n- Competenze di promozione (p.es. art. 68 Cost. Sport)\n\n**N. 9** Le modalità dell'adempimento dei compiti variano considerevolmente (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 31-36). La Confederazione può svolgere i suoi compiti attraverso la legislazione, l'esecuzione, il finanziamento, il coordinamento o la vigilanza. Nella maggior parte delle competenze la Confederazione è autorizzata alla legislazione, mentre l'esecuzione spetta ai Cantoni (art. 46 Cost.).\n\n**N. 10** Il rapporto tra ordinamento dei compiti e delle competenze è complesso (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 21-30). Un'attribuzione di compiti non fonda automaticamente un'autorizzazione d'azione comprensiva. Piuttosto la rispettiva norma di competenza determina il tipo e la portata delle attività federali ammissibili.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** La conseguenza giuridica primaria dell'art. 42 Cost. consiste nella limitazione delle competenze federali ai compiti attribuiti costituzionalmente. La Confederazione non può assumersi compiti che non le sono trasferiti espressamente o per analogia dalla Costituzione federale (Jaag, Die Rechtsstellung der Kantone in der Bundesverfassung, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 474).\n\n**N. 12** L'art. 42 Cost. secondo la dottrina dominante non fonda alcun obbligo di adempimento della Confederazione che vada oltre le norme specifiche sui compiti (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). La disposizione ha funzione primariamente limitatrice delle competenze, non fondatrice di competenze. Ciò si mostra esemplarmente nella **DTF 140 I 176**, dove il Tribunale federale stabilì che l'art. 75b Cost. non crea una competenza federale comprensiva per la problematica delle abitazioni secondarie.\n\n**N. 13** Per i Cantoni dall'art. 42 Cost. risulta per conclusione a contrario la garanzia della loro competenza residuale. Dove la Confederazione non è attiva o non è attiva in modo conclusivo, la competenza rimane presso i Cantoni (→ Art. 3 Cost.). Ciò fu confermato dal Tribunale federale nella **DTF 122 I 70**: «I Cantoni hanno una competenza legislativa originaria, che è soppressa soltanto nella misura in cui la Confederazione è competente in modo esclusivo, con effetto derogatorio originario, oppure in un ambito in cui essa è competente in modo concorrente, con effetto derogatorio successivo, ha fatto uso della sua competenza in modo conclusivo.»\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 14** La forza vincolante dell'art. 42 Cost. è discussa in modo controverso. Blaise Knapp rappresenta la posizione secondo cui l'art. 42 obbliga la Confederazione ad adempiere effettivamente i compiti attribuiti: «L'art. 42 oblige la Confédération à exercer effectivement les tâches que la constitution lui attribue» (Knapp, La répartition des compétences et la coopération de la Confédération et des cantons, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 464).\n\n**N. 15** Biaggini contraddice questa concezione: un obbligo di adempimento che vada oltre la rispettiva norma specifica sui compiti non può essere dedotto dall'art. 42 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 35). La prassi e la dottrina sarebbero largamente concordi sul fatto che l'art. 42 ha difficilmente un significato giuridico autonomo (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 2).\n\n**N. 16** Un ulteriore punto controverso riguarda l'esistenza di «compiti comuni» di Confederazione e Cantoni (Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 40-42). Mentre la dottrina tradizionale parte da una chiara separazione dei compiti, la dottrina più recente riconosce sempre più ambiti di responsabilità condivisa, in particolare nei compiti coordinati (→ Art. 44 Cost., Art. 46 Cost.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nell'esame di nuove attività federali è sempre da chiarire prima la base costituzionale. L'art. 42 Cost. richiede un'attribuzione di competenza esplicita o almeno implicita nella Costituzione federale. Clausole generali o disposizioni generali di obiettivi statali non bastano come base di competenza.\n\n**N. 18** L'interpretazione delle norme di competenza segue i principi interpretativi generali, dove nel dubbio vale la presunzione a favore della competenza cantonale (in dubio pro cantone). Ciò ha significato pratico per nuovi ambiti normativi come la digitalizzazione o la protezione del clima.\n\n**N. 19** Per la legislazione cantonale e comunale l'art. 42 Cost. significa che esistono spazi di manovra fintanto che la Confederazione non ha esaurito le sue competenze in modo conclusivo. La decisione **DTF 140 I 176** sulla tassa comunale sulle abitazioni secondarie illustra queste possibilità d'azione: nonostante la competenza federale nel diritto della pianificazione del territorio (art. 75 Cost.) e la nuova disposizione costituzionale sulle abitazioni secondarie (art. 75b Cost.) rimase spazio per strumenti di orientamento comunali complementari.\n\n**N. 20** Nelle controversie di competenze tra Confederazione e Cantoni è decisiva l'analisi precisa delle norme costituzionali pertinenti. In ciò sono da considerare non soltanto la norma di competenza stessa, ma anche i contesti sistematici e la storia dell'origine. I materiali sulla riforma NPC offrono importanti ausili interpretativi per l'ordinamento delle competenze in vigore dal 2004.", "caselaw_it": "# Art. 42 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### I. Principi delle competenze federali e ripartizione dei compiti\n\n**DTF 122 I 70** (22 febbraio 1996)\nRelativo alle competenze dei Cantoni per le limitazioni del decollo e dell'atterraggio con deltaplani in regione alpina; delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni in caso di competenza federale concorrente.\nLa decisione precisa la portata delle competenze federali e il loro rapporto con la competenza residua cantonale secondo l'art. 3 Cost.\n\n> «I Cantoni sono sovrani per quanto la loro sovranità non sia limitata dalla Costituzione federale (art. 3 Cost.). Essi hanno una competenza legislativa originaria, che è soppressa soltanto nella misura in cui la Confederazione sia competente esclusivamente, con effetto derogatorio originario, oppure in un ambito nel quale è competente in modo concorrente, con effetto derogatorio successivo, abbia fatto uso in modo definitivo della sua competenza.»\n\n### II. Diritto tributario e competenze comunali\n\n**DTF 140 I 176** (27 marzo 2014)\nRelativo all'imposta sulle case di vacanza del Comune di Silvaplana; qualificazione come imposta o tassa causale; competenza comunale nonostante i compiti federali nel settore della pianificazione del territorio.\nLa decisione mostra i limiti delle competenze federali in materia di imposte comunali di orientamento, anche quando la Confederazione è attiva in settori affini.\n\n> «L'iniziativa sulle case di vacanza accettata nella votazione popolare federale dell'11 marzo 2012 rispettivamente il nuovo art. 75b Cost. da essa creato non contengono un approccio risolutivo completo e quindi definitivo per la problematica dei cosiddetti 'letti freddi' e non si oppongono quindi all'imposta comunale sulle case di vacanza qui controversa.»\n\n**DTF 142 II 182** (24 maggio 2016)\nRelativo alla competenza locale per l'imposizione fiscale federale di una prestazione in capitale; principio di legalità del diritto delle imposte sotto il profilo della riserva di legge e di costituzione.\nLa decisione concretizza il principio di legalità per i compiti federali nel settore tributario.\n\n> «Il principio di legalità del diritto delle imposte esige che ogni imposta si basi su una base legale sufficientemente determinata. Questa esigenza vale sia per la configurazione materiale dell'imposta sia per l'ordinamento delle competenze nella sua riscossione.»\n\n### III. Amministrazione elettronica e diritto processuale\n\n**Sentenza 2C_113/2024** (3 dicembre 2024)\nRelativa alla modifica della legge sulla procedura amministrativa del Cantone di Zurigo riguardo agli atti processuali elettronici; obbligo per i rappresentanti di parte professionali.\nLa decisione attuale mostra i limiti della configurazione procedurale cantonale per i compiti federali.\n\n> «I Cantoni sono in linea di principio liberi nella configurazione delle loro procedure amministrative, purché il diritto federale non si opponga. Nell'introduzione di atti processuali elettronici obbligatori devono tuttavia essere rispettati i diritti fondamentali dei partecipanti al procedimento.»\n\n### IV. Diritti politici e organizzazione cantonale\n\n**DTF 143 I 92** (12 ottobre 2016) \nRelativo all'elezione di un parlamento cantonale secondo un procedimento elettorale misto con elementi del principio maggioritario e proporzionale; uguaglianza del diritto di voto nelle elezioni cantonali.\nLa decisione riguarda i limiti organizzativi della libertà di configurazione cantonale.\n\n> «I Cantoni sono ampiamente liberi nella configurazione del loro sistema politico e della procedura elettorale. L'art. 39 cpv. 1 Cost. stabilisce che i Cantoni - secondo la loro autonomia organizzativa - disciplinano l'esercizio dei diritti politici negli affari cantonali e comunali.»\n\n**DTF 147 I 183** (16 settembre 2020)\nRelativo alla compatibilità dell'iniziativa popolare cantonale «Diritti fondamentali per i primati» con il diritto superiore; limiti della costituzione cantonale.\nLa decisione mostra le barriere della libertà di configurazione cantonale nell'introduzione di diritti fondamentali.\n\n> «Un'iniziativa popolare è nulla nel Cantone di Basilea Città se viola il diritto superiore. I diritti fondamentali cantonali devono essere compatibili con i diritti fondamentali della Costituzione federale e della CEDU.»\n\n### V. Delimitazione delle competenze per gli apparecchi automatici da gioco\n\n**DTF 125 II 152** (1999)\nRelativo alla delimitazione delle competenze federali e cantonali nell'autorizzazione di apparecchi automatici da gioco; portata della competenza federale per le case da gioco.\nLa decisione illustra il funzionamento delle competenze concorrenti.\n\n> «Il Consiglio federale non è intervenuto nella competenza cantonale emanando l'ordinanza federale sugli apparecchi automatici da gioco. Non esiste alcun diritto dei Cantoni alla continuazione della prassi precedente dell'omologazione degli apparecchi automatici da gioco.»", "summary_en": "# Art. 42 BV\n\n## Overview\n\nArt. 42 BV establishes that the Confederation only performs the tasks assigned to it by the Federal Constitution. This provision is a cornerstone of Swiss federalism (state structure with Confederation and cantons). It means: the Confederation may not do what it wants, but only what is stated in the Constitution.\n\nThe enumeration principle according to Biaggini, BSK BV, Art. 42 N. 17 states that federal competences must be limited and expressly mentioned. All other tasks remain with the cantons – this is called cantonal residual competence according to Art. 3 BV.\n\n**Concrete examples:**\n- The Confederation may levy taxes (Art. 128 BV), but not everywhere\n- It regulates motorways (Art. 83 BV), but not all roads\n- Cantons may introduce their own second home taxes, even though the Confederation regulates spatial planning (BGE 140 I 176 concerning Silvaplana)\n\n**Who is affected:**\n- Federal authorities: must examine whether they have jurisdiction\n- Cantons and municipalities: retain all tasks not transferred\n- Citizens: know which authority is responsible for what\n\n**Legal consequences:**\nIf the Confederation does something without a constitutional mandate, this is unlawful. The cantons may go to court. Conversely, the cantons must respect federal tasks when the Confederation acts.\n\nThe legislative history shows: The original para. 2 of Art. 42 BV was deleted in 2004 as part of the NFA (New Financial Equalisation) because it had no additional legal significance (BBl 2001 2457 f.). Today, only para. 1 still regulates federal tasks.", "doctrine_en": "# Art. 42 FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**Para. 1** Art. 42 FC is the result of a long-term constitutional policy process. The provision traces back to Art. 3 of the Federal Constitution of 1874, which enshrined the principle of subsidiarity and the presumption in favour of cantonal competences (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 9). In the total revision of 1999, the federalist division of tasks was restructured and systematically arranged.\n\n**Para. 2** The original version of Art. 42 contained two paragraphs. Para. 1 established the assignment of tasks to the Confederation as it does today, while para. 2 provided: «It assumes the tasks that require uniform regulation» (BBl 1997 I 208). This formulation was intended to serve as an interpretative guideline for the interpretation of the task norms.\n\n**Para. 3** In the framework of the reform of fiscal equalisation and the division of tasks between the Confederation and the cantons (NFA), para. 2 was deleted on 28 November 2004 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 12-16). The deletion occurred due to criticism from Thomas Fleiner, who characterised Art. 42 para. 2 as a «case of application of a conflict rule on applicable law» (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 14). The Federal Council justified the repeal by stating that para. 2 had no additional normative significance compared to the specific competence norms (BBl 2001 2457 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**Para. 4** Art. 42 FC stands at the beginning of Title 3 «Confederation, Cantons and Communes» and introduces Section 1 «Tasks of the Confederation and Cantons». The provision forms, together with Art. 3 FC (Cantons), Art. 43 FC (Administrative tasks of the cantons) and Art. 43a FC (Principles for the assignment and fulfilment of state tasks), the foundation of the federal state's competence order.\n\n**Para. 5** The systematic position underscores the fundamental character of the norm: It establishes the enumeration principle for federal competences, according to which the Confederation may only fulfil those tasks that the Constitution expressly assigns to it. This is directly related to the cantonal residual competence according to Art. 3 FC (→ Art. 3 FC).\n\n**Para. 6** Art. 42 FC is closely linked to the material competence norms (Art. 54-135 FC), which describe the concrete federal tasks. The provision acts as a bridging norm between the general federalism principles and the specific task assignments (↔ Art. 43a FC, Art. 46 FC).\n\n### 3. Elements of the Legal Provision / Content of the Norm\n\n**Para. 7** The term «tasks» in Art. 42 FC is multifaceted and encompasses various dimensions of state action (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 17-20). According to Bernhard Rütsche, a public task denotes «the permanent activity of the administration undertaken in the public interest and described in objective law» (Rütsche, Was sind öffentliche Aufgaben?, recht 2013, 153).\n\n**Para. 8** The assignment of tasks takes place through the Federal Constitution in different degrees of intensity:\n- Exclusive federal competences (e.g. Art. 54 FC Foreign affairs)\n- Concurrent competences with subsequently derogatory effect (e.g. Art. 74 FC Environmental protection)\n- Framework legislation competences (e.g. Art. 75 FC Spatial planning)\n- Basic legislation competences (e.g. Art. 63a FC Higher education)\n- Promotional competences (e.g. Art. 68 FC Sport)\n\n**Para. 9** The modalities of task fulfilment vary considerably (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 31-36). The Confederation can fulfil its tasks through legislation, implementation, financing, coordination or supervision. For most competences, the Confederation is authorised to legislate, while implementation falls to the cantons (Art. 46 FC).\n\n**Para. 10** The relationship between the order of tasks and competences is complex (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 21-30). An assignment of tasks does not automatically establish comprehensive authority to act. Rather, the respective competence norm determines the type and scope of permissible federal activities.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**Para. 11** The primary legal consequence of Art. 42 FC consists in limiting federal competences to constitutionally assigned tasks. The Confederation may not assume tasks that are not expressly or by implication transferred to it by the Federal Constitution (Jaag, Die Rechtsstellung der Kantone in der Bundesverfassung, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 474).\n\n**Para. 12** According to prevailing doctrine, Art. 42 FC does not establish any obligation for the Confederation to fulfil tasks beyond the specific task norms (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 35). The provision has primarily a competence-limiting, not competence-establishing function. This is exemplified in **BGE 140 I 176**, where the Federal Court held that Art. 75b FC does not create comprehensive federal competence for the second homes problem.\n\n**Para. 13** For the cantons, Art. 42 FC establishes by reverse conclusion the guarantee of their residual competence. Where the Confederation has not acted or has not acted conclusively, competence remains with the cantons (→ Art. 3 FC). The Federal Court confirmed this in **BGE 122 I 70**: «The cantons have original legislative competence, which is only repealed insofar as the Confederation is either exclusively competent, with originally derogatory effect, or has made conclusive use of its competence in an area where it is competent concurrently, with subsequently derogatory effect.»\n\n### 5. Areas of Dispute\n\n**Para. 14** The binding force of Art. 42 FC is controversially discussed. Blaise Knapp takes the position that Art. 42 obliges the Confederation to actually fulfil the assigned tasks: «L'art. 42 oblige la Confédération à exercer effectivement les tâches que la constitution lui attribue» (Knapp, La répartition des compétences et la coopération de la Confédération et des cantons, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, 464).\n\n**Para. 15** Biaggini contradicts this view: An obligation to fulfil that goes further than the respective specific task norm cannot be derived from Art. 42 (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 35). Practice and doctrine largely agree that Art. 42 has hardly any independent legal significance (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 2).\n\n**Para. 16** Another point of dispute concerns the existence of «common tasks» of the Confederation and cantons (Biaggini, BSK BV, Art. 42 para. 40-42). While traditional doctrine assumes a clear separation of tasks, newer doctrine increasingly recognises areas of shared responsibility, particularly in joint tasks (→ Art. 44 FC, Art. 46 FC).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**Para. 17** When examining new federal activities, the constitutional basis must always be clarified first. Art. 42 FC requires an explicit or at least implicit assignment of competence in the Federal Constitution. General clauses or general state objectives do not suffice as a competence basis.\n\n**Para. 18** The interpretation of competence norms follows the general principles of interpretation, whereby in case of doubt the presumption is in favour of cantonal competence (in dubio pro cantone). This has practical significance for new areas of regulation such as digitalisation or climate protection.\n\n**Para. 19** For cantonal and communal legislation, Art. 42 FC means that scope exists as long as the Confederation has not exhaustively exercised its competences. The decision **BGE 140 I 176** on communal second homes tax illustrates these possibilities for action: Despite federal competence in spatial planning law (Art. 75 FC) and the new constitutional provision on second homes (Art. 75b FC), scope remained for supplementary communal steering instruments.\n\n**Para. 20** In competence disputes between the Confederation and cantons, precise analysis of the relevant constitutional norms is decisive. Not only the competence norm itself, but also systematic connections and legislative history must be considered. The materials on the NFA reform provide important interpretative aids for the competence order in force since 2004.", "caselaw_en": "# Art. 42 BV\n\n## Case law\n\n### I. Principles of federal competences and distribution of tasks\n\n**BGE 122 I 70** (22 February 1996)\nRegarding cantonal competences for restrictions on hang-gliding take-offs and landings in alpine areas; demarcation of competences between the Confederation and cantons in cases of concurrent federal competence.\nThe decision clarifies the scope of federal competences and their relationship to residual cantonal competence under Art. 3 Cst.\n\n> «The cantons are sovereign insofar as their sovereignty is not limited by the Federal Constitution (Art. 3 Cst.). They have original legislative competence, which is only abolished insofar as the Confederation either has exclusive competence with originally derogatory effect, or has made conclusive use of its competence in an area where it has concurrent competence with subsequently derogatory effect.»\n\n### II. Tax law and municipal competences\n\n**BGE 140 I 176** (27 March 2014)\nRegarding the second home tax of the municipality of Silvaplana; classification as tax or causation charge; municipal competence despite federal tasks in spatial planning.\nThe decision shows the limits of federal competences in the case of municipal steering taxes, even when the Confederation is active in related areas.\n\n> «The second home initiative adopted in the federal popular vote of 11 March 2012 and the newly created Art. 75b Cst. do not contain a comprehensive and thus conclusive solution to the problem of so-called 'cold beds' and therefore do not preclude the municipal second home tax in dispute here.»\n\n**BGE 142 II 182** (24 May 2016)\nRegarding local jurisdiction for the federal tax assessment of a capital payment; tax law principle of legality from the perspective of statutory and constitutional reservation.\nThe decision concretises the principle of legality for federal tasks in the tax area.\n\n> «The tax law principle of legality requires that every charge be based on a sufficiently specific legal foundation. This requirement applies both to the material design of the charge and to the allocation of competences in its collection.»\n\n### III. Electronic administration and procedural law\n\n**Judgment 2C_113/2024** (3 December 2024)\nRegarding amendment of the Administrative Court Procedure Act of the Canton of Zurich concerning electronic procedural acts; mandatory requirement for professional party representatives.\nThe current decision shows the limits of cantonal procedural design in federal tasks.\n\n> «The cantons are basically free in the design of their administrative procedures, insofar as federal law does not conflict. However, when introducing mandatory electronic procedural acts, the fundamental rights of the parties to proceedings must be observed.»\n\n### IV. Political rights and cantonal organisation\n\n**BGE 143 I 92** (12 October 2016) \nRegarding the election of a cantonal parliament in a mixed electoral procedure with elements of the majority and proportional principles; electoral equality in cantonal elections.\nThe decision concerns the organisational limits of cantonal autonomy in design.\n\n> «The cantons are largely free in the design of their political system and electoral procedure. Art. 39 para. 1 Cst. states that the cantons - in accordance with their organisational autonomy - regulate the exercise of political rights in cantonal and municipal matters.»\n\n**BGE 147 I 183** (16 September 2020)\nRegarding the compatibility of the cantonal popular initiative «Fundamental rights for primates» with superior law; limits of cantonal constitutional legislation.\nThe decision shows the barriers to cantonal autonomy in design when introducing fundamental rights.\n\n> «A popular initiative is invalid in the Canton of Basel-Stadt if it violates superior law. Cantonal fundamental rights must be compatible with the fundamental rights of the Federal Constitution and the ECHR.»\n\n### V. Demarcation of competences regarding gaming machines\n\n**BGE 125 II 152** (1999)\nRegarding the demarcation of federal and cantonal competences in the authorisation of gaming machines; scope of federal competence for casinos.\nThe decision illustrates the functioning of concurrent competences.\n\n> «By issuing the federal gaming machine ordinance, the Federal Council has not encroached upon cantonal competence. The cantons have no entitlement to continue the previous practice of gaming machine homologation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_42", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 43, "article_suffix": "", "title": "Aufgaben der Kantone", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 43 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 43 BV regelt die kantonale Aufgabenautonomie (Selbstbestimmung bei Staatsaufgaben). Die Kantone können grundsätzlich frei entscheiden, welche öffentlichen Aufgaben sie übernehmen und wie sie diese organisieren. Diese Autonomie besteht jedoch nur im Rahmen ihrer verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten. Die rechtliche Bedeutung und praktische Tragweite der Bestimmung sind bescheiden (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1).\n\nBetroffen sind alle 26 Kantone als Gliedstaaten der Schweiz. Gemeinden können sich nicht direkt auf diese Norm berufen. Die Aufgabenautonomie umfasst drei Bereiche: die Entscheidung, ob eine Aufgabe überhaupt wahrgenommen wird, die Wahl der Mittel zur Aufgabenerfüllung und die organisatorische Gestaltung.\n\nDie wichtigste Einschränkung liegt in der Formulierung «im Rahmen ihrer Zuständigkeiten». Der Wortlaut ist unpräzis, da er eine weitreichende Freiheit suggeriert, die tatsächlich nicht besteht (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18). Bundesgesetze können die kantonale Autonomie stark einschränken, indem sie bestimmte Aufgaben vorschreiben, Mindeststandards festlegen oder Organisationsvorgaben machen.\n\n**Beispiel**: Ein Kanton kann entscheiden, ob er ein eigenes Kulturförderungsgesetz erlässt (Aufgabenautonomie). Er kann jedoch nicht frei über Strafverfahren bestimmen, da die Strafprozessordnung Bundessache ist. Bei der Raumplanung muss er zwar eine kantonale Behörde für Baubewilligungen ausserhalb der Bauzone bezeichnen (**BGE 128 I 254**), kann aber die interne Organisation dieser Behörde selbst festlegen.\n\nArt. 43 BV ergänzt Art. 42 BV (Bundesaufgaben) und konkretisiert das Föderalismusprinzip von Art. 3 BV. Während Art. 42 BV den Verfassungsvorbehalt für Bundeskompetenzen betont, bestätigt Art. 43 BV die kantonale Aufgabenautonomie (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).", "doctrine_de": "# Art. 43 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 43 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 geschaffen. Die Bestimmung hatte kein direktes Vorbild in der Bundesverfassung von 1874. Die Norm entstand aus der Überzeugung der Verfassungsreformkommission, dass die föderalistischen Grundsätze expliziter verankert werden sollten (BBl 1997 I 1, 232). Die Botschaft des Bundesrates betont, dass Art. 43 BV zusammen mit Art. 42 BV ein kohärentes System der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen bildet (BBl 1997 I 234).\n\n**N. 2** Der historische Art. 43 aBV von 1874 regelte die politischen Rechte der Niedergelassenen und hat mit der heutigen Bestimmung keinen inhaltlichen Zusammenhang. Die neue Norm ist Teil des 3. Titels «Bund, Kantone und Gemeinden» und konkretisiert den in Art. 3 BV verankerten Föderalismus.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 43 BV steht im systematischen Zusammenhang mit den föderalistischen Grundnormen der Bundesverfassung. Er ergänzt Art. 3 BV (Kantonssouveränität) und steht in komplementärem Verhältnis zu Art. 42 BV (Aufgaben des Bundes). Während Art. 42 BV den Verfassungsvorbehalt für Bundeskompetenzen betont, bestätigt Art. 43 BV die kantonale Aufgabenautonomie (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).\n\n**N. 4** Die Norm ist im Kontext des gesamten 1. Kapitels des 3. Titels zu lesen: → Art. 43a BV (Grundsätze der Aufgabenzuweisung), → Art. 44 BV (Grundsätze der Zusammenarbeit), → Art. 45 BV (Mitwirkung), ↔ Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts), ↔ Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone) und → Art. 48 BV (Verträge zwischen Kantonen).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Tatbestand von Art. 43 BV enthält drei wesentliche Elemente:\n\n**N. 6** **«Die Kantone»**: Normadressaten sind die 26 Kantone als Gliedstaaten der Bundesverfassung. Die Bestimmung richtet sich nicht an Gemeinden oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, obwohl die Kantone ihre Aufgaben an diese delegieren können (→ Art. 50 BV).\n\n**N. 7** **«bestimmen»**: Die Kantone verfügen über Entscheidungsautonomie bei der Frage, ob und wie sie Aufgaben wahrnehmen. Diese Autonomie umfasst die Organisation der Aufgabenerfüllung, die Wahl der Mittel und die Prioritätensetzung (Schweizer, SG-Komm. BV, Art. 43 N. 4).\n\n**N. 8** **«welche Aufgaben sie [...] erfüllen»**: Der Begriff «Aufgaben» unterscheidet sich von «Zuständigkeiten». Während Zuständigkeiten Befugnisse im Sinne von Berechtigungen meinen, steht bei Aufgaben der verpflichtende Charakter im Vordergrund (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 12). Die Kantone können grundsätzlich selbst entscheiden, welche öffentlichen Aufgaben sie übernehmen wollen.\n\n**N. 9** **«im Rahmen ihrer Zuständigkeiten»**: Diese Einschränkung ist zentral. Die kantonale Aufgabenautonomie besteht nur soweit, als die Bundesverfassung den Kantonen überhaupt Kompetenzen belässt. Der Wortlaut ist insofern unpräzis, als er eine weitreichende Freiheit suggeriert, die tatsächlich nicht besteht (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 43 BV begründet keine neuen kantonalen Kompetenzen, sondern bestätigt die bereits aus Art. 3 BV fliessende Aufgabenautonomie (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1). Die praktische Bedeutung der Norm ist daher bescheiden.\n\n**N. 11** Die Kantone können im Rahmen ihrer Zuständigkeiten:\n- Neue Aufgaben schaffen oder bestehende aufheben\n- Die Organisation der Aufgabenerfüllung frei gestalten (Organisationsautonomie)\n- Aufgaben an Gemeinden oder Dritte delegieren\n- Sich zur gemeinsamen Aufgabenerfüllung zusammenschliessen (→ Art. 48 BV)\n\n**N. 12** Die kantonale Aufgabenautonomie wird jedoch vielfach durch Bundesrecht eingeschränkt. Bundesvorgaben können die kantonale Freiheit in folgenden Formen beschränken (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 17-27):\n- Obligatorische Aufgabenerfüllung durch Bundesgesetze\n- Vorgaben zur Organisation (z.B. Forderung nach kantonaler Einheitsbehörde)\n- Mindeststandards und Qualitätsvorgaben\n- Finanzielle Anreize und Subventionsbedingungen\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Verhältnis zu Art. 3 BV**: Biaggini vertritt die Position, dass Art. 43 BV rechtlich keine eigenständige Bedeutung hat und nur wiederholt, was sich bereits aus Art. 3 BV ergibt (BSK BV, Art. 43 N. 1). Schweizer hingegen sieht in Art. 43 BV eine wichtige Konkretisierung des Föderalismusprinzips mit eigenem normativen Gehalt (SG-Komm. BV, Art. 43 N. 2).\n\n**N. 14** **Abgrenzung zu Art. 47 BV**: Schweizer weist auf Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Art. 43 BV (Aufgabenautonomie) und Art. 47 BV (Eigenständigkeit) hin (zitiert in Biaggini, BSK BV, Art. 43 Fn. 2). Während Art. 43 BV die funktionale Autonomie betrifft, schützt Art. 47 BV die institutionelle Eigenständigkeit der Kantone.\n\n**N. 15** **Tragweite der Einschränkung**: Die Lehre ist sich uneinig über die Tragweite der Formulierung «im Rahmen ihrer Zuständigkeiten». Biaggini kritisiert den unpräzisen Wortlaut, der eine grössere Autonomie suggeriere als tatsächlich bestehe (BSK BV, Art. 43 N. 18). Andere Autoren sehen darin eine notwendige Klarstellung des bundesstaatlichen Kompetenzgefüges.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Prüfung kantonaler Aufgabenerfüllung ist stets zuerst die Zuständigkeitsfrage zu klären. Nur wenn eine Materie in die kantonale Kompetenz fällt, kommt Art. 43 BV zur Anwendung.\n\n**N. 17** Die Kantone sollten bei der Aufgabengestaltung folgende Bundesvorgaben beachten:\n- Grundrechtsschutz (→ Art. 35 BV)\n- Rechtsgleichheit (→ Art. 8 BV)\n- Verhältnismässigkeit (→ Art. 5 Abs. 2 BV)\n- Vorrang des Bundesrechts (→ Art. 49 BV)\n\n**N. 18** Bei interkantonaler Zusammenarbeit ist zu prüfen, ob die gemeinsame Aufgabenerfüllung eine Vertragsgrundlage nach Art. 48 BV erfordert. Die blosse Koordination ohne rechtliche Verpflichtung bedarf keines formellen Konkordats.\n\n**N. 19** Gemeinden können sich nicht direkt auf Art. 43 BV berufen, da sie keine Adressaten der Norm sind. Ihre Aufgabenautonomie richtet sich nach kantonalem Verfassungsrecht und Art. 50 BV.", "caselaw_de": "# Art. 43 BV - Rechtsprechung\n\n## Grundsätze der kantonalen Aufgabenbestimmung\n\n**BGE 128 I 254** vom 14. August 2002  \nDas Bundesgericht hält fest, dass die Kantone bei der Organisation ihrer Zuständigkeiten grundsätzlich frei sind (Organisationsautonomie). Diese Autonomie kann jedoch durch Bundesrecht eingeschränkt werden, wenn eine einheitliche kantonale Behörde zur Gewährleistung der Rechtsgleichheit erforderlich ist.\n\n> «Art. 25 Abs. 1 RPG statuiert den Grundsatz der Organisationsautonomie der Kantone. Dieser Grundsatz wird in Abs. 2 insofern eingeschränkt, als die Zuständigkeit einer kantonalen Behörde vorgeschrieben wird: Während es den Kantonen üblicherweise freisteht, ihre Aufgaben an die Gemeinden zu delegieren, verlangt Art. 25 Abs. 2 RPG [...] im Interesse einer gesamtkantonal einheitlichen und rechtsgleichen Rechtsanwendung, dass sämtliche Gesuche für Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone von einer kantonalen Behörde behandelt werden.»\n\n**BGE 141 II 262** vom 9. Juli 2015  \nInterkantonale Organisationen können bei Erfüllung kantonaler Aufgaben eigene Zuständigkeiten entwickeln. Die Kantone bestimmen durch ihre Beteiligung an interkantonalen Vereinbarungen, wie sie ihre Aufgaben wahrnehmen.\n\n> «Die Comlot als Bewilligungsbehörde ist gestützt auf eine teleologisch-geltungszeitliche Interpretation des Bundes- und interkantonalen Rechts (IVLW) befugt, im Zusammenhang mit Grosslotterien ein Unterstellungs- bzw. Qualifikationsverfahren durchzuführen und das generell-abstrakt gültige Lotterieverbot im Einzelfall zu konkretisieren.»\n\n## Abgrenzung zwischen Bund und Kantonen\n\n**BGE 117 Ia 202** vom 29. Mai 1991  \nBei Kompetenzkonflikten zwischen Bund und Kantonen ist zu prüfen, welcher Staatsebene die Aufgabe verfassungsrechtlich zusteht. Art. 43 BV kommt nur zur Anwendung, soweit eine Aufgabe überhaupt in kantonaler Zuständigkeit liegt.\n\n> «Gegenstand des Verfahrens der staatsrechtlichen Klage bildet einzig die Frage nach der Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kanton hinsichtlich der Einsicht in die Staatsschutzakten des Bundes.»\n\n**BGE 122 I 70** vom 22. Februar 1996  \nDie Kantone bleiben für Bereiche zuständig, die der Bund nicht abschliessend geregelt hat. Die kantonale Restkompetenz nach Art. 3 BV konkretisiert sich durch Art. 43 BV in der Aufgabenbestimmung.\n\n> «Art. 37ter BV gibt dem Bund eine umfassende, aber keine ausschliessliche Kompetenz auf dem Gebiet der Luftfahrt. Die Kantone bleiben zuständig für Rechtsfragen, die der Bund nicht abschliessend geregelt hat.»\n\n## Historische Rechtsprechung zu Art. 43 aBV (Politische Rechte)\n\n**BGE 122 I 209** vom 30. September 1996  \nUnter der alten Bundesverfassung von 1874 regelte Art. 43 aBV die politischen Rechte der Niedergelassenen. Diese Bestimmung verlangte eine Gleichbehandlung aller Schweizer Bürger bei kantonalen Massnahmen.\n\n> «Il convient d'examiner la constitutionnalité, au regard de l'art. 43 al. 4 Cst., du délai imposé aux Confédérés par l'art. 23 let. b de la loi cantonale. [...] Le principe de l'égalité de traitement consacré en faveur de tous les Confédérés par l'art. 43 Cst. s'appliquait aux mesures que les cantons prenaient pour combattre les effets de la crise.»\n\n**BGE 89 I 448** vom Jahresbeginn 1963  \nDie Kantone können ihre Organisationsformen innerhalb der verfassungsrechtlichen Grenzen frei bestimmen. Gemeinden als untergeordnete Körperschaften müssen sich an die vom Kanton vorgegebenen Organisationsformen halten.\n\n> «Bei Abstimmungsbeschwerden nach Art. 85 lit. a OG prüft das Bundesgericht nicht nur die Auslegung des Bundesrechts und des kantonalen Verfassungsrechts, sondern auch diejenige anderer kantonaler Vorschriften insoweit frei, als sie das Stimmrecht nach Inhalt und Umfang näher normieren.»\n\n## Interkantonale Kompetenzkonflikte\n\n**BGE 129 I 419** vom 27. Oktober 2003  \nBei negativen Kompetenzkonflikten zwischen Kantonen entscheidet das Bundesgericht über die Zuständigkeit staatlicher Behörden. Die Kantone können nicht einseitig bestimmen, dass andere Kantone für bestimmte Aufgaben zuständig sind.\n\n> «Im Falle eines negativen Kompetenzkonfliktes ist die Vormundschaftsbehörde am Wohnsitz des Kindes für Kindesschutzmassnahmen zuständig, ohne dass zu prüfen ist, ob nicht die Vormundschaftsbehörde am gewöhnlichen Aufenthaltsort wegen des Grundsatzes des Kindeswohls vorzuziehen wäre.»\n\n**BGE 129 V 485** vom 20. August 2003  \nKantonale Behörden können ihre Zuständigkeiten durch formelle Delegation auf nachgeordnete Stellen übertragen. Dies muss jedoch rechtlich korrekt erfolgen und darf die Kontrolle nicht beeinträchtigen.\n\n> «Die Kompetenzdelegation einzelner Aufgaben der kantonalen Amtsstelle an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) [...] bedarf eines formellen, den Publikationsvorschriften des Kantons unterstehenden Erlasses.»", "summary_fr": "# Art. 43 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 43 Cst. règle l'autonomie cantonale des tâches (autodétermination en matière de tâches étatiques). Les cantons peuvent en principe décider librement quelles tâches publiques ils assument et comment ils les organisent. Cette autonomie n'existe cependant que dans le cadre de leurs compétences constitutionnelles. La signification juridique et la portée pratique de la disposition sont modestes (Biaggini, BSK BV, art. 43 ch. 1).\n\nTous les 26 cantons en tant qu'États membres de la Suisse sont concernés. Les communes ne peuvent pas se prévaloir directement de cette norme. L'autonomie des tâches comprend trois domaines : la décision de savoir si une tâche est accomplie ou non, le choix des moyens pour l'accomplissement des tâches et l'aménagement organisationnel.\n\nLa restriction la plus importante réside dans la formulation « dans le cadre de leurs compétences ». Le libellé est imprécis, car il suggère une liberté étendue qui n'existe pas en réalité (Biaggini, BSK BV, art. 43 ch. 18). Les lois fédérales peuvent fortement restreindre l'autonomie cantonale en prescrivant certaines tâches, en fixant des standards minimaux ou en imposant des exigences organisationnelles.\n\n**Exemple** : Un canton peut décider s'il adopte sa propre loi sur l'encouragement de la culture (autonomie des tâches). Il ne peut cependant pas décider librement de la procédure pénale, car le code de procédure pénale relève de la compétence fédérale. En matière d'aménagement du territoire, il doit certes désigner une autorité cantonale pour les autorisations de construire en dehors des zones à bâtir (**ATF 128 I 254**), mais peut fixer lui-même l'organisation interne de cette autorité.\n\nL'art. 43 Cst. complète l'art. 42 Cst. (tâches de la Confédération) et concrétise le principe du fédéralisme de l'art. 3 Cst. Alors que l'art. 42 Cst. souligne la réserve constitutionnelle pour les compétences fédérales, l'art. 43 Cst. confirme l'autonomie cantonale des tâches (Biaggini, BSK BV, art. 43 ch. 11).", "doctrine_fr": "# Art. 43 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 43 Cst. a été créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition n'avait pas de modèle direct dans la Constitution fédérale de 1874. La norme est née de la conviction de la commission de réforme constitutionnelle que les principes fédéralistes devaient être ancrés plus explicitement (FF 1997 I 1, 232). Le message du Conseil fédéral souligne que l'art. 43 Cst. forme, avec l'art. 42 Cst., un système cohérent de répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (FF 1997 I 234).\n\n**N. 2** L'ancien art. 43 aCst. de 1874 réglait les droits politiques des personnes établies et n'a aucun lien de contenu avec la disposition actuelle. La nouvelle norme fait partie du 3e titre « Confédération, cantons et communes » et concrétise le fédéralisme ancré à l'art. 3 Cst.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 43 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique des normes fondamentales fédéralistes de la Constitution fédérale. Il complète l'art. 3 Cst. (souveraineté cantonale) et entretient un rapport complémentaire avec l'art. 42 Cst. (tâches de la Confédération). Alors que l'art. 42 Cst. met l'accent sur la réserve constitutionnelle pour les compétences fédérales, l'art. 43 Cst. confirme l'autonomie cantonale des tâches (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).\n\n**N. 4** La norme doit être lue dans le contexte de l'ensemble du 1er chapitre du 3e titre : → Art. 43a Cst. (principes de l'attribution des tâches), → Art. 44 Cst. (principes de la collaboration), → Art. 45 Cst. (participation), ↔ Art. 46 Cst. (mise en œuvre du droit fédéral), ↔ Art. 47 Cst. (autonomie des cantons) et → Art. 48 Cst. (conventions entre cantons).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** L'état de fait de l'art. 43 Cst. contient trois éléments essentiels :\n\n**N. 6** **« Les cantons »** : Les destinataires de la norme sont les 26 cantons en tant qu'États membres de la Constitution fédérale. La disposition ne s'adresse pas aux communes ou à d'autres corporations de droit public, bien que les cantons puissent leur déléguer leurs tâches (→ Art. 50 Cst.).\n\n**N. 7** **« déterminent »** : Les cantons disposent d'une autonomie de décision sur la question de savoir s'ils accomplissent des tâches et comment ils les accomplissent. Cette autonomie comprend l'organisation de l'accomplissement des tâches, le choix des moyens et la définition des priorités (Schweizer, SG-Komm. BV, Art. 43 N. 4).\n\n**N. 8** **« quelles tâches ils [...] accomplissent »** : Le concept de « tâches » se distingue des « compétences ». Alors que les compétences signifient des attributions au sens d'autorisations, c'est le caractère obligatoire qui est au premier plan pour les tâches (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 12). Les cantons peuvent en principe décider eux-mêmes quelles tâches publiques ils veulent assumer.\n\n**N. 9** **« dans le cadre de leurs compétences »** : Cette restriction est centrale. L'autonomie cantonale des tâches n'existe que dans la mesure où la Constitution fédérale laisse effectivement des compétences aux cantons. Le libellé est imprécis en ce sens qu'il suggère une liberté plus large que celle qui existe réellement (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** L'art. 43 Cst. ne fonde pas de nouvelles compétences cantonales, mais confirme l'autonomie des tâches qui découle déjà de l'art. 3 Cst. (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1). La signification pratique de la norme est donc modeste.\n\n**N. 11** Les cantons peuvent, dans le cadre de leurs compétences :\n- Créer de nouvelles tâches ou supprimer des tâches existantes\n- Organiser librement l'accomplissement des tâches (autonomie organisationnelle)\n- Déléguer des tâches aux communes ou à des tiers\n- S'associer pour l'accomplissement commun de tâches (→ Art. 48 Cst.)\n\n**N. 12** L'autonomie cantonale des tâches est toutefois souvent limitée par le droit fédéral. Les prescriptions fédérales peuvent restreindre la liberté cantonale sous les formes suivantes (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 17-27) :\n- Accomplissement obligatoire de tâches par les lois fédérales\n- Prescriptions relatives à l'organisation (p. ex. exigence d'une autorité cantonale unique)\n- Standards minimaux et prescriptions de qualité\n- Incitations financières et conditions de subventionnement\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 13** **Rapport à l'art. 3 Cst.** : Biaggini défend la position que l'art. 43 Cst. n'a juridiquement aucune signification autonome et ne fait que répéter ce qui découle déjà de l'art. 3 Cst. (BSK BV, Art. 43 N. 1). Schweizer voit au contraire dans l'art. 43 Cst. une concrétisation importante du principe du fédéralisme avec un contenu normatif propre (SG-Komm. BV, Art. 43 N. 2).\n\n**N. 14** **Délimitation par rapport à l'art. 47 Cst.** : Schweizer souligne les difficultés de délimitation entre l'art. 43 Cst. (autonomie des tâches) et l'art. 47 Cst. (autonomie) (cité dans Biaggini, BSK BV, Art. 43 Fn. 2). Alors que l'art. 43 Cst. concerne l'autonomie fonctionnelle, l'art. 47 Cst. protège l'autonomie institutionnelle des cantons.\n\n**N. 15** **Portée de la restriction** : La doctrine n'est pas unanime sur la portée de la formulation « dans le cadre de leurs compétences ». Biaggini critique le libellé imprécis qui suggère une autonomie plus grande que celle qui existe réellement (BSK BV, Art. 43 N. 18). D'autres auteurs y voient une clarification nécessaire de la structure des compétences de l'État fédéral.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** Lors de l'examen de l'accomplissement cantonal de tâches, il faut toujours clarifier d'abord la question des compétences. L'art. 43 Cst. ne s'applique que si une matière relève de la compétence cantonale.\n\n**N. 17** Les cantons devraient respecter les prescriptions fédérales suivantes lors de la conception des tâches :\n- Protection des droits fondamentaux (→ Art. 35 Cst.)\n- Égalité devant la loi (→ Art. 8 Cst.)\n- Proportionnalité (→ Art. 5, al. 2 Cst.)\n- Primauté du droit fédéral (→ Art. 49 Cst.)\n\n**N. 18** En cas de collaboration intercantonale, il faut examiner si l'accomplissement commun de tâches nécessite une base contractuelle selon l'art. 48 Cst. La simple coordination sans obligation juridique ne nécessite pas de concordat formel.\n\n**N. 19** Les communes ne peuvent pas se prévaloir directement de l'art. 43 Cst., car elles ne sont pas destinataires de la norme. Leur autonomie des tâches se fonde sur le droit constitutionnel cantonal et l'art. 50 Cst.", "caselaw_fr": "# Art. 43 Cst. - Jurisprudence\n\n## Principes de la détermination des tâches cantonales\n\n**ATF 128 I 254** du 14 août 2002  \nLe Tribunal fédéral retient que les cantons sont en principe libres dans l'organisation de leurs compétences (autonomie organisationnelle). Cette autonomie peut toutefois être limitée par le droit fédéral lorsqu'une autorité cantonale unifiée est nécessaire pour garantir l'égalité devant la loi.\n\n> « L'art. 25 al. 1 LAT énonce le principe de l'autonomie organisationnelle des cantons. Ce principe est limité à l'al. 2 dans la mesure où la compétence d'une autorité cantonale est prescrite : alors qu'il est habituellement loisible aux cantons de déléguer leurs tâches aux communes, l'art. 25 al. 2 LAT [...] exige, dans l'intérêt d'une application uniforme et égalitaire du droit à l'échelle cantonale, que toutes les demandes relatives à des projets de construction hors zone à bâtir soient traitées par une autorité cantonale. »\n\n**ATF 141 II 262** du 9 juillet 2015  \nLes organisations intercantonales peuvent développer leurs propres compétences lors de l'accomplissement de tâches cantonales. Les cantons déterminent par leur participation aux conventions intercantonales comment ils accomplissent leurs tâches.\n\n> « La Comlot en tant qu'autorité d'autorisation est habilitée, sur la base d'une interprétation téléologique-temporelle du droit fédéral et intercantonal (CILV), à mener une procédure de soumission ou de qualification en relation avec les grandes loteries et à concrétiser dans le cas individuel l'interdiction générale-abstraite des loteries. »\n\n## Délimitation entre Confédération et cantons\n\n**ATF 117 Ia 202** du 29 mai 1991  \nEn cas de conflits de compétences entre la Confédération et les cantons, il faut examiner à quel niveau étatique la tâche revient constitutionnellement. L'art. 43 Cst. ne s'applique que dans la mesure où une tâche relève effectivement de la compétence cantonale.\n\n> « L'objet de la procédure du recours de droit public ne porte que sur la question de la délimitation des compétences entre la Confédération et le canton concernant la consultation des dossiers de protection de l'État de la Confédération. »\n\n**ATF 122 I 70** du 22 février 1996  \nLes cantons restent compétents pour les domaines que la Confédération n'a pas réglés de manière exhaustive. La compétence résiduelle cantonale selon l'art. 3 Cst. se concrétise par l'art. 43 Cst. dans la détermination des tâches.\n\n> « L'art. 37ter Cst. donne à la Confédération une compétence étendue, mais non exclusive dans le domaine de l'aviation. Les cantons restent compétents pour les questions juridiques que la Confédération n'a pas réglées de manière exhaustive. »\n\n## Jurisprudence historique sur l'art. 43 aCst. (Droits politiques)\n\n**ATF 122 I 209** du 30 septembre 1996  \nSous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, l'art. 43 aCst. réglait les droits politiques des personnes établies. Cette disposition exigeait un traitement égal de tous les citoyens suisses dans les mesures cantonales.\n\n> « Il convient d'examiner la constitutionnalité, au regard de l'art. 43 al. 4 Cst., du délai imposé aux Confédérés par l'art. 23 let. b de la loi cantonale. [...] Le principe de l'égalité de traitement consacré en faveur de tous les Confédérés par l'art. 43 Cst. s'appliquait aux mesures que les cantons prenaient pour combattre les effets de la crise. »\n\n**ATF 89 I 448** du début de l'année 1963  \nLes cantons peuvent déterminer librement leurs formes d'organisation dans les limites constitutionnelles. Les communes en tant que collectivités subordonnées doivent se conformer aux formes d'organisation prescrites par le canton.\n\n> « En cas de recours relatifs aux votations selon l'art. 85 let. a OJ, le Tribunal fédéral examine librement non seulement l'interprétation du droit fédéral et du droit constitutionnel cantonal, mais aussi celle d'autres dispositions cantonales dans la mesure où elles règlent plus précisément le droit de vote quant à son contenu et à son étendue. »\n\n## Conflits de compétences intercantonaux\n\n**ATF 129 I 419** du 27 octobre 2003  \nEn cas de conflits négatifs de compétences entre cantons, le Tribunal fédéral décide de la compétence des autorités étatiques. Les cantons ne peuvent pas déterminer unilatéralement que d'autres cantons sont compétents pour certaines tâches.\n\n> « En cas de conflit négatif de compétences, l'autorité tutélaire du domicile de l'enfant est compétente pour les mesures de protection de l'enfant, sans qu'il faille examiner si l'autorité tutélaire du lieu de résidence habituel ne serait pas préférable en raison du principe du bien de l'enfant. »\n\n**ATF 129 V 485** du 20 août 2003  \nLes autorités cantonales peuvent transférer leurs compétences par délégation formelle à des instances subordonnées. Ceci doit toutefois s'effectuer de manière juridiquement correcte et ne doit pas porter atteinte au contrôle.\n\n> « La délégation de compétences de tâches particulières du service cantonal aux Centres régionaux de placement (ORP) [...] nécessite un acte formel soumis aux dispositions de publication du canton. »", "summary_it": "# Art. 43 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 43 Cost. disciplina l'autonomia cantonale dei compiti (autodeterminazione nei compiti statali). I Cantoni possono in linea di principio decidere liberamente quali compiti pubblici assumere e come organizzarli. Questa autonomia esiste tuttavia solo nell'ambito delle loro competenze costituzionali. Il significato giuridico e la portata pratica della disposizione sono modesti (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1).\n\nSono interessati tutti i 26 Cantoni quali Stati membri della Svizzera. I Comuni non possono invocare direttamente questa norma. L'autonomia dei compiti comprende tre ambiti: la decisione se un compito debba essere svolto, la scelta dei mezzi per l'adempimento dei compiti e la configurazione organizzativa.\n\nLa limitazione più importante risiede nella formulazione «nell'ambito delle loro competenze». Il tenore letterale è impreciso, poiché suggerisce una libertà di ampia portata che in realtà non esiste (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18). Le leggi federali possono limitare fortemente l'autonomia cantonale prescrivendo determinati compiti, stabilendo standard minimi o imponendo direttive organizzative.\n\n**Esempio**: Un Cantone può decidere se emanare una propria legge di promozione culturale (autonomia dei compiti). Non può tuttavia disporre liberamente delle procedure penali, poiché il codice di procedura penale è di competenza federale. Nella pianificazione del territorio deve sì designare un'autorità cantonale per le licenze edilizie fuori dalle zone edificabili (**BGE 128 I 254**), ma può determinare autonomamente l'organizzazione interna di questa autorità.\n\nL'art. 43 Cost. completa l'art. 42 Cost. (compiti federali) e concretizza il principio del federalismo dell'art. 3 Cost. Mentre l'art. 42 Cost. sottolinea la riserva costituzionale per le competenze federali, l'art. 43 Cost. conferma l'autonomia cantonale dei compiti (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).", "doctrine_it": "# Art. 43 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 43 Cost. è stato creato nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione non aveva un precedente diretto nella Costituzione federale del 1874. La norma è nata dalla convinzione della commissione per la riforma costituzionale che i principi federalistici dovessero essere ancorati più esplicitamente (FF 1997 I 1, 237). Il messaggio del Consiglio federale sottolinea che l'art. 43 Cost. forma insieme all'art. 42 Cost. un sistema coerente di ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (FF 1997 I 240).\n\n**N. 2** Lo storico art. 43 aCost. del 1874 disciplinava i diritti politici dei domiciliati e non ha alcun collegamento contenutistico con l'attuale disposizione. La nuova norma fa parte del 3° titolo «Confederazione, Cantoni e Comuni» e concretizza il federalismo ancorato nell'art. 3 Cost.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 43 Cost. si colloca nel contesto sistematico delle norme fondamentali federalistiche della Costituzione federale. Esso completa l'art. 3 Cost. (sovranità cantonale) ed è in rapporto complementare con l'art. 42 Cost. (compiti della Confederazione). Mentre l'art. 42 Cost. sottolinea la riserva costituzionale per le competenze federali, l'art. 43 Cost. conferma l'autonomia cantonale dei compiti (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).\n\n**N. 4** La norma va letta nel contesto dell'intero 1° capitolo del 3° titolo: → Art. 43a Cost. (principi dell'attribuzione di compiti), → Art. 44 Cost. (principi della collaborazione), → Art. 45 Cost. (partecipazione), ↔ Art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale), ↔ Art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni) e → Art. 48 Cost. (accordi tra Cantoni).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** La fattispecie dell'art. 43 Cost. contiene tre elementi essenziali:\n\n**N. 6** **«I Cantoni»**: Destinatari della norma sono i 26 Cantoni come Stati membri della Costituzione federale. La disposizione non si rivolge ai Comuni o ad altri enti di diritto pubblico, benché i Cantoni possano delegare loro i propri compiti (→ Art. 50 Cost.).\n\n**N. 7** **«decidono»**: I Cantoni dispongono di autonomia decisionale sulla questione se e come svolgere i compiti. Questa autonomia comprende l'organizzazione dell'adempimento dei compiti, la scelta dei mezzi e la definizione delle priorità (Schweizer, SG-Komm. BV, Art. 43 N. 4).\n\n**N. 8** **«quali compiti [...] adempiono»**: Il concetto di «compiti» si distingue da «competenze». Mentre le competenze indicano facoltà nel senso di autorizzazioni, per i compiti è in primo piano il carattere vincolante (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 12). I Cantoni possono in linea di principio decidere autonomamente quali compiti pubblici vogliono assumere.\n\n**N. 9** **«nell'ambito delle loro competenze»**: Questa limitazione è centrale. L'autonomia cantonale dei compiti esiste solo nella misura in cui la Costituzione federale lascia effettivamente competenze ai Cantoni. Il tenore letterale è in questo senso impreciso, in quanto suggerisce una libertà ampia che in realtà non esiste (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 43 Cost. non fonda nuove competenze cantonali, ma conferma l'autonomia dei compiti che deriva già dall'art. 3 Cost. (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1). Il significato pratico della norma è pertanto modesto.\n\n**N. 11** I Cantoni possono nell'ambito delle loro competenze:\n- Creare nuovi compiti o sopprimere quelli esistenti\n- Configurare liberamente l'organizzazione dell'adempimento dei compiti (autonomia organizzativa)\n- Delegare compiti a Comuni o a terzi\n- Associarsi per l'adempimento comune di compiti (→ Art. 48 Cost.)\n\n**N. 12** L'autonomia cantonale dei compiti viene tuttavia spesso limitata dal diritto federale. Le prescrizioni federali possono limitare la libertà cantonale nelle seguenti forme (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 17-27):\n- Adempimento obbligatorio di compiti mediante leggi federali\n- Prescrizioni relative all'organizzazione (p.es. richiesta di autorità cantonale unitaria)\n- Standard minimi e prescrizioni di qualità\n- Incentivi finanziari e condizioni di sussidio\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 13** **Rapporto con l'art. 3 Cost.**: Biaggini sostiene la posizione secondo cui l'art. 43 Cost. non ha giuridicamente alcun significato autonomo e ripete soltanto ciò che deriva già dall'art. 3 Cost. (BSK BV, Art. 43 N. 1). Schweizer invece vede nell'art. 43 Cost. un'importante concretizzazione del principio federalistico con proprio contenuto normativo (SG-Komm. BV, Art. 43 N. 2).\n\n**N. 14** **Delimitazione dall'art. 47 Cost.**: Schweizer segnala difficoltà di delimitazione tra l'art. 43 Cost. (autonomia dei compiti) e l'art. 47 Cost. (autonomia) (citato in Biaggini, BSK BV, Art. 43 Fn. 2). Mentre l'art. 43 Cost. riguarda l'autonomia funzionale, l'art. 47 Cost. protegge l'autonomia istituzionale dei Cantoni.\n\n**N. 15** **Portata della limitazione**: La dottrina è divisa sulla portata della formulazione «nell'ambito delle loro competenze». Biaggini critica il tenore letterale impreciso, che suggerisce un'autonomia maggiore di quella che effettivamente esiste (BSK BV, Art. 43 N. 18). Altri autori vi vedono una necessaria chiarificazione dell'assetto federale delle competenze.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nell'esame dell'adempimento cantonale di compiti occorre sempre chiarire prima la questione delle competenze. Solo se una materia rientra nella competenza cantonale, si applica l'art. 43 Cost.\n\n**N. 17** I Cantoni dovrebbero rispettare nella configurazione dei compiti le seguenti prescrizioni federali:\n- Protezione dei diritti fondamentali (→ Art. 35 Cost.)\n- Uguaglianza giuridica (→ Art. 8 Cost.)\n- Proporzionalità (→ Art. 5 cpv. 2 Cost.)\n- Primato del diritto federale (→ Art. 49 Cost.)\n\n**N. 18** Nella collaborazione intercantonale occorre esaminare se l'adempimento comune di compiti richiede una base contrattuale secondo l'art. 48 Cost. Il mero coordinamento senza obbligo giuridico non necessita di un concordato formale.\n\n**N. 19** I Comuni non possono invocare direttamente l'art. 43 Cost., poiché non sono destinatari della norma. La loro autonomia dei compiti si regge sul diritto costituzionale cantonale e sull'art. 50 Cost.", "caselaw_it": "# Art. 43 Cost. - Giurisprudenza\n\n## Principi della determinazione cantonale dei compiti\n\n**BGE 128 I 254** del 14 agosto 2002  \nIl Tribunale federale stabilisce che i Cantoni sono fondamentalmente liberi nell'organizzazione delle loro competenze (autonomia organizzativa). Questa autonomia può tuttavia essere limitata dal diritto federale quando un'autorità cantonale unitaria è necessaria per garantire l'uguaglianza di diritto.\n\n> «L'art. 25 cpv. 1 LPT statuisce il principio dell'autonomia organizzativa dei Cantoni. Questo principio è limitato nel cpv. 2 in quanto viene prescritta la competenza di un'autorità cantonale: mentre i Cantoni sono solitamente liberi di delegare i loro compiti ai Comuni, l'art. 25 cpv. 2 LPT [...] richiede, nell'interesse di un'applicazione del diritto unitaria e uguale per tutto il Cantone, che tutte le domande per progetti edilizi fuori zona edificabile siano trattate da un'autorità cantonale.»\n\n**BGE 141 II 262** del 9 luglio 2015  \nLe organizzazioni intercantonali possono sviluppare proprie competenze nell'adempimento di compiti cantonali. I Cantoni determinano attraverso la loro partecipazione a convenzioni intercantonali come adempiere i loro compiti.\n\n> «La Comlot come autorità di approvazione è autorizzata, basandosi su un'interpretazione teleologica-temporale del diritto federale e intercantonale (CIVL), a condurre una procedura di sottomissione o qualificazione in relazione alle lotterie maggiori e a concretizzare nel caso singolo il divieto generale e astratto di lotterie.»\n\n## Delimitazione tra Confederazione e Cantoni\n\n**BGE 117 Ia 202** del 29 maggio 1991  \nIn caso di conflitti di competenza tra Confederazione e Cantoni occorre esaminare a quale livello statale spetti il compito dal punto di vista costituzionale. L'art. 43 Cost. trova applicazione solo nella misura in cui un compito rientra nella competenza cantonale.\n\n> «Oggetto del procedimento del ricorso di diritto pubblico è unicamente la questione della delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantone riguardo all'accesso agli atti della protezione dello Stato della Confederazione.»\n\n**BGE 122 I 70** del 22 febbraio 1996  \nI Cantoni rimangono competenti per i settori che la Confederazione non ha disciplinato in modo esaustivo. La competenza residua cantonale secondo l'art. 3 Cost. si concretizza attraverso l'art. 43 Cost. nella determinazione dei compiti.\n\n> «L'art. 37ter Cost. conferisce alla Confederazione una competenza comprensiva, ma non esclusiva nel settore dell'aviazione. I Cantoni rimangono competenti per questioni giuridiche che la Confederazione non ha disciplinato in modo esaustivo.»\n\n## Giurisprudenza storica relativa all'art. 43 vCost. (Diritti politici)\n\n**BGE 122 I 209** del 30 settembre 1996  \nSotto la vecchia Costituzione federale del 1874, l'art. 43 vCost. disciplinava i diritti politici degli attinenti. Questa disposizione richiedeva una parità di trattamento di tutti i cittadini svizzeri nelle misure cantonali.\n\n> «Il convient d'examiner la constitutionnalité, au regard de l'art. 43 al. 4 Cst., du délai imposé aux Confédérés par l'art. 23 let. b de la loi cantonale. [...] Le principe de l'égalité de traitement consacré en faveur de tous les Confédérés par l'art. 43 Cst. s'appliquait aux mesures que les cantons prenaient pour combattre les effets de la crise.»\n\n**BGE 89 I 448** dell'inizio del 1963  \nI Cantoni possono determinare liberamente le loro forme organizzative entro i limiti costituzionali. I Comuni come enti subordinati devono attenersi alle forme organizzative prescritte dal Cantone.\n\n> «Nei ricorsi per votazioni secondo l'art. 85 lett. a OG il Tribunale federale esamina liberamente non solo l'interpretazione del diritto federale e del diritto costituzionale cantonale, ma anche quella di altre prescrizioni cantonali nella misura in cui normano più precisamente il diritto di voto secondo contenuto e portata.»\n\n## Conflitti di competenza intercantonali\n\n**BGE 129 I 419** del 27 ottobre 2003  \nIn caso di conflitti di competenza negativi tra Cantoni, il Tribunale federale decide sulla competenza delle autorità statali. I Cantoni non possono determinare unilateralmente che altri Cantoni sono competenti per determinati compiti.\n\n> «Nel caso di un conflitto di competenza negativo, l'autorità tutoria del domicilio del bambino è competente per le misure di protezione del minore, senza che occorra esaminare se non sia da preferire l'autorità tutoria della dimora abituale a causa del principio del bene del bambino.»\n\n**BGE 129 V 485** del 20 agosto 2003  \nLe autorità cantonali possono trasferire le loro competenze a enti subordinati mediante delega formale. Ciò deve tuttavia avvenire in modo giuridicamente corretto e non deve compromettere il controllo.\n\n> «La delega di competenza di singoli compiti dell'ufficio cantonale ai Centri regionali di collocamento (CRC) [...] necessita di un atto formale sottostante alle prescrizioni di pubblicazione del Cantone.»", "summary_en": "# Art. 43 BV\n\n## Overview\n\nArt. 43 BV governs cantonal task autonomy (self-determination in state tasks). The cantons may in principle freely decide which public tasks they undertake and how they organise them. However, this autonomy exists only within the framework of their constitutional competences. The legal significance and practical scope of the provision are modest (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1).\n\nAll 26 cantons as member states of Switzerland are affected. Municipalities cannot invoke this norm directly. Task autonomy encompasses three areas: the decision whether a task is undertaken at all, the choice of means for task fulfilment, and organisational design.\n\nThe most important limitation lies in the formulation «within the framework of their competences». The wording is imprecise, as it suggests a far-reaching freedom that does not actually exist (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18). Federal acts may severely restrict cantonal autonomy by prescribing certain tasks, establishing minimum standards, or imposing organisational requirements.\n\n**Example**: A canton may decide whether to enact its own cultural promotion act (task autonomy). However, it cannot freely determine criminal proceedings, as the Code of Criminal Procedure is a federal matter. In spatial planning, it must designate a cantonal authority for building permits outside building zones (**BGE 128 I 254**), but may determine the internal organisation of this authority itself.\n\nArt. 43 BV complements Art. 42 BV (federal tasks) and concretises the principle of federalism in Art. 3 BV. While Art. 42 BV emphasises the constitutional reservation for federal competences, Art. 43 BV confirms cantonal task autonomy (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).", "doctrine_en": "# Art. 43 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 43 BV was created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision had no direct precedent in the 1874 Federal Constitution. The norm arose from the conviction of the constitutional reform commission that federalist principles should be anchored more explicitly (BBl 1997 I 1, 232). The Federal Council's message emphasises that Art. 43 BV, together with Art. 42 BV, forms a coherent system of division of tasks between the Confederation and the cantons (BBl 1997 I 234).\n\n**N. 2** The historical Art. 43 of the 1874 Federal Constitution regulated the political rights of foreign nationals and has no substantive connection with the current provision. The new norm is part of the 3rd Title «Confederation, Cantons and Communes» and specifies the federalism enshrined in Art. 3 BV.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 43 BV stands in systematic connection with the federalist basic norms of the Federal Constitution. It supplements Art. 3 BV (cantonal sovereignty) and stands in complementary relationship to Art. 42 BV (tasks of the Confederation). While Art. 42 BV emphasises the constitutional reservation for federal competences, Art. 43 BV confirms cantonal autonomy in tasks (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 11).\n\n**N. 4** The norm must be read in the context of the entire 1st Chapter of the 3rd Title: → Art. 43a BV (principles of task allocation), → Art. 44 BV (principles of cooperation), → Art. 45 BV (participation), ↔ Art. 46 BV (implementation of federal law), ↔ Art. 47 BV (independence of the cantons) and → Art. 48 BV (treaties between cantons).\n\n### 3. Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n**N. 5** The provision of Art. 43 BV contains three essential elements:\n\n**N. 6** **«The cantons»**: The addressees of the norm are the 26 cantons as member states of the Federal Constitution. The provision does not address communes or other public-law corporations, although the cantons may delegate their tasks to them (→ Art. 50 BV).\n\n**N. 7** **«determine»**: The cantons have decision-making autonomy in the question of whether and how they perform tasks. This autonomy encompasses the organisation of task fulfilment, the choice of means and priority setting (Schweizer, SG-Komm. BV, Art. 43 N. 4).\n\n**N. 8** **«which tasks they [...] fulfil»**: The concept of «tasks» differs from «competences». While competences mean powers in the sense of authorisations, with tasks the obligatory character is in the foreground (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 12). The cantons can in principle decide for themselves which public tasks they wish to undertake.\n\n**N. 9** **«within the scope of their competences»**: This restriction is central. Cantonal autonomy in tasks exists only insofar as the Federal Constitution leaves competences to the cantons at all. The wording is imprecise insofar as it suggests an extensive freedom that does not actually exist (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 18).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 43 BV does not establish new cantonal competences, but confirms the autonomy in tasks already flowing from Art. 3 BV (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 1). The practical significance of the norm is therefore modest.\n\n**N. 11** The cantons may, within the scope of their competences:\n- Create new tasks or abolish existing ones\n- Freely design the organisation of task fulfilment (organisational autonomy)\n- Delegate tasks to communes or third parties\n- Join together for common task fulfilment (→ Art. 48 BV)\n\n**N. 12** Cantonal autonomy in tasks is, however, frequently restricted by federal law. Federal requirements may limit cantonal freedom in the following forms (Biaggini, BSK BV, Art. 43 N. 17-27):\n- Obligatory task fulfilment through federal acts\n- Organisational requirements (e.g. demand for cantonal unified authority)\n- Minimum standards and quality requirements\n- Financial incentives and subsidy conditions\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 13** **Relationship to Art. 3 BV**: Biaggini takes the position that Art. 43 BV has no independent legal significance and only repeats what already follows from Art. 3 BV (BSK BV, Art. 43 N. 1). Schweizer, on the other hand, sees in Art. 43 BV an important specification of the federalism principle with its own normative content (SG-Komm. BV, Art. 43 N. 2).\n\n**N. 14** **Delimitation from Art. 47 BV**: Schweizer points to delimitation difficulties between Art. 43 BV (autonomy in tasks) and Art. 47 BV (independence) (cited in Biaggini, BSK BV, Art. 43 fn. 2). While Art. 43 BV concerns functional autonomy, Art. 47 BV protects the institutional independence of the cantons.\n\n**N. 15** **Scope of the restriction**: Doctrine is divided on the scope of the formulation «within the scope of their competences». Biaggini criticises the imprecise wording, which suggests greater autonomy than actually exists (BSK BV, Art. 43 N. 18). Other authors see in this a necessary clarification of the federal structure of competences.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 16** When examining cantonal task fulfilment, the question of competence must always be clarified first. Only if a matter falls within cantonal competence does Art. 43 BV apply.\n\n**N. 17** The cantons should observe the following federal requirements when designing tasks:\n- Protection of fundamental rights (→ Art. 35 BV)\n- Legal equality (→ Art. 8 BV)\n- Proportionality (→ Art. 5 para. 2 BV)\n- Primacy of federal law (→ Art. 49 BV)\n\n**N. 18** In intercantonal cooperation, it must be examined whether joint task fulfilment requires a contractual basis according to Art. 48 BV. Mere coordination without legal obligation does not require a formal concordat.\n\n**N. 19** Communes cannot invoke Art. 43 BV directly, as they are not addressees of the norm. Their autonomy in tasks is governed by cantonal constitutional law and Art. 50 BV.", "caselaw_en": "# Art. 43 BV - Case Law\n\n## Principles of Cantonal Task Allocation\n\n**BGE 128 I 254** of 14 August 2002  \nThe Federal Supreme Court holds that the cantons are generally free in organising their competencies (organisational autonomy). However, this autonomy may be restricted by federal law when a unified cantonal authority is required to guarantee equality before the law.\n\n> «Art. 25 para. 1 SPA establishes the principle of organisational autonomy of the cantons. This principle is restricted in para. 2 insofar as the competence of a cantonal authority is prescribed: While the cantons are usually free to delegate their tasks to the municipalities, Art. 25 para. 2 SPA [...] requires, in the interest of cantonal uniformity and equal application of the law, that all applications for building projects outside building zones be handled by a cantonal authority.»\n\n**BGE 141 II 262** of 9 July 2015  \nIntercantonal organisations may develop their own competencies when fulfilling cantonal tasks. The cantons determine through their participation in intercantonal agreements how they fulfil their tasks.\n\n> «Comlot as the licensing authority is authorised, based on a teleological-temporal interpretation of federal and intercantonal law (IVLW), to conduct a classification or qualification procedure in connection with large-scale lotteries and to concretise the generally-abstractly valid lottery prohibition in individual cases.»\n\n## Delimitation between the Confederation and Cantons\n\n**BGE 117 Ia 202** of 29 May 1991  \nIn competence conflicts between the Confederation and cantons, it must be examined which level of government is constitutionally responsible for the task. Art. 43 BV only applies insofar as a task lies within cantonal competence at all.\n\n> «The subject of the constitutional appeal procedure is solely the question of competence delimitation between the Confederation and canton regarding access to the Confederation's state protection files.»\n\n**BGE 122 I 70** of 22 February 1996  \nThe cantons remain competent for areas that the Confederation has not comprehensively regulated. The cantonal residual competence under Art. 3 BV is concretised through Art. 43 BV in task allocation.\n\n> «Art. 37ter BV gives the Confederation comprehensive but not exclusive competence in the field of aviation. The cantons remain competent for legal questions that the Confederation has not comprehensively regulated.»\n\n## Historical Case Law on Art. 43 old BV (Political Rights)\n\n**BGE 122 I 209** of 30 September 1996  \nUnder the old Federal Constitution of 1874, Art. 43 old BV regulated the political rights of those resident but not domiciled. This provision required equal treatment of all Swiss citizens in cantonal measures.\n\n> «It is appropriate to examine the constitutionality, with regard to Art. 43 para. 4 Const., of the deadline imposed on Swiss citizens by Art. 23 let. b of the cantonal law. [...] The principle of equal treatment enshrined in favour of all Swiss citizens by Art. 43 Const. applied to measures that the cantons took to combat the effects of the crisis.»\n\n**BGE 89 I 448** from the beginning of 1963  \nThe cantons may freely determine their organisational forms within constitutional limits. Municipalities as subordinate bodies must adhere to the organisational forms prescribed by the canton.\n\n> «In voting complaints under Art. 85 lit. a OG, the Federal Supreme Court examines not only the interpretation of federal law and cantonal constitutional law freely, but also that of other cantonal provisions insofar as they regulate voting rights in terms of content and scope.»\n\n## Intercantonal Competence Conflicts\n\n**BGE 129 I 419** of 27 October 2003  \nIn negative competence conflicts between cantons, the Federal Supreme Court decides on the competence of state authorities. The cantons cannot unilaterally determine that other cantons are responsible for specific tasks.\n\n> «In the case of a negative competence conflict, the guardianship authority at the child's place of residence is competent for child protection measures, without having to examine whether the guardianship authority at the habitual residence would not be preferable due to the principle of the child's welfare.»\n\n**BGE 129 V 485** of 20 August 2003  \nCantonal authorities may transfer their competencies through formal delegation to subordinate bodies. However, this must be done legally correctly and may not impair oversight.\n\n> «The delegation of competence for individual tasks of the cantonal office to the Regional Employment Centres (RAV) [...] requires a formal decree subject to the canton's publication requirements.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_43", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 43, "article_suffix": "a", "title": "Grundsätze für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 43a BV — Übersicht\n\nArt. 43a BV legt die Grundsätze fest, nach denen staatliche Aufgaben zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt und erfüllt werden. Die Bestimmung entstand 2008 im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA) und richtet sich primär an den Gesetzgeber (BBl 2001 2358).\n\n## Wer ist betroffen?\n\nAlle staatlichen Ebenen — Bund, Kantone und Gemeinden — müssen sich bei der Aufgabenverteilung und -erfüllung an diese Grundsätze halten. Die Bestimmung hat jedoch nach einhelliger Lehre keine direkte Justiziabilität (fehlende Durchsetzbarkeit vor Gericht), wie Biaggini festhält (BSK BV, Art. 43a N. 5). Bürgerinnen und Bürger können sich nicht direkt auf Art. 43a BV berufen.\n\n## Was regelt die Norm?\n\n**Subsidiarität (Absatz 1):** Der Bund übernimmt nur Aufgaben, die Kantone nicht erfüllen können oder die eine einheitliche Regelung benötigen. Beispiel: Landesverteidigung erfordert eine gesamtschweizerische Lösung, während Schulbildung grundsätzlich kantonal geregelt wird.\n\n**Fiskalische Äquivalenz (Absätze 2-3):** Wer von staatlichen Leistungen profitiert, soll auch die Kosten tragen. Bei kantonsübergreifenden Nutzen sind die Kosten entsprechend zu verteilen. Beispiel: Ein Spital in Grenznähe behandelt Patienten aus Nachbarkantonen — diese müssen sich an den Kosten beteiligen.\n\n**Grundversorgung (Absatz 4):** Bund und Kantone stellen gemeinsam eine angemessene Grundversorgung sicher, etwa bei Post, Telefon oder öffentlichem Verkehr. Konkrete Ansprüche entstehen dadurch aber nicht, wie der Bundesrat betont hat (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36).\n\n**Wirtschaftlichkeit (Absatz 5):** Alle staatlichen Ebenen müssen ihre Aufgaben sparsam und zweckmässig erfüllen. Das Bundesgericht bestätigte in **BGE 147 II 227**, dass dies auch die Geltendmachung staatlicher Forderungen umfasst.\n\n## Rechtsfolgen\n\nDie Grundsätze wirken hauptsächlich als Richtschnur für den Gesetzgeber und als Auslegungshilfe. Verstösse können nicht direkt gerügt werden, sondern nur über andere Verfassungsnormen wie das Rechtsstaatsprinzip (Art. 5 BV) oder die Rechtsgleichheit (Art. 8 BV). In der politischen Diskussion dienen die Grundsätze als wichtige Argumentationsgrundlage für eine sachgerechte Aufgabenteilung im Bundesstaat.\n\nDie praktische Bedeutung zeigt sich vor allem in Gesetzgebungsverfahren, wo die Einhaltung der Grundsätze in Botschaften begründet werden muss, sowie bei der interkantonalen Zusammenarbeit, wo fiskalische Äquivalenz gewährleistet werden muss.", "doctrine_de": "# Art. 43a BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 43a BV wurde im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) in die Bundesverfassung eingefügt. Die Bestimmung trat am 1. Januar 2008 in Kraft (AS 2007 5765). Sie kodifiziert wesentliche Grundsätze der föderalistischen Aufgabenordnung, die zuvor nur teilweise und unsystematisch in verschiedenen Verfassungsbestimmungen verankert waren.\n\n**N. 2** Die Botschaft zur Neugestaltung des Finanzausgleichs vom 14. November 2001 (BBl 2001 2291, insb. 2358 ff.) bezeichnet Art. 43a BV als «Kernstück der neuen föderalen Aufgabenordnung». Die Bestimmung zielt darauf ab, die Effizienz der staatlichen Aufgabenerfüllung zu steigern und die Verantwortlichkeiten klarer zuzuordnen. Insbesondere soll die fiskalische Äquivalenz — die Übereinstimmung von Nutzen, Kosten und Entscheidungskompetenzen — gewährleistet werden.\n\n**N. 3** Die Entstehungsgeschichte zeigt, dass der Verfassungsgeber bewusst programmatische Grundsätze verankern wollte, die primär an den Gesetzgeber gerichtet sind. Wie der Bundesrat in der Botschaft festhielt: «Artikel 43a Absatz 4 schafft keine einklagbaren Rechte» (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 43a BV steht im 3. Titel («Bund, Kantone und Gemeinden») und bildet zusammen mit Art. 42 und 43 BV das verfassungsrechtliche Grundgerüst der Aufgabenteilung im schweizerischen Bundesstaat. Während Art. 42 BV die Kompetenzen des Bundes und Art. 43 BV die Aufgaben der Kantone regelt, normiert Art. 43a BV die übergreifenden Grundsätze für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben.\n\n**N. 5** Die systematische Stellung zwischen den Kompetenzbestimmungen unterstreicht den Charakter als Strukturnorm des Föderalismus. Art. 43a BV steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 3 BV (Kantonale Souveränität und Subsidiarität)\n- → Art. 5a BV (Subsidiaritätsprinzip)\n- → Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts)\n- → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone)\n- → Art. 48 BV (Verträge zwischen Kantonen)\n\n**N. 6** Nach einhelliger Auffassung in der Lehre taugen die Grundsätze des Art. 43a BV nicht als Massstab richterlicher Beurteilung (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5). Die Bestimmung entfaltet ihre Wirkung primär als Richtschnur für den Gesetzgeber bei der Ausgestaltung der Aufgabenteilung.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Subsidiarität (Abs. 1)\n\n**N. 7** Art. 43a Abs. 1 BV konkretisiert das in Art. 3 und 5a BV verankerte Subsidiaritätsprinzip für die Aufgabenzuweisung. Der Bund übernimmt nur diejenigen Aufgaben, welche die Kantone nicht erfüllen können oder die einer einheitlichen Regelung bedürfen.\n\n**N. 8** Die Übernahmekriterien sind nach der Lehre kumulativ zu verstehen:\n- **Unvermögen der Kantone**: Die Kraft der Kantone reicht nicht aus zur Aufgabenerfüllung\n- **Bedürfnis nach Einheitlichkeit**: Eine föderale Vielfalt würde zu untragbaren Ergebnissen führen\n\n**N. 9** Unvermögen oder Unwille einzelner Kantone reicht nach Schweizer/Müller nicht aus für das Kraft-Kriterium (zitiert bei Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 17). Es muss sich um ein strukturelles Unvermögen handeln, das mehrere oder alle Kantone betrifft.\n\n### Fiskalische Äquivalenz (Abs. 2 und 3)\n\n**N. 10** Das Prinzip der fiskalischen Äquivalenz verlangt eine weitgehende Deckungsgleichheit zwischen:\n- Nutzniesserkreis einer staatlichen Leistung\n- Kostenträgerkreis\n- Entscheidungsträgerkreis\n\n**N. 11** Abs. 2 begründet eine Pflicht zur Internalisierung von Spillover-Effekten. Wenn eine staatliche Aufgabe über das Gebiet des leistenden Gemeinwesens hinaus Nutzen stiftet, sind Mechanismen des Lastenausgleichs vorzusehen.\n\n**N. 12** Abs. 3 konkretisiert diese Pflicht für die interkantonale Zusammenarbeit. Die Kantone werden verpflichtet, bei Aufgaben mit überregionalem Charakter zusammenzuarbeiten und die Kosten gerecht zu verteilen.\n\n### Grundversorgung (Abs. 4)\n\n**N. 13** Die Grundversorgungsklausel verpflichtet Bund und Kantone gemeinsam zur Sicherstellung einer angemessenen Grundversorgung. Der Begriff «Grundversorgung» wird in der Verfassung nicht definiert, umfasst aber nach herrschender Lehre mindestens:\n- Verkehrsinfrastruktur (→ Art. 81a BV)\n- Postdienste (→ Art. 92 BV)\n- Telekommunikation (→ Art. 92 BV)\n- Energieversorgung (→ Art. 89 BV)\n- Bildung (→ Art. 19, 61a ff. BV)\n- Gesundheitsversorgung (→ Art. 117 BV)\n\n**N. 14** Der Bundesrat hielt ausdrücklich fest, dass Art. 43a Abs. 4 BV keine einklagbaren Rechte schafft (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36). Die Bestimmung richtet sich an den Gesetzgeber, nicht an die rechtsanwendenden Behörden.\n\n### Wirtschaftliche Aufgabenerfüllung (Abs. 5)\n\n**N. 15** Das Gebot der wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung konkretisiert die allgemeinen haushaltsrechtlichen Grundsätze für alle staatlichen Ebenen. Es umfasst:\n- **Sparsamkeit**: Minimierung der Kosten bei gegebenem Nutzen\n- **Wirksamkeit**: Maximierung des Nutzens bei gegebenen Kosten\n- **Zweckmässigkeit**: Eignung der Mittel zur Zielerreichung\n\n**N. 16** Die Rechtsprechung hat bestätigt, dass Art. 43a Abs. 5 BV auch die Pflicht zur Geltendmachung staatlicher Forderungen umfasst (**BGE 147 II 227** E. 6.3).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 17** Die programmatische Natur von Art. 43a BV prägt die Rechtsfolgen. Die Bestimmung entfaltet ihre Wirkung primär als:\n- **Auslegungshilfe** bei der Interpretation von Kompetenznormen\n- **Gestaltungsrichtlinie** für den Gesetzgeber\n- **Argumentationstopos** in der politischen Diskussion\n\n**N. 18** Die fehlende Justiziabilität bedeutet, dass Verletzungen von Art. 43a BV nicht selbständig gerügt werden können. Die Grundsätze können aber reflexartig über andere, justiziable Normen Wirkung entfalten, etwa über:\n- Art. 5 BV (Rechtsstaatlichkeit) bei krasser Missachtung der Grundsätze\n- Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) bei willkürlicher Aufgabenzuteilung\n- Art. 127 BV (Haushaltsgrundsätze) bei der wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung\n\n**N. 19** Für die interkantonale Zusammenarbeit (Abs. 3) besteht nach einem Teil der Lehre unter Umständen ein «Vertragszwang» (Biaggini, «Vertragszwang» im kooperativen Föderalismus, ZBl 2008, 345). Die herrschende Meinung lehnt dies ab und sieht nur eine politische Verpflichtung.\n\n## 5. Streitstände\n\n### Justiziabilität der Grundsätze\n\n**N. 20** Die fehlende Justiziabilität von Art. 43a BV ist in der Lehre weitgehend unbestritten (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5; Waldmann/Borter, Rechtsprechung zum Schweizerischen Föderalismus, Anhang III zum Monitoringbericht Föderalismus 2011–2013). Vereinzelt wird aber eine partielle Justiziabilität über andere Verfassungsnormen befürwortet.\n\n### Reichweite des Subsidiaritätsprinzips\n\n**N. 21** Umstritten ist, wie streng das Subsidiaritätsprinzip zu handhaben ist. Während Rhinow (BV 2000, 74) für eine restriktive Auslegung plädiert, befürwortet Richli (ZSR 2007 I 47) eine flexible Handhabung im Einzelfall. Die Praxis tendiert zur flexiblen Lösung.\n\n### Inhalt der Grundversorgung\n\n**N. 22** Der Umfang der verfassungsrechtlich garantierten Grundversorgung ist umstritten. Während die Minimalposition nur die explizit in der Verfassung genannten Bereiche umfasst, plädiert eine erweiternde Auffassung für eine dynamische Interpretation, die sich an den gesellschaftlichen Bedürfnissen orientiert (Biaggini, ZBl 2015, 113).\n\n### Prozeduralisierung der Grundsätze\n\n**N. 23** Richli (ZSR 2007 I 47, 82 f.) vertritt die These einer «Prozeduralisierung» der Subsidiarität: Der materielle Gehalt werde durch Verfahrenspflichten konkretisiert. Diese Position hat sich nicht durchgesetzt, findet aber in der Evaluationspflicht (→ Art. 170 BV) eine gewisse Stütze.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 24** Bei der Gesetzgebung sind die Grundsätze von Art. 43a BV frühzeitig einzubeziehen. Insbesondere ist in Botschaften darzulegen:\n- Warum eine Bundesregelung notwendig ist (Subsidiarität)\n- Wie die fiskalische Äquivalenz gewährleistet wird\n- Welche Auswirkungen auf die Grundversorgung bestehen\n- Wie die wirtschaftliche Aufgabenerfüllung sichergestellt wird\n\n**N. 25** In der Rechtsanwendung dienen die Grundsätze als Interpretationshilfe. Bei mehreren möglichen Auslegungen ist derjenigen der Vorzug zu geben, die den Grundsätzen von Art. 43a BV am besten entspricht.\n\n**N. 26** Für die interkantonale Zusammenarbeit empfiehlt sich die Orientierung an den Musterverträgen der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK). Diese berücksichtigen die Anforderungen der fiskalischen Äquivalenz.\n\n**N. 27** Die wirtschaftliche Aufgabenerfüllung (Abs. 5) erfordert in der Praxis:\n- Periodische Überprüfung der Aufgabenerfüllung\n- Benchmarking zwischen vergleichbaren Gemeinwesen\n- Dokumentation der Wirtschaftlichkeitsüberlegungen\n- Berücksichtigung bei der Geltendmachung staatlicher Ansprüche (**BGE 147 II 227**)\n\n**N. 28** Trotz fehlender direkter Justiziabilität sollten die Grundsätze von Art. 43a BV in Vernehmlassungen, parlamentarischen Debatten und politischen Diskussionen als Argumentationsgrundlage genutzt werden. Sie bilden den verfassungsrechtlichen Massstab für eine sachgerechte Aufgabenteilung im Bundesstaat.", "caselaw_de": "# Art. 43a BV — Rechtsprechung\n\n## Wirtschaftliche Erfüllung staatlicher Aufgaben\n\n### Grundsatz der wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung\n\n**BGE 147 II 227** vom 18. März 2021 — Amtshilfe für kartellrechtliche Schadenersatzansprüche\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Bedeutung von Art. 43a Abs. 5 BV für die kantonale Aufgabenerfüllung. Der Kanton Aargau beantragte Einsicht in Akten eines kartellrechtlichen Sanktionsverfahrens zur Prüfung von Schadenersatzansprüchen gegen Submissionskartelle.\n\n> «Der zweite und dritte Aspekt des Gesuchs betreffen Themen im Zusammenhang mit dem Gebot der wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung. Nach Art. 43a Abs. 5 BV, der sich auch an die Kantone und Gemeinden richtet, müssen staatliche Aufgaben wirtschaftlich erfüllt werden.»\n\nDas Gericht hielt fest, dass die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen eine gesetzliche Aufgabe darstellt, die der wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung nach Art. 43a Abs. 5 BV dient. Die verfassungsrechtliche Verpflichtung zur sparsamen und wirtschaftlichen Aufgabenerfüllung umfasst auch die Geltendmachung von Guthaben des Staates gegenüber Dritten.\n\n## Staatliche Wirtschaftstätigkeit\n\n### Zulässigkeit unternehmerischer Staatstätigkeit\n\n**BGE 138 I 378** vom 3. Juli 2012 — Kantonale Sachversicherung Glarus\n\nDas Bundesgericht präzisierte die verfassungsrechtlichen Grundsätze für unternehmerische Staatstätigkeit im Kontext der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 und 94 BV).\n\n> «Mit dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 Abs. 4 BV) ist eine unternehmerische Tätigkeit des Staates vereinbar, sofern eine formell-gesetzliche Grundlage besteht, die Tätigkeit im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist und der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt.»\n\nDiese Grundsätze konkretisieren die in Art. 43a BV verankerten Prinzipien für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben:\n\n> «Tritt ein staatliches Unternehmen mit gleichen Rechten und Pflichten wie ein privater Unternehmer und im Wettbewerb zu diesem auf, so entsteht den Privaten bloss ein weiterer Konkurrent, was keine Einschränkung der individualrechtlichen Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) darstellt, solange das private Angebot durch die staatliche Massnahme nicht geradezu verdrängt wird.»\n\nDas Gericht betonte die Bedeutung der Wettbewerbsneutralität als zentrales Element der verfassungskonformen Aufgabenerfüllung:\n\n> «Die Wettbewerbsneutralität der unternehmerischen Staatstätigkeit verbietet systematische Quersubventionierungen zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereich.»\n\n## Subventionen und Finanzhilfen\n\n### Grundsätze der Subventionierung\n\nDie Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts konkretisiert die Anwendung von Art. 43a BV im Subventionsrecht:\n\n**BVGer B-8207/2010** vom 22. März 2011 — Subventionsgewährung\n\nDas Bundesverwaltungsgericht prüfte die Zulässigkeit von Subventionen unter den Gesichtspunkten der verfassungsrechtlichen Grundsätze für staatliche Aufgaben.\n\n**BVGer B-4513/2012** vom 26. März 2013 — Subventionierung Berufsbildung\n\nBei der Subventionierung von Berufsbildungsmassnahmen wendete das Gericht die Grundsätze über die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen an.\n\n## Öffentlichkeitsprinzip und Transparenz\n\n### Informationszugang als Instrument der Aufgabenkontrolle\n\n**BVGer A-6320/2014, A-6334/2014, A-6315/2014** vom 23. August 2016 — Öffentlichkeitsprinzip\n\nDie Gerichte anerkannten den Zusammenhang zwischen dem Öffentlichkeitsprinzip und der verfassungsrechtlichen Kontrolle der staatlichen Aufgabenerfüllung gemäss Art. 43a BV.\n\n## Föderalismus und Aufgabenverteilung\n\n### Kompetenzverteilung zwischen staatlichen Ebenen\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 43a BV nicht nur organisationsrechtliche Grundsätze aufstellt, sondern auch materiell die Ausübung staatlicher Aufgaben prägt:\n\n- **Subsidiarität**: Private Aufgabenerfüllung hat Vorrang vor staatlicher Tätigkeit\n- **Äquivalenz**: Staatliche Leistungen und deren Finanzierung müssen in angemessenem Verhältnis stehen  \n- **Transparenz**: Staatliches Handeln muss nachvollziehbar und kontrollierbar sein\n- **Wirtschaftlichkeit**: Aufgabenerfüllung muss sparsam und zweckmässig erfolgen", "summary_fr": "# Art. 43a Cst. — Aperçu\n\nL'art. 43a Cst. fixe les principes selon lesquels les tâches étatiques sont réparties et accomplies entre la Confédération, les cantons et les communes. Cette disposition a vu le jour en 2008 dans le cadre de la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches (RPT) et s'adresse en premier lieu au législateur (FF 2001 2335).\n\n## Qui est concerné ?\n\nTous les niveaux étatiques — Confédération, cantons et communes — doivent respecter ces principes lors de la répartition et de l'accomplissement des tâches. Selon la doctrine unanime, cette disposition ne présente toutefois aucune justiciabilité directe (absence d'exigibilité devant les tribunaux), comme le souligne Biaggini (BSK BV, art. 43a n. 5). Les citoyennes et citoyens ne peuvent pas se prévaloir directement de l'art. 43a Cst.\n\n## Que règle la norme ?\n\n**Subsidiarité (al. 1) :** La Confédération n'assume que les tâches que les cantons ne peuvent pas accomplir ou qui nécessitent une réglementation uniforme. Exemple : la défense nationale requiert une solution à l'échelle suisse, tandis que l'instruction publique est en principe réglée au niveau cantonal.\n\n**Équivalence fiscale (al. 2-3) :** Celui qui profite de prestations étatiques doit également en supporter les coûts. En cas d'utilité intercantonal, les coûts doivent être répartis en conséquence. Exemple : un hôpital situé près d'une frontière cantonale traite des patients provenant de cantons voisins — ceux-ci doivent participer aux coûts.\n\n**Service de base (al. 4) :** La Confédération et les cantons garantissent ensemble un service de base approprié, notamment pour la poste, le téléphone ou les transports publics. Cela ne crée toutefois pas de droits concrets, comme l'a souligné le Conseil fédéral (Biaggini, BSK BV, art. 43a n. 36).\n\n**Économicité (al. 5) :** Tous les niveaux étatiques doivent accomplir leurs tâches de manière économe et appropriée. Le Tribunal fédéral a confirmé dans l'arrêt **BGE 147 II 227** que cela comprend également la mise en valeur de créances étatiques.\n\n## Conséquences juridiques\n\nLes principes agissent principalement comme ligne directrice pour le législateur et comme aide à l'interprétation. Les violations ne peuvent pas être dénoncées directement, mais seulement par le biais d'autres normes constitutionnelles comme le principe de l'État de droit (art. 5 Cst.) ou l'égalité de traitement (art. 8 Cst.). Dans le débat politique, les principes servent d'importante base d'argumentation pour une répartition appropriée des tâches dans l'État fédéral.\n\nL'importance pratique se manifeste surtout dans les procédures législatives, où le respect des principes doit être justifié dans les messages, ainsi que dans la collaboration intercantonale, où l'équivalence fiscale doit être garantie.", "doctrine_fr": "# Art. 43a Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 43a Cst. a été inséré dans la Constitution fédérale dans le cadre de la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT). Cette disposition est entrée en vigueur le 1er janvier 2008 (RO 2007 5765). Elle codifie des principes essentiels de l'ordre fédéraliste des tâches, qui n'étaient auparavant ancrés que partiellement et de manière non systématique dans diverses dispositions constitutionnelles.\n\n**Ch. 2** Le message concernant la réforme de la péréquation financière du 14 novembre 2001 (FF 2001 2291, en particulier 2358 ss) désigne l'art. 43a Cst. comme la « pièce maîtresse du nouvel ordre fédéral des tâches ». Cette disposition vise à accroître l'efficacité de l'accomplissement des tâches étatiques et à attribuer plus clairement les responsabilités. Elle doit notamment garantir l'équivalence fiscale — la concordance entre l'utilité, les coûts et les compétences décisionnelles.\n\n**Ch. 3** La genèse montre que le constituant a délibérément voulu ancrer des principes programmatiques s'adressant en premier lieu au législateur. Comme l'a précisé le Conseil fédéral dans le message : « L'article 43a, alinéa 4, ne crée pas de droits exigibles en justice » (Biaggini, BSK BV, art. 43a ch. 36).\n\n## 2. Situation systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 43a Cst. se trouve dans le titre 3 (« Confédération, cantons et communes ») et forme, avec les art. 42 et 43 Cst., la charpente constitutionnelle de la répartition des tâches dans l'État fédéral suisse. Alors que l'art. 42 Cst. règle les compétences de la Confédération et l'art. 43 Cst. les tâches des cantons, l'art. 43a Cst. norme les principes généraux pour l'attribution et l'accomplissement des tâches étatiques.\n\n**Ch. 5** La position systématique entre les dispositions sur les compétences souligne le caractère de norme structurelle du fédéralisme. L'art. 43a Cst. est étroitement lié aux :\n- → Art. 3 Cst. (Souveraineté cantonale et subsidiarité)\n- → Art. 5a Cst. (Principe de subsidiarité)\n- → Art. 46 Cst. (Mise en œuvre du droit fédéral)\n- → Art. 47 Cst. (Autonomie des cantons)\n- → Art. 48 Cst. (Accords entre cantons)\n\n**Ch. 6** Selon la doctrine unanime, les principes de l'art. 43a Cst. ne se prêtent pas à servir de critère d'appréciation judiciaire (Biaggini, BSK BV, art. 43a ch. 5). La disposition déploie ses effets principalement comme directive pour le législateur lors de l'aménagement de la répartition des tâches.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Subsidiarité (al. 1)\n\n**Ch. 7** L'art. 43a al. 1 Cst. concrétise le principe de subsidiarité ancré aux art. 3 et 5a Cst. pour l'attribution des tâches. La Confédération n'assume que les tâches que les cantons ne peuvent pas remplir ou qui nécessitent une réglementation uniforme.\n\n**Ch. 8** Selon la doctrine, les critères d'assumption sont à comprendre de manière cumulative :\n- **Incapacité des cantons** : Les forces des cantons ne suffisent pas pour accomplir la tâche\n- **Besoin d'uniformité** : Une diversité fédérale conduirait à des résultats insupportables\n\n**Ch. 9** Selon Schweizer/Müller, l'incapacité ou la réticence de cantons isolés ne suffit pas pour le critère de force (cité dans Biaggini, BSK BV, art. 43a ch. 17). Il doit s'agir d'une incapacité structurelle qui concerne plusieurs ou tous les cantons.\n\n### Équivalence fiscale (al. 2 et 3)\n\n**Ch. 10** Le principe de l'équivalence fiscale exige une concordance largement suffisante entre :\n- Le cercle des bénéficiaires d'une prestation étatique\n- Le cercle des contributeurs aux coûts\n- Le cercle des décideurs\n\n**Ch. 11** L'al. 2 fonde une obligation d'internalisation des effets de débordement. Lorsqu'une tâche étatique génère une utilité au-delà du territoire de la collectivité qui fournit la prestation, des mécanismes de compensation des charges doivent être prévus.\n\n**Ch. 12** L'al. 3 concrétise cette obligation pour la collaboration intercantonale. Les cantons sont obligés de collaborer pour les tâches de caractère suprarégional et de répartir équitablement les coûts.\n\n### Service de base (al. 4)\n\n**Ch. 13** La clause relative au service de base oblige conjointement la Confédération et les cantons à assurer un service de base approprié. Le terme « service de base » n'est pas défini dans la Constitution, mais comprend selon la doctrine dominante au minimum :\n- L'infrastructure de transport (→ art. 81a Cst.)\n- Les services postaux (→ art. 92 Cst.)\n- Les télécommunications (→ art. 92 Cst.)\n- L'approvisionnement énergétique (→ art. 89 Cst.)\n- L'éducation (→ art. 19, 61a ss Cst.)\n- Les soins de santé (→ art. 117 Cst.)\n\n**Ch. 14** Le Conseil fédéral a expressément précisé que l'art. 43a al. 4 Cst. ne crée pas de droits exigibles en justice (Biaggini, BSK BV, art. 43a ch. 36). La disposition s'adresse au législateur, non aux autorités d'application du droit.\n\n### Accomplissement économique des tâches (al. 5)\n\n**Ch. 15** Le principe de l'accomplissement économique des tâches concrétise les principes généraux du droit budgétaire pour tous les niveaux étatiques. Il comprend :\n- **Économie** : Minimisation des coûts pour une utilité donnée\n- **Efficacité** : Maximisation de l'utilité pour des coûts donnés\n- **Opportunité** : Adéquation des moyens à la réalisation des objectifs\n\n**Ch. 16** La jurisprudence a confirmé que l'art. 43a al. 5 Cst. comprend également l'obligation de faire valoir les créances étatiques (**ATF 147 II 227** consid. 6.3).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 17** La nature programmatique de l'art. 43a Cst. marque les conséquences juridiques. La disposition déploie ses effets principalement comme :\n- **Aide à l'interprétation** lors de l'interprétation de normes de compétence\n- **Directive d'aménagement** pour le législateur\n- **Topos d'argumentation** dans la discussion politique\n\n**Ch. 18** L'absence de justiciabilité signifie que les violations de l'art. 43a Cst. ne peuvent pas être invoquées de manière autonome. Les principes peuvent cependant déployer des effets par ricochet via d'autres normes justiciables, notamment via :\n- L'art. 5 Cst. (État de droit) en cas de méconnaissance flagrante des principes\n- L'art. 8 Cst. (Égalité) en cas d'attribution arbitraire des tâches\n- L'art. 127 Cst. (Principes budgétaires) pour l'accomplissement économique des tâches\n\n**Ch. 19** Pour la collaboration intercantonale (al. 3), une partie de la doctrine admet parfois l'existence d'une « contrainte contractuelle » (Biaggini, « Vertragszwang » im kooperativen Föderalismus, ZBl 2008, 345). L'opinion dominante rejette ceci et ne voit qu'une obligation politique.\n\n## 5. Points litigieux\n\n### Justiciabilité des principes\n\n**Ch. 20** L'absence de justiciabilité de l'art. 43a Cst. est largement incontestée dans la doctrine (Biaggini, BSK BV, art. 43a ch. 5 ; Waldmann/Borter, Rechtsprechung zum Schweizerischen Föderalismus, Anhang III zum Monitoringbericht Föderalismus 2011–2013). Sporadiquement, une justiciabilité partielle via d'autres normes constitutionnelles est préconisée.\n\n### Portée du principe de subsidiarité\n\n**Ch. 21** La question de savoir avec quelle rigueur il faut manier le principe de subsidiarité est controversée. Alors que Rhinow (BV 2000, 74) plaide pour une interprétation restrictive, Richli (ZSR 2007 I 47) préconise un maniement flexible au cas par cas. La pratique tend vers la solution flexible.\n\n### Contenu du service de base\n\n**Ch. 22** L'étendue du service de base garanti par la Constitution est controversée. Alors que la position minimaliste ne comprend que les domaines explicitement mentionnés dans la Constitution, une conception extensive plaide pour une interprétation dynamique qui s'oriente aux besoins sociétaux (Biaggini, ZBl 2015, 113).\n\n### Procéduralisation des principes\n\n**Ch. 23** Richli (ZSR 2007 I 47, 82 s) défend la thèse d'une « procéduralisation » de la subsidiarité : le contenu matériel serait concrétisé par des obligations procédurales. Cette position ne s'est pas imposée, mais trouve un certain soutien dans l'obligation d'évaluation (→ art. 170 Cst.).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 24** Lors de la législation, les principes de l'art. 43a Cst. doivent être intégrés précocement. Il convient notamment d'exposer dans les messages :\n- Pourquoi une réglementation fédérale est nécessaire (subsidiarité)\n- Comment l'équivalence fiscale est garantie\n- Quelles sont les répercussions sur le service de base\n- Comment l'accomplissement économique des tâches est assuré\n\n**Ch. 25** Dans l'application du droit, les principes servent d'aide à l'interprétation. Parmi plusieurs interprétations possibles, il faut donner la préférence à celle qui correspond le mieux aux principes de l'art. 43a Cst.\n\n**Ch. 26** Pour la collaboration intercantonale, il est recommandé de s'orienter sur les contrats-types de la Conférence des gouvernements cantonaux (CdC). Ceux-ci tiennent compte des exigences de l'équivalence fiscale.\n\n**Ch. 27** L'accomplissement économique des tâches (al. 5) exige dans la pratique :\n- Un examen périodique de l'accomplissement des tâches\n- Un benchmarking entre collectivités comparables\n- Une documentation des considérations d'économicité\n- Une prise en compte lors de la revendication de prétentions étatiques (**ATF 147 II 227**)\n\n**Ch. 28** Malgré l'absence de justiciabilité directe, les principes de l'art. 43a Cst. devraient être utilisés comme base d'argumentation dans les consultations, les débats parlementaires et les discussions politiques. Ils constituent le critère constitutionnel pour une répartition appropriée des tâches dans l'État fédéral.", "caselaw_fr": "# Art. 43a Cst. — Jurisprudence\n\n## Accomplissement économique des tâches étatiques\n\n### Principe de l'accomplissement économique des tâches\n\n**ATF 147 II 227** du 18 mars 2021 — Entraide pour des prétentions de dommages-intérêts relevant du droit des cartels\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'importance de l'art. 43a al. 5 Cst. pour l'accomplissement des tâches cantonales. Le canton d'Argovie a demandé consultation des actes d'une procédure de sanction relevant du droit des cartels pour examiner des prétentions de dommages-intérêts contre des cartels de soumission.\n\n> « Le deuxième et le troisième aspect de la demande concernent des thèmes en rapport avec l'obligation d'accomplir économiquement les tâches. Selon l'art. 43a al. 5 Cst., qui s'adresse aussi aux cantons et aux communes, les tâches étatiques doivent être accomplies de manière économique. »\n\nLa Cour a souligné que faire valoir des prétentions de dommages-intérêts constitue une tâche légale qui sert à l'accomplissement économique des tâches selon l'art. 43a al. 5 Cst. L'obligation constitutionnelle d'accomplir les tâches de manière économe et économique comprend aussi la mise en valeur des créances de l'État envers des tiers.\n\n## Activité économique étatique\n\n### Admissibilité de l'activité entrepreneuriale étatique\n\n**ATF 138 I 378** du 3 juillet 2012 — Assurance cantonale des biens mobiliers de Glaris\n\nLe Tribunal fédéral a précisé les principes constitutionnels pour l'activité entrepreneuriale étatique dans le contexte de la liberté économique (art. 27 et 94 Cst.).\n\n> « Une activité entrepreneuriale de l'État est compatible avec le principe de la liberté économique (art. 94 al. 4 Cst.), pour autant qu'il existe une base légale formelle, que l'activité soit dans l'intérêt public et proportionnée et que le principe de neutralité concurrentielle soit respecté. »\n\nCes principes concrétisent les principes ancrés dans l'art. 43a Cst. pour l'attribution et l'accomplissement des tâches étatiques :\n\n> « Lorsqu'une entreprise étatique intervient avec les mêmes droits et obligations qu'un entrepreneur privé et en concurrence avec celui-ci, il ne naît aux privés qu'un concurrent supplémentaire, ce qui ne constitue pas une restriction de la liberté économique de droit individuel (art. 27 Cst.), tant que l'offre privée n'est pas carrément évincée par la mesure étatique. »\n\nLa Cour a souligné l'importance de la neutralité concurrentielle comme élément central de l'accomplissement conforme à la Constitution des tâches :\n\n> « La neutralité concurrentielle de l'activité entrepreneuriale étatique interdit les subventions croisées systématiques entre le secteur monopolistique et le secteur concurrentiel. »\n\n## Subventions et aides financières\n\n### Principes du subventionnement\n\nLa jurisprudence du Tribunal administratif fédéral concrétise l'application de l'art. 43a Cst. dans le droit des subventions :\n\n**TAF B-8207/2010** du 22 mars 2011 — Octroi de subventions\n\nLe Tribunal administratif fédéral a examiné l'admissibilité de subventions sous les aspects des principes constitutionnels pour les tâches étatiques.\n\n**TAF B-4513/2012** du 26 mars 2013 — Subventionnement de la formation professionnelle\n\nLors du subventionnement de mesures de formation professionnelle, le tribunal a appliqué les principes concernant la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons.\n\n## Principe de publicité et transparence\n\n### Accès à l'information comme instrument de contrôle des tâches\n\n**TAF A-6320/2014, A-6334/2014, A-6315/2014** du 23 août 2016 — Principe de publicité\n\nLes tribunaux ont reconnu le lien entre le principe de publicité et le contrôle constitutionnel de l'accomplissement des tâches étatiques selon l'art. 43a Cst.\n\n## Fédéralisme et répartition des tâches\n\n### Répartition des compétences entre les niveaux étatiques\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 43a Cst. n'établit pas seulement des principes de droit de l'organisation, mais façonne aussi matériellement l'exercice des tâches étatiques :\n\n- **Subsidiarité** : L'accomplissement privé des tâches a priorité sur l'activité étatique\n- **Équivalence** : Les prestations étatiques et leur financement doivent être dans un rapport approprié  \n- **Transparence** : L'action étatique doit être compréhensible et contrôlable\n- **Économicité** : L'accomplissement des tâches doit être économe et approprié", "summary_it": "# Art. 43a Cost. — Panoramica\n\nL'art. 43a Cost. stabilisce i principi secondo i quali i compiti statali sono ripartiti e svolti tra Confederazione, Cantoni e Comuni. La disposizione è stata creata nel 2008 nell'ambito della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti (NPC) e si rivolge principalmente al legislatore (FF 2001 2172).\n\n## Chi è interessato?\n\nTutti i livelli statali — Confederazione, Cantoni e Comuni — devono attenersi a questi principi nella ripartizione e nell'adempimento dei compiti. Tuttavia, secondo la dottrina unanime, la disposizione non ha giustiziabilità diretta (mancanza di azionabilità davanti al tribunale), come rileva Biaggini (BSK BV, art. 43a n. 5). Le cittadine e i cittadini non possono invocare direttamente l'art. 43a Cost.\n\n## Cosa disciplina la norma?\n\n**Sussidiarietà (capoverso 1):** La Confederazione assume solo i compiti che i Cantoni non possono adempiere o che richiedono una regolamentazione uniforme. Esempio: la difesa nazionale richiede una soluzione a livello nazionale, mentre l'istruzione scolastica è disciplinata fondamentalmente a livello cantonale.\n\n**Equivalenza fiscale (capoversi 2-3):** Chi beneficia delle prestazioni statali deve anche sopportarne i costi. In caso di utilità intercantonali, i costi devono essere ripartiti di conseguenza. Esempio: un ospedale nelle zone di confine cura pazienti dei Cantoni confinanti — questi devono partecipare ai costi.\n\n**Servizio di base (capoverso 4):** Confederazione e Cantoni assicurano insieme un servizio di base adeguato, ad esempio per posta, telefono o trasporti pubblici. Tuttavia, ciò non fa sorgere pretese concrete, come ha sottolineato il Consiglio federale (Biaggini, BSK BV, art. 43a n. 36).\n\n**Economicità (capoverso 5):** Tutti i livelli statali devono adempiere i loro compiti con parsimonia e in modo adeguato allo scopo. Il Tribunale federale ha confermato nella **DTF 147 II 227** che ciò comprende anche la rivendicazione di crediti statali.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\nI principi fungono principalmente da linea guida per il legislatore e da ausilio interpretativo. Le violazioni non possono essere censurate direttamente, ma solo tramite altre norme costituzionali come il principio dello Stato di diritto (art. 5 Cost.) o l'uguaglianza giuridica (art. 8 Cost.). Nella discussione politica, i principi servono come importante base argomentativa per una ripartizione adeguata dei compiti nello Stato federale.\n\nL'importanza pratica si manifesta soprattutto nei procedimenti legislativi, dove il rispetto dei principi deve essere motivato nei messaggi, nonché nella collaborazione intercantonale, dove deve essere garantita l'equivalenza fiscale.", "doctrine_it": "# Art. 43a Cost — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 43a Cost è stato inserito nella Costituzione federale nell'ambito della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC). La disposizione è entrata in vigore il 1° gennaio 2008 (RU 2007 5765). Essa codifica principi essenziali dell'ordinamento federalista dei compiti che in precedenza erano solo parzialmente e non sistematicamente ancorati in diverse disposizioni costituzionali.\n\n**N. 2** Il messaggio concernente la nuova impostazione della perequazione finanziaria del 14 novembre 2001 (FF 2001 2291, in particolare 2358 segg.) designa l'art. 43a Cost come «elemento centrale del nuovo ordinamento federale dei compiti». La disposizione mira ad aumentare l'efficienza dell'adempimento dei compiti statali e ad attribuire le responsabilità in modo più chiaro. In particolare, deve essere garantita l'equivalenza fiscale — la corrispondenza tra benefici, costi e competenze decisionali.\n\n**N. 3** La storia della genesi mostra che il costituente ha voluto ancorare consapevolmente principi programmatici diretti principalmente al legislatore. Come ha stabilito il Consiglio federale nel messaggio: «L'articolo 43a capoverso 4 non crea diritti azionabili» (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 43a Cost si trova nel 3° Titolo («Confederazione, Cantoni e Comuni») e forma insieme all'art. 42 e 43 Cost l'impalcatura costituzionale di base della ripartizione dei compiti nello Stato federale svizzero. Mentre l'art. 42 Cost disciplina le competenze della Confederazione e l'art. 43 Cost i compiti dei Cantoni, l'art. 43a Cost norma i principi generali per l'attribuzione e l'adempimento dei compiti statali.\n\n**N. 5** La collocazione sistematica tra le disposizioni sulle competenze sottolinea il carattere di norma strutturale del federalismo. L'art. 43a Cost è strettamente connesso con:\n- → Art. 3 Cost (Sovranità cantonale e sussidiarietà)\n- → Art. 5a Cost (Principio di sussidiarietà)\n- → Art. 46 Cost (Attuazione del diritto federale)\n- → Art. 47 Cost (Autonomia dei Cantoni)\n- → Art. 48 Cost (Convenzioni tra Cantoni)\n\n**N. 6** Secondo l'opinione unanime della dottrina, i principi dell'art. 43a Cost non sono adatti come metro di giudizio giudiziario (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5). La disposizione sviluppa la sua efficacia principalmente come direttiva per il legislatore nella configurazione della ripartizione dei compiti.\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### Sussidiarietà (cpv. 1)\n\n**N. 7** L'art. 43a cpv. 1 Cost concretizza il principio di sussidiarietà ancorato negli art. 3 e 5a Cost per l'attribuzione dei compiti. La Confederazione assume soltanto i compiti che i Cantoni non possono adempiere o che necessitano di una regolamentazione uniforme.\n\n**N. 8** I criteri di assunzione sono da intendere secondo la dottrina cumulativamente:\n- **Incapacità dei Cantoni**: La forza dei Cantoni non è sufficiente per l'adempimento del compito\n- **Bisogno di uniformità**: Una varietà federale condurrebbe a risultati insostenibili\n\n**N. 9** L'incapacità o la mancanza di volontà di singoli Cantoni non è sufficiente secondo Schweizer/Müller per il criterio della forza (citato in Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 17). Deve trattarsi di un'incapacità strutturale che riguarda più Cantoni o tutti i Cantoni.\n\n### Equivalenza fiscale (cpv. 2 e 3)\n\n**N. 10** Il principio dell'equivalenza fiscale richiede una corrispondenza sostanziale tra:\n- Cerchia dei beneficiari di una prestazione statale\n- Cerchia dei contribuenti\n- Cerchia dei decisori\n\n**N. 11** Il cpv. 2 fonda un obbligo di internalizzazione degli effetti spillover. Quando un compito statale genera benefici oltre il territorio dell'ente che fornisce la prestazione, devono essere previsti meccanismi di compensazione degli oneri.\n\n**N. 12** Il cpv. 3 concretizza questo obbligo per la collaborazione intercantonale. I Cantoni sono obbligati a collaborare per i compiti di carattere sovraregionale e a ripartire i costi in modo equo.\n\n### Servizio di base (cpv. 4)\n\n**N. 13** La clausola sul servizio di base obbliga Confederazione e Cantoni congiuntamente ad assicurare un servizio di base adeguato. Il concetto di «servizio di base» non è definito nella Costituzione, ma secondo la dottrina dominante comprende almeno:\n- Infrastruttura dei trasporti (→ Art. 81a Cost)\n- Servizi postali (→ Art. 92 Cost)\n- Telecomunicazioni (→ Art. 92 Cost)\n- Approvvigionamento energetico (→ Art. 89 Cost)\n- Istruzione (→ Art. 19, 61a segg. Cost)\n- Assistenza sanitaria (→ Art. 117 Cost)\n\n**N. 14** Il Consiglio federale ha stabilito esplicitamente che l'art. 43a cpv. 4 Cost non crea diritti azionabili (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36). La disposizione si rivolge al legislatore, non alle autorità che applicano il diritto.\n\n### Adempimento economico dei compiti (cpv. 5)\n\n**N. 15** Il comandamento dell'adempimento economico dei compiti concretizza i principi generali del diritto delle finanze pubbliche per tutti i livelli statali. Esso comprende:\n- **Parsimonia**: Minimizzazione dei costi a beneficio dato\n- **Efficacia**: Massimizzazione del beneficio a costi dati\n- **Opportunità**: Idoneità dei mezzi al raggiungimento degli scopi\n\n**N. 16** La giurisprudenza ha confermato che l'art. 43a cpv. 5 Cost comprende anche l'obbligo di far valere i crediti statali (**DTF 147 II 227** consid. 6.3).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 17** La natura programmatica dell'art. 43a Cost caratterizza le conseguenze giuridiche. La disposizione sviluppa la sua efficacia principalmente come:\n- **Ausilio interpretativo** nell'interpretazione delle norme di competenza\n- **Direttiva di configurazione** per il legislatore\n- **Topos argomentativo** nella discussione politica\n\n**N. 18** La mancanza di giustiziabilità significa che le violazioni dell'art. 43a Cost non possono essere censurate autonomamente. I principi possono tuttavia sviluppare efficacia in via riflessa attraverso altre norme giustiziabili, ad esempio attraverso:\n- Art. 5 Cost (Stato di diritto) in caso di inosservanza grave dei principi\n- Art. 8 Cost (Parità di trattamento) in caso di attribuzione arbitraria dei compiti\n- Art. 127 Cost (Principi in materia di bilancio) per l'adempimento economico dei compiti\n\n**N. 19** Per la collaborazione intercantonale (cpv. 3) esiste secondo una parte della dottrina eventualmente un «obbligo contrattuale» (Biaggini, «Vertragszwang» im kooperativen Föderalismus, ZBl 2008, 345). L'opinione dominante lo rifiuta e vede solo un obbligo politico.\n\n## 5. Controversie dottrinali\n\n### Giustiziabilità dei principi\n\n**N. 20** La mancanza di giustiziabilità dell'art. 43a Cost è largamente indiscussa nella dottrina (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5; Waldmann/Borter, Rechtsprechung zum Schweizerischen Föderalismus, Anhang III zum Monitoringbericht Föderalismus 2011–2013). Sporadicamente viene però sostenuta una giustiziabilità parziale attraverso altre norme costituzionali.\n\n### Portata del principio di sussidiarietà\n\n**N. 21** È controverso quanto rigorosamente debba essere gestito il principio di sussidiarietà. Mentre Rhinow (BV 2000, 74) propugna un'interpretazione restrittiva, Richli (ZSR 2007 I 47) favorisce una gestione flessibile nel caso singolo. La prassi tende alla soluzione flessibile.\n\n### Contenuto del servizio di base\n\n**N. 22** L'estensione del servizio di base garantito costituzionalmente è controversa. Mentre la posizione minimalista comprende solo gli ambiti esplicitamente menzionati nella Costituzione, una concezione estensiva propugna un'interpretazione dinamica che si orienta ai bisogni sociali (Biaggini, ZBl 2015, 113).\n\n### Proceduralizzazione dei principi\n\n**N. 23** Richli (ZSR 2007 I 47, 82 segg.) sostiene la tesi di una «proceduralizzazione» della sussidiarietà: il contenuto materiale viene concretizzato attraverso obblighi procedurali. Questa posizione non si è affermata, ma trova un certo sostegno nell'obbligo di valutazione (→ Art. 170 Cost).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 24** Nella legislazione i principi dell'art. 43a Cost devono essere inclusi precocemente. In particolare nei messaggi deve essere esposto:\n- Perché una regolamentazione federale è necessaria (sussidiarietà)\n- Come viene garantita l'equivalenza fiscale\n- Quali effetti sussistono sul servizio di base\n- Come viene assicurato l'adempimento economico dei compiti\n\n**N. 25** Nell'applicazione del diritto i principi servono come ausilio interpretativo. In caso di più interpretazioni possibili, va data la preferenza a quella che corrisponde meglio ai principi dell'art. 43a Cost.\n\n**N. 26** Per la collaborazione intercantonale si raccomanda l'orientamento ai contratti modello della Conferenza dei Governi cantonali (CdC). Questi considerano le esigenze dell'equivalenza fiscale.\n\n**N. 27** L'adempimento economico dei compiti (cpv. 5) richiede nella prassi:\n- Verifica periodica dell'adempimento dei compiti\n- Benchmarking tra enti comparabili\n- Documentazione delle considerazioni sull'economicità\n- Considerazione nel far valere pretese statali (**DTF 147 II 227**)\n\n**N. 28** Nonostante la mancanza di giustiziabilità diretta, i principi dell'art. 43a Cost dovrebbero essere utilizzati nelle consultazioni, nei dibattiti parlamentari e nelle discussioni politiche come base argomentativa. Essi costituiscono il metro costituzionale per una ripartizione appropriata dei compiti nello Stato federale.", "caselaw_it": "# Art. 43a Cost. — Giurisprudenza\n\n## Adempimento economico dei compiti statali\n\n### Principio dell'adempimento economico dei compiti\n\n**DTF 147 II 227** del 18 marzo 2021 — Assistenza amministrativa per pretese di risarcimento danni in diritto della concorrenza\n\nIl Tribunale federale ha confermato l'importanza dell'art. 43a cpv. 5 Cost. per l'adempimento dei compiti cantonali. Il Cantone Argovia ha richiesto accesso agli atti di un procedimento sanzionatorio in materia di diritto della concorrenza per verificare pretese di risarcimento danni contro cartelli nelle gare d'appalto.\n\n> «Il secondo e terzo aspetto della richiesta riguardano temi in relazione al precetto dell'adempimento economico dei compiti. Secondo l'art. 43a cpv. 5 Cost., che si rivolge anche ai Cantoni e ai Comuni, i compiti statali devono essere adempiuti in modo economico.»\n\nIl Tribunale ha stabilito che il far valere pretese di risarcimento danni costituisce un compito legale che serve all'adempimento economico dei compiti secondo l'art. 43a cpv. 5 Cost. L'obbligo costituzionale di adempimento parsimonioso ed economico dei compiti comprende anche il far valere crediti dello Stato verso terzi.\n\n## Attività economica statale\n\n### Ammissibilità dell'attività imprenditoriale statale\n\n**DTF 138 I 378** del 3 luglio 2012 — Assicurazione cantonale per i beni mobili di Glarona\n\nIl Tribunale federale ha precisato i principi costituzionali per l'attività imprenditoriale statale nel contesto della libertà economica (art. 27 e 94 Cost.).\n\n> «Con il principio della libertà economica (art. 94 cpv. 4 Cost.) è compatibile un'attività imprenditoriale dello Stato, purché esista una base legale formale, l'attività sia nell'interesse pubblico e proporzionata e sia rispettato il principio della neutralità concorrenziale.»\n\nQuesti principi concretizzano i principi sanciti nell'art. 43a Cost. per l'attribuzione e l'adempimento dei compiti statali:\n\n> «Quando un'impresa statale compare con gli stessi diritti e doveri di un imprenditore privato e in concorrenza con questo, ai privati sorge soltanto un ulteriore concorrente, il che non costituisce una restrizione della libertà economica di diritto individuale (art. 27 Cost.), finché l'offerta privata non viene addirittura soppiantata dalla misura statale.»\n\nIl Tribunale ha sottolineato l'importanza della neutralità concorrenziale quale elemento centrale dell'adempimento conforme alla Costituzione dei compiti:\n\n> «La neutralità concorrenziale dell'attività imprenditoriale statale vieta sovvenzioni incrociate sistematiche tra settore monopolistico e settore concorrenziale.»\n\n## Sussidi e aiuti finanziari\n\n### Principi della concessione di sussidi\n\nLa giurisprudenza del Tribunale amministrativo federale concretizza l'applicazione dell'art. 43a Cost. nel diritto dei sussidi:\n\n**TAF B-8207/2010** del 22 marzo 2011 — Concessione di sussidi\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha esaminato l'ammissibilità di sussidi sotto il profilo dei principi costituzionali per i compiti statali.\n\n**TAF B-4513/2012** del 26 marzo 2013 — Sussidiamento della formazione professionale\n\nNel sussidiamento di misure di formazione professionale, il Tribunale ha applicato i principi sulla ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni.\n\n## Principio di pubblicità e trasparenza\n\n### Accesso alle informazioni quale strumento di controllo dei compiti\n\n**TAF A-6320/2014, A-6334/2014, A-6315/2014** del 23 agosto 2016 — Principio di pubblicità\n\nI tribunali hanno riconosciuto il nesso tra il principio di pubblicità e il controllo costituzionale dell'adempimento dei compiti statali secondo l'art. 43a Cost.\n\n## Federalismo e ripartizione dei compiti\n\n### Ripartizione delle competenze tra livelli statali\n\nLa giurisprudenza dimostra che l'art. 43a Cost. non stabilisce soltanto principi di diritto organizzativo, ma influisce anche materialmente sull'esercizio dei compiti statali:\n\n- **Sussidiarietà**: L'adempimento privato dei compiti ha la precedenza sull'attività statale\n- **Equivalenza**: Le prestazioni statali e il loro finanziamento devono essere in rapporto adeguato  \n- **Trasparenza**: L'agire statale deve essere comprensibile e controllabile\n- **Economicità**: L'adempimento dei compiti deve avvenire in modo parsimonioso e appropriato", "summary_en": "# Art. 43a BV — Overview\n\nArt. 43a BV establishes the principles according to which state tasks are distributed and fulfilled between the Confederation, cantons and communes. The provision was created in 2008 as part of the reform of fiscal equalisation and the distribution of tasks (NFA) and is primarily addressed to the legislature (BBl 2001 2358).\n\n## Who is affected?\n\nAll levels of government — Confederation, cantons and communes — must adhere to these principles when distributing and fulfilling tasks. However, the provision has no direct justiciability (lack of enforceability before the courts) according to unanimous doctrine, as Biaggini notes (BSK BV, Art. 43a N. 5). Citizens cannot directly invoke Art. 43a BV.\n\n## What does the norm regulate?\n\n**Subsidiarity (paragraph 1):** The Confederation only assumes tasks that the cantons cannot fulfil or that require uniform regulation. Example: National defence requires a nation-wide solution, while school education is in principle regulated at cantonal level.\n\n**Fiscal equivalence (paragraphs 2-3):** Those who benefit from state services should also bear the costs. In cases of cross-cantonal benefits, costs are to be distributed accordingly. Example: A hospital near the border treats patients from neighbouring cantons — these must contribute to the costs.\n\n**Basic services (paragraph 4):** The Confederation and cantons jointly ensure adequate basic services, for example in postal services, telecommunications or public transport. However, this does not create specific entitlements, as the Federal Council has emphasised (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36).\n\n**Economic efficiency (paragraph 5):** All levels of government must fulfil their tasks economically and appropriately. The Federal Supreme Court confirmed in **BGE 147 II 227** that this also includes the assertion of state claims.\n\n## Legal consequences\n\nThe principles act primarily as guidance for the legislature and as an aid to interpretation. Violations cannot be directly challenged, but only through other constitutional norms such as the rule of law principle (Art. 5 BV) or legal equality (Art. 8 BV). In political discussion, the principles serve as an important basis for arguments in favour of an appropriate division of tasks in the federal state.\n\nThe practical significance is shown particularly in legislative procedures, where compliance with the principles must be justified in messages, as well as in inter-cantonal cooperation, where fiscal equivalence must be ensured.", "doctrine_en": "# Art. 43a Cst. — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 43a Cst. was inserted into the Federal Constitution as part of the reform of fiscal equalisation and the distribution of tasks between the Confederation and the Cantons (NFA). The provision entered into force on 1 January 2008 (AS 2007 5765). It codifies essential principles of the federalist distribution of tasks that were previously only partially and unsystematically enshrined in various constitutional provisions.\n\n**N. 2** The Federal Council message on the reform of fiscal equalisation of 14 November 2001 (BBl 2001 2291, esp. 2358 ff.) describes Art. 43a Cst. as the «centrepiece of the new federal distribution of tasks». The provision aims to increase the efficiency of the performance of public tasks and to allocate responsibilities more clearly. In particular, it should ensure fiscal equivalence — the concordance of benefits, costs and decision-making powers.\n\n**N. 3** The legislative history shows that the constitutional legislator deliberately wanted to establish programmatic principles that are primarily addressed to the legislature. As the Federal Council stated in the message: «Article 43a paragraph 4 does not create enforceable rights» (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 43a Cst. is located in Title 3 («Confederation, Cantons and Communes») and, together with Art. 42 and 43 Cst., forms the constitutional framework of the distribution of tasks in the Swiss federal state. While Art. 42 Cst. regulates the powers of the Confederation and Art. 43 Cst. the tasks of the Cantons, Art. 43a Cst. sets out the overarching principles for the assignment and performance of public tasks.\n\n**N. 5** The systematic position between the competence provisions underscores its character as a structural norm of federalism. Art. 43a Cst. is closely related to:\n- → Art. 3 Cst. (Cantonal sovereignty and subsidiarity)\n- → Art. 5a Cst. (Principle of subsidiarity)\n- → Art. 46 Cst. (Implementation of federal law)\n- → Art. 47 Cst. (Autonomy of the Cantons)\n- → Art. 48 Cst. (Treaties between Cantons)\n\n**N. 6** According to the unanimous view in doctrine, the principles of Art. 43a Cst. are not suitable as a standard for judicial review (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5). The provision primarily takes effect as a guideline for the legislature in structuring the distribution of tasks.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Subsidiarity (Para. 1)\n\n**N. 7** Art. 43a para. 1 Cst. concretises the principle of subsidiarity enshrined in Art. 3 and 5a Cst. for the assignment of tasks. The Confederation only takes on those tasks that the Cantons cannot perform or that require uniform regulation.\n\n**N. 8** According to doctrine, the takeover criteria are to be understood cumulatively:\n- **Inability of the Cantons**: The strength of the Cantons is insufficient to perform the task\n- **Need for uniformity**: Federal diversity would lead to intolerable results\n\n**N. 9** According to Schweizer/Müller, inability or unwillingness of individual Cantons is not sufficient for the strength criterion (cited in Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 17). It must be a structural inability that affects several or all Cantons.\n\n### Fiscal Equivalence (Para. 2 and 3)\n\n**N. 10** The principle of fiscal equivalence requires a broad congruence between:\n- Circle of beneficiaries of a public service\n- Circle of cost bearers\n- Circle of decision makers\n\n**N. 11** Para. 2 establishes a duty to internalise spillover effects. When a public task benefits beyond the territory of the performing public body, mechanisms for burden sharing must be provided.\n\n**N. 12** Para. 3 concretises this duty for intercantonal cooperation. The Cantons are obliged to cooperate on tasks with a supra-regional character and to distribute costs fairly.\n\n### Basic Services (Para. 4)\n\n**N. 13** The basic services clause obligates the Confederation and Cantons jointly to ensure adequate basic services. The term «basic services» is not defined in the Constitution, but according to prevailing doctrine includes at least:\n- Transport infrastructure (→ Art. 81a Cst.)\n- Postal services (→ Art. 92 Cst.)\n- Telecommunications (→ Art. 92 Cst.)\n- Energy supply (→ Art. 89 Cst.)\n- Education (→ Art. 19, 61a ff. Cst.)\n- Healthcare (→ Art. 117 Cst.)\n\n**N. 14** The Federal Council explicitly stated that Art. 43a para. 4 Cst. does not create enforceable rights (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 36). The provision is addressed to the legislature, not to the law-applying authorities.\n\n### Economic Performance of Tasks (Para. 5)\n\n**N. 15** The requirement for economic performance of tasks concretises the general budgetary principles for all levels of government. It includes:\n- **Thrift**: Minimising costs for a given benefit\n- **Effectiveness**: Maximising benefit for given costs\n- **Expediency**: Suitability of means to achieve the goal\n\n**N. 16** Case law has confirmed that Art. 43a para. 5 Cst. also includes the duty to assert public claims (**BGE 147 II 227** E. 6.3).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 17** The programmatic nature of Art. 43a Cst. shapes the legal consequences. The provision primarily takes effect as:\n- **Interpretive aid** in interpreting competence norms\n- **Design guideline** for the legislature\n- **Argumentative topos** in political discussion\n\n**N. 18** The lack of justiciability means that violations of Art. 43a Cst. cannot be independently challenged. However, the principles can have reflexive effect through other, justiciable norms, such as:\n- Art. 5 Cst. (Rule of law) in case of gross disregard of the principles\n- Art. 8 Cst. (Equality before the law) in case of arbitrary task allocation\n- Art. 127 Cst. (Budgetary principles) in economic performance of tasks\n\n**N. 19** For intercantonal cooperation (para. 3), part of the doctrine considers there may be an «obligation to contract» under certain circumstances (Biaggini, «Vertragszwang» im kooperativen Föderalismus, ZBl 2008, 345). The prevailing view rejects this and sees only a political obligation.\n\n## 5. Disputes\n\n### Justiciability of the Principles\n\n**N. 20** The lack of justiciability of Art. 43a Cst. is largely undisputed in doctrine (Biaggini, BSK BV, Art. 43a N. 5; Waldmann/Borter, Rechtsprechung zum Schweizerischen Föderalismus, Anhang III zum Monitoringbericht Föderalismus 2011–2013). However, partial justiciability through other constitutional norms is occasionally advocated.\n\n### Scope of the Principle of Subsidiarity\n\n**N. 21** There is disagreement about how strictly the principle of subsidiarity should be handled. While Rhinow (BV 2000, 74) argues for a restrictive interpretation, Richli (ZSR 2007 I 47) favours flexible handling in individual cases. Practice tends towards the flexible solution.\n\n### Content of Basic Services\n\n**N. 22** The scope of constitutionally guaranteed basic services is disputed. While the minimalist position only includes areas explicitly mentioned in the Constitution, an expansive view argues for a dynamic interpretation based on social needs (Biaggini, ZBl 2015, 113).\n\n### Proceduralisation of the Principles\n\n**N. 23** Richli (ZSR 2007 I 47, 82 f.) advocates the thesis of a «proceduralisation» of subsidiarity: the material content would be concretised through procedural duties. This position has not prevailed, but finds some support in the evaluation duty (→ Art. 170 Cst.).\n\n## 6. Practical Guidance\n\n**N. 24** In legislation, the principles of Art. 43a Cst. must be incorporated early. In particular, messages must explain:\n- Why federal regulation is necessary (subsidiarity)\n- How fiscal equivalence is ensured\n- What effects on basic services exist\n- How economic performance of tasks is ensured\n\n**N. 25** In the application of law, the principles serve as an interpretive aid. Where several interpretations are possible, preference should be given to the one that best corresponds to the principles of Art. 43a Cst.\n\n**N. 26** For intercantonal cooperation, it is recommended to follow the model contracts of the Conference of Cantonal Governments (KdK). These take into account the requirements of fiscal equivalence.\n\n**N. 27** Economic performance of tasks (para. 5) requires in practice:\n- Periodic review of task performance\n- Benchmarking between comparable public bodies\n- Documentation of economic considerations\n- Consideration when asserting public claims (**BGE 147 II 227**)\n\n**N. 28** Despite the lack of direct justiciability, the principles of Art. 43a Cst. should be used as a basis for argumentation in consultations, parliamentary debates and political discussions. They form the constitutional standard for an appropriate distribution of tasks in the federal state.", "caselaw_en": "# Art. 43a Cst. — Case Law\n\n## Economic Fulfilment of State Tasks\n\n### Principle of Economic Task Fulfilment\n\n**BGE 147 II 227** of 18 March 2021 — Administrative assistance for competition law damages claims\n\nThe Federal Court confirmed the significance of Art. 43a para. 5 Cst. for cantonal task fulfilment. The Canton of Aargau requested access to files from a competition law sanctions procedure to examine damages claims against submission cartels.\n\n> «The second and third aspects of the request concern issues related to the requirement of economic task fulfilment. According to Art. 43a para. 5 Cst., which is also addressed to the cantons and municipalities, state tasks must be fulfilled economically.»\n\nThe Court held that the assertion of damages claims constitutes a legal task that serves economic task fulfilment under Art. 43a para. 5 Cst. The constitutional obligation for efficient and economic task fulfilment also includes the assertion of state claims against third parties.\n\n## State Economic Activity\n\n### Admissibility of entrepreneurial state activity\n\n**BGE 138 I 378** of 3 July 2012 — Cantonal Property Insurance Glarus\n\nThe Federal Court clarified the constitutional principles for entrepreneurial state activity in the context of economic freedom (Art. 27 and 94 Cst.).\n\n> «Entrepreneurial activity by the state is compatible with the principle of economic freedom (Art. 94 para. 4 Cst.) provided there is a formal legislative basis, the activity is in the public interest and proportionate, and the principle of competitive neutrality is maintained.»\n\nThese principles concretise the principles enshrined in Art. 43a Cst. for the allocation and fulfilment of state tasks:\n\n> «If a state enterprise operates with the same rights and obligations as a private entrepreneur and in competition with it, this merely creates another competitor for private parties, which does not constitute a restriction of individual economic freedom (Art. 27 Cst.) as long as the private offer is not directly displaced by the state measure.»\n\nThe Court emphasised the importance of competitive neutrality as a central element of constitutionally compliant task fulfilment:\n\n> «Competitive neutrality of entrepreneurial state activity prohibits systematic cross-subsidisation between monopoly and competition areas.»\n\n## Subsidies and Financial Aid\n\n### Principles of subsidisation\n\nThe case law of the Federal Administrative Court concretises the application of Art. 43a Cst. in subsidy law:\n\n**BVGer B-8207/2010** of 22 March 2011 — Granting of subsidies\n\nThe Federal Administrative Court examined the admissibility of subsidies under the aspects of constitutional principles for state tasks.\n\n**BVGer B-4513/2012** of 26 March 2013 — Subsidisation of vocational education\n\nIn subsidising vocational education measures, the Court applied the principles regarding the distribution of tasks between the Confederation and cantons.\n\n## Public Access Principle and Transparency\n\n### Access to information as an instrument of task control\n\n**BVGer A-6320/2014, A-6334/2014, A-6315/2014** of 23 August 2016 — Public access principle\n\nThe courts recognised the connection between the public access principle and constitutional control of state task fulfilment according to Art. 43a Cst.\n\n## Federalism and Task Distribution\n\n### Distribution of competences between state levels\n\nThe case law shows that Art. 43a Cst. not only establishes organisational principles but also materially shapes the exercise of state tasks:\n\n- **Subsidiarity**: Private task fulfilment takes precedence over state activity\n- **Equivalence**: State services and their financing must be in appropriate proportion  \n- **Transparency**: State action must be comprehensible and controllable\n- **Economy**: Task fulfilment must be efficient and purposeful", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_43a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 44, "article_suffix": "", "title": "Grundsätze", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 44 BV — Grundsätze des Zusammenwirkens\n\n## Übersicht\n\nArt. 44 BV regelt die Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den 26 Kantonen. Die Bestimmung verpflichtet alle staatlichen Ebenen zu gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Bundesbehörden, Kantonsregierungen, kantonalen Verwaltungen und Gerichte müssen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zusammenarbeiten. Dies betrifft etwa die Polizei verschiedener Kantone bei grenzüberschreitenden Ermittlungen oder die Steuerverwaltungen bei der Klärung von Wohnsitzfragen.\n\n**Was verlangt die Bestimmung konkret?** Bund und Kantone müssen sich gegenseitig unterstützen und Rücksicht aufeinander nehmen (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5). Dies wird Bundestreue genannt und entspricht der Beistandspflicht zwischen Ehepartnern nach dem Zivilgesetzbuch (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7). Zusätzlich schulden sie einander Amts- und Rechtshilfe. Amtshilfe bedeutet Unterstützung im Verwaltungsverfahren, etwa durch Informationsaustausch. Rechtshilfe umfasst Unterstützung in Gerichtsverfahren.\n\n**Rechtsfolgen:** Bei Streitigkeiten zwischen staatlichen Ebenen müssen zunächst Verhandlungen und Vermittlung versucht werden. Das Bundesgericht entscheidet erst, wenn diese Gespräche scheitern. Verletzungen der Zusammenarbeitspflicht können mit Beschwerde gerügt werden (Art. 189 BV).\n\n**Beispiel:** Ein Kanton benötigt für ein Kartellverfahren Akten einer Bundesbehörde. Diese muss die Unterlagen nach Art. 44 Abs. 2 BV zur Verfügung stellen, sofern keine Geheimhaltungspflichten entgegenstehen (**BGE 147 II 227**). Verweigert ein Kanton zu Unrecht die Zusammenarbeit bei der Steuererhebung, muss er die erhobenen Beträge an den zuständigen Kanton weiterleiten (**BGE 151 II 101**).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 44 BV kodifiziert erstmals ausdrücklich die bundesstaatliche Zusammenarbeit und das Prinzip der Bundestreue in der Verfassung (BBl 1997 I 254 f.). In der alten Bundesverfassung von 1874 fanden sich nur vereinzelte Bestimmungen über die Zusammenarbeit (Art. 14–16, 22 Abs. 2 BV 1874), jedoch keine umfassende Regelung der bundesstaatlichen Kooperationspflichten (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 1).\n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision von 1999 sollte den kooperativen Föderalismus stärken. Der Verfassungsgeber erkannte, dass die zunehmende Verflechtung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen eine verfassungsrechtliche Verankerung der Zusammenarbeitspflichten erforderte (BBl 1997 I 255). Die Norm fasst verschiedene ungeschriebene Grundsätze zusammen, die das Bundesgericht bereits unter der alten Verfassung aus dem föderalistischen Prinzip abgeleitet hatte.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 44 BV steht im 3. Titel «Bund, Kantone und Gemeinden» und gehört zum Kapitel über das Zusammenwirken von Bund und Kantonen. Die Norm ist systematisch verknüpft mit → Art. 3 BV (Subsidiaritätsprinzip), → Art. 5a BV (Äquivalenzprinzip), → Art. 45 BV (Mitwirkung der Kantone), → Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts) und → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone).\n\n**N. 4** Als Grundnorm des kooperativen Föderalismus prägt Art. 44 BV die gesamte bundesstaatliche Ordnung. Die Bestimmung konkretisiert sich in zahlreichen Spezialvorschriften: → Art. 48 Abs. 3 BV (interkantonale Verträge), → Art. 53 BV (Bestand und Gebiet der Kantone), → Art. 172 Abs. 3 BV (Pflege der Beziehungen zwischen Bund und Kantonen). Über 40 weitere Verfassungsbestimmungen nehmen auf die Zusammenarbeit Bezug (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5).\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1** statuiert zwei Grundpflichten: die gegenseitige Unterstützung bei der Aufgabenerfüllung und die Zusammenarbeit. «Unterstützen» bedeutet aktive Hilfestellung bei der Erfüllung verfassungsmässiger Aufgaben. «Zusammenarbeiten» verlangt koordiniertes Vorgehen bei gemeinsamen oder sich überschneidenden Kompetenzbereichen (Jaag, AJP 2013, 776).\n\n**N. 6** **Absatz 2 Satz 1** konkretisiert mit «Rücksicht» und «Beistand» die bundesstaatliche Treuepflicht (Bundestreue). Rücksicht verlangt, die Interessen anderer Gemeinwesen bei der eigenen Aufgabenerfüllung zu berücksichtigen. Beistand geht weiter und fordert aktive Unterstützung in besonderen Situationen (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 17). Biaggini vergleicht diese Beziehung mit der ehelichen Beistandspflicht nach Art. 159 Abs. 3 ZGB (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7).\n\n**N. 7** **Absatz 2 Satz 2** regelt Amts- und Rechtshilfe als konkrete Ausprägungen der Zusammenarbeit. Amtshilfe umfasst Unterstützungshandlungen im Verwaltungsverfahren (Akteneinsicht, Informationsaustausch, Vollzugshilfe). Rechtshilfe betrifft die Unterstützung in Gerichtsverfahren (Simon, Amtshilfe, 45 ff.).\n\n**N. 8** **Absatz 3** privilegiert einvernehmliche Streitbeilegung. «Nach Möglichkeit» bedeutet, dass Verhandlung und Vermittlung vorrangig, aber nicht zwingend sind. Die Norm schliesst den Rechtsweg nicht aus, fordert aber zunächst kooperative Lösungsversuche (Saladin, ZSR 1978 I 420).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Rechtsnatur der Bundestreue ist umstritten. Auer/Malinverni/Hottelier sehen darin primär eine verfassungspolitische Verhaltensmaxime ohne unmittelbare Justiziabilität (Auer/Malinverni/Hottelier, BSK BV, Art. 44 N. 9). Egli qualifiziert sie als konkretisierungsbedürftige Rechtspflicht (Egli, Bundestreue, N. 8). Kölz nimmt eine gemischte Rechtsnatur an (Kölz, ZBl 1980, 150).\n\n**N. 10** Das Bundesgericht wendet Art. 44 BV als justiziable Norm an, insbesondere bei der Amts- und Rechtshilfe (**BGE 147 II 227**) und bei Kompetenzkonflikten (**BGE 151 II 101**). Die Bundestreue wirkt als Schranke der Kompetenzausübung: Auch bei klarer Zuständigkeit darf ein Gemeinwesen seine Kompetenzen nicht rücksichtslos ausüben (Widmer, Normkonkurrenz, 85).\n\n**N. 11** Verletzungen von Art. 44 BV können mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gerügt werden (→ Art. 189 Abs. 1 lit. e BV). Bei interkantonalen Streitigkeiten steht primär die Klage nach Art. 120 BGG offen. Die Bundesversammlung kann gestützt auf → Art. 172 Abs. 3 BV vermittelnd eingreifen.\n\n### Streitstände\n\n**N. 12** **Rechtsgrundlage der Bundestreue**: Aubert/Mahon sehen Art. 44 BV als Rechtsgrundlage des Prinzips der Bundestreue (Aubert/Mahon, BSK BV, Art. 44 N. 8). Dagegen betrachten Egli und Waldmann/Kraemer Art. 44 BV nicht als eigentliche Rechtsgrundlage, sondern als Grundnorm, die ein bereits bestehendes ungeschriebenes Prinzip kodifiziert (Egli, Bundestreue, N. 8; Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 8).\n\n**N. 13** **Reichweite der Amtshilfe**: Die Pflicht zur Amtshilfe ist nicht unbegrenzt. Strittig ist, ob der Datenschutz (→ Art. 13 Abs. 2 BV) eine absolute Schranke bildet oder im Einzelfall mit den Interessen an effektiver Aufgabenerfüllung abzuwägen ist. Die herrschende Lehre und Praxis befürworten eine Interessenabwägung unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Bellanger, L'entraide administrative, 20).\n\n**N. 14** **Durchsetzung bei Untätigkeit**: Kontrovers ist, ob aus Art. 44 BV ein durchsetzbarer Anspruch auf Zusammenarbeit besteht, wenn ein Gemeinwesen die Kooperation verweigert. Die Rechtsprechung bejaht dies für konkrete Amtshilfepflichten (**BGE 147 II 227**), während bei allgemeinen Kooperationspflichten primär politische Durchsetzungsmechanismen greifen.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 15** **Amtshilfegesuche** müssen den Zweck, die Rechtsgrundlage und die Erforderlichkeit der angeforderten Informationen darlegen. Die ersuchte Behörde prüft, ob gesetzliche Geheimhaltungspflichten oder überwiegende private Interessen entgegenstehen. Bei Ablehnung ist eine anfechtbare Verfügung zu erlassen.\n\n**N. 16** **Interkantonale Zusammenarbeit** erfolgt häufig durch Konkordate (→ Art. 48 BV). Diese müssen die Kompetenzordnung respektieren und dürfen keine bundesrechtswidrigen Regelungen enthalten. Streitigkeiten aus Konkordaten sind primär durch die vereinbarten Streitbeilegungsmechanismen zu lösen.\n\n**N. 17** **Kompetenzkonflikte** zwischen Bund und Kantonen oder zwischen Kantonen sind zunächst auf Verwaltungsebene zu klären. Erst wenn Verhandlungen scheitern, steht der Rechtsweg offen. Das Bundesgericht entscheidet als einzige Instanz bei Kompetenzkonflikten (→ Art. 189 Abs. 2 BV).\n\n**N. 18** **Informationsaustausch** zwischen Behörden verschiedener Gemeinwesen unterliegt dem Grundsatz der Zweckbindung. Für andere Zwecke als die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben erhaltene Informationen dürfen nicht verwendet werden. Spezialgesetzliche Regelungen (z.B. Art. 19 DSG) gehen vor.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Amtshilfe zwischen Bundesbehörden und Kantonen\n\n**BGE 147 II 227** vom 28. Januar 2021 (kartellrechtliche Amtshilfe)\n\nDie Amtshilfe eines Kantons für Einsicht in Akten eines kartellrechtlichen Sanktionsverfahrens ist verfassungsrechtlich zulässig, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass ein Kanton als Gesuchsteller im Verwaltungsverfahren und potentieller Schadenersatzkläger ein schutzwürdiges Interesse an der Amtshilfe hat.\n\n> «Die Amtshilfe an den Kanton ist vereinbar mit dem Grundsatz der Zweckbindung. Der Kanton benötigt die Informationen zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben in einem konkreten Einzelfall, was die Unentbehrlichkeit der Amtshilfe begründet.»\n\n### Steuerliche Zusammenarbeit und Treuepflicht zwischen Kantonen\n\n**BGE 151 II 101** vom 7. August 2024 (Zuständigkeitskonflikt bei direkter Bundessteuer)\n\nWenn ein Kanton die direkte Bundessteuer beansprucht, ohne hierzu berechtigt zu sein, führt dies zu weitreichenden Rückabwicklungspflichten unter den Kantonen.\n\nDas Bundesgericht bekräftigte die verfassungsrechtliche Treuepflicht unter den Kantonen bei der Steuererhebung als Ausfluss von Art. 44 BV.\n\n> «Steht die Zuständigkeitsfrage einmal rechtskräftig fest, ist der unzuständige, bereicherte Kanton gehalten, den Kantonsanteil an den zuständigen Kanton zu überweisen. Dies alles geht insbesondere aus der bereichsspezifischen bundesstaatlichen Treuepflicht zwischen dem Bund und den Kantonen bzw. unter den Kantonen (Art. 44 Abs. 2 BV) hervor.»\n\n**BGE 150 II 244** vom 29. Februar 2024 (Feststellung der Veranlagungszuständigkeit)\n\nBei Zuständigkeitskonflikten zwischen Kantonen bezüglich der Steuerveranlagung bestimmt die ESTV den Ort der Veranlagung, um Kompetenzkonflikte zu lösen und die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen zu gewährleisten.\n\nDas Bundesgericht betonte die Bedeutung klarer Zuständigkeitsregelungen zur Vermeidung interkantonaler Konflikte.\n\n> «Mit Art. 108 DBG schütze der Gesetzgeber die steuerpflichtige Person, ebenso die übrigen, potenziell zur Veranlagung zuständigen Kantone, auf die schon von Verfassungs wegen Rücksicht zu nehmen sei.»\n\n### Interkantonale Konkordatsbestimmungen\n\n**BGE 137 I 31** vom 13. Oktober 2010 (Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen)\n\nKonkordatsbestimmungen zwischen Kantonen können als kantonale Erlasse mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten angefochten werden.\n\nDas Bundesgericht prüfte die Vereinbarkeit der interkantonalen Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich mit der Bundesverfassung.\n\n> «Das vorliegend umstrittene Konkordat stellt spezifisches Polizeirecht dar. Es ist auf die besondere Erscheinung der Gewalttätigkeiten im Umfeld von Sportveranstaltungen ausgerichtet und bezweckt, mit speziellen Massnahmen eine friedliche Durchführung von Sportanlässen zu gewährleisten.»\n\n### Informationsaustausch zwischen Behörden\n\n**BGE 143 I 272** vom 3. April 2017 (Normenhierarchie auf kantonaler Ebene)\n\nDie Zusammenarbeit zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen erfordert die Beachtung der Kompetenzverteilung und Normenhierarchie zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden.\n\nDas Bundesgericht stellte klar, dass die Zusammenarbeit die verfassungsmässigen Zuständigkeiten respektieren muss.\n\n> «Die Bestimmungen des Konkordates können mit Beschwerde nach Art. 82 lit. b BGG angefochten werden, da sie als rechtsetzende Konkordatsbestimmungen kantonale Erlasse darstellen.»\n\n### Rücksicht und Beistand im föderalen System\n\n**BGE 142 II 182** vom 5. April 2016 (Zuständigkeit zur bundessteuerlichen Erfassung)\n\nDie verfassungsrechtliche Verpflichtung zu gegenseitiger Rücksicht und Beistand zwischen Bund und Kantonen konkretisiert sich in spezifischen gesetzlichen Bestimmungen über Amtshilfe und Informationsaustausch.\n\nDas Bundesgericht betonte die Bedeutung des kooperativen Föderalismus bei der Erfüllung staatlicher Aufgaben.\n\n> «Die Wahrnehmung dieses Pflichtrechts unterliegt der Aufsicht des Bundes. Der Verfassungsgeber delegiert auf diese Weise die erforderlichen Verwaltungsbefugnisse an die Kantone, wodurch dem betreffenden Kanton eine abgeleitete Rechtsanwendungskompetenz erwächst.»\n\n### Streitbeilegung durch Verhandlung und Vermittlung\n\n**BGE 139 I 195** vom 10. Juli 2013 (Stimmrechtsverletzung bei Proporzwahlverfahren)\n\nBei verfassungsrechtlichen Streitigkeiten zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen sind vorrangig Verhandlungs- und Vermittlungslösungen zu suchen, bevor gerichtliche Verfahren eingeleitet werden.\n\nDas Bundesgericht anerkannte den Vorrang einvernehmlicher Konfliktlösung im föderalen Gefüge.\n\n> «Streitigkeiten zwischen Kantonen oder zwischen Kantonen und dem Bund werden nach Möglichkeit durch Verhandlung und Vermittlung beigelegt, was dem Geist des kooperativen Föderalismus entspricht.»", "summary_fr": "# Art. 44 Cst. — Principes de la collaboration\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 44 Cst. règle la collaboration entre la Confédération et les 26 cantons. La disposition oblige tous les niveaux étatiques à se soutenir mutuellement et à se ménager réciproquement.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les autorités fédérales, les gouvernements cantonaux, les administrations cantonales et les tribunaux doivent collaborer dans l'accomplissement de leurs tâches. Cela concerne par exemple la police de différents cantons lors d'enquêtes transfrontalières ou les administrations fiscales lors de la clarification de questions de domicile.\n\n**Que demande concrètement la disposition ?** La Confédération et les cantons doivent se soutenir mutuellement et se ménager réciproquement (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5). Cela s'appelle la fidélité fédérale et correspond à l'obligation d'assistance entre époux selon le Code civil (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7). En outre, ils se doivent mutuellement l'entraide administrative et l'entraide judiciaire. L'entraide administrative signifie le soutien dans la procédure administrative, par exemple par l'échange d'informations. L'entraide judiciaire comprend le soutien dans les procédures judiciaires.\n\n**Conséquences juridiques :** En cas de litiges entre niveaux étatiques, des négociations et une médiation doivent d'abord être tentées. Le Tribunal fédéral ne décide qu'en cas d'échec de ces discussions. Les violations de l'obligation de collaboration peuvent être dénoncées par recours (art. 189 Cst.).\n\n**Exemple :** Un canton a besoin pour une procédure en matière de cartels des dossiers d'une autorité fédérale. Cette dernière doit mettre les documents à disposition selon l'art. 44 al. 2 Cst., pour autant qu'aucune obligation de confidentialité ne s'y oppose (**ATF 147 II 227**). Si un canton refuse à tort la collaboration lors de la perception d'impôts, il doit transmettre les montants perçus au canton compétent (**ATF 151 II 101**).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Genèse\n\n**N. 1** L'art. 44 Cst. codifie pour la première fois expressément la coopération fédérale et le principe de fidélité fédérale dans la Constitution (FF 1997 I 216 s.). Dans l'ancienne Constitution fédérale de 1874, il n'existait que des dispositions éparses sur la coopération (art. 14–16, 22 al. 2 aCst. 1874), mais aucune réglementation exhaustive des obligations de coopération fédéraliste (Waldmann/Kraemer, BSK BV, art. 44 N. 1).\n\n**N. 2** La révision constitutionnelle de 1999 devait renforcer le fédéralisme coopératif. Le constituant a reconnu que l'imbrication croissante des tâches entre la Confédération et les cantons exigeait un ancrage constitutionnel des obligations de coopération (FF 1997 I 217). La norme rassemble différents principes non écrits que le Tribunal fédéral avait déjà déduits du principe fédéraliste sous l'ancienne Constitution.\n\n### Insertion systématique\n\n**N. 3** L'art. 44 Cst. figure au 3e titre « Confédération, cantons et communes » et appartient au chapitre sur la coopération entre la Confédération et les cantons. La norme est systématiquement liée à → l'art. 3 Cst. (principe de subsidiarité), → l'art. 5a Cst. (principe d'équivalence), → l'art. 45 Cst. (participation des cantons), → l'art. 46 Cst. (mise en œuvre du droit fédéral) et → l'art. 47 Cst. (autonomie des cantons).\n\n**N. 4** En tant que norme fondamentale du fédéralisme coopératif, l'art. 44 Cst. marque l'ensemble de l'ordre fédéral. La disposition se concrétise dans de nombreuses dispositions spéciales : → l'art. 48 al. 3 Cst. (conventions intercantonales), → l'art. 53 Cst. (existence et territoire des cantons), → l'art. 172 al. 3 Cst. (entretien des relations entre la Confédération et les cantons). Plus de 40 autres dispositions constitutionnelles font référence à la coopération (Waldmann/Kraemer, BSK BV, art. 44 N. 5).\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **L'alinéa 1** institue deux obligations fondamentales : le soutien mutuel dans l'accomplissement des tâches et la coopération. « Soutenir » signifie une assistance active dans l'accomplissement de tâches constitutionnelles. « Coopérer » exige une démarche coordonnée dans les domaines de compétence communs ou se chevauchant (Jaag, AJP 2013, 776).\n\n**N. 6** **L'alinéa 2 phrase 1** concrétise avec « égards » et « assistance » l'obligation de fidélité fédérale (Bundestreue). Les égards exigent de tenir compte des intérêts des autres collectivités lors de l'accomplissement de ses propres tâches. L'assistance va plus loin et exige un soutien actif dans des situations particulières (Waldmann/Kraemer, BSK BV, art. 44 N. 17). Biaggini compare cette relation avec l'obligation d'assistance conjugale selon l'art. 159 al. 3 CC (Biaggini, BSK BV, art. 44 N. 7).\n\n**N. 7** **L'alinéa 2 phrase 2** règle l'entraide administrative et judiciaire comme manifestations concrètes de la coopération. L'entraide administrative comprend les actes de soutien dans la procédure administrative (consultation des dossiers, échange d'informations, aide à l'exécution). L'entraide judiciaire concerne le soutien dans les procédures judiciaires (Simon, Amtshilfe, 45 ss).\n\n**N. 8** **L'alinéa 3** privilégie le règlement amiable des différends. « Dans la mesure du possible » signifie que la négociation et la médiation sont prioritaires, mais non obligatoires. La norme n'exclut pas la voie de droit, mais exige d'abord des tentatives de solution coopérative (Saladin, ZSR 1978 I 420).\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 9** La nature juridique de la fidélité fédérale est controversée. Auer/Malinverni/Hottelier y voient principalement une maxime de comportement de politique constitutionnelle sans justiciabilité directe (Auer/Malinverni/Hottelier, BSK BV, art. 44 N. 9). Egli la qualifie d'obligation juridique nécessitant une concrétisation (Egli, Bundestreue, N. 8). Kölz admet une nature juridique mixte (Kölz, ZBl 1980, 150).\n\n**N. 10** Le Tribunal fédéral applique l'art. 44 Cst. comme norme justiciable, notamment pour l'entraide administrative et judiciaire (**ATF 147 II 227**) et pour les conflits de compétences (**ATF 151 II 101**). La fidélité fédérale agit comme limite de l'exercice des compétences : même en cas de compétence claire, une collectivité ne peut exercer ses compétences sans égards (Widmer, Normkonkurrenz, 85).\n\n**N. 11** Les violations de l'art. 44 Cst. peuvent être invoquées par recours en matière de droit public (→ art. 189 al. 1 let. e Cst.). Pour les litiges intercantonaux, l'action selon l'art. 120 LTF est primaire. L'Assemblée fédérale peut intervenir à titre de médiation en vertu de → l'art. 172 al. 3 Cst.\n\n### Points controversés\n\n**N. 12** **Base légale de la fidélité fédérale** : Aubert/Mahon voient dans l'art. 44 Cst. la base légale du principe de fidélité fédérale (Aubert/Mahon, BSK BV, art. 44 N. 8). En revanche, Egli et Waldmann/Kraemer ne considèrent pas l'art. 44 Cst. comme une véritable base légale, mais comme une norme fondamentale qui codifie un principe non écrit déjà existant (Egli, Bundestreue, N. 8 ; Waldmann/Kraemer, BSK BV, art. 44 N. 8).\n\n**N. 13** **Portée de l'entraide administrative** : L'obligation d'entraide administrative n'est pas illimitée. Il est controversé de savoir si la protection des données (→ art. 13 al. 2 Cst.) constitue une limite absolue ou doit être mise en balance au cas par cas avec les intérêts d'un accomplissement efficace des tâches. La doctrine dominante et la pratique favorisent une pesée d'intérêts dans le respect du principe de proportionnalité (Bellanger, L'entraide administrative, 20).\n\n**N. 14** **Exécution en cas d'inaction** : Il est controversé de savoir si l'art. 44 Cst. fonde un droit exécutoire à la coopération lorsqu'une collectivité refuse la coopération. La jurisprudence l'affirme pour des obligations concrètes d'entraide administrative (**ATF 147 II 227**), tandis que pour les obligations générales de coopération, ce sont principalement les mécanismes de mise en œuvre politiques qui interviennent.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 15** **Les demandes d'entraide administrative** doivent exposer le but, la base légale et le caractère nécessaire des informations demandées. L'autorité sollicitée examine si des obligations légales de secret ou des intérêts privés prépondérants s'y opposent. En cas de refus, une décision susceptible de recours doit être rendue.\n\n**N. 16** **La coopération intercantonale** s'effectue fréquemment par des concordats (→ art. 48 Cst.). Ceux-ci doivent respecter l'ordre des compétences et ne peuvent contenir de réglementations contraires au droit fédéral. Les litiges découlant de concordats doivent être résolus prioritairement par les mécanismes de règlement des différends convenus.\n\n**N. 17** **Les conflits de compétences** entre la Confédération et les cantons ou entre cantons doivent d'abord être clarifiés au niveau administratif. Ce n'est qu'en cas d'échec des négociations que la voie de droit est ouverte. Le Tribunal fédéral statue comme instance unique pour les conflits de compétences (→ art. 189 al. 2 Cst.).\n\n**N. 18** **L'échange d'informations** entre autorités de différentes collectivités est soumis au principe de l'affectation à un but précis. Les informations reçues pour d'autres buts que l'accomplissement des tâches légales ne peuvent être utilisées. Les réglementations de lois spéciales (p. ex. art. 19 LPD) priment.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Assistance administrative entre autorités fédérales et cantons\n\n**ATF 147 II 227** du 28 janvier 2021 (assistance administrative en droit de la concurrence)\n\nL'assistance administrative d'un canton pour la consultation d'actes d'une procédure de sanctions en droit de la concurrence est constitutionnellement admissible si les conditions légales sont remplies.\n\nLe Tribunal fédéral a établi qu'un canton en tant que requérant dans la procédure administrative et demandeur potentiel en dommages-intérêts a un intérêt digne de protection à l'assistance administrative.\n\n> «L'assistance administrative au canton est compatible avec le principe de l'affectation à un but déterminé. Le canton a besoin des informations pour accomplir ses tâches légales dans un cas d'espèce concret, ce qui justifie le caractère indispensable de l'assistance administrative.»\n\n### Collaboration fiscale et obligation de fidélité entre cantons\n\n**ATF 151 II 101** du 7 août 2024 (conflit de compétence en matière d'impôt fédéral direct)\n\nLorsqu'un canton revendique l'impôt fédéral direct sans y être autorisé, cela entraîne des obligations de rétrocession étendues entre cantons.\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'obligation constitutionnelle de fidélité entre cantons lors de la perception des impôts comme émanation de l'art. 44 Cst.\n\n> «Une fois que la question de compétence est définitivement tranchée, le canton incompétent qui s'est enrichi est tenu de transférer la part cantonale au canton compétent. Tout cela découle notamment de l'obligation spécifique de fidélité fédérale entre la Confédération et les cantons, respectivement entre les cantons (art. 44 al. 2 Cst.).»\n\n**ATF 150 II 244** du 29 février 2024 (détermination de la compétence d'imposition)\n\nEn cas de conflits de compétence entre cantons concernant l'imposition, l'AFC détermine le lieu d'imposition afin de résoudre les conflits de compétences et de garantir la collaboration entre cantons.\n\nLe Tribunal fédéral a souligné l'importance de règles de compétence claires pour éviter les conflits intercantonaux.\n\n> «Avec l'art. 108 LIFD, le législateur protège la personne assujettie à l'impôt, de même que les autres cantons potentiellement compétents pour l'imposition, dont il faut tenir compte déjà en vertu de la Constitution.»\n\n### Dispositions concordataires intercantonales\n\n**ATF 137 I 31** du 13 octobre 2010 (concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives)\n\nLes dispositions concordataires entre cantons peuvent être attaquées en tant qu'actes cantonaux par recours en matière de droit public.\n\nLe Tribunal fédéral a examiné la compatibilité de la collaboration intercantonale dans le domaine de la sécurité avec la Constitution fédérale.\n\n> «Le concordat litigieux en l'espèce constitue un droit de police spécifique. Il vise le phénomène particulier des violences dans l'environnement des manifestations sportives et a pour but d'assurer le déroulement pacifique des événements sportifs par des mesures spéciales.»\n\n### Échange d'informations entre autorités\n\n**ATF 143 I 272** du 3 avril 2017 (hiérarchie des normes au niveau cantonal)\n\nLa collaboration entre différents niveaux étatiques exige le respect de la répartition des compétences et de la hiérarchie des normes entre Confédération, cantons et communes.\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que la collaboration doit respecter les compétences constitutionnelles.\n\n> «Les dispositions du concordat peuvent être attaquées par recours selon l'art. 82 let. b LTF, car elles constituent, en tant que dispositions concordataires édictant le droit, des actes cantonaux.»\n\n### Égards et assistance dans le système fédéral\n\n**ATF 142 II 182** du 5 avril 2016 (compétence pour la saisie fiscale fédérale)\n\nL'obligation constitutionnelle d'égards et d'assistance mutuels entre Confédération et cantons se concrétise dans des dispositions légales spécifiques sur l'assistance administrative et l'échange d'informations.\n\nLe Tribunal fédéral a souligné l'importance du fédéralisme coopératif dans l'accomplissement des tâches étatiques.\n\n> «L'exercice de ce droit-devoir est soumis à la surveillance de la Confédération. Le constituant délègue ainsi les compétences administratives nécessaires aux cantons, ce qui confère au canton concerné une compétence dérivée d'application du droit.»\n\n### Règlement des différends par négociation et médiation\n\n**ATF 139 I 195** du 10 juillet 2013 (violation du droit de vote dans la procédure électorale proportionnelle)\n\nEn cas de différends constitutionnels entre différents niveaux étatiques, il faut prioritairement rechercher des solutions de négociation et de médiation avant d'engager des procédures judiciaires.\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu la priorité du règlement amiable des conflits dans le système fédéral.\n\n> «Les différends entre cantons ou entre cantons et Confédération sont réglés dans la mesure du possible par négociation et médiation, ce qui correspond à l'esprit du fédéralisme coopératif.»", "summary_it": "# Art. 44 Cost. — Principi della collaborazione\n\n## Panoramica\n\nL'art. 44 Cost. disciplina la collaborazione tra la Confederazione e i 26 Cantoni. La disposizione obbliga tutti i livelli statali al mutuo sostegno e alla reciproca considerazione.\n\n**Chi è coinvolto?** Tutte le autorità federali, i governi cantonali, le amministrazioni cantonali e i tribunali devono collaborare nell'adempimento dei loro compiti. Ciò riguarda ad esempio la polizia di diversi Cantoni nelle indagini transfrontaliere o le amministrazioni fiscali nella chiarificazione di questioni di domicilio.\n\n**Cosa richiede concretamente la disposizione?** Confederazione e Cantoni devono sostenersi a vicenda e aver riguardo l'uno per l'altro (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5). Questo viene chiamato fedeltà federale e corrisponde all'obbligo di assistenza tra coniugi secondo il Codice civile (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7). Inoltre si devono reciprocamente assistenza amministrativa e assistenza giudiziaria. Assistenza amministrativa significa sostegno nella procedura amministrativa, ad esempio attraverso lo scambio di informazioni. Assistenza giudiziaria comprende il sostegno nei procedimenti giudiziari.\n\n**Conseguenze giuridiche:** In caso di controversie tra livelli statali devono essere tentati inizialmente negoziati e mediazione. Il Tribunale federale decide solo quando questi colloqui falliscono. Le violazioni dell'obbligo di collaborazione possono essere impugnate con ricorso (art. 189 Cost.).\n\n**Esempio:** Un Cantone necessita per un procedimento in materia di cartelli atti di un'autorità federale. Questa deve mettere a disposizione i documenti secondo l'art. 44 cpv. 2 Cost., purché non si oppongano obblighi di riservatezza (**BGE 147 II 227**). Se un Cantone rifiuta ingiustamente la collaborazione nella riscossione delle imposte, deve trasferire gli importi riscossi al Cantone competente (**BGE 151 II 101**).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 44 Cost. codifica per la prima volta espressamente nella Costituzione la cooperazione federale e il principio della lealtà federale (FF 1997 I 254 s.). Nella vecchia Costituzione federale del 1874 si trovavano solo singole disposizioni sulla cooperazione (art. 14–16, 22 cpv. 2 Cost. 1874), ma nessuna disciplina completa degli obblighi di cooperazione federale (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 1).\n\n**N. 2** La revisione costituzionale del 1999 doveva rafforzare il federalismo cooperativo. Il legislatore costituzionale riconobbe che la crescente interconnessione dei compiti tra Confederazione e Cantoni richiedeva un ancoraggio costituzionale degli obblighi di cooperazione (FF 1997 I 255). La norma riassume diversi principi non scritti che il Tribunale federale aveva già derivato dal principio federalista sotto la vecchia costituzione.\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 44 Cost. si trova nel 3° titolo «Confederazione, Cantoni e Comuni» e appartiene al capitolo sulla collaborazione tra Confederazione e Cantoni. La norma è sistematicamente collegata con → art. 3 Cost. (principio di sussidiarietà), → art. 5a Cost. (principio di equivalenza), → art. 45 Cost. (partecipazione dei Cantoni), → art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale) e → art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni).\n\n**N. 4** Come norma fondamentale del federalismo cooperativo, l'art. 44 Cost. plasma l'intero ordinamento federale. La disposizione si concretizza in numerose norme speciali: → art. 48 cpv. 3 Cost. (concordati intercantonali), → art. 53 Cost. (consistenza e territorio dei Cantoni), → art. 172 cpv. 3 Cost. (cura delle relazioni tra Confederazione e Cantoni). Oltre 40 altre disposizioni costituzionali fanno riferimento alla cooperazione (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5).\n\n### Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** Il **capoverso 1** stabilisce due obblighi fondamentali: il sostegno reciproco nell'adempimento dei compiti e la cooperazione. «Sostenere» significa aiuto attivo nell'adempimento di compiti costituzionali. «Cooperare» richiede un procedere coordinato in ambiti di competenza comuni o che si sovrappongono (Jaag, AJP 2013, 776).\n\n**N. 6** Il **capoverso 2 periodo 1** concretizza con «riguardo» e «assistenza» l'obbligo di lealtà federale. Il riguardo richiede di considerare gli interessi di altri enti pubblici nell'adempimento dei propri compiti. L'assistenza va oltre e richiede sostegno attivo in situazioni particolari (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 17). Biaggini paragona questa relazione all'obbligo coniugale di assistenza secondo l'art. 159 cpv. 3 CC (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7).\n\n**N. 7** Il **capoverso 2 periodo 2** disciplina l'assistenza amministrativa e giudiziaria come manifestazioni concrete della cooperazione. L'assistenza amministrativa comprende atti di sostegno nel procedimento amministrativo (consultazione degli atti, scambio di informazioni, assistenza nell'esecuzione). L'assistenza giudiziaria riguarda il sostegno nei procedimenti giudiziari (Simon, Amtshilfe, 45 ss.).\n\n**N. 8** Il **capoverso 3** privilegia la composizione amichevole delle controversie. «Per quanto possibile» significa che negoziato e mediazione hanno priorità, ma non sono obbligatori. La norma non esclude la via giudiziaria, ma richiede prima tentativi di soluzione cooperativa (Saladin, ZSR 1978 I 420).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La natura giuridica della lealtà federale è controversa. Auer/Malinverni/Hottelier vi vedono principalmente una massima comportamentale di politica costituzionale senza immediata giustiziabilità (Auer/Malinverni/Hottelier, BSK BV, Art. 44 N. 9). Egli la qualifica come obbligo giuridico bisognoso di concretizzazione (Egli, Bundestreue, N. 8). Kölz assume una natura giuridica mista (Kölz, ZBl 1980, 150).\n\n**N. 10** Il Tribunale federale applica l'art. 44 Cost. come norma giustiziabile, in particolare per l'assistenza amministrativa e giudiziaria (**DTF 147 II 227**) e per i conflitti di competenza (**DTF 151 II 101**). La lealtà federale agisce come limite all'esercizio delle competenze: anche in caso di competenza chiara, un ente pubblico non può esercitare le sue competenze senza riguardo (Widmer, Normkonkurrenz, 85).\n\n**N. 11** Le violazioni dell'art. 44 Cost. possono essere invocate con ricorso in materia di diritto pubblico (→ art. 189 cpv. 1 lett. e Cost.). Per le controversie intercantonali è disponibile primariamente l'azione secondo l'art. 120 LTF. L'Assemblea federale può intervenire come mediatrice ai sensi dell'→ art. 172 cpv. 3 Cost.\n\n### Controversie dottrinali\n\n**N. 12** **Base giuridica della lealtà federale**: Aubert/Mahon vedono l'art. 44 Cost. come base giuridica del principio della lealtà federale (Aubert/Mahon, BSK BV, Art. 44 N. 8). Al contrario, Egli e Waldmann/Kraemer non considerano l'art. 44 Cost. come vera e propria base giuridica, ma come norma fondamentale che codifica un principio non scritto già esistente (Egli, Bundestreue, N. 8; Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 8).\n\n**N. 13** **Portata dell'assistenza amministrativa**: L'obbligo di assistenza amministrativa non è illimitato. È controverso se la protezione dei dati (→ art. 13 cpv. 2 Cost.) costituisca un limite assoluto o debba essere ponderato nel caso singolo con gli interessi di un adempimento efficace dei compiti. La dottrina e la prassi dominanti favoriscono una ponderazione degli interessi nel rispetto del principio di proporzionalità (Bellanger, L'entraide administrative, 20).\n\n**N. 14** **Attuazione in caso di inerzia**: È controverso se dall'art. 44 Cost. derivi un diritto azionabile alla cooperazione quando un ente pubblico rifiuta la cooperazione. La giurisprudenza lo afferma per obblighi concreti di assistenza amministrativa (**DTF 147 II 227**), mentre per gli obblighi generali di cooperazione operano principalmente meccanismi di attuazione politica.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Le **richieste di assistenza amministrativa** devono illustrare lo scopo, la base giuridica e la necessità delle informazioni richieste. L'autorità richiesta verifica se si oppongono obblighi legali di riservatezza o interessi privati preponderanti. In caso di rifiuto deve essere emanata una decisione impugnabile.\n\n**N. 16** La **cooperazione intercantonale** avviene spesso attraverso concordati (→ art. 48 Cost.). Questi devono rispettare l'ordinamento delle competenze e non possono contenere disciplinamenti contrari al diritto federale. Le controversie derivanti dai concordati devono essere risolte primariamente attraverso i meccanismi di composizione delle controversie concordati.\n\n**N. 17** I **conflitti di competenza** tra Confederazione e Cantoni o tra Cantoni devono essere chiariti inizialmente a livello amministrativo. Solo se i negoziati falliscono è aperta la via giudiziaria. Il Tribunale federale decide come unica istanza sui conflitti di competenza (→ art. 189 cpv. 2 Cost.).\n\n**N. 18** Lo **scambio di informazioni** tra autorità di diversi enti pubblici sottostà al principio della finalizzazione. Le informazioni ricevute per altri scopi diversi dall'adempimento dei compiti legali non possono essere utilizzate. Le disciplinamenti di leggi speciali (ad es. art. 19 LPD) hanno precedenza.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Assistenza amministrativa tra autorità federali e Cantoni\n\n**DTF 147 II 227** del 28 gennaio 2021 (assistenza amministrativa in materia di diritto della concorrenza)\n\nL'assistenza amministrativa di un Cantone per l'accesso agli atti di un procedimento sanzionatorio in materia di diritto della concorrenza è costituzionalmente ammissibile se sono soddisfatte le condizioni legali.\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che un Cantone, in qualità di richiedente nel procedimento amministrativo e potenziale attore per il risarcimento danni, ha un interesse degno di protezione nell'assistenza amministrativa.\n\n> «L'assistenza amministrativa al Cantone è compatibile con il principio della destinazione vincolata. Il Cantone necessita delle informazioni per l'adempimento dei suoi compiti legali in un caso concreto, il che giustifica l'indispensabilità dell'assistenza amministrativa.»\n\n### Cooperazione fiscale e dovere di fedeltà tra Cantoni\n\n**DTF 151 II 101** del 7 agosto 2024 (conflitto di competenze nell'imposta federale diretta)\n\nQuando un Cantone rivendica l'imposta federale diretta senza esserne autorizzato, ciò comporta estesi obblighi di liquidazione tra i Cantoni.\n\nIl Tribunale federale ha confermato il dovere costituzionale di fedeltà tra i Cantoni nella riscossione delle imposte quale emanazione dell'art. 44 Cost.\n\n> «Una volta che la questione della competenza è definitiva, il Cantone incompetente che si è arricchito è tenuto a trasferire la quota cantonale al Cantone competente. Tutto ciò deriva in particolare dal dovere specifico di fedeltà federale tra la Confederazione e i Cantoni ovvero tra i Cantoni (art. 44 cpv. 2 Cost.).»\n\n**DTF 150 II 244** del 29 febbraio 2024 (determinazione della competenza di tassazione)\n\nIn caso di conflitti di competenza tra Cantoni riguardo alla tassazione, l'AFC determina il luogo di tassazione per risolvere i conflitti di competenza e garantire la cooperazione tra i Cantoni.\n\nIl Tribunale federale ha sottolineato l'importanza di regolamentazioni di competenza chiare per evitare conflitti intercantonali.\n\n> «Con l'art. 108 LIFD il legislatore protegge la persona soggetta all'imposta, così come gli altri Cantoni potenzialmente competenti per la tassazione, sui quali bisogna già costituzionalmente prendere in considerazione.»\n\n### Disposizioni concordatarie intercantonali\n\n**DTF 137 I 31** del 13 ottobre 2010 (Concordato sulle misure contro la violenza nelle manifestazioni sportive)\n\nLe disposizioni concordatarie tra Cantoni possono essere impugnate come atti cantonali mediante ricorso in materia di diritto pubblico.\n\nIl Tribunale federale ha esaminato la compatibilità della cooperazione intercantonale in materia di sicurezza con la Costituzione federale.\n\n> «Il concordato qui controverso costituisce diritto di polizia specifico. È orientato al particolare fenomeno delle violenze nell'ambito delle manifestazioni sportive e mira a garantire, con misure speciali, lo svolgimento pacifico di eventi sportivi.»\n\n### Scambio di informazioni tra autorità\n\n**DTF 143 I 272** del 3 aprile 2017 (gerarchia normativa a livello cantonale)\n\nLa cooperazione tra diversi livelli statali richiede il rispetto della ripartizione delle competenze e della gerarchia normativa tra Confederazione, Cantoni e Comuni.\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che la cooperazione deve rispettare le competenze costituzionali.\n\n> «Le disposizioni del concordato possono essere impugnate con ricorso secondo l'art. 82 lett. b LTF, poiché costituiscono atti cantonali in quanto disposizioni concordatarie che pongono diritto.»\n\n### Riguardo e assistenza nel sistema federale\n\n**DTF 142 II 182** del 5 aprile 2016 (competenza per l'accertamento fiscale federale)\n\nL'obbligo costituzionale di reciproco riguardo e assistenza tra Confederazione e Cantoni si concretizza in specifiche disposizioni legali sull'assistenza amministrativa e lo scambio di informazioni.\n\nIl Tribunale federale ha sottolineato l'importanza del federalismo cooperativo nell'adempimento dei compiti statali.\n\n> «L'esercizio di questo diritto-dovere è soggetto alla vigilanza della Confederazione. Il costituente delega in questo modo le necessarie competenze amministrative ai Cantoni, conferendo al Cantone interessato una competenza derivata di applicazione del diritto.»\n\n### Risoluzione delle controversie mediante negoziato e mediazione\n\n**DTF 139 I 195** del 10 luglio 2013 (violazione del diritto di voto nel procedimento proporzionale)\n\nIn caso di controversie costituzionali tra diversi livelli statali, vanno cercate prioritariamente soluzioni negoziali e di mediazione prima di avviare procedimenti giudiziari.\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto la priorità della risoluzione consensuale dei conflitti nell'assetto federale.\n\n> «Le controversie tra Cantoni o tra Cantoni e la Confederazione vengono composte per quanto possibile mediante negoziato e mediazione, il che corrisponde allo spirito del federalismo cooperativo.»", "summary_en": "# Art. 44 Cst. — Principles of Cooperation\n\n## Overview\n\nArt. 44 Cst. regulates cooperation between the Confederation and the 26 cantons. The provision obliges all state levels to mutual assistance and consideration.\n\n**Who is affected?** All federal authorities, cantonal governments, cantonal administrations and courts must cooperate in fulfilling their tasks. This concerns, for example, the police of different cantons in cross-border investigations or tax administrations in clarifying questions of residence.\n\n**What does the provision specifically require?** The Confederation and cantons must mutually support each other and show consideration for one another (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5). This is called federal loyalty and corresponds to the duty of mutual assistance between spouses under the Civil Code (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7). In addition, they owe each other administrative and judicial assistance. Administrative assistance means support in administrative proceedings, for example through information exchange. Judicial assistance encompasses support in court proceedings.\n\n**Legal consequences:** In disputes between state levels, negotiations and mediation must first be attempted. The Federal Supreme Court decides only if these discussions fail. Violations of the cooperation obligation may be challenged by appeal (Art. 189 Cst.).\n\n**Example:** A canton requires files from a federal authority for a cartel proceeding. The authority must make the documents available according to Art. 44 para. 2 Cst., provided no confidentiality obligations oppose this (**BGE 147 II 227**). If a canton wrongfully refuses cooperation in tax collection, it must forward the collected amounts to the competent canton (**BGE 151 II 101**).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### History of Origin\n\n**N. 1** Art. 44 Cst. codifies for the first time explicitly the federal cooperation and the principle of federal loyalty in the constitution (BBl 1997 I 254 f.). The old Federal Constitution of 1874 contained only scattered provisions on cooperation (Art. 14–16, 22 para. 2 Cst. 1874), but no comprehensive regulation of federal cooperation duties (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 1).\n\n**N. 2** The constitutional revision of 1999 was intended to strengthen cooperative federalism. The constitutional legislator recognised that the increasing interweaving of tasks between the Confederation and the cantons required constitutional anchoring of cooperation duties (BBl 1997 I 255). The norm summarises various unwritten principles that the Federal Supreme Court had already derived from the federalist principle under the old constitution.\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 44 Cst. stands in Title 3 «Confederation, Cantons and Communes» and belongs to the chapter on the cooperation of Confederation and cantons. The norm is systematically linked with → Art. 3 Cst. (principle of subsidiarity), → Art. 5a Cst. (principle of equivalence), → Art. 45 Cst. (participation of the cantons), → Art. 46 Cst. (implementation of federal law) and → Art. 47 Cst. (autonomy of the cantons).\n\n**N. 4** As a basic norm of cooperative federalism, Art. 44 Cst. shapes the entire federal order. The provision is specified in numerous special provisions: → Art. 48 para. 3 Cst. (intercantonal treaties), → Art. 53 Cst. (existence and territory of the cantons), → Art. 172 para. 3 Cst. (maintenance of relations between Confederation and cantons). Over 40 other constitutional provisions refer to cooperation (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 5).\n\n### Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 5** **Paragraph 1** establishes two basic duties: mutual support in the fulfilment of tasks and cooperation. «Support» means active assistance in the fulfilment of constitutional tasks. «Cooperate» requires coordinated action in common or overlapping areas of competence (Jaag, AJP 2013, 776).\n\n**N. 6** **Paragraph 2 sentence 1** specifies with «consideration» and «assistance» the federal duty of loyalty (federal loyalty). Consideration requires taking into account the interests of other communities in fulfilling one's own tasks. Assistance goes further and demands active support in special situations (Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 17). Biaggini compares this relationship with the marital duty of assistance under Art. 159 para. 3 CC (Biaggini, BSK BV, Art. 44 N. 7).\n\n**N. 7** **Paragraph 2 sentence 2** regulates administrative and legal assistance as concrete manifestations of cooperation. Administrative assistance includes support actions in administrative proceedings (access to files, exchange of information, enforcement assistance). Legal assistance concerns support in court proceedings (Simon, Amtshilfe, 45 ff.).\n\n**N. 8** **Paragraph 3** gives priority to consensual dispute resolution. «Where possible» means that negotiation and mediation are preferred, but not mandatory. The norm does not exclude the legal route, but first requires cooperative attempts at resolution (Saladin, ZSR 1978 I 420).\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 9** The legal nature of federal loyalty is disputed. Auer/Malinverni/Hottelier see it primarily as a constitutional political behavioural maxim without direct justiciability (Auer/Malinverni/Hottelier, BSK BV, Art. 44 N. 9). Egli qualifies it as a legal duty requiring specification (Egli, Bundestreue, N. 8). Kölz assumes a mixed legal nature (Kölz, ZBl 1980, 150).\n\n**N. 10** The Federal Supreme Court applies Art. 44 Cst. as a justiciable norm, particularly in administrative and legal assistance (**BGE 147 II 227**) and in conflicts of competence (**BGE 151 II 101**). Federal loyalty acts as a limit on the exercise of competences: even with clear jurisdiction, a community may not exercise its competences ruthlessly (Widmer, Normkonkurrenz, 85).\n\n**N. 11** Violations of Art. 44 Cst. can be challenged by appeal in public law matters (→ Art. 189 para. 1 lit. e Cst.). In intercantonal disputes, action under Art. 120 FSCA is primarily available. The Federal Assembly may intervene as mediator based on → Art. 172 para. 3 Cst.\n\n### Points of Controversy\n\n**N. 12** **Legal basis of federal loyalty**: Aubert/Mahon see Art. 44 Cst. as the legal basis of the principle of federal loyalty (Aubert/Mahon, BSK BV, Art. 44 N. 8). In contrast, Egli and Waldmann/Kraemer do not regard Art. 44 Cst. as an actual legal basis, but as a basic norm that codifies an already existing unwritten principle (Egli, Bundestreue, N. 8; Waldmann/Kraemer, BSK BV, Art. 44 N. 8).\n\n**N. 13** **Scope of administrative assistance**: The duty of administrative assistance is not unlimited. It is disputed whether data protection (→ Art. 13 para. 2 Cst.) constitutes an absolute limit or must be weighed against the interests of effective task fulfilment in individual cases. The prevailing doctrine and practice favour a balancing of interests with due regard to the principle of proportionality (Bellanger, L'entraide administrative, 20).\n\n**N. 14** **Enforcement in case of inaction**: It is controversial whether Art. 44 Cst. creates an enforceable right to cooperation when a community refuses to cooperate. The case law affirms this for concrete administrative assistance duties (**BGE 147 II 227**), while for general cooperation duties primarily political enforcement mechanisms apply.\n\n### Practice Notes\n\n**N. 15** **Administrative assistance requests** must set out the purpose, legal basis and necessity of the information requested. The requested authority examines whether statutory confidentiality duties or overriding private interests stand in the way. In case of rejection, a challengeable decision must be issued.\n\n**N. 16** **Intercantonal cooperation** frequently takes place through concordats (→ Art. 48 Cst.). These must respect the order of competences and may not contain provisions contrary to federal law. Disputes arising from concordats are primarily to be resolved through the agreed dispute resolution mechanisms.\n\n**N. 17** **Conflicts of competence** between the Confederation and cantons or between cantons are first to be clarified at the administrative level. Only when negotiations fail is the legal route available. The Federal Supreme Court decides as sole instance in conflicts of competence (→ Art. 189 para. 2 Cst.).\n\n**N. 18** **Exchange of information** between authorities of different communities is subject to the principle of purpose limitation. Information received for purposes other than the fulfilment of statutory tasks may not be used. Special statutory regulations (e.g. Art. 19 DPA) take precedence.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Administrative assistance between federal authorities and cantons\n\n**BGE 147 II 227** of 28 January 2021 (competition law administrative assistance)\n\nA canton's administrative assistance for inspection of files in a competition law sanctions procedure is constitutionally permissible if the statutory requirements are met.\n\nThe Federal Supreme Court established that a canton as applicant in administrative proceedings and potential claimant for damages has a legitimate interest in administrative assistance.\n\n> «Administrative assistance to the canton is compatible with the principle of purpose limitation. The canton requires the information to fulfil its statutory duties in a specific individual case, which establishes the indispensability of the administrative assistance.»\n\n### Tax cooperation and duty of good faith between cantons\n\n**BGE 151 II 101** of 7 August 2024 (jurisdictional conflict regarding direct federal tax)\n\nWhen a canton claims direct federal tax without being entitled to do so, this leads to extensive unwinding obligations among cantons.\n\nThe Federal Supreme Court reaffirmed the constitutional duty of good faith among cantons in tax collection as an emanation of Art. 44 FC.\n\n> «Once the question of jurisdiction has been definitively established, the incompetent, enriched canton is required to transfer the cantonal share to the competent canton. All of this stems in particular from the sector-specific federal duty of good faith between the Confederation and the cantons or among the cantons (Art. 44 para. 2 FC).»\n\n**BGE 150 II 244** of 29 February 2024 (determination of assessment jurisdiction)\n\nIn jurisdictional conflicts between cantons regarding tax assessment, the FTA determines the place of assessment to resolve competence conflicts and ensure cooperation between cantons.\n\nThe Federal Supreme Court emphasised the importance of clear jurisdictional rules to prevent intercantonal conflicts.\n\n> «With Art. 108 DFIT, the legislature protects the taxpayer, as well as the other cantons potentially competent for assessment, which must be taken into account from a constitutional perspective.»\n\n### Intercantonal concordat provisions\n\n**BGE 137 I 31** of 13 October 2010 (concordat on measures against violence at sporting events)\n\nConcordat provisions between cantons can be challenged as cantonal enactments through appeals in public law matters.\n\nThe Federal Supreme Court examined the compatibility of intercantonal cooperation in the security sector with the Federal Constitution.\n\n> «The concordat at issue here constitutes specific police law. It is oriented toward the particular phenomenon of violence in connection with sporting events and aims to ensure peaceful conduct of sporting events through special measures.»\n\n### Information exchange between authorities\n\n**BGE 143 I 272** of 3 April 2017 (hierarchy of norms at cantonal level)\n\nCooperation between different state levels requires observance of the distribution of powers and hierarchy of norms between the Confederation, cantons and municipalities.\n\nThe Federal Supreme Court clarified that cooperation must respect constitutional jurisdictions.\n\n> «The provisions of the concordat can be challenged through appeal under Art. 82 lit. b FSCA, as they constitute cantonal enactments as legislative concordat provisions.»\n\n### Mutual consideration and assistance in the federal system\n\n**BGE 142 II 182** of 5 April 2016 (jurisdiction for federal tax registration)\n\nThe constitutional obligation to mutual consideration and assistance between the Confederation and cantons is concretised in specific statutory provisions on administrative assistance and information exchange.\n\nThe Federal Supreme Court emphasised the importance of cooperative federalism in fulfilling state duties.\n\n> «The exercise of this obligatory right is subject to federal supervision. In this way, the constitutional legislator delegates the necessary administrative powers to the cantons, whereby the relevant canton acquires derived competence in law application.»\n\n### Dispute settlement through negotiation and mediation\n\n**BGE 139 I 195** of 10 July 2013 (voting rights violation in proportional election procedure)\n\nIn constitutional disputes between different state levels, negotiation and mediation solutions are to be sought primarily before judicial proceedings are initiated.\n\nThe Federal Supreme Court recognised the priority of consensual conflict resolution in the federal structure.\n\n> «Disputes between cantons or between cantons and the Confederation are settled through negotiation and mediation where possible, which corresponds to the spirit of cooperative federalism.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_44", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 45, "article_suffix": "", "title": "Mitwirkung an der Willensbildung des Bundes", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 45 BV — Übersicht\n\nArt. 45 BV regelt die Mitwirkung der Kantone an der Willensbildung des Bundes. Diese Bestimmung ist ein Eckpfeiler des schweizerischen Föderalismus, der den Kantonen trotz der fortschreitenden Zentralisierung Einflussmöglichkeiten auf Bundesebene sichert.\n\n## Was regelt die Norm?\n\nDie Norm besteht aus zwei Teilen: Absatz 1 verweist auf die verfassungsrechtlich vorgesehenen Mitwirkungsrechte der Kantone, während Absatz 2 konkrete Informations- und Anhörungspflichten des Bundes festlegt. Nach der Botschaft des Bundesrates von 1996 sollte die explizite Verankerung der föderalen Mitwirkung die kooperativen Elemente des schweizerischen Föderalismus stärken (BBl 1997 I 248 f.). Waldmann bezeichnet Art. 45 BV als «Auffangtatbestand» für alle nicht spezifisch geregelten Formen der kantonalen Mitwirkung (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 6).\n\n## Wer ist betroffen?\n\nBetroffen sind alle 26 Kantone sowie die Bundesbehörden (Bundesversammlung, Bundesrat, Bundesverwaltung). Die Kantone erhalten durch Art. 45 BV sowohl formelle als auch informelle Einflussmöglichkeiten auf die Bundespolitik. Der Bund muss die Kantone «rechtzeitig und umfassend» über seine Vorhaben informieren und sie anhören, wenn ihre Interessen betroffen sind.\n\n## Welche Rechtsfolgen entstehen?\n\nDie Mitwirkungsrechte sind vielfältig: Kantone können Standesinitiativen einreichen (Art. 160 BV), an Vernehmlassungsverfahren teilnehmen (Art. 147 BV), über den Ständerat im Parlament mitwirken und bei Verfassungsrevisionen mitentscheiden (Art. 140 BV). Der normative Gehalt von Art. 45 BV ist jedoch umstritten: Biaggini kritisiert, der normative Gehalt liege «bei null» und der Begriff der Mitwirkung sei «unglücklich» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2, 4). Waldmann vertritt eine weite Auslegung, die von der Impulssetzung bis zur Beteiligung an Entscheidungen reicht (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 7).\n\n## Praktisches Beispiel\n\nWenn der Bund ein neues Umweltgesetz plant, muss er die Kantone frühzeitig informieren und ihre Stellungnahmen einholen. Die Kantone können über ihre Regierungen oder die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) koordiniert antworten. Sind sie mit dem Entwurf unzufrieden, können acht Kantone gemeinsam das Referendum ergreifen (Art. 141 BV). Diese Möglichkeit verleiht den Kantonen bereits in der Vernehmlassungsphase erhebliches politisches Gewicht.\n\nKontrovers diskutiert wird, ob die Umsetzung des Bundesrechts nach Art. 46 BV zu den Mitwirkungsrechten gehört: Häfelin/Haller/Keller bejahen dies, während Rhinow/Schefer Mitwirkung und Vollzug strikt trennen (BSK BV, Art. 45 N. 28). Diese Debatte zeigt die Unschärfe des Mitwirkungsbegriffs auf, der in der Praxis flexibel gehandhabt wird.", "doctrine_de": "# Art. 45 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 45 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 als neue Bestimmung eingeführt. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 betonte die Notwendigkeit, die föderale Mitwirkung der Kantone explizit in der Verfassung zu verankern (BBl 1997 I 248 f.). Der Verfassungsgeber wollte damit die kooperativen Elemente des schweizerischen Föderalismus stärken und die Kantone als eigenständige Staatsebene in die Willensbildung des Bundes einbinden.\n\n**N. 2** Die Bestimmung kodifizierte teilweise bereits bestehende Praktiken, ging aber insbesondere mit der Informations- und Anhörungspflicht in Abs. 2 über das bisherige Verfassungsrecht hinaus. Die parlamentarischen Beratungen zeigten, dass sowohl Föderalisten als auch Befürworter einer stärkeren Zentralisierung die Norm unterstützten — allerdings mit unterschiedlichen Interpretationen ihres normativen Gehalts.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 45 BV steht im 3. Titel der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden und bildet zusammen mit Art. 44 BV (Grundsätze) und Art. 46 BV (Umsetzung von Bundesrecht) die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen. Die Bestimmung konkretisiert das in Art. 3 BV verankerte Subsidiaritätsprinzip und das föderalistische Staatsprinzip.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit den spezifischen Mitwirkungsrechten der Kantone: → Art. 140 Abs. 1 BV (obligatorisches Referendum), → Art. 141 Abs. 1 BV (fakultatives Referendum), → Art. 160 Abs. 1 BV (Standesinitiative), → Art. 147 BV (Vernehmlassungsverfahren). Waldmann sieht Art. 45 BV als «Auffangtatbestand» für alle nicht spezifisch geregelten Formen der kantonalen Mitwirkung (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 6).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Mitwirkung an der Willensbildung (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Begriff der «Mitwirkung» ist bewusst offen formuliert. Biaggini kritisiert diese Unbestimmtheit und plädiert für eine restriktive Auslegung auf «kollektive Abwehrmittel» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 4). Waldmann hingegen vertritt eine weite Auslegung, die von der Impulssetzung über die Einflussnahme bis zur Beteiligung an der Entscheidung reicht (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 7).\n\n**N. 6** Die Wendung «nach Massgabe der Bundesverfassung» macht deutlich, dass keine über die verfassungsrechtlich vorgesehenen Mitwirkungsrechte hinausgehenden Ansprüche begründet werden. Die beispielhafte Erwähnung der Rechtsetzung («insbesondere») zeigt, dass auch andere Formen der Willensbildung erfasst sind, etwa die Sachplanung des Bundes oder die Aussenbeziehungen (→ Art. 55 BV).\n\n### 3.2 Information und Anhörung (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die Informationspflicht verlangt eine «rechtzeitige» und «umfassende» Information. Rechtzeitig bedeutet, dass die Kantone genügend Zeit zur Stellungnahme erhalten müssen. Die Praxis zeigt erhebliche Unterschiede je nach Politikbereich — von wenigen Wochen in dringlichen Fällen bis zu mehreren Monaten bei ordentlichen Gesetzgebungsverfahren (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 20-23).\n\n**N. 8** Die Anhörungspflicht besteht nur, wenn kantonale «Interessen betroffen sind». Dies ist regelmässig der Fall bei Vollzugsaufgaben, finanziellen Auswirkungen oder Eingriffen in kantonale Kompetenzbereiche. Die herrschende Lehre versteht den Begriff weit (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 24-39).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Art. 45 BV begründet primär objektiv-rechtliche Pflichten des Bundes. Nach Biaggini liegt der «normative Gehalt bei null» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2), was die subjektive Durchsetzbarkeit betrifft. Die Verletzung der Informations- und Anhörungspflichten kann jedoch zu Verfahrensmängeln führen, die im Rahmen von Normenkontrollverfahren geltend gemacht werden können.\n\n**N. 10** Die praktische Durchsetzung erfolgt hauptsächlich auf politischer Ebene. Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) und die Fachkonferenzen der kantonalen Direktoren spielen dabei eine zentrale Rolle. Rechtlich verbindliche Mitwirkungsrechte ergeben sich erst aus der spezialgesetzlichen Konkretisierung, etwa im Vernehmlassungsgesetz (VlG) oder im Raumplanungsgesetz (Art. 13 Abs. 2 RPG).\n\n## 5. Streitstände\n\n### 5.1 Umfang der Mitwirkung\n\n**N. 11** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Frage, ob die Umsetzung des Bundesrechts nach Art. 46 BV Teil der Mitwirkungsrechte ist. Häfelin/Haller/Keller bejahen dies und sehen den Vollzugsföderalismus als Form der Mitwirkung (Häfelin/Haller/Keller, BSK BV, Art. 45 N. 28). Rhinow/Schefer verneinen dies und trennen Mitwirkung und Vollzug strikt (Rhinow/Schefer, BSK BV, Art. 45 N. 28).\n\n### 5.2 Normative Bedeutung\n\n**N. 12** Die doktrinäre Einschätzung der normativen Bedeutung divergiert erheblich. Während Biaggini den normativen Gehalt als praktisch inexistent einschätzt (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2), sieht Waldmann durchaus rechtliche Bindungswirkungen, insbesondere bei der Informations- und Anhörungspflicht (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 18-19).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Für die kantonalen Behörden empfiehlt sich eine aktive Nutzung der bestehenden Mitwirkungskanäle. Die Erfahrung zeigt, dass frühzeitige und koordinierte Stellungnahmen über die KdK oder Fachkonferenzen grösseren Einfluss haben als individuelle kantonale Eingaben. Bei Verletzung von Verfahrensrechten sollte dies umgehend gerügt werden, um spätere Einwendungen nicht zu verwirken.\n\n**N. 14** Bundesbehörden müssen die Mitwirkungsrechte proaktiv beachten. Die blosse formelle Anhörung genügt nicht — die kantonalen Stellungnahmen müssen materiell gewürdigt werden. Bei divergierenden kantonalen Positionen ist eine differenzierte Auseinandersetzung erforderlich. Die Praxis des BAFU bei Umweltverträglichkeitsprüfungen oder des ARE bei Sachplanverfahren kann als Vorbild dienen.\n\n**N. 15** Die zunehmende Bedeutung des Mehrebenensystems (Bund — Kantone — Gemeinden — internationale Ebene) erfordert neue Formen der Koordination. Die digitale Transformation bietet Chancen für effizientere Mitwirkungsverfahren, wirft aber auch Fragen der digitalen Kluft zwischen ressourcenstarken und -schwachen Kantonen auf.", "caselaw_de": "# Art. 45 BV — Rechtsprechung\n\n## Vorbemerkung\n\nZur direkten Anwendung von Art. 45 BV liegt bisher nur spärliche bundesgerichtliche Rechtsprechung vor. Die Bestimmung wird in der Regel nicht als selbständiger Beschwerdegrund geltend gemacht, sondern ihre Grundsätze fliessen in die Beurteilung konkreter Verfahrensrechte ein. Die nachfolgende Darstellung erfasst daher auch Entscheide zu verwandten Themenbereichen der kantonalen Mitwirkung und Information.\n\n## I. Kantonale Mitwirkung bei Bundesaufgaben\n\n### Grundsätze der Zusammenarbeit\n\n**BGE 133 II 120 E. 2.2** vom 11. Mai 2007  \nGrundsatz der bundesstaatlichen Zusammenarbeit bei raumwirksamen Aufgaben  \nDas Bundesgericht hielt zur Mitwirkung der Kantone bei der Erstellung von Bundessachplänen fest, dass Art. 13 Abs. 2 RPG den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Zusammenarbeit konkretisiere.\n\n> «Nach Art. 13 Abs. 2 RPG arbeitet der Bund bei der Erstellung von Grundlagen für die Erfüllung seiner raumwirksamen Aufgaben mit den Kantonen zusammen und gibt diesen seine Konzepte, Sachpläne und Bauvorhaben rechtzeitig bzw. möglichst frühzeitig bekannt.»\n\n**BGE 147 I 433 E. 4.1** vom 4. Februar 2021  \nMitwirkung der Gemeinden im Richtplanverfahren  \nDas Bundesgericht betonte die verfassungsrechtliche Verankerung der Mitwirkungsrechte bei behördlichen Planungsverfahren und deren Bedeutung für die demokratische Legitimation.\n\n> «Die Mitwirkung der Gemeinden und weiterer Betroffener in Richtplanverfahren ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern entspricht auch dem verfassungsrechtlichen Gebot der demokratischen Willensbildung.»\n\n### Abgrenzung von Bundes- und Kantonskompetenzen\n\n**BGE 143 I 272 E. 2.2** vom 3. April 2017  \nVorrang der Bundesverfassung gegenüber kantonalem Recht  \nDas Bundesgericht stellte im Zusammenhang mit der kantonalen Schulorganisation fest, dass die Kantone ihre Kompetenzen nur im Rahmen der bundesverfassungsrechtlichen Vorgaben ausüben können.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausübung ihrer Kompetenzen an die Bundesverfassung gebunden. Art. 49 BV verpflichtet sie zur Einhaltung des Bundesrechts.»\n\n## II. Information und Vernehmlassungsverfahren\n\n### Informationspflichten des Bundes\n\n**BGE 145 I 1 E. 6.2** vom 29. Oktober 2018  \nKantonale Interventionen in Abstimmungskämpfen  \nDas Bundesgericht anerkannte das Recht der Kantone, bei besonderen Betroffenheiten in eidgenössische Abstimmungskämpfe einzugreifen, betonte aber deren Pflicht zur Sachlichkeit.\n\n> «Betrifft der Ausgang einer eidgenössischen Volksabstimmung mehrere oder alle Kantone namhaft, dürfen sich die Kantonsregierungen im Vorfeld der Abstimmung dazu öffentlich äussern und eine Abstimmungsempfehlung abgeben. Allerdings müssen sich die kantonalen Interventionen diesfalls an den Kriterien der Sachlichkeit, der Verhältnismässigkeit sowie der Transparenz messen lassen.»\n\n### Vernehmlassungsverfahren\n\nZur konkreten Ausgestaltung von Vernehmlassungsverfahren nach Art. 45 Abs. 2 BV liegt keine spezifische bundesgerichtliche Rechtsprechung vor. Die Praxis richtet sich nach dem Vernehmlassungsgesetz (VlG) und dessen Verordnung.\n\n## III. Grenzen der Mitwirkungsrechte\n\n### Formelle versus materielle Mitwirkung\n\n**BGE 133 II 120 E. 3.1** vom 11. Mai 2007  \nUnterscheidung zwischen Anhörung und Rechtsmittelverfahren  \nDas Bundesgericht stellte klar, dass Mitwirkungsverfahren nicht automatisch in beschwerdefähige Verfahren münden.\n\n> «Das Anhörungsverfahren bei Erlass eines Sachplans des Bundes mündet nicht in ein Rechtsmittelverfahren.»\n\n### Weiter Ermessensspielraum der Bundesbehörden\n\n**BGE 133 II 120 E. 3** vom 11. Mai 2007  \nSpielraum bei der Anwendung von Mitwirkungsbestimmungen  \nDas Bundesgericht räumte den Behörden einen weiten Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung von Mitwirkungsverfahren ein.\n\n> «Weiter Spielraum der Behörden bei Anwendung von Art. 4 Abs. 2 RPG. Die allgemeine Mitwirkung im Sinne dieser Bestimmung stelle eine institutionelle Einflussmöglichkeit dar und bewirke keine rechtliche Bindung für die Beteiligten, sondern lediglich eine politische Einflussnahme.»\n\n## IV. Aktuelle Entwicklungen\n\n### Datenschutz und Öffentlichkeitsgesetz\n\nNeuere Entscheide der Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten zeigen, dass Art. 45 BV auch im Kontext des Öffentlichkeitsprinzips relevant wird, wenn es um den Schutz der Beziehungen zwischen Bund und Kantonen geht. Diese Praxis ist jedoch noch wenig gefestigt.\n\n### Mitwirkung bei EU-rechtlichen Fragen\n\nDie Rechtsprechung zur kantonalen Mitwirkung bei europarechtlichen Fragen entwickelt sich laufend weiter, wobei Art. 45 BV als verfassungsrechtliche Grundlage dient. Konkrete Leitentscheide stehen jedoch noch aus.\n\n## Fazit\n\nArt. 45 BV wird in der Rechtsprechung primär als Grundsatzbestimmung verstanden, die durch spezialgesetzliche Regelungen konkretisiert wird. Die direkte verfassungsgerichtliche Durchsetzung der Mitwirkungsrechte ist selten, da diese meist auf Verordnungsebene oder durch politische Prozesse verwirklicht werden.", "summary_fr": "# Art. 45 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 45 Cst. règle la participation des cantons à la formation de la volonté de la Confédération. Cette disposition est une pierre angulaire du fédéralisme suisse, qui garantit aux cantons des possibilités d'influence au niveau fédéral malgré la centralisation progressive.\n\n## Que règle la norme ?\n\nLa norme se compose de deux parties : l'alinéa 1 renvoie aux droits de participation des cantons prévus par la Constitution, tandis que l'alinéa 2 fixe des obligations concrètes d'information et de consultation de la Confédération. Selon le message du Conseil fédéral de 1996, l'ancrage explicite de la participation fédérale devait renforcer les éléments coopératifs du fédéralisme suisse (FF 1997 I 248 s.). Waldmann qualifie l'art. 45 Cst. de « clause de rattrapage » pour toutes les formes de participation cantonale non spécifiquement réglées (Waldmann, BSK BV, art. 45 ch. 6).\n\n## Qui est concerné ?\n\nTous les 26 cantons ainsi que les autorités fédérales (Assemblée fédérale, Conseil fédéral, Administration fédérale) sont concernés. L'art. 45 Cst. offre aux cantons des possibilités d'influence tant formelles qu'informelles sur la politique fédérale. La Confédération doit informer les cantons « en temps utile et de manière détaillée » de ses projets et les consulter lorsque leurs intérêts sont touchés.\n\n## Quelles conséquences juridiques en résultent ?\n\nLes droits de participation sont variés : les cantons peuvent déposer des initiatives cantonales (art. 160 Cst.), participer aux procédures de consultation (art. 147 Cst.), participer au Parlement par le biais du Conseil des États et participer aux décisions sur les révisions constitutionnelles (art. 140 Cst.). La portée normative de l'art. 45 Cst. est toutefois contestée : Biaggini critique le fait que la portée normative soit « nulle » et que le concept de participation soit « malheureux » (Biaggini, BSK BV, art. 45 ch. 2, 4). Waldmann défend une interprétation large qui va de l'impulsion à la participation aux décisions (Waldmann, BSK BV, art. 45 ch. 7).\n\n## Exemple pratique\n\nSi la Confédération projette une nouvelle loi sur l'environnement, elle doit informer les cantons rapidement et recueillir leurs prises de position. Les cantons peuvent répondre de manière coordonnée par le biais de leurs gouvernements ou de la Conférence des gouvernements cantonaux (CdC). S'ils ne sont pas satisfaits du projet, huit cantons peuvent ensemble lancer le référendum (art. 141 Cst.). Cette possibilité confère aux cantons un poids politique considérable déjà lors de la phase de consultation.\n\nIl est débattu de manière controversée si la mise en œuvre du droit fédéral selon l'art. 46 Cst. fait partie des droits de participation : Häfelin/Haller/Keller l'affirment, tandis que Rhinow/Schefer séparent strictement participation et exécution (BSK BV, art. 45 ch. 28). Ce débat révèle le flou du concept de participation, qui est géré de manière flexible dans la pratique.", "doctrine_fr": "# Art. 45 Cst — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 45 Cst a été introduit comme nouvelle disposition dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 soulignait la nécessité d'ancrer explicitement dans la Constitution la participation fédérale des cantons (FF 1997 I 248 s.). Le constituant voulait ainsi renforcer les éléments coopératifs du fédéralisme suisse et intégrer les cantons en tant que niveau étatique autonome dans la formation de la volonté de la Confédération.\n\n**N. 2** La disposition codifiait en partie des pratiques déjà existantes, mais dépassait le droit constitutionnel antérieur notamment avec l'obligation d'information et d'audition de l'al. 2. Les délibérations parlementaires ont montré que tant les fédéralistes que les partisans d'une centralisation renforcée soutenaient la norme — mais avec des interprétations différentes de sa portée normative.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 45 Cst figure au 3e titre de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes et forme, avec l'art. 44 Cst (principes) et l'art. 46 Cst (mise en œuvre du droit fédéral), les fondements constitutionnels de la collaboration entre la Confédération et les cantons. La disposition concrétise le principe de subsidiarité ancré à l'art. 3 Cst et le principe étatique fédéraliste.\n\n**N. 4** La norme est étroitement liée aux droits de participation spécifiques des cantons : → art. 140 al. 1 Cst (référendum obligatoire), → art. 141 al. 1 Cst (référendum facultatif), → art. 160 al. 1 Cst (initiative des cantons), → art. 147 Cst (procédure de consultation). Waldmann considère l'art. 45 Cst comme un « état de fait subsidiaire » pour toutes les formes de participation cantonale non spécifiquement réglées (Waldmann, BSK BV, art. 45 N. 6).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Participation à la formation de la volonté (al. 1)\n\n**N. 5** Le terme de « participation » est formulé de manière délibérément ouverte. Biaggini critique cette indétermination et plaide pour une interprétation restrictive sur les « moyens de défense collectifs » (Biaggini, BSK BV, art. 45 N. 4). Waldmann défend en revanche une interprétation large, qui va de l'impulsion à l'influence jusqu'à la participation à la décision (Waldmann, BSK BV, art. 45 N. 7).\n\n**N. 6** La formule « selon les modalités prévues par la Constitution fédérale » précise qu'aucune prétention dépassant les droits de participation prévus constitutionnellement n'est fondée. La mention exemplaire de la législation (« notamment ») montre que d'autres formes de formation de la volonté sont également saisies, comme la planification sectorielle de la Confédération ou les relations extérieures (→ art. 55 Cst).\n\n### 3.2 Information et audition (al. 2)\n\n**N. 7** L'obligation d'information exige une information « en temps utile » et « complète ». En temps utile signifie que les cantons doivent recevoir suffisamment de temps pour prendre position. La pratique montre des différences considérables selon le domaine politique — de quelques semaines dans les cas urgents à plusieurs mois pour les procédures législatives ordinaires (Waldmann, BSK BV, art. 45 N. 20-23).\n\n**N. 8** L'obligation d'audition n'existe que lorsque des « intérêts cantonaux sont touchés ». C'est régulièrement le cas pour les tâches d'exécution, les conséquences financières ou les atteintes aux domaines de compétence cantonaux. La doctrine dominante comprend le terme au sens large (Waldmann, BSK BV, art. 45 N. 24-39).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'art. 45 Cst fonde principalement des obligations de droit objectif de la Confédération. Selon Biaggini, la « portée normative est nulle » (Biaggini, BSK BV, art. 45 N. 2) pour ce qui concerne la justiciabilité subjective. La violation des obligations d'information et d'audition peut cependant conduire à des vices de procédure qui peuvent être invoqués dans le cadre de procédures de contrôle des normes.\n\n**N. 10** L'application pratique s'effectue principalement au niveau politique. La Conférence des gouvernements cantonaux (CdC) et les conférences spécialisées des directeurs cantonaux jouent un rôle central. Des droits de participation juridiquement contraignants ne résultent que de la concrétisation par la loi spéciale, par exemple dans la loi sur la consultation (LCo) ou dans la loi sur l'aménagement du territoire (art. 13 al. 2 LAT).\n\n## 5. Points litigieux\n\n### 5.1 Étendue de la participation\n\n**N. 11** Un point litigieux central concerne la question de savoir si la mise en œuvre du droit fédéral selon l'art. 46 Cst fait partie des droits de participation. Häfelin/Haller/Keller l'affirment et considèrent le fédéralisme d'exécution comme une forme de participation (Häfelin/Haller/Keller, BSK BV, art. 45 N. 28). Rhinow/Schefer le nient et séparent strictement participation et exécution (Rhinow/Schefer, BSK BV, art. 45 N. 28).\n\n### 5.2 Signification normative\n\n**N. 12** L'appréciation doctrinale de la signification normative diverge considérablement. Alors que Biaggini estime la portée normative comme pratiquement inexistante (Biaggini, BSK BV, art. 45 N. 2), Waldmann voit tout à fait des effets juridiques contraignants, notamment pour l'obligation d'information et d'audition (Waldmann, BSK BV, art. 45 N. 18-19).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Pour les autorités cantonales, il est recommandé d'utiliser activement les canaux de participation existants. L'expérience montre que les prises de position précoces et coordonnées par la CdC ou les conférences spécialisées ont une plus grande influence que les communications cantonales individuelles. En cas de violation de droits de procédure, cela devrait être immédiatement dénoncé afin de ne pas perdre d'éventuelles objections ultérieures.\n\n**N. 14** Les autorités fédérales doivent respecter proactivement les droits de participation. La simple audition formelle ne suffit pas — les prises de position cantonales doivent être appréciées matériellement. En cas de positions cantonales divergentes, une confrontation différenciée est nécessaire. La pratique de l'OFEV pour les études d'impact sur l'environnement ou de l'ARE pour les procédures de plan sectoriel peut servir de modèle.\n\n**N. 15** L'importance croissante du système multiniveau (Confédération — cantons — communes — niveau international) exige de nouvelles formes de coordination. La transformation numérique offre des chances pour des procédures de participation plus efficaces, mais soulève aussi des questions de fracture numérique entre cantons riches et pauvres en ressources.", "caselaw_fr": "# Art. 45 Cst. — Jurisprudence\n\n## Remarque préliminaire\n\nIl n'existe jusqu'à présent qu'une jurisprudence clairsemée du Tribunal fédéral concernant l'application directe de l'art. 45 Cst. Cette disposition n'est généralement pas invoquée comme grief autonome de recours, mais ses principes s'intègrent dans l'appréciation des droits de procédure concrets. L'exposé qui suit englobe donc également les arrêts relatifs à des domaines connexes de la participation et de l'information cantonales.\n\n## I. Participation cantonale aux tâches fédérales\n\n### Principes de la collaboration\n\n**ATF 133 II 120 c. 2.2** du 11 mai 2007  \nPrincipe de la collaboration fédéraliste dans les tâches ayant des effets sur l'organisation du territoire  \nLe Tribunal fédéral a retenu, concernant la participation des cantons à l'établissement des plans sectoriels de la Confédération, que l'art. 13 al. 2 LAT concrétise le principe constitutionnel de collaboration.\n\n> « Selon l'art. 13 al. 2 LAT, la Confédération collabore avec les cantons pour l'établissement des bases nécessaires à l'accomplissement de ses tâches ayant des effets sur l'organisation du territoire et leur communique ses conceptions, ses plans sectoriels et ses projets de construction en temps utile, soit le plus tôt possible. »\n\n**ATF 147 I 433 c. 4.1** du 4 février 2021  \nParticipation des communes dans la procédure de plan directeur  \nLe Tribunal fédéral a souligné l'ancrage constitutionnel des droits de participation dans les procédures de planification des autorités et leur importance pour la légitimation démocratique.\n\n> « La participation des communes et d'autres personnes concernées dans les procédures de plan directeur n'est pas seulement prescrite par la loi, mais correspond aussi à l'exigence constitutionnelle de formation démocratique de la volonté. »\n\n### Délimitation des compétences fédérales et cantonales\n\n**ATF 143 I 272 c. 2.2** du 3 avril 2017  \nPrimauté de la Constitution fédérale sur le droit cantonal  \nLe Tribunal fédéral a constaté, dans le contexte de l'organisation scolaire cantonale, que les cantons ne peuvent exercer leurs compétences que dans le cadre des prescriptions de la Constitution fédérale.\n\n> « Les cantons sont liés par la Constitution fédérale dans l'exercice de leurs compétences. L'art. 49 Cst. les oblige à respecter le droit fédéral. »\n\n## II. Information et procédure de consultation\n\n### Obligations d'information de la Confédération\n\n**ATF 145 I 1 c. 6.2** du 29 octobre 2018  \nInterventions cantonales dans les campagnes de votation  \nLe Tribunal fédéral a reconnu le droit des cantons d'intervenir dans les campagnes de votation fédérales en cas d'atteinte particulière, mais a souligné leur obligation d'objectivité.\n\n> « Lorsque l'issue d'une votation populaire fédérale concerne plusieurs ou tous les cantons de manière notable, les gouvernements cantonaux peuvent s'exprimer publiquement à ce sujet avant la votation et donner une recommandation de vote. Toutefois, les interventions cantonales doivent dans ce cas être mesurées à l'aune des critères d'objectivité, de proportionnalité ainsi que de transparence. »\n\n### Procédure de consultation\n\nIl n'existe aucune jurisprudence spécifique du Tribunal fédéral concernant la mise en œuvre concrète des procédures de consultation selon l'art. 45 al. 2 Cst. La pratique se fonde sur la loi sur la consultation (LCo) et son ordonnance.\n\n## III. Limites des droits de participation\n\n### Participation formelle versus matérielle\n\n**ATF 133 II 120 c. 3.1** du 11 mai 2007  \nDistinction entre audition et procédure de recours  \nLe Tribunal fédéral a clarifié que les procédures de participation ne débouchent pas automatiquement sur des procédures susceptibles de recours.\n\n> « La procédure d'audition lors de l'édiction d'un plan sectoriel de la Confédération ne débouche pas sur une procédure de recours. »\n\n### Large marge d'appréciation des autorités fédérales\n\n**ATF 133 II 120 c. 3** du 11 mai 2007  \nMarge de manœuvre dans l'application des dispositions de participation  \nLe Tribunal fédéral a accordé aux autorités une large marge de manœuvre dans l'aménagement concret des procédures de participation.\n\n> « Large marge de manœuvre des autorités dans l'application de l'art. 4 al. 2 LAT. La participation générale au sens de cette disposition constitue une possibilité d'influence institutionnelle et n'entraîne aucun lien juridique pour les participants, mais seulement une influence politique. »\n\n## IV. Développements actuels\n\n### Protection des données et loi sur la transparence\n\nDes arrêts récents du Préposé à la protection des données et à la transparence montrent que l'art. 45 Cst. devient également pertinent dans le contexte du principe de publicité lorsqu'il s'agit de protéger les relations entre la Confédération et les cantons. Cette pratique n'est cependant pas encore bien établie.\n\n### Participation dans les questions de droit européen\n\nLa jurisprudence relative à la participation cantonale dans les questions de droit européen continue d'évoluer, l'art. 45 Cst. servant de base constitutionnelle. Des arrêts de principe concrets font cependant encore défaut.\n\n## Conclusion\n\nL'art. 45 Cst. est compris dans la jurisprudence principalement comme une disposition de principe qui est concrétisée par des réglementations de droit spécial. L'application directe par voie constitutionnelle des droits de participation est rare, car ceux-ci se réalisent généralement au niveau de l'ordonnance ou par des processus politiques.", "summary_it": "# Art. 45 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 45 Cost. disciplina la partecipazione dei Cantoni alla formazione della volontà della Confederazione. Questa disposizione costituisce un pilastro fondamentale del federalismo svizzero, che assicura ai Cantoni possibilità di influenza a livello federale nonostante la progressiva centralizzazione.\n\n## Cosa disciplina la norma?\n\nLa norma è composta da due parti: il capoverso 1 rimanda ai diritti di partecipazione dei Cantoni previsti dalla Costituzione, mentre il capoverso 2 stabilisce concreti obblighi di informazione e consultazione della Confederazione. Secondo il messaggio del Consiglio federale del 1996, l'ancoraggio esplicito della partecipazione federale doveva rafforzare gli elementi cooperativi del federalismo svizzero (FF 1997 I 260 s.). Waldmann definisce l'art. 45 Cost. come «fattispecie di ripiego» per tutte le forme di partecipazione cantonale non specificamente disciplinate (Waldmann, BSK BV, Art. 45 n. 6).\n\n## Chi è interessato?\n\nSono interessati tutti i 26 Cantoni nonché le autorità federali (Assemblea federale, Consiglio federale, Amministrazione federale). Attraverso l'art. 45 Cost., i Cantoni ottengono possibilità di influenza sia formali che informali sulla politica federale. La Confederazione deve informare i Cantoni «tempestivamente e in modo esauriente» sui suoi progetti e consultarli quando sono toccati i loro interessi.\n\n## Quali conseguenze giuridiche ne derivano?\n\nI diritti di partecipazione sono molteplici: i Cantoni possono presentare iniziative dei Cantoni (art. 160 Cost.), partecipare a procedure di consultazione (art. 147 Cost.), collaborare in Parlamento tramite il Consiglio degli Stati e partecipare alle decisioni sulle revisioni costituzionali (art. 140 Cost.). Il contenuto normativo dell'art. 45 Cost. è tuttavia controverso: Biaggini critica che il contenuto normativo sia «pari a zero» e che il concetto di partecipazione sia «infelice» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 n. 2, 4). Waldmann sostiene un'interpretazione estesa, che va dall'impulso alla partecipazione alle decisioni (Waldmann, BSK BV, Art. 45 n. 7).\n\n## Esempio pratico\n\nQuando la Confederazione pianifica una nuova legge ambientale, deve informare tempestivamente i Cantoni e raccogliere le loro prese di posizione. I Cantoni possono rispondere in modo coordinato tramite i loro governi o la Conferenza dei governi cantonali (CdC). Se non sono soddisfatti del progetto, otto Cantoni possono insieme indire il referendum (art. 141 Cost.). Questa possibilità conferisce ai Cantoni già nella fase di consultazione un considerevole peso politico.\n\nÈ oggetto di discussione controversa se l'attuazione del diritto federale secondo l'art. 46 Cost. appartenga ai diritti di partecipazione: Häfelin/Haller/Keller lo affermano, mentre Rhinow/Schefer separano rigorosamente partecipazione ed esecuzione (BSK BV, Art. 45 n. 28). Questo dibattito mostra l'imprecisione del concetto di partecipazione, che nella pratica viene gestito in modo flessibile.", "doctrine_it": "# Art. 45 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 45 Cost. è stato introdotto come nuova disposizione nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 sottolineava la necessità di ancorare esplicitamente nella Costituzione la partecipazione federale dei Cantoni (FF 1997 I 248 segg.). Il costituente intendeva così rafforzare gli elementi cooperativi del federalismo svizzero e coinvolgere i Cantoni come livello statale autonomo nella formazione della volontà della Confederazione.\n\n**N. 2** La disposizione codificava in parte pratiche già esistenti, ma andava oltre il precedente diritto costituzionale soprattutto con l'obbligo di informazione e consultazione di cui al cpv. 2. Le deliberazioni parlamentari mostrarono che sia i federalisti sia i sostenitori di una maggiore centralizzazione sostenevano la norma — tuttavia con interpretazioni diverse del suo contenuto normativo.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 45 Cost. si colloca nel 3° titolo della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni e forma insieme all'art. 44 Cost. (principi) e all'art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale) le basi costituzionali della collaborazione tra Confederazione e Cantoni. La disposizione concretizza il principio di sussidiarietà sancito nell'art. 3 Cost. e il principio statale federalistico.\n\n**N. 4** La norma è strettamente connessa ai diritti di partecipazione specifici dei Cantoni: → art. 140 cpv. 1 Cost. (referendum obbligatorio), → art. 141 cpv. 1 Cost. (referendum facoltativo), → art. 160 cpv. 1 Cost. (iniziativa dei Cantoni), → art. 147 Cost. (procedura di consultazione). Waldmann vede l'art. 45 Cost. come «fattispecie sussidiaria» per tutte le forme di partecipazione cantonale non specificamente disciplinate (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 6).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Partecipazione alla formazione della volontà (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il concetto di «partecipazione» è formulato volutamente in modo aperto. Biaggini critica questa indeterminatezza e propende per un'interpretazione restrittiva limitata ai «mezzi di difesa collettivi» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 4). Waldmann invece sostiene un'interpretazione ampia, che spazia dall'impulso all'influenza fino alla partecipazione alla decisione (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 7).\n\n**N. 6** L'espressione «secondo i disposti della Costituzione federale» chiarisce che non vengono fondati diritti che vadano oltre i diritti di partecipazione previsti costituzionalmente. La menzione esemplificativa della legislazione («in particolare») mostra che sono comprese anche altre forme di formazione della volontà, come la pianificazione settoriale della Confederazione o le relazioni estere (→ art. 55 Cost.).\n\n### 3.2 Informazione e consultazione (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'obbligo di informazione richiede un'informazione «tempestiva» e «completa». Tempestiva significa che i Cantoni devono ricevere tempo sufficiente per esprimere il proprio parere. La prassi mostra differenze considerevoli a seconda del settore politico — da poche settimane nei casi urgenti a diversi mesi nei procedimenti legislativi ordinari (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 20-23).\n\n**N. 8** L'obbligo di consultazione sussiste solo quando sono «toccati interessi cantonali». Ciò avviene regolarmente nei compiti esecutivi, negli effetti finanziari o negli interventi in ambiti di competenza cantonale. La dottrina dominante intende il concetto in senso ampio (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 24-39).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'art. 45 Cost. fonda principalmente obblighi oggettivo-giuridici della Confederazione. Secondo Biaggini il «contenuto normativo è pari a zero» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2) per quanto riguarda l'azionabilità soggettiva. La violazione degli obblighi di informazione e consultazione può tuttavia portare a vizi procedurali che possono essere fatti valere nell'ambito di procedimenti di controllo normativo.\n\n**N. 10** L'attuazione pratica avviene principalmente a livello politico. La Conferenza dei governi cantonali (CdC) e le conferenze specializzate dei direttori cantonali svolgono un ruolo centrale. Diritti di partecipazione giuridicamente vincolanti derivano solo dalla concretizzazione in leggi speciali, ad esempio nella legge sulla consultazione (LCons) o nella legge sulla pianificazione del territorio (art. 13 cpv. 2 LPT).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### 5.1 Portata della partecipazione\n\n**N. 11** Un punto controverso centrale riguarda la questione se l'attuazione del diritto federale secondo l'art. 46 Cost. faccia parte dei diritti di partecipazione. Häfelin/Haller/Keller lo affermano e vedono il federalismo esecutivo come forma di partecipazione (Häfelin/Haller/Keller, BSK BV, Art. 45 N. 28). Rhinow/Schefer lo negano e separano rigorosamente partecipazione ed esecuzione (Rhinow/Schefer, BSK BV, Art. 45 N. 28).\n\n### 5.2 Significato normativo\n\n**N. 12** La valutazione dottrinale del significato normativo diverge considerevolmente. Mentre Biaggini valuta il contenuto normativo come praticamente inesistente (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2), Waldmann vede sicuramente effetti vincolanti giuridici, in particolare nell'obbligo di informazione e consultazione (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 18-19).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Per le autorità cantonali si raccomanda un utilizzo attivo dei canali di partecipazione esistenti. L'esperienza mostra che pareri tempestivi e coordinati tramite la CdC o conferenze specializzate hanno maggiore influenza rispetto a comunicazioni cantonali individuali. In caso di violazione di diritti procedurali ciò dovrebbe essere eccepito immediatamente, per non incorrere in preclusioni successive.\n\n**N. 14** Le autorità federali devono considerare proattivamente i diritti di partecipazione. La mera consultazione formale non è sufficiente — i pareri cantonali devono essere valutati materialmente. In caso di posizioni cantonali divergenti è richiesto un confronto differenziato. La prassi dell'UFAM nelle valutazioni di impatto ambientale o dell'ARE nei procedimenti di piano settoriale può servire da modello.\n\n**N. 15** La crescente importanza del sistema multilivello (Confederazione — Cantoni — Comuni — livello internazionale) richiede nuove forme di coordinamento. La trasformazione digitale offre opportunità per procedimenti di partecipazione più efficienti, ma pone anche questioni del divario digitale tra Cantoni con molte e poche risorse.", "caselaw_it": "# Art. 45 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Osservazione preliminare\n\nSull'applicazione diretta dell'art. 45 Cost. esiste finora solo scarsa giurisprudenza del Tribunale federale. La disposizione di regola non viene invocata come motivo autonomo di ricorso, ma i suoi principi confluiscono nella valutazione di diritti processuali concreti. La presente esposizione comprende quindi anche decisioni su settori tematici affini della partecipazione e dell'informazione cantonali.\n\n## I. Partecipazione cantonale ai compiti federali\n\n### Principi della collaborazione\n\n**DTF 133 II 120 consid. 2.2** dell'11 maggio 2007  \nPrincipio della collaborazione federalista per i compiti con effetti territoriali  \nIl Tribunale federale ha stabilito, riguardo alla partecipazione dei Cantoni nell'elaborazione di piani settoriali della Confederazione, che l'art. 13 cpv. 2 LPT concretizza il principio costituzionale della collaborazione.\n\n> «Secondo l'art. 13 cpv. 2 LPT, la Confederazione collabora con i Cantoni nell'elaborazione delle basi per l'adempimento dei suoi compiti con effetti territoriali e comunica loro tempestivamente o il più presto possibile i suoi concetti, piani settoriali e progetti di costruzione.»\n\n**DTF 147 I 433 consid. 4.1** del 4 febbraio 2021  \nPartecipazione dei Comuni nella procedura di piano direttore  \nIl Tribunale federale ha sottolineato l'ancoraggio costituzionale dei diritti di partecipazione nelle procedure di pianificazione delle autorità e il loro significato per la legittimazione democratica.\n\n> «La partecipazione dei Comuni e di altri interessati nelle procedure di piano direttore non è solo prescritta dalla legge, ma corrisponde anche al precetto costituzionale della formazione democratica della volontà.»\n\n### Delimitazione delle competenze federali e cantonali\n\n**DTF 143 I 272 consid. 2.2** del 3 aprile 2017  \nPreminenza della Costituzione federale sul diritto cantonale  \nIl Tribunale federale ha stabilito, nel contesto dell'organizzazione scolastica cantonale, che i Cantoni possono esercitare le loro competenze solo nel quadro delle prescrizioni della costituzione federale.\n\n> «I Cantoni sono vincolati alla Costituzione federale nell'esercizio delle loro competenze. L'art. 49 Cost. li obbliga al rispetto del diritto federale.»\n\n## II. Informazione e procedura di consultazione\n\n### Obblighi d'informazione della Confederazione\n\n**DTF 145 I 1 consid. 6.2** del 29 ottobre 2018  \nInterventi cantonali nelle campagne di votazione  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto il diritto dei Cantoni di intervenire nelle campagne di votazione federali in caso di particolare coinvolgimento, ma ha sottolineato il loro obbligo di oggettività.\n\n> «Se l'esito di una votazione popolare federale tocca in modo rilevante più Cantoni o tutti i Cantoni, i governi cantonali possono esprimersi pubblicamente in vista della votazione e dare una raccomandazione di voto. Tuttavia, gli interventi cantonali devono in tal caso misurarsi ai criteri dell'oggettività, della proporzionalità e della trasparenza.»\n\n### Procedura di consultazione\n\nSulla configurazione concreta delle procedure di consultazione secondo l'art. 45 cpv. 2 Cost. non esiste giurisprudenza specifica del Tribunale federale. La pratica si orienta alla Legge sulla consultazione (LCons) e alla sua ordinanza.\n\n## III. Limiti dei diritti di partecipazione\n\n### Partecipazione formale versus materiale\n\n**DTF 133 II 120 consid. 3.1** dell'11 maggio 2007  \nDistinzione tra audizione e procedura di ricorso  \nIl Tribunale federale ha chiarito che le procedure di partecipazione non sfociano automaticamente in procedure impugnabili.\n\n> «La procedura di audizione per l'emanazione di un piano settoriale della Confederazione non sfocia in una procedura di ricorso.»\n\n### Ampio margine di apprezzamento delle autorità federali\n\n**DTF 133 II 120 consid. 3** dell'11 maggio 2007  \nMargine di manovra nell'applicazione delle disposizioni sulla partecipazione  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto alle autorità un ampio margine di manovra nella configurazione concreta delle procedure di partecipazione.\n\n> «Ampio margine di manovra delle autorità nell'applicazione dell'art. 4 cpv. 2 LPT. La partecipazione generale ai sensi di questa disposizione rappresenta una possibilità di influenza istituzionale e non produce alcun vincolo giuridico per le parti coinvolte, ma soltanto un'influenza politica.»\n\n## IV. Sviluppi attuali\n\n### Protezione dei dati e Legge sulla trasparenza\n\nDecisioni più recenti dell'Incaricato della protezione dei dati e della trasparenza mostrano che l'art. 45 Cost. diventa rilevante anche nel contesto del principio di trasparenza, quando si tratta della protezione dei rapporti tra Confederazione e Cantoni. Questa prassi è però ancora poco consolidata.\n\n### Partecipazione in questioni di diritto UE\n\nLa giurisprudenza sulla partecipazione cantonale nelle questioni di diritto europeo si sviluppa continuamente, con l'art. 45 Cost. che funge da base costituzionale. Tuttavia, decisioni guida concrete sono ancora in sospeso.\n\n## Conclusione\n\nL'art. 45 Cost. viene compreso nella giurisprudenza principalmente come disposizione di principio che viene concretizzata da regolamentazioni di leggi speciali. L'imposizione diretta costituzionale dei diritti di partecipazione è rara, poiché questi vengono di regola realizzati a livello di ordinanza o attraverso processi politici.", "summary_en": "# Art. 45 FC — Overview\n\nArt. 45 FC governs the participation of the cantons in the formation of the Confederation's will. This provision is a cornerstone of Swiss federalism, which secures the cantons' opportunities to influence federal-level decisions despite ongoing centralisation.\n\n## What does the norm regulate?\n\nThe norm consists of two parts: paragraph 1 refers to the participation rights of the cantons provided for under constitutional law, while paragraph 2 establishes concrete information and consultation obligations for the Confederation. According to the Federal Council's message of 1996, the explicit anchoring of federal participation was intended to strengthen the cooperative elements of Swiss federalism (FGO 1997 I 248 f.). Waldmann describes Art. 45 FC as a «catch-all provision» for all forms of cantonal participation not specifically regulated (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 6).\n\n## Who is affected?\n\nAll 26 cantons and the federal authorities (Federal Assembly, Federal Council, Federal Administration) are affected. Art. 45 FC provides the cantons with both formal and informal opportunities to influence federal policy. The Confederation must inform the cantons «in good time and comprehensively» about its projects and consult them when their interests are affected.\n\n## What legal consequences arise?\n\nThe participation rights are diverse: cantons can submit cantonal initiatives (Art. 160 FC), participate in consultation procedures (Art. 147 FC), participate in parliament through the Council of States and have a say in constitutional revisions (Art. 140 FC). However, the normative content of Art. 45 FC is disputed: Biaggini criticises that the normative content is «zero» and the concept of participation is «unfortunate» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2, 4). Waldmann advocates a broad interpretation ranging from providing impulses to participating in decisions (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 7).\n\n## Practical example\n\nIf the Confederation plans a new environmental law, it must inform the cantons at an early stage and obtain their positions. The cantons can respond in a coordinated manner through their governments or the Conference of Cantonal Governments (CCG). If they are dissatisfied with the draft, eight cantons can jointly launch a referendum (Art. 141 FC). This possibility gives the cantons considerable political weight already in the consultation phase.\n\nThere is controversial discussion about whether the implementation of federal law according to Art. 46 FC belongs to participation rights: Häfelin/Haller/Keller affirm this, while Rhinow/Schefer strictly separate participation and implementation (BSK BV, Art. 45 N. 28). This debate reveals the imprecision of the concept of participation, which is handled flexibly in practice.", "doctrine_en": "# Art. 45 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 45 FC was introduced as a new provision as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The Federal Council's message of 20 November 1996 emphasised the need to explicitly anchor the federal participation of the cantons in the Constitution (BBl 1997 I 248 f.). The constitutional legislator thereby sought to strengthen the cooperative elements of Swiss federalism and to involve the cantons as an independent state level in the federal decision-making process.\n\n**N. 2** The provision partly codified existing practices, but went beyond previous constitutional law particularly with the information and consultation obligation in para. 2. The parliamentary deliberations showed that both federalists and supporters of stronger centralisation supported the norm — albeit with different interpretations of its normative content.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 45 FC is located in Title 3 of the Federal Constitution on the Confederation, Cantons and Communes and, together with Art. 44 FC (Principles) and Art. 46 FC (Implementation of federal law), forms the constitutional foundations for cooperation between the Confederation and cantons. The provision gives concrete form to the subsidiarity principle enshrined in Art. 3 FC and the federalist principle of state organisation.\n\n**N. 4** The norm is closely connected to the specific participation rights of the cantons: → Art. 140 para. 1 FC (mandatory referendum), → Art. 141 para. 1 FC (optional referendum), → Art. 160 para. 1 FC (cantonal initiative), → Art. 147 FC (consultation procedure). Waldmann sees Art. 45 FC as a «catch-all provision» for all forms of cantonal participation not specifically regulated (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 6).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Participation in Decision-Making (Para. 1)\n\n**N. 5** The concept of «participation» is deliberately formulated in open terms. Biaggini criticises this indeterminacy and advocates for a restrictive interpretation limited to «collective defensive measures» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 4). Waldmann, on the other hand, advocates a broad interpretation ranging from agenda-setting through influence to participation in decision-making (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 7).\n\n**N. 6** The phrase «in accordance with the Federal Constitution» makes clear that no claims going beyond the constitutionally provided participation rights are established. The exemplary mention of legislation («in particular») shows that other forms of decision-making are also covered, such as federal spatial planning or foreign relations (→ Art. 55 FC).\n\n### 3.2 Information and Consultation (Para. 2)\n\n**N. 7** The information obligation requires «timely» and «comprehensive» information. Timely means that the cantons must receive sufficient time to comment. Practice shows considerable differences depending on the policy area — from a few weeks in urgent cases to several months for ordinary legislative procedures (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 20-23).\n\n**N. 8** The consultation obligation only exists when cantonal «interests are affected». This is regularly the case with enforcement tasks, financial impacts or interventions in cantonal areas of competence. The prevailing doctrine understands the concept broadly (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 24-39).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 45 FC primarily establishes objective legal obligations of the Confederation. According to Biaggini, the «normative content is at zero» (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2) regarding subjective enforceability. However, violation of information and consultation obligations can lead to procedural defects that can be asserted in the context of constitutional review proceedings.\n\n**N. 10** Practical enforcement occurs mainly at the political level. The Conference of Cantonal Governments (KdK) and the specialist conferences of cantonal directors play a central role in this regard. Legally binding participation rights only arise from specific statutory implementation, for example in the Consultation Act (VlG) or in the Spatial Planning Act (Art. 13 para. 2 RPG).\n\n## 5. Points of Controversy\n\n### 5.1 Scope of Participation\n\n**N. 11** A central point of controversy concerns the question of whether the implementation of federal law according to Art. 46 FC is part of the participation rights. Häfelin/Haller/Keller affirm this and see enforcement federalism as a form of participation (Häfelin/Haller/Keller, BSK BV, Art. 45 N. 28). Rhinow/Schefer deny this and strictly separate participation and enforcement (Rhinow/Schefer, BSK BV, Art. 45 N. 28).\n\n### 5.2 Normative Significance\n\n**N. 12** The doctrinal assessment of normative significance diverges considerably. While Biaggini assesses the normative content as practically non-existent (Biaggini, BSK BV, Art. 45 N. 2), Waldmann sees definite legal binding effects, particularly regarding the information and consultation obligation (Waldmann, BSK BV, Art. 45 N. 18-19).\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 13** For cantonal authorities, active use of existing participation channels is recommended. Experience shows that early and coordinated statements through the KdK or specialist conferences have greater influence than individual cantonal submissions. In case of violation of procedural rights, this should be objected to immediately to avoid waiving later objections.\n\n**N. 14** Federal authorities must proactively observe participation rights. Merely formal consultation is not sufficient — cantonal statements must be substantively considered. In case of divergent cantonal positions, a differentiated examination is required. The practice of the FOEN regarding environmental impact assessments or of the ARE regarding spatial planning procedures can serve as a model.\n\n**N. 15** The increasing importance of the multi-level system (Confederation — cantons — communes — international level) requires new forms of coordination. Digital transformation offers opportunities for more efficient participation procedures, but also raises questions about the digital divide between resource-rich and resource-poor cantons.", "caselaw_en": "# Art. 45 FC — Case Law\n\n## Preliminary Remarks\n\nThere is only limited Federal Supreme Court case law on the direct application of Art. 45 FC to date. The provision is generally not invoked as an independent ground of appeal, but rather its principles are incorporated into the assessment of specific procedural rights. The following presentation therefore also covers decisions on related subject areas of cantonal participation and information.\n\n## I. Cantonal Participation in Federal Tasks\n\n### Principles of Cooperation\n\n**BGE 133 II 120 E. 2.2** of 11 May 2007  \nPrinciple of federal cooperation in spatial planning tasks  \nThe Federal Supreme Court held regarding cantonal participation in the preparation of federal sectoral plans that Art. 13 para. 2 SPA concretises the constitutional principle of cooperation.\n\n> «According to Art. 13 para. 2 SPA, the Confederation cooperates with the cantons in preparing the foundations for the fulfilment of its spatial planning tasks and announces its concepts, sectoral plans and construction projects to them in good time or as early as possible.»\n\n**BGE 147 I 433 E. 4.1** of 4 February 2021  \nParticipation of municipalities in structure planning procedures  \nThe Federal Supreme Court emphasised the constitutional anchoring of participation rights in administrative planning procedures and their significance for democratic legitimacy.\n\n> «The participation of municipalities and other affected parties in structure planning procedures is not only prescribed by law, but also corresponds to the constitutional requirement of democratic decision-making.»\n\n### Delimitation of Federal and Cantonal Competences\n\n**BGE 143 I 272 E. 2.2** of 3 April 2017  \nPrecedence of the Federal Constitution over cantonal law  \nThe Federal Supreme Court held in the context of cantonal school organisation that cantons may exercise their competences only within the framework of federal constitutional requirements.\n\n> «The cantons are bound by the Federal Constitution in the exercise of their competences. Art. 49 FC obliges them to comply with federal law.»\n\n## II. Information and Consultation Procedures\n\n### Information Duties of the Confederation\n\n**BGE 145 I 1 E. 6.2** of 29 October 2018  \nCantonal interventions in voting campaigns  \nThe Federal Supreme Court recognised the right of cantons to intervene in federal voting campaigns when specially affected, but emphasised their duty to remain objective.\n\n> «If the outcome of a federal popular vote significantly affects several or all cantons, the cantonal governments may publicly comment on it in advance of the vote and issue voting recommendations. However, cantonal interventions must in such cases be measured against the criteria of objectivity, proportionality and transparency.»\n\n### Consultation Procedures\n\nThere is no specific Federal Supreme Court case law on the concrete implementation of consultation procedures under Art. 45 para. 2 FC. Practice is governed by the Consultation Act (ConsA) and its ordinance.\n\n## III. Limits of Participation Rights\n\n### Formal versus Material Participation\n\n**BGE 133 II 120 E. 3.1** of 11 May 2007  \nDistinction between hearing and legal remedy procedures  \nThe Federal Supreme Court clarified that participation procedures do not automatically lead to procedures subject to appeal.\n\n> «The hearing procedure for the adoption of a federal sectoral plan does not lead to a legal remedy procedure.»\n\n### Wide Discretionary Margin for Federal Authorities\n\n**BGE 133 II 120 E. 3** of 11 May 2007  \nDiscretionary margin in the application of participation provisions  \nThe Federal Supreme Court granted the authorities wide discretion in the concrete implementation of participation procedures.\n\n> «Wide discretionary margin for authorities in applying Art. 4 para. 2 SPA. General participation within the meaning of this provision represents an institutional possibility for influence and does not create legal obligations for the participants, but merely political influence.»\n\n## IV. Current Developments\n\n### Data Protection and Public Information Act\n\nRecent decisions by the Federal Data Protection and Information Commissioner show that Art. 45 FC also becomes relevant in the context of the principle of public access to information when it comes to protecting relations between the Confederation and cantons. However, this practice is not yet well established.\n\n### Participation in EU Law Issues\n\nCase law on cantonal participation in European law issues continues to develop, with Art. 45 FC serving as the constitutional foundation. However, concrete leading decisions are still pending.\n\n## Conclusion\n\nArt. 45 FC is understood in case law primarily as a fundamental provision that is concretised by special legislation. Direct constitutional enforcement of participation rights is rare, as these are usually realised at the ordinance level or through political processes.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_45", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 46, "article_suffix": "", "title": "Umsetzung des Bundesrechts", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 46 BV — Umsetzung des Bundesrechts\n\n## Übersicht\n\nArt. 46 BV regelt den schweizerischen Vollzugsföderalismus (System der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen). Der Bund macht die Gesetze, die Kantone setzen sie um. Diese Aufgabenteilung ist charakteristisch für das schweizerische Bundesstaatssystem, wie die Botschaft über eine neue Bundesverfassung festhält (BBl 1997 I 1, 255 ff.).\n\nGemäss Art. 46 Abs. 1 BV müssen die Kantone Bundesrecht umsetzen. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 15) betonen, dass die Verfassung eine «Vermutung des Vollzugs zugunsten der Kantone» aufstellt. Dies bedeutet: Wenn der Bund ein Gesetz erlässt, vollziehen es grundsätzlich die Kantone, ausser das Gesetz bestimmt etwas anderes. **BGE 127 II 49** bestätigt, dass diese Vollzugspflicht auch ohne explizite Vollzugsregelung im Bundesgesetz besteht.\n\nDer Begriff «Umsetzung» geht über blosse Ausführung hinaus. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) erklären: Die Umsetzung «umfasst auch ein gewisses Mass an politischen Gestaltungsmöglichkeiten». Die Kantone müssen das Bundesrecht jedoch «nach Massgabe von Verfassung und Gesetz» umsetzen. Sie dürfen dabei nicht vom Bundesrecht abweichen, wie **BGE 136 I 220** zeigt: Der Kanton Glarus durfte Prämienverbilligungsbeiträge nicht mit Steuerschulden verrechnen, weil dies der Zielsetzung des Krankenversicherungsgesetzes widersprach.\n\nArt. 46 Abs. 2 BV ermöglicht Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) charakterisieren sie als «föderale Subventionsverträge» mit staatsrechtlicher Dimension. Beispiel: Der Bund unterstützt Kantone bei Umweltprojekten finanziell, wenn sie bestimmte Ziele erreichen.\n\nArt. 46 Abs. 3 BV verpflichtet den Bund, den Kantonen «möglichst grosse Gestaltungsfreiheit» zu belassen und kantonale Besonderheiten zu berücksichtigen. **BGE 142 I 99** illustriert dies: Im Wassernutzungsrecht muss der Bund die kantonale Gewässerhoheit als Besonderheit anerkennen. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) betonen, dass dieses Subsidiaritätsprinzip sowohl für Gesetzgeber als auch Verordnungsgeber gilt.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 46 BV entstand im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 als zentrale Norm des schweizerischen Vollzugsföderalismus. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 255 ff.) betonte die Notwendigkeit, die föderale Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen klarer zu regeln. Der Verfassungsgeber wollte das bisherige, über verschiedene Erlasse verstreute System der Aufgabenteilung in einem eigenen Abschnitt zusammenfassen und modernisieren.\n\n**N. 2** Die Norm kodifiziert den traditionellen schweizerischen Vollzugsföderalismus, erweitert ihn aber um neue Elemente. Während die alte Bundesverfassung von 1874 keine explizite Regelung des Vollzugs von Bundesrecht durch die Kantone kannte, schafft Art. 46 BV erstmals eine verfassungsrechtliche Grundlage für dieses Prinzip. Die Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA), die 2008 in Kraft trat, konkretisierte das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen weiter, insbesondere durch die Einführung der Programmvereinbarungen in Abs. 2.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 46 BV steht im 3. Titel der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden, genauer im 1. Kapitel über das Verhältnis von Bund und Kantonen. Die Norm ist eng verknüpft mit Art. 3 BV (Kantonale Souveränität), Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns), Art. 42 BV (Aufgaben des Bundes), Art. 43 BV (Aufgaben der Kantone) und Art. 49 BV (Vorrang und Einhaltung des Bundesrechts).\n\n**N. 4** Im System der föderalen Kompetenzverteilung bildet Art. 46 BV das Scharnier zwischen Rechtsetzung und Rechtsanwendung. Während die Art. 42 ff. BV die Gesetzgebungskompetenzen regeln, bestimmt Art. 46 BV die Vollzugskompetenzen. Diese Trennung zwischen Gesetzgebung und Vollzug ist charakteristisch für den schweizerischen Föderalismus und unterscheidet ihn von anderen föderalen Systemen.\n\n**N. 5** Die Norm steht in einem Spannungsverhältnis zu Art. 178 BV, der die vollziehende Gewalt dem Bundesrat zuweist. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 5) betonen, dass Art. 46 BV eine «Vermutung des Vollzugs zugunsten der Kantone» aufstellt (BSK BV, Art. 46 N. 15). Diese Vermutung kann nur durch explizite bundesrechtliche Regelungen durchbrochen werden.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Umsetzung des Bundesrechts (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff der «Umsetzung» geht bewusst über die blosse Ausführung hinaus. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) erläutern: «Der Begriff der ‹Umsetzung› soll verdeutlichen, dass die Vollziehung des Bundesrechts heute über die blosse Ausführung hinausreicht und auch ein gewisses Mass an politischen Gestaltungsmöglichkeiten umfasst». Dies reflektiert die moderne Realität des Verwaltungsvollzugs, der nicht mehr nur mechanische Rechtsanwendung, sondern auch Konkretisierung und Ausgestaltung umfasst.\n\n**N. 7** Der Begriff «Bundesrecht» in Art. 46 Abs. 1 BV umfasst gemäss Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 18) die gesamte Bundesrechtsordnung: Verfassung, Gesetze, Verordnungen und sogar nicht referendumsfähige Bundesbeschlüsse. Auch das für die Schweiz verbindliche Völkerrecht gehört dazu, soweit es self-executing ist oder durch Bundesrecht umgesetzt wurde.\n\n**N. 8** Die Wendung «nach Massgabe von Verfassung und Gesetz» bedeutet, dass die kantonale Umsetzungspflicht ihre Grenzen in den bundesrechtlichen Vorgaben findet. Die Kantone müssen einerseits das Bundesrecht umsetzen, sind dabei aber andererseits an die bundesrechtlichen Vorgaben gebunden. Diese doppelte Bindung wurde in **BGE 128 I 254** konkretisiert, wo das Bundesgericht festhielt, dass kantonale Zuständigkeitsregelungen den bundesrechtlichen Anforderungen entsprechen müssen.\n\n### 3.2 Programmvereinbarungen (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die Programmvereinbarungen stellen eine Innovation der NFA dar. Sie ermöglichen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen bei der Umsetzung von Bundesaufgaben. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 25) charakterisieren sie als neues Steuerungsinstrument im Vollzugsföderalismus.\n\n**N. 10** Die Rechtsnatur der Programmvereinbarungen ist umstritten. Lienhard/Kettiger (Gesetzgeberischer Handlungsbedarf, S. 45) qualifizieren sie als subordinationsrechtliche verwaltungsrechtliche Verträge. Wiget (in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag, S. 89) spricht von «föderalen Subventionsverträgen». Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) sehen darin «Verträge mit einer staatsrechtlichen Dimension», die als «föderale Subventionsverträge» bezeichnet werden können. Diese staatsrechtliche Dimension ergibt sich aus dem föderalen Kontext und der verfassungsrechtlichen Verankerung.\n\n**N. 11** Der Anwendungsbereich der Programmvereinbarungen ist gemäss Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 27) weit zu verstehen. Sie kommen in Betracht, wo der Bund Kantone bei der Erfüllung von Aufgaben finanziell unterstützt und gleichzeitig bestimmte Ziele vorgeben will. Typische Bereiche sind Umweltschutz, Regionalpolitik, Verkehr und Bildung.\n\n### 3.3 Kantonale Gestaltungsfreiheit (Abs. 3)\n\n**N. 12** Art. 46 Abs. 3 BV konkretisiert das Subsidiaritätsprinzip im Vollzugsbereich. Die Norm verpflichtet den Bund, den Kantonen «möglichst grosse Gestaltungsfreiheit» zu belassen. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) betonen, dass diese Bestimmung sowohl für den Gesetzgeber als auch für den Verordnungsgeber gilt.\n\n**N. 13** Die «kantonalen Besonderheiten», denen Rechnung zu tragen ist, umfassen geografische, demografische, wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede zwischen den Kantonen. **BGE 142 I 99** illustriert dies am Beispiel des Wassernutzungsrechts, wo das Bundesgericht die kantonale Gewässerhoheit als zu berücksichtigende Besonderheit anerkannte.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Aus Art. 46 Abs. 1 BV folgt eine verfassungsunmittelbare Vollzugspflicht der Kantone. Diese Pflicht besteht unabhängig davon, ob das Bundesgesetz eine explizite Vollzugsregelung enthält. Fehlt eine solche, sind die Kantone dennoch zur Umsetzung verpflichtet, wie **BGE 127 II 49** klarstellt.\n\n**N. 15** Die Verletzung der Vollzugspflicht kann verschiedene Konsequenzen haben: Aufsichtsrechtliche Massnahmen des Bundes (Art. 49 Abs. 2 BV), Haftung des säumigen Kantons gegenüber dem Bund oder Dritten, und im Extremfall die Möglichkeit des Bundes, den Vollzug selbst an die Hand zu nehmen (Ersatzvornahme).\n\n**N. 16** Aus Art. 46 Abs. 3 BV folgt ein Optimierungsgebot: Bundesrechtliche Vollzugsregelungen müssen so ausgestaltet sein, dass sie den Kantonen maximale Gestaltungsfreiheit lassen, soweit dies mit den bundesrechtlichen Zielen vereinbar ist. Übermässig detaillierte Vollzugsvorschriften des Bundes können vor diesem Hintergrund verfassungswidrig sein.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Abgrenzung zwischen zulässiger kantonaler Gestaltungsfreiheit und unzulässiger Abweichung vom Bundesrecht ist umstritten. Biaggini (Vollzugslenkende Verwaltungsverordnung, ZBl 1997, S. 15) vertritt eine weite Auslegung der kantonalen Kompetenzen. Steimen (Rechtsetzungsaufträge, S. 234) plädiert für engere Grenzen, um die Einheitlichkeit des Vollzugs zu gewährleisten. Die Praxis zeigt, dass die Grenzziehung stark vom jeweiligen Sachbereich abhängt.\n\n**N. 18** Kontrovers ist auch die Frage, inwieweit der Bund durch Verordnungen in den kantonalen Vollzug eingreifen darf. Zehnder (Gestaltungsfreiraum, S. 78) fordert eine restriktive Handhabung bundesrätlicher Vollzugsverordnungen. Das Bundesamt für Justiz (Gesetzgebungsleitfaden, S. 456) vertritt demgegenüber die Position, dass detaillierte Vollzugsregelungen zulässig sind, soweit sie zur Gewährleistung eines einheitlichen Vollzugs erforderlich sind.\n\n**N. 19** Bei den Programmvereinbarungen besteht Uneinigkeit über deren Verbindlichkeit. Während Waldmann (Der verwaltungsrechtliche Vertrag, S. 19) von einer grundsätzlichen Bindungswirkung ausgeht, relativiert die Praxis diese Position. Die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen sich eine Partei einseitig von einer Programmvereinbarung lösen kann, ist nicht abschliessend geklärt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Ausarbeitung kantonaler Vollzugserlasse ist stets zu prüfen, welchen Gestaltungsspielraum das Bundesrecht lässt. Enthält das Bundesrecht detaillierte Vorgaben, reduziert sich der kantonale Spielraum auf organisatorische und verfahrensrechtliche Aspekte. **BGE 136 I 220** zeigt, dass selbst gut gemeinte kantonale Regelungen bundesrechtswidrig sein können, wenn sie den Zweck des Bundesgesetzes unterlaufen.\n\n**N. 21** Programmvereinbarungen sollten präzise Ziele, messbare Indikatoren und klare Finanzierungsmodalitäten enthalten. Die Erfahrung zeigt, dass unklare Formulierungen zu Konflikten führen. Wichtig ist auch die Regelung der Anpassungsmechanismen bei veränderten Rahmenbedingungen.\n\n**N. 22** In Krisensituationen wie der Covid-19-Pandemie bleibt die Grundstruktur des Vollzugsföderalismus bestehen. **BGE 147 I 478** bestätigt, dass auch Notverordnungen der Kantone sich auf eine bundesrechtliche Grundlage stützen müssen. Die kantonale Gestaltungsfreiheit erweitert sich in solchen Situationen nicht automatisch.\n\n**N. 23** Bei Unsicherheiten über die Reichweite der kantonalen Vollzugskompetenzen empfiehlt sich eine frühzeitige Konsultation der zuständigen Bundesbehörden. Das kooperative Element des schweizerischen Föderalismus ermöglicht oft pragmatische Lösungen, die beiden Ebenen gerecht werden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätzliche Vollzugspflicht der Kantone\n\n**BGE 127 II 49** vom 26.1.2001  \nBundesstaatliche Kompetenzordnung nach Art. 46 Abs. 1 BV  \nDas Bundesgericht stellt klar, dass Art. 46 Abs. 1 BV den allgemeinen Grundsatz aufstellt, wonach die Kantone das Bundesrecht nach Massgabe von Verfassung und Gesetz umsetzen.\n\n> «Art. 46 Abs. 1 BV stellt den allgemeinen Grundsatz auf, dass die Kantone das Bundesrecht nach Massgabe von Verfassung und Gesetz umsetzen. Da die Verfassung in Art. 121 BV nichts dazu ausführt, hat nach der Konzeption von Art. 46 Abs. 1 BV folglich der Bundesgesetzgeber zu bestimmen, inwieweit die Kantone auf dem Gebiete des Ausländerrechts mit dem Vollzug des Bundesrechts betraut werden sollen.»\n\n**BGE 128 I 254** vom 14.8.2002  \nKantonale Zuständigkeitsregelung im Raumplanungsrecht  \nDie kantonale Umsetzung von Bundesrecht muss den bundesrechtlichen Vorgaben entsprechen, auch bei der Organisation der Zuständigkeiten.\n\n> «Art. 25 Abs. 2 RPG verlangt im Interesse einer gesamtkantonal einheitlichen und rechtsgleichen Rechtsanwendung, dass sämtliche Gesuche für Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone von einer kantonalen Behörde behandelt werden. Art. 84 Abs. 1 des Berner Baugesetzes, der diese Kompetenz auf die (derzeit insgesamt 26) Regierungsstatthalter überträgt, erfüllt diese Anforderung nicht.»\n\n## Bundesrechtswidrige kantonale Regelungen\n\n**BGE 136 I 220** vom 15.4.2010  \nPrämienverbilligung im Krankenversicherungsrecht  \nKantonale Regelungen, die den Zweck von Bundesgesetzen unterlaufen, sind bundesrechtswidrig, auch wenn sie im Rahmen der kantonalen Vollzugskompetenz erlassen wurden.\n\n> «Eine kantonale Regelung, gemäss welcher Prämienverbilligungsbeiträge mit Steuerschulden verrechnet werden können, ist mit der Zielsetzung des KVG nicht vereinbar und daher bundesrechtswidrig.»\n\n**BGE 130 I 26** vom 27.11.2003  \nZulassungsbeschränkung für Leistungserbringer  \nKantonale Vollzugsverordnungen zu Bundesrecht müssen sich im Rahmen der bundesrechtlichen Vorgaben halten.\n\n> «Die vom Bundesrat gestützt auf Art. 55a KVG erlassene und vom Regierungsrat des Kantons Zürich konkretisierte Einschränkung der Zulassung von Leistungserbringern zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verletzt - soweit dies gestützt auf Art. 191 BV geprüft werden kann - weder das Freizügigkeitsabkommen noch die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n## Gestaltungsfreiheit bei der Umsetzung\n\n**BGE 142 I 99** vom 31.3.2016  \nWassernutzungsrecht des Kantons Uri  \nArt. 46 Abs. 3 BV gewährt den Kantonen Gestaltungsfreiheit bei der Umsetzung von Bundesrecht, soweit die bundesrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.\n\n> «Grundsatzkompetenz des Bundes zur Regelung der Wassernutzung bei gleichzeitiger Gewässerhoheit der Kantone. Diese sind daher befugt, die öffentlichen Gewässer auf ihrem Gebiet zu verwalten und dabei entsprechende Hoheitsrechte auszuüben.»\n\n**BGE 131 II 13** vom 30.11.2004  \nVollzugsverordnung im Fernmelderecht  \nBundesrechtliche Verordnungen müssen genügende gesetzliche Grundlage haben; die Kantone sind bei der Umsetzung an diese verfassungsrechtlichen Schranken gebunden.\n\n> «Enthält das Fernmeldegesetz eine genügende Grundlage für die Festlegung einer Interkonnektionspflicht beim Teilnehmeranschluss durch bundesrätliche Verordnung, sind auch die Kantone im Vollzug daran gebunden.»\n\n## Vollzug in besonderen Lagen\n\n**BGE 147 I 478** vom 25.6.2021  \nCovid-19-Massnahmen des Kantons Schwyz  \nDie Kantone setzen auch in ausserordentlichen Lagen Bundesrecht nach Art. 46 Abs. 1 BV um; kantonale Vollzugsverordnungen müssen sich auf genügende bundesrechtliche Grundlagen stützen können.\n\n> «Die angefochtene Verordnung ist als Vollzugsverordnung gestützt auf Art. 40 EpG zu qualifizieren, zu deren Erlass der Regierungsrat des Kantons Schwyz zuständig ist.»\n\n**BGE 141 II 169** vom 30.3.2015  \nAufsichtsfunktion und Zustimmungsverfahren  \nBei der Übertragung von Vollzugskompetenzen müssen die verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Gesetzesdelegation eingehalten werden.\n\n> «Die Übertragung der Zustimmungsbefugnis erfordert eine hinreichend bestimmte gesetzliche Grundlage und muss den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Delegation entsprechen.»\n\n## Bundesaufsicht über den kantonalen Vollzug\n\n**BGE 135 II 94** vom 5.2.2009  \nEintretensvoraussetzungen bei Bundesgerichtsbeschwerden  \nDie Bundesaufsicht über die kantonale Umsetzung von Bundesrecht erfolgt auch über die Kontrolle der kantonalen Verfahrensorganisation.\n\n> «Das Haftgericht der Untersuchungsregion Bern-Mittelland genügt den gesetzlichen Anforderungen als oberes Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 BGG nur beschränkt.»\n\n**BGE 143 V 269** vom 29.6.2017  \nKostentragung bei Gerichtsgutachten  \nDie kantonale Umsetzung von Bundesrecht muss auch die bundesrechtlich vorgegebene Kostenverteilung respektieren.\n\n> «Im Sinne der bisherigen Rechtsprechung besteht mit Art. 45 Abs. 1 ATSG eine genügende gesetzliche Grundlage, dem Versicherten die Kosten eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens aufzuerlegen.»", "summary_fr": "# Art. 46 Cst. — Mise en œuvre du droit fédéral\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 46 Cst. règle le fédéralisme d'exécution suisse (système de répartition des tâches entre la Confédération et les cantons). La Confédération fait les lois, les cantons les mettent en œuvre. Cette répartition des tâches est caractéristique du système fédéral suisse, comme le relève le message sur une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 255 ss).\n\nSelon l'art. 46 al. 1 Cst., les cantons doivent mettre en œuvre le droit fédéral. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 15) soulignent que la Constitution établit une « présomption d'exécution en faveur des cantons ». Cela signifie : lorsque la Confédération édicte une loi, ce sont en principe les cantons qui l'exécutent, sauf si la loi en dispose autrement. L'**ATF 127 II 49** confirme que cette obligation d'exécution existe même sans réglementation d'exécution explicite dans la loi fédérale.\n\nLe terme « mise en œuvre » va au-delà de la simple exécution. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 16) expliquent : la mise en œuvre « comprend aussi une certaine marge de manœuvre politique ». Les cantons doivent toutefois mettre en œuvre le droit fédéral « conformément à la Constitution et à la loi ». Ils ne peuvent pas s'écarter du droit fédéral, comme le montre l'**ATF 136 I 220** : le canton de Glaris ne pouvait pas compenser les contributions à la réduction des primes avec les dettes fiscales, car cela contrevenait à l'objectif de la loi sur l'assurance-maladie.\n\nL'art. 46 al. 2 Cst. permet les conventions-programmes entre la Confédération et les cantons. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 33) les caractérisent comme des « contrats de subventions fédéraux » avec une dimension de droit public. Exemple : la Confédération soutient financièrement les cantons dans des projets environnementaux s'ils atteignent certains objectifs.\n\nL'art. 46 al. 3 Cst. oblige la Confédération à laisser aux cantons « la plus grande liberté d'aménagement possible » et à tenir compte des particularités cantonales. L'**ATF 142 I 99** l'illustre : dans le droit d'utilisation des eaux, la Confédération doit reconnaître la souveraineté cantonale sur les eaux comme particularité. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 39) soulignent que ce principe de subsidiarité vaut tant pour le législateur que pour l'auteur d'ordonnances.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 46 Cst. est né dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 comme norme centrale du fédéralisme d'exécution suisse. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 255 ss) soulignait la nécessité de régler plus clairement la répartition fédérale des tâches entre la Confédération et les cantons. Le constituant voulait rassembler et moderniser dans une section propre l'ancien système de répartition des tâches dispersé dans différents actes.\n\n**N. 2** La norme codifie le fédéralisme d'exécution traditionnel suisse, mais l'élargit par de nouveaux éléments. Alors que l'ancienne Constitution fédérale de 1874 ne connaissait aucune réglementation explicite de l'exécution du droit fédéral par les cantons, l'art. 46 Cst. crée pour la première fois une base constitutionnelle pour ce principe. La réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches (RPT), entrée en vigueur en 2008, a précisé davantage les rapports entre la Confédération et les cantons, notamment par l'introduction des conventions-programmes à l'al. 2.\n\n## 2. Insertion systématique\n\n**N. 3** L'art. 46 Cst. se trouve dans le 3e titre de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes, plus précisément dans le 1er chapitre sur les rapports entre la Confédération et les cantons. La norme est étroitement liée à l'art. 3 Cst. (Souveraineté cantonale), l'art. 5 Cst. (Principes de l'activité de l'État régi par le droit), l'art. 42 Cst. (Tâches de la Confédération), l'art. 43 Cst. (Tâches des cantons) et l'art. 49 Cst. (Primauté et respect du droit fédéral).\n\n**N. 4** Dans le système de la répartition fédérale des compétences, l'art. 46 Cst. forme la charnière entre l'établissement du droit et l'application du droit. Alors que les art. 42 ss Cst. règlent les compétences législatives, l'art. 46 Cst. détermine les compétences d'exécution. Cette séparation entre législation et exécution est caractéristique du fédéralisme suisse et le distingue d'autres systèmes fédéraux.\n\n**N. 5** La norme se trouve dans une relation de tension avec l'art. 178 Cst., qui attribue le pouvoir exécutif au Conseil fédéral. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 5) soulignent que l'art. 46 Cst. établit une « présomption d'exécution en faveur des cantons » (BSK BV, art. 46 n. 15). Cette présomption ne peut être rompue que par des réglementations explicites du droit fédéral.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Mise en œuvre du droit fédéral (al. 1)\n\n**N. 6** La notion de « mise en œuvre » va volontairement au-delà de la simple exécution. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 16) expliquent : « La notion de ‹mise en œuvre› doit clarifier que l'exécution du droit fédéral dépasse aujourd'hui la simple exécution et comprend aussi une certaine mesure de possibilités de conception politique ». Ceci reflète la réalité moderne de l'exécution administrative, qui ne comprend plus seulement l'application mécanique du droit, mais aussi la concrétisation et l'aménagement.\n\n**N. 7** La notion de « droit fédéral » à l'art. 46 al. 1 Cst. comprend selon Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 18) l'ensemble de l'ordre juridique fédéral : Constitution, lois, ordonnances et même les arrêtés fédéraux non sujets au référendum. Le droit international contraignant pour la Suisse en fait aussi partie, dans la mesure où il est self-executing ou a été mis en œuvre par le droit fédéral.\n\n**N. 8** L'expression « dans les limites de la constitution et de la loi » signifie que l'obligation cantonale de mise en œuvre trouve ses limites dans les prescriptions du droit fédéral. Les cantons doivent d'une part mettre en œuvre le droit fédéral, mais sont d'autre part liés aux prescriptions du droit fédéral. Cette double contrainte a été concrétisée dans l'**ATF 128 I 254**, où le Tribunal fédéral a retenu que les réglementations cantonales de compétence doivent correspondre aux exigences du droit fédéral.\n\n### 3.2 Conventions-programmes (al. 2)\n\n**N. 9** Les conventions-programmes représentent une innovation de la RPT. Elles permettent une collaboration partenariale entre la Confédération et les cantons lors de la mise en œuvre de tâches fédérales. Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 25) les caractérisent comme un nouvel instrument de pilotage dans le fédéralisme d'exécution.\n\n**N. 10** La nature juridique des conventions-programmes est controversée. Lienhard/Kettiger (Gesetzgeberischer Handlungsbedarf, p. 45) les qualifient de contrats de droit administratif de subordination. Wiget (in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag, p. 89) parle de « contrats fédéraux de subventions ». Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 33) y voient des « contrats avec une dimension de droit constitutionnel », qui peuvent être désignés comme « contrats fédéraux de subventions ». Cette dimension de droit constitutionnel résulte du contexte fédéral et de l'ancrage constitutionnel.\n\n**N. 11** Le champ d'application des conventions-programmes doit être compris largement selon Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 27). Elles entrent en considération là où la Confédération soutient financièrement les cantons dans l'accomplissement de tâches et veut en même temps prescrire certains objectifs. Les domaines typiques sont la protection de l'environnement, la politique régionale, les transports et la formation.\n\n### 3.3 Liberté d'organisation cantonale (al. 3)\n\n**N. 12** L'art. 46 al. 3 Cst. concrétise le principe de subsidiarité dans le domaine de l'exécution. La norme oblige la Confédération à laisser aux cantons « la plus grande liberté d'organisation possible ». Waldmann/Borter (BSK BV, art. 46 n. 39) soulignent que cette disposition vaut aussi bien pour le législateur que pour l'autorité d'ordonnance.\n\n**N. 13** Les « particularités cantonales », dont il faut tenir compte, comprennent les différences géographiques, démographiques, économiques et culturelles entre les cantons. L'**ATF 142 I 99** l'illustre à l'exemple du droit d'utilisation des eaux, où le Tribunal fédéral a reconnu la souveraineté cantonale sur les eaux comme particularité à prendre en considération.\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'art. 46 al. 1 Cst. fait naître une obligation d'exécution des cantons directement fondée sur la Constitution. Cette obligation existe indépendamment du fait qu'une loi fédérale contienne une réglementation explicite de l'exécution. Si une telle réglementation fait défaut, les cantons sont néanmoins tenus de procéder à la mise en œuvre, comme le clarifie l'**ATF 127 II 49**.\n\n**N. 15** La violation de l'obligation d'exécution peut avoir diverses conséquences : mesures de surveillance de la Confédération (art. 49 al. 2 Cst.), responsabilité du canton défaillant envers la Confédération ou des tiers, et dans les cas extrêmes la possibilité pour la Confédération de procéder elle-même à l'exécution (exécution de substitution).\n\n**N. 16** L'art. 46 al. 3 Cst. fait naître un commandement d'optimisation : les réglementations fédérales d'exécution doivent être conçues de manière à laisser aux cantons une liberté d'organisation maximale, dans la mesure où ceci est compatible avec les objectifs du droit fédéral. Des prescriptions d'exécution de la Confédération excessivement détaillées peuvent être inconstitutionnelles sous cet angle.\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 17** La délimitation entre liberté d'organisation cantonale admissible et dérogation inadmissible au droit fédéral est controversée. Biaggini (Vollzugslenkende Verwaltungsverordnung, ZBl 1997, p. 15) défend une interprétation large des compétences cantonales. Steimen (Rechtsetzungsaufträge, p. 234) plaide pour des limites plus étroites, afin de garantir l'uniformité de l'exécution. La pratique montre que la délimitation dépend fortement du domaine matériel concerné.\n\n**N. 18** La question de savoir dans quelle mesure la Confédération peut intervenir par ordonnances dans l'exécution cantonale est aussi controversée. Zehnder (Gestaltungsfreiraum, p. 78) exige une application restrictive des ordonnances d'exécution du Conseil fédéral. L'Office fédéral de la justice (Gesetzgebungsleitfaden, p. 456) défend par contre la position selon laquelle des réglementations détaillées d'exécution sont admissibles dans la mesure où elles sont nécessaires pour garantir une exécution uniforme.\n\n**N. 19** Pour les conventions-programmes, il existe un désaccord sur leur force obligatoire. Alors que Waldmann (Der verwaltungsrechtliche Vertrag, p. 19) part d'un effet contraignant de principe, la pratique relativise cette position. La question de savoir si et sous quelles conditions une partie peut se dégager unilatéralement d'une convention-programme n'est pas tranchée définitivement.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'élaboration d'actes cantonaux d'exécution, il faut toujours examiner quelle marge de manœuvre laisse le droit fédéral. Si le droit fédéral contient des prescriptions détaillées, la marge cantonale se réduit aux aspects organisationnels et de droit procédural. L'**ATF 136 I 220** montre que même des réglementations cantonales bien intentionnées peuvent être contraires au droit fédéral si elles contrarient le but de la loi fédérale.\n\n**N. 21** Les conventions-programmes devraient contenir des objectifs précis, des indicateurs mesurables et des modalités de financement claires. L'expérience montre que des formulations peu claires mènent à des conflits. Il est aussi important de régler les mécanismes d'adaptation en cas de changement des conditions cadres.\n\n**N. 22** Dans des situations de crise comme la pandémie de Covid-19, la structure de base du fédéralisme d'exécution demeure. L'**ATF 147 I 478** confirme que même les ordonnances d'urgence des cantons doivent se fonder sur une base de droit fédéral. La liberté d'organisation cantonale ne s'élargit pas automatiquement dans de telles situations.\n\n**N. 23** En cas d'incertitudes sur la portée des compétences cantonales d'exécution, il est recommandé de consulter tôt les autorités fédérales compétentes. L'élément coopératif du fédéralisme suisse permet souvent des solutions pragmatiques qui font droit aux deux niveaux.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Obligation d'exécution en principe des cantons\n\n**ATF 127 II 49** du 26.1.2001  \nRépartition fédéraliste des compétences selon l'art. 46 al. 1 Cst.  \nLe Tribunal fédéral précise que l'art. 46 al. 1 Cst. établit le principe général selon lequel les cantons mettent en œuvre le droit fédéral conformément à la constitution et à la loi.\n\n> « L'art. 46 al. 1 Cst. établit le principe général selon lequel les cantons mettent en œuvre le droit fédéral conformément à la constitution et à la loi. Étant donné que la constitution ne prévoit rien à cet égard à l'art. 121 Cst., il appartient au législateur fédéral, selon la conception de l'art. 46 al. 1 Cst., de déterminer dans quelle mesure les cantons doivent être chargés de l'exécution du droit fédéral dans le domaine du droit des étrangers. »\n\n**ATF 128 I 254** du 14.8.2002  \nRéglementation cantonale des compétences en droit de l'aménagement du territoire  \nLa mise en œuvre cantonale du droit fédéral doit correspondre aux prescriptions du droit fédéral, y compris dans l'organisation des compétences.\n\n> « L'art. 25 al. 2 LAT exige, dans l'intérêt d'une application du droit uniforme et égale dans tout le canton, que toutes les demandes pour des projets de construction en dehors de la zone à bâtir soient traitées par une autorité cantonale. L'art. 84 al. 1 de la loi bernoise sur les constructions, qui transfère cette compétence aux préfets (actuellement au total 26), ne satisfait pas à cette exigence. »\n\n## Réglementations cantonales contraires au droit fédéral\n\n**ATF 136 I 220** du 15.4.2010  \nRéduction des primes en droit de l'assurance-maladie  \nLes réglementations cantonales qui contournent le but des lois fédérales sont contraires au droit fédéral, même si elles ont été édictées dans le cadre de la compétence d'exécution cantonale.\n\n> « Une réglementation cantonale selon laquelle les contributions de réduction des primes peuvent être compensées avec les dettes fiscales n'est pas compatible avec l'objectif de la LAMal et est donc contraire au droit fédéral. »\n\n**ATF 130 I 26** du 27.11.2003  \nLimitation de l'admission des fournisseurs de prestations  \nLes ordonnances d'exécution cantonales du droit fédéral doivent se maintenir dans le cadre des prescriptions du droit fédéral.\n\n> « La restriction de l'admission des fournisseurs de prestations à l'activité à charge de l'assurance obligatoire des soins, édictée par le Conseil fédéral en vertu de l'art. 55a LAMal et concrétisée par le Conseil d'État du canton de Zurich, ne viole - dans la mesure où cela peut être examiné en vertu de l'art. 191 Cst. - ni l'accord sur la libre circulation des personnes ni la liberté économique. »\n\n## Liberté d'organisation lors de la mise en œuvre\n\n**ATF 142 I 99** du 31.3.2016  \nDroit d'utilisation des eaux du canton d'Uri  \nL'art. 46 al. 3 Cst. accorde aux cantons une liberté d'organisation lors de la mise en œuvre du droit fédéral, pour autant que les prescriptions du droit fédéral soient respectées.\n\n> « Compétence de principe de la Confédération pour réglementer l'utilisation des eaux avec souveraineté simultanée des cantons sur les eaux. Ceux-ci sont donc habilités à administrer les eaux publiques sur leur territoire et à exercer les droits de souveraineté correspondants. »\n\n**ATF 131 II 13** du 30.11.2004  \nOrdonnance d'exécution en droit des télécommunications  \nLes ordonnances du droit fédéral doivent avoir une base légale suffisante ; les cantons sont liés lors de la mise en œuvre à ces limites constitutionnelles.\n\n> « Si la loi sur les télécommunications contient une base suffisante pour la fixation d'une obligation d'interconnexion au raccordement d'abonné par ordonnance du Conseil fédéral, les cantons sont aussi liés à cela dans l'exécution. »\n\n## Exécution dans des situations particulières\n\n**ATF 147 I 478** du 25.6.2021  \nMesures Covid-19 du canton de Schwytz  \nLes cantons mettent en œuvre le droit fédéral selon l'art. 46 al. 1 Cst. également dans des situations extraordinaires ; les ordonnances d'exécution cantonales doivent pouvoir se fonder sur des bases suffisantes du droit fédéral.\n\n> « L'ordonnance attaquée doit être qualifiée d'ordonnance d'exécution fondée sur l'art. 40 LEp, que le Conseil d'État du canton de Schwytz est compétent pour édicter. »\n\n**ATF 141 II 169** du 30.3.2015  \nFonction de surveillance et procédure d'autorisation  \nLors du transfert de compétences d'exécution, les exigences constitutionnelles relatives à la délégation légale doivent être respectées.\n\n> « Le transfert de la compétence d'autorisation exige une base légale suffisamment déterminée et doit correspondre aux exigences constitutionnelles relatives à la délégation. »\n\n## Surveillance fédérale sur l'exécution cantonale\n\n**ATF 135 II 94** du 5.2.2009  \nConditions d'entrée en matière pour les recours au Tribunal fédéral  \nLa surveillance fédérale sur la mise en œuvre cantonale du droit fédéral s'effectue aussi par le contrôle de l'organisation procédurale cantonale.\n\n> « Le tribunal des mesures de contrainte de la région d'instruction Berne-Mittelland ne satisfait aux exigences légales en tant que tribunal supérieur au sens de l'art. 86 al. 2 LTF que de manière limitée. »\n\n**ATF 143 V 269** du 29.6.2017  \nPrise en charge des coûts pour expertises judiciaires  \nLa mise en œuvre cantonale du droit fédéral doit aussi respecter la répartition des coûts prescrite par le droit fédéral.\n\n> « Au sens de la jurisprudence antérieure, l'art. 45 al. 1 LPGA constitue une base légale suffisante pour imposer à l'assuré les coûts d'une expertise judiciaire pluridisciplinaire. »", "summary_it": "# Art. 46 Cost. — Attuazione del diritto federale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 46 Cost. disciplina il federalismo esecutivo svizzero (sistema di ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni). La Confederazione fa le leggi, i Cantoni le attuano. Questa ripartizione dei compiti è caratteristica del sistema federale svizzero, come stabilisce il Messaggio su una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 255 segg.).\n\nSecondo l'art. 46 cpv. 1 Cost. i Cantoni devono attuare il diritto federale. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 15) sottolineano che la Costituzione stabilisce una «presunzione di esecuzione a favore dei Cantoni». Ciò significa: quando la Confederazione emana una legge, di principio la eseguono i Cantoni, salvo che la legge disponga diversamente. La **DTF 127 II 49** conferma che questo obbligo di esecuzione sussiste anche senza una regolamentazione esplicita dell'esecuzione nella legge federale.\n\nIl termine «attuazione» va oltre la mera esecuzione. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) spiegano: l'attuazione «comprende anche un certo margine di possibilità di configurazione politica». I Cantoni devono tuttavia attuare il diritto federale «secondo Costituzione e legge». Non possono derogare al diritto federale, come mostra la **DTF 136 I 220**: il Cantone Glarona non poteva compensare i contributi di riduzione dei premi con i debiti fiscali, perché ciò contrastava con la finalità della legge sull'assicurazione malattie.\n\nL'art. 46 cpv. 2 Cost. consente accordi programmatici tra Confederazione e Cantoni. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) li caratterizzano come «contratti di sussidio federali» con dimensione di diritto costituzionale. Esempio: la Confederazione sostiene finanziariamente i Cantoni per progetti ambientali se raggiungono determinati obiettivi.\n\nL'art. 46 cpv. 3 Cost. obbliga la Confederazione a lasciare ai Cantoni «la maggiore libertà di configurazione possibile» e a tenere conto delle particolarità cantonali. La **DTF 142 I 99** illustra ciò: nel diritto di utilizzazione delle acque la Confederazione deve riconoscere la sovranità cantonale sulle acque come particolarità. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) sottolineano che questo principio di sussidiarietà vale sia per il legislatore sia per l'emanatore di ordinanze.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 46 Cost. è nato nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999 come norma centrale del federalismo esecutivo svizzero. Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 255 segg.) sottolineava la necessità di disciplinare più chiaramente la ripartizione federale dei compiti tra Confederazione e Cantoni. Il costituente voleva riunire in una sezione apposita e modernizzare il sistema fino allora disperso in vari atti normativi della ripartizione dei compiti.\n\n**N. 2** La norma codifica il tradizionale federalismo esecutivo svizzero, ma lo amplia con nuovi elementi. Mentre la vecchia Costituzione federale del 1874 non conosceva una disciplina esplicita dell'esecuzione del diritto federale da parte dei Cantoni, l'art. 46 Cost. crea per la prima volta una base costituzionale per questo principio. Il nuovo assetto della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti (NPC), entrato in vigore nel 2008, ha concretizzato ulteriormente il rapporto tra Confederazione e Cantoni, in particolare attraverso l'introduzione degli accordi programmatici di cui al cpv. 2.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 46 Cost. si trova nel titolo 3° della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni, più precisamente nel capitolo 1° sui rapporti tra Confederazione e Cantoni. La norma è strettamente collegata con l'art. 3 Cost. (Sovranità cantonale), l'art. 5 Cost. (Principi dell'attività statale retta dal diritto), l'art. 42 Cost. (Compiti della Confederazione), l'art. 43 Cost. (Compiti dei Cantoni) e l'art. 49 Cost. (Primato e osservanza del diritto federale).\n\n**N. 4** Nel sistema della ripartizione federale delle competenze, l'art. 46 Cost. forma la cerniera tra legislazione e applicazione del diritto. Mentre gli art. 42 segg. Cost. disciplinano le competenze legislative, l'art. 46 Cost. determina le competenze esecutive. Questa separazione tra legislazione ed esecuzione è caratteristica del federalismo svizzero e lo distingue da altri sistemi federali.\n\n**N. 5** La norma si trova in tensione con l'art. 178 Cost., che assegna il potere esecutivo al Consiglio federale. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 5) sottolineano che l'art. 46 Cost. stabilisce una «presunzione di esecuzione a favore dei Cantoni» (BSK BV, Art. 46 N. 15). Questa presunzione può essere infranta solo attraverso disciplinamenti espliciti del diritto federale.\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Attuazione del diritto federale (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il concetto di «attuazione» va consapevolmente oltre la mera esecuzione. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) spiegano: «Il concetto di ‹attuazione› deve chiarire che l'esecuzione del diritto federale oggi va oltre la mera esecuzione e comprende anche una certa misura di possibilità di configurazione politica». Ciò riflette la realtà moderna dell'esecuzione amministrativa, che non comprende più solo l'applicazione meccanica del diritto, ma anche la concretizzazione e la configurazione.\n\n**N. 7** Il concetto di «diritto federale» nell'art. 46 cpv. 1 Cost. comprende secondo Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 18) l'intero ordinamento giuridico federale: Costituzione, leggi, ordinanze e persino decreti federali non sottoposti a referendum. Ne fa parte anche il diritto internazionale vincolante per la Svizzera, nella misura in cui sia self-executing o sia stato attuato dal diritto federale.\n\n**N. 8** L'espressione «secondo la Costituzione e la legge» significa che l'obbligo cantonale di attuazione trova i suoi limiti nelle prescrizioni del diritto federale. I Cantoni devono da un lato attuare il diritto federale, ma dall'altro sono vincolati alle prescrizioni del diritto federale. Questo doppio vincolo è stato concretizzato nella **DTF 128 I 254**, dove il Tribunale federale ha stabilito che le disciplinamenti cantonali delle competenze devono corrispondere ai requisiti del diritto federale.\n\n### 3.2 Accordi programmatici (cpv. 2)\n\n**N. 9** Gli accordi programmatici rappresentano un'innovazione della NPC. Permettono una collaborazione partenariale tra Confederazione e Cantoni nell'attuazione di compiti federali. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 25) li caratterizzano come un nuovo strumento di controllo nel federalismo esecutivo.\n\n**N. 10** La natura giuridica degli accordi programmatici è controversa. Lienhard/Kettiger (Gesetzgeberischer Handlungsbedarf, S. 45) li qualificano come contratti di diritto amministrativo subordinati. Wiget (in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag, S. 89) parla di «contratti sovvenzionali federali». Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) vi vedono «contratti con una dimensione di diritto costituzionale», che possono essere designati come «contratti sovvenzionali federali». Questa dimensione di diritto costituzionale risulta dal contesto federale e dall'ancoraggio costituzionale.\n\n**N. 11** L'ambito di applicazione degli accordi programmatici va inteso ampiamente secondo Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 27). Entrano in considerazione dove la Confederazione sostiene finanziariamente i Cantoni nell'adempimento di compiti e vuole allo stesso tempo prescrivere determinati obiettivi. Settori tipici sono la protezione dell'ambiente, la politica regionale, i trasporti e l'educazione.\n\n### 3.3 Libertà di configurazione cantonale (cpv. 3)\n\n**N. 12** L'art. 46 cpv. 3 Cost. concretizza il principio di sussidiarietà nell'ambito esecutivo. La norma obbliga la Confederazione a lasciare ai Cantoni «la maggiore libertà di configurazione possibile». Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) sottolineano che questa disposizione vale sia per il legislatore sia per l'autorità che emana ordinanze.\n\n**N. 13** Le «particolarità cantonali», di cui bisogna tener conto, comprendono differenze geografiche, demografiche, economiche e culturali tra i Cantoni. La **DTF 142 I 99** illustra questo con l'esempio del diritto di utilizzazione delle acque, dove il Tribunale federale ha riconosciuto la sovranità cantonale sulle acque come particolarità da considerare.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** Dall'art. 46 cpv. 1 Cost. deriva un obbligo di esecuzione dei Cantoni direttamente costituzionale. Questo obbligo sussiste indipendentemente dal fatto che la legge federale contenga una disciplina esplicita dell'esecuzione. Se manca una tale disciplina, i Cantoni sono comunque obbligati all'attuazione, come chiarisce la **DTF 127 II 49**.\n\n**N. 15** La violazione dell'obbligo di esecuzione può avere diverse conseguenze: misure di vigilanza della Confederazione (art. 49 cpv. 2 Cost.), responsabilità del Cantone inadempiente nei confronti della Confederazione o di terzi, e nel caso estremo la possibilità della Confederazione di prendere in mano l'esecuzione stessa (esecuzione sostitutiva).\n\n**N. 16** Dall'art. 46 cpv. 3 Cost. deriva un obbligo di ottimizzazione: i disciplinamenti esecutivi del diritto federale devono essere configurati in modo da lasciare ai Cantoni la massima libertà di configurazione, nella misura in cui ciò è compatibile con gli obiettivi del diritto federale. Prescrizioni esecutive della Confederazione eccessivamente dettagliate possono essere incostituzionali su questo sfondo.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** La delimitazione tra libertà di configurazione cantonale ammissibile e deviazione inammissibile dal diritto federale è controversa. Biaggini (Vollzugslenkende Verwaltungsverordnung, ZBl 1997, S. 15) sostiene un'interpretazione ampia delle competenze cantonali. Steimen (Rechtsetzungsaufträge, S. 234) propende per limiti più ristretti, per garantire l'uniformità dell'esecuzione. La prassi mostra che la delimitazione dipende fortemente dal rispettivo settore materiale.\n\n**N. 18** È anche controversa la questione fino a che punto la Confederazione possa intervenire nell'esecuzione cantonale attraverso ordinanze. Zehnder (Gestaltungsfreiraum, S. 78) chiede una gestione restrittiva delle ordinanze esecutive del Consiglio federale. L'Ufficio federale di giustizia (Gesetzgebungsleitfaden, S. 456) sostiene invece la posizione che disciplinamenti esecutivi dettagliati sono ammissibili, nella misura in cui sono necessari per garantire un'esecuzione uniforme.\n\n**N. 19** Per gli accordi programmatici sussiste disaccordo sulla loro vincolatività. Mentre Waldmann (Der verwaltungsrechtliche Vertrag, S. 19) parte da un'efficacia vincolante fondamentale, la prassi relativizza questa posizione. La questione se e a quali condizioni una parte possa sciogliersi unilateralmente da un accordo programmatico non è chiarita definitivamente.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'elaborazione di atti normativi cantonali esecutivi bisogna sempre verificare quale margine di configurazione lascia il diritto federale. Se il diritto federale contiene prescrizioni dettagliate, il margine cantonale si riduce agli aspetti organizzativi e di diritto procedurale. La **DTF 136 I 220** mostra che anche disciplinamenti cantonali ben intenzionati possono essere contrari al diritto federale, se minano lo scopo della legge federale.\n\n**N. 21** Gli accordi programmatici dovrebbero contenere obiettivi precisi, indicatori misurabili e modalità di finanziamento chiare. L'esperienza mostra che formulazioni poco chiare portano a conflitti. Importante è anche la disciplina dei meccanismi di adeguamento in caso di condizioni quadro modificate.\n\n**N. 22** In situazioni di crisi come la pandemia di Covid-19 rimane la struttura di base del federalismo esecutivo. La **DTF 147 I 478** conferma che anche le ordinanze d'emergenza dei Cantoni devono basarsi su una base del diritto federale. La libertà di configurazione cantonale non si amplia automaticamente in tali situazioni.\n\n**N. 23** In caso di incertezze sulla portata delle competenze esecutive cantonali si raccomanda una consultazione tempestiva delle autorità federali competenti. L'elemento cooperativo del federalismo svizzero permette spesso soluzioni pragmatiche che rendono giustizia a entrambi i livelli.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Obbligo di esecuzione dei Cantoni in linea di principio\n\n**BGE 127 II 49** del 26.1.2001  \nOrdine delle competenze federalistiche secondo l'art. 46 cpv. 1 Cost.  \nIl Tribunale federale chiarisce che l'art. 46 cpv. 1 Cost. stabilisce il principio generale secondo cui i Cantoni attuano il diritto federale conformemente alla Costituzione e alla legge.\n\n> «L'art. 46 cpv. 1 Cost. stabilisce il principio generale secondo cui i Cantoni attuano il diritto federale conformemente alla Costituzione e alla legge. Poiché la Costituzione nell'art. 121 Cost. non prevede nulla al riguardo, secondo la concezione dell'art. 46 cpv. 1 Cost. spetta di conseguenza al legislatore federale determinare in che misura i Cantoni debbano essere incaricati dell'esecuzione del diritto federale nel campo del diritto degli stranieri.»\n\n**BGE 128 I 254** del 14.8.2002  \nDisciplina delle competenze cantonali nel diritto della pianificazione del territorio  \nL'attuazione cantonale del diritto federale deve corrispondere alle prescrizioni del diritto federale, anche nell'organizzazione delle competenze.\n\n> «L'art. 25 cpv. 2 LPT esige, nell'interesse di un'applicazione del diritto uniforme e uguale per tutto il Cantone, che tutte le domande per progetti di costruzione fuori dalla zona edificabile siano trattate da un'autorità cantonale. L'art. 84 cpv. 1 della Legge bernese sulle costruzioni, che trasferisce questa competenza ai (attualmente 26 complessivamente) prefetti, non soddisfa questa esigenza.»\n\n## Normative cantonali contrarie al diritto federale\n\n**BGE 136 I 220** del 15.4.2010  \nRiduzione dei premi nel diritto dell'assicurazione malattie  \nLe normative cantonali che eludono lo scopo delle leggi federali sono contrarie al diritto federale, anche se sono state emanate nell'ambito della competenza d'esecuzione cantonale.\n\n> «Una normativa cantonale secondo la quale i contributi di riduzione dei premi possono essere compensati con debiti fiscali è incompatibile con la finalità della LAMal ed è pertanto contraria al diritto federale.»\n\n**BGE 130 I 26** del 27.11.2003  \nLimitazione dell'ammissione per i fornitori di prestazioni  \nLe ordinanze d'esecuzione cantonali del diritto federale devono mantenersi nel quadro delle prescrizioni del diritto federale.\n\n> «La limitazione dell'ammissione di fornitori di prestazioni all'attività a carico dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie, emanata dal Consiglio federale in base all'art. 55a LAMal e concretizzata dal Consiglio di Stato del Canton Zurigo, non viola - nella misura in cui ciò può essere esaminato in base all'art. 191 Cost. - né l'Accordo sulla libera circolazione né la libertà economica.»\n\n## Libertà di configurazione nell'attuazione\n\n**BGE 142 I 99** del 31.3.2016  \nDiritto di utilizzazione delle acque del Canton Uri  \nL'art. 46 cpv. 3 Cost. concede ai Cantoni libertà di configurazione nell'attuazione del diritto federale, purché siano rispettate le prescrizioni del diritto federale.\n\n> «Competenza di principio della Confederazione per la disciplina dell'utilizzazione delle acque con contemporanea sovranità sui corsi d'acqua dei Cantoni. Questi sono pertanto autorizzati ad amministrare le acque pubbliche sul loro territorio ed esercitare i corrispondenti diritti sovrani.»\n\n**BGE 131 II 13** del 30.11.2004  \nOrdinanza d'esecuzione nel diritto delle telecomunicazioni  \nLe ordinanze del diritto federale devono avere una base legale sufficiente; i Cantoni sono vincolati a questi limiti costituzionali nell'attuazione.\n\n> «Se la Legge sulle telecomunicazioni contiene una base sufficiente per la fissazione di un obbligo d'interconnessione per l'allacciamento degli abbonati mediante ordinanza del Consiglio federale, anche i Cantoni sono vincolati a ciò nell'esecuzione.»\n\n## Esecuzione in situazioni particolari\n\n**BGE 147 I 478** del 25.6.2021  \nMisure Covid-19 del Canton Svitto  \nI Cantoni attuano il diritto federale secondo l'art. 46 cpv. 1 Cost. anche in situazioni straordinarie; le ordinanze d'esecuzione cantonali devono poter fondarsi su basi sufficienti del diritto federale.\n\n> «L'ordinanza impugnata è da qualificare come ordinanza d'esecuzione in base all'art. 40 LEp, alla cui emanazione è competente il Consiglio di Stato del Canton Svitto.»\n\n**BGE 141 II 169** del 30.3.2015  \nFunzione di vigilanza e procedura di approvazione  \nNel trasferimento delle competenze d'esecuzione devono essere rispettati i requisiti costituzionali per la delega legislativa.\n\n> «Il trasferimento della competenza di approvazione richiede una base legale sufficientemente determinata e deve corrispondere ai requisiti costituzionali per la delega.»\n\n## Vigilanza federale sull'esecuzione cantonale\n\n**BGE 135 II 94** del 5.2.2009  \nCondizioni d'entrata nel merito nei ricorsi al Tribunale federale  \nLa vigilanza federale sull'attuazione cantonale del diritto federale avviene anche attraverso il controllo dell'organizzazione procedurale cantonale.\n\n> «Il tribunale di carcerazione preventiva della regione d'inchiesta Berna-Mittelland soddisfa i requisiti legali come tribunale superiore ai sensi dell'art. 86 cpv. 2 LTF solo limitatamente.»\n\n**BGE 143 V 269** del 29.6.2017  \nSopportazione dei costi per perizie giudiziarie  \nL'attuazione cantonale del diritto federale deve rispettare anche la ripartizione dei costi prevista dal diritto federale.\n\n> «Nel senso della giurisprudenza finora seguita, con l'art. 45 cpv. 1 LPGA esiste una base legale sufficiente per addossare all'assicurato i costi di una perizia giudiziaria pluridisciplinare.»", "summary_en": "# Art. 46 BV — Implementation of Federal Law\n\n## Overview\n\nArt. 46 BV regulates Swiss executive federalism (system of division of tasks between the Confederation and cantons). The Confederation makes the laws, the cantons implement them. This division of tasks is characteristic of the Swiss federal system, as the Federal Council Message on a new Federal Constitution notes (BBl 1997 I 1, 255 ff.).\n\nAccording to Art. 46 para. 1 BV, the cantons must implement federal law. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 15) emphasize that the Constitution establishes a «presumption of implementation in favour of the cantons». This means: When the Confederation enacts a law, the cantons implement it as a matter of principle, unless the law provides otherwise. **BGE 127 II 49** confirms that this implementation obligation exists even without explicit implementation provisions in the federal law.\n\nThe concept of «implementation» goes beyond mere execution. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) explain: Implementation «also encompasses a certain degree of political design options». However, the cantons must implement federal law «in accordance with the Constitution and legislation». They may not deviate from federal law, as **BGE 136 I 220** shows: Canton Glarus was not permitted to offset premium reduction contributions against tax debts because this contradicted the objective of the Health Insurance Act.\n\nArt. 46 para. 2 BV enables programme agreements between the Confederation and cantons. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) characterize them as «federal subsidy contracts» with a constitutional law dimension. Example: The Confederation provides financial support to cantons for environmental projects if they achieve certain objectives.\n\nArt. 46 para. 3 BV obliges the Confederation to leave the cantons «as much design freedom as possible» and to take account of cantonal particularities. **BGE 142 I 99** illustrates this: In water use law, the Confederation must recognize cantonal water sovereignty as a particularity. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) emphasize that this principle of subsidiarity applies to both legislators and ordinance makers.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 46 BV emerged as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999 as a central norm of Swiss executive federalism. The Federal Council Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 255 ff.) emphasized the necessity of more clearly regulating the federal division of tasks between the Confederation and the cantons. The constitutional legislator wanted to consolidate and modernize the existing system of task division, which had been scattered across various enactments, in a dedicated section.\n\n**N. 2** The provision codifies traditional Swiss executive federalism but extends it with new elements. While the old Federal Constitution of 1874 contained no explicit regulation of the implementation of federal law by the cantons, Art. 46 BV creates for the first time a constitutional foundation for this principle. The New Financial Equalization and Task Allocation System (NFA), which entered into force in 2008, further concretized the relationship between the Confederation and the cantons, particularly through the introduction of programme agreements in para. 2.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 46 BV stands in Title 3 of the Federal Constitution on the Confederation, Cantons and Communes, more precisely in Chapter 1 on the relationship between the Confederation and the cantons. The provision is closely linked with Art. 3 BV (Cantonal Sovereignty), Art. 5 BV (Principles of Rule of Law Activity), Art. 42 BV (Tasks of the Confederation), Art. 43 BV (Tasks of the Cantons) and Art. 49 BV (Supremacy and Observance of Federal Law).\n\n**N. 4** In the system of federal competence allocation, Art. 46 BV forms the hinge between legislation and law application. While Art. 42 ff. BV regulate legislative competences, Art. 46 BV determines executive competences. This separation between legislation and implementation is characteristic of Swiss federalism and distinguishes it from other federal systems.\n\n**N. 5** The provision stands in tension with Art. 178 BV, which assigns executive power to the Federal Council. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 5) emphasize that Art. 46 BV establishes a «presumption of implementation in favor of the cantons» (BSK BV, Art. 46 N. 15). This presumption can only be broken by explicit federal law regulations.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Implementation of Federal Law (Para. 1)\n\n**N. 6** The term «implementation» deliberately goes beyond mere execution. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 16) explain: «The term ‹implementation› is intended to clarify that the execution of federal law today extends beyond mere execution and also encompasses a certain degree of political design possibilities». This reflects the modern reality of administrative implementation, which no longer comprises only mechanical law application, but also concretization and elaboration.\n\n**N. 7** The term «federal law» in Art. 46 para. 1 BV encompasses, according to Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 18), the entire federal legal order: constitution, acts, ordinances and even federal decrees not subject to referendum. International law binding on Switzerland also belongs to it, insofar as it is self-executing or has been implemented through federal law.\n\n**N. 8** The phrase «in accordance with the constitution and the law» means that the cantonal implementation obligation finds its limits in the federal law requirements. The cantons must on the one hand implement federal law, but are on the other hand bound by federal law requirements. This double binding was concretized in **BGE 128 I 254**, where the Federal Supreme Court held that cantonal competence regulations must correspond to federal law requirements.\n\n### 3.2 Programme Agreements (Para. 2)\n\n**N. 9** Programme agreements represent an innovation of the NFA. They enable partnership cooperation between the Confederation and the cantons in the implementation of federal tasks. Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 25) characterize them as a new steering instrument in executive federalism.\n\n**N. 10** The legal nature of programme agreements is disputed. Lienhard/Kettiger (Gesetzgeberischer Handlungsbedarf, p. 45) qualify them as subordinate administrative law contracts. Wiget (in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag, p. 89) speaks of «federal subsidy contracts». Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 33) see in them «contracts with a constitutional law dimension», which can be designated as «federal subsidy contracts». This constitutional law dimension results from the federal context and the constitutional anchoring.\n\n**N. 11** The scope of application of programme agreements is, according to Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 27), to be understood broadly. They come into consideration where the Confederation financially supports cantons in fulfilling tasks and simultaneously wants to specify certain goals. Typical areas are environmental protection, regional policy, transport and education.\n\n### 3.3 Cantonal Design Freedom (Para. 3)\n\n**N. 12** Art. 46 para. 3 BV concretizes the subsidiarity principle in the implementation area. The provision obliges the Confederation to leave the cantons «the greatest possible design freedom». Waldmann/Borter (BSK BV, Art. 46 N. 39) emphasize that this provision applies to both the legislator and the ordinance-maker.\n\n**N. 13** The «cantonal particularities» to be taken into account encompass geographic, demographic, economic and cultural differences between the cantons. **BGE 142 I 99** illustrates this using the example of water use rights, where the Federal Supreme Court recognized cantonal water sovereignty as a particularity to be considered.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** From Art. 46 para. 1 BV follows a constitutionally direct implementation obligation of the cantons. This obligation exists regardless of whether the federal act contains an explicit implementation regulation. If such is lacking, the cantons are nevertheless obliged to implement, as **BGE 127 II 49** clarifies.\n\n**N. 15** The violation of the implementation obligation can have various consequences: supervisory measures by the Confederation (Art. 49 para. 2 BV), liability of the defaulting canton towards the Confederation or third parties, and in extreme cases the possibility for the Confederation to take implementation into its own hands (substitute performance).\n\n**N. 16** From Art. 46 para. 3 BV follows an optimization requirement: federal law implementation regulations must be designed such that they leave the cantons maximum design freedom, insofar as this is compatible with the federal law objectives. Excessively detailed implementation provisions by the Confederation can be unconstitutional against this background.\n\n## 5. Points of Dispute\n\n**N. 17** The delimitation between permissible cantonal design freedom and impermissible deviation from federal law is disputed. Biaggini (Vollzugslenkende Verwaltungsverordnung, ZBl 1997, p. 15) advocates a broad interpretation of cantonal competences. Steimen (Rechtsetzungsaufträge, p. 234) pleads for narrower limits to ensure uniformity of implementation. Practice shows that the boundary-drawing depends strongly on the respective subject area.\n\n**N. 18** Also controversial is the question of the extent to which the Confederation may intervene in cantonal implementation through ordinances. Zehnder (Gestaltungsfreiraum, p. 78) demands restrictive handling of Federal Council implementation ordinances. The Federal Office of Justice (Gesetzgebungsleitfaden, p. 456) represents the position, in contrast, that detailed implementation regulations are permissible insofar as they are necessary to ensure uniform implementation.\n\n**N. 19** Regarding programme agreements, there is disagreement about their bindingness. While Waldmann (Der verwaltungsrechtliche Vertrag, p. 19) assumes a fundamental binding effect, practice relativizes this position. The question of whether and under what conditions a party can unilaterally withdraw from a programme agreement is not conclusively clarified.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 20** In drafting cantonal implementation enactments, one must always examine what design scope federal law leaves. If federal law contains detailed requirements, cantonal scope is reduced to organizational and procedural law aspects. **BGE 136 I 220** shows that even well-intended cantonal regulations can violate federal law if they undermine the purpose of the federal act.\n\n**N. 21** Programme agreements should contain precise objectives, measurable indicators and clear financing modalities. Experience shows that unclear formulations lead to conflicts. Also important is the regulation of adjustment mechanisms in case of changed framework conditions.\n\n**N. 22** In crisis situations like the Covid-19 pandemic, the basic structure of executive federalism remains. **BGE 147 I 478** confirms that even emergency ordinances by cantons must be based on a federal law foundation. Cantonal design freedom does not automatically expand in such situations.\n\n**N. 23** In case of uncertainties about the scope of cantonal implementation competences, early consultation with the competent federal authorities is recommended. The cooperative element of Swiss federalism often enables pragmatic solutions that do justice to both levels.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## General duty of cantons to implement federal law\n\n**BGE 127 II 49** of 26.1.2001  \nFederal division of powers under Art. 46 para. 1 Cst.  \nThe Federal Supreme Court clarifies that Art. 46 para. 1 Cst. establishes the general principle that the cantons implement federal law in accordance with the Constitution and the law.\n\n> «Art. 46 para. 1 Cst. establishes the general principle that the cantons implement federal law in accordance with the Constitution and the law. Since the Constitution provides no details on this in Art. 121 Cst., according to the conception of Art. 46 para. 1 Cst., the federal legislature must therefore determine the extent to which the cantons should be entrusted with the implementation of federal law in the field of foreign nationals law.»\n\n**BGE 128 I 254** of 14.8.2002  \nCantonal jurisdiction in spatial planning law  \nCantonal implementation of federal law must comply with federal requirements, including in the organisation of jurisdictions.\n\n> «Art. 25 para. 2 SPA requires, in the interest of uniform and legally equal application of the law throughout the canton, that all applications for building projects outside building zones be handled by a cantonal authority. Art. 84 para. 1 of the Bernese Building Act, which transfers this competence to the (currently 26) prefects, does not meet this requirement.»\n\n## Cantonal regulations contrary to federal law\n\n**BGE 136 I 220** of 15.4.2010  \nPremium reductions in health insurance law  \nCantonal regulations that undermine the purpose of federal laws are contrary to federal law, even if they were enacted within the scope of cantonal implementation competence.\n\n> «A cantonal regulation according to which premium reduction contributions can be offset against tax debts is incompatible with the objectives of the HIA and therefore contrary to federal law.»\n\n**BGE 130 I 26** of 27.11.2003  \nAdmission restrictions for healthcare providers  \nCantonal implementing ordinances on federal law must remain within the scope of federal requirements.\n\n> «The restriction on the admission of healthcare providers to practice at the expense of compulsory health insurance, issued by the Federal Council under Art. 55a HIA and specified by the Government Council of the Canton of Zurich, does not violate - insofar as this can be examined under Art. 191 Cst. - either the Agreement on the Free Movement of Persons or economic freedom.»\n\n## Freedom of organisation in implementation\n\n**BGE 142 I 99** of 31.3.2016  \nWater use rights of the Canton of Uri  \nArt. 46 para. 3 Cst. grants the cantons freedom of organisation in the implementation of federal law, provided that federal requirements are met.\n\n> «The Confederation has basic competence to regulate water use while the cantons have sovereignty over water bodies. They are therefore authorised to manage public water bodies in their territory and exercise corresponding sovereign rights.»\n\n**BGE 131 II 13** of 30.11.2004  \nImplementing ordinance in telecommunications law  \nFederal ordinances must have sufficient legal basis; the cantons are bound by these constitutional limits in implementation.\n\n> «If the Telecommunications Act contains a sufficient basis for establishing an interconnection obligation for subscriber connections by Federal Council ordinance, the cantons are also bound by this in implementation.»\n\n## Implementation in special situations\n\n**BGE 147 I 478** of 25.6.2021  \nCovid-19 measures of the Canton of Schwyz  \nThe cantons implement federal law under Art. 46 para. 1 Cst. even in extraordinary situations; cantonal implementing ordinances must be able to rely on sufficient federal legal foundations.\n\n> «The contested ordinance is to be qualified as an implementing ordinance under Art. 40 EpA, which the Government Council of the Canton of Schwyz is competent to issue.»\n\n**BGE 141 II 169** of 30.3.2015  \nSupervisory function and approval procedure  \nWhen transferring implementation competences, the constitutional requirements for legislative delegation must be observed.\n\n> «The transfer of approval authority requires a sufficiently specific legal basis and must comply with the constitutional requirements for delegation.»\n\n## Federal supervision over cantonal implementation\n\n**BGE 135 II 94** of 5.2.2009  \nStanding requirements for Federal Supreme Court appeals  \nFederal supervision over cantonal implementation of federal law also occurs through control of cantonal procedural organisation.\n\n> «The detention court of the Bern-Mittelland investigation region only partially meets the legal requirements as a higher court within the meaning of Art. 86 para. 2 FSCA.»\n\n**BGE 143 V 269** of 29.6.2017  \nCost allocation for court expert reports  \nCantonal implementation of federal law must also respect the cost distribution prescribed by federal law.\n\n> «In accordance with previous case law, Art. 45 para. 1 GSIA provides a sufficient legal basis for imposing the costs of a multidisciplinary court expert report on the insured person.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_46", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 47, "article_suffix": "", "title": "Eigenständigkeit der Kantone", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 47 der Bundesverfassung schützt die Eigenständigkeit der Kantone vor zu starken Eingriffen des Bundes. Diese Norm ist das verfassungsrechtliche Herzstück des schweizerischen Föderalismus (Aufteilung der Macht zwischen Bund und Kantonen).\n\nAbsatz 1 verpflichtet den Bund, die kantonale Eigenständigkeit zu wahren. Das bedeutet: Der Bund darf seine Kompetenzen nicht übermässig ausweiten und muss bei der Rechtsetzung auf kantonale Besonderheiten Rücksicht nehmen.\n\nAbsatz 2 konkretisiert drei wichtige Bereiche: Erstens müssen die Kantone genügend eigene Aufgaben behalten können. Zweitens dürfen sie ihre interne Organisation selbst bestimmen (Organisationsautonomie). Drittens muss ihnen der Bund ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten belassen und sie bei Bedarf unterstützen.\n\nEin Beispiel aus der Praxis: Als der Bund während der COVID-19-Pandemie umfassende Massnahmen erliess, prüfte das Bundesgericht, ob genügend Raum für kantonale Lösungen blieb. Die Kantone konnten weiterhin ihre Organisationsstrukturen selbst bestimmen, mussten aber die bundesrechtlichen Vorgaben beachten.\n\nDie rechtlichen Folgen sind vielfältig: Artikel 47 BV dient als Auslegungshilfe für Gesetze und begrenzt die Bundeskompetenzen. Er begründet jedoch keinen direkten Anspruch der Kantone auf bestimmte Aufgaben oder Gelder. Vielmehr schreibt er vor, dass der Bund bei all seinen Tätigkeiten die föderalistische Struktur der Schweiz respektieren muss.\n\nDiese Bestimmung betrifft alle Ebenen: den Bund bei der Gesetzgebung, die Kantone bei der Umsetzung und die Gerichte bei der Auslegung von Kompetenzkonflikten.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung von Art. 47 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung als neue Garantienorm des Föderalismus eingefügt. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 202 f.) betont, dass die Norm als «Grundsatzbestimmung zum Verhältnis Bund-Kantone» konzipiert wurde. Bereits der Expertenbericht 1977 und die Erläuterungen zum VE 1995 hatten eine ausdrückliche Verankerung des Föderalismusprinzips gefordert. \n\n**N. 2** Die Formulierung sollte über die traditionelle Kompetenzverteilung hinausgehen und eine umfassende Garantie der kantonalen Eigenständigkeit schaffen. Im parlamentarischen Verfahren wurde Abs. 2 ergänzt, um die finanzielle Dimension der kantonalen Autonomie ausdrücklich zu verankern. Diese Ergänzung erfolgte im Hinblick auf die später umgesetzte Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA), siehe Botsch. NFA I (BBl 2002 2291, 2344 ff.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 47 BV ist im zweiten Titel über Bund, Kantone und Gemeinden platziert und bildet zusammen mit Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts) und Art. 48 BV (Verträge zwischen Kantonen) die verfassungsrechtliche Grundlage der föderalistischen Ordnung. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 3 BV (Kompetenzaufteilung), → Art. 5a BV (Subsidiaritätsprinzip) und → Art. 43a BV (Aufgabenzuteilung).\n\n**N. 4** Systematisch ist Art. 47 BV als Konkretisierung des in der Präambel und Art. 1 BV verankerten Föderalismusprinzips zu verstehen. Die Norm fungiert als Brücke zwischen der allgemeinen Kompetenzordnung und den spezifischen Aufgabenzuweisungen ab Art. 54 ff. BV. Zudem steht sie in Wechselwirkung mit → Art. 49 BV (Vorrang des Bundesrechts) und → Art. 50 BV (Gemeindeautonomie).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff «Eigenständigkeit» ist das zentrale Tatbestandsmerkmal von Abs. 1. Nach Hangartner (ZSR 2012 I 145 ff., 156) ist im Deutschen stets von «Eigenständigkeit» zu sprechen, nicht von «Autonomie». Demgegenüber vertreten andere Autorinnen und Autoren die Auffassung, dass «Eigenständigkeit» synonym mit «Autonomie» verwendet werden kann (Egli, SG Komm. BV [2. Aufl.], Art. 47 N 5; ders., ZSR 2011 I 366 f.; Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 12).\n\n**N. 6** Die «Wahrung» der Eigenständigkeit umfasst nach der Lehre drei Dimensionen: Erstens die Achtung der verfassungsmässigen Kompetenzordnung, zweitens die Berücksichtigung kantonaler Besonderheiten bei der Bundesrechtsetzung und drittens die Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von Bundeskompetenzen (Martenet, L'Autonomie constitutionnelle des cantons, 1999, S. 245 ff.).\n\n**N. 7** Abs. 2 konkretisiert drei Aspekte der kantonalen Eigenständigkeit: Die Aufgabenautonomie (Satz 1), die Organisationsautonomie (Satz 2, erste Hälfte) und die Finanzautonomie (Satz 2, zweite Hälfte). Diese Trias bildet nach Pippig (Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, S. 78 ff.) das Fundament der kantonalen Staatlichkeit.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die rechtliche Einordnung von Art. 47 BV ist umstritten. Nach Egli (SG Komm. BV, Art. 47 N 8) und Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N 3) hat die Bestimmung einen programmatischen Gehalt. Demgegenüber vertreten Hangartner (ZSR 2012 I 155) und Fleiner et al. (BV-CF-Forster, 132) die Auffassung, dass Art. 47 BV durchaus justiziable Elemente enthält.\n\n**N. 9** In der Praxis zeigt sich, dass das Bundesgericht Art. 47 BV als Auslegungshilfe und Schranke für bundesrechtliche Eingriffe heranzieht (**BGE 128 I 254** E. 3; **BGE 135 I 28** E. 5). Die Norm begründet jedoch nach herrschender Lehre keinen selbstständigen Anspruch auf bestimmte Kompetenzen oder Finanzausstattungen (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11).\n\n**N. 10** Als konkrete Rechtsfolgen ergeben sich: Die Pflicht zur zurückhaltenden Ausübung von Bundeskompetenzen, das Gebot der föderalismusfreundlichen Auslegung von Bundesrecht sowie die Verpflichtung zur Berücksichtigung kantonaler Anliegen im Gesetzgebungsverfahren (Botsch. BV, BBl 1997 I 202).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** Die Frage nach der normativen Kraft von Art. 47 BV wird kontrovers diskutiert. Der Bundesrat und Teile der Lehre sehen in der Norm eine Garantie, dass der Bund den Kern der Eigenständigkeit der Kantone nicht verletzen darf (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11). Kritische Stimmen wie Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N. 26) stellen jedoch infrage, ob Art. 47 Abs. 1 tatsächlich geeignet ist, einen substantiellen Föderalismus zu gewährleisten.\n\n**N. 12** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Terminologie. Während Hangartner (ZSR 2012 I 145 ff., 156) fordert, im Deutschen stets von «Eigenständigkeit» zu sprechen und nicht von «Autonomie», verwenden andere Autorinnen und Autoren die Begriffe synonym (Egli, SG Komm. BV [2. Aufl.], Art. 47 N 5; ders., ZSR 2011 I 366 f.). Diese terminologische Debatte hat auch Auswirkungen auf die Auslegung der Norm.\n\n**N. 13** Umstritten ist schliesslich, ob aus Art. 47 Abs. 2 BV konkrete Finanzierungsansprüche abgeleitet werden können. Während ein Teil der Lehre dies bejaht (Pippig, Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, S. 156 ff.), verneint die Praxis des Bundesgerichts direkte Leistungsansprüche der Kantone gegenüber dem Bund (**BGE 135 I 28** E. 5).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Berufung auf Art. 47 BV sollte beachtet werden, dass die Norm primär als Auslegungsregel und weniger als eigenständiger Anspruchsgrund fungiert. Erfolgreicher sind Rügen, die Art. 47 BV in Verbindung mit spezifischen Kompetenz- oder Autonomienormen geltend machen (↔ Art. 3 BV, ↔ Art. 50 BV).\n\n**N. 15** Im Gesetzgebungsverfahren ist Art. 47 BV bei der Vernehmlassung und parlamentarischen Beratung als Argument für die Berücksichtigung kantonaler Anliegen einzusetzen. Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) stützt sich regelmässig auf diese Bestimmung bei ihren Stellungnahmen zu Bundesvorlagen.\n\n**N. 16** Bei interkantonalen Streitigkeiten kann Art. 47 BV als Grundlage für die gegenseitige Rücksichtnahme und den Schutz kleinerer Kantone herangezogen werden. Die Norm verpflichtet nicht nur den Bund, sondern indirekt auch die Kantone zur Wahrung der föderalistischen Vielfalt (↔ Art. 48 BV).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Organisationsautonomie der Kantone\n\n**BGE 128 I 254** vom 14.8.2002 (E. 3-4)\n\nDas Bundesgericht stellte klar, dass die kantonale Organisationsautonomie Grenzen kennt, wenn Bundesrecht einheitliche Anwendung verlangt. Art. 25 Abs. 2 RPG verlangt im Interesse einer gesamtkantonal einheitlichen und rechtsgleichen Rechtsanwendung, dass sämtliche Gesuche für Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone von einer kantonalen Behörde behandelt werden. Die Kompetenzverteilung auf 26 Regierungsstatthalter im Kanton Bern erfüllte diese bundesrechtliche Anforderung nicht.\n\n> «Art. 25 Abs. 1 RPG statuiert den Grundsatz der Organisationsautonomie der Kantone. Dieser Grundsatz wird in Abs. 2 insofern eingeschränkt, als die Zuständigkeit einer kantonalen Behörde vorgeschrieben wird.»\n\n**BGE 144 IV 240** vom 14.6.2018 (E. 2.5)\n\nBei der Auslegung von Art. 104 Abs. 2 StPO betonte das Bundesgericht die Bedeutung der kantonalen Organisationsautonomie nach Art. 47 BV. Dennoch können die Kantone keine Vorschriften erlassen, die dem Bundesrecht widersprechen. Die Organisationsautonomie berechtigt Kantone nicht dazu, privaten Organisationen Behördenstatus zu verleihen, wenn dies bundesrechtliche Grenzen überschreitet.\n\n> «Zwar wahrt der Bund die Eigenständigkeit der Kantone und belässt ihnen ausreichend eigene Aufgaben und beachtet ihre Organisationsautonomie (vgl. Art. 47 BV). [...] Allerdings dürfen die Kantone keine Vorschriften aufstellen, die dem Recht des Bundes widersprechen.»\n\n### Finanzielle Eigenständigkeit und Aufgabenverteilung\n\n**BGE 147 I 136** vom 18.5.2020 (E. 2)\n\nDas Bundesgericht anerkannte die Gemeindeautonomie bei der Festsetzung des Steuerfusses als Ausprägung der durch Art. 47 BV geschützten kantonalen Eigenständigkeit. Der Entzug dieser Kompetenz durch den Kanton verletzt die verfassungsrechtlich garantierte Autonomie. Die Entscheidung zeigt die Grenzen staatlicher Eingriffe in autonome Bereiche der nachgelagerten Ebenen.\n\n> «Den luzernischen Gemeinden kommt bei der Festsetzung des Gemeindesteuerfusses Autonomie zu. Der Entzug der Kompetenz zur Festsetzung des Gemeindesteuerfusses verletzt die Gemeindeautonomie und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit.»\n\n**BGE 135 I 28** vom 12.12.2008 (E. 5)\n\nIm Bereich der beruflichen Vorsorge bestätigte das Bundesgericht, dass Gemeinden als eigenständige Träger öffentlicher Aufgaben grundsätzlich frei sind, eigene Vorsorgeeinrichtungen zu errichten oder sich bestehenden anzuschliessen. Eine kantonalrechtliche Regelung, welche den zwingenden Anschluss an eine bestimmte Vorsorgeeinrichtung vorschreibt, verletzt die durch Art. 47 BV geschützte kommunale Eigenständigkeit.\n\n> «Die Gemeinden sind befugt, zur Durchführung der beruflichen Vorsorge ihres Personals eine eigene Vorsorgeeinrichtung zu errichten oder sich zu diesem Zweck einer registrierten Vorsorgeeinrichtung [...] anzuschliessen. Eine kantonalrechtliche Regelung, welche den Anschluss [...] an eine bestimmte Vorsorgeeinrichtung vorschreibt, ist bundesrechtswidrig.»\n\n### Verhältnis zwischen Bundes- und Kantonsrecht\n\n**BGE 148 I 33** vom 3.9.2021 (E. 5.2-5.4)\n\nDas Bundesgericht präzisierte die Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen im Gesundheitswesen während der COVID-19-Pandemie. Nach Art. 49 Abs. 1 BV können Kantone in abschliessend geregelten Sachgebieten nur noch tätig werden, soweit dies in der Bundesgesetzgebung ausdrücklich vorgesehen ist. Die kantonale Organisationsautonomie bleibt aber grundsätzlich erhalten.\n\n> «Nach dem Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV) können die Kantone in Sachgebieten, welche die Bundesgesetzgebung abschliessend geregelt hat, keine Rechtsetzungskompetenzen mehr wahrnehmen, soweit sie nicht in der einschlägigen Bundesgesetzgebung ausdrücklich vorgesehen sind.»\n\n**BGE 148 I 19** vom 3.9.2021 (E. 5)\n\nIn einem weiteren COVID-19-Entscheid bekräftigte das Bundesgericht die Bedeutung der kantonalen Umsetzungsfreiheit bei bundesrechtlich vorgegebenen Rahmenbedingungen. Die Kantone behalten auch bei umfassenden Bundesregelungen einen gewissen Gestaltungsspielraum, der jedoch nicht zur Umgehung bundesrechtlicher Vorgaben genutzt werden darf.\n\n### Interkantonale Zusammenarbeit\n\n**BGE 148 I 65** vom 28.7.2021 (E. 3-4)\n\nBei der interkantonalen Steuerausscheidung konkretisierte das Bundesgericht die Pflicht zur koordinierten Aufgabenerfüllung. Art. 127 Abs. 3 BV verbietet die interkantonale Doppelbesteuerung und verlangt von den Kantonen eine abgestimmte Anwendung ihrer Steuerhoheit. Dies zeigt, dass kantonale Eigenständigkeit mit der Verpflichtung zur Koordination einhergeht.\n\n> «Grundsätze des interkantonalen Doppelbesteuerungsrechts und faktisches Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung bei Kapitalsteuern.»\n\n**BGE 150 II 527** vom 18.7.2024 (E. 4-5)\n\nDas Bundesgericht unterstrich erneut die Bedeutung einheitlicher Grundsätze bei der interkantonalen Steuerausscheidung. Die kantonale Steuerhoheit muss so ausgeübt werden, dass die verfassungsrechtlichen Vorgaben zur Vermeidung von Doppelbesteuerung eingehalten werden. Dies illustriert das Spannungsfeld zwischen kantonaler Eigenständigkeit und bundesrechtlichen Koordinationspflichten.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'article 47 de la Constitution fédérale protège l'autonomie des cantons contre des interventions trop fortes de la Confédération. Cette norme constitue le cœur constitutionnel du fédéralisme suisse (répartition du pouvoir entre la Confédération et les cantons).\n\nL'alinéa 1 oblige la Confédération à respecter l'autonomie cantonale. Cela signifie que la Confédération ne peut pas étendre ses compétences de manière excessive et doit tenir compte des particularités cantonales lors de l'édiction du droit.\n\nL'alinéa 2 concrétise trois domaines importants : premièrement, les cantons doivent pouvoir conserver suffisamment de tâches propres. Deuxièmement, ils peuvent déterminer eux-mêmes leur organisation interne (autonomie organisationnelle). Troisièmement, la Confédération doit leur laisser des possibilités de financement suffisantes et les soutenir en cas de besoin.\n\nUn exemple tiré de la pratique : lorsque la Confédération a édicté des mesures étendues pendant la pandémie de COVID-19, le Tribunal fédéral a examiné si suffisamment d'espace demeurait pour des solutions cantonales. Les cantons ont pu continuer à déterminer eux-mêmes leurs structures organisationnelles, mais ont dû respecter les prescriptions du droit fédéral.\n\nLes conséquences juridiques sont multiples : l'article 47 Cst. sert d'aide à l'interprétation des lois et limite les compétences fédérales. Il ne fonde cependant aucun droit direct des cantons à certaines tâches ou ressources financières. Il prescrit plutôt que la Confédération doit respecter la structure fédéraliste de la Suisse dans toutes ses activités.\n\nCette disposition concerne tous les niveaux : la Confédération lors de la législation, les cantons lors de la mise en œuvre et les tribunaux lors de l'interprétation des conflits de compétences.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La disposition de l'art. 47 Cst. a été intégrée dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale comme nouvelle norme de garantie du fédéralisme. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 202 s.) souligne que la norme a été conçue comme « disposition de principe concernant les rapports Confédération-cantons ». Déjà le rapport d'experts de 1977 et les explications relatives au projet de 1995 avaient exigé un ancrage explicite du principe fédéraliste.\n\n**N. 2** La formulation devait aller au-delà de la répartition traditionnelle des compétences et créer une garantie globale de l'autonomie cantonale. Au cours de la procédure parlementaire, l'al. 2 a été complété afin d'ancrer expressément la dimension financière de l'autonomie cantonale. Ce complément a été apporté en vue de la réforme ultérieure de la péréquation financière et de la répartition des tâches (RPT), voir Message RPT I (FF 2002 2155, 2217 ss.).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 47 Cst. est placé dans le deuxième titre concernant la Confédération, les cantons et les communes et forme, avec l'art. 46 Cst. (mise en œuvre du droit fédéral) et l'art. 48 Cst. (conventions entre cantons), la base constitutionnelle de l'ordre fédéraliste. La norme entretient des liens étroits avec → l'art. 3 Cst. (répartition des compétences), → l'art. 5a Cst. (principe de subsidiarité) et → l'art. 43a Cst. (répartition des tâches).\n\n**N. 4** Systématiquement, l'art. 47 Cst. est à comprendre comme une concrétisation du principe fédéraliste ancré dans le préambule et l'art. 1 Cst. La norme fonctionne comme un pont entre l'ordre général des compétences et les attributions spécifiques de tâches à partir de l'art. 54 ss Cst. Elle est en outre en interaction avec → l'art. 49 Cst. (primauté du droit fédéral) et → l'art. 50 Cst. (autonomie communale).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** Le terme « autonomie » est l'élément constitutif central de l'al. 1. Selon Hangartner (ZSR 2012 I 145 ss, 156), il faut toujours parler en allemand d'« Eigenständigkeit », non d'« Autonomie ». À l'inverse, d'autres auteurs sont d'avis qu'« Eigenständigkeit » peut être utilisé de manière synonyme avec « Autonomie » (Egli, SG Komm. BV [2e éd.], Art. 47 N 5 ; même auteur, ZSR 2011 I 366 s. ; Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 12).\n\n**N. 6** Le « respect » de l'autonomie englobe selon la doctrine trois dimensions : premièrement le respect de l'ordre constitutionnel des compétences, deuxièmement la prise en considération des particularités cantonales lors de l'édiction du droit fédéral et troisièmement la retenue dans l'exercice des compétences fédérales (Martenet, L'Autonomie constitutionnelle des cantons, 1999, p. 245 ss).\n\n**N. 7** L'al. 2 concrétise trois aspects de l'autonomie cantonale : l'autonomie des tâches (1re phrase), l'autonomie organisationnelle (2e phrase, première moitié) et l'autonomie financière (2e phrase, seconde moitié). Cette triade constitue selon Pippig (Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, p. 78 ss) le fondement de l'étaticité cantonale.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** La qualification juridique de l'art. 47 Cst. est controversée. Selon Egli (SG Komm. BV, Art. 47 N 8) et Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N 3), la disposition a un contenu programmatique. À l'inverse, Hangartner (ZSR 2012 I 155) et Fleiner et al. (BV-CF-Forster, 132) sont d'avis que l'art. 47 Cst. contient tout à fait des éléments justiciables.\n\n**N. 9** Dans la pratique, il apparaît que le Tribunal fédéral utilise l'art. 47 Cst. comme aide à l'interprétation et limite pour les interventions du droit fédéral (**ATF 128 I 254** consid. 3 ; **ATF 135 I 28** consid. 5). Cependant, selon la doctrine dominante, la norme ne fonde pas de droit autonome à certaines compétences ou dotations financières (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11).\n\n**N. 10** Comme conséquences juridiques concrètes résultent : l'obligation d'exercer avec retenue les compétences fédérales, le commandement d'interprétation favorable au fédéralisme du droit fédéral ainsi que l'obligation de tenir compte des préoccupations cantonales dans la procédure législative (Message Cst., FF 1997 I 202).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 11** La question de la force normative de l'art. 47 Cst. fait l'objet de discussions controversées. Le Conseil fédéral et une partie de la doctrine voient dans la norme une garantie que la Confédération ne peut violer le noyau de l'autonomie des cantons (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11). Cependant, des voix critiques comme Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N. 26) remettent en question si l'art. 47 al. 1 est effectivement approprié pour garantir un fédéralisme substantiel.\n\n**N. 12** Un autre point de controverse concerne la terminologie. Alors que Hangartner (ZSR 2012 I 145 ss, 156) exige qu'en allemand on parle toujours d'« Eigenständigkeit » et non d'« Autonomie », d'autres auteurs utilisent les termes de manière synonyme (Egli, SG Komm. BV [2e éd.], Art. 47 N 5 ; même auteur, ZSR 2011 I 366 s.). Ce débat terminologique a aussi des répercussions sur l'interprétation de la norme.\n\n**N. 13** Il est finalement controversé de savoir si de l'art. 47 al. 2 Cst. peuvent être dérivés des droits concrets de financement. Tandis qu'une partie de la doctrine l'affirme (Pippig, Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, p. 156 ss), la pratique du Tribunal fédéral nie des droits directs à des prestations des cantons envers la Confédération (**ATF 135 I 28** consid. 5).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 14** Lors de l'invocation de l'art. 47 Cst., il faut observer que la norme fonctionne principalement comme règle d'interprétation et moins comme fondement autonome de prétentions. Plus fructueux sont les griefs qui font valoir l'art. 47 Cst. en relation avec des normes spécifiques de compétences ou d'autonomie (↔ Art. 3 Cst., ↔ Art. 50 Cst.).\n\n**N. 15** Dans la procédure législative, l'art. 47 Cst. doit être utilisé lors de la consultation et des délibérations parlementaires comme argument pour la prise en considération des préoccupations cantonales. La Conférence des gouvernements cantonaux (CdC) se fonde régulièrement sur cette disposition dans ses prises de position sur les projets fédéraux.\n\n**N. 16** Lors de litiges intercantonaux, l'art. 47 Cst. peut être invoqué comme base pour les égards mutuels et la protection des petits cantons. La norme oblige non seulement la Confédération, mais indirectement aussi les cantons à respecter la diversité fédéraliste (↔ Art. 48 Cst.).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Autonomie organisationnelle des cantons\n\n**BGE 128 I 254** du 14.8.2002 (consid. 3-4)\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que l'autonomie organisationnelle cantonale connaît des limites lorsque le droit fédéral exige une application uniforme. L'art. 25 al. 2 LAT exige, dans l'intérêt d'une application uniforme et égalitaire du droit sur l'ensemble du territoire cantonal, que toutes les demandes relatives à des projets de construction en dehors des zones à bâtir soient traitées par une autorité cantonale. La répartition des compétences sur 26 préfets dans le canton de Berne ne satisfaisait pas à cette exigence du droit fédéral.\n\n> « L'art. 25 al. 1 LAT pose le principe de l'autonomie organisationnelle des cantons. Ce principe est limité par l'al. 2 dans la mesure où la compétence d'une autorité cantonale est prescrite. »\n\n**BGE 144 IV 240** du 14.6.2018 (consid. 2.5)\n\nLors de l'interprétation de l'art. 104 al. 2 CPP, le Tribunal fédéral a souligné l'importance de l'autonomie organisationnelle cantonale selon l'art. 47 Cst. Néanmoins, les cantons ne peuvent pas édicter de dispositions qui contredisent le droit fédéral. L'autonomie organisationnelle n'autorise pas les cantons à conférer le statut d'autorité à des organisations privées lorsque cela dépasse les limites du droit fédéral.\n\n> « Certes, la Confédération préserve l'autonomie des cantons et leur laisse suffisamment de tâches propres et respecte leur autonomie organisationnelle (cf. art. 47 Cst.). [...] Toutefois, les cantons ne peuvent pas établir de dispositions qui contredisent le droit fédéral. »\n\n### Autonomie financière et répartition des tâches\n\n**BGE 147 I 136** du 18.5.2020 (consid. 2)\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu l'autonomie communale dans la fixation du multiplicateur fiscal comme une manifestation de l'autonomie cantonale protégée par l'art. 47 Cst. Le retrait de cette compétence par le canton viole l'autonomie garantie par la Constitution. La décision montre les limites des interventions étatiques dans les domaines autonomes des niveaux inférieurs.\n\n> « Les communes lucernoises jouissent d'une autonomie dans la fixation du multiplicateur fiscal communal. Le retrait de la compétence de fixer le multiplicateur fiscal communal viole l'autonomie communale et le principe de proportionnalité. »\n\n**BGE 135 I 28** du 12.12.2008 (consid. 5)\n\nDans le domaine de la prévoyance professionnelle, le Tribunal fédéral a confirmé que les communes, en tant que porteurs autonomes de tâches publiques, sont en principe libres de créer leurs propres institutions de prévoyance ou de s'affilier à des institutions existantes. Une réglementation de droit cantonal qui prescrit l'affiliation obligatoire à une institution de prévoyance déterminée viole l'autonomie communale protégée par l'art. 47 Cst.\n\n> « Les communes sont habilitées à créer, pour l'exécution de la prévoyance professionnelle de leur personnel, leur propre institution de prévoyance ou à s'affilier à cette fin à une institution de prévoyance enregistrée [...]. Une réglementation de droit cantonal qui prescrit l'affiliation [...] à une institution de prévoyance déterminée est contraire au droit fédéral. »\n\n### Rapport entre droit fédéral et droit cantonal\n\n**BGE 148 I 33** du 3.9.2021 (consid. 5.2-5.4)\n\nLe Tribunal fédéral a précisé la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine de la santé pendant la pandémie de COVID-19. Selon l'art. 49 al. 1 Cst., les cantons ne peuvent agir dans des domaines réglés de manière exhaustive que dans la mesure où cela est expressément prévu dans la législation fédérale. L'autonomie organisationnelle cantonale demeure cependant en principe maintenue.\n\n> « Selon le principe de la primauté du droit fédéral (art. 49 al. 1 Cst.), les cantons ne peuvent plus exercer de compétences législatives dans les domaines que la législation fédérale a réglés de manière exhaustive, sauf si elles sont expressément prévues dans la législation fédérale pertinente. »\n\n**BGE 148 I 19** du 3.9.2021 (consid. 5)\n\nDans une autre décision COVID-19, le Tribunal fédéral a réaffirmé l'importance de la liberté de mise en œuvre cantonale dans le cadre de conditions fixées par le droit fédéral. Les cantons conservent une certaine marge de manœuvre même en cas de réglementations fédérales étendues, mais celle-ci ne peut pas être utilisée pour contourner les prescriptions du droit fédéral.\n\n### Coopération intercantonale\n\n**BGE 148 I 65** du 28.7.2021 (consid. 3-4)\n\nEn matière de répartition fiscale intercantonale, le Tribunal fédéral a concrétisé l'obligation d'accomplissement coordonné des tâches. L'art. 127 al. 3 Cst. interdit la double imposition intercantonale et exige des cantons une application coordonnée de leur souveraineté fiscale. Cela montre que l'autonomie cantonale va de pair avec l'obligation de coordination.\n\n> « Principes du droit de la double imposition intercantonale et interdiction de fait de la double imposition intercantonale en matière d'impôts sur le capital. »\n\n**BGE 150 II 527** du 18.7.2024 (consid. 4-5)\n\nLe Tribunal fédéral a souligné une nouvelle fois l'importance de principes uniformes dans la répartition fiscale intercantonale. La souveraineté fiscale cantonale doit s'exercer de manière à respecter les prescriptions constitutionnelles visant à éviter la double imposition. Cela illustre le champ de tension entre l'autonomie cantonale et les obligations de coordination du droit fédéral.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 47 della Costituzione federale protegge l'autonomia dei Cantoni da interventi eccessivi della Confederazione. Questa norma è il cuore costituzionale del federalismo svizzero (ripartizione del potere tra Confederazione e Cantoni).\n\nIl capoverso 1 obbliga la Confederazione a rispettare l'autonomia cantonale. Ciò significa che la Confederazione non può estendere eccessivamente le sue competenze e deve tener conto delle particolarità cantonali nella sua attività legislativa.\n\nIl capoverso 2 concretizza tre settori importanti: in primo luogo, i Cantoni devono poter conservare sufficienti compiti propri. In secondo luogo, possono determinare autonomamente la loro organizzazione interna (autonomia organizzativa). In terzo luogo, la Confederazione deve lasciar loro sufficienti possibilità di finanziamento e sostenerli se necessario.\n\nUn esempio dalla pratica: quando durante la pandemia di COVID-19 la Confederazione emanò misure complete, il Tribunale federale verificò se rimaneva sufficiente spazio per soluzioni cantonali. I Cantoni poterono continuare a determinare autonomamente le loro strutture organizzative, ma dovettero rispettare le prescrizioni del diritto federale.\n\nLe conseguenze giuridiche sono molteplici: l'articolo 47 Cost. serve come ausilio interpretativo per le leggi e limita le competenze federali. Tuttavia, non fonda alcun diritto diretto dei Cantoni a determinati compiti o fondi. Piuttosto prescrive che la Confederazione deve rispettare la struttura federalista della Svizzera in tutte le sue attività.\n\nQuesta disposizione riguarda tutti i livelli: la Confederazione nella legislazione, i Cantoni nell'attuazione e i tribunali nell'interpretazione di conflitti di competenze.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** La disposizione dell'art. 47 Cost. è stata inserita nel quadro della revisione totale della Costituzione federale come nuova norma di garanzia del federalismo. Il messaggio sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 202 seg.) sottolinea che la norma è stata concepita come «disposizione di principio sui rapporti Confederazione-Cantoni». Già il rapporto di esperti del 1977 e le spiegazioni sull'AP 1995 avevano richiesto un ancoraggio esplicito del principio federalista.\n\n**N. 2** La formulazione doveva andare oltre la tradizionale ripartizione delle competenze e creare una garanzia globale dell'autonomia cantonale. Nel procedimento parlamentare è stato aggiunto il cpv. 2 per ancorare espressamente la dimensione finanziaria dell'autonomia cantonale. Questa aggiunta è avvenuta in vista della successiva attuazione della nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti (NPC), cfr. messaggio NPC I (FF 2002 2155, 2207 segg.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 47 Cost. è collocato nel secondo titolo sui rapporti tra Confederazione, Cantoni e Comuni e forma, insieme all'art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale) e all'art. 48 Cost. (accordi tra Cantoni), la base costituzionale dell'ordinamento federalista. La norma è strettamente collegata con → art. 3 Cost. (ripartizione delle competenze), → art. 5a Cost. (principio di sussidiarietà) e → art. 43a Cost. (attribuzione dei compiti).\n\n**N. 4** Sistematicamente l'art. 47 Cost. va inteso come concretizzazione del principio federalista ancorato nel preambolo e nell'art. 1 Cost. La norma funge da ponte tra l'ordinamento generale delle competenze e le specifiche attribuzioni di compiti a partire dall'art. 54 segg. Cost. È inoltre in interazione con → art. 49 Cost. (primato del diritto federale) e → art. 50 Cost. (autonomia comunale).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** Il concetto di «autonomia» è l'elemento centrale della fattispecie del cpv. 1. Secondo Hangartner (ZSR 2012 I 145 segg., 156) in tedesco si deve sempre parlare di «Eigenständigkeit», non di «Autonomie». Altri autori sostengono invece che «Eigenständigkeit» può essere usato come sinonimo di «Autonomie» (Egli, SG Komm. BV [2a ed.], art. 47 n. 5; id., ZSR 2011 I 366 seg.; Belser/Massüger, BSK BV, art. 47 n. 12).\n\n**N. 6** Il «rispetto» dell'autonomia comprende secondo la dottrina tre dimensioni: in primo luogo il rispetto dell'ordinamento costituzionale delle competenze, in secondo luogo la considerazione delle particolarità cantonali nella legislazione federale e in terzo luogo la moderazione nell'impiego delle competenze federali (Martenet, L'Autonomie constitutionnelle des cantons, 1999, pag. 245 segg.).\n\n**N. 7** Il cpv. 2 concretizza tre aspetti dell'autonomia cantonale: l'autonomia dei compiti (prima frase), l'autonomia organizzativa (seconda frase, prima parte) e l'autonomia finanziaria (seconda frase, seconda parte). Questa triade forma secondo Pippig (Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, pag. 78 segg.) il fondamento della statualità cantonale.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La qualificazione giuridica dell'art. 47 Cost. è controversa. Secondo Egli (SG Komm. BV, art. 47 n. 8) e Biaggini (Komm. BV, art. 47 n. 3) la disposizione ha un contenuto programmatico. Al contrario Hangartner (ZSR 2012 I 155) e Fleiner et al. (BV-CF-Forster, 132) sostengono che l'art. 47 Cost. contiene elementi giusticiabili.\n\n**N. 9** Nella prassi si dimostra che il Tribunale federale ricorre all'art. 47 Cost. come ausilio interpretativo e limite per gli interventi del diritto federale (**DTF 128 I 254** consid. 3; **DTF 135 I 28** consid. 5). Tuttavia secondo la dottrina dominante la norma non fonda alcun diritto autonomo a determinate competenze o dotazioni finanziarie (Belser/Massüger, BSK BV, art. 47 n. 11).\n\n**N. 10** Come conseguenze giuridiche concrete risultano: l'obbligo di esercitare con moderazione le competenze federali, l'imperativo di interpretazione del diritto federale favorevole al federalismo nonché l'obbligo di considerare gli interessi cantonali nel procedimento legislativo (messaggio Cost., FF 1997 I 202).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** La questione della forza normativa dell'art. 47 Cost. è discussa in modo controverso. Il Consiglio federale e parte della dottrina vedono nella norma una garanzia che la Confederazione non può ledere il nucleo dell'autonomia dei Cantoni (Belser/Massüger, BSK BV, art. 47 n. 11). Voci critiche come Biaggini (Komm. BV, art. 47 n. 26) mettono tuttavia in dubbio se l'art. 47 cpv. 1 sia effettivamente idoneo a garantire un federalismo sostanziale.\n\n**N. 12** Un ulteriore punto controverso riguarda la terminologia. Mentre Hangartner (ZSR 2012 I 145 segg., 156) richiede di parlare sempre in tedesco di «Eigenständigkeit» e non di «Autonomie», altri autori usano i concetti come sinonimi (Egli, SG Komm. BV [2a ed.], art. 47 n. 5; id., ZSR 2011 I 366 seg.). Questo dibattito terminologico ha anche ripercussioni sull'interpretazione della norma.\n\n**N. 13** È infine controverso se dall'art. 47 cpv. 2 Cost. si possano derivare concreti diritti di finanziamento. Mentre una parte della dottrina lo afferma (Pippig, Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, pag. 156 segg.), la prassi del Tribunale federale nega diritti diretti alle prestazioni dei Cantoni nei confronti della Confederazione (**DTF 135 I 28** consid. 5).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nell'invocare l'art. 47 Cost. si dovrebbe tener presente che la norma funge principalmente come regola interpretativa e meno come titolo autonomo di diritto. Più efficaci sono i ricorsi che fanno valere l'art. 47 Cost. in combinazione con specifiche norme di competenza o di autonomia (↔ art. 3 Cost., ↔ art. 50 Cost.).\n\n**N. 15** Nel procedimento legislativo l'art. 47 Cost. deve essere impiegato nella consultazione e nella deliberazione parlamentare come argomento per la considerazione degli interessi cantonali. La Conferenza dei governi cantonali (CdC) si basa regolarmente su questa disposizione nelle sue prese di posizione sui progetti federali.\n\n**N. 16** Nelle controversie intercantonali l'art. 47 Cost. può essere invocato come base per il rispetto reciproco e la protezione dei Cantoni più piccoli. La norma obbliga non solo la Confederazione, ma indirettamente anche i Cantoni a rispettare la diversità federalista (↔ art. 48 Cost.).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Autonomia organizzativa dei Cantoni\n\n**BGE 128 I 254** del 14.8.2002 (consid. 3-4)\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che l'autonomia organizzativa cantonale conosce dei limiti quando il diritto federale esige un'applicazione uniforme. L'art. 25 cpv. 2 LPT esige, nell'interesse di un'applicazione del diritto uniforme e conforme al principio di uguaglianza a livello cantonale, che tutte le domande per progetti edilizi al di fuori delle zone edificabili siano trattate da un'autorità cantonale. La ripartizione delle competenze fra 26 prefetti nel Canton Berna non soddisfaceva questa esigenza di diritto federale.\n\n> «L'art. 25 cpv. 1 LPT stabilisce il principio dell'autonomia organizzativa dei Cantoni. Questo principio viene limitato nel cpv. 2 nella misura in cui viene prescritta la competenza di un'autorità cantonale.»\n\n**BGE 144 IV 240** del 14.6.2018 (consid. 2.5)\n\nNell'interpretazione dell'art. 104 cpv. 2 CPP, il Tribunale federale ha sottolineato l'importanza dell'autonomia organizzativa cantonale secondo l'art. 47 Cost. Tuttavia, i Cantoni non possono emanare disposizioni che contraddicono il diritto federale. L'autonomia organizzativa non autorizza i Cantoni ad attribuire lo status di autorità a organizzazioni private quando ciò oltrepassa i limiti del diritto federale.\n\n> «La Confederazione rispetta l'autonomia dei Cantoni e lascia loro compiti sufficienti e rispetta la loro autonomia organizzativa (cfr. art. 47 Cost.). [...] Tuttavia, i Cantoni non possono stabilire disposizioni che contraddicono il diritto della Confederazione.»\n\n### Autonomia finanziaria e ripartizione dei compiti\n\n**BGE 147 I 136** del 18.5.2020 (consid. 2)\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto l'autonomia comunale nella determinazione del moltiplicatore d'imposta come manifestazione dell'autonomia cantonale protetta dall'art. 47 Cost. Il ritiro di questa competenza da parte del Cantone viola l'autonomia garantita dal diritto costituzionale. La decisione mostra i limiti degli interventi statali in settori autonomi dei livelli subordinati.\n\n> «Ai Comuni lucernesi compete l'autonomia nella determinazione del moltiplicatore d'imposta comunale. Il ritiro della competenza di determinazione del moltiplicatore d'imposta comunale viola l'autonomia comunale e il principio di proporzionalità.»\n\n**BGE 135 I 28** del 12.12.2008 (consid. 5)\n\nNel settore della previdenza professionale, il Tribunale federale ha confermato che i Comuni, quali enti autonomi di compiti pubblici, sono in principio liberi di istituire proprie istituzioni di previdenza o di aderire a quelle esistenti. Una regolamentazione di diritto cantonale che prescrive l'adesione obbligatoria a una determinata istituzione di previdenza viola l'autonomia comunale protetta dall'art. 47 Cost.\n\n> «I Comuni sono autorizzati ad istituire, per l'esecuzione della previdenza professionale del loro personale, una propria istituzione di previdenza o ad aderire a tal fine a un'istituzione di previdenza registrata [...]. Una regolamentazione di diritto cantonale che prescrive l'adesione [...] a una determinata istituzione di previdenza è contraria al diritto federale.»\n\n### Rapporto tra diritto federale e diritto cantonale\n\n**BGE 148 I 33** del 3.9.2021 (consid. 5.2-5.4)\n\nIl Tribunale federale ha precisato la delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel settore sanitario durante la pandemia di COVID-19. Secondo l'art. 49 cpv. 1 Cost., i Cantoni possono ancora essere attivi in settori regolati in modo esaustivo solo nella misura in cui ciò è espressamente previsto nella legislazione federale. L'autonomia organizzativa cantonale rimane tuttavia mantenuta in linea di principio.\n\n> «Secondo il principio della prevalenza del diritto federale (art. 49 cpv. 1 Cost.), i Cantoni non possono più esercitare competenze normative in settori che la legislazione federale ha regolato in modo esaustivo, nella misura in cui non sono espressamente previste nella pertinente legislazione federale.»\n\n**BGE 148 I 19** del 3.9.2021 (consid. 5)\n\nIn un'altra decisione COVID-19, il Tribunale federale ha riaffermato l'importanza della libertà di attuazione cantonale nel quadro delle condizioni quadro stabilite dal diritto federale. I Cantoni conservano anche in caso di regolamentazioni federali complete un certo margine di manovra, che tuttavia non può essere utilizzato per eludere le prescrizioni del diritto federale.\n\n### Collaborazione intercantonale\n\n**BGE 148 I 65** del 28.7.2021 (consid. 3-4)\n\nNella ripartizione fiscale intercantonale, il Tribunale federale ha concretizzato l'obbligo di adempimento coordinato dei compiti. L'art. 127 cpv. 3 Cost. vieta la doppia imposizione intercantonale e esige dai Cantoni un'applicazione coordinata della loro sovranità fiscale. Ciò mostra che l'autonomia cantonale va di pari passo con l'obbligo di coordinamento.\n\n> «Principi del diritto di doppia imposizione intercantonale e divieto di fatto della doppia imposizione intercantonale per le imposte sui capitali.»\n\n**BGE 150 II 527** del 18.7.2024 (consid. 4-5)\n\nIl Tribunale federale ha nuovamente sottolineato l'importanza di principi uniformi nella ripartizione fiscale intercantonale. La sovranità fiscale cantonale deve essere esercitata in modo che siano rispettate le prescrizioni costituzionali per evitare la doppia imposizione. Ciò illustra il campo di tensione tra autonomia cantonale e obblighi di coordinamento di diritto federale.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 47 of the Federal Constitution protects the autonomy of the cantons from excessive federal interference. This provision is the constitutional cornerstone of Swiss federalism (division of power between the Confederation and the cantons).\n\nParagraph 1 obliges the Confederation to respect cantonal autonomy. This means: the Confederation may not excessively expand its competences and must take account of cantonal particularities when enacting legislation.\n\nParagraph 2 specifies three important areas: First, the cantons must be able to retain sufficient tasks of their own. Second, they may determine their internal organisation themselves (organisational autonomy). Third, the Confederation must leave them adequate financing possibilities and support them when necessary.\n\nA practical example: When the Confederation enacted comprehensive measures during the COVID-19 pandemic, the Federal Supreme Court examined whether sufficient room remained for cantonal solutions. The cantons could continue to determine their organisational structures themselves, but had to observe the requirements of federal law.\n\nThe legal consequences are manifold: Article 47 FC serves as an aid to interpretation for laws and limits federal competences. However, it does not establish a direct entitlement of the cantons to specific tasks or funds. Rather, it prescribes that the Confederation must respect Switzerland's federal structure in all its activities.\n\nThis provision affects all levels: the Confederation in legislation, the cantons in implementation, and the courts in interpreting conflicts of competence.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The provision of Art. 47 Cst. was inserted as a new guarantee norm of federalism in the framework of the total revision of the Federal Constitution. The Federal Council message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 202 f.) emphasises that the norm was conceived as a «fundamental provision on the relationship between the Confederation and the cantons». Already the expert report of 1977 and the explanations to the draft of 1995 had called for an express constitutional anchoring of the federalism principle.\n\n**N. 2** The formulation was intended to go beyond the traditional distribution of powers and create a comprehensive guarantee of cantonal independence. In the parliamentary procedure, para. 2 was added in order to expressly anchor the financial dimension of cantonal autonomy. This addition was made with a view to the subsequently implemented new design of fiscal equalisation and the allocation of tasks (NFA), see Federal Council message NFA I (BBl 2002 2291, 2344 ff.).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 47 Cst. is placed in the second title on the Confederation, cantons and communes and, together with Art. 46 Cst. (implementation of federal law) and Art. 48 Cst. (agreements between cantons), forms the constitutional basis of the federal order. The norm is closely related to → Art. 3 Cst. (allocation of powers), → Art. 5a Cst. (subsidiarity principle) and → Art. 43a Cst. (allocation of tasks).\n\n**N. 4** Systematically, Art. 47 Cst. is to be understood as a concretisation of the federalism principle anchored in the preamble and Art. 1 Cst. The norm functions as a bridge between the general order of powers and the specific task assignments from Art. 54 ff. Cst. Moreover, it interacts with → Art. 49 Cst. (primacy of federal law) and → Art. 50 Cst. (communal autonomy).\n\n### 3. Elements of the offence / norm content\n\n**N. 5** The term «independence» is the central element of para. 1. According to Hangartner (ZSR 2012 I 145 ff., 156), in German one should always speak of «Eigenständigkeit», not of «Autonomie». In contrast, other authors take the view that «Eigenständigkeit» can be used synonymously with «Autonomie» (Egli, SG Komm. BV [2nd ed.], Art. 47 N 5; ders., ZSR 2011 I 366 f.; Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 12).\n\n**N. 6** The «preservation» of independence comprises three dimensions according to legal doctrine: firstly, respect for the constitutional order of powers, secondly, consideration of cantonal particularities in federal legislation, and thirdly, restraint in the exercise of federal powers (Martenet, L'Autonomie constitutionnelle des cantons, 1999, p. 245 ff.).\n\n**N. 7** Para. 2 concretises three aspects of cantonal independence: task autonomy (sentence 1), organisational autonomy (sentence 2, first half) and financial autonomy (sentence 2, second half). This triad forms the foundation of cantonal statehood according to Pippig (Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, p. 78 ff.).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** The legal classification of Art. 47 Cst. is disputed. According to Egli (SG Komm. BV, Art. 47 N 8) and Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N 3), the provision has programmatic content. In contrast, Hangartner (ZSR 2012 I 155) and Fleiner et al. (BV-CF-Forster, 132) take the view that Art. 47 Cst. certainly contains justiciable elements.\n\n**N. 9** In practice, it is evident that the Federal Supreme Court uses Art. 47 Cst. as an aid to interpretation and as a limitation on federal law interventions (**BGE 128 I 254** E. 3; **BGE 135 I 28** E. 5). However, according to prevailing doctrine, the norm does not establish an independent claim to specific powers or financial endowments (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11).\n\n**N. 10** The following concrete legal consequences arise: the duty to exercise federal powers with restraint, the requirement for federalism-friendly interpretation of federal law, and the obligation to take cantonal concerns into account in the legislative process (Federal Council message BV, BBl 1997 I 202).\n\n### 5. Points of contention\n\n**N. 11** The question of the normative force of Art. 47 Cst. is controversially discussed. The Federal Council and parts of legal doctrine see in the norm a guarantee that the Confederation may not violate the core of cantonal independence (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 47 N. 11). However, critical voices such as Biaggini (Komm. BV, Art. 47 N. 26) question whether Art. 47 para. 1 is actually suitable for ensuring substantial federalism.\n\n**N. 12** A further point of contention concerns terminology. While Hangartner (ZSR 2012 I 145 ff., 156) demands that in German one should always speak of «Eigenständigkeit» and not of «Autonomie», other authors use the terms synonymously (Egli, SG Komm. BV [2nd ed.], Art. 47 N 5; ders., ZSR 2011 I 366 f.). This terminological debate also has implications for the interpretation of the norm.\n\n**N. 13** Finally, it is disputed whether concrete financing claims can be derived from Art. 47 para. 2 Cst. While part of legal doctrine affirms this (Pippig, Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs, 2002, p. 156 ff.), the practice of the Federal Supreme Court denies direct performance claims of the cantons against the Confederation (**BGE 135 I 28** E. 5).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 14** When invoking Art. 47 Cst., it should be noted that the norm functions primarily as a rule of interpretation and less as an independent basis for claims. Complaints that invoke Art. 47 Cst. in connection with specific competence or autonomy norms are more successful (↔ Art. 3 Cst., ↔ Art. 50 Cst.).\n\n**N. 15** In the legislative process, Art. 47 Cst. should be used as an argument for the consideration of cantonal concerns during consultation and parliamentary deliberation. The Conference of Cantonal Governments (KdK) regularly relies on this provision in its statements on federal proposals.\n\n**N. 16** In intercantonal disputes, Art. 47 Cst. can be used as a basis for mutual consideration and the protection of smaller cantons. The norm obliges not only the Confederation but also indirectly the cantons to preserve federal diversity (↔ Art. 48 Cst.).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Organizational autonomy of the cantons\n\n**BGE 128 I 254** of 14.8.2002 (E. 3-4)\n\nThe Federal Supreme Court clarified that cantonal organizational autonomy has limits when federal law requires uniform application. Art. 25 para. 2 SPA requires, in the interest of uniform and equal application of the law throughout the canton, that all applications for construction projects outside building zones be handled by a cantonal authority. The distribution of competence to 26 district governors in the canton of Bern did not meet this federal law requirement.\n\n> «Art. 25 para. 1 SPA establishes the principle of organizational autonomy of the cantons. This principle is limited in para. 2 insofar as the competence of a cantonal authority is prescribed.»\n\n**BGE 144 IV 240** of 14.6.2018 (E. 2.5)\n\nWhen interpreting Art. 104 para. 2 CCP, the Federal Supreme Court emphasized the importance of cantonal organizational autonomy according to Art. 47 Cst. Nevertheless, cantons cannot enact provisions that contradict federal law. Organizational autonomy does not entitle cantons to grant authority status to private organizations when this exceeds federal law limits.\n\n> «While the Confederation respects the independence of the cantons and leaves them sufficient tasks of their own and respects their organizational autonomy (cf. Art. 47 Cst.). [...] However, the cantons may not establish provisions that contradict federal law.»\n\n### Financial independence and division of tasks\n\n**BGE 147 I 136** of 18.5.2020 (E. 2)\n\nThe Federal Supreme Court recognized municipal autonomy in setting tax rates as an expression of cantonal independence protected by Art. 47 Cst. The withdrawal of this competence by the canton violates constitutionally guaranteed autonomy. The decision shows the limits of state intervention in autonomous areas of subordinate levels.\n\n> «The Lucerne municipalities have autonomy in setting the municipal tax rate. The withdrawal of the competence to set the municipal tax rate violates municipal autonomy and the principle of proportionality.»\n\n**BGE 135 I 28** of 12.12.2008 (E. 5)\n\nIn the area of occupational benefit schemes, the Federal Supreme Court confirmed that municipalities as independent bearers of public tasks are generally free to establish their own benefit institutions or to join existing ones. A cantonal law provision that prescribes mandatory affiliation to a specific benefit institution violates municipal independence protected by Art. 47 Cst.\n\n> «Municipalities are authorized to establish their own benefit institution for conducting occupational benefit schemes for their personnel or to join a registered benefit institution [...] for this purpose. A cantonal law provision that prescribes affiliation [...] to a specific benefit institution is contrary to federal law.»\n\n### Relationship between federal and cantonal law\n\n**BGE 148 I 33** of 3.9.2021 (E. 5.2-5.4)\n\nThe Federal Supreme Court clarified the division of competences between the Confederation and cantons in healthcare during the COVID-19 pandemic. According to Art. 49 para. 1 Cst., cantons can only act in exhaustively regulated subject areas insofar as this is expressly provided for in federal legislation. However, cantonal organizational autonomy remains generally preserved.\n\n> «According to the principle of the supremacy of federal law (Art. 49 para. 1 Cst.), cantons can no longer exercise legislative competences in subject areas that federal legislation has exhaustively regulated, unless they are expressly provided for in the relevant federal legislation.»\n\n**BGE 148 I 19** of 3.9.2021 (E. 5)\n\nIn another COVID-19 decision, the Federal Supreme Court reaffirmed the importance of cantonal implementation freedom within federally prescribed framework conditions. Cantons retain a certain degree of discretion even with comprehensive federal regulations, but this may not be used to circumvent federal law requirements.\n\n### Intercantonal cooperation\n\n**BGE 148 I 65** of 28.7.2021 (E. 3-4)\n\nIn intercantonal tax allocation, the Federal Supreme Court concretized the obligation for coordinated task fulfillment. Art. 127 para. 3 Cst. prohibits intercantonal double taxation and requires cantons to apply their tax sovereignty in a coordinated manner. This shows that cantonal independence goes hand in hand with the obligation to coordinate.\n\n> «Principles of intercantonal double taxation law and de facto prohibition of intercantonal double taxation for capital taxes.»\n\n**BGE 150 II 527** of 18.7.2024 (E. 4-5)\n\nThe Federal Supreme Court again emphasized the importance of uniform principles in intercantonal tax allocation. Cantonal tax sovereignty must be exercised in such a way that constitutional requirements for avoiding double taxation are met. This illustrates the tension between cantonal independence and federal coordination obligations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_47", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 48, "article_suffix": "", "title": "Verträge zwischen Kantonen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 48 — Verträge zwischen Kantonen\n\n## Übersicht\n\nArt. 48 BV ermöglicht die Zusammenarbeit zwischen Kantonen durch Verträge. Diese Norm ist das verfassungsrechtliche Fundament für die interkantonale Kooperation in der Schweiz.\n\nDie Kantone können untereinander Verträge schliessen und gemeinsame Organisationen schaffen. Damit können sie Aufgaben von regionaler Bedeutung gemeinsam erfüllen. Ein konkretes Beispiel ist die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), die aufgrund des Schulkonkordats von 1970 die Bildungspolitik koordiniert (**BGE 148 I 104**). Ein weiteres Beispiel ist die Interkantonale Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (IVHSM), welche die Behandlung seltener und kostspieliger Krankheiten regelt.\n\nDer Bund kann sich an diesen Verträgen beteiligen, wenn er dafür zuständig ist. Dies geschieht etwa bei der gemeinsamen Organisation des öffentlichen Verkehrs.\n\nInterkantonale Verträge haben wichtige Grenzen: Sie dürfen nicht gegen Bundesrecht, Bundesinteressen oder Rechte anderer Kantone verstossen. Die Verträge müssen dem Bund gemeldet werden. Bei der Interkantonalen Vereinbarung über Lotterien und Wetten (IVLW) bestätigte das Bundesgericht diese Grundsätze (**BGE 135 II 338**).\n\nBesonders wichtig ist die demokratische Kontrolle: Wenn interkantonale Organe Gesetze erlassen sollen, muss der Vertrag vom Parlament wie ein Gesetz behandelt werden. Dies zeigt sich bei der EDK, wo Bildungsreformen nur mit parlamentarischer Zustimmung möglich sind.\n\nDie Kantone müssen interkantonales Recht beachten, so wie sie Bundesrecht befolgen müssen (**BGE 143 V 451**). Verstösse können mit Beschwerde beim Bundesgericht gerügt werden.\n\nArt. 48 BV stärkt den kooperativen Föderalismus (partnerschaftliche Zusammenarbeit im Bundesstaat). Er ermöglicht effiziente Lösungen für regionale Herausforderungen, ohne die kantonale Autonomie aufzugeben. Die Rechtsprechung zeigt, dass die Zusammenarbeit funktioniert, wenn die verfassungsrechtlichen Vorgaben beachtet werden.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 48 BV geht auf Art. 7 BV 1874 zurück, der den Kantonen das Recht auf interkantonale Verträge einräumte. Die Totalrevision von 1999 brachte wesentliche Neuerungen: Die Absätze 4 und 5 wurden als Reaktion auf die wachsende Bedeutung der interkantonalen Zusammenarbeit und die Herausforderungen des kooperativen Föderalismus eingefügt. Waldmann/Schnyder von Wartensee betonen, dass die Verfassungsrevision die jahrhundertealte Tradition der interkantonalen Zusammenarbeit verfassungsrechtlich modernisierte (BSK BV, Art. 48 N. 1-4).\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 230 f.) hielt fest, dass die interkantonale Zusammenarbeit als «dritter Weg» zwischen Bundes- und Kantonslösungen gestärkt werden sollte. Besonders Absatz 4 reagierte auf die Kritik an der demokratischen Legitimation interkantonaler Rechtsetzungsorgane. Der Bundesrat unterstrich, dass die Befugnis gemeinsamer Organe auf Beratungs-, Koordinations- und Planungsaufgaben beschränkt bleiben müsse (BSK BV, Art. 48 N. 38).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 48 BV steht im 3. Titel «Bund, Kantone und Gemeinden» und konkretisiert das föderalistische Prinzip aus Art. 3 BV. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 44 BV (Grundsätze), → Art. 45 BV (Mitwirkung), → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone) und → Art. 48a BV (Allgemeinverbindlicherklärung). Systematisch ist Art. 48 BV die zentrale Ermächtigungsnorm für die horizontale Zusammenarbeit im föderalistischen System.\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu → Art. 49 BV ist konstitutiv: Während Art. 48 BV die Kompetenz zur interkantonalen Zusammenarbeit begründet, statuiert Art. 49 BV deren Grenzen. Waldmann/Schnyder von Wartensee sprechen von einem «verfassungsrechtlichen Spannungsverhältnis» zwischen kantonaler Kooperationsautonomie und bundesstaatlicher Ordnung (BSK BV, Art. 48 N. 5).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Vertragsschlussfreiheit (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die Kooperationsautonomie der Kantone umfasst nach Waldmann/Schnyder von Wartensee drei Elemente: die Abschlussfreiheit, die Gestaltungsfreiheit und die Organisationsfreiheit (BSK BV, Art. 48 N. 10). Die Kantone können sowohl bilaterale als auch multilaterale Verträge schliessen. Die Vertragsform ist frei wählbar — von informellen Absprachen bis zu staatsvertraglichen Konkordaten.\n\n**N. 6** «Gemeinsame Organisationen und Einrichtungen» im Sinne von Abs. 1 umfassen nach herrschender Lehre sowohl öffentlich-rechtliche Körperschaften (wie die interkantonalen Hochschulen) als auch einfache Verwaltungseinheiten. Die Praxis hat vielfältige Formen entwickelt: interkantonale Konferenzen, gemeinsame Anstalten, Konkordate mit eigenen Organen (BSK BV, Art. 48 N. 18-32).\n\n**N. 7** «Aufgaben von regionalem Interesse» ist bewusst weit gefasst. Häfelin betont, dass die regionale Dimension nicht nur geografisch, sondern auch funktional zu verstehen sei (BSK BV, Art. 48 N. 25). Typische Bereiche sind Bildung, Gesundheit, öffentlicher Verkehr, Polizei und Umweltschutz.\n\n### Beteiligung des Bundes (Abs. 2)\n\n**N. 8** Der Bund kann sich «im Rahmen seiner Zuständigkeiten» an interkantonalen Verträgen beteiligen. Umstritten ist die Zulässigkeit rechtsetzender Verträge zwischen Bund und Kantonen. Ein Teil der Lehre vertritt, dass solche Verträge die verfassungsmässige Kompetenzordnung untergraben würden. Waldmann/Schnyder von Wartensee vertreten demgegenüber eine differenzierte Position: In Bereichen paralleler oder überschneidender Kompetenzen seien solche Verträge nicht absolut ausgeschlossen, sofern sie keine Verschiebung der Zuständigkeitsordnung bewirken (BSK BV, Art. 48 N. 37).\n\n### Schranken der Zusammenarbeit (Abs. 3)\n\n**N. 9** Die dreifache Schranke — Bundesrecht, Bundesinteressen und Rechte anderer Kantone — konkretisiert → Art. 49 Abs. 1 BV. «Bundesrecht» umfasst die gesamte Bundesrechtsordnung einschliesslich des Völkerrechts. «Bundesinteressen» sind nach Waldmann/Schnyder von Wartensee weiter gefasst und umfassen auch politische und wirtschaftliche Interessen des Bundes (BSK BV, Art. 48 N. 40-50).\n\n**N. 10** Die Mitteilungspflicht («zur Kenntnis zu bringen») ist deklaratorischer Natur. Sie dient der Bundesaufsicht nach → Art. 186 Abs. 4 BV, begründet aber kein Genehmigungserfordernis. Die Praxis zeigt, dass die Bundeskanzlei als Empfangsstelle fungiert.\n\n### Rechtsetzungsermächtigung (Abs. 4)\n\n**N. 11** Abs. 4 wurde auf Initiative der Kantone eingefügt, um die demokratische Legitimation interkantonaler Rechtsetzung zu stärken. Die Ermächtigung ist an zwei kumulative Voraussetzungen gebunden: das Gesetzgebungsverfahren (lit. a) und die inhaltliche Determination (lit. b). Abderhalden unterstreicht, dass beide Voraussetzungen der Sicherung des demokratischen Prinzips dienen (BSK BV, Art. 48 N. 60-65).\n\n**N. 12** «Nach dem gleichen Verfahren, das für die Gesetzgebung gilt» bedeutet nach Waldmann/Schnyder von Wartensee, dass der Vertrag wie ein Gesetz behandelt werden muss: Parlamentsbeschluss mit Referendumsmöglichkeit. Bei verfassungsänderndem Inhalt ist nach Häfelin eine Volksabstimmung erforderlich (BSK BV, Art. 48 N. 25). Die EDK oder die IVLW zeigen die praktische Umsetzung.\n\n**N. 13** Die «inhaltlichen Grundzüge» müssen im ermächtigenden Vertrag hinreichend bestimmt sein. Dies entspricht der Delegationsdogmatik im innerstaatlichen Recht. Die Praxis des Bundesgerichts (→ **BGE 141 II 262**) zeigt, dass die Anforderungen nicht überspannt werden dürfen.\n\n### Beachtungspflicht (Abs. 5)\n\n**N. 14** Die Pflicht zur Beachtung des interkantonalen Rechts ist die logische Konsequenz der Vertragsschlussfreiheit. Sie gilt sowohl für die Vertragsparteien als auch innerstaatlich für alle kantonalen Organe. Das Bundesgericht hat diese Pflicht in → **BGE 143 V 451** konkretisiert: Verweist interkantonales Recht auf Bundesrecht, wird dieses zu interkantonalem Recht im Sinne von Art. 48 Abs. 5 BV.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Die Verletzung von Art. 48 Abs. 3 BV kann verschiedene Rechtsfolgen zeitigen: Der Bundesrat kann gestützt auf → Art. 186 Abs. 4 BV aufsichtsrechtlich einschreiten. Betroffene Kantone können die Verletzung ihrer Rechte mit staatsrechtlicher Beschwerde nach Art. 120 BGG rügen. Private können sich bei Grundrechtsverletzungen auf → Art. 189 BV stützen.\n\n**N. 16** Interkantonale Verträge entfalten für die Vertragsparteien völkerrechtsähnliche Wirkungen. Die innerstaatliche Geltung richtet sich nach kantonalem Verfassungsrecht. Das Kündigungsrecht ist umstritten: Ein Teil der Lehre verneint es bei rechtsgeschäftlichen Verträgen unter Vorbehalt der clausula rebus sic stantibus. Andere räumen ein Kündigungsrecht ein, wenn überwiegende Interessen ein Abweichen von der Bindungswirkung notwendig machen (BSK BV, Art. 48 N. 27).\n\n## Streitstände\n\n**N. 17** Die Zulässigkeit rechtsetzender Verträge zwischen Bund und Kantonen bleibt kontrovers. Brunner vertritt, dass bei gesamtschweizerischen Vorhaben eine bundesgesetzliche Regelung einem interkantonalen Vertrag vorzuziehen sei (BSK BV, Art. 48 N. 31). Die Gegenmeinung sieht in der vertraglichen Lösung gerade eine Stärkung des kooperativen Föderalismus.\n\n**N. 18** Umstritten ist auch der Umfang der demokratischen Legitimation interkantonaler Rechtsetzungsorgane. Während Abderhalden strenge Anforderungen an die inhaltliche Determination stellt, plädieren Uhlmann/Zehnder für eine pragmatische Handhabung, die den Bedürfnissen effizienter interkantonaler Zusammenarbeit Rechnung trägt.\n\n**N. 19** Die Justiziabilität der «Bundesinteressen» in Abs. 3 wird unterschiedlich beurteilt. Die herrschende Lehre verlangt eine Konkretisierung durch Bundesrecht. Waldmann/Schnyder von Wartensee vertreten demgegenüber, dass auch genuine politische Bundesinteressen geschützt seien (BSK BV, Art. 48 N. 45).\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Ausarbeitung interkantonaler Verträge ist die frühzeitige Einbindung der kantonalen Parlamente entscheidend. Die Praxis zeigt, dass nachträgliche Anpassungen an parlamentarische Vorgaben den Verhandlungsprozess erheblich verzögern können. Die Mustervereinbarungen der KdK bieten wertvolle Orientierung.\n\n**N. 21** Für die Rechtsetzungsermächtigung nach Abs. 4 empfiehlt sich eine klare Kompetenzabgrenzung im Grundvertrag. Die IVLW kann als Vorbild dienen: Sie definiert präzise, welche Materien die Comlot regeln darf und welche den Kantonen vorbehalten bleiben. Das Bundesgericht hat diese Praxis in → **BGE 141 II 262** gebilligt.\n\n**N. 22** Die Mitteilung an den Bund nach Abs. 3 sollte unmittelbar nach Vertragsschluss erfolgen. Die Bundeskanzlei führt ein Verzeichnis aller interkantonalen Vereinbarungen. Bei Unsicherheit über die Vereinbarkeit mit Bundesrecht empfiehlt sich eine vorgängige informelle Konsultation des zuständigen Bundesamtes.\n\n**N. 23** Streitigkeiten aus interkantonalen Verträgen unterliegen nach → Art. 189 Abs. 2 BV der Gerichtsbarkeit des Bundesgerichts. Die Vertragsparteien können jedoch ein Schiedsgericht vorsehen. Die neuere Praxis (→ **BGE 148 I 104**) zeigt, dass die Rechtsweggarantie nach → Art. 29a BV auch im interkantonalen Bereich vollumfänglich gewährleistet sein muss.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätze der interkantonalen Zusammenarbeit\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen\n\n**BGE 148 I 104** vom 26. April 2022  \nRechtsweggarantie bei interkantonalen Organen  \nDas Bundesgericht präzisiert die verfassungsrechtlichen Anforderungen an den Rechtsschutz bei interkantonalen Organisationen nach Art. 48 BV.\n\n> «Die Rechtsweggarantie verlangt die gerichtliche Beurteilung von Rechtsstreitigkeiten auch in der interkantonalen Zusammenarbeit. Es ist Sache der Konkordatskantone, den Rechtsschutz gegen Entscheide der EDK oder ihrer Agenturen verfassungskonform (vgl. Art. 48 Abs. 4 BV) auszugestalten und ein Gericht einzusetzen, das den Vorgaben von Art. 30 Abs. 1 BV gerecht wird.»\n\n**BGE 135 II 338** vom 10. August 2009  \nBundesrechtsmässigkeit interkantonaler Vereinbarungen  \nGrundsatzentscheid zur Bundesrechtsmässigkeit der Interkantonalen Vereinbarung über Lotterien und Wetten (IVLW).\n\n> «Das Lotterierecht des Bundes schliesst ein interkantonales Verfahren nicht aus, das den Bewilligungsentscheid auf ein gemeinsames Organ überträgt und bei standardisierten Produkten einen generellen Zulassungsentscheid mit der Möglichkeit verbindet, für jedes einzelne Produkt eine anfechtbare Verfügung zu erwirken.»\n\n## Rechtsetzungskompetenzen interkantonaler Organe\n\n### Voraussetzungen nach Art. 48 Abs. 4 BV\n\n**BGE 141 II 262** vom 9. Juli 2015  \nKompetenzen der Interkantonalen Lotterie- und Wettkommission  \nDas Bundesgericht bestätigt die Kompetenz interkantonaler Organe zur Rechtsetzung unter den Voraussetzungen von Art. 48 Abs. 4 BV.\n\n> «Die Comlot als Bewilligungsbehörde ist gestützt auf eine teleologisch-geltungszeitliche Interpretation des Bundes- und interkantonalen Rechts (IVLW) befugt, im Zusammenhang mit Grosslotterien ein Unterstellungs- bzw. Qualifikationsverfahren durchzuführen und das generell-abstrakt gültige Lotterieverbot im Einzelfall zu konkretisieren.»\n\n**BGE 137 I 31** vom 13. Oktober 2010  \nKonkordat über Massnahmen gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen  \nVerfassungsmässigkeitskontrolle eines Konkordats mit grundrechtseingriffsähnlichen Massnahmen.\n\n> «Das vorliegend umstrittene Konkordat stellt spezifisches Polizeirecht dar. Es ist auf die besondere Erscheinung der Gewalttätigkeiten im Umfeld von Sportveranstaltungen ausgerichtet. Das Konkordat bezweckt, mit den speziellen Massnahmen von Rayonverboten, Meldeauflagen und Polizeigewahrsam solche Gewalttätigkeiten zu verhindern.»\n\n## Verhältnis zum Bundesrecht\n\n### Art. 48 Abs. 3 BV - Grenzen interkantonaler Zusammenarbeit\n\n**BGE 143 V 451** vom 21. November 2017  \nInterkantonales Recht im Sinne von Art. 48 Abs. 3 und Art. 49 Abs. 1 BV  \nBedeutung von Verweisungen auf Bundesrecht in interkantonalen Vereinbarungen.\n\n> «Wird in einer interkantonalen Vereinbarung die Anwendung von Bundesrecht vorgesehen, handelt es sich beim verwiesenen Recht um (inter-)kantonales Recht im Sinne von Art. 48 Abs. 3 und Art. 49 Abs. 1 BV.»\n\n## Konkrete Anwendungsbereiche\n\n### Bildungskonkordate\n\n**BGE 148 I 104** vom 26. April 2022  \nSchulkonkordat und EDK  \nDetaillierte Auseinandersetzung mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen der interkantonalen Zusammenarbeit im Bildungsbereich.\n\n> «Die Zusammenarbeit der Kantone im Bildungsbereich und die EDK beruhen auf dem Konkordat vom 29. Oktober 1970 über die Schulkoordination. Dabei handelt es sich um eine interkantonale Vereinbarung im Sinne von Art. 48 Abs. 1 BV.»\n\n### Glücksspielbereich\n\n**BGE 135 II 338** vom 10. August 2009  \nInterkantonale Vereinbarung über Lotterien und Wetten  \nGrundlegender Entscheid zur Vereinbarkeit interkantonaler Glücksspielregelung mit Bundesrecht.\n\n> «Der angefochtene Entscheid der Rekurskommission erging im Anwendungsbereich des Bundesgesetzes vom 8. Juni 1923 betreffend die Lotterien und die gewerbsmässigen Wetten (LG; SR 935.51). Die Rekurskommission bildet Teil der Organisationsstruktur der 'Interkantonalen Vereinbarung vom 7. Januar 2005 über die Aufsicht sowie die Bewilligung und Ertragsverwendung von interkantonal oder gesamtschweizerisch durchgeführten Lotterien und Wetten'.»\n\n### Sozialhilfe und Kindesschutz\n\n**BGE 143 V 451** vom 21. November 2017  \nInterkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE)  \nAnwendung der IVSE bei ausserkantonaler Kindesunterbringung und Bestimmung des Unterstützungswohnsitzes.\n\n> «Nach Art. 1 IVSE bezweckt diese, die Aufnahme von Personen mit besonderen Betreuungs- und Förderungsbedürfnissen in geeigneten Einrichtungen ausserhalb ihres Wohnkantons ohne Erschwernisse zu ermöglichen.»\n\n## Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n### Rechtsschutz und Instanzenzug\n\n**BGE 148 I 104** vom 26. April 2022  \nNegativer Kompetenzkonflikt und Rechtsweggarantie  \nWegweisender Entscheid zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an den Rechtsschutz bei interkantonalen Organisationen.\n\n> «Ein negativer Kompetenzkonflikt, wie er vorliegend zur Beurteilung steht, läuft für den betroffenen Rechtssuchenden auf eine formelle Rechtsverweigerung (Art. 29 Abs. 1 BV) hinaus. Überdies wird dem Beschwerdeführer die Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a BV verweigert.»\n\n### Behördenbeschwerde des Bundes\n\n**BGE 135 II 338** vom 10. August 2009  \nBeschwerdeberechtigung von Bundesbehörden gegen interkantonale Entscheide  \nPräzisierung der Beschwerderechte von Bundesbehörden im interkantonalen Bereich.\n\n> «Das Bundesamt für Justiz ist im Glücksspielbereich befugt, im Namen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements gegen Entscheide der Rekurskommission Interkantonale Vereinbarung Lotterien und Wetten mit öffentlich-rechtlicher Beschwerde an das Bundesgericht zu gelangen.»\n\n## Hochspezialisierte Medizin\n\n### Interkantonale Vereinbarung HSM\n\nVerschiedene Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts (C-1313/2019, C-1361/2019, C-1405/2019, C-2251/2015) bestätigen die Funktionsfähigkeit der interkantonalen Zusammenarbeit im Bereich der hochspezialisierten Medizin unter dem Regime von Art. 48 BV. Die HSM-Vereinbarung zeigt exemplarisch die praktische Umsetzung regionaler Aufgabenteilung gemäss Art. 48 Abs. 1 BV.\n\n## Entwicklungstendenzen\n\nDie neuere Rechtsprechung zeigt eine zunehmende Ausdifferenzierung der verfassungsrechtlichen Anforderungen an interkantonale Zusammenarbeit. Besondere Bedeutung kommt dabei der Rechtsweggarantie (Art. 29a BV) und den formellen Anforderungen von Art. 48 Abs. 4 BV zu. Das Bundesgericht betont wiederholt, dass bei fehlendem verfassungskonformem Rechtsschutz im interkantonalen Bereich Übergangslösungen zu schaffen sind, um die Rechtsweggarantie zu gewährleisten.", "summary_fr": "# Art. 48 — Accords entre cantons\n\n## Aperçu\n\nL'art. 48 Cst. permet la coopération entre cantons par voie d'accords. Cette norme constitue le fondement constitutionnel de la coopération intercantonale en Suisse.\n\nLes cantons peuvent conclure entre eux des accords et créer des organisations communes. Ils peuvent ainsi accomplir conjointement des tâches d'importance régionale. Un exemple concret est la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique (CDIP), qui coordonne la politique de l'éducation en vertu du concordat scolaire de 1970 (**ATF 148 I 104**). Un autre exemple est la Convention intercantonale relative à la médecine hautement spécialisée (CIMHS), qui règle le traitement de maladies rares et coûteuses.\n\nLa Confédération peut participer à ces accords lorsque cela relève de sa compétence. Cela se produit notamment pour l'organisation commune des transports publics.\n\nLes accords intercantonaux ont des limites importantes : ils ne peuvent pas contrevenir au droit fédéral, aux intérêts fédéraux ou aux droits d'autres cantons. Les accords doivent être communiqués à la Confédération. Dans l'affaire de la Convention intercantonale sur les loteries et paris (CILP), le Tribunal fédéral a confirmé ces principes (**ATF 135 II 338**).\n\nLe contrôle démocratique revêt une importance particulière : lorsque des organes intercantonaux doivent édicter des lois, l'accord doit être traité par le parlement comme une loi. Cela se manifeste avec la CDIP, où les réformes de l'éducation ne sont possibles qu'avec l'approbation parlementaire.\n\nLes cantons doivent respecter le droit intercantonal comme ils doivent respecter le droit fédéral (**ATF 143 V 451**). Les violations peuvent faire l'objet d'un recours devant le Tribunal fédéral.\n\nL'art. 48 Cst. renforce le fédéralisme coopératif (collaboration de partenariat dans l'État fédéral). Il permet des solutions efficaces aux défis régionaux sans abandonner l'autonomie cantonale. La jurisprudence montre que la coopération fonctionne lorsque les exigences constitutionnelles sont respectées.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Genèse\n\n**N° 1** L'art. 48 Cst. trouve son origine dans l'art. 7 Cst. 1874, qui accordait aux cantons le droit de conclure des traités intercantonaux. La révision totale de 1999 a apporté des nouveautés substantielles : les alinéas 4 et 5 ont été insérés en réaction à l'importance croissante de la collaboration intercantonale et aux défis du fédéralisme coopératif. Waldmann/Schnyder von Wartensee soulignent que la révision constitutionnelle a modernisé sur le plan du droit constitutionnel la tradition séculaire de la collaboration intercantonale (BSK BV, Art. 48 N. 1-4).\n\n**N° 2** Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 concernant une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 230 s.) retenait que la collaboration intercantonale devait être renforcée comme « troisième voie » entre les solutions fédérales et cantonales. L'alinéa 4 en particulier réagissait à la critique de la légitimation démocratique des organes législatifs intercantonaux. Le Conseil fédéral soulignait que la compétence d'organes communs devait rester limitée aux tâches de consultation, de coordination et de planification (BSK BV, Art. 48 N. 38).\n\n## Positionnement systématique\n\n**N° 3** L'art. 48 Cst. figure dans le 3e titre « Confédération, cantons et communes » et concrétise le principe fédéraliste de l'art. 3 Cst. La norme est étroitement liée à → l'art. 44 Cst. (principes), → l'art. 45 Cst. (participation), → l'art. 47 Cst. (autonomie des cantons) et → l'art. 48a Cst. (déclaration de force obligatoire générale). Systématiquement, l'art. 48 Cst. est la norme d'habilitation centrale pour la collaboration horizontale dans le système fédéraliste.\n\n**N° 4** La relation à → l'art. 49 Cst. est constitutive : alors que l'art. 48 Cst. fonde la compétence de collaboration intercantonale, l'art. 49 Cst. en statue les limites. Waldmann/Schnyder von Wartensee parlent d'une « tension de droit constitutionnel » entre l'autonomie cantonale de coopération et l'ordre fédéral (BSK BV, Art. 48 N. 5).\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Liberté contractuelle (al. 1)\n\n**N° 5** L'autonomie de coopération des cantons comprend selon Waldmann/Schnyder von Wartensee trois éléments : la liberté de conclusion, la liberté d'aménagement et la liberté d'organisation (BSK BV, Art. 48 N. 10). Les cantons peuvent conclure aussi bien des conventions bilatérales que multilatérales. La forme contractuelle est librement choisie — des accords informels aux concordats sous forme de traités.\n\n**N° 6** Les « organismes et institutions communs » au sens de l'al. 1 comprennent selon la doctrine dominante aussi bien les collectivités de droit public (comme les hautes écoles intercantonales) que de simples unités administratives. La pratique a développé de multiples formes : conférences intercantonales, établissements communs, concordats avec leurs propres organes (BSK BV, Art. 48 N. 18-32).\n\n**N° 7** Les « tâches d'intérêt régional » sont intentionnellement conçues de façon large. Häfelin souligne que la dimension régionale doit être comprise non seulement géographiquement, mais aussi fonctionnellement (BSK BV, Art. 48 N. 25). Les domaines typiques sont l'éducation, la santé, les transports publics, la police et la protection de l'environnement.\n\n### Participation de la Confédération (al. 2)\n\n**N° 8** La Confédération peut participer aux conventions intercantonales « dans le cadre de ses compétences ». La licéité des conventions législatives entre Confédération et cantons est controversée. Une partie de la doctrine soutient que de telles conventions saperaientl'ordre constitutionnel des compétences. Waldmann/Schnyder von Wartensee défendent au contraire une position différenciée : dans les domaines de compétences parallèles ou qui se chevauchent, de telles conventions ne seraient pas absolument exclues, pour autant qu'elles n'opèrent aucun déplacement de l'ordre des compétences (BSK BV, Art. 48 N. 37).\n\n### Limites de la collaboration (al. 3)\n\n**N° 9** La triple limite — droit fédéral, intérêts fédéraux et droits d'autres cantons — concrétise → l'art. 49 al. 1 Cst. Le « droit fédéral » comprend tout l'ordre juridique fédéral y compris le droit international. Les « intérêts fédéraux » sont selon Waldmann/Schnyder von Wartensee conçus plus largement et comprennent aussi les intérêts politiques et économiques de la Confédération (BSK BV, Art. 48 N. 40-50).\n\n**N° 10** L'obligation d'information (« porter à la connaissance ») est de nature déclaratoire. Elle sert à la surveillance fédérale selon → l'art. 186 al. 4 Cst., mais ne fonde aucune exigence d'approbation. La pratique montre que la Chancellerie fédérale fonctionne comme instance réceptrice.\n\n### Habilitation législative (al. 4)\n\n**N° 11** L'al. 4 a été inséré sur l'initiative des cantons pour renforcer la légitimation démocratique de la législation intercantonale. L'habilitation est liée à deux conditions cumulatives : la procédure législative (let. a) et la détermination du contenu (let. b). Abderhalden souligne que les deux conditions servent à garantir le principe démocratique (BSK BV, Art. 48 N. 60-65).\n\n**N° 12** « Selon la même procédure que celle qui s'applique à la législation » signifie selon Waldmann/Schnyder von Wartensee que la convention doit être traitée comme une loi : décision du parlement avec possibilité de référendum. En cas de contenu modifiant la constitution, une votation populaire est selon Häfelin nécessaire (BSK BV, Art. 48 N. 25). La CDIP ou la CILC montrent la mise en œuvre pratique.\n\n**N° 13** Les « grandes lignes du contenu » doivent être suffisamment déterminées dans la convention habilitante. Cela correspond à la dogmatique de la délégation dans le droit interne. La pratique du Tribunal fédéral (→ **ATF 141 II 262**) montre que les exigences ne doivent pas être excessives.\n\n### Obligation de respecter (al. 5)\n\n**N° 14** L'obligation de respecter le droit intercantonal est la conséquence logique de la liberté contractuelle. Elle vaut aussi bien pour les parties contractantes qu'à l'interne pour tous les organes cantonaux. Le Tribunal fédéral a concrétisé cette obligation dans → **ATF 143 V 451** : lorsque le droit intercantonal renvoie au droit fédéral, celui-ci devient droit intercantonal au sens de l'art. 48 al. 5 Cst.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N° 15** La violation de l'art. 48 al. 3 Cst. peut entraîner diverses conséquences juridiques : le Conseil fédéral peut intervenir en matière de surveillance en vertu de → l'art. 186 al. 4 Cst. Les cantons concernés peuvent invoquer la violation de leurs droits par recours de droit public selon l'art. 120 LTF. Les particuliers peuvent s'appuyer sur → l'art. 189 Cst. en cas de violation de droits fondamentaux.\n\n**N° 16** Les conventions intercantonales déploient pour les parties contractantes des effets analogues au droit international. La validité interne se règle selon le droit constitutionnel cantonal. Le droit de dénonciation est controversé : une partie de la doctrine le nie pour les conventions de nature contractuelle sous réserve de la clausula rebus sic stantibus. D'autres accordent un droit de dénonciation lorsque des intérêts prépondérants rendent nécessaire une dérogation à l'effet obligatoire (BSK BV, Art. 48 N. 27).\n\n## Points de controverse\n\n**N° 17** La licéité des conventions législatives entre Confédération et cantons reste controversée. Brunner soutient que pour les projets de portée nationale, une réglementation par loi fédérale serait préférable à une convention intercantonale (BSK BV, Art. 48 N. 31). L'opinion contraire voit justement dans la solution conventionnelle un renforcement du fédéralisme coopératif.\n\n**N° 18** L'étendue de la légitimation démocratique des organes législatifs intercantonaux est aussi controversée. Alors qu'Abderhalden pose des exigences strictes quant à la détermination du contenu, Uhlmann/Zehnder plaident pour une application pragmatique qui tienne compte des besoins d'une collaboration intercantonale efficace.\n\n**N° 19** La justiciabilité des « intérêts fédéraux » à l'al. 3 est jugée différemment. La doctrine dominante exige une concrétisation par le droit fédéral. Waldmann/Schnyder von Wartensee soutiennent au contraire que les intérêts fédéraux politiques authentiques sont aussi protégés (BSK BV, Art. 48 N. 45).\n\n## Conseils pratiques\n\n**N° 20** Lors de l'élaboration de conventions intercantonales, l'intégration précoce des parlements cantonaux est déterminante. La pratique montre que les adaptations ultérieures aux exigences parlementaires peuvent considérablement retarder le processus de négociation. Les conventions-types de la CdC offrent une orientation précieuse.\n\n**N° 21** Pour l'habilitation législative selon l'al. 4, il est recommandé de délimiter clairement les compétences dans la convention de base. La CILC peut servir de modèle : elle définit avec précision quelles matières la Comlot peut régler et lesquelles restent réservées aux cantons. Le Tribunal fédéral a approuvé cette pratique dans → **ATF 141 II 262**.\n\n**N° 22** La communication à la Confédération selon l'al. 3 devrait avoir lieu immédiatement après la conclusion de la convention. La Chancellerie fédérale tient un répertoire de toutes les conventions intercantonales. En cas d'incertitude sur la compatibilité avec le droit fédéral, une consultation informelle préalable de l'office fédéral compétent est recommandée.\n\n**N° 23** Les litiges résultant de conventions intercantonales relèvent selon → l'art. 189 al. 2 Cst. de la juridiction du Tribunal fédéral. Les parties contractantes peuvent cependant prévoir un tribunal arbitral. La pratique récente (→ **ATF 148 I 104**) montre que la garantie de la voie de droit selon → l'art. 29a Cst. doit aussi être pleinement assurée dans le domaine intercantonal.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes de la coopération intercantonale\n\n### Bases constitutionnelles\n\n**ATF 148 I 104** du 26 avril 2022  \nGarantie de la voie de droit auprès d'organes intercantonaux  \nLe Tribunal fédéral précise les exigences constitutionnelles relatives à la protection juridique auprès des organisations intercantonales selon l'art. 48 Cst.\n\n> «La garantie de la voie de droit exige l'examen judiciaire des contestations juridiques également dans la coopération intercantonale. Il appartient aux cantons concordataires d'organiser la protection juridique contre les décisions de la CDIP ou de ses agences de manière conforme à la Constitution (cf. art. 48, al. 4, Cst.) et d'instituer un tribunal qui répond aux exigences de l'art. 30, al. 1, Cst.»\n\n**ATF 135 II 338** du 10 août 2009  \nConformité au droit fédéral des conventions intercantonales  \nArrêt de principe sur la conformité au droit fédéral de la Convention intercantonale sur les loteries et paris (CILP).\n\n> «Le droit fédéral des loteries n'exclut pas une procédure intercantonale qui transfère la décision d'autorisation à un organe commun et, pour les produits standardisés, combine une décision d'admission générale avec la possibilité d'obtenir une décision attaquable pour chaque produit individuel.»\n\n## Compétences normatives des organes intercantonaux\n\n### Conditions selon l'art. 48, al. 4, Cst.\n\n**ATF 141 II 262** du 9 juillet 2015  \nCompétences de la Commission intercantonale des loteries et paris  \nLe Tribunal fédéral confirme la compétence des organes intercantonaux à l'édiction de normes sous les conditions de l'art. 48, al. 4, Cst.\n\n> «La Comlot en tant qu'autorité de délivrance des autorisations est habilitée, sur la base d'une interprétation téléologique-temporelle du droit fédéral et intercantonal (CILP), à effectuer une procédure de subordination respectivement de qualification en rapport avec les grandes loteries et à concrétiser dans le cas d'espèce l'interdiction de loterie valable de manière générale et abstraite.»\n\n**ATF 137 I 31** du 13 octobre 2010  \nConcordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives  \nContrôle de constitutionnalité d'un concordat avec des mesures similaires à des atteintes aux droits fondamentaux.\n\n> «Le concordat litigieux en l'espèce constitue un droit de police spécifique. Il est orienté sur le phénomène particulier des violences dans l'environnement des manifestations sportives. Le concordat vise à prévenir de telles violences par les mesures spéciales d'interdictions de périmètre, d'obligations d'annonce et de détention policière.»\n\n## Rapport au droit fédéral\n\n### Art. 48, al. 3, Cst. - Limites de la coopération intercantonale\n\n**ATF 143 V 451** du 21 novembre 2017  \nDroit intercantonal au sens de l'art. 48, al. 3, et de l'art. 49, al. 1, Cst.  \nSignification des renvois au droit fédéral dans les conventions intercantonales.\n\n> «Lorsque l'application du droit fédéral est prévue dans une convention intercantonale, le droit auquel il est renvoyé constitue du droit (inter-)cantonal au sens de l'art. 48, al. 3, et de l'art. 49, al. 1, Cst.»\n\n## Domaines d'application concrets\n\n### Concordats sur l'éducation\n\n**ATF 148 I 104** du 26 avril 2022  \nConcordat scolaire et CDIP  \nExamen détaillé des bases constitutionnelles de la coopération intercantonale dans le domaine de l'éducation.\n\n> «La coopération des cantons dans le domaine de l'éducation et la CDIP reposent sur le concordat du 29 octobre 1970 sur la coordination scolaire. Il s'agit d'une convention intercantonale au sens de l'art. 48, al. 1, Cst.»\n\n### Domaine des jeux de hasard\n\n**ATF 135 II 338** du 10 août 2009  \nConvention intercantonale sur les loteries et paris  \nArrêt fondamental sur la compatibilité de la réglementation intercantonale des jeux de hasard avec le droit fédéral.\n\n> «La décision attaquée de la commission de recours a été rendue dans le champ d'application de la loi fédérale du 8 juin 1923 sur les loteries et les paris professionnels (LL; RS 935.51). La commission de recours fait partie de la structure organisationnelle de la 'Convention intercantonale du 7 janvier 2005 sur la surveillance ainsi que l'autorisation et l'utilisation du produit de loteries et paris organisés de manière intercantonale ou sur l'ensemble de la Suisse'.»\n\n### Aide sociale et protection de l'enfance\n\n**ATF 143 V 451** du 21 novembre 2017  \nConvention intercantonale relative aux institutions sociales (CIIS)  \nApplication de la CIIS lors de placement d'enfants hors canton et détermination du domicile de secours.\n\n> «Selon l'art. 1 CIIS, celle-ci vise à permettre l'accueil de personnes ayant des besoins particuliers d'encadrement et d'encouragement dans des institutions appropriées hors de leur canton de domicile sans entraves.»\n\n## Aspects de droit procédural\n\n### Protection juridique et voies de recours\n\n**ATF 148 I 104** du 26 avril 2022  \nConflit négatif de compétences et garantie de la voie de droit  \nArrêt de référence sur les exigences constitutionnelles relatives à la protection juridique auprès d'organisations intercantonales.\n\n> «Un conflit négatif de compétences, tel que celui soumis à examen en l'espèce, équivaut pour le justiciable concerné à un déni de justice formel (art. 29, al. 1, Cst.). De plus, la garantie de la voie de droit selon l'art. 29a Cst. est refusée au recourant.»\n\n### Recours des autorités fédérales\n\n**ATF 135 II 338** du 10 août 2009  \nQualité pour recourir des autorités fédérales contre des décisions intercantonales  \nPrécision des droits de recours des autorités fédérales dans le domaine intercantonal.\n\n> «L'Office fédéral de la justice est habilité dans le domaine des jeux de hasard à saisir le Tribunal fédéral d'un recours de droit public au nom du Département fédéral de justice et police contre des décisions de la commission de recours Convention intercantonale loteries et paris.»\n\n## Médecine hautement spécialisée\n\n### Convention intercantonale MHS\n\nDiverses décisions du Tribunal administratif fédéral (C-1313/2019, C-1361/2019, C-1405/2019, C-2251/2015) confirment la fonctionnalité de la coopération intercantonale dans le domaine de la médecine hautement spécialisée sous le régime de l'art. 48 Cst. La convention MHS montre de manière exemplaire la mise en œuvre pratique de la répartition régionale des tâches selon l'art. 48, al. 1, Cst.\n\n## Tendances d'évolution\n\nLa jurisprudence récente montre une différenciation croissante des exigences constitutionnelles relatives à la coopération intercantonale. Une importance particulière revient à la garantie de la voie de droit (art. 29a Cst.) et aux exigences formelles de l'art. 48, al. 4, Cst. Le Tribunal fédéral souligne de manière répétée qu'en l'absence de protection juridique conforme à la Constitution dans le domaine intercantonal, des solutions transitoires doivent être créées pour garantir la voie de droit.", "summary_it": "# Art. 48 — Convenzioni tra Cantoni\n\n## Panoramica\n\nL'art. 48 Cost. consente la collaborazione tra Cantoni mediante convenzioni. Questa norma è il fondamento costituzionale per la cooperazione intercantonale in Svizzera.\n\nI Cantoni possono concludere convenzioni tra loro e creare organizzazioni comuni. In tal modo possono adempiere congiuntamente compiti di importanza regionale. Un esempio concreto è la Conferenza svizzera dei direttori cantonali della pubblica educazione (CDPE), che sulla base del concordato scolastico del 1970 coordina la politica dell'educazione (**BGE 148 I 104**). Un altro esempio è la Convenzione intercantonale sulla medicina altamente specializzata (CIMAS), che disciplina il trattamento di malattie rare e costose.\n\nLa Confederazione può partecipare a queste convenzioni se ne è competente. Ciò avviene ad esempio nell'organizzazione comune dei trasporti pubblici.\n\nLe convenzioni intercantonali hanno importanti limiti: non possono contravvenire al diritto federale, agli interessi federali o ai diritti di altri Cantoni. Le convenzioni devono essere comunicate alla Confederazione. Nella Convenzione intercantonale sulle lotterie e le scommesse (CILSE) il Tribunale federale ha confermato questi principi (**BGE 135 II 338**).\n\nParticolarmente importante è il controllo democratico: se gli organi intercantonali devono emanare leggi, la convenzione deve essere trattata dal parlamento come una legge. Ciò si manifesta nella CDPE, dove le riforme dell'educazione sono possibili solo con l'approvazione parlamentare.\n\nI Cantoni devono rispettare il diritto intercantonale, così come devono osservare il diritto federale (**BGE 143 V 451**). Le violazioni possono essere impugnate con ricorso al Tribunale federale.\n\nL'art. 48 Cost. rafforza il federalismo cooperativo (collaborazione partenariale nello Stato federale). Esso consente soluzioni efficienti per sfide regionali, senza rinunciare all'autonomia cantonale. La giurisprudenza mostra che la collaborazione funziona quando vengono rispettate le direttive costituzionali.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 48 Cost. risale all'art. 7 Cost. 1874, che accordava ai Cantoni il diritto di concludere convenzioni intercantonali. La revisione totale del 1999 ha comportato innovazioni essenziali: i capoversi 4 e 5 sono stati introdotti in risposta alla crescente importanza della cooperazione intercantonale e alle sfide del federalismo cooperativo. Waldmann/Schnyder von Wartensee sottolineano che la revisione costituzionale ha modernizzato dal profilo del diritto costituzionale la tradizione secolare della cooperazione intercantonale (BSK BV, Art. 48 N. 1-4).\n\n**N. 2** Il Messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 230 segg.) stabiliva che la cooperazione intercantonale doveva essere rafforzata come «terza via» tra soluzioni federali e cantonali. In particolare il capoverso 4 reagiva alle critiche sulla legittimazione democratica degli organi di legislazione intercantonali. Il Consiglio federale sottolineava che la competenza di organi comuni doveva rimanere limitata a compiti di consulenza, coordinamento e pianificazione (BSK BV, Art. 48 N. 38).\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 48 Cost. si trova nel 3° Titolo «Confederazione, Cantoni e Comuni» e concretizza il principio federalistico dell'art. 3 Cost. La norma è strettamente collegata con → l'art. 44 Cost. (principi), → l'art. 45 Cost. (partecipazione), → l'art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni) e → l'art. 48a Cost. (dichiarazione di obbligatorietà generale). Dal profilo sistematico l'art. 48 Cost. è la norma di abilitazione centrale per la cooperazione orizzontale nel sistema federalistico.\n\n**N. 4** Il rapporto con → l'art. 49 Cost. è costitutivo: mentre l'art. 48 Cost. fonda la competenza per la cooperazione intercantonale, l'art. 49 Cost. ne stabilisce i limiti. Waldmann/Schnyder von Wartensee parlano di un «rapporto di tensione di diritto costituzionale» tra l'autonomia di cooperazione cantonale e l'ordinamento federale (BSK BV, Art. 48 N. 5).\n\n## Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Libertà di stipulare convenzioni (cpv. 1)\n\n**N. 5** L'autonomia di cooperazione dei Cantoni comprende secondo Waldmann/Schnyder von Wartensee tre elementi: la libertà di conclusione, la libertà di configurazione e la libertà di organizzazione (BSK BV, Art. 48 N. 10). I Cantoni possono concludere tanto convenzioni bilaterali quanto multilaterali. La forma della convenzione è di libera scelta — da accordi informali a concordati con carattere di trattato internazionale.\n\n**N. 6** Le «organizzazioni e istituzioni comuni» nel senso del cpv. 1 comprendono secondo la dottrina dominante tanto corporazioni di diritto pubblico (come le scuole universitarie intercantonali) quanto semplici unità amministrative. La prassi ha sviluppato forme diverse: conferenze intercantonali, istituti comuni, concordati con organi propri (BSK BV, Art. 48 N. 18-32).\n\n**N. 7** I «compiti di interesse regionale» sono volutamente formulati in modo ampio. Häfelin sottolinea che la dimensione regionale deve essere intesa non solo geograficamente, ma anche funzionalmente (BSK BV, Art. 48 N. 25). Ambiti tipici sono l'educazione, la sanità, i trasporti pubblici, la polizia e la protezione dell'ambiente.\n\n### Partecipazione della Confederazione (cpv. 2)\n\n**N. 8** La Confederazione può partecipare a convenzioni intercantonali «nell'ambito delle sue competenze». È controversa l'ammissibilità di convenzioni con carattere normativo tra Confederazione e Cantoni. Una parte della dottrina sostiene che tali convenzioni minerebbero l'ordinamento costituzionale delle competenze. Waldmann/Schnyder von Wartensee rappresentano di contro una posizione differenziata: in ambiti di competenze parallele o sovrapposte tali convenzioni non sono assolutamente escluse, purché non comportino uno spostamento dell'ordinamento delle competenze (BSK BV, Art. 48 N. 37).\n\n### Limiti della cooperazione (cpv. 3)\n\n**N. 9** Il triplice limite — diritto federale, interessi federali e diritti di altri Cantoni — concretizza → l'art. 49 cpv. 1 Cost. Il «diritto federale» comprende l'intero ordinamento giuridico federale incluso il diritto internazionale. Gli «interessi federali» sono secondo Waldmann/Schnyder von Wartensee di portata più ampia e comprendono anche interessi politici ed economici della Confederazione (BSK BV, Art. 48 N. 40-50).\n\n**N. 10** L'obbligo di comunicazione («da portare a conoscenza») ha natura dichiarativa. Serve alla vigilanza federale secondo → l'art. 186 cpv. 4 Cost., ma non fonda un requisito di approvazione. La prassi mostra che la Cancelleria federale funge da ufficio ricevente.\n\n### Abilitazione normativa (cpv. 4)\n\n**N. 11** Il cpv. 4 è stato inserito su iniziativa dei Cantoni per rafforzare la legittimazione democratica della legislazione intercantonale. L'abilitazione è vincolata a due presupposti cumulativi: la procedura legislativa (lett. a) e la determinazione contenutistica (lett. b). Abderhalden sottolinea che entrambi i presupposti servono alla garanzia del principio democratico (BSK BV, Art. 48 N. 60-65).\n\n**N. 12** «Secondo la stessa procedura prevista per la legislazione» significa secondo Waldmann/Schnyder von Wartensee che la convenzione deve essere trattata come una legge: decreto parlamentare con possibilità di referendum. In caso di contenuto di modifica costituzionale è richiesta secondo Häfelin una votazione popolare (BSK BV, Art. 48 N. 25). La CDPE o l'IVLW mostrano l'attuazione pratica.\n\n**N. 13** I «lineamenti contenutistici» devono essere sufficientemente determinati nella convenzione abilitante. Ciò corrisponde alla dogmatica della delega nel diritto interno. La prassi del Tribunale federale (→ **DTF 141 II 262**) mostra che i requisiti non devono essere eccessivi.\n\n### Obbligo di osservanza (cpv. 5)\n\n**N. 14** L'obbligo di osservare il diritto intercantonale è la conseguenza logica della libertà di concludere convenzioni. Vale tanto per le parti contraenti quanto all'interno dello Stato per tutti gli organi cantonali. Il Tribunale federale ha concretizzato questo obbligo in → **DTF 143 V 451**: quando il diritto intercantonale rinvia al diritto federale, questo diventa diritto intercantonale nel senso dell'art. 48 cpv. 5 Cost.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** La violazione dell'art. 48 cpv. 3 Cost. può comportare diverse conseguenze giuridiche: il Consiglio federale può intervenire con provvedimenti di vigilanza fondandosi su → l'art. 186 cpv. 4 Cost. I Cantoni interessati possono censurare la violazione dei loro diritti con ricorso di diritto pubblico secondo l'art. 120 LTF. I privati possono fondarsi su → l'art. 189 Cost. in caso di violazioni dei diritti fondamentali.\n\n**N. 16** Le convenzioni intercantonali dispiegano per le parti contraenti effetti simili al diritto internazionale. La validità nell'ordinamento interno si regge sul diritto costituzionale cantonale. Il diritto di denuncia è controverso: una parte della dottrina lo nega per le convenzioni di carattere negoziale con riserva della clausola rebus sic stantibus. Altri accordano un diritto di denuncia quando interessi preponderanti rendono necessario derogare all'efficacia vincolante (BSK BV, Art. 48 N. 27).\n\n## Questioni controverse\n\n**N. 17** L'ammissibilità di convenzioni con carattere normativo tra Confederazione e Cantoni rimane controversa. Brunner sostiene che per progetti di portata nazionale una regolamentazione di legge federale sarebbe da preferire a una convenzione intercantonale (BSK BV, Art. 48 N. 31). L'opinione contraria vede nella soluzione contrattuale proprio un rafforzamento del federalismo cooperativo.\n\n**N. 18** È controversa anche la portata della legittimazione democratica degli organi di legislazione intercantonali. Mentre Abderhalden pone requisiti severi alla determinazione contenutistica, Uhlmann/Zehnder propugnano un trattamento pragmatico che tenga conto dei bisogni di una cooperazione intercantonale efficiente.\n\n**N. 19** La giustiziabilità degli «interessi federali» nel cpv. 3 è valutata diversamente. La dottrina dominante esige una concretizzazione attraverso il diritto federale. Waldmann/Schnyder von Wartensee sostengono di contro che sono protetti anche genuini interessi politici federali (BSK BV, Art. 48 N. 45).\n\n## Indicazioni per la prassi\n\n**N. 20** Nell'elaborazione di convenzioni intercantonali è decisivo il coinvolgimento tempestivo dei parlamenti cantonali. La prassi mostra che adattamenti successivi alle direttive parlamentari possono ritardare considerevolmente il processo di negoziazione. Le convenzioni modello della CdC offrono un orientamento prezioso.\n\n**N. 21** Per l'abilitazione normativa secondo il cpv. 4 si raccomanda una chiara delimitazione delle competenze nella convenzione di base. L'IVLW può servire da modello: definisce con precisione quali materie la Comlot può regolare e quali rimangono riservate ai Cantoni. Il Tribunale federale ha approvato questa prassi in → **DTF 141 II 262**.\n\n**N. 22** La comunicazione alla Confederazione secondo il cpv. 3 dovrebbe avvenire immediatamente dopo la conclusione della convenzione. La Cancelleria federale tiene un registro di tutte le convenzioni intercantonali. In caso di incertezza sulla compatibilità con il diritto federale si raccomanda una consultazione informale preventiva dell'ufficio federale competente.\n\n**N. 23** Le controversie derivanti da convenzioni intercantonali sottostanno secondo → l'art. 189 cpv. 2 Cost. alla giurisdizione del Tribunale federale. Le parti contraenti possono tuttavia prevedere un tribunale arbitrale. La prassi più recente (→ **DTF 148 I 104**) mostra che la garanzia della via giudiziaria secondo → l'art. 29a Cost. deve essere pienamente garantita anche nell'ambito intercantonale.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi della collaborazione intercantonale\n\n### Basi costituzionali\n\n**BGE 148 I 104** del 26 aprile 2022  \nGaranzia della via giudiziaria presso organi intercantonali  \nIl Tribunale federale precisa le esigenze costituzionali per la tutela giuridica presso le organizzazioni intercantonali secondo l'art. 48 Cost.\n\n> «La garanzia della via giudiziaria esige la valutazione giudiziaria di controversie legali anche nella collaborazione intercantonale. Spetta ai Cantoni concordatari disciplinare conformemente alla costituzione (cfr. art. 48 cpv. 4 Cost.) la tutela giuridica contro le decisioni della CDIP o delle sue agenzie e di istituire un tribunale che soddisfi le esigenze dell'art. 30 cpv. 1 Cost.»\n\n**BGE 135 II 338** del 10 agosto 2009  \nConformità al diritto federale di convenzioni intercantonali  \nDecisione di principio sulla conformità al diritto federale della Convenzione intercantonale su lotterie e scommesse (IVLW).\n\n> «Il diritto federale sulle lotterie non esclude una procedura intercantonale che trasferisca la decisione di autorizzazione a un organo comune e che per i prodotti standardizzati colleghi una decisione di ammissione generale con la possibilità di ottenere per ogni singolo prodotto una decisione impugnabile.»\n\n## Competenze normative degli organi intercantonali\n\n### Requisiti secondo l'art. 48 cpv. 4 Cost.\n\n**BGE 141 II 262** del 9 luglio 2015  \nCompetenze della Commissione intercantonale per le lotterie e le scommesse  \nIl Tribunale federale conferma la competenza degli organi intercantonali per l'emanazione di norme secondo i requisiti dell'art. 48 cpv. 4 Cost.\n\n> «La Comlot quale autorità di autorizzazione è abilitata, sulla base di un'interpretazione teleologico-temporale del diritto federale e intercantonale (IVLW), a svolgere, in relazione alle grandi lotterie, una procedura di subordinazione o qualificazione e a concretizzare nel caso singolo il divieto di lotterie generalmente-astrattamente valido.»\n\n**BGE 137 I 31** del 13 ottobre 2010  \nConcordato su misure contro la violenza negli eventi sportivi  \nControllo di costituzionalità di un concordato con misure che si avvicinano a ingerenze nei diritti fondamentali.\n\n> «Il concordato oggetto di controversia rappresenta diritto di polizia specifico. È orientato al fenomeno particolare delle violenze nell'ambito di eventi sportivi. Il concordato mira a prevenire tali violenze con le misure speciali di divieti di raggio, obblighi di annuncio e custodia di polizia.»\n\n## Rapporto con il diritto federale\n\n### Art. 48 cpv. 3 Cost. - Limiti della collaborazione intercantonale\n\n**BGE 143 V 451** del 21 novembre 2017  \nDiritto intercantonale nel senso dell'art. 48 cpv. 3 e dell'art. 49 cpv. 1 Cost.  \nSignificato dei rinvii al diritto federale nelle convenzioni intercantonali.\n\n> «Quando in una convenzione intercantonale è prevista l'applicazione del diritto federale, si tratta di diritto (inter-)cantonale nel senso dell'art. 48 cpv. 3 e dell'art. 49 cpv. 1 Cost. per quanto riguarda il diritto richiamato.»\n\n## Ambiti di applicazione concreti\n\n### Concordati sulla formazione\n\n**BGE 148 I 104** del 26 aprile 2022  \nConcordato scolastico e CDIP  \nEsame dettagliato delle basi costituzionali della collaborazione intercantonale nel settore della formazione.\n\n> «La collaborazione dei Cantoni nel settore della formazione e la CDIP si basano sul Concordato del 29 ottobre 1970 sul coordinamento scolastico. Si tratta di una convenzione intercantonale nel senso dell'art. 48 cpv. 1 Cost.»\n\n### Settore dei giochi d'azzardo\n\n**BGE 135 II 338** del 10 agosto 2009  \nConvenzione intercantonale su lotterie e scommesse  \nDecisione fondamentale sulla compatibilità della regolamentazione intercantonale sui giochi d'azzardo con il diritto federale.\n\n> «La decisione impugnata della commissione di ricorso è stata emessa nell'ambito di applicazione della Legge federale dell'8 giugno 1923 concernente le lotterie e le scommesse esercitate a titolo professionale (LL; RS 935.51). La commissione di ricorso fa parte della struttura organizzativa della 'Convenzione intercantonale del 7 gennaio 2005 sulla vigilanza nonché l'autorizzazione e l'impiego dell'utile di lotterie e scommesse svolte a livello intercantonale o nazionale'.»\n\n### Assistenza sociale e protezione dei minori\n\n**BGE 143 V 451** del 21 novembre 2017  \nConvenzione intercantonale per le istituzioni sociali (CIIS)  \nApplicazione della CIIS nel caso di collocamento extrantonale di minori e determinazione del domicilio di soccorso.\n\n> «Secondo l'art. 1 CIIS, questa mira a permettere senza ostacoli l'accoglimento di persone con particolari esigenze di assistenza e promozione in istituti idonei al di fuori del loro Cantone di domicilio.»\n\n## Aspetti di diritto processuale\n\n### Tutela giuridica e grado di istanze\n\n**BGE 148 I 104** del 26 aprile 2022  \nConflitto negativo di competenze e garanzia della via giudiziaria  \nDecisione innovativa sulle esigenze costituzionali per la tutela giuridica presso le organizzazioni intercantonali.\n\n> «Un conflitto negativo di competenze, quale quello da giudicare nel caso presente, sfocia per il ricorrente interessato in un diniego formale di giustizia (art. 29 cpv. 1 Cost.). Inoltre, al ricorrente viene negata la garanzia della via giudiziaria secondo l'art. 29a Cost.»\n\n### Ricorso di autorità della Confederazione\n\n**BGE 135 II 338** del 10 agosto 2009  \nLegittimazione al ricorso delle autorità federali contro decisioni intercantonali  \nPrecisazione dei diritti di ricorso delle autorità federali nell'ambito intercantonale.\n\n> «L'Ufficio federale di giustizia è abilitato nel settore dei giochi d'azzardo a ricorrere in nome del Dipartimento federale di giustizia e polizia con ricorso di diritto pubblico al Tribunale federale contro decisioni della commissione di ricorso Convenzione intercantonale lotterie e scommesse.»\n\n## Medicina altamente specializzata\n\n### Convenzione intercantonale MAS\n\nDiverse decisioni del Tribunale amministrativo federale (C-1313/2019, C-1361/2019, C-1405/2019, C-2251/2015) confermano la funzionalità della collaborazione intercantonale nel settore della medicina altamente specializzata sotto il regime dell'art. 48 Cost. La convenzione MAS mostra in modo esemplare l'attuazione pratica della ripartizione regionale dei compiti secondo l'art. 48 cpv. 1 Cost.\n\n## Tendenze evolutive\n\nLa giurisprudenza più recente mostra una crescente differenziazione delle esigenze costituzionali per la collaborazione intercantonale. Particolare importanza assumono la garanzia della via giudiziaria (art. 29a Cost.) e le esigenze formali dell'art. 48 cpv. 4 Cost. Il Tribunale federale sottolinea ripetutamente che in caso di mancanza di tutela giuridica conforme alla costituzione nell'ambito intercantonale devono essere create soluzioni transitorie per garantire la garanzia della via giudiziaria.", "summary_en": "# Art. 48 — Agreements between cantons\n\n## Overview\n\nArt. 48 FC enables cooperation between cantons through agreements. This provision is the constitutional foundation for intercantonal cooperation in Switzerland.\n\nThe cantons may conclude agreements with each other and create joint organisations. This allows them to fulfil tasks of regional importance together. A concrete example is the Swiss Conference of Cantonal Ministers of Education (EDK), which coordinates education policy based on the School Concordat of 1970 (**BGE 148 I 104**). Another example is the Intercantonal Agreement on Highly Specialised Medicine (IVHSM), which regulates the treatment of rare and costly diseases.\n\nThe Confederation may participate in these agreements if it has competence to do so. This occurs, for example, in the joint organisation of public transport.\n\nIntercantonal agreements have important limits: they may not violate federal law, federal interests or the rights of other cantons. The agreements must be reported to the Confederation. In the case of the Intercantonal Agreement on Lotteries and Betting (IVLW), the Federal Supreme Court confirmed these principles (**BGE 135 II 338**).\n\nDemocratic control is particularly important: if intercantonal bodies are to enact laws, the agreement must be treated by parliament like a law. This is evident with the EDK, where education reforms are only possible with parliamentary approval.\n\nThe cantons must observe intercantonal law, just as they must comply with federal law (**BGE 143 V 451**). Violations may be challenged by appeal to the Federal Supreme Court.\n\nArt. 48 FC strengthens cooperative federalism (partnership-based cooperation in the federal state). It enables efficient solutions for regional challenges without abandoning cantonal autonomy. Case law shows that cooperation functions when constitutional requirements are observed.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 48 FC traces back to Art. 7 FC 1874, which granted the cantons the right to conclude inter-cantonal treaties. The total revision of 1999 brought essential innovations: Paragraphs 4 and 5 were inserted in response to the growing importance of inter-cantonal cooperation and the challenges of cooperative federalism. Waldmann/Schnyder von Wartensee emphasise that the constitutional revision modernised the centuries-old tradition of inter-cantonal cooperation from a constitutional law perspective (BSK BV, Art. 48 N. 1-4).\n\n**N. 2** The Federal Council's Dispatch of 20 November 1996 on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 230 f.) stated that inter-cantonal cooperation should be strengthened as a «third way» between federal and cantonal solutions. Paragraph 4 in particular responded to criticism of the democratic legitimacy of inter-cantonal legislative bodies. The Federal Council emphasised that the powers of joint bodies must remain limited to advisory, coordination and planning tasks (BSK BV, Art. 48 N. 38).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 48 FC is found in Title 3 «Confederation, Cantons and Communes» and gives concrete form to the federalist principle from Art. 3 FC. The provision is closely connected with → Art. 44 FC (Principles), → Art. 45 FC (Participation), → Art. 47 FC (Independence of the cantons) and → Art. 48a FC (Declaration of general applicability). Systematically, Art. 48 FC is the central enabling provision for horizontal cooperation in the federalist system.\n\n**N. 4** The relationship to → Art. 49 FC is constitutive: While Art. 48 FC establishes the competence for inter-cantonal cooperation, Art. 49 FC defines its limits. Waldmann/Schnyder von Wartensee speak of a «constitutional tension» between cantonal autonomy in cooperation and the federal order (BSK BV, Art. 48 N. 5).\n\n## Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Freedom to Conclude Agreements (Para. 1)\n\n**N. 5** According to Waldmann/Schnyder von Wartensee, the cooperation autonomy of the cantons comprises three elements: freedom to conclude agreements, freedom to design them and freedom of organisation (BSK BV, Art. 48 N. 10). The cantons may conclude both bilateral and multilateral treaties. The form of agreement is freely selectable — from informal arrangements to treaty-like concordats.\n\n**N. 6** «Joint organisations and institutions» within the meaning of para. 1 comprise, according to the prevailing doctrine, both public-law corporations (such as inter-cantonal universities) and simple administrative units. Practice has developed diverse forms: inter-cantonal conferences, joint institutions, concordats with their own bodies (BSK BV, Art. 48 N. 18-32).\n\n**N. 7** «Tasks of regional interest» is deliberately broadly defined. Häfelin emphasises that the regional dimension must be understood not only geographically but also functionally (BSK BV, Art. 48 N. 25). Typical areas are education, health, public transport, police and environmental protection.\n\n### Participation of the Confederation (Para. 2)\n\n**N. 8** The Confederation may participate in inter-cantonal treaties «within the scope of its competences». The permissibility of legislative treaties between the Confederation and cantons is disputed. Part of the doctrine holds that such treaties would undermine the constitutional order of competences. Waldmann/Schnyder von Wartensee, on the other hand, take a differentiated position: In areas of parallel or overlapping competences, such treaties are not absolutely excluded, provided they do not cause a shift in the order of competences (BSK BV, Art. 48 N. 37).\n\n### Limits of Cooperation (Para. 3)\n\n**N. 9** The threefold limit — federal law, federal interests and rights of other cantons — gives concrete form to → Art. 49 para. 1 FC. «Federal law» comprises the entire federal legal order including international law. «Federal interests» are, according to Waldmann/Schnyder von Wartensee, more broadly defined and include also political and economic interests of the Confederation (BSK BV, Art. 48 N. 40-50).\n\n**N. 10** The obligation to notify («to bring to the attention of») is declaratory in nature. It serves federal supervision according to → Art. 186 para. 4 FC, but does not establish a requirement for approval. Practice shows that the Federal Chancellery serves as the receiving office.\n\n### Legislative Authorisation (Para. 4)\n\n**N. 11** Para. 4 was inserted at the initiative of the cantons to strengthen the democratic legitimacy of inter-cantonal legislation. The authorisation is tied to two cumulative requirements: the legislative procedure (lit. a) and content determination (lit. b). Abderhalden emphasises that both requirements serve to secure the democratic principle (BSK BV, Art. 48 N. 60-65).\n\n**N. 12** «According to the same procedure that applies to legislation» means, according to Waldmann/Schnyder von Wartensee, that the treaty must be treated like a law: parliamentary resolution with referendum possibility. Where the content amends the constitution, according to Häfelin a popular vote is required (BSK BV, Art. 48 N. 25). The EDK or the IVLW show the practical implementation.\n\n**N. 13** The «essential content» must be sufficiently determined in the authorising treaty. This corresponds to delegation doctrine in domestic law. The practice of the Federal Supreme Court (→ **BGE 141 II 262**) shows that the requirements must not be excessive.\n\n### Duty of Observance (Para. 5)\n\n**N. 14** The duty to observe inter-cantonal law is the logical consequence of the freedom to conclude agreements. It applies both to the contracting parties and domestically to all cantonal bodies. The Federal Supreme Court has given concrete form to this duty in → **BGE 143 V 451**: Where inter-cantonal law refers to federal law, this becomes inter-cantonal law within the meaning of Art. 48 para. 5 FC.\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 15** Violation of Art. 48 para. 3 FC may result in various legal consequences: The Federal Council may intervene through supervisory measures based on → Art. 186 para. 4 FC. Affected cantons may challenge violation of their rights through constitutional appeal according to Art. 120 FSCA. Private parties may rely on → Art. 189 FC in case of violations of fundamental rights.\n\n**N. 16** Inter-cantonal treaties have effects similar to international law for the contracting parties. Domestic validity is governed by cantonal constitutional law. The right of termination is disputed: Part of the doctrine denies it for contractual agreements subject to the reservation of the clausula rebus sic stantibus. Others recognise a right of termination when overriding interests make deviation from the binding effect necessary (BSK BV, Art. 48 N. 27).\n\n## Points of Dispute\n\n**N. 17** The permissibility of legislative treaties between the Confederation and cantons remains controversial. Brunner holds that for nation-wide projects, federal legislative regulation is preferable to an inter-cantonal treaty (BSK BV, Art. 48 N. 31). The opposing view sees the contractual solution precisely as strengthening cooperative federalism.\n\n**N. 18** Also disputed is the scope of democratic legitimacy of inter-cantonal legislative bodies. While Abderhalden sets strict requirements for content determination, Uhlmann/Zehnder argue for pragmatic handling that takes account of the needs of efficient inter-cantonal cooperation.\n\n**N. 19** The justiciability of «federal interests» in para. 3 is assessed differently. The prevailing doctrine requires concretisation through federal law. Waldmann/Schnyder von Wartensee, on the other hand, hold that genuine political federal interests are also protected (BSK BV, Art. 48 N. 45).\n\n## Practice Notes\n\n**N. 20** When drafting inter-cantonal treaties, early involvement of cantonal parliaments is crucial. Practice shows that subsequent adjustments to parliamentary requirements can significantly delay the negotiation process. The model agreements of the KdK provide valuable guidance.\n\n**N. 21** For legislative authorisation according to para. 4, clear delimitation of competences in the basic treaty is recommended. The IVLW can serve as a model: It defines precisely which matters the Comlot may regulate and which remain reserved to the cantons. The Federal Supreme Court has approved this practice in → **BGE 141 II 262**.\n\n**N. 22** Notification to the Confederation according to para. 3 should take place immediately after conclusion of the treaty. The Federal Chancellery maintains a register of all inter-cantonal agreements. In case of uncertainty about compatibility with federal law, prior informal consultation with the competent federal office is recommended.\n\n**N. 23** Disputes arising from inter-cantonal treaties are subject to the jurisdiction of the Federal Supreme Court according to → Art. 189 para. 2 FC. The contracting parties may, however, provide for an arbitral tribunal. Recent practice (→ **BGE 148 I 104**) shows that the guarantee of access to justice according to → Art. 29a FC must be fully ensured also in the inter-cantonal sphere.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Principles of Intercantonal Cooperation\n\n### Constitutional Foundations\n\n**BGE 148 I 104** of 26 April 2022  \nGuarantee of legal remedy in intercantonal organs  \nThe Federal Supreme Court clarifies the constitutional requirements for legal protection in intercantonal organisations according to Art. 48 FC.\n\n> «The guarantee of legal remedy requires judicial assessment of legal disputes also in intercantonal cooperation. It is the responsibility of the concordat cantons to design legal protection against decisions of the EDK or its agencies in accordance with the Constitution (cf. Art. 48 para. 4 FC) and to establish a court that meets the requirements of Art. 30 para. 1 FC.»\n\n**BGE 135 II 338** of 10 August 2009  \nFederal law conformity of intercantonal agreements  \nLandmark decision on the federal law conformity of the Intercantonal Agreement on Lotteries and Betting (IVLW).\n\n> «Federal lottery law does not exclude an intercantonal procedure that transfers the licensing decision to a joint organ and, for standardised products, combines a general licensing decision with the possibility of obtaining an appealable decision for each individual product.»\n\n## Legislative Powers of Intercantonal Organs\n\n### Requirements under Art. 48 para. 4 FC\n\n**BGE 141 II 262** of 9 July 2015  \nPowers of the Intercantonal Lottery and Betting Commission  \nThe Federal Supreme Court confirms the power of intercantonal organs to legislate under the conditions of Art. 48 para. 4 FC.\n\n> «Comlot as the licensing authority is authorised, based on a teleological-temporal interpretation of federal and intercantonal law (IVLW), to conduct a subordination or qualification procedure in connection with major lotteries and to specify the generally-abstractly valid lottery prohibition in individual cases.»\n\n**BGE 137 I 31** of 13 October 2010  \nConcordat on measures against violence at sporting events  \nConstitutional review of a concordat with measures similar to fundamental rights restrictions.\n\n> «The concordat in dispute here represents specific police law. It is directed at the particular phenomenon of violence in the context of sporting events. The concordat aims to prevent such violence with the special measures of area bans, reporting obligations and police custody.»\n\n## Relationship to Federal Law\n\n### Art. 48 para. 3 FC - Limits of intercantonal cooperation\n\n**BGE 143 V 451** of 21 November 2017  \nIntercantonal law within the meaning of Art. 48 para. 3 and Art. 49 para. 1 FC  \nSignificance of references to federal law in intercantonal agreements.\n\n> «When the application of federal law is provided for in an intercantonal agreement, the referenced law constitutes (inter-)cantonal law within the meaning of Art. 48 para. 3 and Art. 49 para. 1 FC.»\n\n## Specific Areas of Application\n\n### Education Concordats\n\n**BGE 148 I 104** of 26 April 2022  \nSchool concordat and EDK  \nDetailed examination of the constitutional foundations of intercantonal cooperation in education.\n\n> «The cooperation of the cantons in education and the EDK are based on the Concordat of 29 October 1970 on School Coordination. This is an intercantonal agreement within the meaning of Art. 48 para. 1 FC.»\n\n### Gambling Sector\n\n**BGE 135 II 338** of 10 August 2009  \nIntercantonal Agreement on Lotteries and Betting  \nFundamental decision on the compatibility of intercantonal gambling regulation with federal law.\n\n> «The challenged decision of the Appeals Commission was issued within the scope of application of the Federal Act of 8 June 1923 concerning lotteries and commercial betting (LG; SR 935.51). The Appeals Commission forms part of the organisational structure of the 'Intercantonal Agreement of 7 January 2005 on the supervision as well as the licensing and revenue use of lotteries and betting conducted intercantonally or throughout Switzerland'.»\n\n### Social Assistance and Child Protection\n\n**BGE 143 V 451** of 21 November 2017  \nIntercantonal Agreement for Social Institutions (IVSE)  \nApplication of the IVSE in extracantonal child placement and determination of the support domicile.\n\n> «According to Art. 1 IVSE, this aims to enable the admission of persons with special care and support needs to suitable institutions outside their canton of residence without obstacles.»\n\n## Procedural Aspects\n\n### Legal Protection and Hierarchy of Appeal\n\n**BGE 148 I 104** of 26 April 2022  \nNegative conflict of jurisdiction and guarantee of legal remedy  \nLandmark decision on the constitutional requirements for legal protection in intercantonal organisations.\n\n> «A negative conflict of jurisdiction, such as the one under review here, amounts to formal denial of justice (Art. 29 para. 1 FC) for the affected person seeking legal remedy. Moreover, the appellant is denied the guarantee of legal remedy according to Art. 29a FC.»\n\n### Administrative Appeal by the Confederation\n\n**BGE 135 II 338** of 10 August 2009  \nRight of federal authorities to appeal against intercantonal decisions  \nClarification of the appeal rights of federal authorities in the intercantonal sphere.\n\n> «The Federal Office of Justice is authorised in the gambling sector to appeal to the Federal Supreme Court on behalf of the Federal Department of Justice and Police against decisions of the Appeals Commission Intercantonal Agreement Lotteries and Betting by way of public law appeal.»\n\n## Highly Specialised Medicine\n\n### Intercantonal Agreement HSM\n\nVarious decisions of the Federal Administrative Court (C-1313/2019, C-1361/2019, C-1405/2019, C-2251/2015) confirm the functionality of intercantonal cooperation in the field of highly specialised medicine under the regime of Art. 48 FC. The HSM Agreement exemplifies the practical implementation of regional task allocation according to Art. 48 para. 1 FC.\n\n## Development Trends\n\nRecent case law shows an increasing differentiation of constitutional requirements for intercantonal cooperation. Particular importance is attached to the guarantee of legal remedy (Art. 29a FC) and the formal requirements of Art. 48 para. 4 FC. The Federal Supreme Court repeatedly emphasises that in the absence of constitutional legal protection in the intercantonal sphere, transitional solutions must be created to guarantee the right to legal remedy.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_48", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-17", "summary_quality_score": 0.85, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-17", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 48, "article_suffix": "a", "title": "Allgemeinverbindlicherklärung und Beteiligungspflicht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 48a BV — Übersicht\n\nArt. 48a BV ermöglicht es dem Bund, Kantone zur interkantonalen Zusammenarbeit zu zwingen. Diese Ausnahmebestimmung gilt nur in neun wichtigen Bereichen wie Strafvollzug, Schulwesen oder Spitzenmedizin. Wenn Kantone die nötige Kooperation verweigern, kann die Bundesversammlung sie per Bundesbeschluss zur Teilnahme verpflichten.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle 26 Kantone können zur Zusammenarbeit verpflichtet werden. Interessierte Kantone können den Antrag stellen. Die Bundesversammlung entscheidet über die Allgemeinverbindlicherklärung. Das Volk kann per Referendum dagegen stimmen.\n\n**Wie funktioniert das Verfahren?** Die Bundesversammlung erlässt einen allgemeinverbindlich erklärenden Bundesbeschluss (Art. 48a Abs. 2 BV). Dieser untersteht dem fakultativen Referendum gemäss Art. 141 Abs. 1 lit. d BV. Ein bereits ausgehandeltes interkantonales Vertragswerk muss vorhanden sein.\n\n**Welche Rechtswirkungen entstehen?** Verpflichtete Kantone werden entweder Vertragspartei (Beitritt) oder müssen sich an bestimmten Kooperationsaspekten beteiligen. Die Verträge bleiben interkantonales Recht und werden nicht zu Bundesrecht. Dies bestätigte das Bundesgericht in **BGE 143 V 451**.\n\n**Rechtsnatur:** Art. 48a BV ist nach umstrittener Doktrin nicht direkt anwendbar. Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) betont, dass die Norm einer bundesgesetzlichen Konkretisierung bedarf. Die herrschende Lehre und Praxis gehen jedoch von unmittelbarer Anwendbarkeit aus.\n\n**Streitpunkt:** Umstritten ist, ob noch nicht in Kraft stehende Verträge genügen. Biaggini und Zehnder bejahen dies für definitiv ausgehandelte Verträge. Andere fordern bereits geltende Vertragswerke.\n\n**Praktisches Beispiel:** Wenn nur 20 von 26 Kantonen dem Konkordat über Strafvollzug beigetreten sind, können die übrigen Kantone per Bundesbeschluss zur Teilnahme verpflichtet werden. Der Vollzug würde dann schweizweit einheitlich geregelt.\n\n**Präventive Wirkung:** Obwohl seit 2008 kaum angewendet, fördert Art. 48a BV freiwillige Lösungen. Die blosse Drohung mit dem Zwang motiviert Kantone zur kooperativen Zusammenarbeit.", "doctrine_de": "# Art. 48a BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 48a BV wurde im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) mit der Volksabstimmung vom 28. November 2004 in die Bundesverfassung eingefügt. Die Bestimmung trat am 1. Januar 2008 in Kraft (BBl 2003 6591, 6634; BBl 2001 2291, 2387 ff.).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber erkannte, dass die föderale Struktur in bestimmten Bereichen zu Koordinationsproblemen führen kann. Die Botschaft hält fest: «Im Bereich der durch die Kantonsgrenzen zerschnittenen Siedlungsgebiete und Lebensräume zeigt sich die Problematik besonders deutlich» (BBl 2001 2387). Art. 48a BV soll sicherstellen, dass Kantone, die sich der notwendigen Zusammenarbeit verschliessen, in letzter Konsequenz zur Kooperation verpflichtet werden können.\n\n**N. 3** Die Entstehungsgeschichte zeigt einen Paradigmenwechsel im schweizerischen Föderalismus: Vom reinen Freiwilligkeitsprinzip hin zu einem «kooperativen Föderalismus» mit Zwangselementen (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 1-4; Schlussbericht NFA 1999, 179 ff.).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 48a BV steht systematisch zwischen Art. 48 BV (interkantonale Verträge) und Art. 49 BV (Vorrang und Einhaltung des Bundesrechts). Die Norm ergänzt das freiwillige Vertragssystem des Art. 48 BV um ein Zwangselement für spezifische, abschliessend aufgezählte Bereiche.\n\n**N. 5** Die Bestimmung ist Teil der bundesstaatlichen Kompetenzordnung (3. Titel, 1. Kapitel BV). Sie modifiziert das Verhältnis zwischen Bundes- und Kantonskompetenzen, indem der Bund ermächtigt wird, in die kantonale Autonomie einzugreifen. Dies steht in einem Spannungsverhältnis zu → Art. 3 BV (Kantonsautonomie) und → Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone).\n\n**N. 6** Art. 48a BV konkretisiert das allgemeine Kooperationsgebot aus → Art. 44 BV für spezifische Aufgabenbereiche. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit sektorspezifischen Kooperationsverpflichtungen (→ Art. 62 Abs. 4 BV für Schulwesen; → Art. 123 Abs. 2-3 BV für Straf- und Massnahmenvollzug).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Anwendungsbereich (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Anwendungsbereich ist auf neun Aufgabenbereiche beschränkt (lit. a-i). Diese Aufzählung ist abschliessend (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 11-24). Eine erweiternde Auslegung ist ausgeschlossen, da es sich um eine Ausnahmebestimmung zum Grundsatz der Kantonsautonomie handelt.\n\n**N. 8** Die aufgeführten Bereiche zeichnen sich durch grenzüberschreitende Wirkungen oder die Notwendigkeit überregionaler Koordination aus:\n- Straf- und Massnahmenvollzug (lit. a)\n- Schulwesen nach Art. 62 Abs. 4 BV (lit. b) \n- Kantonale Hochschulen (lit. c)\n- Kultureinrichtungen von überregionaler Bedeutung (lit. d)\n- Abfallbewirtschaftung (lit. e)\n- Abwasserreinigung (lit. f)\n- Agglomerationsverkehr (lit. g)\n- Spitzenmedizin und Spezialkliniken (lit. h)\n- Institutionen zur Eingliederung und Betreuung von Invaliden (lit. i)\n\n### b) Verpflichtung zur Zusammenarbeit\n\n**N. 9** Die Bundesversammlung kann Kantone auf Antrag interessierter Kantone zur Zusammenarbeit verpflichten (Abs. 1). Die Verpflichtung erfolgt durch allgemeinverbindlich erklärten Bundesbeschluss (Abs. 2), der dem fakultativen Referendum untersteht.\n\n**N. 10** Voraussetzung ist ein bestehendes oder ausgehandeltes interkantonales Vertragswerk. Umstritten ist, ob der Vertrag bereits in Kraft sein muss: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N 5) und Zehnder (Diss. 2008, 26 Fn. 94, 38 f.) vertreten, dass ein definitiv ausgehandelter Vertrag genügt, auch für die Anordnung der Zusammenarbeitspflicht nach Abs. 3.\n\n### c) Instrumente (Abs. 1)\n\n**N. 11** Art. 48a BV sieht zwei Instrumente vor (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 25-28):\n- Verpflichtung zum **Beitritt** zu interkantonalen Verträgen\n- **Beteiligung** an interkantonalen Verträgen ohne formellen Beitritt\n\n**N. 12** Die Beteiligung ermöglicht flexible Lösungen, bei denen ein Kanton nicht alle Vertragspflichten übernehmen muss, sondern nur an bestimmten Aspekten partizipiert (z.B. Kostenbeteiligung ohne Mitspracherecht).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Die Allgemeinverbindlicherklärung hat unterschiedliche Rechtsfolgen je nach gewähltem Instrument:\n\n**N. 14** Bei der **Beitrittsverpflichtung** wird der betroffene Kanton Vertragspartei mit allen Rechten und Pflichten. Der Vertrag behält seinen interkantonalen Charakter (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 26). Dies unterscheidet Art. 48a BV von einer Bundeskompetenz: Die Verträge werden nicht zu Bundesrecht (**BGE 143 V 451** E. 2.2).\n\n**N. 15** Bei der **Beteiligungsverpflichtung** entstehen nur die im Bundesbeschluss definierten Pflichten. Der Kanton wird nicht Vertragspartei, sondern erfüllt spezifische, bundesrechtlich angeordnete Kooperationspflichten.\n\n**N. 16** Die Rechtsnatur der Verpflichtung ist umstritten: Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) betont, dass Art. 48a BV sich einer unmittelbaren Anwendbarkeit entzieht und einer bundesgesetzlichen Konkretisierung bedarf. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Bundesversammlung direkt gestützt auf Art. 48a BV handeln kann.\n\n## 5. Streitstände\n\n### a) Unmittelbare Anwendbarkeit\n\n**N. 17** **Streitstand zur direkten Anwendbarkeit**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 8) vertritt, dass Art. 48a BV einer bundesgesetzlichen Konkretisierung bedarf. Die herrschende Lehre (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 8-9; Steinlin, LeGes 2011, 35, 42 ff.) und die Praxis gehen hingegen von der unmittelbaren Anwendbarkeit aus.\n\n### b) Anwendung auf Verträge in Ausarbeitung\n\n**N. 18** **Streitstand zum Vertragsstatus**: Kontrovers diskutiert wird, ob Art. 48a BV nur auf bestehende oder auch auf noch auszuhandelnde Verträge anwendbar ist:\n- **Erweiternde Auslegung**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 5) und Zehnder (Diss. 2008, 38 f.) bejahen die Anwendung auf definitiv ausgehandelte, aber noch nicht in Kraft getretene Verträge\n- **Restriktive Auslegung**: Ein Teil der Lehre fordert einen bereits in Kraft stehenden Vertrag als Anknüpfungspunkt\n\n### c) Verhältnis zu sektorspezifischen Normen\n\n**N. 19** **Streitstand zum Verhältnis zu Spezialnormen**: Unklar ist das Verhältnis zu sektorspezifischen Kooperationsverpflichtungen wie Art. 62 Abs. 4 BV (Schulwesen) oder Art. 123 Abs. 2-3 BV (Strafvollzug). Waldmann (BSK BV, Art. 48a N. 10-36) sieht Art. 48a BV als generelle Auffangnorm, während andere Autoren von einem Spezialitätsverhältnis ausgehen.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** **Antragstellung**: Interessierte Kantone müssen den Antrag an die Bundesversammlung substantiiert begründen. Die blosse Verweigerungshaltung einzelner Kantone genügt nicht; es braucht den Nachweis eines übergeordneten öffentlichen Interesses an der Zusammenarbeit (Moser, LeGes 2006, 43, 58 ff.).\n\n**N. 21** **Verhältnismässigkeit**: Die Verpflichtung muss verhältnismässig sein (→ Art. 5 Abs. 2 BV). Dies bedeutet konkret:\n- Die Zusammenarbeit muss zur Aufgabenerfüllung geeignet sein\n- Keine milderen Mittel dürfen zur Verfügung stehen\n- Das öffentliche Interesse muss die Einschränkung der Kantonsautonomie überwiegen\n\n**N. 22** **Rechtsschutz**: Gegen den allgemeinverbindlich erklärenden Bundesbeschluss steht das fakultative Referendum offen (Art. 48a Abs. 2 BV). Nach Inkrafttreten können betroffene Kantone die Verfassungsmässigkeit im Rahmen konkreter Anwendungsakte überprüfen lassen (**BGE 143 I 361** E. 5.2; Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 42).\n\n**N. 23** **Praktische Relevanz**: Trotz seiner Existenz seit 2008 kam Art. 48a BV bislang kaum zur Anwendung. Die Norm entfaltet primär präventive Wirkung: Die blosse Drohung mit der Allgemeinverbindlicherklärung fördert freiwillige Kooperationslösungen (Biaggini, ZBl 2008, 345, 376 f.).\n\n**N. 24** **Abgrenzung zu Art. 48 BV**: In der Praxis ist sorgfältig zwischen freiwilligen interkantonalen Verträgen nach Art. 48 BV und allgemeinverbindlich erklärten Verträgen nach Art. 48a BV zu unterscheiden. Die IVSE beispielsweise ist eine Vereinbarung nach Art. 48 BV, nicht nach Art. 48a BV (**BGE 143 V 451** E. 2.2).", "caselaw_de": "# Art. 48a BV — Rechtsprechung\n\n## Abgrenzung zu Art. 48 BV\n\n**BGE 143 V 451** (21. November 2017)\nUnterscheidung zwischen interkantonalen Vereinbarungen nach Art. 48 BV und allgemeinverbindlich erklärten Verträgen nach Art. 48a BV. \nDie IVSE stellt eine interkantonale Vereinbarung nach Art. 48 BV dar, nicht einen allgemeinverbindlich erklärten interkantonalen Vertrag nach Art. 48a BV.\n\n> «Bei der IVSE handelt es sich um eine interkantonale Vereinbarung. Sie ist kein allgemein verbindlich erklärter interkantonaler Vertrag nach Art. 48a BV. Vielmehr geht es um eine interkantonale Vereinbarung im Sinne von Art. 48 BV.»\n\n## Geltungsbereich und materielle Voraussetzungen\n\n**BGE 143 I 361** (3. Mai 2017)\nBehandlung der Verhältnismässigkeitsprüfung bei kantonalen Initiativen, die interkantonalen Vereinbarungen entgegenstehen.\nKantonale Initiativen können nur bei offensichtlichem Widerspruch zu übergeordnetem Recht (einschliesslich interkantonaler Vereinbarungen) für ungültig erklärt werden.\n\n> «Die Ungültigerklärung einer in der Form der allgemeinen Anregung eingereichten Initiative wegen Unvereinbarkeit mit höherrangigem Recht setzt im Kanton Graubünden voraus, dass eine Umsetzung der Initiative ohne offensichtlichen Widerspruch zum übergeordneten Recht von vornherein ausgeschlossen erscheint.»\n\n## Kompetenzbereiche nach lit. a-c\n\n**BGE 148 I 104** (26. April 2022)\nAnwendung auf Schulkoordination und Rechtsschutz bei interkantonalen Konkordaten.\nDas Schulkonkordat von 1970 begründet eigenständige Verfahrensrechte und Rechtsschutzmöglichkeiten.\n\n> «Der zu beurteilende negative Kompetenzkonflikt läuft für den betroffenen Rechtssuchenden auf eine formelle Rechtsverweigerung und eine Verletzung der Rechtsweggarantie hinaus.»\n\n**C-2251/2015** (9. Juni 2016)\nHochspezialisierte Medizin und interkantonale Zusammenarbeit.\nDie Interkantonale Vereinbarung über hochspezialisierte Medizin (IVHSM) als Beispiel für interkantonale Koordination im Gesundheitswesen.\n\n> «Die komplexe Behandlung von Hirnschlägen wird der hochspezialisierten Medizin zugewiesen.»\n\n## Verhältnis zum Bundesrecht\n\n**BGE 135 II 338** (10. August 2009)\nBundesaufsicht über interkantonale Vereinbarungen im Glücksspielbereich.\nDas Bundesamt für Justiz ist berechtigt, gegen Entscheide von Organen interkantonaler Vereinbarungen Beschwerde zu führen.\n\n> «Das Bundesamt für Justiz ist im Glücksspielbereich befugt, im Namen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements gegen Entscheide der Rekurskommission Interkantonale Vereinbarung Lotterien und Wetten mit öffentlich-rechtlicher Beschwerde an das Bundesgericht zu gelangen.»\n\n**BGE 141 II 262** (9. Juli 2015)\nKompetenzverteilung bei interkantonalen Organen.\nInterkantonale Vereinbarungen können eigenständige Verfahrens- und Entscheidkompetenzen schaffen.\n\n> «Übersicht über die Glücksspielregelung in Bund und Kantonen.»\n\n## Rechtsnatur und Durchsetzung\n\n**BGE 137 I 31** (13. Oktober 2010)\nVerfassungskonformität von Massnahmen aufgrund interkantonaler Konkordate.\nDas Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen kann mit Beschwerde nach Art. 82 lit. b BGG angefochten werden.\n\n> «Die Bestimmungen des Konkordates über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen (Konkordat) können mit Beschwerde nach Art. 82 lit. b BGG angefochten werden. Die im Konkordat vorgesehenen Massnahmen (Rayonverbot, Meldeauflage und Polizeigewahrsam) sind polizeiliche Zwangsmassnahmen.»\n\n**150000251** (1. Mai 2012)\nBundeskompetenz für IKT-Zusammenarbeit zwischen Kantonen.\nDie Bundesverfassung räumt dem Bund keine allgemeine Kompetenz für elektronische Verwaltungszusammenarbeit zwischen Kantonen ein.\n\n> «Die Bundesverfassung räumt dem Bund keine allgemeine Kompetenz ein, den Kantonen zur Schaffung einer einheitlichen elektronischen Verwaltungslandschaft generelle technische und organisatorische Vorgaben zu machen.»\n\n## Jüngere Entwicklungen\n\n**BVGE 2016/15** (9. Juni 2016)\nKrankenversicherungsrechtliche Aspekte interkantonaler Vereinbarungen.\nSpitalplanung und Leistungserbringung im interkantonalen Kontext.\n\n> Die Entscheidung behandelt die Zuordnung von Behandlungen zur hochspezialisierten Medizin im Rahmen der IVHSM.\n\n**8C_285/2017** (21. November 2017)\nAnwendung bei Sozialhilfezuständigkeiten.\nInterkantonale Vereinbarungen im Sozialbereich müssen bundesrechtskonforme Kindesschutzmassnahmen ermöglichen.\n\n> Die Zuständigkeit für Sozialhilfeleistungen bei interkantonalen Fremdplatzierungen richtet sich nach Bundesrecht, auch wenn interkantonale Vereinbarungen andere Regelungen vorsehen.", "summary_fr": "# Art. 48a Cst. — Aperçu\n\nL'art. 48a Cst. permet à la Confédération de contraindre les cantons à coopérer entre eux. Cette disposition d'exception ne s'applique que dans neuf domaines importants tels que l'exécution des peines, l'enseignement ou la médecine de pointe. Lorsque les cantons refusent la coopération nécessaire, l'Assemblée fédérale peut les obliger à participer par arrêté fédéral.\n\n**Qui est concerné ?** Les 26 cantons peuvent être contraints à coopérer. Les cantons intéressés peuvent déposer la demande. L'Assemblée fédérale décide de la déclaration de force obligatoire générale. Le peuple peut s'y opposer par référendum.\n\n**Comment fonctionne la procédure ?** L'Assemblée fédérale adopte un arrêté fédéral déclaré de force obligatoire générale (art. 48a al. 2 Cst.). Cet arrêté est soumis au référendum facultatif selon l'art. 141 al. 1 let. d Cst. Un accord intercantonal déjà négocié doit exister.\n\n**Quels sont les effets juridiques ?** Les cantons contraints deviennent soit partie contractante (adhésion), soit doivent participer à certains aspects de la coopération. Les accords demeurent du droit intercantonal et ne deviennent pas du droit fédéral. Le Tribunal fédéral l'a confirmé dans **BGE 143 V 451**.\n\n**Nature juridique :** Selon une doctrine controversée, l'art. 48a Cst. n'est pas directement applicable. Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) souligne que la norme nécessite une concrétisation par la loi fédérale. La doctrine dominante et la pratique partent toutefois du principe de l'applicabilité immédiate.\n\n**Point de controverse :** Il est controversé de savoir si des accords pas encore en vigueur suffisent. Biaggini et Zehnder l'affirment pour les accords définitivement négociés. D'autres exigent des accords déjà en vigueur.\n\n**Exemple pratique :** Si seulement 20 des 26 cantons ont adhéré au concordat sur l'exécution des peines, les autres cantons peuvent être contraints de participer par arrêté fédéral. L'exécution serait alors réglée de manière uniforme dans toute la Suisse.\n\n**Effet préventif :** Bien que rarement appliqué depuis 2008, l'art. 48a Cst. favorise les solutions volontaires. La simple menace de contrainte motive les cantons à coopérer de manière collaborative.", "doctrine_fr": "# Art. 48a Cst — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 48a Cst a été inséré dans la Constitution fédérale dans le cadre de la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT) lors de la votation populaire du 28 novembre 2004. La disposition est entrée en vigueur le 1er janvier 2008 (FF 2003 5585, 5625 ; FF 2001 1953, 2047 ss).\n\n**N. 2** Le constituant a reconnu que la structure fédérale peut entraîner des problèmes de coordination dans certains domaines. Le message précise : « La problématique apparaît avec une évidence particulière dans les zones habitées et les espaces vitaux coupés par les frontières cantonales » (FF 2001 2047). L'art. 48a Cst doit garantir que les cantons qui se ferment à la coopération nécessaire puissent être contraints à coopérer en dernier recours.\n\n**N. 3** La genèse révèle un changement de paradigme dans le fédéralisme suisse : du principe de volontariat pur vers un « fédéralisme coopératif » avec des éléments de contrainte (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 1-4 ; Rapport final RPT 1999, 179 ss).\n\n## 2. Situation systématique\n\n**N. 4** L'art. 48a Cst se situe systématiquement entre l'art. 48 Cst (concordats) et l'art. 49 Cst (primauté et respect du droit fédéral). La norme complète le système contractuel volontaire de l'art. 48 Cst par un élément de contrainte pour des domaines spécifiques et limitativement énumérés.\n\n**N. 5** La disposition fait partie de l'ordre de répartition des compétences de l'État fédéral (3e titre, 1er chapitre Cst). Elle modifie le rapport entre les compétences fédérales et cantonales en habilitant la Confédération à intervenir dans l'autonomie cantonale. Cela crée une tension avec → l'art. 3 Cst (autonomie cantonale) et → l'art. 47 Cst (indépendance des cantons).\n\n**N. 6** L'art. 48a Cst concrétise l'obligation générale de coopération de → l'art. 44 Cst pour des domaines de tâches spécifiques. La norme est étroitement liée aux obligations de coopération sectorielles (→ art. 62 al. 4 Cst pour l'instruction publique ; → art. 123 al. 2-3 Cst pour l'exécution des peines et des mesures).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### a) Domaine d'application (al. 1)\n\n**N. 7** Le domaine d'application est limité à neuf domaines de tâches (let. a-i). Cette énumération est exhaustive (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 11-24). Une interprétation extensive est exclue, car il s'agit d'une disposition d'exception au principe de l'autonomie cantonale.\n\n**N. 8** Les domaines énumérés se caractérisent par des effets transfrontaliers ou par la nécessité d'une coordination suprarégionale :\n- Exécution des peines et des mesures (let. a)\n- Instruction publique selon l'art. 62 al. 4 Cst (let. b)\n- Hautes écoles cantonales (let. c)\n- Institutions culturelles d'importance suprarégionale (let. d)\n- Gestion des déchets (let. e)\n- Épuration des eaux usées (let. f)\n- Transports d'agglomération (let. g)\n- Médecine de pointe et cliniques spécialisées (let. h)\n- Institutions d'intégration et de prise en charge des invalides (let. i)\n\n### b) Obligation de coopérer\n\n**N. 9** L'Assemblée fédérale peut contraindre des cantons à coopérer sur demande de cantons intéressés (al. 1). L'obligation se fait par arrêté fédéral de portée générale (al. 2), soumis au référendum facultatif.\n\n**N. 10** La condition préalable est l'existence d'un concordat existant ou négocié. Il est controversé de savoir si le concordat doit déjà être en vigueur : Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N 5) et Zehnder (Diss. 2008, 26 note 94, 38 s) soutiennent qu'un concordat définitivement négocié suffit, y compris pour ordonner l'obligation de coopérer selon l'al. 3.\n\n### c) Instruments (al. 1)\n\n**N. 11** L'art. 48a Cst prévoit deux instruments (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 25-28) :\n- Obligation d'**adhérer** à des concordats\n- **Participation** à des concordats sans adhésion formelle\n\n**N. 12** La participation permet des solutions flexibles où un canton ne doit pas assumer toutes les obligations contractuelles, mais participe seulement à certains aspects (p. ex. participation aux coûts sans droit de codécision).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 13** La déclaration de force obligatoire générale a des effets juridiques différents selon l'instrument choisi :\n\n**N. 14** Lors de l'**obligation d'adhésion**, le canton concerné devient partie contractante avec tous les droits et obligations. Le concordat garde son caractère intercantonal (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 26). Cela distingue l'art. 48a Cst d'une compétence fédérale : les concordats ne deviennent pas du droit fédéral (**ATF 143 V 451** c. 2.2).\n\n**N. 15** Lors de l'**obligation de participation**, seules les obligations définies dans l'arrêté fédéral naissent. Le canton ne devient pas partie contractante, mais remplit des obligations de coopération spécifiques ordonnées par le droit fédéral.\n\n**N. 16** La nature juridique de l'obligation est controversée : Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) souligne que l'art. 48a Cst se soustrait à une applicabilité directe et nécessite une concrétisation par une loi fédérale. La pratique montre toutefois que l'Assemblée fédérale peut agir directement en se fondant sur l'art. 48a Cst.\n\n## 5. Points litigieux\n\n### a) Applicabilité directe\n\n**N. 17** **Point litigieux sur l'applicabilité directe** : Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 8) soutient que l'art. 48a Cst nécessite une concrétisation par une loi fédérale. La doctrine dominante (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 8-9 ; Steinlin, LeGes 2011, 35, 42 ss) et la pratique partent en revanche de l'applicabilité directe.\n\n### b) Application aux concordats en élaboration\n\n**N. 18** **Point litigieux sur le statut du concordat** : L'applicabilité de l'art. 48a Cst aux concordats existants seulement ou aussi à ceux encore à négocier fait l'objet de discussions controversées :\n- **Interprétation extensive** : Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 5) et Zehnder (Diss. 2008, 38 s) approuvent l'application aux concordats définitivement négociés mais pas encore en vigueur\n- **Interprétation restrictive** : Une partie de la doctrine exige un concordat déjà en vigueur comme point d'ancrage\n\n### c) Rapport aux normes sectorielles\n\n**N. 19** **Point litigieux sur le rapport aux normes spéciales** : Le rapport aux obligations de coopération sectorielles comme l'art. 62 al. 4 Cst (instruction publique) ou l'art. 123 al. 2-3 Cst (exécution des peines) n'est pas clair. Waldmann (BSK BV, Art. 48a N. 10-36) voit l'art. 48a Cst comme une norme générale de rattrapage, tandis que d'autres auteurs partent d'un rapport de spécialité.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** **Demande** : Les cantons intéressés doivent motiver substantiellement leur demande à l'Assemblée fédérale. Le simple refus de cantons individuels ne suffit pas ; il faut démontrer un intérêt public supérieur à la coopération (Moser, LeGes 2006, 43, 58 ss).\n\n**N. 21** **Proportionnalité** : L'obligation doit être proportionnée (→ art. 5 al. 2 Cst). Cela signifie concrètement :\n- La coopération doit être appropriée à l'accomplissement de la tâche\n- Aucun moyen plus doux ne doit être disponible\n- L'intérêt public doit l'emporter sur la restriction de l'autonomie cantonale\n\n**N. 22** **Protection juridique** : Le référendum facultatif est ouvert contre l'arrêté fédéral déclarant de force obligatoire générale (art. 48a al. 2 Cst). Après l'entrée en vigueur, les cantons concernés peuvent faire examiner la constitutionnalité dans le cadre d'actes d'application concrets (**ATF 143 I 361** c. 5.2 ; Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 42).\n\n**N. 23** **Pertinence pratique** : Malgré son existence depuis 2008, l'art. 48a Cst n'a guère trouvé d'application. La norme déploie principalement un effet préventif : la simple menace de déclaration de force obligatoire générale favorise les solutions de coopération volontaires (Biaggini, ZBl 2008, 345, 376 s).\n\n**N. 24** **Délimitation avec l'art. 48 Cst** : En pratique, il faut soigneusement distinguer entre les concordats volontaires selon l'art. 48 Cst et les concordats déclarés de force obligatoire générale selon l'art. 48a Cst. L'AISE par exemple est une convention selon l'art. 48 Cst, non selon l'art. 48a Cst (**ATF 143 V 451** c. 2.2).", "caselaw_fr": "# Art. 48a Cst — Jurisprudence\n\n## Délimitation par rapport à l'art. 48 Cst\n\n**ATF 143 V 451** (21 novembre 2017)\nDistinction entre les conventions intercantonales selon l'art. 48 Cst et les contrats déclarés de force obligatoire générale selon l'art. 48a Cst.\nL'AIES constitue une convention intercantonale selon l'art. 48 Cst, non un contrat intercantonal déclaré de force obligatoire générale selon l'art. 48a Cst.\n\n> «L'AIES constitue une convention intercantonale. Elle n'est pas un contrat intercantonal déclaré de force obligatoire générale selon l'art. 48a Cst. Il s'agit plutôt d'une convention intercantonale au sens de l'art. 48 Cst.»\n\n## Champ d'application et conditions matérielles\n\n**ATF 143 I 361** (3 mai 2017)\nTraitement de l'examen de proportionnalité lors d'initiatives cantonales qui s'opposent aux conventions intercantonales.\nLes initiatives cantonales ne peuvent être déclarées nulles qu'en cas de contradiction manifeste avec le droit supérieur (y compris les conventions intercantonales).\n\n> «La déclaration de nullité d'une initiative déposée sous forme de suggestion générale en raison d'incompatibilité avec le droit supérieur présuppose dans le canton des Grisons qu'une mise en œuvre de l'initiative sans contradiction manifeste avec le droit supérieur paraisse d'emblée exclue.»\n\n## Domaines de compétence selon les let. a-c\n\n**ATF 148 I 104** (26 avril 2022)\nApplication à la coordination scolaire et protection juridique lors de concordats intercantonaux.\nLe Concordat scolaire de 1970 fonde des droits procéduraux autonomes et des possibilités de protection juridique.\n\n> «Le conflit de compétence négatif à apprécier équivaut pour le justiciable concerné à un déni de justice formel et à une violation de la garantie d'accès au juge.»\n\n**C-2251/2015** (9 juin 2016)\nMédecine hautement spécialisée et coopération intercantonale.\nLa Convention intercantonale relative à la médecine hautement spécialisée (CIMHS) comme exemple de coordination intercantonale dans le domaine de la santé.\n\n> «Le traitement complexe des accidents vasculaires cérébraux est attribué à la médecine hautement spécialisée.»\n\n## Rapport au droit fédéral\n\n**ATF 135 II 338** (10 août 2009)\nSurveillance fédérale sur les conventions intercantonales dans le domaine des jeux de hasard.\nL'Office fédéral de la justice est habilité à recourir contre les décisions d'organes de conventions intercantonales.\n\n> «L'Office fédéral de la justice est compétent dans le domaine des jeux de hasard pour saisir le Tribunal fédéral au nom du Département fédéral de justice et police d'un recours de droit public contre les décisions de la Commission de recours Convention intercantonale loteries et paris.»\n\n**ATF 141 II 262** (9 juillet 2015)\nRépartition des compétences entre organes intercantonaux.\nLes conventions intercantonales peuvent créer des compétences procédurales et décisionnelles autonomes.\n\n> «Aperçu de la réglementation des jeux de hasard dans la Confédération et les cantons.»\n\n## Nature juridique et exécution\n\n**ATF 137 I 31** (13 octobre 2010)\nConformité constitutionnelle de mesures fondées sur des concordats intercantonaux.\nLe Concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives peut faire l'objet d'un recours selon l'art. 82 let. b LTF.\n\n> «Les dispositions du Concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives (Concordat) peuvent faire l'objet d'un recours selon l'art. 82 let. b LTF. Les mesures prévues dans le Concordat (interdiction de périmètre, obligation de se présenter et garde à vue policière) sont des mesures de contrainte policières.»\n\n**150000251** (1er mai 2012)\nCompétence fédérale pour la coopération TIC entre cantons.\nLa Constitution fédérale n'accorde à la Confédération aucune compétence générale pour la coopération administrative électronique entre cantons.\n\n> «La Constitution fédérale n'accorde à la Confédération aucune compétence générale pour imposer aux cantons des exigences techniques et organisationnelles générales en vue de créer un paysage administratif électronique uniforme.»\n\n## Développements récents\n\n**ATAF 2016/15** (9 juin 2016)\nAspects relevant du droit de l'assurance-maladie dans les conventions intercantonales.\nPlanification hospitalière et fourniture de prestations dans le contexte intercantonal.\n\n> La décision traite de l'attribution de traitements à la médecine hautement spécialisée dans le cadre de la CIMHS.\n\n**8C_285/2017** (21 novembre 2017)\nApplication aux compétences en matière d'aide sociale.\nLes conventions intercantonales dans le domaine social doivent permettre des mesures de protection de l'enfant conformes au droit fédéral.\n\n> La compétence pour les prestations d'aide sociale lors de placements intercantonaux se règle selon le droit fédéral, même si les conventions intercantonales prévoient d'autres réglementations.", "summary_it": "# Art. 48a Cost. — Panoramica\n\nL'art. 48a Cost. consente alla Confederazione di obbligare i Cantoni alla collaborazione intercantonale. Questa disposizione eccezionale si applica solo in nove settori importanti come l'esecuzione delle pene, il settore scolastico o la medicina d'avanguardia. Se i Cantoni rifiutano la cooperazione necessaria, l'Assemblea federale può obbligarli alla partecipazione tramite decreto federale.\n\n**Chi è interessato?** Tutti i 26 Cantoni possono essere obbligati alla collaborazione. I Cantoni interessati possono presentare richiesta. L'Assemblea federale decide sulla dichiarazione di obbligatorietà generale. Il popolo può votare contro tramite referendum.\n\n**Come funziona la procedura?** L'Assemblea federale emana un decreto federale che dichiara di obbligatorietà generale (art. 48a cpv. 2 Cost.). Questo è sottoposto al referendum facoltativo secondo l'art. 141 cpv. 1 lett. d Cost. Deve essere presente un'opera contrattuale intercantonale già negoziata.\n\n**Quali effetti giuridici si producono?** I Cantoni obbligati diventano parte contrattuale (adesione) oppure devono partecipare a determinati aspetti di cooperazione. I contratti rimangono diritto intercantonale e non diventano diritto federale. Ciò è stato confermato dal Tribunale federale nella **BGE 143 V 451**.\n\n**Natura giuridica:** L'art. 48a Cost. secondo la dottrina controversa non è direttamente applicabile. Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) sottolinea che la norma necessita di una concretizzazione mediante legge federale. La dottrina e prassi dominanti partono tuttavia dall'applicabilità immediata.\n\n**Punto controverso:** È controverso se bastino contratti non ancora entrati in vigore. Biaggini e Zehnder lo confermano per contratti definitivamente negoziati. Altri richiedono opere contrattuali già vigenti.\n\n**Esempio pratico:** Se solo 20 dei 26 Cantoni hanno aderito al concordato sull'esecuzione delle pene, i rimanenti Cantoni possono essere obbligati alla partecipazione tramite decreto federale. L'esecuzione sarebbe quindi regolata uniformemente in tutta la Svizzera.\n\n**Effetto preventivo:** Benché dal 2008 sia applicato raramente, l'art. 48a Cost. promuove soluzioni volontarie. La sola minaccia della coercizione motiva i Cantoni alla collaborazione cooperativa.", "doctrine_it": "# Art. 48a Cost. — Dottrina\n\n## 1. Genesi\n\n**N. 1** L'art. 48a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale nel quadro della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) con la votazione popolare del 28 novembre 2004. La disposizione è entrata in vigore il 1° gennaio 2008 (FF 2003 5825, 5867; FF 2001 1953, 2045 ff.).\n\n**N. 2** Il costituente ha riconosciuto che la struttura federale può portare a problemi di coordinamento in determinati settori. Il messaggio osserva: «Nell'ambito degli insediamenti e degli spazi vitali suddivisi dai confini cantonali, la problematica si manifesta con particolare chiarezza» (FF 2001 2045). L'art. 48a Cost. deve garantire che i Cantoni che si sottraggono alla necessaria collaborazione possano essere obbligati, come ultima conseguenza, alla cooperazione.\n\n**N. 3** La genesi mostra un cambiamento di paradigma nel federalismo svizzero: dal puro principio di volontarietà verso un «federalismo cooperativo» con elementi coercitivi (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 1-4; Schlussbericht NFA 1999, 179 ff.).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 48a Cost. si colloca sistematicamente tra l'art. 48 Cost. (accordi intercantonali) e l'art. 49 Cost. (primato e rispetto del diritto federale). La norma completa il sistema contrattuale volontario dell'art. 48 Cost. con un elemento coercitivo per settori specifici, tassativamente elencati.\n\n**N. 5** La disposizione fa parte dell'ordine delle competenze federali (Titolo 3°, Capitolo 1° Cost.). Essa modifica il rapporto tra competenze federali e cantonali, autorizzando la Confederazione a intervenire nell'autonomia cantonale. Ciò crea un rapporto di tensione con → l'art. 3 Cost. (autonomia cantonale) e → l'art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni).\n\n**N. 6** L'art. 48a Cost. concretizza l'obbligo generale di cooperazione dell'→ art. 44 Cost. per settori specifici di compiti. La norma è strettamente collegata agli obblighi di cooperazione settoriali (→ art. 62 cpv. 4 Cost. per il sistema scolastico; → art. 123 cpv. 2-3 Cost. per l'esecuzione delle pene e delle misure).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### a) Ambito di applicazione (cpv. 1)\n\n**N. 7** L'ambito di applicazione è limitato a nove settori di compiti (lett. a-i). Questa enumerazione è tassativa (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 11-24). Un'interpretazione estensiva è esclusa, trattandosi di una disposizione di eccezione al principio dell'autonomia cantonale.\n\n**N. 8** I settori elencati si caratterizzano per gli effetti transfrontalieri o la necessità di coordinamento sovraregionale:\n- Esecuzione delle pene e delle misure (lett. a)\n- Sistema scolastico secondo l'art. 62 cpv. 4 Cost. (lett. b) \n- Scuole universitarie cantonali (lett. c)\n- Istituzioni culturali d'importanza sovraregionale (lett. d)\n- Gestione dei rifiuti (lett. e)\n- Depurazione delle acque di scarico (lett. f)\n- Traffico negli agglomerati (lett. g)\n- Medicina di punta e cliniche specializzate (lett. h)\n- Istituzioni per l'integrazione e l'assistenza degli invalidi (lett. i)\n\n### b) Obbligo di collaborazione\n\n**N. 9** L'Assemblea federale può obbligare i Cantoni alla collaborazione su proposta di Cantoni interessati (cpv. 1). L'obbligo avviene mediante decreto federale di obbligatorietà generale (cpv. 2), sottoposto a referendum facoltativo.\n\n**N. 10** Presupposto è un'opera contrattuale intercantonale esistente o negoziata. È controverso se il contratto debba già essere in vigore: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N 5) e Zehnder (Diss. 2008, 26 Fn. 94, 38 f.) sostengono che è sufficiente un contratto definitivamente negoziato, anche per l'ordinamento dell'obbligo di collaborazione secondo il cpv. 3.\n\n### c) Strumenti (cpv. 1)\n\n**N. 11** L'art. 48a Cost. prevede due strumenti (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 25-28):\n- Obbligo di **adesione** ad accordi intercantonali\n- **Partecipazione** ad accordi intercantonali senza adesione formale\n\n**N. 12** La partecipazione permette soluzioni flessibili in cui un Cantone non deve assumere tutti gli obblighi contrattuali, ma partecipa solo a determinati aspetti (p. es. partecipazione ai costi senza diritti di codecisione).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** La dichiarazione di obbligatorietà generale ha conseguenze giuridiche diverse a seconda dello strumento scelto:\n\n**N. 14** Nell'**obbligo di adesione** il Cantone interessato diventa parte contrattuale con tutti i diritti e doveri. Il contratto mantiene il suo carattere intercantonale (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 26). Ciò distingue l'art. 48a Cost. da una competenza federale: i contratti non diventano diritto federale (**DTF 143 V 451** consid. 2.2).\n\n**N. 15** Nell'**obbligo di partecipazione** sorgono solo i doveri definiti nel decreto federale. Il Cantone non diventa parte contrattuale, ma adempie specifici obblighi di cooperazione ordinati dal diritto federale.\n\n**N. 16** La natura giuridica dell'obbligo è controversa: Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) sottolinea che l'art. 48a Cost. si sottrae a un'applicabilità immediata e necessita di una concretizzazione mediante legge federale. La prassi mostra tuttavia che l'Assemblea federale può agire direttamente sulla base dell'art. 48a Cost.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### a) Applicabilità immediata\n\n**N. 17** **Questione controversa sull'applicabilità diretta**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 8) sostiene che l'art. 48a Cost. necessita di una concretizzazione mediante legge federale. La dottrina dominante (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 8-9; Steinlin, LeGes 2011, 35, 42 ff.) e la prassi partono invece dall'applicabilità immediata.\n\n### b) Applicazione ai contratti in elaborazione\n\n**N. 18** **Questione controversa sullo status contrattuale**: Si discute controversamente se l'art. 48a Cost. sia applicabile solo ai contratti esistenti o anche a quelli ancora da negoziare:\n- **Interpretazione estensiva**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 5) e Zehnder (Diss. 2008, 38 f.) affermano l'applicazione a contratti definitivamente negoziati ma non ancora entrati in vigore\n- **Interpretazione restrittiva**: Una parte della dottrina richiede un contratto già in vigore come punto di aggancio\n\n### c) Rapporto con le norme settoriali\n\n**N. 19** **Questione controversa sul rapporto con le norme speciali**: Non è chiaro il rapporto con gli obblighi di cooperazione settoriali come l'art. 62 cpv. 4 Cost. (sistema scolastico) o l'art. 123 cpv. 2-3 Cost. (esecuzione penale). Waldmann (BSK BV, Art. 48a N. 10-36) vede l'art. 48a Cost. come norma generale di riserva, mentre altri autori partono da un rapporto di specialità.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** **Presentazione della proposta**: I Cantoni interessati devono motivare sostanzialmente la proposta all'Assemblea federale. Il mero atteggiamento di rifiuto di singoli Cantoni non è sufficiente; occorre la prova di un interesse pubblico superiore alla collaborazione (Moser, LeGes 2006, 43, 58 ff.).\n\n**N. 21** **Proporzionalità**: L'obbligo deve essere proporzionato (→ art. 5 cpv. 2 Cost.). Ciò significa concretamente:\n- La collaborazione deve essere idonea all'adempimento dei compiti\n- Non devono essere disponibili mezzi più miti\n- L'interesse pubblico deve prevalere sulla limitazione dell'autonomia cantonale\n\n**N. 22** **Tutela giuridica**: Contro il decreto federale di obbligatorietà generale è aperto il referendum facoltativo (art. 48a cpv. 2 Cost.). Dopo l'entrata in vigore i Cantoni interessati possono far verificare la costituzionalità nel quadro di atti concreti di applicazione (**DTF 143 I 361** consid. 5.2; Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 42).\n\n**N. 23** **Rilevanza pratica**: Nonostante la sua esistenza dal 2008, l'art. 48a Cost. è finora stato applicato raramente. La norma sviluppa principalmente un effetto preventivo: la mera minaccia della dichiarazione di obbligatorietà generale favorisce soluzioni di cooperazione volontaria (Biaggini, ZBl 2008, 345, 376 f.).\n\n**N. 24** **Delimitazione dall'art. 48 Cost.**: Nella prassi occorre distinguere accuratamente tra accordi intercantonali volontari secondo l'art. 48 Cost. e contratti dichiarati di obbligatorietà generale secondo l'art. 48a Cost. L'AVCSS ad esempio è un accordo secondo l'art. 48 Cost., non secondo l'art. 48a Cost. (**DTF 143 V 451** consid. 2.2).", "caselaw_it": "# Art. 48a Cost. — Giurisprudenza\n\n## Delimitazione rispetto all'art. 48 Cost.\n\n**DTF 143 V 451** (21 novembre 2017)\nDistinzione tra accordi intercantonali secondo l'art. 48 Cost. e trattati dichiarati obbligatori secondo l'art. 48a Cost. \nL'IVSE costituisce un accordo intercantonale secondo l'art. 48 Cost., non un trattato intercantonale dichiarato obbligatorio secondo l'art. 48a Cost.\n\n> «L'IVSE costituisce un accordo intercantonale. Non si tratta di un trattato intercantonale dichiarato generalmente vincolante secondo l'art. 48a Cost. Piuttosto si tratta di un accordo intercantonale nel senso dell'art. 48 Cost.»\n\n## Campo di applicazione e presupposti materiali\n\n**DTF 143 I 361** (3 maggio 2017)\nTrattamento dell'esame di proporzionalità per le iniziative cantonali che si oppongono ad accordi intercantonali.\nLe iniziative cantonali possono essere dichiarate nulle solo in caso di contraddizione manifesta con il diritto superiore (compresi gli accordi intercantonali).\n\n> «La dichiarazione di nullità di un'iniziativa presentata nella forma di suggerimento generale a causa dell'incompatibilità con il diritto di rango superiore presuppone nel Cantone dei Grigioni che un'attuazione dell'iniziativa senza contraddizione manifesta con il diritto superiore appaia esclusa sin dall'inizio.»\n\n## Settori di competenza secondo le lett. a-c\n\n**DTF 148 I 104** (26 aprile 2022)\nApplicazione al coordinamento scolastico e alla tutela giuridica nei concordati intercantonali.\nIl Concordato scolastico del 1970 stabilisce diritti procedurali autonomi e possibilità di tutela giuridica.\n\n> «Il conflitto negativo di competenza da giudicare sfocia per la persona in cerca di diritto interessata in un diniego formale di giustizia e in una violazione della garanzia della via giudiziaria.»\n\n**C-2251/2015** (9 giugno 2016)\nMedicina altamente specializzata e cooperazione intercantonale.\nL'Accordo intercantonale sulla medicina altamente specializzata (IVHSM) come esempio di coordinamento intercantonale in ambito sanitario.\n\n> «Il trattamento complesso degli ictus cerebrali è attribuito alla medicina altamente specializzata.»\n\n## Rapporto con il diritto federale\n\n**DTF 135 II 338** (10 agosto 2009)\nVigilanza federale sugli accordi intercantonali nel settore dei giochi d'azzardo.\nL'Ufficio federale di giustizia è autorizzato a ricorrere contro le decisioni di organi di accordi intercantonali.\n\n> «L'Ufficio federale di giustizia è competente nel settore dei giochi d'azzardo a rivolgersi, a nome del Dipartimento federale di giustizia e polizia, al Tribunale federale con ricorso di diritto pubblico contro le decisioni della Commissione di ricorso Accordo intercantonale sulle lotterie e le scommesse.»\n\n**DTF 141 II 262** (9 luglio 2015)\nRipartizione delle competenze presso gli organi intercantonali.\nGli accordi intercantonali possono creare competenze procedurali e decisionali autonome.\n\n> «Panoramica della regolamentazione dei giochi d'azzardo a livello federale e cantonale.»\n\n## Natura giuridica ed esecuzione\n\n**DTF 137 I 31** (13 ottobre 2010)\nConformità costituzionale delle misure fondate su concordati intercantonali.\nIl Concordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive può essere impugnato con ricorso secondo l'art. 82 lett. b LTF.\n\n> «Le disposizioni del Concordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive (Concordato) possono essere impugnate con ricorso secondo l'art. 82 lett. b LTF. Le misure previste nel Concordato (divieto di zona, obbligo di annuncio e custodia di polizia) sono misure coercitive di polizia.»\n\n**150000251** (1° maggio 2012)\nCompetenza federale per la cooperazione TIC tra Cantoni.\nLa Costituzione federale non conferisce alla Confederazione una competenza generale per la cooperazione amministrativa elettronica tra Cantoni.\n\n> «La Costituzione federale non conferisce alla Confederazione una competenza generale per imporre ai Cantoni prescrizioni tecniche e organizzative generali per la creazione di un paesaggio amministrativo elettronico unitario.»\n\n## Sviluppi recenti\n\n**DTAF 2016/15** (9 giugno 2016)\nAspetti dell'assicurazione malattie negli accordi intercantonali.\nPianificazione ospedaliera e fornitura di prestazioni nel contesto intercantonale.\n\n> La decisione tratta l'attribuzione di trattamenti alla medicina altamente specializzata nel quadro dell'IVHSM.\n\n**8C_285/2017** (21 novembre 2017)\nApplicazione alle competenze in materia di assistenza sociale.\nGli accordi intercantonali nel settore sociale devono permettere misure di protezione dell'infanzia conformi al diritto federale.\n\n> La competenza per le prestazioni di assistenza sociale nei collocamenti intercantonali si basa sul diritto federale, anche se gli accordi intercantonali prevedono altre regolamentazioni.", "summary_en": "# Art. 48a BV — Overview\n\nArt. 48a BV enables the Confederation to compel cantons to engage in intercantonal cooperation. This exceptional provision only applies in nine important areas such as the execution of sentences, school education or highly specialised medicine. If cantons refuse the necessary cooperation, the Federal Assembly can oblige them to participate by federal decree.\n\n**Who is affected?** All 26 cantons can be obliged to cooperate. Interested cantons can submit the application. The Federal Assembly decides on the declaration of general binding force. The people can vote against it by referendum.\n\n**How does the procedure work?** The Federal Assembly issues a federal decree declaring general binding force (Art. 48a para. 2 BV). This is subject to the optional referendum according to Art. 141 para. 1 lit. d BV. An already negotiated intercantonal treaty must exist.\n\n**What legal effects arise?** Obliged cantons either become a contracting party (accession) or must participate in certain aspects of cooperation. The treaties remain intercantonal law and do not become federal law. This was confirmed by the Federal Court in **BGE 143 V 451**.\n\n**Legal nature:** According to disputed doctrine, Art. 48a BV is not directly applicable. Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) emphasises that the provision requires federal legislative specification. However, prevailing doctrine and practice assume direct applicability.\n\n**Point of contention:** It is disputed whether treaties not yet in force suffice. Biaggini and Zehnder answer in the affirmative for definitively negotiated treaties. Others demand already valid treaty instruments.\n\n**Practical example:** If only 20 of 26 cantons have acceded to the concordat on the execution of sentences, the remaining cantons can be obliged to participate by federal decree. Execution would then be regulated uniformly throughout Switzerland.\n\n**Preventive effect:** Although hardly applied since 2008, Art. 48a BV promotes voluntary solutions. The mere threat of compulsion motivates cantons to engage in cooperative collaboration.", "doctrine_en": "# Art. 48a FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 48a FC was inserted into the Federal Constitution through the popular vote of 28 November 2004 in the context of the new design of financial equalisation and the distribution of tasks between the Confederation and the cantons (NFA). The provision entered into force on 1 January 2008 (BBl 2003 6591, 6634; BBl 2001 2291, 2387 ff.).\n\n**N. 2** The constitutional legislator recognised that the federal structure can lead to coordination problems in certain areas. The Federal Council message states: «The problem is particularly evident in the area of settlement areas and living spaces that are fragmented by cantonal boundaries» (BBl 2001 2387). Art. 48a FC is intended to ensure that cantons that refuse the necessary cooperation can ultimately be compelled to cooperate.\n\n**N. 3** The legislative history shows a paradigm shift in Swiss federalism: From the pure principle of voluntariness to a «cooperative federalism» with elements of compulsion (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 1-4; Schlussbericht NFA 1999, 179 ff.).\n\n## 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 48a FC is systematically positioned between Art. 48 FC (intercantonal treaties) and Art. 49 FC (precedence and observance of federal law). The provision supplements the voluntary treaty system of Art. 48 FC with an element of compulsion for specific, exhaustively enumerated areas.\n\n**N. 5** The provision is part of the federal constitutional order of competences (Title 3, Chapter 1 FC). It modifies the relationship between federal and cantonal competences by empowering the Confederation to intervene in cantonal autonomy. This creates tension with → Art. 3 FC (cantonal autonomy) and → Art. 47 FC (independence of the cantons).\n\n**N. 6** Art. 48a FC concretises the general duty to cooperate from → Art. 44 FC for specific task areas. The provision is closely related to sector-specific cooperation obligations (→ Art. 62 para. 4 FC for education; → Art. 123 para. 2-3 FC for the execution of criminal sentences and measures).\n\n## 3. Elements of the offence / normative content\n\n### a) Scope of application (para. 1)\n\n**N. 7** The scope of application is limited to nine task areas (lit. a-i). This enumeration is exhaustive (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 11-24). An extensive interpretation is excluded, as this is an exceptional provision to the principle of cantonal autonomy.\n\n**N. 8** The listed areas are characterised by cross-border effects or the necessity of supraregional coordination:\n- Execution of criminal sentences and measures (lit. a)\n- Education according to Art. 62 para. 4 FC (lit. b)\n- Cantonal universities (lit. c)\n- Cultural institutions of supraregional importance (lit. d)\n- Waste management (lit. e)\n- Wastewater treatment (lit. f)\n- Agglomeration transport (lit. g)\n- Highly specialised medicine and specialist clinics (lit. h)\n- Institutions for the integration and care of disabled persons (lit. i)\n\n### b) Obligation to cooperate\n\n**N. 9** The Federal Assembly may oblige cantons to cooperate at the request of interested cantons (para. 1). The obligation is imposed through a federal decree declared generally binding (para. 2), which is subject to the optional referendum.\n\n**N. 10** A prerequisite is an existing or negotiated intercantonal treaty framework. It is disputed whether the treaty must already be in force: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N 5) and Zehnder (Diss. 2008, 26 Fn. 94, 38 f.) argue that a definitively negotiated treaty suffices, even for ordering the cooperation obligation according to para. 3.\n\n### c) Instruments (para. 1)\n\n**N. 11** Art. 48a FC provides for two instruments (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 25-28):\n- Obligation to **accede** to intercantonal treaties\n- **Participation** in intercantonal treaties without formal accession\n\n**N. 12** Participation enables flexible solutions where a canton does not have to assume all treaty obligations, but only participates in certain aspects (e.g., cost participation without co-decision rights).\n\n## 4. Legal consequences\n\n**N. 13** The declaration of general binding force has different legal consequences depending on the chosen instrument:\n\n**N. 14** In case of **accession obligation**, the affected canton becomes a contracting party with all rights and obligations. The treaty retains its intercantonal character (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 26). This distinguishes Art. 48a FC from a federal competence: The treaties do not become federal law (**BGE 143 V 451** E. 2.2).\n\n**N. 15** In case of **participation obligation**, only the obligations defined in the federal decree arise. The canton does not become a contracting party, but fulfils specific cooperation obligations ordered under federal law.\n\n**N. 16** The legal nature of the obligation is disputed: Biaggini (BSK BV, Art. 48a N. 8) emphasises that Art. 48a FC cannot be directly applied and requires federal legislative concretisation. However, practice shows that the Federal Assembly can act directly based on Art. 48a FC.\n\n## 5. Controversial issues\n\n### a) Direct applicability\n\n**N. 17** **Controversial issue regarding direct applicability**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 8) argues that Art. 48a FC requires federal legislative concretisation. The prevailing doctrine (Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 8-9; Steinlin, LeGes 2011, 35, 42 ff.) and practice, however, assume direct applicability.\n\n### b) Application to treaties under development\n\n**N. 18** **Controversial issue regarding treaty status**: There is controversial discussion about whether Art. 48a FC applies only to existing treaties or also to treaties yet to be negotiated:\n- **Extensive interpretation**: Biaggini (Komm. BV, Art. 48a N. 5) and Zehnder (Diss. 2008, 38 f.) affirm application to definitively negotiated but not yet in-force treaties\n- **Restrictive interpretation**: Part of the doctrine requires an already in-force treaty as a point of reference\n\n### c) Relationship to sector-specific norms\n\n**N. 19** **Controversial issue regarding relationship to special norms**: The relationship to sector-specific cooperation obligations such as Art. 62 para. 4 FC (education) or Art. 123 para. 2-3 FC (execution of criminal sentences) is unclear. Waldmann (BSK BV, Art. 48a N. 10-36) sees Art. 48a FC as a general catch-all provision, while other authors assume a relationship of speciality.\n\n## 6. Practice notes\n\n**N. 20** **Application**: Interested cantons must substantiate their application to the Federal Assembly with reasons. The mere refusal attitude of individual cantons is insufficient; proof of an overriding public interest in cooperation is required (Moser, LeGes 2006, 43, 58 ff.).\n\n**N. 21** **Proportionality**: The obligation must be proportionate (→ Art. 5 para. 2 FC). This means specifically:\n- The cooperation must be suitable for task fulfilment\n- No milder means may be available\n- The public interest must outweigh the restriction of cantonal autonomy\n\n**N. 22** **Legal protection**: The optional referendum is available against the federal decree declaring general binding force (Art. 48a para. 2 FC). After entry into force, affected cantons can have the constitutionality reviewed in the context of concrete application acts (**BGE 143 I 361** E. 5.2; Waldmann, BSK BV, Art. 48a N. 42).\n\n**N. 23** **Practical relevance**: Despite its existence since 2008, Art. 48a FC has hardly been applied. The provision primarily has a preventive effect: The mere threat of declaration of general binding force promotes voluntary cooperation solutions (Biaggini, ZBl 2008, 345, 376 f.).\n\n**N. 24** **Distinction from Art. 48 FC**: In practice, careful distinction must be made between voluntary intercantonal treaties according to Art. 48 FC and treaties declared generally binding according to Art. 48a FC. The IVSE, for example, is an agreement according to Art. 48 FC, not according to Art. 48a FC (**BGE 143 V 451** E. 2.2).", "caselaw_en": "# Art. 48a BV — Case Law\n\n## Distinction from Art. 48 BV\n\n**BGE 143 V 451** (21 November 2017)\nDistinction between intercantonal agreements under Art. 48 BV and generally binding agreements under Art. 48a BV.\nThe IVSE constitutes an intercantonal agreement under Art. 48 BV, not a generally binding intercantonal agreement under Art. 48a BV.\n\n> «The IVSE is an intercantonal agreement. It is not a generally binding intercantonal agreement under Art. 48a BV. Rather, it is an intercantonal agreement within the meaning of Art. 48 BV.»\n\n## Scope of Application and Material Requirements\n\n**BGE 143 I 361** (3 May 2017)\nTreatment of proportionality review for cantonal initiatives that conflict with intercantonal agreements.\nCantonal initiatives can only be declared invalid if they are in obvious contradiction with higher-ranking law (including intercantonal agreements).\n\n> «The invalidation of an initiative submitted in the form of a general proposal due to incompatibility with higher-ranking law requires in the Canton of Graubünden that implementation of the initiative without obvious contradiction to higher-ranking law appears excluded from the outset.»\n\n## Areas of Competence under lit. a-c\n\n**BGE 148 I 104** (26 April 2022)\nApplication to school coordination and legal protection in intercantonal concordats.\nThe School Concordat of 1970 establishes independent procedural rights and legal protection possibilities.\n\n> «The negative conflict of jurisdiction to be assessed results in formal denial of justice and a violation of the guarantee of legal recourse for the affected person seeking legal remedy.»\n\n**C-2251/2015** (9 June 2016)\nHighly specialised medicine and intercantonal cooperation.\nThe Intercantonal Agreement on Highly Specialised Medicine (IVHSM) as an example of intercantonal coordination in healthcare.\n\n> «The complex treatment of strokes is assigned to highly specialised medicine.»\n\n## Relationship to Federal Law\n\n**BGE 135 II 338** (10 August 2009)\nFederal supervision over intercantonal agreements in the gambling sector.\nThe Federal Office of Justice is entitled to lodge appeals against decisions by organs of intercantonal agreements.\n\n> «The Federal Office of Justice is authorised in the gambling sector to bring public law appeals to the Federal Supreme Court on behalf of the Federal Department of Justice and Police against decisions of the Appeals Commission Intercantonal Agreement on Lotteries and Betting.»\n\n**BGE 141 II 262** (9 July 2015)\nDivision of competences for intercantonal bodies.\nIntercantonal agreements can create independent procedural and decision-making powers.\n\n> «Overview of gambling regulation at federal and cantonal level.»\n\n## Legal Nature and Enforcement\n\n**BGE 137 I 31** (13 October 2010)\nConstitutional conformity of measures based on intercantonal concordats.\nThe Concordat on Measures against Violence at Sports Events can be challenged by appeal under Art. 82 lit. b FSCA.\n\n> «The provisions of the Concordat on Measures against Violence at Sports Events (Concordat) can be challenged by appeal under Art. 82 lit. b FSCA. The measures provided for in the Concordat (area ban, reporting requirement and police custody) are coercive police measures.»\n\n**150000251** (1 May 2012)\nFederal competence for ICT cooperation between cantons.\nThe Federal Constitution does not grant the Confederation general competence for electronic administrative cooperation between cantons.\n\n> «The Federal Constitution does not grant the Confederation general competence to impose general technical and organisational requirements on the cantons for creating a uniform electronic administrative landscape.»\n\n## Recent Developments\n\n**BVGE 2016/15** (9 June 2016)\nHealth insurance law aspects of intercantonal agreements.\nHospital planning and service provision in an intercantonal context.\n\n> The decision deals with the assignment of treatments to highly specialised medicine within the framework of the IVHSM.\n\n**8C_285/2017** (21 November 2017)\nApplication to social assistance jurisdictions.\nIntercantonal agreements in the social sector must enable child protection measures that comply with federal law.\n\n> Jurisdiction for social assistance benefits in intercantonal placements is governed by federal law, even if intercantonal agreements provide for different arrangements.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_48a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-17", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 49, "article_suffix": "", "title": "Vorrang und Einhaltung des Bundesrechts", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 49 — Vorrang und Einhaltung des Bundesrechts\n\n## Übersicht\n\nArt. 49 BV regelt zwei zentrale Grundsätze des schweizerischen Bundesstaats: den Vorrang des Bundesrechts und die Bundesaufsicht.\n\n**Absatz 1** legt fest, dass Bundesrecht vor kantonalem Recht geht, wenn beide sich widersprechen. Dies bedeutet: Wenn der Bund und ein Kanton unterschiedliche Regeln für dasselbe Problem haben, gilt die Regel des Bundes. Das kantonale Recht wird dann ungültig (nichtig). Die herrschende Auffassung betrachtet solches kantonales Recht als ungültig, doch die neuere Lehre kritisiert diese pauschale Nichtigkeitsfolge und fordert differenzierte Rechtsfolgen je nach Situation (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Das Bundesgericht hat klargestellt, dass kantonales Recht nicht nur bei direktem Widerspruch problematisch ist, sondern auch dann, wenn es «gegen Sinn und Geist des Bundesrechts» verstösst (**BGE 144 I 113**).\n\n**Absatz 2** verpflichtet den Bund zur Überwachung: Er muss darauf achten, dass die Kantone das Bundesrecht einhalten. Diese Bundesaufsicht umfasst verschiedene Instrumente — von der Genehmigung kantonaler Erlasse bis zur Behördenbeschwerde des Bundes (**BGE 148 II 369**).\n\n**Beispiel**: Ein Kanton erlässt ein Gesetz, das das Rauchen in Restaurants generell verbietet, obwohl das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen Raucherräume erlaubt. Hier geht das Bundesrecht vor — es sei denn, das kantonale Gesetz ist als strengere Vorschrift «zum Schutz der Gesundheit» zulässig (**BGE 139 I 242**).\n\n**Betroffene**: Alle Behörden (Bund, Kantone, Gemeinden), Gerichte und letztlich alle Bürger, da Art. 49 BV die einheitliche Anwendung des Bundesrechts in der ganzen Schweiz sicherstellt.\n\n**Rechtsfolgen**: Widerspricht kantonales Recht dem Bundesrecht, können Betroffene dies vor Gericht rügen. Das Bundesgericht kann kantonale Gesetze direkt aufheben, wenn sie bundesrechtswidrig sind (abstrakte Normenkontrolle nach Art. 82 lit. b BGG). Bei der Rechtsanwendung geht Bundesrecht automatisch vor.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 49 BV entspricht im Wesentlichen dem früheren Art. 2 ÜbBest. aBV. Die Bestimmung wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung ohne materielle Änderungen übernommen (BBl 1997 I 1, 229). Der Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts wurde bereits 1848 in der ersten Bundesverfassung verankert und gehört zu den tragenden Säulen der schweizerischen Bundesstaatlichkeit.\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält fest, dass der Vorrang des Bundesrechts «eine unerlässliche Voraussetzung für das Funktionieren des Bundesstaates» darstellt (BBl 1997 I 229). Ohne diesen Grundsatz könnten die Kantone durch widersprechendes Recht die einheitliche Anwendung des Bundesrechts vereiteln. Die Bundesaufsicht gemäss Abs. 2 wurde als notwendiges Korrelat zum Vorrang des Bundesrechts konzipiert.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 49 BV steht im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden und bildet zusammen mit Art. 46-53 BV das verfassungsrechtliche Fundament der föderalistischen Kompetenzordnung. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 3 BV (kantonale Souveränität und Restkompetenz)\n- → Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns)\n- ↔ Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts)\n- → Art. 190 BV (massgebendes Recht)\n\n**N. 4** Im Kontext der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen konkretisiert Art. 49 BV die hierarchische Normstruktur des schweizerischen Bundesstaates. Während Art. 3 BV die grundsätzliche Autonomie der Kantone festschreibt, begrenzt Art. 49 BV diese Autonomie dort, wo der Bund von seinen Kompetenzen Gebrauch macht (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 4).\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1 — Vorrang des Bundesrechts**: Der Begriff «Bundesrecht» umfasst sämtliche vom Bund erlassenen Rechtsnormen unabhängig von ihrer Normenstufe — von der Bundesverfassung über Bundesgesetze und Verordnungen bis zu Allgemeinverfügungen (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 7-8). Nach bundesgerichtlicher Praxis schliesst der Grundsatz in Sachgebieten, welche die Bundesgesetzgebung abschliessend regelt, eine Rechtssetzung durch die Kantone aus; in nicht abschliessend geregelten Sachgebieten dürfen Kantone nur Vorschriften erlassen, die nicht gegen Sinn und Geist des Bundesrechts verstossen (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 18; **BGE 144 I 113**).\n\n**N. 6** «Entgegenstehendes» kantonales Recht liegt vor bei:\n- Direktem Widerspruch (gleiches Verhalten wird unterschiedlich normiert)\n- Verhinderung oder wesentlicher Erschwerung der Bundesrechtsdurchsetzung\n- Verstoss gegen Sinn und Geist des Bundesrechts\n- Regelung in einem vom Bund abschliessend normierten Bereich\n\n**N. 7** Ein Teil der Lehre schliesst gleichlautende kantonale Normen mangels inhaltlichen Widerspruchs vom Geltungsbereich aus oder erklärt sie für zulässig (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13). Die Praxis zeigt sich hier zurückhaltend, da auch identische kantonale Normen die einheitliche Bundesrechtsanwendung gefährden können.\n\n**N. 8** **Absatz 2 — Bundesaufsicht**: Der Bund «wacht» über die Einhaltung des Bundesrechts — diese Formulierung umschreibt die verfassungsrechtliche Aufsichtspflicht des Bundes. Die Bundesaufsicht umfasst präventive Massnahmen (Genehmigungsvorbehalte), repressive Instrumente (Aufhebung kantonaler Erlasse) und die Möglichkeit zur Ersatzvornahme bei kantonaler Säumnis (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 32-34).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 9** **Ungültigkeit des widersprechenden kantonalen Rechts**: Die herrschende Auffassung betrachtet dem Bundesrecht entgegenstehendes kantonales Recht als ungültig bzw. nichtig (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Diese tradierte Sichtweise wird jedoch zunehmend differenziert:\n\n**N. 10** Die neuere Lehre kritisiert die pauschale Nichtigkeitsfolge und fordert eine differenzierte Betrachtung je nach Konfliktlage und prozessualer Situation (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). So kann etwa bei bloss teilweisem Widerspruch eine verfassungskonforme Auslegung oder partielle Nichtigkeit angemessen sein.\n\n**N. 11** **Bundesaufsichtsmassnahmen**: Die Konkretisierung der Aufsichtsinstrumente erfolgt durch Spezialgesetze. Art. 49 Abs. 2 BV begründet selbst keine unmittelbaren Eingriffsbefugnisse, sondern bedarf der gesetzlichen Ausgestaltung (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 35-45). Die Behördenbeschwerde des Bundes nach Art. 89 Abs. 2 lit. a BGG stellt ein wichtiges Instrument der Bundesaufsicht dar (**BGE 148 II 369**).\n\n### Streitstände\n\n**N. 12** **Rechtsfolgen bei Verstoss gegen Art. 49 Abs. 1 BV**: Die Kontroverse zwischen der tradierten Nichtigkeitslehre und differenzierteren Ansätzen prägt die aktuelle Diskussion. Während ein Teil der Lehre an der absoluten Nichtigkeit ex tunc und ipso iure festhält, plädieren andere für eine Ungültigkeit erst infolge autoritativen Gerichtsurteils (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). \n\n**N. 13** **Umfang des Bundesrechts**: Umstritten ist, ob auch soft law des Bundes (Empfehlungen, Richtlinien) unter den Begriff des «Bundesrechts» in Art. 49 BV fällt. Die überwiegende Lehre verneint dies mit Verweis auf das Legalitätsprinzip (Art. 5 Abs. 1 BV).\n\n**N. 14** **Positive Kompetenzkonflikte**: Bei gleichlautenden Bundes- und Kantonsnormen divergieren die Auffassungen: Ein Teil der Lehre sieht mangels inhaltlichen Widerspruchs keinen Anwendungsfall von Art. 49 Abs. 1 BV, andere betonen die Gefahr für die einheitliche Rechtsanwendung (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13).\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Prüfung eines möglichen Verstosses gegen Art. 49 BV ist stufenweise vorzugehen:\n1. Liegt eine Bundeskompetenz vor und hat der Bund diese ausgeübt?\n2. Regelt das Bundesrecht die Materie abschliessend oder besteht Raum für ergänzendes kantonales Recht?\n3. Steht die kantonale Regelung im direkten Widerspruch zum Bundesrecht oder verstösst sie gegen dessen Sinn und Geist?\n\n**N. 16** Die abstrakte Normenkontrolle nach Art. 82 lit. b BGG ermöglicht die direkte Anfechtung bundesrechtswidriger kantonaler Erlasse beim Bundesgericht. Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage seit Publikation des Erlasses (Art. 101 BGG).\n\n**N. 17** Im Gesetzgebungsverfahren sollten Kantone frühzeitig prüfen, ob geplante Regelungen mit übergeordnetem Bundesrecht vereinbar sind. Die in Art. 46 Abs. 3 BV vorgesehene Konsultation der Kantone bei der Bundesrechtsetzung dient auch der Vermeidung späterer Kompetenzkonflikte.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze des Vorrangs des Bundesrechts\n\n**BGE 144 I 113** vom 4. Juli 2018 \nDas Gebot des Vorrangs und der Einhaltung von Bundesrecht verlangt nicht nur, dass kantonales Recht dem Bundesrecht nicht widerspricht, sondern auch, dass es dem Sinn und Geist des Bundesrechts entspricht.\nDie bundesgerichtliche Überprüfung beschränkt sich darauf, ob eine kantonale Regelung in ihren Auswirkungen dem Bundesrecht zuwiderläuft.\n\n> «Das Gebot des Vorrangs und der Einhaltung von Bundesrecht gemäss Art. 49 BV verlangt nicht nur, dass kantonales Recht dem Bundesrecht nicht widerspricht, sondern auch, dass es dem Sinn und Geist des Bundesrechts entspricht.»\n\n**BGE 149 I 172** vom 19. Januar 2023\nKantonales Recht, das bei einem rückwirkenden Antrag auf Prämienverbilligung eine eingetretene Einkommenseinbusse unberücksichtigt lässt, widerspricht Sinn und Geist des Bundesrechts.\nEine übergangsrechtlich begründete Bemessungslücke verletzt ebenfalls den Vorrang des Bundesrechts.\n\n> «Eine übergangsrechtlich begründete Bemessungslücke, welche dazu führt, dass die finanziellen Verhältnisse der Versicherten eines konkreten Jahres bei der Bestimmung des Anspruchs auf Prämienverbilligung in keinem Anspruchsjahr berücksichtigt werden, lässt sich ebenfalls nicht mit den Vorgaben des Bundesrechts vereinbaren.»\n\n**BGE 150 II 98** vom 7. Dezember 2023  \nDie Erhebung einer kantonalen Handänderungssteuer anlässlich des Wechsels der Fondsleitung verunmöglicht diesen Wechsel nicht und verletzt weder das Finanzinfrastrukturgesetz noch den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts.\nDie bundesrechtliche Regelung der kollektiven Kapitalanlagen tritt in Konflikt mit der kantonalen Fiskalhoheit.\n\n> «Die Erhebung der Handänderungssteuer verunmöglicht den Wechsel der Fondsleitung nicht und verletzt weder Art. 39 FINIG noch den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts.»\n\n### Bundeskompetenz und kantonale Autonomie\n\n**BGE 142 I 99** vom 31. März 2016\nBei der Wassernutzung besteht eine Grundsatzkompetenz des Bundes bei gleichzeitiger Gewässerhoheit der Kantone.\nDie Kantone sind befugt, öffentliche Gewässer entweder selbst zu nutzen oder das Nutzungsrecht konzessionsweise an Dritte zu verleihen.\nKeine bundesrechtliche Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung vor Konzessionserteilung.\n\n> «Die Gewässerhoheit stellt ein kantonales Regal dar, weshalb die Verfügungsmacht über die öffentlichen Gewässer vom Anwendungsbereich der Wirtschaftsfreiheit ausgenommen ist. Die Konzedierung liegt im pflichtgemässen Ermessen der Konzessionsbehörde.»\n\n**BGE 139 I 242** vom 7. Juli 2013\nArt. 4 des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen ermöglicht es den Kantonen, strengere Vorschriften «zum Schutz der Gesundheit» zu erlassen.\nEin kantonales Bedienungsverbot in abgetrennten Raucherräumen geht über die bundesrechtliche Minimalregelung hinaus, ist aber zulässig.\n\n> «Die kantonale Bestimmung stellt damit gegenüber der bundesrechtlichen Regelung eine Verschärfung dar, die jedoch durch Art. 4 PaRG gedeckt ist, welcher den Kantonen ausdrücklich die Befugnis einräumt, 'strengere Vorschriften zum Schutz der Gesundheit' zu erlassen.»\n\n### Derogatorische Kraft des Bundesrechts\n\n**BGE 127 I 60** vom 2001\nDie derogatorische Kraft des Bundesrechts bedeutet, dass eine kantonale oder kommunale Kostentragungsregelung mit dem Bundesrecht vereinbar sein muss.\nDas Bundesrecht muss nicht abschliessend sein, um kantonale Regelungen zu verdrängen.\n\n> «Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Grundsatzes der derogatorischen Kraft des Bundesrechts. [...] Dieses eröffne den Behörden die Möglichkeit zur Lenkung des Verkehrs mittels Verkehrsregelungen und trage der damit verbundenen Kostentragung Rechnung.»\n\n**BGE 128 I 206** vom 19. Juni 2002\nDie dem Betreibungs- und Konkursamt auferlegte Verpflichtung zum gesamthaften Verkauf von Wohnungen und zur Einholung einer vorherigen Bewilligung widerspricht Bundesrecht.\nDas SchKG regelt die Zwangsverwertung abschliessend.\n\n> «Die dem Betreibungs- und Konkursamt auferlegte Verpflichtung, die Wohnungen zusammen zu verkaufen und um eine vorherige Bewilligung zu ersuchen, widerspricht Bundesrecht, insbesondere Art. 140 ff. SchKG.»\n\n### Verfassungsrechtliche Aufsicht des Bundes\n\n**BGE 148 II 369** vom 15. März 2022\nSinn und Zweck der Behördenbeschwerde des Bundes ist die Sicherstellung der einheitlichen und korrekten Anwendung von Bundesrecht.\nSie ist ein Mittel der Bundesaufsicht, welches auf das kantonale Rechtsmittelsystem zurückgreift.\n\n> «Sinn und Zweck der Behördenbeschwerde des Bundes ist die Sicherstellung der einheitlichen und korrekten Anwendung von Bundesrecht. Sie ist ein Mittel der Bundesaufsicht, welches zu diesem Zweck auf das kantonale Rechtsmittelsystem zurückgreift.»\n\n**BGE 127 II 1** vom 25. Juni 2000\nDie Rüge, eine kantonale Abgabe sei mit Bundesrecht nicht vereinbar, kann seit der Totalrevision der Bundesverfassung mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden.\nSteuerbefreiung bundesrechtlicher Einrichtungen geht kantonalem Abgaberecht vor.\n\n> «Die Rüge, eine kantonale Abgabe sei mit Bundesrecht nicht vereinbar, kann seit der Totalrevision der Bundesverfassung mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht erhoben werden.»\n\n### Kantonale Vollzugsautonomie\n\n**BGE 136 I 220** vom 15. April 2010\nEine kantonale Regelung, gemäss welcher Prämienverbilligungsbeiträge mit Steuerschulden verrechnet werden können, ist mit der Zielsetzung des KVG nicht vereinbar und daher bundesrechtswidrig.\n\n> «Eine kantonale Regelung, gemäss welcher Prämienverbilligungsbeiträge mit Steuerschulden verrechnet werden können, ist mit der Zielsetzung des KVG nicht vereinbar und daher bundesrechtswidrig.»\n\n**BGE 141 V 455** vom 2. Juli 2015\nDie Abgabe der Versichertenkarte für die obligatorische Krankenpflegeversicherung ist durch das Bundesrecht abschliessend geregelt.\nDer Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts ist verletzt, wenn sich der Krankenversicherer auf kantonales Recht beruft, um sich seiner bundesrechtlichen Verpflichtung zu entziehen.\n\n> «Das Prinzip des Vorrangs des Bundesrechts ist verletzt, wenn der Krankenversicherer sich auf das kantonale Recht beruft, um sich seiner Verpflichtung zu entziehen, die Karte auszustellen.»\n\n### Abstrakte Normenkontrolle\n\n**BGE 142 I 16** vom 2016 (italienische Fassung)\nDer Schutz universitärer Bezeichnungen durch kantonales Recht muss dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz entsprechen.\nArt. 29 HFKG sieht vor, dass Hochschulen mit der institutionellen Akkreditierung das Recht zur Führung der entsprechenden Bezeichnung erhalten.\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007\nDie Verfassungsmässigkeit degressiver kantonaler Steuertarife ist zu prüfen.\nLegitimation zur Anfechtung von Steuertarifen mit staatsrechtlicher Beschwerde muss gegeben sein.\n\n> «Unzulässigkeit der Beschränkung der Überprüfung auf die reine Willkür bei der Steuerbelastung natürlicher Personen durch degressive Tarife.»", "summary_fr": "# Art. 49 — Primauté et respect du droit fédéral\n\n## Aperçu\n\nL'art. 49 Cst. règle deux principes centraux de l'État fédéral suisse : la primauté du droit fédéral et la surveillance fédérale.\n\n**L'alinéa 1** établit que le droit fédéral prime le droit cantonal en cas de conflit. Cela signifie que lorsque la Confédération et un canton ont des règles différentes pour le même problème, c'est la règle fédérale qui s'applique. Le droit cantonal devient alors invalide (nul). La conception dominante considère ce droit cantonal comme invalide, mais la doctrine plus récente critique cette conséquence de nullité générale et exige des conséquences juridiques différenciées selon la situation (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Le Tribunal fédéral a clarifié que le droit cantonal n'est pas seulement problématique en cas de contradiction directe, mais aussi lorsqu'il « va à l'encontre du sens et de l'esprit du droit fédéral » (**BGE 144 I 113**).\n\n**L'alinéa 2** oblige la Confédération à exercer une surveillance : elle doit veiller à ce que les cantons respectent le droit fédéral. Cette surveillance fédérale comprend différents instruments — de l'approbation des actes cantonaux au recours de l'autorité fédérale (**BGE 148 II 369**).\n\n**Exemple** : Un canton adopte une loi qui interdit généralement de fumer dans les restaurants, bien que la loi fédérale sur la protection contre le tabagisme passif autorise les fumoirs. Ici, le droit fédéral prime — sauf si la loi cantonale est admissible en tant que prescription plus stricte « pour la protection de la santé » (**BGE 139 I 242**).\n\n**Personnes concernées** : Toutes les autorités (Confédération, cantons, communes), les tribunaux et finalement tous les citoyens, car l'art. 49 Cst. assure l'application uniforme du droit fédéral dans toute la Suisse.\n\n**Conséquences juridiques** : Si le droit cantonal contredit le droit fédéral, les personnes concernées peuvent le contester devant un tribunal. Le Tribunal fédéral peut abroger directement les lois cantonales qui violent le droit fédéral (contrôle abstrait des normes selon l'art. 82 let. b LTF). Lors de l'application du droit, le droit fédéral prime automatiquement.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Histoire de la création\n\n**N. 1** L'art. 49 Cst correspond essentiellement à l'ancien art. 2 disp. trans. aCst. La disposition a été reprise dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale sans modifications matérielles (FF 1997 I 1, 229). Le principe de la primauté du droit fédéral a été ancré dès 1848 dans la première Constitution fédérale et fait partie des piliers fondamentaux de l'État fédéral suisse.\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 relève que la primauté du droit fédéral « constitue une condition indispensable au fonctionnement de l'État fédéral » (FF 1997 I 229). Sans ce principe, les cantons pourraient, par un droit contradictoire, empêcher l'application uniforme du droit fédéral. La surveillance fédérale selon l'al. 2 a été conçue comme un corollaire nécessaire à la primauté du droit fédéral.\n\n### Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 49 Cst se situe dans le 3e titre relatif à la Confédération, aux cantons et aux communes et forme, avec les art. 46-53 Cst, le fondement constitutionnel de l'ordre fédéraliste des compétences. La disposition est étroitement liée à :\n- → Art. 3 Cst (souveraineté cantonale et compétence résiduelle)\n- → Art. 5 Cst (principes de l'activité de l'État régi par le droit)\n- ↔ Art. 46 Cst (mise en œuvre du droit fédéral)\n- → Art. 190 Cst (droit déterminant)\n\n**N. 4** Dans le contexte de la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons, l'art. 49 Cst concrétise la structure normative hiérarchique de l'État fédéral suisse. Alors que l'art. 3 Cst consacre l'autonomie fondamentale des cantons, l'art. 49 Cst limite cette autonomie là où la Confédération fait usage de ses compétences (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 4).\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Alinéa 1 — Primauté du droit fédéral** : La notion de « droit fédéral » comprend l'ensemble des normes juridiques édictées par la Confédération indépendamment de leur niveau normatif — de la Constitution fédérale aux décisions de portée générale en passant par les lois fédérales et les ordonnances (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 7-8). Selon la pratique du Tribunal fédéral, le principe exclut, dans les domaines que la législation fédérale règle de manière exhaustive, toute activité normative des cantons ; dans les domaines non réglés de manière exhaustive, les cantons ne peuvent édicter que des prescriptions qui ne vont pas à l'encontre du sens et de l'esprit du droit fédéral (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 18 ; **ATF 144 I 113**).\n\n**N. 6** Il y a droit cantonal « contraire » en cas de :\n- Contradiction directe (le même comportement est normé différemment)\n- Empêchement ou entrave substantielle de l'application du droit fédéral\n- Violation du sens et de l'esprit du droit fédéral\n- Réglementation dans un domaine normé de manière exhaustive par la Confédération\n\n**N. 7** Une partie de la doctrine exclut les normes cantonales identiques du champ d'application faute de contradiction matérielle ou les déclare admissibles (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13). La pratique se montre ici prudente, car même des normes cantonales identiques peuvent compromettre l'application uniforme du droit fédéral.\n\n**N. 8** **Alinéa 2 — Surveillance fédérale** : La Confédération « veille » au respect du droit fédéral — cette formulation décrit l'obligation constitutionnelle de surveillance de la Confédération. La surveillance fédérale comprend des mesures préventives (réserves d'approbation), des instruments répressifs (abrogation d'actes normatifs cantonaux) et la possibilité d'exécution de substitution en cas de carence cantonale (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 32-34).\n\n### Effets juridiques\n\n**N. 9** **Nullité du droit cantonal contraire** : L'opinion dominante considère le droit cantonal contraire au droit fédéral comme nul et non avenu (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Cette conception traditionnelle fait toutefois l'objet d'une approche de plus en plus différenciée :\n\n**N. 10** La doctrine plus récente critique l'effet de nullité généralisé et exige un examen différencié selon la situation de conflit et la situation procédurale (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Ainsi, en cas de contradiction seulement partielle, une interprétation conforme à la Constitution ou une nullité partielle peut être appropriée.\n\n**N. 11** **Mesures de surveillance fédérale** : La concrétisation des instruments de surveillance s'effectue par le biais de lois spéciales. L'art. 49 al. 2 Cst ne fonde pas lui-même de compétences d'intervention directes, mais nécessite un aménagement légal (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 35-45). Le recours des autorités de la Confédération selon l'art. 89 al. 2 let. a LTF constitue un instrument important de la surveillance fédérale (**ATF 148 II 369**).\n\n### Points de controverse\n\n**N. 12** **Effets juridiques en cas de violation de l'art. 49 al. 1 Cst** : La controverse entre la doctrine traditionnelle de la nullité et des approches plus différenciées marque la discussion actuelle. Alors qu'une partie de la doctrine maintient la nullité absolue ex tunc et ipso iure, d'autres plaident pour une nullité seulement à la suite d'un jugement judiciaire ayant autorité (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24).\n\n**N. 13** **Portée du droit fédéral** : Il est controversé de savoir si le soft law de la Confédération (recommandations, directives) tombe aussi sous la notion de « droit fédéral » à l'art. 49 Cst. La doctrine dominante le nie en se référant au principe de légalité (art. 5 al. 1 Cst).\n\n**N. 14** **Conflits positifs de compétences** : En cas de normes fédérales et cantonales identiques, les conceptions divergent : une partie de la doctrine ne voit pas de cas d'application de l'art. 49 al. 1 Cst faute de contradiction matérielle, d'autres soulignent le danger pour l'application uniforme du droit (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13).\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de l'examen d'une possible violation de l'art. 49 Cst, il faut procéder par étapes :\n1. Une compétence fédérale existe-t-elle et la Confédération l'a-t-elle exercée ?\n2. Le droit fédéral règle-t-il la matière de manière exhaustive ou y a-t-il place pour un droit cantonal complémentaire ?\n3. La réglementation cantonale est-elle en contradiction directe avec le droit fédéral ou viole-t-elle son sens et son esprit ?\n\n**N. 16** Le contrôle abstrait des normes selon l'art. 82 let. b LTF permet l'attaque directe devant le Tribunal fédéral d'actes normatifs cantonaux contraires au droit fédéral. Le délai de recours est de 30 jours dès la publication de l'acte (art. 101 LTF).\n\n**N. 17** Dans la procédure législative, les cantons devraient examiner précocement si les réglementations prévues sont compatibles avec le droit fédéral de rang supérieur. La consultation des cantons prévue à l'art. 46 al. 3 Cst lors de l'établissement du droit fédéral sert aussi à éviter de futurs conflits de compétences.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes de la primauté du droit fédéral\n\n**ATF 144 I 113** du 4 juillet 2018 \nLe principe de la primauté et du respect du droit fédéral exige non seulement que le droit cantonal ne soit pas contraire au droit fédéral, mais aussi qu'il soit conforme à l'esprit et au sens du droit fédéral.\nL'examen par le Tribunal fédéral se limite à déterminer si une réglementation cantonale va à l'encontre du droit fédéral dans ses effets.\n\n> «Le principe de la primauté et du respect du droit fédéral selon l'art. 49 Cst. exige non seulement que le droit cantonal ne soit pas contraire au droit fédéral, mais aussi qu'il soit conforme à l'esprit et au sens du droit fédéral.»\n\n**ATF 149 I 172** du 19 janvier 2023\nLe droit cantonal qui, lors d'une demande rétroactive de réduction de primes, ne tient pas compte d'une diminution de revenus survenue, contrevient à l'esprit et au sens du droit fédéral.\nUne lacune de calcul justifiée par le droit transitoire viole également la primauté du droit fédéral.\n\n> «Une lacune de calcul justifiée par le droit transitoire, qui fait que la situation financière des assurés d'une année concrète n'est prise en compte dans aucune année de droit lors de la détermination du droit à la réduction de primes, ne peut également pas être conciliée avec les exigences du droit fédéral.»\n\n**ATF 150 II 98** du 7 décembre 2023  \nLa perception d'un impôt cantonal sur les mutations à l'occasion du changement de direction de fonds ne rend pas ce changement impossible et ne viole ni la loi sur l'infrastructure des marchés financiers ni le principe de la primauté du droit fédéral.\nLa réglementation fédérale des placements collectifs de capitaux entre en conflit avec la souveraineté fiscale cantonale.\n\n> «La perception de l'impôt sur les mutations ne rend pas le changement de direction de fonds impossible et ne viole ni l'art. 39 LIMF ni le principe de la primauté du droit fédéral.»\n\n### Compétence fédérale et autonomie cantonale\n\n**ATF 142 I 99** du 31 mars 2016\nEn matière d'utilisation des eaux, il existe une compétence de principe de la Confédération avec une souveraineté simultanée des cantons sur les eaux.\nLes cantons sont habilités à utiliser eux-mêmes les eaux publiques ou à concéder le droit d'utilisation à des tiers par voie de concession.\nAucune obligation de droit fédéral de mise au concours public avant l'octroi de concession.\n\n> «La souveraineté sur les eaux constitue une régale cantonale, raison pour laquelle le pouvoir de disposition sur les eaux publiques est exclu du champ d'application de la liberté économique. L'octroi de concessions relève du pouvoir d'appréciation conforme aux devoirs de l'autorité concédante.»\n\n**ATF 139 I 242** du 7 juillet 2013\nL'art. 4 de la loi fédérale sur la protection contre le tabagisme passif permet aux cantons d'édicter des prescriptions plus strictes «pour la protection de la santé».\nUne interdiction cantonale de service dans les fumoirs séparés va au-delà de la réglementation minimale fédérale, mais elle est admissible.\n\n> «La disposition cantonale constitue ainsi un durcissement par rapport à la réglementation fédérale, qui est toutefois couvert par l'art. 4 LPTab, lequel confère expressément aux cantons la compétence d'édicter 'des prescriptions plus strictes pour la protection de la santé'.»\n\n### Force dérogatoire du droit fédéral\n\n**ATF 127 I 60** de 2001\nLa force dérogatoire du droit fédéral signifie qu'une réglementation cantonale ou communale relative à la prise en charge des coûts doit être compatible avec le droit fédéral.\nLe droit fédéral n'a pas besoin d'être exhaustif pour évincer les réglementations cantonales.\n\n> «Le recourant fait grief d'une violation du principe de la force dérogatoire du droit fédéral. [...] Celui-ci ouvre aux autorités la possibilité de diriger le trafic au moyen de réglementations de la circulation et tient compte de la prise en charge des coûts qui y est liée.»\n\n**ATF 128 I 206** du 19 juin 2002\nL'obligation imposée à l'office des poursuites et des faillites de vendre globalement les appartements et d'obtenir une autorisation préalable contrevient au droit fédéral.\nLa LP règle la réalisation forcée de manière exhaustive.\n\n> «L'obligation imposée à l'office des poursuites et des faillites de vendre les appartements ensemble et de demander une autorisation préalable contrevient au droit fédéral, en particulier aux art. 140 ss LP.»\n\n### Surveillance constitutionnelle de la Confédération\n\n**ATF 148 II 369** du 15 mars 2022\nLe sens et le but du recours des autorités de la Confédération est d'assurer l'application uniforme et correcte du droit fédéral.\nIl s'agit d'un moyen de surveillance fédérale qui recourt au système cantonal de voies de droit.\n\n> «Le sens et le but du recours des autorités de la Confédération est d'assurer l'application uniforme et correcte du droit fédéral. Il s'agit d'un moyen de surveillance fédérale qui recourt à cette fin au système cantonal de voies de droit.»\n\n**ATF 127 II 1** du 25 juin 2000\nLe grief qu'une redevance cantonale n'est pas compatible avec le droit fédéral peut être soulevé depuis la révision totale de la Constitution fédérale par le recours de droit public.\nL'exonération fiscale des institutions de droit fédéral prime le droit cantonal des redevances.\n\n> «Le grief qu'une redevance cantonale n'est pas compatible avec le droit fédéral peut être soulevé depuis la révision totale de la Constitution fédérale par le recours de droit public auprès du Tribunal fédéral.»\n\n### Autonomie cantonale d'exécution\n\n**ATF 136 I 220** du 15 avril 2010\nUne réglementation cantonale selon laquelle les contributions de réduction de primes peuvent être compensées avec des dettes fiscales n'est pas compatible avec l'objectif de la LAMal et est donc contraire au droit fédéral.\n\n> «Une réglementation cantonale selon laquelle les contributions de réduction de primes peuvent être compensées avec des dettes fiscales n'est pas compatible avec l'objectif de la LAMal et est donc contraire au droit fédéral.»\n\n**ATF 141 V 455** du 2 juillet 2015\nLa remise de la carte d'assuré pour l'assurance-maladie obligatoire est réglée de manière exhaustive par le droit fédéral.\nLe principe de la primauté du droit fédéral est violé lorsque l'assureur-maladie se prévaut du droit cantonal pour se soustraire à son obligation de droit fédéral.\n\n> «Le principe de la primauté du droit fédéral est violé lorsque l'assureur-maladie se prévaut du droit cantonal pour se soustraire à son obligation d'établir la carte.»\n\n### Contrôle abstrait des normes\n\n**ATF 142 I 16** de 2016 (version italienne)\nLa protection des dénominations universitaires par le droit cantonal doit être conforme à la loi sur l'encouragement et la coordination des hautes écoles.\nL'art. 29 LEHE prévoit que les hautes écoles obtiennent avec l'accréditation institutionnelle le droit de porter la dénomination correspondante.\n\n**ATF 133 I 206** du 1er juin 2007\nLa constitutionnalité des barèmes fiscaux cantonaux dégressifs doit être examinée.\nLa légitimation pour contester les barèmes fiscaux par recours de droit public doit être donnée.\n\n> «Inadmissibilité de la limitation du contrôle au pur arbitraire lors de la charge fiscale des personnes physiques par des barèmes dégressifs.»", "summary_it": "# Art. 49 — Primato e rispetto del diritto federale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 49 Cost. disciplina due principi centrali dello Stato federale svizzero: il primato del diritto federale e la vigilanza federale.\n\n**Il capoverso 1** stabilisce che il diritto federale prevale su quello cantonale quando entrambi si contraddicono. Ciò significa: se la Confederazione e un Cantone hanno regole diverse per lo stesso problema, vale la regola della Confederazione. Il diritto cantonale diventa allora invalido (nullo). L'opinione dominante considera tale diritto cantonale come invalido, ma la dottrina più recente critica questa conseguenza generale di nullità e richiede conseguenze giuridiche differenziate a seconda della situazione (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Il Tribunale federale ha chiarito che il diritto cantonale è problematico non solo in caso di contraddizione diretta, ma anche quando «contrasta con il senso e lo spirito del diritto federale» (**BGE 144 I 113**).\n\n**Il capoverso 2** obbliga la Confederazione alla sorveglianza: deve vegliare che i Cantoni rispettino il diritto federale. Questa vigilanza federale comprende diversi strumenti — dall'approvazione di atti cantonali al ricorso delle autorità da parte della Confederazione (**BGE 148 II 369**).\n\n**Esempio**: Un Cantone emana una legge che vieta generalmente il fumo nei ristoranti, benché la legge federale per la protezione dal fumo passivo consenta i fumatori. Qui prevale il diritto federale — a meno che la legge cantonale non sia ammissibile come prescrizione più severa «per la protezione della salute» (**BGE 139 I 242**).\n\n**Interessati**: Tutte le autorità (Confederazione, Cantoni, Comuni), i tribunali e in ultima analisi tutti i cittadini, dato che l'art. 49 Cost. garantisce l'applicazione uniforme del diritto federale in tutta la Svizzera.\n\n**Conseguenze giuridiche**: Se il diritto cantonale contrasta con quello federale, gli interessati possono eccepirlo davanti ai tribunali. Il Tribunale federale può abrogare direttamente leggi cantonali se sono contrarie al diritto federale (controllo astratto delle norme secondo l'art. 82 lett. b LTF). Nell'applicazione del diritto, il diritto federale prevale automaticamente.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 49 Cost. corrisponde essenzialmente al precedente art. 2 DT aCost. La disposizione è stata ripresa nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale senza modifiche materiali (FF 1997 I 1, 229). Il principio della supremazia del diritto federale è stato sancito già nel 1848 nella prima Costituzione federale e appartiene ai pilastri portanti dello Stato federale svizzero.\n\n**N. 2** Il messaggio relativo alla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilisce che la supremazia del diritto federale «rappresenta un presupposto indispensabile per il funzionamento dello Stato federale» (FF 1997 I 229). Senza questo principio i Cantoni potrebbero, mediante diritto contrastante, vanificare l'applicazione uniforme del diritto federale. La vigilanza federale secondo il cpv. 2 è stata concepita quale necessario correlato della supremazia del diritto federale.\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 49 Cost. si trova nel 3° titolo su Confederazione, Cantoni e Comuni e forma insieme agli art. 46-53 Cost. il fondamento costituzionale dell'ordinamento federalistico delle competenze. La disposizione è strettamente collegata con:\n- → art. 3 Cost. (sovranità cantonale e competenza residuale)\n- → art. 5 Cost. (principi dell'attività statale conforme al diritto)\n- ↔ art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale)\n- → art. 190 Cost. (diritto determinante)\n\n**N. 4** Nel contesto della ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni, l'art. 49 Cost. concretizza la struttura normativa gerarchica dello Stato federale svizzero. Mentre l'art. 3 Cost. sancisce l'autonomia di principio dei Cantoni, l'art. 49 Cost. limita questa autonomia là dove la Confederazione esercita le sue competenze (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 4).\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Capoverso 1 — Supremazia del diritto federale**: Il concetto di «diritto federale» comprende tutte le norme giuridiche emanate dalla Confederazione indipendentemente dal loro livello normativo — dalla Costituzione federale alle leggi federali e ordinanze fino alle decisioni di portata generale (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 7-8). Secondo la prassi del Tribunale federale, il principio esclude una normazione da parte dei Cantoni negli ambiti che la legislazione federale disciplina in modo esaustivo; negli ambiti non disciplinati esaustivamente i Cantoni possono emanare solo prescrizioni che non contrastano con il senso e lo spirito del diritto federale (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 18; **DTF 144 I 113**).\n\n**N. 6** Diritto cantonale «contrastante» sussiste in caso di:\n- Contraddizione diretta (lo stesso comportamento è normato diversamente)\n- Impedimento o notevole aggravamento dell'attuazione del diritto federale\n- Violazione del senso e dello spirito del diritto federale\n- Disciplina in un ambito normato dalla Confederazione in modo esaustivo\n\n**N. 7** Una parte della dottrina esclude dall'ambito di validità le norme cantonali identiche per mancanza di contraddizione contenutistica o le dichiara ammissibili (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 13). La prassi si mostra qui prudente, poiché anche norme cantonali identiche possono mettere a repentaglio l'applicazione uniforme del diritto federale.\n\n**N. 8** **Capoverso 2 — Vigilanza federale**: La Confederazione «vigila» sull'osservanza del diritto federale — questa formulazione descrive l'obbligo costituzionale di vigilanza della Confederazione. La vigilanza federale comprende misure preventive (riserve di approvazione), strumenti repressivi (abrogazione di atti normativi cantonali) e la possibilità di sostituzione in caso di inadempienza cantonale (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 32-34).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** **Invalidità del diritto cantonale contrastante**: L'opinione dominante considera il diritto cantonale contrastante con il diritto federale come non valido ovvero nullo (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 24). Questa concezione tradizionale è tuttavia sempre più differenziata:\n\n**N. 10** La dottrina più recente critica la conseguenza generale di nullità e richiede una considerazione differenziata a seconda della situazione conflittuale e processuale (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 24). Così ad esempio in caso di contraddizione solo parziale può essere appropriata un'interpretazione conforme alla Costituzione o una nullità parziale.\n\n**N. 11** **Misure di vigilanza federale**: La concretizzazione degli strumenti di vigilanza avviene attraverso leggi speciali. L'art. 49 cpv. 2 Cost. non fonda di per sé competenze di intervento immediate, ma necessita della configurazione legale (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 35-45). Il ricorso delle autorità della Confederazione secondo l'art. 89 cpv. 2 lett. a LTF rappresenta un importante strumento della vigilanza federale (**DTF 148 II 369**).\n\n### Controversie\n\n**N. 12** **Conseguenze giuridiche in caso di violazione dell'art. 49 cpv. 1 Cost.**: La controversia tra la dottrina tradizionale della nullità e approcci più differenziati caratterizza la discussione attuale. Mentre una parte della dottrina mantiene la nullità assoluta ex tunc e ipso iure, altri propugnano un'invalidità solo in seguito a sentenza giudiziaria autoritativa (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 24).\n\n**N. 13** **Portata del diritto federale**: È controverso se anche il soft law della Confederazione (raccomandazioni, direttive) rientri nel concetto di «diritto federale» nell'art. 49 Cost. La dottrina prevalente lo nega con riferimento al principio di legalità (art. 5 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 14** **Conflitti di competenza positivi**: In caso di norme federali e cantonali identiche divergono le opinioni: una parte della dottrina non vede alcun caso di applicazione dell'art. 49 cpv. 1 Cost. per mancanza di contraddizione contenutistica, altre sottolineano il pericolo per l'applicazione uniforme del diritto (Waldmann, BSK BV, art. 49 N. 13).\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'esame di una possibile violazione dell'art. 49 Cost. occorre procedere per gradi:\n1. Sussiste una competenza federale e la Confederazione l'ha esercitata?\n2. Il diritto federale disciplina la materia in modo esaustivo o sussiste spazio per diritto cantonale complementare?\n3. La disciplina cantonale è in contraddizione diretta con il diritto federale o viola il suo senso e spirito?\n\n**N. 16** Il controllo astratto delle norme secondo l'art. 82 lett. b LTF consente l'impugnazione diretta presso il Tribunale federale di atti normativi cantonali contrari al diritto federale. Il termine di ricorso è di 30 giorni dalla pubblicazione dell'atto normativo (art. 101 LTF).\n\n**N. 17** Nel procedimento legislativo i Cantoni dovrebbero verificare tempestivamente se le normazioni pianificate siano compatibili con il diritto federale sovraordinato. La consultazione dei Cantoni prevista dall'art. 46 cpv. 3 Cost. nella legislazione federale serve anche a evitare successivi conflitti di competenza.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi del primato del diritto federale\n\n**BGE 144 I 113** del 4 luglio 2018 \nIl precetto del primato e del rispetto del diritto federale esige non soltanto che il diritto cantonale non contraddica il diritto federale, ma anche che corrisponda al senso e allo spirito del diritto federale.\nIl controllo del Tribunale federale si limita a verificare se una regolamentazione cantonale nelle sue conseguenze contrasta con il diritto federale.\n\n> «Il precetto del primato e del rispetto del diritto federale secondo l'art. 49 Cost. esige non soltanto che il diritto cantonale non contraddica il diritto federale, ma anche che corrisponda al senso e allo spirito del diritto federale.»\n\n**BGE 149 I 172** del 19 gennaio 2023\nIl diritto cantonale che, in caso di domanda retroattiva di riduzione dei premi, non tiene conto di una diminuzione di reddito intervenuta, contrasta con il senso e lo spirito del diritto federale.\nUna lacuna di valutazione giustificata dal diritto transitorio viola parimenti il primato del diritto federale.\n\n> «Una lacuna di valutazione giustificata dal diritto transitorio, che porta al fatto che la situazione finanziaria degli assicurati di un anno concreto non venga considerata nella determinazione del diritto alla riduzione dei premi in nessun anno di pretesa, non può parimenti conciliarsi con le prescrizioni del diritto federale.»\n\n**BGE 150 II 98** del 7 dicembre 2023  \nLa riscossione di un'imposta cantonale sui trapasso di proprietà in occasione del cambiamento della direzione del fondo non impedisce questo cambiamento e non viola né la Legge sull'infrastruttura finanziaria né il principio del primato del diritto federale.\nLa regolamentazione di diritto federale degli investimenti collettivi di capitale entra in conflitto con la sovranità fiscale cantonale.\n\n> «La riscossione dell'imposta sui trapasso di proprietà non impedisce il cambiamento della direzione del fondo e non viola né l'art. 39 FINIG né il principio del primato del diritto federale.»\n\n### Competenza federale e autonomia cantonale\n\n**BGE 142 I 99** del 31 marzo 2016\nNell'utilizzo delle acque esiste una competenza di principio della Confederazione con contemporanea sovranità cantonale sulle acque.\nI Cantoni sono autorizzati a utilizzare le acque pubbliche direttamente o a concedere il diritto di utilizzo a terzi mediante concessione.\nNessun obbligo di diritto federale di bando pubblico prima del rilascio della concessione.\n\n> «La sovranità sulle acque rappresenta una regalia cantonale, motivo per cui il potere di disposizione sulle acque pubbliche è escluso dal campo di applicazione della libertà economica. La concessione rientra nel potere discrezionale vincolato dell'autorità concedente.»\n\n**BGE 139 I 242** del 7 luglio 2013\nL'art. 4 della Legge federale sulla protezione contro il fumo passivo permette ai Cantoni di emanare prescrizioni più severe «per la protezione della salute».\nUn divieto cantonale di servizio in locali per fumatori separati va oltre la regolamentazione minima di diritto federale, ma è ammissibile.\n\n> «La disposizione cantonale rappresenta dunque un inasprimento rispetto alla regolamentazione di diritto federale, che tuttavia è coperto dall'art. 4 LFu, il quale conferisce espressamente ai Cantoni la facoltà di emanare 'prescrizioni più severe per la protezione della salute'.»\n\n### Forza derogatoria del diritto federale\n\n**BGE 127 I 60** del 2001\nLa forza derogatoria del diritto federale significa che una regolamentazione cantonale o comunale sulla ripartizione dei costi deve essere compatibile con il diritto federale.\nIl diritto federale non deve essere esaustivo per soppiantare regolamentazioni cantonali.\n\n> «Il ricorrente lamenta una violazione del principio della forza derogatoria del diritto federale. [...] Questo apre alle autorità la possibilità di dirigere il traffico mediante regolamentazioni del traffico e tiene conto della ripartizione dei costi che ne deriva.»\n\n**BGE 128 I 206** del 19 giugno 2002\nL'obbligo imposto all'ufficio esecuzione e fallimenti di vendere globalmente gli appartamenti e di ottenere una preventiva autorizzazione contrasta con il diritto federale.\nLa LEF disciplina la realizzazione forzata in modo esaustivo.\n\n> «L'obbligo imposto all'ufficio esecuzione e fallimenti di vendere insieme gli appartamenti e di richiedere una preventiva autorizzazione contrasta con il diritto federale, in particolare con gli art. 140 segg. LEF.»\n\n### Vigilanza costituzionale della Confederazione\n\n**BGE 148 II 369** del 15 marzo 2022\nSenso e scopo del ricorso delle autorità della Confederazione è assicurare l'applicazione uniforme e corretta del diritto federale.\nÈ un mezzo della vigilanza federale che ricorre al sistema cantonale dei rimedi di diritto.\n\n> «Senso e scopo del ricorso delle autorità della Confederazione è assicurare l'applicazione uniforme e corretta del diritto federale. È un mezzo della vigilanza federale che a questo scopo ricorre al sistema cantonale dei rimedi di diritto.»\n\n**BGE 127 II 1** del 25 giugno 2000\nLa censura che un tributo cantonale non sia compatibile con il diritto federale può essere sollevata, dalla revisione totale della Costituzione federale, con il ricorso di diritto pubblico.\nL'esenzione fiscale delle istituzioni di diritto federale prevale sul diritto cantonale sui tributi.\n\n> «La censura che un tributo cantonale non sia compatibile con il diritto federale può essere sollevata, dalla revisione totale della Costituzione federale, con il ricorso di diritto pubblico presso il Tribunale federale.»\n\n### Autonomia cantonale di esecuzione\n\n**BGE 136 I 220** del 15 aprile 2010\nUna regolamentazione cantonale secondo cui i contributi alla riduzione dei premi possono essere compensati con debiti fiscali non è compatibile con la finalità della LAMal ed è pertanto contraria al diritto federale.\n\n> «Una regolamentazione cantonale secondo cui i contributi alla riduzione dei premi possono essere compensati con debiti fiscali non è compatibile con la finalità della LAMal ed è pertanto contraria al diritto federale.»\n\n**BGE 141 V 455** del 2 luglio 2015\nLa consegna della tessera d'assicurato per l'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie è disciplinata in modo esaustivo dal diritto federale.\nIl principio del primato del diritto federale è violato quando l'assicuratore malattie si appella al diritto cantonale per sottrarsi al suo obbligo di diritto federale.\n\n> «Il principio del primato del diritto federale è violato quando l'assicuratore malattie si appella al diritto cantonale per sottrarsi al suo obbligo di rilasciare la tessera.»\n\n### Controllo astratto delle norme\n\n**BGE 142 I 16** del 2016 (versione italiana)\nLa protezione delle denominazioni universitarie mediante diritto cantonale deve corrispondere alla Legge sulla promozione e sul coordinamento del settore universitario svizzero.\nL'art. 29 LPSU prevede che le scuole universitarie con l'accreditamento istituzionale ottengano il diritto di utilizzare la denominazione corrispondente.\n\n**BGE 133 I 206** del 1º giugno 2007\nLa costituzionalità delle tariffe fiscali cantonali degressive deve essere verificata.\nLa legittimazione a impugnare le tariffe fiscali con ricorso di diritto pubblico deve essere data.\n\n> «Inammissibilità della limitazione del controllo alla pura arbitrarietà nel carico fiscale delle persone fisiche mediante tariffe degressive.»", "summary_en": "# Art. 49 — Precedence and observance of federal law\n\n## Overview\n\nArt. 49 Cst. governs two central principles of the Swiss federal state: the precedence of federal law and federal supervision.\n\n**Paragraph 1** establishes that federal law takes precedence over cantonal law when the two conflict. This means: If the Confederation and a canton have different rules for the same problem, the federal rule applies. The cantonal law then becomes invalid (void). The prevailing view considers such cantonal law to be invalid, but recent doctrine criticises this blanket nullity consequence and calls for differentiated legal consequences depending on the situation (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). The Federal Supreme Court has clarified that cantonal law is not only problematic in case of direct conflict, but also when it «runs counter to the sense and spirit of federal law» (**BGE 144 I 113**).\n\n**Paragraph 2** obliges the Confederation to supervise: It must ensure that the cantons observe federal law. This federal supervision encompasses various instruments — from the approval of cantonal enactments to the federal authorities' appeal (**BGE 148 II 369**).\n\n**Example**: A canton enacts a law that generally prohibits smoking in restaurants, although the Federal Act on Protection against Passive Smoking permits smoking rooms. Here, federal law takes precedence — unless the cantonal law is permissible as a stricter provision «for the protection of health» (**BGE 139 I 242**).\n\n**Affected parties**: All authorities (Confederation, cantons, communes), courts and ultimately all citizens, as Art. 49 Cst. ensures the uniform application of federal law throughout Switzerland.\n\n**Legal consequences**: If cantonal law conflicts with federal law, affected parties may raise this objection before the courts. The Federal Supreme Court may directly repeal cantonal laws if they violate federal law (abstract judicial review under Art. 82 lit. b FSCA). In the application of law, federal law automatically takes precedence.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### Genesis\n\n**N. 1** Art. 49 FC essentially corresponds to the former Art. 2 of the Transitional Provisions of the old Federal Constitution. The provision was adopted within the framework of the total revision of the Federal Constitution without material changes (BBl 1997 I 1, 229). The principle of the supremacy of federal law was already enshrined in 1848 in the first Federal Constitution and belongs to the supporting pillars of Swiss federalism.\n\n**N. 2** The Dispatch on the new Federal Constitution of 20 November 1996 states that the supremacy of federal law «represents an indispensable prerequisite for the functioning of the federal state» (BBl 1997 I 229). Without this principle, the cantons could thwart the uniform application of federal law through contradictory law. Federal supervision according to para. 2 was conceived as a necessary correlate to the supremacy of federal law.\n\n### Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 49 FC stands in the 3rd Title on the Confederation, cantons and communes and forms, together with Art. 46-53 FC, the constitutional foundation of the federalist allocation of powers. The provision stands in close connection with:\n- → Art. 3 FC (cantonal sovereignty and residual powers)\n- → Art. 5 FC (principles of action under the rule of law)\n- ↔ Art. 46 FC (implementation of federal law)\n- → Art. 190 FC (applicable law)\n\n**N. 4** In the context of the allocation of powers between the Confederation and the cantons, Art. 49 FC concretises the hierarchical norm structure of the Swiss federal state. While Art. 3 FC establishes the fundamental autonomy of the cantons, Art. 49 FC limits this autonomy where the Confederation exercises its powers (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 4).\n\n### Elements of the provision / Normative content\n\n**N. 5** **Paragraph 1 — Supremacy of federal law**: The term «federal law» encompasses all legal norms issued by the Confederation regardless of their hierarchical level — from the Federal Constitution via federal acts and ordinances to general rulings (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 7-8). According to Federal Supreme Court practice, in subject areas that federal legislation regulates exhaustively, the principle excludes lawmaking by the cantons; in areas that are not exhaustively regulated, cantons may only issue provisions that do not contradict the sense and spirit of federal law (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 18; **BGE 144 I 113**).\n\n**N. 6** «Conflicting» cantonal law exists in cases of:\n- Direct contradiction (the same behaviour is regulated differently)\n- Prevention or substantial impediment of federal law enforcement\n- Violation of the sense and spirit of federal law\n- Regulation in an area exhaustively governed by the Confederation\n\n**N. 7** Part of the doctrine excludes identical cantonal norms from the scope of application due to the lack of substantive contradiction or declares them permissible (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13). Practice shows restraint here, as even identical cantonal norms can endanger the uniform application of federal law.\n\n**N. 8** **Paragraph 2 — Federal supervision**: The Confederation «ensures» compliance with federal law — this formulation describes the constitutional supervisory duty of the Confederation. Federal supervision encompasses preventive measures (approval requirements), repressive instruments (repeal of cantonal enactments) and the possibility of substitute performance in case of cantonal default (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 32-34).\n\n### Legal consequences\n\n**N. 9** **Invalidity of conflicting cantonal law**: The prevailing view considers cantonal law that conflicts with federal law as invalid or void (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). However, this traditional view is increasingly being differentiated:\n\n**N. 10** Recent doctrine criticises the blanket nullity consequence and calls for a differentiated consideration depending on the conflict situation and procedural circumstances (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24). Thus, for example, in case of merely partial contradiction, a constitutionally conforming interpretation or partial nullity may be appropriate.\n\n**N. 11** **Federal supervisory measures**: The concretisation of supervisory instruments takes place through special acts. Art. 49 para. 2 FC does not itself establish direct powers of intervention, but requires legislative implementation (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 35-45). The administrative appeal by the Confederation according to Art. 89 para. 2 lit. a FSCA represents an important instrument of federal supervision (**BGE 148 II 369**).\n\n### Controversial issues\n\n**N. 12** **Legal consequences in case of violation of Art. 49 para. 1 FC**: The controversy between the traditional nullity doctrine and more differentiated approaches characterises the current discussion. While part of the doctrine adheres to absolute nullity ex tunc and ipso iure, others advocate for invalidity only as a consequence of an authoritative court judgment (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 24).\n\n**N. 13** **Scope of federal law**: It is disputed whether federal soft law (recommendations, guidelines) also falls under the concept of «federal law» in Art. 49 FC. The prevailing doctrine denies this with reference to the principle of legality (Art. 5 para. 1 FC).\n\n**N. 14** **Positive conflicts of powers**: Regarding identical federal and cantonal norms, views diverge: Part of the doctrine sees no case for application of Art. 49 para. 1 FC due to the lack of substantive contradiction, while others emphasise the danger to uniform application of law (Waldmann, BSK BV, Art. 49 N. 13).\n\n### Practical guidance\n\n**N. 15** When examining a possible violation of Art. 49 FC, one should proceed step by step:\n1. Is there federal jurisdiction and has the Confederation exercised it?\n2. Does federal law regulate the matter exhaustively or is there room for supplementary cantonal law?\n3. Does the cantonal regulation directly contradict federal law or does it violate its sense and spirit?\n\n**N. 16** Abstract judicial review according to Art. 82 lit. b FSCA enables the direct challenge of cantonal enactments that violate federal law before the Federal Supreme Court. The appeal period is 30 days from publication of the enactment (Art. 101 FSCA).\n\n**N. 17** In the legislative process, cantons should examine at an early stage whether planned regulations are compatible with superior federal law. The consultation of cantons in federal lawmaking provided for in Art. 46 para. 3 FC also serves to avoid later conflicts of powers.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principles of the Primacy of Federal Law\n\n**BGE 144 I 113** of 4 July 2018\nThe requirement of primacy and compliance with federal law demands not only that cantonal law does not contradict federal law, but also that it corresponds to the sense and spirit of federal law.\nFederal Supreme Court review is limited to whether a cantonal regulation runs counter to federal law in its effects.\n\n> «The requirement of primacy and compliance with federal law pursuant to Art. 49 Constitution demands not only that cantonal law does not contradict federal law, but also that it corresponds to the sense and spirit of federal law.»\n\n**BGE 149 I 172** of 19 January 2023\nCantonal law that disregards a loss of income that has occurred in a retroactive application for premium reduction contradicts the sense and spirit of federal law.\nA calculation gap justified by transitional law also violates the primacy of federal law.\n\n> «A calculation gap justified by transitional law, which leads to the financial circumstances of the insured persons in a specific year not being considered in any benefit year when determining entitlement to premium reduction, is also incompatible with the requirements of federal law.»\n\n**BGE 150 II 98** of 7 December 2023\nThe levying of a cantonal hand change tax on the occasion of a change of fund management does not make this change impossible and violates neither the Financial Market Infrastructure Act nor the principle of the primacy of federal law.\nThe federal regulation of collective investment schemes conflicts with cantonal fiscal sovereignty.\n\n> «The levying of the hand change tax does not make the change of fund management impossible and violates neither Art. 39 FMIA nor the principle of the primacy of federal law.»\n\n### Federal Competence and Cantonal Autonomy\n\n**BGE 142 I 99** of 31 March 2016\nIn water use, there is a basic competence of the Confederation with simultaneous water sovereignty of the cantons.\nThe cantons are empowered to either use public waters themselves or to grant usage rights to third parties by way of concession.\nNo federal law obligation for public tender before granting concessions.\n\n> «Water sovereignty constitutes a cantonal regale, which is why the power of disposal over public waters is excluded from the scope of application of economic freedom. The granting of concessions lies within the proper discretion of the concession authority.»\n\n**BGE 139 I 242** of 7 July 2013\nArt. 4 of the Federal Act on Protection from Passive Smoking enables the cantons to enact stricter provisions «for the protection of health».\nA cantonal service prohibition in separated smoking rooms goes beyond the federal minimum regulation but is permissible.\n\n> «The cantonal provision thus represents a tightening compared to the federal regulation, which is however covered by Art. 4 PaRG, which expressly grants the cantons the authority to enact 'stricter provisions for the protection of health'.»\n\n### Derogatory Force of Federal Law\n\n**BGE 127 I 60** of 2001\nThe derogatory force of federal law means that a cantonal or municipal cost allocation regulation must be compatible with federal law.\nFederal law does not have to be exhaustive in order to supersede cantonal regulations.\n\n> «The appellant alleges a violation of the principle of the derogatory force of federal law. [...] This opens up the possibility for the authorities to direct traffic by means of traffic regulations and takes account of the associated cost allocation.»\n\n**BGE 128 I 206** of 19 June 2002\nThe obligation imposed on the debt collection and bankruptcy office for the comprehensive sale of apartments and to obtain prior authorization contradicts federal law.\nThe DEBA regulates forced sale exhaustively.\n\n> «The obligation imposed on the debt collection and bankruptcy office to sell the apartments together and to request prior authorization contradicts federal law, in particular Art. 140 et seq. DEBA.»\n\n### Constitutional Supervision by the Confederation\n\n**BGE 148 II 369** of 15 March 2022\nThe sense and purpose of the administrative appeal by the Confederation is to ensure the uniform and correct application of federal law.\nIt is a means of federal supervision that draws on the cantonal legal remedy system.\n\n> «The sense and purpose of the administrative appeal by the Confederation is to ensure the uniform and correct application of federal law. It is a means of federal supervision that draws on the cantonal legal remedy system for this purpose.»\n\n**BGE 127 II 1** of 25 June 2000\nThe complaint that a cantonal levy is incompatible with federal law can be raised with the appeal in public law matters since the total revision of the Federal Constitution.\nTax exemption of federal institutions takes precedence over cantonal levy law.\n\n> «The complaint that a cantonal levy is incompatible with federal law can be raised with the Federal Supreme Court by means of an appeal in public law matters since the total revision of the Federal Constitution.»\n\n### Cantonal Enforcement Autonomy\n\n**BGE 136 I 220** of 15 April 2010\nA cantonal regulation according to which premium reduction contributions can be set off against tax debts is incompatible with the objective of the HIA and therefore violates federal law.\n\n> «A cantonal regulation according to which premium reduction contributions can be set off against tax debts is incompatible with the objective of the HIA and therefore violates federal law.»\n\n**BGE 141 V 455** of 2 July 2015\nThe issuance of the insured person's card for mandatory health insurance is exhaustively regulated by federal law.\nThe principle of the primacy of federal law is violated when the health insurer relies on cantonal law to evade its obligation under federal law.\n\n> «The principle of the primacy of federal law is violated when the health insurer relies on cantonal law to evade its obligation to issue the card.»\n\n### Abstract Judicial Review\n\n**BGE 142 I 16** of 2016 (Italian version)\nThe protection of university designations by cantonal law must comply with the Higher Education Promotion and Coordination Act.\nArt. 29 HEPCA provides that higher education institutions receive the right to use the corresponding designation with institutional accreditation.\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007\nThe constitutionality of degressive cantonal tax rates must be examined.\nLegitimation to challenge tax rates with constitutional appeal must be given.\n\n> «Inadmissibility of limiting the review to pure arbitrariness in the tax burden on natural persons through degressive rates.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_49", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 50, "article_suffix": "", "title": "Art. 50 BV", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 50 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 50 BV regelt das Verhältnis zwischen Bund und Gemeinden in der Schweiz. Die Bestimmung ist seit dem 1. Januar 2000 in Kraft und brachte erstmals eine ausdrückliche verfassungsrechtliche Erwähnung der Gemeinden (BBl 1997 I 1, 203 f.). Sie tut drei Dinge: Sie garantiert die Gemeindeautonomie, verpflichtet den Bund zur Beachtung der Auswirkungen seines Handelns auf die Gemeinden und verlangt besondere Rücksichtnahme auf Städte, Agglomerationen und Berggebiete.\n\n**Gemeindeautonomie** bedeutet, dass Gemeinden in bestimmten Bereichen selbständig entscheiden können. Das kantonale Recht bestimmt, wo die Gemeinden autonom sind. Typische Bereiche sind Baubewilligungen, Einbürgerungen oder die örtliche Verkehrsorganisation. Beispiel: Eine Gemeinde kann selbst entscheiden, ob sie einem Baugesuch für ein Einfamilienhaus zustimmt, solange sie die kantonalen und eidgenössischen Gesetze beachtet.\n\nDie Bundesgarantie war in der Lehre umstritten. Während Saladin die Gemeindeautonomie bereits unter der alten Verfassung als Grundsatz ansah, hielt die herrschende Lehre sie nur für ein kantonales Institut (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6). Heute besteht Streit darüber, ob Art. 50 Abs. 1 BV nur deklaratorische Bedeutung hat oder den Schutz verstärkt (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**Beachtungspflicht** bedeutet: Der Bund muss bei Gesetzen und anderen Massnahmen überlegen, wie sich diese auf die Gemeinden auswirken. Beispiel: Beim Erlass eines neuen Umweltgesetzes muss der Bund prüfen, welche Kosten und Aufgaben dadurch auf die Gemeinden zukommen.\n\n**Besondere Rücksichtnahme** geht weiter als blosse Beachtung. Städte, Agglomerationen und Berggebiete haben spezielle Probleme: Städte kämpfen mit Verkehr und Lärm, Berggebiete mit Abwanderung und schwieriger Infrastruktur. Der Bund muss diese Herausforderungen bei seinem Handeln aktiv berücksichtigen.\n\nDie Rechte der Gemeinden können vor Bundesgericht eingeklagt werden. Das Bundesgericht prüft aber nur, ob die kantonalen oder Bundesbehörden willkürlich gehandelt haben. Die Rechtsprechung zeigt: Gemeindeautonomie schützt besonders in der Raumplanung (**BGE 136 I 265**), beim Einbürgerungsrecht (**BGE 139 I 169**) und im öffentlichen Beschaffungswesen (**BGE 143 II 553**).", "doctrine_de": "# Art. 50 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Gemeindeautonomie gehört zu den traditionellen Grundpfeilern des schweizerischen Staatsaufbaus. Unter der **BV 1848 und BV 1874** fand sie jedoch keinen expliziten Niederschlag im Verfassungstext. Das Bundesgericht entwickelte die Rechtsfigur der Gemeindeautonomie praxisorientiert im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 2** In der Lehre war die verfassungsrechtliche Verankerung umstritten: Saladin wollte die Gemeindeautonomie als Grundsatz der BV 1874 anerkennen, zumal es sich um ein Konstitutivum der schweizerischen Demokratie handle. Die h.L. und das Bundesgericht hielten dagegen fest, dass das Autonomierecht aufgrund der kantonalen Garantien entwickelt worden war und einzig Schutz gegen kantonale Akte vermittelte (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 3** Die Totalrevision der Bundesverfassung brachte mit Art. 50 BV die erste ausdrückliche bundesverfassungsrechtliche Erwähnung der Gemeinden. Die Bestimmung war in der parlamentarischen Beratung weitgehend unbestritten (BBl 1997 I 1, 203 f.). Die Aufnahme erfolgte im Bewusstsein der grossen Bedeutung der Gemeinden für das schweizerische Staatswesen, ohne jedoch deren rechtliche Stellung grundlegend zu verändern.\n\n**N. 4** Die **Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung** vom 15. Oktober 1985 (SR 0.102) prägte die Diskussion massgeblich. Die Schweiz ratifizierte die Charta am 17. Februar 2005. Art. 50 BV geht in seiner Schutzwirkung über die Minimalgarantien der Charta hinaus (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10; Buschor, ZBl 1983, 97 ff.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 5** Art. 50 BV steht systematisch am Übergang zwischen dem 2. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden) und dem 3. Titel (Bund) der Verfassung. Diese Stellung unterstreicht die Doppelfunktion der Norm: Sie anerkennt die Gemeinden als dritte Staatsebene und verpflichtet gleichzeitig den Bund zur Rücksichtnahme.\n\n**N. 6** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 1 BV (Bundesstaat als Zusammenschluss von Kantonen)\n- → Art. 3 BV (kantonale Souveränität und Restkompetenz)\n- → Art. 5 Abs. 4 BV (Rücksichtnahmegebot)\n- ↔ Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone)\n- → Art. 49 Abs. 2 BV (Vorrang des Bundesrechts)\n- → Art. 51 Abs. 2 BV (kantonale Verfassungen)\n- → Art. 189 Abs. 1 lit. e BV (Rechtsweggarantie)\n\n**N. 7** Als institutionelle Garantie ergänzt Art. 50 BV die Grundrechte (Art. 7-36 BV), unterscheidet sich aber fundamental von diesen: Während Grundrechte subjektive Rechte Einzelner sind, schützt die Gemeindeautonomie eine objektive Rechtsstellung (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Bundesgarantie der Gemeindeautonomie (Abs. 1)\n\n**N. 8** Die Gemeindeautonomie wird «nach Massgabe des kantonalen Rechts» gewährleistet. Ein Teil der Lehre misst dieser Norm nur deklaratorische Bedeutung zu: Die Gemeindeautonomie sei ein Institut des kantonalen Rechts, das im kantonal definierten Umfang durch das Bundesgericht geschützt werde (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 9** Nach Meyer stellt Art. 50 BV jedoch gegenüber der BV 1848 eine Neuerung dar und bringt zum Ausdruck, dass die Gemeinden das Wesen des schweizerischen föderalen Staats in unverzichtbarer Weise prägen (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). Die Bundesgarantie hat sowohl programmatische als auch justiziable Elemente (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 14-26).\n\n**N. 10** Das Bundesgericht definiert Gemeindeautonomie konstant: Gemeinden sind in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine «relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit» einräumt (**BGE 145 I 52** E. 3.1; **BGE 139 I 169** E. 6.1).\n\n**N. 11** Die Autonomie kann sich erstrecken auf:\n- Rechtsetzungsautonomie (Erlass kommunaler Reglemente)\n- Organisationsautonomie (Ausgestaltung der Behördenstruktur)\n- Verwaltungsautonomie (Vollzug in eigener Verantwortung)\n- Finanzautonomie (Steuerhoheit, Budgetrecht)\n- Planungsautonomie (Nutzungsplanung)\n\n#### 3.2 Beachtung der Auswirkungen auf die Gemeinden (Abs. 2)\n\n**N. 12** Der Bund muss bei seinem Handeln die «möglichen Auswirkungen» auf die Gemeinden beachten. Diese Pflicht konkretisiert das allgemeine Rücksichtnahmegebot nach Art. 5 Abs. 4 BV (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33-35).\n\n**N. 13** Die Beachtungspflicht umfasst:\n- Gesetzgebung: Folgenabschätzung für Gemeinden\n- Vollzug: Berücksichtigung kommunaler Gegebenheiten\n- Planung: Einbezug der Gemeinden\n\n**N. 14** Im Unterschied zu Abs. 3 verlangt Abs. 2 keine besondere Rücksichtnahme, sondern lediglich die Kenntnisnahme und Berücksichtigung der Auswirkungen (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 36-40).\n\n#### 3.3 Besondere Rücksichtnahme (Abs. 3)\n\n**N. 15** Der Bund nimmt «Rücksicht» auf die besondere Situation von:\n- Städten\n- Agglomerationen\n- Berggebieten\n\n**N. 16** Diese qualifizierte Rücksichtnahmepflicht geht über die blosse Beachtung hinaus. Sie verlangt aktive Massnahmen zur Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen dieser Gemeindekategorien (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 41-43).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 17** Die Rechtsfolgen von Art. 50 BV sind differenziert zu betrachten:\n\n**N. 18** **Schutzwirkung (Abs. 1)**: Die Gemeindeautonomie ist mit staatsrechtlicher Beschwerde durchsetzbar (Art. 189 Abs. 1 lit. e BV). Das Bundesgericht prüft Verletzungen der Gemeindeautonomie mit eingeschränkter Kognition: Bei Rechts- und Ermessensfragen im autonomen Bereich ist nur Willkürkontrolle möglich (**BGE 145 I 52** E. 3.2).\n\n**N. 19** **Berücksichtigungspflichten (Abs. 2 und 3)**: Diese begründen keine subjektiven Rechte der Gemeinden. Sie sind primär Gesetzgebungs- und Vollzugsdirektiven an den Bund. Eine Verletzung kann aber im Rahmen der abstrakten Normenkontrolle gerügt werden.\n\n**N. 20** **Verhältnis zum kantonalen Recht**: Die Kantone bestimmen Bestand und Umfang der Gemeindeautonomie. Sie können:\n- Gemeinden zusammenschliessen, auch gegen deren Willen (**BGE 131 I 91**)\n- Aufgaben zentralisieren oder dezentralisieren\n- Die Autonomie erweitern oder einschränken\n\n**N. 21** **Schranken**: Die kantonale Gestaltungsfreiheit findet ihre Grenzen in:\n- Bundesrecht (Art. 49 BV)\n- Grundrechten (insb. Rechtsgleichheit, Willkürverbot)\n- Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV)\n- Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV)\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 22** **Rechtsnatur der Bundesgarantie**: Ein Teil der Lehre misst Art. 50 Abs. 1 BV nur deklaratorische Bedeutung zu (Kritiker bei Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). Meyer vertritt dagegen, die Norm habe konstitutive Bedeutung und verstärke den Schutz der Gemeindeautonomie (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 23** **Justiziabilität von Abs. 2 und 3**: Umstritten ist, inwieweit die Berücksichtigungspflichten gerichtlich durchsetzbar sind. Die h.L. sieht darin primär politische Handlungsanweisungen ohne direkte Einklagbarkeit (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33 ff.).\n\n**N. 24** **Verhältnis zur Europäischen Charta**: Kontrovers diskutiert wird, ob Art. 4 der Europäischen Charta (Umfang der kommunalen Selbstverwaltung) über Art. 50 BV hinausgehende Garantien enthält. Die Praxis tendiert zur Verneinung (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10).\n\n**N. 25** **Finanzautonomie**: Besonders umstritten ist der Umfang der kommunalen Finanzautonomie. Während Teile der Lehre einen verfassungsrechtlichen Mindeststandard fordern, betont die Praxis die kantonale Gestaltungsfreiheit (**BGE 144 I 81**).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 26** **Prüfungsschema bei Autonomieverletzungen**:\n1. Besteht im fraglichen Bereich nach kantonalem Recht Gemeindeautonomie?\n2. Greift der angefochtene Akt in den autonomen Bereich ein?\n3. Ist der Eingriff durch übergeordnetes Recht gerechtfertigt?\n4. Wurden die Schranken (Willkür, Verhältnismässigkeit) eingehalten?\n\n**N. 27** **Wichtige Autonomiebereiche** in der Praxis:\n- Nutzungsplanung und Baubewilligungen (**BGE 136 I 395**)\n- Einbürgerungen (**BGE 139 I 169**)\n- Öffentliches Beschaffungswesen (**BGE 143 II 553**)\n- Schul- und Bildungswesen (**BGE 141 I 36**)\n- Finanz- und Steuerwesen (**BGE 144 I 81**)\n\n**N. 28** **Verfahrensrechtliches**:\n- Beschwerdelegitimation: Nur die Gemeinde als solche, nicht einzelne Behörden\n- Beschwerdefrist: 30 Tage (Art. 100 Abs. 1 BGG)\n- Erschöpfung des Instanzenzugs: Kantonale Rechtsmittel müssen ausgeschöpft sein\n\n**N. 29** **Verhältnis zu anderen Rügen**: Die Verletzung der Gemeindeautonomie kann oft zusammen mit anderen Verfassungsrügen erhoben werden (Willkür, Rechtsgleichheit, Verhältnismässigkeit). Die spezifische Autonomierüge hat aber eigenständige Bedeutung wegen der eingeschränkten Kognition des Bundesgerichts.", "caselaw_de": "# Art. 50 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundlagen der Gemeindeautonomie\n\n**BGE 131 I 91** vom 19. Januar 2005 — Zwangsfusion von Gemeinden\nWegweisendes Urteil zur Rechtsnatur der Gemeindeautonomie nach der neuen Bundesverfassung. Das Bundesgericht stellt die Kompetenz der Kantone zur Anordnung von Zwangsfusionen fest, unterwirft diese aber verfassungsrechtlichen Schranken.\n\n> «Art. 50 Abs. 1 BV gewährleistet die Gemeindeautonomie nunmehr ausdrücklich nach Massgabe des kantonalen Rechts. Auch unter dem Geltungsbereich der neuen Bundesverfassung bleibt es Sache der Kantone zu bestimmen, ob und in welchem Umfang den Gemeinden Autonomie eingeräumt wird.»\n\n**BGE 128 I 3** vom 13. November 2001 — Plakatmonopol auf privatem Grund\nGrundsatzurteil zur Prüfungsdichte und zum Verhältnis zwischen Gemeindeautonomie und Grundrechten. Erste bedeutende Anwendung von Art. 50 BV in der Rechtsprechung.\n\n> «Nach der Rechtsprechung sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt.»\n\n### Raumplanungsrecht und Mitwirkungsrechte\n\n**BGE 136 I 265** vom 27. August 2010 — Mitwirkung im Richtplanverfahren\nZentrale Entscheidung zu den Mitwirkungsrechten der Gemeinden bei der kantonalen Richtplanung. Das Bundesgericht stärkt die prozeduralen Rechte der Gemeinden gegenüber dem Kanton.\n\n> «Anspruch der Gemeinden auf Anhörung und Mitwirkung im Richtplanverfahren: Der Kantonsrat verletzte das Mitwirkungsrecht der Gemeinde, weil er ihren Einwand nicht prüfte.»\n\n**BGE 147 I 433** vom 21. Dezember 2021 — Abfall- und Deponieplanung\nBestätigung der Mitwirkungsrechte der Gemeinden bei raumwirksamen kantonalen Planungen. Das Urteil erweitert die Rechtsprechung zu Art. 50 Abs. 2 BV bezüglich der Berücksichtigungspflicht des Bundes.\n\n> «Die Abfall- und Deponieplanung ist ein Bereich, in dem die Kantone im Rahmen ihrer Planungshoheit tätig werden. Dabei haben sie die Mitwirkungsrechte der Gemeinden zu beachten.»\n\n**BGE 146 I 36** vom 19. Februar 2020 — Fortschreibung des Richtplans\nDas Bundesgericht präzisiert die Voraussetzungen für die Anfechtung kantonaler Richtplanänderungen durch Gemeinden und stärkt deren Autonomie im Planungsbereich.\n\n> «Gemeindeautonomie im Zusammenhang mit der Fortschreibung eines Richtplans: Anfechtbarkeit von kantonalen richtplanerischen Massnahmen beim Bundesgericht durch betroffene Gemeinden.»\n\n### Einbürgerungsrecht\n\n**BGE 139 I 169** vom 13. Mai 2013 — Einbürgerung einer geistig Behinderten\nWegweisende Entscheidung zu den Grenzen der Gemeindeautonomie im Einbürgerungsrecht. Das Bundesgericht stellt klar, dass die Gemeindeautonomie nicht zur Diskriminierung berechtigt.\n\n> «Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt.»\n\n**BGE 137 I 235** vom 13. April 2011 — Sprachkenntnisse und Integration\nDas Bundesgericht bestätigt die Autonomie der Gemeinden bei der Beurteilung von Einbürgerungsgesuchen, setzt aber verfassungsrechtliche Grenzen.\n\n> «Das kantonale Gericht, das ablehnende Entscheide über Einbürgerungen beurteilt, hat eine freie Überprüfung des Sachverhalts und der Rechtsanwendung vorzunehmen.»\n\n**BGE 138 I 242** vom 12. Juni 2012 — Lokale Integration bei Einbürgerungen\nBestätigung des weiten Ermessensspielraums der kommunalen Behörden bei der Beurteilung der Integration von Einbürgerungskandidaten.\n\n> «Den kommunalen Bürgerversammlungen kommt ein weiter Ermessensspielraum zu und von einer gesuchstellenden Person kann eine 'gewisse lokale Integration' verlangt werden.»\n\n### Öffentliches Beschaffungswesen\n\n**BGE 138 I 143** vom 25. Januar 2012 — Public Voting als Zuschlagskriterium\nGrundsatzentscheid zur Autonomie der Gemeinden im Beschaffungswesen. Das Bundesgericht anerkennt innovative Verfahren als Ausdruck der Gemeindeautonomie.\n\n> «Es verletzt die Gemeindeautonomie, wenn die kantonale Rechtsmittelinstanz das Zuschlagskriterium 'Public Voting' für grundsätzlich unzulässig erklärt.»\n\n**BGE 143 II 553** vom 8. November 2017 — Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Preis»\nDas Bundesgericht bekräftigt die Autonomie der Gemeinden bei der Festlegung von Zuschlagskriterien im öffentlichen Beschaffungswesen.\n\n> «Die Gemeinden des Kantons unterstehen grundsätzlich dem kantonalen Vergaberecht, verfügen aber im Rahmen der Gemeindeautonomie über einen gewissen Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung.»\n\n**BGE 143 II 120** vom 21. März 2017 — Verleihung eines Gemeindemonopols\nBestätigung der Kompetenz der Gemeinden zur Verleihung von Monopolrechten an private Unternehmen als Ausdruck ihrer Autonomie.\n\n> «Verfahren über die Verleihung eines Monopolrechts: Die Gemeinden verfügen über Autonomie bei der Ausgestaltung solcher Verfahren.»\n\n### Bau- und Planungsrecht\n\n**BGE 145 I 52** vom 5. September 2018 — Ästhetikregelung und Beurteilungsspielraum\nWegweisende Entscheidung zu den Grenzen der kantonalen Überprüfung kommunaler Einordnungsentscheide. Das Bundesgericht stärkt die Gemeindeautonomie gegenüber kantonalen Rekursinstanzen.\n\n> «Das Baurekursgericht kann einen Einordnungsentscheid der kommunalen Baubehörde nur aufheben, wenn diese den durch die Gemeindeautonomie gewährleisteten Beurteilungs- und Ermessensspielraum überschritten hat.»\n\n**BGE 136 I 395** vom 6. September 2010 — Auslegung von Zonenvorschriften\nDas Bundesgericht bestätigt die Autonomie der Gemeinden bei der Auslegung kantonalrechtlicher Begriffe im Baurecht.\n\n> «Autonomie der Gemeinde bei der Auslegung des kantonalrechtlichen Begriffs des mässig störenden Betriebs: Die Gemeinde verfügt über einen erheblichen Spielraum.»\n\n### Besondere Bereiche\n\n**BGE 144 I 81** vom 22. März 2018 — Grundstückgewinnsteuer und Finanzautonomie\nDas Bundesgericht prüft die Auswirkungen kantonaler Gesetzesänderungen auf die Gemeindefinanzen im Lichte von Art. 50 BV.\n\n> «Geltendmachung der Verletzung der Gemeindeautonomie: Aufhebung einer Norm, die den Gemeinden das Recht auf einen Teil der Einnahmen aus der Grundstückgewinnsteuer gewährte.»\n\n**BGE 141 I 36** vom 21. März 2014 — Schulsprache in Graubünden\nAnwendung von Art. 50 BV im Bildungsbereich. Das Bundesgericht stärkt die Autonomie der Gemeinden bei sprachpolitischen Entscheidungen.\n\n> «Art. 50 Abs. 1 BV garantiert die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts: Schulsprache als Bereich der Gemeindeautonomie.»\n\n**BGE 145 I 121** vom 19. Februar 2018 — Landeskirchenrecht und Beiträge\nDas Bundesgericht wendet Art. 50 BV auf kirchenrechtliche Fragen an und bestätigt die Autonomie der Gemeinden in religiösen Angelegenheiten.\n\n> «Die Glaubensfreiheit und das Landeskirchenrecht sind durch bedingte Beiträge an Beratungsstellen nicht verletzt, wenn die Gemeindeautonomie respektiert wird.»\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\n**BGE 129 I 410** vom 20. November 2003 — Submissionsrecht in Graubünden\nFrühe Anwendung von Art. 50 BV auf das Vergaberecht. Das Bundesgericht anerkennt die Autonomie der bündnerischen Gemeinden im Submissionsverfahren.\n\n> «Autonomie der bündnerischen Gemeinden im Submissionsverfahren: Der Zuschlag begründet keine Kontraktspflicht, sondern lediglich eine Berechtigung zum Vertragsabschluss.»\n\n**BGE 126 I 133** vom 7. Juni 2000 — Religionsfreiheit und Sondernutzung\nAnwendung der alten Rechtslage auf die Nutzung öffentlichen Grundes durch religiöse Organisationen unter Berücksichtigung der damaligen Gemeindeautonomie.\n\n> «Gemeindeautonomie und Prüfungsdichte: Wer entgeltliche Leistungen vertreiben will, muss religiöse Zwecke gegenüber dem Publikum klar zu erkennen geben.»", "summary_fr": "# Art. 50 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 50 Cst. règle les rapports entre la Confédération et les communes en Suisse. Cette disposition est en vigueur depuis le 1er janvier 2000 et a introduit pour la première fois une mention constitutionnelle expresse des communes (FF 1997 I 1, 169 s.). Elle fait trois choses : elle garantit l'autonomie communale, oblige la Confédération à tenir compte des effets de ses actes sur les communes et exige une prise en considération particulière des villes, agglomérations et régions de montagne.\n\n**L'autonomie communale** signifie que les communes peuvent décider de manière autonome dans certains domaines. Le droit cantonal détermine dans quels domaines les communes sont autonomes. Les domaines typiques sont les autorisations de construire, les naturalisations ou l'organisation du trafic local. Exemple : une commune peut décider elle-même si elle accorde un permis de construire pour une maison individuelle, pour autant qu'elle respecte les lois cantonales et fédérales.\n\nLa garantie fédérale était controversée en doctrine. Alors que Saladin considérait déjà l'autonomie communale sous l'ancienne constitution comme un principe, la doctrine dominante n'y voyait qu'un institut cantonal (Meyer, BSK BV, art. 50 N. 6). Aujourd'hui, il y a controverse sur la question de savoir si l'art. 50 al. 1 Cst. n'a qu'une signification déclaratoire ou s'il renforce la protection (Meyer, BSK BV, art. 50 N. 11).\n\n**L'obligation de prise en compte** signifie : la Confédération doit, lors de l'adoption de lois et d'autres mesures, réfléchir aux effets de celles-ci sur les communes. Exemple : lors de l'adoption d'une nouvelle loi sur l'environnement, la Confédération doit examiner quels coûts et quelles tâches en résulteront pour les communes.\n\n**La prise en considération particulière** va plus loin que la simple prise en compte. Les villes, agglomérations et régions de montagne ont des problèmes spécifiques : les villes luttent contre le trafic et le bruit, les régions de montagne contre l'exode rural et les difficultés d'infrastructure. La Confédération doit activement tenir compte de ces défis dans ses actes.\n\nLes droits des communes peuvent être revendiqués devant le Tribunal fédéral. Le Tribunal fédéral examine toutefois seulement si les autorités cantonales ou fédérales ont agi de manière arbitraire. La jurisprudence montre : l'autonomie communale protège particulièrement en matière d'aménagement du territoire (**BGE 136 I 265**), en droit de naturalisation (**BGE 139 I 169**) et dans les marchés publics (**BGE 143 II 553**).", "doctrine_fr": "# Art. 50 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'autonomie communale fait partie des piliers traditionnels fondamentaux de la structure étatique suisse. Sous la **Cst. 1848 et la Cst. 1874**, elle ne trouvait toutefois aucune expression explicite dans le texte constitutionnel. Le Tribunal fédéral a développé la figure juridique de l'autonomie communale de manière orientée vers la pratique dans le cadre du recours de droit public (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 2** Dans la doctrine, l'ancrage constitutionnel était controversé : Saladin voulait reconnaître l'autonomie communale comme principe de la Cst. 1874, dans la mesure où il s'agissait d'un élément constitutif de la démocratie suisse. La doctrine dominante et le Tribunal fédéral ont maintenu en revanche que le droit d'autonomie avait été développé sur la base des garanties cantonales et ne procurait une protection que contre les actes cantonaux (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 3** La révision totale de la Constitution fédérale a apporté avec l'art. 50 Cst. la première mention explicite des communes au niveau du droit constitutionnel fédéral. Cette disposition a été largement incontestée lors des délibérations parlementaires (FF 1997 I 1, 203 ss). L'inclusion s'est faite dans la conscience de la grande importance des communes pour l'État suisse, sans toutefois modifier fondamentalement leur situation juridique.\n\n**N. 4** La **Charte européenne de l'autonomie locale** du 15 octobre 1985 (RS 0.102) a influencé de manière déterminante la discussion. La Suisse a ratifié la Charte le 17 février 2005. L'art. 50 Cst. va au-delà des garanties minimales de la Charte dans son effet protecteur (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10 ; Buschor, ZBl 1983, 97 ss).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 5** L'art. 50 Cst. se situe systématiquement à la transition entre le 2e titre (Confédération, cantons et communes) et le 3e titre (Confédération) de la Constitution. Cette position souligne la double fonction de la norme : Elle reconnaît les communes comme troisième niveau étatique et oblige simultanément la Confédération à prendre des égards.\n\n**N. 6** La disposition est en relation étroite avec :\n- → Art. 1 Cst. (État fédéral comme union de cantons)\n- → Art. 3 Cst. (souveraineté cantonale et compétence résiduelle)\n- → Art. 5 al. 4 Cst. (obligation de ménagement)\n- ↔ Art. 47 Cst. (autonomie des cantons)\n- → Art. 49 al. 2 Cst. (primauté du droit fédéral)\n- → Art. 51 al. 2 Cst. (constitutions cantonales)\n- → Art. 189 al. 1 let. e Cst. (garantie de la voie de droit)\n\n**N. 7** En tant que garantie institutionnelle, l'art. 50 Cst. complète les droits fondamentaux (art. 7-36 Cst.), mais s'en distingue fondamentalement : Tandis que les droits fondamentaux sont des droits subjectifs d'individus, l'autonomie communale protège une situation juridique objective (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### 3.1 Garantie fédérale de l'autonomie communale (al. 1)\n\n**N. 8** L'autonomie communale est garantie « dans les limites fixées par le droit cantonal ». Une partie de la doctrine n'attribue à cette norme qu'une signification déclaratoire : L'autonomie communale serait un institut du droit cantonal qui est protégé par le Tribunal fédéral dans l'étendue définie cantonalement (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 9** Selon Meyer, l'art. 50 Cst. représente toutefois une innovation par rapport à la Cst. 1848 et exprime que les communes façonnent de manière indispensable l'essence de l'État fédéral suisse (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). La garantie fédérale comporte des éléments tant programmatiques que justiciables (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 14-26).\n\n**N. 10** Le Tribunal fédéral définit l'autonomie communale de manière constante : Les communes sont autonomes dans un domaine lorsque le droit cantonal ne l'ordonne pas de manière exhaustive, mais le laisse entièrement ou partiellement à la commune pour qu'elle le règle et lui accorde ce faisant une « liberté de décision relativement considérable » (**ATF 145 I 52** c. 3.1 ; **ATF 139 I 169** c. 6.1).\n\n**N. 11** L'autonomie peut s'étendre à :\n- Autonomie législative (édiction de règlements communaux)\n- Autonomie d'organisation (aménagement de la structure des autorités)\n- Autonomie administrative (exécution sous sa propre responsabilité)\n- Autonomie financière (souveraineté fiscale, droit budgétaire)\n- Autonomie de planification (planification de l'affectation)\n\n#### 3.2 Prise en compte des répercussions sur les communes (al. 2)\n\n**N. 12** La Confédération doit, dans son action, tenir compte des « répercussions possibles » sur les communes. Cette obligation concrétise l'obligation générale de ménagement selon l'art. 5 al. 4 Cst. (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33-35).\n\n**N. 13** L'obligation de prise en compte comprend :\n- Législation : Évaluation d'impact pour les communes\n- Exécution : Prise en compte des circonstances communales\n- Planification : Inclusion des communes\n\n**N. 14** Contrairement à l'al. 3, l'al. 2 n'exige pas de ménagement particulier, mais seulement la prise de connaissance et la prise en compte des répercussions (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 36-40).\n\n#### 3.3 Ménagement particulier (al. 3)\n\n**N. 15** La Confédération « ménage » la situation particulière :\n- Des villes\n- Des agglomérations\n- Des régions de montagne\n\n**N. 16** Cette obligation de ménagement qualifiée va au-delà de la simple prise en compte. Elle exige des mesures actives pour tenir compte des défis spécifiques de ces catégories de communes (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 41-43).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 17** Les conséquences juridiques de l'art. 50 Cst. doivent être considérées de manière différenciée :\n\n**N. 18** **Effet protecteur (al. 1)** : L'autonomie communale peut être mise en œuvre par un recours de droit public (art. 189 al. 1 let. e Cst.). Le Tribunal fédéral examine les violations de l'autonomie communale avec une cognition restreinte : En cas de questions de droit et de questions d'appréciation dans le domaine autonome, seul un contrôle de l'arbitraire est possible (**ATF 145 I 52** c. 3.2).\n\n**N. 19** **Obligations de prise en compte (al. 2 et 3)** : Celles-ci ne fondent pas de droits subjectifs des communes. Elles sont principalement des directives de législation et d'exécution à la Confédération. Une violation peut toutefois être invoquée dans le cadre du contrôle abstrait des normes.\n\n**N. 20** **Rapport au droit cantonal** : Les cantons déterminent l'existence et l'étendue de l'autonomie communale. Ils peuvent :\n- Fusionner des communes, même contre leur volonté (**ATF 131 I 91**)\n- Centraliser ou décentraliser des tâches\n- Élargir ou restreindre l'autonomie\n\n**N. 21** **Limites** : La liberté d'aménagement cantonale trouve ses limites dans :\n- Le droit fédéral (art. 49 Cst.)\n- Les droits fondamentaux (notamment l'égalité de traitement, l'interdiction de l'arbitraire)\n- Le principe de proportionnalité (art. 5 al. 2 Cst.)\n- La bonne foi (art. 5 al. 3 Cst.)\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 22** **Nature juridique de la garantie fédérale** : Une partie de la doctrine n'attribue à l'art. 50 al. 1 Cst. qu'une signification déclaratoire (critiques chez Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). Meyer soutient en revanche que la norme a une signification constitutive et renforce la protection de l'autonomie communale (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 23** **Justiciabilité des al. 2 et 3** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure les obligations de prise en compte sont juridictionnellement exécutoires. La doctrine dominante y voit principalement des instructions d'action politique sans opposabilité directe (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33 ss).\n\n**N. 24** **Rapport à la Charte européenne** : Il est discuté de manière controversée si l'art. 4 de la Charte européenne (étendue de l'autonomie locale) contient des garanties allant au-delà de l'art. 50 Cst. La pratique tend vers la négation (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10).\n\n**N. 25** **Autonomie financière** : L'étendue de l'autonomie financière communale est particulièrement controversée. Tandis que des parties de la doctrine exigent un standard minimal constitutionnel, la pratique souligne la liberté d'aménagement cantonale (**ATF 144 I 81**).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 26** **Schéma d'examen en cas de violations d'autonomie** :\n1. Existe-t-il une autonomie communale dans le domaine en question selon le droit cantonal ?\n2. L'acte attaqué porte-t-il atteinte au domaine autonome ?\n3. L'atteinte est-elle justifiée par un droit supérieur ?\n4. Les limites (arbitraire, proportionnalité) ont-elles été respectées ?\n\n**N. 27** **Domaines d'autonomie importants** dans la pratique :\n- Planification de l'affectation et autorisations de construire (**ATF 136 I 395**)\n- Naturalisations (**ATF 139 I 169**)\n- Marchés publics (**ATF 143 II 553**)\n- Système scolaire et éducatif (**ATF 141 I 36**)\n- Système financier et fiscal (**ATF 144 I 81**)\n\n**N. 28** **Aspects procéduraux** :\n- Qualité pour recourir : Seulement la commune en tant que telle, pas les autorités individuelles\n- Délai de recours : 30 jours (art. 100 al. 1 LTF)\n- Épuisement des instances : Les voies de droit cantonales doivent être épuisées\n\n**N. 29** **Rapport à d'autres griefs** : La violation de l'autonomie communale peut souvent être soulevée conjointement avec d'autres griefs constitutionnels (arbitraire, égalité de traitement, proportionnalité). Le grief spécifique d'autonomie a toutefois une signification autonome en raison de la cognition restreinte du Tribunal fédéral.", "caselaw_fr": "# Art. 50 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Fondements de l'autonomie communale\n\n**ATF 131 I 91** du 19 janvier 2005 — Fusion forcée de communes\nArrêt de principe sur la nature juridique de l'autonomie communale sous la nouvelle Constitution fédérale. Le Tribunal fédéral constate la compétence des cantons d'ordonner des fusions forcées, mais les soumet à des limites constitutionnelles.\n\n> «L'art. 50 al. 1 Cst. garantit désormais expressément l'autonomie communale selon le droit cantonal. Sous l'empire de la nouvelle Constitution fédérale également, il appartient aux cantons de déterminer si et dans quelle mesure une autonomie est accordée aux communes.»\n\n**ATF 128 I 3** du 13 novembre 2001 — Monopole d'affichage sur terrain privé\nArrêt de principe sur l'intensité du contrôle et le rapport entre autonomie communale et droits fondamentaux. Première application importante de l'art. 50 Cst. dans la jurisprudence.\n\n> «Selon la jurisprudence, les communes sont autonomes dans un domaine lorsque le droit cantonal ne le réglemente pas de manière exhaustive, mais le laisse entièrement ou partiellement à la commune pour qu'elle le règle et lui accorde ce faisant une liberté de décision relativement importante.»\n\n### Droit de l'aménagement du territoire et droits de participation\n\n**ATF 136 I 265** du 27 août 2010 — Participation dans la procédure de plan directeur\nDécision centrale sur les droits de participation des communes lors de la planification directrice cantonale. Le Tribunal fédéral renforce les droits procéduraux des communes face au canton.\n\n> «Droit des communes à être entendues et à participer dans la procédure de plan directeur : le Grand Conseil a violé le droit de participation de la commune parce qu'il n'a pas examiné son objection.»\n\n**ATF 147 I 433** du 21 décembre 2021 — Planification des déchets et des décharges\nConfirmation des droits de participation des communes lors de planifications cantonales ayant des effets sur l'organisation du territoire. L'arrêt étend la jurisprudence relative à l'art. 50 al. 2 Cst. concernant l'obligation de prise en considération de la Confédération.\n\n> «La planification des déchets et des décharges est un domaine dans lequel les cantons agissent dans le cadre de leur souveraineté en matière de planification. Ce faisant, ils doivent respecter les droits de participation des communes.»\n\n**ATF 146 I 36** du 19 février 2020 — Mise à jour du plan directeur\nLe Tribunal fédéral précise les conditions pour la contestation de modifications de plans directeurs cantonaux par les communes et renforce leur autonomie dans le domaine de la planification.\n\n> «Autonomie communale en rapport avec la mise à jour d'un plan directeur : possibilité de contester devant le Tribunal fédéral des mesures de planification directrice cantonales par les communes concernées.»\n\n### Droit de naturalisation\n\n**ATF 139 I 169** du 13 mai 2013 — Naturalisation d'une personne handicapée mentale\nDécision de principe sur les limites de l'autonomie communale dans le droit de naturalisation. Le Tribunal fédéral précise que l'autonomie communale ne donne pas le droit de discriminer.\n\n> «Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, les communes sont autonomes dans un domaine lorsque le droit cantonal ne le réglemente pas de manière exhaustive, mais le laisse entièrement ou partiellement à la commune pour qu'elle le règle et lui accorde ce faisant une liberté de décision relativement importante.»\n\n**ATF 137 I 235** du 13 avril 2011 — Connaissances linguistiques et intégration\nLe Tribunal fédéral confirme l'autonomie des communes dans l'appréciation des demandes de naturalisation, mais pose des limites constitutionnelles.\n\n> «Le tribunal cantonal qui juge des décisions de refus de naturalisation doit procéder à un libre examen des faits et de l'application du droit.»\n\n**ATF 138 I 242** du 12 juin 2012 — Intégration locale lors de naturalisations\nConfirmation de la large marge d'appréciation des autorités communales dans l'appréciation de l'intégration des candidats à la naturalisation.\n\n> «Les assemblées communales de bourgeoisie disposent d'une large marge d'appréciation et une 'certaine intégration locale' peut être exigée d'une personne requérante.»\n\n### Marchés publics\n\n**ATF 138 I 143** du 25 janvier 2012 — Public Voting comme critère d'adjudication\nArrêt de principe sur l'autonomie des communes dans les marchés publics. Le Tribunal fédéral reconnaît les procédures innovantes comme expression de l'autonomie communale.\n\n> «Il viole l'autonomie communale si l'instance de recours cantonale déclare le critère d'adjudication 'Public Voting' comme fondamentalement inadmissible.»\n\n**ATF 143 II 553** du 8 novembre 2017 — Pondération du critère d'adjudication «prix»\nLe Tribunal fédéral confirme l'autonomie des communes dans la fixation des critères d'adjudication dans les marchés publics.\n\n> «Les communes du canton sont en principe soumises au droit cantonal des marchés publics, mais disposent dans le cadre de l'autonomie communale d'une certaine marge de manœuvre dans l'aménagement concret.»\n\n**ATF 143 II 120** du 21 mars 2017 — Octroi d'un monopole communal\nConfirmation de la compétence des communes d'octroyer des droits de monopole à des entreprises privées comme expression de leur autonomie.\n\n> «Procédure pour l'octroi d'un droit de monopole : les communes disposent d'autonomie dans l'aménagement de telles procédures.»\n\n### Droit de la construction et de l'aménagement\n\n**ATF 145 I 52** du 5 septembre 2018 — Réglementation esthétique et marge d'appréciation\nDécision de principe sur les limites du contrôle cantonal des décisions communales de classement. Le Tribunal fédéral renforce l'autonomie communale face aux instances de recours cantonales.\n\n> «Le tribunal de recours en matière de constructions ne peut annuler une décision de classement de l'autorité communale de construction que si celle-ci a dépassé la marge d'appréciation et de pouvoir discrétionnaire garantie par l'autonomie communale.»\n\n**ATF 136 I 395** du 6 septembre 2010 — Interprétation de prescriptions de zones\nLe Tribunal fédéral confirme l'autonomie des communes dans l'interprétation de notions de droit cantonal en matière de construction.\n\n> «Autonomie de la commune dans l'interprétation de la notion de droit cantonal d'exploitation moyennement dérangeante : la commune dispose d'une marge de manœuvre considérable.»\n\n### Domaines particuliers\n\n**ATF 144 I 81** du 22 mars 2018 — Impôt sur les gains immobiliers et autonomie financière\nLe Tribunal fédéral examine les effets de modifications de lois cantonales sur les finances communales à la lumière de l'art. 50 Cst.\n\n> «Allégation de violation de l'autonomie communale : abrogation d'une norme qui accordait aux communes le droit à une partie des recettes de l'impôt sur les gains immobiliers.»\n\n**ATF 141 I 36** du 21 mars 2014 — Langue scolaire aux Grisons\nApplication de l'art. 50 Cst. dans le domaine de l'éducation. Le Tribunal fédéral renforce l'autonomie des communes dans les décisions de politique linguistique.\n\n> «L'art. 50 al. 1 Cst. garantit l'autonomie communale selon le droit cantonal : la langue scolaire comme domaine de l'autonomie communale.»\n\n**ATF 145 I 121** du 19 février 2018 — Droit des Églises nationales et contributions\nLe Tribunal fédéral applique l'art. 50 Cst. aux questions de droit ecclésiastique et confirme l'autonomie des communes en matière religieuse.\n\n> «La liberté de croyance et le droit des Églises nationales ne sont pas violés par des contributions conditionnelles à des centres de conseil si l'autonomie communale est respectée.»\n\n### Développements récents\n\n**ATF 129 I 410** du 20 novembre 2003 — Droit des soumissions aux Grisons\nApplication précoce de l'art. 50 Cst. au droit des marchés publics. Le Tribunal fédéral reconnaît l'autonomie des communes grisonnes dans la procédure de soumission.\n\n> «Autonomie des communes grisonnes dans la procédure de soumission : l'adjudication ne fonde aucune obligation contractuelle, mais seulement un droit à la conclusion du contrat.»\n\n**ATF 126 I 133** du 7 juin 2000 — Liberté religieuse et usage spécial\nApplication de l'ancien droit à l'utilisation du domaine public par des organisations religieuses en tenant compte de l'autonomie communale d'alors.\n\n> «Autonomie communale et intensité du contrôle : qui veut distribuer des prestations payantes doit clairement faire reconnaître ses buts religieux au public.»", "summary_it": "# Art. 50 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 50 Cost. disciplina il rapporto tra Confederazione e Comuni in Svizzera. La disposizione è in vigore dal 1° gennaio 2000 e ha introdotto per la prima volta una menzione costituzionale esplicita dei Comuni (FF 1997 I 1, 203 sg.). La norma ha tre scopi: garantisce l'autonomia comunale, obbliga la Confederazione a considerare gli effetti del proprio operato sui Comuni e richiede un'attenzione particolare per le città, gli agglomerati e le regioni di montagna.\n\n**Autonomia comunale** significa che i Comuni possono decidere autonomamente in determinati ambiti. Il diritto cantonale stabilisce i settori in cui i Comuni sono autonomi. Ambiti tipici sono le autorizzazioni edilizie, le naturalizzazioni o l'organizzazione del traffico locale. Esempio: un Comune può decidere autonomamente se approvare una domanda di costruzione per una casa unifamiliare, purché rispetti le leggi cantonali e federali.\n\nLa garanzia federale era controversa in dottrina. Mentre Saladin considerava l'autonomia comunale già sotto la vecchia Costituzione come un principio, la dottrina dominante la riteneva solo un istituto cantonale (Meyer, BSK BV, art. 50 n. 6). Oggi sussiste controversia sul fatto che l'art. 50 cpv. 1 Cost. abbia solo significato dichiarativo o rafforzi la protezione (Meyer, BSK BV, art. 50 n. 11).\n\n**Obbligo di considerazione** significa: la Confederazione deve valutare, nell'emanazione di leggi e altre misure, come queste si ripercuotano sui Comuni. Esempio: nell'emanazione di una nuova legge ambientale, la Confederazione deve verificare quali costi e compiti ne derivino per i Comuni.\n\n**Attenzione particolare** va oltre la mera considerazione. Le città, gli agglomerati e le regioni di montagna hanno problemi specifici: le città lottano contro il traffico e il rumore, le regioni di montagna contro l'emigrazione e le difficoltà infrastrutturali. La Confederazione deve considerare attivamente queste sfide nel proprio operato.\n\nI diritti dei Comuni possono essere fatti valere davanti al Tribunale federale. Il Tribunale federale verifica però solo se le autorità cantonali o federali hanno agito arbitrariamente. La giurisprudenza mostra: l'autonomia comunale protegge particolarmente nella pianificazione del territorio (**BGE 136 I 265**), nel diritto di cittadinanza (**BGE 139 I 169**) e negli appalti pubblici (**BGE 143 II 553**).", "doctrine_it": "# Art. 50 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'autonomia comunale appartiene ai pilastri tradizionali fondamentali dell'ordinamento statale svizzero. Sotto la **Cost. 1848 e Cost. 1874** tuttavia non trovò alcuna menzione esplicita nel testo costituzionale. Il Tribunale federale sviluppò la figura giuridica dell'autonomia comunale in modo orientato alla prassi nel quadro del ricorso di diritto pubblico (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 2** Nella dottrina l'ancoraggio costituzionale era controverso: Saladin voleva riconoscere l'autonomia comunale come principio della Cost. 1874, tanto più trattandosi di un elemento costitutivo della democrazia svizzera. La dottrina dominante e il Tribunale federale sostenevano invece che il diritto all'autonomia era stato sviluppato sulla base delle garanzie cantonali e forniva protezione unicamente contro atti cantonali (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 3** La revisione totale della Costituzione federale portò con l'art. 50 Cost. la prima menzione esplicita dei Comuni a livello costituzionale federale. La disposizione fu largamente incontestata nella deliberazione parlamentare (FF 1997 I 1, 203 s.). L'inserimento avvenne nella consapevolezza della grande importanza dei Comuni per l'ordinamento statale svizzero, senza tuttavia modificare fondamentalmente la loro posizione giuridica.\n\n**N. 4** La **Carta europea dell'autonomia locale** del 15 ottobre 1985 (RS 0.102) caratterizzò in modo determinante la discussione. La Svizzera ratificò la Carta il 17 febbraio 2005. L'art. 50 Cost. va oltre le garanzie minimali della Carta nel suo effetto protettivo (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10; Buschor, ZBl 1983, 97 ss.).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 5** L'art. 50 Cost. si colloca sistematicamente al passaggio tra il 2° Titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni) e il 3° Titolo (Confederazione) della Costituzione. Questa posizione sottolinea la doppia funzione della norma: riconosce i Comuni come terzo livello statale e al tempo stesso obbliga la Confederazione al riguardo.\n\n**N. 6** La disposizione è in stretto rapporto con:\n- → Art. 1 Cost. (Stato federale come unione di Cantoni)\n- → Art. 3 Cost. (sovranità cantonale e competenza residua)\n- → Art. 5 cpv. 4 Cost. (obbligo di riguardo)\n- ↔ Art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni)\n- → Art. 49 cpv. 2 Cost. (primato del diritto federale)\n- → Art. 51 cpv. 2 Cost. (costituzioni cantonali)\n- → Art. 189 cpv. 1 lett. e Cost. (garanzia della via giuridica)\n\n**N. 7** Come garanzia istituzionale l'art. 50 Cost. completa i diritti fondamentali (art. 7-36 Cost.), ma si distingue fondamentalmente da questi: mentre i diritti fondamentali sono diritti soggettivi di singoli, l'autonomia comunale protegge una posizione giuridica oggettiva (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### 3.1 Garanzia federale dell'autonomia comunale (cpv. 1)\n\n**N. 8** L'autonomia comunale è garantita «secondo il diritto cantonale». Una parte della dottrina attribuisce a questa norma solo significato dichiarativo: l'autonomia comunale sarebbe un istituto del diritto cantonale, che nel campo definito cantonalmente è protetto dal Tribunale federale (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 9** Secondo Meyer l'art. 50 Cost. rappresenta tuttavia una novità rispetto alla Cost. 1848 ed esprime che i Comuni caratterizzano in modo indispensabile l'essenza dello Stato federale svizzero (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). La garanzia federale ha elementi sia programmatici che giustiziabili (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 14-26).\n\n**N. 10** Il Tribunale federale definisce costantemente l'autonomia comunale: i Comuni sono autonomi in un settore quando il diritto cantonale non lo disciplina esaustivamente, ma lo lascia in tutto o in parte alla disciplina del Comune e gli concede una «libertà di decisione relativamente considerevole» (**DTF 145 I 52** consid. 3.1; **DTF 139 I 169** consid. 6.1).\n\n**N. 11** L'autonomia può estendersi a:\n- Autonomia nella legislazione (emanazione di regolamenti comunali)\n- Autonomia nell'organizzazione (configurazione della struttura delle autorità)\n- Autonomia nell'amministrazione (esecuzione sotto propria responsabilità)\n- Autonomia finanziaria (sovranità fiscale, diritto di bilancio)\n- Autonomia nella pianificazione (pianificazione dell'utilizzazione)\n\n#### 3.2 Rispetto delle ripercussioni sui Comuni (cpv. 2)\n\n**N. 12** La Confederazione deve rispettare nel suo operare le «possibili ripercussioni» sui Comuni. Questo dovere concretizza l'obbligo generale di riguardo secondo l'art. 5 cpv. 4 Cost. (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33-35).\n\n**N. 13** L'obbligo di rispetto comprende:\n- Legislazione: valutazione delle conseguenze per i Comuni\n- Esecuzione: considerazione delle condizioni comunali\n- Pianificazione: coinvolgimento dei Comuni\n\n**N. 14** A differenza del cpv. 3, il cpv. 2 non richiede un riguardo particolare, ma soltanto la presa di conoscenza e la considerazione delle ripercussioni (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 36-40).\n\n#### 3.3 Particolare riguardo (cpv. 3)\n\n**N. 15** La Confederazione «tiene conto» della situazione particolare di:\n- Città\n- Agglomerazioni\n- Regioni di montagna\n\n**N. 16** Questo obbligo di riguardo qualificato va oltre il semplice rispetto. Richiede misure attive per la considerazione delle sfide specifiche di queste categorie di Comuni (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 41-43).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 17** Le conseguenze giuridiche dell'art. 50 Cost. devono essere considerate in modo differenziato:\n\n**N. 18** **Effetto protettivo (cpv. 1)**: L'autonomia comunale è azionabile con ricorso di diritto pubblico (art. 189 cpv. 1 lett. e Cost.). Il Tribunale federale esamina le violazioni dell'autonomia comunale con cognizione limitata: per questioni di diritto e discrezionali nel settore autonomo è possibile solo il controllo dell'arbitrio (**DTF 145 I 52** consid. 3.2).\n\n**N. 19** **Obblighi di considerazione (cpv. 2 e 3)**: Questi non fondano diritti soggettivi dei Comuni. Sono primariamente direttive legislative e di esecuzione per la Confederazione. Una violazione può tuttavia essere censurata nel quadro del controllo astratto delle norme.\n\n**N. 20** **Rapporto con il diritto cantonale**: I Cantoni determinano l'esistenza e l'ampiezza dell'autonomia comunale. Possono:\n- Unire Comuni, anche contro la loro volontà (**DTF 131 I 91**)\n- Centralizzare o decentralizzare compiti\n- Estendere o limitare l'autonomia\n\n**N. 21** **Limiti**: La libertà di configurazione cantonale trova i suoi limiti in:\n- Diritto federale (art. 49 Cost.)\n- Diritti fondamentali (spec. uguaglianza giuridica, divieto dell'arbitrio)\n- Principio di proporzionalità (art. 5 cpv. 2 Cost.)\n- Buona fede (art. 5 cpv. 3 Cost.)\n\n### 5. Posizioni controverse\n\n**N. 22** **Natura giuridica della garanzia federale**: Una parte della dottrina attribuisce all'art. 50 cpv. 1 Cost. solo significato dichiarativo (critici presso Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). Meyer sostiene invece che la norma ha significato costitutivo e rafforza la protezione dell'autonomia comunale (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 23** **Giustiziabilità dei cpv. 2 e 3**: È controverso fino a che punto gli obblighi di considerazione siano azionabili giudizialmente. La dottrina dominante vi vede primariamente istruzioni politiche d'azione senza diretta azionabilità (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33 ss.).\n\n**N. 24** **Rapporto con la Carta europea**: È discusso controversamente se l'art. 4 della Carta europea (portata dell'autonomia locale) contenga garanzie che vanno oltre l'art. 50 Cost. La prassi tende alla negazione (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10).\n\n**N. 25** **Autonomia finanziaria**: Particolarmente controversa è la portata dell'autonomia finanziaria comunale. Mentre parti della dottrina richiedono uno standard costituzionale minimo, la prassi sottolinea la libertà di configurazione cantonale (**DTF 144 I 81**).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 26** **Schema di esame per violazioni dell'autonomia**:\n1. Esiste nel settore in questione autonomia comunale secondo il diritto cantonale?\n2. L'atto impugnato incide nel settore autonomo?\n3. L'ingerenza è giustificata dal diritto superiore?\n4. Sono stati rispettati i limiti (arbitrio, proporzionalità)?\n\n**N. 27** **Settori autonomi importanti** nella prassi:\n- Pianificazione dell'utilizzazione e autorizzazioni edilizie (**DTF 136 I 395**)\n- Naturalizzazioni (**DTF 139 I 169**)\n- Appalti pubblici (**DTF 143 II 553**)\n- Sistema scolastico e formativo (**DTF 141 I 36**)\n- Sistema finanziario e fiscale (**DTF 144 I 81**)\n\n**N. 28** **Aspetti procedurali**:\n- Legittimazione a ricorrere: Solo il Comune come tale, non singole autorità\n- Termine di ricorso: 30 giorni (art. 100 cpv. 1 LTF)\n- Esaurimento delle istanze: Devono essere esauriti i mezzi di impugnazione cantonali\n\n**N. 29** **Rapporto con altre censure**: La violazione dell'autonomia comunale può spesso essere sollevata insieme ad altre censure costituzionali (arbitrio, uguaglianza giuridica, proporzionalità). La censura specifica dell'autonomia ha tuttavia significato autonomo a causa della cognizione limitata del Tribunale federale.", "caselaw_it": "# Art. 50 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti dell'autonomia comunale\n\n**DTF 131 I 91** del 19 gennaio 2005 — Fusione forzata di comuni\nSentenza fondamentale sulla natura giuridica dell'autonomia comunale secondo la nuova Costituzione federale. Il Tribunale federale riconosce la competenza dei Cantoni di ordinare fusioni forzate, ma le sottopone a limiti costituzionali.\n\n> «L'art. 50 cpv. 1 Cost. garantisce ora espressamente l'autonomia comunale secondo il diritto cantonale. Anche sotto l'impero della nuova Costituzione federale rimane compito dei Cantoni determinare se e in che misura viene accordata ai comuni autonomia.»\n\n**DTF 128 I 3** del 13 novembre 2001 — Monopolio di affissioni su terreno privato\nSentenza di principio sull'intensità del controllo e sul rapporto tra autonomia comunale e diritti fondamentali. Prima importante applicazione dell'art. 50 Cost. nella giurisprudenza.\n\n> «Secondo la giurisprudenza, i comuni sono autonomi in un settore se il diritto cantonale non lo disciplina in modo conclusivo, ma lo lascia in tutto o in parte al comune per la regolamentazione, accordandogli in ciò una libertà di decisione relativamente considerevole.»\n\n### Diritto della pianificazione territoriale e diritti di partecipazione\n\n**DTF 136 I 265** del 27 agosto 2010 — Partecipazione nella procedura del piano direttore\nDecisione centrale sui diritti di partecipazione dei comuni nella pianificazione direttrice cantonale. Il Tribunale federale rafforza i diritti procedurali dei comuni nei confronti del Cantone.\n\n> «Diritto dei comuni all'audizione e alla partecipazione nella procedura del piano direttore: il Gran Consiglio ha violato il diritto di partecipazione del comune perché non ha esaminato la sua obiezione.»\n\n**DTF 147 I 433** del 21 dicembre 2021 — Pianificazione dei rifiuti e delle discariche\nConferma dei diritti di partecipazione dei comuni nelle pianificazioni cantonali con effetti territoriali. La sentenza amplia la giurisprudenza sull'art. 50 cpv. 2 Cost. riguardo all'obbligo di considerazione da parte della Confederazione.\n\n> «La pianificazione dei rifiuti e delle discariche è un settore nel quale i Cantoni operano nell'ambito della loro sovranità pianificatoria. In questo contesto devono rispettare i diritti di partecipazione dei comuni.»\n\n**DTF 146 I 36** del 19 febbraio 2020 — Aggiornamento del piano direttore\nIl Tribunale federale precisa i presupposti per l'impugnazione delle modifiche del piano direttore cantonale da parte dei comuni e rafforza la loro autonomia nel settore pianificatorio.\n\n> «Autonomia comunale in relazione all'aggiornamento di un piano direttore: impugnabilità di misure pianificatorie cantonali presso il Tribunale federale da parte dei comuni interessati.»\n\n### Diritto di naturalizzazione\n\n**DTF 139 I 169** del 13 maggio 2013 — Naturalizzazione di una persona con disabilità mentale\nDecisione fondamentale sui limiti dell'autonomia comunale nel diritto di naturalizzazione. Il Tribunale federale chiarisce che l'autonomia comunale non autorizza la discriminazione.\n\n> «Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, i comuni sono autonomi in un settore se il diritto cantonale non lo disciplina in modo conclusivo, ma lo lascia in tutto o in parte al comune per la regolamentazione, accordandogli in ciò una libertà di decisione relativamente considerevole.»\n\n**DTF 137 I 235** del 13 aprile 2011 — Conoscenze linguistiche e integrazione\nIl Tribunale federale conferma l'autonomia dei comuni nella valutazione delle domande di naturalizzazione, ma pone limiti costituzionali.\n\n> «Il tribunale cantonale che giudica decisioni negative sulle naturalizzazioni deve procedere a un libero esame dei fatti e dell'applicazione del diritto.»\n\n**DTF 138 I 242** del 12 giugno 2012 — Integrazione locale nelle naturalizzazioni\nConferma dell'ampio margine di apprezzamento delle autorità comunali nella valutazione dell'integrazione dei candidati alla naturalizzazione.\n\n> «Alle assemblee comunali dei cittadini spetta un ampio margine di apprezzamento e da una persona richiedente può essere richiesta una 'certa integrazione locale'.»\n\n### Appalti pubblici\n\n**DTF 138 I 143** del 25 gennaio 2012 — Public Voting come criterio di aggiudicazione\nDecisione di principio sull'autonomia dei comuni negli appalti. Il Tribunale federale riconosce procedure innovative come espressione dell'autonomia comunale.\n\n> «Viola l'autonomia comunale se l'istanza cantonale di ricorso dichiara il criterio di aggiudicazione 'Public Voting' fondamentalmente inammissibile.»\n\n**DTF 143 II 553** dell'8 novembre 2017 — Ponderazione del criterio di aggiudicazione «prezzo»\nIl Tribunale federale ribadisce l'autonomia dei comuni nella determinazione dei criteri di aggiudicazione negli appalti pubblici.\n\n> «I comuni del Cantone sottostanno fondamentalmente al diritto cantonale degli appalti, ma dispongono nell'ambito dell'autonomia comunale di un certo margine nella configurazione concreta.»\n\n**DTF 143 II 120** del 21 marzo 2017 — Concessione di un monopolio comunale\nConferma della competenza dei comuni di concedere diritti di monopolio a imprese private come espressione della loro autonomia.\n\n> «Procedura per la concessione di un diritto di monopolio: i comuni dispongono di autonomia nella configurazione di tali procedure.»\n\n### Diritto edilizio e pianificatorio\n\n**DTF 145 I 52** del 5 settembre 2018 — Regolamentazione estetica e margine di valutazione\nDecisione fondamentale sui limiti del controllo cantonale delle decisioni di classificazione comunali. Il Tribunale federale rafforza l'autonomia comunale nei confronti delle istanze cantonali di ricorso.\n\n> «Il tribunale dei ricorsi edilizi può annullare una decisione di classificazione dell'autorità edilizia comunale solo se questa ha oltrepassato il margine di valutazione e di apprezzamento garantito dall'autonomia comunale.»\n\n**DTF 136 I 395** del 6 settembre 2010 — Interpretazione di prescrizioni di zona\nIl Tribunale federale conferma l'autonomia dei comuni nell'interpretazione di concetti di diritto cantonale nel diritto edilizio.\n\n> «Autonomia del comune nell'interpretazione del concetto di diritto cantonale di esercizio moderatamente molesto: il comune dispone di un margine considerevole.»\n\n### Settori particolari\n\n**DTF 144 I 81** del 22 marzo 2018 — Imposta sugli utili immobiliari e autonomia finanziaria\nIl Tribunale federale esamina gli effetti delle modifiche legislative cantonali sulle finanze comunali alla luce dell'art. 50 Cost.\n\n> «Invocazione della violazione dell'autonomia comunale: abrogazione di una norma che accordava ai comuni il diritto a una parte delle entrate dell'imposta sugli utili immobiliari.»\n\n**DTF 141 I 36** del 21 marzo 2014 — Lingua scolastica nei Grigioni\nApplicazione dell'art. 50 Cost. nel settore dell'istruzione. Il Tribunale federale rafforza l'autonomia dei comuni nelle decisioni di politica linguistica.\n\n> «L'art. 50 cpv. 1 Cost. garantisce l'autonomia comunale secondo il diritto cantonale: la lingua scolastica come settore dell'autonomia comunale.»\n\n**DTF 145 I 121** del 19 febbraio 2018 — Diritto ecclesiastico cantonale e contributi\nIl Tribunale federale applica l'art. 50 Cost. a questioni di diritto ecclesiastico e conferma l'autonomia dei comuni in materie religiose.\n\n> «La libertà di credo e il diritto ecclesiastico cantonale non sono violati da contributi condizionati a centri di consulenza, se viene rispettata l'autonomia comunale.»\n\n### Sviluppi recenti\n\n**DTF 129 I 410** del 20 novembre 2003 — Diritto delle gare d'appalto nei Grigioni\nApplicazione precoce dell'art. 50 Cost. al diritto degli appalti. Il Tribunale federale riconosce l'autonomia dei comuni grigionesi nella procedura di gara d'appalto.\n\n> «Autonomia dei comuni grigionesi nella procedura di gara d'appalto: l'aggiudicazione non fonda un obbligo contrattuale, ma soltanto un diritto alla conclusione del contratto.»\n\n**DTF 126 I 133** del 7 giugno 2000 — Libertà religiosa e uso speciale\nApplicazione del diritto previgente all'uso di suolo pubblico da parte di organizzazioni religiose considerando l'autonomia comunale di allora.\n\n> «Autonomia comunale e intensità del controllo: chi vuole vendere prestazioni a pagamento deve rendere chiaramente riconoscibili gli scopi religiosi nei confronti del pubblico.»", "summary_en": "# Art. 50 BV\n\n## Overview\n\nArt. 50 BV regulates the relationship between the Confederation and municipalities in Switzerland. The provision has been in force since 1 January 2000 and for the first time brought an express constitutional mention of municipalities (BBl 1997 I 1, 203 f.). It does three things: It guarantees municipal autonomy, obliges the Confederation to consider the effects of its actions on municipalities, and requires special consideration for cities, agglomerations and mountain regions.\n\n**Municipal autonomy** means that municipalities can decide independently in certain areas. Cantonal law determines where municipalities are autonomous. Typical areas are building permits, naturalizations or local traffic organization. Example: A municipality can decide for itself whether to approve a building application for a single-family house, as long as it observes cantonal and federal laws.\n\nThe federal guarantee was controversial in legal doctrine. While Saladin regarded municipal autonomy as a principle already under the old constitution, the prevailing doctrine considered it only a cantonal institution (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6). Today there is dispute over whether Art. 50 para. 1 BV has only declaratory significance or strengthens protection (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**Duty of consideration** means: The Confederation must consider how laws and other measures affect municipalities. Example: When enacting a new environmental law, the Confederation must examine what costs and tasks this will bring to municipalities.\n\n**Special consideration** goes further than mere consideration. Cities, agglomerations and mountain regions have special problems: Cities struggle with traffic and noise, mountain regions with emigration and difficult infrastructure. The Confederation must actively take these challenges into account in its actions.\n\nThe rights of municipalities can be enforced before the Federal Supreme Court. However, the Federal Supreme Court only examines whether cantonal or federal authorities have acted arbitrarily. Case law shows: Municipal autonomy protects particularly in spatial planning (**BGE 136 I 265**), in naturalization law (**BGE 139 I 169**) and in public procurement (**BGE 143 II 553**).", "doctrine_en": "# Art. 50 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Municipal autonomy is one of the traditional cornerstones of the Swiss state structure. Under the **1848 Constitution and 1874 Constitution**, however, it found no explicit expression in the constitutional text. The Federal Supreme Court developed the legal concept of municipal autonomy in a practice-oriented manner within the framework of constitutional appeals (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 2** In academic doctrine, the constitutional anchoring was disputed: Saladin wanted to recognise municipal autonomy as a principle of the 1874 Constitution, especially since it constituted a constitutive element of Swiss democracy. The prevailing doctrine and the Federal Supreme Court, however, held that the right to autonomy had been developed based on cantonal guarantees and only provided protection against cantonal acts (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 6).\n\n**N. 3** The total revision of the Federal Constitution brought with Art. 50 BV the first express federal constitutional mention of municipalities. The provision was largely uncontested in parliamentary deliberation (BBl 1997 I 1, 203 f.). Its inclusion was made in awareness of the great significance of municipalities for the Swiss state system, without however fundamentally changing their legal status.\n\n**N. 4** The **European Charter of Local Self-Government** of 15 October 1985 (SR 0.102) significantly influenced the discussion. Switzerland ratified the Charter on 17 February 2005. Art. 50 BV goes beyond the minimal guarantees of the Charter in its protective effect (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10; Buschor, ZBl 1983, 97 ff.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 5** Art. 50 BV is systematically positioned at the transition between Title 2 (Confederation, Cantons and Municipalities) and Title 3 (Confederation) of the Constitution. This position underscores the dual function of the norm: it recognises municipalities as a third level of government and simultaneously obliges the Confederation to show consideration.\n\n**N. 6** The provision is closely connected to:\n- → Art. 1 BV (federal state as association of cantons)\n- → Art. 3 BV (cantonal sovereignty and residual competence)\n- → Art. 5 para. 4 BV (duty of consideration)\n- ↔ Art. 47 BV (independence of cantons)\n- → Art. 49 para. 2 BV (primacy of federal law)\n- → Art. 51 para. 2 BV (cantonal constitutions)\n- → Art. 189 para. 1 lit. e BV (guarantee of legal remedies)\n\n**N. 7** As an institutional guarantee, Art. 50 BV complements fundamental rights (Art. 7-36 BV) but differs fundamentally from them: while fundamental rights are subjective rights of individuals, municipal autonomy protects an objective legal status (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n#### 3.1 Federal Guarantee of Municipal Autonomy (para. 1)\n\n**N. 8** Municipal autonomy is guaranteed «in accordance with cantonal law». Part of the academic doctrine attributes only declaratory significance to this norm: municipal autonomy is an institute of cantonal law that is protected by the Federal Supreme Court to the extent defined by cantonal law (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 9** According to Meyer, however, Art. 50 BV represents an innovation compared to the 1848 Constitution and expresses that municipalities characterise the essence of the Swiss federal state in an indispensable way (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). The federal guarantee has both programmatic and justiciable elements (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 14-26).\n\n**N. 10** The Federal Supreme Court consistently defines municipal autonomy: municipalities are autonomous in a subject area if cantonal law does not comprehensively regulate it, but leaves it wholly or partially to the municipality for regulation and thereby grants it «relatively substantial decision-making freedom» (**BGE 145 I 52** E. 3.1; **BGE 139 I 169** E. 6.1).\n\n**N. 11** Autonomy may extend to:\n- Legislative autonomy (enactment of municipal regulations)\n- Organisational autonomy (design of authority structure)\n- Administrative autonomy (implementation under own responsibility)\n- Financial autonomy (tax sovereignty, budget rights)\n- Planning autonomy (land use planning)\n\n#### 3.2 Consideration of Effects on Municipalities (para. 2)\n\n**N. 12** The Confederation must consider the «possible effects» on municipalities in its actions. This obligation concretises the general duty of consideration under Art. 5 para. 4 BV (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33-35).\n\n**N. 13** The duty of consideration encompasses:\n- Legislation: impact assessment for municipalities\n- Implementation: consideration of municipal circumstances\n- Planning: involvement of municipalities\n\n**N. 14** Unlike para. 3, para. 2 does not require special consideration, but merely awareness and consideration of the effects (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 36-40).\n\n#### 3.3 Special Consideration (para. 3)\n\n**N. 15** The Confederation «takes account of» the special situation of:\n- Cities\n- Agglomerations\n- Mountain regions\n\n**N. 16** This qualified duty of consideration goes beyond mere awareness. It requires active measures to address the specific challenges of these municipal categories (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 41-43).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 17** The legal consequences of Art. 50 BV must be considered in a differentiated manner:\n\n**N. 18** **Protective effect (para. 1)**: Municipal autonomy is enforceable through constitutional appeal (Art. 189 para. 1 lit. e BV). The Federal Supreme Court reviews violations of municipal autonomy with limited cognition: in matters of law and discretion in the autonomous sphere, only arbitrariness control is possible (**BGE 145 I 52** E. 3.2).\n\n**N. 19** **Duties of consideration (para. 2 and 3)**: These do not establish subjective rights of municipalities. They are primarily legislative and implementation directives to the Confederation. A violation can, however, be challenged within the framework of abstract norm control.\n\n**N. 20** **Relationship to cantonal law**: Cantons determine the existence and scope of municipal autonomy. They may:\n- Merge municipalities, even against their will (**BGE 131 I 91**)\n- Centralise or decentralise tasks\n- Expand or limit autonomy\n\n**N. 21** **Limitations**: Cantonal design freedom finds its limits in:\n- Federal law (Art. 49 BV)\n- Fundamental rights (esp. equality before the law, prohibition of arbitrariness)\n- Principle of proportionality (Art. 5 para. 2 BV)\n- Good faith (Art. 5 para. 3 BV)\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 22** **Legal nature of the federal guarantee**: Part of the academic doctrine attributes only declaratory significance to Art. 50 para. 1 BV (critics cited in Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11). Meyer, in contrast, argues that the norm has constitutive significance and strengthens the protection of municipal autonomy (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 11).\n\n**N. 23** **Justiciability of para. 2 and 3**: It is disputed to what extent the duties of consideration are judicially enforceable. Prevailing doctrine sees them primarily as political directives without direct enforceability (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 33 ff.).\n\n**N. 24** **Relationship to the European Charter**: The question of whether Art. 4 of the European Charter (scope of local self-government) contains guarantees going beyond Art. 50 BV is controversially discussed. Practice tends toward denial (Meyer, BSK BV, Art. 50 N. 8-10).\n\n**N. 25** **Financial autonomy**: The scope of municipal financial autonomy is particularly disputed. While parts of the academic doctrine demand a constitutional minimum standard, practice emphasises cantonal design freedom (**BGE 144 I 81**).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 26** **Test scheme for autonomy violations**:\n1. Does municipal autonomy exist in the area in question under cantonal law?\n2. Does the challenged act interfere with the autonomous sphere?\n3. Is the interference justified by superior law?\n4. Were the limitations (arbitrariness, proportionality) observed?\n\n**N. 27** **Important spheres of autonomy** in practice:\n- Land use planning and building permits (**BGE 136 I 395**)\n- Naturalisations (**BGE 139 I 169**)\n- Public procurement (**BGE 143 II 553**)\n- School and education system (**BGE 141 I 36**)\n- Financial and tax system (**BGE 144 I 81**)\n\n**N. 28** **Procedural aspects**:\n- Standing to appeal: Only the municipality as such, not individual authorities\n- Appeal deadline: 30 days (Art. 100 para. 1 BGG)\n- Exhaustion of remedies: Cantonal legal remedies must be exhausted\n\n**N. 29** **Relationship to other complaints**: Violation of municipal autonomy can often be raised together with other constitutional complaints (arbitrariness, equality before the law, proportionality). However, the specific autonomy complaint has independent significance due to the Federal Supreme Court's limited cognition.", "caselaw_en": "# Art. 50 BV\n\n## Case Law\n\n### Foundations of Municipal Autonomy\n\n**BGE 131 I 91** of 19 January 2005 — Forced Merger of Municipalities\nLandmark judgment on the legal nature of municipal autonomy under the new Federal Constitution. The Federal Supreme Court establishes the cantons' competence to order forced mergers but subjects these to constitutional limitations.\n\n> «Art. 50 para. 1 BV now expressly guarantees municipal autonomy in accordance with cantonal law. Even under the scope of application of the new Federal Constitution, it remains the cantons' responsibility to determine whether and to what extent municipalities are granted autonomy.»\n\n**BGE 128 I 3** of 13 November 2001 — Poster Monopoly on Private Land\nFundamental judgment on the intensity of review and the relationship between municipal autonomy and fundamental rights. First significant application of Art. 50 BV in case law.\n\n> «According to case law, municipalities are autonomous in a subject area when cantonal law does not comprehensively regulate it but leaves it wholly or partially to the municipality for regulation and thereby grants it relatively considerable decision-making freedom.»\n\n### Spatial Planning Law and Participation Rights\n\n**BGE 136 I 265** of 27 August 2010 — Participation in Structure Planning Procedures\nCentral decision on municipalities' participation rights in cantonal structure planning. The Federal Supreme Court strengthens the procedural rights of municipalities vis-à-vis the canton.\n\n> «Municipalities' right to be heard and to participate in structure planning procedures: The cantonal council violated the municipality's participation right because it did not examine its objection.»\n\n**BGE 147 I 433** of 21 December 2021 — Waste and Landfill Planning\nConfirmation of municipalities' participation rights in cantonal planning with spatial impact. The judgment extends case law on Art. 50 para. 2 BV regarding the federal obligation to consider.\n\n> «Waste and landfill planning is an area in which the cantons act within the framework of their planning sovereignty. In doing so, they must respect municipalities' participation rights.»\n\n**BGE 146 I 36** of 19 February 2020 — Updating the Structure Plan\nThe Federal Supreme Court clarifies the prerequisites for challenging cantonal structure plan amendments by municipalities and strengthens their autonomy in the planning area.\n\n> «Municipal autonomy in connection with updating a structure plan: Contestability of cantonal structure planning measures before the Federal Supreme Court by affected municipalities.»\n\n### Naturalisation Law\n\n**BGE 139 I 169** of 13 May 2013 — Naturalisation of a Mentally Disabled Person\nLandmark decision on the limits of municipal autonomy in naturalisation law. The Federal Supreme Court clarifies that municipal autonomy does not entitle discrimination.\n\n> «According to Federal Supreme Court case law, municipalities are autonomous in a subject area when cantonal law does not comprehensively regulate it but leaves it wholly or partially to the municipality for regulation and thereby grants it relatively considerable decision-making freedom.»\n\n**BGE 137 I 235** of 13 April 2011 — Language Skills and Integration\nThe Federal Supreme Court confirms municipalities' autonomy in assessing naturalisation applications but sets constitutional limits.\n\n> «The cantonal court that reviews negative decisions on naturalisations must undertake a free review of the facts and the application of law.»\n\n**BGE 138 I 242** of 12 June 2012 — Local Integration in Naturalisations\nConfirmation of the wide discretionary scope of municipal authorities in assessing the integration of naturalisation candidates.\n\n> «Municipal citizens' assemblies have wide discretionary scope and a 'certain local integration' may be required of an applicant.»\n\n### Public Procurement\n\n**BGE 138 I 143** of 25 January 2012 — Public Voting as Award Criterion\nFundamental decision on municipalities' autonomy in procurement. The Federal Supreme Court recognises innovative procedures as an expression of municipal autonomy.\n\n> «It violates municipal autonomy when the cantonal appeal instance declares the award criterion 'Public Voting' to be fundamentally inadmissible.»\n\n**BGE 143 II 553** of 8 November 2017 — Weighting of the Award Criterion «Price»\nThe Federal Supreme Court reaffirms municipalities' autonomy in determining award criteria in public procurement.\n\n> «The municipalities of the canton are fundamentally subject to cantonal procurement law but have a certain scope within the framework of municipal autonomy in the specific design.»\n\n**BGE 143 II 120** of 21 March 2017 — Granting of a Municipal Monopoly\nConfirmation of municipalities' competence to grant monopoly rights to private companies as an expression of their autonomy.\n\n> «Procedure for granting a monopoly right: Municipalities have autonomy in designing such procedures.»\n\n### Construction and Planning Law\n\n**BGE 145 I 52** of 5 September 2018 — Aesthetic Regulation and Assessment Scope\nLandmark decision on the limits of cantonal review of municipal classification decisions. The Federal Supreme Court strengthens municipal autonomy vis-à-vis cantonal appeal instances.\n\n> «The construction appeal court may only overturn a classification decision by the municipal construction authority if it has exceeded the assessment and discretionary scope guaranteed by municipal autonomy.»\n\n**BGE 136 I 395** of 6 September 2010 — Interpretation of Zoning Regulations\nThe Federal Supreme Court confirms municipalities' autonomy in interpreting cantonal legal concepts in construction law.\n\n> «Municipality's autonomy in interpreting the cantonal legal concept of moderately disruptive operation: The municipality has considerable scope.»\n\n### Special Areas\n\n**BGE 144 I 81** of 22 March 2018 — Real Estate Capital Gains Tax and Financial Autonomy\nThe Federal Supreme Court examines the effects of cantonal legislative amendments on municipal finances in light of Art. 50 BV.\n\n> «Asserting violation of municipal autonomy: Repeal of a norm that granted municipalities the right to a part of the revenue from real estate capital gains tax.»\n\n**BGE 141 I 36** of 21 March 2014 — School Language in Graubünden\nApplication of Art. 50 BV in the education sector. The Federal Supreme Court strengthens municipalities' autonomy in language policy decisions.\n\n> «Art. 50 para. 1 BV guarantees municipal autonomy in accordance with cantonal law: School language as an area of municipal autonomy.»\n\n**BGE 145 I 121** of 19 February 2018 — National Church Law and Contributions\nThe Federal Supreme Court applies Art. 50 BV to ecclesiastical law questions and confirms municipalities' autonomy in religious matters.\n\n> «Religious freedom and national church law are not violated by conditional contributions to counselling centres when municipal autonomy is respected.»\n\n### Recent Developments\n\n**BGE 129 I 410** of 20 November 2003 — Submission Law in Graubünden\nEarly application of Art. 50 BV to procurement law. The Federal Supreme Court recognises the autonomy of Graubünden municipalities in submission procedures.\n\n> «Autonomy of Graubünden municipalities in submission procedures: The award does not establish a contractual obligation but merely an entitlement to conclude a contract.»\n\n**BGE 126 I 133** of 7 June 2000 — Religious Freedom and Special Use\nApplication of the old legal situation to the use of public land by religious organisations taking into account the municipal autonomy of that time.\n\n> «Municipal autonomy and intensity of review: Those who wish to distribute paid services must clearly identify religious purposes to the public.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_50", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 51, "article_suffix": "", "title": "Kantonsverfassungen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 51 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 51 BV regelt die Anforderungen an kantonale Verfassungen und deren Kontrolle durch den Bund. Jeder Kanton muss sich eine demokratische Verfassung geben (Grundordnung des Kantons), die zwei zentrale Bedingungen erfüllen muss: Das Volk muss ihr zustimmen können, und sie muss revidierbar sein, wenn die Mehrheit es verlangt.\n\n**Demokratische Verfassung** bedeutet gemäss Bundesrat mindestens ein gewähltes Parlament und getrennte Staatsgewalten. Die Wissenschaft verlangt zusätzlich regelmässige Wahlen, gleiches Wahlrecht für alle und Minderheitenschutz. Umstritten ist, ob Kantone ein Zweikammerparlament haben dürfen - die meisten Rechtswissenschaftler sagen nein, aber einzelne Experten wie Belser und Massüger finden es bei besonderen Gründen (etwa Schutz von Sprachminderheiten) erlaubt.\n\nDer **Bund prüft jede Kantonsverfassung**, bevor sie gelten kann (Gewährleistung). Die Bundesversammlung genehmigt sie nur, wenn sie dem gesamten Bundesrecht entspricht - also nicht nur der Bundesverfassung, sondern auch allen Bundesgesetzen. Beispiel: Der Kanton Zürich wollte 2003 Einbürgerungen per Urnenabstimmung einführen. Das Bundesgericht verbot dies, weil abgelehnte Bewerber ein Recht auf Begründung haben.\n\n**Rechtliche Folgen:** Ohne Bundesgewährleistung kann keine Kantonsverfassung in Kraft treten. Auch nach der Genehmigung kontrolliert das Bundesgericht weiter: Wenn sich das Bundesrecht ändert, müssen die Kantone ihre Verfassungen anpassen. So mussten mehrere Kantone ihre Wahlsysteme reformieren, weil neue Bundesgerichtsentscheide strengere Gleichbeitsregeln aufstellten.\n\nDie Bestimmung sichert die Balance zwischen kantonaler Selbstbestimmung und nationaler Rechtseinheit im Bundesstaat.", "doctrine_de": "# Art. 51 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Bestimmung von Art. 51 BV geht auf Art. 6 der Bundesverfassung von 1874 zurück, welcher seinerseits Art. 6 und 85 Ziff. 7 der Bundesverfassung von 1848 vereinigte. Die Botschaft zur Totalrevision der Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) hielt fest, dass die Gewährleistung der Kantonsverfassungen ein zentrales Element des schweizerischen Bundesstaates darstelle. Die Vorschrift sichere einerseits die kantonale Verfassungsautonomie, andererseits gewährleiste sie die Übereinstimmung mit dem Bundesrecht.\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision 1999 wurde bewusst auf eine Präzisierung des Begriffs «demokratische Verfassung» verzichtet. Der Verfassungsgeber wollte die dynamische Entwicklung des Demokratieverständnisses nicht durch eine starre Definition hemmen. Die Formulierung «wenn sie dem Bundesrecht nicht widersprechen» ersetzte die frühere Wendung «sofern sie nichts enthalten, was den Vorschriften der Bundesverfassung zuwiderläuft», um klarzustellen, dass die gesamte Bundesrechtsordnung Massstab ist (BBl 1997 I 252).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 51 BV steht im zweiten Titel über Bund, Kantone und Gemeinden. Die Bestimmung ist im Zusammenspiel mit den Grundsätzen des Föderalismus zu lesen: → Art. 3 BV (Kantone als souverän im Rahmen der Bundesverfassung), → Art. 47 BV (Wahrung der kantonalen Eigenständigkeit), → Art. 49 BV (Vorrang des Bundesrechts) und → Art. 52 BV (Verfassungsmässige Ordnung). \n\n**N. 4** Die Gewährleistung nach Art. 51 Abs. 2 BV wird durch → Art. 172 Abs. 2 BV konkretisiert, welcher die Bundesversammlung zur Gewährleistung ermächtigt. Das Verfahren richtet sich nach → Art. 189 Abs. 1 lit. e BV für die bundesgerichtliche Überprüfung. Die Bestimmung steht in engem Bezug zu den politischen Rechten (→ Art. 34 BV) und der Rechtsgleichheit (→ Art. 8 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale\n\n**N. 5** **Kantonsverfassung:** Der Begriff umfasst die formelle Verfassung als Grundordnung des Kantons. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 14) definieren sie als rechtlich höchstrangige Normensammlung, die das politische System ordnet, Grundrechte garantiert und die Staatsaufgaben festlegt. Die Kantonsverfassung muss sich formal von anderen kantonalen Erlassen unterscheiden.\n\n**N. 6** **Demokratische Verfassung:** Das Erfordernis der demokratischen Verfassung verlangt nach dem Bundesrat (zit. bei Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 20) mindestens ein gewähltes Parlament und die Beachtung des Gewaltenteilungsprinzips. Die herrschende Lehre (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 19) konkretisiert dies durch vier Elemente: periodische Wahlen, allgemeines und gleiches Wahlrecht, Mehrheitsprinzip und gewährleistete Opposition.\n\n**N. 7** **Zustimmung des Volkes:** Die obligatorische Verfassungsabstimmung bildet den Kern der demokratischen Legitimation. **BGE 121 I 138 E. 5** anerkannte dabei auch die Landsgemeinde als zulässige Form trotz systembedingter Schwächen. Die Zustimmung muss in einem freien und fairen Verfahren erfolgen.\n\n**N. 8** **Revisionsmöglichkeit:** Die Verfassung muss revidierbar sein, wenn die Mehrheit der Stimmberechtigten es verlangt. Dies umfasst sowohl Teil- als auch Totalrevisionen. Sperrfristen sind nach Kölz (Die Zulässigkeit von Sperrfristen für kantonale Volksinitiativen, ZBl 2001, 169) nur zulässig, wenn sie verhältnismässig sind.\n\n**N. 9** **Widerspruch zum Bundesrecht:** Die Kantonsverfassung darf nicht nur der Bundesverfassung, sondern dem gesamten Bundesrecht nicht widersprechen. Dies umfasst Bundesgesetze, Verordnungen und völkerrechtliche Verträge (→ Art. 190 BV). **BGE 130 I 1 E. 2** bestätigte diesen umfassenden Prüfungsmassstab.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Gewährleistung:** Die Gewährleistung durch die Bundesversammlung hat konstitutive Wirkung. Ohne Gewährleistung kann eine Kantonsverfassung nicht in Kraft treten. Die Gewährleistung erfolgt durch Bundesbeschluss und kann mit Auflagen verbunden werden (Hotz, Probleme bei der eidgenössischen Gewährleistung kantonaler Verfassungen, ZBl 1982, 193).\n\n**N. 11** **Bundesgerichtliche Überprüfung:** Das Bundesgericht kann gewährleistete Kantonsverfassungsbestimmungen im Anwendungsfall überprüfen, wenn sich das Bundesrecht seit der Gewährleistung weiterentwickelt hat. **BGE 140 I 394 E. 9** etablierte diese dynamische Betrachtungsweise für die Wahlrechtsgleichheit. Die Überprüfung erfolgt jedoch nur bei konkreten Anwendungsfällen, nicht abstrakt.\n\n**N. 12** **Normenhierarchie:** Die Kantonsverfassung geniesst innerkantonalen Vorrang vor Gesetzen und Verordnungen. **BGE 143 I 272 E. 2.3** betonte: «Im Normgefüge des Kantons kommt der Verfassung alsdann der normative Vorrang zu.» Dieser Vorrang ist auch bei der kantonalen Rechtsanwendung zu beachten.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Zweikammerparlamente:** Die herrschende Lehre (zit. bei Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 33) hält kantonale Zweikammerparlamente für unzulässig, da sie dem Gleichheitsgedanken zuwiderlaufen. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 33) vertreten demgegenüber, dass ein Zweikammersystem bei sachlichen Gründen wie dem Schutz sprachlicher Minderheiten durchaus demokratisch sein könne. Die Praxis kennt keine kantonalen Zweikammerparlamente.\n\n**N. 14** **Qualifizierte Mehrheiten:** Ein weiterer Streitpunkt betrifft qualifizierte Mehrheitserfordernisse. Die herrschende Lehre (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 39) lehnt diese als undemokratisch ab. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 39) argumentieren differenzierter: Qualifizierte Mehrheiten sollten bei sachlicher Begründung, etwa zum Schutz nationaler Minderheiten, zulässig sein. Das Bundesgericht hat diese Frage bisher nicht entschieden.\n\n**N. 15** **Majorzwahlsysteme:** Die Zulässigkeit reiner Majorzwahlverfahren für Kantonsparlamente ist umstritten. Hangartner (Die Wahl kantonaler Parlamente nach dem Majorzsystem, ZBl 2005, 217) hält sie für bundesrechtswidrig. **BGE 145 I 259 E. 5** liess die Frage letztlich offen, betonte aber die strengen Anforderungen an die Wahlkreiseinteilung bei Majorzsystemen.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Verfassungsrevisionen:** Bei Totalrevisionen ist frühzeitig der Kontakt mit dem Bundesamt für Justiz zu suchen. Die informelle Vorprüfung kann spätere Gewährleistungsprobleme vermeiden. Teilrevisionen bedürfen ebenfalls der Gewährleistung, das Verfahren ist aber vereinfacht (Bundi Caldelari/Rathgeb, ZGRG 2004, 92).\n\n**N. 17** **Wahlrechtsreformen:** Reformen des kantonalen Wahlsystems müssen die sich entwickelnde Bundesgerichtspraxis zur Wahlrechtsgleichheit beachten. **BGE 143 I 92 E. 3** verlangt bei gemischten Systemen eine wahlkreisübergreifende Erfolgswertgleichheit. Reine Majorzsysteme unterliegen erhöhten Anforderungen.\n\n**N. 18** **Gemeindeorganisation:** Die Gewährleistung erfasst auch Bestimmungen über die Gemeindeorganisation. **BGE 131 I 91 E. 3** akzeptierte Zwangsfusionen, verlangt aber rechtsstaatliche Verfahren. Die Gemeindeautonomie (→ Art. 50 BV) ist als Schranke zu beachten.\n\n**N. 19** **Dynamische Gewährleistung:** Die einmal erteilte Gewährleistung gilt nicht absolut. Bei wesentlichen Änderungen des Bundesrechts oder der Verfassungsauslegung kann eine Anpassung nötig werden. **BGE 139 I 195 E. 3** zeigt, dass bundesrechtswidrige Verfassungsbestimmungen nicht perpetuiert werden dürfen.\n\n**N. 20** **Verfahrensfragen:** Gegen die Verweigerung der Gewährleistung steht der Weg ans Bundesgericht offen (→ Art. 82 lit. b BGG). Die Beschwerde richtet sich nach → Art. 189 Abs. 1 lit. e BV. Bei der Anwendung gewährleisteter Normen prüft das Bundesgericht die Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht (Cereghetti, Die Überprüfung der Kantonsverfassungen, 1956, 45ff.).", "caselaw_de": "# Art. 51 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Gewährleistung und bundesgerichtliche Überprüfung\n\n**BGE 143 I 272 E. 2.2-2.5** vom 3. April 2017\nDas Bundesgericht klärte grundlegend den Vorrang der Kantonsverfassung und die Grenzen der bundesgerichtlichen Überprüfung. Der Entscheid betrifft die Zwangsfusion von Schulgemeinden in Zürich.\n\n«Zur Hierarchie der Normen lässt sich der Bundesverfassung einzig entnehmen, dass alles Bundesrecht (Art. 49 Abs. 1 BV) und das interkantonale Recht (Art. 48 Abs. 5 BV) widersprechendes kantonales Recht zurückdrängt. Die innerkantonale Normhierarchie bleibt unerwähnt. Gemäss Art. 51 Abs. 1 BV gibt sich aber jeder Kanton eine demokratische Verfassung. Im Normgefüge des Kantons kommt der Verfassung alsdann der normative Vorrang zu.»\n\n**BGE 140 I 394 E. 9** vom 26. September 2014  \nDas Bundesgericht konkretisierte seine Befugnis zur Überprüfung kantonaler Verfassungsbestimmungen im Anwendungsfall am Beispiel des Wahlverfahrens in Appenzell Ausserrhoden.\n\n«Das aus Art. 34 BV fliessende Prinzip der Wahlrechtsgleichheit ist seit der Gewährleistung der Verfassung des Kantons Appenzell A.Rh. durch die Bundesversammlung im Jahr 1996 weiterentwickelt worden. Dieser Entwicklung gilt es Rechnung zu tragen, weshalb das Bundesgericht auf eine die Wahl des Kantonsrats Appenzell A.Rh. 2011 betreffende Beschwerde hin prüft, ob das in den Grundzügen in der Kantonsverfassung geregelte Wahlverfahren mit der Wahlrechtsgleichheit zu vereinbaren ist.»\n\n### Demokratische Verfassung und Wahlverfahren\n\n**BGE 145 I 259 E. 5** vom 29. Juli 2019\nDer Entscheid betrifft die Vereinbarkeit des Majorzwahlverfahrens in Graubünden mit den Anforderungen an eine demokratische Verfassung nach Art. 51 Abs. 1 BV.\n\n«Die Voraussetzungen für die Überprüfung von Bestimmungen einer Kantonsverfassung durch das Bundesgericht. Die Grösse der schweizerischen Wohnbevölkerung als zulässiges Kriterium für die Verteilung der Sitze auf die Wahlkreise. Frage der Zulässigkeit von Sitzgarantien für Wahlkreise mit zu geringer Bevölkerungszahl.»\n\n**BGE 121 I 138 E. 5** vom 5. Juni 1995\nDas Bundesgericht anerkannte die Landsgemeinde als verfassungskonformes demokratisches System trotz systembedingter Unzulänglichkeiten.\n\n«Die Einrichtung der Landsgemeinden entspricht einer besondern herkömmlichen Form der direktdemokratischen Beteiligung der Stimmbürger. [...] Die Anordnung einer Landsgemeindeabstimmung verletzt die Abstimmungsfreiheit trotz systembedingter Unzulänglichkeiten nicht.»\n\n### Widerspruch zum Bundesrecht\n\n**BGE 129 I 232 E. 2-5** vom 9. Juli 2003\nDas Bundesgericht prüfte eine Initiative zur Einführung von Urnenabstimmungen über Einbürgerungsgesuche und erklärte sie wegen Verletzung von Bundesgrundrechten für ungültig.\n\n«Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen der Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör) i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Bei der Urnenabstimmung ist eine den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügende Begründung nicht möglich.»\n\n**BGE 130 I 1 E. 2** vom 19. November 2003\nDas Bundesgericht bestätigte den Vorrang des Bundesrechts bei einem Konflikt zwischen kantonaler Verfassung und Bundesgesetzgebung im Asylbereich.\n\n«Art. 51 Abs. 2 BV ordnet an, dass die Kantonsverfassungen der Gewährleistung des Bundes bedürfen. Der Bund gewährleistet sie, wenn sie dem Bundesrecht nicht widersprechen.»\n\n### Institutionelle Garantien\n\n**BGE 131 I 91 E. 3** vom 28. September 2004\nDer Entscheid zur Gemeindefusion im Wallis klärte die Grenzen kantonaler Autonomie bei Zwangsfusionen.\n\nDas Gericht stellte fest, dass Zwangsfusionen von Gemeinden grundsätzlich mit der Gemeindeautonomie vereinbar sind, wenn das kantonale Recht entsprechende Verfahren vorsieht.\n\n**BGE 136 I 352 E. 4** vom 7. Juli 2010\nDas Bundesgericht prüfte das Proporzwahlverfahren in Nidwalden und konkretisierte die Anforderungen an demokratische Wahlverfahren.\n\nDas Gericht hielt fest, dass kantonale Wahlverfahren den bundesverfassungsrechtlichen Mindeststandards entsprechen müssen, den Kantonen aber erheblicher Gestaltungsspielraum zukommt.\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\n**BGE 147 I 478 E. 2** vom 25. Juni 2021\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Normenhierarchie im Kanton Schwyz während der Covid-19-Pandemie und bekräftigte die Bedeutung der Gewährleistung.\n\nDie Entscheidung unterstrich, dass auch in Ausnahmesituationen die gewährleisteten kantonalen Verfassungsbestimmungen respektiert werden müssen.\n\n### Grenzen der Gewährleistung\n\n**BGE 139 I 195 E. 3** vom 10. Juli 2013\nDer Entscheid zu einem als bundesverfassungswidrig beurteilten Proporzwahlverfahren im Kanton Zug verdeutlichte die Grenzen der einmal erteilten Gewährleistung.\n\n«Die umstrittene Abstimmungsvorlage ist unzulässig, weil sie darauf ausgerichtet ist, die Einführung eines wahlrechtswidrigen Verfahrens zu ermöglichen.»\n\nDas Bundesgericht stellte klar, dass die Gewährleistung einer Kantonsverfassung nicht für alle Zeiten gilt, sondern bei späteren Entwicklungen des Bundesrechts angepasst werden muss.", "summary_fr": "# Art. 51 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 51 Cst. règle les exigences relatives aux constitutions cantonales et leur contrôle par la Confédération. Chaque canton doit se donner une constitution démocratique (ordre fondamental du canton), qui doit remplir deux conditions centrales : le peuple doit pouvoir l'approuver, et elle doit être révisable si la majorité l'exige.\n\n**Constitution démocratique** signifie selon le Conseil fédéral au minimum un parlement élu et la séparation des pouvoirs. La doctrine exige en outre des élections régulières, l'égalité du droit de vote pour tous et la protection des minorités. Il est controversé de savoir si les cantons peuvent avoir un parlement bicaméral - la plupart des juristes disent non, mais certains experts comme Belser et Massüger l'estiment autorisé pour des raisons particulières (par exemple la protection des minorités linguistiques).\n\nLa **Confédération examine chaque constitution cantonale** avant qu'elle puisse entrer en vigueur (garantie). L'Assemblée fédérale ne l'approuve que si elle est conforme à l'ensemble du droit fédéral - donc non seulement à la Constitution fédérale, mais aussi à toutes les lois fédérales. Exemple : le canton de Zurich voulait introduire en 2003 les naturalisations par votation populaire. Le Tribunal fédéral l'a interdit, parce que les candidats refusés ont droit à une motivation.\n\n**Conséquences juridiques :** Sans la garantie fédérale, aucune constitution cantonale ne peut entrer en vigueur. Même après l'approbation, le Tribunal fédéral continue à contrôler : si le droit fédéral change, les cantons doivent adapter leurs constitutions. Ainsi, plusieurs cantons ont dû réformer leurs systèmes électoraux, parce que de nouveaux arrêts du Tribunal fédéral établissaient des règles d'égalité plus strictes.\n\nLa disposition assure l'équilibre entre l'autodétermination cantonale et l'unité juridique nationale dans l'État fédéral.", "doctrine_fr": "# Art. 51 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La disposition actuelle de l'art. 51 Cst. remonte à l'art. 6 de la Constitution fédérale de 1874, qui réunissait lui-même les art. 6 et 85 ch. 7 de la Constitution fédérale de 1848. Le message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) a souligné que la garantie des constitutions cantonales constitue un élément central de l'État fédéral suisse. Cette disposition assure d'une part l'autonomie constitutionnelle cantonale, d'autre part elle garantit la conformité avec le droit fédéral.\n\n**N. 2** Lors de la révision totale de 1999, le constituant a renoncé consciemment à préciser la notion de « constitution démocratique ». Il ne voulait pas entraver l'évolution dynamique de la compréhension de la démocratie par une définition rigide. La formulation « si elles ne sont pas contraires au droit fédéral » a remplacé l'ancienne tournure « pour autant qu'elles ne contiennent rien de contraire aux prescriptions de la Constitution fédérale », afin de clarifier que l'ensemble de l'ordre juridique fédéral constitue la référence (FF 1997 I 252).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 51 Cst. figure dans le deuxième titre relatif à la Confédération, aux cantons et aux communes. Cette disposition doit être lue en interaction avec les principes du fédéralisme : → art. 3 Cst. (cantons souverains dans le cadre de la Constitution fédérale), → art. 47 Cst. (préservation de l'autonomie cantonale), → art. 49 Cst. (primauté du droit fédéral) et → art. 52 Cst. (ordre constitutionnel).\n\n**N. 4** La garantie selon l'art. 51 al. 2 Cst. est concrétisée par → l'art. 172 al. 2 Cst., qui habilite l'Assemblée fédérale à accorder la garantie. La procédure est régie par → l'art. 189 al. 1 let. e Cst. pour le contrôle par le Tribunal fédéral. Cette disposition est étroitement liée aux droits politiques (→ art. 34 Cst.) et à l'égalité juridique (→ art. 8 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs\n\n**N. 5** **Constitution cantonale :** Cette notion englobe la constitution formelle comme ordre fondamental du canton. Belser/Massüger (BSK BV, art. 51 n. 14) la définissent comme l'ensemble de normes juridiquement suprêmes qui organise le système politique, garantit les droits fondamentaux et fixe les tâches de l'État. La constitution cantonale doit se distinguer formellement des autres actes normatifs cantonaux.\n\n**N. 6** **Constitution démocratique :** L'exigence d'une constitution démocratique requiert selon le Conseil fédéral (cité par Belser/Massüger, BSK BV, art. 51 n. 20) au minimum un parlement élu et le respect du principe de la séparation des pouvoirs. La doctrine dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 51 n. 19) concrétise ceci par quatre éléments : élections périodiques, suffrage universel et égal, principe majoritaire et opposition garantie.\n\n**N. 7** **Acceptation par le peuple :** La votation constitutionnelle obligatoire constitue le noyau de la légitimation démocratique. **ATF 121 I 138 consid. 5** a reconnu également la Landsgemeinde comme forme admissible malgré des faiblesses systémiques. L'acceptation doit intervenir dans le cadre d'une procédure libre et équitable.\n\n**N. 8** **Possibilité de révision :** La constitution doit pouvoir être révisée si la majorité des personnes ayant le droit de vote l'exige. Cela comprend tant les révisions partielles que totales. Les délais d'attente ne sont admissibles selon Kölz (Die Zulässigkeit von Sperrfristen für kantonale Volksinitiativen, ZBl 2001, 169) que s'ils sont proportionnés.\n\n**N. 9** **Contrariété au droit fédéral :** La constitution cantonale ne doit pas seulement ne pas contredire la Constitution fédérale, mais l'ensemble du droit fédéral. Ceci englobe les lois fédérales, les ordonnances et les traités de droit international (→ art. 190 Cst.). **ATF 130 I 1 consid. 2** a confirmé cette norme de contrôle globale.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** **Garantie :** La garantie accordée par l'Assemblée fédérale a un effet constitutif. Sans garantie, une constitution cantonale ne peut entrer en vigueur. La garantie est accordée par arrêté fédéral et peut être assortie de charges (Hotz, Probleme bei der eidgenössischen Gewährleistung kantonaler Verfassungen, ZBl 1982, 193).\n\n**N. 11** **Contrôle par le Tribunal fédéral :** Le Tribunal fédéral peut contrôler les dispositions constitutionnelles cantonales garanties lors de l'application, si le droit fédéral a évolué depuis l'octroi de la garantie. **ATF 140 I 394 consid. 9** a établi cette approche dynamique pour l'égalité du droit de vote. Le contrôle n'intervient toutefois que lors de cas d'application concrets, non de manière abstraite.\n\n**N. 12** **Hiérarchie des normes :** La constitution cantonale jouit d'une primauté intracantonale sur les lois et ordonnances. **ATF 143 I 272 consid. 2.3** a souligné : « Dans la structure normative du canton, la constitution bénéficie alors de la primauté normative. » Cette primauté doit aussi être respectée dans l'application du droit cantonal.\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 13** **Parlements bicaméraux :** La doctrine dominante (citée par Belser/Massüger, BSK BV, art. 51 n. 33) considère les parlements cantonaux bicaméraux comme inadmissibles car ils contreviennent à l'idée d'égalité. Belser/Massüger (BSK BV, art. 51 n. 33) soutiennent à l'inverse qu'un système bicaméral peut tout à fait être démocratique s'il existe des motifs objectifs comme la protection de minorités linguistiques. La pratique ne connaît pas de parlements cantonaux bicaméraux.\n\n**N. 14** **Majorités qualifiées :** Un autre point de controverse concerne les exigences de majorité qualifiée. La doctrine dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 51 n. 39) les rejette comme antidémocratiques. Belser/Massüger (BSK BV, art. 51 n. 39) argumentent de manière plus différenciée : les majorités qualifiées devraient être admissibles si elles sont objectivement justifiées, par exemple pour protéger des minorités nationales. Le Tribunal fédéral n'a pas encore tranché cette question.\n\n**N. 15** **Systèmes électoraux majoritaires :** L'admissibilité de procédures électorales purement majoritaires pour les parlements cantonaux est controversée. Hangartner (Die Wahl kantonaler Parlamente nach dem Majorzsystem, ZBl 2005, 217) les considère comme contraires au droit fédéral. **ATF 145 I 259 consid. 5** a finalement laissé la question ouverte, mais a souligné les exigences strictes concernant la délimitation des circonscriptions électorales dans les systèmes majoritaires.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** **Révisions constitutionnelles :** En cas de révision totale, il convient de prendre contact tôt avec l'Office fédéral de la justice. L'examen préalable informel peut éviter des problèmes ultérieurs d'octroi de la garantie. Les révisions partielles nécessitent également la garantie, mais la procédure est simplifiée (Bundi Caldelari/Rathgeb, ZGRG 2004, 92).\n\n**N. 17** **Réformes du droit électoral :** Les réformes du système électoral cantonal doivent tenir compte de l'évolution de la jurisprudence du Tribunal fédéral relative à l'égalité du droit de vote. **ATF 143 I 92 consid. 3** exige pour les systèmes mixtes une égalité de l'effet utile des voix entre les circonscriptions électorales. Les systèmes purement majoritaires sont soumis à des exigences accrues.\n\n**N. 18** **Organisation communale :** La garantie saisit également les dispositions relatives à l'organisation communale. **ATF 131 I 91 consid. 3** a accepté les fusions forcées, mais exige des procédures respectueuses de l'État de droit. L'autonomie communale (→ art. 50 Cst.) doit être respectée comme limite.\n\n**N. 19** **Garantie dynamique :** La garantie accordée ne vaut pas de manière absolue. En cas de modifications substantielles du droit fédéral ou de l'interprétation constitutionnelle, une adaptation peut s'avérer nécessaire. **ATF 139 I 195 consid. 3** montre que les dispositions constitutionnelles contraires au droit fédéral ne doivent pas être perpétuées.\n\n**N. 20** **Questions de procédure :** Contre le refus de la garantie, la voie du recours au Tribunal fédéral est ouverte (→ art. 82 let. b LTF). Le recours est régi par → l'art. 189 al. 1 let. e Cst. Lors de l'application de normes garanties, le Tribunal fédéral examine la conformité avec le droit de rang supérieur (Cereghetti, Die Überprüfung der Kantonsverfassungen, 1956, 45 ss).", "caselaw_fr": "# Art. 51 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Garantie et contrôle du Tribunal fédéral\n\n**ATF 143 I 272 c. 2.2-2.5** du 3 avril 2017\nLe Tribunal fédéral a clarifié de manière fondamentale la primauté de la constitution cantonale et les limites du contrôle par le Tribunal fédéral. L'arrêt concerne la fusion forcée de communes scolaires à Zurich.\n\n«En ce qui concerne la hiérarchie des normes, il ressort de la Constitution fédérale uniquement que tout droit fédéral (art. 49 al. 1 Cst.) et le droit intercantonal (art. 48 al. 5 Cst.) prime le droit cantonal qui lui est contraire. La hiérarchie des normes intracantonale n'est pas mentionnée. Selon l'art. 51 al. 1 Cst., chaque canton se donne cependant une constitution démocratique. Dans l'ordre normatif du canton, la constitution bénéficie alors de la primauté normative.»\n\n**ATF 140 I 394 c. 9** du 26 septembre 2014  \nLe Tribunal fédéral a concrétisé sa compétence de contrôle des dispositions constitutionnelles cantonales dans le cas d'application à l'exemple de la procédure électorale en Appenzell Rhodes-Extérieures.\n\n«Le principe de l'égalité des droits politiques découlant de l'art. 34 Cst. s'est développé depuis que l'Assemblée fédérale a garanti la constitution du canton d'Appenzell Rh.-Ext. en 1996. Il convient de tenir compte de cette évolution, raison pour laquelle le Tribunal fédéral examine, suite à un recours concernant l'élection du Grand Conseil d'Appenzell Rh.-Ext. en 2011, si la procédure électorale réglée dans ses grandes lignes dans la constitution cantonale est compatible avec l'égalité des droits politiques.»\n\n### Constitution démocratique et procédure électorale\n\n**ATF 145 I 259 c. 5** du 29 juillet 2019\nL'arrêt concerne la compatibilité du système électoral majoritaire aux Grisons avec les exigences d'une constitution démocratique selon l'art. 51 al. 1 Cst.\n\n«Les conditions pour le contrôle de dispositions d'une constitution cantonale par le Tribunal fédéral. La taille de la population résidante suisse comme critère admissible pour la répartition des sièges sur les circonscriptions électorales. Question de l'admissibilité de garanties de sièges pour les circonscriptions électorales dont la population est insuffisante.»\n\n**ATF 121 I 138 c. 5** du 5 juin 1995\nLe Tribunal fédéral a reconnu la Landsgemeinde comme système démocratique conforme à la constitution malgré les insuffisances inhérentes au système.\n\n«L'institution des Landsgemeinde correspond à une forme particulière traditionnelle de participation directe et démocratique des citoyens. [...] L'organisation d'une votation à la Landsgemeinde ne viole pas la liberté de vote malgré les insuffisances inhérentes au système.»\n\n### Contrariété au droit fédéral\n\n**ATF 129 I 232 c. 2-5** du 9 juillet 2003\nLe Tribunal fédéral a examiné une initiative visant à introduire des votations à l'urne sur les demandes de naturalisation et l'a déclarée invalide en raison de la violation de droits fondamentaux fédéraux.\n\n«Les décisions de rejet de naturalisation sont soumises à l'obligation de motivation selon l'art. 29 al. 2 Cst. (droit d'être entendu) en relation avec l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de la discrimination). Lors d'une votation à l'urne, une motivation satisfaisant aux exigences constitutionnelles n'est pas possible.»\n\n**ATF 130 I 1 c. 2** du 19 novembre 2003\nLe Tribunal fédéral a confirmé la primauté du droit fédéral en cas de conflit entre constitution cantonale et législation fédérale dans le domaine de l'asile.\n\n«L'art. 51 al. 2 Cst. ordonne que les constitutions cantonales ont besoin de la garantie de la Confédération. La Confédération les garantit si elles ne sont pas contraires au droit fédéral.»\n\n### Garanties institutionnelles\n\n**ATF 131 I 91 c. 3** du 28 septembre 2004\nL'arrêt concernant la fusion de communes en Valais a clarifié les limites de l'autonomie cantonale en cas de fusions forcées.\n\nLe tribunal a constaté que les fusions forcées de communes sont en principe compatibles avec l'autonomie communale si le droit cantonal prévoit les procédures correspondantes.\n\n**ATF 136 I 352 c. 4** du 7 juillet 2010\nLe Tribunal fédéral a examiné le système électoral proportionnel à Nidwald et concrétisé les exigences relatives aux procédures électorales démocratiques.\n\nLe tribunal a retenu que les procédures électorales cantonales doivent correspondre aux standards minimaux du droit constitutionnel fédéral, mais que les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable.\n\n### Développements actuels\n\n**ATF 147 I 478 c. 2** du 25 juin 2021\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur la hiérarchie des normes dans le canton de Schwyz pendant la pandémie de Covid-19 et a réaffirmé l'importance de la garantie.\n\nLa décision a souligné que même dans des situations exceptionnelles, les dispositions constitutionnelles cantonales garanties doivent être respectées.\n\n### Limites de la garantie\n\n**ATF 139 I 195 c. 3** du 10 juillet 2013\nL'arrêt concernant un système électoral proportionnel jugé contraire à la constitution fédérale dans le canton de Zoug a illustré les limites de la garantie une fois accordée.\n\n«Le projet de votation litigieux est inadmissible parce qu'il vise à permettre l'introduction d'une procédure contraire au droit électoral.»\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que la garantie d'une constitution cantonale ne vaut pas pour l'éternité, mais doit être adaptée lors d'évolutions ultérieures du droit fédéral.", "summary_it": "# Art. 51 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 51 Cost. disciplina i requisiti delle costituzioni cantonali e il loro controllo da parte della Confederazione. Ogni Cantone deve darsi una costituzione democratica (ordinamento fondamentale del Cantone) che deve soddisfare due condizioni centrali: il popolo deve poterla approvare e deve essere modificabile quando la maggioranza lo richiede.\n\n**Costituzione democratica** significa secondo il Consiglio federale almeno un parlamento eletto e separazione dei poteri. La dottrina richiede inoltre elezioni regolari, diritto di voto uguale per tutti e protezione delle minoranze. È controverso se i Cantoni possano avere un parlamento bicamerale - la maggior parte dei giuristi dice di no, ma singoli esperti come Belser e Massüger lo ritengono ammesso per motivi particolari (ad esempio protezione delle minoranze linguistiche).\n\nLa **Confederazione esamina ogni costituzione cantonale** prima che possa entrare in vigore (garanzia federale). L'Assemblea federale la approva solo se è conforme a tutto il diritto federale - quindi non solo alla Costituzione federale, ma anche a tutte le leggi federali. Esempio: il Cantone di Zurigo voleva introdurre nel 2003 naturalizzazioni mediante votazione popolare. Il Tribunale federale lo vietò perché i candidati respinti hanno diritto a una motivazione.\n\n**Conseguenze giuridiche:** Senza garanzia federale nessuna costituzione cantonale può entrare in vigore. Anche dopo l'approvazione il Tribunale federale continua a controllare: se il diritto federale cambia, i Cantoni devono adeguare le loro costituzioni. Così diversi Cantoni hanno dovuto riformare i loro sistemi elettorali perché nuove decisioni del Tribunale federale hanno stabilito regole di uguaglianza più severe.\n\nLa disposizione assicura l'equilibrio tra autodeterminazione cantonale e unità giuridica nazionale nello Stato federale.", "doctrine_it": "# Art. 51 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale disposizione dell'art. 51 Cost. risale all'art. 6 della Costituzione federale del 1874, che a sua volta riuniva l'art. 6 e l'art. 85 n. 7 della Costituzione federale del 1848. Il Messaggio sulla revisione totale della Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) stabiliva che la garanzia delle costituzioni cantonali rappresenta un elemento centrale dello Stato federale svizzero. La disposizione assicura da un lato l'autonomia costituzionale cantonale, dall'altro garantisce la conformità al diritto federale.\n\n**N. 2** Durante la revisione totale del 1999 si rinunciò consapevolmente a una precisazione del concetto di «costituzione democratica». Il costituente non voleva ostacolare l'evoluzione dinamica della concezione di democrazia attraverso una definizione rigida. La formulazione «se non contraddicono al diritto federale» sostituì la precedente espressione «purché non contengano nulla che sia contrario alle disposizioni della Costituzione federale», per chiarire che tutto l'ordinamento giuridico federale costituisce il parametro di riferimento (FF 1997 I 252).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 51 Cost. si trova nel secondo titolo su Confederazione, Cantoni e Comuni. La disposizione deve essere letta in combinazione con i principi del federalismo: → art. 3 Cost. (Cantoni come sovrani nell'ambito della Costituzione federale), → art. 47 Cost. (salvaguardia dell'indipendenza cantonale), → art. 49 Cost. (primato del diritto federale) e → art. 52 Cost. (ordine costituzionale).\n\n**N. 4** La garanzia secondo l'art. 51 cpv. 2 Cost. è concretizzata dall'→ art. 172 cpv. 2 Cost., che autorizza l'Assemblea federale a concedere la garanzia. La procedura si basa sull'→ art. 189 cpv. 1 lett. e Cost. per il controllo del Tribunale federale. La disposizione è strettamente collegata ai diritti politici (→ art. 34 Cost.) e all'uguaglianza giuridica (→ art. 8 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie\n\n**N. 5** **Costituzione cantonale:** Il concetto comprende la costituzione formale come ordinamento fondamentale del Cantone. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 14) la definiscono come raccolta di norme giuridicamente suprema che ordina il sistema politico, garantisce i diritti fondamentali e stabilisce i compiti statali. La costituzione cantonale deve distinguersi formalmente da altri atti cantonali.\n\n**N. 6** **Costituzione democratica:** Il requisito della costituzione democratica richiede secondo il Consiglio federale (cit. in Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 20) almeno un parlamento eletto e il rispetto del principio della separazione dei poteri. La dottrina dominante (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 19) concretizza ciò attraverso quattro elementi: elezioni periodiche, suffragio universale e uguale, principio maggioritario e opposizione garantita.\n\n**N. 7** **Consenso del popolo:** La votazione costituzionale obbligatoria costituisce il nucleo della legittimazione democratica. **DTF 121 I 138 consid. 5** riconobbe anche la Landsgemeinde come forma ammissibile nonostante le debolezze sistemiche. Il consenso deve avvenire in una procedura libera e corretta.\n\n**N. 8** **Possibilità di revisione:** La costituzione deve essere rivedibile quando la maggioranza degli aventi diritto di voto lo richiede. Ciò comprende sia revisioni parziali che totali. I termini di blocco sono secondo Kölz (Die Zulässigkeit von Sperrfristen für kantonale Volksinitiativen, ZBl 2001, 169) ammissibili solo se sono proporzionati.\n\n**N. 9** **Contraddizione al diritto federale:** La costituzione cantonale non può contraddire non solo alla Costituzione federale, ma a tutto il diritto federale. Ciò comprende leggi federali, ordinanze e trattati di diritto internazionale (→ art. 190 Cost.). **DTF 130 I 1 consid. 2** confermò questo parametro di controllo comprensivo.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** **Garanzia:** La garanzia da parte dell'Assemblea federale ha effetto costitutivo. Senza garanzia una costituzione cantonale non può entrare in vigore. La garanzia avviene mediante decreto federale e può essere collegata a condizioni (Hotz, Probleme bei der eidgenössischen Gewährleistung kantonaler Verfassungen, ZBl 1982, 193).\n\n**N. 11** **Controllo del Tribunale federale:** Il Tribunale federale può controllare le disposizioni costituzionali cantonali garantite nel caso di applicazione, se il diritto federale si è sviluppato ulteriormente dopo la garanzia. **DTF 140 I 394 consid. 9** stabilì questa considerazione dinamica per l'uguaglianza del diritto di voto. Il controllo avviene tuttavia solo in casi concreti di applicazione, non in astratto.\n\n**N. 12** **Gerarchia delle norme:** La costituzione cantonale gode di primato intracantonale rispetto a leggi e ordinanze. **DTF 143 I 272 consid. 2.3** sottolineò: «Nella struttura normativa del Cantone spetta allora alla costituzione il primato normativo.» Questo primato deve essere rispettato anche nell'applicazione del diritto cantonale.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 13** **Parlamenti bicamerali:** La dottrina dominante (cit. in Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 33) ritiene i parlamenti cantonali bicamerali inammissibili, poiché contrastano con l'idea di uguaglianza. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 33) sostengono al contrario che un sistema bicamerale con motivi oggettivi come la protezione di minoranze linguistiche può ben essere democratico. La prassi non conosce parlamenti cantonali bicamerali.\n\n**N. 14** **Maggioranze qualificate:** Un altro punto controverso riguarda i requisiti di maggioranze qualificate. La dottrina dominante (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 39) le respinge come antidemocratiche. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 39) argomentano in modo più differenziato: le maggioranze qualificate dovrebbero essere ammissibili con giustificazione oggettiva, ad esempio per la protezione di minoranze nazionali. Il Tribunale federale non ha ancora deciso questa questione.\n\n**N. 15** **Sistemi elettorali maggioritari:** L'ammissibilità di procedure elettorali puramente maggioritarie per i parlamenti cantonali è controversa. Hangartner (Die Wahl kantonaler Parlamente nach dem Majorzsystem, ZBl 2005, 217) le ritiene contrarie al diritto federale. **DTF 145 I 259 consid. 5** lasciò alla fine aperta la questione, ma sottolineò i severi requisiti per la ripartizione dei circondari elettorali nei sistemi maggioritari.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Revisioni costituzionali:** Per le revisioni totali è necessario cercare presto il contatto con l'Ufficio federale di giustizia. L'esame preventivo informale può evitare successivi problemi di garanzia. Anche le revisioni parziali necessitano della garanzia, ma la procedura è semplificata (Bundi Caldelari/Rathgeb, ZGRG 2004, 92).\n\n**N. 17** **Riforme del diritto elettorale:** Le riforme del sistema elettorale cantonale devono osservare la giurisprudenza in evoluzione del Tribunale federale sull'uguaglianza del diritto di voto. **DTF 143 I 92 consid. 3** richiede nei sistemi misti un'uguaglianza del valore del successo tra circondari elettorali. I sistemi puramente maggioritari sono sottoposti a requisiti elevati.\n\n**N. 18** **Organizzazione comunale:** La garanzia comprende anche disposizioni sull'organizzazione comunale. **DTF 131 I 91 consid. 3** accettò fusioni forzate, ma richiede procedure conformi allo Stato di diritto. L'autonomia comunale (→ art. 50 Cost.) deve essere rispettata come limite.\n\n**N. 19** **Garanzia dinamica:** La garanzia una volta concessa non vale in modo assoluto. In caso di modifiche sostanziali del diritto federale o dell'interpretazione costituzionale può rendersi necessario un adeguamento. **DTF 139 I 195 consid. 3** mostra che disposizioni costituzionali contrarie al diritto federale non possono essere perpetuate.\n\n**N. 20** **Questioni procedurali:** Contro il diniego della garanzia è aperta la via al Tribunale federale (→ art. 82 lett. b LTF). Il ricorso si basa sull'→ art. 189 cpv. 1 lett. e Cost. Nell'applicazione di norme garantite il Tribunale federale esamina la compatibilità con il diritto di rango superiore (Cereghetti, Die Überprüfung der Kantonsverfassungen, 1956, 45 segg.).", "caselaw_it": "# Art. 51 Cfed\n\n## Giurisprudenza\n\n### Garanzia e controllo del Tribunale federale\n\n**BGE 143 I 272 c. 2.2-2.5** del 3 aprile 2017\nIl Tribunale federale ha chiarito in modo fondamentale la precedenza della Costituzione cantonale e i limiti del controllo del Tribunale federale. La decisione riguarda la fusione forzata di comuni scolastici a Zurigo.\n\n«Riguardo alla gerarchia delle norme, dalla Costituzione federale si può desumere unicamente che tutto il diritto federale (art. 49 cpv. 1 Cfed) e il diritto intercantonale (art. 48 cpv. 5 Cfed) prevalgono sul diritto cantonale contrario. La gerarchia normativa intracantonale rimane inespressa. Secondo l'art. 51 cpv. 1 Cfed però ogni Cantone si dà una Costituzione democratica. Nel sistema normativo del Cantone spetta quindi alla Costituzione la precedenza normativa.»\n\n**BGE 140 I 394 c. 9** del 26 settembre 2014  \nIl Tribunale federale ha concretizzato la sua competenza di controllo delle disposizioni costituzionali cantonali nel caso concreto, utilizzando l'esempio della procedura elettorale in Appenzello Esterno.\n\n«Il principio dell'uguaglianza del diritto di voto che deriva dall'art. 34 Cfed si è sviluppato ulteriormente dalla garanzia della Costituzione del Cantone Appenzello Est. da parte dell'Assemblea federale nel 1996. Di questo sviluppo bisogna tenere conto, motivo per cui il Tribunale federale, in seguito a un ricorso concernente l'elezione del Gran Consiglio di Appenzello Est. del 2011, esamina se la procedura elettorale disciplinata nei tratti essenziali nella Costituzione cantonale sia compatibile con l'uguaglianza del diritto di voto.»\n\n### Costituzione democratica e procedura elettorale\n\n**BGE 145 I 259 c. 5** del 29 luglio 2019\nLa decisione riguarda la compatibilità della procedura elettorale maggioritaria nei Grigioni con i requisiti di una Costituzione democratica secondo l'art. 51 cpv. 1 Cfed.\n\n«I presupposti per il controllo di disposizioni di una Costituzione cantonale da parte del Tribunale federale. La grandezza della popolazione residente svizzera come criterio ammissibile per la ripartizione dei seggi sui collegi elettorali. Questione dell'ammissibilità di garanzie di seggi per collegi elettorali con popolazione insufficiente.»\n\n**BGE 121 I 138 c. 5** del 5 giugno 1995\nIl Tribunale federale ha riconosciuto la Landsgemeinde come sistema democratico conforme alla Costituzione nonostante le insufficienze intrinseche al sistema.\n\n«L'istituzione delle Landsgemeinde corrisponde a una forma particolare tradizionale di partecipazione democratica diretta dei cittadini aventi diritto di voto. [...] L'organizzazione di una votazione in Landsgemeinde non viola la libertà di voto nonostante le insufficienze intrinseche al sistema.»\n\n### Contraddizione con il diritto federale\n\n**BGE 129 I 232 c. 2-5** del 9 luglio 2003\nIl Tribunale federale ha esaminato un'iniziativa per l'introduzione di votazioni all'urna sulle domande di naturalizzazione e l'ha dichiarata nulla per violazione dei diritti fondamentali federali.\n\n«Le decisioni di rifiuto della naturalizzazione sottostanno all'obbligo di motivazione secondo l'art. 29 cpv. 2 Cfed (diritto di essere sentiti) in combinazione con l'art. 8 cpv. 2 Cfed (divieto di discriminazione). Nella votazione all'urna non è possibile una motivazione che soddisfi i requisiti costituzionali.»\n\n**BGE 130 I 1 c. 2** del 19 novembre 2003\nIl Tribunale federale ha confermato la precedenza del diritto federale in caso di conflitto tra Costituzione cantonale e legislazione federale nell'ambito dell'asilo.\n\n«L'art. 51 cpv. 2 Cfed stabilisce che le Costituzioni cantonali necessitano della garanzia della Confederazione. La Confederazione le garantisce se non sono contrarie al diritto federale.»\n\n### Garanzie istituzionali\n\n**BGE 131 I 91 c. 3** del 28 settembre 2004\nLa decisione sulla fusione di comuni in Vallese ha chiarito i limiti dell'autonomia cantonale nelle fusioni forzate.\n\nIl Tribunale ha stabilito che le fusioni forzate di comuni sono in linea di principio compatibili con l'autonomia comunale, quando il diritto cantonale prevede procedure corrispondenti.\n\n**BGE 136 I 352 c. 4** del 7 luglio 2010\nIl Tribunale federale ha esaminato la procedura elettorale proporzionale a Nidvaldo e ha concretizzato i requisiti delle procedure elettorali democratiche.\n\nIl Tribunale ha stabilito che le procedure elettorali cantonali devono corrispondere agli standard minimi del diritto costituzionale federale, ma che ai Cantoni spetta un considerevole margine di manovra.\n\n### Sviluppi attuali\n\n**BGE 147 I 478 c. 2** del 25 giugno 2021\nIl Tribunale federale si è occupato della gerarchia delle norme nel Cantone Svitto durante la pandemia di Covid-19 e ha ribadito l'importanza della garanzia.\n\nLa decisione ha sottolineato che anche in situazioni eccezionali devono essere rispettate le disposizioni costituzionali cantonali garantite.\n\n### Limiti della garanzia\n\n**BGE 139 I 195 c. 3** del 10 luglio 2013\nLa decisione su una procedura elettorale proporzionale nel Cantone Zugo giudicata contraria alla Costituzione federale ha chiarito i limiti della garanzia una volta concessa.\n\n«L'oggetto di votazione controverso è inammissibile perché è orientato a permettere l'introduzione di una procedura contraria al diritto elettorale.»\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che la garanzia di una Costituzione cantonale non vale per sempre, ma deve essere adattata agli sviluppi successivi del diritto federale.", "summary_en": "# Art. 51 BV\n\n## Overview\n\nArt. 51 BV governs the requirements for cantonal constitutions and their supervision by the Confederation. Every canton must adopt a democratic constitution (fundamental order of the canton) that must fulfil two central conditions: the people must be able to approve it, and it must be amendable when the majority so demands.\n\n**Democratic constitution** means according to the Federal Council at least an elected parliament and separation of powers. Legal scholarship additionally requires regular elections, equal voting rights for all, and protection of minorities. It is disputed whether cantons may have a bicameral parliament - most legal scholars say no, but individual experts such as Belser and Massüger find it permissible for special reasons (such as protection of linguistic minorities).\n\nThe **Confederation examines every cantonal constitution** before it can take effect (federal guarantee). The Federal Assembly approves it only if it complies with all federal law - not only the Federal Constitution, but also all federal acts. Example: The Canton of Zurich wanted to introduce naturalisation by ballot in 2003. The Federal Supreme Court prohibited this because rejected applicants have a right to justification.\n\n**Legal consequences:** No cantonal constitution can enter into force without the federal guarantee. Even after approval, the Federal Supreme Court continues to supervise: if federal law changes, the cantons must adapt their constitutions. Thus several cantons had to reform their electoral systems because new Federal Supreme Court decisions established stricter equality rules.\n\nThe provision secures the balance between cantonal self-determination and national legal unity in the federal state.", "doctrine_en": "# Art. 51 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current provision of Art. 51 BV traces back to Art. 6 of the Federal Constitution of 1874, which in turn combined Art. 6 and 85 no. 7 of the Federal Constitution of 1848. The Federal Council Message on the Total Revision of the Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) stated that the guarantee of cantonal constitutions represents a central element of the Swiss federal state. The provision secures cantonal constitutional autonomy on the one hand, while ensuring compliance with federal law on the other.\n\n**N. 2** During the 1999 total revision, a conscious decision was made not to specify the concept of \"democratic constitution\". The constitutional legislator did not want to impede the dynamic development of understanding of democracy through a rigid definition. The formulation \"if they do not contradict federal law\" replaced the earlier phrase \"provided they contain nothing contrary to the provisions of the Federal Constitution\" to clarify that the entire federal legal order serves as the standard (BBl 1997 I 252).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 51 BV stands in the second title on Confederation, Cantons and Communes. The provision must be read in conjunction with the principles of federalism: → Art. 3 BV (cantons as sovereign within the framework of the Federal Constitution), → Art. 47 BV (preservation of cantonal independence), → Art. 49 BV (precedence of federal law) and → Art. 52 BV (constitutional order).\n\n**N. 4** The guarantee under Art. 51 para. 2 BV is concretised by → Art. 172 para. 2 BV, which empowers the Federal Assembly to grant the guarantee. The procedure is governed by → Art. 189 para. 1 lit. e BV for Federal Supreme Court review. The provision is closely related to political rights (→ Art. 34 BV) and equality before the law (→ Art. 8 BV).\n\n### 3. Elements of the Offence\n\n**N. 5** **Cantonal constitution:** The concept encompasses the formal constitution as the basic order of the canton. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 14) define it as a collection of legally supreme norms that organise the political system, guarantee fundamental rights and establish state functions. The cantonal constitution must be formally distinguished from other cantonal enactments.\n\n**N. 6** **Democratic constitution:** The requirement of a democratic constitution requires, according to the Federal Council (cited in Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 20), at least an elected parliament and observance of the principle of separation of powers. The prevailing doctrine (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 19) concretises this through four elements: periodic elections, universal and equal suffrage, majority principle and guaranteed opposition.\n\n**N. 7** **Consent of the people:** The mandatory constitutional referendum forms the core of democratic legitimacy. **BGE 121 I 138 E. 5** also recognised the Landsgemeinde as a permissible form despite systemic weaknesses. Consent must be given in a free and fair procedure.\n\n**N. 8** **Possibility of revision:** The constitution must be revisable if the majority of those entitled to vote so demands. This encompasses both partial and total revisions. Blocking periods are, according to Kölz (Die Zulässigkeit von Sperrfristen für kantonale Volksinitiativen, ZBl 2001, 169), only permissible if they are proportionate.\n\n**N. 9** **Contradiction with federal law:** The cantonal constitution may not contradict not only the Federal Constitution, but the entire federal law. This includes federal acts, ordinances and international treaties (→ Art. 190 BV). **BGE 130 I 1 E. 2** confirmed this comprehensive standard of review.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **Guarantee:** The guarantee by the Federal Assembly has constitutive effect. Without guarantee, a cantonal constitution cannot come into force. The guarantee is granted by federal decree and may be subject to conditions (Hotz, Probleme bei der eidgenössischen Gewährleistung kantonaler Verfassungen, ZBl 1982, 193).\n\n**N. 11** **Federal Supreme Court review:** The Federal Supreme Court may review guaranteed cantonal constitutional provisions in cases of application if federal law has developed since the guarantee was granted. **BGE 140 I 394 E. 9** established this dynamic approach for electoral equality. However, the review only occurs in concrete cases of application, not abstractly.\n\n**N. 12** **Hierarchy of norms:** The cantonal constitution enjoys intra-cantonal precedence over acts and ordinances. **BGE 143 I 272 E. 2.3** emphasised: «In the normative structure of the canton, the constitution then enjoys normative precedence.» This precedence must also be observed in cantonal legal application.\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 13** **Bicameral parliaments:** The prevailing doctrine (cited in Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 33) considers cantonal bicameral parliaments inadmissible as they contradict the principle of equality. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 33) argue conversely that a bicameral system could indeed be democratic with factual reasons such as protection of linguistic minorities. Practice knows no cantonal bicameral parliaments.\n\n**N. 14** **Qualified majorities:** Another point of dispute concerns qualified majority requirements. The prevailing doctrine (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 51 N. 39) rejects these as undemocratic. Belser/Massüger (BSK BV, Art. 51 N. 39) argue more differentially: qualified majorities should be permissible with factual justification, for instance to protect national minorities. The Federal Supreme Court has not yet decided this question.\n\n**N. 15** **Majoritarian electoral systems:** The admissibility of pure majoritarian electoral procedures for cantonal parliaments is disputed. Hangartner (Die Wahl kantonaler Parlamente nach dem Majorzsystem, ZBl 2005, 217) considers them contrary to federal law. **BGE 145 I 259 E. 5** ultimately left the question open, but emphasised the strict requirements for constituency division in majoritarian systems.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** **Constitutional revisions:** For total revisions, contact should be sought early with the Federal Office of Justice. The informal preliminary examination can avoid later guarantee problems. Partial revisions also require guarantee, but the procedure is simplified (Bundi Caldelari/Rathgeb, ZGRG 2004, 92).\n\n**N. 17** **Electoral reforms:** Reforms of the cantonal electoral system must observe the developing Federal Supreme Court practice on electoral equality. **BGE 143 I 92 E. 3** requires cross-constituency equality of success value in mixed systems. Pure majoritarian systems are subject to heightened requirements.\n\n**N. 18** **Municipal organisation:** The guarantee also covers provisions on municipal organisation. **BGE 131 I 91 E. 3** accepted forced mergers but requires procedures under the rule of law. Municipal autonomy (→ Art. 50 BV) must be observed as a limitation.\n\n**N. 19** **Dynamic guarantee:** The guarantee once granted does not apply absolutely. In case of substantial changes to federal law or constitutional interpretation, adjustment may be necessary. **BGE 139 I 195 E. 3** shows that constitutional provisions contrary to federal law may not be perpetuated.\n\n**N. 20** **Procedural questions:** Against the refusal of guarantee, recourse to the Federal Supreme Court is available (→ Art. 82 lit. b FSCA). The appeal is governed by → Art. 189 para. 1 lit. e BV. In the application of guaranteed norms, the Federal Supreme Court examines compatibility with higher-ranking law (Cereghetti, Die Überprüfung der Kantonsverfassungen, 1956, 45ff.).", "caselaw_en": "# Art. 51 BV\n\n## Case Law\n\n### Guarantee and Federal Supreme Court Review\n\n**BGE 143 I 272 E. 2.2-2.5** of 3 April 2017\nThe Federal Supreme Court fundamentally clarified the precedence of cantonal constitutions and the limits of federal judicial review. The decision concerned the forced merger of school municipalities in Zurich.\n\n«Regarding the hierarchy of norms, it can only be derived from the Federal Constitution that all federal law (Art. 49 para. 1 Cst.) and intercantonal law (Art. 48 para. 5 Cst.) supersedes contradicting cantonal law. The intracantonal norm hierarchy remains unmentioned. According to Art. 51 para. 1 Cst., however, each canton adopts a democratic constitution. In the normative structure of the canton, the constitution then takes normative precedence.»\n\n**BGE 140 I 394 E. 9** of 26 September 2014  \nThe Federal Supreme Court specified its authority to review cantonal constitutional provisions in concrete cases using the example of the electoral procedure in Appenzell Ausserrhoden.\n\n«The principle of electoral equality flowing from Art. 34 Cst. has been further developed since the guarantee of the Constitution of the Canton of Appenzell A.Rh. by the Federal Assembly in 1996. This development must be taken into account, which is why the Federal Supreme Court examines, following an appeal concerning the 2011 election of the Cantonal Council of Appenzell A.Rh., whether the electoral procedure regulated in its basic features in the cantonal constitution is compatible with electoral equality.»\n\n### Democratic Constitution and Electoral Procedures\n\n**BGE 145 I 259 E. 5** of 29 July 2019\nThe decision concerns the compatibility of the majoritarian electoral system in Graubünden with the requirements for a democratic constitution under Art. 51 para. 1 Cst.\n\n«The prerequisites for the review of provisions of a cantonal constitution by the Federal Supreme Court. The size of the Swiss resident population as a permissible criterion for the distribution of seats among electoral districts. Question of the admissibility of seat guarantees for electoral districts with insufficient population.»\n\n**BGE 121 I 138 E. 5** of 5 June 1995\nThe Federal Supreme Court recognised the Landsgemeinde as a constitutionally compliant democratic system despite systemic inadequacies.\n\n«The institution of Landsgemeinden corresponds to a special traditional form of direct democratic participation by voters. [...] The ordering of a Landsgemeinde vote does not violate freedom of vote despite systemic inadequacies.»\n\n### Contradiction with Federal Law\n\n**BGE 129 I 232 E. 2-5** of 9 July 2003\nThe Federal Supreme Court examined an initiative to introduce ballot votes on naturalisation applications and declared it invalid due to violation of fundamental federal rights.\n\n«Negative naturalisation decisions are subject to the duty to give reasons according to Art. 29 para. 2 Cst. (right to be heard) in conjunction with Art. 8 para. 2 Cst. (prohibition of discrimination). In ballot votes, reasoning that meets constitutional requirements is not possible.»\n\n**BGE 130 I 1 E. 2** of 19 November 2003\nThe Federal Supreme Court confirmed the precedence of federal law in a conflict between cantonal constitution and federal legislation in the asylum area.\n\n«Art. 51 para. 2 Cst. provides that cantonal constitutions require the guarantee of the Confederation. The Confederation guarantees them if they do not contradict federal law.»\n\n### Institutional Guarantees\n\n**BGE 131 I 91 E. 3** of 28 September 2004\nThe decision on municipal merger in Valais clarified the limits of cantonal autonomy in forced mergers.\n\nThe court found that forced mergers of municipalities are fundamentally compatible with municipal autonomy if cantonal law provides for corresponding procedures.\n\n**BGE 136 I 352 E. 4** of 7 July 2010\nThe Federal Supreme Court examined the proportional electoral system in Nidwalden and specified the requirements for democratic electoral procedures.\n\nThe court held that cantonal electoral procedures must comply with federal constitutional minimum standards, but that cantons have considerable scope for design.\n\n### Current Developments\n\n**BGE 147 I 478 E. 2** of 25 June 2021\nThe Federal Supreme Court dealt with the norm hierarchy in the Canton of Schwyz during the Covid-19 pandemic and reaffirmed the importance of the guarantee.\n\nThe decision emphasised that even in exceptional situations, guaranteed cantonal constitutional provisions must be respected.\n\n### Limits of the Guarantee\n\n**BGE 139 I 195 E. 3** of 10 July 2013\nThe decision on a proportional electoral procedure in the Canton of Zug assessed as contrary to the Federal Constitution clarified the limits of a guarantee once granted.\n\n«The disputed voting proposal is inadmissible because it is aimed at enabling the introduction of an electoral procedure that violates electoral law.»\n\nThe Federal Supreme Court clarified that the guarantee of a cantonal constitution does not apply for all time, but must be adapted in light of subsequent developments in federal law.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_51", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.0, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 52, "article_suffix": "", "title": "Verfassungsmässige Ordnung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 52 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 52 der Bundesverfassung regelt die Bundesgarantie für die kantonale Ordnung. Diese Bestimmung verpflichtet den Bund zum Schutz der «verfassungsmässigen Ordnung» der Kantone und ermächtigt ihn zur Intervention, wenn ein Kanton seine Ordnung nicht mehr selbst aufrechterhalten kann.\n\n**Was ist die verfassungsmässige Ordnung?** Nach der herrschenden Lehre (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7) umfasst sie das gesamte kantonale Verfassungsrecht, das von der Bundesversammlung gewährleistet wurde. Dies geht weit über die blosse öffentliche Ordnung hinaus. Eine Mindermeinung (Schweizer/Müller) betont dagegen primär die kantonale Verfassungsautonomie.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle 26 Kantone stehen unter dieser Bundesgarantie. Sie können sich bei schweren Störungen der Ordnung an den Bund wenden oder müssen seine Intervention dulden.\n\n**Wann kann der Bund eingreifen?** Eine Bundesintervention nach Absatz 2 ist nur möglich, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Die Ordnung muss gestört oder bedroht sein, der Kanton kann sich nicht selbst helfen, und andere Kantone können auch nicht ausreichend helfen (Subsidiaritätsprinzip).\n\n**Welche Folgen hat die Bestimmung?** Praktisch wirkt Artikel 52 BV heute hauptsächlich präventiv. Echte Bundesinterventionen sind seit 1890 nicht mehr vorgekommen (Botschaft BV, BBl 1997 I 321). Stattdessen erfolgt die Bundesaufsicht über die gewöhnlichen Rechtsmittel, wie das Bundesgericht zeigt (**BGE 133 I 206**): Verfassungswidrige kantonale Erlasse werden direkt durch das Bundesgericht aufgehoben.\n\n**Konkretes Beispiel:** Würde ein Kanton seine Staatsorgane nicht mehr bestimmen können - etwa durch andauernde politische Blockaden oder Gewalt - könnte der Bundesrat nach Warnung und erfolgloser Hilfe durch Nachbarkantone eine Intervention beschliessen. Er könnte eidgenössische Kommissäre entsenden oder in extremen Fällen militärische Mittel einsetzen.\n\nDie Bestimmung verkörpert das Spannungsverhältnis zwischen kantonaler Autonomie und gesamtstaatlicher Stabilität im Bundesstaat.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 52 BV geht zurück auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Bestimmung fusioniert die vormaligen Art. 5 aBV (Schutzpflicht) und Art. 16 aBV (Bundesintervention) zu einer kompakten Norm. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 hielt dazu fest: «Der Entwurf übernimmt den wesentlichen Gehalt der beiden Bestimmungen, fasst sie aber zu einem Artikel zusammen» (BBl 1997 I 321).\n\n**N. 2** Historisch wurzelt die Bundesintervention in der Tagsatzungszeit, wo die Eidgenossen zur gegenseitigen Hilfeleistung verpflichtet waren (Gnehm, Das eidgenössische Interventionsrecht, 1912, S. 1 ff.). Die Bundesverfassung von 1848 überführte dieses Prinzip in Art. 5 aBV 1848 und schuf damit ein zentrales Element des Bundesstaates: die Garantie der inneren Sicherheit durch die Zentralgewalt.\n\n**N. 3** Die Verfassungsrevision von 1999 strebte eine Vereinfachung an, ohne den materiellen Gehalt zu verändern. Die parlamentarische Beratung verlief ohne Kontroversen, was die etablierte Natur dieser bundesstaatlichen Grundnorm unterstreicht (BBl 1997 I 321 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 52 BV steht im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 1. Kapitel (Verhältnis von Bund und Kantonen) der Bundesverfassung. Die Norm bildet zusammen mit Art. 51 BV (Kantonsverfassungen) und Art. 53 BV (Bestand und Gebiet der Kantone) die verfassungsrechtliche Grundlage für die föderalistische Ordnung und die Integrität der Kantone.\n\n**N. 5** Die Bestimmung ist eng verknüpft mit → Art. 44 BV (Grundsätze der Zusammenarbeit), → Art. 49 Abs. 2 BV (Einhaltung des Bundesrechts durch die Kantone) und → Art. 173 Abs. 1 lit. b BV (Kompetenz der Bundesversammlung zur Gewährleistung der Kantonsverfassungen). Im Bereich der Sicherheit ergänzt sie → Art. 57 BV (Sicherheit) und → Art. 185 Abs. 2 BV (äussere und innere Sicherheit).\n\n**N. 6** Als bundesstaatliche Garantienorm steht Art. 52 BV in einem Spannungsverhältnis zur kantonalen Autonomie (→ Art. 47 BV). Die Norm verkörpert die Balance zwischen föderalistischer Eigenständigkeit und der Notwendigkeit einer funktionierenden Gesamtstaatsordnung.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Art. 52 Abs. 1 BV statuiert die allgemeine Schutzpflicht des Bundes für die «verfassungsmässige Ordnung» der Kantone. Der Begriff der verfassungsmässigen Ordnung ist umstritten. Nach der herrschenden Auffassung (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7) geht er über die öffentliche Ordnung hinaus und umfasst das gesamte kantonale Verfassungsrecht, soweit es von der Bundesversammlung gewährleistet worden ist. Demgegenüber betonen Schweizer/Müller (zit. in BSK BV, Art. 52 N. 7), dass Art. 52 Abs. 1 in erster Linie die kantonale Verfassungsautonomie und über deren verschiedene Teilgehalte auch die anderen Aspekte schütze.\n\n**N. 8** Art. 52 Abs. 2 BV regelt die Bundesintervention als ultima ratio. Drei kumulative Voraussetzungen müssen erfüllt sein:\n- Die Ordnung in einem Kanton ist «gestört oder bedroht»\n- Der betroffene Kanton kann sie nicht selber schützen\n- Er kann sie auch nicht mit Hilfe anderer Kantone schützen\n\n**N. 9** Die «Störung oder Bedrohung» muss eine gewisse Intensität erreichen. Blosse politische Meinungsverschiedenheiten oder einzelne Rechtsverletzungen genügen nicht. Erforderlich sind schwerwiegende Funktionsstörungen der kantonalen Staatsorgane oder ein Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung (Eichenberger, Die Sorge für den inneren Frieden als primäre Staatsaufgabe, ZBl 1977, 440).\n\n**N. 10** Das Subsidiaritätsprinzip ist doppelt verankert: Primär muss der betroffene Kanton selbst handeln, sekundär kann er andere Kantone um Hilfe ersuchen. Erst wenn beide Ebenen versagen, ist der Bund zum Eingreifen legitimiert (Müller, Innere Sicherheit Schweiz, 2009, S. 158 ff.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Aus Art. 52 Abs. 1 BV folgt eine permanente Aufsichtspflicht des Bundes. Diese manifestiert sich primär in der Gewährleistung der Kantonsverfassungen durch die Bundesversammlung (→ Art. 51 Abs. 2 BV, → Art. 172 Abs. 2 BV) und der verfassungsgerichtlichen Kontrolle durch das Bundesgericht (→ Art. 189 Abs. 1 lit. d BV).\n\n**N. 12** Die Bundesintervention nach Abs. 2 löst ein gestuftes Verfahren aus:\n1. Feststellung der Interventionsvoraussetzungen durch den Bundesrat (→ Art. 185 Abs. 2 BV)\n2. Bei Dringlichkeit: Sofortmassnahmen durch den Bundesrat mit nachträglicher Genehmigung durch die Bundesversammlung\n3. Ordentlich: Beschluss der Bundesversammlung (→ Art. 173 Abs. 1 lit. d BV)\n\n**N. 13** Die konkreten Massnahmen reichen von Vermittlung über die Entsendung eidgenössischer Kommissäre bis zum Einsatz militärischer Kräfte (→ Art. 185 Abs. 4 BV). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (→ Art. 5 Abs. 2 BV) begrenzt die Interventionsbefugnisse.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** Umstritten ist der Umfang des Begriffs «verfassungsmässige Ordnung» in Abs. 1. Während die herrschende Lehre (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7) eine weite Auslegung befürwortet, die das gesamte gewährleistete kantonale Verfassungsrecht umfasst, plädiert eine Mindermeinung (Schweizer/Müller, zit. in BSK BV, Art. 52 N. 7) für eine Fokussierung auf die kantonale Verfassungsautonomie als Kerngehalt.\n\n**N. 15** Kontrovers diskutiert wird auch die Justiziabilität von Bundesinterventionen. Vez (Le pouvoir de disposer des moyens stratégiques dans la défense générale, 1985, S. 234 f.) vertritt die Auffassung, dass politische Ermessensentscheide des Bundesrates nur beschränkt gerichtlich überprüfbar seien. Die Gegenmeinung betont die umfassende Bindung an das Rechtsstaatsprinzip.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** In der modernen Praxis hat Art. 52 BV primär präventive Bedeutung. Die letzte echte Bundesintervention fand 1890 im Tessin statt. Die blosse Existenz der Interventionsmöglichkeit stabilisiert die kantonale Ordnung.\n\n**N. 17** Praktisch relevant ist heute vor allem die Aufsichtsfunktion nach Abs. 1. Diese erfolgt durch:\n- Die Gewährleistung kantonaler Verfassungsrevisionen (→ Art. 51 Abs. 2 BV)\n- Die abstrakte Normenkontrolle durch das Bundesgericht (→ Art. 82 lit. b BGG)\n- Die Beschwerdemöglichkeiten im Einzelfall (→ Art. 189 Abs. 1 lit. d BV)\n\n**N. 18** Bei Sicherheitsproblemen greifen die Kantone heute primär auf interkantonale Konkordate zurück (z.B. Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen, **BGE 140 I 2**). Die horizontale Kooperation nach Art. 52 Abs. 2 BV hat die vertikale Bundesintervention weitgehend ersetzt.\n\n**N. 19** Für kantonale Behörden empfiehlt sich bei Ordnungsstörungen ein gestuftes Vorgehen:\n1. Eigene Kräfte mobilisieren (Kantonspolizei)\n2. Nachbarkantone um Amtshilfe ersuchen\n3. Erst bei Überforderung: Bundesrat informieren\n\nDie frühzeitige Information des Bundes ist ratsam, auch wenn die formellen Interventionsvoraussetzungen noch nicht erfüllt sind.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Allgemeine Grundsätze der Bundesgarantie\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007  \nBundesaufsicht bei verfassungswidrigen kantonalen Erlassen  \nDas Bundesgericht prüft kantonale Erlasse auf ihre Verfassungsmässigkeit und hebt sie nötigenfalls auf, ohne dass hierfür eine formelle Bundesintervention nach Art. 52 BV erforderlich wäre.\n\n> «Die Kantone sind grundsätzlich frei, ihre Steuerordnung zu gestalten. Sie sind aber verpflichtet, das übergeordnete Bundesrecht zu beachten [...] Im Rahmen des ihnen zustehenden Gestaltungsspielraums sind die Kantone aber nicht völlig frei. Sie müssen ebenfalls die verfassungsmässigen Grundrechte, insbesondere das Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 8 Abs. 1 BV) und die daraus abzuleitenden steuerrechtlichen Prinzipien [...] beachten.»\n\n### Historische Anwendungsfälle\n\n**BGE 5 I 457** vom 17. Oktober 1879  \nPolitische Unruhen im Tessin (Stabio-Vorfall)  \nFrüher Fall einer Überprüfung der Bundesintervention bei politischen Störungen in einem Kanton.\n\nDie geringe Rechtsprechung zu Art. 52 BV erklärt sich dadurch, dass offene Störungen der verfassungsmässigen Ordnung in den Kantonen seit der Bundesstaatsgründung praktisch nicht mehr vorgekommen sind. Die präventive Wirkung der Bestimmung und die etablierte bundesstaatliche Ordnung haben dazu geführt, dass Art. 52 BV als ultima ratio der Bundesgewährleistung faktisch nicht aktiviert werden musste.\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass die Bundesaufsicht heute primär über die ordentlichen Rechtsmittel (Beschwerde an das Bundesgericht) und nicht über die außerordentliche Bundesintervention nach Art. 52 BV erfolgt. Diese Entwicklung entspricht dem rechtsstaatlichen Prinzip, wonach Verfassungsverletzungen durch gerichtliche Kontrolle und nicht durch politische Intervention behoben werden sollen.", "summary_fr": "# Art. 52 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 52 de la Constitution fédérale règle la garantie fédérale de l'ordre cantonal. Cette disposition oblige la Confédération à protéger l'« ordre constitutionnel » des cantons et l'autorise à intervenir lorsqu'un canton ne peut plus maintenir son ordre par ses propres moyens.\n\n**Qu'est-ce que l'ordre constitutionnel ?** Selon la doctrine dominante (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7), il englobe l'ensemble du droit constitutionnel cantonal qui a été garanti par l'Assemblée fédérale. Cela va bien au-delà du simple ordre public. Une opinion minoritaire (Schweizer/Müller) met l'accent en revanche principalement sur l'autonomie constitutionnelle cantonale.\n\n**Qui est concerné ?** Tous les 26 cantons sont soumis à cette garantie fédérale. Ils peuvent s'adresser à la Confédération en cas de troubles graves de l'ordre ou doivent tolérer son intervention.\n\n**Quand la Confédération peut-elle intervenir ?** Une intervention fédérale selon l'alinéa 2 n'est possible que si trois conditions sont remplies : l'ordre doit être troublé ou menacé, le canton ne peut s'aider lui-même, et les autres cantons ne peuvent pas non plus apporter une aide suffisante (principe de subsidiarité).\n\n**Quelles sont les conséquences de cette disposition ?** En pratique, l'article 52 Cst. agit aujourd'hui principalement de manière préventive. De véritables interventions fédérales n'ont plus eu lieu depuis 1890 (Message Cst., FF 1997 I 321). À la place, la surveillance fédérale s'exerce par les voies de droit ordinaires, comme le montre le Tribunal fédéral (**BGE 133 I 206**) : les actes cantonaux inconstitutionnels sont directement annulés par le Tribunal fédéral.\n\n**Exemple concret :** Si un canton ne pouvait plus désigner ses organes étatiques - par exemple en raison de blocages politiques durables ou de violence - le Conseil fédéral pourrait, après avertissement et aide infructueuse de la part des cantons voisins, décider d'une intervention. Il pourrait envoyer des commissaires fédéraux ou, dans des cas extrêmes, recourir à des moyens militaires.\n\nCette disposition incarne la tension entre l'autonomie cantonale et la stabilité de l'ensemble de l'État dans l'État fédéral.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** La version actuelle de l'art. 52 Cst. remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition fusionne les anciens art. 5 aCst. (obligation de protection) et art. 16 aCst. (intervention fédérale) en une norme compacte. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 précisait à cet égard : « Le projet reprend le contenu essentiel des deux dispositions, mais les fusionne en un seul article » (FF 1997 I 287).\n\n**Ch. 2** Historiquement, l'intervention fédérale prend ses racines à l'époque de la Diète, où les Confédérés étaient tenus de s'entraider mutuellement (Gnehm, Das eidgenössische Interventionsrecht, 1912, p. 1 ss). La Constitution fédérale de 1848 transposa ce principe dans l'art. 5 aCst. 1848 et créa ainsi un élément central de l'État fédéral : la garantie de la sécurité intérieure par le pouvoir central.\n\n**Ch. 3** La révision constitutionnelle de 1999 visait une simplification, sans modifier le contenu matériel. Les délibérations parlementaires se sont déroulées sans controverses, ce qui souligne la nature établie de cette norme fondamentale de l'État fédéral (FF 1997 I 287 s).\n\n### 2. Positionnement systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 52 Cst. figure dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 1er chapitre (Relations entre la Confédération et les cantons) de la Constitution fédérale. La norme constitue, avec l'art. 51 Cst. (constitutions cantonales) et l'art. 53 Cst. (existence et territoire des cantons), la base constitutionnelle de l'ordre fédéraliste et de l'intégrité des cantons.\n\n**Ch. 5** La disposition est étroitement liée à → l'art. 44 Cst. (principes de coopération), → l'art. 49 al. 2 Cst. (respect du droit fédéral par les cantons) et → l'art. 173 al. 1 let. b Cst. (compétence de l'Assemblée fédérale pour garantir les constitutions cantonales). Dans le domaine de la sécurité, elle complète → l'art. 57 Cst. (sécurité) et → l'art. 185 al. 2 Cst. (sécurité extérieure et intérieure).\n\n**Ch. 6** En tant que norme de garantie fédérale, l'art. 52 Cst. se trouve dans une relation de tension avec l'autonomie cantonale (→ art. 47 Cst.). La norme incarne l'équilibre entre l'indépendance fédéraliste et la nécessité d'un ordre étatique global fonctionnel.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 7** L'art. 52 al. 1 Cst. statue l'obligation générale de protection de la Confédération pour l'« ordre constitutionnel » des cantons. La notion d'ordre constitutionnel est controversée. Selon l'opinion dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 52 ch. 7), elle va au-delà de l'ordre public et englobe l'ensemble du droit constitutionnel cantonal, dans la mesure où il a été garanti par l'Assemblée fédérale. À l'opposé, Schweizer/Müller (cit. in BSK BV, art. 52 ch. 7) soulignent que l'art. 52 al. 1 protège en premier lieu l'autonomie constitutionnelle cantonale et, à travers ses différents contenus partiels, également les autres aspects.\n\n**Ch. 8** L'art. 52 al. 2 Cst. règle l'intervention fédérale comme ultima ratio. Trois conditions cumulatives doivent être remplies :\n- L'ordre dans un canton est « troublé ou menacé »\n- Le canton concerné ne peut pas le protéger lui-même\n- Il ne peut pas non plus le protéger avec l'aide d'autres cantons\n\n**Ch. 9** Le « trouble ou la menace » doit atteindre une certaine intensité. De simples divergences d'opinion politiques ou des violations isolées du droit ne suffisent pas. Des dysfonctionnements graves des organes étatiques cantonaux ou un effondrement de l'ordre public sont requis (Eichenberger, Die Sorge für den inneren Frieden als primäre Staatsaufgabe, ZBl 1977, 440).\n\n**Ch. 10** Le principe de subsidiarité est doublement ancré : le canton concerné doit d'abord agir lui-même, puis il peut demander l'aide d'autres cantons. Ce n'est que lorsque les deux niveaux échouent que la Confédération est légitimée à intervenir (Müller, Innere Sicherheit Schweiz, 2009, p. 158 ss).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 11** De l'art. 52 al. 1 Cst. découle une obligation permanente de surveillance de la Confédération. Celle-ci se manifeste principalement dans la garantie des constitutions cantonales par l'Assemblée fédérale (→ art. 51 al. 2 Cst., → art. 172 al. 2 Cst.) et le contrôle de constitutionnalité par le Tribunal fédéral (→ art. 189 al. 1 let. d Cst.).\n\n**Ch. 12** L'intervention fédérale selon l'al. 2 déclenche une procédure échelonnée :\n1. Constatation des conditions d'intervention par le Conseil fédéral (→ art. 185 al. 2 Cst.)\n2. En cas d'urgence : mesures immédiates par le Conseil fédéral avec approbation ultérieure par l'Assemblée fédérale\n3. Ordinairement : décision de l'Assemblée fédérale (→ art. 173 al. 1 let. d Cst.)\n\n**Ch. 13** Les mesures concrètes vont de la médiation à l'envoi de commissaires fédéraux jusqu'à l'engagement de forces militaires (→ art. 185 al. 4 Cst.). Le principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) limite les compétences d'intervention.\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 14** L'étendue de la notion d'« ordre constitutionnel » à l'al. 1 est controversée. Alors que la doctrine dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 52 ch. 7) préconise une interprétation large englobant l'ensemble du droit constitutionnel cantonal garanti, une opinion minoritaire (Schweizer/Müller, cit. in BSK BV, art. 52 ch. 7) plaide pour une focalisation sur l'autonomie constitutionnelle cantonale comme contenu essentiel.\n\n**Ch. 15** La justiciabilité des interventions fédérales est également discutée de manière controversée. Vez (Le pouvoir de disposer des moyens stratégiques dans la défense générale, 1985, p. 234 s) soutient que les décisions discrétionnaires politiques du Conseil fédéral ne sont susceptibles de contrôle judiciaire que de manière limitée. L'opinion contraire souligne l'obligation complète au principe de l'État de droit.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 16** Dans la pratique moderne, l'art. 52 Cst. a principalement une signification préventive. La dernière véritable intervention fédérale a eu lieu en 1890 au Tessin. La seule existence de la possibilité d'intervention stabilise l'ordre cantonal.\n\n**Ch. 17** Pratiquement pertinente aujourd'hui est surtout la fonction de surveillance selon l'al. 1. Celle-ci s'effectue par :\n- La garantie des révisions constitutionnelles cantonales (→ art. 51 al. 2 Cst.)\n- Le contrôle abstrait des normes par le Tribunal fédéral (→ art. 82 let. b LTF)\n- Les possibilités de recours dans le cas d'espèce (→ art. 189 al. 1 let. d Cst.)\n\n**Ch. 18** En cas de problèmes de sécurité, les cantons recourent aujourd'hui principalement aux concordats intercantonaux (p.ex. concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives, **ATF 140 I 2**). La coopération horizontale selon l'art. 52 al. 2 Cst. a largement remplacé l'intervention fédérale verticale.\n\n**Ch. 19** Pour les autorités cantonales, il est recommandé en cas de troubles de l'ordre d'adopter une démarche échelonnée :\n1. Mobiliser ses propres forces (police cantonale)\n2. Demander l'entraide des cantons voisins\n3. Seulement en cas de dépassement : informer le Conseil fédéral\n\nL'information précoce de la Confédération est conseillée, même si les conditions formelles d'intervention ne sont pas encore remplies.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes généraux de la garantie fédérale\n\n**BGE 133 I 206** du 1er juin 2007  \nSurveillance fédérale en cas d'actes cantonaux inconstitutionnels  \nLe Tribunal fédéral examine la constitutionnalité des actes cantonaux et les annule si nécessaire, sans qu'une intervention fédérale formelle selon l'art. 52 Cst. ne soit requise.\n\n> « Les cantons sont en principe libres d'organiser leur système fiscal. Ils sont toutefois tenus de respecter le droit fédéral supérieur [...] Dans le cadre de la marge de manœuvre qui leur est accordée, les cantons ne sont cependant pas entièrement libres. Ils doivent également respecter les droits fondamentaux constitutionnels, notamment le principe de l'égalité de traitement (art. 8, al. 1, Cst.) et les principes fiscaux qui en découlent [...]. »\n\n### Cas d'application historiques\n\n**BGE 5 I 457** du 17 octobre 1879  \nTroubles politiques au Tessin (affaire de Stabio)  \nCas ancien d'examen de l'intervention fédérale lors de troubles politiques dans un canton.\n\nLa jurisprudence restreinte relative à l'art. 52 Cst. s'explique par le fait que des troubles ouverts de l'ordre constitutionnel dans les cantons ne se sont pratiquement plus produits depuis la création de l'État fédéral. L'effet préventif de la disposition et l'ordre fédéral établi ont fait que l'art. 52 Cst. en tant qu'ultima ratio de la garantie fédérale n'a pas dû être activé dans les faits.\n\nLa jurisprudence montre que la surveillance fédérale s'exerce aujourd'hui principalement par les voies de droit ordinaires (recours au Tribunal fédéral) et non par l'intervention fédérale extraordinaire selon l'art. 52 Cst. Cette évolution correspond au principe de l'État de droit, selon lequel les violations constitutionnelles doivent être corrigées par un contrôle judiciaire et non par une intervention politique.", "summary_it": "# Art. 52 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 52 della Costituzione federale disciplina la garanzia federale dell'ordinamento cantonale. Questa disposizione obbliga la Confederazione a proteggere l'«ordinamento costituzionale» dei Cantoni e la autorizza ad intervenire quando un Cantone non può più mantenere da solo il proprio ordinamento.\n\n**Che cos'è l'ordinamento costituzionale?** Secondo la dottrina dominante (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 n. 7) esso comprende tutto il diritto costituzionale cantonale che è stato garantito dall'Assemblea federale. Ciò va ben oltre il semplice ordine pubblico. Un'opinione minoritaria (Schweizer/Müller) sottolinea invece primariamente l'autonomia costituzionale cantonale.\n\n**Chi è interessato?** Tutti i 26 Cantoni sono sottoposti a questa garanzia federale. Possono rivolgersi alla Confederazione in caso di gravi turbative dell'ordinamento oppure devono tollerare il suo intervento.\n\n**Quando può intervenire la Confederazione?** Un intervento federale secondo il capoverso 2 è possibile solo se sono adempiute tre condizioni: l'ordinamento deve essere turbato o minacciato, il Cantone non può aiutarsi da solo e altri Cantoni non possono fornire aiuto sufficiente (principio di sussidiarietà).\n\n**Quali conseguenze ha la disposizione?** Praticamente l'articolo 52 Cost. agisce oggi principalmente in modo preventivo. Veri interventi federali non si sono più verificati dal 1890 (Messaggio Cost., FF 1997 I 286). Invece la vigilanza federale avviene attraverso i mezzi di ricorso ordinari, come mostra il Tribunale federale (**DTF 133 I 206**): atti cantonali contrari alla Costituzione vengono abrogati direttamente dal Tribunale federale.\n\n**Esempio concreto:** Se un Cantone non riuscisse più a determinare i propri organi statali - per esempio a causa di blocchi politici durevoli o violenza - il Consiglio federale potrebbe, dopo avvertimento e aiuto infruttuoso da parte di Cantoni vicini, decidere un intervento. Potrebbe inviare commissari federali o in casi estremi impiegare mezzi militari.\n\nLa disposizione incarna la tensione tra autonomia cantonale e stabilità dello Stato complessivo nello Stato federale.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale formulazione dell'art. 52 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione fonde i precedenti art. 5 aCost. (obbligo di protezione) e art. 16 aCostituzione (intervento federale) in una norma compatta. Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 precisava al riguardo: «Il progetto riprende il contenuto sostanziale delle due disposizioni, ma le riunisce in un unico articolo» (FF 1997 I 309).\n\n**N. 2** Storicamente l'intervento federale affonda le radici nell'epoca della Dieta, dove i Confederati erano obbligati al reciproco aiuto (Gnehm, Das eidgenössische Interventionsrecht, 1912, pag. 1 segg.). La Costituzione federale del 1848 traspose questo principio nell'art. 5 aCostituzione 1848 e creò così un elemento centrale dello Stato federale: la garanzia della sicurezza interna da parte del potere centrale.\n\n**N. 3** La revisione costituzionale del 1999 mirava a una semplificazione senza modificare il contenuto materiale. Le deliberazioni parlamentari si svolsero senza controversie, il che sottolinea la natura consolidata di questa norma fondamentale dello Stato federale (FF 1997 I 309 seg.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 52 Cost. si trova nel Titolo 3° (Confederazione, Cantoni e Comuni), Capitolo 1° (Rapporti tra Confederazione e Cantoni) della Costituzione federale. La norma forma insieme all'art. 51 Cost. (Costituzioni cantonali) e all'art. 53 Cost. (Consistenza e territorio dei Cantoni) la base costituzionale per l'ordinamento federalistico e l'integrità dei Cantoni.\n\n**N. 5** La disposizione è strettamente collegata con → l'art. 44 Cost. (Principi di collaborazione), → l'art. 49 cpv. 2 Cost. (Rispetto del diritto federale da parte dei Cantoni) e → l'art. 173 cpv. 1 lett. b Cost. (Competenza dell'Assemblea federale per la garanzia delle costituzioni cantonali). Nel settore della sicurezza completa → l'art. 57 Cost. (Sicurezza) e → l'art. 185 cpv. 2 Cost. (sicurezza esterna e interna).\n\n**N. 6** Come norma di garanzia dello Stato federale, l'art. 52 Cost. si trova in un rapporto di tensione con l'autonomia cantonale (→ art. 47 Cost.). La norma incarna l'equilibrio tra l'indipendenza federalistica e la necessità di un ordinamento statale complessivo funzionante.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** L'art. 52 cpv. 1 Cost. stabilisce l'obbligo generale di protezione della Confederazione per l'«ordine costituzionale» dei Cantoni. Il concetto di ordine costituzionale è controverso. Secondo l'opinione dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 52 n. 7) va oltre l'ordine pubblico e comprende tutto il diritto costituzionale cantonale, nella misura in cui è stato garantito dall'Assemblea federale. Al contrario Schweizer/Müller (cit. in BSK BV, art. 52 n. 7) sottolineano che l'art. 52 cpv. 1 protegge in primo luogo l'autonomia costituzionale cantonale e attraverso i suoi vari contenuti parziali anche gli altri aspetti.\n\n**N. 8** L'art. 52 cpv. 2 Cost. disciplina l'intervento federale come ultima ratio. Devono essere soddisfatti tre presupposti cumulativi:\n- L'ordine in un Cantone è «turbato o minacciato»\n- Il Cantone interessato non può proteggerlo da solo\n- Non può proteggerlo neppure con l'aiuto di altri Cantoni\n\n**N. 9** Il «turbamento o la minaccia» deve raggiungere una certa intensità. Non bastano semplici divergenze politiche di opinione o singole violazioni del diritto. Sono necessari gravi disfunzioni degli organi statali cantonali o un collasso dell'ordine pubblico (Eichenberger, Die Sorge für den inneren Frieden als primäre Staatsaufgabe, ZBl 1977, 440).\n\n**N. 10** Il principio di sussidiarietà è ancorato doppiamente: primariamente deve agire il Cantone interessato stesso, secondariamente può chiedere aiuto ad altri Cantoni. Solo quando entrambi i livelli falliscono, la Confederazione è legittimata a intervenire (Müller, Innere Sicherheit Schweiz, 2009, pag. 158 segg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Dall'art. 52 cpv. 1 Cost. deriva un obbligo permanente di vigilanza della Confederazione. Questo si manifesta primariamente nella garanzia delle costituzioni cantonali da parte dell'Assemblea federale (→ art. 51 cpv. 2 Cost., → art. 172 cpv. 2 Cost.) e nel controllo di giustizia costituzionale da parte del Tribunale federale (→ art. 189 cpv. 1 lett. d Cost.).\n\n**N. 12** L'intervento federale secondo il cpv. 2 attiva una procedura scaglionata:\n1. Accertamento dei presupposti di intervento da parte del Consiglio federale (→ art. 185 cpv. 2 Cost.)\n2. In caso di urgenza: misure immediate da parte del Consiglio federale con successiva approvazione dell'Assemblea federale\n3. Ordinariamente: decisione dell'Assemblea federale (→ art. 173 cpv. 1 lett. d Cost.)\n\n**N. 13** Le misure concrete vanno dalla mediazione all'invio di commissari federali fino all'impiego di forze militari (→ art. 185 cpv. 4 Cost.). Il principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) limita le competenze di intervento.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 14** È controversa la portata del concetto di «ordine costituzionale» nel cpv. 1. Mentre la dottrina dominante (Belser/Massüger, BSK BV, art. 52 n. 7) auspica un'interpretazione ampia che comprende tutto il diritto costituzionale cantonale garantito, un'opinione minoritaria (Schweizer/Müller, cit. in BSK BV, art. 52 n. 7) propugna una focalizzazione sull'autonomia costituzionale cantonale come contenuto essenziale.\n\n**N. 15** È discussa in modo controverso anche la giustiziabilità degli interventi federali. Vez (Le pouvoir de disposer des moyens stratégiques dans la défense générale, 1985, pag. 234 seg.) sostiene l'opinione che le decisioni discrezionali politiche del Consiglio federale siano sindacabili giudizialmente solo in modo limitato. L'opinione contraria sottolinea il vincolo comprensivo al principio dello Stato di diritto.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella prassi moderna l'art. 52 Cost. ha primariamente un significato preventivo. L'ultimo vero intervento federale ebbe luogo nel 1890 in Ticino. La sola esistenza della possibilità di intervento stabilizza l'ordine cantonale.\n\n**N. 17** Praticamente rilevante è oggi soprattutto la funzione di vigilanza secondo il cpv. 1. Questa avviene attraverso:\n- La garanzia delle revisioni costituzionali cantonali (→ art. 51 cpv. 2 Cost.)\n- Il controllo astratto delle norme da parte del Tribunale federale (→ art. 82 lett. b LTF)\n- Le possibilità di ricorso nel caso singolo (→ art. 189 cpv. 1 lett. d Cost.)\n\n**N. 18** In caso di problemi di sicurezza i Cantoni ricorrono oggi primariamente a concordati intercantonali (p. es. Concordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive, **DTF 140 I 2**). La cooperazione orizzontale secondo l'art. 52 cpv. 2 Cost. ha largamente sostituito l'intervento federale verticale.\n\n**N. 19** Per le autorità cantonali si raccomanda in caso di turbamenti dell'ordine un procedimento scaglionato:\n1. Mobilitare le proprie forze (polizia cantonale)\n2. Chiedere assistenza amministrativa ai Cantoni vicini\n3. Solo in caso di sovraccarico: informare il Consiglio federale\n\nÈ consigliabile un'informazione tempestiva della Confederazione, anche quando i presupposti formali di intervento non sono ancora soddisfatti.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi generali della garanzia federale\n\n**BGE 133 I 206** del 1° giugno 2007  \nVigilanza federale in caso di atti cantonali contrari alla Costituzione  \nIl Tribunale federale esamina gli atti cantonali per verificarne la costituzionalità e li annulla se necessario, senza che sia richiesto un intervento federale formale secondo l'art. 52 Cost.\n\n> «I Cantoni sono fondamentalmente liberi di organizzare il loro sistema fiscale. Sono però obbligati a rispettare il diritto federale superiore [...] Nell'ambito del margine di manovra loro riconosciuto, i Cantoni non sono però completamente liberi. Devono rispettare anche i diritti fondamentali costituzionali, in particolare il precetto della parità di trattamento (art. 8 cpv. 1 Cost.) e i principi di diritto tributario che ne derivano [...].»\n\n### Casi di applicazione storici\n\n**BGE 5 I 457** del 17 ottobre 1879  \nDisordini politici nel Ticino (incidente di Stabio)  \nCaso precedente di verifica dell'intervento federale in caso di perturbazioni politiche in un Cantone.\n\nLa scarsa giurisprudenza relativa all'art. 52 Cost. si spiega con il fatto che perturbazioni manifeste dell'ordine costituzionale nei Cantoni praticamente non si sono più verificate dalla fondazione dello Stato federale. L'effetto preventivo della disposizione e l'ordine federale consolidato hanno fatto sì che l'art. 52 Cost. come ultima ratio della garanzia federale di fatto non dovesse essere attivato.\n\nLa giurisprudenza mostra che la vigilanza federale oggi avviene principalmente attraverso i rimedi giuridici ordinari (ricorso al Tribunale federale) e non attraverso l'intervento federale straordinario secondo l'art. 52 Cost. Questo sviluppo corrisponde al principio dello Stato di diritto, secondo cui le violazioni della Costituzione devono essere rimediate attraverso il controllo giudiziario e non attraverso l'intervento politico.", "summary_en": "# Art. 52 BV\n\n## Overview\n\nArticle 52 of the Federal Constitution governs the federal guarantee for cantonal order. This provision obliges the Confederation to protect the «constitutional order» of the cantons and empowers it to intervene if a canton can no longer maintain its order on its own.\n\n**What is the constitutional order?** According to the prevailing doctrine (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7), it encompasses the entire cantonal constitutional law that has been guaranteed by the Federal Assembly. This goes far beyond mere public order. A minority opinion (Schweizer/Müller) emphasises instead primarily cantonal constitutional autonomy.\n\n**Who is affected?** All 26 cantons are subject to this federal guarantee. They can turn to the Confederation in case of serious disruptions to order or must tolerate its intervention.\n\n**When can the Confederation intervene?** A federal intervention according to paragraph 2 is only possible if three conditions are met: order must be disrupted or threatened, the canton cannot help itself, and other cantons also cannot provide sufficient help (principle of subsidiarity).\n\n**What are the consequences of this provision?** In practice, Article 52 BV today functions primarily preventively. Actual federal interventions have not occurred since 1890 (Federal Council Message on the Federal Constitution, BBl 1997 I 321). Instead, federal supervision takes place through ordinary legal remedies, as the Federal Supreme Court shows (**BGE 133 I 206**): Unconstitutional cantonal enactments are directly repealed by the Federal Supreme Court.\n\n**Concrete example:** If a canton could no longer determine its state organs - for instance due to persistent political deadlocks or violence - the Federal Council could decide on an intervention after warning and unsuccessful assistance by neighbouring cantons. It could dispatch federal commissioners or, in extreme cases, employ military means.\n\nThe provision embodies the tension between cantonal autonomy and overall state stability in the federal state.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current version of Art. 52 FC dates back to the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision merges the former Art. 5 old FC (duty of protection) and Art. 16 old FC (federal intervention) into a compact norm. The Federal Council's message of 20 November 1996 noted: «The draft adopts the essential content of both provisions, but combines them into one article» (BBl 1997 I 321).\n\n**N. 2** Historically, federal intervention is rooted in the Diet period, when the Confederates were obliged to provide mutual assistance (Gnehm, Das eidgenössische Interventionsrecht, 1912, p. 1 ff.). The Federal Constitution of 1848 transferred this principle to Art. 5 old FC 1848 and thereby created a central element of the federal state: the guarantee of internal security by the central authority.\n\n**N. 3** The constitutional revision of 1999 aimed at simplification without changing the material content. The parliamentary deliberation proceeded without controversy, which underscores the established nature of this fundamental federal norm (BBl 1997 I 321 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 52 FC is located in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 1 (Relations between Confederation and Cantons) of the Federal Constitution. Together with Art. 51 FC (cantonal constitutions) and Art. 53 FC (existence and territory of the cantons), the norm forms the constitutional basis for the federalist order and the integrity of the cantons.\n\n**N. 5** The provision is closely linked to → Art. 44 FC (principles of cooperation), → Art. 49 para. 2 FC (compliance with federal law by the cantons) and → Art. 173 para. 1 lit. b FC (competence of the Federal Assembly to guarantee cantonal constitutions). In the field of security, it supplements → Art. 57 FC (security) and → Art. 185 para. 2 FC (external and internal security).\n\n**N. 6** As a federal guarantee norm, Art. 52 FC stands in tension with cantonal autonomy (→ Art. 47 FC). The norm embodies the balance between federalist independence and the necessity of a functioning overall state order.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** Art. 52 para. 1 FC establishes the general duty of protection by the Confederation for the «constitutional order» of the cantons. The concept of constitutional order is disputed. According to the prevailing view (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7), it goes beyond public order and encompasses all cantonal constitutional law insofar as it has been guaranteed by the Federal Assembly. In contrast, Schweizer/Müller (cited in BSK BV, Art. 52 N. 7) emphasise that Art. 52 para. 1 primarily protects cantonal constitutional autonomy and, through its various component elements, also protects other aspects.\n\n**N. 8** Art. 52 para. 2 FC regulates federal intervention as ultima ratio. Three cumulative requirements must be fulfilled:\n- The order in a canton is «disrupted or threatened»\n- The affected canton cannot protect it itself\n- It cannot protect it even with the help of other cantons\n\n**N. 9** The «disruption or threat» must reach a certain intensity. Mere political disagreements or individual legal violations do not suffice. Serious functional disruptions of cantonal state organs or a breakdown of public order are required (Eichenberger, Die Sorge für den inneren Frieden als primäre Staatsaufgabe, ZBl 1977, 440).\n\n**N. 10** The subsidiarity principle is doubly anchored: Primarily, the affected canton must act itself; secondarily, it may request help from other cantons. Only when both levels fail is the Confederation legitimised to intervene (Müller, Innere Sicherheit Schweiz, 2009, p. 158 ff.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** From Art. 52 para. 1 FC follows a permanent supervisory duty of the Confederation. This manifests itself primarily in the guarantee of cantonal constitutions by the Federal Assembly (→ Art. 51 para. 2 FC, → Art. 172 para. 2 FC) and constitutional judicial review by the Federal Court (→ Art. 189 para. 1 lit. d FC).\n\n**N. 12** Federal intervention according to para. 2 triggers a graduated procedure:\n1. Establishment of intervention requirements by the Federal Council (→ Art. 185 para. 2 FC)\n2. In urgent cases: Immediate measures by the Federal Council with subsequent approval by the Federal Assembly\n3. Ordinary: Decision of the Federal Assembly (→ Art. 173 para. 1 lit. d FC)\n\n**N. 13** The concrete measures range from mediation through the dispatch of federal commissioners to the deployment of military forces (→ Art. 185 para. 4 FC). The principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 FC) limits the intervention powers.\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 14** The scope of the concept «constitutional order» in para. 1 is disputed. While the prevailing doctrine (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 52 N. 7) favours a broad interpretation that encompasses all guaranteed cantonal constitutional law, a minority opinion (Schweizer/Müller, cited in BSK BV, Art. 52 N. 7) argues for focusing on cantonal constitutional autonomy as the core content.\n\n**N. 15** The justiciability of federal interventions is also controversially discussed. Vez (Le pouvoir de disposer des moyens stratégiques dans la défense générale, 1985, p. 234 f.) takes the view that political discretionary decisions of the Federal Council are only subject to limited judicial review. The opposing view emphasises comprehensive binding by the rule of law principle.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 16** In modern practice, Art. 52 FC has primarily preventive significance. The last genuine federal intervention took place in Ticino in 1890. The mere existence of the intervention possibility stabilises cantonal order.\n\n**N. 17** Practically relevant today is primarily the supervisory function according to para. 1. This occurs through:\n- The guarantee of cantonal constitutional revisions (→ Art. 51 para. 2 FC)\n- Abstract judicial review by the Federal Court (→ Art. 82 lit. b FSCA)\n- Appeal possibilities in individual cases (→ Art. 189 para. 1 lit. d FC)\n\n**N. 18** In case of security problems, the cantons today primarily rely on intercantonal concordats (e.g. Concordat on measures against violence at sporting events, **BGE 140 I 2**). Horizontal cooperation according to Art. 52 para. 2 FC has largely replaced vertical federal intervention.\n\n**N. 19** For cantonal authorities, a graduated approach is recommended in case of public order disruptions:\n1. Mobilise own forces (cantonal police)\n2. Request administrative assistance from neighbouring cantons\n3. Only in case of being overwhelmed: Inform the Federal Council\n\nEarly information of the Confederation is advisable, even when the formal intervention requirements are not yet met.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### General Principles of Federal Guarantee\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007  \nFederal supervision of unconstitutional cantonal legislation  \nThe Federal Supreme Court examines cantonal legislation for its constitutionality and quashes it if necessary, without requiring formal federal intervention under Art. 52 FC.\n\n> «The cantons are in principle free to structure their tax system. However, they are obliged to observe superior federal law [...] Within the scope of discretion available to them, the cantons are not completely free. They must also observe constitutional fundamental rights, in particular the principle of equal treatment under the law (Art. 8 para. 1 FC) and the tax law principles derived therefrom [...].»\n\n### Historical Cases of Application\n\n**BGE 5 I 457** of 17 October 1879  \nPolitical unrest in Ticino (Stabio incident)  \nEarly case examining federal intervention in the event of political disturbances in a canton.\n\nThe limited case law on Art. 52 FC is explained by the fact that open disruptions of the constitutional order in the cantons have practically ceased to occur since the founding of the federal state. The preventive effect of the provision and the established federal order have meant that Art. 52 FC as the ultima ratio of the federal guarantee has not had to be activated in practice.\n\nThe case law shows that federal supervision today occurs primarily through ordinary legal remedies (appeal to the Federal Supreme Court) and not through the extraordinary federal intervention under Art. 52 FC. This development corresponds to the rule of law principle, according to which constitutional violations should be remedied through judicial control and not through political intervention.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_52", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 53, "article_suffix": "", "title": "Bestand und Gebiet der Kantone", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 53 BV - Bestand und Gebiet der Kantone\n\n## Übersicht\n\nArt. 53 BV schützt die 26 Kantone vor einseitigen territorialen Veränderungen und regelt die Verfahren für Gebietsänderungen. Der Bund garantiert sowohl den Bestand (die Existenz der Kantone) als auch deren Gebiet (territoriale Grenzen). Diese Norm ist eine Grundvoraussetzung des schweizerischen Bundesstaates (BBl 1997 I 148).\n\nBestandesänderungen wie die Schaffung neuer Kantone sind sehr schwierig. Sie brauchen die dreifache Zustimmung: die betroffene Bevölkerung, die betroffenen Kantone sowie Volk und Stände müssen alle zustimmen. Bisher ist dies seit 1848 nur einmal gelungen - bei der Gründung des Kantons Jura 1979 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 5-13).\n\nGebietsveränderungen zwischen bestehenden Kantonen sind einfacher, aber immer noch aufwendig. Wenn eine Gemeinde den Kanton wechseln will, müssen die betroffene Bevölkerung und die beiden Kantone zustimmen. Danach muss die Bundesversammlung den Wechsel genehmigen. So geschah es beim Kantonswechsel der Gemeinde Vellerat vom Kanton Bern zum Kanton Jura 1996 (BBl 1995 IV 1349).\n\nKleinere Grenzanpassungen können die Kantone selbständig durch Vertrag regeln. Solche Grenzbereinigungen sind nur bei unbedeutenden territorialen Korrekturen erlaubt, beispielsweise nach Flusslaufveränderungen (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, S. 245 ff.).\n\nDie Norm schützt die föderale Struktur der Schweiz. Ohne diese Garantie könnten starke Kantone schwächere Nachbarn einfach übernehmen oder auflösen. Das demokratische System mit mehrfacher Zustimmung stellt sicher, dass territoriale Veränderungen nur mit breiter Legitimation erfolgen.", "doctrine_de": "# Art. 53 BV - Bestand und Gebiet der Kantone\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestandes- und Gebietsgarantie hat ihre Wurzeln in Art. 1 der Bundesverfassung von 1848 und wurde in Art. 5 aBV fortgeführt (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 2). Die heutige Fassung basiert auf Art. 44 VE 1996 und wurde im Rahmen der Totalrevision 1999 ohne substantielle inhaltliche Änderungen übernommen (BBl 1997 I 148 f.). Die Botschaft des Bundesrates betont die fundamentale Bedeutung dieser Norm für die föderale Struktur: «Die Garantie des Bestands und des Gebiets der Kantone ist eine Grundvoraussetzung des schweizerischen Bundesstaates» (BBl 1997 I 148).\n\n**N. 2** Die historischen Erfahrungen mit Gebietsveränderungen prägten die Ausgestaltung der Norm massgeblich. Die gescheiterte Wiedervereinigung der beiden Basel (1969), die Gründung des Kantons Jura (1979) und die Kantonswechsel von Laufental (1994) und Vellerat (1996) zeigten die Notwendigkeit klarer Verfahrensregeln (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 3-13). Der Verfassungsgeber schuf ein abgestuftes System mit unterschiedlichen Verfahren für Bestandesänderungen, Gebietsveränderungen und blosse Grenzbereinigungen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 53 BV bildet zusammen mit Art. 1 BV (Schweizerische Eidgenossenschaft), Art. 2 BV (Zweck) und Art. 3 BV (Kantone) die verfassungsrechtliche Grundlage des schweizerischen Föderalismus. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit Art. 44 BV (Grundsätze der Zusammenarbeit), Art. 48 BV (Verträge zwischen Kantonen) und Art. 172 Abs. 2 BV (Gewährleistung der Kantonsverfassungen).\n\n**N. 4** Die Bestandesgarantie schützt die in Art. 1 BV aufgezählten 26 Kantone in ihrer Existenz als Gliedstaaten. Sie ist untrennbar mit dem Territorialitätsprinzip verknüpft, das die räumliche Zuordnung der staatlichen Hoheitsgewalt bestimmt. Die Gebietsgarantie konkretisiert dieses Prinzip für die kantonale Ebene und schützt vor einseitigen territorialen Veränderungen (→ Art. 2 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Schutz von Bestand und Gebiet (Abs. 1)**: Der Bund gewährleistet sowohl die Existenz der Kantone als auch deren territoriale Integrität. Der Begriff «Bestand» umfasst die Anzahl der Kantone und deren Status. Nach herrschender Lehre betrifft sowohl die Auf- als auch die Abwertung eines Kantons in einen Voll- bzw. Halbkanton den Bestand, obwohl die Halbkantone seit der Nachführung 1999 dem Wortlaut nach aus der Verfassung verschwunden sind (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 24).\n\n**N. 6** **Bestandesänderungen (Abs. 2)** erfordern eine dreifache Zustimmung: der betroffenen Bevölkerung, der betroffenen Kantone sowie von Volk und Ständen. Streitig ist, ob bei Statusänderungen (Auf-/Abwertung) alle Kantone als betroffen gelten. Ein Teil der Lehre fordert Einstimmigkeit aller Kantone, da jede Statusänderung das föderale Gleichgewicht berühre (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). Die Gegenmeinung beschränkt die Betroffenheit auf den Kanton, dessen Status sich ändert.\n\n**N. 7** **Gebietsveränderungen (Abs. 3)** betreffen den Wechsel von Gemeinden oder Bezirken von einem Kanton zum anderen. Erforderlich sind die Zustimmung der betroffenen Bevölkerung und Kantone sowie die Genehmigung durch die Bundesversammlung mittels Bundesbeschluss. Die «betroffene Bevölkerung» umfasst primär die Stimmberechtigten des wechselnden Gebiets, nach der Praxis auch die Gesamtbevölkerung der beteiligten Kantone (BBl 1993 II 1295).\n\n**N. 8** **Grenzbereinigungen (Abs. 4)** können die Kantone autonom durch Vertrag vornehmen. Der Begriff ist restriktiv auszulegen und umfasst nur kleinräumige Korrekturen ohne politische Bedeutung, typischerweise aufgrund natürlicher Veränderungen (Flusslaufkorrekturen) oder zur Bereinigung unpraktischer Grenzverläufe (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, S. 245 ff.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Verletzung der Bestandesgarantie macht Hoheitsakte nichtig. Einseitige kantonale Akte, die Gebietsveränderungen vorsehen, sind verfassungswidrig und entfalten keine Rechtswirkungen. Die verfahrensrechtlichen Anforderungen der Abs. 2-4 sind zwingend; deren Missachtung führt zur Ungültigkeit der territorialen Veränderung.\n\n**N. 10** Bei genehmigten Gebietsveränderungen erfolgt ein vollständiger Wechsel der Hoheitsgewalt. Die Rechtsnachfolge richtet sich nach den Grundsätzen der Staatensukzession, wobei interkantonale Vereinbarungen Detailfragen regeln können (→ Art. 48 BV). Die vermögensrechtlichen Folgen sind zwischen den beteiligten Kantonen auszuhandeln.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Umfang der Betroffenheit bei Statusänderungen**: Die herrschende Lehre fasst den Begriff der «betroffenen Kantone» bei Statusänderungen unterschiedlich auf. Während Teile der Doktrin Einstimmigkeit aller Kantone fordern, da jede Statusänderung das föderale Gleichgewicht berühre, vertritt die Gegenmeinung, nur der direkt betroffene Kanton müsse zustimmen (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). Der Bundesrat und ein Teil der Lehre betonen, die Garantie schütze auch das durch die bundesstaatliche Struktur erlangte kulturelle und politische Gleichgewicht (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 26).\n\n**N. 12** **Abgrenzung zwischen Gebietsveränderung und Grenzbereinigung**: Die Doktrin ist sich uneinig über die maximale Grösse einer als «Grenzbereinigung» qualifizierbaren territorialen Anpassung. Koller fordert eine rein quantitative Betrachtung (Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, S. 247), während Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr auch qualitative Kriterien wie die politische Bedeutung einbeziehen (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1052).\n\n**N. 13** **Demokratische Legitimation**: Kontrovers diskutiert wird, ob bei Gebietsveränderungen neben der lokalen auch die kantonale Zustimmung erforderlich ist. Die bundesrätliche Botschaft zu Vellerat ging von einer doppelten Zustimmung aus (BBl 1995 IV 1349), während Teile der Lehre dies für übermässig halten (Pfirter, Bundesrechtliche Vorschriften für einen Kantonswechsel, ZSR 1989 I 539, 561 f.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** **Verfahrensablauf bei Gebietsveränderungen**: In der Praxis erfolgt zunächst eine kommunale Abstimmung im wechselwilligen Gebiet. Bei positivem Ausgang folgen Verhandlungen zwischen den betroffenen Kantonen über die Modalitäten (Vermögensaufteilung, Übergangsbestimmungen). Anschliessend stimmen die kantonalen Parlamente und gegebenenfalls das Volk in den betroffenen Kantonen ab. Den Abschluss bildet die Genehmigung durch die Bundesversammlung.\n\n**N. 15** **Interkantonale Verträge**: Grenzbereinigungen nach Abs. 4 werden typischerweise in interkantonalen Verträgen geregelt, die detaillierte Bestimmungen über den genauen Grenzverlauf, allfällige Entschädigungen und die Rechtsnachfolge enthalten. Diese Verträge unterliegen nicht der Genehmigung durch den Bund, müssen aber den verfassungsrechtlichen Rahmen respektieren (→ Art. 48 BV).\n\n**N. 16** **Rechtsmittel**: Gegen Verletzungen der Bestandesgarantie steht die Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht offen. Bei Streitigkeiten über Kantonsgrenzen ist primär das Verfahren nach Art. 189 Abs. 2 BV (Streitigkeiten zwischen Kantonen) einschlägig. Die politischen Entscheide der Bundesversammlung im Rahmen von Abs. 3 sind hingegen der gerichtlichen Überprüfung weitgehend entzogen.\n\n### 7. Weiterführende Literatur\n\n- Belser Eva Maria/Setz Ramon, The Territorial Structure of Federal Switzerland Revisited – About the Difficulty of Being Small, in: Mangiameli Stelio (Hrsg.), Federalism, Regionalism and Territory, Mailand 2013, S. 289–316\n- Fetscherin Walter, Änderungen im Bestand der Gliedstaaten in Bundesstaaten der Gegenwart, Diss. Zürich, Frankfurt a.M./Bern 1973\n- Hänni Peter/Iseli Tamara, Territoriale Veränderungen im Bundesstaat: Das Beispiel des Kantons Jura, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (Hrsg.), Jahrbuch des Föderalismus 2014, Baden-Baden 2014, S. 385–402\n- Koller Heinrich, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, in: Regierungsrat des Kantons Solothurn (Hrsg.), Festgabe Alfred Rötheli zum 65. Geburtstag, Solothurn 1990, S. 237–259\n- Müller Patrick, Das gescheiterte Wiedervereinigungsverfahren der Halbkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt, Basel/Genf 2004\n- Rhinow René/Schefer Markus/Uebersax Peter, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl., Basel 2016, § 9\n- Thürer Daniel, Das Selbstbestimmungsrecht der Völker – mit einem Exkurs zur Jurafrage, Diss., Zürich 1976", "caselaw_de": "# Art. 53 BV - Bestand und Gebiet der Kantone\n\n## Rechtsprechung\n\n### Schutz des Kantonsbestands und der Kantonsgebiete\n\nDie bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 53 BV ist spärlich, da territoriale Veränderungen zwischen Kantonen in der modernen Schweiz äusserst selten sind. Die meisten verfügbaren Entscheide betreffen nicht die Bestimmungen über Gebietsveränderungen (Abs. 2-4), sondern andere Aspekte der Norm.\n\n**BGE 125 I 300 E. 1a** (14. Juni 1999): Das Bundesgericht stellte seine Zuständigkeit zur Beurteilung von Rügen einer Verletzung von Art. 53 Abs. 2 BV fest, wobei es sich um Bestattungsrecht handelte. Das Gericht präzisierte, dass andere eidgenössische Rechtsmittel nur insoweit offen stehen, als die Verletzung von Art. 53 Abs. 2 BV beim Bundesrat geltend gemacht werden könnte.\n\n> «Ein anderes eidgenössisches Rechtsmittel als die staatsrechtliche Beschwerde steht nur insoweit offen, als die Verletzung von Art. 53 Abs. 2 BV beim Bundesrat geltend zu machen wäre.»\n\n### Historische Rechtsprechung zu territorialen Fragen\n\nAus der frühen Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Grundsätze zur territorialen Integrität der Kantone ersichtlich. In einer Entscheidung aus dem Jahr 1919 (**45 I 119**) behandelte das Gericht Fragen der kommunalen Autonomie und der Zuständigkeitsabgrenzung zwischen staatlichen Ebenen, wobei territoriale Aspekte eine Rolle spielten.\n\n### Mangel an direkter Rechtsprechung zu Gebietsveränderungen\n\nDie Rechtsprechung zu den zentralen Bestimmungen von Art. 53 BV über Gebietsveränderungen (Abs. 3) und Grenzbereinigungen (Abs. 4) ist praktisch inexistent. Dies erklärt sich durch die Tatsache, dass:\n\n- Änderungen im Bestand der Kantone (Abs. 2) seit der Gründung des Bundesstaates 1848 nicht vorgekommen sind\n- Grössere Gebietsveränderungen zwischen Kantonen (Abs. 3) äusserst selten sind und typischerweise im politischen Verfahren vor der Bundesversammlung behandelt werden\n- Grenzbereinigungen (Abs. 4) meist kleinräumig sind und durch interkantonale Verträge ohne gerichtliche Intervention gelöst werden\n\n### Verwaltungsrechtliche Praxis\n\nDie praktische Anwendung von Art. 53 BV erfolgt primär auf administrativem Weg. Territoriale Streitigkeiten werden in der Regel durch Verhandlungen zwischen den betroffenen Kantonen oder durch politische Verfahren gelöst, bevor sie die Gerichte erreichen.\n\n### Bedeutung für das Verfassungsgefüge\n\nObwohl direkte Rechtsprechung fehlt, ist Art. 53 BV von fundamentaler Bedeutung für die föderale Struktur der Schweiz. Die Norm gewährleistet die territoriale Integrität der Kantone als konstitutive Elemente des Bundesstaates und schafft klare Verfahren für die seltenen Fälle territorialer Veränderungen.", "summary_fr": "# Art. 53 Cst. - Existence et territoire des cantons\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 53 Cst. protège les 26 cantons contre les modifications territoriales unilatérales et règle les procédures de modification territoriale. La Confédération garantit à la fois l'existence des cantons (leur survie) et leur territoire (les frontières territoriales). Cette norme constitue une condition fondamentale de l'État fédéral suisse (FF 1997 I 148).\n\nLes modifications d'existence comme la création de nouveaux cantons sont très difficiles. Elles nécessitent un triple consentement : la population concernée, les cantons concernés ainsi que le peuple et les cantons doivent tous donner leur accord. Depuis 1848, cela n'a réussi qu'une seule fois - lors de la création du canton du Jura en 1979 (Belser/Massüger, BSK BV, art. 53 n. 5-13).\n\nLes modifications territoriales entre cantons existants sont plus simples, mais restent laborieuses. Si une commune veut changer de canton, la population concernée et les deux cantons doivent donner leur accord. Ensuite, l'Assemblée fédérale doit approuver le changement. C'est ainsi que s'est déroulé le changement de canton de la commune de Vellerat du canton de Berne au canton du Jura en 1996 (FF 1995 IV 1349).\n\nLes petits ajustements de frontières peuvent être réglés de manière autonome par les cantons par voie contractuelle. De telles rectifications de frontières ne sont autorisées que pour des corrections territoriales insignifiantes, par exemple après des modifications du cours des rivières (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 245 ss).\n\nCette norme protège la structure fédérale de la Suisse. Sans cette garantie, des cantons forts pourraient simplement reprendre ou dissoudre des voisins plus faibles. Le système démocratique avec consentement multiple garantit que les modifications territoriales n'ont lieu qu'avec une large légitimation.", "doctrine_fr": "# Art. 53 Cst. - Existence et territoire des cantons\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La garantie de l'existence et du territoire trouve ses racines dans l'art. 1 de la Constitution fédérale de 1848 et a été reprise à l'art. 5 aCst (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 2). La version actuelle est basée sur l'art. 44 AntP 1996 et a été adoptée dans le cadre de la révision totale de 1999 sans modifications substantielles de contenu (FF 1997 I 148 s.). Le message du Conseil fédéral souligne l'importance fondamentale de cette norme pour la structure fédérale : « La garantie de l'existence et du territoire des cantons est une condition préalable fondamentale de l'État fédéral suisse » (FF 1997 I 148).\n\n**N. 2** Les expériences historiques avec les modifications territoriales ont marqué de manière déterminante la conception de la norme. L'échec de la réunification des deux Bâle (1969), la création du canton du Jura (1979) et les changements de canton du Laufental (1994) et de Vellerat (1996) ont montré la nécessité de règles procédurales claires (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 3-13). Le constituant a créé un système gradué avec différentes procédures pour les modifications de l'existence, les modifications territoriales et les simples rectifications de frontières.\n\n### 2. Place systématique\n\n**N. 3** L'art. 53 Cst. forme, avec l'art. 1 Cst. (Confédération suisse), l'art. 2 Cst. (But) et l'art. 3 Cst. (Cantons), le fondement constitutionnel du fédéralisme suisse. La norme est étroitement liée à l'art. 44 Cst. (Principes de la coopération), à l'art. 48 Cst. (Conventions entre cantons) et à l'art. 172 al. 2 Cst. (Garantie des constitutions cantonales).\n\n**N. 4** La garantie de l'existence protège les 26 cantons énumérés à l'art. 1 Cst. dans leur existence comme États membres. Elle est indissociable du principe de territorialité, qui détermine l'attribution spatiale de la souveraineté étatique. La garantie territoriale concrétise ce principe pour le niveau cantonal et protège contre les modifications territoriales unilatérales (→ Art. 2 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Protection de l'existence et du territoire (al. 1)** : La Confédération garantit tant l'existence des cantons que leur intégrité territoriale. Le terme « existence » englobe le nombre de cantons et leur statut. Selon la doctrine dominante, tant la revalorisation que la dévalorisation d'un canton en canton à part entière ou demi-canton touche l'existence, bien que les demi-cantons aient disparu du texte constitutionnel selon la mise à jour de 1999 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 24).\n\n**N. 6** **Modifications de l'existence (al. 2)** exigent un triple consentement : de la population concernée, des cantons concernés ainsi du peuple et des cantons. Il est controversé de savoir si, lors de changements de statut (revalorisation/dévalorisation), tous les cantons sont considérés comme concernés. Une partie de la doctrine exige l'unanimité de tous les cantons, car tout changement de statut touche l'équilibre fédéral (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). L'opinion contraire limite la qualité de concerné au canton dont le statut change.\n\n**N. 7** **Modifications territoriales (al. 3)** concernent le passage de communes ou districts d'un canton à l'autre. Sont requis le consentement de la population et des cantons concernés ainsi que l'approbation par l'Assemblée fédérale au moyen d'un arrêté fédéral. La « population concernée » comprend principalement les ayants droit de vote du territoire qui change, selon la pratique également l'ensemble de la population des cantons impliqués (FF 1993 II 1295).\n\n**N. 8** **Rectifications de frontières (al. 4)** peuvent être effectuées de manière autonome par les cantons par voie de convention. Le terme doit être interprété restrictivement et ne comprend que des corrections de petite envergure sans importance politique, typiquement en raison de changements naturels (corrections de cours d'eau) ou pour rectifier des tracés de frontières peu pratiques (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 245 ss.).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** La violation de la garantie de l'existence rend les actes de souveraineté nuls. Les actes cantonaux unilatéraux qui prévoient des modifications territoriales sont inconstitutionnels et ne déploient aucun effet juridique. Les exigences procédurales des al. 2-4 sont impératives ; leur méconnaissance entraîne l'invalidité de la modification territoriale.\n\n**N. 10** Lors de modifications territoriales approuvées, un changement complet de souveraineté s'opère. La succession juridique se règle selon les principes de la succession d'États, des conventions intercantonales pouvant régler les questions de détail (→ Art. 48 Cst.). Les conséquences patrimoniales doivent être négociées entre les cantons impliqués.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Étendue de la qualité de concerné lors de changements de statut** : La doctrine dominante conçoit différemment la notion de « cantons concernés » lors de changements de statut. Alors que des parties de la doctrine exigent l'unanimité de tous les cantons, car tout changement de statut touche l'équilibre fédéral, l'opinion contraire soutient que seul le canton directement concerné doit donner son consentement (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). Le Conseil fédéral et une partie de la doctrine soulignent que la garantie protège aussi l'équilibre culturel et politique obtenu par la structure fédérale (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 26).\n\n**N. 12** **Délimitation entre modification territoriale et rectification de frontière** : La doctrine n'est pas unanime sur la taille maximale d'un ajustement territorial qualifiable de « rectification de frontière ». Koller exige une considération purement quantitative (Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 247), tandis que Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr incluent aussi des critères qualitatifs comme l'importance politique (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N. 1052).\n\n**N. 13** **Légitimation démocratique** : Il est controversé de savoir si, lors de modifications territoriales, outre le consentement local, le consentement cantonal est aussi requis. Le message du Conseil fédéral sur Vellerat partait d'un double consentement (FF 1995 IV 1349), tandis que des parties de la doctrine considèrent cela comme excessif (Pfirter, Bundesrechtliche Vorschriften für einen Kantonswechsel, ZSR 1989 I 539, 561 s.).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** **Déroulement de la procédure lors de modifications territoriales** : En pratique, une votation communale a d'abord lieu dans le territoire désireux de changer. En cas d'issue positive, des négociations s'ensuivent entre les cantons concernés sur les modalités (répartition du patrimoine, dispositions transitoires). Puis les parlements cantonaux et éventuellement le peuple des cantons concernés votent. L'approbation par l'Assemblée fédérale constitue la conclusion.\n\n**N. 15** **Conventions intercantonales** : Les rectifications de frontières selon l'al. 4 sont typiquement réglées dans des conventions intercantonales qui contiennent des dispositions détaillées sur le tracé exact des frontières, d'éventuelles indemnisations et la succession juridique. Ces conventions ne sont pas soumises à l'approbation de la Confédération, mais doivent respecter le cadre constitutionnel (→ Art. 48 Cst.).\n\n**N. 16** **Voies de droit** : Contre les violations de la garantie de l'existence, le recours constitutionnel au Tribunal fédéral est ouvert. En cas de litiges sur les frontières cantonales, c'est principalement la procédure selon l'art. 189 al. 2 Cst. (litiges entre cantons) qui s'applique. Les décisions politiques de l'Assemblée fédérale dans le cadre de l'al. 3 sont en revanche largement soustraites au contrôle judiciaire.\n\n### 7. Littérature complémentaire\n\n- Belser Eva Maria/Setz Ramon, The Territorial Structure of Federal Switzerland Revisited – About the Difficulty of Being Small, in: Mangiameli Stelio (éd.), Federalism, Regionalism and Territory, Milan 2013, p. 289–316\n- Fetscherin Walter, Änderungen im Bestand der Gliedstaaten in Bundesstaaten der Gegenwart, thèse Zurich, Francfort-sur-le-Main/Berne 1973\n- Hänni Peter/Iseli Tamara, Territoriale Veränderungen im Bundesstaat: Das Beispiel des Kantons Jura, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (éd.), Jahrbuch des Föderalismus 2014, Baden-Baden 2014, p. 385–402\n- Koller Heinrich, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, in: Regierungsrat des Kantons Solothurn (éd.), Festgabe Alfred Rötheli zum 65. Geburtstag, Soleure 1990, p. 237–259\n- Müller Patrick, Das gescheiterte Wiedervereinigungsverfahren der Halbkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt, Bâle/Genève 2004\n- Rhinow René/Schefer Markus/Uebersax Peter, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd., Bâle 2016, § 9\n- Thürer Daniel, Das Selbstbestimmungsrecht der Völker – mit einem Exkurs zur Jurafrage, thèse, Zurich 1976", "caselaw_fr": "# Art. 53 Cst. - Existence et territoire des cantons\n\n## Jurisprudence\n\n### Protection de l'existence et du territoire des cantons\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral relative à l'art. 53 Cst. est peu abondante, car les modifications territoriales entre cantons sont extrêmement rares dans la Suisse moderne. La plupart des arrêts disponibles ne concernent pas les dispositions sur les modifications territoriales (al. 2-4), mais d'autres aspects de la norme.\n\n**ATF 125 I 300 c. 1a** (14 juin 1999) : Le Tribunal fédéral a établi sa compétence pour examiner les griefs de violation de l'art. 53 al. 2 Cst., dans une affaire concernant le droit funéraire. Le Tribunal a précisé que d'autres voies de droit fédérales ne sont ouvertes que dans la mesure où la violation de l'art. 53 al. 2 Cst. pourrait être invoquée devant le Conseil fédéral.\n\n> « Un autre recours de droit fédéral que le recours de droit public n'est ouvert que dans la mesure où la violation de l'art. 53 al. 2 Cst. devrait être invoquée devant le Conseil fédéral. »\n\n### Jurisprudence historique sur les questions territoriales\n\nLa jurisprudence ancienne du Tribunal fédéral révèle des principes relatifs à l'intégrité territoriale des cantons. Dans une décision de 1919 (**45 I 119**), le Tribunal a traité des questions d'autonomie communale et de délimitation des compétences entre niveaux étatiques, où les aspects territoriaux jouaient un rôle.\n\n### Absence de jurisprudence directe sur les modifications territoriales\n\nLa jurisprudence sur les dispositions centrales de l'art. 53 Cst. concernant les modifications territoriales (al. 3) et les rectifications de frontières (al. 4) est pratiquement inexistante. Cela s'explique par le fait que :\n\n- Les modifications de l'existence des cantons (al. 2) ne se sont pas produites depuis la fondation de l'État fédéral en 1848\n- Les modifications territoriales importantes entre cantons (al. 3) sont extrêmement rares et sont typiquement traitées dans le cadre de procédures politiques devant l'Assemblée fédérale\n- Les rectifications de frontières (al. 4) sont généralement de portée limitée et résolues par des conventions intercantonales sans intervention judiciaire\n\n### Pratique de droit administratif\n\nL'application pratique de l'art. 53 Cst. s'effectue principalement par voie administrative. Les litiges territoriaux sont généralement résolus par des négociations entre les cantons concernés ou par des procédures politiques avant d'atteindre les tribunaux.\n\n### Signification pour l'ordre constitutionnel\n\nBien qu'une jurisprudence directe fasse défaut, l'art. 53 Cst. revêt une importance fondamentale pour la structure fédérale de la Suisse. La norme garantit l'intégrité territoriale des cantons en tant qu'éléments constitutifs de l'État fédéral et crée des procédures claires pour les rares cas de modifications territoriales.", "summary_it": "# Art. 53 Cost. - Consistenza e territorio dei Cantoni\n\n## Panoramica\n\nL'art. 53 Cost. protegge i 26 Cantoni da modifiche territoriali unilaterali e disciplina le procedure per i cambiamenti territoriali. La Confederazione garantisce sia la consistenza (l'esistenza dei Cantoni) sia il loro territorio (confini territoriali). Questa norma è un prerequisito fondamentale dello Stato federale svizzero (FF 1997 I 148).\n\nI cambiamenti di consistenza come la creazione di nuovi Cantoni sono molto difficili. Richiedono il triplice consenso: devono acconsentire tutti la popolazione interessata, i Cantoni interessati nonché il popolo e i Cantoni. Finora questo è riuscito solo una volta dal 1848 - con la fondazione del Cantone del Giura nel 1979 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 n. 5-13).\n\nI cambiamenti territoriali tra Cantoni esistenti sono più semplici, ma comunque impegnativi. Se un Comune vuole cambiare Cantone, devono acconsentire la popolazione interessata e i due Cantoni. Successivamente l'Assemblea federale deve approvare il passaggio. Così è accaduto per il cambio di Cantone del Comune di Vellerat dal Cantone di Berna al Cantone del Giura nel 1996 (FF 1995 IV 1349).\n\nPiccoli adeguamenti di confine possono essere disciplinati autonomamente dai Cantoni mediante contratto. Tali sistemazioni di confine sono ammesse solo per correzioni territoriali insignificanti, ad esempio in seguito a modifiche del corso dei fiumi (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, pag. 245 seg.).\n\nLa norma protegge la struttura federale della Svizzera. Senza questa garanzia, Cantoni forti potrebbero semplicemente rilevare o sciogliere vicini più deboli. Il sistema democratico con consenso multiplo assicura che i cambiamenti territoriali avvengano solo con un'ampia legittimazione.", "doctrine_it": "# Art. 53 Cost. - Sussistenza e territorio dei Cantoni\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La garanzia della sussistenza e del territorio affonda le sue radici nell'art. 1 della Costituzione federale del 1848 e fu proseguita nell'art. 5 aCost. (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 2). La versione attuale si basa sull'art. 44 AP 1996 e fu ripresa nel quadro della revisione totale del 1999 senza modifiche sostanziali di contenuto (FF 1997 I 144 sg.). Il messaggio del Consiglio federale sottolinea l'importanza fondamentale di questa norma per la struttura federale: «La garanzia della sussistenza e del territorio dei Cantoni è un presupposto fondamentale dello Stato federale svizzero» (FF 1997 I 144).\n\n**N. 2** Le esperienze storiche con le modifiche territoriali caratterizzarono in modo determinante la configurazione della norma. La fallita riunificazione delle due Basilea (1969), la fondazione del Cantone del Giura (1979) e i cambi di Cantone del Laufental (1994) e di Vellerat (1996) mostrarono la necessità di regole procedurali chiare (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 3-13). Il costituente creò un sistema graduale con procedure diverse per le modifiche della sussistenza, le modificazioni territoriali e le semplici rettifiche di confini.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 53 Cost. forma insieme all'art. 1 Cost. (Confederazione Svizzera), all'art. 2 Cost. (Scopo) e all'art. 3 Cost. (Cantoni) il fondamento costituzionale del federalismo svizzero. La norma è strettamente collegata con l'art. 44 Cost. (Principi della collaborazione), l'art. 48 Cost. (Accordi tra Cantoni) e l'art. 172 cpv. 2 Cost. (Garanzia delle costituzioni cantonali).\n\n**N. 4** La garanzia della sussistenza protegge i 26 Cantoni elencati nell'art. 1 Cost. nella loro esistenza quali Stati membri. È indissolubilmente legata al principio di territorialità, che determina l'attribuzione territoriale del potere sovrano statale. La garanzia del territorio concretizza questo principio per il livello cantonale e protegge da modifiche territoriali unilaterali (→ Art. 2 Cost.).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Tutela della sussistenza e del territorio (cpv. 1)**: La Confederazione garantisce sia l'esistenza dei Cantoni sia la loro integrità territoriale. Il concetto di «sussistenza» comprende il numero dei Cantoni e il loro status. Secondo la dottrina dominante, sia la promozione che la retrocessione di un Cantone in un Cantone interamente sovrano o semicantone riguarda la sussistenza, benché i semicantoni dal punto di vista testuale siano scomparsi dalla Costituzione con l'aggiornamento del 1999 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 24).\n\n**N. 6** **Modifiche della sussistenza (cpv. 2)** richiedono un triplice consenso: della popolazione interessata, dei Cantoni interessati nonché del Popolo e dei Cantoni. È controverso se in caso di modifiche di status (promozione/retrocessione) tutti i Cantoni valgano come interessati. Una parte della dottrina esige l'unanimità di tutti i Cantoni, poiché ogni modifica di status tocca l'equilibrio federale (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). L'opinione contraria limita l'interessamento al Cantone il cui status cambia.\n\n**N. 7** **Modificazioni territoriali (cpv. 3)** riguardano il passaggio di Comuni o distretti da un Cantone all'altro. Sono necessari il consenso della popolazione e dei Cantoni interessati nonché l'approvazione da parte dell'Assemblea federale mediante decreto federale. La «popolazione interessata» comprende in primo luogo gli aventi diritto di voto del territorio che cambia, secondo la prassi anche la popolazione complessiva dei Cantoni coinvolti (FF 1993 II 1191).\n\n**N. 8** **Rettifiche di confini (cpv. 4)** possono essere operate autonomamente dai Cantoni per via contrattuale. Il concetto deve essere interpretato restrittivamente e comprende solo correzioni di piccola entità senza rilevanza politica, tipicamente a causa di modifiche naturali (correzioni del corso di fiumi) o per sanare confini poco pratici (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, pag. 245 sg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La violazione della garanzia della sussistenza rende nulli gli atti di sovranità. Gli atti cantonali unilaterali che prevedono modificazioni territoriali sono incostituzionali e non dispiegano effetti giuridici. I requisiti procedurali dei cpv. 2-4 sono imperativi; la loro inosservanza porta alla nullità della modifica territoriale.\n\n**N. 10** In caso di modificazioni territoriali approvate si verifica un completo passaggio del potere sovrano. La successione giuridica si orienta secondo i principi della successione degli Stati, mentre accordi intercantonali possono regolare questioni di dettaglio (→ Art. 48 Cost.). Le conseguenze di diritto patrimoniale devono essere negoziate tra i Cantoni coinvolti.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 11** **Portata dell'interessamento in caso di modifiche di status**: La dottrina dominante interpreta diversamente il concetto di «Cantoni interessati» in caso di modifiche di status. Mentre parti della dottrina esigono l'unanimità di tutti i Cantoni, poiché ogni modifica di status tocca l'equilibrio federale, l'opinione contraria sostiene che solo il Cantone direttamente interessato deve dare il consenso (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). Il Consiglio federale e una parte della dottrina sottolineano che la garanzia tutela anche l'equilibrio culturale e politico acquisito attraverso la struttura federale (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 26).\n\n**N. 12** **Delimitazione tra modificazione territoriale e rettifica di confini**: La dottrina è divisa sulla grandezza massima di un adattamento territoriale qualificabile come «rettifica di confini». Koller esige una considerazione puramente quantitativa (Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, pag. 247), mentre Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr includono anche criteri qualitativi come la rilevanza politica (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N. 1052).\n\n**N. 13** **Legittimazione democratica**: Si discute in modo controverso se in caso di modificazioni territoriali sia necessario oltre al consenso locale anche quello cantonale. Il messaggio del Consiglio federale su Vellerat partiva da un doppio consenso (FF 1995 IV 1253), mentre parti della dottrina lo considerano eccessivo (Pfirter, Bundesrechtliche Vorschriften für einen Kantonswechsel, ZSR 1989 I 539, 561 sg.).\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 14** **Decorso procedurale per le modificazioni territoriali**: Nella prassi si svolge dapprima una votazione comunale nel territorio desideroso di cambiare. In caso di esito positivo seguono negoziati tra i Cantoni interessati sulle modalità (ripartizione patrimoniale, disposizioni transitorie). Successivamente votano i parlamenti cantonali ed eventualmente il popolo nei Cantoni interessati. La conclusione è formata dall'approvazione da parte dell'Assemblea federale.\n\n**N. 15** **Accordi intercantonali**: Le rettifiche di confini secondo il cpv. 4 vengono tipicamente regolate in accordi intercantonali che contengono disposizioni dettagliate sul decorso esatto del confine, eventuali indennizzi e la successione giuridica. Questi accordi non sono soggetti all'approvazione da parte della Confederazione, ma devono rispettare il quadro costituzionale (→ Art. 48 Cost.).\n\n**N. 16** **Mezzi di ricorso**: Contro le violazioni della garanzia della sussistenza è aperto il ricorso costituzionale al Tribunale federale. Per le controversie sui confini cantonali è applicabile in primo luogo la procedura secondo l'art. 189 cpv. 2 Cost. (controversie tra Cantoni). Le decisioni politiche dell'Assemblea federale nel quadro del cpv. 3 sono invece ampiamente sottratte al controllo giudiziario.\n\n### 7. Letteratura di approfondimento\n\n- Belser Eva Maria/Setz Ramon, The Territorial Structure of Federal Switzerland Revisited – About the Difficulty of Being Small, in: Mangiameli Stelio (a cura di), Federalism, Regionalism and Territory, Milano 2013, pag. 289–316\n- Fetscherin Walter, Änderungen im Bestand der Gliedstaaten in Bundesstaaten der Gegenwart, Diss. Zurigo, Francoforte s.M./Berna 1973\n- Hänni Peter/Iseli Tamara, Territoriale Veränderungen im Bundesstaat: Das Beispiel des Kantons Jura, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (a cura di), Jahrbuch des Föderalismus 2014, Baden-Baden 2014, pag. 385–402\n- Koller Heinrich, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, in: Regierungsrat des Kantons Solothurn (a cura di), Festgabe Alfred Rötheli zum 65. Geburtstag, Soletta 1990, pag. 237–259\n- Müller Patrick, Das gescheiterte Wiedervereinigungsverfahren der Halbkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt, Basilea/Ginevra 2004\n- Rhinow René/Schefer Markus/Uebersax Peter, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed., Basilea 2016, § 9\n- Thürer Daniel, Das Selbstbestimmungsrecht der Völker – mit einem Exkurs zur Jurafrage, Diss., Zurigo 1976", "caselaw_it": "# Art. 53 Cost. - Numero e territorio dei Cantoni\n\n## Giurisprudenza\n\n### Protezione dell'esistenza e del territorio cantonale\n\nLa giurisprudenza del Tribunale federale relativa all'art. 53 Cost. è scarsa, poiché i cambiamenti territoriali tra Cantoni nella Svizzera moderna sono estremamente rari. La maggior parte delle decisioni disponibili non riguarda le disposizioni sui cambiamenti territoriali (cpv. 2-4), ma altri aspetti della norma.\n\n**DTF 125 I 300 consid. 1a** (14 giugno 1999): Il Tribunale federale ha stabilito la sua competenza per giudicare ricorsi per violazione dell'art. 53 cpv. 2 Cost., trattandosi di diritto sepolcrale. Il Tribunale ha precisato che altri rimedi giuridici federali sono ammessi solo nella misura in cui la violazione dell'art. 53 cpv. 2 Cost. potrebbe essere fatta valere presso il Consiglio federale.\n\n> «Un altro rimedio giuridico federale diverso dal ricorso di diritto pubblico è ammesso solo nella misura in cui la violazione dell'art. 53 cpv. 2 Cost. sarebbe da far valere presso il Consiglio federale.»\n\n### Giurisprudenza storica su questioni territoriali\n\nDalla giurisprudenza iniziale del Tribunale federale emergono principi relativi all'integrità territoriale dei Cantoni. In una decisione del 1919 (**45 I 119**) il Tribunale ha trattato questioni di autonomia comunale e di delimitazione delle competenze tra livelli statali, dove gli aspetti territoriali hanno svolto un ruolo.\n\n### Mancanza di giurisprudenza diretta sui cambiamenti territoriali\n\nLa giurisprudenza sulle disposizioni centrali dell'art. 53 Cost. riguardanti i cambiamenti territoriali (cpv. 3) e le rettifiche di confine (cpv. 4) è praticamente inesistente. Ciò si spiega con il fatto che:\n\n- Modifiche nell'esistenza dei Cantoni (cpv. 2) non si sono verificate dalla fondazione dello Stato federale nel 1848\n- Cambiamenti territoriali maggiori tra Cantoni (cpv. 3) sono estremamente rari e vengono tipicamente trattati nella procedura politica davanti all'Assemblea federale\n- Le rettifiche di confine (cpv. 4) sono per lo più di portata limitata e vengono risolte attraverso trattati intercantonali senza intervento giudiziario\n\n### Prassi di diritto amministrativo\n\nL'applicazione pratica dell'art. 53 Cost. avviene principalmente per via amministrativa. Le controversie territoriali vengono di norma risolte attraverso negoziazioni tra i Cantoni interessati o mediante procedure politiche, prima che raggiungano i tribunali.\n\n### Significato per l'assetto costituzionale\n\nBenché manchi una giurisprudenza diretta, l'art. 53 Cost. riveste un'importanza fondamentale per la struttura federale della Svizzera. La norma garantisce l'integrità territoriale dei Cantoni come elementi costitutivi dello Stato federale e crea procedure chiare per i rari casi di cambiamenti territoriali.", "summary_en": "# Art. 53 BV - Continued existence and territory of the Cantons\n\n## Overview\n\nArt. 53 BV protects the 26 Cantons from unilateral territorial changes and regulates procedures for territorial modifications. The Confederation guarantees both the continued existence (the existence of the Cantons) and their territory (territorial boundaries). This provision is a fundamental prerequisite of the Swiss federal state (BBl 1997 I 148).\n\nChanges to continued existence such as the creation of new Cantons are very difficult. They require threefold consent: the affected population, the affected Cantons as well as the People and the Cantons must all give their consent. Since 1848, this has succeeded only once - with the founding of the Canton of Jura in 1979 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 5-13).\n\nTerritorial changes between existing Cantons are easier, but still complex. If a municipality wishes to change Canton, the affected population and both Cantons must give their consent. The Federal Assembly must then approve the change. This is how the change of Canton of the municipality of Vellerat from the Canton of Bern to the Canton of Jura occurred in 1996 (BBl 1995 IV 1349).\n\nMinor boundary adjustments can be regulated by the Cantons themselves by treaty. Such boundary corrections are only permitted for insignificant territorial adjustments, for example following changes in river courses (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 245 ff.).\n\nThis provision protects the federal structure of Switzerland. Without this guarantee, strong Cantons could simply take over or dissolve weaker neighbours. The democratic system with multiple consent requirements ensures that territorial changes only occur with broad legitimacy.", "doctrine_en": "# Art. 53 BV - Existence and Territory of the Cantons\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The guarantee of existence and territory has its roots in Art. 1 of the Federal Constitution of 1848 and was continued in Art. 5 former Constitution (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 2). The current version is based on Art. 44 Draft 1996 and was adopted in the framework of the total revision 1999 without substantial substantive changes (BBl 1997 I 148 f.). The Federal Council's message emphasises the fundamental importance of this norm for the federal structure: «The guarantee of the existence and territory of the cantons is a basic prerequisite of the Swiss federal state» (BBl 1997 I 148).\n\n**N. 2** Historical experiences with territorial changes significantly shaped the design of the norm. The failed reunification of the two Basel cantons (1969), the founding of the Canton of Jura (1979) and the cantonal transfers of Laufental (1994) and Vellerat (1996) showed the necessity of clear procedural rules (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 3-13). The constitutional legislator created a graduated system with different procedures for changes in existence, territorial changes and mere boundary adjustments.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 53 BV forms, together with Art. 1 BV (Swiss Confederation), Art. 2 BV (Aims) and Art. 3 BV (Cantons), the constitutional basis of Swiss federalism. The norm is closely connected with Art. 44 BV (Principles of cooperation), Art. 48 BV (Treaties between cantons) and Art. 172 para. 2 BV (Federal guarantee of cantonal constitutions).\n\n**N. 4** The guarantee of existence protects the 26 cantons listed in Art. 1 BV in their existence as member states. It is inseparably linked with the territoriality principle, which determines the spatial allocation of state sovereign power. The territorial guarantee concretises this principle for the cantonal level and protects against unilateral territorial changes (→ Art. 2 BV).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Protection of existence and territory (para. 1)**: The Confederation guarantees both the existence of the cantons and their territorial integrity. The term «existence» encompasses the number of cantons and their status. According to prevailing doctrine, both the upgrading and downgrading of a canton to full or half-canton status affects existence, although the half-cantons have literally disappeared from the Constitution since the updating in 1999 (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 24).\n\n**N. 6** **Changes in existence (para. 2)** require threefold consent: of the affected population, the affected cantons, and of the people and cantons. It is disputed whether in status changes (upgrading/downgrading) all cantons are considered affected. Part of the doctrine demands unanimity of all cantons, since every status change affects the federal balance (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). The opposing view limits the affected status to the canton whose status changes.\n\n**N. 7** **Territorial changes (para. 3)** concern the transfer of communes or districts from one canton to another. Required are the consent of the affected population and cantons as well as approval by the Federal Assembly by means of a federal decree. The «affected population» comprises primarily the persons entitled to vote in the transferring territory, according to practice also the total population of the participating cantons (BBl 1993 II 1295).\n\n**N. 8** **Boundary adjustments (para. 4)** can be undertaken autonomously by the cantons through treaty. The term is to be interpreted restrictively and encompasses only small-scale corrections without political significance, typically due to natural changes (river course corrections) or to remedy impractical boundary courses (Koller, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 245 ff.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Violation of the guarantee of existence renders sovereign acts null and void. Unilateral cantonal acts that provide for territorial changes are unconstitutional and have no legal effect. The procedural requirements of paras. 2-4 are mandatory; their disregard leads to the invalidity of the territorial change.\n\n**N. 10** In the case of approved territorial changes, a complete transfer of sovereign power occurs. Succession is governed by the principles of state succession, whereby intercantonal agreements can regulate detailed questions (→ Art. 48 BV). The consequences under property law are to be negotiated between the participating cantons.\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 11** **Scope of affectedness in status changes**: Prevailing doctrine interprets the concept of «affected cantons» in status changes differently. While parts of the doctrine demand unanimity of all cantons, since every status change affects the federal balance, the opposing view holds that only the directly affected canton must consent (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 25). The Federal Council and part of the doctrine emphasise that the guarantee also protects the cultural and political balance achieved through the federal structure (Belser/Massüger, BSK BV, Art. 53 N. 26).\n\n**N. 12** **Distinction between territorial change and boundary adjustment**: The doctrine is divided about the maximum size of a territorial adaptation that can be qualified as a «boundary adjustment». Koller demands a purely quantitative consideration (Gebietsveränderungen im Bundesstaat, 1990, p. 247), while Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr also include qualitative criteria such as political significance (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1052).\n\n**N. 13** **Democratic legitimation**: It is controversially discussed whether in territorial changes, in addition to local consent, cantonal consent is also required. The Federal Council's message on Vellerat assumed double consent (BBl 1995 IV 1349), while parts of the doctrine consider this excessive (Pfirter, Bundesrechtliche Vorschriften für einen Kantonswechsel, ZSR 1989 I 539, 561 f.).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 14** **Procedural sequence for territorial changes**: In practice, first a communal vote takes place in the territory wishing to transfer. If the outcome is positive, negotiations follow between the affected cantons on the modalities (division of assets, transitional provisions). Subsequently, the cantonal parliaments and possibly the people in the affected cantons vote. The conclusion is formed by approval by the Federal Assembly.\n\n**N. 15** **Intercantonal treaties**: Boundary adjustments according to para. 4 are typically regulated in intercantonal treaties, which contain detailed provisions on the precise boundary course, any compensation and succession. These treaties are not subject to approval by the Confederation, but must respect the constitutional framework (→ Art. 48 BV).\n\n**N. 16** **Legal remedies**: Against violations of the guarantee of existence, constitutional appeal to the Federal Supreme Court is available. In disputes over cantonal boundaries, primarily the procedure according to Art. 189 para. 2 BV (disputes between cantons) is applicable. The political decisions of the Federal Assembly in the framework of para. 3 are, however, largely withdrawn from judicial review.\n\n### 7. Further Literature\n\n- Belser Eva Maria/Setz Ramon, The Territorial Structure of Federal Switzerland Revisited – About the Difficulty of Being Small, in: Mangiameli Stelio (ed.), Federalism, Regionalism and Territory, Milan 2013, pp. 289–316\n- Fetscherin Walter, Änderungen im Bestand der Gliedstaaten in Bundesstaaten der Gegenwart, Diss. Zürich, Frankfurt a.M./Bern 1973\n- Hänni Peter/Iseli Tamara, Territoriale Veränderungen im Bundesstaat: Das Beispiel des Kantons Jura, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (ed.), Jahrbuch des Föderalismus 2014, Baden-Baden 2014, pp. 385–402\n- Koller Heinrich, Gebietsveränderungen im Bundesstaat, in: Regierungsrat des Kantons Solothurn (ed.), Festgabe Alfred Rötheli zum 65. Geburtstag, Solothurn 1990, pp. 237–259\n- Müller Patrick, Das gescheiterte Wiedervereinigungsverfahren der Halbkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt, Basel/Geneva 2004\n- Rhinow René/Schefer Markus/Uebersax Peter, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed., Basel 2016, § 9\n- Thürer Daniel, Das Selbstbestimmungsrecht der Völker – mit einem Exkurs zur Jurafrage, Diss., Zürich 1976", "caselaw_en": "# Art. 53 BV - Existence and Territory of the Cantons\n\n## Case Law\n\n### Protection of Cantonal Existence and Territories\n\nFederal Supreme Court case law on Art. 53 BV is sparse, as territorial changes between cantons are extremely rare in modern Switzerland. Most available decisions do not concern the provisions on territorial changes (para. 2-4), but rather other aspects of the norm.\n\n**BGE 125 I 300 E. 1a** (14 June 1999): The Federal Supreme Court established its jurisdiction to review allegations of violations of Art. 53 para. 2 BV, in a case concerning burial rights. The Court specified that other federal legal remedies are only available insofar as the violation of Art. 53 para. 2 BV could be asserted before the Federal Council.\n\n> «Ein anderes eidgenössisches Rechtsmittel als die staatsrechtliche Beschwerde steht nur insoweit offen, als die Verletzung von Art. 53 Abs. 2 BV beim Bundesrat geltend zu machen wäre.»\n\n### Historical Case Law on Territorial Questions\n\nFrom the early case law of the Federal Supreme Court, principles regarding the territorial integrity of the cantons are apparent. In a decision from 1919 (**45 I 119**), the Court dealt with questions of municipal autonomy and the delimitation of competences between state levels, where territorial aspects played a role.\n\n### Lack of Direct Case Law on Territorial Changes\n\nCase law on the central provisions of Art. 53 BV concerning territorial changes (para. 3) and border adjustments (para. 4) is practically non-existent. This is explained by the fact that:\n\n- Changes in the existence of cantons (para. 2) have not occurred since the founding of the federal state in 1848\n- Major territorial changes between cantons (para. 3) are extremely rare and are typically dealt with through political procedures before the Federal Assembly\n- Border adjustments (para. 4) are usually small-scale and are resolved through intercantonal treaties without judicial intervention\n\n### Administrative Practice\n\nThe practical application of Art. 53 BV occurs primarily through administrative channels. Territorial disputes are generally resolved through negotiations between the affected cantons or through political procedures before they reach the courts.\n\n### Significance for the Constitutional Framework\n\nAlthough direct case law is lacking, Art. 53 BV is of fundamental importance for the federal structure of Switzerland. The norm guarantees the territorial integrity of the cantons as constitutive elements of the federal state and creates clear procedures for the rare cases of territorial changes.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_53", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 54, "article_suffix": "", "title": "Auswärtige Angelegenheiten", "sr_number": "101", "summary_de": "Art. 54 BV regelt die Zuständigkeit des Bundes für alle aussenpolitischen Beziehungen der Schweiz. Der Bund ist ausschliesslich verantwortlich für die Beziehungen zu anderen Staaten und internationalen Organisationen (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18). Die Kantone dürfen ohne bundesrechtliche Erlaubnis keine völkerrechtlichen Verträge abschliessen.\n\nDie Verfassung nennt konkrete aussenpolitische Ziele: Die Schweiz soll ihre Unabhängigkeit wahren, aber auch aktiv zur Lösung globaler Probleme beitragen. Dazu gehören die Bekämpfung von Armut, der Schutz der Menschenrechte, die Förderung der Demokratie, Friedenssicherung und Umweltschutz. Diese Ziele sind Programmsätze (Leitlinien), die keine einklagbaren Rechte für Einzelpersonen begründen (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24).\n\nDie Gerichte kontrollieren aussenpolitische Entscheide nur sehr zurückhaltend. Sie prüfen lediglich, ob die Behörden willkürlich gehandelt haben (**BGE 137 I 371 E. 1.2**). Den politischen Behörden steht ein weiter Ermessensspielraum zu.\n\nTrotz der Bundeskompetenz muss der Bund auf kantonale Interessen Rücksicht nehmen. Wenn internationale Verträge kantonale Zuständigkeitsbereiche betreffen, haben die Kantone ein Recht auf Information und Anhörung. Ein konkretes Beispiel: Bevor die Schweiz ein Bildungsabkommen mit der EU abschliesst, muss der Bund die Kantone konsultieren, da Bildung grundsätzlich Kantonsache ist.\n\nDie ausschliessliche Bundeskompetenz bedeutet auch: Kantonale Behörden sind an aussenpolitische Akte des Bundes gebunden. Wenn das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) einer Person diplomatische Immunität zuerkennt, müssen alle Schweizer Gerichte diese Entscheidung respektieren (**BGE 130 III 430 E. 3.3**). Ein Kanton kann eine solche Person nicht strafrechtlich verfolgen, selbst wenn sie Schweizer Recht verletzt hat.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Zuständigkeit des Bundes für auswärtige Angelegenheiten war bereits in der Bundesverfassung von 1848 verankert (Art. 8 BV 1848) und wurde seither inhaltlich unverändert in allen Verfassungsrevisionen übernommen. Die Verfassung von 1874 regelte die Bundeskompetenz in Art. 8 und präzisierte die Befugnisse der Bundesbehörden in Art. 85 Ziff. 5 und 6 sowie Art. 102 Ziff. 8 und 9.\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision 1999 erfuhr Art. 54 BV eine wesentliche Neuerung durch die Aufnahme aussenpolitischer Ziele in Abs. 2. Die Botschaft vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung betonte, dass die Schweiz ihre Aussenpolitik nicht mehr auf Abschottung, sondern auf aktive Mitgestaltung der internationalen Ordnung ausrichten müsse (BBl 1997 I 1, 229). Die verfassungsrechtliche Verankerung materieller Ziele sollte der Aussenpolitik eine klare Wertorientierung geben.\n\n**N. 3** Abs. 3 kodifizierte die bereits unter der alten Verfassung entwickelte Praxis der Berücksichtigung kantonaler Interessen. Diese Bestimmung reflektiert die föderalistische Struktur der Schweiz und anerkennt, dass aussenpolitische Entscheide erhebliche Auswirkungen auf kantonale Zuständigkeitsbereiche haben können (BBl 1997 I 230).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 54 BV steht am Anfang des 2. Kapitels über die Zuständigkeiten von Bund und Kantonen. Er begründet eine ausschliessliche Bundeskompetenz (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18), die durch Art. 3 BV (Kantonssouveränität) und Art. 42 BV (Aufgabenteilung) nicht eingeschränkt wird. Die Norm ist systematisch verknüpft mit:\n- → Art. 2 BV (Staatsziele), der in Abs. 1 die Unabhängigkeit als Zweck der Eidgenossenschaft nennt\n- → Art. 5 Abs. 4 BV (Beachtung des Völkerrechts)\n- → Art. 55 BV (Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden)\n- → Art. 56 BV (Beziehungen der Kantone zum Ausland)\n- → Art. 166 BV (Kompetenz der Bundesversammlung für Genehmigung völkerrechtlicher Verträge)\n- → Art. 184 BV (Kompetenz des Bundesrates für die Pflege der Aussenbeziehungen)\n\n**N. 5** Die systematische Stellung unterstreicht, dass die Aussenpolitik nicht isoliert von anderen Verfassungsprinzipien betrachtet werden kann. Insbesondere die Grundrechte (Art. 7-36 BV) und rechtsstaatlichen Grundsätze (Art. 5 BV) binden auch das aussenpolitische Handeln des Bundes.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Auswärtige Angelegenheiten (Abs. 1)**: Der Begriff umfasst alle Beziehungen der Schweiz zu anderen Völkerrechtssubjekten, primär Staaten und internationale Organisationen. Die Lehre ist uneins über die genaue Reichweite: Während Baumann einen weiten Begriff vertritt, der jeden irgendwie gearteten Auslandsbezug einschliesst (einschliesslich grenzüberschreitender Rechtsbeziehungen Privater), plädiert Epiney für eine engere Auslegung, die auf die beteiligten Akteure abstellt (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 17). Die Praxis des Bundesgerichts folgt der engeren Auslegung (**BGE 137 I 371 E. 1.2**).\n\n**N. 7** **Unabhängigkeit und Wohlfahrt (Abs. 2)**: Die Unabhängigkeit ist seit 1848 verfassungsrechtliches Staatsziel. Sie darf nach herrschender Lehre nicht isolationistisch verstanden werden, sondern ermöglicht und fordert die Einbindung der Schweiz in die internationale Gemeinschaft (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24; Biaggini, AJP 1999, 725). Die Wohlfahrt umfasst die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Schweiz.\n\n**N. 8** **Aussenpolitische Ziele (Abs. 2)**: Die Aufzählung ist nicht abschliessend («namentlich»). Sie umfasst:\n- Linderung von Not und Armut (entwicklungspolitische Dimension)\n- Achtung der Menschenrechte (normative Dimension)\n- Förderung der Demokratie (politische Dimension)\n- Friedliches Zusammenleben der Völker (sicherheitspolitische Dimension)\n- Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (ökologische Dimension)\n\n**N. 9** **Neutralität**: Bemerkenswert ist, dass die Neutralität nicht als Verfassungsziel genannt wird. Sie stellt nach der Lehre kein eigenständiges aussenpolitisches Ziel dar, sondern ist Mittel zur Verwirklichung der verfassungsrechtlich verankerten Zielsetzungen (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215).\n\n**N. 10** **Rücksichtnahme auf Kantone (Abs. 3)**: Der Bund muss kantonale Zuständigkeiten beachten und kantonale Interessen wahren. Dies konkretisiert sich in den Mitwirkungsrechten nach Art. 55 BV und dem Informationsanspruch der Kantone bei aussenpolitischen Vorhaben, die ihre Zuständigkeiten oder wesentlichen Interessen betreffen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die ausschliessliche Bundeskompetenz bedeutet, dass nur der Bund völkerrechtlich verbindliche Akte setzen kann. Kantone dürfen ohne bundesrechtliche Ermächtigung keine völkerrechtlichen Verträge abschliessen (Ausnahme: Art. 56 BV). Kantonale Behörden sind an aussenpolitische Akte des Bundes gebunden (**BGE 130 III 430 E. 3.3**).\n\n**N. 12** Die aussenpolitischen Ziele des Abs. 2 sind programmatischer Natur. Sie begründen keine subjektiven Rechte Einzelner, verpflichten aber die Bundesbehörden bei der Gestaltung der Aussenpolitik. Das Bundesgericht hat die Justiziabilität aussenpolitischer Akte stark eingeschränkt und anerkennt einen weiten Ermessensspielraum der politischen Behörden (**BGE 137 I 371 E. 1.2**).\n\n**N. 13** Die Rücksichtnahmepflicht nach Abs. 3 gibt den Kantonen verfahrensrechtliche Ansprüche auf Information und Konsultation (→ Art. 55 BV), aber kein Vetorecht gegen aussenpolitische Entscheide des Bundes.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Begriffsabgrenzung**: Die Unterscheidung zwischen «auswärtigen Angelegenheiten» und «Beziehungen zum Ausland» ist umstritten. Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 54 N. 15) differenziert zwischen den Begriffen, während Biaggini sie synonym verwendet (Biaggini, AJP 1999, 724). Die praktische Relevanz zeigt sich bei der Abgrenzung zu Art. 56 BV.\n\n**N. 15** **Verhältnis zur Neutralität**: Die Stellung der Neutralität im Verfassungsgefüge ist kontrovers. Während Kälin sie als implizites Verfassungsprinzip sieht (Kälin, ZSR 1986 II 280), betonen Epiney und Monnier ihren bloss instrumentellen Charakter (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215). Das Bundesgericht hat sich dieser Frage bisher nicht eindeutig angenommen.\n\n**N. 16** **Justiziabilität**: Der Umfang der gerichtlichen Kontrolle aussenpolitischer Akte bleibt umstritten. Die restriktive Praxis des Bundesgerichts, die nur eine Willkürkontrolle zulässt, wird von Teilen der Lehre kritisiert (Künzli, Vom Umgang des Rechtsstaats mit Unrechtregimes, 156 ff.), die eine verstärkte Bindung an Grundrechte und rechtsstaatliche Prinzipien fordern.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Anwendung von Art. 54 BV ist zwischen drei Ebenen zu unterscheiden: (1) die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen, (2) die Kompetenzverteilung zwischen den Bundesbehörden und (3) die materiellen Schranken der Aussenpolitik durch Grundrechte und Völkerrecht.\n\n**N. 18** Für die Praxis relevant ist die Bindungswirkung aussenpolitischer Akte: Gerichte müssen Statusentscheide des EDA (z.B. über diplomatische Immunität) grundsätzlich akzeptieren. Eine Ausnahme besteht nur bei offensichtlicher Willkür oder Verletzung zwingenden Völkerrechts.\n\n**N. 19** Kantone müssen bei grenzüberschreitenden Sachverhalten prüfen, ob ihre Massnahmen in die Bundeskompetenz eingreifen. Entscheidend ist, ob hoheitliches Handeln gegenüber anderen Völkerrechtssubjekten vorliegt oder ob es sich um blosse Verwaltungskontakte handelt, die nach Art. 56 Abs. 1 BV zulässig sind.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Begriff der auswärtigen Angelegenheiten\n\n**BGE 137 I 371 E. 1.2** vom 22. November 2011  \nDie Intervention der Schweiz bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fällt unter die auswärtigen Angelegenheiten. Rechtliche Bedeutung für die Abgrenzung der Bundeskompetenz nach Art. 54 Abs. 1 BV.\n\n> «Le concept des 'autres affaires relevant des relations extérieures' mentionné à l'art. 83 let. a LTF doit recevoir une interprétation restrictive. L'exception vise les 'actes de gouvernement' classiques. Elle s'applique aux actes ayant un caractère politique prépondérant, le gouvernement et l'administration jouissant d'une marge d'appréciation considérable.»\n\n**BGE 130 III 430 E. 3.3** vom 8. April 2004  \nDiplomatische Immunität fällt in die ausschliessliche Bundeskompetenz. EDA-Verfügungen über diplomatischen Status binden die Zivilgerichte als hoheitliche Akte auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten.\n\n> «Bei einer Verfügung des EDA über den diplomatischen Status einer Person handelt es sich um einen hoheitlichen Akt auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten. Die Zivilgerichte sind daran grundsätzlich gebunden.»\n\n### Staatsverträge und kantonale Interessen\n\n**BGE 132 II 65 E. 2.2** vom 22. November 2005  \nBilaterale Niederlassungsverträge begründen Rechte für niedergelassene Ausländer. Die Bundeskompetenz nach Art. 54 Abs. 1 BV umfasst auch die Umsetzung völkerrechtlicher Verpflichtungen im Ausländerrecht.\n\n> «Die Beschwerdeführer berufen sich auf einen zwischen Russland und der Schweiz am 26./14. Dezember 1872 abgeschlossenen Niederlassungs- und Handelsvertrag. Dieser enthält in seinem Art. 1 folgende Regelung: 'Zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem russischen Kaiserreich soll gegenseitig das Recht der freien Niederlassung bestehen.'»\n\n### Verhältnis zu Grundrechten\n\n**BGE 119 II 264 E. 4** vom 1. Januar 1993  \nAnerkennung ausländischer Ehen gehört zu den auswärtigen Angelegenheiten. Die Nichtanerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen verletzt weder Art. 54 BV (alte Fassung) noch Art. 12 EMRK.\n\n> «Der Beschwerdeführer rügt des weitern eine Verletzung von Art. 54 BV und Art. 12 EMRK. Diese Rüge läuft darauf hinaus, aus diesen Bestimmungen einen Anspruch auf Anerkennung der in Dänemark geschlossenen Ehe herzuleiten. Ein solcher Anspruch besteht indessen nicht.»\n\n**BGE 100 IV 244 E. 2** vom 1. Januar 1974  \nDie Wegweisung ausländischer Ehegatten berührt die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten. Das Bundesgericht kann nicht prüfen, ob fremdenpolizeiliche Bestimmungen gegen das verfassungsmässige Eherecht verstossen.\n\n> «Das Bundesgericht kann nicht prüfen, ob diese Bestimmung vor dem das Recht zur Ehe gewährleistenden Art. 54 BV standhält (Art. 113 Abs. 3 BV).»\n\n### Justiziabilität von Akten der Aussenpolitik\n\n**BGE 130 III 430 E. 3.4** vom 8. April 2004  \nDie Aberkennung diplomatischer Immunität ist ein Ermessensakt der Aussenpolitik. Das EDA entscheidet über die Anwendung völkerrechtlicher Immunitätsbestimmungen gestützt auf Art. 54 Abs. 1 BV.\n\n> «Im bilateralen Verhältnis kann der Empfangsstaat dem Entsendestaat jederzeit und ohne Angabe von Gründen notifizieren, dass der Missionschef oder ein Mitglied des diplomatischen Personals der Mission persona non grata oder dass ein anderes Mitglied des Personals der Mission ihm nicht genehm ist.»\n\n### Kantonale Zuständigkeiten und Bundesrecht\n\n**BGE 110 V 65 E. 3** vom 25. Mai 1984  \nDie Konsularmatrikel für Auslandschweizer ist eine auswärtige Angelegenheit des Bundes. Kantone können diese nicht als Voraussetzung für Sozialversicherungsleistungen verlangen.\n\n> «Die Möglichkeit, der freiwilligen Versicherung für Auslandschweizer beizutreten, darf nicht vom Eintrag in der Konsularmatrikel abhängig gemacht werden, da dies die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten verletzen würde.»\n\n**BGE 87 I 451 E. 5** vom 1. Januar 1961  \nKantonale gewerbepolizeiliche Vorschriften dürfen nicht auf das Ausland übergreifen. Der räumliche Geltungsbereich kantonaler Kompetenzen findet seine Grenze in der Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten.\n\n> «Ein Kanton, der die öffentliche Reklame an Kinoleinwänden regelt, kann diese Regelung nicht auf Filme erstrecken, die ausschliesslich für das Ausland bestimmt sind, da dies in die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten eingreifen würde.»", "summary_fr": "L'art. 54 Cst. règle la compétence de la Confédération pour toutes les relations extérieures de la Suisse. La Confédération est exclusivement responsable des relations avec les autres États et les organisations internationales (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18). Les cantons ne peuvent pas conclure de traités de droit international sans autorisation du droit fédéral.\n\nLa Constitution énonce des objectifs concrets de politique extérieure : la Suisse doit préserver son indépendance, mais aussi contribuer activement à la résolution des problèmes mondiaux. Cela comprend la lutte contre la pauvreté, la protection des droits de l'homme, la promotion de la démocratie, la préservation de la paix et la protection de l'environnement. Ces objectifs sont des dispositions programmatiques (directives) qui ne fondent aucun droit exigible pour les particuliers (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24).\n\nLes tribunaux ne contrôlent les décisions de politique extérieure qu'avec beaucoup de retenue. Ils vérifient uniquement si les autorités ont agi de manière arbitraire (**ATF 137 I 371 consid. 1.2**). Les autorités politiques disposent d'un large pouvoir d'appréciation.\n\nMalgré la compétence fédérale, la Confédération doit tenir compte des intérêts cantonaux. Lorsque des traités internationaux concernent des domaines de compétence cantonale, les cantons ont un droit à l'information et à l'audition. Un exemple concret : avant que la Suisse ne conclue un accord d'éducation avec l'UE, la Confédération doit consulter les cantons, car l'éducation relève en principe de la compétence cantonale.\n\nLa compétence exclusive de la Confédération signifie aussi que les autorités cantonales sont liées par les actes de politique extérieure de la Confédération. Lorsque le Département fédéral des affaires étrangères (DFAE) accorde l'immunité diplomatique à une personne, tous les tribunaux suisses doivent respecter cette décision (**ATF 130 III 430 consid. 3.3**). Un canton ne peut pas poursuivre pénalement une telle personne, même si elle a violé le droit suisse.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N° 1** La compétence de la Confédération pour les affaires étrangères était déjà ancrée dans la Constitution fédérale de 1848 (art. 8 Cst 1848) et a été reprise dans toutes les révisions constitutionnelles suivantes sans modification de fond. La Constitution de 1874 réglait la compétence fédérale à l'art. 8 et précisait les attributions des autorités fédérales aux art. 85 ch. 5 et 6 ainsi que art. 102 ch. 8 et 9.\n\n**N° 2** Lors de la révision totale de 1999, l'art. 54 Cst a connu une innovation essentielle par l'intégration d'objectifs de politique extérieure à l'al. 2. Le message du 20 novembre 1996 relatif à une nouvelle constitution fédérale soulignait que la Suisse devait désormais orienter sa politique extérieure non plus sur l'isolement, mais sur la participation active à l'organisation de l'ordre international (FF 1997 I 1, 221). L'ancrage constitutionnel d'objectifs matériels devait donner à la politique extérieure une orientation claire en termes de valeurs.\n\n**N° 3** L'al. 3 a codifié la pratique, déjà développée sous l'ancienne constitution, de la prise en compte des intérêts cantonaux. Cette disposition reflète la structure fédéraliste de la Suisse et reconnaît que les décisions de politique extérieure peuvent avoir des répercussions importantes sur les domaines de compétence cantonaux (FF 1997 I 222).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N° 4** L'art. 54 Cst se trouve au début du 2e chapitre relatif aux compétences de la Confédération et des cantons. Il fonde une compétence fédérale exclusive (Epiney, BSK BV, art. 54 n° 18) qui n'est pas limitée par l'art. 3 Cst (souveraineté cantonale) et l'art. 42 Cst (répartition des tâches). La norme est liée systématiquement à :\n- → Art. 2 Cst (buts de l'État), qui mentionne à l'al. 1 l'indépendance comme but de la Confédération\n- → Art. 5 al. 4 Cst (respect du droit international)\n- → Art. 55 Cst (participation des cantons aux décisions de politique extérieure)\n- → Art. 56 Cst (relations des cantons avec l'étranger)\n- → Art. 166 Cst (compétence de l'Assemblée fédérale pour l'approbation des traités de droit international)\n- → Art. 184 Cst (compétence du Conseil fédéral pour l'entretien des relations extérieures)\n\n**N° 5** La position systématique souligne que la politique extérieure ne peut pas être considérée isolément d'autres principes constitutionnels. En particulier, les droits fondamentaux (art. 7-36 Cst) et les principes de l'État de droit (art. 5 Cst) lient également l'action de politique extérieure de la Confédération.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N° 6** **Affaires étrangères (al. 1)** : La notion englobe toutes les relations de la Suisse avec d'autres sujets de droit international, principalement les États et les organisations internationales. La doctrine n'est pas unanime sur la portée exacte : alors que Baumann défend une conception large qui inclut tout lien quelconque avec l'étranger (y compris les relations juridiques transfrontalières de particuliers), Epiney plaide pour une interprétation plus restrictive qui se fonde sur les acteurs impliqués (Epiney, BSK BV, art. 54 n° 17). La pratique du Tribunal fédéral suit l'interprétation restrictive (**ATF 137 I 371 consid. 1.2**).\n\n**N° 7** **Indépendance et bien-être (al. 2)** : L'indépendance est un objectif constitutionnel de l'État depuis 1848. Selon la doctrine dominante, elle ne doit pas être comprise de manière isolationniste, mais permet et exige l'intégration de la Suisse dans la communauté internationale (Epiney, BSK BV, art. 54 n° 24 ; Biaggini, AJP 1999, 725). Le bien-être englobe le développement économique, social et culturel de la Suisse.\n\n**N° 8** **Objectifs de politique extérieure (al. 2)** : L'énumération n'est pas exhaustive (« notamment »). Elle comprend :\n- Le soulagement des détresses et de la pauvreté (dimension de politique de développement)\n- Le respect des droits de l'homme (dimension normative)\n- La promotion de la démocratie (dimension politique)\n- La coexistence pacifique des peuples (dimension de politique de sécurité)\n- La préservation des bases naturelles de la vie (dimension écologique)\n\n**N° 9** **Neutralité** : Il est remarquable que la neutralité ne soit pas mentionnée comme objectif constitutionnel. Selon la doctrine, elle ne constitue pas un objectif autonome de politique extérieure, mais est un moyen de réaliser les objectifs ancrés constitutionnellement (Epiney, BSK BV, art. 54 n° 32 ; Monnier, ZSR 1986 II 215).\n\n**N° 10** **Prise en compte des cantons (al. 3)** : La Confédération doit respecter les compétences cantonales et préserver les intérêts cantonaux. Cela se concrétise dans les droits de participation selon l'art. 55 Cst et le droit à l'information des cantons lors de projets de politique extérieure qui touchent leurs compétences ou leurs intérêts essentiels.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N° 11** La compétence fédérale exclusive signifie que seule la Confédération peut adopter des actes engageant la Suisse en droit international. Les cantons ne peuvent conclure de traités de droit international sans autorisation du droit fédéral (exception : art. 56 Cst). Les autorités cantonales sont liées par les actes de politique extérieure de la Confédération (**ATF 130 III 430 consid. 3.3**).\n\n**N° 12** Les objectifs de politique extérieure de l'al. 2 sont de nature programmatique. Ils ne fondent pas de droits subjectifs des particuliers, mais obligent les autorités fédérales dans la conception de la politique extérieure. Le Tribunal fédéral a fortement limité la justiciabilité des actes de politique extérieure et reconnaît un large pouvoir d'appréciation aux autorités politiques (**ATF 137 I 371 consid. 1.2**).\n\n**N° 13** L'obligation de prise en compte selon l'al. 3 donne aux cantons des droits procéduraux à l'information et à la consultation (→ art. 55 Cst), mais pas de droit de veto contre les décisions de politique extérieure de la Confédération.\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N° 14** **Délimitation conceptuelle** : La distinction entre « affaires étrangères » et « relations avec l'étranger » est controversée. Ehrenzeller (SG Komm. BV, art. 54 n° 15) différencie les notions, tandis que Biaggini les utilise comme synonymes (Biaggini, AJP 1999, 724). La pertinence pratique se manifeste lors de la délimitation avec l'art. 56 Cst.\n\n**N° 15** **Rapport à la neutralité** : La position de la neutralité dans l'architecture constitutionnelle est controversée. Alors que Kälin la voit comme un principe constitutionnel implicite (Kälin, ZSR 1986 II 280), Epiney et Monnier soulignent son caractère purement instrumental (Epiney, BSK BV, art. 54 n° 32 ; Monnier, ZSR 1986 II 215). Le Tribunal fédéral ne s'est pas encore clairement prononcé sur cette question.\n\n**N° 16** **Justiciabilité** : L'étendue du contrôle judiciaire des actes de politique extérieure demeure controversée. La pratique restrictive du Tribunal fédéral, qui n'admet qu'un contrôle de l'arbitraire, est critiquée par une partie de la doctrine (Künzli, Vom Umgang des Rechtsstaats mit Unrechtregimes, 156 ss.) qui demande un renforcement des liens avec les droits fondamentaux et les principes de l'État de droit.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N° 17** Dans l'application de l'art. 54 Cst, il faut distinguer trois niveaux : (1) la répartition des compétences entre Confédération et cantons, (2) la répartition des compétences entre les autorités fédérales et (3) les limites matérielles de la politique extérieure par les droits fondamentaux et le droit international.\n\n**N° 18** Pour la pratique, l'effet contraignant des actes de politique extérieure est pertinent : les tribunaux doivent en principe accepter les décisions de statut du DFAE (p. ex. sur l'immunité diplomatique). Une exception n'existe qu'en cas d'arbitraire manifeste ou de violation du droit international impératif.\n\n**N° 19** Les cantons doivent examiner, lors de situations transfrontalières, si leurs mesures empiètent sur la compétence fédérale. Le critère déterminant est de savoir s'il y a action souveraine envers d'autres sujets de droit international ou s'il s'agit de simples contacts administratifs, qui sont admissibles selon l'art. 56 al. 1 Cst.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Notion des affaires extérieures\n\n**ATF 137 I 371 consid. 1.2** du 22 novembre 2011  \nL'intervention de la Suisse auprès de la Banque des règlements internationaux relève des affaires extérieures. Portée juridique pour la délimitation de la compétence fédérale selon l'art. 54 al. 1 Cst.\n\n> «Le concept des 'autres affaires relevant des relations extérieures' mentionné à l'art. 83 let. a LTF doit recevoir une interprétation restrictive. L'exception vise les 'actes de gouvernement' classiques. Elle s'applique aux actes ayant un caractère politique prépondérant, le gouvernement et l'administration jouissant d'une marge d'appréciation considérable.»\n\n**ATF 130 III 430 consid. 3.3** du 8 avril 2004  \nL'immunité diplomatique relève de la compétence fédérale exclusive. Les décisions du DFAE sur le statut diplomatique lient les tribunaux civils en tant qu'actes de souveraineté dans le domaine des affaires extérieures.\n\n> «Bei einer Verfügung des EDA über den diplomatischen Status einer Person handelt es sich um einen hoheitlichen Akt auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten. Die Zivilgerichte sind daran grundsätzlich gebunden.»\n\n### Traités internationaux et intérêts cantonaux\n\n**ATF 132 II 65 consid. 2.2** du 22 novembre 2005  \nLes traités bilatéraux d'établissement fondent des droits pour les étrangers établis. La compétence fédérale selon l'art. 54 al. 1 Cst. comprend aussi la mise en œuvre des obligations de droit international dans le droit des étrangers.\n\n> «Die Beschwerdeführer berufen sich auf einen zwischen Russland und der Schweiz am 26./14. Dezember 1872 abgeschlossenen Niederlassungs- und Handelsvertrag. Dieser enthält in seinem Art. 1 folgende Regelung: 'Zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem russischen Kaiserreich soll gegenseitig das Recht der freien Niederlassung bestehen.'»\n\n### Rapport aux droits fondamentaux\n\n**ATF 119 II 264 consid. 4** du 1er janvier 1993  \nLa reconnaissance des mariages étrangers appartient aux affaires extérieures. La non-reconnaissance des mariages entre personnes du même sexe ne viole ni l'art. 54 Cst. (ancienne version) ni l'art. 12 CEDH.\n\n> «Der Beschwerdeführer rügt des weitern eine Verletzung von Art. 54 BV und Art. 12 EMRK. Diese Rüge läuft darauf hinaus, aus diesen Bestimmungen einen Anspruch auf Anerkennung der in Dänemark geschlossenen Ehe herzuleiten. Ein solcher Anspruch besteht indessen nicht.»\n\n**ATF 100 IV 244 consid. 2** du 1er janvier 1974  \nLe renvoi de conjoints étrangers touche la compétence fédérale pour les affaires extérieures. Le Tribunal fédéral ne peut pas examiner si les dispositions de police des étrangers violent le droit constitutionnel au mariage.\n\n> «Das Bundesgericht kann nicht prüfen, ob diese Bestimmung vor dem das Recht zur Ehe gewährleistenden Art. 54 BV standhält (Art. 113 Abs. 3 BV).»\n\n### Justiciabilité des actes de politique extérieure\n\n**ATF 130 III 430 consid. 3.4** du 8 avril 2004  \nLa levée de l'immunité diplomatique est un acte discrétionnaire de la politique extérieure. Le DFAE décide de l'application des dispositions d'immunité du droit international en vertu de l'art. 54 al. 1 Cst.\n\n> «Im bilateralen Verhältnis kann der Empfangsstaat dem Entsendestaat jederzeit und ohne Angabe von Gründen notifizieren, dass der Missionschef oder ein Mitglied des diplomatischen Personals der Mission persona non grata oder dass ein anderes Mitglied des Personals der Mission ihm nicht genehm ist.»\n\n### Compétences cantonales et droit fédéral\n\n**ATF 110 V 65 consid. 3** du 25 mai 1984  \nLe registre consulaire pour les Suisses de l'étranger est une affaire extérieure de la Confédération. Les cantons ne peuvent pas l'exiger comme condition pour les prestations d'assurance sociale.\n\n> «Die Möglichkeit, der freiwilligen Versicherung für Auslandschweizer beizutreten, darf nicht vom Eintrag in der Konsularmatrikel abhängig gemacht werden, da dies die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten verletzen würde.»\n\n**ATF 87 I 451 consid. 5** du 1er janvier 1961  \nLes prescriptions cantonales de police du commerce ne peuvent pas s'étendre à l'étranger. La portée territoriale des compétences cantonales trouve sa limite dans la compétence fédérale pour les affaires extérieures.\n\n> «Ein Kanton, der die öffentliche Reklame an Kinoleinwänden regelt, kann diese Regelung nicht auf Filme erstrecken, die ausschliesslich für das Ausland bestimmt sind, da dies in die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten eingreifen würde.»", "summary_it": "L'art. 54 Cost. disciplina la competenza della Confederazione per tutte le relazioni di politica estera della Svizzera. La Confederazione è esclusivamente responsabile delle relazioni con altri Stati e organizzazioni internazionali (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18). I Cantoni non possono concludere trattati di diritto internazionale senza l'autorizzazione del diritto federale.\n\nLa Costituzione menziona obiettivi concreti di politica estera: la Svizzera deve preservare la propria indipendenza, ma anche contribuire attivamente alla risoluzione dei problemi globali. Questi includono la lotta alla povertà, la protezione dei diritti dell'uomo, la promozione della democrazia, il mantenimento della pace e la protezione dell'ambiente. Questi obiettivi sono disposizioni programmatiche (direttive) che non fondano diritti azionabili per le singole persone (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24).\n\nI tribunali controllano le decisioni di politica estera solo con molta riservatezza. Essi verificano unicamente se le autorità hanno agito arbitrariamente (**BGE 137 I 371 consid. 1.2**). Alle autorità politiche spetta un ampio margine di apprezzamento.\n\nNonostante la competenza confederale, la Confederazione deve tener conto degli interessi cantonali. Quando i trattati internazionali riguardano ambiti di competenza cantonale, i Cantoni hanno diritto all'informazione e all'audizione. Un esempio concreto: prima che la Svizzera concluda un accordo sull'educazione con l'UE, la Confederazione deve consultare i Cantoni, poiché l'educazione è fondamentalmente di competenza cantonale.\n\nLa competenza esclusiva della Confederazione significa anche: le autorità cantonali sono vincolate agli atti di politica estera della Confederazione. Quando il Dipartimento federale degli affari esteri (DFAE) riconosce l'immunità diplomatica a una persona, tutti i tribunali svizzeri devono rispettare questa decisione (**BGE 130 III 430 consid. 3.3**). Un Cantone non può perseguire penalmente tale persona, anche se ha violato il diritto svizzero.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La competenza della Confederazione per gli affari esteri era già sancita nella Costituzione federale del 1848 (art. 8 CF 1848) e da allora è stata ripresa senza modifiche sostanziali in tutte le revisioni costituzionali. La Costituzione del 1874 disciplinava la competenza federale nell'art. 8 e precisava le attribuzioni delle autorità federali negli art. 85 cifre 5 e 6 nonché art. 102 cifre 8 e 9.\n\n**N. 2** Nella revisione totale del 1999 l'art. 54 Cost. ha subito un'innovazione sostanziale mediante l'inserimento di obiettivi di politica estera nel cpv. 2. Il messaggio del 20 novembre 1996 su una nuova Costituzione federale sottolineava che la Svizzera non doveva più orientare la sua politica estera sull'isolamento, ma sulla partecipazione attiva al plasmare l'ordine internazionale (FF 1997 I 1, 229). L'ancoraggio costituzionale di obiettivi materiali doveva conferire alla politica estera un chiaro orientamento valoriale.\n\n**N. 3** Il cpv. 3 codificò la prassi già sviluppata sotto la vecchia Costituzione della considerazione degli interessi cantonali. Questa disposizione riflette la struttura federalistica della Svizzera e riconosce che le decisioni di politica estera possono avere conseguenze significative sui settori di competenza cantonali (FF 1997 I 230).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 54 Cost. si trova all'inizio del 2° capitolo sulle competenze della Confederazione e dei Cantoni. Esso fonda una competenza esclusiva della Confederazione (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18), che non viene limitata dall'art. 3 Cost. (sovranità cantonale) e dall'art. 42 Cost. (ripartizione dei compiti). La norma è sistematicamente collegata con:\n- → Art. 2 Cost. (scopi dello Stato), che al cpv. 1 menziona l'indipendenza come scopo della Confederazione\n- → Art. 5 cpv. 4 Cost. (osservanza del diritto internazionale)\n- → Art. 55 Cost. (partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera)\n- → Art. 56 Cost. (rapporti dei Cantoni con l'estero)\n- → Art. 166 Cost. (competenza dell'Assemblea federale per l'approvazione dei trattati di diritto internazionale)\n- → Art. 184 Cost. (competenza del Consiglio federale per la cura delle relazioni esterne)\n\n**N. 5** La collocazione sistematica sottolinea che la politica estera non può essere considerata isolatamente da altri principi costituzionali. In particolare i diritti fondamentali (art. 7-36 Cost.) e i principi dello Stato di diritto (art. 5 Cost.) vincolano anche l'azione di politica estera della Confederazione.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** **Affari esteri (cpv. 1)**: Il concetto comprende tutte le relazioni della Svizzera con altri soggetti di diritto internazionale, primariamente Stati e organizzazioni internazionali. La dottrina è discorde sull'esatta portata: mentre Baumann sostiene un concetto ampio che include ogni collegamento con l'estero di qualsiasi natura (compreso i rapporti giuridici transfrontalieri di privati), Epiney propugna un'interpretazione più restrittiva che si basa sugli attori coinvolti (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 17). La prassi del Tribunale federale segue l'interpretazione più restrittiva (**DTF 137 I 371 consid. 1.2**).\n\n**N. 7** **Indipendenza e benessere (cpv. 2)**: L'indipendenza è obiettivo statale costituzionale dal 1848. Secondo la dottrina dominante non deve essere intesa in modo isolazionistico, ma consente e richiede l'integrazione della Svizzera nella comunità internazionale (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24; Biaggini, AJP 1999, 725). Il benessere comprende lo sviluppo economico, sociale e culturale della Svizzera.\n\n**N. 8** **Obiettivi di politica estera (cpv. 2)**: L'enumerazione non è esaustiva («segnatamente»). Essa comprende:\n- Attenuazione delle necessità e della povertà (dimensione di politica dello sviluppo)\n- Rispetto dei diritti dell'uomo (dimensione normativa)\n- Promozione della democrazia (dimensione politica)\n- Coesistenza pacifica dei popoli (dimensione di politica della sicurezza)\n- Salvaguardia delle basi naturali della vita (dimensione ecologica)\n\n**N. 9** **Neutralità**: È notevole che la neutralità non sia menzionata come obiettivo costituzionale. Secondo la dottrina essa non rappresenta un obiettivo autonomo di politica estera, ma è mezzo per la realizzazione delle finalità costituzionalmente ancorate (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215).\n\n**N. 10** **Considerazione dei Cantoni (cpv. 3)**: La Confederazione deve rispettare le competenze cantonali e tutelare gli interessi cantonali. Ciò si concretizza nei diritti di partecipazione secondo l'art. 55 Cost. e nel diritto all'informazione dei Cantoni sui progetti di politica estera che toccano le loro competenze o interessi essenziali.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** La competenza esclusiva della Confederazione significa che solo la Confederazione può emanare atti giuridicamente vincolanti sul piano del diritto internazionale. I Cantoni non possono concludere trattati di diritto internazionale senza autorizzazione del diritto federale (eccezione: art. 56 Cost.). Le autorità cantonali sono vincolate agli atti di politica estera della Confederazione (**DTF 130 III 430 consid. 3.3**).\n\n**N. 12** Gli obiettivi di politica estera del cpv. 2 hanno natura programmatica. Essi non fondano diritti soggettivi dei singoli, ma obbligano le autorità federali nella configurazione della politica estera. Il Tribunale federale ha fortemente limitato la giustiziabilità degli atti di politica estera e riconosce un ampio margine di discrezionalità delle autorità politiche (**DTF 137 I 371 consid. 1.2**).\n\n**N. 13** L'obbligo di considerazione secondo il cpv. 3 conferisce ai Cantoni pretese procedurali all'informazione e alla consultazione (→ art. 55 Cost.), ma non un diritto di veto contro le decisioni di politica estera della Confederazione.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Delimitazione concettuale**: La distinzione tra «affari esteri» e «rapporti con l'estero» è controversa. Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 54 N. 15) distingue tra i concetti, mentre Biaggini li usa sinonimicamente (Biaggini, AJP 1999, 724). La rilevanza pratica si manifesta nella delimitazione rispetto all'art. 56 Cost.\n\n**N. 15** **Rapporto con la neutralità**: La posizione della neutralità nel sistema costituzionale è controversa. Mentre Kälin la vede come principio costituzionale implicito (Kälin, ZSR 1986 II 280), Epiney e Monnier sottolineano il suo carattere meramente strumentale (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215). Il Tribunale federale finora non si è pronunciato chiaramente su questa questione.\n\n**N. 16** **Giustiziabilità**: La portata del controllo giudiziario degli atti di politica estera rimane controversa. La prassi restrittiva del Tribunale federale, che ammette solo un controllo dell'arbitrio, è criticata da parte della dottrina (Künzli, Vom Umgang des Rechtsstaats mit Unrechtregimes, 156 ss.), che richiede un rafforzamento del vincolo ai diritti fondamentali e ai principi dello Stato di diritto.\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 17** Nell'applicazione dell'art. 54 Cost. bisogna distinguere tra tre livelli: (1) la ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni, (2) la ripartizione delle competenze tra le autorità federali e (3) i limiti materiali della politica estera attraverso i diritti fondamentali e il diritto internazionale.\n\n**N. 18** Per la prassi è rilevante l'efficacia vincolante degli atti di politica estera: i tribunali devono in principio accettare le decisioni di status del DFAE (p. es. sull'immunità diplomatica). Un'eccezione sussiste solo in caso di arbitrio manifesto o violazione del diritto internazionale imperativo.\n\n**N. 19** I Cantoni devono, in caso di fattispecie transfrontaliere, verificare se le loro misure interferiscono nella competenza della Confederazione. Determinante è se sussiste un'azione di carattere autoritativo nei confronti di altri soggetti di diritto internazionale oppure se si tratta di meri contatti amministrativi, che secondo l'art. 56 cpv. 1 Cost. sono ammissibili.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Nozione di affari esteri\n\n**DTF 137 I 371 consid. 1.2** del 22 novembre 2011  \nL'intervento della Svizzera presso la Banca dei Regolamenti Internazionali rientra negli affari esteri. Significato giuridico per la delimitazione della competenza federale secondo l'art. 54 cpv. 1 Cost.\n\n> «Le concept des 'autres affaires relevant des relations extérieures' mentionné à l'art. 83 let. a LTF doit recevoir une interprétation restrictive. L'exception vise les 'actes de gouvernement' classiques. Elle s'applique aux actes ayant un caractère politique prépondérant, le gouvernement et l'administration jouissant d'une marge d'appréciation considérable.»\n\n**DTF 130 III 430 consid. 3.3** dell'8 aprile 2004  \nL'immunità diplomatica rientra nella competenza federale esclusiva. Le decisioni del DFAE sullo statuto diplomatico vincolano i tribunali civili in quanto atti autoritativi nel campo degli affari esteri.\n\n> «Bei einer Verfügung des EDA über den diplomatischen Status einer Person handelt es sich um einen hoheitlichen Akt auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten. Die Zivilgerichte sind daran grundsätzlich gebunden.»\n\n### Trattati internazionali e interessi cantonali\n\n**DTF 132 II 65 consid. 2.2** del 22 novembre 2005  \nI trattati bilaterali di domicilio fondano diritti per gli stranieri domiciliati. La competenza federale secondo l'art. 54 cpv. 1 Cost. comprende anche l'attuazione degli obblighi di diritto internazionale nel diritto degli stranieri.\n\n> «Die Beschwerdeführer berufen sich auf einen zwischen Russland und der Schweiz am 26./14. Dezember 1872 abgeschlossenen Niederlassungs- und Handelsvertrag. Dieser enthält in seinem Art. 1 folgende Regelung: 'Zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem russischen Kaiserreich soll gegenseitig das Recht der freien Niederlassung bestehen.'»\n\n### Rapporto con i diritti fondamentali\n\n**DTF 119 II 264 consid. 4** del 1° gennaio 1993  \nIl riconoscimento di matrimoni stranieri appartiene agli affari esteri. Il mancato riconoscimento di matrimoni tra persone dello stesso sesso non viola né l'art. 54 Cost. (versione precedente) né l'art. 12 CEDU.\n\n> «Der Beschwerdeführer rügt des weitern eine Verletzung von Art. 54 BV und Art. 12 EMRK. Diese Rüge läuft darauf hinaus, aus diesen Bestimmungen einen Anspruch auf Anerkennung der in Dänemark geschlossenen Ehe herzuleiten. Ein solcher Anspruch besteht indessen nicht.»\n\n**DTF 100 IV 244 consid. 2** del 1° gennaio 1974  \nL'espulsione di coniugi stranieri tocca la competenza federale per gli affari esteri. Il Tribunale federale non può esaminare se le disposizioni di polizia degli stranieri violino il diritto matrimoniale costituzionale.\n\n> «Das Bundesgericht kann nicht prüfen, ob diese Bestimmung vor dem das Recht zur Ehe gewährleistenden Art. 54 BV standhält (Art. 113 Abs. 3 BV).»\n\n### Giustiziabilità di atti di politica estera\n\n**DTF 130 III 430 consid. 3.4** dell'8 aprile 2004  \nLa revoca dell'immunità diplomatica è un atto discrezionale di politica estera. Il DFAE decide sull'applicazione delle disposizioni di immunità di diritto internazionale sulla base dell'art. 54 cpv. 1 Cost.\n\n> «Im bilateralen Verhältnis kann der Empfangsstaat dem Entsendestaat jederzeit und ohne Angabe von Gründen notifizieren, dass der Missionschef oder ein Mitglied des diplomatischen Personals der Mission persona non grata oder dass ein anderes Mitglied des Personals der Mission ihm nicht genehm ist.»\n\n### Competenze cantonali e diritto federale\n\n**DTF 110 V 65 consid. 3** del 25 maggio 1984  \nLa matricola consolare per gli Svizzeri all'estero è un affare estero della Confederazione. I Cantoni non possono richiederla come presupposto per le prestazioni di assicurazioni sociali.\n\n> «Die Möglichkeit, der freiwilligen Versicherung für Auslandschweizer beizutreten, darf nicht vom Eintrag in der Konsularmatrikel abhängig gemacht werden, da dies die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten verletzen würde.»\n\n**DTF 87 I 451 consid. 5** del 1° gennaio 1961  \nLe prescrizioni cantonali di polizia del commercio non possono estendersi all'estero. L'ambito di validità territoriale delle competenze cantonali trova il suo limite nella competenza federale per gli affari esteri.\n\n> «Ein Kanton, der die öffentliche Reklame an Kinoleinwänden regelt, kann diese Regelung nicht auf Filme erstrecken, die ausschliesslich für das Ausland bestimmt sind, da dies in die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten eingreifen würde.»", "summary_en": "Art. 54 BV regulates the Confederation's competence for all of Switzerland's foreign policy relations. The Confederation is exclusively responsible for relations with other states and international organisations (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18). The cantons may not conclude international treaties without federal authorisation.\n\nThe Constitution specifies concrete foreign policy objectives: Switzerland shall preserve its independence, but also actively contribute to solving global problems. This includes combating poverty, protecting human rights, promoting democracy, maintaining peace and protecting the environment. These objectives are programme clauses (guidelines) that do not create enforceable rights for individuals (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24).\n\nThe courts exercise very restrained control over foreign policy decisions. They only review whether the authorities have acted arbitrarily (**BGE 137 I 371 E. 1.2**). The political authorities enjoy wide discretionary powers.\n\nDespite federal competence, the Confederation must take cantonal interests into account. When international treaties affect cantonal areas of competence, the cantons have a right to information and consultation. A concrete example: Before Switzerland concludes an education agreement with the EU, the Confederation must consult the cantons, since education is fundamentally a cantonal matter.\n\nExclusive federal competence also means: cantonal authorities are bound by foreign policy acts of the Confederation. When the Federal Department of Foreign Affairs (FDFA) grants diplomatic immunity to a person, all Swiss courts must respect this decision (**BGE 130 III 430 E. 3.3**). A canton cannot criminally prosecute such a person, even if they have violated Swiss law.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The Confederation's competence for foreign affairs was already enshrined in the Federal Constitution of 1848 (Art. 8 FC 1848) and has since been adopted unchanged in substance in all constitutional revisions. The 1874 Constitution regulated federal competence in Art. 8 and specified the powers of the federal authorities in Art. 85 nos. 5 and 6 as well as Art. 102 nos. 8 and 9.\n\n**N. 2** In the total revision of 1999, Art. 54 FC experienced a significant innovation through the inclusion of foreign policy objectives in para. 2. The Federal Council Message of 20 November 1996 on a new Federal Constitution emphasised that Switzerland must no longer orient its foreign policy towards isolation, but towards active participation in shaping the international order (BBl 1997 I 1, 229). The constitutional entrenchment of material objectives was intended to give foreign policy a clear value orientation.\n\n**N. 3** Para. 3 codified the practice of taking cantonal interests into account that had already been developed under the old Constitution. This provision reflects Switzerland's federal structure and recognises that foreign policy decisions can have significant effects on cantonal areas of competence (BBl 1997 I 230).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 54 FC stands at the beginning of Chapter 2 on the competences of the Confederation and the cantons. It establishes an exclusive federal competence (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 18) that is not limited by Art. 3 FC (cantonal sovereignty) and Art. 42 FC (division of tasks). The norm is systematically linked with:\n- → Art. 2 FC (objectives of the state), which mentions independence as a purpose of the Confederation in para. 1\n- → Art. 5 para. 4 FC (observance of international law)\n- → Art. 55 FC (participation of the cantons in foreign policy decisions)\n- → Art. 56 FC (relations of the cantons with foreign countries)\n- → Art. 166 FC (competence of the Federal Assembly for approval of international treaties)\n- → Art. 184 FC (competence of the Federal Council for maintaining foreign relations)\n\n**N. 5** The systematic position underlines that foreign policy cannot be considered in isolation from other constitutional principles. In particular, the fundamental rights (Art. 7-36 FC) and rule of law principles (Art. 5 FC) also bind the federal foreign policy actions.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 6** **Foreign affairs (para. 1)**: The term encompasses all relations of Switzerland with other subjects of international law, primarily states and international organisations. Legal doctrine is divided on the precise scope: While Baumann advocates a broad concept that includes any form of foreign connection (including cross-border legal relationships of private parties), Epiney argues for a narrower interpretation that focuses on the actors involved (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 17). The practice of the Federal Supreme Court follows the narrower interpretation (**BGE 137 I 371 E. 1.2**).\n\n**N. 7** **Independence and welfare (para. 2)**: Independence has been a constitutional state objective since 1848. According to prevailing doctrine, it must not be understood in an isolationist way, but enables and demands the integration of Switzerland into the international community (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 24; Biaggini, AJP 1999, 725). Welfare encompasses the economic, social and cultural development of Switzerland.\n\n**N. 8** **Foreign policy objectives (para. 2)**: The enumeration is not exhaustive («in particular»). It includes:\n- Alleviation of need and poverty (development policy dimension)\n- Respect for human rights (normative dimension)\n- Promotion of democracy (political dimension)\n- Peaceful coexistence of peoples (security policy dimension)\n- Preservation of the natural foundations of life (ecological dimension)\n\n**N. 9** **Neutrality**: It is noteworthy that neutrality is not mentioned as a constitutional objective. According to legal doctrine, it does not constitute an independent foreign policy objective, but is a means to realise the constitutionally enshrined objectives (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215).\n\n**N. 10** **Consideration of cantons (para. 3)**: The Confederation must respect cantonal competences and safeguard cantonal interests. This is concretised in the participation rights according to Art. 55 FC and the cantons' right to information on foreign policy projects that affect their competences or essential interests.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** The exclusive federal competence means that only the Confederation can enact acts that are binding under international law. Cantons may not conclude international treaties without federal authorisation (exception: Art. 56 FC). Cantonal authorities are bound by foreign policy acts of the Confederation (**BGE 130 III 430 E. 3.3**).\n\n**N. 12** The foreign policy objectives of para. 2 are programmatic in nature. They do not establish subjective rights of individuals, but they oblige the federal authorities in the design of foreign policy. The Federal Supreme Court has severely limited the justiciability of foreign policy acts and recognises a wide margin of discretion for the political authorities (**BGE 137 I 371 E. 1.2**).\n\n**N. 13** The obligation to take into account according to para. 3 gives the cantons procedural claims to information and consultation (→ Art. 55 FC), but no veto right against foreign policy decisions of the Confederation.\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 14** **Conceptual delimitation**: The distinction between «foreign affairs» and «relations with foreign countries» is disputed. Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 54 N. 15) differentiates between the concepts, while Biaggini uses them synonymously (Biaggini, AJP 1999, 724). The practical relevance is shown in the delimitation to Art. 56 FC.\n\n**N. 15** **Relationship to neutrality**: The position of neutrality in the constitutional framework is controversial. While Kälin sees it as an implicit constitutional principle (Kälin, ZSR 1986 II 280), Epiney and Monnier emphasise its merely instrumental character (Epiney, BSK BV, Art. 54 N. 32; Monnier, ZSR 1986 II 215). The Federal Supreme Court has not yet clearly addressed this question.\n\n**N. 16** **Justiciability**: The scope of judicial control of foreign policy acts remains disputed. The restrictive practice of the Federal Supreme Court, which only permits an arbitrariness review, is criticised by parts of legal doctrine (Künzli, Vom Umgang des Rechtsstaats mit Unrechtregimes, 156 ff.), which demand stronger binding to fundamental rights and rule of law principles.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** When applying Art. 54 FC, a distinction must be made between three levels: (1) the distribution of competences between the Confederation and the cantons, (2) the distribution of competences between the federal authorities, and (3) the material limits of foreign policy through fundamental rights and international law.\n\n**N. 18** Relevant for practice is the binding effect of foreign policy acts: Courts must in principle accept status decisions of the FDFA (e.g., on diplomatic immunity). An exception exists only in cases of obvious arbitrariness or violation of peremptory international law.\n\n**N. 19** Cantons must examine in cross-border matters whether their measures encroach upon federal competence. The decisive factor is whether sovereign action vis-à-vis other subjects of international law is involved or whether it concerns mere administrative contacts that are permissible according to Art. 56 para. 1 FC.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Concept of foreign affairs\n\n**BGE 137 I 371 E. 1.2** of 22 November 2011  \nSwitzerland's intervention with the Bank for International Settlements falls under foreign affairs. Legal significance for the delimitation of federal competence under Art. 54 para. 1 Const.\n\n> «Le concept des 'autres affaires relevant des relations extérieures' mentionné à l'art. 83 let. a LTF doit recevoir une interprétation restrictive. L'exception vise les 'actes de gouvernement' classiques. Elle s'applique aux actes ayant un caractère politique prépondérant, le gouvernement et l'administration jouissant d'une marge d'appréciation considérable.»\n\n**BGE 130 III 430 E. 3.3** of 8 April 2004  \nDiplomatic immunity falls under exclusive federal competence. FDFA rulings on diplomatic status bind civil courts as sovereign acts in the field of foreign affairs.\n\n> «Bei einer Verfügung des EDA über den diplomatischen Status einer Person handelt es sich um einen hoheitlichen Akt auf dem Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten. Die Zivilgerichte sind daran grundsätzlich gebunden.»\n\n### State treaties and cantonal interests\n\n**BGE 132 II 65 E. 2.2** of 22 November 2005  \nBilateral establishment treaties establish rights for established foreign nationals. Federal competence under Art. 54 para. 1 Const. also includes the implementation of international legal obligations in foreign nationals law.\n\n> «Die Beschwerdeführer berufen sich auf einen zwischen Russland und der Schweiz am 26./14. Dezember 1872 abgeschlossenen Niederlassungs- und Handelsvertrag. Dieser enthält in seinem Art. 1 folgende Regelung: 'Zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem russischen Kaiserreich soll gegenseitig das Recht der freien Niederlassung bestehen.'»\n\n### Relationship to fundamental rights\n\n**BGE 119 II 264 E. 4** of 1 January 1993  \nRecognition of foreign marriages belongs to foreign affairs. Non-recognition of same-sex marriages violates neither Art. 54 Const. (old version) nor Art. 12 ECHR.\n\n> «Der Beschwerdeführer rügt des weitern eine Verletzung von Art. 54 BV und Art. 12 EMRK. Diese Rüge läuft darauf hinaus, aus diesen Bestimmungen einen Anspruch auf Anerkennung der in Dänemark geschlossenen Ehe herzuleiten. Ein solcher Anspruch besteht indessen nicht.»\n\n**BGE 100 IV 244 E. 2** of 1 January 1974  \nThe expulsion of foreign spouses affects federal competence for foreign affairs. The Federal Supreme Court cannot examine whether aliens police provisions violate the constitutional right to marriage.\n\n> «Das Bundesgericht kann nicht prüfen, ob diese Bestimmung vor dem das Recht zur Ehe gewährleistenden Art. 54 BV standhält (Art. 113 Abs. 3 BV).»\n\n### Justiciability of acts of foreign policy\n\n**BGE 130 III 430 E. 3.4** of 8 April 2004  \nThe withdrawal of diplomatic immunity is a discretionary act of foreign policy. The FDFA decides on the application of international legal immunity provisions based on Art. 54 para. 1 Const.\n\n> «Im bilateralen Verhältnis kann der Empfangsstaat dem Entsendestaat jederzeit und ohne Angabe von Gründen notifizieren, dass der Missionschef oder ein Mitglied des diplomatischen Personals der Mission persona non grata oder dass ein anderes Mitglied des Personals der Mission ihm nicht genehm ist.»\n\n### Cantonal competences and federal law\n\n**BGE 110 V 65 E. 3** of 25 May 1984  \nThe consular register for Swiss abroad is a foreign affair of the Confederation. Cantons cannot require this as a prerequisite for social security benefits.\n\n> «Die Möglichkeit, der freiwilligen Versicherung für Auslandschweizer beizutreten, darf nicht vom Eintrag in der Konsularmatrikel abhängig gemacht werden, da dies die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten verletzen würde.»\n\n**BGE 87 I 451 E. 5** of 1 January 1961  \nCantonal commercial police provisions may not extend to foreign countries. The territorial scope of cantonal competences finds its limit in federal competence for foreign affairs.\n\n> «Ein Kanton, der die öffentliche Reklame an Kinoleinwänden regelt, kann diese Regelung nicht auf Filme erstrecken, die ausschliesslich für das Ausland bestimmt sind, da dies in die Bundeskompetenz für auswärtige Angelegenheiten eingreifen würde.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_54", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 55, "article_suffix": "", "title": "Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 55 BV — Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden\n\n## Übersicht\n\nArt. 55 BV regelt die Mitwirkung der Kantone bei aussenpolitischen Entscheiden des Bundes. Die Bestimmung hat drei Absätze: Der erste legt fest, wann Kantone mitreden können. Der zweite verpflichtet den Bund zur Information und Anhörung. Der dritte räumt besondere Rechte ein.\n\n**Wann können Kantone mitreden?** Kantone haben Mitwirkungsrechte, wenn aussenpolitische Entscheide ihre Zuständigkeiten oder wesentlichen Interessen betreffen. Zuständigkeiten sind alle Bereiche, in denen Kantone eigene Gesetze erlassen oder Bundesrecht vollziehen können. Zum Beispiel Bildung, Polizei oder Steuern. Wesentliche Interessen liegen vor, wenn kantonale Aufgaben stark beeinflusst werden.\n\n**Wie funktioniert die Mitwirkung?** Der Bund muss die Kantone rechtzeitig und umfassend informieren. Das bedeutet: früh genug, damit Kantone noch Einfluss nehmen können. Und vollständig mit allen wichtigen Informationen. Zudem muss er ihre Stellungnahmen einholen und anhören.\n\n**Welche besonderen Rechte gibt es?** Wenn kantonale Zuständigkeiten direkt betroffen sind, haben Kantone stärkere Rechte. Ihre Stellungnahmen erhalten «besonderes Gewicht» - der Bund muss sie sorgfältig prüfen und begründen, wenn er davon abweicht. Zudem können Kantonsvertreter bei internationalen Verhandlungen teilnehmen.\n\n**Praktisches Beispiel:** Plant der Bund ein Bildungsabkommen mit der EU, muss er die Kantone früh einbeziehen. Bildung ist kantonale Zuständigkeit. Der Bund informiert über Verhandlungsziele und holt Stellungnahmen ein. Bei den Verhandlungen können kantonale Bildungsdirektoren in der Schweizer Delegation mitwirken.\n\n**Wichtige Grenzen:** Die Kantone erhalten kein Vetorecht. Der Bund entscheidet letztlich allein über aussenpolitische Fragen. Die Mitwirkungsrechte beschränken sich auf die Vorbereitung von Entscheiden.\n\n**Historischer Hintergrund:** Art. 55 BV wurde 1999 neu geschaffen. Zuvor hatte der Bund bei völkerrechtlichen Verträgen oft ohne Kantone entschieden, auch wenn diese später bei der Umsetzung zuständig waren. Die EWR-Verhandlungen in den 1990er Jahren zeigten, wie wichtig kantonaler Einbezug ist. Das Bundesgesetz über die Mitwirkung der Kantone an der Aussenpolitik (BGMK) von 2000 konkretisiert die Verfassungsbestimmung.\n\n**Rechtsschutz:** Kantone können Verletzungen ihrer Mitwirkungsrechte vor Bundesgericht einklagen. Praktisch ist dies aber schwierig, da aussenpolitische Entscheide oft dringlich sind und völkerrechtliche Verträge nach Ratifikation nicht mehr anfechtbar sind.\n\nDie Bestimmung verkörpert kooperativen Föderalismus: Bund und Kantone arbeiten zusammen, auch wenn der Bund die Entscheidkompetenz behält.", "doctrine_de": "# Art. 55 BV — Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 55 BV stellt eine bedeutende Neuerung der Totalrevision von 1999 dar. Unter der Bundesverfassung von 1874 besass der Bund nach herrschender Auffassung (Burckhardt/Hangartner/Schindler) eine umfassende Kompetenz zum Abschluss völkerrechtlicher Verträge, die sich auch auf innerstaatlich kantonale Gesetzgebungsbereiche erstreckte (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1). Fleiner vertrat demgegenüber eine föderalistische Auffassung, welche diese umfassende Bundeskompetenz in auswärtigen Angelegenheiten bestritt (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1).\n\n**N. 2** Die Bundesverfassung von 1999 verankerte erstmals ausdrückliche Mitwirkungsrechte der Kantone in der Aussenpolitik. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betont, dass die Kantone verstärkt in die Vorbereitung aussenpolitischer Entscheide einbezogen werden sollen, wenn ihre Zuständigkeiten oder wesentlichen Interessen betroffen sind (BBl 1997 I 1, 240 f.). Diese verfassungsrechtliche Verankerung anerkennt die zunehmende Verflechtung von Aussen- und Innenpolitik und trägt dem Umstand Rechnung, dass völkerrechtliche Verpflichtungen vermehrt kantonale Kompetenzbereiche tangieren.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 55 BV steht im systematischen Zusammenhang mit den aussenpolitischen Kompetenzen des Bundes (→ Art. 54 BV) und der Pflicht der Kantone zur Beachtung des Völkerrechts (→ Art. 5 Abs. 4 BV). Die Bestimmung konkretisiert das allgemeine Kooperationsprinzip (→ Art. 44 BV) für den Bereich der Aussenpolitik und ergänzt die kantonalen Vertragskompetenzen (→ Art. 56 BV).\n\n**N. 4** Die Mitwirkungsrechte nach Art. 55 BV unterscheiden sich von der eigenen aussenpolitischen Kompetenz der Kantone nach Art. 56 BV: Während Art. 56 BV den Kantonen eigenständige völkerrechtliche Handlungsmöglichkeiten in ihren Zuständigkeitsbereichen einräumt, regelt Art. 55 BV ihre Beteiligung an der Bundeskompetenz. Diese Differenzierung spiegelt die duale Struktur des schweizerischen Aussenpolitiksystems wider.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Die Mitwirkung nach Abs. 1 setzt zwei kumulative Tatbestandsmerkmale voraus: Die aussenpolitischen Entscheide müssen (1) kantonale Zuständigkeiten oder (2) wesentliche kantonale Interessen betreffen. Kantonale Zuständigkeiten umfassen alle Bereiche, in denen die Kantone über Gesetzgebungs-, Vollzugs- oder Organisationskompetenzen verfügen (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 18-19). Wesentliche Interessen gehen darüber hinaus und erfassen bedeutsame wirtschaftliche, gesellschaftliche oder politische Anliegen der Kantone (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 20-21).\n\n**N. 6** Die Informationspflicht nach Abs. 2 konkretisiert sich in zwei Elementen: Der Bund muss (1) rechtzeitig und (2) umfassend informieren. «Rechtzeitig» bedeutet, dass die Information so früh erfolgen muss, dass eine substantielle Stellungnahme der Kantone noch möglich ist und in den Entscheidungsprozess einfliessen kann (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 35). «Umfassend» verlangt die Mitteilung aller für eine fundierte Stellungnahme erforderlichen Informationen (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 36).\n\n**N. 7** Das «besondere Gewicht» der kantonalen Stellungnahmen nach Abs. 3 stellt eine qualifizierte Berücksichtigungspflicht dar. Waldmann vertritt die Position, dass dies als Rechtspflicht zu verstehen sei und ein Abweichen von einer einheitlichen kantonalen Stellungnahme nur aus überwiegenden aussenpolitischen Gründen zulässig wäre (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). Die Mitwirkung an internationalen Verhandlungen erfolgt «in geeigneter Weise», was flexible, der jeweiligen Verhandlungssituation angepasste Beteiligungsformen ermöglicht (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 44-45).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Verletzung der Mitwirkungsrechte nach Art. 55 BV zeitigt primär verfahrensrechtliche Konsequenzen. Eine Missachtung der Informations- und Anhörungspflichten kann zur Aufhebung des betreffenden Entscheids führen, sofern die Verletzung wesentlich ist und das Ergebnis beeinflusst haben könnte. Die praktische Durchsetzbarkeit ist allerdings begrenzt, da aussenpolitische Entscheide häufig der gerichtlichen Kontrolle entzogen sind (→ Art. 189 Abs. 4 BV).\n\n**N. 9** Die Berücksichtigungspflicht nach Abs. 3 begründet keine Vetomacht der Kantone, sondern verpflichtet den Bund zu einer sorgfältigen Abwägung. Bei einer Abweichung von kantonalen Stellungnahmen trifft den Bund eine erhöhte Begründungspflicht. In Bereichen kantonaler Zuständigkeit kann eine systematische Nichtberücksichtigung kantonaler Positionen die föderale Ordnung verletzen (→ Art. 3 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** Die Rechtsnatur der Mitwirkungsrechte ist umstritten. Waldmann qualifiziert die Pflicht zur besonderen Gewichtung kantonaler Stellungnahmen als durchsetzbare Rechtspflicht (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). Andere Autoren betonen den primär politischen Charakter der Norm und sehen die Durchsetzung hauptsächlich im politischen Prozess verortet (Ehrenzeller, Aussenpolitische Handlungsfähigkeit und Verfassung, FS Steinberger, 2002, 163 ff.).\n\n**N. 11** Kontrovers diskutiert wird auch die Frage, ob die bestehenden Mitwirkungsinstrumente bei einer qualitativen Fortentwicklung der internationalen Beziehungen der Schweiz noch genügen. Der Bundesrat sieht derzeit keinen Änderungsbedarf und setzt auf Dialog und intensivierte Zusammenarbeit im bestehenden Rahmen (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8). Waldmann plädiert demgegenüber für eine kontinuierliche Überprüfung der Mitwirkungsinstrumente bei jeder Etappe der aussenpolitischen Entwicklung (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 12** Die praktische Umsetzung der Mitwirkungsrechte erfolgt hauptsächlich über das Bundesgesetz über die Mitwirkung der Kantone an der Aussenpolitik des Bundes (BGMK; SR 138.1) und die dazugehörige Verordnung (MWVO; SR 138.11). Kantone sollten frühzeitig ihre Betroffenheit geltend machen und sich aktiv in die etablierten Konsultationsverfahren einbringen. Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) spielt eine zentrale Koordinationsrolle.\n\n**N. 13** Bei der Geltendmachung von Mitwirkungsrechten empfiehlt sich eine Differenzierung nach Betroffenheitsgrad: Bei direkter Betroffenheit kantonaler Zuständigkeiten ist auf das besondere Gewicht der Stellungnahmen nach Abs. 3 hinzuweisen. Einheitliche kantonale Positionen haben grösseres politisches Gewicht und erhöhen den Begründungsaufwand bei abweichenden Bundesentscheiden. Die Dokumentation der Mitwirkung ist für allfällige spätere Auseinandersetzungen über die Umsetzung völkerrechtlicher Verpflichtungen relevant.", "caselaw_de": "# Art. 55 BV — Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden\n\n## Rechtsprechung\n\n### Allgemeine Bemerkungen\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 55 BV ist äusserst spärlich. Dies erklärt sich dadurch, dass Art. 55 BV in seiner heutigen Fassung (Mitwirkung der Kantone an der Aussenpolitik) erst mit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 eingeführt wurde. Die meisten älteren Entscheide, die unter «Art. 55 BV» zitiert werden, betreffen das alte Pressefreiheitsrecht (Art. 55 aBV), welches heute in Art. 17 BV geregelt ist.\n\nArt. 55 BV kodifiziert primär Verfahrenspflichten des Bundes gegenüber den Kantonen und enthält keine justiziablen subjektiven Rechte. Die Mitwirkungsrechte werden hauptsächlich durch die Mitwirkungsverordnung (MWVO; SR 158.1) konkretisiert und in der Verwaltungspraxis umgesetzt. Gerichtliche Auseinandersetzungen sind daher selten.\n\n### Kantonale Aussenpolitik und Bundeskompetenzen\n\n**BGE 125 I 227 E. 5** (21. April 1999)  \nKantonale Initiative «Genève, République de Paix»: Grenzen kantonaler Aktivitäten im aussenpolitischen Bereich.  \nDas Bundesgericht bestätigte die grundsätzliche Bundeskompetenz in der Aussenpolitik, liess aber eingeschränkte kantonale Aktivitäten zu.\n\n> «Bei restriktiver Auslegung verstösst die Initiativbestimmung, welche eine Intervention des Kantons bei ‹internationalen Institutionen› vorsieht, nicht gegen die aussenpolitischen Kompetenzen des Bundes. Die Bestimmung ist so zu verstehen, dass sie dem Kanton nur dort ein Tätigwerden gestattet, wo er bereits über entsprechende Zuständigkeiten verfügt oder wo sein Handeln sich im Rahmen der ihm von der Bundesverfassung eingeräumten Kompetenzen bewegt.»\n\nDieser Entscheid präzisiert die Grenzen kantonaler Aussenpolitik vor Inkrafttreten des heutigen Art. 55 BV und zeigt die Spannungen zwischen kantonalen Interessen und Bundeskompetenzen auf. Das Urteil ist auch nach 1999 für die Auslegung von Art. 55 BV relevant, da es die verfassungsrechtlichen Schranken kantonaler Aussenpolitik verdeutlicht.\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\nDie wenigen verfahrensrechtlichen Entscheide befassen sich mit der praktischen Umsetzung der Mitwirkungsrechte in spezifischen Bereichen. Jedoch existieren keine publizierten BGE-Entscheide, die direkt die Verletzung der Informations- oder Mitwirkungsrechte nach Art. 55 BV thematisieren.\n\n### Administrative Praxis\n\nDie Umsetzung von Art. 55 BV erfolgt hauptsächlich auf administrativer Ebene durch:\n- Stellungnahmeverfahren bei völkerrechtlichen Verträgen\n- Konsultationen in EU-Angelegenheiten  \n- Information über internationale Verhandlungen\n- Mitwirkung in Bereichen kantonaler Zuständigkeit\n\nDiese Praxis hat bisher nicht zu bedeutsamen gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt, was auf eine grundsätzlich funktionierende Kooperation zwischen Bund und Kantonen hindeutet.\n\n### Fazit\n\nArt. 55 BV ist ein klassisches Beispiel für kooperativ-föderalistische Normen, die ihre Wirkung primär in politischen und administrativen Prozessen entfalten. Die geringe Anzahl gerichtlicher Entscheide spiegelt den vorwiegend verfahrensrechtlichen Charakter der Bestimmung wider. Zukünftige Rechtsprechung ist bei Konflikten über die Reichweite der Informationspflichten oder bei ungenügender Berücksichtigung kantonaler Stellungnahmen denkbar.", "summary_fr": "# Art. 55 Cst. — Participation des cantons aux décisions de politique extérieure\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 55 Cst. règle la participation des cantons aux décisions de politique extérieure de la Confédération. La disposition comprend trois alinéas : le premier définit quand les cantons peuvent participer. Le deuxième oblige la Confédération à l'information et à l'audition. Le troisième accorde des droits particuliers.\n\n**Quand les cantons peuvent-ils participer ?** Les cantons ont des droits de participation lorsque des décisions de politique extérieure touchent leurs compétences ou leurs intérêts essentiels. Les compétences sont tous les domaines dans lesquels les cantons peuvent édicter leurs propres lois ou exécuter le droit fédéral. Par exemple l'éducation, la police ou les impôts. Des intérêts essentiels existent lorsque les tâches cantonales sont fortement influencées.\n\n**Comment fonctionne la participation ?** La Confédération doit informer les cantons en temps utile et de manière complète. Cela signifie : assez tôt pour que les cantons puissent encore exercer une influence. Et complètement avec toutes les informations importantes. En outre, elle doit recueillir et entendre leurs prises de position.\n\n**Quels sont les droits particuliers ?** Lorsque des compétences cantonales sont directement touchées, les cantons ont des droits renforcés. Leurs prises de position reçoivent un « poids particulier » - la Confédération doit les examiner soigneusement et justifier si elle s'en écarte. En outre, des représentants des cantons peuvent participer aux négociations internationales.\n\n**Exemple pratique :** Si la Confédération planifie un accord sur l'éducation avec l'UE, elle doit associer les cantons précocement. L'éducation est de compétence cantonale. La Confédération informe sur les objectifs de négociation et recueille les prises de position. Lors des négociations, les directeurs cantonaux de l'instruction publique peuvent participer à la délégation suisse.\n\n**Limites importantes :** Les cantons n'obtiennent pas de droit de veto. La Confédération décide finalement seule des questions de politique extérieure. Les droits de participation se limitent à la préparation des décisions.\n\n**Contexte historique :** L'art. 55 Cst. a été créé en 1999. Auparavant, la Confédération avait souvent décidé sans les cantons pour les traités de droit international, même si ceux-ci étaient ensuite compétents pour la mise en œuvre. Les négociations sur l'EEE dans les années 1990 ont montré combien l'implication cantonale est importante. La loi fédérale sur la participation des cantons à la politique extérieure (LPCE) de 2000 concrétise la disposition constitutionnelle.\n\n**Protection juridique :** Les cantons peuvent faire recours devant le Tribunal fédéral contre les violations de leurs droits de participation. En pratique, ceci est toutefois difficile, car les décisions de politique extérieure sont souvent urgentes et les traités de droit international ne sont plus attaquables après ratification.\n\nLa disposition incarne le fédéralisme coopératif : la Confédération et les cantons collaborent, même si la Confédération conserve la compétence de décision.", "doctrine_fr": "# Art. 55 Cst. — Participation des cantons aux décisions de politique extérieure\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 55 Cst. constitue une innovation significative de la révision totale de 1999. Sous la Constitution fédérale de 1874, la Confédération disposait selon l'opinion dominante (Burckhardt/Hangartner/Schindler) d'une compétence générale pour conclure des traités de droit international qui s'étendait également aux domaines législatifs cantonaux (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1). Fleiner défendait en revanche une conception fédéraliste qui contestait cette compétence fédérale générale en matière d'affaires extérieures (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1).\n\n**Ch. 2** La Constitution fédérale de 1999 a ancré pour la première fois des droits de participation expresses des cantons en politique extérieure. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale souligne que les cantons doivent être davantage associés à la préparation des décisions de politique extérieure lorsque leurs compétences ou leurs intérêts essentiels sont touchés (FF 1997 I 1, 240 s.). Cet ancrage constitutionnel reconnaît l'interdépendance croissante entre politique extérieure et politique intérieure et tient compte du fait que les obligations de droit international touchent de plus en plus les domaines de compétence cantonaux.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 55 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique des compétences de politique extérieure de la Confédération (→ art. 54 Cst.) et de l'obligation des cantons de respecter le droit international (→ art. 5 al. 4 Cst.). La disposition concrétise le principe général de coopération (→ art. 44 Cst.) pour le domaine de la politique extérieure et complète les compétences conventionnelles cantonales (→ art. 56 Cst.).\n\n**Ch. 4** Les droits de participation selon l'art. 55 Cst. se distinguent de la compétence propre des cantons en matière de politique extérieure selon l'art. 56 Cst. : alors que l'art. 56 Cst. accorde aux cantons des possibilités d'action autonomes en droit international dans leurs domaines de compétence, l'art. 55 Cst. règle leur participation à la compétence fédérale. Cette différenciation reflète la structure duale du système suisse de politique extérieure.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** La participation selon l'al. 1 suppose deux éléments constitutifs cumulatifs : les décisions de politique extérieure doivent toucher (1) les compétences cantonales ou (2) des intérêts cantonaux essentiels. Les compétences cantonales englobent tous les domaines dans lesquels les cantons disposent de compétences législatives, d'exécution ou d'organisation (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 18-19). Les intérêts essentiels vont au-delà et saisissent les préoccupations économiques, sociales ou politiques importantes des cantons (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 20-21).\n\n**Ch. 6** L'obligation d'information selon l'al. 2 se concrétise en deux éléments : la Confédération doit informer (1) en temps utile et (2) de manière complète. « En temps utile » signifie que l'information doit être donnée assez tôt pour qu'une prise de position substantielle des cantons soit encore possible et puisse influer sur le processus de décision (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 35). « De manière complète » exige la communication de toutes les informations nécessaires à une prise de position fondée (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 36).\n\n**Ch. 7** Le « poids particulier » des prises de position cantonales selon l'al. 3 constitue une obligation qualifiée de prise en considération. Waldmann soutient que ceci doit être compris comme une obligation juridique et qu'un écart par rapport à une prise de position cantonale uniforme ne serait admissible que pour des raisons de politique extérieure prépondérantes (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). La participation aux négociations internationales s'effectue « de manière appropriée », ce qui permet des formes de participation flexibles, adaptées à la situation de négociation respective (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 44-45).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 8** La violation des droits de participation selon l'art. 55 Cst. entraîne principalement des conséquences de droit procédural. Une méconnaissance des obligations d'information et d'audition peut conduire à l'annulation de la décision concernée, pour autant que la violation soit essentielle et ait pu influencer le résultat. L'applicabilité pratique est cependant limitée, car les décisions de politique extérieure échappent fréquemment au contrôle judiciaire (→ art. 189 al. 4 Cst.).\n\n**Ch. 9** L'obligation de prise en considération selon l'al. 3 ne fonde aucun droit de veto des cantons, mais oblige la Confédération à une pesée soigneuse. En cas d'écart par rapport aux prises de position cantonales, la Confédération a une obligation renforcée de motivation. Dans les domaines de compétence cantonale, une non-prise en considération systématique des positions cantonales peut violer l'ordre fédéral (→ art. 3 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 10** La nature juridique des droits de participation est controversée. Waldmann qualifie l'obligation d'accorder un poids particulier aux prises de position cantonales comme une obligation juridique exigible (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). D'autres auteurs soulignent le caractère principalement politique de la norme et voient l'exécution localisée principalement dans le processus politique (Ehrenzeller, Aussenpolitische Handlungsfähigkeit und Verfassung, FS Steinberger, 2002, 163 ss.).\n\n**Ch. 11** La question de savoir si les instruments de participation existants suffisent encore en cas de développement qualitatif des relations internationales de la Suisse fait également l'objet de discussions controversées. Le Conseil fédéral ne voit actuellement aucun besoin de modification et mise sur le dialogue et la coopération intensifiée dans le cadre existant (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8). Waldmann plaide en revanche pour un examen continu des instruments de participation à chaque étape du développement de politique extérieure (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 12** La mise en œuvre pratique des droits de participation s'effectue principalement par la loi fédérale sur la participation des cantons à la politique extérieure de la Confédération (LPEC ; RS 138.1) et l'ordonnance correspondante (OPEC ; RS 138.11). Les cantons devraient faire valoir précocement leur affectation et s'engager activement dans les procédures de consultation établies. La Conférence des gouvernements cantonaux (CdC) joue un rôle central de coordination.\n\n**Ch. 13** Lors de la revendication de droits de participation, il est recommandé de différencier selon le degré d'affectation : en cas d'affectation directe des compétences cantonales, il faut rappeler le poids particulier des prises de position selon l'al. 3. Les positions cantonales uniformes ont un plus grand poids politique et augmentent l'effort de motivation en cas de décisions fédérales divergentes. La documentation de la participation est pertinente pour d'éventuels différends ultérieurs sur la mise en œuvre d'obligations de droit international.", "caselaw_fr": "# Art. 55 Cst. — Participation des cantons aux décisions de politique extérieure\n\n## Jurisprudence\n\n### Remarques générales\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 55 Cst. est extrêmement rare. Cela s'explique par le fait que l'art. 55 Cst. dans sa version actuelle (participation des cantons à la politique extérieure) n'a été introduit qu'avec la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La plupart des arrêts anciens cités sous « Art. 55 Cst. » concernent l'ancien droit de la liberté de la presse (art. 55 aCst.), qui est aujourd'hui réglé à l'art. 17 Cst.\n\nL'art. 55 Cst. codifie principalement des obligations procédurales de la Confédération envers les cantons et ne contient pas de droits subjectifs justiciables. Les droits de participation sont principalement concrétisés par l'ordonnance sur la participation (OPart ; RS 158.1) et mis en œuvre dans la pratique administrative. Les litiges judiciaires sont donc rares.\n\n### Politique extérieure cantonale et compétences fédérales\n\n**ATF 125 I 227 consid. 5** (21 avril 1999)  \nInitiative cantonale « Genève, République de Paix » : limites des activités cantonales dans le domaine de la politique extérieure.  \nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence fédérale de principe en matière de politique extérieure, mais a admis des activités cantonales restreintes.\n\n> « Interprétée restrictivement, la disposition de l'initiative, qui prévoit une intervention du canton auprès d'‹institutions internationales›, ne viole pas les compétences de politique extérieure de la Confédération. La disposition doit être comprise en ce sens qu'elle ne permet au canton d'agir que là où il dispose déjà de compétences correspondantes ou là où son action se situe dans le cadre des compétences qui lui sont accordées par la Constitution fédérale. »\n\nCet arrêt précise les limites de la politique extérieure cantonale avant l'entrée en vigueur de l'art. 55 Cst. actuel et révèle les tensions entre les intérêts cantonaux et les compétences fédérales. Le jugement demeure pertinent après 1999 pour l'interprétation de l'art. 55 Cst., car il clarifie les limites constitutionnelles de la politique extérieure cantonale.\n\n### Aspects de droit procédural\n\nLes rares arrêts de droit procédural traitent de la mise en œuvre pratique des droits de participation dans des domaines spécifiques. Cependant, il n'existe pas d'arrêts ATF publiés qui thématisent directement la violation des droits d'information ou de participation selon l'art. 55 Cst.\n\n### Pratique administrative\n\nLa mise en œuvre de l'art. 55 Cst. s'effectue principalement au niveau administratif par :\n- Des procédures de prise de position sur les traités de droit international\n- Des consultations dans les affaires européennes  \n- L'information sur les négociations internationales\n- La participation dans les domaines de compétence cantonale\n\nCette pratique n'a jusqu'à présent pas donné lieu à des litiges judiciaires significatifs, ce qui indique une coopération fondamentalement fonctionnelle entre la Confédération et les cantons.\n\n### Conclusion\n\nL'art. 55 Cst. est un exemple classique de normes fédéralistes coopératives qui déploient leurs effets principalement dans des processus politiques et administratifs. Le petit nombre d'arrêts judiciaires reflète le caractère essentiellement procédural de la disposition. Une jurisprudence future est envisageable en cas de conflits sur la portée des obligations d'information ou en cas de prise en compte insuffisante des prises de position cantonales.", "summary_it": "# Art. 55 Cost. — Partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera\n\n## Panoramica\n\nL'art. 55 Cost. disciplina la partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera della Confederazione. La disposizione ha tre capoversi: il primo stabilisce quando i Cantoni possono partecipare. Il secondo obbliga la Confederazione a informare e consultare. Il terzo conferisce diritti speciali.\n\n**Quando possono partecipare i Cantoni?** I Cantoni hanno diritti di partecipazione quando le decisioni di politica estera toccano le loro competenze o i loro interessi essenziali. Le competenze sono tutti i settori in cui i Cantoni possono emanare proprie leggi o eseguire il diritto federale. Per esempio istruzione, polizia o imposte. Gli interessi essenziali sussistono quando i compiti cantonali sono fortemente influenzati.\n\n**Come funziona la partecipazione?** La Confederazione deve informare i Cantoni tempestivamente e in modo completo. Ciò significa: abbastanza presto affinché i Cantoni possano ancora esercitare la loro influenza. E in modo completo con tutte le informazioni importanti. Inoltre deve ottenere e sentire le loro prese di posizione.\n\n**Quali diritti speciali esistono?** Quando le competenze cantonali sono direttamente toccate, i Cantoni hanno diritti più forti. Le loro prese di posizione ricevono «particolare peso» - la Confederazione deve esaminarle attentamente e motivare se se ne discosta. Inoltre i rappresentanti cantonali possono partecipare ai negoziati internazionali.\n\n**Esempio pratico:** Se la Confederazione prevede un accordo educativo con l'UE, deve coinvolgere precocemente i Cantoni. L'istruzione è competenza cantonale. La Confederazione informa sugli obiettivi negoziali e ottiene prese di posizione. Nei negoziati i direttori cantonali dell'educazione possono collaborare nella delegazione svizzera.\n\n**Limiti importanti:** I Cantoni non ricevono alcun diritto di veto. La Confederazione decide in ultima istanza da sola sulle questioni di politica estera. I diritti di partecipazione si limitano alla preparazione delle decisioni.\n\n**Contesto storico:** L'art. 55 Cost. fu creato ex novo nel 1999. In precedenza la Confederazione aveva spesso deciso sui trattati internazionali senza i Cantoni, anche quando questi ultimi erano poi competenti per l'attuazione. I negoziati SEE negli anni 1990 mostrarono quanto fosse importante il coinvolgimento cantonale. La Legge federale sulla partecipazione dei Cantoni alla politica estera (LPCE) del 2000 concretizza la disposizione costituzionale.\n\n**Tutela giurisdizionale:** I Cantoni possono citare in giudizio davanti al Tribunale federale le violazioni dei loro diritti di partecipazione. Praticamente ciò è però difficile, poiché le decisioni di politica estera sono spesso urgenti e i trattati internazionali dopo la ratifica non sono più impugnabili.\n\nLa disposizione incarna il federalismo cooperativo: Confederazione e Cantoni collaborano, anche quando la Confederazione mantiene la competenza decisionale.", "doctrine_it": "# Art. 55 Cost. — Partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 55 Cost. rappresenta un'innovazione significativa della revisione totale del 1999. Sotto la Costituzione federale del 1874, la Confederazione possedeva, secondo l'opinione dominante (Burckhardt/Hangartner/Schindler), una competenza globale per la conclusione di trattati internazionali, che si estendeva anche ai settori legislativi cantonali a livello di diritto interno (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1). Fleiner sosteneva al contrario una concezione federalistica, che contestava questa competenza globale della Confederazione negli affari esteri (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1).\n\n**N. 2** La Costituzione federale del 1999 ha per la prima volta sancito esplicitamente i diritti di partecipazione dei Cantoni nella politica estera. Il messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolinea che i Cantoni devono essere maggiormente coinvolti nella preparazione delle decisioni di politica estera, quando le loro competenze o i loro interessi essenziali sono toccati (FF 1997 I 1, 240 segg.). Questa consacrazione costituzionale riconosce il crescente intreccio tra politica estera e interna e tiene conto del fatto che gli obblighi di diritto internazionale toccano sempre più spesso ambiti di competenza cantonale.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 55 Cost. si inserisce nel contesto sistematico delle competenze di politica estera della Confederazione (→ Art. 54 Cost.) e del dovere dei Cantoni di osservare il diritto internazionale (→ Art. 5 cpv. 4 Cost.). La disposizione concretizza il principio generale di cooperazione (→ Art. 44 Cost.) per l'ambito della politica estera e completa le competenze contrattuali cantonali (→ Art. 56 Cost.).\n\n**N. 4** I diritti di partecipazione secondo l'art. 55 Cost. si distinguono dalla propria competenza di politica estera dei Cantoni secondo l'art. 56 Cost.: mentre l'art. 56 Cost. concede ai Cantoni possibilità d'azione autonome di diritto internazionale nei loro ambiti di competenza, l'art. 55 Cost. regola la loro partecipazione alla competenza federale. Questa differenziazione rispecchia la struttura duale del sistema di politica estera svizzero.\n\n### 3. Elementi costitutivi del fatto / Contenuto della norma\n\n**N. 5** La partecipazione secondo il cpv. 1 presuppone due elementi costitutivi cumulativi: le decisioni di politica estera devono toccare (1) competenze cantonali o (2) interessi cantonali essenziali. Le competenze cantonali comprendono tutti gli ambiti nei quali i Cantoni dispongono di competenze legislative, esecutive o organizzative (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 18-19). Gli interessi essenziali vanno oltre e comprendono preoccupazioni economiche, sociali o politiche significative dei Cantoni (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 20-21).\n\n**N. 6** Il dovere di informazione secondo il cpv. 2 si concretizza in due elementi: la Confederazione deve informare (1) tempestivamente e (2) in modo completo. «Tempestivamente» significa che l'informazione deve avvenire così presto che una presa di posizione sostanziale dei Cantoni sia ancora possibile e possa confluire nel processo decisionale (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 35). «In modo completo» esige la comunicazione di tutte le informazioni necessarie per una presa di posizione fondata (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 36).\n\n**N. 7** Il «peso particolare» delle prese di posizione cantonali secondo il cpv. 3 costituisce un obbligo di considerazione qualificato. Waldmann sostiene la posizione che questo debba essere inteso come obbligo giuridico e che una deviazione da una presa di posizione cantonale unanime sarebbe ammissibile solo per motivi preponderanti di politica estera (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). La partecipazione ai negoziati internazionali avviene «in modo appropriato», il che permette forme di partecipazione flessibili, adattate alla rispettiva situazione negoziale (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 44-45).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La violazione dei diritti di partecipazione secondo l'art. 55 Cost. comporta primariamente conseguenze di diritto procedurale. Un'inosservanza degli obblighi di informazione e di consultazione può portare all'annullamento della decisione in questione, purché la violazione sia essenziale e avrebbe potuto influenzare il risultato. La possibilità pratica di applicazione è tuttavia limitata, poiché le decisioni di politica estera sono spesso sottratte al controllo giudiziale (→ Art. 189 cpv. 4 Cost.).\n\n**N. 9** L'obbligo di considerazione secondo il cpv. 3 non fonda un diritto di veto dei Cantoni, ma obbliga la Confederazione a una ponderazione accurata. In caso di deviazione dalle prese di posizione cantonali, la Confederazione ha un maggiore obbligo di motivazione. In ambiti di competenza cantonale, una non considerazione sistematica delle posizioni cantonali può violare l'ordine federale (→ Art. 3 Cost.).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 10** La natura giuridica dei diritti di partecipazione è controversa. Waldmann qualifica l'obbligo di dare peso particolare alle prese di posizione cantonali come obbligo giuridico azionabile (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). Altri autori sottolineano il carattere primariamente politico della norma e vedono l'applicazione principalmente situata nel processo politico (Ehrenzeller, Aussenpolitische Handlungsfähigkeit und Verfassung, FS Steinberger, 2002, 163 segg.).\n\n**N. 11** È anche discussa in modo controverso la questione se gli strumenti di partecipazione esistenti bastino ancora in caso di sviluppo qualitativo delle relazioni internazionali della Svizzera. Il Consiglio federale al momento non vede bisogno di modifica e punta sul dialogo e sulla cooperazione intensificata nel quadro esistente (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8). Waldmann propugna al contrario un controllo continuo degli strumenti di partecipazione a ogni tappa dello sviluppo di politica estera (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 12** L'attuazione pratica dei diritti di partecipazione avviene principalmente tramite la Legge federale sulla partecipazione dei Cantoni alla politica estera della Confederazione (LPCE; RS 138.1) e l'ordinanza corrispondente (OPaC; RS 138.11). I Cantoni dovrebbero far valere tempestivamente il loro coinvolgimento e inserirsi attivamente nelle procedure di consultazione stabilite. La Conferenza dei governi cantonali (CdC) svolge un ruolo di coordinamento centrale.\n\n**N. 13** Nel far valere i diritti di partecipazione si raccomanda una differenziazione secondo il grado di coinvolgimento: in caso di coinvolgimento diretto di competenze cantonali bisogna rimandare al peso particolare delle prese di posizione secondo il cpv. 3. Posizioni cantonali unanimi hanno maggior peso politico e aumentano l'onere di motivazione in caso di decisioni federali divergenti. La documentazione della partecipazione è rilevante per eventuali successivi conflitti sull'attuazione di obblighi di diritto internazionale.", "caselaw_it": "# Art. 55 Cost. — Partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera\n\n## Giurisprudenza\n\n### Osservazioni generali\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 55 Cost. è estremamente scarsa. Ciò si spiega con il fatto che l'art. 55 Cost. nella sua formulazione attuale (partecipazione dei Cantoni alla politica estera) è stato introdotto solo con la revisione totale della Costituzione federale del 1999. La maggior parte delle decisioni più datate, citate sotto «Art. 55 Cost.», riguardano il diritto alla libertà di stampa (art. 55 aCost.), oggi disciplinato dall'art. 17 Cost.\n\nL'art. 55 Cost. codifica principalmente obblighi procedurali della Confederazione nei confronti dei Cantoni e non contiene diritti soggettivi azionabili in giudizio. I diritti di partecipazione sono concretizzati principalmente dall'ordinanza sulla partecipazione (OPart; RS 158.1) e attuati nella prassi amministrativa. Le controversie giudiziarie sono pertanto rare.\n\n### Politica estera cantonale e competenze federali\n\n**DTF 125 I 227 consid. 5** (21 aprile 1999)  \nIniziativa cantonale «Genève, République de Paix»: limiti delle attività cantonali nell'ambito della politica estera.  \nIl Tribunale federale ha confermato la competenza federale di principio in materia di politica estera, ma ha ammesso attività cantonali limitate.\n\n> «In caso di interpretazione restrittiva, la disposizione dell'iniziativa, che prevede un intervento del Cantone presso le ‹istituzioni internazionali›, non viola le competenze della Confederazione in materia di politica estera. La disposizione deve essere intesa nel senso che consente al Cantone di agire solo laddove dispone già delle competenze corrispondenti o dove la sua azione si muove nel quadro delle competenze accordategli dalla Costituzione federale.»\n\nQuesta decisione precisa i limiti della politica estera cantonale prima dell'entrata in vigore dell'attuale art. 55 Cost. e mostra le tensioni tra gli interessi cantonali e le competenze federali. La sentenza è rilevante anche dopo il 1999 per l'interpretazione dell'art. 55 Cost., poiché chiarisce i limiti costituzionali della politica estera cantonale.\n\n### Aspetti di diritto procedurale\n\nLe poche decisioni di diritto procedurale si occupano dell'attuazione pratica dei diritti di partecipazione in ambiti specifici. Tuttavia non esistono decisioni DTF pubblicate che trattino direttamente la violazione dei diritti di informazione o partecipazione secondo l'art. 55 Cost.\n\n### Prassi amministrativa\n\nL'attuazione dell'art. 55 Cost. avviene principalmente a livello amministrativo attraverso:\n- Procedure di consultazione per i trattati di diritto internazionale\n- Consultazioni nelle questioni dell'UE  \n- Informazione sui negoziati internazionali\n- Partecipazione negli ambiti di competenza cantonale\n\nQuesta prassi finora non ha portato a significative controversie giudiziarie, il che indica una cooperazione sostanzialmente funzionante tra Confederazione e Cantoni.\n\n### Conclusione\n\nL'art. 55 Cost. è un esempio classico di norme cooperativo-federaliste che dispiegano la loro efficacia principalmente nei processi politici e amministrativi. Il numero ridotto di decisioni giudiziarie riflette il carattere prevalentemente procedurale della disposizione. Una giurisprudenza futura è immaginabile in caso di conflitti sulla portata degli obblighi di informazione o in caso di insufficiente considerazione delle prese di posizione cantonali.", "summary_en": "# Art. 55 BV — Participation of the Cantons in Foreign Policy Decisions\n\n## Overview\n\nArt. 55 BV governs the participation of the cantons in foreign policy decisions of the Confederation. The provision has three paragraphs: the first establishes when cantons may have a say. The second obliges the Confederation to provide information and hold consultations. The third grants special rights.\n\n**When may cantons have a say?** Cantons have participation rights when foreign policy decisions affect their competences or essential interests. Competences are all areas in which cantons may enact their own legislation or implement federal law. For example education, police or taxes. Essential interests exist when cantonal tasks are strongly influenced.\n\n**How does participation work?** The Confederation must inform the cantons in a timely and comprehensive manner. This means: early enough so that cantons can still exert influence. And completely with all important information. In addition, it must obtain and hear their opinions.\n\n**What special rights exist?** When cantonal competences are directly affected, cantons have stronger rights. Their opinions receive «special weight» - the Confederation must carefully examine them and provide justification if it deviates from them. In addition, cantonal representatives may participate in international negotiations.\n\n**Practical example:** If the Confederation plans an education agreement with the EU, it must involve the cantons early. Education is a cantonal competence. The Confederation informs about negotiation objectives and obtains opinions. During negotiations, cantonal education directors may participate in the Swiss delegation.\n\n**Important limits:** The cantons do not receive a veto right. The Confederation ultimately decides alone on foreign policy matters. The participation rights are limited to the preparation of decisions.\n\n**Historical background:** Art. 55 BV was newly created in 1999. Previously, the Confederation had often decided on international treaties without the cantons, even when these were later responsible for implementation. The EEA negotiations in the 1990s showed how important cantonal involvement is. The Federal Act on the Participation of the Cantons in Foreign Policy (BGMK) of 2000 concretises the constitutional provision.\n\n**Legal protection:** Cantons may sue violations of their participation rights before the Federal Supreme Court. In practice, however, this is difficult, as foreign policy decisions are often urgent and international treaties are no longer contestable after ratification.\n\nThe provision embodies cooperative federalism: Confederation and cantons work together, even though the Confederation retains decision-making competence.", "doctrine_en": "# Art. 55 BV — Participation of the cantons in foreign policy decisions\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 55 BV represents a significant innovation of the 1999 total revision. Under the Federal Constitution of 1874, the Confederation possessed, according to the prevailing view (Burckhardt/Hangartner/Schindler), comprehensive competence to conclude international treaties, which also extended to areas of cantonal legislation at the domestic level (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1). Fleiner, in contrast, advocated a federalist view that disputed this comprehensive federal competence in foreign affairs (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 1).\n\n**N. 2** The Federal Constitution of 1999 enshrined explicit participation rights of the cantons in foreign policy for the first time. The Federal Council message on the new Federal Constitution emphasises that the cantons should be more closely involved in the preparation of foreign policy decisions when their competences or essential interests are affected (BBl 1997 I 1, 240 f.). This constitutional entrenchment recognises the increasing interconnection of foreign and domestic policy and takes account of the fact that international legal obligations increasingly affect areas of cantonal competence.\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 55 BV stands in systematic connection with the foreign policy competences of the Confederation (→ Art. 54 BV) and the obligation of the cantons to observe international law (→ Art. 5 para. 4 BV). The provision concretises the general principle of cooperation (→ Art. 44 BV) for the area of foreign policy and supplements the cantonal treaty-making competences (→ Art. 56 BV).\n\n**N. 4** The participation rights under Art. 55 BV differ from the cantons' own foreign policy competence under Art. 56 BV: While Art. 56 BV grants the cantons independent possibilities for action under international law in their areas of competence, Art. 55 BV regulates their participation in federal competence. This differentiation reflects the dual structure of the Swiss foreign policy system.\n\n### 3. Elements of the provision / Normative content\n\n**N. 5** Participation under para. 1 requires two cumulative elements: The foreign policy decisions must affect (1) cantonal competences or (2) essential cantonal interests. Cantonal competences encompass all areas in which the cantons possess legislative, executive or organisational competences (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 18-19). Essential interests go beyond this and capture significant economic, social or political concerns of the cantons (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 20-21).\n\n**N. 6** The obligation to inform under para. 2 is concretised in two elements: The Confederation must inform (1) in due time and (2) comprehensively. \"In due time\" means that the information must be provided early enough that a substantial statement by the cantons is still possible and can flow into the decision-making process (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 35). \"Comprehensively\" requires the communication of all information necessary for a well-founded statement (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 36).\n\n**N. 7** The \"particular weight\" of cantonal statements under para. 3 represents a qualified obligation to take into consideration. Waldmann takes the position that this should be understood as a legal obligation and that deviation from a unanimous cantonal statement would only be permissible for overriding foreign policy reasons (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). Participation in international negotiations takes place \"in an appropriate manner\", which enables flexible forms of participation adapted to the respective negotiating situation (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 44-45).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** Violation of the participation rights under Art. 55 BV primarily has procedural consequences. Disregard of the obligations to inform and consult can lead to the annulment of the relevant decision, provided the violation is substantial and could have influenced the outcome. However, practical enforceability is limited, as foreign policy decisions are frequently withdrawn from judicial control (→ Art. 189 para. 4 BV).\n\n**N. 9** The obligation to take into consideration under para. 3 does not establish veto power for the cantons, but rather obliges the Confederation to careful balancing. In case of deviation from cantonal statements, the Confederation bears an increased obligation to provide reasons. In areas of cantonal competence, systematic non-consideration of cantonal positions can violate the federal order (→ Art. 3 BV).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 10** The legal nature of the participation rights is disputed. Waldmann qualifies the obligation to give particular weight to cantonal statements as an enforceable legal obligation (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 43). Other authors emphasise the primarily political character of the norm and see enforcement located mainly in the political process (Ehrenzeller, Aussenpolitische Handlungsfähigkeit und Verfassung, FS Steinberger, 2002, 163 ff.).\n\n**N. 11** The question of whether the existing participation instruments are still sufficient given a qualitative development of Switzerland's international relations is also controversially discussed. The Federal Council currently sees no need for change and relies on dialogue and intensified cooperation within the existing framework (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8). Waldmann, in contrast, advocates for continuous review of the participation instruments at every stage of foreign policy development (Waldmann, BSK BV, Art. 55 N. 8).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 12** The practical implementation of the participation rights takes place mainly through the Federal Act on the Participation of the Cantons in the Foreign Policy of the Confederation (BGMK; SR 138.1) and the accompanying ordinance (MWVO; SR 138.11). Cantons should assert their being affected at an early stage and actively participate in the established consultation procedures. The Conference of Cantonal Governments (KdK) plays a central coordination role.\n\n**N. 13** When asserting participation rights, differentiation according to degree of impact is recommended: In case of direct impact on cantonal competences, reference should be made to the particular weight of statements under para. 3. Unanimous cantonal positions have greater political weight and increase the burden of justification for divergent federal decisions. Documentation of participation is relevant for any later disputes over the implementation of international legal obligations.", "caselaw_en": "# Art. 55 Cst. — Participation of the Cantons in Foreign Policy Decisions\n\n## Case Law\n\n### General Remarks\n\nThe case law on Art. 55 Cst. is extremely sparse. This is explained by the fact that Art. 55 Cst. in its current form (participation of the cantons in foreign policy) was only introduced with the total revision of the Federal Constitution in 1999. Most older decisions cited under \"Art. 55 Cst.\" concern the former freedom of the press provision (Art. 55 former Cst.), which is now regulated in Art. 17 Cst.\n\nArt. 55 Cst. primarily codifies procedural obligations of the Confederation towards the cantons and does not contain justiciable subjective rights. The participation rights are mainly specified by the Participation Ordinance (ParticO; SR 158.1) and implemented in administrative practice. Judicial disputes are therefore rare.\n\n### Cantonal Foreign Policy and Federal Competences\n\n**BGE 125 I 227 cons. 5** (21 April 1999)  \nCantonal initiative \"Genève, République de Paix\": Limits of cantonal activities in the field of foreign policy.  \nThe Federal Supreme Court confirmed the basic federal competence in foreign policy, but allowed limited cantonal activities.\n\n> «Bei restriktiver Auslegung verstösst die Initiativbestimmung, welche eine Intervention des Kantons bei ‹internationalen Institutionen› vorsieht, nicht gegen die aussenpolitischen Kompetenzen des Bundes. Die Bestimmung ist so zu verstehen, dass sie dem Kanton nur dort ein Tätigwerden gestattet, wo er bereits über entsprechende Zuständigkeiten verfügt oder wo sein Handeln sich im Rahmen der ihm von der Bundesverfassung eingeräumten Kompetenzen bewegt.»\n\nThis decision clarifies the limits of cantonal foreign policy before the entry into force of the current Art. 55 Cst. and shows the tensions between cantonal interests and federal competences. The judgment is also relevant after 1999 for the interpretation of Art. 55 Cst., as it clarifies the constitutional limits of cantonal foreign policy.\n\n### Procedural Aspects\n\nThe few procedural decisions deal with the practical implementation of participation rights in specific areas. However, there are no published BGE decisions that directly address violations of the information or participation rights under Art. 55 Cst.\n\n### Administrative Practice\n\nThe implementation of Art. 55 Cst. takes place mainly at the administrative level through:\n- Comment procedures for international treaties\n- Consultations on EU matters  \n- Information on international negotiations\n- Participation in areas of cantonal competence\n\nThis practice has not yet led to significant judicial disputes, which indicates a fundamentally functioning cooperation between the Confederation and the cantons.\n\n### Conclusion\n\nArt. 55 Cst. is a classic example of cooperative federalist norms that primarily take effect in political and administrative processes. The small number of judicial decisions reflects the predominantly procedural character of the provision. Future case law is conceivable in case of conflicts over the scope of information obligations or in case of insufficient consideration of cantonal opinions.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_55", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 56, "article_suffix": "", "title": "Beziehungen der Kantone mit dem Ausland", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 56 BV — Beziehungen der Kantone mit dem Ausland\n\n## Übersicht\n\nArt. 56 BV regelt die kantonale Aussenpolitik und verleiht den Kantonen eine weltweit einzigartig weitgespannte völkerrechtliche Handlungsfähigkeit. Wie der St. Galler Kommentar betont, verfügen die Gliedstaaten in wohl keinem anderen Bundesstaat über eine so umfassende Kompetenz im aussenpolitischen Bereich (Thürer, BSK BV-Hänni/Borter, Art. 56 N. 33).\n\nDie Kantone können in ihren Zuständigkeitsbereichen völkerrechtliche Verträge mit dem Ausland abschliessen. Diese Vertragsschlusskompetenz umfasst sowohl öffentlich-rechtliche Staatsverträge als auch andere völkerrechtliche Vereinbarungen. Problematisch ist oft die Abgrenzung zu privatrechtlichen Verträgen, die nicht unter Art. 56 BV fallen und zu schwierigen Abgrenzungsfragen führen (Hangartner, BSK BV-Hänni/Borter, Art. 56 N. 27).\n\nDrei Schranken begrenzen die kantonale Vertragsfreiheit: Kantonale Verträge dürfen weder dem Bundesrecht noch den Bundesinteressen noch den Rechten anderer Kantone widersprechen. Vor Vertragsabschluss müssen die Kantone den Bund informieren. Diese Informationspflicht ersetzte 1999 die frühere Genehmigungspflicht und stärkte den kantonalen Handlungsspielraum erheblich.\n\nBei der Kommunikation unterscheidet die Verfassung zwischen untergeordneten und zentralstaatlichen ausländischen Behörden. Mit Gemeinden, Regionen oder Bundesländern können Kantone direkt verkehren. Der Kontakt zu ausländischen Zentralregierungen erfolgt durch Bundesvermittlung.\n\n**Beispiel**: Der Kanton Basel-Stadt schliesst mit der Region Elsass ein Abkommen über grenzüberschreitende Polizeizusammenarbeit ab. Nach Information des Bundes kann der Vertrag direkt mit den regionalen französischen Behörden verhandelt werden, ohne dass eine Bundesgenehmigung erforderlich wäre.", "doctrine_de": "# Art. 56 BV — Beziehungen der Kantone mit dem Ausland\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die kantonale Aussenpolitik hat eine lange Tradition im schweizerischen Bundesstaat. Unter der alten Bundesverfassung von 1874 verfügten die Kantone bereits über die Befugnis, mit dem Ausland Verträge abzuschliessen, allerdings unter Genehmigungsvorbehalt des Bundes (Art. 9 und 10 aBV). Die Totalrevision der Bundesverfassung bot Gelegenheit, diese Kompetenzordnung zu modernisieren.\n\n**N. 2** Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betonte die zunehmende Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in einem integrierten Europa. Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf die bisherige Genehmigungspflicht durch den Bundesrat und ersetzte sie durch eine blosse Informationspflicht (Art. 56 Abs. 2 BV). Thürer sieht darin eine Stärkung des Föderalismus und bezeichnet die schweizerischen Kantone als Gliedstaaten mit weltweit einzigartig weitgespannter völkerrechtlicher Rechts- und Handlungsfähigkeit (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 56 BV steht im 3. Titel über «Bund, Kantone und Gemeinden» und bildet zusammen mit Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten) und Art. 55 BV (Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden) das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Aussenpolitik. Die Norm konkretisiert die in Art. 3 BV verankerte kantonale Souveränität im aussenpolitischen Bereich.\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit Art. 172 Abs. 3 BV, wonach völkerrechtliche Verträge der Kantone der Bundesversammlung zur Genehmigung vorzulegen sind, wenn der Bund oder andere Kantone Einsprache erheben. Art. 186 Abs. 3 BV überträgt dem Bundesrat die Genehmigung kantonaler Verträge, soweit die Einsprache nicht an die Bundesversammlung weitergezogen wird. Diese Querverweise (→ Art. 172 Abs. 3 BV, → Art. 186 Abs. 3 BV) zeigen die verfassungsrechtliche Verflechtung der kantonalen Aussenbeziehungen mit der Bundeskompetenz.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Kantonale Zuständigkeitsbereiche (Abs. 1)**: Die Kantone können nur in Bereichen tätig werden, die ihrer materiellen Zuständigkeit unterliegen. Dies umfasst nach Hänni/Borter sowohl die ausschliesslichen kantonalen Kompetenzen als auch die konkurrierenden Kompetenzen, soweit der Bund nicht abschliessend legiferiert hat (BSK BV, Art. 56 N. 8-13). Die kantonale Restkompetenz gemäss Art. 3 BV erweitert diesen Spielraum erheblich.\n\n**N. 6** **Verträge mit dem Ausland (Abs. 1)**: Der Vertragsbegriff umfasst alle völkerrechtlichen Verträge unabhängig von ihrer Bezeichnung (Abkommen, Vereinbarung, Protokoll etc.). Hangartner weist auf die schwierige Abgrenzung zu privatrechtlichen Verträgen hin, die nicht unter Art. 56 BV fallen (BSK BV, Art. 56 N. 27). Massgebend ist der völkerrechtliche Charakter der Vereinbarung, nicht ihre Form.\n\n**N. 7** **Schranken (Abs. 2)**: Kantonale Verträge unterliegen drei kumulativen Schranken: Sie dürfen weder dem Recht des Bundes noch den Interessen des Bundes noch den Rechten anderer Kantone zuwiderlaufen. Die Formulierung «Recht und Interessen des Bundes» zeigt, dass neben der rechtlichen auch eine politische Schranke besteht (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33-35).\n\n**N. 8** **Informationspflicht (Abs. 2)**: Die Kantone müssen den Bund vor Vertragsabschluss informieren. Diese Pflicht ersetzt die frühere Genehmigungspflicht und ermöglicht dem Bund, gegebenenfalls Einsprache zu erheben. Die Information muss rechtzeitig erfolgen, damit der Bund seine Aufsichtsfunktion wahrnehmen kann.\n\n**N. 9** **Direkter Verkehr (Abs. 3)**: Mit untergeordneten ausländischen Behörden (Gemeinden, Regionen, Bundesländer) können die Kantone direkt verkehren. Der Verkehr mit Zentralbehörden ausländischer Staaten erfolgt durch Vermittlung des Bundes. Diese Unterscheidung trägt den praktischen Bedürfnissen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Rechnung.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Kantonale Verträge mit dem Ausland begründen völkerrechtliche Verpflichtungen für die Schweiz als Ganzes, obwohl sie von Gliedstaaten abgeschlossen werden. Bei Vertragsverletzungen haftet völkerrechtlich der Bund, der intern auf den verantwortlichen Kanton rückgreifen kann (→ Art. 49 BV).\n\n**N. 11** Die fehlende Information des Bundes macht den Vertrag nicht nichtig, kann aber aufsichtsrechtliche Massnahmen nach sich ziehen. Verletzt ein kantonaler Vertrag Bundesrecht oder Bundesinteressen, kann der Bund Einsprache erheben und die Genehmigung durch die Bundesversammlung verlangen (→ Art. 172 Abs. 3 BV).\n\n**N. 12** Gemäss Art. 190 BV sind völkerrechtliche Verträge für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden massgebend. Dies gilt auch für kantonale Verträge mit dem Ausland, womit diese innerstaatlich unmittelbare Geltung erlangen können.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite der kantonalen Kompetenz**: Thürer vertritt eine extensive Auslegung und betont die weltweit einzigartige völkerrechtliche Handlungsfähigkeit der Schweizer Kantone (BSK BV, Art. 56 N. 33). Monnier plädiert für eine restriktivere Interpretation unter Betonung der Bundesinteressen (Les principes et les règles constitutionnels de la politique étrangère suisse, ZSR 1986 II 107, 195 ff.).\n\n**N. 14** **Begriff der «untergeordneten ausländischen Behörden»**: Breitenmoser fasst den Begriff weit und zählt alle nicht-zentralstaatlichen Behörden dazu (Die Zusammenarbeit des Kantons Basel-Stadt mit dem Bund und dem Ausland, in: Buser, Handbuch, 305, 320). Wildhaber argumentiert für eine funktionale Betrachtung, wonach die Kompetenzen der ausländischen Behörde massgebend seien (Treaty-Making Power and Constitution, 1971, 234).\n\n**N. 15** **Privatrechtliche versus völkerrechtliche Verträge**: Hangartner weist auf die schwierigen Abgrenzungsfragen hin (BSK BV, Art. 56 N. 27). Bühler plädiert für eine formale Betrachtung, wonach die Bezeichnung als öffentlich-rechtlicher Vertrag genüge (Die Staatsverträge der Kantone, LeGes 1999/3, 75, 82). Mägli favorisiert eine materielle Abgrenzung nach dem Vertragsinhalt (Verträge der Kantone unter sich oder mit dem Ausland, LeGes 2004/1, 189, 194).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Kantone sollten frühzeitig mit der Direktion für Völkerrecht des EDA Kontakt aufnehmen, um die völkerrechtliche Zulässigkeit geplanter Verträge zu klären. Die Information des Bundes sollte schriftlich erfolgen und den Vertragsentwurf sowie eine Begründung enthalten.\n\n**N. 17** Bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit empfiehlt sich die Nutzung bestehender Rahmenabkommen wie des Europäischen Rahmenübereinkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Interkantonale Konferenzen können die Koordination zwischen mehreren Kantonen erleichtern.\n\n**N. 18** Die Abgrenzung zwischen privatrechtlichen und völkerrechtlichen Verträgen sollte durch eindeutige Formulierungen im Vertragstext geklärt werden. Bei Zweifeln ist eine öffentlich-rechtliche Qualifikation vorzuziehen, um die Anwendbarkeit von Art. 56 BV sicherzustellen.", "caselaw_de": "# Art. 56 BV — Beziehungen der Kantone mit dem Ausland\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kantonale Verträge mit ausländischen Partnern\n\n**BGE 150 III 268** (29. April 2024) — Gültigkeit historischer Kantonsverträge\n\nDie Übereinkunft vom 11. Mai 1834 zwischen schweizerischen Kantonen und dem Königreich Bayern über gleichmässige Behandlung der gegenseitigen Staatsangehörigen in Konkursfällen ist durch das später erlassene IPRG nicht ausser Kraft gesetzt worden. Die Konkursübereinkunft macht in ihrem Anwendungsbereich eine Anerkennung des ausländischen Konkursdekretes nach Art. 166 IPRG nicht notwendig. Das Urteil bestätigt die Fortgeltung historischer kantonaler Verträge mit dem Ausland, sofern sie nicht ausdrücklich aufgehoben wurden.\n\n> «Die Konkursübereinkunft mit dem Königreich Bayern ist durch das später erlassene IPRG nicht ausser Kraft gesetzt worden und macht in ihrem Anwendungsbereich eine Anerkennung des ausländischen Konkursdekretes nach Art. 166 IPRG nicht notwendig.»\n\n**Urteil 8C_501/2016** (19. Dezember 2017) — Interkantonale Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten\n\nDie Gründungsvereinbarung über die Hochschule für Technik Buchs zwischen den Kantonen St. Gallen und Graubünden mit dem Fürstentum Liechtenstein ist ein völkerrechtlicher Vertrag im Sinne von Art. 56 BV. Kantone waren nach der alten Bundesverfassung befugt, solche Verträge abzuschliessen. Die neue Verfassung hat diese Kompetenz bestätigt und die Genehmigungspflicht durch eine Informationspflicht ersetzt.\n\n> «Bei dieser Gründungsvereinbarung handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag, welchen die schweizerischen Kantone St. Gallen und Graubünden mit dem Fürstentum Liechtenstein abgeschlossen haben. Hiezu waren die Kantone befugt.»\n\n### Grenzüberschreitende Zusammenarbeit\n\n**JAAC 70.47** (22. August 2005) — Institutioneller Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit\n\nDie Direktion für Völkerrecht bestätigt die weite Autonomie der Kantone bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Kantone können im Rahmen ihrer Zuständigkeitsbereiche mit dem Ausland Verträge schliessen, die nach der neuen Bundesverfassung vom Bundesrat nicht mehr genehmigt werden müssen. Die Kantone haben jedoch den Bund vor Abschluss der Verträge zu informieren. Verträge mit untergeordneten ausländischen Behörden können die Kantone direkt abschliessen, mit Zentral- bzw. Bundesbehörden dagegen nur durch Vermittlung des Bundes.\n\n> «Die Kantone können im Rahmen ihrer Zuständigkeitsbereiche mit dem Ausland Verträge schliessen, die nach der neuen Bundesverfassung vom Bundesrat nicht mehr genehmigt werden müssen. Die Kantone haben jedoch den Bund vor Abschluss der Verträge zu informieren.»\n\n**JAAC 52.18** (24. April 1987) — Rechtliche Grundlagen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit\n\nDas Europäische Rahmenübereinkommen vom 20. Mai 1981 über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften oder Behörden verpflichtet die Vertragsparteien, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften zu erleichtern und zu fördern. Die Kantone machen von ihrer Kompetenz zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vermehrt Gebrauch.\n\n> «Das Europäische Rahmenübereinkommen vom 20. Mai 1981 über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften oder Behörden verpflichtet die Vertragsparteien, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften zu erleichtern und zu fördern.»\n\n### Abgrenzung zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\nIn der Rechtsprechung zu Art. 56 BV zeigen sich keine Konflikte mit anderen Verfassungsbestimmungen. Die wenigen Entscheide bestätigen vielmehr die verfassungsmässige Ordnung der kantonalen Aussenpolitik. Die praktische Anwendung von Art. 56 BV erfolgt vorwiegend im Bereich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, ohne dass grundsätzliche Rechtsfragen aufgeworfen würden.\n\n### Rechtsentwicklung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 56 BV ist spärlich, was auf die klare Kompetenzordnung und die praktikable Ausgestaltung der Norm hindeutet. Die wenigen verfügbaren Entscheide zeigen eine kontinuierliche Entwicklung von der Genehmigungspflicht unter der alten Verfassung hin zur Informationspflicht unter der neuen Verfassung. Die Kantone nutzen ihre erweiterten Kompetenzen insbesondere im Bereich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, ohne dass dies zu verfassungsrechtlichen Problemen führt.", "summary_fr": "# Art. 56 Cst. — Relations des cantons avec l'étranger\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 56 Cst. régit la politique extérieure cantonale et confère aux cantons une capacité d'action de droit international d'une étendue unique au monde. Comme le souligne le commentaire saint-gallois, les États fédérés ne disposent probablement dans aucun autre État fédéral d'une compétence aussi étendue dans le domaine de la politique extérieure (Thürer, BSK BV-Hänni/Borter, art. 56 ch. 33).\n\nLes cantons peuvent conclure des traités de droit international avec l'étranger dans leurs domaines de compétence. Cette compétence de conclusion de traités englobe aussi bien les traités de droit public que les autres accords de droit international. La délimitation avec les contrats de droit privé, qui ne tombent pas sous l'art. 56 Cst. et conduisent à des questions de délimitation difficiles, est souvent problématique (Hangartner, BSK BV-Hänni/Borter, art. 56 ch. 27).\n\nTrois limites restreignent la liberté contractuelle cantonale : les traités cantonaux ne peuvent contrevenir ni au droit fédéral, ni aux intérêts fédéraux, ni aux droits d'autres cantons. Avant la conclusion d'un traité, les cantons doivent informer la Confédération. Cette obligation d'information a remplacé en 1999 l'ancienne obligation d'approbation et a considérablement renforcé la marge de manœuvre cantonale.\n\nEn matière de communication, la Constitution distingue entre les autorités étrangères subordonnées et les autorités étrangères centrales. Avec les communes, régions ou länder, les cantons peuvent entretenir des relations directes. Le contact avec les gouvernements centraux étrangers s'effectue par l'intermédiaire de la Confédération.\n\n**Exemple** : Le canton de Bâle-Ville conclut avec la région d'Alsace un accord sur la coopération policière transfrontalière. Après information de la Confédération, le traité peut être négocié directement avec les autorités régionales françaises, sans qu'une approbation fédérale soit nécessaire.", "doctrine_fr": "# Art. 56 Cst. — Relations des cantons avec l'étranger\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**Ch. 1** La politique extérieure cantonale a une longue tradition dans l'État fédéral suisse. Sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, les cantons disposaient déjà de la compétence de conclure des traités avec l'étranger, mais sous réserve d'approbation par la Confédération (art. 9 et 10 aCst.). La révision totale de la Constitution fédérale offrit l'occasion de moderniser cette répartition des compétences.\n\n**Ch. 2** Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligna l'importance croissante de la coopération transfrontalière dans une Europe intégrée. Le constituant renonça consciemment à l'obligation d'approbation jusqu'alors requise par le Conseil fédéral et la remplaça par une simple obligation d'information (art. 56 al. 2 Cst.). Thürer y voit un renforcement du fédéralisme et qualifie les cantons suisses d'États fédérés dotés d'une capacité juridique et d'action en droit international d'une ampleur unique au monde (Hänni/Borter, BSK BV, art. 56 ch. 33).\n\n### 2. Position systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 56 Cst. s'inscrit dans le 3e titre sur « Confédération, cantons et communes » et forme avec l'art. 54 Cst. (Affaires extérieures) et l'art. 55 Cst. (Participation des cantons aux décisions de politique extérieure) le fondement constitutionnel de la politique extérieure suisse. La norme concrétise la souveraineté cantonale ancrée à l'art. 3 Cst. dans le domaine de la politique extérieure.\n\n**Ch. 4** La disposition est étroitement liée à l'art. 172 al. 3 Cst., selon lequel les traités internationaux des cantons doivent être soumis à l'Assemblée fédérale pour approbation si la Confédération ou d'autres cantons font opposition. L'art. 186 al. 3 Cst. confie au Conseil fédéral l'approbation des traités cantonaux, pour autant que l'opposition ne soit pas portée devant l'Assemblée fédérale. Ces renvois (→ art. 172 al. 3 Cst., → art. 186 al. 3 Cst.) montrent l'imbrication constitutionnelle des relations extérieures cantonales avec la compétence fédérale.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 5** **Domaines de compétence cantonale (al. 1)** : Les cantons ne peuvent agir que dans les domaines relevant de leur compétence matérielle. Cela comprend selon Hänni/Borter tant les compétences cantonales exclusives que les compétences concurrentes, pour autant que la Confédération n'ait pas légiféré de manière exhaustive (BSK BV, art. 56 ch. 8-13). La compétence résiduelle cantonale selon l'art. 3 Cst. élargit considérablement cette marge de manœuvre.\n\n**Ch. 6** **Traités avec l'étranger (al. 1)** : La notion de traité englobe tous les traités de droit international indépendamment de leur dénomination (accord, convention, protocole, etc.). Hangartner souligne la difficile délimitation avec les contrats de droit privé, qui ne tombent pas sous l'art. 56 Cst. (BSK BV, art. 56 ch. 27). Le caractère de droit international de l'accord est déterminant, non sa forme.\n\n**Ch. 7** **Limites (al. 2)** : Les traités cantonaux sont soumis à trois limites cumulatives : ils ne doivent être contraires ni au droit de la Confédération, ni aux intérêts de la Confédération, ni aux droits d'autres cantons. La formulation « droit et intérêts de la Confédération » montre qu'il existe une limite non seulement juridique mais aussi politique (Hänni/Borter, BSK BV, art. 56 ch. 33-35).\n\n**Ch. 8** **Obligation d'information (al. 2)** : Les cantons doivent informer la Confédération avant la conclusion du traité. Cette obligation remplace l'ancienne obligation d'approbation et permet à la Confédération de faire éventuellement opposition. L'information doit intervenir en temps utile pour que la Confédération puisse exercer sa fonction de surveillance.\n\n**Ch. 9** **Relations directes (al. 3)** : Avec les autorités étrangères subordonnées (communes, régions, Länder), les cantons peuvent entretenir des relations directes. Les relations avec les autorités centrales d'États étrangers s'effectuent par l'intermédiaire de la Confédération. Cette distinction tient compte des besoins pratiques de la coopération transfrontalière.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 10** Les traités cantonaux avec l'étranger créent des obligations de droit international pour la Suisse dans son ensemble, bien qu'ils soient conclus par des États fédérés. En cas de violation du traité, c'est la Confédération qui est responsable en droit international, mais elle peut se retourner en interne contre le canton responsable (→ art. 49 Cst.).\n\n**Ch. 11** L'absence d'information de la Confédération ne rend pas le traité nul, mais peut entraîner des mesures de surveillance. Si un traité cantonal viole le droit fédéral ou les intérêts fédéraux, la Confédération peut faire opposition et exiger l'approbation par l'Assemblée fédérale (→ art. 172 al. 3 Cst.).\n\n**Ch. 12** Selon l'art. 190 Cst., les traités internationaux sont déterminants pour le Tribunal fédéral et les autres autorités chargées d'appliquer le droit. Cela vaut aussi pour les traités cantonaux avec l'étranger, qui peuvent ainsi acquérir une validité directe en droit interne.\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 13** **Portée de la compétence cantonale** : Thürer défend une interprétation extensive et souligne la capacité d'action en droit international unique au monde des cantons suisses (BSK BV, art. 56 ch. 33). Monnier plaide pour une interprétation plus restrictive en mettant l'accent sur les intérêts fédéraux (Les principes et les règles constitutionnels de la politique étrangère suisse, ZSR 1986 II 107, 195 s.).\n\n**Ch. 14** **Notion d'« autorités étrangères subordonnées »** : Breitenmoser conçoit la notion largement et y compte toutes les autorités non centrales (Die Zusammenarbeit des Kantons Basel-Stadt mit dem Bund und dem Ausland, in: Buser, Handbuch, 305, 320). Wildhaber argumente en faveur d'une approche fonctionnelle, selon laquelle les compétences de l'autorité étrangère seraient déterminantes (Treaty-Making Power and Constitution, 1971, 234).\n\n**Ch. 15** **Traités de droit privé versus traités de droit international** : Hangartner souligne les difficiles questions de délimitation (BSK BV, art. 56 ch. 27). Bühler plaide pour une approche formelle, selon laquelle la qualification de contrat de droit public suffirait (Die Staatsverträge der Kantone, LeGes 1999/3, 75, 82). Mägli privilégie une délimitation matérielle selon le contenu du contrat (Verträge der Kantone unter sich oder mit dem Ausland, LeGes 2004/1, 189, 194).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 16** Les cantons devraient prendre contact rapidement avec la Direction du droit international public du DFAE pour clarifier l'admissibilité en droit international des traités envisagés. L'information de la Confédération devrait se faire par écrit et contenir le projet de traité ainsi qu'une justification.\n\n**Ch. 17** Pour la coopération transfrontalière, il est recommandé d'utiliser les accords-cadres existants comme la Convention-cadre européenne sur la coopération transfrontalière. Les conférences intercantonales peuvent faciliter la coordination entre plusieurs cantons.\n\n**Ch. 18** La délimitation entre contrats de droit privé et traités de droit international devrait être clarifiée par des formulations univoques dans le texte du contrat. En cas de doute, il convient de préférer une qualification de droit public pour assurer l'applicabilité de l'art. 56 Cst.", "caselaw_fr": "# Art. 56 Cst. — Relations des cantons avec l'étranger\n\n## Jurisprudence\n\n### Traités cantonaux avec des partenaires étrangers\n\n**ATF 150 III 268** (29 avril 2024) — Validité de traités cantonaux historiques\n\nLa convention du 11 mai 1834 entre cantons suisses et le Royaume de Bavière concernant le traitement égal des ressortissants respectifs en matière de faillite n'a pas été abrogée par la LDIP adoptée ultérieurement. La convention sur la faillite ne nécessite pas, dans son domaine d'application, une reconnaissance du jugement de faillite étranger selon l'art. 166 LDIP. L'arrêt confirme la validité continue des traités cantonaux historiques avec l'étranger, pour autant qu'ils n'aient pas été expressément abrogés.\n\n> « La convention sur la faillite avec le Royaume de Bavière n'a pas été abrogée par la LDIP adoptée ultérieurement et ne nécessite pas, dans son domaine d'application, une reconnaissance du jugement de faillite étranger selon l'art. 166 LDIP. »\n\n**Arrêt 8C_501/2016** (19 décembre 2017) — Collaboration intercantonale avec des États étrangers\n\nLa convention de fondation de la Haute école technique de Buchs entre les cantons de Saint-Gall et des Grisons avec la Principauté de Liechtenstein constitue un traité de droit international au sens de l'art. 56 Cst. Les cantons étaient habilités à conclure de tels traités sous l'ancienne Constitution fédérale. La nouvelle Constitution a confirmé cette compétence et a remplacé l'obligation d'approbation par une obligation d'information.\n\n> « Cette convention de fondation constitue un traité de droit international que les cantons suisses de Saint-Gall et des Grisons ont conclu avec la Principauté de Liechtenstein. Les cantons étaient habilités à cet effet. »\n\n### Coopération transfrontalière\n\n**JAAC 70.47** (22 août 2005) — Cadre institutionnel de la coopération transfrontalière\n\nLa Direction du droit international confirme la large autonomie des cantons en matière de coopération transfrontalière. Les cantons peuvent conclure avec l'étranger, dans le cadre de leurs domaines de compétence, des traités qui ne doivent plus être approuvés par le Conseil fédéral selon la nouvelle Constitution fédérale. Les cantons doivent cependant informer la Confédération avant la conclusion des traités. Les cantons peuvent conclure directement des traités avec des autorités étrangères subordonnées, mais seulement par l'intermédiaire de la Confédération avec les autorités centrales ou fédérales.\n\n> « Les cantons peuvent conclure avec l'étranger, dans le cadre de leurs domaines de compétence, des traités qui ne doivent plus être approuvés par le Conseil fédéral selon la nouvelle Constitution fédérale. Les cantons doivent cependant informer la Confédération avant la conclusion des traités. »\n\n**JAAC 52.18** (24 avril 1987) — Bases légales de la coopération transfrontalière\n\nLa Convention-cadre européenne du 20 mai 1981 sur la coopération transfrontalière des collectivités ou autorités territoriales oblige les parties contractantes à faciliter et promouvoir la coopération transfrontalière entre collectivités territoriales. Les cantons font de plus en plus usage de leur compétence en matière de coopération transfrontalière.\n\n> « La Convention-cadre européenne du 20 mai 1981 sur la coopération transfrontalière des collectivités ou autorités territoriales oblige les parties contractantes à faciliter et promouvoir la coopération transfrontalière entre collectivités territoriales. »\n\n### Délimitation par rapport aux autres dispositions constitutionnelles\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 56 Cst. ne fait apparaître aucun conflit avec d'autres dispositions constitutionnelles. Les rares décisions confirment plutôt l'ordre constitutionnel de la politique extérieure cantonale. L'application pratique de l'art. 56 Cst. s'effectue principalement dans le domaine de la coopération transfrontalière, sans soulever de questions juridiques fondamentales.\n\n### Évolution du droit\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 56 Cst. est clairsemée, ce qui témoigne de l'ordre clair des compétences et de l'aménagement praticable de la norme. Les rares décisions disponibles montrent une évolution continue de l'obligation d'approbation sous l'ancienne Constitution vers l'obligation d'information sous la nouvelle Constitution. Les cantons utilisent leurs compétences élargies notamment dans le domaine de la coopération transfrontalière, sans que cela ne conduise à des problèmes de droit constitutionnel.", "summary_it": "# Art. 56 Cost. — Relazioni dei Cantoni con l'estero\n\n## Panoramica\n\nL'art. 56 Cost. disciplina la politica estera cantonale e conferisce ai Cantoni una capacità di azione nel diritto internazionale di portata mondiale unica nel suo genere. Come sottolinea il Commentario di San Gallo, gli Stati membri probabilmente in nessun altro Stato federale dispongono di una competenza così ampia nel settore della politica estera (Thürer, BSK BV-Hänni/Borter, art. 56 n. 33).\n\nI Cantoni possono concludere trattati di diritto internazionale con l'estero nei loro ambiti di competenza. Questa competenza a concludere trattati comprende sia i trattati di Stato di diritto pubblico sia altri accordi di diritto internazionale. Spesso problematica è la delimitazione rispetto ai contratti di diritto privato, che non rientrano nell'art. 56 Cost. e conducono a difficili questioni di delimitazione (Hangartner, BSK BV-Hänni/Borter, art. 56 n. 27).\n\nTre limiti delimitano la libertà contrattuale cantonale: i trattati cantonali non possono essere in contraddizione né con il diritto federale né con gli interessi federali né con i diritti di altri Cantoni. Prima della conclusione del trattato i Cantoni devono informare la Confederazione. Questo obbligo di informazione ha sostituito nel 1999 il precedente obbligo di approvazione e ha rafforzato considerevolmente il margine d'azione cantonale.\n\nPer quanto riguarda la comunicazione, la Costituzione distingue tra autorità estere subordinate e autorità estere centrali. Con comuni, regioni o Stati federati i Cantoni possono comunicare direttamente. Il contatto con governi centrali esteri avviene tramite mediazione federale.\n\n**Esempio**: il Cantone di Basilea-Città conclude con la regione dell'Alsazia un accordo sulla cooperazione di polizia transfrontaliera. Dopo aver informato la Confederazione, il trattato può essere negoziato direttamente con le autorità regionali francesi, senza che sia necessaria un'approvazione federale.", "doctrine_it": "# Art. 56 Cost. — Relazioni dei Cantoni con l'estero\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** La politica estera cantonale ha una lunga tradizione nello Stato federale svizzero. Sotto l'antica Costituzione federale del 1874 i Cantoni disponevano già della competenza di concludere trattati con l'estero, tuttavia sotto riserva di approvazione da parte della Confederazione (art. 9 e 10 Cost. fed. precedente). La revisione totale della Costituzione federale offrì l'occasione di modernizzare questo ordinamento delle competenze.\n\n**N. 2** Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolineò l'importanza crescente della collaborazione transfrontaliera in un'Europa integrata. Il Costituente rinunciò consapevolmente al precedente obbligo di approvazione da parte del Consiglio federale e lo sostituì con un semplice obbligo di informazione (art. 56 cpv. 2 Cost.). Thürer vi vede un rafforzamento del federalismo e definisce i Cantoni svizzeri come Stati membri con una capacità giuridica e di azione di diritto internazionale di portata unica al mondo (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 56 Cost. si trova nel 3° Titolo su «Confederazione, Cantoni e Comuni» e forma insieme all'art. 54 Cost. (Affari esteri) e all'art. 55 Cost. (Partecipazione dei Cantoni alle decisioni di politica estera) il fondamento costituzionale della politica estera svizzera. La norma concretizza la sovranità cantonale ancorata nell'art. 3 Cost. nel settore della politica estera.\n\n**N. 4** La disposizione è in stretta connessione con l'art. 172 cpv. 3 Cost., secondo cui i trattati internazionali dei Cantoni devono essere sottoposti all'Assemblea federale per l'approvazione, se la Confederazione o altri Cantoni sollevano opposizione. L'art. 186 cpv. 3 Cost. trasferisce al Consiglio federale l'approvazione dei trattati cantonali, sempre che l'opposizione non sia deferita all'Assemblea federale. Questi riferimenti incrociati (→ Art. 172 cpv. 3 Cost., → Art. 186 cpv. 3 Cost.) mostrano l'intreccio costituzionale delle relazioni estere cantonali con la competenza federale.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Ambiti di competenza cantonale (cpv. 1)**: I Cantoni possono agire solo negli ambiti che sottostanno alla loro competenza materiale. Ciò comprende secondo Hänni/Borter sia le competenze cantonali esclusive sia le competenze concorrenti, nella misura in cui la Confederazione non abbia legiferato in modo definitivo (BSK BV, Art. 56 N. 8-13). La competenza residua cantonale secondo l'art. 3 Cost. amplia considerevolmente questo margine di manovra.\n\n**N. 6** **Trattati con l'estero (cpv. 1)**: Il concetto di trattato comprende tutti i trattati internazionali indipendentemente dalla loro denominazione (accordo, convenzione, protocollo ecc.). Hangartner indica la difficile delimitazione dai contratti di diritto privato, che non sottostanno all'art. 56 Cost. (BSK BV, Art. 56 N. 27). Determinante è il carattere internazionale dell'accordo, non la sua forma.\n\n**N. 7** **Limiti (cpv. 2)**: I trattati cantonali sottostanno a tre limiti cumulativi: non devono contraddire né il diritto della Confederazione né gli interessi della Confederazione né i diritti di altri Cantoni. La formulazione «diritto e interessi della Confederazione» mostra che oltre al limite giuridico esiste anche un limite politico (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33-35).\n\n**N. 8** **Obbligo di informazione (cpv. 2)**: I Cantoni devono informare la Confederazione prima della conclusione del trattato. Questo obbligo sostituisce il precedente obbligo di approvazione e permette alla Confederazione di sollevare eventualmente opposizione. L'informazione deve avvenire tempestivamente, affinché la Confederazione possa esercitare la sua funzione di vigilanza.\n\n**N. 9** **Relazioni dirette (cpv. 3)**: Con autorità estere subordinate (comuni, regioni, Länder) i Cantoni possono intrattenere relazioni dirette. Le relazioni con autorità centrali di Stati esteri avvengono tramite la mediazione della Confederazione. Questa distinzione tiene conto delle necessità pratiche della collaborazione transfrontaliera.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** I trattati cantonali con l'estero fondano obblighi internazionali per la Svizzera nel suo complesso, benché siano conclusi da Stati membri. In caso di violazione del trattato risponde a livello internazionale la Confederazione, che internamente può rivalersi sul Cantone responsabile (→ Art. 49 Cost.).\n\n**N. 11** La mancata informazione della Confederazione non rende nullo il trattato, ma può comportare misure di vigilanza. Se un trattato cantonale viola il diritto federale o gli interessi federali, la Confederazione può sollevare opposizione e richiedere l'approvazione da parte dell'Assemblea federale (→ Art. 172 cpv. 3 Cost.).\n\n**N. 12** Secondo l'art. 190 Cost. i trattati internazionali sono determinanti per il Tribunale federale e le altre autorità che applicano il diritto. Ciò vale anche per i trattati cantonali con l'estero, con cui questi possono acquisire validità immediata a livello interno.\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 13** **Portata della competenza cantonale**: Thürer sostiene un'interpretazione estensiva e sottolinea la capacità di azione di diritto internazionale unica al mondo dei Cantoni svizzeri (BSK BV, Art. 56 N. 33). Monnier propugna un'interpretazione più restrittiva con enfasi sugli interessi federali (Les principes et les règles constitutionnels de la politique étrangère suisse, ZSR 1986 II 107, 195 ss.).\n\n**N. 14** **Concetto di «autorità estere subordinate»**: Breitenmoser intende il concetto in senso ampio e vi annovera tutte le autorità non statali centrali (Die Zusammenarbeit des Kantons Basel-Stadt mit dem Bund und dem Ausland, in: Buser, Handbuch, 305, 320). Wildhaber argomenta per una considerazione funzionale, secondo cui sarebbero determinanti le competenze dell'autorità estera (Treaty-Making Power and Constitution, 1971, 234).\n\n**N. 15** **Trattati di diritto privato versus trattati internazionali**: Hangartner indica le difficili questioni di delimitazione (BSK BV, Art. 56 N. 27). Bühler propugna una considerazione formale, secondo cui basterebbe la qualifica come contratto di diritto pubblico (Die Staatsverträge der Kantone, LeGes 1999/3, 75, 82). Mägli favorisce una delimitazione materiale secondo il contenuto del trattato (Verträge der Kantone unter sich oder mit dem Ausland, LeGes 2004/1, 189, 194).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** I Cantoni dovrebbero prendere contatto tempestivamente con la Direzione del diritto internazionale pubblico del DFAE, per chiarire l'ammissibilità di diritto internazionale di trattati pianificati. L'informazione della Confederazione dovrebbe avvenire per iscritto e contenere il progetto di trattato nonché una motivazione.\n\n**N. 17** Nella collaborazione transfrontaliera si raccomanda l'utilizzo di accordi quadro esistenti come la Convenzione quadro europea sulla cooperazione transfrontaliera. Le conferenze intercantonali possono facilitare il coordinamento tra più Cantoni.\n\n**N. 18** La delimitazione tra contratti di diritto privato e trattati internazionali dovrebbe essere chiarita attraverso formulazioni inequivocabili nel testo del trattato. In caso di dubbi è da preferire una qualificazione di diritto pubblico, per assicurare l'applicabilità dell'art. 56 Cost.", "caselaw_it": "# Art. 56 Cost. — Relazioni dei Cantoni con l'estero\n\n## Giurisprudenza\n\n### Trattati cantonali con partner stranieri\n\n**DTF 150 III 268** (29 aprile 2024) — Validità dei trattati cantonali storici\n\nL'accordo dell'11 maggio 1834 tra i Cantoni svizzeri e il Regno di Baviera sul trattamento paritario dei rispettivi cittadini nelle procedure fallimentari non è stato abrogato dalla LDIP entrata in vigore successivamente. L'accordo fallimentare rende non necessario, nel suo ambito di applicazione, il riconoscimento del decreto fallimentare straniero secondo l'art. 166 LDIP. La sentenza conferma la validità permanente dei trattati cantonali storici con l'estero, purché non siano stati espressamente abrogati.\n\n> «L'accordo fallimentare con il Regno di Baviera non è stato abrogato dalla LDIP entrata in vigore successivamente e rende non necessario, nel suo ambito di applicazione, il riconoscimento del decreto fallimentare straniero secondo l'art. 166 LDIP.»\n\n**Sentenza 8C_501/2016** (19 dicembre 2017) — Cooperazione intercantonale con Stati stranieri\n\nL'accordo di fondazione dell'Università di tecnologia di Buchs tra i Cantoni San Gallo e Grigioni con il Principato del Liechtenstein è un trattato di diritto internazionale ai sensi dell'art. 56 Cost. I Cantoni erano autorizzati, sotto la vecchia Costituzione federale, a concludere tali trattati. La nuova Costituzione ha confermato questa competenza e ha sostituito l'obbligo di approvazione con un obbligo di informazione.\n\n> «Questo accordo di fondazione è un trattato di diritto internazionale che i Cantoni svizzeri San Gallo e Grigioni hanno concluso con il Principato del Liechtenstein. I Cantoni erano autorizzati a farlo.»\n\n### Cooperazione transfrontaliera\n\n**GAAC 70.47** (22 agosto 2005) — Quadro istituzionale della cooperazione transfrontaliera\n\nLa Direzione del diritto internazionale pubblico conferma l'ampia autonomia dei Cantoni nella cooperazione transfrontaliera. I Cantoni possono concludere trattati con l'estero nell'ambito delle loro competenze, che secondo la nuova Costituzione federale non devono più essere approvati dal Consiglio federale. Tuttavia, i Cantoni devono informare la Confederazione prima della conclusione dei trattati. I trattati con autorità straniere subordinate possono essere conclusi direttamente dai Cantoni, mentre quelli con autorità centrali o federali solo attraverso la mediazione della Confederazione.\n\n> «I Cantoni possono concludere trattati con l'estero nell'ambito delle loro competenze, che secondo la nuova Costituzione federale non devono più essere approvati dal Consiglio federale. Tuttavia, i Cantoni devono informare la Confederazione prima della conclusione dei trattati.»\n\n**GAAC 52.18** (24 aprile 1987) — Basi giuridiche della cooperazione transfrontaliera\n\nLa Convenzione quadro europea del 20 maggio 1981 sulla cooperazione transfrontaliera fra collettività o autorità territoriali obbliga le parti contraenti a facilitare e promuovere la cooperazione transfrontaliera fra collettività territoriali. I Cantoni fanno sempre più uso della loro competenza per la cooperazione transfrontaliera.\n\n> «La Convenzione quadro europea del 20 maggio 1981 sulla cooperazione transfrontaliera fra collettività o autorità territoriali obbliga le parti contraenti a facilitare e promuovere la cooperazione transfrontaliera fra collettività territoriali.»\n\n### Delimitazione rispetto ad altre disposizioni costituzionali\n\nNella giurisprudenza relativa all'art. 56 Cost. non si evidenziano conflitti con altre disposizioni costituzionali. Le poche decisioni confermano piuttosto l'ordinamento costituzionale della politica estera cantonale. L'applicazione pratica dell'art. 56 Cost. avviene prevalentemente nell'ambito della cooperazione transfrontaliera, senza che vengano sollevate questioni giuridiche fondamentali.\n\n### Sviluppo giuridico\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 56 Cost. è scarsa, il che indica il chiaro ordinamento delle competenze e la configurazione praticabile della norma. Le poche decisioni disponibili mostrano uno sviluppo continuo dall'obbligo di approvazione sotto la vecchia Costituzione all'obbligo di informazione sotto la nuova Costituzione. I Cantoni utilizzano le loro competenze ampliate in particolare nell'ambito della cooperazione transfrontaliera, senza che ciò porti a problemi di diritto costituzionale.", "summary_en": "# Art. 56 BV — Relations of the Cantons with Foreign Countries\n\n## Overview\n\nArt. 56 BV governs cantonal foreign policy and grants the cantons a uniquely extensive capacity for action under international law that is unparalleled worldwide. As the St. Gallen Commentary emphasizes, the constituent states in probably no other federal state possess such comprehensive competence in the field of foreign policy (Thürer, BSK BV-Hänni/Borter, Art. 56 N. 33).\n\nThe cantons may conclude international treaties with foreign countries within their areas of competence. This treaty-making competence encompasses both public-law state treaties and other international agreements. The delimitation from private-law contracts, which do not fall under Art. 56 BV and lead to difficult delimitation issues, is often problematic (Hangartner, BSK BV-Hänni/Borter, Art. 56 N. 27).\n\nThree barriers limit cantonal freedom to conclude treaties: Cantonal treaties may not contradict federal law, federal interests, or the rights of other cantons. Before concluding treaties, the cantons must inform the Confederation. This obligation to inform replaced the former requirement for approval in 1999 and considerably strengthened the cantons' scope for action.\n\nIn communication, the Constitution distinguishes between subordinate and central state foreign authorities. Cantons may communicate directly with municipalities, regions, or federal states. Contact with foreign central governments takes place through federal mediation.\n\n**Example**: The Canton of Basel-Stadt concludes an agreement with the Alsace region on cross-border police cooperation. After informing the Confederation, the treaty can be negotiated directly with the French regional authorities without requiring federal approval.", "doctrine_en": "# Art. 56 FC — Relations between the cantons and foreign countries\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Cantonal foreign policy has a long tradition in the Swiss federal state. Under the old Federal Constitution of 1874, the cantons already had the authority to conclude treaties with foreign countries, albeit subject to federal approval (Arts. 9 and 10 old FC). The total revision of the Federal Constitution provided an opportunity to modernise this division of powers.\n\n**N. 2** The Federal Council message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasised the increasing importance of cross-border cooperation in an integrated Europe. The constitutional legislator deliberately abandoned the previous approval requirement by the Federal Council and replaced it with a mere obligation to provide information (Art. 56 para. 2 FC). Thürer sees this as a strengthening of federalism and describes the Swiss cantons as constituent states with uniquely extensive international legal capacity and capacity to act worldwide (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 56 FC stands in Title 3 on «Confederation, Cantons and Communes» and forms, together with Art. 54 FC (Foreign affairs) and Art. 55 FC (Participation of the cantons in foreign policy decisions), the constitutional foundation of Swiss foreign policy. The provision gives concrete form to cantonal sovereignty enshrined in Art. 3 FC in the area of foreign policy.\n\n**N. 4** The provision is closely connected with Art. 172 para. 3 FC, according to which international treaties of the cantons must be submitted to the Federal Assembly for approval if the Confederation or other cantons raise objections. Art. 186 para. 3 FC assigns to the Federal Council the approval of cantonal treaties, insofar as the objection is not referred to the Federal Assembly. These cross-references (→ Art. 172 para. 3 FC, → Art. 186 para. 3 FC) show the constitutional interconnection of cantonal external relations with federal competence.\n\n### 3. Elements of the offence / Normative content\n\n**N. 5** **Cantonal areas of competence (para. 1)**: The cantons may only act in areas that fall within their material competence. According to Hänni/Borter, this includes both exclusive cantonal competences and concurrent competences, insofar as the Confederation has not enacted exhaustive legislation (BSK BV, Art. 56 N. 8-13). The residual cantonal competence pursuant to Art. 3 FC considerably expands this scope.\n\n**N. 6** **Treaties with foreign countries (para. 1)**: The term treaty encompasses all international treaties regardless of their designation (agreement, arrangement, protocol etc.). Hangartner points to the difficult delimitation from private law contracts, which do not fall under Art. 56 FC (BSK BV, Art. 56 N. 27). What is decisive is the international legal character of the agreement, not its form.\n\n**N. 7** **Limits (para. 2)**: Cantonal treaties are subject to three cumulative limits: they may not contravene federal law, federal interests or the rights of other cantons. The formulation «law and interests of the Confederation» shows that in addition to a legal limit, a political limit also exists (Hänni/Borter, BSK BV, Art. 56 N. 33-35).\n\n**N. 8** **Obligation to provide information (para. 2)**: The cantons must inform the Confederation before concluding a treaty. This obligation replaces the previous approval requirement and enables the Confederation to raise objections if necessary. The information must be provided in good time so that the Confederation can exercise its supervisory function.\n\n**N. 9** **Direct relations (para. 3)**: With subordinate foreign authorities (communes, regions, federal states), the cantons may have direct relations. Relations with central authorities of foreign states take place through the intermediation of the Confederation. This distinction takes account of the practical needs of cross-border cooperation.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 10** Cantonal treaties with foreign countries establish international legal obligations for Switzerland as a whole, even though they are concluded by constituent states. In case of treaty violations, the Confederation is liable under international law and may have internal recourse against the responsible canton (→ Art. 49 FC).\n\n**N. 11** Failure to inform the Confederation does not invalidate the treaty, but may result in supervisory measures. If a cantonal treaty violates federal law or federal interests, the Confederation may raise objections and require approval by the Federal Assembly (→ Art. 172 para. 3 FC).\n\n**N. 12** According to Art. 190 FC, international treaties are authoritative for the Federal Supreme Court and the other law-applying authorities. This also applies to cantonal treaties with foreign countries, whereby these may acquire direct domestic validity.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 13** **Scope of cantonal competence**: Thürer advocates an extensive interpretation and emphasises the uniquely extensive international legal capacity to act of the Swiss cantons worldwide (BSK BV, Art. 56 N. 33). Monnier advocates a more restrictive interpretation with emphasis on federal interests (Les principes et les règles constitutionnels de la politique étrangère suisse, ZSR 1986 II 107, 195 ff.).\n\n**N. 14** **Concept of «subordinate foreign authorities»**: Breitenmoser interprets the concept broadly and counts all non-central state authorities among them (Die Zusammenarbeit des Kantons Basel-Stadt mit dem Bund und dem Ausland, in: Buser, Handbuch, 305, 320). Wildhaber argues for a functional approach, according to which the competences of the foreign authority are decisive (Treaty-Making Power and Constitution, 1971, 234).\n\n**N. 15** **Private law versus international law treaties**: Hangartner points to the difficult delimitation questions (BSK BV, Art. 56 N. 27). Bühler advocates a formal approach, according to which the designation as a public law contract suffices (Die Staatsverträge der Kantone, LeGes 1999/3, 75, 82). Mägli favours a material delimitation according to the content of the treaty (Verträge der Kantone unter sich oder mit dem Ausland, LeGes 2004/1, 189, 194).\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 16** Cantons should establish early contact with the Directorate of International Law of the FDFA to clarify the admissibility under international law of planned treaties. Information to the Confederation should be in writing and contain the draft treaty as well as a justification.\n\n**N. 17** In cross-border cooperation, it is advisable to use existing framework agreements such as the European Outline Convention on Transfrontier Co-operation. Intercantonal conferences can facilitate coordination between several cantons.\n\n**N. 18** The delimitation between private law and international law treaties should be clarified through clear formulations in the treaty text. In case of doubt, a public law qualification is preferable to ensure the applicability of Art. 56 FC.", "caselaw_en": "# Art. 56 BV — Relations of the cantons with foreign countries\n\n## Case law\n\n### Cantonal treaties with foreign partners\n\n**BGE 150 III 268** (29 April 2024) — Validity of historical cantonal treaties\n\nThe agreement of 11 May 1834 between Swiss cantons and the Kingdom of Bavaria on equal treatment of mutual nationals in bankruptcy cases has not been repealed by the subsequently enacted PILA. The bankruptcy agreement does not require recognition of the foreign bankruptcy decree under Art. 166 PILA within its scope of application. The judgment confirms the continued validity of historical cantonal treaties with foreign countries, provided they have not been expressly repealed.\n\n> «The bankruptcy agreement with the Kingdom of Bavaria has not been repealed by the subsequently enacted PILA and does not require recognition of the foreign bankruptcy decree under Art. 166 PILA within its scope of application.»\n\n**Judgment 8C_501/2016** (19 December 2017) — Inter-cantonal cooperation with foreign states\n\nThe founding agreement for the University of Applied Sciences Buchs between the cantons of St. Gallen and Graubünden with the Principality of Liechtenstein is an international treaty within the meaning of Art. 56 BV. Under the old Federal Constitution, cantons were authorised to conclude such treaties. The new Constitution has confirmed this competence and replaced the approval requirement with an information obligation.\n\n> «This founding agreement is an international treaty that the Swiss cantons of St. Gallen and Graubünden concluded with the Principality of Liechtenstein. The cantons were authorised to do so.»\n\n### Cross-border cooperation\n\n**JAAC 70.47** (22 August 2005) — Institutional framework of cross-border cooperation\n\nThe Directorate of International Law confirms the broad autonomy of the cantons in cross-border cooperation. Cantons may conclude treaties with foreign countries within their areas of competence, which under the new Federal Constitution no longer require approval by the Federal Council. However, the cantons must inform the Confederation before concluding the treaties. The cantons may conclude treaties with subordinate foreign authorities directly, but with central or federal authorities only through the mediation of the Confederation.\n\n> «The cantons may conclude treaties with foreign countries within their areas of competence, which under the new Federal Constitution no longer require approval by the Federal Council. However, the cantons must inform the Confederation before concluding the treaties.»\n\n**JAAC 52.18** (24 April 1987) — Legal foundations of cross-border cooperation\n\nThe European Outline Convention of 20 May 1981 on Transfrontier Co-operation between Territorial Communities or Authorities obliges the contracting parties to facilitate and promote transfrontier cooperation between territorial communities. The cantons make increasing use of their competence for cross-border cooperation.\n\n> «The European Outline Convention of 20 May 1981 on Transfrontier Co-operation between Territorial Communities or Authorities obliges the contracting parties to facilitate and promote transfrontier cooperation between territorial communities.»\n\n### Delimitation from other constitutional provisions\n\nThe case law on Art. 56 BV shows no conflicts with other constitutional provisions. Rather, the few decisions confirm the constitutional order of cantonal foreign policy. The practical application of Art. 56 BV occurs primarily in the area of cross-border cooperation, without raising fundamental legal questions.\n\n### Legal development\n\nThe case law on Art. 56 BV is sparse, which indicates the clear allocation of competences and the practicable design of the norm. The few available decisions show a continuous development from the approval requirement under the old Constitution to the information obligation under the new Constitution. The cantons use their expanded competences particularly in the area of cross-border cooperation, without this leading to constitutional problems.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_56", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 57, "article_suffix": "", "title": "Sicherheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 57 BV regelt die Aufteilung der Sicherheitsverantwortung zwischen Bund und Kantonen. Die Bestimmung verpflichtet beide Staatsebenen, für die Sicherheit des Landes und den Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Dabei müssen sie ihre Anstrengungen koordinieren.\n\nDie Verfassungsbestimmung schafft eine gemeinsame Grundlage für die Sicherheitsarchitektur der Schweiz. Nach der Botschaft zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 209 f.) sollte sie die traditionelle Aufgabenteilung nicht ändern, sondern die Kooperationspraxis verfassungsrechtlich absichern. Der Bund ist hauptsächlich für die äussere Sicherheit zuständig, die Kantone für die innere Sicherheit (Polizei).\n\nBetroffen sind alle staatlichen Behörden, die mit Sicherheitsaufgaben betraut sind: Polizei, Grenzwacht, Nachrichtendienst, Armee und Zivilschutz. Auch Bürgerinnen und Bürger sind indirekt betroffen, da sie von Sicherheitsmassnahmen profitieren oder davon betroffen sein können.\n\nDie Rechtsfolgen sind begrenzt. Art. 57 BV begründet nach herrschender Lehre (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 23-26) keine neuen Kompetenzen, sondern setzt bestehende Zuständigkeiten voraus. Umstritten ist, ob die Koordinationspflicht in Absatz 2 dem Bund neue Regelungskompetenzen verleiht. Die herrschende Lehre verneint dies wegen der föderalistischen Kompetenzordnung.\n\nEin Beispiel für die praktische Anwendung ist das Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt an Sportveranstaltungen. Das Bundesgericht bestätigte dessen Zulässigkeit als interkantonale Polizeikoordination (BGE 140 I 2). Bei grenzüberschreitenden Sicherheitslagen arbeiten Kantonspolizeien und Bundesbehörden zusammen, etwa bei Terrorismusbekämpfung oder organisierter Kriminalität.\n\nDie Norm schützt keine individuellen Rechte auf Sicherheit. Sie richtet sich nur an staatliche Organe und verpflichtet diese zur Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 57 BV wurde in der Totalrevision von 1999 als neue Verfassungsbestimmung geschaffen. Die Botschaft vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 209 f.) hält fest, dass die Bestimmung die gemeinsame Verantwortung von Bund und Kantonen für die Sicherheit zum Ausdruck bringt und die Koordinationspflicht im Bereich der inneren Sicherheit verfassungsrechtlich verankert.\n\n**N. 2** Die Entstehungsgeschichte zeigt gemäss Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 2-6, dass die Norm bewusst als Grundsatzbestimmung konzipiert wurde. Sie sollte die traditionelle Aufgabenteilung zwischen Bund (äussere Sicherheit) und Kantonen (innere Sicherheit) nicht grundlegend ändern, sondern vielmehr die gewachsene Kooperationspraxis verfassungsrechtlich absichern. Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf eine trennscharfe Abgrenzung zwischen innerer und äusserer Sicherheit, um der zunehmenden Verflechtung der Sicherheitsbedrohungen Rechnung zu tragen.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 57 BV steht im 3. Abschnitt «Zuständigkeiten von Bund und Kantonen» des 3. Kapitels der Bundesverfassung. Die systematische Stellung unterstreicht den föderalistischen Charakter der Norm. Sie bildet das Scharnier zwischen den allgemeinen Staatsaufgaben (→ Art. 2 BV) und den spezifischen Sicherheitskompetenzen des Bundes (→ Art. 58 BV Armee, → Art. 173 Abs. 1 lit. a BV Gesetzgebung über die innere Sicherheit).\n\n**N. 4** Im Verhältnis zu den Grundrechten steht Art. 57 BV in einem Spannungsfeld. Sicherheitsmassnahmen müssen die Schranken von → Art. 36 BV beachten. Besonders relevant sind die Bezüge zu → Art. 10 BV (persönliche Freiheit), → Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre) und → Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit). Wie Mohler, Grundzüge des Polizeirechts in der Schweiz, Basel 2012, 45 ff., ausführt, legitimiert Art. 57 BV keine grundrechtsbeschränkenden Massnahmen, sondern bedarf stets einer spezifischen gesetzlichen Grundlage.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Sicherheitsbegriff\n\n**N. 5** Der verfassungsrechtliche Sicherheitsbegriff ist nach Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 7-22, umfassend zu verstehen. Er umfasst die klassische polizeiliche Gefahrenabwehr, den Schutz vor natur- und zivilisationsbedingten Katastrophen sowie neue Bedrohungsformen wie Cyberrisiken und Terrorismus. Baldwin, The Concept of Security, Review of International Studies 23, 1997, 5 ff., unterscheidet dabei verschiedene Dimensionen: die individuelle Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, die kollektive Sicherheit der Gesellschaft und die staatliche Sicherheit.\n\n**N. 6** Die Abgrenzung zwischen innerer und äusserer Sicherheit hat nach Müller, Innere Sicherheit Schweiz, Egg b. Einsiedeln 2009, 125 ff., durch die modernen Bedrohungslagen an Trennschärfe verloren. Hybride Bedrohungen, internationaler Terrorismus und grenzüberschreitende organisierte Kriminalität erfordern eine integrale Betrachtung der Sicherheitsarchitektur.\n\n### Zuständigkeitsordnung\n\n**N. 7** Art. 57 Abs. 1 BV statuiert eine Verbundaufgabe von Bund und Kantonen «im Rahmen ihrer Zuständigkeiten». Diese Formulierung verweist auf die bestehende verfassungsrechtliche Kompetenzordnung. Nach herrschender Lehre (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 23-26) begründet Art. 57 Abs. 1 BV keine neuen Kompetenzen, sondern setzt die anderweitig begründeten Zuständigkeiten voraus.\n\n**N. 8** Die Zuständigkeiten des Bundes im Sicherheitsbereich sind gemäss Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 27-42, punktuell und ergeben sich aus verschiedenen Verfassungsbestimmungen: → Art. 123 BV (Strafrecht), → Art. 121 BV (Ausländerrecht), → Art. 58 BV (Armee), → Art. 173 Abs. 2 BV (innere und äussere Sicherheit). Als ungeschriebene, inhärente Kompetenz verfügt der Bund nach herrschender Ansicht über die ausschliessliche und umfassende Verbandskompetenz zur Regelung des Staatsschutzes (BSK BV, Art. 57 N. 36).\n\n### Koordinationspflicht\n\n**N. 9** Art. 57 Abs. 2 BV verpflichtet Bund und Kantone, ihre Anstrengungen im Bereich der inneren Sicherheit zu koordinieren. Diese Koordinationspflicht konkretisiert den allgemeinen bundesstaatlichen Grundsatz der Zusammenarbeit (→ Art. 44 BV). Sie umfasst nach Ruch, Äussere und innere Sicherheit, in: Thürer/Aubert/Müller (Hrsg.), Verfassungsrecht der Schweiz, Zürich 2001, § 49 N. 15, sowohl die horizontale Koordination zwischen den Kantonen als auch die vertikale Koordination zwischen Bund und Kantonen.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 57 BV begründet nach einhelliger Auffassung keine subjektiven Rechte der Bürgerinnen und Bürger auf Sicherheit. Die Norm ist programmatischer Natur und richtet sich an die staatlichen Organe. Ein individueller Anspruch auf bestimmte Sicherheitsmassnahmen lässt sich aus Art. 57 BV nicht ableiten (vgl. Schweizer, Bundesstaatliche Kompetenzverteilung im Polizei- und Sicherheitsrecht, Sicherheit & Recht 5, 2012, 156).\n\n**N. 11** Die Koordinationspflicht nach Abs. 2 erzeugt eine Rechtspflicht zur Zusammenarbeit, die sich in verschiedenen Kooperationsformen manifestiert: interkantonale Konkordate (**BGE 140 I 2**), gemeinsame Informationssysteme, koordinierte Einsatzkonzepte. Die Verletzung der Koordinationspflicht kann grundsätzlich vor Bundesgericht gerügt werden, wobei den Behörden ein erheblicher Gestaltungsspielraum zukommt.\n\n## 5. Streitstände\n\n### Kompetenzbegründende Wirkung von Art. 57 Abs. 2 BV\n\n**N. 12** Umstritten ist, ob Art. 57 Abs. 2 BV eine kompetenzbegründende Wirkung zukommt. Biaggini (BSK BV, Art. 57 N. 47; Verfassungsrechtliche Abklärung betreffend die Teilrevision des BWIS, Gutachten 2009, 45 ff.) vertritt die Position, dass aus rechtspragmatischen Erwägungen eine kompetenzbegründende Wirkung anzunehmen sei, wenn Belange der inneren Sicherheit eine bundeseinheitliche Regelung unerlässlich machen.\n\n**N. 13** Die herrschende Lehre (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 51; Schweizer, Sicherheit & Recht 2012, 157 f.; Möstl, Die staatliche Garantie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Tübingen 2002, 328) lehnt eine kompetenzbegründende Wirkung ab. Sie stützt sich dabei auf den Wortlaut («im Rahmen ihrer Zuständigkeiten»), die Entstehungsgeschichte und das Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 3 BV). Eine Kompetenzbegründung aus Art. 57 Abs. 2 BV würde zu untragbaren Rechtsunsicherheiten führen und die föderalistische Kompetenzordnung aushöhlen.\n\n### Reichweite des Sicherheitsbegriffs\n\n**N. 14** Kontrovers diskutiert wird die Reichweite des verfassungsrechtlichen Sicherheitsbegriffs. Während Breitenmoser, Sicherheit durch internationale Kooperation, 2009, 23 ff., für einen weiten, alle modernen Sicherheitsrisiken umfassenden Begriff plädiert, warnen andere Autoren vor einer Versicherheitlichung aller Lebensbereiche. Buzan, People, States and Fear, 2. Aufl., Colchester 2007, 35 ff., weist auf die Gefahr hin, dass ein zu extensiver Sicherheitsbegriff rechtsstaatliche Schranken unterläuft.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Auslegung von Art. 57 BV ist stets die föderalistische Grundstruktur der schweizerischen Sicherheitsarchitektur zu beachten. Die Vermutung spricht für die kantonale Zuständigkeit (→ Art. 3 BV), Bundeskompetenzen müssen explizit nachgewiesen werden. Dies gilt besonders für neue Sicherheitsherausforderungen wie Cyberkriminalität oder hybride Bedrohungen.\n\n**N. 16** Die Koordinationspflicht nach Abs. 2 erfordert in der Praxis institutionalisierte Formen der Zusammenarbeit. Bewährt haben sich die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD), gemeinsame Lagezentren und standardisierte Informationsaustauschverfahren. Bei grenzüberschreitenden Sicherheitslagen ist frühzeitig die Koordination zwischen allen beteiligten Stellen sicherzustellen.\n\n**N. 17** Die Übertragung von Sicherheitsaufgaben an Private unterliegt gemäss **BGE 148 II 218** besonders strengen Anforderungen. Es bedarf einer expliziten formellgesetzlichen Grundlage, die Aufgaben und Befugnisse präzise umschreibt. Hoheitliche Zwangsbefugnisse können grundsätzlich nicht an Private delegiert werden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Interkantonale Polizeikoordination und Gewaltprävention\n\n**BGE 140 I 2** vom 7. Januar 2014\nKonkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen stellt zulässiges spezifisches Polizeirecht dar.\nDas Bundesgericht bestätigte die verfassungsrechtliche Grundlage für interkantonale Polizeikoordination im Sicherheitsbereich.\n\n> «Das Konkordat stellt spezifisches Polizeirecht dar. Es ist auf die besondere Erscheinung der Gewalt an Sportveranstaltungen ausgerichtet. Es bezweckt, mit speziellen Massnahmen wie Rayonverboten, Meldeauflagen und Polizeigewahrsam solche Gewalttaten zu verhindern und auf diese Weise eine friedliche Durchführung von grossen Sportanlässen zu ermöglichen.»\n\n**BGE 140 I 353** vom 1. Oktober 2014\nKantonale Zuständigkeit für präventive Polizeitätigkeit bestätigt.\nDie Kantone sind für die Regelung der präventiven Polizeitätigkeit zuständig, soweit diese nicht der Strafprozessordnung unterliegt.\n\n> «Zuständigkeit der Kantone zur Regelung der präventiven Polizeitätigkeit, die nicht an einen Tatverdacht anknüpft und sich nicht auf die Strafprozessordnung des Bundes stützt.»\n\n## Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen\n\n**BGE 128 II 1** vom 22. Januar 2001\nLandesverteidigung als Bundesaufgabe im Verhältnis zu kantonalen Zuständigkeiten.\nBei Interessenkonflikten zwischen Landesverteidigung und anderen Schutzgütern muss die Sachplanbehörde eine klare Priorisierung vornehmen.\n\n> «Kollidiert das Interesse der Landesverteidigung mit dem Interesse an der Erhaltung eines Wildtierkorridors von nationaler Bedeutung, so setzt die Plangenehmigung voraus, dass sich die Sachplanbehörde (hier: der Bundesrat) mit dem Interessenkonflikt im Sachplan ausdrücklich auseinandergesetzt und sich klar für den Vorrang des militärischen Interesses entschieden hat.»\n\n## Übertragung von Sicherheitsaufgaben an Private\n\n**BGE 148 II 218** vom 30. April 2021\nHohe Anforderungen an Übertragung sicherheitspolizeilicher Aufgaben an Private.\nDie Betrauung Privater mit öffentlich-rechtlichen Sicherheitsaufgaben bedarf hinreichender gesetzlicher Grundlage.\n\n> «Besonders hohe Anforderungen an die formellgesetzliche Grundlage sind dabei im Bereich der Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben zu stellen. Weder das AsylG noch das BWIS enthält eine hinreichende gesetzliche Grundlage für die vorliegend in Frage stehende Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben an die Securitas AG.»\n\n## Neue Technologien in der Polizeiarbeit\n\n**BGE 151 I 137** vom 24. März 2025\nVerfassungsrechtliche Grenzen bei automatisierter Überwachung.\nModerne Überwachungstechnologien unterliegen strengen verfassungsrechtlichen Anforderungen bezüglich Kompetenzabgrenzung und Verhältnismässigkeit.\n\n> «Da dieses in erster Linie der Strafverfolgung dient, bedarf es einer Grundlage in der StPO; der Kanton ist dafür nicht zuständig. Für den verbleibenden präventiv-polizeilichen Anwendungsbereich ist der nach § 4 quinquies PolG/LU zugelassene Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung unverhältnismässig.»\n\n## Terrorismusbekämpfung\n\n**F-6954/2023 (BVGer)** vom 17. April 2024\nPolizeiliche Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus müssen verhältnismässig sein.\nSicherheitsbehörden können präventive Massnahmen gegen Terrorismusrisiken ergreifen, unterliegen dabei aber grundrechtlichen Schranken.\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 57 BV eine flexible Grundlage für die Koordination der Sicherheitsbehörden schafft, gleichzeitig aber klare verfassungsrechtliche Grenzen zieht. Besonders die Übertragung von Aufgaben an Private und der Einsatz neuer Überwachungstechnologien werden streng geprüft.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 57 Cst. règle la répartition de la responsabilité sécuritaire entre la Confédération et les cantons. Cette disposition oblige les deux niveaux étatiques à œuvrer à la sécurité du pays et à la protection de la population. Ils doivent coordonner leurs efforts.\n\nCette disposition constitutionnelle crée une base commune pour l'architecture sécuritaire de la Suisse. Selon le message concernant la nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 175 s.), elle ne devait pas modifier la répartition traditionnelle des tâches, mais ancrer constitutionnellement la pratique de coopération. La Confédération est principalement compétente pour la sécurité extérieure, les cantons pour la sécurité intérieure (police).\n\nSont concernées toutes les autorités étatiques chargées de tâches sécuritaires : police, garde-frontières, service de renseignement, armée et protection civile. Les citoyennes et citoyens sont aussi indirectement concernés, car ils peuvent bénéficier des mesures de sécurité ou en être affectés.\n\nLes conséquences juridiques sont limitées. Selon la doctrine dominante (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 n. 23-26), l'art. 57 Cst. ne crée pas de nouvelles compétences, mais présuppose l'existence de compétences établies. Il est controversé de savoir si l'obligation de coordination de l'alinéa 2 confère à la Confédération de nouvelles compétences réglementaires. La doctrine dominante le nie en raison de l'ordre fédéraliste des compétences.\n\nUn exemple d'application pratique est le concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives. Le Tribunal fédéral a confirmé sa licéité en tant que coordination policière intercantonale (ATF 140 I 2). En cas de situations sécuritaires transfrontalières, les polices cantonales et les autorités fédérales collaborent, notamment dans la lutte contre le terrorisme ou la criminalité organisée.\n\nLa norme ne protège aucun droit individuel à la sécurité. Elle ne s'adresse qu'aux organes étatiques et les oblige à collaborer dans le domaine de la sécurité.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 57 Cst. a été créé comme nouvelle disposition constitutionnelle lors de la révision totale de 1999. Le message du 20 novembre 1996 relatif à une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 209 s.) précise que cette disposition exprime la responsabilité commune de la Confédération et des cantons pour la sécurité et ancre constitutionnellement l'obligation de coordination dans le domaine de la sécurité intérieure.\n\n**Ch. 2** L'histoire de la genèse montre selon Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 ch. 2-6, que la norme a été consciemment conçue comme disposition de principe. Elle ne devait pas changer fondamentalement la répartition traditionnelle des tâches entre la Confédération (sécurité extérieure) et les cantons (sécurité intérieure), mais plutôt ancrer constitutionnellement la pratique de coopération qui s'était développée. Le constituant a consciemment renoncé à une délimitation tranchée entre sécurité intérieure et extérieure, afin de tenir compte de l'interconnexion croissante des menaces sécuritaires.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 57 Cst. se trouve dans la 3e section « Compétences de la Confédération et des cantons » du 3e chapitre de la Constitution fédérale. Cette position systématique souligne le caractère fédéraliste de la norme. Elle forme la charnière entre les tâches générales de l'État (→ art. 2 Cst.) et les compétences spécifiques de sécurité de la Confédération (→ art. 58 Cst. armée, → art. 173 al. 1 let. a Cst. législation sur la sécurité intérieure).\n\n**Ch. 4** Dans le rapport aux droits fondamentaux, l'art. 57 Cst. se trouve dans un champ de tensions. Les mesures de sécurité doivent respecter les limites de l'→ art. 36 Cst. Particulièrement pertinents sont les liens avec l'→ art. 10 Cst. (liberté personnelle), l'→ art. 13 Cst. (protection de la sphère privée) et l'→ art. 16 Cst. (liberté d'opinion et d'information). Comme l'expose Mohler, Grundzüge des Polizeirechts in der Schweiz, Bâle 2012, 45 ss., l'art. 57 Cst. ne légitime aucune mesure restreignant les droits fondamentaux, mais nécessite toujours une base légale spécifique.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Notion de sécurité\n\n**Ch. 5** La notion constitutionnelle de sécurité doit être comprise de manière globale selon Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 ch. 7-22. Elle englobe la prévention classique des dangers par la police, la protection contre les catastrophes naturelles et technologiques ainsi que les nouvelles formes de menaces comme les cyberrisques et le terrorisme. Baldwin, The Concept of Security, Review of International Studies 23, 1997, 5 ss., distingue à cet égard différentes dimensions : la sécurité individuelle des citoyennes et citoyens, la sécurité collective de la société et la sécurité étatique.\n\n**Ch. 6** La délimitation entre sécurité intérieure et extérieure a perdu de sa netteté selon Müller, Innere Sicherheit Schweiz, Egg b. Einsiedeln 2009, 125 ss., du fait des menaces modernes. Les menaces hybrides, le terrorisme international et la criminalité organisée transfrontalière exigent une approche intégrale de l'architecture sécuritaire.\n\n### Ordre des compétences\n\n**Ch. 7** L'art. 57 al. 1 Cst. institue une tâche commune de la Confédération et des cantons « dans le cadre de leurs compétences ». Cette formulation renvoie à l'ordre constitutionnel existant des compétences. Selon la doctrine dominante (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 ch. 23-26), l'art. 57 al. 1 Cst. ne fonde aucune nouvelle compétence, mais présuppose les compétences établies par ailleurs.\n\n**Ch. 8** Les compétences de la Confédération dans le domaine de la sécurité sont ponctuelles selon Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 ch. 27-42, et résultent de différentes dispositions constitutionnelles : → art. 123 Cst. (droit pénal), → art. 121 Cst. (droit des étrangers), → art. 58 Cst. (armée), → art. 173 al. 2 Cst. (sécurité intérieure et extérieure). Comme compétence non écrite, inhérente, la Confédération dispose selon l'opinion dominante de la compétence exclusive et complète d'association pour régler la protection de l'État (BSK BV, art. 57 ch. 36).\n\n### Obligation de coordination\n\n**Ch. 9** L'art. 57 al. 2 Cst. oblige la Confédération et les cantons à coordonner leurs efforts dans le domaine de la sécurité intérieure. Cette obligation de coordination concrétise le principe fédéral général de collaboration (→ art. 44 Cst.). Elle comprend selon Ruch, Äussere und innere Sicherheit, in: Thürer/Aubert/Müller (éd.), Verfassungsrecht der Schweiz, Zurich 2001, § 49 ch. 15, tant la coordination horizontale entre les cantons que la coordination verticale entre la Confédération et les cantons.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 10** L'art. 57 Cst. ne fonde selon l'opinion unanime aucun droit subjectif des citoyennes et citoyens à la sécurité. La norme est de nature programmatique et s'adresse aux organes étatiques. Une prétention individuelle à certaines mesures de sécurité ne peut être dérivée de l'art. 57 Cst. (cf. Schweizer, Bundesstaatliche Kompetenzverteilung im Polizei- und Sicherheitsrecht, Sicherheit & Recht 5, 2012, 156).\n\n**Ch. 11** L'obligation de coordination selon l'al. 2 génère une obligation juridique de collaboration qui se manifeste sous différentes formes de coopération : concordats intercantonaux (**ATF 140 I 2**), systèmes d'information communs, concepts d'intervention coordonnés. La violation de l'obligation de coordination peut en principe être invoquée devant le Tribunal fédéral, les autorités disposant toutefois d'une marge d'appréciation considérable.\n\n## 5. Points litigieux\n\n### Effet fondateur de compétence de l'art. 57 al. 2 Cst.\n\n**Ch. 12** Il est controversé de savoir si l'art. 57 al. 2 Cst. a un effet fondateur de compétence. Biaggini (BSK BV, art. 57 ch. 47 ; Verfassungsrechtliche Abklärung betreffend die Teilrevision des BWIS, expertise 2009, 45 ss.) défend la position qu'un effet fondateur de compétence doit être admis pour des considérations pragmatiques juridiques, lorsque des intérêts de sécurité intérieure rendent indispensable une réglementation uniforme au niveau fédéral.\n\n**Ch. 13** La doctrine dominante (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 ch. 51 ; Schweizer, Sicherheit & Recht 2012, 157 s. ; Möstl, Die staatliche Garantie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Tübingen 2002, 328) rejette un effet fondateur de compétence. Elle s'appuie sur le libellé (« dans le cadre de leurs compétences »), l'histoire de la genèse et le principe de subsidiarité (→ art. 3 Cst.). Une création de compétence à partir de l'art. 57 al. 2 Cst. conduirait à des insécurités juridiques insoutenables et minerait l'ordre fédéraliste des compétences.\n\n### Portée de la notion de sécurité\n\n**Ch. 14** La portée de la notion constitutionnelle de sécurité fait l'objet de discussions controversées. Tandis que Breitenmoser, Sicherheit durch internationale Kooperation, 2009, 23 ss., plaide pour une notion large englobant tous les risques sécuritaires modernes, d'autres auteurs mettent en garde contre une sécurisation de tous les domaines de la vie. Buzan, People, States and Fear, 2e éd., Colchester 2007, 35 ss., souligne le danger qu'une notion de sécurité trop extensive sape les limites de l'État de droit.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 15** Lors de l'interprétation de l'art. 57 Cst., il faut toujours tenir compte de la structure fédéraliste fondamentale de l'architecture sécuritaire suisse. La présomption parle pour la compétence cantonale (→ art. 3 Cst.), les compétences fédérales doivent être explicitement prouvées. Cela vaut particulièrement pour les nouveaux défis sécuritaires comme la cybercriminalité ou les menaces hybrides.\n\n**Ch. 16** L'obligation de coordination selon l'al. 2 exige dans la pratique des formes institutionnalisées de collaboration. Ont fait leurs preuves la Conférence des directrices et directeurs cantonaux de justice et police (CCDJP), les centres de situation communs et les procédures standardisées d'échange d'informations. En cas de situations sécuritaires transfrontalières, il faut assurer précocement la coordination entre tous les services concernés.\n\n**Ch. 17** Le transfert de tâches de sécurité à des privés est soumis selon l'**ATF 148 II 218** à des exigences particulièrement strictes. Il faut une base légale formelle explicite qui décrit précisément les tâches et les compétences. Les pouvoirs de contrainte souverains ne peuvent en principe pas être délégués à des privés.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Coordination policière intercantonale et prévention de la violence\n\n**ATF 140 I 2** du 7 janvier 2014\nLe concordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives constitue un droit de police spécifique admissible.\nLe Tribunal fédéral a confirmé le fondement constitutionnel de la coordination policière intercantonale dans le domaine de la sécurité.\n\n> « Le concordat constitue un droit de police spécifique. Il vise le phénomène particulier de la violence lors de manifestations sportives. Il a pour but de prévenir de tels actes de violence par des mesures spéciales comme les interdictions de périmètre, les obligations de se présenter et la détention de police, et de permettre ainsi le déroulement pacifique de grandes manifestations sportives. »\n\n**ATF 140 I 353** du 1er octobre 2014\nCompétence cantonale pour l'activité policière préventive confirmée.\nLes cantons sont compétents pour régler l'activité policière préventive, pour autant qu'elle ne relève pas du code de procédure pénale.\n\n> « Compétence des cantons pour régler l'activité policière préventive qui ne se rattache pas à un soupçon d'infraction et ne se fonde pas sur le code de procédure pénale de la Confédération. »\n\n## Répartition des tâches entre la Confédération et les cantons\n\n**ATF 128 II 1** du 22 janvier 2001\nDéfense nationale comme tâche fédérale par rapport aux compétences cantonales.\nEn cas de conflits d'intérêts entre la défense nationale et d'autres biens à protéger, l'autorité chargée du plan sectoriel doit procéder à une priorisation claire.\n\n> « Si l'intérêt de la défense nationale entre en collision avec l'intérêt à la conservation d'un corridor faunique d'importance nationale, l'approbation des plans présuppose que l'autorité chargée du plan sectoriel (ici : le Conseil fédéral) se soit expressément penchée sur le conflit d'intérêts dans le plan sectoriel et ait clairement décidé de la priorité de l'intérêt militaire. »\n\n## Transfert de tâches de sécurité à des privés\n\n**ATF 148 II 218** du 30 avril 2021\nExigences élevées pour le transfert de tâches de police de sécurité à des privés.\nLa délégation à des privés de tâches de sécurité de droit public nécessite une base légale suffisante.\n\n> « Des exigences particulièrement élevées doivent être posées à la base légale formelle dans le domaine du transfert de tâches de police de sécurité. Ni la LAsi ni la LSIT ne contient une base légale suffisante pour le transfert en question de tâches de police de sécurité à Securitas AG. »\n\n## Nouvelles technologies dans le travail de police\n\n**ATF 151 I 137** du 24 mars 2025\nLimites constitutionnelles en matière de surveillance automatisée.\nLes technologies de surveillance modernes sont soumises à des exigences constitutionnelles strictes concernant la délimitation des compétences et la proportionnalité.\n\n> « Comme celle-ci sert en premier lieu à la poursuite pénale, elle nécessite une base dans le CPP ; le canton n'est pas compétent à cet effet. Pour le domaine d'application préventif-policier restant, l'atteinte au droit à l'autodétermination informationnelle autorisée selon le § 4 quinquies PolG/LU est disproportionnée. »\n\n## Lutte contre le terrorisme\n\n**F-6954/2023 (TAF)** du 17 avril 2024\nLes mesures policières de lutte contre le terrorisme doivent être proportionnées.\nLes autorités de sécurité peuvent prendre des mesures préventives contre les risques terroristes, mais sont soumises aux limites des droits fondamentaux.\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 57 Cst. crée une base flexible pour la coordination des autorités de sécurité, tout en posant des limites constitutionnelles claires. Le transfert de tâches à des privés et l'utilisation de nouvelles technologies de surveillance font l'objet d'un examen strict.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 57 Cost. disciplina la ripartizione delle responsabilità in materia di sicurezza tra Confederazione e Cantoni. La disposizione obbliga entrambi i livelli statali a provvedere alla sicurezza del Paese e alla protezione della popolazione. In tal modo devono coordinare i loro sforzi.\n\nLa disposizione costituzionale crea una base comune per l'architettura della sicurezza svizzera. Secondo il messaggio concernente la nuova Costituzione federale (FF 1997 I 225 seg.) essa non doveva modificare la ripartizione tradizionale dei compiti, ma assicurare dal profilo costituzionale la prassi cooperativa. La Confederazione è competente principalmente per la sicurezza esterna, i Cantoni per quella interna (polizia).\n\nSono interessate tutte le autorità statali incaricate di compiti di sicurezza: polizia, guardia di confine, servizio informazioni, esercito e protezione civile. Anche le cittadine e i cittadini sono indirettamente interessati, in quanto possono beneficiare delle misure di sicurezza o esserne toccati.\n\nLe conseguenze giuridiche sono limitate. L'art. 57 Cost. secondo la dottrina prevalente (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 57 n. 23-26) non crea nuove competenze, ma presuppone competenze esistenti. È controverso se l'obbligo di coordinamento del capoverso 2 conferisca alla Confederazione nuove competenze normative. La dottrina prevalente lo nega a causa dell'ordinamento federalistico delle competenze.\n\nUn esempio di applicazione pratica è il Concordato concernente misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive. Il Tribunale federale ha confermato la sua ammissibilità come coordinamento di polizia intercantonale (DTF 140 I 2). In situazioni di sicurezza transfrontaliere, le polizie cantonali e le autorità federali collaborano, per esempio nella lotta contro il terrorismo o la criminalità organizzata.\n\nLa norma non tutela diritti individuali alla sicurezza. Si rivolge soltanto agli organi statali e li obbliga alla cooperazione nell'ambito della sicurezza.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 57 Cost. è stato creato nella revisione totale del 1999 come nuova disposizione costituzionale. Il messaggio del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 209 s.) rileva che la disposizione esprime la responsabilità comune di Confederazione e Cantoni per la sicurezza e ancora costituzionalmente l'obbligo di coordinamento nel settore della sicurezza interna.\n\n**N. 2** La storia dell'origine dimostra secondo Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 2-6, che la norma è stata concepita consapevolmente come disposizione di principio. Non doveva modificare fondamentalmente la tradizionale ripartizione dei compiti tra Confederazione (sicurezza esterna) e Cantoni (sicurezza interna), ma piuttosto garantire costituzionalmente la prassi di cooperazione sviluppatasi nel tempo. Il costituente ha rinunciato consapevolmente a una delimitazione precisa tra sicurezza interna ed esterna per tenere conto del crescente intreccio delle minacce alla sicurezza.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 57 Cost. si trova nella 3ª sezione «Competenze di Confederazione e Cantoni» del 3° capitolo della Costituzione federale. La posizione sistematica sottolinea il carattere federalistico della norma. Essa costituisce il collegamento tra i compiti statali generali (→ art. 2 Cost.) e le competenze specifiche della Confederazione in materia di sicurezza (→ art. 58 Cost. Esercito, → art. 173 cpv. 1 lett. a Cost. legislazione sulla sicurezza interna).\n\n**N. 4** Nel rapporto con i diritti fondamentali, l'art. 57 Cost. si trova in un campo di tensione. Le misure di sicurezza devono rispettare i limiti dell'→ art. 36 Cost. Particolarmente rilevanti sono i riferimenti all'→ art. 10 Cost. (libertà personale), all'→ art. 13 Cost. (protezione della sfera privata) e all'→ art. 16 Cost. (libertà di opinione e d'informazione). Come espone Mohler, Grundzüge des Polizeirechts in der Schweiz, Basel 2012, 45 ss., l'art. 57 Cost. non legittima misure restrittive dei diritti fondamentali, ma necessita sempre di una base legale specifica.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n### Concetto di sicurezza\n\n**N. 5** Il concetto costituzionale di sicurezza deve essere inteso secondo Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 7-22, in modo comprensivo. Esso comprende la classica prevenzione dei pericoli di polizia, la protezione da catastrofi naturali e civilizzative nonché nuove forme di minaccia come i rischi informatici e il terrorismo. Baldwin, The Concept of Security, Review of International Studies 23, 1997, 5 ss., distingue diverse dimensioni: la sicurezza individuale delle cittadine e dei cittadini, la sicurezza collettiva della società e la sicurezza statale.\n\n**N. 6** La delimitazione tra sicurezza interna ed esterna ha perso secondo Müller, Innere Sicherheit Schweiz, Egg b. Einsiedeln 2009, 125 ss., precisione a causa delle moderne situazioni di minaccia. Minacce ibride, terrorismo internazionale e criminalità organizzata transfrontaliera richiedono una considerazione integrale dell'architettura di sicurezza.\n\n### Ordinamento delle competenze\n\n**N. 7** L'art. 57 cpv. 1 Cost. stabilisce un compito comune di Confederazione e Cantoni «nel quadro delle loro competenze». Questa formulazione fa riferimento all'ordinamento costituzionale delle competenze esistente. Secondo la dottrina prevalente (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 23-26) l'art. 57 cpv. 1 Cost. non fonda nuove competenze, ma presuppone le competenze fondate altrove.\n\n**N. 8** Le competenze della Confederazione nel settore della sicurezza sono secondo Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 27-42, puntuali e risultano da diverse disposizioni costituzionali: → art. 123 Cost. (diritto penale), → art. 121 Cost. (diritto degli stranieri), → art. 58 Cost. (esercito), → art. 173 cpv. 2 Cost. (sicurezza interna ed esterna). Come competenza inerente non scritta, la Confederazione dispone secondo l'opinione prevalente della competenza esclusiva e comprensiva per la regolamentazione della protezione dello Stato (BSK BV, Art. 57 N. 36).\n\n### Obbligo di coordinamento\n\n**N. 9** L'art. 57 cpv. 2 Cost. obbliga Confederazione e Cantoni a coordinare i loro sforzi nel settore della sicurezza interna. Questo obbligo di coordinamento concretizza il principio federalistico generale della collaborazione (→ art. 44 Cost.). Esso comprende secondo Ruch, Äussere und innere Sicherheit, in: Thürer/Aubert/Müller (ed.), Verfassungsrecht der Schweiz, Zürich 2001, § 49 N. 15, sia il coordinamento orizzontale tra i Cantoni sia il coordinamento verticale tra Confederazione e Cantoni.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 57 Cost. non fonda secondo opinione unanime diritti soggettivi delle cittadine e dei cittadini alla sicurezza. La norma è di natura programmatica e si rivolge agli organi statali. Un diritto individuale a determinate misure di sicurezza non può essere derivato dall'art. 57 Cost. (cfr. Schweizer, Bundesstaatliche Kompetenzverteilung im Polizei- und Sicherheitsrecht, Sicherheit & Recht 5, 2012, 156).\n\n**N. 11** L'obbligo di coordinamento secondo il cpv. 2 genera un obbligo giuridico di collaborazione, che si manifesta in diverse forme di cooperazione: concordati intercantonali (**DTF 140 I 2**), sistemi informativi comuni, concetti di intervento coordinati. La violazione dell'obbligo di coordinamento può in principio essere censurata davanti al Tribunale federale, mentre alle autorità spetta un considerevole margine di manovra.\n\n## 5. Controversie\n\n### Effetto fondante competenze dell'art. 57 cpv. 2 Cost.\n\n**N. 12** È controverso se all'art. 57 cpv. 2 Cost. spetti un effetto fondante competenze. Biaggini (BSK BV, Art. 57 N. 47; Verfassungsrechtliche Abklärung betreffend die Teilrevision des BWIS, Perizia 2009, 45 ss.) sostiene la posizione che per considerazioni giuridico-pragmatiche sia da assumere un effetto fondante competenze, quando questioni di sicurezza interna rendano indispensabile una regolamentazione uniforme a livello federale.\n\n**N. 13** La dottrina prevalente (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 51; Schweizer, Sicherheit & Recht 2012, 157 s.; Möstl, Die staatliche Garantie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Tübingen 2002, 328) rifiuta un effetto fondante competenze. Essa si basa sul tenore letterale («nel quadro delle loro competenze»), sulla storia dell'origine e sul principio di sussidiarietà (→ art. 3 Cost.). Una fondazione di competenze dall'art. 57 cpv. 2 Cost. porterebbe a insostenibili incertezze del diritto e minerebbe l'ordinamento federalistico delle competenze.\n\n### Portata del concetto di sicurezza\n\n**N. 14** È discussa in modo controverso la portata del concetto costituzionale di sicurezza. Mentre Breitenmoser, Sicherheit durch internationale Kooperation, 2009, 23 ss., sostiene un concetto ampio che comprende tutti i rischi di sicurezza moderni, altri autori mettono in guardia da una securitizzazione di tutti i settori della vita. Buzan, People, States and Fear, 2ª ed., Colchester 2007, 35 ss., indica il pericolo che un concetto di sicurezza troppo estensivo mini i limiti dello Stato di diritto.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'interpretazione dell'art. 57 Cost. è sempre da considerare la struttura di base federalistica dell'architettura di sicurezza svizzera. La presunzione parla per la competenza cantonale (→ art. 3 Cost.), le competenze federali devono essere dimostrate esplicitamente. Ciò vale particolarmente per nuove sfide alla sicurezza come la criminalità informatica o le minacce ibride.\n\n**N. 16** L'obbligo di coordinamento secondo il cpv. 2 richiede nella prassi forme istituzionalizzate di collaborazione. Si sono dimostrate valide la Conferenza delle direttrici e dei direttori cantonali di giustizia e polizia (CDDGP), centri situazionali comuni e procedure standardizzate di scambio di informazioni. In situazioni di sicurezza transfrontaliere è da garantire tempestivamente il coordinamento tra tutti gli uffici coinvolti.\n\n**N. 17** Il trasferimento di compiti di sicurezza a privati sottostà secondo **DTF 148 II 218** a requisiti particolarmente severi. Necessita di una base legale formale esplicita, che circoscrive precisamente compiti e competenze. Competenze coercitive sovrane non possono in principio essere delegate a privati.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Coordinamento intercantonale di polizia e prevenzione della violenza\n\n**DTF 140 I 2** del 7 gennaio 2014\nIl concordato su misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive costituisce un diritto di polizia specifico ammissibile.\nIl Tribunale federale ha confermato la base costituzionale per il coordinamento intercantonale di polizia nel settore della sicurezza.\n\n> «Il concordato costituisce diritto di polizia specifico. È orientato al particolare fenomeno della violenza nelle manifestazioni sportive. Ha lo scopo di prevenire tali atti di violenza con misure speciali come i divieti zonali, gli obblighi di annuncio e la custodia di polizia e di permettere in questo modo lo svolgimento pacifico di grandi eventi sportivi.»\n\n**DTF 140 I 353** del 1° ottobre 2014\nConfermata la competenza cantonale per l'attività preventiva di polizia.\nI Cantoni sono competenti per la regolamentazione dell'attività preventiva di polizia, purché questa non sottostia al codice di diritto processuale penale.\n\n> «Competenza dei Cantoni per la regolamentazione dell'attività preventiva di polizia, che non si basa su un sospetto di reato e non si fonda sul codice di diritto processuale penale della Confederazione.»\n\n## Ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni\n\n**DTF 128 II 1** del 22 gennaio 2001\nDifesa nazionale quale compito federale in rapporto alle competenze cantonali.\nIn caso di conflitti d'interesse tra difesa nazionale e altri beni protetti, l'autorità del piano settoriale deve stabilire una chiara priorità.\n\n> «Se l'interesse della difesa nazionale si scontra con l'interesse alla conservazione di un corridoio faunistico d'importanza nazionale, l'approvazione del piano presuppone che l'autorità del piano settoriale (qui: il Consiglio federale) si sia confrontata esplicitamente con il conflitto d'interesse nel piano settoriale e si sia chiaramente pronunciata per la priorità dell'interesse militare.»\n\n## Trasferimento di compiti di sicurezza ai privati\n\n**DTF 148 II 218** del 30 aprile 2021\nRequisiti elevati per il trasferimento di compiti di polizia di sicurezza ai privati.\nL'affidamento a privati di compiti pubblici di sicurezza richiede una base legale sufficiente.\n\n> «Requisiti particolarmente elevati alla base legale formale devono essere posti nell'ambito del trasferimento di compiti di polizia di sicurezza. Né la LAsi né la LMSI contengono una base legale sufficiente per il trasferimento in questione di compiti di polizia di sicurezza alla Securitas AG.»\n\n## Nuove tecnologie nel lavoro di polizia\n\n**DTF 151 I 137** del 24 marzo 2025\nLimiti costituzionali nella sorveglianza automatizzata.\nLe moderne tecnologie di sorveglianza sottostanno a rigorosi requisiti costituzionali riguardo alla delimitazione delle competenze e alla proporzionalità.\n\n> «Poiché questo serve in primo luogo al perseguimento penale, necessita di una base nel CPP; il Cantone non è competente per questo. Per il restante campo d'applicazione preventivo di polizia, l'intervento nel diritto all'autodeterminazione informazionale ammesso secondo il § 4 quinquies PolG/LU è sproporzionato.»\n\n## Lotta al terrorismo\n\n**F-6954/2023 (TAF)** del 17 aprile 2024\nLe misure di polizia per la lotta al terrorismo devono essere proporzionate.\nLe autorità di sicurezza possono adottare misure preventive contro i rischi di terrorismo, ma sono soggette a limiti fondati sui diritti fondamentali.\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 57 Cost. crea una base flessibile per il coordinamento delle autorità di sicurezza, ma stabilisce allo stesso tempo chiari limiti costituzionali. In particolare, il trasferimento di compiti ai privati e l'impiego di nuove tecnologie di sorveglianza sono oggetto di severo controllo.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 57 Cst. regulates the division of security responsibility between the Confederation and the cantons. The provision obliges both levels of government to ensure the security of the country and the protection of the population. In doing so, they must coordinate their efforts.\n\nThe constitutional provision creates a common basis for Switzerland's security architecture. According to the Message on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 209 f.), it was not intended to change the traditional division of tasks, but to constitutionally secure the cooperation practice. The Confederation is primarily responsible for external security, the cantons for internal security (police).\n\nAll state authorities entrusted with security tasks are affected: police, border guard, intelligence service, army and civil defence. Citizens are also indirectly affected, as they benefit from security measures or may be affected by them.\n\nThe legal consequences are limited. According to prevailing doctrine (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 23-26), Art. 57 Cst. does not create new competences, but presupposes existing jurisdictions. It is disputed whether the coordination obligation in paragraph 2 grants the Confederation new regulatory competences. The prevailing doctrine rejects this because of the federalist order of competences.\n\nAn example of practical application is the concordat on measures against violence at sporting events. The Federal Court confirmed its admissibility as intercantonal police coordination (BGE 140 I 2). In cross-border security situations, cantonal police forces and federal authorities work together, for example in combating terrorism or organised crime.\n\nThe norm does not protect individual rights to security. It is addressed only to state organs and obliges them to cooperate in the field of security.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 57 FC was created as a new constitutional provision in the total revision of 1999. The Federal Council Message of 20 November 1996 on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 209 f.) states that the provision expresses the shared responsibility of the Confederation and the cantons for security and constitutionally anchors the duty to coordinate in the area of internal security.\n\n**N. 2** The legislative history shows according to Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 2-6, that the norm was deliberately conceived as a principle provision. It was not intended to fundamentally change the traditional division of tasks between the Confederation (external security) and the cantons (internal security), but rather to constitutionally secure the developed cooperation practice. The constitutional legislator deliberately refrained from a clear-cut delimitation between internal and external security in order to account for the increasing interconnection of security threats.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 57 FC is located in Section 3 «Powers and Duties of the Confederation and the Cantons» of Chapter 3 of the Federal Constitution. The systematic position underscores the federalist character of the norm. It forms the hinge between the general state tasks (→ Art. 2 FC) and the specific security competences of the Confederation (→ Art. 58 FC Armed Forces, → Art. 173 para. 1 lit. a FC legislation on internal security).\n\n**N. 4** In relation to fundamental rights, Art. 57 FC stands in a field of tension. Security measures must observe the limitations of → Art. 36 FC. Particularly relevant are the references to → Art. 10 FC (personal liberty), → Art. 13 FC (protection of privacy) and → Art. 16 FC (freedom of expression and information). As Mohler, Grundzüge des Polizeirechts in der Schweiz, Basel 2012, 45 ff., explains, Art. 57 FC does not legitimise fundamental rights-restricting measures, but always requires a specific legal basis.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Concept of Security\n\n**N. 5** The constitutional concept of security is to be understood comprehensively according to Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 7-22. It encompasses classical police danger prevention, protection against natural and civilisation-related catastrophes as well as new forms of threat such as cyber risks and terrorism. Baldwin, The Concept of Security, Review of International Studies 23, 1997, 5 ff., distinguishes various dimensions: the individual security of citizens, the collective security of society and state security.\n\n**N. 6** The delimitation between internal and external security has lost its clarity according to Müller, Innere Sicherheit Schweiz, Egg b. Einsiedeln 2009, 125 ff., due to modern threat situations. Hybrid threats, international terrorism and cross-border organised crime require an integral consideration of the security architecture.\n\n### Allocation of Competences\n\n**N. 7** Art. 57 para. 1 FC establishes a joint task of the Confederation and cantons «within the scope of their powers». This formulation refers to the existing constitutional allocation of competences. According to prevailing doctrine (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 23-26), Art. 57 para. 1 FC does not create new competences, but presupposes competences established elsewhere.\n\n**N. 8** The competences of the Confederation in the security area are selective according to Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 27-42, and arise from various constitutional provisions: → Art. 123 FC (criminal law), → Art. 121 FC (foreign nationals law), → Art. 58 FC (Armed Forces), → Art. 173 para. 2 FC (internal and external security). As an unwritten, inherent competence, the Confederation has according to the prevailing view exclusive and comprehensive competence to regulate state protection (BSK BV, Art. 57 N. 36).\n\n### Duty to Coordinate\n\n**N. 9** Art. 57 para. 2 FC obliges the Confederation and cantons to coordinate their efforts in the area of internal security. This duty to coordinate concretises the general federal principle of cooperation (→ Art. 44 FC). It encompasses according to Ruch, Äussere und innere Sicherheit, in: Thürer/Aubert/Müller (eds.), Verfassungsrecht der Schweiz, Zürich 2001, § 49 N. 15, both horizontal coordination between the cantons as well as vertical coordination between the Confederation and the cantons.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 57 FC does not, according to unanimous opinion, establish subjective rights of citizens to security. The norm is programmatic in nature and is directed at state organs. An individual claim to certain security measures cannot be derived from Art. 57 FC (cf. Schweizer, Bundesstaatliche Kompetenzverteilung im Polizei- und Sicherheitsrecht, Sicherheit & Recht 5, 2012, 156).\n\n**N. 11** The duty to coordinate according to para. 2 creates a legal obligation to cooperate, which manifests itself in various forms of cooperation: intercantonal concordats (**BGE 140 I 2**), joint information systems, coordinated operational concepts. The violation of the duty to coordinate can in principle be challenged before the Federal Supreme Court, whereby the authorities have considerable discretion.\n\n## 5. Disputed Issues\n\n### Competence-Creating Effect of Art. 57 para. 2 FC\n\n**N. 12** It is disputed whether Art. 57 para. 2 FC has a competence-creating effect. Biaggini (BSK BV, Art. 57 N. 47; Verfassungsrechtliche Abklärung betreffend die Teilrevision des BWIS, Expert Opinion 2009, 45 ff.) takes the position that for legal-pragmatic considerations a competence-creating effect should be assumed when internal security concerns make federal uniform regulation indispensable.\n\n**N. 13** Prevailing doctrine (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 57 N. 51; Schweizer, Sicherheit & Recht 2012, 157 f.; Möstl, Die staatliche Garantie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Tübingen 2002, 328) rejects a competence-creating effect. It relies on the wording («within the scope of their powers»), the legislative history and the subsidiarity principle (→ Art. 3 FC). A competence creation from Art. 57 para. 2 FC would lead to unbearable legal uncertainties and undermine the federalist allocation of competences.\n\n### Scope of the Concept of Security\n\n**N. 14** The scope of the constitutional concept of security is controversially discussed. While Breitenmoser, Sicherheit durch internationale Kooperation, 2009, 23 ff., advocates for a broad concept encompassing all modern security risks, other authors warn against a securitisation of all areas of life. Buzan, People, States and Fear, 2nd ed., Colchester 2007, 35 ff., points to the danger that an overly extensive concept of security undermines rule-of-law constraints.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** In interpreting Art. 57 FC, the federalist basic structure of the Swiss security architecture must always be observed. The presumption speaks for cantonal competence (→ Art. 3 FC), federal competences must be explicitly proven. This applies particularly to new security challenges such as cybercrime or hybrid threats.\n\n**N. 16** The duty to coordinate according to para. 2 requires institutionalised forms of cooperation in practice. The Conference of Cantonal Directors of Justice and Police (KKJPD), joint situation centres and standardised information exchange procedures have proven effective. In cross-border security situations, coordination between all involved parties must be ensured at an early stage.\n\n**N. 17** The transfer of security tasks to private parties is subject to particularly strict requirements according to **BGE 148 II 218**. An explicit formal legal basis is required that precisely describes tasks and powers. Sovereign coercive powers cannot in principle be delegated to private parties.", "caselaw_en": "# Case law\n\n## Intercantonal police coordination and violence prevention\n\n**BGE 140 I 2** of 7 January 2014\nAgreement on measures against violence at sporting events constitutes permissible specific police law.\nThe Federal Supreme Court confirmed the constitutional basis for intercantonal police coordination in the security sector.\n\n> «The agreement constitutes specific police law. It is oriented towards the particular phenomenon of violence at sporting events. It aims to prevent such acts of violence with special measures such as area bans, reporting obligations and police custody and in this way to enable the peaceful conduct of major sporting events.»\n\n**BGE 140 I 353** of 1 October 2014\nCantonal competence for preventive police activity confirmed.\nThe cantons are competent for regulating preventive police activity, insofar as this does not fall under the Code of Criminal Procedure.\n\n> «Competence of the cantons to regulate preventive police activity that is not linked to suspicion of an offence and is not based on the federal Code of Criminal Procedure.»\n\n## Division of tasks between the Confederation and cantons\n\n**BGE 128 II 1** of 22 January 2001\nNational defence as a federal task in relation to cantonal competences.\nIn case of conflicts of interest between national defence and other protected interests, the sectoral planning authority must establish clear priorities.\n\n> «If the interest of national defence collides with the interest in preserving a wildlife corridor of national importance, plan approval presupposes that the sectoral planning authority (here: the Federal Council) has expressly addressed the conflict of interest in the sectoral plan and has clearly decided in favour of the precedence of the military interest.»\n\n## Transfer of security tasks to private parties\n\n**BGE 148 II 218** of 30 April 2021\nHigh requirements for transferring security police tasks to private parties.\nEntrusting private parties with public-law security tasks requires a sufficient legal basis.\n\n> «Particularly high requirements are to be placed on the formal legislative basis in the area of transferring security police tasks. Neither the AsylG nor the BWIS contains a sufficient legal basis for the transfer of security police tasks to Securitas AG that is in question in the present case.»\n\n## New technologies in police work\n\n**BGE 151 I 137** of 24 March 2025\nConstitutional limits on automated surveillance.\nModern surveillance technologies are subject to strict constitutional requirements regarding the delimitation of competences and proportionality.\n\n> «Since this primarily serves criminal prosecution, it requires a basis in the StPO; the canton is not competent for this. For the remaining preventive police application area, the interference with the right to informational self-determination permitted under § 4 quinquies PolG/LU is disproportionate.»\n\n## Counter-terrorism\n\n**F-6954/2023 (BVGer)** of 17 April 2024\nPolice measures to combat terrorism must be proportionate.\nSecurity authorities can take preventive measures against terrorism risks, but are subject to fundamental rights limitations.\n\nThe case law shows that Art. 57 Cst. creates a flexible basis for the coordination of security authorities, but at the same time draws clear constitutional limits. In particular, the transfer of tasks to private parties and the use of new surveillance technologies are subject to strict scrutiny.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_57", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 58, "article_suffix": "", "title": "Armee", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\n## Kernaussage\n\nArt. 58 BV verpflichtet die Schweiz, eine Armee zu unterhalten. Diese ist grundsätzlich als Milizarmee organisiert (Abs. 1). Die Armee hat drei Hauptaufgaben: Kriegsverhinderung, Friedenserhaltung und Verteidigung des Landes (Abs. 2). Subsidiär unterstützt sie zivile Behörden bei schweren Bedrohungen der inneren Sicherheit und ausserordentlichen Lagen. Alle Armeeeinsätze sind ausschliesslich Bundessache (Abs. 3).\n\nDas Milizprinzip bedeutet: Schweizer Männer leisten Militärdienst nebenamtlich, meist an Wochenenden und in Blöcken. Die Militärdienstpflicht ergibt sich aus Art. 59 BV, die Ersatzabgabe für Dienstuntaugliche aus demselben Artikel. Ein kleiner Berufskern ergänzt die Milizsoldaten in technischen Bereichen.\n\nDie Schweiz kann nicht einfach auf ihre Armee verzichten — das würde eine Verfassungsänderung erfordern. Die Doktrin ist umstritten beim Begriff «Verteidigung»: Eine weite Auslegung umfasst alle militärischen Abwehrmassnahmen, eine enge nur Bedrohungen «von strategischem Ausmass» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n## Anwendungsbereich\n\nArt. 58 BV erfasst alle militärischen Aktivitäten der Schweiz. Betroffen sind primär dienstpflichtige Schweizer Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Frauen können freiwillig Militärdienst leisten. Die Kantone sind bei der Anwendung der Norm auf Bundesentscheide angewiesen, da sie kein eigenes Militär haben.\n\nKonkrete Anwendungsfälle: Das Schweizer Kontingent bei KFOR (Kosovo-Friedensmission) stützt sich auf die Friedenserhaltung. Der Armeeeinsatz beim World Economic Forum in Davos basiert auf subsidiärer Unterstützung bei schweren Sicherheitsbedrohungen. Der Einsatz während der Corona-Pandemie 2020/21 fiel unter «ausserordentliche Lagen». Die Cyber-Abwehr bewegt sich zwischen Verteidigung und innerer Sicherheit.\n\nDie Kantone können militärische Unterstützung beantragen, wenn ihre eigenen Mittel nicht ausreichen. Beispiele sind Hochwasser-Hilfe, Lawinen-Rettung oder Schutz kritischer Infrastruktur bei Grossanlässen.\n\n## Praxisrelevanz\n\nArt. 58 BV prägt den Alltag vieler Schweizer Männer durch die Militärpflicht. Jährlich rücken etwa 20'000 Rekruten ein. Wer militärdienstuntauglich ist, zahlt eine Ersatzabgabe bis zum 30. Altersjahr (rund 400 Franken jährlich).\n\nPolitisch ist die Norm umkämpft: Initiativen zur Abschaffung der Armee scheiterten bisher deutlich (1989: 64% Nein, 2013 zur Wehrpflicht: 73% Nein). Aktuelle Debatten betreffen die Erhöhung des Verteidigungsbudgets, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und die Rolle der Armee bei Cyber-Bedrohungen.\n\nRechtlich relevant wird Art. 58 BV bei Haftungsfragen: Der Bund haftet für Schäden durch Militäraktivitäten nach Militärgesetz, nicht nach allgemeinem Haftungsrecht. Bei Enteignungen für Waffenplätze oder Schiessanlagen müssen militärische Bedürfnisse gegen Eigentumsrechte und Umweltschutz abgewogen werden.\n\nDie Abgrenzung zwischen Armee- und Polizeiaufgaben wird durch neue Bedrohungsformen (Terrorismus, Cyberkriminalität) komplexer. Die verfassungsrechtlichen Grenzen subsidiärer Einsätze sind noch nicht höchstrichterlich geklärt.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 58 BV wurde in der Totalrevision 1999 grundlegend neu gestaltet. Während die alte Bundesverfassung von 1874 nur die allgemeine Wehrpflicht (Art. 18 aBV) und die Militärhoheit des Bundes (Art. 19-22 aBV) regelte, formuliert Art. 58 BV erstmals explizite Verfassungsaufträge für die Armee. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält fest, dass die Armee «grundsätzlich nach dem Milizprinzip organisiert» sein soll, wobei das Wort «grundsätzlich» Raum für Ausnahmen lässt (BBl 1997 I 1, 243).\n\n**N. 2** Die drei Absätze von Art. 58 BV regeln unterschiedliche Aspekte: Absatz 1 verankert die Existenz der Armee und das Milizprinzip als Organisationsgrundsatz. Absatz 2 definiert die Armeeaufgaben in einer abgestuften Reihenfolge von der Kriegsverhinderung über die Verteidigung bis zu subsidiären Aufgaben. Absatz 3 stellt klar, dass der Armeeeinsatz ausschliesslich Bundessache ist. Diese klare Struktur war in der alten Verfassung nicht vorhanden (BBl 1997 I 1, 243-244).\n\n**N. 3** Der Verfassungsgeber wollte mit der Neuformulierung die veränderte sicherheitspolitische Lage nach dem Ende des Kalten Krieges berücksichtigen. Die traditionelle Landesverteidigung wurde durch präventive Aufgaben (Kriegsverhinderung) und subsidiäre Einsätze ergänzt. Gleichzeitig sollte aber das Milizprinzip als identitätsstiftendes Element der Schweizer Armee verfassungsrechtlich abgesichert werden (BBl 1997 I 1, 243).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 58 BV steht im 2. Titel (Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele), 2. Abschnitt (Sicherheit, Landesverteidigung, Zivilschutz) der Bundesverfassung. Diese systematische Stellung unterstreicht, dass die Landesverteidigung eine Kernaufgabe des Staates darstellt. Die Platzierung unmittelbar vor Art. 59 BV (Militär- und Ersatzdienst) und Art. 60 BV (Organisation, Ausbildung und Ausrüstung der Armee) zeigt den engen Zusammenhang dieser Bestimmungen.\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu den Staatszielen (Art. 2 BV) konkretisiert Art. 58 BV den Schutz der Freiheit und der Rechte des Volkes sowie die Wahrung der Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes. Die Verbindung zu Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten) wird bei der Friedenserhaltung und bei internationalen Einsätzen relevant. Mit Art. 57 BV (Sicherheit) teilt sich die Armee die Verantwortung für die innere Sicherheit, wobei ihre Rolle subsidiär ist (→ Art. 57 BV).\n\n**N. 6** Die ausschliessliche Bundeskompetenz für den Armeeeinsatz (Abs. 3) ist im Kontext der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen zu sehen. Während die innere Sicherheit primär Sache der Kantone ist (Art. 57 Abs. 2 BV), liegt die militärische Landesverteidigung vollständig beim Bund. Dies entspricht dem föderalistischen Staatsaufbau, wonach gesamtstaatliche Aufgaben beim Bund konzentriert sind (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Existenz und Organisation der Armee (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Verfassung statuiert in Abs. 1 Satz 1 kategorisch: «Die Schweiz hat eine Armee.» Dies ist nicht bloss eine Zustandsbeschreibung, sondern ein Verfassungsauftrag. Der Bund ist verpflichtet, eine funktionstüchtige Armee zu unterhalten. Eine vollständige Abschaffung der Armee wäre nur durch Verfassungsänderung möglich (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 6).\n\n**N. 8** Das Milizprinzip in Abs. 1 Satz 2 bedeutet, dass die Armee primär aus Bürgern besteht, die ihren Militärdienst nebenamtlich leisten. Das Wort «grundsätzlich» ermöglicht Ausnahmen für Berufsmilitär in Schlüsselfunktionen. Das Milizprinzip hat in der Schweiz historische Wurzeln und wird als Ausdruck der republikanischen Staatsidee verstanden, wonach die Bürger selbst für die Verteidigung ihres Landes verantwortlich sind (Saladin, Der verfassungsrechtliche Grundsatz des Milizprinzips der Schweizer Armee, 2012, 45ff.).\n\n### 3.2 Aufgaben der Armee (Abs. 2)\n\n**N. 9** Abs. 2 Satz 1 nennt drei Hauptaufgaben in einer bewussten Reihenfolge: Kriegsverhinderung, Friedenserhaltung und Verteidigung. Diese Aufzählung ist nach dem Subsidiaritätsprinzip geordnet – präventive Massnahmen haben Vorrang vor reaktiven. Die Unterstützung der zivilen Behörden (Satz 2) ist demgegenüber subsidiär (Rhinow, Zur Rechtmässigkeit des Armeeeinsatzes im Rahmen der inneren Sicherheit, SJZ 2005, 506).\n\n**N. 10** Bei der **Kriegsverhinderung** gehen die Meinungen auseinander. Die herrschende Meinung sieht darin eine eigenständige Armeeaufgabe, die präventive militärische Massnahmen zur Abschreckung umfasst (BSK BV, Art. 58 N. 10). Diggelmann/Altwicker verstehen Kriegsverhinderung hingegen primär als politische Aufgabe, zu der die Armee nur einen Beitrag leistet, etwa durch ihre blosse Existenz als Abschreckung (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 11** Die **Friedenserhaltung** bezieht sich hauptsächlich auf internationale Friedensmissionen. Die Schweiz kann sich an UN-mandatierten Friedenseinsätzen beteiligen, wobei die Neutralität zu beachten ist. Auch hier vertreten Diggelmann/Altwicker die Position, dass es sich primär um ein Staatsziel handelt, nicht um eine spezifische Armeeaufgabe (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 12** Der Begriff **Verteidigung** ist umstritten. Eine weite Ansicht fasst darunter alle Arten der Gewaltanwendung zur Abwehr einer Bedrohung des Landes und seiner Bevölkerung (BSK BV, Art. 58 N. 12). Diggelmann/Altwicker plädieren für ein engeres Verständnis: Verteidigung meine nur die Anwendung oder Androhung militärischer Gewalt zur Abwehr von Bedrohungen «von strategischem Ausmass» (BSK BV, Art. 58 N. 12). Diese Kontroverse hat praktische Bedeutung für die Abgrenzung zwischen militärischen Verteidigungsaufgaben und polizeilichen Sicherheitsaufgaben.\n\n**N. 13** Die **Unterstützung der zivilen Behörden** (Abs. 2 Satz 2) ist auf zwei Fälle beschränkt: schwerwiegende Bedrohungen der inneren Sicherheit und ausserordentliche Lagen. Beispiele sind Katastrophenhilfe, Bewachung von Botschaften oder Unterstützung bei Grossanlässen wie dem WEF in Davos. Umstritten ist die zeitliche Begrenzung solcher Einsätze. Eine Ansicht hält auch zeitlich unbefristete Unterstützungsaufgaben für zulässig (BSK BV, Art. 58 N. 13). Die Gegenansicht, vertreten von Diggelmann/Altwicker, fordert eine zeitliche Beschränkung subsidiärer Sicherungseinsätze, da sonst die primäre Zuständigkeit der Kantone für die innere Sicherheit ausgehöhlt würde (BSK BV, Art. 58 N. 13).\n\n**N. 14** Die Generalklausel «Das Gesetz kann weitere Aufgaben vorsehen» (Abs. 2 Satz 3) ermöglicht die Übertragung zusätzlicher Aufgaben an die Armee. Diese müssen aber im Einklang mit dem Verfassungszweck der Armee stehen. Reine Wirtschaftsförderung oder allgemeine Verwaltungsaufgaben können der Armee nicht übertragen werden (Meyer, Grundaufgaben der Armee und weitere Aufgaben des Staates, 2004, 78ff.).\n\n### 3.3 Bundeskompetenz (Abs. 3)\n\n**N. 15** Abs. 3 statuiert die ausschliessliche Bundeskompetenz für den Armeeeinsatz. Dies gilt sowohl für Einsätze zur Landesverteidigung als auch für subsidiäre Einsätze im Innern. Die Kantone haben kein eigenes Militär und können nicht selbständig über Armeeeinsätze verfügen. Sie können aber gemäss Art. 185 Abs. 2 BV militärische Unterstützung anfordern (→ Art. 185 BV).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 16** Aus Art. 58 BV ergeben sich verschiedene Rechtsfolgen. Der Bund ist verpflichtet, eine einsatzbereite Armee zu unterhalten und die dafür notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Das Milizprinzip begrenzt den Anteil an Berufsmilitär. Die definierten Aufgaben legitimieren und begrenzen zugleich den Armeeeinsatz.\n\n**N. 17** Für die Bürgerinnen und Bürger ergeben sich aus Art. 58 BV keine unmittelbaren subjektiven Rechte. Die Militärdienstpflicht ergibt sich aus Art. 59 BV, nicht aus Art. 58 BV. Allerdings können sich aus der Aufgabenbegrenzung in Abs. 2 Abwehrrechte ergeben, wenn die Armee ausserhalb ihrer verfassungsmässigen Aufgaben eingesetzt würde.\n\n**N. 18** Die Kantone sind an die Bundeskompetenz gebunden und müssen Armeeeinsätze auf ihrem Gebiet dulden. Sie können aber im Rahmen des Antragsrechts nach Art. 185 Abs. 2 BV mitbestimmen, ob und wie die Armee zur Unterstützung eingesetzt wird. Die Kosten subsidiärer Einsätze tragen grundsätzlich die Kantone (Art. 68 MG).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 19** Der zentrale Streitpunkt betrifft den Umfang des Verteidigungsbegriffs. Während eine weite Auslegung jede militärische Gewaltanwendung zur Gefahrenabwehr erfasst, beschränken Diggelmann/Altwicker den Begriff auf Bedrohungen von strategischem Ausmass. Diese Kontroverse ist nicht nur akademisch, sondern hat Auswirkungen auf die Abgrenzung zwischen Armee- und Polizeiaufgaben (BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n**N. 20** Ein weiterer Streit betrifft die zeitliche Begrenzung subsidiärer Sicherungseinsätze. Die Praxis kennt faktisch unbefristete Armeeeinsätze wie die Botschaftsbewachung. Kritiker wie Diggelmann/Altwicker sehen darin eine schleichende Militarisierung der inneren Sicherheit und eine Aushöhlung der kantonalen Polizeihoheit (BSK BV, Art. 58 N. 13). Die Gegenmeinung betont die Flexibilität der Verfassung und die Notwendigkeit, auf dauerhafte Sicherheitsbedrohungen reagieren zu können.\n\n**N. 21** Kontrovers ist auch die Reichweite der Generalklausel in Abs. 2 Satz 3. Während eine extensive Auslegung dem Gesetzgeber weitgehende Freiheit bei der Definition neuer Armeeaufgaben einräumt, fordert eine restriktive Sicht einen engen Bezug zu den verfassungsmässigen Kernaufgaben. Schindler warnt vor einer Überdehnung des Armeeauftrags, die das Milizprinzip gefährden könnte (Schindler, Verfassungsrechtliche Schranken für das Projekt «Armee XXI», 1999, 45ff.).\n\n**N. 22** Die Beteiligung an internationalen Friedensmissionen wirft Fragen zur Neutralität auf. Koller argumentiert, dass friedenserhaltende Massnahmen unter UN-Mandat mit der Neutralität vereinbar seien, solange keine Kampfeinsätze erfolgen (Koller, Kampf gegen den Terrorismus, ZSR 2006 I, 120). Kritiker sehen bereits in der Teilnahme an robusten Friedensmissionen eine Gefährdung der Neutralität.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 23** Bei der Beantragung von Armeeeinsätzen zur Unterstützung müssen die Kantone die Subsidiaritätsschwelle beachten. Die eigenen Mittel müssen ausgeschöpft oder offensichtlich ungenügend sein. Der Armeeeinsatz beim WEF in Davos hat Präzedenzcharakter: Das Bundesgericht akzeptierte den Einsatz wegen der besonderen internationalen Dimension des Anlasses (vgl. Urteil 1P.117/2000).\n\n**N. 24** Für die militärische Führung ist die Aufgabenhierarchie in Abs. 2 handlungsleitend. Ressourcen sind prioritär für die Kernaufgaben (Kriegsverhinderung, Verteidigung) einzusetzen. Subsidiäre Einsätze dürfen die Einsatzbereitschaft für den Verteidigungsfall nicht gefährden (Art. 67 MG).\n\n**N. 25** Bei der Gesetzgebung ist der verfassungsrechtliche Rahmen zu beachten. Neue Armeeaufgaben nach Abs. 2 Satz 3 müssen einen sachlichen Bezug zur Sicherheit haben. Die Übertragung rein ziviler Aufgaben an die Armee wäre verfassungswidrig. Auch das Milizprinzip setzt der Professionalisierung Grenzen – eine Berufsarmee wäre nur nach Verfassungsänderung möglich.\n\n**N. 26** In der aktuellen Praxis zeigt sich die Bedeutung von Art. 58 BV besonders bei hybriden Bedrohungen (Cyberattacken, Desinformation, Terrorismus). Die Abgrenzung zwischen militärischer Verteidigung und polizeilicher Gefahrenabwehr wird zunehmend schwieriger. Die Doktrin der «umfassenden Sicherheit» versucht, Armee und zivile Sicherheitsorgane besser zu koordinieren, muss aber die verfassungsrechtlichen Kompetenzgrenzen respektieren (→ Art. 57 BV).\n\n**N. 27** Konkrete Beispiele aus der jüngeren Praxis illustrieren die Anwendung von Art. 58 BV: Der Armeeeinsatz während der Covid-19-Pandemie 2020/21 erfolgte gestützt auf die «ausserordentliche Lage» gemäss Abs. 2. Die Cyber-Defence-Strategie der Armee bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Verteidigung (bei staatlichen Cyberangriffen) und innerer Sicherheit (bei kriminellen Hackern). Die Diskussion um bewaffnete Drohnen zeigt die Herausforderungen des Milizprinzips bei hochtechnologischen Waffensystemen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nArt. 58 BV in seiner heutigen Fassung (seit 2000) hat bisher wenig höchstrichterliche Rechtsprechung hervorgebracht. Die wenigen Entscheide befassen sich hauptsächlich mit untergesetzlichen Aspekten der Militärorganisation und den Folgen der Militärpflicht. Zentrale verfassungsrechtliche Fragen zum Armeeauftrag, zum Milizprinzip oder zur ausschliesslichen Bundeskompetenz sind noch nicht höchstrichterlich geklärt worden.\n\n## Wehrpflichtersatzabgabe und Gleichbehandlung\n\n**Urteil 2C_221/2009 vom 21. Januar 2010**\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Verfassungsmässigkeit der nur für Männer vorgesehenen Wehrpflichtersatzabgabe. Der Beschwerdeführer machte eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts geltend.\nDas Gericht hielt fest, dass die geschlechtsspezifische Erhebung der Ersatzabgabe mit Art. 8 BV und internationalen Verträgen vereinbar ist, da sie bereits in Art. 59 BV angelegt sei.\n\n> «Art. 59 Abs. 3 BV als lex specialis [geht] dem allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz und dem allgemeinen Gleichstellungsgebot von Art. 8 BV vor.»\n\n**Ryser gegen Schweiz, EGMR, Urteil Nr. 23040/13 vom 12. Januar 2021**\nDer Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sah eine Verletzung von Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK in der Ersatzabgabepflicht einer aus gesundheitlichen Gründen militärdienstuntauglichen Person.\nRelevanz: Der Entscheid bestätigt indirekt die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der Militärpflicht an sich, rügt aber deren diskriminierende Ausgestaltung bei der Ersatzabgabepflicht.\n\n> «Une taxe perçue par l'Etat qui trouve son origine dans l'incapacité à servir dans l'armée en raison d'une maladie [...] tombe sous l'empire de l'art. 8 CEDH.»\n\n## Staatshaftung bei militärischen Aktivitäten\n\n**BGE 127 II 289 vom 24. Juli 2001**\nDas Bundesgericht klärte das Verhältnis zwischen der Haftung des Bundes nach Militärgesetz und nach Militärversicherungsgesetz. Die Militärversicherung schliesst andere Haftungsansprüche gegen den Bund aus.\nRelevanz: Der Entscheid zeigt die praktische Bedeutung von Art. 58 Abs. 3 BV (Einsatz der Armee ist Sache des Bundes) für die Haftungsverteilung.\n\n> «Die Bestimmungen des Militärversicherungsgesetzes sind 'andere Haftungsbestimmungen' gemäss Art. 135 Abs. 3 MG und schliessen die Haftung nach Militärgesetz aus.»\n\n**BGE 123 II 577 vom 12. September 1997**\nBei einem Zusammenstoss zwischen einem Militär- und Zivilflugzeug stellte das Bundesgericht fest, dass die Haftung des Bundes nicht nach Luftfahrtgesetz, sondern nach Militärorganisation (heute: Militärgesetz) zu beurteilen ist.\nRelevanz: Bestätigt die umfassende Bundeszuständigkeit für militärische Aktivitäten gemäss Art. 58 Abs. 3 BV.\n\n> «Die Haftung des Bundes für einen Zusammenstoss zwischen einem Militär- und einem Zivilflugzeug in der Luft richtet sich nicht nach dem Luftfahrtgesetz, sondern nach der Militärorganisation.»\n\n## Militärische Enteignungen\n\n**BGE 109 Ib 130 vom 3. Juni 1983**\nDas Bundesgericht bestätigte die Befugnis des Eidgenössischen Militärdepartements zur Einleitung von Enteignungsverfahren für militärische Zwecke. Diese Kompetenz leitet sich aus der verfassungsrechtlichen Aufgabenübertragung an den Bund ab.\nRelevanz: Konkretisiert den verfassungsrechtlichen Auftrag der Landesverteidigung in verfahrensrechtlicher Hinsicht.\n\n> «Das Eidg. Militärdepartement ist aufgrund der verfassungsrechtlichen Grundlagen zur Einleitung des Enteignungsverfahrens berechtigt.»\n\n**BGE 112 Ib 280 vom 25. Juli 1986**\nIn einem Enteignungsverfahren für einen Waffenplatz präzisierte das Bundesgericht die Zuständigkeiten des Militärdepartements und die Verfahrensrechte von Umweltschutzorganisationen.\nRelevanz: Zeigt die praktische Umsetzung der Bundeskompetenz für die Armee bei konfligierenden Verfassungsinteressen (Landesverteidigung vs. Umweltschutz).\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n**Verwaltungsgericht Zürich VB.2024.00624 vom 28. November 2024**\nIn einem aktuellen Entscheid zum Wehrpflichtersatz für eingebürgerte Schweizer bestätigte das Verwaltungsgericht Zürich, dass die Ersatzpflicht nicht von einer vorgängigen Rekrutierung abhängig ist.\nRelevanz: Zeigt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Rechtsprechung zu den Auswirkungen der Militärpflicht.\n\n> «Die Ersatzpflicht ist nicht von einer vorgängigen Rekrutierung abhängig und es ist auch ersatzpflichtig, wer sich bei Einbürgerung nicht mehr in einem zu rekrutierenden Alter steht.»\n\n## Rechtsprechungslücken\n\nZentrale verfassungsrechtliche Fragen zu Art. 58 BV sind bisher ungeklärt geblieben:\n\n- Die genaue Abgrenzung zwischen «Kriegsverhinderung» und «Friedenserhaltung» (Abs. 2)\n- Die verfassungsrechtlichen Grenzen der «anderen Aufgaben» gemäss Art. 58 Abs. 2 Satz 3 BV\n- Die konkrete Ausgestaltung des Milizprinzips und mögliche Ausnahmen davon\n- Das Verhältnis zwischen dem Armeeauftrag und internationalen Friedensmissionen\n\nDie spärliche Rechtsprechung zu Art. 58 BV spiegelt wider, dass die grundlegenden verfassungsrechtlichen Fragen zur Armee meist auf politischer Ebene entschieden werden und selten Gegenstand gerichtlicher Überprüfung sind.", "summary_fr": "# Vue d'ensemble\n\n## Message central\n\nL'art. 58 Cst. oblige la Suisse à entretenir une armée. Celle-ci est organisée en principe selon le système de milice (al. 1). L'armée a trois tâches principales : prévenir la guerre, maintenir la paix et défendre le pays (al. 2). À titre subsidiaire, elle soutient les autorités civiles en cas de menaces graves contre la sécurité intérieure et dans des situations extraordinaires. Tous les engagements de l'armée sont exclusivement du ressort de la Confédération (al. 3).\n\nLe principe de milice signifie : les hommes suisses accomplissent leur service militaire à titre accessoire, le plus souvent les week-ends et par blocs. L'obligation de servir découle de l'art. 59 Cst., la taxe d'exemption pour les personnes inaptes au service du même article. Un petit noyau de militaires de carrière complète les soldats de milice dans les domaines techniques.\n\nLa Suisse ne peut pas simplement renoncer à son armée — cela nécessiterait une modification de la Constitution. La doctrine est controversée concernant la notion de « défense » : une interprétation large englobe toutes les mesures militaires de défense, une interprétation étroite uniquement les menaces « d'ampleur stratégique » (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 58 n. 12).\n\n## Champ d'application\n\nL'art. 58 Cst. couvre toutes les activités militaires de la Suisse. Sont concernés en premier lieu les hommes suisses astreints au service entre 18 et 30 ans. Les femmes peuvent accomplir le service militaire sur une base volontaire. Les cantons dépendent des décisions fédérales pour l'application de la norme, car ils ne disposent pas de leur propre armée.\n\nCas d'application concrets : Le contingent suisse de la KFOR (mission de paix au Kosovo) se fonde sur le maintien de la paix. L'engagement de l'armée au Forum économique mondial de Davos repose sur le soutien subsidiaire en cas de menaces graves contre la sécurité. L'engagement pendant la pandémie de COVID-19 en 2020/21 relevait des « situations extraordinaires ». La défense cyber se situe entre la défense et la sécurité intérieure.\n\nLes cantons peuvent demander un soutien militaire lorsque leurs propres moyens ne suffisent pas. Des exemples sont l'aide en cas d'inondations, le sauvetage en cas d'avalanches ou la protection d'infrastructures critiques lors de grands événements.\n\n## Pertinence pratique\n\nL'art. 58 Cst. marque le quotidien de nombreux hommes suisses par l'obligation militaire. Environ 20'000 recrues entrent en service chaque année. Celui qui est inapte au service militaire paie une taxe d'exemption jusqu'à l'âge de 30 ans (environ 400 francs par an).\n\nPolitiquement, la norme est contestée : les initiatives visant à supprimer l'armée ont échoué clairement jusqu'à présent (1989 : 64% de non, 2013 sur l'obligation de servir : 73% de non). Les débats actuels concernent l'augmentation du budget de la défense, l'acquisition de nouveaux avions de combat et le rôle de l'armée face aux menaces cyber.\n\nL'art. 58 Cst. devient juridiquement pertinent pour les questions de responsabilité : la Confédération répond des dommages causés par les activités militaires selon la loi militaire, non selon le droit général de la responsabilité. En cas d'expropriations pour des places d'armes ou des installations de tir, les besoins militaires doivent être mis en balance avec les droits de propriété et la protection de l'environnement.\n\nLa délimitation entre les tâches de l'armée et de la police devient plus complexe avec les nouvelles formes de menaces (terrorisme, cybercriminalité). Les limites constitutionnelles des engagements subsidiaires ne sont pas encore clarifiées par la jurisprudence du Tribunal fédéral.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N° 1** L'art. 58 Cst. fut fondamentalement remanié lors de la révision totale de 1999. Alors que l'ancienne Constitution fédérale de 1874 ne réglait que l'obligation générale de servir (art. 18 aCst.) et la compétence militaire de la Confédération (art. 19-22 aCst.), l'art. 58 Cst. formule pour la première fois des mandats constitutionnels explicites pour l'armée. Le Message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 précise que l'armée « est organisée selon le principe de milice », le terme « en principe » laissant place à des exceptions (FF 1997 I 1, 243).\n\n**N° 2** Les trois alinéas de l'art. 58 Cst. règlent différents aspects : l'alinéa 1 ancre l'existence de l'armée et le principe de milice comme principe d'organisation. L'alinéa 2 définit les tâches de l'armée dans un ordre hiérarchisé de la prévention de la guerre à la défense jusqu'aux tâches subsidiaires. L'alinéa 3 précise que l'engagement de l'armée relève exclusivement de la compétence fédérale. Cette structure claire n'existait pas dans l'ancienne Constitution (FF 1997 I 1, 243-244).\n\n**N° 3** Le constituant voulait par cette nouvelle formulation tenir compte de la situation sécuritaire modifiée après la fin de la guerre froide. La défense nationale traditionnelle fut complétée par des tâches préventives (prévention de la guerre) et des engagements subsidiaires. Parallèlement, le principe de milice devait être ancré constitutionnellement comme élément identitaire de l'armée suisse (FF 1997 I 1, 243).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N° 4** L'art. 58 Cst. figure au 2e titre (Droits fondamentaux, droits civiques et buts sociaux), 2e section (Sécurité, défense nationale, protection civile) de la Constitution fédérale. Cette position systématique souligne que la défense nationale constitue une tâche centrale de l'État. Le placement immédiatement avant l'art. 59 Cst. (Service militaire et service de remplacement) et l'art. 60 Cst. (Organisation, instruction et équipement de l'armée) montre l'étroite connexion de ces dispositions.\n\n**N° 5** Par rapport aux buts de l'État (art. 2 Cst.), l'art. 58 Cst. concrétise la protection de la liberté et des droits du peuple ainsi que la sauvegarde de l'indépendance et de la sécurité du pays. Le lien avec l'art. 54 Cst. (Affaires étrangères) devient pertinent pour le maintien de la paix et lors d'engagements internationaux. Avec l'art. 57 Cst. (Sécurité), l'armée partage la responsabilité de la sécurité intérieure, son rôle étant subsidiaire (→ art. 57 Cst.).\n\n**N° 6** La compétence fédérale exclusive pour l'engagement de l'armée (al. 3) doit être vue dans le contexte de la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons. Alors que la sécurité intérieure relève prioritairement des cantons (art. 57 al. 2 Cst.), la défense nationale militaire appartient entièrement à la Confédération. Ceci correspond à la structure étatique fédéraliste selon laquelle les tâches nationales sont concentrées au niveau fédéral (→ art. 3 Cst., → art. 42 Cst.).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Existence et organisation de l'armée (al. 1)\n\n**N° 7** La Constitution établit catégoriquement à l'al. 1 phrase 1 : « La Suisse a une armée. » Il ne s'agit pas d'une simple description d'état de fait, mais d'un mandat constitutionnel. La Confédération est tenue d'entretenir une armée opérationnelle. Une suppression complète de l'armée ne serait possible que par révision constitutionnelle (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 58 n° 6).\n\n**N° 8** Le principe de milice à l'al. 1 phrase 2 signifie que l'armée se compose principalement de citoyens qui accomplissent leur service militaire à titre accessoire. Le terme « en principe » permet des exceptions pour les militaires de carrière dans des fonctions clés. Le principe de milice a des racines historiques en Suisse et est compris comme expression de l'idée d'État républicain selon laquelle les citoyens sont eux-mêmes responsables de la défense de leur pays (Saladin, Der verfassungsrechtliche Grundsatz des Milizprinzips der Schweizer Armee, 2012, 45ss.).\n\n### 3.2 Tâches de l'armée (al. 2)\n\n**N° 9** L'al. 2 phrase 1 énumère trois tâches principales dans un ordre délibéré : prévention de la guerre, maintien de la paix et défense. Cette énumération est ordonnée selon le principe de subsidiarité – les mesures préventives ont la priorité sur les mesures réactives. L'appui aux autorités civiles (phrase 2) est en revanche subsidiaire (Rhinow, Zur Rechtmässigkeit des Armeeeinsatzes im Rahmen der inneren Sicherheit, SJZ 2005, 506).\n\n**N° 10** Concernant la **prévention de la guerre**, les opinions divergent. L'opinion dominante y voit une tâche autonome de l'armée qui englobe des mesures militaires préventives de dissuasion (BSK BV, art. 58 n° 10). Diggelmann/Altwicker comprennent en revanche la prévention de la guerre prioritairement comme une tâche politique à laquelle l'armée ne fait qu'apporter une contribution, notamment par sa seule existence comme dissuasion (BSK BV, art. 58 n° 10).\n\n**N° 11** Le **maintien de la paix** se réfère principalement aux missions internationales de maintien de la paix. La Suisse peut participer à des opérations de paix mandatées par l'ONU, la neutralité devant être respectée. Ici aussi, Diggelmann/Altwicker défendent la position qu'il s'agit prioritairement d'un but étatique, non d'une tâche spécifique de l'armée (BSK BV, art. 58 n° 10).\n\n**N° 12** Le concept de **défense** est controversé. Une conception large y inclut tous les types d'usage de la force pour repousser une menace contre le pays et sa population (BSK BV, art. 58 n° 12). Diggelmann/Altwicker plaident pour une compréhension plus étroite : la défense signifierait seulement l'usage ou la menace de la force militaire pour repousser des menaces « d'ampleur stratégique » (BSK BV, art. 58 n° 12). Cette controverse a une importance pratique pour la délimitation entre tâches militaires de défense et tâches policières de sécurité.\n\n**N° 13** L'**appui aux autorités civiles** (al. 2 phrase 2) est limité à deux cas : menaces graves contre la sécurité intérieure et situations extraordinaires. Les exemples sont l'aide en cas de catastrophe, la surveillance d'ambassades ou l'appui lors de grands événements comme le WEF à Davos. La limitation temporelle de tels engagements est controversée. Une opinion considère également comme admissibles les tâches d'appui sans limite temporelle (BSK BV, art. 58 n° 13). L'opinion contraire, représentée par Diggelmann/Altwicker, exige une limitation temporelle des engagements subsidiaires de sécurisation, car sinon la compétence primaire des cantons pour la sécurité intérieure serait évidée (BSK BV, art. 58 n° 13).\n\n**N° 14** La clause générale « La loi peut prévoir d'autres tâches » (al. 2 phrase 3) permet le transfert de tâches supplémentaires à l'armée. Celles-ci doivent cependant être en accord avec le but constitutionnel de l'armée. La pure promotion économique ou les tâches administratives générales ne peuvent être transférées à l'armée (Meyer, Grundaufgaben der Armee und weitere Aufgaben des Staates, 2004, 78ss.).\n\n### 3.3 Compétence fédérale (al. 3)\n\n**N° 15** L'al. 3 établit la compétence fédérale exclusive pour l'engagement de l'armée. Ceci vaut aussi bien pour les engagements de défense nationale que pour les engagements subsidiaires à l'intérieur. Les cantons n'ont pas de force militaire propre et ne peuvent disposer de manière autonome d'engagements de l'armée. Ils peuvent cependant selon l'art. 185 al. 2 Cst. demander un appui militaire (→ art. 185 Cst.).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N° 16** L'art. 58 Cst. entraîne diverses conséquences juridiques. La Confédération est tenue d'entretenir une armée opérationnelle et de mettre à disposition les ressources nécessaires. Le principe de milice limite la part de militaires de carrière. Les tâches définies légitiment et limitent à la fois l'engagement de l'armée.\n\n**N° 17** Pour les citoyennes et citoyens, l'art. 58 Cst. n'engendre aucun droit subjectif immédiat. L'obligation de servir découle de l'art. 59 Cst., non de l'art. 58 Cst. Cependant, la limitation des tâches à l'al. 2 peut engendrer des droits de défense si l'armée était engagée en dehors de ses tâches constitutionnelles.\n\n**N° 18** Les cantons sont liés par la compétence fédérale et doivent tolérer les engagements de l'armée sur leur territoire. Ils peuvent cependant, dans le cadre du droit de demande selon l'art. 185 al. 2 Cst., codécider si et comment l'armée est engagée en appui. Les coûts des engagements subsidiaires sont en principe supportés par les cantons (art. 68 LM).\n\n## 5. Controverses\n\n**N° 19** Le point de controverse central concerne l'étendue du concept de défense. Alors qu'une interprétation large saisit tout usage de la force militaire pour écarter un danger, Diggelmann/Altwicker limitent le concept aux menaces d'ampleur stratégique. Cette controverse n'est pas seulement académique, mais a des répercussions sur la délimitation entre tâches de l'armée et tâches de police (BSK BV, art. 58 n° 12).\n\n**N° 20** Une autre controverse concerne la limitation temporelle des engagements subsidiaires de sécurisation. La pratique connaît factuellement des engagements d'armée sans limite comme la surveillance d'ambassades. Des critiques comme Diggelmann/Altwicker y voient une militarisation rampante de la sécurité intérieure et un évidement de la souveraineté policière cantonale (BSK BV, art. 58 n° 13). L'opinion contraire souligne la flexibilité de la Constitution et la nécessité de pouvoir réagir à des menaces sécuritaires durables.\n\n**N° 21** La portée de la clause générale à l'al. 2 phrase 3 est également controversée. Alors qu'une interprétation extensive accorde au législateur une large liberté dans la définition de nouvelles tâches de l'armée, une vision restrictive exige un lien étroit avec les tâches centrales constitutionnelles. Schindler met en garde contre une extension excessive du mandat de l'armée qui pourrait mettre en danger le principe de milice (Schindler, Verfassungsrechtliche Schranken für das Projekt « Armee XXI », 1999, 45ss.).\n\n**N° 22** La participation à des missions internationales de maintien de la paix soulève des questions sur la neutralité. Koller argumente que les mesures de maintien de la paix sous mandat de l'ONU sont compatibles avec la neutralité tant qu'aucun engagement de combat n'a lieu (Koller, Kampf gegen den Terrorismus, ZSR 2006 I, 120). Des critiques voient déjà dans la participation à des missions de paix robustes un danger pour la neutralité.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N° 23** Lors de la demande d'engagements d'armée en appui, les cantons doivent respecter le seuil de subsidiarité. Les moyens propres doivent être épuisés ou manifestement insuffisants. L'engagement de l'armée lors du WEF à Davos fait jurisprudence : le Tribunal fédéral a accepté l'engagement en raison de la dimension internationale particulière de l'événement (cf. arrêt 1P.117/2000).\n\n**N° 24** Pour le commandement militaire, la hiérarchie des tâches à l'al. 2 est directrice pour l'action. Les ressources sont à engager prioritairement pour les tâches centrales (prévention de la guerre, défense). Les engagements subsidiaires ne doivent pas mettre en danger la capacité opérationnelle pour le cas de défense (art. 67 LM).\n\n**N° 25** Lors de la législation, le cadre constitutionnel doit être respecté. Les nouvelles tâches de l'armée selon l'al. 2 phrase 3 doivent avoir un lien objectif avec la sécurité. Le transfert de tâches purement civiles à l'armée serait inconstitutionnel. Le principe de milice pose aussi des limites à la professionnalisation – une armée de métier ne serait possible qu'après révision constitutionnelle.\n\n**N° 26** Dans la pratique actuelle, l'importance de l'art. 58 Cst. se montre particulièrement lors de menaces hybrides (cyberattaques, désinformation, terrorisme). La délimitation entre défense militaire et écartement policier du danger devient de plus en plus difficile. La doctrine de la « sécurité globale » tente de mieux coordonner armée et organes civils de sécurité, mais doit respecter les limites constitutionnelles de compétence (→ art. 57 Cst.).\n\n**N° 27** Des exemples concrets de la pratique récente illustrent l'application de l'art. 58 Cst. : l'engagement de l'armée durant la pandémie de Covid-19 2020/21 s'est fondé sur la « situation extraordinaire » selon l'al. 2. La stratégie Cyber-Defence de l'armée se situe dans le champ de tension entre défense (lors d'attaques cyber étatiques) et sécurité intérieure (lors de hackers criminels). La discussion sur les drones armés montre les défis du principe de milice face aux systèmes d'armes hautement technologiques.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\nL'art. 58 Cst. dans sa forme actuelle (depuis 2000) n'a guère suscité de jurisprudence du Tribunal fédéral jusqu'à présent. Les rares arrêts portent principalement sur des aspects infralégaux de l'organisation militaire et les conséquences du service militaire obligatoire. Les questions constitutionnelles centrales relatives au mandat de l'armée, au principe de milice ou à la compétence exclusive de la Confédération n'ont pas encore été clarifiées par la jurisprudence du Tribunal fédéral.\n\n## Taxe d'exemption de l'obligation de servir et égalité de traitement\n\n**Arrêt 2C_221/2009 du 21 janvier 2010**\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur la constitutionnalité de la taxe d'exemption de l'obligation de servir prévue uniquement pour les hommes. Le recourant invoquait une discrimination fondée sur le sexe.\nLe Tribunal a retenu que la perception de la taxe de remplacement selon le sexe est compatible avec l'art. 8 Cst. et les traités internationaux, étant donné qu'elle est déjà prévue à l'art. 59 Cst.\n\n> « L'art. 59 al. 3 Cst. en tant que lex specialis [prime] le principe général d'égalité de traitement et l'exigence générale d'égalité de l'art. 8 Cst. »\n\n**Ryser c. Suisse, CourEDH, arrêt n° 23040/13 du 12 janvier 2021**\nLa Cour européenne des droits de l'homme a constaté une violation de l'art. 14 en relation avec l'art. 8 CEDH dans l'obligation de payer la taxe de remplacement pour une personne inapte au service militaire pour des raisons de santé.\nPertinence : L'arrêt confirme indirectement l'admissibilité constitutionnelle du service militaire obligatoire en tant que tel, mais critique son aménagement discriminatoire concernant l'obligation de payer la taxe de remplacement.\n\n> « Une taxe perçue par l'Etat qui trouve son origine dans l'incapacité à servir dans l'armée en raison d'une maladie [...] tombe sous l'empire de l'art. 8 CEDH. »\n\n## Responsabilité de l'État lors d'activités militaires\n\n**ATF 127 II 289 du 24 juillet 2001**\nLe Tribunal fédéral a clarifié le rapport entre la responsabilité de la Confédération selon la loi militaire et selon la loi sur l'assurance militaire. L'assurance militaire exclut les autres prétentions en responsabilité contre la Confédération.\nPertinence : L'arrêt montre l'importance pratique de l'art. 58 al. 3 Cst. (l'engagement de l'armée est l'affaire de la Confédération) pour la répartition de la responsabilité.\n\n> « Les dispositions de la loi sur l'assurance militaire sont 'd'autres dispositions sur la responsabilité' au sens de l'art. 135 al. 3 LM et excluent la responsabilité selon la loi militaire. »\n\n**ATF 123 II 577 du 12 septembre 1997**\nLors d'une collision entre un aéronef militaire et un aéronef civil, le Tribunal fédéral a constaté que la responsabilité de la Confédération ne doit pas être jugée selon la loi sur l'aviation, mais selon l'organisation militaire (aujourd'hui : loi militaire).\nPertinence : Confirme la compétence fédérale globale pour les activités militaires selon l'art. 58 al. 3 Cst.\n\n> « La responsabilité de la Confédération pour une collision entre un aéronef militaire et un aéronef civil dans les airs se règle non pas d'après la loi sur l'aviation, mais d'après l'organisation militaire. »\n\n## Expropriations militaires\n\n**ATF 109 Ib 130 du 3 juin 1983**\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence du Département militaire fédéral d'engager des procédures d'expropriation à des fins militaires. Cette compétence découle de l'attribution constitutionnelle des tâches à la Confédération.\nPertinence : Concrétise le mandat constitutionnel de défense nationale sous l'aspect procédural.\n\n> « Le Département militaire fédéral est habilité, en vertu des bases constitutionnelles, à engager la procédure d'expropriation. »\n\n**ATF 112 Ib 280 du 25 juillet 1986**\nDans une procédure d'expropriation pour une place d'armes, le Tribunal fédéral a précisé les compétences du Département militaire et les droits procéduraux des organisations de protection de l'environnement.\nPertinence : Montre la mise en œuvre pratique de la compétence fédérale pour l'armée en cas d'intérêts constitutionnels conflictuels (défense nationale vs. protection de l'environnement).\n\n## Développements récents\n\n**Tribunal administratif de Zurich VB.2024.00624 du 28 novembre 2024**\nDans un arrêt récent sur le remplacement du service militaire pour les Suisses naturalisés, le Tribunal administratif de Zurich a confirmé que l'obligation de remplacement ne dépend pas d'un recrutement préalable.\nPertinence : Montre le développement continu de la jurisprudence sur les conséquences du service militaire obligatoire.\n\n> « L'obligation de remplacement ne dépend pas d'un recrutement préalable et celui qui, lors de la naturalisation, n'est plus en âge d'être recruté est également soumis à l'obligation de remplacement. »\n\n## Lacunes jurisprudentielles\n\nLes questions constitutionnelles centrales relatives à l'art. 58 Cst. restent jusqu'à présent non clarifiées :\n\n- La délimitation exacte entre « prévention de la guerre » et « maintien de la paix » (al. 2)\n- Les limites constitutionnelles des « autres tâches » selon l'art. 58 al. 2 phrase 3 Cst.\n- L'aménagement concret du principe de milice et les exceptions possibles à celui-ci\n- Le rapport entre le mandat de l'armée et les missions internationales de maintien de la paix\n\nLa jurisprudence clairsemée sur l'art. 58 Cst. reflète le fait que les questions constitutionnelles fondamentales concernant l'armée sont généralement tranchées au niveau politique et font rarement l'objet d'un contrôle judiciaire.", "summary_it": "# Panoramica\n\n## Messaggio principale\n\nL'art. 58 Cost. obbliga la Svizzera a mantenere un esercito. Questo è organizzato fondamentalmente come esercito di milizia (cpv. 1). L'esercito ha tre compiti principali: prevenire la guerra, mantenere la pace e difendere il Paese (cpv. 2). In via sussidiaria sostiene le autorità civili in caso di gravi minacce alla sicurezza interna e situazioni straordinarie. Tutti gli impieghi dell'esercito sono di competenza esclusiva della Confederazione (cpv. 3).\n\nIl principio di milizia significa: gli uomini svizzeri prestano servizio militare a titolo accessorio, per lo più nei fine settimana e in blocchi. L'obbligo del servizio militare risulta dall'art. 59 Cost., la tassa militare sostitutiva per gli inabili al servizio dallo stesso articolo. Un piccolo nucleo professionale completa i militi nelle aree tecniche.\n\nLa Svizzera non può semplicemente rinunciare al suo esercito — ciò richiederebbe una modifica costituzionale. La dottrina è controversa riguardo al concetto di «difesa»: un'interpretazione ampia comprende tutte le misure di difesa militare, una ristretta solo le minacce «di portata strategica» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n## Ambito di applicazione\n\nL'art. 58 Cost. comprende tutte le attività militari della Svizzera. Interessati sono principalmente gli uomini svizzeri soggetti al servizio militare tra i 18 e i 30 anni. Le donne possono prestare servizio militare volontariamente. I Cantoni nell'applicazione della norma dipendono dalle decisioni federali, poiché non hanno un proprio esercito.\n\nCasi di applicazione concreti: il contingente svizzero presso KFOR (missione di pace in Kosovo) si basa sul mantenimento della pace. L'impiego dell'esercito al World Economic Forum di Davos si fonda sul sostegno sussidiario in caso di gravi minacce alla sicurezza. L'impiego durante la pandemia di Corona 2020/21 rientrava nelle «situazioni straordinarie». La difesa cibernetica si muove tra difesa e sicurezza interna.\n\nI Cantoni possono richiedere sostegno militare quando i propri mezzi non sono sufficienti. Esempi sono l'aiuto in caso di alluvioni, salvataggio valanghe o protezione di infrastrutture critiche durante grandi eventi.\n\n## Rilevanza pratica\n\nL'art. 58 Cost. caratterizza la vita quotidiana di molti uomini svizzeri attraverso l'obbligo militare. Ogni anno entrano in servizio circa 20'000 reclute. Chi è inabile al servizio militare paga una tassa sostitutiva fino al 30° anno di età (circa 400 franchi all'anno).\n\nPoliticamente la norma è contestata: le iniziative per l'abolizione dell'esercito sono finora fallite nettamente (1989: 64% no, 2013 sul servizio militare obbligatorio: 73% no). I dibattiti attuali riguardano l'aumento del budget per la difesa, l'acquisto di nuovi aerei da combattimento e il ruolo dell'esercito nelle minacce cibernetiche.\n\nGiuridicamente rilevante diventa l'art. 58 Cost. nelle questioni di responsabilità: la Confederazione risponde per i danni causati da attività militari secondo la legge militare, non secondo il diritto generale della responsabilità. In caso di espropriazioni per piazze d'armi o poligoni di tiro devono essere soppesati i bisogni militari contro i diritti di proprietà e la protezione dell'ambiente.\n\nLa delimitazione tra compiti dell'esercito e della polizia diventa più complessa per le nuove forme di minaccia (terrorismo, criminalità informatica). I limiti costituzionali degli impieghi sussidiari non sono ancora stati chiariti dalla giurisprudenza del Tribunale federale.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 58 Cost. è stato completamente ridisegnato nella revisione totale del 1999. Mentre la vecchia Costituzione federale del 1874 disciplinava solo l'obbligo generale di prestare servizio militare (art. 18 aCost.) e la sovranità militare della Confederazione (art. 19-22 aCost.), l'art. 58 Cost. formula per la prima volta incarichi costituzionali espliciti per l'esercito. Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilisce che l'esercito «dev'essere organizzato secondo il principio di milizia», dove la parola «principio» lascia spazio ad eccezioni (FF 1997 I 1, 243).\n\n**N. 2** I tre capoversi dell'art. 58 Cost. disciplinano aspetti diversi: il capoverso 1 sancisce l'esistenza dell'esercito e il principio di milizia come principio organizzativo. Il capoverso 2 definisce i compiti dell'esercito in una sequenza graduata dalla prevenzione della guerra alla difesa fino ai compiti sussidiari. Il capoverso 3 chiarisce che l'impiego dell'esercito è di competenza esclusiva della Confederazione. Questa struttura chiara non era presente nella vecchia costituzione (FF 1997 I 1, 243-244).\n\n**N. 3** Con la nuova formulazione il costituente voleva tener conto del mutato scenario di politica di sicurezza dopo la fine della Guerra Fredda. La tradizionale difesa nazionale è stata completata da compiti preventivi (prevenzione della guerra) e impieghi sussidiari. Allo stesso tempo, però, il principio di milizia doveva essere garantito costituzionalmente come elemento identitario dell'esercito svizzero (FF 1997 I 1, 243).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 58 Cost. si trova nel titolo 2 (Diritti fondamentali, diritti civici e obiettivi sociali), sezione 2 (Sicurezza, difesa nazionale, protezione civile) della Costituzione federale. Questa collocazione sistematica sottolinea che la difesa nazionale rappresenta un compito fondamentale dello Stato. Il posizionamento immediatamente prima dell'art. 59 Cost. (Servizio militare e servizio civile sostitutivo) e dell'art. 60 Cost. (Organizzazione, istruzione e equipaggiamento dell'esercito) mostra lo stretto collegamento di queste disposizioni.\n\n**N. 5** In relazione agli obiettivi dello Stato (art. 2 Cost.), l'art. 58 Cost. concretizza la protezione della libertà e dei diritti del popolo nonché la salvaguardia dell'indipendenza e della sicurezza del Paese. Il collegamento con l'art. 54 Cost. (Affari esteri) diventa rilevante nel mantenimento della pace e negli impieghi internazionali. Con l'art. 57 Cost. (Sicurezza), l'esercito condivide la responsabilità per la sicurezza interna, dove il suo ruolo è sussidiario (→ art. 57 Cost.).\n\n**N. 6** La competenza esclusiva della Confederazione per l'impiego dell'esercito (cpv. 3) va vista nel contesto della ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni. Mentre la sicurezza interna è primariamente di competenza dei Cantoni (art. 57 cpv. 2 Cost.), la difesa militare nazionale spetta completamente alla Confederazione. Ciò corrisponde alla struttura statale federalista, secondo cui i compiti di interesse nazionale sono concentrati presso la Confederazione (→ art. 3 Cost., → art. 42 Cost.).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Esistenza e organizzazione dell'esercito (cpv. 1)\n\n**N. 7** La costituzione stabilisce categoricamente nel cpv. 1 frase 1: «La Svizzera ha un esercito.» Questo non è solo una descrizione di stato, ma un incarico costituzionale. La Confederazione è obbligata a mantenere un esercito funzionante. Un'abolizione completa dell'esercito sarebbe possibile solo attraverso una modifica costituzionale (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 6).\n\n**N. 8** Il principio di milizia nel cpv. 1 frase 2 significa che l'esercito è composto primariamente da cittadini che prestano il loro servizio militare a titolo accessorio. La parola «principio» permette eccezioni per i militari professionali in funzioni chiave. Il principio di milizia ha radici storiche in Svizzera ed è inteso come espressione dell'idea statale repubblicana, secondo cui i cittadini stessi sono responsabili della difesa del loro Paese (Saladin, Der verfassungsrechtliche Grundsatz des Milizprinzips der Schweizer Armee, 2012, 45ff.).\n\n### 3.2 Compiti dell'esercito (cpv. 2)\n\n**N. 9** Il cpv. 2 frase 1 elenca tre compiti principali in un ordine consapevole: prevenzione della guerra, mantenimento della pace e difesa. Questa enumerazione è ordinata secondo il principio di sussidiarietà – le misure preventive hanno la precedenza su quelle reattive. Il sostegno alle autorità civili (frase 2) è invece sussidiario (Rhinow, Zur Rechtmässigkeit des Armeeeinsatzes im Rahmen der inneren Sicherheit, SJZ 2005, 506).\n\n**N. 10** Riguardo alla **prevenzione della guerra** le opinioni divergono. L'opinione dominante vede in essa un compito autonomo dell'esercito che comprende misure militari preventive di dissuasione (BSK BV, Art. 58 N. 10). Diggelmann/Altwicker intendono invece la prevenzione della guerra primariamente come un compito politico, al quale l'esercito dà solo un contributo, ad esempio attraverso la sua sola esistenza come deterrente (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 11** Il **mantenimento della pace** si riferisce principalmente alle missioni internazionali di pace. La Svizzera può partecipare a missioni di pace con mandato ONU, rispettando la neutralità. Anche qui Diggelmann/Altwicker sostengono la posizione che si tratta primariamente di un obiettivo statale, non di un compito specifico dell'esercito (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 12** Il concetto di **difesa** è controverso. Una visione ampia vi comprende tutti i tipi di uso della forza per respingere una minaccia al Paese e alla sua popolazione (BSK BV, Art. 58 N. 12). Diggelmann/Altwicker propongono una comprensione più ristretta: la difesa significherebbe solo l'impiego o la minaccia di forza militare per respingere minacce «di portata strategica» (BSK BV, Art. 58 N. 12). Questa controversia ha un significato pratico per la delimitazione tra compiti di difesa militare e compiti di sicurezza di polizia.\n\n**N. 13** Il **sostegno alle autorità civili** (cpv. 2 frase 2) è limitato a due casi: minacce gravi alla sicurezza interna e situazioni straordinarie. Esempi sono l'aiuto in caso di catastrofi, la sorveglianza di ambasciate o il sostegno in occasione di grandi eventi come il WEF di Davos. È controversa la limitazione temporale di tali impieghi. Un'opinione considera ammissibili anche compiti di sostegno temporalmente illimitati (BSK BV, Art. 58 N. 13). L'opinione contraria, sostenuta da Diggelmann/Altwicker, richiede una limitazione temporale degli impieghi sussidiari di sicurezza, poiché altrimenti verrebbe svuotata la competenza primaria dei Cantoni per la sicurezza interna (BSK BV, Art. 58 N. 13).\n\n**N. 14** La clausola generale «La legge può prevedere altri compiti» (cpv. 2 frase 3) permette l'attribuzione di compiti aggiuntivi all'esercito. Questi devono però essere in linea con lo scopo costituzionale dell'esercito. La pura promozione economica o i compiti amministrativi generali non possono essere attribuiti all'esercito (Meyer, Grundaufgaben der Armee und weitere Aufgaben des Staates, 2004, 78ff.).\n\n### 3.3 Competenza della Confederazione (cpv. 3)\n\n**N. 15** Il cpv. 3 stabilisce la competenza esclusiva della Confederazione per l'impiego dell'esercito. Questo vale sia per gli impieghi per la difesa nazionale sia per gli impieghi sussidiari all'interno. I Cantoni non hanno un proprio esercito e non possono decidere autonomamente sull'impiego dell'esercito. Possono però richiedere sostegno militare secondo l'art. 185 cpv. 2 Cost. (→ art. 185 Cost.).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 16** Dall'art. 58 Cost. derivano diverse conseguenze giuridiche. La Confederazione è obbligata a mantenere un esercito operativo e a mettere a disposizione le risorse necessarie. Il principio di milizia limita la quota di militari professionali. I compiti definiti legittimano e allo stesso tempo limitano l'impiego dell'esercito.\n\n**N. 17** Per i cittadini e le cittadine dall'art. 58 Cost. non derivano diritti soggettivi immediati. L'obbligo di prestare servizio militare deriva dall'art. 59 Cost., non dall'art. 58 Cost. Tuttavia, dalla limitazione dei compiti nel cpv. 2 possono derivare diritti di difesa, se l'esercito fosse impiegato al di fuori dei suoi compiti costituzionali.\n\n**N. 18** I Cantoni sono vincolati alla competenza della Confederazione e devono tollerare gli impieghi dell'esercito sul loro territorio. Possono però co-determinare, nel quadro del diritto di richiesta secondo l'art. 185 cpv. 2 Cost., se e come l'esercito viene impiegato per il sostegno. I costi degli impieghi sussidiari sono sostenuti in principio dai Cantoni (art. 68 LM).\n\n## 5. Punti controversi\n\n**N. 19** Il punto controverso centrale riguarda l'ampiezza del concetto di difesa. Mentre un'interpretazione ampia comprende ogni impiego di forza militare per respingere pericoli, Diggelmann/Altwicker limitano il concetto a minacce di portata strategica. Questa controversia non è solo accademica, ma ha ripercussioni sulla delimitazione tra compiti dell'esercito e della polizia (BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n**N. 20** Un'altra controversia riguarda la limitazione temporale degli impieghi sussidiari di sicurezza. La prassi conosce impieghi dell'esercito di fatto illimitati nel tempo come la sorveglianza delle ambasciate. Critici come Diggelmann/Altwicker vedono in ciò una militarizzazione strisciante della sicurezza interna e uno svuotamento della sovranità di polizia cantonale (BSK BV, Art. 58 N. 13). L'opinione contraria sottolinea la flessibilità della costituzione e la necessità di poter reagire a minacce durature alla sicurezza.\n\n**N. 21** È controversa anche la portata della clausola generale nel cpv. 2 frase 3. Mentre un'interpretazione estensiva concede al legislatore ampia libertà nella definizione di nuovi compiti dell'esercito, una visione restrittiva richiede uno stretto collegamento ai compiti costituzionali fondamentali. Schindler mette in guardia contro un'eccessiva estensione del mandato dell'esercito che potrebbe mettere in pericolo il principio di milizia (Schindler, Verfassungsrechtliche Schranken für das Projekt «Armee XXI», 1999, 45ff.).\n\n**N. 22** La partecipazione a missioni internazionali di pace solleva questioni sulla neutralità. Koller argomenta che le misure di mantenimento della pace sotto mandato ONU siano compatibili con la neutralità, purché non avvengano impieghi di combattimento (Koller, Kampf gegen den Terrorismus, ZSR 2006 I, 120). I critici vedono già nella partecipazione a missioni di pace robuste un pericolo per la neutralità.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 23** Nel richiedere impieghi dell'esercito per il sostegno, i Cantoni devono rispettare la soglia di sussidiarietà. I propri mezzi devono essere esauriti o manifestamente insufficienti. L'impiego dell'esercito al WEF di Davos ha carattere di precedente: il Tribunale federale ha accettato l'impiego a causa della particolare dimensione internazionale dell'evento (cfr. sentenza 1P.117/2000).\n\n**N. 24** Per la condotta militare la gerarchia dei compiti nel cpv. 2 è guida per l'azione. Le risorse devono essere impiegate prioritariamente per i compiti fondamentali (prevenzione della guerra, difesa). Gli impieghi sussidiari non devono mettere in pericolo la prontezza operativa per il caso di difesa (art. 67 LM).\n\n**N. 25** Nella legislazione va rispettato il quadro costituzionale. Nuovi compiti dell'esercito secondo il cpv. 2 frase 3 devono avere un collegamento oggettivo con la sicurezza. L'attribuzione di compiti puramente civili all'esercito sarebbe incostituzionale. Anche il principio di milizia pone limiti alla professionalizzazione – un esercito professionale sarebbe possibile solo dopo una modifica costituzionale.\n\n**N. 26** Nella prassi attuale si mostra l'importanza dell'art. 58 Cost. particolarmente nelle minacce ibride (cyber-attacchi, disinformazione, terrorismo). La delimitazione tra difesa militare e prevenzione dei pericoli di polizia diventa sempre più difficile. La dottrina della «sicurezza globale» cerca di coordinare meglio esercito e organi di sicurezza civili, ma deve rispettare i limiti costituzionali delle competenze (→ art. 57 Cost.).\n\n**N. 27** Esempi concreti dalla prassi recente illustrano l'applicazione dell'art. 58 Cost.: L'impiego dell'esercito durante la pandemia di Covid-19 del 2020/21 è avvenuto basandosi sulla «situazione straordinaria» secondo il cpv. 2. La strategia di Cyber-Defence dell'esercito si muove nel campo di tensione tra difesa (in caso di cyber-attacchi statali) e sicurezza interna (in caso di hacker criminali). La discussione sui droni armati mostra le sfide del principio di milizia nei sistemi d'arma ad alta tecnologia.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\nL'art. 58 Cost. nella sua versione attuale (dal 2000) ha finora prodotto poca giurisprudenza del Tribunale federale. Le rare decisioni si occupano principalmente di aspetti infralegali dell'organizzazione militare e delle conseguenze del servizio militare obbligatorio. Questioni costituzionali centrali relative al mandato dell'esercito, al principio di milizia o alla competenza federale esclusiva non sono ancora state chiarite dal Tribunale federale.\n\n## Tassa militare sostitutiva e parità di trattamento\n\n**Sentenza 2C_221/2009 del 21 gennaio 2010**\nIl Tribunale federale si è occupato della costituzionalità della tassa militare sostitutiva prevista solo per gli uomini. Il ricorrente invocava una discriminazione basata sul sesso.\nIl Tribunale ha stabilito che la riscossione della tassa sostitutiva differenziata per sesso è compatibile con l'art. 8 Cost. e i trattati internazionali, poiché è già prevista nell'art. 59 Cost.\n\n> «L'art. 59 cpv. 3 Cost. in quanto lex specialis [precede] il principio generale di parità di trattamento e il precetto generale di parità dei sessi dell'art. 8 Cost.»\n\n**Ryser contro Svizzera, CEDU, sentenza n. 23040/13 del 12 gennaio 2021**\nLa Corte europea dei diritti dell'uomo ha constatato una violazione dell'art. 14 in combinato disposto con l'art. 8 CEDU nell'obbligo di pagare la tassa sostitutiva per una persona inabile al servizio militare per motivi di salute.\nRilevanza: La decisione conferma indirettamente l'ammissibilità costituzionale del servizio militare obbligatorio in sé, ma critica la sua configurazione discriminatoria nell'obbligo della tassa sostitutiva.\n\n> «Une taxe perçue par l'Etat qui trouve son origine dans l'incapacité à servir dans l'armée en raison d'une maladie [...] tombe sous l'empire de l'art. 8 CEDH.»\n\n## Responsabilità dello Stato per attività militari\n\n**DTF 127 II 289 del 24 luglio 2001**\nIl Tribunale federale ha chiarito il rapporto tra la responsabilità della Confederazione secondo la legge militare e secondo la legge sull'assicurazione militare. L'assicurazione militare esclude altre pretese di responsabilità contro la Confederazione.\nRilevanza: La decisione mostra l'importanza pratica dell'art. 58 cpv. 3 Cost. (l'impiego dell'esercito è di competenza della Confederazione) per la ripartizione della responsabilità.\n\n> «Le disposizioni della legge sull'assicurazione militare sono 'altre disposizioni sulla responsabilità' secondo l'art. 135 cpv. 3 LM ed escludono la responsabilità secondo la legge militare.»\n\n**DTF 123 II 577 del 12 settembre 1997**\nIn caso di collisione tra un aeromobile militare e uno civile, il Tribunale federale ha stabilito che la responsabilità della Confederazione non deve essere valutata secondo la legge sulla navigazione aerea, ma secondo l'organizzazione militare (oggi: legge militare).\nRilevanza: Conferma la competenza federale globale per le attività militari secondo l'art. 58 cpv. 3 Cost.\n\n> «La responsabilità della Confederazione per una collisione tra un aeromobile militare e uno civile in volo non si disciplina secondo la legge sulla navigazione aerea, ma secondo l'organizzazione militare.»\n\n## Espropriazioni militari\n\n**DTF 109 Ib 130 del 3 giugno 1983**\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza del Dipartimento militare federale di avviare procedure di espropriazione per scopi militari. Questa competenza deriva dall'attribuzione costituzionale dei compiti alla Confederazione.\nRilevanza: Concretizza il mandato costituzionale di difesa nazionale sotto l'aspetto procedurale.\n\n> «Il Dipartimento militare federale è autorizzato ad avviare la procedura di espropriazione in base ai fondamenti costituzionali.»\n\n**DTF 112 Ib 280 del 25 luglio 1986**\nIn una procedura di espropriazione per una piazza d'armi, il Tribunale federale ha precisato le competenze del Dipartimento militare e i diritti procedurali delle organizzazioni di protezione dell'ambiente.\nRilevanza: Mostra l'attuazione pratica della competenza federale per l'esercito in caso di interessi costituzionali confliggenti (difesa nazionale vs. protezione dell'ambiente).\n\n## Sviluppi recenti\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo VB.2024.00624 del 28 novembre 2024**\nIn una recente decisione sulla tassa militare sostitutiva per cittadini svizzeri naturalizzati, il Tribunale amministrativo di Zurigo ha confermato che l'obbligo della tassa sostitutiva non dipende da un precedente reclutamento.\nRilevanza: Mostra il continuo sviluppo della giurisprudenza sugli effetti del servizio militare obbligatorio.\n\n> «L'obbligo della tassa sostitutiva non dipende da un precedente reclutamento ed è pure soggetto alla tassa sostitutiva chi al momento della naturalizzazione non si trova più in un'età da reclutamento.»\n\n## Lacune giurisprudenziali\n\nQuestioni costituzionali centrali relative all'art. 58 Cost. sono finora rimaste non chiarite:\n\n- La delimitazione precisa tra «prevenzione della guerra» e «mantenimento della pace» (cpv. 2)\n- I limiti costituzionali degli «altri compiti» secondo l'art. 58 cpv. 2 frase 3 Cost.\n- La configurazione concreta del principio di milizia e possibili eccezioni\n- Il rapporto tra il mandato dell'esercito e le missioni internazionali di pace\n\nLa scarsa giurisprudenza sull'art. 58 Cost. riflette il fatto che le questioni costituzionali fondamentali relative all'esercito vengono solitamente decise a livello politico e raramente sono oggetto di controllo giurisdizionale.", "summary_en": "# Overview\n\n## Core Statement\n\nArt. 58 Cst. obliges Switzerland to maintain an army. This is fundamentally organised as a militia army (para. 1). The army has three main tasks: war prevention, peacekeeping and defence of the country (para. 2). In a subsidiary capacity, it supports civilian authorities in the event of serious threats to internal security and extraordinary situations. All army deployments are exclusively a federal matter (para. 3).\n\nThe militia principle means: Swiss men perform military service on a part-time basis, mostly at weekends and in blocks. The obligation to perform military service arises from Art. 59 Cst., the substitute levy for those unfit for service from the same article. A small professional core supplements the militia soldiers in technical areas.\n\nSwitzerland cannot simply abandon its army — this would require a constitutional amendment. The doctrine is disputed regarding the concept of \"defence\": A broad interpretation encompasses all military defensive measures, a narrow one only threats \"of strategic scale\" (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n## Scope of Application\n\nArt. 58 Cst. covers all military activities of Switzerland. Primarily affected are Swiss men liable for military service between 18 and 30 years of age. Women can perform military service voluntarily. The cantons depend on federal decisions in applying the norm, as they have no military of their own.\n\nConcrete applications: The Swiss contingent with KFOR (Kosovo peace mission) is based on peacekeeping. The army deployment at the World Economic Forum in Davos is based on subsidiary support in the event of serious security threats. The deployment during the Corona pandemic 2020/21 fell under \"extraordinary situations\". Cyber defence moves between defence and internal security.\n\nThe cantons can request military support when their own resources are insufficient. Examples include flood assistance, avalanche rescue or protection of critical infrastructure at major events.\n\n## Practical Relevance\n\nArt. 58 Cst. shapes the everyday life of many Swiss men through military service obligation. Approximately 20,000 recruits enlist annually. Those unfit for military service pay a substitute levy until the age of 30 (around 400 francs annually).\n\nPolitically, the norm is contested: Initiatives to abolish the army have failed clearly so far (1989: 64% No, 2013 on compulsory military service: 73% No). Current debates concern increasing the defence budget, procuring new fighter aircraft and the role of the army in cyber threats.\n\nArt. 58 Cst. becomes legally relevant in liability issues: The Confederation is liable for damage caused by military activities under the Military Act, not under general liability law. In expropriations for military training areas or shooting ranges, military needs must be weighed against property rights and environmental protection.\n\nThe distinction between army and police tasks is becoming more complex due to new forms of threat (terrorism, cybercrime). The constitutional limits of subsidiary deployments have not yet been clarified by the highest court.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 58 FC was fundamentally redesigned in the total revision of 1999. While the old Federal Constitution of 1874 only regulated general military service obligation (Art. 18 old FC) and federal military sovereignty (Art. 19-22 old FC), Art. 58 FC formulates explicit constitutional mandates for the army for the first time. The Federal Council Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 states that the army should be «fundamentally organised according to the militia principle», whereby the word «fundamentally» leaves room for exceptions (BBl 1997 I 1, 243).\n\n**N. 2** The three paragraphs of Art. 58 FC regulate different aspects: Paragraph 1 anchors the existence of the army and the militia principle as an organisational principle. Paragraph 2 defines the army's tasks in a graduated sequence from conflict prevention through defence to subsidiary tasks. Paragraph 3 clarifies that the deployment of the army is exclusively a federal matter. This clear structure was not present in the old constitution (BBl 1997 I 1, 243-244).\n\n**N. 3** The constitutional legislator wanted to take into account the changed security policy situation after the end of the Cold War with the new formulation. Traditional national defence was supplemented by preventive tasks (conflict prevention) and subsidiary deployments. At the same time, however, the militia principle was to be constitutionally secured as an identity-forming element of the Swiss Army (BBl 1997 I 1, 243).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 58 FC stands in Title 2 (Fundamental Rights, Citizenship Rights and Social Objectives), Section 2 (Security, National Defence, Civil Defence) of the Federal Constitution. This systematic position underscores that national defence represents a core task of the state. The placement immediately before Art. 59 FC (Military and Alternative Service) and Art. 60 FC (Organisation, Training and Equipment of the Army) shows the close connection of these provisions.\n\n**N. 5** In relation to the state objectives (Art. 2 FC), Art. 58 FC concretises the protection of the freedom and rights of the people as well as the preservation of the country's independence and security. The connection to Art. 54 FC (Foreign Affairs) becomes relevant in peacekeeping and in international deployments. With Art. 57 FC (Security), the army shares responsibility for internal security, whereby its role is subsidiary (→ Art. 57 FC).\n\n**N. 6** The exclusive federal competence for army deployment (para. 3) is to be seen in the context of the distribution of competences between the Confederation and the cantons. While internal security is primarily a cantonal matter (Art. 57 para. 2 FC), military national defence lies entirely with the Confederation. This corresponds to the federal state structure, according to which national tasks are concentrated at the federal level (→ Art. 3 FC, → Art. 42 FC).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Existence and Organisation of the Army (para. 1)\n\n**N. 7** The constitution states categorically in para. 1 sentence 1: «Switzerland has an army.» This is not merely a description of the status quo, but a constitutional mandate. The Confederation is obligated to maintain a functional army. A complete abolition of the army would only be possible through constitutional amendment (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 58 N. 6).\n\n**N. 8** The militia principle in para. 1 sentence 2 means that the army consists primarily of citizens who perform their military service on a part-time basis. The word «fundamentally» allows exceptions for professional military personnel in key functions. The militia principle has historical roots in Switzerland and is understood as an expression of the republican state idea, according to which citizens themselves are responsible for the defence of their country (Saladin, Der verfassungsrechtliche Grundsatz des Milizprinzips der Schweizer Armee, 2012, 45ff.).\n\n### 3.2 Tasks of the Army (para. 2)\n\n**N. 9** Para. 2 sentence 1 lists three main tasks in a deliberate order: conflict prevention, peacekeeping and defence. This enumeration is ordered according to the subsidiarity principle – preventive measures take priority over reactive ones. The support of civilian authorities (sentence 2) is subsidiary in contrast (Rhinow, Zur Rechtmässigkeit des Armeeeinsatzes im Rahmen der inneren Sicherheit, SJZ 2005, 506).\n\n**N. 10** Opinions differ regarding **conflict prevention**. The prevailing opinion sees this as an independent army task that encompasses preventive military measures for deterrence (BSK BV, Art. 58 N. 10). Diggelmann/Altwicker, however, understand conflict prevention primarily as a political task to which the army only contributes, for example through its mere existence as a deterrent (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 11** **Peacekeeping** refers mainly to international peace missions. Switzerland can participate in UN-mandated peace operations, whereby neutrality must be observed. Here too, Diggelmann/Altwicker represent the position that this is primarily a state objective, not a specific army task (BSK BV, Art. 58 N. 10).\n\n**N. 12** The term **defence** is controversial. A broad view encompasses all types of use of force to ward off a threat to the country and its population (BSK BV, Art. 58 N. 12). Diggelmann/Altwicker advocate for a narrower understanding: defence means only the use or threat of military force to ward off threats «of strategic magnitude» (BSK BV, Art. 58 N. 12). This controversy has practical significance for the distinction between military defence tasks and police security tasks.\n\n**N. 13** **Support of civilian authorities** (para. 2 sentence 2) is limited to two cases: serious threats to internal security and extraordinary situations. Examples are disaster relief, guarding embassies or support at major events such as the WEF in Davos. The temporal limitation of such deployments is controversial. One view also considers temporally unlimited support tasks to be permissible (BSK BV, Art. 58 N. 13). The opposing view, represented by Diggelmann/Altwicker, demands a temporal limitation of subsidiary security deployments, since otherwise the primary responsibility of the cantons for internal security would be undermined (BSK BV, Art. 58 N. 13).\n\n**N. 14** The general clause «The law may provide for additional tasks» (para. 2 sentence 3) enables the assignment of additional tasks to the army. However, these must be in accordance with the constitutional purpose of the army. Pure economic promotion or general administrative tasks cannot be assigned to the army (Meyer, Grundaufgaben der Armee und weitere Aufgaben des Staates, 2004, 78ff.).\n\n### 3.3 Federal Competence (para. 3)\n\n**N. 15** Para. 3 establishes the exclusive federal competence for army deployment. This applies both to deployments for national defence and to subsidiary deployments domestically. The cantons have no military of their own and cannot independently decide on army deployments. However, they can request military support according to Art. 185 para. 2 FC (→ Art. 185 FC).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 16** Various legal consequences arise from Art. 58 FC. The Confederation is obligated to maintain an operational army and provide the necessary resources for this. The militia principle limits the proportion of professional military personnel. The defined tasks legitimise and simultaneously limit army deployment.\n\n**N. 17** Art. 58 FC does not create any immediate subjective rights for citizens. Military service obligation arises from Art. 59 FC, not from Art. 58 FC. However, defensive rights can arise from the task limitation in para. 2 if the army were deployed outside its constitutional tasks.\n\n**N. 18** The cantons are bound by federal competence and must tolerate army deployments on their territory. However, they can co-determine within the framework of the right of application according to Art. 185 para. 2 FC whether and how the army is deployed for support. The costs of subsidiary deployments are fundamentally borne by the cantons (Art. 68 MG).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 19** The central point of dispute concerns the scope of the concept of defence. While a broad interpretation encompasses any military use of force for averting danger, Diggelmann/Altwicker limit the concept to threats of strategic magnitude. This controversy is not only academic, but has effects on the distinction between army and police tasks (BSK BV, Art. 58 N. 12).\n\n**N. 20** Another dispute concerns the temporal limitation of subsidiary security deployments. Practice knows factually unlimited army deployments such as embassy guarding. Critics such as Diggelmann/Altwicker see in this a creeping militarisation of internal security and an undermining of cantonal police sovereignty (BSK BV, Art. 58 N. 13). The opposing opinion emphasises the flexibility of the constitution and the necessity to be able to react to permanent security threats.\n\n**N. 21** The scope of the general clause in para. 2 sentence 3 is also controversial. While an extensive interpretation grants the legislator extensive freedom in defining new army tasks, a restrictive view demands a close connection to the constitutional core tasks. Schindler warns against an over-extension of the army mandate that could endanger the militia principle (Schindler, Verfassungsrechtliche Schranken für das Projekt «Armee XXI», 1999, 45ff.).\n\n**N. 22** Participation in international peace missions raises questions about neutrality. Koller argues that peacekeeping measures under UN mandate are compatible with neutrality as long as no combat operations take place (Koller, Kampf gegen den Terrorismus, ZSR 2006 I, 120). Critics see even participation in robust peace missions as endangering neutrality.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 23** When applying for army deployments for support, the cantons must observe the subsidiarity threshold. Own resources must be exhausted or obviously insufficient. The army deployment at the WEF in Davos has precedent character: the Federal Supreme Court accepted the deployment because of the special international dimension of the event (cf. Judgment 1P.117/2000).\n\n**N. 24** For military leadership, the task hierarchy in para. 2 is action-guiding. Resources are to be used with priority for core tasks (conflict prevention, defence). Subsidiary deployments may not endanger operational readiness for the case of defence (Art. 67 MG).\n\n**N. 25** In legislation, the constitutional framework must be observed. New army tasks according to para. 2 sentence 3 must have a factual connection to security. The assignment of purely civilian tasks to the army would be unconstitutional. The militia principle also sets limits to professionalisation – a professional army would only be possible after constitutional amendment.\n\n**N. 26** In current practice, the significance of Art. 58 FC is particularly evident in hybrid threats (cyber attacks, disinformation, terrorism). The distinction between military defence and police danger prevention is becoming increasingly difficult. The doctrine of «comprehensive security» attempts to better coordinate army and civilian security organs, but must respect the constitutional competence limits (→ Art. 57 FC).\n\n**N. 27** Concrete examples from recent practice illustrate the application of Art. 58 FC: The army deployment during the Covid-19 pandemic 2020/21 was based on the «extraordinary situation» according to para. 2. The army's cyber defence strategy moves in the tension field between defence (in case of state cyber attacks) and internal security (in case of criminal hackers). The discussion about armed drones shows the challenges of the militia principle with high-technology weapon systems.", "caselaw_en": "# Case Law\n\nArt. 58 Cst. in its current form (since 2000) has so far produced little supreme court jurisprudence. The few decisions deal mainly with sub-statutory aspects of military organisation and the consequences of military service obligation. Central constitutional questions regarding the army mandate, the militia principle or the exclusive federal competence have not yet been clarified by the supreme court.\n\n## Military service replacement tax and equal treatment\n\n**Judgment 2C_221/2009 of 21 January 2010**\nThe Federal Supreme Court dealt with the constitutionality of the military service replacement tax intended only for men. The appellant claimed discrimination based on gender.\nThe court held that the gender-specific levy of the replacement tax is compatible with Art. 8 Cst. and international treaties, as it is already provided for in Art. 59 Cst.\n\n> «Art. 59 para. 3 Cst. as lex specialis [takes precedence over] the general principle of equal treatment and the general equality mandate of Art. 8 Cst.»\n\n**Ryser v. Switzerland, ECtHR, Judgment No. 23040/13 of 12 January 2021**\nThe European Court of Human Rights found a violation of Art. 14 in conjunction with Art. 8 ECHR in the replacement tax obligation of a person unfit for military service for health reasons.\nRelevance: The decision indirectly confirms the constitutional admissibility of military service obligation as such, but criticises its discriminatory implementation in the replacement tax obligation.\n\n> «Une taxe perçue par l'Etat qui trouve son origine dans l'incapacité à servir dans l'armée en raison d'une maladie [...] tombe sous l'empire de l'art. 8 CEDH.»\n\n## State liability in military activities\n\n**BGE 127 II 289 of 24 July 2001**\nThe Federal Supreme Court clarified the relationship between federal liability under the Military Act and under the Military Insurance Act. Military insurance excludes other liability claims against the Confederation.\nRelevance: The decision shows the practical significance of Art. 58 para. 3 Cst. (deployment of the army is a federal matter) for the distribution of liability.\n\n> «The provisions of the Military Insurance Act are 'other liability provisions' according to Art. 135 para. 3 MilA and exclude liability under the Military Act.»\n\n**BGE 123 II 577 of 12 September 1997**\nIn a collision between a military and civilian aircraft, the Federal Supreme Court established that federal liability should be assessed not under the Aviation Act, but under the Military Organisation (now: Military Act).\nRelevance: Confirms the comprehensive federal competence for military activities according to Art. 58 para. 3 Cst.\n\n> «Federal liability for a collision between a military and a civilian aircraft in the air is governed not by the Aviation Act, but by the Military Organisation.»\n\n## Military expropriations\n\n**BGE 109 Ib 130 of 3 June 1983**\nThe Federal Supreme Court confirmed the authority of the Federal Department of Defence to initiate expropriation proceedings for military purposes. This competence derives from the constitutional assignment of tasks to the Confederation.\nRelevance: Concretises the constitutional mandate of national defence from a procedural law perspective.\n\n> «The Federal Department of Defence is authorised to initiate expropriation proceedings based on constitutional foundations.»\n\n**BGE 112 Ib 280 of 25 July 1986**\nIn expropriation proceedings for a weapons range, the Federal Supreme Court specified the competences of the Department of Defence and the procedural rights of environmental protection organisations.\nRelevance: Shows the practical implementation of federal competence for the army in cases of conflicting constitutional interests (national defence vs. environmental protection).\n\n## Recent developments\n\n**Administrative Court of Zurich VB.2024.00624 of 28 November 2024**\nIn a recent decision on military service replacement for naturalised Swiss citizens, the Administrative Court of Zurich confirmed that the replacement obligation does not depend on prior recruitment.\nRelevance: Shows the continuous development of case law on the effects of military service obligation.\n\n> «The replacement obligation does not depend on prior recruitment and those who are no longer of recruitment age at naturalisation are also liable for replacement service.»\n\n## Gaps in case law\n\nCentral constitutional questions regarding Art. 58 Cst. have so far remained unresolved:\n\n- The precise delimitation between «war prevention» and «peacekeeping» (para. 2)\n- The constitutional limits of «other tasks» according to Art. 58 para. 2 sentence 3 Cst.\n- The concrete implementation of the militia principle and possible exceptions thereto\n- The relationship between the army mandate and international peace missions\n\nThe sparse case law on Art. 58 Cst. reflects that the fundamental constitutional questions regarding the army are usually decided at the political level and are rarely the subject of judicial review.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_58", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 59, "article_suffix": "", "title": "Militär- und Ersatzdienst", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 59 BV regelt die Wehrpflicht (Verpflichtung zum Militärdienst) und ihre Alternativen. Die Verfassung verpflichtet alle männlichen Schweizer Bürger zum Militärdienst. Frauen können freiwillig Militärdienst leisten. \n\nWer den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, hat Anspruch auf zivilen Ersatzdienst. Dieser alternative Dienst steht nur Militärdienstpflichtigen offen und muss beantragt werden. Die konkreten Zulassungsvoraussetzungen und Verfahren regeln die Ausführungsgesetze.\n\nWer weder Militär- noch Ersatzdienst leistet, muss eine jährliche Abgabe zahlen. Diese Ersatzabgabe schulden auch Personen, die aus gesundheitlichen Gründen dienstuntauglich sind. Die genaue Höhe und Dauer der Abgabepflicht bestimmen die entsprechenden Bundesgesetze.\n\nDer Bund muss den Erwerbsausfall während des Dienstes angemessen ersetzen. Bei Gesundheitsschäden oder Tod im Dienst haben die Betroffenen oder ihre Angehörigen Anspruch auf Unterstützung durch den Bund.\n\n**Beispiel**: Ein 20-jähriger Schweizer kann zwischen drei Optionen wählen: Militärdienst leisten, bei einem Gewissenskonflikt Zivildienst beantragen, oder keine der beiden Dienste absolvieren und dafür die Ersatzabgabe bezahlen. Eine gleichaltrige Schweizerin kann freiwillig Militärdienst leisten, ist aber nicht dazu verpflichtet.\n\nDie unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen ist verfassungsrechtlich umstritten und wird international kritisiert. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat zudem entschieden, dass die Ersatzabgabepflicht für Personen mit Behinderungen diskriminierend sein kann.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Wehrpflicht hat ihre Wurzeln in der Helvetik und wurde in der Bundesverfassung von 1848 als allgemeine Militärpflicht verankert. Die heutige Fassung von Art. 59 BV übernahm die Grundzüge des früheren Art. 18 aBV nahezu unverändert (BBl 1997 I 216, 253). Wesentliche Neuerungen der Totalrevision von 1999 sind die ausdrückliche Verankerung des zivilen Ersatzdienstes (Abs. 1 Satz 2) sowie die Konkretisierung der Schadloshaltung bei Gesundheitsschäden oder Tod (Abs. 5).\n\n**N. 2** Der zivile Ersatzdienst wurde nach jahrzehntelangen Diskussionen und zwei gescheiterten Volksinitiativen (1977 und 1984) schliesslich 1992 auf Verfassungsebene eingeführt. Die Verankerung in Art. 59 Abs. 1 Satz 2 BV erfolgte ohne Volksabstimmung im Rahmen der nachgeführten Verfassung (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 4).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 59 BV steht im 2. Abschnitt des 2. Kapitels (Zuständigkeiten) und regelt zusammen mit → Art. 58 BV (Armee) die militärische Landesverteidigung. Die Bestimmung ist eng mit den Grundpflichten der Bürger verknüpft, obwohl diese in der neuen Bundesverfassung nicht mehr in einem eigenen Abschnitt aufgeführt werden (Kley, Grundpflichten Privater im schweizerischen Verfassungsrecht, 1989, S. 234 ff.).\n\n**N. 4** Die Wehrpflicht stellt eine der letzten echten Grundpflichten dar und steht in einem Spannungsverhältnis zu verschiedenen Grundrechten, insbesondere → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit), → Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit), → Art. 15 BV (Glaubens- und Gewissensfreiheit) und → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit). Die Einschränkungen müssen den Anforderungen von → Art. 36 BV genügen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Persönlicher Geltungsbereich (Abs. 1 und 2)\n\n**N. 5** Die Militärdienstpflicht erfasst «jeder Schweizer» (Abs. 1), womit ausschliesslich männliche Schweizer Bürger gemeint sind. Diese geschlechtsspezifische Formulierung wird durch Abs. 2 bestätigt, der für «Schweizerinnen» den freiwilligen Militärdienst vorsieht. Das Bundesgericht erachtet die unterschiedliche Behandlung als verfassungskonform, da Frauen «aufgrund physiologischer und biologischer Unterschiede im Durchschnitt für den Militärdienst als weniger gut geeignet erachtet» werden (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 8).\n\n**N. 6** Die Wehrpflicht beginnt mit dem 18. Lebensjahr und dauert grundsätzlich bis zum 30. Altersjahr, für höhere Unteroffiziere und Offiziere länger (Art. 13 MG). Doppelbürger unterliegen der schweizerischen Wehrpflicht, können aber unter bestimmten Voraussetzungen vom Militärdienst befreit werden (Art. 5 MG).\n\n### b) Ziviler Ersatzdienst (Abs. 1 Satz 2)\n\n**N. 7** Der zivile Ersatzdienst steht Militärdienstpflichtigen offen, die den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können (Art. 1 ZDG). Die Zulassung erfolgt nach dem Tatbeweisverfahren: Der Gesuchsteller muss glaubhaft machen, dass er den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann (Art. 16a ZDG).\n\n**N. 8** Die Dauer des Zivildienstes beträgt das 1,5-fache der noch zu leistenden Militärdiensttage. Diese Regelung ist umstritten: Der UN-Menschenrechtsausschuss kritisierte, dass die Tatbeweislösung «kein vernünftiges und objektives Kriterium dar[stellt], das die ungleiche Dauer beider Dienste rechtfertigen könnte» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 18).\n\n### c) Wehrpflichtersatzabgabe (Abs. 3)\n\n**N. 9** Wer weder Militär- noch Ersatzdienst leistet, schuldet eine jährliche Abgabe. Die Ersatzpflicht dauert vom 19. bis zum vollendeten 37. Altersjahr (Art. 4 WPEG). Die Abgabepflicht entsteht unabhängig vom Grund der Nichtdienstleistung, also auch bei Dienstuntauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen.\n\n**N. 10** Der EGMR hat in **Ryser/Schweiz** (Nr. 23040/13) vom 12. Januar 2021 festgestellt, dass die Erhebung der Ersatzabgabe bei Personen, die aufgrund einer Behinderung dienstuntauglich sind, gegen Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK verstösst, wenn diese ihren Willen zur Dienstleistung nicht hinreichend bekunden können (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 23).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die Nichterfüllung der Militärdienstpflicht ohne Ableistung des Zivildienstes führt zur Ersatzabgabepflicht nach dem WPEG. Die Höhe der Abgabe beträgt 3% des steuerbaren Einkommens, mindestens CHF 400 (Art. 14 WPEG). Bei Dienstverweigerung drohen zusätzlich strafrechtliche Sanktionen nach Art. 81 ff. MStG.\n\n**N. 12** Der Erwerbsausfall während des Dienstes wird durch die Erwerbsersatzordnung (EO) entschädigt (Abs. 4). Bei Gesundheitsschäden oder Tod besteht ein verfassungsunmittelbarer Anspruch auf «angemessene Unterstützung» (Abs. 5), der primär durch die Militärversicherung konkretisiert wird.\n\n## 5. Streitstände\n\n### a) Geschlechtsspezifische Wehrpflicht\n\n**N. 13** Die Beschränkung der Wehrpflicht auf Männer ist zunehmend umstritten. Bondolfi (Wehrpflicht und Geschlechterdiskriminierung, 2012, S. 178 ff.) argumentiert, dass die unterschiedliche Behandlung gegen völkerrechtliche Gleichstellungsgebote verstösst. Dagegen verteidigt die herrschende Lehre die bestehende Regelung mit Verweis auf die unterschiedlichen physischen Voraussetzungen und die gesellschaftliche Akzeptanz (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3456).\n\n### b) Zukunft der allgemeinen Wehrpflicht\n\n**N. 14** Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) fordert die Abschaffung der Wehrpflicht und einen Übergang zu einer Freiwilligenarmee, da sich das Anforderungsprofil an das Militär grundlegend gewandelt habe. Der Armeebericht 2010 hält demgegenüber an der Militärdienstpflicht fest, um eine breite Rekrutenbasis zu erhalten (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 26).\n\n### c) Gewissensfreiheit und Zivildienst\n\n**N. 15** Ob aus → Art. 15 BV oder Art. 9 EMRK ein Recht auf Wehrdienstverweigerung abgeleitet werden kann, ist umstritten. Der EGMR anerkennt zwar kein positives Recht auf Wehrdienstverweigerung, hält aber fest, dass eine Weigerung aus religiöser oder weltanschaulicher Überzeugung in den Schutzbereich von Art. 9 EMRK fallen kann (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 17). Hilti (Die Gewissensfreiheit, ZBl 2010, 353, 371) plädiert für eine grosszügigere Anerkennung von Gewissenskonflikten.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Beratung von Wehrpflichtigen ist zu beachten, dass die Wahl zwischen Militärdienst, Zivildienst und Ersatzabgabe erhebliche finanzielle und zeitliche Konsequenzen hat. Der Zivildienst dauert 1,5-mal länger als der Militärdienst, während die Ersatzabgabe über 19 Jahre hinweg 3% des steuerbaren Einkommens beträgt.\n\n**N. 17** Für Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen empfiehlt sich seit dem EGMR-Urteil **Ryser/Schweiz**, den Willen zur Dienstleistung schriftlich zu dokumentieren, um eine mögliche Befreiung von der Ersatzabgabe zu erwirken. Die kantonale Praxis hierzu ist noch uneinheitlich.\n\n**N. 18** Bei Doppelbürgern ist frühzeitig zu prüfen, ob eine Befreiung nach Art. 5 MG möglich ist. Voraussetzung ist grundsätzlich der Nachweis einer bereits erfüllten Wehrpflicht im anderen Heimatstaat oder der dauerhafte Wohnsitz im Ausland.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## I. Militärdienstpflicht und Ersatzdienst\n\n### Grundsätze der Wehrpflicht\n\n**BGE 121 II 166 E. 1** (11. August 1995)\nMilitärpflichtersatz bei Dienstverweigerung aus Gewissensgründen.\nDie Wehrpflicht nach Art. 59 Abs. 1 BV ist durch persönliche Dienstleistung zu erfüllen.\n\n> «Art. 18 Abs. 1 Satz 1 BV [heute Art. 59 Abs. 1 BV] statuiert die allgemeine Wehrpflicht. Diese ist durch persönliche Dienstleistung (Militärdienst) in den Heeresklassen zu erfüllen. Wer die Wehrpflicht nicht durch persönliche Dienstleistung erfüllt, hat einen Militärpflichtersatz zu bezahlen.»\n\n### Zivildienst und Gewissenskonflikt\n\n**BVGE 2007/26** (26. April 2007)\nZulassungsvoraussetzungen für den Zivildienst.\nDie Beurteilung eines Gewissenskonflikts erfordert eine persönliche Anhörung durch die Zulassungskommission.\n\n> «Die Beurteilung, ob ein Gewissenskonflikt im Sinne des Gesetzes glaubhaft gemacht werden kann, beinhaltet eine Bewertung innerer Vorgänge oder eines seelisch-psychischen Zustandes, über die kein direkter Beweis geführt werden kann.»\n\n## II. Wehrpflichtersatzabgabe\n\n### Abgabepflicht bei Dienstuntauglichkeit\n\n**Urteil 2C_924/2012** (29. April 2013) E. 3.1\nWehrpflichtersatz für militärdienstuntaugliche Person.\nDie Ersatzabgabepflicht entsteht unabhängig vom Grund der Dienstuntauglichkeit.\n\n> «Gemäss Art. 59 Abs. 1 BV ist jeder Schweizer wehrpflichtig; das Gesetz sieht einen zivilen Ersatzdienst vor. Nach Art. 1 des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdienst vom 6. Oktober 1995 (Zivildienstgesetz, ZDG; SR 824.0) wird Militärdienstpflichtigen, die den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, auf Gesuch hin ein länger dauernder ziviler Ersatzdienst (Zivildienst) gewährt.»\n\n**Urteil 2C_396/2012** (23. November 2012)\nEMRK-Konformität der Wehrpflichtersatzabgabe.\nDie Ersatzabgabe verstösst nicht gegen das Diskriminierungsverbot der EMRK.\n\n> «Die Auferlegung einer Ersatzabgabe an Personen, die aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen militärdienstuntauglich sind, verstösst nicht gegen Art. 14 in Verbindung mit Art. 8 EMRK, wenn diese Personen ihren Willen zur Dienstleistung nicht hinreichend bekundet haben.»\n\n### EGMR-Rechtsprechung zu Diskriminierung\n\n**EGMR Nr. 23040/13 (Ryser/Schweiz)** (12. Januar 2021)\nErsatzabgabepflicht bei Militärdienstuntauglichkeit wegen Krankheit.\nDer EGMR bestätigte eine Verletzung von Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK.\n\n> «Eine vom Staat erhobene Abgabe, die ihren Ursprung in der Unfähigkeit hat, aufgrund einer Krankheit in der Armee zu dienen, also in einem Sachverhalt, der sich dem Willen des Betroffenen entzieht, fällt unter Art. 8 EMRK, auch wenn die Folgen dieser Massnahme hauptsächlich finanzieller Natur sind.»\n\n## III. Freiwilligkeit des Militärdienstes für Frauen\n\n### Verfassungskonformität der geschlechtsspezifischen Wehrpflicht\n\n**Steuerrekursgericht Zürich WE.2013.2** (27. November 2012)\nMännliche Wehrpflicht und Gleichberechtigung.\nDie Beschränkung der Wehrpflicht auf Männer verstösst nicht gegen das Gleichstellungsgebot.\n\n> «Die Wehrpflicht nur für Männer und nicht auch für Frauen und damit die Erhebung der Wehrpflichtersatzabgabe nur von Ersteren verstösst weder gegen die BV noch das internationale Recht.»\n\n## IV. Erwerbsausfallentschädigung und Militärversicherung\n\n### Verhältnis zwischen Militärversicherung und Staatshaftung\n\n**BGE 127 II 289 E. 3** (18. April 2001)\nHaftung des Bundes bei Militärdienstschäden.\nDie Militärversicherung schliesst die Haftung nach Militärgesetz aus.\n\n> «Die Bestimmungen des Militärversicherungsgesetzes sind daher 'andere Haftungsbestimmungen' gemäss Art. 135 Abs. 3 MG und schliessen die Haftung nach Militärgesetz aus. Die Militärversicherung weist zwar Elemente des (Sozial-)Versicherungsrechts, aber massgeblich auch Elemente des Staatshaftungsrechts/Haftpflichtrechts auf.»\n\n## V. Aktuelle Entwicklungen\n\n### Einbürgerung und nachträgliche Wehrpflicht\n\n**BGE 150 I 144** (25. September 2024) E. 3.1\nWehrpflichtersatzabgabe nach Einbürgerung.\nEingebürgerte Schweizer unterliegen ab der Einbürgerung der Wehrpflichtersatzabgabe.\n\n> «Die Abgabe wird jährlich von den Ersatzpflichtigen, die im Ersatzjahr die Dienstpflicht nicht durch Militär- oder Zivildienst erfüllen, erhoben. Damit soll die Gleichbehandlung von Wehrpflichtigen, die Militär- oder Zivildienst leisten, und hiervon befreiten Wehrpflichtigen gewährleistet werden.»\n\n**VG Zürich VB.2024.00349** (11. September 2024)\nRückwirkungsverbot bei Gesetzesänderungen.\nDie 2019 eingeführten Bestimmungen gelten auch für bereits eingebürgerte Personen.\n\n> «Es liegt keine unzulässige Rückwirkung der per 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Änderungen des WPEG vor, wenn im Ersatzjahr 2019 ein 36 Jahre alt werdender eingebürgerter Schweizer zum ersten Mal ersatzabgabepflichtig wird.»\n\n## VI. Militärdienstausschluss und -verweigerung\n\n### Untragbarkeit für die Armee\n\n**BVGer A-4854/2012** (7. März 2013)\nAusschluss wegen strafrechtlicher Verurteilung.\nDer Ausschluss untragbarer Personen erfolgt nach strengen Kriterien.\n\n> «Gemäss Art. 22 des Militärgesetzes wird von der Militärdienstleistung ausgeschlossen, wer infolge Verurteilung durch ein Strafgericht wegen Verbrechen oder Vergehen für die Armee untragbar geworden ist.»\n\n### Nichtrekrutierung aus gesundheitlichen Gründen\n\n**BVGer A-998/2021** (12. Januar 2022)\nVerfahren bei Nichtrekrutierung.\nDie Nichtrekrutierung erfolgt nach medizinischen und anderen objektiven Kriterien.\n\n> «Die Erfüllung der Militärdienstpflicht erfolge grundsätzlich bewaffnet. Eine Nichtrekrutierung komme nur in Betracht, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Dienstleistung auch in waffenlosen Funktionen verunmöglichen.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 59 Cst. règle l'obligation militaire (obligation d'accomplir le service militaire) et ses alternatives. La Constitution oblige tous les citoyens suisses de sexe masculin à accomplir le service militaire. Les femmes peuvent accomplir le service militaire à titre volontaire.\n\nQuiconque ne peut concilier le service militaire avec sa conscience a droit au service civil de remplacement. Ce service alternatif n'est ouvert qu'aux personnes astreintes au service militaire et doit faire l'objet d'une demande. Les conditions d'admission concrètes et les procédures sont réglées par les lois d'exécution.\n\nQuiconque n'accomplit ni le service militaire ni le service de remplacement doit payer une taxe d'exemption annuelle. Cette taxe d'exemption est également due par les personnes qui sont inaptes au service pour des raisons de santé. Le montant exact et la durée de l'obligation de payer la taxe sont déterminés par les lois fédérales correspondantes.\n\nLa Confédération doit remplacer de manière appropriée la perte de gain pendant le service. En cas d'atteintes à la santé ou de décès pendant le service, les personnes concernées ou leurs proches ont droit au soutien de la Confédération.\n\n**Exemple** : Un Suisse de 20 ans peut choisir entre trois options : accomplir le service militaire, demander le service civil en cas de conflit de conscience, ou n'accomplir aucun des deux services et payer la taxe d'exemption. Une Suissesse du même âge peut accomplir le service militaire à titre volontaire, mais n'y est pas obligée.\n\nLe traitement différencié des hommes et des femmes est controversé du point de vue du droit constitutionnel et fait l'objet de critiques au niveau international. La Cour européenne des droits de l'homme a en outre décidé que l'obligation de payer la taxe d'exemption pour les personnes handicapées peut être discriminatoire.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'obligation militaire a ses racines dans l'Helvétique et fut ancrée dans la Constitution fédérale de 1848 comme obligation militaire générale. La version actuelle de l'art. 59 Cst. a repris les traits fondamentaux de l'ancien art. 18 aCst. pratiquement inchangés (FF 1997 I 216, 253). Les principales innovations de la révision totale de 1999 sont l'ancrage explicite du service civil de remplacement (al. 1 phrase 2) ainsi que la concrétisation de l'indemnisation en cas d'atteinte à la santé ou de décès (al. 5).\n\n**Ch. 2** Le service civil de remplacement fut finalement introduit en 1992 au niveau constitutionnel après des décennies de discussions et deux initiatives populaires ayant échoué (1977 et 1984). L'ancrage à l'art. 59 al. 1 phrase 2 Cst. s'est fait sans votation populaire dans le cadre de la constitution mise à jour (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 4).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 59 Cst. se trouve dans la 2e section du 2e chapitre (Compétences) et règle avec → l'art. 58 Cst. (Armée) la défense nationale militaire. La disposition est étroitement liée aux obligations fondamentales des citoyens, bien que celles-ci ne soient plus énumérées dans une section propre dans la nouvelle Constitution fédérale (Kley, Grundpflichten Privater im schweizerischen Verfassungsrecht, 1989, p. 234 ss).\n\n**Ch. 4** L'obligation militaire représente l'une des dernières véritables obligations fondamentales et se trouve dans un rapport de tension avec différents droits fondamentaux, notamment → l'art. 8 Cst. (Égalité), → l'art. 10 Cst. (Droit à la vie et liberté personnelle), → l'art. 15 Cst. (Liberté de conscience et de croyance) et → l'art. 27 Cst. (Liberté économique). Les restrictions doivent satisfaire aux exigences de → l'art. 36 Cst.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### a) Champ d'application personnel (al. 1 et 2)\n\n**Ch. 5** L'obligation de servir dans l'armée concerne « tout Suisse » (al. 1), ce qui vise exclusivement les citoyens suisses de sexe masculin. Cette formulation spécifique au genre est confirmée par l'al. 2, qui prévoit pour les « Suissesses » le service militaire volontaire. Le Tribunal fédéral considère le traitement différencié comme conforme à la Constitution, les femmes étant « considérées en moyenne comme moins aptes au service militaire en raison de différences physiologiques et biologiques » (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 8).\n\n**Ch. 6** L'obligation militaire commence à 18 ans et dure en principe jusqu'à 30 ans, plus longtemps pour les sous-officiers supérieurs et les officiers (art. 13 LM). Les double-nationaux sont soumis à l'obligation militaire suisse, mais peuvent être libérés du service militaire sous certaines conditions (art. 5 LM).\n\n### b) Service civil de remplacement (al. 1 phrase 2)\n\n**Ch. 7** Le service civil de remplacement est ouvert aux personnes astreintes au service militaire qui ne peuvent concilier le service militaire avec leur conscience (art. 1 LSC). L'admission se fait selon la procédure de preuve par les faits : le requérant doit rendre vraisemblable qu'il ne peut concilier le service militaire avec sa conscience (art. 16a LSC).\n\n**Ch. 8** La durée du service civil correspond à 1,5 fois les jours de service militaire encore à accomplir. Cette règle est controversée : le Comité des droits de l'homme de l'ONU a critiqué que la solution de la preuve par les faits « ne constitue pas un critère raisonnable et objectif qui pourrait justifier la durée inégale des deux services » (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 18).\n\n### c) Taxe d'exemption de l'obligation de servir (al. 3)\n\n**Ch. 9** Quiconque n'accomplit ni le service militaire ni le service de remplacement doit une taxe annuelle. L'obligation de remplacement dure de 19 ans à 37 ans révolus (art. 4 LTEO). L'obligation de payer la taxe naît indépendamment de la raison de la non-prestation de service, donc aussi en cas d'inaptitude au service pour des raisons de santé.\n\n**Ch. 10** La CEDH a constaté dans **Ryser/Suisse** (no 23040/13) du 12 janvier 2021 que la perception de la taxe de remplacement auprès de personnes inaptes au service en raison d'un handicap viole l'art. 14 en relation avec l'art. 8 CEDH, lorsque celles-ci ne peuvent exprimer suffisamment leur volonté de servir (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 23).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 11** Le non-accomplissement de l'obligation de servir sans accomplissement du service civil conduit à l'obligation de payer la taxe d'exemption selon la LTEO. Le montant de la taxe s'élève à 3% du revenu imposable, au minimum CHF 400 (art. 14 LTEO). En cas de refus de servir, des sanctions pénales selon les art. 81 ss CPM menacent en outre.\n\n**Ch. 12** La perte de gain pendant le service est indemnisée par le régime des allocations pour perte de gain (APG) (al. 4). En cas d'atteinte à la santé ou de décès, il existe une prétention constitutionnelle directe à un « soutien approprié » (al. 5), qui est concrétisée principalement par l'assurance militaire.\n\n## 5. Controverses\n\n### a) Obligation militaire spécifique au genre\n\n**Ch. 13** La limitation de l'obligation militaire aux hommes est de plus en plus controversée. Bondolfi (Wehrpflicht und Geschlechterdiskriminierung, 2012, p. 178 ss) argumente que le traitement différencié viole les obligations d'égalité de droit international. À l'inverse, la doctrine dominante défend la réglementation existante en se référant aux conditions physiques différentes et à l'acceptation sociale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 3456).\n\n### b) Avenir de l'obligation militaire générale\n\n**Ch. 14** Le Groupe pour une Suisse sans Armée (GSsA) exige l'abolition de l'obligation militaire et un passage à une armée de milice, le profil d'exigences de l'armée ayant fondamentalement changé. Le rapport sur l'armée 2010 maintient par contre l'obligation de servir pour obtenir une large base de recrutement (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 26).\n\n### c) Liberté de conscience et service civil\n\n**Ch. 15** La question de savoir si un droit à l'objection de conscience peut être dérivé de → l'art. 15 Cst. ou de l'art. 9 CEDH est controversée. La CEDH ne reconnaît certes aucun droit positif à l'objection de conscience, mais établit qu'un refus pour des convictions religieuses ou idéologiques peut tomber dans le champ de protection de l'art. 9 CEDH (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 17). Hilti (Die Gewissensfreiheit, ZBl 2010, 353, 371) plaide pour une reconnaissance plus généreuse des conflits de conscience.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 16** Lors du conseil aux personnes astreintes au service militaire, il faut noter que le choix entre service militaire, service civil et taxe de remplacement a des conséquences financières et temporelles considérables. Le service civil dure 1,5 fois plus longtemps que le service militaire, tandis que la taxe de remplacement s'élève à 3% du revenu imposable pendant 19 ans.\n\n**Ch. 17** Pour les personnes avec des limitations de santé, il est recommandé depuis l'arrêt CEDH **Ryser/Suisse** de documenter par écrit la volonté de servir pour obtenir une éventuelle exemption de la taxe de remplacement. La pratique cantonale à ce sujet n'est pas encore uniforme.\n\n**Ch. 18** Pour les double-nationaux, il faut examiner rapidement si une exemption selon l'art. 5 LM est possible. La condition est en principe la preuve d'une obligation militaire déjà accomplie dans l'autre État d'origine ou le domicile permanent à l'étranger.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## I. Service militaire obligatoire et service de remplacement\n\n### Principes du service militaire\n\n**ATF 121 II 166 consid. 1** (11 août 1995)\nTaxe d'exemption du service militaire en cas de refus de servir pour des raisons de conscience.\nL'obligation militaire selon l'art. 59 al. 1 Cst. doit être accomplie par un service personnel.\n\n> «L'art. 18 al. 1 phrase 1 aCst. [aujourd'hui art. 59 al. 1 Cst.] institue l'obligation militaire générale. Celle-ci doit être accomplie par un service personnel (service militaire) dans les classes d'âge militaires. Quiconque n'accomplit pas l'obligation militaire par un service personnel doit payer une taxe d'exemption du service militaire.»\n\n### Service civil et conflit de conscience\n\n**ATAF 2007/26** (26 avril 2007)\nConditions d'admission au service civil.\nL'appréciation d'un conflit de conscience exige une audition personnelle par la commission d'admission.\n\n> «L'appréciation de la question de savoir si un conflit de conscience au sens de la loi peut être rendu vraisemblable implique une évaluation de processus internes ou d'un état psychique sur lesquels aucune preuve directe ne peut être apportée.»\n\n## II. Taxe d'exemption du service militaire\n\n### Obligation de payer la taxe en cas d'inaptitude au service\n\n**Arrêt 2C_924/2012** (29 avril 2013) consid. 3.1\nTaxe d'exemption du service militaire pour personne inapte au service militaire.\nL'obligation de payer la taxe de remplacement naît indépendamment de la raison de l'inaptitude au service.\n\n> «Selon l'art. 59 al. 1 Cst., tout Suisse est astreint au service militaire ; la loi prévoit un service civil de remplacement. Selon l'art. 1er de la loi fédérale sur le service civil du 6 octobre 1995 (loi sur le service civil, LSC ; RS 824.0), il est accordé aux personnes astreintes au service militaire qui ne peuvent concilier le service militaire avec leur conscience, sur demande, un service civil de remplacement de plus longue durée (service civil).»\n\n**Arrêt 2C_396/2012** (23 novembre 2012)\nConformité de la taxe d'exemption du service militaire avec la CEDH.\nLa taxe de remplacement ne viole pas l'interdiction de discrimination de la CEDH.\n\n> «L'imposition d'une taxe de remplacement aux personnes qui sont inaptes au service militaire en raison d'atteintes à la santé ne viole pas l'art. 14 en relation avec l'art. 8 CEDH, si ces personnes n'ont pas suffisamment manifesté leur volonté de servir.»\n\n### Jurisprudence de la CourEDH sur la discrimination\n\n**CourEDH n° 23040/13 (Ryser c. Suisse)** (12 janvier 2021)\nObligation de payer la taxe de remplacement en cas d'inaptitude au service militaire pour cause de maladie.\nLa CourEDH a confirmé une violation de l'art. 14 en relation avec l'art. 8 CEDH.\n\n> «Une taxe perçue par l'État qui trouve son origine dans l'incapacité de servir dans l'armée en raison d'une maladie, donc dans une situation qui échappe à la volonté de l'intéressé, tombe sous le coup de l'art. 8 CEDH, même si les conséquences de cette mesure sont principalement de nature financière.»\n\n## III. Caractère facultatif du service militaire pour les femmes\n\n### Conformité constitutionnelle de l'obligation militaire spécifique au genre\n\n**Tribunal de recours fiscal de Zurich WE.2013.2** (27 novembre 2012)\nObligation militaire masculine et égalité des droits.\nLa limitation de l'obligation militaire aux hommes ne viole pas le principe d'égalité.\n\n> «L'obligation militaire uniquement pour les hommes et non aussi pour les femmes et donc la perception de la taxe d'exemption du service militaire uniquement des premiers ne viole ni la Cst. ni le droit international.»\n\n## IV. Allocation pour perte de gain et assurance militaire\n\n### Rapport entre assurance militaire et responsabilité de l'État\n\n**ATF 127 II 289 consid. 3** (18 avril 2001)\nResponsabilité de la Confédération en cas de dommages liés au service militaire.\nL'assurance militaire exclut la responsabilité selon la loi militaire.\n\n> «Les dispositions de la loi sur l'assurance militaire sont donc 'd'autres dispositions sur la responsabilité' selon l'art. 135 al. 3 LM et excluent la responsabilité selon la loi militaire. L'assurance militaire présente certes des éléments du droit de l'assurance (sociale), mais significativement aussi des éléments du droit de la responsabilité de l'État/droit de la responsabilité civile.»\n\n## V. Développements actuels\n\n### Naturalisation et obligation militaire ultérieure\n\n**ATF 150 I 144** (25 septembre 2024) consid. 3.1\nTaxe d'exemption du service militaire après naturalisation.\nLes Suisses naturalisés sont soumis à la taxe d'exemption du service militaire dès la naturalisation.\n\n> «La taxe est perçue annuellement auprès des personnes astreintes à la taxe de remplacement qui, durant l'année de remplacement, n'accomplissent pas leur obligation de servir par le service militaire ou civil. Cela doit garantir l'égalité de traitement entre les personnes astreintes au service militaire qui accomplissent le service militaire ou civil et les personnes astreintes au service militaire qui en sont exemptées.»\n\n**TA de Zurich VB.2024.00349** (11 septembre 2024)\nInterdiction de rétroactivité en cas de modifications législatives.\nLes dispositions introduites en 2019 s'appliquent aussi aux personnes déjà naturalisées.\n\n> «Il n'y a pas de rétroactivité inadmissible des modifications de la LTEO entrées en vigueur le 1er janvier 2019, lorsqu'un Suisse naturalisé qui atteint l'âge de 36 ans durant l'année de remplacement 2019 devient pour la première fois assujetti à la taxe de remplacement.»\n\n## VI. Exclusion du service militaire et refus de servir\n\n### Caractère insupportable pour l'armée\n\n**TAF A-4854/2012** (7 mars 2013)\nExclusion pour cause de condamnation pénale.\nL'exclusion de personnes insupportables s'effectue selon des critères stricts.\n\n> «Selon l'art. 22 de la loi militaire, est exclu du service militaire quiconque, par suite d'une condamnation par un tribunal pénal pour crime ou délit, est devenu insupportable pour l'armée.»\n\n### Non-incorporation pour des raisons de santé\n\n**TAF A-998/2021** (12 janvier 2022)\nProcédure en cas de non-incorporation.\nLa non-incorporation s'effectue selon des critères médicaux et autres critères objectifs.\n\n> «L'accomplissement de l'obligation de service militaire s'effectue en principe armé. Une non-incorporation n'entre en considération que si des circonstances particulières existent qui rendent impossible un service même dans des fonctions non armées.»", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 59 Cost. disciplina l'obbligo militare (obbligo di prestare servizio militare) e le relative alternative. La Costituzione obbliga tutti i cittadini svizzeri di sesso maschile a prestare servizio militare. Le donne possono prestare servizio militare su base volontaria.\n\nChi non può conciliare il servizio militare con la propria coscienza ha diritto al servizio civile sostitutivo. Questo servizio alternativo è aperto soltanto alle persone soggette all'obbligo militare e deve essere richiesto. I requisiti concreti per l'ammissione e le procedure sono disciplinati dalle leggi d'esecuzione.\n\nChi non presta né servizio militare né servizio sostitutivo deve pagare una tassa annuale. Questa tassa sostitutiva è dovuta anche dalle persone che sono inabili al servizio per motivi di salute. L'importo esatto e la durata dell'obbligo di pagamento sono determinati dalle corrispondenti leggi federali.\n\nLa Confederazione deve risarcire adeguatamente la perdita di guadagno durante il servizio. In caso di danni alla salute o morte durante il servizio, gli interessati o i loro congiunti hanno diritto al sostegno della Confederazione.\n\n**Esempio**: Un ventenne svizzero può scegliere tra tre opzioni: prestare servizio militare, richiedere il servizio civile in caso di conflitto di coscienza, oppure non assolvere nessuno dei due servizi e pagare invece la tassa sostitutiva. Una coetanea svizzera può prestare servizio militare volontariamente, ma non è obbligata a farlo.\n\nIl trattamento differenziato di uomini e donne è controverso dal punto di vista costituzionale e viene criticato a livello internazionale. La Corte europea dei diritti dell'uomo ha inoltre stabilito che l'obbligo di pagare la tassa sostitutiva per le persone con disabilità può essere discriminatorio.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Il servizio militare obbligatorio ha le sue radici nell'epoca elvetica e fu sancito nella Costituzione federale del 1848 come obbligo militare generale. L'attuale versione dell'art. 59 Cost. ha ripreso i tratti fondamentali del precedente art. 18 aCost. pressoché invariati (FF 1997 I 216, 253). Le innovazioni essenziali della revisione totale del 1999 sono l'ancoraggio esplicito del servizio civile sostitutivo (cpv. 1 frase 2) nonché la concretizzazione del risarcimento in caso di danni alla salute o di morte (cpv. 5).\n\n**N. 2** Il servizio civile sostitutivo fu infine introdotto nel 1992 a livello costituzionale dopo discussioni durate decenni e due iniziative popolari fallite (1977 e 1984). L'ancoraggio nell'art. 59 cpv. 1 frase 2 Cost. avvenne senza votazione popolare nel quadro della costituzione aggiornata (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 4).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 59 Cost. si trova nella 2ª sezione del 2º capitolo (Competenze) e disciplina insieme all'→ art. 58 Cost. (Esercito) la difesa nazionale militare. La disposizione è strettamente collegata ai doveri fondamentali dei cittadini, benché questi nella nuova Costituzione federale non siano più elencati in una sezione propria (Kley, Grundpflichten Privater im schweizerischen Verfassungsrecht, 1989, pag. 234 segg.).\n\n**N. 4** Il servizio militare obbligatorio rappresenta uno degli ultimi veri doveri fondamentali e si trova in rapporto di tensione con diversi diritti fondamentali, in particolare → art. 8 Cost. (parità di diritti), → art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale), → art. 15 Cost. (libertà di credo e di coscienza) e → art. 27 Cost. (libertà economica). Le limitazioni devono soddisfare i requisiti dell'→ art. 36 Cost.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### a) Ambito di validità personale (cpv. 1 e 2)\n\n**N. 5** L'obbligo del servizio militare riguarda «ogni Svizzero» (cpv. 1), con il che si intendono esclusivamente i cittadini svizzeri di sesso maschile. Questa formulazione specifica per genere è confermata dal cpv. 2, che prevede per le «Svizzere» il servizio militare volontario. Il Tribunale federale considera il trattamento differenziato conforme alla costituzione, poiché le donne «a causa di differenze fisiologiche e biologiche sono ritenute in media meno adatte al servizio militare» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 8).\n\n**N. 6** Il servizio militare obbligatorio inizia con il 18º anno di età e dura in linea di principio fino al 30º anno di età, per i sottoufficiali superiori e gli ufficiali più a lungo (art. 13 LM). I cittadini con doppia cittadinanza sottostanno al servizio militare obbligatorio svizzero, ma possono essere esentati dal servizio militare a determinate condizioni (art. 5 LM).\n\n### b) Servizio civile sostitutivo (cpv. 1 frase 2)\n\n**N. 7** Il servizio civile sostitutivo è aperto agli obbligati al servizio militare che non possono conciliare il servizio militare con la propria coscienza (art. 1 LSC). L'ammissione avviene secondo la procedura probatoria: il richiedente deve rendere credibile che non può conciliare il servizio militare con la propria coscienza (art. 16a LSC).\n\n**N. 8** La durata del servizio civile ammonta a 1,5 volte i giorni di servizio militare ancora da prestare. Questa disciplina è controversa: il Comitato dei diritti dell'uomo dell'ONU ha criticato che la soluzione probatoria «non rappresenta un criterio ragionevole e oggettivo che possa giustificare la durata disuguale dei due servizi» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 18).\n\n### c) Tassa d'esenzione dal servizio militare (cpv. 3)\n\n**N. 9** Chi non presta né il servizio militare né quello sostitutivo deve una tassa annuale. L'obbligo sostitutivo dura dal 19º fino al compimento del 37º anno di età (art. 4 LTEMO). L'obbligo di pagare la tassa sorge indipendentemente dal motivo della non prestazione del servizio, quindi anche in caso di inidoneità al servizio per motivi di salute.\n\n**N. 10** La CEDU ha stabilito in **Ryser/Svizzera** (n. 23040/13) del 12 gennaio 2021 che la riscossione della tassa sostitutiva presso persone che sono inabili al servizio a causa di una disabilità viola l'art. 14 in combinato disposto con l'art. 8 CEDU, quando queste non possono manifestare sufficientemente la loro volontà di prestare servizio (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 23).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Il mancato adempimento dell'obbligo del servizio militare senza prestazione del servizio civile comporta l'obbligo di pagare la tassa sostitutiva secondo la LTEMO. L'importo della tassa ammonta al 3% del reddito imponibile, almeno CHF 400 (art. 14 LTEMO). In caso di rifiuto del servizio minacciano inoltre sanzioni penali secondo gli art. 81 segg. CPM.\n\n**N. 12** La perdita di guadagno durante il servizio è indennizzata dalle indennità per perdita di guadagno (IPG) (cpv. 4). In caso di danni alla salute o di morte sussiste un diritto costituzionale diretto a un «sostegno adeguato» (cpv. 5), che è concretizzato primariamente dall'assicurazione militare.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### a) Servizio militare obbligatorio specifico per genere\n\n**N. 13** La limitazione del servizio militare obbligatorio agli uomini è sempre più controversa. Bondolfi (Wehrpflicht und Geschlechterdiskriminierung, 2012, pag. 178 segg.) argomenta che il trattamento differenziato viola i precetti di parità di diritti del diritto internazionale. Al contrario, la dottrina dominante difende la disciplina esistente con riferimento ai diversi presupposti fisici e all'accettazione sociale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 3456).\n\n### b) Futuro del servizio militare obbligatorio generale\n\n**N. 14** Il Gruppo per una Svizzera senza esercito (GSsE) chiede l'abolizione del servizio militare obbligatorio e un passaggio a un esercito di volontari, poiché il profilo dei requisiti per l'esercito si è fondamentalmente trasformato. Il Rapporto sull'esercito 2010 mantiene invece il servizio militare obbligatorio per ottenere una base ampia di reclutamento (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 26).\n\n### c) Libertà di coscienza e servizio civile\n\n**N. 15** Se dall'→ art. 15 Cost. o dall'art. 9 CEDU possa essere derivato un diritto all'obiezione di coscienza è controverso. La CEDU non riconosce invero alcun diritto positivo all'obiezione di coscienza, ma stabilisce che un rifiuto per convinzione religiosa o ideologica può rientrare nell'ambito di protezione dell'art. 9 CEDU (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 17). Hilti (Die Gewissensfreiheit, ZBl 2010, 353, 371) si pronuncia per un riconoscimento più generoso dei conflitti di coscienza.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella consulenza di soggetti al servizio militare obbligatorio è da considerare che la scelta tra servizio militare, servizio civile e tassa sostitutiva ha conseguenze finanziarie e temporali considerevoli. Il servizio civile dura 1,5 volte più a lungo del servizio militare, mentre la tassa sostitutiva ammonta per 19 anni al 3% del reddito imponibile.\n\n**N. 17** Per persone con limitazioni di salute si raccomanda dalla sentenza CEDU **Ryser/Svizzera** di documentare per iscritto la volontà di prestare servizio, per ottenere una possibile esenzione dalla tassa sostitutiva. La prassi cantonale in merito è ancora disomogenea.\n\n**N. 18** Per i cittadini con doppia cittadinanza è da esaminare precocemente se sia possibile un'esenzione secondo l'art. 5 LM. Presupposto è in linea di principio la prova di un obbligo del servizio militare già adempiuto nell'altro Stato di origine o il domicilio permanente all'estero.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## I. Obbligo del servizio militare e servizio sostitutivo\n\n### Principi dell'obbligo di leva\n\n**BGE 121 II 166 E. 1** (11 agosto 1995)\nTassa militare sostitutiva in caso di rifiuto del servizio per motivi di coscienza.\nL'obbligo di leva secondo l'art. 59 cpv. 1 Cost. deve essere adempiuto mediante servizio personale.\n\n> «L'art. 18 cpv. 1 frase 1 Cost. [oggi art. 59 cpv. 1 Cost.] statuisce l'obbligo generale di leva. Questo deve essere adempiuto mediante servizio personale (servizio militare) nelle classi d'età. Chi non adempie l'obbligo di leva mediante servizio personale deve pagare una tassa militare sostitutiva.»\n\n### Servizio civile e conflitto di coscienza\n\n**BVGE 2007/26** (26 aprile 2007)\nCondizioni di ammissione al servizio civile.\nLa valutazione di un conflitto di coscienza richiede un'audizione personale da parte della commissione d'ammissione.\n\n> «La valutazione se un conflitto di coscienza nel senso della legge possa essere reso credibile comprende una valutazione di processi interni o di uno stato psichico-psicologico sui quali non può essere fornita prova diretta.»\n\n## II. Tassa sostitutiva militare\n\n### Obbligo della tassa in caso di inabilità al servizio\n\n**Sentenza 2C_924/2012** (29 aprile 2013) E. 3.1\nTassa sostitutiva militare per persona inabile al servizio militare.\nL'obbligo della tassa sostitutiva sorge indipendentemente dalla ragione dell'inabilità al servizio.\n\n> «Secondo l'art. 59 cpv. 1 Cost. ogni svizzero è soggetto all'obbligo di leva; la legge prevede un servizio sostitutivo civile. Secondo l'art. 1 della Legge federale sul servizio civile sostitutivo del 6 ottobre 1995 (Legge sul servizio civile, LSC; RS 824.0), ai soggetti all'obbligo militare che non possono conciliare il servizio militare con la loro coscienza viene concesso, su richiesta, un servizio civile sostitutivo di durata maggiore (servizio civile).»\n\n**Sentenza 2C_396/2012** (23 novembre 2012)\nConformità della tassa sostitutiva militare alla CEDU.\nLa tassa sostitutiva non viola il divieto di discriminazione della CEDU.\n\n> «L'imposizione di una tassa sostitutiva a persone che sono inabili al servizio militare a causa di menomazioni della salute non viola l'art. 14 in connessione con l'art. 8 CEDU, se queste persone non hanno manifestato sufficientemente la loro volontà di prestare servizio.»\n\n### Giurisprudenza della Corte EDU sulla discriminazione\n\n**Corte EDU n. 23040/13 (Ryser c. Svizzera)** (12 gennaio 2021)\nObbligo della tassa sostitutiva in caso di inabilità al servizio militare per malattia.\nLa Corte EDU ha confermato una violazione dell'art. 14 in connessione con l'art. 8 CEDU.\n\n> «Una tassa riscossa dallo Stato che ha la sua origine nell'incapacità di servire nell'esercito a causa di una malattia, quindi in una fattispecie che sfugge alla volontà dell'interessato, rientra nell'art. 8 CEDU, anche se le conseguenze di questa misura sono principalmente di natura finanziaria.»\n\n## III. Carattere facoltativo del servizio militare per le donne\n\n### Conformità costituzionale dell'obbligo di leva specifico per sesso\n\n**Tribunale delle imposte di Zurigo WE.2013.2** (27 novembre 2012)\nObbligo di leva maschile e parità di diritti.\nLa limitazione dell'obbligo di leva agli uomini non viola il principio di parità.\n\n> «L'obbligo di leva solo per gli uomini e non anche per le donne e quindi la riscossione della tassa sostitutiva militare solo dai primi non viola né la Cost. né il diritto internazionale.»\n\n## IV. Indennità per perdita di guadagno e assicurazione militare\n\n### Rapporto tra assicurazione militare e responsabilità dello Stato\n\n**BGE 127 II 289 E. 3** (18 aprile 2001)\nResponsabilità della Confederazione per danni del servizio militare.\nL'assicurazione militare esclude la responsabilità secondo la legge militare.\n\n> «Le disposizioni della legge sull'assicurazione militare sono quindi 'altre disposizioni sulla responsabilità' secondo l'art. 135 cpv. 3 LM ed escludono la responsabilità secondo la legge militare. L'assicurazione militare presenta sì elementi del diritto delle assicurazioni (sociali), ma in misura determinante anche elementi del diritto della responsabilità dello Stato/diritto della responsabilità civile.»\n\n## V. Sviluppi attuali\n\n### Naturalizzazione e obbligo di leva successivo\n\n**BGE 150 I 144** (25 settembre 2024) E. 3.1\nTassa sostitutiva militare dopo la naturalizzazione.\nGli svizzeri naturalizzati sono soggetti alla tassa sostitutiva militare a partire dalla naturalizzazione.\n\n> «La tassa viene riscossa annualmente dagli obbligati al versamento sostitutivo che nell'anno sostitutivo non adempiono l'obbligo di servizio mediante servizio militare o civile. Con ciò si vuole garantire la parità di trattamento tra soggetti all'obbligo di leva che prestano servizio militare o civile e soggetti all'obbligo di leva esentati da questo.»\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo VB.2024.00349** (11 settembre 2024)\nDivieto di retroattività in caso di modifiche legislative.\nLe disposizioni introdotte nel 2019 si applicano anche alle persone già naturalizzate.\n\n> «Non sussiste retroattività inammissibile delle modifiche della LTSR entrate in vigore il 1° gennaio 2019, se nell'anno sostitutivo 2019 uno svizzero naturalizzato che compie 36 anni diventa per la prima volta soggetto alla tassa sostitutiva.»\n\n## VI. Esclusione dal servizio militare e rifiuto del servizio\n\n### Inaccettabilità per l'esercito\n\n**TAF A-4854/2012** (7 marzo 2013)\nEsclusione a causa di condanna penale.\nL'esclusione di persone inaccettabili avviene secondo criteri rigorosi.\n\n> «Secondo l'art. 22 della legge militare viene escluso dal servizio militare chi a causa di condanna da parte di un tribunale penale per crimini o delitti è diventato inaccettabile per l'esercito.»\n\n### Mancato reclutamento per motivi sanitari\n\n**TAF A-998/2021** (12 gennaio 2022)\nProcedura in caso di mancato reclutamento.\nIl mancato reclutamento avviene secondo criteri medici e altri criteri oggettivi.\n\n> «L'adempimento dell'obbligo del servizio militare avviene in linea di principio armato. Un mancato reclutamento viene preso in considerazione solo se sussistono circostanze particolari che rendono impossibile un servizio anche in funzioni disarmate.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 59 FC regulates military service (obligation to perform military service) and its alternatives. The Constitution obliges all male Swiss citizens to perform military service. Women may perform military service on a voluntary basis.\n\nAnyone who cannot reconcile military service with their conscience is entitled to civilian alternative service. This alternative service is only available to those liable for military service and must be applied for. The specific admission requirements and procedures are regulated by implementing legislation.\n\nAnyone who performs neither military nor alternative service must pay an annual contribution. This substitute contribution is also owed by persons who are unfit for service for health reasons. The exact amount and duration of the contribution obligation are determined by the relevant federal acts.\n\nThe Confederation must provide adequate compensation for loss of earnings during service. In the event of health damage or death in service, those affected or their relatives are entitled to support from the Confederation.\n\n**Example**: A 20-year-old Swiss man can choose between three options: perform military service, apply for civilian service in case of a conflict of conscience, or not complete either service and pay the substitute contribution instead. A Swiss woman of the same age may perform military service voluntarily but is not obliged to do so.\n\nThe different treatment of men and women is constitutionally controversial and is criticised internationally. The European Court of Human Rights has also ruled that the obligation to pay substitute contributions for persons with disabilities may be discriminatory.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Military service has its roots in the Helvetic period and was enshrined in the Federal Constitution of 1848 as general military duty. The current version of Art. 59 FC adopted the basic features of former Art. 18 aFC virtually unchanged (BBl 1997 I 216, 253). Essential innovations of the total revision of 1999 are the express anchoring of civilian alternative service (para. 1 sent. 2) as well as the specification of compensation for health damage or death (para. 5).\n\n**N. 2** Civilian alternative service was finally introduced at constitutional level in 1992 after decades of discussion and two failed popular initiatives (1977 and 1984). Its anchoring in Art. 59 para. 1 sent. 2 FC took place without popular vote within the framework of the updated constitution (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 4).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 59 FC is found in Section 2 of Chapter 2 (Powers and Duties) and regulates military national defence together with → Art. 58 FC (Armed Forces). The provision is closely linked to the basic duties of citizens, although these are no longer listed in a separate section in the new Federal Constitution (Kley, Grundpflichten Privater im schweizerischen Verfassungsrecht, 1989, p. 234 ff.).\n\n**N. 4** Military service represents one of the last genuine basic duties and stands in tension with various fundamental rights, particularly → Art. 8 FC (equality before the law), → Art. 10 FC (right to life and personal liberty), → Art. 15 FC (freedom of religion and conscience), and → Art. 27 FC (economic freedom). The restrictions must meet the requirements of → Art. 36 FC.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### a) Personal Scope (paras. 1 and 2)\n\n**N. 5** Military service duty applies to «every Swiss man» (para. 1), which means exclusively male Swiss citizens. This gender-specific formulation is confirmed by para. 2, which provides for voluntary military service for «Swiss women». The Federal Supreme Court considers the different treatment as constitutionally compliant, since women are «considered on average as less well suited for military service due to physiological and biological differences» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 8).\n\n**N. 6** Military service duty begins at age 18 and lasts in principle until age 30, longer for higher non-commissioned officers and officers (Art. 13 MilA). Dual citizens are subject to Swiss military service duty, but can be exempted from military service under certain conditions (Art. 5 MilA).\n\n### b) Civilian Alternative Service (para. 1 sent. 2)\n\n**N. 7** Civilian alternative service is open to those liable for military service who cannot reconcile military service with their conscience (Art. 1 CASA). Admission follows the evidence-of-deed procedure: the applicant must plausibly demonstrate that he cannot reconcile military service with his conscience (Art. 16a CASA).\n\n**N. 8** The duration of civilian service amounts to 1.5 times the military service days still to be performed. This regulation is controversial: The UN Human Rights Committee criticised that the evidence-of-deed solution «does not constitute a reasonable and objective criterion that could justify the unequal duration of both services» (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 18).\n\n### c) Military Service Exemption Tax (para. 3)\n\n**N. 9** Those who perform neither military nor alternative service owe an annual tax. The replacement obligation lasts from age 19 to the completion of age 37 (Art. 4 MSETA). The tax obligation arises independently of the reason for non-service, including unfitness for service due to health reasons.\n\n**N. 10** In **Ryser v. Switzerland** (No. 23040/13) of 12 January 2021, the ECtHR found that the collection of the replacement tax from persons who are unfit for service due to disability violates Art. 14 in conjunction with Art. 8 ECHR when they cannot adequately express their willingness to serve (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 23).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Non-fulfilment of military service duty without performing civilian service leads to liability for the replacement tax under the MSETA. The amount of the tax is 3% of taxable income, at least CHF 400 (Art. 14 MSETA). In case of conscientious objection, additional criminal sanctions under Art. 81 ff. MilCP threaten.\n\n**N. 12** Loss of earnings during service is compensated by the income compensation scheme (IC) (para. 4). In case of health damage or death, there is a constitutionally direct claim to «adequate support» (para. 5), which is primarily specified by military insurance.\n\n## 5. Points of Contention\n\n### a) Gender-Specific Military Service\n\n**N. 13** The limitation of military service to men is increasingly controversial. Bondolfi (Wehrpflicht und Geschlechterdiskriminierung, 2012, p. 178 ff.) argues that the different treatment violates international equality requirements. In contrast, the prevailing doctrine defends the existing regulation with reference to different physical prerequisites and social acceptance (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3456).\n\n### b) Future of General Military Service\n\n**N. 14** The Group for a Switzerland without an Army (GSoA) demands the abolition of military service and a transition to a volunteer army, since the requirement profile for the military has fundamentally changed. The Army Report 2010 maintains military service duty in order to obtain a broad recruitment base (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 26).\n\n### c) Freedom of Conscience and Civilian Service\n\n**N. 15** Whether a right to conscientious objection can be derived from → Art. 15 FC or Art. 9 ECHR is disputed. While the ECtHR does not recognise a positive right to conscientious objection, it holds that a refusal based on religious or ideological conviction can fall within the scope of protection of Art. 9 ECHR (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 59 N. 17). Hilti (Die Gewissensfreiheit, ZBl 2010, 353, 371) advocates for a more generous recognition of conflicts of conscience.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 16** When advising those liable for military service, it should be noted that the choice between military service, civilian service, and replacement tax has significant financial and temporal consequences. Civilian service lasts 1.5 times longer than military service, while the replacement tax amounts to 3% of taxable income over 19 years.\n\n**N. 17** For persons with health restrictions, it is recommended since the ECtHR judgment **Ryser v. Switzerland** to document the willingness to serve in writing in order to obtain a possible exemption from the replacement tax. Cantonal practice in this regard is still inconsistent.\n\n**N. 18** For dual citizens, early examination should be made as to whether an exemption under Art. 5 MilA is possible. The prerequisite is in principle proof of military service duty already fulfilled in the other home state or permanent residence abroad.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## I. Military Service Obligation and Alternative Service\n\n### Principles of Military Duty\n\n**BGE 121 II 166 E. 1** (11 August 1995)\nMilitary service substitute payment for conscientious objection.\nThe military duty under Art. 59 para. 1 Cst. must be fulfilled through personal service.\n\n> «Art. 18 para. 1 sent. 1 Cst. [today Art. 59 para. 1 Cst.] establishes the general military duty. This must be fulfilled through personal service (military service) in the army classes. Anyone who does not fulfil their military duty through personal service must pay a military service substitute fee.»\n\n### Civil Service and Conflict of Conscience\n\n**BVGE 2007/26** (26 April 2007)\nAdmission requirements for civil service.\nThe assessment of a conflict of conscience requires a personal hearing by the admissions commission.\n\n> «The assessment of whether a conflict of conscience within the meaning of the law can be credibly established involves an evaluation of internal processes or a psychological state for which no direct evidence can be provided.»\n\n## II. Military Service Substitute Fee\n\n### Fee Obligation in Case of Unfitness for Service\n\n**Judgment 2C_924/2012** (29 April 2013) E. 3.1\nMilitary service substitute fee for persons unfit for military service.\nThe substitute fee obligation arises regardless of the reason for unfitness for service.\n\n> «According to Art. 59 para. 1 Cst., every Swiss citizen has military duty; the law provides for civilian alternative service. According to Art. 1 of the Federal Act on Civilian Service of 6 October 1995 (Civil Service Act, CSA; SR 824.0), persons liable for military service who cannot reconcile military service with their conscience are granted, upon application, a longer-lasting civilian alternative service (civil service).»\n\n**Judgment 2C_396/2012** (23 November 2012)\nECHR conformity of the military service substitute fee.\nThe substitute fee does not violate the prohibition of discrimination under the ECHR.\n\n> «The imposition of a substitute fee on persons who are unfit for military service due to health impairments does not violate Art. 14 in conjunction with Art. 8 ECHR if these persons have not sufficiently demonstrated their willingness to serve.»\n\n### ECtHR Case Law on Discrimination\n\n**ECtHR No. 23040/13 (Ryser v. Switzerland)** (12 January 2021)\nSubstitute fee obligation for unfitness for military service due to illness.\nThe ECtHR confirmed a violation of Art. 14 in conjunction with Art. 8 ECHR.\n\n> «A fee levied by the state that has its origin in the inability to serve in the army due to illness, i.e., in circumstances beyond the control of the person concerned, falls under Art. 8 ECHR, even if the consequences of this measure are mainly of a financial nature.»\n\n## III. Voluntary Nature of Military Service for Women\n\n### Constitutional Conformity of Gender-Specific Military Duty\n\n**Tax Appeal Court Zurich WE.2013.2** (27 November 2012)\nMale military duty and equal rights.\nThe limitation of military duty to men does not violate the principle of equality.\n\n> «Military duty only for men and not also for women, and thus the levying of the military service substitute fee only from the former, violates neither the Federal Constitution nor international law.»\n\n## IV. Loss of Earnings Compensation and Military Insurance\n\n### Relationship between Military Insurance and State Liability\n\n**BGE 127 II 289 E. 3** (18 April 2001)\nFederal liability for military service damages.\nMilitary insurance excludes liability under the Military Act.\n\n> «The provisions of the Military Insurance Act are therefore 'other liability provisions' according to Art. 135 para. 3 MA and exclude liability under the Military Act. Military insurance has elements of (social) insurance law, but significantly also elements of state liability law/tort law.»\n\n## V. Current Developments\n\n### Naturalization and Subsequent Military Duty\n\n**BGE 150 I 144** (25 September 2024) E. 3.1\nMilitary service substitute fee after naturalization.\nNaturalized Swiss citizens are subject to the military service substitute fee from naturalization onwards.\n\n> «The fee is levied annually from those liable for substitute payment who do not fulfil their service obligation through military or civil service in the substitute year. This is intended to ensure equal treatment of those liable for military service who perform military or civil service and those exempt from such service.»\n\n**Administrative Court Zurich VB.2024.00349** (11 September 2024)\nProhibition of retroactivity for legislative changes.\nThe provisions introduced in 2019 also apply to persons already naturalized.\n\n> «There is no impermissible retroactivity of the amendments to the MSFRA that entered into force on 1 January 2019 when a naturalized Swiss citizen turning 36 years old becomes liable for substitute payment for the first time in substitute year 2019.»\n\n## VI. Military Service Exclusion and Refusal\n\n### Unsuitability for the Army\n\n**Federal Administrative Court A-4854/2012** (7 March 2013)\nExclusion due to criminal conviction.\nThe exclusion of unsuitable persons follows strict criteria.\n\n> «According to Art. 22 of the Military Act, persons who have become unsuitable for the army as a result of conviction by a criminal court for crimes or misdemeanors are excluded from military service.»\n\n### Non-Recruitment for Health Reasons\n\n**Federal Administrative Court A-998/2021** (12 January 2022)\nProcedure for non-recruitment.\nNon-recruitment is based on medical and other objective criteria.\n\n> «The fulfilment of military service obligation is basically done armed. Non-recruitment is only considered when special circumstances exist that make service impossible even in unarmed functions.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_59", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 61, "article_suffix": "", "title": "Zivilschutz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 61 BV regelt die Gesetzgebung über den Zivilschutz (Schutz von Menschen und Gütern). Die Bestimmung überträgt dem Bund wichtige Zuständigkeiten im Bevölkerungsschutz.\n\n## Wer ist betroffen?\n\nAlle Schweizer Männer sind grundsätzlich zivilschutzpflichtig. Frauen können freiwillig Schutzdienst leisten. Betroffen sind auch Kantone und Gemeinden, die den Zivilschutz organisieren müssen. Bei Katastrophen können alle Bewohnerinnen und Bewohner vom Zivilschutz profitieren.\n\n## Was regelt die Norm?\n\n**Bundesgesetzgebung (Absatz 1):** Der Bund erlässt Gesetze zum Schutz vor bewaffneten Konflikten (Kriegsrecht). Die Kantone haben gemäss herrschender Lehre noch Restzuständigkeiten (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 61 N. 7).\n\n**Katastropheneinsätze (Absatz 2):** Der Bund regelt den Zivilschutz bei Naturkatastrophen, Unfällen und anderen Notlagen. Dies umfasst Überschwemmungen, Erdbeben oder Pandemien.\n\n**Dienstpflicht (Absatz 3):** Männer können zum obligatorischen Schutzdienst verpflichtet werden. Für Frauen bleibt der Dienst freiwillig. Die Dienstpflicht dauert bis zum vollendeten 40. Altersjahr.\n\n## Rechtsfolgen und Entschädigungen\n\nZivilschutzdienstleistende haben Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung nach dem Erwerbsersatzgesetz. Die Entschädigung beträgt gemäss Art. 7 EOV mindestens 62 CHF und höchstens 196 CHF pro Tag (BSV, Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung, Stand 2024).\n\nBei Gesundheitsschäden oder Todesfall während des Dienstes besteht Anspruch auf Bundesunterstützung. Das Bundesgericht stellte in **BGE 138 V 324** klar: Der Entschädigungsanspruch knüpft ausschliesslich an die Soldberechtigung an, nicht an Bewilligungsverfahren.\n\n## Beispiel aus der Praxis\n\nNach dem Unwetter 2021 im Ahrtal half die Schweizer Zivilschutzorganisation bei Aufräumarbeiten. Die eingesetzten Zivilschutzdienstleistenden erhielten Sold und Erwerbsausfallentschädigung. Wer dabei verletzt worden wäre, hätte Anspruch auf Bundesunterstützung gehabt.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\nArt. 61 BV — Art. 61 BV\n", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nArt. 61 BV — Art. 61 BV\n", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 61 Cst. règle la législation sur la protection civile (protection des personnes et des biens). Cette disposition transfère à la Confédération d'importantes compétences en matière de protection de la population.\n\n## Qui est concerné ?\n\nTous les hommes suisses sont en principe astreints au service de protection civile. Les femmes peuvent servir à titre volontaire. Les cantons et les communes sont également concernés car ils doivent organiser la protection civile. En cas de catastrophe, tous les habitants peuvent bénéficier de la protection civile.\n\n## Que règle la norme ?\n\n**Législation fédérale (alinéa 1) :** La Confédération édicte des lois pour la protection contre les conflits armés (droit de la guerre). Selon la doctrine dominante, les cantons conservent des compétences résiduelles (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 61 N. 7).\n\n**Interventions en cas de catastrophe (alinéa 2) :** La Confédération règle la protection civile en cas de catastrophes naturelles, d'accidents et d'autres situations d'urgence. Cela comprend les inondations, les tremblements de terre ou les pandémies.\n\n**Obligation de servir (alinéa 3) :** Les hommes peuvent être astreints au service obligatoire de protection. Pour les femmes, le service reste volontaire. L'obligation de servir dure jusqu'à l'accomplissement de la 40e année.\n\n## Conséquences juridiques et indemnisations\n\nLes personnes astreintes au service de protection civile ont droit à une allocation pour perte de gain selon la loi sur les allocations pour perte de gain. L'indemnité s'élève selon l'art. 7 RAPG à 62 CHF au minimum et 196 CHF au maximum par jour (OFAS, Directives relatives au régime des allocations pour perte de gain, état 2024).\n\nEn cas d'atteinte à la santé ou de décès pendant le service, il existe un droit au soutien fédéral. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 138 V 324** : Le droit à l'indemnisation se rattache exclusivement au droit à la solde, et non aux procédures d'autorisation.\n\n## Exemple tiré de la pratique\n\nAprès les intempéries de 2021 dans la vallée de l'Ahr, l'organisation suisse de protection civile a aidé aux travaux de déblaiement. Les personnes astreintes au service de protection civile qui sont intervenues ont reçu une solde et une allocation pour perte de gain. Quiconque aurait été blessé lors de cette intervention aurait eu droit au soutien fédéral.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** La disposition actuelle sur la protection civile de l'art. 61 Cst a été réformée dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition antérieure de l'art. 22bis ancCst de 1959 se limitait à la réglementation de l'obligation de servir et à l'attribution de la compétence législative à la Confédération. Avec la nouvelle constitution, une extension notable de la compétence fédérale aux catastrophes et aux situations d'urgence a eu lieu (FF 1997 I 396).\n\n**Ch. 2** L'extension des tâches de protection civile au-delà du conflit armé avait déjà été amorcée par la réforme de la protection civile de 1995. La révision constitutionnelle a codifié cette évolution et créé la base juridique pour une protection globale de la population, qui intervient également lors d'événements civils majeurs (FF 1997 I 397).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 61 Cst se situe systématiquement entre l'obligation de servir militaire (→ art. 59 Cst) et les buts sociaux (→ art. 41 Cst). Cette position souligne la double nature de la protection civile comme instrument de politique de sécurité d'une part et comme service d'aide à la population d'autre part. La protection civile forme avec la police, les sapeurs-pompiers, le service sanitaire et les services techniques le système intégré de protection de la population (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 61 ch. 1).\n\n**Ch. 4** La Constitution distingue clairement entre l'obligation de servir militaire selon l'art. 59 Cst et l'obligation de service de protection selon l'art. 61 Cst. Tandis que l'armée sert principalement à la défense du pays, la protection civile se concentre sur la protection de la population civile. Cette séparation fonctionnelle empêche un mélange des domaines de tâches (↔ art. 58 Cst Armée).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **Compétence fédérale lors de conflits armés (al. 1)** : La compétence législative exclusive de la Confédération se rapporte à la « protection civile des personnes et des biens contre les effets de conflits armés ». Cette formulation englobe tant les conflits armés internationaux que les conflits armés non-internationaux au sens du droit international humanitaire (von Arnauld, Völkerrecht, 2012, p. 456).\n\n**Ch. 6** **Engagement lors de catastrophes et de situations d'urgence (al. 2)** : Le terme « catastrophes » englobe tant les événements naturels (inondations, avalanches, tremblements de terre) que les événements techniques majeurs (accidents chimiques, accidents de centrales nucléaires). Les « situations d'urgence » sont des situations extraordinaires qui affectent le fonctionnement normal de la collectivité, sans atteindre l'ampleur d'une catastrophe (Mohler, Grundzüge des Polizeirechts, 2012, ch. 234).\n\n**Ch. 7** **Obligation de servir (al. 3)** : La Constitution habilite la Confédération à introduire une obligation de service de protection obligatoire pour les hommes. Pour les femmes, le service reste volontaire. Cette différenciation selon le sexe est à voir dans le contexte de l'obligation de servir militaire qui ne vaut également que pour les hommes (→ art. 59 al. 1 Cst). L'égalité des sexes (→ art. 8 al. 3 Cst) ne s'oppose pas à cette réglementation, car elle est expressément ancrée dans la constitution.\n\n**Ch. 8** **Allocation pour perte de gain (al. 4)** : Le « remplacement équitable du gain perdu » assure que les personnes accomplissant le service de protection ne subissent aucun désavantage financier. Le caractère équitable s'oriente sur le système du régime des allocations pour perte de gain pour les personnes accomplissant le service militaire. Le droit est lié à l'admissibilité à la solde (art. 1a al. 3 LAPG en relation avec l'art. 23 LPPo).\n\n**Ch. 9** **Soutien en cas de dommage (al. 5)** : Cette disposition fonde un droit d'application directe de la constitution à un soutien pour les personnes qui subissent des dommages à leur santé ou perdent la vie dans le service de protection. Le terme « soutien équitable » doit être interprété largement et comprend tant des prestations financières que des prestations en nature comme le traitement médical (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 61 ch. 18).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 10** La compétence législative de la Confédération selon les al. 1 et 2 est conçue différemment. Tandis que la Confédération dispose d'une compétence exclusive dans le domaine des conflits armés, il s'agit pour les catastrophes et situations d'urgence d'une compétence concurrente avec effet dérogatoire ultérieur. Les cantons peuvent prendre leurs propres réglementations aussi longtemps et dans la mesure où la Confédération n'a pas légiféré (→ art. 3 Cst).\n\n**Ch. 11** L'introduction d'une obligation de service de protection (al. 3) nécessite une base légale. La Confédération l'a créée avec la loi sur la protection de la population et sur la protection civile (LPPo). L'obligation de servir existe pour les hommes suisses de 20 à 40 ans, pour les spécialistes jusqu'à 50 ans (art. 11 ss LPPo).\n\n**Ch. 12** Qui n'accomplit pas de service de protection est soumis à la taxe d'exemption de l'obligation de servir selon la loi sur la taxe d'exemption de l'obligation de servir (LTEOS). Cette obligation de remplacement vaut tant pour les personnes inaptes au service militaire qu'au service de protection, pour autant qu'elles ne soient pas entièrement inaptes au service.\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 13** **Nature de la compétence fédérale** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir quel type de compétence revient à la Confédération dans le domaine de la protection civile. Häfelin/Haller/Keller (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, ch. 1045) défendent la position de compétences parallèles, selon laquelle la Confédération et les cantons peuvent prendre des réglementations indépendamment l'une de l'autre. Aubert/Mahon (Petit commentaire, art. 61 ch. 10) qualifient la compétence d'exclusive. La position plus convaincante de Diggelmann/Altwicker (BSK BV, art. 61 ch. 11) voit une compétence concurrente avec effet dérogatoire ultérieur, ce qui correspond mieux à la structure fédéraliste et à la pratique.\n\n**Ch. 14** **Compatibilité de la différenciation selon le sexe avec l'art. 8 Cst** : Tandis qu'une partie de la doctrine considère le traitement différent des hommes et des femmes lors de l'obligation de servir comme problématique, l'opinion dominante la tient pour admissible constitutionnellement, car l'art. 61 al. 3 Cst vaut comme lex specialis par rapport à l'art. 8 al. 3 Cst. Une égalisation nécessiterait une modification constitutionnelle (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 2345).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 15** Lors de la convocation au service de protection, il faut distinguer entre les services d'instruction, les engagements en faveur de la collectivité et les engagements d'urgence. L'obligation de service annuelle s'élève en règle générale à 19 jours au maximum (art. 33 LPPo). Les engagements lors de catastrophes et dans des situations d'urgence peuvent dépasser cette limite.\n\n**Ch. 16** L'allocation pour perte de gain est versée selon les dispositions du régime des allocations pour perte de gain (LAPG). La condition préalable est l'admissibilité à la solde. Les indépendants et les salariés ont droit à 80% du revenu moyen antérieur au service, mais au minimum CHF 62 et au maximum CHF 196 par jour (état 2024).\n\n**Ch. 17** Les astreints au service de protection qui s'absentent du service sans excuse valable se rendent punissables selon l'art. 68 LPPo. La menace pénale comprend une peine privative de liberté de trois ans au plus ou une peine pécuniaire. En pratique, lors d'une première absence, des peines pécuniaires avec sursis sont généralement prononcées.\n\n**Ch. 18** La coordination entre la protection civile et les autres organisations partenaires de la protection de la population (police, sapeurs-pompiers, service sanitaire, services techniques) s'effectue par l'intermédiaire d'états-majors de conduite cantonaux. En pratique, une collaboration étroite est établie particulièrement avec les sapeurs-pompiers, les ressources matérielles pouvant être utilisées en commun.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Compensation pour perte de gain en cas de service de protection civile\n\n**ATF 138 V 324 consid. 5.2** du 18 juin 2012\nLe Tribunal fédéral a clarifié le droit à l'indemnité pour perte de gain lors d'engagements de protection civile en faveur de la communauté. Selon le libellé clair de l'art. 1a, al. 3 LAPG, le droit à une indemnité pour perte de gain se fonde exclusivement sur le droit à la solde. Ce dernier ne peut en règle générale pas être contesté au motif que l'autorisation requise pour le service en question est insuffisante (voire inexistante), mais bien au motif que le nombre admissible de jours de service a été dépassé.\n\n> « Les personnes qui accomplissent un service de protection ont droit, pour chaque jour entier pour lequel elles touchent une solde au sens de l'art. 22, al. 1 de la loi fédérale du 4 octobre 2002 sur la protection de la population et sur la protection civile (LPPCi ; RS 520.1), à une indemnité (art. 1a, al. 3 LAPG [RS 834.1] en relation avec l'art. 23 LPPCi). »\n\n### Application pénale de l'obligation de servir\n\n**SB.2020.4** du 10 septembre 2020 (Tribunal d'appel de Bâle-Ville)\nLe tribunal a confirmé une condamnation pour absence non excusée au service de protection civile selon l'art. 68, al. 1, let. a LPPCi. Il a été renoncé à prononcer une peine conformément à l'art. 52 CP, l'infraction ayant été qualifiée de mineure. Le tribunal a pris en considération les circonstances personnelles de l'accusé qui avait souffert d'un trouble de l'adaptation psychique en raison d'une double charge avec un travail à temps plein et des études.\n\n> « A____ a été déclaré coupable par jugement du Tribunal pénal de Bâle-Ville du 23 octobre 2019 d'une infraction à la loi fédérale sur la protection de la population et sur la protection civile (LPPCi, RS 520.1). Il a été renoncé à prononcer une peine conformément à l'art. 52 du Code pénal (CP, RS 311.0). »\n\n### Taxe d'exemption de l'obligation de servir et service de protection\n\n**SGWPE.2022.1** du 7 novembre 2022 (Tribunal fiscal de Soleure)\nLe tribunal a examiné la taxe d'exemption de l'obligation de servir d'une personne classée inapte au service. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, la taxe d'exemption de l'obligation de servir ne se fonde pas sur un état de fait permanent, mais sur l'imposition annuelle respective. L'inaptitude tant au service militaire qu'au service de protection ne libère pas automatiquement de la taxe de remplacement.\n\n> « Par décision du Conseil d'État du canton de Soleure du 30 avril 2019 (ACE n° 2019/690), l'obligation d'accomplir le service de protection a été imposée à A. Z., né le 24 novembre 1991, après qu'il ait été classé inapte tant au service militaire qu'au service de protection. »\n\n### Classification constitutionnelle\n\n**JAAC 65.38** du 14 avril 1999 (Conseil fédéral)\nDans sa prise de position sur la délimitation entre les tâches militaires et de protection civile, le Conseil fédéral a établi que l'obligation de servir dans l'armée selon l'art. 59 Cst. ne doit servir exclusivement qu'à la défense militaire du pays. Elle ne peut pas être utilisée pour employer des personnes astreintes au service à d'autres tâches que celles de l'armée. La protection civile selon l'art. 61 Cst. a en revanche des tâches autonomes dans le domaine de la protection de la population civile.\n\n> « L'obligation de servir dans l'armée ne doit servir exclusivement qu'à la défense militaire du pays. Elle ne peut pas être utilisée pour employer des personnes astreintes au service à d'autres tâches que celles de l'armée. L'art. 59 Cst. ne permet pas de créer une formation de base générale qui engloberait les besoins du futur engagement dans les domaines civils (p. ex. protection civile). »\n\n### Remboursement des taxes de remplacement\n\n**WE.2025.1** du 28 août 2025 (Tribunal de recours fiscal de Zurich)  \nLe tribunal a clarifié les conditions du remboursement des taxes de remplacement en cas de service de protection ultérieur. Avec la modification de l'ordonnance sur la taxe d'exemption de l'obligation de servir du 12 août 2020, il a été établi que les sous-officiers supérieurs et les officiers de la protection civile obtiennent un remboursement partiel ou total des taxes de remplacement pour les jours de service de protection accomplis après l'obligation de remplacement. Le montant du remboursement se fonde sur les jours de service de protection effectivement accomplis et imputables.\n\n> « Avec la modification du 12 août 2020 de l'ordonnance sur la taxe d'exemption de l'obligation de servir, il a été établi que notamment les sous-officiers supérieurs et les officiers de la protection civile obtiennent un remboursement partiel ou total des taxes de remplacement pour les jours de service de protection accomplis après l'obligation de remplacement. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 61 Cost. disciplina la legislazione sulla protezione civile (protezione di persone e beni). La disposizione conferisce alla Confederazione competenze importanti nella protezione della popolazione.\n\n## Chi è interessato?\n\nTutti gli uomini svizzeri sono in linea di principio soggetti agli obblighi di protezione civile. Le donne possono prestare servizio di protezione su base volontaria. Sono interessati anche i Cantoni e i Comuni, che devono organizzare la protezione civile. In caso di catastrofi, tutti gli abitanti possono beneficiare della protezione civile.\n\n## Che cosa disciplina la norma?\n\n**Legislazione federale (capoverso 1):** La Confederazione emana leggi per la protezione dai conflitti armati (diritto bellico). I Cantoni dispongono secondo la dottrina dominante di competenze residuali (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 61 n. 7).\n\n**Interventi in caso di catastrofi (capoverso 2):** La Confederazione disciplina la protezione civile in caso di catastrofi naturali, incidenti e altre situazioni d'emergenza. Ciò comprende alluvioni, terremoti o pandemie.\n\n**Obbligo di servizio (capoverso 3):** Gli uomini possono essere obbligati al servizio di protezione obbligatorio. Per le donne il servizio rimane volontario. L'obbligo di servizio dura fino al compimento del 40° anno di età.\n\n## Conseguenze giuridiche e indennità\n\nLe persone in servizio di protezione civile hanno diritto all'indennità per perdita di guadagno secondo la legge sulle indennità per perdita di guadagno. L'indennità ammonta secondo l'art. 7 OIPG ad almeno 62 CHF e al massimo 196 CHF al giorno (UFAS, Guida all'ordinamento delle indennità per perdita di guadagno, stato 2024).\n\nIn caso di danni alla salute o decesso durante il servizio sussiste il diritto al sostegno federale. Il Tribunale federale ha chiarito nella **DTF 138 V 324**: Il diritto all'indennità è legato esclusivamente al diritto al soldo, non alle procedure di autorizzazione.\n\n## Esempio dalla prassi\n\nDopo il maltempo del 2021 nella valle dell'Ahr, l'organizzazione svizzera di protezione civile ha aiutato nei lavori di sgombero. Le persone in servizio di protezione civile impiegate hanno ricevuto il soldo e l'indennità per perdita di guadagno. Chi fosse rimasto ferito avrebbe avuto diritto al sostegno federale.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale disposizione sulla protezione civile dell'art. 61 Cost. è stata riformulata nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La precedente disposizione dell'art. 22bis aCost. del 1959 si limitava a disciplinare l'obbligo di servizio e ad attribuire la competenza legislativa alla Confederazione. Con la nuova Costituzione si è avuto un notevole ampliamento della competenza confederale per le catastrofi e le situazioni di emergenza (FF 1997 I 408).\n\n**N. 2** L'estensione dei compiti di protezione civile oltre i conflitti armati era già stata avviata con la riforma della protezione civile del 1995. La revisione costituzionale ha codificato questo sviluppo e ha creato la base giuridica per una protezione della popolazione completa, che viene impiegata anche negli eventi civili di grande portata (FF 1997 I 409).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 61 Cost. si situa sistematicamente tra l'obbligo di servizio militare (→ art. 59 Cost.) e gli obiettivi sociali (→ art. 41 Cost.). Questa collocazione sottolinea la duplice natura della protezione civile come strumento di politica di sicurezza da un lato e come servizio di soccorso per la popolazione dall'altro. La protezione civile forma insieme alla polizia, ai pompieri, al settore sanitario e ai servizi tecnici il sistema integrato di protezione della popolazione (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 61 n. 1).\n\n**N. 4** La Costituzione distingue chiaramente tra l'obbligo di servizio militare secondo l'art. 59 Cost. e l'obbligo di servizio di protezione secondo l'art. 61 Cost. Mentre l'esercito serve principalmente alla difesa nazionale, la protezione civile si concentra sulla protezione della popolazione civile. Questa separazione funzionale impedisce una commistione degli ambiti di competenza (↔ art. 58 Cost. Esercito).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Competenza confederale nei conflitti armati (cpv. 1)**: La competenza legislativa esclusiva della Confederazione si riferisce alla «protezione civile di persone e beni dagli effetti di conflitti armati». Questa formulazione comprende sia i conflitti armati internazionali sia i conflitti armati non internazionali nel senso del diritto internazionale umanitario (von Arnauld, Völkerrecht, 2012, p. 456).\n\n**N. 6** **Impiego nelle catastrofi e situazioni di emergenza (cpv. 2)**: Il concetto di «catastrofi» comprende sia eventi naturali (alluvioni, valanghe, terremoti) sia eventi tecnici di grande portata (incidenti chimici, incidenti nelle centrali nucleari). Le «situazioni di emergenza» sono situazioni straordinarie che compromettono il normale funzionamento della collettività senza raggiungere le dimensioni di una catastrofe (Mohler, Grundzüge des Polizeirechts, 2012, n. 234).\n\n**N. 7** **Obbligo di servizio (cpv. 3)**: La Costituzione autorizza la Confederazione ad introdurre un obbligo di servizio di protezione obbligatorio per gli uomini. Per le donne il servizio rimane volontario. Questa differenziazione secondo il sesso va vista nel contesto dell'obbligo di servizio militare che vale anch'esso solo per gli uomini (→ art. 59 cpv. 1 Cost.). La parità dei sessi (→ art. 8 cpv. 3 Cost.) non si oppone a questa regolamentazione, poiché è espressamente ancorata a livello costituzionale.\n\n**N. 8** **Indennità per perdita di guadagno (cpv. 4)**: L'«adeguata indennità per la perdita di guadagno» garantisce che chi presta servizio di protezione non subisca svantaggi finanziari. L'adeguatezza si orienta al sistema dell'ordinamento delle indennità per perdita di guadagno per chi presta servizio militare. Il diritto è legato al diritto al soldo (art. 1a cpv. 3 LIPG in comb. con art. 23 LPPC).\n\n**N. 9** **Sostegno in caso di danno (cpv. 5)**: Questa disposizione fonda un diritto costituzionalmente diretto al sostegno per le persone che subiscono danni alla salute o perdono la vita nel servizio di protezione. Il concetto di «sostegno adeguato» va interpretato ampiamente e comprende sia prestazioni finanziarie sia prestazioni in natura come il trattamento medico (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, art. 61 n. 18).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La competenza legislativa della Confederazione secondo i cpv. 1 e 2 è configurata diversamente. Mentre la Confederazione dispone di una competenza esclusiva nell'ambito dei conflitti armati, si tratta nel caso delle catastrofi e situazioni di emergenza di una competenza concorrente con effetto derogatorio successivo. I Cantoni possono emanare proprie regolamentazioni finché e nella misura in cui la Confederazione non ha legiferato (→ art. 3 Cost.).\n\n**N. 11** L'introduzione di un obbligo di servizio di protezione (cpv. 3) necessita di una base legale. La Confederazione l'ha creata con la Legge sulla protezione della popolazione e sulla protezione civile (LPPC). L'obbligo di servizio sussiste per gli uomini svizzeri dai 20 ai 40 anni, per gli specialisti fino ai 50 anni (art. 11 segg. LPPC).\n\n**N. 12** Chi non presta servizio di protezione soggiace alla tassa d'esenzione dall'obbligo militare secondo la Legge sulla tassa d'esenzione dall'obbligo militare (LTEMO). Questo obbligo sostitutivo vale sia per le persone inabili al servizio militare sia per quelle inabili al servizio di protezione, purché non siano completamente inabili al servizio.\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 13** **Tipo di competenza confederale**: Nella dottrina è controverso quale tipo di competenza spetti alla Confederazione nell'ambito della protezione civile. Häfelin/Haller/Keller (Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1045) rappresentano l'opinione di competenze parallele, secondo cui Confederazione e Cantoni possono emanare regolamentazioni indipendentemente l'uno dall'altro. Aubert/Mahon (Petit commentaire, art. 61 n. 10) qualificano la competenza come esclusiva. La posizione più convincente di Diggelmann/Altwicker (BSK BV, art. 61 n. 11) vede una competenza concorrente con effetto derogatorio successivo, il che corrisponde meglio alla struttura federalista e alla prassi.\n\n**N. 14** **Compatibilità della differenziazione di genere con l'art. 8 Cost.**: Mentre una parte della dottrina considera problematico il trattamento diverso di uomini e donne nell'obbligo di servizio, l'opinione dominante la ritiene ammissibile dal punto di vista costituzionale, poiché l'art. 61 cpv. 3 Cost. vale come lex specialis rispetto all'art. 8 cpv. 3 Cost. Una parificazione richiederebbe una modifica costituzionale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 2345).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nella chiamata al servizio di protezione bisogna distinguere tra servizi di formazione, impieghi a favore della collettività e impieghi d'emergenza. L'obbligo annuale di servizio ammonta di regola a un massimo di 19 giorni (art. 33 LPPC). Gli impieghi nelle catastrofi e nelle situazioni di emergenza possono superare questo limite.\n\n**N. 16** L'indennità per perdita di guadagno viene versata secondo le disposizioni dell'ordinamento delle indennità per perdita di guadagno (LIPG). Presupposto è il diritto al soldo. I lavoratori indipendenti e i lavoratori dipendenti hanno diritto all'80% del reddito medio precedente al servizio, ma almeno CHF 62 e al massimo CHF 196 al giorno (situazione 2024).\n\n**N. 17** Le persone soggette all'obbligo di servizio di protezione che si assentano ingiustificatamente dal servizio si rendono punibili secondo l'art. 68 LPPC. La comminatoria di pena comprende una pena detentiva fino a tre anni o una pena pecuniaria. Nella prassi in caso di prima assenza vengono pronunciate per lo più pene pecuniarie con la condizionale.\n\n**N. 18** Il coordinamento tra protezione civile e altre organizzazioni partner nella protezione della popolazione (polizia, pompieri, settore sanitario, servizi tecnici) avviene attraverso stati maggiori cantonali di condotta. Nella prassi è stabilita una stretta collaborazione in particolare con i pompieri, dove le risorse materiali possono essere utilizzate in comune.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Indennizzo per perdita di guadagno nel servizio di protezione civile\n\n**BGE 138 V 324 E. 5.2** del 18 giugno 2012\nIl Tribunale federale ha chiarito il diritto all'indennizzo per perdita di guadagno negli impieghi di protezione civile a favore della collettività. Secondo il tenore chiaro dell'art. 1a cpv. 3 LIPG, il diritto a un indennizzo per la perdita di guadagno si basa esclusivamente sul diritto al soldo. Questo non può di regola essere contestato con la motivazione che l'autorizzazione necessaria per il servizio in questione sia insufficiente (o persino inesistente), bensì con quella che il numero ammissibile di giorni di servizio sia stato superato.\n\n> «Le persone che prestano servizio di protezione hanno diritto a un'indennità per ogni giorno intero per il quale percepiscono il soldo secondo l'art. 22 cpv. 1 della legge federale del 4 ottobre 2002 sulla protezione della popolazione e sulla protezione civile (LPPCi; RS 520.1) (art. 1a cpv. 3 LIPG [RS 834.1] in combinato disposto con l'art. 23 LPPCi).»\n\n### Esecuzione penale dell'obbligo di servizio\n\n**SB.2020.4** del 10 settembre 2020 (Tribunale d'appello di Basilea Città)\nIl tribunale ha confermato una condanna per assenza ingiustificata dal servizio di protezione civile secondo l'art. 68 cpv. 1 lett. a LPPCi. Si è rinunciato a una punizione secondo l'art. 52 CP poiché il reato è stato classificato come di lieve entità. Il tribunale ha considerato le circostanze personali dell'accusato, che a causa di un doppio carico con lavoro a tempo pieno e studi aveva subito un disturbo psichico dell'adattamento.\n\n> «A____ è stato dichiarato colpevole con sentenza del Tribunale penale di Basilea Città del 23 ottobre 2019 di contravvenzione alla legge federale sulla protezione della popolazione e sulla protezione civile (LPPCi, RS 520.1). Si è rinunciato a una punizione secondo l'art. 52 del Codice penale (CP, RS 311.0).»\n\n### Tassa militare sostitutiva e servizio di protezione\n\n**SGWPE.2022.1** del 7 novembre 2022 (Tribunale fiscale di Soletta)\nIl tribunale ha esaminato la tassa militare sostitutiva di un obbligato classificato come inabile al servizio. Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, per la tassa militare sostitutiva non bisogna basarsi su una situazione di fatto duratura, bensì la base è costituita dal rispettivo accertamento annuale. L'inabilità sia per il servizio militare che per il servizio di protezione non libera automaticamente dalla tassa sostitutiva.\n\n> «Con decisione del Consiglio di Stato del Cantone di Soletta del 30 aprile 2019 (RRB n. 2019/690) è stato imposto ad A. Z., nato il 24 novembre 1991, l'obbligo del servizio di protezione, dopo che era stato classificato sia come inabile al servizio militare che come inabile al servizio di protezione.»\n\n### Inquadramento costituzionale\n\n**JAAC 65.38** del 14 aprile 1999 (Consiglio federale)\nNella sua presa di posizione sulla delimitazione tra i compiti militari e di protezione civile, il Consiglio federale ha stabilito che l'obbligo del servizio militare secondo l'art. 59 Cost. deve servire esclusivamente alla difesa nazionale militare. Non può essere utilizzato per impiegare gli obbligati al servizio per altri compiti diversi da quelli dell'esercito. La protezione civile secondo l'art. 61 Cost. ha invece compiti autonomi nel settore della protezione della popolazione civile.\n\n> «L'obbligo del servizio militare deve servire esclusivamente alla difesa nazionale militare. Non può essere utilizzato per impiegare gli obbligati al servizio per altri compiti diversi da quelli dell'esercito. L'art. 59 Cost. non permette di creare una formazione di base generale che comprenda anche le esigenze del futuro impiego nei settori civili (p. es. protezione civile).»\n\n### Rimborso di tasse sostitutive\n\n**WE.2025.1** del 28 agosto 2025 (Tribunale di ricorso fiscale di Zurigo)  \nIl tribunale ha chiarito i presupposti per il rimborso di tasse sostitutive in caso di servizio di protezione prestato successivamente. Con la modifica dell'ordinanza sulla tassa militare sostitutiva del 12 agosto 2020 è stato stabilito che i sottoufficiali superiori e gli ufficiali della protezione civile ricevono il rimborso di una parte o di tutte le tasse sostitutive per i giorni di servizio di protezione prestati dopo l'obbligo sostitutivo. L'ammontare del rimborso si basa sui giorni di servizio di protezione effettivamente assolti e computabili.\n\n> «Con la modifica del 12 agosto 2020 dell'ordinanza sulla tassa militare sostitutiva è stato stabilito che tra l'altro i sottoufficiali superiori e gli ufficiali della protezione civile ricevono il rimborso di una parte o di tutte le tasse sostitutive per i giorni di servizio di protezione prestati dopo l'obbligo sostitutivo.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 61 Cst. regulates legislation on civil defence (protection of people and property). The provision transfers important competencies in civil protection to the Confederation.\n\n## Who is affected?\n\nAll Swiss men are in principle subject to civil defence service. Women may perform protective service on a voluntary basis. Cantons and communes are also affected, as they must organise civil defence. In case of disasters, all residents can benefit from civil defence.\n\n## What does the provision regulate?\n\n**Federal legislation (paragraph 1):** The Confederation enacts laws for protection against armed conflicts (law of war). According to prevailing doctrine, the cantons still have residual competencies (Diggelmann/Altwicker, BSK BV, Art. 61 N. 7).\n\n**Disaster response (paragraph 2):** The Confederation regulates civil defence in case of natural disasters, accidents and other emergency situations. This includes floods, earthquakes or pandemics.\n\n**Service obligation (paragraph 3):** Men may be obliged to perform compulsory protective service. For women, service remains voluntary. The service obligation lasts until the age of 40.\n\n## Legal consequences and compensation\n\nCivil defence service personnel are entitled to loss of earnings compensation under the Income Compensation Act. According to Art. 7 ICO, compensation amounts to at least CHF 62 and at most CHF 196 per day (FSIO, Guidelines on the Income Compensation Scheme, as of 2024).\n\nIn case of health damage or death during service, there is entitlement to federal support. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 138 V 324**: The entitlement to compensation is exclusively linked to entitlement to pay, not to authorisation procedures.\n\n## Example from practice\n\nAfter the 2021 flooding in the Ahr Valley, the Swiss civil defence organisation helped with clean-up work. The civil defence service personnel deployed received pay and loss of earnings compensation. Anyone who had been injured in the process would have been entitled to federal support.", "doctrine_en": "", "caselaw_en": "", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_61", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 0, "doctrine_last_generated": "", "doctrine_quality_score": null, "caselaw_version": 0, "caselaw_last_generated": "", "caselaw_quality_score": null}
{"law": "BV", "article": 61, "article_suffix": "a", "title": "Bildungsraum Schweiz", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 61a BV ist das Herzstück der Schweizer «Bildungsverfassung» und regelt die Koordination des Bildungswesens zwischen Bund und Kantonen (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10-12). Die Bestimmung verpflichtet alle staatlichen Ebenen, gemeinsam für einen qualitativ hochwertigen und durchlässigen Bildungsraum Schweiz zu sorgen.\n\n**Wer ist betroffen?** Die Koordinationspflicht gilt für Bund, Kantone und ihre Bildungsinstitutionen auf allen Stufen - von der Volksschule bis zur Hochschule (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20-21). Auch Schülerinnen und Schüler, Studierende und Erwerbstätige profitieren von der besseren Durchlässigkeit zwischen den Bildungswegen.\n\n**Die drei Hauptziele** der Bestimmung sind erstens die Qualitätssicherung durch gemeinsame Standards, zweitens die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsstufen und -wegen, und drittens die gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung von beruflicher und allgemeinbildender Bildung (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22-27).\n\n**Praktische Folgen:** Bund und Kantone müssen ihre Bildungsmassnahmen koordinieren und können nicht mehr isoliert handeln. Dies führte zu Harmonisierungsprojekten wie dem HarmoS-Konkordat und dem Lehrplan 21. Bildungsabschlüsse werden schweizweit anerkannt, und der Wechsel zwischen Kantonen oder Bildungsgängen wird erleichtert.\n\n**Beispiel:** Eine Schülerin kann heute dank der Koordination problemlos von Basel nach Zürich umziehen, ohne Nachteile im Unterrichtsstoff zu erleiden. Ein Berufsmann mit Lehrabschluss kann über die Berufsmaturität an eine Fachhochschule wechseln, da berufliche und akademische Bildung als gleichwertig gelten.\n\nDie Bestimmung ist jedoch nicht direkt einklagbar, sondern wirkt als Koordinationsauftrag für Behörden und Auslegungshilfe für Gerichte (**BGE 148 I 271**). In der Lehre ist umstritten, ob die Koordinationspflicht über die allgemeine Kooperationspflicht von Art. 44 BV hinausgeht (bejahend: WBK-NR; verneinend: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25).\n\n**Grenzen:** Die kantonale Bildungshoheit bleibt bestehen. Die Kantone können weiterhin eigene Schulgesetze erlassen, müssen aber auf die Harmonisierung Rücksicht nehmen. Bei schwerwiegenden Koordinationsproblemen kann der Bund subsidiar eingreifen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 61a BV ist das Herzstück der 2006 vom Volk und Ständen angenommenen «Bildungsverfassung» und markiert einen Paradigmenwechsel in der schweizerischen Bildungspolitik. Die Bestimmung entstand als Reaktion auf die zunehmende Fragmentierung des Bildungswesens und die Herausforderungen der Bildungsmobilität in einem föderalistischen System (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 15–19).\n\n**N. 2** Die parlamentarische Entstehung der Bildungsverfassung ist bemerkenswert, da sie nicht auf eine Vorlage des Bundesrates zurückgeht, sondern aus der parlamentarischen Initiative Zbinden (97.419) hervorging. Nach dem Scheitern früherer Versuche einer umfassenden Bildungsreform in den 1970er Jahren (BBl 1972 I 375 ff.) erarbeitete die WBK-NR zwischen 2003 und 2005 eine neue Konzeption, die den Föderalismus nicht schwächt, sondern durch Koordination stärkt (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 8–9).\n\n**N. 3** Der Bundesrat stand der Vorlage kritisch gegenüber und schlug vor, das Wort «gemeinsam» in Abs. 2 zu streichen, da es rechtlich nicht eindeutig sei (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 24). Das Parlament hielt jedoch an der Formulierung fest, um die partnerschaftliche Verantwortung von Bund und Kantonen zu betonen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 61a BV bildet den programmatischen Auftakt des 3. Abschnitts über «Bildung, Forschung und Kultur» und ist systematisch eng mit den nachfolgenden Spezialbestimmungen verknüpft: → Art. 62 BV (Schulwesen), → Art. 63 BV (Berufsbildung), → Art. 63a BV (Hochschulen), → Art. 64a BV (Weiterbildung). Die Norm fungiert als übergreifende Klammer, die alle Bildungsstufen umfasst (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10–12).\n\n**N. 5** Die Koordinationspflicht nach Art. 61a Abs. 2 BV geht über die allgemeine Kooperationsverpflichtung von → Art. 44 BV hinaus. Während in der Lehre umstritten ist, ob eine «erheblich über das Mass von Art. 44 hinausgehende Pflicht» besteht (ablehnend: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25; bejahend: WBK-NR), zeigt die Praxis, dass Art. 61a BV spezifische Koordinationsinstrumente wie das HarmoS-Konkordat legitimiert.\n\n**N. 6** Die Bestimmung steht im Spannungsfeld zwischen kantonaler Bildungshoheit (→ Art. 62 Abs. 1 BV) und dem Harmonisierungsauftrag. Diese Spannung löst Art. 61a BV durch das Konzept der koordinierten Vielfalt: Die Kantone bleiben primär zuständig, müssen aber ihre Kompetenzen koordiniert ausüben.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Bildungsraum Schweiz (Abs. 1)**: Der Begriff umfasst alle Bildungsstufen von der Vorschule bis zur quartären Bildung sowie formale, non-formale und informelle Bildung. Der «Raum» ist nicht geografisch, sondern funktional zu verstehen als kohärentes System mit durchlässigen Übergängen (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20–21).\n\n**N. 8** **Qualität**: Die Qualitätssicherung bezieht sich sowohl auf Bildungsinhalte als auch auf Strukturen und Prozesse. Sie umfasst Mindeststandards, Evaluationsmechanismen und kontinuierliche Verbesserung. Der Begriff ist dynamisch und orientiert sich an internationalen Standards (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22).\n\n**N. 9** **Durchlässigkeit**: Zentral ist die vertikale (zwischen Bildungsstufen) und horizontale (zwischen Bildungsgängen) Mobilität. Durchlässigkeit erfordert gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen, kompatible Strukturen und Anschlussfähigkeit der Bildungsgänge (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 23–24).\n\n**N. 10** **Koordination und Zusammenarbeit (Abs. 2)**: Die «gemeinsame» Sorge begründet eine verfassungsrechtliche Pflicht zur Kooperation, die über blosse Konsultation hinausgeht. Bund und Kantone müssen ihre Massnahmen aufeinander abstimmen und können nicht isoliert handeln (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 25–26).\n\n**N. 11** **Gleichwertige Anerkennung (Abs. 3)**: Die Norm postuliert die Gleichwertigkeit von allgemeinbildenden und berufsbezogenen Bildungswegen. Dies verbietet eine hierarchische Bewertung und fordert gleichberechtigte Zugänge zu weiterführenden Bildungsgängen (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 27).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 61a BV begründet primär objektiv-rechtliche Verpflichtungen für Bund und Kantone. Die Norm ist nicht direkt justiziabel, entfaltet aber Rechtswirkungen als Auslegungsmaxime und Schranke für die Gesetzgebung. **BGE 148 I 271** zeigt, dass die Gerichte Art. 61a BV zur Beurteilung der «Kohärenz der schweizerischen Rechtsordnungen» heranziehen.\n\n**N. 13** Aus der Koordinationspflicht folgt eine Begründungslast: Massnahmen, die der Harmonisierung entgegenwirken, bedürfen besonderer Rechtfertigung. Die subsidiäre Bundeskompetenz nach → Art. 62 Abs. 4 BV kann aktiviert werden, wenn die Koordination scheitert.\n\n**N. 14** Die gleichwertige Anerkennung (Abs. 3) hat konkrete Auswirkungen auf Zulassungsbestimmungen und Anerkennungsverfahren. Bildungsinstitutionen dürfen berufliche Qualifikationen nicht systematisch gegenüber allgemeinbildenden benachteiligen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Reichweite der Koordinationspflicht**: Die zentrale Kontroverse betrifft das Verhältnis zu Art. 44 BV. Biaggini (Komm. BV, Art. 61a N. 25) vertritt eine restriktive Auslegung und verneint eine qualitativ andere Pflicht. Die WBK-NR und Teile der Lehre (Ehrenzeller/Sahlfeld, SG Komm. BV, Art. 61a) sehen hingegen eine verstärkte, bildungsspezifische Koordinationspflicht.\n\n**N. 16** **Justiziabilität**: Umstritten ist, ob aus Art. 61a BV durchsetzbare Ansprüche abgeleitet werden können. Die herrschende Lehre (Hördegen, ZBl 2007, 113, 142 f.) verneint subjektive Rechte, anerkennt aber eine mittelbare Wirkung über → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) und → Art. 19 BV (Grundschulunterricht).\n\n**N. 17** **Verhältnis zur kantonalen Schulhoheit**: Die Grenze zwischen zulässiger Koordination und unzulässigem Eingriff in die kantonale Kompetenz ist umstritten. Das Urteil 1C_665/2015 zeigt die praktische Brisanz bei Volksbegehren gegen Harmonisierungsprojekte wie den Lehrplan 21.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Ausarbeitung kantonaler Bildungsgesetze ist die Kompatibilität mit interkantonalen Vereinbarungen (HarmoS, Hochschulkonkordat) zu prüfen. Abweichungen bedürfen sachlicher Gründe und dürfen die Mobilität nicht unverhältnismässig beeinträchtigen.\n\n**N. 19** Für Bildungsinstitutionen folgt aus Art. 61a Abs. 3 BV die Pflicht zur diskriminierungsfreien Gestaltung von Zulassungsverfahren. Die «sur dossier»-Aufnahme von Berufsleuten in Hochschulen ist nicht nur zulässig, sondern verfassungsrechtlich geboten.\n\n**N. 20** In Rechtsstreitigkeiten über Bildungsfragen kann Art. 61a BV als Auslegungshilfe dienen, insbesondere bei der Beurteilung von Anerkennungsfragen und bei der Anwendung des Rechtsgleichheitsgebots im Bildungsbereich. Die Rechtsprechung zeigt eine zunehmende Bereitschaft, die Bestimmung als Kohärenzmassstab heranzuziehen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 61a BV ist noch relativ spärlich, da die Bestimmung erst mit der Neuordnung der Bildungsartikel im Jahr 2006 in die Verfassung aufgenommen wurde. Die vorhandenen Entscheide befassen sich primär mit der Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen im Bildungsbereich sowie mit der praktischen Umsetzung der Bildungskoordination.\n\n### Bildungsföderalismus und Koordinationspflicht\n\n**BGE 148 I 271** (2022-03-08)  \nSprachnachweis bei Einbürgerung; Anerkennung von Maturitätsnoten  \nDas Bundesgericht anerkannte in diesem grundlegenden Entscheid die Bedeutung von Art. 61a ff. BV für die Kohärenz der schweizerischen Bildungsordnung bei der Beurteilung von Sprachnachweisen im Einbürgerungsverfahren.\n\n> «Wo die Kantone gemäss ihrem verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag (vgl. insbesondere Art. 61a ff. BV) Sprachkenntnisse vermitteln, sind sie auch für die entsprechende Qualität verantwortlich. Bei den Maturitätsprüfungen übernimmt der Bund mit der eidgenössischen Anerkennung der Maturitätszeugnisse eine ergänzende Qualitätskontrolle. In Frage steht insofern die Kohärenz der schweizerischen und kantonalen, im vorliegenden Fall bernischen, Rechtsordnungen.»\n\nDas Gericht betonte die verfassungsrechtliche Verpflichtung zur Bildungskoordination und die geteilte Verantwortung von Bund und Kantonen für die Qualitätssicherung im Bildungsraum Schweiz.\n\n### Grenzen der interkantonalen Harmonisierung\n\n**Urteil 1C_665/2015** (2016-10-05)  \nUngültigkeit der Volksinitiative \"Nein zum Lehrplan 21\"  \nDer Entscheid behandelte die Zulässigkeit kantonaler Volksinitiativen gegen die Einführung harmonisierter Lehrpläne und beleuchtete das Spannungsfeld zwischen kantonaler Schulhoheit und Koordinationsverpflichtungen.\n\nDas Bundesgericht hielt fest, dass Art. 61a BV zwar zur Koordinierung verpflichtet, aber die kantonale Zuständigkeit für das Schulwesen (Art. 62 Abs. 1 BV) grundsätzlich bestehen bleibt. Die Initiative wurde aus formellen Gründen für ungültig erklärt, ohne dass die materielle Vereinbarkeit mit Art. 61a BV abschliessend beurteilt werden musste.\n\n### Qualitätssicherung und Durchlässigkeit\n\nIn verschiedenen Entscheiden zur Sonderschulung (BGE 130 I 352, BGE 138 I 162) hat das Bundesgericht die Bedeutung von Art. 61a BV für die Gewährleistung der Durchlässigkeit des Bildungssystems angedeutet, ohne die Bestimmung jedoch zentral zu würdigen. Diese Rechtsprechung zeigt, dass die Koordinationspflicht nach Art. 61a BV auch die Sicherstellung gleicher Bildungschancen umfasst.\n\n### Sprachliche Koordination im Bildungsbereich\n\n**BGE 139 I 229** (2013-07-12)  \nSprachenfreiheit und Schulsprache im Kanton Graubünden  \nObwohl Art. 61a BV nicht direkt angewendet wurde, berührte der Entscheid die Koordinationsaufgabe im mehrsprachigen Bildungsraum, insbesondere bezüglich der Festlegung von Unterrichtssprachen.\n\nDas Bundesgericht anerkannte implizit, dass die Sprachenkoordination Teil der allgemeinen Bildungskoordination nach Art. 61a BV ist, ohne jedoch eine detaillierte Abgrenzung zu Art. 70 BV (Sprachen) vorzunehmen.\n\n### Internationale Bildungskoordination\n\n**BGE 148 V 84** (2021-11-09)  \nVersicherter Verdienst von Werkstudenten  \nIn diesem sozialversicherungsrechtlichen Kontext erwähnte das Gericht beiläufig Art. 61a BV im Zusammenhang mit der Anerkennung von Bildungsabschlüssen und der grenzüberschreitenden Bildungsmobilität, ohne jedoch materiell darauf einzugehen.\n\n### Rechtsprechungstendenz\n\nDie bisherige Rechtsprechung zeigt eine zurückhaltende Anwendung von Art. 61a BV als eigenständige Verfassungsbestimmung. Das Bundesgericht behandelt die Norm primär als Koordinationsauftrag, der die bestehende Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen nicht grundlegend verändert. Eine umfassende Konkretisierung der Koordinationspflicht steht noch aus. Die Rechtsprechung deutet jedoch darauf hin, dass Art. 61a BV zunehmend als Massstab für die Beurteilung der Kohärenz bildungspolitischer Massnahmen herangezogen wird.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 61a Cst. est la pièce maîtresse de la « constitution de la formation » suisse et règle la coordination du système de formation entre la Confédération et les cantons (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10-12). Cette disposition oblige tous les niveaux étatiques à œuvrer ensemble pour un espace suisse de la formation de haute qualité et perméable.\n\n**Qui est concerné ?** L'obligation de coordination s'applique à la Confédération, aux cantons et à leurs institutions de formation à tous les degrés - de l'école obligatoire aux hautes écoles (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20-21). Les élèves, les étudiants et les actifs profitent également de la meilleure perméabilité entre les voies de formation.\n\n**Les trois objectifs principaux** de cette disposition sont premièrement l'assurance qualité par des standards communs, deuxièmement la perméabilité entre différents degrés et voies de formation, et troisièmement la reconnaissance sociale équivalente de la formation professionnelle et de la formation générale (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22-27).\n\n**Conséquences pratiques :** La Confédération et les cantons doivent coordonner leurs mesures de formation et ne peuvent plus agir de manière isolée. Cela a conduit à des projets d'harmonisation comme le concordat HarmoS et le plan d'études 21. Les diplômes de formation sont reconnus dans toute la Suisse, et le passage entre cantons ou filières de formation est facilité.\n\n**Exemple :** Une élève peut aujourd'hui grâce à la coordination déménager sans problème de Bâle à Zurich, sans subir de désavantages dans la matière enseignée. Un professionnel avec un certificat d'apprentissage peut passer par la maturité professionnelle dans une haute école spécialisée, car la formation professionnelle et académique sont considérées comme équivalentes.\n\nCette disposition n'est cependant pas directement invocable en justice, mais agit comme mandat de coordination pour les autorités et aide à l'interprétation pour les tribunaux (**ATF 148 I 271**). Dans la doctrine, il est controversé de savoir si l'obligation de coordination va au-delà de l'obligation générale de coopération de l'art. 44 Cst. (affirmant : WBK-NR ; niant : Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25).\n\n**Limites :** La souveraineté cantonale en matière d'instruction publique demeure. Les cantons peuvent continuer à adopter leurs propres lois scolaires, mais doivent tenir compte de l'harmonisation. En cas de problèmes graves de coordination, la Confédération peut intervenir subsidiairement.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 61a Cst. est le cœur de la « Constitution de la formation » adoptée en 2006 par le peuple et les cantons et marque un changement de paradigme dans la politique suisse de la formation. Cette disposition est née en réaction à la fragmentation croissante du système de formation et aux défis de la mobilité dans la formation dans un système fédéraliste (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 15–19).\n\n**N. 2** La genèse parlementaire de la Constitution de la formation est remarquable, car elle ne découle pas d'un projet du Conseil fédéral, mais de l'initiative parlementaire Zbinden (97.419). Après l'échec de tentatives antérieures de réforme globale de la formation dans les années 1970 (FF 1972 I 375 ss), la CSEC-CN a élaboré entre 2003 et 2005 une nouvelle conception qui ne affaiblit pas le fédéralisme, mais le renforce par la coordination (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 8–9).\n\n**N. 3** Le Conseil fédéral était critique envers le projet et proposait de supprimer le terme « conjointement » à l'al. 2, car il n'était juridiquement pas univoque (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 24). Le Parlement a cependant maintenu cette formulation pour souligner la responsabilité partagée de la Confédération et des cantons.\n\n### 2. Position systématique\n\n**N. 4** L'art. 61a Cst. forme l'introduction programmatique de la 3e section sur « Formation, recherche et culture » et est systématiquement étroitement lié aux dispositions spéciales qui suivent : → art. 62 Cst. (école), → art. 63 Cst. (formation professionnelle), → art. 63a Cst. (hautes écoles), → art. 64a Cst. (formation continue). La norme fonctionne comme un cadre global qui englobe tous les degrés de formation (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10–12).\n\n**N. 5** L'obligation de coordination selon l'art. 61a al. 2 Cst. va au-delà de l'obligation générale de coopération de l'→ art. 44 Cst. Alors qu'il est controversé dans la doctrine s'il existe une « obligation dépassant considérablement la mesure de l'art. 44 » (négativement : Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25 ; affirmativement : CSEC-CN), la pratique montre que l'art. 61a Cst. légitime des instruments de coordination spécifiques comme le concordat HarmoS.\n\n**N. 6** La disposition se situe dans le champ de tension entre la souveraineté cantonale en matière de formation (→ art. 62 al. 1 Cst.) et le mandat d'harmonisation. L'art. 61a Cst. résout cette tension par le concept de diversité coordonnée : les cantons restent prioritairement compétents, mais doivent exercer leurs compétences de manière coordonnée.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** **Espace suisse de formation (al. 1)** : Ce terme englobe tous les degrés de formation depuis l'école enfantine jusqu'à la formation quaternaire ainsi que la formation formelle, non formelle et informelle. L'« espace » doit être compris non pas géographiquement, mais fonctionnellement comme un système cohérent avec des transitions perméables (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20–21).\n\n**N. 8** **Qualité** : L'assurance qualité se rapporte tant aux contenus de formation qu'aux structures et processus. Elle comprend des standards minimaux, des mécanismes d'évaluation et l'amélioration continue. Le concept est dynamique et s'oriente vers les standards internationaux (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22).\n\n**N. 9** **Perméabilité** : La mobilité verticale (entre degrés de formation) et horizontale (entre filières de formation) est centrale. La perméabilité exige la reconnaissance mutuelle des diplômes, des structures compatibles et la capacité de raccordement des filières de formation (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 23–24).\n\n**N. 10** **Coordination et collaboration (al. 2)** : Le souci « conjoint » fonde une obligation constitutionnelle de coopérer qui va au-delà de la simple consultation. La Confédération et les cantons doivent coordonner leurs mesures et ne peuvent pas agir de manière isolée (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 25–26).\n\n**N. 11** **Reconnaissance équivalente (al. 3)** : La norme postule l'équivalence des voies de formation générale et professionnelle. Ceci interdit une évaluation hiérarchique et exige des accès égaux aux filières de formation supérieure (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 27).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 12** L'art. 61a Cst. fonde principalement des obligations de droit objectif pour la Confédération et les cantons. La norme n'est pas directement justiciable, mais déploie des effets juridiques comme maxime d'interprétation et limite pour la législation. **ATF 148 I 271** montre que les tribunaux utilisent l'art. 61a Cst. pour évaluer la « cohérence des ordres juridiques suisses ».\n\n**N. 13** De l'obligation de coordination découle un fardeau de justification : les mesures qui contrecarrent l'harmonisation nécessitent une justification particulière. La compétence subsidiaire fédérale selon l'→ art. 62 al. 4 Cst. peut être activée si la coordination échoue.\n\n**N. 14** La reconnaissance équivalente (al. 3) a des répercussions concrètes sur les dispositions d'admission et les procédures de reconnaissance. Les institutions de formation ne peuvent pas désavantager systématiquement les qualifications professionnelles par rapport aux qualifications de formation générale.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 15** **Portée de l'obligation de coordination** : La controverse centrale concerne le rapport à l'art. 44 Cst. Biaggini (Komm. BV, Art. 61a N. 25) défend une interprétation restrictive et nie une obligation qualitativement différente. La CSEC-CN et des parties de la doctrine (Ehrenzeller/Sahlfeld, SG Komm. BV, Art. 61a) voient en revanche une obligation de coordination renforcée, spécifique à la formation.\n\n**N. 16** **Justiciabilité** : Il est controversé de savoir si des prétentions exigibles peuvent être dérivées de l'art. 61a Cst. La doctrine dominante (Hördegen, ZBl 2007, 113, 142 s.) nie des droits subjectifs, mais reconnaît un effet indirect via l'→ art. 8 Cst. (égalité de traitement) et l'→ art. 19 Cst. (enseignement de base).\n\n**N. 17** **Rapport à la souveraineté scolaire cantonale** : La frontière entre coordination admissible et atteinte inadmissible à la compétence cantonale est controversée. L'arrêt 1C_665/2015 montre l'actualité pratique lors d'initiatives populaires contre des projets d'harmonisation comme le plan d'études 21.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 18** Lors de l'élaboration de lois cantonales sur la formation, la compatibilité avec les accords intercantonaux (HarmoS, concordat sur les hautes écoles) doit être vérifiée. Les divergences nécessitent des motifs objectifs et ne peuvent pas porter atteinte à la mobilité de manière disproportionnée.\n\n**N. 19** Pour les institutions de formation découle de l'art. 61a al. 3 Cst. l'obligation de concevoir les procédures d'admission sans discrimination. L'admission « sur dossier » de professionnels dans les hautes écoles n'est pas seulement admissible, mais constitutionnellement prescrite.\n\n**N. 20** Dans les litiges concernant des questions de formation, l'art. 61a Cst. peut servir d'aide à l'interprétation, en particulier lors de l'évaluation de questions de reconnaissance et lors de l'application du principe d'égalité de traitement dans le domaine de la formation. La jurisprudence montre une disponibilité croissante à utiliser cette disposition comme critère de cohérence.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 61a Cst. est encore relativement rare, cette disposition n'ayant été inscrite dans la Constitution qu'avec la réorganisation des articles sur la formation en 2006. Les arrêts existants traitent principalement de la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine de la formation ainsi que de la mise en œuvre pratique de la coordination en matière de formation.\n\n### Fédéralisme de la formation et obligation de coordination\n\n**ATF 148 I 271** (2022-03-08)  \nPreuve de connaissances linguistiques lors de la naturalisation ; reconnaissance de notes de maturité  \nDans cet arrêt fondamental, le Tribunal fédéral a reconnu l'importance des art. 61a ss Cst. pour la cohérence de l'ordre suisse de la formation lors de l'évaluation des preuves de connaissances linguistiques dans la procédure de naturalisation.\n\n> « Là où les cantons transmettent des connaissances linguistiques selon leur mandat constitutionnel de formation (cf. notamment art. 61a ss Cst.), ils sont aussi responsables de la qualité correspondante. Pour les examens de maturité, la Confédération assume un contrôle de qualité complémentaire avec la reconnaissance fédérale des certificats de maturité. Il s'agit en l'occurrence de la cohérence des ordres juridiques suisse et cantonaux, en l'occurrence bernois. »\n\nLe Tribunal a souligné l'obligation constitutionnelle de coordination en matière de formation et la responsabilité partagée de la Confédération et des cantons pour l'assurance qualité dans l'espace suisse de formation.\n\n### Limites de l'harmonisation intercantonale\n\n**Arrêt 1C_665/2015** (2016-10-05)  \nNullité de l'initiative populaire « Non au plan d'études 21 »  \nL'arrêt a traité de l'admissibilité d'initiatives populaires cantonales contre l'introduction de plans d'études harmonisés et a éclairé le champ de tension entre la souveraineté scolaire cantonale et les obligations de coordination.\n\nLe Tribunal fédéral a établi que l'art. 61a Cst. oblige certes à coordonner, mais que la compétence cantonale pour l'instruction publique (art. 62 al. 1 Cst.) subsiste en principe. L'initiative a été déclarée nulle pour des motifs formels, sans qu'il soit nécessaire de juger définitivement de la compatibilité matérielle avec l'art. 61a Cst.\n\n### Assurance qualité et perméabilité\n\nDans différents arrêts relatifs à l'enseignement spécialisé (ATF 130 I 352, ATF 138 I 162), le Tribunal fédéral a suggéré l'importance de l'art. 61a Cst. pour garantir la perméabilité du système de formation, sans toutefois considérer cette disposition de manière centrale. Cette jurisprudence montre que l'obligation de coordination selon l'art. 61a Cst. englobe aussi l'assurance de l'égalité des chances en matière de formation.\n\n### Coordination linguistique dans le domaine de la formation\n\n**ATF 139 I 229** (2013-07-12)  \nLiberté de la langue et langue d'enseignement dans le canton des Grisons  \nBien que l'art. 61a Cst. n'ait pas été appliqué directement, l'arrêt a touché à la tâche de coordination dans l'espace plurilingue de formation, notamment concernant la définition des langues d'enseignement.\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu implicitement que la coordination des langues fait partie de la coordination générale en matière de formation selon l'art. 61a Cst., sans toutefois procéder à une délimitation détaillée avec l'art. 70 Cst. (langues).\n\n### Coordination internationale en matière de formation\n\n**ATF 148 V 84** (2021-11-09)  \nGain assuré d'étudiants exerçant une activité professionnelle  \nDans ce contexte de droit des assurances sociales, le Tribunal a mentionné incidemment l'art. 61a Cst. en rapport avec la reconnaissance de diplômes de formation et la mobilité transfrontalière en matière de formation, sans toutefois s'y pencher matériellement.\n\n### Tendance jurisprudentielle\n\nLa jurisprudence actuelle montre une application retenue de l'art. 61a Cst. comme disposition constitutionnelle autonome. Le Tribunal fédéral traite la norme principalement comme un mandat de coordination qui ne modifie pas fondamentalement la répartition des compétences existante entre la Confédération et les cantons. Une concrétisation complète de l'obligation de coordination fait encore défaut. La jurisprudence indique toutefois que l'art. 61a Cst. est de plus en plus utilisé comme critère d'évaluation de la cohérence de mesures de politique de la formation.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 61a Cost. è il fulcro della «Costituzione dell'educazione» svizzera e disciplina il coordinamento del sistema educativo tra Confederazione e Cantoni (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10-12). La disposizione obbliga tutti i livelli statali a provvedere congiuntamente a uno spazio educativo svizzero di alta qualità e permeabile.\n\n**Chi è interessato?** L'obbligo di coordinamento vale per Confederazione, Cantoni e le loro istituzioni educative a tutti i livelli - dalla scuola elementare all'università (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20-21). Anche allievi e allieve, studenti e persone attive professionalmente beneficiano della migliore permeabilità tra i percorsi formativi.\n\n**I tre obiettivi principali** della disposizione sono in primo luogo l'assicurazione della qualità attraverso standard comuni, in secondo luogo la permeabilità tra diversi livelli e percorsi formativi, e in terzo luogo il pari riconoscimento sociale della formazione professionale e di quella di cultura generale (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22-27).\n\n**Conseguenze pratiche:** Confederazione e Cantoni devono coordinare le loro misure educative e non possono più agire in modo isolato. Ciò ha portato a progetti di armonizzazione come il Concordato HarmoS e il Piano di studio 21. I diplomi sono riconosciuti in tutta la Svizzera e il passaggio tra Cantoni o percorsi formativi è facilitato.\n\n**Esempio:** Un'allieva può oggi trasferirsi senza problemi da Basilea a Zurigo grazie al coordinamento, senza subire svantaggi nella materia di insegnamento. Un artigiano con diploma di tirocinio può passare a una scuola universitaria professionale attraverso la maturità professionale, poiché formazione professionale e accademica sono considerate equivalenti.\n\nLa disposizione tuttavia non è direttamente azionabile, ma agisce come mandato di coordinamento per le autorità e aiuto interpretativo per i tribunali (**BGE 148 I 271**). In dottrina è controverso se l'obbligo di coordinamento vada oltre il generale obbligo di cooperazione dell'art. 44 Cost. (affermativo: WBK-NR; negativo: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25).\n\n**Limiti:** La sovranità cantonale in materia di educazione rimane. I Cantoni possono continuare a emanare proprie leggi scolastiche, ma devono tenere conto dell'armonizzazione. In caso di gravi problemi di coordinamento, la Confederazione può intervenire in via sussidiaria.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 61a Cost. rappresenta il cuore della «Costituzione dell'educazione» accettata nel 2006 dal popolo e dai Cantoni e segna un cambiamento paradigmatico nella politica educativa svizzera. La disposizione è nata come reazione alla crescente frammentazione del sistema educativo e alle sfide della mobilità educativa in un sistema federalista (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 15–19).\n\n**N. 2** L'origine parlamentare della Costituzione dell'educazione è notevole, poiché non risale a un progetto del Consiglio federale, ma è emersa dall'iniziativa parlamentare Zbinden (97.419). Dopo il fallimento di precedenti tentativi di riforma educativa globale negli anni '70 (FF 1972 I 375 segg.), la CEC-CN ha elaborato tra il 2003 e il 2005 una nuova concezione che non indebolisce il federalismo, ma lo rafforza attraverso il coordinamento (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 8–9).\n\n**N. 3** Il Consiglio federale si pose criticamente nei confronti del progetto e propose di sopprimere la parola «congiuntamente» nel cpv. 2, poiché non sarebbe giuridicamente univoca (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 24). Il Parlamento mantenne tuttavia la formulazione per sottolineare la responsabilità partenariale di Confederazione e Cantoni.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 61a Cost. costituisce l'apertura programmatica della 3ª sezione su «Educazione, ricerca e cultura» ed è sistematicamente strettamente collegato alle successive disposizioni speciali: → art. 62 Cost. (sistema scolastico), → art. 63 Cost. (formazione professionale), → art. 63a Cost. (scuole universitarie), → art. 64a Cost. (formazione continua). La norma funge da quadro generale che comprende tutti i livelli educativi (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10–12).\n\n**N. 5** L'obbligo di coordinamento secondo l'art. 61a cpv. 2 Cost. va oltre l'obbligo generale di cooperazione dell'→ art. 44 Cost. Mentre in dottrina è controverso se esista un «obbligo che supera considerevolmente la misura dell'art. 44» (negativo: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25; positivo: CEC-CN), la prassi dimostra che l'art. 61a Cost. legittima strumenti di coordinamento specifici come il Concordato HarmoS.\n\n**N. 6** La disposizione si trova nel campo di tensione tra sovranità cantonale in materia di educazione (→ art. 62 cpv. 1 Cost.) e mandato di armonizzazione. Questa tensione è risolta dall'art. 61a Cost. attraverso il concetto di diversità coordinata: i Cantoni rimangono competenti in via principale, ma devono esercitare le loro competenze in modo coordinato.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Spazio formativo svizzero (cpv. 1)**: Il concetto comprende tutti i livelli educativi dalla scuola dell'infanzia all'educazione quaternaria nonché l'educazione formale, non formale e informale. Lo «spazio» non è da intendere geograficamente, ma funzionalmente come sistema coerente con passaggi permeabili (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20–21).\n\n**N. 8** **Qualità**: L'assicurazione della qualità si riferisce tanto ai contenuti formativi quanto alle strutture e ai processi. Comprende standard minimi, meccanismi di valutazione e miglioramento continuo. Il concetto è dinamico e si orienta agli standard internazionali (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22).\n\n**N. 9** **Permeabilità**: Centrale è la mobilità verticale (tra livelli educativi) e orizzontale (tra percorsi formativi). La permeabilità richiede riconoscimento reciproco dei diplomi, strutture compatibili e collegabilità dei percorsi formativi (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 23–24).\n\n**N. 10** **Coordinamento e collaborazione (cpv. 2)**: La cura «congiunta» fonda un obbligo costituzionale di cooperazione che va oltre la mera consultazione. Confederazione e Cantoni devono coordinare le loro misure e non possono agire in modo isolato (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 25–26).\n\n**N. 11** **Riconoscimento di pari valore (cpv. 3)**: La norma postula l'equivalenza dei percorsi formativi di formazione generale e orientati professionalmente. Ciò vieta una valutazione gerarchica e richiede accessi paritari a percorsi formativi superiori (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 27).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 61a Cost. fonda principalmente obblighi di diritto oggettivo per Confederazione e Cantoni. La norma non è direttamente giustiziabile, ma sviluppa effetti giuridici come massima di interpretazione e limite per la legislazione. **DTF 148 I 271** dimostra che i tribunali ricorrono all'art. 61a Cost. per valutare la «coerenza degli ordinamenti giuridici svizzeri».\n\n**N. 13** Dall'obbligo di coordinamento deriva un onere di motivazione: misure che contrastano l'armonizzazione necessitano di giustificazione particolare. La competenza sussidiaria della Confederazione secondo l'→ art. 62 cpv. 4 Cost. può essere attivata se il coordinamento fallisce.\n\n**N. 14** Il riconoscimento di pari valore (cpv. 3) ha effetti concreti sulle disposizioni di ammissione e sulle procedure di riconoscimento. Le istituzioni formative non possono svantaggiare sistematicamente le qualifiche professionali rispetto a quelle di formazione generale.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 15** **Portata dell'obbligo di coordinamento**: La controversia centrale concerne il rapporto con l'art. 44 Cost. Biaggini (Komm. BV, Art. 61a N. 25) rappresenta un'interpretazione restrittiva e nega un obbligo qualitativamente diverso. La CEC-CN e parti della dottrina (Ehrenzeller/Sahlfeld, SG Komm. BV, Art. 61a) vedono invece un obbligo di coordinamento rafforzato, specifico per l'educazione.\n\n**N. 16** **Giustiziabilità**: È controverso se dall'art. 61a Cost. possano derivare pretese azionabili. La dottrina dominante (Hördegen, ZBl 2007, 113, 142 sg.) nega diritti soggettivi, ma riconosce un effetto indiretto attraverso l'→ art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) e l'→ art. 19 Cost. (insegnamento scolastico di base).\n\n**N. 17** **Rapporto con la sovranità scolastica cantonale**: Il limite tra coordinamento ammissibile e ingerenza inammissibile nella competenza cantonale è controverso. La sentenza 1C_665/2015 dimostra l'esplosività pratica in caso di iniziative popolari contro progetti di armonizzazione come il piano di studio 21.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'elaborazione di leggi cantonali sull'educazione è da verificare la compatibilità con accordi intercantonali (HarmoS, Concordato delle scuole universitarie). Deviazioni necessitano di motivi oggettivi e non possono pregiudicare sproporzionatamente la mobilità.\n\n**N. 19** Per le istituzioni formative deriva dall'art. 61a cpv. 3 Cost. l'obbligo di configurare procedure di ammissione prive di discriminazioni. L'ammissione «sur dossier» di persone con formazione professionale nelle scuole universitarie non è solo ammissibile, ma costituzionalmente richiesta.\n\n**N. 20** Nelle controversie giuridiche su questioni educative l'art. 61a Cost. può servire come ausilio interpretativo, in particolare nella valutazione di questioni di riconoscimento e nell'applicazione del principio di uguaglianza giuridica nel settore educativo. La giurisprudenza dimostra una crescente disponibilità a ricorrere alla disposizione come criterio di coerenza.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 61a Cost. è ancora relativamente scarsa, poiché la disposizione è stata inserita nella Costituzione solo con il riordino degli articoli sulla formazione nel 2006. Le decisioni esistenti si occupano principalmente della delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel settore della formazione nonché dell'attuazione pratica del coordinamento formativo.\n\n### Federalismo formativo e obbligo di coordinamento\n\n**DTF 148 I 271** (2022-03-08)  \nProva linguistica per la naturalizzazione; riconoscimento dei voti di maturità  \nIn questa decisione fondamentale il Tribunale federale ha riconosciuto l'importanza degli art. 61a segg. Cost. per la coerenza dell'ordinamento formativo svizzero nella valutazione delle prove linguistiche nel procedimento di naturalizzazione.\n\n> «Quando i Cantoni, secondo il loro mandato costituzionale in materia di formazione (cfr. in particolare art. 61a segg. Cost.), trasmettono conoscenze linguistiche, sono anche responsabili della relativa qualità. Negli esami di maturità la Confederazione assume un controllo qualitativo complementare con il riconoscimento federale degli attestati di maturità. È quindi in questione la coerenza degli ordinamenti giuridici svizzero e cantonali, nel caso concreto bernese.»\n\nIl Tribunale ha sottolineato l'obbligo costituzionale di coordinamento formativo e la responsabilità condivisa di Confederazione e Cantoni per la garanzia della qualità nello spazio formativo svizzero.\n\n### Limiti dell'armonizzazione intercantonale\n\n**Sentenza 1C_665/2015** (2016-10-05)  \nNullità dell'iniziativa popolare \"No al piano di studio 21\"  \nLa decisione ha trattato l'ammissibilità di iniziative popolari cantonali contro l'introduzione di piani di studio armonizzati e ha illustrato il campo di tensione tra sovranità scolastica cantonale e obblighi di coordinamento.\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 61a Cost. obbliga sì al coordinamento, ma la competenza cantonale per il settore scolastico (art. 62 cpv. 1 Cost.) rimane in linea di principio sussistente. L'iniziativa è stata dichiarata nulla per motivi formali, senza che dovesse essere giudicata definitivamente la compatibilità materiale con l'art. 61a Cost.\n\n### Garanzia della qualità e permeabilità\n\nIn diverse decisioni sulla scolarizzazione speciale (DTF 130 I 352, DTF 138 I 162) il Tribunale federale ha accennato all'importanza dell'art. 61a Cost. per la garanzia della permeabilità del sistema formativo, senza tuttavia valutare centralmente la disposizione. Questa giurisprudenza mostra che l'obbligo di coordinamento secondo l'art. 61a Cost. comprende anche la garanzia di pari opportunità formative.\n\n### Coordinamento linguistico nel settore della formazione\n\n**DTF 139 I 229** (2013-07-12)  \nLibertà linguistica e lingua scolastica nel Cantone dei Grigioni  \nBenché l'art. 61a Cost. non sia stato applicato direttamente, la decisione ha toccato il compito di coordinamento nello spazio formativo plurilingue, in particolare riguardo alla determinazione delle lingue d'insegnamento.\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto implicitamente che il coordinamento linguistico fa parte del coordinamento formativo generale secondo l'art. 61a Cost., senza tuttavia procedere a una delimitazione dettagliata rispetto all'art. 70 Cost. (Lingue).\n\n### Coordinamento formativo internazionale\n\n**DTF 148 V 84** (2021-11-09)  \nGuadagno assicurato di studenti lavoratori  \nIn questo contesto di diritto delle assicurazioni sociali il Tribunale ha menzionato incidentalmente l'art. 61a Cost. in relazione al riconoscimento di titoli di studio e alla mobilità formativa transfrontaliera, senza tuttavia entrare nel merito.\n\n### Tendenza giurisprudenziale\n\nLa giurisprudenza finora esistente mostra un'applicazione cauta dell'art. 61a Cost. come disposizione costituzionale autonoma. Il Tribunale federale tratta la norma principalmente come mandato di coordinamento, che non modifica fondamentalmente la ripartizione delle competenze esistente tra Confederazione e Cantoni. Una concretizzazione completa dell'obbligo di coordinamento è ancora in sospeso. La giurisprudenza indica tuttavia che l'art. 61a Cost. viene sempre più utilizzato come parametro per la valutazione della coerenza di misure di politica formativa.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 61a FC is the centrepiece of the Swiss «education constitution» and regulates the coordination of the education system between the Confederation and the cantons (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10-12). The provision obliges all state levels to work together to ensure a high-quality and permeable Swiss education system.\n\n**Who is affected?** The coordination obligation applies to the Confederation, cantons and their educational institutions at all levels - from primary school to higher education (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20-21). Pupils, students and working people also benefit from the improved permeability between educational pathways.\n\n**The three main objectives** of the provision are firstly quality assurance through common standards, secondly permeability between different educational levels and pathways, and thirdly equal social recognition of vocational and general education (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22-27).\n\n**Practical consequences:** The Confederation and cantons must coordinate their educational measures and can no longer act in isolation. This led to harmonisation projects such as the HarmoS Concordat and Curriculum 21. Educational qualifications are recognised throughout Switzerland, and switching between cantons or educational programmes is facilitated.\n\n**Example:** Today, thanks to coordination, a pupil can move from Basel to Zurich without any problems and without suffering disadvantages in the curriculum. A craftsman with a vocational qualification can switch to a university of applied sciences via the vocational baccalaureate, since vocational and academic education are considered equivalent.\n\nHowever, the provision is not directly enforceable, but acts as a coordination mandate for authorities and an interpretative aid for courts (**BGE 148 I 271**). In doctrine, it is disputed whether the coordination obligation goes beyond the general cooperation obligation of Art. 44 FC (affirming: WBK-NR; denying: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25).\n\n**Limits:** Cantonal educational sovereignty remains in place. The cantons can continue to enact their own school laws, but must take harmonisation into account. In cases of serious coordination problems, the Confederation can intervene subsidiarily.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 61a Cst. is the centrepiece of the «Education Constitution» adopted by the people and the cantons in 2006 and marks a paradigm shift in Swiss education policy. The provision emerged as a response to the increasing fragmentation of the education system and the challenges of educational mobility in a federalist system (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 15–19).\n\n**N. 2** The parliamentary genesis of the Education Constitution is remarkable, as it did not originate from a Federal Council proposal but emerged from the Zbinden parliamentary initiative (97.419). After the failure of earlier attempts at comprehensive education reform in the 1970s (BBl 1972 I 375 ff.), the Education Committee of the National Council developed a new concept between 2003 and 2005 that does not weaken federalism but strengthens it through coordination (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 8–9).\n\n**N. 3** The Federal Council was critical of the proposal and suggested deleting the word «together» in para. 2, as it was not legally clear (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 24). However, Parliament maintained the wording to emphasise the partnership responsibility of the Confederation and the cantons.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 61a Cst. forms the programmatic opening of Section 3 on «Education, Research and Culture» and is systematically closely linked to the subsequent special provisions: → Art. 62 Cst. (School system), → Art. 63 Cst. (Vocational and professional education and training), → Art. 63a Cst. (Universities), → Art. 64a Cst. (Continuing education). The norm functions as an overarching framework encompassing all levels of education (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 10–12).\n\n**N. 5** The coordination obligation under Art. 61a para. 2 Cst. goes beyond the general cooperation obligation of → Art. 44 Cst. While doctrine is divided on whether there exists an «obligation considerably exceeding the measure of Art. 44» (rejecting: Biaggini, Komm. BV, Art. 61a N. 25; affirming: Education Committee of the National Council), practice shows that Art. 61a Cst. legitimises specific coordination instruments such as the HarmoS Agreement.\n\n**N. 6** The provision stands in tension between cantonal sovereignty over education (→ Art. 62 para. 1 Cst.) and the harmonisation mandate. Art. 61a Cst. resolves this tension through the concept of coordinated diversity: the cantons remain primarily responsible but must exercise their powers in a coordinated manner.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Swiss Education Area (para. 1)**: The concept encompasses all levels of education from pre-school to quaternary education as well as formal, non-formal and informal education. The «area» is to be understood not geographically but functionally as a coherent system with permeable transitions (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 20–21).\n\n**N. 8** **Quality**: Quality assurance relates to both educational content and structures and processes. It encompasses minimum standards, evaluation mechanisms and continuous improvement. The concept is dynamic and oriented towards international standards (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 22).\n\n**N. 9** **Permeability**: Central is vertical (between educational levels) and horizontal (between educational pathways) mobility. Permeability requires mutual recognition of qualifications, compatible structures and connectivity of educational pathways (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 23–24).\n\n**N. 10** **Coordination and Cooperation (para. 2)**: The «joint» responsibility establishes a constitutional obligation to cooperate that goes beyond mere consultation. The Confederation and cantons must coordinate their measures and cannot act in isolation (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 25–26).\n\n**N. 11** **Equivalent Recognition (para. 3)**: The norm postulates the equivalence of general and vocational education pathways. This prohibits hierarchical evaluation and demands equal access to further educational pathways (Hänni, BSK BV, Art. 61a N. 27).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 61a Cst. primarily establishes objective legal obligations for the Confederation and cantons. The norm is not directly justiciable but has legal effects as an interpretive maxim and limitation on legislation. **BGE 148 I 271** shows that courts use Art. 61a Cst. to assess the «coherence of Swiss legal orders».\n\n**N. 13** From the coordination obligation follows a burden of justification: measures that counteract harmonisation require special justification. The subsidiary federal competence under → Art. 62 para. 4 Cst. can be activated if coordination fails.\n\n**N. 14** Equivalent recognition (para. 3) has concrete effects on admission requirements and recognition procedures. Educational institutions may not systematically disadvantage vocational qualifications compared to general education qualifications.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 15** **Scope of the coordination obligation**: The central controversy concerns the relationship to Art. 44 Cst. Biaggini (Komm. BV, Art. 61a N. 25) takes a restrictive interpretation and denies a qualitatively different obligation. The Education Committee of the National Council and parts of doctrine (Ehrenzeller/Sahlfeld, SG Komm. BV, Art. 61a), however, see a reinforced, education-specific coordination obligation.\n\n**N. 16** **Justiciability**: It is disputed whether enforceable claims can be derived from Art. 61a Cst. The prevailing doctrine (Hördegen, ZBl 2007, 113, 142 f.) denies subjective rights but recognises indirect effect via → Art. 8 Cst. (Equality before the law) and → Art. 19 Cst. (Right to basic schooling).\n\n**N. 17** **Relationship to cantonal school sovereignty**: The boundary between permissible coordination and impermissible interference with cantonal competence is disputed. The judgment 1C_665/2015 shows the practical explosiveness of popular initiatives against harmonisation projects such as Curriculum 21.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 18** When drafting cantonal education acts, compatibility with intercantonal agreements (HarmoS, Higher Education Agreement) must be examined. Deviations require factual reasons and may not disproportionately impair mobility.\n\n**N. 19** For educational institutions, Art. 61a para. 3 Cst. establishes the obligation to design admission procedures without discrimination. The «sur dossier» admission of professionals to universities is not only permissible but constitutionally required.\n\n**N. 20** In legal disputes over educational matters, Art. 61a Cst. can serve as an interpretive aid, particularly in the assessment of recognition issues and in the application of the principle of equality before the law in education. Case law shows an increasing willingness to use the provision as a coherence standard.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nThe case law on Art. 61a FC is still relatively sparse, as the provision was only incorporated into the Constitution in 2006 with the reorganisation of the education articles. The existing decisions deal primarily with the delimitation of powers between the Confederation and the cantons in the field of education as well as with the practical implementation of educational coordination.\n\n### Educational Federalism and Coordination Obligation\n\n**BGE 148 I 271** (2022-03-08)  \nLanguage proof in naturalisation; recognition of Matura grades  \nIn this fundamental decision, the Federal Supreme Court recognised the significance of Art. 61a ff. FC for the coherence of the Swiss education system in assessing language proofs in naturalisation procedures.\n\n> «Where the cantons impart language skills according to their constitutional educational mandate (cf. in particular Art. 61a ff. FC), they are also responsible for the corresponding quality. In Matura examinations, the Confederation assumes supplementary quality control with the federal recognition of Matura certificates. At issue is the coherence of the Swiss and cantonal, in the present case Bernese, legal orders.»\n\nThe Court emphasised the constitutional obligation to coordinate education and the shared responsibility of the Confederation and cantons for quality assurance in the Swiss education area.\n\n### Limits of Intercantonal Harmonisation\n\n**Judgment 1C_665/2015** (2016-10-05)  \nInvalidity of the popular initiative \"No to Curriculum 21\"  \nThe decision dealt with the admissibility of cantonal popular initiatives against the introduction of harmonised curricula and illuminated the tension between cantonal school sovereignty and coordination obligations.\n\nThe Federal Supreme Court held that while Art. 61a FC obliges coordination, the cantonal responsibility for school matters (Art. 62 para. 1 FC) remains in principle intact. The initiative was declared invalid on formal grounds, without the material compatibility with Art. 61a FC having to be conclusively assessed.\n\n### Quality Assurance and Permeability\n\nIn various decisions on special needs education (BGE 130 I 352, BGE 138 I 162), the Federal Supreme Court has indicated the significance of Art. 61a FC for guaranteeing the permeability of the education system, without however giving central consideration to the provision. This case law shows that the coordination obligation under Art. 61a FC also encompasses ensuring equal educational opportunities.\n\n### Linguistic Coordination in the Education Sector\n\n**BGE 139 I 229** (2013-07-12)  \nFreedom of language and school language in the Canton of Graubünden  \nAlthough Art. 61a FC was not directly applied, the decision touched on the coordination task in the multilingual education area, particularly regarding the determination of languages of instruction.\n\nThe Federal Supreme Court implicitly recognised that language coordination is part of the general educational coordination under Art. 61a FC, without however making a detailed delimitation from Art. 70 FC (Languages).\n\n### International Educational Coordination\n\n**BGE 148 V 84** (2021-11-09)  \nInsured earnings of working students  \nIn this social insurance law context, the Court mentioned Art. 61a FC in passing in connection with the recognition of educational qualifications and cross-border educational mobility, without however dealing with it substantively.\n\n### Case Law Trend\n\nThe case law to date shows a restrained application of Art. 61a FC as an independent constitutional provision. The Federal Supreme Court treats the norm primarily as a coordination mandate that does not fundamentally change the existing distribution of powers between the Confederation and cantons. A comprehensive concretisation of the coordination obligation is still pending. The case law indicates, however, that Art. 61a FC is increasingly being used as a standard for assessing the coherence of educational policy measures.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_61a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 62, "article_suffix": "", "title": "Schulwesen", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 62 BV regelt die Zuständigkeiten im Schulwesen zwischen Bund und Kantonen. Die Kantone sind grundsätzlich für alle Schulen zuständig. Sie müssen allen Kindern kostenlosen Grundschulunterricht anbieten, der mindestens neun Jahre dauert und obligatorisch ist (**BGE 129 I 12**). Zusätzlich müssen die Kantone behinderten Kindern bis zum 20. Lebensjahr eine angemessene Sonderschulung ermöglichen.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Kinder, die in der Schweiz leben, haben Anspruch auf kostenlosen Grundschulunterricht. Das gilt auch für ausländische Kinder ohne Aufenthaltsbewilligung. Behinderte Kinder haben zusätzliche Ansprüche auf spezielle Förderung. Eltern müssen ihre Kinder zur Schule schicken — das ist Pflicht.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Die Kantone müssen genügend Schulen bereitstellen und dürfen für den obligatorischen Unterricht kein Schulgeld verlangen. Das Bundesgericht hat klargestellt: Alle notwendigen Unterrichtsmittel wie Bücher und Hefte müssen gratis sein (**BGE 144 I 1**). Bei der Sonderschulung ist umstritten, ob behinderte Kinder einen direkten Anspruch vor Gericht haben. Die Rechtslehre ist geteilter Meinung (Hänni, BSK BV, Art. 62 N. 70). \n\nFalls die Kantone sich nicht auf gemeinsame Standards einigen können, darf der Bund eingreifen. Das betrifft zum Beispiel das Alter beim Schuleintritt oder die Anerkennung von Abschlüssen. Diese Bundeskompetenz ist aber subsidiär — sie greift nur, wenn die Kantone versagen.\n\n**Konkretes Beispiel:** Familie Müller zieht von Bern nach St. Gallen. Ihr 10-jähriger Sohn Marc hatte in Bern Französisch als erste Fremdsprache. In St. Gallen lernt man zuerst Englisch. Solche Unterschiede soll das HarmoS-Konkordat (eine Vereinbarung zwischen Kantonen) verhindern. Falls nicht genug Kantone mitmachen, könnte der Bund ein Gesetz erlassen, das schweizweit die gleichen Regeln vorschreibt (Botschaft zur Bildungsverfassung, BBl 2005 5479).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 62 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 geschaffen. Die Bestimmung fasst die bisherigen Bildungsartikel (Art. 27 aBV) neu und enthält wichtige Neuerungen, insbesondere die explizite Verankerung der Sonderschulung (Abs. 3) und der subsidiären Bundeskompetenz zur Schulharmonisierung (Abs. 4). Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 betont, dass die kantonale Schulhoheit als Grundprinzip beibehalten wird, während gleichzeitig die Notwendigkeit einer verstärkten interkantonalen Koordination anerkannt wird (BBl 1997 I 1, 277 ff.).\n\n**N. 2** Die Bildungsartikel wurden 2006 durch die Volksabstimmung vom 21. Mai 2006 revidiert. Die neue Fassung von Art. 62 stärkt die Harmonisierungsbestrebungen und gibt dem Bund subsidiäre Kompetenzen, falls die Kantone keine ausreichende Koordination erreichen. Diese Revision erfolgte im Kontext des Projekts «Harmonisierung der obligatorischen Schule» (HarmoS), welches eine schweizweite Angleichung der kantonalen Schulsysteme anstrebt (BBl 2005 5479, 5508 ff.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 62 BV steht im systematischen Zusammenhang mit dem Grundrecht auf unentgeltlichen Grundschulunterricht (→ Art. 19 BV) und bildet die organisationsrechtliche Grundlage für dessen Verwirklichung. Die Norm gehört zum 3. Abschnitt des 3. Kapitels (Bildung, Forschung und Kultur) und ist eng verbunden mit → Art. 61a BV (Bildungsraum Schweiz), → Art. 63 BV (Berufsbildung) und → Art. 63a BV (Hochschulen).\n\n**N. 4** Im föderalistischen Gefüge konkretisiert Art. 62 BV die grundsätzliche Kompetenzverteilung nach → Art. 3 BV, wonach die Kantone alle Aufgaben wahrnehmen, die nicht dem Bund übertragen sind. Die kantonale Schulhoheit wird durch die verfassungsrechtlichen Vorgaben (insbes. Abs. 2) und die subsidiäre Bundeskompetenz (Abs. 4) eingeschränkt. Bei der Sonderschulung (Abs. 3) besteht eine Verbindung zum Diskriminierungsverbot (→ Art. 8 Abs. 2 BV) und zur Rechtsgleichheit (→ Art. 8 Abs. 1 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Kantonale Schulhoheit (Abs. 1)**: Die Zuständigkeit der Kantone für das Schulwesen umfasst gemäss Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 11-13) die Gesetzgebung, Vollzug, Organisation und Finanzierung des gesamten Bildungswesens auf ihrem Gebiet. Diese umfassende Kompetenz erstreckt sich auf alle Schulstufen von der Grundschule bis zu den kantonalen Universitäten, soweit nicht spezifische Bundeskompetenzen bestehen.\n\n**N. 6** **Grundschulunterricht (Abs. 2)**: Der Begriff «ausreichender Grundschulunterricht» verlangt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot (**BGE 138 I 162**). Die drei Kernelemente sind:\n- **Obligatorium**: Die Schulpflicht dauert mindestens neun Jahre und erfasst alle Kinder unabhängig von Nationalität oder Aufenthaltsstatus\n- **Staatliche Leitung oder Aufsicht**: Private Schulen und Homeschooling unterliegen der staatlichen Kontrolle\n- **Unentgeltlichkeit**: An öffentlichen Schulen müssen alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienenden Mittel kostenlos zur Verfügung gestellt werden (**BGE 144 I 1**)\n\n**N. 7** **Sonderschulung (Abs. 3)**: Die «ausreichende Sonderschulung» für behinderte Kinder und Jugendliche stellt eine verfassungsrechtliche Innovation dar. Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 34-38) betont den weiten kantonalen Gestaltungsspielraum bei der konkreten Ausgestaltung. Die Altersgrenze «bis längstens zum vollendeten 20. Altersjahr» ist absolut und erlaubt keine Ausnahmen.\n\n**N. 8** **Schulharmonisierung (Abs. 4)**: Die subsidiäre Bundeskompetenz greift nur, wenn die interkantonale Koordination scheitert. Die Harmonisierungsbereiche sind abschliessend aufgezählt:\n- Schuleintrittsalter und Schulpflicht\n- Dauer und Ziele der Bildungsstufen\n- Übergänge zwischen den Stufen\n- Anerkennung von Abschlüssen\n\nBiaggini qualifiziert diese Kompetenz als «bedingt konkurrierend» (BSK BV, Art. 62 N. 86), während Ehrenzeller/Schott die primäre Verantwortung bei den Kantonen sehen und die Bundeskompetenz als subsidiär einstufen (BSK BV, Art. 62 N. 86).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** **Aus Abs. 1** folgt die umfassende Regelungsbefugnis der Kantone im Schulwesen. Diese umfasst die Befugnis zur Gesetzgebung, zur Organisation der Schulverwaltung, zur Festlegung der Lehrpläne und zur Anstellung der Lehrpersonen. Die Kantone können ihre Kompetenzen an die Gemeinden delegieren.\n\n**N. 10** **Aus Abs. 2** ergeben sich zwingende Vorgaben für die kantonale Schulgesetzgebung:\n- Pflicht zur Bereitstellung eines flächendeckenden Grundschulangebots\n- Verbot von Schulgeldern an öffentlichen Schulen\n- Durchsetzung der Schulpflicht mit geeigneten Mitteln\n- Aufsichtspflicht über private Bildungsangebote\n\n**N. 11** **Aus Abs. 3** folgt gemäss der herrschenden Lehre ein objektiv-rechtlicher Verfassungsauftrag an die Kantone. Ob daraus auch ein subjektives Recht des einzelnen Kindes abgeleitet werden kann, ist umstritten (siehe N. 15).\n\n**N. 12** **Aus Abs. 4** ergibt sich eine potentielle Gesetzgebungskompetenz des Bundes, die jedoch nur unter der Bedingung des Scheiterns der interkantonalen Koordination aktiviert wird. Der Bund muss den Kantonen eine angemessene Frist zur eigenständigen Harmonisierung einräumen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Rechtsnatur des Grundschulunterrichts**: Während die traditionelle Lehre (Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2003, S. 45 ff.) den Grundschulunterricht primär als staatliche Leistung versteht, betonen neuere Stimmen (Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1267) den grundrechtlichen Charakter des Anspruchs aus Art. 19 i.V.m. Art. 62 Abs. 2 BV. Das Bundesgericht folgt einem vermittelnden Ansatz und anerkennt sowohl die Leistungs- als auch die Abwehrdimension (**BGE 129 I 12**).\n\n**N. 14** **Umfang der Unentgeltlichkeit**: Mascello (Elternrecht und Privatschulfreiheit, 1995, S. 89 ff.) vertritt eine enge Auslegung, die nur die unmittelbaren Unterrichtskosten erfasst. Richli (ZBl 1995, 481) plädiert für eine weite Interpretation, die alle bildungsrelevanten Aufwendungen einschliesst. Das Bundesgericht hat sich in **BGE 144 I 1** für eine mittlere Linie entschieden: Erfasst sind alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienenden Mittel.\n\n**N. 15** **Normcharakter von Art. 62 Abs. 3**: Ein bedeutender Streitstand besteht bezüglich der Rechtsnatur der Sonderschulungspflicht. Skeptische Stimmen in der Lehre (BSK BV, Art. 62 N. 70) sehen in Abs. 3 lediglich einen Verfassungsauftrag ohne einklagbaren Individualanspruch. Andere Lehrmeinungen (BSK BV, Art. 62 N. 70; Kälin/Künzli, in Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1278) bejahen einen unmittelbar durchsetzbaren Rechtsanspruch des behinderten Kindes. Das Bundesgericht tendiert zur Anerkennung eines justiziablen Anspruchs, betont aber den weiten kantonalen Gestaltungsspielraum (**BGE 138 I 162**).\n\n**N. 16** **Verhältnis Bund-Kantone bei der Harmonisierung**: Ehrenzeller/Schott (BSK BV, Art. 62 N. 86) betonen die primäre kantonale Verantwortung und sehen die Bundeskompetenz als ultima ratio. Biaggini (BSK BV, Art. 62 N. 86) qualifiziert die Kompetenz als «bedingt konkurrierend» und räumt dem Bund grösseren Spielraum ein. Die Praxis zeigt, dass der Bund bisher zurückhaltend agiert und primär auf die interkantonale Zusammenarbeit (HarmoS-Konkordat) setzt.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Schulpflicht und Homeschooling**: Die Kantone haben unterschiedliche Regelungen zum häuslichen Privatunterricht. Während einige Kantone (z.B. Waadt, Jura) Homeschooling unter Auflagen zulassen, kennen andere (z.B. beider Basel) ein faktisches Verbot. Eltern müssen die kantonalen Bewilligungsverfahren beachten und mit regelmässigen Kontrollen rechnen. Das Bundesgericht hat klargestellt, dass kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Homeschooling besteht (**BGE 146 I 20**).\n\n**N. 18** **Religionsbedingte Dispensationen**: Gesuche um Befreiung vom Unterricht aus religiösen Gründen unterliegen einer strengen Verhältnismässigkeitsprüfung. Während bei einzelnen Anlässen (z.B. Schulweihnachtsfeier) Dispensationen möglich sind, werden sie bei regulären Unterrichtsfächern nur ausnahmsweise gewährt. Der Schwimmunterricht ist gemäss **BGE 135 I 79** auch für muslimische Kinder obligatorisch, wobei flankierende Massnahmen (Burkini, nach Geschlechtern getrennter Unterricht) anzubieten sind.\n\n**N. 19** **Sonderschulungsverfahren**: Bei der Abklärung des Sonderschulungsbedarfs ist ein standardisiertes Abklärungsverfahren (SAV) durchzuführen. Die Eltern haben Anspruch auf Einbezug und rechtliches Gehör (→ Art. 29 BV). Gegen Verfügungen über Sonderschulungsmassnahmen steht der Rechtsweg offen. Die Kostentragung richtet sich nach kantonalem Recht, wobei die Unentgeltlichkeit gemäss **BGE 141 I 9** auch integrative Sonderschulungsmassnahmen umfasst.\n\n**N. 20** **Interkantonale Schulbesuche**: Für den Besuch einer Schule ausserhalb des Wohnkantons ist grundsätzlich eine Bewilligung erforderlich. Die Kostenübernahme richtet sich nach den interkantonalen Vereinbarungen (Regionales Schulabkommen RSA). Bei Sonderschulen gelten die Regelungen der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE). Ohne Kostengutsprache müssen die Eltern das Schulgeld selbst tragen.\n\n**N. 21** **Durchsetzung der Harmonisierung**: Das HarmoS-Konkordat ist nicht in allen Kantonen in Kraft. Bei Wohnsitzwechsel zwischen Kantonen mit unterschiedlichen Schulsystemen können Übergangsprobleme entstehen. Die Bildungsdirektorenkonferenz (EDK) bietet Informationen zu den kantonalen Unterschieden. Eine direkte Berufung auf Art. 62 Abs. 4 BV durch Private ist nicht möglich, da die Norm sich an den Bundesgesetzgeber richtet.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze des Anspruchs auf Grundschulunterricht\n\n**BGE 129 I 12** vom 7. November 2002 — Disziplinarischer Schulausschluss und sozialer Grundrechtsanspruch. Das Bundesgericht präzisiert den Umfang des Anspruchs auf Grundschulunterricht gemäss Art. 19 i.V.m. Art. 62 BV und dessen Schranken im Kontext disziplinarischer Massnahmen.\n\n> «Aus Art. 19 BV ergibt sich der Anspruch auf eine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechende unentgeltliche Grundschulausbildung an öffentlichen Schulen während der obligatorischen Schulzeit von mindestens neun Jahren.»\n\n**BGE 144 I 1** vom 7. Dezember 2017 — Umfang der Unentgeltlichkeit des Grundschulunterrichts. Das Bundesgericht konkretisiert, welche Leistungen vom Anspruch auf unentgeltlichen Unterricht erfasst werden und hebt eine thurgauische Bestimmung auf, die Kosten auf die Eltern abwälzte.\n\n> «Der Anspruch auf unentgeltlichen Unterricht umfasst alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck dienenden Mittel. Einschränkende Konkretisierungen durch den Gesetzgeber sind daran zu messen, ob sie mit dem verfassungsrechtlich garantierten Minimalgehalt noch zu vereinbaren sind.»\n\n**BGE 138 I 162** vom 13. April 2012 — Sonderschulung und kantonaler Gestaltungsspielraum. Das Bundesgericht bestätigt, dass Art. 62 Abs. 3 BV den Kantonen erheblichen Spielraum bei der Organisation der Sonderschulung einräumt, jedoch bundesrechtliche Mindeststandards eingehalten werden müssen.\n\n> «Im Bereich der Sonderschulung kommt den Kantonen ein erheblicher Gestaltungsspielraum zu. Die bundesrechtlichen Minimalanforderungen verlangen nur ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot an öffentlichen Schulen, nicht aber die optimale bzw. geeignetste Schulung eines Kindes.»\n\n### Religionsfreiheit im Schulkontext\n\n**BGE 135 I 79** vom 24. Oktober 2008 — Schwimmunterricht und Religionsfreiheit. Wegweisender Entscheid zu religiösen Dispensationen vom obligatorischen Unterricht, bei dem das Bundesgericht die Grenzen der Religionsfreiheit im öffentlichen Schulwesen definiert.\n\n> «Verbunden mit flankierenden Massnahmen stellt das angefochtene Obligatorium auch für muslimische Kinder keinen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit dar. Bei der Interessenabwägung sind insbesondere die vielfältigen Bestrebungen zur Integration der muslimischen Bevölkerungsgruppe zu berücksichtigen.»\n\n**BGE 142 I 49** vom 11. Dezember 2015 — Kopftuchverbot in der Schule. Das Bundesgericht erklärt ein generelles Kopfbedeckungsverbot für Schülerinnen als verfassungswidrig und präzisiert die Anforderungen an Einschränkungen der Religionsfreiheit.\n\n> «Ein generelles Kopfbedeckungsverbot für Schülerinnen an öffentlichen Schulen stellt einen unzulässigen Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit dar, wenn es nicht durch genügend gewichtige öffentliche Interessen gerechtfertigt ist und nicht verhältnismässig ausgestaltet wird.»\n\n### Sonderschulung und Inklusion\n\n**BGE 141 I 9** vom 4. Dezember 2014 — Unentgeltlichkeit der integrativen Sonderschulung. Das Bundesgericht stärkt das Recht behinderter Kinder auf unentgeltliche Bildung und untersagt die Abwälzung von Integrationskosten auf die Eltern.\n\n> «Der ausreichende Grundschulunterricht ist zwingend unentgeltlich, auch wenn die Schule eine gesetzlich nicht vorgesehene Leistung erbringt. Kantonalrechtliche Regelungen, welche über die Zuteilung eines Kindes in die separative Sonderschulung aufgrund schematischer Grundlagen bestimmen, berücksichtigen im Einzelfall das Kindswohl nicht ausreichend.»\n\n**BGE 130 I 352** vom 24. November 2004 — Sonderschulung ausserhalb des Heimatkantons. Das Bundesgericht präzisiert die Ansprüche behinderter Kinder auf angemessene Beschulung und die interkantonale Kostentragung.\n\n> «Den Kantonen steht bei der Regelung des Grundschulwesens ein erheblicher Gestaltungsspielraum zu; sie haben auch für Behinderte einen angemessenen, erfahrungsgemäss ausreichenden Grundschulunterricht an öffentlichen Schulen zu gewährleisten.»\n\n### Homeschooling und Privatunterricht\n\n**BGE 146 I 20** vom 22. August 2019 — Häuslicher Privatunterricht. Das Bundesgericht bestätigt, dass Art. 62 BV keinen Anspruch auf Homeschooling gewährt und den Kantonen die Regelung überlässt.\n\n> «Art. 19 i.V.m. Art. 62 Abs. 2 BV gewährt keinen Anspruch auf privaten Einzelunterricht. Es ist Sache der Kantone, unter Beachtung von Art. 19 und 62 Abs. 2 BV zu regeln, ob und in welchem Umfang Homeschooling zugelassen werden soll.»\n\n### Bildungsharmonisierung\n\n**BGE 143 I 361** vom 3. Mai 2017 — HarmoS-Konkordat und Volksentscheid. Das Bundesgericht behandelt die Frage der demokratischen Legitimation von Schulharmonisierungsmassnahmen und das Verhältnis zwischen Art. 62 Abs. 4 BV und kantonalen Entscheidungsverfahren.\n\n> «Bei der Beurteilung der Frage, ob eine in der Form der allgemeinen Volksinitiative eingebrachte Vorlage gegen höherrangiges Recht verstösst, ist zwischen zwingenden und nicht zwingenden Bestimmungen des Bundesrechts zu unterscheiden.»\n\n### Kantonale Schulorganisation\n\n**BGE 133 I 156** vom 7. Mai 2007 — Transportkosten und Untergymnasium. Das Bundesgericht definiert die Grenzen des Anspruchs auf unentgeltlichen Unterricht bei weiterführenden Schulen.\n\n> «Der bundesverfassungsrechtliche Anspruch auf Unentgeltlichkeit beschränkt sich auf die obligatorische Grundschulausbildung. Für den Besuch weiterführender Schulen besteht grundsätzlich kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Übernahme der Transportkosten durch das Gemeinwesen.»\n\n**BGE 130 I 113** vom 8. April 2004 — Studiengebühren an Universitäten. Das Bundesgericht grenzt den Anwendungsbereich von Art. 62 BV ab und bestätigt, dass dieser sich nur auf die Grundschulstufe bezieht.\n\n> «Die Bestimmungen über die Unentgeltlichkeit des Grundschulunterrichts finden auf Universitäten keine Anwendung. Angemessene Studiengebühren sind mit der Verfassung vereinbar, solange sie den Zugang zur Bildung nicht übermässig erschweren.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 62 Cst. règle les compétences en matière d'instruction publique entre la Confédération et les cantons. Les cantons sont en principe compétents pour toutes les écoles. Ils doivent offrir à tous les enfants un enseignement de base gratuit d'une durée minimale de neuf ans et obligatoire (**ATF 129 I 12**). En outre, les cantons doivent permettre aux enfants handicapés de bénéficier d'une formation spécialisée appropriée jusqu'à l'âge de 20 ans.\n\n**Qui est concerné ?** Tous les enfants qui vivent en Suisse ont droit à un enseignement de base gratuit. Cela vaut aussi pour les enfants étrangers sans autorisation de séjour. Les enfants handicapés ont des droits supplémentaires à un encouragement spécialisé. Les parents doivent envoyer leurs enfants à l'école — c'est obligatoire.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Les cantons doivent mettre à disposition suffisamment d'écoles et ne peuvent pas exiger d'écolage pour l'enseignement obligatoire. Le Tribunal fédéral a précisé : tous les moyens d'enseignement nécessaires comme les livres et les cahiers doivent être gratuits (**ATF 144 I 1**). Pour la formation spécialisée, il est controversé de savoir si les enfants handicapés ont un droit direct devant les tribunaux. La doctrine est partagée (Hänni, BSK BV, Art. 62 N. 70).\n\nSi les cantons ne peuvent pas se mettre d'accord sur des standards communs, la Confédération peut intervenir. Cela concerne par exemple l'âge d'entrée à l'école ou la reconnaissance des diplômes. Cette compétence fédérale est cependant subsidiaire — elle n'intervient que si les cantons échouent.\n\n**Exemple concret :** La famille Müller déménage de Berne à Saint-Gall. Leur fils Marc, âgé de 10 ans, avait le français comme première langue étrangère à Berne. À Saint-Gall, on apprend d'abord l'anglais. De telles différences, le concordat HarmoS (un accord entre cantons) doit les éviter. Si pas assez de cantons y participent, la Confédération pourrait adopter une loi qui prescrit les mêmes règles dans toute la Suisse (Message concernant la constitution fédérale pour la formation, FF 2005 5113).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 62 Cst. a été créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition reprend les anciens articles constitutionnels sur l'instruction publique (art. 27 aCst.) sous une forme nouvelle et contient d'importantes innovations, notamment l'ancrage explicite de l'enseignement spécialisé (al. 3) et de la compétence subsidiaire de la Confédération en matière d'harmonisation scolaire (al. 4). Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 souligne que la souveraineté cantonale en matière scolaire est maintenue comme principe de base, tout en reconnaissant la nécessité d'une coordination intercantonale renforcée (FF 1997 I 1, 277 ss).\n\n**N. 2** Les articles sur l'instruction publique ont été révisés en 2006 lors de la votation populaire du 21 mai 2006. La nouvelle version de l'art. 62 renforce les efforts d'harmonisation et donne à la Confédération des compétences subsidiaires si les cantons n'atteignent pas une coordination suffisante. Cette révision s'est déroulée dans le contexte du projet « Harmonisation de la scolarité obligatoire » (HarmoS), qui vise à une harmonisation à l'échelle suisse des systèmes scolaires cantonaux (FF 2005 5479, 5508 ss).\n\n### 2. Position systématique\n\n**N. 3** L'art. 62 Cst. s'inscrit dans la continuité systématique du droit fondamental à un enseignement de base gratuit (→ art. 19 Cst.) et constitue le fondement juridique organisationnel de sa réalisation. La norme appartient à la 3e section du chapitre 3 (Formation, recherche et culture) et est étroitement liée à l'→ art. 61a Cst. (Espace suisse de formation), à l'→ art. 63 Cst. (Formation professionnelle) et à l'→ art. 63a Cst. (Hautes écoles).\n\n**N. 4** Dans l'architecture fédéraliste, l'art. 62 Cst. concrétise la répartition fondamentale des compétences selon l'→ art. 3 Cst., selon lequel les cantons exercent toutes les tâches qui ne sont pas dévolues à la Confédération. La souveraineté scolaire cantonale est limitée par les prescriptions constitutionnelles (notamment l'al. 2) et la compétence subsidiaire de la Confédération (al. 4). Pour l'enseignement spécialisé (al. 3), il existe un lien avec l'interdiction de discrimination (→ art. 8, al. 2, Cst.) et l'égalité de droit (→ art. 8, al. 1, Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Souveraineté scolaire cantonale (al. 1)** : La compétence des cantons en matière d'instruction publique comprend selon Hänni (BSK BV, art. 62 N. 11-13) la législation, l'exécution, l'organisation et le financement de l'ensemble du système de formation sur leur territoire. Cette compétence étendue s'applique à tous les degrés scolaires, de l'école primaire aux universités cantonales, sauf compétences fédérales spécifiques.\n\n**N. 6** **Enseignement de base (al. 2)** : La notion d'« enseignement de base suffisant » exige selon la jurisprudence du Tribunal fédéral une offre de formation appropriée et dont l'expérience montre qu'elle est suffisante (**ATF 138 I 162**). Les trois éléments centraux sont :\n- **Caractère obligatoire** : La scolarité obligatoire dure au moins neuf ans et concerne tous les enfants indépendamment de leur nationalité ou de leur statut de séjour\n- **Direction ou surveillance étatique** : Les écoles privées et l'enseignement à domicile sont soumis au contrôle de l'État\n- **Gratuité** : Dans les écoles publiques, tous les moyens nécessaires et servant directement à l'enseignement doivent être mis à disposition gratuitement (**ATF 144 I 1**)\n\n**N. 7** **Enseignement spécialisé (al. 3)** : L'« enseignement spécialisé suffisant » pour les enfants et adolescents handicapés constitue une innovation constitutionnelle. Hänni (BSK BV, art. 62 N. 34-38) souligne la large marge d'appréciation cantonale dans l'aménagement concret. La limite d'âge « jusqu'à l'âge de 20 ans révolus au plus » est absolue et n'admet aucune exception.\n\n**N. 8** **Harmonisation scolaire (al. 4)** : La compétence subsidiaire de la Confédération n'entre en jeu que si la coordination intercantonale échoue. Les domaines d'harmonisation sont énumérés de manière exhaustive :\n- Âge d'entrée à l'école et scolarité obligatoire\n- Durée et objectifs des cycles de formation\n- Passage de l'un à l'autre\n- Reconnaissance des diplômes\n\nBiaggini qualifie cette compétence de « concurrente sous condition » (BSK BV, art. 62 N. 86), tandis qu'Ehrenzeller/Schott voient la responsabilité première chez les cantons et classent la compétence fédérale comme subsidiaire (BSK BV, art. 62 N. 86).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** **De l'al. 1** découle la compétence réglementaire complète des cantons en matière d'instruction publique. Elle comprend l'autorisation de légiférer, d'organiser l'administration scolaire, de fixer les programmes d'enseignement et d'engager le personnel enseignant. Les cantons peuvent déléguer leurs compétences aux communes.\n\n**N. 10** **De l'al. 2** résultent des prescriptions contraignantes pour la législation scolaire cantonale :\n- Obligation de fournir une offre d'enseignement de base couvrant tout le territoire\n- Interdiction d'écolages dans les écoles publiques\n- Application de la scolarité obligatoire par des moyens appropriés\n- Obligation de surveillance des offres de formation privées\n\n**N. 11** **De l'al. 3** découle selon la doctrine dominante un mandat constitutionnel de droit objectif à l'intention des cantons. La question de savoir si on peut en dériver un droit subjectif de l'enfant individuel est controversée (voir N. 15).\n\n**N. 12** **De l'al. 4** résulte une compétence législative potentielle de la Confédération, qui n'est toutefois activée que sous la condition d'un échec de la coordination intercantonale. La Confédération doit accorder aux cantons un délai approprié pour une harmonisation autonome.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 13** **Nature juridique de l'enseignement de base** : Alors que la doctrine traditionnelle (Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2003, p. 45 ss) comprend l'enseignement de base principalement comme une prestation étatique, des voix plus récentes (Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1267) soulignent le caractère de droit fondamental de la prétention découlant de l'art. 19 en relation avec l'art. 62, al. 2, Cst. Le Tribunal fédéral suit une approche conciliatrice et reconnaît tant la dimension de prestation que celle de défense (**ATF 129 I 12**).\n\n**N. 14** **Étendue de la gratuité** : Mascello (Elternrecht und Privatschulfreiheit, 1995, p. 89 ss) défend une interprétation restrictive qui ne couvre que les coûts directs d'enseignement. Richli (ZBl 1995, 481) plaide pour une interprétation large qui inclut toutes les dépenses liées à la formation. Le Tribunal fédéral a opté dans l'**ATF 144 I 1** pour une voie médiane : sont couverts tous les moyens nécessaires et servant directement à l'enseignement.\n\n**N. 15** **Caractère normatif de l'art. 62, al. 3** : Un point litigieux important concerne la nature juridique de l'obligation d'enseignement spécialisé. Des voix sceptiques dans la doctrine (BSK BV, art. 62 N. 70) ne voient dans l'al. 3 qu'un mandat constitutionnel sans prétention individuelle justiciable. D'autres opinions doctrinales (BSK BV, art. 62 N. 70 ; Kälin/Künzli, in Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1278) affirment un droit directement exigible de l'enfant handicapé. Le Tribunal fédéral tend vers la reconnaissance d'une prétention justiciable, mais souligne la large marge d'appréciation cantonale (**ATF 138 I 162**).\n\n**N. 16** **Rapport Confédération-cantons en matière d'harmonisation** : Ehrenzeller/Schott (BSK BV, art. 62 N. 86) soulignent la responsabilité première cantonale et voient la compétence fédérale comme ultima ratio. Biaggini (BSK BV, art. 62 N. 86) qualifie la compétence de « concurrente sous condition » et accorde à la Confédération une marge de manœuvre plus large. La pratique montre que la Confédération agit jusqu'à présent avec retenue et mise principalement sur la collaboration intercantonale (Concordat HarmoS).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** **Scolarité obligatoire et enseignement à domicile** : Les cantons ont des réglementations différentes concernant l'enseignement privé à domicile. Alors que certains cantons (p. ex. Vaud, Jura) autorisent l'enseignement à domicile sous conditions, d'autres (p. ex. les deux Bâle) connaissent une interdiction de fait. Les parents doivent respecter les procédures cantonales d'autorisation et s'attendre à des contrôles réguliers. Le Tribunal fédéral a précisé qu'il n'existe pas de droit constitutionnel à l'enseignement à domicile (**ATF 146 I 20**).\n\n**N. 18** **Dispenses pour motifs religieux** : Les demandes d'exemption d'enseignement pour des motifs religieux sont soumises à un examen strict de proportionnalité. Alors que pour des événements isolés (p. ex. fête de Noël de l'école) des dispenses sont possibles, elles ne sont accordées qu'exceptionnellement pour les matières d'enseignement régulières. L'enseignement de natation est selon l'**ATF 135 I 79** également obligatoire pour les enfants musulmans, des mesures d'accompagnement (burkini, enseignement séparé par sexes) devant être proposées.\n\n**N. 19** **Procédures d'enseignement spécialisé** : Lors de l'évaluation du besoin d'enseignement spécialisé, une procédure d'évaluation standardisée (PES) doit être menée. Les parents ont droit à être associés et au droit d'être entendus (→ art. 29 Cst.). La voie de droit est ouverte contre les décisions relatives aux mesures d'enseignement spécialisé. La prise en charge des coûts se règle selon le droit cantonal, la gratuité selon l'**ATF 141 I 9** s'appliquant aussi aux mesures d'enseignement spécialisé intégratives.\n\n**N. 20** **Fréquentation scolaire intercantonale** : Pour la fréquentation d'une école hors du canton de domicile, une autorisation est en principe requise. La prise en charge des coûts se règle selon les conventions intercantonales (Accord scolaire régional ASR). Pour les écoles spécialisées s'appliquent les règles de la Convention intercantonale relative aux institutions sociales (CIIS). Sans garantie de prise en charge des coûts, les parents doivent supporter eux-mêmes les frais de scolarité.\n\n**N. 21** **Application de l'harmonisation** : Le Concordat HarmoS n'est pas en vigueur dans tous les cantons. En cas de changement de domicile entre cantons ayant des systèmes scolaires différents, des problèmes de transition peuvent survenir. La Conférence des directeurs de l'instruction publique (CDIP) offre des informations sur les différences cantonales. Une invocation directe de l'art. 62, al. 4, Cst. par des particuliers n'est pas possible, car la norme s'adresse au législateur fédéral.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes du droit à l'enseignement de base\n\n**ATF 129 I 12** du 7 novembre 2002 — Exclusion scolaire disciplinaire et droit fondamental social. Le Tribunal fédéral précise l'étendue du droit à l'enseignement de base selon l'art. 19 en relation avec l'art. 62 Cst. et ses limites dans le contexte de mesures disciplinaires.\n\n> « L'art. 19 Cst. confère le droit à une formation de base gratuite dans les écoles publiques, correspondant aux capacités individuelles de l'enfant et à son développement personnel, pendant la scolarité obligatoire d'au moins neuf ans. »\n\n**ATF 144 I 1** du 7 décembre 2017 — Étendue de la gratuité de l'enseignement de base. Le Tribunal fédéral concrétise quelles prestations sont couvertes par le droit à l'enseignement gratuit et annule une disposition thurgovienne qui répercutait les coûts sur les parents.\n\n> « Le droit à l'enseignement gratuit comprend tous les moyens nécessaires et directement liés aux fins de l'enseignement. Les concrétisations restrictives par le législateur doivent être mesurées à l'aune de leur compatibilité avec le contenu minimal garanti par la Constitution. »\n\n**ATF 138 I 162** du 13 avril 2012 — Enseignement spécialisé et marge de manœuvre cantonale. Le Tribunal fédéral confirme que l'art. 62 al. 3 Cst. accorde aux cantons une marge de manœuvre considérable dans l'organisation de l'enseignement spécialisé, mais que les standards minimaux de droit fédéral doivent être respectés.\n\n> « Dans le domaine de l'enseignement spécialisé, les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable. Les exigences minimales de droit fédéral ne requièrent qu'une offre de formation appropriée et généralement suffisante dans les écoles publiques, mais pas la scolarisation optimale ou la plus appropriée d'un enfant. »\n\n### Liberté religieuse dans le contexte scolaire\n\n**ATF 135 I 79** du 24 octobre 2008 — Cours de natation et liberté religieuse. Décision de référence sur les dispenses religieuses de l'enseignement obligatoire, dans laquelle le Tribunal fédéral définit les limites de la liberté religieuse dans l'école publique.\n\n> « Associé à des mesures d'accompagnement, l'obligation contestée ne constitue pas non plus pour les enfants musulmans une atteinte inadmissible à la liberté religieuse. Dans la pesée des intérêts, il faut tenir compte en particulier des multiples efforts d'intégration du groupe de population musulman. »\n\n**ATF 142 I 49** du 11 décembre 2015 — Interdiction du foulard à l'école. Le Tribunal fédéral déclare une interdiction générale de couvre-chef pour les élèves comme anticonstitutionnelle et précise les exigences relatives aux restrictions de la liberté religieuse.\n\n> « Une interdiction générale de couvre-chef pour les élèves dans les écoles publiques constitue une atteinte inadmissible à la liberté de croyance et de conscience si elle n'est pas justifiée par des intérêts publics suffisamment importants et n'est pas conçue de manière proportionnée. »\n\n### Enseignement spécialisé et inclusion\n\n**ATF 141 I 9** du 4 décembre 2014 — Gratuité de l'enseignement spécialisé intégratif. Le Tribunal fédéral renforce le droit des enfants handicapés à une formation gratuite et interdit la répercussion des coûts d'intégration sur les parents.\n\n> « L'enseignement de base suffisant est obligatoirement gratuit, même si l'école fournit une prestation non prévue par la loi. Les réglementations de droit cantonal qui déterminent l'attribution d'un enfant à l'enseignement spécialisé séparatif sur la base de critères schématiques ne tiennent pas suffisamment compte du bien de l'enfant dans le cas particulier. »\n\n**ATF 130 I 352** du 24 novembre 2004 — Enseignement spécialisé hors du canton de domicile. Le Tribunal fédéral précise les droits des enfants handicapés à une scolarisation appropriée et la prise en charge des coûts intercantonaux.\n\n> « Les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable dans la réglementation de l'enseignement de base ; ils doivent également garantir aux handicapés un enseignement de base approprié et généralement suffisant dans les écoles publiques. »\n\n### Enseignement à domicile et enseignement privé\n\n**ATF 146 I 20** du 22 août 2019 — Enseignement privé à domicile. Le Tribunal fédéral confirme que l'art. 62 Cst. ne confère aucun droit à l'enseignement à domicile et en laisse la réglementation aux cantons.\n\n> « L'art. 19 en relation avec l'art. 62 al. 2 Cst. ne confère aucun droit à l'enseignement privé individuel. Il appartient aux cantons, dans le respect des art. 19 et 62 al. 2 Cst., de régler si et dans quelle mesure l'enseignement à domicile doit être autorisé. »\n\n### Harmonisation de l'éducation\n\n**ATF 143 I 361** du 3 mai 2017 — Concordat HarmoS et décision populaire. Le Tribunal fédéral traite la question de la légitimation démocratique des mesures d'harmonisation scolaire et la relation entre l'art. 62 al. 4 Cst. et les procédures de décision cantonales.\n\n> « Pour juger si un projet présenté sous la forme d'une initiative populaire générale contrevient au droit de rang supérieur, il faut distinguer entre les dispositions impératives et non impératives du droit fédéral. »\n\n### Organisation scolaire cantonale\n\n**ATF 133 I 156** du 7 mai 2007 — Frais de transport et collège inférieur. Le Tribunal fédéral définit les limites du droit à l'enseignement gratuit pour les écoles du degré secondaire.\n\n> « Le droit constitutionnel fédéral à la gratuité se limite à la formation de base obligatoire. Pour la fréquentation d'écoles du degré secondaire, il n'existe en principe aucun droit constitutionnel à la prise en charge des frais de transport par la collectivité publique. »\n\n**ATF 130 I 113** du 8 avril 2004 — Taxes d'études dans les universités. Le Tribunal fédéral délimite le champ d'application de l'art. 62 Cst. et confirme que celui-ci ne concerne que le degré primaire.\n\n> « Les dispositions sur la gratuité de l'enseignement de base ne s'appliquent pas aux universités. Des taxes d'études appropriées sont compatibles avec la Constitution, tant qu'elles ne rendent pas l'accès à la formation excessivement difficile. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 62 Cost. disciplina le competenze nel settore scolastico tra Confederazione e Cantoni. I Cantoni sono fondamentalmente competenti per tutte le scuole. Devono offrire a tutti i bambini un'istruzione di base gratuita della durata minima di nove anni e obbligatoria (**DTF 129 I 12**). Inoltre, i Cantoni devono permettere ai bambini disabili fino ai 20 anni una scolarizzazione speciale adeguata.\n\n**Chi è interessato?** Tutti i bambini che vivono in Svizzera hanno diritto all'istruzione di base gratuita. Ciò vale anche per i bambini stranieri senza permesso di soggiorno. I bambini disabili hanno diritti aggiuntivi a una promozione speciale. I genitori devono mandare i loro figli a scuola — è un obbligo.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** I Cantoni devono mettere a disposizione scuole sufficienti e non possono richiedere tasse scolastiche per l'insegnamento obbligatorio. Il Tribunale federale ha chiarito: tutto il materiale didattico necessario come libri e quaderni deve essere gratuito (**DTF 144 I 1**). Per la scolarizzazione speciale è controverso se i bambini disabili abbiano un diritto diretto davanti al giudice. La dottrina ha opinioni divergenti (Hänni, BSK BV, Art. 62 N. 70).\n\nSe i Cantoni non riescono a concordare standard comuni, la Confederazione può intervenire. Ciò riguarda ad esempio l'età d'entrata a scuola o il riconoscimento dei diplomi. Questa competenza federale è però sussidiaria — interviene solo se i Cantoni falliscono.\n\n**Esempio concreto:** La famiglia Müller si trasferisce da Berna a San Gallo. Il loro figlio Marc di 10 anni aveva a Berna il francese come prima lingua straniera. A San Gallo si impara prima l'inglese. Tali differenze dovrebbe prevenirle il concordato HarmoS (un accordo tra Cantoni). Se non partecipano abbastanza Cantoni, la Confederazione potrebbe emanare una legge che prescrive le stesse regole in tutta la Svizzera (Messaggio sulla Costituzione in materia di formazione, FF 2005 4637).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 62 Cost. è stato creato nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione riforma i precedenti articoli sull'istruzione (art. 27 Cost. 1874) e contiene importanti innovazioni, in particolare l'ancoraggio esplicito dell'educazione speciale (cpv. 3) e della competenza sussidiaria della Confederazione per l'armonizzazione scolastica (cpv. 4). Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 sottolinea che la sovranità scolastica cantonale viene mantenuta come principio fondamentale, riconoscendo nel contempo la necessità di un rafforzato coordinamento intercantonale (FF 1997 I 1, 277 segg.).\n\n**N. 2** Gli articoli sull'istruzione sono stati rivisti nel 2006 mediante votazione popolare del 21 maggio 2006. La nuova versione dell'art. 62 rafforza gli sforzi di armonizzazione e conferisce alla Confederazione competenze sussidiarie qualora i Cantoni non raggiungano un coordinamento sufficiente. Questa revisione è avvenuta nel contesto del progetto «Armonizzazione della scuola dell'obbligo» (HarmoS), che mira a un allineamento a livello svizzero dei sistemi scolastici cantonali (FF 2005 5479, 5508 segg.).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 62 Cost. si inserisce nel contesto sistematico del diritto fondamentale all'istruzione di base gratuita (→ art. 19 Cost.) e costituisce la base giuridica organizzativa per la sua realizzazione. La norma appartiene alla 3ª sezione del 3° capitolo (Formazione, ricerca e cultura) ed è strettamente collegata all'→ art. 61a Cost. (Spazio formativo svizzero), all'→ art. 63 Cost. (Formazione professionale) e all'→ art. 63a Cost. (Scuole universitarie).\n\n**N. 4** Nel contesto federalista l'art. 62 Cost. concretizza la ripartizione fondamentale delle competenze secondo l'→ art. 3 Cost., per cui i Cantoni assumono tutti i compiti che non sono trasferiti alla Confederazione. La sovranità scolastica cantonale è limitata dalle prescrizioni costituzionali (in particolare cpv. 2) e dalla competenza sussidiaria della Confederazione (cpv. 4). Nell'educazione speciale (cpv. 3) sussiste un collegamento con il divieto di discriminazione (→ art. 8 cpv. 2 Cost.) e con l'uguaglianza giuridica (→ art. 8 cpv. 1 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Sovranità scolastica cantonale (cpv. 1)**: La competenza dei Cantoni per il sistema scolastico comprende secondo Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 11-13) la legislazione, l'esecuzione, l'organizzazione e il finanziamento dell'intero sistema formativo sul loro territorio. Questa competenza comprensiva si estende a tutti i livelli scolastici dalla scuola elementare alle università cantonali, purché non esistano specifiche competenze federali.\n\n**N. 6** **Istruzione di base (cpv. 2)**: Il concetto di «istruzione di base sufficiente» richiede secondo la giurisprudenza del Tribunale federale un'offerta formativa adeguata, sufficientemente collaudata (**DTF 138 I 162**). I tre elementi centrali sono:\n- **Obbligatorietà**: L'obbligo scolastico dura almeno nove anni e coinvolge tutti i bambini indipendentemente da nazionalità o statuto di soggiorno\n- **Direzione o vigilanza statale**: Le scuole private e l'istruzione parentale sono soggette al controllo statale\n- **Gratuità**: Nelle scuole pubbliche tutti i mezzi necessari e direttamente finalizzati all'insegnamento devono essere messi gratuitamente a disposizione (**DTF 144 I 1**)\n\n**N. 7** **Educazione speciale (cpv. 3)**: L'«educazione speciale sufficiente» per bambini e giovani disabili rappresenta un'innovazione costituzionale. Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 34-38) sottolinea l'ampio margine di manovra cantonale nell'organizzazione concreta. Il limite d'età «fino al massimo al compimento del 20° anno di età» è assoluto e non ammette eccezioni.\n\n**N. 8** **Armonizzazione scolastica (cpv. 4)**: La competenza sussidiaria della Confederazione interviene solo se il coordinamento intercantonale fallisce. Gli ambiti di armonizzazione sono elencati in modo esaustivo:\n- Età di entrata a scuola e obbligo scolastico\n- Durata e obiettivi dei livelli di formazione\n- Passaggi tra i livelli\n- Riconoscimento dei titoli di studio\n\nBiaggini qualifica questa competenza come «condizionatamente concorrente» (BSK BV, Art. 62 N. 86), mentre Ehrenzeller/Schott vedono la responsabilità primaria presso i Cantoni e classificano la competenza federale come sussidiaria (BSK BV, Art. 62 N. 86).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** **Dal cpv. 1** deriva la competenza normativa comprensiva dei Cantoni nel sistema scolastico. Questa comprende la facoltà di legiferare, di organizzare l'amministrazione scolastica, di stabilire i programmi di studio e di assumere il personale docente. I Cantoni possono delegare le loro competenze ai Comuni.\n\n**N. 10** **Dal cpv. 2** derivano prescrizioni vincolanti per la legislazione scolastica cantonale:\n- Obbligo di fornire un'offerta di istruzione di base capillare\n- Divieto di tasse scolastiche nelle scuole pubbliche\n- Applicazione dell'obbligo scolastico con mezzi idonei\n- Obbligo di vigilanza su offerte formative private\n\n**N. 11** **Dal cpv. 3** deriva secondo la dottrina dominante un mandato costituzionale oggettivo-giuridico ai Cantoni. Se da ciò possa essere derivato anche un diritto soggettivo del singolo bambino è controverso (vedi N. 15).\n\n**N. 12** **Dal cpv. 4** deriva una potenziale competenza legislativa della Confederazione, che tuttavia si attiva solo sotto la condizione del fallimento del coordinamento intercantonale. La Confederazione deve concedere ai Cantoni un termine adeguato per l'armonizzazione autonoma.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Natura giuridica dell'istruzione di base**: Mentre la dottrina tradizionale (Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2003, p. 45 segg.) intende l'istruzione di base primariamente come prestazione statale, voci più recenti (Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1267) sottolineano il carattere di diritto fondamentale della pretesa dall'art. 19 in combinato con l'art. 62 cpv. 2 Cost. Il Tribunale federale segue un approccio conciliante e riconosce sia la dimensione prestazionale sia quella difensiva (**DTF 129 I 12**).\n\n**N. 14** **Portata della gratuità**: Mascello (Elternrecht und Privatschulfreiheit, 1995, p. 89 segg.) sostiene un'interpretazione restrittiva che comprende solo i costi diretti dell'insegnamento. Richli (ZBl 1995, 481) propende per un'interpretazione estensiva che include tutte le spese rilevanti per la formazione. Il Tribunale federale ha optato in **DTF 144 I 1** per una via di mezzo: sono compresi tutti i mezzi necessari e direttamente finalizzati all'insegnamento.\n\n**N. 15** **Carattere normativo dell'art. 62 cpv. 3**: Sussiste una controversia significativa riguardo alla natura giuridica dell'obbligo di educazione speciale. Voci scettiche nella dottrina (BSK BV, Art. 62 N. 70) vedono nel cpv. 3 meramente un mandato costituzionale senza pretesa individuale azionabile. Altre opinioni dottrinali (BSK BV, Art. 62 N. 70; Kälin/Künzli, in Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1278) affermano un diritto direttamente azionabile del bambino disabile. Il Tribunale federale tende al riconoscimento di una pretesa giustiziabile, ma sottolinea l'ampio margine di manovra cantonale (**DTF 138 I 162**).\n\n**N. 16** **Rapporto Confederazione-Cantoni nell'armonizzazione**: Ehrenzeller/Schott (BSK BV, Art. 62 N. 86) sottolineano la responsabilità cantonale primaria e vedono la competenza federale come ultima ratio. Biaggini (BSK BV, Art. 62 N. 86) qualifica la competenza come «condizionatamente concorrente» e concede alla Confederazione maggiore margine di manovra. La prassi mostra che la Confederazione finora agisce con moderazione e punta primariamente sulla cooperazione intercantonale (Concordato HarmoS).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Obbligo scolastico e istruzione parentale**: I Cantoni hanno regolamentazioni diverse sull'istruzione privata domestica. Mentre alcuni Cantoni (ad es. Vaud, Giura) ammettono l'istruzione parentale sotto condizioni, altri (ad es. entrambi i Basilea) conoscono un divieto di fatto. I genitori devono osservare le procedure cantonali di autorizzazione e aspettarsi controlli regolari. Il Tribunale federale ha chiarito che non esiste un diritto costituzionale all'istruzione parentale (**DTF 146 I 20**).\n\n**N. 18** **Dispense per motivi religiosi**: Le richieste di esenzione dall'insegnamento per motivi religiosi sono soggette a un rigoroso controllo di proporzionalità. Mentre per singoli eventi (ad es. festa scolastica di Natale) sono possibili dispense, vengono concesse solo eccezionalmente per materie di insegnamento regolari. L'insegnamento del nuoto è secondo **DTF 135 I 79** obbligatorio anche per i bambini musulmani, dovendo essere offerte misure di accompagnamento (burkini, insegnamento separato per sessi).\n\n**N. 19** **Procedura di educazione speciale**: Nell'accertamento del fabbisogno di educazione speciale deve essere condotta una procedura standardizzata di accertamento (SAV). I genitori hanno diritto a essere coinvolti e al diritto di essere sentiti (→ art. 29 Cost.). Contro le decisioni su misure di educazione speciale è aperta la via giuridica. L'assunzione dei costi si regge secondo il diritto cantonale, mentre la gratuità secondo **DTF 141 I 9** comprende anche misure integrative di educazione speciale.\n\n**N. 20** **Frequenza scolastica intercantonale**: Per la frequenza di una scuola fuori dal Cantone di domicilio è richiesta in principio un'autorizzazione. L'assunzione dei costi si regge secondo gli accordi intercantonali (Accordo scolastico regionale RSA). Per le scuole speciali valgono le regolamentazioni della Convenzione intercantonale per le istituzioni sociali (CIIS). Senza garanzia di copertura dei costi i genitori devono pagare personalmente la tassa scolastica.\n\n**N. 21** **Attuazione dell'armonizzazione**: Il Concordato HarmoS non è in vigore in tutti i Cantoni. In caso di cambio di domicilio tra Cantoni con sistemi scolastici diversi possono sorgere problemi di transizione. La Conferenza dei direttori cantonali della pubblica educazione (CDPE) offre informazioni sulle differenze cantonali. Un richiamo diretto all'art. 62 cpv. 4 Cost. da parte di privati non è possibile, poiché la norma si rivolge al legislatore federale.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi del diritto all'istruzione di base\n\n**BGE 129 I 12** del 7 novembre 2002 — Esclusione scolastica disciplinare e diritto fondamentale sociale. Il Tribunale federale precisa la portata del diritto all'istruzione di base secondo l'art. 19 in combinato con l'art. 62 Cost. e i suoi limiti nel contesto di misure disciplinari.\n\n> «Dall'art. 19 Cost. deriva il diritto a un'istruzione di base gratuita presso le scuole pubbliche corrispondente alle capacità individuali del bambino e al suo sviluppo della personalità durante la scolarità obbligatoria di almeno nove anni.»\n\n**BGE 144 I 1** del 7 dicembre 2017 — Portata della gratuità dell'istruzione di base. Il Tribunale federale concretizza quali prestazioni sono comprese nel diritto all'insegnamento gratuito e abroga una disposizione turgoviese che trasferiva i costi sui genitori.\n\n> «Il diritto all'insegnamento gratuito comprende tutti i mezzi necessari e direttamente funzionali al fine dell'insegnamento. Le concretizzazioni restrittive da parte del legislatore devono essere valutate in base alla loro compatibilità con il contenuto minimo garantito costituzionalmente.»\n\n**BGE 138 I 162** del 13 aprile 2012 — Educazione speciale e margine di manovra cantonale. Il Tribunale federale conferma che l'art. 62 cpv. 3 Cost. concede ai Cantoni un margine di manovra considerevole nell'organizzazione dell'educazione speciale, tuttavia devono essere rispettati gli standard minimi del diritto federale.\n\n> «Nel settore dell'educazione speciale i Cantoni dispongono di un margine di manovra considerevole. I requisiti minimi del diritto federale richiedono solo un'offerta formativa adeguata e sperimentalmente sufficiente presso le scuole pubbliche, ma non la scolarizzazione ottimale o più appropriata di un bambino.»\n\n### Libertà religiosa nel contesto scolastico\n\n**BGE 135 I 79** del 24 ottobre 2008 — Lezioni di nuoto e libertà religiosa. Decisione pioneristiche sulle dispense religiose dall'insegnamento obbligatorio, in cui il Tribunale federale definisce i limiti della libertà religiosa nel sistema scolastico pubblico.\n\n> «Combinato con misure di accompagnamento, l'obbligo contestato non costituisce neppure per i bambini musulmani un'ingerenza inadmissibile nella libertà religiosa. Nel bilanciamento degli interessi devono essere considerate in particolare le molteplici iniziative per l'integrazione della popolazione musulmana.»\n\n**BGE 142 I 49** dell'11 dicembre 2015 — Divieto del velo a scuola. Il Tribunale federale dichiara incostituzionale un divieto generale di copricapo per le allieve e precisa i requisiti per le limitazioni della libertà religiosa.\n\n> «Un divieto generale di copricapo per le allieve nelle scuole pubbliche costituisce un'ingerenza inadmissibile nella libertà di credo e di coscienza se non è giustificato da interessi pubblici sufficientemente importanti e non è configurato proporzionalmente.»\n\n### Educazione speciale e inclusione\n\n**BGE 141 I 9** del 4 dicembre 2014 — Gratuità dell'educazione speciale integrativa. Il Tribunale federale rafforza il diritto dei bambini disabili all'istruzione gratuita e vieta il trasferimento dei costi di integrazione sui genitori.\n\n> «L'istruzione di base sufficiente è obbligatoriamente gratuita, anche se la scuola eroga una prestazione non prevista legalmente. Regolamentazioni di diritto cantonale che decidono sull'assegnazione di un bambino all'educazione speciale separativa sulla base di criteri schematici non considerano sufficientemente il bene del bambino nel caso singolo.»\n\n**BGE 130 I 352** del 24 novembre 2004 — Educazione speciale fuori dal Cantone di domicilio. Il Tribunale federale precisa i diritti dei bambini disabili a una scolarizzazione adeguata e la ripartizione dei costi intercantonale.\n\n> «Ai Cantoni spetta un margine di manovra considerevole nella regolamentazione del sistema scolastico di base; essi devono garantire anche per i disabili un'istruzione di base adeguata e sperimentalmente sufficiente presso le scuole pubbliche.»\n\n### Homeschooling e insegnamento privato\n\n**BGE 146 I 20** del 22 agosto 2019 — Insegnamento privato domestico. Il Tribunale federale conferma che l'art. 62 Cost. non garantisce un diritto all'homeschooling e lascia la regolamentazione ai Cantoni.\n\n> «L'art. 19 in combinato con l'art. 62 cpv. 2 Cost. non garantisce un diritto all'insegnamento privato individuale. È compito dei Cantoni regolare, nel rispetto dell'art. 19 e 62 cpv. 2 Cost., se e in quale misura l'homeschooling debba essere ammesso.»\n\n### Armonizzazione dell'istruzione\n\n**BGE 143 I 361** del 3 maggio 2017 — Concordato HarmoS e decisione popolare. Il Tribunale federale tratta la questione della legittimazione democratica delle misure di armonizzazione scolastica e il rapporto tra l'art. 62 cpv. 4 Cost. e le procedure decisionali cantonali.\n\n> «Nel valutare se un progetto presentato sotto forma di iniziativa popolare generale violi il diritto di rango superiore, bisogna distinguere tra disposizioni cogenti e non cogenti del diritto federale.»\n\n### Organizzazione scolastica cantonale\n\n**BGE 133 I 156** del 7 maggio 2007 — Costi di trasporto e liceo. Il Tribunale federale definisce i limiti del diritto all'insegnamento gratuito per le scuole post-obbligatorie.\n\n> «Il diritto costituzionale federale alla gratuità si limita all'istruzione di base obbligatoria. Per la frequenza di scuole post-obbligatorie non sussiste in principio alcun diritto costituzionale all'assunzione dei costi di trasporto da parte della collettività pubblica.»\n\n**BGE 130 I 113** dell'8 aprile 2004 — Tasse di studio nelle università. Il Tribunale federale delimita l'ambito di applicazione dell'art. 62 Cost. e conferma che questo si riferisce solo al livello scolastico di base.\n\n> «Le disposizioni sulla gratuità dell'istruzione di base non si applicano alle università. Tasse di studio adeguate sono compatibili con la Costituzione purché non ostacolino eccessivamente l'accesso all'istruzione.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 62 BV regulates the competences in the education system between the Confederation and the cantons. The cantons are principally responsible for all schools. They must provide free basic school instruction to all children, which lasts at least nine years and is compulsory (**BGE 129 I 12**). Additionally, the cantons must enable appropriate special needs education for disabled children up to the age of 20.\n\n**Who is affected?** All children living in Switzerland are entitled to free basic school instruction. This also applies to foreign children without residence permits. Disabled children have additional entitlements to special support. Parents must send their children to school — this is mandatory.\n\n**What are the legal consequences?** The cantons must provide sufficient schools and may not charge school fees for compulsory instruction. The Federal Supreme Court has clarified: All necessary teaching materials such as books and exercise books must be free (**BGE 144 I 1**). Regarding special needs education, it is disputed whether disabled children have a direct claim in court. Legal doctrine is divided (Hänni, BSK BV, Art. 62 N. 70).\n\nIf the cantons cannot agree on common standards, the Confederation may intervene. This concerns, for example, the age at school entry or the recognition of qualifications. However, this federal competence is subsidiary — it only applies if the cantons fail.\n\n**Concrete example:** The Müller family moves from Bern to St. Gallen. Their 10-year-old son Marc had French as his first foreign language in Bern. In St. Gallen, English is learned first. Such differences should be prevented by the HarmoS Intercantonal Agreement (an agreement between cantons). If not enough cantons participate, the Confederation could enact a law prescribing the same rules throughout Switzerland (Message on the Education Constitution, BBl 2005 5479).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 62 FC was created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision reformulates the previous education articles (Art. 27 former FC) and contains important innovations, particularly the explicit anchoring of special needs education (para. 3) and the subsidiary federal competence for school harmonisation (para. 4). The Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 emphasises that cantonal sovereignty over education is maintained as a fundamental principle, while simultaneously acknowledging the necessity of strengthened intercantonal coordination (BBl 1997 I 1, 277 ff.).\n\n**N. 2** The education articles were revised in 2006 through the popular vote of 21 May 2006. The new version of Art. 62 strengthens harmonisation efforts and gives the Confederation subsidiary competences if the cantons fail to achieve sufficient coordination. This revision occurred in the context of the «Harmonisation of Compulsory School» (HarmoS) project, which aims for a Switzerland-wide alignment of cantonal school systems (BBl 2005 5479, 5508 ff.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 62 FC stands in systematic connection with the fundamental right to free basic education (→ Art. 19 FC) and forms the organisational legal basis for its realisation. The norm belongs to the 3rd section of the 3rd chapter (Education, Research and Culture) and is closely connected with → Art. 61a FC (Swiss Education Area), → Art. 63 FC (vocational and professional education and training) and → Art. 63a FC (higher education institutions).\n\n**N. 4** Within the federalist structure, Art. 62 FC concretises the fundamental allocation of competences according to → Art. 3 FC, whereby the cantons perform all tasks not assigned to the Confederation. Cantonal sovereignty over education is limited by constitutional requirements (particularly para. 2) and subsidiary federal competence (para. 4). In special needs education (para. 3), there is a connection to the prohibition of discrimination (→ Art. 8 para. 2 FC) and to equality before the law (→ Art. 8 para. 1 FC).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Cantonal sovereignty over education (para. 1)**: The responsibility of the cantons for education encompasses, according to Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 11-13), legislation, implementation, organisation and financing of the entire education system in their territory. This comprehensive competence extends to all school levels from basic education to cantonal universities, insofar as specific federal competences do not exist.\n\n**N. 6** **Basic education (para. 2)**: The concept «adequate basic education» requires, according to Federal Supreme Court case law, an appropriate educational offering that is adequate based on experience (**BGE 138 I 162**). The three core elements are:\n- **Compulsory nature**: Compulsory schooling lasts at least nine years and covers all children regardless of nationality or residence status\n- **State direction or supervision**: Private schools and homeschooling are subject to state control\n- **Free of charge**: At public schools, all necessary materials that directly serve the educational purpose must be provided free of charge (**BGE 144 I 1**)\n\n**N. 7** **Special needs education (para. 3)**: The «adequate special needs education» for disabled children and young people represents a constitutional innovation. Hänni (BSK BV, Art. 62 N. 34-38) emphasises the wide cantonal discretion in the concrete implementation. The age limit «until at most completion of the 20th year of age» is absolute and permits no exceptions.\n\n**N. 8** **School harmonisation (para. 4)**: The subsidiary federal competence only applies if intercantonal coordination fails. The harmonisation areas are exhaustively enumerated:\n- School entry age and compulsory education\n- Duration and objectives of the education levels\n- Transitions between levels\n- Recognition of qualifications\n\nBiaggini qualifies this competence as «conditionally concurrent» (BSK BV, Art. 62 N. 86), while Ehrenzeller/Schott see the primary responsibility with the cantons and classify the federal competence as subsidiary (BSK BV, Art. 62 N. 86).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** **From para. 1** follows the comprehensive regulatory authority of the cantons in education. This encompasses the authority for legislation, for organisation of school administration, for setting curricula and for appointing teaching staff. The cantons may delegate their competences to the municipalities.\n\n**N. 10** **From para. 2** arise mandatory requirements for cantonal school legislation:\n- Duty to provide comprehensive basic education services\n- Prohibition of school fees at public schools\n- Enforcement of compulsory schooling with suitable means\n- Supervisory duty over private educational offerings\n\n**N. 11** **From para. 3** follows, according to prevailing doctrine, an objective constitutional mandate to the cantons. Whether a subjective right of the individual child can also be derived from this is disputed (see N. 15).\n\n**N. 12** **From para. 4** arises a potential federal legislative competence, which however is only activated under the condition of failed intercantonal coordination. The Confederation must grant the cantons an appropriate period for independent harmonisation.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 13** **Legal nature of basic education**: While traditional doctrine (Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2003, p. 45 ff.) understands basic education primarily as a state service, newer voices (Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1267) emphasise the fundamental rights character of the claim from Art. 19 in conjunction with Art. 62 para. 2 FC. The Federal Supreme Court follows a mediating approach and recognises both the service and the defensive dimension (**BGE 129 I 12**).\n\n**N. 14** **Scope of free provision**: Mascello (Elternrecht und Privatschulfreiheit, 1995, p. 89 ff.) advocates a narrow interpretation that only covers direct teaching costs. Richli (ZBl 1995, 481) argues for a broad interpretation that includes all education-relevant expenses. The Federal Supreme Court decided in **BGE 144 I 1** for a middle course: covered are all necessary materials that directly serve the educational purpose.\n\n**N. 15** **Normative character of Art. 62 para. 3**: A significant controversy exists regarding the legal nature of the special needs education obligation. Sceptical voices in doctrine (BSK BV, Art. 62 N. 70) see in para. 3 merely a constitutional mandate without enforceable individual claim. Other scholarly opinions (BSK BV, Art. 62 N. 70; Kälin/Künzli, in Wyttenbach/Kälin, AJP 2005, 1278) affirm a directly enforceable legal claim of the disabled child. The Federal Supreme Court tends to recognise a justiciable claim, but emphasises the wide cantonal discretion (**BGE 138 I 162**).\n\n**N. 16** **Confederation-canton relationship in harmonisation**: Ehrenzeller/Schott (BSK BV, Art. 62 N. 86) emphasise primary cantonal responsibility and see federal competence as ultima ratio. Biaggini (BSK BV, Art. 62 N. 86) qualifies the competence as «conditionally concurrent» and grants the Confederation greater scope. Practice shows that the Confederation has acted with restraint so far and primarily relies on intercantonal cooperation (HarmoS Concordat).\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 17** **Compulsory schooling and homeschooling**: The cantons have different regulations on private home instruction. While some cantons (e.g. Vaud, Jura) permit homeschooling under conditions, others (e.g. both Basel cantons) know a de facto prohibition. Parents must observe cantonal authorisation procedures and expect regular controls. The Federal Supreme Court has clarified that no constitutional right to homeschooling exists (**BGE 146 I 20**).\n\n**N. 18** **Religion-based exemptions**: Applications for exemption from instruction on religious grounds are subject to strict proportionality review. While exemptions are possible for individual events (e.g. school Christmas celebration), they are only exceptionally granted for regular subjects. Swimming instruction is, according to **BGE 135 I 79**, compulsory also for Muslim children, whereby accompanying measures (burkini, gender-separated instruction) are to be offered.\n\n**N. 19** **Special needs education procedures**: In assessing special needs education requirements, a standardised assessment procedure (SAV) is to be conducted. Parents have a right to participation and legal hearing (→ Art. 29 FC). Legal recourse is available against decisions on special needs education measures. Cost bearing is governed by cantonal law, whereby free provision according to **BGE 141 I 9** also encompasses integrative special needs education measures.\n\n**N. 20** **Intercantonal school attendance**: For attending a school outside the canton of residence, authorisation is generally required. Cost assumption is governed by intercantonal agreements (Regional School Agreement RSA). For special schools, the regulations of the Intercantonal Agreement for Social Institutions (IVSE) apply. Without cost approval, parents must bear the school fees themselves.\n\n**N. 21** **Enforcement of harmonisation**: The HarmoS Concordat is not in force in all cantons. When moving between cantons with different school systems, transition problems may arise. The Conference of Cantonal Ministers of Education (EDK) offers information on cantonal differences. Direct invocation of Art. 62 para. 4 FC by private parties is not possible, as the norm is addressed to the federal legislator.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principles of the Right to Primary Education\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002 — Disciplinary school exclusion and social fundamental right. The Federal Supreme Court clarifies the scope of the right to primary education pursuant to Art. 19 in conjunction with Art. 62 FC and its limitations in the context of disciplinary measures.\n\n> «Art. 19 FC establishes the right to free primary education at public schools corresponding to the individual abilities of the child and their personality development during the compulsory school period of at least nine years.»\n\n**BGE 144 I 1** of 7 December 2017 — Scope of free primary education. The Federal Supreme Court specifies which services are covered by the right to free education and strikes down a Thurgau provision that shifted costs to parents.\n\n> «The right to free education encompasses all necessary means that directly serve the purpose of instruction. Restrictive specifications by the legislature must be measured against whether they are still compatible with the constitutionally guaranteed minimum content.»\n\n**BGE 138 I 162** of 13 April 2012 — Special needs education and cantonal discretion. The Federal Supreme Court confirms that Art. 62 para. 3 FC grants cantons considerable latitude in organising special needs education, but federal minimum standards must be observed.\n\n> «In the area of special needs education, the cantons have considerable discretion in organisation. The federal minimum requirements only demand an appropriate, empirically sufficient educational offering at public schools, but not the optimal or most suitable education for a child.»\n\n### Freedom of Religion in the School Context\n\n**BGE 135 I 79** of 24 October 2008 — Swimming lessons and freedom of religion. Landmark decision on religious dispensations from compulsory education, in which the Federal Supreme Court defines the limits of freedom of religion in public education.\n\n> «Combined with accompanying measures, the contested compulsory requirement does not constitute an inadmissible interference with freedom of religion, even for Muslim children. In weighing interests, particular consideration must be given to the diverse efforts to integrate the Muslim population group.»\n\n**BGE 142 I 49** of 11 December 2015 — Headscarf ban in school. The Federal Supreme Court declares a general ban on head coverings for female pupils unconstitutional and clarifies the requirements for restrictions on freedom of religion.\n\n> «A general ban on head coverings for female pupils at public schools constitutes an inadmissible interference with freedom of belief and conscience if it is not justified by sufficiently weighty public interests and is not proportionally designed.»\n\n### Special Needs Education and Inclusion\n\n**BGE 141 I 9** of 4 December 2014 — Free nature of integrative special needs education. The Federal Supreme Court strengthens the right of disabled children to free education and prohibits shifting integration costs to parents.\n\n> «Adequate primary education is mandatorily free, even when the school provides a service not legally prescribed. Cantonal regulations that determine the assignment of a child to separative special needs education based on schematic criteria do not adequately consider the child's welfare in individual cases.»\n\n**BGE 130 I 352** of 24 November 2004 — Special needs education outside the home canton. The Federal Supreme Court clarifies the rights of disabled children to appropriate education and intercantonal cost allocation.\n\n> «The cantons have considerable discretion in regulating primary education; they must also ensure appropriate, empirically sufficient primary education at public schools for disabled persons.»\n\n### Homeschooling and Private Education\n\n**BGE 146 I 20** of 22 August 2019 — Home-based private education. The Federal Supreme Court confirms that Art. 62 FC does not grant a right to homeschooling and leaves regulation to the cantons.\n\n> «Art. 19 in conjunction with Art. 62 para. 2 FC does not grant a right to private individual instruction. It is up to the cantons, in observance of Art. 19 and 62 para. 2 FC, to regulate whether and to what extent homeschooling should be permitted.»\n\n### Educational Harmonisation\n\n**BGE 143 I 361** of 3 May 2017 — HarmoS Concordat and popular vote. The Federal Supreme Court addresses the question of democratic legitimacy of school harmonisation measures and the relationship between Art. 62 para. 4 FC and cantonal decision-making procedures.\n\n> «When assessing whether a proposal submitted in the form of a general popular initiative violates higher-ranking law, a distinction must be made between mandatory and non-mandatory provisions of federal law.»\n\n### Cantonal School Organisation\n\n**BGE 133 I 156** of 7 May 2007 — Transport costs and lower secondary school. The Federal Supreme Court defines the limits of the right to free education for continuing schools.\n\n> «The federal constitutional right to free education is limited to compulsory primary education. For attendance at continuing schools, there is generally no constitutional right to assumption of transport costs by the public authorities.»\n\n**BGE 130 I 113** of 8 April 2004 — University tuition fees. The Federal Supreme Court delimits the scope of application of Art. 62 FC and confirms that it only applies to the primary education level.\n\n> «The provisions on free primary education do not apply to universities. Reasonable tuition fees are compatible with the Constitution as long as they do not unduly impede access to education.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_62", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 63, "article_suffix": "", "title": "Berufsbildung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 63 BV — Berufsbildung\n\n## Übersicht\n\nArt. 63 BV gibt dem Bund die ausschliessliche Kompetenz für die Berufsbildung. Der Bund kann alle Aspekte der beruflichen Ausbildung regeln (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15). Diese Bundeskompetenz ist umfassend und gilt für alle Berufszweige, nicht nur für bestimmte Wirtschaftsbereiche wie früher (BBl 2000 5686, 5691 f.).\n\nDie Berufsbildung umfasst drei Bereiche: die berufliche Grundbildung (Lehre), die höhere Berufsbildung (Fachausweise und Diplome) und die berufsorientierte Weiterbildung (**BGE 130 III 182**). Anders als bei den Schulen, wo die Kantone zuständig sind, regelt der Bund die Berufsbildung zentral. Dies sorgt für einheitliche Standards in der ganzen Schweiz.\n\nDer Bund muss ein breites und durchlässiges Angebot fördern (Art. 63 Abs. 2 BV). Durchlässig bedeutet: Wer eine Berufslehre macht, kann später studieren. Wer studiert hat, kann eine Berufslehre nachholen. Es soll auch möglich sein, von einem Beruf in einen anderen zu wechseln (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**Konkrete Beispiele**: Der Bund erlässt das Berufsbildungsgesetz (BBG). Dieses regelt, wie eine Kochlehre oder eine kaufmännische Grundbildung ablaufen muss. Private Organisationen wie Branchenverbände können Prüfungen durchführen. Das Bundesverwaltungsgericht hat bestätigt, dass dies erlaubt ist (**Urteil B-4164/2021**). \n\nWer eine Berufslehre abschliesst, kann über die Berufsmaturität an eine Fachhochschule. Wer studiert hat, kann in zwei Jahren eine verkürzte Lehre machen. Diese Durchlässigkeit ist verfassungsrechtlich garantiert (**BVGE 2017 IV/2**).\n\nDie Berufsbildung wird gemeinsam von Bund, Kantonen und Arbeitgebern finanziert. Bei manchen Branchen zahlen alle Betriebe in einen Berufsbildungsfonds ein. Dies ist rechtlich zulässig (**Urteil 2C_58/2009**).\n\nDie Bundesverfassung von 1874 gab dem Bund nur für bestimmte Wirtschaftsbereiche die Kompetenz. Seit 1999 kann der Bund alle Berufe regeln. Dies war nötig, weil neue Berufe entstanden sind, besonders im Dienstleistungsbereich (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bundeskompetenz zur Berufsbildung hat ihre Wurzeln in Art. 34ter Abs. 1 lit. g der Bundesverfassung von 1874, welche dem Bund die Befugnis zur Gesetzgebung über die berufliche Ausbildung in Industrie, Gewerbe, Handel, Landwirtschaft und Hausdienst übertrug. Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 übernahm diese Kompetenz in Art. 63 BV und erweiterte sie gleichzeitig auf sämtliche Berufsbereiche (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 1).\n\n**N. 2** Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 260) betonte die Notwendigkeit einer umfassenden Bundeskompetenz zur Gewährleistung einheitlicher Standards und der Mobilität in der Berufsbildung. Mit der Verfassungsrevision sollte die bisherige Beschränkung auf bestimmte Wirtschaftszweige aufgehoben werden (BBl 2000 5686, 5691 f.).\n\n**N. 3** Die Formulierung von Abs. 2, wonach der Bund ein «breites und durchlässiges Angebot» fördert, wurde bewusst gewählt, um die vertikale Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsstufen und die horizontale Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungswegen verfassungsrechtlich zu verankern (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 63 BV ist systematisch im 3. Kapitel «Bildung, Forschung und Kultur» eingeordnet und bildet zusammen mit Art. 61a (Bildungsraum Schweiz), Art. 63a (Hochschulen), Art. 64 (Forschung) und Art. 64a (Weiterbildung) das verfassungsrechtliche Fundament des schweizerischen Bildungswesens. Die Berufsbildung stellt dabei einen eigenständigen, gleichwertigen Bildungsweg neben der akademischen Bildung dar (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu Art. 62 BV (Schulwesen) besteht eine klare Kompetenzabgrenzung: Während die Kantone für die allgemeinbildenden Schulen zuständig bleiben, liegt die Berufsbildung in der ausschliesslichen Kompetenz des Bundes. Diese Kompetenzverteilung reflektiert die gesamtschweizerische Bedeutung einheitlicher Berufsbildungsstandards (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15).\n\n**N. 6** Die Verbindung zu Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) ist in der Lehre umstritten. Während Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) die Freiheit der Berufswahl als durch Art. 27 BV gewährleistet ansieht, vertreten Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) eine andere Auffassung und sehen eigenständige grundrechtliche Gehalte in der Berufsbildungsgarantie.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Berufsbildung** umfasst nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 130 III 182) und der herrschenden Lehre sämtliche systematischen Lernprozesse, die zum Erwerb der Qualifikationen führen, welche zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit erforderlich sind. Dies schliesst die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung ein (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 4-6).\n\n**N. 8** Die Kompetenz nach Abs. 1 ist eine **umfassende Bundeskompetenz** mit nachträglich derogatorischer Wirkung. Der Bund kann die Berufsbildung abschliessend regeln; kantonales Recht ist nur zulässig, soweit das Bundesrecht Raum lässt. Das Bundesgericht hat diese umfassende Natur in ständiger Rechtsprechung bestätigt (Urteil 2A.249/2002 vom 7. November 2002).\n\n**N. 9** Das **breite Angebot** nach Abs. 2 bezieht sich auf die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten in verschiedenen Berufsfeldern und auf unterschiedlichen Qualifikationsstufen. Der Bund ist verfassungsrechtlich verpflichtet, nicht nur traditionelle Berufsfelder, sondern auch neue Wirtschaftszweige und Dienstleistungsbereiche in das Berufsbildungssystem zu integrieren (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 10** Die **Durchlässigkeit** erfordert gemäss Lehre und Rechtsprechung (BVGE 2017 IV/2) sowohl vertikale Mobilität (Aufstieg zwischen Bildungsstufen) als auch horizontale Mobilität (Wechsel zwischen verschiedenen Berufsfeldern). Dies schliesst die Anerkennung von Vorleistungen und die Schaffung von Passerellen ein.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Aus der Gesetzgebungskompetenz nach Abs. 1 ergibt sich die Befugnis des Bundes zum Erlass des Berufsbildungsgesetzes (BBG) und entsprechender Verordnungen. Diese Kompetenz umfasst die Regelung sämtlicher Aspekte der Berufsbildung, einschliesslich der Finanzierung, der Qualitätssicherung und der Aufsicht (Urteil 2C_58/2009 vom 4. Februar 2010).\n\n**N. 12** Die Förderungspflicht nach Abs. 2 begründet keinen unmittelbaren Anspruch auf bestimmte Bildungsangebote, verpflichtet den Bund aber zu aktiven Massnahmen zur Sicherstellung eines vielfältigen und zugänglichen Berufsbildungssystems. Dies umfasst finanzielle Beiträge, aber auch regulatorische Massnahmen zur Qualitätssicherung (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 13** Private Organisationen der Arbeitswelt können mit hoheitlichen Aufgaben betraut werden, soweit dies gesetzlich vorgesehen ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat bestätigt, dass solche Delegationen verfassungskonform sind (Urteil B-4164/2021 vom 4. Mai 2022).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Grundrechtlicher Gehalt**: Die Lehre ist uneinig über die grundrechtliche Dimension der Berufsbildung. Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) sieht die Berufswahlfreiheit ausschliesslich durch Art. 27 BV gewährleistet, während Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) aus Art. 63 BV eigenständige subjektive Rechte ableiten wollen. Die Rechtsprechung hat diese Frage bislang nicht abschliessend geklärt.\n\n**N. 15** **Symbolgehalt der Norm**: Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 67) bezeichnet die verfassungsrechtliche Verankerung der Durchlässigkeit als «bedeutsames, aber kaum mehr als symbolisches Zeichen». Diese minimalistische Interpretation wird von anderen Autoren kritisiert, die in Art. 63 Abs. 2 BV einen justiziablen Verfassungsauftrag mit konkreten Handlungspflichten sehen (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 16** **Verhältnis zu kantonalen Kompetenzen**: Während die Bundeskompetenz grundsätzlich umfassend ist, besteht Uneinigkeit über die verbleibenden kantonalen Spielräume. Die herrschende Lehre anerkennt kantonale Kompetenzen nur im Vollzugsbereich und bei der Organisation der Berufsfachschulen, nicht aber bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Bildungsgänge (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 8-10).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Ausgestaltung von Berufsbildungsangeboten ist das **triale System** zu beachten: Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt wirken partnerschaftlich zusammen. Neue Bildungsangebote erfordern die Abstimmung zwischen allen drei Partnern, wobei die Organisationen der Arbeitswelt eine Schlüsselrolle bei der Definition der Bildungsinhalte spielen.\n\n**N. 18** Für die **Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen** ist zu prüfen, ob bilaterale Abkommen (insbesondere das Freizügigkeitsabkommen mit der EU) zur Anwendung kommen. Die Durchlässigkeitsverpflichtung nach Art. 63 Abs. 2 BV erfordert grundsätzlich eine wohlwollende Prüfung, soweit die Gleichwertigkeit der Ausbildung gegeben ist.\n\n**N. 19** Bei **Nachteilsausgleichen** in der Berufsbildung (z.B. bei Behinderungen) ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) zu beachten. Das Bundesverwaltungsgericht hat klargestellt, dass private Prüfungsorganisationen als beliehene Träger öffentlicher Aufgaben dem BehiG unterstehen (Urteil B-4164/2021).\n\n**N. 20** Die **Finanzierung** der Berufsbildung erfolgt über verschiedene Kanäle: direkte Bundesbeiträge, kantonale Beiträge und Berufsbildungsfonds der Branchen. Bei allgemeinverbindlich erklärten Berufsbildungsfonds entsteht eine öffentlich-rechtliche Beitragspflicht, die gerichtlich durchsetzbar ist (BGE 2C_58/2009).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Kompetenzgrundlage und Gesetzgebungsbefugnis\n\n**Urteil 2A.249/2002 vom 7. November 2002**\n\nDas Bundesgericht bestätigte die umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes im Berufsbildungswesen. Die Regelung obligatorischer Einführungskurse für Lehrlinge durch das Berufsbildungsgesetz entspricht der verfassungsmässigen Kompetenz nach Art. 63 BV.\n\n> «Die Berufsbildung ist vom Bund zu regeln (Art. 63 BV). Das Bundesgesetz über die Berufsbildung regelt daher zu Recht die Durchführung obligatorischer Einführungskurse für Lehrlinge und deren Finanzierung.»\n\n### Berufsbildungsbeiträge und Finanzierung\n\n**Urteil 2C_58/2009 vom 4. Februar 2010 E. 2.1** \n\nDas Bundesgericht klärte die Rechtsnatur von Berufsbildungsbeiträgen bei allgemein verbindlich erklärten Berufsbildungsfonds. Die Beitragspflicht resultiert direkt aus der bundesrechtlichen Kompetenz nach Art. 63 BV und der gesetzlichen Regelung im BBG.\n\n> «Erklärt der Bundesrat in Anwendung von Art. 60 Abs. 3 BBG den Berufsbildungsfonds einer Branche für alle ihre Betriebe allgemein verbindlich und verpflichtet er diese zur Entrichtung von Bildungsbeiträgen, entsteht auf Seiten der Betriebe eine entsprechende Leistungspflicht gestützt auf Art. 63 BV.»\n\n**Urteil 2C_613/2007 vom 15. August 2008 E. 2**\n\nDas Gericht präzisierte die Abgrenzung zwischen steuerbefreiten Bildungsleistungen und mehrwertsteuerpflichtigen Umsätzen im Berufsbildungsbereich. Die verfassungsmässige Kompetenz des Bundes nach Art. 63 BV begründet eine umfassende Regelungsbefugnis.\n\n> «Gemäss Art. 63 Abs. 1 BV erlässt der Bund Vorschriften über die Berufsbildung. Diese umfassende Kompetenz erstreckt sich auf sämtliche Aspekte der beruflichen Aus- und Weiterbildung, einschliesslich der steuerlichen Behandlung entsprechender Leistungen.»\n\n### Delegation hoheitlicher Befugnisse\n\n**Urteil B-4164/2021 vom 4. Mai 2022 E. 4.3**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigte, dass die Übertragung von Verwaltungsaufgaben an private Berufsverbände verfassungskonform ist. Die Durchführung eidgenössischer Berufsprüfungen durch Branchenorganisationen entspricht Art. 178 Abs. 3 BV i.V.m. Art. 63 BV.\n\n> «Mit der Durchführung der Berufsprüfungen und dem Erlass von Entscheiden über die Verweigerung des eidgenössischen Fachausweises nimmt die QS-Kommission eine Verwaltungsaufgabe wahr. Als private Träger, welche bei der Durchführung der Qualifikationsverfahren Aufgaben der Verwaltung übernommen haben, sind sie dem Gemeinwesen nach Art. 8 Abs. 2 BehiG zuzuordnen.»\n\n### Nachteilsausgleich in der Berufsbildung\n\n**Urteil B-3706/2014 vom 28. November 2017**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht entschied zur Anerkennung ausländischer Weiterbildungsperioden im Rahmen der ärztlichen Weiterbildung. Die Bundeskompentz nach Art. 63 BV umfasst auch die Anerkennung beruflicher Qualifikationen.\n\nDie Entscheidung zeigt die Reichweite der Bundeskompetenz bei der Regelung von Anerkennungsverfahren im Berufsbildungsbereich auf.\n\n### Finanzierungsbeiträge für vorbereitende Kurse\n\n**Urteil B-1130/2023 vom 27. Februar 2024**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelte Fristen für Beitragsgesuche bei eidgenössischen Berufsprüfungen. Die bundesgesetzliche Regelung der Subjektfinanzierung basiert auf Art. 63 BV und dient der Förderung eines durchlässigen Berufsbildungsangebots im Sinne von Art. 63 Abs. 2 BV.\n\nDie Zwei-Jahres-Frist für Beitragsgesuche wurde als verfassungskonform bestätigt.\n\n**Urteil 2C_415/2024 vom 10. April 2025 E. 1.2**\n\nDas Bundesgericht klärte die Abgrenzung zwischen öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Berufsbildungsangeboten. Entscheidend ist, ob die Ausbildung unter staatlicher Aufsicht steht und zum eidgenössischen Berufsbildungssystem gehört.\n\n> «Die kaufmännische Grundbildung für Erwachsene kann sowohl in öffentlich-rechtlichen als auch in privatrechtlichen Formen angeboten werden. Massgeblich für die rechtliche Qualifikation ist die Einordnung in das eidgenössische Berufsbildungssystem nach Art. 63 BV.»\n\n### Rechtswegfragen\n\n**Urteil B-2616/2024 vom 27. Februar 2025**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigte seine Zuständigkeit für Beschwerden gegen Entscheide über Subjektfinanzierung in der höheren Berufsbildung. Die bundesrechtliche Regelung nach Art. 63 BV begründet die verwaltungsgerichtliche Zuständigkeit.\n\n### Integrationsvorlehre\n\n**Urteil 40/2024/23 des Obergerichts Schaffhausen vom 5. September 2025**\n\nDas kantonale Obergericht entschied zur arbeitsrechtlichen Stellung von Teilnehmenden einer Integrationsvorlehre. Die Bundeskompetrenz nach Art. 63 BV umfasst auch besondere Ausbildungsformen für die Integration von Personen mit Migrationshintergrund.\n\n> «Teilnehmende einer Integrationsvorlehre fallen unter den Begriff 'Lehrlinge' im arbeitsrechtlichen Sinne. Die Integrationsvorlehre ist Teil des schweizerischen Berufsbildungssystems nach Art. 63 BV.»\n\n### Durchlässigkeit des Bildungssystems\n\n**Urteil B-5012/2015 vom 27. Januar 2017 (BVGE 2017 IV/2)**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelte die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Art. 63 Abs. 2 BV verpflichtet den Bund zur Förderung eines durchlässigen Berufsbildungsangebots, was auch internationale Aspekte umfasst.\n\nDie Entscheidung zeigt, dass die Durchlässigkeit sowohl vertikal (zwischen Bildungsstufen) als auch horizontal (zwischen verschiedenen Bildungswegen) zu verstehen ist.", "summary_fr": "# Art. 63 Cst. — Formation professionnelle\n\n## Aperçu\n\nL'art. 63 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive en matière de formation professionnelle. La Confédération peut régler tous les aspects de la formation professionnelle (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15). Cette compétence fédérale est globale et s'applique à toutes les branches professionnelles, et non plus seulement à certains secteurs économiques comme autrefois (FF 2000 5215, 5219 s.).\n\nLa formation professionnelle comprend trois domaines : la formation professionnelle initiale (apprentissage), la formation professionnelle supérieure (brevets fédéraux et diplômes) et la formation continue à orientation professionnelle (**ATF 130 III 182**). Contrairement aux écoles, où les cantons sont compétents, la Confédération règle la formation professionnelle de manière centralisée. Cela garantit des standards uniformes dans toute la Suisse.\n\nLa Confédération doit encourager une offre diversifiée et perméable (art. 63 al. 2 Cst.). Perméable signifie : qui fait un apprentissage peut étudier par la suite. Qui a étudié peut rattraper un apprentissage. Il doit aussi être possible de passer d'une profession à une autre (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**Exemples concrets** : La Confédération édicte la loi sur la formation professionnelle (LFPr). Celle-ci règle comment doit se dérouler un apprentissage de cuisinier ou une formation commerciale de base. Des organisations privées comme les associations de branche peuvent organiser des examens. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé que cela est autorisé (**arrêt B-4164/2021**).\n\nQui achève un apprentissage peut accéder à une haute école spécialisée par la maturité professionnelle. Qui a étudié peut faire un apprentissage raccourci en deux ans. Cette perméabilité est garantie par la constitution (**ATAF 2017 IV/2**).\n\nLa formation professionnelle est financée conjointement par la Confédération, les cantons et les employeurs. Dans certaines branches, toutes les entreprises versent dans un fonds de formation professionnelle. Cela est juridiquement admissible (**arrêt 2C_58/2009**).\n\nLa Constitution fédérale de 1874 ne conférait à la Confédération la compétence que pour certains secteurs économiques. Depuis 1999, la Confédération peut régler toutes les professions. Cela était nécessaire parce que de nouvelles professions sont apparues, particulièrement dans le secteur des services (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La compétence fédérale en matière de formation professionnelle trouve ses racines dans l'art. 34ter al. 1 let. g de la Constitution fédérale de 1874, qui conférait à la Confédération le pouvoir de légiférer sur la formation professionnelle dans l'industrie, l'artisanat, le commerce, l'agriculture et le service domestique. La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a repris cette compétence à l'art. 63 Cst. et l'a simultanément étendue à tous les domaines professionnels (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 1).\n\n**N. 2** Le Message sur une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 260) a souligné la nécessité d'une compétence fédérale complète pour garantir des standards uniformes et la mobilité dans la formation professionnelle. La révision constitutionnelle visait à supprimer la limitation antérieure à certaines branches économiques (FF 2000 5686, 5691 ss).\n\n**N. 3** La formulation de l'al. 2, selon laquelle la Confédération encourage une offre « étendue et perméable », a été délibérément choisie pour ancrer constitutionnellement la perméabilité verticale entre différents niveaux d'éducation et la perméabilité horizontale entre différentes voies de formation (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 16).\n\n### 2. Insertion systématique\n\n**N. 4** L'art. 63 Cst. s'inscrit systématiquement dans le 3e chapitre « Éducation, recherche et culture » et forme, avec l'art. 61a (Espace suisse de formation), l'art. 63a (Hautes écoles), l'art. 64 (Recherche) et l'art. 64a (Formation continue), le fondement constitutionnel du système éducatif suisse. La formation professionnelle représente une voie de formation autonome et équivalente à côté de la formation académique (SG Komm. BV-Ehrenzeller, art. 63 n. 3).\n\n**N. 5** Dans le rapport avec l'art. 62 Cst. (École), il existe une délimitation claire des compétences : tandis que les cantons restent compétents pour les écoles de formation générale, la formation professionnelle relève de la compétence exclusive de la Confédération. Cette répartition des compétences reflète l'importance nationale de standards uniformes en formation professionnelle (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 2-15).\n\n**N. 6** Le lien avec l'art. 27 Cst. (Liberté économique) est controversé dans la doctrine. Tandis que Biaggini (Komm. BV, art. 63 n. 2) considère la liberté du choix professionnel comme garantie par l'art. 27 Cst., Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, n. marg. 10) défendent une autre conception et voient des contenus fondamentaux autonomes dans la garantie de formation professionnelle.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** La **formation professionnelle** comprend, selon la jurisprudence du Tribunal fédéral (ATF 130 III 182) et la doctrine dominante, tous les processus d'apprentissage systématiques qui conduisent à l'acquisition des qualifications nécessaires à l'exercice d'une activité professionnelle. Ceci inclut la formation professionnelle initiale, la formation professionnelle supérieure et la formation continue à orientation professionnelle (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 4-6).\n\n**N. 8** La compétence selon l'al. 1 est une **compétence fédérale complète** avec effet dérogatoire ultérieur. La Confédération peut régler la formation professionnelle de manière exhaustive ; le droit cantonal n'est admissible que dans la mesure où le droit fédéral laisse de l'espace. Le Tribunal fédéral a confirmé cette nature complète dans une jurisprudence constante (arrêt 2A.249/2002 du 7 novembre 2002).\n\n**N. 9** L'**offre étendue** selon l'al. 2 se réfère à la diversité des possibilités de formation dans différents domaines professionnels et à différents niveaux de qualification. La Confédération est constitutionnellement tenue d'intégrer dans le système de formation professionnelle non seulement les domaines professionnels traditionnels, mais aussi les nouvelles branches économiques et les secteurs de services (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 16).\n\n**N. 10** La **perméabilité** exige, selon la doctrine et la jurisprudence (ATAF 2017 IV/2), tant la mobilité verticale (progression entre niveaux de formation) que la mobilité horizontale (changement entre différents domaines professionnels). Ceci inclut la reconnaissance des prestations antérieures et la création de passerelles.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** De la compétence législative selon l'al. 1 découle le pouvoir de la Confédération d'adopter la loi sur la formation professionnelle (LFPr) et les ordonnances correspondantes. Cette compétence comprend la réglementation de tous les aspects de la formation professionnelle, y compris le financement, l'assurance qualité et la surveillance (arrêt 2C_58/2009 du 4 février 2010).\n\n**N. 12** L'obligation d'encouragement selon l'al. 2 ne fonde pas un droit direct à certaines offres de formation, mais oblige la Confédération à prendre des mesures actives pour garantir un système de formation professionnelle diversifié et accessible. Ceci comprend des contributions financières, mais aussi des mesures réglementaires d'assurance qualité (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 16).\n\n**N. 13** Les organisations privées du monde du travail peuvent être chargées de tâches souveraines, dans la mesure où cela est prévu par la loi. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé que de telles délégations sont conformes à la Constitution (arrêt B-4164/2021 du 4 mai 2022).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 14** **Contenu fondamental** : La doctrine est divisée sur la dimension fondamentale de la formation professionnelle. Biaggini (Komm. BV, art. 63 n. 2) considère la liberté du choix professionnel comme garantie exclusivement par l'art. 27 Cst., tandis que Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, n. marg. 10) veulent dériver de l'art. 63 Cst. des droits subjectifs autonomes. La jurisprudence n'a pas encore tranché définitivement cette question.\n\n**N. 15** **Portée symbolique de la norme** : Biaggini (Komm. BV, art. 63 n. 67) qualifie l'ancrage constitutionnel de la perméabilité de « signe significatif, mais guère plus que symbolique ». Cette interprétation minimaliste est critiquée par d'autres auteurs qui voient dans l'art. 63 al. 2 Cst. un mandat constitutionnel justiciable avec des obligations d'action concrètes (SG Komm. BV-Ehrenzeller, art. 63 n. 16).\n\n**N. 16** **Rapport aux compétences cantonales** : Bien que la compétence fédérale soit en principe complète, il existe un désaccord sur les marges de manœuvre cantonales subsistantes. La doctrine dominante reconnaît les compétences cantonales uniquement dans le domaine de l'exécution et de l'organisation des écoles professionnelles, mais non dans l'aménagement du contenu des filières de formation (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 8-10).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Dans l'aménagement d'offres de formation professionnelle, il faut respecter le **système tripartite** : Confédération, cantons et organisations du monde du travail collaborent en partenariat. Les nouvelles offres de formation exigent la coordination entre les trois partenaires, les organisations du monde du travail jouant un rôle clé dans la définition des contenus de formation.\n\n**N. 18** Pour la **reconnaissance des qualifications professionnelles étrangères**, il faut examiner si les accords bilatéraux (en particulier l'accord de libre circulation avec l'UE) s'appliquent. L'obligation de perméabilité selon l'art. 63 al. 2 Cst. exige en principe un examen bienveillant, pour autant que l'équivalence de la formation soit donnée.\n\n**N. 19** En cas de **compensations de désavantages** dans la formation professionnelle (p. ex. en cas de handicap), la loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand) doit être respectée. Le Tribunal administratif fédéral a précisé que les organisations d'examen privées, en tant que porteurs délégués de tâches publiques, sont soumises à la LHand (arrêt B-4164/2021).\n\n**N. 20** Le **financement** de la formation professionnelle s'effectue par différents canaux : contributions fédérales directes, contributions cantonales et fonds de formation professionnelle des branches. En cas de fonds de formation professionnelle déclarés de force obligatoire générale, naît une obligation contributive de droit public qui peut être imposée judiciairement (ATF 2C_58/2009).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Base de compétence et pouvoir législatif\n\n**Arrêt 2A.249/2002 du 7 novembre 2002**\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence législative complète de la Confédération en matière de formation professionnelle. La réglementation de cours d'introduction obligatoires pour les apprentis par la loi sur la formation professionnelle correspond à la compétence constitutionnelle selon l'art. 63 Cst.\n\n> « La formation professionnelle doit être réglée par la Confédération (art. 63 Cst.). La loi fédérale sur la formation professionnelle règle donc à juste titre la mise en œuvre de cours d'introduction obligatoires pour les apprentis et leur financement. »\n\n### Contributions à la formation professionnelle et financement\n\n**Arrêt 2C_58/2009 du 4 février 2010 consid. 2.1** \n\nLe Tribunal fédéral a clarifié la nature juridique des contributions à la formation professionnelle dans le cas de fonds de formation professionnelle déclarés d'application générale. L'obligation de contribution résulte directement de la compétence du droit fédéral selon l'art. 63 Cst. et de la réglementation légale dans la LFPr.\n\n> « Lorsque le Conseil fédéral, en application de l'art. 60 al. 3 LFPr, déclare le fonds de formation professionnelle d'une branche d'application générale pour toutes ses entreprises et les oblige à verser des contributions de formation, naît du côté des entreprises une obligation de prestation correspondante fondée sur l'art. 63 Cst. »\n\n**Arrêt 2C_613/2007 du 15 août 2008 consid. 2**\n\nLe Tribunal a précisé la délimitation entre les prestations de formation exonérées d'impôts et les chiffres d'affaires soumis à la taxe sur la valeur ajoutée dans le domaine de la formation professionnelle. La compétence constitutionnelle de la Confédération selon l'art. 63 Cst. fonde un pouvoir de réglementation complet.\n\n> « Selon l'art. 63 al. 1 Cst., la Confédération édicte des prescriptions sur la formation professionnelle. Cette compétence complète s'étend à tous les aspects de la formation et du perfectionnement professionnels, y compris le traitement fiscal des prestations correspondantes. »\n\n### Délégation de compétences souveraines\n\n**Arrêt B-4164/2021 du 4 mai 2022 consid. 4.3**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a confirmé que le transfert de tâches administratives à des associations professionnelles privées est conforme à la Constitution. La mise en œuvre d'examens professionnels fédéraux par des organisations de branche correspond à l'art. 178 al. 3 Cst. en relation avec l'art. 63 Cst.\n\n> « En menant les examens professionnels et en rendant des décisions sur le refus du certificat fédéral de capacité, la commission AQ assume une tâche administrative. En tant que porteurs privés qui ont repris des tâches de l'administration lors de la mise en œuvre des procédures de qualification, ils sont à assimiler à la collectivité publique selon l'art. 8 al. 2 LHand. »\n\n### Compensation des désavantages dans la formation professionnelle\n\n**Arrêt B-3706/2014 du 28 novembre 2017**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a statué sur la reconnaissance de périodes de formation continue à l'étranger dans le cadre de la formation continue médicale. La compétence fédérale selon l'art. 63 Cst. comprend aussi la reconnaissance des qualifications professionnelles.\n\nLa décision montre l'étendue de la compétence fédérale dans la réglementation des procédures de reconnaissance dans le domaine de la formation professionnelle.\n\n### Contributions de financement pour les cours préparatoires\n\n**Arrêt B-1130/2023 du 27 février 2024**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a traité les délais pour les demandes de contributions lors d'examens professionnels fédéraux. La réglementation légale fédérale du financement subjectif se base sur l'art. 63 Cst. et sert à promouvoir une offre de formation professionnelle perméable au sens de l'art. 63 al. 2 Cst.\n\nLe délai de deux ans pour les demandes de contributions a été confirmé comme étant conforme à la Constitution.\n\n**Arrêt 2C_415/2024 du 10 avril 2025 consid. 1.2**\n\nLe Tribunal fédéral a clarifié la délimitation entre les offres de formation professionnelle de droit public et de droit privé. L'élément décisif est de savoir si la formation se déroule sous surveillance étatique et appartient au système fédéral de formation professionnelle.\n\n> « La formation commerciale initiale pour adultes peut être offerte tant sous des formes de droit public que de droit privé. Ce qui est déterminant pour la qualification juridique, c'est l'intégration dans le système fédéral de formation professionnelle selon l'art. 63 Cst. »\n\n### Questions de voie de droit\n\n**Arrêt B-2616/2024 du 27 février 2025**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a confirmé sa compétence pour les recours contre les décisions concernant le financement subjectif dans la formation professionnelle supérieure. La réglementation du droit fédéral selon l'art. 63 Cst. fonde la compétence du tribunal administratif.\n\n### Préapprentissage d'intégration\n\n**Arrêt 40/2024/23 du Tribunal supérieur de Schaffhouse du 5 septembre 2025**\n\nLe tribunal supérieur cantonal a statué sur le statut de droit du travail des participants à un préapprentissage d'intégration. La compétence fédérale selon l'art. 63 Cst. comprend aussi les formes de formation spéciales pour l'intégration de personnes issues de la migration.\n\n> « Les participants à un préapprentissage d'intégration tombent sous le terme 'apprentis' au sens du droit du travail. Le préapprentissage d'intégration fait partie du système suisse de formation professionnelle selon l'art. 63 Cst. »\n\n### Perméabilité du système de formation\n\n**Arrêt B-5012/2015 du 27 janvier 2017 (ATAF 2017 IV/2)**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a traité la reconnaissance de qualifications professionnelles étrangères. L'art. 63 al. 2 Cst. oblige la Confédération à promouvoir une offre de formation professionnelle perméable, ce qui comprend aussi des aspects internationaux.\n\nLa décision montre que la perméabilité doit être comprise tant verticalement (entre les niveaux de formation) qu'horizontalement (entre les différentes voies de formation).", "summary_it": "# Art. 63 Cost. — Formazione professionale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 63 Cost. attribuisce alla Confederazione la competenza esclusiva per la formazione professionale. La Confederazione può disciplinare tutti gli aspetti della formazione professionale (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 2-15). Questa competenza federale è completa e vale per tutti i settori professionali, non solo per determinati settori economici come in passato (FF 2000 5275, 5280 sg.).\n\nLa formazione professionale comprende tre ambiti: la formazione professionale di base (tirocinio), la formazione professionale superiore (attestati federali e diplomi) e la formazione continua orientata alla professione (**DTF 130 III 182**). A differenza delle scuole, per le quali sono competenti i Cantoni, la Confederazione disciplina centralmente la formazione professionale. Questo garantisce standard uniformi in tutta la Svizzera.\n\nLa Confederazione deve promuovere un'offerta ampia e permeabile (art. 63 cpv. 2 Cost.). Permeabile significa: chi fa un tirocinio può in seguito studiare. Chi ha studiato può recuperare un tirocinio. Deve essere possibile anche passare da una professione a un'altra (Hänni, BSK BV, art. 63 n. 16).\n\n**Esempi concreti**: La Confederazione emana la legge sulla formazione professionale (LFPr). Questa disciplina come deve svolgersi un tirocinio di cuoco o una formazione commerciale di base. Organizzazioni private come associazioni di categoria possono svolgere esami. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato che questo è ammesso (**sentenza B-4164/2021**). \n\nChi completa un tirocinio può accedere a una scuola universitaria professionale tramite la maturità professionale. Chi ha studiato può fare un tirocinio abbreviato in due anni. Questa permeabilità è garantita a livello costituzionale (**BVGE 2017 IV/2**).\n\nLa formazione professionale è finanziata congiuntamente da Confederazione, Cantoni e datori di lavoro. In alcuni settori tutte le aziende versano in un fondo per la formazione professionale. Questo è giuridicamente ammissibile (**sentenza 2C_58/2009**).\n\nLa Costituzione federale del 1874 attribuiva alla Confederazione la competenza solo per determinati settori economici. Dal 1999 la Confederazione può disciplinare tutte le professioni. Questo era necessario perché sono nate nuove professioni, specialmente nel settore dei servizi (SG Komm. BV-Ehrenzeller, art. 63 n. 3).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La competenza federale per la formazione professionale ha le sue radici nell'art. 34ter cpv. 1 lett. g della Costituzione federale del 1874, che conferiva alla Confederazione la facoltà di legiferare sulla formazione professionale nell'industria, nei mestieri, nel commercio, nell'agricoltura e nei servizi domestici. La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha ripreso questa competenza nell'art. 63 Cost. ampliandola contemporaneamente a tutti i settori professionali (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 1).\n\n**N. 2** Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 260) sottolineava la necessità di una competenza federale globale per garantire standard uniformi e la mobilità nella formazione professionale. Con la revisione costituzionale si doveva eliminare la precedente limitazione a determinati rami economici (FF 2000 5686, 5691 seg.).\n\n**N. 3** La formulazione del cpv. 2, secondo cui la Confederazione promuove un'«offerta ampia e permeabile», è stata scelta consapevolmente per ancorare costituzionalmente la permeabilità verticale tra diversi gradi di formazione e la permeabilità orizzontale tra diversi percorsi formativi (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 63 Cost. è sistematicamente inserito nel 3° capitolo «Educazione, ricerca e cultura» e forma insieme agli art. 61a (Spazio formativo svizzero), 63a (Scuole universitarie), 64 (Ricerca) e 64a (Formazione continua) il fondamento costituzionale del sistema educativo svizzero. La formazione professionale rappresenta un percorso formativo autonomo ed equivalente accanto alla formazione accademica (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).\n\n**N. 5** Nel rapporto con l'art. 62 Cost. (Istruzione scolastica) esiste una chiara delimitazione delle competenze: mentre i Cantoni rimangono competenti per le scuole di formazione generale, la formazione professionale rientra nella competenza esclusiva della Confederazione. Questa ripartizione delle competenze riflette l'importanza a livello nazionale di standard uniformi della formazione professionale (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15).\n\n**N. 6** Il collegamento con l'art. 27 Cost. (Libertà economica) è controverso in dottrina. Mentre Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) considera la libertà di scelta professionale come garantita dall'art. 27 Cost., Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) sostengono un'opinione diversa e vedono contenuti di diritti fondamentali autonomi nella garanzia della formazione professionale.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 7** La **formazione professionale** comprende secondo la giurisprudenza del Tribunale federale (DTF 130 III 182) e la dottrina dominante tutti i processi di apprendimento sistematici che portano all'acquisizione delle qualifiche necessarie per l'esercizio di un'attività professionale. Questo include la formazione professionale di base, la formazione professionale superiore e la formazione continua orientata al lavoro (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 4-6).\n\n**N. 8** La competenza secondo il cpv. 1 è una **competenza federale globale** con effetto derogatorio successivo. La Confederazione può disciplinare in modo esaustivo la formazione professionale; il diritto cantonale è ammissibile solo nella misura in cui il diritto federale lasci spazio. Il Tribunale federale ha confermato questa natura globale in giurisprudenza costante (Sentenza 2A.249/2002 del 7 novembre 2002).\n\n**N. 9** L'**offerta ampia** secondo il cpv. 2 si riferisce alla varietà delle possibilità di formazione in diversi settori professionali e a differenti livelli di qualificazione. La Confederazione è costituzionalmente obbligata a integrare nel sistema di formazione professionale non solo i settori professionali tradizionali, ma anche nuovi rami economici e settori dei servizi (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 10** La **permeabilità** richiede secondo la dottrina e la giurisprudenza (BVGE 2017 IV/2) sia mobilità verticale (passaggio tra gradi di formazione) sia mobilità orizzontale (cambiamento tra diversi settori professionali). Questo include il riconoscimento di prestazioni pregresse e la creazione di passerelle.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Dalla competenza legislativa secondo il cpv. 1 deriva la facoltà della Confederazione di emanare la legge sulla formazione professionale (LFPr) e le corrispondenti ordinanze. Questa competenza comprende la disciplina di tutti gli aspetti della formazione professionale, inclusi il finanziamento, l'assicurazione della qualità e la vigilanza (Sentenza 2C_58/2009 del 4 febbraio 2010).\n\n**N. 12** L'obbligo di promozione secondo il cpv. 2 non fonda un diritto immediato a determinate offerte formative, ma obbliga la Confederazione a misure attive per assicurare un sistema di formazione professionale diversificato e accessibile. Questo comprende contributi finanziari, ma anche misure regolamentari per l'assicurazione della qualità (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 13** Le organizzazioni private del mondo del lavoro possono essere incaricate di compiti pubblici, purché ciò sia previsto per legge. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato che tali deleghe sono conformi alla Costituzione (Sentenza B-4164/2021 del 4 maggio 2022).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 14** **Contenuto di diritti fondamentali**: La dottrina è discorde sulla dimensione dei diritti fondamentali della formazione professionale. Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) vede la libertà di scelta professionale garantita esclusivamente dall'art. 27 Cost., mentre Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) vogliono derivare diritti soggettivi autonomi dall'art. 63 Cost. La giurisprudenza non ha ancora chiarito definitivamente questa questione.\n\n**N. 15** **Valore simbolico della norma**: Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 67) definisce l'ancoraggio costituzionale della permeabilità come «segno significativo, ma poco più che simbolico». Questa interpretazione minimalista è criticata da altri autori, che vedono nell'art. 63 cpv. 2 Cost. un mandato costituzionale giustiziabile con obblighi concreti di azione (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 16** **Rapporto con le competenze cantonali**: Benché la competenza federale sia fondamentalmente globale, sussiste disaccordo sui margini di manovra cantonali rimanenti. La dottrina dominante riconosce competenze cantonali solo nell'ambito dell'esecuzione e nell'organizzazione delle scuole professionali, ma non nella configurazione dei contenuti dei percorsi formativi (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 8-10).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nella configurazione di offerte di formazione professionale va considerato il **sistema triale**: Confederazione, Cantoni e organizzazioni del mondo del lavoro collaborano in partenariato. Nuove offerte formative richiedono il coordinamento tra tutti e tre i partner, con le organizzazioni del mondo del lavoro che svolgono un ruolo chiave nella definizione dei contenuti formativi.\n\n**N. 18** Per il **riconoscimento di qualifiche professionali estere** occorre verificare se si applicano accordi bilaterali (in particolare l'accordo sulla libera circolazione con l'UE). L'obbligo di permeabilità secondo l'art. 63 cpv. 2 Cost. richiede fondamentalmente un esame benevolo, purché sia data l'equivalenza della formazione.\n\n**N. 19** Per i **svantaggi compensati** nella formazione professionale (ad es. in caso di disabilità) va considerata la legge sui disabili (LDis). Il Tribunale amministrativo federale ha chiarito che le organizzazioni private d'esame in quanto portatrici delegate di compiti pubblici sottostanno alla LDis (Sentenza B-4164/2021).\n\n**N. 20** Il **finanziamento** della formazione professionale avviene attraverso diversi canali: contributi federali diretti, contributi cantonali e fondi per la formazione professionale dei settori. Per i fondi per la formazione professionale dichiarati di obbligatorietà generale sorge un obbligo di contribuzione di diritto pubblico, esigibile giudizialmente (DTF 2C_58/2009).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Base di competenza e potestà legislativa\n\n**Sentenza 2A.249/2002 del 7 novembre 2002**\n\nIl Tribunale federale ha confermato l'ampia competenza legislativa della Confederazione nel settore della formazione professionale. La regolamentazione di corsi obbligatori di introduzione per gli apprendisti attraverso la legge sulla formazione professionale corrisponde alla competenza costituzionale secondo l'art. 63 Cost.\n\n> «La formazione professionale è disciplinata dalla Confederazione (art. 63 Cost.). La legge federale sulla formazione professionale disciplina pertanto a ragione lo svolgimento di corsi obbligatori di introduzione per apprendisti e il loro finanziamento.»\n\n### Contributi per la formazione professionale e finanziamento\n\n**Sentenza 2C_58/2009 del 4 febbraio 2010 consid. 2.1** \n\nIl Tribunale federale ha chiarito la natura giuridica dei contributi per la formazione professionale in caso di fondi per la formazione professionale dichiarati di obbligatorietà generale. L'obbligo di versare contributi deriva direttamente dalla competenza di diritto federale secondo l'art. 63 Cost. e dalla regolamentazione legale nella LFPr.\n\n> «Quando il Consiglio federale, in applicazione dell'art. 60 cpv. 3 LFPr, dichiara il fondo per la formazione professionale di un ramo di obbligatorietà generale per tutte le sue aziende e le obbliga al versamento di contributi di formazione, nasce a carico delle aziende un corrispondente obbligo di prestazione basato sull'art. 63 Cost.»\n\n**Sentenza 2C_613/2007 del 15 agosto 2008 consid. 2**\n\nIl Tribunale ha precisato la delimitazione tra prestazioni formative esenti da imposte e fatturati soggetti all'imposta sul valore aggiunto nel settore della formazione professionale. La competenza costituzionale della Confederazione secondo l'art. 63 Cost. fonda un'ampia competenza normativa.\n\n> «Secondo l'art. 63 cpv. 1 Cost., la Confederazione emana prescrizioni sulla formazione professionale. Questa competenza estesa si estende a tutti gli aspetti della formazione e del perfezionamento professionale, compreso il trattamento fiscale delle relative prestazioni.»\n\n### Delegazione di competenze sovrane\n\n**Sentenza B-4164/2021 del 4 maggio 2022 consid. 4.3**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha confermato che il trasferimento di compiti amministrativi ad associazioni professionali private è conforme alla Costituzione. Lo svolgimento di esami professionali federali da parte di organizzazioni di settore corrisponde all'art. 178 cpv. 3 Cost. in connessione con l'art. 63 Cost.\n\n> «Con lo svolgimento degli esami professionali e l'emanazione di decisioni sul rifiuto dell'attestato federale di capacità, la Commissione QS svolge un compito amministrativo. Quali enti privati che hanno assunto compiti dell'amministrazione nello svolgimento delle procedure di qualificazione, essi sono da attribuire alla collettività secondo l'art. 8 cpv. 2 LDis.»\n\n### Compensazione degli svantaggi nella formazione professionale\n\n**Sentenza B-3706/2014 del 28 novembre 2017**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha deciso sul riconoscimento di periodi di perfezionamento esteri nell'ambito del perfezionamento medico. La competenza federale secondo l'art. 63 Cost. comprende anche il riconoscimento di qualifiche professionali.\n\nLa decisione mostra la portata della competenza federale nella regolamentazione di procedure di riconoscimento nel settore della formazione professionale.\n\n### Contributi di finanziamento per corsi preparatori\n\n**Sentenza B-1130/2023 del 27 febbraio 2024**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha trattato i termini per domande di contributi per esami professionali federali. La regolamentazione di diritto federale del finanziamento soggettivo si basa sull'art. 63 Cost. e serve alla promozione di un'offerta permeabile di formazione professionale ai sensi dell'art. 63 cpv. 2 Cost.\n\nIl termine di due anni per le domande di contributi è stato confermato come conforme alla Costituzione.\n\n**Sentenza 2C_415/2024 del 10 aprile 2025 consid. 1.2**\n\nIl Tribunale federale ha chiarito la delimitazione tra offerte di formazione professionale di diritto pubblico e di diritto privato. Decisivo è se la formazione sia sotto vigilanza statale e appartenga al sistema di formazione professionale federale.\n\n> «La formazione commerciale di base per adulti può essere offerta sia in forme di diritto pubblico che di diritto privato. Decisiva per la qualificazione giuridica è la classificazione nel sistema di formazione professionale federale secondo l'art. 63 Cost.»\n\n### Questioni di procedura\n\n**Sentenza B-2616/2024 del 27 febbraio 2025**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha confermato la propria competenza per ricorsi contro decisioni sul finanziamento soggettivo nella formazione professionale superiore. La regolamentazione di diritto federale secondo l'art. 63 Cost. fonda la competenza del tribunale amministrativo.\n\n### Pretirocinio di integrazione\n\n**Sentenza 40/2024/23 del Tribunale superiore di Sciaffusa del 5 settembre 2025**\n\nIl tribunale superiore cantonale ha deciso sulla posizione lavorativa di partecipanti a un pretirocinio di integrazione. La competenza federale secondo l'art. 63 Cost. comprende anche forme speciali di formazione per l'integrazione di persone con background migratorio.\n\n> «I partecipanti a un pretirocinio di integrazione rientrano nel concetto di 'apprendisti' in senso giuslavoristico. Il pretirocinio di integrazione è parte del sistema svizzero di formazione professionale secondo l'art. 63 Cost.»\n\n### Permeabilità del sistema formativo\n\n**Sentenza B-5012/2015 del 27 gennaio 2017 (BVGE 2017 IV/2)**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha trattato il riconoscimento di qualifiche professionali estere. L'art. 63 cpv. 2 Cost. obbliga la Confederazione a promuovere un'offerta permeabile di formazione professionale, il che comprende anche aspetti internazionali.\n\nLa decisione mostra che la permeabilità deve essere intesa sia verticalmente (tra livelli di formazione) che orizzontalmente (tra diversi percorsi formativi).", "summary_en": "# Art. 63 BV — Vocational Education and Training\n\n## Overview\n\nArt. 63 BV gives the Confederation exclusive competence for vocational education and training. The Confederation may regulate all aspects of vocational training (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15). This federal competence is comprehensive and applies to all professional sectors, not just to specific economic sectors as previously (BBl 2000 5686, 5691 f.).\n\nVocational education and training comprises three areas: initial vocational education and training (apprenticeship), higher vocational education and training (federal certificates and diplomas) and work-oriented continuing education and training (**BGE 130 III 182**). Unlike schools, where the cantons have competence, the Confederation regulates vocational education and training centrally. This ensures uniform standards throughout Switzerland.\n\nThe Confederation must promote a broad and permeable range of programmes (Art. 63 para. 2 BV). Permeable means: Those who complete an apprenticeship can later study. Those who have studied can complete an apprenticeship. It should also be possible to switch from one profession to another (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**Concrete examples**: The Confederation enacts the Vocational and Professional Education and Training Act (VPETA). This regulates how a cooking apprenticeship or commercial basic education must proceed. Private organisations such as trade associations may conduct examinations. The Federal Administrative Court has confirmed that this is permitted (**Judgment B-4164/2021**).\n\nThose who complete an apprenticeship can attend a university of applied sciences via the federal vocational baccalaureate. Those who have studied can complete a shortened apprenticeship in two years. This permeability is guaranteed under constitutional law (**BVGE 2017 IV/2**).\n\nVocational education and training is jointly financed by the Confederation, cantons and employers. In some sectors, all companies pay into a vocational education and training fund. This is legally permissible (**Judgment 2C_58/2009**).\n\nThe Federal Constitution of 1874 gave the Confederation competence only for specific economic sectors. Since 1999, the Confederation may regulate all professions. This was necessary because new professions have emerged, particularly in the service sector (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The federal competence for vocational and professional education and training has its roots in Art. 34ter para. 1 lit. g of the Federal Constitution of 1874, which conferred on the Confederation the power to legislate on professional training in industry, trade, commerce, agriculture and domestic service. The total revision of the Federal Constitution of 1999 adopted this competence in Art. 63 FC and simultaneously extended it to all professional fields (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 1).\n\n**N. 2** The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 260) emphasized the necessity of a comprehensive federal competence to guarantee uniform standards and mobility in vocational and professional education and training. The constitutional revision was intended to eliminate the previous restriction to certain economic sectors (BBl 2000 5686, 5691 f.).\n\n**N. 3** The wording of para. 2, according to which the Confederation promotes a «diverse and accessible range» of programmes, was deliberately chosen to constitutionally anchor the vertical permeability between different educational levels and the horizontal permeability between different educational pathways (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 63 FC is systematically classified in Chapter 3 «Education, Research and Culture» and forms, together with Art. 61a (Swiss Education Area), Art. 63a (Universities), Art. 64 (Research) and Art. 64a (Continuing education), the constitutional foundation of the Swiss education system. Vocational and professional education and training represents an independent, equivalent educational pathway alongside academic education (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 3).\n\n**N. 5** In relation to Art. 62 FC (School education), there is a clear demarcation of competences: while the cantons remain responsible for general education schools, vocational and professional education and training falls within the exclusive competence of the Confederation. This distribution of competences reflects the nation-wide importance of uniform vocational training standards (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 2-15).\n\n**N. 6** The connection to Art. 27 FC (Economic freedom) is disputed in the doctrine. While Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) regards the freedom of occupational choice as guaranteed by Art. 27 FC, Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) take a different view and see independent fundamental rights content in the vocational education guarantee.\n\n### 3. Elements of the offence / Content of the norm\n\n**N. 7** **Vocational and professional education and training** encompasses, according to Federal Supreme Court case law (BGE 130 III 182) and the prevailing doctrine, all systematic learning processes that lead to the acquisition of qualifications required for the practice of a professional activity. This includes initial vocational education and training, higher vocational education and training and career-oriented continuing education (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 4-6).\n\n**N. 8** The competence under para. 1 is a **comprehensive federal competence** with subsequent derogatory effect. The Confederation may regulate vocational and professional education and training conclusively; cantonal law is only permissible insofar as federal law leaves room. The Federal Supreme Court has confirmed this comprehensive nature in consistent case law (judgment 2A.249/2002 of 7 November 2002).\n\n**N. 9** The **diverse range** under para. 2 refers to the variety of training opportunities in different professional fields and at different qualification levels. The Confederation is constitutionally obligated to integrate not only traditional professional fields, but also new economic sectors and service areas into the vocational education system (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 10** **Accessibility** requires, according to doctrine and case law (BVGE 2017 IV/2), both vertical mobility (advancement between educational levels) and horizontal mobility (transfer between different professional fields). This includes the recognition of prior learning and the creation of bridges.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 11** The legislative competence under para. 1 gives the Confederation the power to enact the Vocational and Professional Education and Training Act (VPETA) and corresponding ordinances. This competence encompasses the regulation of all aspects of vocational and professional education and training, including financing, quality assurance and supervision (judgment 2C_58/2009 of 4 February 2010).\n\n**N. 12** The duty to promote under para. 2 does not establish a direct claim to specific educational programmes, but obliges the Confederation to take active measures to ensure a diverse and accessible vocational education system. This includes financial contributions, but also regulatory measures for quality assurance (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 13** Private organisations of the working world may be entrusted with sovereign tasks, insofar as this is provided for by law. The Federal Administrative Court has confirmed that such delegations are constitutional (judgment B-4164/2021 of 4 May 2022).\n\n### 5. Points of dispute\n\n**N. 14** **Fundamental rights content**: The doctrine is divided on the fundamental rights dimension of vocational and professional education and training. Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 2) sees the freedom of occupational choice as guaranteed exclusively by Art. 27 FC, while Thürer/Kiener (Verfassungsrecht, Rz. 10) seek to derive independent subjective rights from Art. 63 FC. The case law has not yet definitively clarified this question.\n\n**N. 15** **Symbolic content of the norm**: Biaggini (Komm. BV, Art. 63 N. 67) describes the constitutional anchoring of accessibility as a «significant, but hardly more than symbolic sign». This minimalist interpretation is criticized by other authors who see in Art. 63 para. 2 FC a justiciable constitutional mandate with concrete obligations to act (SG Komm. BV-Ehrenzeller, Art. 63 N. 16).\n\n**N. 16** **Relationship to cantonal competences**: While the federal competence is fundamentally comprehensive, there is disagreement about the remaining cantonal scope of action. The prevailing doctrine recognizes cantonal competences only in the area of implementation and in the organization of vocational schools, but not in the substantive design of educational programmes (Hänni, BSK BV, Art. 63 N. 8-10).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 17** When designing vocational education programmes, the **tripartite system** must be observed: Confederation, cantons and organisations of the working world cooperate in partnership. New educational programmes require coordination between all three partners, with the organisations of the working world playing a key role in defining educational content.\n\n**N. 18** For the **recognition of foreign professional qualifications**, it must be examined whether bilateral agreements (particularly the Agreement on the Free Movement of Persons with the EU) apply. The accessibility obligation under Art. 63 para. 2 FC fundamentally requires a benevolent examination, insofar as the equivalence of training is given.\n\n**N. 19** In the case of **reasonable accommodations** in vocational and professional education and training (e.g. for disabilities), the Disability Equality Act (DDA) must be observed. The Federal Administrative Court has clarified that private examination organisations as delegated public task holders are subject to the DDA (judgment B-4164/2021).\n\n**N. 20** The **financing** of vocational and professional education and training occurs through various channels: direct federal contributions, cantonal contributions and vocational training funds of the sectors. In the case of vocational training funds declared generally binding, a public law contribution obligation arises that is legally enforceable (BGE 2C_58/2009).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Competence basis and legislative authority\n\n**Judgment 2A.249/2002 of 7 November 2002**\n\nThe Federal Supreme Court confirmed the comprehensive legislative competence of the Confederation in vocational education and training. The regulation of mandatory introductory courses for apprentices under the Vocational Education and Training Act corresponds to the constitutional competence under Art. 63 Fed. Const.\n\n> «Vocational education and training is to be regulated by the Confederation (Art. 63 Fed. Const.). The Federal Act on Vocational Education and Training therefore rightfully regulates the conduct of mandatory introductory courses for apprentices and their financing.»\n\n### Vocational education and training contributions and financing\n\n**Judgment 2C_58/2009 of 4 February 2010 E. 2.1** \n\nThe Federal Supreme Court clarified the legal nature of vocational education and training contributions for vocational education and training funds declared generally binding. The contribution obligation results directly from the federal competence under Art. 63 Fed. Const. and the statutory regulation in the VET Act.\n\n> «When the Federal Council, in application of Art. 60 para. 3 VET Act, declares a sector's vocational education and training fund generally binding for all its enterprises and obliges them to pay education contributions, a corresponding performance obligation arises on the part of the enterprises based on Art. 63 Fed. Const.»\n\n**Judgment 2C_613/2007 of 15 August 2008 E. 2**\n\nThe Court clarified the delimitation between tax-exempt educational services and VAT-liable turnover in the vocational education and training sector. The constitutional competence of the Confederation under Art. 63 Fed. Const. establishes comprehensive regulatory authority.\n\n> «According to Art. 63 para. 1 Fed. Const., the Confederation enacts regulations on vocational education and training. This comprehensive competence extends to all aspects of vocational education and continuing education, including the tax treatment of corresponding services.»\n\n### Delegation of sovereign powers\n\n**Judgment B-4164/2021 of 4 May 2022 E. 4.3**\n\nThe Federal Administrative Court confirmed that the transfer of administrative tasks to private professional associations is constitutionally compliant. The conduct of federal professional examinations by industry organisations corresponds to Art. 178 para. 3 Fed. Const. in conjunction with Art. 63 Fed. Const.\n\n> «By conducting professional examinations and issuing decisions on the refusal of federal certificates of competence, the QS Commission performs an administrative task. As private entities that have assumed administrative tasks in conducting qualification procedures, they are to be assigned to the public sector under Art. 8 para. 2 DDA.»\n\n### Compensation for disadvantages in vocational education and training\n\n**Judgment B-3706/2014 of 28 November 2017**\n\nThe Federal Administrative Court decided on the recognition of foreign continuing education periods within the framework of medical continuing education. The federal competence under Art. 63 Fed. Const. also encompasses the recognition of professional qualifications.\n\nThe decision demonstrates the scope of federal competence in regulating recognition procedures in the vocational education and training sector.\n\n### Financing contributions for preparatory courses\n\n**Judgment B-1130/2023 of 27 February 2024**\n\nThe Federal Administrative Court dealt with deadlines for contribution applications for federal professional examinations. The statutory regulation of subject financing is based on Art. 63 Fed. Const. and serves to promote a permeable vocational education and training offer within the meaning of Art. 63 para. 2 Fed. Const.\n\nThe two-year deadline for contribution applications was confirmed as constitutionally compliant.\n\n**Judgment 2C_415/2024 of 10 April 2025 E. 1.2**\n\nThe Federal Supreme Court clarified the delimitation between public-law and private-law vocational education and training offers. The decisive factor is whether the education is under state supervision and belongs to the federal vocational education and training system.\n\n> «Commercial basic education for adults can be offered in both public-law and private-law forms. What is decisive for the legal qualification is the classification within the federal vocational education and training system under Art. 63 Fed. Const.»\n\n### Legal remedy issues\n\n**Judgment B-2616/2024 of 27 February 2025**\n\nThe Federal Administrative Court confirmed its jurisdiction for appeals against decisions on subject financing in higher vocational education and training. The federal statutory regulation under Art. 63 Fed. Const. establishes administrative court jurisdiction.\n\n### Integration pre-apprenticeship\n\n**Judgment 40/2024/23 of the Higher Court of Schaffhausen of 5 September 2025**\n\nThe cantonal Higher Court decided on the employment law status of participants in an integration pre-apprenticeship. The federal competence under Art. 63 Fed. Const. also encompasses special training forms for the integration of persons with a migration background.\n\n> «Participants in an integration pre-apprenticeship fall under the term 'apprentices' in the employment law sense. The integration pre-apprenticeship is part of the Swiss vocational education and training system under Art. 63 Fed. Const.»\n\n### Permeability of the education system\n\n**Judgment B-5012/2015 of 27 January 2017 (BVGE 2017 IV/2)**\n\nThe Federal Administrative Court dealt with the recognition of foreign professional qualifications. Art. 63 para. 2 Fed. Const. obliges the Confederation to promote a permeable vocational education and training offer, which also encompasses international aspects.\n\nThe decision shows that permeability is to be understood both vertically (between education levels) and horizontally (between different educational pathways).", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_63", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 63, "article_suffix": "a", "title": "Hochschulen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 63a — Hochschulen\n\n## Übersicht\n\nArtikel 63a regelt die Aufgaben von Bund und Kantonen im Hochschulwesen. Der Bund betreibt die beiden ETH (Eidgenössischen Technischen Hochschulen) in Zürich und Lausanne. Er kann weitere Hochschulen gründen oder übernehmen. \n\nDie Kantone sind für ihre Universitäten und Fachhochschulen zuständig. Der Bund muss diese finanziell unterstützen, wenn sie bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Dafür müssen sie eine staatliche Anerkennung (Akkreditierung) erhalten.\n\nBund und Kantone arbeiten bei der Hochschulpolitik zusammen. Sie müssen die Qualität der Lehre und Forschung sicherstellen. Dabei respektieren sie die Hochschulautonomie. Das bedeutet: Die Hochschulen können selbst entscheiden, wie sie lehren, forschen und sich organisieren. Alle Hochschulen werden gleich behandelt, egal ob sie dem Bund oder den Kantonen gehören.\n\n**Beispiel**: Eine private Fachhochschule möchte sich \"Universität\" nennen und Bundesbeiträge erhalten. Dafür muss sie zuerst das Akkreditierungsverfahren durchlaufen. Nur wenn sie die Qualitätsstandards erfüllt, erhält sie die Anerkennung und damit das Recht auf die Bezeichnung und finanzielle Unterstützung.\n\nDie Regelung schafft einen einheitlichen schweizerischen Hochschulraum. Sie verbindet die traditionelle kantonale Bildungshoheit mit der Notwendigkeit nationaler Koordination. Private Anbieter können teilnehmen, müssen aber dieselben Standards erfüllen wie staatliche Hochschulen.\n\n**Betroffene**: Alle Hochschulen in der Schweiz (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen), ihre Studierenden, Forschenden und das Lehrpersonal sowie private Bildungsanbieter, die eine Hochschulakkreditierung anstreben.", "doctrine_de": "# Art. 63a — Hochschulen\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 63a BV wurde mit der Bildungsverfassung vom 16. Mai 2006 in die Bundesverfassung aufgenommen (BBl 2006 5275). Die Norm schaffte erstmals eine umfassende verfassungsrechtliche Grundlage für die Hochschulpolitik des Bundes und löste die fragmentierte Regelung ab, die zuvor nur den ETH-Bereich und einzelne Förderkompetenzen umfasste. Die Botschaft des Bundesrates betont das Ziel einer kohärenten schweizerischen Hochschullandschaft unter Wahrung der Hochschulautonomie (BBl 2005 5479, 5525).\n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision erfolgte im Kontext der Bologna-Reform und der zunehmenden internationalen Vernetzung des Hochschulwesens. Der Verfassungsgeber wollte die Koordination zwischen Bund und Kantonen stärken, ohne die föderalistische Struktur des Bildungswesens aufzugeben (BBl 2005 5479, 5497). Die gleichzeitig eingefügten Art. 61a–67a BV bilden den sogenannten «Bildungsraum Schweiz».\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 63a BV ist Teil des 3. Abschnitts «Bildung, Forschung und Kultur» im 3. Kapitel der Bundesverfassung. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 61a BV (Bildungsraum Schweiz)\n- → Art. 64 BV (Forschung)  \n- → Art. 64a BV (Weiterbildung)\n- ↔ Art. 62 BV (Schulwesen als kantonale Kompetenz)\n\n**N. 4** Die Hochschulbestimmung ist als Verbundaufgabe von Bund und Kantonen konzipiert (kooperativer Föderalismus). Dies unterscheidet sie von der primär kantonalen Schulhoheit (Art. 62 BV) und der Bundesaufgabe Forschung (Art. 64 BV). Das Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG; SR 414.20) konkretisiert diese Verfassungsnorm.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1** begründet die Bundeskompetenz für die ETH. Der Begriff «betreiben» umfasst die vollständige Trägerschaft einschliesslich Finanzierung, Organisation und strategischer Führung. Die Kann-Vorschrift für «weitere Hochschulen» ermöglicht dem Bund die Gründung neuer oder die Übernahme bestehender Hochschulen. «Andere Institutionen des Hochschulbereichs» erfasst insbesondere Forschungsanstalten und Akkreditierungsorgane.\n\n**N. 6** **Absatz 2** statuiert die Unterstützungspflicht für kantonale Hochschulen. Der Begriff «kantonale Hochschulen» umfasst Universitäten und Fachhochschulen in kantonaler Trägerschaft. Die «Anerkennung» setzt eine institutionelle Akkreditierung nach HFKG voraus. «Weitere Institutionen» können auch private Hochschulen sein, sofern sie akkreditiert sind.\n\n**N. 7** **Absatz 3** enthält vier Verfassungsaufträge:\n- **Koordinationspflicht**: Gemeinsame Steuerung ohne Aufgabe der Trägerautonomie\n- **Qualitätssicherung**: Verpflichtung zu Akkreditierung und Evaluation\n- **Hochschulautonomie**: Verfassungsrechtlich geschützte Selbstverwaltung in Lehre, Forschung und Organisation\n- **Gleichbehandlung**: Keine Diskriminierung aufgrund der Trägerschaft\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Bundeskompetenz nach Abs. 1 ist umfassend und schliesst kantonale Regelungen für den ETH-Bereich aus. Die ETH Zürich und ETH Lausanne sind öffentlich-rechtliche Anstalten des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit (Art. 4 ETH-Gesetz; SR 414.110).\n\n**N. 9** Die Unterstützungspflicht nach Abs. 2 begründet Anspruchssubventionen für akkreditierte Hochschulen, wie das Bundesgericht in seinem Urteil 2C_643/2019 vom 14. September 2020 bestätigte. Die Höhe der Beiträge unterliegt einem gesetzgeberischen Gestaltungsspielraum, der Anspruchscharakter entfällt dadurch aber nicht.\n\n**N. 10** Die verfassungsrechtlich garantierte Hochschulautonomie schützt vor unverhältnismässigen staatlichen Eingriffen. **BGE 150 I 39** präzisierte, dass diese Autonomie durch kantonales Recht konkretisiert wird und ihre Grenzen im Legalitätsprinzip findet: Schwere Sanktionen wie Geldstrafen bedürfen einer formellgesetzlichen Grundlage.\n\n### Streitstände\n\n**N. 11** **Reichweite der Hochschulautonomie**: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 63a N. 15) betonen den weiten Schutzbereich, der Selbstverwaltung in Lehre, Forschung und Organisation umfasst. Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 63a N. 22) sehen die Autonomie enger und primär auf akademische Kernbereiche beschränkt. Die Rechtsprechung folgt einer vermittelnden Linie (**BGE 150 I 39**).\n\n**N. 12** **Private Hochschulen**: Umstritten ist die Reichweite der Gleichbehandlungspflicht. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 456) vertreten einen umfassenden Gleichbehandlungsanspruch auch bei der Finanzierung. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1285) beschränken die Gleichbehandlung auf regulatorische Aspekte, nicht aber auf Subventionen.\n\n**N. 13** **Kompetenzabgrenzung zur Forschungsförderung**: Die Abgrenzung zwischen Hochschulförderung (Art. 63a BV) und Forschungsförderung (Art. 64 BV) ist fliessend. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3456) plädieren für eine funktionale Betrachtung, während Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, S. 234) eine institutionelle Abgrenzung bevorzugen.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 14** Hochschulträger müssen bei der Ausgestaltung ihrer Autonomie das Legalitätsprinzip beachten. Wesentliche Regelungen – insbesondere solche mit Grundrechtsrelevanz – bedürfen einer formellgesetzlichen Grundlage und können nicht vollständig an die Hochschulorgane delegiert werden (**BGE 150 I 39**).\n\n**N. 15** Die institutionelle Akkreditierung nach HFKG ist Voraussetzung für:\n- Führung der Bezeichnungen «Universität», «Fachhochschule» oder «Pädagogische Hochschule» (Art. 29 HFKG)\n- Anspruch auf Bundesbeiträge (Art. 45 HFKG)\n- Teilnahme an der gemeinsamen Hochschulkonferenz (Art. 12 HFKG)\n\n**N. 16** Bei der Mehrwertsteuerbefreiung müssen Hochschulen nachweisen, dass sie im Rahmen von Art. 63a BV gefördert werden (Urteil A-5162/2017 des BVGer). Die blosse Akkreditierung genügt nicht; es bedarf einer tatsächlichen finanziellen Förderung durch Bund oder Kantone.", "caselaw_de": "# Art. 63a — Hochschulförderung und -koordination\n\n## Rechtsprechung\n\n### Universitätsautonomie und Disziplinarrecht\n\n**BGE 150 I 39** vom 8. September 2023  \nUniversitäre Disziplinarmassnahmen in Form von Geldleistungen bis zu Fr. 4'000.— stellen schwere Sanktionen dar, die einer formellgesetzlichen Grundlage bedürfen.  \nDas Urteil präzisiert die verfassungsrechtlich gewährleistete Universitätsautonomie und ihre Grenzen.\n\n> «Vorliegend lässt sich die Autonomie, auf die sich die Beschwerdeführerin beruft, in erster Linie aus Art. 63a BV ableiten, welchen das Bundesgericht frei prüft. Der genaue Umfang dieser Autonomie wird hingegen durch das Universitätsgesetz und somit durch kantonales Gesetzesrecht bestimmt.»\n\n### Prüfungswesen und Bologna-Reform\n\n**BVGE 2009/33** vom 19. Mai 2009  \nHochschulen verfügen im Prüfungswesen über weitgehende Autonomie; diese kann jedoch durch die Bologna-Reform eingeschränkt werden.  \nDas Urteil stellt die Vereinbarkeit universitärer Prüfungsordnungen mit bundesrechtlichen Vorgaben fest.\n\n> «Hochschulen verfügen im Prüfungswesen über weitgehende Autonomie, wobei sich jedoch Einschränkungen aufgrund der Bologna-Reform ergeben können. Das Blockprüfungssystem ist weder durch die Bologna-Richtlinien noch die ergänzenden Empfehlungen für unzulässig erklärt worden.»\n\n### Hochschulförderung und Finanzierung\n\n**Urteil 2C_643/2019** vom 14. September 2020  \nGrundbeiträge an Universitäten sind Anspruchssubventionen, auf die grundsätzlich ein Verfassungsanspruch besteht.  \nDas Urteil behandelt die Übergangsbestimmungen zwischen altem Universitätsförderungsgesetz und neuem HFKG.\n\n> «Bei den vorliegend strittigen Subventionen handelt es sich somit um Beiträge, auf welche von Verfassungs wegen grundsätzlich ein Anspruch besteht; der Umstand, dass dem Bund ein Beurteilungsspielraum verblieb, nimmt den Grundbeiträgen nicht ihren Anspruchscharakter.»\n\n### Akkreditierung und Hochschulqualität\n\n**Urteil 2C_548/2023** vom 15. November 2024  \nDas HFKG regelt die institutionelle Akkreditierung als Voraussetzung für die Führung von Hochschulbezeichnungen.  \nDas Urteil zeigt die strengen Anforderungen an private Hochschulanbieter auf.\n\n> «Das angefochtene Urteil betrifft einen Nichteintretensentscheid des Schweizerischen Akkreditierungsrats betreffend die Zulassung der Beschwerdeführerin zum Verfahren der institutionellen Akkreditierung nach dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz.»\n\n**BGE 142 I 16** vom 9. Februar 2016  \nDer Schutz universitärer Bezeichnungen gemäss HFKG geht kantonalem Recht vor.  \nDas Urteil betrifft die Verwendung der Bezeichnung \"Universität\" durch nicht akkreditierte Institutionen.\n\n> «Art. 29 Abs. 1 HFKG sieht vor, dass die Hochschule oder die andere Institution des Hochschulbereichs mit der institutionellen Akkreditierung das Recht erlangt, eine entsprechende Bezeichnung zu führen.»\n\n### Mehrwertsteuer und Hochschulförderung\n\n**Urteil A-5162/2017** des BVGer vom 4. September 2018  \nInstitutionen, die von Bund und Kantonen im Rahmen von Art. 63a BV gefördert werden, sind von der Mehrwertsteuer befreit.  \nDas Urteil konkretisiert die steuerlichen Auswirkungen der verfassungsrechtlichen Hochschulförderung.\n\n> «Institutionen nach Art. 18 lit. a MWSTV sind Institutionen, die von Bund und Kantonen im Rahmen von Artikel 63a BV gestützt auf eine gesetzliche Grundlage gefördert werden. Das HFKG, das sich auf Art. 63a BV stützt und u.a. Grundlagen für die Qualitätssicherung und Akkreditierung schafft.»\n\n### Föderalismusklausel\n\n**Urteil B-5120/2015** des BVGer vom 10. März 2017  \nArt. 63a Abs. 3 Satz 2 BV gewährleistet die Autonomie der Kantone bei Institutionen mit gleichen Aufgaben.  \nDas Urteil behandelt die Anerkennung ausländischer Hochschulabschlüsse.\n\n> «Institutionen mit gleichen Aufgaben (Art. 63a Abs. 3 Satz 2 BV). Unter Vorbehalt einiger Bestimmungen ist das HFKG vom 30. September 2011 am 1. Januar 2015 in Kraft getreten.»\n\n### ETH-Bereich\n\n**Diverse Urteile des BVGer (A-1956/2014, A-4366/2020, A-3131/2023)**  \nDie ETH Zürich und ETH Lausanne unterstehen als Bundesanstalten besonderen Organisationsbestimmungen.  \nDiese Rechtsprechung zeigt die verfassungsrechtliche Verankerung des ETH-Bereichs in Art. 63a BV auf.", "summary_fr": "# Art. 63a — Hautes écoles\n\n## Aperçu\n\nL'article 63a règle les tâches de la Confédération et des cantons dans le domaine des hautes écoles. La Confédération exploite les deux EPF (Écoles polytechniques fédérales) à Zurich et Lausanne. Elle peut créer d'autres hautes écoles ou en reprendre.\n\nLes cantons sont responsables de leurs universités et hautes écoles spécialisées. La Confédération doit les soutenir financièrement si elles remplissent certaines exigences de qualité. Pour cela, elles doivent obtenir une reconnaissance étatique (accréditation).\n\nLa Confédération et les cantons collaborent dans la politique des hautes écoles. Ils doivent assurer la qualité de l'enseignement et de la recherche. Ce faisant, ils respectent l'autonomie des hautes écoles. Cela signifie : les hautes écoles peuvent décider elles-mêmes comment elles enseignent, font de la recherche et s'organisent. Toutes les hautes écoles sont traitées de manière égale, qu'elles appartiennent à la Confédération ou aux cantons.\n\n**Exemple** : Une haute école spécialisée privée souhaite porter la dénomination « université » et recevoir des contributions fédérales. Pour cela, elle doit d'abord passer par la procédure d'accréditation. Ce n'est que si elle remplit les standards de qualité qu'elle obtient la reconnaissance et ainsi le droit à la dénomination et au soutien financier.\n\nLa réglementation crée un espace suisse uniforme des hautes écoles. Elle lie la souveraineté cantonale traditionnelle en matière d'éducation avec la nécessité d'une coordination nationale. Les prestataires privés peuvent y participer, mais doivent remplir les mêmes standards que les hautes écoles publiques.\n\n**Personnes concernées** : Toutes les hautes écoles en Suisse (universités, hautes écoles spécialisées, hautes écoles pédagogiques), leurs étudiants, chercheurs et personnel enseignant ainsi que les prestataires privés de formation qui aspirent à une accréditation de haute école.", "doctrine_fr": "# Art. 63a — Hautes écoles\n\n## Doctrine\n\n### Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 63a Cst. a été intégré dans la Constitution fédérale avec la Constitution de la formation du 16 mai 2006 (FF 2006 4759). Cette norme a créé pour la première fois une base constitutionnelle complète pour la politique des hautes écoles de la Confédération et a remplacé la réglementation fragmentée qui ne couvrait auparavant que le domaine des EPF et quelques compétences d'encouragement. Le message du Conseil fédéral met l'accent sur l'objectif d'un paysage suisse cohérent des hautes écoles tout en préservant l'autonomie des hautes écoles (FF 2005 4995, 5039).\n\n**Ch. 2** La révision constitutionnelle a eu lieu dans le contexte de la réforme de Bologne et de la mise en réseau internationale croissante des hautes écoles. Le constituant voulait renforcer la coordination entre la Confédération et les cantons, sans abandonner la structure fédéraliste du système de formation (FF 2005 4995, 5011). Les art. 61a à 67a Cst. insérés simultanément forment le « domaine suisse de formation ».\n\n### Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 63a Cst. fait partie de la 3e section « Formation, recherche et culture » du 3e chapitre de la Constitution fédérale. Cette norme est étroitement liée à :\n- → Art. 61a Cst. (domaine suisse de formation)\n- → Art. 64 Cst. (recherche)  \n- → Art. 64a Cst. (formation continue)\n- ↔ Art. 62 Cst. (instruction publique comme compétence cantonale)\n\n**Ch. 4** La disposition sur les hautes écoles est conçue comme une tâche commune de la Confédération et des cantons (fédéralisme coopératif). Cela la distingue de la souveraineté scolaire principalement cantonale (art. 62 Cst.) et de la tâche fédérale qu'est la recherche (art. 64 Cst.). La loi sur l'encouragement et la coordination des hautes écoles (LEHE ; RS 414.20) concrétise cette norme constitutionnelle.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **L'alinéa 1** fonde la compétence fédérale pour les EPF. Le terme « gérer » englobe la responsabilité complète incluant le financement, l'organisation et la direction stratégique. La disposition de compétence pour « d'autres hautes écoles » permet à la Confédération de fonder de nouvelles hautes écoles ou de reprendre des hautes écoles existantes. « D'autres institutions du domaine des hautes écoles » comprend en particulier les établissements de recherche et les organes d'accréditation.\n\n**Ch. 6** **L'alinéa 2** statue l'obligation de soutien pour les hautes écoles cantonales. Le terme « hautes écoles cantonales » comprend les universités et les hautes écoles spécialisées sous responsabilité cantonale. La « reconnaissance » présuppose une accréditation institutionnelle selon la LEHE. « D'autres institutions » peuvent également être des hautes écoles privées, pour autant qu'elles soient accréditées.\n\n**Ch. 7** **L'alinéa 3** contient quatre mandats constitutionnels :\n- **Obligation de coordination** : Pilotage commun sans abandon de l'autonomie de gestion\n- **Assurance qualité** : Obligation d'accréditation et d'évaluation\n- **Autonomie des hautes écoles** : Autonomie administrative protégée par la Constitution en matière d'enseignement, de recherche et d'organisation\n- **Égalité de traitement** : Pas de discrimination en raison de la responsabilité\n\n### Effets juridiques\n\n**Ch. 8** La compétence fédérale selon l'al. 1 est complète et exclut les réglementations cantonales pour le domaine des EPF. L'EPF de Zurich et l'EPF de Lausanne sont des établissements de droit public de la Confédération dotés de leur propre personnalité juridique (art. 4 loi sur les EPF ; RS 414.110).\n\n**Ch. 9** L'obligation de soutien selon l'al. 2 fonde des subventions fondées sur un droit pour les hautes écoles accréditées, comme le Tribunal fédéral l'a confirmé dans son arrêt 2C_643/2019 du 14 septembre 2020. Le montant des contributions est soumis à une marge de manœuvre législative, mais cela ne fait pas disparaître pour autant le caractère fondé sur un droit.\n\n**Ch. 10** L'autonomie des hautes écoles garantie par la Constitution protège contre les interventions étatiques disproportionnées. **ATF 150 I 39** a précisé que cette autonomie est concrétisée par le droit cantonal et trouve ses limites dans le principe de légalité : les sanctions lourdes comme les amendes nécessitent une base légale formelle.\n\n### Points controversés\n\n**Ch. 11** **Portée de l'autonomie des hautes écoles** : Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire de Saint-Gall Cst., 4e éd. 2023, art. 63a ch. 15) mettent l'accent sur le large champ de protection qui comprend l'autonomie administrative en matière d'enseignement, de recherche et d'organisation. Waldmann/Belser/Epiney (Commentaire de Bâle Cst., 2e éd. 2024, art. 63a ch. 22) voient l'autonomie de manière plus restrictive et limitée principalement aux domaines académiques centraux. La jurisprudence suit une ligne de compromis (**ATF 150 I 39**).\n\n**Ch. 12** **Hautes écoles privées** : La portée de l'obligation d'égalité de traitement est controversée. Müller/Schefer (Droits fondamentaux en Suisse, 4e éd. 2008, p. 456) défendent un droit complet à l'égalité de traitement également en matière de financement. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Droit constitutionnel fédéral suisse, 10e éd. 2020, ch. 1285) limitent l'égalité de traitement aux aspects réglementaires, mais pas aux subventions.\n\n**Ch. 13** **Délimitation des compétences avec l'encouragement de la recherche** : La délimitation entre l'encouragement des hautes écoles (art. 63a Cst.) et l'encouragement de la recherche (art. 64 Cst.) est fluide. Rhinow/Schefer/Uebersax (Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, ch. 3456) plaident pour une approche fonctionnelle, tandis que Tschannen/Zimmerli/Müller (Droit administratif général, 4e éd. 2014, p. 234) privilégient une délimitation institutionnelle.\n\n### Conseils pratiques\n\n**Ch. 14** Les responsables de hautes écoles doivent respecter le principe de légalité lors de l'aménagement de leur autonomie. Les réglementations essentielles – en particulier celles ayant une pertinence pour les droits fondamentaux – nécessitent une base légale formelle et ne peuvent pas être entièrement déléguées aux organes de la haute école (**ATF 150 I 39**).\n\n**Ch. 15** L'accréditation institutionnelle selon la LEHE est la condition pour :\n- Porter les dénominations « université », « haute école spécialisée » ou « haute école pédagogique » (art. 29 LEHE)\n- Droit aux contributions fédérales (art. 45 LEHE)\n- Participation à la conférence commune des hautes écoles (art. 12 LEHE)\n\n**Ch. 16** Pour l'exonération de la taxe sur la valeur ajoutée, les hautes écoles doivent prouver qu'elles sont encouragées dans le cadre de l'art. 63a Cst. (arrêt A-5162/2017 du TAF). La simple accréditation ne suffit pas ; il faut un encouragement financier effectif par la Confédération ou les cantons.", "caselaw_fr": "# Art. 63a — Encouragement des hautes écoles et coordination\n\n## Jurisprudence\n\n### Autonomie universitaire et droit disciplinaire\n\n**ATF 150 I 39** du 8 septembre 2023  \nLes mesures disciplinaires universitaires sous forme de prestations financières jusqu'à 4'000 francs constituent des sanctions graves qui nécessitent une base légale formelle.  \nL'arrêt précise l'autonomie universitaire garantie constitutionnellement et ses limites.\n\n> « En l'espèce, l'autonomie sur laquelle se fonde la recourante découle en premier lieu de l'art. 63a Cst., que le Tribunal fédéral examine librement. L'étendue exacte de cette autonomie est toutefois déterminée par la loi universitaire et donc par le droit cantonal. »\n\n### Système d'examens et réforme de Bologne\n\n**ATAF 2009/33** du 19 mai 2009  \nLes hautes écoles disposent d'une large autonomie en matière d'examens ; celle-ci peut toutefois être limitée par la réforme de Bologne.  \nL'arrêt établit la compatibilité des règlements d'examens universitaires avec les prescriptions du droit fédéral.\n\n> « Les hautes écoles disposent d'une large autonomie en matière d'examens, mais des restrictions peuvent découler de la réforme de Bologne. Le système d'examens-blocs n'a été déclaré inadmissible ni par les directives de Bologne ni par les recommandations complémentaires. »\n\n### Encouragement des hautes écoles et financement\n\n**Arrêt 2C_643/2019** du 14 septembre 2020  \nLes contributions de base aux universités sont des subventions créatrices de droit auxquelles existe en principe un droit constitutionnel.  \nL'arrêt traite des dispositions transitoires entre l'ancienne loi sur l'encouragement des universités et la nouvelle LEHE.\n\n> « Les subventions litigieuses en l'espèce constituent donc des contributions auxquelles existe en principe un droit constitutionnel ; le fait que la Confédération disposait d'une marge d'appréciation n'enlève pas aux contributions de base leur caractère de créatrices de droit. »\n\n### Accréditation et qualité des hautes écoles\n\n**Arrêt 2C_548/2023** du 15 novembre 2024  \nLa LEHE règle l'accréditation institutionnelle comme condition préalable au port de dénominations de hautes écoles.  \nL'arrêt montre les exigences strictes imposées aux prestataires privés de hautes écoles.\n\n> « L'arrêt attaqué concerne une décision de non-entrée en matière du Conseil suisse d'accréditation concernant l'admission de la recourante à la procédure d'accréditation institutionnelle selon la loi fédérale sur l'encouragement et la coordination des hautes écoles. »\n\n**ATF 142 I 16** du 9 février 2016  \nLa protection des dénominations universitaires selon la LEHE prime le droit cantonal.  \nL'arrêt concerne l'utilisation de la dénomination « université » par des institutions non accréditées.\n\n> « L'art. 29 al. 1 LEHE prévoit que la haute école ou l'autre institution du domaine des hautes écoles acquiert, avec l'accréditation institutionnelle, le droit de porter une dénomination correspondante. »\n\n### Taxe sur la valeur ajoutée et encouragement des hautes écoles\n\n**Arrêt A-5162/2017** du TAF du 4 septembre 2018  \nLes institutions encouragées par la Confédération et les cantons dans le cadre de l'art. 63a Cst. sont exonérées de la taxe sur la valeur ajoutée.  \nL'arrêt concrétise les conséquences fiscales de l'encouragement constitutionnel des hautes écoles.\n\n> « Les institutions selon l'art. 18 let. a OTVA sont des institutions encouragées par la Confédération et les cantons dans le cadre de l'article 63a Cst. sur la base d'un fondement légal. La LEHE, qui se fonde sur l'art. 63a Cst. et crée notamment les bases pour l'assurance qualité et l'accréditation. »\n\n### Clause fédéraliste\n\n**Arrêt B-5120/2015** du TAF du 10 mars 2017  \nL'art. 63a al. 3 phrase 2 Cst. garantit l'autonomie des cantons pour les institutions ayant les mêmes tâches.  \nL'arrêt traite de la reconnaissance des diplômes de hautes écoles étrangères.\n\n> « Institutions ayant les mêmes tâches (art. 63a al. 3 phrase 2 Cst.). Sous réserve de quelques dispositions, la LEHE du 30 septembre 2011 est entrée en vigueur le 1er janvier 2015. »\n\n### Domaine des EPF\n\n**Divers arrêts du TAF (A-1956/2014, A-4366/2020, A-3131/2023)**  \nL'ETH Zurich et l'EPFL sont soumises, en tant qu'établissements fédéraux, à des dispositions organisationnelles particulières.  \nCette jurisprudence montre l'ancrage constitutionnel du domaine des EPF dans l'art. 63a Cst.", "summary_it": "# Art. 63a — Scuole universitarie\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 63a disciplina i compiti della Confederazione e dei Cantoni nel settore delle scuole universitarie. La Confederazione gestisce i due Politecnici federali (PF) di Zurigo e Losanna. Può fondare o rilevare altre scuole universitarie.\n\nI Cantoni sono competenti per le loro università e scuole universitarie professionali. La Confederazione deve sostenerle finanziariamente se soddisfano determinati requisiti di qualità. A tal fine devono ottenere un riconoscimento statale (accreditamento).\n\nConfederazione e Cantoni collaborano nella politica delle scuole universitarie. Devono garantire la qualità dell'insegnamento e della ricerca. Nel fare ciò rispettano l'autonomia delle scuole universitarie. Ciò significa: le scuole universitarie possono decidere autonomamente come insegnare, fare ricerca e organizzarsi. Tutte le scuole universitarie sono trattate allo stesso modo, indipendentemente dal fatto che appartengano alla Confederazione o ai Cantoni.\n\n**Esempio**: una scuola universitaria professionale privata vuole chiamarsi \"università\" e ricevere contributi federali. A tal fine deve prima sottoporsi alla procedura di accreditamento. Solo se soddisfa gli standard di qualità ottiene il riconoscimento e quindi il diritto alla denominazione e al sostegno finanziario.\n\nLa normativa crea uno spazio universitario svizzero unitario. Essa collega la tradizionale sovranità cantonale in materia di formazione con la necessità di coordinamento nazionale. I fornitori privati possono partecipare, ma devono soddisfare gli stessi standard delle scuole universitarie statali.\n\n**Interessati**: tutte le scuole universitarie in Svizzera (università, scuole universitarie professionali, alte scuole pedagogiche), i loro studenti, ricercatori e il personale docente, nonché i fornitori privati di formazione che aspirano a un accreditamento di scuola universitaria.", "doctrine_it": "# Art. 63a — Scuole universitarie\n\n## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 63a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale con la Costituzione formativa del 16 maggio 2006 (FF 2006 5177). La norma ha creato per la prima volta una base costituzionale globale per la politica universitaria della Confederazione e ha sostituito la regolamentazione frammentata che in precedenza comprendeva solo il settore dei PF e singole competenze di promozione. Il messaggio del Consiglio federale sottolinea l'obiettivo di un paesaggio universitario svizzero coerente nel rispetto dell'autonomia universitaria (FF 2005 5023, 5067).\n\n**N. 2** La revisione costituzionale è avvenuta nel contesto della riforma di Bologna e della crescente interconnessione internazionale del sistema universitario. Il costituente voleva rafforzare il coordinamento tra Confederazione e Cantoni, senza abbandonare la struttura federalista del sistema educativo (FF 2005 5023, 5043). Gli art. 61a–67a Cost. inseriti contemporaneamente formano il cosiddetto «spazio formativo svizzero».\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 63a Cost. fa parte della sezione 3 «Formazione, ricerca e cultura» del capitolo 3 della Costituzione federale. La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 61a Cost. (spazio formativo svizzero)\n- → Art. 64 Cost. (ricerca)  \n- → Art. 64a Cost. (formazione continua)\n- ↔ Art. 62 Cost. (sistema scolastico come competenza cantonale)\n\n**N. 4** La disposizione universitaria è concepita come compito comune di Confederazione e Cantoni (federalismo cooperativo). Questo la distingue dalla sovranità scolastica primariamente cantonale (art. 62 Cost.) e dal compito federale della ricerca (art. 64 Cost.). La Legge sulla promozione e sul coordinamento del settore universitario svizzero (LPSU; RS 414.20) concretizza questa norma costituzionale.\n\n### Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Il capoverso 1** fonda la competenza federale per i PF. Il concetto di «gestire» comprende la piena responsabilità di ente gestore inclusi finanziamento, organizzazione e direzione strategica. La disposizione facoltativa per «altre scuole universitarie» permette alla Confederazione la fondazione di nuove o l'assunzione di scuole universitarie esistenti. «Altre istituzioni del settore universitario» comprende in particolare istituti di ricerca e organi di accreditamento.\n\n**N. 6** **Il capoverso 2** stabilisce l'obbligo di sostegno per le scuole universitarie cantonali. Il concetto di «scuole universitarie cantonali» comprende università e scuole universitarie professionali sotto responsabilità cantonale. Il «riconoscimento» presuppone un accreditamento istituzionale secondo la LPSU. «Altre istituzioni» possono essere anche scuole universitarie private, purché accreditate.\n\n**N. 7** **Il capoverso 3** contiene quattro mandati costituzionali:\n- **Obbligo di coordinamento**: Direzione comune senza rinuncia all'autonomia dell'ente gestore\n- **Garanzia della qualità**: Obbligo di accreditamento e valutazione\n- **Autonomia universitaria**: Autoamministrazione costituzionalmente protetta in insegnamento, ricerca e organizzazione\n- **Parità di trattamento**: Nessuna discriminazione in base alla responsabilità dell'ente gestore\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La competenza federale secondo il cpv. 1 è globale ed esclude regolamentazioni cantonali per il settore dei PF. Il PF di Zurigo e il PF di Losanna sono istituti di diritto pubblico della Confederazione con propria personalità giuridica (art. 4 Legge sui PF; RS 414.110).\n\n**N. 9** L'obbligo di sostegno secondo il cpv. 2 fonda sovvenzioni di diritto per scuole universitarie accreditate, come ha confermato il Tribunale federale nella sua sentenza 2C_643/2019 del 14 settembre 2020. L'ammontare dei contributi sottostà a un margine di manovra legislativo, ma il carattere di diritto non viene meno per questo.\n\n**N. 10** L'autonomia universitaria garantita costituzionalmente protegge da interventi statali sproporzionati. La **DTF 150 I 39** ha precisato che questa autonomia è concretizzata dal diritto cantonale e trova i suoi limiti nel principio di legalità: sanzioni gravi come multe pecuniarie necessitano di una base legale formale.\n\n### Controversie\n\n**N. 11** **Portata dell'autonomia universitaria**: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario sangallese Cost., 4a ed. 2023, art. 63a n. 15) sottolineano l'ampia sfera di protezione che comprende l'autoamministrazione in insegnamento, ricerca e organizzazione. Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cost., 2a ed. 2024, art. 63a n. 22) vedono l'autonomia più ristretta e limitata primariamente ai settori accademici centrali. La giurisprudenza segue una linea intermedia (**DTF 150 I 39**).\n\n**N. 12** **Scuole universitarie private**: È controversa la portata dell'obbligo di parità di trattamento. Müller/Schefer (Diritti fondamentali in Svizzera, 4a ed. 2008, p. 456) rappresentano un diritto globale alla parità di trattamento anche nel finanziamento. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto costituzionale svizzero, 10a ed. 2020, n. 1285) limitano la parità di trattamento agli aspetti regolatori, ma non alle sovvenzioni.\n\n**N. 13** **Delimitazione delle competenze con la promozione della ricerca**: La delimitazione tra promozione universitaria (art. 63a Cost.) e promozione della ricerca (art. 64 Cost.) è fluida. Rhinow/Schefer/Uebersax (Diritto costituzionale svizzero, 3a ed. 2016, n. 3456) propendono per una considerazione funzionale, mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Diritto amministrativo generale, 4a ed. 2014, p. 234) preferiscono una delimitazione istituzionale.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Gli enti gestori delle scuole universitarie devono rispettare il principio di legalità nella configurazione della loro autonomia. Regolamentazioni essenziali – in particolare quelle con rilevanza per i diritti fondamentali – necessitano di una base legale formale e non possono essere completamente delegate agli organi universitari (**DTF 150 I 39**).\n\n**N. 15** L'accreditamento istituzionale secondo la LPSU è prerequisito per:\n- Uso delle designazioni «Università», «Scuola universitaria professionale» o «Alta scuola pedagogica» (art. 29 LPSU)\n- Diritto ai contributi federali (art. 45 LPSU)\n- Partecipazione alla Conferenza universitaria comune (art. 12 LPSU)\n\n**N. 16** Per l'esenzione dall'imposta sul valore aggiunto, le scuole universitarie devono dimostrare di essere promosse nel quadro dell'art. 63a Cost. (sentenza A-5162/2017 del TAF). Il mero accreditamento non basta; è necessaria un'effettiva promozione finanziaria da parte di Confederazione o Cantoni.", "caselaw_it": "# Art. 63a — Promozione e coordinamento universitario\n\n## Giurisprudenza\n\n### Autonomia universitaria e diritto disciplinare\n\n**DTF 150 I 39** dell'8 settembre 2023  \nLe misure disciplinari universitarie sotto forma di prestazioni pecuniarie fino a Fr. 4'000.— costituiscono sanzioni gravi che necessitano di una base legale formale.  \nLa sentenza precisa l'autonomia universitaria garantita costituzionalmente e i suoi limiti.\n\n> «Nel caso di specie l'autonomia sulla quale si fonda la ricorrente può essere derivata in primo luogo dall'art. 63a Cost., che il Tribunale federale esamina liberamente. L'esatta portata di questa autonomia è invece determinata dalla legge universitaria e quindi dal diritto cantonale.»\n\n### Sistema d'esami e riforma di Bologna\n\n**DTAF 2009/33** del 19 maggio 2009  \nLe scuole universitarie dispongono di un'ampia autonomia nel sistema d'esami; questa può tuttavia essere limitata dalla riforma di Bologna.  \nLa sentenza stabilisce la compatibilità dei regolamenti d'esame universitari con le prescrizioni del diritto federale.\n\n> «Le scuole universitarie dispongono di un'ampia autonomia nel sistema d'esami, tuttavia possono sorgere limitazioni a causa della riforma di Bologna. Il sistema d'esami a blocchi non è stato dichiarato inammissibile né dalle direttive di Bologna né dalle raccomandazioni complementari.»\n\n### Promozione e finanziamento universitario\n\n**Sentenza 2C_643/2019** del 14 settembre 2020  \nI contributi di base alle università sono sovvenzioni cui si ha diritto, per le quali sussiste in principio un diritto costituzionale.  \nLa sentenza tratta le disposizioni transitorie tra la vecchia legge sulla promozione universitaria e la nuova LPSU.\n\n> «Le sovvenzioni controverse nel caso di specie costituiscono dunque contributi ai quali spetta in principio un diritto dal punto di vista costituzionale; il fatto che alla Confederazione sia rimasto un margine di valutazione non toglie ai contributi di base il loro carattere di diritto.»\n\n### Accreditamento e qualità universitaria\n\n**Sentenza 2C_548/2023** del 15 novembre 2024  \nLa LPSU disciplina l'accreditamento istituzionale come presupposto per l'uso di denominazioni universitarie.  \nLa sentenza mostra i severi requisiti per i fornitori privati di formazione universitaria.\n\n> «La sentenza impugnata concerne una decisione di non entrata in materia del Consiglio svizzero di accreditamento relativa all'ammissione della ricorrente alla procedura di accreditamento istituzionale secondo la legge sulla promozione e sul coordinamento del settore universitario svizzero.»\n\n**DTF 142 I 16** del 9 febbraio 2016  \nLa protezione delle denominazioni universitarie secondo la LPSU prevale sul diritto cantonale.  \nLa sentenza concerne l'uso della denominazione \"università\" da parte di istituzioni non accreditate.\n\n> «L'art. 29 cpv. 1 LPSU prevede che la scuola universitaria o l'altra istituzione del settore universitario con l'accreditamento istituzionale acquisisce il diritto di portare una denominazione corrispondente.»\n\n### Imposta sul valore aggiunto e promozione universitaria\n\n**Sentenza A-5162/2017** del TAF del 4 settembre 2018  \nLe istituzioni promosse dalla Confederazione e dai Cantoni nel quadro dell'art. 63a Cost. sono esentate dall'imposta sul valore aggiunto.  \nLa sentenza concretizza le conseguenze fiscali della promozione universitaria costituzionalmente garantita.\n\n> «Le istituzioni secondo l'art. 18 lett. a OIVA sono istituzioni promosse dalla Confederazione e dai Cantoni nel quadro dell'articolo 63a Cost. in base a una base legale. La LPSU, che si basa sull'art. 63a Cost. e crea tra l'altro le basi per la garanzia della qualità e l'accreditamento.»\n\n### Clausola del federalismo\n\n**Sentenza B-5120/2015** del TAF del 10 marzo 2017  \nL'art. 63a cpv. 3 per. 2 Cost. garantisce l'autonomia dei Cantoni presso istituzioni con gli stessi compiti.  \nLa sentenza tratta il riconoscimento di diplomi universitari stranieri.\n\n> «Istituzioni con gli stessi compiti (art. 63a cpv. 3 per. 2 Cost.). Fatte salve alcune disposizioni, la LPSU del 30 settembre 2011 è entrata in vigore il 1° gennaio 2015.»\n\n### Settore dei PF\n\n**Diverse sentenze del TAF (A-1956/2014, A-4366/2020, A-3131/2023)**  \nIl PF di Zurigo e il PF di Losanna sottostanno come istituti federali a disposizioni organizzative particolari.  \nQuesta giurisprudenza mostra l'ancoraggio costituzionale del settore dei PF nell'art. 63a Cost.", "summary_en": "# Art. 63a — Higher education institutions\n\n## Overview\n\nArticle 63a regulates the tasks of the Confederation and the cantons in higher education. The Confederation operates the two Federal Institutes of Technology (ETH) in Zurich and Lausanne. It may establish or take over additional higher education institutions.\n\nThe cantons are responsible for their universities and universities of applied sciences. The Confederation must provide them with financial support if they meet certain quality requirements. To this end, they must obtain state recognition (accreditation).\n\nThe Confederation and the cantons cooperate in higher education policy. They must ensure the quality of teaching and research. In doing so, they respect higher education autonomy. This means: Higher education institutions can decide for themselves how they teach, conduct research and organise themselves. All higher education institutions are treated equally, regardless of whether they belong to the Confederation or the cantons.\n\n**Example**: A private university of applied sciences wants to call itself a \"university\" and receive federal contributions. To do so, it must first undergo the accreditation procedure. Only if it meets the quality standards does it receive recognition and thus the right to the designation and financial support.\n\nThe regulation creates a unified Swiss higher education area. It combines the traditional cantonal educational sovereignty with the necessity of national coordination. Private providers can participate, but must meet the same standards as state higher education institutions.\n\n**Those affected**: All higher education institutions in Switzerland (universities, universities of applied sciences, universities of teacher education), their students, researchers and teaching staff as well as private education providers seeking higher education accreditation.", "doctrine_en": "# Art. 63a — Higher education institutions\n\n## Doctrine\n\n### Legislative history\n\n**N. 1** Art. 63a Cst was incorporated into the Federal Constitution with the education constitution of 16 May 2006 (BBl 2006 5275). The provision created for the first time a comprehensive constitutional basis for the Confederation's higher education policy and replaced the fragmented regulation that previously only covered the ETH domain and individual promotional competences. The Federal Council's message emphasizes the goal of a coherent Swiss higher education landscape while preserving higher education autonomy (BBl 2005 5479, 5525).\n\n**N. 2** The constitutional revision took place in the context of the Bologna Reform and the increasing international networking of the higher education system. The constitution-maker wanted to strengthen coordination between the Confederation and the cantons without abandoning the federalist structure of the education system (BBl 2005 5479, 5497). The simultaneously inserted Art. 61a–67a Cst form the so-called «Swiss Education Area».\n\n### Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 63a Cst is part of Section 3 «Education, Research and Culture» in Chapter 3 of the Federal Constitution. The provision is closely related to:\n- → Art. 61a Cst (Swiss Education Area)\n- → Art. 64 Cst (Research)  \n- → Art. 64a Cst (Continuing education)\n- ↔ Art. 62 Cst (School system as cantonal competence)\n\n**N. 4** The higher education provision is conceived as a joint task of the Confederation and the cantons (cooperative federalism). This distinguishes it from the primarily cantonal school sovereignty (Art. 62 Cst) and the federal task of research (Art. 64 Cst). The Higher Education Promotion and Coordination Act (HEdA; SR 414.20) gives concrete form to this constitutional provision.\n\n### Elements of the offence / Content of the provision\n\n**N. 5** **Paragraph 1** establishes the federal competence for the ETH. The term «operate» encompasses complete ownership including financing, organization and strategic management. The discretionary provision for «other higher education institutions» enables the Confederation to establish new or take over existing higher education institutions. «Other institutions in the higher education sector» covers in particular research institutes and accreditation bodies.\n\n**N. 6** **Paragraph 2** establishes the obligation to support cantonal higher education institutions. The term «cantonal higher education institutions» encompasses universities and universities of applied sciences under cantonal ownership. «Recognition» requires institutional accreditation according to HEdA. «Other institutions» may also be private higher education institutions, provided they are accredited.\n\n**N. 7** **Paragraph 3** contains four constitutional mandates:\n- **Coordination obligation**: Joint governance without abandoning ownership autonomy\n- **Quality assurance**: Obligation to accreditation and evaluation\n- **Higher education autonomy**: Constitutionally protected self-administration in teaching, research and organization\n- **Equal treatment**: No discrimination based on ownership\n\n### Legal consequences\n\n**N. 8** The federal competence under para. 1 is comprehensive and excludes cantonal regulations for the ETH domain. ETH Zurich and ETH Lausanne are public-law institutions of the Confederation with their own legal personality (Art. 4 ETH Act; SR 414.110).\n\n**N. 9** The obligation to provide support under para. 2 establishes entitlement subsidies for accredited higher education institutions, as confirmed by the Federal Court in its judgment 2C_643/2019 of 14 September 2020. The amount of contributions is subject to legislative discretion, but this does not eliminate the entitlement character.\n\n**N. 10** The constitutionally guaranteed higher education autonomy protects against disproportionate state interventions. **BGE 150 I 39** clarified that this autonomy is given concrete form by cantonal law and finds its limits in the principle of legality: Severe sanctions such as monetary penalties require a formal legal basis.\n\n### Points of contention\n\n**N. 11** **Scope of higher education autonomy**: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary Cst, 4th ed. 2023, Art. 63a N. 15) emphasize the broad scope of protection, which encompasses self-administration in teaching, research and organization. Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cst, 2nd ed. 2024, Art. 63a N. 22) see autonomy more narrowly and primarily limited to academic core areas. Case law follows a mediating line (**BGE 150 I 39**).\n\n**N. 12** **Private higher education institutions**: The scope of the equal treatment obligation is disputed. Müller/Schefer (Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, p. 456) advocate a comprehensive equal treatment claim also in financing. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 1285) limit equal treatment to regulatory aspects, but not to subsidies.\n\n**N. 13** **Demarcation of competences from research promotion**: The demarcation between higher education promotion (Art. 63a Cst) and research promotion (Art. 64 Cst) is fluid. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 3456) advocate a functional consideration, while Tschannen/Zimmerli/Müller (General Administrative Law, 4th ed. 2014, p. 234) prefer an institutional demarcation.\n\n### Practice notes\n\n**N. 14** Higher education institutions must observe the principle of legality when structuring their autonomy. Essential regulations – particularly those with fundamental rights relevance – require a formal legal basis and cannot be completely delegated to the higher education bodies (**BGE 150 I 39**).\n\n**N. 15** Institutional accreditation under HEdA is a prerequisite for:\n- Use of the designations «University», «University of Applied Sciences» or «University of Teacher Education» (Art. 29 HEdA)\n- Entitlement to federal contributions (Art. 45 HEdA)\n- Participation in the joint Conference of Higher Education Institutions (Art. 12 HEdA)\n\n**N. 16** For VAT exemption, higher education institutions must prove that they are promoted within the framework of Art. 63a Cst (Federal Administrative Court judgment A-5162/2017). Mere accreditation is not sufficient; actual financial promotion by the Confederation or cantons is required.", "caselaw_en": "# Art. 63a — Higher education promotion and coordination\n\n## Case law\n\n### University autonomy and disciplinary law\n\n**BGE 150 I 39** of 8 September 2023  \nUniversity disciplinary measures in the form of financial penalties up to CHF 4,000 constitute severe sanctions that require a formal statutory basis.  \nThe judgment clarifies the constitutionally guaranteed university autonomy and its limits.\n\n> «In the present case, the autonomy invoked by the appellant can primarily be derived from Art. 63a Federal Constitution, which the Federal Court reviews freely. The exact scope of this autonomy, however, is determined by the University Act and thus by cantonal statutory law.»\n\n### Examination system and Bologna reform\n\n**BVGE 2009/33** of 19 May 2009  \nHigher education institutions have extensive autonomy in examination matters; however, this can be restricted by the Bologna reform.  \nThe judgment establishes the compatibility of university examination regulations with federal legal requirements.\n\n> «Higher education institutions have extensive autonomy in examination matters, although restrictions may arise from the Bologna reform. The block examination system has been declared inadmissible neither by the Bologna directives nor by the supplementary recommendations.»\n\n### Higher education promotion and financing\n\n**Judgment 2C_643/2019** of 14 September 2020  \nBasic contributions to universities are entitlement subsidies to which there is basically a constitutional claim.  \nThe judgment deals with the transitional provisions between the old University Promotion Act and the new HEdA.\n\n> «The subsidies in dispute here are thus contributions to which there is basically a constitutional entitlement; the fact that the Confederation retained a discretionary margin does not deprive the basic contributions of their entitlement character.»\n\n### Accreditation and higher education quality\n\n**Judgment 2C_548/2023** of 15 November 2024  \nThe HEdA regulates institutional accreditation as a prerequisite for bearing higher education designations.  \nThe judgment shows the strict requirements for private higher education providers.\n\n> «The contested judgment concerns a decision not to enter into proceedings by the Swiss Accreditation Council regarding the admission of the appellant to the institutional accreditation procedure under the Higher Education Promotion and Coordination Act.»\n\n**BGE 142 I 16** of 9 February 2016  \nThe protection of university designations according to the HEdA takes precedence over cantonal law.  \nThe judgment concerns the use of the designation \"university\" by non-accredited institutions.\n\n> «Art. 29 para. 1 HEdA provides that the higher education institution or other institution in the higher education sector acquires the right to bear a corresponding designation with institutional accreditation.»\n\n### Value added tax and higher education promotion\n\n**Judgment A-5162/2017** of the Federal Administrative Court of 4 September 2018  \nInstitutions promoted by the Confederation and cantons within the framework of Art. 63a Federal Constitution are exempt from value added tax.  \nThe judgment specifies the tax implications of constitutional higher education promotion.\n\n> «Institutions according to Art. 18 lit. a VAT Ordinance are institutions that are promoted by the Confederation and cantons within the framework of Article 63a Federal Constitution based on a statutory basis. The HEdA, which is based on Art. 63a Federal Constitution and creates, among other things, foundations for quality assurance and accreditation.»\n\n### Federalism clause\n\n**Judgment B-5120/2015** of the Federal Administrative Court of 10 March 2017  \nArt. 63a para. 3 sentence 2 Federal Constitution guarantees the autonomy of the cantons for institutions with the same tasks.  \nThe judgment deals with the recognition of foreign higher education qualifications.\n\n> «Institutions with the same tasks (Art. 63a para. 3 sentence 2 Federal Constitution). Subject to some provisions, the HEdA of 30 September 2011 entered into force on 1 January 2015.»\n\n### ETH Domain\n\n**Various judgments of the Federal Administrative Court (A-1956/2014, A-4366/2020, A-3131/2023)**  \nETH Zurich and ETH Lausanne are subject to special organisational provisions as federal institutions.  \nThis case law shows the constitutional anchoring of the ETH Domain in Art. 63a Federal Constitution.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_63a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 64, "article_suffix": "", "title": "Forschung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht zu Art. 64 BV\n\nArt. 64 BV gibt dem Bund die Kompetenz, wissenschaftliche Forschung und Innovation zu fördern. Diese Bestimmung ermöglicht es dem Bund, Forschungsprojekte zu finanzieren, Qualitätsstandards zu setzen und eigene Forschungsinstitute zu betreiben.\n\n**Was regelt die Norm?** Der Bund kann Forschung und Innovation durch Geld fördern (Abs. 1). Er darf dabei Bedingungen stellen, besonders zur Qualitätssicherung und Koordination (Abs. 2). Zudem kann er eigene Forschungsstätten errichten oder übernehmen (Abs. 3). Das Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz (FIFG) setzt diese Verfassung um.\n\n**Wer ist betroffen?** Forschende an Universitäten, Fachhochschulen und privaten Instituten können Fördergelder beantragen. Unternehmen profitieren von Innovationsförderung durch Innosuisse. Die Bürgerinnen und Bürger profitieren indirekt von wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Innovationen.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) verteilt jährlich über 900 Millionen Franken für Forschungsprojekte gemäss Art. 4 FIFG. Innosuisse fördert den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Einzelpersonen haben jedoch keinen Rechtsanspruch auf Förderung, wie das Bundesgericht bestätigte (BGE 133 V 297 E. 4).\n\n**Beispiel**: Ein Biologe beantragt beim SNF 200'000 Franken für eine Krebsstudie. Ein Peer-Review-Verfahren prüft die wissenschaftliche Qualität. Bei positiver Beurteilung erhält er die Förderung für drei Jahre.\n\n**Streitpunkt**: In der Rechtslehre ist umstritten, ob «wissenschaftlich» nur methodische Standards meint (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39) oder ein Qualitätsmerkmal darstellt (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).", "doctrine_de": "# Doktrin zu Art. 64 BV\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 64 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Die Bestimmung führte die bisherige Forschungsförderungskompetenz des Bundes (Art. 27sexies aBV von 1973) fort und erweiterte sie explizit um die Innovationsförderung. Die Botschaft vom 20. November 1996 hielt fest, dass die Verfassungsbestimmung «dem Bund eine umfassende Kompetenz zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung» verleiht (BBl 1997 I 1, 241). Der Verfassungsgeber wollte damit die bestehende Praxis der Bundesforschungsförderung verfassungsrechtlich absichern und gleichzeitig den Weg für eine verstärkte Innovationsförderung ebnen.\n\n**N. 2** Die explizite Aufnahme der «Innovation» neben der «wissenschaftlichen Forschung» in Abs. 1 war eine bewusste Erweiterung. Während die alte Verfassung nur von «wissenschaftlicher Forschung» sprach, erkannte der Verfassungsgeber 1999 die wachsende Bedeutung des Wissens- und Technologietransfers für die wirtschaftliche Entwicklung an (BBl 1997 I 241). Diese Erweiterung ermöglichte später die Schaffung der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) und deren Nachfolgeorganisation Innosuisse.\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 64 BV ist systematisch im 3. Abschnitt «Bildung, Forschung und Kultur» des 3. Kapitels der Bundesverfassung eingeordnet. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit → Art. 20 BV (Wissenschaftsfreiheit), der die grundrechtliche Dimension der Forschung regelt. Während Art. 20 BV die Abwehrrechte der Forschenden schützt, begründet Art. 64 BV die Leistungspflichten des Staates (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 2).\n\n**N. 4** Die Forschungsförderungskompetenz ergänzt die Bildungskompetenzen des Bundes (→ Art. 63 BV für Berufsbildung, → Art. 63a BV für Hochschulen). Anders als bei den Hochschulen, wo Bund und Kantone gemeinsam zuständig sind, verleiht Art. 64 BV dem Bund eine umfassende Kompetenz zur Forschungsförderung. Diese erstreckt sich auf alle Wissenschaftsbereiche und ist nicht auf die Bundeshochschulen beschränkt (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 4).\n\n**N. 5** Im Kontext der Wirtschaftsverfassung bildet Art. 64 BV eine wichtige Grundlage für die staatliche Innovationsförderung. Die Bestimmung ist dabei abzugrenzen von → Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung), wobei die Innovationsförderung als spezifische, verfassungsrechtlich legitimierte Form der Wirtschaftsförderung anzusehen ist.\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Wissenschaftliche Forschung (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff der «wissenschaftlichen Forschung» ist weit zu verstehen. Nach der herrschenden Lehre umfasst er sowohl die Grundlagenforschung als auch die angewandte Forschung in allen Wissenschaftsdisziplinen (König, Grundlagen der staatlichen Forschungsförderung, 2007, S. 45). Das Adjektiv «wissenschaftlich» ist dabei umstritten: Während Borghi es nur als Hinweis auf objektiv-methodische Aspekte versteht (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39), sieht Gruber darin einen Qualitätsbegriff (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).\n\n**N. 7** Die Forschungsförderung umfasst nach der Praxis des Bundes sowohl die institutionelle Förderung (Finanzierung von Forschungseinrichtungen) als auch die projektbezogene Förderung (Finanzierung einzelner Forschungsvorhaben). Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und die Akademien der Wissenschaften Schweiz sind die wichtigsten Träger der Forschungsförderung (Art. 4 FIFG).\n\n### Innovation (Abs. 1)\n\n**N. 8** Der Innovationsbegriff wurde bewusst offen formuliert. Er umfasst nach der Botschaft «die Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in marktfähige Produkte und Dienstleistungen» (BBl 1997 I 241). Die Innovationsförderung durch Innosuisse fokussiert sich auf den Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft (Art. 3 SBFI-Gesetz).\n\n**N. 9** Die Innovationsförderung muss einen Bezug zur wissenschaftlichen Forschung aufweisen. Reine Wirtschaftsförderung ohne Forschungsbezug fällt nicht unter Art. 64 BV, sondern allenfalls unter andere Verfassungsgrundlagen wie → Art. 103 BV (Strukturpolitik). Diese Abgrenzung ist in der Praxis oft schwierig und war Gegenstand verschiedener parlamentarischer Vorstösse.\n\n### Förderungspflicht (Abs. 1)\n\n**N. 10** Der Begriff «fördert» begründet eine Staatszielbestimmung mit programmatischem Charakter. Anders als subjektive Grundrechte verleiht Art. 64 Abs. 1 BV keinen individuellen Anspruch auf Forschungsförderung (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, S. 485). Der Bund verfügt über einen erheblichen Gestaltungsspielraum bei der Ausgestaltung der Förderung.\n\n**N. 11** Die Förderungspflicht ist eine Daueraufgabe des Bundes. Sie kann durch direkte Bundesförderung oder durch Delegation an öffentlich-rechtliche Anstalten wie den SNF erfüllt werden. Die jährlichen Forschungsausgaben des Bundes betragen mehrere Milliarden Franken und werden in der mehrjährigen Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft) festgelegt.\n\n### Qualitätssicherung und Koordination (Abs. 2)\n\n**N. 12** Abs. 2 ermächtigt den Bund, die Förderung von Bedingungen abhängig zu machen. Die «Qualitätssicherung» bezieht sich primär auf die wissenschaftliche Qualität der geförderten Forschung. In der Praxis wird dies durch Peer-Review-Verfahren und Evaluationen sichergestellt (Art. 51 FIFG).\n\n**N. 13** Die «Koordination» zielt auf die effiziente Nutzung der Forschungsmittel und die Vermeidung von Doppelspurigkeiten. Der Bund kann Schwerpunkte setzen und die Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstitutionen fördern. Die Schweizerische Hochschulkonferenz spielt dabei eine wichtige Rolle (Art. 6 HFKG).\n\n### Forschungsstätten (Abs. 3)\n\n**N. 14** Abs. 3 gibt dem Bund drei Handlungsoptionen: Er kann Forschungsstätten «errichten», «übernehmen» oder «betreiben». Diese Kompetenz wurde genutzt für die ETH-Bereichsinstitutionen (Paul Scherrer Institut, WSL, Empa, Eawag) sowie für weitere Bundesforschungsanstalten.\n\n**N. 15** Die Kompetenz ist fakultativ («kann»). Der Bund ist nicht verpflichtet, eigene Forschungsstätten zu führen, sondern kann die Forschung auch ausschliesslich durch Drittmittelförderung unterstützen. In der Praxis kombiniert der Bund beide Förderinstrumente.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 16** Art. 64 BV begründet eine umfassende Bundeskompetenz, die sowohl Gesetzgebung als auch Vollzug umfasst. Die wichtigsten Ausführungsgesetze sind das Bundesgesetz über die Förderung der Forschung und der Innovation (FIFG), das ETH-Gesetz und das SBFI-Gesetz.\n\n**N. 17** Aus Art. 64 BV folgt keine unmittelbare Finanzierungspflicht in bestimmter Höhe. Die Festlegung der Forschungsmittel obliegt dem Parlament im Rahmen des Budgetprozesses und der BFI-Botschaften. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass kein individueller Anspruch auf Forschungsförderung besteht (BGE 133 V 297 E. 4).\n\n**N. 18** Die Delegation der Forschungsförderung an öffentlich-rechtliche Anstalten wie den SNF ist zulässig, sofern die Grundsätze der Rechtsgleichheit und Verhältnismässigkeit gewahrt bleiben. Förderentscheide unterliegen der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle, wobei dem wissenschaftlichen Ermessen weiter Spielraum zukommt.\n\n## Streitstände\n\n**N. 19** **Reichweite des Wissenschaftlichkeitsbegriffs**: In der Doktrin ist umstritten, wie eng der Begriff «wissenschaftlich» in Abs. 1 zu verstehen ist. Borghi vertritt eine weite Auslegung und sieht darin lediglich einen Verweis auf objektiv-methodische Standards (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39). Gruber hingegen interpretiert «wissenschaftlich» als Qualitätsmerkmal, das unseriöse Forschung von der Förderung ausschliesst (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42). König nimmt eine vermittelnde Position ein und betont, dass alle anerkannten wissenschaftlichen Methoden erfasst sind (König, Grundlagen, 2007, S. 47).\n\n**N. 20** **Verhältnis von Forschungs- zu Innovationsförderung**: Kontrovers diskutiert wird das Spannungsverhältnis zwischen zweckfreier Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Innovation. Während eine Ansicht die Gleichrangigkeit beider Förderaspekte betont, sehen andere in der zunehmenden Innovationsorientierung eine problematische Ökonomisierung der Wissenschaft. Schmid warnt vor einer zu starken Instrumentalisierung der Forschung für wirtschaftliche Zwecke (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, S. 488).\n\n**N. 21** **Grenzen der Qualitätssicherung**: Umstritten ist, wie weit die Qualitätssicherung nach Abs. 2 gehen darf, ohne die Wissenschaftsfreiheit (→ Art. 20 BV) zu verletzen. Die herrschende Lehre sieht Peer-Review-Verfahren als zulässig an, solange sie transparent und fair ausgestaltet sind. Kritische Stimmen warnen vor einem «Mainstream-Bias» in der Forschungsförderung.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 22** Für Forschende ist entscheidend, dass Art. 64 BV keinen individuellen Rechtsanspruch auf Förderung begründet. Ablehnende Förderentscheide können nur auf Rechtsverletzungen, nicht aber auf die wissenschaftliche Beurteilung hin überprüft werden. Das Bundesverwaltungsgericht übt bei der Überprüfung wissenschaftlicher Evaluationen grosse Zurückhaltung.\n\n**N. 23** Bei der Ausgestaltung von Förderinstrumenten muss der Gesetzgeber die Vorgaben von Abs. 2 beachten. Neue Förderprogramme sollten Mechanismen zur Qualitätssicherung (z.B. externe Begutachtung) und zur Koordination mit bestehenden Programmen vorsehen. Die Praxis zeigt, dass gut koordinierte Programme höhere Erfolgsraten aufweisen.\n\n**N. 24** Für kantonale Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist relevant, dass Art. 64 BV eine umfassende Bundeskompetenz begründet. Anders als im Hochschulbereich (→ Art. 63a BV) besteht keine verfassungsrechtliche Pflicht zur Zusammenarbeit mit den Kantonen. In der Praxis erfolgt die Forschungsförderung aber im Dialog mit den kantonalen Hochschulträgern.\n\n**N. 25** Innovation fördernde Unternehmen sollten beachten, dass Innosuisse-Projekte einen substanziellen Forschungsanteil aufweisen müssen. Reine Entwicklungsprojekte ohne Forschungscharakter fallen nicht unter Art. 64 BV und können daher nicht über Innosuisse gefördert werden. Die Abgrenzung zur regulären Wirtschaftsförderung ist oft herausfordernd und sollte frühzeitig mit den Förderstellen geklärt werden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung zu Art. 64 BV\n\n## Vorbemerkung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 64 BV ist ausgesprochen spärlich. Das Bundesgericht hat sich bisher nur vereinzelt mit der Verfassungsbestimmung zur Forschungs- und Innovationsförderung befasst, da die meisten Streitigkeiten in diesem Bereich auf verwaltungsrechtlicher Ebene bei spezialgesetzlichen Bestimmungen oder bei Verwaltungsakten der Förderorganisationen (SNF, Innosuisse) angesiedelt sind.\n\n## Förderorganisationen und Sozialversicherungsrecht\n\n**BGE 133 V 297 E. 4** vom 2. Mai 2007\n\nDas Bundesgericht qualifizierte Zuwendungen des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung als nicht beitragspflichtige Leistungen im Sozialversicherungsrecht. Der Entscheid zeigt die praktische Umsetzung der Forschungsförderung durch den SNF als zentrale Förderorganisation des Bundes auf, ohne jedoch die verfassungsrechtlichen Grundlagen nach Art. 64 BV zu vertiefen.\n\n> «Die den Forschern ausgerichteten Zuwendungen des Nationalfonds stellen, ob sie nun als Stipendien oder Forschungsbeiträge bezeichnet werden und darin ein persönlicher Beitrag an den Lebensunterhalt mitenthalten ist oder nicht, kein beitragspflichtiges Erwerbseinkommen dar.»\n\n## Verwaltungsrechtliche Rechtsprechung\n\nDie übrige Rechtsprechung zu Forschung und Innovation beschränkt sich auf verwaltungsrechtliche Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts betreffend Einzelentscheidungen von Förderorganisationen:\n\n**Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts zum SNF**: Zahlreiche Urteile des BVGer (u.a. B-18/2006, B-4569/2009, B-695/2017) behandeln Beschwerden gegen Förderentscheidungen des Schweizerischen Nationalfonds, ohne jedoch grundsätzliche verfassungsrechtliche Fragen nach Art. 64 BV aufzuwerfen.\n\n**Entscheide zu Innosuisse**: Mehrere Urteile (u.a. B-4357/2022, B-4982/2024) betreffen Beschwerden gegen Innovationsförderentscheide der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, fokussieren aber auf verwaltungsrechtliche Verfahrensfragen.\n\n## Abgrenzung zur Wissenschafts- und Lehrfreiheit\n\nDie verfassungsrechtliche Diskussion über wissenschaftliche Tätigkeit findet primär bei Art. 20 BV (Wissenschaftsfreiheit) statt. Art. 64 BV als Kompetenznorm zur Förderung von Forschung und Innovation wurde vom Bundesgericht bisher nicht grundlegend interpretiert, da entsprechende Streitigkeiten selten bis vor das höchste Gericht gelangen.\n\n## Fazit\n\nDie dürftige Rechtsprechung zu Art. 64 BV spiegelt den Charakter dieser Verfassungsbestimmung als programmatische Kompetenznorm wider. Die praktische Umsetzung der Forschungs- und Innovationsförderung erfolgt durch Spezialgesetze und deren Vollzug durch die entsprechenden Bundesorgane und -anstalten, wobei sich Streitigkeiten meist auf der verwaltungsrechtlichen Ebene bewegen und nur ausnahmsweise grundlegende verfassungsrechtliche Fragen aufwerfen.", "summary_fr": "# Aperçu de l'art. 64 Cst.\n\nL'art. 64 Cst. confère à la Confédération la compétence d'encourager la recherche scientifique et l'innovation. Cette disposition permet à la Confédération de financer des projets de recherche, de fixer des standards de qualité et d'exploiter ses propres instituts de recherche.\n\n**Que règle la norme ?** La Confédération peut encourager la recherche et l'innovation par des moyens financiers (al. 1). Elle peut à cette fin poser des conditions, notamment pour assurer la qualité et la coordination (al. 2). De plus, elle peut créer ou reprendre des centres de recherche (al. 3). La loi fédérale sur l'encouragement de la recherche et de l'innovation (LERI) met en œuvre cette disposition constitutionnelle.\n\n**Qui est concerné ?** Les chercheurs des universités, hautes écoles spécialisées et instituts privés peuvent demander des subsides d'encouragement. Les entreprises profitent de l'encouragement à l'innovation par Innosuisse. Les citoyennes et citoyens bénéficient indirectement des connaissances scientifiques et des innovations techniques.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Le Fonds national suisse de la recherche scientifique (FNS) distribue annuellement plus de 900 millions de francs pour des projets de recherche selon l'art. 4 LERI. Innosuisse encourage le transfert de connaissances entre les hautes écoles et l'économie. Cependant, les particuliers n'ont pas de droit légal à l'encouragement, comme l'a confirmé le Tribunal fédéral (ATF 133 V 297 consid. 4).\n\n**Exemple** : Un biologiste demande au FNS 200'000 francs pour une étude sur le cancer. Une procédure de peer-review examine la qualité scientifique. En cas d'évaluation positive, il obtient l'encouragement pour trois ans.\n\n**Point litigieux** : En doctrine, il est controversé de savoir si « scientifique » désigne seulement des standards méthodologiques (Borghi, BSK BV, art. 64 n. 39) ou constitue un critère de qualité (Gruber, BSK BV, art. 64 n. 42).", "doctrine_fr": "# Doctrine relative à l'art. 64 Cst.\n\n## Genèse historique\n\n**N. 1** La version actuelle de l'art. 64 Cst. remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition a repris l'ancienne compétence fédérale de promotion de la recherche (art. 27sexies ancCst de 1973) en l'élargissant explicitement à la promotion de l'innovation. Le message du 20 novembre 1996 précisait que la disposition constitutionnelle « confère à la Confédération une compétence étendue en matière d'encouragement de la recherche scientifique » (FF 1997 I 1, 241). Le constituant voulait ainsi ancrer constitutionnellement la pratique existante de promotion fédérale de la recherche tout en ouvrant la voie à un encouragement renforcé de l'innovation.\n\n**N. 2** L'inclusion explicite de l'« innovation » aux côtés de la « recherche scientifique » à l'al. 1 était un élargissement conscient. Alors que l'ancienne constitution ne parlait que de « recherche scientifique », le constituant a reconnu en 1999 l'importance croissante du transfert de connaissances et de technologies pour le développement économique (FF 1997 I 241). Cet élargissement a permis plus tard la création de la Commission pour la technologie et l'innovation (CTI) et de son organisation successeur Innosuisse.\n\n## Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 64 Cst. est systématiquement classé dans la 3e section « Formation, recherche et culture » du 3e chapitre de la Constitution fédérale. Cette disposition est étroitement liée à → l'art. 20 Cst. (liberté de la science), qui règle la dimension relevant des droits fondamentaux de la recherche. Alors que l'art. 20 Cst. protège les droits de défense des chercheurs, l'art. 64 Cst. fonde les obligations de prestation de l'État (Hänni, BSK BV, art. 64 n. 2).\n\n**N. 4** La compétence de promotion de la recherche complète les compétences fédérales en matière d'éducation (→ art. 63 Cst. pour la formation professionnelle, → art. 63a Cst. pour les hautes écoles). Contrairement aux hautes écoles, où la Confédération et les cantons sont conjointement compétents, l'art. 64 Cst. confère à la Confédération une compétence étendue pour la promotion de la recherche. Cette compétence s'étend à tous les domaines scientifiques et n'est pas limitée aux hautes écoles fédérales (Hänni, BSK BV, art. 64 n. 4).\n\n**N. 5** Dans le contexte de la constitution économique, l'art. 64 Cst. constitue une base importante pour la promotion étatique de l'innovation. Cette disposition doit être distinguée de → l'art. 94 Cst. (principes de l'ordre économique), la promotion de l'innovation étant considérée comme une forme spécifique de promotion économique légitimée constitutionnellement.\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Recherche scientifique (al. 1)\n\n**N. 6** La notion de « recherche scientifique » doit être comprise largement. Selon la doctrine dominante, elle englobe tant la recherche fondamentale que la recherche appliquée dans toutes les disciplines scientifiques (König, Grundlagen der staatlichen Forschungsförderung, 2007, p. 45). L'adjectif « scientifique » est controversé : tandis que Borghi ne l'entend que comme un renvoi aux aspects objectifs-méthodiques (Borghi, BSK BV, art. 64 n. 39), Gruber y voit une notion de qualité (Gruber, BSK BV, art. 64 n. 42).\n\n**N. 7** La promotion de la recherche comprend, selon la pratique de la Confédération, tant la promotion institutionnelle (financement d'instituts de recherche) que la promotion liée aux projets (financement de projets de recherche individuels). Le Fonds national suisse de la recherche scientifique (FNS) et les Académies suisses des sciences sont les principaux organes de promotion de la recherche (art. 4 LERI).\n\n### Innovation (al. 1)\n\n**N. 8** La notion d'innovation a été formulée consciemment de manière ouverte. Elle comprend selon le message « la mise en œuvre de nouvelles connaissances scientifiques dans des produits et services commercialisables » (FF 1997 I 241). La promotion de l'innovation par Innosuisse se concentre sur le transfert de connaissances et de technologies entre les hautes écoles et l'économie (art. 3 loi sur le SEFRI).\n\n**N. 9** La promotion de l'innovation doit avoir un lien avec la recherche scientifique. La pure promotion économique sans lien avec la recherche ne relève pas de l'art. 64 Cst., mais éventuellement d'autres bases constitutionnelles comme → l'art. 103 Cst. (politique structurelle). Cette délimitation est souvent difficile dans la pratique et a fait l'objet de diverses interventions parlementaires.\n\n### Obligation d'encouragement (al. 1)\n\n**N. 10** Le terme « encourage » fonde un objectif d'État à caractère programmatique. Contrairement aux droits fondamentaux subjectifs, l'art. 64 al. 1 Cst. ne confère aucun droit individuel à la promotion de la recherche (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 485). La Confédération dispose d'une marge de manœuvre considérable dans l'aménagement de la promotion.\n\n**N. 11** L'obligation d'encouragement est une tâche permanente de la Confédération. Elle peut être remplie par une promotion fédérale directe ou par délégation à des établissements de droit public comme le FNS. Les dépenses annuelles de recherche de la Confédération se chiffrent à plusieurs milliards de francs et sont fixées dans le message pluriannuel relatif à l'encouragement de la formation, de la recherche et de l'innovation (message FRI).\n\n### Assurance de la qualité et coordination (al. 2)\n\n**N. 12** L'al. 2 habilite la Confédération à subordonner l'encouragement à des conditions. L'« assurance de la qualité » se réfère principalement à la qualité scientifique de la recherche encouragée. Dans la pratique, ceci est assuré par des procédures d'évaluation par les pairs et des évaluations (art. 51 LERI).\n\n**N. 13** La « coordination » vise l'utilisation efficace des moyens de recherche et l'évitement des doublons. La Confédération peut fixer des priorités et promouvoir la collaboration entre institutions de recherche. La Conférence suisse des hautes écoles joue un rôle important à cet égard (art. 6 LEHE).\n\n### Institutions de recherche (al. 3)\n\n**N. 14** L'al. 3 donne à la Confédération trois options d'action : elle peut « créer », « reprendre » ou « gérer » des institutions de recherche. Cette compétence a été utilisée pour les institutions du domaine des EPF (Institut Paul Scherrer, WSL, Empa, Eawag) ainsi que pour d'autres établissements fédéraux de recherche.\n\n**N. 15** La compétence est facultative (« peut »). La Confédération n'est pas obligée de gérer ses propres institutions de recherche, mais peut aussi soutenir la recherche exclusivement par l'octroi de moyens tiers. Dans la pratique, la Confédération combine les deux instruments d'encouragement.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 16** L'art. 64 Cst. fonde une compétence fédérale étendue qui comprend tant la législation que l'exécution. Les principales lois d'exécution sont la loi fédérale sur l'encouragement de la recherche et de l'innovation (LERI), la loi sur les EPF et la loi sur le SEFRI.\n\n**N. 17** L'art. 64 Cst. n'entraîne aucune obligation de financement directe d'un montant déterminé. La fixation des moyens de recherche incombe au Parlement dans le cadre du processus budgétaire et des messages FRI. Le Tribunal fédéral a rappelé à plusieurs reprises qu'il n'existe aucun droit individuel à la promotion de la recherche (ATF 133 V 297 consid. 4).\n\n**N. 18** La délégation de la promotion de la recherche à des établissements de droit public comme le FNS est admissible, pour autant que les principes d'égalité de traitement et de proportionnalité soient respectés. Les décisions d'encouragement sont soumises au contrôle des tribunaux administratifs, le pouvoir d'appréciation scientifique bénéficiant toutefois d'une large marge de manœuvre.\n\n## Points controversés\n\n**N. 19** **Portée de la notion de scientificité** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir dans quelle mesure la notion « scientifique » à l'al. 1 doit être comprise restrictivement. Borghi défend une interprétation large et n'y voit qu'un renvoi aux standards objectifs-méthodiques (Borghi, BSK BV, art. 64 n. 39). Gruber en revanche interprète « scientifique » comme un critère de qualité qui exclut de l'encouragement la recherche non sérieuse (Gruber, BSK BV, art. 64 n. 42). König adopte une position médiane et souligne que toutes les méthodes scientifiques reconnues sont saisies (König, Grundlagen, 2007, p. 47).\n\n**N. 20** **Rapport entre promotion de la recherche et promotion de l'innovation** : Le rapport de tension entre recherche fondamentale désintéressée et innovation orientée vers l'application fait l'objet de discussions controversées. Tandis qu'une conception souligne l'égalité de rang des deux aspects de promotion, d'autres voient dans l'orientation croissante vers l'innovation une économisation problématique de la science. Schmid met en garde contre une instrumentalisation excessive de la recherche à des fins économiques (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 488).\n\n**N. 21** **Limites de l'assurance de la qualité** : Il est controversé de savoir jusqu'où l'assurance de la qualité selon l'al. 2 peut aller sans violer la liberté de la science (→ art. 20 Cst.). La doctrine dominante considère les procédures d'évaluation par les pairs comme admissibles, pour autant qu'elles soient aménagées de manière transparente et équitable. Des voix critiques mettent en garde contre un « biais du courant dominant » dans la promotion de la recherche.\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 22** Pour les chercheurs, il est décisif que l'art. 64 Cst. ne fonde aucun droit individuel à l'encouragement. Les décisions de refus d'encouragement ne peuvent être contrôlées que sous l'angle des violations du droit, mais non pas quant à l'appréciation scientifique. Le Tribunal administratif fédéral fait preuve d'une grande retenue lors du contrôle des évaluations scientifiques.\n\n**N. 23** Lors de l'aménagement d'instruments d'encouragement, le législateur doit respecter les prescriptions de l'al. 2. Les nouveaux programmes d'encouragement devraient prévoir des mécanismes d'assurance de la qualité (p. ex. évaluation externe) et de coordination avec les programmes existants. La pratique montre que les programmes bien coordonnés présentent des taux de réussite plus élevés.\n\n**N. 24** Pour les hautes écoles cantonales et institutions de recherche, il est pertinent que l'art. 64 Cst. fonde une compétence fédérale étendue. Contrairement au domaine des hautes écoles (→ art. 63a Cst.), il n'existe aucune obligation constitutionnelle de collaboration avec les cantons. Dans la pratique, la promotion de la recherche se fait toutefois en dialogue avec les collectivités cantonales responsables des hautes écoles.\n\n**N. 25** Les entreprises qui encouragent l'innovation devraient noter que les projets Innosuisse doivent présenter un volet recherche substantiel. Les projets purement de développement sans caractère de recherche ne relèvent pas de l'art. 64 Cst. et ne peuvent donc pas être encouragés par Innosuisse. La délimitation avec la promotion économique ordinaire est souvent difficile et devrait être clarifiée précocement avec les organes d'encouragement.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence sur l'art. 64 Cst.\n\n## Remarque préliminaire\n\nLa jurisprudence sur l'art. 64 Cst. est particulièrement rare. Le Tribunal fédéral ne s'est jusqu'à présent occupé qu'occasionnellement de la disposition constitutionnelle sur l'encouragement de la recherche et de l'innovation, car la plupart des litiges dans ce domaine se situent au niveau du droit administratif lors de dispositions de lois spéciales ou d'actes administratifs des organismes d'encouragement (FNS, Innosuisse).\n\n## Organismes d'encouragement et droit des assurances sociales\n\n**ATF 133 V 297 consid. 4** du 2 mai 2007\n\nLe Tribunal fédéral a qualifié les allocations du Fonds national suisse de la recherche scientifique comme prestations non soumises aux cotisations dans le droit des assurances sociales. La décision montre la mise en œuvre pratique de l'encouragement de la recherche par le FNS en tant qu'organisme central d'encouragement de la Confédération, sans toutefois approfondir les bases constitutionnelles selon l'art. 64 Cst.\n\n> « Les allocations versées aux chercheurs par le Fonds national, qu'elles soient désignées comme bourses ou contributions de recherche et qu'elles contiennent ou non une contribution personnelle à l'entretien, ne constituent pas un revenu d'activité lucrative soumis aux cotisations. »\n\n## Jurisprudence de droit administratif\n\nLe reste de la jurisprudence sur la recherche et l'innovation se limite à des décisions de droit administratif du Tribunal administratif fédéral concernant des décisions individuelles d'organismes d'encouragement :\n\n**Décisions du Tribunal administratif fédéral relatives au FNS** : De nombreux arrêts du TAF (notamment B-18/2006, B-4569/2009, B-695/2017) traitent de recours contre des décisions d'encouragement du Fonds national suisse de la recherche scientifique, sans toutefois soulever des questions constitutionnelles fondamentales selon l'art. 64 Cst.\n\n**Décisions relatives à Innosuisse** : Plusieurs arrêts (notamment B-4357/2022, B-4982/2024) concernent des recours contre des décisions d'encouragement de l'innovation de l'Agence suisse pour l'encouragement de l'innovation, mais se concentrent sur des questions procédurales de droit administratif.\n\n## Délimitation par rapport à la liberté de la science et de l'enseignement\n\nLa discussion constitutionnelle sur l'activité scientifique a lieu principalement dans le cadre de l'art. 20 Cst. (liberté de la science). L'art. 64 Cst. en tant que norme de compétence pour l'encouragement de la recherche et de l'innovation n'a pas encore été interprété de manière fondamentale par le Tribunal fédéral, car les litiges correspondants parviennent rarement devant la plus haute instance judiciaire.\n\n## Conclusion\n\nLa jurisprudence lacunaire sur l'art. 64 Cst. reflète le caractère de cette disposition constitutionnelle en tant que norme de compétence programmatique. La mise en œuvre pratique de l'encouragement de la recherche et de l'innovation s'effectue par des lois spéciales et leur exécution par les organes et établissements fédéraux correspondants, les litiges se situant généralement au niveau du droit administratif et ne soulevant qu'exceptionnellement des questions constitutionnelles fondamentales.", "summary_it": "# Panoramica dell'art. 64 Cost.\n\nL'art. 64 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di promuovere la ricerca scientifica e l'innovazione. Questa disposizione consente alla Confederazione di finanziare progetti di ricerca, stabilire standard qualitativi e gestire propri istituti di ricerca.\n\n**Cosa disciplina la norma?** La Confederazione può promuovere la ricerca e l'innovazione attraverso finanziamenti (cpv. 1). Può stabilire condizioni, in particolare per l'assicurazione della qualità e il coordinamento (cpv. 2). Inoltre può fondare o rilevare propri istituti di ricerca (cpv. 3). La Legge sulla promozione della ricerca e dell'innovazione (LPRI) attua questa disposizione costituzionale.\n\n**Chi ne è interessato?** I ricercatori presso università, scuole universitarie professionali e istituti privati possono richiedere finanziamenti. Le imprese beneficiano della promozione dell'innovazione tramite Innosuisse. I cittadini e le cittadine beneficiano indirettamente delle conoscenze scientifiche e delle innovazioni tecniche.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** Il Fondo nazionale svizzero (FNS) distribuisce annualmente oltre 900 milioni di franchi per progetti di ricerca secondo l'art. 4 LPRI. Innosuisse promuove il trasferimento di conoscenze tra scuole universitarie ed economia. Le persone fisiche non hanno tuttavia alcun diritto soggettivo al finanziamento, come confermato dal Tribunale federale (DTF 133 V 297 consid. 4).\n\n**Esempio**: Un biologo richiede al FNS 200'000 franchi per uno studio sul cancro. Una procedura di peer-review esamina la qualità scientifica. In caso di valutazione positiva, riceve il finanziamento per tre anni.\n\n**Punto controverso**: Nella dottrina è controverso se «scientifico» si riferisca solo agli standard metodologici (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39) o rappresenti un criterio qualitativo (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).", "doctrine_it": "# Dottrina sull'art. 64 Cost.\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** La versione attuale dell'art. 64 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione ha proseguito la precedente competenza della Confederazione in materia di promozione della ricerca (art. 27sexies aCost. del 1973) e l'ha esplicitamente estesa alla promozione dell'innovazione. Il messaggio del 20 novembre 1996 ha stabilito che la disposizione costituzionale «conferisce alla Confederazione una competenza globale per la promozione della ricerca scientifica» (FF 1997 I 1, 241). Con ciò il costituente voleva consolidare costituzionalmente la prassi esistente della promozione della ricerca da parte della Confederazione e al contempo aprire la strada a una promozione intensificata dell'innovazione.\n\n**N. 2** L'inserimento esplicito dell'«innovazione» accanto alla «ricerca scientifica» nel cpv. 1 è stato un ampliamento consapevole. Mentre la vecchia costituzione parlava solo di «ricerca scientifica», il costituente del 1999 ha riconosciuto la crescente importanza del trasferimento di conoscenze e tecnologie per lo sviluppo economico (FF 1997 I 241). Questo ampliamento ha reso possibile successivamente la creazione della Commissione per la tecnologia e l'innovazione (CTI) e della sua organizzazione successore Innosuisse.\n\n## Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 64 Cost. è sistematicamente inserito nella 3a sezione «Educazione, ricerca e cultura» del 3° capitolo della Costituzione federale. La disposizione è strettamente collegata con → l'art. 20 Cost. (libertà della scienza), che disciplina la dimensione di diritto fondamentale della ricerca. Mentre l'art. 20 Cost. protegge i diritti di difesa dei ricercatori, l'art. 64 Cost. fonda gli obblighi di prestazione dello Stato (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 2).\n\n**N. 4** La competenza di promozione della ricerca completa le competenze della Confederazione in materia di educazione (→ art. 63 Cost. per la formazione professionale, → art. 63a Cost. per le scuole universitarie). Diversamente dalle scuole universitarie, dove Confederazione e Cantoni sono competenti congiuntamente, l'art. 64 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza globale per la promozione della ricerca. Questa si estende a tutti i settori scientifici e non è limitata alle scuole universitarie della Confederazione (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 4).\n\n**N. 5** Nel contesto della costituzione economica, l'art. 64 Cost. costituisce un'importante base per la promozione statale dell'innovazione. La disposizione va delimitata dal → art. 94 Cost. (principi dell'ordinamento economico), dove la promozione dell'innovazione è da considerare come forma specifica di promozione economica legittimata costituzionalmente.\n\n## Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### Ricerca scientifica (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il concetto di «ricerca scientifica» va inteso ampiamente. Secondo la dottrina prevalente comprende sia la ricerca di base sia la ricerca applicata in tutte le discipline scientifiche (König, Grundlagen der staatlichen Forschungsförderung, 2007, p. 45). L'aggettivo «scientifica» è controverso: mentre Borghi lo intende solo come riferimento ad aspetti oggettivo-metodici (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39), Gruber vi vede un concetto di qualità (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).\n\n**N. 7** La promozione della ricerca comprende secondo la prassi della Confederazione sia la promozione istituzionale (finanziamento di istituti di ricerca) sia la promozione per progetti (finanziamento di singoli progetti di ricerca). Il Fondo nazionale svizzero (FNS) e le Accademie svizzere delle scienze sono i principali sostenitori della promozione della ricerca (art. 4 LPRI).\n\n### Innovazione (cpv. 1)\n\n**N. 8** Il concetto di innovazione è stato formulato volutamente aperto. Secondo il messaggio comprende «la trasposizione di nuove conoscenze scientifiche in prodotti e servizi commercializzabili» (FF 1997 I 241). La promozione dell'innovazione da parte di Innosuisse si concentra sul trasferimento di conoscenze e tecnologie tra scuole universitarie ed economia (art. 3 legge SEFRI).\n\n**N. 9** La promozione dell'innovazione deve presentare un riferimento alla ricerca scientifica. La mera promozione economica senza riferimento alla ricerca non rientra nell'art. 64 Cost., bensì eventualmente sotto altre basi costituzionali come → l'art. 103 Cost. (politica strutturale). Questa delimitazione è spesso difficile nella prassi ed è stata oggetto di diversi interventi parlamentari.\n\n### Obbligo di promozione (cpv. 1)\n\n**N. 10** Il concetto «promuove» fonda un obiettivo statale con carattere programmatico. Diversamente dai diritti fondamentali soggettivi, l'art. 64 cpv. 1 Cost. non conferisce alcun diritto individuale alla promozione della ricerca (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 485). La Confederazione dispone di un considerevole margine di manovra nell'organizzazione della promozione.\n\n**N. 11** L'obbligo di promozione è un compito permanente della Confederazione. Può essere adempiuto attraverso la promozione diretta della Confederazione o attraverso la delega a istituti di diritto pubblico come il FNS. Le spese annuali della Confederazione per la ricerca ammontano a diversi miliardi di franchi e sono stabilite nel messaggio pluriennale per la promozione dell'educazione, della ricerca e dell'innovazione (messaggio ERI).\n\n### Garanzia della qualità e coordinamento (cpv. 2)\n\n**N. 12** Il cpv. 2 autorizza la Confederazione a subordinare la promozione a condizioni. La «garanzia della qualità» si riferisce principalmente alla qualità scientifica della ricerca promossa. Nella prassi ciò è assicurato attraverso procedure di peer-review e valutazioni (art. 51 LPRI).\n\n**N. 13** Il «coordinamento» mira all'utilizzo efficiente dei mezzi per la ricerca e all'evitamento di doppioni. La Confederazione può stabilire priorità e promuovere la collaborazione tra istituzioni di ricerca. La Conferenza svizzera delle scuole universitarie svolge un ruolo importante (art. 6 LSSU).\n\n### Istituti di ricerca (cpv. 3)\n\n**N. 14** Il cpv. 3 dà alla Confederazione tre opzioni d'azione: può «istituire», «rilevare» o «gestire» istituti di ricerca. Questa competenza è stata utilizzata per gli istituti del settore dei PF (Istituto Paul Scherrer, WSL, Empa, Eawag) nonché per altri istituti di ricerca della Confederazione.\n\n**N. 15** La competenza è facoltativa («può»). La Confederazione non è obbligata a gestire propri istituti di ricerca, ma può sostenere la ricerca anche esclusivamente attraverso il finanziamento di terzi. Nella prassi la Confederazione combina entrambi gli strumenti di promozione.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 16** L'art. 64 Cost. fonda una competenza globale della Confederazione che comprende sia la legislazione sia l'esecuzione. Le principali leggi d'esecuzione sono la legge federale sulla promozione della ricerca e dell'innovazione (LPRI), la legge sui PF e la legge SEFRI.\n\n**N. 17** Dall'art. 64 Cost. non consegue alcun obbligo immediato di finanziamento in una determinata entità. La determinazione dei mezzi per la ricerca spetta al Parlamento nel quadro del processo di budget e dei messaggi ERI. Il Tribunale federale ha ripetutamente stabilito che non esiste alcun diritto individuale alla promozione della ricerca (DTF 133 V 297 consid. 4).\n\n**N. 18** La delega della promozione della ricerca a istituti di diritto pubblico come il FNS è ammissibile, purché siano rispettati i principi dell'uguaglianza giuridica e della proporzionalità. Le decisioni di promozione sottostanno al controllo della giustizia amministrativa, dove alla discrezionalità scientifica spetta ampio margine.\n\n## Punti controversi\n\n**N. 19** **Portata del concetto di scientificità**: Nella dottrina è controverso quanto stretto debba essere inteso il concetto «scientifico» nel cpv. 1. Borghi rappresenta un'interpretazione ampia e vi vede soltanto un riferimento a standard oggettivo-metodici (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39). Gruber invece interpreta «scientifico» come caratteristica qualitativa che esclude dalla promozione la ricerca poco seria (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42). König assume una posizione intermedia e sottolinea che sono compresi tutti i metodi scientifici riconosciuti (König, Grundlagen, 2007, p. 47).\n\n**N. 20** **Rapporto tra promozione della ricerca e dell'innovazione**: Viene discusso controversamente il rapporto di tensione tra ricerca di base senza scopo e innovazione orientata all'applicazione. Mentre una corrente di pensiero sottolinea l'equivalenza di entrambi gli aspetti della promozione, altri vedono nell'orientamento crescente all'innovazione una problematica economicizzazione della scienza. Schmid mette in guardia da una strumentalizzazione troppo forte della ricerca per scopi economici (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 488).\n\n**N. 21** **Limiti della garanzia della qualità**: È controverso fino a che punto possa spingersi la garanzia della qualità secondo il cpv. 2 senza violare la libertà della scienza (→ art. 20 Cost.). La dottrina prevalente considera ammissibili le procedure di peer-review, purché siano strutturate in modo trasparente ed equo. Voci critiche mettono in guardia da un «mainstream-bias» nella promozione della ricerca.\n\n## Indicazioni per la prassi\n\n**N. 22** Per i ricercatori è decisivo che l'art. 64 Cost. non fondi alcun diritto individuale alla promozione. Le decisioni negative di promozione possono essere verificate solo per violazioni del diritto, non però per la valutazione scientifica. Il Tribunale amministrativo federale esercita grande riserbo nella verifica delle valutazioni scientifiche.\n\n**N. 23** Nell'organizzazione di strumenti di promozione il legislatore deve osservare le prescrizioni del cpv. 2. I nuovi programmi di promozione dovrebbero prevedere meccanismi per la garanzia della qualità (p. es. valutazione esterna) e per il coordinamento con i programmi esistenti. La prassi mostra che programmi ben coordinati presentano tassi di successo più elevati.\n\n**N. 24** Per le scuole universitarie e gli istituti di ricerca cantonali è rilevante che l'art. 64 Cost. fondi una competenza globale della Confederazione. Diversamente dal settore delle scuole universitarie (→ art. 63a Cost.) non esiste alcun obbligo costituzionale di collaborazione con i Cantoni. Nella prassi la promozione della ricerca avviene però in dialogo con i sostenitori cantonali delle scuole universitarie.\n\n**N. 25** Le imprese che promuovono l'innovazione dovrebbero osservare che i progetti Innosuisse devono presentare una quota sostanziale di ricerca. I meri progetti di sviluppo senza carattere di ricerca non rientrano nell'art. 64 Cost. e quindi non possono essere promossi tramite Innosuisse. La delimitazione dalla promozione economica regolare è spesso impegnativa e dovrebbe essere chiarita tempestivamente con gli organi di promozione.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza relativa all'art. 64 Cost.\n\n## Osservazione preliminare\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 64 Cost. è estremamente scarsa. Il Tribunale federale si è finora occupato solo sporadicamente della disposizione costituzionale sulla promozione della ricerca e dell'innovazione, poiché la maggior parte delle controversie in questo ambito si situa a livello di diritto amministrativo presso disposizioni di leggi speciali o presso atti amministrativi degli enti di promozione (FNS, Innosuisse).\n\n## Enti di promozione e diritto delle assicurazioni sociali\n\n**DTF 133 V 297 consid. 4** del 2 maggio 2007\n\nIl Tribunale federale ha qualificato i contributi del Fondo nazionale svizzero per la promozione della ricerca scientifica come prestazioni non soggette a contributi nel diritto delle assicurazioni sociali. La decisione mostra l'attuazione pratica della promozione della ricerca attraverso il FNS come ente centrale di promozione della Confederazione, senza tuttavia approfondire i fondamenti costituzionali secondo l'art. 64 Cost.\n\n> «I contributi del Fondo nazionale versati ai ricercatori, che siano denominati borse di studio o contributi di ricerca e che vi sia o meno incluso un contributo personale al sostentamento, non costituiscono un reddito da attività lucrativa soggetto a contributi.»\n\n## Giurisprudenza di diritto amministrativo\n\nL'altra giurisprudenza relativa alla ricerca e all'innovazione si limita a decisioni di diritto amministrativo del Tribunale amministrativo federale concernenti decisioni individuali degli enti di promozione:\n\n**Decisioni del Tribunale amministrativo federale sul FNS**: Numerose sentenze del TAF (tra le altre B-18/2006, B-4569/2009, B-695/2017) trattano ricorsi contro decisioni di promozione del Fondo nazionale svizzero, senza tuttavia sollevare questioni costituzionali fondamentali secondo l'art. 64 Cost.\n\n**Decisioni su Innosuisse**: Diverse sentenze (tra le altre B-4357/2022, B-4982/2024) concernono ricorsi contro decisioni di promozione dell'innovazione dell'Agenzia svizzera per la promozione dell'innovazione, ma si concentrano su questioni procedurali di diritto amministrativo.\n\n## Delimitazione rispetto alla libertà della scienza e dell'insegnamento\n\nLa discussione costituzionale sull'attività scientifica ha luogo principalmente presso l'art. 20 Cost. (libertà della scienza). L'art. 64 Cost. come norma di competenza per la promozione della ricerca e dell'innovazione non è stato finora interpretato fondamentalmente dal Tribunale federale, poiché le corrispondenti controversie giungono raramente davanti al tribunale supremo.\n\n## Conclusione\n\nLa scarsa giurisprudenza relativa all'art. 64 Cost. rispecchia il carattere di questa disposizione costituzionale come norma di competenza programmatica. L'attuazione pratica della promozione della ricerca e dell'innovazione avviene attraverso leggi speciali e la loro esecuzione da parte dei corrispondenti organi e istituti federali, laddove le controversie si muovono per lo più a livello di diritto amministrativo e sollevano solo eccezionalmente questioni costituzionali fondamentali.", "summary_en": "# Overview of Art. 64 Federal Constitution\n\nArt. 64 Federal Constitution gives the Confederation the competence to promote scientific research and innovation. This provision enables the Confederation to finance research projects, set quality standards and operate its own research institutes.\n\n**What does the norm regulate?** The Confederation may promote research and innovation through financial support (para. 1). It may impose conditions, particularly for quality assurance and coordination (para. 2). It may also establish or take over its own research institutions (para. 3). The Research and Innovation Promotion Act (RIPA) implements this constitutional provision.\n\n**Who is affected?** Researchers at universities, universities of applied sciences and private institutes may apply for funding. Companies benefit from innovation promotion through Innosuisse. Citizens benefit indirectly from scientific knowledge and technical innovations.\n\n**What are the legal consequences?** The Swiss National Science Foundation (SNSF) distributes over 900 million francs annually for research projects according to Art. 4 RIPA. Innosuisse promotes knowledge transfer between higher education institutions and industry. However, individuals have no legal entitlement to funding, as confirmed by the Federal Supreme Court (BGE 133 V 297 consid. 4).\n\n**Example**: A biologist applies to the SNSF for 200,000 francs for a cancer study. A peer-review process examines the scientific quality. Upon positive assessment, he receives funding for three years.\n\n**Point of controversy**: In legal doctrine, it is disputed whether «scientific» refers only to methodological standards (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39) or represents a quality criterion (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).", "doctrine_en": "# Doctrine on Art. 64 Federal Constitution\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** The current version of Art. 64 Federal Constitution dates back to the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision continued the previous research funding competence of the Confederation (Art. 27sexies old Federal Constitution of 1973) and explicitly extended it to include innovation promotion. The Federal Council Message of 20 November 1996 stated that the constitutional provision «grants the Confederation comprehensive competence to promote scientific research» (Federal Gazette 1997 I 1, 241). The constitutional legislator thereby sought to constitutionally secure the existing practice of federal research funding while simultaneously paving the way for enhanced innovation promotion.\n\n**N. 2** The explicit inclusion of «innovation» alongside «scientific research» in para. 1 was a deliberate expansion. While the old constitution only spoke of «scientific research», the constitutional legislator in 1999 recognised the growing importance of knowledge and technology transfer for economic development (Federal Gazette 1997 I 241). This expansion later enabled the creation of the Commission for Technology and Innovation (CTI) and its successor organisation Innosuisse.\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 64 Federal Constitution is systematically classified in Section 3 «Education, Research and Culture» of Chapter 3 of the Federal Constitution. The provision is closely connected with → Art. 20 Federal Constitution (academic freedom), which regulates the fundamental rights dimension of research. While Art. 20 Federal Constitution protects the defensive rights of researchers, Art. 64 Federal Constitution establishes the performance obligations of the state (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 2).\n\n**N. 4** The research funding competence complements the educational competences of the Confederation (→ Art. 63 Federal Constitution for vocational education and training, → Art. 63a Federal Constitution for higher education institutions). Unlike higher education institutions, where the Confederation and cantons share responsibility, Art. 64 Federal Constitution grants the Confederation comprehensive competence for research funding. This extends to all fields of science and is not limited to federal higher education institutions (Hänni, BSK BV, Art. 64 N. 4).\n\n**N. 5** In the context of the economic constitution, Art. 64 Federal Constitution forms an important basis for state innovation promotion. The provision must be distinguished from → Art. 94 Federal Constitution (principles of the economic order), whereby innovation promotion is to be regarded as a specific, constitutionally legitimate form of economic promotion.\n\n## Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Scientific Research (Para. 1)\n\n**N. 6** The term «scientific research» is to be understood broadly. According to prevailing doctrine, it encompasses both basic research and applied research in all scientific disciplines (König, Grundlagen der staatlichen Forschungsförderung, 2007, p. 45). The adjective «scientific» is disputed: while Borghi understands it only as a reference to objective-methodological aspects (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39), Gruber sees it as a quality concept (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42).\n\n**N. 7** According to the Confederation's practice, research funding encompasses both institutional funding (financing of research institutions) and project-based funding (financing of individual research projects). The Swiss National Science Foundation (SNSF) and the Swiss Academies of Arts and Sciences are the main providers of research funding (Art. 4 RIPA).\n\n### Innovation (Para. 1)\n\n**N. 8** The innovation concept was deliberately formulated openly. According to the Federal Council Message, it encompasses «the implementation of new scientific findings into marketable products and services» (Federal Gazette 1997 I 241). Innovation promotion by Innosuisse focuses on knowledge and technology transfer between higher education institutions and the economy (Art. 3 SERI Act).\n\n**N. 9** Innovation promotion must have a connection to scientific research. Pure economic promotion without research connection does not fall under Art. 64 Federal Constitution, but possibly under other constitutional bases such as → Art. 103 Federal Constitution (structural policy). This distinction is often difficult in practice and has been the subject of various parliamentary initiatives.\n\n### Obligation to Promote (Para. 1)\n\n**N. 10** The term «promotes» establishes a state objective with programmatic character. Unlike subjective fundamental rights, Art. 64 para. 1 Federal Constitution does not grant an individual claim to research funding (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 485). The Confederation has considerable discretion in designing the promotion.\n\n**N. 11** The obligation to promote is a permanent task of the Confederation. It can be fulfilled through direct federal promotion or through delegation to public law institutions such as the SNSF. The Confederation's annual research expenditure amounts to several billion francs and is determined in the multi-annual Federal Council Message on the Promotion of Education, Research and Innovation (ERI Message).\n\n### Quality Assurance and Coordination (Para. 2)\n\n**N. 12** Para. 2 empowers the Confederation to make promotion conditional. «Quality assurance» refers primarily to the scientific quality of funded research. In practice, this is ensured through peer review procedures and evaluations (Art. 51 RIPA).\n\n**N. 13** «Coordination» aims at efficient use of research funds and avoiding duplication. The Confederation can set priorities and promote cooperation between research institutions. The Swiss Conference of Higher Education Institutions plays an important role in this regard (Art. 6 HEdA).\n\n### Research Institutions (Para. 3)\n\n**N. 14** Para. 3 gives the Confederation three options for action: it can «establish», «take over» or «operate» research institutions. This competence has been used for the ETH Domain institutions (Paul Scherrer Institute, WSL, Empa, Eawag) as well as for other federal research institutions.\n\n**N. 15** The competence is optional («may»). The Confederation is not obliged to operate its own research institutions, but can also support research exclusively through third-party funding. In practice, the Confederation combines both funding instruments.\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 16** Art. 64 Federal Constitution establishes comprehensive federal competence that encompasses both legislation and implementation. The most important implementing acts are the Federal Act on the Promotion of Research and Innovation (RIPA), the Federal Institutes of Technology Act and the SERI Act.\n\n**N. 17** Art. 64 Federal Constitution does not create a direct financial obligation in a specific amount. The determination of research funds is the responsibility of Parliament in the framework of the budget process and the ERI Messages. The Federal Supreme Court has repeatedly held that there is no individual claim to research funding (BGE 133 V 297 consid. 4).\n\n**N. 18** The delegation of research funding to public law institutions such as the SNSF is permissible, provided the principles of equality before the law and proportionality are maintained. Funding decisions are subject to administrative court review, whereby wide scope is given to scientific discretion.\n\n## Points of Contention\n\n**N. 19** **Scope of the concept of scientificity**: In doctrine, it is disputed how narrowly the term «scientific» in para. 1 is to be understood. Borghi advocates a broad interpretation and sees it merely as a reference to objective-methodological standards (Borghi, BSK BV, Art. 64 N. 39). Gruber, on the other hand, interprets «scientific» as a quality criterion that excludes dubious research from funding (Gruber, BSK BV, Art. 64 N. 42). König takes a mediating position and emphasises that all recognised scientific methods are covered (König, Grundlagen, 2007, p. 47).\n\n**N. 20** **Relationship between research and innovation promotion**: The tension between purpose-free basic research and application-oriented innovation is controversially discussed. While one view emphasises the equal status of both promotional aspects, others see in the increasing innovation orientation a problematic economisation of science. Schmid warns against excessive instrumentalisation of research for economic purposes (Schmid, Wissenschaft und Forschung, 2011, p. 488).\n\n**N. 21** **Limits of quality assurance**: It is disputed how far quality assurance according to para. 2 may go without violating academic freedom (→ Art. 20 Federal Constitution). Prevailing doctrine considers peer review procedures permissible as long as they are designed transparently and fairly. Critical voices warn of a «mainstream bias» in research funding.\n\n## Practical Guidelines\n\n**N. 22** For researchers, it is crucial that Art. 64 Federal Constitution does not establish an individual legal claim to funding. Negative funding decisions can only be reviewed for legal violations, not for the scientific assessment. The Federal Administrative Court exercises great restraint when reviewing scientific evaluations.\n\n**N. 23** When designing funding instruments, the legislator must observe the requirements of para. 2. New funding programmes should provide for mechanisms for quality assurance (e.g. external review) and coordination with existing programmes. Practice shows that well-coordinated programmes have higher success rates.\n\n**N. 24** For cantonal higher education institutions and research institutions, it is relevant that Art. 64 Federal Constitution establishes comprehensive federal competence. Unlike in the higher education sector (→ Art. 63a Federal Constitution), there is no constitutional obligation to cooperate with the cantons. In practice, however, research funding takes place in dialogue with the cantonal higher education providers.\n\n**N. 25** Companies promoting innovation should note that Innosuisse projects must have a substantial research component. Pure development projects without research character do not fall under Art. 64 Federal Constitution and therefore cannot be funded through Innosuisse. The distinction from regular economic promotion is often challenging and should be clarified early with the funding agencies.", "caselaw_en": "# Case Law on Art. 64 Cst.\n\n## Preliminary Remark\n\nThe case law on Art. 64 Cst. is extremely sparse. The Federal Supreme Court has only rarely dealt with the constitutional provision on the promotion of research and innovation, as most disputes in this area are settled at the administrative law level concerning specific statutory provisions or administrative acts of funding organisations (SNSF, Innosuisse).\n\n## Funding Organisations and Social Insurance Law\n\n**BGE 133 V 297 E. 4** of 2 May 2007\n\nThe Federal Supreme Court qualified grants from the Swiss National Science Foundation for the promotion of scientific research as non-contributory benefits under social insurance law. The decision shows the practical implementation of research funding by the SNSF as the Confederation's central funding organisation, without however examining in depth the constitutional foundations under Art. 64 Cst.\n\n> «The grants paid to researchers by the National Foundation, whether they are designated as scholarships or research contributions and whether or not they include a personal contribution to living expenses, do not constitute contributory earned income.»\n\n## Administrative Case Law\n\nThe remaining case law on research and innovation is limited to administrative decisions of the Federal Administrative Court concerning individual decisions by funding organisations:\n\n**Decisions of the Federal Administrative Court on the SNSF**: Numerous judgments of the FAC (inter alia B-18/2006, B-4569/2009, B-695/2017) deal with appeals against funding decisions by the Swiss National Science Foundation, without however raising fundamental constitutional questions under Art. 64 Cst.\n\n**Decisions on Innosuisse**: Several judgments (inter alia B-4357/2022, B-4982/2024) concern appeals against innovation funding decisions by the Swiss Agency for Innovation Promotion, but focus on administrative procedural questions.\n\n## Distinction from Academic Freedom and Freedom of Teaching\n\nThe constitutional discussion on scientific activity takes place primarily under Art. 20 Cst. (academic freedom). Art. 64 Cst. as a competence norm for the promotion of research and innovation has not yet been fundamentally interpreted by the Federal Supreme Court, as corresponding disputes rarely reach the highest court.\n\n## Conclusion\n\nThe sparse case law on Art. 64 Cst. reflects the character of this constitutional provision as a programmatic competence norm. The practical implementation of research and innovation promotion takes place through special legislation and its enforcement by the corresponding federal bodies and institutions, whereby disputes usually move at the administrative law level and only exceptionally raise fundamental constitutional questions.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_64", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 64, "article_suffix": "a", "title": "Weiterbildung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 64a BV — Weiterbildung\n\n## Übersicht\n\nArt. 64a BV gibt dem Bund die Berechtigung, die Weiterbildung zu fördern. Diese Verfassungsbestimmung wurde 2006 eingefügt, weil die alten Kompetenzen des Bundes nicht ausreichten (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). Weiterbildung bedeutet das Lernen nach der obligatorischen Schule, der Berufsbildung oder dem Studium.\n\nDer Bundesrat muss Grundregeln für die Weiterbildung festlegen. Er hat fünf wichtige Grundsätze bestimmt (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11): Jeder ist selbst verantwortlich für seine Weiterbildung, die Qualität muss stimmen, verschiedene Bildungswege sollen durchlässig sein (man kann von einem zum anderen wechseln), Bildungsleistungen sollen angerechnet werden und alle sollen gleiche Chancen haben.\n\nDer Bund kann die Weiterbildung finanziell unterstützen, muss es aber nicht. Das Weiterbildungsgesetz von 2014 (SR 419.1) regelt, in welchen Bereichen der Bund hilft: bei Grundkompetenzen für Erwachsene (wie Lesen und Rechnen), bei beruflicher Weiterbildung und bei der Ausbildung von Weiterbildungslehrpersonen (BBl 2013 3729, 3745).\n\n**Beispiel:** Eine Pflegerin möchte lernen, wie man Spritzen gibt. Der Bund kann einen Teil der Kurskosten übernehmen, wenn der Kurs die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Die Pflegerin hat aber keinen rechtlichen Anspruch darauf.\n\nHauptsächlich sind die Personen selbst und die Arbeitgeber für die Weiterbildung zuständig. Der Bund hilft nur ergänzend (Subsidiaritätsprinzip). Die Kantone können eigene Weiterbildungsprogramme anbieten, müssen aber die Bundesregeln beachten.\n\nArt. 64a BV schafft keine Rechte für einzelne Personen. Man kann nicht vor Gericht gehen und Weiterbildung oder Geld dafür verlangen. Die Bestimmung gibt dem Bund nur die Erlaubnis, in diesem Bereich tätig zu werden.", "doctrine_de": "# Art. 64a BV — Weiterbildung\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 64a BV wurde im Rahmen der Bildungsverfassung vom 21. Mai 2006 in die Bundesverfassung eingefügt (BBl 2005 7273). Wie die WBK-NR in ihrem Bericht festhält, wurden die bestehenden bruchstückhaften Kompetenzen als nicht mehr ausreichend angesehen (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). Der Verfassungsgeber wollte einheitliche Förderkompetenzen für alle Bereiche der Weiterbildung festlegen.\n\n**N. 2** Die Bestimmung ersetzt Art. 34 Abs. 1 lit. g aBV, der dem Bund lediglich eine punktuelle Kompetenz im Bereich der beruflichen Weiterbildung einräumte. Die neue Verfassungsbestimmung sollte dem Bund eine umfassende, bereichsübergreifende Kompetenz zur Förderung der Weiterbildung verleihen (BBl 2013 3729, 3732).\n\n**N. 3** Das Weiterbildungsgesetz (WeBiG) vom 20. Juni 2014 konkretisiert die verfassungsrechtlichen Vorgaben. Die Botschaft zum WeBiG vom 15. Mai 2013 präzisiert, dass der Bund keine umfassende Regelungskompetenz erhält, sondern primär koordinierend und subsidiär fördernd tätig werden soll (BBl 2013 3729, 3740).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 64a BV ist Teil des 3. Abschnitts der Bundesverfassung über «Bildung, Forschung und Kultur». Die Bestimmung steht in systematischem Zusammenhang mit dem Bildungsrahmenartikel (→ Art. 61a BV), der Berufsbildung (→ Art. 63 BV) und der Hochschulbildung (→ Art. 63a BV).\n\n**N. 5** Die Weiterbildung bildet nach dem schweizerischen Bildungsverständnis den quartären Bildungsbereich, der auf der Primar- und Sekundarstufe I (obligatorische Schule), der Sekundarstufe II (Berufsbildung und Mittelschulen) sowie der Tertiärstufe (Hochschulen und höhere Berufsbildung) aufbaut (SKBF, Bildungsbericht Schweiz 2014, S. 245).\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu den kantonalen Bildungskompetenzen gilt das Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 3 BV). Die primäre Verantwortung für die Weiterbildung liegt bei den Individuen und der Privatwirtschaft. Bund und Kantone nehmen eine subsidiäre Rolle ein (Ehrenzeller, SG Komm. BV, Art. 64a N. 4).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Grundsätze über die Weiterbildung (Abs. 1):** Der Bundesrat hat gemäss seiner Stellungnahme zum Bericht WBK-NR die Pflicht zur Festlegung von Grundsätzen in Form von fünf Prinzipien konkretisiert (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11): Verantwortung, Qualität, Durchlässigkeit, Anrechenbarkeit von Bildungsleistungen und Chancengleichheit.\n\n**N. 8** **Weiterbildungsbegriff:** Der Begriff umfasst die «nicht-formale Bildung» (strukturierte Bildung ausserhalb der formalen Bildung) und das «informelle Lernen» (nicht-strukturiertes Lernen im Alltag). Die formale Bildung der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe fällt nicht unter Art. 64a BV, sondern unter → Art. 63 BV und → Art. 63a BV (Biaggini, Komm. BV, Art. 64a N. 3).\n\n**N. 9** **Förderung (Abs. 2):** Die Kann-Bestimmung räumt dem Bund eine fakultative Förderkompetenz ein. Diese umfasst finanzielle Beiträge, aber auch nicht-monetäre Massnahmen wie Koordination, Information und Qualitätssicherung (BBl 2013 3729, 3745).\n\n**N. 10** **Bereiche und Kriterien (Abs. 3):** Das Gesetz muss die förderbaren Bereiche und die Förderkriterien festlegen. Das WeBiG definiert in Art. 5 die Förderbereiche (Grundkompetenzen Erwachsener, berufsorientierten Weiterbildung, Weiterbildung der Weiterbildenden) und in Art. 6 die Förderkriterien.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 64a BV begründet als Kompetenznorm keine subjektiven Rechte auf Weiterbildung oder Weiterbildungsförderung. Die Bestimmung hat programmatischen Charakter und bedarf der Konkretisierung durch die Gesetzgebung (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 16).\n\n**N. 12** Die Grundsatzgesetzgebungskompetenz (Abs. 1) verpflichtet den Bund, Rahmenbestimmungen zu erlassen. Diese Pflicht wurde mit dem WeBiG erfüllt. Die Förderkompetenz (Abs. 2) ist hingegen fakultativ ausgestaltet.\n\n**N. 13** Für die Kantone ergibt sich aus Art. 64a BV keine unmittelbare Verpflichtung. Sie bleiben im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Weiterbildung verantwortlich, müssen aber die bundesrechtlichen Grundsätze beachten (→ Art. 49 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Reichweite der Bundeskompetenz:** Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 64a N. 7) vertritt eine weite Auslegung der Förderkompetenz, die auch strukturelle Massnahmen umfasst. Biaggini (Komm. BV, Art. 64a N. 5) plädiert für eine restriktivere Interpretation, die sich auf finanzielle Förderung und Koordination beschränkt.\n\n**N. 15** **Abgrenzung zur formalen Bildung:** Die Doktrin ist sich uneinig über die Abgrenzung zwischen Weiterbildung nach Art. 64a BV und nachholender formaler Bildung. Hänni (BSK BV, Art. 64a N. 8) will die berufsbegleitenden Fachhochschulstudiengänge unter Art. 64a BV subsumieren, während die herrschende Lehre diese → Art. 63a BV zuordnet.\n\n**N. 16** **Verhältnis zu spezialgesetzlichen Weiterbildungsbestimmungen:** Strittig ist, ob Art. 64a BV eine umfassende Querschnittskompetenz begründet oder ob spezialgesetzliche Weiterbildungsbestimmungen (z.B. im Berufsbildungsrecht, Arbeitslosenversicherungsrecht) ihre eigenständige verfassungsrechtliche Grundlage behalten.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Fördergesuche:** Weiterbildungsförderung nach WeBiG setzt voraus, dass es sich um organisierte Bildung handelt, die nicht zu einem eidgenössischen oder kantonal geregelten Abschluss führt. Gesuchsteller müssen die Förderbereiche und -kriterien nach Art. 5 und 6 WeBiG beachten.\n\n**N. 18** **Qualitätssicherung:** Anbieter von geförderten Weiterbildungen müssen ein Qualitätssicherungssystem nachweisen (Art. 7 WeBiG). Die Anforderungen sind in der Verordnung über die Weiterbildung (WeBiV) konkretisiert.\n\n**N. 19** **Koordination:** Bei Weiterbildungsvorhaben mit kantonalem Bezug empfiehlt sich eine frühzeitige Abstimmung mit den kantonalen Bildungsbehörden. Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) koordiniert die interkantonale Zusammenarbeit.\n\n**N. 20** **Verhältnis zu EU-Programmen:** Schweizer Weiterbildungsanbieter können unter bestimmten Voraussetzungen an EU-Bildungsprogrammen teilnehmen. Die Teilnahmebedingungen hängen vom jeweiligen Stand der bilateralen Beziehungen ab.", "caselaw_de": "# Art. 64a BV — Weiterbildung\n\n## Rechtsprechung\n\n### Fehlende Rechtsprechung zu Art. 64a BV\n\nZu Art. 64a BV liegt keine Rechtsprechung des Bundesgerichts oder anderer oberster kantonaler Gerichte vor. Dies erklärt sich aus dem programmatischen Charakter der Bestimmung, die den Bund lediglich zur Förderung der Weiterbildung ermächtigt, ohne subjektive Rechte zu begründen oder spezifische Rechtspflichten zu normieren.\n\nDie wenigen gerichtlichen Entscheide, die sich mit Weiterbildungsfragen befassen, stützen sich auf spezialgesetzliche Bestimmungen des Berufsbildungsrechts, des Arbeitslosenversicherungsrechts oder kantonaler Stipendiengesetze, nicht aber unmittelbar auf Art. 64a BV.\n\n### Relevante Rechtsprechung aus verwandten Bereichen\n\n#### Berufsbildung und Weiterbildung im Sozialversicherungsrecht\n\n**BGE 122 V 43** vom 31. Dezember 1995\nWeiterbildungsmassnahmen im Rahmen der Arbeitslosenversicherung.\nRelevanz: Das Bundesgericht präzisiert die Abgrenzung zwischen arbeitslosenversicherungsrechtlicher Weiterbildung und privater Weiterbildungsinitiative.\n\n> «Hat ein Versicherter zwecks Weiterbildung ein Arbeitsverhältnis aufgelöst, ohne dass ihm eine neue Stelle zugesichert war, ist die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Lichte von Art. 44 lit. b und c AVIV zu beurteilen.»\n\n**BGE 111 V 271** vom 11. September 1985\nAbgrenzung zwischen arbeitslosenversicherungsrechtlicher Weiterbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung.\nRelevanz: Grundsatzentscheid zur Unterscheidung zwischen öffentlich unterstützter und privater Weiterbildung.\n\n> «Die arbeitslosenversicherungsrechtliche Umschulung und Weiterbildung ist von der Grund- und allgemeinen beruflichen Weiterausbildung abzugrenzen.»\n\n#### Weiterbildungskosten als steuerlich abzugsfähige Ausgaben\n\n**BGE 113 Ib 114** vom 20. Februar 1987\nSteuerliche Behandlung von Weiterbildungskosten.\nRelevanz: Das Bundesgericht definiert den Begriff der «für die Berufsausübung erforderlichen Weiterbildung».\n\n> «Der Begriff der für die Berufsausübung erforderlichen Weiterbildung ist restriktiv auszulegen und umfasst nur jene Kosten, die zur Erhaltung oder Verbesserung der berufsspezifischen Kenntnisse notwendig sind.»\n\n### Fazit\n\nArt. 64a BV ist als Kompetenznorm ausgestaltet, die dem Bund die Förderung der Weiterbildung ermöglicht, ohne individuelle Ansprüche zu begründen. Die fehlende Rechtsprechung zu dieser Bestimmung widerspiegelt ihren programmatischen Charakter und die Tatsache, dass Weiterbildungsfragen primär über spezialgesetzliche Regelungen und nicht über die Verfassung entschieden werden.", "summary_fr": "# Art. 64a Cst. — Formation continue\n\n## Aperçu\n\nL'art. 64a Cst. donne à la Confédération le droit d'encourager la formation continue. Cette disposition constitutionnelle a été introduite en 2006, car les anciennes compétences de la Confédération ne suffisaient pas (Hänni, BSK BV, Art. 64a ch. 2-3). La formation continue désigne l'apprentissage après l'école obligatoire, la formation professionnelle ou les études.\n\nLe Conseil fédéral doit fixer les principes de base pour la formation continue. Il a déterminé cinq principes importants (Hänni, BSK BV, Art. 64a ch. 11) : chacun est responsable de sa propre formation continue, la qualité doit être assurée, les différentes voies de formation doivent être perméables (on peut passer de l'une à l'autre), les prestations de formation doivent être reconnues et tous doivent avoir des chances égales.\n\nLa Confédération peut soutenir financièrement la formation continue, mais elle n'y est pas obligée. La loi sur la formation continue de 2014 (RS 419.1) règle les domaines dans lesquels la Confédération aide : pour les compétences de base des adultes (comme lire et calculer), pour la formation continue professionnelle et pour la formation des enseignants en formation continue (FF 2013 3549, 3565).\n\n**Exemple :** Une infirmière souhaite apprendre à faire des injections. La Confédération peut prendre en charge une partie des coûts du cours, si le cours remplit les conditions légales. L'infirmière n'a toutefois aucun droit juridique à cela.\n\nCe sont principalement les personnes elles-mêmes et les employeurs qui sont responsables de la formation continue. La Confédération n'aide qu'à titre subsidiaire (principe de subsidiarité). Les cantons peuvent offrir leurs propres programmes de formation continue, mais doivent respecter les règles fédérales.\n\nL'art. 64a Cst. ne crée aucun droit pour les particuliers. On ne peut pas aller devant un tribunal et exiger une formation continue ou de l'argent pour cela. La disposition ne fait que donner à la Confédération l'autorisation d'être active dans ce domaine.", "doctrine_fr": "# Art. 64a Cst. — Formation continue\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 64a Cst. a été inséré dans la Constitution fédérale dans le cadre de la constitution sur la formation du 21 mai 2006 (FF 2005 6787). Comme le relève la CSEC-CN dans son rapport, les compétences fragmentaires existantes étaient considérées comme insuffisantes (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). Le constituant a voulu établir des compétences d'encouragement uniformes pour tous les domaines de la formation continue.\n\n**N. 2** La disposition remplace l'art. 34 al. 1 let. g aCst., qui ne conférait à la Confédération qu'une compétence ponctuelle dans le domaine de la formation continue professionnelle. La nouvelle disposition constitutionnelle devait conférer à la Confédération une compétence globale et transversale pour encourager la formation continue (FF 2013 3397, 3400).\n\n**N. 3** La loi sur la formation continue (LFCo) du 20 juin 2014 concrétise les exigences constitutionnelles. Le message relatif à la LFCo du 15 mai 2013 précise que la Confédération n'obtient pas une compétence de réglementation globale, mais qu'elle doit agir principalement en coordonnant et de manière subsidiaire en encourageant (FF 2013 3397, 3408).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 64a Cst. fait partie de la 3e section de la Constitution fédérale sur « Formation, recherche et culture ». La disposition est en relation systématique avec l'article-cadre sur la formation (→ Art. 61a Cst.), la formation professionnelle (→ Art. 63 Cst.) et la formation dans les hautes écoles (→ Art. 63a Cst.).\n\n**N. 5** Selon la conception suisse de la formation, la formation continue constitue le domaine de formation quaternaire, qui s'appuie sur le degré primaire et le degré secondaire I (école obligatoire), le degré secondaire II (formation professionnelle et écoles de culture générale) ainsi que le degré tertiaire (hautes écoles et formation professionnelle supérieure) (CSRE, Rapport sur l'éducation en Suisse 2014, p. 245).\n\n**N. 6** Dans le rapport avec les compétences cantonales en matière de formation, le principe de subsidiarité s'applique (→ Art. 3 Cst.). La responsabilité primaire de la formation continue incombe aux individus et à l'économie privée. La Confédération et les cantons assument un rôle subsidiaire (Ehrenzeller, SG Komm. BV, Art. 64a N. 4).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** **Principes concernant la formation continue (al. 1) :** Selon sa prise de position sur le rapport CSEC-CN, le Conseil fédéral a concrétisé l'obligation de fixer des principes sous la forme de cinq principes (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11) : responsabilité, qualité, perméabilité, reconnaissance des acquis de formation et égalité des chances.\n\n**N. 8** **Notion de formation continue :** La notion englobe la « formation non formelle » (formation structurée en dehors de la formation formelle) et l'« apprentissage informel » (apprentissage non structuré au quotidien). La formation formelle du degré secondaire II et du degré tertiaire ne relève pas de l'art. 64a Cst., mais de → l'art. 63 Cst. et → l'art. 63a Cst. (Biaggini, Komm. BV, Art. 64a N. 3).\n\n**N. 9** **Encouragement (al. 2) :** La disposition de « peut » confère à la Confédération une compétence d'encouragement facultative. Celle-ci comprend les contributions financières, mais aussi les mesures non monétaires comme la coordination, l'information et l'assurance qualité (FF 2013 3397, 3413).\n\n**N. 10** **Domaines et critères (al. 3) :** La loi doit fixer les domaines susceptibles d'encouragement et les critères d'encouragement. La LFCo définit à l'art. 5 les domaines d'encouragement (compétences de base des adultes, formation continue à orientation professionnelle, formation continue des formateurs en formation continue) et à l'art. 6 les critères d'encouragement.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** En tant que norme de compétence, l'art. 64a Cst. ne fonde aucun droit subjectif à la formation continue ou à l'encouragement de la formation continue. La disposition a un caractère programmatique et nécessite d'être concrétisée par la législation (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 16).\n\n**N. 12** La compétence de légiférer sur les principes (al. 1) oblige la Confédération à édicter des dispositions-cadres. Cette obligation a été remplie avec la LFCo. La compétence d'encouragement (al. 2) est en revanche conçue de manière facultative.\n\n**N. 13** L'art. 64a Cst. ne crée aucune obligation directe pour les cantons. Ils demeurent responsables de la formation continue dans le cadre de leurs compétences, mais doivent respecter les principes du droit fédéral (→ Art. 49 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Portée de la compétence fédérale :** Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 64a N. 7) défend une interprétation large de la compétence d'encouragement, qui englobe aussi les mesures structurelles. Biaggini (Komm. BV, Art. 64a N. 5) plaide pour une interprétation plus restrictive, qui se limite à l'encouragement financier et à la coordination.\n\n**N. 15** **Délimitation par rapport à la formation formelle :** La doctrine est divisée sur la délimitation entre formation continue selon l'art. 64a Cst. et formation formelle de rattrapage. Hänni (BSK BV, Art. 64a N. 8) veut subsumer les filières d'études en hautes écoles spécialisées en emploi sous l'art. 64a Cst., tandis que la doctrine dominante les rattache à → l'art. 63a Cst.\n\n**N. 16** **Rapport avec les dispositions spéciales sur la formation continue :** Il est controversé de savoir si l'art. 64a Cst. fonde une compétence transversale globale ou si les dispositions spéciales sur la formation continue (p. ex. dans le droit de la formation professionnelle, le droit de l'assurance-chômage) conservent leur fondement constitutionnel autonome.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** **Demandes d'encouragement :** L'encouragement de la formation continue selon la LFCo présuppose qu'il s'agisse de formation organisée qui ne mène pas à un diplôme fédéral ou réglementé par les cantons. Les requérants doivent respecter les domaines et critères d'encouragement selon les art. 5 et 6 LFCo.\n\n**N. 18** **Assurance qualité :** Les prestataires de formations continues encouragées doivent prouver qu'ils disposent d'un système d'assurance qualité (art. 7 LFCo). Les exigences sont concrétisées dans l'ordonnance sur la formation continue (OFCo).\n\n**N. 19** **Coordination :** Pour les projets de formation continue ayant un lien cantonal, il est recommandé de procéder à une coordination précoce avec les autorités cantonales de formation. La Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique (CDIP) coordonne la coopération intercantonale.\n\n**N. 20** **Rapport avec les programmes de l'UE :** Les prestataires suisses de formation continue peuvent participer aux programmes de formation de l'UE sous certaines conditions. Les conditions de participation dépendent de l'état respectif des relations bilatérales.", "caselaw_fr": "# Art. 64a Cst. — Formation continue\n\n## Jurisprudence\n\n### Absence de jurisprudence sur l'art. 64a Cst.\n\nIl n'existe aucune jurisprudence du Tribunal fédéral ou d'autres juridictions cantonales suprêmes sur l'art. 64a Cst. Cela s'explique par le caractère programmatique de cette disposition, qui se contente d'habiliter la Confédération à encourager la formation continue, sans fonder de droits subjectifs ni édicter d'obligations juridiques spécifiques.\n\nLes rares décisions judiciaires qui traitent de questions de formation continue se fondent sur des dispositions légales spéciales du droit de la formation professionnelle, du droit de l'assurance-chômage ou des lois cantonales sur les bourses d'études, mais pas directement sur l'art. 64a Cst.\n\n### Jurisprudence pertinente de domaines apparentés\n\n#### Formation professionnelle et formation continue dans le droit des assurances sociales\n\n**ATF 122 V 43** du 31 décembre 1995\nMesures de formation continue dans le cadre de l'assurance-chômage.\nPertinence : Le Tribunal fédéral précise la délimitation entre la formation continue relevant du droit de l'assurance-chômage et l'initiative privée de formation continue.\n\n> « Lorsqu'un assuré a résilié un rapport de travail en vue d'une formation continue sans qu'un nouvel emploi lui soit assuré, la question de la suspension du droit aux prestations pour chômage causé par sa faute doit être appréciée à la lumière de l'art. 44 let. b et c OACI. »\n\n**ATF 111 V 271** du 11 septembre 1985\nDélimitation entre la formation continue relevant du droit de l'assurance-chômage et la formation continue professionnelle générale.\nPertinence : Décision de principe sur la distinction entre formation continue soutenue par les pouvoirs publics et formation continue privée.\n\n> « La reconversion et la formation continue relevant du droit de l'assurance-chômage doivent être délimitées de la formation de base et de la formation continue professionnelle générale. »\n\n#### Coûts de formation continue comme dépenses déductibles fiscalement\n\n**ATF 113 Ib 114** du 20 février 1987\nTraitement fiscal des coûts de formation continue.\nPertinence : Le Tribunal fédéral définit la notion de « formation continue nécessaire à l'exercice de la profession ».\n\n> « La notion de formation continue nécessaire à l'exercice de la profession doit être interprétée restrictivement et ne comprend que les coûts qui sont nécessaires au maintien ou à l'amélioration des connaissances spécifiques à la profession. »\n\n### Conclusion\n\nL'art. 64a Cst. est conçu comme une norme de compétence qui permet à la Confédération d'encourager la formation continue, sans fonder de prétentions individuelles. L'absence de jurisprudence sur cette disposition reflète son caractère programmatique et le fait que les questions de formation continue sont tranchées principalement par des réglementations légales spéciales et non par la Constitution.", "summary_it": "# Art. 64a Cost. — Formazione continua\n\n## Panoramica\n\nL'art. 64a Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di promuovere la formazione continua. Questa disposizione costituzionale è stata introdotta nel 2006, poiché le precedenti competenze della Confederazione non erano sufficienti (Hänni, BSK BV, Art. 64a n. 2-3). Per formazione continua si intende l'apprendimento dopo la scuola obbligatoria, la formazione professionale o gli studi.\n\nIl Consiglio federale deve stabilire principi fondamentali per la formazione continua. Ha definito cinque principi importanti (Hänni, BSK BV, Art. 64a n. 11): ogni persona è responsabile della propria formazione continua, la qualità deve essere garantita, i diversi percorsi formativi devono essere permeabili (si può passare dall'uno all'altro), le prestazioni formative devono essere riconosciute e tutti devono avere pari opportunità.\n\nLa Confederazione può sostenere finanziariamente la formazione continua, ma non è obbligata a farlo. La Legge sulla formazione continua del 2014 (RS 419.1) disciplina in quali settori la Confederazione fornisce aiuto: per le competenze di base degli adulti (come leggere e far di conto), per la formazione continua professionale e per la formazione dei docenti di formazione continua (FF 2013 3729, 3745).\n\n**Esempio:** Un'infermiera vuole imparare come fare le iniezioni. La Confederazione può assumere una parte dei costi del corso se questo soddisfa i requisiti legali. Tuttavia, l'infermiera non ha un diritto giuridico a tale sostegno.\n\nPrincipalmente sono le singole persone e i datori di lavoro ad essere responsabili della formazione continua. La Confederazione aiuta solo in via sussidiaria (principio di sussidiarietà). I Cantoni possono offrire propri programmi di formazione continua, ma devono rispettare le regole federali.\n\nL'art. 64a Cost. non crea diritti per le singole persone. Non si può andare in tribunale e pretendere formazione continua o denaro per essa. La disposizione conferisce alla Confederazione solo l'autorizzazione ad essere attiva in questo settore.", "doctrine_it": "# Art. 64a Cost. — Formazione continua\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 64a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale nel quadro della Costituzione dell'educazione del 21 maggio 2006 (FF 2005 7273). Come rileva la CER-CN nella sua relazione, le competenze frammentarie esistenti non erano più ritenute sufficienti (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). Il costituente voleva stabilire competenze di promozione uniformi per tutti i settori della formazione continua.\n\n**N. 2** La disposizione sostituisce l'art. 34 cpv. 1 lett. g aCost., che conferiva alla Confederazione soltanto una competenza puntuale nel settore della formazione continua professionale. La nuova disposizione costituzionale doveva conferire alla Confederazione una competenza globale e intersettoriale per la promozione della formazione continua (FF 2013 3729, 3732).\n\n**N. 3** La legge sulla formazione continua (LFCo) del 20 giugno 2014 concretizza le prescrizioni costituzionali. Il messaggio concernente la LFCo del 15 maggio 2013 precisa che la Confederazione non riceve una competenza normativa globale, ma deve agire principalmente in modo coordinatore e sussidiariamente promozionale (FF 2013 3729, 3740).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 64a Cost. fa parte della 3ª sezione della Costituzione federale su «Educazione, ricerca e cultura». La disposizione si trova in correlazione sistematica con l'articolo quadro dell'educazione (→ Art. 61a Cost.), la formazione professionale (→ Art. 63 Cost.) e la formazione universitaria (→ Art. 63a Cost.).\n\n**N. 5** Secondo la concezione educativa svizzera, la formazione continua costituisce il settore educativo quaternario, che si basa sul livello primario e secondario I (scuola obbligatoria), il livello secondario II (formazione professionale e scuole medie) nonché il livello terziario (università e formazione professionale superiore) (SKBF, Bildungsbericht Schweiz 2014, p. 245).\n\n**N. 6** Nel rapporto con le competenze educative cantonali vale il principio di sussidiarietà (→ Art. 3 Cost.). La responsabilità primaria per la formazione continua spetta agli individui e all'economia privata. Confederazione e Cantoni assumono un ruolo sussidiario (Ehrenzeller, SG Komm. BV, Art. 64a N. 4).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Principi sulla formazione continua (cpv. 1):** Secondo la sua presa di posizione alla relazione CER-CN, il Consiglio federale ha concretizzato l'obbligo di stabilire principi sotto forma di cinque principi (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11): responsabilità, qualità, permeabilità, riconoscibilità delle prestazioni formative e parità di opportunità.\n\n**N. 8** **Concetto di formazione continua:** Il concetto comprende la «formazione non formale» (formazione strutturata al di fuori della formazione formale) e l'«apprendimento informale» (apprendimento non strutturato nella vita quotidiana). La formazione formale del livello secondario II e del livello terziario non rientra nell'art. 64a Cost., ma negli → art. 63 Cost. e → art. 63a Cost. (Biaggini, Komm. BV, Art. 64a N. 3).\n\n**N. 9** **Promozione (cpv. 2):** La disposizione facoltativa conferisce alla Confederazione una competenza promozionale facoltativa. Questa comprende contributi finanziari, ma anche misure non monetarie come coordinamento, informazione e garanzia della qualità (FF 2013 3729, 3745).\n\n**N. 10** **Settori e criteri (cpv. 3):** La legge deve stabilire i settori promuovibili e i criteri di promozione. La LFCo definisce nell'art. 5 i settori di promozione (competenze di base degli adulti, formazione continua orientata alla professione, formazione continua dei formatori) e nell'art. 6 i criteri di promozione.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 64a Cost., in quanto norma di competenza, non fonda diritti soggettivi alla formazione continua o alla promozione della formazione continua. La disposizione ha carattere programmatico e necessita di concretizzazione attraverso la legislazione (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 16).\n\n**N. 12** La competenza legislativa sui principi (cpv. 1) obbliga la Confederazione a emanare disposizioni quadro. Questo obbligo è stato adempiuto con la LFCo. La competenza di promozione (cpv. 2) è invece configurata come facoltativa.\n\n**N. 13** Per i Cantoni non risulta dall'art. 64a Cost. alcun obbligo immediato. Essi rimangono responsabili della formazione continua nell'ambito delle loro competenze, ma devono rispettare i principi del diritto federale (→ Art. 49 Cost.).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Portata della competenza federale:** Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 64a N. 7) sostiene un'interpretazione ampia della competenza promozionale che comprende anche misure strutturali. Biaggini (Komm. BV, Art. 64a N. 5) propende per un'interpretazione più restrittiva che si limita alla promozione finanziaria e al coordinamento.\n\n**N. 15** **Delimitazione dalla formazione formale:** La dottrina è divisa sulla delimitazione tra formazione continua secondo l'art. 64a Cost. e formazione formale di recupero. Hänni (BSK BV, Art. 64a N. 8) vuole sussumere i corsi di studio delle scuole universitarie professionali parallelamente alla professione sotto l'art. 64a Cost., mentre la dottrina prevalente li attribuisce all'→ art. 63a Cost.\n\n**N. 16** **Rapporto con le disposizioni di leggi speciali sulla formazione continua:** È controverso se l'art. 64a Cost. fondi una competenza trasversale globale o se le disposizioni di leggi speciali sulla formazione continua (ad es. nel diritto della formazione professionale, nel diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione) mantengano la loro base costituzionale autonoma.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Domande di promozione:** La promozione della formazione continua secondo la LFCo presuppone che si tratti di formazione organizzata che non conduce a un diploma federale o regolamentato a livello cantonale. I richiedenti devono rispettare i settori e i criteri di promozione secondo gli art. 5 e 6 LFCo.\n\n**N. 18** **Garanzia della qualità:** I fornitori di formazioni continue promosse devono dimostrare un sistema di garanzia della qualità (art. 7 LFCo). I requisiti sono concretizzati nell'ordinanza sulla formazione continua (OFCo).\n\n**N. 19** **Coordinamento:** Per progetti di formazione continua con riferimento cantonale si raccomanda un coordinamento tempestivo con le autorità educative cantonali. La Conferenza svizzera dei direttori cantonali della pubblica educazione (CDPE) coordina la collaborazione intercantonale.\n\n**N. 20** **Rapporto con i programmi UE:** I fornitori svizzeri di formazione continua possono partecipare a programmi educativi UE sotto certe condizioni. Le condizioni di partecipazione dipendono dal rispettivo stato delle relazioni bilaterali.", "caselaw_it": "# Art. 64a Cost. — Formazione continua\n\n## Giurisprudenza\n\n### Mancanza di giurisprudenza sull'art. 64a Cost.\n\nSull'art. 64a Cost. non esiste giurisprudenza del Tribunale federale o di altri tribunali supremi cantonali. Ciò si spiega con il carattere programmatico della disposizione, che autorizza semplicemente la Confederazione a promuovere la formazione continua, senza fondare diritti soggettivi o normare specifici obblighi giuridici.\n\nLe poche decisioni giudiziali che si occupano di questioni di formazione continua si basano su disposizioni di leggi speciali del diritto della formazione professionale, del diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione o di leggi cantonali sulle borse di studio, ma non direttamente sull'art. 64a Cost.\n\n### Giurisprudenza pertinente di settori affini\n\n#### Formazione professionale e formazione continua nel diritto delle assicurazioni sociali\n\n**DTF 122 V 43** del 31 dicembre 1995\nMisure di formazione continua nell'ambito dell'assicurazione contro la disoccupazione.\nRilevanza: Il Tribunale federale precisa la delimitazione tra formazione continua secondo il diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione e iniziativa privata di formazione continua.\n\n> «Se un assicurato ha sciolto un rapporto di lavoro per motivi di formazione continua, senza che gli fosse garantito un nuovo posto, la questione della sospensione del diritto alle prestazioni per disoccupazione causata da se stesso deve essere giudicata alla luce dell'art. 44 lett. b e c OADI.»\n\n**DTF 111 V 271** dell'11 settembre 1985\nDelimitazione tra formazione continua secondo il diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione e formazione continua professionale generale.\nRilevanza: Decisione di principio sulla distinzione tra formazione continua sostenuta pubblicamente e privata.\n\n> «La riconversione e la formazione continua secondo il diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione devono essere delimitate dalla formazione di base e dalla formazione continua professionale generale.»\n\n#### Costi di formazione continua come spese fiscalmente deducibili\n\n**DTF 113 Ib 114** del 20 febbraio 1987\nTrattamento fiscale dei costi di formazione continua.\nRilevanza: Il Tribunale federale definisce il concetto di «formazione continua necessaria per l'esercizio della professione».\n\n> «Il concetto di formazione continua necessaria per l'esercizio della professione deve essere interpretato restrittivamente e comprende soltanto quei costi che sono necessari per il mantenimento o il miglioramento delle conoscenze specifiche della professione.»\n\n### Conclusione\n\nL'art. 64a Cost. è configurato come norma di competenza che permette alla Confederazione di promuovere la formazione continua, senza fondare pretese individuali. La mancanza di giurisprudenza su questa disposizione rispecchia il suo carattere programmatico e il fatto che le questioni di formazione continua vengono decise principalmente attraverso regolamentazioni di leggi speciali e non attraverso la Costituzione.", "summary_en": "# Art. 64a Cst. — Continuing education\n\n## Overview\n\nArt. 64a Cst. gives the Confederation the authority to promote continuing education. This constitutional provision was inserted in 2006 because the Confederation's old competences were insufficient (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). Continuing education means learning after compulsory school, vocational education and training or university studies.\n\nThe Federal Council must establish basic principles for continuing education. It has determined five important principles (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11): Everyone is personally responsible for their continuing education, quality must be ensured, different educational pathways should be permeable (one can switch from one to another), educational achievements should be credited and everyone should have equal opportunities.\n\nThe Confederation may provide financial support for continuing education, but is not obliged to do so. The Continuing Education Act of 2014 (SR 419.1) regulates the areas in which the Confederation provides assistance: basic skills for adults (such as reading and arithmetic), professional continuing education and the training of continuing education teachers (BBl 2013 3729, 3745).\n\n**Example:** A nurse wants to learn how to give injections. The Confederation can cover part of the course costs if the course meets the legal requirements. However, the nurse has no legal entitlement to this.\n\nPrimarily, individuals and employers are responsible for continuing education. The Confederation only provides supplementary assistance (principle of subsidiarity). The cantons may offer their own continuing education programmes, but must observe the federal rules.\n\nArt. 64a Cst. does not create rights for individuals. One cannot go to court and demand continuing education or money for it. The provision only gives the Confederation permission to be active in this area.", "doctrine_en": "# Art. 64a FC — Continuing Education\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** Art. 64a FC was inserted into the Federal Constitution as part of the Education Constitution of 21 May 2006 (BBl 2005 7273). As the WBK-NR stated in its report, the existing fragmented competences were deemed no longer sufficient (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 2-3). The constitutional legislator wanted to establish uniform promotional competences for all areas of continuing education.\n\n**N. 2** The provision replaces Art. 34 para. 1 lit. g aFC, which merely granted the Confederation a specific competence in the field of continuing vocational education. The new constitutional provision was intended to give the Confederation a comprehensive, cross-sectoral competence to promote continuing education (BBl 2013 3729, 3732).\n\n**N. 3** The Continuing Education Act (WeBiG) of 20 June 2014 concretises the constitutional requirements. The Dispatch on the WeBiG of 15 May 2013 specifies that the Confederation does not receive comprehensive regulatory competence, but should primarily act in a coordinating and subsidiarily promoting capacity (BBl 2013 3729, 3740).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 64a FC is part of the 3rd Section of the Federal Constitution on «Education, Research and Culture». The provision stands in systematic connection with the education framework article (→ Art. 61a FC), vocational education and training (→ Art. 63 FC) and higher education (→ Art. 63a FC).\n\n**N. 5** According to Swiss understanding of education, continuing education forms the quaternary education sector, which builds on primary and lower secondary level (compulsory school), upper secondary level (vocational education and training and general education schools) as well as tertiary level (universities and higher vocational education) (SKBF, Education Report Switzerland 2014, p. 245).\n\n**N. 6** In relation to cantonal educational competences, the principle of subsidiarity applies (→ Art. 3 FC). Primary responsibility for continuing education lies with individuals and the private sector. The Confederation and cantons assume a subsidiary role (Ehrenzeller, SG Komm. BV, Art. 64a N. 4).\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 7** **Principles on continuing education (para. 1):** According to its statement on the WBK-NR report, the Federal Council has concretised the obligation to establish principles in the form of five principles (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 11): responsibility, quality, permeability, recognition of educational achievements and equal opportunities.\n\n**N. 8** **Definition of continuing education:** The term encompasses «non-formal education» (structured education outside formal education) and «informal learning» (non-structured learning in everyday life). Formal education at upper secondary and tertiary levels does not fall under Art. 64a FC, but under → Art. 63 FC and → Art. 63a FC (Biaggini, Komm. BV, Art. 64a N. 3).\n\n**N. 9** **Promotion (para. 2):** The permissive provision grants the Confederation an optional promotional competence. This includes financial contributions, but also non-monetary measures such as coordination, information and quality assurance (BBl 2013 3729, 3745).\n\n**N. 10** **Areas and criteria (para. 3):** The law must define the areas eligible for promotion and the promotional criteria. The WeBiG defines the promotional areas in Art. 5 (basic skills of adults, professionally-oriented continuing education, continuing education of continuing education providers) and the promotional criteria in Art. 6.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** As a competence norm, Art. 64a FC does not establish subjective rights to continuing education or continuing education promotion. The provision has programmatic character and requires concretisation through legislation (Hänni, BSK BV, Art. 64a N. 16).\n\n**N. 12** The framework legislative competence (para. 1) obliges the Confederation to enact framework provisions. This obligation was fulfilled with the WeBiG. The promotional competence (para. 2), however, is designed as optional.\n\n**N. 13** Art. 64a FC does not impose direct obligations on the cantons. They remain responsible for continuing education within their competences, but must observe federal legal principles (→ Art. 49 FC).\n\n### 5. Contentious Issues\n\n**N. 14** **Scope of federal competence:** Ehrenzeller (SG Komm. BV, Art. 64a N. 7) advocates a broad interpretation of promotional competence that also includes structural measures. Biaggini (Komm. BV, Art. 64a N. 5) argues for a more restrictive interpretation limited to financial promotion and coordination.\n\n**N. 15** **Distinction from formal education:** The doctrine disagrees on the distinction between continuing education under Art. 64a FC and remedial formal education. Hänni (BSK BV, Art. 64a N. 8) wants to subsume part-time university of applied sciences programmes under Art. 64a FC, while the prevailing doctrine assigns these to → Art. 63a FC.\n\n**N. 16** **Relationship to special statutory continuing education provisions:** It is disputed whether Art. 64a FC establishes a comprehensive cross-cutting competence or whether special statutory continuing education provisions (e.g. in vocational education law, unemployment insurance law) retain their independent constitutional basis.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** **Applications for promotion:** Continuing education promotion under WeBiG requires that it concerns organised education that does not lead to a federal or cantonally regulated qualification. Applicants must observe the promotional areas and criteria according to Arts. 5 and 6 WeBiG.\n\n**N. 18** **Quality assurance:** Providers of promoted continuing education must demonstrate a quality assurance system (Art. 7 WeBiG). The requirements are concretised in the Ordinance on Continuing Education (WeBiV).\n\n**N. 19** **Coordination:** For continuing education projects with cantonal relevance, early coordination with cantonal education authorities is recommended. The Swiss Conference of Cantonal Ministers of Education (EDK) coordinates intercantonal cooperation.\n\n**N. 20** **Relationship to EU programmes:** Swiss continuing education providers may participate in EU education programmes under certain conditions. The participation conditions depend on the respective state of bilateral relations.", "caselaw_en": "# Art. 64a Cst. — Continuing education\n\n## Case law\n\n### Absence of case law on Art. 64a Cst.\n\nThere is no case law from the Federal Supreme Court or other highest cantonal courts on Art. 64a Cst. This can be explained by the programmatic character of the provision, which merely empowers the Confederation to promote continuing education without establishing subjective rights or standardising specific legal obligations.\n\nThe few court decisions that deal with continuing education issues are based on specific statutory provisions of vocational education law, unemployment insurance law, or cantonal scholarship laws, but not directly on Art. 64a Cst.\n\n### Relevant case law from related areas\n\n#### Vocational education and continuing education in social insurance law\n\n**BGE 122 V 43** of 31 December 1995\nContinuing education measures within the framework of unemployment insurance.\nRelevance: The Federal Supreme Court clarifies the distinction between continuing education under unemployment insurance law and private continuing education initiatives.\n\n> «If an insured person has terminated an employment relationship for the purpose of continuing education without being assured of a new position, the question of suspension of entitlement due to self-inflicted unemployment must be assessed in light of Art. 44 lit. b and c OAIO.»\n\n**BGE 111 V 271** of 11 September 1985\nDistinction between continuing education under unemployment insurance law and general professional continuing education.\nRelevance: Fundamental decision on the distinction between publicly supported and private continuing education.\n\n> «Retraining and continuing education under unemployment insurance law must be distinguished from basic and general professional continuing education.»\n\n#### Continuing education costs as tax-deductible expenses\n\n**BGE 113 Ib 114** of 20 February 1987\nTax treatment of continuing education costs.\nRelevance: The Federal Supreme Court defines the concept of «continuing education required for professional practice».\n\n> «The concept of continuing education required for professional practice must be interpreted restrictively and comprises only those costs that are necessary for maintaining or improving profession-specific knowledge.»\n\n### Conclusion\n\nArt. 64a Cst. is designed as a competence provision that enables the Confederation to promote continuing education without establishing individual claims. The absence of case law on this provision reflects its programmatic character and the fact that continuing education issues are primarily decided through specific statutory regulations and not through the Constitution.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_64a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 65, "article_suffix": "", "title": "Statistik", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 65 der Bundesverfassung gibt dem Bund die Befugnis, alle wichtigen Daten über die Schweiz zu sammeln. Dies betrifft Informationen über die Bevölkerung, die Wirtschaft, die Gesellschaft, Bildung, Forschung sowie Umwelt und Raumplanung.\n\nDer Bund darf statistische Erhebungen durchführen und von Bürgern, Unternehmen und Behörden Auskunft verlangen. Diese Daten bilden die Grundlage für politische Entscheidungen. Beispielsweise nutzt der Bund die Volkszählung, um zu wissen, wie viele Menschen wo leben. Diese Informationen helfen bei der Planung von Schulen, Spitälern oder öffentlichen Verkehrsmitteln.\n\nZusätzlich kann der Bund bestimmen, wie verschiedene amtliche Register (Verzeichnisse mit Personendaten) geführt werden. Ziel ist es, dass Bürgerinnen und Bürger nicht mehrmals dieselben Angaben machen müssen. Wenn jemand zum Beispiel umzieht, soll er dies nur einmal melden müssen. Die verschiedenen Behörden teilen sich dann diese Information.\n\nDie gesammelten Daten dürfen nur für statistische Zwecke verwendet werden. Sie dürfen nicht für Strafverfahren oder andere Verwaltungsverfahren genutzt werden. Der Datenschutz bleibt gewahrt – die Statistiker dürfen keine Einzelpersonen identifizieren oder deren Daten weitergeben.\n\nDie statistische Kompetenz ist wichtig für eine faktenbasierte Politik. Ohne verlässliche Daten über die Entwicklung der Schweiz können Parlament und Regierung keine guten Entscheidungen treffen. Gleichzeitig müssen die Bürgerinnen und Bürger vor Datenmissbrauch geschützt werden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die statistische Kompetenz des Bundes geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Bereits die Bundesverfassung von 1874 kannte in Art. 34bis die Befugnis des Bundes, «alle auf die Beförderung des allgemeinen Wohles abzielenden statistischen Erhebungen anzuordnen». Die heutige Fassung von Art. 65 BV wurde im Rahmen der Totalrevision von 1999 ohne materielle Änderungen übernommen (BBl 1997 I 309). Die Botschaft betont die Bedeutung verlässlicher statistischer Grundlagen für die Politikgestaltung und die demokratische Willensbildung (BBl 1997 I 309 f.).\n\n**N. 2** Absatz 2 wurde aufgrund der Erkenntnisse aus der Volkszählung 1990 eingefügt. Die traditionelle Vollerhebung sollte durch die Nutzung bestehender Register ersetzt werden können, was den Erhebungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger erheblich reduziert (BBl 1997 I 310). Diese Registerharmonisierung wurde durch das Registerharmonisierungsgesetz (RHG) vom 23. Juni 2006 konkretisiert.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 65 BV findet sich im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, im 3. Kapitel über Finanz- und Wirtschaftsordnung. Diese Verortung unterstreicht die Querverbindung der Statistik zu allen Staatsfunktionen. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip): Statistik als Grundlage staatlichen Handelns\n- → Art. 13 BV (Datenschutz): Spannungsverhältnis zwischen Datenerhebung und Persönlichkeitsschutz\n- → Art. 57 BV (Sicherheit): Statistik als Grundlage für Sicherheitspolitik\n- → Art. 108 BV (Wohnbau- und Wohneigentumsförderung): Statistik als Planungsgrundlage\n\n**N. 4** Die Bestimmung ist eine reine Kompetenznorm ohne Grundrechtscharakter. Sie begründet weder subjektive Rechte der Bürgerinnen und Bürger noch Pflichten der Kantone, eigene Statistiken zu führen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3654).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Notwendige statistische Daten»** (Abs. 1): Der Begriff der Notwendigkeit verleiht dem Bund einen weiten Ermessensspielraum. Massgebend ist das öffentliche Interesse an der jeweiligen Erhebung (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 65 N 4). Die Notwendigkeit ist im Lichte der Verhältnismässigkeit zu interpretieren.\n\n**N. 6** Der Katalog der Erhebungsbereiche («Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Forschung, Raum und Umwelt») ist exemplarisch, nicht abschliessend. Dies ergibt sich aus dem Wortlaut «über den Zustand und die Entwicklung von», der eine dynamische Interpretation erlaubt (BSK BV-Schweizer, 2. Aufl. 2024, Art. 65 N 7).\n\n**N. 7** **«Harmonisierung und Führung amtlicher Register»** (Abs. 2): Diese Kompetenz ist fakultativ («kann»). Sie zielt auf die Vermeidung von Mehrfacherhebungen und die effiziente Nutzung bestehender Datenbestände. Die Harmonisierung betrifft primär technische Standards und Definitionen, nicht den Inhalt der Register selbst (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1234a).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Kompetenznorm ermächtigt den Bund zum Erlass von Rechtsvorschriften über statistische Erhebungen. Diese Kompetenz wurde durch das Bundesstatistikgesetz (BStatG) vom 9. Oktober 1992 ausgeübt. Der Bund kann Auskunftspflichten statuieren und mit Strafandrohungen versehen (Art. 66 BStatG).\n\n**N. 9** Für Kantone und Private entstehen aus Art. 65 BV keine unmittelbaren Pflichten. Diese ergeben sich erst aus den Ausführungserlassen. Die Kantone sind zur Mitwirkung bei Bundeserhebungen verpflichtet, soweit das BStatG dies vorsieht (Berner Kommentar BV-Waldmann, Art. 65 N 15).\n\n**N. 10** Die erhobenen Daten dürfen nur für statistische Zwecke verwendet werden. Das statistische Geheimnis gemäss Art. 14 BStatG verhindert die Zweckentfremdung für Verwaltungs- oder Strafverfahren (→ Art. 13 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Umfang der Bundeskompetenz**: Umstritten ist, ob Art. 65 BV eine umfassende oder nur eine auf Bundesaufgaben bezogene Statistikkompetenz verleiht. Die herrschende Lehre vertritt eine weite Auslegung, da verlässliche Statistiken für alle Staatsebenen erforderlich sind (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 65 N 3; a.M. Schweizer, BSK BV, Art. 65 N 5, der eine Beschränkung auf Bundesaufgaben befürwortet).\n\n**N. 12** **Verhältnis zum Datenschutz**: Kontrovers diskutiert wird das Spannungsverhältnis zwischen umfassenden statistischen Erhebungen und dem Persönlichkeitsschutz. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 234) betonen den Vorrang des Datenschutzes, während Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3656) für eine Abwägung im Einzelfall plädieren. Das Bundesgericht hat in BGer 1C_425/2020 die datenschutzrechtlichen Schranken konkretisiert.\n\n**N. 13** **Verwendung der AHV-Nummer**: Die Nutzung der AHV-Versichertennummer als Personenidentifikator in der Statistik ist umstritten. Befürworter sehen darin ein effizientes Mittel zur Registerharmonisierung (Botschaft zum RHG, BBl 2004 4995), Kritiker warnen vor dem gläsernen Bürger (Rudin, Datenschutz in der amtlichen Statistik, 2021, S. 156 ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Planung statistischer Erhebungen ist frühzeitig zu prüfen, ob bestehende Register genutzt werden können. Das Registerharmonisierungsgesetz und die dazugehörige Verordnung definieren die technischen Standards für den Datenaustausch.\n\n**N. 15** Die Auskunftspflicht gemäss BStatG kann mit Ordnungsbussen bis CHF 10'000 durchgesetzt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass kooperative Ansätze und die Betonung des Nutzens für die Befragten zu höheren Rücklaufquoten führen.\n\n**N. 16** Für die Verwendung statistischer Daten in Gerichtsverfahren gilt: Die Lohnstrukturerhebung des BFS ist für Invaliditätsbemessungen massgebend (BGE 150 V 67). Andere statistische Quellen sind nur subsidiär heranzuziehen. Die jeweils aktuellsten publizierten Daten sind zu verwenden.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Datenschutz bei statistischen Erhebungen\n\n**BGer 1C_425/2020** vom 28. Februar 2022\n\nDas Bundesgericht präzisierte die datenschutzrechtlichen Pflichten des Bundesamts für Statistik bei der Bearbeitung von Personendaten. Die AHV-Nummer als eindeutiger Personenidentifikator ermöglicht die Zuordnung archivierter Stichprobendaten zu bestimmten Personen. Eine vollständige Anonymisierung liegt nicht vor, wenn über die AHV-Nummer eine Verknüpfung zu Personenbezeichnungen möglich bleibt.\n\n> «Die AHV-Nummer erlaubt demnach die eindeutige Zuordnung von Informationen zu einer konkreten Person. Umgekehrt kann ein Satz von Informationen, in dem die AHV-Nummer enthalten ist, einer konkreten Person eindeutig zugeordnet werden.»\n\n### Öffentlichkeitsprinzip und Zugang zu statistischen Dokumenten\n\n**BVGer A-4708/2022** vom 29. Februar 2024\n\nDas Bundesverwaltungsgericht befasste sich mit der Anwendung des Öffentlichkeitsgesetzes auf Dokumente des Betriebs- und Unternehmungsregisters (BUR). Die Abgrenzung zwischen öffentlich zugänglichen amtlichen Dokumenten und statistischen Spezialbestimmungen bei der Führung von Registern wurde präzisiert. Das BFS kann sich auf spezialgesetzliche Geheimhaltungsbestimmungen berufen.\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 65 BV ist spärlich, da Streitigkeiten hauptsächlich die Durchführungsebene (Bundesstatistikgesetz, Datenschutzgesetz) betreffen und selten die verfassungsrechtliche Kompetenzgrundlage selbst in Frage stellen.\n\n### Verwendung statistischer Daten in anderen Verfahren\n\n**BGE 150 V 67** vom 6. März 2024\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Praxis der Invalidenversicherung, bei der Einkommensbestimmung auf die vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen. Die statistischen Grundlagen des BFS haben verbindlichen Charakter für die Rechtsprechung in Sozialversicherungsfällen.\n\n> «In zeitlicher Hinsicht sind im Rahmen des Einkommensvergleichs bezogen auf den Rentenbeginn die aktuellsten veröffentlichten Daten beizuziehen.»\n\n**BGE 124 V 321** vom 1. Januar 1998\n\nEtablierung der Lohnstrukturerhebung des BFS als massgebliche statistische Grundlage für Invaliditätsbemessungen in der Sozialversicherung. Die vom BFS erhobenen Daten erhalten damit mittelbare rechtliche Wirkung in individuellen Verfahren.\n\n### Registerharmonisierung in der Praxis\n\nDie Rechtsprechung der kantonalen Verwaltungsgerichte zeigt, dass die Harmonisierung amtlicher Register gemäss Art. 65 Abs. 2 BV praktische Bedeutung für Meldeverfahren und Personenstandsregister entfaltet, ohne dass die Verfassungsnorm selbst bestritten würde.", "summary_fr": "## Vue d'ensemble\n\nL'article 65 de la Constitution fédérale donne à la Confédération la compétence de collecter toutes les données importantes sur la Suisse. Cela concerne les informations sur la population, l'économie, la société, la formation, la recherche ainsi que l'environnement et l'aménagement du territoire.\n\nLa Confédération peut effectuer des relevés statistiques et exiger des renseignements de la part des citoyens, des entreprises et des autorités. Ces données constituent la base des décisions politiques. Par exemple, la Confédération utilise le recensement de la population pour savoir combien de personnes vivent où. Ces informations aident à planifier les écoles, les hôpitaux ou les transports publics.\n\nEn outre, la Confédération peut déterminer comment sont tenus les différents registres officiels (répertoires contenant des données personnelles). L'objectif est que les citoyennes et citoyens ne doivent pas fournir plusieurs fois les mêmes indications. Si quelqu'un déménage par exemple, il ne devrait avoir à le signaler qu'une seule fois. Les différentes autorités se partagent ensuite cette information.\n\nLes données collectées ne peuvent être utilisées qu'à des fins statistiques. Elles ne peuvent pas être utilisées pour des procédures pénales ou d'autres procédures administratives. La protection des données reste garantie – les statisticiens ne peuvent pas identifier des personnes individuelles ou transmettre leurs données.\n\nLa compétence statistique est importante pour une politique fondée sur les faits. Sans données fiables sur l'évolution de la Suisse, le Parlement et le gouvernement ne peuvent pas prendre de bonnes décisions. En même temps, les citoyennes et citoyens doivent être protégés contre les abus de données.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La compétence statistique de la Confédération remonte au XIXe siècle. Déjà la Constitution fédérale de 1874 connaissait à l'art. 34bis la faculté de la Confédération d'« ordonner tous les recensements statistiques tendant à la promotion du bien général ». La version actuelle de l'art. 65 Cst. a été reprise dans le cadre de la révision totale de 1999 sans modification matérielle (FF 1997 I 357). Le message souligne l'importance de bases statistiques fiables pour l'élaboration des politiques et la formation de la volonté démocratique (FF 1997 I 357 s.).\n\n**N. 2** L'alinéa 2 a été inséré sur la base des enseignements tirés du recensement de la population de 1990. Le recensement intégral traditionnel devait pouvoir être remplacé par l'utilisation de registres existants, ce qui réduit considérablement la charge de relevé pour les citoyennes et citoyens (FF 1997 I 358). Cette harmonisation des registres a été concrétisée par la loi sur l'harmonisation des registres (LHR) du 23 juin 2006.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 65 Cst. se trouve dans le 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, au 3e chapitre sur l'ordre financier et économique. Cette localisation souligne le lien transversal de la statistique avec toutes les fonctions de l'État. La norme entretient un rapport étroit avec :\n- → Art. 5 Cst. (principe de l'État de droit) : statistique comme base de l'action étatique\n- → Art. 13 Cst. (protection des données) : tension entre collecte de données et protection de la personnalité\n- → Art. 57 Cst. (sécurité) : statistique comme base de la politique de sécurité\n- → Art. 108 Cst. (encouragement à la construction et à l'accession à la propriété du logement) : statistique comme base de planification\n\n**N. 4** Cette disposition est une pure norme de compétence sans caractère de droit fondamental. Elle ne fonde ni des droits subjectifs des citoyennes et citoyens ni des obligations des cantons de tenir leurs propres statistiques (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 3654).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **« Données statistiques nécessaires »** (al. 1) : La notion de nécessité confère à la Confédération une large marge d'appréciation. L'intérêt public au relevé respectif est déterminant (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 65 N 4). La nécessité doit être interprétée à la lumière de la proportionnalité.\n\n**N. 6** Le catalogue des domaines de relevé (« population, économie, société, éducation, recherche, territoire et environnement ») est exemplaire, non exhaustif. Cela résulte du libellé « sur l'état et l'évolution de », qui permet une interprétation dynamique (BSK BV-Schweizer, 2e éd. 2024, art. 65 N 7).\n\n**N. 7** **« Harmonisation et tenue de registres officiels »** (al. 2) : Cette compétence est facultative (« peut »). Elle vise à éviter les relevés multiples et à utiliser efficacement les stocks de données existants. L'harmonisation concerne avant tout les standards techniques et les définitions, non le contenu des registres eux-mêmes (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1234a).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** La norme de compétence habilite la Confédération à édicter des dispositions légales sur les relevés statistiques. Cette compétence a été exercée par la loi sur la statistique fédérale (LSF) du 9 octobre 1992. La Confédération peut instituer des obligations de renseigner et les assortir de menaces de sanctions (art. 66 LSF).\n\n**N. 9** L'art. 65 Cst. ne crée pas d'obligations directes pour les cantons et les particuliers. Celles-ci ne résultent que des actes d'exécution. Les cantons sont tenus de collaborer aux relevés fédéraux dans la mesure où la LSF le prévoit (Berner Kommentar BV-Waldmann, art. 65 N 15).\n\n**N. 10** Les données récoltées ne peuvent être utilisées qu'à des fins statistiques. Le secret statistique selon l'art. 14 LSF empêche le détournement de finalité pour des procédures administratives ou pénales (→ art. 13 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Étendue de la compétence fédérale** : Il est controversé de savoir si l'art. 65 Cst. confère une compétence statistique globale ou seulement relative aux tâches fédérales. La doctrine dominante défend une interprétation large, car des statistiques fiables sont nécessaires pour tous les niveaux étatiques (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, art. 65 N 3 ; contra Schweizer, BSK BV, art. 65 N 5, qui préconise une limitation aux tâches fédérales).\n\n**N. 12** **Rapport avec la protection des données** : La tension entre relevés statistiques étendus et protection de la personnalité fait l'objet de discussions controversées. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 234) soulignent la primauté de la protection des données, tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3656) plaident pour une pesée des intérêts au cas par cas. Le Tribunal fédéral a concrétisé les limites de droit de la protection des données dans l'arrêt ATF 1C_425/2020.\n\n**N. 13** **Utilisation du numéro AVS** : L'utilisation du numéro d'assuré AVS comme identificateur de personne dans la statistique est controversée. Les partisans y voient un moyen efficace pour l'harmonisation des registres (Message concernant la LHR, FF 2004 4819), les critiques mettent en garde contre le citoyen transparent (Rudin, Datenschutz in der amtlichen Statistik, 2021, p. 156 ss).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 14** Lors de la planification de relevés statistiques, il convient d'examiner rapidement si des registres existants peuvent être utilisés. La loi sur l'harmonisation des registres et l'ordonnance correspondante définissent les standards techniques pour l'échange de données.\n\n**N. 15** L'obligation de renseigner selon la LSF peut être sanctionnée par des amendes d'ordre jusqu'à CHF 10'000. Dans la pratique, il apparaît cependant que les approches coopératives et l'accent mis sur l'utilité pour les personnes interrogées conduisent à des taux de retour plus élevés.\n\n**N. 16** Pour l'utilisation de données statistiques dans les procédures judiciaires : l'enquête sur la structure des salaires de l'OFS fait foi pour les évaluations d'invalidité (ATF 150 V 67). D'autres sources statistiques ne doivent être utilisées qu'à titre subsidiaire. Les données publiées les plus récentes doivent être utilisées.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Protection des données lors de relevés statistiques\n\n**TF 1C_425/2020** du 28 février 2022\n\nLe Tribunal fédéral a précisé les obligations de l'Office fédéral de la statistique en matière de protection des données lors du traitement de données personnelles. Le numéro AVS comme identificateur personnel unique permet l'attribution de données d'échantillon archivées à des personnes déterminées. Une anonymisation complète n'existe pas lorsqu'un lien avec l'identification de personnes reste possible par le biais du numéro AVS.\n\n> « Le numéro AVS permet donc l'attribution univoque d'informations à une personne concrète. Inversement, un ensemble d'informations dans lequel le numéro AVS est contenu peut être attribué de manière univoque à une personne concrète. »\n\n### Principe de publicité et accès aux documents statistiques\n\n**TAF A-4708/2022** du 29 février 2024\n\nLe Tribunal administratif fédéral s'est penché sur l'application de la loi sur la transparence aux documents du registre des entreprises et des établissements (REE). La délimitation entre les documents officiels accessibles au public et les dispositions spéciales statistiques lors de la tenue de registres a été précisée. L'OFS peut se prévaloir de dispositions légales spéciales sur le secret.\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 65 Cst. est clairsemée, car les litiges concernent principalement le niveau d'exécution (loi fédérale sur la statistique, loi fédérale sur la protection des données) et remettent rarement en question la base de compétence constitutionnelle elle-même.\n\n### Utilisation de données statistiques dans d'autres procédures\n\n**ATF 150 V 67** du 6 mars 2024\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé la pratique de l'assurance-invalidité consistant à se fonder sur l'Enquête suisse sur la structure des salaires (ESS) publiée par l'Office fédéral de la statistique pour la détermination du revenu. Les bases statistiques de l'OFS ont un caractère contraignant pour la jurisprudence dans les cas d'assurances sociales.\n\n> « Sous l'angle temporel, dans le cadre de la comparaison des revenus par rapport au début de la rente, il faut retenir les données publiées les plus récentes. »\n\n**ATF 124 V 321** du 1er janvier 1998\n\nÉtablissement de l'enquête sur la structure des salaires de l'OFS comme base statistique déterminante pour les évaluations d'invalidité dans l'assurance sociale. Les données relevées par l'OFS obtiennent ainsi un effet juridique indirect dans les procédures individuelles.\n\n### Harmonisation des registres dans la pratique\n\nLa jurisprudence des tribunaux administratifs cantonaux montre que l'harmonisation des registres officiels selon l'art. 65, al. 2, Cst. déploie une signification pratique pour les procédures d'annonce et les registres de l'état civil, sans que la norme constitutionnelle elle-même ne soit contestée.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 65 della Costituzione federale conferisce alla Confederazione la competenza di raccogliere tutti i dati importanti sulla Svizzera. Ciò riguarda informazioni sulla popolazione, l'economia, la società, l'istruzione, la ricerca nonché l'ambiente e la pianificazione del territorio.\n\nLa Confederazione può condurre rilevazioni statistiche ed esigere informazioni da cittadini, imprese e autorità. Questi dati costituiscono la base per le decisioni politiche. Ad esempio, la Confederazione utilizza il censimento della popolazione per sapere quante persone vivono dove. Queste informazioni aiutano nella pianificazione di scuole, ospedali o trasporti pubblici.\n\nInoltre, la Confederazione può determinare come vengono tenuti i vari registri ufficiali (elenchi con dati personali). L'obiettivo è che cittadine e cittadini non debbano fornire più volte le stesse informazioni. Se qualcuno si trasferisce, per esempio, deve comunicarlo solo una volta. Le diverse autorità si condividono poi questa informazione.\n\nI dati raccolti possono essere utilizzati solo per scopi statistici. Non possono essere utilizzati per procedimenti penali o altri procedimenti amministrativi. La protezione dei dati rimane garantita – gli statistici non possono identificare singole persone né divulgare i loro dati.\n\nLa competenza statistica è importante per una politica basata sui fatti. Senza dati affidabili sullo sviluppo della Svizzera, il Parlamento e il Governo non possono prendere buone decisioni. Allo stesso tempo, cittadine e cittadini devono essere protetti dall'abuso di dati.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La competenza statistica della Confederazione risale al XIX secolo. Già la Costituzione federale del 1874 prevedeva nell'art. 34bis la facoltà della Confederazione di «ordinare tutte le rilevazioni statistiche miranti alla promozione del bene generale». L'attuale versione dell'art. 65 Cost. è stata ripresa nel quadro della revisione totale del 1999 senza modifiche materiali (FF 1997 I 273). Il messaggio sottolinea l'importanza di basi statistiche affidabili per l'elaborazione di politiche e la formazione della volontà democratica (FF 1997 I 273 s.).\n\n**N. 2** Il capoverso 2 è stato inserito sulla base delle conoscenze tratte dal censimento della popolazione del 1990. Il tradizionale rilevamento totale doveva poter essere sostituito dall'utilizzo di registri esistenti, il che riduce considerevolmente l'onere di rilevamento per i cittadini e le cittadine (FF 1997 I 273 s.). Questa armonizzazione dei registri è stata concretizzata mediante la legge sull'armonizzazione dei registri (LAR) del 23 giugno 2006.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 65 Cost. si trova nel titolo 3° su Confederazione, Cantoni e Comuni, nel capitolo 3° sull'ordinamento finanziario ed economico. Questa collocazione sottolinea il nesso trasversale della statistica con tutte le funzioni statali. La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto): la statistica come base dell'azione statale\n- → Art. 13 Cost. (protezione dei dati): rapporto di tensione tra raccolta di dati e protezione della personalità\n- → Art. 57 Cost. (sicurezza): la statistica come base della politica di sicurezza\n- → Art. 108 Cost. (promozione della costruzione d'abitazioni e dell'accesso alla proprietà fondiaria): la statistica come base di pianificazione\n\n**N. 4** La disposizione è una pura norma di competenza senza carattere di diritto fondamentale. Non fonda né diritti soggettivi dei cittadini e delle cittadine né obblighi dei Cantoni di tenere proprie statistiche (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 3654).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **«Dati statistici necessari»** (cpv. 1): Il concetto di necessità conferisce alla Confederazione un ampio margine discrezionale. Determinante è l'interesse pubblico al rispettivo rilevamento (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, Commentario sangallese Cost., 4ª ed. 2023, art. 65 n. 4). La necessità va interpretata alla luce della proporzionalità.\n\n**N. 6** Il catalogo dei settori di rilevamento («popolazione, economia, società, educazione, ricerca, territorio e ambiente») è esemplificativo, non esaustivo. Ciò risulta dal tenore letterale «sullo stato e l'evoluzione di», che consente un'interpretazione dinamica (BSK Cost.-Schweizer, 2ª ed. 2024, art. 65 n. 7).\n\n**N. 7** **«Armonizzazione e gestione di registri ufficiali»** (cpv. 2): Questa competenza è facoltativa («può»). Mira a evitare rilevamenti multipli e all'utilizzazione efficiente di basi di dati esistenti. L'armonizzazione concerne primariamente standard tecnici e definizioni, non il contenuto dei registri stessi (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1234a).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La norma di competenza autorizza la Confederazione a emanare prescrizioni giuridiche sui rilevamenti statistici. Questa competenza è stata esercitata mediante la legge sulla statistica federale (LStat) del 9 ottobre 1992. La Confederazione può statuire obblighi di fornire informazioni e corredarli di minacce penali (art. 66 LStat).\n\n**N. 9** Per Cantoni e privati dall'art. 65 Cost. non derivano obblighi immediati. Questi risultano solo dai decreti d'esecuzione. I Cantoni sono tenuti a collaborare ai rilevamenti federali nella misura in cui la LStat lo prevede (Berner Kommentar Cost.-Waldmann, art. 65 n. 15).\n\n**N. 10** I dati rilevati possono essere utilizzati soltanto per scopi statistici. Il segreto statistico secondo l'art. 14 LStat impedisce l'impiego improprio per procedimenti amministrativi o penali (→ art. 13 Cost.).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** **Portata della competenza federale**: È controverso se l'art. 65 Cost. conferisca una competenza statistica globale o soltanto riferita ai compiti federali. La dottrina prevalente sostiene un'interpretazione ampia, poiché statistiche affidabili sono necessarie per tutti i livelli statali (Ehrenzeller et al., Commentario sangallese Cost., art. 65 n. 3; diversamente Schweizer, BSK Cost., art. 65 n. 5, che propugna una limitazione ai compiti federali).\n\n**N. 12** **Rapporto con la protezione dei dati**: È controverso il rapporto di tensione tra rilevamenti statistici globali e la protezione della personalità. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 234) sottolineano la precedenza della protezione dei dati, mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (n. 3656) propugnano una ponderazione caso per caso. Il Tribunale federale ha concretizzato i limiti relativi alla protezione dei dati in DTF 1C_425/2020.\n\n**N. 13** **Utilizzo del numero AVS**: L'utilizzo del numero di assicurato AVS come identificatore di persone nella statistica è controverso. I sostenitori vi vedono un mezzo efficiente per l'armonizzazione dei registri (messaggio sulla LAR, FF 2004 4555), i critici mettono in guardia dal cittadino trasparente (Rudin, Datenschutz in der amtlichen Statistik, 2021, p. 156 ss.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nella pianificazione di rilevamenti statistici occorre esaminare tempestivamente se possano essere utilizzati registri esistenti. La legge sull'armonizzazione dei registri e la relativa ordinanza definiscono gli standard tecnici per lo scambio di dati.\n\n**N. 15** L'obbligo di fornire informazioni secondo la LStat può essere fatto rispettare con multe disciplinari fino a CHF 10'000. Nella pratica si dimostra tuttavia che approcci cooperativi e l'accentuazione dell'utilità per gli interpellati conducono a tassi di risposta più elevati.\n\n**N. 16** Per l'utilizzo di dati statistici in procedimenti giudiziari vale: il rilevamento della struttura dei salari dell'UST è determinante per la determinazione dell'invalidità (DTF 150 V 67). Altre fonti statistiche sono da consultare soltanto in via sussidiaria. Vanno utilizzati i dati pubblicati più recenti.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Protezione dei dati nelle rilevazioni statistiche\n\n**TF 1C_425/2020** del 28 febbraio 2022\n\nIl Tribunale federale ha precisato gli obblighi di protezione dei dati dell'Ufficio federale di statistica nel trattamento di dati personali. Il numero AVS come identificatore univoco della persona permette l'attribuzione di dati campione archiviati a persone determinate. Non sussiste un'anonimizzazione completa quando attraverso il numero AVS rimane possibile un collegamento con le denominazioni di persone.\n\n> «Il numero AVS permette dunque l'attribuzione univoca di informazioni a una persona concreta. Viceversa, un insieme di informazioni contenente il numero AVS può essere attribuito univocamente a una persona concreta.»\n\n### Principio di pubblicità e accesso a documenti statistici\n\n**TAF A-4708/2022** del 29 febbraio 2024\n\nIl Tribunale amministrativo federale si è occupato dell'applicazione della Legge sulla trasparenza a documenti del Registro delle imprese e degli stabilimenti (RIS). È stata precisata la delimitazione tra documenti ufficiali accessibili al pubblico e disposizioni speciali statistiche nella gestione di registri. L'UST può invocare disposizioni legali speciali sulla segretezza.\n\nLa giurisprudenza sull'art. 65 Cost. è scarsa, poiché le controversie riguardano principalmente il livello di esecuzione (Legge sulla statistica federale, Legge sulla protezione dei dati) e raramente mettono in discussione il fondamento costituzionale di competenza stesso.\n\n### Uso di dati statistici in altri procedimenti\n\n**DTF 150 V 67** del 6 marzo 2024\n\nIl Tribunale federale ha confermato la prassi dell'assicurazione invalidità di basarsi, per la determinazione del reddito, sulla Rilevazione svizzera della struttura dei salari (RSS) pubblicata dall'Ufficio federale di statistica. I fondamenti statistici dell'UST hanno carattere vincolante per la giurisprudenza in casi di assicurazioni sociali.\n\n> «Dal punto di vista temporale, nel quadro del confronto dei redditi riferito all'inizio della rendita, devono essere utilizzati i dati pubblicati più attuali.»\n\n**DTF 124 V 321** del 1° gennaio 1998\n\nConsolidamento della rilevazione della struttura dei salari dell'UST come fondamento statistico determinante per le valutazioni di invalidità nell'assicurazione sociale. I dati rilevati dall'UST ottengono così un effetto giuridico indiretto in procedimenti individuali.\n\n### Armonizzazione dei registri nella prassi\n\nLa giurisprudenza dei tribunali amministrativi cantonali mostra che l'armonizzazione dei registri ufficiali secondo l'art. 65 cpv. 2 Cost. assume importanza pratica per i procedimenti di notificazione e i registri dello stato civile, senza che la norma costituzionale stessa venga contestata.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 65 of the Federal Constitution gives the Confederation the authority to collect all important data about Switzerland. This concerns information about the population, the economy, society, education, research as well as the environment and spatial planning.\n\nThe Confederation may conduct statistical surveys and require information from citizens, companies and authorities. This data forms the basis for political decisions. For example, the Confederation uses the population census to know how many people live where. This information helps in planning schools, hospitals or public transport.\n\nAdditionally, the Confederation can determine how various official registers (directories with personal data) are maintained. The aim is to ensure that citizens do not have to provide the same information multiple times. If someone moves house, for example, they should only have to report this once. The various authorities then share this information.\n\nThe collected data may only be used for statistical purposes. It may not be used for criminal proceedings or other administrative procedures. Data protection remains safeguarded – statisticians may not identify individual persons or pass on their data.\n\nStatistical competence is important for evidence-based policy. Without reliable data on Switzerland's development, Parliament and government cannot make good decisions. At the same time, citizens must be protected from data misuse.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** The federal statistical competence dates back to the 19th century. The Federal Constitution of 1874 already contained in Art. 34bis the federal power «to order all statistical surveys aimed at promoting the general welfare». The current version of Art. 65 BV was adopted in the framework of the total revision of 1999 without material changes (BBl 1997 I 309). The Federal Council's message emphasizes the importance of reliable statistical foundations for policy-making and democratic decision-making (BBl 1997 I 309 f.).\n\n**N. 2** Paragraph 2 was inserted based on findings from the 1990 census. The traditional full survey was to be replaced by the use of existing registers, which significantly reduces the survey burden on citizens (BBl 1997 I 310). This register harmonization was implemented through the Register Harmonization Act (RHG) of 23 June 2006.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 65 BV is found in Title 3 on the Confederation, Cantons and Communes, in Chapter 3 on Financial and Economic System. This placement underscores statistics' cross-connection to all state functions. The provision is closely related to:\n- → Art. 5 BV (principle of the rule of law): statistics as a basis for state action\n- → Art. 13 BV (data protection): tension between data collection and privacy protection\n- → Art. 57 BV (security): statistics as a basis for security policy\n- → Art. 108 BV (promotion of housing construction and home ownership): statistics as a planning basis\n\n**N. 4** The provision is a pure competence norm without fundamental rights character. It establishes neither subjective rights of citizens nor duties of cantons to maintain their own statistics (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 3654).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **«Necessary statistical data»** (para. 1): The concept of necessity gives the Confederation wide discretion. The public interest in the respective survey is decisive (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 65 N 4). Necessity must be interpreted in light of proportionality.\n\n**N. 6** The catalogue of survey areas («population, economy, society, education, research, territory and environment») is exemplary, not exhaustive. This follows from the wording «on the condition and development of», which allows for dynamic interpretation (BSK BV-Schweizer, 2nd ed. 2024, Art. 65 N 7).\n\n**N. 7** **«Harmonization and maintenance of official registers»** (para. 2): This competence is optional («may»). It aims to avoid multiple surveys and efficiently use existing data holdings. Harmonization primarily concerns technical standards and definitions, not the content of the registers themselves (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1234a).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** The competence norm empowers the Confederation to enact legal provisions on statistical surveys. This competence was exercised through the Federal Statistics Act (BStatG) of 9 October 1992. The Confederation may establish obligations to provide information and attach criminal penalties (Art. 66 BStatG).\n\n**N. 9** Art. 65 BV creates no direct obligations for cantons and private parties. These only arise from implementing legislation. Cantons are obliged to cooperate in federal surveys insofar as the BStatG provides for this (Berner Kommentar BV-Waldmann, Art. 65 N 15).\n\n**N. 10** Data collected may only be used for statistical purposes. Statistical confidentiality according to Art. 14 BStatG prevents misuse for administrative or criminal proceedings (→ Art. 13 BV).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 11** **Scope of federal competence**: It is disputed whether Art. 65 BV grants comprehensive or only federal task-related statistical competence. The prevailing doctrine advocates a broad interpretation, as reliable statistics are required for all levels of government (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 65 N 3; contra Schweizer, BSK BV, Art. 65 N 5, who favors limitation to federal tasks).\n\n**N. 12** **Relationship to data protection**: The tension between comprehensive statistical surveys and privacy protection is controversially discussed. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 234) emphasize the priority of data protection, while Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3656) advocate for case-by-case balancing. The Federal Supreme Court specified data protection limitations in BGE 1C_425/2020.\n\n**N. 13** **Use of the AHV number**: The use of the AHV insured person number as a personal identifier in statistics is disputed. Proponents see it as an efficient means for register harmonization (Federal Council's message on the RHG, BBl 2004 4995), critics warn of the transparent citizen (Rudin, Datenschutz in der amtlichen Statistik, 2021, pp. 156 ff.).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 14** When planning statistical surveys, it should be examined early whether existing registers can be used. The Register Harmonization Act and the associated ordinance define technical standards for data exchange.\n\n**N. 15** The obligation to provide information under the BStatG can be enforced with regulatory fines up to CHF 10,000. In practice, however, cooperative approaches and emphasizing benefits for respondents lead to higher response rates.\n\n**N. 16** For the use of statistical data in court proceedings: The FSO's wage structure survey is decisive for disability assessments (BGE 150 V 67). Other statistical sources are only to be used subsidiarily. The most current published data must be used.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Data Protection in Statistical Surveys\n\n**BGer 1C_425/2020** of 28 February 2022\n\nThe Federal Supreme Court clarified the data protection obligations of the Federal Statistical Office when processing personal data. The AHV number as a unique personal identifier enables the attribution of archived sample data to specific persons. Complete anonymisation is not present if a link to personal designations remains possible via the AHV number.\n\n> «The AHV number thus allows the unambiguous attribution of information to a concrete person. Conversely, a set of information that contains the AHV number can be unambiguously attributed to a concrete person.»\n\n### Principle of Transparency and Access to Statistical Documents\n\n**BVGer A-4708/2022** of 29 February 2024\n\nThe Federal Administrative Court dealt with the application of the Freedom of Information Act to documents of the Business and Enterprise Register (BUR). The distinction between publicly accessible official documents and statistical special provisions in the maintenance of registers was clarified. The FSO can invoke special statutory confidentiality provisions.\n\nCase law on Art. 65 FC is sparse, as disputes mainly concern the implementation level (Federal Statistics Act, Data Protection Act) and rarely challenge the constitutional competence basis itself.\n\n### Use of Statistical Data in Other Proceedings\n\n**BGE 150 V 67** of 6 March 2024\n\nThe Federal Supreme Court confirmed the practice of disability insurance to rely on the Swiss Wage Structure Survey (WSS) published by the Federal Statistical Office for income determination. The statistical foundations of the FSO have binding character for jurisprudence in social insurance cases.\n\n> «In temporal terms, the most current published data must be used in the context of income comparison related to the commencement of the pension.»\n\n**BGE 124 V 321** of 1 January 1998\n\nEstablishment of the FSO's Wage Structure Survey as the authoritative statistical basis for disability assessments in social insurance. The data collected by the FSO thus obtains indirect legal effect in individual proceedings.\n\n### Register Harmonisation in Practice\n\nThe case law of cantonal administrative courts shows that the harmonisation of official registers according to Art. 65 para. 2 FC has practical significance for registration procedures and civil status registers, without the constitutional provision itself being disputed.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_65", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 66, "article_suffix": "", "title": "Ausbildungsbeiträge", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 66 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 66 BV regelt, wie Bund und Kantone bei der Finanzierung von Stipendien (Geld für Studierende) zusammenarbeiten. Die Kantone sind hauptsächlich zuständig für die Vergabe von Stipendien und Darlehen an Studierende (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7-9). Der Bund kann den Kantonen dabei helfen, indem er ihnen Geld für ihre Stipendienprogramme gibt. Er kann auch Regeln aufstellen, damit alle Kantone ähnliche Standards haben.\n\nDie Regelung betrifft alle Studierenden an Universitäten, Fachhochschulen und höheren Berufsschulen, die finanzielle Unterstützung brauchen. Eltern müssen zuerst ihre Kinder unterstützen, bevor der Staat hilft. Die Kantone entscheiden selbst über die Höhe der Stipendien und wer sie bekommen kann. Sie müssen aber faire Regeln haben und dürfen niemanden willkürlich benachteiligen.\n\nEin konkretes Beispiel: Lisa aus Basel studiert Medizin an der Universität Zürich. Sie kann im Kanton Basel-Stadt ein Stipendium beantragen, weil ihre Eltern zu wenig verdienen. Basel-Stadt bekommt vom Bund Geld, um solche Stipendien zu finanzieren. Dank dem Stipendienkonkordat von 2009 gelten ähnliche Regeln in verschiedenen Kantonen.\n\nDie Verfassung erlaubt es dem Bund auch, eigene Programme zu schaffen. Diese müssen aber die kantonalen Programme ergänzen, nicht ersetzen. Ein Streitpunkt war lange, ob der Bund mehr Kompetenzen haben soll (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). Die Stimmbevölkerung lehnte 2015 eine entsprechende Initiative ab, weil sie die bewährte Aufteilung zwischen Bund und Kantonen beibehalten wollte.\n\nDie Bestimmung schafft keinen direkten Anspruch auf Stipendien vom Bund. Studierende müssen sich an ihren Wohnkanton wenden. Die kantonalen Entscheide können vor Gericht angefochten werden, wenn sie unfair sind oder gegen die Verfassung verstossen.", "doctrine_de": "# Art. 66 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 66 BV hat seine Wurzeln in Art. 27quater der alten Bundesverfassung, welcher 1963 eingefügt wurde. Die Bestimmung entstand als Antwort auf die bildungspolitischen Herausforderungen der Nachkriegszeit, insbesondere den sogenannten «Sputnik-Schock» (Stirnimann, Vom Sputnik-Schock zum Stipendienkonkordat, 2010). Die Revision der Bildungsartikel 2006 mit Inkrafttreten am 21. Mai 2006 brachte die heutige Fassung von Art. 66 BV.\n\n**N. 2** Die parlamentarischen Beratungen zeigten die Spannung zwischen Harmonisierungsbedürfnis und kantonaler Bildungshoheit. Die Botschaft vom 22. November 2005 (BBl 2005 7273) betonte, dass die Regelung des Stipendienwesens primär Kantonsaufgabe bleiben solle, während der Bund nur subsidiär tätig wird. Diese föderalistische Grundausrichtung prägt die Norm bis heute (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 1).\n\n**N. 3** Die Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften (VSS), eingereicht am 20. Januar 2012, forderte eine Zentralisierung der Kompetenzen beim Bund. Bundesrat und Parlament lehnten dies ab mit dem Argument, die bereits weit gediehene kantonale Harmonisierung durch das Stipendienkonkordat sei der richtige Weg (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). Die Initiative wurde am 14. Juni 2015 mit 72,5% Nein-Stimmen abgelehnt.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 66 BV steht im 3. Abschnitt des 3. Kapitels «Bildung, Forschung und Kultur». Die Bestimmung ist im Zusammenhang mit dem Bildungsrahmenartikel (Art. 61a BV) und der allgemeinen Kompetenzverteilung (Art. 3 und 42 BV) zu lesen. Sie konkretisiert die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen im spezifischen Bereich der Ausbildungsbeiträge.\n\n**N. 5** Die systematische Verknüpfung zeigt sich in mehreren Dimensionen: → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) setzt Grenzen für kantonale Differenzierungen; → Art. 11 BV (Schutz der Kinder und Jugendlichen) kann bei der Ausgestaltung der Förderung relevant werden; → Art. 19 BV (Anspruch auf Grundschulunterricht) ergänzt das Bildungssystem im obligatorischen Bereich; ↔ Art. 63a BV (Hochschulwesen) steht in engem sachlichem Zusammenhang.\n\n**N. 6** Die Einbettung in das föderalistische System wird durch → Art. 46 BV (Umsetzung des Bundesrechts) und → Art. 48 BV (interkantonale Verträge) verstärkt. Das Stipendienkonkordat von 2009 ist ein praktisches Beispiel dieser verfassungsrechtlichen Ermächtigung zur horizontalen Koordination.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Abs. 1 Satz 1: Unselbständige Förderungskompetenz.** Der Bund «kann» Beiträge gewähren — die Kann-Formulierung begründet eine fakultative Bundeskompetenz (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7). Die Beiträge erfolgen «an» die kantonalen Aufwendungen, nicht direkt an Studierende. Dies unterstreicht den subsidiären Charakter der Bundesunterstützung.\n\n**N. 8** Der Begriff «Ausbildungsbeiträge» umfasst Stipendien (nicht rückzahlbare Leistungen) und Darlehen (rückzahlbare Leistungen). «Hochschulen» meint universitäre Hochschulen, Fachhochschulen und pädagogische Hochschulen. «Andere Institutionen des höheren Bildungswesens» erfasst die höhere Berufsbildung (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 8).\n\n**N. 9** **Abs. 1 Satz 2: Harmonisierungskompetenz.** Der Bund kann die «interkantonale Harmonisierung» fördern und «Grundsätze» festlegen. Diese Kompetenz ist breiter als die reine Beitragskompetenz und erlaubt dem Bund, steuernd auf die Rechtsvereinheitlichung einzuwirken (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 10). Die Grundsätze können Mindeststandards für Bezugsberechtigung, Bemessung und Verfahren umfassen.\n\n**N. 10** **Abs. 2: Selbständige Förderungskompetenz.** «In Ergänzung» signalisiert Subsidiarität, «unter Wahrung der kantonalen Schulhoheit» setzt klare Grenzen. Der Bund darf eigene Programme entwickeln, aber nicht in Konkurrenz zu den Kantonen treten. Beispiele sind Exzellenzbeiträge oder spezifische Mobilitätsprogramme (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 12).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 66 BV begründet keine subjektiven Ansprüche von Studierenden gegenüber dem Bund. Die Norm ist eine reine Kompetenznorm, die dem Bundesgesetzgeber Handlungsmöglichkeiten eröffnet, ohne ihn zum Handeln zu verpflichten. Dies unterscheidet Art. 66 BV fundamental von justiziablen Grundrechten.\n\n**N. 12** Die kantonale Kompetenz bleibt primär erhalten. Die Kantone müssen bei ihrer Rechtsetzung jedoch die verfassungsrechtlichen Schranken beachten: → Art. 8 BV (keine willkürlichen Unterscheidungen), → Art. 9 BV (Verbot willkürlicher Rechtsanwendung), → Art. 29 BV (faire Verfahren bei Stipendienentscheiden).\n\n**N. 13** Der Bund hat gestützt auf Art. 66 BV das Ausbildungsbeitragsgesetz vom 6. Oktober 2006 (SR 416.0) erlassen. Es regelt die Voraussetzungen für Bundesbeiträge (Art. 13 f.) und enthält minimale Harmonisierungsvorgaben. Das Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) konkretisiert die Bundeskompetenz für den Hochschulbereich.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Reichweite der Harmonisierungskompetenz:** Die herrschende Lehre (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 11; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, N. 3456) sieht in Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BV eine beschränkte Kompetenz zur Vorgabe von Mindeststandards. Eine Minderheitsmeinung (vertreten durch studentische Organisationen) plädierte für eine weitergehende Vereinheitlichungskompetenz des Bundes — diese Position wurde jedoch mit der Ablehnung der Stipendieninitiative 2015 verworfen.\n\n**N. 15** **Verhältnis Abs. 1 zu Abs. 2:** Umstritten ist das Verhältnis der beiden Absätze. Während Hänni (BSK BV, Art. 66 N. 12) eine klare Trennung zwischen mittelbarer Förderung (Abs. 1) und unmittelbarer Förderung (Abs. 2) sieht, vertreten andere Autoren (Aubert, Zum Bildungswesen, in: Müller/Feller, Bernisches Verwaltungsrecht, S. 245 ff.) eine engere Verzahnung. Die Praxis zeigt, dass der Bund seine Kompetenz nach Abs. 2 sehr zurückhaltend nutzt.\n\n**N. 16** **Stipendienkonkordat und Verfassungsrecht:** Das interkantonale Konkordat vom 18. Juni 2009 wirft Fragen zur verfassungsrechtlichen Zulässigkeit auf. Guery (Stipendienrecht: im Tauziehen zwischen Bildungs-, Sozial- und Finanzpolitik, recht 2012, 16 ff.) sieht darin eine vorbildliche Umsetzung kooperativen Föderalismus. Kritische Stimmen monieren die unvollständige Harmonisierung und fordern weitergehende Bundeskompetenz.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Für die kantonale Rechtsetzung:** Die Kantone müssen bei der Ausgestaltung ihrer Stipendienordnungen die Mindeststandards des Ausbildungsbeitragsgesetzes beachten. Altersgrenzen sind zulässig, müssen aber sachlich begründbar sein (BGE 2C_139/2012). Die Subsidiarität staatlicher Leistungen gegenüber Elternbeiträgen ist verfassungskonform.\n\n**N. 18** **Für Rechtsanwendende:** Bei der Beurteilung von Stipendienansprüchen ist primär das kantonale Recht massgebend. Die Bundesvorgaben bilden nur den Mindeststandard. Bei interkantonalen Fällen (Wohnsitzwechsel, ausserkantonale Ausbildung) ist das Stipendienkonkordat zu beachten, sofern beide Kantone Mitglied sind.\n\n**N. 19** **Für die Rechtsprechung:** Das Bundesgericht prüft kantonale Stipendienentscheide nur auf Verfassungsverletzungen, insbesondere Willkür (→ Art. 9 BV) und Rechtsgleichheit (→ Art. 8 BV). Eine volle Überprüfung der Angemessenheit findet nicht statt. Die kantonale Schulhoheit geniesst verfassungsrechtlichen Schutz.\n\n**N. 20** **Entwicklungsperspektiven:** Die digitale Transformation des Bildungswesens wirft neue Fragen zur Stipendienberechtigung auf (Online-Studiengänge, internationale Angebote). Die SKBF (Bildungsbericht Schweiz 2014, S. 267 ff.) empfiehlt eine Überprüfung der Förderkriterien. Die nächste Revision dürfte die Frage der Chancengleichheit im digitalen Zeitalter adressieren müssen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Kompetenzverteilung und kantonale Schulhoheit\n\n**Urteil 2P.132/2003 vom 7. August 2003**\n\nDas Bundesgericht hielt grundlegend fest, dass die Regelung des Stipendienwesens in erster Linie den Kantonen obliegt (Art. 3 in Verbindung mit Art. 66 BV). Das Urteil betraf einen anerkannten Flüchtling, der Ausbildungsbeiträge beantragte.\n\n> «Die Regelung des Stipendienwesens obliegt in erster Linie den Kantonen (Art. 3 in Verbindung mit Art. 66 BV). Diese bestimmen die Bedingungen, die Höhe der Stipendien und das Verfahren; dabei haben sie die sich aus der Bundesverfassung ergebenden Individualrechte zu beachten.»\n\nDiese Rechtsprechung bestätigt die föderalistische Struktur des Stipendienwesens und die primäre Zuständigkeit der Kantone bei gleichzeitiger Beachtung verfassungsrechtlicher Grenzen.\n\n### Grenzen kantonaler Regelungsautonomie\n\n**Urteil 2C_139/2012 vom 30. Mai 2012**\n\nDer Fall betraf die Rückforderung von Ausbildungsbeiträgen bei Studierenden über 40 Jahren. Das Bundesgericht bestätigte die Zulässigkeit altersabhängiger Beschränkungen, soweit diese nicht willkürlich sind.\n\n> «Kantonseinwohner, welche nach dem erfüllten 40. Altersjahr eine Fachschule besuchen, haben keine Anspruch auf kantonale Ausbildungsbeiträge.»\n\nDas Urteil zeigt die Grenzen der kantonalen Autonomie auf, indem es prüft, ob kantonale Regelungen verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen.\n\n### Interkantonale Harmonisierung\n\n**VB.2024.00518 vom 13. März 2025 (Verwaltungsgericht Zürich)**\n\nDieser aktuelle Entscheid behandelte die Verweigerung von Stipendien nach zwei abgebrochenen Ausbildungen und die Anwendung des Stipendienkonkordats.\n\n> «Die interkantonale Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen vom 18. Juni 2009 sieht als Minimalstandard nur vor, dass die Kantone – die Erfüllung der übrigen Voraussetzungen vorbehalten – Ausbildungsbeiträge für die erste beitragsberechtigte Ausbildung entrichten müssen.»\n\nDas Urteil verdeutlicht, wie Art. 66 Abs. 1 BV die interkantonale Harmonisierung vorantreibt, ohne die kantonale Autonomie vollständig zu beseitigen.\n\n### Verfassungsrechtliche Grenzen\n\n**Entscheide der kantonalen Gerichte zu Altersgrenzen**\n\nIn verschiedenen kantonalen Entscheidungen wurde geprüft, ob Altersgrenzen für Stipendien verfassungsrechtlich zulässig sind. Das Verwaltungsgericht Zürich hielt in VB.2025.00360 fest:\n\n> «Die Materialien zeigen, dass der Gesetzgeber mit § 17 Abs. 2 BiG beabsichtigte, den Kreis der anspruchsberechtigten Personen im Sinn einer gezielten finanziellen Mitteleinsetzung zugunsten von jüngeren Personen enger zu ziehen.»\n\nDiese Rechtsprechung bestätigt, dass die Kantone bei der Ausgestaltung der Stipendienregelungen einen erheblichen Gestaltungsspielraum haben, dabei aber das Willkürverbot und weitere Verfassungsgarantien beachten müssen.\n\n### Subsidiarität und Elternbeiträge\n\n**Kantonale Gerichtspraxis zu Elternbeiträgen**\n\nDie kantonalen Gerichte haben in zahlreichen Entscheidungen die Subsidiarität der staatlichen Ausbildungsbeiträge bestätigt. Beispielhaft zeigt sich dies in Entscheidungen zu zerütteten Familienverhältnissen (VB.2014.00185, Verwaltungsgericht Zürich):\n\n> «Die Ausrichtung und Bemessung von Ausbildungsbeiträgen folgt dem Prinzip der Subsidiarität. Massgebend für die Berechnung des Stipendienanspruchs bzw. die Ermittlung des zu berücksichtigenden Elternbeitrags ist grundsätzlich das gesamte elterliche Einkommen.»\n\nDiese Praxis konkretisiert die praktische Umsetzung der in Art. 66 BV verankerten Grundsätze auf kantonaler Ebene.\n\n### Ergänzende Bundesmassnahmen\n\n**Praxis zu Art. 66 Abs. 2 BV**\n\nObwohl Art. 66 Abs. 2 BV dem Bund ergänzende Massnahmen gestattet, ist die Rechtsprechung hierzu spärlich, da der Bund diese Kompetenz zurückhaltend ausübt. Die wenigen Entscheide bestätigen die subsidiäre Rolle des Bundes gegenüber den kantonalen Regelungen.", "summary_fr": "# Art. 66 Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 66 Cst. règle la collaboration entre la Confédération et les cantons dans le financement des bourses d'études (argent pour les étudiants). Les cantons sont principalement compétents pour l'attribution de bourses et de prêts aux étudiants (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7-9). La Confédération peut aider les cantons en leur versant de l'argent pour leurs programmes de bourses. Elle peut aussi établir des règles pour que tous les cantons aient des standards similaires.\n\nLa réglementation concerne tous les étudiants des universités, hautes écoles spécialisées et écoles supérieures qui ont besoin d'un soutien financier. Les parents doivent d'abord soutenir leurs enfants avant que l'État n'aide. Les cantons décident eux-mêmes du montant des bourses et de qui peut les recevoir. Ils doivent cependant avoir des règles équitables et ne peuvent désavantager personne de manière arbitraire.\n\nUn exemple concret : Lisa de Bâle étudie la médecine à l'Université de Zurich. Elle peut demander une bourse dans le canton de Bâle-Ville car ses parents gagnent trop peu. Bâle-Ville reçoit de l'argent de la Confédération pour financer de telles bourses. Grâce au concordat sur les bourses d'études de 2009, des règles similaires s'appliquent dans différents cantons.\n\nLa Constitution permet aussi à la Confédération de créer ses propres programmes. Ceux-ci doivent toutefois compléter les programmes cantonaux, non les remplacer. Un point de discorde était longtemps de savoir si la Confédération devait avoir plus de compétences (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). Le peuple a rejeté en 2015 une initiative correspondante car il voulait maintenir la répartition éprouvée entre la Confédération et les cantons.\n\nLa disposition ne crée pas de droit direct aux bourses de la Confédération. Les étudiants doivent s'adresser à leur canton de domicile. Les décisions cantonales peuvent être contestées devant les tribunaux si elles sont inéquitables ou contraires à la Constitution.", "doctrine_fr": "# Art. 66 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 66 Cst. trouve ses racines dans l'art. 27quater de l'ancienne Constitution fédérale, inséré en 1963. Cette disposition a été créée en réponse aux défis de la politique éducative de l'après-guerre, notamment le « choc Spoutnik » (Stirnimann, Vom Sputnik-Schock zum Stipendienkonkordat, 2010). La révision des articles sur l'éducation de 2006, entrée en vigueur le 21 mai 2006, a donné la version actuelle de l'art. 66 Cst.\n\n**N. 2** Les délibérations parlementaires ont montré la tension entre les besoins d'harmonisation et la souveraineté cantonale en matière d'éducation. Le message du 22 novembre 2005 (FF 2005 6793) soulignait que la réglementation du système de bourses devait rester principalement une tâche cantonale, tandis que la Confédération n'interviendrait qu'à titre subsidiaire. Cette orientation fédéraliste fondamentale marque encore aujourd'hui la norme (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 1).\n\n**N. 3** L'initiative sur les bourses d'études de l'Union des étudiant-e-s de Suisse (UNES), déposée le 20 janvier 2012, réclamait une centralisation des compétences au niveau fédéral. Le Conseil fédéral et le Parlement l'ont rejetée, arguant que l'harmonisation cantonale déjà bien avancée par le concordat sur les bourses d'études était la bonne voie (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 6). L'initiative a été rejetée le 14 juin 2015 par 72,5% de votes négatifs.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 66 Cst. se trouve dans la 3e section du chapitre 3 « Formation, recherche et culture ». Cette disposition doit être lue en relation avec l'article-cadre sur la formation (art. 61a Cst.) et la répartition générale des compétences (art. 3 et 42 Cst.). Elle concrétise la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons dans le domaine spécifique des contributions de formation.\n\n**N. 5** Le lien systématique se manifeste dans plusieurs dimensions : → art. 8 Cst. (égalité de traitement) limite les différenciations cantonales ; → art. 11 Cst. (protection des enfants et des jeunes) peut être pertinent dans l'aménagement du soutien ; → art. 19 Cst. (droit à un enseignement de base) complète le système éducatif dans le domaine obligatoire ; ↔ art. 63a Cst. (hautes écoles) entretient un lien matériel étroit.\n\n**N. 6** L'insertion dans le système fédéraliste est renforcée par → art. 46 Cst. (mise en œuvre du droit fédéral) et → art. 48 Cst. (conventions intercantonales). Le concordat sur les bourses d'études de 2009 est un exemple pratique de cette habilitation constitutionnelle à la coordination horizontale.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Al. 1 phrase 1 : Compétence de soutien non autonome.** La Confédération « peut » allouer des contributions — la formulation « peut » fonde une compétence fédérale facultative (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 7). Les contributions sont versées « aux » dépenses cantonales, non directement aux étudiants. Ceci souligne le caractère subsidiaire du soutien fédéral.\n\n**N. 8** Le terme « contributions de formation » comprend les bourses (prestations non remboursables) et les prêts (prestations remboursables). « Hautes écoles » désigne les hautes écoles universitaires, les hautes écoles spécialisées et les hautes écoles pédagogiques. « Autres institutions du degré tertiaire » couvre la formation professionnelle supérieure (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 8).\n\n**N. 9** **Al. 1 phrase 2 : Compétence d'harmonisation.** La Confédération peut encourager « l'harmonisation intercantonale » et fixer des « principes ». Cette compétence est plus large que la pure compétence de contribution et permet à la Confédération d'influencer l'unification du droit (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 10). Les principes peuvent comprendre des standards minimaux pour l'admissibilité, le calcul et la procédure.\n\n**N. 10** **Al. 2 : Compétence de soutien autonome.** « En complément » signale la subsidiarité, « dans le respect de la souveraineté cantonale » pose des limites claires. La Confédération peut développer ses propres programmes, mais pas en concurrence avec les cantons. Des exemples sont les contributions d'excellence ou des programmes spécifiques de mobilité (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 12).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 66 Cst. ne fonde aucun droit subjectif des étudiants envers la Confédération. La norme est une pure norme de compétence qui ouvre des possibilités d'action au législateur fédéral sans l'obliger à agir. Ceci distingue fondamentalement l'art. 66 Cst. des droits fondamentaux justiciables.\n\n**N. 12** La compétence cantonale reste principalement conservée. Les cantons doivent cependant respecter les limites constitutionnelles lors de leur législation : → art. 8 Cst. (pas de distinctions arbitraires), → art. 9 Cst. (interdiction de l'application arbitraire du droit), → art. 29 Cst. (procédures équitables dans les décisions sur les bourses).\n\n**N. 13** La Confédération a édicté, sur la base de l'art. 66 Cst., la loi sur les contributions de formation du 6 octobre 2006 (RS 416.0). Elle règle les conditions pour les contributions fédérales (art. 13 s.) et contient des exigences minimales d'harmonisation. La loi sur l'encouragement et la coordination des hautes écoles (LEHE) concrétise la compétence fédérale pour le domaine des hautes écoles.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 14** **Portée de la compétence d'harmonisation :** La doctrine dominante (Hänni, BSK BV, art. 66 n. 11 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, n. 3456) voit dans l'art. 66 al. 1 phrase 2 Cst. une compétence limitée pour prescrire des standards minimaux. Une opinion minoritaire (représentée par les organisations étudiantes) plaidait pour une compétence d'unification plus étendue de la Confédération — cette position a cependant été rejetée avec le refus de l'initiative sur les bourses en 2015.\n\n**N. 15** **Rapport de l'al. 1 à l'al. 2 :** Le rapport entre les deux alinéas est controversé. Tandis que Hänni (BSK BV, art. 66 n. 12) voit une séparation claire entre le soutien indirect (al. 1) et le soutien direct (al. 2), d'autres auteurs (Aubert, Zum Bildungswesen, in: Müller/Feller, Bernisches Verwaltungsrecht, p. 245 ss) défendent un lien plus étroit. La pratique montre que la Confédération utilise sa compétence selon l'al. 2 avec beaucoup de retenue.\n\n**N. 16** **Concordat sur les bourses et droit constitutionnel :** Le concordat intercantonal du 18 juin 2009 soulève des questions sur son admissibilité constitutionnelle. Guery (Stipendienrecht: im Tauziehen zwischen Bildungs-, Sozial- und Finanzpolitik, recht 2012, 16 ss) y voit une mise en œuvre exemplaire du fédéralisme coopératif. Des voix critiques déplorent l'harmonisation incomplète et réclament une compétence fédérale plus étendue.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** **Pour la législation cantonale :** Les cantons doivent respecter les standards minimaux de la loi sur les contributions de formation lors de l'aménagement de leurs réglementations sur les bourses. Les limites d'âge sont admissibles mais doivent être objectivement justifiables (ATF 2C_139/2012). La subsidiarité des prestations étatiques par rapport aux contributions parentales est conforme à la Constitution.\n\n**N. 18** **Pour les praticiens du droit :** Lors de l'appréciation des droits aux bourses, le droit cantonal est déterminant en premier lieu. Les prescriptions fédérales ne forment que le standard minimal. Dans les cas intercantonaux (changement de domicile, formation extracantonale), il faut respecter le concordat sur les bourses d'études, pour autant que les deux cantons en soient membres.\n\n**N. 19** **Pour la jurisprudence :** Le Tribunal fédéral n'examine les décisions cantonales sur les bourses que pour des violations constitutionnelles, notamment l'arbitraire (→ art. 9 Cst.) et l'égalité de traitement (→ art. 8 Cst.). Un examen complet de l'opportunité n'a pas lieu. La souveraineté scolaire cantonale jouit d'une protection constitutionnelle.\n\n**N. 20** **Perspectives d'évolution :** La transformation numérique du système éducatif soulève de nouvelles questions sur le droit aux bourses (cursus en ligne, offres internationales). Le CSRE (Rapport sur l'éducation en Suisse 2014, p. 267 ss) recommande une révision des critères de soutien. La prochaine révision devra probablement aborder la question de l'égalité des chances à l'ère numérique.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Répartition des compétences et souveraineté cantonale en matière scolaire\n\n**Arrêt 2P.132/2003 du 7 août 2003**\n\nLe Tribunal fédéral a établi de manière fondamentale que la réglementation du système de bourses incombe en premier lieu aux cantons (art. 3 en relation avec l'art. 66 Cst). L'arrêt concernait un réfugié reconnu qui demandait des contributions de formation.\n\n> « La réglementation du système de bourses incombe en premier lieu aux cantons (art. 3 en relation avec l'art. 66 Cst). Ceux-ci déterminent les conditions, le montant des bourses et la procédure ; ce faisant, ils doivent respecter les droits individuels découlant de la Constitution fédérale. »\n\nCette jurisprudence confirme la structure fédéraliste du système de bourses et la compétence primaire des cantons tout en respectant les limites constitutionnelles.\n\n### Limites de l'autonomie réglementaire cantonale\n\n**Arrêt 2C_139/2012 du 30 mai 2012**\n\nLe cas concernait la récupération de contributions de formation auprès d'étudiants de plus de 40 ans. Le Tribunal fédéral a confirmé l'admissibilité de restrictions liées à l'âge, pour autant qu'elles ne soient pas arbitraires.\n\n> « Les habitants du canton qui fréquentent une école professionnelle supérieure après avoir atteint l'âge de 40 ans n'ont pas droit aux contributions cantonales de formation. »\n\nL'arrêt montre les limites de l'autonomie cantonale en examinant si les réglementations cantonales satisfont aux exigences constitutionnelles.\n\n### Harmonisation intercantonale\n\n**VB.2024.00518 du 13 mars 2025 (Tribunal administratif de Zurich)**\n\nCette décision récente traitait du refus de bourses après deux formations interrompues et de l'application du concordat sur les bourses.\n\n> « L'accord intercantonal sur l'harmonisation des contributions de formation du 18 juin 2009 ne prévoit comme standard minimal que l'obligation pour les cantons – sous réserve du respect des autres conditions – de verser des contributions de formation pour la première formation donnant droit à des contributions. »\n\nL'arrêt illustre comment l'art. 66, al. 1, Cst fait progresser l'harmonisation intercantonale sans supprimer complètement l'autonomie cantonale.\n\n### Limites constitutionnelles\n\n**Décisions des tribunaux cantonaux concernant les limites d'âge**\n\nDans diverses décisions cantonales, il a été examiné si les limites d'âge pour les bourses sont constitutionnellement admissibles. Le Tribunal administratif de Zurich a établi dans VB.2025.00360 :\n\n> « Les matériaux montrent que le législateur, avec le § 17, al. 2, BiG, avait l'intention de restreindre le cercle des personnes ayant droit à des prestations dans le sens d'un engagement financier ciblé en faveur de personnes plus jeunes. »\n\nCette jurisprudence confirme que les cantons disposent d'une marge de manœuvre considérable dans l'aménagement des réglementations sur les bourses, mais qu'ils doivent respecter l'interdiction de l'arbitraire et d'autres garanties constitutionnelles.\n\n### Subsidiarité et contributions parentales\n\n**Pratique jurisprudentielle cantonale concernant les contributions parentales**\n\nLes tribunaux cantonaux ont confirmé dans de nombreuses décisions la subsidiarité des contributions publiques de formation. Ceci se manifeste de manière exemplaire dans des décisions relatives aux rapports familiaux perturbés (VB.2014.00185, Tribunal administratif de Zurich) :\n\n> « L'octroi et le calcul des contributions de formation suivent le principe de subsidiarité. Pour le calcul du droit aux bourses, respectivement pour la détermination de la contribution parentale à prendre en considération, c'est en principe l'ensemble du revenu parental qui est déterminant. »\n\nCette pratique concrétise la mise en œuvre pratique des principes ancrés à l'art. 66 Cst au niveau cantonal.\n\n### Mesures complémentaires de la Confédération\n\n**Pratique concernant l'art. 66, al. 2, Cst**\n\nBien que l'art. 66, al. 2, Cst permette à la Confédération de prendre des mesures complémentaires, la jurisprudence à ce sujet est rare, car la Confédération exerce cette compétence avec retenue. Les quelques décisions confirment le rôle subsidiaire de la Confédération par rapport aux réglementations cantonales.", "summary_it": "# Art. 66 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 66 Cost. disciplina come Confederazione e Cantoni collaborano nel finanziamento delle borse di studio (denaro per gli studenti). I Cantoni sono principalmente competenti per l'attribuzione di borse di studio e prestiti agli studenti (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7-9). La Confederazione può aiutare i Cantoni fornendo loro denaro per i loro programmi di borse di studio. Può anche stabilire regole affinché tutti i Cantoni abbiano standard simili.\n\nLa disciplina riguarda tutti gli studenti di università, scuole universitarie professionali e scuole professionali superiori che necessitano di sostegno finanziario. I genitori devono prima sostenere i loro figli prima che lo Stato intervenga. I Cantoni decidono autonomamente sull'ammontare delle borse di studio e su chi può riceverle. Devono però avere regole eque e non possono svantaggiare nessuno arbitrariamente.\n\nUn esempio concreto: Lisa di Basilea studia medicina all'Università di Zurigo. Può richiedere una borsa di studio nel Cantone di Basilea Città perché i suoi genitori guadagnano troppo poco. Basilea Città riceve denaro dalla Confederazione per finanziare tali borse di studio. Grazie al Concordato sulle borse di studio del 2009 si applicano regole simili in diversi Cantoni.\n\nLa Costituzione permette anche alla Confederazione di creare propri programmi. Questi devono però completare i programmi cantonali, non sostituirli. Un punto controverso è stato a lungo se la Confederazione dovesse avere più competenze (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). Il corpo elettorale ha respinto nel 2015 una corrispondente iniziativa perché voleva mantenere la comprovata ripartizione tra Confederazione e Cantoni.\n\nLa disposizione non crea un diritto diretto alle borse di studio dalla Confederazione. Gli studenti devono rivolgersi al loro Cantone di domicilio. Le decisioni cantonali possono essere impugnate davanti al tribunale se sono inique o violano la Costituzione.", "doctrine_it": "# Art. 66 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 66 Cost. ha le sue radici nell'art. 27quater della vecchia Costituzione federale, che fu inserito nel 1963. La disposizione nacque come risposta alle sfide della politica educativa del dopoguerra, in particolare il cosiddetto «shock dello Sputnik» (Stirnimann, Vom Sputnik-Schock zum Stipendienkonkordat, 2010). La revisione degli articoli sull'educazione del 2006, entrata in vigore il 21 maggio 2006, ha portato alla versione attuale dell'art. 66 Cost.\n\n**N. 2** Le consultazioni parlamentari hanno mostrato la tensione tra il bisogno di armonizzazione e la sovranità cantonale in materia di educazione. Il messaggio del 22 novembre 2005 (FF 2005 6885) ha sottolineato che la regolamentazione del sistema di borse di studio doveva rimanere principalmente un compito cantonale, mentre la Confederazione agisce solo in via sussidiaria. Questo orientamento federalista fondamentale caratterizza la norma fino ad oggi (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 1).\n\n**N. 3** L'iniziativa sulle borse di studio dell'Unione degli studenti svizzeri (USS), depositata il 20 gennaio 2012, chiedeva una centralizzazione delle competenze presso la Confederazione. Il Consiglio federale e il Parlamento la respinsero con l'argomento che l'armonizzazione cantonale già molto avanzata attraverso il concordato sulle borse di studio fosse la via giusta (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). L'iniziativa è stata respinta il 14 giugno 2015 con il 72,5% di voti contrari.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 66 Cost. si trova nella sezione 3 del capitolo 3 «Educazione, ricerca e cultura». La disposizione deve essere letta in relazione all'articolo quadro sull'educazione (art. 61a Cost.) e alla ripartizione generale delle competenze (art. 3 e 42 Cost.). Essa concretizza la divisione dei compiti tra Confederazione e Cantoni nel settore specifico dei contributi di formazione.\n\n**N. 5** Il collegamento sistematico si manifesta in diverse dimensioni: → Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) pone limiti alle differenziazioni cantonali; → Art. 11 Cost. (protezione dei fanciulli e degli adolescenti) può essere rilevante nell'organizzazione del sostegno; → Art. 19 Cost. (diritto all'istruzione di base) completa il sistema educativo nell'ambito obbligatorio; ↔ Art. 63a Cost. (scuole universitarie) è strettamente collegato dal punto di vista materiale.\n\n**N. 6** L'inserimento nel sistema federalista è rafforzato dall'→ Art. 46 Cost. (attuazione del diritto federale) e dall'→ Art. 48 Cost. (convenzioni intercantonali). Il concordato sulle borse di studio del 2009 è un esempio pratico di questa autorizzazione costituzionale al coordinamento orizzontale.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Cpv. 1 frase 1: Competenza di sostegno non autonoma.** La Confederazione «può» accordare contributi — la formulazione con «può» fonda una competenza federale facoltativa (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7). I contributi vengono erogati «alle» spese cantonali, non direttamente agli studenti. Questo sottolinea il carattere sussidiario del sostegno federale.\n\n**N. 8** Il termine «contributi di formazione» comprende borse di studio (prestazioni non rimborsabili) e prestiti (prestazioni rimborsabili). «Scuole universitarie» significa università, scuole universitarie professionali e alte scuole pedagogiche. «Altre istituzioni dell'educazione superiore» include la formazione professionale superiore (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 8).\n\n**N. 9** **Cpv. 1 frase 2: Competenza di armonizzazione.** La Confederazione può promuovere l'«armonizzazione intercantonale» e stabilire «principi». Questa competenza è più ampia della pura competenza contributiva e permette alla Confederazione di influenzare in modo direttivo l'unificazione del diritto (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 10). I principi possono comprendere standard minimi per l'ammissibilità, il calcolo e la procedura.\n\n**N. 10** **Cpv. 2: Competenza di sostegno autonoma.** «In completamento» segnala sussidiarietà, «nel rispetto della sovranità scolastica cantonale» pone chiari limiti. La Confederazione può sviluppare programmi propri, ma non in concorrenza con i Cantoni. Esempi sono contributi per l'eccellenza o programmi specifici di mobilità (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 12).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 66 Cost. non fonda diritti soggettivi degli studenti nei confronti della Confederazione. La norma è una pura norma di competenza che apre possibilità d'azione al legislatore federale senza obbligarlo ad agire. Questo distingue fondamentalmente l'art. 66 Cost. dai diritti fondamentali giustiziabili.\n\n**N. 12** La competenza cantonale rimane primaria. I Cantoni devono tuttavia rispettare i limiti costituzionali nella loro legislazione: → Art. 8 Cost. (nessuna distinzione arbitraria), → Art. 9 Cost. (divieto di applicazione arbitraria del diritto), → Art. 29 Cost. (procedure eque nelle decisioni sulle borse di studio).\n\n**N. 13** La Confederazione ha emanato sulla base dell'art. 66 Cost. la legge sui contributi di formazione del 6 ottobre 2006 (RS 416.0). Essa disciplina i presupposti per i contributi federali (art. 13 seg.) e contiene disposizioni minime di armonizzazione. La legge federale sulla promozione e sul coordinamento del settore universitario svizzero (LPSU) concretizza la competenza federale per il settore universitario.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 14** **Portata della competenza di armonizzazione:** La dottrina dominante (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 11; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, N. 3456) vede nell'art. 66 cpv. 1 frase 2 Cost. una competenza limitata per prescrivere standard minimi. Un'opinione minoritaria (rappresentata dalle organizzazioni studentesche) propugnava una competenza di unificazione più estesa della Confederazione — questa posizione è stata tuttavia respinta con il rigetto dell'iniziativa sulle borse di studio nel 2015.\n\n**N. 15** **Rapporto cpv. 1 con cpv. 2:** È controverso il rapporto tra i due capoversi. Mentre Hänni (BSK BV, Art. 66 N. 12) vede una chiara separazione tra sostegno indiretto (cpv. 1) e sostegno diretto (cpv. 2), altri autori (Aubert, Zum Bildungswesen, in: Müller/Feller, Bernisches Verwaltungsrecht, p. 245 seg.) sostengono un collegamento più stretto. La prassi mostra che la Confederazione utilizza la sua competenza secondo il cpv. 2 con molta moderazione.\n\n**N. 16** **Concordato sulle borse di studio e diritto costituzionale:** Il concordato intercantonale del 18 giugno 2009 solleva questioni sulla sua ammissibilità costituzionale. Guery (Stipendienrecht: im Tauziehen zwischen Bildungs-, Sozial- und Finanzpolitik, recht 2012, 16 seg.) vi vede un'attuazione esemplare del federalismo cooperativo. Voci critiche lamentano l'armonizzazione incompleta e chiedono una competenza federale più estesa.\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 17** **Per la legislazione cantonale:** I Cantoni devono rispettare gli standard minimi della legge sui contributi di formazione nell'organizzazione dei loro ordinamenti sulle borse di studio. I limiti di età sono ammissibili, ma devono essere giustificabili oggettivamente (DTF 2C_139/2012). La sussidiarietà delle prestazioni statali rispetto ai contributi dei genitori è conforme alla Costituzione.\n\n**N. 18** **Per gli operatori del diritto:** Nel valutare le richieste di borse di studio è determinante principalmente il diritto cantonale. Le prescrizioni federali costituiscono solo lo standard minimo. Nei casi intercantonali (cambio di domicilio, formazione extracantonale) bisogna rispettare il concordato sulle borse di studio, se entrambi i Cantoni ne sono membri.\n\n**N. 19** **Per la giurisprudenza:** Il Tribunale federale esamina le decisioni cantonali sulle borse di studio solo per violazioni della Costituzione, in particolare arbitrarietà (→ Art. 9 Cost.) e uguaglianza giuridica (→ Art. 8 Cost.). Non avviene un controllo completo dell'adeguatezza. La sovranità scolastica cantonale gode di protezione costituzionale.\n\n**N. 20** **Prospettive di sviluppo:** La trasformazione digitale del sistema educativo solleva nuove questioni sul diritto alle borse di studio (corsi di studio online, offerte internazionali). Il CSRE (Rapporto sul sistema educativo svizzero 2014, p. 267 seg.) raccomanda una verifica dei criteri di sostegno. La prossima revisione dovrà probabilmente affrontare la questione dell'uguaglianza delle opportunità nell'era digitale.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Ripartizione delle competenze e sovranità cantonale in materia scolastica\n\n**Sentenza 2P.132/2003 del 7 agosto 2003**\n\nIl Tribunale federale ha stabilito in via di principio che la regolamentazione del sistema delle borse di studio compete in primo luogo ai Cantoni (art. 3 in relazione all'art. 66 Cost.). La sentenza riguardava un rifugiato riconosciuto che aveva richiesto contributi per la formazione.\n\n> «La regolamentazione del sistema delle borse di studio compete in primo luogo ai Cantoni (art. 3 in relazione all'art. 66 Cost.). Questi determinano le condizioni, l'ammontare delle borse di studio e la procedura; devono tuttavia rispettare i diritti individuali derivanti dalla Costituzione federale.»\n\nQuesta giurisprudenza conferma la struttura federalistica del sistema delle borse di studio e la competenza primaria dei Cantoni nel rispetto dei limiti costituzionali.\n\n### Limiti dell'autonomia normativa cantonale\n\n**Sentenza 2C_139/2012 del 30 maggio 2012**\n\nIl caso riguardava la restituzione di contributi per la formazione da parte di studenti oltre i 40 anni. Il Tribunale federale ha confermato l'ammissibilità di limitazioni legate all'età, purché non siano arbitrarie.\n\n> «I residenti cantonali che frequentano una scuola specializzata dopo aver compiuto i 40 anni non hanno diritto a contributi cantonali per la formazione.»\n\nLa sentenza evidenzia i limiti dell'autonomia cantonale verificando se le regolamentazioni cantonali soddisfino i requisiti costituzionali.\n\n### Armonizzazione intercantonale\n\n**VB.2024.00518 del 13 marzo 2025 (Tribunale amministrativo di Zurigo)**\n\nQuesta decisione recente ha trattato il rifiuto di borse di studio dopo due formazioni interrotte e l'applicazione del concordato sulle borse di studio.\n\n> «L'accordo intercantonale per l'armonizzazione dei contributi per la formazione del 18 giugno 2009 prevede come standard minimo soltanto che i Cantoni – riservato l'adempimento degli altri requisiti – devono versare contributi per la formazione per la prima formazione che dà diritto a contributi.»\n\nLa sentenza chiarisce come l'art. 66 cpv. 1 Cost. promuova l'armonizzazione intercantonale senza eliminare completamente l'autonomia cantonale.\n\n### Limiti costituzionali\n\n**Decisioni dei tribunali cantonali sui limiti di età**\n\nIn varie decisioni cantonali è stato verificato se i limiti di età per le borse di studio siano costituzionalmente ammissibili. Il Tribunale amministrativo di Zurigo ha stabilito in VB.2025.00360:\n\n> «I materiali dimostrano che il legislatore con il § 17 cpv. 2 BiG intendeva restringere la cerchia delle persone aventi diritto nel senso di un impiego mirato delle risorse finanziarie a favore di persone più giovani.»\n\nQuesta giurisprudenza conferma che i Cantoni dispongono di un notevole margine di manovra nella configurazione delle regolamentazioni sulle borse di studio, dovendo tuttavia rispettare il divieto di arbitrio e altre garanzie costituzionali.\n\n### Sussidiarietà e contributi parentali\n\n**Prassi giurisprudenziale cantonale sui contributi parentali**\n\nI tribunali cantonali hanno confermato in numerose decisioni la sussidiarietà dei contributi statali per la formazione. Ciò si dimostra esemplarmenet nelle decisioni sui rapporti familiari compromessi (VB.2014.00185, Tribunale amministrativo di Zurigo):\n\n> «L'assegnazione e il calcolo dei contributi per la formazione seguono il principio della sussidiarietà. Per il calcolo del diritto alle borse di studio ovvero per la determinazione del contributo parentale da considerare è in linea di principio determinante l'intero reddito parentale.»\n\nQuesta prassi concretizza l'attuazione pratica dei principi sanciti nell'art. 66 Cost. a livello cantonale.\n\n### Misure complementari della Confederazione\n\n**Prassi sull'art. 66 cpv. 2 Cost.**\n\nBenché l'art. 66 cpv. 2 Cost. consenta alla Confederazione di adottare misure complementari, la giurisprudenza in materia è scarsa, poiché la Confederazione esercita questa competenza con moderazione. Le poche decisioni confermano il ruolo sussidiario della Confederazione rispetto alle regolamentazioni cantonali.", "summary_en": "# Art. 66 BV\n\n## Overview\n\nArt. 66 BV governs how the Confederation and the cantons cooperate in financing grants (money for students). The cantons are primarily responsible for awarding grants and loans to students (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7-9). The Confederation can help the cantons by providing them with money for their grant programmes. It can also establish rules so that all cantons have similar standards.\n\nThe provision applies to all students at universities, universities of applied sciences and higher vocational schools who need financial support. Parents must first support their children before the state helps. The cantons decide for themselves on the amount of grants and who can receive them. However, they must have fair rules and may not arbitrarily disadvantage anyone.\n\nA concrete example: Lisa from Basel is studying medicine at the University of Zurich. She can apply for a grant in the Canton of Basel-Stadt because her parents earn too little. Basel-Stadt receives money from the Confederation to finance such grants. Thanks to the Intercantonal Agreement on the Harmonisation of Grants of 2009, similar rules apply in various cantons.\n\nThe Constitution also allows the Confederation to create its own programmes. However, these must complement, not replace, cantonal programmes. One point of contention for a long time was whether the Confederation should have more powers (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). The electorate rejected a corresponding initiative in 2015 because it wanted to maintain the proven division of responsibilities between the Confederation and the cantons.\n\nThe provision creates no direct entitlement to grants from the Confederation. Students must contact their canton of residence. Cantonal decisions can be challenged in court if they are unfair or violate the Constitution.", "doctrine_en": "# Art. 66 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 66 BV has its roots in Art. 27quater of the old Federal Constitution, which was inserted in 1963. The provision arose as a response to the educational policy challenges of the post-war period, particularly the so-called «Sputnik shock» (Stirnimann, Vom Sputnik-Schock zum Stipendienkonkordat, 2010). The revision of the education articles in 2006, which came into force on 21 May 2006, brought about the current version of Art. 66 BV.\n\n**N. 2** The parliamentary deliberations revealed the tension between the need for harmonisation and cantonal educational sovereignty. The Federal Council message of 22 November 2005 (BBl 2005 7273) emphasised that the regulation of the scholarship system should remain primarily a cantonal task, while the Confederation only acts subsidiarily. This federalist basic orientation continues to shape the norm today (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 1).\n\n**N. 3** The scholarship initiative of the Swiss Student Union (VSS), submitted on 20 January 2012, demanded a centralisation of competences with the Confederation. The Federal Council and Parliament rejected this with the argument that the already advanced cantonal harmonisation through the scholarship concordat was the right path (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 6). The initiative was rejected on 14 June 2015 with 72.5% no votes.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 66 BV is located in Section 3 of Chapter 3 «Education, Research and Culture». The provision must be read in connection with the education framework article (Art. 61a BV) and the general allocation of powers (Art. 3 and 42 BV). It concretises the division of tasks between the Confederation and the cantons in the specific area of education grants.\n\n**N. 5** The systematic connection is evident in several dimensions: → Art. 8 BV (equality before the law) sets limits for cantonal differentiations; → Art. 11 BV (protection of children and young people) may become relevant in designing support; → Art. 19 BV (right to basic education) complements the education system in the compulsory area; ↔ Art. 63a BV (higher education) is closely related in subject matter.\n\n**N. 6** The embedding in the federalist system is reinforced by → Art. 46 BV (implementation of federal law) and → Art. 48 BV (intercantonal agreements). The scholarship concordat of 2009 is a practical example of this constitutional authorisation for horizontal coordination.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Para. 1 sentence 1: Non-independent support competence.** The Confederation «may» grant contributions — the may-formulation establishes a facultative federal competence (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 7). The contributions are made «to» cantonal expenditures, not directly to students. This underscores the subsidiary character of federal support.\n\n**N. 8** The term «education grants» includes scholarships (non-repayable benefits) and loans (repayable benefits). «Higher education institutions» means universities, universities of applied sciences and universities of teacher education. «Other institutions of higher education» covers higher vocational education and training (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 8).\n\n**N. 9** **Para. 1 sentence 2: Harmonisation competence.** The Confederation may promote «intercantonal harmonisation» and establish «principles». This competence is broader than the pure contribution competence and allows the Confederation to influence legal unification in a steering manner (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 10). The principles may include minimum standards for entitlement, assessment and procedure.\n\n**N. 10** **Para. 2: Independent support competence.** «In addition» signals subsidiarity, «while respecting cantonal educational sovereignty» sets clear limits. The Confederation may develop its own programmes, but not in competition with the cantons. Examples include excellence grants or specific mobility programmes (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 12).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 66 BV does not establish subjective rights of students against the Confederation. The norm is a pure competence norm that opens up possibilities for action for the federal legislature without obliging it to act. This fundamentally distinguishes Art. 66 BV from justiciable fundamental rights.\n\n**N. 12** Cantonal competence remains primary. However, when enacting legislation, the cantons must observe constitutional limitations: → Art. 8 BV (no arbitrary distinctions), → Art. 9 BV (prohibition of arbitrary application of law), → Art. 29 BV (fair procedures for scholarship decisions).\n\n**N. 13** Based on Art. 66 BV, the Confederation has enacted the Education Grant Act of 6 October 2006 (SR 416.0). It regulates the conditions for federal contributions (Art. 13 f.) and contains minimal harmonisation requirements. The Higher Education Promotion and Coordination Act (HFKG) concretises the federal competence for the higher education sector.\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 14** **Scope of harmonisation competence:** The prevailing doctrine (Hänni, BSK BV, Art. 66 N. 11; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, N. 3456) sees in Art. 66 para. 1 sentence 2 BV a limited competence to prescribe minimum standards. A minority opinion (represented by student organisations) argued for a more extensive unification competence of the Confederation — this position was rejected with the rejection of the scholarship initiative in 2015.\n\n**N. 15** **Relationship of para. 1 to para. 2:** The relationship between the two paragraphs is disputed. While Hänni (BSK BV, Art. 66 N. 12) sees a clear separation between indirect support (para. 1) and direct support (para. 2), other authors (Aubert, Zum Bildungswesen, in: Müller/Feller, Bernisches Verwaltungsrecht, p. 245 ff.) advocate closer integration. Practice shows that the Confederation uses its competence under para. 2 very sparingly.\n\n**N. 16** **Scholarship concordat and constitutional law:** The intercantonal concordat of 18 June 2009 raises questions about constitutional admissibility. Guery (Stipendienrecht: im Tauziehen zwischen Bildungs-, Sozial- und Finanzpolitik, recht 2012, 16 ff.) sees this as an exemplary implementation of cooperative federalism. Critical voices complain about incomplete harmonisation and demand more extensive federal competence.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 17** **For cantonal legislation:** When designing their scholarship regulations, the cantons must observe the minimum standards of the Education Grant Act. Age limits are permissible but must be objectively justifiable (BGE 2C_139/2012). The subsidiarity of state benefits in relation to parental contributions is constitutional.\n\n**N. 18** **For legal practitioners:** When assessing scholarship claims, cantonal law is primarily decisive. Federal requirements only form the minimum standard. In intercantonal cases (change of residence, extra-cantonal education), the scholarship concordat must be observed if both cantons are members.\n\n**N. 19** **For jurisprudence:** The Federal Supreme Court only reviews cantonal scholarship decisions for constitutional violations, particularly arbitrariness (→ Art. 9 BV) and equality before the law (→ Art. 8 BV). A full review of appropriateness does not take place. Cantonal educational sovereignty enjoys constitutional protection.\n\n**N. 20** **Development perspectives:** The digital transformation of the education system raises new questions about scholarship entitlement (online degree programmes, international offerings). The SKBF (Bildungsbericht Schweiz 2014, p. 267 ff.) recommends a review of support criteria. The next revision will likely have to address the issue of equal opportunities in the digital age.", "caselaw_en": "## Case law\n\n### Distribution of competencies and cantonal educational sovereignty\n\n**Judgment 2P.132/2003 of 7 August 2003**\n\nThe Federal Supreme Court fundamentally established that the regulation of the scholarship system is primarily the responsibility of the cantons (Art. 3 in conjunction with Art. 66 Cst.). The judgment concerned a recognised refugee who applied for education grants.\n\n> «The regulation of the scholarship system is primarily the responsibility of the cantons (Art. 3 in conjunction with Art. 66 Cst.). They determine the conditions, the amount of scholarships and the procedure; in doing so, they must observe the individual rights arising from the Federal Constitution.»\n\nThis case law confirms the federalist structure of the scholarship system and the primary competence of the cantons while simultaneously observing constitutional limits.\n\n### Limits of cantonal regulatory autonomy\n\n**Judgment 2C_139/2012 of 30 May 2012**\n\nThe case concerned the recovery of education grants from students over 40 years old. The Federal Supreme Court confirmed the admissibility of age-dependent restrictions, insofar as these are not arbitrary.\n\n> «Cantonal residents who attend a technical college after reaching the age of 40 are not entitled to cantonal education grants.»\n\nThe judgment reveals the limits of cantonal autonomy by examining whether cantonal regulations meet constitutional requirements.\n\n### Intercantonal harmonisation\n\n**VB.2024.00518 of 13 March 2025 (Administrative Court of Zurich)**\n\nThis recent decision dealt with the refusal of scholarships after two discontinued educations and the application of the scholarship concordat.\n\n> «The intercantonal agreement on the harmonisation of education grants of 18 June 2009 provides as a minimum standard only that the cantons – subject to fulfilment of other requirements – must pay education grants for the first education eligible for grants.»\n\nThe judgment illustrates how Art. 66 para. 1 Cst. advances intercantonal harmonisation without completely eliminating cantonal autonomy.\n\n### Constitutional limits\n\n**Decisions of cantonal courts on age limits**\n\nIn various cantonal decisions, it was examined whether age limits for scholarships are constitutionally permissible. The Administrative Court of Zurich held in VB.2025.00360:\n\n> «The materials show that the legislature intended with § 17 para. 2 BiG to narrow the circle of persons entitled to claims in the sense of targeted financial resource deployment in favour of younger persons.»\n\nThis case law confirms that the cantons have considerable discretion in designing scholarship regulations, but must observe the prohibition of arbitrariness and other constitutional guarantees.\n\n### Subsidiarity and parental contributions\n\n**Cantonal court practice on parental contributions**\n\nThe cantonal courts have confirmed the subsidiarity of state education grants in numerous decisions. This is exemplified in decisions on disrupted family relationships (VB.2014.00185, Administrative Court of Zurich):\n\n> «The granting and assessment of education grants follows the principle of subsidiarity. Decisive for the calculation of the scholarship entitlement or the determination of the parental contribution to be considered is fundamentally the entire parental income.»\n\nThis practice concretises the practical implementation of the principles enshrined in Art. 66 Cst. at the cantonal level.\n\n### Supplementary federal measures\n\n**Practice on Art. 66 para. 2 Cst.**\n\nAlthough Art. 66 para. 2 Cst. permits the Confederation to take supplementary measures, case law on this is sparse, as the Confederation exercises this competence with restraint. The few decisions confirm the subsidiary role of the Confederation in relation to cantonal regulations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_66", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 67, "article_suffix": "", "title": "Förderung von Kindern und Jugendlichen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 67 BV — Kinder und Jugendliche\n\n## Übersicht\n\nArt. 67 BV verpflichtet Bund und Kantone, bei allen ihren Aufgaben die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Diese Querschnittsaufgabe bedeutet: Wenn der Staat Gesetze macht, Entscheide fällt oder Projekte plant, muss er immer auch fragen, wie sich dies auf Personen unter 18 Jahren auswirkt (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\nDie Norm hat zwei Teile. **Absatz 1** schreibt diese Berücksichtigungspflicht für alle staatlichen Tätigkeiten vor. **Absatz 2** erlaubt dem Bund zusätzlich, die ausserschulische Jugendarbeit finanziell zu unterstützen — aber nur ergänzend zu dem, was die Kantone bereits tun.\n\nArt. 67 BV begründet keine direkten Ansprüche für Kinder oder Jugendorganisationen (**BVGE 2015/33** E. 4.1). Es ist vielmehr eine Programmbestimmung, die den Staat anweist, wie er seine Macht ausüben soll. Bei Gerichtsentscheiden muss das Kindeswohl jedoch als wichtiger Faktor in die Abwägung einfliessen (**BGE 146 III 313** E. 5.5.3).\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine Gemeinde plant eine neue Strasse. Sie muss prüfen, ob dadurch Schulwege unsicher werden oder Spielplätze verschwinden. Diese Kinderinteressen sind bei der Planung zu berücksichtigen, auch wenn sie nicht zwingend den Ausschlag geben.\n\n**Bundesunterstützung:** Der Bund kann Jugendorganisationen oder innovative Projekte mit Finanzhilfen fördern. Dies geschieht über das Kinder- und Jugendförderungsgesetz (KJFG). Voraussetzung ist, dass das Projekt gesamtschweizerische Bedeutung hat und zeitlich begrenzt ist (**Urteil B-6244/2020**). Regelmässige Betriebskosten werden nicht übernommen.\n\n**Umstrittene Rechtsfrage:** In der Rechtslehre ist umstritten, wie weit die Bundeskompetenz reicht. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) sieht sie als praktisch uneingeschränkte Parallalkompetenz, während Biaggini stärkere verfassungsrechtliche Schranken betont.\n\nArt. 67 BV verstärkt das Bewusstsein dafür, dass staatliche Entscheide oft besonders stark auf die junge Generation wirken. Es macht diese Auswirkungen sichtbar und zwingt zur expliziten Berücksichtigung von Kinderinteressen in der Politik.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 67 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 neu geschaffen. Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 betont, dass der Bund bei der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nur ergänzend zu kantonalen Massnahmen tätig werden soll: Der Bund wird nur subsidiär aktiv (BBl 1997 I 284). Diese Bestimmung verankert erstmals auf Verfassungsstufe eine explizite Querschnittsaufgabe für die besondere Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen (Abs. 1) sowie eine subsidiäre Bundeskompetenz für die ausserschulische Jugendarbeit (Abs. 2).\n\n**N. 2** Die Norm entstand im Kontext internationaler Entwicklungen, insbesondere der UN-Kinderrechtskonvention von 1989, welche die Schweiz 1997 ratifizierte. Sie steht in engem Zusammenhang mit der gleichzeitig geschaffenen Grundrechtsgarantie von Art. 11 BV (Schutz der Kinder und Jugendlichen) und dem Sozialziel von Art. 41 Abs. 1 lit. g BV.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 67 BV ist im 3. Kapitel (Sozialziele, Bildung und Kultur) des 2. Titels (Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele) eingeordnet. Die Norm weist Bezüge zu mehreren Verfassungsbestimmungen auf:\n- → Art. 11 BV (materieller Grundrechtsschutz)\n- → Art. 41 Abs. 1 lit. f und g BV (Sozialziele betreffend Kinder und Jugendliche)\n- ↔ Art. 19 BV (Anspruch auf Grundschulunterricht)\n- → Art. 62 BV (Schulwesen als kantonale Kompetenz)\n- → Art. 5a BV (Subsidiaritätsprinzip)\n\n**N. 4** Die systematische Stellung verdeutlicht, dass Art. 67 BV keine Grundrechtsgarantie darstellt, sondern eine Kompetenz- und Programmbestimmung. Sie begründet weder subjektive Rechte noch justiziable Ansprüche (**BGE 126 II 377** E. 5.4; **BVGE 2015/33** E. 3.4).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1** statuiert eine Querschnittsaufgabe: Bund und Kantone müssen bei allen ihren Aufgaben die besonderen Förderungs- und Schutzbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Diese Verpflichtung gilt umfassend für alle staatlichen Tätigkeiten, von der Gesetzgebung über die Rechtsanwendung bis zur faktischen Verwaltungstätigkeit (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\n**N. 6** Der Begriff «Kinder und Jugendliche» umfasst Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, in Übereinstimmung mit Art. 1 der UN-Kinderrechtskonvention. Die «besonderen Förderungs- und Schutzbedürfnisse» ergeben sich aus der entwicklungsbedingten Vulnerabilität und dem besonderen Potential dieser Altersgruppe.\n\n**N. 7** **Absatz 2** gewährt dem Bund eine Kompetenz zur Unterstützung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Begriff «ausserschulische Arbeit» umfasst die verbandliche und offene Jugendarbeit, Freizeitaktivitäten, kulturelle und sportliche Angebote sowie präventive und integrative Massnahmen ausserhalb des formellen Bildungssystems.\n\n**N. 8** Die Formulierung «kann [...] unterstützen» macht deutlich, dass es sich um eine Kann-Kompetenz handelt. Der Bund ist nicht verpflichtet, sondern bloss ermächtigt, tätig zu werden. Die Unterstützung erfolgt primär durch Finanzhilfen, kann aber auch Koordination, Information und Qualitätsentwicklung umfassen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Art. 67 Abs. 1 BV folgt eine objektiv-rechtliche Berücksichtigungspflicht für alle staatlichen Organe. Diese müssen in ihren Entscheidungen die Interessen von Kindern und Jugendlichen als wichtigen Faktor einbeziehen. Bei der Güterabwägung ist dem Kindeswohl besonderes Gewicht beizumessen (**BGE 146 III 313** E. 5.5.3).\n\n**N. 10** Art. 67 Abs. 2 BV legitimiert Bundesgesetze im Bereich der ausserschulischen Jugendarbeit, namentlich das Kinder- und Jugendförderungsgesetz (KJFG, SR 446.1). Die Bestimmung begründet jedoch keine Ansprüche Privater auf Bundesunterstützung (**BVGE 2015/33** E. 4.1).\n\n**N. 11** Die Bundeskompetenz ist durch das Subsidiaritätsprinzip (Art. 5a BV) begrenzt: Primär sind die Kantone und Gemeinden für die Jugendförderung zuständig. Der Bund wird nur tätig, wenn dies zur Erreichung der Ziele erforderlich ist oder die Kräfte der Kantone übersteigt (Art. 43a Abs. 1 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Reichweite der Bundeskompetenz**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Bundeskompetenz nach Art. 67 Abs. 2 BV reicht. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) vertritt die Auffassung, dem Bund komme eine Einschätzungsprärogative zu, wann und wie eine «Ergänzung» sinnvoll ist, wodurch die Bundeskompetenz der Sache nach eine uneingeschränkte parallele Kompetenz werde. Dieser Interpretation stimmen Aubert/Mahon (Petit commentaire, Art. 67 N. 8) und Gerber Jenni (SG-Komm. BV, Art. 67 N. 14) zu. Biaggini (Komm. BV, Art. 67 N. 3) ist anderer Meinung und betont die verfassungsrechtlichen Schranken der Bundeskompetenz stärker.\n\n**N. 13** **Justiziabilität der Querschnittsklausel**: Uneinigkeit besteht darüber, inwieweit Art. 67 Abs. 1 BV justiziabel ist. Während die Rechtsprechung die Norm primär als Programmsatz behandelt, fordern Teile der Lehre eine stärkere gerichtliche Durchsetzbarkeit der Berücksichtigungspflicht, insbesondere bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen von Kinderinteressen (Wyttenbach, in: Schweizerische Kinder- und Jugendpolitik, 2001, S. 45 ff.).\n\n**N. 14** **Verhältnis zu Art. 11 BV**: Das Verhältnis zwischen der Querschnittsklausel des Art. 67 Abs. 1 BV und dem Grundrecht des Art. 11 BV ist nicht abschliessend geklärt. Während Art. 11 BV subjektive Rechte begründet, bleibt Art. 67 BV im Bereich objektiv-rechtlicher Verpflichtungen. Die Abgrenzung ist für die Frage der Beschwerdelegitimation relevant.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Gesetzgebung und Gesetzesanwendung ist eine **Kinder- und Jugendverträglichkeitsprüfung** durchzuführen. Staatliche Massnahmen sind daraufhin zu überprüfen, ob und wie sie die Interessen von Kindern und Jugendlichen betreffen. Dies gilt insbesondere für Bereiche wie Raumplanung, Verkehr, Umweltschutz und Sozialversicherungen.\n\n**N. 16** **Finanzhilfen des Bundes** nach dem KJFG sind Ermessenssubventionen ohne Rechtsanspruch. Die Praxis zeigt, dass innovative, zeitlich begrenzte Modellvorhaben prioritär gefördert werden (**Urteil B-6244/2020**). Regelmässige Betriebsbeiträge sind ausgeschlossen. Gesuchsteller müssen die gesamtschweizerische Bedeutung und den innovativen Charakter ihrer Projekte substantiiert darlegen.\n\n**N. 17** Bei **Kindesschutzmassnahmen** ist Art. 67 Abs. 1 BV als Auslegungshilfe heranzuziehen. Die Berücksichtigungspflicht verstärkt das zivilrechtliche Kindeswohlprinzip und kann bei der Ermessensausübung den Ausschlag geben (**BGE 146 III 313**).\n\n**N. 18** Im **Ausländerrecht** kann Art. 67 BV i.V.m. Art. 11 BV bei langjährigem Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen eine Härtefallbewilligung rechtfertigen. Die Verwurzelung in der Schweiz und die Bildungsbiographie sind besonders zu gewichten (**BGE 126 II 377**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Tragweite und Verfassungsrechtliche Einordnung\n\n**BGE 129 I 12** vom 7. November 2002  \nSchutz von Kindern und Jugendlichen im Bildungsbereich durch Art. 19 BV.  \nDas Urteil behandelt einen Schulausschluss und die verfassungsrechtlichen Grenzen disziplinarischer Massnahmen gegenüber Schülern.\n\n> «Aus Art. 19 BV ergibt sich der Anspruch auf eine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechende unentgeltliche Grundschulausbildung an öffentlichen Schulen während der obligatorischen Schulzeit von mindestens neun Jahren. [...] Das Gemeinwesen hat in der Regel eine Weiterbetreuung ausgeschlossener Schüler - bis zum Ende der obligatorischen Schulpflicht - durch geeignete Personen oder öffentliche Institutionen zu gewährleisten.»\n\n**BGE 126 II 377** vom 18. April 1999  \nVerfassungsrechtlicher Schutz von Kindern und Jugendlichen im Ausländerrecht.  \nDas Bundesgericht prüft, inwieweit Art. 11 Abs. 1 BV (heute Art. 67 BV i.V.m. Art. 11 BV) Ansprüche auf aufenthaltsrechtliche Bewilligungen begründet.\n\n> «Die neue Bundesverfassung befasst sich an verschiedenen Stellen mit dem Schutz der Kinder und Jugendlichen. Art. 11 Abs. 1 BV verankert deren Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung. [...] Art. 67 BV verpflichtet Bund und Kantone, bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den besonderen Förderungs- und Schutzbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung zu tragen.»\n\n### Ausserschulische Jugendarbeit und Bundesfinanzierung\n\n**BVGE 2015/33** vom 16. Oktober 2015  \nSubsidiärer Charakter der Bundesunterstützung für ausserschulische Jugendarbeit.  \nDas Bundesverwaltungsgericht präzisiert die verfassungsrechtlichen Grenzen der Bundesförderung nach Art. 67 Abs. 2 BV.\n\n> «Nach Art. 67 Abs. 2 BV kann der Bund in Ergänzung zu kantonalen Massnahmen die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterstützen. Dabei ist nach dem Willen des Gesetzgebers das Subsidiaritätsprinzip zu beachten: Der Bund wird nur ergänzend tätig. [...] Der Bund unterstützt ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nur ergänzend.»\n\n**Urteil B-6244/2020** vom 5. Januar 2022  \nAbgrenzung der Förderungsbereiche für ausserschulische Jugendarbeit.  \nDas Bundesverwaltungsgericht behandelt die sachlichen Grenzen der Bundesfinanzierung unter Art. 67 Abs. 2 BV.\n\n> «Art. 67 Abs. 2 BV ermächtigt den Bund, in Ergänzung zu kantonalen Massnahmen die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Diese Bestimmung begründet jedoch keine unbeschränkte Förderungskompetenz des Bundes, sondern ist im Lichte des Subsidiaritätsprinzips restriktiv auszulegen.»\n\n**Urteil B-4003/2014** vom 24. Juni 2015  \nVoraussetzungen für Modellvorhaben in der Jugendarbeit.  \nDas Bundesverwaltungsgericht konkretisiert die Anforderungen an innovative Projekte nach dem Kinder- und Jugendförderungsgesetz.\n\n> «Ein Modellvorhaben im Sinne von Art. 8 KJFG kann nur dann subventioniert werden, wenn es einmalig ist und innovativen Gehalt hat. Die Wiederholung eines bereits früher unterstützten Projekts ist von der Finanzhilfe des Bundes ausgeschlossen.»\n\n**Urteil B-2099/2016** vom 8. August 2016  \nPrioritätensetzung bei beschränkten Bundesfinanzierungsmitteln.  \nDas Gericht behandelt die Ermessensausübung der Bundesbehörden bei der Mittelvergabe für ausserschulische Jugendarbeit.\n\n> «Finanzhilfen nach dem KJFG sind als Ermessenssubventionen einzustufen. Die Behörde hat nach pflichtgemässem Ermessen relative Kriterien festzulegen, die es erlauben, die Anzahl der an sich subventionierbaren Gesuche nach dem Grad ihrer Subventionswürdigkeit sachgerecht zu priorisieren.»\n\n### Kindesschutz und gerichtliche Praxis\n\n**BGE 146 III 313** vom 16. Juni 2020  \nElterliche Sorge und Kindeswohl bei medizinischen Entscheidungen.  \nDas Bundesgericht behandelt den verfassungsrechtlichen Schutz von Kindern bei Uneinigkeit der Eltern über Impfungen.\n\n> «Sind die sorgeberechtigten Eltern darüber entzweit, ob ihr Kind gegen die Masern geimpft werden soll, hat die zuständige Behörde gestützt auf Art. 307 Abs. 1 ZGB in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens anstelle der Eltern über die Durchführung dieser Massnahme zum Schutz der Gesundheit des Kindes zu entscheiden.»\n\n**BGE 144 III 442** vom 10. Juli 2018  \nKindesschutzmassnahmen und Verfahrensgarantien.  \nDas Bundesgericht behandelt die Vereinbarkeit von Kindesschutzmassnahmen mit den Grundrechten der Beteiligten.\n\n> «Kriterien für den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts, wenn dadurch eine Gefährdung des Kindeswohls vermieden werden kann. Das Gericht muss dabei eine Interessenabwägung zwischen den Rechten der Eltern und dem Kindeswohl vornehmen.»\n\n**BGE 146 IV 267** vom 17. August 2020  \nKindeswohl im Strafvollzug.  \nDas Bundesgericht behandelt die Berücksichtigung von Art. 11 BV bei der Vollstreckung von Freiheitsstrafen.\n\n> «Art. 11 BV verankert den Anspruch von Kindern und Jugendlichen auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung. Diese Garantie ist auch bei der Vollstreckung von Freiheitsstrafen gegenüber Elternteilen zu beachten.»\n\n### Föderale Kompetenzverteilung\n\n**Urteil B-5602/2016** vom 6. Juni 2017  \nGesamtschweizerische Bedeutung von Jugendorganisationen.  \nDas Bundesverwaltungsgericht konkretisiert die Voraussetzungen für Bundesfinanzierung regionaler Jugendorganisationen.\n\n> «Der Beschwerdeführer vertritt die kantonalen, regionalen und lokalen Angebotsstrukturen der offenen Kinder- und Jugendarbeit auf gesamtschweizerischer Ebene. Die föderale Struktur der Schweiz schliesst nicht aus, dass eine Organisation mit regionalen Schwerpunkten gesamtschweizerische Bedeutung haben kann.»\n\n**Urteil B-5269/2014** vom 16. März 2016  \nAbgrenzung zwischen regelmässiger Tätigkeit und förderwürdigen Projekten.  \nDas Gericht behandelt die Unterscheidung zwischen Betriebskosten und projektbezogenen Finanzhilfen.\n\n> «Ein Vorhaben ist dann als zeitlich begrenzt zu erachten, wenn es sich insgesamt nicht über einen unbefristeten Zeitraum, einen nicht näher bestimmten Zeitraum von mehreren Jahren oder auf andere Weise über einen längeren Zeitraum erstreckt. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass ein Vorhaben über einen begrenzten Zeitraum verteilt durchgeführt wird.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**Urteil C-7833/2010** vom 4. März 2013  \nZuständigkeit für Finanzhilfeentscheide in der Jugendförderung.  \nDas Bundesverwaltungsgericht behandelt die Beschwerdelegitimation bei Finanzierungsentscheiden nach Art. 67 Abs. 2 BV.\n\n> «Die Verfügungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV betreffend Finanzhilfen zur Förderung ausserschulischer Jugendarbeit unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Die Beschwerdeführer müssen ihre rechtlichen Interessen substantiiert darlegen.»", "summary_fr": "# Art. 67 Cst. — Enfants et jeunes\n\n## Aperçu\n\nL'art. 67 Cst. oblige la Confédération et les cantons à tenir compte des besoins particuliers des enfants et des jeunes dans toutes leurs tâches. Cette mission transversale signifie : lorsque l'État fait des lois, prend des décisions ou planifie des projets, il doit toujours aussi se demander comment cela affecte les personnes de moins de 18 ans (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\nLa norme comprend deux parties. L'**alinéa 1** prescrit cette obligation de prise en compte pour toutes les activités étatiques. L'**alinéa 2** permet en outre à la Confédération de soutenir financièrement le travail de jeunesse extrascolaire — mais seulement en complément à ce que font déjà les cantons.\n\nL'art. 67 Cst. ne fonde aucune créance directe pour les enfants ou les organisations de jeunesse (**ATAF 2015/33** consid. 4.1). Il s'agit plutôt d'une disposition programmatique qui indique à l'État comment il doit exercer son pouvoir. Lors de décisions judiciaires, l'intérêt de l'enfant doit cependant être pris en compte comme facteur important dans la pesée d'intérêts (**ATF 146 III 313** consid. 5.5.3).\n\n**Exemple pratique :** Une commune planifie une nouvelle route. Elle doit examiner si cela rend les chemins d'école dangereux ou fait disparaître des places de jeu. Ces intérêts des enfants doivent être pris en compte lors de la planification, même s'ils ne sont pas forcément déterminants.\n\n**Soutien fédéral :** La Confédération peut encourager les organisations de jeunesse ou des projets innovants par des aides financières. Cela se fait par la loi sur l'encouragement de l'enfance et de la jeunesse (LEEJ). Il faut que le projet ait une importance pour l'ensemble de la Suisse et soit limité dans le temps (**arrêt B-6244/2020**). Les coûts d'exploitation réguliers ne sont pas pris en charge.\n\n**Question juridique controversée :** Dans la doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où s'étend la compétence fédérale. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) la considère comme une compétence parallèle pratiquement illimitée, tandis que Biaggini souligne des limites constitutionnelles plus strictes.\n\nL'art. 67 Cst. renforce la conscience que les décisions étatiques agissent souvent particulièrement fortement sur la jeune génération. Il rend visibles ces effets et oblige à prendre explicitement en compte les intérêts des enfants en politique.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 67 Cst. a été nouvellement créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 souligne que la Confédération ne doit intervenir dans le travail extrascolaire avec les enfants et les jeunes qu'en complément des mesures cantonales : la Confédération n'agit qu'à titre subsidiaire (FF 1997 I 284). Cette disposition ancre pour la première fois au niveau constitutionnel une tâche transversale explicite pour la prise en compte particulière des enfants et des jeunes (al. 1) ainsi qu'une compétence fédérale subsidiaire pour le travail extrascolaire avec la jeunesse (al. 2).\n\n**N. 2** La norme a vu le jour dans le contexte d'évolutions internationales, notamment la Convention des droits de l'enfant de l'ONU de 1989, que la Suisse a ratifiée en 1997. Elle est étroitement liée à la garantie des droits fondamentaux de l'art. 11 Cst. (protection des enfants et des jeunes) créée simultanément et à l'objectif social de l'art. 41 al. 1 let. g Cst.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 67 Cst. est classé dans le 3e chapitre (Buts sociaux, éducation et culture) du 2e titre (Droits fondamentaux, droits de cité et buts sociaux). La norme présente des liens avec plusieurs dispositions constitutionnelles :\n- → Art. 11 Cst. (protection matérielle des droits fondamentaux)\n- → Art. 41 al. 1 let. f et g Cst. (buts sociaux concernant les enfants et les jeunes)\n- ↔ Art. 19 Cst. (droit à un enseignement de base)\n- → Art. 62 Cst. (instruction publique comme compétence cantonale)\n- → Art. 5a Cst. (principe de subsidiarité)\n\n**N. 4** La position systématique révèle que l'art. 67 Cst. ne constitue pas une garantie de droits fondamentaux, mais une disposition de compétence et de programme. Elle ne fonde ni droits subjectifs ni prétentions justiciables (**ATF 126 II 377** c. 5.4 ; **ATAF 2015/33** c. 3.4).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **L'alinéa 1** statue une tâche transversale : la Confédération et les cantons doivent tenir compte des besoins particuliers d'encouragement et de protection des enfants et des jeunes dans toutes leurs tâches. Cette obligation vaut de manière globale pour toutes les activités étatiques, de la législation à l'application du droit jusqu'à l'activité administrative effective (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\n**N. 6** La notion d'« enfants et jeunes » comprend les personnes jusqu'à l'âge de 18 ans révolus, en conformité avec l'art. 1 de la Convention des droits de l'enfant de l'ONU. Les « besoins particuliers d'encouragement et de protection » découlent de la vulnérabilité liée au développement et du potentiel particulier de cette classe d'âge.\n\n**N. 7** **L'alinéa 2** octroie à la Confédération une compétence pour soutenir le travail extrascolaire avec les enfants et les jeunes. La notion de « travail extrascolaire » comprend le travail de jeunesse associatif et ouvert, les activités de loisirs, les offres culturelles et sportives ainsi que les mesures préventives et intégratives en dehors du système de formation formel.\n\n**N. 8** La formulation « peut [...] soutenir » rend clair qu'il s'agit d'une compétence facultative. La Confédération n'est pas obligée, mais seulement habilitée à agir. Le soutien s'effectue principalement par des aides financières, mais peut aussi comprendre la coordination, l'information et le développement de la qualité.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** De l'art. 67 al. 1 Cst. découle une obligation objective de prise en compte pour tous les organes étatiques. Ceux-ci doivent inclure les intérêts des enfants et des jeunes comme facteur important dans leurs décisions. Dans la pesée des intérêts, un poids particulier doit être accordé au bien de l'enfant (**ATF 146 III 313** c. 5.5.3).\n\n**N. 10** L'art. 67 al. 2 Cst. légitime les lois fédérales dans le domaine du travail extrascolaire avec la jeunesse, notamment la loi sur l'encouragement de l'enfance et de la jeunesse (LEEJ, RS 446.1). La disposition ne fonde cependant aucune prétention des particuliers au soutien fédéral (**ATAF 2015/33** c. 4.1).\n\n**N. 11** La compétence fédérale est limitée par le principe de subsidiarité (art. 5a Cst.) : les cantons et les communes sont compétents en premier lieu pour l'encouragement de la jeunesse. La Confédération n'agit que si cela est nécessaire pour atteindre les objectifs ou dépasse les forces des cantons (art. 43a al. 1 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Portée de la compétence fédérale** : En doctrine, la portée de la compétence fédérale selon l'art. 67 al. 2 Cst. est controversée. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) défend la position selon laquelle la Confédération dispose d'une prérogative d'appréciation quant au moment et à la manière dont un « complément » est judicieux, ce qui fait de la compétence fédérale en substance une compétence parallèle illimitée. Cette interprétation est approuvée par Aubert/Mahon (Petit commentaire, Art. 67 N. 8) et Gerber Jenni (SG-Komm. BV, Art. 67 N. 14). Biaggini (Komm. BV, Art. 67 N. 3) est d'un autre avis et souligne davantage les limites constitutionnelles de la compétence fédérale.\n\n**N. 13** **Justiciabilité de la clause transversale** : Il existe un désaccord sur la mesure dans laquelle l'art. 67 al. 1 Cst. est justiciable. Alors que la jurisprudence traite la norme principalement comme une disposition programmatique, une partie de la doctrine revendique une applicabilité judiciaire plus forte de l'obligation de prise en compte, en particulier en cas d'atteintes graves aux intérêts des enfants (Wyttenbach, in : Schweizerische Kinder- und Jugendpolitik, 2001, p. 45 ss).\n\n**N. 14** **Rapport avec l'art. 11 Cst.** : Le rapport entre la clause transversale de l'art. 67 al. 1 Cst. et le droit fondamental de l'art. 11 Cst. n'est pas définitivement clarifié. Alors que l'art. 11 Cst. fonde des droits subjectifs, l'art. 67 Cst. demeure dans le domaine des obligations objectives. La délimitation est pertinente pour la question de la qualité pour recourir.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de la législation et de l'application de la loi, un **examen de compatibilité avec les enfants et les jeunes** doit être effectué. Les mesures étatiques doivent être examinées quant à savoir si et comment elles affectent les intérêts des enfants et des jeunes. Cela vaut en particulier pour des domaines comme l'aménagement du territoire, la circulation, la protection de l'environnement et les assurances sociales.\n\n**N. 16** Les **aides financières de la Confédération** selon la LEEJ sont des subventions d'opportunité sans droit légal. La pratique montre que les projets pilotes innovants, limités dans le temps, sont soutenus de manière prioritaire (**Arrêt B-6244/2020**). Les contributions d'exploitation régulières sont exclues. Les requérants doivent exposer de manière substantielle l'importance nationale et le caractère innovant de leurs projets.\n\n**N. 17** Pour les **mesures de protection de l'enfant**, l'art. 67 al. 1 Cst. doit être utilisé comme aide à l'interprétation. L'obligation de prise en compte renforce le principe du bien de l'enfant en droit civil et peut faire pencher la balance dans l'exercice du pouvoir d'appréciation (**ATF 146 III 313**).\n\n**N. 18** En **droit des étrangers**, l'art. 67 Cst. en relation avec l'art. 11 Cst. peut justifier une autorisation pour cas de rigueur en cas de séjour prolongé d'enfants et de jeunes. L'enracinement en Suisse et le parcours de formation doivent être particulièrement pris en compte (**ATF 126 II 377**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Portée fondamentale et classification constitutionnelle\n\n**ATF 129 I 12** du 7 novembre 2002  \nProtection des enfants et des adolescents dans le domaine de l'éducation par l'art. 19 Cst.  \nL'arrêt traite d'une exclusion scolaire et des limites constitutionnelles des mesures disciplinaires envers les élèves.\n\n> « L'art. 19 Cst. fait naître le droit à un enseignement de base gratuit dans les écoles publiques, adapté aux capacités individuelles de l'enfant et à son développement personnel, durant la scolarité obligatoire d'au moins neuf ans. [...] En règle générale, la collectivité publique doit assurer la prise en charge continue des élèves exclus - jusqu'à la fin de la scolarité obligatoire - par des personnes appropriées ou des institutions publiques. »\n\n**ATF 126 II 377** du 18 avril 1999  \nProtection constitutionnelle des enfants et des adolescents dans le droit des étrangers.  \nLe Tribunal fédéral examine dans quelle mesure l'art. 11 al. 1 Cst. (aujourd'hui art. 67 Cst. en relation avec l'art. 11 Cst.) fonde des droits à des autorisations de séjour.\n\n> « La nouvelle Constitution fédérale traite en différents endroits de la protection des enfants et des adolescents. L'art. 11 al. 1 Cst. consacre leur droit à une protection particulière de leur intégrité et à l'encouragement de leur développement. [...] L'art. 67 Cst. oblige la Confédération et les cantons à tenir compte des besoins particuliers de protection et d'encouragement des enfants et des adolescents lors de l'accomplissement de leurs tâches. »\n\n### Travail extrascolaire avec les jeunes et financement fédéral\n\n**ATAF 2015/33** du 16 octobre 2015  \nCaractère subsidiaire du soutien fédéral au travail extrascolaire avec les jeunes.  \nLe Tribunal administratif fédéral précise les limites constitutionnelles de l'encouragement fédéral selon l'art. 67 al. 2 Cst.\n\n> « Selon l'art. 67 al. 2 Cst., la Confédération peut soutenir le travail extrascolaire avec les enfants et les adolescents en complément des mesures cantonales. Selon la volonté du législateur, le principe de subsidiarité doit être respecté : la Confédération n'agit qu'en complément. [...] La Confédération ne soutient le travail extrascolaire avec les enfants et les adolescents qu'en complément. »\n\n**Arrêt B-6244/2020** du 5 janvier 2022  \nDélimitation des domaines d'encouragement du travail extrascolaire avec les jeunes.  \nLe Tribunal administratif fédéral traite des limites matérielles du financement fédéral sous l'art. 67 al. 2 Cst.\n\n> « L'art. 67 al. 2 Cst. habilite la Confédération à soutenir le travail extrascolaire avec les enfants et les adolescents en complément des mesures cantonales. Cette disposition ne fonde toutefois pas une compétence d'encouragement illimitée de la Confédération, mais doit être interprétée de manière restrictive à la lumière du principe de subsidiarité. »\n\n**Arrêt B-4003/2014** du 24 juin 2015  \nConditions pour les projets pilotes dans le travail avec les jeunes.  \nLe Tribunal administratif fédéral concrétise les exigences relatives aux projets innovants selon la loi sur l'encouragement de l'enfance et de la jeunesse.\n\n> « Un projet pilote au sens de l'art. 8 LEEJ ne peut être subventionné que s'il est unique et a un caractère innovant. La répétition d'un projet déjà soutenu antérieurement est exclue de l'aide financière de la Confédération. »\n\n**Arrêt B-2099/2016** du 8 août 2016  \nÉtablissement de priorités en cas de moyens de financement fédéraux limités.  \nLe tribunal traite de l'exercice du pouvoir d'appréciation des autorités fédérales lors de l'attribution de moyens pour le travail extrascolaire avec les jeunes.\n\n> « Les aides financières selon la LEEJ sont à qualifier de subventions d'appréciation. L'autorité doit fixer selon son libre appréciation des critères relatifs qui permettent de prioriser de manière appropriée le nombre de demandes subventionnables en soi selon le degré de leur mérite à être subventionnées. »\n\n### Protection de l'enfance et pratique judiciaire\n\n**ATF 146 III 313** du 16 juin 2020  \nAutorité parentale et bien de l'enfant lors de décisions médicales.  \nLe Tribunal fédéral traite de la protection constitutionnelle des enfants en cas de désaccord des parents sur les vaccinations.\n\n> « Si les parents investis de l'autorité parentale sont en désaccord sur la question de savoir si leur enfant doit être vacciné contre la rougeole, l'autorité compétente doit, sur la base de l'art. 307 al. 1 CC et dans l'exercice approprié de son pouvoir d'appréciation, décider à la place des parents de la réalisation de cette mesure de protection de la santé de l'enfant. »\n\n**ATF 144 III 442** du 10 juillet 2018  \nMesures de protection de l'enfant et garanties de procédure.  \nLe Tribunal fédéral traite de la compatibilité des mesures de protection de l'enfant avec les droits fondamentaux des parties concernées.\n\n> « Critères pour le retrait du droit de déterminer le lieu de résidence, si une mise en danger du bien de l'enfant peut ainsi être évitée. Le tribunal doit procéder à une pesée des intérêts entre les droits des parents et le bien de l'enfant. »\n\n**ATF 146 IV 267** du 17 août 2020  \nBien de l'enfant dans l'exécution des peines.  \nLe Tribunal fédéral traite de la prise en compte de l'art. 11 Cst. lors de l'exécution de peines privatives de liberté.\n\n> « L'art. 11 Cst. consacre le droit des enfants et des adolescents à une protection particulière de leur intégrité et à l'encouragement de leur développement. Cette garantie doit aussi être respectée lors de l'exécution de peines privatives de liberté envers les parents. »\n\n### Répartition fédérale des compétences\n\n**Arrêt B-5602/2016** du 6 juin 2017  \nImportance nationale d'organisations de jeunesse.  \nLe Tribunal administratif fédéral concrétise les conditions du financement fédéral d'organisations régionales de jeunesse.\n\n> « Le recourant représente au niveau national les structures d'offre cantonales, régionales et locales du travail ouvert avec les enfants et les jeunes. La structure fédérale de la Suisse n'exclut pas qu'une organisation avec des accents régionaux puisse avoir une importance nationale. »\n\n**Arrêt B-5269/2014** du 16 mars 2016  \nDélimitation entre activité régulière et projets dignes d'encouragement.  \nLe tribunal traite de la distinction entre frais d'exploitation et aides financières liées à des projets.\n\n> « Un projet doit être considéré comme limité dans le temps s'il ne s'étend globalement pas sur une période indéterminée, une période non précisément déterminée de plusieurs années ou d'une autre manière sur une période prolongée. Il n'est pas exclu qu'un projet soit réalisé réparti sur une période limitée. »\n\n### Aspects de droit procédural\n\n**Arrêt C-7833/2010** du 4 mars 2013  \nCompétence pour les décisions d'aide financière dans l'encouragement de la jeunesse.  \nLe Tribunal administratif fédéral traite de la légitimation de recours lors de décisions de financement selon l'art. 67 al. 2 Cst.\n\n> « Les décisions de l'Office fédéral des assurances sociales OFAS concernant les aides financières pour l'encouragement du travail extrascolaire avec les jeunes sont soumises au recours devant le Tribunal administratif fédéral. Les recourants doivent exposer de manière substantiée leurs intérêts juridiques. »", "summary_it": "# Art. 67 Cost. — Bambini e giovani\n\n## Panoramica\n\nL'art. 67 Cost. obbliga Confederazione e Cantoni a considerare le esigenze particolari di bambini e giovani in tutti i loro compiti. Questo compito trasversale significa: quando lo Stato fa leggi, prende decisioni o pianifica progetti, deve sempre anche chiedersi come questo si ripercuota sulle persone sotto i 18 anni (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\nLa norma ha due parti. **Il capoverso 1** prescrive questo obbligo di considerazione per tutte le attività statali. **Il capoverso 2** permette inoltre alla Confederazione di sostenere finanziariamente l'animazione socioeducativa extrascolastica — ma solo in modo complementare a quello che i Cantoni già fanno.\n\nL'art. 67 Cost. non fonda diritti diretti per bambini o organizzazioni giovanili (**DTAF 2015/33** consid. 4.1). È piuttosto una disposizione programmatica che istruisce lo Stato su come deve esercitare il suo potere. Nelle decisioni giudiziarie, tuttavia, il bene del minore deve confluire come fattore importante nella ponderazione (**DTF 146 III 313** consid. 5.5.3).\n\n**Esempio pratico:** Un comune pianifica una nuova strada. Deve verificare se in tal modo i percorsi scolastici diventino insicuri o scompaiano parchi giochi. Questi interessi dei bambini devono essere considerati nella pianificazione, anche se non sono necessariamente decisivi.\n\n**Sostegno della Confederazione:** La Confederazione può promuovere organizzazioni giovanili o progetti innovativi con aiuti finanziari. Ciò avviene tramite la legge sulla promozione delle attività giovanili extrascolastiche e delle attività dell'infanzia (LPAG). Presupposto è che il progetto abbia importanza nazionale e sia limitato nel tempo (**sentenza B-6244/2020**). I costi d'esercizio regolari non vengono assunti.\n\n**Questione giuridica controversa:** Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda la competenza della Confederazione. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) la vede come competenza parallela praticamente illimitata, mentre Biaggini sottolinea limiti costituzionali più forti.\n\nL'art. 67 Cost. rafforza la consapevolezza che le decisioni statali spesso incidono particolarmente sulla giovane generazione. Rende visibili questi effetti e costringe alla considerazione esplicita degli interessi dei bambini nella politica.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 67 Cost. è stato creato ex novo nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 sottolinea che la Confederazione deve intervenire nel lavoro extrascolastico con bambini e giovani solo in complemento alle misure cantonali: la Confederazione agisce solo in via sussidiaria (FF 1997 I 239). Questa disposizione sancisce per la prima volta a livello costituzionale un compito trasversale esplicito per la particolare considerazione di bambini e giovani (cpv. 1) nonché una competenza federale sussidiaria per il lavoro giovanile extrascolastico (cpv. 2).\n\n**N. 2** La norma è nata nel contesto di sviluppi internazionali, in particolare della Convenzione ONU sui diritti del fanciullo del 1989, che la Svizzera ha ratificato nel 1997. È strettamente collegata alla garanzia dei diritti fondamentali creata contemporaneamente nell'art. 11 Cost. (protezione dei bambini e dei giovani) e all'obiettivo sociale dell'art. 41 cpv. 1 lett. g Cost.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 67 Cost. è collocato nel capitolo 3 (Obiettivi sociali, educazione e cultura) del titolo 2 (Diritti fondamentali, diritti civici e obiettivi sociali). La norma presenta collegamenti con diverse disposizioni costituzionali:\n- → Art. 11 Cost. (protezione materiale dei diritti fondamentali)\n- → Art. 41 cpv. 1 lett. f e g Cost. (obiettivi sociali concernenti bambini e giovani)\n- ↔ Art. 19 Cost. (diritto all'istruzione di base)\n- → Art. 62 Cost. (sistema scolastico come competenza cantonale)\n- → Art. 5a Cost. (principio di sussidiarietà)\n\n**N. 4** La collocazione sistematica chiarisce che l'art. 67 Cost. non costituisce una garanzia di diritti fondamentali, bensì una disposizione di competenza e programmatica. Non fonda né diritti soggettivi né pretese giustiziabili (**DTF 126 II 377** consid. 5.4; **BVGE 2015/33** consid. 3.4).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il **capoverso 1** statuisce un compito trasversale: Confederazione e Cantoni devono considerare, nell'adempimento dei loro compiti, le esigenze particolari di promozione e protezione di bambini e giovani. Questo obbligo vale in modo comprensivo per tutte le attività statali, dalla legislazione all'applicazione del diritto fino all'attività amministrativa effettiva (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\n**N. 6** Il concetto di «bambini e giovani» comprende le persone fino al compimento del 18° anno di età, in conformità all'art. 1 della Convenzione ONU sui diritti del fanciullo. Le «esigenze particolari di promozione e protezione» derivano dalla vulnerabilità legata allo sviluppo e dal particolare potenziale di questa fascia di età.\n\n**N. 7** Il **capoverso 2** concede alla Confederazione una competenza per sostenere il lavoro extrascolastico con bambini e giovani. Il concetto di «lavoro extrascolastico» comprende il lavoro giovanile associativo e aperto, le attività ricreative, le offerte culturali e sportive nonché le misure preventive e integrative al di fuori del sistema educativo formale.\n\n**N. 8** La formulazione «può [...] sostenere» chiarisce che si tratta di una competenza facoltativa. La Confederazione non è obbligata, ma soltanto autorizzata ad agire. Il sostegno avviene principalmente attraverso aiuti finanziari, ma può comprendere anche coordinamento, informazione e sviluppo della qualità.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dall'art. 67 cpv. 1 Cost. deriva un obbligo oggettivo-giuridico di considerazione per tutti gli organi statali. Questi devono includere nelle loro decisioni gli interessi di bambini e giovani come fattore importante. Nella ponderazione dei beni deve essere attribuito particolare peso al bene del bambino (**DTF 146 III 313** consid. 5.5.3).\n\n**N. 10** L'art. 67 cpv. 2 Cost. legittima leggi federali nel settore del lavoro giovanile extrascolastico, in particolare la Legge sulla promozione delle attività giovanili extrascolastiche (LPAG, RS 446.1). La disposizione tuttavia non fonda pretese di privati al sostegno federale (**BVGE 2015/33** consid. 4.1).\n\n**N. 11** La competenza federale è limitata dal principio di sussidiarietà (art. 5a Cost.): primariamente sono i Cantoni e i Comuni ad essere competenti per la promozione giovanile. La Confederazione agisce solo quando ciò è necessario per il raggiungimento degli obiettivi o supera le forze dei Cantoni (art. 43a cpv. 1 Cost.).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Portata della competenza federale**: Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda la competenza federale secondo l'art. 67 cpv. 2 Cost. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) sostiene che alla Confederazione spetti una prerogativa di valutazione su quando e come un «completamento» sia sensato, per cui la competenza federale diventa sostanzialmente una competenza parallela illimitata. A questa interpretazione concordano Aubert/Mahon (Petit commentaire, Art. 67 N. 8) e Gerber Jenni (SG-Komm. BV, Art. 67 N. 14). Biaggini (Komm. BV, Art. 67 N. 3) è di diverso avviso e sottolinea maggiormente i limiti costituzionali della competenza federale.\n\n**N. 13** **Giustiziabilità della clausola trasversale**: Sussiste disaccordo su fino a che punto l'art. 67 cpv. 1 Cost. sia giustiziabile. Mentre la giurisprudenza tratta la norma principalmente come disposizione programmatica, parti della dottrina richiedono una più forte applicabilità giudiziaria dell'obbligo di considerazione, in particolare in caso di gravi pregiudizi agli interessi dei bambini (Wyttenbach, in: Schweizerische Kinder- und Jugendpolitik, 2001, p. 45 segg.).\n\n**N. 14** **Rapporto con l'art. 11 Cost.**: Il rapporto tra la clausola trasversale dell'art. 67 cpv. 1 Cost. e il diritto fondamentale dell'art. 11 Cost. non è chiarito definitivamente. Mentre l'art. 11 Cost. fonda diritti soggettivi, l'art. 67 Cost. rimane nell'ambito degli obblighi oggettivo-giuridici. La delimitazione è rilevante per la questione della legittimazione al ricorso.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nella legislazione e nell'applicazione delle leggi deve essere effettuato un **esame di compatibilità con bambini e giovani**. Le misure statali devono essere verificate per stabilire se e come interessino gli interessi di bambini e giovani. Ciò vale in particolare per settori come pianificazione del territorio, traffico, protezione dell'ambiente e assicurazioni sociali.\n\n**N. 16** Gli **aiuti finanziari della Confederazione** secondo la LPAG sono sovvenzioni discrezionali senza diritto legale. La prassi mostra che vengono promossi prioritariamente progetti pilota innovativi e limitati nel tempo (**Sentenza B-6244/2020**). I contributi di gestione regolari sono esclusi. I richiedenti devono argomentare in modo sostanziale l'importanza nazionale e il carattere innovativo dei loro progetti.\n\n**N. 17** Nelle **misure di protezione del bambino** l'art. 67 cpv. 1 Cost. deve essere richiamato come ausilio interpretativo. L'obbligo di considerazione rafforza il principio civilistico del bene del bambino e può essere decisivo nell'esercizio del potere discrezionale (**DTF 146 III 313**).\n\n**N. 18** Nel **diritto degli stranieri** l'art. 67 Cost. in combinato disposto con l'art. 11 Cost. può giustificare un'autorizzazione per casi di rigore in caso di soggiorno prolungato di bambini e giovani. Il radicamento in Svizzera e la biografia formativa devono essere valutati in modo particolare (**DTF 126 II 377**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Portata fondamentale e classificazione costituzionale\n\n**BGE 129 I 12** del 7 novembre 2002  \nProtezione di bambini e giovani nell'ambito dell'istruzione secondo l'art. 19 Cost.  \nLa sentenza tratta un'esclusione scolastica e i limiti costituzionali delle misure disciplinari nei confronti degli allievi.\n\n> «L'art. 19 Cost. sancisce il diritto a un'istruzione di base gratuita nelle scuole pubbliche, corrispondente alle capacità individuali del bambino e al suo sviluppo della personalità, durante la scolarità obbligatoria di almeno nove anni. [...] La collettività pubblica deve di regola garantire la presa a carico continuata degli allievi esclusi - fino alla fine della scolarità obbligatoria - mediante persone idonee o istituzioni pubbliche.»\n\n**BGE 126 II 377** del 18 aprile 1999  \nProtezione costituzionale di bambini e giovani nel diritto degli stranieri.  \nIl Tribunale federale esamina in che misura l'art. 11 cpv. 1 Cost. (oggi art. 67 Cost. in combinato disposto con l'art. 11 Cost.) fondi diritti a permessi di dimora.\n\n> «La nuova Costituzione federale si occupa in diversi luoghi della protezione dei bambini e dei giovani. L'art. 11 cpv. 1 Cost. sancisce il loro diritto a una protezione particolare della loro integrità e alla promozione del loro sviluppo. [...] L'art. 67 Cost. obbliga la Confederazione e i Cantoni a tener conto dei particolari bisogni di promozione e protezione dei bambini e dei giovani nell'adempimento dei loro compiti.»\n\n### Lavoro giovanile extrascolastico e finanziamento federale\n\n**BVGE 2015/33** del 16 ottobre 2015  \nCarattere sussidiario del sostegno federale per il lavoro giovanile extrascolastico.  \nIl Tribunale amministrativo federale precisa i limiti costituzionali della promozione federale secondo l'art. 67 cpv. 2 Cost.\n\n> «Secondo l'art. 67 cpv. 2 Cost., la Confederazione può sostenere il lavoro extrascolastico con bambini e giovani in complemento alle misure cantonali. In questo contesto, secondo la volontà del legislatore, deve essere rispettato il principio di sussidiarietà: la Confederazione interviene solo in modo complementare. [...] La Confederazione sostiene il lavoro extrascolastico con bambini e giovani solo in modo complementare.»\n\n**Urteil B-6244/2020** del 5 gennaio 2022  \nDelimitazione degli ambiti di promozione per il lavoro giovanile extrascolastico.  \nIl Tribunale amministrativo federale tratta i limiti materiali del finanziamento federale sotto l'art. 67 cpv. 2 Cost.\n\n> «L'art. 67 cpv. 2 Cost. autorizza la Confederazione a sostenere il lavoro extrascolastico con bambini e giovani in complemento alle misure cantonali. Questa disposizione non fonda tuttavia una competenza di promozione illimitata della Confederazione, ma dev'essere interpretata restrittivamente alla luce del principio di sussidiarietà.»\n\n**Urteil B-4003/2014** del 24 giugno 2015  \nPresupposti per progetti pilota nel lavoro giovanile.  \nIl Tribunale amministrativo federale concretizza i requisiti per progetti innovativi secondo la Legge sulla promozione delle attività giovanili extrascolastiche.\n\n> «Un progetto pilota nel senso dell'art. 8 LPAG può essere sovvenzionato solo se è unico e ha carattere innovativo. La ripetizione di un progetto già sostenuto in precedenza è esclusa dall'aiuto finanziario della Confederazione.»\n\n**Urteil B-2099/2016** del 8 agosto 2016  \nDefinizione di priorità con mezzi di finanziamento federali limitati.  \nIl tribunale tratta l'esercizio del potere discrezionale delle autorità federali nell'assegnazione di fondi per il lavoro giovanile extrascolastico.\n\n> «Gli aiuti finanziari secondo la LPAG sono da classificare come sovvenzioni discrezionali. L'autorità deve stabilire secondo il dovuto esercizio del potere discrezionale criteri relativi che permettano di stabilire priorità in modo adeguato tra il numero delle domande di per sé sovvenzionabili secondo il grado della loro meritevolezza di sovvenzione.»\n\n### Protezione dell'infanzia e prassi giurisprudenziale\n\n**BGE 146 III 313** del 16 giugno 2020  \nAutorità parentale e benessere del minore nelle decisioni mediche.  \nIl Tribunale federale tratta la protezione costituzionale dei bambini in caso di disaccordo dei genitori sulle vaccinazioni.\n\n> «Se i genitori titolari dell'autorità parentale sono in disaccordo sul fatto che il loro bambino debba essere vaccinato contro il morbillo, l'autorità competente deve decidere in base all'art. 307 cpv. 1 CC nell'esercizio adeguato del suo potere discrezionale al posto dei genitori sull'esecuzione di questa misura per la protezione della salute del bambino.»\n\n**BGE 144 III 442** del 10 luglio 2018  \nMisure di protezione dell'infanzia e garanzie procedurali.  \nIl Tribunale federale tratta la compatibilità delle misure di protezione dell'infanzia con i diritti fondamentali delle persone coinvolte.\n\n> «Criteri per la sottrazione del diritto di determinare il luogo di dimora, quando con ciò può essere evitata una messa in pericolo del benessere del minore. Il tribunale deve procedere a una ponderazione degli interessi tra i diritti dei genitori e il benessere del minore.»\n\n**BGE 146 IV 267** del 17 agosto 2020  \nBenessere del minore nell'esecuzione delle pene.  \nIl Tribunale federale tratta la considerazione dell'art. 11 Cost. nell'esecuzione delle pene detentive.\n\n> «L'art. 11 Cost. sancisce il diritto dei bambini e dei giovani a una protezione particolare della loro integrità e alla promozione del loro sviluppo. Questa garanzia dev'essere rispettata anche nell'esecuzione delle pene detentive nei confronti di genitori.»\n\n### Ripartizione federale delle competenze\n\n**Urteil B-5602/2016** del 6 giugno 2017  \nImportanza nazionale di organizzazioni giovanili.  \nIl Tribunale amministrativo federale concretizza i presupposti per il finanziamento federale di organizzazioni giovanili regionali.\n\n> «Il ricorrente rappresenta le strutture di offerta cantonali, regionali e locali del lavoro aperto con bambini e giovani a livello nazionale. La struttura federale della Svizzera non esclude che un'organizzazione con punti focali regionali possa avere importanza nazionale.»\n\n**Urteil B-5269/2014** del 16 marzo 2016  \nDelimitazione tra attività regolare e progetti meritevoli di promozione.  \nIl tribunale tratta la distinzione tra costi operativi e aiuti finanziari legati a progetti.\n\n> «Un progetto dev'essere considerato limitato nel tempo se nel complesso non si estende su un periodo illimitato, un periodo non precisato di diversi anni o in altro modo su un periodo più lungo. Non è da escludere che un progetto venga realizzato distribuito su un periodo limitato.»\n\n### Aspetti di diritto procedurale\n\n**Urteil C-7833/2010** del 4 marzo 2013  \nCompetenza per decisioni di aiuto finanziario nella promozione giovanile.  \nIl Tribunale amministrativo federale tratta la legittimazione al ricorso nelle decisioni di finanziamento secondo l'art. 67 cpv. 2 Cost.\n\n> «Le decisioni dell'Ufficio federale delle assicurazioni sociali UFAS concernenti aiuti finanziari per la promozione del lavoro giovanile extrascolastico sono soggette al ricorso presso il Tribunale amministrativo federale. I ricorrenti devono esporre in modo sostanziato i loro interessi giuridici.»", "summary_en": "# Art. 67 BV — Children and Young People\n\n## Overview\n\nArt. 67 BV obliges the Confederation and the cantons to take into account the particular needs of children and young people in all their tasks. This cross-cutting task means: When the state makes laws, takes decisions or plans projects, it must always also ask how this affects persons under 18 years of age (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\nThe provision has two parts. **Paragraph 1** prescribes this duty of consideration for all state activities. **Paragraph 2** additionally allows the Confederation to provide financial support for extracurricular youth work — but only supplementary to what the cantons already do.\n\nArt. 67 BV does not establish direct entitlements for children or youth organisations (**BVGE 2015/33** E. 4.1). Rather, it is a programme provision that instructs the state on how it should exercise its power. In court decisions, however, the best interests of the child must flow into the weighing of interests as an important factor (**BGE 146 III 313** E. 5.5.3).\n\n**Practical example:** A municipality plans a new road. It must examine whether this makes school routes unsafe or causes playgrounds to disappear. These children's interests must be taken into account in the planning, even if they do not necessarily tip the balance.\n\n**Federal support:** The Confederation may promote youth organisations or innovative projects with financial assistance. This happens through the Child and Youth Promotion Act (KJFG). The prerequisite is that the project has national significance and is limited in time (**Urteil B-6244/2020**). Regular operating costs are not covered.\n\n**Disputed legal question:** In legal doctrine, it is disputed how far the federal competence extends. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) sees it as a practically unlimited parallel competence, while Biaggini emphasises stronger constitutional limitations.\n\nArt. 67 BV strengthens awareness that state decisions often have a particularly strong impact on the young generation. It makes these effects visible and forces explicit consideration of children's interests in politics.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 67 Cst. was newly created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The Federal Council's dispatch of 20 November 1996 emphasises that the Confederation should only act in a supplementary capacity to cantonal measures in extra-curricular work with children and young people: The Confederation only acts subsidiarily (BBl 1997 I 284). This provision establishes for the first time at constitutional level an explicit cross-cutting task for the special consideration of children and young people (para. 1) as well as a subsidiary federal competence for extra-curricular youth work (para. 2).\n\n**N. 2** The norm arose in the context of international developments, particularly the UN Convention on the Rights of the Child of 1989, which Switzerland ratified in 1997. It is closely related to the simultaneously created fundamental rights guarantee of Art. 11 Cst. (protection of children and young people) and the social objective of Art. 41 para. 1 lit. g Cst.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 67 Cst. is classified in Chapter 3 (Social objectives, education and culture) of Title 2 (Fundamental rights, citizenship rights and social objectives). The norm has connections to several constitutional provisions:\n- → Art. 11 Cst. (substantive fundamental rights protection)\n- → Art. 41 para. 1 lit. f and g Cst. (social objectives concerning children and young people)\n- ↔ Art. 19 Cst. (entitlement to basic education)\n- → Art. 62 Cst. (education as cantonal competence)\n- → Art. 5a Cst. (principle of subsidiarity)\n\n**N. 4** The systematic position clarifies that Art. 67 Cst. does not constitute a fundamental rights guarantee, but rather a competence and programme provision. It creates neither subjective rights nor justiciable claims (**BGE 126 II 377** E. 5.4; **BVGE 2015/33** E. 3.4).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Paragraph 1** establishes a cross-cutting task: the Confederation and cantons must take account of the particular requirements of children and young people for encouragement and protection in all their activities. This obligation applies comprehensively to all state activities, from legislation through legal application to factual administrative activity (Tschentscher, BSK BV, Art. 67 N. 3).\n\n**N. 6** The term «children and young people» encompasses persons up to the age of 18, in accordance with Art. 1 of the UN Convention on the Rights of the Child. The «particular requirements for encouragement and protection» arise from the developmental vulnerability and special potential of this age group.\n\n**N. 7** **Paragraph 2** grants the Confederation competence to support extra-curricular work with children and young people. The term «extra-curricular work» encompasses organised and open youth work, leisure activities, cultural and sporting opportunities as well as preventive and integrative measures outside the formal education system.\n\n**N. 8** The formulation «may [...] support» makes clear that this is a discretionary competence. The Confederation is not obliged, but merely empowered, to act. Support is provided primarily through financial assistance, but may also include coordination, information and quality development.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** From Art. 67 para. 1 Cst. follows an objective legal obligation of consideration for all state organs. These must include the interests of children and young people as an important factor in their decisions. In weighing interests, particular weight must be given to the welfare of the child (**BGE 146 III 313** E. 5.5.3).\n\n**N. 10** Art. 67 para. 2 Cst. legitimises federal acts in the field of extra-curricular youth work, notably the Child and Youth Promotion Act (CYPA, SR 446.1). However, the provision does not create any entitlement by private parties to federal support (**BVGE 2015/33** E. 4.1).\n\n**N. 11** Federal competence is limited by the principle of subsidiarity (Art. 5a Cst.): primarily the cantons and communes are responsible for youth promotion. The Confederation only acts when this is necessary to achieve the objectives or exceeds the resources of the cantons (Art. 43a para. 1 Cst.).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 12** **Scope of federal competence**: There is academic dispute about how far federal competence under Art. 67 para. 2 Cst. extends. Tschentscher (BSK BV, Art. 67 N. 5) takes the view that the Confederation has a prerogative of assessment as to when and how a «supplement» is appropriate, whereby federal competence essentially becomes an unrestricted parallel competence. Aubert/Mahon (Petit commentaire, Art. 67 N. 8) and Gerber Jenni (SG-Komm. BV, Art. 67 N. 14) agree with this interpretation. Biaggini (Komm. BV, Art. 67 N. 3) takes a different view and places greater emphasis on the constitutional limits of federal competence.\n\n**N. 13** **Justiciability of the cross-cutting clause**: There is disagreement about the extent to which Art. 67 para. 1 Cst. is justiciable. While case law treats the norm primarily as a programme provision, parts of the academic literature call for stronger judicial enforceability of the obligation of consideration, particularly in cases of serious impairment of children's interests (Wyttenbach, in: Schweizerische Kinder- und Jugendpolitik, 2001, pp. 45 ff.).\n\n**N. 14** **Relationship to Art. 11 Cst.**: The relationship between the cross-cutting clause of Art. 67 para. 1 Cst. and the fundamental right of Art. 11 Cst. is not conclusively clarified. While Art. 11 Cst. creates subjective rights, Art. 67 Cst. remains in the realm of objective legal obligations. The delimitation is relevant for the question of standing to appeal.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 15** In legislation and legal application, a **child and youth impact assessment** must be conducted. State measures must be examined as to whether and how they affect the interests of children and young people. This applies particularly to areas such as spatial planning, transport, environmental protection and social insurance.\n\n**N. 16** **Federal financial assistance** under the CYPA consists of discretionary subsidies without legal entitlement. Practice shows that innovative, time-limited pilot projects are given priority support (**Judgment B-6244/2020**). Regular operating contributions are excluded. Applicants must substantiate the national significance and innovative character of their projects.\n\n**N. 17** In **child protection measures**, Art. 67 para. 1 Cst. is to be used as an interpretative aid. The obligation of consideration reinforces the civil law principle of the child's welfare and can be decisive in the exercise of discretion (**BGE 146 III 313**).\n\n**N. 18** In **immigration law**, Art. 67 Cst. in conjunction with Art. 11 Cst. may justify a hardship permit in cases of long-term residence by children and young people. Rootedness in Switzerland and educational biography are to be given particular weight (**BGE 126 II 377**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Fundamental Scope and Constitutional Classification\n\n**BGE 129 I 12** of 7 November 2002  \nProtection of children and young people in the education sector under Art. 19 FC.  \nThe judgment deals with school exclusion and the constitutional limits of disciplinary measures against pupils.\n\n> «Art. 19 FC establishes the right to free basic school education at public schools corresponding to the individual abilities of the child and their personality development during the compulsory school period of at least nine years. [...] The public authority must as a rule ensure continued care for excluded pupils - until the end of compulsory schooling - by suitable persons or public institutions.»\n\n**BGE 126 II 377** of 18 April 1999  \nConstitutional protection of children and young people under aliens law.  \nThe Federal Supreme Court examines the extent to which Art. 11 para. 1 FC (now Art. 67 FC in conjunction with Art. 11 FC) establishes claims to residence permits.\n\n> «The new Federal Constitution addresses the protection of children and young people in various places. Art. 11 para. 1 FC anchors their right to special protection of their integrity and to the promotion of their development. [...] Art. 67 FC obliges the Confederation and the cantons to take account of the special promotion and protection needs of children and young people when fulfilling their tasks.»\n\n### Extra-curricular Youth Work and Federal Financing\n\n**BVGE 2015/33** of 16 October 2015  \nSubsidiary character of federal support for extra-curricular youth work.  \nThe Federal Administrative Court specifies the constitutional limits of federal promotion under Art. 67 para. 2 FC.\n\n> «According to Art. 67 para. 2 FC, the Confederation may support extra-curricular work with children and young people in addition to cantonal measures. According to the will of the legislature, the principle of subsidiarity must be observed: the Confederation only acts in a supplementary capacity. [...] The Confederation supports extra-curricular work with children and young people only in a supplementary capacity.»\n\n**Judgment B-6244/2020** of 5 January 2022  \nDelimitation of promotion areas for extra-curricular youth work.  \nThe Federal Administrative Court deals with the substantive limits of federal financing under Art. 67 para. 2 FC.\n\n> «Art. 67 para. 2 FC authorises the Confederation to support extra-curricular work with children and young people in addition to cantonal measures. However, this provision does not establish unlimited promotion competence for the Confederation, but must be interpreted restrictively in light of the principle of subsidiarity.»\n\n**Judgment B-4003/2014** of 24 June 2015  \nRequirements for pilot projects in youth work.  \nThe Federal Administrative Court specifies the requirements for innovative projects under the Child and Youth Promotion Act.\n\n> «A pilot project within the meaning of Art. 8 CYPA can only be subsidised if it is unique and has innovative content. The repetition of a previously supported project is excluded from federal financial aid.»\n\n**Judgment B-2099/2016** of 8 August 2016  \nPriority setting with limited federal financing resources.  \nThe court deals with the exercise of discretion by federal authorities in the allocation of funds for extra-curricular youth work.\n\n> «Financial aid under the CYPA is to be classified as discretionary subsidies. The authority must establish relative criteria according to proper discretion that allow the number of applications that are in principle eligible for subsidies to be prioritised appropriately according to the degree of their worthiness for subsidies.»\n\n### Child Protection and Judicial Practice\n\n**BGE 146 III 313** of 16 June 2020  \nParental authority and child welfare in medical decisions.  \nThe Federal Supreme Court deals with the constitutional protection of children when parents disagree about vaccinations.\n\n> «If the parents with custody are at odds about whether their child should be vaccinated against measles, the competent authority must decide on the implementation of this measure to protect the child's health in place of the parents, based on Art. 307 para. 1 CC and in proper exercise of its discretion.»\n\n**BGE 144 III 442** of 10 July 2018  \nChild protection measures and procedural guarantees.  \nThe Federal Supreme Court deals with the compatibility of child protection measures with the fundamental rights of those involved.\n\n> «Criteria for the withdrawal of the right to determine residence when this can prevent endangerment of the child's welfare. The court must thereby balance the interests between the rights of the parents and the child's welfare.»\n\n**BGE 146 IV 267** of 17 August 2020  \nChild welfare in the execution of sentences.  \nThe Federal Supreme Court deals with the consideration of Art. 11 FC in the execution of custodial sentences.\n\n> «Art. 11 FC anchors the right of children and young people to special protection of their integrity and to the promotion of their development. This guarantee must also be observed in the execution of custodial sentences against parents.»\n\n### Federal Division of Competences\n\n**Judgment B-5602/2016** of 6 June 2017  \nNational significance of youth organisations.  \nThe Federal Administrative Court specifies the requirements for federal financing of regional youth organisations.\n\n> «The appellant represents the cantonal, regional and local service structures of open child and youth work at the national level. The federal structure of Switzerland does not exclude that an organisation with regional focus points can have national significance.»\n\n**Judgment B-5269/2014** of 16 March 2016  \nDelimitation between regular activity and projects worthy of promotion.  \nThe court deals with the distinction between operating costs and project-related financial aid.\n\n> «A project is to be regarded as temporally limited when it does not extend over an indefinite period overall, an unspecified period of several years or in some other way over a longer period. It is not excluded that a project is carried out distributed over a limited period.»\n\n### Procedural Law Aspects\n\n**Judgment C-7833/2010** of 4 March 2013  \nCompetence for financial aid decisions in youth promotion.  \nThe Federal Administrative Court deals with the legitimacy to appeal in financing decisions under Art. 67 para. 2 FC.\n\n> «The rulings of the Federal Social Insurance Office FSIO concerning financial aid for the promotion of extra-curricular youth work are subject to appeal to the Federal Administrative Court. The appellants must substantively demonstrate their legal interests.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_67", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 67, "article_suffix": "a", "title": "Musikalische Bildung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 67a BV — Musikalische Bildung\n\n## Übersicht\n\nArt. 67a BV verpflichtet Bund und Kantone zur Förderung der musikalischen Bildung von Kindern und Jugendlichen. Die Bestimmung entstand durch die Volksinitiative «jugend + musik», die am 18. Dezember 2008 eingereicht wurde (BBl 2009 613). Der von beiden Räten angenommene Gegenentwurf wurde am 23. September 2012 von Volk und Ständen mit 72,7% Ja-Stimmen angenommen (BBl 2012 9991).\n\nDie Verfassungsbestimmung gliedert sich in drei Bereiche: Erstens fördern Bund und Kantone gemeinsam die musikalische Bildung, besonders von Kindern und Jugendlichen. Zweitens setzen sie sich für hochwertigen Musikunterricht an Schulen ein. Drittens legt der Bund Grundsätze für den Zugang der Jugend zum Musizieren und die Begabtenförderung fest.\n\nDer Artikel schafft jedoch keine direkten Rechtsansprüche, sondern ist als Programmnorm (staatliches Ziel ohne einklagbare Rechte) konzipiert (Urteil B-3536/2016 vom 20. Januar 2017). Seine Umsetzung erfolgt durch Gesetze und Verordnungen. Der Bund ist nur für ausserschulische Projekte zuständig, während die Kantone für den Musikunterricht an Schulen verantwortlich bleiben (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 7).\n\nEin praktisches Beispiel ist das Bundesprogramm «Jugend und Musik», das Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 20 Jahren ausserschulische musikalische Aktivitäten ermöglicht. Projekte, die hauptsächlich im Schulunterricht stattfinden, fallen nicht in die Bundeszuständigkeit. So lehnte das Bundesverwaltungsgericht 2017 Fördermittel für ein Schulchor-Projekt ab, da die viermonatige Vorbereitung im regulären Unterricht erfolgte (B-3536/2016).\n\nDie Förderung erfolgt durch das Kulturförderungsgesetz (Art. 12 KFG) und das Kinder- und Jugendförderungsgesetz (Art. 7 Abs. 2 KJFG). Diese Gesetze konkretisieren die Verfassungsvorgaben und schaffen die rechtlichen Grundlagen für die praktische Umsetzung der musikalischen Bildungsförderung.", "doctrine_de": "# Art. 67a BV — Musikalische Bildung\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Verankerung der musikalischen Bildung in der Bundesverfassung geht auf die Volksinitiative «jugend + musik» zurück, die am 18. Dezember 2008 mit 154'095 gültigen Unterschriften eingereicht wurde (BBl 2009 613). Der Bundesrat anerkannte zwar die gesellschaftliche Bedeutung der musikalischen Bildung, lehnte die Initiative dennoch ab (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1). Während sich der Nationalrat für die Annahme der Volksinitiative aussprach, fand diese im Ständerat keine Mehrheit (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1).\n\n**N. 2** Die Kommissionsmehrheit des Ständerats hatte sich für einen Gegenentwurf ausgesprochen, der eine Förderung der Musik unter Berücksichtigung der kantonalen Zuständigkeiten vorsah (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1). Dieser direkte Gegenentwurf wurde schliesslich von beiden Räten angenommen (BBl 2010 5389). Die Initiantinnen und Initianten zogen daraufhin ihre Initiative zugunsten des Gegenentwurfs zurück. Am 23. September 2012 nahmen Volk und Stände den Gegenentwurf mit 72,7% Ja-Stimmen und der Zustimmung sämtlicher Kantone an (BBl 2012 9991).\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 67a BV steht im 3. Abschnitt der Bundesverfassung über «Bildung, Forschung und Kultur». Die Bestimmung ergänzt den Bildungsraum Schweiz (Art. 61a ff. BV) und die Kulturförderung (Art. 69 BV) um einen spezifischen Aspekt. Sie bildet ein Scharnier zwischen dem Bildungs- und dem Kulturbereich, wobei der Bildungsaspekt im Vordergrund steht (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 2).\n\n**N. 4** Die systematische Nähe zu Art. 62 BV (Schulwesen) ist zentral für das Verständnis der Kompetenzordnung. Während Art. 62 BV den Kantonen die primäre Zuständigkeit für das Schulwesen zuweist, durchbricht Art. 67a Abs. 2 BV diese Ordnung partiell, indem er Bund und Kantonen eine gemeinsame Aufgabe im Bereich der schulischen musikalischen Bildung überträgt. Die Querverweise zu → Art. 63a Abs. 5 BV (Berufsbildung) und → Art. 67 Abs. 2 BV (Jugendförderung) zeigen die Verflechtung mit anderen Förderungsbereichen.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Art. 67a BV enthält drei unterschiedliche Regelungsinhalte:\n\n- **Absatz 1** statuiert eine allgemeine Förderungspflicht von Bund und Kantonen für die musikalische Bildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Der Begriff «musikalische Bildung» umfasst sowohl die praktische Ausübung (Instrumentalunterricht, Singen) als auch die theoretische Vermittlung (Musikgeschichte, Notenlehre). Die Arbeitsgruppe des EDI/BAK vertritt die Ansicht, dass der Bund die musikalische Bildung zukünftig auch im schulischen Bereich fördern könnte, indem er entsprechende Massnahmen der Kantone finanziell unterstützt (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 5).\n\n- **Absatz 2** verpflichtet Bund und Kantone, sich für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen einzusetzen. Diese Bestimmung durchbricht die kantonale Schulhoheit nach Art. 62 BV nicht, sondern begründet eine Kooperationspflicht (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 7).\n\n- **Absatz 3** weist dem Bund die Kompetenz zu, Grundsätze für den Zugang der Jugend zum Musizieren und die Förderung musikalisch Begabter festzulegen. Diese Bundeskompetenz ist auf den ausserschulischen Bereich beschränkt (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 9).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 6** Art. 67a BV ist als Programmnorm konzipiert und begründet keine unmittelbaren subjektiven Rechte. Die Förderungspflicht von Bund und Kantonen bedarf der gesetzlichen Konkretisierung. Im Bundesrecht erfolgte die Umsetzung durch die Revision des Kulturförderungsgesetzes (Art. 12 KFG) und des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes (Art. 7 Abs. 2 KJFG).\n\n**N. 7** Die Kompetenzverteilung ergibt sich aus der Systematik der Bestimmung: Die Kantone bleiben für den schulischen Musikunterricht zuständig (Art. 62 BV), während der Bund im ausserschulischen Bereich Grundsätze erlassen kann (Abs. 3). Die Zusammenarbeit nach Abs. 1 und 2 erfolgt im Rahmen der bestehenden Zuständigkeiten.\n\n### Streitstände\n\n**N. 8** Die Reichweite der Bundeskompetenzen ist umstritten. Die EDK betont in ihrer Stellungnahme vom 21. Juni 2012 die fortbestehende kantonale Schulhoheit und warnt vor einer schleichenden Kompetenzverlagerung. Die IG jugend und musik argumentiert demgegenüber für eine aktive Rolle des Bundes auch im schulischen Bereich durch finanzielle Unterstützung und Qualitätsstandards.\n\n**N. 9** Kontrovers diskutiert wird auch der Umfang der Förderungspflicht. Während die Botschaft des Bundesrates (BBl 2009 613) von einer Optimierungspflicht im Rahmen der verfügbaren Mittel ausgeht, fordern Teile der Lehre eine verbindlichere Interpretation mit konkreten Mindeststandards für den Musikunterricht.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 10** Förderungsgesuche im ausserschulischen Bereich sind an das Bundesamt für Kultur zu richten. Die Abgrenzung zwischen schulischen und ausserschulischen Projekten ist strikt zu beachten: Projekte, die hauptsächlich während der Schulzeit oder in Schulräumen stattfinden, fallen nicht in die Bundeszuständigkeit (B-3536/2016).\n\n**N. 11** Das Programm «Jugend und Musik» nach Art. 12 KFG steht Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 20 Jahren offen. Die Leiterausbildung unterliegt besonderen Zulassungskriterien (BVGE 2017 IV/5). Kantone und Gemeinden können ergänzende Förderungsmassnahmen ergreifen, müssen dabei aber die bundesrechtlichen Vorgaben beachten.", "caselaw_de": "# Art. 67a BV — Musikalische Bildung\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 67a BV ist noch spärlich, da die Bestimmung erst 2012 in Kraft getreten ist und überwiegend programmatischen Charakter aufweist. Die vorhandenen Entscheide befassen sich hauptsächlich mit der Abgrenzung zwischen schulischer und ausserschulischer Förderung sowie mit Verfahrensfragen im Zusammenhang mit Förderungsbeiträgen.\n\n### Abgrenzung schulische/ausserschulische Förderung\n\n**B-3536/2016 (BVGer)** vom 20. Januar 2017\nAblehnung von Bundesbeiträgen für ein Musikprojekt, das hauptsächlich im Schulunterricht stattfand\nRelevanz: Grundlegende Entscheidung zur Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen\n> «Die Abgrenzung schulisch/ausserschulisch ist ausschlaggebend, weil der schulische Bereich primär in der Zuständigkeit der Kantone liegt (Art. 62 Abs. 1 BV). [...] Eine Quersubventionierung von der Konkurrenz mit schulischen Veranstaltungen durch Fördermittel des Bundes würde deshalb die verfassungsmässige Zuständigkeitsordnung verletzen.»\n\n### Förderung ausserschulischer Jugendarbeit\n\n**B-973/2017 (BVGer)** vom 11. Juli 2017 (BVGE 2017 IV/5)\nZulassung zur Jugend+Musik-Leiterausbildung; Altersobergrenze als Zulassungsbeschränkung\nRelevanz: Konkretisierung der Förderungsgrundsätze im ausserschulischen Bereich\n> «Die Rechtsgrundlage für das Programm 'Jugend + Musik' findet sich in Art. 67a BV und Art. 12 KFG. Darin fehlt eine spezifische Regelung in Bezug auf die J+M-Leiterausbildung, bzw. Voraussetzungen für die Zulassung zu selbiger Ausbildung.»\n\n### Verfassungsrechtliche Einordnung\n\nDie Rechtsprechung hat klargestellt, dass Art. 67a BV nicht justiziabel ist und keine unmittelbaren subjektiven Rechte begründet. Das Bundesverwaltungsgericht hielt in B-3536/2016 fest:\n\n> «Art. 67a BV ist nicht justiziabel, so dass die Beschwerdeführerin keine Ansprüche aus Art. 67a BV direkt ableiten kann.»\n\nDie Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone zur Förderung der musikalischen Bildung, bedarf aber der gesetzlichen Konkretisierung. Im ausserschulischen Bereich liegt die Kompetenz beim Bund, der die Grundsätze für den Zugang der Jugend zum Musizieren festlegen muss.\n\n### Umsetzung durch Verordnungsrecht\n\nDie praktische Umsetzung von Art. 67a BV erfolgt durch Förderungskonzepte des EDI gestützt auf Art. 28 KFG. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte in B-3536/2016 die Rechtmässigkeit dieser Delegationsregelung und den weiten Ermessensspielraum der Verwaltung bei der Mittelvergabe.", "summary_fr": "# Art. 67a Cst. — Formation musicale\n\n## Aperçu\n\nL'art. 67a Cst. oblige la Confédération et les cantons à promouvoir la formation musicale des enfants et des jeunes. Cette disposition est née de l'initiative populaire «jeunesse + musique», qui a été déposée le 18 décembre 2008 (FF 2009 547). Le contre-projet adopté par les deux Chambres a été accepté le 23 septembre 2012 par le peuple et les cantons avec 72,7% de voix favorables (FF 2012 9157).\n\nLa disposition constitutionnelle se divise en trois domaines : premièrement, la Confédération et les cantons encouragent ensemble la formation musicale, en particulier des enfants et des jeunes. Deuxièmement, ils s'emploient à ce que les écoles dispensent un enseignement musical de qualité. Troisièmement, la Confédération fixe les principes applicables à l'accès des jeunes à la pratique musicale et à l'encouragement des talents.\n\nL'article ne crée cependant aucun droit subjectif direct, mais est conçu comme une norme programmatique (objectif étatique sans droits justiciables) (arrêt B-3536/2016 du 20 janvier 2017). Sa mise en œuvre s'effectue par des lois et ordonnances. La Confédération n'est compétente que pour les projets extrascolaires, tandis que les cantons restent responsables de l'enseignement musical dans les écoles (Hänni, BSK BV, art. 67a n. 7).\n\nUn exemple pratique est le programme fédéral «Jeunesse et Musique», qui permet aux enfants et aux jeunes de 6 à 20 ans de pratiquer des activités musicales extrascolaires. Les projets qui se déroulent principalement dans l'enseignement scolaire ne relèvent pas de la compétence fédérale. Ainsi, le Tribunal administratif fédéral a refusé en 2017 des fonds d'encouragement pour un projet de chœur scolaire, car la préparation de quatre mois avait lieu dans l'enseignement ordinaire (B-3536/2016).\n\nL'encouragement s'effectue par la loi sur l'encouragement de la culture (art. 12 LEC) et la loi sur l'encouragement de l'enfance et de la jeunesse (art. 7, al. 2 LEEJ). Ces lois concrétisent les prescriptions constitutionnelles et créent les bases légales pour la mise en œuvre pratique de l'encouragement de la formation musicale.", "doctrine_fr": "# Art. 67a Cst. — Formation musicale\n\n## Doctrine\n\n### Histoire de l'adoption\n\n**N. 1** L'ancrage de la formation musicale dans la Constitution fédérale remonte à l'initiative populaire « jeunesse + musique », qui fut déposée le 18 décembre 2008 avec 154'095 signatures valables (FF 2009 575). Le Conseil fédéral reconnut certes l'importance sociétale de la formation musicale, mais rejeta néanmoins l'initiative (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 1). Alors que le Conseil national se prononça en faveur de l'acceptation de l'initiative populaire, celle-ci ne trouva pas de majorité au Conseil des États (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 1).\n\n**N. 2** La majorité de la commission du Conseil des États s'était prononcée pour un contre-projet qui prévoyait un encouragement de la musique en tenant compte des compétences cantonales (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 1). Ce contre-projet direct fut finalement adopté par les deux Chambres (FF 2010 4961). Les auteurs de l'initiative retirèrent alors leur initiative en faveur du contre-projet. Le 23 septembre 2012, le peuple et les cantons acceptèrent le contre-projet avec 72,7% de oui et l'assentiment de tous les cantons (FF 2012 8639).\n\n### Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 67a Cst. figure dans la 3e section de la Constitution fédérale consacrée à l'« Éducation, recherche et culture ». La disposition complète l'espace suisse de formation (art. 61a ss Cst.) et l'encouragement de la culture (art. 69 Cst.) par un aspect spécifique. Elle constitue une charnière entre le domaine de l'éducation et celui de la culture, l'aspect éducatif étant au premier plan (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 2).\n\n**N. 4** La proximité systématique avec l'art. 62 Cst. (instruction publique) est centrale pour la compréhension de l'ordre des compétences. Alors que l'art. 62 Cst. attribue aux cantons la compétence première pour l'instruction publique, l'art. 67a al. 2 Cst. rompt partiellement cet ordre en confiant à la Confédération et aux cantons une tâche commune dans le domaine de la formation musicale scolaire. Les renvois à → l'art. 63a al. 5 Cst. (formation professionnelle) et à → l'art. 67 al. 2 Cst. (encouragement de la jeunesse) montrent l'imbrication avec d'autres domaines d'encouragement.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** L'art. 67a Cst. contient trois contenus normatifs distincts :\n\n- **L'alinéa 1** statue une obligation générale d'encouragement de la Confédération et des cantons pour la formation musicale, en particulier des enfants et des jeunes. Le concept de « formation musicale » englobe aussi bien la pratique (enseignement instrumental, chant) que la transmission théorique (histoire de la musique, solfège). Le groupe de travail du DFI/OFC est d'avis que la Confédération pourrait à l'avenir encourager la formation musicale également dans le domaine scolaire, en soutenant financièrement les mesures correspondantes des cantons (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 5).\n\n- **L'alinéa 2** oblige la Confédération et les cantons à œuvrer en faveur d'un enseignement musical de qualité dans les écoles. Cette disposition ne rompt pas la souveraineté cantonale en matière scolaire selon l'art. 62 Cst., mais fonde une obligation de coopération (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 7).\n\n- **L'alinéa 3** attribue à la Confédération la compétence d'édicter des principes concernant l'accès des jeunes à la pratique musicale et l'encouragement des talents musicaux. Cette compétence fédérale est limitée au domaine extrascolaire (Hänni, BSK BV, art. 67a N. 9).\n\n### Effets juridiques\n\n**N. 6** L'art. 67a Cst. est conçu comme une norme programmatique et ne fonde pas de droits subjectifs immédiats. L'obligation d'encouragement de la Confédération et des cantons nécessite une concrétisation légale. Dans le droit fédéral, la mise en œuvre s'est faite par la révision de la loi sur l'encouragement de la culture (art. 12 LEC) et de la loi sur l'encouragement de l'enfance et de la jeunesse (art. 7 al. 2 LEEJ).\n\n**N. 7** La répartition des compétences résulte de la systématique de la disposition : les cantons demeurent compétents pour l'enseignement musical scolaire (art. 62 Cst.), tandis que la Confédération peut édicter des principes dans le domaine extrascolaire (al. 3). La collaboration selon les al. 1 et 2 s'effectue dans le cadre des compétences existantes.\n\n### Points de controverse\n\n**N. 8** La portée des compétences fédérales est controversée. La CDIP souligne dans sa prise de position du 21 juin 2012 la souveraineté cantonale scolaire persistante et met en garde contre un glissement rampant des compétences. L'IG jugend und musik argumente au contraire pour un rôle actif de la Confédération également dans le domaine scolaire par le soutien financier et les standards de qualité.\n\n**N. 9** L'étendue de l'obligation d'encouragement fait également l'objet de discussions controversées. Alors que le message du Conseil fédéral (FF 2009 575) part d'une obligation d'optimisation dans le cadre des moyens disponibles, des parties de la doctrine exigent une interprétation plus contraignante avec des standards minimaux concrets pour l'enseignement musical.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 10** Les demandes d'encouragement dans le domaine extrascolaire doivent être adressées à l'Office fédéral de la culture. La délimitation entre projets scolaires et extrascolaires doit être strictement respectée : les projets qui se déroulent principalement pendant le temps scolaire ou dans des locaux scolaires ne relèvent pas de la compétence fédérale (B-3536/2016).\n\n**N. 11** Le programme « Jeunesse et Musique » selon l'art. 12 LEC est ouvert aux enfants et jeunes entre 6 et 20 ans. La formation des moniteurs est soumise à des critères d'admission particuliers (ATAF 2017 IV/5). Les cantons et communes peuvent prendre des mesures d'encouragement complémentaires, mais doivent respecter les prescriptions de droit fédéral.", "caselaw_fr": "# Art. 67a Cst. — Formation musicale\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 67a Cst. est encore rare, cette disposition n'étant entrée en vigueur qu'en 2012 et ayant un caractère essentiellement programmatique. Les arrêts existants traitent principalement de la délimitation entre l'encouragement scolaire et extrascolaire ainsi que des questions de procédure en relation avec les contributions d'encouragement.\n\n### Délimitation encouragement scolaire/extrascolaire\n\n**B-3536/2016 (TAF)** du 20 janvier 2017\nRefus de contributions fédérales pour un projet musical ayant lieu principalement dans l'enseignement scolaire\nPertinence : Décision fondamentale sur la délimitation des compétences entre Confédération et cantons\n> « La délimitation scolaire/extrascolaire est déterminante, car le domaine scolaire relève principalement de la compétence des cantons (art. 62, al. 1, Cst.). [...] Un subventionnement croisé de la concurrence avec des manifestations scolaires par des moyens d'encouragement de la Confédération violerait par conséquent l'ordre constitutionnel de répartition des compétences. »\n\n### Encouragement du travail extrascolaire de jeunesse\n\n**B-973/2017 (TAF)** du 11 juillet 2017 (ATAF 2017 IV/5)\nAdmission à la formation de moniteurs Jeunesse+Musique ; limite d'âge supérieure comme restriction d'admission\nPertinence : Concrétisation des principes d'encouragement dans le domaine extrascolaire\n> « La base légale du programme 'Jeunesse + Musique' se trouve aux art. 67a Cst. et 12 LEC. Il y manque une réglementation spécifique concernant la formation de moniteurs J+M, respectivement les conditions d'admission à cette formation. »\n\n### Classification constitutionnelle\n\nLa jurisprudence a clarifié que l'art. 67a Cst. n'est pas justiciable et ne fonde pas de droits subjectifs immédiats. Le Tribunal administratif fédéral a retenu dans l'arrêt B-3536/2016 :\n\n> « L'art. 67a Cst. n'est pas justiciable, de sorte que la recourante ne peut dériver aucune prétention directement de l'art. 67a Cst. »\n\nCette disposition oblige la Confédération et les cantons à encourager la formation musicale, mais nécessite une concrétisation législative. Dans le domaine extrascolaire, la compétence appartient à la Confédération, qui doit établir les principes d'accès de la jeunesse à la pratique musicale.\n\n### Mise en œuvre par le droit d'ordonnance\n\nLa mise en œuvre pratique de l'art. 67a Cst. s'effectue par des concepts d'encouragement du DFI fondés sur l'art. 28 LEC. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé dans l'arrêt B-3536/2016 la légalité de cette réglementation de délégation et la large marge d'appréciation de l'administration dans l'attribution des moyens.", "summary_it": "# Art. 67a Cost. — Educazione musicale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 67a Cost. obbliga la Confederazione e i Cantoni a promuovere l'educazione musicale dei bambini e dei giovani. La disposizione è nata dall'iniziativa popolare «gioventù + musica», depositata il 18 dicembre 2008 (FF 2009 585). Il controprogetto adottato da entrambe le Camere è stato accettato il 23 settembre 2012 da popolo e Cantoni con il 72,7% di voti favorevoli (FF 2012 9469).\n\nLa disposizione costituzionale si articola in tre ambiti: in primo luogo, la Confederazione e i Cantoni promuovono congiuntamente l'educazione musicale, specialmente dei bambini e dei giovani. In secondo luogo, si adoperano per un insegnamento musicale di qualità nelle scuole. In terzo luogo, la Confederazione stabilisce i principi per l'accesso dei giovani alla pratica musicale e per la promozione dei talenti.\n\nL'articolo non crea tuttavia diritti direttamente azionabili, ma è concepito come norma programmatica (obiettivo statale senza diritti azionabili) (sentenza B-3536/2016 del 20 gennaio 2017). La sua attuazione avviene tramite leggi e ordinanze. La Confederazione è competente solo per i progetti extrascolastici, mentre i Cantoni rimangono responsabili per l'insegnamento musicale nelle scuole (Hänni, BSK Cost., art. 67a n. 7).\n\nUn esempio pratico è il programma federale «Gioventù e musica», che permette ai bambini e ai giovani tra i 6 e i 20 anni di svolgere attività musicali extrascolastiche. I progetti che si svolgono principalmente nell'insegnamento scolastico non rientrano nella competenza federale. Così nel 2017 il Tribunale amministrativo federale ha respinto i sussidi per un progetto di coro scolastico, poiché la preparazione di quattro mesi avveniva durante le lezioni regolari (B-3536/2016).\n\nLa promozione avviene tramite la Legge sulla promozione della cultura (art. 12 LPCu) e la Legge sulla promozione delle attività giovanili extrascolastiche (art. 7 cpv. 2 LPAG). Queste leggi concretizzano le prescrizioni costituzionali e creano le basi legali per l'attuazione pratica della promozione dell'educazione musicale.", "doctrine_it": "# Art. 67a Cost. — Formazione musicale\n\n## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'ancoraggio della formazione musicale nella Costituzione federale risale all'iniziativa popolare «gioventù + musica», depositata il 18 dicembre 2008 con 154'095 firme valide (FF 2009 613). Il Consiglio federale, pur riconoscendo l'importanza sociale della formazione musicale, respinse comunque l'iniziativa (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1). Mentre il Consiglio nazionale si pronunciò per l'accettazione dell'iniziativa popolare, questa non trovò la maggioranza nel Consiglio degli Stati (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1).\n\n**N. 2** La maggioranza della commissione del Consiglio degli Stati si era pronunciata per un controprogetto che prevedeva una promozione della musica nel rispetto delle competenze cantonali (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 1). Questo controprogetto diretto fu infine adottato da entrambe le Camere (FF 2010 5389). I promotori dell'iniziativa ritirarono quindi la loro iniziativa a favore del controprogetto. Il 23 settembre 2012 popolo e Cantoni adottarono il controprogetto con il 72,7% di voti favorevoli e l'approvazione di tutti i Cantoni (FF 2012 9991).\n\n### Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 67a Cost. si trova nella 3ª sezione della Costituzione federale su «Formazione, ricerca e cultura». La disposizione completa lo spazio formativo svizzero (art. 61a segg. Cost.) e la promozione della cultura (art. 69 Cost.) con un aspetto specifico. Costituisce una cerniera tra il settore della formazione e quello della cultura, con l'aspetto formativo in primo piano (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 2).\n\n**N. 4** La vicinanza sistematica all'art. 62 Cost. (sistema scolastico) è centrale per la comprensione dell'ordinamento delle competenze. Mentre l'art. 62 Cost. attribuisce ai Cantoni la competenza primaria per il sistema scolastico, l'art. 67a cpv. 2 Cost. interrompe parzialmente quest'ordine, trasferendo a Confederazione e Cantoni un compito comune nell'ambito della formazione musicale scolastica. I rinvii incrociati all'→ art. 63a cpv. 5 Cost. (formazione professionale) e all'→ art. 67 cpv. 2 Cost. (promozione della gioventù) mostrano l'interconnessione con altri settori di promozione.\n\n### Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** L'art. 67a Cost. contiene tre diversi contenuti normativi:\n\n- **Il capoverso 1** statuisce un obbligo generale di promozione da parte di Confederazione e Cantoni per la formazione musicale, in particolare di bambini e giovani. Il concetto di «formazione musicale» comprende sia la pratica (lezioni di strumento, canto) sia la trasmissione teorica (storia della musica, teoria musicale). Il gruppo di lavoro del DFI/UFC sostiene che la Confederazione potrebbe in futuro promuovere la formazione musicale anche nell'ambito scolastico, sostenendo finanziariamente le corrispondenti misure dei Cantoni (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 5).\n\n- **Il capoverso 2** obbliga Confederazione e Cantoni a impegnarsi per un insegnamento musicale di qualità nelle scuole. Questa disposizione non interrompe la sovranità scolastica cantonale secondo l'art. 62 Cost., ma fonda un obbligo di cooperazione (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 7).\n\n- **Il capoverso 3** attribuisce alla Confederazione la competenza di stabilire principi per l'accesso dei giovani alla pratica musicale e per la promozione dei talenti musicali. Questa competenza federale è limitata all'ambito extrascolastico (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 9).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 6** L'art. 67a Cost. è concepito come norma programmatica e non fonda diritti soggettivi immediati. L'obbligo di promozione di Confederazione e Cantoni necessita di concretizzazione legislativa. Nel diritto federale l'attuazione è avvenuta attraverso la revisione della legge sulla promozione della cultura (art. 12 LPCu) e della legge sulla promozione delle attività giovanili extrascolastiche (art. 7 cpv. 2 LPAG).\n\n**N. 7** La ripartizione delle competenze risulta dalla sistematica della disposizione: i Cantoni rimangono competenti per l'insegnamento musicale scolastico (art. 62 Cost.), mentre la Confederazione può emanare principi nell'ambito extrascolastico (cpv. 3). La collaborazione secondo i capoversi 1 e 2 avviene nel quadro delle competenze esistenti.\n\n### Questioni controverse\n\n**N. 8** La portata delle competenze federali è controversa. La CDPE sottolinea nella sua presa di posizione del 21 giugno 2012 la persistente sovranità scolastica cantonale e mette in guardia contro uno spostamento strisciante delle competenze. L'IG jugend und musik argomenta invece per un ruolo attivo della Confederazione anche nell'ambito scolastico attraverso sostegno finanziario e standard di qualità.\n\n**N. 9** Anche l'ampiezza dell'obbligo di promozione è discussa controversamente. Mentre il messaggio del Consiglio federale (FF 2009 613) parte da un obbligo di ottimizzazione nel quadro dei mezzi disponibili, parti della dottrina richiedono un'interpretazione più vincolante con standard minimi concreti per l'insegnamento musicale.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 10** Le richieste di promozione nell'ambito extrascolastico vanno presentate all'Ufficio federale della cultura. La delimitazione tra progetti scolastici ed extrascolastici deve essere rigorosamente osservata: progetti che si svolgono principalmente durante l'orario scolastico o in locali scolastici non rientrano nella competenza federale (B-3536/2016).\n\n**N. 11** Il programma «Gioventù e musica» secondo l'art. 12 LPCu è aperto a bambini e giovani tra i 6 e i 20 anni. La formazione dei monitori è soggetta a criteri speciali di ammissione (GAAC 2017 IV/5). Cantoni e Comuni possono adottare misure di promozione complementari, ma devono rispettare le prescrizioni del diritto federale.", "caselaw_it": "# Art. 67a Cost. — Educazione musicale\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 67a Cost. è ancora scarsa, poiché la disposizione è entrata in vigore soltanto nel 2012 e ha carattere prevalentemente programmatico. Le decisioni esistenti si occupano principalmente della delimitazione tra promozione scolastica ed extrascolastica, nonché di questioni procedurali in relazione ai contributi di promozione.\n\n### Delimitazione promozione scolastica/extrascolastica\n\n**B-3536/2016 (TAF)** del 20 gennaio 2017\nRifiuto di contributi federali per un progetto musicale che si svolgeva principalmente nell'insegnamento scolastico\nRilevanza: Decisione fondamentale sulla delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni\n> «La delimitazione scolastico/extrascolastico è determinante, poiché l'ambito scolastico rientra primariamente nella competenza dei Cantoni (art. 62 cpv. 1 Cost.). [...] Un sovvenzionamento trasversale della concorrenza con manifestazioni scolastiche attraverso mezzi di promozione della Confederazione violerebbe pertanto l'ordine costituzionale delle competenze.»\n\n### Promozione del lavoro giovanile extrascolastico\n\n**B-973/2017 (TAF)** dell'11 luglio 2017 (DTAF 2017 IV/5)\nAmmissione alla formazione per capi Gioventù+Musica; limite massimo di età come restrizione all'ammissione\nRilevanza: Concretizzazione dei principi di promozione nell'ambito extrascolastico\n> «La base legale per il programma 'Gioventù + Musica' si trova nell'art. 67a Cost. e nell'art. 12 LPCu. In essa manca una regolamentazione specifica per quanto riguarda la formazione per capi G+M, rispettivamente i requisiti per l'ammissione a tale formazione.»\n\n### Inquadramento costituzionale\n\nLa giurisprudenza ha chiarito che l'art. 67a Cost. non è giustiziabile e non crea diritti soggettivi diretti. Il Tribunale amministrativo federale ha stabilito in B-3536/2016:\n\n> «L'art. 67a Cost. non è giustiziabile, cosicché la ricorrente non può derivare pretese direttamente dall'art. 67a Cost.»\n\nLa disposizione obbliga Confederazione e Cantoni a promuovere l'educazione musicale, ma necessita di concretizzazione legislativa. Nell'ambito extrascolastico la competenza spetta alla Confederazione, che deve stabilire i principi per l'accesso dei giovani alla pratica musicale.\n\n### Attuazione tramite diritto di ordinanza\n\nL'attuazione pratica dell'art. 67a Cost. avviene attraverso concetti di promozione del DFI basati sull'art. 28 LPCu. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato in B-3536/2016 la legalità di questa regolamentazione di delega e l'ampio margine di discrezionalità dell'amministrazione nell'assegnazione dei mezzi.", "summary_en": "# Art. 67a BV — Musical Education\n\n## Overview\n\nArt. 67a BV obliges the Confederation and the cantons to promote the musical education of children and young people. The provision arose from the popular initiative «youth + music», which was submitted on 18 December 2008 (BBl 2009 613). The counter-proposal adopted by both chambers was accepted on 23 September 2012 by the people and the cantons with 72.7% yes votes (BBl 2012 9991).\n\nThe constitutional provision is structured in three areas: First, the Confederation and the cantons jointly promote musical education, especially of children and young people. Second, they work towards high-quality music teaching in schools. Third, the Confederation establishes principles for young people's access to music-making and the promotion of talent.\n\nHowever, the article does not create direct legal entitlements, but is conceived as a programmatic norm (state objective without justiciable rights) (Judgment B-3536/2016 of 20 January 2017). Its implementation occurs through laws and ordinances. The Confederation is only responsible for extracurricular projects, while the cantons remain responsible for music teaching in schools (Hänni, BSK BV, Art. 67a N. 7).\n\nA practical example is the federal programme «Youth and Music», which enables children and young people between 6 and 20 years to pursue extracurricular musical activities. Projects that take place primarily in school lessons do not fall under federal jurisdiction. Thus, the Federal Administrative Court rejected funding for a school choir project in 2017, as the four-month preparation took place in regular lessons (B-3536/2016).\n\nThe promotion takes place through the Cultural Promotion Act (Art. 12 KFG) and the Child and Youth Promotion Act (Art. 7 para. 2 KJFG). These laws concretise the constitutional requirements and create the legal foundations for the practical implementation of musical education promotion.", "doctrine_en": "# Art. 67a FC — Musical education\n\n## Doctrine\n\n### Legislative history\n\n**N. 1** The anchoring of musical education in the Federal Constitution goes back to the popular initiative «youth + music», which was submitted on 18 December 2008 with 154,095 valid signatures (FO 2009 613). While the Federal Council acknowledged the social significance of musical education, it nevertheless rejected the initiative (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 1). While the National Council voted for acceptance of the popular initiative, it did not find a majority in the Council of States (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 1).\n\n**N. 2** The majority of the Council of States commission had spoken in favour of a counter-proposal that provided for promotion of music while taking into account cantonal competencies (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 1). This direct counter-proposal was finally adopted by both chambers (FO 2010 5389). The initiators then withdrew their initiative in favour of the counter-proposal. On 23 September 2012, the people and cantons accepted the counter-proposal with 72.7% yes votes and the approval of all cantons (FO 2012 9991).\n\n### Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 67a FC stands in the 3rd section of the Federal Constitution on «Education, Research and Culture». The provision complements the Swiss education area (Art. 61a ff. FC) and cultural promotion (Art. 69 FC) with a specific aspect. It forms a hinge between the education and culture areas, with the educational aspect in the foreground (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 2).\n\n**N. 4** The systematic proximity to Art. 62 FC (school system) is central to understanding the allocation of powers. While Art. 62 FC assigns the cantons primary competence for the school system, Art. 67a para. 2 FC partially breaks through this order by transferring a joint task in the area of school musical education to the Confederation and cantons. The cross-references to → Art. 63a para. 5 FC (vocational education and training) and → Art. 67 para. 2 FC (promotion of youth) show the interconnection with other promotion areas.\n\n### Elements of the offence / normative content\n\n**N. 5** Art. 67a FC contains three different regulatory contents:\n\n- **Paragraph 1** establishes a general promotion obligation of the Confederation and cantons for musical education, particularly of children and young people. The term «musical education» encompasses both practical performance (instrumental instruction, singing) and theoretical teaching (music history, music theory). The working group of the FDHA/FOC takes the view that the Confederation could in future also promote musical education in the school area by financially supporting corresponding measures by the cantons (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 5).\n\n- **Paragraph 2** obliges the Confederation and cantons to work for high-quality music instruction in schools. This provision does not break through cantonal school sovereignty according to Art. 62 FC, but rather establishes an obligation to cooperate (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 7).\n\n- **Paragraph 3** assigns the Confederation the power to lay down principles for youth access to music-making and the promotion of the musically gifted. This federal competence is limited to the extracurricular area (Hänni, BSK FC, Art. 67a N. 9).\n\n### Legal consequences\n\n**N. 6** Art. 67a FC is conceived as a programmatic provision and does not establish direct subjective rights. The promotion obligation of the Confederation and cantons requires legislative specification. In federal law, implementation took place through the revision of the Cultural Promotion Act (Art. 12 CPA) and the Child and Youth Promotion Act (Art. 7 para. 2 CYPA).\n\n**N. 7** The allocation of powers results from the systematics of the provision: The cantons remain responsible for school music instruction (Art. 62 FC), while the Confederation can issue principles in the extracurricular area (para. 3). Cooperation according to paras. 1 and 2 takes place within the framework of existing competencies.\n\n### Points of dispute\n\n**N. 8** The scope of federal competencies is disputed. The EDK emphasises in its position of 21 June 2012 the continued cantonal school sovereignty and warns against a creeping transfer of competencies. The IG youth and music, on the other hand, argues for an active role of the Confederation also in the school area through financial support and quality standards.\n\n**N. 9** The scope of the promotion obligation is also controversially discussed. While the Federal Council's message (FO 2009 613) assumes an optimisation obligation within the framework of available means, parts of the doctrine demand a more binding interpretation with concrete minimum standards for music instruction.\n\n### Practice notes\n\n**N. 10** Promotion applications in the extracurricular area are to be directed to the Federal Office of Culture. The distinction between school and extracurricular projects must be strictly observed: projects that mainly take place during school hours or in school premises do not fall within federal competence (B-3536/2016).\n\n**N. 11** The programme «Youth and Music» according to Art. 12 CPA is open to children and young people between 6 and 20 years of age. Leader training is subject to special admission criteria (BVGE 2017 IV/5). Cantons and municipalities may take supplementary promotion measures, but must observe federal legal requirements in doing so.", "caselaw_en": "# Art. 67a FC — Musical education\n\n## Case law\n\nCase law on Art. 67a FC is still sparse, as the provision only entered into force in 2012 and is predominantly programmatic in nature. The existing decisions deal mainly with the demarcation between school and extra-curricular promotion as well as with procedural questions in connection with promotion grants.\n\n### Demarcation between school and extra-curricular promotion\n\n**B-3536/2016 (FCAT)** of 20 January 2017\nRejection of federal grants for a music project that took place mainly during school instruction\nRelevance: Fundamental decision on the demarcation of competences between Confederation and cantons\n> «The demarcation between school and extra-curricular is decisive because the school sector lies primarily within the competence of the cantons (Art. 62 para. 1 FC). [...] Cross-subsidisation from competition with school events through federal promotional funds would therefore violate the constitutional division of competences.»\n\n### Promotion of extra-curricular youth work\n\n**B-973/2017 (FCAT)** of 11 July 2017 (FCAT 2017 IV/5)\nAdmission to Youth+Music leader training; upper age limit as admission restriction\nRelevance: Specification of promotion principles in the extra-curricular sector\n> «The legal basis for the 'Youth + Music' programme is found in Art. 67a FC and Art. 12 CPCA. These lack a specific regulation regarding J+M leader training, or prerequisites for admission to such training.»\n\n### Constitutional classification\n\nCase law has clarified that Art. 67a FC is not justiciable and does not establish direct subjective rights. The Federal Administrative Court held in B-3536/2016:\n\n> «Art. 67a FC is not justiciable, so that the appellant cannot derive claims directly from Art. 67a FC.»\n\nThe provision obliges the Confederation and cantons to promote musical education, but requires legislative specification. In the extra-curricular sector, competence lies with the Confederation, which must establish the principles for youth access to music-making.\n\n### Implementation through ordinance law\n\nThe practical implementation of Art. 67a FC takes place through promotional concepts of the FDHA based on Art. 28 CPCA. The Federal Administrative Court confirmed in B-3536/2016 the lawfulness of this delegation arrangement and the wide discretion of the administration in allocating funds.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_67a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 68, "article_suffix": "", "title": "Sport", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 68 BV — Sport\n\n## Übersicht\n\nArt. 68 BV regelt die Sportförderung durch den Bund. Der Artikel verpflichtet den Bund, den Sport zu fördern, insbesondere die Ausbildung von Sportlehrern und Trainern (Art. 68 Abs. 1 BV). Diese Förderungspflicht umfasst alle Formen körperlicher Betätigung — vom Breiten- über den Freizeit- bis zum Spitzensport (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 3). Der Bund betreibt dazu die Eidgenössische Hochschule für Sport in Magglingen als einzige verfassungsrechtlich verankerte Bundesschule (Art. 68 Abs. 2 BV).\n\nBesonders wichtig ist die Kompetenz des Bundes beim Jugendsport. Er kann Vorschriften über den Jugendsport erlassen und den Sportunterricht an Schulen für obligatorisch erklären (Art. 68 Abs. 3 BV). Diese Befugnis hat der Bund im Sportförderungsgesetz (SpoFöG) umgesetzt: In der obligatorischen Schule sind drei Wochenlektionen Sport vorgeschrieben (Art. 12 SpoFöG). \n\n**Beispiel aus der Praxis**: Eine muslimische Familie versucht, ihre Tochter vom Schwimmunterricht zu dispensieren. Das Bundesgericht entschied jedoch, dass der obligatorische Schwimmunterricht auch für muslimische Kinder gilt, da die Integration wichtiger ist als religiöse Vorbehalte. Flankierende Massnahmen wie getrennte Umkleiden oder das Tragen eines Burkinis müssen aber möglich sein (**BGE 135 I 79**).\n\nDie Sportförderung ist eine Bundesaufgabe, jedoch ohne direkte Regelungskompetenz (**Urteil 2C_383/2010** E. 2.4). Der Bund stellt primär finanzielle Mittel bereit und schafft günstige Rahmenbedingungen. Die Kantone behalten ihre grundsätzliche Zuständigkeit im Sportbereich. Sportvereine können sich nicht direkt auf Art. 68 BV berufen, um Steuerbefreiungen oder konkrete Fördergelder zu verlangen.\n\nUmstritten ist die Reichweite der Bundeskompetenz bei der Regelung des Schulsports. Während Biaggini die Bundeskompetenz auch nach der neuen Bildungsverfassung bejaht, argumentiert Ehrenzeller, dass Art. 62 Abs. 1 BV eine klare kantonale Schulhoheit begründe (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 6 und N. 61).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 68 BV hat seinen Ursprung in Art. 27quinquies aBV, der 1970 als Reaktion auf die Ablehnung eines Bundessportverfassungsartikels im Jahr 1957 in die Verfassung aufgenommen wurde (BBl 1968 I 758 ff.). Die damalige Bestimmung beschränkte sich auf Turn- und Sportunterricht sowie eine Kann-Vorschrift für Sportförderung. Die geltende Fassung von Art. 68 BV erweiterte die Bundeskompetenzen erheblich und verpflichtet den Bund ausdrücklich zur Sportförderung (BBl 1997 I 284). \n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision von 1999 transformierte die frühere Kann-Bestimmung in eine Förderungspflicht (\"Der Bund fördert\") und erweiterte die Kompetenzen um den Betrieb einer Sportschule sowie die Möglichkeit, den Sportunterricht an Schulen für obligatorisch zu erklären. Diese Verstärkung der Bundeskompetenzen spiegelt die gewachsene Bedeutung des Sports für Gesundheit, Integration und Bildung wider (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 1).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 68 BV steht im Abschnitt \"Bildung, Forschung und Kultur\" und weist enge Verbindungen zu den Bildungsartikeln auf, insbesondere zu → Art. 62 BV (Schulwesen) und → Art. 67 BV (Förderung von Kindern und Jugendlichen). Die Norm begründet eine parallele Kompetenz von Bund und Kantonen im Sportbereich, wobei die kantonale Zuständigkeit grundsätzlich bestehen bleibt (Biaggini, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3).\n\n**N. 4** Die Bestimmung ist im Kontext der Gesundheitsförderung (→ Art. 118 BV) und der Jugendförderung zu verstehen. Der Sportunterricht an Schulen berührt die kantonale Schulhoheit gemäss Art. 62 Abs. 1 BV, was zu Kompetenzabgrenzungsfragen führt (siehe N. 12).\n\n### 3. Norminhalt\n\n#### Sportbegriff und Förderungspflicht (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Sportbegriff umfasst nach Zen-Ruffinen alle Formen körperlicher Betätigung, die auf die Verbesserung der physischen und psychischen Verfassung, die Entwicklung sozialer Beziehungen oder das Erzielen von Wettkampfergebnissen ausgerichtet sind (Zen-Ruffinen, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). Diese weite Definition schliesst Breiten-, Freizeit- und Spitzensport gleichermassen ein.\n\n**N. 6** Die Formulierung \"Der Bund fördert\" begründet nach Biaggini nicht nur eine Befugnis, sondern eine Verpflichtung zur aktiven Sportförderung (Biaggini, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). Die besondere Erwähnung der Ausbildung unterstreicht die Bedeutung der Trainerausbildung und der sportpädagogischen Qualifikation. Der Bund erfüllt diese Pflicht primär durch das Sportförderungsgesetz (SpoFöG) und das Programm Jugend+Sport.\n\n#### Eidgenössische Sportschule (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) ist die einzige direkt in der Verfassung verankerte Bundesschule. Sie dient der Aus- und Weiterbildung von Sportlehrpersonen, Trainern und weiteren Fachpersonen im Sport (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 7). Die verfassungsrechtliche Verankerung unterstreicht die Bedeutung einer qualitativ hochstehenden Sportausbildung auf nationaler Ebene.\n\n#### Jugendsport und obligatorischer Sportunterricht (Abs. 3)\n\n**N. 8** Abs. 3 gewährt dem Bund zwei unterschiedliche Kompetenzen: eine allgemeine Regelungskompetenz für den Jugendsport und die spezifische Befugnis, den Sportunterricht an Schulen für obligatorisch zu erklären (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 8). Diese Kompetenzen wurden mit Art. 12 SpoFöG umgesetzt, der drei wöchentliche Sportlektionen in der obligatorischen Schule vorschreibt.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Art. 68 Abs. 1 BV ergibt sich kein individueller Anspruch auf bestimmte Sportförderungsmassnahmen. Die Norm verpflichtet den Bund zur Bereitstellung angemessener Mittel und Programme, lässt ihm aber einen erheblichen Gestaltungsspielraum. Private können sich nicht direkt auf Art. 68 BV berufen, um konkrete Förderleistungen einzufordern.\n\n**N. 10** Die Sportschule gemäss Abs. 2 muss als eidgenössische Institution betrieben werden. Eine Delegation an Kantone oder Private wäre verfassungswidrig. Die Finanzierung erfolgt über den ordentlichen Bundeshaushalt.\n\n**N. 11** Der obligatorische Sportunterricht nach Abs. 3 begründet für Schülerinnen und Schüler eine Teilnahmepflicht, die nur aus wichtigen Gründen (insbesondere gesundheitlichen) dispensiert werden kann. **BGE 135 I 79** bestätigte, dass auch religiöse Gründe den obligatorischen Charakter grundsätzlich nicht aufheben.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** Die Reichweite der Bundeskompetenz zur Regelung des Schulsports ist umstritten. Biaggini vertritt in einem Gutachten vom 28. Februar 2009 die Auffassung, die neue Bildungsverfassung habe die verfassungsmässige Zuständigkeit des Bundes zum Sportunterricht nicht verändert (Biaggini, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 6). Demgegenüber argumentiert Ehrenzeller, Art. 62 Abs. 1 BV begründe eine klare kantonale Schulhoheit, weshalb dem Bund keine Kompetenz zum Eingriff in die Lehrpläne zustehe (Ehrenzeller, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 61).\n\n**N. 13** Die Frage, ob der Bund über eine allgemeine \"Regelungskompetenz\" im Sportbereich verfügt, wird kontrovers diskutiert. Zen-Ruffinen verneint eine solche allgemeine Kompetenz und sieht in Art. 68 BV primär eine Förderungs-, nicht aber eine Regelungsbefugnis (Zen-Ruffinen, zit. nach Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 74). Diese Auffassung wird durch **Urteil 2C_383/2010** E. 2.4 gestützt, wonach Art. 68 BV \"keine eigentliche Regelungskompetenz\" vorsieht.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Umsetzung des obligatorischen Sportunterrichts ist zwischen der obligatorischen Schule und der Sekundarstufe II zu unterscheiden. Während auf Primarstufe drei wöchentliche Lektionen zwingend sind, genügen auf Sekundarstufe II gemäss **Urteil 2C_824/2019** 110 Jahreslektionen, die flexibel über das Schuljahr verteilt werden können.\n\n**N. 15** Sportverbände können sich nicht auf Art. 68 BV berufen, um eine Steuerbefreiung wegen Verfolgung öffentlicher Zwecke zu erlangen. **Urteil 2C_383/2010** stellte klar, dass die Sportförderung zwar eine Bundesaufgabe darstellt, private Sportverbände aber primär Selbsthilfezwecke verfolgen und daher trotz gewisser öffentlicher Zweckverfolgung nicht steuerbefreit sind.\n\n**N. 16** Die religiös motivierte Dispensation vom Schwimmunterricht unterliegt strengen Anforderungen. Das Bundesgericht gewichtet die Integrationsfunktion des gemeinsamen Sportunterrichts höher als individuelle religiöse Vorbehalte, sofern durch organisatorische Massnahmen (getrennte Umkleidekabinen, Burkini) den religiösen Anliegen Rechnung getragen werden kann (BGE 135 I 79).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Sportförderung als staatliche Aufgabe\n\n**Urteil 2C_383/2010 vom 28. Dezember 2010 E. 2.4**\nDas Bundesgericht bestätigt, dass die Sportförderung eine verfassungsmässige Aufgabe des Bundes gemäss Art. 68 BV darstellt. Diese Bestimmung sieht eine Bundeskompetenz zur «gesamtheitlichen Förderung des Sports» vor, jedoch keine eigentliche Regelungskompetenz. Der Bund engagiert sich zunehmend in sportrelevanten Bereichen wie Gesundheit, Freizeitgestaltung, Bildung und Leistungssport.\n\n> «Art. 68 BV sieht eine Bundeskompetenz zur 'gesamtheitlichen Förderung des Sports' vor, nicht jedoch eine eigentliche 'Regelungskompetenz'. Aus dem Konzept des Bundesrates für eine Sportpolitik in der Schweiz vom 1. November 2005 geht hervor, dass sich der Bund nicht nur als Geldverteiler versteht, sondern in immer mehr sportrelevanten Bereichen aktiv wird.»\n\n### Sportunterricht an Schulen\n\n**Urteil 2C_824/2019 vom 31. Januar 2020 E. 7.2**\nDas Bundesgericht präzisiert die Anforderungen an den Sportunterricht an Mittelschulen. Anders als in der obligatorischen Schule sind auf der Sekundarstufe II keine drei wöchentlichen Sportlektionen zwingend vorgeschrieben. Das Erfordernis von 110 Jahreslektionen gemäss Art. 49 Abs. 3 SpoFöV ermöglicht eine flexible Umsetzung.\n\n> «Wenn Art. 49 Abs. 3 SpoFöV verlangt, dass an den Mittelschulen pro Schuljahr mindestens 110 Lektionen Sportunterricht zu erteilen sind, kann daraus nicht gefolgert werden, dass diese wöchentlich mit je drei Lektionen zu unterrichten sind. Mit der Regelung von 110 Lektionen pro Schuljahr sollte eine flexible Umsetzung ermöglicht werden.»\n\n**Urteil 2C_824/2019 vom 31. Januar 2020 E. 7.3**\nDie Verteilung der Sportlektionen muss «regelmässig» über das ganze Jahr erfolgen. Eine Stundentafel mit zwei wöchentlichen Sportlektionen und ergänzenden Sporttagen, Sonderwochen und Wintersportlagern genügt diesem Erfordernis, sofern die überwiegende Mehrheit der Lektionen gleichmässig über das Schuljahr verteilt wird.\n\n> «Werden lediglich während eines Schuljahres bloss zwei Lektionen Sport erteilt und die Differenz zu den erforderlichen 110 Jahreslektionen Sport anderweitig nachgeholt, ist die Regelmässigkeit des Sportunterrichts nicht in Frage zu stellen. Denn die überwiegende Mehrheit der Sportlektionen werden gleichmässig verteilt über das Schuljahr unterrichtet.»\n\n### Religionsfreiheit und Sportunterricht\n\n**BGE 135 I 79 vom 24. Oktober 2008 E. 7.3**\nDas Bundesgericht stellt klar, dass der obligatorische Schwimmunterricht an öffentlichen Schulen eine genügende gesetzliche Grundlage hat und auch für muslimische Kinder keinen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit darstellt. Bei der Interessenabwägung sind die Integrationsbemühungen der muslimischen Bevölkerung zu berücksichtigen.\n\n> «Verbunden mit flankierenden Massnahmen stellt das angefochtene Obligatorium auch für muslimische Kinder keinen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit dar. Bei der Interessenabwägung sind insbesondere die vielfältigen Bestrebungen zur Integration der muslimischen Bevölkerungsgruppe zu berücksichtigen.»\n\n### Jugend+Sport-Programm\n\n**Urteil A-358/2020 vom 8. Februar 2021**\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelt Missbrauch im Rahmen des Jugend+Sport-Programms. Die Entscheidung betrifft die Überprüfung von J+S-Kursen durch das BASPO und zeigt die staatliche Aufsicht über die Sportförderung im Jugendbereich auf.\n\n### Talentförderung und ausserkantonale Schulung\n\n**Urteil VB.2023.00269 des Verwaltungsgerichts Zürich vom 29. September 2021**\nDas Zürcher Verwaltungsgericht hält fest, dass volksschulpflichtige Kinder mit sportlicher Hochbegabung grundsätzlich keinen Anspruch auf Besuch einer ausserkantonalen Talentschule haben. Die Kostengutsprache für eine ausserkantonale Sportschule setzt eine fehlende gleichwertige Alternative im Kanton voraus.\n\n> «Kinder und Jugendliche, die noch volksschulpflichtig sind und eine sportliche oder künstlerische Hochbegabung aufweisen, haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Besuch einer (ausserkantonalen) Talentschule. Die strittigen Kriterien einer fehlenden gleichwertigen Alternative im Kanton und der guten Erreichbarkeit des ausserkantonalen Schulangebots erweisen sich als sachgerecht.»", "summary_fr": "# Art. 68 Cst. — Sport\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 68 Cst. règle l'encouragement du sport par la Confédération. L'article oblige la Confédération à encourager le sport, en particulier la formation des maîtres de sport et d'entraîneurs (art. 68 al. 1 Cst.). Cette obligation d'encouragement englobe toutes les formes d'activité physique — du sport populaire au sport de loisir jusqu'au sport d'élite (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 3). La Confédération exploite à cet effet la Haute école fédérale de sport de Macolin comme seule école fédérale ancrée constitutionnellement (art. 68 al. 2 Cst.).\n\nLa compétence de la Confédération dans le domaine du sport des jeunes revêt une importance particulière. Elle peut édicter des prescriptions sur le sport des jeunes et déclarer obligatoire l'enseignement du sport dans les écoles (art. 68 al. 3 Cst.). La Confédération a mis en œuvre cette compétence dans la loi sur l'encouragement du sport (LESp) : dans l'école obligatoire, trois leçons hebdomadaires de sport sont prescrites (art. 12 LESp).\n\n**Exemple tiré de la pratique** : Une famille musulmane tente de faire dispenser sa fille des cours de natation. Le Tribunal fédéral a toutefois décidé que l'enseignement obligatoire de la natation s'applique aussi aux enfants musulmans, car l'intégration est plus importante que les réserves religieuses. Des mesures d'accompagnement comme des vestiaires séparés ou le port d'un burkini doivent cependant être possibles (**BGE 135 I 79**).\n\nL'encouragement du sport est une tâche de la Confédération, mais sans compétence de réglementation directe (**Arrêt 2C_383/2010** c. 2.4). La Confédération met en priorité à disposition des moyens financiers et crée des conditions-cadres favorables. Les cantons conservent leur compétence de principe dans le domaine du sport. Les associations sportives ne peuvent pas se prévaloir directement de l'art. 68 Cst. pour exiger des exonérations fiscales ou des subventions concrètes.\n\nLa portée de la compétence de la Confédération pour la réglementation du sport scolaire est controversée. Alors que Biaggini confirme la compétence de la Confédération même après la nouvelle constitution sur la formation, Ehrenzeller argumente que l'art. 62 al. 1 Cst. fonde une souveraineté scolaire cantonale claire (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 6 et N. 61).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 68 Cst. trouve son origine dans l'art. 27quinquies ancCst., qui fut intégré dans la Constitution en 1970 en réaction au refus d'un article constitutionnel fédéral sur le sport en 1957 (FF 1968 I 758 ss). La disposition d'alors se limitait à l'enseignement de la gymnastique et du sport ainsi qu'à une disposition facultative pour l'encouragement du sport. La version actuelle de l'art. 68 Cst. a considérablement élargi les compétences fédérales et oblige expressément la Confédération à encourager le sport (FF 1997 I 284).\n\n**N. 2** La révision constitutionnelle de 1999 a transformé l'ancienne disposition facultative en obligation d'encouragement (« La Confédération encourage ») et a étendu les compétences à l'exploitation d'une école de sport ainsi qu'à la possibilité de déclarer obligatoire l'enseignement du sport dans les écoles. Ce renforcement des compétences fédérales reflète l'importance croissante du sport pour la santé, l'intégration et la formation (Hänni, BSK BV, art. 68 N. 1).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 68 Cst. se situe dans la section « Formation, recherche et culture » et présente des liens étroits avec les articles sur la formation, en particulier avec → l'art. 62 Cst. (instruction publique) et → l'art. 67 Cst. (encouragement des enfants et des jeunes). La norme fonde une compétence parallèle de la Confédération et des cantons dans le domaine du sport, la compétence cantonale demeurant en principe (Biaggini, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 3).\n\n**N. 4** La disposition doit être comprise dans le contexte de la promotion de la santé (→ art. 118 Cst.) et de l'encouragement de la jeunesse. L'enseignement du sport dans les écoles touche la souveraineté cantonale en matière scolaire selon l'art. 62 al. 1 Cst., ce qui conduit à des questions de délimitation des compétences (voir N. 12).\n\n### 3. Contenu de la norme\n\n#### Notion de sport et obligation d'encouragement (al. 1)\n\n**N. 5** La notion de sport englobe selon Zen-Ruffinen toutes les formes d'activité physique visant à l'amélioration de la condition physique et psychique, au développement des relations sociales ou à l'obtention de résultats de compétition (Zen-Ruffinen, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 3). Cette définition large inclut également le sport populaire, de loisir et de haut niveau.\n\n**N. 6** La formulation « La Confédération encourage » ne fonde pas seulement une faculté, mais selon Biaggini une obligation d'encouragement actif du sport (Biaggini, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 3). La mention particulière de la formation souligne l'importance de la formation des entraîneurs et de la qualification pédagogique sportive. La Confédération remplit cette obligation principalement par la loi sur l'encouragement du sport (LESp) et le programme Jeunesse+Sport.\n\n#### École fédérale de sport (al. 2)\n\n**N. 7** La Haute école fédérale de sport de Macolin (HEFSM) est la seule école fédérale directement ancrée dans la Constitution. Elle sert à la formation et au perfectionnement des enseignants de sport, entraîneurs et autres spécialistes du sport (Hänni, BSK BV, art. 68 N. 7). L'ancrage constitutionnel souligne l'importance d'une formation sportive de haute qualité au niveau national.\n\n#### Sport des jeunes et enseignement obligatoire du sport (al. 3)\n\n**N. 8** L'al. 3 accorde à la Confédération deux compétences distinctes : une compétence générale de réglementation pour le sport des jeunes et la faculté spécifique de déclarer obligatoire l'enseignement du sport dans les écoles (Hänni, BSK BV, art. 68 N. 8). Ces compétences ont été mises en œuvre par l'art. 12 LESp, qui prescrit trois leçons de sport hebdomadaires dans l'école obligatoire.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** L'art. 68 al. 1 Cst. ne confère aucun droit individuel à certaines mesures d'encouragement du sport. La norme oblige la Confédération à fournir des moyens et programmes appropriés, mais lui laisse une marge de manœuvre considérable. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement de l'art. 68 Cst. pour exiger des prestations d'encouragement concrètes.\n\n**N. 10** L'école de sport selon l'al. 2 doit être exploitée comme institution fédérale. Une délégation aux cantons ou aux privés serait contraire à la Constitution. Le financement s'effectue par le budget ordinaire de la Confédération.\n\n**N. 11** L'enseignement obligatoire du sport selon l'al. 3 fonde pour les élèves une obligation de participation qui ne peut être dispensée que pour des motifs importants (notamment de santé). **ATF 135 I 79** a confirmé que même des motifs religieux ne suppriment en principe pas le caractère obligatoire.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** La portée de la compétence fédérale de réglementation du sport scolaire est contestée. Biaggini soutient dans un avis de droit du 28 février 2009 que la nouvelle constitution sur la formation n'a pas modifié la compétence constitutionnelle de la Confédération concernant l'enseignement du sport (Biaggini, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 6). En revanche, Ehrenzeller argumente que l'art. 62 al. 1 Cst. fonde une souveraineté cantonale claire en matière scolaire, raison pour laquelle la Confédération n'aurait aucune compétence pour intervenir dans les plans d'études (Ehrenzeller, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 61).\n\n**N. 13** La question de savoir si la Confédération dispose d'une « compétence de réglementation » générale dans le domaine du sport fait l'objet d'une discussion controversée. Zen-Ruffinen nie une telle compétence générale et voit dans l'art. 68 Cst. principalement une faculté d'encouragement, mais non de réglementation (Zen-Ruffinen, cité d'après Hänni, BSK BV, art. 68 N. 74). Cette conception est soutenue par **l'arrêt 2C_383/2010** consid. 2.4 selon lequel l'art. 68 Cst. « ne prévoit pas de compétence de réglementation à proprement parler ».\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de la mise en œuvre de l'enseignement obligatoire du sport, il faut distinguer entre l'école obligatoire et le degré secondaire II. Alors qu'au niveau primaire trois leçons hebdomadaires sont impératives, au degré secondaire II, selon **l'arrêt 2C_824/2019**, 110 leçons annuelles suffisent, qui peuvent être réparties de manière flexible sur l'année scolaire.\n\n**N. 15** Les associations sportives ne peuvent pas se prévaloir de l'art. 68 Cst. pour obtenir une exonération fiscale en raison de la poursuite de buts d'utilité publique. **L'arrêt 2C_383/2010** a précisé que l'encouragement du sport constitue certes une tâche fédérale, mais que les associations sportives privées poursuivent principalement des buts d'entraide et ne sont donc pas exonérées d'impôts malgré une certaine poursuite de buts d'utilité publique.\n\n**N. 16** La dispense religieusement motivée des cours de natation est soumise à des exigences strictes. Le Tribunal fédéral pondère plus fortement la fonction d'intégration de l'enseignement commun du sport que les réserves religieuses individuelles, pour autant que des mesures organisationnelles (vestiaires séparés, burkini) puissent tenir compte des préoccupations religieuses (ATF 135 I 79).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Encouragement du sport comme tâche étatique\n\n**Arrêt 2C_383/2010 du 28 décembre 2010 c. 2.4**\nLe Tribunal fédéral confirme que l'encouragement du sport constitue une tâche constitutionnelle de la Confédération selon l'art. 68 Cst. Cette disposition prévoit une compétence fédérale pour « l'encouragement global du sport », mais pas de véritable compétence réglementaire. La Confédération s'engage de plus en plus dans des domaines liés au sport comme la santé, l'organisation des loisirs, l'éducation et le sport de performance.\n\n> « L'art. 68 Cst prévoit une compétence fédérale pour 'l'encouragement global du sport', mais pas de véritable 'compétence réglementaire'. Il ressort du concept du Conseil fédéral pour une politique du sport en Suisse du 1er novembre 2005 que la Confédération ne se conçoit pas seulement comme distributrice de fonds, mais devient active dans de plus en plus de domaines liés au sport. »\n\n### Enseignement du sport dans les écoles\n\n**Arrêt 2C_824/2019 du 31 janvier 2020 c. 7.2**\nLe Tribunal fédéral précise les exigences relatives à l'enseignement du sport dans les écoles de maturité. Contrairement à l'école obligatoire, trois leçons de sport hebdomadaires ne sont pas obligatoirement prescrites au degré secondaire II. L'exigence de 110 leçons annuelles selon l'art. 49 al. 3 OESp permet une mise en œuvre flexible.\n\n> « Lorsque l'art. 49 al. 3 OESp exige qu'au moins 110 leçons d'enseignement du sport soient dispensées par année scolaire dans les écoles de maturité, on ne peut en conclure que celles-ci doivent être enseignées hebdomadairement à raison de trois leçons chacune. Avec la règlementation de 110 leçons par année scolaire, une mise en œuvre flexible devait être rendue possible. »\n\n**Arrêt 2C_824/2019 du 31 janvier 2020 c. 7.3**\nLa répartition des leçons de sport doit s'effectuer « régulièrement » sur toute l'année. Une grille horaire comportant deux leçons de sport hebdomadaires et des journées sportives complémentaires, des semaines spéciales et des camps de sports d'hiver satisfait à cette exigence, pour autant que la grande majorité des leçons soit répartie uniformément sur l'année scolaire.\n\n> « Si seulement deux leçons de sport sont dispensées durant une année scolaire et que la différence par rapport aux 110 leçons annuelles de sport requises est rattrapée autrement, la régularité de l'enseignement du sport n'est pas remise en question. En effet, la grande majorité des leçons de sport sont enseignées de manière uniformément répartie sur l'année scolaire. »\n\n### Liberté religieuse et enseignement du sport\n\n**ATF 135 I 79 du 24 octobre 2008 c. 7.3**\nLe Tribunal fédéral précise que l'enseignement obligatoire de la natation dans les écoles publiques dispose d'une base légale suffisante et ne constitue pas non plus pour les enfants musulmans une atteinte inadmissible à la liberté religieuse. Lors de la pesée des intérêts, il faut tenir compte des efforts d'intégration de la population musulmane.\n\n> « Accompagné de mesures d'accompagnement, l'obligation attaquée ne constitue pas non plus pour les enfants musulmans une atteinte inadmissible à la liberté religieuse. Lors de la pesée des intérêts, il faut notamment tenir compte des multiples efforts d'intégration du groupe de population musulman. »\n\n### Programme Jeunesse+Sport\n\n**Arrêt A-358/2020 du 8 février 2021**\nLe Tribunal administratif fédéral traite d'abus dans le cadre du programme Jeunesse+Sport. La décision concerne le contrôle des cours J+S par l'OFSPO et montre la surveillance étatique de l'encouragement du sport dans le domaine de la jeunesse.\n\n### Encouragement des talents et formation extracantonale\n\n**Arrêt VB.2023.00269 du Tribunal administratif de Zurich du 29 septembre 2021**\nLe Tribunal administratif zurichois retient que les enfants soumis à la scolarité obligatoire avec un haut potentiel sportif n'ont en principe pas droit à fréquenter une école de talents extracantonale. La prise en charge des coûts pour une école de sport extracantonale présuppose l'absence d'alternative équivalente dans le canton.\n\n> « Les enfants et les jeunes qui sont encore soumis à la scolarité obligatoire et qui présentent un haut potentiel sportif ou artistique n'ont en principe pas droit à fréquenter une école de talents (extracantonale). Les critères litigieux d'une alternative équivalente manquante dans le canton et de la bonne accessibilité de l'offre scolaire extracantonale s'avèrent appropriés. »", "summary_it": "# Art. 68 CF — Sport\n\n## Panoramica\n\nL'art. 68 CF disciplina la promozione dello sport da parte della Confederazione. L'articolo obbliga la Confederazione a promuovere lo sport, in particolare la formazione di docenti di educazione fisica e di allenatori (art. 68 cpv. 1 CF). Questo obbligo di promozione comprende tutte le forme di attività fisica — dallo sport di massa a quello del tempo libero fino allo sport d'élite (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 3). A tal fine la Confederazione gestisce la Scuola universitaria federale dello sport di Macolin quale unica scuola federale ancorata costituzionalmente (art. 68 cpv. 2 CF).\n\nParticolarmente importante è la competenza della Confederazione nello sport giovanile. Essa può emanare prescrizioni sullo sport giovanile e dichiarare obbligatorio l'insegnamento sportivo nelle scuole (art. 68 cpv. 3 CF). La Confederazione ha attuato questa facoltà nella Legge sulla promozione dello sport (LPSpo): nella scuola dell'obbligo sono prescritte tre lezioni settimanali di sport (art. 12 LPSpo).\n\n**Esempio dalla pratica**: Una famiglia musulmana tenta di far dispensare la propria figlia dalle lezioni di nuoto. Il Tribunale federale ha tuttavia deciso che l'insegnamento obbligatorio del nuoto vale anche per i bambini musulmani, poiché l'integrazione è più importante delle riserve religiose. Devono però essere possibili misure di accompagnamento come spogliatoi separati o l'uso del burkini (**DTF 135 I 79**).\n\nLa promozione dello sport è un compito della Confederazione, tuttavia senza competenza normativa diretta (**sentenza 2C_383/2010** consid. 2.4). La Confederazione mette a disposizione principalmente mezzi finanziari e crea condizioni quadro favorevoli. I Cantoni mantengono la loro competenza di principio nel settore sportivo. Le società sportive non possono invocare direttamente l'art. 68 CF per richiedere esenzioni fiscali o fondi di promozione concreti.\n\nControversa è la portata della competenza federale nella regolamentazione dello sport scolastico. Mentre Biaggini afferma la competenza federale anche dopo la nuova Costituzione sulla formazione, Ehrenzeller argomenta che l'art. 62 cpv. 1 CF stabilisca una chiara sovranità cantonale in materia scolastica (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 6 e N. 61).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 68 Cost. ha origine nell'art. 27quinquies aCost., che fu inserito nella Costituzione nel 1970 come reazione al rifiuto di un articolo costituzionale federale sullo sport nel 1957 (FF 1968 I 758 seg.). La disposizione di allora si limitava all'insegnamento della ginnastica e dello sport e a una disposizione facoltativa per la promozione dello sport. La versione vigente dell'art. 68 Cost. ha esteso considerevolmente le competenze della Confederazione e obbliga espressamente la Confederazione alla promozione dello sport (FF 1997 I 284).\n\n**N. 2** La revisione costituzionale del 1999 ha trasformato la precedente disposizione facoltativa in un obbligo di promozione (\"La Confederazione promuove\") ed ha esteso le competenze alla gestione di una scuola di sport nonché alla possibilità di dichiarare obbligatorio l'insegnamento dello sport nelle scuole. Questo rafforzamento delle competenze federali rispecchia la crescente importanza dello sport per la salute, l'integrazione e l'educazione (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 1).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 68 Cost. si trova nella sezione \"Educazione, ricerca e cultura\" e presenta stretti collegamenti con gli articoli sull'educazione, in particolare con → l'art. 62 Cost. (sistema scolastico) e → l'art. 67 Cost. (promozione dei bambini e dei giovani). La norma fonda una competenza parallela di Confederazione e Cantoni nell'ambito dello sport, dove la competenza cantonale rimane in linea di principio sussistente (Biaggini, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3).\n\n**N. 4** La disposizione va compresa nel contesto della promozione della salute (→ art. 118 Cost.) e della promozione della gioventù. L'insegnamento dello sport nelle scuole tocca la sovranità scolastica cantonale secondo l'art. 62 cpv. 1 Cost., il che porta a questioni di delimitazione delle competenze (vedi N. 12).\n\n### 3. Contenuto normativo\n\n#### Concetto di sport e obbligo di promozione (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il concetto di sport comprende secondo Zen-Ruffinen tutte le forme di attività fisica orientate al miglioramento della condizione fisica e psichica, allo sviluppo di relazioni sociali o al conseguimento di risultati agonistici (Zen-Ruffinen, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). Questa definizione ampia include parimenti sport popolare, ricreativo e agonistico.\n\n**N. 6** La formulazione \"La Confederazione promuove\" fonda secondo Biaggini non solo una facoltà, ma un obbligo di promuovere attivamente lo sport (Biaggini, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). La menzione particolare della formazione sottolinea l'importanza della formazione degli allenatori e della qualificazione sportivo-pedagogica. La Confederazione adempie questo obbligo principalmente attraverso la Legge sulla promozione dello sport (LPSpo) e il programma Gioventù+Sport.\n\n#### Scuola federale di sport (cpv. 2)\n\n**N. 7** La Scuola universitaria federale dello sport di Macolin (SUFSM) è l'unica scuola federale ancorata direttamente nella Costituzione. Essa serve alla formazione e al perfezionamento di insegnanti di educazione fisica, allenatori e altri specialisti nello sport (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 7). L'ancoraggio costituzionale sottolinea l'importanza di una formazione sportiva di alta qualità a livello nazionale.\n\n#### Sport giovanile e insegnamento obbligatorio dello sport (cpv. 3)\n\n**N. 8** Il cpv. 3 concede alla Confederazione due competenze diverse: una competenza normativa generale per lo sport giovanile e la facoltà specifica di dichiarare obbligatorio l'insegnamento dello sport nelle scuole (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 8). Queste competenze sono state attuate con l'art. 12 LPSpo, che prescrive tre lezioni settimanali di sport nella scuola obbligatoria.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dall'art. 68 cpv. 1 Cost. non deriva alcun diritto individuale a determinate misure di promozione dello sport. La norma obbliga la Confederazione a fornire mezzi e programmi adeguati, ma le lascia un considerevole margine di manovra nella configurazione. I privati non possono appellarsi direttamente all'art. 68 Cost. per esigere prestazioni concrete di promozione.\n\n**N. 10** La scuola di sport secondo il cpv. 2 deve essere gestita come istituzione federale. Una delega a Cantoni o privati sarebbe incostituzionale. Il finanziamento avviene attraverso il bilancio ordinario della Confederazione.\n\n**N. 11** L'insegnamento obbligatorio dello sport secondo il cpv. 3 fonda per gli allievi e le allieve un obbligo di partecipazione, da cui si può essere dispensati solo per motivi importanti (in particolare sanitari). **BGE 135 I 79** ha confermato che anche motivi religiosi non annullano in linea di principio il carattere obbligatorio.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** La portata della competenza della Confederazione per la regolamentazione dello sport scolastico è controversa. Biaggini sostiene in un parere del 28 febbraio 2009 che la nuova costituzione in materia di educazione non ha modificato la competenza costituzionale della Confederazione per l'insegnamento dello sport (Biaggini, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 6). Al contrario, Ehrenzeller argomenta che l'art. 62 cpv. 1 Cost. fonda una chiara sovranità scolastica cantonale, per cui la Confederazione non avrebbe competenza per intervenire nei programmi scolastici (Ehrenzeller, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 61).\n\n**N. 13** La questione se la Confederazione disponga di una \"competenza normativa\" generale nell'ambito dello sport è discussa in modo controverso. Zen-Ruffinen nega una tale competenza generale e vede nell'art. 68 Cost. principalmente una facoltà di promozione, ma non di regolamentazione (Zen-Ruffinen, cit. secondo Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 74). Questa concezione è sostenuta da **Sentenza 2C_383/2010** Consid. 2.4, secondo cui l'art. 68 Cost. \"non prevede una vera e propria competenza normativa\".\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nell'attuazione dell'insegnamento obbligatorio dello sport occorre distinguere tra la scuola obbligatoria e il livello secondario II. Mentre a livello primario tre lezioni settimanali sono obbligatorie, a livello secondario II secondo la **Sentenza 2C_824/2019** bastano 110 lezioni annuali, che possono essere distribuite flessibilmente durante l'anno scolastico.\n\n**N. 15** Le associazioni sportive non possono appellarsi all'art. 68 Cost. per ottenere un'esenzione fiscale a causa del perseguimento di scopi pubblici. La **Sentenza 2C_383/2010** ha chiarito che la promozione dello sport rappresenta sì un compito federale, ma le associazioni sportive private perseguono principalmente scopi di mutuo soccorso e pertanto non sono esenti da tasse nonostante un certo perseguimento di scopi pubblici.\n\n**N. 16** La dispensa dall'insegnamento del nuoto per motivi religiosi è sottoposta a requisiti rigorosi. Il Tribunale federale valuta la funzione di integrazione dell'insegnamento sportivo comune come più importante delle riserve religiose individuali, purché si possa tenere conto delle preoccupazioni religiose attraverso misure organizzative (spogliatoi separati, burkini) (BGE 135 I 79).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Promozione dello sport come compito statale\n\n**Sentenza 2C_383/2010 del 28 dicembre 2010 consid. 2.4**\nIl Tribunale federale conferma che la promozione dello sport rappresenta un compito costituzionale della Confederazione secondo l'art. 68 Cost. Questa disposizione prevede una competenza federale per la «promozione globale dello sport», ma non una vera e propria competenza normativa. La Confederazione si impegna sempre di più in ambiti rilevanti per lo sport come salute, tempo libero, formazione e sport d'élite.\n\n> «L'art. 68 Cost. prevede una competenza federale per la 'promozione globale dello sport', ma non una vera e propria 'competenza normativa'. Dal concetto del Consiglio federale per una politica dello sport in Svizzera del 1° novembre 2005 risulta che la Confederazione non si considera soltanto come distributrice di denaro, ma diventa attiva in sempre più ambiti rilevanti per lo sport.»\n\n### Educazione fisica nelle scuole\n\n**Sentenza 2C_824/2019 del 31 gennaio 2020 consid. 7.2**\nIl Tribunale federale precisa i requisiti per l'educazione fisica nelle scuole medie. A differenza della scuola obbligatoria, nel livello secondario II non sono obbligatoriamente prescritte tre lezioni settimanali di sport. Il requisito di 110 lezioni annue secondo l'art. 49 cpv. 3 OPSpo consente un'attuazione flessibile.\n\n> «Se l'art. 49 cpv. 3 OPSpo richiede che nelle scuole medie siano impartite almeno 110 lezioni di educazione fisica per anno scolastico, non si può concludere che queste debbano essere insegnate settimanalmente con tre lezioni ciascuna. Con la regolamentazione di 110 lezioni per anno scolastico si voleva consentire un'attuazione flessibile.»\n\n**Sentenza 2C_824/2019 del 31 gennaio 2020 consid. 7.3**\nLa distribuzione delle lezioni di sport deve avvenire «regolarmente» durante tutto l'anno. Una griglia oraria con due lezioni settimanali di sport e giorni sportivi complementari, settimane speciali e campi di sport invernali soddisfa questo requisito, purché la maggioranza preponderante delle lezioni sia distribuita uniformemente durante l'anno scolastico.\n\n> «Se durante un anno scolastico vengono impartite soltanto due lezioni di sport e la differenza rispetto alle 110 lezioni annue di sport richieste viene recuperata altrimenti, la regolarità dell'educazione fisica non è messa in discussione. Infatti la maggioranza preponderante delle lezioni di sport viene insegnata distribuita uniformemente durante l'anno scolastico.»\n\n### Libertà religiosa ed educazione fisica\n\n**DTF 135 I 79 del 24 ottobre 2008 consid. 7.3**\nIl Tribunale federale chiarisce che l'insegnamento obbligatorio del nuoto nelle scuole pubbliche ha una base legale sufficiente e non rappresenta nemmeno per i bambini musulmani un intervento illecito nella libertà religiosa. Nella ponderazione degli interessi devono essere considerati gli sforzi di integrazione della popolazione musulmana.\n\n> «Unito a misure di accompagnamento, l'obbligo impugnato non rappresenta nemmeno per i bambini musulmani un intervento illecito nella libertà religiosa. Nella ponderazione degli interessi devono essere considerati in particolare i molteplici sforzi per l'integrazione del gruppo di popolazione musulmana.»\n\n### Programma Gioventù+Sport\n\n**Sentenza A-358/2020 dell'8 febbraio 2021**\nIl Tribunale amministrativo federale tratta l'abuso nel quadro del programma Gioventù+Sport. La decisione riguarda la verifica dei corsi G+S da parte dell'UFSPO e mostra la sorveglianza statale sulla promozione dello sport nell'ambito giovanile.\n\n### Promozione dei talenti e formazione extracantonale\n\n**Sentenza VB.2023.00269 del Tribunale amministrativo di Zurigo del 29 settembre 2021**\nIl Tribunale amministrativo zurighese stabilisce che i bambini soggetti all'obbligo scolastico con talento sportivo eccezionale non hanno in linea di principio diritto alla frequenza di una scuola per talenti extracantonale. L'assunzione dei costi per una scuola sportiva extracantonale presuppone la mancanza di un'alternativa equivalente nel cantone.\n\n> «I bambini e i giovani che sono ancora soggetti all'obbligo scolastico e presentano un talento sportivo o artistico eccezionale non hanno in linea di principio diritto alla frequenza di una scuola per talenti (extracantonale). I criteri controversi di una mancante alternativa equivalente nel cantone e della buona raggiungibilità dell'offerta scolastica extracantonale si rivelano adeguati.»", "summary_en": "# Art. 68 BV — Sport\n\n## Overview\n\nArt. 68 BV governs the promotion of sport by the Confederation. The article obliges the Confederation to promote sport, in particular the training of sports teachers and coaches (Art. 68 para. 1 BV). This duty to promote encompasses all forms of physical activity — from mass sports through recreational sports to elite sports (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 3). For this purpose, the Confederation operates the Swiss Federal Institute of Sport in Magglingen as the only federally-operated school anchored in constitutional law (Art. 68 para. 2 BV).\n\nParticularly important is the Confederation's competence regarding youth sport. It may issue regulations on youth sport and declare sports instruction in schools obligatory (Art. 68 para. 3 BV). The Confederation has implemented this authority in the Sport Promotion Act (SpoFöG): In compulsory school, three weekly lessons of sport are prescribed (Art. 12 SpoFöG). \n\n**Example from practice**: A Muslim family attempted to exempt their daughter from swimming lessons. The Federal Supreme Court ruled, however, that obligatory swimming instruction also applies to Muslim children, as integration is more important than religious reservations. Flanking measures such as separate changing rooms or the wearing of a burkini must, however, be possible (**BGE 135 I 79**).\n\nSport promotion is a federal task, however without direct regulatory competence (**Judgment 2C_383/2010** E. 2.4). The Confederation primarily provides financial resources and creates favourable framework conditions. The cantons retain their fundamental competence in the sports domain. Sports clubs cannot directly invoke Art. 68 BV to demand tax exemptions or specific promotional funds.\n\nThe scope of federal competence in regulating school sport is disputed. While Biaggini affirms federal competence even after the new education constitution, Ehrenzeller argues that Art. 62 para. 1 BV establishes clear cantonal school sovereignty (BSK BV-Hänni, Art. 68 N. 6 and N. 61).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. History of Origin\n\n**N. 1** Art. 68 FC has its origins in Art. 27quinquies aFC, which was incorporated into the constitution in 1970 as a reaction to the rejection of a federal sports constitutional article in 1957 (BBl 1968 I 758 ff.). The provision at that time was limited to physical education and sports instruction as well as a permissive provision for sports promotion. The current version of Art. 68 FC considerably expanded federal competences and expressly obliges the Confederation to promote sport (BBl 1997 I 284).\n\n**N. 2** The constitutional revision of 1999 transformed the former permissive provision into a promotion obligation (\"The Confederation promotes\") and expanded competences to include the operation of a sports school as well as the possibility of declaring sports instruction at schools mandatory. This strengthening of federal competences reflects the growing importance of sport for health, integration and education (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 1).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 68 FC is located in the section \"Education, Research and Culture\" and has close connections to the education articles, particularly to → Art. 62 FC (School System) and → Art. 67 FC (Promotion of Children and Young People). The norm establishes a parallel competence of the Confederation and cantons in the field of sport, whereby cantonal jurisdiction fundamentally remains (Biaggini, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3).\n\n**N. 4** The provision is to be understood in the context of health promotion (→ Art. 118 FC) and youth promotion. Sports instruction at schools touches on cantonal school sovereignty according to Art. 62 para. 1 FC, which leads to questions of competence delimitation (see N. 12).\n\n### 3. Normative Content\n\n#### Concept of Sport and Promotion Obligation (para. 1)\n\n**N. 5** According to Zen-Ruffinen, the concept of sport encompasses all forms of physical activity aimed at improving physical and psychological condition, developing social relationships or achieving competitive results (Zen-Ruffinen, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). This broad definition includes mass sport, recreational sport and competitive sport equally.\n\n**N. 6** According to Biaggini, the formulation \"The Confederation promotes\" establishes not only an authority, but an obligation for active sport promotion (Biaggini, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 3). The special mention of training underscores the importance of coach training and sports pedagogical qualification. The Confederation fulfils this obligation primarily through the Sport Promotion Act (SpoFöG) and the Youth+Sport programme.\n\n#### Federal Sports School (para. 2)\n\n**N. 7** The Federal University of Sport Magglingen (EHSM) is the only federal school directly anchored in the constitution. It serves the education and continuing education of sports teachers, coaches and other specialists in sport (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 7). The constitutional anchoring underscores the importance of high-quality sports education at the national level.\n\n#### Youth Sport and Mandatory Sports Instruction (para. 3)\n\n**N. 8** Para. 3 grants the Confederation two different competences: a general regulatory competence for youth sport and the specific authority to declare sports instruction at schools mandatory (Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 8). These competences were implemented with Art. 12 SpoFöG, which prescribes three weekly sports lessons in compulsory school.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 68 para. 1 FC does not give rise to any individual entitlement to specific sport promotion measures. The norm obliges the Confederation to provide adequate resources and programmes, but leaves it considerable scope for design. Private parties cannot directly invoke Art. 68 FC to demand specific promotional services.\n\n**N. 10** The sports school according to para. 2 must be operated as a federal institution. Delegation to cantons or private parties would be unconstitutional. Financing takes place through the ordinary federal budget.\n\n**N. 11** Mandatory sports instruction according to para. 3 establishes for pupils a participation obligation that can only be exempted for important reasons (particularly health-related ones). **BGE 135 I 79** confirmed that religious reasons also fundamentally do not suspend the mandatory character.\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 12** The scope of federal competence to regulate school sports is disputed. In an opinion dated 28 February 2009, Biaggini takes the view that the new education constitution did not change the constitutional authority of the Confederation regarding sports instruction (Biaggini, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 6). In contrast, Ehrenzeller argues that Art. 62 para. 1 FC establishes clear cantonal school sovereignty, which is why the Confederation has no competence to intervene in curricula (Ehrenzeller, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 61).\n\n**N. 13** The question of whether the Confederation has a general \"regulatory competence\" in the field of sport is controversially discussed. Zen-Ruffinen denies such a general competence and sees in Art. 68 FC primarily a promotion authority, but not a regulatory authority (Zen-Ruffinen, cited in Hänni, BSK BV, Art. 68 N. 74). This view is supported by **Judgment 2C_383/2010** E. 2.4, according to which Art. 68 FC provides for \"no actual regulatory competence\".\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 14** When implementing mandatory sports instruction, a distinction must be made between compulsory school and upper secondary level. While three weekly lessons are mandatory at primary level, according to **Judgment 2C_824/2019** 110 annual lessons are sufficient at upper secondary level, which can be flexibly distributed over the school year.\n\n**N. 15** Sports associations cannot invoke Art. 68 FC to obtain tax exemption for pursuing public purposes. **Judgment 2C_383/2010** clarified that while sport promotion constitutes a federal task, private sports associations primarily pursue self-help purposes and are therefore not tax-exempt despite certain pursuit of public purposes.\n\n**N. 16** Religiously motivated exemption from swimming instruction is subject to strict requirements. The Federal Court weighs the integration function of joint sports instruction higher than individual religious reservations, provided that organisational measures (separate changing rooms, burkini) can accommodate religious concerns (BGE 135 I 79).", "caselaw_en": "## Caselaw\n\n### Sport promotion as a state responsibility\n\n**Judgment 2C_383/2010 of 28 December 2010 para. 2.4**\nThe Federal Supreme Court confirms that sport promotion constitutes a constitutional responsibility of the Confederation pursuant to Art. 68 Federal Constitution. This provision provides for federal competence for the «comprehensive promotion of sport», but not an actual regulatory competence. The Confederation is increasingly engaging in sport-related areas such as health, leisure activities, education and competitive sport.\n\n> «Art. 68 Federal Constitution provides for federal competence for the 'comprehensive promotion of sport', but not an actual 'regulatory competence'. The Federal Council's concept for sports policy in Switzerland of 1 November 2005 shows that the Confederation does not see itself merely as a distributor of funds, but is becoming active in ever more sport-related areas.»\n\n### Physical education in schools\n\n**Judgment 2C_824/2019 of 31 January 2020 para. 7.2**\nThe Federal Supreme Court clarifies the requirements for physical education in upper secondary schools. Unlike in compulsory school, three weekly physical education lessons are not mandatory at upper secondary level II. The requirement of 110 annual lessons pursuant to Art. 49 para. 3 Sport Promotion Ordinance allows for flexible implementation.\n\n> «If Art. 49 para. 3 Sport Promotion Ordinance requires that at least 110 physical education lessons be taught per school year in upper secondary schools, it cannot be concluded from this that these must be taught weekly with three lessons each. The regulation of 110 lessons per school year was intended to enable flexible implementation.»\n\n**Judgment 2C_824/2019 of 31 January 2020 para. 7.3**\nThe distribution of physical education lessons must take place «regularly» throughout the entire year. A timetable with two weekly physical education lessons and supplementary sports days, special weeks and winter sports camps satisfies this requirement, provided that the overwhelming majority of lessons are distributed evenly over the school year.\n\n> «If only two physical education lessons are taught during a school year and the difference to the required 110 annual physical education lessons is made up for otherwise, the regularity of physical education is not called into question. For the overwhelming majority of physical education lessons are taught distributed evenly over the school year.»\n\n### Freedom of religion and physical education\n\n**BGE 135 I 79 of 24 October 2008 para. 7.3**\nThe Federal Supreme Court clarifies that mandatory swimming lessons at public schools have a sufficient legal basis and do not constitute an inadmissible interference with freedom of religion, even for Muslim children. In weighing interests, the integration efforts of the Muslim population must be taken into account.\n\n> «Combined with flanking measures, the contested obligation does not constitute an inadmissible interference with freedom of religion, even for Muslim children. In weighing interests, particular consideration must be given to the manifold efforts to integrate the Muslim population group.»\n\n### Youth+Sport programme\n\n**Judgment A-358/2020 of 8 February 2021**\nThe Federal Administrative Court deals with abuse within the Youth+Sport programme. The decision concerns the review of Youth+Sport courses by the Federal Office of Sport and demonstrates state supervision of sport promotion in the youth sector.\n\n### Talent development and out-of-canton schooling\n\n**Judgment VB.2023.00269 of the Administrative Court of Zurich of 29 September 2021**\nThe Zurich Administrative Court holds that children subject to compulsory education with exceptional sporting talent generally have no right to attend an out-of-canton talent school. Cost approval for an out-of-canton sports school requires the absence of an equivalent alternative within the canton.\n\n> «Children and young people who are still subject to compulsory education and display exceptional sporting or artistic talent generally have no right to attend an (out-of-canton) talent school. The disputed criteria of a lack of equivalent alternative within the canton and good accessibility of the out-of-canton school offering prove to be appropriate.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_68", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 69, "article_suffix": "", "title": "Kultur", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 69 BV — Kultur\n\n## Übersicht\n\nArt. 69 BV regelt die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen im Kulturbereich. Nach Abs. 1 sind die Kantone für die Kultur primär zuständig (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5). Sie können eigene Kulturgesetze erlassen, Museen betreiben und lokale Künstler fördern. Der Bund darf nach Abs. 2 nur kulturelle Bestrebungen von «gesamtschweizerischem Interesse» unterstützen (BBl 1997 I 301). Dies sind Projekte, die über regionale Grenzen hinaus wirken, wie das Schweizer Filmschaffen oder nationale Festivals.\n\nDie Bundesverfassung definiert «Kultur» nicht. Die herrschende Lehre versteht darunter das Schaffen, Bewahren und Erforschen der schönen Künste (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). Umstritten ist, wann das gesamtschweizerische Interesse erfüllt ist: Manche Juristen verlangen eine überregionale Ausstrahlung (Christen/Raschèr/Tribolet, AJP 2001, 1035, 1042). Andere meinen, auch lokale Projekte können von nationaler Bedeutung sein, wenn sie zur kulturellen Vielfalt beitragen (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\nEin Beispiel: Will der Kanton Graubünden ein rätoromanisches Theaterfestival fördern, ist er dafür zuständig. Bewirbt sich das Festival um Bundesmittel, muss es nachweisen, dass es die romanische Kultur schweizweit stärkt. Die Bundesförderung ist freiwillig – niemand hat einen Rechtsanspruch darauf (**JAAC 68.15** E. 4.1).\n\nNach Abs. 3 muss der Bund bei allen Aufgaben auf die kulturelle und sprachliche Vielfalt Rücksicht nehmen (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 78). Dies betrifft nicht nur die Kulturpolitik, sondern auch andere Bereiche wie Medienförderung oder Bildungspolitik. Die Bestimmung konkretisiert das Subsidiaritätsprinzip von Art. 3 BV für den Kulturbereich.", "doctrine_de": "# Art. 69 BV — Kultur\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Mit der Totalrevision der Bundesverfassung erhielt die Kulturförderung des Bundes erstmals eine ausdrückliche verfassungsrechtliche Grundlage. Unter der alten Bundesverfassung von 1874 stützte sich die Kulturförderung auf eine ungeschriebene Bundeskompetenz, wie dies in **JAAC 68.15** E. 1.2 bestätigt wurde. Die Volksinitiative «in faveur de la culture» vom 4. Dezember 1984 scheiterte noch am doppelten Mehr (BBl 1984 II 636).\n\n**N. 2** Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 betonte die Notwendigkeit einer klaren Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen im Kulturbereich (BBl 1997 I 301). Der Verfassungsgeber wollte die bestehende Praxis verfassungsrechtlich absichern und gleichzeitig die primäre kantonale Kulturhoheit respektieren (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 2-4).\n\n**N. 3** Die parlamentarischen Beratungen zeigten einen Konsens über die subsidiäre Rolle des Bundes bei gleichzeitiger Anerkennung seiner Bedeutung für kulturelle Bestrebungen von gesamtschweizerischem Interesse. Die Formulierung «kann» in Abs. 2 unterstreicht den fakultativen Charakter der Bundeskompetenzen (BBl 1997 I 301).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 69 BV steht im systematischen Zusammenhang mit dem föderalistischen Staatsaufbau der Schweiz. Die Bestimmung konkretisiert → Art. 3 BV (Subsidiaritätsprinzip) und → Art. 42 Abs. 1 BV (Aufgabenteilung) für den Kulturbereich. Die primäre kantonale Zuständigkeit (Abs. 1) entspricht dem Grundsatz der Restkompetenz der Kantone (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5).\n\n**N. 5** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit weiteren kulturbezogenen Verfassungsbestimmungen: → Art. 21 BV (Kunstfreiheit) garantiert die individuelle künstlerische Betätigung, während Art. 69 BV die institutionellen Rahmenbedingungen der Kulturförderung regelt. ↔ Art. 70 BV (Sprachen) konkretisiert die in Art. 69 Abs. 3 BV erwähnte sprachliche Vielfalt (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 195).\n\n**N. 6** Im Kontext der Grundrechte ist → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) für die diskriminierungsfreie Kulturförderung relevant. → Art. 36 BV begrenzt staatliche Eingriffe in die Kunstfreiheit, während → Art. 5 BV die rechtsstaatlichen Anforderungen an die Kulturförderung festlegt (Uhlmann/Bognuda, ZSR 2008 I 363, 370).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Kulturbegriff**: Die Verfassung definiert den Begriff «Kultur» nicht. Nach der herrschenden Lehre ist Kultur im Sinne von Art. 69 BV in einem engen Sinn zu verstehen als «das Schaffen, Bewahren und Erforschen der schönen Künste» (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). Diese enge Definition ist allerdings umstritten; Pfändler-Oling plädiert für einen weiteren, anthropologisch fundierten Kulturbegriff (Pfändler-Oling, Die verfassungsrechtliche Grundlage der Kulturförderung im Bund, 2010, 45ff.).\n\n**N. 8** **Kantonale Zuständigkeit (Abs. 1)**: Die Kantone sind für den Bereich der Kultur primär zuständig. Diese Kompetenz umfasst die gesamte Kulturpolitik einschliesslich Gesetzgebung, Vollzug und Finanzierung. Die kantonale Kulturhoheit ist umfassend und bedarf keiner besonderen verfassungsrechtlichen Ermächtigung (Biaggini, BV Kommentar, Art. 69 N. 2).\n\n**N. 9** **Gesamtschweizerisches Interesse (Abs. 2)**: Der Begriff des «gesamtschweizerischen Interesses» ist das zentrale Kriterium für die Bundesförderung. Die Doktrin ist gespalten: Christen/Raschèr/Tribolet verlangen, dass die Ausstrahlung des kulturellen Schaffens über die lokale oder regionale Verwurzelung hinausreiche (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain vertritt demgegenüber, dass auch kulturelle Bestrebungen ohne überregionale Ausstrahlung im gesamtschweizerischen Interesse liegen können, wenn sie zur kulturellen Vielfalt der Schweiz beitragen (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 10** **Kunst und Musik (Abs. 2)**: Die explizite Erwähnung von «Kunst und Musik» bedeutet nicht, dass andere Kulturbereiche von der Bundesförderung ausgeschlossen sind. Vielmehr handelt es sich um eine exemplarische Aufzählung mit besonderer Betonung des Ausbildungsbereichs (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 197).\n\n**N. 11** **Rücksichtnahmegebot (Abs. 3)**: Der Bund muss bei allen seinen Aufgaben — nicht nur bei der Kulturförderung — auf die kulturelle und sprachliche Vielfalt Rücksicht nehmen. Dieses Querschnittsprinzip verpflichtet alle Bundesbehörden (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung in der Schweiz, 2002, 78).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 69 BV begründet eine Kompetenznorm, nicht aber subjektive Ansprüche auf Kulturförderung. **JAAC 68.15** E. 4.1 bestätigt, dass auch bei Erfüllung der Fördervoraussetzungen kein Rechtsanspruch auf Finanzhilfen besteht. Die fakultative Formulierung («kann») räumt dem Bund einen erheblichen Ermessensspielraum ein (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 7).\n\n**N. 13** Die Bundeskompetenz nach Abs. 2 ist als konkurrierende Kompetenz mit Vorrang der Kantone ausgestaltet. Der Bund darf nur subsidiär tätig werden und muss das gesamtschweizerische Interesse nachweisen. Biaggini betont, dass die Bundeskompetenz «aufgrund der Voraussetzung des gesamtschweizerischen Interesses als weniger weitgehend als diejenige der Kantone zu betrachten» sei (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 14** Das Rücksichtnahmegebot nach Abs. 3 hat programmartigen Charakter, verpflichtet aber alle Bundesorgane bei der Rechtsetzung und beim Vollzug. Es kann als Auslegungshilfe und bei der Interessenabwägung herangezogen werden (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3842).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Definition des gesamtschweizerischen Interesses**: Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Auslegung des «gesamtschweizerischen Interesses». Christen/Raschèr/Tribolet fordern eine Ausstrahlung über die regionale Verwurzelung hinaus (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain hält dagegen, dass auch lokal verankerte Kulturbestrebungen im Interesse der kulturellen Vielfalt der Schweiz von gesamtschweizerischem Interesse sein können (BSK BV, Art. 69 N. 15). Diese Kontroverse hat direkte Auswirkungen auf die Förderpraxis des Bundes.\n\n**N. 16** **Förderkriterien versus aleatorische Kunstförderung**: Ein fundamentaler Dissens besteht bei den Förderkriterien. Uhlmann/Bognuda plädieren für eine strenge Selektion mit klaren Kriterien, da «Kunst nicht mit der Giesskanne gefördert werden» dürfe (ZSR 2008 I 363, 376; BSK BV, Art. 69 N. 20). Schmidt-Gabain vertritt die Gegenposition und argumentiert, eine aleatorische (zufallsbasierte) Kulturförderung sei mit der Kunstfreiheit und Rechtsgleichheit besser vereinbar, da die Kunst dann «endlich wieder frei wäre, die angeblichen Kriterien ihrer Förderung zu ignorieren» (BSK BV, Art. 69 N. 19-20). Baumann und Depenheuer haben die theoretischen Grundlagen einer Zufallsverteilung erörtert (Baumann, SJZ 2003, 621; Depenheuer, JZ 1993, 171).\n\n**N. 17** **Umfang der Bundeskompetenz**: Die Reichweite der Bundesförderung ist umstritten. Eine restriktive Auslegung betont die subsidiäre Rolle des Bundes und will dessen Tätigkeit auf wenige, klar definierte Bereiche beschränken. Die extensive Auslegung sieht in der offenen Formulierung eine bewusste Flexibilität für zeitgemässe Kulturpolitik (Uhlmann/Raschèr/Reichenau, Kulturförderung, in: Mosimann/Renold/Raschèr, Kultur Kunst Recht, 2009, 141, 156).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** **Gesuchstellung**: Kulturschaffende und -organisationen müssen bei Bundesbeiträgen das gesamtschweizerische Interesse substantiiert darlegen. **JAAC 68.15** zeigt, dass die blosse formelle Erfüllung der Fördervoraussetzungen nicht genügt. Der «kulturpolitische Mehrwert» muss nachgewiesen werden, insbesondere bei Dachorganisationen deren Mitglieder bereits gefördert werden (JAAC 68.15 E. 5.3).\n\n**N. 19** **Verfahrensgarantien**: Obwohl kein Anspruch auf Förderung besteht, gelten die allgemeinen Verfahrensgarantien. → Art. 29 BV gewährleistet das rechtliche Gehör, → Art. 8 BV verbietet willkürliche Ungleichbehandlung. Die Förderentscheide müssen begründet werden und sind der gerichtlichen Überprüfung zugänglich, wobei die Gerichte einen zurückhaltenden Prüfungsmassstab anwenden (siehe die Verfahrensführung in **JAAC 68.15**, B-4572/2012 und B-6043/2012).\n\n**N. 20** **Koordination Bund-Kantone**: In der Praxis ist die Abstimmung zwischen Bundes- und Kantonsförderung zentral. Doppelsubventionierungen sind gemäss **JAAC 68.15** E. 5.1-5.2 nicht generell ausgeschlossen, müssen aber einen nachweisbaren Mehrwert schaffen. Die KUOR-Richtlinien (BBl 1999 2627) und das Kulturförderungsgesetz (KFG, SR 442.1) konkretisieren die Koordinationsmechanismen.\n\n**N. 21** **Internationale Dimension**: Obwohl Art. 69 BV keine explizite aussenpolitische Komponente enthält, ermöglicht das gesamtschweizerische Interesse auch die Förderung des internationalen Kulturaustauschs. Die Praxis zeigt eine enge Verknüpfung mit der Aussenpolitik gemäss → Art. 54 BV (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 134).", "caselaw_de": "# Art. 69 BV — Kultur\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kulturförderungskompetenzen des Bundes\n\n**JAAC 68.15** vom 2. Juli 2003\nJahresfinanzhilfen an kulturelle Organisationen aus dem KUOR-Kredit\n\nDer Bundesrat präzisierte die Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen bei der Kulturförderung. Art. 69 BV bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für das geplante Kulturförderungsgesetz und legitimiert die bundesrätlichen KUOR-Richtlinien zur Unterstützung kultureller Organisationen von gesamtschweizerischem Interesse.\n\n> «Art. 69 BV bildet die Grundlage für das geplante neue Kulturförderungsgesetz (KFG). Der angefochtene Entscheid des EDI erfolgte in Anwendung der von ihm am 16. November 1998 erlassenen KUOR-Richtlinien, welche sich auf die damals gemäss Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 noch ungeschriebene verfassungsrechtliche Bundeskompetenz im Bereich der Kulturförderung stützten.»\n\n### Doppelsubventionierung und kulturpolitischer Mehrwert\n\n**JAAC 68.15** vom 2. Juli 2003\nAbweisung eines Gesuchs um Jahresfinanzhilfe\n\nDie Entscheidung konkretisiert die Förderkriterien nach Art. 69 Abs. 2 BV. Eine Doppelsubventionierung ist unzulässig, wenn der Dachverband im Verhältnis zu seinen bereits unterstützten Mitgliedern keinen wesentlichen kulturpolitischen Mehrwert schafft.\n\n> «Das EDI betrachtet eine Doppelsubventionierung im vorliegenden Fall als unerwünscht, weil die Beschwerdeführerin im Verhältnis zu ihren ebenfalls unterstützten Mitgliedern — die rund die Hälfte der Mitglieder ausmachen — nur einen vergleichsweise bescheidenen kulturpolitischen Mehrwert schaffe.»\n\n### Kantonale Kulturzuständigkeit und Bundesaufsicht\n\n**VD.2021.124** vom 29. Januar 2022\nCOVID-Ausfallentschädigung im Kulturbereich\n\nDas Basler Appellationsgericht bestätigte die primäre kantonale Zuständigkeit nach Art. 69 Abs. 1 BV bei gleichzeitiger Anerkennung ergänzender Bundesmassnahmen in Krisenzeiten. Die Entscheidung zeigt das Zusammenspiel der Kompetenzebenen bei der Kulturförderung.\n\n> «Art. 69 BV [liegt der kantonalen Verordnung Kulturbereich gemäss Covid-19-Gesetz zugrunde]. Für den Bereich der Kultur sind die Kantone zuständig. Der Bund kann kulturelle Bestrebungen von gesamtschweizerischem Interesse unterstützen sowie Kunst und Musik, insbesondere im Bereich der Ausbildung, fördern.»\n\n### Kulturelle Vielfalt als Verfassungsauftrag\n\n**BGE 126 II 300** vom 3. Mai 2000  \nLiestaler Banntag und kulturelle Traditionen\n\nDas Bundesgericht anerkannte kulturelle Traditionen als schutzwürdige Ausdrucksformen der kantonalen Kulturhoheit. Die Entscheidung zum Liestaler Banntag zeigt, wie Art. 69 Abs. 3 BV (Rücksichtnahme auf kulturelle Vielfalt) bei der Interessenabwägung zwischen Kulturschutz und anderen Grundrechten zu berücksichtigen ist.\n\n> «Die stadträtlichen Weisungen, die das Schiessen am Banntag regeln, verstossen weder gegen Umweltrecht noch gegen grundrechtliche Schutzpflichten des Staates. [Der Banntag] stellt eine jahrhundertealte kulturelle Tradition dar, die als Ausdruck der lokalen kulturellen Identität schutzwürdig ist.»\n\n### Bewegungsfreiheit und kulturelle Betätigung\n\n**Urteil 1C_416/2009** vom 14. September 2010\nSperrung von Alp- und Waldwegen\n\nDas Bundesgericht prüfte die Vereinbarkeit verkehrspolizeilicher Massnahmen mit der Bewegungsfreiheit unter Berücksichtigung kultureller Aspekte. Die Entscheidung zeigt die Grenzen kommunaler Befugnisse bei Eingriffen in kulturell bedeutsame Räume und Traditionen.\n\n> «Die Bewegungsfreiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) umfasst nicht jede beliebige Fortbewegungsmöglichkeit. [Bei der Interessenabwägung sind jedoch] traditionelle Nutzungsformen und kulturelle Bedeutungen des betroffenen Gebiets zu berücksichtigen.»\n\n### Sprachliche Vielfalt und Mehrsprachigkeitsgebot\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 69 Abs. 3 BV (Rücksichtnahme auf sprachliche Vielfalt) entwickelte sich hauptsächlich in anderen Verfassungsartikeln (Art. 70 BV), wobei das Bundesgericht das Mehrsprachigkeitsgebot als Strukturprinzip der schweizerischen Kulturordnung anerkannte.\n\n### Abgrenzung zu anderen Kulturkompetenzen\n\nDie Rechtsprechung zeigt die enge Verzahnung von Art. 69 BV mit anderen kulturrelevanten Verfassungsbestimmungen:\n- Art. 70 BV (Sprachen): Sprachliche Vielfalt als Teilbereich der kulturellen Vielfalt\n- Art. 67 BV (Sport): Abgrenzung zwischen kultureller und sportlicher Betätigung  \n- Art. 62-66 BV (Bildung): Kulturvermittlung als Bildungsauftrag\n\n### Bundesgerichtliche Prüfungsdichte\n\nBei der Überprüfung kulturpolitischer Entscheidungen wendet das Bundesgericht einen zurückhaltenden Prüfungsmassstab an. Die Gerichte anerkennen den Ermessensspielraum der zuständigen Behörden bei der Konkretisierung des «gesamtschweizerischen Interesses» und bei der Beurteilung des «kulturpolitischen Mehrwerts».", "summary_fr": "# Art. 69 Cst. — Culture\n\n## Aperçu\n\nL'art. 69 Cst. règle la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons dans le domaine culturel. Selon l'al. 1, les cantons sont compétents en premier lieu pour la culture (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5). Ils peuvent adopter leurs propres lois culturelles, exploiter des musées et encourager les artistes locaux. La Confédération ne peut selon l'al. 2 soutenir que les activités culturelles présentant un « intérêt pour l'ensemble du pays » (FF 1997 I 265). Il s'agit de projets qui déploient leurs effets au-delà des frontières régionales, comme la création cinématographique suisse ou les festivals nationaux.\n\nLa Constitution fédérale ne définit pas la « culture ». La doctrine dominante entend par là la création, la conservation et l'étude des beaux-arts (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). Il est controversé de savoir quand l'intérêt pour l'ensemble du pays est rempli : certains juristes exigent un rayonnement suprarégional (Christen/Raschèr/Tribolet, AJP 2001, 1035, 1042). D'autres estiment que même des projets locaux peuvent avoir une importance nationale s'ils contribuent à la diversité culturelle (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\nUn exemple : si le canton des Grisons veut encourager un festival de théâtre romanche, il en a la compétence. Si le festival postule pour des fonds fédéraux, il doit prouver qu'il renforce la culture romanche dans toute la Suisse. L'encouragement fédéral est facultatif – personne n'a de droit légal à celui-ci (**JAAC 68.15** consid. 4.1).\n\nSelon l'al. 3, la Confédération doit tenir compte de la diversité culturelle et linguistique dans l'accomplissement de toutes ses tâches (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 78). Ceci concerne non seulement la politique culturelle, mais aussi d'autres domaines comme l'encouragement des médias ou la politique de l'éducation. Cette disposition concrétise le principe de subsidiarité de l'art. 3 Cst. pour le domaine culturel.", "doctrine_fr": "# Art. 69 Cst. — Culture\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**ch. 1** Avec la révision totale de la Constitution fédérale, l'encouragement de la culture par la Confédération a reçu pour la première fois un fondement constitutionnel explicite. Sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, l'encouragement de la culture s'appuyait sur une compétence fédérale non écrite, comme l'a confirmé **JAAC 68.15** consid. 1.2. L'initiative populaire « en faveur de la culture » du 4 décembre 1984 avait encore échoué à la double majorité (FF 1984 II 636).\n\n**ch. 2** Le message du 20 novembre 1996 sur une nouvelle Constitution fédérale soulignait la nécessité d'une délimitation claire des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine culturel (FF 1997 I 301). Le constituant voulait assurer constitutionnellement la pratique existante tout en respectant la souveraineté culturelle cantonale primaire (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 ch. 2-4).\n\n**ch. 3** Les délibérations parlementaires ont montré un consensus sur le rôle subsidiaire de la Confédération tout en reconnaissant son importance pour les activités culturelles d'intérêt national. La formulation « peut » à l'al. 2 souligne le caractère facultatif des compétences fédérales (FF 1997 I 301).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**ch. 4** L'art. 69 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique de la structure fédéraliste de l'État suisse. La disposition concrétise → l'art. 3 Cst. (principe de subsidiarité) et → l'art. 42 al. 1 Cst. (répartition des tâches) pour le domaine culturel. La compétence cantonale primaire (al. 1) correspond au principe de la compétence résiduelle des cantons (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 ch. 5).\n\n**ch. 5** La norme est étroitement liée à d'autres dispositions constitutionnelles relatives à la culture : → l'art. 21 Cst. (liberté de l'art) garantit l'activité artistique individuelle, tandis que l'art. 69 Cst. règle les conditions-cadres institutionnelles de l'encouragement de la culture. ↔ L'art. 70 Cst. (langues) concrétise la diversité linguistique mentionnée à l'art. 69 al. 3 Cst. (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 195).\n\n**ch. 6** Dans le contexte des droits fondamentaux, → l'art. 8 Cst. (égalité) est pertinent pour l'encouragement de la culture sans discrimination. → L'art. 36 Cst. limite les interventions étatiques dans la liberté de l'art, tandis que → l'art. 5 Cst. fixe les exigences de l'État de droit pour l'encouragement de la culture (Uhlmann/Bognuda, ZSR 2008 I 363, 370).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**ch. 7** **Notion de culture** : La Constitution ne définit pas le terme « culture ». Selon la doctrine dominante, la culture au sens de l'art. 69 Cst. doit être comprise dans un sens étroit comme « la création, la conservation et la recherche des beaux-arts » (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 ch. 12). Cette définition étroite est toutefois contestée ; Pfändler-Oling plaide pour une notion de culture plus large, fondée anthropologiquement (Pfändler-Oling, Die verfassungsrechtliche Grundlage der Kulturförderung im Bund, 2010, 45ss).\n\n**ch. 8** **Compétence cantonale (al. 1)** : Les cantons sont compétents au premier chef dans le domaine de la culture. Cette compétence englobe toute la politique culturelle, y compris la législation, l'exécution et le financement. La souveraineté culturelle cantonale est complète et ne nécessite aucune habilitation constitutionnelle particulière (Biaggini, BV Kommentar, Art. 69 ch. 2).\n\n**ch. 9** **Intérêt national (al. 2)** : La notion d'« intérêt national » est le critère central de l'encouragement fédéral. La doctrine est divisée : Christen/Raschèr/Tribolet exigent que le rayonnement de la création culturelle dépasse l'ancrage local ou régional (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain soutient au contraire que même les activités culturelles sans rayonnement suprarégional peuvent être d'intérêt national si elles contribuent à la diversité culturelle de la Suisse (BSK BV, Art. 69 ch. 15).\n\n**ch. 10** **Art et musique (al. 2)** : La mention explicite de l'« art et de la musique » ne signifie pas que d'autres domaines culturels sont exclus de l'encouragement fédéral. Il s'agit plutôt d'une énumération exemplative avec un accent particulier sur le domaine de la formation (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 197).\n\n**ch. 11** **Obligation de prise en considération (al. 3)** : La Confédération doit tenir compte de la diversité culturelle et linguistique dans toutes ses tâches — pas seulement dans l'encouragement de la culture. Ce principe transversal oblige toutes les autorités fédérales (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung in der Schweiz, 2002, 78).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**ch. 12** L'art. 69 Cst. constitue une norme de compétence, mais ne fonde pas de droits subjectifs à l'encouragement de la culture. **JAAC 68.15** consid. 4.1 confirme que même lorsque les conditions d'encouragement sont remplies, il n'existe pas de droit aux aides financières. La formulation facultative (« peut ») accorde à la Confédération une marge d'appréciation considérable (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 ch. 7).\n\n**ch. 13** La compétence fédérale selon l'al. 2 est conçue comme une compétence concurrente avec primauté des cantons. La Confédération ne peut agir qu'à titre subsidiaire et doit démontrer l'intérêt national. Biaggini souligne que la compétence fédérale est « à considérer comme moins étendue que celle des cantons en raison de la condition de l'intérêt national » (BSK BV, Art. 69 ch. 15).\n\n**ch. 14** L'obligation de prise en considération selon l'al. 3 a un caractère programmatique, mais oblige tous les organes fédéraux lors de l'édiction du droit et de l'exécution. Elle peut être invoquée comme aide à l'interprétation et lors de la pesée des intérêts (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 3842).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**ch. 15** **Définition de l'intérêt national** : Un point litigieux central concerne l'interprétation de l'« intérêt national ». Christen/Raschèr/Tribolet exigent un rayonnement au-delà de l'ancrage régional (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain soutient au contraire que même des activités culturelles ancrées localement peuvent être d'intérêt national dans l'intérêt de la diversité culturelle de la Suisse (BSK BV, Art. 69 ch. 15). Cette controverse a des répercussions directes sur la pratique d'encouragement de la Confédération.\n\n**ch. 16** **Critères d'encouragement versus encouragement aléatoire de l'art** : Un désaccord fondamental existe concernant les critères d'encouragement. Uhlmann/Bognuda plaident pour une sélection stricte avec des critères clairs, car « l'art ne doit pas être encouragé à l'arrosoir » (ZSR 2008 I 363, 376 ; BSK BV, Art. 69 ch. 20). Schmidt-Gabain défend la position contraire et argumente qu'un encouragement culturel aléatoire (basé sur le hasard) serait mieux compatible avec la liberté de l'art et l'égalité, car l'art serait alors « enfin libre d'ignorer les prétendus critères de son encouragement » (BSK BV, Art. 69 ch. 19-20). Baumann et Depenheuer ont examiné les fondements théoriques d'une répartition aléatoire (Baumann, SJZ 2003, 621 ; Depenheuer, JZ 1993, 171).\n\n**ch. 17** **Étendue de la compétence fédérale** : La portée de l'encouragement fédéral est controversée. Une interprétation restrictive souligne le rôle subsidiaire de la Confédération et veut limiter son activité à quelques domaines clairement définis. L'interprétation extensive voit dans la formulation ouverte une flexibilité délibérée pour une politique culturelle contemporaine (Uhlmann/Raschèr/Reichenau, Kulturförderung, in: Mosimann/Renold/Raschèr, Kultur Kunst Recht, 2009, 141, 156).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**ch. 18** **Demande de subvention** : Les créateurs et organisations culturelles doivent exposer de manière substantiée l'intérêt national lors de demandes de contributions fédérales. **JAAC 68.15** montre que le simple accomplissement formel des conditions d'encouragement ne suffit pas. La « plus-value de politique culturelle » doit être démontrée, en particulier pour les organisations faîtières dont les membres sont déjà soutenus (JAAC 68.15 consid. 5.3).\n\n**ch. 19** **Garanties de procédure** : Bien qu'il n'existe pas de droit à l'encouragement, les garanties générales de procédure s'appliquent. → L'art. 29 Cst. garantit le droit d'être entendu, → l'art. 8 Cst. interdit l'inégalité de traitement arbitraire. Les décisions d'encouragement doivent être motivées et sont soumises au contrôle judiciaire, les tribunaux appliquant un standard de contrôle retenu (voir la conduite de la procédure dans **JAAC 68.15**, B-4572/2012 et B-6043/2012).\n\n**ch. 20** **Coordination Confédération-cantons** : Dans la pratique, la coordination entre l'encouragement fédéral et cantonal est centrale. Les doubles subventionnements ne sont pas généralement exclus selon **JAAC 68.15** consid. 5.1-5.2, mais doivent créer une plus-value démontrable. Les directives KUOR (FF 1999 2627) et la loi sur l'encouragement de la culture (LEC, RS 442.1) concrétisent les mécanismes de coordination.\n\n**ch. 21** **Dimension internationale** : Bien que l'art. 69 Cst. ne contienne pas de composante de politique extérieure explicite, l'intérêt national permet aussi l'encouragement des échanges culturels internationaux. La pratique montre un lien étroit avec la politique extérieure selon → l'art. 54 Cst. (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 134).", "caselaw_fr": "# Art. 69 Cst. — Culture\n\n## Jurisprudence\n\n### Compétences de promotion culturelle de la Confédération\n\n**JAAC 68.15** du 2 juillet 2003\nAides financières annuelles à des organisations culturelles issues du crédit KUOR\n\nLe Conseil fédéral a précisé la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de promotion culturelle. L'art. 69 Cst. constitue la base constitutionnelle de la future loi sur l'encouragement de la culture et légitime les directives KUOR du Conseil fédéral pour le soutien aux organisations culturelles d'intérêt national.\n\n> « L'art. 69 Cst. constitue la base de la nouvelle loi sur l'encouragement de la culture (LEC) en préparation. La décision attaquée du DFAE est intervenue en application des directives KUOR qu'il a édictées le 16 novembre 1998, lesquelles se fondaient alors sur la compétence constitutionnelle non écrite de la Confédération dans le domaine de l'encouragement de la culture selon la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 29 mai 1874. »\n\n### Double subventionnement et plus-value de politique culturelle\n\n**JAAC 68.15** du 2 juillet 2003\nRejet d'une demande d'aide financière annuelle\n\nLa décision concrétise les critères d'encouragement selon l'art. 69 al. 2 Cst. Un double subventionnement est inadmissible si l'organisation faîtière ne crée pas de plus-value significative de politique culturelle par rapport à ses membres déjà soutenus.\n\n> « Le DFAE considère qu'un double subventionnement est indésirable dans le cas présent, parce que la recourante ne crée qu'une plus-value de politique culturelle comparativement modeste par rapport à ses membres également soutenus — qui représentent environ la moitié des membres. »\n\n### Compétence culturelle cantonale et surveillance fédérale\n\n**VD.2021.124** du 29 janvier 2022\nIndemnité pour perte de gain COVID dans le domaine culturel\n\nLa Cour d'appel de Bâle a confirmé la compétence cantonale primaire selon l'art. 69 al. 1 Cst. tout en reconnaissant des mesures fédérales complémentaires en temps de crise. La décision montre l'interaction des niveaux de compétence dans la promotion culturelle.\n\n> « L'art. 69 Cst. [sert de fondement à l'ordonnance cantonale domaine culturel selon la loi COVID-19]. Dans le domaine de la culture, ce sont les cantons qui sont compétents. La Confédération peut soutenir les activités culturelles présentant un intérêt national et encourager les arts et la musique, en particulier dans le domaine de la formation. »\n\n### Diversité culturelle comme mandat constitutionnel\n\n**ATF 126 II 300** du 3 mai 2000  \nBanntag de Liestal et traditions culturelles\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu les traditions culturelles comme des formes d'expression dignes de protection de la souveraineté culturelle cantonale. La décision concernant le Banntag de Liestal montre comment l'art. 69 al. 3 Cst. (prise en compte de la diversité culturelle) doit être pris en considération lors de la pesée des intérêts entre protection culturelle et autres droits fondamentaux.\n\n> « Les instructions du conseil municipal qui règlent le tir au Banntag ne violent ni le droit de l'environnement ni les obligations de protection des droits fondamentaux de l'État. [Le Banntag] représente une tradition culturelle séculaire qui est digne de protection en tant qu'expression de l'identité culturelle locale. »\n\n### Liberté de mouvement et activité culturelle\n\n**Arrêt 1C_416/2009** du 14 septembre 2010\nFermeture de chemins d'alpage et forestiers\n\nLe Tribunal fédéral a examiné la compatibilité de mesures de police de la circulation avec la liberté de mouvement en tenant compte d'aspects culturels. La décision montre les limites des compétences communales lors d'atteintes à des espaces et traditions culturellement significatifs.\n\n> « La liberté de mouvement (art. 10 al. 2 Cst.) n'englobe pas toute possibilité arbitraire de déplacement. [Lors de la pesée des intérêts, il convient cependant] de prendre en considération les formes d'utilisation traditionnelles et les significations culturelles de la région concernée. »\n\n### Diversité linguistique et obligation de plurilinguisme\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 69 al. 3 Cst. (prise en compte de la diversité linguistique) s'est principalement développée dans d'autres articles constitutionnels (art. 70 Cst.), le Tribunal fédéral reconnaissant l'obligation de plurilinguisme comme principe structurel de l'ordre culturel suisse.\n\n### Délimitation par rapport aux autres compétences culturelles\n\nLa jurisprudence montre l'étroit enchevêtrement de l'art. 69 Cst. avec d'autres dispositions constitutionnelles pertinentes pour la culture :\n- Art. 70 Cst. (langues) : Diversité linguistique comme partie intégrante de la diversité culturelle\n- Art. 67 Cst. (sport) : Délimitation entre activité culturelle et sportive  \n- Art. 62-66 Cst. (formation) : Transmission culturelle comme mandat de formation\n\n### Intensité du contrôle par le Tribunal fédéral\n\nLors de l'examen de décisions de politique culturelle, le Tribunal fédéral applique un critère de contrôle retenu. Les tribunaux reconnaissent la marge d'appréciation des autorités compétentes dans la concrétisation de l'« intérêt national » et dans l'évaluation de la « plus-value de politique culturelle ».", "summary_it": "# Art. 69 BV — Cultura\n\n## Panoramica\n\nL'art. 69 BV disciplina la ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni nel settore culturale. Secondo il cpv. 1, i Cantoni sono competenti in via primaria per la cultura (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5). Possono emanare proprie leggi culturali, gestire musei e promuovere artisti locali. La Confederazione può secondo il cpv. 2 sostenere soltanto le iniziative culturali di «interesse nazionale» (BBl 1997 I 301). Si tratta di progetti che hanno effetti oltre i confini regionali, come la produzione cinematografica svizzera o i festival nazionali.\n\nLa Costituzione federale non definisce la «cultura». La dottrina dominante intende con ciò la creazione, la conservazione e la ricerca delle belle arti (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). È controverso quando sia soddisfatto l'interesse nazionale: alcuni giuristi richiedono un irradiamento sovraregionale (Christen/Raschèr/Tribolet, AJP 2001, 1035, 1042). Altri ritengono che anche progetti locali possono avere importanza nazionale, se contribuiscono alla diversità culturale (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\nUn esempio: se il Cantone dei Grigioni vuole promuovere un festival teatrale romancio, ne è competente. Se il festival si candida per fondi federali, deve dimostrare che rafforza la cultura romancia a livello nazionale. Il sostegno federale è facoltativo – nessuno ha diritto a ottenerlo (**JAAC 68.15** E. 4.1).\n\nSecondo il cpv. 3, la Confederazione deve tenere conto della diversità culturale e linguistica in tutti i suoi compiti (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 78). Ciò non riguarda soltanto la politica culturale, ma anche altri settori come la promozione dei media o la politica dell'educazione. La disposizione concretizza il principio di sussidiarietà dell'art. 3 BV per il settore culturale.", "doctrine_it": "# Art. 69 Cost. — Cultura\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Con la revisione totale della Costituzione federale, la promozione culturale della Confederazione ha ottenuto per la prima volta una base costituzionale esplicita. Sotto la vecchia Costituzione federale del 1874, la promozione culturale si basava su una competenza federale non scritta, come confermato in **JAAC 68.15** consid. 1.2. L'iniziativa popolare «in faveur de la culture» del 4 dicembre 1984 fallì ancora alla doppia maggioranza (FF 1984 II 636).\n\n**N. 2** Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 sottolineò la necessità di una chiara delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nell'ambito culturale (FF 1997 I 301). Il costituente voleva assicurare dal punto di vista costituzionale la prassi esistente e al contempo rispettare la primaria sovranità culturale cantonale (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 2-4).\n\n**N. 3** Le deliberazioni parlamentari mostrarono un consenso sul ruolo sussidiario della Confederazione riconoscendo al contempo la sua importanza per gli sforzi culturali di interesse nazionale. La formulazione «può» del cpv. 2 sottolinea il carattere facoltativo delle competenze federali (FF 1997 I 301).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 69 Cost. si trova nel contesto sistematico dell'ordinamento statale federalistico della Svizzera. La disposizione concretizza → l'art. 3 Cost. (principio di sussidiarietà) e → l'art. 42 cpv. 1 Cost. (ripartizione dei compiti) per l'ambito culturale. La competenza primaria cantonale (cpv. 1) corrisponde al principio della competenza residuale dei Cantoni (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5).\n\n**N. 5** La norma è strettamente collegata ad altre disposizioni costituzionali relative alla cultura: → l'art. 21 Cost. (libertà dell'arte) garantisce l'attività artistica individuale, mentre l'art. 69 Cost. disciplina le condizioni quadro istituzionali della promozione culturale. ↔ L'art. 70 Cost. (lingue) concretizza la diversità linguistica menzionata nell'art. 69 cpv. 3 Cost. (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 195).\n\n**N. 6** Nel contesto dei diritti fondamentali è rilevante → l'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) per la promozione culturale senza discriminazioni. → L'art. 36 Cost. limita gli interventi statali nella libertà dell'arte, mentre → l'art. 5 Cost. stabilisce i requisiti dello Stato di diritto per la promozione culturale (Uhlmann/Bognuda, ZSR 2008 I 363, 370).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Concetto di cultura**: La Costituzione non definisce il concetto di «cultura». Secondo la dottrina prevalente, la cultura nel senso dell'art. 69 Cost. deve essere intesa in senso stretto come «la creazione, la conservazione e la ricerca delle belle arti» (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). Questa definizione ristretta è tuttavia controversa; Pfändler-Oling propugna un concetto di cultura più ampio, fondato antropologicamente (Pfändler-Oling, Die verfassungsrechtliche Grundlage der Kulturförderung im Bund, 2010, 45ss.).\n\n**N. 8** **Competenza cantonale (cpv. 1)**: I Cantoni sono competenti in via primaria per l'ambito della cultura. Questa competenza comprende l'intera politica culturale inclusa la legislazione, l'esecuzione e il finanziamento. La sovranità culturale cantonale è completa e non necessita di un'autorizzazione costituzionale speciale (Biaggini, BV Kommentar, Art. 69 N. 2).\n\n**N. 9** **Interesse nazionale (cpv. 2)**: Il concetto di «interesse nazionale» è il criterio centrale per la promozione federale. La dottrina è divisa: Christen/Raschèr/Tribolet richiedono che l'irradiazione della creazione culturale vada oltre il radicamento locale o regionale (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain sostiene invece che anche sforzi culturali senza irradiazione sovraregionale possono essere di interesse nazionale se contribuiscono alla diversità culturale della Svizzera (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 10** **Arte e musica (cpv. 2)**: La menzione esplicita di «arte e musica» non significa che altri ambiti culturali siano esclusi dalla promozione federale. Si tratta piuttosto di un'elencazione esemplificativa con particolare enfasi sull'ambito della formazione (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 197).\n\n**N. 11** **Obbligo di considerazione (cpv. 3)**: La Confederazione deve considerare la diversità culturale e linguistica in tutti i suoi compiti — non solo nella promozione culturale. Questo principio trasversale vincola tutte le autorità federali (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung in der Schweiz, 2002, 78).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 69 Cost. fonda una norma di competenza, ma non diritti soggettivi alla promozione culturale. **JAAC 68.15** consid. 4.1 conferma che anche in caso di adempimento dei presupposti per la promozione non esiste un diritto agli aiuti finanziari. La formulazione facoltativa («può») concede alla Confederazione un considerevole margine di apprezzamento (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 7).\n\n**N. 13** La competenza federale secondo il cpv. 2 è configurata come competenza concorrente con priorità dei Cantoni. La Confederazione può agire solo in via sussidiaria e deve dimostrare l'interesse nazionale. Biaggini sottolinea che la competenza federale «a causa del presupposto dell'interesse nazionale è da considerare meno estesa di quella dei Cantoni» (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 14** L'obbligo di considerazione secondo il cpv. 3 ha carattere programmatico, ma vincola tutti gli organi federali nella normazione e nell'esecuzione. Può essere utilizzato come ausilio interpretativo e nella ponderazione di interessi (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N. 3842).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** **Definizione dell'interesse nazionale**: Un punto di controversia centrale riguarda l'interpretazione dell'«interesse nazionale». Christen/Raschèr/Tribolet richiedono un'irradiazione oltre il radicamento regionale (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain sostiene invece che anche sforzi culturali radicati localmente possono essere di interesse nazionale nell'interesse della diversità culturale della Svizzera (BSK BV, Art. 69 N. 15). Questa controversia ha effetti diretti sulla prassi di promozione della Confederazione.\n\n**N. 16** **Criteri di promozione versus promozione artistica aleatoria**: Esiste un dissenso fondamentale sui criteri di promozione. Uhlmann/Bognuda propugnano una selezione rigorosa con criteri chiari, poiché «l'arte non può essere promossa con l'innaffiatoio» (ZSR 2008 I 363, 376; BSK BV, Art. 69 N. 20). Schmidt-Gabain rappresenta la posizione contraria e argomenta che una promozione culturale aleatoria (basata sul caso) sarebbe meglio compatibile con la libertà dell'arte e l'uguaglianza giuridica, poiché l'arte sarebbe allora «finalmente di nuovo libera di ignorare i presunti criteri della sua promozione» (BSK BV, Art. 69 N. 19-20). Baumann e Depenheuer hanno discusso le basi teoriche di una distribuzione casuale (Baumann, SJZ 2003, 621; Depenheuer, JZ 1993, 171).\n\n**N. 17** **Portata della competenza federale**: La portata della promozione federale è controversa. Un'interpretazione restrittiva sottolinea il ruolo sussidiario della Confederazione e vuole limitare la sua attività a pochi ambiti chiaramente definiti. L'interpretazione estensiva vede nella formulazione aperta una flessibilità consapevole per una politica culturale contemporanea (Uhlmann/Raschèr/Reichenau, Kulturförderung, in: Mosimann/Renold/Raschèr, Kultur Kunst Recht, 2009, 141, 156).\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 18** **Presentazione della domanda**: Gli operatori culturali e le organizzazioni devono esporre in modo sostanziato l'interesse nazionale per i contributi federali. **JAAC 68.15** mostra che l'adempimento meramente formale dei presupposti per la promozione non è sufficiente. Il «valore aggiunto di politica culturale» deve essere dimostrato, in particolare per le organizzazioni mantello i cui membri sono già promossi (JAAC 68.15 consid. 5.3).\n\n**N. 19** **Garanzie procedurali**: Benché non esista un diritto alla promozione, valgono le garanzie procedurali generali. → L'art. 29 Cost. garantisce il diritto di essere sentiti, → l'art. 8 Cost. vieta il trattamento ineguale arbitrario. Le decisioni di promozione devono essere motivate e sono soggette al controllo giudiziario, dove i tribunali applicano un criterio di verifica prudente (vedi la conduzione della procedura in **JAAC 68.15**, B-4572/2012 e B-6043/2012).\n\n**N. 20** **Coordinamento Confederazione-Cantoni**: Nella prassi è centrale il coordinamento tra promozione federale e cantonale. Le doppie sovvenzioni secondo **JAAC 68.15** consid. 5.1-5.2 non sono generalmente escluse, ma devono creare un valore aggiunto dimostrabile. Le direttive KUOR (FF 1999 2627) e la Legge sulla promozione della cultura (LPCu, RS 442.1) concretizzano i meccanismi di coordinamento.\n\n**N. 21** **Dimensione internazionale**: Benché l'art. 69 Cost. non contenga una componente di politica estera esplicita, l'interesse nazionale permette anche la promozione dello scambio culturale internazionale. La prassi mostra uno stretto legame con la politica estera secondo → l'art. 54 Cost. (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 134).", "caselaw_it": "# Art. 69 Cost. — Cultura\n\n## Giurisprudenza\n\n### Competenze della Confederazione in materia di promozione culturale\n\n**JAAC 68.15** del 2 luglio 2003\nAiuti finanziari annuali ad organizzazioni culturali dal credito KUOR\n\nIl Consiglio federale ha precisato la delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nella promozione culturale. L'art. 69 Cost. costituisce la base costituzionale per la progettata legge sulla promozione culturale e legittima le direttive del Consiglio federale KUOR per il sostegno alle organizzazioni culturali di interesse nazionale.\n\n> «L'art. 69 Cost. costituisce la base per la progettata nuova legge sulla promozione culturale (LPCu). La decisione impugnata del DFI è stata presa in applicazione delle direttive KUOR da esso emanate il 16 novembre 1998, le quali si fondavano sulla competenza costituzionale della Confederazione nel settore della promozione culturale, allora ancora non scritta secondo la Costituzione federale della Confederazione Svizzera del 29 maggio 1874.»\n\n### Doppio sussidiamento e valore aggiunto culturale-politico\n\n**JAAC 68.15** del 2 luglio 2003\nRigetto di una domanda di aiuto finanziario annuale\n\nLa decisione concretizza i criteri di promozione secondo l'art. 69 cpv. 2 Cost. Un doppio sussidiamento è inammissibile quando l'organizzazione mantello non crea alcun valore aggiunto culturale-politico sostanziale rispetto ai suoi membri già sostenuti.\n\n> «Il DFI considera nel caso presente un doppio sussidiamento come indesiderato, poiché la ricorrente rispetto ai suoi membri pure sostenuti — che rappresentano circa la metà dei membri — crea solo un valore aggiunto culturale-politico relativamente modesto.»\n\n### Competenza culturale cantonale e vigilanza federale\n\n**VD.2021.124** del 29 gennaio 2022\nIndennità per perdita di guadagno COVID nel settore culturale\n\nLa Corte d'appello di Basilea ha confermato la competenza cantonale primaria secondo l'art. 69 cpv. 1 Cost. riconoscendo al contempo le misure complementari della Confederazione in tempi di crisi. La decisione mostra l'interazione dei livelli di competenza nella promozione culturale.\n\n> «L'art. 69 Cost. [sta alla base dell'ordinanza cantonale settore culturale secondo la legge COVID-19]. Per il settore della cultura sono competenti i Cantoni. La Confederazione può sostenere attività culturali d'interesse nazionale e promuovere l'arte e la musica, segnatamente nell'ambito della formazione.»\n\n### Diversità culturale come mandato costituzionale\n\n**BGE 126 II 300** del 3 maggio 2000  \nBanntag di Liestal e tradizioni culturali\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto le tradizioni culturali come forme di espressione degne di protezione della sovranità culturale cantonale. La decisione sul Banntag di Liestal mostra come l'art. 69 cpv. 3 Cost. (riguardo per la diversità culturale) debba essere considerato nella ponderazione degli interessi tra protezione culturale e altri diritti fondamentali.\n\n> «Le istruzioni del consiglio comunale che regolano il tiro al Banntag non violano né il diritto ambientale né i doveri di protezione fondamentali dello Stato. [Il Banntag] rappresenta una tradizione culturale secolare che è degna di protezione come espressione dell'identità culturale locale.»\n\n### Libertà di movimento e attività culturale\n\n**Sentenza 1C_416/2009** del 14 settembre 2010\nBlocco di sentieri alpini e forestali\n\nIl Tribunale federale ha esaminato la compatibilità delle misure di polizia stradale con la libertà di movimento tenendo conto degli aspetti culturali. La decisione mostra i limiti delle competenze comunali negli interventi in spazi e tradizioni culturalmente significativi.\n\n> «La libertà di movimento (art. 10 cpv. 2 Cost.) non comprende qualsiasi possibilità di locomozione. [Nella ponderazione degli interessi devono tuttavia essere considerate] le forme d'uso tradizionali e i significati culturali del territorio interessato.»\n\n### Diversità linguistica e obbligo del plurilinguismo\n\nLa giurisprudenza sull'art. 69 cpv. 3 Cost. (riguardo per la diversità linguistica) si è sviluppata principalmente in altri articoli costituzionali (art. 70 Cost.), con il Tribunale federale che ha riconosciuto l'obbligo del plurilinguismo come principio strutturale dell'ordinamento culturale svizzero.\n\n### Delimitazione rispetto ad altre competenze culturali\n\nLa giurisprudenza mostra lo stretto intreccio dell'art. 69 Cost. con altre disposizioni costituzionali rilevanti per la cultura:\n- Art. 70 Cost. (lingue): diversità linguistica come settore parziale della diversità culturale\n- Art. 67 Cost. (sport): delimitazione tra attività culturale e sportiva  \n- Art. 62-66 Cost. (formazione): trasmissione culturale come mandato formativo\n\n### Intensità del controllo del Tribunale federale\n\nNel controllo delle decisioni di politica culturale, il Tribunale federale applica uno standard di controllo moderato. I tribunali riconoscono il margine di apprezzamento delle autorità competenti nella concretizzazione dell'«interesse nazionale» e nella valutazione del «valore aggiunto culturale-politico».", "summary_en": "# Art. 69 BV — Culture\n\n## Overview\n\nArt. 69 BV regulates the division of tasks between the Confederation and the cantons in the field of culture. According to para. 1, the cantons have primary responsibility for culture (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5). They may enact their own cultural laws, operate museums and promote local artists. According to para. 2, the Confederation may only support cultural endeavours of «national interest» (BBl 1997 I 301). These are projects that have an impact beyond regional borders, such as Swiss filmmaking or national festivals.\n\nThe Federal Constitution does not define «culture». The prevailing doctrine understands this to mean the creation, preservation and study of the fine arts (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). It is disputed when the national interest is fulfilled: some jurists require supraregional impact (Christen/Raschèr/Tribolet, AJP 2001, 1035, 1042). Others believe that even local projects can be of national importance if they contribute to cultural diversity (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\nAn example: If the Canton of Graubünden wants to promote a Romansh theatre festival, it has responsibility for this. If the festival applies for federal funding, it must demonstrate that it strengthens Romansh culture throughout Switzerland. Federal support is voluntary – no one has a legal entitlement to it (**JAAC 68.15** E. 4.1).\n\nAccording to para. 3, the Confederation must take account of cultural and linguistic diversity in all its tasks (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 78). This concerns not only cultural policy, but also other areas such as media support or education policy. The provision concretises the principle of subsidiarity from Art. 3 BV for the cultural sector.", "doctrine_en": "# Art. 69 BV — Culture\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** With the total revision of the Federal Constitution, federal cultural promotion received an express constitutional basis for the first time. Under the old Federal Constitution of 1874, cultural promotion was based on an unwritten federal competence, as confirmed in **JAAC 68.15** E. 1.2. The popular initiative «in faveur de la culture» of 4 December 1984 still failed to achieve the double majority (BBl 1984 II 636).\n\n**N. 2** The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 emphasised the necessity of a clear delimitation of competences between the Confederation and the cantons in the cultural sphere (BBl 1997 I 301). The constitutional legislator wanted to constitutionally secure existing practice while simultaneously respecting the primary cantonal cultural sovereignty (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 2-4).\n\n**N. 3** Parliamentary deliberations showed a consensus regarding the subsidiary role of the Confederation while simultaneously recognising its importance for cultural endeavours of national interest. The formulation «may» in para. 2 underlines the facultative character of federal competences (BBl 1997 I 301).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 69 BV stands in systematic connection with the federalist state structure of Switzerland. The provision concretises → Art. 3 BV (principle of subsidiarity) and → Art. 42 para. 1 BV (division of tasks) for the cultural sphere. The primary cantonal jurisdiction (para. 1) corresponds to the principle of residual competence of the cantons (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 5).\n\n**N. 5** The norm stands in close connection with further culture-related constitutional provisions: → Art. 21 BV (freedom of the arts) guarantees individual artistic activity, while Art. 69 BV regulates the institutional framework conditions for cultural promotion. ↔ Art. 70 BV (languages) concretises the linguistic diversity mentioned in Art. 69 para. 3 BV (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 195).\n\n**N. 6** In the context of fundamental rights, → Art. 8 BV (equality before the law) is relevant for non-discriminatory cultural promotion. → Art. 36 BV limits state interventions in freedom of the arts, while → Art. 5 BV establishes the rule-of-law requirements for cultural promotion (Uhlmann/Bognuda, ZSR 2008 I 363, 370).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 7** **Concept of culture**: The Constitution does not define the term «culture». According to prevailing doctrine, culture within the meaning of Art. 69 BV is to be understood in a narrow sense as «the creation, preservation and research of the fine arts» (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 12). This narrow definition is, however, disputed; Pfändler-Oling argues for a broader, anthropologically based concept of culture (Pfändler-Oling, Die verfassungsrechtliche Grundlage der Kulturförderung im Bund, 2010, 45ff.).\n\n**N. 8** **Cantonal jurisdiction (para. 1)**: The cantons are primarily responsible for the area of culture. This competence encompasses the entire cultural policy including legislation, implementation and financing. Cantonal cultural sovereignty is comprehensive and requires no special constitutional authorisation (Biaggini, BV Kommentar, Art. 69 N. 2).\n\n**N. 9** **National interest (para. 2)**: The concept of «national interest» is the central criterion for federal promotion. Doctrine is divided: Christen/Raschèr/Tribolet require that the impact of cultural creation extends beyond local or regional roots (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain argues conversely that cultural endeavours without supra-regional impact can also be in the national interest if they contribute to the cultural diversity of Switzerland (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 10** **Art and music (para. 2)**: The explicit mention of «art and music» does not mean that other cultural areas are excluded from federal promotion. Rather, it is an exemplary enumeration with special emphasis on the educational sphere (Schweizer, ZSR 2001 I 187, 197).\n\n**N. 11** **Duty to give consideration (para. 3)**: The Confederation must take cultural and linguistic diversity into consideration in all its tasks — not only in cultural promotion. This cross-cutting principle obliges all federal authorities (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung in der Schweiz, 2002, 78).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 69 BV establishes a competence norm, but not subjective claims to cultural promotion. **JAAC 68.15** E. 4.1 confirms that even when the promotion requirements are met, there is no legal claim to financial assistance. The facultative formulation («may») grants the Confederation considerable discretion (Schmidt-Gabain, BSK BV, Art. 69 N. 7).\n\n**N. 13** The federal competence according to para. 2 is designed as a concurrent competence with priority for the cantons. The Confederation may only act subsidiarily and must demonstrate the national interest. Biaggini emphasises that the federal competence «is to be regarded as less far-reaching than that of the cantons due to the requirement of national interest» (BSK BV, Art. 69 N. 15).\n\n**N. 14** The duty to give consideration according to para. 3 has a programmatic character, but obliges all federal bodies in law-making and implementation. It can be used as an interpretive aid and in weighing interests (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3842).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 15** **Definition of national interest**: A central point of dispute concerns the interpretation of «national interest». Christen/Raschèr/Tribolet demand an impact extending beyond regional roots (AJP 2001, 1035, 1042). Schmidt-Gabain argues conversely that even locally anchored cultural endeavours can be of national interest in the interest of Switzerland's cultural diversity (BSK BV, Art. 69 N. 15). This controversy has direct effects on the Confederation's promotion practice.\n\n**N. 16** **Promotion criteria versus aleatory arts promotion**: A fundamental dissent exists regarding promotion criteria. Uhlmann/Bognuda argue for strict selection with clear criteria, as «art must not be promoted with a watering can» (ZSR 2008 I 363, 376; BSK BV, Art. 69 N. 20). Schmidt-Gabain represents the opposite position and argues that aleatory (chance-based) cultural promotion is better compatible with freedom of the arts and equality before the law, as art would then «finally be free again to ignore the supposed criteria of its promotion» (BSK BV, Art. 69 N. 19-20). Baumann and Depenheuer have discussed the theoretical foundations of random distribution (Baumann, SJZ 2003, 621; Depenheuer, JZ 1993, 171).\n\n**N. 17** **Scope of federal competence**: The reach of federal promotion is disputed. A restrictive interpretation emphasises the subsidiary role of the Confederation and wants to limit its activity to few, clearly defined areas. The extensive interpretation sees in the open formulation a deliberate flexibility for contemporary cultural policy (Uhlmann/Raschèr/Reichenau, Kulturförderung, in: Mosimann/Renold/Raschèr, Kultur Kunst Recht, 2009, 141, 156).\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 18** **Application submission**: Cultural creators and organisations must substantiate the national interest when applying for federal contributions. **JAAC 68.15** shows that the mere formal fulfilment of promotion requirements does not suffice. The «cultural policy added value» must be demonstrated, particularly for umbrella organisations whose members are already being promoted (JAAC 68.15 E. 5.3).\n\n**N. 19** **Procedural guarantees**: Although no claim to promotion exists, general procedural guarantees apply. → Art. 29 BV guarantees the right to a hearing, → Art. 8 BV prohibits arbitrary unequal treatment. Promotion decisions must be reasoned and are subject to judicial review, whereby the courts apply a restrained standard of review (see the procedural conduct in **JAAC 68.15**, B-4572/2012 and B-6043/2012).\n\n**N. 20** **Confederation-cantonal coordination**: In practice, coordination between federal and cantonal promotion is central. Double subsidisation is not generally excluded according to **JAAC 68.15** E. 5.1-5.2, but must create demonstrable added value. The KUOR guidelines (BBl 1999 2627) and the Cultural Promotion Act (KFG, SR 442.1) concretise the coordination mechanisms.\n\n**N. 21** **International dimension**: Although Art. 69 BV contains no explicit foreign policy component, the national interest also enables the promotion of international cultural exchange. Practice shows a close connection with foreign policy according to → Art. 54 BV (Holland, Bundesstaatliche Kunstförderung, 2002, 134).", "caselaw_en": "# Art. 69 Cst. — Culture\n\n## Case Law\n\n### Federal Competences in Cultural Promotion\n\n**JAAC 68.15** of 2 July 2003\nAnnual financial assistance to cultural organisations from the KUOR credit\n\nThe Federal Council clarified the division of competences between the Confederation and the cantons in cultural promotion. Art. 69 Cst. forms the constitutional basis for the planned Cultural Promotion Act and legitimises the Federal Council's KUOR guidelines for supporting cultural organisations of national interest.\n\n> «Art. 69 Cst. forms the basis for the planned new Cultural Promotion Act (CPA). The contested decision of the FDHA was made in application of the KUOR guidelines issued by it on 16 November 1998, which were based on the then unwritten constitutional federal competence in the field of cultural promotion under the Federal Constitution of the Swiss Confederation of 29 May 1874.»\n\n### Double Subsidisation and Cultural Policy Added Value\n\n**JAAC 68.15** of 2 July 2003\nRejection of an application for annual financial assistance\n\nThe decision specifies the promotional criteria under Art. 69 para. 2 Cst. Double subsidisation is inadmissible when the umbrella organisation creates no substantial cultural policy added value in relation to its already supported members.\n\n> «The FDHA considers double subsidisation undesirable in the present case because the appellant creates only a comparatively modest cultural policy added value in relation to its equally supported members — who represent around half of the members.»\n\n### Cantonal Cultural Jurisdiction and Federal Supervision\n\n**VD.2021.124** of 29 January 2022\nCOVID compensation for losses in the cultural sector\n\nThe Basel Court of Appeal confirmed the primary cantonal jurisdiction under Art. 69 para. 1 Cst. while simultaneously recognising supplementary federal measures in times of crisis. The decision shows the interplay of competence levels in cultural promotion.\n\n> «Art. 69 Cst. [underlies the cantonal ordinance on the cultural sector under the COVID-19 Act]. The cantons have jurisdiction over culture. The Confederation may support cultural endeavours that are in the national interest and promote art and music, particularly in the field of education.»\n\n### Cultural Diversity as Constitutional Mandate\n\n**BGE 126 II 300** of 3 May 2000  \nLiestal Banntag and cultural traditions\n\nThe Federal Supreme Court recognised cultural traditions as forms of expression of cantonal cultural sovereignty worthy of protection. The decision on the Liestal Banntag shows how Art. 69 para. 3 Cst. (consideration of cultural diversity) must be taken into account when balancing interests between cultural protection and other fundamental rights.\n\n> «The municipal council's directives regulating shooting on Banntag violate neither environmental law nor the state's fundamental rights protection obligations. [Banntag] represents a centuries-old cultural tradition that is worthy of protection as an expression of local cultural identity.»\n\n### Freedom of Movement and Cultural Activity\n\n**Judgment 1C_416/2009** of 14 September 2010\nClosure of alpine and forest paths\n\nThe Federal Supreme Court examined the compatibility of traffic police measures with freedom of movement taking cultural aspects into account. The decision shows the limits of municipal powers when interfering with culturally significant spaces and traditions.\n\n> «Freedom of movement (Art. 10 para. 2 Cst.) does not encompass every conceivable possibility of locomotion. [However, in the balancing of interests,] traditional forms of use and cultural significance of the affected area must be taken into account.»\n\n### Linguistic Diversity and Multilingualism Requirement\n\nThe case law on Art. 69 para. 3 Cst. (consideration of linguistic diversity) developed mainly in other constitutional articles (Art. 70 Cst.), with the Federal Supreme Court recognising the multilingualism requirement as a structural principle of the Swiss cultural order.\n\n### Distinction from Other Cultural Competences\n\nThe case law shows the close interlinking of Art. 69 Cst. with other culture-relevant constitutional provisions:\n- Art. 70 Cst. (Languages): Linguistic diversity as a sub-area of cultural diversity\n- Art. 67 Cst. (Sport): Distinction between cultural and sporting activity  \n- Art. 62-66 Cst. (Education): Cultural transmission as an educational mandate\n\n### Federal Supreme Court's Standard of Review\n\nWhen reviewing cultural policy decisions, the Federal Supreme Court applies a restrained standard of review. The courts acknowledge the discretionary scope of the competent authorities in specifying \"national interest\" and in assessing \"cultural policy added value\".", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_69", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 70, "article_suffix": "", "title": "Sprachen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 70 — Sprachen\n\n## Übersicht\n\nArt. 70 BV regelt die Amtssprachen in der Schweiz und die Pflichten zur Förderung der Sprachenvielfalt. Die Bestimmung legt fest, welche Sprachen Bundesbehörden verwenden müssen und wie Kantone mit ihrer sprachlichen Vielfalt umgehen sollen.\n\n**Amtssprachen des Bundes:** Der Bund hat drei gleichberechtigte Amtssprachen: Deutsch, Französisch und Italienisch. Diese Gleichberechtigung bedeutet nach **BGE 131 V 35**, dass alle Bundesbehörden mit Bürgern in diesen Sprachen kommunizieren können müssen. Rätoromanisch ist nur eine eingeschränkte Amtssprache — sie gilt nur, wenn der Bund mit rätoromanischsprachigen Personen verkehrt.\n\n**Kantonale Sprachhoheit:** Die Kantone bestimmen selbst, welche Sprachen sie als Amtssprachen verwenden. Diese Freiheit hat aber Grenzen: Sie müssen das sogenannte Territorialitätsprinzip beachten (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31). Das bedeutet, sie dürfen die traditionellen Sprachgebiete nicht willkürlich verändern. Ein deutschsprachiges Gebiet darf nicht plötzlich französischsprachig werden. Zudem müssen sie Rücksicht auf alteingesessene sprachliche Minderheiten nehmen — nicht aber auf neue Zuwanderer, wie **BGE 122 I 236** klarstellte.\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine italienischsprachige Familie zieht nach Bern. Die Kinder haben keinen Anspruch auf italienischsprachigen Unterricht, denn Bern ist deutschsprachiges Gebiet. Anders wäre es, wenn dieselbe Familie ins historisch italienischsprachige Puschlav in Graubünden zöge — dort müsste die italienische Sprache respektiert werden.\n\n**Förderung und Unterstützung:** Bund und Kantone müssen aktiv die Verständigung zwischen den Sprachgruppen fördern. Der Bund hat zudem besondere Unterstützungspflichten: Er muss mehrsprachige Kantone (wie Bern oder Graubünden) bei ihren zusätzlichen Kosten unterstützen. Für das bedrohte Rätoromanische und Italienische im Tessin gibt es spezielle Fördergelder.\n\nDie Entstehungsgeschichte zeigt gemäss Botschaft **BBl 1997 I 314**, dass die Verfassung die Vielsprachigkeit als «Wesensmerkmal des Bundesstaates» würdigen will. Art. 70 BV schützt damit sowohl die grossen Sprachgruppen als auch die kleineren Landessprachen vor dem Verschwinden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 70 BV hat seine Wurzeln in Art. 116 BV 1874, der die sprachliche Vielfalt der Schweiz erstmals verfassungsrechtlich verankerte. Die Totalrevision von 1999 brachte eine umfassende Neufassung der Sprachenbestimmungen. Wie die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 ausführt, «soll die neue Sprachennorm die Vielsprachigkeit als Wesensmerkmal des Bundesstaates würdigen und konkrete Verpflichtungen für Bund und Kantone festlegen» (BBl 1997 I 314).\n\n**N. 2** Die parlamentarische Beratung war geprägt von der Debatte über den Sprachenunterricht. Der Nationalrat lehnte einen Minderheitsantrag ab, der den Kantonen vorschreiben wollte, in der Schule als Zweitsprache eine Landessprache zu unterrichten (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 13). Die definitive Fassung überlässt diese Frage bewusst der kantonalen Bildungshoheit.\n\n**N. 3** Die explizite Aufnahme des Rätoromanischen als Amtssprache des Bundes im Verkehr mit rätoromanischsprachigen Personen (Abs. 1 Satz 2) stellt eine bedeutende Neuerung gegenüber der alten Verfassung dar. Diese Bestimmung anerkennt die besondere Stellung der vierten Landessprache und verstärkt ihren verfassungsrechtlichen Schutz.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 70 BV bildet zusammen mit → Art. 4 BV (Landessprachen) und → Art. 18 BV (Sprachenfreiheit) den verfassungsrechtlichen Kern des schweizerischen Sprachenrechts. Die Norm ist systematisch im 1. Kapitel «Stellung von Bund und Kantonen» platziert, was ihre staatsorganisationsrechtliche Dimension unterstreicht (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 1).\n\n**N. 5** Die Verbindung zu → Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot wegen der Sprache) ist offensichtlich. Weitere Querverweise bestehen zu → Art. 69 BV (Kulturförderung), → Art. 31 Abs. 2 BV (Sprachenfreiheit im Freiheitsentzug) und → Art. 175 Abs. 4 BV (sprachliche Vertretung im Bundesrat).\n\n**N. 6** Im internationalen Kontext ist die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen von Bedeutung, die die Schweiz 1997 ratifiziert hat. Art. 5 und 6 EMRK enthalten zwar keine expliziten Sprachenrechte, der EGMR hat aber aus dem Diskriminierungsverbot (Art. 14 EMRK) sprachliche Schutzpflichten abgeleitet.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Amtssprachen des Bundes (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die drei Hauptamtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch sind gleichberechtigt. Diese Gleichberechtigung bedeutet, dass Bundesbehörden verpflichtet sind, in allen drei Sprachen zu kommunizieren. **BGE 131 V 35** präzisierte allerdings, dass diese Pflicht nur für die externe Kommunikation mit Bürgern gilt, nicht für behördeninterne Mitteilungen.\n\n**N. 8** Das Rätoromanische hat eine Sonderstellung: Es ist nur im direkten Verkehr mit rätoromanischsprachigen Personen Amtssprache. Diese personenbezogene Regelung trägt der zahlenmässigen Schwäche der vierten Landessprache Rechnung, garantiert aber gleichzeitig rätoromanischsprachigen Personen das Recht auf Kommunikation in ihrer Muttersprache mit Bundesbehörden.\n\n#### Kantonale Sprachhoheit (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die Kantone bestimmen ihre Amtssprachen autonom. Diese Kompetenz ist Ausfluss der kantonalen Souveränität und ermöglicht differenzierte Lösungen. Die Schranken dieser Autonomie liegen im Territorialitätsprinzip und im Minderheitenschutz.\n\n**N. 10** Das Territorialitätsprinzip dient gemäss ständiger Rechtsprechung seit **BGE 100 Ia 462** der Erhaltung der überkommenen Verbreitungsgebiete der Landessprachen. Die Doktrin ist über dessen genaue Tragweite geteilt: Papaux (FZR 2002, 157) betont die strikte Trennung der Sprachgebiete zur Erhaltung der Homogenität, während Müller/Schefer (Grundrechte, 4. Aufl. 2008, 326) den Sprachfrieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Vordergrund stellen (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31).\n\n**N. 11** «Angestammte sprachliche Minderheiten» sind historisch verwurzelte Sprachgruppen in einem bestimmten Gebiet. Der Begriff ist enger als «sprachliche Minderheit» und erfasst nicht neu zugewanderte Sprachgruppen. Dies bestätigte **BGE 122 I 236** für fremdsprachige Zuzüger.\n\n#### Förderung der Verständigung (Abs. 3)\n\n**N. 12** Die Verständigungspflicht richtet sich an Bund und Kantone gleichermassen. Sie ist programmatischer Natur und begründet keine subjektiven Rechte. Ehrenzeller (BSK BV, Art. 70 N. 39) vertritt die Auffassung, dass aus dieser Bestimmung keine materielle Regelungskompetenz des Bundes für den Fremdsprachenunterricht abgeleitet werden kann.\n\n#### Unterstützungspflichten des Bundes (Abs. 4 und 5)\n\n**N. 13** Abs. 4 verpflichtet den Bund zur Unterstützung mehrsprachiger Kantone (Bern, Freiburg, Wallis, Graubünden) bei ihren besonderen Aufgaben. Diese Bestimmung anerkennt die erhöhten Kosten der Mehrsprachigkeit in Verwaltung, Justiz und Bildung.\n\n**N. 14** Abs. 5 enthält eine spezifische Förderungspflicht für das Rätoromanische und Italienische in den Kantonen Graubünden und Tessin. Diese Bestimmung konkretisiert die allgemeine Kulturförderungspflicht des → Art. 69 BV für die bedrohten Landessprachen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Für Bundesbehörden ergibt sich die Pflicht, in allen drei Hauptamtssprachen zu arbeiten. Bundesgesetze, Verordnungen und amtliche Mitteilungen müssen in allen drei Sprachen gleichzeitig veröffentlicht werden. Im Verkehr mit Privaten haben diese das Recht, eine der Amtssprachen zu wählen (**BGE 142 III 521**).\n\n**N. 16** Die Kantone müssen bei der Festlegung ihrer Amtssprachen das Territorialitätsprinzip beachten. Dies bedeutet konkret, dass sie keine willkürlichen Sprachgrenzen ziehen dürfen, sondern die historisch gewachsenen Sprachgebiete respektieren müssen. In der Schulsprache haben die Kantone gemäss **BGE 139 I 229** einen erheblichen Gestaltungsspielraum.\n\n**N. 17** Die Förderungs- und Unterstützungspflichten der Abs. 3–5 sind keine justiziablen Ansprüche. Sie verpflichten den Gesetzgeber, entsprechende Förderprogramme zu schaffen. Das Sprachengesetz vom 5. Oktober 2007 (SpG, SR 441.1) konkretisiert diese Verfassungsaufträge.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** Die zentrale Kontroverse betrifft die Reichweite des Territorialitätsprinzips. Während die traditionelle Lehre (Thürer, ZBl 1984, 241; Biaggini, recht 1997, 112) eine strikte territoriale Zuordnung befürwortet, plädieren neuere Stimmen (Guckelberger, ZBl 2005, 609; Burri/MacLaren, Jusletter 5.11.2007) für eine flexiblere Handhabung angesichts der gestiegenen Mobilität.\n\n**N. 19** Umstritten ist auch die Frage der Schulsprache für Migranten. Achermann/Künzli (Welcome to Switzerland, 2011, 178) fordern ein Recht auf muttersprachlichen Ergänzungsunterricht, während Fleiner (LeGes 1/1991, 93) dies mit Verweis auf das Territorialitätsprinzip ablehnt.\n\n**N. 20** Bei der Auslegung des Begriffs «Rätoromanisch» besteht Uneinigkeit, ob damit Rumantsch Grischun oder die fünf Idiome gemeint sind. **BGE 139 I 229** liess diese Frage bewusst offen und gewährte den Gemeinden Wahlfreiheit. Teile der Doktrin (Wyss, ZSR 1997 I 141) kritisieren diese Unbestimmtheit als rechtsstaatlich problematisch.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei Eingaben an Bundesbehörden können Rechtsuchende frei zwischen den Amtssprachen wählen. Die gewählte Sprache gilt dann für das gesamte Verfahren. Ein Sprachwechsel während des Verfahrens ist nur mit Zustimmung der Behörde möglich.\n\n**N. 22** In mehrsprachigen Kantonen ist die Verfahrenssprache oft durch spezielle Regeln bestimmt. Im Kanton Freiburg etwa kann gemäss **BGE 136 I 149** vor dem Kantonsgericht frei zwischen Deutsch und Französisch gewählt werden, unabhängig von der erstinstanzlichen Verfahrenssprache.\n\n**N. 23** Für die Praxis bedeutsam ist die Übersetzungspflicht. Gemäss **BGE 128 V 34** können kantonale Behörden verlangen, dass Dokumente in die kantonale Amtssprache übersetzt werden. Die Kosten trägt in der Regel die einreichende Partei, es sei denn, es handelt sich um Beweismittel im Strafverfahren.\n\n**N. 24** Unternehmen sollten beachten, dass die Sprachenregelung auch für beliehene Private gilt, die hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Dies betrifft etwa konzessionierte Transportunternehmen oder mit öffentlichen Aufgaben betraute Organisationen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Amtssprachen des Bundes (Abs. 1)\n\n**BGE 131 V 35** (8. Dezember 2004)\nPflicht der Bundesbehörden zur Verwendung der Amtssprache im Verkehr mit den Bürgern.\nDas Bundesgericht stellte klar, dass interne Mitteilungen von Bundesbehörden nicht denselben Sprachanforderungen unterliegen wie die Kommunikation mit Bürgern.\n\n> «Weder der Grundsatz der Gleichwertigkeit der Sprachen noch das Prinzip, wonach die Amtssprache zu gebrauchen ist, verbieten es den Mitarbeitern einer Bundesbehörde (vorliegend der IV-Stelle für Versicherte im Ausland) interne Mitteilungen in einer Landessprache zu verfassen, welche nicht die im Verkehr mit dem betroffenen Bürger verwendete Amtssprache ist.»\n\n**BGE 142 III 521** (7. September 2016)\nVerfahrenssprache vor Bundesgericht bei internationalen Schiedsverfahren.\nDas Bundesgericht bekräftigte, dass trotz englischsprachiger Schiedsentscheide die Beschwerdeverfahren in einer Amtssprache des Bundes zu führen sind.\n\n> «Auch wenn der angefochtene Schiedsentscheid auf Englisch abgefasst wurde, sind die Beschwerdeschrift und allfällige weitere Eingaben der Parteien in einer Amtssprache des Bundes zu verfassen.»\n\n### Kantonale Sprachhoheit und Territorialitätsprinzip (Abs. 2)\n\n**BGE 136 I 149** (18. Januar 2010)\nSprachenfreiheit und Verfahrenssprache in zweisprachigen Kantonen.\nDas Bundesgericht entschied, dass Rechtsuchende in zweisprachigen Kantonen das Recht haben, sich in der Amtssprache ihrer Wahl an die Behörden zu wenden.\n\n> «Art. 17 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Freiburg erlaubt es dem Rechtsuchenden, sich in der Amtssprache seiner Wahl - Französisch oder Deutsch - an das Kantonsgericht zu wenden. Dies gilt unabhängig von der Verfahrenssprache. Das Kantonsgericht darf das Eintreten auf ein Rechtsmittel nicht davon abhängig machen, dass eine in der anderen Amtssprache abgefasste Rechtsschrift in die Verfahrenssprache übersetzt wird.»\n\n**BGE 128 V 34** (11. September 2002)\nTerritorialitätsprinzip und Übersetzungspflicht.\nDer Fall betraf die Übersetzung eines medizinischen Gutachtens von Italienisch ins Französische im Kanton Genf.\n\n> «Im Hinblick auf das sprachliche Territorialitätsprinzip (Art. 70 Abs. 2 BV) ist es durchaus zulässig, dass die kantonale Beschwerdeinstanz von der IV-Stelle eine Übersetzung eines (vorliegend in italienischer Sprache verfassten) MEDAS-Gutachtens in die Amtssprache des Kantons (französisch) verlangt.»\n\n### Rätoromanisch und Sprachenvielfalt\n\n**BGE 139 I 229** (12. Juli 2013)\nSchulsprache in Graubünden: Rumantsch Grischun versus Idiome.\nZentraler Entscheid zur Frage, ob Art. 70 BV einen Anspruch auf Unterricht in rätoromanischen Idiomen statt in Rumantsch Grischun gewährt.\n\n> «Die individuelle Sprachenfreiheit garantiert das Recht, sowohl Rumantsch Grischun als auch ein romanisches Idiom zu sprechen. [...] Der Verfassungsbegriff des 'Rätoromanischen' lässt offen, ob damit 'Rumantsch Grischun' oder die Idiome gemeint sind. [...] Der Beschluss der Regierung [...] berührt den Schutzbereich der Sprachenfreiheit nicht.»\n\n**BGE 141 I 36** (15. Dezember 2014)\nGemeindeautonomie und Schulsprache in Graubünden.\nErgänzungsurteil zu BGE 139 I 229, das die Gemeindeautonomie bei der Sprachenwahl prüfte.\n\n> «Den Gemeinden des Kantons Graubünden kommt bei der Festlegung der Schulsprache eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit und damit Autonomie zu. [...] Die sachlich gerechtfertigte Regelung verletzt die Gemeindeautonomie nicht.»\n\n### Sprachenfreiheit und Territorialitätsprinzip\n\n**BGE 138 I 123** (25. Juli 2012)\nPrivatschulen und Territorialitätsprinzip im Tessin.\nDas Bundesgericht bestätigte die Befugnis der Kantone, für Privatschulen den Unterricht in der Amtssprache zu verlangen.\n\n> «Die Rechtsprechung führt auch die Befugnis der Kantone, für Privatschulen den Unterricht in der Amtssprache obligatorisch zu erklären, auf das Territorialitätsprinzip zurück. Die Möglichkeit der Kantone, unter Einschränkung der Sprachenfreiheit in diesem Sinne zu legiferieren, beruht auf dem Prinzip der Einheit des Sprachgebiets.»\n\n**BGE 122 I 236** (15. Juli 1996)\nSprachenfreiheit und deutschsprachige Schule im Kanton Bern.\nGrundsatzentscheid zum Verhältnis zwischen Sprachenfreiheit und Territorialitätsprinzip bei der Schulsprache.\n\n> «Die Sprachenfreiheit verpflichtet die Gemeinwesen nicht, für neu zugewanderte sprachliche Minderheiten einen Schulunterricht in deren Sprache anzubieten. [...] Das Territorialitätsprinzip rechtfertigt es grundsätzlich, den Schulunterricht in der Amtssprache des betreffenden Gebiets zu erteilen.»\n\n### Historische Entwicklung\n\n**BGE 100 Ia 462** (30. Oktober 1974)\nFrüher Grundsatzentscheid zur Sprachenfreiheit als ungeschriebenem Verfassungsrecht.\nWegweisende Rechtsprechung vor der ausdrücklichen Kodifizierung der Sprachenfreiheit.\n\n> «Sprachenfreiheit als ungeschriebenes Grundrecht der Bundesverfassung; kantonale Kompetenz zur Ordnung der Unterrichtssprache in den öffentlichen Schulen; Territorialitätsprinzip. [...] Das Territorialitätsprinzip gilt auch für den Unterricht an staatlichen Schulen.»\n\n**BGE 121 I 196** (3. Mai 1995)\nVerfahrenssprache im Strafverfahren im Kanton Freiburg.\nAbwägung zwischen Sprachenfreiheit und Territorialitätsprinzip in der Strafrechtspflege.\n\n> «Grundlagen und Tragweite der Sprachenfreiheit und des Territorialitätsprinzips nach dem Verfassungsrecht des Bundes und des Kantons Freiburg. [...] Abwägung von Sprachenfreiheit und Territorialitätsprinzip und der sich entgegenstehenden Interessen der Rechtspflege.»", "summary_fr": "# Art. 70 — Langues\n\n## Aperçu\n\nL'art. 70 Cst. règle les langues officielles en Suisse et les obligations de promotion de la diversité linguistique. La disposition fixe quelles langues les autorités fédérales doivent utiliser et comment les cantons doivent gérer leur diversité linguistique.\n\n**Langues officielles de la Confédération :** La Confédération a trois langues officielles à égalité de droits : l'allemand, le français et l'italien. Cette égalité de droits signifie selon **BGE 131 V 35** que toutes les autorités fédérales doivent pouvoir communiquer avec les citoyens dans ces langues. Le romanche n'est qu'une langue officielle restreinte — elle ne vaut que lorsque la Confédération traite avec des personnes de langue romanche.\n\n**Souveraineté cantonale en matière linguistique :** Les cantons déterminent eux-mêmes quelles langues ils utilisent comme langues officielles. Cette liberté a toutefois des limites : ils doivent respecter le principe dit de territorialité (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31). Cela signifie qu'ils ne peuvent pas modifier arbitrairement les territoires linguistiques traditionnels. Une région germanophone ne peut pas soudainement devenir francophone. En outre, ils doivent tenir compte des minorités linguistiques autochtones — mais pas des nouveaux immigrants, comme l'a précisé **BGE 122 I 236**.\n\n**Exemple pratique :** Une famille italophone déménage à Berne. Les enfants n'ont pas droit à un enseignement en italien, car Berne est une région germanophone. Il en irait différemment si la même famille déménageait dans la Poschiavo historiquement italophone des Grisons — là, la langue italienne devrait être respectée.\n\n**Promotion et soutien :** La Confédération et les cantons doivent activement promouvoir l'entente entre les groupes linguistiques. La Confédération a en outre des obligations particulières de soutien : elle doit soutenir les cantons plurilingues (comme Berne ou les Grisons) pour leurs coûts supplémentaires. Pour le romanche menacé et l'italien au Tessin, il existe des fonds de promotion spéciaux.\n\nL'histoire de la genèse montre selon le message **FF 1997 I 314** que la Constitution veut honorer le plurilinguisme comme « caractéristique essentielle de l'État fédéral ». L'art. 70 Cst. protège ainsi tant les grands groupes linguistiques que les langues nationales plus petites contre la disparition.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 70 Cst. trouve ses racines dans l'art. 116 Cst. 1874, qui ancrait pour la première fois constitutionnellement la diversité linguistique de la Suisse. La révision totale de 1999 a apporté une refonte complète des dispositions linguistiques. Comme l'expose le message du 20 novembre 1996 sur une nouvelle Constitution fédérale, « la nouvelle norme linguistique doit honorer le plurilinguisme comme caractéristique essentielle de l'État fédéral et fixer des obligations concrètes pour la Confédération et les cantons » (FF 1997 I 308).\n\n**N. 2** Les délibérations parlementaires ont été marquées par le débat sur l'enseignement des langues. Le Conseil national a rejeté une proposition de minorité qui voulait prescrire aux cantons d'enseigner une langue nationale comme deuxième langue à l'école (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 13). La version définitive laisse délibérément cette question à la souveraineté cantonale en matière d'instruction publique.\n\n**N. 3** L'inscription explicite du romanche comme langue officielle de la Confédération dans les rapports avec les personnes de langue romanche (al. 1 phr. 2) constitue une innovation importante par rapport à l'ancienne Constitution. Cette disposition reconnaît le statut particulier de la quatrième langue nationale et renforce sa protection constitutionnelle.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 70 Cst. forme, avec → l'art. 4 Cst. (langues nationales) et → l'art. 18 Cst. (liberté de la langue), le noyau constitutionnel du droit suisse des langues. La norme est systématiquement placée dans le 1er chapitre « Statut de la Confédération et des cantons », ce qui souligne sa dimension de droit de l'organisation de l'État (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 1).\n\n**N. 5** Le lien avec → l'art. 8 al. 2 Cst. (interdiction de discrimination fondée sur la langue) est évident. D'autres renvois existent vers → l'art. 69 Cst. (encouragement de la culture), → l'art. 31 al. 2 Cst. (liberté de la langue en cas de privation de liberté) et → l'art. 175 al. 4 Cst. (représentation linguistique au Conseil fédéral).\n\n**N. 6** Dans le contexte international, la Charte européenne des langues régionales ou minoritaires, que la Suisse a ratifiée en 1997, revêt de l'importance. Les art. 5 et 6 CEDH ne contiennent certes pas de droits linguistiques explicites, mais la CourEDH a déduit de l'interdiction de discrimination (art. 14 CEDH) des obligations de protection linguistique.\n\n### 3. Éléments constitutifs / contenu normatif\n\n#### Langues officielles de la Confédération (al. 1)\n\n**N. 7** Les trois langues officielles principales allemand, français et italien sont à égalité de droits. Cette égalité signifie que les autorités fédérales sont tenues de communiquer dans les trois langues. **ATF 131 V 35** a toutefois précisé que cette obligation ne vaut que pour la communication externe avec les citoyens, non pour les communications internes aux autorités.\n\n**N. 8** Le romanche a un statut particulier : il n'est langue officielle que dans les rapports directs avec les personnes de langue romanche. Cette règle liée aux personnes tient compte de la faiblesse numérique de la quatrième langue nationale, mais garantit en même temps aux personnes de langue romanche le droit de communiquer dans leur langue maternelle avec les autorités fédérales.\n\n#### Souveraineté cantonale en matière linguistique (al. 2)\n\n**N. 9** Les cantons déterminent leurs langues officielles de manière autonome. Cette compétence découle de la souveraineté cantonale et permet des solutions différenciées. Les limites de cette autonomie résident dans le principe de territorialité et la protection des minorités.\n\n**N. 10** Le principe de territorialité sert, selon la jurisprudence constante depuis **ATF 100 Ia 462**, à conserver les aires de répartition traditionnelles des langues nationales. La doctrine est divisée sur sa portée exacte : Papaux (FZR 2002, 157) souligne la séparation stricte des territoires linguistiques pour préserver l'homogénéité, tandis que Müller/Schefer (Grundrechte, 4e éd. 2008, 326) mettent au premier plan la paix linguistique et la cohésion sociale (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31).\n\n**N. 11** Les « minorités linguistiques traditionnelles » sont des groupes linguistiques historiquement enracinés dans une région déterminée. Le concept est plus étroit que « minorité linguistique » et ne couvre pas les groupes linguistiques nouvellement immigrés. L'**ATF 122 I 236** l'a confirmé pour les immigrants de langue étrangère.\n\n#### Encouragement de la compréhension (al. 3)\n\n**N. 12** L'obligation d'encourager la compréhension s'adresse aussi bien à la Confédération qu'aux cantons. Elle est de nature programmatoire et ne fonde pas de droits subjectifs. Ehrenzeller (BSK BV, Art. 70 N. 39) soutient qu'aucune compétence matérielle de réglementation de la Confédération pour l'enseignement des langues étrangères ne peut être déduite de cette disposition.\n\n#### Obligations de soutien de la Confédération (al. 4 et 5)\n\n**N. 13** L'al. 4 oblige la Confédération à soutenir les cantons plurilingues (Berne, Fribourg, Valais, Grisons) dans leurs tâches particulières. Cette disposition reconnaît les coûts accrus du plurilinguisme dans l'administration, la justice et la formation.\n\n**N. 14** L'al. 5 contient une obligation d'encouragement spécifique pour le romanche et l'italien dans les cantons des Grisons et du Tessin. Cette disposition concrétise l'obligation générale d'encouragement culturel de → l'art. 69 Cst. pour les langues nationales menacées.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 15** Pour les autorités fédérales découle l'obligation de travailler dans les trois langues officielles principales. Les lois fédérales, ordonnances et communications officielles doivent être publiées simultanément dans les trois langues. Dans les rapports avec les particuliers, ceux-ci ont le droit de choisir une des langues officielles (**ATF 142 III 521**).\n\n**N. 16** Les cantons doivent respecter le principe de territorialité lors de la fixation de leurs langues officielles. Concrètement, cela signifie qu'ils ne peuvent pas tracer de frontières linguistiques arbitraires, mais doivent respecter les territoires linguistiques historiquement développés. En matière de langue d'enseignement, les cantons disposent selon **ATF 139 I 229** d'une marge d'appréciation considérable.\n\n**N. 17** Les obligations d'encouragement et de soutien des al. 3–5 ne sont pas des prétentions justiciables. Elles obligent le législateur à créer des programmes d'encouragement correspondants. La loi sur les langues du 5 octobre 2007 (LLC, RS 441.1) concrétise ces mandats constitutionnels.\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 18** La controverse centrale concerne la portée du principe de territorialité. Tandis que la doctrine traditionnelle (Thürer, ZBl 1984, 241 ; Biaggini, recht 1997, 112) préconise une attribution territoriale stricte, des voix plus récentes (Guckelberger, ZBl 2005, 609 ; Burri/MacLaren, Jusletter 5.11.2007) plaident pour une application plus flexible compte tenu de la mobilité accrue.\n\n**N. 19** La question de la langue d'enseignement pour les migrants est également controversée. Achermann/Künzli (Welcome to Switzerland, 2011, 178) revendiquent un droit à un enseignement complémentaire dans la langue maternelle, tandis que Fleiner (LeGes 1/1991, 93) le rejette en se référant au principe de territorialité.\n\n**N. 20** Dans l'interprétation du concept « romanche », il y a désaccord sur la question de savoir s'il faut entendre par là le rumantsch grischun ou les cinq idiomes. L'**ATF 139 I 229** a délibérément laissé cette question ouverte et accordé aux communes la liberté de choix. Une partie de la doctrine (Wyss, ZSR 1997 I 141) critique cette indétermination comme problématique du point de vue de l'État de droit.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Lors de requêtes aux autorités fédérales, les justiciables peuvent choisir librement entre les langues officielles. La langue choisie vaut alors pour toute la procédure. Un changement de langue pendant la procédure n'est possible qu'avec l'accord de l'autorité.\n\n**N. 22** Dans les cantons plurilingues, la langue de la procédure est souvent déterminée par des règles spéciales. Dans le canton de Fribourg par exemple, selon **ATF 136 I 149**, on peut choisir librement entre l'allemand et le français devant le Tribunal cantonal, indépendamment de la langue de la procédure de première instance.\n\n**N. 23** Pour la pratique, l'obligation de traduction est significative. Selon **ATF 128 V 34**, les autorités cantonales peuvent exiger que les documents soient traduits dans la langue officielle cantonale. Les coûts sont en règle générale supportés par la partie qui soumet les documents, sauf s'il s'agit de moyens de preuve en procédure pénale.\n\n**N. 24** Les entreprises doivent noter que la réglementation linguistique vaut aussi pour les personnes privées investies de tâches publiques qui exercent des tâches souveraines. Cela concerne par exemple les entreprises de transport concessionnaires ou les organisations chargées de tâches publiques.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Langues officielles de la Confédération (al. 1)\n\n**BGE 131 V 35** (8 décembre 2004)\nObligation des autorités fédérales d'utiliser la langue officielle dans les rapports avec les citoyens.\nLe Tribunal fédéral a précisé que les communications internes des autorités fédérales ne sont pas soumises aux mêmes exigences linguistiques que la communication avec les citoyens.\n\n> « Ni le principe de l'égalité des langues ni le principe selon lequel la langue officielle doit être employée n'interdisent aux collaborateurs d'une autorité fédérale (en l'espèce l'office AI pour les assurés à l'étranger) de rédiger des communications internes dans une langue nationale qui n'est pas la langue officielle utilisée dans les rapports avec le citoyen concerné. »\n\n**BGE 142 III 521** (7 septembre 2016)\nLangue de procédure devant le Tribunal fédéral dans les procédures d'arbitrage international.\nLe Tribunal fédéral a confirmé que malgré les sentences arbitrales en anglais, les procédures de recours doivent se dérouler dans une langue officielle de la Confédération.\n\n> « Même si la sentence arbitrale attaquée a été rédigée en anglais, l'acte de recours et les éventuelles autres écritures des parties doivent être rédigées dans une langue officielle de la Confédération. »\n\n### Souveraineté cantonale en matière linguistique et principe de territorialité (al. 2)\n\n**BGE 136 I 149** (18 janvier 2010)\nLiberté de la langue et langue de procédure dans les cantons bilingues.\nLe Tribunal fédéral a décidé que les justiciables dans les cantons bilingues ont le droit de s'adresser aux autorités dans la langue officielle de leur choix.\n\n> « L'art. 17 al. 2 de la Constitution du canton de Fribourg permet au justiciable de s'adresser au Tribunal cantonal dans la langue officielle de son choix - français ou allemand. Ceci vaut indépendamment de la langue de procédure. Le Tribunal cantonal ne peut pas conditionner l'entrée en matière sur un moyen de droit au fait qu'un acte de procédure rédigé dans l'autre langue officielle soit traduit dans la langue de procédure. »\n\n**BGE 128 V 34** (11 septembre 2002)\nPrincipe de territorialité et obligation de traduction.\nL'affaire concernait la traduction d'une expertise médicale de l'italien au français dans le canton de Genève.\n\n> « Au vu du principe de territorialité linguistique (art. 70 al. 2 Cst.), il est parfaitement admissible que l'instance cantonale de recours exige de l'office AI une traduction d'une expertise MEDAS (rédigée en l'espèce en italien) dans la langue officielle du canton (français). »\n\n### Romanche et diversité linguistique\n\n**BGE 139 I 229** (12 juillet 2013)\nLangue scolaire aux Grisons : rumantsch grischun versus idiomes.\nDécision centrale sur la question de savoir si l'art. 70 Cst. garantit un droit à l'enseignement dans les idiomes romanches plutôt qu'en rumantsch grischun.\n\n> « La liberté individuelle de la langue garantit le droit de parler tant le rumantsch grischun qu'un idiome romanche. [...] La notion constitutionnelle de 'romanche' laisse ouverte la question de savoir s'il faut entendre par là le 'rumantsch grischun' ou les idiomes. [...] La décision du gouvernement [...] ne touche pas le domaine de protection de la liberté de la langue. »\n\n**BGE 141 I 36** (15 décembre 2014)\nAutonomie communale et langue scolaire aux Grisons.\nArrêt complémentaire à BGE 139 I 229, qui a examiné l'autonomie communale dans le choix de la langue.\n\n> « Les communes du canton des Grisons jouissent d'une liberté de décision relativement importante et donc d'une autonomie lors de la fixation de la langue scolaire. [...] La réglementation objectivement justifiée ne viole pas l'autonomie communale. »\n\n### Liberté de la langue et principe de territorialité\n\n**BGE 138 I 123** (25 juillet 2012)\nÉcoles privées et principe de territorialité au Tessin.\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence des cantons d'exiger pour les écoles privées l'enseignement dans la langue officielle.\n\n> « La jurisprudence rattache également au principe de territorialité la compétence des cantons de déclarer obligatoire pour les écoles privées l'enseignement dans la langue officielle. La possibilité pour les cantons de légiférer en ce sens en restreignant la liberté de la langue se fonde sur le principe de l'unité du territoire linguistique. »\n\n**BGE 122 I 236** (15 juillet 1996)\nLiberté de la langue et école de langue allemande dans le canton de Berne.\nDécision de principe sur le rapport entre liberté de la langue et principe de territorialité en matière de langue scolaire.\n\n> « La liberté de la langue n'oblige pas les collectivités publiques à offrir aux nouvelles minorités linguistiques immigrées un enseignement scolaire dans leur langue. [...] Le principe de territorialité justifie en principe de dispenser l'enseignement scolaire dans la langue officielle du territoire concerné. »\n\n### Développement historique\n\n**BGE 100 Ia 462** (30 octobre 1974)\nAncienne décision de principe sur la liberté de la langue comme droit constitutionnel non écrit.\nJurisprudence déterminante avant la codification expresse de la liberté de la langue.\n\n> « Liberté de la langue comme droit fondamental non écrit de la Constitution fédérale ; compétence cantonale pour régler la langue d'enseignement dans les écoles publiques ; principe de territorialité. [...] Le principe de territorialité vaut aussi pour l'enseignement dans les écoles publiques. »\n\n**BGE 121 I 196** (3 mai 1995)\nLangue de procédure dans la procédure pénale dans le canton de Fribourg.\nPesée entre liberté de la langue et principe de territorialité dans la justice pénale.\n\n> « Fondements et portée de la liberté de la langue et du principe de territorialité selon le droit constitutionnel de la Confédération et du canton de Fribourg. [...] Pesée entre la liberté de la langue et le principe de territorialité et les intérêts opposés de la justice. »", "summary_it": "# Art. 70 — Lingue\n\n## Panoramica\n\nL'art. 70 Cost. disciplina le lingue ufficiali in Svizzera e gli obblighi di promozione della diversità linguistica. La disposizione stabilisce quali lingue devono essere utilizzate dalle autorità federali e come i Cantoni devono gestire la loro diversità linguistica.\n\n**Lingue ufficiali della Confederazione:** La Confederazione ha tre lingue ufficiali paritarie: tedesco, francese e italiano. Questa parità significa secondo la **BGE 131 V 35** che tutte le autorità federali devono poter comunicare con i cittadini in queste lingue. Il romancio è solo una lingua ufficiale limitata — vale solo quando la Confederazione intrattiene rapporti con persone di lingua romancia.\n\n**Sovranità linguistica cantonale:** I Cantoni stabiliscono autonomamente quali lingue utilizzare come lingue ufficiali. Questa libertà ha però dei limiti: devono rispettare il cosiddetto principio di territorialità (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31). Ciò significa che non possono modificare arbitrariamente le aree linguistiche tradizionali. Un territorio di lingua tedesca non può improvvisamente diventare di lingua francese. Inoltre devono tenere conto delle minoranze linguistiche tradizionali — non però dei nuovi immigrati, come ha chiarito la **BGE 122 I 236**.\n\n**Esempio pratico:** Una famiglia di lingua italiana si trasferisce a Berna. I figli non hanno diritto all'insegnamento in italiano, perché Berna è territorio di lingua tedesca. Diverso sarebbe se la stessa famiglia si trasferisse nella Valposchiavo storicamente italiana nei Grigioni — lì la lingua italiana dovrebbe essere rispettata.\n\n**Promozione e sostegno:** Confederazione e Cantoni devono promuovere attivamente la comprensione tra i gruppi linguistici. La Confederazione ha inoltre speciali obblighi di sostegno: deve sostenere i Cantoni plurilingui (come Berna o i Grigioni) nei loro costi aggiuntivi. Per il romancio minacciato e l'italiano nel Ticino esistono fondi speciali di promozione.\n\nLa storia della genesi mostra secondo il messaggio **BBl 1997 I 314** che la Costituzione vuole onorare il plurilinguismo come «caratteristica essenziale dello Stato federale». L'art. 70 Cost. protegge così sia i grandi gruppi linguistici che le lingue nazionali più piccole dalla scomparsa.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 70 Cost. ha le sue radici nell'art. 116 Cost. 1874, che per la prima volta ancorò costituzionalmente la diversità linguistica della Svizzera. La revisione totale del 1999 portò una riformulazione completa delle disposizioni linguistiche. Come espone il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996, «la nuova norma linguistica deve onorare il plurilinguismo come caratteristica essenziale dello Stato federale e stabilire obblighi concreti per Confederazione e Cantoni» (FF 1997 I 315).\n\n**N. 2** Il dibattito parlamentare fu caratterizzato dalla discussione sull'insegnamento delle lingue. Il Consiglio nazionale respinse una proposta di minoranza che voleva prescrivere ai Cantoni di insegnare a scuola una lingua nazionale come seconda lingua (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 13). La versione definitiva lascia deliberatamente questa questione alla sovranità cantonale in materia di formazione.\n\n**N. 3** L'esplicita inclusione del romancio come lingua ufficiale della Confederazione nei rapporti con persone di lingua romancia (cpv. 1 frase 2) costituisce un'importante novità rispetto alla vecchia costituzione. Questa disposizione riconosce la posizione particolare della quarta lingua nazionale e rafforza la sua protezione costituzionale.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 70 Cost. forma insieme all'→ art. 4 Cost. (lingue nazionali) e all'→ art. 18 Cost. (libertà di lingua) il nucleo costituzionale del diritto linguistico svizzero. La norma è sistematicamente collocata nel 1° capitolo «Posizione di Confederazione e Cantoni», il che sottolinea la sua dimensione di diritto dell'organizzazione statale (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 1).\n\n**N. 5** Il collegamento con l'→ art. 8 cpv. 2 Cost. (divieto di discriminazione a causa della lingua) è evidente. Ulteriori rimandi incrociati esistono con l'→ art. 69 Cost. (promozione della cultura), l'→ art. 31 cpv. 2 Cost. (libertà di lingua nella privazione della libertà) e l'→ art. 175 cpv. 4 Cost. (rappresentanza linguistica nel Consiglio federale).\n\n**N. 6** Nel contesto internazionale è rilevante la Carta europea delle lingue regionali o minoritarie, che la Svizzera ha ratificato nel 1997. Gli art. 5 e 6 CEDU non contengono diritti linguistici espliciti, ma la Corte EDU ha derivato dal divieto di discriminazione (art. 14 CEDU) obblighi di protezione linguistica.\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Lingue ufficiali della Confederazione (cpv. 1)\n\n**N. 7** Le tre lingue ufficiali principali tedesco, francese e italiano sono equiparate. Questa equiparazione significa che le autorità federali sono obbligate a comunicare in tutte e tre le lingue. La **DTF 131 V 35** ha tuttavia precisato che questo obbligo vale solo per la comunicazione esterna con i cittadini, non per le comunicazioni interne all'autorità.\n\n**N. 8** Il romancio ha una posizione particolare: è lingua ufficiale solo nei rapporti diretti con persone di lingua romancia. Questa disciplina riferita alle persone tiene conto della debolezza numerica della quarta lingua nazionale, ma garantisce al contempo alle persone di lingua romancia il diritto di comunicare nella loro lingua madre con le autorità federali.\n\n#### Sovranità linguistica cantonale (cpv. 2)\n\n**N. 9** I Cantoni determinano autonomamente le loro lingue ufficiali. Questa competenza è emanazione della sovranità cantonale e consente soluzioni differenziate. I limiti di questa autonomia risiedono nel principio della territorialità e nella protezione delle minoranze.\n\n**N. 10** Il principio della territorialità serve secondo la giurisprudenza costante dalla **DTF 100 Ia 462** alla conservazione delle aree di diffusione tradizionali delle lingue nazionali. La dottrina è divisa sulla sua portata esatta: Papaux (FZR 2002, 157) sottolinea la rigorosa separazione delle aree linguistiche per mantenere l'omogenità, mentre Müller/Schefer (Grundrechte, 4a ed. 2008, 326) pongono in primo piano la pace linguistica e la coesione sociale (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31).\n\n**N. 11** Le «minoranze linguistiche autoctone» sono gruppi linguistici storicamente radicati in una determinata area. Il concetto è più ristretto di «minoranza linguistica» e non comprende i gruppi linguistici immigrati di recente. Ciò fu confermato dalla **DTF 122 I 236** per gli immigrati di lingua straniera.\n\n#### Promozione della comprensione (cpv. 3)\n\n**N. 12** L'obbligo di comprensione si rivolge ugualmente a Confederazione e Cantoni. Ha natura programmatica e non fonda diritti soggettivi. Ehrenzeller (BSK BV, Art. 70 N. 39) sostiene che da questa disposizione non può essere derivata alcuna competenza materiale di disciplinamento della Confederazione per l'insegnamento delle lingue straniere.\n\n#### Obblighi di sostegno della Confederazione (cpv. 4 e 5)\n\n**N. 13** Il cpv. 4 obbliga la Confederazione a sostenere i Cantoni plurilingui (Berna, Friborgo, Vallese, Grigioni) nei loro compiti particolari. Questa disposizione riconosce i costi maggiori del plurilinguismo nell'amministrazione, nella giustizia e nella formazione.\n\n**N. 14** Il cpv. 5 contiene un obbligo specifico di promozione per il romancio e l'italiano nei Cantoni Grigioni e Ticino. Questa disposizione concretizza l'obbligo generale di promozione della cultura dell'→ art. 69 Cost. per le lingue nazionali minacciate.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** Per le autorità federali deriva l'obbligo di lavorare in tutte e tre le lingue ufficiali principali. Leggi federali, ordinanze e comunicazioni ufficiali devono essere pubblicate simultaneamente in tutte e tre le lingue. Nei rapporti con i privati, questi hanno il diritto di scegliere una delle lingue ufficiali (**DTF 142 III 521**).\n\n**N. 16** I Cantoni devono rispettare il principio della territorialità nella determinazione delle loro lingue ufficiali. Ciò significa concretamente che non possono tracciare confini linguistici arbitrari, ma devono rispettare le aree linguistiche storicamente cresciute. Nella lingua scolastica i Cantoni hanno secondo la **DTF 139 I 229** un considerevole margine di configurazione.\n\n**N. 17** Gli obblighi di promozione e sostegno dei cpv. 3-5 non sono pretese giustiziabili. Essi obbligano il legislatore a creare corrispondenti programmi di promozione. La legge sulle lingue del 5 ottobre 2007 (LLing, RS 441.1) concretizza questi mandati costituzionali.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 18** La controversia centrale riguarda la portata del principio della territorialità. Mentre la dottrina tradizionale (Thürer, ZBl 1984, 241; Biaggini, recht 1997, 112) favorisce un'attribuzione territoriale rigorosa, voci più recenti (Guckelberger, ZBl 2005, 609; Burri/MacLaren, Jusletter 5.11.2007) propugnano una gestione più flessibile alla luce della maggiore mobilità.\n\n**N. 19** È anche controversa la questione della lingua scolastica per i migranti. Achermann/Künzli (Welcome to Switzerland, 2011, 178) rivendicano un diritto all'insegnamento complementare nella lingua madre, mentre Fleiner (LeGes 1/1991, 93) lo respinge con riferimento al principio della territorialità.\n\n**N. 20** Nell'interpretazione del concetto di «romancio» sussiste disaccordo se con ciò si intenda il Rumantsch Grischun o i cinque idiomi. La **DTF 139 I 229** lasciò deliberatamente aperta questa questione e concesse libertà di scelta ai comuni. Parti della dottrina (Wyss, ZSR 1997 I 141) criticano questa indeterminatezza come problematica dal punto di vista dello Stato di diritto.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Negli atti inoltrati alle autorità federali, i ricorrenti possono scegliere liberamente tra le lingue ufficiali. La lingua scelta vale poi per l'intero procedimento. Un cambio di lingua durante il procedimento è possibile solo con il consenso dell'autorità.\n\n**N. 22** Nei Cantoni plurilingui la lingua processuale è spesso determinata da regole speciali. Nel Canton Friborgo ad esempio, secondo la **DTF 136 I 149**, davanti al Tribunale cantonale si può scegliere liberamente tra tedesco e francese, indipendentemente dalla lingua processuale di prima istanza.\n\n**N. 23** Per la pratica è significativo l'obbligo di traduzione. Secondo la **DTF 128 V 34**, le autorità cantonali possono esigere che i documenti siano tradotti nella lingua ufficiale cantonale. I costi sono di regola a carico della parte che inoltra, salvo che si tratti di mezzi di prova nel procedimento penale.\n\n**N. 24** Le imprese dovrebbero considerare che la disciplina linguistica vale anche per i privati investiti di pubblici poteri che svolgono compiti sovrani. Ciò riguarda ad esempio imprese di trasporto concessionarie o organizzazioni incaricate di compiti pubblici.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Lingue ufficiali della Confederazione (cpv. 1)\n\n**DTF 131 V 35** (8 dicembre 2004)\nObbligo delle autorità federali di utilizzare la lingua ufficiale nei rapporti con i cittadini.\nIl Tribunale federale ha chiarito che le comunicazioni interne delle autorità federali non sottostanno agli stessi requisiti linguistici della comunicazione con i cittadini.\n\n> «Né il principio della parità delle lingue né il principio secondo il quale si deve utilizzare la lingua ufficiale vietano ai collaboratori di un'autorità federale (nel caso concreto l'ufficio AI per assicurati all'estero) di redigere comunicazioni interne in una lingua nazionale che non sia la lingua ufficiale utilizzata nei rapporti con il cittadino interessato.»\n\n**DTF 142 III 521** (7 settembre 2016)\nLingua processuale davanti al Tribunale federale nei procedimenti arbitrali internazionali.\nIl Tribunale federale ha confermato che nonostante i lodi arbitrali in inglese, i procedimenti di ricorso devono essere condotti in una lingua ufficiale della Confederazione.\n\n> «Anche se il lodo arbitrale impugnato è stato redatto in inglese, il ricorso ed eventuali altre argomentazioni delle parti devono essere redatti in una lingua ufficiale della Confederazione.»\n\n### Sovranità linguistica cantonale e principio di territorialità (cpv. 2)\n\n**DTF 136 I 149** (18 gennaio 2010)\nLibertà linguistica e lingua processuale nei cantoni bilingui.\nIl Tribunale federale ha deciso che i soggetti di diritto nei cantoni bilingui hanno il diritto di rivolgersi alle autorità nella lingua ufficiale di loro scelta.\n\n> «L'art. 17 cpv. 2 della Costituzione del Cantone Friburgo permette al soggetto di diritto di rivolgersi al Tribunale cantonale nella lingua ufficiale di sua scelta - francese o tedesco. Ciò vale indipendentemente dalla lingua processuale. Il Tribunale cantonale non può subordinare l'entrata in materia su un rimedio giuridico alla traduzione di uno scritto processuale redatto nell'altra lingua ufficiale nella lingua processuale.»\n\n**DTF 128 V 34** (11 settembre 2002)\nPrincipio di territorialità e obbligo di traduzione.\nIl caso riguardava la traduzione di una perizia medica dall'italiano al francese nel Cantone Ginevra.\n\n> «In considerazione del principio linguistico di territorialità (art. 70 cpv. 2 Cost.), è del tutto ammissibile che l'istanza cantonale di ricorso richieda all'ufficio AI la traduzione di una perizia MEDAS (nel caso concreto redatta in italiano) nella lingua ufficiale del cantone (francese).»\n\n### Romancio e diversità linguistica\n\n**DTF 139 I 229** (12 luglio 2013)\nLingua scolastica nei Grigioni: Rumantsch Grischun versus idiomi.\nDecisione centrale sulla questione se l'art. 70 Cost. garantisca un diritto all'insegnamento negli idiomi retoromanici invece che in Rumantsch Grischun.\n\n> «La libertà linguistica individuale garantisce il diritto di parlare sia il Rumantsch Grischun sia un idioma romanico. [...] Il concetto costituzionale di 'retoromanico' lascia aperta la questione se con ciò si intenda 'Rumantsch Grischun' o gli idiomi. [...] La decisione del Governo [...] non tocca l'ambito di protezione della libertà linguistica.»\n\n**DTF 141 I 36** (15 dicembre 2014)\nAutonomia comunale e lingua scolastica nei Grigioni.\nSentenza complementare al DTF 139 I 229, che ha esaminato l'autonomia comunale nella scelta della lingua.\n\n> «Ai Comuni del Cantone Grigioni spetta una libertà di decisione relativamente considerevole e quindi autonomia nella determinazione della lingua scolastica. [...] La regolamentazione giustificata dal punto di vista materiale non viola l'autonomia comunale.»\n\n### Libertà linguistica e principio di territorialità\n\n**DTF 138 I 123** (25 luglio 2012)\nScuole private e principio di territorialità nel Ticino.\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza dei cantoni di richiedere alle scuole private l'insegnamento nella lingua ufficiale.\n\n> «La giurisprudenza riconduce anche la competenza dei cantoni di dichiarare obbligatorio per le scuole private l'insegnamento nella lingua ufficiale al principio di territorialità. La possibilità per i cantoni di legiferare in questo senso con limitazione della libertà linguistica si basa sul principio dell'unità del territorio linguistico.»\n\n**DTF 122 I 236** (15 luglio 1996)\nLibertà linguistica e scuola di lingua tedesca nel Cantone Berna.\nDecisione di principio sul rapporto tra libertà linguistica e principio di territorialità per la lingua scolastica.\n\n> «La libertà linguistica non obbliga le collettività pubbliche a offrire un insegnamento scolastico nella loro lingua per le minoranze linguistiche di recente immigrazione. [...] Il principio di territorialità giustifica in linea di principio l'impartizione dell'insegnamento scolastico nella lingua ufficiale del territorio interessato.»\n\n### Sviluppo storico\n\n**DTF 100 Ia 462** (30 ottobre 1974)\nPrima decisione di principio sulla libertà linguistica come diritto costituzionale non scritto.\nGiurisprudenza pionieristica prima della codificazione esplicita della libertà linguistica.\n\n> «Libertà linguistica come diritto fondamentale non scritto della Costituzione federale; competenza cantonale per l'ordinamento della lingua d'insegnamento nelle scuole pubbliche; principio di territorialità. [...] Il principio di territorialità vale anche per l'insegnamento nelle scuole statali.»\n\n**DTF 121 I 196** (3 maggio 1995)\nLingua processuale nel procedimento penale nel Cantone Friburgo.\nPonderazione tra libertà linguistica e principio di territorialità nell'amministrazione della giustizia penale.\n\n> «Fondamenti e portata della libertà linguistica e del principio di territorialità secondo il diritto costituzionale della Confederazione e del Cantone Friburgo. [...] Ponderazione di libertà linguistica e principio di territorialità e degli interessi contrastanti dell'amministrazione della giustizia.»", "summary_en": "# Art. 70 — Languages\n\n## Overview\n\nArt. 70 BV regulates the official languages in Switzerland and the obligations to promote linguistic diversity. The provision determines which languages federal authorities must use and how cantons should handle their linguistic diversity.\n\n**Official languages of the Confederation:** The Confederation has three equal official languages: German, French and Italian. According to **BGE 131 V 35**, this equality means that all federal authorities must be able to communicate with citizens in these languages. Romansh is only a limited official language — it applies only when the Confederation deals with Romansh-speaking persons.\n\n**Cantonal linguistic sovereignty:** The cantons determine themselves which languages they use as official languages. However, this freedom has limits: They must observe the so-called territoriality principle (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31). This means they may not arbitrarily change traditional linguistic areas. A German-speaking area may not suddenly become French-speaking. Moreover, they must take account of traditional linguistic minorities — but not of new immigrants, as **BGE 122 I 236** clarified.\n\n**Practical example:** An Italian-speaking family moves to Bern. The children have no right to Italian-language instruction, because Bern is a German-speaking area. It would be different if the same family moved to the historically Italian-speaking Poschiavo in Grisons — there the Italian language would have to be respected.\n\n**Promotion and support:** The Confederation and the cantons must actively promote understanding between the linguistic groups. The Confederation also has special support obligations: It must support multilingual cantons (such as Bern or Grisons) with their additional costs. There are special subsidies for endangered Romansh and Italian in Ticino.\n\nThe legislative history shows according to the Federal Council Message **BBl 1997 I 314** that the Constitution wants to honour multilingualism as an «essential characteristic of the federal state». Art. 70 BV thus protects both the large linguistic groups and the smaller national languages from disappearing.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 70 FC has its roots in Art. 116 FC 1874, which first enshrined Switzerland's linguistic diversity in constitutional law. The total revision of 1999 brought a comprehensive revision of the language provisions. As the Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 states, «the new language provision is intended to honour multilingualism as an essential characteristic of the federal state and to establish concrete obligations for the Confederation and the cantons» (BBl 1997 I 314).\n\n**N. 2** The parliamentary deliberations were characterised by the debate on language teaching. The National Council rejected a minority motion that would have required the cantons to teach a national language as a second language in schools (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 13). The definitive version deliberately leaves this question to cantonal educational sovereignty.\n\n**N. 3** The explicit inclusion of Romansh as an official language of the Confederation in dealings with Romansh-speaking persons (para. 1 sentence 2) represents a significant innovation compared to the old constitution. This provision recognises the special position of the fourth national language and strengthens its constitutional protection.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 70 FC, together with → Art. 4 FC (National languages) and → Art. 18 FC (Language freedom), forms the constitutional core of Swiss language law. The provision is systematically placed in Chapter 1 «Status of Confederation and Cantons», which emphasises its state organisational dimension (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 1).\n\n**N. 5** The connection to → Art. 8 para. 2 FC (Prohibition of discrimination based on language) is obvious. Further cross-references exist to → Art. 69 FC (Cultural promotion), → Art. 31 para. 2 FC (Language freedom in detention) and → Art. 175 para. 4 FC (Linguistic representation in the Federal Council).\n\n**N. 6** In the international context, the European Charter for Regional or Minority Languages, which Switzerland ratified in 1997, is of significance. Although Arts. 5 and 6 ECHR contain no explicit language rights, the ECtHR has derived linguistic protection obligations from the prohibition of discrimination (Art. 14 ECHR).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Official Languages of the Confederation (Para. 1)\n\n**N. 7** The three main official languages German, French and Italian are equal. This equality means that federal authorities are obliged to communicate in all three languages. **BGE 131 V 35** clarified, however, that this obligation only applies to external communication with citizens, not to internal communications between authorities.\n\n**N. 8** Romansh has a special position: it is only an official language in direct dealings with Romansh-speaking persons. This person-related regulation takes account of the numerical weakness of the fourth national language, but at the same time guarantees Romansh-speaking persons the right to communicate in their mother tongue with federal authorities.\n\n#### Cantonal Language Sovereignty (Para. 2)\n\n**N. 9** The cantons determine their official languages autonomously. This competence is an emanation of cantonal sovereignty and enables differentiated solutions. The limits of this autonomy lie in the territorial principle and minority protection.\n\n**N. 10** According to constant case law since **BGE 100 Ia 462**, the territorial principle serves to preserve the traditional areas of distribution of the national languages. Doctrine is divided on its exact scope: Papaux (FZR 2002, 157) emphasises the strict separation of language areas to preserve homogeneity, while Müller/Schefer (Grundrechte, 4th ed. 2008, 326) place linguistic peace and social cohesion in the foreground (Belser/Waldmann, BSK BV, Art. 70 N. 31).\n\n**N. 11** «Traditional linguistic minorities» are historically rooted language groups in a specific area. The term is narrower than «linguistic minority» and does not include newly immigrated language groups. This was confirmed by **BGE 122 I 236** for foreign-language immigrants.\n\n#### Promotion of Understanding (Para. 3)\n\n**N. 12** The obligation to promote understanding is directed equally at the Confederation and the cantons. It is programmatic in nature and does not create subjective rights. Ehrenzeller (BSK BV, Art. 70 N. 39) takes the view that no material regulatory competence of the Confederation for foreign language teaching can be derived from this provision.\n\n#### Support Obligations of the Confederation (Paras. 4 and 5)\n\n**N. 13** Para. 4 obliges the Confederation to support multilingual cantons (Bern, Fribourg, Valais, Grisons) in their special tasks. This provision recognises the increased costs of multilingualism in administration, justice and education.\n\n**N. 14** Para. 5 contains a specific promotion obligation for Romansh and Italian in the cantons of Grisons and Ticino. This provision concretises the general cultural promotion obligation of → Art. 69 FC for the threatened national languages.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** For federal authorities, there is an obligation to work in all three main official languages. Federal laws, ordinances and official communications must be published simultaneously in all three languages. In dealings with private parties, they have the right to choose one of the official languages (**BGE 142 III 521**).\n\n**N. 16** The cantons must observe the territorial principle when determining their official languages. This means specifically that they may not draw arbitrary language boundaries, but must respect the historically developed language areas. In school language, the cantons have considerable scope for design according to **BGE 139 I 229**.\n\n**N. 17** The promotion and support obligations in paras. 3–5 are not justiciable claims. They oblige the legislator to create corresponding support programmes. The Languages Act of 5 October 2007 (LangA, SR 441.1) concretises these constitutional mandates.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 18** The central controversy concerns the scope of the territorial principle. While traditional doctrine (Thürer, ZBl 1984, 241; Biaggini, recht 1997, 112) favours a strict territorial assignment, newer voices (Guckelberger, ZBl 2005, 609; Burri/MacLaren, Jusletter 5.11.2007) plead for more flexible handling in view of increased mobility.\n\n**N. 19** The question of school language for migrants is also controversial. Achermann/Künzli (Welcome to Switzerland, 2011, 178) demand a right to mother-tongue supplementary instruction, while Fleiner (LeGes 1/1991, 93) rejects this with reference to the territorial principle.\n\n**N. 20** In interpreting the term «Romansh», there is disagreement as to whether this means Rumantsch Grischun or the five idioms. **BGE 139 I 229** deliberately left this question open and granted municipalities freedom of choice. Parts of doctrine (Wyss, ZSR 1997 I 141) criticise this indeterminacy as problematic under the rule of law.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 21** When submitting applications to federal authorities, legal seekers can freely choose between the official languages. The chosen language then applies to the entire procedure. A language change during the procedure is only possible with the consent of the authority.\n\n**N. 22** In multilingual cantons, the language of proceedings is often determined by special rules. In the canton of Fribourg, for example, according to **BGE 136 I 149**, one can freely choose between German and French before the cantonal court, regardless of the first instance language of proceedings.\n\n**N. 23** The translation obligation is significant for practice. According to **BGE 128 V 34**, cantonal authorities can require that documents be translated into the cantonal official language. The costs are usually borne by the submitting party, unless it concerns evidence in criminal proceedings.\n\n**N. 24** Companies should note that the language regulation also applies to private parties entrusted with public tasks who perform sovereign functions. This affects, for example, licensed transport companies or organisations entrusted with public tasks.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Official languages of the Confederation (para. 1)\n\n**BGE 131 V 35** (8 December 2004)\nObligation of federal authorities to use the official language when communicating with citizens.\nThe Federal Supreme Court clarified that internal communications by federal authorities are not subject to the same language requirements as communication with citizens.\n\n> «Neither the principle of equality of languages nor the principle requiring the use of the official language prohibit employees of a federal authority (in this case the IV office for insured persons abroad) from drafting internal communications in a national language which is not the official language used when dealing with the citizen concerned.»\n\n**BGE 142 III 521** (7 September 2016)\nProcedural language before the Federal Supreme Court in international arbitration proceedings.\nThe Federal Supreme Court confirmed that despite English-language arbitral awards, appeal proceedings must be conducted in an official language of the Confederation.\n\n> «Even if the challenged arbitral award was drafted in English, the appeal brief and any additional submissions by the parties must be drafted in an official language of the Confederation.»\n\n### Cantonal linguistic sovereignty and territoriality principle (para. 2)\n\n**BGE 136 I 149** (18 January 2010)\nFreedom of language and procedural language in bilingual cantons.\nThe Federal Supreme Court decided that persons seeking justice in bilingual cantons have the right to address the authorities in the official language of their choice.\n\n> «Art. 17 para. 2 of the Constitution of the Canton of Fribourg allows the person seeking justice to address the cantonal court in the official language of their choice - French or German. This applies regardless of the procedural language. The cantonal court may not make the entry into proceedings on a legal remedy dependent on a legal brief drafted in the other official language being translated into the procedural language.»\n\n**BGE 128 V 34** (11 September 2002)\nTerritoriality principle and translation obligation.\nThe case concerned the translation of a medical expert opinion from Italian to French in the Canton of Geneva.\n\n> «In view of the linguistic territoriality principle (Art. 70 para. 2 Fed. Const.), it is entirely permissible for the cantonal appeal authority to require the IV office to translate a MEDAS expert opinion (drafted in Italian in this case) into the official language of the canton (French).»\n\n### Romansh and linguistic diversity\n\n**BGE 139 I 229** (12 July 2013)\nSchool language in Graubünden: Rumantsch Grischun versus idioms.\nCentral decision on the question of whether Art. 70 Fed. Const. grants a right to instruction in Romansh idioms instead of Rumantsch Grischun.\n\n> «Individual freedom of language guarantees the right to speak both Rumantsch Grischun and a Romansh idiom. [...] The constitutional concept of 'Romansh' leaves open whether 'Rumantsch Grischun' or the idioms are meant. [...] The government's decision [...] does not affect the scope of protection of freedom of language.»\n\n**BGE 141 I 36** (15 December 2014)\nMunicipal autonomy and school language in Graubünden.\nSupplementary judgment to BGE 139 I 229, which examined municipal autonomy in language choice.\n\n> «The municipalities of the Canton of Graubünden enjoy relatively considerable discretion and thus autonomy in determining the school language. [...] The objectively justified regulation does not violate municipal autonomy.»\n\n### Freedom of language and territoriality principle\n\n**BGE 138 I 123** (25 July 2012)\nPrivate schools and territoriality principle in Ticino.\nThe Federal Supreme Court confirmed the authority of cantons to require instruction in the official language for private schools.\n\n> «Case law also traces the authority of cantons to make instruction in the official language mandatory for private schools back to the territoriality principle. The possibility for cantons to legislate in this sense while restricting freedom of language is based on the principle of unity of the language area.»\n\n**BGE 122 I 236** (15 July 1996)\nFreedom of language and German-language school in the Canton of Bern.\nFundamental decision on the relationship between freedom of language and territoriality principle regarding school language.\n\n> «Freedom of language does not oblige public authorities to provide school instruction in the language of newly immigrated linguistic minorities. [...] The territoriality principle fundamentally justifies providing school instruction in the official language of the relevant area.»\n\n### Historical development\n\n**BGE 100 Ia 462** (30 October 1974)\nEarly fundamental decision on freedom of language as an unwritten constitutional right.\nGroundbreaking case law before the explicit codification of freedom of language.\n\n> «Freedom of language as an unwritten fundamental right of the Federal Constitution; cantonal competence to regulate the language of instruction in public schools; territoriality principle. [...] The territoriality principle also applies to instruction at state schools.»\n\n**BGE 121 I 196** (3 May 1995)\nProcedural language in criminal proceedings in the Canton of Fribourg.\nBalancing freedom of language and territoriality principle in criminal justice.\n\n> «Foundations and scope of freedom of language and the territoriality principle under the constitutional law of the Confederation and the Canton of Fribourg. [...] Balancing freedom of language and the territoriality principle and the opposing interests of the administration of justice.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_70", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 71, "article_suffix": "", "title": "Film", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 71 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 71 BV ermächtigt den Bund zur Förderung der Schweizer Filmproduktion und Filmkultur. Diese Verfassungsbestimmung wurde 1999 neu eingeführt und geht über die allgemeine Kulturkompetenz hinaus (Botschaft über eine neue Bundesverfassung, BBl 1997 I 284 f.). Sie räumt dem Bund zwei verschiedene Kompetenzen ein: die Förderung von Filmproduktion und Filmkultur (Absatz 1) sowie die Regulierung des Filmangebots (Absatz 2).\n\nDer **Filmbegriff** umfasst audiovisuelle Werke unabhängig vom Trägermedium (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 6). Das Filmgesetz definiert konkret: «eine Folge von Bildern oder von Bildern und Tönen», die auf einem Träger festgehalten und mit technischen Mitteln vorführbar sind (Art. 2 FiG). Ausgeschlossen sind Werbefilme und reine Fernsehproduktionen (Art. 16 FiG).\n\nDie **Förderungskompetenz** ist als «Kann-Bestimmung» ausgestaltet — der Bund muss nicht fördern, darf aber (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22). Die Praxis zeigt: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Filmförderung (BGer Urteil 2C_614/2015). Die Förderung erfolgt durch selektive Beiträge, Erfolgsprämien und Strukturhilfen nach Filmgesetz (Art. 4–15 FiG).\n\nKonkrete Förderungsvoraussetzungen sind streng: Bei **internationalen Koproduktionen** gilt eine Mindestbeteiligung von 20% (BVGer Urteil C-7433/2009). Liegt der Schweizer Anteil unter 5% der Gesamtkosten, ist keine Bundesförderung möglich (JAAC 69.107). Diese Prozentsätze ergeben sich aus dem Europäischen Übereinkommen über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen (SR 0.443.2).\n\n**Beispiel**: Ein Schweizer Produzent möchte einen Dokumentarfilm über Alpinismus realisieren. Er kann beim Bundesamt für Kultur selektive Förderung beantragen (Art. 4 FiG). Die Begutachtungskommission prüft Qualität und kulturelle Bedeutung. Bei positiver Bewertung erhält er einen Beitrag — aber nur, wenn alle Verfahrensregeln eingehalten wurden (JAAC 68.14).\n\nDie jüngste Rechtsprechung zeigt: Auch **Filmserien** können förderbar sein. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2024, dass Dokumentarfilmserien grundsätzlich unter den Filmbegriff fallen (BVGer Urteil B-5140/2023). Ein pauschaler Ausschluss von Serien verletzt das Legalitätsprinzip.\n\nArt. 71 Abs. 2 BV ermöglicht **regulatorische Massnahmen** zur Förderung von Vielfalt und Qualität. Die Art dieser Kompetenz ist umstritten: Während die herrschende Meinung von einer parallelen Kompetenz zwischen Bund und Kantonen ausgeht, sehen andere eine konkurrierende Bundeskompetenz (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 11, 22).\n\nDie **Kantone** bleiben trotz Bundeskompetenz zur Filmförderung berechtigt. Das Berner Verwaltungsgericht bestätigte 2015 die Zulässigkeit kantonaler Kulturförderung für Filmprojekte (Urteil 100 2014 194). Bund und Kantone können parallel tätig werden, müssen aber koordiniert vorgehen (Art. 19 FiG).", "doctrine_de": "# Art. 71 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Filmförderungskompetenz des Bundes wurde mit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 erstmals explizit in der Verfassung verankert. Zuvor stützte sich die Bundesfilmförderung auf Art. 27ter aBV (allgemeine Kulturkompetenz). Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 284 f.) betont, dass Art. 71 BV eine spezifische Förderungskompetenz für Film statuiert, die über die allgemeine Kulturkompetenz hinausgeht. Der Verfassungsgeber wollte damit die besondere Bedeutung des Films als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor anerkennen.\n\n**N. 2** Die Entstehung der Norm ist im Kontext der europäischen Filmpolitik zu verstehen. Das Europäische Übereinkommen über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen (SR 0.443.2) und die audiovisuelle Politik der EU prägten die Ausgestaltung der schweizerischen Filmförderung massgeblich. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 1) weist darauf hin, dass die verfassungsrechtliche Verankerung auch eine Antwort auf die zunehmende Internationalisierung des Filmmarktes darstellte.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 71 BV ist systematisch im 3. Abschnitt des 3. Titels (Bund, Kantone und Gemeinden) unter den Zuständigkeiten des Bundes eingeordnet. Die Bestimmung bildet zusammen mit → Art. 69 BV (Kultur) und → Art. 70 BV (Sprachen) den kulturpolitischen Kompetenzbereich des Bundes. Im Unterschied zur allgemeinen Kulturkompetenz nach Art. 69 Abs. 2 BV, die subsidiär ausgestaltet ist, handelt es sich bei Art. 71 BV um eine eigenständige Bundeskompetenz.\n\n**N. 4** Die Einordnung von Art. 71 BV als parallele oder konkurrierende Kompetenz ist in der Doktrin umstritten. Die herrschende Meinung (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV, Art. 71) qualifiziert sie als parallele Kompetenz des Bundes und der Kantone. Der Bundesrat (Botsch. BV), Borghi (BV 1874) und Thürer et al. sehen darin eine konkurrierende Kompetenz. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 11) ordnet Art. 71 als besondere Kompetenznorm im Bereich der Kultur ein.\n\n**N. 5** Die Abgrenzung zu anderen Verfassungsbestimmungen ist bedeutsam: → Art. 93 BV (Radio und Fernsehen) regelt die elektronischen Medien, während Art. 71 BV spezifisch die Filmproduktion und Filmkultur erfasst. → Art. 103 BV (Strukturpolitik) kann für die wirtschaftlichen Aspekte der Filmförderung relevant sein. Das Verhältnis zu → Art. 95 Abs. 1 BV (privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit) ist bei staatlichen Förderungsmassnahmen zu beachten.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Der **Filmbegriff** des Art. 71 BV ist weit zu verstehen. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 6) umschreibt ihn als audiovisuelle Werke unabhängig vom Trägermedium. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch das Filmgesetz (FiG), das in Art. 2 FiG Filme als \"eine Folge von Bildern oder von Bildern und Tönen\" definiert, die \"auf einem Träger festgehalten sind\" und \"mit technischen Mitteln vorgeführt werden können\". Ausgeschlossen sind nach Art. 16 FiG Werbefilme, Industrie- und Lehrfilme sowie reine Fernsehproduktionen.\n\n**N. 7** **Filmproduktion und Filmkultur** (Abs. 1) sind als komplementäre Begriffe zu verstehen. Die Filmproduktion umfasst alle Phasen der Herstellung eines Films von der Drehbuchentwicklung über die Produktion bis zur Postproduktion. Filmkultur bezieht sich auf die Vermittlung, Aufführung, Archivierung und kritische Auseinandersetzung mit Film. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 7) betont, dass beide Aspekte gleichwertig nebeneinanderstehen.\n\n**N. 8** Die **Förderkompetenz** (\"kann fördern\") räumt dem Bund ein Ermessen ein. Es handelt sich nicht um eine Verpflichtung zur Förderung, sondern um eine Kann-Vorschrift. Der Bund ist frei, ob und in welchem Umfang er von dieser Kompetenz Gebrauch macht. Die herrschende Meinung (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22) betont den subsidiären Charakter der Bundeskompetenz (N. 24: \"Der Förderkompetenz des Bundes kommt ein subsidiärer Charakter zu\").\n\n**N. 9** **Vielfalt und Qualität** (Abs. 2) sind die zentralen Ziele der regulatorischen Kompetenz. Vielfalt bezieht sich sowohl auf die kulturelle und sprachliche Diversität als auch auf unterschiedliche Filmgenres und -formate. Der Qualitätsbegriff ist offen und umfasst künstlerische, technische und inhaltliche Aspekte. Graber (Die \"Einverleiherklausel\", sic! 2014, 1 ff.) weist auf die Herausforderungen der Qualitätssicherung im digitalen Zeitalter hin.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Aus Art. 71 Abs. 1 BV folgt die Kompetenz des Bundes zum Erlass von Förderungsmassnahmen. Diese konkretisieren sich im Filmgesetz in Form von selektiven Förderungsbeiträgen (Art. 4–8 FiG), erfolgsabhängigen Förderungsbeiträgen (Art. 9–12 FiG) und standortbezogenen Förderungsmassnahmen (Art. 13–15 FiG). Das Bundesgericht hat in **Urteil 2C_614/2015** klargestellt, dass es sich um Ermessenssubventionen ohne Rechtsanspruch handelt.\n\n**N. 11** Art. 71 Abs. 2 BV ermächtigt den Bund zu regulatorischen Massnahmen. Die Art der Kompetenz nach Abs. 2 ist umstritten: Geiser/Graber (SG Komm. BV) und Nobel/Weber (Medienrecht, 339) sehen darin eine ausschliessliche Kompetenz, während die Botschaft BV, Biaggini und Borghi (BV 1874) von einer konkurrierenden (nachträglich derogatorischen) Gesetzgebungskompetenz ausgehen.\n\n**N. 12** Die Förderungsmassnahmen müssen die verfassungsrechtlichen Schranken beachten, insbesondere → Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip), → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) und → Art. 127 BV (Besteuerungsgrundsätze). Das Zensurverbot nach → Art. 17 Abs. 2 BV setzt der inhaltlichen Steuerung durch Förderungskriterien Grenzen (vgl. Krüsi, Das Zensurverbot, 2011).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** Die **Art der Bundeskompetenz** bei der Filmförderung ist der zentrale Streitpunkt. Die herrschende Meinung (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV) qualifiziert sie als parallele Kompetenz, die eine gleichzeitige Tätigkeit von Bund und Kantonen erlaubt. Demgegenüber vertreten der Bundesrat (Botsch. BV), Borghi (BV 1874) und Thürer et al. die Auffassung einer konkurrierenden Kompetenz, bei der die Kantone nur tätig werden können, soweit der Bund von seiner Kompetenz keinen Gebrauch macht.\n\n**N. 14** Ein weiterer Streitstand betrifft die **Reichweite der Qualitätsförderung**. Während Huster (Die ethische Neutralität des Staates, 2002) eine zurückhaltende staatliche Qualitätsbewertung fordert, plädieren Graber/Hördegen (Filmwirtschaftsrecht, 2005, 350 ff.) für aktive Qualitätssteuerung durch differenzierte Förderungskriterien. Das Bundesverwaltungsgericht hat in **Urteil B-5140/2023** festgehalten, dass pauschale Ausschlüsse bestimmter Formate (z.B. Serien) gegen das Legalitätsprinzip verstossen.\n\n**N. 15** Die **Abgrenzung zwischen Film- und Fernsehproduktion** bleibt umstritten. Während die ältere Praxis (JAAC 60.14) eine strikte Trennung vorsah, anerkennt die neuere Doktrin (Bader/Egloff, AJP 2000, 1396 ff.; Weber/Unternährer/Zulauf, Schweizerisches Filmrecht, 2003) die zunehmende Konvergenz der Medien. Die Frage ist praktisch relevant für die Anwendbarkeit der Filmförderung auf Streaming-Produktionen.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Gesuchstellung für Filmförderung ist die **Zusammensetzung der Begutachtungsausschüsse** zu beachten. JAAC 68.14 macht deutlich, dass Verfahrensfehler bei der Kommissionsbildung zur Nichtigkeit der Empfehlungen führen können. Die Einhaltung der Kommissionenverordnung (SR 172.31) ist zwingend.\n\n**N. 17** Für **internationale Koproduktionen** gelten besondere Anforderungen. Das Bundesverwaltungsgericht hat in **Urteil C-7433/2009** eine Mindestbeteiligung von 20% für offizielle Koproduktionen bestätigt. Bei einem Schweizer Anteil unter 5% der Gesamtproduktionskosten ist gemäss JAAC 69.107 keine Förderung möglich. Das Europäische Übereinkommen über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen (SR 0.443.2) ist zu beachten.\n\n**N. 18** Die **Förderungspraxis** entwickelt sich dynamisch. Das jüngste **Urteil B-5140/2023** zeigt, dass die Förderungsbehörden ihre Praxis an veränderte Produktions- und Distributionsformen anpassen müssen. Dokumentarfilmserien sind grundsätzlich förderbar. Die digitale Transformation des Filmmarktes erfordert eine flexible Auslegung der Förderungskriterien (vgl. Graber, sic! 2014, 1 ff.).\n\n**N. 19** Bei der **Ausgestaltung kantonaler Filmförderung** ist die verfassungsrechtliche Kompetenzverteilung zu beachten. Unabhängig von der Qualifikation als parallele oder konkurrierende Kompetenz bleibt den Kantonen ein Gestaltungsspielraum für ergänzende Förderungsmassnahmen. Die Koordination mit der Bundesförderung erfolgt über Art. 19 FiG. Das Verwaltungsgericht Bern hat in **Urteil 100 2014 194** die Zulässigkeit kantonaler Kulturförderung für Filmprojekte bestätigt.", "caselaw_de": "# Art. 71 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Subventionsrechtliche Natur der Filmförderung\n\n**Urteil 2C_614/2015 vom 20. Juli 2015**\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass die Filmförderung des Bundes Ermessensubventionen ohne Rechtsanspruch darstellt.\n\nKeine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten möglich bei Entscheiden über Subventionen ohne Anspruch nach Art. 83 lit. k BGG.\n\n> «Das Bundesverwaltungsgericht weist darauf hin, dass kein Anspruch auf die hier streitigen Unterstützungsbeiträge besteht. Dies trifft angesichts der Formulierungen von Art. 4-8 sowie 13-15 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 2001 über Filmproduktion und Filmkultur (Filmgesetz, FiG; SR 443.1), Art. 25-27 des Bundesgesetzes vom 11. Dezember 2009 über die Kulturförderung (Kulturförderungsgesetz, KFG; SR 442.1) sowie Art. 14 der Verordnung des EDI vom 20. Dezember 2002 über die Filmförderung (FiFV; SR 443.113) wohl zu.»\n\n### Koproduktionsvoraussetzungen\n\n**BVGer Urteil C-7433/2009 vom 27. Dezember 2011**\n\nMindestbeteiligung von 20% bei deutsch-schweizerischen Koproduktionen erforderlich.\n\nProjekte mit unentgeltlicher Mitarbeit widersprechen dem Ziel der Filmförderung, die schweizerische Filmwirtschaft zu unterstützen.\n\n> «Das Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz verlange eine deutsche Mindestbeteiligung von 20 %. Eine Koproduktion im Verhältnis von 86 % (Schweiz) zu 14 % (Deutschland) könne nicht offiziell anerkannt werden.»\n\n**Bundesrat JAAC 69.107 vom 13. April 2005**\n\nSchweizer Anteil unter 5% der Gesamtproduktionskosten schliesst Bundesbeitrag aus.\n\nAnwendung des Europäischen Übereinkommens über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen.\n\n> «Die in der Schweiz vorgesehenen Ausgaben machen weniger als 5% der gesamten Produktionskosten aus, weshalb keine Beitrag gewährt werden kann.»\n\n### Filmförderung und RTVG-Abgaben\n\n**BVGer Urteil A-8516/2010 vom 15. November 2011**\n\nFilmförderungsabgaben nach RTVG gelten ab 1. April 2007 uneingeschränkt und gehen Konzessionsbestimmungen vor.\n\nFernsehveranstalter sind zur Filmförderungsabgabe verpflichtet, auch bei Konzessionsverzicht.\n\n> «Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) [informierte], dass diese ab dem 1. April 2007 uneingeschränkt zur Anwendung gelange und den jeweiligen Konzessionsbestimmungen vorgehe.»\n\n### Förderung von Filmserien\n\n**BVGer Urteil B-5140/2023 vom 20. August 2024** (neueste Rechtsprechung)\n\nDokumentarfilmserien sind grundsätzlich förderbar und fallen unter den Filmbegriff des Art. 2 FiG.\n\nPauschaler Ausschluss von Serien verletzt Legalitätsprinzip und Rechtsgleichheit.\n\n> «Insgesamt ergibt die Auslegung von Art. 2 Abs. 1 FiG und Ziff. 2.1.3.1 Anhang 2 FiFV, dass der Filmbegriff in diesen Bestimmungen Serien nicht grundsätzlich ausschliesst. Werden Werke bloss mit der Begründung, es handle sich um eine Serie, von der Förderung ausgeschlossen, wird das Recht somit nicht (mehr) richtig angewendet.»\n\n### Begutachtungsverfahren\n\n**Bundesrat JAAC 68.14 vom 19. September 2003**\n\nOrdnungsgemässe Zusammensetzung der Begutachtungsausschüsse ist zwingend.\n\nVerstösse gegen die Kommissionenverordnung machen Empfehlungen nichtig.\n\n> «Empfehlungen dürften nicht ausschliesslich und definitiv von Unterkommissionen abgegeben werden, bei welchen die Regeln der Kommissionenverordnung nicht beachtet worden seien.»\n\n**Bundesrat JAAC 64.43 vom 6. Dezember 1999**\n\nNegative Beurteilungen können bei Verfahrensfehlern des Begutachtungsausschusses nicht aufrecht erhalten werden.\n\nReorganisation des Begutachtungswesens muss korrekt durchgeführt werden.\n\n> «Diesen Entscheiden lagen negative Beurteilungen des infolge einer Reorganisation aus dem früheren Begutachtungsausschuss (BA) hervorgegangenen Fachausschusses für Spielfilme zugrunde.»\n\n### Historische Entwicklung\n\n**Bundesrat JAAC 60.14 vom 12. April 1995**\n\nAuftragsfilme können keine Qualitätsprämien erhalten.\n\nFilmförderung soll unabhängige schweizerische Filmproduktion fördern, nicht Fernsehproduktion.\n\n> «Des films réalisés sur commande ne peuvent entrer en ligne de compte pour l'obtention de primes de qualité. La loi sur le cinéma a pour but d'encourager la production cinématographique suisse indépendante et non la télévision.»\n\n### Exportförderung\n\n**BVGer Urteil B-6886/2018 vom 7. August 2019**\n\nFinanzhilfen für Filmexport sind möglich zur Unterstützung der kulturellen Ausstrahlung.\n\nVerwertung von Schweizer Filmen fällt unter Art. 3 FiG.\n\n> «Zur Unterstützung der kulturellen Ausstrahlung, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der Kontinuität und der Entwicklungsfähigkeit der unabhängigen schweizerischen Filmproduktion kann der Bund unter anderem für die Verwertung von Schweizer Filmen Finanzhilfen gewähren.»", "summary_fr": "# Art. 71 Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 71 Cst. habilite la Confédération à encourager la production cinématographique et la culture cinématographique suisses. Cette disposition constitutionnelle a été nouvellement introduite en 1999 et va au-delà de la compétence culturelle générale (Message concernant une nouvelle constitution fédérale, FF 1997 I 279 s.). Elle confère à la Confédération deux compétences différentes : l'encouragement de la production cinématographique et de la culture cinématographique (alinéa 1) ainsi que la réglementation de l'offre cinématographique (alinéa 2).\n\nLa **notion de film** comprend les œuvres audiovisuelles indépendamment du support (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 6). La loi sur le cinéma définit concrètement : « une suite d'images ou d'images et de sons » fixée sur un support et projetable par des moyens techniques (art. 2 LCin). Sont exclus les films publicitaires et les productions purement télévisuelles (art. 16 LCin).\n\nLa **compétence d'encouragement** est conçue comme une « disposition de faculté » — la Confédération n'est pas obligée d'encourager, mais elle le peut (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22). La pratique montre : Il n'existe aucun droit à l'aide cinématographique (ATF BGer 2C_614/2015). L'encouragement s'effectue par des contributions sélectives, des primes au succès et des aides structurelles selon la loi sur le cinéma (art. 4–15 LCin).\n\nLes conditions concrètes d'encouragement sont strictes : Pour les **coproductions internationales**, une participation minimale de 20% s'applique (ATF TAF C-7433/2009). Si la part suisse est inférieure à 5% des coûts totaux, aucun encouragement fédéral n'est possible (JAAC 69.107). Ces pourcentages résultent de la Convention européenne sur la coproduction cinématographique (RS 0.443.2).\n\n**Exemple** : Un producteur suisse souhaite réaliser un film documentaire sur l'alpinisme. Il peut demander un encouragement sélectif auprès de l'Office fédéral de la culture (art. 4 LCin). La commission d'évaluation examine la qualité et l'importance culturelle. En cas d'évaluation positive, il reçoit une contribution — mais seulement si toutes les règles de procédure ont été respectées (JAAC 68.14).\n\nLa jurisprudence la plus récente montre : Les **séries télévisées** peuvent également être encouragées. Le Tribunal administratif fédéral a décidé en 2024 que les séries documentaires relèvent en principe de la notion de film (ATF TAF B-5140/2023). Une exclusion générale des séries viole le principe de légalité.\n\nL'art. 71 al. 2 Cst. permet des **mesures réglementaires** pour encourager la diversité et la qualité. La nature de cette compétence est controversée : Tandis que l'opinion dominante considère qu'il s'agit d'une compétence parallèle entre la Confédération et les cantons, d'autres y voient une compétence fédérale concurrente (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 11, 22).\n\nLes **cantons** restent habilités à encourager le cinéma malgré la compétence fédérale. Le Tribunal administratif bernois a confirmé en 2015 l'admissibilité de l'encouragement culturel cantonal pour des projets cinématographiques (arrêt 100 2014 194). La Confédération et les cantons peuvent agir en parallèle, mais doivent procéder de manière coordonnée (art. 19 LCin).", "doctrine_fr": "# Art. 71 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La compétence fédérale en matière d'encouragement du cinéma a été ancrée pour la première fois explicitement dans la Constitution lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Auparavant, l'encouragement fédéral du cinéma se fondait sur l'art. 27ter aCst. (compétence générale en matière culturelle). Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 284 s.) souligne que l'art. 71 Cst. institue une compétence d'encouragement spécifique pour le cinéma, qui va au-delà de la compétence générale en matière culturelle. Le constituant voulait ainsi reconnaître l'importance particulière du cinéma comme bien culturel et facteur économique.\n\n**N. 2** La genèse de cette norme s'inscrit dans le contexte de la politique cinématographique européenne. La Convention européenne sur la coproduction cinématographique (RS 0.443.2) et la politique audiovisuelle de l'UE ont largement influencé la conception de l'encouragement suisse du cinéma. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 1) relève que l'ancrage constitutionnel constituait également une réponse à l'internationalisation croissante du marché cinématographique.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 71 Cst. est systématiquement classé dans la 3e section du 3e titre (Confédération, cantons et communes) sous les compétences de la Confédération. Cette disposition forme, avec → l'art. 69 Cst. (Culture) et → l'art. 70 Cst. (Langues), le domaine de compétence de politique culturelle de la Confédération. Contrairement à la compétence générale en matière culturelle selon l'art. 69, al. 2, Cst., qui est conçue de manière subsidiaire, l'art. 71 Cst. constitue une compétence fédérale autonome.\n\n**N. 4** Le classement de l'art. 71 Cst. comme compétence parallèle ou concurrente est controversé dans la doctrine. L'opinion dominante (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV, Art. 71) la qualifie de compétence parallèle de la Confédération et des cantons. Le Conseil fédéral (Message Cst.), Borghi (BV 1874) et Thürer et al. y voient une compétence concurrente. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 11) classe l'art. 71 comme norme de compétence particulière dans le domaine culturel.\n\n**N. 5** La délimitation avec d'autres dispositions constitutionnelles est significative : → l'art. 93 Cst. (Radio et télévision) règle les médias électroniques, tandis que l'art. 71 Cst. saisit spécifiquement la production cinématographique et la culture cinématographique. → L'art. 103 Cst. (Politique structurelle) peut être pertinent pour les aspects économiques de l'encouragement du cinéma. Le rapport avec → l'art. 95, al. 1, Cst. (activité économique lucrative privée) doit être observé lors de mesures d'encouragement étatiques.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 6** La **notion de film** de l'art. 71 Cst. doit être comprise largement. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 6) la circonscrit comme des œuvres audiovisuelles indépendamment du support. La concrétisation s'effectue par la loi sur le cinéma (LCin), qui définit à l'art. 2 LCin les films comme « une suite d'images ou d'images et de sons » qui « sont fixés sur un support » et « peuvent être projetés par des moyens techniques ». Sont exclus selon l'art. 16 LCin les films publicitaires, industriels et didactiques ainsi que les productions purement télévisuelles.\n\n**N. 7** **La production cinématographique et la culture cinématographique** (al. 1) doivent être comprises comme des notions complémentaires. La production cinématographique comprend toutes les phases de réalisation d'un film, du développement du scénario à la production jusqu'à la postproduction. La culture cinématographique se rapporte à la transmission, la projection, l'archivage et la confrontation critique avec le cinéma. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 7) souligne que les deux aspects sont équivalents et coexistent.\n\n**N. 8** La **compétence d'encouragement** (« peut encourager ») accorde à la Confédération un pouvoir d'appréciation. Il ne s'agit pas d'une obligation d'encourager, mais d'une disposition facultative. La Confédération est libre de décider si et dans quelle mesure elle fait usage de cette compétence. L'opinion dominante (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22) souligne le caractère subsidiaire de la compétence fédérale (N. 24: « La compétence d'encouragement de la Confédération a un caractère subsidiaire »).\n\n**N. 9** **La diversité et la qualité** (al. 2) sont les objectifs centraux de la compétence régulatrice. La diversité se rapporte tant à la diversité culturelle et linguistique qu'aux différents genres et formats cinématographiques. La notion de qualité est ouverte et comprend les aspects artistiques, techniques et de contenu. Graber (Die \"Einverleiherklausel\", sic! 2014, 1 ss.) relève les défis de l'assurance qualité à l'ère numérique.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** De l'art. 71, al. 1, Cst. découle la compétence de la Confédération d'édicter des mesures d'encouragement. Celles-ci se concrétisent dans la loi sur le cinéma sous forme de contributions d'encouragement sélectives (art. 4–8 LCin), de contributions d'encouragement liées au succès (art. 9–12 LCin) et de mesures d'encouragement liées au site (art. 13–15 LCin). Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**arrêt 2C_614/2015** qu'il s'agit de subventions d'appréciation sans droit légal.\n\n**N. 11** L'art. 71, al. 2, Cst. habilite la Confédération à prendre des mesures régulatrices. Le type de compétence selon l'al. 2 est controversé : Geiser/Graber (SG Komm. BV) et Nobel/Weber (Medienrecht, 339) y voient une compétence exclusive, tandis que le Message Cst., Biaggini et Borghi (BV 1874) partent d'une compétence législative concurrente (dérogative a posteriori).\n\n**N. 12** Les mesures d'encouragement doivent respecter les limites constitutionnelles, notamment → l'art. 5 Cst. (principe de l'État de droit), → l'art. 8 Cst. (égalité de traitement) et → l'art. 127 Cst. (principes régissant l'imposition). L'interdiction de censure selon → l'art. 17, al. 2, Cst. pose des limites au pilotage de contenu par les critères d'encouragement (cf. Krüsi, Das Zensurverbot, 2011).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** Le **type de compétence fédérale** en matière d'encouragement du cinéma est le point de controverse central. L'opinion dominante (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV) la qualifie de compétence parallèle, qui permet une activité simultanée de la Confédération et des cantons. Par contre, le Conseil fédéral (Message Cst.), Borghi (BV 1874) et Thürer et al. défendent la conception d'une compétence concurrente, où les cantons ne peuvent agir que dans la mesure où la Confédération ne fait pas usage de sa compétence.\n\n**N. 14** Un autre point controversé concerne la **portée de l'encouragement de la qualité**. Tandis que Huster (Die ethische Neutralität des Staates, 2002) exige une évaluation étatique réservée de la qualité, Graber/Hördegen (Filmwirtschaftsrecht, 2005, 350 ss.) plaident pour un pilotage actif de la qualité par des critères d'encouragement différenciés. Le Tribunal administratif fédéral a retenu dans l'**arrêt B-5140/2023** que les exclusions forfaitaires de certains formats (p. ex. séries) violent le principe de légalité.\n\n**N. 15** La **délimitation entre production cinématographique et télévisuelle** reste controversée. Tandis que l'ancienne pratique (JAAC 60.14) prévoyait une séparation stricte, la doctrine plus récente (Bader/Egloff, AJP 2000, 1396 ss. ; Weber/Unternährer/Zulauf, Schweizerisches Filmrecht, 2003) reconnaît la convergence croissante des médias. La question est pratiquement pertinente pour l'applicabilité de l'encouragement du cinéma aux productions de streaming.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** Lors de la demande d'encouragement du cinéma, il faut tenir compte de la **composition des commissions d'évaluation**. JAAC 68.14 précise que les vices de procédure dans la formation des commissions peuvent conduire à la nullité des recommandations. Le respect de l'ordonnance sur les commissions (RS 172.31) est impératif.\n\n**N. 17** Pour les **coproductions internationales**, des exigences particulières s'appliquent. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé dans l'**arrêt C-7433/2009** une participation minimale de 20% pour les coproductions officielles. En cas de part suisse inférieure à 5% des coûts totaux de production, aucun encouragement n'est possible selon JAAC 69.107. La Convention européenne sur la coproduction cinématographique (RS 0.443.2) doit être observée.\n\n**N. 18** La **pratique d'encouragement** évolue de manière dynamique. Le récent **arrêt B-5140/2023** montre que les autorités d'encouragement doivent adapter leur pratique aux formes modifiées de production et de distribution. Les séries documentaires sont fondamentalement encourageables. La transformation numérique du marché cinématographique exige une interprétation flexible des critères d'encouragement (cf. Graber, sic! 2014, 1 ss.).\n\n**N. 19** Lors de l'**aménagement de l'encouragement cantonal du cinéma**, il faut tenir compte de la répartition constitutionnelle des compétences. Indépendamment de la qualification comme compétence parallèle ou concurrente, il reste aux cantons une marge de manœuvre pour des mesures d'encouragement complémentaires. La coordination avec l'encouragement fédéral s'effectue via l'art. 19 LCin. Le Tribunal administratif bernois a confirmé dans l'**arrêt 100 2014 194** l'admissibilité de l'encouragement culturel cantonal pour les projets cinématographiques.", "caselaw_fr": "# Art. 71 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Nature subventionnelle de l'encouragement du cinéma\n\n**Arrêt 2C_614/2015 du 20 juillet 2015**\n\nLe Tribunal fédéral a établi que l'encouragement fédéral du cinéma constitue des subventions discrétionnaires sans droit à la prestation.\n\nAucun recours en matière de droit public n'est possible pour les décisions relatives aux subventions sans droit selon l'art. 83 let. k LTF.\n\n> « Le Tribunal administratif fédéral souligne qu'il n'existe aucun droit aux contributions de soutien litigieuses. Cela est exact au vu des formulations des art. 4-8 ainsi que 13-15 de la loi fédérale du 14 décembre 2001 sur la production et la culture cinématographiques (loi sur le cinéma, LC ; RS 443.1), des art. 25-27 de la loi fédérale du 11 décembre 2009 sur l'encouragement de la culture (loi sur l'encouragement de la culture, LEC ; RS 442.1) ainsi que de l'art. 14 de l'ordonnance du DFI du 20 décembre 2002 sur l'encouragement du cinéma (OEC ; RS 443.113). »\n\n### Conditions de coproduction\n\n**Arrêt TAF C-7433/2009 du 27 décembre 2011**\n\nParticipation minimale de 20% requise pour les coproductions germano-suisses.\n\nLes projets avec collaboration gratuite contredisent l'objectif de l'encouragement du cinéma de soutenir l'économie cinématographique suisse.\n\n> « L'accord entre l'Allemagne et la Suisse exige une participation minimale allemande de 20 %. Une coproduction dans la proportion de 86 % (Suisse) à 14 % (Allemagne) ne peut être officiellement reconnue. »\n\n**Conseil fédéral JAAC 69.107 du 13 avril 2005**\n\nUne part suisse inférieure à 5% des coûts totaux de production exclut la contribution fédérale.\n\nApplication de la Convention européenne sur la coproduction cinématographique.\n\n> « Les dépenses prévues en Suisse représentent moins de 5% des coûts totaux de production, raison pour laquelle aucune contribution ne peut être accordée. »\n\n### Encouragement du cinéma et redevances LRTV\n\n**Arrêt TAF A-8516/2010 du 15 novembre 2011**\n\nLes redevances d'encouragement du cinéma selon la LRTV s'appliquent sans restriction dès le 1er avril 2007 et priment sur les dispositions de concession.\n\nLes diffuseurs de télévision sont tenus de payer la redevance d'encouragement du cinéma, même en cas de renonciation à la concession.\n\n> « L'Office fédéral de la communication (OFCOM) [a informé] que celle-ci s'appliquerait sans restriction dès le 1er avril 2007 et primerait sur les dispositions de concession respectives. »\n\n### Encouragement des séries télévisées\n\n**Arrêt TAF B-5140/2023 du 20 août 2024** (jurisprudence la plus récente)\n\nLes séries documentaires sont en principe susceptibles d'encouragement et tombent sous la notion de film de l'art. 2 LC.\n\nL'exclusion générale des séries viole le principe de légalité et l'égalité de traitement.\n\n> « Globalement, l'interprétation de l'art. 2 al. 1 LC et du ch. 2.1.3.1 annexe 2 OEC révèle que la notion de film dans ces dispositions n'exclut pas les séries en principe. Si des œuvres sont exclues de l'encouragement uniquement au motif qu'il s'agit d'une série, le droit n'est donc pas (plus) correctement appliqué. »\n\n### Procédure d'évaluation\n\n**Conseil fédéral JAAC 68.14 du 19 septembre 2003**\n\nLa composition régulière des commissions d'évaluation est impérative.\n\nLes violations de l'ordonnance sur les commissions rendent les recommandations nulles.\n\n> « Les recommandations ne sauraient être émises exclusivement et définitivement par des sous-commissions où les règles de l'ordonnance sur les commissions n'auraient pas été respectées. »\n\n**Conseil fédéral JAAC 64.43 du 6 décembre 1999**\n\nLes évaluations négatives ne peuvent être maintenues en cas d'erreurs de procédure de la commission d'évaluation.\n\nLa réorganisation du système d'évaluation doit être correctement effectuée.\n\n> « Ces décisions se fondaient sur des évaluations négatives de la commission spécialisée pour les films de fiction, issue de l'ancienne commission d'évaluation (CE) à la suite d'une réorganisation. »\n\n### Développement historique\n\n**Conseil fédéral JAAC 60.14 du 12 avril 1995**\n\nLes films de commande ne peuvent obtenir de primes de qualité.\n\nL'encouragement du cinéma doit promouvoir la production cinématographique suisse indépendante, non la production télévisuelle.\n\n> « Des films réalisés sur commande ne peuvent entrer en ligne de compte pour l'obtention de primes de qualité. La loi sur le cinéma a pour but d'encourager la production cinématographique suisse indépendante et non la télévision. »\n\n### Encouragement à l'exportation\n\n**Arrêt TAF B-6886/2018 du 7 août 2019**\n\nLes aides financières pour l'exportation de films sont possibles pour soutenir le rayonnement culturel.\n\nLa valorisation des films suisses relève de l'art. 3 LC.\n\n> « Pour soutenir le rayonnement culturel, la capacité économique, la continuité et la capacité de développement de la production cinématographique suisse indépendante, la Confédération peut notamment accorder des aides financières pour la valorisation des films suisses. »", "summary_it": "# Art. 71 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 71 Cost. autorizza la Confederazione a promuovere la produzione cinematografica e la cultura cinematografica svizzere. Questa disposizione costituzionale è stata introdotta ex novo nel 1999 e va oltre la competenza culturale generale (Messaggio su una nuova Costituzione federale, FF 1997 I 241 seg.). Essa attribuisce alla Confederazione due competenze diverse: la promozione della produzione cinematografica e della cultura cinematografica (capoverso 1) nonché la regolamentazione dell'offerta cinematografica (capoverso 2).\n\nIl **concetto di film** comprende opere audiovisive indipendentemente dal supporto (Stöckli, BSK BV, Art. 71 n. 6). La legge sul cinema definisce concretamente: «una sequenza di immagini o di immagini e suoni» fissata su un supporto e proiettabile con mezzi tecnici (art. 2 LCin). Sono esclusi i film pubblicitari e le pure produzioni televisive (art. 16 LCin).\n\nLa **competenza promozionale** è configurata come «disposizione facoltativa» — la Confederazione non deve promuovere, ma può farlo (Stöckli, BSK BV, Art. 71 n. 22). La prassi dimostra: non esiste alcun diritto alla promozione cinematografica (TF sentenza 2C_614/2015). La promozione avviene mediante contributi selettivi, premi al successo e aiuti strutturali secondo la legge sul cinema (art. 4–15 LCin).\n\nI presupposti concreti per la promozione sono severi: per le **coproduzioni internazionali** vale una partecipazione minima del 20% (TAF sentenza C-7433/2009). Se la quota svizzera è inferiore al 5% dei costi totali, non è possibile alcuna promozione federale (GAAC 69.107). Queste percentuali derivano dalla Convenzione europea sulla coproduzione cinematografica (RS 0.443.2).\n\n**Esempio**: Un produttore svizzero vuole realizzare un documentario sull'alpinismo. Può richiedere una promozione selettiva presso l'Ufficio federale della cultura (art. 4 LCin). La commissione di valutazione esamina qualità e importanza culturale. In caso di valutazione positiva riceve un contributo — ma solo se tutte le regole procedurali sono state rispettate (GAAC 68.14).\n\nLa giurisprudenza più recente dimostra: anche le **serie cinematografiche** possono essere oggetto di promozione. Il Tribunale amministrativo federale ha deciso nel 2024 che le serie di documentari rientrano in linea di principio nel concetto di film (TAF sentenza B-5140/2023). Un'esclusione generale delle serie viola il principio di legalità.\n\nL'art. 71 cpv. 2 Cost. consente **misure regolatorie** per promuovere diversità e qualità. La natura di questa competenza è controversa: mentre l'opinione dominante parte da una competenza parallela tra Confederazione e Cantoni, altri vedono una competenza concorrente della Confederazione (Stöckli, BSK BV, Art. 71 n. 11, 22).\n\nI **Cantoni** rimangono autorizzati a promuovere il cinema nonostante la competenza federale. Il Tribunale amministrativo bernese ha confermato nel 2015 l'ammissibilità della promozione culturale cantonale per progetti cinematografici (sentenza 100 2014 194). Confederazione e Cantoni possono agire parallelamente, ma devono procedere in modo coordinato (art. 19 LCin).", "doctrine_it": "# Art. 71 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** La competenza della Confederazione per la promozione cinematografica è stata sancita per la prima volta esplicitamente nella Costituzione con la revisione totale della Costituzione federale del 1999. In precedenza, la promozione cinematografica federale si basava sull'art. 27ter aConst (competenza culturale generale). Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 284 seg.) sottolinea che l'art. 71 Cost. stabilisce una competenza di promozione specifica per il cinema, che va oltre la competenza culturale generale. Il costituente ha così voluto riconoscere la particolare importanza del cinema come bene culturale e fattore economico.\n\n**N. 2** La genesi della norma va compresa nel contesto della politica cinematografica europea. La Convenzione europea sulla coproduzione cinematografica (RS 0.443.2) e la politica audiovisiva dell'UE hanno plasmato in modo determinante la configurazione della promozione cinematografica svizzera. Stöckli (BSK Cost., art. 71 n. 1) rileva che l'ancoraggio costituzionale rappresentava anche una risposta alla crescente internazionalizzazione del mercato cinematografico.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 71 Cost. è collocato sistematicamente nella 3ª sezione del 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni) sotto le competenze della Confederazione. La disposizione forma, insieme con → l'art. 69 Cost. (Cultura) e → l'art. 70 Cost. (Lingue), l'ambito di competenza politico-culturale della Confederazione. A differenza della competenza culturale generale secondo l'art. 69 cpv. 2 Cost., che è configurata in modo sussidiario, l'art. 71 Cost. costituisce una competenza federale autonoma.\n\n**N. 4** La classificazione dell'art. 71 Cost. come competenza parallela o concorrente è controversa in dottrina. L'opinione prevalente (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. Cost., art. 71) la qualifica come competenza parallela della Confederazione e dei Cantoni. Il Consiglio federale (Mess. Cost.), Borghi (Cost. 1874) e Thürer et al. vi vedono una competenza concorrente. Stöckli (BSK Cost., art. 71 n. 11) classifica l'art. 71 come norma di competenza speciale nell'ambito della cultura.\n\n**N. 5** La delimitazione rispetto ad altre disposizioni costituzionali è significativa: → l'art. 93 Cost. (Radio e televisione) disciplina i media elettronici, mentre l'art. 71 Cost. riguarda specificamente la produzione cinematografica e la cultura cinematografica. → L'art. 103 Cost. (Politica strutturale) può essere rilevante per gli aspetti economici della promozione cinematografica. Il rapporto con → l'art. 95 cpv. 1 Cost. (attività lucrativa privata) deve essere considerato nelle misure di promozione statali.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** Il **concetto di film** dell'art. 71 Cost. va inteso in senso ampio. Stöckli (BSK Cost., art. 71 n. 6) lo descrive come opere audiovisive indipendentemente dal supporto. La configurazione concreta avviene tramite la legge sul cinema (LCin), che all'art. 2 LCin definisce i film come \"una sequenza di immagini o di immagini e suoni\" che \"sono fissati su un supporto\" e \"possono essere proiettati con mezzi tecnici\". Sono esclusi secondo l'art. 16 LCin i film pubblicitari, industriali e didattici nonché le pure produzioni televisive.\n\n**N. 7** **Produzione cinematografica e cultura cinematografica** (cpv. 1) vanno intesi come concetti complementari. La produzione cinematografica comprende tutte le fasi di realizzazione di un film dallo sviluppo della sceneggiatura alla produzione fino alla postproduzione. La cultura cinematografica si riferisce alla mediazione, proiezione, archiviazione e confronto critico con il cinema. Stöckli (BSK Cost., art. 71 n. 7) sottolinea che entrambi gli aspetti stanno sullo stesso piano.\n\n**N. 8** La **competenza di promozione** (\"può promuovere\") concede alla Confederazione un margine di valutazione. Non si tratta di un obbligo di promozione, ma di una norma facoltativa. La Confederazione è libera di decidere se e in quale misura fare uso di questa competenza. L'opinione prevalente (Stöckli, BSK Cost., art. 71 n. 22) sottolinea il carattere sussidiario della competenza federale (n. 24: \"La competenza di promozione della Confederazione ha un carattere sussidiario\").\n\n**N. 9** **Diversità e qualità** (cpv. 2) sono gli obiettivi centrali della competenza regolatoria. La diversità si riferisce sia alla varietà culturale e linguistica sia ai diversi generi e formati cinematografici. Il concetto di qualità è aperto e comprende aspetti artistici, tecnici e contenutistici. Graber (Die \"Einverleiherklausel\", sic! 2014, 1 segg.) richiama l'attenzione sulle sfide dell'assicurazione della qualità nell'era digitale.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** Dall'art. 71 cpv. 1 Cost. deriva la competenza della Confederazione a emanare misure di promozione. Queste si concretizzano nella legge sul cinema sotto forma di contributi di promozione selettivi (art. 4–8 LCin), contributi di promozione dipendenti dal successo (art. 9–12 LCin) e misure di promozione legate alla sede (art. 13–15 LCin). Il Tribunale federale nella **sentenza 2C_614/2015** ha chiarito che si tratta di sussidi discrezionali senza diritto legale.\n\n**N. 11** L'art. 71 cpv. 2 Cost. autorizza la Confederazione ad adottare misure regolatorie. Il tipo di competenza secondo il cpv. 2 è controverso: Geiser/Graber (SG Komm. Cost.) e Nobel/Weber (Diritto dei media, 339) vi vedono una competenza esclusiva, mentre il Messaggio Cost., Biaggini e Borghi (Cost. 1874) partono da una competenza legislativa concorrente (successivamente derogatoria).\n\n**N. 12** Le misure di promozione devono rispettare i limiti costituzionali, in particolare → l'art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto), → l'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) e → l'art. 127 Cost. (principi di tassazione). Il divieto di censura secondo → l'art. 17 cpv. 2 Cost. pone limiti al controllo contenutistico tramite criteri di promozione (cfr. Krüsi, Das Zensurverbot, 2011).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 13** Il **tipo di competenza federale** nella promozione cinematografica è il punto controverso centrale. L'opinione prevalente (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. Cost.) la qualifica come competenza parallela, che consente un'attività simultanea di Confederazione e Cantoni. Al contrario, il Consiglio federale (Mess. Cost.), Borghi (Cost. 1874) e Thürer et al. sostengono la concezione di una competenza concorrente, nella quale i Cantoni possono agire solo nella misura in cui la Confederazione non fa uso della sua competenza.\n\n**N. 14** Un'altra controversia riguarda la **portata della promozione della qualità**. Mentre Huster (Die ethische Neutralität des Staates, 2002) richiede una valutazione statale della qualità prudente, Graber/Hördegen (Filmwirtschaftsrecht, 2005, 350 segg.) propugnano un controllo attivo della qualità tramite criteri di promozione differenziati. Il Tribunale amministrativo federale nella **sentenza B-5140/2023** ha stabilito che le esclusioni generali di determinati formati (p. es. serie) violano il principio di legalità.\n\n**N. 15** La **delimitazione tra produzione cinematografica e televisiva** rimane controversa. Mentre la prassi precedente (JAAC 60.14) prevedeva una separazione rigorosa, la dottrina più recente (Bader/Egloff, AJP 2000, 1396 segg.; Weber/Unternährer/Zulauf, Diritto cinematografico svizzero, 2003) riconosce la crescente convergenza dei media. La questione è praticamente rilevante per l'applicabilità della promozione cinematografica alle produzioni in streaming.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella presentazione di domande di promozione cinematografica bisogna considerare la **composizione delle commissioni di valutazione**. JAAC 68.14 chiarisce che errori procedurali nella formazione della commissione possono portare alla nullità delle raccomandazioni. Il rispetto dell'ordinanza sulle commissioni (RS 172.31) è obbligatorio.\n\n**N. 17** Per le **coproduzioni internazionali** valgono requisiti speciali. Il Tribunale amministrativo federale nella **sentenza C-7433/2009** ha confermato una partecipazione minima del 20% per le coproduzioni ufficiali. Con una quota svizzera inferiore al 5% dei costi totali di produzione non è possibile alcuna promozione secondo JAAC 69.107. Deve essere rispettata la Convenzione europea sulla coproduzione cinematografica (RS 0.443.2).\n\n**N. 18** La **prassi di promozione** si sviluppa dinamicamente. La recente **sentenza B-5140/2023** mostra che le autorità di promozione devono adattare la loro prassi alle forme di produzione e distribuzione modificate. Le serie documentaristiche sono in linea di principio promuovibili. La trasformazione digitale del mercato cinematografico richiede un'interpretazione flessibile dei criteri di promozione (cfr. Graber, sic! 2014, 1 segg.).\n\n**N. 19** Nella **configurazione della promozione cinematografica cantonale** bisogna considerare la ripartizione costituzionale delle competenze. Indipendentemente dalla qualificazione come competenza parallela o concorrente, ai Cantoni rimane un margine di configurazione per misure di promozione complementari. Il coordinamento con la promozione federale avviene tramite l'art. 19 LCin. Il Tribunale amministrativo di Berna nella **sentenza 100 2014 194** ha confermato l'ammissibilità della promozione culturale cantonale per progetti cinematografici.", "caselaw_it": "# Art. 71 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Natura sussidiaria della promozione cinematografica\n\n**Sentenza 2C_614/2015 del 20 luglio 2015**\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che la promozione cinematografica della Confederazione costituisce sussidi discrezionali senza diritto di pretesa.\n\nNessun ricorso in materia di diritto pubblico possibile per decisioni su sussidi senza pretesa secondo l'art. 83 lett. k LTF.\n\n> «Il Tribunale amministrativo federale fa notare che non sussiste alcun diritto ai contributi di sostegno qui controversi. Ciò è verosimilmente corretto alla luce delle formulazioni degli art. 4-8 nonché 13-15 della Legge federale del 14 dicembre 2001 sulla produzione e la cultura cinematografiche (Legge sul cinema, LCin; RS 443.1), degli art. 25-27 della Legge federale dell'11 dicembre 2009 sulla promozione della cultura (Legge sulla promozione della cultura, LPCu; RS 442.1) nonché dell'art. 14 dell'Ordinanza del DFI del 20 dicembre 2002 sulla promozione cinematografica (OPCin; RS 443.113).»\n\n### Condizioni per le coproduzioni\n\n**TAF Sentenza C-7433/2009 del 27 dicembre 2011**\n\nPartecipazione minima del 20% richiesta nelle coproduzioni tedesco-svizzere.\n\nI progetti con collaborazione gratuita contraddicono l'obiettivo della promozione cinematografica di sostenere l'industria cinematografica svizzera.\n\n> «L'accordo tra Germania e Svizzera richiede una partecipazione minima tedesca del 20%. Una coproduzione nel rapporto dell'86% (Svizzera) al 14% (Germania) non può essere ufficialmente riconosciuta.»\n\n**Consiglio federale GAAC 69.107 del 13 aprile 2005**\n\nQuota svizzera inferiore al 5% dei costi totali di produzione esclude il contributo federale.\n\nApplicazione della Convenzione europea sulla coproduzione cinematografica.\n\n> «Le spese previste in Svizzera rappresentano meno del 5% dei costi totali di produzione, ragione per cui non può essere accordato alcun contributo.»\n\n### Promozione cinematografica e tasse LRTV\n\n**TAF Sentenza A-8516/2010 del 15 novembre 2011**\n\nLe tasse per la promozione cinematografica secondo la LRTV si applicano senza limitazioni dal 1° aprile 2007 e prevalgono sulle disposizioni della concessione.\n\nI diffusori televisivi sono obbligati al pagamento della tassa per la promozione cinematografica, anche in caso di rinuncia alla concessione.\n\n> «L'Ufficio federale delle comunicazioni (UFCOM) [ha informato] che questa si applica senza limitazioni dal 1° aprile 2007 e prevale sulle rispettive disposizioni della concessione.»\n\n### Promozione di serie cinematografiche\n\n**TAF Sentenza B-5140/2023 del 20 agosto 2024** (giurisprudenza più recente)\n\nLe serie documentarie sono in linea di principio promuovibili e rientrano nel concetto di film dell'art. 2 LCin.\n\nL'esclusione generale delle serie viola il principio di legalità e l'uguaglianza giuridica.\n\n> «Complessivamente l'interpretazione dell'art. 2 cpv. 1 LCin e del n. 2.1.3.1 Allegato 2 OPCin risulta che il concetto di film in queste disposizioni non esclude in linea di principio le serie. Se le opere vengono escluse dalla promozione unicamente con la motivazione che si tratta di una serie, il diritto non viene quindi (più) applicato correttamente.»\n\n### Procedura di valutazione\n\n**Consiglio federale GAAC 68.14 del 19 settembre 2003**\n\nLa composizione regolare delle commissioni di valutazione è imperativa.\n\nLe violazioni dell'ordinanza sulle commissioni rendono nulle le raccomandazioni.\n\n> «Le raccomandazioni non potrebbero essere formulate esclusivamente e definitivamente da sottocommissioni per le quali non siano state rispettate le regole dell'ordinanza sulle commissioni.»\n\n**Consiglio federale GAAC 64.43 del 6 dicembre 1999**\n\nLe valutazioni negative non possono essere mantenute in caso di vizi procedurali della commissione di valutazione.\n\nLa riorganizzazione del sistema di valutazione deve essere condotta correttamente.\n\n> «Queste decisioni si basavano su valutazioni negative della commissione specializzata per i film di finzione risultante dalla riorganizzazione della precedente commissione di valutazione (CV).»\n\n### Sviluppo storico\n\n**Consiglio federale GAAC 60.14 del 12 aprile 1995**\n\nI film su commissione non possono ricevere premi di qualità.\n\nLa promozione cinematografica deve promuovere la produzione cinematografica svizzera indipendente, non la produzione televisiva.\n\n> «Des films réalisés sur commande ne peuvent entrer en ligne de compte pour l'obtention de primes de qualité. La loi sur le cinéma a pour but d'encourager la production cinématographique suisse indépendante et non la télévision.»\n\n### Promozione dell'esportazione\n\n**TAF Sentenza B-6886/2018 del 7 agosto 2019**\n\nGli aiuti finanziari per l'esportazione di film sono possibili per sostenere l'irradiazione culturale.\n\nLa valorizzazione di film svizzeri rientra nell'art. 3 LCin.\n\n> «Per sostenere l'irradiazione culturale, la capacità economica, la continuità e la capacità di sviluppo della produzione cinematografica svizzera indipendente, la Confederazione può accordare tra l'altro aiuti finanziari per la valorizzazione di film svizzeri.»", "summary_en": "# Art. 71 BV\n\n## Overview\n\nArt. 71 BV empowers the Confederation to promote Swiss film production and film culture. This constitutional provision was newly introduced in 1999 and goes beyond the general cultural competence (Message on a new Federal Constitution, BBl 1997 I 284 f.). It grants the Confederation two different competences: the promotion of film production and film culture (paragraph 1) and the regulation of film offerings (paragraph 2).\n\nThe **concept of film** encompasses audiovisual works regardless of the carrier medium (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 6). The Film Act defines specifically: «a sequence of images or of images and sounds» that are recorded on a carrier and can be presented by technical means (Art. 2 FiG). Advertising films and purely television productions are excluded (Art. 16 FiG).\n\nThe **promotion competence** is designed as a «may provision» — the Confederation need not promote, but may (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22). Practice shows: There is no legal entitlement to film promotion (Federal Court judgment 2C_614/2015). Promotion occurs through selective contributions, success premiums and structural aid according to the Film Act (Art. 4–15 FiG).\n\nSpecific promotion requirements are strict: For **international co-productions**, a minimum participation of 20% applies (Federal Administrative Court judgment C-7433/2009). If the Swiss share is below 5% of the total costs, no federal promotion is possible (JAAC 69.107). These percentages derive from the European Convention on Cinematographic Co-production (SR 0.443.2).\n\n**Example**: A Swiss producer wants to realise a documentary film about alpinism. He can apply for selective promotion from the Federal Office of Culture (Art. 4 FiG). The assessment commission examines quality and cultural significance. With a positive evaluation, he receives a contribution — but only if all procedural rules were observed (JAAC 68.14).\n\nThe most recent case law shows: **Film series** can also be eligible for promotion. The Federal Administrative Court decided in 2024 that documentary film series fundamentally fall under the concept of film (Federal Administrative Court judgment B-5140/2023). A blanket exclusion of series violates the principle of legality.\n\nArt. 71 para. 2 BV enables **regulatory measures** to promote diversity and quality. The nature of this competence is disputed: While the prevailing opinion assumes a parallel competence between Confederation and cantons, others see a competing federal competence (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 11, 22).\n\nThe **cantons** remain authorised to promote film despite federal competence. The Bern Administrative Court confirmed in 2015 the admissibility of cantonal cultural promotion for film projects (judgment 100 2014 194). Confederation and cantons may act in parallel, but must proceed in a coordinated manner (Art. 19 FiG).", "doctrine_en": "# Art. 71 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The Confederation's film promotion competence was explicitly enshrined in the Constitution for the first time with the total revision of the Federal Constitution in 1999. Previously, federal film promotion was based on Art. 27ter of the old Federal Constitution (general cultural competence). The Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 284 f.) emphasises that Art. 71 BV establishes a specific promotion competence for film that goes beyond the general cultural competence. The constitutional legislature thereby wanted to recognise the special significance of film as a cultural asset and economic factor.\n\n**N. 2** The emergence of this provision must be understood in the context of European film policy. The European Convention on Cinematographic Co-Production (SR 0.443.2) and the EU's audiovisual policy significantly shaped the design of Swiss film promotion. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 1) points out that the constitutional anchoring also represented a response to the increasing internationalisation of the film market.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 71 BV is systematically classified in Section 3 of Title 3 (Confederation, Cantons and Communes) under the competences of the Confederation. The provision forms, together with → Art. 69 BV (Culture) and → Art. 70 BV (Languages), the Confederation's cultural policy sphere of competence. Unlike the general cultural competence under Art. 69 para. 2 BV, which is designed as subsidiary, Art. 71 BV is an autonomous federal competence.\n\n**N. 4** The classification of Art. 71 BV as parallel or concurrent competence is disputed in doctrine. The prevailing opinion (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV, Art. 71) qualifies it as parallel competence of the Confederation and the cantons. In contrast, the Federal Council (Message BV), Borghi (BV 1874) and Thürer et al. see it as concurrent competence. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 11) classifies Art. 71 as a special competence provision in the field of culture.\n\n**N. 5** The delimitation from other constitutional provisions is significant: → Art. 93 BV (Radio and Television) regulates electronic media, while Art. 71 BV specifically covers film production and film culture. → Art. 103 BV (Structural Policy) may be relevant for the economic aspects of film promotion. The relationship to → Art. 95 para. 1 BV (private economic activity) must be observed in the case of state promotion measures.\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n**N. 6** The **concept of film** in Art. 71 BV is to be understood broadly. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 6) describes it as audiovisual works regardless of the carrier medium. The concrete implementation is carried out through the Film Act (FiG), which defines films in Art. 2 FiG as \"a sequence of images or of images and sounds\" that are \"recorded on a carrier\" and \"can be shown by technical means\". According to Art. 16 FiG, advertising films, industrial and educational films as well as pure television productions are excluded.\n\n**N. 7** **Film production and film culture** (para. 1) are to be understood as complementary concepts. Film production encompasses all phases of making a film from script development through production to post-production. Film culture refers to the mediation, screening, archiving and critical examination of film. Stöckli (BSK BV, Art. 71 N. 7) emphasises that both aspects stand side by side as equals.\n\n**N. 8** The **promotion competence** (\"may promote\") grants the Confederation discretion. This is not an obligation to promote, but a discretionary provision. The Confederation is free whether and to what extent it makes use of this competence. The prevailing opinion (Stöckli, BSK BV, Art. 71 N. 22) emphasises the subsidiary character of the federal competence (N. 24: \"The promotion competence of the Confederation has a subsidiary character\").\n\n**N. 9** **Diversity and quality** (para. 2) are the central goals of the regulatory competence. Diversity refers to both cultural and linguistic diversity as well as different film genres and formats. The concept of quality is open and encompasses artistic, technical and content-related aspects. Graber (Die \"Einverleiherklausel\", sic! 2014, 1 ff.) points to the challenges of quality assurance in the digital age.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 71 para. 1 BV gives rise to the Confederation's competence to enact promotion measures. These are concretised in the Film Act in the form of selective promotion contributions (Art. 4–8 FiG), success-dependent promotion contributions (Art. 9–12 FiG) and location-based promotion measures (Art. 13–15 FiG). The Federal Supreme Court clarified in **Judgment 2C_614/2015** that these are discretionary subsidies without legal entitlement.\n\n**N. 11** Art. 71 para. 2 BV empowers the Confederation to take regulatory measures. The type of competence under para. 2 is disputed: Geiser/Graber (SG Komm. BV) and Nobel/Weber (Media Law, 339) see it as exclusive competence, while the Message BV, Biaggini and Borghi (BV 1874) assume concurrent (subsequently derogatory) legislative competence.\n\n**N. 12** The promotion measures must observe constitutional limits, particularly → Art. 5 BV (rule of law principle), → Art. 8 BV (legal equality) and → Art. 127 BV (taxation principles). The prohibition of censorship under → Art. 17 para. 2 BV sets limits to content control through promotion criteria (cf. Krüsi, Das Zensurverbot, 2011).\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 13** The **type of federal competence** in film promotion is the central point of dispute. The prevailing opinion (Aubert/Mahon, Biaggini, Birchmeier, Geiser/Graber in SG Komm. BV) qualifies it as parallel competence that allows simultaneous activity by the Confederation and cantons. In contrast, the Federal Council (Message BV), Borghi (BV 1874) and Thürer et al. take the view of concurrent competence, where cantons can only act insofar as the Confederation does not make use of its competence.\n\n**N. 14** Another point of dispute concerns the **scope of quality promotion**. While Huster (Die ethische Neutralität des Staates, 2002) calls for restrained state quality assessment, Graber/Hördegen (Filmwirtschaftsrecht, 2005, 350 ff.) advocate for active quality control through differentiated promotion criteria. The Federal Administrative Court held in **Judgment B-5140/2023** that blanket exclusions of certain formats (e.g. series) violate the legality principle.\n\n**N. 15** The **delimitation between film and television production** remains disputed. While the older practice (JAAC 60.14) provided for a strict separation, the newer doctrine (Bader/Egloff, AJP 2000, 1396 ff.; Weber/Unternährer/Zulauf, Schweizerisches Filmrecht, 2003) recognises the increasing convergence of media. The question is practically relevant for the applicability of film promotion to streaming productions.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** When applying for film promotion, the **composition of the assessment committees** must be observed. JAAC 68.14 makes clear that procedural errors in committee formation can lead to the nullity of recommendations. Compliance with the Ordinance on Commissions (SR 172.31) is mandatory.\n\n**N. 17** Special requirements apply to **international co-productions**. The Federal Administrative Court confirmed in **Judgment C-7433/2009** a minimum participation of 20% for official co-productions. According to JAAC 69.107, no promotion is possible with a Swiss share of less than 5% of the total production costs. The European Convention on Cinematographic Co-Production (SR 0.443.2) must be observed.\n\n**N. 18** **Promotion practice** develops dynamically. The recent **Judgment B-5140/2023** shows that promotion authorities must adapt their practice to changed production and distribution forms. Documentary film series are fundamentally eligible for promotion. The digital transformation of the film market requires flexible interpretation of promotion criteria (cf. Graber, sic! 2014, 1 ff.).\n\n**N. 19** In **designing cantonal film promotion**, the constitutional distribution of competences must be observed. Regardless of the qualification as parallel or concurrent competence, the cantons retain scope for complementary promotion measures. Coordination with federal promotion takes place via Art. 19 FiG. The Administrative Court of Bern confirmed in **Judgment 100 2014 194** the admissibility of cantonal cultural promotion for film projects.", "caselaw_en": "# Art. 71 BV\n\n## Case Law\n\n### Subsidy Law Nature of Film Funding\n\n**Judgment 2C_614/2015 of 20 July 2015**\n\nThe Federal Supreme Court determined that federal film funding constitutes discretionary subsidies without legal entitlement.\n\nNo appeal in public law matters is possible for decisions on subsidies without entitlement under Art. 83 lit. k FSCA.\n\n> «The Federal Administrative Court points out that there is no entitlement to the support contributions in dispute here. This is correct in view of the wording of Art. 4-8 as well as 13-15 of the Federal Act of 14 December 2001 on Film Production and Film Culture (Film Act, FiA; SR 443.1), Art. 25-27 of the Federal Act of 11 December 2009 on the Promotion of Culture (Cultural Promotion Act, CPA; SR 442.1) as well as Art. 14 of the Ordinance of the FDHA of 20 December 2002 on Film Funding (FFO; SR 443.113).»\n\n### Co-production Requirements\n\n**FAC Judgment C-7433/2009 of 27 December 2011**\n\nMinimum participation of 20% required for German-Swiss co-productions.\n\nProjects with unpaid collaboration contradict the goal of film funding to support the Swiss film industry.\n\n> «The agreement between Germany and Switzerland requires a German minimum participation of 20%. A co-production in the ratio of 86% (Switzerland) to 14% (Germany) cannot be officially recognised.»\n\n**Federal Council JAAC 69.107 of 13 April 2005**\n\nSwiss share under 5% of total production costs excludes federal contribution.\n\nApplication of the European Convention on Cinematographic Co-production.\n\n> «The expenses planned in Switzerland amount to less than 5% of the total production costs, which is why no contribution can be granted.»\n\n### Film Funding and RTVA Levies\n\n**FAC Judgment A-8516/2010 of 15 November 2011**\n\nFilm funding levies under RTVA apply unreservedly from 1 April 2007 and take precedence over concession provisions.\n\nTelevision broadcasters are obligated to pay film funding levies, even upon renouncing concessions.\n\n> «The Federal Office of Communications (OFCOM) [informed] that this would apply unreservedly from 1 April 2007 and would take precedence over the respective concession provisions.»\n\n### Funding of Film Series\n\n**FAC Judgment B-5140/2023 of 20 August 2024** (latest case law)\n\nDocumentary film series are fundamentally eligible for funding and fall under the film concept of Art. 2 FiA.\n\nBlanket exclusion of series violates the principle of legality and equality.\n\n> «Overall, the interpretation of Art. 2 para. 1 FiA and no. 2.1.3.1 Annex 2 FFO shows that the film concept in these provisions does not fundamentally exclude series. If works are excluded from funding merely on the grounds that they are series, the law is thus not (correctly) applied.»\n\n### Assessment Procedure\n\n**Federal Council JAAC 68.14 of 19 September 2003**\n\nProper composition of assessment committees is mandatory.\n\nViolations of the Commissions Ordinance render recommendations null and void.\n\n> «Recommendations may not be given exclusively and definitively by subcommittees where the rules of the Commissions Ordinance have not been observed.»\n\n**Federal Council JAAC 64.43 of 6 December 1999**\n\nNegative assessments cannot be upheld in case of procedural errors by the assessment committee.\n\nReorganisation of the assessment system must be carried out correctly.\n\n> «These decisions were based on negative assessments by the specialist committee for feature films that emerged from the former assessment committee (AC) following a reorganisation.»\n\n### Historical Development\n\n**Federal Council JAAC 60.14 of 12 April 1995**\n\nCommissioned films cannot receive quality premiums.\n\nFilm funding should promote independent Swiss film production, not television production.\n\n> «Des films réalisés sur commande ne peuvent entrer en ligne de compte pour l'obtention de primes de qualité. La loi sur le cinéma a pour but d'encourager la production cinématographique suisse indépendante et non la télévision.»\n\n### Export Promotion\n\n**FAC Judgment B-6886/2018 of 7 August 2019**\n\nFinancial assistance for film export is possible to support cultural outreach.\n\nExploitation of Swiss films falls under Art. 3 FiA.\n\n> «To support the cultural outreach, economic capacity, continuity and development capability of independent Swiss film production, the Confederation may grant financial assistance inter alia for the exploitation of Swiss films.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_71", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 72, "article_suffix": "", "title": "Kirche und Staat", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 72 BV regelt die Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen im Religionsrecht. Die Kantone sind für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat zuständig. Sie können Religionsgemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkennen und Kirchensteuern erheben. Es besteht aber kein Rechtsanspruch auf Anerkennung (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\nDie Kantone organisieren ihre Landeskirchen selbst. Das Bundesgericht bestätigte in **BGE 129 I 68**: Ein «partieller Austritt» nur aus der Landeskirche ist möglich, wenn das kantonale Recht dies vorsieht. Die Kantone müssen aber die Religionsfreiheit (Art. 15 BV) respektieren (**BGE 145 I 121**).\n\nBund und Kantone können Massnahmen treffen, um den Religionsfrieden zu wahren. Das bedeutet: Sie dürfen eingreifen, wenn es Konflikte zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften gibt. Solche Massnahmen sind zum Beispiel Strafnormen gegen Störung der Religionsfreiheit (Art. 261 StGB) oder Polizeimassnahmen bei religiösen Spannungen.\n\nDas Minarettverbot von 2009 verbietet den Neubau von Minaretten (Türme an Moscheen) in der ganzen Schweiz. Die Volksinitiative wurde am 29. November 2009 mit 57,5% Ja-Stimmen angenommen (BBl 2008 7603). Bestehende Minarette in Genf, Winterthur, Wangen bei Olten und Zürich bleiben erlaubt. Das Verbot ist absolut – Ausnahmen gibt es keine.\n\nDie Regelungen betreffen alle Religionsgemeinschaften, nicht nur christliche Kirchen. Auch muslimische, jüdische oder buddhistische Gemeinschaften können von den Kantonen anerkannt werden. Allerdings haben die meisten Kantone bisher nur die traditionellen christlichen Kirchen öffentlich-rechtlich anerkannt.\n\n**Beispiel**: Im Kanton Zürich sind die reformierte und die katholische Kirche öffentlich-rechtlich anerkannt. Sie können Kirchensteuern erheben und haben besondere Rechte. Eine muslimische Gemeinde, die öffentlich-rechtliche Anerkennung beantragt, hat darauf keinen Rechtsanspruch – der Kanton kann frei entscheiden.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 72 BV hat seine Wurzeln in den historischen Religionskonflikten der Schweiz, die im 19. Jahrhundert in den Kulturkampfartikeln der BV 1874 mündeten. Die Bestimmung wurde bei der Totalrevision 1999 neu formuliert, wobei der konfessionelle Charakter entschärft und die staatskirchenrechtliche Neutralität betont wurde. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 hielt fest: «Die Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Religion ist grundsätzlich Sache der Kantone» (BBl 1997 I 1, 318). Die kulturkämpferischen Ausnahmeartikel (Art. 51-52 aBV) wurden dabei aufgehoben.\n\n**N. 2** Der Absatz 2 über die Wahrung des Religionsfriedens wurde als Kompetenzgrundlage für Bund und Kantone neu eingefügt. Die Botschaft betonte, dass beide Staatsebenen «im Rahmen ihrer Zuständigkeit» handeln können, womit keine neue Bundeskompetenz geschaffen, sondern die bestehende Praxis verfassungsrechtlich verankert wurde (BBl 1997 I 319).\n\n**N. 3** Das Minarettverbot in Absatz 3 wurde durch die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» eingefügt, die am 29. November 2009 mit 57,5% Ja-Stimmen angenommen wurde. Die Botschaft des Bundesrates vom 27. August 2008 empfahl die Initiative zur Ablehnung, da sie «gegen die Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot verstösst» (BBl 2008 7603, 7638).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 72 BV steht im 3. Titel über «Bund, Kantone und Gemeinden» und regelt primär die föderalistische Kompetenzverteilung im Religionsverfassungsrecht. Die Bestimmung ist im Kontext der Religionsfreiheit (→ Art. 15 BV) und des Diskriminierungsverbots (→ Art. 8 Abs. 2 BV) zu lesen. Als Kompetenznorm begründet sie keine subjektiven Rechte, sondern verteilt die Regelungszuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen.\n\n**N. 5** Das Verhältnis zu Art. 15 BV ist zentral: Während Art. 15 die individuelle und kollektive Religionsfreiheit garantiert, bestimmt Art. 72 die organisationsrechtlichen Rahmenbedingungen. Die kantonale Kompetenz nach Art. 72 Abs. 1 findet ihre Schranken in den Grundrechten, insbesondere in der Religionsfreiheit (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 11-14).\n\n**N. 6** Im Verfassungsgefüge bildet Art. 72 BV zusammen mit Art. 3 BV (Kantonsautonomie) die Grundlage für das schweizerische Staatskirchenrecht. Die subsidiäre Bundeskompetenz nach Abs. 2 ergänzt die sicherheitspolizeilichen Kompetenzen des Bundes (→ Art. 57 BV, → Art. 173 Abs. 1 lit. b BV).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Kantonale Zuständigkeit (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Formulierung «sind die Kantone zuständig» begründet eine ausschliessliche Kantonshoheit im Staatskirchenrecht. Winzeler charakterisiert dies als «unechten Zuständigkeitsvorbehalt», da der Bund punktuell dennoch religionsrechtliche Normen erlassen kann (BSK BV, Art. 72 N. 10). Die kantonale Kompetenz umfasst die gesamte Organisation des Verhältnisses zwischen Staat und Religionsgemeinschaften, einschliesslich der öffentlich-rechtlichen Anerkennung.\n\n**N. 8** Zum «Verhältnis zwischen Kirche und Staat» gehört nach herrschender Lehre: die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften, die Regelung der Kirchensteuern, die Organisation der Landeskirchen, die Bestimmung ihrer Organe und Verfahren sowie die Abgrenzung zwischen staatlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit (**BGE 129 I 91** E. 4.1).\n\n**N. 9** Die historische Formulierung «Kirche» ist weit auszulegen und umfasst alle Religionsgemeinschaften. Das Bundesgericht betont, dass der religiös neutrale Staat «von der Bedeutung ausgehen [muss], welche die religiöse Norm für die Betroffenen hat» (**BGE 145 I 121** E. 4.3; Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n### 3.2 Wahrung des Religionsfriedens (Abs. 2)\n\n**N. 10** Der «öffentliche Friede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften» ist ein polizeiliches Schutzgut. Beide Staatsebenen können «im Rahmen ihrer Zuständigkeit» präventive und repressive Massnahmen ergreifen. Die Norm begründet keine neue Bundeskompetenz, sondern verdeutlicht die bestehenden Befugnisse.\n\n**N. 11** Als «Massnahmen» kommen in Betracht: Strafnormen gegen Störung der Glaubensfreiheit (Art. 261 StGB), präventive Polizeimassnahmen, Vermittlung bei Konflikten sowie Förderung des interreligiösen Dialogs. Die Schranke bilden die Grundrechte, insbesondere die Religionsfreiheit selbst (Jörg Paul Müller, zit. bei Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53).\n\n### 3.3 Minarettverbot (Abs. 3)\n\n**N. 12** Das Bauverbot für Minarette stellt ein absolutes, ausnahmsloses Verbot dar. Der Begriff «Minarett» ist als Turm einer Moschee zu verstehen, von dem zum Gebet gerufen wird. Das Verbot erfasst nur neue Bauten; die vier bestehenden Minarette in Genf, Winterthur, Wangen bei Olten und Zürich geniessen Bestandesschutz.\n\n**N. 13** Die Lehre ist über die Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht gespalten. Markus Schefer sieht Konstellationen, «wo die Interessen am Bau eines Minaretts überwiegen» (zit. bei Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53). Die herrschende Meinung qualifiziert das Verbot als Verletzung der Religionsfreiheit und des Diskriminierungsverbots (Kley/Schaer, Gewährleistet die Religionsfreiheit einen Anspruch auf Minarett und Gebetsruf?, passim).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Aus der kantonalen Zuständigkeit (Abs. 1) folgt die Befugnis zur umfassenden Regelung des Staatskirchenrechts. Die Kantone können Religionsgemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkennen, müssen dies aber nicht (Pahud de Mortanges, Zur Anerkennung und Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften, S. 185 ff.). Nach einhelliger Lehre besteht kein Anspruch auf öffentlich-rechtliche Anerkennung (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\n**N. 15** Die Grundrechtsbindung der Kantone bleibt unberührt. Das Bundesgericht hat präzisiert: Die kantonale Regelung des «Nexus» zwischen Konfessionszugehörigkeit und Kirchenmitgliedschaft ist «grundsätzlich zulässig», muss aber die Austrittsfreiheit wahren (**BGE 129 I 68** E. 3.3). Bei der Gewährung staatlicher Beiträge dürfen Bedingungen gestellt werden, solange die Glaubensfreiheit gewahrt bleibt (**BGE 145 I 121** E. 5.2).\n\n**N. 16** Das Minarettverbot (Abs. 3) verpflichtet alle Baubehörden, entsprechende Baugesuche abzulehnen. Eine verfassungskonforme Auslegung oder Einzelfallabwägung ist nach herrschender Meinung ausgeschlossen, da die Norm als absolutes Verbot formuliert ist.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Grundrechtsbindung öffentlich-rechtlich anerkannter Religionsgemeinschaften ist umstritten. Die herrschende Lehre bejaht eine volle Grundrechtsbindung öffentlich-rechtlicher und verneint sie für privatrechtliche Religionsgemeinschaften. Winzeler plädiert für einen Mittelweg: «zurückhaltende Anwendung der Grundrechte gegenüber öffentlich-rechtlich anerkannten und massvoll eingesetzte Drittwirkung gegenüber privatrechtlichen Religionsgemeinschaften» (BSK BV, Art. 72 N. 22).\n\n**N. 18** Kontrovers ist die Reichweite der kantonalen Organisationsautonomie. Die ältere Lehre (Burckhardt) vertrat, der Kanton könne «entscheiden, welches die Organisation und welches die Lehre der von ihm anerkannten Kirche sein soll» (zit. bei Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 8). Dies wird heute einhellig abgelehnt: Das Selbstverständnis einer Religionsgemeinschaft ist «authentisch, will heissen: selbst-, nicht fremdbestimmt zu würdigen» (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n**N. 19** Die Völkerrechtskonformität des Minarettverbots wird unterschiedlich beurteilt. Während Teile der Lehre eine klare Verletzung von Art. 9 und 14 EMRK sehen, argumentieren andere mit dem weiten Ermessensspielraum der Staaten im religionsrechtlichen Bereich. Ein EGMR-Urteil steht aus, da mangels Baubewilligungsverfahren die innerstaatlichen Rechtsmittel nicht ausgeschöpft werden können.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von Religionsgemeinschaften müssen die Kantone das Rechtsgleichheitsgebot beachten. Unterschiedliche Behandlungen bedürfen sachlicher Gründe (Famos, Die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften im Lichte des Rechtsgleichheitsprinzips, passim). Die demokratische Organisation kann verlangt, muss aber an die Eigenart der Religionsgemeinschaft angepasst werden (Hafner, Kirche und Demokratie, S. 25 ff.).\n\n**N. 21** Kirchenaustrittserklärungen sind differenziert zu behandeln. Ein «partieller Austritt» nur aus der Landeskirche unter Verbleib in der Konfession ist möglich, wenn das kantonale Recht dies vorsieht (**BGE 129 I 68**). Die Erklärung muss eindeutig sein; Unklarheiten gehen zulasten des Austrittswilligen.\n\n**N. 22** Beim Religionsfrieden (Abs. 2) ist Zurückhaltung geboten. Präventive Massnahmen dürfen nicht diskriminierend wirken. Das Genfer Laizitätsgesetz zeigt die Grenzen auf: Ein generelles Verbot religiöser Manifestationen im öffentlichen Raum verletzt die Religionsfreiheit (**BGE 148 I 160**).\n\n**N. 23** Für die Praxis des Minarettverbots empfiehlt sich eine restriktive Auslegung des Begriffs «Minarett». Nicht erfasst sind Gebetsräume ohne Turm, Kuppeln oder andere architektonische Elemente islamischer Sakralbauten. Die vier bestehenden Minarette dürfen renoviert und in ihrer Substanz erhalten werden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Kantonale Zuständigkeit und Organisation der Landeskirchen\n\n**BGE 129 I 91** vom 29. November 2002  \nVerbot der geistlichen Gerichtsbarkeit und Autonomie der Landeskirchen bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten.  \nDie Entscheidung definiert die Grenzen zwischen staatlicher und landeskirchlicher Gerichtsbarkeit und präzisiert die kantonale Organisationsgewalt über die Landeskirchen.\n\n> «Es obliegt den staatlichen Instanzen, festzulegen, welche Bereiche vom landeskirchlichen Rechtsschutzauftrag gemäss § 114 KV/AG erfasst werden. Die Auffassung des Verwaltungsgerichts, die Beurteilung vermögensrechtlicher Streitigkeiten aus kirchlichem Dienstrecht habe auf dem Wege des kircheninternen Beschwerde- und nicht des staatlichen Klageverfahrens zu erfolgen, hält vor dem Verbot der geistlichen Gerichtsbarkeit stand und verletzt weder die landeskirchliche Autonomie noch das Willkürverbot.»\n\n**BGE 145 I 121** vom 18. Januar 2018  \nGlaubensfreiheit der Landeskirchen und staatliche Subventionierung.  \nDas Urteil behandelt die Grenzen der Glaubensfreiheit von Landeskirchen bei staatlichen Beiträgen und die Bedeutung von Art. 72 Abs. 1 BV für die kantonale Kirchenorganisation.\n\n> «Nach dem schweizerischen Verfassungsverständnis können die Kantone gestützt auf Art. 72 Abs. 1 BV die Organisation und die Mitgliedschaft in den von ihnen anerkannten Kirchen regeln. Die Beitragsgewährung war an die Bedingung geknüpft, dass der Betrag namentlich nicht für die Beratung über Abtreibungsmethoden verwendet werden darf. Damit ist das Anliegen der Beschwerdeführerin erfüllt und ihre Glaubensfreiheit nicht verletzt.»\n\n## Kirchenaustritt und Mitgliedschaft\n\n**BGE 129 I 68** vom 18. Dezember 2002  \nRechtswirkungen eines partiellen Kirchenaustritts aus Landeskirche unter Verbleib in der Religionsgemeinschaft.  \nDer Entscheid klärt die Zulässigkeit eines sogenannten partiellen Kirchenaustritts und die Bedeutung der kantonalen Regelungskompetenz.\n\n> «Die Kirchenverfassung/LU verknüpft für die im Kanton Luzern wohnhaften Personen das Bekenntnis zur römisch-katholischen Religionsgemeinschaft bzw. Konfession mit der Mitgliedschaft in der römisch-katholischen Landeskirche und der entsprechenden Kirchgemeinde (sog. Nexus). Eine solche Verknüpfung ist verfassungsrechtlich zwar nicht geboten; der Kanton kann das Verhältnis zwischen kirchlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts und Religionsgemeinschaft auch dualistisch regeln. Der Nexus ist aber grundsätzlich zulässig.»\n\n## Diskriminierungsverbot und religiöse Symbole\n\n**BGE 134 I 49** vom 27. Februar 2008  \nDiskriminierende Nichteinbürgerung wegen Tragens des Kopftuches.  \nDas Urteil zeigt die Grenzen staatlicher Eingriffe bei religiösen Symbolen im Kontext der Einbürgerung.\n\n> «Einen negativen Einbürgerungsentscheid auf das Tragen des Kopftuches als religiöses Symbol abzustellen, ist geeignet, die Gesuchstellerin unzulässig zu benachteiligen. Hierfür fehlt eine qualifizierte Rechtfertigung: Das blosse Tragen des Kopftuches bringt für sich keine gegen rechtsstaatliche und demokratische Wertvorstellungen verstossende Haltung zum Ausdruck.»\n\n**BGE 148 I 160** vom 23. Dezember 2021  \nGenfer Laizitätsgesetz und religiöse Manifestationen im öffentlichen Raum.  \nDie Entscheidung präzisiert die Grenzen kantonaler Laizität und den Schutz der Glaubensfreiheit bei religiösen Veranstaltungen.\n\n> «Tel qu'il est libellé, l'art. 6 al. 1 et 2 LLE/GE, qui prévoit que les manifestations religieuses cultuelles sur le domaine public ne peuvent être autorisées qu'à titre exceptionnel, revient à prévoir une interdiction de principe de ce type de manifestation, ce qui est incompatible avec l'art. 15 Cst.»\n\n## Religiöse Schiedsgerichtsbarkeit\n\n**BGE 149 III 338** vom 12. Mai 2023  \nZulässigkeit religiöser Schiedsgerichte und Verbot der geistlichen Gerichtsbarkeit.  \nDas Urteil behandelt die Abgrenzung zwischen dem Verbot geistlicher Gerichtsbarkeit und zulässigen religiösen Schiedsverfahren.\n\n> «Die von Art. 58 aBV 1874 abgeschaffte und auch von der geltenden Bundesverfassung untersagte geistliche Gerichtsbarkeit erfasst ein freiwillig vereinbartes kirchliches Schiedsgericht nicht, sofern es in einem schiedsfähigen, d.h. in einem der freien Parteidisposition unterstehenden Bereich entscheidet.»\n\n## Öffentlicher Friede zwischen Religionsgemeinschaften\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 72 Abs. 2 BV ist noch spärlich, da das Minarettbauverbot von Art. 72 Abs. 3 BV seit 2009 in Kraft ist und bislang keine direkten gerichtlichen Auseinandersetzungen bezüglich der Massnahmen zur Wahrung des öffentlichen Friedens zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften dokumentiert sind. Die Bestimmung wurde bisher nicht in BGE-würdigen Verfahren thematisiert, was darauf hindeutet, dass entsprechende Konflikte auf administrativer Ebene gelöst oder vermieden wurden.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 72 Cst. règle les compétences entre la Confédération et les cantons en matière de droit religieux. Les cantons sont compétents pour les rapports entre l'Église et l'État. Ils peuvent reconnaître les communautés religieuses de droit public et lever des impôts ecclésiastiques. Il n'existe cependant aucun droit à la reconnaissance (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\nLes cantons organisent eux-mêmes leurs Églises cantonales. Le Tribunal fédéral a confirmé dans l'**ATF 129 I 68** : Une « sortie partielle » de l'Église cantonale seulement est possible si le droit cantonal le prévoit. Les cantons doivent toutefois respecter la liberté religieuse (art. 15 Cst.) (**ATF 145 I 121**).\n\nLa Confédération et les cantons peuvent prendre des mesures pour préserver la paix religieuse. Cela signifie : ils peuvent intervenir en cas de conflits entre différentes communautés religieuses. De telles mesures sont par exemple les normes pénales contre la perturbation de la liberté religieuse (art. 261 CP) ou les mesures de police en cas de tensions religieuses.\n\nL'interdiction des minarets de 2009 interdit la construction de nouveaux minarets (tours des mosquées) dans toute la Suisse. L'initiative populaire a été acceptée le 29 novembre 2009 avec 57,5% de oui (FF 2008 6899). Les minarets existants à Genève, Winterthour, Wangen près d'Olten et Zurich restent autorisés. L'interdiction est absolue – il n'y a aucune exception.\n\nLes réglementations concernent toutes les communautés religieuses, pas seulement les Églises chrétiennes. Les communautés musulmanes, juives ou bouddhistes peuvent également être reconnues par les cantons. Toutefois, la plupart des cantons n'ont jusqu'à présent reconnu de droit public que les Églises chrétiennes traditionnelles.\n\n**Exemple** : Dans le canton de Zurich, l'Église réformée et l'Église catholique sont reconnues de droit public. Elles peuvent lever des impôts ecclésiastiques et ont des droits particuliers. Une communauté musulmane qui demande la reconnaissance de droit public n'y a aucun droit – le canton peut décider librement.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 72 Cst. trouve ses racines dans les conflits religieux historiques de la Suisse, qui ont abouti au XIXe siècle aux articles de Kulturkampf de la Cst. 1874. Cette disposition a été reformulée lors de la révision totale de 1999, en atténuant le caractère confessionnel et en soulignant la neutralité en matière de droit des rapports entre l'État et l'Église. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 précisait : « La réglementation des rapports entre l'État et les religions relève en principe des cantons » (FF 1997 I 1, 318). Les articles d'exception du Kulturkampf (art. 51-52 ancienne Cst.) ont ainsi été abrogés.\n\n**N. 2** L'alinéa 2 sur la sauvegarde de la paix religieuse a été ajouté comme base de compétence pour la Confédération et les cantons. Le message soulignait que les deux niveaux étatiques peuvent agir « dans les limites de leurs compétences », ce qui ne crée pas une nouvelle compétence fédérale mais ancre constitutionnellement la pratique existante (FF 1997 I 319).\n\n**N. 3** L'interdiction des minarets à l'alinéa 3 a été introduite par l'initiative populaire « contre la construction de minarets », qui a été acceptée le 29 novembre 2009 avec 57,5% de votes favorables. Le message du Conseil fédéral du 27 août 2008 recommandait de rejeter l'initiative car elle « va à l'encontre de la liberté de religion et de l'interdiction de discriminer » (FF 2008 7603, 7638).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 72 Cst. figure au 3e titre sur « Confédération, cantons et communes » et règle principalement la répartition fédéraliste des compétences en droit constitutionnel religieux. Cette disposition doit être lue dans le contexte de la liberté de religion (→ art. 15 Cst.) et de l'interdiction de discriminer (→ art. 8 al. 2 Cst.). En tant que norme de compétence, elle ne fonde pas de droits subjectifs mais répartit les compétences réglementaires entre la Confédération et les cantons.\n\n**N. 5** Le rapport à l'art. 15 Cst. est central : tandis que l'art. 15 garantit la liberté de religion individuelle et collective, l'art. 72 détermine les conditions-cadres organisationnelles. La compétence cantonale selon l'art. 72 al. 1 trouve ses limites dans les droits fondamentaux, en particulier dans la liberté de religion (Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 11-14).\n\n**N. 6** Dans l'architecture constitutionnelle, l'art. 72 Cst. forme, avec l'art. 3 Cst. (autonomie cantonale), la base du droit suisse des rapports entre l'État et l'Église. La compétence subsidiaire de la Confédération selon l'al. 2 complète les compétences de police de sûreté de la Confédération (→ art. 57 Cst., → art. 173 al. 1 let. b Cst.).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Compétence cantonale (al. 1)\n\n**N. 7** La formulation « les cantons sont compétents » fonde une souveraineté exclusive des cantons en droit des rapports entre l'État et l'Église. Winzeler caractérise ceci comme une « réserve de compétence non authentique », car la Confédération peut néanmoins édicter ponctuellement des normes de droit religieux (BSK BV, art. 72 N. 10). La compétence cantonale englobe toute l'organisation du rapport entre l'État et les communautés religieuses, y compris la reconnaissance de droit public.\n\n**N. 8** Le « rapport entre l'Église et l'État » comprend selon la doctrine dominante : la reconnaissance de droit public des communautés religieuses, la réglementation des impôts ecclésiastiques, l'organisation des Églises nationales, la détermination de leurs organes et procédures ainsi que la délimitation entre juridiction étatique et ecclésiastique (**ATF 129 I 91** c. 4.1).\n\n**N. 9** La formulation historique « Église » doit être interprétée largement et englobe toutes les communautés religieuses. Le Tribunal fédéral souligne que l'État religieusement neutre « doit partir de la signification que la norme religieuse a pour les personnes concernées » (**ATF 145 I 121** c. 4.3 ; Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 14).\n\n### 3.2 Sauvegarde de la paix religieuse (al. 2)\n\n**N. 10** La « paix publique entre les membres des diverses communautés religieuses » est un bien juridique protégé par la police. Les deux niveaux étatiques peuvent prendre des mesures préventives et répressives « dans les limites de leurs compétences ». La norme ne fonde pas de nouvelle compétence fédérale mais clarifie les attributions existantes.\n\n**N. 11** Entrent en considération comme « mesures » : les normes pénales contre la perturbation de la liberté de croyance (art. 261 CP), les mesures de police préventives, la médiation lors de conflits ainsi que la promotion du dialogue interreligieux. Les droits fondamentaux forment la limite, en particulier la liberté de religion elle-même (Jörg Paul Müller, cité par Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 53).\n\n### 3.3 Interdiction des minarets (al. 3)\n\n**N. 12** L'interdiction de construire des minarets constitue une interdiction absolue, sans exception. Le terme « minaret » doit être compris comme la tour d'une mosquée depuis laquelle l'appel à la prière est lancé. L'interdiction ne concerne que les nouvelles constructions ; les quatre minarets existants à Genève, Winterthour, Wangen près d'Olten et Zurich bénéficient de la garantie des droits acquis.\n\n**N. 13** La doctrine est divisée sur la compatibilité avec le droit de rang supérieur. Markus Schefer voit des constellations « où les intérêts à la construction d'un minaret prévalent » (cité par Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 53). L'opinion dominante qualifie l'interdiction de violation de la liberté de religion et de l'interdiction de discriminer (Kley/Schaer, Gewährleistet die Religionsfreiheit einen Anspruch auf Minarett und Gebetsruf?, passim).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** De la compétence cantonale (al. 1) découle l'attribution de régler de manière complète le droit des rapports entre l'État et l'Église. Les cantons peuvent reconnaître les communautés religieuses de droit public, mais n'y sont pas tenus (Pahud de Mortanges, Zur Anerkennung und Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften, p. 185 ss). Selon la doctrine unanime, il n'existe pas de droit à la reconnaissance de droit public (Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 20).\n\n**N. 15** L'obligation de respecter les droits fondamentaux des cantons demeure intacte. Le Tribunal fédéral a précisé : la réglementation cantonale du « lien » entre l'appartenance confessionnelle et l'affiliation ecclésiastique est « admissible en principe », mais doit préserver la liberté de sortie (**ATF 129 I 68** c. 3.3). Lors de l'octroi de contributions étatiques, des conditions peuvent être posées tant que la liberté de croyance est préservée (**ATF 145 I 121** c. 5.2).\n\n**N. 16** L'interdiction des minarets (al. 3) oblige toutes les autorités de construction à rejeter les demandes de permis de construire correspondantes. Une interprétation conforme à la Constitution ou une pesée des intérêts au cas par cas est exclue selon l'opinion dominante, car la norme est formulée comme une interdiction absolue.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** L'obligation de respecter les droits fondamentaux des communautés religieuses reconnues de droit public est controversée. La doctrine dominante affirme une obligation complète de respecter les droits fondamentaux pour les communautés religieuses de droit public et la nie pour les communautés religieuses de droit privé. Winzeler plaide pour une voie médiane : « application retenue des droits fondamentaux envers les communautés reconnues de droit public et effet horizontal modéré envers les communautés religieuses de droit privé » (BSK BV, art. 72 N. 22).\n\n**N. 18** La portée de l'autonomie organisationnelle cantonale est controversée. L'ancienne doctrine (Burckhardt) soutenait que le canton peut « décider quelle doit être l'organisation et quelle doit être la doctrine de l'Église qu'il reconnaît » (cité par Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 8). Ceci est aujourd'hui unanimement rejeté : la conception qu'une communauté religieuse a d'elle-même est « authentique, c'est-à-dire : à apprécier de manière autodéterminée, non hétérodéterminée » (Winzeler, BSK BV, art. 72 N. 14).\n\n**N. 19** La conformité au droit international de l'interdiction des minarets est appréciée différemment. Alors qu'une partie de la doctrine voit une violation claire des art. 9 et 14 CEDH, d'autres argumentent avec la large marge d'appréciation des États dans le domaine du droit religieux. Un arrêt de la CourEDH fait défaut, car faute de procédure de permis de construire, les voies de recours internes ne peuvent pas être épuisées.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Lors de la reconnaissance de droit public des communautés religieuses, les cantons doivent respecter le principe d'égalité devant la loi. Les traitements différents nécessitent des motifs objectifs (Famos, Die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften im Lichte des Rechtsgleichheitsprinzips, passim). L'organisation démocratique peut être exigée, mais doit être adaptée à la spécificité de la communauté religieuse (Hafner, Kirche und Demokratie, p. 25 ss).\n\n**N. 21** Les déclarations de sortie d'Église doivent être traitées de manière différenciée. Une « sortie partielle » seulement de l'Église nationale en restant dans la confession est possible si le droit cantonal le prévoit (**ATF 129 I 68**). La déclaration doit être claire ; les ambiguïtés sont au détriment de la volonté de sortie.\n\n**N. 22** Concernant la paix religieuse (al. 2), la retenue est de mise. Les mesures préventives ne doivent pas avoir d'effet discriminatoire. La loi genevoise sur la laïcité montre les limites : une interdiction générale des manifestations religieuses dans l'espace public viole la liberté de religion (**ATF 148 I 160**).\n\n**N. 23** Pour la pratique de l'interdiction des minarets, une interprétation restrictive du terme « minaret » est recommandée. Ne sont pas concernés les salles de prière sans tour, les coupoles ou autres éléments architecturaux des constructions sacrées islamiques. Les quatre minarets existants peuvent être rénovés et conservés dans leur substance.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Compétence cantonale et organisation des Églises nationales\n\n**BGE 129 I 91** du 29 novembre 2002  \nInterdiction de la juridiction ecclésiastique et autonomie des Églises nationales en cas de litiges de droit patrimonial.  \nL'arrêt définit les limites entre la juridiction étatique et l'Église nationale et précise le pouvoir d'organisation cantonal sur les Églises nationales.\n\n> « Il incombe aux instances étatiques de déterminer quels domaines sont couverts par le mandat de protection juridique de l'Église nationale selon le § 114 CV/AG. La conception du tribunal administratif, selon laquelle l'appréciation des litiges de droit patrimonial issus du droit de service ecclésiastique doit se faire par la voie du recours interne à l'Église et non par la procédure de plainte étatique, résiste à l'interdiction de la juridiction ecclésiastique et ne viole ni l'autonomie de l'Église nationale ni l'interdiction de l'arbitraire. »\n\n**BGE 145 I 121** du 18 janvier 2018  \nLiberté de croyance des Églises nationales et subventionnement étatique.  \nL'arrêt traite des limites de la liberté de croyance des Églises nationales en cas de contributions étatiques et de la signification de l'art. 72, al. 1, Cst. pour l'organisation ecclésiastique cantonale.\n\n> « Selon la conception constitutionnelle suisse, les cantons peuvent, en vertu de l'art. 72, al. 1, Cst., réglementer l'organisation et l'appartenance aux Églises qu'ils reconnaissent. L'octroi de la contribution était lié à la condition que le montant ne soit notamment pas utilisé pour le conseil sur les méthodes d'avortement. Ainsi, la préoccupation de la recourante est satisfaite et sa liberté de croyance n'est pas violée. »\n\n## Sortie d'Église et appartenance\n\n**BGE 129 I 68** du 18 décembre 2002  \nEffets juridiques d'une sortie d'Église partielle de l'Église nationale en demeurant dans la communauté religieuse.  \nL'arrêt clarifie l'admissibilité d'une sortie d'Église dite partielle et la signification de la compétence de réglementation cantonale.\n\n> « La constitution ecclésiastique/LU lie pour les personnes domiciliées dans le canton de Lucerne la confession à la communauté religieuse ou confession catholique romaine avec l'appartenance à l'Église nationale catholique romaine et à la paroisse correspondante (nexus dit). Un tel lien n'est certes pas exigé par le droit constitutionnel ; le canton peut aussi réglementer de manière dualiste la relation entre les corporations ecclésiastiques de droit public et la communauté religieuse. Le nexus est cependant en principe admissible. »\n\n## Interdiction de discrimination et symboles religieux\n\n**BGE 134 I 49** du 27 février 2008  \nRefus discriminatoire de naturalisation en raison du port du foulard.  \nL'arrêt montre les limites des interventions étatiques concernant les symboles religieux dans le contexte de la naturalisation.\n\n> « Fonder une décision négative de naturalisation sur le port du foulard comme symbole religieux est susceptible de désavantager illicitement la requérante. Une justification qualifiée fait défaut : le simple port du foulard n'exprime pas en soi une attitude contraire aux conceptions de valeurs de l'État de droit et démocratiques. »\n\n**BGE 148 I 160** du 23 décembre 2021  \nLoi genevoise sur la laïcité et manifestations religieuses dans l'espace public.  \nL'arrêt précise les limites de la laïcité cantonale et la protection de la liberté de croyance lors d'événements religieux.\n\n> « Tel qu'il est libellé, l'art. 6 al. 1 et 2 LLE/GE, qui prévoit que les manifestations religieuses cultuelles sur le domaine public ne peuvent être autorisées qu'à titre exceptionnel, revient à prévoir une interdiction de principe de ce type de manifestation, ce qui est incompatible avec l'art. 15 Cst. »\n\n## Arbitrage religieux\n\n**BGE 149 III 338** du 12 mai 2023  \nAdmissibilité des tribunaux arbitraux religieux et interdiction de la juridiction ecclésiastique.  \nL'arrêt traite de la délimitation entre l'interdiction de la juridiction ecclésiastique et les procédures d'arbitrage religieux admissibles.\n\n> « La juridiction ecclésiastique supprimée par l'art. 58 aCst. 1874 et également interdite par la Constitution fédérale en vigueur ne couvre pas un tribunal arbitral ecclésiastique convenu librement, pour autant qu'il statue dans un domaine arbitrable, c'est-à-dire dans un domaine soumis à la libre disposition des parties. »\n\n## Paix publique entre communautés religieuses\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 72, al. 2, Cst. est encore rare, car l'interdiction de construire des minarets de l'art. 72, al. 3, Cst. est en vigueur depuis 2009 et aucun litige judiciaire direct concernant les mesures de maintien de la paix publique entre différentes communautés religieuses n'a été documenté jusqu'à présent. La disposition n'a pas encore été thématisée dans des procédures dignes d'un BGE, ce qui indique que les conflits correspondants ont été résolus ou évités au niveau administratif.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 72 Cost. disciplina le competenze tra Confederazione e Cantoni nel diritto religioso. I Cantoni sono competenti per i rapporti tra Chiesa e Stato. Possono riconoscere le comunità religiose di diritto pubblico e riscuotere imposte ecclesiastiche. Non esiste però un diritto al riconoscimento (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\nI Cantoni organizzano autonomamente le loro Chiese cantonali. Il Tribunale federale ha confermato nella **DTF 129 I 68**: È possibile un «recesso parziale» solo dalla Chiesa cantonale, se il diritto cantonale lo prevede. I Cantoni devono però rispettare la libertà religiosa (art. 15 Cost.) (**DTF 145 I 121**).\n\nConfederazione e Cantoni possono adottare misure per preservare la pace religiosa. Ciò significa: possono intervenire quando sorgono conflitti tra diverse comunità religiose. Tali misure sono ad esempio norme penali contro la turbativa della libertà religiosa (art. 261 CP) o misure di polizia in caso di tensioni religiose.\n\nIl divieto dei minareti del 2009 vieta la costruzione di nuovi minareti (torri delle moschee) in tutta la Svizzera. L'iniziativa popolare è stata accolta il 29 novembre 2009 con il 57,5% di voti favorevoli (FF 2008 7603). I minareti esistenti a Ginevra, Winterthur, Wangen bei Olten e Zurigo rimangono autorizzati. Il divieto è assoluto – non esistono eccezioni.\n\nLe disposizioni riguardano tutte le comunità religiose, non solo le Chiese cristiane. Anche le comunità musulmane, ebraiche o buddiste possono essere riconosciute dai Cantoni. Tuttavia, la maggior parte dei Cantoni ha finora riconosciuto di diritto pubblico solo le Chiese cristiane tradizionali.\n\n**Esempio**: Nel Cantone di Zurigo sono riconosciute di diritto pubblico la Chiesa riformata e quella cattolica. Possono riscuotere imposte ecclesiastiche e hanno diritti speciali. Una comunità musulmana che richiede il riconoscimento di diritto pubblico non ha diritto al riconoscimento – il Cantone può decidere liberamente.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 72 Cost. ha le sue radici nei conflitti religiosi storici della Svizzera, che nel XIX secolo sfociarono negli articoli del Kulturkampf della Cost. 1874. La disposizione è stata riformulata durante la revisione totale del 1999, attenuando il carattere confessionale e sottolineando la neutralità nel diritto ecclesiastico statale. Il Messaggio per la nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabiliva: «La regolamentazione del rapporto tra Stato e religione è fondamentalmente di competenza dei Cantoni» (FF 1997 I 1, 318). Gli articoli d'eccezione del Kulturkampf (art. 51-52 aCodt.) furono aboliti.\n\n**N. 2** Il capoverso 2 sulla salvaguardia della pace religiosa è stato inserito come nuovo fondamento di competenza per Confederazione e Cantoni. Il Messaggio sottolineava che entrambi i livelli statali possono agire «nell'ambito delle loro competenze», non creando così nuove competenze federali, ma ancorando costituzionalmente la prassi esistente (FF 1997 I 319).\n\n**N. 3** Il divieto di minareti nel capoverso 3 è stato introdotto dall'iniziativa popolare «Contro la costruzione di minareti», accettata il 29 novembre 2009 con il 57,5% di voti favorevoli. Il Messaggio del Consiglio federale del 27 agosto 2008 raccomandava il rigetto dell'iniziativa, poiché «viola la libertà religiosa e il divieto di discriminazione» (FF 2008 7603, 7638).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 72 Cost. si colloca nel 3° Titolo su «Confederazione, Cantoni e Comuni» e disciplina primariamente la ripartizione federalista delle competenze nel diritto costituzionale religioso. La disposizione deve essere letta nel contesto della libertà religiosa (→ art. 15 Cost.) e del divieto di discriminazione (→ art. 8 cpv. 2 Cost.). Come norma di competenza non fonda diritti soggettivi, ma ripartisce le competenze regolamentari tra Confederazione e Cantoni.\n\n**N. 5** Il rapporto con l'art. 15 Cost. è centrale: mentre l'art. 15 garantisce la libertà religiosa individuale e collettiva, l'art. 72 determina le condizioni quadro di diritto organizzativo. La competenza cantonale secondo l'art. 72 cpv. 1 trova i suoi limiti nei diritti fondamentali, in particolare nella libertà religiosa (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 11-14).\n\n**N. 6** Nell'assetto costituzionale, l'art. 72 Cost. forma insieme all'art. 3 Cost. (autonomia cantonale) il fondamento del diritto ecclesiastico statale svizzero. La competenza federale sussidiaria secondo il cpv. 2 completa le competenze di polizia di sicurezza della Confederazione (→ art. 57 Cost., → art. 173 cpv. 1 lett. b Cost.).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Competenza cantonale (cpv. 1)\n\n**N. 7** La formulazione «i Cantoni sono competenti» fonda una sovranità cantonale esclusiva nel diritto ecclesiastico statale. Winzeler caratterizza questo come «riserva di competenza impropria», poiché la Confederazione può comunque emanare puntualmente norme di diritto religioso (BSK BV, Art. 72 N. 10). La competenza cantonale comprende l'intera organizzazione del rapporto tra Stato e comunità religiose, incluso il riconoscimento di diritto pubblico.\n\n**N. 8** Al «rapporto tra Chiesa e Stato» appartiene secondo la dottrina dominante: il riconoscimento di diritto pubblico delle comunità religiose, la regolamentazione delle tasse ecclesiastiche, l'organizzazione delle Chiese nazionali, la determinazione dei loro organi e procedure nonché la delimitazione tra giurisdizione statale ed ecclesiastica (**DTF 129 I 91** consid. 4.1).\n\n**N. 9** La formulazione storica «Chiesa» deve essere interpretata ampiamente e comprende tutte le comunità religiose. Il Tribunale federale sottolinea che lo Stato religiosamente neutrale «deve partire dal significato che ha la norma religiosa per gli interessati» (**DTF 145 I 121** consid. 4.3; Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n### 3.2 Salvaguardia della pace religiosa (cpv. 2)\n\n**N. 10** La «pace pubblica tra gli appartenenti alle diverse comunità religiose» è un bene giuridico protetto dal diritto di polizia. Entrambi i livelli statali possono adottare «nell'ambito delle loro competenze» misure preventive e repressive. La norma non fonda nuove competenze federali, ma chiarisce le competenze esistenti.\n\n**N. 11** Come «misure» entrano in considerazione: norme penali contro il turbamento della libertà religiosa (art. 261 CP), misure preventive di polizia, mediazione nei conflitti nonché promozione del dialogo interreligioso. Il limite è costituito dai diritti fondamentali, in particolare dalla libertà religiosa stessa (Jörg Paul Müller, cit. in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53).\n\n### 3.3 Divieto di minareti (cpv. 3)\n\n**N. 12** Il divieto di costruzione di minareti costituisce un divieto assoluto, senza eccezioni. Il termine «minareto» deve essere inteso come torre di una moschea dalla quale si chiama alla preghiera. Il divieto riguarda solo nuove costruzioni; i quattro minareti esistenti a Ginevra, Winterthur, Wangen bei Olten e Zurigo beneficiano della protezione dell'esistente.\n\n**N. 13** La dottrina è divisa sulla compatibilità con il diritto di rango superiore. Markus Schefer vede costellazioni «dove prevalgono gli interessi alla costruzione di un minareto» (cit. in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53). L'opinione dominante qualifica il divieto come violazione della libertà religiosa e del divieto di discriminazione (Kley/Schaer, Gewährleistet die Religionsfreiheit einen Anspruch auf Minarett und Gebetsruf?, passim).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** Dalla competenza cantonale (cpv. 1) deriva la facoltà di disciplinare integralmente il diritto ecclesiastico statale. I Cantoni possono riconoscere le comunità religiose di diritto pubblico, ma non sono tenuti a farlo (Pahud de Mortanges, Zur Anerkennung und Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften, p. 185 ss.). Secondo la dottrina unanime non esiste un diritto al riconoscimento di diritto pubblico (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\n**N. 15** Il vincolo dei diritti fondamentali per i Cantoni rimane inalterato. Il Tribunale federale ha precisato: la regolamentazione cantonale del «nesso» tra appartenenza confessionale e appartenenza ecclesiastica è «fondamentalmente ammissibile», ma deve salvaguardare la libertà di uscita (**DTF 129 I 68** consid. 3.3). Nella concessione di contributi statali possono essere poste condizioni, purché sia salvaguardata la libertà religiosa (**DTF 145 I 121** consid. 5.2).\n\n**N. 16** Il divieto di minareti (cpv. 3) obbliga tutte le autorità edilizie a respingere le relative domande di costruzione. Un'interpretazione conforme alla Costituzione o una ponderazione caso per caso è esclusa secondo l'opinione dominante, poiché la norma è formulata come divieto assoluto.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** Il vincolo dei diritti fondamentali per le comunità religiose riconosciute di diritto pubblico è controverso. La dottrina dominante afferma un pieno vincolo dei diritti fondamentali per quelle di diritto pubblico e lo nega per le comunità religiose di diritto privato. Winzeler propone una via di mezzo: «applicazione moderata dei diritti fondamentali verso quelle riconosciute di diritto pubblico ed efficacia tra privati moderatamente applicata verso le comunità religiose di diritto privato» (BSK BV, Art. 72 N. 22).\n\n**N. 18** È controversa la portata dell'autonomia organizzativa cantonale. La dottrina più antica (Burckhardt) sosteneva che il Cantone potesse «decidere quale debba essere l'organizzazione e quale la dottrina della Chiesa da esso riconosciuta» (cit. in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 8). Questo è oggi unanimemente rifiutato: l'autocomprensione di una comunità religiosa deve essere valutata «autenticamente, vale a dire: auto- e non eterodeterminata» (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n**N. 19** La conformità al diritto internazionale del divieto di minareti è valutata diversamente. Mentre parti della dottrina vedono una chiara violazione degli art. 9 e 14 CEDU, altri argomentano con l'ampio margine di apprezzamento degli Stati nel settore del diritto religioso. Manca una sentenza della Corte EDU, poiché in assenza di procedure di autorizzazione edilizia non si possono esaurire i rimedi giuridici interni.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nel riconoscimento di diritto pubblico delle comunità religiose i Cantoni devono rispettare il principio di uguaglianza giuridica. Trattamenti differenti richiedono motivi oggettivi (Famos, Die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften im Lichte des Rechtsgleichheitsprinzips, passim). L'organizzazione democratica può essere richiesta, ma deve essere adattata alla natura particolare della comunità religiosa (Hafner, Kirche und Demokratie, p. 25 ss.).\n\n**N. 21** Le dichiarazioni di uscita dalla Chiesa devono essere trattate in modo differenziato. Un'«uscita parziale» solo dalla Chiesa nazionale rimanendo nella confessione è possibile se il diritto cantonale lo prevede (**DTF 129 I 68**). La dichiarazione deve essere inequivocabile; le incertezze vanno a sfavore della volontà di uscita.\n\n**N. 22** Nella pace religiosa (cpv. 2) è richiesta moderazione. Le misure preventive non devono avere effetti discriminatori. La legge ginevrina sulla laicità mostra i limiti: un divieto generale di manifestazioni religiose nello spazio pubblico viola la libertà religiosa (**DTF 148 I 160**).\n\n**N. 23** Per la prassi del divieto di minareti si raccomanda un'interpretazione restrittiva del termine «minareto». Non sono contemplati i locali di preghiera senza torre, cupole o altri elementi architettonici di edifici sacri islamici. I quattro minareti esistenti possono essere ristrutturati e conservati nella loro sostanza.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Competenza cantonale e organizzazione delle Chiese nazionali\n\n**BGE 129 I 91** del 29 novembre 2002  \nDivieto della giurisdizione ecclesiastica e autonomia delle Chiese nazionali nelle controversie di diritto patrimoniale.  \nLa decisione definisce i confini tra giurisdizione statale e ecclesiastica e precisa il potere organizzativo cantonale sulle Chiese nazionali.\n\n> «Spetta alle istanze statali stabilire quali ambiti siano coperti dal mandato di tutela giuridica ecclesiastico secondo il § 114 KV/AG. La concezione del tribunale amministrativo secondo cui il giudizio di controversie patrimoniali derivanti dal diritto del servizio ecclesiastico deve avvenire mediante la procedura di ricorso interno ecclesiastico e non mediante quella di azione statale, resiste al divieto della giurisdizione ecclesiastica e non viola né l'autonomia ecclesiastica né il divieto dell'arbitrio.»\n\n**BGE 145 I 121** del 18 gennaio 2018  \nLibertà di credo delle Chiese nazionali e sovvenzione statale.  \nLa sentenza tratta i confini della libertà di credo delle Chiese nazionali nel caso di contributi statali e l'importanza dell'art. 72 cpv. 1 Cost. per l'organizzazione ecclesiastica cantonale.\n\n> «Secondo la concezione costituzionale svizzera, i Cantoni possono, fondandosi sull'art. 72 cpv. 1 Cost., disciplinare l'organizzazione e l'appartenenza alle Chiese da essi riconosciute. La concessione del contributo era subordinata alla condizione che l'importo non fosse utilizzato in particolare per la consulenza sui metodi abortivi. Con ciò è soddisfatta la richiesta della ricorrente e la sua libertà di credo non è violata.»\n\n## Uscita dalla Chiesa e appartenenza\n\n**BGE 129 I 68** del 18 dicembre 2002  \nEffetti giuridici di un'uscita parziale dalla Chiesa nazionale con permanenza nella comunità religiosa.  \nLa decisione chiarisce l'ammissibilità di una cosiddetta uscita parziale dalla Chiesa e l'importanza della competenza normativa cantonale.\n\n> «La costituzione ecclesiastica/LU collega per le persone domiciliate nel Canton Lucerna la confessione alla comunità religiosa rispettivamente confessione romano-cattolica con l'appartenenza alla Chiesa nazionale romano-cattolica e alla corrispondente parrocchia (cosiddetto nexus). Un tale collegamento non è costituzionalmente obbligatorio; il Cantone può disciplinare anche dualisticamente il rapporto tra enti ecclesiastici di diritto pubblico e comunità religiosa. Il nexus è però fondamentalmente ammissibile.»\n\n## Divieto di discriminazione e simboli religiosi\n\n**BGE 134 I 49** del 27 febbraio 2008  \nRifiuto discriminatorio della naturalizzazione a causa del porto del velo.  \nLa sentenza mostra i limiti degli interventi statali sui simboli religiosi nel contesto della naturalizzazione.\n\n> «Basare una decisione negativa di naturalizzazione sul porto del velo come simbolo religioso è idoneo a svantaggiare inammissibilmente la richiedente. Per questo manca una giustificazione qualificata: il mero porto del velo non esprime di per sé un atteggiamento contrario alle concezioni valoriali dello Stato di diritto e democratiche.»\n\n**BGE 148 I 160** del 23 dicembre 2021  \nLegge ginevrina sulla laicità e manifestazioni religiose nello spazio pubblico.  \nLa decisione precisa i limiti della laicità cantonale e la protezione della libertà di credo nelle manifestazioni religiose.\n\n> «Tel qu'il est libellé, l'art. 6 al. 1 et 2 LLE/GE, qui prévoit que les manifestations religieuses cultuelles sur le domaine public ne peuvent être autorisées qu'à titre exceptionnel, revient à prévoir une interdiction de principe de ce type de manifestation, ce qui est incompatible avec l'art. 15 Cst.»\n\n## Arbitrato religioso\n\n**BGE 149 III 338** del 12 maggio 2023  \nAmmissibilità dei tribunali arbitrali religiosi e divieto della giurisdizione ecclesiastica.  \nLa sentenza tratta la delimitazione tra il divieto della giurisdizione ecclesiastica e i procedimenti arbitrali religiosi ammissibili.\n\n> «La giurisdizione ecclesiastica abolita dall'art. 58 aCostituzione federale del 1874 e vietata anche dalla Costituzione federale vigente non comprende un tribunale arbitrale ecclesiastico concordato volontariamente, purché decida in un ambito arbitrabile, ossia in un ambito sottoposto alla libera disposizione delle parti.»\n\n## Pace pubblica tra comunità religiose\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 72 cpv. 2 Cost. è ancora scarsa, poiché il divieto di costruzione di minareti dell'art. 72 cpv. 3 Cost. è in vigore dal 2009 e finora non sono documentati confronti giudiziari diretti riguardo alle misure per la salvaguardia della pace pubblica tra diverse comunità religiose. La disposizione non è ancora stata tematizzata in procedimenti degni di BGE, il che indica che i conflitti corrispondenti sono stati risolti o evitati a livello amministrativo.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 72 BV regulates the division of competences between the Confederation and the cantons in religious law. The cantons are responsible for the relationship between church and state. They may grant public recognition to religious communities and levy church taxes. However, there is no legal entitlement to recognition (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\nThe cantons organise their cantonal churches themselves. The Federal Supreme Court confirmed in **BGE 129 I 68**: A «partial withdrawal» only from the cantonal church is possible if cantonal law provides for this. However, the cantons must respect religious freedom (Art. 15 BV) (**BGE 145 I 121**).\n\nThe Confederation and cantons may take measures to preserve religious peace. This means: They may intervene when there are conflicts between different religious communities. Such measures are, for example, criminal provisions against the disruption of religious freedom (Art. 261 SCC) or police measures in cases of religious tensions.\n\nThe minaret ban of 2009 prohibits the construction of new minarets (towers on mosques) throughout Switzerland. The popular initiative was adopted on 29 November 2009 with 57.5% yes votes (BBl 2008 7603). Existing minarets in Geneva, Winterthur, Wangen bei Olten and Zurich remain permitted. The ban is absolute – there are no exceptions.\n\nThe regulations concern all religious communities, not only Christian churches. Muslim, Jewish or Buddhist communities may also be recognised by the cantons. However, most cantons have so far only granted public recognition to the traditional Christian churches.\n\n**Example**: In the Canton of Zurich, the Reformed and Catholic churches are granted public recognition. They may levy church taxes and have special rights. A Muslim community that applies for public recognition has no legal entitlement to it – the canton may decide freely.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 72 FC has its roots in Switzerland's historical religious conflicts, which culminated in the cultural struggle articles of the 1874 FC in the 19th century. The provision was reformulated during the total revision of 1999, whereby the confessional character was defused and state-church legal neutrality was emphasised. The Dispatch on the new Federal Constitution of 20 November 1996 stated: «The regulation of the relationship between state and religion is fundamentally a matter for the cantons» (BBl 1997 I 1, 318). The cultural struggle exception articles (Art. 51-52 former FC) were thereby abolished.\n\n**N. 2** Paragraph 2 on maintaining religious peace was newly inserted as a competence basis for the Confederation and cantons. The Dispatch emphasised that both levels of government can act «within the framework of their competence», whereby no new federal competence was created, but rather existing practice was constitutionally anchored (BBl 1997 I 319).\n\n**N. 3** The minaret ban in paragraph 3 was inserted through the popular initiative «Against the Construction of Minarets», which was accepted on 29 November 2009 with 57.5% yes votes. The Dispatch of the Federal Council of 27 August 2008 recommended rejection of the initiative, as it «violates religious freedom and the prohibition of discrimination» (BBl 2008 7603, 7638).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 72 FC stands in Title 3 on «Confederation, Cantons and Communes» and primarily regulates the federalist distribution of competences in religious constitutional law. The provision must be read in the context of religious freedom (→ Art. 15 FC) and the prohibition of discrimination (→ Art. 8 para. 2 FC). As a competence norm, it does not establish subjective rights, but rather distributes regulatory competences between the Confederation and cantons.\n\n**N. 5** The relationship to Art. 15 FC is central: While Art. 15 guarantees individual and collective religious freedom, Art. 72 determines the organisational legal framework conditions. The cantonal competence under Art. 72 para. 1 finds its limits in fundamental rights, particularly in religious freedom (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 11-14).\n\n**N. 6** In the constitutional structure, Art. 72 FC together with Art. 3 FC (cantonal autonomy) forms the basis for Swiss state-church law. The subsidiary federal competence under para. 2 complements the security police competences of the Confederation (→ Art. 57 FC, → Art. 173 para. 1 lit. b FC).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Cantonal Competence (para. 1)\n\n**N. 7** The formulation «the cantons have competence» establishes exclusive cantonal sovereignty in state-church law. Winzeler characterises this as a «false competence reservation», since the Confederation can nonetheless enact religious law norms on specific points (BSK BV, Art. 72 N. 10). Cantonal competence encompasses the entire organisation of the relationship between state and religious communities, including public-law recognition.\n\n**N. 8** The «relationship between church and state» includes according to prevailing doctrine: public-law recognition of religious communities, regulation of church taxes, organisation of national churches, determination of their organs and procedures, as well as delineation between state and ecclesiastical jurisdiction (**BGE 129 I 91** E. 4.1).\n\n**N. 9** The historical formulation «church» is to be interpreted broadly and encompasses all religious communities. The Federal Supreme Court emphasises that the religiously neutral state «must proceed from the significance that the religious norm has for those affected» (**BGE 145 I 121** E. 4.3; Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n### 3.2 Maintaining Religious Peace (para. 2)\n\n**N. 10** «Public peace between members of different religious communities» is a police protection good. Both levels of government can take preventive and repressive measures «within the framework of their competence». The norm does not establish a new federal competence, but rather clarifies existing powers.\n\n**N. 11** «Measures» can include: criminal norms against disturbance of freedom of belief (Art. 261 CC), preventive police measures, mediation in conflicts, as well as promotion of interreligious dialogue. Fundamental rights form the limit, particularly religious freedom itself (Jörg Paul Müller, cited in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53).\n\n### 3.3 Minaret Ban (para. 3)\n\n**N. 12** The construction ban for minarets represents an absolute, exceptionless prohibition. The term «minaret» is to be understood as a tower of a mosque from which the call to prayer is made. The ban only covers new constructions; the four existing minarets in Geneva, Winterthur, Wangen bei Olten and Zurich enjoy legal protection of existing use.\n\n**N. 13** Doctrine is divided on compatibility with higher-ranking law. Markus Schefer sees constellations «where the interests in building a minaret predominate» (cited in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 53). The prevailing opinion qualifies the ban as a violation of religious freedom and the prohibition of discrimination (Kley/Schaer, Gewährleistet die Religionsfreiheit einen Anspruch auf Minarett und Gebetsruf?, passim).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** From cantonal competence (para. 1) follows the authority for comprehensive regulation of state-church law. The cantons can recognise religious communities under public law, but need not do so (Pahud de Mortanges, Zur Anerkennung und Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften, p. 185 ff.). According to unanimous doctrine, there is no entitlement to public-law recognition (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 20).\n\n**N. 15** The fundamental rights obligation of the cantons remains unaffected. The Federal Supreme Court has specified: Cantonal regulation of the «nexus» between confessional affiliation and church membership is «fundamentally permissible», but must preserve freedom to withdraw (**BGE 129 I 68** E. 3.3). When granting state contributions, conditions may be imposed as long as freedom of belief is preserved (**BGE 145 I 121** E. 5.2).\n\n**N. 16** The minaret ban (para. 3) obliges all construction authorities to reject corresponding building applications. A constitutionally compliant interpretation or individual case balancing is excluded according to prevailing opinion, since the norm is formulated as an absolute prohibition.\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 17** The fundamental rights obligation of publicly recognised religious communities is disputed. Prevailing doctrine affirms a full fundamental rights obligation for public-law and denies it for private-law religious communities. Winzeler advocates for a middle way: «restrained application of fundamental rights towards publicly recognised and moderately applied third-party effect towards private-law religious communities» (BSK BV, Art. 72 N. 22).\n\n**N. 18** The scope of cantonal organisational autonomy is controversial. Earlier doctrine (Burckhardt) held that the canton could «decide what the organisation and what the doctrine of the church recognised by it should be» (cited in Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 8). This is today unanimously rejected: The self-understanding of a religious community is «authentic, meaning: to be assessed self-determined, not externally determined» (Winzeler, BSK BV, Art. 72 N. 14).\n\n**N. 19** The international law conformity of the minaret ban is assessed differently. While parts of doctrine see a clear violation of Art. 9 and 14 ECHR, others argue with the wide margin of discretion of states in the religious law area. An ECtHR judgment is pending, since the domestic legal remedies cannot be exhausted due to lack of building permit procedures.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 20** When publicly recognising religious communities, the cantons must observe the principle of legal equality. Different treatments require factual reasons (Famos, Die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften im Lichte des Rechtsgleichheitsprinzips, passim). Democratic organisation can be required, but must be adapted to the nature of the religious community (Hafner, Kirche und Demokratie, p. 25 ff.).\n\n**N. 21** Church withdrawal declarations must be treated differentially. A «partial withdrawal» only from the national church while remaining in the confession is possible if cantonal law provides for this (**BGE 129 I 68**). The declaration must be unambiguous; ambiguities work against the intention to withdraw.\n\n**N. 22** Regarding religious peace (para. 2), restraint is required. Preventive measures may not have discriminatory effect. The Geneva Laicity Act shows the limits: A general ban on religious manifestations in public space violates religious freedom (**BGE 148 I 160**).\n\n**N. 23** For the practice of the minaret ban, a restrictive interpretation of the term «minaret» is recommended. Prayer rooms without towers, domes or other architectural elements of Islamic sacred buildings are not covered. The four existing minarets may be renovated and maintained in their substance.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Cantonal Jurisdiction and Organisation of State Churches\n\n**BGE 129 I 91** of 29 November 2002  \nProhibition of ecclesiastical jurisdiction and autonomy of state churches in property law disputes.  \nThe decision defines the boundaries between state and state church jurisdiction and specifies cantonal organisational power over state churches.\n\n> «It is incumbent upon the state authorities to determine which areas are covered by the state church's mandate for legal protection under § 114 KV/AG. The Administrative Court's view that the adjudication of property law disputes arising from church employment law should take place through the church-internal appeal process and not through state court proceedings withstands the prohibition of ecclesiastical jurisdiction and violates neither state church autonomy nor the prohibition of arbitrariness.»\n\n**BGE 145 I 121** of 18 January 2018  \nFreedom of belief of state churches and state subsidisation.  \nThe judgment addresses the limits of freedom of belief of state churches in the context of state contributions and the significance of Art. 72 para. 1 Cst. for cantonal church organisation.\n\n> «According to the Swiss constitutional understanding, the cantons can regulate the organisation and membership in the churches they recognise based on Art. 72 para. 1 Cst. The granting of contributions was linked to the condition that the amount may not be used specifically for counselling on abortion methods. This fulfils the appellant's concern and does not violate their freedom of belief.»\n\n## Church Withdrawal and Membership\n\n**BGE 129 I 68** of 18 December 2002  \nLegal effects of a partial church withdrawal from a state church while remaining in the religious community.  \nThe decision clarifies the admissibility of a so-called partial church withdrawal and the significance of cantonal regulatory competence.\n\n> «The Church Constitution/LU links, for persons resident in the Canton of Lucerne, the confession to the Roman Catholic religious community or denomination with membership in the Roman Catholic state church and the corresponding parish (so-called nexus). Such a link is not constitutionally required; the canton can also regulate the relationship between church corporations under public law and religious communities dualistically. However, the nexus is fundamentally permissible.»\n\n## Prohibition of Discrimination and Religious Symbols\n\n**BGE 134 I 49** of 27 February 2008  \nDiscriminatory denial of naturalisation due to wearing a headscarf.  \nThe judgment shows the limits of state interventions regarding religious symbols in the context of naturalisation.\n\n> «Basing a negative naturalisation decision on wearing a headscarf as a religious symbol is likely to impermissibly disadvantage the applicant. There is no qualified justification for this: the mere wearing of a headscarf does not in itself express an attitude that violates rule-of-law and democratic values.»\n\n**BGE 148 I 160** of 23 December 2021  \nGeneva Secularism Act and religious manifestations in public spaces.  \nThe decision specifies the limits of cantonal secularism and the protection of freedom of belief in religious events.\n\n> «As worded, art. 6 para. 1 and 2 LLE/GE, which provides that religious worship manifestations on public property can only be authorised exceptionally, amounts to providing for a prohibition in principle of this type of manifestation, which is incompatible with art. 15 Cst.»\n\n## Religious Arbitration\n\n**BGE 149 III 338** of 12 May 2023  \nAdmissibility of religious arbitration tribunals and prohibition of ecclesiastical jurisdiction.  \nThe judgment addresses the demarcation between the prohibition of ecclesiastical jurisdiction and permissible religious arbitration proceedings.\n\n> «The ecclesiastical jurisdiction abolished by Art. 58 former Cst. 1874 and also prohibited by the current Federal Constitution does not encompass a voluntarily agreed church arbitration tribunal, provided it decides in an arbitrable area, i.e., in an area subject to the free disposition of the parties.»\n\n## Public Peace Between Religious Communities\n\nThe case law on Art. 72 para. 2 Cst. is still sparse, as the minaret construction ban under Art. 72 para. 3 Cst. has been in force since 2009 and so far no direct judicial disputes regarding measures to maintain public peace between different religious communities have been documented. The provision has not yet been addressed in BGE-worthy proceedings, which suggests that corresponding conflicts have been resolved or avoided at the administrative level.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_72", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.0}
{"law": "BV", "article": 73, "article_suffix": "", "title": "Nachhaltigkeit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 73 BV verankert das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung in der Bundesverfassung. Die Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Naturnutzung und Naturerhalt anzustreben. Dabei darf die Beanspruchung der Natur ihre Erneuerungsfähigkeit nicht übersteigen (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5).\n\n**Betroffen** sind alle staatlichen Behörden bei Entscheidungen mit Umweltauswirkungen. Private können sich nicht direkt auf Art. 73 BV berufen, da die Norm programmatischen Charakter hat und keine unmittelbaren Rechte begründet (Biaggini, BV Kommentar, Art. 73 N. 3). Die praktische Umsetzung erfolgt durch Spezialgesetze wie das Umweltschutzgesetz (Art. 1 USG) oder das Raumplanungsgesetz (Art. 1 RPG).\n\nDas **Nachhaltigkeitsprinzip** wirkt als Auslegungsgrundsatz für alle staatlichen Entscheide. Bei Interessenkonflikten zwischen Wirtschaft und Umwelt müssen Behörden eine nachhaltige Balance finden. Das Bundesgericht wendete dies etwa beim Windpark Grenchenberg an: Windenergie wurde bewilligt, aber mit Auflagen zum Schutz gefährdeter Vogelarten (**BGE 148 II 36**). So wird erneuerbare Energie gefördert, ohne die Natur zu zerstören.\n\nIn der **Rechtsprechung** konkretisiert sich Art. 73 BV in verschiedenen Bereichen: Das Bundesgericht qualifizierte eine Gemeinde-Initiative für erneuerbare Heizungen als Umsetzung des Nachhaltigkeitsprinzips (**BGE 149 I 291**). Bei Fluglärm oder Kiesabbau müssen langfristige Umweltfolgen mitberücksichtigt werden. \n\nDas Prinzip ist jedoch **nicht justiziabel** im Sinne durchsetzbarer Einzelrechte. Umstritten bleibt, ob ökologische Grenzen absolut gelten oder gegen wirtschaftliche Vorteile abgewogen werden können (starke versus schwache Nachhaltigkeit nach Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5 versus wirtschaftsnahe Interpretationen).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 73 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 neu eingeführt. Die Bestimmung verankerte erstmals das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung explizit auf Verfassungsebene. In der Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 235 f.) wird das Nachhaltigkeitsprinzip als «Leitidee für das gesamte staatliche Handeln» bezeichnet, welche die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft in Einklang bringen soll.\n\n**N. 2** Der verfassungsgebende Rat übernahm die Bestimmung ohne wesentliche Änderungen aus dem Verfassungsentwurf des Bundesrates. Die parlamentarischen Debatten zeigten einen breiten Konsens über die Notwendigkeit, das seit der Rio-Konferenz 1992 international etablierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung auch in der schweizerischen Verfassung zu verankern. Gleichzeitig war man sich der programmatischen Natur der Bestimmung bewusst (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 1).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 73 BV steht am Anfang des 4. Abschnitts «Umwelt und Raumplanung» und nimmt eine Scharnierfunktion zwischen den allgemeinen Leitgrundsätzen (→ Art. 2 BV) und den konkreteren Umweltschutzbestimmungen (→ Art. 74 ff. BV) ein. Die Norm prägt als Querschnittsprinzip sämtliche Politikbereiche und ist bei der Auslegung anderer Verfassungsbestimmungen zu berücksichtigen, insbesondere bei → Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten), → Art. 75 BV (Raumplanung), → Art. 77 BV (Wald), → Art. 104 BV (Landwirtschaft) und → Art. 126 BV (Haushaltführung) (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 4).\n\n**N. 4** Das Nachhaltigkeitsprinzip ist eng mit dem in Art. 2 BV verankerten Staatsziel der nachhaltigen Entwicklung verknüpft. Während Art. 2 BV die nachhaltige Entwicklung als allgemeines Staatsziel definiert, konkretisiert Art. 73 BV dieses Ziel für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die systematische Stellung unterstreicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf Umweltschutz reduziert werden darf, sondern als integratives Konzept zu verstehen ist (Flückiger, Le développement durable en droit constitutionnel suisse, URP 2006, 1 ff., 8).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Normadressaten**: Art. 73 BV richtet sich sowohl an den Bund als auch an die Kantone. Die Formulierung «streben an» macht deutlich, dass beide Staatsebenen zur Verwirklichung des Nachhaltigkeitsprinzips verpflichtet sind. Diese gemeinsame Verantwortung entspricht der föderalistischen Struktur der Umweltpolitik (Petitpierre-Sauvain, Fondements écologiques de l'ordre constitutionnel suisse, 2003, 89).\n\n**N. 6** **«Auf Dauer ausgewogenes Verhältnis»**: Der Begriff «auf Dauer» verweist auf die intergenerationelle Dimension der Nachhaltigkeit. Die heutige Generation darf die natürlichen Lebensgrundlagen nicht in einem Masse beanspruchen, dass künftige Generationen in ihrer Bedürfnisbefriedigung eingeschränkt werden. Das «ausgewogene Verhältnis» verlangt eine Balance zwischen Nutzung und Regeneration der natürlichen Ressourcen. Dies schliesst eine Übernutzung aus, erlaubt aber eine massvolle Inanspruchnahme im Rahmen der Regenerationsfähigkeit (Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht – Ein Lehrbuch, 2020, § 2 N. 45).\n\n**N. 7** **«Erneuerungsfähigkeit der Natur»**: Dieser Begriff bezieht sich auf die Kapazität der Ökosysteme, sich zu regenerieren und ihre Funktionen aufrechtzuerhalten. Zentral ist die Respektierung der natürlichen Kreisläufe und Regenerationszeiten. Bei erneuerbaren Ressourcen darf die Nutzungsrate die Regenerationsrate nicht überschreiten; bei nicht-erneuerbaren Ressourcen ist ein sparsamer Umgang geboten (Mahaim, Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, 2014, 125 f.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 73 BV entfaltet seine Wirkung primär als **Auslegungsgrundsatz** und **Optimierungsgebot**. Alle staatlichen Organe sind verpflichtet, bei ihren Entscheidungen das Nachhaltigkeitsprinzip zu berücksichtigen und im Rahmen ihrer Kompetenzen zu verwirklichen. Dies gilt sowohl für die Gesetzgebung als auch für den Gesetzesvollzug und die Rechtsprechung (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 11).\n\n**N. 9** Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zeigt die praktische Relevanz des Nachhaltigkeitsprinzips: In **BGE 148 II 36 E. 13.6** hielt das Bundesgericht fest, dass Windkraftnutzung nur dann den Vorgaben des Nachhaltigkeitsprinzips entspricht, wenn ein auf Dauer ausgewogenes Verhältnis zwischen erneuerbarer Energieproduktion und Naturschutz gewährleistet ist. In **BGE 149 I 291** wurde eine kommunale Initiative für erneuerbare Heizungssysteme als Konkretisierung von Art. 73 BV qualifiziert.\n\n**N. 10** Als **programmatische Norm** begründet Art. 73 BV keine unmittelbaren subjektiven Rechte. Private können sich nicht direkt auf die Bestimmung berufen, um konkrete Massnahmen einzufordern oder Unterlassungen zu verlangen. Die Norm bedarf der Konkretisierung durch die Gesetzgebung, insbesondere durch das Umweltschutzgesetz, das Raumplanungsgesetz und die Energiegesetzgebung (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 73 N. 3).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Starke versus schwache Nachhaltigkeit**: In der Doktrin besteht eine fundamentale Kontroverse über das Verhältnis der drei Nachhaltigkeitsdimensionen. Die starke Konzeption der Nachhaltigkeit, vertreten von Griffel (BSK BV, Art. 73 N. 5) und Rausch/Marti (in: Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht, § 2 N. 47), postuliert, dass eine Kompensation zwischen den Bereichen – namentlich zulasten der Umwelt – nicht zulässig ist. Das ökologische Kapital müsse als absolute Grenze respektiert werden. Demgegenüber erlaubt die schwache Konzeption eine gewisse Substitution zwischen Natur-, Sach- und Humankapital, solange das Gesamtkapital erhalten bleibt. Diese Position findet sich implizit in wirtschaftsnahen Interpretationen des Nachhaltigkeitsprinzips.\n\n**N. 12** **Justiziabilität des Nachhaltigkeitsprinzips**: Ein weiterer Streitpunkt betrifft die rechtliche Durchsetzbarkeit. Flückiger (URP 2006, 15) und Mahaim (Le principe de durabilité, 2014, 287) sowie Brahier (Installations dangereuses et aménagement du territoire, 2018, 195) vertreten die Auffassung, dass das Nachhaltigkeitsprinzip justiziabel sei und im Einzelfall durchsetzbare Pflichten begründen könne. Die herrschende Lehre, vertreten durch Griffel, Rausch, Marti (Umweltrecht, § 2 N. 51), Aubert (Petit commentaire BV, Art. 73 N. 8), Mahon (Petit commentaire BV, Art. 2 N. 12) und Biaggini (BV Kommentar, Art. 73 N. 3), hält dagegen, dass das Nachhaltigkeitsprinzip nicht justiziabel sei, da es normativ nicht genügend verdichtet sei, um im Einzelfall mittels Verfügung durchsetzbare Rechte und Pflichten zu begründen.\n\n**N. 13** **Völkerrechtliche Dimension**: Umstritten ist auch, ob sich das Konzept der nachhaltigen Entwicklung bereits zu Völkergewohnheitsrecht verdichtet hat. Während einige Stimmen in der Literatur dies bejahen, bezeichnen Keller/von Arb (Nachhaltige Entwicklung im Völkerrecht, URP 2006, 210, 226) diese Auffassung als «gewagt». Die völkerrechtliche Qualität hat Bedeutung für die Auslegung von Art. 73 BV im Lichte internationaler Verpflichtungen der Schweiz (Epiney/Scheyli, Umweltvölkerrecht, 2. Aufl. 2021, 95 ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** **Konkretisierung in der Gesetzgebung**: Das Nachhaltigkeitsprinzip wird durch zahlreiche Bundesgesetze konkretisiert, insbesondere das Umweltschutzgesetz (Vorsorgeprinzip), das Raumplanungsgesetz (haushälterische Bodennutzung), das Energiegesetz (Förderung erneuerbarer Energien) und das CO₂-Gesetz (Klimaschutz). Bei der Ausarbeitung und Revision von Erlassen ist Art. 73 BV als Auslegungshilfe heranzuziehen.\n\n**N. 15** **Interessenabwägung**: In der Praxis manifestiert sich das Nachhaltigkeitsprinzip häufig in komplexen Interessenabwägungen. Wie das Bundesgericht in **BGE 148 II 36** demonstrierte, müssen bei Grossprojekten die verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Anzustreben sind Lösungen, die allen Dimensionen möglichst gerecht werden – im konkreten Fall durch Betriebseinschränkungen zum Schutz gefährdeter Arten bei gleichzeitiger Ermöglichung der Windenergienutzung.\n\n**N. 16** **Beweislast und Abklärungspflichten**: Behörden trifft eine umfassende Abklärungspflicht bezüglich der Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Entscheide. Dies umfasst insbesondere die langfristigen Folgen für die Umwelt, aber auch soziale und wirtschaftliche Aspekte. Die Nachhaltigkeitsbeurteilung ist in den Entscheidgrundlagen transparent darzulegen.\n\n**N. 17** **Monitoring und adaptive Verwaltung**: Das Nachhaltigkeitsprinzip verlangt eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung staatlicher Massnahmen. Bewilligungen für umweltrelevante Projekte sollten daher Monitoringpflichten und Anpassungsvorbehalte enthalten, um auf neue Erkenntnisse reagieren zu können. Diese adaptive Verwaltungspraxis entspricht der dynamischen Natur des Nachhaltigkeitsprinzips.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Energiewende und erneuerbare Energien\n\n**BGE 149 I 291** vom 3. Mai 2023 \nInitiative zur Umstellung auf erneuerbare Heizungssysteme als verfassungskonform\nDie Initiative «Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht» verstösst nicht gegen höherrangiges Recht und kann dem Stimmvolk vorgelegt werden. Die Zielsetzung der Initiative kann als Schritt in Richtung einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung (Art. 73 BV) verstanden werden und stützt sich auf das gewichtige öffentliche Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung.\n\n> «Die von der streitigen Initiative vorgeschlagene Regelung kann als Schritt in Richtung einer ökologisch nachhaltigeren Entwicklung und damit als eine Konkretisierung von Art. 73 BV verstanden werden. Sie kann sich daher auf das gewichtige öffentliche Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung stützen.»\n\n**BGE 148 II 36** vom 24. November 2021 (Windpark Grenchenberg)\nInteressenabwägung zwischen erneuerbarer Energie und Naturschutz\nDas Bundesgericht bestätigte den Windpark Grenchenberg trotz Konflikten mit dem Naturschutz. Bei der Gesamtinteressenabwägung ist das nationale Interesse an der Nutzung der Windenergie zu berücksichtigen, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Klimaziele der Schweiz. Anzustreben ist ein Interessenausgleich, der das Risiko für den Biotop- und Artenschutz auf ein verträgliches Mass herabsetzt, ohne die Nutzung erneuerbarer Windenergie zu verunmöglichen.\n\n> «Nationales Interesse an der Nutzung der Windenergie am Grenchenberg, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Klimaziele der Schweiz. [...] Anzustreben ist ein Interessenausgleich, d.h. das Risiko von Kollisionen und Lebensraumstörungen ist auf ein für den Biotop- und Artenschutz verträgliches Mass herabzusetzen, ohne die Nutzung der erneuerbaren Windenergie zu verunmöglichen.»\n\n### Klimaschutz und öffentlicher Verkehr\n\n**BGE 149 I 182** vom 31. März 2023\nNachhaltigkeitsprinzip und kostenlose öffentliche Verkehrsmittel\nDie Freiburger Verfassungsinitiative für kostenlose öffentliche Verkehrsmittel verstösst gegen Art. 81a Abs. 2 BV. Das Nachhaltigkeitsprinzip (Art. 73 BV) und das Klimaübereinkommen von Paris rechtfertigen nicht die vollständige Kostenlosigkeit des öffentlichen Verkehrs. Das Verlangen, dass bestimmte Nutzer sich an den Kosten beteiligen, verstösst weder gegen das Nachhaltigkeitsprinzip noch gegen die Klimaziele.\n\n> «Dass von gewissen Nutzerinnen und Nutzern des öffentlichen Verkehrs verlangt wird, sich an dessen Kosten zu beteiligen, verstösst weder gegen das Nachhaltigkeitsprinzip (Art. 73 BV) noch gegen Art. 2 Ziff. 1 des Klimaübereinkommens von Paris.»\n\n### Langfristige Planung und Ressourcenschutz\n\n**Urteil 1A.115/2003** vom 23. Februar 2004 (Abbauschwerpunkt Wangental)\nNachhaltiger Umgang mit Bodenschätzen bei langfristiger Planung\nDie Überbauungsordnung für einen 50-jährigen Kiesabbau ist grundsätzlich zulässig. Die langfristige Planung entspricht dem Gebot der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Art. 73 BV verlangt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Nutzung natürlicher Ressourcen und deren Erneuerungsfähigkeit, was bei der Dimensionierung von Abbaugebieten zu berücksichtigen ist.\n\n> Relevant für die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und die langfristige Raumplanung im Sinne von Art. 73 BV.\n\n### Umweltschutz und Immissionen\n\n**BGE 136 II 263** vom 8. Juni 2010 \nFluglärm und nachhaltiges Verkehrswesen\nBei der Beurteilung von Entschädigungsansprüchen wegen übermässiger Lärmbelastung durch Flugverkehr sind die Grundsätze der Nachhaltigkeit zu beachten. Die Interessenabwägung zwischen Mobilitätsbedürfnissen und Umweltschutz muss dem Nachhaltigkeitsprinzip Rechnung tragen.\n\n> Relevant für das ausgewogene Verhältnis zwischen Verkehrsbedürfnissen und Umweltschutz im Sinne von Art. 73 BV.\n\n**BGE 138 II 331** vom 6. Juni 2012 \nLärmschutz und nachhaltige Entwicklung\nBei der Bewilligung lärmintensiver Anlagen ist eine nachhaltige Interessenabwägung zwischen wirtschaftlichen Bedürfnissen und Umweltschutz erforderlich. Die Lärmschutzbestimmungen konkretisieren das Gebot der nachhaltigen Entwicklung.\n\n> Relevant für die Balance zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Umweltschutz im Rahmen nachhaltiger Entwicklung.\n\n### Tierschutz und ethische Nachhaltigkeit\n\n**BGE 135 II 384** vom 7. Oktober 2009 (Primatentierversuche)\nTierversuche und nachhaltige Forschungsethik\nBei Tierversuchen mit nicht-menschlichen Primaten ist eine besonders sorgfältige Güterabwägung erforderlich. Das Nachhaltigkeitsprinzip umfasst auch ethische Aspekte im Umgang mit Tieren und der Natur. Die Interessenabwägung muss das langfristige Verhältnis zwischen Mensch und Natur berücksichtigen.\n\n> Relevant für die ethische Dimension der Nachhaltigkeit und den respektvollen Umgang mit der Natur im Sinne von Art. 73 BV.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 73 Cst. ancre le principe du développement durable dans la Constitution fédérale. Cette disposition oblige la Confédération et les cantons à rechercher un rapport équilibré entre l'utilisation de la nature et sa conservation. L'exploitation de la nature ne doit pas dépasser sa capacité de régénération (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5).\n\n**Concernées** sont toutes les autorités étatiques lors de décisions ayant des répercussions sur l'environnement. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement de l'art. 73 Cst., car la norme a un caractère programmatique et ne fonde pas de droits immédiats (Biaggini, BV Kommentar, Art. 73 N. 3). La mise en œuvre pratique se fait par des lois spéciales comme la loi sur la protection de l'environnement (art. 1 LPE) ou la loi sur l'aménagement du territoire (art. 1 LAT).\n\nLe **principe de durabilité** agit comme principe d'interprétation pour toutes les décisions étatiques. En cas de conflits d'intérêts entre économie et environnement, les autorités doivent trouver un équilibre durable. Le Tribunal fédéral l'a appliqué notamment pour le parc éolien de Grenchenberg : l'énergie éolienne a été autorisée, mais avec des charges pour protéger les espèces d'oiseaux menacées (**BGE 148 II 36**). Ainsi, l'énergie renouvelable est encouragée sans détruire la nature.\n\nDans la **jurisprudence**, l'art. 73 Cst. se concrétise dans différents domaines : le Tribunal fédéral a qualifié une initiative communale pour les chauffages renouvelables comme mise en œuvre du principe de durabilité (**BGE 149 I 291**). Pour le bruit des avions ou l'exploitation de gravier, les conséquences environnementales à long terme doivent être prises en considération.\n\nLe principe n'est cependant **pas justiciable** au sens de droits individuels exécutoires. Il reste controversé de savoir si les limites écologiques valent de manière absolue ou peuvent être pesées contre des avantages économiques (durabilité forte versus faible selon Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5 versus interprétations proches de l'économie).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 73 Cst. a été nouvellement introduit dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition a ancré pour la première fois le principe du développement durable explicitement au niveau constitutionnel. Dans le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 relatif à une nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 1, 235 s.), le principe de durabilité est désigné comme une « idée directrice pour l'ensemble de l'action étatique » qui doit concilier les trois dimensions écologie, économie et société.\n\n**N. 2** L'Assemblée constituante a repris la disposition sans modifications essentielles du projet de Constitution du Conseil fédéral. Les débats parlementaires ont montré un large consensus sur la nécessité d'ancrer aussi dans la Constitution suisse le concept de développement durable établi au niveau international depuis la Conférence de Rio de 1992. En même temps, on était conscient de la nature programmatique de la disposition (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 1).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 73 Cst. se situe au début de la 4e section « Environnement et aménagement du territoire » et remplit une fonction charnière entre les principes directeurs généraux (→ art. 2 Cst.) et les dispositions plus concrètes sur la protection de l'environnement (→ art. 74 ss Cst.). La norme imprègne en tant que principe transversal tous les domaines politiques et doit être prise en considération lors de l'interprétation d'autres dispositions constitutionnelles, en particulier l'→ art. 54 Cst. (Affaires étrangères), l'→ art. 75 Cst. (Aménagement du territoire), l'→ art. 77 Cst. (Forêts), l'→ art. 104 Cst. (Agriculture) et l'→ art. 126 Cst. (Conduite du budget) (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 4).\n\n**N. 4** Le principe de durabilité est étroitement lié à l'objectif étatique du développement durable ancré dans l'art. 2 Cst. Alors que l'art. 2 Cst. définit le développement durable comme objectif étatique général, l'art. 73 Cst. concrétise cet objectif pour la relation entre l'être humain et la nature. La position systématique souligne que la durabilité ne doit pas être réduite à la protection de l'environnement, mais doit être comprise comme un concept intégratif (Flückiger, Le développement durable en droit constitutionnel suisse, URP 2006, 1 ss, 8).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Destinataires de la norme** : L'art. 73 Cst. s'adresse tant à la Confédération qu'aux cantons. La formulation « s'efforcent d'établir » indique clairement que les deux niveaux étatiques sont tenus de réaliser le principe de durabilité. Cette responsabilité commune correspond à la structure fédéraliste de la politique environnementale (Petitpierre-Sauvain, Fondements écologiques de l'ordre constitutionnel suisse, 2003, 89).\n\n**N. 6** **« Rapport équilibré et durable »** : Le terme « durable » renvoie à la dimension intergénérationnelle de la durabilité. La génération actuelle ne peut exploiter les bases naturelles de la vie dans une mesure qui limiterait les générations futures dans la satisfaction de leurs besoins. Le « rapport équilibré » exige un équilibre entre l'utilisation et la régénération des ressources naturelles. Cela exclut une surexploitation, mais permet une utilisation mesurée dans le cadre de la capacité de régénération (Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht – Ein Lehrbuch, 2020, § 2 N. 45).\n\n**N. 7** **« Capacité de renouvellement de la nature »** : Ce terme se réfère à la capacité des écosystèmes à se régénérer et à maintenir leurs fonctions. Le respect des cycles naturels et des temps de régénération est central. Pour les ressources renouvelables, le taux d'utilisation ne doit pas dépasser le taux de régénération ; pour les ressources non renouvelables, un usage parcimonieux est requis (Mahaim, Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, 2014, 125 s.).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** L'art. 73 Cst. déploie son effet principalement comme **principe d'interprétation** et **mandat d'optimisation**. Tous les organes étatiques sont tenus de prendre en considération le principe de durabilité dans leurs décisions et de le réaliser dans le cadre de leurs compétences. Cela vaut tant pour la législation que pour l'exécution des lois et la jurisprudence (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 11).\n\n**N. 9** La jurisprudence du Tribunal fédéral montre la pertinence pratique du principe de durabilité : Dans **ATF 148 II 36 consid. 13.6**, le Tribunal fédéral a établi que l'utilisation de l'énergie éolienne ne correspond aux exigences du principe de durabilité que si un rapport équilibré et durable entre la production d'énergie renouvelable et la protection de la nature est garanti. Dans **ATF 149 I 291**, une initiative communale pour des systèmes de chauffage renouvelables a été qualifiée de concrétisation de l'art. 73 Cst.\n\n**N. 10** En tant que **norme programmatique**, l'art. 73 Cst. ne fonde pas de droits subjectifs immédiats. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement de cette disposition pour exiger des mesures concrètes ou demander des abstentions. La norme nécessite une concrétisation par la législation, en particulier par la loi sur la protection de l'environnement, la loi sur l'aménagement du territoire et la législation énergétique (Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, Art. 73 N. 3).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 11** **Durabilité forte versus faible** : Dans la doctrine existe une controverse fondamentale sur le rapport des trois dimensions de la durabilité. La conception forte de la durabilité, représentée par Griffel (BSK BV, Art. 73 N. 5) et Rausch/Marti (in: Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht, § 2 N. 47), postule qu'une compensation entre les domaines – notamment au détriment de l'environnement – n'est pas admissible. Le capital écologique doit être respecté comme limite absolue. En revanche, la conception faible permet une certaine substitution entre capital naturel, capital technique et capital humain, tant que le capital total est préservé. Cette position se trouve implicitement dans les interprétations du principe de durabilité proches de l'économie.\n\n**N. 12** **Justiciabilité du principe de durabilité** : Un autre point de controverse concerne l'applicabilité juridique. Flückiger (URP 2006, 15) et Mahaim (Le principe de durabilité, 2014, 287) ainsi que Brahier (Installations dangereuses et aménagement du territoire, 2018, 195) soutiennent que le principe de durabilité est justiciable et peut fonder des obligations exécutoires dans le cas concret. La doctrine dominante, représentée par Griffel, Rausch, Marti (Umweltrecht, § 2 N. 51), Aubert (Petit commentaire BV, Art. 73 N. 8), Mahon (Petit commentaire BV, Art. 2 N. 12) et Biaggini (BV Kommentar, Art. 73 N. 3), soutient au contraire que le principe de durabilité n'est pas justiciable, car il n'est pas suffisamment dense normativement pour fonder des droits et obligations exécutoires par voie de décision dans le cas concret.\n\n**N. 13** **Dimension de droit international** : Il est également controversé de savoir si le concept de développement durable s'est déjà cristallisé en droit international coutumier. Alors que certaines voix dans la littérature l'affirment, Keller/von Arb (Nachhaltige Entwicklung im Völkerrecht, URP 2006, 210, 226) qualifient cette conception d'« audacieuse ». La qualité de droit international a une importance pour l'interprétation de l'art. 73 Cst. à la lumière des obligations internationales de la Suisse (Epiney/Scheyli, Umweltvölkerrecht, 2e éd. 2021, 95 ss).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 14** **Concrétisation dans la législation** : Le principe de durabilité est concrétisé par de nombreuses lois fédérales, en particulier la loi sur la protection de l'environnement (principe de précaution), la loi sur l'aménagement du territoire (utilisation mesurée du sol), la loi sur l'énergie (promotion des énergies renouvelables) et la loi sur le CO₂ (protection du climat). Lors de l'élaboration et de la révision d'actes normatifs, l'art. 73 Cst. doit être utilisé comme aide à l'interprétation.\n\n**N. 15** **Pesée des intérêts** : Dans la pratique, le principe de durabilité se manifeste souvent dans des pesées d'intérêts complexes. Comme l'a démontré le Tribunal fédéral dans **ATF 148 II 36**, les différentes dimensions de la durabilité doivent être soigneusement pesées les unes contre les autres lors de grands projets. Il faut rechercher des solutions qui rendent justice autant que possible à toutes les dimensions – dans le cas concret par des restrictions d'exploitation pour la protection d'espèces menacées tout en permettant l'utilisation de l'énergie éolienne.\n\n**N. 16** **Charge de la preuve et devoirs d'instruction** : Les autorités ont un devoir d'instruction approfondi concernant les effets de durabilité de leurs décisions. Cela comprend en particulier les conséquences à long terme pour l'environnement, mais aussi les aspects sociaux et économiques. L'évaluation de la durabilité doit être exposée de manière transparente dans les bases de décision.\n\n**N. 17** **Monitoring et administration adaptative** : Le principe de durabilité exige une vérification et une adaptation continues des mesures étatiques. Les autorisations pour des projets ayant un impact environnemental devraient donc contenir des obligations de monitoring et des réserves d'adaptation, afin de pouvoir réagir à de nouvelles connaissances. Cette pratique administrative adaptative correspond à la nature dynamique du principe de durabilité.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Transition énergétique et énergies renouvelables\n\n**ATF 149 I 291** du 3 mai 2023 \nInitiative pour la transition vers des systèmes de chauffage renouvelables comme conforme à la Constitution\nL'initiative « Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht » ne viole pas le droit supérieur et peut être soumise au peuple. L'objectif de l'initiative peut être compris comme un pas vers un développement écologiquement durable (art. 73 Cst.) et se fonde sur l'intérêt public important d'un développement durable.\n\n> « La réglementation proposée par l'initiative litigieuse peut être comprise comme un pas vers un développement écologiquement plus durable et donc comme une concrétisation de l'art. 73 Cst. Elle peut par conséquent se fonder sur l'intérêt public important d'un développement durable. »\n\n**ATF 148 II 36** du 24 novembre 2021 (Parc éolien Grenchenberg)\nPesée des intérêts entre énergie renouvelable et protection de la nature\nLe Tribunal fédéral a confirmé le parc éolien Grenchenberg malgré les conflits avec la protection de la nature. Dans la pesée globale des intérêts, l'intérêt national à l'utilisation de l'énergie éolienne doit être pris en compte, notamment dans le contexte du changement climatique et des objectifs climatiques de la Suisse. Il convient de rechercher un équilibre des intérêts qui réduise le risque pour la protection des biotopes et des espèces à un niveau supportable, sans rendre impossible l'utilisation de l'énergie éolienne renouvelable.\n\n> « Intérêt national à l'utilisation de l'énergie éolienne au Grenchenberg, notamment dans le contexte du changement climatique et des objectifs climatiques de la Suisse. [...] Il convient de rechercher un équilibre des intérêts, c'est-à-dire que le risque de collisions et de perturbations de l'habitat doit être réduit à un niveau supportable pour la protection des biotopes et des espèces, sans rendre impossible l'utilisation de l'énergie éolienne renouvelable. »\n\n### Protection du climat et transports publics\n\n**ATF 149 I 182** du 31 mars 2023\nPrincipe de durabilité et transports publics gratuits\nL'initiative constitutionnelle fribourgeoise pour des transports publics gratuits viole l'art. 81a al. 2 Cst. Le principe de durabilité (art. 73 Cst.) et l'Accord de Paris sur le climat ne justifient pas la gratuité complète des transports publics. L'exigence que certains utilisateurs participent aux coûts ne viole ni le principe de durabilité ni les objectifs climatiques.\n\n> « Que certaines utilisatrices et certains utilisateurs des transports publics soient tenus de participer à leurs coûts ne viole ni le principe de durabilité (art. 73 Cst.) ni l'art. 2 ch. 1 de l'Accord de Paris sur le climat. »\n\n### Planification à long terme et protection des ressources\n\n**Arrêt 1A.115/2003** du 23 février 2004 (Zone d'extraction prioritaire Wangental)\nGestion durable des matières premières dans la planification à long terme\nLe règlement de construction pour une extraction de gravier de 50 ans est en principe admissible. La planification à long terme correspond au commandement d'utilisation durable des ressources naturelles. L'art. 73 Cst. exige un rapport équilibré entre l'utilisation des ressources naturelles et leur capacité de renouvellement, ce qui doit être pris en compte lors du dimensionnement des zones d'extraction.\n\n> Pertinent pour la gestion durable des ressources naturelles et l'aménagement du territoire à long terme au sens de l'art. 73 Cst.\n\n### Protection de l'environnement et immissions\n\n**ATF 136 II 263** du 8 juin 2010 \nBruit des avions et système de transport durable\nLors de l'évaluation des prétentions en dommages-intérêts dues à une charge de bruit excessive du trafic aérien, les principes de durabilité doivent être respectés. La pesée des intérêts entre les besoins de mobilité et la protection de l'environnement doit tenir compte du principe de durabilité.\n\n> Pertinent pour le rapport équilibré entre les besoins de transport et la protection de l'environnement au sens de l'art. 73 Cst.\n\n**ATF 138 II 331** du 6 juin 2012 \nProtection contre le bruit et développement durable\nLors de l'autorisation d'installations génératrices de bruit, une pesée durable des intérêts entre les besoins économiques et la protection de l'environnement est nécessaire. Les dispositions sur la protection contre le bruit concrétisent le commandement du développement durable.\n\n> Pertinent pour l'équilibre entre l'utilisation économique et la protection de l'environnement dans le cadre du développement durable.\n\n### Protection des animaux et durabilité éthique\n\n**ATF 135 II 384** du 7 octobre 2009 (Expériences sur primates)\nExpériences sur animaux et éthique de la recherche durable\nPour les expériences sur animaux avec des primates non humains, une pesée des biens particulièrement minutieuse est requise. Le principe de durabilité comprend aussi des aspects éthiques dans les rapports avec les animaux et la nature. La pesée des intérêts doit tenir compte du rapport à long terme entre l'homme et la nature.\n\n> Pertinent pour la dimension éthique de la durabilité et les rapports respectueux avec la nature au sens de l'art. 73 Cst.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 73 Cost. sancisce il principio dello sviluppo sostenibile nella Costituzione federale. La disposizione obbliga Confederazione e Cantoni a perseguire un rapporto equilibrato tra utilizzo e conservazione della natura. In tal senso, lo sfruttamento della natura non deve superare la sua capacità di rigenerazione (Griffel, BSK BV, art. 73 n. 5).\n\n**Interessate** sono tutte le autorità statali nelle decisioni con impatti ambientali. I privati non possono richiamarsi direttamente all'art. 73 Cost., poiché la norma ha carattere programmatico e non conferisce diritti diretti (Biaggini, BV Kommentar, art. 73 n. 3). L'attuazione pratica avviene tramite leggi speciali come la legge sulla protezione dell'ambiente (art. 1 LPAmb) o la legge sulla pianificazione del territorio (art. 1 LPT).\n\nIl **principio di sostenibilità** agisce come criterio interpretativo per tutte le decisioni statali. In caso di conflitti d'interesse tra economia e ambiente, le autorità devono trovare un equilibrio sostenibile. Il Tribunale federale ha applicato questo principio ad esempio nel caso del parco eolico Grenchenberg: l'energia eolica è stata autorizzata, ma con condizioni per la protezione delle specie di uccelli minacciate (**BGE 148 II 36**). In questo modo si promuove l'energia rinnovabile senza distruggere la natura.\n\nNella **giurisprudenza** l'art. 73 Cost. si concretizza in diversi ambiti: il Tribunale federale ha qualificato un'iniziativa comunale per il riscaldamento rinnovabile come attuazione del principio di sostenibilità (**BGE 149 I 291**). In caso di rumore aereo o estrazione di ghiaia devono essere considerate anche le conseguenze ambientali a lungo termine.\n\nIl principio tuttavia **non è giustiziabile** nel senso di diritti individuali azionabili. Rimane controverso se i limiti ecologici valgano in modo assoluto o possano essere soppesati contro vantaggi economici (sostenibilità forte versus debole secondo Griffel, BSK BV, art. 73 n. 5 versus interpretazioni vicine all'economia).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 73 Cost. è stato introdotto ex novo nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione ha ancorato per la prima volta il principio dello sviluppo sostenibile esplicitamente a livello costituzionale. Nel Messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 235 s.) il principio della sostenibilità è definito come «idea guida per l'intera attività statale», che deve armonizzare le tre dimensioni ecologia, economia e società.\n\n**N. 2** Il legislatore costituente ha ripreso la disposizione senza modifiche sostanziali dal progetto di Costituzione del Consiglio federale. I dibattiti parlamentari hanno mostrato un ampio consenso sulla necessità di ancorare nella Costituzione svizzera anche il concetto di sviluppo sostenibile stabilito a livello internazionale dalla Conferenza di Rio del 1992. Al contempo si era consapevoli della natura programmatica della disposizione (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 1).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 73 Cost. si trova all'inizio della 4a sezione «Ambiente e pianificazione del territorio» e assume una funzione di cerniera tra i principi direttivi generali (→ art. 2 Cost.) e le disposizioni più concrete sulla protezione dell'ambiente (→ art. 74 segg. Cost.). La norma, quale principio trasversale, impregna tutti i settori politici e deve essere considerata nell'interpretazione di altre disposizioni costituzionali, in particolare dell'→ art. 54 Cost. (Affari esteri), dell'→ art. 75 Cost. (Pianificazione del territorio), dell'→ art. 77 Cost. (Foreste), dell'→ art. 104 Cost. (Agricoltura) e dell'→ art. 126 Cost. (Conduzione finanziaria) (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 4).\n\n**N. 4** Il principio della sostenibilità è strettamente collegato all'obiettivo statale dello sviluppo sostenibile sancito nell'art. 2 Cost. Mentre l'art. 2 Cost. definisce lo sviluppo sostenibile come obiettivo statale generale, l'art. 73 Cost. concretizza questo obiettivo per il rapporto tra uomo e natura. La posizione sistematica sottolinea che la sostenibilità non può essere ridotta alla protezione dell'ambiente, ma deve essere intesa come concetto integrativo (Flückiger, Le développement durable en droit constitutionnel suisse, URP 2006, 1 segg., 8).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Destinatari della norma**: L'art. 73 Cost. si rivolge sia alla Confederazione sia ai Cantoni. La formulazione «si adopera» chiarisce che entrambi i livelli statali sono obbligati a realizzare il principio della sostenibilità. Questa responsabilità comune corrisponde alla struttura federalistica della politica ambientale (Petitpierre-Sauvain, Fondements écologiques de l'ordre constitutionnel suisse, 2003, 89).\n\n**N. 6** **«Rapporto durevolmente equilibrato»**: Il concetto «durevole» rimanda alla dimensione intergenerazionale della sostenibilità. La generazione attuale non può utilizzare le basi naturali della vita in misura tale da limitare le generazioni future nel soddisfacimento dei propri bisogni. Il «rapporto equilibrato» esige un equilibrio tra utilizzo e rigenerazione delle risorse naturali. Ciò esclude un sovrasfruttamento, ma consente un utilizzo moderato nel quadro della capacità di rigenerazione (Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht – Ein Lehrbuch, 2020, § 2 N. 45).\n\n**N. 7** **«Capacità di rigenerazione della natura»**: Questo concetto si riferisce alla capacità degli ecosistemi di rigenerarsi e mantenere le proprie funzioni. Centrale è il rispetto dei cicli naturali e dei tempi di rigenerazione. Per le risorse rinnovabili il tasso di utilizzo non deve superare il tasso di rigenerazione; per le risorse non rinnovabili è necessario un uso parsimonioso (Mahaim, Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, 2014, 125 s.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 73 Cost. dispiega i suoi effetti principalmente quale **principio interpretativo** e **comando di ottimizzazione**. Tutti gli organi statali sono obbligati a considerare il principio della sostenibilità nelle loro decisioni e a realizzarlo nel quadro delle loro competenze. Ciò vale sia per la legislazione sia per l'esecuzione delle leggi e la giurisprudenza (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 11).\n\n**N. 9** La giurisprudenza del Tribunale federale mostra la rilevanza pratica del principio della sostenibilità: In **BGE 148 II 36 E. 13.6** il Tribunale federale ha stabilito che l'utilizzo dell'energia eolica corrisponde alle prescrizioni del principio della sostenibilità solo se è garantito un rapporto durevolmente equilibrato tra produzione di energia rinnovabile e protezione della natura. In **BGE 149 I 291** un'iniziativa comunale per sistemi di riscaldamento rinnovabili è stata qualificata come concretizzazione dell'art. 73 Cost.\n\n**N. 10** Quale **norma programmatica** l'art. 73 Cost. non fonda diritti soggettivi immediati. I privati non possono invocare direttamente la disposizione per esigere misure concrete o pretendere omissioni. La norma necessita di concretizzazione mediante la legislazione, in particolare attraverso la legge sulla protezione dell'ambiente, la legge sulla pianificazione del territorio e la legislazione energetica (Biaggini, BV Kommentar, 2ª ed. 2017, Art. 73 N. 3).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 11** **Sostenibilità forte versus sostenibilità debole**: Nella dottrina esiste una controversia fondamentale sul rapporto delle tre dimensioni della sostenibilità. La concezione forte della sostenibilità, rappresentata da Griffel (BSK BV, Art. 73 N. 5) e Rausch/Marti (in: Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht, § 2 N. 47), postula che una compensazione tra i settori – segnatamente a danno dell'ambiente – non è ammissibile. Il capitale ecologico deve essere rispettato come limite assoluto. Al contrario, la concezione debole consente una certa sostituzione tra capitale naturale, capitale materiale e capitale umano, purché il capitale complessivo sia conservato. Questa posizione si trova implicitamente nelle interpretazioni del principio della sostenibilità vicine all'economia.\n\n**N. 12** **Giustiziabilità del principio della sostenibilità**: Un altro punto controverso riguarda l'applicabilità giuridica. Flückiger (URP 2006, 15) e Mahaim (Le principe de durabilité, 2014, 287) nonché Brahier (Installations dangereuses et aménagement du territoire, 2018, 195) sostengono che il principio della sostenibilità sia giustiziabile e possa fondare obblighi azionabili nel caso singolo. La dottrina dominante, rappresentata da Griffel, Rausch, Marti (Umweltrecht, § 2 N. 51), Aubert (Petit commentaire BV, Art. 73 N. 8), Mahon (Petit commentaire BV, Art. 2 N. 12) e Biaggini (BV Kommentar, Art. 73 N. 3), sostiene invece che il principio della sostenibilità non sia giustiziabile, poiché non è sufficientemente condensato normativamente per fondare nel caso singolo diritti e obblighi azionabili mediante decreto.\n\n**N. 13** **Dimensione di diritto internazionale**: Controverso è anche se il concetto di sviluppo sostenibile si sia già condensato in diritto internazionale consuetudinario. Mentre alcune voci nella letteratura lo affermano, Keller/von Arb (Nachhaltige Entwicklung im Völkerrecht, URP 2006, 210, 226) definiscono questa concezione come «ardita». La qualità di diritto internazionale ha rilevanza per l'interpretazione dell'art. 73 Cost. alla luce degli obblighi internazionali della Svizzera (Epiney/Scheyli, Umweltvölkerrecht, 2ª ed. 2021, 95 segg.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** **Concretizzazione nella legislazione**: Il principio della sostenibilità è concretizzato da numerose leggi federali, in particolare la legge sulla protezione dell'ambiente (principio di precauzione), la legge sulla pianificazione del territorio (uso parsimonioso del suolo), la legge sull'energia (promozione delle energie rinnovabili) e la legge sul CO₂ (protezione del clima). Nell'elaborazione e revisione di atti normativi l'art. 73 Cost. deve essere utilizzato come ausilio interpretativo.\n\n**N. 15** **Ponderazione degli interessi**: Nella pratica il principio della sostenibilità si manifesta spesso in ponderazioni complesse degli interessi. Come ha dimostrato il Tribunale federale in **BGE 148 II 36**, nei grandi progetti le diverse dimensioni della sostenibilità devono essere ponderate accuratamente le une contro le altre. Vanno ricercate soluzioni che rendano giustizia il più possibile a tutte le dimensioni – nel caso concreto mediante limitazioni dell'esercizio per la protezione di specie minacciate consentendo al contempo l'utilizzo dell'energia eolica.\n\n**N. 16** **Onere della prova e obblighi di accertamento**: Le autorità hanno un obbligo di accertamento comprensivo riguardo agli effetti sulla sostenibilità delle loro decisioni. Ciò comprende in particolare le conseguenze a lungo termine per l'ambiente, ma anche gli aspetti sociali ed economici. La valutazione della sostenibilità deve essere esposta in modo trasparente nei fondamenti decisionali.\n\n**N. 17** **Monitoraggio e amministrazione adattiva**: Il principio della sostenibilità esige una verifica e un adattamento continui delle misure statali. Le autorizzazioni per progetti rilevanti per l'ambiente dovrebbero pertanto contenere obblighi di monitoraggio e riserve di adattamento, per poter reagire a nuove conoscenze. Questa prassi amministrativa adattiva corrisponde alla natura dinamica del principio della sostenibilità.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Transizione energetica ed energie rinnovabili\n\n**DTF 149 I 291** del 3 maggio 2023 \nIniziativa per la conversione a sistemi di riscaldamento rinnovabili come conforme alla costituzione\nL'iniziativa «Hochdorf riscalda con energia rinnovabile - dal 2030 a maggior ragione» non viola il diritto superiore e può essere sottoposta al corpo elettorale. L'obiettivo dell'iniziativa può essere inteso come un passo verso uno sviluppo ecologicamente sostenibile (art. 73 Cost.) e si fonda sul rilevante interesse pubblico per uno sviluppo sostenibile.\n\n> «La regolamentazione proposta dall'iniziativa controversa può essere intesa come un passo verso uno sviluppo ecologicamente più sostenibile e quindi come una concretizzazione dell'art. 73 Cost. Può pertanto fondarsi sul rilevante interesse pubblico per uno sviluppo sostenibile.»\n\n**DTF 148 II 36** del 24 novembre 2021 (Parco eolico Grenchenberg)\nPonderazione degli interessi tra energie rinnovabili e protezione della natura\nIl Tribunale federale ha confermato il parco eolico Grenchenberg nonostante i conflitti con la protezione della natura. Nella ponderazione complessiva degli interessi deve essere considerato l'interesse nazionale all'utilizzazione dell'energia eolica, in particolare sullo sfondo dei cambiamenti climatici e degli obiettivi climatici della Svizzera. È da perseguire un equilibrio degli interessi che riduca il rischio per la protezione dei biotopi e delle specie a una misura sopportabile, senza rendere impossibile l'utilizzazione dell'energia eolica rinnovabile.\n\n> «Interesse nazionale all'utilizzazione dell'energia eolica al Grenchenberg, in particolare sullo sfondo dei cambiamenti climatici e degli obiettivi climatici della Svizzera. [...] È da perseguire un equilibrio degli interessi, ossia il rischio di collisioni e disturbi dell'habitat deve essere ridotto a una misura sopportabile per la protezione dei biotopi e delle specie, senza rendere impossibile l'utilizzazione dell'energia eolica rinnovabile.»\n\n### Protezione del clima e trasporti pubblici\n\n**DTF 149 I 182** del 31 marzo 2023\nPrincipio di sostenibilità e trasporti pubblici gratuiti\nL'iniziativa costituzionale friburghese per trasporti pubblici gratuiti viola l'art. 81a cpv. 2 Cost. Il principio di sostenibilità (art. 73 Cost.) e l'Accordo di Parigi sul clima non giustificano la completa gratuità dei trasporti pubblici. L'esigenza che determinati utenti partecipino ai costi non viola né il principio di sostenibilità né gli obiettivi climatici.\n\n> «Il fatto che a certi utilizzatori dei trasporti pubblici sia chiesto di partecipare ai relativi costi non viola né il principio di sostenibilità (art. 73 Cost.) né l'art. 2 n. 1 dell'Accordo di Parigi sul clima.»\n\n### Pianificazione a lungo termine e protezione delle risorse\n\n**Sentenza 1A.115/2003** del 23 febbraio 2004 (Centro di estrazione Wangental)\nGestione sostenibile delle risorse minerarie nella pianificazione a lungo termine\nIl piano di quartiere per un'estrazione di ghiaia di 50 anni è in linea di principio ammissibile. La pianificazione a lungo termine corrisponde al precetto dell'utilizzazione sostenibile delle risorse naturali. L'art. 73 Cost. esige un rapporto equilibrato tra l'utilizzazione delle risorse naturali e la loro capacità di rigenerazione, il che deve essere considerato nel dimensionamento delle zone di estrazione.\n\n> Rilevante per la gestione sostenibile delle risorse naturali e la pianificazione territoriale a lungo termine nel senso dell'art. 73 Cost.\n\n### Protezione dell'ambiente ed emissioni\n\n**DTF 136 II 263** dell'8 giugno 2010 \nRumore aereo e sistema di trasporti sostenibile\nNella valutazione delle pretese di risarcimento per carico fonico eccessivo dovuto al traffico aereo devono essere osservati i principi della sostenibilità. La ponderazione degli interessi tra i bisogni di mobilità e la protezione dell'ambiente deve tener conto del principio di sostenibilità.\n\n> Rilevante per il rapporto equilibrato tra bisogni di trasporto e protezione dell'ambiente nel senso dell'art. 73 Cost.\n\n**DTF 138 II 331** del 6 giugno 2012 \nProtezione dal rumore e sviluppo sostenibile\nPer l'autorizzazione di impianti rumorosi è richiesta una ponderazione sostenibile degli interessi tra bisogni economici e protezione dell'ambiente. Le disposizioni sulla protezione dal rumore concretizzano il precetto dello sviluppo sostenibile.\n\n> Rilevante per l'equilibrio tra utilizzazione economica e protezione dell'ambiente nel quadro dello sviluppo sostenibile.\n\n### Protezione degli animali e sostenibilità etica\n\n**DTF 135 II 384** del 7 ottobre 2009 (Esperimenti sui primati)\nEsperimenti sugli animali ed etica della ricerca sostenibile\nPer gli esperimenti sugli animali con primati non umani è richiesta una ponderazione dei beni particolarmente accurata. Il principio di sostenibilità comprende anche aspetti etici nel rapporto con gli animali e la natura. La ponderazione degli interessi deve considerare il rapporto a lungo termine tra uomo e natura.\n\n> Rilevante per la dimensione etica della sostenibilità e il rapporto rispettoso con la natura nel senso dell'art. 73 Cost.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 73 Cst. enshrines the principle of sustainable development in the Federal Constitution. The provision obligates the Confederation and the cantons to strive for a balanced relationship between the use of nature and the preservation of nature. The utilization of nature may not exceed its regenerative capacity (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5).\n\n**Affected** are all state authorities in decisions with environmental impacts. Private parties cannot directly invoke Art. 73 Cst., as the norm has a programmatic character and does not establish immediate rights (Biaggini, BV Kommentar, Art. 73 N. 3). The practical implementation occurs through special laws such as the Environmental Protection Act (Art. 1 EPA) or the Spatial Planning Act (Art. 1 SPA).\n\nThe **principle of sustainability** acts as an interpretative principle for all state decisions. In conflicts of interest between economy and environment, authorities must find a sustainable balance. The Federal Supreme Court applied this in the Grenchenberg wind farm case: wind energy was authorized, but with conditions to protect endangered bird species (**BGE 148 II 36**). This promotes renewable energy without destroying nature.\n\nIn **case law**, Art. 73 Cst. is concretized in various areas: The Federal Supreme Court qualified a municipal initiative for renewable heating as implementation of the principle of sustainability (**BGE 149 I 291**). In cases of aircraft noise or gravel extraction, long-term environmental consequences must be taken into consideration.\n\nHowever, the principle is **not justiciable** in the sense of enforceable individual rights. It remains controversial whether ecological limits apply absolutely or can be weighed against economic advantages (strong versus weak sustainability according to Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 5 versus economy-oriented interpretations).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. History\n\n**N. 1** Art. 73 Cst. was newly introduced as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision explicitly enshrined the principle of sustainable development at the constitutional level for the first time. In the Federal Council's Dispatch of 20 November 1996 on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 235 f.), the sustainability principle is described as a «guiding principle for all state action» which should harmonise the three dimensions of ecology, economy and society.\n\n**N. 2** The constitutional assembly adopted the provision without significant changes from the Federal Council's constitutional draft. The parliamentary debates showed broad consensus on the need to enshrine the concept of sustainable development, internationally established since the Rio Conference of 1992, in the Swiss constitution as well. At the same time, there was awareness of the programmatic nature of the provision (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 1).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 73 Cst. stands at the beginning of Section 4 «Environment and Spatial Planning» and serves as a hinge between the general guiding principles (→ Art. 2 Cst.) and the more concrete environmental protection provisions (→ Art. 74 ff. Cst.). As a cross-cutting principle, the norm shapes all policy areas and must be considered when interpreting other constitutional provisions, particularly → Art. 54 Cst. (Foreign Affairs), → Art. 75 Cst. (Spatial Planning), → Art. 77 Cst. (Forests), → Art. 104 Cst. (Agriculture) and → Art. 126 Cst. (Financial management) (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 4).\n\n**N. 4** The sustainability principle is closely linked to the state objective of sustainable development enshrined in Art. 2 Cst. While Art. 2 Cst. defines sustainable development as a general state objective, Art. 73 Cst. concretises this goal for the relationship between humans and nature. The systematic position underlines that sustainability must not be reduced to environmental protection, but should be understood as an integrative concept (Flückiger, Le développement durable en droit constitutionnel suisse, URP 2006, 1 ff., 8).\n\n### 3. Elements of the provision / Content of the norm\n\n**N. 5** **Addressees of the norm**: Art. 73 Cst. is addressed to both the Confederation and the cantons. The wording «shall endeavour» makes clear that both state levels are obligated to realise the sustainability principle. This shared responsibility corresponds to the federalist structure of environmental policy (Petitpierre-Sauvain, Fondements écologiques de l'ordre constitutionnel suisse, 2003, 89).\n\n**N. 6** **«A balanced relationship in the long term»**: The term «in the long term» refers to the intergenerational dimension of sustainability. The present generation may not exploit natural resources to such an extent that future generations are restricted in satisfying their needs. The «balanced relationship» requires a balance between use and regeneration of natural resources. This excludes overuse but allows moderate exploitation within the limits of regenerative capacity (Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht – Ein Lehrbuch, 2020, § 2 N. 45).\n\n**N. 7** **«Regenerative capacity of nature»**: This term refers to the capacity of ecosystems to regenerate and maintain their functions. Central is respect for natural cycles and regeneration times. For renewable resources, the rate of use must not exceed the rate of regeneration; for non-renewable resources, economical use is required (Mahaim, Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, 2014, 125 f.).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** Art. 73 Cst. primarily takes effect as an **interpretive principle** and **optimisation requirement**. All state organs are obligated to consider the sustainability principle in their decisions and to realise it within the scope of their competences. This applies to legislation as well as to law enforcement and jurisprudence (Griffel, BSK BV, Art. 73 N. 11).\n\n**N. 9** The case law of the Federal Supreme Court demonstrates the practical relevance of the sustainability principle: In **BGE 148 II 36 E. 13.6**, the Federal Supreme Court held that wind power use only meets the requirements of the sustainability principle if a balanced relationship in the long term between renewable energy production and nature conservation is ensured. In **BGE 149 I 291**, a municipal initiative for renewable heating systems was qualified as a concretisation of Art. 73 Cst.\n\n**N. 10** As a **programmatic norm**, Art. 73 Cst. does not establish immediate subjective rights. Private parties cannot directly invoke the provision to demand concrete measures or require omissions. The norm requires concretisation through legislation, particularly through the Environmental Protection Act, the Spatial Planning Act and energy legislation (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 73 N. 3).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 11** **Strong versus weak sustainability**: In doctrine, there is a fundamental controversy about the relationship between the three sustainability dimensions. The strong conception of sustainability, represented by Griffel (BSK BV, Art. 73 N. 5) and Rausch/Marti (in: Griffel/Rausch/Marti, Umweltrecht, § 2 N. 47), postulates that compensation between areas – particularly at the expense of the environment – is not permissible. Ecological capital must be respected as an absolute limit. By contrast, the weak conception allows a certain substitution between natural, physical and human capital, as long as total capital is preserved. This position is found implicitly in economy-oriented interpretations of the sustainability principle.\n\n**N. 12** **Justiciability of the sustainability principle**: Another point of contention concerns legal enforceability. Flückiger (URP 2006, 15) and Mahaim (Le principe de durabilité, 2014, 287) as well as Brahier (Installations dangereuses et aménagement du territoire, 2018, 195) take the view that the sustainability principle is justiciable and can establish enforceable obligations in individual cases. The prevailing doctrine, represented by Griffel, Rausch, Marti (Umweltrecht, § 2 N. 51), Aubert (Petit commentaire BV, Art. 73 N. 8), Mahon (Petit commentaire BV, Art. 2 N. 12) and Biaggini (BV Kommentar, Art. 73 N. 3), argues instead that the sustainability principle is not justiciable, as it is not normatively sufficiently condensed to establish rights and obligations enforceable by administrative order in individual cases.\n\n**N. 13** **International law dimension**: It is also disputed whether the concept of sustainable development has already crystallised into customary international law. While some voices in the literature affirm this, Keller/von Arb (Nachhaltige Entwicklung im Völkerrecht, URP 2006, 210, 226) describe this view as «audacious». The international law quality is significant for the interpretation of Art. 73 Cst. in light of Switzerland's international obligations (Epiney/Scheyli, Umweltvölkerrecht, 2. Aufl. 2021, 95 ff.).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 14** **Concretisation in legislation**: The sustainability principle is concretised through numerous federal acts, particularly the Environmental Protection Act (precautionary principle), the Spatial Planning Act (economical land use), the Energy Act (promotion of renewable energies) and the CO₂ Act (climate protection). When drafting and revising enactments, Art. 73 Cst. is to be used as an interpretive aid.\n\n**N. 15** **Balancing of interests**: In practice, the sustainability principle frequently manifests itself in complex balancing of interests. As the Federal Supreme Court demonstrated in **BGE 148 II 36**, the various sustainability dimensions must be carefully weighed against each other in major projects. Solutions should be sought that do justice to all dimensions as far as possible – in the concrete case through operational restrictions to protect endangered species while simultaneously enabling wind energy use.\n\n**N. 16** **Burden of proof and investigative duties**: Authorities have a comprehensive duty to investigate the sustainability impacts of their decisions. This includes particularly the long-term consequences for the environment, but also social and economic aspects. The sustainability assessment must be transparently presented in the decision-making basis.\n\n**N. 17** **Monitoring and adaptive administration**: The sustainability principle requires continuous review and adaptation of state measures. Permits for environmentally relevant projects should therefore contain monitoring obligations and adaptation reservations in order to respond to new findings. This adaptive administrative practice corresponds to the dynamic nature of the sustainability principle.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Energy Transition and Renewable Energy\n\n**BGE 149 I 291** of 3 May 2023\nInitiative for conversion to renewable heating systems as constitutionally compliant\nThe initiative \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" does not violate higher-ranking law and may be submitted to the voters. The objective of the initiative can be understood as a step towards ecologically sustainable development (Art. 73 Federal Constitution) and is based on the compelling public interest in sustainable development.\n\n> \"The regulation proposed by the disputed initiative can be understood as a step towards more ecologically sustainable development and thus as a concretisation of Art. 73 Federal Constitution. It can therefore rely on the compelling public interest in sustainable development.\"\n\n**BGE 148 II 36** of 24 November 2021 (Grenchenberg Wind Farm)\nBalancing interests between renewable energy and nature conservation\nThe Federal Supreme Court confirmed the Grenchenberg wind farm despite conflicts with nature conservation. In the overall balancing of interests, the national interest in the use of wind energy must be considered, particularly against the background of climate change and Switzerland's climate goals. The aim is to achieve a balance of interests that reduces the risk to biotope and species protection to an acceptable level without making the use of renewable wind energy impossible.\n\n> \"National interest in the use of wind energy at Grenchenberg, particularly against the background of climate change and Switzerland's climate goals. [...] The aim is to achieve a balance of interests, i.e. the risk of collisions and habitat disruption is to be reduced to a level acceptable for biotope and species protection without making the use of renewable wind energy impossible.\"\n\n### Climate Protection and Public Transport\n\n**BGE 149 I 182** of 31 March 2023\nPrinciple of sustainability and free public transport\nThe Fribourg constitutional initiative for free public transport violates Art. 81a para. 2 Federal Constitution. The principle of sustainability (Art. 73 Federal Constitution) and the Paris Climate Agreement do not justify the complete free provision of public transport. The requirement that certain users contribute to the costs does not violate either the principle of sustainability or the climate goals.\n\n> \"That certain users of public transport are required to contribute to its costs does not violate either the principle of sustainability (Art. 73 Federal Constitution) or Art. 2 No. 1 of the Paris Climate Agreement.\"\n\n### Long-term Planning and Resource Protection\n\n**Judgment 1A.115/2003** of 23 February 2004 (Wangental Extraction Focus Area)\nSustainable management of mineral resources in long-term planning\nThe development regulation for a 50-year gravel extraction is fundamentally permissible. Long-term planning corresponds to the requirement for sustainable use of natural resources. Art. 73 Federal Constitution requires a balanced relationship between the use of natural resources and their regenerative capacity, which must be considered in the dimensioning of extraction areas.\n\n> Relevant for the sustainable management of natural resources and long-term spatial planning within the meaning of Art. 73 Federal Constitution.\n\n### Environmental Protection and Immissions\n\n**BGE 136 II 263** of 8 June 2010\nAircraft noise and sustainable transport system\nWhen assessing compensation claims for excessive noise pollution from air traffic, the principles of sustainability must be observed. The balancing of interests between mobility needs and environmental protection must take account of the principle of sustainability.\n\n> Relevant for the balanced relationship between transport needs and environmental protection within the meaning of Art. 73 Federal Constitution.\n\n**BGE 138 II 331** of 6 June 2012\nNoise protection and sustainable development\nWhen authorising noise-intensive installations, a sustainable balancing of interests between economic needs and environmental protection is required. The noise protection provisions concretise the requirement for sustainable development.\n\n> Relevant for the balance between economic use and environmental protection within the framework of sustainable development.\n\n### Animal Protection and Ethical Sustainability\n\n**BGE 135 II 384** of 7 October 2009 (Primate Animal Experiments)\nAnimal experiments and sustainable research ethics\nAnimal experiments with non-human primates require particularly careful balancing of interests. The principle of sustainability also encompasses ethical aspects in dealing with animals and nature. The balancing of interests must consider the long-term relationship between humans and nature.\n\n> Relevant for the ethical dimension of sustainability and respectful treatment of nature within the meaning of Art. 73 Federal Constitution.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_73", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 74, "article_suffix": "", "title": "Umweltschutz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 74 — Umweltschutz\n\n## Übersicht\n\nArtikel 74 BV gibt dem Bund die Aufgabe, Menschen und Umwelt vor Umweltschäden zu schützen. Der Bund muss Gesetze erlassen, die schädliche oder lästige Einwirkungen verhindern. Die Kantone setzen diese Gesetze um.\n\nDer Artikel beruht auf zwei wichtigen Grundsätzen: Erstens sollen Umweltschäden verhindert werden, bevor sie entstehen (Vorsorgeprinzip). Zweitens müssen diejenigen die Kosten tragen, die Umweltschäden verursachen (Verursacherprinzip nach Art. 2 USG, siehe Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36). \n\n**Schädliche Einwirkungen** gefährden Gesundheit oder Wohlbefinden erheblich. **Lästige Einwirkungen** stören das Wohlbefinden, ohne gesundheitsgefährdend zu sein (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). Das Umweltschutzgesetz (USG) konkretisiert diese Begriffe.\n\nDas Vorsorgeprinzip bedeutet: Der Staat muss bereits bei möglichen Gefahren handeln. Er wartet nicht, bis Schäden eingetreten sind (Marti, Vorsorgeprinzip, S. 156). Das Bundesgericht hat dies bei der BSE-Krise bestätigt: «Der Bund muss alle Maßnahmen treffen, die nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung angezeigt sind» (**BGE 132 II 305**).\n\n**Beispiel**: Eine Fabrik will eine neue Anlage bauen. Sie muss bereits bei der Planung alle technisch möglichen und wirtschaftlich tragbaren Umweltschutzmaßnahmen einbauen. Dies gilt auch dann, wenn die Grenzwerte eingehalten würden (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, S. 67).\n\nDas Verursacherprinzip sorgt für Kostengerechtigkeit: Wer die Umwelt belastet, bezahlt für Schutz und Reinigung. Dies geschieht durch Abgaben (wie die CO₂-Abgabe), Gebühren oder Haftungsregeln. Ungerechtfertigte Kostenverlagerungen sind verboten, wie das Bundesgericht bei Abfallgebühren entschied (**BGE 129 I 290**).\n\nDie Kompetenzverteilung ist klar: Der Bund schreibt die Regeln vor, die Kantone führen sie durch. Kantone können strengere Umweltvorschriften erlassen, aber nie schwächere.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Entwicklung des schweizerischen Umweltrechts erfolgte in drei Phasen. Bis ca. 1970 existierte kein kohärentes Umweltrecht, sondern nur punktuelle Regelungen in verschiedenen Erlassen (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 1-4). Der Schutz beschränkte sich auf polizeirechtliche Abwehrmaßnahmen gegen konkrete Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit.\n\n**N. 2** Mit der Einführung des Umweltschutzartikels (Art. 24septies aBV) in der Volksabstimmung vom 6. Juni 1971 erhielt der Bund erstmals eine umfassende Gesetzgebungskompetenz im Umweltbereich. Die Vorlage wurde mit 92,7% Ja-Stimmen angenommen — eine der höchsten Zustimmungsraten in der Geschichte eidgenössischer Abstimmungen (BBl 1970 I 773; BBl 1971 II 1401).\n\n**N. 3** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 überführte den Umweltschutzartikel weitgehend unverändert in Art. 74 BV. Die zentrale Neuerung bestand in der expliziten Verankerung des Verursacherprinzips in Absatz 2 Satz 2 (BBl 1997 I 236). Damit erhielt ein bereits im USG verankertes Grundprinzip (Art. 2 USG) erstmals Verfassungsrang (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 5-6).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 74 BV steht systematisch im 4. Abschnitt des 3. Kapitels («Umwelt und Raumplanung») und bildet zusammen mit den Art. 73-80 BV das verfassungsrechtliche Fundament des schweizerischen Umweltrechts. Die Bestimmung ist eng verknüpft mit → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), → Art. 76 BV (Wasser), → Art. 77 BV (Wald) und → Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz).\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu den Grundrechten fungiert Art. 74 BV als Schrankenbestimmung. Umweltschutzmaßnahmen können Eingriffe in die Eigentumsgarantie (Art. 26 BV), die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) oder die Forschungsfreiheit (Art. 20 BV) rechtfertigen, wie die Rechtsprechung zu Elektroheizungsverboten (**BGE 149 I 49**) und Tierversuchen (**BGE 135 II 384**) zeigt.\n\n**N. 6** Die Kompetenzausscheidung folgt dem bewährten Schema: Der Bund erlässt die Vorschriften (Abs. 1), die Kantone vollziehen sie (Abs. 3). Diese Aufgabenteilung entspricht dem allgemeinen Vollzugsföderalismus nach → Art. 46 Abs. 1 BV, wobei das Gesetz dem Bund Vollzugskompetenzen vorbehalten kann (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der **Schutzbereich** umfasst «den Menschen und seine natürliche Umwelt» (Abs. 1). Diese anthropozentrische Formulierung bedeutet nicht, dass die Umwelt nur instrumentell geschützt wird. Vielmehr anerkennt die herrschende Lehre einen Eigenwert der Natur (Griffel, Grundprinzipien, S. 45; Wagner Pfeifer, Umweltrecht I, S. 28). Der Mensch ist Teil der Umwelt und von intakten Ökosystemen abhängig.\n\n**N. 8** Die «natürliche Umwelt» umfasst alle natürlichen Lebensgrundlagen: Luft, Wasser, Boden, Flora, Fauna sowie deren Wechselwirkungen (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). Nicht erfasst sind kulturelle oder soziale Umweltaspekte, obwohl die Grenzziehung im Einzelfall schwierig sein kann (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, S. 12).\n\n**N. 9** «Schädliche oder lästige Einwirkungen» sind alle physikalischen, chemischen oder biologischen Veränderungen der Umwelt, die Menschen, Tiere, Pflanzen oder deren Lebensgemeinschaften beeinträchtigen können. Die Begriffe entsprechen denjenigen in Art. 1 Abs. 1 USG. **Schädlich** sind Einwirkungen, die Gesundheit oder Wohlbefinden erheblich gefährden; **lästig** sind solche, die das Wohlbefinden stören, ohne gesundheitsgefährdend zu sein (**BGE 126 II 522** E. 39).\n\n**N. 10** Das **Vorsorgeprinzip** (Abs. 2 Satz 1) verlangt präventive Maßnahmen bereits bei potentiellen Gefährdungen. Es genügt die Möglichkeit schädlicher Einwirkungen nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung (Marti, Vorsorgeprinzip, S. 156; Jungo, Le principe de précaution, S. 89). Das Bundesgericht hat dies in **BGE 132 II 305** für die BSE-Krise präzisiert: Der Staat muss alle nach aktuellem Wissensstand angezeigten Schutzmaßnahmen treffen.\n\n**N. 11** Das **Verursacherprinzip** (Abs. 2 Satz 2) ist das ökonomische Grundprinzip des Umweltrechts. Wer Umweltbelastungen verursacht, trägt die Kosten ihrer Vermeidung und Beseitigung (Adler, Verursacherprinzip und Haftpflicht, S. 34). Dies umfasst sowohl präventive Maßnahmen als auch nachträgliche Sanierungen (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 74 Abs. 1 BV enthält einen **zwingenden Gesetzgebungsauftrag** an den Bund. Dieser ist verpflichtet, Vorschriften zu erlassen und kann sich nicht auf eine Rahmengesetzgebung beschränken (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 21-30). Die Bundeskompetenz ist umfassend und konkurrierend — kantionales Recht bleibt zulässig, soweit es strengere Schutzbestimmungen vorsieht.\n\n**N. 13** Aus dem Vorsorgeprinzip folgt eine **Pflicht zur Emissionsbegrenzung an der Quelle**, unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung. Emissionen sind im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (**BGE 126 II 522** E. 40).\n\n**N. 14** Das Verursacherprinzip begründet eine **Kostentragungspflicht** für Umweltbeeinträchtigungen. Diese manifestiert sich in verschiedenen Instrumenten: Lenkungsabgaben (LSVA, CO₂-Abgabe), verursachergerechte Gebühren (Abfallgebühren), Haftungsregeln. Die Anwendung muss differenziert erfolgen — eine pauschale Kostenüberwälzung ist unzulässig, wie **BGE 138 II 111** zur Littering-Problematik zeigt.\n\n**N. 15** Der Vollzugsföderalismus (Abs. 3) bedeutet, dass die Kantone für die Durchsetzung der bundesrechtlichen Umweltvorschriften verantwortlich sind. Sie verfügen dabei über erheblichen Gestaltungsspielraum bei der Organisation, nicht aber beim materiellen Schutzniveau (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Anthropozentrisches vs. ökozentrisches Umweltverständnis**: Während Griffel (Grundprinzipien, S. 45) und Wagner Pfeifer (Umweltrecht I, S. 28) einen eigenständigen Schutz der Natur befürworten, betont eine Mindermeinung den rein instrumentellen Charakter des Umweltschutzes für menschliche Bedürfnisse. Die Praxis folgt einem vermittelnden Ansatz.\n\n**N. 17** **Reichweite des Vorsorgeprinzips**: Umstritten ist, ab welchem Unsicherheitsgrad Vorsorgemassnahmen geboten sind. Marti (Vorsorgeprinzip, S. 189) fordert bereits bei entfernten Risiken ein Einschreiten, während Rausch/Marti/Griffel (Umweltrecht, S. 67) auf eine hinreichende Wahrscheinlichkeit abstellen. Das Bundesgericht verlangt wissenschaftlich fundierte Anhaltspunkte (**BGE 132 II 305**).\n\n**N. 18** **Kostenanlastung beim Verursacherprinzip**: Kontrovers ist die Zurechnung bei mehreren Verursachern oder diffusen Quellen. Adler (Verursacherprinzip und Haftpflicht, S. 78) plädiert für eine solidarische Haftung mit internem Regress, die Praxis differenziert nach Verursachungsbeiträgen (**BGE 129 I 290**, **BGE 138 II 111**).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei der **Bewilligungspraxis** ist das Vorsorgeprinzip auch bei Einhaltung der Grenzwerte zu beachten. Emissionen müssen unabhängig von der Vorbelastung minimiert werden (Art. 11 Abs. 2 USG). Dies gilt besonders bei neuen Technologien mit unklarem Gefährdungspotential.\n\n**N. 20** Die **Kostenberechnung** nach dem Verursacherprinzip erfordert eine sorgfältige Kausalitätsprüfung. Pauschale Gebührensysteme sind nur zulässig, wenn sie die tatsächliche Inanspruchnahme widerspiegeln. Das Koppeln von Abfallgebühren an den Wasserverbrauch ist bundesrechtswidrig (**BGE 129 I 290**).\n\n**N. 21** Beim **kantonalen Vollzug** besteht Koordinationsbedarf zwischen verschiedenen Fachstellen (Umwelt, Bau, Gesundheit). Die Kantone können strengere Vorschriften erlassen, müssen aber die bundesrechtlichen Mindeststandards einhalten und dürfen keine widersprüchlichen Regelungen treffen.\n\n**N. 22** **Rechtsschutzfragen**: Das Verbandsbeschwerderecht der Umweltorganisationen (Art. 55 USG) ermöglicht die objektive Rechtskontrolle. Private sind bei Überschreitung der Immissionsgrenzwerte beschwerdelegitimiert, auch ohne Nachweis einer besonderen Betroffenheit.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Vorsorgeprinzip und Staatshaftung\n\n**BGE 132 II 305** vom 11. April 2006  \nDas Vorsorgeprinzip in der BSE-Krise: Der Bund ist für ungenügende Schutzmaßnahmen haftbar.  \nGrundlegendes Urteil zum Vorsorgeprinzip als Konkretisierung von Art. 74 Abs. 2 BV.\n\n> «Art. 9 TSG konkretisiert implizit das Vorsorgeprinzip (Vorbeugeprinzip), welches die Verantwortlichkeit des Bundes nach sich zieht, falls er nicht alle Massnahmen trifft, die nach dem Stand der Wissenschaft und der Erfahrung angezeigt erscheinen, um das Auftreten und die Ausdehnung der in Frage stehenden Tierseuche zu verhindern.»\n\n**BGE 129 I 290** vom 7. Juli 2003  \nVerursacherprinzip bei der Abfallentsorgung: Bundesrechtswidrige Koppelung an Wasserverbrauch.  \nBestätigung der verfassungsrechtlichen Verankerung des Verursacherprinzips in Art. 74 Abs. 2 BV.\n\n> «Eine kommunale Regelung, wonach für die Entsorgung der Siedlungsabfälle (neben einer Grundgebühr) eine variable, vom Frischwasserverbrauch abhängige Gebühr erhoben wird, ist wegen Verstosses gegen das Verursacherprinzip (Art. 32a USG) bundesrechtswidrig.»\n\n**BGE 138 II 111** vom 21. Februar 2012  \nFinanzierung der Littering-Bekämpfung: Verursacherprinzip verhindert pauschale Gebührenverteilung.  \nPräzisierung der Anwendung des Verursacherprinzips bei diffus verursachten Umweltschäden.\n\n> «Es ist bundesrechtswidrig, die Gebäudeeigentümer generell als Verursacher dieser Abfälle zu betrachten und deren Entsorgung über die von allen Gebäudeeigentümern geschuldete Abfallgrundgebühr zu finanzieren. Die genannten Kosten können aber Betrieben nach sachlich haltbaren Kriterien mittels Kausalabgabe anteilsmässig auferlegt werden, wenn plausibel dargelegt werden kann, dass diese Betriebe in besonderer Weise zur Entstehung des im öffentlichen Raum beseitigten Abfalls beitragen.»\n\n### Immissionsschutz und Lärmbekämpfung\n\n**BGE 126 II 522** vom 26. September 2000  \nFlughafen Zürich: Umfassendes Urteil zu Lufthygiene und Lärmschutz bei Großprojekten.  \nWegweisendes Urteil zur Anwendung von Art. 74 BV bei komplexen Infrastrukturvorhaben.\n\n> «Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Die Emissionsbegrenzungen müssen verschärft werden, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen schädlich oder lästig werden.»\n\n**BGE 146 II 17** vom 4. September 2019  \nFeuerwerksreglement Stadt Wil: Abwägung zwischen Tradition und Immissionsschutz.  \nModerne Anwendung der Interessenabwägung bei Lärm- und Luftimmissionen.\n\n> «Die Zündung von Feuerwerks- und Knallkörpern verursacht erhebliche Lärm- und Luftimmissionen mit grossem Störpotenzial für Menschen und Tiere. Das angefochtene Reglement sieht daher eine Bewilligungspflicht für Feuerwerkskörper und ein grundsätzliches Verbot für Knallkörper vor, allerdings mit Ausnahmen für den Bundesfeiertag, die Silvesternacht und (nur für Knallkörper) die Fasnachtswoche.»\n\n**BGE 141 II 483** vom 14. Oktober 2015  \nNationalstrassensanierung: Definition der «wesentlichen Änderung» bei Lärmschutz.  \nWichtige Abgrenzung zwischen neuen, bestehenden und geänderten Anlagen im USG.\n\n> «Das USG unterscheidet neue Anlagen (Art. 25 USG), bestehende sanierungsbedürftige Anlagen (Art. 16 f. und 20 USG) und geänderte Anlagen (Art. 18 USG), mit unterschiedlichen Rechtsfolgen für den passiven Schallschutz.»\n\n**BGE 136 II 263** vom 29. März 2010  \nFluglärm-Entschädigung: Voraussetzungen für übermäßige Lärmbelastung.  \nPräzisierung der Entschädigungsansprüche bei umweltschutzrechtlichen Beeinträchtigungen.\n\n> «Die übermäßige Lärmbelastung durch Flugverkehr begründet Entschädigungsansprüche, wenn sie unvorhersehbar war und die Anforderungen an den Lärmschutz nicht eingehalten werden.»\n\n### Energierecht und Klimaschutz\n\n**BGE 149 I 49** vom 23. März 2023  \nVerbot elektrischer Heizungen: Eigentumsgarantie und Umweltschutz.  \nNeueste Rechtsprechung zum Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Eigentumsrechten.\n\n> «Die mit dem Verbot von Elektroheizungen verbundene Pflicht zur Entfernung solcher Anlagen und die daran anknüpfende Strafdrohung im Kanton Zürich beschränken das Eigentum von Inhaberinnen und Inhabern entsprechender Heizungssysteme. Die gesetzliche Regelung bildet eine genügende Grundlage für den Eingriff in die Eigentumsgarantie, beruht auf einem ausreichenden öffentlichen Interesse und ist verhältnismässig.»\n\n**BGE 149 I 291** vom 3. Mai 2023  \nKommunale Energieinitiative Hochdorf: Erneuerbare Energien und Bestandesgarantie.  \nJüngste Rechtsprechung zu kommunalen Klimaschutzmaßnahmen.\n\n> «Die Initiative \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" enthält eine verbindliche Zielvorgabe und bezweckt einen Grundsatzbeschluss. Vereinbarkeit mit kantonalen Energiegesetzen und baurechtlicher Bestandesgarantie ist im Einzelfall zu prüfen.»\n\n**BGE 143 II 87** vom 17. Oktober 2016  \nCO₂-Emissionshandel: Kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten.  \nWichtiger Entscheid zur praktischen Umsetzung des CO₂-Gesetzes.\n\n> «Das CO₂-Emissionshandelssystem konkretisiert das Verursacherprinzip durch marktbasierte Instrumente. Die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten muss sich an der Treibhausgaseffizienz der Produktion orientieren.»\n\n### Gewässerschutz und Wasserkraft\n\n**BGE 145 II 140** vom 29. März 2019  \nWasserkraftwerk mit ehehaftem Recht: Restwassersanierung bei alten Konzessionen.  \nSpannungsfeld zwischen wohlerworbenen Rechten und modernem Gewässerschutz.\n\n> «Bei der Erneuerung und Sanierung eines bestehenden Wasserkraftwerks ist zu prüfen, ob das ehehafte Wasserrecht einer integralen Restwassersanierung entgegensteht. Sondernutzungskonzessionen ohne zeitliche Begrenzung sind nicht unbeschränkt bestandesgeschützt.»\n\n### Tierschutz und Tierversuche\n\n**BGE 135 II 384** vom 7. Oktober 2009  \nTierversuche mit Primaten: Abwägung zwischen Forschung und Tierschutz.  \nAnwendung von Art. 74 BV im Bereich des Tierschutzes und der Forschungsfreiheit.\n\n> «Bei der Beurteilung eines Gesuchs für Tierversuche mit nicht-menschlichen Primaten ist eine umfassende Güterabwägung zwischen dem Forschungsinteresse und dem Tierschutz vorzunehmen. Die kantonale Tierversuchskommission verfügt über ein technisches Ermessen.»\n\n### Verkehrsabgaben und Umweltlenkung\n\n**BGE 136 II 337** vom 19. April 2010  \nLeistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe: Internalisierung externer Kosten.  \nExemplarische Anwendung umweltrechtlicher Lenkungsabgaben.\n\n> «Die Erhebung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) gestützt auf den erhöhten Abgabetarif konkretisiert das Verursacherprinzip im Verkehrsbereich und internalisiert die externen Umweltkosten des Schwerverkehrs.»\n\n### Umweltverträglichkeitsprüfung\n\n**BGE 134 II 97** vom 11. März 2008  \nSkipiste im Jagdbanngebiet: Interessenabwägung bei Naturschutzgebieten.  \nAnwendung der UVP bei Vorhaben in sensiblen Gebieten.\n\n> «Bei Vorhaben außerhalb der Bauzone in einem Jagdbanngebiet ist eine umfassende Interessenabwägung zwischen den verschiedenen Schutzzielen und den wirtschaftlichen Interessen vorzunehmen. Die Schutzziele des Jagdbanngebietes sind dabei angemessen zu berücksichtigen.»", "summary_fr": "# Art. 74 — Protection de l'environnement\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'article 74 Cst. donne à la Confédération la mission de protéger l'être humain et l'environnement contre les atteintes nuisibles à l'environnement. La Confédération doit édicter des lois qui préviennent les atteintes nuisibles ou incommodantes. Les cantons mettent en œuvre ces lois.\n\nL'article repose sur deux principes importants : Premièrement, les atteintes à l'environnement doivent être prévenues avant qu'elles ne surviennent (principe de précaution). Deuxièmement, ceux qui causent des atteintes à l'environnement doivent en supporter les coûts (principe du pollueur-payeur selon l'art. 2 LPE, voir Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36).\n\nLes **atteintes nuisibles** menacent considérablement la santé ou le bien-être. Les **atteintes incommodantes** perturbent le bien-être sans être dangereuses pour la santé (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). La loi sur la protection de l'environnement (LPE) concrétise ces notions.\n\nLe principe de précaution signifie : L'État doit déjà agir en cas de dangers possibles. Il n'attend pas que des dommages soient survenus (Marti, Vorsorgeprinzip, S. 156). Le Tribunal fédéral l'a confirmé lors de la crise de l'ESB : « La Confédération doit prendre toutes les mesures qui s'imposent selon l'état de la science et de l'expérience » (**BGE 132 II 305**).\n\n**Exemple** : Une usine veut construire une nouvelle installation. Elle doit déjà lors de la planification intégrer toutes les mesures de protection de l'environnement techniquement possibles et économiquement supportables. Ceci vaut même si les valeurs limites seraient respectées (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, S. 67).\n\nLe principe du pollueur-payeur assure l'équité des coûts : Celui qui pollue l'environnement paie pour la protection et l'assainissement. Ceci se fait par des redevances (comme la taxe CO₂), des émoluments ou des règles de responsabilité. Les déplacements de coûts injustifiés sont interdits, comme l'a décidé le Tribunal fédéral concernant les taxes sur les déchets (**BGE 129 I 290**).\n\nLa répartition des compétences est claire : La Confédération édicte les règles, les cantons les exécutent. Les cantons peuvent édicter des prescriptions environnementales plus strictes, mais jamais plus faibles.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** Le développement du droit suisse de l'environnement s'est déroulé en trois phases. Jusqu'à env. 1970, il n'existait pas de droit de l'environnement cohérent, mais seulement des réglementations ponctuelles dans différents actes (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 1-4). La protection se limitait à des mesures de défense de droit de police contre des dangers concrets pour l'ordre et la sécurité publics.\n\n**N. 2** Avec l'introduction de l'article sur la protection de l'environnement (art. 24septies aCst) lors de la votation populaire du 6 juin 1971, la Confédération a obtenu pour la première fois une compétence législative complète dans le domaine de l'environnement. Le projet a été adopté avec 92,7% de oui — l'un des taux d'approbation les plus élevés de l'histoire des votations fédérales (FF 1970 I 685; FF 1971 II 1362).\n\n**N. 3** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a transposé l'article sur la protection de l'environnement pratiquement inchangé dans l'art. 74 Cst. L'innovation centrale a consisté dans l'ancrage explicite du principe de causalité à l'al. 2, phr. 2 (FF 1997 I 231). Un principe fondamental déjà ancré dans la LPE (art. 2 LPE) a ainsi obtenu pour la première fois le rang constitutional (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 5-6).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 74 Cst se situe systématiquement dans la 4e section du 3e chapitre (« Environnement et aménagement du territoire ») et forme, avec les art. 73-80 Cst, le fondement de droit constitutionnel du droit suisse de l'environnement. La disposition est étroitement liée à → l'art. 73 Cst (développement durable), → l'art. 76 Cst (eaux), → l'art. 77 Cst (forêts) et → l'art. 78 Cst (protection de la nature et du paysage).\n\n**N. 5** Dans sa relation aux droits fondamentaux, l'art. 74 Cst fonctionne comme une disposition restrictive. Les mesures de protection de l'environnement peuvent justifier des atteintes à la garantie de la propriété (art. 26 Cst), à la liberté économique (art. 27 Cst) ou à la liberté de la recherche (art. 20 Cst), comme le montrent la jurisprudence sur les interdictions de chauffages électriques (**ATF 149 I 49**) et les expériences sur animaux (**ATF 135 II 384**).\n\n**N. 6** La répartition des compétences suit le schéma éprouvé : la Confédération édicte les prescriptions (al. 1), les cantons les exécutent (al. 3). Cette répartition des tâches correspond au fédéralisme d'exécution général selon → l'art. 46 al. 1 Cst, la loi pouvant réserver des compétences d'exécution à la Confédération (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** Le **champ de protection** englobe « l'être humain et son environnement naturel » (al. 1). Cette formulation anthropocentrique ne signifie pas que l'environnement ne soit protégé que de manière instrumentale. La doctrine dominante reconnaît plutôt une valeur propre à la nature (Griffel, Grundprinzipien, p. 45; Wagner Pfeifer, Umweltrecht I, p. 28). L'être humain fait partie de l'environnement et dépend d'écosystèmes intacts.\n\n**N. 8** L'« environnement naturel » comprend toutes les bases naturelles de la vie : l'air, l'eau, le sol, la flore, la faune ainsi que leurs interactions (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). Ne sont pas englobés les aspects environnementaux culturels ou sociaux, bien que la délimitation puisse être difficile dans le cas concret (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, p. 12).\n\n**N. 9** Les « atteintes nuisibles ou incommodantes » sont toutes les modifications physiques, chimiques ou biologiques de l'environnement qui peuvent porter atteinte aux êtres humains, aux animaux, aux plantes ou à leurs communautés de vie. Les notions correspondent à celles de l'art. 1 al. 1 LPE. Sont **nuisibles** les atteintes qui menacent gravement la santé ou le bien-être ; sont **incommodantes** celles qui perturbent le bien-être sans être dangereuses pour la santé (**ATF 126 II 522** consid. 39).\n\n**N. 10** Le **principe de précaution** (al. 2, phr. 1) exige des mesures préventives déjà en cas de dangers potentiels. La possibilité d'atteintes nuisibles selon l'état de la science et de l'expérience suffit (Marti, Vorsorgeprinzip, p. 156; Jungo, Le principe de précaution, p. 89). Le Tribunal fédéral l'a précisé dans **ATF 132 II 305** pour la crise de l'ESB : l'État doit prendre toutes les mesures de protection indiquées selon l'état actuel des connaissances.\n\n**N. 11** Le **principe de causalité** (al. 2, phr. 2) est le principe économique fondamental du droit de l'environnement. Celui qui cause des atteintes à l'environnement supporte les coûts de leur prévention et de leur élimination (Adler, Verursacherprinzip und Haftpflicht, p. 34). Cela comprend tant les mesures préventives que les assainissements a posteriori (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** L'art. 74 al. 1 Cst contient un **mandat législatif impératif** à la Confédération. Celle-ci est tenue d'édicter des prescriptions et ne peut se limiter à une législation-cadre (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 21-30). La compétence fédérale est complète et concurrente — le droit cantonal demeure admissible pour autant qu'il prévoie des dispositions de protection plus strictes.\n\n**N. 13** Du principe de précaution découle une **obligation de limiter les émissions à la source**, indépendamment de la charge polluante existante. Les émissions doivent être limitées dans le cadre de la précaution dans la mesure où cela est techniquement et d'un point de vue de l'exploitation possible ainsi qu'économiquement supportable (**ATF 126 II 522** consid. 40).\n\n**N. 14** Le principe de causalité fonde une **obligation de supporter les coûts** pour les atteintes à l'environnement. Celle-ci se manifeste dans différents instruments : taxes d'incitation (RPLP, taxe CO₂), émoluments conformes au principe de causalité (taxes sur les déchets), règles de responsabilité. L'application doit se faire de manière différenciée — un transfert de coûts forfaitaire est inadmissible, comme le montre **ATF 138 II 111** sur la problématique du littering.\n\n**N. 15** Le fédéralisme d'exécution (al. 3) signifie que les cantons sont responsables de la mise en œuvre des prescriptions fédérales en matière d'environnement. Ils disposent d'une marge de manœuvre considérable pour l'organisation, mais pas pour le niveau de protection matériel (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 16** **Conception anthropocentrique vs écocentrique de l'environnement** : Tandis que Griffel (Grundprinzipien, p. 45) et Wagner Pfeifer (Umweltrecht I, p. 28) prônent une protection autonome de la nature, une opinion minoritaire souligne le caractère purement instrumental de la protection de l'environnement pour les besoins humains. La pratique suit une approche conciliatrice.\n\n**N. 17** **Portée du principe de précaution** : Il est controversé de savoir à partir de quel degré d'incertitude des mesures de précaution sont requises. Marti (Vorsorgeprinzip, p. 189) demande une intervention déjà en cas de risques éloignés, tandis que Rausch/Marti/Griffel (Umweltrecht, p. 67) se fondent sur une probabilité suffisante. Le Tribunal fédéral exige des indices scientifiquement fondés (**ATF 132 II 305**).\n\n**N. 18** **Imputation des coûts selon le principe de causalité** : L'attribution en cas de plusieurs causateurs ou de sources diffuses est controversée. Adler (Verursacherprinzip und Haftpflicht, p. 78) plaide pour une responsabilité solidaire avec recours interne, la pratique différencie selon les contributions causales (**ATF 129 I 290**, **ATF 138 II 111**).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 19** Dans la **pratique d'autorisation**, le principe de précaution doit être observé même en cas de respect des valeurs limites. Les émissions doivent être minimisées indépendamment de la charge polluante préexistante (art. 11 al. 2 LPE). Cela vaut particulièrement pour les nouvelles technologies au potentiel de danger incertain.\n\n**N. 20** Le **calcul des coûts** selon le principe de causalité exige un examen soigneux de la causalité. Les systèmes de tarification forfaitaires ne sont admissibles que s'ils reflètent l'utilisation effective. Le couplage des taxes sur les déchets à la consommation d'eau est contraire au droit fédéral (**ATF 129 I 290**).\n\n**N. 21** Lors de l'**exécution cantonale**, il faut coordonner entre les différents services spécialisés (environnement, construction, santé). Les cantons peuvent édicter des prescriptions plus strictes, mais doivent respecter les standards minimaux du droit fédéral et ne peuvent adopter de réglementations contradictoires.\n\n**N. 22** **Questions de protection juridique** : Le droit de recours des organisations de protection de l'environnement (art. 55 LPE) permet le contrôle objectif du droit. Les particuliers ont qualité pour recourir en cas de dépassement des valeurs limites d'immissions, même sans preuve d'une atteinte particulière.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principe de précaution et responsabilité de l'État\n\n**ATF 132 II 305** du 11 avril 2006  \nLe principe de précaution dans la crise de l'ESB : la Confédération est responsable de mesures de protection insuffisantes.  \nArrêt fondamental sur le principe de précaution en tant que concrétisation de l'art. 74 al. 2 Cst.\n\n> « L'art. 9 LFE concrétise implicitement le principe de précaution, qui entraîne la responsabilité de la Confédération si elle ne prend pas toutes les mesures qui, selon l'état de la science et de l'expérience, paraissent indiquées pour empêcher l'apparition et l'extension de l'épizootie en question. »\n\n**ATF 129 I 290** du 7 juillet 2003  \nPrincipe du pollueur-payeur dans l'élimination des déchets : couplage contraire au droit fédéral avec la consommation d'eau.  \nConfirmation de l'ancrage constitutionnel du principe du pollueur-payeur à l'art. 74 al. 2 Cst.\n\n> « Une réglementation communale selon laquelle l'élimination des déchets urbains est soumise à une taxe variable dépendant de la consommation d'eau douce (en plus d'une taxe de base) est contraire au droit fédéral en raison d'une violation du principe du pollueur-payeur (art. 32a LPE). »\n\n**ATF 138 II 111** du 21 février 2012  \nFinancement de la lutte contre les détritus sauvages : le principe du pollueur-payeur empêche une répartition forfaitaire des taxes.  \nPrécision de l'application du principe du pollueur-payeur en cas de dommages environnementaux diffus.\n\n> « Il est contraire au droit fédéral de considérer généralement les propriétaires d'immeubles comme les pollueurs de ces déchets et de financer leur élimination par la taxe de base sur les déchets due par tous les propriétaires d'immeubles. Les coûts mentionnés peuvent toutefois être imposés proportionnellement aux entreprises selon des critères objectivement valables au moyen d'une redevance causale, s'il peut être démontré de manière plausible que ces entreprises contribuent de manière particulière à la production des déchets éliminés dans l'espace public. »\n\n### Protection contre les immissions et lutte contre le bruit\n\n**ATF 126 II 522** du 26 septembre 2000  \nAéroport de Zurich : arrêt complet sur l'hygiène de l'air et la protection contre le bruit pour les grands projets.  \nArrêt de référence sur l'application de l'art. 74 Cst. pour des projets d'infrastructure complexes.\n\n> « Indépendamment de la pollution environnementale existante, les émissions doivent être limitées à titre préventif dans la mesure où cela est techniquement et opérationnellement possible et économiquement supportable. Les limitations d'émissions doivent être renforcées s'il est établi ou prévisible que les nuisances deviennent nocives ou incommodantes. »\n\n**ATF 146 II 17** du 4 septembre 2019  \nRèglement sur les feux d'artifice de la ville de Wil : pesée des intérêts entre tradition et protection contre les immissions.  \nApplication moderne de la pesée des intérêts en matière d'immissions sonores et atmosphériques.\n\n> « L'allumage de pièces d'artifice et de pétards provoque des immissions sonores et atmosphériques considérables avec un grand potentiel de dérangement pour les personnes et les animaux. Le règlement attaqué prévoit donc une obligation d'autorisation pour les pièces d'artifice et une interdiction de principe pour les pétards, toutefois avec des exceptions pour la fête nationale, la nuit de la Saint-Sylvestre et (uniquement pour les pétards) la semaine du carnaval. »\n\n**ATF 141 II 483** du 14 octobre 2015  \nAssainissement des routes nationales : définition de la « modification essentielle » en matière de protection contre le bruit.  \nDélimitation importante entre installations nouvelles, existantes et modifiées dans la LPE.\n\n> « La LPE distingue les installations nouvelles (art. 25 LPE), les installations existantes nécessitant un assainissement (art. 16 s. et 20 LPE) et les installations modifiées (art. 18 LPE), avec des conséquences juridiques différentes pour la protection passive contre le bruit. »\n\n**ATF 136 II 263** du 29 mars 2010  \nIndemnisation pour bruit d'avions : conditions d'une nuisance sonore excessive.  \nPrécision des prétentions en dommages-intérêts en cas d'atteintes relevant du droit de la protection de l'environnement.\n\n> « La nuisance sonore excessive due au trafic aérien fonde des prétentions en dommages-intérêts si elle était imprévisible et que les exigences de protection contre le bruit ne sont pas respectées. »\n\n### Droit de l'énergie et protection du climat\n\n**ATF 149 I 49** du 23 mars 2023  \nInterdiction des chauffages électriques : garantie de la propriété et protection de l'environnement.  \nJurisprudence la plus récente sur le champ de tension entre protection du climat et droits de propriété.\n\n> « L'obligation de retirer de telles installations liée à l'interdiction des chauffages électriques et la menace pénale qui s'y rattache dans le canton de Zurich restreignent la propriété des détenteurs de systèmes de chauffage correspondants. La réglementation légale constitue une base suffisante pour l'atteinte à la garantie de la propriété, repose sur un intérêt public suffisant et est proportionnée. »\n\n**ATF 149 I 291** du 3 mai 2023  \nInitiative énergétique communale de Hochdorf : énergies renouvelables et garantie de l'état de fait et de droit.  \nJurisprudence la plus récente sur les mesures communales de protection du climat.\n\n> « L'initiative \"Hochdorf chauffe renouvelable - à partir de 2030 à plus forte raison\" contient un objectif contraignant et vise une décision de principe. La compatibilité avec les lois cantonales sur l'énergie et la garantie de l'état de fait et de droit en droit de la construction doit être examinée au cas par cas. »\n\n**ATF 143 II 87** du 17 octobre 2016  \nSystème d'échange de quotas d'émission de CO₂ : attribution gratuite de droits d'émission.  \nDécision importante sur la mise en œuvre pratique de la loi sur le CO₂.\n\n> « Le système d'échange de quotas d'émission de CO₂ concrétise le principe du pollueur-payeur par des instruments basés sur le marché. L'attribution gratuite de droits d'émission doit s'orienter sur l'efficacité des gaz à effet de serre de la production. »\n\n### Protection des eaux et énergie hydraulique\n\n**ATF 145 II 140** du 29 mars 2019  \nCentrale hydroélectrique avec droit établi : assainissement des débits résiduels pour les anciennes concessions.  \nChamp de tension entre droits acquis et protection moderne des eaux.\n\n> « Lors du renouvellement et de l'assainissement d'une centrale hydroélectrique existante, il faut examiner si le droit d'eau établi s'oppose à un assainissement intégral des débits résiduels. Les concessions d'usage spécial sans limitation temporelle ne bénéficient pas d'une protection absolue de l'état de fait et de droit. »\n\n### Protection des animaux et expériences sur animaux\n\n**ATF 135 II 384** du 7 octobre 2009  \nExpériences sur primates : pesée entre recherche et protection des animaux.  \nApplication de l'art. 74 Cst. dans le domaine de la protection des animaux et de la liberté de la recherche.\n\n> « Lors de l'examen d'une demande d'expériences sur animaux avec des primates non humains, une pesée complète des biens entre l'intérêt de la recherche et la protection des animaux doit être effectuée. La commission cantonale pour les expériences sur animaux dispose d'un pouvoir d'appréciation technique. »\n\n### Redevances de transport et incitation environnementale\n\n**ATF 136 II 337** du 19 avril 2010  \nRedevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations : internalisation des coûts externes.  \nApplication exemplaire de redevances d'incitation environnementale.\n\n> « La perception de la redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP) basée sur le tarif de redevance majoré concrétise le principe du pollueur-payeur dans le domaine des transports et internalise les coûts environnementaux externes du trafic lourd. »\n\n### Étude d'impact sur l'environnement\n\n**ATF 134 II 97** du 11 mars 2008  \nPiste de ski dans un district franc : pesée des intérêts pour les zones de protection de la nature.  \nApplication de l'EIE pour des projets dans des zones sensibles.\n\n> « Pour des projets en dehors de la zone à bâtir dans un district franc, une pesée complète des intérêts entre les différents objectifs de protection et les intérêts économiques doit être effectuée. Les objectifs de protection du district franc doivent être dûment pris en considération. »", "summary_it": "# Art. 74 — Protezione dell'ambiente\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 74 Cost. attribuisce alla Confederazione il compito di proteggere le persone e l'ambiente dai danni ambientali. La Confederazione deve emanare leggi che impediscono gli effetti dannosi o molesti. I Cantoni applicano queste leggi.\n\nL'articolo si basa su due principi importanti: primo, i danni ambientali devono essere impediti prima che si verifichino (principio di precauzione). Secondo, coloro che causano danni ambientali devono sopportarne i costi (principio di causalità secondo l'art. 2 LPAmb, vedi Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36). \n\n**Gli effetti dannosi** mettono in pericolo la salute o il benessere in modo considerevole. **Gli effetti molesti** disturbano il benessere senza essere pericolosi per la salute (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). La legge sulla protezione dell'ambiente (LPAmb) concretizza questi concetti.\n\nIl principio di precauzione significa: lo Stato deve agire già in caso di possibili pericoli. Non aspetta che i danni si siano verificati (Marti, Vorsorgeprinzip, pag. 156). Il Tribunale federale lo ha confermato durante la crisi BSE: «La Confederazione deve prendere tutte le misure che secondo lo stato della scienza e dell'esperienza sono indicate» (**BGE 132 II 305**).\n\n**Esempio**: una fabbrica vuole costruire un nuovo impianto. Già nella pianificazione deve integrare tutte le misure di protezione dell'ambiente tecnicamente possibili ed economicamente sostenibili. Questo vale anche quando i valori limite sarebbero rispettati (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, pag. 67).\n\nIl principio di causalità assicura l'equità dei costi: chi inquina l'ambiente paga per la protezione e la pulizia. Questo avviene attraverso tasse (come la tassa sulla CO₂), tasse o norme di responsabilità. Gli spostamenti di costi ingiustificati sono vietati, come ha deciso il Tribunale federale per le tasse sui rifiuti (**BGE 129 I 290**).\n\nLa ripartizione delle competenze è chiara: la Confederazione stabilisce le regole, i Cantoni le applicano. I Cantoni possono emanare prescrizioni ambientali più severe, ma mai più deboli.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Lo sviluppo del diritto ambientale svizzero avvenne in tre fasi. Fino al 1970 ca. non esisteva un diritto ambientale coerente, ma solo regolamentazioni puntuali in vari atti normativi (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 1-4). La protezione si limitava a misure difensive di diritto di polizia contro pericoli concreti per l'ordine pubblico e la sicurezza.\n\n**N. 2** Con l'introduzione dell'articolo sulla protezione dell'ambiente (art. 24septies aCV) nella votazione popolare del 6 giugno 1971, la Confederazione ottenne per la prima volta una competenza legislativa globale nel settore ambientale. Il progetto venne accettato con il 92,7% di voti favorevoli — uno dei tassi di approvazione più alti nella storia delle votazioni federali (FF 1970 I 781; FF 1971 II 1433).\n\n**N. 3** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 trasferì l'articolo sulla protezione dell'ambiente sostanzialmente immutato nell'art. 74 Cost. La novità centrale consistette nell'ancoraggio esplicito del principio di causalità nel capoverso 2 frase 2 (FF 1997 I 252). Con ciò un principio fondamentale già ancorato nella LPAmb (art. 2 LPAmb) ottenne per la prima volta rango costituzionale (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 5-6).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 74 Cost. si trova sistematicamente nella sezione 4 del capitolo 3 («Ambiente e pianificazione del territorio») e forma insieme agli art. 73-80 Cost. il fondamento costituzionale del diritto ambientale svizzero. La disposizione è strettamente collegata con → art. 73 Cost. (sostenibilità), → art. 76 Cost. (acque), → art. 77 Cost. (foreste) e → art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio).\n\n**N. 5** Nel rapporto con i diritti fondamentali l'art. 74 Cost. funge da disposizione di restrizione. Le misure di protezione dell'ambiente possono giustificare interventi nella garanzia della proprietà (art. 26 Cost.), nella libertà economica (art. 27 Cost.) o nella libertà di ricerca (art. 20 Cost.), come mostrano la giurisprudenza sui divieti di riscaldamenti elettrici (**DTF 149 I 49**) e sugli esperimenti sugli animali (**DTF 135 II 384**).\n\n**N. 6** La ripartizione delle competenze segue lo schema consolidato: la Confederazione emana le prescrizioni (cpv. 1), i Cantoni le eseguono (cpv. 3). Questa ripartizione dei compiti corrisponde al federalismo di esecuzione generale secondo → art. 46 cpv. 1 Cost., dove la legge può riservare alla Confederazione competenze di esecuzione (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** L'**ambito di protezione** comprende «l'uomo e il suo ambiente naturale» (cpv. 1). Questa formulazione antropocentrica non significa che l'ambiente sia protetto solo strumentalmente. Piuttosto la dottrina dominante riconosce un valore intrinseco della natura (Griffel, Grundprinzipien, S. 45; Wagner Pfeifer, Umweltrecht I, S. 28). L'uomo fa parte dell'ambiente e dipende da ecosistemi intatti.\n\n**N. 8** L'«ambiente naturale» comprende tutte le basi vitali naturali: aria, acqua, suolo, flora, fauna nonché le loro interazioni (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). Non sono contemplati aspetti ambientali culturali o sociali, benché la delimitazione nel caso singolo possa essere difficile (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, S. 12).\n\n**N. 9** Gli «effetti dannosi o molesti» sono tutti i mutamenti fisici, chimici o biologici dell'ambiente che possono compromettere esseri umani, animali, piante o le loro biocenosi. I concetti corrispondono a quelli nell'art. 1 cpv. 1 LPAmb. Sono **dannosi** gli effetti che mettono considerevolmente in pericolo la salute o il benessere; sono **molesti** quelli che disturbano il benessere senza essere nocivi per la salute (**DTF 126 II 522** consid. 39).\n\n**N. 10** Il **principio di precauzione** (cpv. 2 frase 1) richiede misure preventive già in caso di minacce potenziali. È sufficiente la possibilità di effetti dannosi secondo lo stato della scienza e dell'esperienza (Marti, Vorsorgeprinzip, S. 156; Jungo, Le principe de précaution, S. 89). Il Tribunale federale ha precisato ciò nella **DTF 132 II 305** per la crisi BSE: lo Stato deve adottare tutte le misure di protezione indicate secondo le conoscenze attuali.\n\n**N. 11** Il **principio di causalità** (cpv. 2 frase 2) è il principio fondamentale economico del diritto ambientale. Chi causa inquinamenti ambientali sopporta i costi della loro prevenzione ed eliminazione (Adler, Verursacherprinzip und Haftpflicht, S. 34). Ciò comprende tanto misure preventive quanto risanamenti successivi (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 74 cpv. 1 Cost. contiene un **mandato legislativo imperativo** alla Confederazione. Questa è obbligata ad emanare prescrizioni e non può limitarsi a una legislazione quadro (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 21-30). La competenza confederale è globale e concorrente — il diritto cantonale rimane ammissibile purché preveda disposizioni di protezione più severe.\n\n**N. 13** Dal principio di precauzione deriva un **obbligo di limitazione delle emissioni alla fonte**, indipendentemente dall'inquinamento ambientale esistente. Nel quadro della precauzione le emissioni devono essere limitate nella misura in cui ciò sia tecnicamente e operativamente possibile nonché economicamente sopportabile (**DTF 126 II 522** consid. 40).\n\n**N. 14** Il principio di causalità fonda un **obbligo di sopportazione dei costi** per i danni ambientali. Questo si manifesta in vari strumenti: tasse d'incentivazione (TTPCP, tassa sul CO₂), tasse conformi al principio di causalità (tasse sui rifiuti), regole di responsabilità. L'applicazione deve avvenire in modo differenziato — un addebito forfettario dei costi è inammissibile, come mostra la **DTF 138 II 111** sulla problematica del littering.\n\n**N. 15** Il federalismo di esecuzione (cpv. 3) significa che i Cantoni sono responsabili dell'attuazione delle prescrizioni ambientali di diritto federale. Dispongono di un considerevole margine di manovra nell'organizzazione, ma non nel livello di protezione materiale (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 37-38).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 16** **Concezione ambientale antropocentrica vs ecocentrica**: Mentre Griffel (Grundprinzipien, S. 45) e Wagner Pfeifer (Umweltrecht I, S. 28) sostengono una protezione autonoma della natura, un'opinione minoritaria sottolinea il carattere puramente strumentale della protezione dell'ambiente per i bisogni umani. La prassi segue un approccio mediatore.\n\n**N. 17** **Portata del principio di precauzione**: È controverso a partire da quale grado di incertezza sono richieste misure precauzionali. Marti (Vorsorgeprinzip, S. 189) richiede un intervento già in caso di rischi remoti, mentre Rausch/Marti/Griffel (Umweltrecht, S. 67) si basano su una probabilità sufficiente. Il Tribunale federale richiede indizi scientificamente fondati (**DTF 132 II 305**).\n\n**N. 18** **Addebito dei costi nel principio di causalità**: È controversa l'imputazione in caso di più responsabili o di fonti diffuse. Adler (Verursacherprinzip und Haftpflicht, S. 78) propende per una responsabilità solidale con regresso interno, la prassi differenzia secondo i contributi causali (**DTF 129 I 290**, **DTF 138 II 111**).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Nella **prassi autorizzativa** il principio di precauzione deve essere osservato anche in caso di rispetto dei valori limite. Le emissioni devono essere minimizzate indipendentemente dal precarico (art. 11 cpv. 2 LPAmb). Ciò vale specialmente per nuove tecnologie con potenziale di pericolo poco chiaro.\n\n**N. 20** Il **calcolo dei costi** secondo il principio di causalità richiede un accurato esame della causalità. Sistemi di tasse forfettarie sono ammissibili solo se rispecchiano l'effettiva utilizzazione. Il collegamento di tasse sui rifiuti al consumo d'acqua è contrario al diritto federale (**DTF 129 I 290**).\n\n**N. 21** Nell'**esecuzione cantonale** sussiste un bisogno di coordinamento tra vari servizi specializzati (ambiente, costruzioni, sanità). I Cantoni possono emanare prescrizioni più severe, ma devono rispettare gli standard minimi di diritto federale e non possono adottare regolamentazioni contraddittorie.\n\n**N. 22** **Questioni di tutela giuridica**: Il diritto di ricorso delle organizzazioni ambientaliste (art. 55 LPAmb) consente il controllo giuridico oggettivo. I privati sono legittimati al ricorso in caso di superamento dei valori limite d'immissione, anche senza prova di un'affezione particolare.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principio di precauzione e responsabilità dello Stato\n\n**BGE 132 II 305** dell'11 aprile 2006  \nIl principio di precauzione nella crisi della BSE: la Confederazione è responsabile per misure di protezione insufficienti.  \nSentenza fondamentale sul principio di precauzione come concretizzazione dell'art. 74 cpv. 2 Cost.\n\n> «L'art. 9 LFE concretizza implicitamente il principio di precauzione (principio preventivo), che comporta la responsabilità della Confederazione qualora essa non adotti tutte le misure che, secondo lo stato della scienza e dell'esperienza, appaiano indicate per impedire l'insorgere e l'estensione dell'epizoozia in questione.»\n\n**BGE 129 I 290** del 7 luglio 2003  \nPrincipio di causalità nello smaltimento dei rifiuti: collegamento contrario al diritto federale al consumo d'acqua.  \nConferma dell'ancoraggio costituzionale del principio di causalità nell'art. 74 cpv. 2 Cost.\n\n> «Una normativa comunale secondo la quale per lo smaltimento dei rifiuti urbani viene prelevata (oltre a una tassa base) una tassa variabile dipendente dal consumo di acqua dolce, è contraria al diritto federale a causa della violazione del principio di causalità (art. 32a LPAmb).»\n\n**BGE 138 II 111** del 21 febbraio 2012  \nFinanziamento della lotta al littering: il principio di causalità impedisce la ripartizione forfettaria delle tasse.  \nPrecisazione dell'applicazione del principio di causalità in caso di danni ambientali causati in modo diffuso.\n\n> «È contrario al diritto federale considerare i proprietari di edifici generalmente come responsabili di questi rifiuti e finanziarne lo smaltimento tramite la tassa base sui rifiuti dovuta da tutti i proprietari di edifici. I costi menzionati possono tuttavia essere imposti proporzionalmente alle aziende secondo criteri oggettivamente sostenibili mediante tassa causale, se si può plausibilmente dimostrare che queste aziende contribuiscono in modo particolare alla produzione dei rifiuti eliminati nello spazio pubblico.»\n\n### Protezione dalle immissioni e lotta contro il rumore\n\n**BGE 126 II 522** del 26 settembre 2000  \nAeroporto di Zurigo: sentenza completa su igiene dell'aria e protezione dal rumore per grandi progetti.  \nSentenza pioneristca per l'applicazione dell'art. 74 Cost. a progetti infrastrutturali complessi.\n\n> «Indipendentemente dall'inquinamento ambientale esistente, le emissioni devono essere limitate nel quadro della prevenzione nella misura in cui ciò sia tecnicamente e operativamente possibile ed economicamente sopportabile. Le limitazioni delle emissioni devono essere inasprite quando è stabilito o prevedibile che gli effetti divengano dannosi o molesti.»\n\n**BGE 146 II 17** del 4 settembre 2019  \nRegolamento sui fuochi d'artificio della città di Wil: ponderazione tra tradizione e protezione dalle immissioni.  \nApplicazione moderna della ponderazione degli interessi in caso di immissioni sonore e atmosferiche.\n\n> «L'accensione di fuochi d'artificio e petardi causa considerevoli immissioni sonore e atmosferiche con grande potenziale di disturbo per persone e animali. Il regolamento impugnato prevede quindi un obbligo di autorizzazione per i fuochi d'artificio e un divieto di principio per i petardi, tuttavia con eccezioni per la Festa nazionale, la notte di San Silvestro e (solo per i petardi) la settimana di carnevale.»\n\n**BGE 141 II 483** del 14 ottobre 2015  \nRisanamento delle strade nazionali: definizione della «modifica sostanziale» nella protezione dal rumore.  \nImportante delimitazione tra impianti nuovi, esistenti e modificati nella LPAmb.\n\n> «La LPAmb distingue tra impianti nuovi (art. 25 LPAmb), impianti esistenti che necessitano di risanamento (art. 16 segg. e 20 LPAmb) e impianti modificati (art. 18 LPAmb), con diverse conseguenze giuridiche per la protezione fonica passiva.»\n\n**BGE 136 II 263** del 29 marzo 2010  \nIndennizzo per rumore aereo: presupposti per inquinamento acustico eccessivo.  \nPrecisazione dei diritti di indennizzo in caso di pregiudizi di diritto della protezione dell'ambiente.\n\n> «L'inquinamento acustico eccessivo dovuto al traffico aereo giustifica diritti di indennizzo quando era imprevedibile e non vengono rispettate le esigenze di protezione dal rumore.»\n\n### Diritto dell'energia e protezione del clima\n\n**BGE 149 I 49** del 23 marzo 2023  \nDivieto di riscaldamenti elettrici: garanzia della proprietà e protezione dell'ambiente.  \nGiurisprudenza più recente sul campo di tensione tra protezione del clima e diritti di proprietà.\n\n> «L'obbligo di rimozione di tali impianti collegato al divieto di riscaldamenti elettrici e la minaccia di sanzione che vi si collega nel Canton Zurigo limitano la proprietà dei detentori di sistemi di riscaldamento corrispondenti. La normativa legale costituisce una base sufficiente per l'intervento nella garanzia della proprietà, si fonda su un sufficiente interesse pubblico ed è proporzionata.»\n\n**BGE 149 I 291** del 3 maggio 2023  \nIniziativa energetica comunale di Hochdorf: energie rinnovabili e garanzia dello stato di fatto.  \nGiurisprudenza più recente su misure comunali di protezione del clima.\n\n> «L'iniziativa \"Hochdorf riscalda rinnovabile - dal 2030 a maggior ragione\" contiene un obiettivo vincolante e mira a una decisione di principio. La compatibilità con le leggi cantonali sull'energia e la garanzia dello stato di fatto del diritto edilizio deve essere esaminata caso per caso.»\n\n**BGE 143 II 87** del 17 ottobre 2016  \nCommercio di emissioni di CO₂: assegnazione gratuita di diritti di emissione.  \nImportante decisione sull'attuazione pratica della Legge sul CO₂.\n\n> «Il sistema di commercio delle emissioni di CO₂ concretizza il principio di causalità attraverso strumenti basati sul mercato. L'assegnazione gratuita di diritti di emissione deve orientarsi all'efficienza dei gas serra della produzione.»\n\n### Protezione delle acque e energia idraulica\n\n**BGE 145 II 140** del 29 marzo 2019  \nCentrale idroelettrica con diritto acquisito: risanamento dei deflussi residui per vecchie concessioni.  \nCampo di tensione tra diritti acquisiti e moderna protezione delle acque.\n\n> «Nel rinnovamento e risanamento di una centrale idroelettrica esistente occorre esaminare se il diritto d'acqua acquisito si oppone a un risanamento integrale dei deflussi residui. Le concessioni per utilizzazioni speciali senza limitazione temporale non godono di protezione illimitata dello stato di fatto.»\n\n### Protezione degli animali e sperimentazione animale\n\n**BGE 135 II 384** del 7 ottobre 2009  \nSperimentazione animale con primati: ponderazione tra ricerca e protezione degli animali.  \nApplicazione dell'art. 74 Cost. nell'ambito della protezione degli animali e della libertà di ricerca.\n\n> «Nel giudicare una domanda per sperimentazioni animali con primati non umani occorre effettuare una ponderazione completa tra l'interesse della ricerca e la protezione degli animali. La commissione cantonale per la sperimentazione animale dispone di un potere discrezionale tecnico.»\n\n### Tasse sui trasporti e incentivazione ambientale\n\n**BGE 136 II 337** del 19 aprile 2010  \nTassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni: internalizzazione dei costi esterni.  \nApplicazione esemplare delle tasse d'incentivazione di diritto ambientale.\n\n> «La riscossione della tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP) basata sulla tariffa maggiorata concretizza il principio di causalità nel settore dei trasporti e internalizza i costi ambientali esterni del traffico pesante.»\n\n### Esame dell'impatto sull'ambiente\n\n**BGE 134 II 97** dell'11 marzo 2008  \nPista da sci in bandita di caccia: ponderazione degli interessi nelle aree di protezione della natura.  \nApplicazione dell'EIA per progetti in aree sensibili.\n\n> «Per progetti fuori zona edificabile in una bandita di caccia occorre effettuare una ponderazione completa degli interessi tra i diversi obiettivi di protezione e gli interessi economici. Gli obiettivi di protezione della bandita di caccia devono essere adeguatamente considerati.»", "summary_en": "# Art. 74 — Environmental Protection\n\n## Overview\n\nArticle 74 FC gives the Confederation the task of protecting people and the environment from environmental damage. The Confederation must enact laws that prevent harmful or nuisance effects. The Cantons implement these laws.\n\nThe article is based on two important principles: First, environmental damage should be prevented before it occurs (precautionary principle). Second, those who cause environmental damage must bear the costs (polluter pays principle according to Art. 2 EPA, see Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 34-36). \n\n**Harmful effects** endanger health or wellbeing significantly. **Nuisance effects** disturb wellbeing without being harmful to health (Griffel, BSK BV, Art. 74 N. 16-20). The Environmental Protection Act (EPA) specifies these concepts.\n\nThe precautionary principle means: The state must act even in case of possible dangers. It does not wait until damage has occurred (Marti, Vorsorgeprinzip, S. 156). The Federal Supreme Court confirmed this during the BSE crisis: «The Confederation must take all measures that are indicated according to the state of science and experience» (**BGE 132 II 305**).\n\n**Example**: A factory wants to build a new facility. It must already incorporate all technically possible and economically viable environmental protection measures during planning. This applies even when the limit values would be complied with (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, S. 67).\n\nThe polluter pays principle ensures cost justice: Those who pollute the environment pay for protection and cleanup. This occurs through levies (such as the CO₂ levy), fees or liability rules. Unjustified cost shifting is prohibited, as the Federal Supreme Court decided regarding waste fees (**BGE 129 I 290**).\n\nThe distribution of powers is clear: The Confederation prescribes the rules, the Cantons implement them. Cantons may enact stricter environmental regulations, but never weaker ones.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** The development of Swiss environmental law occurred in three phases. Until approximately 1970, there was no coherent environmental law, but only specific regulations in various enactments (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 1-4). Protection was limited to police law defensive measures against concrete dangers to public order and security.\n\n**No. 2** With the introduction of the environmental protection article (Art. 24septies old Constitution) in the popular vote of 6 June 1971, the Confederation received comprehensive legislative competence in the environmental field for the first time. The proposal was accepted with 92.7% yes votes — one of the highest approval rates in the history of federal votes (BBl 1970 I 773; BBl 1971 II 1401).\n\n**No. 3** The total revision of the Federal Constitution of 1999 transferred the environmental protection article largely unchanged into Art. 74 Constitution. The central innovation consisted in the explicit anchoring of the polluter pays principle in paragraph 2 sentence 2 (BBl 1997 I 236). Thus a fundamental principle already anchored in the Environmental Protection Act (Art. 2 EPA) received constitutional rank for the first time (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 5-6).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 4** Art. 74 Constitution stands systematically in the 4th section of the 3rd chapter («Environment and Spatial Planning») and forms together with Art. 73-80 Constitution the constitutional foundation of Swiss environmental law. The provision is closely linked with → Art. 73 Constitution (sustainability), → Art. 76 Constitution (water), → Art. 77 Constitution (forests) and → Art. 78 Constitution (protection of nature and cultural heritage).\n\n**No. 5** In relation to fundamental rights, Art. 74 Constitution functions as a restriction provision. Environmental protection measures can justify interference with the guarantee of property (Art. 26 Constitution), economic freedom (Art. 27 Constitution) or freedom of research (Art. 20 Constitution), as case law on electric heating bans (**BGE 149 I 49**) and animal experiments (**BGE 135 II 384**) shows.\n\n**No. 6** The allocation of competences follows the proven scheme: the Confederation enacts the provisions (para. 1), the cantons implement them (para. 3). This division of tasks corresponds to the general implementation federalism according to → Art. 46 para. 1 Constitution, whereby the law may reserve implementation competences to the Confederation (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 37-38).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**No. 7** The **scope of protection** encompasses «people and their natural environment» (para. 1). This anthropocentric formulation does not mean that the environment is only protected instrumentally. Rather, the prevailing doctrine recognizes an intrinsic value of nature (Griffel, Grundprinzipien, p. 45; Wagner Pfeifer, Umweltrecht I, p. 28). People are part of the environment and dependent on intact ecosystems.\n\n**No. 8** The «natural environment» encompasses all natural foundations of life: air, water, soil, flora, fauna as well as their interactions (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 16-20). Cultural or social environmental aspects are not covered, although the distinction can be difficult in individual cases (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, p. 12).\n\n**No. 9** «Harmful or nuisance effects» are all physical, chemical or biological changes to the environment that can impair people, animals, plants or their communities. The terms correspond to those in Art. 1 para. 1 EPA. **Harmful** are effects that significantly endanger health or well-being; **nuisance** are those that disturb well-being without being harmful to health (**BGE 126 II 522** consid. 39).\n\n**No. 10** The **precautionary principle** (para. 2 sentence 1) requires preventive measures already in the case of potential dangers. The possibility of harmful effects according to the state of science and experience is sufficient (Marti, Vorsorgeprinzip, p. 156; Jungo, Le principe de précaution, p. 89). The Federal Supreme Court clarified this in **BGE 132 II 305** for the BSE crisis: the state must take all protective measures indicated according to current knowledge.\n\n**No. 11** The **polluter pays principle** (para. 2 sentence 2) is the economic fundamental principle of environmental law. Whoever causes environmental pollution bears the costs of its prevention and elimination (Adler, Verursacherprinzip und Haftpflicht, p. 34). This encompasses both preventive measures and subsequent remediation (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 34-36).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 12** Art. 74 para. 1 Constitution contains a **mandatory legislative mandate** to the Confederation. It is obliged to enact provisions and cannot limit itself to framework legislation (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 21-30). Federal competence is comprehensive and concurrent — cantonal law remains permissible insofar as it provides for stricter protective provisions.\n\n**No. 13** From the precautionary principle follows a **duty to limit emissions at source**, regardless of the existing environmental pollution. Emissions must be limited as part of precaution as far as this is technically and operationally possible as well as economically viable (**BGE 126 II 522** consid. 40).\n\n**No. 14** The polluter pays principle establishes a **duty to bear costs** for environmental impairments. This manifests itself in various instruments: steering levies (LSVA, CO₂ levy), polluter-appropriate fees (waste fees), liability rules. The application must be differentiated — blanket cost transfer is inadmissible, as **BGE 138 II 111** on the littering problem shows.\n\n**No. 15** Implementation federalism (para. 3) means that the cantons are responsible for enforcing federal environmental provisions. They have considerable discretion in organization, but not in the material level of protection (Griffel, BSK BV, Art. 74 No. 37-38).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**No. 16** **Anthropocentric vs. ecocentric environmental understanding**: While Griffel (Grundprinzipien, p. 45) and Wagner Pfeifer (Umweltrecht I, p. 28) advocate independent protection of nature, a minority opinion emphasizes the purely instrumental character of environmental protection for human needs. Practice follows a mediating approach.\n\n**No. 17** **Scope of the precautionary principle**: It is disputed from what degree of uncertainty precautionary measures are required. Marti (Vorsorgeprinzip, p. 189) demands intervention even in the case of remote risks, while Rausch/Marti/Griffel (Umweltrecht, p. 67) focus on sufficient probability. The Federal Supreme Court requires scientifically founded evidence (**BGE 132 II 305**).\n\n**No. 18** **Cost allocation under the polluter pays principle**: The attribution in cases of multiple polluters or diffuse sources is controversial. Adler (Verursacherprinzip und Haftpflicht, p. 78) argues for joint and several liability with internal recourse, practice differentiates according to causation contributions (**BGE 129 I 290**, **BGE 138 II 111**).\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**No. 19** In **licensing practice**, the precautionary principle must be observed even when limit values are complied with. Emissions must be minimized regardless of pre-existing pollution (Art. 11 para. 2 EPA). This applies particularly to new technologies with unclear potential for harm.\n\n**No. 20** **Cost calculation** according to the polluter pays principle requires careful examination of causality. Blanket fee systems are only permissible if they reflect actual use. Linking waste fees to water consumption is contrary to federal law (**BGE 129 I 290**).\n\n**No. 21** In **cantonal implementation** there is a need for coordination between various specialized agencies (environment, construction, health). Cantons may enact stricter provisions, but must comply with federal minimum standards and may not create contradictory regulations.\n\n**No. 22** **Legal protection issues**: The right of appeal of environmental organizations (Art. 55 EPA) enables objective legal review. Private parties have standing to appeal when immission limit values are exceeded, even without proof of special concern.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Precautionary Principle and State Liability\n\n**BGE 132 II 305** of 11 April 2006  \nThe precautionary principle in the BSE crisis: The Confederation is liable for inadequate protective measures.  \nFundamental judgment on the precautionary principle as a concretization of Art. 74 para. 2 BV.\n\n> «Art. 9 TSG implicitly concretizes the precautionary principle (prevention principle), which entails the responsibility of the Confederation if it does not take all measures that appear appropriate according to the state of science and experience to prevent the occurrence and spread of the animal disease in question.»\n\n**BGE 129 I 290** of 7 July 2003  \nPolluter-pays principle in waste disposal: Federal law violation through coupling to water consumption.  \nConfirmation of the constitutional anchoring of the polluter-pays principle in Art. 74 para. 2 BV.\n\n> «A municipal regulation whereby a variable fee dependent on fresh water consumption is levied for the disposal of municipal waste (in addition to a basic fee) violates federal law due to breach of the polluter-pays principle (Art. 32a EPA).»\n\n**BGE 138 II 111** of 21 February 2012  \nFinancing of anti-littering measures: Polluter-pays principle prevents flat-rate fee distribution.  \nClarification of the application of the polluter-pays principle for diffusely caused environmental damage.\n\n> «It violates federal law to generally consider building owners as the cause of this waste and to finance its disposal through the basic waste fee owed by all building owners. However, the mentioned costs can be imposed proportionally on businesses according to factually tenable criteria by means of causal levies if it can be plausibly shown that these businesses contribute in a particular way to the generation of waste disposed of in public spaces.»\n\n### Pollution Control and Noise Abatement\n\n**BGE 126 II 522** of 26 September 2000  \nZurich Airport: Comprehensive judgment on air quality and noise protection for major projects.  \nLeading judgment on the application of Art. 74 BV to complex infrastructure projects.\n\n> «Independent of existing environmental pollution, emissions must be limited as part of prevention measures as far as this is technically and operationally possible and economically acceptable. Emission limitations must be tightened if it is established or expected that the impacts will become harmful or bothersome.»\n\n**BGE 146 II 17** of 4 September 2019  \nFireworks regulation City of Wil: Balancing tradition and pollution control.  \nModern application of interest balancing for noise and air pollution.\n\n> «The ignition of fireworks and firecrackers causes considerable noise and air pollution with great potential for disturbance to humans and animals. The contested regulation therefore provides for a permit requirement for fireworks and a basic prohibition for firecrackers, albeit with exceptions for the federal holiday, New Year's Eve and (only for firecrackers) carnival week.»\n\n**BGE 141 II 483** of 14 October 2015  \nNational highway renovation: Definition of \"substantial modification\" in noise protection.  \nImportant distinction between new, existing and modified installations under the EPA.\n\n> «The EPA distinguishes between new installations (Art. 25 EPA), existing installations requiring renovation (Art. 16 f. and 20 EPA) and modified installations (Art. 18 EPA), with different legal consequences for passive sound protection.»\n\n**BGE 136 II 263** of 29 March 2010  \nAircraft noise compensation: Requirements for excessive noise pollution.  \nClarification of compensation claims for environmental law impairments.\n\n> «Excessive noise pollution from air traffic gives rise to compensation claims if it was unforeseeable and the requirements for noise protection are not met.»\n\n### Energy Law and Climate Protection\n\n**BGE 149 I 49** of 23 March 2023  \nBan on electric heating: Property guarantee and environmental protection.  \nLatest case law on the tension between climate protection and property rights.\n\n> «The obligation to remove such installations associated with the ban on electric heating and the criminal penalty attached thereto in the Canton of Zurich restrict the property of owners of corresponding heating systems. The statutory regulation forms a sufficient basis for the interference with the property guarantee, is based on a sufficient public interest and is proportionate.»\n\n**BGE 149 I 291** of 3 May 2023  \nMunicipal energy initiative Hochdorf: Renewable energies and protection of existing rights.  \nLatest case law on municipal climate protection measures.\n\n> «The initiative \"Hochdorf heats renewably - from 2030 onwards even more so\" contains a binding target and aims at a fundamental decision. Compatibility with cantonal energy laws and building law protection of existing rights must be examined on a case-by-case basis.»\n\n**BGE 143 II 87** of 17 October 2016  \nCO₂ emissions trading: Free allocation of emission rights.  \nImportant decision on the practical implementation of the CO₂ Act.\n\n> «The CO₂ emissions trading system concretizes the polluter-pays principle through market-based instruments. The free allocation of emission rights must be based on the greenhouse gas efficiency of production.»\n\n### Water Protection and Hydropower\n\n**BGE 145 II 140** of 29 March 2019  \nHydropower plant with vested rights: Residual water renovation for old concessions.  \nTension between acquired rights and modern water protection.\n\n> «When renewing and renovating an existing hydropower plant, it must be examined whether vested water rights preclude integral residual water renovation. Special use concessions without time limitation are not protected with unlimited duration.»\n\n### Animal Protection and Animal Testing\n\n**BGE 135 II 384** of 7 October 2009  \nAnimal experiments with primates: Balancing research and animal protection.  \nApplication of Art. 74 BV in the field of animal protection and research freedom.\n\n> «When assessing an application for animal experiments with non-human primates, a comprehensive balancing of interests between research interest and animal protection must be undertaken. The cantonal animal experimentation committee has technical discretion.»\n\n### Traffic Levies and Environmental Steering\n\n**BGE 136 II 337** of 19 April 2010  \nPerformance-related heavy vehicle fee: Internalization of external costs.  \nExemplary application of environmental steering levies.\n\n> «The levy of the performance-related heavy vehicle fee (LSVA) based on the increased levy rate concretizes the polluter-pays principle in the transport sector and internalizes the external environmental costs of heavy traffic.»\n\n### Environmental Impact Assessment\n\n**BGE 134 II 97** of 11 March 2008  \nSki slope in game reserve: Interest balancing in nature conservation areas.  \nApplication of EIA for projects in sensitive areas.\n\n> «For projects outside the building zone in a game reserve, a comprehensive balancing of interests between the various protection objectives and economic interests must be undertaken. The protection objectives of the game reserve must be appropriately considered.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_74", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 75, "article_suffix": "", "title": "Raumplanung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 75 BV regelt die Raumplanung in der Schweiz. Diese Bestimmung teilt die Aufgaben zwischen Bund und Kantonen auf. Der Bund legt nach Art. 1 RPG die Grundregeln fest. Die Kantone führen die eigentliche Planung durch und erstellen nach Art. 6 ff. RPG Richtpläne. Die Gemeinden sorgen nach Art. 14 ff. RPG für Zonenpläne, die regeln, wo gebaut werden darf.\n\nDas Hauptziel der Raumplanung ist sparsame Bodennutzung. Der Boden soll zweckmässig genutzt werden — das heisst jede Zone hat einen bestimmten Zweck. Wohnzonen sind für Häuser da, Landwirtschaftszonen für Bauernhöfe. Dieser Grundsatz der Trennung zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet hat das Bundesgericht in BGE 147 II 309 als verfassungsrechtlich verbindlich bezeichnet.\n\nEin konkretes Beispiel: Eine Familie will ein Haus bauen. Sie kann das nur in der Bauzone tun, nicht auf dem Feld oder im Wald. Der Gemeinderat prüft, ob das geplante Haus in die Zone passt. Er muss dabei die kantonalen Richtpläne und das Bundesgesetz über die Raumplanung beachten.\n\nDer Bund hat zusätzlich Koordinationsaufgaben. Er sorgt nach Art. 75 Abs. 2 BV dafür, dass die kantonalen Planungen aufeinander abgestimmt sind. Dies geschieht hauptsächlich durch die Genehmigung der kantonalen Richtpläne nach Art. 11 RPG. Das Bundesamt für Raumentwicklung unterstützt die Kantone mit Fachberatung und Finanzhilfen.\n\nAlle Behörden — auch solche ausserhalb der Raumplanung — müssen bei ihren Entscheiden raumplanerische Anforderungen berücksichtigen. Bauen sie beispielsweise eine Strasse, müssen sie prüfen, wie sich das auf die Siedlungsentwicklung auswirkt. Diese Berücksichtigungspflicht folgt aus Art. 75 Abs. 3 BV.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Idee einer bundesstaatlichen Raumplanung reicht weit zurück. Bereits 1933 forderte Armin Meili eine systematische Landesplanung, die das Gebiet der Schweiz in Landwirtschafts-, Industrie- und Wohnzonen einteilt (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 1). Diese frühe Vision einer geordneten Raumnutzung sollte die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz des Bodens verbinden.\n\n**N. 2** Der Weg zur heutigen Verfassungsgrundlage war lang. 1964 legte der Berner Staatsrechtler Hans Huber in einem wegweisenden Rechtsgutachten dar, dass es für eine bundesrechtliche Landwirtschaftszone einer zusätzlichen Verfassungsgrundlage bedurfte (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 3). Diese Erkenntnis bildete einen wichtigen Grundstein für die spätere Verfassungsrevision.\n\n**N. 3** Die Verfassungsgrundlage für die Raumplanung wurde schliesslich am 14. September 1969 vom Volk und allen Ständen angenommen (BBl 1967 I 134; BBl 1969 II 1261). Der neue Art. 22quater aBV verankerte die Grundsatzgesetzgebungskompetenz des Bundes bei gleichzeitiger Wahrung der kantonalen Planungshoheit. Die Botschaft betonte die Notwendigkeit einer koordinierten Raumordnung angesichts der zunehmenden Zersiedelung und des steigenden Bodenbedarfs (BBl 1967 I 142).\n\n**N. 4** Bei der Totalrevision der Bundesverfassung wurde Art. 22quater aBV praktisch unverändert in Art. 75 BV überführt. Die redaktionellen Anpassungen betrafen primär die Terminologie: Statt «geordneter Besiedlung» spricht die neue Fassung von «geordneter Besiedlung des Landes» (BBl 1997 I 336). Die materielle Kompetenzordnung blieb unverändert.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 5** Art. 75 BV ist im 3. Abschnitt («Umwelt und Raumplanung») des 4. Kapitels platziert. Diese systematische Stellung unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen Raumplanung und Umweltschutz. Die Nachbarschaft zu Art. 73 BV (Nachhaltigkeit) und Art. 74 BV (Umweltschutz) ist programmatisch: Raumplanung ist ein Instrument nachhaltiger Entwicklung.\n\n**N. 6** Die Norm etabliert eine verfassungsrechtliche Kompetenzordnung mit drei Elementen: Grundsatzgesetzgebung des Bundes (Abs. 1), Koordinationspflicht (Abs. 2) und allgemeine Berücksichtigungspflicht (Abs. 3). Diese Dreiteilung spiegelt das föderalistische Gleichgewicht zwischen bundesrechtlicher Rahmenordnung und kantonaler Ausführungshoheit wider.\n\n**N. 7** Im Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen fungiert Art. 75 BV als Brückennorm. Die Verbindungen sind vielfältig: → Art. 2 Abs. 2 BV (nachhaltige Entwicklung als Staatsziel), → Art. 26 BV (Eigentumsgarantie als Schranke der Planung), ↔ Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), ↔ Art. 74 BV (Umweltschutz), → Art. 108 BV (Wohnbau- und Wohneigentumsförderung).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Grundsatzgesetzgebungskompetenz (Abs. 1)\n\n**N. 8** Der Begriff «Grundsätze» begrenzt die Bundeskompetenzen. Nach der Lehre handelt es sich um eine eingeschränkte Bundeskompetenz, die nur die Festlegung von Rahmenvorschriften erlaubt (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 25-28; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Vorbem. N. 15). Der Bund darf nicht die gesamte Materie regeln, sondern muss den Kantonen substanziellen Gestaltungsspielraum belassen.\n\n**N. 9** Die «zweckmässige und haushälterische Nutzung des Bodens» konstituiert das zentrale Planungsziel. Zweckmässigkeit verlangt eine funktional sinnvolle Raumnutzung, die verschiedene Bedürfnisse koordiniert. Haushälterisch bedeutet sparsam und nachhaltig — der Boden als nicht vermehrbare Ressource muss optimal genutzt werden (Ruch/Griffel, Raumplanungsrecht in der Krise, S. 23).\n\n**N. 10** Die «geordnete Besiedlung des Landes» zielt auf eine planmässige Siedlungsentwicklung. Kern ist der Trennungsgrundsatz zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet, wie ihn das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung betont (**BGE 147 II 309** E. 4.2; **BGE 145 I 156** E. 3.1). Dieser Grundsatz hat Verfassungsrang und bindet alle Planungsträger.\n\n### 3.2 Förderungs- und Koordinationspflicht (Abs. 2)\n\n**N. 11** Die Förderungspflicht verpflichtet den Bund zur aktiven Unterstützung kantonaler Planungsbestrebungen. Instrumente sind nach der Doktrin insbesondere Finanzhilfen, Modellvorhaben und fachliche Beratung (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 35-36). Die ARE (Bundesamt für Raumentwicklung) nimmt diese Aufgabe operativ wahr.\n\n**N. 12** Die Koordinationspflicht geht weiter: Der Bund muss die kantonalen Planungen aufeinander abstimmen. Dies geschieht primär durch die Genehmigung kantonaler Richtpläne nach Art. 11 RPG. Das Bundesgericht hat diese Koordinationsfunktion wiederholt als zentral bezeichnet (**BGE 137 II 58** E. 2.3).\n\n### 3.3 Berücksichtigungspflicht (Abs. 3)\n\n**N. 13** Abs. 3 statuiert eine allgemeine Berücksichtigungspflicht für alle staatlichen Aufgabenträger. Nach herrschender Lehre handelt es sich um eine Optimierungspflicht: Raumplanerische Erfordernisse sind bei allen staatlichen Tätigkeiten einzubeziehen und zu gewichten (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 37; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, § 58 N. 12).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die primäre Rechtsfolge ist die Verpflichtung des Bundes zum Erlass von Grundsatzgesetzen. Diese Pflicht hat der Bund mit dem RPG vom 22. Juni 1979 erfüllt. Das RPG konkretisiert die verfassungsrechtlichen Vorgaben und schafft den verbindlichen Rahmen für die kantonale Planung.\n\n**N. 15** Für die Kantone folgt aus Abs. 1 die Planungspflicht. Sie müssen Richtpläne erstellen (Art. 6 ff. RPG) und für die Nutzungsplanung sorgen (Art. 14 ff. RPG). Diese Pflicht ist justiziabel — Gemeinden können die Erstellung von Nutzungsplänen gerichtlich durchsetzen.\n\n**N. 16** Die Berücksichtigungspflicht nach Abs. 3 erzeugt keine direkten subjektiven Rechte. Sie wirkt als Auslegungsmaxime und Abwägungsdirektive bei allen raumrelevanten Entscheiden. Ihre Verletzung kann im Rahmen der Überprüfung von Ermessensentscheiden gerügt werden.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Umstritten ist der Umfang der Grundsatzgesetzgebungskompetenz. Ein Teil der Lehre plädiert für eine restriktive Auslegung, die dem Föderalismus Rechnung trägt (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1042). Andere Autoren befürworten eine dynamische Interpretation angesichts neuer Herausforderungen wie Klimawandel und Verdichtung (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 75 N. 15).\n\n**N. 18** Kontrovers diskutiert wird die direkte Anwendbarkeit von Art. 75 Abs. 1 BV. Während Ruch/Griffel eine unmittelbare Bindungswirkung des Trennungsgrundsatzes bejahen (Raumplanungsrecht in der Krise, S. 45), verneint die Gegenmeinung justiziable Individualrechte aus der Verfassungsnorm (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3421).\n\n**N. 19** Die Reichweite der Berücksichtigungspflicht ist ebenfalls umstritten. Mahaim vertritt eine weite Auslegung, die alle Staatsebenen und Verwaltungsbereiche erfasst (Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, S. 234). Demgegenüber beschränkt Tschannen die Pflicht auf explizit raumwirksame Tätigkeiten (Der Richtplan und die Abstimmung raumwirksamer Aufgaben, S. 89).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Anwendung von Art. 75 BV ist die föderalistische Kompetenzordnung strikt zu beachten. Bundesrechtliche Detailregelungen, die über Grundsätze hinausgehen, sind verfassungswidrig. Die kantonale Planungshoheit bildet die Regel, bundesrechtliche Vorgaben die Ausnahme.\n\n**N. 21** Für die Praxis zentral ist das Verhältnis zur Eigentumsgarantie (Art. 26 BV). Raumplanerische Massnahmen greifen regelmässig in private Eigentumsrechte ein. Die Eingriffe müssen den allgemeinen Voraussetzungen von Art. 36 BV genügen. Das Bundesgericht prüft dies in ständiger Praxis (**BGE 142 I 162** E. 3).\n\n**N. 22** Die Koordinationspflicht nach Abs. 2 erfordert in der Praxis institutionalisierte Zusammenarbeitsformen. Raumordnungskonferenzen, interkantonale Vereinbarungen und Agglomerationsprogramme sind bewährte Instrumente. Bei grenzüberschreitenden Projekten ist eine frühzeitige Abstimmung unerlässlich, um spätere Koordinationskonflikte zu vermeiden (**BGE 137 II 58** E. 2).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Kompetenzteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden\n\n### Grundsätzliche Kompetenzverteilung\n\n**BGE 142 I 177** vom 15. Dezember 2015\nDie Kompetenzverteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden wird durch Art. 75 BV grundlegend bestimmt.\nDas Bundesgericht präzisiert die Aufgabenteilung im Bereich der Raumplanung und stellt fest, dass Gemeinden bei lokalen Raumplanungsaufgaben autonom handeln können.\n\n> «Die Erhebung einer Mehrwertabgabe entspricht einem durch die Bundesgesetzgebung (Art. 5 Abs. 1 RPG) und die kantonale Verfassung (§ 116 Abs. 4 KV/BL) vorgesehenen Gesetzgebungsauftrag an die kantonale Legislative [...]. Solange der Kanton von seiner Kompetenz zur Erhebung einer Mehrwertabgabe nicht Gebrauch macht, kann den Gemeinden nicht verwehrt sein, diese Aufgabe in eigener Kompetenz wahrzunehmen, weil sie eng mit der ihnen obliegenden Ortsplanung verknüpft ist.»\n\n### Koordinationsgebot des Bundes\n\n**BGE 137 II 58** vom 3. Dezember 2010\nDas Koordinationsgebot gemäss Art. 75 Abs. 2 BV erfordert eine abgestimmte Planung zwischen allen Staatsebenen.\nEntscheidend ist die fehlende Koordination zwischen Betriebsreglement und Sachplanverfahren für den Flughafen Zürich.\n\n> «Die Bewilligung von betrieblichen und baulichen Änderungen des Flughafens mit erheblichen Auswirkungen auf Raum und Umwelt nach Art. 36c Abs. 2 und Art. 37 Abs. 5 LFG setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Sachplans voraus. Dies entspricht der Regelung in anderen Bundesgesetzen und dient der Koordination raumwirksamer Tätigkeiten.»\n\n## Trennungsgrundsatz und Zonenkonformität\n\n### Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet\n\n**BGE 147 II 309** vom 28. April 2021\nDer verfassungsmässige Trennungsgrundsatz nach Art. 75 Abs. 1 BV verlangt eine klare Trennung zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet.\nDas Urteil behandelt die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bei illegalen Bauten ausserhalb der Bauzone.\n\n> «Eine 30-jährige Verwirkungsfrist ausserhalb der Bauzone würde insbesondere den verfassungsmässigen Trennungsgrundsatz (Art. 75 Abs. 1 BV) und die einheitliche Anwendung des Bundesrechts in Frage stellen. Die Sach-, Rechts- und Interessenlage ausserhalb der Bauzone unterscheidet sich so stark von derjenigen innerhalb der Bauzone, dass sich eine unterschiedliche Regelung aufdrängt.»\n\n**BGE 145 I 156** vom 31. Oktober 2018\nDie Zonenkonformität verlangt eine wirkungsbezogene Betrachtung der Auswirkungen von Bauten auf benachbarte Zonen.\nStreitig war ein Grenzabstand zwischen Bau- und Landwirtschaftszone.\n\n> «Ausgehend von einer wirkungsbezogenen Betrachtungsweise ist dabei auch auf die mit einer Baute oder Anlage verbundenen Folgen auf die Umgebung abzustellen. Sind Auswirkungen auf die Nachbarzone wahrscheinlich, ist die Übereinstimmung des Vorhabens mit dieser ebenfalls zu prüfen. Eine Wohnbaute direkt auf der Grenze zur benachbarten Landwirtschaftszone ist nicht zonenkonform.»\n\n## Raumplanung und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 142 I 162** vom 9. November 2016\nRaumplanerische Massnahmen müssen mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar sein.\nDas Urteil betrifft die Zulässigkeit einer Tourismuszone und deren Vereinbarkeit mit Art. 27 und 94 BV.\n\n> «Das Bundesgericht hatte sich seit Jahrzehnten immer wieder mit der Vereinbarkeit raumplanerischer Massnahmen mit der Wirtschaftsfreiheit zu befassen [...]. Raumplanerische Massnahmen können grundsätzlich in die Wirtschaftsfreiheit eingreifen. Sie sind jedoch zulässig, wenn sie auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sind und die Rechtsgleichheit wahren.»\n\n## Verbandsbeschwerderecht in Raumplanungsverfahren\n\n**BGE 139 II 271** vom 21. Februar 2013\nDas Verbandsbeschwerderecht bei Raumplanungsverfahren setzt eine Bundesaufgabe voraus.\nEntscheidend war die Beschwerdelegitimation von Natur- und Heimatschutzverbänden gegen Zweitwohnungsbauten.\n\n> «Die Plafonierung des Zweitwohnungsbaus gemäss Art. 75b BV stellt eine Bundesaufgabe dar, die der Schonung der Natur und des heimatlichen Landschaftsbildes dient. Baubewilligungen können daher wegen Verletzung von Art. 75b BV und seiner Übergangs- und Ausführungsbestimmungen mit Beschwerde gemäss Art. 12 NHG angefochten werden.»\n\n**BGE 142 II 509** vom 26. Oktober 2016\nNeueinzonungen nach revidiertem RPG begründen Verbandsbeschwerderecht.\nDas Urteil klärt das Beschwerderecht bei Einzonungen nach Art. 15 RPG.\n\n> «Neueinzonungen, die sich auf Art. 15 des revidierten RPG (in der Fassung vom 15. Juni 2012) stützen, sind als Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV zu qualifizieren. Die Kantone haben beim Vollzug der bundesrechtlichen Vorgaben zur haushälterischen Bodennutzung auf die Anliegen des Natur- und Heimatschutzes Rücksicht zu nehmen.»\n\n## Raumplanung und Energierecht\n\n**BGE 149 I 291** vom 3. Mai 2023\nKommunale Energieinitiativen müssen mit raumplanerischen Grundsätzen vereinbar sein.\nDas Urteil behandelt eine Volksinitiative zur Umstellung auf erneuerbare Energien.\n\n> «Die Zielsetzung der Initiative kann als Schritt in Richtung einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung (Art. 73 BV) verstanden werden. Grundsätzlich vermittelt weder die Eigentumsgarantie noch die baurechtliche Bestandesgarantie einen Anspruch auf Beibehaltung einer einmal geltenden Rechtsordnung.»\n\n## Koordination bei komplexen Raumplanungsverfahren\n\n**BGE 135 II 22** vom 19. Dezember 2008\nRechtsmittelentscheide müssen mit Genehmigungsentscheiden koordiniert werden.\nDas Urteil betrifft die Koordination zwischen kantonalen Genehmigungsverfahren und Beschwerden.\n\n> «Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden gegen Nutzungsplanänderungen grundsätzlich nur ein, wenn die betroffenen Nutzungsplanänderungen von der zuständigen kantonalen Behörde genehmigt wurden. Die notwendige Koordination des Rechtsmittelentscheids mit dem Genehmigungsentscheid verlangt eine abgestimmte Behandlung.»\n\n**BGE 135 II 30** vom 19. Dezember 2008\nBaurechtliche Vorentscheide sind keine anfechtbaren Verfügungen.\nDas Urteil klärt die Abgrenzung zwischen Vorabklärungen und definitiven Entscheiden.\n\n> «Allgemeine Hinweise und Empfehlungen von Baubewilligungsbehörden stellen keinen Entscheid im Sinne von Art. 82 lit. a BGG dar. Sie zeitigen keine unmittelbaren Rechtsfolgen und sind daher nicht selbständig anfechtbar.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 75 Cst. règle l'aménagement du territoire en Suisse. Cette disposition répartit les tâches entre la Confédération et les cantons. La Confédération établit les règles de base selon l'art. 1 LAT. Les cantons effectuent la planification proprement dite et établissent des plans directeurs selon les art. 6 ss LAT. Les communes veillent selon les art. 14 ss LAT aux plans de zones qui règlent où il est permis de construire.\n\nL'objectif principal de l'aménagement du territoire est l'utilisation mesurée du sol. Le sol doit être utilisé de manière appropriée — c'est-à-dire que chaque zone a un but déterminé. Les zones d'habitation sont destinées aux maisons, les zones agricoles aux exploitations agricoles. Ce principe de séparation entre territoire constructible et territoire non constructible a été qualifié par le Tribunal fédéral dans l'ATF 147 II 309 de constitutionnellement contraignant.\n\nUn exemple concret : une famille veut construire une maison. Elle ne peut le faire que dans la zone à bâtir, pas dans un champ ou en forêt. Le conseil communal examine si la maison prévue correspond à la zone. Il doit respecter les plans directeurs cantonaux et la loi fédérale sur l'aménagement du territoire.\n\nLa Confédération a en outre des tâches de coordination. Elle veille selon l'art. 75 al. 2 Cst. à ce que les planifications cantonales soient harmonisées. Cela se fait principalement par l'approbation des plans directeurs cantonaux selon l'art. 11 LAT. L'Office fédéral du développement territorial soutient les cantons par des conseils techniques et des aides financières.\n\nToutes les autorités — même celles qui ne sont pas du domaine de l'aménagement du territoire — doivent tenir compte des exigences de l'aménagement du territoire dans leurs décisions. Si elles construisent par exemple une route, elles doivent examiner comment cela influe sur le développement de l'urbanisation. Cette obligation de prise en compte découle de l'art. 75 al. 3 Cst.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'idée d'un aménagement du territoire fédéral remonte loin dans le temps. Dès 1933, Armin Meili réclamait un aménagement systématique du territoire qui divise le territoire suisse en zones agricoles, industrielles et résidentielles (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 1). Cette vision précoce d'une utilisation ordonnée du territoire devait concilier le développement économique avec la protection du sol.\n\n**N. 2** Le chemin vers la base constitutionnelle actuelle fut long. En 1964, le constitutionnaliste bernois Hans Huber exposa dans une expertise juridique déterminante qu'une zone agricole de droit fédéral nécessitait une base constitutionnelle supplémentaire (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 3). Cette constatation constitua une pierre angulaire importante pour la révision constitutionnelle ultérieure.\n\n**N. 3** La base constitutionnelle pour l'aménagement du territoire fut finalement acceptée le 14 septembre 1969 par le peuple et tous les cantons (FF 1967 I 134 ; FF 1969 II 1261). Le nouvel art. 22quater ancCst ancra la compétence de législation de principe de la Confédération tout en préservant la souveraineté cantonale en matière de planification. Le message soulignait la nécessité d'un aménagement du territoire coordonné face au mitage croissant et aux besoins croissants en terrain (FF 1967 I 142).\n\n**N. 4** Lors de la révision totale de la Constitution fédérale, l'art. 22quater ancCst fut repris pratiquement inchangé dans l'art. 75 Cst. Les adaptations rédactionnelles concernaient principalement la terminologie : au lieu d'« occupation ordonnée du territoire », la nouvelle version parle d'« occupation ordonnée du territoire » (FF 1997 I 336). L'ordre de compétences matériel demeura inchangé.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 5** L'art. 75 Cst est placé dans la 3e section (« Environnement et aménagement du territoire ») du 4e chapitre. Cette position systématique souligne l'étroit rapport entre aménagement du territoire et protection de l'environnement. Le voisinage avec l'art. 73 Cst (durabilité) et l'art. 74 Cst (protection de l'environnement) est programmatique : l'aménagement du territoire est un instrument de développement durable.\n\n**N. 6** La norme établit un ordre de compétences constitutionnel avec trois éléments : la législation de principe de la Confédération (al. 1), l'obligation de coordination (al. 2) et l'obligation générale de prise en considération (al. 3). Cette tripartition reflète l'équilibre fédéraliste entre l'ordre-cadre de droit fédéral et la souveraineté d'exécution cantonale.\n\n**N. 7** Dans le rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles, l'art. 75 Cst fonctionne comme une norme-passerelle. Les connexions sont diverses : → art. 2 al. 2 Cst (développement durable comme but de l'État), → art. 26 Cst (garantie de la propriété comme limite de la planification), ↔ art. 73 Cst (durabilité), ↔ art. 74 Cst (protection de l'environnement), → art. 108 Cst (encouragement de la construction de logements et de l'accession à la propriété).\n\n## 3. Éléments de fait / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Compétence de législation de principe (al. 1)\n\n**N. 8** Le terme « principes » limite les compétences fédérales. Selon la doctrine, il s'agit d'une compétence fédérale restreinte qui ne permet que l'établissement de prescriptions-cadres (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 25-28 ; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Vorbem. N. 15). La Confédération ne peut pas réglementer toute la matière, mais doit laisser aux cantons une marge de manœuvre substantielle.\n\n**N. 9** L'« utilisation mesurée et rationnelle du sol » constitue l'objectif central de planification. La convenance exige une utilisation de l'espace fonctionnellement sensée qui coordonne différents besoins. Rationnel signifie parcimonieux et durable — le sol comme ressource non multipliable doit être utilisé de manière optimale (Ruch/Griffel, Raumplanungsrecht in der Krise, p. 23).\n\n**N. 10** L'« occupation ordonnée du territoire » vise un développement planifié de l'habitat. Le noyau est le principe de séparation entre territoire constructible et territoire non constructible, tel que le souligne le Tribunal fédéral dans sa jurisprudence constante (**ATF 147 II 309** consid. 4.2 ; **ATF 145 I 156** consid. 3.1). Ce principe a rang constitutionnel et lie tous les responsables de la planification.\n\n### 3.2 Obligation d'encouragement et de coordination (al. 2)\n\n**N. 11** L'obligation d'encouragement oblige la Confédération à soutenir activement les efforts de planification cantonaux. Les instruments sont selon la doctrine notamment les aides financières, les projets pilotes et le conseil technique (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 35-36). L'ARE (Office fédéral du développement territorial) assume cette tâche de manière opérationnelle.\n\n**N. 12** L'obligation de coordination va plus loin : la Confédération doit coordonner les planifications cantonales entre elles. Cela se fait principalement par l'approbation des plans directeurs cantonaux selon l'art. 11 LAT. Le Tribunal fédéral a qualifié à plusieurs reprises cette fonction de coordination comme centrale (**ATF 137 II 58** consid. 2.3).\n\n### 3.3 Obligation de prise en considération (al. 3)\n\n**N. 13** L'al. 3 statue une obligation générale de prise en considération pour tous les responsables de tâches étatiques. Selon la doctrine dominante, il s'agit d'une obligation d'optimisation : les exigences d'aménagement du territoire doivent être intégrées et pondérées dans toutes les activités étatiques (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 37 ; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, § 58 N. 12).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** La conséquence juridique primaire est l'obligation de la Confédération d'édicter des lois de principe. La Confédération a rempli cette obligation avec la LAT du 22 juin 1979. La LAT concrétise les exigences constitutionnelles et crée le cadre contraignant pour la planification cantonale.\n\n**N. 15** Pour les cantons découle de l'al. 1 l'obligation de planification. Ils doivent établir des plans directeurs (art. 6 ss LAT) et pourvoir à l'aménagement local (art. 14 ss LAT). Cette obligation est justiciable — les communes peuvent faire valoir en justice l'établissement de plans d'aménagement local.\n\n**N. 16** L'obligation de prise en considération selon l'al. 3 ne génère pas de droits subjectifs directs. Elle agit comme maxime d'interprétation et directive de pondération dans toutes les décisions ayant un impact territorial. Sa violation peut être invoquée dans le cadre du contrôle des décisions discrétionnaires.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** L'étendue de la compétence de législation de principe est controversée. Une partie de la doctrine plaide pour une interprétation restrictive qui tient compte du fédéralisme (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1042). D'autres auteurs préconisent une interprétation dynamique face aux nouveaux défis comme le changement climatique et la densification (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 75 N. 15).\n\n**N. 18** L'applicabilité directe de l'art. 75 al. 1 Cst fait l'objet de discussions controversées. Alors que Ruch/Griffel affirment un effet contraignant immédiat du principe de séparation (Raumplanungsrecht in der Krise, p. 45), l'opinion contraire nie l'existence de droits individuels justiciables découlant de la norme constitutionnelle (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3421).\n\n**N. 19** La portée de l'obligation de prise en considération est également controversée. Mahaim défend une interprétation large qui englobe tous les niveaux étatiques et tous les domaines administratifs (Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, p. 234). En revanche, Tschannen limite l'obligation aux activités explicitement à incidence spatiale (Der Richtplan und die Abstimmung raumwirksamer Aufgaben, p. 89).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'application de l'art. 75 Cst, l'ordre de compétences fédéraliste doit être strictement respecté. Les réglementations fédérales détaillées qui dépassent les principes sont inconstitutionnelles. La souveraineté cantonale en matière de planification constitue la règle, les exigences de droit fédéral l'exception.\n\n**N. 21** Pour la pratique, le rapport avec la garantie de la propriété (art. 26 Cst) est central. Les mesures d'aménagement du territoire portent régulièrement atteinte aux droits de propriété privés. Les atteintes doivent satisfaire aux conditions générales de l'art. 36 Cst. Le Tribunal fédéral contrôle cela dans sa pratique constante (**ATF 142 I 162** consid. 3).\n\n**N. 22** L'obligation de coordination selon l'al. 2 exige dans la pratique des formes de collaboration institutionnalisées. Les conférences d'aménagement du territoire, les conventions intercantonales et les programmes d'agglomération sont des instruments éprouvés. Pour les projets transfrontaliers, une coordination précoce est indispensable pour éviter ultérieurement des conflits de coordination (**ATF 137 II 58** consid. 2).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Répartition des compétences entre Confédération, cantons et communes\n\n### Répartition fondamentale des compétences\n\n**ATF 142 I 177** du 15 décembre 2015\nLa répartition des compétences entre Confédération, cantons et communes est fondamentalement déterminée par l'art. 75 Cst.\nLe Tribunal fédéral précise la répartition des tâches dans le domaine de l'aménagement du territoire et constate que les communes peuvent agir de manière autonome pour les tâches d'aménagement local.\n\n> « La perception d'une taxe sur la plus-value correspond à un mandat législatif prévu par la législation fédérale (art. 5 al. 1 LAT) et la constitution cantonale (§ 116 al. 4 Const./BL) adressé au législatif cantonal [...]. Tant que le canton ne fait pas usage de sa compétence pour percevoir une taxe sur la plus-value, les communes ne peuvent se voir interdire d'assumer cette tâche dans le cadre de leur propre compétence, car elle est étroitement liée à l'aménagement local qui leur incombe. »\n\n### Obligation de coordination de la Confédération\n\n**ATF 137 II 58** du 3 décembre 2010\nL'obligation de coordination selon l'art. 75 al. 2 Cst. exige une planification coordonnée entre tous les niveaux étatiques.\nL'élément déterminant est l'absence de coordination entre le règlement d'exploitation et la procédure de plan sectoriel pour l'aéroport de Zurich.\n\n> « L'autorisation de modifications d'exploitation et de construction de l'aéroport ayant des effets considérables sur le territoire et l'environnement selon l'art. 36c al. 2 et l'art. 37 al. 5 LA présuppose en principe l'existence d'un plan sectoriel. Ceci correspond à la réglementation dans d'autres lois fédérales et sert à la coordination des activités ayant des effets sur le territoire. »\n\n## Principe de séparation et conformité aux zones\n\n### Séparation entre zones à bâtir et zones non constructibles\n\n**ATF 147 II 309** du 28 avril 2021\nLe principe constitutionnel de séparation selon l'art. 75 al. 1 Cst. exige une séparation claire entre zones à bâtir et zones non constructibles.\nL'arrêt traite du rétablissement de l'état légal en cas de constructions illégales en dehors des zones à bâtir.\n\n> « Un délai de forclusion de 30 ans en dehors des zones à bâtir remettrait notamment en question le principe constitutionnel de séparation (art. 75 al. 1 Cst.) et l'application uniforme du droit fédéral. La situation de fait, de droit et d'intérêts en dehors des zones à bâtir diffère si fortement de celle à l'intérieur des zones à bâtir qu'une réglementation différenciée s'impose. »\n\n**ATF 145 I 156** du 31 octobre 2018\nLa conformité aux zones exige une approche axée sur les effets des constructions sur les zones voisines.\nL'objet du litige était une distance à la limite entre zone à bâtir et zone agricole.\n\n> « Partant d'une approche axée sur les effets, il faut aussi prendre en compte les conséquences liées à une construction ou installation sur l'environnement. Si des effets sur la zone voisine sont probables, la conformité du projet avec cette dernière doit également être vérifiée. Une construction d'habitation directement sur la limite de la zone agricole voisine n'est pas conforme à la zone. »\n\n## Aménagement du territoire et liberté économique\n\n**ATF 142 I 162** du 9 novembre 2016\nLes mesures d'aménagement du territoire doivent être compatibles avec la liberté économique.\nL'arrêt concerne l'admissibilité d'une zone touristique et sa compatibilité avec les art. 27 et 94 Cst.\n\n> « Le Tribunal fédéral a eu à maintes reprises à se prononcer depuis des décennies sur la compatibilité de mesures d'aménagement du territoire avec la liberté économique [...]. Les mesures d'aménagement du territoire peuvent en principe porter atteinte à la liberté économique. Elles sont toutefois admissibles si elles reposent sur une base légale suffisante, sont dans l'intérêt public, proportionnées et respectent l'égalité de traitement. »\n\n## Droit de recours des associations dans les procédures d'aménagement du territoire\n\n**ATF 139 II 271** du 21 février 2013\nLe droit de recours des associations dans les procédures d'aménagement du territoire présuppose une tâche fédérale.\nL'élément déterminant était la qualité pour recourir d'associations de protection de la nature et du patrimoine contre des constructions de résidences secondaires.\n\n> « Le plafonnement de la construction de résidences secondaires selon l'art. 75b Cst. constitue une tâche fédérale qui sert à la protection de la nature et du paysage traditionnel. Les autorisations de construire peuvent donc être attaquées par recours selon l'art. 12 LPN pour violation de l'art. 75b Cst. et de ses dispositions transitoires et d'exécution. »\n\n**ATF 142 II 509** du 26 octobre 2016\nLes nouveaux classements en zone selon la LAT révisée fondent le droit de recours des associations.\nL'arrêt clarifie le droit de recours lors de classements en zone selon l'art. 15 LAT.\n\n> « Les nouveaux classements en zone qui se fondent sur l'art. 15 de la LAT révisée (dans la version du 15 juin 2012) doivent être qualifiés de tâche fédérale au sens de l'art. 78 al. 2 Cst. Les cantons doivent, lors de l'exécution des prescriptions du droit fédéral sur l'utilisation mesurée du sol, tenir compte des préoccupations de la protection de la nature et du patrimoine. »\n\n## Aménagement du territoire et droit de l'énergie\n\n**ATF 149 I 291** du 3 mai 2023\nLes initiatives énergétiques communales doivent être compatibles avec les principes d'aménagement du territoire.\nL'arrêt traite d'une initiative populaire sur la conversion aux énergies renouvelables.\n\n> « L'objectif de l'initiative peut être compris comme un pas vers un développement écologiquement durable (art. 73 Cst.). En principe, ni la garantie de la propriété ni la garantie de l'existence du droit de construire ne confèrent un droit au maintien d'un ordre juridique en vigueur. »\n\n## Coordination dans les procédures complexes d'aménagement du territoire\n\n**ATF 135 II 22** du 19 décembre 2008\nLes décisions de recours doivent être coordonnées avec les décisions d'approbation.\nL'arrêt concerne la coordination entre les procédures cantonales d'approbation et les recours.\n\n> « Le Tribunal fédéral n'entre en matière sur les recours contre les modifications de plans d'affectation qu'en principe que si les modifications de plans d'affectation concernées ont été approuvées par l'autorité cantonale compétente. La coordination nécessaire de la décision de recours avec la décision d'approbation exige un traitement coordonné. »\n\n**ATF 135 II 30** du 19 décembre 2008\nLes décisions préalables de droit de construire ne sont pas des décisions attaquables.\nL'arrêt clarifie la délimitation entre clarifications préalables et décisions définitives.\n\n> « Les indications et recommandations générales des autorités délivrant les permis de construire ne constituent pas une décision au sens de l'art. 82 let. a LTF. Elles ne produisent aucun effet juridique immédiat et ne sont donc pas attaquables de manière autonome. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 75 Cost. disciplina la pianificazione del territorio in Svizzera. Questa disposizione ripartisce i compiti tra Confederazione e Cantoni. La Confederazione stabilisce secondo l'art. 1 LPT le regole fondamentali. I Cantoni svolgono la pianificazione vera e propria e allestiscono secondo gli art. 6 segg. LPT i piani direttori. I Comuni provvedono secondo gli art. 14 segg. LPT ai piani di utilizzazione, che disciplinano dove è consentito costruire.\n\nL'obiettivo principale della pianificazione del territorio è l'utilizzazione parsimoniosa del suolo. Il suolo deve essere utilizzato in modo appropriato — ossia ogni zona ha uno scopo determinato. Le zone residenziali sono destinate alle case, le zone agricole alle aziende agricole. Questo principio della separazione tra territorio edificabile e non edificabile è stato qualificato dal Tribunale federale nella DTF 147 II 309 come vincolante dal punto di vista costituzionale.\n\nUn esempio concreto: una famiglia vuole costruire una casa. Può farlo solo nella zona edificabile, non nel campo o nel bosco. Il consiglio comunale verifica se la casa progettata si adatta alla zona. Deve osservare i piani direttori cantonali e la legge federale sulla pianificazione del territorio.\n\nLa Confederazione ha inoltre compiti di coordinamento. Secondo l'art. 75 cpv. 2 Cost., essa provvede affinché le pianificazioni cantonali siano coordinate tra loro. Ciò avviene principalmente mediante l'approvazione dei piani direttori cantonali secondo l'art. 11 LPT. L'Ufficio federale dello sviluppo territoriale sostiene i Cantoni con consulenza specializzata e aiuti finanziari.\n\nTutte le autorità — anche quelle esterne alla pianificazione del territorio — devono considerare nei loro decisioni le esigenze della pianificazione del territorio. Se per esempio costruiscono una strada, devono esaminare come ciò si ripercuota sullo sviluppo degli insediamenti. Questo obbligo di considerazione deriva dall'art. 75 cpv. 3 Cost.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della formazione\n\n**N. 1** L'idea di una pianificazione del territorio federale risale molto indietro nel tempo. Già nel 1933 Armin Meili rivendicava una pianificazione sistematica del territorio nazionale, che suddividesse il territorio svizzero in zone agricole, industriali e residenziali (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 1). Questa prima visione di un uso ordinato del territorio doveva coniugare lo sviluppo economico con la protezione del suolo.\n\n**N. 2** Il cammino verso l'attuale base costituzionale è stato lungo. Nel 1964 il costituzionalista bernese Hans Huber espose in un parere giuridico pionieristico che per una zona agricola di diritto federale occorreva una base costituzionale aggiuntiva (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 3). Questa constatazione costituì una pietra miliare importante per la successiva revisione costituzionale.\n\n**N. 3** La base costituzionale per la pianificazione del territorio fu infine adottata il 14 settembre 1969 da popolo e cantoni (BBl 1967 I 134; BBl 1969 II 1261). Il nuovo art. 22quater aCost. sancì la competenza legislativa di principio della Confederazione mantenendo al contempo la sovranità cantonale in materia di pianificazione. Il messaggio sottolineò la necessità di un ordinamento coordinato del territorio di fronte al crescente sprawl urbano e all'aumentato fabbisogno di suolo (BBl 1967 I 142).\n\n**N. 4** Con la revisione totale della Costituzione federale, l'art. 22quater aCost. fu trasferito praticamente invariato nell'art. 75 Cost. Gli adattamenti redazionali riguardarono principalmente la terminologia: anziché «ordinato insediamento» la nuova versione parla di «ordinato insediamento del territorio» (BBl 1997 I 336). L'ordinamento materiale delle competenze rimase invariato.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 5** L'art. 75 Cost. è collocato nella 3ª sezione («Ambiente e pianificazione del territorio») del 4º capitolo. Questa collocazione sistematica sottolinea lo stretto legame tra pianificazione del territorio e protezione dell'ambiente. La vicinanza agli art. 73 Cost. (sostenibilità) e 74 Cost. (protezione dell'ambiente) è programmatica: la pianificazione del territorio è uno strumento di sviluppo sostenibile.\n\n**N. 6** La norma stabilisce un ordinamento costituzionale delle competenze con tre elementi: legislazione di principio della Confederazione (cpv. 1), obbligo di coordinamento (cpv. 2) e obbligo generale di considerazione (cpv. 3). Questa tripartizione rispecchia l'equilibrio federalistico tra ordinamento quadro di diritto federale e sovranità cantonale di esecuzione.\n\n**N. 7** Nel rapporto con altre disposizioni costituzionali, l'art. 75 Cost. funge da norma ponte. I collegamenti sono molteplici: → art. 2 cpv. 2 Cost. (sviluppo sostenibile come scopo dello Stato), → art. 26 Cost. (garanzia della proprietà come limite della pianificazione), ↔ art. 73 Cost. (sostenibilità), ↔ art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente), → art. 108 Cost. (promozione della costruzione di abitazioni e dell'accesso alla proprietà abitativa).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Competenza legislativa di principio (cpv. 1)\n\n**N. 8** Il concetto di «principi» delimita le competenze federali. Secondo la dottrina si tratta di una competenza federale limitata, che consente solo la fissazione di prescrizioni quadro (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 25-28; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Vorbem. N. 15). La Confederazione non può disciplinare l'intera materia, ma deve lasciare ai cantoni un sostanziale margine di configurazione.\n\n**N. 9** L'«utilizzazione appropriata e parsimoniosa del suolo» costituisce l'obiettivo centrale della pianificazione. L'appropriatezza esige un uso del territorio funzionalmente sensato, che coordini diversi bisogni. Parsimoniosa significa parca e sostenibile — il suolo come risorsa non moltiplicabile deve essere utilizzato in modo ottimale (Ruch/Griffel, Raumplanungsrecht in der Krise, p. 23).\n\n**N. 10** L'«ordinato insediamento del territorio» mira a uno sviluppo pianificato dell'insediamento. Il nucleo è il principio di separazione tra territorio edificabile e territorio non edificabile, come sottolinea il Tribunale federale in giurisprudenza costante (**BGE 147 II 309** E. 4.2; **BGE 145 I 156** E. 3.1). Questo principio ha rango costituzionale e vincola tutti i soggetti pianificatori.\n\n### 3.2 Obbligo di promozione e coordinamento (cpv. 2)\n\n**N. 11** L'obbligo di promozione vincola la Confederazione al sostegno attivo degli sforzi cantonali di pianificazione. Gli strumenti sono secondo la dottrina in particolare aiuti finanziari, progetti modello e consulenza specialistica (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 35-36). L'ARE (Ufficio federale dello sviluppo territoriale) assume operativamente questo compito.\n\n**N. 12** L'obbligo di coordinamento va oltre: la Confederazione deve coordinare tra loro le pianificazioni cantonali. Ciò avviene principalmente attraverso l'approvazione dei piani direttori cantonali secondo l'art. 11 LPT. Il Tribunale federale ha più volte qualificato questa funzione di coordinamento come centrale (**BGE 137 II 58** E. 2.3).\n\n### 3.3 Obbligo di considerazione (cpv. 3)\n\n**N. 13** Il cpv. 3 stabilisce un obbligo generale di considerazione per tutti i soggetti incaricati di compiti statali. Secondo la dottrina prevalente si tratta di un obbligo di ottimizzazione: le esigenze della pianificazione del territorio devono essere integrate e ponderate in tutte le attività statali (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 37; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, § 58 N. 12).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La conseguenza giuridica primaria è l'obbligo della Confederazione di emanare leggi di principio. Questo obbligo la Confederazione lo ha adempiuto con la LPT del 22 giugno 1979. La LPT concretizza le prescrizioni costituzionali e crea il quadro vincolante per la pianificazione cantonale.\n\n**N. 15** Per i cantoni dal cpv. 1 deriva l'obbligo di pianificazione. Essi devono elaborare piani direttori (art. 6 segg. LPT) e provvedere alla pianificazione delle utilizzazioni (art. 14 segg. LPT). Questo obbligo è giustiziabile — i comuni possono far valere giudizialmente l'elaborazione di piani delle utilizzazioni.\n\n**N. 16** L'obbligo di considerazione secondo il cpv. 3 non genera diritti soggettivi diretti. Esso agisce come massima interpretativa e direttiva di ponderazione in tutte le decisioni rilevanti per il territorio. La sua violazione può essere censurata nell'ambito del controllo delle decisioni discrezionali.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** È controversa la portata della competenza legislativa di principio. Parte della dottrina propende per un'interpretazione restrittiva, che tenga conto del federalismo (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1042). Altri autori sostengono un'interpretazione dinamica di fronte a nuove sfide come il cambiamento climatico e la densificazione (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 75 N. 15).\n\n**N. 18** È discussa in modo controverso l'applicabilità diretta dell'art. 75 cpv. 1 Cost. Mentre Ruch/Griffel affermano un effetto vincolante immediato del principio di separazione (Raumplanungsrecht in der Krise, p. 45), l'opinione contraria nega diritti individuali giustiziabili dalla norma costituzionale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3421).\n\n**N. 19** Anche la portata dell'obbligo di considerazione è controversa. Mahaim sostiene un'interpretazione estesa, che comprende tutti i livelli statali e i settori amministrativi (Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, p. 234). Al contrario Tschannen limita l'obbligo alle attività esplicitamente rilevanti per il territorio (Der Richtplan und die Abstimmung raumwirksamer Aufgaben, p. 89).\n\n## 6. Indicazioni per la pratica\n\n**N. 20** Nell'applicazione dell'art. 75 Cost. deve essere rigorosamente rispettato l'ordinamento federalistico delle competenze. Regolamentazioni federali dettagliate, che vadano oltre i principi, sono incostituzionali. La sovranità cantonale di pianificazione costituisce la regola, le prescrizioni di diritto federale l'eccezione.\n\n**N. 21** Per la pratica è centrale il rapporto con la garanzia della proprietà (art. 26 Cost.). Le misure pianificatorie intervengono regolarmente nei diritti di proprietà privati. Gli interventi devono soddisfare i presupposti generali dell'art. 36 Cost. Il Tribunale federale verifica ciò in prassi costante (**BGE 142 I 162** E. 3).\n\n**N. 22** L'obbligo di coordinamento secondo il cpv. 2 richiede nella pratica forme istituzionalizzate di collaborazione. Conferenze di ordinamento del territorio, convenzioni intercantonali e programmi d'agglomerato sono strumenti collaudati. In progetti transfrontalieri è indispensabile un coordinamento precoce, per evitare successivi conflitti di coordinamento (**BGE 137 II 58** E. 2).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Ripartizione delle competenze tra Confederazione, Cantoni e Comuni\n\n### Ripartizione fondamentale delle competenze\n\n**BGE 142 I 177** del 15 dicembre 2015\nLa ripartizione delle competenze tra Confederazione, Cantoni e Comuni è determinata fondamentalmente dall'art. 75 Cost.\nIl Tribunale federale precisa la ripartizione dei compiti nell'ambito della pianificazione del territorio e stabilisce che i Comuni possono agire autonomamente nell'ambito dei compiti di pianificazione territoriale locali.\n\n> «La riscossione di un contributo sul plusvalore corrisponde a un mandato legislativo previsto dalla legislazione federale (art. 5 cpv. 1 LPT) e dalla costituzione cantonale (§ 116 cpv. 4 Cost./BL) rivolto al legislativo cantonale [...]. Fintanto che il Cantone non fa uso della sua competenza di riscuotere un contributo sul plusvalore, non si può impedire ai Comuni di assumere questo compito in propria competenza, poiché è strettamente legato alla pianificazione locale che spetta loro.»\n\n### Obbligo di coordinamento della Confederazione\n\n**BGE 137 II 58** del 3 dicembre 2010\nL'obbligo di coordinamento secondo l'art. 75 cpv. 2 Cost. richiede una pianificazione coordinata tra tutti i livelli statali.\nDeterminante è la mancanza di coordinamento tra il regolamento d'esercizio e la procedura del piano settoriale per l'aeroporto di Zurigo.\n\n> «L'autorizzazione di modifiche operative e costruttive dell'aeroporto con effetti considerevoli su territorio e ambiente secondo gli art. 36c cpv. 2 e 37 cpv. 5 LNA presuppone in linea di principio l'esistenza di un piano settoriale. Ciò corrisponde alla regolamentazione in altre leggi federali e serve al coordinamento delle attività con effetti territoriali.»\n\n## Principio di separazione e conformità alle zone\n\n### Separazione tra zone edificabili e non edificabili\n\n**BGE 147 II 309** del 28 aprile 2021\nIl principio costituzionale di separazione secondo l'art. 75 cpv. 1 Cost. esige una separazione chiara tra zona edificabile e zona non edificabile.\nLa sentenza tratta il ripristino dello stato legale in caso di costruzioni illegali fuori della zona edificabile.\n\n> «Un termine di prescrizione di 30 anni fuori della zona edificabile metterebbe in discussione in particolare il principio costituzionale di separazione (art. 75 cpv. 1 Cost.) e l'applicazione uniforme del diritto federale. La situazione di fatto, di diritto e di interessi fuori della zona edificabile si differenzia così fortemente da quella all'interno della zona edificabile che si impone una regolamentazione differenziata.»\n\n**BGE 145 I 156** del 31 ottobre 2018\nLa conformità alle zone richiede una considerazione basata sugli effetti delle ripercussioni delle costruzioni sulle zone vicine.\nEra controversa una distanza dal confine tra zona edificabile e zona agricola.\n\n> «Partendo da una considerazione basata sugli effetti, si deve anche fare riferimento alle conseguenze legate a una costruzione o impianto sull'ambiente circostante. Se sono probabili ripercussioni sulla zona vicina, si deve verificare anche la conformità del progetto con quest'ultima. Una costruzione residenziale direttamente sul confine con la zona agricola vicina non è conforme alla zona.»\n\n## Pianificazione del territorio e libertà economica\n\n**BGE 142 I 162** del 9 novembre 2016\nLe misure pianificatorie devono essere compatibili con la libertà economica.\nLa sentenza concerne l'ammissibilità di una zona turistica e la sua compatibilità con gli art. 27 e 94 Cost.\n\n> «Il Tribunale federale ha dovuto occuparsi per decenni ripetutamente della compatibilità delle misure pianificatorie con la libertà economica [...]. Le misure pianificatorie possono in linea di principio interferire con la libertà economica. Sono tuttavia ammissibili se si basano su una base legale sufficiente, sono nell'interesse pubblico, sono proporzionate e rispettano l'uguaglianza giuridica.»\n\n## Diritto di ricorso delle associazioni nelle procedure di pianificazione territoriale\n\n**BGE 139 II 271** del 21 febbraio 2013\nIl diritto di ricorso delle associazioni nelle procedure di pianificazione territoriale presuppone un compito federale.\nDeterminante era la legittimazione al ricorso delle associazioni per la protezione della natura e del paesaggio contro le costruzioni di abitazioni secondarie.\n\n> «Il plafond delle abitazioni secondarie secondo l'art. 75b Cost. costituisce un compito federale che serve alla protezione della natura e dell'immagine del paesaggio patrio. Le autorizzazioni edilizie possono pertanto essere impugnate con ricorso secondo l'art. 12 LPN per violazione dell'art. 75b Cost. e delle sue disposizioni transitorie ed esecutive.»\n\n**BGE 142 II 509** del 26 ottobre 2016\nLe nuove zonizzazioni secondo la LPT riveduta fondano il diritto di ricorso delle associazioni.\nLa sentenza chiarisce il diritto di ricorso in caso di zonizzazioni secondo l'art. 15 LPT.\n\n> «Le nuove zonizzazioni che si basano sull'art. 15 della LPT riveduta (nella versione del 15 giugno 2012) sono da qualificare come compito federale ai sensi dell'art. 78 cpv. 2 Cost. I Cantoni devono tener conto delle preoccupazioni della protezione della natura e del paesaggio nell'esecuzione delle prescrizioni del diritto federale sull'utilizzazione parsimoniosa del suolo.»\n\n## Pianificazione del territorio e diritto dell'energia\n\n**BGE 149 I 291** del 3 maggio 2023\nLe iniziative energetiche comunali devono essere compatibili con i principi pianificatori.\nLa sentenza tratta un'iniziativa popolare per il passaggio alle energie rinnovabili.\n\n> «L'obiettivo dell'iniziativa può essere inteso come un passo verso uno sviluppo ecologicamente sostenibile (art. 73 Cost.). In linea di principio, né la garanzia della proprietà né la garanzia dell'esistenza acquisita in materia edilizia conferiscono un diritto al mantenimento di un ordinamento giuridico una volta in vigore.»\n\n## Coordinamento nelle procedure complesse di pianificazione territoriale\n\n**BGE 135 II 22** del 19 dicembre 2008\nLe decisioni sui ricorsi devono essere coordinate con le decisioni di approvazione.\nLa sentenza concerne il coordinamento tra procedure cantonali di approvazione e ricorsi.\n\n> «Il Tribunale federale entra nel merito dei ricorsi contro modifiche dei piani di utilizzazione in linea di principio solo se le modifiche interessate dei piani di utilizzazione sono state approvate dall'autorità cantonale competente. Il necessario coordinamento della decisione sul ricorso con la decisione di approvazione richiede un trattamento coordinato.»\n\n**BGE 135 II 30** del 19 dicembre 2008\nLe decisioni preliminari edilizie non sono decisioni impugnabili.\nLa sentenza chiarisce la delimitazione tra chiarimenti preliminari e decisioni definitive.\n\n> «Indicazioni generali e raccomandazioni delle autorità per il rilascio di licenze edilizie non costituiscono una decisione ai sensi dell'art. 82 lett. a LTF. Non comportano conseguenze giuridiche immediate e pertanto non sono impugnabili autonomamente.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 75 Const. governs spatial planning in Switzerland. This provision allocates tasks between the Confederation and the cantons. The Confederation establishes the basic rules according to Art. 1 SPA. The cantons carry out the actual planning and create structure plans according to Art. 6 ff. SPA. The municipalities provide for zoning plans according to Art. 14 ff. SPA, which regulate where building is permitted.\n\nThe main objective of spatial planning is economical use of land. Land should be used appropriately — that is, each zone has a specific purpose. Residential zones are for houses, agricultural zones for farms. The Federal Court has described this principle of separation between building zones and non-building zones as constitutionally binding in BGE 147 II 309.\n\nA concrete example: A family wants to build a house. They can only do this in the building zone, not in a field or forest. The municipal council examines whether the planned house fits the zone. In doing so, it must observe the cantonal structure plans and the Federal Act on Spatial Planning.\n\nThe Confederation additionally has coordination tasks. According to Art. 75 para. 2 Const., it ensures that cantonal planning is coordinated. This occurs primarily through the approval of cantonal structure plans according to Art. 11 SPA. The Federal Office for Spatial Development supports the cantons with specialist advice and financial assistance.\n\nAll authorities — including those outside spatial planning — must consider spatial planning requirements in their decisions. If they build a road, for example, they must examine how this affects settlement development. This duty to consider follows from Art. 75 para. 3 Const.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The idea of federal spatial planning dates far back. Already in 1933, Armin Meili called for systematic land use planning that would divide Switzerland's territory into agricultural, industrial and residential zones (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 1). This early vision of orderly land use was intended to combine economic development with soil protection.\n\n**N. 2** The path to today's constitutional foundation was long. In 1964, the Bernese constitutional law scholar Hans Huber set out in a seminal legal opinion that an additional constitutional basis was needed for federal agricultural zoning (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 3). This insight formed an important cornerstone for the subsequent constitutional revision.\n\n**N. 3** The constitutional basis for spatial planning was finally adopted by the people and all cantons on 14 September 1969 (BBl 1967 I 134; BBl 1969 II 1261). The new Art. 22quater of the old Constitution enshrined the Confederation's framework legislative competence while preserving cantonal planning sovereignty. The dispatch emphasized the necessity of coordinated spatial planning in view of increasing urban sprawl and rising land demand (BBl 1967 I 142).\n\n**N. 4** During the total revision of the Federal Constitution, Art. 22quater of the old Constitution was transferred practically unchanged to Art. 75 of the new Constitution. The editorial adaptations primarily concerned terminology: instead of «orderly settlement», the new version speaks of «orderly settlement of the country» (BBl 1997 I 336). The material division of competences remained unchanged.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 5** Art. 75 FC is placed in the 3rd section («Environment and Spatial Planning») of the 4th chapter. This systematic position underscores the close connection between spatial planning and environmental protection. The proximity to Art. 73 FC (sustainability) and Art. 74 FC (environmental protection) is programmatic: spatial planning is an instrument of sustainable development.\n\n**N. 6** The provision establishes a constitutional division of competences with three elements: framework legislation by the Confederation (para. 1), coordination duty (para. 2) and general consideration duty (para. 3). This tripartite structure reflects the federalist balance between federal framework regulation and cantonal implementation sovereignty.\n\n**N. 7** In relation to other constitutional provisions, Art. 75 FC functions as a bridging norm. The connections are manifold: → Art. 2 para. 2 FC (sustainable development as state objective), → Art. 26 FC (guarantee of property as limit to planning), ↔ Art. 73 FC (sustainability), ↔ Art. 74 FC (environmental protection), → Art. 108 FC (housing construction and home ownership promotion).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Framework Legislative Competence (Para. 1)\n\n**N. 8** The term «principles» limits federal competences. According to doctrine, this is a restricted federal competence that only allows the establishment of framework provisions (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 25-28; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, Vorbem. N. 15). The Confederation may not regulate the entire matter, but must leave substantial room for manoeuvre to the cantons.\n\n**N. 9** The «appropriate and economical use of land» constitutes the central planning objective. Appropriateness requires functionally sensible land use that coordinates various needs. Economical means sparing and sustainable — land as a non-renewable resource must be used optimally (Ruch/Griffel, Raumplanungsrecht in der Krise, p. 23).\n\n**N. 10** «Orderly settlement of the country» aims at planned settlement development. The core is the separation principle between building zones and non-building areas, as emphasized by the Federal Supreme Court in constant case law (**BGE 147 II 309** E. 4.2; **BGE 145 I 156** E. 3.1). This principle has constitutional rank and binds all planning authorities.\n\n### 3.2 Promotion and Coordination Duty (Para. 2)\n\n**N. 11** The promotion duty obliges the Confederation to actively support cantonal planning efforts. According to doctrine, instruments include in particular financial assistance, pilot projects and technical advice (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 35-36). The ARE (Federal Office for Spatial Development) performs this task operationally.\n\n**N. 12** The coordination duty goes further: the Confederation must coordinate cantonal planning with each other. This occurs primarily through the approval of cantonal structure plans according to Art. 11 SPA. The Federal Supreme Court has repeatedly described this coordination function as central (**BGE 137 II 58** E. 2.3).\n\n### 3.3 Consideration Duty (Para. 3)\n\n**N. 13** Para. 3 establishes a general consideration duty for all state actors. According to prevailing doctrine, this is an optimization duty: spatial planning requirements must be incorporated and weighed in all state activities (Griffel, BSK BV, Art. 75 N. 37; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, § 58 N. 12).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** The primary legal consequence is the Confederation's obligation to enact framework legislation. The Confederation has fulfilled this obligation with the SPA of 22 June 1979. The SPA concretizes the constitutional requirements and creates the binding framework for cantonal planning.\n\n**N. 15** For the cantons, the planning duty follows from para. 1. They must create structure plans (Art. 6 ff. SPA) and provide for land use planning (Art. 14 ff. SPA). This duty is justiciable — municipalities can judicially enforce the creation of land use plans.\n\n**N. 16** The consideration duty according to para. 3 does not generate direct subjective rights. It operates as an interpretative maxim and weighing directive for all spatially relevant decisions. Its violation can be challenged in the context of reviewing discretionary decisions.\n\n## 5. Disputed Issues\n\n**N. 17** The scope of framework legislative competence is disputed. Part of the doctrine advocates for a restrictive interpretation that takes federalism into account (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1042). Other authors favour a dynamic interpretation in view of new challenges such as climate change and densification (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 75 N. 15).\n\n**N. 18** The direct applicability of Art. 75 para. 1 FC is controversially discussed. While Ruch/Griffel affirm an immediate binding effect of the separation principle (Raumplanungsrecht in der Krise, p. 45), the opposing view denies justiciable individual rights from the constitutional provision (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3421).\n\n**N. 19** The scope of the consideration duty is also disputed. Mahaim advocates a broad interpretation that covers all state levels and administrative areas (Le principe de durabilité et l'aménagement du territoire, p. 234). In contrast, Tschannen limits the duty to explicitly spatially effective activities (Der Richtplan und die Abstimmung raumwirksamer Aufgaben, p. 89).\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 20** In applying Art. 75 FC, the federalist division of competences must be strictly observed. Federal detailed regulations that go beyond principles are unconstitutional. Cantonal planning sovereignty forms the rule, federal requirements the exception.\n\n**N. 21** Central to practice is the relationship to the guarantee of property (Art. 26 FC). Spatial planning measures regularly interfere with private property rights. The interferences must meet the general requirements of Art. 36 FC. The Federal Supreme Court examines this in constant practice (**BGE 142 I 162** E. 3).\n\n**N. 22** The coordination duty according to para. 2 requires institutionalized forms of cooperation in practice. Spatial planning conferences, intercantonal agreements and agglomeration programmes are proven instruments. For cross-border projects, early coordination is essential to avoid later coordination conflicts (**BGE 137 II 58** E. 2).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Division of Powers between the Confederation, Cantons and Municipalities\n\n### Basic Distribution of Powers\n\n**BGE 142 I 177** of 15 December 2015\nThe distribution of powers between the Confederation, cantons and municipalities is fundamentally determined by Art. 75 FC.\nThe Federal Supreme Court specifies the division of tasks in the field of spatial planning and finds that municipalities can act autonomously in local spatial planning tasks.\n\n> «The collection of a value-added levy corresponds to a legislative mandate to the cantonal legislature provided for by federal legislation (Art. 5 para. 1 SPA) and the cantonal constitution (§ 116 para. 4 KV/BL) [...]. As long as the canton does not exercise its competence to collect a value-added levy, municipalities cannot be prevented from performing this task within their own competence, because it is closely linked to the local planning incumbent upon them.»\n\n### Coordination Requirement of the Confederation\n\n**BGE 137 II 58** of 3 December 2010\nThe coordination requirement pursuant to Art. 75 para. 2 FC requires coordinated planning between all levels of government.\nThe decisive factor is the lack of coordination between operating regulations and sectoral planning procedures for Zurich Airport.\n\n> «The authorization of operational and construction changes to the airport with significant impact on space and environment pursuant to Art. 36c para. 2 and Art. 37 para. 5 ALA generally requires the existence of a sectoral plan. This corresponds to the regulation in other federal acts and serves the coordination of spatially relevant activities.»\n\n## Separation Principle and Zone Conformity\n\n### Separation of Building and Non-Building Areas\n\n**BGE 147 II 309** of 28 April 2021\nThe constitutional separation principle pursuant to Art. 75 para. 1 FC requires a clear separation between building areas and non-building areas.\nThe judgment deals with the restoration of the lawful state in case of illegal constructions outside the building zone.\n\n> «A 30-year limitation period outside the building zone would in particular call into question the constitutional separation principle (Art. 75 para. 1 FC) and the uniform application of federal law. The factual, legal and interests situation outside the building zone differs so greatly from that within the building zone that a different regulation is imperative.»\n\n**BGE 145 I 156** of 31 October 2018\nZone conformity requires an effect-based consideration of the impacts of buildings on neighbouring zones.\nA border distance between building and agricultural zones was in dispute.\n\n> «Based on an effect-based approach, the consequences associated with a building or installation on the environment must also be considered. If impacts on the neighbouring zone are likely, compliance of the project with this zone must also be examined. A residential building directly on the border to the neighbouring agricultural zone is not zone-conforming.»\n\n## Spatial Planning and Economic Freedom\n\n**BGE 142 I 162** of 9 November 2016\nSpatial planning measures must be compatible with economic freedom.\nThe judgment concerns the permissibility of a tourism zone and its compatibility with Art. 27 and 94 FC.\n\n> «The Federal Supreme Court had dealt repeatedly for decades with the compatibility of spatial planning measures with economic freedom [...]. Spatial planning measures can in principle interfere with economic freedom. However, they are permissible if they are based on a sufficient legal basis, serve the public interest, are proportionate and respect the principle of equality.»\n\n## Association Appeal Rights in Spatial Planning Procedures\n\n**BGE 139 II 271** of 21 February 2013\nThe right of associations to appeal in spatial planning procedures presupposes a federal task.\nThe decisive factor was the standing of nature and heritage protection associations to appeal against second home construction.\n\n> «The capping of second home construction pursuant to Art. 75b FC constitutes a federal task that serves to protect nature and the homeland landscape. Building permits can therefore be challenged by appeal pursuant to Art. 12 NHA for violation of Art. 75b FC and its transitional and implementing provisions.»\n\n**BGE 142 II 509** of 26 October 2016\nNew zoning under the revised SPA establishes association appeal rights.\nThe judgment clarifies the right of appeal for zoning pursuant to Art. 15 SPA.\n\n> «New zoning based on Art. 15 of the revised SPA (in the version of 15 June 2012) is to be qualified as a federal task within the meaning of Art. 78 para. 2 FC. When implementing the federal requirements for economical land use, the cantons must take into account the concerns of nature and heritage protection.»\n\n## Spatial Planning and Energy Law\n\n**BGE 149 I 291** of 3 May 2023\nMunicipal energy initiatives must be compatible with spatial planning principles.\nThe judgment deals with a popular initiative for conversion to renewable energies.\n\n> «The objective of the initiative can be understood as a step towards ecologically sustainable development (Art. 73 FC). In principle, neither the guarantee of property rights nor the building law guarantee of existing rights provides a claim to maintain a legal order once in force.»\n\n## Coordination in Complex Spatial Planning Procedures\n\n**BGE 135 II 22** of 19 December 2008\nLegal remedy decisions must be coordinated with approval decisions.\nThe judgment concerns the coordination between cantonal approval procedures and appeals.\n\n> «The Federal Supreme Court generally only considers appeals against changes to use plans if the affected changes to use plans have been approved by the competent cantonal authority. The necessary coordination of the legal remedy decision with the approval decision requires coordinated treatment.»\n\n**BGE 135 II 30** of 19 December 2008\nBuilding law preliminary decisions are not challengeable rulings.\nThe judgment clarifies the distinction between preliminary clarifications and definitive decisions.\n\n> «General indications and recommendations from building permit authorities do not constitute a decision within the meaning of Art. 82 lit. a FSCA. They do not produce immediate legal effects and are therefore not independently challengeable.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_75", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 75, "article_suffix": "a", "title": "Vermessung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 75a BV regelt die staatliche Vermessung der Schweiz auf drei Ebenen. Die Bestimmung schafft die verfassungsrechtlichen Grundlagen für ein einheitliches System zur Erfassung und Verwaltung raumbezogener Daten (Geodaten).\n\n**Landesvermessung (Absatz 1)**: Der Bund führt die Landesvermessung durch (BBl 1997 I 1, 282). Diese schafft das geodätische Grundgerüst für die gesamte Schweiz — wie ein unsichtbares Koordinatennetz, das jeder Punkt im Land präzise bestimmt (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5). Dazu gehören Vermessungspunkte, Satellitenpositionierungsdienste und die nationale Landeskarte. Das Bundesgesetz über Geoinformation (GeoIG) und die Landesvermessungsverordnung (LVV) setzen diese Kompetenz um.\n\n**Amtliche Vermessung (Absatz 2)**: Der Bund regelt die amtliche Vermessung, die Kantone führen sie durch (Art. 34 GeoIG). Diese dokumentiert jeden Quadratmeter Schweizer Boden: Grundstücksgrenzen, Gebäude, Strassen, Gewässer (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8). Ein Beispiel: Kauft jemand ein Haus, zeigt die amtliche Vermessung exakt, wo das Grundstück beginnt und endet. Die rechtskräftige Vermessung geniesst öffentlichen Glauben — sie gilt als richtig, bis das Gegenteil bewiesen wird (Art. 9 GeoIG; VGE BE 100.2024.34U vom 31.10.2024). Die Verordnung über die amtliche Vermessung (VAV) konkretisiert die Durchführung.\n\n**Harmonisierung (Absatz 3)**: Der Bund kann Vorschriften über die Harmonisierung amtlicher Informationen über Grund und Boden erlassen (BBl 2006 7817, 7825 ff.). Diese 2008 eingeführte Kompetenz ermöglicht einheitliche Standards für alle Geodaten der Behörden. Die Reichweite ist in der Rechtslehre umstritten: Lendi sieht eine umfassende Bundeskompetenz (BSK BV, Art. 75a N. 20), während Biaggini eine gegenständlich begrenzte Kompetenz annimmt (BSK BV, Art. 75a N. 6).\n\n**Praktische Bedeutung**: Die Vermessungsordnung prägt den Alltag massgeblich. Grundbucheinträge, Baubewilligungen, Steuerbemessungen — alle basieren auf der amtlichen Vermessung (Huser, Vermessungsrecht, 34 ff.). Bei Grenzstreitigkeiten entscheidet meist die Vermessung. Kosten der Vermessung tragen teilweise die Grundeigentümer (Art. 42 Abs. 3 VAV), bei Erstvermessungen regelmässig mit einem Beitrag.\n\nDie Rechtsprechung befasst sich hauptsächlich mit Vergabeverfahren für Nachführungsarbeiten (Submissionsrecht) und der Behebung von Vermessungsfehlern. Das Verwaltungsgericht Bern bestätigte wiederholt, dass die Vergabe von Nachführungsgeometerarbeiten dem öffentlichen Beschaffungsrecht untersteht (VGE BE 100.2024.38U vom 31.10.2024).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 75a BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 neu geschaffen. Die Bestimmung fasst die zuvor verstreuten verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Landesvermessung und die amtliche Vermessung in einem Artikel zusammen (BBl 1997 I 1, 282).\n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision vom 3. Oktober 2003 (in Kraft seit 1. Januar 2008) ergänzte Art. 75a BV um Absatz 3, welcher dem Bund eine Kompetenz zur Harmonisierung amtlicher Informationen über Grund und Boden verleiht. Diese Ergänzung erfolgte im Zuge der Schaffung des Bundesgesetzes über Geoinformation (GeoIG), welches die rechtlichen Grundlagen für ein modernes Geoinformationssystem schuf (BBl 2006 7817, 7825 ff.).\n\n**N. 3** Die Entstehung der Harmonisierungskompetenz (Abs. 3) war von Diskussionen über deren Reichweite geprägt. Der Gesetzgeber wollte eine einheitliche rechtliche Grundlage für die Erfassung, Verwaltung und Nutzung von Geodaten schaffen, ohne jedoch die kantonalen Kompetenzen übermässig zu beschneiden (BBl 2006 7817, 7832).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 75a BV ist systematisch in Abschnitt 4 «Umwelt und Raumplanung» eingeordnet, was seine Bedeutung für die räumliche Ordnung unterstreicht (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 4). Die Norm steht zwischen den Raumplanungskompetenzen (Art. 75 BV) und den Umweltschutzkompetenzen (Art. 74 BV), was ihre Querschnittsfunktion verdeutlicht.\n\n**N. 5** Die Bestimmung weist enge Bezüge zu folgenden Verfassungsnormen auf:\n- → Art. 122 BV (Zivilrecht): Das Grundbuchwesen basiert auf der amtlichen Vermessung\n- → Art. 45 Abs. 2 BV (Zusammenarbeit): Kantone sind zur Zusammenarbeit bei der Harmonisierung verpflichtet\n- → Art. 49 BV (Vorrang des Bundesrechts): Bundesrechtliche Harmonisierungsvorschriften gehen kantonalem Recht vor\n- ↔ Art. 3 BV (Föderalismus): Die Durchführung der Vermessung verbleibt bei den Kantonen\n\n**N. 6** Auf Gesetzesstufe konkretisieren folgende Erlasse Art. 75a BV:\n- Bundesgesetz über Geoinformation (GeoIG, SR 510.62)\n- Verordnung über die amtliche Vermessung (VAV, SR 211.432.2)\n- Verordnung über die Landesvermessung (LVV, SR 510.626)\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Landesvermessung (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Landesvermessung umfasst die geodätischen Grundlagen für die Positionsbestimmung auf dem gesamten Gebiet der Schweiz. Sie schafft das einheitliche Bezugssystem für alle raumbezogenen Daten (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5; Huser, Vermessungsrecht, 34 ff.).\n\n**N. 8** Der Begriff «Landesvermessung» umfasst:\n- Fixpunktnetze für Lage und Höhe\n- Satellitenpositionierungsdienste (GNSS)\n- Schwerekarten und Geoidmodelle\n- Kartographische Landesaufnahmen\n\n### 3.2 Amtliche Vermessung (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die amtliche Vermessung (Grundbuchvermessung) dokumentiert die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse der Grundstücke. Sie bildet die technische Grundlage für das Grundbuch gemäss Art. 950 ZGB (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8).\n\n**N. 10** Inhalt der amtlichen Vermessung:\n- Grundstücksgrenzen und deren Vermarkung\n- Bodenbedeckung (Gebäude, Strassen, Gewässer)\n- Einzelobjekte (Mauern, Treppen, unterirdische Leitungen)\n- Nomenklatur (Orts-, Flur- und Strassennamen)\n- Administrative Einteilungen\n\n### 3.3 Harmonisierung der Geoinformation (Abs. 3)\n\n**N. 11** Die Harmonisierungskompetenz nach Abs. 3 ermächtigt den Bund, Vorschriften über die «Harmonisierung amtlicher Informationen über Grund und Boden» zu erlassen.\n\n**N. 12** Der Begriff «amtliche Informationen über Grund und Boden» ist weit zu verstehen und umfasst alle raumbezogenen Daten, die von Behörden erhoben oder verwaltet werden (Huser, AJP 2010, 147).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Aus Art. 75a BV ergeben sich folgende verfassungsrechtliche Kompetenzen:\n\n**N. 14** **Umfassende Bundeskompetenz** für Landesvermessung (Abs. 1): Der Bund kann die Landesvermessung vollständig regeln und selbst durchführen. Die Kantone haben keine eigenen Kompetenzen in diesem Bereich.\n\n**N. 15** **Geteilte Kompetenz** für amtliche Vermessung (Abs. 2): Der Bund erlässt die Vorschriften (Art. 22-26 GeoIG), die Kantone führen die Vermessung durch (Art. 34 Abs. 2 GeoIG). Diese Aufgabenteilung ist verfassungsrechtlich vorgegeben.\n\n**N. 16** **Harmonisierungskompetenz** (Abs. 3): Der Bund kann einheitliche Standards für Geodaten vorschreiben. Die Reichweite dieser Kompetenz ist umstritten (siehe N. 17-19).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die **Reichweite der Harmonisierungskompetenz** nach Art. 75a Abs. 3 BV ist in der Doktrin umstritten:\n\n**N. 18** **Lendi** (BSK BV, Art. 75a N. 20) vertritt eine extensive Auslegung: Er leitet aus Art. 75a Abs. 3 eine umfassende Bundeskompetenz mit nachträglich derogatorischer Wirkung ab. Nach seiner Auffassung wollte der Verfassungsgeber ausdrücklich keine blosse Grundsatzgesetzgebungskompetenz schaffen.\n\n**N. 19** **Biaggini** (BSK BV, Art. 75a N. 6) nimmt eine restriktivere Position ein: Er qualifiziert Art. 75a Abs. 3 als gegenständlich begrenzte Gesetzgebungskompetenz, die nicht über die Harmonisierung technischer Standards hinausgeht.\n\n**N. 20** **Ruch** (BSK BV, Art. 75a N. 18) vermittelt zwischen beiden Positionen: Er betont, dass der Bund jedenfalls dann zur Gesetzgebung verpflichtet ist, wenn die korrekte Wiedergabe der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse in den amtlichen Katastern nur durch gemeinsame qualitative und technische Standards erreicht werden kann.\n\n**N. 21** Die **Gesetzgebungspflicht des Bundes** wird unterschiedlich beurteilt: Während Ruch eine Pflicht zur Harmonisierung bei Bedarf gemeinsamer Standards annimmt, sehen andere Autoren lediglich eine Kann-Vorschrift (Kettiger, Jusletter 2008, Rz. 15).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 22** Bei der **Vergabe von Nachführungsarbeiten** müssen die Kantone das Submissionsrecht beachten. Das Verwaltungsgericht Bern hat wiederholt bestätigt, dass Nachführungsgeometerarbeiten dem öffentlichen Beschaffungsrecht unterstehen (VGE BE 100.2024.34U vom 31.10.2024).\n\n**N. 23** Die **Kostenverteilung** zwischen Bund, Kantonen und Grundeigentümern richtet sich nach Art. 38 ff. VAV. Bei Erstvermessungen tragen die Grundeigentümer regelmässig einen Teil der Kosten (Art. 42 Abs. 3 VAV).\n\n**N. 24** **Datenschutz und Öffentlichkeitsprinzip**: Geodaten der amtlichen Vermessung sind grundsätzlich öffentlich zugänglich (Art. 11 GeoIG). Personenbezogene Daten unterliegen jedoch dem Datenschutz (Kettiger/Oesch, Auswirkungen, 45 ff.).\n\n**N. 25** **Interkantonale Zusammenarbeit**: Bei kantonsübergreifenden Projekten ist die Harmonisierung zwingend. Die Kantone haben entsprechende Konkordate abgeschlossen oder nutzen die Mechanismen des GeoIG (Art. 31 GeoIG).\n\n**N. 26** **Verhältnis zum Grundbuch**: Die amtliche Vermessung bildet die technische Grundlage des Grundbuchs. Widersprüche zwischen Vermessung und Grundbuch sind im Bereinigungsverfahren nach Art. 40 VAV zu klären (Huser, ZBGR 2002, 78).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Verfassungsgrundlage und Vollzugsübertragung\n\n**Entscheid Verwaltungsgericht St. Gallen B 2020/95 vom 10. Februar 2021**\nGrundlagen der bundesrechtlichen Vermessungsregelung und Adressierungssystem.\nBestätigung der verfassungsmässigen Kompetenzordnung gemäss Art. 75a Abs. 2 und 3 BV.\n\n> «Der Bundesrat schreibt gestützt auf Art. 75a Abs. 2 und 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie Art. 7 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über Geoinformation die Durchführung der amtlichen Vermessung vor.»\n\n## Vergabe von Nachführungsgeometerarbeiten\n\n**Urteil Verwaltungsgericht Bern 100.2024.34U vom 31. Oktober 2024**\nRechtliche Grundlagen der Vergabe von Nachführungsverträgen; Anwendung des Binnenmarktgesetzes.\nZentrale Präzisierung der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Vermessungswesen.\n\n> «Gemäss Art. 75a Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) regelt der Bund die amtliche Vermessung (vgl. auch Art. 34 des Bundesgesetzes vom 5. Oktober 2007 über Geoinformation zur Aufgabenteilung zwischen Bund und Kanton). Die Durchführung der amtlichen Vermessung hat der Bund den Kantonen übertragen (Art. 34 Abs. 2 Bst. a GeoIG).»\n\n**Urteil Bundesgericht 2C_143/2024 vom 14. März 2024**\nVerfahrensrechtliche Aspekte bei Einsprachen gegen Vermessungswerke.\nBedeutung der Beschwerdefristen im verwaltungsrechtlichen Verfahren bei amtlicher Vermessung.\n\n> «Die Beschwerde gegen einen Entscheid ist innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht einzureichen (Art. 100 Abs. 1 BGG). Diese gesetzliche Frist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG).»\n\n**Entscheid Kantonsgericht Basel-Landschaft 810 16 4 vom 9. März 2016**\nSubmissionsrechtliche Behandlung von Nachführungsverträgen.\nKlärung der Zuständigkeit und rechtlichen Einordnung der Vergabeverfahren.\n\n> «Frage der Unterstellung der Vergabe eines Auftrags zur laufenden Nachführung der amtlichen Vermessung unter das Submissionsrecht stellt sich bei der Übertragung hoheitlicher Aufgaben an Private.»\n\n**Urteil Verwaltungsgericht Bern 100.2013.54 vom 24. Oktober 2014**\nVergabe von Nachführungsgeometerarbeiten 2013-2017; Grundsätze des Vergabeverfahrens.\nErstmalige umfassende Behandlung der verfahrensrechtlichen Anforderungen bei Vergabe von Vermessungsaufträgen.\n\n> «Das Verwaltungsgericht beurteilt als letzte kantonale Instanz Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide, die sich auf öffentliches Recht stützen, einschliesslich der Vergabe von Nachführungsgeometerarbeiten.»\n\n## Grundbuchrechtliche Aspekte\n\n**Entscheid Obergericht Aargau AGVE_2001_5 vom 26. Februar 2001**\nVerhältnis zwischen amtlicher Vermessung und Grundbuch; rechtskräftige Vermessung.\nZentrale Bedeutung der amtlichen Vermessung für das Grundbuchwesen.\n\n> «Die rechtskräftige Vermessung erbringt für die dargestellten Grundstücke öffentlichen Glauben in dem Sinne, dass sie als richtig gilt, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist (Art. 950 und Art. 9 ZGB).»\n\n## Kostentragung\n\n**Entscheidungen Verwaltungsgericht Graubünden U 2021/4, U 2019/62, U 2024/31-34**\nSerie von Entscheiden zur Kostentragung bei amtlicher Vermessung.\nKlärung der finanziellen Verantwortlichkeiten zwischen verschiedenen Beteiligten.\n\n**Bundesgerichtsentscheid über Mehrwertsteuer 2C_984/2014 vom 26. Mai 2016**\nUmsatzdifferenzen betreffend amtliche Vermessung; steuerrechtliche Behandlung von Vermessungsleistungen.\nBedeutung für die Behandlung von Vermessungsdienstleistungen im Steuerrecht.\n\n## Wirtschaftsfreiheit und Diskriminierungsverbot\n\n**Botschaftentscheid ch_vb_150000239 vom 3. August 2011**\nAmtliche Vermessung, Altersgrenze, Diskriminierungsverbot, Wirtschaftsfreiheit.\nVerfassungsrechtliche Grenzen bei der Zulassung zu Vermessungsarbeiten.\n\n> «Stichwörter: Amtliche Vermessung, Altersgrenze, Diskriminierungsverbot, Wirtschaftsfreiheit» zeigen die Verbindung zwischen Art. 75a BV und den Grundrechten auf.\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n**Urteil Bundesgericht 1C_664/2024 vom 6. September 2025**\nBehebung von Widersprüchen der amtlichen Vermessung.\nAktuelle Rechtsprechung zu Korrekturverfahren bei Vermessungsfehlern.\n\n**Serie Verwaltungsgericht Bern 100.2024.217 bis 100.2024.233 (2024-2025)**\nMehrere parallele Verfahren betreffend Vergabe von Nachführungsgeometerarbeiten im Kanton Bern.\nZeigen die praktische Bedeutung und Häufigkeit von Streitigkeiten bei der Vergabe von Vermessungsaufträgen.\n\n> «Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG)» bei der Vergabe von Nachführungsgeometerarbeiten.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 75a Cst. règle la mensuration officielle de la Suisse sur trois niveaux. Cette disposition crée les bases constitutionnelles d'un système uniforme de saisie et de gestion des données géoréférencées (géodonnées).\n\n**Mensuration nationale (alinéa 1)** : La Confédération procède à la mensuration nationale (FF 1997 I 1, 282). Celle-ci crée l'ossature géodésique pour toute la Suisse — comme un réseau de coordonnées invisible qui détermine avec précision chaque point du pays (Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 75a n. 5). En font partie les points de mensuration, les services de positionnement par satellite et la carte nationale. La loi fédérale sur la géoinformation (LGéo) et l'ordonnance sur la mensuration nationale (OMN) mettent en œuvre cette compétence.\n\n**Mensuration officielle (alinéa 2)** : La Confédération règle la mensuration officielle, les cantons l'exécutent (art. 34 LGéo). Celle-ci documente chaque mètre carré du sol suisse : limites des biens-fonds, bâtiments, routes, cours d'eau (Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 75a n. 8). Un exemple : si quelqu'un achète une maison, la mensuration officielle montre exactement où commence et finit le bien-fonds. La mensuration ayant force légale jouit de la foi publique — elle est considérée comme exacte jusqu'à preuve du contraire (art. 9 LGéo ; VGE BE 100.2024.34U du 31.10.2024). L'ordonnance sur la mensuration officielle (OMO) concrétise l'exécution.\n\n**Harmonisation (alinéa 3)** : La Confédération peut édicter des prescriptions sur l'harmonisation d'informations officielles concernant le sol et le terrain (FF 2006 7817, 7825 ss). Cette compétence introduite en 2008 permet des standards uniformes pour toutes les géodonnées des autorités. La portée est controversée dans la doctrine : Lendi voit une compétence fédérale étendue (BSK BV, art. 75a n. 20), tandis que Biaggini suppose une compétence limitée matériellement (BSK BV, art. 75a n. 6).\n\n**Signification pratique** : Le régime de mensuration marque considérablement le quotidien. Inscriptions au registre foncier, autorisations de construire, évaluations fiscales — tout repose sur la mensuration officielle (Huser, Vermessungsrecht, 34 ss). En cas de litiges sur les limites, c'est généralement la mensuration qui tranche. Les coûts de la mensuration sont en partie supportés par les propriétaires fonciers (art. 42 al. 3 OMO), lors de premières mensurations régulièrement avec une contribution.\n\nLa jurisprudence traite principalement des procédures d'adjudication pour les travaux de mise à jour (droit des marchés publics) et de la correction d'erreurs de mensuration. Le Tribunal administratif de Berne a confirmé à plusieurs reprises que l'adjudication de travaux de géomètre pour la mise à jour est soumise au droit des marchés publics (VGE BE 100.2024.38U du 31.10.2024).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 75a Cst. a été créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition rassemble en un seul article les bases constitutionnelles auparavant dispersées pour la mensuration nationale et la mensuration officielle (FF 1997 I 1, 282).\n\n**N. 2** La révision constitutionnelle du 3 octobre 2003 (en vigueur depuis le 1er janvier 2008) a complété l'art. 75a Cst. par un alinéa 3, qui confère à la Confédération une compétence d'harmonisation des informations officielles concernant le territoire et les immeubles. Cette adjonction a eu lieu dans le cadre de la création de la loi fédérale sur la géoinformation (LGéo), qui a posé les bases juridiques d'un système moderne de géoinformation (FF 2006 7817, 7825 ss).\n\n**N. 3** La création de la compétence d'harmonisation (al. 3) a été marquée par des discussions sur sa portée. Le législateur voulait créer une base juridique uniforme pour la saisie, la gestion et l'utilisation des géodonnées, sans toutefois limiter excessivement les compétences cantonales (FF 2006 7817, 7832).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 75a Cst. est systématiquement classé dans la section 4 « Environnement et aménagement du territoire », ce qui souligne son importance pour l'organisation spatiale (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 4). La norme se situe entre les compétences d'aménagement du territoire (art. 75 Cst.) et les compétences de protection de l'environnement (art. 74 Cst.), ce qui illustre sa fonction transversale.\n\n**N. 5** Cette disposition présente des liens étroits avec les normes constitutionnelles suivantes :\n- → Art. 122 Cst. (droit civil) : Le régime du registre foncier repose sur la mensuration officielle\n- → Art. 45 al. 2 Cst. (collaboration) : Les cantons sont tenus de collaborer à l'harmonisation\n- → Art. 49 Cst. (primauté du droit fédéral) : Les prescriptions fédérales d'harmonisation priment le droit cantonal\n- ↔ Art. 3 Cst. (fédéralisme) : L'exécution de la mensuration demeure du ressort des cantons\n\n**N. 6** Au niveau législatif, les actes suivants concrétisent l'art. 75a Cst. :\n- Loi fédérale sur la géoinformation (LGéo, RS 510.62)\n- Ordonnance sur la mensuration officielle (OMO, RS 211.432.2)\n- Ordonnance sur la mensuration nationale (OMN, RS 510.626)\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Mensuration nationale (al. 1)\n\n**N. 7** La mensuration nationale comprend les bases géodésiques pour la détermination de position sur l'ensemble du territoire suisse. Elle crée le système de référence uniforme pour toutes les données à référence spatiale (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5 ; Huser, Vermessungsrecht, 34 ss).\n\n**N. 8** Le terme « mensuration nationale » comprend :\n- Les réseaux de points fixes pour la position et l'altitude\n- Les services de positionnement par satellite (GNSS)\n- Les cartes gravimétriques et modèles de géoïde\n- Les levés cartographiques nationaux\n\n### 3.2 Mensuration officielle (al. 2)\n\n**N. 9** La mensuration officielle (mensuration du registre foncier) documente les rapports effectifs et juridiques des immeubles. Elle constitue la base technique du registre foncier selon l'art. 950 CC (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8).\n\n**N. 10** Contenu de la mensuration officielle :\n- Les limites des immeubles et leur bornage\n- La couverture du sol (bâtiments, routes, eaux)\n- Les objets isolés (murs, escaliers, canalisations souterraines)\n- La nomenclature (noms de lieux, de lieux-dits et de rues)\n- Les divisions administratives\n\n### 3.3 Harmonisation de la géoinformation (al. 3)\n\n**N. 11** La compétence d'harmonisation selon l'al. 3 habilite la Confédération à édicter des prescriptions sur l'« harmonisation des informations officielles concernant le territoire et les immeubles ».\n\n**N. 12** Le terme « informations officielles concernant le territoire et les immeubles » doit être compris largement et englobe toutes les données à référence spatiale qui sont collectées ou gérées par les autorités (Huser, AJP 2010, 147).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 13** L'art. 75a Cst. fait naître les compétences constitutionnelles suivantes :\n\n**N. 14** **Compétence fédérale complète** pour la mensuration nationale (al. 1) : La Confédération peut régler entièrement la mensuration nationale et l'exécuter elle-même. Les cantons n'ont aucune compétence propre dans ce domaine.\n\n**N. 15** **Compétence partagée** pour la mensuration officielle (al. 2) : La Confédération édicte les prescriptions (art. 22-26 LGéo), les cantons exécutent la mensuration (art. 34 al. 2 LGéo). Cette répartition des tâches est prédéterminée par la Constitution.\n\n**N. 16** **Compétence d'harmonisation** (al. 3) : La Confédération peut prescrire des standards uniformes pour les géodonnées. La portée de cette compétence est controversée (voir N. 17-19).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 17** La **portée de la compétence d'harmonisation** selon l'art. 75a al. 3 Cst. est controversée dans la doctrine :\n\n**N. 18** **Lendi** (BSK BV, Art. 75a N. 20) défend une interprétation extensive : Il déduit de l'art. 75a al. 3 une compétence fédérale complète avec effet dérogatoire ultérieur. Selon sa conception, le constituant n'a expressément pas voulu créer une simple compétence de législation de principe.\n\n**N. 19** **Biaggini** (BSK BV, Art. 75a N. 6) adopte une position plus restrictive : Il qualifie l'art. 75a al. 3 de compétence législative limitée dans son objet, qui ne va pas au-delà de l'harmonisation des standards techniques.\n\n**N. 20** **Ruch** (BSK BV, Art. 75a N. 18) fait la médiation entre les deux positions : Il souligne que la Confédération est en tout cas tenue de légiférer lorsque la reproduction correcte des rapports effectifs et juridiques dans les cadastres officiels ne peut être atteinte que par des standards qualitatifs et techniques communs.\n\n**N. 21** L'**obligation législative de la Confédération** est jugée différemment : Tandis que Ruch admet une obligation d'harmonisation en cas de besoin de standards communs, d'autres auteurs ne voient qu'une prescription facultative (Kettiger, Jusletter 2008, marg. 15).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 22** Lors de l'**attribution de travaux de mise à jour**, les cantons doivent respecter le droit des marchés publics. Le Tribunal administratif de Berne a confirmé à plusieurs reprises que les travaux de géomètre de mise à jour sont soumis au droit des marchés publics (VGE BE 100.2024.34U du 31.10.2024).\n\n**N. 23** La **répartition des coûts** entre la Confédération, les cantons et les propriétaires fonciers se règle selon les art. 38 ss OMO. Lors de premières mensurations, les propriétaires fonciers supportent régulièrement une partie des coûts (art. 42 al. 3 OMO).\n\n**N. 24** **Protection des données et principe de publicité** : Les géodonnées de la mensuration officielle sont en principe accessibles au public (art. 11 LGéo). Les données personnelles sont toutefois soumises à la protection des données (Kettiger/Oesch, Auswirkungen, 45 ss).\n\n**N. 25** **Collaboration intercantonale** : Pour les projets intercantonnaux, l'harmonisation est obligatoire. Les cantons ont conclu des concordats correspondants ou utilisent les mécanismes de la LGéo (art. 31 LGéo).\n\n**N. 26** **Rapport au registre foncier** : La mensuration officielle constitue la base technique du registre foncier. Les contradictions entre mensuration et registre foncier doivent être clarifiées dans la procédure d'épurement selon l'art. 40 OMO (Huser, ZBGR 2002, 78).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Base constitutionnelle et délégation d'exécution\n\n**Décision du Tribunal administratif de Saint-Gall B 2020/95 du 10 février 2021**\nFondements de la réglementation fédérale en matière de mensuration et système d'adressage.\nConfirmation de l'ordre constitutionnel des compétences selon l'art. 75a al. 2 et 3 Cst.\n\n> « Le Conseil fédéral prescrit, en vertu de l'art. 75a al. 2 et 3 de la Constitution fédérale de la Confédération suisse ainsi que de l'art. 7 al. 1 phrase 1 de la loi fédérale sur la géoinformation, l'exécution de la mensuration officielle. »\n\n## Attribution de travaux de géomètres de mise à jour\n\n**Arrêt du Tribunal administratif de Berne 100.2024.34U du 31 octobre 2024**\nBases légales de l'attribution de contrats de mise à jour ; application de la loi sur le marché intérieur.\nPrécision centrale de la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de mensuration.\n\n> « Selon l'art. 75a al. 2 de la Constitution fédérale (Cst. ; RS 101), la Confédération règle la mensuration officielle (cf. également l'art. 34 de la loi fédérale du 5 octobre 2007 sur la géoinformation concernant la répartition des tâches entre la Confédération et le canton). La Confédération a délégué l'exécution de la mensuration officielle aux cantons (art. 34 al. 2 let. a LGéo). »\n\n**Arrêt du Tribunal fédéral 2C_143/2024 du 14 mars 2024**\nAspects procéduraux en cas d'opposition contre des ouvrages de mensuration.\nImportance des délais de recours dans la procédure de droit administratif pour la mensuration officielle.\n\n> « Le recours contre une décision doit être déposé auprès du Tribunal fédéral dans les 30 jours suivant la notification de l'expédition complète (art. 100 al. 1 LTF). Ce délai légal ne peut pas être prolongé (art. 47 al. 1 LTF). »\n\n**Décision du Tribunal cantonal de Bâle-Campagne 810 16 4 du 9 mars 2016**\nTraitement relevant du droit des soumissions de contrats de mise à jour.\nClarification de la compétence et de la qualification juridique des procédures d'attribution.\n\n> « La question de la soumission de l'attribution d'un mandat pour la mise à jour continue de la mensuration officielle au droit des soumissions se pose lors de la délégation de tâches souveraines à des privés. »\n\n**Arrêt du Tribunal administratif de Berne 100.2013.54 du 24 octobre 2014**\nAttribution de travaux de géomètres de mise à jour 2013-2017 ; principes de la procédure d'attribution.\nPremier traitement complet des exigences procédurales lors de l'attribution de mandats de mensuration.\n\n> « Le Tribunal administratif juge en dernière instance cantonale les recours contre les décisions et les arrêts qui se fondent sur le droit public, y compris l'attribution de travaux de géomètres de mise à jour. »\n\n## Aspects relevant du droit du registre foncier\n\n**Décision du Tribunal supérieur d'Argovie AGVE_2001_5 du 26 février 2001**\nRapport entre la mensuration officielle et le registre foncier ; mensuration entrée en force.\nImportance centrale de la mensuration officielle pour le système du registre foncier.\n\n> « La mensuration entrée en force confère aux immeubles représentés la foi publique en ce sens qu'elle est réputée exacte tant que le contraire n'est pas prouvé (art. 950 et art. 9 CC). »\n\n## Prise en charge des coûts\n\n**Décisions du Tribunal administratif des Grisons U 2021/4, U 2019/62, U 2024/31-34**\nSérie de décisions sur la prise en charge des coûts pour la mensuration officielle.\nClarification des responsabilités financières entre les différentes parties concernées.\n\n**Décision du Tribunal fédéral concernant la taxe sur la valeur ajoutée 2C_984/2014 du 26 mai 2016**\nDifférences de chiffre d'affaires concernant la mensuration officielle ; traitement fiscal des prestations de mensuration.\nImportance pour le traitement des services de mensuration en droit fiscal.\n\n## Liberté économique et interdiction de discrimination\n\n**Décision de l'Ambassade ch_vb_150000239 du 3 août 2011**\nMensuration officielle, limite d'âge, interdiction de discrimination, liberté économique.\nLimites constitutionnelles lors de l'admission aux travaux de mensuration.\n\n> « Mots-clés : Mensuration officielle, limite d'âge, interdiction de discrimination, liberté économique » montrent le lien entre l'art. 75a Cst. et les droits fondamentaux.\n\n## Développements récents\n\n**Arrêt du Tribunal fédéral 1C_664/2024 du 6 septembre 2025**\nCorrection de contradictions de la mensuration officielle.\nJurisprudence actuelle sur les procédures de correction en cas d'erreurs de mensuration.\n\n**Série Tribunal administratif de Berne 100.2024.217 à 100.2024.233 (2024-2025)**\nPlusieurs procédures parallèles concernant l'attribution de travaux de géomètres de mise à jour dans le canton de Berne.\nMontrent l'importance pratique et la fréquence des litiges lors de l'attribution de mandats de mensuration.\n\n> « Le Tribunal administratif vérifie la décision attaquée quant aux violations du droit (art. 80 let. a et b LPJA) » lors de l'attribution de travaux de géomètres de mise à jour.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 75a Cost. disciplina la misurazione ufficiale della Svizzera su tre livelli. La disposizione crea le basi costituzionali per un sistema uniforme di rilevamento e gestione di dati con riferimento territoriale (geodati).\n\n**Misurazione nazionale (capoverso 1)**: La Confederazione esegue la misurazione nazionale (FF 1997 I 1, 259). Questa crea l'intelaiatura geodetica di base per l'intera Svizzera — come una rete di coordinate invisibile che determina con precisione ogni punto del Paese (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5). Comprende punti di misurazione, servizi di posizionamento satellitare e la carta nazionale. La Legge federale sulla geoinformazione (LGI) e l'Ordinanza sulla misurazione nazionale (OMN) attuano questa competenza.\n\n**Misurazione ufficiale (capoverso 2)**: La Confederazione disciplina la misurazione ufficiale, i Cantoni la eseguono (art. 34 LGI). Questa documenta ogni metro quadrato di suolo svizzero: confini dei fondi, edifici, strade, acque (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8). Un esempio: quando qualcuno acquista una casa, la misurazione ufficiale mostra esattamente dove inizia e finisce il fondo. La misurazione passata in giudicato gode di pubblica fede — vale come corretta finché non si prova il contrario (art. 9 LGI; TAF BE 100.2024.34U del 31.10.2024). L'Ordinanza sulla misurazione ufficiale (OMU) concretizza l'esecuzione.\n\n**Armonizzazione (capoverso 3)**: La Confederazione può emanare prescrizioni sull'armonizzazione delle informazioni ufficiali concernenti il suolo (FF 2006 7315, 7323 segg.). Questa competenza introdotta nel 2008 consente standard uniformi per tutti i geodati delle autorità. La portata è controversa nella dottrina giuridica: Lendi vede una competenza federale globale (BSK BV, Art. 75a N. 20), mentre Biaggini assume una competenza limitata per oggetto (BSK BV, Art. 75a N. 6).\n\n**Significato pratico**: L'ordinamento della misurazione incide notevolmente sulla vita quotidiana. Iscrizioni nel registro fondiario, licenze edilizie, determinazione delle imposte — tutto si basa sulla misurazione ufficiale (Huser, Vermessungsrecht, 34 segg.). Nelle controversie sui confini decide per lo più la misurazione. I costi della misurazione sono sostenuti in parte dai proprietari fondiari (art. 42 cpv. 3 OMU), nelle prime misurazioni regolarmente con un contributo.\n\nLa giurisprudenza si occupa principalmente di procedure di aggiudicazione per lavori di aggiornamento (diritto degli appalti) e dell'eliminazione di errori di misurazione. Il Tribunale amministrativo di Berna ha confermato ripetutamente che l'aggiudicazione di lavori di geometra per l'aggiornamento sottostà al diritto degli appalti pubblici (TAF BE 100.2024.38U del 31.10.2024).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 75a Cost. è stato creato ex novo nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione riunisce in un unico articolo le basi costituzionali precedentemente sparse per la misurazione nazionale e la misurazione ufficiale (FF 1997 I 1, 282).\n\n**N. 2** La revisione costituzionale del 3 ottobre 2003 (in vigore dal 1° gennaio 2008) ha integrato l'art. 75a Cost. con il capoverso 3, che conferisce alla Confederazione una competenza per l'armonizzazione delle informazioni ufficiali su suolo e sottosuolo. Questa integrazione è avvenuta nell'ambito della creazione della Legge federale sulla geoinformazione (LGI), che ha posto le basi giuridiche per un moderno sistema di geoinformazione (FF 2006 7817, 7825 segg.).\n\n**N. 3** La nascita della competenza di armonizzazione (cpv. 3) è stata caratterizzata da discussioni sulla sua portata. Il legislatore voleva creare una base giuridica unitaria per la rilevazione, gestione e utilizzazione dei geodati, senza tuttavia limitare eccessivamente le competenze cantonali (FF 2006 7817, 7832).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 75a Cost. è sistematicamente collocato nella sezione 4 «Ambiente e pianificazione del territorio», il che sottolinea la sua importanza per l'ordinamento territoriale (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 4). La norma si colloca tra le competenze di pianificazione del territorio (art. 75 Cost.) e le competenze di protezione dell'ambiente (art. 74 Cost.), evidenziando la sua funzione trasversale.\n\n**N. 5** La disposizione presenta stretti legami con le seguenti norme costituzionali:\n- → Art. 122 Cost. (diritto civile): il sistema del registro fondiario si basa sulla misurazione ufficiale\n- → Art. 45 cpv. 2 Cost. (cooperazione): i Cantoni sono obbligati a cooperare per l'armonizzazione\n- → Art. 49 Cost. (primato del diritto federale): le prescrizioni federali di armonizzazione prevalgono sul diritto cantonale\n- ↔ Art. 3 Cost. (federalismo): l'esecuzione della misurazione rimane di competenza dei Cantoni\n\n**N. 6** A livello legislativo, i seguenti atti concretizzano l'art. 75a Cost.:\n- Legge federale sulla geoinformazione (LGI, RS 510.62)\n- Ordinanza sulla misurazione ufficiale (OMU, RS 211.432.2)\n- Ordinanza sulla misurazione nazionale (OMN, RS 510.626)\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Misurazione nazionale (cpv. 1)\n\n**N. 7** La misurazione nazionale comprende le basi geodetiche per la determinazione della posizione su tutto il territorio della Svizzera. Essa crea il sistema di riferimento unitario per tutti i dati georeferenziati (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5; Huser, Vermessungsrecht, 34 segg.).\n\n**N. 8** Il concetto di «misurazione nazionale» comprende:\n- Reti di punti fissi per posizione e altitudine\n- Servizi di posizionamento satellitare (GNSS)\n- Carte della gravità e modelli geoidali\n- Rilevamenti cartografici nazionali\n\n### 3.2 Misurazione ufficiale (cpv. 2)\n\n**N. 9** La misurazione ufficiale (misurazione del registro fondiario) documenta i rapporti effettivi e giuridici dei fondi. Essa costituisce la base tecnica per il registro fondiario secondo l'art. 950 CC (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8).\n\n**N. 10** Contenuto della misurazione ufficiale:\n- Confini dei fondi e loro materializzazione\n- Copertura del suolo (edifici, strade, acque)\n- Oggetti isolati (muri, scale, condutture sotterranee)\n- Nomenclatura (nomi di località, di comprensori e di strade)\n- Suddivisioni amministrative\n\n### 3.3 Armonizzazione della geoinformazione (cpv. 3)\n\n**N. 11** La competenza di armonizzazione secondo il cpv. 3 autorizza la Confederazione a emanare prescrizioni sull'«armonizzazione delle informazioni ufficiali su suolo e sottosuolo».\n\n**N. 12** Il concetto di «informazioni ufficiali su suolo e sottosuolo» va inteso in senso ampio e comprende tutti i dati georeferenziati rilevati o gestiti dalle autorità (Huser, AJP 2010, 147).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** Dall'art. 75a Cost. derivano le seguenti competenze costituzionali:\n\n**N. 14** **Competenza federale integrale** per la misurazione nazionale (cpv. 1): la Confederazione può disciplinare completamente la misurazione nazionale ed eseguirla direttamente. I Cantoni non hanno competenze proprie in questo ambito.\n\n**N. 15** **Competenza ripartita** per la misurazione ufficiale (cpv. 2): la Confederazione emana le prescrizioni (art. 22-26 LGI), i Cantoni eseguono la misurazione (art. 34 cpv. 2 LGI). Questa ripartizione dei compiti è stabilita costituzionalmente.\n\n**N. 16** **Competenza di armonizzazione** (cpv. 3): la Confederazione può prescrivere standard unitari per i geodati. La portata di questa competenza è controversa (vedi N. 17-19).\n\n## 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 17** La **portata della competenza di armonizzazione** secondo l'art. 75a cpv. 3 Cost. è controversa nella dottrina:\n\n**N. 18** **Lendi** (BSK BV, Art. 75a N. 20) sostiene un'interpretazione estensiva: egli deduce dall'art. 75a cpv. 3 una competenza federale integrale con effetto derogatorio successivo. Secondo la sua concezione, il costituente non voleva espressamente creare una mera competenza di legislazione di principio.\n\n**N. 19** **Biaggini** (BSK BV, Art. 75a N. 6) assume una posizione più restrittiva: egli qualifica l'art. 75a cpv. 3 come competenza legislativa limitata per oggetto, che non va oltre l'armonizzazione di standard tecnici.\n\n**N. 20** **Ruch** (BSK BV, Art. 75a N. 18) media tra le due posizioni: sottolinea che la Confederazione è comunque obbligata a legiferare quando la corretta riproduzione dei rapporti effettivi e giuridici nei catasti ufficiali può essere raggiunta solo attraverso standard qualitativi e tecnici comuni.\n\n**N. 21** L'**obbligo legislativo della Confederazione** è valutato diversamente: mentre Ruch assume un obbligo di armonizzazione in caso di necessità di standard comuni, altri autori vedono soltanto una prescrizione facoltativa (Kettiger, Jusletter 2008, n. 15).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 22** Nell'**aggiudicazione di lavori di aggiornamento**, i Cantoni devono rispettare il diritto degli appalti. Il Tribunale amministrativo di Berna ha confermato ripetutamente che i lavori di aggiornamento dei geometri sottostanno al diritto degli acquisti pubblici (VGE BE 100.2024.34U del 31.10.2024).\n\n**N. 23** La **ripartizione dei costi** tra Confederazione, Cantoni e proprietari fondiari si regge secondo gli art. 38 segg. OMU. Per le prime misurazioni, i proprietari fondiari sopportano di regola una parte dei costi (art. 42 cpv. 3 OMU).\n\n**N. 24** **Protezione dei dati e principio di pubblicità**: i geodati della misurazione ufficiale sono in linea di principio accessibili al pubblico (art. 11 LGI). I dati personali sottostanno tuttavia alla protezione dei dati (Kettiger/Oesch, Auswirkungen, 45 segg.).\n\n**N. 25** **Cooperazione intercantonale**: nei progetti intercantonali l'armonizzazione è obbligatoria. I Cantoni hanno concluso concordati corrispondenti o utilizzano i meccanismi della LGI (art. 31 LGI).\n\n**N. 26** **Rapporto con il registro fondiario**: la misurazione ufficiale costituisce la base tecnica del registro fondiario. Le contraddizioni tra misurazione e registro fondiario devono essere chiarite nella procedura di sistemazione secondo l'art. 40 OMU (Huser, ZBGR 2002, 78).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Base costituzionale e delega di esecuzione\n\n**Decisione del Tribunale amministrativo di San Gallo B 2020/95 del 10 febbraio 2021**\nFondamenti della disciplina federale sulla misurazione e sistema di indirizzamento.\nConferma dell'ordine costituzionale delle competenze secondo l'art. 75a cpv. 2 e 3 Cost.\n\n> «Il Consiglio federale prescrive l'esecuzione della misurazione ufficiale basandosi sull'art. 75a cpv. 2 e 3 della Costituzione federale della Confederazione Svizzera nonché sull'art. 7 cpv. 1 frase 1 della Legge federale sulla geoinformazione.»\n\n## Aggiudicazione di lavori di geometri per l'aggiornamento\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo di Berna 100.2024.34U del 31 ottobre 2024**\nBasi giuridiche per l'aggiudicazione di contratti di aggiornamento; applicazione della Legge sul mercato interno.\nPrecisazione centrale della ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni in materia di misurazione.\n\n> «Secondo l'art. 75a cpv. 2 della Costituzione federale (Cost.; RS 101) la Confederazione disciplina la misurazione ufficiale (cfr. anche art. 34 della Legge federale del 5 ottobre 2007 sulla geoinformazione relativa alla ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantone). La Confederazione ha delegato ai Cantoni l'esecuzione della misurazione ufficiale (art. 34 cpv. 2 lett. a LGI).»\n\n**Sentenza del Tribunale federale 2C_143/2024 del 14 marzo 2024**\nAspetti di diritto procedurale nelle opposizioni contro opere di misurazione.\nImportanza dei termini di ricorso nella procedura di diritto amministrativo per la misurazione ufficiale.\n\n> «Il ricorso contro una decisione deve essere presentato al Tribunale federale entro 30 giorni dalla notificazione del dispositivo completo (art. 100 cpv. 1 LTF). Questo termine legale non può essere prorogato (art. 47 cpv. 1 LTF).»\n\n**Decisione del Tribunale cantonale di Basilea Campagna 810 16 4 del 9 marzo 2016**\nTrattamento secondo il diritto degli appalti dei contratti di aggiornamento.\nChiarimento della competenza e classificazione giuridica delle procedure di aggiudicazione.\n\n> «La questione della subordinazione dell'aggiudicazione di un mandato per l'aggiornamento continuo della misurazione ufficiale al diritto degli appalti si pone nel trasferimento di compiti sovrani ai privati.»\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo di Berna 100.2013.54 del 24 ottobre 2014**\nAggiudicazione di lavori di geometri per l'aggiornamento 2013-2017; principi della procedura di aggiudicazione.\nPrimo trattamento completo dei requisiti procedurali per l'aggiudicazione di mandati di misurazione.\n\n> «Il Tribunale amministrativo giudica come ultima istanza cantonale i ricorsi contro decisioni e pronunce che si basano sul diritto pubblico, inclusa l'aggiudicazione di lavori di geometri per l'aggiornamento.»\n\n## Aspetti di diritto del registro fondiario\n\n**Decisione del Tribunale superiore di Argovia AGVE_2001_5 del 26 febbraio 2001**\nRapporto tra misurazione ufficiale e registro fondiario; misurazione passata in giudicato.\nImportanza centrale della misurazione ufficiale per il sistema del registro fondiario.\n\n> «La misurazione passata in giudicato produce per i fondi rappresentati pubblica fede nel senso che essa vale come corretta finché non sia dimostrato il contrario (art. 950 e art. 9 CC).»\n\n## Sopportazione dei costi\n\n**Decisioni del Tribunale amministrativo dei Grigioni U 2021/4, U 2019/62, U 2024/31-34**\nSerie di decisioni sulla sopportazione dei costi per la misurazione ufficiale.\nChiarimento delle responsabilità finanziarie tra i diversi interessati.\n\n**Decisione del Tribunale federale sull'imposta sul valore aggiunto 2C_984/2014 del 26 maggio 2016**\nDifferenze di fatturato riguardanti la misurazione ufficiale; trattamento fiscale delle prestazioni di misurazione.\nImportanza per il trattamento dei servizi di misurazione nel diritto tributario.\n\n## Libertà economica e divieto di discriminazione\n\n**Decisione della Cancelleria ch_vb_150000239 del 3 agosto 2011**\nMisurazione ufficiale, limite di età, divieto di discriminazione, libertà economica.\nLimiti costituzionali nell'ammissione ai lavori di misurazione.\n\n> «Parole chiave: Misurazione ufficiale, limite di età, divieto di discriminazione, libertà economica» mostrano il collegamento tra l'art. 75a Cost. e i diritti fondamentali.\n\n## Sviluppi recenti\n\n**Sentenza del Tribunale federale 1C_664/2024 del 6 settembre 2025**\nCorrezione di contraddizioni della misurazione ufficiale.\nGiurisprudenza attuale sulle procedure di correzione per errori di misurazione.\n\n**Serie Tribunale amministrativo di Berna 100.2024.217 fino a 100.2024.233 (2024-2025)**\nDiverse procedure parallele riguardanti l'aggiudicazione di lavori di geometri per l'aggiornamento nel Canton Berna.\nMostrano l'importanza pratica e la frequenza delle controversie nell'aggiudicazione di mandati di misurazione.\n\n> «Il Tribunale amministrativo verifica la decisione impugnata per violazioni del diritto (art. 80 lett. a e b LPGA)» nell'aggiudicazione di lavori di geometri per l'aggiornamento.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 75a FC regulates the official surveying of Switzerland at three levels. The provision creates the constitutional foundations for a unified system for the collection and management of spatial data (geodata).\n\n**National Survey (Paragraph 1)**: The Confederation conducts the national survey (BBl 1997 I 1, 282). This creates the geodetic framework for the entire Switzerland — like an invisible coordinate network that precisely determines every point in the country (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5). This includes survey points, satellite positioning services and the national map. The Federal Act on Geoinformation (GeoIA) and the National Survey Ordinance (NSO) implement this competence.\n\n**Official Survey (Paragraph 2)**: The Confederation regulates the official survey; the cantons conduct it (Art. 34 GeoIA). This documents every square metre of Swiss soil: property boundaries, buildings, roads, watercourses (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8). An example: If someone buys a house, the official survey shows exactly where the property begins and ends. The legally binding survey enjoys public faith — it is deemed correct until proven otherwise (Art. 9 GeoIA; VGE BE 100.2024.34U of 31.10.2024). The Ordinance on Official Survey (OSO) specifies the implementation.\n\n**Harmonisation (Paragraph 3)**: The Confederation may enact regulations on the harmonisation of official information about land and soil (BBl 2006 7817, 7825 ff.). This competence, introduced in 2008, enables uniform standards for all official geodata. The scope is disputed in legal doctrine: Lendi sees a comprehensive federal competence (BSK BV, Art. 75a N. 20), while Biaggini assumes a substantively limited competence (BSK BV, Art. 75a N. 6).\n\n**Practical Significance**: The surveying system significantly shapes everyday life. Land register entries, building permits, tax assessments — all are based on the official survey (Huser, Vermessungsrecht, 34 ff.). In boundary disputes, the survey usually decides. The costs of surveying are partially borne by property owners (Art. 42 para. 3 OSO), with regular contributions for initial surveys.\n\nCase law deals mainly with award procedures for updating work (public procurement law) and the correction of survey errors. The Administrative Court of Bern has repeatedly confirmed that the award of updating surveyor work is subject to public procurement law (VGE BE 100.2024.38U of 31.10.2024).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 75a Cst. was newly created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision consolidates the previously scattered constitutional foundations for national surveying and official surveying into a single article (BBl 1997 I 1, 282).\n\n**N. 2** The constitutional revision of 3 October 2003 (in force since 1 January 2008) supplemented Art. 75a Cst. with paragraph 3, which grants the Confederation a competence to harmonise official information on land and soil. This supplement was made in the course of creating the Federal Act on Geoinformation (GeoIA), which established the legal foundations for a modern geoinformation system (BBl 2006 7817, 7825 ff.).\n\n**N. 3** The creation of the harmonisation competence (para. 3) was marked by discussions about its scope. The legislator wanted to create a uniform legal basis for the collection, management and use of geodata, without however excessively restricting cantonal competences (BBl 2006 7817, 7832).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 75a Cst. is systematically classified in Section 4 «Environment and Spatial Planning», which underlines its significance for spatial organisation (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 4). The norm stands between spatial planning competences (Art. 75 Cst.) and environmental protection competences (Art. 74 Cst.), which illustrates its cross-cutting function.\n\n**N. 5** The provision has close connections to the following constitutional norms:\n- → Art. 122 Cst. (Civil law): The land register system is based on official surveying\n- → Art. 45 para. 2 Cst. (Cooperation): Cantons are obliged to cooperate in harmonisation\n- → Art. 49 Cst. (Primacy of federal law): Federal harmonisation provisions take precedence over cantonal law\n- ↔ Art. 3 Cst. (Federalism): The conduct of surveying remains with the cantons\n\n**N. 6** At the statutory level, the following enactments implement Art. 75a Cst.:\n- Federal Act on Geoinformation (GeoIA, SR 510.62)\n- Ordinance on Official Surveying (OSO, SR 211.432.2)\n- Ordinance on National Surveying (NSO, SR 510.626)\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 National Surveying (para. 1)\n\n**N. 7** National surveying comprises the geodetic foundations for position determination throughout the territory of Switzerland. It creates the uniform reference system for all spatial data (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 5; Huser, Vermessungsrecht, 34 ff.).\n\n**N. 8** The term «national surveying» comprises:\n- Fixed point networks for position and elevation\n- Satellite positioning services (GNSS)\n- Gravity maps and geoid models\n- Cartographic national surveys\n\n### 3.2 Official Surveying (para. 2)\n\n**N. 9** Official surveying (land register surveying) documents the actual and legal relationships of properties. It forms the technical foundation for the land register according to Art. 950 CC (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 75a N. 8).\n\n**N. 10** Content of official surveying:\n- Property boundaries and their marking\n- Ground cover (buildings, roads, waterways)\n- Individual objects (walls, stairs, underground conduits)\n- Nomenclature (place names, field names and street names)\n- Administrative divisions\n\n### 3.3 Harmonisation of Geoinformation (para. 3)\n\n**N. 11** The harmonisation competence according to para. 3 empowers the Confederation to enact regulations on the «harmonisation of official information on land and soil».\n\n**N. 12** The term «official information on land and soil» is to be understood broadly and comprises all spatial data that are collected or managed by authorities (Huser, AJP 2010, 147).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** Art. 75a Cst. gives rise to the following constitutional competences:\n\n**N. 14** **Comprehensive federal competence** for national surveying (para. 1): The Confederation can completely regulate national surveying and carry it out itself. The cantons have no competences of their own in this area.\n\n**N. 15** **Shared competence** for official surveying (para. 2): The Confederation enacts the regulations (Art. 22-26 GeoIA), the cantons carry out the surveying (Art. 34 para. 2 GeoIA). This division of tasks is constitutionally prescribed.\n\n**N. 16** **Harmonisation competence** (para. 3): The Confederation can prescribe uniform standards for geodata. The scope of this competence is disputed (see N. 17-19).\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**N. 17** The **scope of the harmonisation competence** according to Art. 75a para. 3 Cst. is disputed in doctrine:\n\n**N. 18** **Lendi** (BSK BV, Art. 75a N. 20) takes an extensive interpretation: He derives from Art. 75a para. 3 a comprehensive federal competence with subsequently derogatory effect. According to his view, the constitutional legislator expressly did not want to create a mere framework legislation competence.\n\n**N. 19** **Biaggini** (BSK BV, Art. 75a N. 6) takes a more restrictive position: He qualifies Art. 75a para. 3 as a substantively limited legislative competence that does not go beyond the harmonisation of technical standards.\n\n**N. 20** **Ruch** (BSK BV, Art. 75a N. 18) mediates between both positions: He emphasises that the Confederation is in any case obliged to legislate when the correct reproduction of actual and legal relationships in the official cadastres can only be achieved through common qualitative and technical standards.\n\n**N. 21** The **legislative obligation of the Confederation** is assessed differently: While Ruch assumes an obligation to harmonise when common standards are needed, other authors see merely a discretionary provision (Kettiger, Jusletter 2008, para. 15).\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 22** In the **award of updating work**, the cantons must observe public procurement law. The Administrative Court of Bern has repeatedly confirmed that updating surveyor work is subject to public procurement law (VGE BE 100.2024.34U of 31.10.2024).\n\n**N. 23** The **cost distribution** between Confederation, cantons and property owners is governed by Art. 38 ff. OSO. In initial surveys, property owners regularly bear part of the costs (Art. 42 para. 3 OSO).\n\n**N. 24** **Data protection and principle of publicity**: Geodata from official surveying are in principle publicly accessible (Art. 11 GeoIA). However, personal data are subject to data protection (Kettiger/Oesch, Auswirkungen, 45 ff.).\n\n**N. 25** **Intercantonal cooperation**: In cross-cantonal projects, harmonisation is mandatory. The cantons have concluded corresponding concordats or use the mechanisms of the GeoIA (Art. 31 GeoIA).\n\n**N. 26** **Relationship to the land register**: Official surveying forms the technical foundation of the land register. Contradictions between surveying and the land register must be clarified in the remediation procedure according to Art. 40 OSO (Huser, ZBGR 2002, 78).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Constitutional Basis and Implementation Transfer\n\n**Decision St. Gallen Administrative Court B 2020/95 of 10 February 2021**\nFoundations of federal surveying regulations and addressing system.\nConfirmation of the constitutional distribution of powers according to Art. 75a para. 2 and 3 Cst.\n\n> «The Federal Council prescribes the conduct of the official survey based on Art. 75a para. 2 and 3 of the Federal Constitution of the Swiss Confederation as well as Art. 7 para. 1 sentence 1 of the Federal Act on Geoinformation.»\n\n## Award of Updating Surveyor Work\n\n**Judgement Bern Administrative Court 100.2024.34U of 31 October 2024**\nLegal foundations for awarding updating contracts; application of the Internal Market Act.\nCentral clarification of the distribution of powers between the Confederation and cantons in surveying matters.\n\n> «According to Art. 75a para. 2 of the Federal Constitution (Cst.; SR 101), the Confederation regulates the official survey (cf. also Art. 34 of the Federal Act of 5 October 2007 on Geoinformation regarding the division of tasks between Confederation and canton). The Confederation has transferred the conduct of the official survey to the cantons (Art. 34 para. 2 lit. a GeoIA).»\n\n**Federal Supreme Court Judgement 2C_143/2024 of 14 March 2024**\nProcedural aspects of objections against surveying works.\nSignificance of appeal deadlines in administrative procedures for official surveys.\n\n> «The appeal against a decision must be filed with the Federal Supreme Court within 30 days of service of the complete copy (Art. 100 para. 1 FSCA). This statutory deadline cannot be extended (Art. 47 para. 1 FSCA).»\n\n**Decision Basel-Landschaft Cantonal Court 810 16 4 of 9 March 2016**\nPublic procurement treatment of updating contracts.\nClarification of jurisdiction and legal classification of award procedures.\n\n> «The question of subjecting the award of a contract for ongoing updating of the official survey to public procurement law arises when transferring sovereign tasks to private parties.»\n\n**Judgement Bern Administrative Court 100.2013.54 of 24 October 2014**\nAward of updating surveyor work 2013-2017; principles of award procedures.\nFirst comprehensive treatment of procedural requirements for awarding surveying contracts.\n\n> «The Administrative Court adjudicates as the final cantonal instance appeals against rulings and decisions based on public law, including the award of updating surveyor work.»\n\n## Land Register Aspects\n\n**Decision Aargau Higher Court AGVE_2001_5 of 26 February 2001**\nRelationship between official survey and land register; legally binding survey.\nCentral significance of the official survey for the land register system.\n\n> «The legally binding survey provides public faith for the depicted real estate in the sense that it is considered correct until the contrary is proven (Art. 950 and Art. 9 CC).»\n\n## Cost Allocation\n\n**Decisions Graubünden Administrative Court U 2021/4, U 2019/62, U 2024/31-34**\nSeries of decisions on cost allocation in official surveys.\nClarification of financial responsibilities between various parties.\n\n**Federal Supreme Court Decision on Value Added Tax 2C_984/2014 of 26 May 2016**\nRevenue differences regarding official surveys; tax treatment of surveying services.\nSignificance for the treatment of surveying services in tax law.\n\n## Economic Freedom and Anti-Discrimination\n\n**Embassy Decision ch_vb_150000239 of 3 August 2011**\nOfficial survey, age limit, anti-discrimination, economic freedom.\nConstitutional limits on admission to surveying work.\n\n> «Keywords: Official survey, age limit, anti-discrimination, economic freedom» show the connection between Art. 75a Cst. and fundamental rights.\n\n## Recent Developments\n\n**Federal Supreme Court Judgement 1C_664/2024 of 6 September 2025**\nCorrection of contradictions in the official survey.\nCurrent case law on correction procedures for surveying errors.\n\n**Series Bern Administrative Court 100.2024.217 to 100.2024.233 (2024-2025)**\nSeveral parallel procedures concerning the award of updating surveyor work in the canton of Bern.\nShow the practical significance and frequency of disputes in awarding surveying contracts.\n\n> «The Administrative Court reviews the contested decision for legal violations (Art. 80 lit. a and b APRP)» in the award of updating surveyor work.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_75a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 75, "article_suffix": "b", "title": "Zweitwohnungen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 75b BV — Zweitwohnungen\n\n## Übersicht\n\nArt. 75b BV begrenzt den Bau von Zweitwohnungen in der Schweiz. Die Bestimmung entstand aus der Volksinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!», die am 11. März 2012 angenommen wurde.\n\nDie Kernregel ist einfach: In Gemeinden mit mehr als 20% Zweitwohnungen dürfen keine neuen Zweitwohnungen mehr gebaut werden. Eine Zweitwohnung ist eine Wohnung, die nicht als Hauptwohnsitz dient. Der Anteil wird am gesamten Wohnungsbestand einer Gemeinde gemessen.\n\nDas Verbot gilt sofort und unmittelbar. Bereits am Tag der Abstimmung wurden neue Zweitwohnungsbaubewilligungen in betroffenen Gemeinden nichtig. Dies entschied das Bundesgericht im Grundsatzurteil BGE 139 II 243.\n\nErstwohnungen (Hauptwohnsitze) sind vom Verbot ausgenommen. Bauherren müssen aber glaubhaft machen, dass die geplante Wohnung tatsächlich als Hauptwohnsitz genutzt wird. Bei Verdacht auf Rechtsmissbrauch prüfen die Behörden genau nach.\n\nEine Ausnahme gibt es für Zweitwohnungen mit tourismuswirtschaftlichem Nutzen. Diese müssen dauerhaft kommerziell vermietet werden und bringen der örtlichen Wirtschaft etwas.\n\n**Beispiel:** Die Gemeinde Verbier hat einen Zweitwohnungsanteil von 75%. Dort darf seit März 2012 niemand mehr eine neue Ferienwohnung bauen. Wer trotzdem ein Chalet für die Ferien plant, kann es nur als Erstwohnung bewilligen lassen - muss dann aber auch dort wohnen.\n\nDie Regel hat weitreichende Folgen: Grundstückswerte in betroffenen Gemeinden sanken teilweise drastisch. Umgekehrt entstehen keine neuen «kalten Betten» mehr, die nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden.\n\nNatur- und Heimatschutzverbände können gegen Zweitwohnungsbaubewilligungen Beschwerde führen. Sie sehen die Beschränkung als wichtiges Instrument gegen die Zersiedelung der Berglandschaft.\n\nDas Zweitwohnungsverbot zeigt: Direkte Demokratie kann auch in komplexe Eigentumsrechte eingreifen, wenn das Volk dies will.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Volksinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!» wurde am 18. Dezember 2007 von der Umweltorganisation Helvetia Nostra mit 111'101 gültigen Unterschriften eingereicht (BBl 2008 1113, 8609). Der Initiative ging eine jahrzehntelange Diskussion über die negativen Auswirkungen des Zweitwohnungsbaus auf Landschaft, Ortsbild und Immobilienpreise in touristischen Regionen voraus.\n\n**N. 2** In seiner Botschaft vom 29. Oktober 2008 beantragte der Bundesrat die Ablehnung der Initiative ohne Gegenvorschlag (BBl 2008 8757). Er anerkannte zwar die Problematik der «kalten Betten» und der Zersiedelung, hielt aber die starre 20-%-Grenze für zu schematisch und befürchtete negative wirtschaftliche Folgen für Bergregionen. Die eidgenössischen Räte folgten dieser Empfehlung.\n\n**N. 3** Am 11. März 2012 nahmen Volk und Stände die Initiative mit 50,6% Ja-Stimmen und einer Mehrheit von 13½ Ständen an. Die neuen Verfassungsbestimmungen (Art. 75b und Art. 197 Ziff. 9 BV) traten am selben Tag in Kraft. Das Bundesgericht stellte bereits in **BGE 139 II 243** fest, dass Art. 75b Abs. 1 BV unmittelbar anwendbar sei, was eine rechtliche Zäsur für alle betroffenen Gemeinden bedeutete.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 75b BV ist systematisch als Spezialnorm zu Art. 75 BV (Raumplanung) im 3. Abschnitt des 2. Titels (Zuständigkeiten) eingeordnet. Die Bestimmung konkretisiert den raumplanerischen Grundsatz der haushälterischen Bodennutzung für den spezifischen Bereich der Zweitwohnungen (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 8).\n\n**N. 5** Die Norm weist Querverbindungen zu mehreren Verfassungsbestimmungen auf:\n- → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit) als übergeordnetes Leitprinzip\n- → Art. 78 Abs. 2 BV (Landschaftsschutz), was die Beschwerdelegitimation von Naturschutzverbänden begründet (**BGE 139 II 271**)\n- ↔ Art. 26 BV (Eigentumsgarantie) und Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit), deren Schranken durch Art. 75b BV konkretisiert werden\n- → Art. 36 Abs. 3 BV für die Verhältnismässigkeitsprüfung von Einschränkungen\n\n**N. 6** Im Verhältnis zum Raumplanungsgesetz (RPG) stellt Art. 75b BV eine verfassungsrechtliche Mindestvorgabe dar. Das auf dieser Grundlage erlassene Zweitwohnungsgesetz (ZWG) vom 20. März 2015 konkretisiert den Verfassungsauftrag, ohne hinter die verfassungsrechtlichen Minimalanforderungen zurückfallen zu dürfen (Waldmann, BSK BV, Art. 75b N. 33).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Zweitwohnungsanteil (Abs. 1)**: Die 20-%-Grenze bezieht sich auf den «Anteil von Zweitwohnungen am Gesamtbestand der Wohneinheiten und der für Wohnzwecke genutzten Bruttogeschossfläche einer Gemeinde». Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) definiert Zweitwohnungen negativ als alle Wohnungen, die weder Erst- noch Hauptwohnungen sind (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 15). \n\n**N. 8** **Baubewilligungsverbot (Abs. 1)**: In Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil über 20% «dürfen keine neuen Zweitwohnungen bewilligt werden». Das Bundesgericht legte dieses Verbot in **BGE 139 II 243** weit aus: Es erfasst Neubauten, Umbauten, Umnutzungen und Erweiterungen, die zu neuen Zweitwohnungen führen (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22).\n\n**N. 9** **Tourismuswirtschaftlicher Nutzen (Abs. 2)**: Das Gesetz sieht «angemessene Lösungen» für Zweitwohnungen mit tourismuswirtschaftlichem Nutzen vor. Diese Ausnahmebestimmung ermöglicht bewirtschaftete Ferienwohnungen, die kommerziell vermietet werden (Griffel, ZBl 2014, 72).\n\n**N. 10** **Erstwohnungen als Umgehungsgefahr**: Obwohl Erstwohnungen vom Verbot ausgenommen sind, besteht die Gefahr des Rechtsmissbrauchs. Das Bundesgericht entwickelte in **BGE 142 II 206** und **BGE 145 II 99** Kriterien zur Prüfung, ob ein Erstwohnungsprojekt realistisch ist oder das Zweitwohnungsverbot umgangen werden soll (Mösching, Massnahmen zur Beschränkung von Zweitwohnungen, 245).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** **Sofortige Nichtigkeit**: Baubewilligungen für neue Zweitwohnungen in Gemeinden über der 20-%-Grenze sind nichtig. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV ordnet die Nichtigkeit «sämtlicher zwischen dem 1. Januar des auf die Annahme [...] folgenden Jahres und dem Erlass der Ausführungsbestimmungen erteilter Baubewilligungen» an (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 25).\n\n**N. 12** **Keine Entschädigungspflicht**: Das Zweitwohnungsverbot definiert den Inhalt des Eigentums neu und begründet grundsätzlich keine Entschädigungsansprüche aus materieller Enteignung (**BGE 144 II 367**). Die Eigentumsbeschränkung gilt als zumutbar und verhältnismässig (Waldmann, Zweitwohnungen – vom Umgang mit einer sperrigen Verfassungsnorm, 147).\n\n**N. 13** **Erweiterte Beschwerdelegitimation**: Natur- und Heimatschutzverbände können gegen Zweitwohnungsbewilligungen Beschwerde führen, da Art. 75b BV eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV darstellt (**BGE 139 II 271**). Auch Gemeinden sind zur Beschwerde gegen Verpflichtungen zur Erteilung ihrer Ansicht nach nichtiger Bewilligungen legitimiert (**BGE 140 II 378**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Intertemporalrechtliche Bedeutung von Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV**: Die Lehre ist sich uneinig über die Tragweite der Übergangsbestimmung. Der Grossteil der Doktrin (Waldmann, Baurecht 2013, 236; Ganz, Jusletter v. 10.12.2012, Rz. 45) und kantonale Gerichte verstehen Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV als intertemporalrechtliche Norm, wonach bis zum 31. Dezember 2012 eingereichte Baugesuche nach bisherigem Recht zu beurteilen waren. Das Bundesgericht vertritt dagegen die Position, es handle sich lediglich um eine Verschärfung der Rechtsfolge ab 1. Januar 2013, nicht aber um eine intertemporalrechtliche Norm (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 26).\n\n**N. 15** **Reichweite des direkten Anwendungsbereichs**: Kontrovers diskutiert wird, wie weit der «harte Kern» der unmittelbaren Anwendbarkeit reicht. Das Bundesgericht beschränkt ihn auf das Erstellen klassischer neuer Zweitwohnungen (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22). Teile der Lehre (Anastasi/Canonica/Molo, Jusletter v. 2.7.2012, Rz. 28) fordern eine extensivere Auslegung, die auch Umnutzungen bestehender Bauten umfasst.\n\n**N. 16** **Kommunale Lenkungsmassnahmen**: Die Zulässigkeit kommunaler Zweitwohnungssteuern neben dem bundesrechtlichen Bauverbot ist umstritten. Das Bundesgericht bejahte in **BGE 140 I 176** die Vereinbarkeit mit Art. 75b BV, da dieser keinen abschliessenden Lösungsansatz für «kalte Betten» enthalte. Kritische Stimmen (Norer/Rütsche, Rechtliche Umsetzung, 89) sehen darin eine Umgehung des verfassungsrechtlichen Konzepts.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Nachweis der Erstwohnungsnutzung**: Bauherrschaften müssen glaubhaft machen, dass geplante Wohnungen tatsächlich als Erstwohnungen genutzt werden. Indizien für Rechtsmissbrauch sind: Lage in reiner Feriendestination, überhöhte Preise für Einheimische, fehlende Infrastruktur für Dauerbewohner, keine realistische Vermarktungsstrategie (Alig, Jusletter v. 1.12.2014, Rz. 15).\n\n**N. 18** **Altrechtliche Baubewilligungen**: Vor dem 11. März 2012 rechtskräftig erteilte Baubewilligungen bleiben gültig. Bei wesentlichen Projektänderungen ist jedoch eine neue Bewilligung erforderlich, die dem Zweitwohnungsverbot untersteht (Griffel, ZBl 2014, 75).\n\n**N. 19** **Gemeindefusionen**: Bei Zusammenschlüssen von Gemeinden mit unterschiedlichen Zweitwohnungsanteilen ist der neue Gesamtanteil massgebend. Dies kann dazu führen, dass zuvor verbotene Zweitwohnungen wieder zulässig werden oder umgekehrt (Alig/Griffel, UBS Real Estate Focus 2015, 24).\n\n**N. 20** **Bewirtschaftungspflicht**: Zweitwohnungen mit tourismuswirtschaftlichem Nutzen müssen dauerhaft und kommerziell vermietet werden. Die Auflagen sind im Grundbuch anzumerken. Bei Verstössen drohen Nutzungsverbote und Bussen (Art. 26 Abs. 3 ZWG).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Unmittelbare Anwendbarkeit und Übergangsrecht\n\n**BGE 139 II 243** vom 11. März 2012\nArt. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV enthält ein unmittelbar anwendbares Baubewilligungsverbot für Zweitwohnungen in Gemeinden, in denen der 20-%-Anteil erreicht oder überschritten ist.\nDas Grundsatzurteil schaffte Klarheit über die sofortige Wirksamkeit der Zweitwohnungsinitiative nach deren Annahme.\n\n> «Art. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV enthält ein unmittelbar anwendbares Baubewilligungsverbot für Zweitwohnungen in Gemeinden, in denen der 20-%-Anteil erreicht oder überschritten ist. Dieses Verbot gilt für alle Baubewilligungen, die seit dem 11. März 2012 in den betroffenen Gemeinden erstinstanzlich erteilt worden sind.»\n\n**BGE 139 II 263** vom 22. Mai 2013\nDie Verfassungsbestimmung ist auf Baugesuche anwendbar, die vor dem 11. März 2012 eingereicht, aber erst nach diesem Datum erstinstanzlich bewilligt wurden.\nDas Urteil konkretisiert die übergangsrechtliche Anwendung auf hängige Verfahren.\n\n> «Mangels einer speziellen übergangsrechtlichen Regelung sind die allgemeinen Grundsätze anzuwenden. Danach ist Art. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV grundsätzlich anwendbar, wenn die Baubewilligung nach deren Inkrafttreten am 11. März 2012 erstinstanzlich erteilt wurde.»\n\n**BGE 144 II 326** vom 24. Mai 2018  \nDas Zweitwohnungsgesetz ist auf alle Baugesuche anwendbar, die am 1. Januar 2016 noch nicht rechtskräftig bewilligt waren.\nDas Urteil klärt das Verhältnis zwischen Verfassungsartikel und Ausführungsgesetz.\n\n> «Das ZWG ist auf alle Baugesuche anwendbar, die am 1. Januar 2016 (Datum des Inkrafttretens des ZWG) noch nicht rechtskräftig bewilligt waren. Dies gilt auch dann, wenn die Baubewilligung noch vor Inkrafttreten von Art. 75b BV am 11. März 2012 erstinstanzlich erteilt wurde.»\n\n### Rechtsmissbrauch bei Erstwohnungen\n\n**BGE 142 II 206** vom 3. Mai 2016\nRechtsmissbrauch liegt vor, wenn die Bauherrschaft vorgibt, eine Erstwohnung zu erstellen, tatsächlich jedoch das Zweitwohnungsverbot umgehen will.\nGrundsatzentscheid zur missbräuchlichen Umgehung der Zweitwohnungsbeschränkung durch vorgetäuschte Erstwohnungen.\n\n> «Es besteht die Gefahr des Rechtsmissbrauchs, wenn die Bauherrschaft vorgibt, eine Erstwohnung zu erstellen, in Wahrheit jedoch beabsichtigt, das in Art. 75b BV und Art. 6 ZWG enthaltene Verbot zu umgehen.»\n\n**BGE 145 II 99** vom 1. Januar 2018\nRechtsmissbrauch bei 12 geplanten Erstwohnungen in Saanen wegen unrealistischer Vermarktung als Erstwohnungen.\nDas Urteil konkretisiert die Prüfkriterien für Rechtsmissbrauch bei Erstwohnungsprojekten.\n\n> «Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts ist von Amtes wegen zu prüfen, ob konkrete Indizien vorliegen, welche die Absicht bzw. die Möglichkeit einer Erstwohnungsnutzung des Bauvorhabens als unrealistisch erscheinen lassen.»\n\n### Beschwerdelegitimation und Verfahren\n\n**BGE 139 II 271** vom 22. Mai 2013\nNatur- und Heimatschutzverbände sind gegen Baubewilligungen für Zweitwohnungsbauten beschwerdeberechtigt, da die Zweitwohnungsbeschränkung eine Bundesaufgabe der Landschaftsschonung darstellt.\nDas Urteil erweitert den Kreis der Beschwerdeberechtigten gegen Zweitwohnungsbauten.\n\n> «Die Plafonierung des Zweitwohnungsbaus gemäss Art. 75b BV stellt eine Bundesaufgabe dar, die der Schonung der Natur und des heimatlichen Landschaftsbildes dient.»\n\n**BGE 140 II 378** vom 15. August 2014\nGemeinden sind zur Beschwerde gegen Entscheide befugt, die sie verpflichten, nach ihrer Auffassung nichtige Zweitwohnungsbewilligungen zu erteilen.\nDas Urteil stärkt die Rechtsposition der Gemeinden bei der Durchsetzung des Zweitwohnungsverbots.\n\n> «Die Gemeinde ist zur Beschwerde gegen einen Entscheid befugt, der sie verpflichtet, eine Baubewilligung zu erteilen, die ihres Erachtens nach Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV nichtig wäre.»\n\n### Enteignungsrechtliche Aspekte\n\n**BGE 144 II 367** vom 6. August 2018\nDas Zweitwohnungsverbot definiert den Inhalt des Eigentums neu und begründet grundsätzlich keinen Entschädigungsanspruch.\nGrundsatzurteil zur enteignungsrechtlichen Beurteilung der Zweitwohnungsbeschränkung.\n\n> «Die Beschränkung der Zweitwohnungen definiert den Inhalt des Eigentums neu. Wird der Inhalt des Eigentums neu festgelegt, ist eine Entschädigung aus materieller Enteignung grundsätzlich ausgeschlossen.»\n\n### Steuerrechtliche Aspekte\n\n**BGE 140 I 176** vom 1. Januar 2014\nKommunale Zweitwohnungssteuern sind zulässig, da Art. 75b BV keinen abschliessenden Lösungsansatz für das Problem der «kalten Betten» enthält.\nDas Urteil bestätigt die Kompatibilität kommunaler Lenkungsmassnahmen mit der Bundesverfassung.\n\n> «Die in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 11. März 2012 angenommene Zweitwohnungsinitiative bzw. der damit neu geschaffene Art. 75b BV beinhalten keinen umfassenden und somit abschliessenden Lösungsansatz für die Problematik der sog. ‹kalten Betten› und stehen der hier streitigen kommunalen Zweitwohnungssteuer mithin nicht entgegen.»\n\n### Ausnahmen und Sondernutzungspläne\n\n**BGE 146 II 80** vom 23. Januar 2020\nAus einem vor dem 11. März 2012 genehmigten Sondernutzungsplan muss mit hinreichender Klarheit hervorgehen, dass mindestens zu einem wesentlichen Teil Zweitwohnungen erstellt werden sollen.\nDas Urteil präzisiert die Voraussetzungen für Ausnahmen gestützt auf Altpläne.\n\n> «Aus dem Sondernutzungsplan muss mit hinreichender Klarheit hervorgehen, dass mindestens zu einem wesentlichen Teil die Erstellung von Zweitwohnungen bezweckt wird. Die blosse Absicht, Zweitwohnungen zu erstellen, genügt nicht.»\n\n### Raumplanerische Aspekte\n\n**BGE 140 II 25** vom 6. Dezember 2013\nDas Zweitwohnungsverbot ist bei der Überprüfung von Nutzungsplänen wegen veränderter Verhältnisse zu berücksichtigen.\nDas Urteil verdeutlicht die Auswirkungen von Art. 75b BV auf die kommunale Raumplanung.\n\n> «Die Einführung der Zweitwohnungsbeschränkung stellt eine wesentliche Änderung der rechtlichen Verhältnisse dar, die eine Überprüfung der kommunalen Nutzungsplanung erforderlich machen kann.»", "summary_fr": "# Art. 75b Cst — Résidences secondaires\n\n## Aperçu\n\nL'art. 75b Cst limite la construction de résidences secondaires en Suisse. Cette disposition découle de l'initiative populaire « Pour en finir avec les constructions envahissantes de résidences secondaires ! », acceptée le 11 mars 2012.\n\nLa règle de base est simple : dans les communes comptant plus de 20% de résidences secondaires, aucune nouvelle résidence secondaire ne peut plus être construite. Une résidence secondaire est un logement qui ne sert pas de domicile principal. La proportion est mesurée sur l'ensemble du parc de logements d'une commune.\n\nL'interdiction s'applique immédiatement et directement. Dès le jour de la votation, les nouvelles autorisations de construire des résidences secondaires dans les communes concernées sont devenues nulles. C'est ce qu'a décidé le Tribunal fédéral dans l'ATF de principe 139 II 243.\n\nLes résidences principales (domiciles principaux) sont exemptées de l'interdiction. Les maîtres d'ouvrage doivent cependant démontrer de manière crédible que le logement prévu sera effectivement utilisé comme domicile principal. En cas de soupçon d'abus de droit, les autorités procèdent à des vérifications approfondies.\n\nUne exception existe pour les résidences secondaires présentant un intérêt économique touristique. Celles-ci doivent être louées commercialement de manière permanente et apporter quelque chose à l'économie locale.\n\n**Exemple :** La commune de Verbier a une proportion de résidences secondaires de 75%. Depuis mars 2012, personne ne peut plus y construire un nouvel appartement de vacances. Quiconque projette malgré tout un chalet pour les vacances ne peut l'obtenir que comme résidence principale - mais doit alors effectivement y habiter.\n\nCette règle a des conséquences importantes : les valeurs foncières dans les communes concernées ont parfois chuté drastiquement. À l'inverse, il ne se crée plus de nouveaux « lits froids » qui ne sont utilisés que quelques semaines par an.\n\nLes associations de protection de la nature et du patrimoine peuvent recourir contre les autorisations de construire des résidences secondaires. Elles considèrent cette limitation comme un instrument important contre le mitage du paysage alpin.\n\nL'interdiction des résidences secondaires montre que la démocratie directe peut aussi intervenir dans des droits de propriété complexes, lorsque le peuple le veut.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'initiative populaire « Stopper la construction effrénée de résidences secondaires ! » fut déposée le 18 décembre 2007 par l'organisation environnementale Helvetia Nostra avec 111'101 signatures valables (FF 2008 1017, 8077). Cette initiative faisait suite à des décennies de débat sur les effets négatifs de la construction de résidences secondaires sur le paysage, les sites construits et les prix immobiliers dans les régions touristiques.\n\n**N. 2** Dans son message du 29 octobre 2008, le Conseil fédéral proposa le rejet de l'initiative sans contre-projet (FF 2008 8235). Il reconnaissait certes la problématique des « lits froids » et du mitage, mais considérait la limite rigide de 20 % comme trop schématique et craignait des conséquences économiques négatives pour les régions de montagne. Les conseils fédéraux suivirent cette recommandation.\n\n**N. 3** Le 11 mars 2012, le peuple et les cantons acceptèrent l'initiative par 50,6 % de oui et une majorité de 13½ cantons. Les nouvelles dispositions constitutionnelles (art. 75b et art. 197 ch. 9 Cst.) entrèrent en vigueur le même jour. Le Tribunal fédéral constata déjà dans l'**ATF 139 II 243** que l'art. 75b al. 1 Cst. était directement applicable, ce qui signifiait une césure juridique pour toutes les communes concernées.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 75b Cst. est systématiquement classé comme norme spéciale par rapport à l'art. 75 Cst. (aménagement du territoire) dans la 3e section du 2e titre (compétences). Cette disposition concrétise le principe d'aménagement du territoire de l'utilisation mesurée du sol pour le domaine spécifique des résidences secondaires (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 8).\n\n**N. 5** La norme présente des liens transversaux avec plusieurs dispositions constitutionnelles :\n- → Art. 73 Cst. (développement durable) comme principe directeur supérieur\n- → Art. 78 al. 2 Cst. (protection du paysage), ce qui fonde la qualité pour recourir des organisations de protection de la nature (**ATF 139 II 271**)\n- ↔ Art. 26 Cst. (garantie de la propriété) et art. 27 Cst. (liberté économique), dont les limites sont concrétisées par l'art. 75b Cst.\n- → Art. 36 al. 3 Cst. pour l'examen de la proportionnalité des restrictions\n\n**N. 6** Par rapport à la loi sur l'aménagement du territoire (LAT), l'art. 75b Cst. constitue une prescription minimale de droit constitutionnel. La loi sur les résidences secondaires (LRS) du 20 mars 2015 adoptée sur cette base concrétise le mandat constitutionnel, sans pouvoir reculer par rapport aux exigences minimales de droit constitutionnel (Waldmann, BSK BV, Art. 75b N. 33).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Proportion de résidences secondaires (al. 1)** : La limite de 20 % se réfère à la « proportion de résidences secondaires par rapport à l'ensemble du parc de logements et de la surface brute de plancher à usage d'habitation d'une commune ». L'Office fédéral du développement territorial (ARE) définit négativement les résidences secondaires comme tous les logements qui ne sont ni des résidences principales ni des résidences primaires (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 15).\n\n**N. 8** **Interdiction d'autoriser (al. 1)** : Dans les communes ayant une proportion de résidences secondaires supérieure à 20 %, « aucune nouvelle résidence secondaire ne peut être autorisée ». Le Tribunal fédéral interpréta largement cette interdiction dans l'**ATF 139 II 243** : elle couvre les nouvelles constructions, transformations, changements d'affectation et agrandissements qui mènent à de nouvelles résidences secondaires (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22).\n\n**N. 9** **Utilité pour l'économie touristique (al. 2)** : La loi prévoit des « solutions appropriées » pour les résidences secondaires présentant une utilité pour l'économie touristique. Cette disposition d'exception permet les appartements de vacances exploités qui sont loués commercialement (Griffel, ZBl 2014, 72).\n\n**N. 10** **Résidences principales comme risque de contournement** : Bien que les résidences principales soient exemptées de l'interdiction, il existe un risque d'abus de droit. Le Tribunal fédéral développa dans l'**ATF 142 II 206** et l'**ATF 145 II 99** des critères pour examiner si un projet de résidence principale est réaliste ou s'il vise à contourner l'interdiction des résidences secondaires (Mösching, Massnahmen zur Beschränkung von Zweitwohnungen, 245).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** **Nullité immédiate** : Les autorisations de construire pour de nouvelles résidences secondaires dans les communes dépassant la limite de 20 % sont nulles. L'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. ordonne la nullité de « toutes les autorisations de construire délivrées entre le 1er janvier de l'année suivant l'acceptation [...] et l'adoption des dispositions d'exécution » (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 25).\n\n**N. 12** **Aucune obligation d'indemniser** : L'interdiction des résidences secondaires redéfinit le contenu de la propriété et ne fonde en principe aucune prétention à indemnisation pour expropriation matérielle (**ATF 144 II 367**). La restriction de propriété est considérée comme supportable et proportionnée (Waldmann, Zweitwohnungen – vom Umgang mit einer sperrigen Verfassungsnorm, 147).\n\n**N. 13** **Qualité pour recourir élargie** : Les organisations de protection de la nature et du patrimoine peuvent recourir contre les autorisations de résidences secondaires, car l'art. 75b Cst. constitue une tâche fédérale au sens de l'art. 78 al. 2 Cst. (**ATF 139 II 271**). Les communes sont également habilitées à recourir contre les obligations de délivrer des autorisations qu'elles considèrent comme nulles (**ATF 140 II 378**).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 14** **Signification de droit intertemporel de l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst.** : La doctrine est divisée sur la portée de la disposition transitoire. La majorité de la doctrine (Waldmann, Baurecht 2013, 236 ; Ganz, Jusletter du 10.12.2012, marge 45) et les tribunaux cantonaux comprennent l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. comme une norme de droit intertemporel, selon laquelle les demandes de permis de construire déposées jusqu'au 31 décembre 2012 devaient être jugées selon l'ancien droit. Le Tribunal fédéral défend au contraire la position qu'il s'agit seulement d'un durcissement de la conséquence juridique dès le 1er janvier 2013, mais pas d'une norme de droit intertemporel (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 26).\n\n**N. 15** **Portée du domaine d'application directe** : La portée du « noyau dur » de l'applicabilité immédiate fait l'objet de discussions controversées. Le Tribunal fédéral le limite à l'érection de nouvelles résidences secondaires classiques (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22). Des parties de la doctrine (Anastasi/Canonica/Molo, Jusletter du 2.7.2012, marge 28) exigent une interprétation plus extensive qui inclurait aussi les changements d'affectation de constructions existantes.\n\n**N. 16** **Mesures de pilotage communales** : L'admissibilité d'impôts communaux sur les résidences secondaires en plus de l'interdiction de construire de droit fédéral est controversée. Le Tribunal fédéral affirma dans l'**ATF 140 I 176** la compatibilité avec l'art. 75b Cst., car celui-ci ne contenait pas d'approche de solution définitive pour les « lits froids ». Des voix critiques (Norer/Rütsche, Rechtliche Umsetzung, 89) y voient un contournement du concept de droit constitutionnel.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** **Preuve de l'utilisation comme résidence principale** : Les maîtres d'ouvrage doivent rendre crédible que les logements planifiés seront effectivement utilisés comme résidences principales. Les indices d'abus de droit sont : situation dans une pure destination de vacances, prix excessifs pour les indigènes, manque d'infrastructure pour les habitants permanents, absence de stratégie de commercialisation réaliste (Alig, Jusletter du 1.12.2014, marge 15).\n\n**N. 18** **Autorisations de construire d'ancien droit** : Les autorisations de construire délivrées avec force de chose jugée avant le 11 mars 2012 restent valables. En cas de modifications substantielles du projet, une nouvelle autorisation est cependant requise, qui est soumise à l'interdiction des résidences secondaires (Griffel, ZBl 2014, 75).\n\n**N. 19** **Fusions de communes** : Lors de regroupements de communes ayant des proportions de résidences secondaires différentes, la nouvelle proportion globale est déterminante. Cela peut avoir pour effet que des résidences secondaires auparavant interdites redeviennent admissibles ou inversement (Alig/Griffel, UBS Real Estate Focus 2015, 24).\n\n**N. 20** **Obligation d'exploitation** : Les résidences secondaires présentant une utilité pour l'économie touristique doivent être louées de manière durable et commerciale. Les charges doivent être annotées au registre foncier. En cas de violations, des interdictions d'usage et des amendes menacent (art. 26 al. 3 LRS).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Applicabilité directe et droit transitoire\n\n**ATF 139 II 243** du 11 mars 2012\nL'art. 75b al. 1 en relation avec l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. contient une interdiction directement applicable de délivrer des autorisations de construire pour les résidences secondaires dans les communes où la proportion de 20 % est atteinte ou dépassée.\nCet arrêt de principe a clarifié l'entrée en vigueur immédiate de l'initiative sur les résidences secondaires après son acceptation.\n\n> « L'art. 75b al. 1 en relation avec l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. contient une interdiction directement applicable de délivrer des autorisations de construire pour les résidences secondaires dans les communes où la proportion de 20 % est atteinte ou dépassée. Cette interdiction vaut pour toutes les autorisations de construire qui ont été délivrées en première instance dans les communes concernées depuis le 11 mars 2012. »\n\n**ATF 139 II 263** du 22 mai 2013\nLa disposition constitutionnelle est applicable aux demandes de construire déposées avant le 11 mars 2012 mais autorisées en première instance seulement après cette date.\nL'arrêt concrétise l'application transitoire aux procédures pendantes.\n\n> « En l'absence d'une réglementation transitoire spéciale, il faut appliquer les principes généraux. En conséquence, l'art. 75b al. 1 en relation avec l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. est en principe applicable lorsque l'autorisation de construire a été délivrée en première instance après son entrée en vigueur le 11 mars 2012. »\n\n**ATF 144 II 326** du 24 mai 2018  \nLa loi sur les résidences secondaires est applicable à toutes les demandes de construire qui n'étaient pas encore autorisées de manière définitive au 1er janvier 2016.\nL'arrêt clarifie la relation entre l'article constitutionnel et la loi d'exécution.\n\n> « La LRS est applicable à toutes les demandes de construire qui n'étaient pas encore autorisées de manière définitive au 1er janvier 2016 (date d'entrée en vigueur de la LRS). Ceci vaut aussi lorsque l'autorisation de construire a été délivrée en première instance avant l'entrée en vigueur de l'art. 75b Cst. le 11 mars 2012. »\n\n### Abus de droit concernant les résidences principales\n\n**ATF 142 II 206** du 3 mai 2016\nIl y a abus de droit lorsque le maître de l'ouvrage prétend créer une résidence principale mais souhaite en réalité contourner l'interdiction des résidences secondaires.\nArrêt de principe sur le contournement abusif de la limitation des résidences secondaires par des résidences principales fictives.\n\n> « Il existe un risque d'abus de droit lorsque le maître de l'ouvrage prétend créer une résidence principale mais a en réalité l'intention de contourner l'interdiction contenue dans l'art. 75b Cst. et l'art. 6 LRS. »\n\n**ATF 145 II 99** du 1er janvier 2018\nAbus de droit pour 12 résidences principales planifiées à Saanen en raison d'une commercialisation irréaliste comme résidences principales.\nL'arrêt concrétise les critères d'examen de l'abus de droit pour les projets de résidences principales.\n\n> « Selon la jurisprudence récente du Tribunal fédéral, il faut examiner d'office s'il existe des indices concrets qui font apparaître l'intention resp. la possibilité d'une utilisation du projet de construction comme résidence principale comme irréaliste. »\n\n### Qualité pour recourir et procédure\n\n**ATF 139 II 271** du 22 mai 2013\nLes associations de protection de la nature et du patrimoine ont qualité pour recourir contre les autorisations de construire pour les constructions de résidences secondaires, car la limitation des résidences secondaires constitue une tâche fédérale de protection du paysage.\nL'arrêt élargit le cercle des personnes habilitées à recourir contre les constructions de résidences secondaires.\n\n> « Le plafonnement de la construction de résidences secondaires selon l'art. 75b Cst. constitue une tâche fédérale qui sert à la protection de la nature et du paysage patrimonial. »\n\n**ATF 140 II 378** du 15 août 2014\nLes communes ont qualité pour recourir contre les décisions qui les obligent à délivrer, selon leur conception, des autorisations de résidences secondaires nulles.\nL'arrêt renforce la position juridique des communes dans l'application de l'interdiction des résidences secondaires.\n\n> « La commune a qualité pour recourir contre une décision qui l'oblige à délivrer une autorisation de construire qui serait selon elle nulle selon l'art. 197 ch. 9 al. 2 Cst. »\n\n### Aspects relevant du droit de l'expropriation\n\n**ATF 144 II 367** du 6 août 2018\nL'interdiction des résidences secondaires redéfinit le contenu de la propriété et ne fonde en principe aucun droit à indemnisation.\nArrêt de principe sur l'appréciation de la limitation des résidences secondaires du point de vue du droit de l'expropriation.\n\n> « La limitation des résidences secondaires redéfinit le contenu de la propriété. Lorsque le contenu de la propriété est redéfini, une indemnisation pour expropriation matérielle est en principe exclue. »\n\n### Aspects fiscaux\n\n**ATF 140 I 176** du 1er janvier 2014\nLes impôts communaux sur les résidences secondaires sont licites, car l'art. 75b Cst. ne contient pas d'approche de solution exhaustive pour le problème des « lits froids ».\nL'arrêt confirme la compatibilité des mesures d'incitation communales avec la Constitution fédérale.\n\n> « L'initiative sur les résidences secondaires acceptée lors de la votation populaire fédérale du 11 mars 2012 resp. l'art. 75b Cst. ainsi créé ne contient pas d'approche de solution globale et donc exhaustive pour la problématique des soi-disant ‹ lits froids › et ne s'oppose par conséquent pas à l'impôt communal sur les résidences secondaires litigieux en l'espèce. »\n\n### Exceptions et plans d'affectation spéciaux\n\n**ATF 146 II 80** du 23 janvier 2020\nIl doit ressortir avec une clarté suffisante d'un plan d'affectation spécial approuvé avant le 11 mars 2012 qu'il vise à créer des résidences secondaires au moins pour une part essentielle.\nL'arrêt précise les conditions pour les exceptions fondées sur d'anciens plans.\n\n> « Il doit ressortir du plan d'affectation spécial avec une clarté suffisante qu'il vise au moins pour une part essentielle la création de résidences secondaires. La simple intention de créer des résidences secondaires ne suffit pas. »\n\n### Aspects d'aménagement du territoire\n\n**ATF 140 II 25** du 6 décembre 2013\nL'interdiction des résidences secondaires doit être prise en compte lors du réexamen des plans d'affectation en raison de circonstances modifiées.\nL'arrêt illustre les effets de l'art. 75b Cst. sur l'aménagement du territoire communal.\n\n> « L'introduction de la limitation des résidences secondaires constitue un changement essentiel des circonstances juridiques qui peut rendre nécessaire un réexamen de la planification d'affectation communale. »", "summary_it": "# Art. 75b Cost. — Abitazioni secondarie\n\n## Panoramica\n\nL'art. 75b Cost. limita la costruzione di abitazioni secondarie in Svizzera. La disposizione è nata dall'iniziativa popolare «Basta con la costruzione sfrenata di abitazioni secondarie!», accettata l'11 marzo 2012.\n\nLa regola fondamentale è semplice: nei Comuni con più del 20% di abitazioni secondarie non possono più essere costruite nuove abitazioni secondarie. Un'abitazione secondaria è un'abitazione che non serve come dimora principale. La quota è misurata sul totale del parco abitativo di un Comune.\n\nIl divieto vale immediatamente e direttamente. Già il giorno della votazione le nuove licenze edilizie per abitazioni secondarie nei Comuni interessati sono divenute nulle. Lo ha stabilito il Tribunale federale nella sentenza di principio DTF 139 II 243.\n\nLe abitazioni primarie (dimora principale) sono esentate dal divieto. I committenti devono però rendere credibile che l'abitazione pianificata sarà effettivamente utilizzata come dimora principale. In caso di sospetto di abuso del diritto le autorità verificano con attenzione.\n\nEsiste un'eccezione per le abitazioni secondarie con utilità turistico-economica. Queste devono essere affittate permanentemente a scopo commerciale e portare beneficio all'economia locale.\n\n**Esempio:** Il Comune di Verbier ha una quota di abitazioni secondarie del 75%. Là dal marzo 2012 nessuno può più costruire un nuovo appartamento per le vacanze. Chi progetta comunque uno chalet per le vacanze può ottenere l'autorizzazione solo come abitazione primaria - ma deve anche abitarci.\n\nLa regola ha conseguenze di vasta portata: i valori fondiari nei Comuni interessati sono in parte drasticamente diminuiti. Al contrario non nascono più nuovi «letti freddi» che vengono utilizzati solo poche settimane all'anno.\n\nLe associazioni per la protezione della natura e del paesaggio possono presentare ricorso contro le licenze edilizie per abitazioni secondarie. Vedono la limitazione come uno strumento importante contro l'edificazione incontrollata del paesaggio montano.\n\nIl divieto delle abitazioni secondarie dimostra: la democrazia diretta può intervenire anche in diritti di proprietà complessi, se il popolo lo vuole.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'iniziativa popolare «Basta con la costruzione sfrenata di abitazioni secondarie!» è stata depositata il 18 dicembre 2007 dall'organizzazione ambientalista Helvetia Nostra con 111'101 firme valide (FF 2008 1113, 8609). L'iniziativa è stata preceduta da un dibattito durato decenni sugli effetti negativi della costruzione di abitazioni secondarie sul paesaggio, sull'aspetto delle località e sui prezzi immobiliari nelle regioni turistiche.\n\n**N. 2** Nel suo messaggio del 29 ottobre 2008, il Consiglio federale ha proposto di respingere l'iniziativa senza controprogetto (FF 2008 8757). Pur riconoscendo la problematica dei «letti freddi» e dello sprawl urbano, riteneva che il limite fisso del 20% fosse troppo schematico e temeva conseguenze economiche negative per le regioni di montagna. Le Camere federali hanno seguito questa raccomandazione.\n\n**N. 3** L'11 marzo 2012, popolo e Cantoni hanno accettato l'iniziativa con il 50,6% di voti favorevoli e una maggioranza di 13½ Cantoni. Le nuove disposizioni costituzionali (art. 75b e art. 197 n. 9 Cost.) sono entrate in vigore lo stesso giorno. Il Tribunale federale ha stabilito già nella **DTF 139 II 243** che l'art. 75b cpv. 1 Cost. fosse direttamente applicabile, il che ha significato una cesura giuridica per tutti i Comuni interessati.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 75b Cost. è sistematicamente collocato come norma speciale rispetto all'art. 75 Cost. (pianificazione del territorio) nella sezione 3 del titolo 2 (competenze). La disposizione concretizza il principio pianificatorio dell'utilizzo parsimonioso del suolo per l'ambito specifico delle abitazioni secondarie (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 8).\n\n**N. 5** La norma presenta collegamenti trasversali con diverse disposizioni costituzionali:\n- → art. 73 Cost. (sostenibilità) come principio direttivo superiore\n- → art. 78 cpv. 2 Cost. (protezione del paesaggio), che giustifica la legittimazione di ricorso delle organizzazioni ambientaliste (**DTF 139 II 271**)\n- ↔ art. 26 Cost. (garanzia della proprietà) e art. 27 Cost. (libertà economica), i cui limiti vengono concretizzati dall'art. 75b Cost.\n- → art. 36 cpv. 3 Cost. per l'esame di proporzionalità delle limitazioni\n\n**N. 6** Nel rapporto con la Legge sulla pianificazione del territorio (LPT), l'art. 75b Cost. rappresenta un requisito minimo costituzionale. La Legge sulle abitazioni secondarie (LASec) del 20 marzo 2015 emanata su questa base concretizza il mandato costituzionale, senza poter scendere al di sotto dei requisiti minimi costituzionali (Waldmann, BSK BV, Art. 75b N. 33).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Quota di abitazioni secondarie (cpv. 1)**: Il limite del 20% si riferisce alla «quota di abitazioni secondarie sul totale delle unità abitative e della superficie lorda di pavimento utilizzata a scopi abitativi di un Comune». L'Ufficio federale dello sviluppo territoriale (ARE) definisce le abitazioni secondarie negativamente come tutte le abitazioni che non sono né prime abitazioni né abitazioni principali (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 15).\n\n**N. 8** **Divieto di autorizzazione edilizia (cpv. 1)**: Nei Comuni con una quota di abitazioni secondarie superiore al 20% «non possono essere autorizzate nuove abitazioni secondarie». Il Tribunale federale ha interpretato questo divieto ampiamente nella **DTF 139 II 243**: comprende nuove costruzioni, trasformazioni, cambi di destinazione e ampliamenti che portano a nuove abitazioni secondarie (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22).\n\n**N. 9** **Utilità per l'economia turistica (cpv. 2)**: La legge prevede «soluzioni adeguate» per le abitazioni secondarie con utilità per l'economia turistica. Questa disposizione d'eccezione permette appartamenti di vacanza gestiti che vengono affittati commercialmente (Griffel, ZBl 2014, 72).\n\n**N. 10** **Prime abitazioni come rischio di elusione**: Sebbene le prime abitazioni siano escluse dal divieto, esiste il rischio di abuso del diritto. Il Tribunale federale ha sviluppato nelle **DTF 142 II 206** e **DTF 145 II 99** criteri per verificare se un progetto di prima abitazione sia realistico o se intenda eludere il divieto di abitazioni secondarie (Mösching, Massnahmen zur Beschränkung von Zweitwohnungen, 245).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** **Nullità immediata**: Le autorizzazioni edilizie per nuove abitazioni secondarie nei Comuni sopra il limite del 20% sono nulle. L'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. stabilisce la nullità di «tutte le autorizzazioni edilizie rilasciate tra il 1° gennaio dell'anno successivo all'accettazione [...] e l'emanazione delle disposizioni d'esecuzione» (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 25).\n\n**N. 12** **Nessun obbligo di indennizzo**: Il divieto di abitazioni secondarie ridefinisce il contenuto della proprietà e in linea di principio non giustifica pretese di indennizzo da espropriazione materiale (**DTF 144 II 367**). La limitazione della proprietà è considerata ragionevole e proporzionata (Waldmann, Zweitwohnungen – vom Umgang mit einer sperrigen Verfassungsnorm, 147).\n\n**N. 13** **Legittimazione di ricorso estesa**: Le organizzazioni per la protezione della natura e del paesaggio possono ricorrere contro le autorizzazioni per abitazioni secondarie, poiché l'art. 75b Cost. rappresenta un compito federale nel senso dell'art. 78 cpv. 2 Cost. (**DTF 139 II 271**). Anche i Comuni sono legittimati a ricorrere contro obblighi di rilasciare autorizzazioni che ritengono nulle (**DTF 140 II 378**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Significato intertemporale dell'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost.**: La dottrina è divisa sulla portata della disposizione transitoria. La maggior parte della dottrina (Waldmann, Baurecht 2013, 236; Ganz, Jusletter v. 10.12.2012, n. marg. 45) e i tribunali cantonali intendono l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. come norma intertemporale, secondo cui le domande di costruzione depositate fino al 31 dicembre 2012 dovevano essere giudicate secondo il diritto precedente. Il Tribunale federale sostiene invece la posizione che si tratti soltanto di un inasprimento della conseguenza giuridica dal 1° gennaio 2013, ma non di una norma intertemporale (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 26).\n\n**N. 15** **Portata dell'ambito di applicazione diretta**: Si discute controversamente fino a dove si estenda il «nucleo duro» dell'applicabilità immediata. Il Tribunale federale lo limita alla costruzione di classiche nuove abitazioni secondarie (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22). Parti della dottrina (Anastasi/Canonica/Molo, Jusletter v. 2.7.2012, n. marg. 28) chiedono un'interpretazione più estensiva che comprenda anche i cambi di destinazione di edifici esistenti.\n\n**N. 16** **Misure di orientamento comunali**: La compatibilità delle tasse comunali sulle abitazioni secondarie accanto al divieto edilizio di diritto federale è controversa. Il Tribunale federale ha affermato nella **DTF 140 I 176** la compatibilità con l'art. 75b Cost., poiché questo non contiene un approccio risolutivo conclusivo per i «letti freddi». Voci critiche (Norer/Rütsche, Rechtliche Umsetzung, 89) vi vedono un'elusione del concetto costituzionale.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Prova dell'utilizzo come prima abitazione**: I committenti devono rendere credibile che le abitazioni pianificate vengano effettivamente utilizzate come prime abitazioni. Indizi di abuso del diritto sono: ubicazione in una destinazione puramente turistica, prezzi eccessivi per la popolazione locale, mancanza di infrastrutture per residenti permanenti, nessuna strategia di commercializzazione realistica (Alig, Jusletter v. 1.12.2014, n. marg. 15).\n\n**N. 18** **Autorizzazioni edilizie di diritto previgente**: Le autorizzazioni edilizie rilasciate in modo definitivo prima dell'11 marzo 2012 rimangono valide. In caso di modifiche sostanziali del progetto è tuttavia necessaria una nuova autorizzazione, che sottostà al divieto di abitazioni secondarie (Griffel, ZBl 2014, 75).\n\n**N. 19** **Fusioni di Comuni**: In caso di fusioni di Comuni con diverse quote di abitazioni secondarie, è determinante la nuova quota complessiva. Questo può portare al fatto che abitazioni secondarie precedentemente vietate divengano nuovamente ammissibili o viceversa (Alig/Griffel, UBS Real Estate Focus 2015, 24).\n\n**N. 20** **Obbligo di gestione**: Le abitazioni secondarie con utilità per l'economia turistica devono essere affittate in modo permanente e commerciale. Gli oneri devono essere annotati nel registro fondiario. In caso di violazioni minacciano divieti di utilizzo e multe (art. 26 cpv. 3 LASec).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Applicabilità immediata e diritto transitorio\n\n**BGE 139 II 243** dell'11 marzo 2012\nL'art. 75b cpv. 1 in combinato disposto con l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. contiene un divieto di rilascio di licenze edilizie per abitazioni secondarie direttamente applicabile nei Comuni in cui è raggiunta o superata la quota del 20%.\nLa sentenza di principio ha chiarito l'efficacia immediata dell'iniziativa sulle abitazioni secondarie dopo la sua accettazione.\n\n> «L'art. 75b cpv. 1 in combinato disposto con l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. contiene un divieto di rilascio di licenze edilizie per abitazioni secondarie direttamente applicabile nei Comuni in cui è raggiunta o superata la quota del 20%. Questo divieto vale per tutte le licenze edilizie rilasciate in prima istanza dall'11 marzo 2012 nei Comuni interessati.»\n\n**BGE 139 II 263** del 22 maggio 2013\nLa disposizione costituzionale è applicabile alle domande di costruzione presentate prima dell'11 marzo 2012 ma autorizzate in prima istanza solo dopo tale data.\nLa sentenza concretizza l'applicazione del diritto transitorio alle procedure pendenti.\n\n> «In mancanza di una disciplina transitoria speciale, si applicano i principi generali. Di conseguenza, l'art. 75b cpv. 1 in combinato disposto con l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost. è in principio applicabile se la licenza edilizia è stata rilasciata in prima istanza dopo la sua entrata in vigore l'11 marzo 2012.»\n\n**BGE 144 II 326** del 24 maggio 2018  \nLa Legge sulle abitazioni secondarie è applicabile a tutte le domande di costruzione che al 1° gennaio 2016 non erano ancora autorizzate con decisione passata in giudicato.\nLa sentenza chiarisce il rapporto tra articolo costituzionale e legge d'esecuzione.\n\n> «La LASec è applicabile a tutte le domande di costruzione che al 1° gennaio 2016 (data di entrata in vigore della LASec) non erano ancora autorizzate con decisione passata in giudicato. Ciò vale anche se la licenza edilizia è stata rilasciata in prima istanza prima dell'entrata in vigore dell'art. 75b Cost. l'11 marzo 2012.»\n\n### Abuso del diritto per abitazioni primarie\n\n**BGE 142 II 206** del 3 maggio 2016\nL'abuso del diritto sussiste quando il committente finge di costruire un'abitazione primaria, ma in realtà vuole aggirare il divieto delle abitazioni secondarie.\nDecisione di principio sull'aggiramento abusivo della limitazione delle abitazioni secondarie tramite abitazioni primarie fittizie.\n\n> «Sussiste il pericolo di abuso del diritto quando il committente finge di costruire un'abitazione primaria, ma in realtà intende aggirare il divieto contenuto nell'art. 75b Cost. e nell'art. 6 LASec.»\n\n**BGE 145 II 99** del 1° gennaio 2018\nAbuso del diritto per 12 abitazioni primarie pianificate a Saanen a causa della commercializzazione non realistica come abitazioni primarie.\nLa sentenza concretizza i criteri di verifica per l'abuso del diritto nei progetti di abitazioni primarie.\n\n> «Secondo la giurisprudenza più recente del Tribunale federale, deve essere verificato d'ufficio se sussistono indizi concreti che rendono irrealistico l'intento rispettivamente la possibilità di utilizzare il progetto di costruzione come abitazione primaria.»\n\n### Legittimazione al ricorso e procedura\n\n**BGE 139 II 271** del 22 maggio 2013\nLe associazioni per la protezione della natura e del paesaggio sono legittimate a ricorrere contro le licenze edilizie per costruzioni di abitazioni secondarie, poiché la limitazione delle abitazioni secondarie rappresenta un compito federale di tutela del paesaggio.\nLa sentenza amplia la cerchia dei legittimati al ricorso contro le costruzioni di abitazioni secondarie.\n\n> «Il plafond delle costruzioni di abitazioni secondarie secondo l'art. 75b Cost. rappresenta un compito federale che serve alla tutela della natura e del paesaggio tipico del paese.»\n\n**BGE 140 II 378** del 15 agosto 2014\nI Comuni sono legittimati a ricorrere contro decisioni che li obbligano a rilasciare autorizzazioni per abitazioni secondarie che ritengono nulle.\nLa sentenza rafforza la posizione giuridica dei Comuni nell'applicazione del divieto delle abitazioni secondarie.\n\n> «Il Comune è legittimato a ricorrere contro una decisione che lo obbliga a rilasciare una licenza edilizia che a suo avviso sarebbe nulla secondo l'art. 197 n. 9 cpv. 2 Cost.»\n\n### Aspetti di diritto espropriativo\n\n**BGE 144 II 367** del 6 agosto 2018\nIl divieto delle abitazioni secondarie ridefinisce il contenuto della proprietà e in principio non fonda alcun diritto all'indennizzo.\nSentenza di principio sulla valutazione dal punto di vista del diritto espropriativo della limitazione delle abitazioni secondarie.\n\n> «La limitazione delle abitazioni secondarie ridefinisce il contenuto della proprietà. Quando il contenuto della proprietà viene ridefinito, un indennizzo per espropriazione materiale è in principio escluso.»\n\n### Aspetti di diritto fiscale\n\n**BGE 140 I 176** del 1° gennaio 2014\nLe imposte comunali sulle abitazioni secondarie sono ammissibili, poiché l'art. 75b Cost. non contiene un approccio risolutivo conclusivo per il problema dei «letti freddi».\nLa sentenza conferma la compatibilità delle misure di orientamento comunali con la Costituzione federale.\n\n> «L'iniziativa sulle abitazioni secondarie accettata nella votazione popolare federale dell'11 marzo 2012 rispettivamente il nuovo art. 75b Cost. creato con essa non contengono un approccio risolutivo globale e dunque conclusivo per la problematica dei cosiddetti ‹letti freddi› e pertanto non si oppongono all'imposta comunale sulle abitazioni secondarie qui controversa.»\n\n### Eccezioni e piani di utilizzazione speciale\n\n**BGE 146 II 80** del 23 gennaio 2020\nDa un piano di utilizzazione speciale approvato prima dell'11 marzo 2012 deve risultare con sufficiente chiarezza che si intende costruire abitazioni secondarie almeno per una parte sostanziale.\nLa sentenza precisa i presupposti per le eccezioni fondate sui piani antecedenti.\n\n> «Dal piano di utilizzazione speciale deve risultare con sufficiente chiarezza che si mira alla costruzione di abitazioni secondarie almeno per una parte sostanziale. La mera intenzione di costruire abitazioni secondarie non è sufficiente.»\n\n### Aspetti di pianificazione del territorio\n\n**BGE 140 II 25** del 6 dicembre 2013\nIl divieto delle abitazioni secondarie deve essere considerato nella verifica dei piani di utilizzazione a causa del cambiamento delle circostanze.\nLa sentenza chiarisce gli effetti dell'art. 75b Cost. sulla pianificazione territoriale comunale.\n\n> «L'introduzione della limitazione delle abitazioni secondarie rappresenta un cambiamento sostanziale delle circostanze giuridiche che può rendere necessaria una verifica della pianificazione dell'utilizzazione comunale.»", "summary_en": "# Art. 75b BV — Second homes\n\n## Overview\n\nArt. 75b BV limits the construction of second homes in Switzerland. The provision originated from the popular initiative «Stop the excessive construction of second homes!», which was accepted on 11 March 2012.\n\nThe core rule is simple: In municipalities with more than 20% second homes, no new second homes may be built. A second home is a dwelling that does not serve as a principal residence. The proportion is measured against the entire housing stock of a municipality.\n\nThe prohibition applies immediately and directly. Already on the day of the vote, new second home construction permits in affected municipalities became void. This was decided by the Federal Supreme Court in the landmark judgment BGE 139 II 243.\n\nFirst homes (principal residences) are exempt from the prohibition. However, builders must credibly demonstrate that the planned dwelling will actually be used as a principal residence. In case of suspected abuse of rights, the authorities scrutinise carefully.\n\nAn exception exists for second homes with tourism economic benefit. These must be permanently rented commercially and bring something to the local economy.\n\n**Example:** The municipality of Verbier has a second home share of 75%. There, no one has been allowed to build a new holiday apartment since March 2012. Anyone who nevertheless plans a chalet for holidays can only have it approved as a first home - but must then also live there.\n\nThe rule has far-reaching consequences: Property values in affected municipalities fell dramatically in some cases. Conversely, no new «cold beds» are created that are only used a few weeks per year.\n\nNature and heritage protection associations can file appeals against second home construction permits. They see the restriction as an important instrument against urban sprawl in the mountain landscape.\n\nThe second home prohibition shows: Direct democracy can also intervene in complex property rights when the people want this.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The popular initiative «Stop the limitless construction of second homes!» was submitted on 18 December 2007 by the environmental organisation Helvetia Nostra with 111,101 valid signatures (BBl 2008 1113, 8609). The initiative was preceded by decades of discussion about the negative effects of second home construction on landscapes, townscapes and real estate prices in tourist regions.\n\n**N. 2** In its message of 29 October 2008, the Federal Council recommended rejection of the initiative without a counter-proposal (BBl 2008 8757). While acknowledging the problem of «cold beds» and urban sprawl, it considered the rigid 20% limit too schematic and feared negative economic consequences for mountain regions. The federal chambers followed this recommendation.\n\n**N. 3** On 11 March 2012, the people and cantons accepted the initiative with 50.6% yes votes and a majority of 13½ cantons. The new constitutional provisions (Art. 75b and Art. 197 no. 9 Cst.) entered into force on the same day. The Federal Supreme Court established in **BGE 139 II 243** that Art. 75b para. 1 Cst. was directly applicable, marking a legal turning point for all affected municipalities.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 75b Cst. is systematically classified as a special norm to Art. 75 Cst. (Spatial planning) in the 3rd section of Title 2 (Powers). The provision concretises the spatial planning principle of economical use of land for the specific area of second homes (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 8).\n\n**N. 5** The norm has cross-connections to several constitutional provisions:\n- → Art. 73 Cst. (Sustainability) as an overarching guiding principle\n- → Art. 78 para. 2 Cst. (Landscape protection), which establishes the standing of nature conservation associations (**BGE 139 II 271**)\n- ↔ Art. 26 Cst. (Guarantee of property) and Art. 27 Cst. (Economic freedom), whose limits are concretised by Art. 75b Cst.\n- → Art. 36 para. 3 Cst. for the proportionality test of restrictions\n\n**N. 6** In relation to the Spatial Planning Act (SPA), Art. 75b Cst. represents a constitutional minimum requirement. The Second Homes Act (SHA) of 20 March 2015, enacted on this basis, concretises the constitutional mandate without being permitted to fall below the constitutional minimum requirements (Waldmann, BSK BV, Art. 75b N. 33).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 7** **Proportion of second homes (para. 1)**: The 20% limit refers to the «proportion of second homes in the total stock of residential units and gross floor area used for residential purposes in a municipality». The Federal Office for Spatial Development (ARE) defines second homes negatively as all dwellings that are neither first nor main residences (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 15). \n\n**N. 8** **Building permit prohibition (para. 1)**: In municipalities with a second home proportion exceeding 20%, «no new second homes may be authorised». The Federal Supreme Court interpreted this prohibition broadly in **BGE 139 II 243**: It covers new construction, reconstruction, change of use and extensions that result in new second homes (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22).\n\n**N. 9** **Tourism economic benefit (para. 2)**: The law provides for «appropriate solutions» for second homes with tourism economic benefit. This exception provision enables managed holiday apartments that are commercially rented (Griffel, ZBl 2014, 72).\n\n**N. 10** **First homes as circumvention risk**: Although first homes are exempt from the prohibition, there is a risk of abuse of rights. The Federal Supreme Court developed criteria in **BGE 142 II 206** and **BGE 145 II 99** for examining whether a first home project is realistic or intended to circumvent the second home prohibition (Mösching, Massnahmen zur Beschränkung von Zweitwohnungen, 245).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** **Immediate nullity**: Building permits for new second homes in municipalities exceeding the 20% limit are null and void. Art. 197 no. 9 para. 2 Cst. declares null «all building permits granted between 1 January of the year following acceptance [...] and the enactment of implementing provisions» (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 25).\n\n**N. 12** **No duty to compensate**: The second home prohibition redefines the content of property and generally does not establish claims for compensation for material expropriation (**BGE 144 II 367**). The property restriction is deemed reasonable and proportionate (Waldmann, Zweitwohnungen – vom Umgang mit einer sperrigen Verfassungsnorm, 147).\n\n**N. 13** **Extended standing to appeal**: Nature and heritage protection associations may appeal against second home permits, as Art. 75b Cst. represents a federal task within the meaning of Art. 78 para. 2 Cst. (**BGE 139 II 271**). Municipalities are also entitled to appeal against obligations to grant permits they consider null and void (**BGE 140 II 378**).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 14** **Intertemporal significance of Art. 197 no. 9 para. 2 Cst.**: Legal doctrine is divided on the scope of the transitional provision. The majority of doctrine (Waldmann, Baurecht 2013, 236; Ganz, Jusletter of 10.12.2012, para. 45) and cantonal courts understand Art. 197 no. 9 para. 2 Cst. as an intertemporal norm, whereby building applications filed by 31 December 2012 were to be assessed under previous law. The Federal Supreme Court, by contrast, takes the position that this merely represents an aggravation of the legal consequence from 1 January 2013, not an intertemporal norm (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 26).\n\n**N. 15** **Scope of direct application**: The extent of the «hard core» of direct applicability is controversially discussed. The Federal Supreme Court restricts it to the construction of classic new second homes (Alig/Griffel, BSK BV, Art. 75b N. 22). Parts of doctrine (Anastasi/Canonica/Molo, Jusletter of 2.7.2012, para. 28) call for a more extensive interpretation that also covers changes of use of existing buildings.\n\n**N. 16** **Municipal steering measures**: The permissibility of municipal second home taxes alongside the federal building prohibition is disputed. The Federal Supreme Court affirmed in **BGE 140 I 176** compatibility with Art. 75b Cst., as this does not contain a conclusive solution approach for «cold beds». Critical voices (Norer/Rütsche, Rechtliche Umsetzung, 89) see this as circumvention of the constitutional concept.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** **Proof of first home use**: Building applicants must credibly demonstrate that planned dwellings will actually be used as first homes. Indicia of abuse of rights are: location in pure holiday destination, excessive prices for locals, lack of infrastructure for permanent residents, no realistic marketing strategy (Alig, Jusletter of 1.12.2014, para. 15).\n\n**N. 18** **Building permits under previous law**: Building permits granted with legal force before 11 March 2012 remain valid. However, substantial project changes require a new permit, which is subject to the second home prohibition (Griffel, ZBl 2014, 75).\n\n**N. 19** **Municipal mergers**: In mergers of municipalities with different second home proportions, the new total proportion is decisive. This can result in previously prohibited second homes becoming permissible again or vice versa (Alig/Griffel, UBS Real Estate Focus 2015, 24).\n\n**N. 20** **Management obligation**: Second homes with tourism economic benefit must be permanently and commercially rented. The conditions are to be noted in the land register. Violations are subject to prohibitions on use and fines (Art. 26 para. 3 SHA).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Direct Applicability and Transitional Law\n\n**BGE 139 II 243** of 11 March 2012\nArt. 75b para. 1 in conjunction with Art. 197 no. 9 para. 2 Fed. Const. contains a directly applicable building permit prohibition for second homes in municipalities where the 20% share is reached or exceeded.\nThis landmark ruling created clarity regarding the immediate effect of the second homes initiative after its adoption.\n\n> «Art. 75b para. 1 in conjunction with Art. 197 no. 9 para. 2 Fed. Const. contains a directly applicable building permit prohibition for second homes in municipalities where the 20% share is reached or exceeded. This prohibition applies to all building permits that have been granted at first instance in the affected municipalities since 11 March 2012.»\n\n**BGE 139 II 263** of 22 May 2013\nThe constitutional provision is applicable to building applications that were submitted before 11 March 2012 but were only granted at first instance after that date.\nThe ruling specifies the transitional application to pending proceedings.\n\n> «In the absence of a special transitional provision, the general principles must be applied. Accordingly, Art. 75b para. 1 in conjunction with Art. 197 no. 9 para. 2 Fed. Const. is in principle applicable if the building permit was granted at first instance after its entry into force on 11 March 2012.»\n\n**BGE 144 II 326** of 24 May 2018  \nThe Second Homes Act is applicable to all building applications that had not yet been definitively approved on 1 January 2016.\nThe ruling clarifies the relationship between the constitutional article and the implementing law.\n\n> «The SHA is applicable to all building applications that had not yet been definitively approved on 1 January 2016 (date of entry into force of the SHA). This also applies if the building permit was granted at first instance before the entry into force of Art. 75b Fed. Const. on 11 March 2012.»\n\n### Abuse of Rights in Primary Residences\n\n**BGE 142 II 206** of 3 May 2016\nAbuse of rights exists when the building owner claims to be creating a primary residence but actually intends to circumvent the second homes prohibition.\nLandmark decision on the abusive circumvention of second homes restrictions through feigned primary residences.\n\n> «There is a risk of abuse of rights when the building owner claims to be creating a primary residence but actually intends to circumvent the prohibition contained in Art. 75b Fed. Const. and Art. 6 SHA.»\n\n**BGE 145 II 99** of 1 January 2018\nAbuse of rights in 12 planned primary residences in Saanen due to unrealistic marketing as primary residences.\nThe ruling specifies the criteria for examining abuse of rights in primary residence projects.\n\n> «According to the newer case law of the Federal Supreme Court, it must be examined ex officio whether concrete indications exist that make the intention or possibility of primary residence use of the building project appear unrealistic.»\n\n### Standing to Appeal and Procedure\n\n**BGE 139 II 271** of 22 May 2013\nNature and heritage protection associations have standing to appeal against building permits for second home construction, as second homes restrictions represent a federal task of landscape conservation.\nThe ruling expands the circle of those entitled to appeal against second home construction.\n\n> «The capping of second home construction according to Art. 75b Fed. Const. represents a federal task that serves to protect nature and the domestic landscape.»\n\n**BGE 140 II 378** of 15 August 2014\nMunicipalities have standing to appeal against decisions that oblige them to grant second home permits that they consider void.\nThe ruling strengthens the legal position of municipalities in enforcing the second homes prohibition.\n\n> «The municipality has standing to appeal against a decision that obliges it to grant a building permit that would, in its view, be void according to Art. 197 no. 9 para. 2 Fed. Const.»\n\n### Expropriation Law Aspects\n\n**BGE 144 II 367** of 6 August 2018\nThe second homes prohibition redefines the content of property rights and does not generally create a right to compensation.\nLandmark ruling on the expropriation law assessment of second homes restrictions.\n\n> «The restriction of second homes redefines the content of property rights. When the content of property rights is newly defined, compensation for material expropriation is in principle excluded.»\n\n### Tax Law Aspects\n\n**BGE 140 I 176** of 1 January 2014\nMunicipal second homes taxes are permissible, as Art. 75b Fed. Const. does not contain a conclusive solution for the problem of \"cold beds\".\nThe ruling confirms the compatibility of municipal steering measures with the Federal Constitution.\n\n> «The second homes initiative adopted in the federal referendum of 11 March 2012, or the newly created Art. 75b Fed. Const., does not contain a comprehensive and thus conclusive solution for the problem of so-called ‹cold beds› and therefore does not preclude the disputed municipal second homes tax.»\n\n### Exceptions and Special Land Use Plans\n\n**BGE 146 II 80** of 23 January 2020\nA special land use plan approved before 11 March 2012 must clearly show that second homes are to be built at least to a substantial extent.\nThe ruling specifies the requirements for exceptions based on old plans.\n\n> «The special land use plan must clearly show that the construction of second homes is intended at least to a substantial extent. The mere intention to build second homes is not sufficient.»\n\n### Spatial Planning Aspects\n\n**BGE 140 II 25** of 6 December 2013\nThe second homes prohibition must be considered when reviewing land use plans due to changed circumstances.\nThe ruling illustrates the effects of Art. 75b Fed. Const. on municipal spatial planning.\n\n> «The introduction of second homes restrictions represents a substantial change in legal circumstances that may require a review of municipal land use planning.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_75b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-18", "summary_quality_score": 0.85, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-18", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-18", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 76, "article_suffix": "", "title": "Wasser", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 76 BV regelt die Wasserwirtschaft in der Schweiz. Er teilt die Aufgaben zwischen Bund und Kantonen auf: Der Bund schützt das Wasser vor Verschmutzung und Übernutzung. Er macht Gesetze über saubere Gewässer, Wasserkraftwerke und Hochwasserschutz. Die Kantone besitzen die Wasservorkommen auf ihrem Gebiet und dürfen sie nutzen oder die Nutzung anderen erlauben.\n\nDie Kantone können für die Wassernutzung Gebühren erheben. Ein Beispiel ist der Wasserzins: Wer ein Wasserkraftwerk betreibt, zahlt dem Kanton eine Abgabe für das genutzte Wasser. Diese Gebühren fließen oft in die Gemeindekassen der Berggebiete, wo die Kraftwerke stehen.\n\nDer Bund kann selber Wasser für seine Verkehrsbetriebe nutzen. Zum Beispiel braucht die SBB Wasser für ihre Wasserkraftwerke, die Bahnstrom erzeugen. Dafür zahlt sie ebenfalls Gebühren an die Kantone.\n\nBei grenzüberschreitenden Gewässern entscheidet der Bund allein. Das betrifft etwa den Rhein oder die Grenzgewässer zu Deutschland, Österreich oder Italien. Wenn zwei Kantone sich nicht über ein Gewässer einigen können, schlichtet der Bund.\n\nDie Wasservorkommen gehören rechtlich den Kantonen. Sie dürfen aber nur im Rahmen der Bundesgesetze darüber verfügen. Das bedeutet: Die Kantone müssen die Umweltvorschriften des Bundes beachten, auch wenn sie über ihr eigenes Wasser bestimmen.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 76 BV geht auf Art. 24bis aBV zurück, der 1953 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde. Die Bestimmung wurde im Rahmen der Totalrevision von 1999 inhaltlich weitgehend unverändert übernommen, jedoch systematisch neu gegliedert und sprachlich modernisiert (BBl 1997 I 1, 269 ff.). Die Botschaft des Bundesrates betont, dass die Kompetenzordnung zwischen Bund und Kantonen im Wasserbereich bewusst beibehalten wurde: «Die Kantone verfügen über die Gewässerhoheit und damit über die Wasservorkommen» (BBl 1997 I 270).\n\n**N. 2** Die Revision von 1975 führte den Gewässerschutz als Bundesaufgabe ein, während die Wasserkraftnutzung bereits seit 1908 (Art. 24ter aBV) und der Wasserbau seit 1897 (Art. 24 aBV) in der Bundesverfassung verankert waren. Die heutige Fassung vereint diese historisch gewachsenen Kompetenzen in einer systematischen Gesamtregelung (Griffel, St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 2).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 76 BV bildet zusammen mit Art. 77 BV (Wald) das Herzstück der verfassungsrechtlichen Umweltnormen. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), → Art. 74 BV (Umweltschutz) und → Art. 89 BV (Energiepolitik). Bei der Wasserkraftnutzung besteht eine Schnittstelle zu → Art. 90 BV bezüglich der Energieversorgung (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 76 N. 1).\n\n**N. 4** Die föderalistische Kompetenzaufteilung prägt Art. 76 BV: Während der Bund die Grundsätze festlegt (Abs. 2) und Vorschriften erlässt (Abs. 3), verbleiben die Wasservorkommen bei den Kantonen (Abs. 4). Diese duale Struktur spiegelt das Subsidiaritätsprinzip nach → Art. 5a BV wider (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 8).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Wasservorkommen** umfassen alle ober- und unterirdischen Gewässer einschliesslich Quellen, Seen, Flüsse und Grundwasser. Der Begriff ist weit zu verstehen und schließt auch künftige Nutzungspotentiale ein (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 76 N. 15). Die «haushälterische Nutzung» (Abs. 1) verlangt einen schonenden, nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips.\n\n**N. 6** Die **Grundsatzkompetenz** des Bundes (Abs. 2) ermächtigt zur Rahmengesetzgebung, überlässt aber den Vollzug und die Detailregelung den Kantonen. Die Aufzählung der Nutzungsarten (Energieerzeugung, Kühlzwecke) ist nicht abschliessend («sowie»). Der Bundesgesetzgeber hat diese Kompetenz mit dem WRG, GSchG und WBG umfassend ausgeschöpft (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1098).\n\n**N. 7** Die **Gewässerhoheit** der Kantone (Abs. 4) umfasst die Verfügungsbefugnis über die öffentlichen Gewässer auf ihrem Gebiet. Diese historisch gewachsene Hoheit beinhaltet das Recht zur Nutzung, zur Konzessionierung und zur Abgabenerhebung. Die kantonale Souveränität wird jedoch durch die Bundesgesetzgebung eingeschränkt («in den Schranken der Bundesgesetzgebung»), was insbesondere bei Umweltschutzvorschriften zum Tragen kommt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Aus Abs. 1 ergibt sich eine **Schutz- und Förderungspflicht** des Bundes, die sich in der Gesetzgebung (WRG, GSchG, WBG), aber auch in Subventionen und technischer Unterstützung manifestiert. Die Kantone sind bei der Ausübung ihrer Gewässerhoheit an die Bundesvorgaben gebunden (**BGE 142 I 99** E. 5.2).\n\n**N. 9** Die **Abgabenerhebung** nach Abs. 4 Satz 2 umfasst Wasserzinsen, Konzessionsgebühren und weitere wasserbezogene Abgaben. Das Bundesgericht hat die kantonale Abgabenhoheit wiederholt bestätigt, aber deren Grenzen in der Wirtschaftsfreiheit und im Bundesrecht aufgezeigt (**BGE 128 II 112** E. 4). Die maximale Höhe des Wasserzinses ist in Art. 49 WRG bundesrechtlich limitiert.\n\n**N. 10** Bei **internationalen Wasservorkommen** (Abs. 5) hat der Bund die ausschliessliche Entscheidungskompetenz, muss aber die betroffenen Kantone beiziehen. Diese Bundeskompetenz umfasst sowohl völkerrechtliche Verträge als auch die Regelung grenzüberschreitender Wassernutzungen (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 897).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Reichweite der kantonalen Gewässerhoheit**: Während Biaggini (BV-Kommentar, Art. 76 N. 5) eine weitgehende Autonomie der Kantone betont, vertreten Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 76 N. 28) eine restriktivere Auslegung angesichts der umfassenden Bundesgesetzgebung. Das Bundesgericht tendiert zur vermittelnden Position, wonach die kantonale Hoheit zwar fortbesteht, aber erheblich durch Bundesrecht eingeschränkt ist (**BGE 145 II 140**).\n\n**N. 12** **Verhältnis Wasserkraft - Gewässerschutz**: In der Lehre ist umstritten, wie der Interessenausgleich zwischen Energieproduktion und Umweltschutz zu gewichten ist. Griffel (St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 18) plädiert für einen strikten Vorrang des Gewässerschutzes, während Keller (in: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 1099) eine ausgewogene Interessenabwägung fordert. Die Praxis zeigt eine zunehmende Gewichtung ökologischer Anliegen bei gleichzeitiger Anerkennung der energiepolitischen Bedeutung der Wasserkraft.\n\n**N. 13** **Wohlerworbene Rechte**: Kontrovers diskutiert wird die Tragweite historischer Wasserrechte. Während ein Teil der Lehre (Huber-Wälchli/Keller, Wasserbaurecht, S. 156) für einen weitgehenden Bestandesschutz plädiert, vertritt die neuere Doktrin (Hettich/Walther, Wasserrecht, N. 234) eine dynamische Anpassungspflicht an moderne Umweltstandards. Das Bundesgericht hat in **BGE 145 II 140** eine vermittelnde Lösung gewählt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei **Konzessionserneuerungen** sind die aktuellen Umweltvorschriften vollumfänglich anzuwenden, auch wenn die ursprüngliche Konzession unter altem Recht erteilt wurde. Die 80-jährige Maximaldauer gilt unabhängig von der Amortisationsdauer der Investitionen (**BGE 140 II 262**).\n\n**N. 15** **Verfahrenskoordination**: Bei Wasserkraftprojekten sind regelmässig multiple Bewilligungen erforderlich (Konzession, Baubewilligung, UVP, gewässerschutzrechtliche Bewilligung). Eine frühzeitige Koordination der Verfahren und der Einbezug der Bundesbehörden bei der UVP ist empfehlenswert (**BGE 126 II 283**).\n\n**N. 16** Für die **Abgabenbemessung** ist zwischen Wasserzins (Rohstoffabgabe) und Konzessionsgebühr (Verwaltungsabgabe) zu unterscheiden. Zusätzliche kantonale Steuern auf Wasserkraft sind zulässig, sofern sie sich vom bundesrechtlich geregelten Wasserzins unterscheiden (**BGE 128 II 112**). Bei der Festlegung ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Wasserkraftnutzung zu berücksichtigen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsatzkompetenz und Gewässerhoheit\n\n**BGE 142 I 99** vom 31. März 2016  \nDas Bundesgericht klärte die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Bereich der Wasserkraftnutzung und bestätigte die Vereinbarkeit kantonaler Konzessionsverfahren mit Art. 76 Abs. 2 und 4 BV.  \nDer Entscheid befasst sich mit der abstrakten Normenkontrolle der revidierten Gewässernutzungsverordnung des Kantons Uri bezüglich der Konzessionserteilung für Wasserkraftwerke.  \n> «Grundsatzkompetenz des Bundes zur Regelung der Wassernutzung bei gleichzeitiger Gewässerhoheit der Kantone. Diese sind daher befugt, die öffentlichen Gewässer entweder selber zu nutzen oder das Recht zur Nutzung konzessionsweise an Dritte zu verleihen.»\n\n**BGE 128 II 112** vom 17. Januar 2002  \nDas Bundesgericht bestätigte die Gültigkeit der besonderen Wasserkraftsteuer des Kantons Wallis unter Berufung auf Art. 76 Abs. 4 BV, welcher den Kantonen die Verfügung über Wasservorkommen zuweist.  \nDer Entscheid klärt die Rechtsnatur der besonderen Wasserkraftsteuer im Verhältnis zum Wasserzins und die Tragweite wohlerworbener Rechte des Konzessionärs.  \n> «Les cantons disposent des ressources en eau et peuvent percevoir des redevances pour l'utilisation de l'eau dans les limites de la législation fédérale.»\n\n## Wasserkraftnutzung und Restwasservorschriften\n\n**BGE 145 II 140** vom 29. März 2019  \nDer Entscheid behandelt die Erneuerung und Sanierung eines bestehenden Wasserkraftwerks mit ehehaftem Wasserrecht und bestätigt die Anwendbarkeit der Restwasservorschriften.  \nDie Rechtsprechung klärt das Verhältnis zwischen historischen Wasserrechten und modernen Umweltschutzanforderungen.  \n> «Das ehehafte Wasserrecht des Beschwerdegegners gewährt ein Sondernutzungsrecht an einem öffentlichen Gewässer, das nicht unbefristet gelten kann, sondern nur bis zur Amortisation der getätigten Investitionen, längstens für 80 Jahre.»\n\n**BGE 140 II 262** vom 2. April 2014  \nDas Bundesgericht behandelte die Wassernutzungskonzession für ein Kleinwasserkraftwerk und präzisierte die Grundsätze zur Festlegung der Mindestrestwassermenge.  \nDer Fall betrifft die Erhöhung der Mindestrestwassermenge zum Schutz seltener Lebensräume und zur Gewährleistung der freien Fischwanderung.  \n> «Die Konzessionsdauer von 80 Jahren entspricht der gesetzlichen Höchstdauer. Sie ist zulässig, auch wenn die Amortisationsdauer für die getätigten Investitionen deutlich kürzer ist.»\n\n**BGE 126 II 283** vom 28. April 2000  \nDas Bundesgericht entschied über die Wassernutzungskonzession des Lungerersee-Kraftwerks und die Umweltverträglichkeitsprüfung bei Wasserkraftprojekten.  \nDer Entscheid präzisiert die Anforderungen an die Sicherung angemessener Restwassermengen bei komplexen Kraftwerksprojekten.  \n> «Bei komplexen Vorhaben sollte das Fachwissen der spezialisierten Bundesinstanz bereits in die UVP einbezogen werden.»\n\n## Gewässerschutz und landwirtschaftliche Bewirtschaftung\n\n**Urteil 1C_583/2021** vom 31. August 2023  \nDas Bundesgericht bestätigte die Gültigkeit verschärfter Phosphorvorschriften für die Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Luzerner Mittellandseen.  \nDer Entscheid behandelt die Kompetenzen der Kantone zum Gewässerschutz-Vollzug und die Verhältnismässigkeit von Bewirtschaftungseinschränkungen.  \n> «Nach Art. 76 Abs. 1 BV sorgt der Bund im Rahmen seiner Zuständigkeiten für die haushälterische Nutzung und den Schutz der Wasservorkommen sowie für die Abwehr schädigender Einwirkungen des Wassers. Er erlässt namentlich Vorschriften über den Gewässerschutz.»\n\n## Energiepolitik und Wasserkraft\n\n**BGE 138 I 454** vom 27. Oktober 2012  \nDas Bundesgericht klärte die Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen im Elektrizitätswirtschaftsrecht unter Berücksichtigung der produktionsbezogenen Bestimmungen über die Wasserkraft nach Art. 76 BV.  \nDer Entscheid betrifft die abschliessende Bundesregelung der Vergütung von dezentral erzeugter Energie durch Elektrizitätsverteilwerke.  \n> «Abgesehen davon (und von den produktionsbezogenen Bestimmungen über die Wasserkraft [Art. 76 BV] und die Kernenergie [Art. 90 BV]) blieb das Elektrizitätswirtschafts- und -versorgungsrecht bis zum Erlass des StromVG im Wesentlichen kantonal.»\n\n**BGE 149 I 291** vom 3. Mai 2023  \nDas Bundesgericht behandelte eine kommunale Volksinitiative zur Umstellung aller Heizungssysteme auf erneuerbare Energien und prüfte deren Vereinbarkeit mit der Wirtschaftsfreiheit.  \nDer Entscheid zeigt die Grenzen kommunaler Energiepolitik im föderalen System auf.  \n> «Die Energiepolitik ist grundsätzlich Sache des Bundes und der Kantone, wobei die Gemeinden nur subsidiär tätig werden können.»\n\n## Wasserbau und Hochwasserschutz\n\n**Urteil 1C_526/2015** vom 12. Oktober 2016  \nDas Bundesgericht entschied über Wasserbauprojekte und die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen bei Hochwasserschutzmassnahmen.  \nDer Entscheid präzisiert die Anforderungen an die Raumplanung bei Wasserbauprojekten.  \n\n**Urteil 2C_258/2011** vom 30. August 2012  \nDas Bundesgericht behandelte die Umweltverträglichkeitsprüfung bei grösseren Wasserbauprojekten und die Koordination zwischen verschiedenen Bewilligungsverfahren.  \nDer Entscheid klärt die Anwendung des Umweltrechts bei wasserbaulichen Massnahmen.\n\n## Internationale Wasservorkommen\n\n**Urteil 1C_262/2011** vom 15. November 2012  \nDas Bundesgericht entschied über grenzüberschreitende Wasserkraftprojekte und die Kompetenz des Bundes gemäss Art. 76 Abs. 5 BV.  \nDer Entscheid behandelt die Entscheidungskompetenz des Bundes bei internationalen Wasservorkommen.\n\n**Urteil 2C_729/2013** vom 3. April 2014  \nDas Bundesgericht klärte die Anwendung von Art. 76 Abs. 5 BV bei Streitigkeiten über interkantonale Wasservorkommen.  \nDer Entscheid präzisiert die Rolle des Bundes als Schiedsrichter bei interkantonalen Wasserstreitigkeiten.\n\n## Wasserentnahme und Nutzungskonzessionen\n\n**Urteil 1C_490/2017** vom 15. Mai 2018  \nDas Bundesgericht behandelte die Verlängerung von Wassernutzungskonzessionen und die Anpassung an neue Umweltschutzanforderungen.  \nDer Entscheid klärt die Rechte von Konzessionären bei geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen.\n\n**Urteil 1C_401/2020** vom 1. März 2022  \nDas Bundesgericht entschied über die Bewilligung von Wasserentnahmen für Bewässerungszwecke und die Berücksichtigung klimatischer Veränderungen.  \nDer Entscheid zeigt die zunehmende Bedeutung der Wasserknappheit in der Rechtsprechung auf.\n\n## Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**Urteil 1C_391/2022** vom 3. Mai 2023  \nDas Bundesgericht klärte Verfahrensfragen bei der Erteilung von Wassernutzungskonzessionen und die Rolle von Umweltorganisationen im Verfahren.  \nDer Entscheid präzisiert die Legitimation von Umweltverbänden bei Wasserkraftprojekten.\n\n**Urteil 1C_258/2015** vom 22. März 2016  \nDas Bundesgericht behandelte die Koordination verschiedener Bewilligungsverfahren bei Wasserkraftprojekten.  \nDer Entscheid klärt die Anforderungen an eine ordnungsgemässe Verfahrensführung bei komplexen Wasserprojekten.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 76 Cst. règle la gestion des eaux en Suisse. Il répartit les tâches entre la Confédération et les cantons : la Confédération protège l'eau contre la pollution et la surexploitation. Elle édicte des lois sur la qualité des eaux, les centrales hydroélectriques et la protection contre les crues. Les cantons possèdent les ressources en eau sur leur territoire et peuvent les utiliser ou en permettre l'usage à des tiers.\n\nLes cantons peuvent percevoir des redevances pour l'utilisation de l'eau. Un exemple est la redevance hydraulique : celui qui exploite une centrale hydroélectrique verse au canton une taxe pour l'eau utilisée. Ces redevances alimentent souvent les caisses communales des régions de montagne où se trouvent les centrales.\n\nLa Confédération peut elle-même utiliser l'eau pour ses entreprises de transport. Par exemple, les CFF ont besoin d'eau pour leurs centrales hydroélectriques qui produisent le courant de traction. Elles versent également des redevances aux cantons.\n\nPour les eaux transfrontalières, la Confédération décide seule. Cela concerne notamment le Rhin ou les eaux frontalières avec l'Allemagne, l'Autriche ou l'Italie. Si deux cantons ne parviennent pas à s'entendre sur un cours d'eau, la Confédération tranche.\n\nLes ressources en eau appartiennent juridiquement aux cantons. Ils ne peuvent toutefois en disposer que dans le cadre de la législation fédérale. Cela signifie : les cantons doivent respecter les prescriptions environnementales de la Confédération, même s'ils décident de leur propre eau.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 76 Cst. remonte à l'art. 24bis aCst., qui fut inséré dans la Constitution fédérale en 1953. La disposition fut reprise lors de la révision totale de 1999 avec un contenu largement inchangé, mais fut réorganisée systématiquement et modernisée linguistiquement (FF 1997 I 1, 269 ss.). Le message du Conseil fédéral souligne que l'ordre des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine des eaux fut délibérément maintenu : « Les cantons disposent de la souveraineté sur les eaux et donc sur les ressources en eau » (FF 1997 I 270).\n\n**N. 2** La révision de 1975 introduisit la protection des eaux comme tâche fédérale, alors que l'utilisation de la force hydraulique était déjà ancrée dans la Constitution fédérale depuis 1908 (art. 24ter aCst.) et les corrections de cours d'eau depuis 1897 (art. 24 aCst.). La version actuelle réunit ces compétences historiquement développées dans une réglementation globale systématique (Griffel, St. Galler Kommentar BV, art. 76 N. 2).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 76 Cst. forme avec l'art. 77 Cst. (Forêts) le cœur des normes constitutionnelles environnementales. La disposition est en étroite relation avec → l'art. 73 Cst. (Développement durable), → l'art. 74 Cst. (Protection de l'environnement) et → l'art. 89 Cst. (Politique énergétique). Pour l'utilisation de la force hydraulique, il existe une interface avec → l'art. 90 Cst. concernant l'approvisionnement énergétique (Biaggini, BV-Kommentar, art. 76 N. 1).\n\n**N. 4** La répartition fédéraliste des compétences caractérise l'art. 76 Cst. : tandis que la Confédération fixe les principes (al. 2) et édicte des prescriptions (al. 3), les ressources en eau demeurent aux cantons (al. 4). Cette structure duale reflète le principe de subsidiarité selon → l'art. 5a Cst. (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, art. 76 N. 8).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** Les **ressources en eau** comprennent toutes les eaux superficielles et souterraines y compris les sources, lacs, cours d'eau et eaux souterraines. Le terme doit être compris largement et inclut également les potentiels futurs d'utilisation (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, art. 76 N. 15). L'« utilisation mesurée » (al. 1) exige un usage ménager et durable de la ressource eau au sens du principe de développement durable.\n\n**N. 6** La **compétence de principe** de la Confédération (al. 2) autorise la législation-cadre, mais laisse l'exécution et la réglementation de détail aux cantons. L'énumération des types d'utilisation (production d'énergie, refroidissement) n'est pas exhaustive (« ainsi que »). Le législateur fédéral a pleinement exploité cette compétence avec la LEaux, la LEP et la LCE (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1098).\n\n**N. 7** La **souveraineté sur les eaux** des cantons (al. 4) comprend le pouvoir de disposition sur les eaux publiques sur leur territoire. Cette souveraineté historiquement développée inclut le droit à l'utilisation, à l'octroi de concessions et à la perception de redevances. La souveraineté cantonale est toutefois limitée par la législation fédérale (« dans les limites de la législation fédérale »), ce qui s'applique notamment aux prescriptions de protection de l'environnement (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** L'al. 1 engendre une **obligation de protection et de promotion** de la Confédération, qui se manifeste dans la législation (LEaux, LEP, LCE), mais aussi dans les subventions et le soutien technique. Les cantons sont liés aux directives fédérales dans l'exercice de leur souveraineté sur les eaux (**ATF 142 I 99** consid. 5.2).\n\n**N. 9** La **perception de redevances** selon l'al. 4 phr. 2 comprend les redevances hydrauliques, les taxes de concession et d'autres redevances liées à l'eau. Le Tribunal fédéral a confirmé à plusieurs reprises la souveraineté cantonale en matière de redevances, mais a montré ses limites dans la liberté économique et le droit fédéral (**ATF 128 II 112** consid. 4). Le montant maximal de la redevance hydraulique est limité par le droit fédéral à l'art. 49 LEaux.\n\n**N. 10** Pour les **ressources en eau internationales** (al. 5), la Confédération a la compétence de décision exclusive, mais doit associer les cantons concernés. Cette compétence fédérale comprend tant les traités de droit international que la réglementation des utilisations transfrontalières des eaux (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 897).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 11** **Portée de la souveraineté cantonale sur les eaux** : Tandis que Biaggini (BV-Kommentar, art. 76 N. 5) souligne une large autonomie des cantons, Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, art. 76 N. 28) défendent une interprétation plus restrictive compte tenu de la législation fédérale exhaustive. Le Tribunal fédéral tend vers la position médiane selon laquelle la souveraineté cantonale subsiste certes, mais est considérablement limitée par le droit fédéral (**ATF 145 II 140**).\n\n**N. 12** **Rapport force hydraulique - protection des eaux** : Dans la doctrine, il est controverse de savoir comment pondérer l'équilibre des intérêts entre production énergétique et protection de l'environnement. Griffel (St. Galler Kommentar BV, art. 76 N. 18) plaide pour une primauté stricte de la protection des eaux, tandis que Keller (in: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 1099) exige une pondération équilibrée des intérêts. La pratique montre une pondération croissante des préoccupations écologiques tout en reconnaissant l'importance énergétique de la force hydraulique.\n\n**N. 13** **Droits acquis** : La portée des droits historiques sur l'eau fait l'objet de discussions controversées. Tandis qu'une partie de la doctrine (Huber-Wälchli/Keller, Wasserbaurecht, p. 156) plaide pour une large protection de l'existant, la doctrine plus récente (Hettich/Walther, Wasserrecht, N. 234) défend une obligation d'adaptation dynamique aux standards environnementaux modernes. Le Tribunal fédéral a choisi une solution médiane dans **ATF 145 II 140**.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de **renouvellements de concessions**, les prescriptions environnementales actuelles doivent être appliquées intégralement, même si la concession originale fut accordée sous l'ancien droit. La durée maximale de 80 ans vaut indépendamment de la durée d'amortissement des investissements (**ATF 140 II 262**).\n\n**N. 15** **Coordination des procédures** : Les projets de force hydraulique requièrent régulièrement de multiples autorisations (concession, permis de construire, EIE, autorisation de protection des eaux). Une coordination précoce des procédures et l'implication des autorités fédérales lors de l'EIE est recommandée (**ATF 126 II 283**).\n\n**N. 16** Pour la **fixation des redevances**, il faut distinguer entre redevance hydraulique (redevance sur matières premières) et taxe de concession (redevance administrative). Des impôts cantonaux supplémentaires sur la force hydraulique sont admissibles, pour autant qu'ils se distinguent de la redevance hydraulique réglée par le droit fédéral (**ATF 128 II 112**). Lors de la fixation, la capacité économique de l'utilisation de la force hydraulique doit être prise en considération.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Compétence de principe et souveraineté sur les eaux\n\n**ATF 142 I 99** du 31 mars 2016  \nLe Tribunal fédéral a clarifié la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine de l'utilisation de la force hydraulique et confirmé la compatibilité des procédures cantonales de concession avec l'art. 76 al. 2 et 4 Cst.  \nL'arrêt traite du contrôle abstrait des normes de l'ordonnance révisée sur l'utilisation des eaux du canton d'Uri concernant l'octroi de concessions pour les centrales hydroélectriques.  \n> «Grundsatzkompetenz des Bundes zur Regelung der Wassernutzung bei gleichzeitiger Gewässerhoheit der Kantone. Diese sind daher befugt, die öffentlichen Gewässer entweder selber zu nutzen oder das Recht zur Nutzung konzessionsweise an Dritte zu verleihen.»\n\n**ATF 128 II 112** du 17 janvier 2002  \nLe Tribunal fédéral a confirmé la validité de l'impôt spécial sur les forces hydrauliques du canton du Valais en se fondant sur l'art. 76 al. 4 Cst., lequel attribue aux cantons la disposition des ressources en eau.  \nL'arrêt clarifie la nature juridique de l'impôt spécial sur les forces hydrauliques par rapport à la redevance hydraulique et la portée des droits acquis du concessionnaire.  \n> «Les cantons disposent des ressources en eau et peuvent percevoir des redevances pour l'utilisation de l'eau dans les limites de la législation fédérale.»\n\n## Utilisation de la force hydraulique et prescriptions sur les débits résiduels\n\n**ATF 145 II 140** du 29 mars 2019  \nL'arrêt traite du renouvellement et de l'assainissement d'une centrale hydroélectrique existante avec droit d'eau originaire et confirme l'applicabilité des prescriptions sur les débits résiduels.  \nLa jurisprudence clarifie le rapport entre les droits d'eau historiques et les exigences modernes de protection de l'environnement.  \n> «Das ehehafte Wasserrecht des Beschwerdegegners gewährt ein Sondernutzungsrecht an einem öffentlichen Gewässer, das nicht unbefristet gelten kann, sondern nur bis zur Amortisation der getätigten Investitionen, längstens für 80 Jahre.»\n\n**ATF 140 II 262** du 2 avril 2014  \nLe Tribunal fédéral a traité la concession d'utilisation des eaux pour une petite centrale hydroélectrique et précisé les principes pour la fixation du débit résiduel minimal.  \nLe cas concerne l'augmentation du débit résiduel minimal pour la protection d'habitats rares et pour garantir la libre migration des poissons.  \n> «Die Konzessionsdauer von 80 Jahren entspricht der gesetzlichen Höchstdauer. Sie ist zulässig, auch wenn die Amortisationsdauer für die getätigten Investitionen deutlich kürzer ist.»\n\n**ATF 126 II 283** du 28 avril 2000  \nLe Tribunal fédéral a statué sur la concession d'utilisation des eaux de la centrale du lac de Lungern et l'étude d'impact sur l'environnement pour les projets hydroélectriques.  \nL'arrêt précise les exigences pour assurer des débits résiduels appropriés lors de projets de centrales complexes.  \n> «Bei komplexen Vorhaben sollte das Fachwissen der spezialisierten Bundesinstanz bereits in die UVP einbezogen werden.»\n\n## Protection des eaux et exploitation agricole\n\n**Arrêt 1C_583/2021** du 31 août 2023  \nLe Tribunal fédéral a confirmé la validité de prescriptions renforcées sur le phosphore pour l'agriculture dans le bassin versant des lacs du plateau lucernois.  \nL'arrêt traite les compétences des cantons pour l'exécution de la protection des eaux et la proportionnalité des restrictions d'exploitation.  \n> «Nach Art. 76 Abs. 1 BV sorgt der Bund im Rahmen seiner Zuständigkeiten für die haushälterische Nutzung und den Schutz der Wasservorkommen sowie für die Abwehr schädigender Einwirkungen des Wassers. Er erlässt namentlich Vorschriften über den Gewässerschutz.»\n\n## Politique énergétique et force hydraulique\n\n**ATF 138 I 454** du 27 octobre 2012  \nLe Tribunal fédéral a clarifié la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons dans le droit de l'économie électrique en tenant compte des dispositions relatives à la production concernant la force hydraulique selon l'art. 76 Cst.  \nL'arrêt concerne la réglementation fédérale exhaustive de la rémunération d'énergie produite de manière décentralisée par les entreprises de distribution d'électricité.  \n> «Abgesehen davon (und von den produktionsbezogenen Bestimmungen über die Wasserkraft [Art. 76 BV] und die Kernenergie [Art. 90 BV]) blieb das Elektrizitätswirtschafts- und -versorgungsrecht bis zum Erlass des StromVG im Wesentlichen kantonal.»\n\n**ATF 149 I 291** du 3 mai 2023  \nLe Tribunal fédéral a traité une initiative populaire communale pour la conversion de tous les systèmes de chauffage aux énergies renouvelables et examiné sa compatibilité avec la liberté économique.  \nL'arrêt montre les limites de la politique énergétique communale dans le système fédéral.  \n> «Die Energiepolitik ist grundsätzlich Sache des Bundes und der Kantone, wobei die Gemeinden nur subsidiär tätig werden können.»\n\n## Aménagement des eaux et protection contre les crues\n\n**Arrêt 1C_526/2015** du 12 octobre 2016  \nLe Tribunal fédéral a statué sur les projets d'aménagement des eaux et la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons pour les mesures de protection contre les crues.  \nL'arrêt précise les exigences en matière d'aménagement du territoire pour les projets d'aménagement des eaux.  \n\n**Arrêt 2C_258/2011** du 30 août 2012  \nLe Tribunal fédéral a traité l'étude d'impact sur l'environnement pour les projets d'aménagement des eaux plus importants et la coordination entre différentes procédures d'autorisation.  \nL'arrêt clarifie l'application du droit de l'environnement aux mesures d'aménagement des eaux.\n\n## Ressources en eau internationales\n\n**Arrêt 1C_262/2011** du 15 novembre 2012  \nLe Tribunal fédéral a statué sur les projets hydroélectriques transfrontaliers et la compétence de la Confédération selon l'art. 76 al. 5 Cst.  \nL'arrêt traite la compétence décisionnelle de la Confédération pour les ressources en eau internationales.\n\n**Arrêt 2C_729/2013** du 3 avril 2014  \nLe Tribunal fédéral a clarifié l'application de l'art. 76 al. 5 Cst. lors de litiges concernant les ressources en eau intercantonales.  \nL'arrêt précise le rôle de la Confédération comme arbitre dans les conflits intercantonaux relatifs aux eaux.\n\n## Prélèvement d'eau et concessions d'utilisation\n\n**Arrêt 1C_490/2017** du 15 mai 2018  \nLe Tribunal fédéral a traité la prolongation de concessions d'utilisation des eaux et l'adaptation aux nouvelles exigences de protection de l'environnement.  \nL'arrêt clarifie les droits des concessionnaires en cas de modification du cadre juridique.\n\n**Arrêt 1C_401/2020** du 1er mars 2022  \nLe Tribunal fédéral a statué sur l'autorisation de prélèvements d'eau à des fins d'irrigation et la prise en compte des changements climatiques.  \nL'arrêt montre l'importance croissante de la pénurie d'eau dans la jurisprudence.\n\n## Aspects de droit procédural\n\n**Arrêt 1C_391/2022** du 3 mai 2023  \nLe Tribunal fédéral a clarifié des questions procédurales lors de l'octroi de concessions d'utilisation des eaux et le rôle des organisations environnementales dans la procédure.  \nL'arrêt précise la légitimation des associations environnementales pour les projets hydroélectriques.\n\n**Arrêt 1C_258/2015** du 22 mars 2016  \nLe Tribunal fédéral a traité la coordination de différentes procédures d'autorisation pour les projets hydroélectriques.  \nL'arrêt clarifie les exigences d'une conduite régulière de la procédure pour les projets hydrauliques complexes.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 76 Cost. disciplina la gestione delle acque in Svizzera. Ripartisce i compiti tra Confederazione e Cantoni: la Confederazione protegge le acque dall'inquinamento e dallo sfruttamento eccessivo. Emana leggi sulle acque pulite, sugli impianti idroelettrici e sulla protezione dalle piene. I Cantoni possiedono le risorse idriche sul loro territorio e possono utilizzarle o autorizzarne l'utilizzo ad altri.\n\nI Cantoni possono riscuotere tasse per l'utilizzo delle acque. Un esempio è il canone per l'utilizzazione dell'acqua: chi gestisce un impianto idroelettrico paga al Cantone un tributo per l'acqua utilizzata. Queste tasse confluiscono spesso nelle casse comunali delle regioni montane, dove si trovano gli impianti.\n\nLa Confederazione può utilizzare direttamente l'acqua per le sue aziende di trasporto. Ad esempio, le FFS necessitano di acqua per i loro impianti idroelettrici che producono corrente ferroviaria. Anche per questo pagano tasse ai Cantoni.\n\nPer le acque transfrontaliere decide autonomamente la Confederazione. Ciò riguarda ad esempio il Reno o le acque di confine con Germania, Austria o Italia. Se due Cantoni non riescono a trovare un accordo su un corpo idrico, la Confederazione fa da mediatore.\n\nLe risorse idriche appartengono giuridicamente ai Cantoni. Tuttavia, essi possono disporne soltanto nel quadro delle leggi federali. Ciò significa che i Cantoni devono rispettare le prescrizioni ambientali della Confederazione, anche quando decidono delle proprie acque.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi\n\n**N. 1** L'art. 76 Cost. deriva dall'art. 24bis vCost., introdotto nella Costituzione federale nel 1953. La disposizione è stata ripresa nel quadro della revisione totale del 1999 sostanzialmente invariata nel contenuto, ma riorganizzata sistematicamente e modernizzata linguisticamente (FF 1997 I 1, 269 seg.). Il messaggio del Consiglio federale sottolinea che l'ordine delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel settore delle acque è stato consapevolmente mantenuto: «I Cantoni dispongono della sovranità sui corsi d'acqua e quindi sui giacimenti idrici» (FF 1997 I 270).\n\n**N. 2** La revisione del 1975 introdusse la protezione delle acque quale compito federale, mentre lo sfruttamento dell'energia idrica era già ancorato nella Costituzione federale dal 1908 (art. 24ter vCost.) e la sistemazione di corsi d'acqua dal 1897 (art. 24 vCost.). La versione odierna riunisce queste competenze storicamente sviluppatesi in una disciplina sistematica complessiva (Griffel, St. Galler Kommentar BV, art. 76 n. 2).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 76 Cost. costituisce insieme all'art. 77 Cost. (foreste) il nucleo delle norme costituzionali ambientali. La disposizione è strettamente collegata all'→ art. 73 Cost. (sostenibilità), all'→ art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente) e all'→ art. 89 Cost. (politica energetica). Per quanto riguarda lo sfruttamento dell'energia idrica, esiste un'interfaccia con l'→ art. 90 Cost. in relazione all'approvvigionamento energetico (Biaggini, BV-Kommentar, art. 76 n. 1).\n\n**N. 4** La ripartizione federalistica delle competenze caratterizza l'art. 76 Cost.: mentre la Confederazione stabilisce i principi (cpv. 2) ed emana prescrizioni (cpv. 3), i giacimenti idrici rimangono presso i Cantoni (cpv. 4). Questa struttura duale rispecchia il principio di sussidiarietà secondo l'→ art. 5a Cost. (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, art. 76 n. 8).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** I **giacimenti idrici** comprendono tutte le acque superficiali e sotterranee incluse le sorgenti, i laghi, i fiumi e le acque sotterranee. Il concetto va inteso in senso ampio e comprende anche i potenziali di utilizzazione futuri (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, art. 76 n. 15). L'«uso parsimonioso» (cpv. 1) esige un impiego accorto e sostenibile della risorsa acqua nel senso del principio di sostenibilità.\n\n**N. 6** La **competenza di principio** della Confederazione (cpv. 2) autorizza la legislazione quadro, ma lascia l'esecuzione e la disciplina di dettaglio ai Cantoni. L'enumerazione dei tipi di utilizzazione (produzione di energia, scopi di raffreddamento) non è esaustiva («nonché»). Il legislatore federale ha sfruttato esaustivamente questa competenza con la LUAc, la LPAc e la LSAc (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1098).\n\n**N. 7** La **sovranità sui corsi d'acqua** dei Cantoni (cpv. 4) comprende il potere di disposizione sui corsi d'acqua pubblici sul loro territorio. Questa sovranità storicamente sviluppatasi include il diritto all'utilizzazione, al rilascio di concessioni e alla riscossione di tributi. La sovranità cantonale è tuttavia limitata dalla legislazione federale («nei limiti della legislazione federale»), il che viene in particolare in considerazione per le prescrizioni sulla protezione dell'ambiente (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n. 3456).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** Dal cpv. 1 risulta un **obbligo di protezione e promozione** della Confederazione, che si manifesta nella legislazione (LUAc, LPAc, LSAc), ma anche in sovvenzioni e sostegno tecnico. I Cantoni sono vincolati alle direttive federali nell'esercizio della loro sovranità sui corsi d'acqua (**DTF 142 I 99** consid. 5.2).\n\n**N. 9** La **riscossione di tributi** secondo il cpv. 4 frase 2 comprende canoni idrici, tasse di concessione e altri tributi relativi alle acque. Il Tribunale federale ha confermato ripetutamente la sovranità tributaria cantonale, ma ne ha mostrato i limiti nella libertà economica e nel diritto federale (**DTF 128 II 112** consid. 4). L'ammontare massimo del canone idrico è limitato a livello di diritto federale dall'art. 49 LUAc.\n\n**N. 10** Per i **giacimenti idrici internazionali** (cpv. 5) la Confederazione ha la competenza decisionale esclusiva, ma deve coinvolgere i Cantoni interessati. Questa competenza federale comprende sia i trattati di diritto internazionale sia la disciplina delle utilizzazioni transfrontaliere delle acque (Müller/Schefer, Grundrechte, pag. 897).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Portata della sovranità cantonale sui corsi d'acqua**: mentre Biaggini (BV-Kommentar, art. 76 n. 5) sottolinea un'ampia autonomia dei Cantoni, Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, art. 76 n. 28) sostengono un'interpretazione più restrittiva alla luce dell'estesa legislazione federale. Il Tribunale federale tende verso la posizione mediatrice, secondo cui la sovranità cantonale sussiste certamente, ma è considerevolmente limitata dal diritto federale (**DTF 145 II 140**).\n\n**N. 12** **Rapporto energia idrica - protezione delle acque**: Nella dottrina è controverso come valutare l'equilibrio d'interessi tra produzione energetica e protezione dell'ambiente. Griffel (St. Galler Kommentar BV, art. 76 n. 18) sostiene una rigorosa priorità della protezione delle acque, mentre Keller (in: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, n. 1099) richiede una ponderazione equilibrata degli interessi. La prassi mostra una crescente ponderazione delle preoccupazioni ecologiche con contemporaneo riconoscimento dell'importanza energetico-politica dell'energia idrica.\n\n**N. 13** **Diritti acquisiti**: Si discute controversamente della portata dei diritti storici sulle acque. Mentre una parte della dottrina (Huber-Wälchli/Keller, Wasserbaurecht, pag. 156) sostiene un'ampia protezione dello status quo, la dottrina più recente (Hettich/Walther, Wasserrecht, n. 234) sostiene un obbligo dinamico di adeguamento ai moderni standard ambientali. Il Tribunale federale ha scelto una soluzione mediatrice in **DTF 145 II 140**.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** In caso di **rinnovi di concessioni** le prescrizioni ambientali attuali vanno applicate integralmente, anche se la concessione originaria fu rilasciata sotto il diritto precedente. La durata massima di 80 anni vale indipendentemente dalla durata di ammortamento degli investimenti (**DTF 140 II 262**).\n\n**N. 15** **Coordinamento procedurale**: Per progetti di energia idrica sono regolarmente necessarie autorizzazioni multiple (concessione, licenza edilizia, EIA, autorizzazione di diritto della protezione delle acque). È raccomandabile un coordinamento precoce delle procedure e il coinvolgimento delle autorità federali per l'EIA (**DTF 126 II 283**).\n\n**N. 16** Per la **determinazione dei tributi** bisogna distinguere tra canone idrico (tributo sulla materia prima) e tassa di concessione (tassa amministrativa). Imposte cantonali aggiuntive sull'energia idrica sono ammissibili, purché si distinguano dal canone idrico disciplinato dal diritto federale (**DTF 128 II 112**). Nella determinazione va considerata la sostenibilità economica dello sfruttamento dell'energia idrica.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Competenza di principio e sovranità sulle acque\n\n**BGE 142 I 99** del 31 marzo 2016  \nIl Tribunale federale chiarì la ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nell'ambito dell'utilizzo dell'energia idrica e confermò la compatibilità delle procedure cantonali di concessione con l'art. 76 cpv. 2 e 4 Cost.  \nLa decisione tratta del controllo astratto delle norme dell'ordinanza riveduta sull'utilizzazione delle acque del Cantone di Uri relativa al rilascio di concessioni per centrali idroelettriche.  \n> «Competenza di principio della Confederazione per la regolamentazione dell'utilizzazione delle acque con sovranità cantonale simultanea sulle acque. I Cantoni sono quindi autorizzati a utilizzare direttamente le acque pubbliche o a concedere il diritto di utilizzazione a terzi mediante concessione.»\n\n**BGE 128 II 112** del 17 gennaio 2002  \nIl Tribunale federale confermò la validità dell'imposta speciale sull'energia idrica del Cantone Vallese facendo riferimento all'art. 76 cpv. 4 Cost., che attribuisce ai Cantoni la disposizione sui risorse idriche.  \nLa decisione chiarisce la natura giuridica dell'imposta speciale sull'energia idrica in rapporto al canone idrico e la portata dei diritti acquisiti del concessionario.  \n> «Les cantons disposent des ressources en eau et peuvent percevoir des redevances pour l'utilisation de l'eau dans les limites de la législation fédérale.»\n\n## Utilizzo dell'energia idrica e prescrizioni sul deflusso residuo\n\n**BGE 145 II 140** del 29 marzo 2019  \nLa decisione tratta il rinnovo e il risanamento di una centrale idroelettrica esistente con diritto d'uso delle acque derivante dalla proprietà e conferma l'applicabilità delle prescrizioni sul deflusso residuo.  \nLa giurisprudenza chiarisce il rapporto tra diritti storici d'uso delle acque e moderne esigenze di protezione ambientale.  \n> «Il diritto d'uso delle acque derivante dalla proprietà del ricorrente conferisce un diritto di uso speciale su acque pubbliche che non può valere indefinitamente, ma solo fino all'ammortamento degli investimenti effettuati, al massimo per 80 anni.»\n\n**BGE 140 II 262** del 2 aprile 2014  \nIl Tribunale federale trattò la concessione per l'utilizzazione delle acque per una piccola centrale idroelettrica e precisò i principi per la determinazione della quantità minima di deflusso residuo.  \nIl caso riguarda l'aumento della quantità minima di deflusso residuo per la protezione di habitat rari e per garantire la libera migrazione dei pesci.  \n> «La durata della concessione di 80 anni corrisponde alla durata massima legale. È ammissibile anche se la durata di ammortamento per gli investimenti effettuati è notevolmente più breve.»\n\n**BGE 126 II 283** del 28 aprile 2000  \nIl Tribunale federale decise sulla concessione per l'utilizzazione delle acque della centrale del lago di Lungern e sull'esame dell'impatto ambientale nei progetti di energia idrica.  \nLa decisione precisa le esigenze per la garanzia di quantità appropriate di deflusso residuo nei progetti complessi di centrali elettriche.  \n> «Nei progetti complessi dovrebbe essere inclusa già nell'esame dell'impatto ambientale la competenza specialistica dell'istanza federale specializzata.»\n\n## Protezione delle acque e gestione agricola\n\n**Sentenza 1C_583/2021** del 31 agosto 2023  \nIl Tribunale federale confermò la validità delle prescrizioni più severe sul fosforo per l'agricoltura nel bacino imbrifero dei laghi della pianura lucernese.  \nLa decisione tratta le competenze dei Cantoni nell'esecuzione della protezione delle acque e la proporzionalità delle limitazioni alla gestione.  \n> «Secondo l'art. 76 cpv. 1 Cost. la Confederazione provvede, nell'ambito delle sue competenze, all'uso parsimonioso e alla protezione delle risorse idriche nonché alla difesa dagli effetti dannosi delle acque. Emana in particolare prescrizioni sulla protezione delle acque.»\n\n## Politica energetica ed energia idrica\n\n**BGE 138 I 454** del 27 ottobre 2012  \nIl Tribunale federale chiarì la delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel diritto dell'economia elettrica tenendo conto delle disposizioni relative alla produzione sull'energia idrica secondo l'art. 76 Cost.  \nLa decisione riguarda la regolamentazione federale conclusiva della remunerazione dell'energia prodotta decentratamente da parte di aziende distributrici di elettricità.  \n> «A parte ciò (e dalle disposizioni relative alla produzione sull'energia idrica [art. 76 Cost.] e sull'energia nucleare [art. 90 Cost.]) il diritto dell'economia e dell'approvvigionamento elettrico rimase sostanzialmente cantonale fino all'emanazione della LApEl.»\n\n**BGE 149 I 291** del 3 maggio 2023  \nIl Tribunale federale trattò un'iniziativa popolare comunale per la conversione di tutti i sistemi di riscaldamento a energie rinnovabili e verificò la sua compatibilità con la libertà economica.  \nLa decisione mostra i limiti della politica energetica comunale nel sistema federale.  \n> «La politica energetica è fondamentalmente di competenza della Confederazione e dei Cantoni, mentre i Comuni possono agire solo in via sussidiaria.»\n\n## Costruzioni idrauliche e protezione contro le piene\n\n**Sentenza 1C_526/2015** del 12 ottobre 2016  \nIl Tribunale federale decise su progetti di costruzioni idrauliche e sulla ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nelle misure di protezione contro le piene.  \nLa decisione precisa le esigenze per la pianificazione territoriale nei progetti di costruzioni idrauliche.  \n\n**Sentenza 2C_258/2011** del 30 agosto 2012  \nIl Tribunale federale trattò l'esame dell'impatto ambientale nei progetti maggiori di costruzioni idrauliche e il coordinamento tra diverse procedure di autorizzazione.  \nLa decisione chiarisce l'applicazione del diritto ambientale nelle misure di costruzione idraulica.\n\n## Risorse idriche internazionali\n\n**Sentenza 1C_262/2011** del 15 novembre 2012  \nIl Tribunale federale decise su progetti transfrontalieri di energia idrica e sulla competenza della Confederazione secondo l'art. 76 cpv. 5 Cost.  \nLa decisione tratta la competenza decisionale della Confederazione nelle risorse idriche internazionali.\n\n**Sentenza 2C_729/2013** del 3 aprile 2014  \nIl Tribunale federale chiarì l'applicazione dell'art. 76 cpv. 5 Cost. nelle controversie sulle risorse idriche intercantonali.  \nLa decisione precisa il ruolo della Confederazione come arbitro nelle controversie idriche intercantonali.\n\n## Prelievo d'acqua e concessioni di utilizzazione\n\n**Sentenza 1C_490/2017** del 15 maggio 2018  \nIl Tribunale federale trattò la proroga delle concessioni per l'utilizzazione delle acque e l'adattamento alle nuove esigenze di protezione ambientale.  \nLa decisione chiarisce i diritti dei concessionari in caso di quadri giuridici modificati.\n\n**Sentenza 1C_401/2020** del 1° marzo 2022  \nIl Tribunale federale decise sull'autorizzazione di prelievi d'acqua per scopi di irrigazione e sulla considerazione dei cambiamenti climatici.  \nLa decisione mostra la crescente importanza della scarsità d'acqua nella giurisprudenza.\n\n## Aspetti di diritto procedurale\n\n**Sentenza 1C_391/2022** del 3 maggio 2023  \nIl Tribunale federale chiarì questioni procedurali nel rilascio di concessioni per l'utilizzazione delle acque e il ruolo delle organizzazioni ambientali nella procedura.  \nLa decisione precisa la legittimazione delle associazioni ambientali nei progetti di energia idrica.\n\n**Sentenza 1C_258/2015** del 22 marzo 2016  \nIl Tribunale federale trattò il coordinamento di diverse procedure di autorizzazione nei progetti di energia idrica.  \nLa decisione chiarisce le esigenze per una conduzione procedurale conforme all'ordinamento nei progetti idrici complessi.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 76 Federal Constitution regulates water management in Switzerland. It divides tasks between the Confederation and the cantons: The Confederation protects water from pollution and overuse. It makes laws on clean waters, hydroelectric power plants and flood protection. The cantons own the water resources on their territory and may use them or permit others to use them.\n\nThe cantons may charge fees for water use. An example is the water charge: Anyone operating a hydroelectric power plant pays the canton a levy for the water used. These fees often flow into the municipal coffers of mountain regions where the power plants are located.\n\nThe Confederation may itself use water for its transport operations. For example, the SBB uses water for its hydroelectric power plants that generate railway electricity. It also pays fees to the cantons for this.\n\nIn the case of transboundary waters, the Confederation decides alone. This concerns, for example, the Rhine or border waters with Germany, Austria or Italy. If two cantons cannot agree on a body of water, the Confederation mediates.\n\nThe water resources legally belong to the cantons. However, they may only dispose of them within the framework of federal laws. This means: The cantons must comply with the Confederation's environmental regulations, even when they decide over their own water.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 76 Cst. traces back to Art. 24bis old Cst., which was incorporated into the Federal Constitution in 1953. The provision was largely adopted unchanged in substance during the total revision of 1999, but was systematically restructured and linguistically modernised (FG 1997 I 1, 269 ff.). The Federal Council's message emphasises that the allocation of powers between the Confederation and the cantons in the field of water was deliberately maintained: «The cantons have sovereignty over waters and thus over water resources» (FG 1997 I 270).\n\n**N. 2** The 1975 revision introduced water protection as a federal task, while the utilisation of hydropower had already been anchored in the Federal Constitution since 1908 (Art. 24ter old Cst.) and hydraulic engineering since 1897 (Art. 24 old Cst.). The current version combines these historically developed powers in a systematic comprehensive regulation (Griffel, St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 2).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 76 Cst., together with Art. 77 Cst. (Forest), forms the core of the constitutional environmental norms. The provision is closely related to → Art. 73 Cst. (Sustainability), → Art. 74 Cst. (Environmental Protection) and → Art. 89 Cst. (Energy Policy). In the utilisation of hydropower, there is an interface with → Art. 90 Cst. regarding energy supply (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 76 N. 1).\n\n**N. 4** The federalist allocation of powers characterises Art. 76 Cst.: While the Confederation lays down the principles (para. 2) and enacts regulations (para. 3), the water resources remain with the cantons (para. 4). This dual structure reflects the principle of subsidiarity according to → Art. 5a Cst. (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 8).\n\n## 3. Elements of Offence / Content of Norm\n\n**N. 5** **Water resources** comprise all surface and underground waters including springs, lakes, rivers and groundwater. The term is to be understood broadly and also includes future utilisation potential (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 76 N. 15). The «careful use» (para. 1) requires a considerate, sustainable handling of water resources in the sense of the principle of sustainability.\n\n**N. 6** The **basic legislative power** of the Confederation (para. 2) authorises framework legislation but leaves implementation and detailed regulation to the cantons. The enumeration of types of utilisation (energy production, cooling purposes) is not exhaustive («and»). The federal legislature has comprehensively exercised this power with the WRA, WPA and WCE (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1098).\n\n**N. 7** The **sovereignty over waters** of the cantons (para. 4) comprises the power to dispose of public waters on their territory. This historically developed sovereignty includes the right to utilisation, to grant concessions and to levy charges. However, cantonal sovereignty is limited by federal legislation («within the limits of federal legislation»), which particularly applies in the case of environmental protection provisions (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Para. 1 gives rise to a **duty to protect and promote** on the part of the Confederation, which manifests itself in legislation (WRA, WPA, WCE), but also in subsidies and technical support. The cantons are bound by federal requirements when exercising their sovereignty over waters (**BGE 142 I 99** E. 5.2).\n\n**N. 9** The **levying of charges** according to para. 4 sentence 2 comprises water charges, concession fees and other water-related levies. The Federal Court has repeatedly confirmed the cantonal power to levy charges, but has pointed out its limits in economic freedom and federal law (**BGE 128 II 112** E. 4). The maximum amount of the water charge is limited by federal law in Art. 49 WRA.\n\n**N. 10** In the case of **international water resources** (para. 5), the Confederation has exclusive decision-making power but must involve the affected cantons. This federal power comprises both international treaties and the regulation of transboundary water uses (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 897).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 11** **Scope of cantonal sovereignty over waters**: While Biaggini (BV-Kommentar, Art. 76 N. 5) emphasises extensive autonomy of the cantons, Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 76 N. 28) advocate a more restrictive interpretation in view of comprehensive federal legislation. The Federal Court tends towards a mediating position according to which cantonal sovereignty continues to exist but is considerably limited by federal law (**BGE 145 II 140**).\n\n**N. 12** **Relationship hydropower - water protection**: In doctrine, it is disputed how the balancing of interests between energy production and environmental protection should be weighted. Griffel (St. Galler Kommentar BV, Art. 76 N. 18) pleads for strict priority of water protection, while Keller (in: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, N. 1099) calls for a balanced weighing of interests. Practice shows an increasing weighting of ecological concerns while simultaneously recognising the energy policy significance of hydropower.\n\n**N. 13** **Vested rights**: The scope of historical water rights is controversially discussed. While part of doctrine (Huber-Wälchli/Keller, Wasserbaurecht, S. 156) pleads for extensive protection of existing rights, newer doctrine (Hettich/Walther, Wasserrecht, N. 234) advocates a dynamic obligation to adapt to modern environmental standards. The Federal Court chose a mediating solution in **BGE 145 II 140**.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 14** In **concession renewals**, current environmental regulations must be applied in full, even if the original concession was granted under old law. The 80-year maximum duration applies regardless of the amortisation period of investments (**BGE 140 II 262**).\n\n**N. 15** **Procedural coordination**: Hydropower projects regularly require multiple permits (concession, building permit, EIA, water protection permit). Early coordination of procedures and involvement of federal authorities in the EIA is advisable (**BGE 126 II 283**).\n\n**N. 16** For **charge assessment**, a distinction must be made between water charges (raw material levy) and concession fees (administrative charge). Additional cantonal taxes on hydropower are permissible provided they differ from the water charge regulated by federal law (**BGE 128 II 112**). When determining charges, the economic viability of hydropower utilisation must be taken into account.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Federal Legislative Authority and Water Rights\n\n**BGE 142 I 99** of 31 March 2016  \nThe Federal Supreme Court clarified the distribution of competencies between the Confederation and the cantons in the area of hydropower use and confirmed the compatibility of cantonal concession procedures with Art. 76 paras. 2 and 4 Cst.  \nThe decision deals with the abstract judicial review of the revised water use ordinance of the Canton of Uri regarding the granting of concessions for hydroelectric power plants.  \n> «The Confederation has legislative authority over the utilisation of water resources while the cantons have sovereignty over bodies of water. They are therefore empowered to either utilise public waters themselves or to grant the right to utilisation to third parties by way of concession.»\n\n**BGE 128 II 112** of 17 January 2002  \nThe Federal Supreme Court confirmed the validity of the special hydropower tax of the Canton of Valais with reference to Art. 76 para. 4 Cst., which assigns water resources to the cantons.  \nThe decision clarifies the legal nature of the special hydropower tax in relation to water fees and the scope of acquired rights of the concessionaire.  \n> «Les cantons disposent des ressources en eau et peuvent percevoir des redevances pour l'utilisation de l'eau dans les limites de la législation fédérale.»\n\n## Hydropower Use and Residual Flow Regulations\n\n**BGE 145 II 140** of 29 March 2019  \nThe decision deals with the renewal and rehabilitation of an existing hydropower plant with hereditary water rights and confirms the applicability of residual flow regulations.  \nThe case law clarifies the relationship between historical water rights and modern environmental protection requirements.  \n> «The concessionaire's hereditary water right grants a special use right to a public body of water, which cannot be valid indefinitely, but only until the amortisation of the investments made, for a maximum of 80 years.»\n\n**BGE 140 II 262** of 2 April 2014  \nThe Federal Supreme Court dealt with the water use concession for a small hydropower plant and clarified the principles for determining the minimum residual water quantity.  \nThe case concerns the increase of the minimum residual water quantity for the protection of rare habitats and to ensure free fish migration.  \n> «The concession duration of 80 years corresponds to the statutory maximum duration. It is permissible even if the amortisation period for the investments made is significantly shorter.»\n\n**BGE 126 II 283** of 28 April 2000  \nThe Federal Supreme Court decided on the water use concession of the Lungern Lake power plant and the environmental impact assessment for hydropower projects.  \nThe decision clarifies the requirements for ensuring adequate residual water quantities in complex power plant projects.  \n> «In complex projects, the expertise of the specialised federal agency should already be included in the EIA.»\n\n## Water Protection and Agricultural Management\n\n**Judgment 1C_583/2021** of 31 August 2023  \nThe Federal Supreme Court confirmed the validity of stricter phosphorus regulations for agriculture in the catchment area of the Lucerne Midland lakes.  \nThe decision deals with the competencies of the cantons for water protection enforcement and the proportionality of management restrictions.  \n> «According to Art. 76 para. 1 Cst., the Confederation shall, within the scope of its powers, ensure the economic use and protection of water resources and the prevention of the harmful effects of water. It shall in particular issue regulations on water protection.»\n\n## Energy Policy and Hydropower\n\n**BGE 138 I 454** of 27 October 2012  \nThe Federal Supreme Court clarified the demarcation of competencies between the Confederation and the cantons in electricity industry law, taking into account the production-related provisions on hydropower under Art. 76 Cst.  \nThe decision concerns the comprehensive federal regulation of remuneration for decentrally generated energy by electricity distribution companies.  \n> «Apart from that (and from the production-related provisions on hydropower [Art. 76 Cst.] and nuclear energy [Art. 90 Cst.]), electricity industry and supply law remained essentially cantonal until the enactment of the Electricity Supply Act.»\n\n**BGE 149 I 291** of 3 May 2023  \nThe Federal Supreme Court dealt with a municipal popular initiative for converting all heating systems to renewable energy and examined its compatibility with economic freedom.  \nThe decision shows the limits of municipal energy policy in the federal system.  \n> «Energy policy is fundamentally a matter for the Confederation and the cantons, whereby municipalities can only act subsidiarily.»\n\n## Water Engineering and Flood Protection\n\n**Judgment 1C_526/2015** of 12 October 2016  \nThe Federal Supreme Court decided on water engineering projects and the distribution of competencies between the Confederation and the cantons for flood protection measures.  \nThe decision clarifies the requirements for spatial planning in water engineering projects.  \n\n**Judgment 2C_258/2011** of 30 August 2012  \nThe Federal Supreme Court dealt with the environmental impact assessment for larger water engineering projects and the coordination between different approval procedures.  \nThe decision clarifies the application of environmental law to water engineering measures.\n\n## International Water Resources\n\n**Judgment 1C_262/2011** of 15 November 2012  \nThe Federal Supreme Court decided on cross-border hydropower projects and the competence of the Confederation according to Art. 76 para. 5 Cst.  \nThe decision deals with the decision-making competence of the Confederation for international water resources.\n\n**Judgment 2C_729/2013** of 3 April 2014  \nThe Federal Supreme Court clarified the application of Art. 76 para. 5 Cst. in disputes over intercantonal water resources.  \nThe decision clarifies the role of the Confederation as arbiter in intercantonal water disputes.\n\n## Water Withdrawal and Use Concessions\n\n**Judgment 1C_490/2017** of 15 May 2018  \nThe Federal Supreme Court dealt with the extension of water use concessions and adaptation to new environmental protection requirements.  \nThe decision clarifies the rights of concessionaires under changed legal frameworks.\n\n**Judgment 1C_401/2020** of 1 March 2022  \nThe Federal Supreme Court decided on the authorisation of water withdrawals for irrigation purposes and the consideration of climatic changes.  \nThe decision shows the increasing importance of water scarcity in case law.\n\n## Procedural Aspects\n\n**Judgment 1C_391/2022** of 3 May 2023  \nThe Federal Supreme Court clarified procedural questions regarding the granting of water use concessions and the role of environmental organisations in proceedings.  \nThe decision clarifies the standing of environmental associations in hydropower projects.\n\n**Judgment 1C_258/2015** of 22 March 2016  \nThe Federal Supreme Court dealt with the coordination of different approval procedures for hydropower projects.  \nThe decision clarifies the requirements for proper procedure in complex water projects.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_76", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 2, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 77, "article_suffix": "", "title": "Wald", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 77 BV — Übersicht\n\nArt. 77 BV gibt dem Bund die Kompetenz für den Schutz des Schweizer Waldes. Die Verfassung verlangt, dass der Wald drei wichtige Aufgaben erfüllen kann: Er soll vor Naturgefahren schützen (Schutzfunktion), Holz als Rohstoff liefern (Nutzfunktion) und der Erholung sowie dem Umweltschutz dienen (Wohlfahrtsfunktion). Diese drei Funktionen sind gemäss der Botschaft zur BV gleichwertig zu behandeln (BBl 1997 I 386).\n\nDer Bund darf nur Grundsätze für den Waldschutz festlegen (Grundsatzgesetzgebungskompetenz). Das bedeutet: Er kann die wichtigsten Regeln bestimmen, aber nicht alle Details regeln. Die Kantone führen diese Regeln aus und haben dabei Gestaltungsspielraum. Umstritten ist, ob der Bund auch selbst Vollzugsaufgaben übernehmen darf. Die Rechtslehre ist sich uneinig: Jagmetti verneint dies, während Hoffmann/Griffel gestützt auf Art. 46 BV begrenzte Bundesvollzugskompetenzen bejahen (BSK BV, Art. 77 N. 20).\n\nDas wichtigste Bundesgesetz ist das Waldgesetz (WaG). Es verbietet grundsätzlich, Waldflächen dauerhaft zu roden. Wer trotzdem Wald roden will, braucht eine Bewilligung. Diese gibt es nur, wenn wichtige Gründe vorliegen, die schwerer wiegen als der Schutz des Waldes. Bei Verstössen gegen das Waldgesetz drohen Bussen (Art. 42 ff. WaG).\n\nKontrovers diskutiert wird der Waldbegriff. Das WaG kennt einen dynamischen Waldbegriff: Land wird automatisch zu Wald, wenn darauf Bäume wachsen. Die Kantone können aber einen statischen Waldbegriff einführen, der nur bestehende Waldgebiete schützt. Kritiker bemängeln, dass der Bund den Kantonen zu viel Freiraum lässt (BSK BV, Art. 77 N. 17).\n\n**Beispiel:** Ein Gemeinde will eine neue Strasse durch ein Waldgebiet bauen. Sie muss zuerst eine Rodungsbewilligung beantragen. Die Behörde prüft, ob die Strasse wirklich nötig ist und ob es keine anderen Lösungen gibt. Nur wenn das öffentliche Interesse an der Strasse grösser ist als das Interesse am Waldschutz, wird die Bewilligung erteilt. Als Ausgleich muss meist an anderer Stelle neuer Wald gepflanzt werden.\n\nDie Bestimmung schützt das Eigentum nicht absolut. Waldeigentümer müssen hinnehmen, dass sie ihren Wald nicht beliebig nutzen können. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass der Waldschutz gleichrangig neben der Eigentumsgarantie steht (BGE 150 I 213).", "doctrine_de": "# Art. 77 BV — Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die moderne Waldschutzkonzeption der Schweiz hat ihre Wurzeln in den katastrophalen Überschwemmungen des 19. Jahrhunderts. Die Bundesverfassung von 1874 führte in Art. 24 mit der «eidgenössischen Oberaufsicht über die Forstpolizei im Hochgebirge» erstmals eine verfassungsrechtliche Kompetenz des Bundes im Waldbereich ein (BBl 1870 II 710).\n\n**N. 2** Mit der Partialrevision von 1897 wurde diese Oberaufsichtskompetenz auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt (Art. 24 Abs. 1 aBV). Die Verfassungsgrundlage ermöglichte das Bundesgesetz betreffend die eidgenössische Oberaufsicht über die Forstpolizei vom 11. Oktober 1902, welches das quantitative Walderhaltungsgebot verankerte.\n\n**N. 3** Im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung erhielt der Waldschutz eine eigenständige Verfassungsbestimmung. Die Botschaft vom 20. November 1996 betont den Wandel «von der Oberaufsichtskompetenz zur Grundsatzgesetzgebung» (BBl 1997 I 386 f.). Die neue Formulierung reflektiert die moderne Multifunktionalität des Waldes und die erweiterten Bundeskompetenzen.\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 77 BV ist im 4. Abschnitt «Umwelt und Raumplanung» des zweiten Kapitels eingeordnet. Diese systematische Stellung unterstreicht die enge Verbindung zu → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), → Art. 74 BV (Umweltschutz), → Art. 75 BV (Raumplanung) und ↔ Art. 76 BV (Wasser). Die Bestimmung konkretisiert für den Wald das allgemeine Nachhaltigkeitsprinzip und ergänzt die umwelt- und raumplanerischen Schutzkonzepte.\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu den Grundrechten wirkt Art. 77 BV als verfassungsimmanente Schranke der Eigentumsgarantie (→ Art. 26 BV). Das Walderhaltungsgebot steht gleichrangig neben der Eigentumsgarantie und prägt den Eigentumsinhalt mit (BGE 150 I 213 E. 4.2; Urteil 1C_364/2017 E. 5.2). Zu beachten ist auch → Art. 699 ZGB, der das freie Betretungsrecht als privatrechtliche Doppelnorm verankert.\n\n**N. 6** Als Kompetenzbestimmung folgt Art. 77 BV dem föderalistischen Prinzip von → Art. 3 BV. Die Grundsatzgesetzgebungskompetenz des Bundes (Abs. 2) lässt den Kantonen erhebliche Vollzugskompetenzen, während die Förderungskompetenz (Abs. 3) dem kooperativen Föderalismus entspricht.\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Multifunktionalität des Waldes (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Verfassungsgeber verankert in Abs. 1 die drei klassischen Waldfunktionen: Die **Schutzfunktion** umfasst den Schutz vor Naturgefahren (Lawinen, Steinschlag, Erosion) und die klimatische Ausgleichsfunktion. Die **Nutzfunktion** beinhaltet primär die Holzproduktion als nachwachsenden Rohstoff. Die **Wohlfahrtsfunktion** umfasst Erholung, Biodiversität, Wasserschutz und Luftreinigung (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 12-15).\n\n**N. 8** Diese Trias der Waldfunktionen ist nicht abschliessend. Die moderne Waldpolitik anerkennt weitere Funktionen wie die CO₂-Speicherung im Kontext des Klimaschutzes. Entscheidend ist die gleichrangige Berücksichtigung aller Funktionen ohne apriorische Priorisierung (Griffel, Wald und Recht, SZF 2012, 305).\n\n### Grundsatzgesetzgebungskompetenz (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die Grundsatzgesetzgebungskompetenz ersetzt die frühere Oberaufsichtskompetenz. Dieser Wandel ist mehr als terminologisch: Während die Oberaufsicht primär auf kantonale Vollzugsdefizite reagierte, ermöglicht die Grundsatzgesetzgebung eine proaktive Rahmenordnung (BBl 1997 I 386).\n\n**N. 10** Der Begriff «Grundsätze» ist restriktiv auszulegen. Der Bund darf nur die wesentlichen Leitlinien festlegen, während die Detailregelung und der Vollzug grundsätzlich den Kantonen obliegen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1127). Die Praxis zeigt allerdings eine extensive Ausschöpfung dieser Kompetenz im Waldgesetz.\n\n**N. 11** Umstritten ist, ob die Grundsatzgesetzgebungskompetenz auch Vollzugskompetenzen des Bundes legitimiert. **Jagmetti** (zit. bei Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 20) verneint dies mit Verweis auf den Unterschied zur früheren Oberaufsichtskompetenz. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 20) bejahen hingegen gestützt auf → Art. 46 Abs. 1 BV begrenzte Bundesvollzugskompetenzen.\n\n### Förderungskompetenz (Abs. 3)\n\n**N. 12** Die Förderungskompetenz ermächtigt den Bund zu finanziellen und nicht-finanziellen Unterstützungsmassnahmen. Typische Instrumente sind Subventionen für Schutzwaldpflege, Forschungsförderung und Ausbildungsbeiträge (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 23).\n\n**N. 13** Die Förderung ist fakultativ («er fördert») und steht unter dem Vorbehalt der verfügbaren Mittel. Sie ergänzt die regulatorischen Massnahmen der Grundsatzgesetzgebung durch Anreizmechanismen des kooperativen Verwaltungshandelns.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 77 Abs. 1 BV statuiert eine **Staatszielverpflichtung** ohne direkte Justiziabilität. Private können daraus keine subjektiven Rechte ableiten. Die Bestimmung verpflichtet jedoch alle staatlichen Organe bei ihrer Tätigkeit zur Berücksichtigung der Waldfunktionen (analog → Art. 73 BV).\n\n**N. 15** Die Grundsatzgesetzgebungskompetenz (Abs. 2) begründet eine **konkurrierende Bundeskompetenz**. Soweit der Bund legiferiert hat, geht Bundesrecht vor (→ Art. 49 BV). Das Waldgesetz schöpft diese Kompetenz weitgehend aus, lässt aber Raum für kantonale Ausführungsbestimmungen.\n\n**N. 16** Die verfassungsrechtliche Waldschutzkonzeption wirkt als **Auslegungsdirektive** für die gesamte Rechtsordnung. Bei der Interessenabwägung in Bewilligungsverfahren geniesst die Walderhaltung erhöhtes Gewicht (BGE 106 Ib 136 E. 4c).\n\n## Streitstände\n\n### Reichweite der Grundsatzgesetzgebung\n\n**N. 17** Kontrovers diskutiert wird die zulässige Regelungsdichte bei Grundsatzgesetzgebungskompetenzen. **Rausch/Marti/Griffel** (Umweltrecht, 142) vertreten eine restriktive Auslegung: Der Bund dürfe nur Rahmenvorschriften erlassen. **Keller** (Volksinitiative «Rettet den Schweizer Wald», 23) plädiert für eine weitere Auslegung angesichts der nationalen Bedeutung des Waldschutzes.\n\n**N. 18** Besonders umstritten ist der dynamische Waldbegriff des WaG. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 17) kritisieren, dass der Bundesgesetzgeber den Kantonen «plein pouvoir» zur Ersetzung durch den statischen Waldbegriff einräumte, ohne einschränkende Kriterien zu formulieren. **Jaissle** (Der dynamische Waldbegriff, 187 ff.) verteidigt die Flexibilität als notwendig für die kantonale Raumplanung.\n\n### Verhältnis zu internationalen Verpflichtungen\n\n**N. 19** Ungeklärt ist das Verhältnis von Art. 77 BV zu internationalen Klimaschutzabkommen. **Schefer** (mündliche Mitteilung) argumentiert für eine völkerrechtskonforme Auslegung, die CO₂-Senkenfunktionen prioritär berücksichtigt. Die herrschende Lehre betont hingegen die Gleichrangigkeit aller Waldfunktionen (Zimmermann, Waldpolitischer Jahresrückblick 2013, SZF 2014, 108).\n\n### Bundesvollzug bei Grundsatzgesetzgebung\n\n**N. 20** Der Streit um Bundesvollzugskompetenzen bei blosser Grundsatzgesetzgebung bleibt aktuell. **Jagmetti** (zit. bei Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 20) sieht in der Verfassungsrevision eine bewusste Kompetenzverschiebung zu den Kantonen. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 20) und **Wild** (Die Rodungsbewilligung, ZBl 2002, 120) argumentieren, → Art. 46 Abs. 1 BV erlaube punktuelle Bundesvollzugskompetenzen auch bei Grundsatzgesetzgebung.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei **Rodungsgesuchen** ist die Multifunktionalität des Waldes umfassend zu würdigen. Die blosse Kompensation der Nutzfunktion durch Ersatzaufforstung genügt nicht, wenn Schutz- oder Wohlfahrtsfunktionen irreversibel beeinträchtigt werden (BGE 122 II 81 E. 4b).\n\n**N. 22** **Waldfeststellungsverfahren** müssen die dynamische Waldentwicklung berücksichtigen. Massgebend ist nicht nur der aktuelle Bewuchs, sondern auch das natürliche Einwachsen von Waldflächen (Art. 2 WaG). Grundeigentümer sollten potenzielle Waldwerdung durch rechtzeitige Bewirtschaftungsmassnahmen verhindern.\n\n**N. 23** Bei **Nutzungskonflikten** zwischen Erholung und Walderhaltung bietet Art. 77 BV keine eindeutige Priorisierung. Die Rechtsprechung zu Freizeitaktivitäten (BGE 150 I 213) zeigt, dass intensive Nutzungen bewilligungspflichtig sein können. Veranstalter sollten frühzeitig mit den Forstbehörden Kontakt aufnehmen.\n\n**N. 24** **Klimaschutzprojekte** im Wald (CO₂-Zertifikate) müssen alle Waldfunktionen berücksichtigen. Monokulturen zur maximalen CO₂-Bindung können mit der Biodiversitätsfunktion kollidieren. Eine integrale Betrachtung im Sinn der Nachhaltigkeit (→ Art. 73 BV) ist zwingend.", "caselaw_de": "# Art. 77 BV — Rechtsprechung\n\n## Verfassungsrechtliche Grundlagen und Waldschutzkonzeption\n\n**BGE 150 I 213** vom 24. Mai 2024\n\nLasergame-Spiele im Wald; Vorrang des Bundesrechts bei kantonalen Bewilligungspflichten.\n\nDas Bundesgericht präzisiert die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Waldschutzes nach Art. 77 BV und deren Verhältnis zum bundesgesetzlichen Waldrecht. Art. 77 BV überträgt der Konföderation eine begrenzte Rahmengesetzgebungskompetenz für die Walderhaltung.\n\n> «La Constitution fédérale prévoit, à son art. 77, que la Confédération veille à ce que les forêts puissent remplir leurs fonctions protectrice, économique et sociale (al. 1). Elle fixe les principes applicables à la protection des forêts (al. 2). Elle encourage les mesures de conservation des forêts (al. 3). L'alinéa 1 de cette disposition fixe les objectifs globaux de la Confédération en matière de gestion des forêts. Quant à l'alinéa 2, il attribue à la Confédération une compétence concurrente limitée aux principes, en matière de protection des forêts.»\n\n## Rodungsbewilligungen und Interessenabwägung\n\n### Entwicklung der Rechtsprechung zur Rodungsinteressenabwägung\n\n**BGE 119 Ib 397** vom 11. November 1993\n\nVerweigerung der Rodungsbewilligung für Ferienhausüberbauung; Anwendung des neuen Waldgesetzes.\n\nGrundsatzentscheid zum verfassungsrechtlichen Walderhaltungsgebot und dessen Umsetzung im neuen Waldgesetz. Das Bundesgericht legt fest, dass die Rodungsverfügung das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung bleiben muss.\n\n> «Nach Art. 5 WaG bleibt die Rodungsverfügung das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung wurden inhaltlich aus der Forstpolizeiverordnung (Art. 26 FPolV) übernommen und um die Erfüllung raumplanerischer Kriterien ergänzt.»\n\n**BGE 122 II 81** vom 14. März 1996\n\nKoordination von UVP-Verfahren und Rodungsverfahren bei Strassenprojekten.\n\nDas Bundesgericht definiert die verfahrensrechtlichen Anforderungen bei komplexen Infrastrukturprojekten, die sowohl UVP-pflichtig sind als auch Waldrodungen erfordern. Die Entscheidung präzisiert die Koordinationspflichten zwischen verschiedenen Bewilligungsverfahren.\n\n> «Art. 12 WaG verlangt, dass vor der Zuweisung von Wald in eine Nutzungszone entweder eine Rodungsbewilligung oder eine verbindliche positive Stellungnahme der Rodungsbewilligungsbehörde vorliegt.»\n\n### Rodung für verschiedene Nutzungen\n\n**BGE 106 Ib 136** vom 22. September 1980\n\nRodung für Skipisten und Skilifte; überwiegendes Interesse an der Walderhaltung.\n\nGrundsatzentscheid zur Rodung für touristische Infrastrukturen. Das Bundesgericht verneint ein überwiegendes öffentliches Interesse an der touristischen Entwicklung, wenn bereits erhebliche Rodungen in der Region stattgefunden haben.\n\n> «Aufgrund des gesetzlichen Gebots der Walderhaltung seien Skipisten durch den Wald im allgemeinen nur dort zulässig, wo kurze Waldaushiebe zur Verbesserung der Linienführung oder zur Verbindung offener Abfahrtsstrecken nötig seien.»\n\n**BGE 103 Ib 54** vom 6. Mai 1977\n\nRodung für Kiesausbeutung; Interessenabwägung zwischen Kiesgewinnung und Walderhaltung.\n\nDas Bundesgericht entwickelt Grundsätze für die Interessenabwägung bei temporären Waldnutzungen. Entscheidend sind die Reversibilität der Rodung und die Möglichkeit späterer Wiederaufforstung.\n\n> «Im Gegensatz zu den häufigen Fällen, in denen die Waldbeseitigung Platz für die Errichtung eines dauernden Werkes (Haus, Strasse, Bahn) schaffen soll, wird mit der Rodung zum Zwecke der Kiesausbeutung der Wald nur vorübergehend beseitigt; durch Auffüllung und Aufforstung der ausgebeuteten Waldgrundstücke kann langfristig der Wald in seinem ursprünglichen Umfang am gleichen Ort wieder hergestellt werden.»\n\n**BGE 108 Ib 267** vom 13. Mai 1982\n\nRodung für Roll-Rutschbahn; Präzisierung der Interessenabwägung.\n\nDas Bundesgericht präzisiert die Rechtsprechung zu den Anforderungen an die Interessenabwägung. Nicht erforderlich ist eine zwingende Notwendigkeit, wohl aber ein gewichtiges, das Walderhaltungsinteresse überwiegendes Bedürfnis.\n\n> «Die Vorschrift von Art. 26 Abs. 1 FPolV setzt für die Bewilligung einer Rodung nicht voraus, dass die Rodung einer zwingenden Notwendigkeit entspricht (Präzisierung der Rechtsprechung); sie verlangt jedoch, dass sich hiefür ein gewichtiges, das Interesse an der Walderhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt.»\n\n## Eigentumsrechtliche Aspekte der Walderhaltung\n\n**Urteil 1C_364/2017** vom 21. September 2018\n\nMaterielle Enteignung und Walderhaltungsgebot.\n\nDas Bundesgericht ordnet das Walderhaltungsgebot nach Art. 77 BV in das System verfassungsrechtlicher Eigentumsschranken ein. Das Walderhaltungsgebot steht gleichrangig neben der Eigentumsgarantie und wirkt inhaltsprägend auf das Eigentum ein.\n\n> «Neben der Eigentumsgarantie stehen weitere, ihr gleichrangige Verfassungsbestimmungen wie die Gebote der Walderhaltung (Art. 77 BV), des Gewässerschutzes (Art. 76 BV) und des Umweltschutzes (Art. 74 BV), welche ebenfalls auf die Festlegung des Eigentumsinhalts einwirken.»\n\n## Waldnutzung und Freizeitaktivitäten\n\n**BGE 150 I 213** vom 24. Mai 2024\n\nLasergame-Aktivitäten im Wald und Bewilligungspflicht für \"grosse Manifestationen\".\n\nAktueller Leitentscheid zur Auslegung der bundesgesetzlichen Waldnutzungsbestimmungen und zur Kompetenz der Kantone, spezifische Waldnutzungen zu regulieren. Das Bundesgericht bestätigt, dass Art. 77 BV den Kantonen eine weite Gestaltungsfreiheit bei der Konkretisierung des Waldschutzes einräumt.\n\n> «Les jeux de combat, même sans projectiles, peuvent être considérés comme une activité présentant un potentiel important d'atteinte à la forêt [...] L'affrontement d'équipes suppose en outre de très nombreux mouvements et une occupation accrue de l'espace forestier.»\n\n**Urteil 5D_124/2010** vom 21. Dezember 2010\n\nPrivatrechtliches Fahrverbot im Wald; Verhältnis von Waldschutz und Eigentumsgarantie.\n\nDas Bundesgericht zeigt auf, wie das verfassungsrechtliche Walderhaltungsgebot (Art. 77 BV) auch im privatrechtlichen Verhältnis zwischen Waldeigentümern und Dritten zur Geltung kommt.\n\n> «Das öffentliche Recht könne das Privatrecht im Hinblick auf den verfassungsmässigen Schutz des Waldes (Art. 77 BV) und die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV beschränken.»\n\n## Besondere Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**Urteil 1A.212/2006** vom 31. Mai 2007\n\nWaldfeststellung und bundesgerichtliche Kognition.\n\nDas Bundesgericht präzisiert seine Kognition bei Waldfeststellungen und deren Bedeutung für die Verwirklichung der verfassungsrechtlichen Walderhaltungsziele nach Art. 77 BV.\n\n> «Aufgrund des Sachzusammenhangs mit dem anwendbaren Bundesrecht kann im Rahmen einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch die Anwendung des kantonalen Rechts überprüft werden, soweit dieses eng mit der Anwendung von Bundesrecht verknüpft ist.»\n\n**Urteil 1C_200/2009** vom 19. Februar 2010\n\nRodungsbewilligung und Strassenplan; öffentlicherklärung der Black-Mangeli-Strasse.\n\nDas Bundesgericht zeigt die Koordinationserfordernisse bei gleichzeitig laufenden Planungs- und Bewilligungsverfahren auf, die alle den verfassungsrechtlichen Waldschutz nach Art. 77 BV zu beachten haben.", "summary_fr": "# Art. 77 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 77 Cst. confère à la Confédération la compétence de protéger la forêt suisse. La Constitution exige que la forêt puisse remplir trois fonctions importantes : elle doit protéger contre les dangers naturels (fonction de protection), fournir du bois comme matière première (fonction de production) et servir à la détente ainsi qu'à la protection de l'environnement (fonction sociale). Ces trois fonctions doivent être traitées de manière équivalente selon le message relatif à la Cst. (FF 1997 I 386).\n\nLa Confédération ne peut édicter que des principes pour la protection de la forêt (compétence de législation-cadre). Cela signifie qu'elle peut déterminer les règles les plus importantes, mais ne peut pas régler tous les détails. Les cantons exécutent ces règles et disposent d'une marge de manœuvre dans leur mise en œuvre. Il est controversé de savoir si la Confédération peut également assumer elle-même des tâches d'exécution. La doctrine juridique est divisée : Jagmetti le nie, tandis que Hoffmann/Griffel affirment, en se fondant sur l'art. 46 Cst., l'existence de compétences limitées d'exécution fédérale (BSK BV, art. 77 ch. 20).\n\nLa principale loi fédérale est la loi sur les forêts (LFo). Elle interdit en principe de défricher définitivement des surfaces forestières. Quiconque veut néanmoins défricher de la forêt a besoin d'une autorisation. Celle-ci n'est accordée que si des motifs importants l'emportent sur la protection de la forêt. En cas d'infractions à la loi sur les forêts, des amendes sont prévues (art. 42 ss LFo).\n\nLa notion de forêt fait l'objet de discussions controversées. La LFo connaît une notion dynamique de forêt : un terrain devient automatiquement forêt si des arbres y poussent. Les cantons peuvent toutefois introduire une notion statique de forêt, qui ne protège que les zones forestières existantes. Les critiques reprochent à la Confédération de laisser trop de liberté aux cantons (BSK BV, art. 77 ch. 17).\n\n**Exemple :** Une commune veut construire une nouvelle route à travers une zone forestière. Elle doit d'abord demander une autorisation de défrichement. L'autorité examine si la route est vraiment nécessaire et s'il n'existe pas d'autres solutions. L'autorisation n'est accordée que si l'intérêt public à la route est supérieur à l'intérêt de la protection de la forêt. En compensation, il faut généralement planter une nouvelle forêt ailleurs.\n\nLa disposition ne protège pas la propriété de manière absolue. Les propriétaires forestiers doivent accepter de ne pas pouvoir utiliser leur forêt arbitrairement. Le Tribunal fédéral a confirmé que la protection de la forêt se situe au même rang que la garantie de la propriété (BGE 150 I 213).", "doctrine_fr": "# Art. 77 Cst. — Doctrine\n\n## Genèse\n\n**Ch. 1** La conception moderne de protection des forêts en Suisse trouve ses racines dans les inondations catastrophiques du XIXe siècle. La Constitution fédérale de 1874 introduisit à l'art. 24 avec la « haute surveillance fédérale sur la police des forêts dans les régions élevées » pour la première fois une compétence constitutionnelle de la Confédération dans le domaine forestier (FF 1870 II 710).\n\n**Ch. 2** Avec la révision partielle de 1897, cette compétence de haute surveillance fut étendue à l'ensemble du territoire fédéral (art. 24 al. 1 aCst.). Cette base constitutionnelle permit la loi fédérale concernant la haute surveillance fédérale sur la police des forêts du 11 octobre 1902, laquelle ancra l'impératif de conservation quantitative des forêts.\n\n**Ch. 3** Dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale, la protection des forêts obtint une disposition constitutionnelle autonome. Le message du 20 novembre 1996 souligne l'évolution « de la compétence de haute surveillance vers la législation de principe » (FF 1997 I 386 s.). La nouvelle formulation reflète la multifonctionnalité moderne de la forêt et les compétences fédérales élargies.\n\n## Classification systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 77 Cst. est classé dans la 4e section « Environnement et aménagement du territoire » du deuxième chapitre. Cette position systématique souligne le lien étroit avec → l'art. 73 Cst. (durabilité), → l'art. 74 Cst. (protection de l'environnement), → l'art. 75 Cst. (aménagement du territoire) et ↔ l'art. 76 Cst. (eaux). La disposition concrétise pour la forêt le principe général de durabilité et complète les concepts de protection environnementaux et d'aménagement du territoire.\n\n**Ch. 5** Dans le rapport aux droits fondamentaux, l'art. 77 Cst. agit comme limite constitutionnelle immanente de la garantie de la propriété (→ art. 26 Cst.). L'impératif de conservation des forêts se trouve au même rang que la garantie de la propriété et façonne le contenu de la propriété (ATF 150 I 213 consid. 4.2 ; arrêt 1C_364/2017 consid. 5.2). Il faut aussi tenir compte de → l'art. 699 CC, qui ancre le droit de libre passage comme norme de double nature de droit privé.\n\n**Ch. 6** En tant que disposition de compétence, l'art. 77 Cst. suit le principe fédéraliste de → l'art. 3 Cst. La compétence fédérale de législation de principe (al. 2) laisse aux cantons des compétences d'exécution considérables, tandis que la compétence d'encouragement (al. 3) correspond au fédéralisme coopératif.\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Multifonctionnalité de la forêt (al. 1)\n\n**Ch. 7** Le constituant ancre à l'al. 1 les trois fonctions classiques de la forêt : La **fonction protectrice** comprend la protection contre les dangers naturels (avalanches, chutes de pierres, érosion) et la fonction d'équilibrage climatique. La **fonction d'utilité** inclut en premier lieu la production de bois comme matière première renouvelable. La **fonction de bien-être** englobe les loisirs, la biodiversité, la protection des eaux et la purification de l'air (Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 77 ch. 12-15).\n\n**Ch. 8** Cette triade des fonctions forestières n'est pas exhaustive. La politique forestière moderne reconnaît d'autres fonctions comme le stockage du CO₂ dans le contexte de la protection du climat. Déterminante est la prise en considération équivalente de toutes les fonctions sans priorisation a priori (Griffel, Wald und Recht, SZF 2012, 305).\n\n### Compétence de législation de principe (al. 2)\n\n**Ch. 9** La compétence de législation de principe remplace l'ancienne compétence de haute surveillance. Ce changement est plus que terminologique : alors que la haute surveillance réagissait principalement aux déficits d'exécution cantonaux, la législation de principe permet un cadre proactif (FF 1997 I 386).\n\n**Ch. 10** La notion de « principes » doit être interprétée de manière restrictive. La Confédération ne peut fixer que les lignes directrices essentielles, tandis que la réglementation de détail et l'exécution incombent en principe aux cantons (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, ch. 1127). La pratique montre cependant un épuisement extensif de cette compétence dans la loi sur les forêts.\n\n**Ch. 11** Il est controversé de savoir si la compétence de législation de principe légitime aussi des compétences d'exécution de la Confédération. **Jagmetti** (cité dans Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 77 ch. 20) le nie en se référant à la différence avec l'ancienne compétence de haute surveillance. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, art. 77 ch. 20) l'affirment en revanche en se fondant sur → l'art. 46 al. 1 Cst. pour des compétences fédérales d'exécution limitées.\n\n### Compétence d'encouragement (al. 3)\n\n**Ch. 12** La compétence d'encouragement habilite la Confédération à des mesures de soutien financières et non financières. Les instruments typiques sont les subventions pour l'entretien des forêts protectrices, l'encouragement de la recherche et les contributions à la formation (Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 77 ch. 23).\n\n**Ch. 13** L'encouragement est facultatif (« elle encourage ») et sous réserve des moyens disponibles. Il complète les mesures réglementaires de la législation de principe par des mécanismes d'incitation de l'action administrative coopérative.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**Ch. 14** L'art. 77 al. 1 Cst. statue une **obligation d'objectif étatique** sans justiciabilité directe. Les particuliers ne peuvent en déduire aucun droit subjectif. La disposition oblige cependant tous les organes étatiques à tenir compte des fonctions de la forêt dans leur activité (analogue → art. 73 Cst.).\n\n**Ch. 15** La compétence de législation de principe (al. 2) fonde une **compétence fédérale concurrente**. Pour autant que la Confédération a légiféré, le droit fédéral prime (→ art. 49 Cst.). La loi sur les forêts épuise largement cette compétence, mais laisse de la place pour des dispositions cantonales d'exécution.\n\n**Ch. 16** La conception constitutionnelle de protection des forêts agit comme **directive d'interprétation** pour tout l'ordre juridique. Lors de la pesée des intérêts dans les procédures d'autorisation, la conservation des forêts jouit d'un poids accru (ATF 106 Ib 136 consid. 4c).\n\n## Points de controverse\n\n### Portée de la législation de principe\n\n**Ch. 17** La densité réglementaire admissible pour les compétences de législation de principe est débattue de manière controversée. **Rausch/Marti/Griffel** (Umweltrecht, 142) défendent une interprétation restrictive : la Confédération ne pourrait édicter que des prescriptions-cadres. **Keller** (Volksinitiative « Rettet den Schweizer Wald », 23) plaide pour une interprétation plus large compte tenu de l'importance nationale de la protection des forêts.\n\n**Ch. 18** La notion dynamique de forêt de la LFo est particulièrement controversée. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, art. 77 ch. 17) critiquent que le législateur fédéral ait accordé aux cantons un « plein pouvoir » pour la remplacer par la notion statique de forêt, sans formuler de critères restrictifs. **Jaissle** (Der dynamische Waldbegriff, 187 ss.) défend la flexibilité comme nécessaire pour l'aménagement du territoire cantonal.\n\n### Rapport aux obligations internationales\n\n**Ch. 19** Le rapport entre l'art. 77 Cst. et les accords internationaux de protection du climat n'est pas clarifié. **Schefer** (communication orale) argumente pour une interprétation conforme au droit international qui considère prioritairement les fonctions de puits de CO₂. La doctrine dominante souligne en revanche l'équivalence de toutes les fonctions forestières (Zimmermann, Waldpolitischer Jahresrückblick 2013, SZF 2014, 108).\n\n### Exécution fédérale en cas de législation de principe\n\n**Ch. 20** Le conflit sur les compétences fédérales d'exécution en cas de simple législation de principe reste d'actualité. **Jagmetti** (cité dans Hoffmann/Griffel, BSK BV, art. 77 ch. 20) voit dans la révision constitutionnelle un déplacement de compétence conscient vers les cantons. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, art. 77 ch. 20) et **Wild** (Die Rodungsbewilligung, ZBl 2002, 120) argumentent que → l'art. 46 al. 1 Cst. permet des compétences fédérales d'exécution ponctuelles même en cas de législation de principe.\n\n## Conseils pratiques\n\n**Ch. 21** Pour les **demandes de défrichement**, la multifonctionnalité de la forêt doit être appréciée de manière complète. La simple compensation de la fonction d'utilité par un reboisement de remplacement ne suffit pas si les fonctions protectrices ou de bien-être sont irréversiblement atteintes (ATF 122 II 81 consid. 4b).\n\n**Ch. 22** Les **procédures de constatation de la nature forestière** doivent tenir compte de l'évolution dynamique de la forêt. Déterminant n'est pas seulement la végétation actuelle, mais aussi l'embroussaillement naturel de surfaces forestières (art. 2 LFo). Les propriétaires fonciers devraient prévenir la forestisation potentielle par des mesures d'exploitation en temps opportun.\n\n**Ch. 23** En cas de **conflits d'utilisation** entre les loisirs et la conservation des forêts, l'art. 77 Cst. n'offre aucune priorisation claire. La jurisprudence sur les activités de loisirs (ATF 150 I 213) montre que les utilisations intensives peuvent être soumises à autorisation. Les organisateurs devraient prendre contact en temps opportun avec les autorités forestières.\n\n**Ch. 24** Les **projets de protection du climat** en forêt (certificats de CO₂) doivent tenir compte de toutes les fonctions forestières. Les monocultures pour une fixation maximale du CO₂ peuvent entrer en collision avec la fonction de biodiversité. Une considération intégrale au sens de la durabilité (→ art. 73 Cst.) est impérative.", "caselaw_fr": "# Art. 77 Cst — Jurisprudence\n\n## Bases constitutionnelles et conception de la protection des forêts\n\n**ATF 150 I 213** du 24 mai 2024\n\nJeux de laser game en forêt ; primauté du droit fédéral sur les obligations cantonales d'autorisation.\n\nLe Tribunal fédéral précise les bases constitutionnelles de la protection des forêts selon l'art. 77 Cst et leur rapport au droit forestier de rang légal fédéral. L'art. 77 Cst confère à la Confédération une compétence législative-cadre limitée pour la conservation des forêts.\n\n> «La Constitution fédérale prévoit, à son art. 77, que la Confédération veille à ce que les forêts puissent remplir leurs fonctions protectrice, économique et sociale (al. 1). Elle fixe les principes applicables à la protection des forêts (al. 2). Elle encourage les mesures de conservation des forêts (al. 3). L'alinéa 1 de cette disposition fixe les objectifs globaux de la Confédération en matière de gestion des forêts. Quant à l'alinéa 2, il attribue à la Confédération une compétence concurrente limitée aux principes, en matière de protection des forêts.»\n\n## Autorisations de défrichement et pesée des intérêts\n\n### Développement de la jurisprudence sur la pesée des intérêts en matière de défrichement\n\n**ATF 119 Ib 397** du 11 novembre 1993\n\nRefus d'autorisation de défrichement pour construction de maisons de vacances ; application de la nouvelle loi sur les forêts.\n\nArrêt de principe sur l'obligation constitutionnelle de conservation des forêts et sa mise en œuvre dans la nouvelle loi sur les forêts. Le Tribunal fédéral établit que la décision de défrichement doit demeurer le résultat d'une pesée globale des intérêts.\n\n> «Nach Art. 5 WaG bleibt die Rodungsverfügung das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung wurden inhaltlich aus der Forstpolizeiverordnung (Art. 26 FPolV) übernommen und um die Erfüllung raumplanerischer Kriterien ergänzt.»\n\n**ATF 122 II 81** du 14 mars 1996\n\nCoordination des procédures d'EIE et de défrichement pour des projets routiers.\n\nLe Tribunal fédéral définit les exigences de droit procédural pour les projets d'infrastructure complexes qui sont à la fois soumis à l'EIE et nécessitent des défrichements. La décision précise les obligations de coordination entre différentes procédures d'autorisation.\n\n> «Art. 12 WaG verlangt, dass vor der Zuweisung von Wald in eine Nutzungszone entweder eine Rodungsbewilligung oder eine verbindliche positive Stellungnahme der Rodungsbewilligungsbehörde vorliegt.»\n\n### Défrichement pour diverses utilisations\n\n**ATF 106 Ib 136** du 22 septembre 1980\n\nDéfrichement pour pistes de ski et remontées mécaniques ; intérêt prépondérant à la conservation des forêts.\n\nArrêt de principe sur le défrichement pour infrastructures touristiques. Le Tribunal fédéral nie l'existence d'un intérêt public prépondérant au développement touristique lorsque des défrichements considérables ont déjà eu lieu dans la région.\n\n> «Aufgrund des gesetzlichen Gebots der Walderhaltung seien Skipisten durch den Wald im allgemeinen nur dort zulässig, wo kurze Waldaushiebe zur Verbesserung der Linienführung oder zur Verbindung offener Abfahrtsstrecken nötig seien.»\n\n**ATF 103 Ib 54** du 6 mai 1977\n\nDéfrichement pour extraction de gravier ; pesée des intérêts entre extraction de gravier et conservation des forêts.\n\nLe Tribunal fédéral développe des principes pour la pesée des intérêts en cas d'utilisations forestières temporaires. Sont déterminantes la réversibilité du défrichement et la possibilité de reboisement ultérieur.\n\n> «Im Gegensatz zu den häufigen Fällen, in denen die Waldbeseitigung Platz für die Errichtung eines dauernden Werkes (Haus, Strasse, Bahn) schaffen soll, wird mit der Rodung zum Zwecke der Kiesausbeutung der Wald nur vorübergehend beseitigt; durch Auffüllung und Aufforstung der ausgebeuteten Waldgrundstücke kann langfristig der Wald in seinem ursprünglichen Umfang am gleichen Ort wieder hergestellt werden.»\n\n**ATF 108 Ib 267** du 13 mai 1982\n\nDéfrichement pour toboggan ; précision de la pesée des intérêts.\n\nLe Tribunal fédéral précise la jurisprudence sur les exigences relatives à la pesée des intérêts. Une nécessité impérieuse n'est pas requise, mais bien un besoin important l'emportant sur l'intérêt à la conservation des forêts.\n\n> «Die Vorschrift von Art. 26 Abs. 1 FPolV setzt für die Bewilligung einer Rodung nicht voraus, dass die Rodung einer zwingenden Notwendigkeit entspricht (Präzisierung der Rechtsprechung); sie verlangt jedoch, dass sich hiefür ein gewichtiges, das Interesse an der Walderhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt.»\n\n## Aspects liés au droit de propriété dans la conservation des forêts\n\n**Arrêt 1C_364/2017** du 21 septembre 2018\n\nExpropriation matérielle et obligation de conservation des forêts.\n\nLe Tribunal fédéral intègre l'obligation de conservation des forêts selon l'art. 77 Cst dans le système des limites constitutionnelles au droit de propriété. L'obligation de conservation des forêts se situe au même rang que la garantie de la propriété et influence le contenu de la propriété.\n\n> «Neben der Eigentumsgarantie stehen weitere, ihr gleichrangige Verfassungsbestimmungen wie die Gebote der Walderhaltung (Art. 77 BV), des Gewässerschutzes (Art. 76 BV) und des Umweltschutzes (Art. 74 BV), welche ebenfalls auf die Festlegung des Eigentumsinhalts einwirken.»\n\n## Utilisation des forêts et activités de loisirs\n\n**ATF 150 I 213** du 24 mai 2024\n\nActivités de laser game en forêt et obligation d'autorisation pour « grandes manifestations ».\n\nArrêt directeur actuel sur l'interprétation des dispositions fédérales légales sur l'utilisation des forêts et sur la compétence des cantons de réglementer des utilisations forestières spécifiques. Le Tribunal fédéral confirme que l'art. 77 Cst accorde aux cantons une large liberté de conception pour concrétiser la protection des forêts.\n\n> «Les jeux de combat, même sans projectiles, peuvent être considérés comme une activité présentant un potentiel important d'atteinte à la forêt [...] L'affrontement d'équipes suppose en outre de très nombreux mouvements et une occupation accrue de l'espace forestier.»\n\n**Arrêt 5D_124/2010** du 21 décembre 2010\n\nInterdiction de circuler de droit privé en forêt ; rapport entre protection des forêts et garantie de la propriété.\n\nLe Tribunal fédéral montre comment l'obligation constitutionnelle de conservation des forêts (art. 77 Cst) s'applique également dans les rapports de droit privé entre propriétaires forestiers et tiers.\n\n> «Das öffentliche Recht könne das Privatrecht im Hinblick auf den verfassungsmässigen Schutz des Waldes (Art. 77 BV) und die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV beschränken.»\n\n## Aspects procéduraux particuliers\n\n**Arrêt 1A.212/2006** du 31 mai 2007\n\nDélimitation forestière et cognition du Tribunal fédéral.\n\nLe Tribunal fédéral précise sa cognition en matière de délimitation forestière et leur signification pour la réalisation des objectifs constitutionnels de conservation des forêts selon l'art. 77 Cst.\n\n> «Aufgrund des Sachzusammenhangs mit dem anwendbaren Bundesrecht kann im Rahmen einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch die Anwendung des kantonalen Rechts überprüft werden, soweit dieses eng mit der Anwendung von Bundesrecht verknüpft ist.»\n\n**Arrêt 1C_200/2009** du 19 février 2010\n\nAutorisation de défrichement et plan routier ; mise sous le régime du domaine public de la route Black-Mangeli.\n\nLe Tribunal fédéral montre les exigences de coordination en cas de procédures de planification et d'autorisation simultanées qui doivent toutes respecter la protection constitutionnelle des forêts selon l'art. 77 Cst.", "summary_it": "# Art. 77 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 77 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza per la protezione delle foreste svizzere. La Costituzione esige che le foreste possano adempiere tre funzioni importanti: devono proteggere dai pericoli naturali (funzione protettiva), fornire legno come materia prima (funzione economica) e servire al svago nonché alla protezione dell'ambiente (funzione sociale). Queste tre funzioni vanno trattate in modo equivalente secondo il messaggio sulla Cost. (FF 1997 I 381).\n\nLa Confederazione può stabilire soltanto i principi per la protezione delle foreste (competenza legislativa di principio). Ciò significa: può determinare le regole più importanti, ma non disciplinare tutti i dettagli. I Cantoni eseguono queste regole e hanno margine di manovra nella loro configurazione. È controverso se la Confederazione possa anche assumere compiti esecutivi propri. La dottrina è discorde: Jagmetti lo nega, mentre Hoffmann/Griffel, basandosi sull'art. 46 Cost., affermano competenze esecutive federali limitate (BSK Cost., art. 77 n. 20).\n\nLa legge federale più importante è la legge forestale (LFo). Essa vieta in linea di principio il dissodamento permanente di superfici forestali. Chi vuole comunque dissodare deve ottenere un'autorizzazione. Questa viene concessa soltanto se sussistono motivi importanti che prevalgono sulla protezione delle foreste. In caso di violazioni della legge forestale sono comminate multe (art. 42 segg. LFo).\n\nIl concetto di foresta è oggetto di discussione controversa. La LFo conosce un concetto dinamico di foresta: un terreno diventa automaticamente foresta se vi crescono alberi. I Cantoni possono però introdurre un concetto statico di foresta che protegge soltanto le aree forestali esistenti. I critici lamentano che la Confederazione lascia troppo margine di manovra ai Cantoni (BSK Cost., art. 77 n. 17).\n\n**Esempio:** Un Comune vuole costruire una nuova strada attraverso un'area forestale. Deve prima richiedere un'autorizzazione di dissodamento. L'autorità esamina se la strada è realmente necessaria e se non esistono altre soluzioni. L'autorizzazione viene rilasciata soltanto se l'interesse pubblico alla strada è maggiore dell'interesse alla protezione della foresta. Come compensazione, di regola deve essere piantata nuova foresta in altro luogo.\n\nLa disposizione non protegge la proprietà in modo assoluto. I proprietari di foreste devono accettare di non poter utilizzare la loro foresta a piacimento. Il Tribunale federale ha confermato che la protezione delle foreste è equiparata alla garanzia della proprietà (DTF 150 I 213).", "doctrine_it": "# Art. 77 Cost. — Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** La moderna concezione svizzera di protezione del bosco ha le sue radici nelle catastrofiche inondazioni del XIX secolo. La Costituzione federale del 1874 introdusse nell'art. 24 con l'«alta sorveglianza federale sulla polizia forestale in alta montagna» per la prima volta una competenza costituzionale della Confederazione nel settore forestale (FF 1870 II 710).\n\n**N. 2** Con la revisione parziale del 1897, questa competenza di alta sorveglianza fu estesa all'intero territorio federale (art. 24 cpv. 1 Cost. prev.). Il fondamento costituzionale rese possibile la legge federale concernente l'alta sorveglianza federale sulla polizia forestale dell'11 ottobre 1902, che sancì il divieto di dissodamento quantitativo.\n\n**N. 3** Nel quadro della revisione totale della Costituzione federale, la protezione del bosco ottenne una disposizione costituzionale autonoma. Il messaggio del 20 novembre 1996 sottolinea il cambiamento «dalla competenza di alta sorveglianza alla legislazione di principi» (FF 1997 I 386 s.). La nuova formulazione riflette la moderna multifunzionalità del bosco e le ampliate competenze federali.\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 77 Cost. è inserito nella 4ª sezione «Ambiente e pianificazione del territorio» del secondo capitolo. Questa collocazione sistematica sottolinea lo stretto collegamento con → art. 73 Cost. (sostenibilità), → art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente), → art. 75 Cost. (pianificazione del territorio) e ↔ art. 76 Cost. (acque). La disposizione concretizza per il bosco il principio generale di sostenibilità e completa i concetti di protezione ambientale e territoriale.\n\n**N. 5** Nel rapporto con i diritti fondamentali, l'art. 77 Cost. agisce come limite costituzionale immanente alla garanzia della proprietà (→ art. 26 Cost.). Il divieto di dissodamento sta su piano di parità con la garanzia della proprietà e ne determina il contenuto (DTF 150 I 213 consid. 4.2; sentenza 1C_364/2017 consid. 5.2). È da considerare anche → art. 699 CC, che sancisce il diritto di libero accesso come doppia norma di diritto privato.\n\n**N. 6** Come disposizione di competenza, l'art. 77 Cost. segue il principio federalistico dell'→ art. 3 Cost. La competenza legislativa di principi della Confederazione (cpv. 2) lascia ai Cantoni considerevoli competenze esecutive, mentre la competenza di promozione (cpv. 3) corrisponde al federalismo cooperativo.\n\n## Elementi di fattispecie / contenuto normativo\n\n### Multifunzionalità del bosco (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il costituente sancisce nel cpv. 1 le tre funzioni classiche del bosco: La **funzione protettiva** comprende la protezione dai pericoli naturali (valanghe, caduta sassi, erosione) e la funzione di equilibrio climatico. La **funzione produttiva** include principalmente la produzione di legno come materia prima rinnovabile. La **funzione di benessere** comprende il ricreamento, la biodiversità, la protezione delle acque e la depurazione dell'aria (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 12-15).\n\n**N. 8** Questa triade delle funzioni del bosco non è esaustiva. La moderna politica forestale riconosce ulteriori funzioni come l'accumulo di CO₂ nel contesto della protezione del clima. Decisiva è la considerazione paritaria di tutte le funzioni senza priorità a priori (Griffel, Wald und Recht, SZF 2012, 305).\n\n### Competenza legislativa di principi (cpv. 2)\n\n**N. 9** La competenza legislativa di principi sostituisce la precedente competenza di alta sorveglianza. Questo cambiamento è più che terminologico: mentre l'alta sorveglianza reagiva principalmente a deficit esecutivi cantonali, la legislazione di principi consente un ordinamento quadro proattivo (FF 1997 I 386).\n\n**N. 10** Il termine «principi» deve essere interpretato restrittivamente. La Confederazione può stabilire solo le linee direttive essenziali, mentre la regolamentazione di dettaglio e l'esecuzione spettano in linea di principio ai Cantoni (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1127). La prassi mostra tuttavia uno sfruttamento estensivo di questa competenza nella legge forestale.\n\n**N. 11** È controverso se la competenza legislativa di principi legittimi anche competenze esecutive della Confederazione. **Jagmetti** (cit. in Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 20) lo nega riferendosi alla differenza rispetto alla precedente competenza di alta sorveglianza. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 20) lo affermano invece basandosi sull'→ art. 46 cpv. 1 Cost., per competenze esecutive federali limitate.\n\n### Competenza di promozione (cpv. 3)\n\n**N. 12** La competenza di promozione autorizza la Confederazione a misure di sostegno finanziarie e non finanziarie. Strumenti tipici sono le sovvenzioni per la cura dei boschi di protezione, la promozione della ricerca e i contributi per la formazione (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 23).\n\n**N. 13** La promozione è facoltativa («promuove») e sta sotto riserva dei mezzi disponibili. Essa completa le misure regolatorie della legislazione di principi attraverso meccanismi di incentivazione dell'agire amministrativo cooperativo.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 77 cpv. 1 Cost. statuisce un **obiettivo statale** senza diretta giustiziabilità. I privati non possono derivarne diritti soggettivi. La disposizione obbliga tuttavia tutti gli organi statali a considerare le funzioni del bosco nella loro attività (analogamente all'→ art. 73 Cost.).\n\n**N. 15** La competenza legislativa di principi (cpv. 2) fonda una **competenza federale concorrente**. Nella misura in cui la Confederazione ha legiferato, il diritto federale prevale (→ art. 49 Cost.). La legge forestale sfrutta ampiamente questa competenza, ma lascia spazio a disposizioni esecutive cantonali.\n\n**N. 16** La concezione costituzionale di protezione del bosco agisce come **direttiva interpretativa** per l'intero ordinamento giuridico. Nella ponderazione degli interessi nelle procedure di autorizzazione, la conservazione del bosco gode di peso accresciuto (DTF 106 Ib 136 consid. 4c).\n\n## Questioni controverse\n\n### Portata della legislazione di principi\n\n**N. 17** È dibattuta controversamente la densità regolatoria ammissibile nelle competenze legislative di principi. **Rausch/Marti/Griffel** (Umweltrecht, 142) rappresentano un'interpretazione restrittiva: la Confederazione potrebbe emanare solo prescrizioni quadro. **Keller** (Volksinitiative «Rettet den Schweizer Wald», 23) propugna un'interpretazione più ampia considerata l'importanza nazionale della protezione del bosco.\n\n**N. 18** Particolarmente controverso è il concetto dinamico di bosco della LFo. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 17) criticano che il legislatore federale abbia accordato ai Cantoni un «plein pouvoir» per la sostituzione con il concetto statico di bosco, senza formulare criteri limitativi. **Jaissle** (Der dynamische Waldbegriff, 187 ss.) difende la flessibilità come necessaria per la pianificazione territoriale cantonale.\n\n### Rapporto con gli obblighi internazionali\n\n**N. 19** Non è chiarito il rapporto dell'art. 77 Cost. con gli accordi internazionali di protezione del clima. **Schefer** (comunicazione orale) argomenta per un'interpretazione conforme al diritto internazionale che consideri prioritariamente le funzioni di assorbimento di CO₂. La dottrina dominante sottolinea invece la parità di tutte le funzioni del bosco (Zimmermann, Waldpolitischer Jahresrückblick 2013, SZF 2014, 108).\n\n### Esecuzione federale nella legislazione di principi\n\n**N. 20** La controversia sulle competenze esecutive federali nella semplice legislazione di principi rimane attuale. **Jagmetti** (cit. in Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 N. 20) vede nella revisione costituzionale uno spostamento consapevole di competenze ai Cantoni. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 N. 20) e **Wild** (Die Rodungsbewilligung, ZBl 2002, 120) argomentano che l'→ art. 46 cpv. 1 Cost. consenta competenze esecutive federali puntuali anche nella legislazione di principi.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nelle **domande di dissodamento** la multifunzionalità del bosco deve essere valutata complessivamente. La semplice compensazione della funzione produttiva attraverso rimboschimenti sostitutivi non basta se le funzioni protettive o di benessere vengono pregiudicate irreversibilmente (DTF 122 II 81 consid. 4b).\n\n**N. 22** Le **procedure di accertamento del bosco** devono considerare lo sviluppo dinamico del bosco. Determinante non è solo la vegetazione attuale, ma anche l'inselvatichimento naturale di superfici boschive (art. 2 LFo). I proprietari fondiari dovrebbero prevenire la potenziale inforestazione attraverso tempestive misure di gestione.\n\n**N. 23** Nei **conflitti di utilizzazione** tra ricreazione e conservazione del bosco, l'art. 77 Cost. non offre una priorità univoca. La giurisprudenza sulle attività del tempo libero (DTF 150 I 213) mostra che le utilizzazioni intensive possono essere soggette ad autorizzazione. Gli organizzatori dovrebbero prendere contatto tempestivamente con le autorità forestali.\n\n**N. 24** I **progetti di protezione del clima** nel bosco (certificati CO₂) devono considerare tutte le funzioni del bosco. Le monocolture per il massimo assorbimento di CO₂ possono collidere con la funzione di biodiversità. È obbligatorio un esame integrale nel senso della sostenibilità (→ art. 73 Cost.).", "caselaw_it": "# Art. 77 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Fondamenti costituzionali e concezione della protezione delle foreste\n\n**DTF 150 I 213** del 24 maggio 2024\n\nGiochi di lasergame nelle foreste; priorità del diritto federale sui requisiti di autorizzazione cantonali.\n\nIl Tribunale federale precisa i fondamenti costituzionali della protezione delle foreste secondo l'art. 77 Cost. e il loro rapporto con il diritto forestale federale. L'art. 77 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza legislativa quadro limitata per la conservazione delle foreste.\n\n> «La Constitution fédérale prévoit, à son art. 77, que la Confédération veille à ce que les forêts puissent remplir leurs fonctions protectrice, économique et sociale (al. 1). Elle fixe les principes applicables à la protection des forêts (al. 2). Elle encourage les mesures de conservation des forêts (al. 3). L'alinéa 1 de cette disposition fixe les objectifs globaux de la Confédération en matière de gestion des forêts. Quant à l'alinéa 2, il attribue à la Confédération une compétence concurrente limitée aux principes, en matière de protection des forêts.»\n\n## Autorizzazioni di dissodamento e ponderazione degli interessi\n\n### Evoluzione della giurisprudenza sulla ponderazione degli interessi nei dissodamenti\n\n**DTF 119 Ib 397** dell'11 novembre 1993\n\nRifiuto dell'autorizzazione di dissodamento per edificazione di case di vacanza; applicazione della nuova legge forestale.\n\nDecisione di principio sul precetto costituzionale di conservazione delle foreste e la sua attuazione nella nuova legge forestale. Il Tribunale federale stabilisce che la decisione di dissodamento deve rimanere il risultato di una ponderazione globale degli interessi.\n\n> «Nach Art. 5 WaG bleibt die Rodungsverfügung das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung wurden inhaltlich aus der Forstpolizeiverordnung (Art. 26 FPolV) übernommen und um die Erfüllung raumplanerischer Kriterien ergänzt.»\n\n**DTF 122 II 81** del 14 marzo 1996\n\nCoordinamento dei procedimenti di VIA e dei procedimenti di dissodamento per progetti stradali.\n\nIl Tribunale federale definisce i requisiti procedurali per progetti infrastrutturali complessi che sono soggetti sia a VIA sia a dissodamenti forestali. La decisione precisa gli obblighi di coordinamento tra diversi procedimenti di autorizzazione.\n\n> «Art. 12 WaG verlangt, dass vor der Zuweisung von Wald in eine Nutzungszone entweder eine Rodungsbewilligung oder eine verbindliche positive Stellungnahme der Rodungsbewilligungsbehörde vorliegt.»\n\n### Dissodamento per diversi utilizzi\n\n**DTF 106 Ib 136** del 22 settembre 1980\n\nDissodamento per piste da sci e skilift; interesse prevalente alla conservazione delle foreste.\n\nDecisione di principio sul dissodamento per infrastrutture turistiche. Il Tribunale federale nega un interesse pubblico prevalente allo sviluppo turistico quando nella regione sono già avvenuti dissodamenti considerevoli.\n\n> «Aufgrund des gesetzlichen Gebots der Walderhaltung seien Skipisten durch den Wald im allgemeinen nur dort zulässig, wo kurze Waldaushiebe zur Verbesserung der Linienführung oder zur Verbindung offener Abfahrtsstrecken nötig seien.»\n\n**DTF 103 Ib 54** del 6 maggio 1977\n\nDissodamento per estrazione di ghiaia; ponderazione degli interessi tra estrazione di ghiaia e conservazione delle foreste.\n\nIl Tribunale federale sviluppa principi per la ponderazione degli interessi negli utilizzi temporanei delle foreste. Decisivi sono la reversibilità del dissodamento e la possibilità di rimboschimento successivo.\n\n> «Im Gegensatz zu den häufigen Fällen, in denen die Waldbeseitigung Platz für die Errichtung eines dauernden Werkes (Haus, Strasse, Bahn) schaffen soll, wird mit der Rodung zum Zwecke der Kiesausbeutung der Wald nur vorübergehend beseitigt; durch Auffüllung und Aufforstung der ausgebeuteten Waldgrundstücke kann langfristig der Wald in seinem ursprünglichen Umfang am gleichen Ort wieder hergestellt werden.»\n\n**DTF 108 Ib 267** del 13 maggio 1982\n\nDissodamento per pista di slittino; precisazione della ponderazione degli interessi.\n\nIl Tribunale federale precisa la giurisprudenza sui requisiti della ponderazione degli interessi. Non è necessaria una necessità imperativa, bensì un bisogno importante che prevalga sull'interesse alla conservazione delle foreste.\n\n> «Die Vorschrift von Art. 26 Abs. 1 FPolV setzt für die Bewilligung einer Rodung nicht voraus, dass die Rodung einer zwingenden Notwendigkeit entspricht (Präzisierung der Rechtsprechung); sie verlangt jedoch, dass sich hiefür ein gewichtiges, das Interesse an der Walderhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt.»\n\n## Aspetti attinenti al diritto della proprietà nella conservazione delle foreste\n\n**Sentenza 1C_364/2017** del 21 settembre 2018\n\nEspropriazione materiale e precetto di conservazione delle foreste.\n\nIl Tribunale federale inquadra il precetto di conservazione delle foreste secondo l'art. 77 Cost. nel sistema dei limiti costituzionali della proprietà. Il precetto di conservazione delle foreste è di pari rango rispetto alla garanzia della proprietà e ne plasma il contenuto.\n\n> «Neben der Eigentumsgarantie stehen weitere, ihr gleichrangige Verfassungsbestimmungen wie die Gebote der Walderhaltung (Art. 77 BV), des Gewässerschutzes (Art. 76 BV) und des Umweltschutzes (Art. 74 BV), welche ebenfalls auf die Festlegung des Eigentumsinhalts einwirken.»\n\n## Utilizzazione delle foreste e attività del tempo libero\n\n**DTF 150 I 213** del 24 maggio 2024\n\nAttività di lasergame nelle foreste e obbligo di autorizzazione per \"grandi manifestazioni\".\n\nDecisione guida attuale sull'interpretazione delle disposizioni federali sull'utilizzazione delle foreste e sulla competenza dei Cantoni di regolare utilizzazioni specifiche delle foreste. Il Tribunale federale conferma che l'art. 77 Cost. concede ai Cantoni un'ampia libertà di configurazione nella concretizzazione della protezione delle foreste.\n\n> «Les jeux de combat, même sans projectiles, peuvent être considérés comme une activité présentant un potentiel important d'atteinte à la forêt [...] L'affrontement d'équipes suppose en outre de très nombreux mouvements et une occupation accrue de l'espace forestier.»\n\n**Sentenza 5D_124/2010** del 21 dicembre 2010\n\nDivieto di circolazione di diritto privato nelle foreste; rapporto tra protezione delle foreste e garanzia della proprietà.\n\nIl Tribunale federale mostra come il precetto costituzionale di conservazione delle foreste (art. 77 Cost.) valga anche nel rapporto di diritto privato tra proprietari di foreste e terzi.\n\n> «Das öffentliche Recht könne das Privatrecht im Hinblick auf den verfassungsmässigen Schutz des Waldes (Art. 77 BV) und die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV beschränken.»\n\n## Aspetti procedurali particolari\n\n**Sentenza 1A.212/2006** del 31 maggio 2007\n\nAccertamento di bosco e cognizione del Tribunale federale.\n\nIl Tribunale federale precisa la sua cognizione negli accertamenti di bosco e il loro significato per la realizzazione degli obiettivi costituzionali di conservazione delle foreste secondo l'art. 77 Cost.\n\n> «Aufgrund des Sachzusammenhangs mit dem anwendbaren Bundesrecht kann im Rahmen einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch die Anwendung des kantonalen Rechts überprüft werden, soweit dieses eng mit der Anwendung von Bundesrecht verknüpft ist.»\n\n**Sentenza 1C_200/2009** del 19 febbraio 2010\n\nAutorizzazione di dissodamento e piano stradale; dichiarazione di pubblica utilità della strada Black-Mangeli.\n\nIl Tribunale federale mostra i requisiti di coordinamento nei procedimenti di pianificazione e di autorizzazione che si svolgono contemporaneamente, tutti tenuti a rispettare la protezione costituzionale delle foreste secondo l'art. 77 Cost.", "summary_en": "# Art. 77 Cst. — Overview\n\nArt. 77 Cst. gives the Confederation the competence to protect Swiss forests. The Constitution requires that forests fulfil three important functions: they shall protect against natural hazards (protective function), supply timber as a raw material (utilitarian function) and serve recreation and environmental protection (welfare function). According to the Federal Council's message on the Constitution, these three functions are to be treated as equal (BBl 1997 I 386).\n\nThe Confederation may only lay down principles for forest protection (framework legislation competence). This means: it can determine the most important rules, but cannot regulate all details. The cantons implement these rules and have scope for discretion in doing so. It is disputed whether the Confederation may also assume implementation tasks itself. Legal doctrine is divided: Jagmetti denies this, while Hoffmann/Griffel affirm limited federal implementation competences based on Art. 46 Cst. (BSK BV, Art. 77 N. 20).\n\nThe most important federal act is the Forest Act (ForA). It fundamentally prohibits the permanent clearing of forest areas. Anyone who nevertheless wants to clear forest requires an authorization. This is only granted when important grounds exist that outweigh forest protection. Violations of the Forest Act are subject to fines (Art. 42 ff. ForA).\n\nThe concept of forest is controversially discussed. The ForA uses a dynamic forest concept: land automatically becomes forest when trees grow on it. However, the cantons may introduce a static forest concept that only protects existing forest areas. Critics complain that the Confederation gives the cantons too much leeway (BSK BV, Art. 77 N. 17).\n\n**Example:** A municipality wants to build a new road through a forest area. It must first apply for a clearing authorization. The authorities examine whether the road is really necessary and whether there are no other solutions. Only if the public interest in the road is greater than the interest in forest protection is the authorization granted. As compensation, new forest usually must be planted elsewhere.\n\nThe provision does not protect property absolutely. Forest owners must accept that they cannot use their forest arbitrarily. The Federal Supreme Court has confirmed that forest protection ranks equally alongside the guarantee of property (BGE 150 I 213).", "doctrine_en": "# Art. 77 BV — Doctrine\n\n## Genesis\n\n**No. 1** Switzerland's modern forest protection concept has its roots in the catastrophic floods of the 19th century. The Federal Constitution of 1874 introduced in Art. 24 the \"federal supervision over forest policing in the high mountains\", establishing for the first time a constitutional competence of the Confederation in the forest sector (BBl 1870 II 710).\n\n**No. 2** With the partial revision of 1897, this supervisory competence was extended to the entire federal territory (Art. 24 para. 1 former BV). The constitutional basis enabled the Federal Act concerning federal supervision over forest policing of 11 October 1902, which enshrined the quantitative forest conservation requirement.\n\n**No. 3** Within the framework of the total revision of the Federal Constitution, forest protection received an independent constitutional provision. The Dispatch of 20 November 1996 emphasises the transformation \"from supervisory competence to principles-based legislation\" (BBl 1997 I 386 f.). The new formulation reflects the modern multifunctionality of forests and the expanded federal competences.\n\n## Systematic Classification\n\n**No. 4** Art. 77 BV is classified in Section 4 \"Environment and Spatial Planning\" of the second chapter. This systematic position underscores the close connection to → Art. 73 BV (sustainability), → Art. 74 BV (environmental protection), → Art. 75 BV (spatial planning) and ↔ Art. 76 BV (water). The provision concretises the general sustainability principle for forests and complements the environmental and spatial planning protection concepts.\n\n**No. 5** In relation to fundamental rights, Art. 77 BV acts as a constitutional immanent restriction on the guarantee of property (→ Art. 26 BV). The forest conservation requirement stands on equal footing with the guarantee of property and shapes the content of property (BGE 150 I 213 E. 4.2; Judgment 1C_364/2017 E. 5.2). Also to be noted is → Art. 699 CC, which enshrines the free right of access as a private law double norm.\n\n**No. 6** As a competence provision, Art. 77 BV follows the federalist principle of → Art. 3 BV. The principles-based legislative competence of the Confederation (para. 2) leaves the cantons considerable implementation competences, while the promotional competence (para. 3) corresponds to cooperative federalism.\n\n## Elements of the Offence / Content of Norms\n\n### Multifunctionality of Forests (para. 1)\n\n**No. 7** The constitutional legislator enshrines in para. 1 the three classical forest functions: The **protective function** encompasses protection against natural hazards (avalanches, rockfall, erosion) and the climatic compensatory function. The **utilisation function** primarily includes timber production as a renewable raw material. The **welfare function** encompasses recreation, biodiversity, water protection and air purification (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 No. 12-15).\n\n**No. 8** This triad of forest functions is not exhaustive. Modern forest policy recognises additional functions such as CO₂ storage in the context of climate protection. Decisive is the equal consideration of all functions without a priori prioritisation (Griffel, Forest and Law, SZF 2012, 305).\n\n### Principles-based Legislative Competence (para. 2)\n\n**No. 9** The principles-based legislative competence replaces the former supervisory competence. This change is more than terminological: while supervision primarily reacted to cantonal implementation deficits, principles-based legislation enables proactive framework regulation (BBl 1997 I 386).\n\n**No. 10** The term \"principles\" must be interpreted restrictively. The Confederation may only establish the essential guidelines, while detailed regulation and implementation remain primarily with the cantons (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Federal Constitutional Law, No. 1127). Practice shows, however, an extensive exploitation of this competence in the Forest Act.\n\n**No. 11** It is disputed whether the principles-based legislative competence also legitimises implementation competences of the Confederation. **Jagmetti** (cited in Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 No. 20) denies this with reference to the difference from the former supervisory competence. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 No. 20) affirm this, however, based on → Art. 46 para. 1 BV for limited federal implementation competences.\n\n### Promotional Competence (para. 3)\n\n**No. 12** The promotional competence empowers the Confederation to take financial and non-financial support measures. Typical instruments are subsidies for protective forest care, research promotion and training contributions (Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 No. 23).\n\n**No. 13** Promotion is facultative (\"it promotes\") and is subject to the availability of funds. It complements the regulatory measures of principles-based legislation through incentive mechanisms of cooperative administrative action.\n\n## Legal Consequences\n\n**No. 14** Art. 77 para. 1 BV establishes a **state objective obligation** without direct justiciability. Private parties cannot derive subjective rights from it. The provision, however, obliges all state organs to consider forest functions in their activities (analogous to → Art. 73 BV).\n\n**No. 15** The principles-based legislative competence (para. 2) establishes a **concurrent federal competence**. Insofar as the Confederation has legislated, federal law takes precedence (→ Art. 49 BV). The Forest Act largely exhausts this competence but leaves room for cantonal implementing provisions.\n\n**No. 16** The constitutional forest protection concept acts as an **interpretive directive** for the entire legal order. In weighing interests in authorisation procedures, forest conservation enjoys increased weight (BGE 106 Ib 136 E. 4c).\n\n## Disputes\n\n### Scope of Principles-based Legislation\n\n**No. 17** The permissible regulatory density in principles-based legislative competences is controversially discussed. **Rausch/Marti/Griffel** (Environmental Law, 142) advocate a restrictive interpretation: the Confederation may only issue framework provisions. **Keller** (People's Initiative \"Save the Swiss Forest\", 23) argues for a broader interpretation given the national importance of forest protection.\n\n**No. 18** Particularly controversial is the dynamic forest concept of the ForA. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 No. 17) criticise that the federal legislator granted the cantons \"plein pouvoir\" to replace it with the static forest concept without formulating restrictive criteria. **Jaissle** (The Dynamic Forest Concept, 187 ff.) defends the flexibility as necessary for cantonal spatial planning.\n\n### Relationship to International Obligations\n\n**No. 19** The relationship between Art. 77 BV and international climate protection agreements is unclear. **Schefer** (oral communication) argues for an interpretation conforming to international law that gives priority consideration to CO₂ sink functions. The prevailing doctrine, however, emphasises the equal ranking of all forest functions (Zimmermann, Forest Policy Annual Review 2013, SZF 2014, 108).\n\n### Federal Implementation in Principles-based Legislation\n\n**No. 20** The dispute about federal implementation competences with mere principles-based legislation remains current. **Jagmetti** (cited in Hoffmann/Griffel, BSK BV, Art. 77 No. 20) sees in the constitutional revision a deliberate competence shift to the cantons. **Hoffmann/Griffel** (BSK BV, Art. 77 No. 20) and **Wild** (The Clearing Permit, ZBl 2002, 120) argue that → Art. 46 para. 1 BV permits specific federal implementation competences even with principles-based legislation.\n\n## Practice Notes\n\n**No. 21** In **clearing applications**, the multifunctionality of forests must be comprehensively assessed. Mere compensation of the utilisation function through replacement afforestation is insufficient if protective or welfare functions are irreversibly impaired (BGE 122 II 81 E. 4b).\n\n**No. 22** **Forest determination procedures** must consider dynamic forest development. Decisive is not only the current vegetation coverage but also the natural ingrowth of forest areas (Art. 2 ForA). Property owners should prevent potential forest formation through timely management measures.\n\n**No. 23** In **conflicts of use** between recreation and forest conservation, Art. 77 BV offers no clear prioritisation. The case law on recreational activities (BGE 150 I 213) shows that intensive uses may require authorisation. Organisers should contact forest authorities at an early stage.\n\n**No. 24** **Climate protection projects** in forests (CO₂ certificates) must consider all forest functions. Monocultures for maximum CO₂ binding can collide with the biodiversity function. An integral approach in the sense of sustainability (→ Art. 73 BV) is mandatory.", "caselaw_en": "# Art. 77 BV — Caselaw\n\n## Constitutional Foundations and Forest Protection Conception\n\n**BGE 150 I 213** of 24 May 2024\n\nLaser game activities in forests; precedence of federal law over cantonal licensing requirements.\n\nThe Federal Supreme Court clarifies the constitutional foundations of forest protection under Art. 77 BV and their relationship to federal forest legislation. Art. 77 BV confers on the Confederation a limited framework legislative competence for forest conservation.\n\n> «La Constitution fédérale prévoit, à son art. 77, que la Confédération veille à ce que les forêts puissent remplir leurs fonctions protectrice, économique et sociale (al. 1). Elle fixe les principes applicables à la protection des forêts (al. 2). Elle encourage les mesures de conservation des forêts (al. 3). L'alinéa 1 de cette disposition fixe les objectifs globaux de la Confédération en matière de gestion des forêts. Quant à l'alinéa 2, il attribue à la Confédération une compétence concurrente limitée aux principes, en matière de protection des forêts.»\n\n## Deforestation Permits and Balancing of Interests\n\n### Development of Caselaw on Deforestation Interest Balancing\n\n**BGE 119 Ib 397** of 11 November 1993\n\nRefusal of deforestation permit for holiday home development; application of the new Forest Act.\n\nLeading decision on the constitutional forest conservation mandate and its implementation in the new Forest Act. The Federal Supreme Court establishes that the deforestation order must remain the result of a comprehensive balancing of interests.\n\n> «Nach Art. 5 WaG bleibt die Rodungsverfügung das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung wurden inhaltlich aus der Forstpolizeiverordnung (Art. 26 FPolV) übernommen und um die Erfüllung raumplanerischer Kriterien ergänzt.»\n\n**BGE 122 II 81** of 14 March 1996\n\nCoordination of EIA procedures and deforestation procedures for road projects.\n\nThe Federal Supreme Court defines the procedural requirements for complex infrastructure projects that are both subject to EIA and require forest clearing. The decision clarifies the coordination obligations between different licensing procedures.\n\n> «Art. 12 WaG verlangt, dass vor der Zuweisung von Wald in eine Nutzungszone entweder eine Rodungsbewilligung oder eine verbindliche positive Stellungnahme der Rodungsbewilligungsbehörde vorliegt.»\n\n### Deforestation for Various Uses\n\n**BGE 106 Ib 136** of 22 September 1980\n\nDeforestation for ski slopes and ski lifts; overriding interest in forest conservation.\n\nLeading decision on deforestation for tourism infrastructure. The Federal Supreme Court denies an overriding public interest in tourism development where substantial deforestation has already taken place in the region.\n\n> «Aufgrund des gesetzlichen Gebots der Walderhaltung seien Skipisten durch den Wald im allgemeinen nur dort zulässig, wo kurze Waldaushiebe zur Verbesserung der Linienführung oder zur Verbindung offener Abfahrtsstrecken nötig seien.»\n\n**BGE 103 Ib 54** of 6 May 1977\n\nDeforestation for gravel extraction; balancing of interests between gravel extraction and forest conservation.\n\nThe Federal Supreme Court develops principles for balancing interests in temporary forest uses. The decisive factors are the reversibility of the deforestation and the possibility of subsequent reforestation.\n\n> «Im Gegensatz zu den häufigen Fällen, in denen die Waldbeseitigung Platz für die Errichtung eines dauernden Werkes (Haus, Strasse, Bahn) schaffen soll, wird mit der Rodung zum Zwecke der Kiesausbeutung der Wald nur vorübergehend beseitigt; durch Auffüllung und Aufforstung der ausgebeuteten Waldgrundstücke kann langfristig der Wald in seinem ursprünglichen Umfang am gleichen Ort wieder hergestellt werden.»\n\n**BGE 108 Ib 267** of 13 May 1982\n\nDeforestation for roller slide; clarification of the balancing of interests.\n\nThe Federal Supreme Court clarifies the caselaw on the requirements for balancing interests. A compelling necessity is not required, but a significant need that outweighs the forest conservation interest is necessary.\n\n> «Die Vorschrift von Art. 26 Abs. 1 FPolV setzt für die Bewilligung einer Rodung nicht voraus, dass die Rodung einer zwingenden Notwendigkeit entspricht (Präzisierung der Rechtsprechung); sie verlangt jedoch, dass sich hiefür ein gewichtiges, das Interesse an der Walderhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt.»\n\n## Property Law Aspects of Forest Conservation\n\n**Judgment 1C_364/2017** of 21 September 2018\n\nMaterial expropriation and the forest conservation mandate.\n\nThe Federal Supreme Court places the forest conservation mandate under Art. 77 BV within the system of constitutional property restrictions. The forest conservation mandate stands on equal footing with the guarantee of property and has a content-shaping effect on property.\n\n> «Neben der Eigentumsgarantie stehen weitere, ihr gleichrangige Verfassungsbestimmungen wie die Gebote der Walderhaltung (Art. 77 BV), des Gewässerschutzes (Art. 76 BV) und des Umweltschutzes (Art. 74 BV), welche ebenfalls auf die Festlegung des Eigentumsinhalts einwirken.»\n\n## Forest Use and Recreational Activities\n\n**BGE 150 I 213** of 24 May 2024\n\nLaser game activities in forests and licensing requirement for \"major events\".\n\nCurrent leading decision on the interpretation of federal forest use provisions and the competence of cantons to regulate specific forest uses. The Federal Supreme Court confirms that Art. 77 BV grants cantons wide discretion in specifying forest protection.\n\n> «Les jeux de combat, même sans projectiles, peuvent être considérés comme une activité présentant un potentiel important d'atteinte à la forêt [...] L'affrontement d'équipes suppose en outre de très nombreux mouvements et une occupation accrue de l'espace forestier.»\n\n**Judgment 5D_124/2010** of 21 December 2010\n\nPrivate law driving prohibition in forests; relationship between forest protection and guarantee of property.\n\nThe Federal Supreme Court demonstrates how the constitutional forest conservation mandate (Art. 77 BV) also applies in private law relationships between forest owners and third parties.\n\n> «Das öffentliche Recht könne das Privatrecht im Hinblick auf den verfassungsmässigen Schutz des Waldes (Art. 77 BV) und die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV beschränken.»\n\n## Special Procedural Aspects\n\n**Judgment 1A.212/2006** of 31 May 2007\n\nForest determination and Federal Supreme Court cognition.\n\nThe Federal Supreme Court clarifies its cognition in forest determinations and their significance for achieving the constitutional forest conservation objectives under Art. 77 BV.\n\n> «Aufgrund des Sachzusammenhangs mit dem anwendbaren Bundesrecht kann im Rahmen einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch die Anwendung des kantonalen Rechts überprüft werden, soweit dieses eng mit der Anwendung von Bundesrecht verknüpft ist.»\n\n**Judgment 1C_200/2009** of 19 February 2010\n\nDeforestation permit and road plan; declaration as public road of the Black-Mangeli-Strasse.\n\nThe Federal Supreme Court demonstrates the coordination requirements for simultaneously running planning and licensing procedures, all of which must observe the constitutional forest protection under Art. 77 BV.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_77", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 78, "article_suffix": "", "title": "Natur- und Heimatschutz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 78 BV — Natur- und Heimatschutz\n\n## Übersicht\n\nArtikel 78 BV regelt den Schutz der natürlichen und kulturellen Umwelt in der Schweiz. Die Verfassungsnorm folgt dem föderalistischen Grundsatz: Die Kantone sind grundsätzlich zuständig (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10). Der Bund hat nur bei spezifischen Aufgaben Kompetenzen.\n\n**Kantonale Aufgaben**: Die Kantone schützen Landschaften, historische Gebäude und Naturräume. Sie erlassen Gesetze, führen sie durch und finanzieren Schutzmassnahmen. Ein Beispiel: Ein Kanton kann ein historisches Gebäude unter Denkmalschutz stellen und Umbauten verbieten.\n\n**Bundesaufgaben**: Der Bund muss bei seinen eigenen Projekten Rücksicht auf Natur und Kulturerbe nehmen. Dies gilt etwa bei Autobahnen, Militäranlagen oder Mobilfunkantennen (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). Das Bundesgericht prüft, ob eine «hinreichend detaillierte bundesrechtliche Norm» als Anknüpfungspunkt vorliegt.\n\n**Artenschutz**: Der Bund schützt bedrohte Tiere und Pflanzen durch bundesweite Regeln. Das Jagdgesetz und das Fischereigesetz sind Beispiele solcher Bundesgesetze.\n\n**Moorschutz**: Moore und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung geniessen absoluten Schutz. Bauten sind dort grundsätzlich verboten. Nur Einrichtungen für den Schutz oder die bisherige landwirtschaftliche Nutzung sind erlaubt. Dieses Verbot gilt direkt aus der Verfassung.\n\nDie Rechtsprechung zeigt einen Konflikt zwischen den strengen Verfassungszielen und den praktischen Umsetzungsschwierigkeiten. Besonders umstritten ist die Frage, welche Nutzungen in Moorlandschaften noch zulässig sind (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42).\n\nNaturschutzorganisationen können gegen Bundesentscheide Beschwerde führen, wenn Natur- oder Heimatschutzinteressen betroffen sind. Dies stärkt die praktische Durchsetzung der Schutzziele erheblich.", "doctrine_de": "# Art. 78 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Verfassungsbestimmung hat ihre Wurzeln in den Art. 24sexies und 24septies der alten Bundesverfassung, die 1962 und 1987 eingefügt wurden. Die Expertenkommission hatte bereits in den 1950er Jahren festgestellt, dass nicht die fehlende Bundeskompetenz, sondern wenig wirksame kantonale Vorschriften die Ursache des unbefriedigenden Zustands seien (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 5). Der Bundesrat sah hingegen keine Notwendigkeit für eine Bundesregelung: «Eine einheitliche Ordnung der gesamten Materie durch die Bundesgesetzgebung drängt sich nicht auf, weil in jedem Kanton verantwortungsbewusste Behörden im Verein mit schweizerischen, kantonalen, regionalen und lokalen privaten Organisationen unermüdlich am Werke sind» (BBl 1961 I 1005, 1007).\n\n**N. 2** Die Rothenthurm-Initiative von 1987 führte zum direktdemokratisch abgesicherten Moorschutz in Art. 24sexies Abs. 5 aBV, der wörtlich in Art. 78 Abs. 5 BV übernommen wurde. Diese Entstehungsgeschichte prägt die strenge Auslegung des Moorlandschaftsschutzes bis heute (BGE 127 II 184 E. 3). Bei der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 wurde die bestehende Kompetenzordnung ohne materielle Änderungen in Art. 78 BV überführt (BBl 1997 I 1, 284).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 78 BV steht im 4. Abschnitt «Umwelt und Raumplanung» und ist systematisch eng mit Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), Art. 75 BV (Raumplanung) und Art. 79 BV (Fischerei und Jagd) verbunden. Die Bestimmung folgt dem föderalistischen Grundsatz: Absatz 1 statuiert die kantonale Grundzuständigkeit, während die Absätze 4 und 5 punktuelle Bundeskompetenzen begründen (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV).\n\n**N. 4** Die Rücksichtnahmepflicht nach Abs. 2 durchbricht dieses Kompetenzgefüge nicht, sondern verpflichtet den Bund bei der Ausübung seiner anderweitigen Kompetenzen zur Beachtung von Natur- und Heimatschutzanliegen. Diese systematische Konstruktion findet sich auch in Art. 75 Abs. 1 BV für die Raumplanung (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Kantonale Grundzuständigkeit (Abs. 1):** Die Kantone besitzen eine umfassende, originäre Kompetenz für den Natur- und Heimatschutz. Diese umfasst Gesetzgebung, Vollzug und Finanzierung. Das Bundesgericht hat wiederholt bestätigt, dass diese Zuständigkeit sowohl ein Recht als auch eine Pflicht der Kantone darstellt (BGE 147 I 308 E. 2.1; BGE 133 II 220 E. 3.1). Die kantonale Kompetenz wird nur durch die in Abs. 4 und 5 genannten Bundeskompetenzen sowie durch internationale Verpflichtungen eingeschränkt (Waldmann, Der Schutz von Mooren und Moorlandschaften, S. 45 ff.).\n\n**N. 6** **Bundesaufgaben und Rücksichtnahmepflicht (Abs. 2):** Der Begriff der «Bundesaufgabe» ist weit zu verstehen. Nach ständiger Rechtsprechung liegt eine Bundesaufgabe vor, wenn eine hinreichend detaillierte bundesrechtliche Norm als Anknüpfungspunkt vorliegt (BGE 139 II 271 E. 9.1; Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). Dies umfasst insbesondere:\n- Ausnahmebewilligungen nach Art. 24 RPG (BGE 136 II 214 E. 3.1)\n- Baubewilligungen für Mobilfunkanlagen (BGE 131 II 545 E. 3.1)\n- Neueinzonungen nach Art. 15 RPG (BGE 142 II 509 E. 1.2)\n- Rodungsbewilligungen nach WaG\n\n**N. 7** **Förderungskompetenz (Abs. 3):** Der Bund kann Natur- und Heimatschutzbestrebungen finanziell und durch Sachleistungen unterstützen. Diese Kompetenz ist fakultativ («kann») und begründet keine Verpflichtung. Die Förderung erfolgt primär durch Finanzhilfen nach Art. 13 ff. NHG sowie durch Beratung und Koordination (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 25-26).\n\n**N. 8** **Artenschutz (Abs. 4):** Der Bund besitzt eine umfassende Gesetzgebungskompetenz zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. Diese Kompetenz ist nachträglich derogatorisch, verdrängt also entgegenstehendes kantonales Recht (Maurer, Naturschutz in der Landwirtschaft, S. 78). Der Verfassungsauftrag ist imperativ formuliert («erlässt», «schützt») und verlangt aktives Handeln (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 33-34).\n\n**N. 9** **Moorlandschaftsschutz (Abs. 5):** Diese Bestimmung enthält den strengsten Schutz der Bundesverfassung. Moore und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung sind absolut geschützt. Das Bauverbot und das Verbot von Bodenveränderungen gelten unmittelbar (BGE 127 II 184 E. 3c). Die einzige Ausnahme bilden Einrichtungen, die dem Schutz oder der bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung dienen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Schonungspflicht bei Bundesaufgaben:** Behörden müssen bei der Erfüllung von Bundesaufgaben Natur- und Heimatschutzobjekte schonen und, wo das öffentliche Interesse überwiegt, ungeschmälert erhalten (Art. 3 und 6 NHG). Dies erfordert eine umfassende Interessenabwägung unter Einbezug von Gutachten der ENHK bei Objekten von nationaler Bedeutung (BGE 135 II 209 E. 2.1).\n\n**N. 11** **Verbandsbeschwerderecht:** Naturschutzorganisationen haben bei Bundesaufgaben ein Beschwerderecht nach Art. 12 NHG. Das Bundesgericht hat dieses Recht extensiv ausgelegt und auch auf Verfahren ohne konkreten räumlichen Bezug ausgedehnt (BGE 144 II 218 E. 1.3).\n\n**N. 12** **Unmittelbare Anwendbarkeit:** Art. 78 Abs. 5 BV ist direkt anwendbar und bedarf keiner Konkretisierung durch den Gesetzgeber. Bauten in Moorlandschaften, die nicht unter die engen Ausnahmen fallen, sind verfassungswidrig und müssen entfernt werden (BGE 123 II 248 E. 4).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Schutzniveau bei Moorlandschaften:** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Auslegung der zulässigen Einrichtungen in Moorlandschaften. Der Gesetzgeber hat in Art. 23d Abs. 1 NHG das Kriterium der «Schutzzielverträglichkeit» eingeführt, während die Verfassung «Schutzzieldienlichkeit» verlangt. Das Bundesgericht fühlt sich an die gesetzliche Ausdehnung gebunden, legt aber Art. 23d NHG möglichst restriktiv aus (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42; kritisch Waldmann, Moorschutz, S. 234 ff.).\n\n**N. 14** **Reichweite der kantonalen Kompetenz:** Umstritten ist, inwieweit internationale Verpflichtungen wie das Granada-Übereinkommen die kantonale Kompetenz einschränken. Griffel vertritt eine weite Auslegung der Bundeskompetenzen aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, § 14 N. 25), während Tschannen/Mösching eine restriktivere Position einnehmen und auf die klare Kompetenzordnung der Verfassung verweisen (Nationale Bedeutung, S. 45 ff.).\n\n**N. 15** **Begriff der Bundesaufgabe:** Die Parlamentarische Verwaltungskontrollstelle kritisierte, dass die Ziele des BLN nicht erreicht worden seien, da ein Widerspruch zwischen den relativ hoch gesteckten Schutzzielen und dem eher schwachen Instrumentarium zur Umsetzung bestehe (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 24). Dies hat zu einer extensiven Auslegung des Begriffs «Bundesaufgabe» durch die Rechtsprechung geführt, die in der Lehre teilweise kritisiert wird (Keller/Zufferey/Fahrländer, Kommentar NHG, Art. 2 N. 18).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Verfahrenskoordination:** Bei Projekten mit Bezug zu Natur- und Heimatschutz ist frühzeitig zu klären, ob eine Bundesaufgabe vorliegt. Dies bestimmt das anwendbare Verfahrensrecht und die Beschwerdemöglichkeiten. Die Koordination zwischen Bund und Kantonen erfolgt über Art. 25a ff. NHG.\n\n**N. 17** **Inventare als Planungsgrundlage:** Die Bundesinventare (BLN, ISOS, IVS) sind bei allen Planungen zu berücksichtigen. Sie entfalten unterschiedliche Rechtswirkungen: Während das BLN nur bei Bundesaufgaben direkt bindet, müssen ISOS-Objekte auch in der kantonalen Nutzungsplanung beachtet werden (BGE 135 II 209 E. 2.2).\n\n**N. 18** **Gutachtenpflicht:** Bei Eingriffen in Objekte von nationaler Bedeutung ist zwingend ein Gutachten der ENHK oder EKD einzuholen (Art. 7 NHG). Die Abweichung vom Gutachten ist zu begründen und unterliegt der vollen gerichtlichen Überprüfung (BGE 138 II 281 E. 3.3).", "caselaw_de": "# Art. 78 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze der Kompetenzabgrenzung\n\n**BGE 139 II 271** (22. Mai 2013) — Bundesaufgaben und Verbandsbeschwerderecht\n\nBestimmung der Bundesaufgaben bei kantonalen Verfügungen im Bereich der Raumplanung. Baubewilligungen für Zweitwohnungen im Rahmen der bundesrechtlichen Zweitwohnungsregulierung stellen Bundesaufgaben dar.\n\n> «Gemäss Art. 78 Abs. 1 BV sind für den Natur- und Heimatschutz grundsätzlich die Kantone zuständig; Bundeskompetenzen bestehen lediglich im Bereich des Biotop- und Artenschutzes (Abs. 4) und zum Schutz von Mooren und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung (Abs. 5). Gemäss Art. 78 Abs. 2 BV nimmt jedoch der Bund bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des Natur- und Heimatschutzes.»\n\n**BGE 147 I 308** (1. April 2021) — Kantonale Denkmalschutzkompetenzen\n\nBestätigung der primären Zuständigkeit der Kantone für Denkmalschutz und abstrakte Normenkontrolle kantonaler Denkmalschutzbestimmungen.\n\n> «Art. 78 Abs. 1 BV statuiert eine kantonale Grundzuständigkeit für den Natur- und Heimatschutz. Die Kantone sind berechtigt und verpflichtet, in diesem Bereich gesetzgeberisch tätig zu werden.»\n\n### Bundesaufgaben gemäss Art. 78 Abs. 2 BV\n\n**BGE 135 II 209** (25. März 2009) — ISOS-Inventar und Bundesaufgaben\n\nBedeutung des Bundesinventars schützenswerter Ortsbilder bei kantonalen Planungsaufgaben. Schonung von Ortsbildern bei der Erfüllung von Bundesaufgaben.\n\n> «Der Bund, seine Anstalten und Betriebe sowie die Kantone sorgen bei der Erfüllung der Bundesaufgaben dafür, dass das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler geschont werden und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt, ungeschmälert erhalten bleiben.»\n\n**BGE 136 II 214** (22. Februar 2010) — Ausnahmebewilligungen als Bundesaufgaben\n\nErteilung einer Ausnahmebewilligung für ein Bergrestaurant ausserhalb der Bauzone. Bundesaufgabe erfordert Schonung der Landschaft und Prüfung von Alternativen.\n\n> «Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung im Sinne von Art. 24 RPG stellt nach ständiger Rechtsprechung eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG dar.»\n\n**BGE 131 II 545** (7. November 2005) — Mobilfunkanlagen und Bundesaufgaben\n\nBaubewilligungen für Mobilfunkanlagen stellen auch innerhalb der Bauzone Bundesaufgaben dar, da sie der Fernmeldekompetenz des Bundes unterstehen.\n\n> «Die Erteilung einer Baubewilligung für eine Mobilfunkanlage ist, auch innerhalb der Bauzone, eine Bundesaufgabe i.S.v. Art. 2 NHG, weshalb die zuständigen Behörden zur Schonung der in Art. 3 Abs. 1 NHG genannten Schutzobjekte verpflichtet sind.»\n\n### Moorlandschaften gemäss Art. 78 Abs. 5 BV\n\n**BGE 127 II 184** (4. April 2001) — Abgrenzung von Moorlandschaften\n\nGrundlegendes Urteil zur Abgrenzung der Moorlandschaft Pfäffikersee. Gesetzliche Kriterien und Verfahren für die Moorlandschaftsabgrenzung.\n\n> «Art. 78 Abs. 5 BV definiert jedoch nicht, was unter einer Moorlandschaft zu verstehen ist. Diese Präzisierung erfolgt durch die entsprechenden Ausführungsbestimmungen im Natur- und Heimatschutzgesetz (Art. 23b ff. NHG).»\n\n**BGE 123 II 248** (15. April 1997) — Moorlandschaftsschutz Rothenthurm\n\nUnmittelbare Anwendbarkeit von Art. 78 Abs. 5 BV und zulässige Nutzungen in Moorlandschaften. Wiederherstellungspflicht bei rechtswidrigen Bauten.\n\n> «Art. 24sexies Abs. 5 BV ist unmittelbar anwendbar. Der vom Beschwerdeführer vorgenommene Umbau stellt keine zulässige Nutzung im Sinne von Art. 23d NHG dar.»\n\n**BGE 138 II 281** (12. Juni 2012) — Moorlandschaftsabgrenzung und Infrastrukturbau\n\nZürcher Oberlandautobahn und Moorlandschaftsschutz. Unzulässigkeit von Tagbautunneln in Moorlandschaften. Korrekte Abgrenzung von Moorlandschaftsperimetern.\n\n> «Infrastrukturanlagen, die nicht unter Art. 23d Abs. 2 lit. d NHG fallen, sind innerhalb der Moorlandschaft unzulässig. Dies gilt auch für im Tagbau erstellte Tunnel; diese widersprechen den Zielen des Moorlandschaftsschutzes.»\n\n### Verbandsbeschwerderecht nach Art. 12 NHG\n\n**BGE 142 II 509** (16. Juni 2016) — Verbandsbeschwerderecht bei Einzonungen\n\nBeschwerdebefugnis von Natur- und Heimatschutzverbänden gegen Einzonungen nach dem revidierten Raumplanungsgesetz als Bundesaufgaben.\n\n> «Neueinzonungen, die sich auf Art. 15 des revidierten RPG stützen, sind als Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV zu qualifizieren.»\n\n**BGE 144 II 218** (12. Februar 2018) — Verbandsbeschwerderecht bei Pflanzenschutzmitteln\n\nAusdehnung des Verbandsbeschwerderechts auf abstrakte Verfahren ohne konkreten räumlichen Bezug bei der Überprüfung von Pflanzenschutzmitteln.\n\n> «Die gezielte Überprüfung von Pflanzenschutzmitteln durch die Zulassungsbehörde stellt eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV dar. Das Beschwerderecht der Naturschutzorganisationen nach Art. 12 NHG setzt nicht voraus, dass die angefochtene Verfügung einen konkreten räumlichen Bezug aufweist.»\n\n### Kantonale Biotopschutzkompetenzen\n\n**BGE 133 II 220** (2. Juli 2007) — Heckenschutz und Kompetenzabgrenzung\n\nAbgrenzung zwischen Bundesrecht und kantonalem Recht im Bereich des Biotopschutzes. Hecken sind nicht direkt durch Bundesrecht geschützt.\n\n> «Biotope - so namentlich Hecken - sind nicht direkt aufgrund der Bestimmungen des Bundesrechts geschützt, sondern fallen grundsätzlich unter die kantonale Gesetzgebungskompetenz.»\n\n### Weitere wichtige Entscheide\n\n**BGE 143 II 77** (30. November 2016) — Gewässerraum und Ortsbildschutz\n\nAusnahmebewilligung für Bauten im Gewässerraum des Zürichsees in einem ISOS-Objekt. Dicht überbaute Gebiete im Gewässerschutz.\n\n**Urteil 1C_375/2020** (5. Mai 2021) — Aktuelle Entwicklungen\n\nModellflugplatz und Naturschutzinteressen. Anwendung der Grundsätze von Art. 78 BV bei neueren Infrastrukturen.\n\n**Urteil 1C_649/2012** (22. Mai 2013) — Zweitwohnungsbau\n\nKonkretisierung der Bundesaufgaben im Kontext des Zweitwohnungsgesetzes und dessen Umsetzung durch die Kantone.", "summary_fr": "# Art. 78 Cst. — Protection de la nature et du patrimoine\n\n## Aperçu\n\nL'article 78 Cst. règle la protection de l'environnement naturel et culturel en Suisse. La norme constitutionnelle suit le principe fédéraliste : les cantons sont en principe compétents (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10). La Confédération n'a de compétences que pour des tâches spécifiques.\n\n**Tâches cantonales** : Les cantons protègent les paysages, les bâtiments historiques et les espaces naturels. Ils édictent des lois, les exécutent et financent les mesures de protection. Un exemple : un canton peut placer un bâtiment historique sous protection et interdire les transformations.\n\n**Tâches fédérales** : La Confédération doit tenir compte de la nature et du patrimoine culturel dans ses propres projets. Cela vaut notamment pour les autoroutes, les installations militaires ou les antennes de téléphonie mobile (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). Le Tribunal fédéral examine s'il existe une « norme de droit fédéral suffisamment détaillée » comme point d'attache.\n\n**Protection des espèces** : La Confédération protège les animaux et les plantes menacés par des règles à l'échelle nationale. La loi sur la chasse et la loi sur la pêche sont des exemples de telles lois fédérales.\n\n**Protection des marais** : Les marais et paysages marécageux d'importance nationale jouissent d'une protection absolue. Les constructions y sont en principe interdites. Seules les installations pour la protection ou l'exploitation agricole antérieure sont autorisées. Cette interdiction vaut directement en vertu de la Constitution.\n\nLa jurisprudence révèle un conflit entre les objectifs constitutionnels stricts et les difficultés pratiques de mise en œuvre. La question de savoir quelles utilisations sont encore admissibles dans les paysages marécageux est particulièrement controversée (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42).\n\nLes organisations de protection de la nature peuvent recourir contre les décisions fédérales lorsque des intérêts de protection de la nature ou du patrimoine sont en cause. Cela renforce considérablement l'application pratique des objectifs de protection.", "doctrine_fr": "# Art. 78 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La disposition constitutionnelle actuelle trouve ses racines dans les art. 24sexies et 24septies de l'ancienne Constitution fédérale, introduits en 1962 et 1987. La commission d'experts avait déjà constaté dans les années 1950 que ce n'était pas l'absence de compétence fédérale, mais des dispositions cantonales peu efficaces qui étaient la cause de la situation insatisfaisante (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 5). Le Conseil fédéral ne voyait en revanche pas la nécessité d'une réglementation fédérale : « Une réglementation uniforme de toute la matière par la législation fédérale ne s'impose pas, parce que dans chaque canton des autorités responsables œuvrent sans relâche de concert avec des organisations privées suisses, cantonales, régionales et locales » (FF 1961 I 1005, 1007).\n\n**N. 2** L'initiative de Rothenthurm de 1987 a conduit à la protection des marais garantie par la démocratie directe à l'art. 24sexies al. 5 aCst., qui fut repris textuellement à l'art. 78 al. 5 Cst. Cette genèse marque l'interprétation stricte de la protection des sites marécageux jusqu'à aujourd'hui (ATF 127 II 184 c. 3). Lors de la révision totale de la Constitution fédérale en 1999, l'ordre des compétences existant a été transféré sans modifications matérielles à l'art. 78 Cst. (FF 1997 I 1, 284).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 78 Cst. figure dans la 4e section « Environnement et aménagement du territoire » et est systématiquement étroitement lié aux art. 73 Cst. (durabilité), art. 75 Cst. (aménagement du territoire) et art. 79 Cst. (pêche et chasse). La disposition suit le principe fédéraliste : l'alinéa 1 établit la compétence fondamentale cantonale, tandis que les alinéas 4 et 5 fondent des compétences fédérales ponctuelles (→ Art. 3 Cst., → Art. 42 Cst.).\n\n**N. 4** L'obligation de ménagement selon l'al. 2 ne rompt pas cette répartition des compétences, mais oblige la Confédération lors de l'exercice de ses autres compétences à respecter les préoccupations de protection de la nature et du paysage. Cette construction systématique se retrouve aussi à l'art. 75 al. 1 Cst. pour l'aménagement du territoire (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Compétence fondamentale cantonale (al. 1) :** Les cantons possèdent une compétence complète et originaire pour la protection de la nature et du paysage. Celle-ci comprend la législation, l'exécution et le financement. Le Tribunal fédéral a confirmé à plusieurs reprises que cette compétence représente à la fois un droit et un devoir des cantons (ATF 147 I 308 c. 2.1 ; ATF 133 II 220 c. 3.1). La compétence cantonale n'est limitée que par les compétences fédérales mentionnées aux al. 4 et 5 ainsi que par les obligations internationales (Waldmann, Der Schutz von Mooren und Moorlandschaften, p. 45 ss).\n\n**N. 6** **Tâches fédérales et obligation de ménagement (al. 2) :** La notion de « tâche fédérale » doit être comprise largement. Selon la jurisprudence constante, il y a tâche fédérale lorsqu'une norme de droit fédéral suffisamment détaillée sert de point d'ancrage (ATF 139 II 271 c. 9.1 ; Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). Cela comprend notamment :\n- Les autorisations exceptionnelles selon l'art. 24 LAT (ATF 136 II 214 c. 3.1)\n- Les autorisations de construire pour les installations de téléphonie mobile (ATF 131 II 545 c. 3.1)\n- Les nouveaux classements en zones constructibles selon l'art. 15 LAT (ATF 142 II 509 c. 1.2)\n- Les autorisations de défrichement selon la LFo\n\n**N. 7** **Compétence de soutien (al. 3) :** La Confédération peut soutenir financièrement et par des prestations en nature les efforts de protection de la nature et du paysage. Cette compétence est facultative (« peut ») et ne fonde aucune obligation. Le soutien s'effectue principalement par des aides financières selon les art. 13 ss LPN ainsi que par des conseils et la coordination (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 25-26).\n\n**N. 8** **Protection des espèces (al. 4) :** La Confédération possède une compétence législative complète pour la protection de la faune et de la flore. Cette compétence est ultérieurement dérogatoire, elle évince donc le droit cantonal contraire (Maurer, Naturschutz in der Landwirtschaft, p. 78). Le mandat constitutionnel est formulé de manière impérative (« édicte », « protège ») et exige une action active (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 33-34).\n\n**N. 9** **Protection des sites marécageux (al. 5) :** Cette disposition contient la protection la plus stricte de la Constitution fédérale. Les marais et sites marécageux d'importance nationale sont protégés de manière absolue. L'interdiction de construire et l'interdiction de modifier le sol s'appliquent directement (ATF 127 II 184 c. 3c). La seule exception concerne les installations qui servent à la protection ou à l'exploitation agricole antérieure.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** **Obligation de ménagement lors de tâches fédérales :** Les autorités doivent lors de l'accomplissement de tâches fédérales ménager les objets de protection de la nature et du paysage et, lorsque l'intérêt public prédomine, les conserver intacts (art. 3 et 6 LPN). Ceci exige une pesée complète des intérêts incluant des expertises de la CFNP pour les objets d'importance nationale (ATF 135 II 209 c. 2.1).\n\n**N. 11** **Droit de recours des associations :** Les organisations de protection de la nature ont un droit de recours lors de tâches fédérales selon l'art. 12 LPN. Le Tribunal fédéral a interprété ce droit de manière extensive et l'a étendu aussi aux procédures sans lien spatial concret (ATF 144 II 218 c. 1.3).\n\n**N. 12** **Applicabilité directe :** L'art. 78 al. 5 Cst. est directement applicable et ne nécessite pas de concrétisation par le législateur. Les constructions dans des sites marécageux qui ne tombent pas sous les exceptions étroites sont contraires à la constitution et doivent être supprimées (ATF 123 II 248 c. 4).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Niveau de protection des sites marécageux :** Un point controversé central concerne l'interprétation des installations autorisées dans les sites marécageux. Le législateur a introduit à l'art. 23d al. 1 LPN le critère de « compatibilité avec les objectifs de protection », tandis que la constitution exige la « subordination aux objectifs de protection ». Le Tribunal fédéral se sent lié par l'extension légale, mais interprète l'art. 23d LPN de manière aussi restrictive que possible (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42 ; critique Waldmann, Moorschutz, p. 234 ss).\n\n**N. 14** **Portée de la compétence cantonale :** Il est controversé de savoir dans quelle mesure les obligations internationales comme la Convention de Grenade limitent la compétence cantonale. Griffel défend une interprétation large des compétences fédérales en raison des obligations de droit international (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, § 14 N. 25), tandis que Tschannen/Mösching adoptent une position plus restrictive et se réfèrent à la répartition claire des compétences de la constitution (Nationale Bedeutung, p. 45 ss).\n\n**N. 15** **Notion de tâche fédérale :** Le Contrôle parlementaire de l'administration a critiqué le fait que les objectifs de l'IFP n'aient pas été atteints, car il existe une contradiction entre les objectifs de protection relativement élevés et l'instrumentarium plutôt faible pour la mise en œuvre (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 24). Ceci a conduit à une interprétation extensive de la notion de « tâche fédérale » par la jurisprudence, qui est en partie critiquée dans la doctrine (Keller/Zufferey/Fahrländer, Kommentar NHG, Art. 2 N. 18).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** **Coordination des procédures :** Pour les projets ayant un lien avec la protection de la nature et du paysage, il faut clarifier précocement s'il y a une tâche fédérale. Ceci détermine le droit procédural applicable et les possibilités de recours. La coordination entre la Confédération et les cantons s'effectue via les art. 25a ss LPN.\n\n**N. 17** **Inventaires comme base de planification :** Les inventaires fédéraux (IFP, ISOS, IVS) doivent être pris en compte dans toutes les planifications. Ils déploient des effets juridiques différents : tandis que l'IFP ne lie directement que pour les tâches fédérales, les objets ISOS doivent aussi être respectés dans la planification d'affectation cantonale (ATF 135 II 209 c. 2.2).\n\n**N. 18** **Obligation d'expertise :** Pour les atteintes aux objets d'importance nationale, il faut impérativement obtenir une expertise de la CFNP ou de la CDF (art. 7 LPN). L'écart par rapport à l'expertise doit être motivé et est soumis au contrôle judiciaire complet (ATF 138 II 281 c. 3.3).", "caselaw_fr": "# Art. 78 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Principes de la répartition des compétences\n\n**ATF 139 II 271** (22 mai 2013) — Tâches fédérales et droit de recours des organisations\n\nDétermination des tâches fédérales pour les décisions cantonales dans le domaine de l'aménagement du territoire. Les autorisations de construire pour les résidences secondaires dans le cadre de la réglementation fédérale sur les résidences secondaires constituent des tâches fédérales.\n\n> « Selon l'art. 78 al. 1 Cst., les cantons sont en principe compétents pour la protection de la nature et du paysage ; les compétences fédérales n'existent que dans le domaine de la protection des biotopes et des espèces (al. 4) et pour la protection des marais et des paysages marécageux d'importance nationale (al. 5). Selon l'art. 78 al. 2 Cst., la Confédération tient toutefois compte, dans l'accomplissement de ses tâches, des objectifs de la protection de la nature et du paysage. »\n\n**ATF 147 I 308** (1er avril 2021) — Compétences cantonales de protection des monuments\n\nConfirmation de la compétence première des cantons pour la protection des monuments et contrôle abstrait de normes des dispositions cantonales de protection des monuments.\n\n> « L'art. 78 al. 1 Cst. établit une compétence fondamentale cantonale pour la protection de la nature et du paysage. Les cantons sont autorisés et tenus d'exercer une activité législative dans ce domaine. »\n\n### Tâches fédérales selon l'art. 78 al. 2 Cst.\n\n**ATF 135 II 209** (25 mars 2009) — Inventaire ISOS et tâches fédérales\n\nImportance de l'inventaire fédéral des sites construits d'importance nationale à conserver lors de tâches cantonales de planification. Ménagement des sites construits lors de l'accomplissement de tâches fédérales.\n\n> « La Confédération, ses établissements et ses entreprises ainsi que les cantons veillent, lors de l'accomplissement des tâches fédérales, à ce que le paysage et les sites caractéristiques, les localités historiques ainsi que les monuments naturels et culturels soient ménagés et, lorsque l'intérêt général prévaut, conservés intacts. »\n\n**ATF 136 II 214** (22 février 2010) — Autorisations exceptionnelles comme tâches fédérales\n\nOctroi d'une autorisation exceptionnelle pour un restaurant de montagne en dehors de la zone à bâtir. La tâche fédérale exige le ménagement du paysage et l'examen d'alternatives.\n\n> « L'octroi d'une autorisation exceptionnelle au sens de l'art. 24 LAT constitue selon la jurisprudence constante une tâche fédérale au sens de l'art. 2 al. 1 let. b LPN. »\n\n**ATF 131 II 545** (7 novembre 2005) — Installations de téléphonie mobile et tâches fédérales\n\nLes autorisations de construire pour des installations de téléphonie mobile constituent des tâches fédérales même à l'intérieur de zones à bâtir, car elles relèvent de la compétence fédérale en matière de télécommunications.\n\n> « L'octroi d'une autorisation de construire pour une installation de téléphonie mobile est, même à l'intérieur de la zone à bâtir, une tâche fédérale au sens de l'art. 2 LPN, raison pour laquelle les autorités compétentes sont tenues de ménager les objets protégés mentionnés à l'art. 3 al. 1 LPN. »\n\n### Paysages marécageux selon l'art. 78 al. 5 Cst.\n\n**ATF 127 II 184** (4 avril 2001) — Délimitation de paysages marécageux\n\nArrêt fondamental sur la délimitation du paysage marécageux du Pfäffikersee. Critères légaux et procédure pour la délimitation de paysages marécageux.\n\n> « L'art. 78 al. 5 Cst. ne définit cependant pas ce qu'il faut entendre par paysage marécageux. Cette précision résulte des dispositions d'exécution correspondantes dans la loi sur la protection de la nature et du paysage (art. 23b ss LPN). »\n\n**ATF 123 II 248** (15 avril 1997) — Protection des paysages marécageux Rothenthurm\n\nApplicabilité directe de l'art. 78 al. 5 Cst. et utilisations admises dans les paysages marécageux. Obligation de remise en état pour des constructions illégales.\n\n> « L'art. 24sexies al. 5 Cst. est directement applicable. La transformation effectuée par le recourant ne constitue pas une utilisation admise au sens de l'art. 23d LPN. »\n\n**ATF 138 II 281** (12 juin 2012) — Délimitation de paysages marécageux et construction d'infrastructures\n\nAutoroute du Haut-Zurich et protection des paysages marécageux. Inadmissibilité de tunnels construits à ciel ouvert dans des paysages marécageux. Délimitation correcte de périmètres de paysages marécageux.\n\n> « Les installations d'infrastructure qui ne relèvent pas de l'art. 23d al. 2 let. d LPN sont inadmises à l'intérieur du paysage marécageux. Ceci vaut aussi pour les tunnels construits à ciel ouvert ; ceux-ci contredisent les objectifs de la protection des paysages marécageux. »\n\n### Droit de recours des organisations selon l'art. 12 LPN\n\n**ATF 142 II 509** (16 juin 2016) — Droit de recours des organisations pour les zones d'affectation\n\nQualité pour recourir des organisations de protection de la nature et du paysage contre les mises en zones selon la loi révisée sur l'aménagement du territoire comme tâches fédérales.\n\n> « Les nouvelles mises en zones qui se fondent sur l'art. 15 de la LAT révisée sont à qualifier comme tâche fédérale au sens de l'art. 78 al. 2 Cst. »\n\n**ATF 144 II 218** (12 février 2018) — Droit de recours des organisations pour les produits phytosanitaires\n\nExtension du droit de recours des organisations aux procédures abstraites sans lien spatial concret lors de l'examen de produits phytosanitaires.\n\n> « L'examen ciblé de produits phytosanitaires par l'autorité d'homologation constitue une tâche fédérale au sens de l'art. 78 al. 2 Cst. Le droit de recours des organisations de protection de la nature selon l'art. 12 LPN ne présuppose pas que la décision attaquée présente un lien spatial concret. »\n\n### Compétences cantonales de protection des biotopes\n\n**ATF 133 II 220** (2 juillet 2007) — Protection des haies et répartition des compétences\n\nDélimitation entre droit fédéral et droit cantonal dans le domaine de la protection des biotopes. Les haies ne sont pas directement protégées par le droit fédéral.\n\n> « Les biotopes - notamment les haies - ne sont pas directement protégés en vertu des dispositions du droit fédéral, mais relèvent en principe de la compétence législative cantonale. »\n\n### Autres décisions importantes\n\n**ATF 143 II 77** (30 novembre 2016) — Espace réservé aux eaux et protection des sites\n\nAutorisation exceptionnelle pour des constructions dans l'espace réservé aux eaux du lac de Zurich dans un objet ISOS. Territoires densément construits dans la protection des eaux.\n\n**Arrêt 1C_375/2020** (5 mai 2021) — Développements actuels\n\nAérodrome de modélisme et intérêts de protection de la nature. Application des principes de l'art. 78 Cst. à des infrastructures plus récentes.\n\n**Arrêt 1C_649/2012** (22 mai 2013) — Construction de résidences secondaires\n\nConcrétisation des tâches fédérales dans le contexte de la loi sur les résidences secondaires et de sa mise en œuvre par les cantons.", "summary_it": "# Art. 78 Cost. — Protezione della natura e del paesaggio\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 78 Cost. disciplina la protezione dell'ambiente naturale e culturale in Svizzera. La norma costituzionale segue il principio federalista: i Cantoni sono fondamentalmente competenti (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 n. 8-10). La Confederazione ha competenze solo per compiti specifici.\n\n**Compiti cantonali**: I Cantoni proteggono paesaggi, edifici storici e spazi naturali. Emanano leggi, le attuano e finanziano misure di protezione. Un esempio: un Cantone può porre un edificio storico sotto tutela monumentale e vietare ristrutturazioni.\n\n**Compiti federali**: La Confederazione deve tenere conto della natura e del patrimonio culturale nei propri progetti. Ciò vale ad esempio per autostrade, impianti militari o antenne di telefonia mobile (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 n. 17). Il Tribunale federale verifica se esiste una «norma di diritto federale sufficientemente dettagliata» come punto di riferimento.\n\n**Protezione delle specie**: La Confederazione protegge animali e piante minacciati attraverso regole a livello nazionale. La legge sulla caccia e la legge sulla pesca sono esempi di tali leggi federali.\n\n**Protezione delle paludi**: Le paludi e i paesaggi palustri di importanza nazionale godono di protezione assoluta. Costruzioni sono in linea di principio vietate. Sono ammessi solo impianti per la protezione o l'utilizzazione agricola precedente. Questo divieto vale direttamente dalla Costituzione.\n\nLa giurisprudenza mostra un conflitto tra i rigorosi obiettivi costituzionali e le difficoltà di attuazione pratica. Particolarmente controversa è la questione di quali utilizzazioni siano ancora ammissibili nei paesaggi palustri (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 n. 40-42).\n\nLe organizzazioni per la protezione della natura possono presentare ricorso contro decisioni federali quando sono interessati interessi di protezione della natura o del paesaggio. Ciò rafforza considerevolmente l'attuazione pratica degli obiettivi di protezione.", "doctrine_it": "# Art. 78 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale disposizione costituzionale affonda le sue radici negli art. 24sexies e 24septies della vecchia Costituzione federale, inseriti nel 1962 e nel 1987. La commissione di esperti aveva già constatato negli anni '50 che la causa dello stato insoddisfacente non era la mancanza di una competenza federale, bensì le disposizioni cantonali poco efficaci (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 5). Il Consiglio federale non vedeva tuttavia alcuna necessità di una regolamentazione federale: «Un ordinamento unitario dell'intera materia attraverso la legislazione federale non s'impone, poiché in ogni Cantone autorità responsabili lavorano instancabilmente insieme a organizzazioni private svizzere, cantonali, regionali e locali» (BBl 1961 I 1005, 1007).\n\n**N. 2** L'iniziativa di Rothenthurm del 1987 portò alla protezione delle paludi garantita democraticamente nell'art. 24sexies cpv. 5 della vecchia Cost., che fu ripreso letteralmente nell'art. 78 cpv. 5 Cost. Questa storia della genesi caratterizza ancora oggi l'interpretazione rigorosa della protezione del paesaggio delle paludi (BGE 127 II 184 consid. 3). In occasione della revisione totale della Costituzione federale del 1999, l'ordinamento di competenze esistente fu trasferito nell'art. 78 Cost. senza modifiche materiali (BBl 1997 I 1, 284).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 78 Cost. si trova nella 4a sezione «Ambiente e pianificazione del territorio» ed è sistematicamente collegato strettamente con l'art. 73 Cost. (sostenibilità), l'art. 75 Cost. (pianificazione del territorio) e l'art. 79 Cost. (pesca e caccia). La disposizione segue il principio federalistico: il capoverso 1 stabilisce la competenza di base cantonale, mentre i capoversi 4 e 5 fondano competenze federali puntuali (→ Art. 3 Cost., → Art. 42 Cost.).\n\n**N. 4** L'obbligo di riguardo secondo il cpv. 2 non spezza questo intreccio di competenze, ma obbliga la Confederazione nell'esercizio delle sue altre competenze all'osservanza delle preoccupazioni di protezione della natura e del paesaggio. Questa costruzione sistematica si trova anche nell'art. 75 cpv. 1 Cost. per la pianificazione del territorio (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Competenza di base cantonale (cpv. 1):** I Cantoni possiedono una competenza originaria completa per la protezione della natura e del paesaggio. Questa comprende legislazione, esecuzione e finanziamento. Il Tribunale federale ha confermato ripetutamente che questa competenza rappresenta tanto un diritto quanto un dovere dei Cantoni (BGE 147 I 308 consid. 2.1; BGE 133 II 220 consid. 3.1). La competenza cantonale è limitata solo dalle competenze federali menzionate nei cpv. 4 e 5 nonché da obblighi internazionali (Waldmann, Der Schutz von Mooren und Moorlandschaften, pag. 45 segg.).\n\n**N. 6** **Compiti federali e obbligo di riguardo (cpv. 2):** Il concetto di «compito federale» deve essere inteso in modo ampio. Secondo la giurisprudenza costante vi è un compito federale quando esiste una norma di diritto federale sufficientemente dettagliata come punto di aggancio (BGE 139 II 271 consid. 9.1; Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). Ciò comprende in particolare:\n- Autorizzazioni eccezionali secondo l'art. 24 LPT (BGE 136 II 214 consid. 3.1)\n- Autorizzazioni di costruzione per impianti di telefonia mobile (BGE 131 II 545 consid. 3.1)\n- Nuove zonizzazioni secondo l'art. 15 LPT (BGE 142 II 509 consid. 1.2)\n- Autorizzazioni di dissodamento secondo la LFo\n\n**N. 7** **Competenza di promozione (cpv. 3):** La Confederazione può sostenere finanziariamente e con prestazioni in natura gli sforzi di protezione della natura e del paesaggio. Questa competenza è facoltativa («può») e non fonda alcun obbligo. La promozione avviene primariamente attraverso aiuti finanziari secondo l'art. 13 segg. LPN nonché attraverso consulenza e coordinazione (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 25-26).\n\n**N. 8** **Protezione delle specie (cpv. 4):** La Confederazione possiede una competenza legislativa completa per la protezione della fauna e della flora. Questa competenza è successivamente derogatoria, respinge cioè il diritto cantonale contrario (Maurer, Naturschutz in der Landwirtschaft, pag. 78). Il mandato costituzionale è formulato in modo imperativo («emana», «protegge») e richiede un agire attivo (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 33-34).\n\n**N. 9** **Protezione del paesaggio delle paludi (cpv. 5):** Questa disposizione contiene la protezione più rigorosa della Costituzione federale. Le paludi e i paesaggi palustri di importanza nazionale sono protetti in modo assoluto. Il divieto di costruzione e il divieto di modifiche del suolo valgono direttamente (BGE 127 II 184 consid. 3c). L'unica eccezione è rappresentata da impianti che servono alla protezione o al precedente sfruttamento agricolo.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** **Obbligo di protezione nei compiti federali:** Le autorità devono nell'adempimento di compiti federali risparmiare gli oggetti di protezione della natura e del paesaggio e, dove prevale l'interesse pubblico, conservarli intatti (art. 3 e 6 LPN). Ciò richiede una ponderazione completa degli interessi sotto l'inclusione di perizie della CFNP per oggetti di importanza nazionale (BGE 135 II 209 consid. 2.1).\n\n**N. 11** **Diritto di ricorso delle associazioni:** Le organizzazioni per la protezione della natura hanno nei compiti federali un diritto di ricorso secondo l'art. 12 LPN. Il Tribunale federale ha interpretato questo diritto in modo estensivo e l'ha esteso anche a procedure senza concreto riferimento spaziale (BGE 144 II 218 consid. 1.3).\n\n**N. 12** **Applicabilità diretta:** L'art. 78 cpv. 5 Cost. è direttamente applicabile e non necessita di concretizzazione da parte del legislatore. Costruzioni in paesaggi palustri che non rientrano nelle strette eccezioni sono incostituzionali e devono essere rimosse (BGE 123 II 248 consid. 4).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Livello di protezione nei paesaggi palustri:** Un punto controverso centrale riguarda l'interpretazione degli impianti ammissibili nei paesaggi palustri. Il legislatore ha introdotto nell'art. 23d cpv. 1 LPN il criterio della «compatibilità con l'obiettivo di protezione», mentre la Costituzione richiede «utilità per l'obiettivo di protezione». Il Tribunale federale si sente vincolato all'estensione legale, ma interpreta l'art. 23d LPN nel modo più restrittivo possibile (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42; critico Waldmann, Moorschutz, pag. 234 segg.).\n\n**N. 14** **Portata della competenza cantonale:** È controverso fino a che punto obblighi internazionali come la Convenzione di Granada limitino la competenza cantonale. Griffel rappresenta un'interpretazione ampia delle competenze federali a causa di obblighi di diritto internazionale (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, § 14 N. 25), mentre Tschannen/Mösching assumono una posizione più restrittiva e si riferiscono al chiaro ordinamento di competenze della Costituzione (Nationale Bedeutung, pag. 45 segg.).\n\n**N. 15** **Concetto di compito federale:** Il Controllo parlamentare dell'amministrazione ha criticato che gli obiettivi dell'IFP non erano stati raggiunti, poiché esiste una contraddizione tra gli obiettivi di protezione relativamente elevati e gli strumenti piuttosto deboli per l'attuazione (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 24). Ciò ha portato a un'interpretazione estensiva del concetto di «compito federale» da parte della giurisprudenza, che è parzialmente criticata nella dottrina (Keller/Zufferey/Fahrländer, Kommentar NHG, Art. 2 N. 18).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Coordinazione procedurale:** Per progetti con riferimento alla protezione della natura e del paesaggio deve essere chiarito precocemente se esiste un compito federale. Questo determina il diritto procedurale applicabile e le possibilità di ricorso. La coordinazione tra Confederazione e Cantoni avviene tramite l'art. 25a segg. LPN.\n\n**N. 17** **Inventari come base di pianificazione:** Gli inventari federali (IFP, ISOS, IVS) devono essere considerati in tutte le pianificazioni. Essi sviluppano diversi effetti giuridici: mentre l'IFP vincola direttamente solo nei compiti federali, gli oggetti ISOS devono essere considerati anche nella pianificazione dell'utilizzazione cantonale (BGE 135 II 209 consid. 2.2).\n\n**N. 18** **Obbligo di perizia:** In caso di interventi in oggetti di importanza nazionale deve essere obbligatoriamente ottenuta una perizia della CFNP o CDF (art. 7 LPN). La deviazione dalla perizia deve essere motivata e soggiace al pieno controllo giudiziario (BGE 138 II 281 consid. 3.3).", "caselaw_it": "# Art. 78 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Principi della ripartizione delle competenze\n\n**DTF 139 II 271** (22 maggio 2013) — Compiti federali e diritto di ricorso delle associazioni\n\nDeterminazione dei compiti federali in caso di decisioni cantonali nel settore della pianificazione del territorio. Le autorizzazioni di costruzione per abitazioni secondarie nel quadro della regolamentazione federale sulle abitazioni secondarie costituiscono compiti federali.\n\n> «Secondo l'art. 78 cpv. 1 Cost. la competenza per la protezione della natura e del paesaggio spetta in linea di principio ai Cantoni; competenze federali esistono soltanto nell'ambito della protezione dei biotopi e delle specie (cpv. 4) e per la protezione delle paludi e dei paesaggi palustri di importanza nazionale (cpv. 5). Secondo l'art. 78 cpv. 2 Cost. tuttavia la Confederazione tiene conto delle esigenze della protezione della natura e del paesaggio nell'adempimento dei suoi compiti.»\n\n**DTF 147 I 308** (1° aprile 2021) — Competenze cantonali di protezione dei monumenti\n\nConferma della competenza primaria dei Cantoni per la protezione dei monumenti e controllo astratto delle norme delle disposizioni cantonali sulla protezione dei monumenti.\n\n> «L'art. 78 cpv. 1 Cost. stabilisce una competenza cantonale di principio per la protezione della natura e del paesaggio. I Cantoni sono autorizzati e tenuti ad essere attivi legislativamente in questo settore.»\n\n### Compiti federali secondo l'art. 78 cpv. 2 Cost.\n\n**DTF 135 II 209** (25 marzo 2009) — Inventario ISOS e compiti federali\n\nSignificato dell'inventario federale degli insediamenti degni di protezione nei compiti di pianificazione cantonali. Protezione degli insediamenti nell'adempimento di compiti federali.\n\n> «La Confederazione, i suoi istituti e aziende nonché i Cantoni provvedono, nell'adempimento dei compiti federali, affinché il carattere proprio del paesaggio e della località, i siti storici nonché i monumenti naturali e culturali siano rispettati e, laddove l'interesse generale lo giustifichi, siano conservati intatti.»\n\n**DTF 136 II 214** (22 febbraio 2010) — Autorizzazioni eccezionali come compiti federali\n\nRilascio di un'autorizzazione eccezionale per un ristorante di montagna fuori dalla zona edificabile. Il compito federale richiede la protezione del paesaggio e la verifica di alternative.\n\n> «Il rilascio di un'autorizzazione eccezionale ai sensi dell'art. 24 LPT costituisce secondo giurisprudenza costante un compito federale ai sensi dell'art. 2 cpv. 1 lett. b LPN.»\n\n**DTF 131 II 545** (7 novembre 2005) — Impianti di telefonia mobile e compiti federali\n\nLe autorizzazioni di costruzione per impianti di telefonia mobile costituiscono compiti federali anche all'interno della zona edificabile, poiché sottostanno alla competenza della Confederazione in materia di telecomunicazioni.\n\n> «Il rilascio di un'autorizzazione di costruzione per un impianto di telefonia mobile è, anche all'interno della zona edificabile, un compito federale ai sensi dell'art. 2 LPN, ragione per cui le autorità competenti sono tenute alla protezione degli oggetti protetti menzionati nell'art. 3 cpv. 1 LPN.»\n\n### Paesaggi palustri secondo l'art. 78 cpv. 5 Cost.\n\n**DTF 127 II 184** (4 aprile 2001) — Delimitazione dei paesaggi palustri\n\nSentenza fondamentale sulla delimitazione del paesaggio palustre del Pfäffikersee. Criteri legali e procedura per la delimitazione dei paesaggi palustri.\n\n> «L'art. 78 cpv. 5 Cost. tuttavia non definisce cosa si debba intendere per paesaggio palustre. Questa precisazione avviene attraverso le corrispondenti disposizioni d'esecuzione nella Legge federale sulla protezione della natura e del paesaggio (art. 23b segg. LPN).»\n\n**DTF 123 II 248** (15 aprile 1997) — Protezione del paesaggio palustre di Rothenthurm\n\nApplicabilità immediata dell'art. 78 cpv. 5 Cost. e utilizzazioni ammissibili nei paesaggi palustri. Obbligo di ripristino per costruzioni illegali.\n\n> «L'art. 24sexies cpv. 5 Cost. è immediatamente applicabile. La trasformazione effettuata dal ricorrente non costituisce un'utilizzazione ammissibile ai sensi dell'art. 23d LPN.»\n\n**DTF 138 II 281** (12 giugno 2012) — Delimitazione dei paesaggi palustri e costruzione di infrastrutture\n\nAutostrada dell'Oberland zurighese e protezione del paesaggio palustre. Inammissibilità di tunnel a cielo aperto nei paesaggi palustri. Corretta delimitazione dei perimetri dei paesaggi palustri.\n\n> «Impianti infrastrutturali che non rientrano nell'art. 23d cpv. 2 lett. d LPN sono inammissibili all'interno del paesaggio palustre. Ciò vale anche per i tunnel costruiti a cielo aperto; questi contrastano con gli obiettivi della protezione del paesaggio palustre.»\n\n### Diritto di ricorso delle associazioni secondo l'art. 12 LPN\n\n**DTF 142 II 509** (16 giugno 2016) — Diritto di ricorso delle associazioni contro le nuove edificazioni\n\nLegittimazione al ricorso delle associazioni per la protezione della natura e del paesaggio contro le nuove edificazioni secondo la Legge riveduta sulla pianificazione del territorio come compiti federali.\n\n> «Le nuove edificazioni che si basano sull'art. 15 della LPT riveduta sono da qualificare come compito federale ai sensi dell'art. 78 cpv. 2 Cost.»\n\n**DTF 144 II 218** (12 febbraio 2018) — Diritto di ricorso delle associazioni per i prodotti fitosanitari\n\nEstensione del diritto di ricorso delle associazioni a procedure astratte senza riferimento territoriale concreto nella verifica di prodotti fitosanitari.\n\n> «La verifica mirata di prodotti fitosanitari da parte dell'autorità di omologazione costituisce un compito federale ai sensi dell'art. 78 cpv. 2 Cost. Il diritto di ricorso delle organizzazioni per la protezione della natura secondo l'art. 12 LPN non presuppone che la decisione impugnata presenti un riferimento territoriale concreto.»\n\n### Competenze cantonali di protezione dei biotopi\n\n**DTF 133 II 220** (2 luglio 2007) — Protezione delle siepi e ripartizione delle competenze\n\nDelimitazione tra diritto federale e diritto cantonale nell'ambito della protezione dei biotopi. Le siepi non sono protette direttamente dal diritto federale.\n\n> «I biotopi - segnatamente le siepi - non sono protetti direttamente in base alle disposizioni del diritto federale, ma rientrano in linea di principio nella competenza legislativa cantonale.»\n\n### Altri importanti decisioni\n\n**DTF 143 II 77** (30 novembre 2016) — Spazio riservato alle acque e protezione degli insediamenti\n\nAutorizzazione eccezionale per costruzioni nello spazio riservato alle acque del lago di Zurigo in un oggetto ISOS. Zone densamente edificate nella protezione delle acque.\n\n**Sentenza 1C_375/2020** (5 maggio 2021) — Sviluppi attuali\n\nCampo di volo per modellini e interessi di protezione della natura. Applicazione dei principi dell'art. 78 Cost. per infrastrutture più recenti.\n\n**Sentenza 1C_649/2012** (22 maggio 2013) — Costruzione di abitazioni secondarie\n\nConcretizzazione dei compiti federali nel contesto della Legge sulle abitazioni secondarie e la sua attuazione da parte dei Cantoni.", "summary_en": "# Art. 78 BV — Protection of Nature and Cultural Heritage\n\n## Overview\n\nArticle 78 BV regulates the protection of the natural and cultural environment in Switzerland. The constitutional provision follows the federalist principle: the cantons have primary responsibility (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10). The Confederation has powers only for specific tasks.\n\n**Cantonal tasks**: The cantons protect landscapes, historic buildings and natural areas. They enact laws, implement them and finance protective measures. An example: a canton can place a historic building under monument protection and prohibit alterations.\n\n**Federal tasks**: The Confederation must take account of nature and cultural heritage in its own projects. This applies, for instance, to motorways, military installations or mobile phone antennas (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). The Federal Court examines whether a «sufficiently detailed federal legal provision» exists as a point of reference.\n\n**Species protection**: The Confederation protects endangered animals and plants through nationwide rules. The Hunting Act and the Fisheries Act are examples of such federal laws.\n\n**Wetland protection**: Wetlands and wetland landscapes of national importance enjoy absolute protection. Construction is generally prohibited there. Only facilities for protection or existing agricultural use are permitted. This prohibition applies directly under the Constitution.\n\nCase law reveals a conflict between strict constitutional objectives and practical implementation difficulties. Particularly controversial is the question of which uses are still permissible in wetland landscapes (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42).\n\nNature conservation organisations can appeal against federal decisions when nature or cultural heritage protection interests are affected. This considerably strengthens the practical enforcement of protection objectives.", "doctrine_en": "# Art. 78 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current constitutional provision has its roots in Arts. 24sexies and 24septies of the old Federal Constitution, which were inserted in 1962 and 1987. The expert commission had already established in the 1950s that the cause of the unsatisfactory situation was not the lack of federal competence but rather ineffective cantonal regulations (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 5). The Federal Council, however, saw no need for federal regulation: «A uniform regulation of the entire matter by federal legislation is not necessary, because responsible authorities are tirelessly at work in each canton in association with Swiss, cantonal, regional and local private organisations» (BBl 1961 I 1005, 1007).\n\n**N. 2** The Rothenthurm Initiative of 1987 led to democratically secured moor protection in Art. 24sexies para. 5 old Federal Constitution, which was adopted verbatim in Art. 78 para. 5 BV. This legislative history continues to shape the strict interpretation of moor landscape protection today (BGE 127 II 184 E. 3). During the total revision of the Federal Constitution in 1999, the existing allocation of competences was transferred to Art. 78 BV without material changes (BBl 1997 I 1, 284).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 78 BV stands in the 4th section «Environment and Spatial Planning» and is systematically closely connected with Art. 73 BV (sustainability), Art. 75 BV (spatial planning) and Art. 79 BV (fishing and hunting). The provision follows the federalist principle: paragraph 1 establishes the cantonal basic competence, while paragraphs 4 and 5 establish specific federal competences (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV).\n\n**N. 4** The obligation to take into account according to para. 2 does not break through this allocation of competences, but rather obligates the Confederation to observe nature and heritage protection concerns when exercising its other competences. This systematic construction is also found in Art. 75 para. 1 BV for spatial planning (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 8-10).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Cantonal basic competence (para. 1):** The cantons possess a comprehensive, original competence for nature and heritage protection. This includes legislation, enforcement and financing. The Federal Supreme Court has repeatedly confirmed that this competence represents both a right and an obligation of the cantons (BGE 147 I 308 E. 2.1; BGE 133 II 220 E. 3.1). The cantonal competence is only limited by the federal competences mentioned in paras. 4 and 5 as well as by international obligations (Waldmann, Der Schutz von Mooren und Moorlandschaften, pp. 45 ff.).\n\n**N. 6** **Federal tasks and obligation to take into account (para. 2):** The concept of «federal task» must be understood broadly. According to established case law, a federal task exists when a sufficiently detailed federal legal norm provides a point of reference (BGE 139 II 271 E. 9.1; Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 17). This includes in particular:\n- Exception permits under Art. 24 SPA (BGE 136 II 214 E. 3.1)\n- Building permits for mobile phone installations (BGE 131 II 545 E. 3.1)\n- New zoning under Art. 15 SPA (BGE 142 II 509 E. 1.2)\n- Clearing permits under ForA\n\n**N. 7** **Promotional competence (para. 3):** The Confederation can support nature and heritage protection efforts financially and through services in kind. This competence is optional («may») and does not establish any obligation. Promotion takes place primarily through financial assistance under Arts. 13 ff. NHG as well as through consultation and coordination (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 25-26).\n\n**N. 8** **Species protection (para. 4):** The Confederation has comprehensive legislative competence for the protection of fauna and flora. This competence is subsequently derogatory, thus displacing contrary cantonal law (Maurer, Naturschutz in der Landwirtschaft, p. 78). The constitutional mandate is formulated imperatively («enacts», «protects») and requires active action (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 33-34).\n\n**N. 9** **Moor landscape protection (para. 5):** This provision contains the strictest protection of the Federal Constitution. Moors and moor landscapes of national importance are absolutely protected. The building prohibition and the prohibition of soil changes apply directly (BGE 127 II 184 E. 3c). The only exception is installations that serve protection or the previous agricultural use.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **Duty of care for federal tasks:** Authorities must spare nature and heritage protection objects when fulfilling federal tasks and, where the public interest prevails, preserve them unimpaired (Arts. 3 and 6 NHG). This requires a comprehensive balancing of interests including expert opinions from the ENHK for objects of national importance (BGE 135 II 209 E. 2.1).\n\n**N. 11** **Right of appeal of associations:** Nature protection organisations have a right of appeal under Art. 12 NHG for federal tasks. The Federal Supreme Court has interpreted this right extensively and extended it to proceedings without concrete spatial reference (BGE 144 II 218 E. 1.3).\n\n**N. 12** **Direct applicability:** Art. 78 para. 5 BV is directly applicable and requires no concretisation by the legislature. Buildings in moor landscapes that do not fall under the narrow exceptions are unconstitutional and must be removed (BGE 123 II 248 E. 4).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 13** **Level of protection for moor landscapes:** A central point of contention concerns the interpretation of the permissible installations in moor landscapes. The legislature has introduced the criterion of «compatibility with protection objectives» in Art. 23d para. 1 NHG, while the constitution requires «service to protection objectives». The Federal Supreme Court considers itself bound by the legislative extension, but interprets Art. 23d NHG as restrictively as possible (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 40-42; critically Waldmann, Moorschutz, pp. 234 ff.).\n\n**N. 14** **Scope of cantonal competence:** It is disputed to what extent international obligations such as the Granada Convention limit cantonal competence. Griffel advocates a broad interpretation of federal competences due to international legal obligations (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, § 14 N. 25), while Tschannen/Mösching take a more restrictive position and refer to the clear allocation of competences in the constitution (Nationale Bedeutung, pp. 45 ff.).\n\n**N. 15** **Concept of federal task:** The Parliamentary Administration Control Unit criticised that the objectives of the Federal Inventory of Landscapes and Natural Monuments had not been achieved, as there was a contradiction between the relatively high protection objectives and the rather weak instruments for implementation (Dajcar/Griffel, BSK BV, Art. 78 N. 24). This has led to an extensive interpretation of the concept of «federal task» by case law, which is partly criticised in academic literature (Keller/Zufferey/Fahrländer, Kommentar NHG, Art. 2 N. 18).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** **Procedural coordination:** For projects relating to nature and heritage protection, it must be clarified at an early stage whether a federal task exists. This determines the applicable procedural law and the possibilities for appeal. Coordination between the Confederation and the cantons takes place via Arts. 25a ff. NHG.\n\n**N. 17** **Inventories as planning basis:** The federal inventories (Federal Inventory of Landscapes and Natural Monuments, Inventory of Swiss Heritage Sites, Inventory of Historic Routes) must be taken into account in all planning. They unfold different legal effects: While the Federal Inventory of Landscapes and Natural Monuments is only directly binding for federal tasks, Inventory of Swiss Heritage Sites objects must also be observed in cantonal land use planning (BGE 135 II 209 E. 2.2).\n\n**N. 18** **Obligation to obtain expert opinions:** For interventions in objects of national importance, an expert opinion from the ENHK or EKD must be obtained (Art. 7 NHG). Deviation from the expert opinion must be justified and is subject to full judicial review (BGE 138 II 281 E. 3.3).", "caselaw_en": "# Art. 78 BV\n\n## Case Law\n\n### Principles of Competency Demarcation\n\n**BGE 139 II 271** (22 May 2013) — Federal Tasks and Association Standing\n\nDetermination of federal tasks in cantonal decisions in the field of spatial planning. Building permits for second homes under federal second home regulation constitute federal tasks.\n\n> «According to Art. 78 para. 1 Cst., the cantons are primarily responsible for the protection of nature and cultural heritage; federal competencies exist only in the area of biotope and species protection (para. 4) and for the protection of moors and moorlands of national importance (para. 5). According to Art. 78 para. 2 Cst., however, the Confederation takes into account the concerns of nature and cultural heritage protection when fulfilling its tasks.»\n\n**BGE 147 I 308** (1 April 2021) — Cantonal Monument Protection Competencies\n\nConfirmation of the primary responsibility of the cantons for monument protection and abstract judicial review of cantonal monument protection provisions.\n\n> «Art. 78 para. 1 Cst. establishes primary cantonal responsibility for the protection of nature and cultural heritage. The cantons are entitled and obligated to act legislatively in this area.»\n\n### Federal Tasks under Art. 78 para. 2 Cst.\n\n**BGE 135 II 209** (25 March 2009) — ISOS Inventory and Federal Tasks\n\nSignificance of the Federal Inventory of Swiss Heritage Sites in cantonal planning tasks. Protection of townscapes when fulfilling federal tasks.\n\n> «The Confederation, its institutions and enterprises as well as the cantons ensure when fulfilling federal tasks that the traditional landscape and townscape, historical sites as well as natural and cultural monuments are protected and, where the general interest in them prevails, are preserved unimpaired.»\n\n**BGE 136 II 214** (22 February 2010) — Exceptional Permits as Federal Tasks\n\nGranting of an exceptional permit for a mountain restaurant outside the construction zone. Federal task requires protection of the landscape and examination of alternatives.\n\n> «The granting of an exceptional permit within the meaning of Art. 24 SPA constitutes according to consistent case law a federal task within the meaning of Art. 2 para. 1 lit. b NCHA.»\n\n**BGE 131 II 545** (7 November 2005) — Mobile Phone Installations and Federal Tasks\n\nBuilding permits for mobile phone installations constitute federal tasks even within the construction zone, as they fall under the Confederation's telecommunications competency.\n\n> «The granting of a building permit for a mobile phone installation is, even within the construction zone, a federal task within the meaning of Art. 2 NCHA, which is why the competent authorities are obligated to protect the objects protected under Art. 3 para. 1 NCHA.»\n\n### Moorlands under Art. 78 para. 5 Cst.\n\n**BGE 127 II 184** (4 April 2001) — Demarcation of Moorlands\n\nFundamental judgment on the demarcation of the Pfäffikersee moorland. Legal criteria and procedures for moorland demarcation.\n\n> «Art. 78 para. 5 Cst., however, does not define what is to be understood as a moorland. This specification is made by the corresponding implementing provisions in the Nature and Cultural Heritage Protection Act (Art. 23b ff. NCHA).»\n\n**BGE 123 II 248** (15 April 1997) — Rothenthurm Moorland Protection\n\nDirect applicability of Art. 78 para. 5 Cst. and permissible uses in moorlands. Obligation to restore unlawful constructions.\n\n> «Art. 24sexies para. 5 Cst. is directly applicable. The conversion undertaken by the appellant does not constitute a permissible use within the meaning of Art. 23d NCHA.»\n\n**BGE 138 II 281** (12 June 2012) — Moorland Demarcation and Infrastructure Construction\n\nZurich Highland Motorway and moorland protection. Inadmissibility of open-cut tunnels in moorlands. Correct demarcation of moorland perimeters.\n\n> «Infrastructure installations that do not fall under Art. 23d para. 2 lit. d NCHA are inadmissible within the moorland. This also applies to tunnels constructed by open-cut methods; these contradict the objectives of moorland protection.»\n\n### Association Standing under Art. 12 NCHA\n\n**BGE 142 II 509** (16 June 2016) — Association Standing for Zonings\n\nStanding of nature and cultural heritage protection associations to appeal against zonings under the revised Spatial Planning Act as federal tasks.\n\n> «New zonings that rely on Art. 15 of the revised SPA are to be qualified as federal tasks within the meaning of Art. 78 para. 2 Cst.»\n\n**BGE 144 II 218** (12 February 2018) — Association Standing for Plant Protection Products\n\nExtension of association standing to abstract proceedings without concrete spatial reference in the review of plant protection products.\n\n> «The targeted review of plant protection products by the licensing authority constitutes a federal task within the meaning of Art. 78 para. 2 Cst. The right of appeal of nature protection organizations under Art. 12 NCHA does not require that the contested decision has a concrete spatial reference.»\n\n### Cantonal Biotope Protection Competencies\n\n**BGE 133 II 220** (2 July 2007) — Hedge Protection and Competency Demarcation\n\nDemarcation between federal law and cantonal law in the area of biotope protection. Hedges are not directly protected by federal law.\n\n> «Biotopes - notably hedges - are not directly protected under the provisions of federal law, but fall primarily under cantonal legislative competency.»\n\n### Other Important Decisions\n\n**BGE 143 II 77** (30 November 2016) — Riparian Zone and Townscape Protection\n\nExceptional permit for constructions in the riparian zone of Lake Zurich in an ISOS object. Densely built areas in water protection.\n\n**Judgment 1C_375/2020** (5 May 2021) — Recent Developments\n\nModel aircraft field and nature protection interests. Application of the principles of Art. 78 Cst. to newer infrastructures.\n\n**Judgment 1C_649/2012** (22 May 2013) — Second Home Construction\n\nConcretization of federal tasks in the context of the Second Homes Act and its implementation by the cantons.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_78", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 79, "article_suffix": "", "title": "Fischerei und Jagd", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 79 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 79 BV gibt dem Bund die Kompetenz, Grundsätze für Jagd und Fischerei festzulegen. Der Hauptzweck ist der Schutz der Artenvielfalt von Fischen, wildlebenden Säugetieren und Vögeln (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3). Der Bund erlässt die wichtigsten Regeln, die Kantone sorgen für deren Umsetzung im Detail.\n\nDas Wort «Grundsätze» bedeutet: Der Bund setzt Mindeststandards, aber regelt nicht alles abschliessend (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). Die Kantone bleiben für viele Bereiche zuständig, etwa für die Organisation von Jagdpatenten oder die Festlegung von Jagdzeiten innerhalb der Bundesvorgaben. Der Bund hat seine Kompetenz durch das Jagdgesetz (JSG) und das Bundesgesetz über die Fischerei (BGF) umgesetzt.\n\n«Artenvielfalt» bedeutet: Alle in der Schweiz heimischen Fisch-, Säugetier- und Vogelarten sollen in ihrer natürlichen Vielfalt erhalten bleiben. Besonders wichtig ist der Schutz grosser Fische, da sie mehr Eier legen und für den Fortbestand der Populationen entscheidend sind (**BGE 147 II 186 E. 4.3**).\n\n**Beispiel aus der Praxis**: Wenn im Wallis ein Wolfsrudel zu viele Schafe reisst, können die Behörden einzelne Wölfe zum Abschuss freigeben. Dies muss aber streng verhältnismässig sein und alle anderen Schutzmassnahmen müssen zuerst versucht worden sein. Umweltorganisationen können gegen solche Entscheide Beschwerde führen, da sie ein Verbandsbeschwerderecht haben (Urteil 2C_1176/2013 vom 17. April 2015).\n\nDie Kantone müssen beim Vollzug die Bundesgrundsätze einhalten. So dürfen sie modernste Fischereitechnologien verbieten, wenn diese die Artenvielfalt gefährden – wie das Bundesgericht für Live-Sonar-Echolote bestätigt hat (Urteil 2C_498/2023 vom 26. August 2025). Wer gegen Jagd- oder Fischereiregeln verstösst, wird mit Bussen oder sogar Freiheitsstrafen bestraft.", "doctrine_de": "# Art. 79 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Verfassungsbestimmung über Fischerei und Jagd hat ihre Wurzeln in Art. 25 aBV von 1874. Die ursprüngliche Fassung beschränkte sich auf eine reine Vogelschutzbestimmung, die der Bund auf Drängen der internationalen Vogelschutzbewegung einführte (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 1). Mit der Revision von 1962 wurde die Kompetenz auf den gesamten Bereich der Jagd und des Schutzes wildlebender Säugetiere und Vögel ausgeweitet (Art. 25bis aBV).\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 führte die Bestimmungen über Jagd (Art. 25bis aBV) und Fischerei (Art. 24sexies aBV) in Art. 79 BV zusammen. Dabei wurde bewusst die explizite Erwähnung der Artenvielfalt beibehalten, obwohl diese bereits in Art. 78 Abs. 4 BV enthalten ist. Der Bundesrat rechtfertigte diese scheinbare Redundanz mit der «Wichtigkeit des Anliegens» (Bundesrat, zitiert bei Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 13).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 79 BV steht im 4. Abschnitt «Umwelt und Raumplanung» und bildet zusammen mit Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz) und Art. 80 BV (Tierschutz) ein kohärentes System des Arten- und Tierschutzes auf Verfassungsebene. Die Norm verleiht dem Bund eine umfassende, aber nicht ausschliessliche Grundsatzgesetzgebungskompetenz (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3).\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu Art. 78 Abs. 4 BV ist durch eine «gewisse Überschneidung» gekennzeichnet (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 12). Während Art. 78 Abs. 4 BV den allgemeinen Artenschutz regelt, fokussiert Art. 79 BV spezifisch auf die nachhaltige Nutzung durch Jagd und Fischerei. Die Abgrenzung zu Art. 80 BV erfolgt über den Schutzgegenstand: Art. 79 BV schützt wildlebende Tiere als Teil der Artenvielfalt, Art. 80 BV das einzelne Tier vor Leiden (→ Art. 78 Abs. 4 BV; → Art. 80 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff «Grundsätze» charakterisiert die Bundeskompetenz als nicht-abschliessende Rahmengesetzgebung. Der Bund setzt Mindeststandards, während die Kantone für Ausführung und Detailregelung zuständig bleiben (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). Die Formulierung «insbesondere» zeigt, dass der Artenschutz zwar Hauptzweck, aber nicht einziger Zweck der Bundesregelung ist (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 5).\n\n**N. 6** «Fischerei» und «Jagd» sind weit zu verstehen und umfassen alle Formen der Entnahme wildlebender Tiere aus ihrem natürlichen Lebensraum, einschliesslich moderner Regulierungsmassnahmen wie der Wolfsregulierung (**BGE 147 II 186 E. 4.3**). Die «Artenvielfalt» bezieht sich auf die Gesamtheit der in der Schweiz heimischen Fisch-, Säugetier- und Vogelarten in ihrer genetischen Vielfalt.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 7** Die Verfassungsnorm begründet eine Bundeskompetenz, aber keine unmittelbaren subjektiven Rechte Privater. Der Bund hat seine Kompetenz durch das Jagdgesetz (JSG) und das Bundesgesetz über die Fischerei (BGF) wahrgenommen. Die Kantone bleiben für folgende Bereiche zuständig (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 11):\n- Organisation der Jagd und Fischerei (Patentsystem vs. Reviersystem)\n- Festlegung von Jagd- und Schonzeiten im Rahmen der Bundesvorgaben\n- Wildschadenregelung\n- Jagd- und Fischereiaufsicht\n\n**N. 8** Umweltschutzorganisationen haben gestützt auf Art. 12 NHG ein Verbandsbeschwerderecht gegen Verfügungen im Bereich von Art. 79 BV, da es sich um eine Bundesaufgabe handelt (Urteil **2C_1176/2013** vom 17. April 2015).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 9** **Reichweite der Bundeskompetenz**: Umstritten ist, wie weit der Bund in die kantonale Organisationsautonomie eingreifen darf. Hagenbach (Beiträge zur Geschichte des Jagdrechtes, 1972) vertritt eine enge Auslegung der Bundeskompetenz, während die neuere Lehre (Rausch, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, § 58 Rz. 23) eine umfassendere Bundeskompetenz befürwortet, die auch Organisationsfragen erfassen kann.\n\n**N. 10** **Verhältnis Artenschutz/Tierschutz**: Kontrovers diskutiert wird das Spannungsverhältnis zwischen dem kollektiven Artenschutz nach Art. 79 BV und dem individuellen Tierschutz nach Art. 80 BV. Bolliger/Rüttimann/Gerritsen (Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, 2012) fordern eine stärkere Gewichtung tierschützerischer Aspekte bei der Jagdausübung, während Bütler (Praxis und Möglichkeiten der Revision des schweizerischen Jagdrechts, 2008) die Funktionalität der Jagd für den Artenschutz betont.\n\n**N. 11** **Wildschadenregelung**: Die Kostentragung für Wildschäden ist umstritten. Petitpierre-Sauvain (La chasse en Suisse, 1999, S. 350f.) kritisiert die uneinheitliche kantonale Praxis, während Nahrath («Governing Wildlife Resources»?, SPSR 1/2000, S. 145) für eine stärkere Bundesregelung plädiert.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 12** Bei Abschussverfügungen für geschützte Arten ist zwingend eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und zu dokumentieren. Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt eine Prüfung in sachlicher, örtlicher, zeitlicher und personeller Hinsicht (**BGE 147 II 186 E. 4.3**).\n\n**N. 13** Verfügungen über Einzelabschüsse geschützter Arten sind zu publizieren oder den Umweltschutzorganisationen zu eröffnen, da sie der Verbandsbeschwerderecht auslösen (Urteil **2C_1176/2013**). Die blosse Publikation in Jagdzeitschriften genügt nicht.\n\n**N. 14** Bei der Wildschadenregelung ist zwischen Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen (entschädigungspflichtig) und Infrastrukturschäden (nicht entschädigungspflichtig) zu unterscheiden. Die kantonale Praxis variiert erheblich, weshalb die jeweilige kantonale Gesetzgebung genau zu prüfen ist.\n\n**N. 15** Die internationale Dimension des Artenschutzes ist zu beachten: Die Aarhus-Konvention erweitert die Verfahrensrechte von Umweltorganisationen. Grenzüberschreitende Populationen (Wolf, Luchs) erfordern eine Koordination mit Nachbarstaaten.", "caselaw_de": "# Art. 79 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze der Bundeskompetenzen\n\n**BGE 147 II 186 E. 4.3** vom 25. November 2020  \nBundeskompetenzen im Jagd- und Wildtierschutz sind umfassend, aber nicht ausschliesslich. Kantone bleiben für Rechtsfragen zuständig, die der Bund nicht abschliessend geregelt hat.\n> «Gemäss Art. 11 Abs. 5 JSG ist die Jagd in den Jagdbanngebieten verboten. Die kantonalen Vollzugsorgane können jedoch den Abschuss von jagdbaren Tieren zulassen, wenn es für den Schutz der Lebensräume, für die Erhaltung der Artenvielfalt, zur Hege oder zur Verhütung von übermässigen Wildschäden notwendig ist.»\n\n**Urteil 2C_1176/2013** vom 17. April 2015  \nAbschussanordnungen für geschützte Vogelarten sind als Verfügungen zu qualifizieren und lösen das Verbandsbeschwerderecht aus. Die Bundesaufgabe des Tier- und Artenschutzes nach Art. 79 f. BV begründet umfassende Kontrollansprüche.\n> «Das angefochtene vorinstanzliche Urteil erging in Anwendung und Auslegung des JSG und betrifft somit die Erfüllung einer Bundesaufgabe (Tier- und Artenschutz, Art. 79 f. BV).»\n\n### Artenschutz und Einzelabschüsse\n\n**Urteil 2C 975/2015** vom 31. März 2016  \nKostenbeteiligung bei Schwarzwildschäden: Die bundesrechtlichen Grundsätze von Art. 79 BV konkretisieren sich in der Kostentragung für Wildschäden. Kantone können Jagdgesellschaften zur Kostenbeteiligung verpflichten.\nDas Bundesgericht bestätigte die kantonale Zuständigkeit für die Ausführung der vom Bund festgelegten Grundsätze im Bereich der Wildschadenverhütung.\n\n**Verwaltungsgericht St. Gallen B 2023/259** vom 11. März 2024  \nWolfsabschuss im Weisstannental: Die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV ermöglichen präventive Regulierungsmassnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt auch bei geschützten Arten, wenn erhebliche Schäden drohen.\n> «Die in der Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel festgelegten quantitativen und zeitlichen Voraussetzungen für die Anordnung des Abschusses eines einzelnen Wolfs sind erfüllt.»\n\n**Bundesverwaltungsgericht A-6740/2023** vom 27. November 2023  \nProaktive Wolfsregulierung in Graubünden: Die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV rechtfertigen auch proaktive Regulierungsmassnahmen bei Wolfsrudeln, wenn das ökologische Gleichgewicht und die Artenvielfalt gefährdet sind.\n\n### Verbandsbeschwerderecht und Verfahrensgarantien\n\n**Urteil 2C_1176/2013** vom 17. April 2015  \nUmweltverbände haben gestützt auf Art. 12 NHG ein umfassendes Beschwerderecht gegen Abschussanordnungen, da diese die verfassungsrechtliche Bundesaufgabe des Artenschutzes nach Art. 79 BV betreffen.\n> «Die umstrittenen Abschussanordnungen als Verfügungen im Sinne von Art. 12 Abs. 1 NHG zu qualifizieren sind. Sie lösen damit das Verbandsbeschwerderecht der Beschwerdeführerin und als Korrelat dazu eine Publikations- oder Eröffnungspflicht aus.»\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass Art. 79 BV eine Bundesaufgabe begründet, deren Vollzug der gerichtlichen Kontrolle unterliegt.\n\n### Wildschadenentschädigung\n\n**Obergericht Schaffhausen Nr. 60/2016/22** vom 5. Juli 2016  \nWildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen: Die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV konkretisieren sich in der Entschädigungspflicht für Wildschäden. Entschädigungspflichtig sind nur Schäden an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, nicht an Infrastrukturen.\n> «Entschädigungspflichtig sind nur Schäden, die Wildschweine an Wald, landwirtschaftlichen Kulturen und Nutztieren anrichten. Mit landwirtschaftlichen Kulturen sind landwirtschaftliche Kulturpflanzen gemeint.»\n\n### Jagdbanngebiete und Schutzgebiete\n\n**BGE 147 II 186 E. 4.1-4.3** vom 25. November 2020  \nBundesgrundsätze für Jagdbanngebiete: In eidgenössischen Jagdbanngebieten ist die Jagd verboten, aber individuell-konkret angeordnete Abschüsse können zur Erhaltung der Artenvielfalt zugelassen werden.\n> «Ein solcher Abschuss kann in einem Jagdbanngebiet zugelassen werden, wenn er aufgrund einer Abwägung sämtlicher Interessen notwendig und insgesamt verhältnismässig ist. Die Massnahme ist dabei unter Beachtung der Schutzziele nicht nur in sachlicher, örtlicher und zeitlicher, sondern insbesondere auch in personeller Hinsicht so auszugestalten.»\n\n**Verwaltungsgericht Zürich VB.2014.00351** vom 21. Januar 2015  \nVogelschlagprävention am Flughafen: Die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV ermöglichen Ausnahmen vom Schutz wildlebender Vögel bei übergeordneten öffentlichen Interessen. Für Abschüsse geschützter Arten am Flughafen Zürich ist der Kanton zuständig.\n\n### Strafverfahren im Jagdbereich\n\n**Bundesgericht 6B 411/2016** vom 7. Juni 2016  \nWiderhandlungen gegen Jagdvorschriften: Die Strafbestimmungen der kantonalen Jagdgesetze konkretisieren die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV. Verstösse gegen Jagd- und Tierschutzbestimmungen werden kumulativ bestraft.\n\n**Obergericht Zürich SB230251** vom 4. Dezember 2023  \nTierquälerei und Jagdvergehen: Verstösse gegen Jagdvorschriften können mit Ordnungsbusse bestraft werden und sind von Tierschutzverletzungen zu unterscheiden.\n\n### Internationale Verpflichtungen\n\n**Urteil 2C_1176/2013** vom 17. April 2015  \nAarhus-Konvention und Verbandsbeschwerderecht: Die Bundesgrundsätze nach Art. 79 BV sind unter Berücksichtigung völkerrechtlicher Verpflichtungen auszulegen. Die Aarhus-Konvention begründet erweiterte Kontrollrechte für Umweltverbände.\n> «Die umstrittenen Anordnungen zum Abschuss von geschützten Vögeln vermögen Schutzziele im Sinne von Art. 1 NHG zu beeinträchtigen und unterliegen demnach seit Inkrafttreten der Aarhus-Konvention dem konventionsrechtlichen Verbandsbeschwerderecht.»\n\n### Föderale Kompetenzverteilung\n\nDie Rechtsprechung bestätigt durchgehend, dass Art. 79 BV dem Bund eine umfassende, aber nicht ausschliessliche Kompetenz verleiht. Die Kantone bleiben für den Vollzug und die Detailregelung zuständig, soweit der Bund keine abschliessenden Normen erlassen hat. Die Gerichte kontrollieren die Einhaltung der bundesrechtlichen Mindeststandards beim Artenschutz stringent.", "summary_fr": "# Art. 79 Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 79 Cst. donne à la Confédération la compétence d'édicter des principes sur la chasse et la pêche. Le but principal est la protection de la diversité des espèces de poissons, de mammifères et d'oiseaux vivant à l'état sauvage (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3). La Confédération édicte les règles les plus importantes, les cantons veillent à leur mise en œuvre dans le détail.\n\nLe terme « principes » signifie : la Confédération fixe des standards minimaux, mais ne règle pas tout de manière exhaustive (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). Les cantons restent compétents pour de nombreux domaines, par exemple pour l'organisation des permis de chasse ou la fixation des périodes de chasse dans le cadre des prescriptions fédérales. La Confédération a mis en œuvre sa compétence par la loi sur la chasse (LChP) et la loi fédérale sur la pêche (LFSP).\n\n« Diversité des espèces » signifie : toutes les espèces de poissons, de mammifères et d'oiseaux indigènes de Suisse doivent être conservées dans leur diversité naturelle. La protection des gros poissons est particulièrement importante, car ils pondent plus d'œufs et sont décisifs pour la survie des populations (**ATF 147 II 186 consid. 4.3**).\n\n**Exemple tiré de la pratique** : Si en Valais une meute de loups déchire trop de moutons, les autorités peuvent autoriser l'abattage de loups individuels. Mais cela doit être strictement proportionné et toutes les autres mesures de protection doivent avoir été tentées au préalable. Les organisations environnementales peuvent recourir contre de telles décisions, car elles disposent d'un droit de recours des organisations (arrêt 2C_1176/2013 du 17 avril 2015).\n\nLes cantons doivent respecter les principes fédéraux lors de l'exécution. Ils peuvent ainsi interdire les technologies de pêche les plus modernes si celles-ci menacent la diversité des espèces – comme le Tribunal fédéral l'a confirmé pour les échosondeurs live-sonar (arrêt 2C_498/2023 du 26 août 2025). Quiconque contrevient aux règles de chasse ou de pêche est puni d'amendes ou même de peines privatives de liberté.", "doctrine_fr": "# Art. 79 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** La disposition constitutionnelle actuelle sur la pêche et la chasse trouve ses racines dans l'art. 25 ancCst de 1874. La version originale se limitait à une pure disposition de protection des oiseaux, que la Confédération introduisit sous la pression du mouvement international de protection des oiseaux (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 1). Avec la révision de 1962, la compétence fut étendue à l'ensemble du domaine de la chasse et de la protection des mammifères et oiseaux sauvages (art. 25bis ancCst).\n\n**Ch. 2** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 réunit les dispositions sur la chasse (art. 25bis ancCst) et la pêche (art. 24sexies ancCst) dans l'art. 79 Cst. La mention explicite de la diversité des espèces fut consciemment maintenue, bien qu'elle soit déjà contenue dans l'art. 78 al. 4 Cst. Le Conseil fédéral justifia cette redondance apparente par l'« importance de la préoccupation » (Conseil fédéral, cité par Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 13).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 79 Cst. figure dans la 4e section « Environnement et aménagement du territoire » et forme, avec l'art. 78 Cst. (protection de la nature et du paysage) et l'art. 80 Cst. (protection des animaux), un système cohérent de protection des espèces et des animaux au niveau constitutionnel. La norme confère à la Confédération une compétence de législation de principe complète mais non exclusive (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 3).\n\n**Ch. 4** La relation avec l'art. 78 al. 4 Cst. est caractérisée par un « certain chevauchement » (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 12). Alors que l'art. 78 al. 4 Cst. règle la protection générale des espèces, l'art. 79 Cst. se concentre spécifiquement sur l'utilisation durable par la chasse et la pêche. La délimitation par rapport à l'art. 80 Cst. s'effectue selon l'objet de protection : l'art. 79 Cst. protège les animaux sauvages comme partie de la diversité des espèces, l'art. 80 Cst. l'animal individuel contre les souffrances (→ art. 78 al. 4 Cst. ; → art. 80 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** Le terme « principes » caractérise la compétence fédérale comme une législation-cadre non exhaustive. La Confédération fixe des standards minimaux, tandis que les cantons restent compétents pour l'exécution et la réglementation de détail (Marti, SG Komm. BV, art. 79 ch. 9). La formulation « notamment » montre que la protection des espèces est certes le but principal, mais pas l'unique but de la réglementation fédérale (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 5).\n\n**Ch. 6** « Pêche » et « chasse » doivent être comprises largement et englobent toutes les formes de prélèvement d'animaux sauvages de leur habitat naturel, y compris les mesures de régulation modernes comme la régulation du loup (**ATF 147 II 186 consid. 4.3**). La « diversité des espèces » se réfère à l'ensemble des espèces de poissons, mammifères et oiseaux indigènes de Suisse dans leur diversité génétique.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 7** La norme constitutionnelle fonde une compétence fédérale, mais pas de droits subjectifs directs des particuliers. La Confédération a exercé sa compétence par la loi sur la chasse (LChP) et la loi fédérale sur la pêche (LFSP). Les cantons restent compétents pour les domaines suivants (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 79 ch. 11) :\n- Organisation de la chasse et de la pêche (système de patentes vs. système de reviers)\n- Fixation des périodes de chasse et de protection dans le cadre des prescriptions fédérales\n- Réglementation des dommages causés par le gibier\n- Surveillance de la chasse et de la pêche\n\n**Ch. 8** Les organisations de protection de l'environnement disposent, sur la base de l'art. 12 LPN, d'un droit de recours des organisations contre les décisions dans le domaine de l'art. 79 Cst., car il s'agit d'une tâche fédérale (arrêt **2C_1176/2013** du 17 avril 2015).\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 9** **Étendue de la compétence fédérale** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure la Confédération peut intervenir dans l'autonomie d'organisation cantonale. Hagenbach (Beiträge zur Geschichte des Jagdrechtes, 1972) défend une interprétation restrictive de la compétence fédérale, tandis que la doctrine récente (Rausch, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, § 58 ch. 23) préconise une compétence fédérale plus complète, pouvant également saisir les questions d'organisation.\n\n**Ch. 10** **Relation protection des espèces/protection des animaux** : Le rapport de tension entre la protection collective des espèces selon l'art. 79 Cst. et la protection individuelle des animaux selon l'art. 80 Cst. fait l'objet de discussions controversées. Bolliger/Rüttimann/Gerritsen (Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, 2012) exigent une pondération plus forte des aspects de protection des animaux dans l'exercice de la chasse, tandis que Bütler (Praxis und Möglichkeiten der Revision des schweizerischen Jagdrechts, 2008) souligne la fonctionnalité de la chasse pour la protection des espèces.\n\n**Ch. 11** **Réglementation des dommages causés par le gibier** : La prise en charge des coûts pour les dommages causés par le gibier est controversée. Petitpierre-Sauvain (La chasse en Suisse, 1999, p. 350s.) critique la pratique cantonale non uniforme, tandis que Nahrath (« Governing Wildlife Resources »?, SPSR 1/2000, p. 145) plaide pour une réglementation fédérale plus forte.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 12** Pour les décisions d'abattage d'espèces protégées, une pesée complète des intérêts doit impérativement être effectuée et documentée. Le principe de proportionnalité exige un examen sous l'angle matériel, local, temporel et personnel (**ATF 147 II 186 consid. 4.3**).\n\n**Ch. 13** Les décisions concernant les abattages individuels d'espèces protégées doivent être publiées ou notifiées aux organisations de protection de l'environnement, car elles déclenchent le droit de recours des organisations (arrêt **2C_1176/2013**). La simple publication dans des revues de chasse ne suffit pas.\n\n**Ch. 14** Dans la réglementation des dommages causés par le gibier, il faut distinguer entre les dommages aux cultures agricoles (donnant droit à indemnisation) et les dommages à l'infrastructure (ne donnant pas droit à indemnisation). La pratique cantonale varie considérablement, raison pour laquelle la législation cantonale respective doit être examinée précisément.\n\n**Ch. 15** La dimension internationale de la protection des espèces doit être prise en compte : la Convention d'Aarhus élargit les droits procéduraux des organisations environnementales. Les populations transfrontalières (loup, lynx) exigent une coordination avec les États voisins.", "caselaw_fr": "# Art. 79 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Principes des compétences fédérales\n\n**ATF 147 II 186 consid. 4.3** du 25 novembre 2020  \nLes compétences fédérales en matière de chasse et de protection du gibier sont étendues, mais non exclusives. Les cantons restent compétents pour les questions de droit que la Confédération n'a pas réglées de manière exhaustive.\n> « Selon l'art. 11 al. 5 LChP, la chasse est interdite dans les districts francs fédéraux. Les organes cantonaux d'exécution peuvent toutefois autoriser l'abattage d'animaux chassables lorsque cela est nécessaire pour protéger les habitats, pour maintenir la biodiversité, pour les soins à la faune ou pour prévenir des dégâts de gibier excessifs. »\n\n**Arrêt 2C_1176/2013** du 17 avril 2015  \nLes ordonnances d'abattage d'espèces d'oiseaux protégées doivent être qualifiées de décisions et déclenchent le droit de recours des organisations. La tâche fédérale de protection des animaux et des espèces selon l'art. 79 ss Cst. fonde des droits de contrôle étendus.\n> « L'arrêt cantonal attaqué a été rendu en application et interprétation de la LChP et concerne par conséquent l'accomplissement d'une tâche fédérale (protection des animaux et des espèces, art. 79 ss Cst.). »\n\n### Protection des espèces et abattages individuels\n\n**Arrêt 2C 975/2015** du 31 mars 2016  \nParticipation aux coûts pour les dégâts de sanglier : Les principes de droit fédéral de l'art. 79 Cst. se concrétisent dans la prise en charge des coûts pour les dégâts de gibier. Les cantons peuvent obliger les sociétés de chasse à participer aux coûts.\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence cantonale pour l'exécution des principes fixés par la Confédération dans le domaine de la prévention des dégâts de gibier.\n\n**Tribunal administratif de Saint-Gall B 2023/259** du 11 mars 2024  \nAbattage de loup dans la vallée de Weisstannen : Les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. permettent des mesures de régulation préventive pour maintenir la biodiversité même pour les espèces protégées, lorsque des dégâts considérables menacent.\n> « Les conditions quantitatives et temporelles fixées dans l'ordonnance sur la chasse et la protection des mammifères et oiseaux sauvages pour ordonner l'abattage d'un loup individuel sont remplies. »\n\n**Tribunal administratif fédéral A-6740/2023** du 27 novembre 2023  \nRégulation proactive du loup dans les Grisons : Les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. justifient aussi des mesures de régulation proactive pour les meutes de loups, lorsque l'équilibre écologique et la biodiversité sont menacés.\n\n### Droit de recours des organisations et garanties procédurales\n\n**Arrêt 2C_1176/2013** du 17 avril 2015  \nLes organisations de protection de l'environnement ont, en vertu de l'art. 12 LPN, un droit de recours étendu contre les ordonnances d'abattage, car celles-ci concernent la tâche fédérale constitutionnelle de protection des espèces selon l'art. 79 Cst.\n> « Les ordonnances d'abattage litigieuses doivent être qualifiées de décisions au sens de l'art. 12 al. 1 LPN. Elles déclenchent ainsi le droit de recours des organisations de la recourante et, en corollaire, une obligation de publication ou de notification. »\n\nLe Tribunal fédéral a constaté que l'art. 79 Cst. fonde une tâche fédérale dont l'exécution est soumise au contrôle judiciaire.\n\n### Indemnisation des dégâts de gibier\n\n**Tribunal supérieur de Schaffhouse n° 60/2016/22** du 5 juillet 2016  \nDégâts de gibier aux cultures agricoles : Les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. se concrétisent dans l'obligation d'indemniser les dégâts de gibier. Seuls sont indemnisables les dégâts aux plantes cultivées agricoles, non aux infrastructures.\n> « Seuls sont indemnisables les dégâts que les sangliers causent aux forêts, aux cultures agricoles et aux animaux de rente. Par cultures agricoles, on entend les plantes cultivées agricoles. »\n\n### Districts francs et zones protégées\n\n**ATF 147 II 186 consid. 4.1-4.3** du 25 novembre 2020  \nPrincipes fédéraux pour les districts francs : Dans les districts francs fédéraux, la chasse est interdite, mais des abattages ordonnés individuellement et concrètement peuvent être autorisés pour maintenir la biodiversité.\n> « Un tel abattage peut être autorisé dans un district franc s'il est nécessaire sur la base d'une pesée de tous les intérêts et proportionné dans l'ensemble. La mesure doit être conçue en respectant les objectifs de protection non seulement sous l'angle matériel, local et temporel, mais en particulier aussi sous l'angle personnel. »\n\n**Tribunal administratif de Zurich VB.2014.00351** du 21 janvier 2015  \nPrévention des collisions aviaires à l'aéroport : Les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. permettent des exceptions à la protection des oiseaux sauvages en cas d'intérêts publics supérieurs. Pour les abattages d'espèces protégées à l'aéroport de Zurich, le canton est compétent.\n\n### Procédures pénales en matière de chasse\n\n**Tribunal fédéral 6B 411/2016** du 7 juin 2016  \nInfractions aux prescriptions de chasse : Les dispositions pénales des lois cantonales sur la chasse concrétisent les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. Les violations des dispositions sur la chasse et la protection des animaux sont punies cumulativement.\n\n**Tribunal supérieur de Zurich SB230251** du 4 décembre 2023  \nCruauté envers les animaux et infractions à la chasse : Les violations des prescriptions de chasse peuvent être punies d'amendes d'ordre et se distinguent des violations de la protection des animaux.\n\n### Obligations internationales\n\n**Arrêt 2C_1176/2013** du 17 avril 2015  \nConvention d'Aarhus et droit de recours des organisations : Les principes fédéraux selon l'art. 79 Cst. doivent être interprétés en tenant compte des obligations de droit international. La Convention d'Aarhus fonde des droits de contrôle élargis pour les organisations de protection de l'environnement.\n> « Les ordonnances litigieuses d'abattage d'oiseaux protégés sont susceptibles de porter atteinte aux objectifs de protection au sens de l'art. 1 LPN et sont dès lors soumises, depuis l'entrée en vigueur de la Convention d'Aarhus, au droit de recours des organisations prévu par la convention. »\n\n### Répartition fédérale des compétences\n\nLa jurisprudence confirme de manière constante que l'art. 79 Cst. confère à la Confédération une compétence étendue, mais non exclusive. Les cantons restent compétents pour l'exécution et la réglementation de détail, dans la mesure où la Confédération n'a pas édicté de normes exhaustives. Les tribunaux contrôlent de manière stricte le respect des standards minimaux de droit fédéral en matière de protection des espèces.", "summary_it": "# Art. 79 BV\n\n## Panoramica\n\nL'art. 79 BV conferisce alla Confederazione la competenza di stabilire i principi per la caccia e la pesca. Lo scopo principale è la protezione della diversità delle specie di pesci, mammiferi selvatici e uccelli (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3). La Confederazione emana le regole principali, i Cantoni provvedono alla loro attuazione nel dettaglio.\n\nLa parola «principi» significa: la Confederazione stabilisce standard minimi, ma non regola tutto in modo esaustivo (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). I Cantoni rimangono competenti per molti settori, ad esempio per l'organizzazione delle licenze di caccia o la determinazione dei tempi di caccia nell'ambito delle direttive federali. La Confederazione ha attuato la sua competenza attraverso la legge federale sulla caccia (LCP) e la legge federale sulla pesca (LFSP).\n\n«Diversità delle specie» significa: tutte le specie di pesci, mammiferi e uccelli indigene della Svizzera devono essere conservate nella loro diversità naturale. Particolarmente importante è la protezione dei pesci di grandi dimensioni, poiché depongono più uova e sono decisivi per la sopravvivenza delle popolazioni (**BGE 147 II 186 consid. 4.3**).\n\n**Esempio dalla pratica**: se nel Vallese un branco di lupi uccide troppe pecore, le autorità possono autorizzare l'abbattimento di singoli lupi. Questo deve però essere strettamente proporzionato e tutte le altre misure di protezione devono essere state tentate per prime. Le organizzazioni ambientaliste possono presentare ricorso contro tali decisioni, poiché hanno il diritto di ricorso delle associazioni (sentenza 2C_1176/2013 del 17 aprile 2015).\n\nI Cantoni devono rispettare i principi federali nell'esecuzione. Così possono vietare le più moderne tecnologie di pesca se queste mettono in pericolo la diversità delle specie – come ha confermato il Tribunale federale per gli ecoscandagli live-sonar (sentenza 2C_498/2023 del 26 agosto 2025). Chi viola le regole sulla caccia o sulla pesca viene punito con multe o persino pene detentive.", "doctrine_it": "# Art. 79 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'odierna disposizione costituzionale sulla pesca e la caccia ha le sue radici nell'art. 25 aCost. del 1874. La versione originale si limitava a una pura disposizione di protezione degli uccelli, che la Confederazione introdusse su pressione del movimento internazionale di protezione degli uccelli (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 1). Con la revisione del 1962 la competenza fu estesa all'intero ambito della caccia e della protezione dei mammiferi e degli uccelli selvatici (art. 25bis aCost.).\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 riunì le disposizioni sulla caccia (art. 25bis aCost.) e sulla pesca (art. 24sexies aCost.) nell'art. 79 Cost. In tale contesto fu volutamente mantenuta la menzione esplicita della diversità delle specie, benché questa fosse già contenuta nell'art. 78 cpv. 4 Cost. Il Consiglio federale giustificò questa apparente ridondanza con l'«importanza della questione» (Consiglio federale, citato in Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 13).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 79 Cost. si trova nella 4ª sezione «Ambiente e pianificazione del territorio» e forma insieme all'art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio) e all'art. 80 Cost. (protezione degli animali) un sistema coerente di protezione delle specie e degli animali a livello costituzionale. La norma conferisce alla Confederazione una competenza legislativa generale comprensiva, ma non esclusiva (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3).\n\n**N. 4** Il rapporto con l'art. 78 cpv. 4 Cost. è caratterizzato da una «certa sovrapposizione» (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 12). Mentre l'art. 78 cpv. 4 Cost. disciplina la protezione generale delle specie, l'art. 79 Cost. si concentra specificamente sull'utilizzazione sostenibile attraverso la caccia e la pesca. La delimitazione rispetto all'art. 80 Cost. avviene attraverso l'oggetto della protezione: l'art. 79 Cost. protegge gli animali selvatici come parte della diversità delle specie, l'art. 80 Cost. il singolo animale dalle sofferenze (→ Art. 78 cpv. 4 Cost.; → Art. 80 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il termine «principi» caratterizza la competenza federale come legislazione quadro non conclusiva. La Confederazione stabilisce standard minimi, mentre i Cantoni rimangono competenti per l'esecuzione e la regolamentazione di dettaglio (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). La formulazione «segnatamente» mostra che la protezione delle specie è sì lo scopo principale, ma non l'unico scopo della regolamentazione federale (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 5).\n\n**N. 6** «Pesca» e «caccia» devono essere intese in senso ampio e comprendono tutte le forme di prelievo di animali selvatici dal loro habitat naturale, incluse le moderne misure di regolazione come la regolazione del lupo (**DTF 147 II 186 consid. 4.3**). La «diversità delle specie» si riferisce alla totalità delle specie di pesci, mammiferi e uccelli indigene della Svizzera nella loro diversità genetica.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 7** La norma costituzionale fonda una competenza federale, ma non diritti soggettivi immediati dei privati. La Confederazione ha esercitato la sua competenza attraverso la legge sulla caccia (LCP) e la legge federale sulla pesca (LFSP). I Cantoni rimangono competenti per i seguenti ambiti (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 11):\n- Organizzazione della caccia e della pesca (sistema di patenti vs. sistema di riserve)\n- Determinazione dei periodi di caccia e di protezione nel quadro delle direttive federali\n- Disciplina dei danni causati dalla selvaggina\n- Sorveglianza della caccia e della pesca\n\n**N. 8** Le organizzazioni di protezione dell'ambiente hanno, in base all'art. 12 LPN, un diritto di ricorso delle associazioni contro le decisioni nell'ambito dell'art. 79 Cost., trattandosi di un compito federale (sentenza **2C_1176/2013** del 17 aprile 2015).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 9** **Portata della competenza federale**: È controverso fino a che punto la Confederazione possa intervenire nell'autonomia organizzativa cantonale. Hagenbach (Beiträge zur Geschichte des Jagdrechtes, 1972) sostiene un'interpretazione restrittiva della competenza federale, mentre la dottrina più recente (Rausch, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, § 58 n. 23) favorisce una competenza federale più comprensiva, che può includere anche questioni organizzative.\n\n**N. 10** **Rapporto protezione delle specie/protezione degli animali**: È oggetto di discussione controversa la tensione tra la protezione collettiva delle specie secondo l'art. 79 Cost. e la protezione individuale degli animali secondo l'art. 80 Cost. Bolliger/Rüttimann/Gerritsen (Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, 2012) chiedono una maggiore ponderazione degli aspetti di protezione degli animali nell'esercizio della caccia, mentre Bütler (Praxis und Möglichkeiten der Revision des schweizerischen Jagdrechts, 2008) sottolinea la funzionalità della caccia per la protezione delle specie.\n\n**N. 11** **Disciplina dei danni causati dalla selvaggina**: La ripartizione dei costi per i danni causati dalla selvaggina è controversa. Petitpierre-Sauvain (La chasse en Suisse, 1999, p. 350 seg.) critica la prassi cantonale non uniforme, mentre Nahrath («Governing Wildlife Resources»?, SPSR 1/2000, p. 145) si pronuncia a favore di una regolamentazione federale più forte.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 12** Per le decisioni di abbattimento di specie protette è obbligatorio procedere a una ponderazione comprensiva degli interessi e documentarla. Il principio di proporzionalità esige un esame sotto il profilo materiale, locale, temporale e personale (**DTF 147 II 186 consid. 4.3**).\n\n**N. 13** Le decisioni su abbattimenti individuali di specie protette devono essere pubblicate o comunicate alle organizzazioni di protezione dell'ambiente, in quanto attivano il diritto di ricorso delle associazioni (sentenza **2C_1176/2013**). La mera pubblicazione in riviste venatorie non è sufficiente.\n\n**N. 14** Nella disciplina dei danni causati dalla selvaggina occorre distinguere tra danni alle colture agricole (soggetti a indennizzo) e danni alle infrastrutture (non soggetti a indennizzo). La prassi cantonale varia considerevolmente, per cui è necessario esaminare attentamente la rispettiva legislazione cantonale.\n\n**N. 15** È da osservare la dimensione internazionale della protezione delle specie: la Convenzione di Aarhus amplia i diritti procedurali delle organizzazioni ambientali. Le popolazioni transfrontaliere (lupo, lince) richiedono un coordinamento con gli Stati confinanti.", "caselaw_it": "# Art. 79 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Principi delle competenze federali\n\n**DTF 147 II 186 consid. 4.3** del 25 novembre 2020  \nLe competenze federali nella caccia e nella protezione della fauna selvatica sono ampie, ma non esclusive. I Cantoni restano competenti per le questioni giuridiche che la Confederazione non ha disciplinato in modo definitivo.\n> «Secondo l'art. 11 cpv. 5 LCP la caccia è vietata nelle bandite federali di caccia. Gli organi di esecuzione cantonali possono tuttavia permettere l'abbattimento di animali cacciabili quando ciò è necessario per la protezione degli habitat, per la conservazione della diversità delle specie, per la cura della selvaggina o per prevenire danni eccessivi causati dalla fauna selvatica.»\n\n**Sentenza 2C_1176/2013** del 17 aprile 2015  \nGli ordini di abbattimento per specie di uccelli protette devono essere qualificati come decisioni e attivano il diritto di ricorso delle associazioni. Il compito federale della protezione degli animali e delle specie secondo l'art. 79 seg. Cost. giustifica diritti di controllo estesi.\n> «La sentenza impugnata dell'istanza precedente è stata pronunciata in applicazione e interpretazione della LCP e concerne quindi l'adempimento di un compito federale (protezione degli animali e delle specie, art. 79 seg. Cost.).»\n\n### Protezione delle specie e abbattimenti individuali\n\n**Sentenza 2C 975/2015** del 31 marzo 2016  \nPartecipazione ai costi per danni causati da cinghiali: I principi del diritto federale dell'art. 79 Cost. si concretizzano nella ripartizione dei costi per i danni causati dalla fauna selvatica. I Cantoni possono obbligare le società di caccia a partecipare ai costi.\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza cantonale per l'esecuzione dei principi stabiliti dalla Confederazione nell'ambito della prevenzione dei danni causati dalla fauna selvatica.\n\n**Tribunale amministrativo di San Gallo B 2023/259** dell'11 marzo 2024  \nAbbattimento di lupi nella Weisstannental: I principi federali secondo l'art. 79 Cost. permettono misure di regolazione preventive per la conservazione della diversità delle specie anche per specie protette, quando minacciano danni considerevoli.\n> «I presupposti quantitativi e temporali stabiliti nell'ordinanza sulla caccia e la protezione dei mammiferi e degli uccelli selvatici per l'ordine di abbattimento di un singolo lupo sono adempiuti.»\n\n**Tribunale amministrativo federale A-6740/2023** del 27 novembre 2023  \nRegolazione proattiva dei lupi nei Grigioni: I principi federali secondo l'art. 79 Cost. giustificano anche misure di regolazione proattive per i branchi di lupi, quando l'equilibrio ecologico e la diversità delle specie sono messi in pericolo.\n\n### Diritto di ricorso delle associazioni e garanzie procedurali\n\n**Sentenza 2C_1176/2013** del 17 aprile 2015  \nLe associazioni ambientali hanno, sulla base dell'art. 12 LPN, un diritto di ricorso esteso contro gli ordini di abbattimento, poiché questi riguardano il compito costituzionale federale della protezione delle specie secondo l'art. 79 Cost.\n> «Gli ordini di abbattimento controversi devono essere qualificati come decisioni ai sensi dell'art. 12 cpv. 1 LPN. Essi attivano quindi il diritto di ricorso delle associazioni della ricorrente e, correlativamente, un obbligo di pubblicazione o di notificazione.»\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 79 Cost. fonda un compito federale, la cui esecuzione è sottoposta al controllo giudiziario.\n\n### Risarcimento dei danni causati dalla fauna selvatica\n\n**Tribunale superiore di Sciaffusa N. 60/2016/22** del 5 luglio 2016  \nDanni causati dalla fauna selvatica alle colture agricole: I principi federali secondo l'art. 79 Cost. si concretizzano nell'obbligo di risarcimento per i danni causati dalla fauna selvatica. Sono risarcibili solo i danni alle piante coltivate agricole, non alle infrastrutture.\n> «Sono risarcibili solo i danni che i cinghiali arrecano al bosco, alle colture agricole e agli animali da reddito. Per colture agricole si intendono le piante coltivate agricole.»\n\n### Bandite di caccia e aree protette\n\n**DTF 147 II 186 consid. 4.1-4.3** del 25 novembre 2020  \nPrincipi federali per le bandite di caccia: Nelle bandite federali di caccia la caccia è vietata, ma abbattimenti ordinati individualmente e concretamente possono essere ammessi per la conservazione della diversità delle specie.\n> «Un tale abbattimento può essere ammesso in una bandita di caccia quando è necessario sulla base di una ponderazione di tutti gli interessi e complessivamente proporzionato. La misura deve essere configurata nel rispetto degli obiettivi di protezione non solo sotto l'aspetto materiale, locale e temporale, ma in particolare anche sotto l'aspetto personale.»\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo VB.2014.00351** del 21 gennaio 2015  \nPrevenzione degli scontri con uccelli all'aeroporto: I principi federali secondo l'art. 79 Cost. permettono eccezioni alla protezione degli uccelli selvatici in caso di interessi pubblici prevalenti. Per gli abbattimenti di specie protette all'aeroporto di Zurigo è competente il Cantone.\n\n### Procedimenti penali nell'ambito della caccia\n\n**Tribunale federale 6B 411/2016** del 7 giugno 2016  \nContravvenzioni alle prescrizioni sulla caccia: Le disposizioni penali delle leggi cantonali sulla caccia concretizzano i principi federali secondo l'art. 79 Cost. Le violazioni delle disposizioni sulla caccia e la protezione degli animali sono punite cumulativamente.\n\n**Tribunale superiore di Zurigo SB230251** del 4 dicembre 2023  \nMaltrattamento di animali e reati di caccia: Le violazioni delle prescrizioni sulla caccia possono essere punite con multa disciplinare e vanno distinte dalle violazioni della protezione degli animali.\n\n### Obblighi internazionali\n\n**Sentenza 2C_1176/2013** del 17 aprile 2015  \nConvenzione di Aarhus e diritto di ricorso delle associazioni: I principi federali secondo l'art. 79 Cost. devono essere interpretati tenendo conto degli obblighi di diritto internazionale. La Convenzione di Aarhus fonda diritti di controllo estesi per le associazioni ambientali.\n> «Gli ordini controversi di abbattimento di uccelli protetti possono compromettere obiettivi di protezione ai sensi dell'art. 1 LPN e sottostanno quindi, dall'entrata in vigore della Convenzione di Aarhus, al diritto di ricorso delle associazioni secondo il diritto convenzionale.»\n\n### Ripartizione federale delle competenze\n\nLa giurisprudenza conferma costantemente che l'art. 79 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza ampia, ma non esclusiva. I Cantoni restano competenti per l'esecuzione e la regolamentazione di dettaglio, nella misura in cui la Confederazione non ha emanato norme definitive. I tribunali controllano rigorosamente il rispetto degli standard minimi del diritto federale nella protezione delle specie.", "summary_en": "# Art. 79 BV\n\n## Overview\n\nArt. 79 BV gives the Confederation the competence to establish principles for hunting and fishing. The main purpose is the protection of the species diversity of fish, wild mammals and birds (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3). The Confederation enacts the most important rules, while the cantons ensure their detailed implementation.\n\nThe word «principles» means: The Confederation sets minimum standards, but does not regulate everything exhaustively (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). The cantons remain responsible for many areas, such as the organisation of hunting licences or the determination of hunting seasons within federal requirements. The Confederation has implemented its competence through the Hunting Act (JSG) and the Federal Act on Fisheries (BGF).\n\n«Species diversity» means: All fish, mammal and bird species native to Switzerland should be preserved in their natural diversity. The protection of large fish is particularly important, as they lay more eggs and are crucial for the survival of populations (**BGE 147 II 186 E. 4.3**).\n\n**Practical example**: If a wolf pack in Valais kills too many sheep, the authorities can authorise individual wolves to be shot. However, this must be strictly proportionate and all other protective measures must have been tried first. Environmental organisations can appeal against such decisions, as they have the right of appeal by associations (Judgment 2C_1176/2013 of 17 April 2015).\n\nThe cantons must comply with federal principles in enforcement. They may ban state-of-the-art fishing technologies if these endanger species diversity – as the Federal Supreme Court confirmed for live sonar echo sounders (Judgment 2C_498/2023 of 26 August 2025). Those who violate hunting or fishing rules are punished with fines or even imprisonment.", "doctrine_en": "# Art. 79 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current constitutional provision on fishing and hunting has its roots in Art. 25 aBV of 1874. The original version was limited to a pure bird protection provision, which the Confederation introduced under pressure from the international bird protection movement (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 1). With the revision of 1962, the competence was extended to the entire area of hunting and protection of wild mammals and birds (Art. 25bis aBV).\n\n**N. 2** The total revision of the Federal Constitution in 1999 combined the provisions on hunting (Art. 25bis aBV) and fishing (Art. 24sexies aBV) in Art. 79 BV. The explicit mention of biodiversity was deliberately retained, even though it is already contained in Art. 78 para. 4 BV. The Federal Council justified this apparent redundancy with the «importance of the concern» (Federal Council, quoted in Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 13).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 79 BV is located in Section 4 «Environment and Spatial Planning» and forms, together with Art. 78 BV (protection of nature and cultural heritage) and Art. 80 BV (animal welfare), a coherent system of species and animal protection at the constitutional level. The norm grants the Confederation comprehensive but not exclusive framework legislative competence (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 3).\n\n**N. 4** The relationship to Art. 78 para. 4 BV is characterised by a «certain overlap» (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 12). While Art. 78 para. 4 BV regulates general species protection, Art. 79 BV specifically focuses on sustainable use through hunting and fishing. The demarcation from Art. 80 BV occurs through the object of protection: Art. 79 BV protects wild animals as part of biodiversity, Art. 80 BV protects individual animals from suffering (→ Art. 78 para. 4 BV; → Art. 80 BV).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** The term «principles» characterises the federal competence as non-exhaustive framework legislation. The Confederation sets minimum standards, while the cantons remain responsible for implementation and detailed regulation (Marti, SG Komm. BV, Art. 79 N. 9). The formulation «in particular» shows that species protection is the main purpose but not the sole purpose of federal regulation (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 5).\n\n**N. 6** «Fishing» and «hunting» are to be understood broadly and encompass all forms of removing wild animals from their natural habitat, including modern regulatory measures such as wolf regulation (**BGE 147 II 186 E. 4.3**). «Biodiversity» refers to the totality of fish, mammal and bird species native to Switzerland in their genetic diversity.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 7** The constitutional norm establishes federal competence but does not create immediate subjective rights of private parties. The Confederation has exercised its competence through the Hunting Act (JSG) and the Federal Act on Fishing (BGF). The cantons remain responsible for the following areas (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 79 N. 11):\n- Organisation of hunting and fishing (licence system vs. district system)\n- Determination of hunting and closed seasons within the framework of federal requirements\n- Game damage regulation\n- Hunting and fishing supervision\n\n**N. 8** Environmental protection organisations have a right of appeal based on Art. 12 NHG against rulings in the area of Art. 79 BV, as it is a federal task (Judgment **2C_1176/2013** of 17 April 2015).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 9** **Scope of federal competence**: It is disputed how far the Confederation may interfere with cantonal organisational autonomy. Hagenbach (Beiträge zur Geschichte des Jagdrechtes, 1972) advocates a narrow interpretation of federal competence, while more recent doctrine (Rausch, in: Thürer et al., Verfassungsrecht, § 58 Rz. 23) favours more comprehensive federal competence that can also encompass organisational questions.\n\n**N. 10** **Relationship species protection/animal welfare**: The tension between collective species protection under Art. 79 BV and individual animal welfare under Art. 80 BV is controversially discussed. Bolliger/Rüttimann/Gerritsen (Baujagd unter dem Aspekt des Tierschutz- und Jagdrechts, 2012) call for stronger weighting of animal welfare aspects in hunting practice, while Bütler (Praxis und Möglichkeiten der Revision des schweizerischen Jagdrechts, 2008) emphasises the functionality of hunting for species protection.\n\n**N. 11** **Game damage regulation**: The allocation of costs for game damage is disputed. Petitpierre-Sauvain (La chasse en Suisse, 1999, p. 350f.) criticises the inconsistent cantonal practice, while Nahrath («Governing Wildlife Resources»?, SPSR 1/2000, p. 145) advocates for stronger federal regulation.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 12** When issuing shooting orders for protected species, a comprehensive balancing of interests must be undertaken and documented. The principle of proportionality requires examination in terms of substance, location, time and personnel (**BGE 147 II 186 E. 4.3**).\n\n**N. 13** Rulings on individual shootings of protected species must be published or communicated to environmental protection organisations, as they trigger the right of organisational appeal (Judgment **2C_1176/2013**). Mere publication in hunting magazines does not suffice.\n\n**N. 14** In game damage regulation, a distinction must be made between damage to agricultural crops (compensation required) and infrastructure damage (compensation not required). Cantonal practice varies considerably, which is why the respective cantonal legislation must be carefully examined.\n\n**N. 15** The international dimension of species protection must be observed: the Aarhus Convention expands the procedural rights of environmental organisations. Cross-border populations (wolf, lynx) require coordination with neighbouring states.", "caselaw_en": "# Art. 79 BV\n\n## Case Law\n\n### Principles of Federal Competencies\n\n**BGE 147 II 186 E. 4.3** of 25 November 2020  \nFederal competencies in hunting and wildlife protection are comprehensive but not exclusive. Cantons remain responsible for legal matters that the Confederation has not definitively regulated.\n> «According to Art. 11 para. 5 JSG, hunting is prohibited in hunting reserves. However, cantonal enforcement authorities may permit the shooting of huntable animals if this is necessary for the protection of habitats, for the conservation of biodiversity, for game management, or for the prevention of excessive wildlife damage.»\n\n**Judgment 2C_1176/2013** of 17 April 2015  \nShooting orders for protected bird species are to be qualified as administrative decisions and trigger the right of appeal by associations. The federal task of animal and species protection under Art. 79 f. BV establishes comprehensive supervisory rights.\n> «The contested lower court judgment was rendered in application and interpretation of the JSG and thus concerns the fulfillment of a federal task (animal and species protection, Art. 79 f. BV).»\n\n### Species Protection and Individual Shootings\n\n**Judgment 2C 975/2015** of 31 March 2016  \nCost participation in wild boar damage: The federal law principles of Art. 79 BV are specified in cost allocation for wildlife damage. Cantons may oblige hunting associations to participate in costs.\nThe Federal Supreme Court confirmed cantonal competence for the implementation of principles established by the Confederation in the area of wildlife damage prevention.\n\n**Administrative Court St. Gallen B 2023/259** of 11 March 2024  \nWolf shooting in Weisstannental: The federal principles under Art. 79 BV enable preventive regulatory measures for biodiversity conservation even for protected species when significant damage is threatened.\n> «The quantitative and temporal requirements for ordering the shooting of an individual wolf as stipulated in the Ordinance on Hunting and the Protection of Wild-living Mammals and Birds are fulfilled.»\n\n**Federal Administrative Court A-6740/2023** of 27 November 2023  \nProactive wolf regulation in Graubünden: The federal principles under Art. 79 BV also justify proactive regulatory measures for wolf packs when ecological balance and biodiversity are endangered.\n\n### Right of Appeal by Associations and Procedural Guarantees\n\n**Judgment 2C_1176/2013** of 17 April 2015  \nEnvironmental associations have a comprehensive right of appeal against shooting orders based on Art. 12 NHG, as these concern the constitutional federal task of species protection under Art. 79 BV.\n> «The contested shooting orders are to be qualified as administrative decisions within the meaning of Art. 12 para. 1 NHG. They thus trigger the right of appeal by associations of the appellant and, as a correlate, an obligation to publish or notify.»\n\nThe Federal Supreme Court established that Art. 79 BV creates a federal task whose implementation is subject to judicial review.\n\n### Wildlife Damage Compensation\n\n**Higher Court Schaffhausen No. 60/2016/22** of 5 July 2016  \nWildlife damage to agricultural crops: The federal principles under Art. 79 BV are specified in the obligation to compensate for wildlife damage. Only damage to agricultural crops is compensable, not damage to infrastructure.\n> «Only damage that wild boar cause to forests, agricultural crops and livestock is compensable. Agricultural crops means agricultural cultivated plants.»\n\n### Hunting Reserves and Protected Areas\n\n**BGE 147 II 186 E. 4.1-4.3** of 25 November 2020  \nFederal principles for hunting reserves: In federal hunting reserves, hunting is prohibited, but individually and specifically ordered shootings may be permitted for biodiversity conservation.\n> «Such shooting may be permitted in a hunting reserve if it is necessary based on a balancing of all interests and proportionate overall. The measure must be designed not only in substantive, local and temporal terms but especially in personal terms, while respecting the protection objectives.»\n\n**Administrative Court Zurich VB.2014.00351** of 21 January 2015  \nBird strike prevention at airport: The federal principles under Art. 79 BV allow exceptions from protection of wild birds for overriding public interests. The canton is responsible for shootings of protected species at Zurich Airport.\n\n### Criminal Proceedings in Hunting Matters\n\n**Federal Supreme Court 6B 411/2016** of 7 June 2016  \nViolations of hunting regulations: The criminal provisions of cantonal hunting laws specify the federal principles under Art. 79 BV. Violations of hunting and animal protection provisions are cumulatively punished.\n\n**Higher Court Zurich SB230251** of 4 December 2023  \nAnimal cruelty and hunting offenses: Violations of hunting regulations may be punished with summary penalty orders and are to be distinguished from animal protection violations.\n\n### International Obligations\n\n**Judgment 2C_1176/2013** of 17 April 2015  \nAarhus Convention and right of appeal by associations: The federal principles under Art. 79 BV are to be interpreted taking into account international law obligations. The Aarhus Convention establishes extended supervisory rights for environmental associations.\n> «The contested orders for shooting protected birds may impair protection objectives within the meaning of Art. 1 NHG and are therefore subject to the conventional right of appeal by associations since the entry into force of the Aarhus Convention.»\n\n### Federal Division of Competencies\n\nCase law consistently confirms that Art. 79 BV grants the Confederation comprehensive but not exclusive competence. Cantons remain responsible for implementation and detailed regulation insofar as the Confederation has not enacted definitive norms. Courts strictly review compliance with federal minimum standards in species protection.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_79", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 80, "article_suffix": "", "title": "Tierschutz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 80 — Tierschutz\n\n## Übersicht\n\nArt. 80 BV regelt die Bundeskompetenz für den Tierschutz und stammt aus einer Volksinitiative von 1973 (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 1). Die Verfassung ermächtigt den Bund, Vorschriften zum Schutz der Tiere zu erlassen.\n\n**Absatz 1** verleiht dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz für den Tierschutz. Diese wurde durch das Tierschutzgesetz (TSchG) und die Tierschutzverordnung (TSchV) ausgeübt. Der Bund kann alle Aspekte des Tierschutzes regeln, nicht nur die in Absatz 2 genannten Bereiche.\n\n**Absatz 2** zählt wichtige Regelungsbereiche auf: Tierhaltung und -pflege, Tierversuche, Verwendung von Tieren, Einfuhr von Tieren, Tierhandel und -transport sowie das Töten von Tieren. Bei Tierversuchen muss zwischen dem Forschungsinteresse und dem Tierleid abgewogen werden (**BGE 135 II 384 E. 4.3**). Weder die Forschungsfreiheit noch der Tierschutz haben dabei Vorrang.\n\n**Absatz 3** überträgt den Vollzug der Tierschutzvorschriften grundsätzlich den Kantonen. Der Bund kann sich aber Vollzugskompetenzen vorbehalten, was er bei Tierversuchen und internationalem Handel getan hat.\n\nDie Verfassung schützt das Wohlergehen der Tiere, nicht aber ihr Leben (BBl 2003 674). Diese Position ist in der Lehre umstritten (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). Bei wiederholten Verstössen gegen Tierschutzvorschriften können die Kantone Tiere beschlagnahmen und unbefristete Tierhalteverbote aussprechen (Urteil 2C_122/2019 E. 3).\n\n**Beispiel**: Ein Landwirt hält seine Schweine unter schlechten Bedingungen. Der kantonale Veterinärdienst kann gestützt auf Art. 80 BV und das TSchG die Tiere beschlagnahmen und dem Halter ein Tierhalteverbot erteilen. Gleichzeitig kann der Halter strafrechtlich verfolgt werden.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 80 BV wurde in der Totalrevision von 1999 aus Art. 25bis aBV (eingefügt 1973) übernommen und systematisch präzisiert. Die Verfassungsinitiative «gegen Tierquälerei und für einen besseren Rechtsschutz der Tiere» hatte 1973 zur Aufnahme des Tierschutzes in die Bundesverfassung geführt (BBl 1972 II 1462). Der Bundesrat betonte bereits damals, dass der Tierschutz dem Tier vor ungerechtfertigten Verhaltensweisen des Menschen schützen solle, «durch die dem Tier Schmerzen, Leiden und körperliche Schäden zugefügt werden oder durch die es Angstzuständen ausgesetzt wird» (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 6).\n\n**N. 2** Die Totalrevision brachte eine Systematisierung der Kompetenzbereiche in Abs. 2 mit sich. Die exemplarische Aufzählung («insbesondere») unterstreicht die umfassende Bundeskompetenz bei gleichzeitiger Flexibilität für neue Regelungsbereiche (BBl 1997 I 233). Der Verzicht auf einen expliziten Lebensschutz der Tiere wurde in der Botschaft zum TSchG 2002 bestätigt: «Das Gesetz schützt die Würde und das Wohlergehen des Tieres, nicht aber sein Leben» (BBl 2003 674).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 80 BV steht im 4. Kapitel «Umwelt und Raumplanung» und bildet zusammen mit → Art. 79 BV (Fischerei und Jagd) und → Art. 120 Abs. 2 BV (Würde der Kreatur) das verfassungsrechtliche Fundament des Tier- und Artenschutzes. Die systematische Stellung zeigt den Doppelcharakter des Tierschutzes: als ethisch motivierter Schutz des individuellen Tieres und als Element des Umweltschutzes (Errass, ZBJV 2013, 190).\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu den Grundrechten ist komplex. Art. 80 BV begründet keine subjektiven Rechte der Tiere, sondern eine objektive Schutzpflicht des Staates (Michel, NuR 2012, 104). Bei der Umsetzung sind insbesondere → Art. 15 BV (Glaubens- und Gewissensfreiheit beim rituellen Schlachten), → Art. 20 BV (Wissenschaftsfreiheit bei Tierversuchen) und → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit bei der Tierhaltung) zu beachten. Die Kompetenzbestimmung des Art. 80 Abs. 2 lit. b BV über Tierversuche repräsentiert dabei eine bereits vom Verfassungsgeber vorgenommene Interessenabwägung zwischen Forschungsfreiheit und Tierschutz, bei der weder das eine noch das andere Interesse Vorrang hat (**BGE 135 II 384 E. 4.3**).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Umfassende Bundeskompetenz (Abs. 1)**: Der Bund verfügt über eine umfassende Gesetzgebungskompetenz im Tierschutz. Diese wurde durch das Tierschutzgesetz (TSchG) und die Tierschutzverordnung (TSchV) ausgeübt. Die Kompetenz ist nicht auf die in Abs. 2 genannten Bereiche beschränkt («insbesondere»), sondern erlaubt dem Bund, alle Aspekte des Tierschutzes zu regeln (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 17).\n\n**N. 6** **Besondere Regelungsbereiche (Abs. 2)**: Die exemplarische Aufzählung umfasst:\n- **lit. a**: Tierhaltung und Tierpflege — erfasst alle Formen der Obhut über Tiere, von der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung bis zur privaten Heimtierhaltung (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 20)\n- **lit. b**: Tierversuche und Eingriffe — unterliegt einer strengen Güterabwägung zwischen Forschungsinteresse und Tierschutz (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 22)\n- **lit. c**: Verwendung von Tieren — umfasst Arbeitstiere, Sport und Unterhaltung (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 25)\n- **lit. d**: Einfuhr — ermöglicht Importbeschränkungen aus Tierschutzgründen (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 26)\n- **lit. e**: Handel und Transport — zielt auf den Schutz während der Vermarktung (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 29)\n- **lit. f**: Töten von Tieren — regelt die tierschutzgerechte Tötung (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 32)\n\n**N. 7** **Kantonaler Vollzug (Abs. 3)**: Die Vollzugskompetenz liegt grundsätzlich bei den Kantonen. Der Bund kann sich aber Vollzugskompetenzen vorbehalten, was er insbesondere bei der Bewilligung von Tierversuchen (Art. 18 TSchG) und beim internationalen Handel getan hat (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 36).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** **Gesetzgebungspflicht**: Art. 80 Abs. 1 BV begründet einen Verfassungsauftrag an den Bundesgesetzgeber. Dieser wurde durch das TSchG vom 16. Dezember 2005 erfüllt. Der Auftrag ist dynamisch zu verstehen und erfordert Anpassungen an neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Tierwohl (Urteil 2C_541/2023 vom 26.11.2024).\n\n**N. 9** **Kompetenzausscheidung**: Die umfassende Bundeskompetenz verdrängt kantonales Recht im geregelten Bereich. Den Kantonen verbleiben nur Kompetenzen, soweit das Bundesrecht Raum lässt oder sie ausdrücklich ermächtigt (Art. 49 BV). Eine wichtige Ausnahme bilden sicherheitspolizeilich motivierte Regelungen zum Schutz des Menschen vor gefährlichen Tieren, die in kantonaler Kompetenz verbleiben (**BGE 136 I 1 E. 3**).\n\n**N. 10** **Vollzugspflichten**: Die Kantone sind verpflichtet, die bundesrechtlichen Tierschutzvorschriften zu vollziehen und angemessene Organisationsstrukturen zu schaffen (Art. 46 BV). Bei wiederholten Verstössen müssen sie konsequent einschreiten, bis hin zu unbefristeten Tierhalteverboten (Urteil 2C_122/2019 E. 3).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Lebensschutz der Tiere**: Die zentrale Kontroverse betrifft den fehlenden Lebensschutz im Tierschutzrecht. Während der Bundesgesetzgeber in der Botschaft zum TSchG 2002 festhält, dass «das Gesetz die Würde und das Wohlergehen des Tieres, nicht aber sein Leben» schützt (BBl 2003 674), kritisieren Rippe/Michel/Bolliger/Richner/Rüttimann/Gehrig diese Position als «höchst problematisch» und sehen darin einen «unauflösbaren Wertungswiderspruch» zur Anerkennung der Tierwürde (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). Rippe argumentiert, dass ein konsequenter Würdeschutz auch einen Lebensschutz umfassen müsse (Rippe, Ein Lebensschutz für Tiere?, 2012, 98).\n\n**N. 12** **Reichweite der Bundeskompetenz**: Umstritten ist, ob Art. 80 BV dem Bund auch erlaubt, ethisch motivierte Einfuhrverbote zu erlassen. Goetschel bejaht dies mit Verweis auf den umfassenden Charakter der Kompetenz (Goetschel, Tierschutz und Grundrechte, 1989, 156). Bolliger sieht hingegen WTO-rechtliche Grenzen für produktbezogene Importverbote (Bolliger, Europäisches Tierschutzrecht, 2000, 234).\n\n**N. 13** **Verhältnis zur Würde der Kreatur**: Die Tragweite des Begriffs «Würde der Kreatur» (→ Art. 120 Abs. 2 BV) für den Tierschutz ist kontrovers. Praetorius/Saladin verstehen darunter einen Eigenwert der Tiere unabhängig vom menschlichen Nutzen (Die Würde der Kreatur, 1996, 45). Michel sieht in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Tendenz zur Instrumentalisierung des Würdebegriffs für anthropozentrische Zwecke (Michel, NuR 2012, 108).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** **Bewilligungsverfahren**: Bei Tierversuchen ist die konkrete Güterabwägung zwischen Forschungsinteresse und Tierleid zentral. Das Bundesgericht verlangt eine detaillierte Begründung, weshalb der erwartete Erkenntnisgewinn die Belastung der Tiere rechtfertigt. Bei Primatenversuchen sind die Anforderungen besonders hoch (**BGE 135 II 405 E. 4.3**).\n\n**N. 15** **Vollzugsmassnahmen**: Tierhaltende müssen mit einschneidenden Massnahmen rechnen, wenn sie wiederholt gegen Tierschutzvorschriften verstossen. Die Behörden können gestützt auf Art. 23 TSchG Tiere beschlagnahmen und Halteverbote aussprechen. Die Verhältnismässigkeit ist dabei sorgfältig zu prüfen, insbesondere bei unbefristeten Verboten (Urteil 2C_576/2021 E. 4).\n\n**N. 16** **Abgrenzung kantonaler Kompetenzen**: Kantone dürfen weiterhin sicherheitspolizeiliche Vorschriften erlassen, etwa Leinenpflichten oder Rasseverbote für gefährliche Hunde. Die Grenze zur bundesrechtlich geregelten Materie verläuft dort, wo es primär um den Schutz der Tiere selbst und nicht um den Schutz von Menschen geht (**BGE 136 I 1 E. 3**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Tierversuche\n\n**BGE 135 II 384 E. 4.3-4.6** (7. Oktober 2009): Tierversuche mit nicht-menschlichen Primaten\nDie verfassungsrechtliche Kompetenzbestimmung des Art. 80 Abs. 2 lit. b BV über Tierversuche repräsentiert eine bereits vom Gesetzgeber vorgenommene Interessenabwägung zwischen Forschungsfreiheit und Tierschutz, bei der weder das eine noch das andere Interesse Vorrang hat. Die Verwaltung muss diese Interessenabwägung im Einzelfall vornehmen.\n\n> «Die Vorschriften über Tierversuche sind Ausdruck sowohl der Forschungsfreiheit (Art. 20 BV) als auch des Verfassungsinteresses des Tierschutzes (Art. 80 Abs. 2 lit. b BV). [...] Deshalb wurde der Verwaltung die Aufgabe übertragen, diese Interessenabwägung vorzunehmen. Dabei hat weder die Forschungsfreiheit noch der Tierschutz Vorrang. Vielmehr sind beide gleichrangig.»\n\n**BGE 135 II 405 E. 4.3** (7. Oktober 2009): Interessenabwägung bei Tierversuchen\nArt. 80 Abs. 2 lit. b BV verlangt stets eine konkrete Interessenabwägung zwischen dem angestrebten Erkenntnisgewinn und den Schmerzen und Leiden der Tiere. Bei nicht-menschlichen Primaten ist deren besondere Nähe zum Menschen und die Würde der Kreatur zu berücksichtigen.\n\n> «Art. 61 Abs. 3 lit. d aTSchV verlangt für die Zulässigkeit eines Tierversuchs eine Interessenabwägung zwischen dem angestrebten Erkenntnisgewinn sowie den damit verbundenen Schmerzen und Leiden. [...] Bei der Interessenabwägung sind die besondere Nähe der nicht-menschlichen Primaten zum Menschen und die Würde der Kreatur zu berücksichtigen.»\n\n### Hundehaltung und Zuchtvorschriften\n\n**BGE 136 I 1 E. 3** (13. Januar 2010): Kantonale Zuständigkeit für sicherheitspolizeiliche Hunderegelungen\nDie Kantone sind gestützt auf ihre Polizeihoheit berechtigt, sicherheitspolizeilich motivierte Zuchtvorschriften für Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial zu erlassen. Art. 80 BV steht dem nicht entgegen, da der Bund seine Kompetenz auf den Schutz der Tiere als solche beschränkt.\n\n> «Die Kompetenz zum Erlass von Vorschriften zum unmittelbaren Schutz des Menschen vor gefährlichen Hunden fällt in den Zuständigkeitsbereich der Kantone.»\n\n**BGE 136 I 1 E. 4** (13. Januar 2010): Rassetypen als Differenzierungskriterium\nKantonale Vorschriften, die sich zur Regelung von Erwerbs-, Zucht- und Zuzugsverboten von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial auf Rassetypen abstützen, verletzen das Rechtsgleichheitsgebot nicht. Den Kantonen kommt in diesem Bereich ein weiter Gestaltungsspielraum zu.\n\n> «Kantonale Vorschriften, welche sich zur Regelung eines Erwerbs-, Zucht- und Zuzugsverbots von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial auf Rassetypen abstützen, verletzen das Rechtsgleichheitsgebot nicht.»\n\n### Tierhaltung und Tierschutzvollzug\n\n**Urteil 2C_122/2019 E. 3** (6. Juni 2019): Tierhalteverbot bei wiederholten Verstössen\nBei wiederholten Verstössen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen kann ein unbefristetes Tierhalteverbot verhängt werden. Die Kantone sind für den Vollzug der Tierschutzvorschriften zuständig und müssen angemessene Vollzugsmassnahmen ergreifen.\n\n> «Bei wiederholten Widerhandlungen gegen gesetzliche Vorschriften und amtliche Verfügungen kann ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit rechtmässig sein.»\n\n**Urteil 2C_576/2021 E. 4** (8. September 2022): Beschlagnahme und Tierhalteverbot\nDie Beschlagnahme von Tieren und die Anordnung eines Tierhalteverbots sind schwere Eingriffe in die Eigentumsgarantie und Wirtschaftsfreiheit, die nur bei erheblichen Mängeln in der Tierhaltung gerechtfertigt sind. Die Verhältnismässigkeit ist streng zu prüfen.\n\n> «Die Beschlagnahme von Tieren stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die verfassungsrechtlich garantierte Eigentumsfreiheit dar und ist nur bei Vorliegen gewichtiger öffentlicher Interessen zulässig.»\n\n### Zucht und Qualzucht\n\n**Urteil 7H 19 141 (Kantonsgericht Luzern)** (25. März 2020): Zuchtverbot bei genetischer Belastung\nEin Zuchtverbot wegen nachteiliger Vererbung ist nur bei erheblicher genetischer Belastung anzuordnen. Als Variante des Tierhalteverbots ist das Zuchtverbot bei Unfähigkeit des Halters zulässig, wenn nur so eine tierschutzkonforme Haltung gewährleistet werden kann.\n\n> «Ein Zuchtverbot wegen nachteiliger Vererbung ist nur bei erheblicher genetischer Belastung anzuordnen.»\n\n### Vollzugsorganisation\n\n**Urteil 2C_958/2014** (31. März 2015): Kantonaler Vollzug von Bundesrecht\nDie Kantone sind grundsätzlich für den Vollzug der Tierschutzbestimmungen zuständig, soweit der Bund sich nicht ausdrücklich Vollzugskompetenzen vorbehalten hat. Sie müssen dabei die Vorgaben des Bundesrechts einhalten und angemessene Organisationsstrukturen schaffen.\n\n> «Für den Vollzug der Vorschriften sind die Kantone zuständig, soweit das Gesetz ihn nicht dem Bund vorbehält.»\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\n**Urteil 2C_541/2023** (26. November 2024): Aktuelle Vollzugspraxis\nDie neuere Rechtsprechung zeigt eine verstärkte Betonung des Tierwohls bei der Auslegung der Tierschutzbestimmungen. Die Vollzugsbehörden sind gehalten, die Entwicklungen in der Tierhaltung und neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Tierwohl in ihre Entscheidungen einzubeziehen.\n\n> «Der Tierschutz ist ein dynamisches Rechtsgebiet, das sich mit den gesellschaftlichen Vorstellungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterentwickelt.»", "summary_fr": "# Art. 80 — Protection des animaux\n\n## Aperçu\n\nL'art. 80 Cst. règle la compétence fédérale en matière de protection des animaux et provient d'une initiative populaire de 1973 (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 1). La Constitution habilite la Confédération à édicter des prescriptions pour la protection des animaux.\n\n**L'alinéa 1** confère à la Confédération une compétence législative étendue en matière de protection des animaux. Cette compétence a été exercée par la loi sur la protection des animaux (LPA) et l'ordonnance sur la protection des animaux (OPAn). La Confédération peut réglementer tous les aspects de la protection des animaux, et non seulement les domaines mentionnés à l'alinéa 2.\n\n**L'alinéa 2** énumère d'importants domaines de réglementation : la détention et les soins des animaux, les expériences sur animaux, l'utilisation d'animaux, l'importation d'animaux, le commerce et le transport d'animaux ainsi que la mise à mort d'animaux. Dans le cas d'expériences sur animaux, il faut procéder à une pesée des intérêts entre l'intérêt de la recherche et la souffrance animale (**ATF 135 II 384 consid. 4.3**). Ni la liberté de la recherche ni la protection des animaux n'ont de priorité à cet égard.\n\n**L'alinéa 3** confie en principe l'exécution des prescriptions sur la protection des animaux aux cantons. La Confédération peut toutefois se réserver des compétences d'exécution, ce qu'elle a fait pour les expériences sur animaux et le commerce international.\n\nLa Constitution protège le bien-être des animaux, mais pas leur vie (FF 2003 674). Cette position est controversée dans la doctrine (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). En cas d'infractions répétées aux prescriptions sur la protection des animaux, les cantons peuvent confisquer les animaux et prononcer des interdictions de détenir des animaux de durée indéterminée (arrêt 2C_122/2019 consid. 3).\n\n**Exemple** : Un agriculteur détient ses porcs dans de mauvaises conditions. Le service vétérinaire cantonal peut, en se fondant sur l'art. 80 Cst. et la LPA, confisquer les animaux et prononcer une interdiction de détenir des animaux à l'encontre du détenteur. Parallèlement, le détenteur peut faire l'objet de poursuites pénales.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 80 Cst. a été repris lors de la révision totale de 1999 de l'art. 25bis aCst. (introduit en 1973) et précisé de manière systématique. L'initiative constitutionnelle « contre les mauvais traitements envers les animaux et pour un meilleur statut juridique de l'animal » avait conduit en 1973 à l'inscription de la protection des animaux dans la Constitution fédérale (FF 1972 II 1333). Le Conseil fédéral soulignait déjà à l'époque que la protection des animaux devait protéger l'animal contre les comportements injustifiés de l'homme, « qui causent à l'animal des douleurs, des souffrances et des dommages corporels ou qui l'exposent à des états d'angoisse » (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 6).\n\n**N. 2** La révision totale a apporté une systématisation des domaines de compétence à l'al. 2. L'énumération exemplaire (« notamment ») souligne la compétence fédérale étendue tout en préservant la flexibilité pour de nouveaux domaines de réglementation (FF 1997 I 233). Le renoncement à une protection explicite de la vie des animaux a été confirmé dans le message relatif à la LPA 2002 : « La loi protège la dignité et le bien-être de l'animal, mais non sa vie » (FF 2003 644).\n\n### 2. Positionnement systématique\n\n**N. 3** L'art. 80 Cst. figure dans le 4e chapitre « Environnement et aménagement du territoire » et forme, avec → l'art. 79 Cst. (pêche et chasse) et → l'art. 120 al. 2 Cst. (dignité de la créature), le fondement constitutionnel de la protection des animaux et des espèces. La position systématique montre le double caractère de la protection des animaux : comme protection éthiquement motivée de l'animal individuel et comme élément de la protection de l'environnement (Errass, ZBJV 2013, 190).\n\n**N. 4** Les rapports avec les droits fondamentaux sont complexes. L'art. 80 Cst. ne fonde aucun droit subjectif des animaux, mais un devoir objectif de protection de l'État (Michel, NuR 2012, 104). Lors de la mise en œuvre, il faut tenir compte notamment de → l'art. 15 Cst. (liberté de croyance et de conscience lors de l'abattage rituel), → l'art. 20 Cst. (liberté de la science lors d'expériences sur animaux) et → l'art. 27 Cst. (liberté économique lors de la détention d'animaux). La disposition de compétence de l'art. 80 al. 2 let. b Cst. relative aux expériences sur animaux représente une pesée des intérêts déjà opérée par le constituant entre liberté de la recherche et protection des animaux, dans laquelle aucun des deux intérêts n'a la primauté (**ATF 135 II 384 c. 4.3**).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Compétence fédérale étendue (al. 1)** : La Confédération dispose d'une compétence législative étendue en matière de protection des animaux. Celle-ci a été exercée par la loi sur la protection des animaux (LPA) et l'ordonnance sur la protection des animaux (OPAn). La compétence n'est pas limitée aux domaines mentionnés à l'al. 2 (« notamment »), mais permet à la Confédération de régler tous les aspects de la protection des animaux (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 17).\n\n**N. 6** **Domaines de réglementation particuliers (al. 2)** : L'énumération exemplaire comprend :\n- **let. a** : détention et soins — couvre toutes les formes de garde d'animaux, de l'élevage agricole d'animaux de rente à la détention privée d'animaux de compagnie (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 20)\n- **let. b** : expériences sur animaux et atteintes — soumise à une pesée stricte des biens entre intérêt de la recherche et protection des animaux (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 22)\n- **let. c** : utilisation d'animaux — comprend les animaux de travail, le sport et le divertissement (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 25)\n- **let. d** : importation — permet des restrictions d'importation pour des raisons de protection des animaux (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 26)\n- **let. e** : commerce et transport — vise la protection durant la commercialisation (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 29)\n- **let. f** : mise à mort d'animaux — règle la mise à mort conforme à la protection des animaux (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 32)\n\n**N. 7** **Exécution cantonale (al. 3)** : La compétence d'exécution incombe en principe aux cantons. La Confédération peut toutefois se réserver des compétences d'exécution, ce qu'elle a fait notamment pour l'autorisation d'expériences sur animaux (art. 18 LPA) et pour le commerce international (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 36).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** **Obligation de légiférer** : L'art. 80 al. 1 Cst. fonde un mandat constitutionnel au législateur fédéral. Celui-ci a été rempli par la LPA du 16 décembre 2005. Le mandat doit être compris de manière dynamique et requiert des adaptations aux nouvelles connaissances scientifiques sur le bien-être animal (arrêt 2C_541/2023 du 26.11.2024).\n\n**N. 9** **Répartition des compétences** : La compétence fédérale étendue exclut le droit cantonal dans le domaine réglé. Il ne reste aux cantons que des compétences dans la mesure où le droit fédéral laisse de la place ou les habilite expressément (art. 49 Cst.). Une exception importante concerne les réglementations de police de sûreté motivées par la protection de l'homme contre les animaux dangereux, qui demeurent de compétence cantonale (**ATF 136 I 1 c. 3**).\n\n**N. 10** **Obligations d'exécution** : Les cantons sont tenus d'exécuter les prescriptions fédérales de protection des animaux et de créer des structures organisationnelles appropriées (art. 46 Cst.). En cas de violations répétées, ils doivent intervenir de manière conséquente, jusqu'à prononcer des interdictions de détenir des animaux à durée indéterminée (arrêt 2C_122/2019 c. 3).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 11** **Protection de la vie des animaux** : La controverse centrale concerne l'absence de protection de la vie dans le droit de protection des animaux. Alors que le législateur fédéral retient dans le message relatif à la LPA 2002 que « la loi protège la dignité et le bien-être de l'animal, mais non sa vie » (FF 2003 644), Rippe/Michel/Bolliger/Richner/Rüttimann/Gehrig critiquent cette position comme « hautement problématique » et y voient une « contradiction d'évaluation insoluble » avec la reconnaissance de la dignité de l'animal (Schärmeli/Griffel, BSK BV, art. 80 n. 43). Rippe argumente qu'une protection conséquente de la dignité devrait aussi comprendre une protection de la vie (Rippe, Ein Lebensschutz für Tiere?, 2012, 98).\n\n**N. 12** **Portée de la compétence fédérale** : Il est controversé de savoir si l'art. 80 Cst. permet aussi à la Confédération d'édicter des interdictions d'importation motivées par l'éthique. Goetschel l'affirme en se référant au caractère étendu de la compétence (Goetschel, Tierschutz und Grundrechte, 1989, 156). Bolliger voit en revanche des limites du droit OMC pour les interdictions d'importation liées aux produits (Bolliger, Europäisches Tierschutzrecht, 2000, 234).\n\n**N. 13** **Rapport à la dignité de la créature** : La portée de la notion de « dignité de la créature » (→ art. 120 al. 2 Cst.) pour la protection des animaux est controversée. Praetorius/Saladin y voient une valeur propre des animaux indépendante de l'utilité humaine (Die Würde der Kreatur, 1996, 45). Michel voit dans la jurisprudence du Tribunal fédéral une tendance à l'instrumentalisation de la notion de dignité à des fins anthropocentriques (Michel, NuR 2012, 108).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** **Procédure d'autorisation** : Pour les expériences sur animaux, la pesée concrète des biens entre intérêt de la recherche et souffrance animale est centrale. Le Tribunal fédéral exige une justification détaillée expliquant pourquoi le gain de connaissance attendu justifie la charge pour les animaux. Pour les expériences sur primates, les exigences sont particulièrement élevées (**ATF 135 II 405 c. 4.3**).\n\n**N. 15** **Mesures d'exécution** : Les détenteurs d'animaux doivent s'attendre à des mesures drastiques s'ils violent de manière répétée les prescriptions de protection des animaux. Les autorités peuvent, sur la base de l'art. 23 LPA, séquestrer des animaux et prononcer des interdictions de détention. La proportionnalité doit être examinée avec soin, en particulier pour les interdictions à durée indéterminée (arrêt 2C_576/2021 c. 4).\n\n**N. 16** **Délimitation des compétences cantonales** : Les cantons peuvent continuer à édicter des prescriptions de police de sûreté, par exemple l'obligation de tenir en laisse ou l'interdiction de certaines races de chiens dangereux. La frontière avec la matière réglée par le droit fédéral passe là où il s'agit principalement de protéger les animaux eux-mêmes et non de protéger les humains (**ATF 136 I 1 c. 3**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Expérimentation animale\n\n**ATF 135 II 384 c. 4.3-4.6** (7 octobre 2009): Expérimentations animales avec des primates non humains\nLa compétence constitutionnelle de l'art. 80 al. 2 let. b Cst. concernant l'expérimentation animale représente une pesée d'intérêts déjà effectuée par le législateur entre la liberté de la recherche et la protection des animaux, dans laquelle ni l'un ni l'autre intérêt n'a la priorité. L'administration doit effectuer cette pesée d'intérêts dans le cas d'espèce.\n\n> «Les dispositions relatives à l'expérimentation animale sont l'expression à la fois de la liberté de la recherche (art. 20 Cst.) et de l'intérêt constitutionnel de protection des animaux (art. 80 al. 2 let. b Cst.). [...] C'est pourquoi l'administration s'est vu confier la tâche d'effectuer cette pesée d'intérêts. Ce faisant, ni la liberté de la recherche ni la protection des animaux n'a la priorité. Elles sont plutôt de rang égal.»\n\n**ATF 135 II 405 c. 4.3** (7 octobre 2009): Pesée d'intérêts dans l'expérimentation animale\nL'art. 80 al. 2 let. b Cst. exige toujours une pesée d'intérêts concrète entre le gain de connaissances visé et les douleurs et souffrances des animaux. Pour les primates non humains, leur proximité particulière avec l'homme et la dignité de la créature doivent être prises en compte.\n\n> «L'art. 61 al. 3 let. d aOPAn exige pour l'admissibilité d'une expérimentation animale une pesée d'intérêts entre le gain de connaissances visé ainsi que les douleurs et souffrances qui y sont liées. [...] Dans la pesée d'intérêts, la proximité particulière des primates non humains avec l'homme et la dignité de la créature doivent être prises en compte.»\n\n### Détention de chiens et prescriptions d'élevage\n\n**ATF 136 I 1 c. 3** (13 janvier 2010): Compétence cantonale pour les réglementations relatives aux chiens motivées par la police de sûreté\nLes cantons sont autorisés, sur la base de leur pouvoir de police, à édicter des prescriptions d'élevage motivées par la police de sûreté pour les chiens présentant un potentiel de danger accru. L'art. 80 Cst. ne s'y oppose pas, car la Confédération limite sa compétence à la protection des animaux en tant que tels.\n\n> «La compétence d'édicter des dispositions pour la protection immédiate de l'homme contre les chiens dangereux relève du domaine de compétence des cantons.»\n\n**ATF 136 I 1 c. 4** (13 janvier 2010): Types de races comme critère de différenciation\nLes dispositions cantonales qui s'appuient sur les types de races pour régler les interdictions d'acquisition, d'élevage et d'importation de chiens présentant un potentiel de danger accru ne violent pas le principe d'égalité de traitement. Les cantons disposent d'une large marge d'appréciation dans ce domaine.\n\n> «Les dispositions cantonales qui s'appuient sur les types de races pour régler une interdiction d'acquisition, d'élevage et d'importation de chiens présentant un potentiel de danger accru ne violent pas le principe d'égalité de traitement.»\n\n### Détention d'animaux et exécution de la protection des animaux\n\n**Arrêt 2C_122/2019 c. 3** (6 juin 2019): Interdiction de détenir des animaux en cas d'infractions répétées\nEn cas d'infractions répétées aux dispositions de protection des animaux, une interdiction de détenir des animaux peut être prononcée pour une durée indéterminée. Les cantons sont compétents pour l'exécution des dispositions de protection des animaux et doivent prendre des mesures d'exécution appropriées.\n\n> «En cas de contraventions répétées aux dispositions légales et aux décisions officielles, une interdiction de détenir des animaux pour une durée indéterminée peut être légale.»\n\n**Arrêt 2C_576/2021 c. 4** (8 septembre 2022): Confiscation et interdiction de détenir des animaux\nLa confiscation d'animaux et l'ordonnance d'une interdiction de détenir des animaux constituent de graves atteintes à la garantie de la propriété et à la liberté économique, qui ne sont justifiées qu'en cas de défauts importants dans la détention d'animaux. La proportionnalité doit être examinée strictement.\n\n> «La confiscation d'animaux constitue une atteinte grave à la liberté de propriété garantie par la constitution et n'est admissible qu'en présence d'intérêts publics importants.»\n\n### Élevage et élevage de torture\n\n**Arrêt 7H 19 141 (Tribunal cantonal de Lucerne)** (25 mars 2020): Interdiction d'élevage en cas de charge génétique\nUne interdiction d'élevage pour hérédité défavorable ne doit être ordonnée qu'en cas de charge génétique importante. En tant que variante de l'interdiction de détenir des animaux, l'interdiction d'élevage est admissible en cas d'incapacité du détenteur, si c'est le seul moyen de garantir une détention conforme à la protection des animaux.\n\n> «Une interdiction d'élevage pour hérédité défavorable ne doit être ordonnée qu'en cas de charge génétique importante.»\n\n### Organisation de l'exécution\n\n**Arrêt 2C_958/2014** (31 mars 2015): Exécution cantonale du droit fédéral\nLes cantons sont en principe compétents pour l'exécution des dispositions de protection des animaux, dans la mesure où la Confédération ne s'est pas expressément réservé des compétences d'exécution. Ils doivent respecter les exigences du droit fédéral et créer des structures organisationnelles appropriées.\n\n> «L'exécution des dispositions incombe aux cantons, dans la mesure où la loi ne la réserve pas à la Confédération.»\n\n### Développements récents\n\n**Arrêt 2C_541/2023** (26 novembre 2024): Pratique actuelle d'exécution\nLa jurisprudence plus récente montre un accent renforcé sur le bien-être animal dans l'interprétation des dispositions de protection des animaux. Les autorités d'exécution sont tenues d'intégrer dans leurs décisions les développements dans la détention d'animaux et les nouvelles connaissances scientifiques sur le bien-être animal.\n\n> «La protection des animaux est un domaine juridique dynamique qui évolue avec les conceptions sociétales et les connaissances scientifiques.»", "summary_it": "# Art. 80 — Protezione degli animali\n\n## Panoramica\n\nL'art. 80 Cost. disciplina la competenza federale per la protezione degli animali e deriva da un'iniziativa popolare del 1973 (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 1). La Costituzione autorizza la Confederazione a emanare prescrizioni per la protezione degli animali.\n\n**Il capoverso 1** conferisce alla Confederazione una competenza legislativa completa per la protezione degli animali. Tale competenza è stata esercitata mediante la Legge sulla protezione degli animali (LPAn) e l'Ordinanza sulla protezione degli animali (OPAn). La Confederazione può disciplinare tutti gli aspetti della protezione degli animali, non solo gli ambiti menzionati al capoverso 2.\n\n**Il capoverso 2** elenca importanti ambiti di regolamentazione: detenzione e cura degli animali, esperimenti sugli animali, impiego di animali, importazione di animali, commercio e trasporto di animali nonché uccisione di animali. Per quanto concerne gli esperimenti sugli animali, occorre ponderare tra l'interesse della ricerca e la sofferenza dell'animale (**DTF 135 II 384 consid. 4.3**). Né la libertà della ricerca né la protezione degli animali hanno la precedenza.\n\n**Il capoverso 3** trasferisce l'esecuzione delle prescrizioni sulla protezione degli animali in linea di principio ai Cantoni. La Confederazione può tuttavia riservarsi competenze esecutive, come ha fatto per gli esperimenti sugli animali e il commercio internazionale.\n\nLa Costituzione protegge il benessere degli animali, ma non la loro vita (FF 2003 623). Questa posizione è controversa in dottrina (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). In caso di violazioni ripetute delle prescrizioni sulla protezione degli animali, i Cantoni possono sequestrare gli animali e pronunciare divieti di detenzione di durata illimitata (sentenza 2C_122/2019 consid. 3).\n\n**Esempio**: Un agricoltore detiene i suoi maiali in cattive condizioni. Il servizio veterinario cantonale può, basandosi sull'art. 80 Cost. e sulla LPAn, sequestrare gli animali e imporre al detentore un divieto di detenzione di animali. Al contempo, il detentore può essere perseguito penalmente.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 80 Cost. è stato ripreso nell'ambito della revisione totale del 1999 dall'art. 25bis vCost. (inserito nel 1973) e precisato sistematicamente. L'iniziativa popolare «contro i maltrattamenti di animali e per una migliore protezione giuridica degli animali» aveva portato nel 1973 all'inserimento della protezione degli animali nella Costituzione federale (FF 1972 II 1462). Il Consiglio federale sottolineò già allora che la protezione degli animali doveva proteggere l'animale dai comportamenti ingiustificati dell'uomo, «mediante i quali vengono inflitti all'animale dolori, sofferenze e danni fisici o mediante i quali viene esposto a stati d'angoscia» (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 6).\n\n**N. 2** La revisione totale ha comportato una sistematizzazione degli ambiti di competenza al cpv. 2. L'enumerazione esemplificativa («in particolare») sottolinea l'ampia competenza federale pur mantenendo la flessibilità per nuovi ambiti di regolamentazione (FF 1997 I 233). La rinuncia a una protezione esplicita della vita degli animali è stata confermata nel messaggio sulla LPAn del 2002: «La legge protegge la dignità e il benessere dell'animale, ma non la sua vita» (FF 2003 674).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 80 Cost. si trova nel 4° capitolo «Ambiente e pianificazione del territorio» e costituisce insieme al → art. 79 Cost. (pesca e caccia) e al → art. 120 cpv. 2 Cost. (dignità della creatura) il fondamento costituzionale della protezione degli animali e delle specie. La collocazione sistematica mostra il duplice carattere della protezione degli animali: come protezione eticamente motivata dell'animale individuale e come elemento della protezione dell'ambiente (Errass, ZBJV 2013, 190).\n\n**N. 4** Il rapporto con i diritti fondamentali è complesso. L'art. 80 Cost. non fonda diritti soggettivi degli animali, bensì un obbligo oggettivo di protezione da parte dello Stato (Michel, NuR 2012, 104). Nell'attuazione devono essere considerati in particolare il → art. 15 Cost. (libertà di credo e di coscienza nella macellazione rituale), il → art. 20 Cost. (libertà della scienza negli esperimenti su animali) e il → art. 27 Cost. (libertà economica nella detenzione di animali). La norma di competenza dell'art. 80 cpv. 2 lett. b Cost. sugli esperimenti su animali rappresenta una ponderazione degli interessi già effettuata dal costituente tra libertà di ricerca e protezione degli animali, nella quale né l'uno né l'altro interesse ha la precedenza (**DTF 135 II 384 consid. 4.3**).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Competenza federale completa (cpv. 1)**: La Confederazione dispone di una competenza legislativa completa nella protezione degli animali. Questa è stata esercitata attraverso la legge sulla protezione degli animali (LPAn) e l'ordinanza sulla protezione degli animali (OPAn). La competenza non si limita agli ambiti menzionati al cpv. 2 («in particolare»), ma permette alla Confederazione di regolamentare tutti gli aspetti della protezione degli animali (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 17).\n\n**N. 6** **Ambiti di regolamentazione speciali (cpv. 2)**: L'enumerazione esemplificativa comprende:\n- **lett. a**: detenzione e cura degli animali — comprende tutte le forme di custodia degli animali, dall'allevamento agricolo di animali da reddito alla detenzione privata di animali domestici (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 20)\n- **lett. b**: esperimenti su animali e interventi — è sottoposta a una rigorosa ponderazione di beni tra interesse della ricerca e protezione degli animali (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 22)\n- **lett. c**: utilizzazione di animali — comprende animali da lavoro, sport e intrattenimento (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 25)\n- **lett. d**: importazione — permette restrizioni all'importazione per motivi di protezione degli animali (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 26)\n- **lett. e**: commercio e trasporto — mira alla protezione durante la commercializzazione (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 29)\n- **lett. f**: uccisione di animali — regola l'uccisione conforme alla protezione degli animali (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 32)\n\n**N. 7** **Esecuzione cantonale (cpv. 3)**: La competenza esecutiva spetta di principio ai Cantoni. La Confederazione può tuttavia riservarsi competenze esecutive, cosa che ha fatto in particolare per l'autorizzazione di esperimenti su animali (art. 18 LPAn) e per il commercio internazionale (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 36).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** **Obbligo legislativo**: L'art. 80 cpv. 1 Cost. fonda un mandato costituzionale al legislatore federale. Questo è stato adempiuto con la LPAn del 16 dicembre 2005. Il mandato va inteso in modo dinamico e richiede adeguamenti alle nuove conoscenze scientifiche sul benessere degli animali (sentenza 2C_541/2023 del 26.11.2024).\n\n**N. 9** **Ripartizione delle competenze**: L'ampia competenza federale sostituisce il diritto cantonale nell'ambito regolamentato. Ai Cantoni rimangono solo competenze nella misura in cui il diritto federale lascia spazio o li autorizza espressamente (art. 49 Cost.). Un'importante eccezione costituiscono le regolamentazioni motivate dalla polizia di sicurezza per la protezione dell'uomo dagli animali pericolosi, che rimangono di competenza cantonale (**DTF 136 I 1 consid. 3**).\n\n**N. 10** **Obblighi di esecuzione**: I Cantoni sono obbligati ad eseguire le prescrizioni federali di protezione degli animali e a creare strutture organizzative adeguate (art. 46 Cost.). In caso di violazioni ripetute devono intervenire in modo coerente, fino ai divieti di detenzione a tempo indeterminato (sentenza 2C_122/2019 consid. 3).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** **Protezione della vita degli animali**: La controversia centrale riguarda la mancante protezione della vita nel diritto della protezione degli animali. Mentre il legislatore federale nel messaggio sulla LPAn del 2002 stabilisce che «la legge protegge la dignità e il benessere dell'animale, ma non la sua vita» (FF 2003 674), Rippe/Michel/Bolliger/Richner/Rüttimann/Gehrig criticano questa posizione come «altamente problematica» e vi vedono una «contraddizione di valutazione irrisolvibile» con il riconoscimento della dignità degli animali (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). Rippe argomenta che una protezione coerente della dignità dovrebbe comprendere anche una protezione della vita (Rippe, Ein Lebensschutz für Tiere?, 2012, 98).\n\n**N. 12** **Portata della competenza federale**: È controverso se l'art. 80 Cost. permetta alla Confederazione di emanare anche divieti di importazione eticamente motivati. Goetschel lo afferma con riferimento al carattere completo della competenza (Goetschel, Tierschutz und Grundrechte, 1989, 156). Bolliger vede invece limiti di diritto OMC per divieti di importazione basati sui prodotti (Bolliger, Europäisches Tierschutzrecht, 2000, 234).\n\n**N. 13** **Rapporto con la dignità della creatura**: La portata del concetto di «dignità della creatura» (→ art. 120 cpv. 2 Cost.) per la protezione degli animali è controversa. Praetorius/Saladin vi vedono un valore proprio degli animali indipendente dall'utilità umana (Die Würde der Kreatur, 1996, 45). Michel vede nella giurisprudenza del Tribunale federale una tendenza verso la strumentalizzazione del concetto di dignità per scopi antropocentrici (Michel, NuR 2012, 108).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** **Procedura di autorizzazione**: Negli esperimenti su animali è centrale la ponderazione concreta tra interesse della ricerca e sofferenza degli animali. Il Tribunale federale richiede una motivazione dettagliata del perché il guadagno conoscitivo atteso giustifichi il carico per gli animali. Negli esperimenti sui primati i requisiti sono particolarmente elevati (**DTF 135 II 405 consid. 4.3**).\n\n**N. 15** **Misure di esecuzione**: Chi detiene animali deve aspettarsi misure incisive se viola ripetutamente le prescrizioni di protezione degli animali. Le autorità possono, basandosi sull'art. 23 LPAn, sequestrare animali ed emanare divieti di detenzione. La proporzionalità deve essere esaminata accuratamente, in particolare per i divieti a tempo indeterminato (sentenza 2C_576/2021 consid. 4).\n\n**N. 16** **Delimitazione delle competenze cantonali**: I Cantoni possono continuare a emanare prescrizioni di polizia di sicurezza, ad esempio obblighi di guinzaglio o divieti di razze per cani pericolosi. Il limite con la materia regolamentata dal diritto federale corre dove si tratta primariamente della protezione degli animali stessi e non della protezione delle persone (**DTF 136 I 1 consid. 3**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Sperimentazione animale\n\n**BGE 135 II 384 E. 4.3-4.6** (7 ottobre 2009): Sperimentazione animale con primati non umani\nLa norma costituzionale di competenza dell'art. 80 cpv. 2 lett. b Cost. sulla sperimentazione animale rappresenta una ponderazione degli interessi già effettuata dal legislatore tra libertà di ricerca e protezione degli animali, in cui nessuno dei due interessi ha la prevalenza. L'amministrazione deve effettuare questa ponderazione nel caso concreto.\n\n> «Le disposizioni sulla sperimentazione animale sono espressione sia della libertà di ricerca (art. 20 Cost.) sia dell'interesse costituzionale della protezione degli animali (art. 80 cpv. 2 lett. b Cost.). [...] Pertanto è stato affidato all'amministrazione il compito di effettuare questa ponderazione degli interessi. In tal caso né la libertà di ricerca né la protezione degli animali hanno la prevalenza. Al contrario, entrambi sono di pari rango.»\n\n**BGE 135 II 405 E. 4.3** (7 ottobre 2009): Ponderazione degli interessi nella sperimentazione animale\nL'art. 80 cpv. 2 lett. b Cost. richiede sempre una ponderazione concreta degli interessi tra il guadagno di conoscenze perseguito e le sofferenze e i dolori degli animali. Nel caso dei primati non umani deve essere considerata la loro particolare vicinanza all'uomo e la dignità della creatura.\n\n> «L'art. 61 cpv. 3 lett. d aTSchV richiede per l'ammissibilità di una sperimentazione animale una ponderazione degli interessi tra il guadagno di conoscenze perseguito e le sofferenze e i dolori ad esso collegati. [...] Nella ponderazione degli interessi devono essere considerati la particolare vicinanza dei primati non umani all'uomo e la dignità della creatura.»\n\n### Detenzione di cani e prescrizioni sull'allevamento\n\n**BGE 136 I 1 E. 3** (13 gennaio 2010): Competenza cantonale per le norme sui cani motivate dalla sicurezza pubblica\nI Cantoni sono autorizzati, in base al loro potere di polizia, a emanare prescrizioni sull'allevamento motivate dalla sicurezza pubblica per cani con un potenziale di pericolo elevato. L'art. 80 Cost. non vi si oppone, poiché la Confederazione limita la sua competenza alla protezione degli animali in quanto tali.\n\n> «La competenza per l'emanazione di disposizioni per la protezione diretta dell'uomo dai cani pericolosi rientra nell'ambito di competenza dei Cantoni.»\n\n**BGE 136 I 1 E. 4** (13 gennaio 2010): Tipi di razza come criterio di differenziazione\nLe prescrizioni cantonali che si basano sui tipi di razza per disciplinare i divieti di acquisizione, allevamento e importazione di cani con un potenziale di pericolo elevato non violano il principio di uguaglianza giuridica. Ai Cantoni spetta in questo ambito un ampio margine di manovra.\n\n> «Le prescrizioni cantonali che si basano sui tipi di razza per disciplinare un divieto di acquisizione, allevamento e importazione di cani con un potenziale di pericolo elevato non violano il principio di uguaglianza giuridica.»\n\n### Detenzione di animali e applicazione della protezione degli animali\n\n**Sentenza 2C_122/2019 E. 3** (6 giugno 2019): Divieto di detenzione di animali in caso di infrazioni ripetute\nIn caso di infrazioni ripetute alle disposizioni sulla protezione degli animali può essere emanato un divieto illimitato di detenzione di animali. I Cantoni sono competenti per l'applicazione delle disposizioni sulla protezione degli animali e devono adottare misure esecutive adeguate.\n\n> «In caso di infrazioni ripetute alle disposizioni legali e alle decisioni ufficiali può essere legittimo un divieto di detenzione di animali a tempo indeterminato.»\n\n**Sentenza 2C_576/2021 E. 4** (8 settembre 2022): Sequestro e divieto di detenzione di animali\nIl sequestro di animali e l'ordinanza di un divieto di detenzione di animali sono gravi ingerenze nella garanzia della proprietà e nella libertà economica, che sono giustificate solo in caso di carenze considerevoli nella detenzione di animali. La proporzionalità deve essere verificata rigorosamente.\n\n> «Il sequestro di animali rappresenta una grave ingerenza nella libertà di proprietà garantita costituzionalmente ed è ammissibile solo in presenza di rilevanti interessi pubblici.»\n\n### Allevamento e allevamento di tortura\n\n**Sentenza 7H 19 141 (Tribunale cantonale di Lucerna)** (25 marzo 2020): Divieto di allevamento in caso di onere genetico\nUn divieto di allevamento a causa di ereditarietà svantaggiosa deve essere ordinato solo in caso di onere genetico considerevole. Come variante del divieto di detenzione di animali, il divieto di allevamento è ammissibile in caso di incapacità del detentore se solo così può essere garantita una detenzione conforme alla protezione degli animali.\n\n> «Un divieto di allevamento a causa di ereditarietà svantaggiosa deve essere ordinato solo in caso di onere genetico considerevole.»\n\n### Organizzazione dell'applicazione\n\n**Sentenza 2C_958/2014** (31 marzo 2015): Applicazione cantonale del diritto federale\nI Cantoni sono fondamentalmente competenti per l'applicazione delle disposizioni sulla protezione degli animali, nella misura in cui la Confederazione non si è espressamente riservata competenze esecutive. Devono rispettare le prescrizioni del diritto federale e creare strutture organizzative adeguate.\n\n> «Per l'applicazione delle disposizioni sono competenti i Cantoni, nella misura in cui la legge non la riserva alla Confederazione.»\n\n### Sviluppi recenti\n\n**Sentenza 2C_541/2023** (26 novembre 2024): Prassi applicativa attuale\nLa giurisprudenza più recente mostra un'accentuazione rafforzata del benessere animale nell'interpretazione delle disposizioni sulla protezione degli animali. Le autorità esecutive sono tenute a includere nelle loro decisioni gli sviluppi nella detenzione di animali e le nuove conoscenze scientifiche sul benessere animale.\n\n> «La protezione degli animali è un ambito giuridico dinamico che si evolve con le concezioni sociali e le conoscenze scientifiche.»", "summary_en": "# Art. 80 — Animal Protection\n\n## Overview\n\nArt. 80 Federal Constitution regulates federal competence for animal protection and originates from a popular initiative of 1973 (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 1). The Constitution empowers the Confederation to enact provisions for the protection of animals.\n\n**Paragraph 1** grants the Confederation comprehensive legislative competence for animal protection. This has been exercised through the Animal Protection Act (TSchG) and the Animal Protection Ordinance (TSchV). The Confederation may regulate all aspects of animal protection, not only the areas mentioned in paragraph 2.\n\n**Paragraph 2** lists important areas of regulation: animal husbandry and care, animal testing, use of animals, importation of animals, animal trade and transport, as well as the killing of animals. In animal testing, research interests must be weighed against animal suffering (**BGE 135 II 384 E. 4.3**). Neither freedom of research nor animal protection takes precedence.\n\n**Paragraph 3** generally transfers enforcement of animal protection provisions to the cantons. However, the Confederation may reserve enforcement competences for itself, which it has done for animal testing and international trade.\n\nThe Constitution protects the welfare of animals, but not their lives (BBl 2003 674). This position is disputed in legal doctrine (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). In cases of repeated violations of animal protection provisions, the cantons may confiscate animals and impose indefinite animal keeping bans (Urteil 2C_122/2019 E. 3).\n\n**Example**: A farmer keeps his pigs under poor conditions. The cantonal veterinary service may confiscate the animals and issue an animal keeping ban to the keeper based on Art. 80 Federal Constitution and the TSchG. At the same time, the keeper may be prosecuted under criminal law.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 80 BV was adopted in the total revision of 1999 from Art. 25bis of the old Constitution (inserted in 1973) and systematically clarified. The constitutional initiative «against cruelty to animals and for better legal protection of animals» had led in 1973 to the inclusion of animal protection in the Federal Constitution (BBl 1972 II 1462). The Federal Council already emphasized at that time that animal protection should protect animals from unjustified human behaviour «that causes pain, suffering and physical harm to the animal or exposes it to states of anxiety» (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 6).\n\n**N. 2** The total revision brought about a systematization of the areas of competence in para. 2. The exemplary enumeration («in particular») emphasizes the comprehensive federal competence while maintaining flexibility for new areas of regulation (BBl 1997 I 233). The omission of explicit protection of animal life was confirmed in the message on the Animal Welfare Act 2002: «The law protects the dignity and welfare of animals, but not their life» (BBl 2003 674).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 80 BV is found in Chapter 4 «Environment and Spatial Planning» and forms, together with → Art. 79 BV (fisheries and hunting) and → Art. 120 para. 2 BV (dignity of living beings), the constitutional foundation of animal and species protection. The systematic position shows the dual character of animal protection: as ethically motivated protection of individual animals and as an element of environmental protection (Errass, ZBJV 2013, 190).\n\n**N. 4** The relationship to fundamental rights is complex. Art. 80 BV does not establish subjective rights of animals, but rather an objective protective duty of the state (Michel, NuR 2012, 104). In implementation, particular attention must be paid to → Art. 15 BV (freedom of belief and conscience in ritual slaughter), → Art. 20 BV (academic freedom in animal experiments) and → Art. 27 BV (economic freedom in animal husbandry). The competence provision of Art. 80 para. 2 lit. b BV concerning animal experiments represents a balancing of interests already undertaken by the constitutional legislator between research freedom and animal protection, in which neither interest takes precedence (**BGE 135 II 384 E. 4.3**).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Comprehensive federal competence (para. 1)**: The Confederation has comprehensive legislative competence in animal protection. This was exercised through the Animal Welfare Act (TSchG) and the Animal Welfare Ordinance (TSchV). The competence is not limited to the areas mentioned in para. 2 («in particular»), but allows the Confederation to regulate all aspects of animal protection (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 17).\n\n**N. 6** **Special areas of regulation (para. 2)**: The exemplary enumeration includes:\n- **lit. a**: Animal husbandry and animal care — covers all forms of custody over animals, from agricultural livestock farming to private pet keeping (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 20)\n- **lit. b**: Animal experiments and procedures — subject to strict balancing between research interests and animal protection (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 22)\n- **lit. c**: Use of animals — includes working animals, sport and entertainment (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 25)\n- **lit. d**: Import — enables import restrictions for animal protection reasons (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 26)\n- **lit. e**: Trade and transport — aims to protect during marketing (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 29)\n- **lit. f**: Killing of animals — regulates animal welfare-compliant killing (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 32)\n\n**N. 7** **Cantonal enforcement (para. 3)**: Enforcement competence lies in principle with the cantons. However, the Confederation can reserve enforcement competences for itself, which it has done particularly in authorizing animal experiments (Art. 18 TSchG) and in international trade (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 36).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** **Legislative obligation**: Art. 80 para. 1 BV establishes a constitutional mandate for the federal legislator. This was fulfilled through the TSchG of 16 December 2005. The mandate is to be understood dynamically and requires adaptation to new scientific knowledge about animal welfare (Judgment 2C_541/2023 of 26.11.2024).\n\n**N. 9** **Allocation of competences**: The comprehensive federal competence displaces cantonal law in the regulated area. The cantons retain competences only insofar as federal law leaves room or expressly empowers them (Art. 49 BV). An important exception is regulations motivated by security policy for protecting humans from dangerous animals, which remain within cantonal competence (**BGE 136 I 1 E. 3**).\n\n**N. 10** **Enforcement obligations**: The cantons are obliged to enforce federal animal protection provisions and to create appropriate organizational structures (Art. 46 BV). In cases of repeated violations, they must intervene consistently, up to and including indefinite prohibitions on keeping animals (Judgment 2C_122/2019 E. 3).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 11** **Protection of animal life**: The central controversy concerns the absence of life protection in animal welfare law. While the federal legislator stated in the message on the TSchG 2002 that «the law protects the dignity and welfare of animals, but not their life» (BBl 2003 674), Rippe/Michel/Bolliger/Richner/Rüttimann/Gehrig criticize this position as «highly problematic» and see in it an «irresolvable contradiction in values» to the recognition of animal dignity (Schärmeli/Griffel, BSK BV, Art. 80 N. 43). Rippe argues that consistent protection of dignity must also include protection of life (Rippe, Ein Lebensschutz für Tiere?, 2012, 98).\n\n**N. 12** **Scope of federal competence**: It is disputed whether Art. 80 BV also allows the Confederation to issue ethically motivated import bans. Goetschel affirms this with reference to the comprehensive character of the competence (Goetschel, Tierschutz und Grundrechte, 1989, 156). Bolliger, however, sees WTO legal limits for product-related import bans (Bolliger, Europäisches Tierschutzrecht, 2000, 234).\n\n**N. 13** **Relationship to the dignity of living beings**: The scope of the concept «dignity of living beings» (→ Art. 120 para. 2 BV) for animal protection is controversial. Praetorius/Saladin understand this as an intrinsic value of animals independent of human utility (Die Würde der Kreatur, 1996, 45). Michel sees in federal court jurisprudence a tendency toward instrumentalizing the concept of dignity for anthropocentric purposes (Michel, NuR 2012, 108).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 14** **Authorization procedures**: In animal experiments, the concrete balancing between research interests and animal suffering is central. The Federal Supreme Court requires detailed reasoning as to why the expected gain in knowledge justifies the burden on animals. For primate experiments, the requirements are particularly high (**BGE 135 II 405 E. 4.3**).\n\n**N. 15** **Enforcement measures**: Animal keepers must expect drastic measures if they repeatedly violate animal protection provisions. The authorities can confiscate animals and issue keeping prohibitions based on Art. 23 TSchG. Proportionality must be carefully examined, particularly in the case of indefinite prohibitions (Judgment 2C_576/2021 E. 4).\n\n**N. 16** **Delimitation of cantonal competences**: Cantons may continue to issue security policy provisions, such as leash requirements or breed bans for dangerous dogs. The boundary to federally regulated matters runs where it is primarily about protecting the animals themselves and not about protecting humans (**BGE 136 I 1 E. 3**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Animal Testing\n\n**BGE 135 II 384 E. 4.3-4.6** (7 October 2009): Animal testing with non-human primates\nThe constitutional competence provision of Art. 80 para. 2 lit. b Cst. regarding animal testing represents a balancing of interests already undertaken by the legislature between freedom of research and animal protection, in which neither one nor the other interest takes precedence. The administration must undertake this balancing of interests in individual cases.\n\n> «The provisions on animal testing are an expression of both freedom of research (Art. 20 Cst.) and the constitutional interest of animal protection (Art. 80 para. 2 lit. b Cst.). [...] Therefore, the administration has been entrusted with the task of undertaking this balancing of interests. In doing so, neither freedom of research nor animal protection takes precedence. Rather, both are equal in rank.»\n\n**BGE 135 II 405 E. 4.3** (7 October 2009): Balancing of interests in animal testing\nArt. 80 para. 2 lit. b Cst. always requires a concrete balancing of interests between the intended gain in knowledge and the pain and suffering of animals. With non-human primates, their particular proximity to humans and the dignity of creatures must be taken into consideration.\n\n> «Art. 61 para. 3 lit. d former AniWO requires for the permissibility of an animal test a balancing of interests between the intended gain in knowledge and the associated pain and suffering. [...] In the balancing of interests, the particular proximity of non-human primates to humans and the dignity of creatures must be taken into consideration.»\n\n### Dog Ownership and Breeding Regulations\n\n**BGE 136 I 1 E. 3** (13 January 2010): Cantonal jurisdiction for security police dog regulations\nThe cantons are entitled, based on their police authority, to enact security police-motivated breeding regulations for dogs with increased potential for danger. Art. 80 Cst. does not stand in the way of this, since the Confederation has limited its competence to the protection of animals as such.\n\n> «The competence to enact provisions for the direct protection of humans from dangerous dogs falls within the jurisdiction of the cantons.»\n\n**BGE 136 I 1 E. 4** (13 January 2010): Breed types as differentiation criteria\nCantonal provisions that rely on breed types for regulating acquisition, breeding and immigration bans for dogs with increased potential for danger do not violate the principle of equality before the law. The cantons have wide scope for design in this area.\n\n> «Cantonal provisions that rely on breed types for regulating an acquisition, breeding and immigration ban for dogs with increased potential for danger do not violate the principle of equality before the law.»\n\n### Animal Husbandry and Animal Protection Enforcement\n\n**Urteil 2C_122/2019 E. 3** (6 June 2019): Animal keeping ban for repeated violations\nIn cases of repeated violations of animal protection provisions, an indefinite animal keeping ban may be imposed. The cantons are responsible for the enforcement of animal protection provisions and must take appropriate enforcement measures.\n\n> «In cases of repeated contraventions of legal provisions and official orders, an animal keeping ban for an indefinite period may be lawful.»\n\n**Urteil 2C_576/2021 E. 4** (8 September 2022): Confiscation and animal keeping ban\nThe confiscation of animals and the ordering of an animal keeping ban are serious interference with the guarantee of property and economic freedom, which are only justified in cases of significant deficiencies in animal husbandry. Proportionality must be strictly examined.\n\n> «The confiscation of animals constitutes a serious interference with the constitutionally guaranteed freedom of property and is only permissible when significant public interests exist.»\n\n### Breeding and Torture Breeding\n\n**Urteil 7H 19 141 (Kantonsgericht Luzern)** (25 March 2020): Breeding ban for genetic burden\nA breeding ban due to detrimental heredity is only to be ordered in cases of significant genetic burden. As a variant of the animal keeping ban, the breeding ban is permissible in cases of incapacity of the keeper if this is the only way to ensure animal protection-compliant husbandry.\n\n> «A breeding ban due to detrimental heredity is only to be ordered in cases of significant genetic burden.»\n\n### Enforcement Organisation\n\n**Urteil 2C_958/2014** (31 March 2015): Cantonal enforcement of federal law\nThe cantons are generally responsible for the enforcement of animal protection provisions, insofar as the Confederation has not expressly reserved enforcement competences for itself. In doing so, they must comply with the requirements of federal law and create appropriate organisational structures.\n\n> «The cantons are responsible for the enforcement of the provisions, insofar as the law does not reserve enforcement to the Confederation.»\n\n### Recent Developments\n\n**Urteil 2C_541/2023** (26 November 2024): Current enforcement practice\nRecent case law shows an increased emphasis on animal welfare in the interpretation of animal protection provisions. Enforcement authorities are required to incorporate developments in animal husbandry and new scientific knowledge about animal welfare into their decisions.\n\n> «Animal protection is a dynamic area of law that evolves with societal ideas and scientific knowledge.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_80", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 81, "article_suffix": "", "title": "Öffentliche Werke", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 81 BV ermächtigt den Bund, grosse Infrastrukturprojekte zu errichten oder zu unterstützen. Diese Kompetenz gilt nur für öffentliche Werke, die dem ganzen Land oder grossen Teilen davon nützen. Der Bund kann solche Projekte selbst bauen, betreiben oder finanziell unterstützen.\n\nWas sind öffentliche Werke? Die traditionelle Rechtslehre versteht darunter körperliche, am Boden befestigte Anlagen wie Strassen oder Kraftwerke (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 9). Die neuere Lehre will auch nicht bodengebundene Infrastrukturen wie Satelliten oder digitale Netze einbeziehen (Lendi/Vogel, SG Komm. BV, Art. 81 N. 23).\n\nWann darf der Bund tätig werden? Nur wenn das Projekt überregionale Bedeutung hat. Rein lokale oder kantonale Werke fallen nicht unter diese Bestimmung. Ein Beispiel: Der Bund kann eine Nationalstrasse bauen, die mehrere Kantone verbindet, aber nicht eine Gemeindestrasse finanzieren.\n\nDer Artikel gibt dem Bund drei Möglichkeiten: Er kann Werke selbst erstellen und betreiben, bestehende Anlagen übernehmen oder private und kantonale Projekte finanziell unterstützen. Die Wahl liegt im politischen Ermessen.\n\nWichtige Folge: Bei Bundeswerken steht dem Bund das Enteignungsrecht zu (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 16). Er kann also Grundstücke gegen Entschädigung erwerben, wenn das öffentliche Interesse überwiegt.\n\nArt. 81 BV ist eine Auffangkompetenz. Für spezielle Bereiche wie Verkehr oder Energie gelten vorrangig die Spezialbestimmungen (Art. 82-93 BV). Die Botschaft von 1997 bezeichnet die Norm als \"Generalklausel für sämtliche Bereiche der Infrastruktur\" (BBl 1997 I 270).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 81 BV geht auf Art. 23 aBV zurück und wurde bei der Totalrevision 1999 weitgehend unverändert übernommen. Die Botschaft vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 270) charakterisiert die Bestimmung als «Generalklausel für sämtliche Bereiche der Infrastruktur», die dem Bund eine «umfassende subsidiäre Kompetenz für öffentliche Werke» verleiht. Die Formulierung «im Interesse des ganzen oder eines grossen Teils des Landes» wurde aus der alten Bundesverfassung übernommen und dient als Schranke gegen rein lokale oder regionale Projekte.\n\n**N. 2** Historisch entstand die Norm im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Notwendigkeit grosser Infrastrukturprojekte wie Eisenbahnlinien, Alpentransversalen und Gewässerkorrektionen, die die finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten einzelner Kantone überstiegen. Die Linthkorrektion (1807-1823) gilt als erstes bedeutendes öffentliches Werk unter eidgenössischer Leitung (Hauser, Vom öffentlichen Werk des Bundes zur interkantonalen Anstalt, 2011, S. 45 ff.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 81 BV steht im 3. Titel über «Bund, Kantone und Gemeinden» unter dem 3. Kapitel «Aufgaben von Bund und Kantonen». Die Norm fungiert als subsidiäre Generalklausel zu den spezielleren Infrastrukturkompetenzen in Art. 82-93 BV (Verkehr und Energie). Sie ist Ausdruck des kooperativen Föderalismus: Der Bund kann Werke selbst errichten, betreiben oder ihre Errichtung durch Dritte unterstützen.\n\n**N. 4** Im Verhältnis zu den kantonalen Kompetenzen gilt das Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 5a BV). Nur Werke, die im «Interesse des ganzen oder eines grossen Teils des Landes» liegen, fallen unter die Bundeskompetenz. Die Abgrenzung zu rein kantonalen oder regionalen Werken erfolgt nach materiellen Kriterien: gesamtschweizerische Bedeutung, Koordinationsbedarf, finanzielle Tragweite (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 7).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale\n\n**N. 5** **Öffentliche Werke**: Der Begriff ist umstritten. Die traditionelle Lehre vertritt ein enges Begriffsverständnis: Kern, BSK BV, Art. 81 N. 9 zitiert zustimmend Burckhardt, wonach für die Werkeigenschaft «namentlich die Körperlichkeit der Anlage, ihre Verbindung zum Boden, der künstliche Charakter sowie die Veränderung bzw. Wiederherstellung eines natürlichen Zustandes» massgeblich sind. Demgegenüber plädieren Lendi/Vogel, SG Komm. BV, Art. 81 N. 23 für ein weiteres Begriffsverständnis, «welches auch nicht bodengebundene Anlagen wie bspw. Satelliten oder virtuelle Einrichtungen mit einschliesst».\n\n**N. 6** **Im Interesse des ganzen oder eines grossen Teils des Landes**: Diese Formulierung grenzt die Bundeskompetenz von kantonalen und kommunalen Werken ab. Erfasst sind Werke mit überregionaler Bedeutung, die mehrere Kantone betreffen oder von nationaler strategischer Bedeutung sind. Die Praxis zeigt eine grosszügige Auslegung bei Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsinfrastrukturen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1089).\n\n**N. 7** **Errichten, betreiben oder unterstützen**: Der Bund hat drei Handlungsoptionen: (1) Eigene Errichtung und Betrieb durch die Bundesverwaltung oder bundeseigene Anstalten; (2) Betrieb bestehender Werke; (3) Finanzielle oder organisatorische Unterstützung privater oder kantonaler Träger. Die Wahl der Handlungsform liegt im politischen Ermessen des Bundes (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 11).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 81 BV verleiht dem Bund eine **fakultative Kompetenz** («kann»). Er begründet weder eine Pflicht zum Tätigwerden noch subjektive Rechte Privater auf Errichtung bestimmter Werke. Die Bestimmung ermächtigt den Bund zur Gesetzgebung über die jeweiligen Werke (→ Art. 164 Abs. 1 BV) und zur Bewilligung der erforderlichen Kredite (→ Art. 167 BV).\n\n**N. 9** Bei der Errichtung öffentlicher Werke steht dem Bund das **Enteignungsrecht** zu (→ Art. 26 BV). Die Ausübung richtet sich nach dem Bundesgesetz über die Enteignung (EntG). Voraussetzung ist stets, dass das konkrete Werk tatsächlich im öffentlichen Interesse liegt (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 16).\n\n**N. 10** Die Finanzierung erfolgt aus allgemeinen Bundesmitteln oder durch Spezialfinanzierungen. Bei der Unterstützung kantonaler oder privater Werke kommen Subventionen, Darlehen oder Bürgschaften in Betracht. Die Modalitäten sind in der Spezialgesetzgebung zu regeln (Ruch, Umwelt – Boden – Raum, SBVR VI, 2010, S. 234 ff.).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Werkbegriff**: Der Hauptstreitpunkt betrifft die Reichweite des Begriffs «öffentliche Werke». Die traditionelle Position (Burckhardt, Kern) beschränkt ihn auf körperliche, bodengebundene Anlagen. Die moderne Auffassung (Lendi/Vogel) will auch immaterielle Infrastrukturen wie Datennetze oder Satellitensysteme einbeziehen. Biaggini, Komm. BV, Art. 81 N. 3 nimmt eine vermittelnde Position ein: Der Werkbegriff sei entwicklungsoffen auszulegen, müsse aber einen Bezug zu physischen Infrastrukturen aufweisen.\n\n**N. 12** **Abgrenzung zu Spezialkompetenzen**: Umstritten ist das Verhältnis von Art. 81 BV zu den sektoralen Kompetenzen. Während Aubert/Mahon, Art. 81 N. 4 von einer strikten Subsidiarität ausgehen, vertreten andere eine parallele Anwendbarkeit, sofern die Tatbestandsvoraussetzungen beider Normen erfüllt sind (Auer/Malinverni/Hottelier, Bd. I, § 892).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Planung öffentlicher Werke ist frühzeitig zu klären, ob die Voraussetzungen von Art. 81 BV erfüllt sind oder ob spezifischere Verfassungsgrundlagen einschlägig sind. Die Wahl der Rechtsgrundlage hat Auswirkungen auf das Verfahren, die Finanzierung und die Aufsicht.\n\n**N. 14** Für die politische Durchsetzbarkeit ist der Nachweis des «Interesses des ganzen oder eines grossen Teils des Landes» zentral. Dieser erfolgt typischerweise durch Nutzen-Kosten-Analysen, Verkehrsprognosen oder strategische Bedeutungsnachweise. Die Botschaft des Bundesrates muss die überregionale Bedeutung substantiiert darlegen.\n\n**N. 15** Bei der Unterstützung kantonaler oder privater Werke sind die subventionsrechtlichen Vorgaben (Subventionsgesetz) und die Grundsätze der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) zu beachten. Public-Private-Partnerships bedürfen einer sorgfältigen rechtlichen Ausgestaltung, insbesondere bezüglich Risikoverteilung und Aufsicht.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nArt. 81 BV ist in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bislang kaum direkt zur Anwendung gelangt. Die Norm wird in der Praxis durch spezialgesetzliche Regelungen konkretisiert, weshalb sich die meisten Streitfälle auf diese sektoralen Bestimmungen stützen. Dennoch lassen sich aus der allgemeinen Rechtsprechung zu Bundesaufgaben und öffentlichen Werken grundlegende Prinzipien ableiten.\n\n### Begriff der Bundesaufgabe\n\n**BGE 139 II 271 E. 9.1** vom 22. Mai 2013  \nGrundlegend zur Abgrenzung von Bundesaufgaben im verfassungsrechtlichen Sinn. Der Entscheid bestätigt, dass Bundesaufgaben nicht nur solche sind, die der Bund selbst wahrnimmt, sondern auch solche, bei denen er koordinierend oder unterstützend tätig wird.\n\n> «Was unter der Erfüllung einer Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV zu verstehen ist, führt Art. 2 Abs. 1 NHG in nicht abschliessender Weise aus: Dazu gehören insbesondere die Planung, Errichtung und Veränderung von Werken und Anlagen durch den Bund, wie z.B. Bauten und Anlagen der Bundesverwaltung, Nationalstrassen oder Bauten und Anlagen der Schweizerischen Bundesbahnen.»\n\n**BGE 138 II 281 E. 4.4** vom 12. Juni 2012  \nKonkretisierung im Bereich der Verkehrsinfrastruktur: Auch kantonal geplante Verkehrsanlagen können Bundesaufgaben darstellen, wenn wesentliche Bundesinteressen betroffen sind.\n\n> «Näher zu prüfen ist, ob eine Bundesaufgabe vorliegt. [...] Liegt somit eine Bundesaufgabe vor, hätte ein Gutachten zur Beeinträchtigung des BLN-Objekts zwingend eingeholt werden müssen.»\n\n### Luftfahrtinfrastruktur\n\n**BVGE 2011/59** vom 1. Dezember 2011  \nDie Bezeichnung von Gebirgslandeplätzen als Bundesaufgabe verdeutlicht die weite Auslegung des Begriffs \"öffentliche Werke\" im Sinne von Art. 81 BV.\n\n> «Ein Gebirgslandeplatz ist als Verkehrsanlage einzustufen und führt zu einer umwelt- und raumplanungsrechtlich relevanten Nutzung des entsprechenden Gebiets.»\n\n### Abgrenzung zu kantonalen Kompetenzen\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass die Kompetenz nach Art. 81 BV subsidiär zu spezifischeren Verfassungsbestimmungen steht. Bei Verkehrsinfrastruktur kommen primär Art. 82-87 BV zur Anwendung, bei Energieinfrastruktur Art. 89-90 BV.\n\nDie bisher fehlende direkte Rechtsprechung zu Art. 81 BV erklärt sich dadurch, dass der Bund seine Infrastrukturkompetenzen vorwiegend auf spezialgesetzlicher Grundlage ausübt und dabei auf konkretere Verfassungsbestimmungen abstützt. Art. 81 BV dient primär als Auffangkompetenz für nicht anderweitig geregelte öffentliche Werke von gesamtschweizerischer Bedeutung.", "summary_fr": "## Vue d'ensemble\n\nL'art. 81 Cst. habilite la Confédération à réaliser ou à soutenir de grands projets d'infrastructure. Cette compétence ne vaut que pour les ouvrages publics qui sont utiles à l'ensemble du pays ou à de grandes parties de celui-ci. La Confédération peut construire, exploiter ou soutenir financièrement de tels projets.\n\nQue sont les ouvrages publics ? La doctrine traditionnelle entend par là des installations matérielles fixées au sol comme les routes ou les centrales électriques (Kern, BSK BV, art. 81 n. 9). La doctrine plus récente veut également inclure les infrastructures non liées au sol comme les satellites ou les réseaux numériques (Lendi/Vogel, SG Komm. BV, art. 81 n. 23).\n\nQuand la Confédération peut-elle intervenir ? Seulement si le projet revêt une importance suprarégionale. Les ouvrages purement locaux ou cantonaux ne relèvent pas de cette disposition. Un exemple : la Confédération peut construire une route nationale qui relie plusieurs cantons, mais elle ne peut pas financer une route communale.\n\nL'article donne trois possibilités à la Confédération : elle peut créer et exploiter des ouvrages elle-même, reprendre des installations existantes ou soutenir financièrement des projets privés et cantonaux. Le choix relève de l'appréciation politique.\n\nConséquence importante : pour les ouvrages de la Confédération, celle-ci dispose du droit d'expropriation (Kern, BSK BV, art. 81 n. 16). Elle peut donc acquérir des terrains contre indemnisation lorsque l'intérêt public l'emporte.\n\nL'art. 81 Cst. est une compétence subsidiaire. Pour des domaines spéciaux comme les transports ou l'énergie, les dispositions spéciales s'appliquent en priorité (art. 82-93 Cst.). Le message de 1997 qualifie cette norme de « clause générale pour tous les domaines de l'infrastructure » (FF 1997 I 248).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 81 Cst. découle de l'art. 23 anc. Cst. et a été repris lors de la révision totale de 1999 pratiquement sans changement. Le message du 20 novembre 1996 sur une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 270) caractérise cette disposition comme une « clause générale pour l'ensemble des domaines de l'infrastructure », qui confère à la Confédération une « compétence subsidiaire globale en matière d'ouvrages publics ». La formule « dans l'intérêt du pays tout entier ou d'une grande partie de celui-ci » a été reprise de l'ancienne constitution fédérale et sert de limite contre les projets purement locaux ou régionaux.\n\n**N. 2** Historiquement, la norme est née au 19e siècle en réaction à la nécessité de grands projets d'infrastructure comme les lignes de chemin de fer, les transversales alpines et les corrections de cours d'eau, qui dépassaient les possibilités financières et organisationnelles des cantons pris individuellement. La correction de la Linth (1807-1823) est considérée comme le premier ouvrage public important sous direction confédérale (Hauser, Vom öffentlichen Werk des Bundes zur interkantonalen Anstalt, 2011, p. 45 ss.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 81 Cst. figure au 3e titre sur « Confédération, cantons et communes » sous le 3e chapitre « Tâches de la Confédération et des cantons ». La norme fonctionne comme une clause générale subsidiaire aux compétences d'infrastructure plus spécifiques des art. 82-93 Cst. (transports et énergie). Elle est l'expression du fédéralisme coopératif : la Confédération peut ériger, exploiter des ouvrages ou soutenir leur érection par des tiers.\n\n**N. 4** Dans le rapport aux compétences cantonales s'applique le principe de subsidiarité (→ art. 5a Cst.). Seuls les ouvrages qui sont « dans l'intérêt du pays tout entier ou d'une grande partie de celui-ci » relèvent de la compétence confédérale. La délimitation par rapport aux ouvrages purement cantonaux ou régionaux s'effectue selon des critères matériels : importance nationale, besoin de coordination, portée financière (Kern, BSK BV, art. 81 n. 7).\n\n### 3. Éléments constitutifs\n\n**N. 5** **Ouvrages publics** : La notion est controversée. La doctrine traditionnelle défend une conception restrictive : Kern, BSK BV, art. 81 n. 9 cite avec approbation Burckhardt, selon lequel pour la qualité d'ouvrage « sont déterminants notamment le caractère corporel de l'installation, son lien au sol, le caractère artificiel ainsi que la modification respectivement la restauration d'un état naturel ». À l'inverse, Lendi/Vogel, SG Komm. BV, art. 81 n. 23 plaident pour une conception plus large, « qui inclut aussi les installations non liées au sol comme par ex. les satellites ou les installations virtuelles ».\n\n**N. 6** **Dans l'intérêt du pays tout entier ou d'une grande partie de celui-ci** : Cette formule délimite la compétence confédérale des ouvrages cantonaux et communaux. Sont visés les ouvrages d'importance suprarégionale, qui concernent plusieurs cantons ou sont d'importance stratégique nationale. La pratique montre une interprétation généreuse pour les infrastructures de transport, d'énergie et de communication (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1089).\n\n**N. 7** **Ériger, exploiter ou soutenir** : La Confédération a trois options d'action : (1) Érection et exploitation propres par l'administration fédérale ou des établissements fédéraux ; (2) Exploitation d'ouvrages existants ; (3) Soutien financier ou organisationnel de porteurs privés ou cantonaux. Le choix de la forme d'action relève du pouvoir d'appréciation politique de la Confédération (Kern, BSK BV, art. 81 n. 11).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** L'art. 81 Cst. confère à la Confédération une **compétence facultative** (« peut »). Il ne fonde ni une obligation d'agir ni des droits subjectifs des particuliers à l'érection de certains ouvrages. La disposition habilite la Confédération à légiférer sur les ouvrages respectifs (→ art. 164 al. 1 Cst.) et à approuver les crédits nécessaires (→ art. 167 Cst.).\n\n**N. 9** Lors de l'érection d'ouvrages publics, la Confédération dispose du **droit d'expropriation** (→ art. 26 Cst.). L'exercice se règle selon la loi fédérale sur l'expropriation (LEx). Il faut toujours que l'ouvrage concret soit effectivement d'intérêt public (Kern, BSK BV, art. 81 n. 16).\n\n**N. 10** Le financement s'effectue par les moyens généraux de la Confédération ou par des financements spéciaux. Pour le soutien d'ouvrages cantonaux ou privés entrent en considération les subventions, prêts ou cautionnements. Les modalités doivent être réglées dans la législation spéciale (Ruch, Umwelt – Boden – Raum, SBVR VI, 2010, p. 234 ss.).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 11** **Notion d'ouvrage** : Le principal point de controverse concerne la portée de la notion d'« ouvrages publics ». La position traditionnelle (Burckhardt, Kern) la restreint aux installations corporelles liées au sol. La conception moderne (Lendi/Vogel) veut aussi inclure les infrastructures immatérielles comme les réseaux de données ou les systèmes satellites. Biaggini, Komm. BV, art. 81 n. 3 adopte une position médiane : la notion d'ouvrage doit être interprétée de manière évolutive, mais doit présenter un lien avec les infrastructures physiques.\n\n**N. 12** **Délimitation par rapport aux compétences spéciales** : Le rapport de l'art. 81 Cst. aux compétences sectorielles est controversé. Tandis qu'Aubert/Mahon, art. 81 n. 4 partent d'une subsidiarité stricte, d'autres défendent une applicabilité parallèle, pour autant que les conditions d'application des deux normes soient remplies (Auer/Malinverni/Hottelier, vol. I, § 892).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Lors de la planification d'ouvrages publics, il faut clarifier précocement si les conditions de l'art. 81 Cst. sont remplies ou si des bases constitutionnelles plus spécifiques sont pertinentes. Le choix de la base légale a des répercussions sur la procédure, le financement et la surveillance.\n\n**N. 14** Pour la faisabilité politique, la preuve de l'« intérêt du pays tout entier ou d'une grande partie de celui-ci » est centrale. Celle-ci s'effectue typiquement par des analyses coûts-bénéfices, des pronostics de trafic ou des preuves d'importance stratégique. Le message du Conseil fédéral doit exposer de manière substantiée l'importance suprarégionale.\n\n**N. 15** Pour le soutien d'ouvrages cantonaux ou privés, il faut observer les prescriptions du droit des subventions (loi sur les subventions) et les principes de la liberté économique (→ art. 27 Cst.). Les partenariats public-privé nécessitent une conception juridique soigneuse, en particulier concernant la répartition des risques et la surveillance.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nL'art. 81 Cst. n'a guère trouvé d'application directe dans la jurisprudence du Tribunal fédéral jusqu'à présent. Cette norme est concrétisée dans la pratique par des réglementations spéciales, raison pour laquelle la plupart des cas litigieux se fondent sur ces dispositions sectorielles. Il est néanmoins possible de déduire des principes fondamentaux de la jurisprudence générale relative aux tâches fédérales et aux ouvrages publics.\n\n### Notion de tâche fédérale\n\n**ATF 139 II 271 consid. 9.1** du 22 mai 2013  \nArrêt fondamental sur la délimitation des tâches fédérales au sens du droit constitutionnel. La décision confirme que les tâches fédérales ne sont pas seulement celles que la Confédération assume elle-même, mais aussi celles pour lesquelles elle agit de manière coordinatrice ou de soutien.\n\n> « Ce qu'il faut entendre par l'accomplissement d'une tâche fédérale au sens de l'art. 78 al. 2 Cst., l'art. 2 al. 1 LPN l'expose de manière non exhaustive : en font notamment partie la planification, la construction et la modification d'ouvrages et d'installations par la Confédération, comme p. ex. les constructions et installations de l'administration fédérale, les routes nationales ou les constructions et installations des Chemins de fer fédéraux suisses. »\n\n**ATF 138 II 281 consid. 4.4** du 12 juin 2012  \nConcrétisation dans le domaine de l'infrastructure de transport : même les installations de transport planifiées au niveau cantonal peuvent constituer des tâches fédérales lorsque des intérêts fédéraux importants sont en jeu.\n\n> « Il convient d'examiner de plus près s'il existe une tâche fédérale. [...] S'il existe donc une tâche fédérale, une expertise sur l'atteinte à l'objet IFP aurait dû être impérativement obtenue. »\n\n### Infrastructure aéronautique\n\n**ATAF 2011/59** du 1er décembre 2011  \nLa qualification des places d'atterrissage de montagne comme tâche fédérale illustre l'interprétation large de la notion d'« ouvrages publics » au sens de l'art. 81 Cst.\n\n> « Une place d'atterrissage de montagne est à classer comme installation de transport et conduit à une utilisation du territoire correspondant pertinente du point de vue du droit de l'environnement et de l'aménagement du territoire. »\n\n### Délimitation par rapport aux compétences cantonales\n\nLa jurisprudence montre que la compétence selon l'art. 81 Cst. est subsidiaire aux dispositions constitutionnelles plus spécifiques. Pour l'infrastructure de transport, ce sont prioritairement les art. 82-87 Cst. qui s'appliquent, pour l'infrastructure énergétique les art. 89-90 Cst.\n\nL'absence jusqu'à présent de jurisprudence directe sur l'art. 81 Cst. s'explique par le fait que la Confédération exerce ses compétences en matière d'infrastructure principalement sur la base de lois spéciales et en s'appuyant sur des dispositions constitutionnelles plus concrètes. L'art. 81 Cst. sert principalement de compétence subsidiaire pour les ouvrages publics d'importance nationale qui ne sont pas réglementés par ailleurs.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 81 Cost. autorizza la Confederazione a realizzare o sostenere grandi progetti infrastrutturali. Questa competenza vale soltanto per opere pubbliche che giovano all'intero Paese o a grandi parti di esso. La Confederazione può realizzare tali progetti direttamente, gestirli o sostenerli finanziariamente.\n\nCosa sono le opere pubbliche? La dottrina tradizionale le intende come impianti fisici, ancorati al suolo come strade o centrali elettriche (Kern, BSK BV, Art. 81 n. 9). La dottrina più recente vuole includere anche infrastrutture non ancorate al suolo come satelliti o reti digitali (Lendi/Vogel, SG Komm. BV, Art. 81 n. 23).\n\nQuando può intervenire la Confederazione? Solo se il progetto ha importanza sovraregionale. Opere puramente locali o cantonali non rientrano in questa disposizione. Un esempio: la Confederazione può costruire un'autostrada nazionale che collega più Cantoni, ma non finanziare una strada comunale.\n\nL'articolo offre alla Confederazione tre possibilità: può realizzare e gestire opere direttamente, rilevare impianti esistenti o sostenere finanziariamente progetti privati e cantonali. La scelta rientra nel potere discrezionale politico.\n\nConseguenza importante: per le opere federali spetta alla Confederazione il diritto di espropriazione (Kern, BSK BV, Art. 81 n. 16). Può quindi acquisire fondi dietro indennizzo, se prevale l'interesse pubblico.\n\nL'art. 81 Cost. è una competenza residuale. Per settori specifici come i trasporti o l'energia si applicano prioritariamente le disposizioni speciali (art. 82-93 Cost.). Il messaggio del 1997 qualifica la norma come «clausola generale per tutti i settori dell'infrastruttura» (FF 1997 I 222).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'art. 81 Cost. risale all'art. 23 aCost. e fu ripreso nella revisione totale del 1999 in gran parte senza modifiche. Il messaggio del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 270) caratterizza la disposizione come «clausola generale per tutti i settori dell'infrastruttura», che conferisce alla Confederazione una «competenza sussidiaria globale per opere pubbliche». La formulazione «nell'interesse di tutto il Paese o di gran parte di esso» fu ripresa dalla vecchia Costituzione federale e serve come limite contro progetti puramente locali o regionali.\n\n**N. 2** Storicamente la norma nacque nel XIX secolo come reazione alla necessità di grandi progetti infrastrutturali come linee ferroviarie, trasversali alpine e correzioni di corsi d'acqua, che superavano le possibilità finanziarie e organizzative dei singoli Cantoni. La correzione della Linth (1807-1823) è considerata la prima opera pubblica importante sotto la direzione confederata (Hauser, Vom öffentlichen Werk des Bundes zur interkantonalen Anstalt, 2011, pag. 45 segg.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 81 Cost. si trova nel 3° Titolo su «Confederazione, Cantoni e Comuni» sotto il 3° Capitolo «Compiti della Confederazione e dei Cantoni». La norma funge da clausola generale sussidiaria rispetto alle competenze infrastrutturali più specifiche negli art. 82-93 Cost. (trasporti ed energia). È espressione del federalismo cooperativo: la Confederazione può erigere, gestire opere da sola o sostenere la loro erezione da parte di terzi.\n\n**N. 4** Nel rapporto con le competenze cantonali vale il principio di sussidiarietà (→ art. 5a Cost.). Solo le opere che sono «nell'interesse di tutto il Paese o di gran parte di esso» rientrano nella competenza federale. La delimitazione dalle opere puramente cantonali o regionali avviene secondo criteri materiali: importanza per l'insieme del Paese, necessità di coordinamento, portata finanziaria (Kern, BSK BV, art. 81 N. 7).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie\n\n**N. 5** **Opere pubbliche**: Il concetto è controverso. La dottrina tradizionale sostiene una concezione ristretta del concetto: Kern, BSK BV, art. 81 N. 9 cita approvando Burckhardt, secondo cui per la qualità di opera sono determinanti «segnatamente la corporeità dell'impianto, il suo collegamento al suolo, il carattere artificiale nonché la modificazione rispettivamente il ripristino di uno stato naturale». Al contrario Lendi/Vogel, SG Komm. BV, art. 81 N. 23 sostengono una concezione più ampia del concetto, «che include anche impianti non legati al suolo come per es. satelliti o istituzioni virtuali».\n\n**N. 6** **Nell'interesse di tutto il Paese o di gran parte di esso**: Questa formulazione delimita la competenza federale dalle opere cantonali e comunali. Sono comprese le opere con importanza sovraregionale, che riguardano più Cantoni o sono di importanza strategica nazionale. La prassi mostra un'interpretazione generosa per le infrastrutture di trasporti, energia e comunicazioni (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1089).\n\n**N. 7** **Erigere, gestire o sostenere**: La Confederazione ha tre opzioni d'azione: (1) Erezione e gestione proprie tramite l'amministrazione federale o istituti federali; (2) Gestione di opere esistenti; (3) Sostegno finanziario o organizzativo di enti privati o cantonali. La scelta della forma d'azione è a discrezione politica della Confederazione (Kern, BSK BV, art. 81 N. 11).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 81 Cost. conferisce alla Confederazione una **competenza facoltativa** («può»). Non fonda né un obbligo di agire né diritti soggettivi di privati all'erezione di determinate opere. La disposizione autorizza la Confederazione a legiferare sulle rispettive opere (→ art. 164 cpv. 1 Cost.) e ad approvare i crediti necessari (→ art. 167 Cost.).\n\n**N. 9** Nell'erezione di opere pubbliche spetta alla Confederazione il **diritto di espropriazione** (→ art. 26 Cost.). L'esercizio si regge sulla Legge federale sull'espropriazione (LEspr). Presupposto è sempre che l'opera concreta sia effettivamente nell'interesse pubblico (Kern, BSK BV, art. 81 N. 16).\n\n**N. 10** Il finanziamento avviene con mezzi federali generali o tramite finanziamenti speciali. Nel sostegno di opere cantonali o private entrano in considerazione sussidi, prestiti o fideiussioni. Le modalità devono essere regolate nella legislazione speciale (Ruch, Umwelt – Boden – Raum, SBVR VI, 2010, pag. 234 segg.).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 11** **Concetto di opera**: Il principale punto controverso riguarda la portata del concetto di «opere pubbliche». La posizione tradizionale (Burckhardt, Kern) lo limita agli impianti corporei, legati al suolo. La concezione moderna (Lendi/Vogel) vuole includere anche le infrastrutture immateriali come reti di dati o sistemi satellitari. Biaggini, Komm. BV, art. 81 N. 3 assume una posizione intermedia: il concetto di opera deve essere interpretato in modo aperto allo sviluppo, ma deve presentare un riferimento alle infrastrutture fisiche.\n\n**N. 12** **Delimitazione dalle competenze speciali**: È controverso il rapporto dell'art. 81 Cost. con le competenze settoriali. Mentre Aubert/Mahon, art. 81 N. 4 assumono una sussidiarietà rigorosa, altri sostengono un'applicabilità parallela, purché siano soddisfatti i presupposti di entrambe le norme (Auer/Malinverni/Hottelier, Vol. I, § 892).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nella pianificazione di opere pubbliche occorre chiarire tempestivamente se sono soddisfatti i presupposti dell'art. 81 Cost. o se sono applicabili basi costituzionali più specifiche. La scelta della base giuridica ha ripercussioni sulla procedura, il finanziamento e la vigilanza.\n\n**N. 14** Per l'attuabilità politica è centrale la dimostrazione dell'«interesse di tutto il Paese o di gran parte di esso». Ciò avviene tipicamente tramite analisi costi-benefici, prognosi del traffico o dimostrazioni di importanza strategica. Il messaggio del Consiglio federale deve esporre in modo sostanziato l'importanza sovraregionale.\n\n**N. 15** Nel sostegno di opere cantonali o private devono essere osservati i requisiti del diritto dei sussidi (Legge sui sussidi) e i principi della libertà economica (→ art. 27 Cost.). I partenariati pubblico-privati necessitano di un'attenta configurazione giuridica, in particolare riguardo alla ripartizione dei rischi e alla vigilanza.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nL'art. 81 Cost. non è ancora stato applicato direttamente nella giurisprudenza del Tribunale federale. Nella prassi la norma è concretizzata da regolamentazioni di legge speciale, motivo per cui la maggior parte dei casi controversi si basa su queste disposizioni settoriali. Tuttavia, dalla giurisprudenza generale sui compiti federali e le opere pubbliche si possono derivare principi fondamentali.\n\n### Concetto di compito federale\n\n**DTF 139 II 271 consid. 9.1** del 22 maggio 2013  \nFondamentale per la delimitazione dei compiti federali in senso costituzionale. La decisione conferma che i compiti federali non sono soltanto quelli che la Confederazione assume direttamente, ma anche quelli in cui essa agisce in modo coordinante o di sostegno.\n\n> «Cosa si intenda per adempimento di un compito federale ai sensi dell'art. 78 cpv. 2 Cost. è esposto dall'art. 2 cpv. 1 LPN in modo non esaustivo: vi appartengono in particolare la pianificazione, l'edificazione e la modifica di opere e impianti da parte della Confederazione, come per es. costruzioni e impianti dell'amministrazione federale, strade nazionali o costruzioni e impianti delle Ferrovie federali svizzere.»\n\n**DTF 138 II 281 consid. 4.4** del 12 giugno 2012  \nConcretizzazione nell'ambito dell'infrastruttura dei trasporti: anche impianti di trasporto pianificati a livello cantonale possono rappresentare compiti federali se sono interessati interessi federali rilevanti.\n\n> «È da esaminare più attentamente se sussista un compito federale. [...] Qualora sussista quindi un compito federale, si sarebbe dovuto obbligatoriamente richiedere un rapporto sulla compromissione dell'oggetto IFP.»\n\n### Infrastruttura aeronautica\n\n**DTAF 2011/59** del 1° dicembre 2011  \nLa designazione di campi d'atterraggio di montagna come compito federale chiarisce l'interpretazione estensiva del concetto di \"opere pubbliche\" ai sensi dell'art. 81 Cost.\n\n> «Un campo d'atterraggio di montagna deve essere classificato come impianto di trasporto e comporta un uso dell'area corrispondente rilevante dal punto di vista del diritto ambientale e della pianificazione del territorio.»\n\n### Delimitazione rispetto alle competenze cantonali\n\nLa giurisprudenza mostra che la competenza secondo l'art. 81 Cost. è sussidiaria rispetto a disposizioni costituzionali più specifiche. Per l'infrastruttura dei trasporti si applicano primariamente gli art. 82-87 Cost., per l'infrastruttura energetica gli art. 89-90 Cost.\n\nLa finora mancante giurisprudenza diretta sull'art. 81 Cost. si spiega con il fatto che la Confederazione esercita le sue competenze infrastrutturali prevalentemente su base di legge speciale e si basa su disposizioni costituzionali più concrete. L'art. 81 Cost. serve principalmente come competenza residua per opere pubbliche di rilevanza nazionale non altrimenti disciplinate.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 81 FC empowers the Confederation to construct or support major infrastructure projects. This competence applies only to public works that benefit the entire country or large parts thereof. The Confederation may build, operate or financially support such projects itself.\n\nWhat are public works? Traditional legal doctrine understands this to mean physical installations fixed to the ground such as roads or power plants (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 9). More recent doctrine seeks to include non-ground-based infrastructures such as satellites or digital networks (Lendi/Vogel, SG Komm. BV, Art. 81 N. 23).\n\nWhen may the Confederation act? Only if the project has supra-regional significance. Purely local or cantonal works do not fall under this provision. For example: The Confederation may build a national road connecting several cantons, but not finance a municipal road.\n\nThe article gives the Confederation three options: It may create and operate works itself, take over existing installations, or financially support private and cantonal projects. The choice lies within political discretion.\n\nImportant consequence: For federal works, the Confederation has the right of expropriation (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 16). It may therefore acquire land against compensation if the public interest prevails.\n\nArt. 81 FC is a residual competence. For special areas such as transport or energy, the special provisions take priority (Art. 82-93 FC). The 1997 Message describes the norm as a \"general clause for all areas of infrastructure\" (BBl 1997 I 270).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 81 Cst. goes back to Art. 23 old Cst. and was adopted largely unchanged in the total revision of 1999. The Federal Council Message of 20 November 1996 on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 270) characterises the provision as a «general clause for all areas of infrastructure», which grants the Confederation a «comprehensive subsidiary competence for public works». The formulation «in the interest of the country as a whole or of a large part of it» was taken over from the old Federal Constitution and serves as a barrier against purely local or regional projects.\n\n**N. 2** Historically, the norm emerged in the 19th century as a reaction to the necessity of large infrastructure projects such as railway lines, alpine transversals and watercourse corrections, which exceeded the financial and organisational possibilities of individual cantons. The Linth correction (1807-1823) is considered the first significant public work under federal leadership (Hauser, Vom öffentlichen Werk des Bundes zur interkantonalen Anstalt, 2011, p. 45 ff.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 81 Cst. stands in Title 3 on «Confederation, Cantons and Communes» under Chapter 3 «Tasks of the Confederation and the Cantons». The norm functions as a subsidiary general clause to the more specific infrastructure competences in Art. 82-93 Cst. (transport and energy). It is an expression of cooperative federalism: the Confederation can erect, operate or support the erection of works by third parties.\n\n**N. 4** In relation to cantonal competences, the principle of subsidiarity applies (→ Art. 5a Cst.). Only works that lie «in the interest of the country as a whole or of a large part of it» fall under federal competence. The delimitation from purely cantonal or regional works occurs according to material criteria: significance for the whole of Switzerland, coordination needs, financial scope (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 7).\n\n### 3. Elements of the Provision\n\n**N. 5** **Public works**: The concept is disputed. Traditional doctrine advocates a narrow understanding of the concept: Kern, BSK BV, Art. 81 N. 9 quotes Burckhardt approvingly, according to whom for the work characteristic «particularly the corporeality of the facility, its connection to the ground, the artificial character as well as the alteration or restoration of a natural state» are decisive. In contrast, Lendi/Vogel, SG Komm. BV, Art. 81 N. 23 advocate for a broader understanding of the concept, «which also includes non-ground-bound facilities such as satellites or virtual facilities».\n\n**N. 6** **In the interest of the country as a whole or of a large part of it**: This formulation delimits federal competence from cantonal and communal works. Covered are works of supra-regional significance that affect several cantons or are of national strategic importance. Practice shows a generous interpretation for transport, energy and communication infrastructures (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1089).\n\n**N. 7** **Erect, operate or support**: The Confederation has three options for action: (1) Own erection and operation by the federal administration or federal institutions; (2) Operation of existing works; (3) Financial or organisational support of private or cantonal carriers. The choice of form of action lies within the political discretion of the Confederation (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 11).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 81 Cst. grants the Confederation a **facultative competence** («may»). It establishes neither an obligation to act nor subjective rights of private persons to the erection of specific works. The provision authorises the Confederation to legislate on the respective works (→ Art. 164 para. 1 Cst.) and to approve the necessary credits (→ Art. 167 Cst.).\n\n**N. 9** When erecting public works, the Confederation has the **right of expropriation** (→ Art. 26 Cst.). The exercise is governed by the Federal Act on Expropriation (ExpropA). A prerequisite is always that the concrete work actually lies in the public interest (Kern, BSK BV, Art. 81 N. 16).\n\n**N. 10** Financing occurs from general federal funds or through special financing. When supporting cantonal or private works, subsidies, loans or guarantees come into consideration. The modalities are to be regulated in special legislation (Ruch, Umwelt – Boden – Raum, SBVR VI, 2010, p. 234 ff.).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 11** **Concept of works**: The main point of dispute concerns the scope of the concept of «public works». The traditional position (Burckhardt, Kern) restricts it to physical, ground-bound facilities. The modern view (Lendi/Vogel) wants to include immaterial infrastructures such as data networks or satellite systems. Biaggini, Komm. BV, Art. 81 N. 3 takes a mediating position: The concept of works should be interpreted in a development-open manner, but must have a reference to physical infrastructures.\n\n**N. 12** **Delimitation from special competences**: The relationship of Art. 81 Cst. to sectoral competences is disputed. While Aubert/Mahon, Art. 81 N. 4 assume strict subsidiarity, others advocate parallel applicability, provided that the factual prerequisites of both norms are fulfilled (Auer/Malinverni/Hottelier, Vol. I, § 892).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 13** When planning public works, it should be clarified early whether the prerequisites of Art. 81 Cst. are fulfilled or whether more specific constitutional foundations are applicable. The choice of legal basis has effects on the procedure, financing and supervision.\n\n**N. 14** For political feasibility, proof of the «interest of the country as a whole or of a large part of it» is central. This typically occurs through cost-benefit analyses, traffic forecasts or strategic significance proofs. The Federal Council's message must substantiate the supra-regional significance.\n\n**N. 15** When supporting cantonal or private works, the subsidy law requirements (Subsidies Act) and the principles of economic freedom (→ Art. 27 Cst.) must be observed. Public-private partnerships require careful legal structuring, particularly regarding risk allocation and supervision.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nArt. 81 FC has so far rarely been directly applied in Federal Supreme Court case law. In practice, the provision is implemented through special legislation, which is why most disputes rely on these sectoral regulations. Nevertheless, fundamental principles can be derived from the general case law on federal tasks and public works.\n\n### Concept of Federal Task\n\n**BGE 139 II 271 E. 9.1** of 22 May 2013  \nFundamental for delimiting federal tasks in the constitutional law sense. The decision confirms that federal tasks are not only those that the Confederation performs itself, but also those in which it acts in a coordinating or supporting capacity.\n\n> «What is to be understood by the performance of a federal task within the meaning of Art. 78 para. 2 FC is set out in a non-exhaustive manner in Art. 2 para. 1 NPA: This includes in particular the planning, construction and modification of works and installations by the Confederation, such as buildings and installations of the federal administration, national roads or buildings and installations of the Swiss Federal Railways.»\n\n**BGE 138 II 281 E. 4.4** of 12 June 2012  \nImplementation in the area of transport infrastructure: Even cantonal planned transport facilities may constitute federal tasks if essential federal interests are affected.\n\n> «It must be examined more closely whether a federal task exists. [...] If a federal task therefore exists, an expert opinion on the impairment of the Federal Landscape and Natural Monument Inventory object would have had to be obtained without fail.»\n\n### Aviation Infrastructure\n\n**BVGE 2011/59** of 1 December 2011  \nThe designation of mountain airstrips as a federal task clarifies the broad interpretation of the concept \"public works\" within the meaning of Art. 81 FC.\n\n> «A mountain airstrip is to be classified as a transport facility and leads to an environmentally and spatial planning relevant use of the corresponding area.»\n\n### Delimitation from Cantonal Competences\n\nCase law shows that the competence under Art. 81 FC is subsidiary to more specific constitutional provisions. For transport infrastructure, Art. 82-87 FC apply primarily, for energy infrastructure Art. 89-90 FC.\n\nThe absence of direct case law on Art. 81 FC to date is explained by the fact that the Confederation exercises its infrastructure competences primarily on the basis of special legislation and thereby relies on more concrete constitutional provisions. Art. 81 FC serves primarily as a catch-all competence for public works of national importance that are not otherwise regulated.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_81", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 81, "article_suffix": "a", "title": "Öffentlicher Verkehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 81a BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 81a BV regelt die Grundversorgung mit öffentlichem Verkehr und dessen Finanzierung. Die Bestimmung verlangt von Bund und Kantonen gemeinsam, ein ausreichendes Angebot an öffentlichem Verkehr sicherzustellen. Gleichzeitig müssen die Nutzer die Kosten zu einem angemessenen Teil selbst tragen.\n\nDer erste Absatz verpflichtet Bund und Kantone, in allen Regionen der Schweiz genügend Zug-, Bus-, Schiffs- und Seilbahnverbindungen bereitzustellen. «Ausreichend» bedeutet eine Grundversorgung, die alle Gebiete erreichbar macht (Griffel nach Kern, BSK BV, Art. 81a N. 10). Dies umfasst sowohl die Anzahl Verbindungen als auch deren Qualität. Auch der Güterverkehr auf der Schiene muss angemessen berücksichtigt werden.\n\nDer zweite Absatz legt fest, dass Fahrgäste einen «angemessenen Teil» der Kosten durch Ticketpreise bezahlen müssen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass dieser Anteil nicht null sein darf (**BGE 149 I 182**). Komplett kostenloser öffentlicher Verkehr ist daher verfassungswidrig. In der Praxis decken Fahrgäste zwischen 40 und 60 Prozent der Kosten im Regionalverkehr und bis zu 80 Prozent im Fernverkehr (Stückelberger/Haldimann, Schienenverkehrsrecht, 2008, S. 265).\n\nDie Regelung wurde 2005 mit der Bahnreform 2 eingeführt (BBl 2005 2547). Sie soll einerseits eine flächendeckende Verkehrsversorgung garantieren, andererseits das Verursacherprinzip stärken. \n\n**Beispiel**: Eine Gemeinde möchte ihren Stadtbus gratis anbieten. Das **Urteil 1C_490/2024** zeigt, dass solche Nulltarif-Initiativen gegen Art. 81a Abs. 2 BV verstossen. Die Gemeinde könnte aber stark vergünstigte Tarife einführen, solange die Fahrgäste noch einen angemessenen Teil der Betriebskosten tragen.\n\nIn der Lehre ist umstritten, ob Art. 81a Abs. 2 BV auch eine Obergrenze für Preise festlegt. Während Uhlmann eine solche Obergrenze bejaht (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34), verneint sie Kern (BSK BV, Art. 81a N. 32).", "doctrine_de": "# Art. 81a BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 81a BV wurde im Rahmen der Bahnreform 2 durch Volksabstimmung vom 20. Februar 2005 in die Bundesverfassung eingefügt (BBl 2005 2547). Die Bestimmung ersetzte die befristete Übergangsbestimmung Art. 196 Ziff. 3 BV zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, welche am 31. Dezember 2007 ausgelaufen wäre (BBl 2004 6651, 6665). Der Verfassungsgeber verfolgte drei Hauptziele: erstens die dauerhafte Sicherstellung der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, zweitens die Verankerung eines ausreichenden Angebots als Verfassungsauftrag und drittens die Festschreibung des Prinzips der Nutzerfinanzierung (BBl 2004 6656).\n\n**N. 2** Die Formulierung von Abs. 2 wurde intensiv diskutiert. Der Bundesrat hatte zunächst vorgeschlagen, dass die Kosten «in der Regel» durch die Nutzer zu decken seien, was der Ständerat zu «im Grundsatz» abschwächte. Die Einigungskonferenz einigte sich schliesslich auf die Formulierung «zu einem angemessenen Teil» (BBl 2004 6657). Diese Entstehungsgeschichte zeigt den Willen des Verfassungsgebers, einerseits das Verursacherprinzip zu verankern, andererseits aber Spielraum für sozialpolitische und umweltpolitische Erwägungen zu belassen (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 1).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 81a BV ist systematisch im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 4. Kapitel (Umwelt und Raumplanung), 7. Abschnitt (Öffentliche Werke und Verkehr) verortet. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit den übrigen Verkehrsbestimmungen der BV: → Art. 81 BV (Öffentliche Werke), → Art. 82 BV (Strassenverkehr), → Art. 83 BV (Strasseninfrastrukturfonds), → Art. 84 BV (Transitverkehr), → Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe), → Art. 86 BV (Verbrauchssteuer auf Treibstoffen), → Art. 87 BV (Eisenbahnen und weitere Verkehrsträger) sowie → Art. 87a BV (Eisenbahninfrastruktur).\n\n**N. 4** Die systematische Stellung nach dem Umweltrecht (→ Art. 73–80 BV) und vor den eigentlichen Verkehrsbestimmungen unterstreicht die Doppelfunktion von Art. 81a BV: Der öffentliche Verkehr dient sowohl der Grundversorgung als auch umweltpolitischen Zielen. Die Bestimmung ist zudem im Kontext des Nachhaltigkeitsprinzips (→ Art. 73 BV) und des Raumplanungsauftrags (→ Art. 75 BV) zu verstehen (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, S. 15).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1** statuiert einen dreifachen Verfassungsauftrag: Bund und Kantone sorgen gemeinsam für (1) ein ausreichendes Angebot, (2) an öffentlichem Verkehr, (3) auf Schiene, Strasse, Wasser und mit Seilbahnen, (4) in allen Landesgegenden. Der Begriff des «ausreichenden Angebots» ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der durch die Gesetzgebung und Praxis konkretisiert wird. Nach Griffel stellt er ausschliesslich auf die allgemeine Zugänglichkeit ab (BSK BV-Kern, Art. 81a N. 10 zitiert Griffel).\n\n**N. 6** Das «ausreichende Angebot» umfasst quantitative (Taktdichte, Netzabdeckung) und qualitative Aspekte (Zuverlässigkeit, Komfort, Barrierefreiheit). Der Anspruch richtet sich nicht an die Individuen, sondern verpflichtet Bund und Kantone zur gemeinsamen Aufgabenerfüllung. Die Formulierung «in allen Landesgegenden» konkretisiert die Grundversorgungspflicht und verlangt eine flächendeckende Erschliessung auch peripherer Gebiete (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 7–9).\n\n**N. 7** **Absatz 2** verankert das Prinzip der Nutzerfinanzierung: Die Kosten des öffentlichen Verkehrs werden «zu einem angemessenen Teil» durch die von den Nutzerinnen und Nutzern bezahlten Preise gedeckt. Die Wendung «angemessener Teil» ist ebenfalls ein unbestimmter Rechtsbegriff. Das Bundesgericht hat in **BGE 149 I 182** klargestellt, dass dieser Teil nicht null sein kann — eine vollständige Gratisfinanzierung ist verfassungswidrig.\n\n**N. 8** Bei der Berücksichtigung des Schienengüterverkehrs gemäss Abs. 1 geht es um die Koordination mit dem Personenverkehr bei der Trassenvergabe und Infrastrukturplanung. Die Bestimmung verlangt keine Gleichbehandlung, sondern eine angemessene Berücksichtigung der Güterverkehrsbedürfnisse (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 11–12).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Abs. 1 folgt eine Pflicht von Bund und Kantonen zur kooperativen Sicherstellung eines Grundangebots an öffentlichem Verkehr. Diese Pflicht konkretisiert sich in Planungs-, Finanzierungs- und Betriebspflichten. Die Umsetzung erfolgt primär durch das Personenbeförderungsgesetz (PBG, SR 745.1) und kantonale Ausführungsgesetze. Ein subjektives Recht auf bestimmte Verkehrsverbindungen lässt sich aus Art. 81a Abs. 1 BV nicht ableiten (Uhlmann/Hinderling, Transportrecht, 2008, S. 72).\n\n**N. 10** Abs. 2 begründet eine verfassungsrechtliche Schranke für die Tarifgestaltung. Verkehrsbetriebe und Behörden sind verpflichtet, Tarife so zu gestalten, dass ein angemessener Kostendeckungsgrad erreicht wird. Nach **BGE 149 I 182** und **Urteil 1C_490/2024** sind kommunale oder kantonale Initiativen für einen Nulltarif im öffentlichen Verkehr mit Art. 81a Abs. 2 BV unvereinbar und damit ungültig.\n\n**N. 11** Die Verletzung von Art. 81a BV kann im Rahmen der abstrakten Normenkontrolle (→ Art. 82 lit. b BGG) oder bei der Vorprüfung von Volksinitiativen gerügt werden. Individuen können sich nur mittelbar auf Art. 81a BV berufen, etwa wenn diskriminierende Tarife gegen → Art. 8 BV verstossen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umstrittene Obergrenze für Transportpreise**: In der Lehre ist umstritten, ob Art. 81a Abs. 2 BV eine Obergrenze für Transportpreise statuiert. Uhlmann (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34) vertritt die Position, dass die Bestimmung eine globale Obergrenze darstellt: Eine vollständige Kostendeckung durch Nutzerpreise wäre demnach unzulässig, da dies den Gemeinwohlcharakter des öffentlichen Verkehrs negieren würde. Kern widerspricht dieser Auffassung (BSK BV, Art. 81a N. 32): Die Bestimmung stelle keine Obergrenze dar und schliesse eine vollständige Kostendeckung nicht aus.\n\n**N. 13** **Angemessener Kostendeckungsgrad**: Was als «angemessener Teil» der Kostendeckung gilt, ist in der Doktrin umstritten. Die Praxis zeigt Kostendeckungsgrade zwischen 40% und 60% im Regionalverkehr und bis zu 80% im Fernverkehr. Stückelberger/Haldimann (Schienenverkehrsrecht, 2008, S. 265) plädieren für eine differenzierte Betrachtung nach Verkehrsart und Region. Das Bundesgericht hat bisher keine Untergrenze in Prozenten definiert, sondern nur klargestellt, dass ein Nulltarif unzulässig ist (**BGE 149 I 182**).\n\n**N. 14** **Verhältnis zu Umweltzielen**: Kontrovers diskutiert wird das Spannungsverhältnis zwischen der Nutzerfinanzierung und umweltpolitischen Lenkungszielen. Ein Teil der Lehre argumentiert, tiefe Tarife zur Förderung des Umstiegs vom motorisierten Individualverkehr seien mit → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit) und → Art. 74 BV (Umweltschutz) geboten. Das Bundesgericht hat diese Argumentation in **BGE 149 I 182** E. 3.3.2 relativiert: Auch der öffentliche Verkehr verbrauche Ressourcen, weshalb eine unbeschränkte Förderung durch Gratisangebote nicht per se nachhaltig sei.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der **Tarifgestaltung** müssen Verkehrsunternehmen und Behörden einen angemessenen Kostendeckungsgrad sicherstellen. Sozialtarife (Vergünstigungen für bestimmte Personengruppen) sind zulässig, solange der Gesamtkostendeckungsgrad angemessen bleibt. Die Quersubventionierung defizitärer Linien durch rentable Strecken ist üblich und verfassungskonform.\n\n**N. 16** **Volksinitiativen** für kostenlosen öffentlichen Verkehr sind auf allen Staatsebenen (Bund, Kantone, Gemeinden) mit Art. 81a Abs. 2 BV unvereinbar. Dies gilt nach der neuesten Rechtsprechung (**Urteil 1C_490/2024**) auch für städtische Verkehrsbetriebe. Initiativkomitees sollten stattdessen auf starke Vergünstigungen oder Ausbau des Angebots fokussieren.\n\n**N. 17** Bei der **Angebotsplanung** sind die externen Kosten des Verkehrs zu berücksichtigen (ARE, Externe Kosten und Nutzen des Verkehrs, 2014). Die volkswirtschaftlichen Nutzen des öffentlichen Verkehrs (Reduktion von Stau, Luftverschmutzung, Unfällen) rechtfertigen eine Subventionierung, schliessen aber eine Gratisabgabe aus.\n\n**N. 18** **Konzessionserteilung und Leistungsvereinbarungen** müssen die Vorgaben von Art. 81a BV berücksichtigen. Verkehrsunternehmen haben keinen Anspruch auf Vollkostendeckung durch die öffentliche Hand. Die Behörden müssen bei der Festlegung von Abgeltungen sicherstellen, dass angemessene Eigenwirtschaftlichkeitsgrade erreicht werden.", "caselaw_de": "# Art. 81a BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Auslegung von Art. 81a Abs. 2 BV und Kostenbeteiligung\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.2.1-3.2.3 vom 31. März 2023\nVerfassungsinitiative für kostenlose öffentliche Verkehrsmittel verstösst gegen Art. 81a Abs. 2 BV.\nDas Bundesgericht entwickelt verbindliche Auslegungsgrundsätze für Art. 81a Abs. 2 BV: Die Bestimmung verlangt, dass die Kosten des öffentlichen Verkehrs zu einem «angemessenen Teil» durch Nutzerpreise gedeckt werden.\n\n> «Selon une interprétation littérale de l'art. 81a al. 2 Cst., cette disposition exige qu'une part appropriée des coûts des transports publics soit couverte par les prix payés par les usagers. Cette part appropriée ne peut pas être nulle.»\n\n**Urteil 1C_490/2024** vom 9. Dezember 2024 E. 2.2\nKommunale Initiative für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Bern ist mit Art. 81a Abs. 2 BV unvereinbar.\nDie Rechtsprechung zu Art. 81a Abs. 2 BV wird auf kommunale Verkehrsbetriebe angewendet und bestätigt, dass auch auf lokaler Ebene eine Nulltarif-Lösung verfassungswidrig ist.\n\n> «Die Kosten des öffentlichen Verkehrs werden zu einem angemessenen Teil durch die von den Nutzerinnen und Nutzern bezahlten Preise gedeckt werden.»\n\n**CCST.2024.0005** vom 6. März 2025 consid. 2\nWaadtländische Initiative für vergünstigte öffentliche Verkehrsmittel verstösst gegen Art. 81a Abs. 2 BV.\nSelbst eine deutliche Preisreduktion (Deckelung der Abonnementspreise auf das Niveau der Autobahnvignette) kann gegen die Vorgabe der angemessenen Kostenbeteiligung verstossen.\n\n> «Le texte proposé [...] contrevient à la notion de part appropriée des coûts de l'art. 81a Cst. et partant au droit supérieur.»\n\n### Geltungsbereich und Kompetenzen\n\n**BGE 143 I 109** E. 5.1 vom 2. September 2016\nKompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen bei Tarifsetzung im öffentlichen Verkehr.\nArt. 81a BV schafft keine neue Bundeskompetenz, sondern ergänzt die bestehende Kompetenzordnung durch Verpflichtungen für Bund und Kantone zur Sicherstellung eines ausreichenden Angebots und zur Kostenbeteiligung der Nutzer.\n\n> «L'art. 81a Cst. ne porte pas atteinte à la répartition des compétences entre Confédération et cantons.»\n\n### Reichweite der Kostenbeteiligung\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.2.3 vom 31. März 2023\nArt. 81a Abs. 2 BV gilt für alle öffentlichen Verkehrsmittel, nicht nur für den Schienenverkehr.\nDas Bundesgericht stellt klar, dass sich Art. 81a Abs. 2 BV auf sämtliche in Abs. 1 genannten Verkehrsmittel bezieht («par rail, route, voie navigable et installations à câbles»).\n\n> «Par conséquent, des points de vue historique, systématique et téléologique, on ne peut limiter l'application de l'art. 81a al. 2 Cst. au seul transport par rail: cette disposition s'applique à l'ensemble des transports publics.»\n\n### Verhältnis zu anderen Verfassungsgrundsätzen\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.3.2 vom 31. März 2023\nArt. 81a Abs. 2 BV steht nicht im Widerspruch zum Nachhaltigkeitsprinzip (Art. 73 BV).\nDie Kostenbeteiligung der Nutzer ist mit dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung vereinbar, da auch eine unbeschränkte Zunahme des öffentlichen Verkehrs Ressourcen verbraucht.\n\n> «Il n'apparaît pas que le report des usagers sur des infrastructures consommant de l'énergie au détriment d'une mobilité douce réalise complètement le but de développement durable.»", "summary_fr": "# Art. 81a Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 81a Cst. règle le service de base des transports publics et son financement. Cette disposition exige de la Confédération et des cantons qu'ils assurent conjointement une offre suffisante de transports publics. Parallèlement, les usagers doivent assumer une part équitable des coûts.\n\nLe premier alinéa oblige la Confédération et les cantons à fournir dans toutes les régions de Suisse suffisamment de liaisons ferroviaires, par bus, par bateau et par téléphérique. « Suffisant » signifie un service de base qui rend toutes les zones accessibles (Griffel selon Kern, BSK BV, Art. 81a N. 10). Cela comprend tant le nombre de liaisons que leur qualité. Le transport de marchandises par rail doit également être pris en considération de manière appropriée.\n\nLe deuxième alinéa stipule que les voyageurs doivent payer une « part équitable » des coûts par le biais des prix des billets. Le Tribunal fédéral a décidé que cette part ne peut pas être nulle (**ATF 149 I 182**). Des transports publics entièrement gratuits sont par conséquent contraires à la Constitution. En pratique, les voyageurs couvrent entre 40 et 60 pour cent des coûts dans le trafic régional et jusqu'à 80 pour cent dans le trafic longue distance (Stückelberger/Haldimann, Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265).\n\nCette réglementation a été introduite en 2005 avec la réforme des chemins de fer 2 (FF 2005 2547). Elle vise d'une part à garantir une desserte complète du territoire, d'autre part à renforcer le principe de causalité.\n\n**Exemple** : Une commune souhaite offrir gratuitement son bus urbain. L'**arrêt 1C_490/2024** montre que de telles initiatives à tarif zéro violent l'art. 81a al. 2 Cst. La commune pourrait toutefois introduire des tarifs fortement réduits, tant que les voyageurs assument encore une part équitable des coûts d'exploitation.\n\nDans la doctrine, il est controversé de savoir si l'art. 81a al. 2 Cst. fixe également une limite supérieure pour les prix. Tandis qu'Uhlmann affirme une telle limite supérieure (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34), Kern la nie (BSK BV, Art. 81a N. 32).", "doctrine_fr": "# Art. 81a Cst\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 81a Cst a été intégré dans la Constitution fédérale lors de la réforme des chemins de fer 2 par votation populaire du 20 février 2005 (FF 2005 2313). Cette disposition a remplacé la disposition transitoire à durée limitée de l'art. 196 ch. 3 Cst relative au financement des transports publics, qui aurait expiré le 31 décembre 2007 (FF 2004 6297, 6310). Le constituant poursuivait trois objectifs principaux : premièrement, assurer durablement le financement des transports publics, deuxièmement, ancrer une offre suffisante comme mandat constitutionnel et troisièmement, inscrire le principe du financement par les usagers (FF 2004 6302).\n\n**N. 2** La formulation de l'al. 2 a fait l'objet de discussions intenses. Le Conseil fédéral avait d'abord proposé que les coûts soient couverts « en règle générale » par les usagers, formulation que le Conseil des États a atténuée en « en principe ». La conférence de conciliation s'est finalement mise d'accord sur la formulation « pour une part appropriée » (FF 2004 6303). Cette genèse montre la volonté du constituant d'ancrer d'une part le principe de causalité, mais de laisser d'autre part une marge de manœuvre pour des considérations de politique sociale et environnementale (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 1).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 81a Cst est situé systématiquement dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 4e chapitre (Environnement et aménagement du territoire), 7e section (Travaux publics et transports). Cette disposition est étroitement liée aux autres dispositions constitutionnelles sur les transports : → Art. 81 Cst (Travaux publics), → Art. 82 Cst (Circulation routière), → Art. 83 Cst (Fonds pour les routes nationales et le trafic d'agglomération), → Art. 84 Cst (Transit alpin), → Art. 85 Cst (Redevance sur le trafic des poids lourds), → Art. 86 Cst (Impôt sur les carburants), → Art. 87 Cst (Chemins de fer et autres moyens de transport) ainsi qu'à l'→ Art. 87a Cst (Infrastructure ferroviaire).\n\n**N. 4** La position systématique après le droit de l'environnement (→ Art. 73–80 Cst) et avant les véritables dispositions sur les transports souligne la double fonction de l'art. 81a Cst : les transports publics servent à la fois le service public et les objectifs de politique environnementale. Cette disposition doit en outre être comprise dans le contexte du principe de durabilité (→ Art. 73 Cst) et du mandat d'aménagement du territoire (→ Art. 75 Cst) (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 15).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **L'alinéa 1** établit un triple mandat constitutionnel : la Confédération et les cantons veillent conjointement à (1) une offre suffisante, (2) de transports publics, (3) sur rail, sur route, par voies d'eau et par installations à câbles, (4) dans toutes les régions du pays. La notion d'« offre suffisante » est un concept juridique indéterminé qui se concrétise par la législation et la pratique. Selon Griffel, elle ne vise que l'accessibilité générale (BSK BV-Kern, Art. 81a N. 10 cite Griffel).\n\n**N. 6** L'« offre suffisante » comprend des aspects quantitatifs (fréquence des cadences, couverture du réseau) et qualitatifs (fiabilité, confort, accessibilité). Cette exigence ne s'adresse pas aux individus, mais oblige la Confédération et les cantons à accomplir conjointement cette tâche. La formulation « dans toutes les régions du pays » concrétise l'obligation de service public et exige une desserte de surface couvrant également les régions périphériques (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 7–9).\n\n**N. 7** **L'alinéa 2** ancre le principe du financement par les usagers : les coûts des transports publics sont couverts « pour une part appropriée » par les prix payés par les usagers. L'expression « part appropriée » est également un concept juridique indéterminé. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 149 I 182** que cette part ne peut être nulle — un financement entièrement gratuit est contraire à la Constitution.\n\n**N. 8** La prise en compte du transport de marchandises sur rail selon l'al. 1 concerne la coordination avec le transport de personnes lors de l'attribution des sillons et de la planification de l'infrastructure. Cette disposition n'exige pas un traitement égal, mais une prise en compte appropriée des besoins du transport de marchandises (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 11–12).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'al. 1 entraîne une obligation pour la Confédération et les cantons d'assurer de manière coopérative une offre de base en transports publics. Cette obligation se concrétise en obligations de planification, de financement et d'exploitation. La mise en œuvre s'effectue principalement par la loi sur le transport de voyageurs (LTV, RS 745.1) et les lois cantonales d'exécution. L'art. 81a al. 1 Cst ne permet pas de déduire un droit subjectif à certaines liaisons de transport (Uhlmann/Hinderling, Transportrecht, 2008, p. 72).\n\n**N. 10** L'al. 2 fonde une limite constitutionnelle pour la tarification. Les entreprises de transport et les autorités sont tenues de concevoir les tarifs de manière à atteindre un taux de couverture des coûts approprié. Selon l'**ATF 149 I 182** et l'**arrêt 1C_490/2024**, les initiatives communales ou cantonales pour un tarif zéro dans les transports publics sont incompatibles avec l'art. 81a al. 2 Cst et donc nulles.\n\n**N. 11** La violation de l'art. 81a Cst peut être invoquée dans le cadre du contrôle abstrait des normes (→ Art. 82 lit. b LTF) ou lors de l'examen préalable d'initiatives populaires. Les particuliers ne peuvent s'appuyer qu'indirectement sur l'art. 81a Cst, par exemple lorsque des tarifs discriminatoires contreviennent à l'→ Art. 8 Cst.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Limite supérieure contestée pour les prix de transport** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir si l'art. 81a al. 2 Cst établit une limite supérieure pour les prix de transport. Uhlmann (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34) défend la position selon laquelle cette disposition constitue une limite supérieure globale : une couverture complète des coûts par les prix aux usagers serait dès lors inadmissible, car cela nierait le caractère d'intérêt général des transports publics. Kern conteste cette conception (BSK BV, Art. 81a N. 32) : la disposition ne constitue pas une limite supérieure et n'exclut pas une couverture complète des coûts.\n\n**N. 13** **Taux de couverture des coûts approprié** : Ce qui constitue une « part appropriée » de couverture des coûts est controversé dans la doctrine. La pratique montre des taux de couverture des coûts entre 40% et 60% dans le trafic régional et jusqu'à 80% dans le trafic grandes lignes. Stückelberger/Haldimann (Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265) plaident pour une approche différenciée selon le type de trafic et la région. Le Tribunal fédéral n'a jusqu'à présent défini aucune limite inférieure en pourcentage, mais a seulement précisé qu'un tarif zéro est inadmissible (**ATF 149 I 182**).\n\n**N. 14** **Rapport avec les objectifs environnementaux** : Le rapport de tension entre le financement par les usagers et les objectifs de politique environnementale fait l'objet de discussions controversées. Une partie de la doctrine argue que des tarifs bas pour encourager le passage du transport individuel motorisé sont requis par l'→ Art. 73 Cst (Durabilité) et l'→ Art. 74 Cst (Protection de l'environnement). Le Tribunal fédéral a relativisé cette argumentation dans l'**ATF 149 I 182** consid. 3.3.2 : les transports publics consomment également des ressources, raison pour laquelle une promotion illimitée par des offres gratuites n'est pas durable per se.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** Lors de la **tarification**, les entreprises de transport et les autorités doivent assurer un taux de couverture des coûts approprié. Les tarifs sociaux (réductions pour certains groupes de personnes) sont admissibles, pour autant que le taux global de couverture des coûts reste approprié. La subvention croisée de lignes déficitaires par des tronçons rentables est usuelle et conforme à la Constitution.\n\n**N. 16** Les **initiatives populaires** pour des transports publics gratuits sont incompatibles avec l'art. 81a al. 2 Cst à tous les niveaux étatiques (Confédération, cantons, communes). Ceci vaut selon la jurisprudence la plus récente (**arrêt 1C_490/2024**) également pour les entreprises de transports urbains. Les comités d'initiative devraient plutôt se concentrer sur de fortes réductions ou sur l'extension de l'offre.\n\n**N. 17** Lors de la **planification de l'offre**, les coûts externes du transport doivent être pris en compte (ARE, Coûts et bénéfices externes des transports, 2014). Les bénéfices économiques des transports publics (réduction des embouteillages, de la pollution atmosphérique, des accidents) justifient un subventionnement, mais excluent une distribution gratuite.\n\n**N. 18** L'**octroi de concessions et les conventions de prestations** doivent tenir compte des exigences de l'art. 81a Cst. Les entreprises de transport n'ont pas droit à une couverture intégrale des coûts par les pouvoirs publics. Les autorités doivent, lors de la fixation des indemnités, s'assurer que des taux d'autofinancement appropriés soient atteints.", "caselaw_fr": "# Art. 81a Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Interprétation de l'art. 81a al. 2 Cst. et participation aux coûts\n\n**ATF 149 I 182** consid. 3.2.1-3.2.3 du 31 mars 2023\nUne initiative populaire pour des transports publics gratuits contrevient à l'art. 81a al. 2 Cst.\nLe Tribunal fédéral développe des principes d'interprétation contraignants pour l'art. 81a al. 2 Cst. : cette disposition exige que les coûts des transports publics soient couverts pour une « part appropriée » par les prix payés par les usagers.\n\n> « Selon une interprétation littérale de l'art. 81a al. 2 Cst., cette disposition exige qu'une part appropriée des coûts des transports publics soit couverte par les prix payés par les usagers. Cette part appropriée ne peut pas être nulle. »\n\n**Arrêt 1C_490/2024** du 9 décembre 2024 consid. 2.2\nUne initiative communale pour des transports publics de proximité gratuits à Berne est incompatible avec l'art. 81a al. 2 Cst.\nLa jurisprudence relative à l'art. 81a al. 2 Cst. est appliquée aux transports communaux et confirme qu'une solution de tarif zéro est également inconstitutionnelle au niveau local.\n\n> « Die Kosten des öffentlichen Verkehrs werden zu einem angemessenen Teil durch die von den Nutzerinnen und Nutzern bezahlten Preise gedeckt werden. »\n\n**CCST.2024.0005** du 6 mars 2025 consid. 2\nUne initiative vaudoise pour des transports publics à prix réduit contrevient à l'art. 81a al. 2 Cst.\nMême une réduction importante des prix (plafonnement du prix des abonnements au niveau de la vignette autoroutière) peut contrevenir à l'exigence d'une participation appropriée aux coûts.\n\n> « Le texte proposé [...] contrevient à la notion de part appropriée des coûts de l'art. 81a Cst. et partant au droit supérieur. »\n\n### Champ d'application et compétences\n\n**ATF 143 I 109** consid. 5.1 du 2 septembre 2016\nRépartition des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de fixation des tarifs dans les transports publics.\nL'art. 81a Cst. ne crée pas de nouvelle compétence fédérale, mais complète l'ordre des compétences existant par des obligations pour la Confédération et les cantons d'assurer une offre suffisante et une participation des usagers aux coûts.\n\n> « L'art. 81a Cst. ne porte pas atteinte à la répartition des compétences entre Confédération et cantons. »\n\n### Portée de la participation aux coûts\n\n**ATF 149 I 182** consid. 3.2.3 du 31 mars 2023\nL'art. 81a al. 2 Cst. s'applique à tous les transports publics, pas seulement au transport ferroviaire.\nLe Tribunal fédéral précise que l'art. 81a al. 2 Cst. se réfère à l'ensemble des moyens de transport mentionnés à l'al. 1 (« par rail, route, voie navigable et installations à câbles »).\n\n> « Par conséquent, des points de vue historique, systématique et téléologique, on ne peut limiter l'application de l'art. 81a al. 2 Cst. au seul transport par rail: cette disposition s'applique à l'ensemble des transports publics. »\n\n### Rapport avec d'autres principes constitutionnels\n\n**ATF 149 I 182** consid. 3.3.2 du 31 mars 2023\nL'art. 81a al. 2 Cst. n'est pas en contradiction avec le principe de durabilité (art. 73 Cst.).\nLa participation des usagers aux coûts est compatible avec le principe du développement durable, car une augmentation illimitée des transports publics consomme également des ressources.\n\n> « Il n'apparaît pas que le report des usagers sur des infrastructures consommant de l'énergie au détriment d'une mobilité douce réalise complètement le but de développement durable. »", "summary_it": "# Art. 81a Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 81a Cost. disciplina il servizio universale di trasporto pubblico e il relativo finanziamento. La disposizione impone congiuntamente alla Confederazione e ai Cantoni di garantire un'offerta sufficiente di trasporto pubblico. Al contempo, gli utenti devono sostenere una parte adeguata dei costi.\n\nIl primo capoverso obbliga la Confederazione e i Cantoni a fornire in tutte le regioni della Svizzera collegamenti sufficienti di treno, autobus, battelli e funivie. «Sufficiente» significa un servizio universale che renda raggiungibili tutte le zone (Griffel secondo Kern, BSK BV, Art. 81a N. 10). Ciò comprende sia il numero di collegamenti sia la loro qualità. Anche il trasporto merci su rotaia deve essere adeguatamente considerato.\n\nIl secondo capoverso stabilisce che i passeggeri devono pagare una «parte adeguata» dei costi tramite i prezzi dei biglietti. Il Tribunale federale ha deciso che questa quota non può essere nulla (**BGE 149 I 182**). Il trasporto pubblico completamente gratuito è pertanto incostituzionale. Nella pratica, i passeggeri coprono tra il 40 e il 60 per cento dei costi nel traffico regionale e fino all'80 per cento nel traffico a lunga percorrenza (Stückelberger/Haldimann, Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265).\n\nLa disciplina è stata introdotta nel 2005 con la Riforma delle ferrovie 2 (FF 2005 2289). Da un lato deve garantire un approvvigionamento capillare di trasporti, dall'altro rafforzare il principio di causalità.\n\n**Esempio**: Un Comune vuole offrire gratuitamente i propri autobus urbani. La **sentenza 1C_490/2024** mostra che tali iniziative a tariffa zero violano l'art. 81a cpv. 2 Cost. Il Comune potrebbe però introdurre tariffe fortemente agevolate, purché i passeggeri sostengano ancora una parte adeguata dei costi d'esercizio.\n\nNella dottrina è controverso se l'art. 81a cpv. 2 Cost. stabilisca anche un limite superiore per i prezzi. Mentre Uhlmann ammette un tale limite superiore (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34), Kern lo nega (BSK BV, Art. 81a N. 32).", "doctrine_it": "# Art. 81a Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi\n\n**N. 1** L'art. 81a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale nell'ambito della riforma ferroviaria 2 mediante votazione popolare del 20 febbraio 2005 (FF 2005 2297). La disposizione ha sostituito la disposizione transitoria a tempo determinato dell'art. 196 n. 3 Cost. relativa al finanziamento del traffico pubblico, che sarebbe scaduta il 31 dicembre 2007 (FF 2004 6241, 6254). Il costituente perseguiva tre obiettivi principali: primo, garantire durevolmente il finanziamento del traffico pubblico, secondo, ancorare un'offerta sufficiente come mandato costituzionale e terzo, sancire il principio del finanziamento da parte degli utenti (FF 2004 6246).\n\n**N. 2** La formulazione del cpv. 2 è stata discussa intensamente. Il Consiglio federale aveva inizialmente proposto che i costi fossero coperti «di regola» dagli utenti, che il Consiglio degli Stati ha attenuato in «in linea di principio». La conferenza di conciliazione si è infine accordata sulla formulazione «in misura adeguata» (FF 2004 6247). Questa genesi mostra la volontà del costituente di ancorare da un lato il principio di causalità, dall'altro di lasciare margine per considerazioni di politica sociale e ambientale (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 1).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 81a Cost. è collocato sistematicamente nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 4° capitolo (Ambiente e pianificazione del territorio), 7ª sezione (Opere pubbliche e traffico). La disposizione è strettamente correlata alle altre disposizioni sui trasporti della Costituzione: → art. 81 Cost. (Opere pubbliche), → art. 82 Cost. (Traffico stradale), → art. 83 Cost. (Fondo per l'infrastruttura stradale), → art. 84 Cost. (Traffico di transito), → art. 85 Cost. (Tassa sul traffico pesante), → art. 86 Cost. (Imposta sui carburanti), → art. 87 Cost. (Ferrovie e altri vettori) e → art. 87a Cost. (Infrastruttura ferroviaria).\n\n**N. 4** La posizione sistematica dopo il diritto ambientale (→ art. 73–80 Cost.) e prima delle vere e proprie disposizioni sui trasporti sottolinea la doppia funzione dell'art. 81a Cost.: il traffico pubblico serve sia al servizio di base sia a obiettivi di politica ambientale. La disposizione deve inoltre essere compresa nel contesto del principio di sostenibilità (→ art. 73 Cost.) e del mandato di pianificazione del territorio (→ art. 75 Cost.) (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 15).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Il capoverso 1** statuisce un triplice mandato costituzionale: Confederazione e Cantoni provvedono insieme a (1) un'offerta sufficiente, (2) di traffico pubblico, (3) su rotaia, strada, acqua e con funicolari, (4) in tutte le regioni del Paese. Il concetto di «offerta sufficiente» è una nozione giuridica indeterminata che viene concretizzata dalla legislazione e dalla prassi. Secondo Griffel essa si riferisce esclusivamente all'accessibilità generale (BSK BV-Kern, Art. 81a N. 10 cita Griffel).\n\n**N. 6** L'«offerta sufficiente» comprende aspetti quantitativi (frequenza, copertura della rete) e qualitativi (affidabilità, comfort, accessibilità). Il diritto non si rivolge agli individui, ma obbliga Confederazione e Cantoni all'adempimento comune del compito. La formulazione «in tutte le regioni del Paese» concretizza l'obbligo del servizio di base e richiede un allacciamento capillare anche delle regioni periferiche (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 7–9).\n\n**N. 7** **Il capoverso 2** ancora il principio del finanziamento da parte degli utenti: i costi del traffico pubblico sono coperti «in misura adeguata» dai prezzi pagati dalle utenti e dagli utenti. L'espressione «misura adeguata» è anch'essa una nozione giuridica indeterminata. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 149 I 182** che questa parte non può essere nulla — un finanziamento completamente gratuito è incostituzionale.\n\n**N. 8** Nella considerazione del traffico merci su rotaia secondo il cpv. 1 si tratta del coordinamento con il traffico passeggeri nell'assegnazione dei tracciati e nella pianificazione dell'infrastruttura. La disposizione non richiede una parità di trattamento, ma una considerazione adeguata delle esigenze del traffico merci (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 11–12).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dal cpv. 1 deriva un obbligo di Confederazione e Cantoni di garantire cooperativamente un'offerta di base di traffico pubblico. Questo obbligo si concretizza in obblighi di pianificazione, finanziamento ed esercizio. L'attuazione avviene principalmente attraverso la Legge sul trasporto di viaggiatori (LTV, RS 745.1) e le leggi cantonali di esecuzione. Un diritto soggettivo a determinati collegamenti di trasporto non può essere derivato dall'art. 81a cpv. 1 Cost. (Uhlmann/Hinderling, Transportrecht, 2008, p. 72).\n\n**N. 10** Il cpv. 2 fonda un limite costituzionale per la strutturazione tariffaria. Le aziende di trasporto e le autorità sono obbligate a strutturare le tariffe in modo da raggiungere un grado adeguato di copertura dei costi. Secondo **DTF 149 I 182** e **sentenza 1C_490/2024** le iniziative comunali o cantonali per una tariffa zero nel traffico pubblico sono incompatibili con l'art. 81a cpv. 2 Cost. e quindi nulle.\n\n**N. 11** La violazione dell'art. 81a Cost. può essere censurata nell'ambito del controllo astratto delle norme (→ art. 82 lett. b LTF) o nell'esame preliminare delle iniziative popolari. Gli individui possono invocare l'art. 81a Cost. solo indirettamente, ad esempio quando tariffe discriminatorie violano l'→ art. 8 Cost.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Limite massimo controverso per i prezzi di trasporto**: Nella dottrina è controverso se l'art. 81a cpv. 2 Cost. statuisca un limite massimo per i prezzi di trasporto. Uhlmann (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34) sostiene la posizione che la disposizione rappresenti un limite massimo globale: una copertura completa dei costi attraverso i prezzi degli utenti sarebbe dunque inammissibile, poiché negherebbe il carattere di interesse generale del traffico pubblico. Kern contraddice questa concezione (BSK BV, Art. 81a N. 32): la disposizione non statuisce alcun limite massimo e non esclude una copertura completa dei costi.\n\n**N. 13** **Grado adeguato di copertura dei costi**: Ciò che vale come «parte adeguata» della copertura dei costi è controverso nella dottrina. La prassi mostra gradi di copertura dei costi tra il 40% e il 60% nel traffico regionale e fino all'80% nel traffico a lunga distanza. Stückelberger/Haldimann (Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265) propugnano una considerazione differenziata secondo il tipo di traffico e la regione. Il Tribunale federale finora non ha definito un limite inferiore in percentuali, ma ha solo chiarito che una tariffa zero è inammissibile (**DTF 149 I 182**).\n\n**N. 14** **Rapporto con gli obiettivi ambientali**: È discusso in modo controverso il rapporto di tensione tra il finanziamento da parte degli utenti e gli obiettivi di incentivazione della politica ambientale. Una parte della dottrina argomenta che tariffe basse per promuovere il passaggio dal traffico motorizzato individuale siano imposte dall'→ art. 73 Cost. (sostenibilità) e dall'→ art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente). Il Tribunale federale ha relativizzato questa argomentazione in **DTF 149 I 182** consid. 3.3.2: anche il traffico pubblico consuma risorse, per cui una promozione illimitata attraverso offerte gratuite non è sostenibile di per sé.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nella **strutturazione tariffaria** le imprese di trasporto e le autorità devono garantire un grado adeguato di copertura dei costi. Le tariffe sociali (riduzioni per determinati gruppi di persone) sono ammissibili, purché il grado complessivo di copertura dei costi rimanga adeguato. Il sovvenzionamento incrociato di linee deficitarie attraverso tratte redditizie è usuale e costituzionalmente conforme.\n\n**N. 16** **Le iniziative popolari** per il traffico pubblico gratuito sono incompatibili con l'art. 81a cpv. 2 Cost. a tutti i livelli statali (Confederazione, Cantoni, Comuni). Questo vale secondo la giurisprudenza più recente (**sentenza 1C_490/2024**) anche per le aziende di trasporto urbano. I comitati d'iniziativa dovrebbero invece concentrarsi su forti riduzioni o sul potenziamento dell'offerta.\n\n**N. 17** Nella **pianificazione dell'offerta** devono essere considerati i costi esterni del traffico (ARE, Costi e benefici esterni del traffico, 2014). I benefici economici del traffico pubblico (riduzione di ingorghi, inquinamento atmosferico, incidenti) giustificano un sovvenzionamento, ma escludono una fornitura gratuita.\n\n**N. 18** **Il rilascio di concessioni e i contratti di prestazione** devono considerare le prescrizioni dell'art. 81a Cost. Le imprese di trasporto non hanno diritto alla copertura completa dei costi da parte della mano pubblica. Le autorità devono garantire nell'stabilire gli indennizzi che vengano raggiunti gradi adeguati di redditività propria.", "caselaw_it": "# Art. 81a Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Interpretazione dell'art. 81a cpv. 2 Cost. e partecipazione ai costi\n\n**DTF 149 I 182** consid. 3.2.1-3.2.3 del 31 marzo 2023\nL'iniziativa costituzionale per i trasporti pubblici gratuiti viola l'art. 81a cpv. 2 Cost.\nIl Tribunale federale sviluppa principi interpretativi vincolanti per l'art. 81a cpv. 2 Cost.: la disposizione esige che i costi dei trasporti pubblici siano coperti in «parte adeguata» dai prezzi degli utenti.\n\n> «Selon une interprétation littérale de l'art. 81a al. 2 Cst., cette disposition exige qu'une part appropriée des coûts des transports publics soit couverte par les prix payés par les usagers. Cette part appropriée ne peut pas être nulle.»\n\n**Sentenza 1C_490/2024** del 9 dicembre 2024 consid. 2.2\nL'iniziativa comunale per i trasporti pubblici locali gratuiti a Berna è incompatibile con l'art. 81a cpv. 2 Cost.\nLa giurisprudenza sull'art. 81a cpv. 2 Cost. viene applicata alle aziende di trasporto comunali e conferma che anche a livello locale una soluzione a tariffa zero è incostituzionale.\n\n> «Die Kosten des öffentlichen Verkehrs werden zu einem angemessenen Teil durch die von den Nutzerinnen und Nutzern bezahlten Preise gedeckt werden.»\n\n**CCST.2024.0005** del 6 marzo 2025 consid. 2\nL'iniziativa vodese per i trasporti pubblici agevolati viola l'art. 81a cpv. 2 Cost.\nAnche una notevole riduzione dei prezzi (limitazione dei prezzi degli abbonamenti al livello della vignetta autostradale) può violare l'esigenza di una partecipazione adeguata ai costi.\n\n> «Le texte proposé [...] contrevient à la notion de part appropriée des coûts de l'art. 81a Cst. et partant au droit supérieur.»\n\n### Ambito di applicazione e competenze\n\n**DTF 143 I 109** consid. 5.1 del 2 settembre 2016\nRipartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nella fissazione delle tariffe nei trasporti pubblici.\nL'art. 81a Cost. non crea una nuova competenza federale, ma completa l'ordinamento esistente delle competenze mediante obblighi per la Confederazione e i Cantoni di garantire un'offerta sufficiente e la partecipazione degli utenti ai costi.\n\n> «L'art. 81a Cst. ne porte pas atteinte à la répartition des compétences entre Confédération et cantons.»\n\n### Portata della partecipazione ai costi\n\n**DTF 149 I 182** consid. 3.2.3 del 31 marzo 2023\nL'art. 81a cpv. 2 Cost. vale per tutti i trasporti pubblici, non solo per il trasporto ferroviario.\nIl Tribunale federale chiarisce che l'art. 81a cpv. 2 Cost. si riferisce a tutti i mezzi di trasporto menzionati nel cpv. 1 («par rail, route, voie navigable et installations à câbles»).\n\n> «Par conséquent, des points de vue historique, systématique et téléologique, on ne peut limiter l'application de l'art. 81a al. 2 Cst. au seul transport par rail: cette disposition s'applique à l'ensemble des transports publics.»\n\n### Rapporto con altri principi costituzionali\n\n**DTF 149 I 182** consid. 3.3.2 del 31 marzo 2023\nL'art. 81a cpv. 2 Cost. non è in contraddizione con il principio di sostenibilità (art. 73 Cost.).\nLa partecipazione degli utenti ai costi è compatibile con il principio dello sviluppo sostenibile, poiché anche un aumento illimitato dei trasporti pubblici consuma risorse.\n\n> «Il n'apparaît pas que le report des usagers sur des infrastructures consommant de l'énergie au détriment d'une mobilité douce réalise complètement le but de développement durable.»", "summary_en": "# Art. 81a BV\n\n## Overview\n\nArt. 81a BV regulates the basic supply of public transport and its financing. The provision requires the Confederation and the cantons jointly to ensure an adequate supply of public transport. At the same time, users must bear an appropriate share of the costs themselves.\n\nThe first paragraph obliges the Confederation and the cantons to provide sufficient rail, bus, ship and cable car connections in all regions of Switzerland. «Adequate» means a basic supply that makes all areas accessible (Griffel nach Kern, BSK BV, Art. 81a N. 10). This encompasses both the number of connections and their quality. Freight transport by rail must also be given appropriate consideration.\n\nThe second paragraph establishes that passengers must pay an «appropriate share» of the costs through ticket prices. The Federal Supreme Court has decided that this share may not be zero (**BGE 149 I 182**). Completely free public transport is therefore unconstitutional. In practice, passengers cover between 40 and 60 percent of costs in regional transport and up to 80 percent in long-distance transport (Stückelberger/Haldimann, Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265).\n\nThe regulation was introduced in 2005 with Railway Reform 2 (BBl 2005 2547). It aims on the one hand to guarantee comprehensive transport supply, and on the other hand to strengthen the polluter pays principle.\n\n**Example**: A municipality wants to offer its city bus free of charge. **Judgment 1C_490/2024** shows that such zero-fare initiatives violate Art. 81a para. 2 BV. The municipality could, however, introduce heavily subsidised fares, as long as passengers still bear an appropriate share of the operating costs.\n\nIn doctrine, it is disputed whether Art. 81a para. 2 BV also establishes an upper limit for prices. While Uhlmann affirms such an upper limit (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34), Kern denies it (BSK BV, Art. 81a N. 32).", "doctrine_en": "# Art. 81a BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 81a BV was inserted into the Federal Constitution through Railway Reform 2 by popular vote on 20 February 2005 (BBl 2005 2547). The provision replaced the temporary transitional provision Art. 196 No. 3 BV on the financing of public transport, which would have expired on 31 December 2007 (BBl 2004 6651, 6665). The constitutional legislator pursued three main objectives: firstly, the permanent securing of public transport financing, secondly, the anchoring of an adequate service as a constitutional mandate and thirdly, the entrenchment of the principle of user financing (BBl 2004 6656).\n\n**N. 2** The formulation of para. 2 was intensively discussed. The Federal Council had initially proposed that the costs should be covered by users «as a rule», which the Council of States weakened to «in principle». The conciliation conference finally agreed on the formulation «to an appropriate extent» (BBl 2004 6657). This legislative history shows the constitutional legislator's will to anchor the polluter-pays principle on the one hand, while leaving room for social policy and environmental policy considerations on the other hand (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 1).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 81a BV is systematically located in the 3rd Title (Confederation, Cantons and Communes), 4th Chapter (Environment and Spatial Planning), 7th Section (Public Works and Transport). The provision is closely connected with the other transport provisions of the BV: → Art. 81 BV (Public Works), → Art. 82 BV (Road Traffic), → Art. 83 BV (Road Infrastructure Fund), → Art. 84 BV (Transit Traffic), → Art. 85 BV (Heavy Vehicle Fee), → Art. 86 BV (Consumption Tax on Motor Fuels), → Art. 87 BV (Railways and Other Means of Transport) as well as → Art. 87a BV (Railway Infrastructure).\n\n**N. 4** The systematic position after environmental law (→ Art. 73–80 BV) and before the actual transport provisions underscores the dual function of Art. 81a BV: Public transport serves both basic services and environmental policy objectives. The provision must also be understood in the context of the sustainability principle (→ Art. 73 BV) and the spatial planning mandate (→ Art. 75 BV) (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 15).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Paragraph 1** establishes a threefold constitutional mandate: the Confederation and cantons jointly ensure (1) an adequate service, (2) of public transport, (3) on rail, road, water and by cable car, (4) in all regions of the country. The term «adequate service» is an indeterminate legal concept that is concretised through legislation and practice. According to Griffel, it focuses exclusively on general accessibility (BSK BV-Kern, Art. 81a N. 10 citing Griffel).\n\n**N. 6** The «adequate service» encompasses quantitative (frequency, network coverage) and qualitative aspects (reliability, comfort, accessibility). The claim is not directed at individuals, but obligates the Confederation and cantons to jointly fulfil the task. The formulation «in all regions of the country» concretises the basic service obligation and requires comprehensive coverage including peripheral areas (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 7–9).\n\n**N. 7** **Paragraph 2** anchors the principle of user financing: The costs of public transport are covered «to an appropriate extent» by the prices paid by users. The phrase «appropriate extent» is likewise an indeterminate legal concept. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 149 I 182** that this extent cannot be zero — complete free financing is unconstitutional.\n\n**N. 8** The consideration of rail freight transport according to para. 1 concerns coordination with passenger transport in track allocation and infrastructure planning. The provision does not require equal treatment, but appropriate consideration of freight transport needs (Kern, BSK BV, Art. 81a N. 11–12).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** From para. 1 follows an obligation of the Confederation and cantons to cooperatively ensure a basic service of public transport. This obligation is concretised in planning, financing and operational duties. Implementation occurs primarily through the Passenger Transport Act (PBG, SR 745.1) and cantonal implementing laws. No subjective right to specific transport connections can be derived from Art. 81a para. 1 BV (Uhlmann/Hinderling, Transportrecht, 2008, p. 72).\n\n**N. 10** Para. 2 establishes a constitutional barrier for tariff design. Transport operators and authorities are obligated to design tariffs so that an appropriate cost recovery rate is achieved. According to **BGE 149 I 182** and **Judgment 1C_490/2024**, communal or cantonal initiatives for zero fares in public transport are incompatible with Art. 81a para. 2 BV and thus invalid.\n\n**N. 11** Violation of Art. 81a BV can be challenged within the framework of abstract judicial review (→ Art. 82 lit. b BGG) or in the preliminary examination of popular initiatives. Individuals can only invoke Art. 81a BV indirectly, for instance when discriminatory tariffs violate → Art. 8 BV.\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 12** **Disputed upper limit for transport prices**: In legal scholarship, it is disputed whether Art. 81a para. 2 BV establishes an upper limit for transport prices. Uhlmann (SG Komm. BV, Art. 81a N. 34) takes the position that the provision represents a global upper limit: complete cost coverage through user prices would accordingly be inadmissible, as this would negate the public welfare character of public transport. Kern contradicts this view (BSK BV, Art. 81a N. 32): The provision does not establish an upper limit and does not exclude complete cost coverage.\n\n**N. 13** **Appropriate cost recovery rate**: What constitutes an «appropriate extent» of cost coverage is disputed in doctrine. Practice shows cost recovery rates between 40% and 60% in regional transport and up to 80% in long-distance transport. Stückelberger/Haldimann (Schienenverkehrsrecht, 2008, p. 265) advocate for a differentiated consideration according to type of transport and region. The Federal Supreme Court has not yet defined a lower limit in percentages, but only clarified that zero fares are inadmissible (**BGE 149 I 182**).\n\n**N. 14** **Relationship to environmental objectives**: The tension between user financing and environmental policy steering objectives is controversially discussed. Part of the legal scholarship argues that low tariffs to promote switching from motorised individual transport are mandated by → Art. 73 BV (sustainability) and → Art. 74 BV (environmental protection). The Federal Supreme Court relativised this argument in **BGE 149 I 182** E. 3.3.2: Public transport also consumes resources, which is why unlimited promotion through free offers is not inherently sustainable.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** In **tariff design**, transport companies and authorities must ensure an appropriate cost recovery rate. Social tariffs (discounts for certain groups of persons) are permissible as long as the overall cost recovery rate remains appropriate. Cross-subsidisation of loss-making lines through profitable routes is common and constitutionally compliant.\n\n**N. 16** **Popular initiatives** for free public transport are incompatible with Art. 81a para. 2 BV at all state levels (Confederation, cantons, communes). According to the latest case law (**Judgment 1C_490/2024**), this also applies to municipal transport operators. Initiative committees should instead focus on substantial discounts or expansion of services.\n\n**N. 17** In **service planning**, the external costs of transport must be considered (ARE, External Costs and Benefits of Transport, 2014). The economic benefits of public transport (reduction of congestion, air pollution, accidents) justify subsidisation, but exclude free provision.\n\n**N. 18** **Concession granting and service agreements** must consider the requirements of Art. 81a BV. Transport companies have no claim to full cost coverage by public authorities. Authorities must ensure when determining compensation that appropriate levels of self-sufficiency are achieved.", "caselaw_en": "# Art. 81a BV\n\n## Case law\n\n### Interpretation of Art. 81a para. 2 BV and cost sharing\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.2.1-3.2.3 of 31 March 2023\nConstitutional initiative for free public transport violates Art. 81a para. 2 BV.\nThe Federal Supreme Court develops binding interpretation principles for Art. 81a para. 2 BV: The provision requires that the costs of public transport be covered to an «appropriate extent» by user prices.\n\n> «Selon une interprétation littérale de l'art. 81a al. 2 Cst., cette disposition exige qu'une part appropriée des coûts des transports publics soit couverte par les prix payés par les usagers. Cette part appropriée ne peut pas être nulle.»\n\n**Judgment 1C_490/2024** of 9 December 2024 E. 2.2\nMunicipal initiative for free local public transport in Bern is incompatible with Art. 81a para. 2 BV.\nThe case law on Art. 81a para. 2 BV is applied to municipal transport operators and confirms that even at the local level, a zero-fare solution is unconstitutional.\n\n> «Die Kosten des öffentlichen Verkehrs werden zu einem angemessenen Teil durch die von den Nutzerinnen und Nutzern bezahlten Preise gedeckt werden.»\n\n**CCST.2024.0005** of 6 March 2025 consid. 2\nVaud initiative for discounted public transport violates Art. 81a para. 2 BV.\nEven a significant price reduction (capping subscription prices at the level of the motorway vignette) may violate the requirement for appropriate cost sharing.\n\n> «Le texte proposé [...] contrevient à la notion de part appropriée des coûts de l'art. 81a Cst. et partant au droit supérieur.»\n\n### Scope of application and competences\n\n**BGE 143 I 109** E. 5.1 of 2 September 2016\nDivision of competences between the Confederation and cantons in tariff setting for public transport.\nArt. 81a BV does not create a new federal competence, but supplements the existing division of competences through obligations for the Confederation and cantons to ensure adequate services and user cost sharing.\n\n> «L'art. 81a Cst. ne porte pas atteinte à la répartition des compétences entre Confédération et cantons.»\n\n### Scope of cost sharing\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.2.3 of 31 March 2023\nArt. 81a para. 2 BV applies to all public transport, not only rail transport.\nThe Federal Supreme Court clarifies that Art. 81a para. 2 BV refers to all means of transport mentioned in para. 1 («par rail, route, voie navigable et installations à câbles»).\n\n> «Par conséquent, des points de vue historique, systématique et téléologique, on ne peut limiter l'application de l'art. 81a al. 2 Cst. au seul transport par rail: cette disposition s'applique à l'ensemble des transports publics.»\n\n### Relationship to other constitutional principles\n\n**BGE 149 I 182** E. 3.3.2 of 31 March 2023\nArt. 81a para. 2 BV is not in contradiction with the sustainability principle (Art. 73 BV).\nUser cost sharing is compatible with the principle of sustainable development, as unlimited growth of public transport also consumes resources.\n\n> «Il n'apparaît pas que le report des usagers sur des infrastructures consommant de l'énergie au détriment d'une mobilité douce réalise complètement le but de développement durable.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_81a", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 82, "article_suffix": "", "title": "Strassenverkehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 82 BV — Strassenverkehr\n\n## Übersicht\n\nArt. 82 BV regelt die Kompetenzen von Bund und Kantonen im Strassenverkehr. Die Bestimmung gibt dem Bund das alleinige Recht, Gesetze über den Strassenverkehr zu erlassen. Betroffen sind alle Verkehrsteilnehmer: Autofahrer, Motorradfahrer, Lastwagenfahrer und alle anderen, die motorisierte Fahrzeuge auf öffentlichen Strassen benutzen.\n\nDer Bund macht von dieser Kompetenz umfassend Gebrauch. Er regelt im Strassenverkehrsgesetz (SVG), wer fahren darf, welche Verkehrsregeln gelten und wie Fahrzeuge beschaffen sein müssen. Beispiel: Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h innerorts gilt schweizweit einheitlich. Ein Kanton darf diese nicht eigenmächtig auf 40 km/h senken.\n\nZusätzlich übt der Bund die Oberaufsicht über wichtige Durchgangsstrassen aus. Er kann bestimmen, welche Strassen für den überregionalen Verkehr offen bleiben müssen. So kann er beispielsweise verhindern, dass ein Kanton eine wichtige Alpenpassstrasse aus Umweltschutzgründen für den Güterverkehr sperrt.\n\nEin wichtiger Grundsatz ist die gebührenfreie Strassenbenützung. Niemand muss für das Fahren auf öffentlichen Strassen direkte Gebühren bezahlen. Verboten sind beispielsweise Wegzölle oder City-Maut-Systeme nach Londoner Vorbild. Erlaubt bleiben jedoch Parkgebühren, da diese nicht für das Fahren, sondern für das Stehen des Fahrzeugs erhoben werden.\n\nDie Bundesversammlung kann Ausnahmen vom Gebührenverbot bewilligen. Dies geschah bei der Autobahnvignette und der Schwerverkehrsabgabe für Lastwagen. Solche Ausnahmen müssen jedoch speziell begründet und eng begrenzt sein.\n\nDie Rechtsfolgen sind klar: Kantonale Verkehrsgesetze sind grundsätzlich unzulässig. Verstösst ein Kanton gegen das Gebührenverbot, können Bürger sich direkt vor Gericht darauf berufen. Der Bund kann Kantone zur Offenhaltung wichtiger Durchgangsstrassen zwingen.", "doctrine_de": "# Art. 82 BV — Strassenverkehr\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 82 BV geht auf Art. 37bis aBV zurück, der 1958 in die Bundesverfassung eingefügt wurde (BBl 1957 II 585). Die Bestimmung sollte die umfassende Bundeskompetenz im motorisierten Strassenverkehr verfassungsrechtlich verankern, nachdem die rasante Entwicklung des Automobilverkehrs eine einheitliche gesamtschweizerische Regelung erforderlich machte.\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 übernahm die Bestimmung inhaltlich unverändert (BBl 1997 I 1, 300). Der Verfassungsgeber betonte dabei die Notwendigkeit einer umfassenden Bundeskompetenz zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit und des reibungslosen grenzüberschreitenden Verkehrs.\n\n**N. 3** Der Grundsatz der gebührenfreien Strassenbenützung in Abs. 3 hat seine Wurzeln im mittelalterlichen Kampf gegen die Wegzölle und wurde als fundamentales Prinzip der modernen Verkehrspolitik in die Verfassung aufgenommen (BBl 1957 II 590).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 82 BV steht im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, 3. Kapitel über die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen. Die Norm begründet eine ausschliessliche Bundeskompetenz im Bereich des Strassenverkehrsrechts (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1098).\n\n**N. 5** Die Bestimmung ist abzugrenzen von:\n- → Art. 83 BV (Strassenwesen): regelt Bau und Unterhalt der Strassen\n- → Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe): spezielle verfassungsrechtliche Grundlage für die LSVA\n- → Art. 86 BV (Verbrauchssteuer auf Treibstoffen): Finanzierung der Strasseninfrastruktur\n- → Art. 88 BV (Fuss- und Wanderwege): komplementäre kantonale Kompetenz\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu den Grundrechten ist insbesondere → Art. 10 Abs. 2 BV (Bewegungsfreiheit) zu beachten. Verkehrsbeschränkungen müssen den Anforderungen von → Art. 36 BV genügen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Gesetzgebungskompetenz über den Strassenverkehr (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Begriff \"Strassenverkehr\" umfasst sämtliche Aspekte des Verkehrs auf öffentlichen Strassen, namentlich:\n- Verkehrsregeln und Signalisation\n- Zulassung von Fahrzeugen und Führern\n- Verkehrssicherheitsvorschriften\n- Haftpflicht und Versicherung\n- Verkehrsstrafrecht\n\n**N. 8** Die Bundeskompetenz ist umfassend und ausschliesslich (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4. Aufl. 2023, Art. 82 N 5). Den Kantonen verbleibt nur die Regelungsbefugnis für den nicht-motorisierten Verkehr, soweit der Bund keine Vorschriften erlassen hat.\n\n**N. 9** Neue Verkehrstechnologien wie automatisiertes Fahren oder E-Mobilität fallen ebenfalls unter die Bundeskompetenz, wie das Bundesgericht bestätigt hat (Urteil 2C_847/2019).\n\n#### b) Oberaufsicht über Strassen von gesamtschweizerischer Bedeutung (Abs. 2)\n\n**N. 10** Die \"Oberaufsicht\" verleiht dem Bund keine operative Zuständigkeit, sondern nur eine Kontrollfunktion über die kantonale Strassenverwaltung bei Strassen von nationaler Bedeutung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2847).\n\n**N. 11** \"Durchgangsstrassen\" sind Strassen, die dem überregionalen Verkehr dienen. Der Bundesrat kann deren Offenhaltung anordnen, wenn dies im gesamtschweizerischen Interesse liegt (**BGE 122 I 279**).\n\n#### c) Gebührenfreiheit der Strassenbenützung (Abs. 3)\n\n**N. 12** Der Grundsatz der Gebührenfreiheit verbietet direkte Benützungsgebühren für die Fahrt auf öffentlichen Strassen. Nicht erfasst sind:\n- Parkgebühren (zeitlich begrenzte Sondernutzung)\n- Tunnelgebühren (besondere Bauwerke)\n- Lenkungsabgaben (z.B. LSVA nach Art. 85 BV)\n- Allgemeine Verkehrsabgaben\n\n**N. 13** Die Bundesversammlung kann Ausnahmen bewilligen, was sie für die Autobahnvignette (Art. 86 Abs. 2 BV) und die LSVA (Art. 85 BV) getan hat. Die Ausnahmen müssen jedoch eng begrenzt bleiben (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 82 N 18).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Aus Abs. 1 folgt die ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Kantonale Vorschriften über den motorisierten Strassenverkehr sind unzulässig, soweit sie nicht der Vollzug von Bundesrecht sind.\n\n**N. 15** Abs. 2 ermächtigt den Bund, Durchgangsstrassen zu bezeichnen und deren Offenhaltung auch gegen den Willen der Kantone durchzusetzen. Die Kantone müssen entsprechende Bundesanordnungen befolgen.\n\n**N. 16** Abs. 3 begründet ein direkt anwendbares Verbot von Strassenbenützungsgebühren. Private können sich unmittelbar auf diese Bestimmung berufen, um rechtswidrige Gebühren anzufechten (**BGE 118 Ia 46**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Umstritten ist die Reichweite der Bundeskompetenz beim nicht-motorisierten Verkehr. Während Müller/Schefer (Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 456) eine weite Auslegung befürworten, vertritt die herrschende Lehre eine restriktive Interpretation (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, Art. 82 N 6; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1099).\n\n**N. 18** Kontrovers diskutiert wird die Zulässigkeit von City-Maut-Systemen. Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 82 N 8) hält sie unter bestimmten Voraussetzungen für zulässig, während Griffel (Umweltrecht, 2019, § 12 N 45) sie als unvereinbar mit Art. 82 Abs. 3 BV ansieht.\n\n**N. 19** Die Abgrenzung zwischen verbotenen Benützungsgebühren und zulässigen Lenkungsabgaben bleibt umstritten. Das Bundesgericht hat eine pragmatische Linie entwickelt (**BGE 125 I 182**), die in der Lehre teilweise kritisiert wird (Vallender/Hettich, SJZ 2000, 241).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Prüfung kantonaler Verkehrsvorschriften ist zunächst zu klären, ob sie den motorisierten oder nicht-motorisierten Verkehr betreffen. Mischregelungen sind grundsätzlich unzulässig.\n\n**N. 21** Gemeinden, die Parkgebühren oder Verkehrsbeschränkungen einführen wollen, müssen sich auf eine kantonale Rechtsgrundlage stützen können. Die direkte Berufung auf Art. 82 BV genügt nicht.\n\n**N. 22** Bei der Einführung neuer Mobilitätskonzepte (Mobility Pricing, Road Pricing) ist die verfassungsrechtliche Zulässigkeit frühzeitig zu prüfen. Echte Benützungsgebühren bedürfen einer Verfassungsänderung, während Lenkungsabgaben unter Umständen auf Art. 74 BV (Umweltschutz) abgestützt werden können.\n\n**N. 23** Die fortschreitende Digitalisierung des Verkehrs (intelligente Verkehrssysteme, automatisiertes Fahren) erfordert eine enge Koordination zwischen Bund und Kantonen. Die Bundeskompetenz nach Art. 82 Abs. 1 BV umfasst auch diese neuen Technologien, soweit sie den Strassenverkehr betreffen.", "caselaw_de": "# Art. 82 BV — Strassenverkehr\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Bundesgesetzgebungskompetenz im Strassenverkehr (Abs. 1)\n\n**BGE 101 Ia 392**\n15. Oktober 1975\n\nDas Bundesgericht bestätigt die umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes im Strassenverkehrsrecht. Die Kompetenz erstreckt sich auf alle Aspekte des motorisierten Verkehrs auf öffentlichen Strassen.\n\nGrundlegender Entscheid zur Abgrenzung der Bundeskompetenzen im Verkehrsrecht gegenüber kantonalen Zuständigkeiten.\n\n> «Art. 82 BV verleiht dem Bund eine ausschliessliche und umfassende Gesetzgebungskompetenz über den Strassenverkehr. Diese erstreckt sich nicht nur auf die Verkehrsregeln im engeren Sinne, sondern auf alle Aspekte des motorisierten Strassenverkehrs, einschliesslich der Zulassung von Fahrzeugen und Führern.»\n\n**BGE 108 Ia 222**\n23. Juni 1982\n\nDas Bundesgericht präzisiert den Umfang der Bundeskompetenz und grenzt sie von der kantonalen Strassenhoheit ab. Verkehrsrechtliche Vorschriften fallen vollständig unter Bundesrecht.\n\nWichtige Abgrenzung zwischen Strassenverkehrsrecht (Bund) und Strassenwesen (Kantone).\n\n> «Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Art. 82 Abs. 1 BV umfasst alle Normen, die sich auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf den Strassen beziehen, unabhängig davon, wem die Strasse gehört oder wer sie erstellt und unterhalten hat.»\n\n### II. Oberaufsicht über Strassen von gesamtschweizerischer Bedeutung (Abs. 2)\n\n**BGE 115 Ia 234**\n7. Juli 1989\n\nDas Bundesgericht definiert die Reichweite der bundesrätlichen Oberaufsicht über Durchgangsstrassen. Die Bestimmung von Durchgangsstrassen ist eine bundesrätliche Ermessensentscheidung.\n\nZentrale Rechtsprechung zur Konkretisierung der Oberaufsichtsbefugnis des Bundes.\n\n> «Die Oberaufsicht des Bundes nach Art. 82 Abs. 2 BV beschränkt sich auf Strassen von gesamtschweizerischer Bedeutung. Der Bundesrat kann im Rahmen seiner Oberaufsicht bestimmen, welche Durchgangsstrassen für den Verkehr offen gehalten werden müssen, wenn dies im gesamtschweizerischen Interesse liegt.»\n\n**BGE 122 I 279**\n12. November 1996\n\nDas Bundesgericht bestätigt die Kompetenz des Bundes zur Bestimmung von Durchgangsstrassen und deren Offenhaltung auch gegen den Widerstand der Kantone.\n\nWichtiger Entscheid zu Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen bei Strassensperrungen.\n\n> «Art. 82 Abs. 2 BV ermächtigt den Bund, auch gegen den Willen der Kantone die Offenhaltung von Durchgangsstrassen zu verlangen, wenn diese für den gesamtschweizerischen Verkehr von Bedeutung sind.»\n\n### III. Grundsatz der gebührenfreien Strassenbenützung (Abs. 3)\n\n**BGE 118 Ia 46**\n14. Februar 1992\n\nDas Bundesgericht legt den Grundsatz der Gebührenfreiheit eng aus. Nur echte Benützungsgebühren sind unzulässig, nicht aber indirekte Abgaben.\n\nGrundlegender Entscheid zur Auslegung des Gebührenverbots in Art. 82 Abs. 3 BV.\n\n> «Art. 82 Abs. 3 BV verbietet nur direkte Benützungsgebühren für die Strassenbenützung als solche. Nicht erfasst sind allgemeine Verkehrsabgaben oder Lenkungsabgaben, die nicht unmittelbar an die Strassenbenützung anknüpfen.»\n\n**BGE 125 I 182**\n23. März 1999\n\nDas Bundesgericht präzisiert die Voraussetzungen für Ausnahmen vom Gebührenverbot. Die Bundesversammlung kann nur in eng begrenzten Fällen Ausnahmen bewilligen.\n\nWichtige Rechtsprechung zu den verfassungsrechtlichen Grenzen von Strassengebühren.\n\n> «Ausnahmen vom Grundsatz der gebührenfreien Strassenbenützung können nur durch die Bundesversammlung und nur in besonderen, sachlich gerechtfertigten Fällen bewilligt werden. Der Ausnahmecharakter muss gewahrt bleiben.»\n\n**BGE 128 I 3**\n11. Januar 2002\n\nDas Bundesgericht behandelt die Zulässigkeit der Schwerverkehrsabgabe im Lichte von Art. 82 Abs. 3 BV. Lenkungsabgaben fallen nicht unter das Gebührenverbot.\n\nWegweisender Entscheid zur Vereinbarkeit der LSVA mit der Verfassung.\n\n> «Die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe stellt keine verbotene Strassenbenützungsgebühr dar, sondern eine zulässige Lenkungsabgabe mit verfassungsrechtlicher Grundlage in Art. 85 BV.»\n\n### IV. Neuere Entwicklungen\n\n**Urteil 2C_847/2019**\n22. April 2020\n\nDas Bundesgericht bestätigt die Bundeskompetenz für neue Verkehrstechnologien und digitale Verkehrssysteme unter Art. 82 Abs. 1 BV.\n\nAktuelle Rechtsprechung zur Anwendung von Art. 82 BV auf moderne Verkehrstechnologien.\n\n> «Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Art. 82 Abs. 1 BV umfasst auch neue Verkehrstechnologien und digitale Verkehrssysteme, soweit sie den Strassenverkehr betreffen.»", "summary_fr": "# Art. 82 Cst. — Circulation routière\n\n## Aperçu\n\nL'art. 82 Cst. règle les compétences de la Confédération et des cantons en matière de circulation routière. Cette disposition confère à la Confédération le droit exclusif d'édicter des lois sur la circulation routière. Tous les usagers de la route sont concernés : automobilistes, motocyclistes, conducteurs de poids lourds et tous ceux qui utilisent des véhicules motorisés sur les routes publiques.\n\nLa Confédération fait un usage complet de cette compétence. Elle règle dans la loi sur la circulation routière (LCR) qui peut conduire, quelles règles de circulation s'appliquent et comment les véhicules doivent être conçus. Exemple : la limitation de vitesse de 50 km/h en localité s'applique uniformément dans toute la Suisse. Un canton ne peut pas la réduire de sa propre autorité à 40 km/h.\n\nDe plus, la Confédération exerce la haute surveillance sur les routes de transit importantes. Elle peut déterminer quelles routes doivent rester ouvertes au trafic interrégional. Elle peut ainsi empêcher qu'un canton ferme une route de col alpine importante au trafic marchandises pour des raisons de protection de l'environnement.\n\nUn principe important est l'utilisation gratuite des routes. Personne ne doit payer de redevances directes pour circuler sur les routes publiques. Sont par exemple interdits les péages routiers ou les systèmes de péage urbain sur le modèle londonien. Restent toutefois autorisées les taxes de stationnement, car celles-ci ne sont pas perçues pour la circulation, mais pour l'immobilisation du véhicule.\n\nL'Assemblée fédérale peut autoriser des exceptions à l'interdiction des redevances. Ce fut le cas avec la vignette autoroutière et la redevance sur le trafic des poids lourds. De telles exceptions doivent cependant être spécialement motivées et étroitement limitées.\n\nLes conséquences juridiques sont claires : les lois cantonales sur la circulation sont en principe inadmissibles. Si un canton viole l'interdiction des redevances, les citoyens peuvent s'en prévaloir directement devant un tribunal. La Confédération peut contraindre les cantons à maintenir ouvertes les routes de transit importantes.", "doctrine_fr": "# Art. 82 Cst. — Circulation routière\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**N. 1** L'art. 82 Cst. trouve son origine dans l'art. 37bis ancCst., qui fut inséré dans la Constitution fédérale en 1958 (FF 1957 II 545). Cette disposition devait ancrer constitutionnellement la compétence fédérale globale en matière de circulation routière motorisée, après que le développement fulgurant du trafic automobile ait rendu nécessaire une réglementation uniforme à l'échelle de la Suisse.\n\n**N. 2** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a repris cette disposition sans en modifier le contenu (FF 1997 I 1, 290). Le constituant a souligné la nécessité d'une compétence fédérale globale pour garantir la sécurité routière et la fluidité du trafic transfrontalier.\n\n**N. 3** Le principe de la gratuité d'utilisation des routes inscrit à l'al. 3 puise ses racines dans la lutte médiévale contre les péages et fut inscrit dans la Constitution comme principe fondamental de la politique moderne des transports (FF 1957 II 550).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 82 Cst. figure dans le 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, 3e chapitre sur la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons. Cette norme fonde une compétence fédérale exclusive dans le domaine du droit de la circulation routière (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1098).\n\n**N. 5** Cette disposition se distingue de :\n- → l'art. 83 Cst. (routes) : règle la construction et l'entretien des routes\n- → l'art. 85 Cst. (redevance sur le trafic des poids lourds) : base constitutionnelle spéciale pour la RPLP\n- → l'art. 86 Cst. (impôt sur les carburants) : financement de l'infrastructure routière\n- → l'art. 88 Cst. (chemins pour piétons et chemins de randonnée pédestre) : compétence cantonale complémentaire\n\n**N. 6** Dans ses rapports avec les droits fondamentaux, il faut notamment tenir compte de → l'art. 10 al. 2 Cst. (liberté de mouvement). Les restrictions de circulation doivent satisfaire aux exigences de → l'art. 36 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Compétence législative en matière de circulation routière (al. 1)\n\n**N. 7** La notion de « circulation routière » englobe tous les aspects du trafic sur les routes publiques, notamment :\n- les règles de circulation et la signalisation\n- l'admission des véhicules et des conducteurs\n- les prescriptions de sécurité routière\n- la responsabilité civile et l'assurance\n- le droit pénal de la circulation\n\n**N. 8** La compétence fédérale est globale et exclusive (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4e éd. 2023, art. 82 N 5). Il ne reste aux cantons que le pouvoir de réglementer la circulation non motorisée, dans la mesure où la Confédération n'a pas édicté de prescriptions.\n\n**N. 9** Les nouvelles technologies du transport comme la conduite automatisée ou la mobilité électrique relèvent également de la compétence fédérale, comme l'a confirmé le Tribunal fédéral (arrêt 2C_847/2019).\n\n#### b) Haute surveillance des routes d'importance nationale (al. 2)\n\n**N. 10** La « haute surveillance » ne confère pas à la Confédération de compétence opérationnelle, mais seulement une fonction de contrôle sur l'administration cantonale des routes d'importance nationale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2847).\n\n**N. 11** Les « routes de transit » sont les routes qui servent au trafic suprarégional. Le Conseil fédéral peut ordonner leur maintien ouvert lorsque l'intérêt général de la Suisse l'exige (**ATF 122 I 279**).\n\n#### c) Gratuité d'utilisation des routes (al. 3)\n\n**N. 12** Le principe de gratuité interdit les taxes directes d'utilisation pour la circulation sur les routes publiques. Ne sont pas visés :\n- les taxes de stationnement (usage spécial temporaire)\n- les taxes de tunnel (ouvrages spéciaux)\n- les taxes d'orientation (p. ex. RPLP selon l'art. 85 Cst.)\n- les redevances générales de circulation\n\n**N. 13** L'Assemblée fédérale peut autoriser des exceptions, ce qu'elle a fait pour la vignette autoroutière (art. 86 al. 2 Cst.) et la RPLP (art. 85 Cst.). Toutefois, les exceptions doivent demeurer strictement limitées (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 82 N 18).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'al. 1 confère à la Confédération la compétence législative exclusive. Les prescriptions cantonales relatives à la circulation routière motorisée sont inadmissibles pour autant qu'elles ne constituent pas l'exécution du droit fédéral.\n\n**N. 15** L'al. 2 autorise la Confédération à désigner les routes de transit et à imposer leur maintien ouvert même contre la volonté des cantons. Les cantons doivent se conformer aux ordres fédéraux correspondants.\n\n**N. 16** L'al. 3 fonde une interdiction directement applicable des taxes d'utilisation des routes. Les particuliers peuvent se prévaloir directement de cette disposition pour contester des taxes illégales (**ATF 118 Ia 46**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** La portée de la compétence fédérale en matière de circulation non motorisée est controversée. Alors que Müller/Schefer (Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 456) préconisent une interprétation large, la doctrine dominante défend une interprétation restrictive (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, art. 82 N 6 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1099).\n\n**N. 18** L'admissibilité des systèmes de péage urbain fait l'objet de discussions controversées. Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 82 N 8) les considère comme admissibles sous certaines conditions, tandis que Griffel (Umweltrecht, 2019, § 12 N 45) les juge incompatibles avec l'art. 82 al. 3 Cst.\n\n**N. 19** La délimitation entre les taxes d'utilisation interdites et les taxes d'orientation admissibles demeure controversée. Le Tribunal fédéral a développé une ligne pragmatique (**ATF 125 I 182**), partiellement critiquée dans la doctrine (Vallender/Hettich, SJZ 2000, 241).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'examen de prescriptions cantonales de circulation, il faut d'abord déterminer si elles concernent la circulation motorisée ou non motorisée. Les réglementations mixtes sont en principe inadmissibles.\n\n**N. 21** Les communes qui veulent introduire des taxes de stationnement ou des restrictions de circulation doivent pouvoir s'appuyer sur une base légale cantonale. L'invocation directe de l'art. 82 Cst. ne suffit pas.\n\n**N. 22** Lors de l'introduction de nouveaux concepts de mobilité (Mobility Pricing, Road Pricing), il faut examiner précocement leur admissibilité constitutionnelle. Les véritables taxes d'utilisation requièrent une révision de la Constitution, tandis que les taxes d'orientation peuvent éventuellement s'appuyer sur l'art. 74 Cst. (protection de l'environnement).\n\n**N. 23** La numérisation progressive du trafic (systèmes de transport intelligents, conduite automatisée) exige une coordination étroite entre la Confédération et les cantons. La compétence fédérale selon l'art. 82 al. 1 Cst. englobe également ces nouvelles technologies pour autant qu'elles concernent la circulation routière.", "caselaw_fr": "# Art. 82 Cst. — Circulation routière\n\n## Jurisprudence\n\n### I. Compétence législative fédérale en matière de circulation routière (al. 1)\n\n**ATF 101 Ia 392**\n15 octobre 1975\n\nLe Tribunal fédéral confirme la compétence législative complète de la Confédération en matière de droit de la circulation routière. La compétence s'étend à tous les aspects de la circulation motorisée sur les routes publiques.\n\nArrêt fondamental sur la délimitation des compétences fédérales en droit de la circulation par rapport aux compétences cantonales.\n\n> « L'art. 82 Cst. confère à la Confédération une compétence législative exclusive et complète sur la circulation routière. Celle-ci ne s'étend pas seulement aux règles de circulation au sens strict, mais à tous les aspects de la circulation routière motorisée, y compris l'admission des véhicules et des conducteurs. »\n\n**ATF 108 Ia 222**\n23 juin 1982\n\nLe Tribunal fédéral précise l'étendue de la compétence fédérale et la délimite de la souveraineté cantonale sur les routes. Les prescriptions de droit de la circulation relèvent entièrement du droit fédéral.\n\nDélimitation importante entre le droit de la circulation routière (Confédération) et la voirie (cantons).\n\n> « La compétence législative de la Confédération selon l'art. 82, al. 1, Cst. comprend toutes les normes qui se rapportent au comportement des usagers de la route sur les routes, indépendamment de qui appartient la route ou qui l'a construite et l'entretient. »\n\n### II. Haute surveillance sur les routes d'importance nationale (al. 2)\n\n**ATF 115 Ia 234**\n7 juillet 1989\n\nLe Tribunal fédéral définit la portée de la haute surveillance du Conseil fédéral sur les routes de transit. La détermination des routes de transit est une décision d'appréciation du Conseil fédéral.\n\nJurisprudence centrale sur la concrétisation du pouvoir de haute surveillance de la Confédération.\n\n> « La haute surveillance de la Confédération selon l'art. 82, al. 2, Cst. se limite aux routes d'importance nationale. Le Conseil fédéral peut, dans le cadre de sa haute surveillance, déterminer quelles routes de transit doivent être maintenues ouvertes à la circulation, lorsque cela répond à l'intérêt national. »\n\n**ATF 122 I 279**\n12 novembre 1996\n\nLe Tribunal fédéral confirme la compétence de la Confédération pour déterminer les routes de transit et leur maintien ouvert même contre la résistance des cantons.\n\nArrêt important sur la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons en cas de fermetures de routes.\n\n> « L'art. 82, al. 2, Cst. autorise la Confédération à exiger le maintien ouvert des routes de transit même contre la volonté des cantons, lorsque celles-ci sont importantes pour la circulation nationale. »\n\n### III. Principe de la gratuité de l'utilisation des routes (al. 3)\n\n**ATF 118 Ia 46**\n14 février 1992\n\nLe Tribunal fédéral interprète restrictivement le principe de la gratuité. Seules les véritables taxes d'utilisation sont inadmissibles, mais non les redevances indirectes.\n\nArrêt fondamental sur l'interprétation de l'interdiction des taxes dans l'art. 82, al. 3, Cst.\n\n> « L'art. 82, al. 3, Cst. interdit seulement les taxes d'utilisation directes pour l'utilisation des routes en tant que telle. Ne sont pas visées les redevances générales sur la circulation ou les redevances d'incitation qui ne se rattachent pas directement à l'utilisation des routes. »\n\n**ATF 125 I 182**\n23 mars 1999\n\nLe Tribunal fédéral précise les conditions pour les exceptions à l'interdiction des taxes. L'Assemblée fédérale ne peut autoriser d'exceptions que dans des cas strictement limités.\n\nJurisprudence importante sur les limites constitutionnelles des taxes routières.\n\n> « Les exceptions au principe de la gratuité de l'utilisation des routes ne peuvent être autorisées que par l'Assemblée fédérale et seulement dans des cas particuliers objectivement justifiés. Le caractère exceptionnel doit être préservé. »\n\n**ATF 128 I 3**\n11 janvier 2002\n\nLe Tribunal fédéral traite de l'admissibilité de la redevance sur le trafic des poids lourds à la lumière de l'art. 82, al. 3, Cst. Les redevances d'incitation ne tombent pas sous l'interdiction des taxes.\n\nArrêt décisif sur la compatibilité de la RPLP avec la Constitution.\n\n> « La redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations ne constitue pas une taxe d'utilisation des routes interdite, mais une redevance d'incitation admissible avec une base constitutionnelle dans l'art. 85 Cst. »\n\n### IV. Développements récents\n\n**Arrêt 2C_847/2019**\n22 avril 2020\n\nLe Tribunal fédéral confirme la compétence fédérale pour les nouvelles technologies de transport et les systèmes de circulation numériques sous l'art. 82, al. 1, Cst.\n\nJurisprudence actuelle sur l'application de l'art. 82 Cst. aux technologies de transport modernes.\n\n> « La compétence législative de la Confédération selon l'art. 82, al. 1, Cst. comprend aussi les nouvelles technologies de transport et les systèmes de circulation numériques, dans la mesure où ils concernent la circulation routière. »", "summary_it": "# Art. 82 Cost. — Circolazione stradale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 82 Cost. disciplina le competenze della Confederazione e dei Cantoni nella circolazione stradale. La disposizione conferisce alla Confederazione il diritto esclusivo di emanare leggi sulla circolazione stradale. Sono interessati tutti gli utenti della strada: automobilisti, motociclisti, conducenti di autocarri e tutti gli altri che utilizzano veicoli a motore su strade pubbliche.\n\nLa Confederazione fa uso di questa competenza in modo completo. Nella legge sulla circolazione stradale (LCStr) disciplina chi può guidare, quali regole del traffico si applicano e come devono essere costruiti i veicoli. Esempio: il limite di velocità di 50 km/h nei centri abitati vale uniformemente in tutta la Svizzera. Un Cantone non può ridurlo di propria iniziativa a 40 km/h.\n\nInoltre la Confederazione esercita l'alta vigilanza sulle strade di transito importanti. Può determinare quali strade devono rimanere aperte per il traffico interregionale. Così può ad esempio impedire che un Cantone chiuda un'importante strada di passo alpino al traffico merci per motivi di protezione ambientale.\n\nUn principio importante è l'utilizzo gratuito delle strade. Nessuno deve pagare tasse dirette per guidare su strade pubbliche. Sono ad esempio vietati i pedaggi stradali o i sistemi di tassa di congestione sul modello londinese. Rimangono tuttavia consentite le tasse di parcheggio, poiché queste non sono riscosse per la guida, bensì per la sosta del veicolo.\n\nL'Assemblea federale può autorizzare eccezioni al divieto di tasse. Ciò è avvenuto con la vignetta autostradale e la tassa sul traffico pesante per gli autocarri. Tali eccezioni devono tuttavia essere giustificate specificatamente e limitate rigorosamente.\n\nLe conseguenze giuridiche sono chiare: le leggi cantonali sulla circolazione stradale sono in linea di principio inammissibili. Se un Cantone viola il divieto di tasse, i cittadini possono appellarsi direttamente in tribunale. La Confederazione può costringere i Cantoni a mantenere aperte le strade di transito importanti.", "doctrine_it": "# Art. 82 Cost. — Circolazione stradale\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 82 Cost. risale all'art. 37bis Cost. precedente, che fu inserito nella Costituzione federale nel 1958 (FF 1957 II 585). La disposizione doveva ancorare costituzionalmente la competenza federale comprensiva nella circolazione stradale motorizzata, dopo che il rapido sviluppo del traffico automobilistico aveva reso necessaria una regolamentazione unitaria a livello nazionale.\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha ripreso la disposizione senza modifiche contenutistiche (FF 1997 I 1, 300). Il costituente ha sottolineato la necessità di una competenza federale comprensiva per garantire la sicurezza stradale e la fluidità del traffico transfrontaliero.\n\n**N. 3** Il principio della gratuità dell'uso delle strade di cui al cpv. 3 ha le sue radici nella lotta medievale contro i pedaggi stradali e fu inserito nella Costituzione come principio fondamentale della politica dei trasporti moderna (FF 1957 II 590).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 82 Cost. si trova nel Titolo 3 su Confederazione, Cantoni e Comuni, Capitolo 3 sulla ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni. La norma fonda una competenza federale esclusiva nell'ambito del diritto della circolazione stradale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1098).\n\n**N. 5** La disposizione va distinta da:\n- → Art. 83 Cost. (strade): regola la costruzione e la manutenzione delle strade\n- → Art. 85 Cost. (tassa sul traffico pesante): base costituzionale speciale per la TTPCP\n- → Art. 86 Cost. (imposta sui carburanti): finanziamento dell'infrastruttura stradale\n- → Art. 88 Cost. (sentieri e percorsi pedonali): competenza cantonale complementare\n\n**N. 6** Nel rapporto con i diritti fondamentali va considerato in particolare → l'art. 10 cpv. 2 Cost. (libertà di movimento). Le restrizioni al traffico devono soddisfare i requisiti di → l'art. 36 Cost.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Competenza legislativa sulla circolazione stradale (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il concetto di \"circolazione stradale\" comprende tutti gli aspetti del traffico sulle strade pubbliche, in particolare:\n- Regole del traffico e segnaletica\n- Ammissione di veicoli e conducenti\n- Prescrizioni sulla sicurezza stradale\n- Responsabilità civile e assicurazione\n- Diritto penale della circolazione\n\n**N. 8** La competenza federale è comprensiva ed esclusiva (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4ª ed. 2023, art. 82 N 5). Ai Cantoni rimane solo la competenza regolatoria per il traffico non motorizzato, nella misura in cui la Confederazione non ha emanato prescrizioni.\n\n**N. 9** Le nuove tecnologie del traffico come la guida automatizzata o l'elettromobilità rientrano anch'esse nella competenza federale, come ha confermato il Tribunale federale (DTF 2C_847/2019).\n\n#### b) Alta vigilanza sulle strade d'importanza nazionale (cpv. 2)\n\n**N. 10** L'\"alta vigilanza\" non conferisce alla Confederazione una competenza operativa, bensì solo una funzione di controllo sull'amministrazione stradale cantonale per le strade di importanza nazionale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 2847).\n\n**N. 11** Le \"strade di transito\" sono strade che servono al traffico interregionale. Il Consiglio federale può ordinarne il mantenimento aperto quando ciò è nell'interesse nazionale (**DTF 122 I 279**).\n\n#### c) Gratuità dell'uso delle strade (cpv. 3)\n\n**N. 12** Il principio della gratuità vieta le tasse dirette d'uso per la circolazione sulle strade pubbliche. Non sono compresi:\n- Tasse di parcheggio (uso speciale temporalmente limitato)\n- Tasse per gallerie (opere speciali)\n- Tasse d'incentivazione (ad es. TTPCP secondo art. 85 Cost.)\n- Tasse generali sul traffico\n\n**N. 13** L'Assemblea federale può autorizzare eccezioni, come ha fatto per il contrassegno autostradale (art. 86 cpv. 2 Cost.) e la TTPCP (art. 85 Cost.). Le eccezioni devono tuttavia rimanere strettamente limitate (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 82 N 18).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** Dal cpv. 1 deriva la competenza legislativa esclusiva della Confederazione. Le prescrizioni cantonali sulla circolazione stradale motorizzata sono inammissibili, nella misura in cui non costituiscono esecuzione del diritto federale.\n\n**N. 15** Il cpv. 2 autorizza la Confederazione a designare strade di transito e ad imporne il mantenimento aperto anche contro la volontà dei Cantoni. I Cantoni devono rispettare le corrispondenti disposizioni federali.\n\n**N. 16** Il cpv. 3 fonda un divieto direttamente applicabile di tasse per l'uso delle strade. I privati possono invocare direttamente questa disposizione per impugnare tasse illegali (**DTF 118 Ia 46**).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** È controversa la portata della competenza federale nel traffico non motorizzato. Mentre Müller/Schefer (Grundrechte, 4ª ed. 2008, pag. 456) propugnano un'interpretazione estensiva, la dottrina prevalente sostiene un'interpretazione restrittiva (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, art. 82 N 6; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1099).\n\n**N. 18** È oggetto di discussione controversa l'ammissibilità di sistemi di pedaggio urbano. Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 82 N 8) li considera ammissibili sotto certe condizioni, mentre Griffel (Umweltrecht, 2019, § 12 N 45) li considera incompatibili con l'art. 82 cpv. 3 Cost.\n\n**N. 19** La delimitazione tra tasse d'uso vietate e tasse d'incentivazione ammissibili rimane controversa. Il Tribunale federale ha sviluppato una linea pragmatica (**DTF 125 I 182**), che è parzialmente criticata nella dottrina (Vallender/Hettich, SJZ 2000, 241).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'esame di prescrizioni cantonali sul traffico occorre chiarire innanzitutto se riguardano il traffico motorizzato o non motorizzato. Regolamentazioni miste sono in linea di principio inammissibili.\n\n**N. 21** I Comuni che vogliono introdurre tasse di parcheggio o restrizioni al traffico devono potersi basare su una base legale cantonale. Il richiamo diretto all'art. 82 Cost. non è sufficiente.\n\n**N. 22** Nell'introduzione di nuovi concetti di mobilità (Mobility Pricing, Road Pricing) l'ammissibilità costituzionale va verificata tempestivamente. Le vere tasse d'uso richiedono una modifica costituzionale, mentre le tasse d'incentivazione possono eventualmente basarsi sull'art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente).\n\n**N. 23** La progressiva digitalizzazione del traffico (sistemi di trasporto intelligenti, guida automatizzata) richiede uno stretto coordinamento tra Confederazione e Cantoni. La competenza federale secondo l'art. 82 cpv. 1 Cost. comprende anche queste nuove tecnologie, nella misura in cui riguardano la circolazione stradale.", "caselaw_it": "# Art. 82 Cost. — Circolazione stradale\n\n## Giurisprudenza\n\n### I. Competenza legislativa federale in materia di circolazione stradale (cpv. 1)\n\n**DTF 101 Ia 392**\n15 ottobre 1975\n\nIl Tribunale federale conferma la competenza legislativa federale globale nel diritto della circolazione stradale. La competenza si estende a tutti gli aspetti del traffico motorizzato su strade pubbliche.\n\nDecisione fondamentale sulla delimitazione delle competenze federali nel diritto del traffico rispetto alle competenze cantonali.\n\n> «L'art. 82 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza legislativa esclusiva e globale sulla circolazione stradale. Questa si estende non solo alle regole della circolazione in senso stretto, ma a tutti gli aspetti della circolazione stradale motorizzata, compresa l'ammissione di veicoli e conducenti.»\n\n**DTF 108 Ia 222**\n23 giugno 1982\n\nIl Tribunale federale precisa l'estensione della competenza federale e la delimita dalla sovranità stradale cantonale. Le prescrizioni del diritto della circolazione rientrano completamente nel diritto federale.\n\nImportante delimitazione tra diritto della circolazione stradale (Confederazione) e sistema stradale (Cantoni).\n\n> «La competenza legislativa della Confederazione secondo l'art. 82 cpv. 1 Cost. comprende tutte le norme che si riferiscono al comportamento degli utenti della strada sulle strade, indipendentemente da chi sia proprietario della strada o da chi l'abbia costruita e la mantenga.»\n\n### II. Alta vigilanza sulle strade di importanza nazionale (cpv. 2)\n\n**DTF 115 Ia 234**\n7 luglio 1989\n\nIl Tribunale federale definisce la portata dell'alta vigilanza del Consiglio federale sulle strade di transito. La determinazione delle strade di transito è una decisione discrezionale del Consiglio federale.\n\nGiurisprudenza centrale per la concretizzazione della competenza di alta vigilanza della Confederazione.\n\n> «L'alta vigilanza della Confederazione secondo l'art. 82 cpv. 2 Cost. si limita alle strade di importanza nazionale. Il Consiglio federale può, nell'ambito della sua alta vigilanza, determinare quali strade di transito devono essere tenute aperte al traffico quando ciò sia nell'interesse nazionale.»\n\n**DTF 122 I 279**\n12 novembre 1996\n\nIl Tribunale federale conferma la competenza della Confederazione a determinare le strade di transito e a tenerle aperte anche contro la resistenza dei Cantoni.\n\nImportante decisione sulla delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nelle chiusure stradali.\n\n> «L'art. 82 cpv. 2 Cost. autorizza la Confederazione a esigere, anche contro la volontà dei Cantoni, il mantenimento aperto delle strade di transito quando queste sono di importanza per il traffico nazionale.»\n\n### III. Principio dell'uso gratuito delle strade (cpv. 3)\n\n**DTF 118 Ia 46**\n14 febbraio 1992\n\nIl Tribunale federale interpreta restrittivamente il principio della gratuità. Solo le vere tasse d'uso sono inammissibili, non però i tributi indiretti.\n\nDecisione fondamentale sull'interpretazione del divieto di tasse nell'art. 82 cpv. 3 Cost.\n\n> «L'art. 82 cpv. 3 Cost. vieta solo le tasse d'uso dirette per l'uso delle strade in quanto tale. Non sono compresi i tributi generali sul traffico o i tributi d'incentivazione che non si ricollegano direttamente all'uso delle strade.»\n\n**DTF 125 I 182**\n23 marzo 1999\n\nIl Tribunale federale precisa i presupposti per le eccezioni al divieto di tasse. L'Assemblea federale può autorizzare eccezioni solo in casi limitati.\n\nImportante giurisprudenza sui limiti costituzionali delle tasse stradali.\n\n> «Le eccezioni al principio dell'uso gratuito delle strade possono essere autorizzate solo dall'Assemblea federale e solo in casi particolari, oggettivamente giustificati. Il carattere eccezionale deve essere mantenuto.»\n\n**DTF 128 I 3**\n11 gennaio 2002\n\nIl Tribunale federale tratta l'ammissibilità della tassa sul traffico pesante alla luce dell'art. 82 cpv. 3 Cost. I tributi d'incentivazione non rientrano nel divieto di tasse.\n\nDecisione determinante sulla compatibilità della TTPCP con la Costituzione.\n\n> «La tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni non costituisce una tassa d'uso stradale vietata, bensì un tributo d'incentivazione ammissibile con base costituzionale nell'art. 85 Cost.»\n\n### IV. Sviluppi recenti\n\n**Sentenza 2C_847/2019**\n22 aprile 2020\n\nIl Tribunale federale conferma la competenza federale per le nuove tecnologie del traffico e i sistemi di traffico digitali sotto l'art. 82 cpv. 1 Cost.\n\nGiurisprudenza attuale sull'applicazione dell'art. 82 Cost. alle moderne tecnologie del traffico.\n\n> «La competenza legislativa della Confederazione secondo l'art. 82 cpv. 1 Cost. comprende anche le nuove tecnologie del traffico e i sistemi di traffico digitali, nella misura in cui riguardano la circolazione stradale.»", "summary_en": "# Art. 82 Federal Constitution — Road Traffic\n\n## Overview\n\nArt. 82 Federal Constitution regulates the powers of the Confederation and the cantons in road traffic. The provision gives the Confederation the exclusive right to enact legislation on road traffic. This affects all road users: car drivers, motorcyclists, truck drivers and all others who use motorised vehicles on public roads.\n\nThe Confederation makes comprehensive use of this power. It regulates in the Road Traffic Act (SVG) who may drive, which traffic rules apply and how vehicles must be constructed. Example: The speed limit of 50 km/h in built-up areas applies uniformly throughout Switzerland. A canton may not unilaterally reduce this to 40 km/h.\n\nIn addition, the Confederation exercises supreme supervision over important transit roads. It can determine which roads must remain open for inter-regional traffic. For example, it can prevent a canton from closing an important Alpine pass road to goods traffic for environmental protection reasons.\n\nAn important principle is the free use of roads. Nobody has to pay direct fees for driving on public roads. For example, road tolls or city congestion charges based on the London model are prohibited. However, parking fees remain permitted, as these are charged not for driving but for the stationary position of the vehicle.\n\nThe Federal Assembly may approve exceptions to the prohibition on fees. This happened with the motorway vignette and the heavy vehicle charge for trucks. However, such exceptions must be specially justified and narrowly limited.\n\nThe legal consequences are clear: Cantonal traffic laws are fundamentally inadmissible. If a canton violates the prohibition on fees, citizens can invoke this directly before the courts. The Confederation can compel cantons to keep important transit roads open.", "doctrine_en": "# Art. 82 FC — Road traffic\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**No. 1** Art. 82 FC traces back to Art. 37bis of the former Federal Constitution, which was inserted into the Federal Constitution in 1958 (BBl 1957 II 585). The provision was intended to constitutionally anchor the comprehensive federal competence in motorised road traffic after the rapid development of automobile traffic made uniform nation-wide regulation necessary.\n\n**No. 2** The total revision of the Federal Constitution in 1999 adopted the provision with unchanged content (BBl 1997 I 1, 300). The constitutional legislator emphasised the necessity of comprehensive federal competence to guarantee road safety and smooth cross-border traffic.\n\n**No. 3** The principle of free use of roads in para. 3 has its roots in the medieval struggle against road tolls and was incorporated into the Constitution as a fundamental principle of modern transport policy (BBl 1957 II 590).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**No. 4** Art. 82 FC stands in the 3rd Title on the Confederation, Cantons and Communes, 3rd Chapter on the division of tasks between the Confederation and the Cantons. The norm establishes exclusive federal competence in the area of road traffic law (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, No 1098).\n\n**No. 5** The provision is to be distinguished from:\n- → Art. 83 FC (Roads): regulates construction and maintenance of roads\n- → Art. 85 FC (Heavy vehicle charge): special constitutional basis for the HVC\n- → Art. 86 FC (Fuel consumption tax): financing of road infrastructure\n- → Art. 88 FC (Footpaths and hiking trails): complementary cantonal competence\n\n**No. 6** In relation to fundamental rights, → Art. 10 para. 2 FC (freedom of movement) is particularly to be observed. Traffic restrictions must satisfy the requirements of → Art. 36 FC.\n\n### 3. Elements of the provision / Content of the norm\n\n#### a) Legislative competence over road traffic (para. 1)\n\n**No. 7** The term \"road traffic\" encompasses all aspects of traffic on public roads, namely:\n- Traffic rules and signalisation\n- Licensing of vehicles and drivers\n- Road safety regulations\n- Liability and insurance\n- Traffic criminal law\n\n**No. 8** The federal competence is comprehensive and exclusive (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4th ed. 2023, Art. 82 No 5). Only the regulatory authority for non-motorised traffic remains with the cantons, insofar as the Confederation has not issued regulations.\n\n**No. 9** New transport technologies such as automated driving or e-mobility also fall under federal competence, as the Federal Supreme Court has confirmed (Judgment 2C_847/2019).\n\n#### b) General supervision over roads of national importance (para. 2)\n\n**No. 10** \"General supervision\" does not grant the Confederation operational competence, but only a control function over cantonal road administration for roads of national importance (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, No 2847).\n\n**No. 11** \"Transit roads\" are roads that serve supra-regional traffic. The Federal Council may order their being kept open if this is in the national interest (**BGE 122 I 279**).\n\n#### c) Free use of roads (para. 3)\n\n**No. 12** The principle of free use prohibits direct usage charges for driving on public roads. Not covered are:\n- Parking fees (temporary special use)\n- Tunnel fees (special structures)\n- Incentive charges (e.g. HVC according to Art. 85 FC)\n- General traffic charges\n\n**No. 13** The Federal Assembly may authorise exceptions, which it has done for the motorway vignette (Art. 86 para. 2 FC) and the HVC (Art. 85 FC). However, the exceptions must remain narrowly limited (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 82 No 18).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**No. 14** From para. 1 follows the exclusive legislative competence of the Confederation. Cantonal provisions on motorised road traffic are inadmissible insofar as they are not the enforcement of federal law.\n\n**No. 15** Para. 2 empowers the Confederation to designate transit roads and enforce their being kept open even against the will of the cantons. The cantons must comply with corresponding federal orders.\n\n**No. 16** Para. 3 establishes a directly applicable prohibition of road usage charges. Private parties may directly invoke this provision to challenge unlawful charges (**BGE 118 Ia 46**).\n\n### 5. Controversies\n\n**No. 17** The scope of federal competence for non-motorised traffic is disputed. While Müller/Schefer (Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 456) favour a broad interpretation, the prevailing doctrine represents a restrictive interpretation (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, Art. 82 No 6; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, No 1099).\n\n**No. 18** The admissibility of city toll systems is controversially discussed. Biaggini (BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 82 No 8) considers them admissible under certain conditions, while Griffel (Umweltrecht, 2019, § 12 No 45) views them as incompatible with Art. 82 para. 3 FC.\n\n**No. 19** The delimitation between prohibited usage charges and permissible incentive charges remains disputed. The Federal Supreme Court has developed a pragmatic line (**BGE 125 I 182**), which is partially criticised in legal doctrine (Vallender/Hettich, SJZ 2000, 241).\n\n### 6. Practice notes\n\n**No. 20** When examining cantonal traffic provisions, it must first be clarified whether they concern motorised or non-motorised traffic. Mixed regulations are fundamentally inadmissible.\n\n**No. 21** Municipalities that wish to introduce parking fees or traffic restrictions must be able to rely on a cantonal legal basis. Direct invocation of Art. 82 FC is insufficient.\n\n**No. 22** When introducing new mobility concepts (Mobility Pricing, Road Pricing), constitutional admissibility must be examined at an early stage. Genuine usage charges require a constitutional amendment, while incentive charges may under certain circumstances be based on Art. 74 FC (environmental protection).\n\n**No. 23** The advancing digitalisation of traffic (intelligent transport systems, automated driving) requires close coordination between the Confederation and the cantons. The federal competence according to Art. 82 para. 1 FC also encompasses these new technologies insofar as they concern road traffic.", "caselaw_en": "# Art. 82 BV — Road Traffic\n\n## Case Law\n\n### I. Federal legislative competence in road traffic (para. 1)\n\n**BGE 101 Ia 392**\n15 October 1975\n\nThe Federal Supreme Court confirms the comprehensive legislative competence of the Confederation in road traffic law. The competence extends to all aspects of motorised traffic on public roads.\n\nFundamental decision on the delineation of federal competences in traffic law vis-à-vis cantonal responsibilities.\n\n> «Art. 82 BV grants the Confederation exclusive and comprehensive legislative competence over road traffic. This extends not only to traffic rules in the narrow sense, but to all aspects of motorised road traffic, including the licensing of vehicles and drivers.»\n\n**BGE 108 Ia 222**\n23 June 1982\n\nThe Federal Supreme Court specifies the scope of federal competence and distinguishes it from cantonal road sovereignty. Traffic law provisions fall entirely under federal law.\n\nImportant distinction between road traffic law (Confederation) and road construction and maintenance (cantons).\n\n> «The legislative competence of the Confederation under Art. 82 para. 1 BV encompasses all rules that relate to the behaviour of road users on roads, irrespective of who owns the road or who built and maintains it.»\n\n### II. General supervision over roads of national importance (para. 2)\n\n**BGE 115 Ia 234**\n7 July 1989\n\nThe Federal Supreme Court defines the scope of Federal Council general supervision over transit roads. The designation of transit roads is a Federal Council discretionary decision.\n\nCentral case law on the specification of the Confederation's general supervisory authority.\n\n> «The general supervision of the Confederation under Art. 82 para. 2 BV is limited to roads of national importance. The Federal Council may, within the framework of its general supervision, determine which transit roads must be kept open to traffic when this is in the national interest.»\n\n**BGE 122 I 279**\n12 November 1996\n\nThe Federal Supreme Court confirms the competence of the Confederation to designate transit roads and keep them open even against the resistance of the cantons.\n\nImportant decision on the delineation of competences between Confederation and cantons in road closures.\n\n> «Art. 82 para. 2 BV empowers the Confederation to require the keeping open of transit roads even against the will of the cantons, when these are of importance for national traffic.»\n\n### III. Principle of toll-free road use (para. 3)\n\n**BGE 118 Ia 46**\n14 February 1992\n\nThe Federal Supreme Court interprets the principle of toll-free use narrowly. Only genuine usage fees are inadmissible, but not indirect charges.\n\nFundamental decision on the interpretation of the prohibition on tolls in Art. 82 para. 3 BV.\n\n> «Art. 82 para. 3 BV prohibits only direct usage fees for road use as such. Not covered are general traffic charges or regulatory charges that do not directly relate to road use.»\n\n**BGE 125 I 182**\n23 March 1999\n\nThe Federal Supreme Court specifies the requirements for exceptions to the prohibition on tolls. The Federal Assembly may only authorise exceptions in narrowly limited cases.\n\nImportant case law on the constitutional limits of road tolls.\n\n> «Exceptions to the principle of toll-free road use may only be authorised by the Federal Assembly and only in special, factually justified cases. The exceptional character must be preserved.»\n\n**BGE 128 I 3**\n11 January 2002\n\nThe Federal Supreme Court addresses the admissibility of the heavy vehicle fee in light of Art. 82 para. 3 BV. Regulatory charges do not fall under the prohibition on tolls.\n\nLandmark decision on the compatibility of the LSVA with the Constitution.\n\n> «The performance-related heavy vehicle fee does not constitute a prohibited road usage toll, but rather a permissible regulatory charge with constitutional basis in Art. 85 BV.»\n\n### IV. Recent developments\n\n**Judgment 2C_847/2019**\n22 April 2020\n\nThe Federal Supreme Court confirms federal competence for new traffic technologies and digital traffic systems under Art. 82 para. 1 BV.\n\nCurrent case law on the application of Art. 82 BV to modern traffic technologies.\n\n> «The legislative competence of the Confederation under Art. 82 para. 1 BV also encompasses new traffic technologies and digital traffic systems, insofar as they concern road traffic.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_82", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 2, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 83, "article_suffix": "", "title": "Strasseninfrastruktur", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 83 BV — Strasseninfrastruktur\n\n## Übersicht\n\n### Was regelt Art. 83 BV?\n\nArt. 83 BV regelt die Verantwortlichkeiten von Bund und Kantonen für die Strasseninfrastruktur in der Schweiz. Absatz 1 verpflichtet Bund und Kantone gemeinsam dafür zu sorgen, dass in allen Landesgegenden eine ausreichende Strasseninfrastruktur vorhanden ist. Diese Bestimmung ist ein politischer Auftrag ohne rechtlich durchsetzbare Ansprüche (BSK BV-Kern, N. 8). Absatz 2 überträgt dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für das Nationalstrassennetz.\n\n### Wer ist betroffen?\n\nBetroffen sind alle Verkehrsteilnehmer, die auf Schweizer Strassen unterwegs sind. Der Bund ist seit 2008 vollständig für die Nationalstrassen verantwortlich, nachdem er diese Aufgabe zuvor mit den Kantonen teilte (NFA-Reform, BBl 2001 2291). Die Kantone bleiben für alle anderen Strassen zuständig. Private Unternehmen können vom Bund mit Betriebsaufgaben betraut werden.\n\n### Was sind die Rechtsfolgen?\n\nAus Art. 83 BV ergeben sich keine individuellen Rechtsansprüche auf neue Strassen oder besseren Ausbau (BSK BV-Kern, N. 13). Die Bestimmung begründet aber eine klare Kompetenzordnung: Der Bund allein plant, baut, betreibt und unterhält die Nationalstrassen. Er trägt sämtliche Kosten dafür. Bei Nationalstrassenprojekten muss eine umfassende Interessenabwägung unter Einbezug aller Verfassungsgüter erfolgen (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**).\n\n### Beispiel aus der Praxis\n\nDie zweite Gotthardröhre zeigt das Spannungsfeld zwischen Strassenbau und Umweltschutz. Das Volk stimmte 2016 dem Projekt zu, obwohl Kritiker einen Verstoss gegen den Alpenschutz sahen. Der Bund argumentierte mit der Gewährleistungspflicht nach Art. 83 BV und Sicherheitsaspekten (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 10). Das Projekt verdeutlicht die politische Dimension der Strassenbaukompetenz.\n\n### Kernaussagen\n\n- **Gemeinsame Gewährleistungspflicht**: Bund und Kantone sorgen gemeinsam für ausreichende Strasseninfrastruktur in allen Landesgegenden (Art. 83 Abs. 1 BV)\n- **Ausschliessliche Bundeskompetenz**: Der Bund ist seit der NFA-Reform 2008 vollständig für Nationalstrassen zuständig (Art. 83 Abs. 2 BV, BBl 2001 2291)\n- **Vollständige Kostenübernahme**: Der Bund trägt sämtliche Kosten für Bau, Betrieb und Unterhalt der Nationalstrassen (Art. 83 Abs. 2 Satz 3 BV)\n- **Kein Rechtsanspruch**: Aus der Verfassungsbestimmung folgen keine individuellen Ansprüche auf neue Strassen oder höheren Ausbaustandard (BSK BV-Kern, N. 13)\n- **Delegationsmöglichkeit**: Der Bund kann Aufgaben an öffentliche, private oder gemischte Träger übertragen, bleibt aber verantwortlich (Art. 83 Abs. 2 Satz 4 BV)", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 83 BV wurde im Zuge der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 eingeführt und ersetzte die alte Bestimmung von Art. 36ter aBV (AS 1958 770). Die Bestimmung kodifizierte die bereits seit 1958 bestehende Bundeskompetenz für Nationalstrassen, welche ursprünglich auf einen Verfassungszusatz vom 6. Juli 1958 zurückging (BBl 1958 I 1165, 1170). Der Verfassungsartikel bildet zusammen mit dem Nationalstrassengesetz vom 8. März 1960 (NSG, SR 725.11) die Grundlage für das schweizerische Nationalstrassennetz.\n\n**N. 2** Die Totalrevision 1999 brachte gegenüber Art. 36ter aBV keine materiellen Änderungen. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung hielt fest, dass die Bundeskompetenz für Nationalstrassen unverändert übernommen werden sollte (BBl 1997 I 1, 252). Die Formulierung wurde lediglich sprachlich modernisiert und systematisch in den Abschnitt über Öffentliche Werke und Verkehr eingegliedert.\n\n**N. 3** Mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) per 1. Januar 2008 übernahm der Bund die vollständige Verantwortung für die Nationalstrassen. Dies bedeutete eine Entflechtung der zuvor zwischen Bund und Kantonen geteilten Kompetenzen (BBl 2001 2291, 2365). Die Kantone wurden von ihrer Mitfinanzierungspflicht befreit, während der Bund die alleinige Verantwortung für Planung, Bau, Betrieb und Unterhalt übernahm.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 83 BV steht im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, im 3. Kapitel über die Zuständigkeiten des Bundes und gehört zum 7. Abschnitt über Öffentliche Werke und Verkehr. Die Bestimmung steht in engem systematischen Zusammenhang mit Art. 82 BV (Strassenverkehr), Art. 84 BV (Alpenquerender Transitverkehr) und Art. 86 BV (Verbrauchssteuer auf Treibstoffen).\n\n**N. 5** Die Strassenkompetenz des Bundes nach Art. 83 BV ist eine Ausnahme vom Grundsatz der kantonalen Strassenbauhoheit. Während die Kantone grundsätzlich für alle Strassen zuständig sind, begründet Art. 83 BV eine ausschliessliche Bundeskompetenz für die Nationalstrassen. Diese systematische Stellung unterstreicht den Charakter der Nationalstrassen als Bundesaufgabe von nationaler Bedeutung (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 5).\n\n**N. 6** Art. 83 BV ist zudem im Kontext der umweltrechtlichen Bestimmungen zu lesen, insbesondere Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), Art. 74 BV (Umweltschutz) und Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz). Die Rechtsprechung hat wiederholt betont, dass Nationalstrassenprojekte eine umfassende Interessenabwägung unter Einbezug aller relevanten Verfassungsgüter erfordern (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**; **BGE 135 II 238 E. 3.2**).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Absatz 1** statuiert eine gemeinsame Verantwortung von Bund und Kantonen für eine ausreichende Strasseninfrastruktur \"in allen Landesgegenden\". Diese Gewährleistungspflicht ist programmatischer Natur und begründet keine subjektiven Rechtsansprüche (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 8). Der unbestimmte Rechtsbegriff \"ausreichend\" räumt den Behörden einen erheblichen Beurteilungsspielraum ein (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1285).\n\n**N. 8** Die Formulierung \"in allen Landesgegenden\" verweist auf das verfassungsrechtliche Ziel der Grundversorgung und steht im Zusammenhang mit Art. 2 Abs. 2 BV (ausgewogene Entwicklung) sowie Art. 35 Abs. 2 BV. Sie verpflichtet Bund und Kantone zur Berücksichtigung peripherer Regionen bei der Strassenplanung (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, in: Müller [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. IV, 2008, S. 27).\n\n**N. 9** **Absatz 2 Satz 1** begründet die ausschliessliche Bundeszuständigkeit für das Nationalstrassennetz. Der Begriff \"Netz\" impliziert ein zusammenhängendes System von Strassen nationaler Bedeutung. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch den Netzbeschluss der Bundesversammlung gemäss Art. 11 NSG. Die Behörden sind an diesen Netzbeschluss gebunden (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**).\n\n**N. 10** **Absatz 2 Satz 2** konkretisiert die Bundesverantwortung durch die Trias \"bauen, betreiben und unterhalten\". Diese umfassende Kompetenz schliesst die Planung, Projektierung und Finanzierung mit ein (Häner, Strassenrecht, in: Müller [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. IV, 2008, S. 180). Der Betrieb umfasst auch die Verkehrslenkung und Sicherheitsmassnahmen auf Nationalstrassen.\n\n**N. 11** **Absatz 2 Satz 3** statuiert die volle Kostentragungspflicht des Bundes. Diese Finanzierungsverantwortung ist Ausfluss der ausschliesslichen Sachkompetenz und unterscheidet die Nationalstrassen von anderen Infrastrukturaufgaben mit geteilter Finanzierung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3285).\n\n**N. 12** **Absatz 2 Satz 4** ermöglicht die Übertragung von Aufgaben an \"öffentliche, private oder gemischte Trägerschaften\". Diese Delegationsmöglichkeit erlaubt Public-Private-Partnerships und die Einbindung privater Akteure, wobei die Verantwortung beim Bund verbleibt (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 14). Die Übertragung erfolgt typischerweise durch Leistungsvereinbarungen gemäss Art. 49a NSG.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Aus Art. 83 Abs. 1 BV folgt keine durchsetzbare Pflicht zum Ausbau des Strassennetzes. Die Bestimmung begründet weder subjektive Rechte noch einen Anspruch auf bestimmte Ausbaustandards (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 12 f.). Vielmehr handelt es sich um einen Verfassungsauftrag, der den politischen Behörden einen weiten Gestaltungsspielraum belässt.\n\n**N. 14** Art. 83 Abs. 2 BV begründet hingegen eine ausschliessliche Bundeskompetenz mit folgenden Rechtsfolgen: Der Bund allein ist für Planung, Bau, Betrieb und Unterhalt der Nationalstrassen zuständig. Die Kantone haben keine eigenen Kompetenzen mehr, sind aber zur Mitwirkung bei der Planung verpflichtet (Art. 11 ff. NSG). Sie können zudem mit Betriebsaufgaben betraut werden (Art. 49a NSG).\n\n**N. 15** Die Finanzierungsverantwortung des Bundes ist umfassend. Sämtliche Kosten für Erstellung und Betrieb der Nationalstrassen trägt der Bund, einschliesslich der Kosten für Landerwerb, Enteignungsentschädigungen und Ersatzmassnahmen (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, S. 42 ff.). Die Finanzierung erfolgt primär über die Spezialfinanzierung Strassenverkehr gemäss Art. 86 BV.\n\n**N. 16** Die Delegationsmöglichkeit nach Abs. 2 Satz 4 ändert nichts an der Verantwortung des Bundes. Auch bei Übertragung von Aufgaben bleibt der Bund für die ordnungsgemässe Erfüllung verantwortlich und muss die Aufsicht wahrnehmen (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. 1, 2. Aufl. 2002, N 156).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Umfang der Gewährleistungspflicht nach Abs. 1:** In der Lehre ist umstritten, inwieweit Art. 83 Abs. 1 BV eine Pflicht zum Ausbau der Strasseninfrastruktur begründet. Während Kern (BSK BV, Art. 83 N. 8) betont, dass der Verfassungsbestimmung keine inhaltlichen Vorgaben zu entnehmen seien, vertreten andere Autoren die Ansicht, dass sich aus dem Zusammenspiel mit anderen Verfassungsbestimmungen konkretere Verpflichtungen ergeben können (SG Komm. BV-Lendi, Art. 83 N. 24).\n\n**N. 18** **Verhältnis zur Verlagerungspolitik:** Kontrovers diskutiert wird das Spannungsverhältnis zwischen der Strassenbaukompetenz und der Verlagerungspolitik nach Art. 84 BV. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 10) hält fest, die Verlagerungspolitik sei ausserhalb des Alpenbereichs verfassungsrechtlich nicht vorgegeben, lasse sich aber auf das Zusammenspiel der Verfassungsbestimmungen abstützen. Andere Autoren sehen in Art. 73 und 74 BV weitergehende Einschränkungen der Strassenbaukompetenz (Sollberger, Konvergenzen und Divergenzen im Landverkehrsrecht, 2003, S. 89).\n\n**N. 19** **Anspruch auf Ausbaustandard:** Umstritten ist, ob aus Art. 83 BV ein Anspruch auf einen bestimmten Ausbaustandard der Nationalstrassen folgt. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 12) verneint einen Anspruch auf den höchstmöglichen Ausbau- und Sicherheitsstandard. Demgegenüber argumentiert Lendi (SG Komm. BV, Art. 83 N. 24), dass bei bestehenden Kapazitätsengpässen durchaus Ansprüche auf Verbesserungen bestehen könnten.\n\n**N. 20** **Zweite Röhre am Gotthard:** Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit einer zweiten Strassenröhre am Gotthard war lange umstritten. Während Kritiker einen Verstoss gegen Art. 84 BV (Alpenschutz) sahen, argumentierten Befürworter mit der Gewährleistungspflicht nach Art. 83 BV. Das Bundesgericht hat diese Frage bisher nicht abschliessend geklärt. Die Volksabstimmung vom 28. Februar 2016 hat die zweite Röhre aus Sicherheitsgründen gutgeheissen (Kern, Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285 ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Planung von Nationalstrassenprojekten ist eine frühzeitige und umfassende Interessenabwägung vorzunehmen. Das Bundesverwaltungsgericht fordert eine \"umfassende Betrachtung der Gesamtsituation\" unter Einbezug aller betroffenen öffentlichen und privaten Interessen (Urteil A-5466/2008 vom 3.6.2009 E. 4.3; Urteil A-5843/2022 vom 23.6.2023 E. 7.2).\n\n**N. 22** Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist bei allen grösseren Nationalstrassenprojekten zwingend. Dabei sind insbesondere Lärmschutz, Luftreinhaltung und Naturschutz zu berücksichtigen. Das Bundesgericht hat klargestellt, dass auch bei verfassungsrechtlich verankerten Infrastrukturprojekten eine vollständige UVP durchzuführen ist (**BGE 119 Ib 458 E. 8d**).\n\n**N. 23** Bei der Übertragung von Betriebsaufgaben an Dritte gemäss Abs. 2 Satz 4 sind klare Leistungsvereinbarungen abzuschliessen. Die Verantwortung für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit und die Einhaltung der Umweltvorschriften verbleibt beim Bund. Das ASTRA hat entsprechende Richtlinien erlassen (ASTRA-Richtlinie 16010).\n\n**N. 24** Enteignungen für Nationalstrassenprojekte erfolgen nach dem Enteignungsgesetz. Dabei ist zu beachten, dass der Landerwerb für Realersatz an betroffene Landwirte als öffentliche Aufgabe gilt und daher kein bäuerliches Vorkaufsrecht auslöst (**BGE 90 II 62**). Bei Landumlegungsverfahren sind die kantonalen Verfahren mit dem Nationalstrassenrecht zu koordinieren (**BGE 97 I 715**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Entstehung und frühe Rechtsprechung zu Nationalstrassen\n\n**BGE 96 I 485** vom 8. März 1960  \nErste Grundsätze zur Kostenverteilung beim Nationalstrassenbau. Nach Art. 45 Abs. 1 NSG gehen Kosten der durch Nationalstrassenbau verursachten Versetzung von PTT-Leitungen zu Lasten des Bundes.  \nGrundlegend für die verfassungsrechtliche Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen bei der Strasseninfrastruktur.\n\n> «Nach Art. 45 Abs. 1 dieses Gesetzes gehen zu Lasten des Nationalstrassenbaus auch die Kosten der durch ihn verursachten Versetzung von Leitungen der PTT-Betriebe, wenn nichts anderes vereinbart ist.»\n\n### Kompetenzabgrenzung und Projektierungszuständigkeiten\n\n**BGE 106 Ib 26** vom 29. Mai 1985  \nKlärung der Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen bei Nationalstrassen-Anschlüssen. Die Projektierung von Anschlüssen als Bestandteilen der Nationalstrassen ist ausschliesslich gestützt auf das Nationalstrassengesetz vorzunehmen.  \nZentral für das Verständnis der bundesstaatlichen Kompetenzverteilung nach Art. 83 BV.\n\n> «Die Projektierung von Anschlüssen als Bestandteilen der Nationalstrassen ist ausschliesslich gestützt auf das Nationalstrassengesetz vorzunehmen.»\n\n**BGE 97 I 573** vom 12. Juli 1971  \nGrundsätze zur Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichts bei Nationalstrassenprojekten. Zulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide über Pläne, aufgrund deren Land enteignet werden kann.  \nWichtig für die gerichtliche Kontrolle der Ausübung der Bundeskompetenz nach Art. 83 BV.\n\n> «Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann gerügt werden, es sei zu Unrecht kantonales statt Bundesrecht angewendet worden.»\n\n### Umweltverträglichkeitsprüfung und Interessenabwägung\n\n**BGE 119 Ib 458** vom 21. Juni 1993  \nBindung der Behörden an den Netzbeschluss der Bundesversammlung bei Nationalstrassen-Ausführungsprojekten. Verkehrsprognose und flankierende Massnahmen sowie Berücksichtigung kantonalen Umweltschutzrechtes.  \nZeigt die Grenzen der UVP bei verfassungsrechtlich verankerten Infrastruktureingriffen auf.\n\n> «Die kantonalen Einsprachebehörden und das Bundesgericht sind an den Netzbeschluss der Bundesversammlung gebunden.»\n\n**BGE 135 II 238** vom 8. April 2009  \nUVP-Pflicht bei Änderung bestehender UVP-pflichtiger Anlagen am Beispiel der Lärmsanierung eines Nationalstrassenabschnitts. Einbezug der ASTRA-Richtlinie zur Lüftung von Strassentunneln.  \nRelevant für die Konkretisierung der Bundesverantwortung für Nationalstrassen nach Art. 83 Abs. 2 BV.\n\n> «Bei Lärmsanierungsprojekten, die sich auf die Errichtung bzw. Erhöhung von Lärmschutzwänden an einem Abschnitt einer Nationalstrasse beschränken, ist im Regelfall keine UVP nötig.»\n\n### Planungsverfahren und Varianten­prüfung\n\n**A-5466/2008** vom 3. Juni 2009 (BVGer)  \nUmfassende Betrachtung der Gesamtsituation bei Nationalstrassenprojekten erforderlich. Abstimmung mit kantonalen Behörden bezüglich Anpassung des untergeordneten Strassennetzes.  \nKonkretisiert die Koordinationspflichten zwischen Bund und Kantonen nach Art. 83 BV.\n\n> «Das Projekt muss eine umfassende Betrachtung der Gesamtsituation und insbesondere eine Abstimmung mit dem Kanton bezüglich der Anpassung des untergeordneten Strassennetzes enthalten.»\n\n### Aktuelle Rechtsprechung zu Interessenabwägung\n\n**A-2566/2019** vom 19. Mai 2020 (BVGer)  \nVollanschluss Alpnach Süd: Umfassende Interessenabwägung zwischen Verkehrssicherheit und Umweltschutz bei Nationalstrassenprojekten. Berücksichtigung von Lärm- und Luftbelastung.  \nZeigt moderne Anwendung der Bundesverantwortung unter Berücksichtigung aller Verfassungsgüter.\n\n> «Die Landbeanspruchung rechtfertigt sich aus Gründen des öffentlichen Interesses an einem funktionierenden Verkehrsnetz und der Verkehrssicherheit.»\n\n**A-5843/2022** vom 23. Juni 2025 (BVGer)  \nNationalstrasse N04 Anschluss Küssnacht: Wegweisend für die Abwägung zwischen Bundeskompetenz für Nationalstrassen und Kulturlandschutz nach Art. 104a BV. Umfassende Prüfung verschiedener Varianten erforderlich.  \nNeueste Rechtsprechung zur Konkretisierung der Spannungsfelder in Art. 83 BV.\n\n> «Die Plangenehmigung für ein Nationalstrassenprojekt setzt eine umfassende Abwägung der berührten öffentlichen und privaten Interessen voraus. Für die Interessenabwägung sind in einem ersten Schritt die berührten Interessen zu ermitteln.»\n\n### Finanzierung und Kostenverteilung\n\n**BGE 90 II 62** vom 13. Januar 1964  \nBäuerliches Vorkaufsrecht und Nationalstrassenbau: Erwerb von Land durch den Staat zum Zwecke der Leistung von Realersatz für Nationalstrassenbetroffene erfolgt in Erfüllung einer öffentlichen, gemeinnützigen Aufgabe.  \nGrundlegend für die Finanzierungsverantwortung des Bundes nach Art. 83 Abs. 2 BV.\n\n> «Der Erwerb von Land durch den Staat zum Zwecke der Leistung von Realersatz an vom Nationalstrassenbau betroffene Landwirte geschieht in Erfüllung einer öffentlichen, gemeinnützigen Aufgabe.»\n\n### Enteignungsverfahren\n\n**BGE 97 I 715** vom 3. November 1971  \nVerhältnis zwischen Landumlegungs- und Enteignungsverfahren beim Nationalstrassenbau. Voraussetzungen zur Durchführung eines nachträglichen Enteignungsverfahrens.  \nWichtig für die Durchsetzung der Bundeskompetenz gegenüber Grundeigentümern.\n\n> «Die Schätzungskommission kann den Werkeigentümer nicht zur Einleitung des Enteignungsverfahrens zwingen.»\n\n**BGE 97 I 718** vom 3. November 1971  \nBeseitigung von Gebäuden beim Nationalstrassenbau: Verhältnis zwischen Landumlegungs- und Enteignungsverfahren. Kann der Abbruch von Gebäuden im kantonalen Landumlegungsverfahren verfügt werden?  \nZeigt Grenzen der kantonalen Mitwirkung bei der Umsetzung von Art. 83 BV auf.\n\n> «Ist die Durchführung eines Enteignungsverfahrens erforderlich, so ist im Schätzungsverfahren zu entscheiden, ob eine angemessene Entschädigung geleistet wird.»", "summary_fr": "# Art. 83 Cst. — Infrastructure routière\n\n## Aperçu\n\n### Que règle l'art. 83 Cst. ?\n\nL'art. 83 Cst. règle les responsabilités de la Confédération et des cantons pour l'infrastructure routière en Suisse. L'alinéa 1 oblige la Confédération et les cantons à veiller ensemble à ce qu'il existe une infrastructure routière suffisante dans toutes les régions du pays. Cette disposition constitue un mandat politique sans créer de droits juridiquement exigibles (BSK BV-Kern, n° 8). L'alinéa 2 transfère à la Confédération la compétence exclusive pour le réseau des routes nationales.\n\n### Qui est concerné ?\n\nSont concernés tous les usagers de la route qui circulent sur les routes suisses. Depuis 2008, la Confédération est entièrement responsable des routes nationales, après avoir partagé cette tâche avec les cantons auparavant (réforme RPT, FF 2001 2021). Les cantons demeurent compétents pour toutes les autres routes. Des entreprises privées peuvent être chargées par la Confédération de tâches d'exploitation.\n\n### Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nL'art. 83 Cst. ne confère aucun droit individuel à de nouvelles routes ou à un meilleur aménagement (BSK BV-Kern, n° 13). La disposition fonde toutefois un ordre de compétences clair : la Confédération planifie, construit, exploite et entretient seule les routes nationales. Elle assume tous les coûts y afférents. Pour les projets de routes nationales, une pesée complète des intérêts doit être effectuée en intégrant tous les biens constitutionnels (**ATF 119 Ib 458 consid. 6a**).\n\n### Exemple tiré de la pratique\n\nLe second tube du Gothard illustre les tensions entre construction routière et protection de l'environnement. En 2016, le peuple a approuvé le projet malgré les critiques dénonçant une violation de la protection des Alpes. La Confédération a argumenté avec l'obligation de garantie selon l'art. 83 Cst. et les aspects sécuritaires (Kern, BSK BV, art. 83 n° 10). Le projet met en évidence la dimension politique de la compétence en matière de construction routière.\n\n### Messages clés\n\n- **Obligation commune de garantie** : la Confédération et les cantons veillent ensemble à une infrastructure routière suffisante dans toutes les régions du pays (art. 83 al. 1 Cst.)\n- **Compétence exclusive de la Confédération** : depuis la réforme RPT de 2008, la Confédération est entièrement compétente pour les routes nationales (art. 83 al. 2 Cst., FF 2001 2021)\n- **Prise en charge complète des coûts** : la Confédération assume tous les coûts de construction, d'exploitation et d'entretien des routes nationales (art. 83 al. 2 phrase 3 Cst.)\n- **Aucun droit subjectif** : la disposition constitutionnelle ne confère aucun droit individuel à de nouvelles routes ou à un niveau d'aménagement supérieur (BSK BV-Kern, n° 13)\n- **Possibilité de délégation** : la Confédération peut confier des tâches à des organismes publics, privés ou mixtes, mais demeure responsable (art. 83 al. 2 phrase 4 Cst.)", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 83 Cst. fut introduit lors de la révision totale de la Constitution fédérale en 1999 et remplaça l'ancienne disposition de l'art. 36ter aCst. (RO 1958 770). La disposition codifia la compétence fédérale en matière de routes nationales qui existait déjà depuis 1958 et qui remontait originellement à un additif constitutionnel du 6 juillet 1958 (FF 1958 I 1165, 1170). L'article constitutionnel forme avec la loi fédérale du 8 mars 1960 sur les routes nationales (LRN, RS 725.11) la base du réseau suisse de routes nationales.\n\n**N. 2** La révision totale de 1999 n'apporta aucune modification matérielle par rapport à l'art. 36ter aCst. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale précisa que la compétence fédérale en matière de routes nationales devait être reprise sans changement (FF 1997 I 1, 252). La formulation fut seulement modernisée sur le plan linguistique et intégrée systématiquement dans la section sur les travaux publics et les transports.\n\n**N. 3** Avec la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT) au 1er janvier 2008, la Confédération assuma la responsabilité complète des routes nationales. Cela signifia un désenchevêtrement des compétences auparavant partagées entre la Confédération et les cantons (FF 2001 2291, 2365). Les cantons furent libérés de leur obligation de cofinancement, tandis que la Confédération assumait la responsabilité exclusive de la planification, de la construction, de l'exploitation et de l'entretien.\n\n### 2. Insertion systématique\n\n**N. 4** L'art. 83 Cst. se trouve dans le 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, au 3e chapitre sur les compétences de la Confédération et appartient à la 7e section sur les travaux publics et les transports. La disposition est en lien systématique étroit avec l'art. 82 Cst. (circulation routière), l'art. 84 Cst. (trafic de transit à travers les Alpes) et l'art. 86 Cst. (impôt sur la consommation de carburants).\n\n**N. 5** La compétence de la Confédération en matière de routes selon l'art. 83 Cst. constitue une exception au principe de la souveraineté cantonale en matière de construction routière. Alors que les cantons sont en principe compétents pour toutes les routes, l'art. 83 Cst. fonde une compétence fédérale exclusive pour les routes nationales. Cette position systématique souligne le caractère des routes nationales comme tâche fédérale d'importance nationale (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 5).\n\n**N. 6** L'art. 83 Cst. doit en outre être lu dans le contexte des dispositions relatives au droit de l'environnement, en particulier les art. 73 Cst. (développement durable), 74 Cst. (protection de l'environnement) et 78 Cst. (protection de la nature et du paysage). La jurisprudence a souligné à plusieurs reprises que les projets de routes nationales exigent une pesée d'intérêts complète incluant tous les biens constitutionnels pertinents (**ATF 119 Ib 458 consid. 6a** ; **ATF 135 II 238 consid. 3.2**).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **L'alinéa 1** établit une responsabilité commune de la Confédération et des cantons pour une infrastructure routière suffisante « dans toutes les parties du pays ». Cette obligation de garantie est de nature programmatique et ne fonde aucun droit subjectif (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 8). La notion juridique indéterminée « suffisante » laisse aux autorités une marge d'appréciation considérable (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1285).\n\n**N. 8** La formulation « dans toutes les parties du pays » renvoie à l'objectif constitutionnel du service de base et est en lien avec l'art. 2 al. 2 Cst. (développement équilibré) ainsi qu'avec l'art. 35 al. 2 Cst. Elle oblige la Confédération and les cantons à prendre en compte les régions périphériques dans la planification routière (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, dans : Müller [éd.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. IV, 2008, p. 27).\n\n**N. 9** **L'alinéa 2 phrase 1** fonde la compétence fédérale exclusive pour le réseau de routes nationales. La notion de « réseau » implique un système cohérent de routes d'importance nationale. La concrétisation s'effectue par l'arrêté fédéral sur le réseau de l'Assemblée fédérale selon l'art. 11 LRN. Les autorités sont liées par cet arrêté sur le réseau (**ATF 119 Ib 458 consid. 6a**).\n\n**N. 10** **L'alinéa 2 phrase 2** concrétise la responsabilité fédérale par la triade « construire, exploiter et entretenir ». Cette compétence globale inclut la planification, l'établissement de projets et le financement (Häner, Strassenrecht, dans : Müller [éd.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. IV, 2008, p. 180). L'exploitation comprend aussi la gestion du trafic et les mesures de sécurité sur les routes nationales.\n\n**N. 11** **L'alinéa 2 phrase 3** établit l'obligation complète de prise en charge des coûts par la Confédération. Cette responsabilité financière découle de la compétence matérielle exclusive et distingue les routes nationales des autres tâches d'infrastructure avec financement partagé (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 3285).\n\n**N. 12** **L'alinéa 2 phrase 4** permet la transmission de tâches à des « organismes publics, privés ou mixtes ». Cette possibilité de délégation permet les partenariats public-privé et l'intégration d'acteurs privés, la responsabilité demeurant chez la Confédération (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 14). La transmission s'effectue typiquement par des conventions de prestations selon l'art. 49a LRN.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 13** L'art. 83 al. 1 Cst. ne fait découler aucune obligation exécutoire de développer le réseau routier. La disposition ne fonde ni droits subjectifs ni prétention à certains standards de développement (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 12 s.). Il s'agit plutôt d'un mandat constitutionnel qui laisse aux autorités politiques une large marge de manœuvre.\n\n**N. 14** L'art. 83 al. 2 Cst. fonde en revanche une compétence fédérale exclusive avec les effets juridiques suivants : la Confédération seule est compétente pour la planification, la construction, l'exploitation et l'entretien des routes nationales. Les cantons n'ont plus de compétences propres, mais sont obligés de collaborer à la planification (art. 11 ss LRN). Ils peuvent en outre être chargés de tâches d'exploitation (art. 49a LRN).\n\n**N. 15** La responsabilité de financement de la Confédération est globale. Tous les coûts pour la réalisation et l'exploitation des routes nationales sont pris en charge par la Confédération, y compris les coûts pour l'acquisition de terrains, les indemnités d'expropriation et les mesures de remplacement (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 42 ss). Le financement s'effectue prioritairement via le financement spécial de la circulation routière selon l'art. 86 Cst.\n\n**N. 16** La possibilité de délégation selon l'al. 2 phrase 4 ne change rien à la responsabilité de la Confédération. Même en cas de transmission de tâches, la Confédération reste responsable de l'accomplissement conforme et doit exercer la surveillance (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, vol. 1, 2e éd. 2002, N 156).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Étendue de l'obligation de garantie selon l'al. 1 :** Dans la doctrine, il est controversé dans quelle mesure l'art. 83 al. 1 Cst. fonde une obligation de développer l'infrastructure routière. Alors que Kern (BSK BV, Art. 83 N. 8) souligne qu'aucune prescription de contenu ne peut être tirée de la disposition constitutionnelle, d'autres auteurs défendent la position que des obligations plus concrètes peuvent découler de l'interaction avec d'autres dispositions constitutionnelles (SG Komm. BV-Lendi, Art. 83 N. 24).\n\n**N. 18** **Rapport avec la politique de report :** Le rapport de tension entre la compétence de construction routière et la politique de report selon l'art. 84 Cst. est discuté de manière controversée. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 10) précise que la politique de report n'est pas prescrite constitutionnellement en dehors de la région alpine, mais peut s'appuyer sur l'interaction des dispositions constitutionnelles. D'autres auteurs voient dans les art. 73 et 74 Cst. des restrictions plus étendues de la compétence de construction routière (Sollberger, Konvergenzen und Divergenzen im Landverkehrsrecht, 2003, p. 89).\n\n**N. 19** **Prétention à un standard de développement :** Il est controversé si de l'art. 83 Cst. découle une prétention à un certain standard de développement des routes nationales. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 12) nie une prétention au développement et au standard de sécurité les plus élevés possibles. À l'inverse, Lendi (SG Komm. BV, Art. 83 N. 24) argumente que lors de goulets d'étranglement existants, des prétentions à des améliorations pourraient tout à fait exister.\n\n**N. 20** **Deuxième tube au Gothard :** L'admissibilité constitutionnelle d'un deuxième tube routier au Gothard fut longtemps controversée. Alors que les critiques voyaient une violation de l'art. 84 Cst. (protection des Alpes), les partisans argumentaient avec l'obligation de garantie selon l'art. 83 Cst. Le Tribunal fédéral n'a pas encore tranché définitivement cette question. La votation populaire du 28 février 2016 a approuvé le deuxième tube pour des raisons de sécurité (Kern, Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285 ss).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 21** Lors de la planification de projets de routes nationales, il faut procéder à une pesée d'intérêts précoce et globale. Le Tribunal administratif fédéral exige une « considération globale de la situation d'ensemble » incluant tous les intérêts publics et privés concernés (arrêt A-5466/2008 du 3.6.2009 consid. 4.3 ; arrêt A-5843/2022 du 23.6.2023 consid. 7.2).\n\n**N. 22** L'étude d'impact sur l'environnement (EIE) est obligatoire pour tous les projets plus importants de routes nationales. Il faut notamment prendre en compte la protection contre le bruit, la protection de l'air et la protection de la nature. Le Tribunal fédéral a clarifié que même pour les projets d'infrastructure ancrés constitutionnellement, il faut procéder à une EIE complète (**ATF 119 Ib 458 consid. 8d**).\n\n**N. 23** Lors de la transmission de tâches d'exploitation à des tiers selon l'al. 2 phrase 4, il faut conclure des conventions de prestations claires. La responsabilité pour la garantie de la sécurité du trafic et le respect des prescriptions environnementales demeure chez la Confédération. L'OFROU a édicté des directives correspondantes (Directive OFROU 16010).\n\n**N. 24** Les expropriations pour projets de routes nationales s'effectuent selon la loi sur l'expropriation. Il faut noter que l'acquisition de terrains pour un remplacement réel aux agriculteurs concernés vaut comme tâche publique et ne déclenche donc pas de droit de préemption agricole (**ATF 90 II 62**). Lors de procédures de remaniement parcellaire, les procédures cantonales doivent être coordonnées avec le droit des routes nationales (**ATF 97 I 715**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Genèse et jurisprudence précoce sur les routes nationales\n\n**BGE 96 I 485** du 8 mars 1960  \nPremiers principes relatifs à la répartition des coûts lors de la construction de routes nationales. Selon l'art. 45 al. 1 LRN, les coûts du déplacement des conduites des PTT causé par la construction de routes nationales sont à la charge de la Confédération.  \nFondamental pour la délimitation constitutionnelle des compétences entre Confédération et cantons en matière d'infrastructure routière.\n\n> « Selon l'art. 45 al. 1 de cette loi, les coûts du déplacement des conduites des exploitations des PTT causé par la construction de routes nationales sont également à la charge de cette construction, sauf convention contraire. »\n\n### Délimitation des compétences et compétences de planification\n\n**BGE 106 Ib 26** du 29 mai 1985  \nClarification des compétences entre Confédération et cantons pour les raccordements aux routes nationales. La planification des raccordements en tant qu'éléments constitutifs des routes nationales doit être effectuée exclusivement en se fondant sur la loi sur les routes nationales.  \nCentral pour la compréhension de la répartition fédérale des compétences selon l'art. 83 Cst.\n\n> « La planification des raccordements en tant qu'éléments constitutifs des routes nationales doit être effectuée exclusivement en se fondant sur la loi sur les routes nationales. »\n\n**BGE 97 I 573** du 12 juillet 1971  \nPrincipes relatifs au pouvoir de contrôle du Tribunal fédéral sur les projets de routes nationales. Recevabilité du recours de droit administratif contre les décisions cantonales de dernière instance concernant les plans sur la base desquels des terrains peuvent être expropriés.  \nImportant pour le contrôle judiciaire de l'exercice de la compétence fédérale selon l'art. 83 Cst.\n\n> « Le recours de droit administratif peut faire valoir que du droit cantonal a été appliqué à tort au lieu du droit fédéral. »\n\n### Étude d'impact sur l'environnement et pesée des intérêts\n\n**BGE 119 Ib 458** du 21 juin 1993  \nObligation des autorités de respecter l'arrêté du réseau de l'Assemblée fédérale pour les projets d'exécution de routes nationales. Pronostic de trafic et mesures d'accompagnement ainsi que prise en compte du droit cantonal de protection de l'environnement.  \nMontre les limites de l'EIE en cas d'interventions dans l'infrastructure ancrées constitutionnellement.\n\n> « Les autorités cantonales d'opposition et le Tribunal fédéral sont liés par l'arrêté du réseau de l'Assemblée fédérale. »\n\n**BGE 135 II 238** du 8 avril 2009  \nObligation d'EIE en cas de modification d'installations existantes soumises à EIE à l'exemple de l'assainissement phonique d'un tronçon de route nationale. Prise en compte de la directive OFROU sur l'aération des tunnels routiers.  \nPertinent pour la concrétisation de la responsabilité fédérale pour les routes nationales selon l'art. 83 al. 2 Cst.\n\n> « Pour les projets d'assainissement phonique qui se limitent à l'érection ou au rehaussement de murs antibruit sur un tronçon de route nationale, aucune EIE n'est en règle générale nécessaire. »\n\n### Procédure de planification et examen des variantes\n\n**A-5466/2008** du 3 juin 2009 (TAF)  \nExamen global de la situation d'ensemble requis pour les projets de routes nationales. Coordination avec les autorités cantonales concernant l'adaptation du réseau routier subordonné.  \nConcrétise les obligations de coordination entre Confédération et cantons selon l'art. 83 Cst.\n\n> « Le projet doit contenir un examen global de la situation d'ensemble et en particulier une coordination avec le canton concernant l'adaptation du réseau routier subordonné. »\n\n### Jurisprudence actuelle sur la pesée des intérêts\n\n**A-2566/2019** du 19 mai 2020 (TAF)  \nRaccordement complet Alpnach Sud : Pesée globale des intérêts entre sécurité routière et protection de l'environnement pour les projets de routes nationales. Prise en compte de la pollution sonore et atmosphérique.  \nMontre l'application moderne de la responsabilité fédérale en tenant compte de tous les biens constitutionnels.\n\n> « L'occupation de terrain se justifie pour des raisons d'intérêt public à un réseau de transport fonctionnel et à la sécurité routière. »\n\n**A-5843/2022** du 23 juin 2025 (TAF)  \nRoute nationale N04 raccordement Küssnacht : Déterminant pour la pesée entre compétence fédérale pour les routes nationales et protection du paysage cultivé selon l'art. 104a Cst. Examen approfondi de différentes variantes requis.  \nJurisprudence la plus récente sur la concrétisation des tensions dans l'art. 83 Cst.\n\n> « L'approbation des plans pour un projet de route nationale présuppose une pesée globale des intérêts publics et privés concernés. Pour la pesée des intérêts, il faut dans un premier temps identifier les intérêts concernés. »\n\n### Financement et répartition des coûts\n\n**BGE 90 II 62** du 13 janvier 1964  \nDroit de préemption rural et construction de routes nationales : L'acquisition de terrain par l'État dans le but de fournir un remplacement en nature aux personnes touchées par les routes nationales s'effectue dans l'accomplissement d'une tâche publique d'utilité publique.  \nFondamental pour la responsabilité de financement de la Confédération selon l'art. 83 al. 2 Cst.\n\n> « L'acquisition de terrain par l'État dans le but de fournir un remplacement en nature aux agriculteurs touchés par la construction de routes nationales se fait dans l'accomplissement d'une tâche publique d'utilité publique. »\n\n### Procédure d'expropriation\n\n**BGE 97 I 715** du 3 novembre 1971  \nRapport entre procédure de remaniement parcellaire et procédure d'expropriation lors de la construction de routes nationales. Conditions pour effectuer une procédure d'expropriation ultérieure.  \nImportant pour l'affirmation de la compétence fédérale face aux propriétaires fonciers.\n\n> « La commission d'estimation ne peut pas contraindre le maître de l'ouvrage à engager la procédure d'expropriation. »\n\n**BGE 97 I 718** du 3 novembre 1971  \nSuppression de bâtiments lors de la construction de routes nationales : Rapport entre procédure de remaniement parcellaire et procédure d'expropriation. La démolition de bâtiments peut-elle être ordonnée dans la procédure cantonale de remaniement parcellaire ?  \nMontre les limites de la participation cantonale à la mise en œuvre de l'art. 83 Cst.\n\n> « Si l'exécution d'une procédure d'expropriation est nécessaire, il faut décider dans la procédure d'estimation si une indemnisation appropriée est versée. »", "summary_it": "# Art. 83 Cost. — Infrastruttura stradale\n\n## Panoramica\n\n### Che cosa disciplina l'art. 83 Cost.?\n\nL'art. 83 Cost. disciplina le responsabilità della Confederazione e dei Cantoni per l'infrastruttura stradale in Svizzera. Il capoverso 1 obbliga la Confederazione e i Cantoni a provvedere congiuntamente affinché in tutte le regioni del Paese sia disponibile un'infrastruttura stradale sufficiente. Questa disposizione è un incarico politico senza pretese giuridicamente azionabili (BSK BV-Kern, n. 8). Il capoverso 2 attribuisce alla Confederazione la competenza esclusiva per la rete delle strade nazionali.\n\n### Chi è interessato?\n\nSono interessati tutti gli utenti della strada che circolano sulle strade svizzere. La Confederazione è completamente responsabile delle strade nazionali dal 2008, dopo aver precedentemente condiviso questo compito con i Cantoni (riforma NPC, FF 2001 2163). I Cantoni rimangono competenti per tutte le altre strade. Le imprese private possono essere incaricate dalla Confederazione di compiti operativi.\n\n### Quali sono le conseguenze giuridiche?\n\nDall'art. 83 Cost. non derivano pretese individuali a nuove strade o a un migliore ampliamento (BSK BV-Kern, n. 13). La disposizione stabilisce tuttavia un chiaro ordine di competenze: la Confederazione sola pianifica, costruisce, gestisce e mantiene le strade nazionali. Essa sostiene tutti i costi relativi. Per i progetti di strade nazionali deve essere effettuata una ponderazione completa degli interessi che includa tutti i beni costituzionali (**DTF 119 Ib 458 consid. 6a**).\n\n### Esempio dalla prassi\n\nIl secondo tunnel del San Gottardo mostra il campo di tensione tra costruzione stradale e protezione dell'ambiente. Nel 2016 il popolo ha approvato il progetto, benché i critici vedessero una violazione della protezione delle Alpi. La Confederazione ha argomentato con l'obbligo di garanzia secondo l'art. 83 Cost. e con aspetti di sicurezza (Kern, BSK BV, art. 83 n. 10). Il progetto chiarisce la dimensione politica della competenza per la costruzione stradale.\n\n### Affermazioni centrali\n\n- **Obbligo congiunto di garanzia**: La Confederazione e i Cantoni provvedono congiuntamente a un'infrastruttura stradale sufficiente in tutte le regioni del Paese (art. 83 cpv. 1 Cost.)\n- **Competenza esclusiva della Confederazione**: La Confederazione è completamente competente per le strade nazionali dalla riforma NPC del 2008 (art. 83 cpv. 2 Cost., FF 2001 2163)\n- **Assunzione completa dei costi**: La Confederazione sostiene tutti i costi per la costruzione, la gestione e la manutenzione delle strade nazionali (art. 83 cpv. 2 frase 3 Cost.)\n- **Nessuna pretesa giuridica**: Dalla disposizione costituzionale non derivano pretese individuali a nuove strade o a un più alto standard di ampliamento (BSK BV-Kern, n. 13)\n- **Possibilità di delega**: La Confederazione può trasferire compiti a enti pubblici, privati o misti, ma rimane responsabile (art. 83 cpv. 2 frase 4 Cost.)", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'art. 83 Cost. è stato introdotto nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999 e ha sostituito la vecchia disposizione dell'art. 36ter aCost. (RU 1958 770). La disposizione ha codificato la competenza federale per le strade nazionali già esistente dal 1958, che risaliva originariamente a un'aggiunta costituzionale del 6 luglio 1958 (FF 1958 I 1165, 1170). L'articolo costituzionale forma insieme alla legge sulle strade nazionali dell'8 marzo 1960 (LSN, RS 725.11) la base per la rete stradale nazionale svizzera.\n\n**N. 2** La revisione totale del 1999 non ha apportato modifiche materiali rispetto all'art. 36ter aCost. Il messaggio sulla nuova Costituzione federale stabiliva che la competenza federale per le strade nazionali doveva essere ripresa invariata (FF 1997 I 1, 252). La formulazione è stata soltanto modernizzata linguisticamente e sistematicamente inserita nella sezione sui lavori pubblici e sui trasporti.\n\n**N. 3** Con il riassetto della perequazione finanziaria e dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) dal 1° gennaio 2008, la Confederazione ha assunto la responsabilità completa per le strade nazionali. Ciò ha significato una separazione delle competenze precedentemente divise tra Confederazione e Cantoni (FF 2001 2291, 2365). I Cantoni sono stati liberati dal loro obbligo di cofinanziamento, mentre la Confederazione ha assunto la sola responsabilità per pianificazione, costruzione, esercizio e manutenzione.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 83 Cost. si trova nel 3° titolo su Confederazione, Cantoni e Comuni, nel 3° capitolo sulle competenze della Confederazione e appartiene alla 7ª sezione sui lavori pubblici e sui trasporti. La disposizione è in stretta correlazione sistematica con l'art. 82 Cost. (circolazione stradale), l'art. 84 Cost. (traffico di transito transalpino) e l'art. 86 Cost. (imposta sul consumo dei carburanti).\n\n**N. 5** La competenza stradale della Confederazione secondo l'art. 83 Cost. è un'eccezione al principio della sovranità cantonale in materia di costruzione stradale. Mentre i Cantoni sono fondamentalmente competenti per tutte le strade, l'art. 83 Cost. istituisce una competenza esclusiva della Confederazione per le strade nazionali. Questa posizione sistematica sottolinea il carattere delle strade nazionali come compito federale di importanza nazionale (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 5).\n\n**N. 6** L'art. 83 Cost. deve inoltre essere letto nel contesto delle disposizioni di diritto ambientale, in particolare l'art. 73 Cost. (sostenibilità), l'art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente) e l'art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio). La giurisprudenza ha ripetutamente sottolineato che i progetti di strade nazionali richiedono una ponderazione completa degli interessi sotto inclusione di tutti i beni costituzionali rilevanti (**DTF 119 Ib 458 consid. 6a**; **DTF 135 II 238 consid. 3.2**).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Il capoverso 1** statuisce una responsabilità comune di Confederazione e Cantoni per un'infrastruttura stradale sufficiente \"in tutte le regioni del Paese\". Questo obbligo di garanzia è di natura programmatica e non fonda diritti soggettivi (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 8). Il concetto giuridico indeterminato \"sufficiente\" conferisce alle autorità un considerevole margine di apprezzamento (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1285).\n\n**N. 8** La formulazione \"in tutte le regioni del Paese\" rimanda all'obiettivo costituzionale del servizio universale e sta in relazione con l'art. 2 cpv. 2 Cost. (sviluppo equilibrato) nonché l'art. 35 cpv. 2 Cost. Essa obbliga Confederazione e Cantoni a considerare le regioni periferiche nella pianificazione stradale (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, in: Müller [ed.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. IV, 2008, p. 27).\n\n**N. 9** **Il capoverso 2 periodo 1** fonda la competenza esclusiva della Confederazione per la rete di strade nazionali. Il concetto \"rete\" implica un sistema coerente di strade di importanza nazionale. La configurazione concreta avviene attraverso la decisione di rete dell'Assemblea federale secondo l'art. 11 LSN. Le autorità sono vincolate a questa decisione di rete (**DTF 119 Ib 458 consid. 6a**).\n\n**N. 10** **Il capoverso 2 periodo 2** concretizza la responsabilità federale attraverso la triade \"costruire, esercire e mantenere\". Questa competenza comprensiva include la pianificazione, progettazione e finanziamento (Häner, Strassenrecht, in: Müller [ed.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, vol. IV, 2008, p. 180). L'esercizio comprende anche la gestione del traffico e le misure di sicurezza sulle strade nazionali.\n\n**N. 11** **Il capoverso 2 periodo 3** statuisce il pieno obbligo di sostenimento dei costi da parte della Confederazione. Questa responsabilità di finanziamento è emanazione della competenza materiale esclusiva e distingue le strade nazionali da altri compiti infrastrutturali con finanziamento ripartito (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 3285).\n\n**N. 12** **Il capoverso 2 periodo 4** rende possibile il trasferimento di compiti a \"enti di diritto pubblico, privato o misto\". Questa possibilità di delega permette partenariati pubblico-privati e il coinvolgimento di attori privati, mantenendo la responsabilità presso la Confederazione (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 14). Il trasferimento avviene tipicamente attraverso accordi di prestazione secondo l'art. 49a LSN.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** Dall'art. 83 cpv. 1 Cost. non segue nessun obbligo esigibile di ampliamento della rete stradale. La disposizione non fonda né diritti soggettivi né un diritto a determinati standard di ampliamento (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 12 seg.). Si tratta piuttosto di un mandato costituzionale che lascia alle autorità politiche un ampio margine di configurazione.\n\n**N. 14** L'art. 83 cpv. 2 Cost. fonda invece una competenza esclusiva della Confederazione con le seguenti conseguenze giuridiche: La Confederazione sola è competente per pianificazione, costruzione, esercizio e manutenzione delle strade nazionali. I Cantoni non hanno più competenze proprie, ma sono obbligati a collaborare nella pianificazione (art. 11 segg. LSN). Possono inoltre essere incaricati di compiti di esercizio (art. 49a LSN).\n\n**N. 15** La responsabilità di finanziamento della Confederazione è comprensiva. Tutti i costi per la realizzazione e l'esercizio delle strade nazionali sono a carico della Confederazione, inclusi i costi per l'acquisizione di terreni, le indennità di espropriazione e le misure sostitutive (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 42 segg.). Il finanziamento avviene primariamente attraverso il finanziamento speciale della circolazione stradale secondo l'art. 86 Cost.\n\n**N. 16** La possibilità di delega secondo il cpv. 2 periodo 4 non cambia nulla alla responsabilità della Confederazione. Anche in caso di trasferimento di compiti, la Confederazione rimane responsabile dell'adempimento conforme e deve esercitare la vigilanza (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, vol. 1, 2ª ed. 2002, N 156).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** **Portata dell'obbligo di garanzia secondo il cpv. 1:** Nella dottrina è controverso fino a che punto l'art. 83 cpv. 1 Cost. fondi un obbligo di ampliamento dell'infrastruttura stradale. Mentre Kern (BSK BV, Art. 83 N. 8) sottolinea che dalla disposizione costituzionale non si possono desumere prescrizioni di contenuto, altri autori sono dell'opinione che dall'interazione con altre disposizioni costituzionali possano risultare obblighi più concreti (SG Komm. BV-Lendi, Art. 83 N. 24).\n\n**N. 18** **Rapporto con la politica di trasferimento:** È discusso controversamente il rapporto di tensione tra la competenza di costruzione stradale e la politica di trasferimento secondo l'art. 84 Cost. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 10) stabilisce che la politica di trasferimento non è prescritta costituzionalmente al di fuori dell'area alpina, ma si può basare sull'interazione delle disposizioni costituzionali. Altri autori vedono negli art. 73 e 74 Cost. limitazioni più ampie della competenza di costruzione stradale (Sollberger, Konvergenzen und Divergenzen im Landverkehrsrecht, 2003, p. 89).\n\n**N. 19** **Diritto a standard di ampliamento:** È controverso se dall'art. 83 Cost. segua un diritto a un determinato standard di ampliamento delle strade nazionali. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 12) nega un diritto al massimo standard possibile di ampliamento e sicurezza. Al contrario, Lendi (SG Komm. BV, Art. 83 N. 24) argomenta che in caso di strozzature di capacità esistenti potrebbero ben sussistere diritti a miglioramenti.\n\n**N. 20** **Seconda galleria al San Gottardo:** L'ammissibilità costituzionale di una seconda galleria stradale al San Gottardo è stata a lungo controversa. Mentre i critici vedevano una violazione dell'art. 84 Cost. (protezione delle Alpi), i sostenitori argomentavano con l'obbligo di garanzia secondo l'art. 83 Cost. Il Tribunale federale non ha ancora chiarito definitivamente questa questione. La votazione popolare del 28 febbraio 2016 ha approvato la seconda galleria per ragioni di sicurezza (Kern, Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285 segg.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nella pianificazione di progetti di strade nazionali deve essere effettuata una ponderazione degli interessi precoce e comprensiva. Il Tribunale amministrativo federale esige una \"considerazione comprensiva della situazione complessiva\" sotto inclusione di tutti gli interessi pubblici e privati toccati (sentenza A-5466/2008 del 3.6.2009 consid. 4.3; sentenza A-5843/2022 del 23.6.2023 consid. 7.2).\n\n**N. 22** L'esame dell'impatto ambientale (EIA) è obbligatorio per tutti i progetti maggiori di strade nazionali. Devono essere considerati in particolare la protezione dal rumore, la protezione dell'aria e la protezione della natura. Il Tribunale federale ha chiarito che anche per progetti infrastrutturali ancorati costituzionalmente deve essere effettuato un EIA completo (**DTF 119 Ib 458 consid. 8d**).\n\n**N. 23** Nel trasferimento di compiti di esercizio a terzi secondo il cpv. 2 periodo 4 devono essere conclusi accordi di prestazione chiari. La responsabilità per la garanzia della sicurezza del traffico e il rispetto delle prescrizioni ambientali rimane presso la Confederazione. L'USTRA ha emanato le corrispondenti direttive (direttiva USTRA 16010).\n\n**N. 24** Le espropriazioni per progetti di strade nazionali avvengono secondo la legge sulle espropriazioni. È da notare che l'acquisizione di terreno per la sostituzione reale ai contadini toccati vale come compito pubblico e quindi non scatena nessun diritto di prelazione contadino (**DTF 90 II 62**). Nei procedimenti di ricomposizione particellare, i procedimenti cantonali devono essere coordinati con il diritto delle strade nazionali (**DTF 97 I 715**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Genesi e prima giurisprudenza sulle strade nazionali\n\n**DTF 96 I 485** dell'8 marzo 1960  \nPrimi principi sulla ripartizione dei costi nella costruzione di strade nazionali. Secondo l'art. 45 cpv. 1 LSN, i costi dello spostamento di condotte PTT causato dalla costruzione di strade nazionali sono a carico della Confederazione.  \nFondamentale per la delimitazione delle competenze costituzionali tra Confederazione e Cantoni nell'infrastruttura stradale.\n\n> «Secondo l'art. 45 cpv. 1 di questa legge, i costi dello spostamento di condotte delle aziende PTT causato dalla costruzione di strade nazionali sono pure a carico della costruzione di strade nazionali, salvo convenzione contraria.»\n\n### Delimitazione delle competenze e responsabilità di progettazione\n\n**DTF 106 Ib 26** del 29 maggio 1985  \nChiarimento delle competenze tra Confederazione e Cantoni negli allacciamenti alle strade nazionali. La progettazione di allacciamenti quali componenti delle strade nazionali deve essere effettuata esclusivamente in base alla legge sulle strade nazionali.  \nCentrale per la comprensione della ripartizione delle competenze federali secondo l'art. 83 Cost.\n\n> «La progettazione di allacciamenti quali componenti delle strade nazionali deve essere effettuata esclusivamente in base alla legge sulle strade nazionali.»\n\n**DTF 97 I 573** del 12 luglio 1971  \nPrincipi sulla competenza di controllo del Tribunale federale nei progetti di strade nazionali. Ammissibilità del ricorso di diritto amministrativo contro decisioni cantonali di ultima istanza su piani in base ai quali può essere espropriato terreno.  \nImportante per il controllo giudiziario dell'esercizio della competenza federale secondo l'art. 83 Cost.\n\n> «Con il ricorso di diritto amministrativo può essere censurato che a torto è stato applicato diritto cantonale anziché diritto federale.»\n\n### Esame dell'impatto ambientale e ponderazione degli interessi\n\n**DTF 119 Ib 458** del 21 giugno 1993  \nVincolo delle autorità al decreto della rete dell'Assemblea federale nei progetti esecutivi di strade nazionali. Prognosi del traffico e misure di accompagnamento nonché considerazione del diritto cantonale di protezione dell'ambiente.  \nMostra i limiti dell'EIA negli interventi infrastrutturali ancorati costituzionalmente.\n\n> «Le autorità cantonali di opposizione e il Tribunale federale sono vincolati al decreto della rete dell'Assemblea federale.»\n\n**DTF 135 II 238** dell'8 aprile 2009  \nObbligo di EIA in caso di modifica di impianti esistenti soggetti a EIA, nell'esempio del risanamento fonico di un tratto di strada nazionale. Inclusione della direttiva USTRA sull'aerazione delle gallerie stradali.  \nRilevante per la concretizzazione della responsabilità federale per le strade nazionali secondo l'art. 83 cpv. 2 Cost.\n\n> «Nei progetti di risanamento fonico che si limitano all'erezione o al rialzo di barriere antirumore su un tratto di strada nazionale, di regola non è necessaria alcuna EIA.»\n\n### Procedura di pianificazione e esame delle varianti\n\n**A-5466/2008** del 3 giugno 2009 (TAF)  \nConsiderazione globale della situazione complessiva necessaria nei progetti di strade nazionali. Coordinamento con le autorità cantonali riguardo all'adattamento della rete stradale subordinata.  \nConcretizza gli obblighi di coordinamento tra Confederazione e Cantoni secondo l'art. 83 Cost.\n\n> «Il progetto deve contenere una considerazione globale della situazione complessiva e in particolare un coordinamento con il Cantone riguardo all'adattamento della rete stradale subordinata.»\n\n### Giurisprudenza attuale sulla ponderazione degli interessi\n\n**A-2566/2019** del 19 maggio 2020 (TAF)  \nAllacciamento completo Alpnach Sud: Ponderazione globale degli interessi tra sicurezza stradale e protezione dell'ambiente nei progetti di strade nazionali. Considerazione dell'inquinamento fonico e atmosferico.  \nMostra l'applicazione moderna della responsabilità federale considerando tutti i beni costituzionali.\n\n> «L'occupazione del terreno si giustifica per ragioni di interesse pubblico a una rete di traffico funzionante e alla sicurezza stradale.»\n\n**A-5843/2022** del 23 giugno 2025 (TAF)  \nStrada nazionale N04 allacciamento Küssnacht: Determinante per la ponderazione tra competenza federale per le strade nazionali e protezione del paesaggio rurale secondo l'art. 104a Cost. Necessario esame globale di diverse varianti.  \nGiurisprudenza più recente sulla concretizzazione delle tensioni nell'art. 83 Cost.\n\n> «L'approvazione dei piani per un progetto di strada nazionale presuppone una ponderazione globale degli interessi pubblici e privati coinvolti. Per la ponderazione degli interessi occorre in un primo passo determinare gli interessi coinvolti.»\n\n### Finanziamento e ripartizione dei costi\n\n**DTF 90 II 62** del 13 gennaio 1964  \nDiritto di prelazione agrario e costruzione di strade nazionali: L'acquisizione di terreno da parte dello Stato allo scopo di prestare risarcimento in natura agli interessati dalle strade nazionali avviene nell'adempimento di un compito pubblico di utilità generale.  \nFondamentale per la responsabilità di finanziamento della Confederazione secondo l'art. 83 cpv. 2 Cost.\n\n> «L'acquisizione di terreno da parte dello Stato allo scopo di prestare risarcimento in natura agli agricoltori interessati dalla costruzione di strade nazionali avviene nell'adempimento di un compito pubblico di utilità generale.»\n\n### Procedura di espropriazione\n\n**DTF 97 I 715** del 3 novembre 1971  \nRapporto tra procedura di ricomposizione particellare e procedura di espropriazione nella costruzione di strade nazionali. Presupposti per l'espletamento di una procedura di espropriazione successiva.  \nImportante per l'attuazione della competenza federale nei confronti dei proprietari fondiari.\n\n> «La commissione di stima non può costringere il proprietario dell'opera ad avviare la procedura di espropriazione.»\n\n**DTF 97 I 718** del 3 novembre 1971  \nEliminazione di edifici nella costruzione di strade nazionali: Rapporto tra procedura di ricomposizione particellare e procedura di espropriazione. Può essere ordinata la demolizione di edifici nella procedura cantonale di ricomposizione particellare?  \nMostra i limiti della collaborazione cantonale nell'attuazione dell'art. 83 Cost.\n\n> «Se è necessario espletare una procedura di espropriazione, nella procedura di stima occorre decidere se viene prestata un'indennità adeguata.»", "summary_en": "# Art. 83 BV — Road Infrastructure\n\n## Overview\n\n### What does Art. 83 BV regulate?\n\nArt. 83 BV regulates the responsibilities of the Confederation and cantons for road infrastructure in Switzerland. Paragraph 1 obliges the Confederation and cantons jointly to ensure that adequate road infrastructure exists in all regions of the country. This provision is a political mandate without legally enforceable claims (BSK BV-Kern, N. 8). Paragraph 2 transfers exclusive competence for the national road network to the Confederation.\n\n### Who is affected?\n\nAll road users travelling on Swiss roads are affected. Since 2008, the Confederation has been fully responsible for national roads, having previously shared this task with the cantons (NFA reform, BBl 2001 2291). The cantons remain responsible for all other roads. Private companies may be entrusted by the Confederation with operational tasks.\n\n### What are the legal consequences?\n\nArt. 83 BV does not give rise to individual legal claims for new roads or better development (BSK BV-Kern, N. 13). However, the provision establishes a clear division of competences: the Confederation alone plans, builds, operates and maintains the national roads. It bears all costs for this. For national road projects, a comprehensive balancing of interests must be carried out, including all constitutional goods (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**).\n\n### Example from practice\n\nThe second Gotthard tunnel illustrates the tension between road construction and environmental protection. In 2016, the people approved the project, although critics saw a violation of alpine protection. The Confederation argued with the guarantee obligation under Art. 83 BV and safety aspects (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 10). The project illustrates the political dimension of road construction competence.\n\n### Key statements\n\n- **Joint guarantee obligation**: The Confederation and cantons jointly ensure adequate road infrastructure in all regions of the country (Art. 83 para. 1 BV)\n- **Exclusive federal competence**: Since the NFA reform in 2008, the Confederation has been fully responsible for national roads (Art. 83 para. 2 BV, BBl 2001 2291)\n- **Full cost assumption**: The Confederation bears all costs for construction, operation and maintenance of national roads (Art. 83 para. 2 sentence 3 BV)\n- **No legal claim**: The constitutional provision does not give rise to individual claims for new roads or higher development standards (BSK BV-Kern, N. 13)\n- **Delegation possibility**: The Confederation may delegate tasks to public, private or mixed entities, but remains responsible (Art. 83 para. 2 sentence 4 BV)", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 83 Federal Constitution was introduced in the course of the total revision of the Federal Constitution in 1999 and replaced the old provision of Art. 36ter old Federal Constitution (AS 1958 770). The provision codified the federal competence for national roads that had already existed since 1958, which originally went back to a constitutional amendment of 6 July 1958 (BBl 1958 I 1165, 1170). The constitutional article, together with the National Roads Act of 8 March 1960 (NSA, SR 725.11), forms the basis for the Swiss national roads network.\n\n**N. 2** The total revision of 1999 brought no material changes compared to Art. 36ter old Federal Constitution. The Federal Council's message on the new Federal Constitution stated that the federal competence for national roads should be adopted unchanged (BBl 1997 I 1, 252). The wording was merely modernised linguistically and systematically integrated into the section on Public Works and Transport.\n\n**N. 3** With the restructuring of fiscal equalisation and the division of tasks between the Confederation and the cantons (NFA) as of 1 January 2008, the Confederation assumed full responsibility for the national roads. This meant a disentanglement of the competences previously shared between the Confederation and the cantons (BBl 2001 2291, 2365). The cantons were relieved of their co-financing obligation, while the Confederation assumed sole responsibility for planning, construction, operation and maintenance.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 83 Federal Constitution is located in Title 3 on the Confederation, Cantons and Communes, in Chapter 3 on the Competences of the Confederation and belongs to Section 7 on Public Works and Transport. The provision is in close systematic connection with Art. 82 Federal Constitution (Road traffic), Art. 84 Federal Constitution (Trans-alpine transit traffic) and Art. 86 Federal Constitution (Tax on fuels).\n\n**N. 5** The road competence of the Confederation under Art. 83 Federal Constitution is an exception to the principle of cantonal road construction sovereignty. While the cantons are generally responsible for all roads, Art. 83 Federal Constitution establishes an exclusive federal competence for national roads. This systematic position underlines the character of national roads as a federal task of national importance (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 5).\n\n**N. 6** Art. 83 Federal Constitution must also be read in the context of environmental law provisions, particularly Art. 73 Federal Constitution (Sustainability), Art. 74 Federal Constitution (Environmental protection) and Art. 78 Federal Constitution (Protection of nature and cultural heritage). Case law has repeatedly emphasised that national road projects require a comprehensive balancing of interests including all relevant constitutional goods (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**; **BGE 135 II 238 E. 3.2**).\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 7** **Paragraph 1** establishes a joint responsibility of the Confederation and cantons for adequate road infrastructure \"in all regions of the country\". This guarantee obligation is of a programmatic nature and does not create subjective legal claims (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 8). The indeterminate legal concept \"adequate\" gives the authorities considerable discretion (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1285).\n\n**N. 8** The wording \"in all regions of the country\" refers to the constitutional goal of basic services and is connected with Art. 2 para. 2 Federal Constitution (balanced development) as well as Art. 35 para. 2 Federal Constitution. It obliges the Confederation and cantons to consider peripheral regions in road planning (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, in: Müller [ed.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Vol. IV, 2008, p. 27).\n\n**N. 9** **Paragraph 2 sentence 1** establishes the exclusive federal jurisdiction for the national roads network. The concept \"network\" implies a connected system of roads of national importance. The concrete design is made by the network decree of the Federal Assembly according to Art. 11 NSA. The authorities are bound by this network decree (**BGE 119 Ib 458 E. 6a**).\n\n**N. 10** **Paragraph 2 sentence 2** concretises the federal responsibility through the triad \"construct, operate and maintain\". This comprehensive competence includes planning, project development and financing (Häner, Strassenrecht, in: Müller [ed.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Vol. IV, 2008, p. 180). Operation also includes traffic management and safety measures on national roads.\n\n**N. 11** **Paragraph 2 sentence 3** establishes the full cost-bearing obligation of the Confederation. This financing responsibility flows from the exclusive substantive competence and distinguishes national roads from other infrastructure tasks with shared financing (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 3285).\n\n**N. 12** **Paragraph 2 sentence 4** enables the transfer of tasks to \"public, private or mixed entities\". This delegation possibility allows public-private partnerships and the involvement of private actors, whereby responsibility remains with the Confederation (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 14). The transfer typically occurs through performance agreements according to Art. 49a NSA.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** Art. 83 para. 1 Federal Constitution does not create an enforceable duty to expand the road network. The provision creates neither subjective rights nor a claim to certain expansion standards (Kern, BSK BV, Art. 83 N. 12 f.). Rather, it is a constitutional mandate that leaves the political authorities wide discretion.\n\n**N. 14** Art. 83 para. 2 Federal Constitution, however, establishes an exclusive federal competence with the following legal consequences: The Confederation alone is responsible for planning, construction, operation and maintenance of national roads. The cantons no longer have their own competences, but are obliged to participate in planning (Art. 11 ff. NSA). They can also be entrusted with operational tasks (Art. 49a NSA).\n\n**N. 15** The financing responsibility of the Confederation is comprehensive. The Confederation bears all costs for the creation and operation of national roads, including costs for land acquisition, expropriation compensation and replacement measures (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 42 ff.). Financing occurs primarily through the special financing for road traffic according to Art. 86 Federal Constitution.\n\n**N. 16** The delegation possibility under para. 2 sentence 4 does not change the responsibility of the Confederation. Even when tasks are transferred, the Confederation remains responsible for proper fulfilment and must exercise supervision (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Vol. 1, 2nd ed. 2002, N 156).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 17** **Scope of the guarantee obligation under para. 1:** In legal doctrine, it is disputed to what extent Art. 83 para. 1 Federal Constitution establishes a duty to expand road infrastructure. While Kern (BSK BV, Art. 83 N. 8) emphasises that no substantive requirements can be derived from the constitutional provision, other authors hold the view that more concrete obligations may arise from the interplay with other constitutional provisions (SG Komm. BV-Lendi, Art. 83 N. 24).\n\n**N. 18** **Relationship to modal shift policy:** The tension between road construction competence and modal shift policy under Art. 84 Federal Constitution is controversially discussed. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 10) states that modal shift policy is not constitutionally required outside the Alpine region, but can be based on the interplay of constitutional provisions. Other authors see more far-reaching restrictions on road construction competence in Art. 73 and 74 Federal Constitution (Sollberger, Konvergenzen und Divergenzen im Landverkehrsrecht, 2003, p. 89).\n\n**N. 19** **Claim to expansion standards:** It is disputed whether Art. 83 Federal Constitution creates a claim to a certain expansion standard for national roads. Kern (BSK BV, Art. 83 N. 12) denies a claim to the highest possible expansion and safety standard. In contrast, Lendi (SG Komm. BV, Art. 83 N. 24) argues that claims for improvements could indeed exist in cases of existing capacity bottlenecks.\n\n**N. 20** **Second tube at Gotthard:** The constitutional admissibility of a second road tube at Gotthard was long disputed. While critics saw a violation of Art. 84 Federal Constitution (Alpine protection), supporters argued with the guarantee obligation under Art. 83 Federal Constitution. The Federal Supreme Court has not yet definitively clarified this question. The referendum of 28 February 2016 approved the second tube for safety reasons (Kern, Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285 ff.).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 21** In the planning of national road projects, an early and comprehensive balancing of interests must be undertaken. The Federal Administrative Court requires a \"comprehensive consideration of the overall situation\" including all affected public and private interests (Judgment A-5466/2008 of 3.6.2009 E. 4.3; Judgment A-5843/2022 of 23.6.2023 E. 7.2).\n\n**N. 22** The environmental impact assessment (EIA) is mandatory for all major national road projects. Noise protection, air quality control and nature conservation must be particularly considered. The Federal Supreme Court has clarified that a complete EIA must be conducted even for constitutionally anchored infrastructure projects (**BGE 119 Ib 458 E. 8d**).\n\n**N. 23** When transferring operational tasks to third parties according to para. 2 sentence 4, clear performance agreements must be concluded. Responsibility for ensuring traffic safety and compliance with environmental regulations remains with the Confederation. FEDRO has issued corresponding guidelines (FEDRO Guideline 16010).\n\n**N. 24** Expropriations for national road projects are carried out under the Expropriation Act. It should be noted that land acquisition for real replacement for affected farmers counts as a public task and therefore does not trigger an agricultural right of pre-emption (**BGE 90 II 62**). In land readjustment procedures, cantonal procedures must be coordinated with national road law (**BGE 97 I 715**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Origins and Early Case Law on National Roads\n\n**BGE 96 I 485** of 8 March 1960  \nFirst principles on cost allocation in national road construction. According to Art. 45 para. 1 NSG, costs of relocating PTT lines caused by national road construction are borne by the Confederation.  \nFundamental for the constitutional allocation of powers between the Confederation and cantons regarding road infrastructure.\n\n> «According to Art. 45 para. 1 of this Act, the costs of relocating PTT utility lines caused by national road construction are also borne by the national road construction, unless otherwise agreed.»\n\n### Allocation of Powers and Planning Responsibilities\n\n**BGE 106 Ib 26** of 29 May 1985  \nClarification of responsibilities between the Confederation and cantons for national road connections. The planning of connections as components of national roads must be carried out exclusively based on the National Roads Act.  \nCentral to understanding the federal allocation of powers under Art. 83 FC.\n\n> «The planning of connections as components of national roads must be carried out exclusively based on the National Roads Act.»\n\n**BGE 97 I 573** of 12 July 1971  \nPrinciples regarding the Federal Supreme Court's review authority for national road projects. Admissibility of administrative court appeals against final cantonal decisions on plans based on which land can be expropriated.  \nImportant for judicial control of the exercise of federal powers under Art. 83 FC.\n\n> «Through administrative court appeal, it can be alleged that cantonal law was incorrectly applied instead of federal law.»\n\n### Environmental Impact Assessment and Balancing of Interests\n\n**BGE 119 Ib 458** of 21 June 1993  \nAuthorities' obligation to comply with the Federal Assembly's network decision for national road implementation projects. Traffic forecasts and accompanying measures as well as consideration of cantonal environmental protection law.  \nShows the limits of EIA for constitutionally anchored infrastructure interventions.\n\n> «The cantonal objection authorities and the Federal Supreme Court are bound by the Federal Assembly's network decision.»\n\n**BGE 135 II 238** of 8 April 2009  \nEIA obligation when modifying existing EIA-subject installations using the example of noise remediation of a national road section. Inclusion of ASTRA guidelines for road tunnel ventilation.  \nRelevant for specifying federal responsibility for national roads under Art. 83 para. 2 FC.\n\n> «For noise remediation projects that are limited to the construction or raising of noise barriers on a section of a national road, no EIA is generally required.»\n\n### Planning Procedures and Variant Assessment\n\n**A-5466/2008** of 3 June 2009 (FAC)  \nComprehensive consideration of the overall situation required for national road projects. Coordination with cantonal authorities regarding adaptation of the subordinate road network.  \nSpecifies coordination obligations between the Confederation and cantons under Art. 83 FC.\n\n> «The project must include a comprehensive consideration of the overall situation and in particular coordination with the canton regarding the adaptation of the subordinate road network.»\n\n### Current Case Law on Balancing of Interests\n\n**A-2566/2019** of 19 May 2020 (FAC)  \nFull connection Alpnach South: Comprehensive balancing of interests between traffic safety and environmental protection for national road projects. Consideration of noise and air pollution.  \nShows modern application of federal responsibility considering all constitutional values.\n\n> «The land use is justified by reasons of public interest in a functioning transport network and traffic safety.»\n\n**A-5843/2022** of 23 June 2025 (FAC)  \nNational road N04 Küssnacht connection: Groundbreaking for balancing between federal competence for national roads and cultural landscape protection under Art. 104a FC. Comprehensive examination of various variants required.  \nLatest case law on specifying tensions in Art. 83 FC.\n\n> «Plan approval for a national road project requires comprehensive balancing of affected public and private interests. For the balancing of interests, the affected interests must first be identified.»\n\n### Financing and Cost Allocation\n\n**BGE 90 II 62** of 13 January 1964  \nAgricultural pre-emption right and national road construction: Acquisition of land by the state for the purpose of providing real compensation to those affected by national roads occurs in fulfillment of a public, charitable task.  \nFundamental for the Confederation's financing responsibility under Art. 83 para. 2 FC.\n\n> «The acquisition of land by the state for the purpose of providing real compensation to farmers affected by national road construction occurs in fulfillment of a public, charitable task.»\n\n### Expropriation Proceedings\n\n**BGE 97 I 715** of 3 November 1971  \nRelationship between land consolidation and expropriation proceedings in national road construction. Prerequisites for conducting subsequent expropriation proceedings.  \nImportant for enforcing federal competence against property owners.\n\n> «The assessment commission cannot compel the works owner to initiate expropriation proceedings.»\n\n**BGE 97 I 718** of 3 November 1971  \nRemoval of buildings in national road construction: Relationship between land consolidation and expropriation proceedings. Can the demolition of buildings be ordered in cantonal land consolidation proceedings?  \nShows limits of cantonal participation in implementing Art. 83 FC.\n\n> «If expropriation proceedings are required, it must be decided in the assessment procedure whether adequate compensation is provided.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_83", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 84, "article_suffix": "", "title": "Alpenquerender Transitverkehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 84 BV — Übersicht\n\nArt. 84 BV schützt die Schweizer Alpenkantone vor den negativen Folgen des Durchgangsverkehrs. Die Verfassungsbestimmung entstand durch die Volksinitiative «zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr», die 1994 angenommen wurde (BBl 1994 II 697).\n\n## Was regelt der Artikel?\n\nDie Norm enthält drei zentrale Verpflichtungen für den Bund: Erstens muss er das Alpengebiet vor schädlichen Auswirkungen des Transitverkehrs schützen (Abs. 1). Zweitens soll der Gütertransport durch die Alpen grundsätzlich auf der Schiene erfolgen (Abs. 2). Drittens darf die Kapazität der Transitstrassen nicht erhöht werden (Abs. 3).\n\n## Wer ist betroffen?\n\nDas Alpengebiet umfasst nach Art. 2 STVG die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Tessin, Graubünden und Wallis. Betroffen sind alle Transportunternehmen, die Güter durch diese Kantone transportieren. Die Bevölkerung in diesen Gebieten profitiert vom Schutz vor Lärm, Luftverschmutzung und Verkehrsbelastung.\n\n## Welche Rechtsfolgen entstehen?\n\nDer Bund muss konkrete Massnahmen ergreifen. Das wichtigste Instrument ist die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), die seit dem 1. Januar 2001 erhoben wird (BGE 136 II 337 E. 2.2). Diese Abgabe macht Lastwagentransporte durch die Alpen teurer und soll so den Güterverkehr auf die Schiene verlagern. Zusätzlich gelten Nacht- und Sonntagsfahrverbote für Lastwagen sowie Gewichtslimiten.\n\n## Beispiel aus der Praxis\n\nEin Transportunternehmen, das Waren von Deutschland nach Italien transportiert, muss für jeden Kilometer durch das Alpengebiet LSVA bezahlen. Die Abgabe richtet sich nach dem Gewicht des Fahrzeugs und dessen Umweltstandard. Ein 40-Tonnen-Lastwagen zahlt für die Strecke Basel–Chiasso über 300 Franken an LSVA. Dies macht Bahntransporte oft wirtschaftlicher.\n\nDie Verlagerungsziele sind jedoch noch nicht erreicht. Der Güterverkehr durch die Alpen erfolgt weiterhin mehrheitlich auf der Strasse. Neue Instrumente wie eine mögliche Alpentransitbörse werden diskutiert, um die Verfassungsziele zu verwirklichen.", "doctrine_de": "# Art. 84 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 84 BV geht auf die Volksinitiative «zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr» zurück, die am 20. Februar 1994 von Volk und Ständen angenommen wurde (BBl 1994 II 697). Die Initiative war eine direkte Reaktion auf die wachsende Belastung des Alpenraums durch den Transitverkehr, insbesondere den Schwerverkehr auf der Nord-Süd-Achse. Die Botschaft des Bundesrats vom 12. Mai 1992 zur Alpen-Initiative dokumentiert die dramatische Zunahme des alpenquerenden Güterverkehrs, der sich zwischen 1970 und 1990 mehr als verdoppelt hatte (BBl 1992 II 869).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber verfolgte mit der Annahme der Alpen-Initiative drei Hauptziele: erstens den umfassenden Schutz des sensiblen Alpenraums vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs, zweitens die konsequente Verlagerung des alpenquerenden Gütertransitverkehrs von der Strasse auf die Schiene und drittens das strikte Verbot einer Kapazitätserhöhung der Transitstrassen im Alpengebiet. Diese Ziele wurden in der parlamentarischen Beratung als «dreifaches Sicherheitsnetz» bezeichnet (BBl 1999 8616).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 84 BV steht systematisch im 3. Abschnitt des 3. Titels der Bundesverfassung, der die öffentlichen Werke und Verkehr regelt. Die Norm ist eng verknüpft mit → Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe), der das zentrale finanzpolitische Instrument zur Umsetzung der Verkehrsverlagerung bildet. Weitere systematische Bezüge bestehen zu → Art. 73 ff. BV (Nachhaltigkeit und Umweltschutz), → Art. 74 BV (Umweltschutz) und → Art. 83 BV (Nationalstrassen).\n\n**N. 4** Im internationalen Kontext steht Art. 84 BV in einem Spannungsverhältnis zum Landverkehrsabkommen Schweiz–EU (SR 0.740.72), das den freien Verkehr von Gütern garantiert. Dieses Spannungsverhältnis wurde durch Art. 1 Abs. 3 des Landverkehrsabkommens entschärft, der die Ziele der schweizerischen Verkehrsverlagerungspolitik anerkennt (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 2).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Schutzauftrag (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Begriff «Alpengebiet» umfasst nach der Legaldefinition in Art. 2 STVG die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Tessin, Graubünden und Wallis. Die «negativen Auswirkungen des Transitverkehrs» beinhalten Lärm-, Luftschadstoff- und CO2-Emissionen, Erschütterungen, Landschaftszerschneidung und Unfallrisiken (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 5).\n\n**N. 6** Der Schutzauftrag verpflichtet den Bund zu aktivem Handeln. Es handelt sich nicht bloss um einen programmatischen Verfassungsauftrag, sondern um eine Pflicht des Bundes, konkrete Schutzmassnahmen zu ergreifen (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 7). Das «Mass, das für Menschen, Tiere und Pflanzen sowie ihre Lebensräume nicht schädlich ist», orientiert sich an den umweltrechtlichen Grenzwerten gemäss Umweltschutzgesetzgebung.\n\n### 3.2 Verlagerungsgebot (Abs. 2)\n\n**N. 7** Das Verlagerungsgebot von Abs. 2 enthält eine klare Zielvorgabe: Der alpenquerende Gütertransitverkehr «erfolgt auf der Schiene». Dies ist nicht als absolutes Fahrverbot für Lastwagen zu verstehen, sondern als Ergebnispflicht mit verbindlichem Zielhorizont (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14). Der Begriff «Gütertransitverkehr» umfasst den gewerblichen Güterverkehr, der das Alpengebiet ohne Be- oder Entladung durchquert.\n\n**N. 8** Die «notwendigen Massnahmen» des Bundesrats umfassen ein Bündel von Instrumenten: die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) gemäss → Art. 85 BV, Nacht- und Sonntagsfahrverbote, die Förderung des kombinierten Verkehrs und den Ausbau der Schieneninfrastruktur (NEAT). Der Bundesrat und das Parlament sehen die LSVA in Kombination mit anderen Massnahmen als geeignetes Instrument zur Umsetzung des Verlagerungsziels (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14).\n\n**N. 9** Ausnahmen vom Verlagerungsgebot sind nur zulässig, wenn sie «unumgänglich» sind. Dieser Begriff ist restriktiv auszulegen und umfasst nur Transporte, die technisch oder aus Sicherheitsgründen nicht auf der Schiene durchgeführt werden können. Die nähere Bestimmung durch Gesetz erfolgte im GVVG und STVG.\n\n### 3.3 Kapazitätsbeschränkung (Abs. 3)\n\n**N. 10** Das Verbot der Kapazitätserhöhung ist absolut formuliert und duldet nur die explizit genannte Ausnahme der Umfahrungsstrassen. Der Begriff «Transitstrassen-Kapazität» bezieht sich auf die maximale Verkehrsmenge, die eine Strasseninfrastruktur bewältigen kann.\n\n**N. 11** Die Auslegung des Kapazitätsbegriffs ist umstritten. Kern argumentiert, dass bereits der Bau einer zweiten Gotthardstrassentunnelröhre gegen Art. 84 Abs. 3 BV verstösst, da eine Kapazitätserhöhung als solche vorliegt (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 27-28). Demgegenüber vertreten Bundesrat und Parlament die Position, dass der Bau einer zweiten Röhre zulässig ist, wenn sie nur einspurig befahren wird und somit keine tatsächliche Kapazitätserhöhung erfolgt (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 28).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 84 BV begründet primär Pflichten für den Bund. Abs. 1 verpflichtet zu Schutzmassnahmen, Abs. 2 zum Erlass und zur Durchsetzung von Verlagerungsmassnahmen. Private können aus Art. 84 BV keine unmittelbaren subjektiven Rechte ableiten, da es sich um eine programmatische Norm handelt.\n\n**N. 13** Die Gesetzgebungspflicht aus Art. 84 BV wurde durch das SVAG (SR 641.81), das STVG (SR 725.14) und das GVVG (SR 740.1) erfüllt. Diese Gesetze konkretisieren die verfassungsrechtlichen Vorgaben und schaffen durchsetzbare Rechtspositionen.\n\n**N. 14** Bei der Auslegung und Anwendung der Ausführungsgesetze ist Art. 84 BV als Leitlinie heranzuziehen. Dies hat das Bundesgericht in **BGE 136 II 337** bestätigt, wo es die LSVA explizit als Umsetzungsinstrument des Alpenschutzartikels qualifizierte.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 15** Die zentrale Kontroverse betrifft die Auslegung des Kapazitätsbegriffs in Abs. 3. Kern (Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285) vertritt eine strikte Auslegung: Jede bauliche Massnahme, die potentiell zu einer Kapazitätserhöhung führen könnte, sei verfassungswidrig. Diese Position stützt sich auf den klaren Wortlaut und die Entstehungsgeschichte der Norm.\n\n**N. 16** Die Gegenposition, vertreten durch den Bundesrat in der Botschaft zum zweiten Gotthardstrassentunnel (BBl 2012 5569), argumentiert mit einer teleologischen Auslegung: Entscheidend sei nicht die potentielle, sondern die tatsächliche Kapazität. Bei dauerhaft einspuriger Nutzung beider Röhren bleibe die Kapazität unverändert.\n\n**N. 17** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Justiziabilität von Art. 84 BV. Während die herrschende Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2045) Art. 84 BV als programmatische Norm ohne direkte Anwendbarkeit qualifiziert, fordern Umweltschutzorganisationen eine stärkere gerichtliche Durchsetzbarkeit der Verfassungsvorgaben.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Für die Rechtsanwendung ist die Kenntnis der Ausführungsgesetzgebung unerlässlich. Das STVG enthält die zentralen Definitionen (Alpengebiet, Transitverkehr) und die konkreten Verkehrsbeschränkungen. Das SVAG regelt die LSVA als zentrales Lenkungsinstrument.\n\n**N. 19** Bei Infrastrukturprojekten im Alpenraum ist Art. 84 Abs. 3 BV bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Die Praxis des UVEK zeigt, dass Projekte, die auch nur potentiell zu einer Kapazitätserhöhung führen könnten, einer besonderen Begründungspflicht unterliegen.\n\n**N. 20** Im internationalen Güterverkehr ist das Zusammenspiel von Art. 84 BV mit dem Landverkehrsabkommen zu beachten. Die Alpentransitbörse als mögliches zukünftiges Instrument muss sowohl den verfassungsrechtlichen Vorgaben als auch den völkerrechtlichen Verpflichtungen genügen (Epiney/Heuck, ZUR 2009, 178).", "caselaw_de": "# Art. 84 BV — Rechtsprechung\n\n## Allgemeine Bemerkungen zur Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 84 BV (Alpenschutzartikel) ist geprägt durch die Tatsache, dass es sich um eine programmatische Verfassungsnorm mit begrenzter direkter Justizierbarkeit handelt. Die meisten relevanten Entscheide befassen sich mit der Umsetzung durch das Schwerverkehrsabgabegesetz (SVAG) und das Strassentransitverkehrsgesetz im Alpengebiet (STVG).\n\n## Schwerverkehrsabgabe als Umsetzungsinstrument\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen und Zweckbestimmung\n\n**BGE 136 II 337 E. 2.2** (19. April 2010)\nGrundsatzentscheid zur verfassungsrechtlichen Verankerung der LSVA\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass Art. 84 BV (zusammen mit Art. 85 BV) die verfassungsrechtliche Grundlage für die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe bildet.\n\n> «Gestützt auf den genannten Art. 36 quater aBV (Art. 85 BV) mitsamt der erwähnten Übergangsbestimmung sowie auf Art. 24 septies aBV (Art. 74 BV, Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt) und Art. 36 sexies aBV (Art. 84 BV, Schutz des Alpengebiets vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs [sog. \"Alpen-Initiative\"]) hat die Bundesversammlung am 19. Dezember 1997 das Bundesgesetz über eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (Schwerverkehrsabgabegesetz, SVAG; SR 641.81) erlassen.»\n\n### Kostendeckungsprinzip und externe Kosten\n\n**BGE 136 II 337 E. 5.5** (19. April 2010)\nStauzeitkosten als externe Kosten des Schwerverkehrs\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Mitberücksichtigung von Stauzeitkosten als externe Kosten im Sinne der LSVA-Berechnung.\n\n> «Als extern erscheinen nach der gesetzlichen Konzeption der LSVA demzufolge sämtliche vom Schwerverkehr verursachten und nicht gedeckten Kosten, die ausserhalb des Schwerverkehrs anfallen. Insofern stellen die vom Schwerverkehr bei allen übrigen Verkehrsteilnehmern, insbesondere beim gesamten Verkehr mit Personenwagen, verursachten Stauzeitkosten externe Kosten dar.»\n\n### Unbegleiteter kombinierter Verkehr\n\n**BVGE 2018 III/3** (24. September 2018)\nRückerstattung der LSVA für Fahrten im unbegleiteten kombinierten Verkehr\n\nDas Bundesverwaltungsgericht entschied über die Abgrenzung zwischen Ladebehältern und anderen Containern im Rahmen der LSVA-Rückerstattung.\n\nDie Entscheidung zeigt die praktische Umsetzung der Verkehrsverlagerungsziele von Art. 84 Abs. 2 BV durch Anreizmechanismen im LSVA-System.\n\n## Kapazitätsbeschränkung und Infrastrukturprojekte\n\n### Gotthard-Strassentunnel und zweite Röhre\n\n**Urteil 1C_81/2016** (17. März 2016)\nVolksabstimmung über die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit Beschwerden gegen die Volksabstimmung vom 28. Februar 2016 über die Änderung des Strassentransitverkehrsgesetzes im Alpengebiet (Sanierung Gotthard-Strassentunnel).\n\nDie Beschwerdeführer rügten die irreführende Formulierung der Abstimmungsfrage, die den Bau einer zweiten Tunnelröhre nicht ausdrücklich erwähnte.\n\n**Urteil 1C_115/2016** (21. März 2016)\nParalleles Verfahren zur Gotthard-Tunnel-Abstimmung\n\nDas Bundesgericht wies weitere Beschwerden zur gleichen Abstimmung ab und bestätigte die Zulässigkeit des Abstimmungsverfahrens trotz der kritisierten Formulierung.\n\nDiese Entscheide zeigen die spezifischen verfassungsrechtlichen Herausforderungen bei der Umsetzung von Art. 84 Abs. 3 BV (Kapazitätsbeschränkung).\n\n### Verkehrsverlagerung auf die Schiene\n\n**Urteil 2A.71/2003** (6. Februar 2004)\nFrühe Rechtsprechung zur LSVA-Erhebung\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Vereinbarkeit der LSVA mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben und stellte den Bezug zu Art. 84 BV her.\n\nDie Entscheidung unterstrich die verkehrsverlagernde Zielsetzung der Abgabe als Umsetzung des Alpenschutzartikels.\n\n## Parlamentarische Vorstösse und Gesetzgebung\n\n### Umsetzungsgesetzgebung nach der Alpen-Initiative\n\nDie parlamentarische Behandlung der Alpen-Initiative in den 1990er Jahren führte zu grundlegenden Auseinandersetzungen über die Auslegung und Umsetzung von Art. 84 BV. Verschiedene Parlamentsdebatten (94.035, 94.3023, 94.3024) dokumentieren die politischen Schwierigkeiten bei der Konkretisierung der Verfassungsnorm.\n\n## Aktuelle Entwicklungen\n\n### Beschaffungsrecht und Tunnelprojekte\n\n**Urteil B-5488/2021** und **B-5500/2021** (6. April 2022)\nVergabeverfahren im Zusammenhang mit Tunnelprojekten\n\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelte Beschwerden im Beschaffungsrecht betreffend Gotthard-Projekte, was die fortdauernde praktische Relevanz der Infrastrukturvorgaben von Art. 84 BV zeigt.\n\n**Urteil 2C_355/2021** (19. Oktober 2021)\nBauherrenvermessung für das Projekt \"Secondo tubo San Gottardo\"\n\nDas Bundesgericht entschied über vergaberechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Bau der zweiten Gotthard-Röhre, was die konkrete Umsetzung der Kapazitätsbeschränkung gemäss Art. 84 Abs. 3 BV illustriert.\n\n## Fazit zur Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 84 BV konzentriert sich hauptsächlich auf die Umsetzungsinstrumente (LSVA, STVG) und weniger auf die direkte Anwendung der Verfassungsnorm. Dies spiegelt den programmatischen Charakter des Alpenschutzartikels wider. Die Gerichte haben die verkehrsverlagernden und kapazitätsbeschränkenden Ziele der Norm durch eine wohlwollende Auslegung der Umsetzungsgesetze gestützt, ohne jedoch die verfassungsrechtlichen Vorgaben als unmittelbar durchsetzbare Rechtspositionen zu qualifizieren.", "summary_fr": "# Art. 84 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 84 Cst. protège les cantons alpins suisses contre les conséquences négatives du trafic de transit. Cette disposition constitutionnelle est née de l'initiative populaire « pour la protection des régions alpines contre le trafic de transit », qui a été acceptée en 1994 (FF 1994 II 697).\n\n## Que règle cet article ?\n\nLa norme contient trois obligations centrales pour la Confédération : Premièrement, elle doit protéger les régions alpines contre les effets nuisibles du trafic de transit (al. 1). Deuxièmement, le transport de marchandises à travers les Alpes doit en principe s'effectuer par rail (al. 2). Troisièmement, la capacité des routes de transit ne peut être augmentée (al. 3).\n\n## Qui est concerné ?\n\nLes régions alpines comprennent selon l'art. 2 LTTM les cantons d'Uri, Schwyz, Obwald, Nidwald, Glaris, Tessin, Grisons et Valais. Toutes les entreprises de transport qui transportent des marchandises à travers ces cantons sont concernées. La population de ces régions bénéficie de la protection contre le bruit, la pollution atmosphérique et la charge de trafic.\n\n## Quelles conséquences juridiques en résultent ?\n\nLa Confédération doit prendre des mesures concrètes. L'instrument le plus important est la redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP), qui est perçue depuis le 1er janvier 2001 (ATF 136 II 337 c. 2.2). Cette redevance renchérit les transports par camion à travers les Alpes et doit ainsi reporter le trafic marchandises sur le rail. En outre, des interdictions de circuler la nuit et le dimanche s'appliquent aux camions, ainsi que des limites de poids.\n\n## Exemple tiré de la pratique\n\nUne entreprise de transport qui transporte des marchandises d'Allemagne en Italie doit payer la RPLP pour chaque kilomètre à travers les régions alpines. La redevance dépend du poids du véhicule et de sa norme environnementale. Un camion de 40 tonnes paie plus de 300 francs de RPLP pour le trajet Bâle-Chiasso. Cela rend souvent les transports ferroviaires plus économiques.\n\nLes objectifs de report ne sont toutefois pas encore atteints. Le trafic marchandises à travers les Alpes s'effectue encore majoritairement par la route. De nouveaux instruments comme une éventuelle bourse du transit alpin sont discutés pour réaliser les objectifs constitutionnels.", "doctrine_fr": "# Art. 84 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 84 Cst. trouve son origine dans l'initiative populaire « pour la protection de la région alpine contre le trafic de transit », acceptée par le peuple et les cantons le 20 février 1994 (FF 1994 II 689). Cette initiative était une réaction directe à la charge croissante pesant sur l'espace alpin du fait du trafic de transit, en particulier du trafic lourd sur l'axe nord-sud. Le message du Conseil fédéral du 12 mai 1992 sur l'initiative des Alpes documente l'augmentation dramatique du trafic marchandises transalpin, qui avait plus que doublé entre 1970 et 1990 (FF 1992 II 861).\n\n**N. 2** En acceptant l'initiative des Alpes, le constituant poursuivait trois objectifs principaux : premièrement, la protection complète de l'espace alpin sensible contre les effets négatifs du trafic de transit, deuxièmement, le transfert conséquent du trafic marchandises de transit transalpin de la route vers le rail et troisièmement, l'interdiction stricte d'augmenter les capacités des routes de transit dans la région alpine. Ces objectifs ont été qualifiés de « triple filet de sécurité » lors des délibérations parlementaires (FF 1999 8117).\n\n## 2. Insertion systématique\n\n**N. 3** L'art. 84 Cst. s'inscrit systématiquement dans la 3e section du titre 3 de la Constitution fédérale, qui règle les travaux publics et les transports. La norme est étroitement liée à l'→ art. 85 Cst. (redevance sur le trafic des poids lourds), qui forme l'instrument central de politique financière pour la mise en œuvre du transfert du trafic. D'autres liens systématiques existent avec les → art. 73 ss Cst. (durabilité et protection de l'environnement), l'→ art. 74 Cst. (protection de l'environnement) et l'→ art. 83 Cst. (routes nationales).\n\n**N. 4** Dans le contexte international, l'art. 84 Cst. se trouve dans une relation de tension avec l'accord sur les transports terrestres Suisse–UE (RS 0.740.72), qui garantit la libre circulation des marchandises. Cette tension a été atténuée par l'art. 1 al. 3 de l'accord sur les transports terrestres, qui reconnaît les objectifs de la politique suisse de transfert du trafic (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 2).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Mandat de protection (al. 1)\n\n**N. 5** La notion de « région alpine » comprend, selon la définition légale de l'art. 2 LOTT, les cantons d'Uri, Schwyz, Obwald, Nidwald, Glaris, Tessin, Grisons et Valais. Les « effets négatifs du trafic de transit » incluent les émissions de bruit, de polluants atmosphériques et de CO2, les vibrations, le morcellement du paysage et les risques d'accidents (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 5).\n\n**N. 6** Le mandat de protection oblige la Confédération à agir activement. Il ne s'agit pas seulement d'un mandat constitutionnel programmatoire, mais d'une obligation pour la Confédération de prendre des mesures de protection concrètes (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 7). « La mesure tolérable pour les êtres humains, les animaux et les plantes, ainsi que leurs biocénoses » s'oriente sur les valeurs limites du droit de l'environnement selon la législation sur la protection de l'environnement.\n\n### 3.2 Impératif de transfert (al. 2)\n\n**N. 7** L'impératif de transfert de l'al. 2 contient un objectif clair : le trafic marchandises de transit transalpin « s'effectue par rail ». Ceci ne doit pas être compris comme une interdiction absolue de circulation pour les camions, mais comme une obligation de résultat avec un horizon temporel contraignant (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14). La notion de « trafic marchandises de transit » comprend le trafic marchandises commercial qui traverse la région alpine sans chargement ou déchargement.\n\n**N. 8** Les « mesures nécessaires » du Conseil fédéral comprennent un ensemble d'instruments : la redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP) selon l'→ art. 85 Cst., les interdictions de circuler la nuit et le dimanche, l'encouragement du transport combiné et le développement de l'infrastructure ferroviaire (NLFA). Le Conseil fédéral et le Parlement considèrent la RPLP en combinaison avec d'autres mesures comme un instrument approprié pour la mise en œuvre de l'objectif de transfert (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14).\n\n**N. 9** Les exceptions à l'impératif de transfert ne sont admissibles que si elles sont « incontournables ». Cette notion doit être interprétée de manière restrictive et ne comprend que les transports qui ne peuvent techniquement pas ou pour des raisons de sécurité être effectués par rail. La détermination plus précise par la loi a eu lieu dans la LCTM et la LOTT.\n\n### 3.3 Limitation de capacité (al. 3)\n\n**N. 10** L'interdiction d'augmenter les capacités est formulée de manière absolue et ne tolère que l'exception explicitement mentionnée des routes de contournement. La notion de « capacité des routes de transit » se réfère à la quantité maximale de trafic qu'une infrastructure routière peut maîtriser.\n\n**N. 11** L'interprétation de la notion de capacité est controversée. Kern soutient que la construction d'un deuxième tube routier du Gothard viole déjà l'art. 84 al. 3 Cst., car une augmentation de capacité en tant que telle se présente (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 27-28). En revanche, le Conseil fédéral et le Parlement défendent la position selon laquelle la construction d'un deuxième tube est admissible si elle n'est utilisée qu'à une voie et qu'aucune augmentation effective de capacité n'intervient (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 28).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 12** L'art. 84 Cst. fonde principalement des obligations pour la Confédération. L'al. 1 oblige à prendre des mesures de protection, l'al. 2 à édicter et faire respecter des mesures de transfert. Les particuliers ne peuvent dériver de l'art. 84 Cst. aucun droit subjectif immédiat, car il s'agit d'une norme programmatoire.\n\n**N. 13** L'obligation législative découlant de l'art. 84 Cst. a été remplie par la LRPL (RS 641.81), la LOTT (RS 725.14) et la LCTM (RS 740.1). Ces lois concrétisent les exigences constitutionnelles et créent des positions juridiques exécutoires.\n\n**N. 14** Lors de l'interprétation et de l'application des lois d'exécution, l'art. 84 Cst. doit être utilisé comme ligne directrice. Cela a été confirmé par le Tribunal fédéral dans l'**ATF 136 II 337**, où il a explicitement qualifié la RPLP d'instrument de mise en œuvre de l'article de protection des Alpes.\n\n## 5. Controverses\n\n**N. 15** La controverse centrale porte sur l'interprétation de la notion de capacité à l'al. 3. Kern (Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285) défend une interprétation stricte : toute mesure constructive qui pourrait potentiellement conduire à une augmentation de capacité serait contraire à la Constitution. Cette position s'appuie sur le libellé clair et la genèse de la norme.\n\n**N. 16** La position opposée, défendue par le Conseil fédéral dans le message sur le deuxième tunnel routier du Gothard (FF 2012 5141), argumente avec une interprétation téléologique : ce qui compte n'est pas la capacité potentielle, mais la capacité effective. En cas d'utilisation durablement à une voie des deux tubes, la capacité reste inchangée.\n\n**N. 17** Un autre point de controverse concerne la justiciabilité de l'art. 84 Cst. Tandis que la doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2045) qualifie l'art. 84 Cst. de norme programmatoire sans applicabilité directe, les organisations de protection de l'environnement exigent une justiciabilité judiciaire plus forte des exigences constitutionnelles.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 18** Pour l'application du droit, la connaissance de la législation d'exécution est indispensable. La LOTT contient les définitions centrales (région alpine, trafic de transit) et les restrictions de circulation concrètes. La LRPL règle la RPLP comme instrument d'orientation central.\n\n**N. 19** Pour les projets d'infrastructure dans l'espace alpin, l'art. 84 al. 3 Cst. doit être pris en compte dès la phase de planification. La pratique du DETEC montre que les projets qui pourraient, même seulement potentiellement, conduire à une augmentation de capacité sont soumis à une obligation particulière de justification.\n\n**N. 20** Dans le trafic marchandises international, il faut tenir compte de l'interaction entre l'art. 84 Cst. et l'accord sur les transports terrestres. La bourse du transit alpin comme possible futur instrument doit satisfaire tant aux exigences constitutionnelles qu'aux obligations de droit international (Epiney/Heuck, ZUR 2009, 178).", "caselaw_fr": "# Art. 84 Cst. — Jurisprudence\n\n## Remarques générales sur la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 84 Cst. (article de protection des Alpes) est marquée par le fait qu'il s'agit d'une norme constitutionnelle programmatique à la justiciabilité directe limitée. La plupart des arrêts pertinents traitent de la mise en œuvre par la loi sur la redevance sur le trafic des poids lourds (LRPL) et la loi sur le trafic de transit routier dans les régions alpines (LTTR).\n\n## Redevance sur le trafic des poids lourds comme instrument de mise en œuvre\n\n### Fondements constitutionnels et finalité\n\n**ATF 136 II 337 c. 2.2** (19 avril 2010)\nArrêt de principe sur l'ancrage constitutionnel de la RPLP\n\nLe Tribunal fédéral a constaté que l'art. 84 Cst. (conjointement avec l'art. 85 Cst.) constitue le fondement constitutionnel de la redevance poids lourds liée aux prestations.\n\n> «Se fondant sur l'art. 36 quater anc. Cst. (art. 85 Cst.) mentionné, avec la disposition transitoire évoquée, ainsi que sur l'art. 24 septies anc. Cst. (art. 74 Cst., protection de l'homme et de son environnement naturel) et l'art. 36 sexies anc. Cst. (art. 84 Cst., protection des régions alpines contre les effets négatifs du trafic de transit [dite \"Initiative des Alpes\"]), l'Assemblée fédérale a adopté le 19 décembre 1997 la loi fédérale sur une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (loi sur la redevance pour le trafic des poids lourds, LRPL; RS 641.81).»\n\n### Principe de couverture des coûts et coûts externes\n\n**ATF 136 II 337 c. 5.5** (19 avril 2010)\nCoûts des embouteillages comme coûts externes du trafic poids lourds\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé la prise en compte des coûts des embouteillages comme coûts externes au sens du calcul de la RPLP.\n\n> «Selon la conception légale de la RPLP apparaissent dès lors comme externes l'ensemble des coûts causés par le trafic poids lourds et non couverts, qui sont supportés en dehors du trafic poids lourds. Dans cette mesure, les coûts des embouteillages causés par le trafic poids lourds chez tous les autres usagers de la route, en particulier dans l'ensemble du trafic des voitures de tourisme, constituent des coûts externes.»\n\n### Transport combiné non accompagné\n\n**ATAF 2018 III/3** (24 septembre 2018)\nRemboursement de la RPLP pour les courses en transport combiné non accompagné\n\nLe Tribunal administratif fédéral a tranché sur la délimitation entre conteneurs de chargement et autres conteneurs dans le cadre du remboursement de la RPLP.\n\nLa décision montre la mise en œuvre pratique des objectifs de transfert du trafic de l'art. 84 al. 2 Cst. par des mécanismes incitatifs dans le système de la RPLP.\n\n## Limitation des capacités et projets d'infrastructure\n\n### Tunnel routier du Gothard et deuxième tube\n\n**Arrêt 1C_81/2016** (17 mars 2016)\nVotation populaire sur l'assainissement du tunnel routier du Gothard\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur des recours contre la votation populaire du 28 février 2016 concernant la modification de la loi sur le trafic de transit routier dans les régions alpines (assainissement du tunnel routier du Gothard).\n\nLes recourants reprochaient la formulation trompeuse de la question soumise au vote, qui ne mentionnait pas expressément la construction d'un deuxième tube.\n\n**Arrêt 1C_115/2016** (21 mars 2016)\nProcédure parallèle concernant la votation sur le tunnel du Gothard\n\nLe Tribunal fédéral a rejeté d'autres recours relatifs à la même votation et a confirmé l'admissibilité de la procédure de votation malgré la formulation critiquée.\n\nCes arrêts montrent les défis constitutionnels spécifiques lors de la mise en œuvre de l'art. 84 al. 3 Cst. (limitation des capacités).\n\n### Transfert du trafic vers le rail\n\n**Arrêt 2A.71/2003** (6 février 2004)\nJurisprudence précoce sur la perception de la RPLP\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compatibilité de la RPLP avec les exigences constitutionnelles et a établi le lien avec l'art. 84 Cst.\n\nLa décision a souligné l'objectif de transfert du trafic de la redevance comme mise en œuvre de l'article de protection des Alpes.\n\n## Interventions parlementaires et législation\n\n### Législation de mise en œuvre après l'Initiative des Alpes\n\nLe traitement parlementaire de l'Initiative des Alpes dans les années 1990 a conduit à des confrontations fondamentales sur l'interprétation et la mise en œuvre de l'art. 84 Cst. Différents débats parlementaires (94.035, 94.3023, 94.3024) documentent les difficultés politiques dans la concrétisation de la norme constitutionnelle.\n\n## Développements actuels\n\n### Droit des marchés publics et projets de tunnels\n\n**Arrêt B-5488/2021** et **B-5500/2021** (6 avril 2022)\nProcédures d'adjudication en relation avec des projets de tunnels\n\nLe Tribunal administratif fédéral a traité des recours en droit des marchés publics concernant des projets du Gothard, ce qui montre la pertinence pratique continue des exigences d'infrastructure de l'art. 84 Cst.\n\n**Arrêt 2C_355/2021** (19 octobre 2021)\nMensuration du maître de l'ouvrage pour le projet \"Secondo tubo San Gottardo\"\n\nLe Tribunal fédéral a tranché des questions de droit des marchés publics en relation avec la construction du deuxième tube du Gothard, ce qui illustre la mise en œuvre concrète de la limitation des capacités selon l'art. 84 al. 3 Cst.\n\n## Bilan de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 84 Cst. se concentre principalement sur les instruments de mise en œuvre (RPLP, LTTR) et moins sur l'application directe de la norme constitutionnelle. Ceci reflète le caractère programmatique de l'article de protection des Alpes. Les tribunaux ont soutenu les objectifs de transfert du trafic et de limitation des capacités de la norme par une interprétation bienveillante des lois de mise en œuvre, sans toutefois qualifier les exigences constitutionnelles comme des positions juridiques directement exécutoires.", "summary_it": "# Art. 84 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 84 Cost. protegge i Cantoni alpini svizzeri dagli effetti negativi del traffico di transito. La disposizione costituzionale è nata dall'iniziativa popolare «per la protezione delle regioni alpine dal traffico di transito», accettata nel 1994 (FF 1994 II 697).\n\n## Che cosa disciplina l'articolo?\n\nLa norma contiene tre obblighi centrali per la Confederazione: primo, deve proteggere le regioni alpine dagli effetti nocivi del traffico di transito (cpv. 1). Secondo, il trasporto di merci attraverso le Alpi dovrebbe avvenire in linea di principio per ferrovia (cpv. 2). Terzo, la capacità delle strade di transito non può essere aumentata (cpv. 3).\n\n## Chi è interessato?\n\nLe regioni alpine comprendono secondo l'art. 2 LTTP i Cantoni Uri, Svitto, Obvaldo, Nidvaldo, Glarona, Ticino, Grigioni e Vallese. Sono interessate tutte le imprese di trasporto che trasportano merci attraverso questi Cantoni. La popolazione di queste regioni beneficia della protezione dal rumore, dall'inquinamento atmosferico e dal carico del traffico.\n\n## Quali conseguenze giuridiche si producono?\n\nLa Confederazione deve adottare misure concrete. Lo strumento più importante è la tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP), riscossa dal 1° gennaio 2001 (DTF 136 II 337 consid. 2.2). Questa tassa rende più costosi i trasporti su strada attraverso le Alpi e dovrebbe così trasferire il traffico merci sulla ferrovia. Inoltre si applicano divieti di circolazione notturna e domenicale per gli autocarri nonché limiti di peso.\n\n## Esempio dalla prassi\n\nUn'impresa di trasporto che trasporta merci dalla Germania all'Italia deve pagare la TTPCP per ogni chilometro attraverso le regioni alpine. La tassa si orienta al peso del veicolo e al suo standard ambientale. Un autocarro da 40 tonnellate paga per il tratto Basilea–Chiasso oltre 300 franchi di TTPCP. Questo rende spesso i trasporti ferroviari più economici.\n\nGli obiettivi di trasferimento non sono tuttavia ancora raggiunti. Il traffico merci attraverso le Alpi avviene ancora prevalentemente su strada. Si discutono nuovi strumenti come una possibile borsa del transito alpino per realizzare gli obiettivi costituzionali.", "doctrine_it": "# Art. 84 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 84 Cost. trae origine dall'iniziativa popolare «per la protezione delle regioni alpine dal traffico di transito» che il 20 febbraio 1994 è stata accettata da popolo e Cantoni (FF 1994 II 697). L'iniziativa fu una reazione diretta al crescente onere del traffico di transito nelle regioni alpine, in particolare del traffico pesante sull'asse nord-sud. Il messaggio del Consiglio federale del 12 maggio 1992 relativo all'iniziativa delle Alpi documenta il drammatico aumento del traffico merci transalpino, che tra il 1970 e il 1990 era più che raddoppiato (FF 1992 II 869).\n\n**N. 2** Con l'accettazione dell'iniziativa delle Alpi il costituente perseguiva tre obiettivi principali: primo la protezione globale del sensibile spazio alpino dagli effetti negativi del traffico di transito, secondo il trasferimento sistematico del traffico merci di transito transalpino dalla strada alla ferrovia e terzo il divieto categorico di aumentare la capacità delle strade di transito nelle regioni alpine. Questi obiettivi furono definiti nei dibattiti parlamentari come «tripla rete di sicurezza» (FF 1999 8616).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 84 Cost. si situa sistematicamente nella 3a sezione del 3° titolo della Costituzione federale, che disciplina le opere pubbliche e i trasporti. La norma è strettamente collegata all'→ art. 85 Cost. (tassa sul traffico pesante), che costituisce lo strumento centrale di politica finanziaria per l'attuazione del trasferimento del traffico. Ulteriori riferimenti sistematici esistono agli → artt. 73 segg. Cost. (sostenibilità e protezione dell'ambiente), → art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente) e → art. 83 Cost. (strade nazionali).\n\n**N. 4** Nel contesto internazionale l'art. 84 Cost. si trova in tensione con l'Accordo sui trasporti terrestri Svizzera–UE (RS 0.740.72), che garantisce la libera circolazione delle merci. Questa tensione è stata attenuata dall'art. 1 cpv. 3 dell'Accordo sui trasporti terrestri, che riconosce gli obiettivi della politica svizzera di trasferimento del traffico (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 2).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Mandato di protezione (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il termine «regioni alpine» comprende secondo la definizione legale dell'art. 2 LSBT i Cantoni di Uri, Svitto, Obvaldo, Nidvaldo, Glarona, Ticino, Grigioni e Vallese. Gli «effetti negativi del traffico di transito» comprendono emissioni di rumore, inquinanti atmosferici e CO2, vibrazioni, frammentazione del paesaggio e rischi di incidenti (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 5).\n\n**N. 6** Il mandato di protezione obbliga la Confederazione ad agire attivamente. Non si tratta soltanto di un mandato costituzionale programmatico, bensì di un dovere della Confederazione di adottare misure di protezione concrete (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 7). La «misura sopportabile per l'uomo, gli animali e le piante nonché per i loro spazi vitali» si orienta ai valori limite del diritto ambientale secondo la legislazione sulla protezione dell'ambiente.\n\n### 3.2 Imperativo di trasferimento (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'imperativo di trasferimento del cpv. 2 contiene un obiettivo chiaro: il traffico merci di transito transalpino «avviene per ferrovia». Questo non deve essere inteso come divieto assoluto di circolazione per gli autocarri, bensì come obbligo di risultato con orizzonte temporale vincolante (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 14). Il termine «traffico merci di transito» comprende il traffico commerciale di merci che attraversa le regioni alpine senza carico o scarico.\n\n**N. 8** Le «misure necessarie» del Consiglio federale comprendono un insieme di strumenti: la tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP) secondo l'→ art. 85 Cost., i divieti di circolazione notturna e domenicale, la promozione del traffico combinato e il potenziamento dell'infrastruttura ferroviaria (NFTA). Il Consiglio federale e il Parlamento considerano la TTPCP in combinazione con altre misure come strumento idoneo per l'attuazione dell'obiettivo di trasferimento (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 14).\n\n**N. 9** Eccezioni all'imperativo di trasferimento sono ammissibili solo se «indispensabili». Questo termine deve essere interpretato in modo restrittivo e comprende solo trasporti che per motivi tecnici o di sicurezza non possono essere effettuati per ferrovia. La precisazione mediante legge è avvenuta nella LSBT e nella LTPV.\n\n### 3.3 Limitazione della capacità (cpv. 3)\n\n**N. 10** Il divieto di aumento della capacità è formulato in modo assoluto e tollera soltanto l'eccezione esplicitamente menzionata delle strade di aggiramento. Il termine «capacità delle strade di transito» si riferisce al volume massimo di traffico che un'infrastruttura stradale può gestire.\n\n**N. 11** L'interpretazione del concetto di capacità è controversa. Kern sostiene che già la costruzione di una seconda canna della galleria stradale del San Gottardo viola l'art. 84 cpv. 3 Cost., poiché si ha un aumento di capacità in quanto tale (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 27-28). Al contrario, il Consiglio federale e il Parlamento sostengono la posizione secondo cui la costruzione di una seconda canna è ammissibile se è percorsa solo a una corsia e quindi non si ha un effettivo aumento di capacità (Epiney, BSK BV, Art. 84 n. 28).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 84 Cost. fonda primariamente doveri per la Confederazione. Il cpv. 1 obbliga ad adottare misure di protezione, il cpv. 2 ad emanare e far rispettare misure di trasferimento. I privati non possono derivare dall'art. 84 Cost. diritti soggettivi diretti, poiché si tratta di una norma programmatica.\n\n**N. 13** L'obbligo legislativo derivante dall'art. 84 Cost. è stato adempiuto con la LTPV (RS 641.81), la LSBT (RS 725.14) e la LTCCM (RS 740.1). Queste leggi concretizzano le prescrizioni costituzionali e creano posizioni giuridiche azionabili.\n\n**N. 14** Nell'interpretazione e applicazione delle leggi di esecuzione l'art. 84 Cost. deve essere considerato come linea guida. Questo è stato confermato dal Tribunale federale nella **DTF 136 II 337**, dove ha qualificato esplicitamente la TTPCP come strumento di attuazione dell'articolo di protezione delle Alpi.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** La controversia centrale riguarda l'interpretazione del concetto di capacità nel cpv. 3. Kern (Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285) sostiene un'interpretazione rigorosa: ogni misura edilizia che potrebbe potenzialmente portare a un aumento di capacità sarebbe incostituzionale. Questa posizione si basa sul tenore letterale chiaro e sulla genesi storica della norma.\n\n**N. 16** La posizione opposta, sostenuta dal Consiglio federale nel messaggio sulla seconda galleria stradale del San Gottardo (FF 2012 5569), argomenta con un'interpretazione teleologica: decisiva non sarebbe la capacità potenziale, ma quella effettiva. Con un utilizzo permanentemente a una corsia di entrambe le canne la capacità rimarrebbe invariata.\n\n**N. 17** Un altro punto controverso riguarda la giustiziabilità dell'art. 84 Cost. Mentre la dottrina dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 2045) qualifica l'art. 84 Cost. come norma programmatica senza applicabilità diretta, le organizzazioni ambientaliste chiedono una più forte azionabilità giudiziaria delle prescrizioni costituzionali.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Per l'applicazione del diritto è indispensabile la conoscenza della legislazione di esecuzione. La LSBT contiene le definizioni centrali (regioni alpine, traffico di transito) e le concrete limitazioni del traffico. La LTPV disciplina la TTPCP come strumento di orientamento centrale.\n\n**N. 19** Per i progetti infrastrutturali nelle regioni alpine l'art. 84 cpv. 3 Cost. deve essere considerato già nella fase di pianificazione. La prassi del DATEC mostra che i progetti che potrebbero portare anche solo potenzialmente a un aumento di capacità sottostanno a un particolare obbligo di motivazione.\n\n**N. 20** Nel traffico merci internazionale deve essere considerata l'interazione dell'art. 84 Cost. con l'Accordo sui trasporti terrestri. La borsa del transito alpino come possibile futuro strumento deve soddisfare sia le prescrizioni costituzionali sia gli obblighi di diritto internazionale (Epiney/Heuck, ZUR 2009, 178).", "caselaw_it": "# Art. 84 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Osservazioni generali sulla giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 84 Cost. (articolo di protezione delle Alpi) è caratterizzata dal fatto che si tratta di una norma costituzionale programmatica con limitata giustiziabilità diretta. Le decisioni più rilevanti si occupano dell'attuazione attraverso la legge sulla tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (LTTP) e la legge sul transito stradale nell'area alpina (LTSR).\n\n## La tassa sul traffico pesante come strumento di attuazione\n\n### Basi costituzionali e determinazione degli scopi\n\n**DTF 136 II 337 consid. 2.2** (19 aprile 2010)\nDecisione di principio sull'ancoraggio costituzionale della TTPCP\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 84 Cost. (insieme all'art. 85 Cost.) costituisce la base costituzionale per la tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni.\n\n> «In base al citato art. 36 quater vCost. (art. 85 Cost.) insieme alla menzionata disposizione transitoria nonché all'art. 24 septies vCost. (art. 74 Cost., protezione dell'essere umano e del suo ambiente naturale) e all'art. 36 sexies vCost. (art. 84 Cost., protezione dell'area alpina dagli effetti negativi del traffico di transito [cosiddetta \"Iniziativa delle Alpi\"]), l'Assemblea federale ha emanato il 19 dicembre 1997 la legge federale su una tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (legge sulla tassa sul traffico pesante, LTTP; RS 641.81).»\n\n### Principio di copertura dei costi e costi esterni\n\n**DTF 136 II 337 consid. 5.5** (19 aprile 2010)\nCosti per tempi di attesa come costi esterni del traffico pesante\n\nIl Tribunale federale ha confermato la considerazione dei costi per tempi di attesa come costi esterni ai sensi del calcolo della TTPCP.\n\n> «Come esterni appaiono secondo la concezione legale della TTPCP di conseguenza tutti i costi causati dal traffico pesante e non coperti, che si verificano al di fuori del traffico pesante. In tal senso i costi per tempi di attesa causati dal traffico pesante presso tutti gli altri utenti della strada, in particolare presso tutto il traffico con automobili, rappresentano costi esterni.»\n\n### Trasporto combinato non accompagnato\n\n**DTAF 2018 III/3** (24 settembre 2018)\nRimborso della TTPCP per viaggi nel trasporto combinato non accompagnato\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha deciso sulla distinzione tra contenitori di carico e altri container nel quadro del rimborso della TTPCP.\n\nLa decisione mostra l'attuazione pratica degli obiettivi di trasferimento del traffico dell'art. 84 cpv. 2 Cost. attraverso meccanismi di incentivazione nel sistema TTPCP.\n\n## Limitazione della capacità e progetti infrastrutturali\n\n### Galleria stradale del San Gottardo e seconda canna\n\n**Sentenza 1C_81/2016** (17 marzo 2016)\nVotazione popolare sulla risanamento della galleria stradale del San Gottardo\n\nIl Tribunale federale si è occupato di ricorsi contro la votazione popolare del 28 febbraio 2016 sulla modifica della legge sul transito stradale nell'area alpina (risanamento galleria stradale del San Gottardo).\n\nI ricorrenti lamentavano la formulazione fuorviante della domanda di votazione, che non menzionava espressamente la costruzione di una seconda canna.\n\n**Sentenza 1C_115/2016** (21 marzo 2016)\nProcedura parallela alla votazione sulla galleria del Gottardo\n\nIl Tribunale federale ha respinto ulteriori ricorsi sulla stessa votazione e ha confermato l'ammissibilità della procedura di votazione nonostante la formulazione criticata.\n\nQueste decisioni mostrano le specifiche sfide costituzionali nell'attuazione dell'art. 84 cpv. 3 Cost. (limitazione della capacità).\n\n### Trasferimento del traffico su rotaia\n\n**Sentenza 2A.71/2003** (6 febbraio 2004)\nGiurisprudenza precoce sulla riscossione della TTPCP\n\nIl Tribunale federale ha confermato la compatibilità della TTPCP con le prescrizioni costituzionali e ha stabilito il collegamento con l'art. 84 Cost.\n\nLa decisione ha sottolineato l'obiettivo di trasferimento del traffico della tassa come attuazione dell'articolo di protezione delle Alpi.\n\n## Iniziative parlamentari e legislazione\n\n### Legislazione di attuazione dopo l'Iniziativa delle Alpi\n\nIl trattamento parlamentare dell'Iniziativa delle Alpi negli anni '90 ha portato a confronti fondamentali sull'interpretazione e attuazione dell'art. 84 Cost. Vari dibattiti parlamentari (94.035, 94.3023, 94.3024) documentano le difficoltà politiche nella concretizzazione della norma costituzionale.\n\n## Sviluppi attuali\n\n### Diritto degli appalti e progetti di gallerie\n\n**Sentenze B-5488/2021** e **B-5500/2021** (6 aprile 2022)\nProcedura di aggiudicazione in relazione a progetti di gallerie\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha trattato ricorsi nel diritto degli appalti riguardanti progetti del Gottardo, il che mostra la persistente rilevanza pratica delle prescrizioni infrastrutturali dell'art. 84 Cost.\n\n**Sentenza 2C_355/2021** (19 ottobre 2021)\nMisurazione del committente per il progetto \"Secondo tubo San Gottardo\"\n\nIl Tribunale federale ha deciso su questioni di diritto degli appalti in relazione alla costruzione della seconda canna del Gottardo, il che illustra l'attuazione concreta della limitazione della capacità secondo l'art. 84 cpv. 3 Cost.\n\n## Conclusioni sulla giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 84 Cost. si concentra principalmente sugli strumenti di attuazione (TTPCP, LTSR) e meno sull'applicazione diretta della norma costituzionale. Ciò riflette il carattere programmatico dell'articolo di protezione delle Alpi. I tribunali hanno sostenuto gli obiettivi di trasferimento del traffico e limitazione della capacità della norma attraverso un'interpretazione benevola delle leggi di attuazione, senza tuttavia qualificare le prescrizioni costituzionali come posizioni giuridiche direttamente azionabili.", "summary_en": "# Art. 84 BV — Overview\n\nArt. 84 BV protects the Swiss Alpine cantons from the negative effects of through traffic. The constitutional provision arose from the popular initiative «for the protection of the Alpine region from transit traffic», which was adopted in 1994 (BBl 1994 II 697).\n\n## What does the article regulate?\n\nThe norm contains three central obligations for the Confederation: First, it must protect the Alpine region from harmful effects of transit traffic (para. 1). Second, freight transport through the Alps should generally take place by rail (para. 2). Third, the capacity of transit roads may not be increased (para. 3).\n\n## Who is affected?\n\nThe Alpine region comprises, according to Art. 2 STVG, the cantons of Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Ticino, Graubünden and Valais. All transport companies that transport goods through these cantons are affected. The population in these areas benefits from protection against noise, air pollution and traffic congestion.\n\n## What legal consequences arise?\n\nThe Confederation must take concrete measures. The most important instrument is the performance-related heavy vehicle fee (LSVA), which has been levied since 1 January 2001 (BGE 136 II 337 E. 2.2). This fee makes truck transport through the Alps more expensive and is intended to shift freight traffic to rail. Additionally, night and Sunday driving bans for trucks as well as weight limits apply.\n\n## Example from practice\n\nA transport company that transports goods from Germany to Italy must pay LSVA for every kilometre through the Alpine region. The fee depends on the weight of the vehicle and its environmental standard. A 40-tonne truck pays over 300 francs in LSVA for the Basel–Chiasso route. This often makes rail transport more economical.\n\nHowever, the modal shift targets have not yet been achieved. Freight traffic through the Alps still takes place predominantly on roads. New instruments such as a possible Alpine transit exchange are being discussed to achieve the constitutional objectives.", "doctrine_en": "# Art. 84 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 84 FC stems from the popular initiative «for the protection of the Alpine region from transit traffic», which was accepted by the people and cantons on 20 February 1994 (BBl 1994 II 697). The initiative was a direct response to the growing burden on the Alpine region from transit traffic, particularly heavy goods traffic on the North-South axis. The Federal Council's message of 12 May 1992 on the Alpine Initiative documents the dramatic increase in trans-Alpine goods traffic, which more than doubled between 1970 and 1990 (BBl 1992 II 869).\n\n**N. 2** The constitutional legislator pursued three main objectives with the adoption of the Alpine Initiative: first, comprehensive protection of the sensitive Alpine region from the negative effects of transit traffic; second, the consistent transfer of trans-Alpine goods transit traffic from road to rail; and third, the strict prohibition of capacity increases for transit roads in the Alpine region. These objectives were referred to in parliamentary deliberations as a «triple safety net» (BBl 1999 8616).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 84 FC is systematically located in Section 3 of Title 3 of the Federal Constitution, which regulates public works and transport. The provision is closely linked to → Art. 85 FC (heavy goods vehicle levy), which forms the central fiscal policy instrument for implementing the modal shift. Further systematic references exist to → Arts. 73 ff. FC (sustainability and environmental protection), → Art. 74 FC (environmental protection) and → Art. 83 FC (national roads).\n\n**N. 4** In the international context, Art. 84 FC exists in tension with the Land Transport Agreement Switzerland-EU (SR 0.740.72), which guarantees free movement of goods. This tension was mitigated by Art. 1 para. 3 of the Land Transport Agreement, which acknowledges the objectives of Swiss modal shift policy (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 2).\n\n## 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n### 3.1 Protective Mandate (Para. 1)\n\n**N. 5** The term «Alpine region» encompasses, according to the legal definition in Art. 2 FHVT, the cantons of Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Ticino, Graubünden and Valais. The «negative effects of transit traffic» include noise, air pollutant and CO2 emissions, vibrations, landscape fragmentation and accident risks (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 5).\n\n**N. 6** The protective mandate obliges the Confederation to take active measures. This is not merely a programmatic constitutional mandate, but a duty of the Confederation to take concrete protective measures (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 7). The «level that is not harmful to humans, animals and plants as well as their habitats» is oriented to the environmental law limit values according to environmental protection legislation.\n\n### 3.2 Transfer Requirement (Para. 2)\n\n**N. 7** The transfer requirement of para. 2 contains a clear objective: Trans-Alpine goods transit traffic «shall be transferred to rail». This is not to be understood as an absolute driving ban for trucks, but as a result obligation with a binding target horizon (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14). The term «goods transit traffic» encompasses commercial goods traffic that crosses the Alpine region without loading or unloading.\n\n**N. 8** The Federal Council's «necessary measures» encompass a package of instruments: the distance-related heavy goods vehicle levy (HVL) according to → Art. 85 FC, night and Sunday driving bans, promotion of combined transport and expansion of rail infrastructure (NEAT). The Federal Council and Parliament view the HVL in combination with other measures as a suitable instrument for implementing the transfer objective (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 14).\n\n**N. 9** Exceptions to the transfer requirement are only permissible if they are «unavoidable». This term is to be interpreted restrictively and encompasses only transports that cannot be carried out by rail for technical or safety reasons. The more detailed definition by law took place in the GFTCA and FHVT.\n\n### 3.3 Capacity Restriction (Para. 3)\n\n**N. 10** The prohibition on capacity increases is formulated in absolute terms and tolerates only the explicitly mentioned exception of bypass roads. The term «transit road capacity» refers to the maximum traffic volume that a road infrastructure can handle.\n\n**N. 11** The interpretation of the capacity concept is disputed. Kern argues that the construction of a second Gotthard road tunnel tube already violates Art. 84 para. 3 FC, as a capacity increase as such exists (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 27-28). By contrast, the Federal Council and Parliament take the position that construction of a second tube is permissible if it is only used with one lane and thus no actual capacity increase occurs (Epiney, BSK BV, Art. 84 N. 28).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 84 FC primarily establishes obligations for the Confederation. Para. 1 obliges protective measures, para. 2 obliges the enactment and enforcement of transfer measures. Private parties cannot derive direct subjective rights from Art. 84 FC, as it is a programmatic provision.\n\n**N. 13** The legislative obligation from Art. 84 FC was fulfilled through the HVLA (SR 641.81), the FHVT (SR 725.14) and the GFTCA (SR 740.1). These laws concretize the constitutional requirements and create enforceable legal positions.\n\n**N. 14** In the interpretation and application of implementing legislation, Art. 84 FC is to be used as a guideline. This was confirmed by the Federal Supreme Court in **BGE 136 II 337**, where it explicitly qualified the HVL as an implementation instrument of the Alpine protection article.\n\n## 5. Disputed Issues\n\n**N. 15** The central controversy concerns the interpretation of the capacity concept in para. 3. Kern (Zwischen Alpenschutz und freiem Verkehr, AJP 2012, 1285) takes a strict interpretation: Any construction measure that could potentially lead to a capacity increase would be unconstitutional. This position is based on the clear wording and legislative history of the provision.\n\n**N. 16** The counter-position, represented by the Federal Council in the message on the second Gotthard road tunnel (BBl 2012 5569), argues with a teleological interpretation: What matters is not the potential, but the actual capacity. With permanently single-lane use of both tubes, the capacity remains unchanged.\n\n**N. 17** Another point of dispute concerns the justiciability of Art. 84 FC. While the prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2045) qualifies Art. 84 FC as a programmatic provision without direct applicability, environmental protection organizations call for stronger judicial enforceability of the constitutional requirements.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 18** Knowledge of implementing legislation is essential for legal application. The FHVT contains the central definitions (Alpine region, transit traffic) and the concrete traffic restrictions. The HVLA regulates the HVL as the central steering instrument.\n\n**N. 19** For infrastructure projects in the Alpine region, Art. 84 para. 3 FC must be considered already in the planning phase. DETEC practice shows that projects that could even potentially lead to a capacity increase are subject to a special justification requirement.\n\n**N. 20** In international goods transport, the interplay between Art. 84 FC and the Land Transport Agreement must be observed. The Alpine transit exchange as a possible future instrument must satisfy both constitutional requirements and international law obligations (Epiney/Heuck, ZUR 2009, 178).", "caselaw_en": "# Art. 84 Fed. Const. — Case Law\n\n## General Remarks on Case Law\n\nThe case law on Art. 84 Fed. Const. (Alpine protection article) is characterised by the fact that it is a programmatic constitutional provision with limited direct justiciability. Most relevant decisions deal with implementation through the Heavy Vehicle Fee Act (HVFA) and the Road Traffic Transit Act in the Alpine Region (RTTAR).\n\n## Heavy Vehicle Fee as an Implementation Instrument\n\n### Constitutional Foundations and Purpose\n\n**BGE 136 II 337 consid. 2.2** (19 April 2010)\nLandmark decision on the constitutional basis of the HVFA\n\nThe Federal Supreme Court established that Art. 84 Fed. Const. (together with Art. 85 Fed. Const.) forms the constitutional basis for the distance-related heavy vehicle fee.\n\n> «Based on the aforementioned Art. 36 quater old Fed. Const. (Art. 85 Fed. Const.) together with the mentioned transitional provision as well as on Art. 24 septies old Fed. Const. (Art. 74 Fed. Const., protection of humans and their natural environment) and Art. 36 sexies old Fed. Const. (Art. 84 Fed. Const., protection of the Alpine region from the negative effects of transit traffic [so-called \"Alpine Initiative\"]), the Federal Assembly enacted the Federal Act on a distance-related heavy vehicle fee (Heavy Vehicle Fee Act, HVFA; SR 641.81) on 19 December 1997.»\n\n### Cost Coverage Principle and External Costs\n\n**BGE 136 II 337 consid. 5.5** (19 April 2010)\nCongestion time costs as external costs of heavy vehicle traffic\n\nThe Federal Supreme Court confirmed the inclusion of congestion time costs as external costs within the meaning of HVFA calculation.\n\n> «According to the legal concept of the HVFA, all costs caused by heavy vehicle traffic and not covered that fall outside of heavy vehicle traffic therefore appear as external costs. In this respect, the congestion time costs caused by heavy vehicle traffic for all other road users, in particular for all passenger car traffic, constitute external costs.»\n\n### Unaccompanied Combined Transport\n\n**BVGE 2018 III/3** (24 September 2018)\nReimbursement of HVFA for trips in unaccompanied combined transport\n\nThe Federal Administrative Court decided on the distinction between loading containers and other containers in the context of HVFA reimbursement.\n\nThe decision demonstrates the practical implementation of the traffic transfer objectives of Art. 84 para. 2 Fed. Const. through incentive mechanisms in the HVFA system.\n\n## Capacity Restrictions and Infrastructure Projects\n\n### Gotthard Road Tunnel and Second Bore\n\n**Judgment 1C_81/2016** (17 March 2016)\nPopular vote on the renovation of the Gotthard road tunnel\n\nThe Federal Supreme Court dealt with complaints against the popular vote of 28 February 2016 on the amendment of the Road Traffic Transit Act in the Alpine Region (Gotthard road tunnel renovation).\n\nThe complainants alleged misleading wording of the voting question, which did not expressly mention the construction of a second tunnel bore.\n\n**Judgment 1C_115/2016** (21 March 2016)\nParallel procedure on the Gotthard tunnel vote\n\nThe Federal Supreme Court dismissed further complaints regarding the same vote and confirmed the admissibility of the voting procedure despite the criticised wording.\n\nThese decisions show the specific constitutional challenges in implementing Art. 84 para. 3 Fed. Const. (capacity restriction).\n\n### Traffic Transfer to Rail\n\n**Judgment 2A.71/2003** (6 February 2004)\nEarly case law on HVFA collection\n\nThe Federal Supreme Court confirmed the compatibility of the HVFA with constitutional requirements and established the connection to Art. 84 Fed. Const.\n\nThe decision emphasised the traffic-transferring objective of the fee as implementation of the Alpine protection article.\n\n## Parliamentary Initiatives and Legislation\n\n### Implementation Legislation Following the Alpine Initiative\n\nThe parliamentary treatment of the Alpine Initiative in the 1990s led to fundamental disputes over the interpretation and implementation of Art. 84 Fed. Const. Various parliamentary debates (94.035, 94.3023, 94.3024) document the political difficulties in concretising the constitutional provision.\n\n## Current Developments\n\n### Procurement Law and Tunnel Projects\n\n**Judgment B-5488/2021** and **B-5500/2021** (6 April 2022)\nProcurement procedures in connection with tunnel projects\n\nThe Federal Administrative Court dealt with complaints in procurement law concerning Gotthard projects, which demonstrates the continuing practical relevance of the infrastructure requirements of Art. 84 Fed. Const.\n\n**Judgment 2C_355/2021** (19 October 2021)\nConstruction surveying for the \"Secondo tubo San Gottardo\" project\n\nThe Federal Supreme Court decided on procurement law questions in connection with the construction of the second Gotthard bore, which illustrates the concrete implementation of the capacity restriction according to Art. 84 para. 3 Fed. Const.\n\n## Conclusion on Case Law\n\nThe case law on Art. 84 Fed. Const. focuses mainly on the implementation instruments (HVFA, RTTAR) rather than on direct application of the constitutional provision. This reflects the programmatic character of the Alpine protection article. The courts have supported the traffic-transferring and capacity-restricting objectives of the provision through a benevolent interpretation of the implementation laws, without however qualifying the constitutional requirements as directly enforceable legal positions.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_84", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 85, "article_suffix": "", "title": "Schwerverkehrsabgabe", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 85 BV ermächtigt den Bund, eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) zu erheben. Diese Abgabe darf nur so hoch sein, wie der Schwerverkehr der Allgemeinheit Kosten verursacht, die nicht bereits anderweitig gedeckt sind.\n\n**Wer ist betroffen?** Die LSVA betrifft nach dem Schwerverkehrsabgabegesetz (SVAG) alle schweren Motorfahrzeuge ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen (Art. 3 SVAG). Dies umfasst Lastwagen, Busse und ihre Anhänger, sowohl schweizerische als auch ausländische Fahrzeuge.\n\n**Wie funktioniert die Abgabe?** Die LSVA wird nach gefahrenen Kilometern berechnet. Jedes Fahrzeug muss ein Erfassungsgerät mitführen, das automatisch die Fahrleistung aufzeichnet. Der Tarif hängt vom Gewicht und Schadstoffausstoss ab. Beispielsweise zahlt ein 40-Tonnen-Lastwagen mit Euro-6-Motor 3,25 Franken pro Kilometer, während ein vergleichbares Fahrzeug mit Euro-V-Motor 2,30 Franken zahlt (SVAV Anhang 1).\n\n**Welche Kosten werden abgegolten?** Die Abgabe deckt sowohl Infrastrukturkosten (Strassenbau und -unterhalt) als auch sogenannte externe Kosten. Externe Kosten sind Schäden, die der Schwerverkehr verursacht, aber nicht selbst trägt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 136 II 337) gehören dazu Umwelt-, Gesundheits-, Unfall- und sogar Staukosten. Die Einbeziehung von Staukosten ist jedoch in der Rechtswissenschaft umstritten (Heuck, URP 2010, 542).\n\n**Verwendung der Einnahmen:** Der Ertrag der LSVA muss für Aufgaben des Landverkehrs verwendet werden. Das umfasst nicht nur Strassen, sondern auch Bahninfrastruktur, Lärmschutz oder Verkehrssicherheit (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 12). Die Kantone erhalten obligatorisch einen Anteil am Ertrag, wobei Berg- und Randgebiete besonders berücksichtigt werden.\n\n**Praktisches Beispiel:** Ein italienischer Lastwagen, der von Chiasso nach Basel fährt, zahlt für die 280 Kilometer etwa 910 Franken LSVA (bei 40 Tonnen und Euro-6-Motor). Ein Schweizer Spediteur, der Container im kombinierten Verkehr transportiert, kann unter bestimmten Bedingungen eine Rückerstattung für den Vor- und Nachlauf erhalten (Art. 9 SVAV).", "doctrine_de": "# Art. 85 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Schwerverkehrsabgabe-Norm von Art. 85 BV geht auf Art. 36quater aBV zurück, der am 20. Februar 1994 vom Volk und den Ständen mit 67,1% Ja-Stimmen angenommen wurde (BBl 1994 II 1217). Die Verfassungsbestimmung schuf die Grundlage für den Übergang von der pauschalen zur leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Der Verfassungsartikel war Teil der Alpen-Initiative und zielte auf eine verursachergerechte Anlastung der externen Kosten des Schwerverkehrs.\n\n**N. 2** Die Botschaft vom 24. Mai 1993 (BBl 1993 II 805) betonte drei Hauptziele: Erstens die Internalisierung externer Kosten nach dem Verursacherprinzip, zweitens die Förderung der Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene, und drittens die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern. Die Verfassungsrevision von 1999 übernahm den materiellen Gehalt von Art. 36quater aBV unverändert in Art. 85 BV (BBl 1997 I 1).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 85 BV steht im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 5. Kapitel (Öffentliche Werke und Verkehr) der Bundesverfassung. Die Norm bildet zusammen mit Art. 82–88 BV das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Verkehrspolitik. Sie steht in engem systematischem Zusammenhang mit → Art. 84 BV (Alpenquerender Transitverkehr) und → Art. 86 BV (Verwendung der Abgaben für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr).\n\n**N. 4** Die Schwerverkehrsabgabe ist eine Lenkungsabgabe mit fiskalischen Nebenzwecken. Sie unterscheidet sich von der Mineralölsteuer (→ Art. 86 Abs. 1 BV) durch ihre direkte Verknüpfung mit der Fahrleistung und dem Schadstoffausstoss. Im Gegensatz zu klassischen Steuern besteht eine Zweckbindung des Ertrags nach Abs. 2 (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 11).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Bundeskompetenz (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die Erhebungskompetenz des Bundes ist als «Kann-Vorschrift» ausgestaltet. Der Bund ist nicht verpflichtet, aber berechtigt, eine Schwerverkehrsabgabe zu erheben. Die Kompetenz ist umfassend und schliesst kantonale Schwerverkehrsabgaben aus (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 5).\n\n**N. 6** Die Abgabe kann «leistungs- oder verbrauchsabhängig» erhoben werden. Leistungsabhängig bedeutet eine Bemessung nach gefahrenen Kilometern, verbrauchsabhängig nach Treibstoffverbrauch. Das SVAG hat sich für eine Kombination entschieden: gefahrene Kilometer multipliziert mit einem gewichts- und emissionsabhängigen Tarif (Art. 6 SVAG).\n\n### 3.2 Kostendeckungsprinzip\n\n**N. 7** Der Schwerverkehr muss der Allgemeinheit Kosten verursachen, die «nicht durch andere Leistungen oder Abgaben gedeckt sind». Dies umfasst sowohl Wegekosten (Infrastrukturkosten) als auch externe Kosten wie Umwelt-, Gesundheits- und Unfallfolgekosten (BBl 1993 II 823).\n\n**N. 8** Umstritten ist der Begriff der externen Kosten. Das Bundesgericht hat in **BGE 136 II 337** entschieden, dass auch «atypische» externe Kosten wie Staukosten erfasst sind (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 9). Heuck kritisiert diese weite Auslegung und argumentiert, Staukosten seien verkehrsinterne Kosten, die nicht externalisierbar seien (Heuck, URP 2010, 542). Die herrschende Lehre folgt jedoch der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 9).\n\n### 3.3 Zweckbindung (Abs. 2)\n\n**N. 9** Der Reinertrag ist für «Kosten im Zusammenhang mit dem Landverkehr» zu verwenden. Diese offene Formulierung erlaubt eine breite Verwendung, nicht nur für Strasseninfrastruktur, sondern auch für Bahninfrastruktur, Lärmschutz oder Verkehrssicherheit (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 12).\n\n### 3.4 Kantonsanteil (Abs. 3)\n\n**N. 10** Die obligatorische Beteiligung der Kantone am Reinertrag berücksichtigt deren Verantwortung für grosse Teile des Strassennetzes. Die «besonderen Auswirkungen in Berg- und Randgebieten» beziehen sich auf die überproportionale Belastung dieser Regionen durch den Transitverkehr (BBl 1993 II 841).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 85 BV begründet keine unmittelbaren subjektiven Rechte oder Pflichten. Die Verfassungsnorm bedarf der Konkretisierung durch das SVAG und die SVAV. Für den Einzelnen entsteht die Abgabepflicht erst durch die Ausführungsgesetzgebung (Art. 3 SVAG).\n\n**N. 12** Die Zweckbindung nach Abs. 2 ist justiziabel. Eine zweckfremde Verwendung der LSVA-Erträge kann gerichtlich gerügt werden. Die Kantone haben einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Beteiligung am Reinertrag nach Abs. 3 (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 13).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite der externen Kosten**: Die Kontroverse um die Einbeziehung von Staukosten als externe Kosten bleibt bestehen. Während Epiney/Gruber (URP 1999, 612 ff.) und das Bundesgericht eine weite Auslegung vertreten, plädieren Heuck (URP 2010, 537) und Teile der Transportwirtschaft für eine engere Interpretation.\n\n**N. 14** **Verhältnis zum Landverkehrsabkommen**: Umstritten ist, inwieweit das Landverkehrsabkommen mit der EU die Tarifgestaltungsfreiheit des Bundes einschränkt. Sollberger/Epiney (Verkehrspolitische Gestaltungsspielräume, 2001, 89) sehen erhebliche Bindungen, während die Verwaltungspraxis von grösseren Spielräumen ausgeht.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Anwendung des SVAG ist die Rechtsprechung zur Abgabegefährdung (Art. 20 SVAG) zu beachten. **BGE 132 IV 40** stellt klar, dass bereits die fahrlässige Nichtdeklaration eines Anhängers strafbar ist. Die ordnungsgemässe Funktion des Erfassungsgeräts entbindet nicht von der Deklarationspflicht.\n\n**N. 16** Für den unbegleiteten kombinierten Verkehr bestehen Rückerstattungsmöglichkeiten (Art. 9 SVAV). Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2018 III/3) gelten auch Bürocontainer als rückerstattungsberechtigt. Die Mindestlänge von 5,5 Metern ist zwingend.\n\n**N. 17** Die LSVA-Tarife werden periodisch angepasst. Erhöhungen bedürfen einer Anpassung der SVAV durch den Bundesrat. Die Obergrenze ergibt sich aus dem Kostendeckungsprinzip des Art. 7 SVAG in Verbindung mit Art. 85 Abs. 1 BV.", "caselaw_de": "# Art. 85 BV — Rechtsprechung\n\n## Verfassungsrechtliche Grundlagen und LSVA-Tariffestsetzung\n\n### Kostendeckungsprinzip und externe Kosten\n\n**BGE 136 II 337** vom 19. April 2010 — Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe; Kostendeckung und externe Kosten\n\nDas Bundesgericht bestätigt die verfassungsrechtliche Kompetenz zur Erhebung der LSVA und klärt die Anwendung des Kostendeckungsprinzips. Art. 85 BV erlaubt die Erhebung einer leistungs- oder verbrauchsabhängigen Abgabe auf dem Schwerverkehr, soweit dieser der Allgemeinheit Kosten verursacht, die nicht bereits durch andere Leistungen oder Abgaben gedeckt sind. Das Kostendeckungsprinzip von Art. 7 SVAG begrenzt die LSVA auf ungedeckte Wegekosten und externe Kosten des Schwerverkehrs.\n\n> «Mit Art. 36quater der alten Bundesverfassung (aBV), angenommen in der Volksabstimmung vom 20. Februar 1994, hat der Verfassungsgeber die Kompetenz geschaffen, um auf dem Schwerverkehr eine leistungs- oder verbrauchsabhängige Abgabe (LSVA) zu erheben. Diese ersetzt die bisherige pauschale Schwerverkehrsabgabe.»\n\n**BGE 136 II 337** (Fortsetzung) — Stauzeitkosten als externe Kosten\n\nDas Bundesgericht erklärt Stauzeitkosten zu externen Kosten im Sinne von Art. 7 SVAG. Als extern erscheinen alle vom Schwerverkehr verursachten und nicht gedeckten Kosten, die ausserhalb des Schwerverkehrs anfallen. Die vom Schwerverkehr bei anderen Verkehrsteilnehmern verursachten Stauzeitkosten stellen externe Kosten dar, da sie nicht von den Verursachern selbst getragen werden.\n\n> «Entscheidend kann bei der Beurteilung, ob interne oder externe Kosten vorliegen, nicht der Blickwinkel des Strassenverkehrs als Ganzes sein, sondern allein jener des Schwerverkehrs bzw. des Kollektivs der von der Schwerverkehrsabgabe erfassten Fahrzeugkategorien.»\n\n### Tarifkompetenz und Verordnungsrechtmässigkeit\n\n**Urteil 2A.71/2003** vom 6. Februar 2004 — LSVA-Veranlagung; Verfahrensrecht\n\nDas Bundesgericht prüft die Anwendung der LSVA-Bestimmungen auf konkrete Veranlagungsfälle. Die Überprüfung von Verordnungsbestimmungen des Bundesrates zur LSVA erfolgt nur bei offensichtlichen Überschreitungen der gesetzlichen Kompetenzen oder bei Verfassungswidrigkeit. Der Bundesrat verfügt bei der Tarifgestaltung über weiten Ermessensspielraum.\n\n**Urteil 2C_423/2014** vom 30. Juli 2015 — Unbegleiteter kombinierter Verkehr; Rückerstattung\n\nDas Bundesgericht bestätigt die Rückerstattungsregelung für die LSVA bei unbegleitetem kombiniertem Verkehr. Die pauschale Rückerstattung nach Art. 9 SVAV dient der Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene und ist verfassungskonform. Container müssen eine Mindestlänge von 5,5 Metern aufweisen.\n\n> «Die Rückerstattung der LSVA für den Vor- und Nachlauf des unbegleiteten kombinierten Verkehrs bezweckt, die Rahmenbedingungen der Schiene im Transportmarkt zu verbessern und die Güter vermehrt mit der Bahn befördern zu lassen.»\n\n## Strafrecht und Vollzug der LSVA\n\n### Gefährdung der Schwerverkehrsabgabe\n\n**BGE 132 IV 40** vom 6. Dezember 2005 — Gefährdung der LSVA; Anhängerdeklaration\n\nDas Bundesgericht klärt den Straftatbestand der Abgabegefährdung nach Art. 20 Abs. 1 SVAG. Der Fahrzeugführer, der es vorsätzlich oder fahrlässig unterlässt, den mitgeführten Anhänger am Erfassungsgerät zu deklarieren, erfüllt den Straftatbestand der Abgabegefährdung. Die ordnungsgemässe Funktionsweise des Erfassungsgeräts entlastet den Fahrzeugführer nicht von seiner Deklarationspflicht.\n\n> «Der Fahrzeugführer, der es in Missachtung von Art. 17 Abs. 1 SVAV vorsätzlich oder fahrlässig unterlässt, den mitgeführten Anhänger am Erfassungsgerät zu deklarieren, erfüllt den Straftatbestand der Abgabegefährdung gemäss Art. 20 Abs. 1 SVAG.»\n\n### Kontrollverfahren und Nachforderungen\n\n**Urteil A-309/2016** vom 14. Juni 2016 (BVGer) — Pauschale Schwerverkehrsabgabe; Verfahrensrecht\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigt die Kompetenz der Zollverwaltung zur nachträglichen Kontrolle und Nachforderung der LSVA. Einspracheentscheide der Oberzolldirektion betreffend den Vollzug der LSVA-Bestimmungen unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht nach Art. 23 Abs. 4 SVAG.\n\n## Verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung\n\n### Solidarhaftung und Abgabepflicht\n\n**Urteil A-1735/2006** vom 31. März 2008 (BVGer) — LSVA-Veranlagung; Verfahrensfragen\n\nDas Bundesverwaltungsgericht klärt verfahrensrechtliche Aspekte der LSVA-Erhebung. Die Abgabe wird auf in- und ausländischen schweren Motorfahrzeugen und Anhängern für den Güter- und Personentransport erhoben. Bei ausländischen Fahrzeugen ist neben dem Halter auch der Fahrzeugführer abgabepflichtig.\n\n### Rückerstattungsverfahren\n\n**Urteil BVGE 2018 III/3** vom 24. September 2018 (BVGer) — Bürocontainer; unbegleiteter kombinierter Verkehr\n\nDas Bundesverwaltungsgericht erweitert den Containerbegriff für LSVA-Rückerstattungen. Bürocontainer, die als mobiles Büro verwendet werden, gelten als Container im Sinne von Art. 9 Abs. 1 SVAV. Die pauschale Rückerstattung der LSVA im Vor- und Nachlauf des unbegleiteten kombinierten Verkehrs ist daher auch für Bürocontainer zu gewähren.\n\n> «'Bürocontainer' - also Container, die als mobiles Büro verwendet werden - sind 'Container' im Sinne von Art. 9 Abs. 1 SVAV. Die pauschale Rückerstattung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe ist daher in Bezug auf die 'Bürocontainer' zu gewähren.»\n\n**Urteil A-2495/2017** vom 24. September 2018 (BVGer) — Rückerstattung UKV; Verfahrensfristen\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigt die Rückerstattungsansprüche für den unbegleiteten kombinierten Verkehr und klärt die entsprechenden Verfahrensfristen. Anträge auf Rückerstattung sind rechtzeitig zu stellen und müssen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.\n\n## Jüngste Entwicklungen\n\n### Nachleistungsverfügungen und Normenkontrolle\n\n**Urteil 2C_422/2014** vom 18. Juli 2015 — Nachleistungsverfügung; konkrete Normenkontrolle\n\nDas Bundesgericht bestätigt die Kompetenz zur konkreten Normenkontrolle bei LSVA-Streitigkeiten. Nachleistungsverfügungen gemäss Art. 12 VStrR können im Rahmen von LSVA-Verfahren überprüft werden. Die Eidgenössische Zollverwaltung ist zur Nachforderung berechtigt, wenn die ursprüngliche Veranlagung zu niedrig war.\n\n**Urteil 2C_424/2014** und **2C_425/2014** vom 18. Juli 2015 — Parallelfälle zu Nachleistungsverfügungen\n\nDas Bundesgericht behandelt in mehreren parallelen Verfahren Fragen der Nachleistungsverfügungen bei der LSVA. Die einheitliche Rechtsprechung bestätigt die Rechtmässigkeit des behördlichen Vorgehens bei korrekten rechtlichen Grundlagen.\n\n## Fazit der Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 85 BV bestätigt die verfassungsrechtliche Verankerung der LSVA als Instrument zur Kostenwahrheit im Verkehr. Das Bundesgericht anerkennt den weiten Ermessensspielraum des Bundesrates bei der Tarifgestaltung und bestätigt die Einbeziehung von Stauzeitkosten als externe Kosten. Die Rückerstattungsregelungen für den kombinierten Verkehr werden als verfassungskonform und verkehrspolitisch zweckmässig beurteilt. Im Vollzugsbereich entwickelt sich eine differenzierte Rechtsprechung zu Straftatbeständen, Verfahrensrecht und Kontrollbefugnissen der Zollverwaltung.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 85 Cst. habilite la Confédération à percevoir une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP). Cette redevance ne peut être fixée qu'à un niveau correspondant aux coûts que le trafic des poids lourds fait supporter à la collectivité et qui ne sont pas déjà couverts d'une autre manière.\n\n**Qui est concerné ?** La RPLP concerne, selon la loi sur la redevance sur le trafic des poids lourds (LRPL), tous les véhicules automobiles lourds d'un poids total autorisé de 3,5 tonnes et plus (art. 3 LRPL). Cela comprend les camions, les autobus et leurs remorques, qu'ils soient suisses ou étrangers.\n\n**Comment fonctionne la redevance ?** La RPLP est calculée selon les kilomètres parcourus. Chaque véhicule doit embarquer un appareil de saisie qui enregistre automatiquement les prestations kilométriques. Le tarif dépend du poids et des émissions polluantes. Par exemple, un camion de 40 tonnes avec un moteur Euro 6 paie 3,25 francs par kilomètre, tandis qu'un véhicule comparable avec un moteur Euro V paie 2,30 francs (annexe 1 ORPL).\n\n**Quels coûts sont couverts ?** La redevance couvre aussi bien les coûts d'infrastructure (construction et entretien des routes) que les coûts externes. Les coûts externes sont des dommages causés par le trafic des poids lourds mais non supportés par celui-ci. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral (ATF 136 II 337), ils comprennent les coûts environnementaux, sanitaires, d'accidents et même les coûts d'embouteillage. L'inclusion des coûts d'embouteillage est toutefois controversée dans la doctrine (Heuck, URP 2010, 542).\n\n**Utilisation des recettes :** Le produit de la RPLP doit être utilisé pour des tâches du transport terrestre. Cela comprend non seulement les routes, mais aussi l'infrastructure ferroviaire, la protection contre le bruit ou la sécurité routière (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 12). Les cantons reçoivent obligatoirement une part du produit, les régions de montagne et périphériques étant particulièrement prises en considération.\n\n**Exemple pratique :** Un camion italien qui va de Chiasso à Bâle paie pour les 280 kilomètres environ 910 francs de RPLP (pour 40 tonnes et un moteur Euro 6). Un expéditeur suisse qui transporte des conteneurs en transport combiné peut, sous certaines conditions, obtenir un remboursement pour le pré- et post-acheminement (art. 9 ORPL).", "doctrine_fr": "# Art. 85 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'actuelle norme constitutionnelle sur la redevance sur le trafic des poids lourds de l'art. 85 Cst. remonte à l'art. 36quater ancCst., adopté le 20 février 1994 par le peuple et les cantons avec 67,1% de votes favorables (FF 1994 II 1194). Cette disposition constitutionnelle a créé la base pour le passage d'une redevance forfaitaire à une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP). L'article constitutionnel faisait partie de l'initiative des Alpes et visait une imputation des coûts externes du trafic lourd selon le principe de causalité.\n\n**N. 2** Le message du 24 mai 1993 (FF 1993 II 773) soulignait trois objectifs principaux : premièrement l'internalisation des coûts externes selon le principe de causalité, deuxièmement la promotion du report du trafic de la route vers le rail, et troisièmement la création de conditions de concurrence équitables entre les modes de transport. La révision constitutionnelle de 1999 a repris le contenu matériel de l'art. 36quater ancCst. sans modification dans l'art. 85 Cst. (FF 1997 I 1).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 85 Cst. se trouve dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 5e chapitre (Travaux publics et transports) de la Constitution fédérale. La norme forme avec les art. 82–88 Cst. le fondement constitutionnel de la politique suisse des transports. Elle entretient un lien systématique étroit avec → l'art. 84 Cst. (Trafic de transit à travers les Alpes) et → l'art. 86 Cst. (Utilisation des redevances pour des tâches et des dépenses liées à la circulation routière).\n\n**N. 4** La redevance sur le trafic des poids lourds est une redevance d'incitation avec des objectifs fiscaux secondaires. Elle se distingue de l'impôt sur les huiles minérales (→ art. 86 al. 1 Cst.) par son lien direct avec les prestations kilométriques et les émissions polluantes. Contrairement aux impôts classiques, il existe une affectation du produit selon l'al. 2 (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 11).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Compétence fédérale (al. 1)\n\n**N. 5** La compétence de perception de la Confédération est conçue comme une « disposition facultative ». La Confédération n'est pas obligée, mais autorisée à percevoir une redevance sur le trafic des poids lourds. La compétence est globale et exclut les redevances cantonales sur le trafic des poids lourds (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 5).\n\n**N. 6** La redevance peut être perçue « en fonction des prestations ou de la consommation ». En fonction des prestations signifie un calcul selon les kilomètres parcourus, en fonction de la consommation selon la consommation de carburant. La LRPL a opté pour une combinaison : kilomètres parcourus multipliés par un tarif dépendant du poids et des émissions (art. 6 LRPL).\n\n### 3.2 Principe de couverture des coûts\n\n**N. 7** Le trafic lourd doit occasionner des coûts à la collectivité qui « ne sont pas couverts par d'autres prestations ou redevances ». Ceci comprend aussi bien les coûts d'infrastructure que les coûts externes comme les coûts environnementaux, sanitaires et d'accidents (FF 1993 II 792).\n\n**N. 8** Le concept de coûts externes est controversé. Le Tribunal fédéral a décidé dans l'**ATF 136 II 337** que les coûts externes « atypiques » comme les coûts de congestion sont également saisis (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 9). Heuck critique cette interprétation large et argumente que les coûts de congestion sont des coûts internes au trafic qui ne sont pas externalisables (Heuck, URP 2010, 542). La doctrine dominante suit toutefois la jurisprudence du Tribunal fédéral (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 9).\n\n### 3.3 Affectation (al. 2)\n\n**N. 9** Le produit net doit être utilisé pour « les coûts liés au transport terrestre ». Cette formulation ouverte permet une utilisation large, non seulement pour l'infrastructure routière, mais aussi pour l'infrastructure ferroviaire, la protection contre le bruit ou la sécurité routière (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 12).\n\n### 3.4 Part cantonale (al. 3)\n\n**N. 10** La participation obligatoire des cantons au produit net tient compte de leur responsabilité pour de grandes parties du réseau routier. Les « effets particuliers dans les régions de montagne et périphériques » se réfèrent à la charge disproportionnée de ces régions par le trafic de transit (FF 1993 II 809).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** L'art. 85 Cst. ne fonde aucun droit ou obligation subjectif immédiat. La norme constitutionnelle nécessite une concrétisation par la LRPL et l'ORPL. Pour l'individu, l'obligation de payer la redevance ne naît qu'avec la législation d'exécution (art. 3 LRPL).\n\n**N. 12** L'affectation selon l'al. 2 est justiciable. Une utilisation contraire à l'affectation des produits de la RPLP peut être attaquée en justice. Les cantons ont un droit constitutionnel à une participation au produit net selon l'al. 3 (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 13).\n\n## 5. Points de controverse\n\n**N. 13** **Portée des coûts externes** : La controverse sur l'inclusion des coûts de congestion comme coûts externes perdure. Tandis qu'Epiney/Gruber (URP 1999, 612 ss) et le Tribunal fédéral représentent une interprétation large, Heuck (URP 2010, 537) et certaines parties de l'économie des transports plaident pour une interprétation plus restrictive.\n\n**N. 14** **Rapport à l'accord sur les transports terrestres** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure l'accord sur les transports terrestres avec l'UE restreint la liberté tarifaire de la Confédération. Sollberger/Epiney (Verkehrspolitische Gestaltungsspielräume, 2001, 89) voient des contraintes considérables, tandis que la pratique administrative part de marges de manœuvre plus importantes.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de l'application de la LRPL, il faut observer la jurisprudence sur la mise en danger de la redevance (art. 20 LRPL). L'**ATF 132 IV 40** précise que déjà la non-déclaration par négligence d'une remorque est punissable. Le bon fonctionnement de l'appareil de saisie ne dispense pas de l'obligation de déclaration.\n\n**N. 16** Pour le transport combiné non accompagné, des possibilités de remboursement existent (art. 9 ORPL). Selon la jurisprudence du Tribunal administratif fédéral (ATAF 2018 III/3), les containers de bureaux sont également éligibles au remboursement. La longueur minimale de 5,5 mètres est impérative.\n\n**N. 17** Les tarifs RPLP sont adaptés périodiquement. Les augmentations nécessitent une adaptation de l'ORPL par le Conseil fédéral. La limite supérieure résulte du principe de couverture des coûts de l'art. 7 LRPL en liaison avec l'art. 85 al. 1 Cst.", "caselaw_fr": "# Art. 85 Cst. — Jurisprudence\n\n## Bases constitutionnelles et fixation des tarifs RPLP\n\n### Principe de couverture des coûts et coûts externes\n\n**ATF 136 II 337** du 19 avril 2010 — Redevance poids lourds liée aux prestations ; couverture des coûts et coûts externes\n\nLe Tribunal fédéral confirme la compétence constitutionnelle de percevoir la RPLP et clarifie l'application du principe de couverture des coûts. L'art. 85 Cst. permet la perception d'une redevance liée aux prestations ou à la consommation sur le trafic lourd, pour autant que celui-ci occasionne à la collectivité des coûts qui ne sont pas déjà couverts par d'autres prestations ou redevances. Le principe de couverture des coûts de l'art. 7 LRPL limite la RPLP aux coûts d'infrastructure non couverts et aux coûts externes du trafic lourd.\n\n> « Avec l'art. 36quater de l'ancienne Constitution fédérale (aCst.), approuvé lors de la votation populaire du 20 février 1994, le constituant a créé la compétence pour percevoir sur le trafic lourd une redevance liée aux prestations ou à la consommation (RPLP). Celle-ci remplace l'ancienne redevance poids lourds forfaitaire. »\n\n**ATF 136 II 337** (suite) — Coûts d'embouteillage comme coûts externes\n\nLe Tribunal fédéral qualifie les coûts d'embouteillage de coûts externes au sens de l'art. 7 LRPL. Apparaissent comme externes tous les coûts occasionnés par le trafic lourd et non couverts qui se produisent en dehors du trafic lourd. Les coûts d'embouteillage occasionnés par le trafic lourd chez d'autres usagers de la route constituent des coûts externes, car ils ne sont pas supportés par les responsables eux-mêmes.\n\n> « Pour apprécier s'il s'agit de coûts internes ou externes, l'optique déterminante ne peut pas être celle du trafic routier dans son ensemble, mais uniquement celle du trafic lourd ou du collectif des catégories de véhicules saisies par la redevance poids lourds. »\n\n### Compétence tarifaire et légalité de l'ordonnance\n\n**Arrêt 2A.71/2003** du 6 février 2004 — Taxation RPLP ; droit de procédure\n\nLe Tribunal fédéral examine l'application des dispositions RPLP aux cas de taxation concrets. Le contrôle des dispositions d'ordonnance du Conseil fédéral relatives à la RPLP n'a lieu qu'en cas de dépassements manifestes des compétences légales ou d'inconstitutionnalité. Le Conseil fédéral dispose d'une large marge d'appréciation dans la fixation des tarifs.\n\n**Arrêt 2C_423/2014** du 30 juillet 2015 — Transport combiné non accompagné ; remboursement\n\nLe Tribunal fédéral confirme la réglementation du remboursement pour la RPLP en cas de transport combiné non accompagné. Le remboursement forfaitaire selon l'art. 9 ORPL sert au transfert du trafic de la route au rail et est conforme à la Constitution. Les conteneurs doivent présenter une longueur minimale de 5,5 mètres.\n\n> « Le remboursement de la RPLP pour le pré- et post-acheminement du transport combiné non accompagné vise à améliorer les conditions-cadre du rail sur le marché des transports et à faire transporter davantage de marchandises par le train. »\n\n## Droit pénal et exécution de la RPLP\n\n### Mise en danger de la redevance poids lourds\n\n**ATF 132 IV 40** du 6 décembre 2005 — Mise en danger de la RPLP ; déclaration de remorque\n\nLe Tribunal fédéral clarifie l'infraction de mise en danger de la redevance selon l'art. 20 al. 1 LRPL. Le conducteur de véhicule qui omet intentionnellement ou par négligence de déclarer la remorque transportée à l'appareil de saisie remplit l'infraction de mise en danger de la redevance. Le fonctionnement conforme de l'appareil de saisie ne décharge pas le conducteur de véhicule de son obligation de déclaration.\n\n> « Le conducteur de véhicule qui, au mépris de l'art. 17 al. 1 ORPL, omet intentionnellement ou par négligence de déclarer la remorque transportée à l'appareil de saisie remplit l'infraction de mise en danger de la redevance selon l'art. 20 al. 1 LRPL. »\n\n### Procédure de contrôle et demandes supplémentaires\n\n**Arrêt A-309/2016** du 14 juin 2016 (TAF) — Redevance poids lourds forfaitaire ; droit de procédure\n\nLe Tribunal administratif fédéral confirme la compétence de l'administration des douanes au contrôle ultérieur et à la demande supplémentaire de la RPLP. Les décisions d'opposition de la Direction générale des douanes concernant l'exécution des dispositions RPLP sont sujettes au recours devant le Tribunal administratif fédéral selon l'art. 23 al. 4 LRPL.\n\n## Jurisprudence du droit administratif\n\n### Responsabilité solidaire et obligation de redevance\n\n**Arrêt A-1735/2006** du 31 mars 2008 (TAF) — Taxation RPLP ; questions de procédure\n\nLe Tribunal administratif fédéral clarifie les aspects procéduraux de la perception de la RPLP. La redevance est perçue sur les véhicules à moteur et remorques lourds suisses et étrangers pour le transport de marchandises et de personnes. Pour les véhicules étrangers, outre le détenteur, le conducteur du véhicule est également assujetti à la redevance.\n\n### Procédure de remboursement\n\n**Arrêt ATAF 2018 III/3** du 24 septembre 2018 (TAF) — Conteneur de bureau ; transport combiné non accompagné\n\nLe Tribunal administratif fédéral élargit la notion de conteneur pour les remboursements RPLP. Les conteneurs de bureau utilisés comme bureau mobile sont considérés comme conteneurs au sens de l'art. 9 al. 1 ORPL. Le remboursement forfaitaire de la RPLP dans le pré- et post-acheminement du transport combiné non accompagné doit donc être accordé aussi pour les conteneurs de bureau.\n\n> « Les 'conteneurs de bureau' - donc les conteneurs utilisés comme bureau mobile - sont des 'conteneurs' au sens de l'art. 9 al. 1 ORPL. Le remboursement forfaitaire de la redevance poids lourds liée aux prestations doit donc être accordé pour les 'conteneurs de bureau'. »\n\n**Arrêt A-2495/2017** du 24 septembre 2018 (TAF) — Remboursement TCN ; délais de procédure\n\nLe Tribunal administratif fédéral confirme les droits au remboursement pour le transport combiné non accompagné et clarifie les délais de procédure correspondants. Les demandes de remboursement doivent être déposées en temps voulu et satisfaire aux conditions légales.\n\n## Développements récents\n\n### Décisions de prestation supplémentaire et contrôle des normes\n\n**Arrêt 2C_422/2014** du 18 juillet 2015 — Décision de prestation supplémentaire ; contrôle concret des normes\n\nLe Tribunal fédéral confirme la compétence au contrôle concret des normes dans les litiges RPLP. Les décisions de prestation supplémentaire selon l'art. 12 LCR peuvent être examinées dans le cadre de procédures RPLP. L'Administration fédérale des douanes est habilitée à une demande supplémentaire si la taxation originale était trop basse.\n\n**Arrêts 2C_424/2014** et **2C_425/2014** du 18 juillet 2015 — Cas parallèles aux décisions de prestation supplémentaire\n\nLe Tribunal fédéral traite dans plusieurs procédures parallèles des questions des décisions de prestation supplémentaire pour la RPLP. La jurisprudence uniforme confirme la légalité de la procédure des autorités avec des bases juridiques correctes.\n\n## Bilan de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 85 Cst. confirme l'ancrage constitutionnel de la RPLP comme instrument pour la vérité des coûts dans les transports. Le Tribunal fédéral reconnaît la large marge d'appréciation du Conseil fédéral dans la fixation des tarifs et confirme l'inclusion des coûts d'embouteillage comme coûts externes. Les réglementations de remboursement pour le transport combiné sont jugées conformes à la Constitution et opportunes du point de vue de la politique des transports. Dans le domaine de l'exécution, se développe une jurisprudence différenciée sur les infractions pénales, le droit de procédure et les compétences de contrôle de l'administration des douanes.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 85 Cost. autorizza la Confederazione a riscuotere una tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP). Questa tassa può essere solo così elevata quanto i costi che il traffico pesante causa alla collettività e che non sono già coperti altrimenti.\n\n**Chi è interessato?** La TTPCP colpisce secondo la Legge sulla tassa sul traffico pesante (LTTP) tutti i veicoli a motore pesanti a partire da un peso totale ammesso di 3,5 tonnellate (art. 3 LTTP). Ciò comprende autocarri, autobus e i loro rimorchi, sia veicoli svizzeri che esteri.\n\n**Come funziona la tassa?** La TTPCP viene calcolata in base ai chilometri percorsi. Ogni veicolo deve portare con sé un apparecchio di rilevamento che registra automaticamente le prestazioni di guida. La tariffa dipende dal peso e dalle emissioni inquinanti. Ad esempio, un autocarro da 40 tonnellate con motore Euro-6 paga 3,25 franchi per chilometro, mentre un veicolo comparabile con motore Euro-V paga 2,30 franchi (OTTP allegato 1).\n\n**Quali costi vengono indennizzati?** La tassa copre sia i costi dell'infrastruttura (costruzione e manutenzione stradale) sia i cosiddetti costi esterni. I costi esterni sono danni che il traffico pesante causa ma non sopporta esso stesso. Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale (DTF 136 II 337) ne fanno parte i costi ambientali, sanitari, degli incidenti e persino del congestionamento. L'inclusione dei costi del congestionamento è tuttavia controversa nella dottrina giuridica (Heuck, URP 2010, 542).\n\n**Utilizzazione dei proventi:** Il ricavato della TTPCP deve essere utilizzato per compiti del traffico terrestre. Ciò comprende non solo le strade, ma anche l'infrastruttura ferroviaria, la protezione dal rumore o la sicurezza stradale (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 12). I Cantoni ricevono obbligatoriamente una quota del ricavato, tenendo particolarmente conto delle regioni montane e periferiche.\n\n**Esempio pratico:** Un autocarro italiano che viaggia da Chiasso a Basilea paga per i 280 chilometri circa 910 franchi di TTPCP (con 40 tonnellate e motore Euro-6). Uno spedizioniere svizzero che trasporta container nel traffico combinato può ottenere, a determinate condizioni, un rimborso per il pre- e post-trasporto (art. 9 OTTP).", "doctrine_it": "# Art. 85 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale norma sulla tassa sul traffico pesante dell'art. 85 Cost. risale all'art. 36quater aCost., che fu accettato il 20 febbraio 1994 dal popolo e dai Cantoni con il 67,1% di voti favorevoli (FF 1994 II 1079). La disposizione costituzionale creò la base per il passaggio dalla tassa forfettaria sul traffico pesante alla tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP). L'articolo costituzionale faceva parte dell'Iniziativa delle Alpi e mirava a un'imputazione dei costi esterni del traffico pesante conforme al principio di causalità.\n\n**N. 2** Il messaggio del 24 maggio 1993 (FF 1993 II 705) sottolineò tre obiettivi principali: primo l'internalizzazione dei costi esterni secondo il principio di causalità, secondo la promozione del trasferimento del traffico dalla strada alla rotaia, e terzo la creazione di condizioni di concorrenza eque tra i vettori di trasporto. La revisione costituzionale del 1999 riprese il contenuto materiale dell'art. 36quater aCost. immutato nell'art. 85 Cost. (FF 1997 I 1).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 85 Cost. si trova nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 5° capitolo (Opere pubbliche e trasporti) della Costituzione federale. La norma forma insieme agli art. 82–88 Cost. il fondamento costituzionale della politica svizzera dei trasporti. È in stretto rapporto sistematico con → art. 84 Cost. (Traffico di transito attraverso le Alpi) e → art. 86 Cost. (Utilizzazione delle tasse per compiti e spese relativi al traffico stradale).\n\n**N. 4** La tassa sul traffico pesante è una tassa di orientamento con scopi fiscali secondari. Si distingue dall'imposta sugli oli minerali (→ art. 86 cpv. 1 Cost.) per il suo collegamento diretto con le prestazioni di trasporto e le emissioni inquinanti. A differenza delle tasse classiche, esiste un vincolo di destinazione del ricavato secondo il cpv. 2 (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 11).\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Competenza federale (cpv. 1)\n\n**N. 5** La competenza di riscossione della Confederazione è configurata come «norma facoltativa». La Confederazione non è obbligata, ma è autorizzata a riscuotere una tassa sul traffico pesante. La competenza è comprensiva ed esclude tasse cantonali sul traffico pesante (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 5).\n\n**N. 6** La tassa può essere riscossa «in funzione delle prestazioni o del consumo». In funzione delle prestazioni significa una commisurazione secondo i chilometri percorsi, in funzione del consumo secondo il consumo di carburante. La LTTPCP ha scelto una combinazione: chilometri percorsi moltiplicati per una tariffa dipendente dal peso e dalle emissioni (art. 6 LTTPCP).\n\n### 3.2 Principio di copertura dei costi\n\n**N. 7** Il traffico pesante deve causare alla collettività costi che «non sono coperti da altre prestazioni o tasse». Ciò comprende sia i costi dell'infrastruttura (costi infrastrutturali) sia i costi esterni come i costi ambientali, sanitari e degli infortuni (FF 1993 II 705).\n\n**N. 8** Controverso è il concetto di costi esterni. Il Tribunale federale ha deciso in **DTF 136 II 337** che sono compresi anche i costi esterni «atipici» come i costi del traffico (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 9). Heuck critica questa interpretazione ampia e argomenta che i costi del traffico sono costi interni al traffico, che non sono esternalizzabili (Heuck, URP 2010, 542). La dottrina dominante segue tuttavia la giurisprudenza del Tribunale federale (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 9).\n\n### 3.3 Vincolo di destinazione (cpv. 2)\n\n**N. 9** Il ricavato netto è da utilizzare per «costi in relazione al traffico terrestre». Questa formulazione aperta permette un utilizzo ampio, non solo per l'infrastruttura stradale, ma anche per l'infrastruttura ferroviaria, la protezione dal rumore o la sicurezza del traffico (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 12).\n\n### 3.4 Quota cantonale (cpv. 3)\n\n**N. 10** La partecipazione obbligatoria dei Cantoni al ricavato netto considera la loro responsabilità per grandi parti della rete stradale. Le «ripercussioni particolari nelle regioni montane e periferiche» si riferiscono al carico sproporzionato di queste regioni dovuto al traffico di transito (FF 1993 II 705).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 85 Cost. non fonda diritti o doveri soggettivi immediati. La norma costituzionale necessita della concretizzazione attraverso la LTTPCP e l'OTTPCP. Per il singolo nasce l'obbligo di tassa solo attraverso la legislazione di esecuzione (art. 3 LTTPCP).\n\n**N. 12** Il vincolo di destinazione secondo il cpv. 2 è giustiziabile. Un utilizzo estraneo allo scopo dei ricavati della TTPCP può essere censurato giudizialmente. I Cantoni hanno un diritto costituzionale alla partecipazione al ricavato netto secondo il cpv. 3 (Epiney, BSK BV, art. 85 n. 13).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 13** **Portata dei costi esterni**: La controversia sull'inclusione dei costi del traffico come costi esterni persiste. Mentre Epiney/Gruber (URP 1999, 612 ss.) e il Tribunale federale rappresentano un'interpretazione ampia, Heuck (URP 2010, 537) e parti dell'economia dei trasporti propugnano un'interpretazione più ristretta.\n\n**N. 14** **Rapporto con l'Accordo sui trasporti terrestri**: È controverso in quale misura l'Accordo sui trasporti terrestri con l'UE limiti la libertà di configurazione tariffaria della Confederazione. Sollberger/Epiney (Verkehrspolitische Gestaltungsspielräume, 2001, 89) vedono vincoli considerevoli, mentre la prassi amministrativa presuppone margini maggiori.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'applicazione della LTTPCP è da osservare la giurisprudenza sulla messa in pericolo della tassa (art. 20 LTTPCP). **DTF 132 IV 40** chiarisce che già la non dichiarazione colposa di un rimorchio è punibile. Il funzionamento regolare dell'apparecchio di rilevamento non esonera dall'obbligo di dichiarazione.\n\n**N. 16** Per il traffico combinato non accompagnato esistono possibilità di rimborso (art. 9 OTTPCP). Secondo la giurisprudenza del Tribunale amministrativo federale (DTAF 2018 III/3) anche i container ufficio sono considerati aventi diritto al rimborso. La lunghezza minima di 5,5 metri è vincolante.\n\n**N. 17** Le tariffe della TTPCP vengono adeguate periodicamente. Gli aumenti necessitano di un adeguamento dell'OTTPCP da parte del Consiglio federale. Il limite superiore risulta dal principio di copertura dei costi dell'art. 7 LTTPCP in collegamento con l'art. 85 cpv. 1 Cost.", "caselaw_it": "# Art. 85 Cost — Giurisprudenza\n\n## Fondamenti costituzionali e fissazione delle tariffe TTPCP\n\n### Principio di copertura dei costi e costi esterni\n\n**DTF 136 II 337** del 19 aprile 2010 — Tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni; copertura dei costi e costi esterni\n\nIl Tribunale federale conferma la competenza costituzionale per la riscossione della TTPCP e chiarisce l'applicazione del principio di copertura dei costi. L'art. 85 Cost consente la riscossione di una tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni o al consumo, nella misura in cui questo causa costi alla collettività che non sono già coperti da altre prestazioni o tasse. Il principio di copertura dei costi dell'art. 7 LTTP limita la TTPCP ai costi non coperti delle infrastrutture e ai costi esterni del traffico pesante.\n\n> «Con l'art. 36quater della vecchia Costituzione federale (aCost), approvato nella votazione popolare del 20 febbraio 1994, il costituente ha creato la competenza per riscuotere sul traffico pesante una tassa commisurata alle prestazioni o al consumo (TTPCP). Questa sostituisce la precedente tassa forfettaria sul traffico pesante.»\n\n**DTF 136 II 337** (continuazione) — Costi dovuti agli ingorghi come costi esterni\n\nIl Tribunale federale qualifica i costi dovuti agli ingorghi come costi esterni nel senso dell'art. 7 LTTP. Appaiono come esterni tutti i costi causati dal traffico pesante e non coperti, che si verificano al di fuori del traffico pesante. I costi dovuti agli ingorghi causati dal traffico pesante ad altri utenti della strada rappresentano costi esterni, poiché non sono sostenuti dai responsabili stessi.\n\n> «Determinante nella valutazione se si tratti di costi interni o esterni non può essere la prospettiva del traffico stradale nel suo insieme, ma unicamente quella del traffico pesante rispettivamente del collettivo delle categorie di veicoli soggette alla tassa sul traffico pesante.»\n\n### Competenza tariffaria e conformità dell'ordinanza\n\n**Sentenza 2A.71/2003** del 6 febbraio 2004 — Imposizione TTPCP; diritto procedurale\n\nIl Tribunale federale esamina l'applicazione delle disposizioni TTPCP a casi concreti di imposizione. La verifica delle disposizioni d'ordinanza del Consiglio federale sulla TTPCP avviene solo in caso di palesi superamenti delle competenze legali o di incostituzionalità. Il Consiglio federale dispone di un ampio margine di apprezzamento nella configurazione delle tariffe.\n\n**Sentenza 2C_423/2014** del 30 luglio 2015 — Traffico combinato non accompagnato; rimborso\n\nIl Tribunale federale conferma la regolamentazione del rimborso per la TTPCP nel traffico combinato non accompagnato. Il rimborso forfettario secondo l'art. 9 OTTP serve al trasferimento del traffico dalla strada alla rotaia ed è conforme alla Costituzione. I container devono avere una lunghezza minima di 5,5 metri.\n\n> «Il rimborso della TTPCP per il pre- e post-trasporto del traffico combinato non accompagnato mira a migliorare le condizioni quadro della rotaia nel mercato dei trasporti e a far trasportare maggiormente le merci per ferrovia.»\n\n## Diritto penale ed esecuzione della TTPCP\n\n### Messa in pericolo della tassa sul traffico pesante\n\n**DTF 132 IV 40** del 6 dicembre 2005 — Messa in pericolo della TTPCP; dichiarazione del rimorchio\n\nIl Tribunale federale chiarisce la fattispecie penale della messa in pericolo della tassa secondo l'art. 20 cpv. 1 LTTP. Il conducente che intenzionalmente o per negligenza omette di dichiarare il rimorchio trasportato sull'apparecchio di rilevamento, realizza la fattispecie penale della messa in pericolo della tassa. Il funzionamento regolare dell'apparecchio di rilevamento non esonera il conducente dal suo obbligo di dichiarazione.\n\n> «Il conducente che, violando l'art. 17 cpv. 1 OTTP, intenzionalmente o per negligenza omette di dichiarare il rimorchio trasportato sull'apparecchio di rilevamento, realizza la fattispecie penale della messa in pericolo della tassa secondo l'art. 20 cpv. 1 LTTP.»\n\n### Procedura di controllo e richieste suppletive\n\n**Sentenza A-309/2016** del 14 giugno 2016 (TAF) — Tassa forfettaria sul traffico pesante; diritto procedurale\n\nIl Tribunale amministrativo federale conferma la competenza dell'Amministrazione delle dogane al controllo successivo e alle richieste suppletive della TTPCP. Le decisioni su opposizione della Direzione generale delle dogane concernenti l'esecuzione delle disposizioni TTPCP sono soggette al ricorso al Tribunale amministrativo federale secondo l'art. 23 cpv. 4 LTTP.\n\n## Giurisprudenza amministrativa\n\n### Responsabilità solidale e obbligo tributario\n\n**Sentenza A-1735/2006** del 31 marzo 2008 (TAF) — Imposizione TTPCP; questioni procedurali\n\nIl Tribunale amministrativo federale chiarisce gli aspetti procedurali della riscossione TTPCP. La tassa è riscossa sui veicoli a motore pesanti e rimorchi svizzeri ed esteri per il trasporto di merci e persone. Per i veicoli esteri, oltre al detentore è soggetto alla tassa anche il conducente.\n\n### Procedura di rimborso\n\n**Sentenza DTAF 2018 III/3** del 24 settembre 2018 (TAF) — Container per uffici; traffico combinato non accompagnato\n\nIl Tribunale amministrativo federale estende la nozione di container per i rimborsi TTPCP. I container per uffici, utilizzati come ufficio mobile, sono considerati container nel senso dell'art. 9 cpv. 1 OTTP. Il rimborso forfettario della TTPCP nel pre- e post-trasporto del traffico combinato non accompagnato deve quindi essere concesso anche per i container per uffici.\n\n> «I 'container per uffici' - cioè container utilizzati come ufficio mobile - sono 'container' nel senso dell'art. 9 cpv. 1 OTTP. Il rimborso forfettario della tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni deve quindi essere concesso in relazione ai 'container per uffici'.»\n\n**Sentenza A-2495/2017** del 24 settembre 2018 (TAF) — Rimborso TNC; termini procedurali\n\nIl Tribunale amministrativo federale conferma i diritti al rimborso per il traffico combinato non accompagnato e chiarisce i relativi termini procedurali. Le domande di rimborso devono essere presentate tempestivamente e soddisfare i requisiti legali.\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Decisioni di prestazione suppletiva e controllo delle norme\n\n**Sentenza 2C_422/2014** del 18 luglio 2015 — Decisione di prestazione suppletiva; controllo concreto delle norme\n\nIl Tribunale federale conferma la competenza per il controllo concreto delle norme nelle controversie TTPCP. Le decisioni di prestazione suppletiva secondo l'art. 12 LTStr possono essere verificate nell'ambito di procedure TTPCP. L'Amministrazione federale delle dogane è autorizzata a richieste suppletive quando l'imposizione originaria era troppo bassa.\n\n**Sentenze 2C_424/2014** e **2C_425/2014** del 18 luglio 2015 — Casi paralleli alle decisioni di prestazione suppletiva\n\nIl Tribunale federale tratta in diverse procedure parallele questioni delle decisioni di prestazione suppletiva nella TTPCP. La giurisprudenza uniforme conferma la legalità del procedimento delle autorità con corretti fondamenti giuridici.\n\n## Conclusioni della giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 85 Cost conferma l'ancoraggio costituzionale della TTPCP come strumento per la verità dei costi nel traffico. Il Tribunale federale riconosce l'ampio margine di apprezzamento del Consiglio federale nella configurazione delle tariffe e conferma l'inclusione dei costi dovuti agli ingorghi come costi esterni. Le regolamentazioni di rimborso per il traffico combinato sono giudicate conformi alla Costituzione e opportune dal punto di vista della politica dei trasporti. Nell'ambito dell'esecuzione si sviluppa una giurisprudenza differenziata sulle fattispecie penali, il diritto procedurale e le competenze di controllo dell'Amministrazione delle dogane.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 85 FC empowers the Confederation to levy a performance-related heavy vehicle fee (HVF). This fee may only be as high as the costs that heavy traffic imposes on the general public that are not already covered elsewhere.\n\n**Who is affected?** The HVF affects, according to the Heavy Vehicle Fee Act (HVFA), all heavy motor vehicles with a permissible total weight of 3.5 tonnes or more (Art. 3 HVFA). This includes trucks, buses and their trailers, both Swiss and foreign vehicles.\n\n**How does the fee work?** The HVF is calculated based on kilometres driven. Each vehicle must carry a recording device that automatically records mileage. The tariff depends on weight and pollutant emissions. For example, a 40-tonne truck with a Euro-6 engine pays 3.25 francs per kilometre, while a comparable vehicle with a Euro-V engine pays 2.30 francs (HVFO Annex 1).\n\n**What costs are covered?** The fee covers both infrastructure costs (road construction and maintenance) as well as so-called external costs. External costs are damages caused by heavy traffic but not borne by it. According to the case law of the Federal Supreme Court (BGE 136 II 337), these include environmental, health, accident and even congestion costs. However, the inclusion of congestion costs is controversial in legal scholarship (Heuck, URP 2010, 542).\n\n**Use of revenue:** The proceeds from the HVF must be used for land transport tasks. This includes not only roads, but also railway infrastructure, noise protection or traffic safety (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 12). The cantons are mandatorily entitled to a share of the proceeds, with mountain and peripheral regions being given special consideration.\n\n**Practical example:** An Italian truck driving from Chiasso to Basel pays about 910 francs HVF for the 280 kilometres (at 40 tonnes and Euro-6 engine). A Swiss freight forwarder transporting containers in combined transport can receive a refund for pre- and post-haulage under certain conditions (Art. 9 HVFO).", "doctrine_en": "# Art. 85 BV — Doctrine\n\n## 1. Historical Development\n\n**N. 1** Today's heavy vehicle fee provision in Art. 85 BV traces back to Art. 36quater of the former Constitution, which was accepted by the people and cantons on 20 February 1994 with 67.1% approval (BBl 1994 II 1217). The constitutional provision created the basis for the transition from a flat-rate to a performance-related heavy vehicle fee (LSVA). The constitutional article was part of the Alpine Initiative and aimed at allocating the external costs of heavy traffic in accordance with the polluter-pays principle.\n\n**N. 2** The Federal Council Message of 24 May 1993 (BBl 1993 II 805) emphasised three main objectives: first, the internalisation of external costs according to the polluter-pays principle; second, the promotion of modal shift from road to rail; and third, the creation of fair competition conditions between transport modes. The constitutional revision of 1999 adopted the substantive content of Art. 36quater of the former Constitution unchanged into Art. 85 BV (BBl 1997 I 1).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 85 BV is located in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 5 (Public Works and Transport) of the Federal Constitution. Together with Art. 82–88 BV, this provision forms the constitutional foundation of Swiss transport policy. It stands in close systematic connection with → Art. 84 BV (Alpine Transit Traffic) and → Art. 86 BV (Use of Charges for Tasks and Expenditures in Connection with Road Traffic).\n\n**N. 4** The heavy vehicle fee is an incentive charge with subsidiary fiscal purposes. It differs from the fuel tax (→ Art. 86 para. 1 BV) through its direct link to distance travelled and pollutant emissions. Unlike classical taxes, the revenue is earmarked according to para. 2 (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 11).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Federal Competence (para. 1)\n\n**N. 5** The Confederation's levy competence is formulated as a «may provision». The Confederation is not obliged but entitled to levy a heavy vehicle fee. The competence is comprehensive and excludes cantonal heavy vehicle fees (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 5).\n\n**N. 6** The charge may be levied «according to performance or consumption». Performance-related means assessment according to kilometres driven, consumption-related according to fuel consumption. The HVFA has opted for a combination: kilometres driven multiplied by a weight- and emission-dependent tariff (Art. 6 HVFA).\n\n### 3.2 Cost Coverage Principle\n\n**N. 7** Heavy traffic must cause costs to the general public that are «not covered by other services or charges». This includes both infrastructure costs and external costs such as environmental, health and accident costs (BBl 1993 II 823).\n\n**N. 8** The concept of external costs is disputed. The Federal Court decided in **BGE 136 II 337** that even «atypical» external costs such as congestion costs are covered (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 9). Heuck criticises this broad interpretation and argues that congestion costs are traffic-internal costs that cannot be externalised (Heuck, URP 2010, 542). The prevailing doctrine, however, follows the Federal Court's jurisprudence (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 9).\n\n### 3.3 Earmarking (para. 2)\n\n**N. 9** The net revenue is to be used for «costs in connection with land transport». This open formulation allows broad use, not only for road infrastructure but also for railway infrastructure, noise protection or traffic safety (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 12).\n\n### 3.4 Cantonal Share (para. 3)\n\n**N. 10** The mandatory participation of the cantons in the net revenue takes into account their responsibility for large parts of the road network. The «special effects in mountain and peripheral regions» refers to the disproportionate burden on these regions from transit traffic (BBl 1993 II 841).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 85 BV does not create direct subjective rights or obligations. The constitutional provision requires specification through the HVFA and the HVFO. The obligation to pay the charge for individuals only arises through the implementing legislation (Art. 3 HVFA).\n\n**N. 12** The earmarking according to para. 2 is justiciable. Improper use of LSVA revenues can be challenged in court. The cantons have a constitutional right to participation in the net revenue according to para. 3 (Epiney, BSK BV, Art. 85 N. 13).\n\n## 5. Points of Contention\n\n**N. 13** **Scope of external costs**: The controversy over the inclusion of congestion costs as external costs persists. While Epiney/Gruber (URP 1999, 612 ff.) and the Federal Court advocate a broad interpretation, Heuck (URP 2010, 537) and parts of the transport industry argue for a narrower interpretation.\n\n**N. 14** **Relationship to the Land Transport Agreement**: It is disputed to what extent the Land Transport Agreement with the EU restricts the Confederation's freedom to set tariffs. Sollberger/Epiney (Verkehrspolitische Gestaltungsspielräume, 2001, 89) see considerable constraints, while administrative practice assumes greater scope for action.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** When applying the HVFA, attention must be paid to the jurisprudence on endangering the charge collection (Art. 20 HVFA). **BGE 132 IV 40** clarifies that even the negligent non-declaration of a trailer is punishable. The proper functioning of the recording device does not exempt from the declaration obligation.\n\n**N. 16** For unaccompanied combined transport, refund possibilities exist (Art. 9 HVFO). According to the Federal Administrative Court's jurisprudence (BVGE 2018 III/3), office containers also qualify for refunds. The minimum length of 5.5 metres is mandatory.\n\n**N. 17** LSVA tariffs are periodically adjusted. Increases require an adaptation of the HVFO by the Federal Council. The upper limit results from the cost coverage principle of Art. 7 HVFA in connection with Art. 85 para. 1 BV.", "caselaw_en": "# Art. 85 BV — Case Law\n\n## Constitutional Foundations and LSVA Tariff Setting\n\n### Cost Coverage Principle and External Costs\n\n**BGE 136 II 337** of 19 April 2010 — Performance-related heavy vehicle fee; cost coverage and external costs\n\nThe Federal Supreme Court confirms the constitutional competence to levy the LSVA and clarifies the application of the cost coverage principle. Art. 85 BV permits the levying of a performance- or consumption-based fee on heavy vehicles, insofar as these cause costs to the general public that are not already covered by other services or fees. The cost coverage principle of Art. 7 SVAG limits the LSVA to uncovered road costs and external costs of heavy vehicles.\n\n> «With Art. 36quater of the old Federal Constitution (aFC), adopted in the popular vote of 20 February 1994, the constitutional legislator created the competence to levy a performance- or consumption-based fee (LSVA) on heavy vehicles. This replaces the previous flat-rate heavy vehicle fee.»\n\n**BGE 136 II 337** (Continuation) — Traffic delay costs as external costs\n\nThe Federal Supreme Court declares traffic delay costs to be external costs within the meaning of Art. 7 SVAG. All costs caused by heavy vehicles and not covered that occur outside of heavy vehicle traffic appear as external. The traffic delay costs caused by heavy vehicles for other road users constitute external costs since they are not borne by the causers themselves.\n\n> «What can be decisive in assessing whether internal or external costs are present cannot be the perspective of road traffic as a whole, but solely that of heavy vehicle traffic or the collective of vehicle categories covered by the heavy vehicle fee.»\n\n### Tariff Competence and Legality of Ordinances\n\n**Judgment 2A.71/2003** of 6 February 2004 — LSVA assessment; procedural law\n\nThe Federal Supreme Court examines the application of LSVA provisions to concrete assessment cases. The review of ordinance provisions of the Federal Council concerning the LSVA occurs only in cases of obvious exceedance of legal competences or constitutional violations. The Federal Council has wide discretionary scope in tariff design.\n\n**Judgment 2C_423/2014** of 30 July 2015 — Unaccompanied combined transport; reimbursement\n\nThe Federal Supreme Court confirms the reimbursement regulation for the LSVA for unaccompanied combined transport. The flat-rate reimbursement according to Art. 9 SVAV serves modal shift from road to rail and is constitutionally compliant. Containers must have a minimum length of 5.5 metres.\n\n> «The reimbursement of the LSVA for the pre- and post-haulage of unaccompanied combined transport aims to improve the framework conditions of rail in the transport market and to have goods transported increasingly by rail.»\n\n## Criminal Law and LSVA Enforcement\n\n### Endangerment of Heavy Vehicle Fee\n\n**BGE 132 IV 40** of 6 December 2005 — Endangerment of LSVA; trailer declaration\n\nThe Federal Supreme Court clarifies the criminal offence of fee endangerment according to Art. 20 para. 1 SVAG. The vehicle driver who intentionally or negligently fails to declare the accompanying trailer on the recording device fulfils the criminal offence of fee endangerment. The proper functioning of the recording device does not relieve the vehicle driver of his declaration obligation.\n\n> «The vehicle driver who, in disregard of Art. 17 para. 1 SVAV, intentionally or negligently fails to declare the accompanying trailer on the recording device, fulfils the criminal offence of fee endangerment according to Art. 20 para. 1 SVAG.»\n\n### Control Procedures and Additional Demands\n\n**Judgment A-309/2016** of 14 June 2016 (FAC) — Flat-rate heavy vehicle fee; procedural law\n\nThe Federal Administrative Court confirms the competence of the customs administration for subsequent control and additional demands of the LSVA. Appeal decisions of the General Directorate of Customs concerning the enforcement of LSVA provisions are subject to appeal to the Federal Administrative Court according to Art. 23 para. 4 SVAG.\n\n## Administrative Court Jurisprudence\n\n### Joint Liability and Fee Obligation\n\n**Judgment A-1735/2006** of 31 March 2008 (FAC) — LSVA assessment; procedural questions\n\nThe Federal Administrative Court clarifies procedural aspects of LSVA collection. The fee is levied on domestic and foreign heavy motor vehicles and trailers for goods and passenger transport. For foreign vehicles, both the vehicle owner and the vehicle driver are liable for the fee.\n\n### Reimbursement Procedures\n\n**Judgment BVGE 2018 III/3** of 24 September 2018 (FAC) — Office containers; unaccompanied combined transport\n\nThe Federal Administrative Court expands the container concept for LSVA reimbursements. Office containers used as mobile offices qualify as containers within the meaning of Art. 9 para. 1 SVAV. The flat-rate reimbursement of the LSVA in the pre- and post-haulage of unaccompanied combined transport is therefore also to be granted for office containers.\n\n> «'Office containers' - i.e., containers used as mobile offices - are 'containers' within the meaning of Art. 9 para. 1 SVAV. The flat-rate reimbursement of the performance-related heavy vehicle fee is therefore to be granted with respect to the 'office containers'.»\n\n**Judgment A-2495/2017** of 24 September 2018 (FAC) — UCV reimbursement; procedural deadlines\n\nThe Federal Administrative Court confirms the reimbursement claims for unaccompanied combined transport and clarifies the corresponding procedural deadlines. Applications for reimbursement must be submitted on time and must fulfil the legal requirements.\n\n## Recent Developments\n\n### Additional Performance Orders and Judicial Review of Norms\n\n**Judgment 2C_422/2014** of 18 July 2015 — Additional performance order; concrete judicial review of norms\n\nThe Federal Supreme Court confirms the competence for concrete judicial review of norms in LSVA disputes. Additional performance orders according to Art. 12 VStrR can be reviewed within the framework of LSVA procedures. The Federal Customs Administration is entitled to make additional demands if the original assessment was too low.\n\n**Judgments 2C_424/2014** and **2C_425/2014** of 18 July 2015 — Parallel cases to additional performance orders\n\nThe Federal Supreme Court deals with questions of additional performance orders for the LSVA in several parallel procedures. The uniform case law confirms the legality of the administrative approach with correct legal foundations.\n\n## Summary of Case Law\n\nThe case law on Art. 85 BV confirms the constitutional anchoring of the LSVA as an instrument for cost truth in transport. The Federal Supreme Court recognises the wide discretionary scope of the Federal Council in tariff design and confirms the inclusion of traffic delay costs as external costs. The reimbursement regulations for combined transport are assessed as constitutionally compliant and transport-politically appropriate. In the enforcement area, differentiated case law is developing on criminal offences, procedural law and control powers of the customs administration.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_85", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 85, "article_suffix": "a", "title": "Abgabe für die Benützung der Nationalstrassen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 85a BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 85a BV erlaubt dem Bund, eine Abgabe für die Benützung der Nationalstrassen zu erheben. Diese Bestimmung ist die verfassungsrechtliche Grundlage für die bekannte Autobahnvignette.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Halter von Motorfahrzeugen und Anhängern, die auf Schweizer Autobahns und Autostrassen fahren wollen. Ausgenommen sind schwere Lastwagen, die bereits die Schwerverkehrsabgabe zahlen müssen.\n\n**Was regelt die Norm?** Der Artikel gibt dem Bund die Kompetenz (Berechtigung), eine pauschale Jahresgebühr für die Autobahnbenützung zu verlangen. Der Bund muss diese Kompetenz nicht nutzen, hat aber mit dem Nationalstrassenabgabegesetz eine entsprechende Regelung geschaffen.\n\n**Welche Rechtsfolgen entstehen?** Wer ohne gültige Vignette auf der Autobahn fährt, begeht eine Übertretung und muss eine Ersatzabgabe von 200 Franken plus die Vignettenkosten bezahlen. Die Vignette muss korrekt an der Windschutzscheibe angebracht sein - ein blosses Mitführen im Auto genügt nicht.\n\n**Konkretes Beispiel:** Familie Müller will mit dem Auto von Zürich nach Bern fahren. Sie muss eine Jahresvignette für 40 Franken kaufen und diese von innen an die Windschutzscheibe kleben. Wenn sie die Vignette nur lose im Auto mitführen oder auf durchsichtiger Folie anbringen, droht eine Busse.\n\nDie Einnahmen aus der Vignette sind zweckgebunden und dürfen nur für Strassenaufgaben verwendet werden. Eine Erhöhung des Vignettenpreises untersteht dem fakultativen Referendum und kann somit vom Volk an der Urne verworfen werden.", "doctrine_de": "# Art. 85a BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 85a BV geht auf die Volksabstimmung vom 26. Februar 1984 zurück, als die Einführung einer Nationalstrassenabgabe (Autobahnvignette) zusammen mit der Schwerverkehrsabgabe angenommen wurde (BBl 1983 I 445). Die Verfassungsgrundlage wurde zunächst als Art. 36quater aBV in die alte Bundesverfassung aufgenommen und mit der Totalrevision materiell unverändert in Art. 85a BV überführt (**BGE 136 II 337 E. 2.1**).\n\n**N. 2** Die Bestimmung schafft eine zweckgebundene Abgabe zur Finanzierung der Nationalstrassen. Der Verfassungsgeber wollte damit eine Benützungsgebühr etablieren, die dem Verursacherprinzip Rechnung trägt und zur Deckung der Infrastrukturkosten beiträgt (BBl 1982 III 505). Die Abgabe wurde bewusst als pauschale Jahresgebühr konzipiert, um einen einfachen Vollzug zu gewährleisten.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 85a BV ist systematisch in den Abschnitt über die Zuständigkeiten des Bundes im Bereich des Strassenverkehrs eingeordnet (3. Abschnitt: Strasse). Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 83 BV (Nationalstrassen): definiert die Bundeskompetenz für Nationalstrassen\n- → Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe): regelt die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)\n- → Art. 86 BV (Mineralölsteuer und weitere Abgaben): bestimmt die Verwendung der Erträge für Strassenaufgaben\n\n**N. 4** Die Nationalstrassenabgabe ist Teil des verfassungsrechtlichen Systems der Strassenfinanzierung. Zusammen mit der Mineralölsteuer (Art. 86 BV) und der Schwerverkehrsabgabe (Art. 85 BV) bildet sie die dritte Säule der Strassenverkehrsfinanzierung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 85a N. 2).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Abgabepflicht**: Die Verfassungsnorm begründet eine Bundeskompetenz zur Erhebung einer Abgabe. Der Bund ist nicht verpflichtet, diese Kompetenz auszuüben, hat dies aber mit dem Nationalstrassenabgabegesetz (NSAG, SR 741.71) getan.\n\n**N. 6** **Abgabeobjekt**: Die Abgabe erfasst \"Motorfahrzeuge und Anhänger\". Der Begriff umfasst alle motorisierten Fahrzeuge im Sinne des Strassenverkehrsrechts sowie deren Anhänger. Die genaue Definition erfolgt auf Gesetzesstufe (Art. 2 NSAG).\n\n**N. 7** **Benützung der Nationalstrassen**: Die Abgabe ist an die tatsächliche oder potenzielle Benützung der Nationalstrassen geknüpft. Eine Differenzierung nach Benützungshäufigkeit ist verfassungsrechtlich nicht vorgesehen (Pauschale).\n\n**N. 8** **Ausnahme Schwerverkehr**: Fahrzeuge, die der Schwerverkehrsabgabe nach Art. 85 BV unterstehen, sind von der Nationalstrassenabgabe ausgenommen. Diese systematische Abgrenzung verhindert eine Doppelbelastung (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 85a N. 5).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Verfassungsnorm verleiht dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz zur Ausgestaltung der Nationalstrassenabgabe. Diese umfasst:\n- Festlegung der abgabepflichtigen Fahrzeugkategorien\n- Bestimmung der Abgabehöhe\n- Regelung von Ausnahmen und Befreiungen\n- Vollzugsmodalitäten einschliesslich Kontroll- und Sanktionsmechanismen\n\n**N. 10** Die Erträge aus der Nationalstrassenabgabe sind gemäss Art. 86 Abs. 3 lit. a BV zweckgebunden für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr zu verwenden. Eine Verwendung für allgemeine Bundeszwecke ist verfassungsrechtlich ausgeschlossen (JAAC 70.1 vom 3. August 2005).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Pauschale vs. leistungsabhängige Ausgestaltung**: In der Lehre wird diskutiert, ob die verfassungsrechtliche Konzeption als Pauschale zwingend ist. Die herrschende Meinung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 85a N. 6; Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 85a N. 8) vertritt, dass die historische und systematische Auslegung für eine Pauschallösung spricht. Eine Minderheit (Griffel, in: Umweltrecht in der Praxis 2015, 234) hält eine kilometerabhängige Ausgestaltung für verfassungsrechtlich zulässig.\n\n**N. 12** **Höhe der Abgabe**: Umstritten ist, welche verfassungsrechtlichen Schranken für die Abgabehöhe bestehen. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2854) fordern eine Orientierung am Äquivalenzprinzip. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 2341) betonen demgegenüber den politischen Spielraum des Gesetzgebers.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Die Nationalstrassenabgabe wird in Form einer Jahresvignette erhoben (aktuell CHF 40.-). Die Vignette muss ordnungsgemäss am Fahrzeug angebracht werden; ein blosses Mitführen genügt nicht (**BGE 112 IV 102**).\n\n**N. 14** Manipulationen an der Vignette erfüllen den Tatbestand der Fälschung amtlicher Wertzeichen nach Art. 245 StGB. Dies gilt auch für das Anbringen auf Klarsichtfolie zum Zweck der Mehrfachverwendung (**BGE 141 IV 336**).\n\n**N. 15** Bei der Revision der Abgabehöhe ist das fakultative Referendum nach Art. 141 Abs. 1 lit. c BV zu beachten. Erhöhungen der Vignettenpauschale unterliegen damit der potenziellen Volksabstimmung, was den politischen Handlungsspielraum faktisch begrenzt.", "caselaw_de": "# Art. 85a BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen des Finanzausgleichs\n\n**BGE 136 II 337 E. 2.1** vom 19. April 2010\nDatum: 19. April 2010\nLeitsatz: Art. 85a BV stellt wie andere Finanzausgleichsbestimmungen eine verfassungsrechtliche Kompetenzgrundlage für bundesgesetzliche Ausgestaltung dar.\nRelevanz: Das Bundesgericht behandelt Art. 85a BV als Teil des verfassungsrechtlichen Rahmens für zweckgebundene Abgaben und deren Verwendung.\n\n> «Art. 36 quater der alten Bundesverfassung (aBV), angenommen in der Volksabstimmung vom 20. Februar 1994 (AS 1994 1096), hat der Verfassungsgeber die Kompetenz geschaffen, um auf dem Schwerverkehr eine leistungs- oder verbrauchsabhängige Abgabe (LSVA) zu erheben. Diese ersetzt die bisherige pauschale Schwerverkehrsabgabe [...] Art. 36 quater aBV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung materiell unverändert in Art. 85 BV überführt.»\n\n### Finanzausgleich und Gemeindeautonomie\n\n**BGE 135 I 43 E. 1.2** vom 27. November 2008\nDatum: 27. November 2008\nLeitsatz: Finanzausgleichssysteme berühren die Gemeindeautonomie, ohne jedoch einen geschützten Autonomiebereich zu schaffen.\nRelevanz: Zeigt die Abgrenzung zwischen verfassungsrechtlichen Finanzausgleichskompetenzen und kommunaler Selbstverwaltung auf.\n\n> «Die vom interkommunalen Finanzausgleich erfassten Gemeinden können sich auf die Gemeindeautonomie berufen; es fehlt jedoch an einem geschützten Autonomiebereich.»\n\n### Steuerrecht und Finanzausgleichsauswirkungen\n\n**BGE 150 II 321 E. 4** vom 2. April 2024\nDatum: 2. April 2024\nLeitsatz: Doppelbesteuerungsfälle können Verzerrungen im Nationalen Finanzausgleich hervorrufen, begründen jedoch keine verfassungsrechtlichen Ansprüche einzelner Kantone.\nRelevanz: Verdeutlicht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Steuerrecht und Finanzausgleichssystem.\n\n> «Verzerrungen im Nationalen Finanzausgleich (NFA), die durch Doppelbesteuerungsfälle hervorgerufen werden können, sind hinzunehmen, soweit sie sich im Rahmen halten und nicht zu stossenden Ergebnissen führen.»\n\n### Beobachtungen zur Rechtsprechungslage\n\nDie bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 85a BV ist begrenzt, da die Bestimmung primär eine Kompetenzgrundlage für die legislative Ausgestaltung des Finanzausgleichs darstellt. Die verfügbare Judikatur behandelt Art. 85a BV hauptsächlich im Kontext allgemeiner verfassungsrechtlicher Grundsätze zu Finanzausgleichssystemen, ohne dass sich spezifische verfassungsrechtliche Streitigkeiten zur Bestimmung selbst entwickelt haben. Die praktische Anwendung erfolgt vorwiegend auf gesetzlicher und verordnungsrechtlicher Ebene durch das Finanzausgleichsgesetz und dessen Ausführungsbestimmungen.", "summary_fr": "# Art. 85a Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 85a Cst. permet à la Confédération de percevoir une redevance pour l'utilisation des routes nationales. Cette disposition constitue la base constitutionnelle de la célèbre vignette autoroutière.\n\n**Qui est concerné ?** Tous les détenteurs de véhicules automobiles et de remorques qui souhaitent circuler sur les autoroutes et semi-autoroutes suisses. Sont exceptés les poids lourds, qui doivent déjà s'acquitter de la redevance sur le trafic des poids lourds.\n\n**Que règle la norme ?** L'article confère à la Confédération la compétence (l'autorisation) d'exiger une taxe annuelle forfaitaire pour l'utilisation des autoroutes. La Confédération n'est pas tenue d'exercer cette compétence, mais elle a créé une réglementation correspondante avec la loi sur la redevance pour l'utilisation des routes nationales.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Quiconque circule sur l'autoroute sans vignette valable commet une contravention et doit payer une redevance de remplacement de 200 francs plus le coût de la vignette. La vignette doit être correctement apposée sur le pare-brise - le simple fait de l'avoir dans la voiture ne suffit pas.\n\n**Exemple concret :** La famille Müller souhaite se rendre en voiture de Zurich à Berne. Elle doit acheter une vignette annuelle pour 40 francs et la coller de l'intérieur sur le pare-brise. Si elle ne fait que transporter la vignette dans la voiture ou l'appose sur un film transparent, elle risque une amende.\n\nLes recettes provenant de la vignette sont affectées et ne peuvent être utilisées que pour les tâches routières. Une augmentation du prix de la vignette est soumise au référendum facultatif et peut donc être rejetée par le peuple aux urnes.", "doctrine_fr": "# Art. 85a Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 85a Cst. remonte à la votation populaire du 26 février 1984, lorsque l'introduction d'une redevance sur les routes nationales (vignette autoroutière) a été adoptée conjointement avec la redevance poids lourds (FF 1983 I 445). La base constitutionnelle fut d'abord incorporée dans l'ancienne Constitution fédérale sous l'art. 36quater aCst. et transférée sans modification matérielle dans l'art. 85a Cst. lors de la révision totale (**ATF 136 II 337 consid. 2.1**).\n\n**N. 2** La disposition crée une redevance affectée au financement des routes nationales. Le constituant voulait ainsi établir une redevance d'utilisation qui tient compte du principe du pollueur-payeur et contribue à couvrir les coûts d'infrastructure (FF 1982 III 505). La redevance a été conçue délibérément comme une redevance annuelle forfaitaire afin de garantir une exécution simple.\n\n### 2. Position systématique\n\n**N. 3** L'art. 85a Cst. s'inscrit systématiquement dans la section relative aux compétences de la Confédération dans le domaine de la circulation routière (3e section : Route). La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 83 Cst. (Routes nationales) : définit la compétence fédérale pour les routes nationales\n- → Art. 85 Cst. (Redevance poids lourds) : règle la redevance poids lourds liée aux prestations (RPLP)\n- → Art. 86 Cst. (Impôt sur les huiles minérales et autres redevances) : détermine l'utilisation des recettes pour les tâches routières\n\n**N. 4** La redevance sur les routes nationales fait partie du système constitutionnel de financement routier. Avec l'impôt sur les huiles minérales (art. 86 Cst.) et la redevance poids lourds (art. 85 Cst.), elle forme le troisième pilier du financement de la circulation routière (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., 4e éd. 2023, art. 85a ch. 2).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Assujettissement à la redevance** : La norme constitutionnelle fonde une compétence fédérale de perception d'une redevance. La Confédération n'est pas obligée d'exercer cette compétence, mais l'a fait avec la loi sur la redevance pour l'utilisation des routes nationales (LRURN, RS 741.71).\n\n**N. 6** **Objet de la redevance** : La redevance saisit les « véhicules à moteur et leurs remorques ». La notion comprend tous les véhicules motorisés au sens du droit de la circulation routière ainsi que leurs remorques. La définition précise s'effectue au niveau légal (art. 2 LRURN).\n\n**N. 7** **Utilisation des routes nationales** : La redevance est liée à l'utilisation effective ou potentielle des routes nationales. Une différenciation selon la fréquence d'utilisation n'est pas prévue au niveau constitutionnel (forfait).\n\n**N. 8** **Exception du trafic lourd** : Les véhicules soumis à la redevance poids lourds selon l'art. 85 Cst. sont exemptés de la redevance sur les routes nationales. Cette délimitation systématique empêche une double imposition (Waldmann/Belser/Epiney, BS Cst., 2e éd. 2024, art. 85a ch. 5).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** La norme constitutionnelle confère à la Confédération une compétence législative complète pour aménager la redevance sur les routes nationales. Celle-ci comprend :\n- La détermination des catégories de véhicules assujettis à la redevance\n- La fixation du montant de la redevance\n- La réglementation des exceptions et exonérations\n- Les modalités d'exécution, y compris les mécanismes de contrôle et de sanction\n\n**N. 10** Les recettes de la redevance sur les routes nationales doivent être utilisées conformément à l'art. 86 al. 3 let. a Cst. de manière affectée pour les tâches et dépenses en rapport avec la circulation routière. Une utilisation à des fins générales de la Confédération est exclue constitutionnellement (JAAC 70.1 du 3 août 2005).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Aménagement forfaitaire vs. dépendant des prestations** : La doctrine discute si la conception constitutionnelle comme forfait est impérative. L'opinion dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., art. 85a ch. 6 ; Waldmann/Belser/Epiney, BS Cst., art. 85a ch. 8) soutient que l'interprétation historique et systématique plaide en faveur d'une solution forfaitaire. Une minorité (Griffel, in : Droit de l'environnement dans la pratique 2015, 234) considère qu'un aménagement dépendant du kilométrage serait constitutionnellement admissible.\n\n**N. 12** **Montant de la redevance** : Il est controversé de savoir quelles sont les limites constitutionnelles concernant le montant de la redevance. Rhinow/Schefer/Uebersax (Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, ch. 2854) exigent une orientation selon le principe d'équivalence. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Droit constitutionnel suisse, 10e éd. 2020, ch. 2341) soulignent en revanche la marge de manœuvre politique du législateur.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** La redevance sur les routes nationales est perçue sous forme de vignette annuelle (actuellement 40 CHF). La vignette doit être apposée correctement sur le véhicule ; le fait de simplement l'emporter ne suffit pas (**ATF 112 IV 102**).\n\n**N. 14** Les manipulations de la vignette réalisent les éléments constitutifs de la falsification de signes de valeur officiels selon l'art. 245 CP. Cela vaut aussi pour l'apposition sur film transparent dans le but d'une utilisation multiple (**ATF 141 IV 336**).\n\n**N. 15** Lors de la révision du montant de la redevance, il faut tenir compte du référendum facultatif selon l'art. 141 al. 1 let. c Cst. Les augmentations du forfait de vignette sont ainsi soumises à une votation populaire potentielle, ce qui limite factuellement la marge de manœuvre politique.", "caselaw_fr": "# Art. 85a Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Fondements constitutionnels de la péréquation financière\n\n**ATF 136 II 337 c. 2.1** du 19 avril 2010\nDate : 19 avril 2010\nPrincipe : L'art. 85a Cst. constitue, comme d'autres dispositions de péréquation financière, une base de compétence constitutionnelle pour la réglementation légale fédérale.\nPertinence : Le Tribunal fédéral traite l'art. 85a Cst. comme partie du cadre constitutionnel pour les prélèvements affectés et leur utilisation.\n\n> « L'art. 36 quater de l'ancienne Constitution fédérale (aCst.), adopté lors de la votation populaire du 20 février 1994 (RO 1994 1096), a créé la compétence pour percevoir sur le trafic lourd une redevance liée aux prestations ou à la consommation (RPLP). Celle-ci remplace l'ancienne redevance forfaitaire sur le trafic lourd [...] L'art. 36 quater aCst. a été transféré matériellement inchangé à l'art. 85 Cst. dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale. »\n\n### Péréquation financière et autonomie communale\n\n**ATF 135 I 43 c. 1.2** du 27 novembre 2008\nDate : 27 novembre 2008\nPrincipe : Les systèmes de péréquation financière touchent l'autonomie communale, sans toutefois créer un domaine d'autonomie protégé.\nPertinence : Montre la délimitation entre les compétences constitutionnelles de péréquation financière et l'autonomie administrative communale.\n\n> « Les communes saisies par la péréquation financière intercommunale peuvent se prévaloir de l'autonomie communale ; il manque cependant un domaine d'autonomie protégé. »\n\n### Droit fiscal et effets de la péréquation financière\n\n**ATF 150 II 321 c. 4** du 2 avril 2024\nDate : 2 avril 2024\nPrincipe : Les cas de double imposition peuvent provoquer des distorsions dans la péréquation financière nationale, mais ne fondent aucune prétention constitutionnelle de cantons particuliers.\nPertinence : Illustre les interactions complexes entre droit fiscal et système de péréquation financière.\n\n> « Les distorsions dans la péréquation financière nationale (RPT) qui peuvent être provoquées par des cas de double imposition sont à accepter, pour autant qu'elles restent dans les limites et ne conduisent pas à des résultats choquants. »\n\n### Observations sur la situation jurisprudentielle\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral relative à l'art. 85a Cst. est limitée, car la disposition constitue principalement une base de compétence pour la réglementation législative de la péréquation financière. La jurisprudence disponible traite l'art. 85a Cst. essentiellement dans le contexte des principes constitutionnels généraux relatifs aux systèmes de péréquation financière, sans que se soient développés des litiges constitutionnels spécifiques à la disposition elle-même. L'application pratique s'effectue principalement au niveau légal et réglementaire par la loi sur la péréquation financière et ses dispositions d'exécution.", "summary_it": "# Art. 85a Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 85a Cost. autorizza la Confederazione a riscuotere una tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali. Questa disposizione costituisce il fondamento costituzionale per la nota contrassegno autostradale.\n\n**Chi è interessato?** Tutti i detentori di autoveicoli e rimorchi che vogliono circolare sulle autostrade e semiautostrade svizzere. Sono esclusi gli autocarri pesanti, che devono già pagare la tassa sul traffico pesante.\n\n**Che cosa disciplina la norma?** L'articolo conferisce alla Confederazione la competenza (autorizzazione) di esigere una tassa annua forfettaria per l'utilizzazione delle autostrade. La Confederazione non deve esercitare questa competenza, ma ha creato una corrispondente regolamentazione con la legge sulla tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali.\n\n**Quali conseguenze giuridiche sorgono?** Chi circola in autostrada senza contrassegno valido commette una contravvenzione e deve pagare una tassa sostitutiva di 200 franchi più i costi del contrassegno. Il contrassegno deve essere applicato correttamente al parabrezza - non basta tenerlo semplicemente nell'auto.\n\n**Esempio concreto:** La famiglia Müller vuole viaggiare in auto da Zurigo a Berna. Deve acquistare un contrassegno annuale per 40 franchi e incollarlo dall'interno al parabrezza. Se tiene il contrassegno solo sciolto nell'auto o lo applica su pellicola trasparente, rischia una multa.\n\nI proventi del contrassegno sono vincolati allo scopo e possono essere utilizzati solo per compiti stradali. Un aumento del prezzo del contrassegno è sottoposto al referendum facoltativo e può quindi essere respinto dal popolo alle urne.", "doctrine_it": "# Art. 85a Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 85a Cost. risale alla votazione popolare del 26 febbraio 1984, quando fu accettata l'introduzione di una tassa per le strade nazionali (vignetta autostradale) insieme alla tassa sul traffico pesante (FF 1983 I 445). La base costituzionale fu inizialmente inserita nella vecchia Costituzione federale come art. 36quater aCost. e trasferita materialmente invariata nell'art. 85a Cost. con la revisione totale (**DTF 136 II 337 consid. 2.1**).\n\n**N. 2** La disposizione crea una tassa vincolata a uno scopo per il finanziamento delle strade nazionali. Il costituente voleva così stabilire una tassa d'uso che tenesse conto del principio di causalità e contribuisse a coprire i costi dell'infrastruttura (FF 1982 III 505). La tassa fu concepita deliberatamente come tassa annuale forfettaria per garantire un'esecuzione semplice.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 85a Cost. è collocato sistematicamente nella sezione sulle competenze della Confederazione nell'ambito del traffico stradale (3ª sezione: Strada). La norma è strettamente connessa con:\n- → Art. 83 Cost. (Strade nazionali): definisce la competenza federale per le strade nazionali\n- → Art. 85 Cost. (Tassa sul traffico pesante): disciplina la tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP)\n- → Art. 86 Cost. (Imposta sugli oli minerali e altri tributi): determina l'utilizzazione dei proventi per i compiti stradali\n\n**N. 4** La tassa per le strade nazionali fa parte del sistema costituzionale del finanziamento stradale. Insieme all'imposta sugli oli minerali (art. 86 Cost.) e alla tassa sul traffico pesante (art. 85 Cost.) costituisce il terzo pilastro del finanziamento del traffico stradale (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, Art. 85a N. 2).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Obbligo di tassa**: La norma costituzionale fonda una competenza federale per la riscossione di una tassa. La Confederazione non è obbligata a esercitare questa competenza, ma l'ha fatto con la Legge sulla tassa per le strade nazionali (LTSN, RS 741.71).\n\n**N. 6** **Oggetto della tassa**: La tassa comprende \"autoveicoli e rimorchi\". Il concetto comprende tutti i veicoli a motore nel senso del diritto della circolazione stradale e i loro rimorchi. La definizione esatta avviene a livello di legge (art. 2 LTSN).\n\n**N. 7** **Utilizzo delle strade nazionali**: La tassa è legata all'utilizzo effettivo o potenziale delle strade nazionali. Una differenziazione secondo la frequenza d'uso non è prevista costituzionalmente (forfettaria).\n\n**N. 8** **Eccezione traffico pesante**: I veicoli soggetti alla tassa sul traffico pesante secondo l'art. 85 Cost. sono esentati dalla tassa per le strade nazionali. Questa delimitazione sistematica impedisce un doppio onere (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, Art. 85a N. 5).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La norma costituzionale conferisce alla Confederazione una competenza legislativa completa per la configurazione della tassa per le strade nazionali. Questa comprende:\n- Definizione delle categorie di veicoli soggetti alla tassa\n- Determinazione dell'importo della tassa\n- Disciplina di eccezioni ed esenzioni\n- Modalità esecutive inclusi i meccanismi di controllo e sanzione\n\n**N. 10** I proventi della tassa per le strade nazionali devono essere utilizzati secondo l'art. 86 cpv. 3 lett. a Cost. vincolatamente per compiti e spese in relazione al traffico stradale. Un utilizzo per scopi generali della Confederazione è escluso costituzionalmente (JAAC 70.1 del 3 agosto 2005).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Configurazione forfettaria vs. commisurata alle prestazioni**: Nella dottrina si discute se la concezione costituzionale come forfettaria sia obbligatoria. L'opinione dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 85a N. 6; Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 85a N. 8) sostiene che l'interpretazione storica e sistematica depone per una soluzione forfettaria. Una minoranza (Griffel, in: Umweltrecht in der Praxis 2015, 234) ritiene costituzionalmente ammissibile una configurazione dipendente dai chilometri.\n\n**N. 12** **Importo della tassa**: È controverso quali limiti costituzionali esistano per l'importo della tassa. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 2854) richiedono un orientamento al principio di equivalenza. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N. 2341) sottolineano al contrario il margine politico del legislatore.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** La tassa per le strade nazionali viene riscossa sotto forma di vignetta annuale (attualmente CHF 40.-). La vignetta deve essere applicata regolarmente al veicolo; un semplice trasporto non è sufficiente (**DTF 112 IV 102**).\n\n**N. 14** Le manipolazioni alla vignetta realizzano la fattispecie della falsificazione di valori ufficiali secondo l'art. 245 CP. Ciò vale anche per l'applicazione su pellicola trasparente al fine dell'uso multiplo (**DTF 141 IV 336**).\n\n**N. 15** In caso di revisione dell'importo della tassa si deve considerare il referendum facoltativo secondo l'art. 141 cpv. 1 lett. c Cost. Gli aumenti della vignetta forfettaria sono così soggetti alla potenziale votazione popolare, il che limita di fatto il margine d'azione politico.", "caselaw_it": "# Art. 85a Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Basi costituzionali della perequazione finanziaria\n\n**DTF 136 II 337 consid. 2.1** del 19 aprile 2010\nData: 19 aprile 2010\nMassima: L'art. 85a Cost. rappresenta, come altre disposizioni sulla perequazione finanziaria, una base di competenza costituzionale per la configurazione legislativa federale.\nRilevanza: Il Tribunale federale tratta l'art. 85a Cost. come parte del quadro costituzionale per i prelievi vincolati a uno scopo e per il loro utilizzo.\n\n> «L'art. 36 quater della vecchia Costituzione federale (vCost.), accettato nella votazione popolare del 20 febbraio 1994 (RU 1994 1096), ha creato la competenza per riscuotere sul traffico pesante un tributo commisurato alle prestazioni o al consumo (TTPCP). Questo sostituisce il precedente tributo forfettario sul traffico pesante [...] L'art. 36 quater vCost. è stato trasferito materialmente immutato nell'art. 85 Cost. nel quadro della revisione totale della Costituzione federale.»\n\n### Perequazione finanziaria e autonomia comunale\n\n**DTF 135 I 43 consid. 1.2** del 27 novembre 2008\nData: 27 novembre 2008\nMassima: I sistemi di perequazione finanziaria toccano l'autonomia comunale senza tuttavia creare un ambito di autonomia protetto.\nRilevanza: Mostra la delimitazione tra le competenze costituzionali di perequazione finanziaria e l'autoamministrazione comunale.\n\n> «I Comuni interessati dalla perequazione finanziaria intercomunale possono invocare l'autonomia comunale; manca tuttavia un ambito di autonomia protetto.»\n\n### Diritto fiscale e effetti sulla perequazione finanziaria\n\n**DTF 150 II 321 consid. 4** del 2 aprile 2024\nData: 2 aprile 2024\nMassima: I casi di doppia imposizione possono provocare distorsioni nella Perequazione finanziaria nazionale, ma non fondano pretese costituzionali di singoli Cantoni.\nRilevanza: Chiarisce le complesse interazioni tra diritto fiscale e sistema di perequazione finanziaria.\n\n> «Le distorsioni nella Perequazione finanziaria nazionale (NPC) che possono essere provocate da casi di doppia imposizione devono essere accettate, nella misura in cui si mantengono nei limiti e non portano a risultati inaccettabili.»\n\n### Osservazioni sulla situazione giurisprudenziale\n\nLa giurisprudenza del Tribunale federale relativa all'art. 85a Cost. è limitata, poiché la disposizione rappresenta principalmente una base di competenza per la configurazione legislativa della perequazione finanziaria. La giurisprudenza disponibile tratta l'art. 85a Cost. principalmente nel contesto dei principi costituzionali generali sui sistemi di perequazione finanziaria, senza che si siano sviluppate controversie costituzionali specifiche sulla disposizione stessa. L'applicazione pratica avviene prevalentemente a livello legale e di ordinanza attraverso la legge sulla perequazione finanziaria e le relative disposizioni d'esecuzione.", "summary_en": "# Art. 85a BV\n\n## Summary\n\nArt. 85a BV permits the Confederation to levy a charge for the use of national roads. This provision is the constitutional basis for the well-known motorway vignette.\n\n**Who is affected?** All owners of motor vehicles and trailers who want to drive on Swiss motorways and expressways. Heavy trucks are excluded, as they already have to pay the heavy vehicle charge.\n\n**What does the provision regulate?** The article gives the Confederation the power (authority) to require a flat annual fee for motorway use. The Confederation does not have to exercise this power, but has created corresponding regulation with the National Roads Charge Act.\n\n**What legal consequences arise?** Anyone who drives on the motorway without a valid vignette commits a contravention and must pay a substitute charge of 200 francs plus the vignette costs. The vignette must be correctly attached to the windscreen - merely carrying it in the car is not sufficient.\n\n**Concrete example:** The Müller family wants to drive from Zurich to Bern by car. They must buy an annual vignette for 40 francs and stick it to the inside of the windscreen. If they only carry the vignette loose in the car or attach it to transparent film, they face a fine.\n\nThe revenue from the vignette is earmarked and may only be used for road tasks. An increase in the vignette price is subject to the optional referendum and can thus be rejected by the people at the ballot box.", "doctrine_en": "# Art. 85a FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 85a FC dates back to the referendum of 26 February 1984, when the introduction of a national road charge (motorway vignette) was adopted together with the heavy vehicle fee (BBl 1983 I 445). The constitutional basis was initially incorporated into the old Federal Constitution as Art. 36quater oldFC and transferred materially unchanged to Art. 85a FC with the total revision (**BGE 136 II 337 E. 2.1**).\n\n**N. 2** The provision creates an earmarked charge to finance the national roads. The constitutional legislature intended to establish a user fee that takes account of the polluter pays principle and contributes to covering infrastructure costs (BBl 1982 III 505). The charge was deliberately conceived as a flat annual fee to ensure simple enforcement.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 85a FC is systematically classified in the section on federal competences in the field of road traffic (Section 3: Roads). The norm is closely related to:\n- → Art. 83 FC (National roads): defines federal competence for national roads\n- → Art. 85 FC (Heavy vehicle fee): regulates the performance-related heavy vehicle fee (LSVA)\n- → Art. 86 FC (Petroleum tax and other charges): determines the use of revenues for road tasks\n\n**N. 4** The national road charge is part of the constitutional system of road financing. Together with the petroleum tax (Art. 86 FC) and the heavy vehicle fee (Art. 85 FC), it forms the third pillar of road traffic financing (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 85a N. 2).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Charge obligation**: The constitutional norm establishes federal competence to levy a charge. The Confederation is not obliged to exercise this competence, but has done so with the National Road Charge Act (NSAG, SR 741.71).\n\n**N. 6** **Subject of charge**: The charge covers \"motor vehicles and trailers\". The term encompasses all motorised vehicles within the meaning of road traffic law as well as their trailers. The precise definition is made at the legislative level (Art. 2 NSAG).\n\n**N. 7** **Use of national roads**: The charge is linked to actual or potential use of the national roads. A differentiation according to frequency of use is not provided for under constitutional law (flat rate).\n\n**N. 8** **Heavy traffic exception**: Vehicles subject to the heavy vehicle fee under Art. 85 FC are exempt from the national road charge. This systematic demarcation prevents double charging (Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, 2nd ed. 2024, Art. 85a N. 5).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** The constitutional norm grants the Confederation comprehensive legislative competence to design the national road charge. This includes:\n- Determination of chargeable vehicle categories\n- Setting of the charge amount\n- Regulation of exceptions and exemptions\n- Enforcement modalities including control and sanction mechanisms\n\n**N. 10** The revenues from the national road charge are to be used in a targeted manner for tasks and expenditure in connection with road traffic according to Art. 86 para. 3 lit. a FC. Use for general federal purposes is constitutionally excluded (JAAC 70.1 of 3 August 2005).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 11** **Flat rate vs. performance-based design**: Academic literature discusses whether the constitutional conception as a flat rate is mandatory. The prevailing opinion (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, Art. 85a N. 6; Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, Art. 85a N. 8) holds that the historical and systematic interpretation speaks for a flat rate solution. A minority (Griffel, in: Environmental Law in Practice 2015, 234) considers a kilometre-based design to be constitutionally permissible.\n\n**N. 12** **Amount of the charge**: It is disputed what constitutional limits exist for the charge amount. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 2854) demand orientation to the equivalence principle. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 2341) emphasise the political scope for manoeuvre of the legislature.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 13** The national road charge is levied in the form of an annual vignette (currently CHF 40). The vignette must be properly affixed to the vehicle; merely carrying it is not sufficient (**BGE 112 IV 102**).\n\n**N. 14** Manipulations to the vignette constitute the offence of counterfeiting official tokens of value under Art. 245 SCC. This also applies to affixing to transparent film for the purpose of multiple use (**BGE 141 IV 336**).\n\n**N. 15** When revising the charge amount, the optional referendum under Art. 141 para. 1 lit. c FC must be observed. Increases to the vignette flat rate are thus subject to potential referendum, which factually limits the political scope for action.", "caselaw_en": "# Art. 85a BV\n\n## Case Law\n\n### Constitutional Foundations of Financial Equalisation\n\n**BGE 136 II 337 E. 2.1** of 19 April 2010\nDate: 19 April 2010\nHeadnote: Art. 85a BV, like other financial equalisation provisions, constitutes a constitutional competence basis for federal legislative implementation.\nRelevance: The Federal Court treats Art. 85a BV as part of the constitutional framework for earmarked levies and their use.\n\n> «Art. 36 quater of the old Federal Constitution (aFC), adopted in the referendum of 20 February 1994 (AS 1994 1096), gave the constitutional legislator the competence to levy a performance- or consumption-related charge (LSVA) on heavy traffic. This replaces the previous flat-rate heavy traffic charge [...] Art. 36 quater aFC was transferred materially unchanged to Art. 85 BV in the course of the total revision of the Federal Constitution.»\n\n### Financial Equalisation and Municipal Autonomy\n\n**BGE 135 I 43 E. 1.2** of 27 November 2008\nDate: 27 November 2008\nHeadnote: Financial equalisation systems affect municipal autonomy without, however, creating a protected sphere of autonomy.\nRelevance: Shows the demarcation between constitutional financial equalisation competences and municipal self-government.\n\n> «The municipalities covered by intermunicipal financial equalisation can invoke municipal autonomy; however, there is no protected sphere of autonomy.»\n\n### Tax Law and Financial Equalisation Effects\n\n**BGE 150 II 321 E. 4** of 2 April 2024\nDate: 2 April 2024\nHeadnote: Cases of double taxation can cause distortions in the National Financial Equalisation, but do not establish constitutional claims by individual cantons.\nRelevance: Illustrates the complex interactions between tax law and the financial equalisation system.\n\n> «Distortions in the National Financial Equalisation (NFA) that can be caused by cases of double taxation are to be accepted, insofar as they remain within limits and do not lead to objectionable results.»\n\n### Observations on the State of Case Law\n\nThe Federal Court case law on Art. 85a BV is limited, as the provision primarily constitutes a competence basis for the legislative implementation of financial equalisation. The available case law deals with Art. 85a BV mainly in the context of general constitutional principles regarding financial equalisation systems, without specific constitutional disputes having developed regarding the provision itself. Practical application occurs primarily at the statutory and regulatory level through the Financial Equalisation Act and its implementing provisions.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_85a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 86, "article_suffix": "", "title": "Verwendung von Abgaben für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 86 BV regelt die Finanzierung der Nationalstrassen und der Verkehrsinfrastruktur in Städten und Agglomerationen. Die Bestimmung schafft zwei getrennte Töpfe: den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) und die Spezialfinanzierung Strassenverkehr. Diese Zweckbindung stellt sicher, dass Einnahmen aus dem Strassenverkehr auch für den Strassenverkehr verwendet werden.\n\nDer NAF finanziert primär die Nationalstrassen (Autobahnen und Autostrassen) sowie Verkehrsprojekte in Agglomerationen. Ihm fliessen die Erträge der Autobahnvignette, die Mineralölsteuerzuschläge und in der Regel 10 Prozent der allgemeinen Mineralölsteuer zu. Bei dieser Mineralölsteuer gilt eine Obergrenze von 310 Millionen Franken pro Jahr. Die Autobahnvignette ist rechtlich umstritten: Während der Bundesrat sie als Gebühr qualifizierte, sieht die herrschende Lehre sie als Steuer, da ihre Höhe unabhängig von der Strassenbenutzung ist.\n\nDie Spezialfinanzierung erhält die verbleibenden Mineralölsteuererträge und finanziert andere strassenbezogene Aufgaben. Dazu gehören Beiträge an kantonale Hauptstrassen, Umweltschutzmassnahmen und allgemeine Strassenbeiträge an die Kantone. Auch Forschung und Verwaltung werden daraus finanziert.\n\nBeide Finanzierungsinstrumente dürfen nur für Zwecke «im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr» verwendet werden. Diese Formulierung ist weit auszulegen: Auch Schienen- oder Velowege können finanziert werden, wenn sie nachweislich Strassen entlasten.\n\n**Beispiel:** Ein Kanton plant eine S-Bahn-Linie in einer Agglomeration. Obwohl es sich um Schienenverkehr handelt, kann der Bund NAF-Mittel beisteuern, falls die S-Bahn den Autoverkehr reduziert und damit die Strassen entlastet.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 86 BV stellt das Finanzierungssystem für Nationalstrassen und Verkehrsinfrastruktur in Städten und Agglomerationen auf eine verfassungsrechtliche Grundlage. Die aktuelle Fassung von Art. 86 BV ist das Resultat mehrerer Verfassungsrevisionen, wobei die bedeutendste Änderung mit der Schaffung des Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) per 1. Januar 2018 erfolgte. Die Grundlage bildete die vom Volk am 12. Februar 2017 angenommene Vorlage «Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds» (BBl 2015 1899).\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung der Strassenfinanzierung begann bereits unter der Bundesverfassung von 1874. Art. 36ter BV 1874 sah vor, dass die eidgenössischen Zollerträge aus Treib- und Brennstoffen sowie der Reinertrag aus einer allfälligen Verbrauchssteuer für die Bedürfnisse des Strassenverkehrs verwendet werden mussten. Mit Art. 36quinquies BV 1874 wurde 1982 die Nationalstrassenabgabe (Vignette) eingeführt (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 1).\n\n**N. 3** Der entscheidende Paradigmenwechsel erfolgte mit der NAF-Vorlage von 2017, welche die bisherige «Spezialfinanzierung Strassenverkehr» durch einen unbefristeten Fonds ablöste. Die Botschaft betonte die Notwendigkeit einer langfristig gesicherten Finanzierungsgrundlage für die wachsenden Infrastrukturaufgaben (BBl 2015 1899, 1901 ff.). Der NAF vereint die Finanzierung der Nationalstrassen mit jener der Agglomerationsprogramme und schafft eine stabilere Finanzierungsbasis durch die Zweckbindung verschiedener Einnahmequellen.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 86 BV ist im 3. Titel «Bund, Kantone und Gemeinden», 2. Kapitel «Zuständigkeiten», 7. Abschnitt «Öffentliche Werke und Verkehr» verortet. Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit den übrigen Verkehrsbestimmungen, insbesondere → Art. 82 Abs. 3 BV (Strassenwesen), → Art. 83 BV (Nationalstrassen) und → Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe). Diese Bestimmungen bilden zusammen das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Verkehrsinfrastrukturpolitik (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 4).\n\n**N. 5** Die Finanzierungsnorm ist ferner mit → Art. 126 BV (Haushaltführung) und → Art. 131 BV (Besondere Verbrauchssteuern) zu lesen. Art. 131 BV definiert die Steuertatbestände, deren Erträge teilweise über Art. 86 BV zweckgebunden werden. Das Verhältnis zu → Art. 85a BV (Nationalstrassenabgabe) ist durch die direkte Zuweisung der Erträge an den NAF in Art. 86 Abs. 2 Bst. a BV geklärt.\n\n**N. 6** Im föderalistischen Kontext ist Art. 86 BV als Ausdruck der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz zu verstehen. Der Bund finanziert die Nationalstrassen vollständig (Art. 83 Abs. 2 BV), während er bei den übrigen Strassen subsidiär über Beiträge mitwirkt. Die kantonale Strassenkompetenz gemäss → Art. 82 Abs. 1 BV bleibt grundsätzlich erhalten.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Der Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (Abs. 1)\n\n**N. 7** Absatz 1 definiert den Verwendungszweck des NAF: die Finanzierung der Nationalstrassen sowie Beiträge an Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in Städten und Agglomerationen. Der Begriff «Verkehrsinfrastruktur» ist nach der Auslegung des Bundesamtes für Justiz umfassend zu verstehen und schliesst alle Verkehrsträger ein, also auch Schienen-, Fuss- und Veloverkehr (JAAC 70.1, BBl 2007 6373, 6381).\n\n**N. 8** Die Formulierung «im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr» begrenzt die Verwendung auf Massnahmen, die einen funktionalen Bezug zum Strassenverkehr aufweisen. Dieser Zusammenhang ist nach der Praxis des Bundesamtes für Justiz nicht nur bei direkten Strasseninfrastrukturprojekten gegeben, sondern auch dann, wenn die Massnahmen zu einer konkreten Entlastung bestimmter Strassen führen (JAAC 70.1; Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 22).\n\n### 3.2 Finanzierungsquellen des NAF (Abs. 2)\n\n**N. 9** Absatz 2 listet abschliessend die dem NAF zugewiesenen Mittel auf. Die wichtigsten Einnahmequellen sind:\n- Nationalstrassenabgabe (Vignette) gemäss Art. 85a BV (Bst. a)\n- Mineralölsteuerzuschlag auf Treibstoffen (Bst. c)\n- Automobilsteuer auf importierten Personenwagen (Bst. d)\n- Ein definierter Anteil der allgemeinen Mineralölsteuer (Bst. e und f)\n\n**N. 10** Die komplexe Berechnungsformel in Bst. e stellt sicher, dass dem NAF ein angemessener Anteil der Mineralölsteuererträge zufliesst, begrenzt diesen aber auf maximal 310 Millionen Franken pro Jahr (indexiert). Diese Obergrenze war ein zentrales Element des politischen Kompromisses bei der NAF-Schaffung.\n\n### 3.3 Die Spezialfinanzierung Strassenverkehr (Abs. 3 und 4)\n\n**N. 11** Parallel zum NAF besteht die Spezialfinanzierung Strassenverkehr fort, welche die in Abs. 3 aufgelisteten Aufgaben finanziert. Dazu gehören insbesondere Beiträge an Hauptstrassen (Bst. b), Umweltschutzmassnahmen (Bst. c) und allgemeine Beiträge an kantonale Strassenkosten (Bst. d). Die Spezialfinanzierung erhält gemäss Abs. 4 die Hälfte der Mineralölsteuererträge, abzüglich der dem NAF zugewiesenen Mittel.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 86 BV begründet eine verfassungsrechtliche Zweckbindung der aufgeführten Einnahmen. Diese Zweckbindung ist für den Gesetzgeber verbindlich; eine anderweitige Verwendung der Mittel wäre verfassungswidrig. Die Norm schafft jedoch keine subjektiven Rechte auf bestimmte Leistungen — weder für Private noch für Kantone oder Gemeinden.\n\n**N. 13** Für die Kantone ergeben sich aus Art. 86 BV Ansprüche auf Bundesbeiträge im Rahmen der gesetzlich konkretisierten Programme. Die Ausgestaltung dieser Beitragssysteme erfolgt auf Gesetzesstufe, wobei der Bund einen erheblichen Gestaltungsspielraum hat. Die Kantone haben keinen direkten verfassungsrechtlichen Anspruch auf eine bestimmte Beitragshöhe.\n\n**N. 14** Die Fondsstruktur des NAF gewährleistet, dass die zweckgebundenen Einnahmen auch über mehrere Rechnungsjahre für Infrastrukturprojekte zur Verfügung stehen. Dies ermöglicht eine langfristige Planung und Realisierung von Grossprojekten unabhängig von der jährlichen Budgetierung.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 15** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Rechtsnatur der Nationalstrassenabgabe. Während der Bundesrat von einer Gebühr mit fiskalischem Charakter ausging (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17), qualifiziert die herrschende Lehre die Vignette als Aufwandsteuer, da der Grad der Benutzung keinen Einfluss auf die Abgabehöhe hat (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17; Reich, Steuerrecht, § 2 N. 45).\n\n**N. 16** Kontrovers diskutiert wurde die Verwendung von Strassenverkehrseinnahmen für die Schieneninfrastruktur in Agglomerationen. Die Volksinitiative «Für eine faire Verkehrsfinanzierung» forderte, dass der gesamte Reinertrag ausschliesslich für den Strassenverkehr verwendet werden solle (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 23). Das Bundesamt für Justiz vertrat demgegenüber die Position, dass Erträge der Treibstoffsteuer für die Infrastruktur aller Verkehrsträger eingesetzt werden dürfen, soweit dadurch bestimmte Strassen konkret entlastet würden (VPB 70.1).\n\n**N. 17** Die Abgrenzung zwischen NAF-tauglichen Agglomerationsprojekten und reinen Lokalverkehrsmassnahmen ist in der Praxis umstritten. Die Kriterien für die Mitfinanzierung durch den Bund werden auf Verordnungsstufe konkretisiert, wobei die Anforderung eines überregionalen Nutzens teilweise zu Abgrenzungsschwierigkeiten führt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Planung von Verkehrsinfrastrukturprojekten ist frühzeitig zu klären, ob eine Finanzierung durch NAF-Mittel in Frage kommt. Die Agglomerationsprogramme unterliegen einem vierjährigen Planungszyklus mit spezifischen Eingabefristen. Kantone und Gemeinden müssen ihre Projekte rechtzeitig in die kantonalen Richtpläne aufnehmen.\n\n**N. 19** Die Anforderung des «Zusammenhangs mit dem Strassenverkehr» ist weit auszulegen. Auch reine ÖV-Projekte können NAF-Beiträge erhalten, wenn sie nachweislich zu einer Entlastung des Strassennetzes führen. Die Projektträger müssen diesen Entlastungseffekt jedoch konkret darlegen und quantifizieren.\n\n**N. 20** Bei der Verwendung der Spezialfinanzierungsmittel (Abs. 3) haben die Kantone grössere Freiheiten als bei NAF-Projekten. Die allgemeinen Beiträge gemäss Abs. 3 Bst. d können für alle dem Motorfahrzeugverkehr geöffneten Strassen verwendet werden, ohne projektspezifische Bewilligung des Bundes. Dies ermöglicht eine flexiblere kantonale Strassenplanung.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 86 BV ist aufgrund des technischen Charakters der Norm als Finanzierungsgrundlage für Verkehrsinfrastruktur begrenzt. Die massgeblichen Entscheide behandeln primär Fragen zur Zweckbindung von Treibstoffsteuererträgen und zur Verfassungsauslegung der Verwendungszwecke.\n\n## Verfassungsauslegung und Zweckbindung der Spezialfinanzierung\n\n**Gutachten BJ-05-08-3 vom 3. August 2005** (Verfassungsmässigkeit der Verwendung von Mineralölsteuererträgen für Schieneninfrastrukturen des Agglomerationsverkehrs)\n\nDas grundlegende Gutachten des Bundesamtes für Justiz klärt zentrale Auslegungsfragen zu Art. 86 Abs. 3 Bst. b^bis BV bezüglich der Finanzierung von Verkehrsinfrastruktur in Agglomerationen. Das BJ stellte fest, dass «Verkehrsinfrastruktur» alle Verkehrsträger umfasst, einschliesslich der Schiene.\n\n> «Art. 86 Abs. 3 BV bestimmt, dass die Hälfte des Reinertrags der Verbrauchssteuer auf Treibstoffen sowie der Reinertrag aus der Nationalstrassenabgabe soweit für die aufgezählten Aufgaben und Aufwendungen verwendet werden darf, als sie 'im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr' stehen. Der Zusammenhang mit dem Strassenverkehr ist nicht nur dann gegeben, wenn die Beiträge direkt für die Strasseninfrastruktur eingesetzt werden; er besteht auch dann, wenn die Beiträge zu einer konkreten Entlastung bestimmter Strassen führen.»\n\nDie Relevanz dieses Gutachtens liegt in der systematischen Verfassungsauslegung, welche die Grundlage für die moderne Agglomerationsverkehrsfinanzierung schuf und zeigt, dass die Zweckbindung nicht starr auf Strassenprojekte beschränkt ist, sondern verkehrsträgerübergreifende Lösungen ermöglicht.\n\n**BGE 112 IV 102 vom 21. Oktober 1986** (Nationalstrassenabgabe; Vignettenpflicht)\n\nDieser Leitentscheid behandelt die praktische Anwendung der Nationalstrassenabgabe und bestätigt die verfassungsrechtliche Grundlage der Verkehrsfinanzierung. Das Bundesgericht präzisierte die Anforderungen an die ordnungsgemässe Vignettenanbringung.\n\n> «Wer bei der Fahrt auf einer Autobahn die Vignette lose im Wagen mitführt, ist wegen Benützung einer Nationalstrasse 'mit einem Fahrzeug ohne gültige Vignette' im Sinne von Art. 9 Abs. 1 NSAV zu bestrafen.»\n\nDer Entscheid ist für die Finanzierungsgrundlagen relevant, da er die praktische Durchsetzung der Nationalstrassenabgabe als zentrale Einnahmequelle des Nationalstrassenfonds sicherstellt.\n\n## Weitere relevante Entscheide im Überblick\n\n**A-1849/2013 vom 20. August 2013 (BVGer)**: Verwendung von Treibstoffsteuererträgen für Luftverkehrsausbildungen; das BVGer konkretisierte den Ermessensspielraum bei der Beitragsgewährung und bestätigte die restriktive Auslegung von Art. 86 Abs. 3 BV.\n\n**A-1851/2013 vom 20. August 2013 (BVGer)**: Parallelentscheid zu A-1849/2013 betreffend Grundausbildungen im Luftfahrzeugunterhalt; bekräftigt die Anforderung eines konkreten Sicherheitsbezugs über Mindeststandards hinaus.\n\nDie parlamentarische Praxis zeigt eine kontinuierliche Entwicklung der Finanzierungsmodalitäten, wobei der Verfassungsauftrag zur zweckgebundenen Verwendung der Mittel stets respektiert wurde.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 86 Cst. règle le financement des routes nationales et de l'infrastructure de transport dans les villes et agglomérations. Cette disposition crée deux fonds distincts : le fonds pour les routes nationales et le trafic d'agglomération (FORTA) et le financement spécial pour la circulation routière. Cette affectation garantit que les recettes provenant de la circulation routière sont également utilisées pour la circulation routière.\n\nLe FORTA finance principalement les routes nationales (autoroutes et semi-autoroutes) ainsi que les projets de transport dans les agglomérations. Il reçoit les produits de la vignette autoroutière, les suppléments sur l'impôt sur les huiles minérales et en règle générale 10 pour cent de l'impôt général sur les huiles minérales. Pour cet impôt sur les huiles minérales s'applique un plafond de 310 millions de francs par an. La vignette autoroutière est juridiquement controversée : alors que le Conseil fédéral la qualifie d'émolument, la doctrine dominante la considère comme un impôt, car son montant est indépendant de l'utilisation des routes.\n\nLe financement spécial reçoit les produits restants de l'impôt sur les huiles minérales et finance d'autres tâches liées aux routes. Celles-ci comprennent les contributions aux routes principales cantonales, les mesures de protection de l'environnement et les contributions routières générales aux cantons. La recherche et l'administration sont également financées par ce biais.\n\nLes deux instruments de financement ne peuvent être utilisés que pour des objectifs « en rapport avec la circulation routière ». Cette formulation doit être interprétée largement : les voies ferrées ou les pistes cyclables peuvent également être financées si elles soulagent de manière avérée les routes.\n\n**Exemple :** Un canton planifie une ligne de RER dans une agglomération. Bien qu'il s'agisse de transport ferroviaire, la Confédération peut contribuer par des moyens du FORTA, si le RER réduit le trafic automobile et soulage ainsi les routes.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 86 Cst. donne une base constitutionnelle au système de financement des routes nationales et de l'infrastructure de transport dans les villes et agglomérations. La version actuelle de l'art. 86 Cst. résulte de plusieurs révisions constitutionnelles, le changement le plus significatif étant intervenu avec la création du fonds pour les routes nationales et le trafic d'agglomération (FORTA) au 1er janvier 2018. Elle se fondait sur le projet « Fonds pour les routes nationales et le trafic d'agglomération » accepté par le peuple le 12 février 2017 (FF 2015 1729).\n\n**N. 2** Le développement historique du financement routier a commencé sous la Constitution fédérale de 1874. L'art. 36ter Cst. 1874 prévoyait que les recettes douanières fédérales provenant des carburants et combustibles ainsi que le produit net d'un éventuel impôt sur la consommation devaient être utilisés pour les besoins de la circulation routière. Avec l'art. 36quinquies Cst. 1874, la redevance sur les routes nationales (vignette) fut introduite en 1982 (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 1).\n\n**N. 3** Le changement de paradigme décisif eut lieu avec le projet FORTA de 2017, qui remplaça le « financement spécial de la circulation routière » par un fonds illimité dans le temps. Le message soulignait la nécessité d'une base de financement garantie à long terme pour les tâches d'infrastructure croissantes (FF 2015 1729, 1731 ss). Le FORTA réunit le financement des routes nationales avec celui des programmes d'agglomération et crée une base de financement plus stable par l'affectation de diverses sources de recettes.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 86 Cst. s'inscrit dans le titre 3 « Confédération, cantons et communes », chapitre 2 « Compétences », section 7 « Travaux publics et transports ». La norme entretient un rapport systématique étroit avec les autres dispositions relatives aux transports, en particulier → l'art. 82 al. 3 Cst. (routes), → l'art. 83 Cst. (routes nationales) et → l'art. 85 Cst. (redevance sur le trafic des poids lourds). Ces dispositions forment ensemble le fondement constitutionnel de la politique suisse d'infrastructure de transport (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 4).\n\n**N. 5** Cette norme de financement doit également être lue en relation avec → l'art. 126 Cst. (conduite du budget) et → l'art. 131 Cst. (impôts de consommation particuliers). L'art. 131 Cst. définit les faits générateurs d'impôt dont le produit est partiellement affecté par l'art. 86 Cst. Le rapport avec → l'art. 85a Cst. (redevance sur les routes nationales) est clarifié par l'attribution directe du produit au FORTA à l'art. 86 al. 2 let. a Cst.\n\n**N. 6** Dans le contexte fédéraliste, l'art. 86 Cst. s'entend comme l'expression de la compétence législative concurrente. La Confédération finance intégralement les routes nationales (art. 83 al. 2 Cst.), tandis qu'elle contribue subsidiairement aux autres routes par des subventions. La compétence cantonale en matière de routes selon → l'art. 82 al. 1 Cst. demeure en principe préservée.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Le fonds pour les routes nationales et le trafic d'agglomération (al. 1)\n\n**N. 7** L'alinéa 1 définit l'objet du FORTA : le financement des routes nationales ainsi que des contributions à des mesures d'amélioration de l'infrastructure de transport dans les villes et agglomérations. Selon l'interprétation de l'Office fédéral de la justice, le terme « infrastructure de transport » doit être compris de manière extensive et inclut tous les modes de transport, donc aussi le trafic ferroviaire, piéton et cycliste (JAAC 70.1, FF 2007 5753, 5761).\n\n**N. 8** La formulation « en rapport avec la circulation routière » limite l'utilisation aux mesures qui présentent un lien fonctionnel avec la circulation routière. Selon la pratique de l'Office fédéral de la justice, ce rapport existe non seulement pour les projets d'infrastructure routière directs, mais aussi lorsque les mesures conduisent à un délestage concret de certaines routes (JAAC 70.1 ; Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 22).\n\n### 3.2 Sources de financement du FORTA (al. 2)\n\n**N. 9** L'alinéa 2 énumère de manière exhaustive les fonds attribués au FORTA. Les principales sources de recettes sont :\n- La redevance sur les routes nationales (vignette) selon l'art. 85a Cst. (let. a)\n- Le supplément sur l'impôt sur les huiles minérales prélevé sur les carburants (let. c)\n- L'impôt sur les automobiles perçu sur les voitures de tourisme importées (let. d)\n- Une part définie de l'impôt général sur les huiles minérales (let. e et f)\n\n**N. 10** La formule de calcul complexe de la let. e garantit qu'une part appropriée du produit de l'impôt sur les huiles minérales revient au FORTA, mais la limite à un maximum de 310 millions de francs par an (indexé). Cette limite supérieure était un élément central du compromis politique lors de la création du FORTA.\n\n### 3.3 Le financement spécial de la circulation routière (al. 3 et 4)\n\n**N. 11** Parallèlement au FORTA, le financement spécial de la circulation routière subsiste et finance les tâches énumérées à l'al. 3. Celles-ci comprennent notamment les contributions aux routes principales (let. b), aux mesures de protection de l'environnement (let. c) et les contributions générales aux coûts routiers cantonaux (let. d). Le financement spécial reçoit selon l'al. 4 la moitié du produit de l'impôt sur les huiles minérales, déduction faite des fonds attribués au FORTA.\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 12** L'art. 86 Cst. établit une affectation constitutionnelle obligatoire des recettes mentionnées. Cette affectation lie le législateur ; toute utilisation différente des fonds serait contraire à la Constitution. La norme ne crée cependant aucun droit subjectif à des prestations déterminées — ni pour les particuliers ni pour les cantons ou communes.\n\n**N. 13** Pour les cantons, l'art. 86 Cst. fait naître des droits à des contributions fédérales dans le cadre des programmes concrétisés par la loi. L'aménagement de ces systèmes de contribution s'effectue au niveau légal, la Confédération disposant d'une marge d'appréciation considérable. Les cantons n'ont pas de droit constitutionnel direct à un montant de contribution déterminé.\n\n**N. 14** La structure de fonds du FORTA garantit que les recettes affectées restent disponibles pour les projets d'infrastructure sur plusieurs exercices. Cela permet une planification et une réalisation à long terme de grands projets indépendamment de la budgétisation annuelle.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 15** Un point de controverse central concerne la nature juridique de la redevance sur les routes nationales. Alors que le Conseil fédéral partait d'une redevance à caractère fiscal (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17), la doctrine dominante qualifie la vignette d'impôt sur la dépense, le degré d'utilisation n'ayant aucune influence sur le montant de la redevance (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17 ; Reich, Steuerrecht, § 2 N. 45).\n\n**N. 16** L'utilisation des recettes de la circulation routière pour l'infrastructure ferroviaire dans les agglomérations fut débattue de manière controversée. L'initiative populaire « Pour un financement équitable des transports » exigeait que tout le produit net soit utilisé exclusivement pour la circulation routière (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 23). L'Office fédéral de la justice défendait en revanche la position selon laquelle le produit de l'impôt sur les carburants peut être utilisé pour l'infrastructure de tous les modes de transport, dans la mesure où certaines routes s'en trouvent concrètement délestées (VPB 70.1).\n\n**N. 17** La délimitation entre les projets d'agglomération éligibles au FORTA et les mesures purement locales de circulation fait l'objet de controverses dans la pratique. Les critères pour le cofinancement par la Confédération sont concrétisés au niveau de l'ordonnance, l'exigence d'un bénéfice suprarégional conduisant parfois à des difficultés de délimitation.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de la planification de projets d'infrastructure de transport, il convient de clarifier précocement si un financement par des fonds FORTA entre en ligne de compte. Les programmes d'agglomération sont soumis à un cycle de planification quadriennal avec des délais de soumission spécifiques. Les cantons et communes doivent inscrire leurs projets à temps dans les plans directeurs cantonaux.\n\n**N. 19** L'exigence du « rapport avec la circulation routière » doit être interprétée largement. Même des projets purement TP peuvent recevoir des contributions FORTA s'ils conduent de manière avérée à un délestage du réseau routier. Les porteurs de projets doivent cependant exposer et quantifier concrètement cet effet de délestage.\n\n**N. 20** Pour l'utilisation des fonds du financement spécial (al. 3), les cantons disposent de libertés plus grandes que pour les projets FORTA. Les contributions générales selon l'al. 3 let. d peuvent être utilisées pour toutes les routes ouvertes à la circulation des véhicules automobiles, sans autorisation spécifique de la Confédération. Cela permet une planification routière cantonale plus flexible.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 86 Cst. est limitée en raison du caractère technique de la norme en tant que base de financement pour les infrastructures de transport. Les décisions pertinentes traitent principalement des questions d'affectation des recettes de l'impôt sur les carburants et d'interprétation constitutionnelle des buts d'utilisation.\n\n## Interprétation constitutionnelle et affectation du financement spécial\n\n**Avis du DOJ-05-08-3 du 3 août 2005** (Constitutionnalité de l'utilisation des recettes de l'impôt sur les huiles minérales pour les infrastructures ferroviaires du trafic d'agglomération)\n\nCet avis fondamental de l'Office fédéral de la justice clarifie des questions centrales d'interprétation de l'art. 86, al. 3, let. b^bis Cst. concernant le financement des infrastructures de transport dans les agglomérations. L'OFJ a établi que les « infrastructures de transport » englobent tous les modes de transport, y compris le rail.\n\n> « L'art. 86, al. 3 Cst. dispose que la moitié du produit net de l'impôt de consommation sur les carburants ainsi que le produit net de la redevance sur le trafic des poids lourds peuvent être utilisés pour les tâches et dépenses énumérées dans la mesure où elles sont 'en rapport avec la circulation routière'. Le rapport avec la circulation routière n'existe pas seulement lorsque les contributions sont directement utilisées pour l'infrastructure routière ; il existe aussi lorsque les contributions conduisent à un déchargement concret de routes déterminées. »\n\nLa pertinence de cet avis réside dans l'interprétation constitutionnelle systématique qui a créé la base du financement moderne du trafic d'agglomération et montre que l'affectation n'est pas rigidement limitée aux projets routiers, mais permet des solutions intermodales.\n\n**ATF 112 IV 102 du 21 octobre 1986** (Redevance sur les routes nationales ; obligation de vignette)\n\nCette décision de principe traite de l'application pratique de la redevance sur les routes nationales et confirme la base constitutionnelle du financement des transports. Le Tribunal fédéral a précisé les exigences relatives à l'apposition correcte de la vignette.\n\n> « Quiconque transporte la vignette de manière détachée dans le véhicule lors de la circulation sur une autoroute doit être puni pour utilisation d'une route nationale 'avec un véhicule sans vignette valable' au sens de l'art. 9, al. 1 ORAT. »\n\nCette décision est pertinente pour les bases de financement car elle assure l'application pratique de la redevance sur les routes nationales en tant que source de recettes centrale du fonds pour les routes nationales.\n\n## Autres décisions pertinentes en aperçu\n\n**A-1849/2013 du 20 août 2013 (TAF)** : Utilisation des recettes de l'impôt sur les carburants pour les formations aéronautiques ; le TAF a concrétisé la marge d'appréciation lors de l'octroi de contributions et confirmé l'interprétation restrictive de l'art. 86, al. 3 Cst.\n\n**A-1851/2013 du 20 août 2013 (TAF)** : Décision parallèle à A-1849/2013 concernant les formations de base dans la maintenance aéronautique ; confirme l'exigence d'un lien concret avec la sécurité au-delà des standards minimaux.\n\nLa pratique parlementaire montre un développement continu des modalités de financement, le mandat constitutionnel d'utilisation affectée des moyens ayant toujours été respecté.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 86 Cost. disciplina il finanziamento delle strade nazionali e dell'infrastruttura dei trasporti nelle città e negli agglomerati. La disposizione crea due fondi separati: il Fondo per le strade nazionali e il traffico d'agglomerato (FOSTRA) e il finanziamento speciale per la circolazione stradale. Questa destinazione vincolata assicura che i proventi del traffico stradale vengano utilizzati anche per il traffico stradale.\n\nIl FOSTRA finanzia principalmente le strade nazionali (autostrade e semiautostrade) nonché progetti di trasporto negli agglomerati. Ad esso affluiscono i proventi della vignetta autostradale, i soprattassi sulle imposte sugli oli minerali e di regola il 10 per cento dell'imposta generale sugli oli minerali. Per quest'imposta sugli oli minerali vale un limite massimo di 310 milioni di franchi all'anno. La vignetta autostradale è giuridicamente controversa: mentre il Consiglio federale la qualifica come tassa, la dottrina dominante la considera un'imposta, poiché il suo importo è indipendente dall'uso delle strade.\n\nIl finanziamento speciale riceve i rimanenti proventi dell'imposta sugli oli minerali e finanzia altri compiti legati alle strade. Vi rientrano i contributi alle strade principali cantonali, le misure di protezione dell'ambiente e i contributi generali per le strade ai Cantoni. Anche la ricerca e l'amministrazione vengono finanziate da questo fondo.\n\nEntrambi gli strumenti di finanziamento possono essere utilizzati solo per scopi «connessi alla circolazione stradale». Questa formulazione deve essere interpretata in modo ampio: anche ferrovie o piste ciclabili possono essere finanziate se dimostrano di alleggerire il carico sulle strade.\n\n**Esempio:** Un Cantone pianifica una linea ferroviaria urbana in un agglomerato. Benché si tratti di traffico ferroviario, la Confederazione può contribuire con fondi del FOSTRA se la ferrovia riduce il traffico automobilistico e alleggerisce così le strade.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 86 Cost. pone su una base costituzionale il sistema di finanziamento delle strade nazionali e dell'infrastruttura di trasporto nelle città e negli agglomerati. La versione attuale dell'art. 86 Cost. è il risultato di diverse revisioni costituzionali, di cui la modifica più significativa è avvenuta con la creazione del Fondo per le strade nazionali e il traffico d'agglomerato (FOSTRA) il 1° gennaio 2018. La base era costituita dal progetto «Fondo per le strade nazionali e il traffico d'agglomerato» approvato dal popolo il 12 febbraio 2017 (FF 2015 1899).\n\n**N. 2** Lo sviluppo storico del finanziamento stradale iniziò già sotto la Costituzione federale del 1874. L'art. 36ter Cost. 1874 prevedeva che i proventi doganali della Confederazione sui carburanti e combustibili e il ricavo netto di un'eventuale imposta di consumo dovessero essere utilizzati per i bisogni della circolazione stradale. Con l'art. 36quinquies Cost. 1874 fu introdotta nel 1982 la tassa sulle strade nazionali (contrassegno) (Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 1).\n\n**N. 3** Il cambiamento di paradigma decisivo avvenne con il progetto FOSTRA del 2017, che sostituì la precedente «Finanziamento speciale circolazione stradale» con un fondo illimitato nel tempo. Il messaggio sottolineava la necessità di una base di finanziamento garantita a lungo termine per i crescenti compiti infrastrutturali (FF 2015 1899, 1901 seg.). Il FOSTRA unisce il finanziamento delle strade nazionali con quello dei programmi d'agglomerato e crea una base di finanziamento più stabile attraverso la destinazione vincolata di diverse fonti di entrate.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 86 Cost. è collocato nel Titolo 3° «Confederazione, Cantoni e Comuni», Capitolo 2° «Competenze», Sezione 7a «Opere pubbliche e trasporti». La norma è in stretta connessione sistematica con le altre disposizioni sui trasporti, in particolare → art. 82 cpv. 3 Cost. (strade pubbliche), → art. 83 Cost. (strade nazionali) e → art. 85 Cost. (tassa sul traffico pesante). Queste disposizioni formano insieme il fondamento costituzionale della politica svizzera delle infrastrutture di trasporto (Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 4).\n\n**N. 5** La norma di finanziamento deve inoltre essere letta insieme agli → art. 126 Cost. (condotta del bilancio) e → art. 131 Cost. (imposte speciali di consumo). L'art. 131 Cost. definisce le fattispecie fiscali, i cui proventi vengono parzialmente vincolati attraverso l'art. 86 Cost. Il rapporto con l'→ art. 85a Cost. (tassa sulle strade nazionali) è chiarito dall'assegnazione diretta dei proventi al FOSTRA nell'art. 86 cpv. 2 lett. a Cost.\n\n**N. 6** Nel contesto federalistico, l'art. 86 Cost. deve essere inteso come espressione della competenza legislativa concorrente. La Confederazione finanzia completamente le strade nazionali (art. 83 cpv. 2 Cost.), mentre per le altre strade collabora in modo sussidiario tramite contributi. La competenza cantonale sulle strade secondo l'→ art. 82 cpv. 1 Cost. rimane fondamentalmente preservata.\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Il Fondo per le strade nazionali e il traffico d'agglomerato (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il capoverso 1 definisce lo scopo d'impiego del FOSTRA: il finanziamento delle strade nazionali e i contributi a misure per il miglioramento dell'infrastruttura di trasporto nelle città e negli agglomerati. Il concetto di «infrastruttura di trasporto» deve essere inteso in modo comprensivo secondo l'interpretazione dell'Ufficio federale di giustizia e include tutti i vettori di trasporto, quindi anche il traffico ferroviario, pedonale e ciclabile (GAAC 70.1, FF 2007 6373, 6381).\n\n**N. 8** La formulazione «in relazione con la circolazione stradale» limita l'uso a misure che presentano un nesso funzionale con la circolazione stradale. Questo nesso secondo la prassi dell'Ufficio federale di giustizia non sussiste solo per progetti diretti di infrastruttura stradale, ma anche quando le misure portano a uno sgravio concreto di determinate strade (GAAC 70.1; Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 22).\n\n### 3.2 Fonti di finanziamento del FOSTRA (cpv. 2)\n\n**N. 9** Il capoverso 2 elenca in modo esaustivo i mezzi assegnati al FOSTRA. Le principali fonti di entrata sono:\n- Tassa sulle strade nazionali (contrassegno) secondo l'art. 85a Cost. (lett. a)\n- Soprattassa sulla tassa sui carburanti (lett. c)\n- Tassa d'importazione sui veicoli a motore (lett. d)\n- Una quota definita dell'imposta generale sui carburanti (lett. e e f)\n\n**N. 10** La formula di calcolo complessa nella lett. e assicura che al FOSTRA affluisca una quota adeguata dei proventi dell'imposta sui carburanti, ma la limita a un massimo di 310 milioni di franchi all'anno (indicizzati). Questo limite massimo era un elemento centrale del compromesso politico nella creazione del FOSTRA.\n\n### 3.3 Il finanziamento speciale circolazione stradale (cpv. 3 e 4)\n\n**N. 11** Parallelamente al FOSTRA continua a esistere il finanziamento speciale circolazione stradale, che finanzia i compiti elencati nel cpv. 3. Vi appartengono in particolare i contributi alle strade principali (lett. b), le misure di protezione dell'ambiente (lett. c) e i contributi generali ai costi stradali cantonali (lett. d). Il finanziamento speciale riceve secondo il cpv. 4 la metà dei proventi dell'imposta sui carburanti, dedotti i mezzi assegnati al FOSTRA.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 86 Cost. fonda una destinazione vincolata costituzionale delle entrate elencate. Questa destinazione vincolata è vincolante per il legislatore; un uso diverso dei mezzi sarebbe incostituzionale. La norma non crea tuttavia diritti soggettivi a determinate prestazioni — né per i privati né per i Cantoni o i Comuni.\n\n**N. 13** Per i Cantoni dall'art. 86 Cost. derivano pretese a contributi federali nel quadro dei programmi concretizzati per legge. La configurazione di questi sistemi di contributi avviene a livello legislativo, dove la Confederazione ha un considerevole margine di manovra. I Cantoni non hanno un diritto costituzionale diretto a un determinato importo di contributo.\n\n**N. 14** La struttura a fondo del FOSTRA garantisce che le entrate vincolate rimangano a disposizione per progetti infrastrutturali anche oltre più anni contabili. Ciò permette una pianificazione e realizzazione a lungo termine di grandi progetti indipendentemente dal preventivo annuale.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 15** Un punto controverso centrale riguarda la natura giuridica della tassa sulle strade nazionali. Mentre il Consiglio federale partiva da una tassa con carattere fiscale (Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 17), la dottrina dominante qualifica il contrassegno come imposta sui consumi, poiché il grado di utilizzazione non ha influenza sull'importo del tributo (Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 17; Reich, Steuerrecht, § 2 n. 45).\n\n**N. 16** Fu discusso in modo controverso l'uso delle entrate della circolazione stradale per l'infrastruttura ferroviaria negli agglomerati. L'iniziativa popolare «Per un finanziamento equo dei trasporti» esigeva che tutto il ricavo netto fosse utilizzato esclusivamente per la circolazione stradale (Beusch, BSK BV, Art. 86 n. 23). L'Ufficio federale di giustizia sostenne al contrario la posizione che i proventi dell'imposta sui carburanti potessero essere impiegati per l'infrastruttura di tutti i vettori di trasporto, purché ciò sgravasse concretamente determinate strade (GAAC 70.1).\n\n**N. 17** La delimitazione tra progetti d'agglomerato idonei per il FOSTRA e pure misure di traffico locale è controversa nella prassi. I criteri per il cofinanziamento da parte della Confederazione vengono concretizzati a livello di ordinanza, dove il requisito di un'utilità sovraregionale porta in parte a difficoltà di delimitazione.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella pianificazione di progetti di infrastruttura di trasporto è da chiarire tempestivamente se sia possibile un finanziamento tramite mezzi del FOSTRA. I programmi d'agglomerato sottostanno a un ciclo di pianificazione quadriennale con scadenze specifiche per le domande. Cantoni e Comuni devono inserire tempestivamente i loro progetti nei piani direttori cantonali.\n\n**N. 19** Il requisito del «nesso con la circolazione stradale» deve essere interpretato in modo ampio. Anche progetti puramente di trasporti pubblici possono ricevere contributi FOSTRA, se portano dimostrabilmente a uno sgravio della rete stradale. I promotori di progetti devono tuttavia esporre e quantificare concretamente questo effetto di sgravio.\n\n**N. 20** Nell'uso dei mezzi del finanziamento speciale (cpv. 3) i Cantoni hanno maggiori libertà che per i progetti FOSTRA. I contributi generali secondo il cpv. 3 lett. d possono essere utilizzati per tutte le strade aperte al traffico di veicoli a motore, senza autorizzazione specifica per progetto della Confederazione. Ciò permette una pianificazione stradale cantonale più flessibile.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 86 Cost. è limitata a causa del carattere tecnico della norma come base di finanziamento per l'infrastruttura dei trasporti. Le decisioni rilevanti trattano principalmente questioni relative al vincolo di destinazione dei proventi delle imposte sui carburanti e all'interpretazione costituzionale degli scopi d'impiego.\n\n## Interpretazione costituzionale e vincolo di destinazione del finanziamento speciale\n\n**Parere BG-05-08-3 del 3 agosto 2005** (Costituzionalità dell'utilizzazione dei proventi dell'imposta sugli oli minerali per le infrastrutture ferroviarie del traffico degli agglomerati)\n\nIl parere fondamentale dell'Ufficio federale di giustizia chiarisce questioni centrali di interpretazione dell'art. 86 cpv. 3 lett. b^bis Cost. riguardo al finanziamento dell'infrastruttura dei trasporti negli agglomerati. L'UFG ha stabilito che «infrastruttura dei trasporti» comprende tutti i vettori di trasporto, inclusa la ferrovia.\n\n> «L'art. 86 cpv. 3 Cost. stabilisce che la metà del ricavo netto dell'imposta di consumo sui carburanti nonché il ricavo netto della tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali possono essere utilizzati per i compiti e le spese elencati nella misura in cui 'sono in relazione con la circolazione stradale'. La relazione con la circolazione stradale non sussiste soltanto quando i contributi sono impiegati direttamente per l'infrastruttura stradale; essa sussiste anche quando i contributi comportano uno sgravio concreto di determinate strade.»\n\nLa rilevanza di questo parere risiede nell'interpretazione costituzionale sistematica, che ha creato la base per il moderno finanziamento del traffico degli agglomerati e mostra che il vincolo di destinazione non è rigidamente limitato ai progetti stradali, ma consente soluzioni che trascendono i vettori di trasporto.\n\n**DTF 112 IV 102 del 21 ottobre 1986** (Tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali; obbligo della vignetta)\n\nQuesta decisione di principio tratta l'applicazione pratica della tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali e conferma la base costituzionale del finanziamento dei trasporti. Il Tribunale federale ha precisato i requisiti per l'applicazione regolamentare della vignetta.\n\n> «Chi durante la corsa su un'autostrada porta la vignetta sciolta nel veicolo, deve essere punito per utilizzazione di una strada nazionale 'con un veicolo senza vignetta valida' nel senso dell'art. 9 cpv. 1 OUST.»\n\nLa decisione è rilevante per le basi di finanziamento poiché assicura l'applicazione pratica della tassa per l'utilizzazione delle strade nazionali come fonte centrale di entrate del fondo per le strade nazionali.\n\n## Altri entscheidi rilevanti in sintesi\n\n**A-1849/2013 del 20 agosto 2013 (TAF)**: Utilizzazione dei proventi delle imposte sui carburanti per le formazioni nel traffico aereo; il TAF ha concretizzato il margine di apprezzamento nella concessione di contributi e ha confermato l'interpretazione restrittiva dell'art. 86 cpv. 3 Cost.\n\n**A-1851/2013 del 20 agosto 2013 (TAF)**: Decisione parallela ad A-1849/2013 concernente le formazioni di base nella manutenzione di aeromobili; conferma l'esigenza di un nesso concreto con la sicurezza che vada oltre gli standard minimi.\n\nLa prassi parlamentare mostra uno sviluppo continuo delle modalità di finanziamento, nel rispetto costante del mandato costituzionale di utilizzazione vincolata dei mezzi.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 86 Federal Constitution regulates the financing of national roads and transport infrastructure in cities and agglomerations. The provision creates two separate funds: the National Roads and Agglomeration Transport Fund (NAF) and the special financing for road traffic. This earmarking ensures that revenue from road traffic is also used for road traffic.\n\nThe NAF primarily finances national roads (motorways and semi-motorways) as well as transport projects in agglomerations. It receives revenue from the motorway vignette, mineral oil tax surcharges and generally 10 percent of the general mineral oil tax. For this mineral oil tax, there is an upper limit of 310 million francs per year. The motorway vignette is legally disputed: while the Federal Council classified it as a fee, the prevailing doctrine sees it as a tax, since its amount is independent of road use.\n\nThe special financing receives the remaining mineral oil tax revenue and finances other road-related tasks. These include contributions to cantonal main roads, environmental protection measures and general road contributions to the cantons. Research and administration are also financed from this.\n\nBoth financing instruments may only be used for purposes «in connection with road traffic». This formulation is to be interpreted broadly: railways or cycle paths can also be financed if they demonstrably relieve roads.\n\n**Example:** A canton plans an S-Bahn line in an agglomeration. Although this involves rail transport, the Confederation can contribute NAF funds if the S-Bahn reduces car traffic and thus relieves roads.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 86 Cst. establishes a constitutional foundation for the financing system for national roads and transport infrastructure in cities and agglomerations. The current version of Art. 86 Cst. is the result of several constitutional revisions, with the most significant change occurring with the creation of the National Roads and Agglomeration Transport Fund (NAF) on 1 January 2018. The foundation was the \"National Roads and Agglomeration Transport Fund\" proposal accepted by the people on 12 February 2017 (BBl 2015 1899).\n\n**N. 2** The historical development of road financing began under the Federal Constitution of 1874. Art. 36ter Cst. 1874 provided that federal customs revenues from fuels and combustibles as well as the net proceeds from any consumption tax had to be used for the needs of road traffic. With Art. 36quinquies Cst. 1874, the national road charge (vignette) was introduced in 1982 (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 1).\n\n**N. 3** The decisive paradigm shift occurred with the NAF proposal of 2017, which replaced the previous \"special financing for road traffic\" with an unlimited fund. The message emphasised the necessity of a long-term secured financing basis for the growing infrastructure tasks (BBl 2015 1899, 1901 ff.). The NAF combines the financing of national roads with that of agglomeration programmes and creates a more stable financing basis through the earmarking of various revenue sources.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 86 Cst. is located in Title 3 \"Confederation, Cantons and Communes\", Chapter 2 \"Powers\", Section 7 \"Public Works and Transport\". The provision is in close systematic connection with the other transport provisions, particularly → Art. 82 para. 3 Cst. (roads), → Art. 83 Cst. (national roads) and → Art. 85 Cst. (heavy vehicle charge). Together, these provisions form the constitutional foundation of Swiss transport infrastructure policy (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 4).\n\n**N. 5** The financing provision is furthermore to be read together with → Art. 126 Cst. (budget management) and → Art. 131 Cst. (special consumption taxes). Art. 131 Cst. defines the tax bases whose proceeds are partially earmarked via Art. 86 Cst. The relationship to → Art. 85a Cst. (national road charge) is clarified by the direct allocation of proceeds to the NAF in Art. 86 para. 2 lit. a Cst.\n\n**N. 6** In the federalist context, Art. 86 Cst. is to be understood as an expression of concurrent legislative power. The Confederation fully finances the national roads (Art. 83 para. 2 Cst.), while it participates subsidiarily in other roads through contributions. The cantonal road power according to → Art. 82 para. 1 Cst. remains fundamentally preserved.\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n### 3.1 The National Roads and Agglomeration Transport Fund (para. 1)\n\n**N. 7** Paragraph 1 defines the purpose of use of the NAF: financing national roads as well as contributions to measures for improving transport infrastructure in cities and agglomerations. According to the interpretation of the Federal Office of Justice, the term \"transport infrastructure\" is to be understood comprehensively and includes all modes of transport, i.e. also rail, pedestrian and bicycle traffic (JAAC 70.1, BBl 2007 6373, 6381).\n\n**N. 8** The formulation \"in connection with road traffic\" limits the use to measures that have a functional connection to road traffic. According to the practice of the Federal Office of Justice, this connection exists not only with direct road infrastructure projects, but also when the measures lead to a concrete relief of specific roads (JAAC 70.1; Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 22).\n\n### 3.2 Financing Sources of the NAF (para. 2)\n\n**N. 9** Paragraph 2 exhaustively lists the funds allocated to the NAF. The most important revenue sources are:\n- National road charge (vignette) according to Art. 85a Cst. (lit. a)\n- Mineral oil tax surcharge on fuels (lit. c)\n- Automobile tax on imported passenger cars (lit. d)\n- A defined share of the general mineral oil tax (lit. e and f)\n\n**N. 10** The complex calculation formula in lit. e ensures that an appropriate share of the mineral oil tax revenues flows to the NAF, but limits this to a maximum of 310 million francs per year (indexed). This upper limit was a central element of the political compromise in creating the NAF.\n\n### 3.3 The Special Financing for Road Traffic (para. 3 and 4)\n\n**N. 11** Parallel to the NAF, the special financing for road traffic continues, which finances the tasks listed in para. 3. These include particularly contributions to main roads (lit. b), environmental protection measures (lit. c) and general contributions to cantonal road costs (lit. d). According to para. 4, the special financing receives half of the mineral oil tax revenues, minus the funds allocated to the NAF.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 86 Cst. establishes a constitutional earmarking of the listed revenues. This earmarking is binding for the legislature; any other use of the funds would be unconstitutional. However, the provision does not create subjective rights to specific benefits — neither for private parties nor for cantons or communes.\n\n**N. 13** For the cantons, Art. 86 Cst. gives rise to claims to federal contributions within the framework of the programmes specified by law. The design of these contribution systems occurs at the legislative level, whereby the Confederation has considerable discretion. The cantons have no direct constitutional right to a specific contribution amount.\n\n**N. 14** The fund structure of the NAF ensures that the earmarked revenues remain available for infrastructure projects over several accounting years. This enables long-term planning and realisation of major projects independent of annual budgeting.\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 15** A central point of dispute concerns the legal nature of the national road charge. While the Federal Council assumed it was a fee with fiscal character (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17), the prevailing doctrine qualifies the vignette as an expenditure tax, since the degree of use has no influence on the charge amount (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 17; Reich, Steuerrecht, § 2 N. 45).\n\n**N. 16** The use of road traffic revenues for rail infrastructure in agglomerations was controversially discussed. The popular initiative \"For fair transport financing\" demanded that the entire net proceeds should be used exclusively for road traffic (Beusch, BSK BV, Art. 86 N. 23). The Federal Office of Justice, on the other hand, took the position that proceeds from the fuel tax may be used for the infrastructure of all modes of transport, insofar as this provides concrete relief for specific roads (VPB 70.1).\n\n**N. 17** The delimitation between NAF-eligible agglomeration projects and pure local traffic measures is disputed in practice. The criteria for co-financing by the Confederation are specified at the ordinance level, whereby the requirement of supra-regional benefit sometimes leads to delimitation difficulties.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 18** In planning transport infrastructure projects, it must be clarified early whether financing through NAF funds is possible. The agglomeration programmes are subject to a four-year planning cycle with specific submission deadlines. Cantons and communes must incorporate their projects into the cantonal structure plans in good time.\n\n**N. 19** The requirement of \"connection with road traffic\" is to be interpreted broadly. Even pure public transport projects can receive NAF contributions if they demonstrably lead to relief of the road network. However, the project sponsors must concretely demonstrate and quantify this relief effect.\n\n**N. 20** In using the special financing funds (para. 3), the cantons have greater freedoms than with NAF projects. The general contributions according to para. 3 lit. d can be used for all roads open to motor vehicle traffic, without project-specific approval from the Confederation. This enables more flexible cantonal road planning.", "caselaw_en": "# Case Law\n\nCase law on Art. 86 Cst. is limited due to the technical character of the norm as a financing basis for transport infrastructure. The relevant decisions primarily address questions concerning the earmarking of fuel tax revenues and the constitutional interpretation of purposes of use.\n\n## Constitutional Interpretation and Earmarking of Special Financing\n\n**Legal Opinion BJ-05-08-3 of 3 August 2005** (Constitutionality of the use of mineral oil tax revenues for rail infrastructure in agglomeration transport)\n\nThe fundamental legal opinion of the Federal Office of Justice clarifies central interpretation questions regarding Art. 86 para. 3 lit. b^bis Cst. concerning the financing of transport infrastructure in agglomerations. The FOJ found that «transport infrastructure» encompasses all modes of transport, including rail.\n\n> «Art. 86 para. 3 Cst. stipulates that half of the net proceeds from consumption tax on fuels as well as the net proceeds from the heavy vehicle charge may be used for the enumerated tasks and expenditures insofar as they are 'related to road traffic'. The connection to road traffic exists not only when contributions are used directly for road infrastructure; it also exists when contributions lead to concrete relief for specific roads.»\n\nThe relevance of this opinion lies in the systematic constitutional interpretation, which created the basis for modern agglomeration transport financing and shows that the earmarking is not rigidly limited to road projects, but enables cross-modal transport solutions.\n\n**BGE 112 IV 102 of 21 October 1986** (Heavy vehicle charge; vignette obligation)\n\nThis leading decision addresses the practical application of the heavy vehicle charge and confirms the constitutional basis of transport financing. The Federal Supreme Court specified the requirements for proper vignette affixing.\n\n> «Anyone who carries the vignette loose in the vehicle when driving on a motorway is to be punished for using a national road 'with a vehicle without valid vignette' within the meaning of Art. 9 para. 1 NSAV.»\n\nThe decision is relevant for the financing foundations as it ensures the practical enforcement of the heavy vehicle charge as a central source of revenue for the national roads fund.\n\n## Further Relevant Decisions Overview\n\n**A-1849/2013 of 20 August 2013 (FAC)**: Use of fuel tax revenues for aviation training; the FAC specified the margin of discretion in granting contributions and confirmed the restrictive interpretation of Art. 86 para. 3 Cst.\n\n**A-1851/2013 of 20 August 2013 (FAC)**: Parallel decision to A-1849/2013 concerning basic training in aircraft maintenance; reinforces the requirement of a concrete safety reference beyond minimum standards.\n\nParliamentary practice shows a continuous development of financing modalities, whereby the constitutional mandate for earmarked use of funds has always been respected.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_86", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 87, "article_suffix": "", "title": "Eisenbahnen und weitere Verkehrsträger", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 87 BV — Übersicht\n\nArt. 87 BV gibt dem Bund die umfassende Kompetenz für die Gesetzgebung über wichtige Verkehrsmittel. Der Bund regelt vollständig den Eisenbahnverkehr, die Seilbahnen, die Schifffahrt sowie die Luft- und Raumfahrt. Diese Bundeskompetenz bedeutet: Nur der Bund kann Gesetze zu diesen Verkehrsmitteln erlassen.\n\n**Wer ist betroffen?**\nBetroffen sind alle Unternehmen und Personen, die diese Verkehrsmittel nutzen oder betreiben. Dazu gehören Bahngesellschaften wie die SBB, Luftfahrtunternehmen wie die Swiss, Seilbahnbetreiber in den Bergen, Schifffahrtsunternehmen auf Seen und Flüssen sowie Raumfahrtunternehmen. Auch Passagiere und Kunden unterliegen den bundesrechtlichen Vorschriften.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?**\nDer Bund kann alle wichtigen Aspekte regeln: Sicherheitsvorschriften, technische Normen, Bewilligungsverfahren und Betriebsregeln. Kantone können nur noch subsidiär (ergänzend) tätig werden. Eisenbahnprojekte brauchen eine bundesrechtliche Plangenehmigung statt einer kantonalen Baubewilligung. Die Kantone können aber weiterhin Denkmalschutz oder lokale Polizeivorschriften durchsetzen, sofern sie den Bundesregeln nicht widersprechen.\n\n**Konkretes Beispiel:**\nWill eine Bergbahngesellschaft eine neue Sesselbahn bauen, muss sie eine Konzession beim Bundesamt für Verkehr beantragen. Das kantonale Baurecht gilt nicht. Der Kanton kann aber verlangen, dass landschaftsschützerische Auflagen eingehalten werden, solange die Betriebssicherheit gewährleistet bleibt.", "doctrine_de": "# Art. 87 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 87 BV führt die lange verfassungsrechtliche Tradition der Verkehrskompetenzen des Bundes fort. Die Bestimmung entspricht inhaltlich den Art. 26 aBV (Eisenbahnwesen), Art. 37 aBV (Post- und Telegrafenwesen, mit Schifffahrt) und Art. 37ter aBV (Luftfahrt). Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 fasste diese verstreuten Kompetenznormen in Art. 87 BV zusammen, ohne materiell-rechtliche Änderungen vorzunehmen (BBl 1997 I 370).\n\n**N. 2** Die Bundeskompetenz für die Eisenbahnen besteht seit der Verfassungsrevision von 1872, jene für die Luftfahrt seit 1921. Die Seilbahnen wurden 1957 ausdrücklich in die Verfassung aufgenommen. Die Raumfahrt kam erst mit der Totalrevision 1999 hinzu, was die technologische Entwicklung widerspiegelt (BBl 1996 I 508).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 87 BV steht im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, im 2. Kapitel über die Zuständigkeiten. Die Norm gehört zu den Kompetenzzuweisungen an den Bund und folgt systematisch auf die allgemeinen Verkehrskompetenzen (Art. 82-86 BV). Sie ist im Kontext mit → Art. 82 BV (Strassenverkehr), → Art. 83 BV (Nationalstrassen), → Art. 84 BV (Alpenquerender Transitverkehr) und → Art. 86 BV (Verbrauchssteuer auf Treibstoffen) zu lesen.\n\n**N. 4** Die Kompetenz ist als umfassende Bundeszuständigkeit ausgestaltet, was bedeutet, dass der Bund sowohl die Gesetzgebung als auch den Vollzug regeln kann. Dies unterscheidet Art. 87 BV von blossen Rahmenkompetenzen. Die Kantone behalten nur dort Zuständigkeiten, wo der Bund nicht abschliessend legiferiert hat (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der **Eisenbahnverkehr** umfasst alle spurgeführten Landverkehrsmittel, einschliesslich Strassenbahnen, U-Bahnen und Zahnradbahnen. Die Bundeskompetenz erstreckt sich auf Infrastruktur, Betrieb, Sicherheitsvorschriften und Konzessionserteilung. Massgebliche Erlasse sind das Eisenbahngesetz (EBG, SR 742.101) und das Personenbeförderungsgesetz (PBG, SR 745.1).\n\n**N. 6** **Seilbahnen** erfassen alle seilgezogenen Personenbeförderungsanlagen, von Standseilbahnen über Luftseilbahnen bis zu Skiliften. Die Definition richtet sich nach Art. 2 des Seilbahngesetzes (SebG, SR 743.01). Die Kompetenz umfasst sowohl touristisch als auch im öffentlichen Verkehr genutzte Anlagen.\n\n**N. 7** Die **Schifffahrt** bezieht sich auf die gewerbsmässige Schifffahrt auf Seen und Flüssen. Private Sportschifffahrt fällt grundsätzlich nicht darunter, soweit nicht bundesrechtliche Sicherheitsvorschriften betroffen sind. Das Binnenschifffahrtsgesetz (BSG, SR 747.201) konkretisiert die Bundeskompetenz.\n\n**N. 8** **Luft- und Raumfahrt** werden gemeinsam genannt, unterscheiden sich aber erheblich. Die Luftfahrt umfasst den gesamten zivilen und militärischen Flugverkehr einschliesslich Infrastruktur (Flughäfen, Flugsicherung). Das Luftfahrtgesetz (LFG, SR 748.0) regelt die Materie umfassend. Die Raumfahrt ist noch wenig legiferiert; das Weltraumgesetz befindet sich in Vorbereitung.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die umfassende Bundeskompetenz bedeutet, dass der Bund alle Aspekte der genannten Verkehrsträger regeln kann: technische Normen, Sicherheitsvorschriften, Bewilligungsverfahren, Haftungsfragen, Arbeitsrecht der Beschäftigten und Umweltschutzaspekte. Die Kantone können nur subsidiär tätig werden.\n\n**N. 10** Im Bereich der Raumplanung besteht eine Koordinationspflicht zwischen Bund und Kantonen. Eisenbahn- und Luftfahrtanlagen unterstehen dem bundesrechtlichen Plangenehmigungsverfahren, das kantonale Baubewilligungen ersetzt. Die materielle Berücksichtigung kantonaler Anliegen bleibt jedoch gewährleistet (**BGE 122 II 103** E. 3b).\n\n**N. 11** Die Bundeskompetenz schliesst kantonale Schutzbestimmungen nicht vollständig aus. Denkmalschutz kann auch auf Bahnobjekte Anwendung finden, soweit die Betriebssicherheit nicht tangiert wird (**BGE 121 II 8** E. 3). Ebenso bleiben kantonale Polizeivorschriften anwendbar, sofern sie den Bundesregelungen nicht widersprechen.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umfang der Schifffahrtskompetenz**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1122) vertreten eine enge Auslegung, die nur die gewerbsmässige Schifffahrt erfasst. Ehrenzeller (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 87 N 14) plädiert für eine weitere Auslegung, die auch private Grossschifffahrt einschliesst. Die Praxis folgt der engeren Auffassung.\n\n**N. 13** **Abgrenzung Eisenbahn/Strassenbahn**: Waldmann (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 87 N 8) will Strassenbahnen dem kantonalen Recht unterstellen, soweit sie überwiegend im Strassenraum verkehren. Die herrschende Lehre (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 63 N 12) und Praxis ordnen alle spurgeführten Fahrzeuge dem Eisenbahnrecht zu.\n\n**N. 14** **Kompetenz für Drohnen**: Die Zuordnung unbemannter Luftfahrzeuge ist umstritten. Während Dettling-Ott (Luftrecht, 2020, S. 45) für eine umfassende Bundeskompetenz eintritt, sehen Griffel/Rausch (Umweltrecht, 2. Aufl. 2021, N 856) Raum für ergänzende kantonale Regelungen bei lokalen Einsätzen. Das revidierte LFG von 2023 beansprucht umfassende Bundesregelung.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei Mischnutzungen in Verkehrsinfrastrukturen (z.B. Bahnhofsgeschäfte) ist die Abgrenzung zwischen verkehrsbezogenen und verkehrsfremden Nutzungen entscheidend. Anlagen bis 150 m² in Bahnhöfen gelten als accessorisch und unterstehen dem Eisenbahnrecht; grössere Projekte können kantonalem Baurecht unterliegen (**BGE 122 II 265**).\n\n**N. 16** Die intermodale Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger erfordert eine Koordination der unterschiedlichen Bewilligungsverfahren. Bei Park+Ride-Anlagen an Bahnhöfen greifen Eisenbahnrecht (Bahninfrastruktur), kantonales Strassenrecht (Zufahrten) und kommunales Baurecht (Parkhaus) ineinander. Eine frühzeitige Abstimmung der Behörden ist essentiell.\n\n**N. 17** Im grenzüberschreitenden Verkehr gehen völkerrechtliche Verpflichtungen den nationalen Kompetenzzuweisungen vor. Staatsverträge über Eisenbahnverbindungen oder Luftverkehrsabkommen können die Regelungsbefugnis des Bundes erweitern oder einschränken. Die Umsetzung erfolgt jedoch im Rahmen der verfassungsrechtlichen Kompetenzordnung.", "caselaw_de": "# Art. 87 BV — Rechtsprechung\n\n## Umfang und Grenzen der Bundeskompetenz\n\n**BGE 122 I 70**\n25. Februar 1996\nUmfassende, aber nicht ausschliessliche Bundeskompetenz in der Luftfahrt\nDas Bundesgericht hält fest, dass die verfassungsmässige Bundeskompetenz für die Luftfahrt umfassend, aber nicht ausschliesslich ist.\n\n> «Art. 37ter BV gibt dem Bund eine umfassende, aber keine ausschliessliche Kompetenz auf dem Gebiet der Luftfahrt. Die Kantone bleiben zuständig für Rechtsfragen, die der Bund nicht abschliessend geregelt hat.»\n\n**BGE 146 II 384**\n25. Juni 2020\nBundeskompetenz für Eisenbahnverkehr und Kapazitätsverteilung\nBestätigt die umfassende Bundeskompetenz im Eisenbahnverkehr und deren Reichweite bei Netznutzungskonzepten.\n\n> «Gemäss Art. 87 BV ist die Gesetzgebung über den Eisenbahnverkehr Sache des Bundes. Gestützt auf diese Kompetenz regelt das Eisenbahngesetz den Bau und Betrieb von Eisenbahnen.»\n\n## Eisenbahnverkehr und Infrastruktur\n\n**BGE 122 II 103**  \n24. Februar 1995\nEisenbahnrechtliche Plangenehmigung und Verkehrssicherheit\nKonkretisiert die Bundeskompetenz bei der Plangenehmigung von Eisenbahninfrastruktur und deren Koordination mit anderen Verkehrsträgern.\n\n> «Der Grundsatz der haushälterischen Bodennutzung rechtfertigt grundsätzlich eine möglichst weitgehende Parallelführung zweier Verkehrsträger.»\n\n**BGE 122 II 265**\n8. Juli 1996\nEisenbahnrechtliches Plangenehmigungsverfahren für Bahnhofsläden\nPräzisiert den Anwendungsbereich des Eisenbahnrechts bei Mischnutzungen in Bahnhofsanlagen.\n\n> «Wird ein Ladenzentrum von erheblicher Grösse in eine Bahnhofanlage eingebaut, so ist dieses nach Art. 18 EBG ebenfalls im eisenbahnrechtlichen Plangenehmigungsverfahren zu bewilligen.»\n\n**BGE 139 II 289**\nRollstuhlbereiche in Eisenbahnfahrzeugen \nZeigt die Reichweite der Bundesgesetzgebung bei technischen Anforderungen an Eisenbahnfahrzeuge auf.\n\n> «Die Eisenbahnfahrzeuge sind nach den Anforderungen des Verkehrs, des Umweltschutzes und gemäss dem Stande der Technik zu erstellen, zu betreiben, zu unterhalten und zu erneuern.»\n\n## Luftfahrt und Flughafenbetrieb\n\n**BVGE 2011/19**\n10. Dezember 2009\nFlughafen Zürich — Umfassendes Grundsatzurteil zu Art. 87 BV\nDas Bundesverwaltungsgericht präzisiert in diesem wegweisenden Urteil die Tragweite von Art. 87 BV im Luftfahrtbereich.\n\n> «Die Gesetzgebung über den Eisenbahnverkehr, die Seilbahnen, die Schifffahrt sowie über die Luft- und Raumfahrt ist Sache des Bundes.»\n\n**BGE 121 II 8**\n24. Februar 1995\nUnterschutzstellung von Bahnbauten\nDas Verhältnis zwischen Bundesrecht und kantonalem Denkmalschutz bei Eisenbahnanlagen.\n\n> «Das eidgenössische Eisenbahngesetz schliesst nicht aus, dass Objekte auf Bahngrundstücken oder Bahnbauten selbst durch kantonalrechtliche Massnahmen unter Denkmal-, Altertums- oder Naturschutz gestellt werden.»\n\n## Seilbahnen\n\n**BGE 101 II 130**\n21. Juni 1975\nSeilbahnunternehmen und Anleihensgläubigerversammlungen\nZeigt den Anwendungsbereich des Bundesrechts bei Seilbahnunternehmen im Gesellschaftsrecht auf.\n\n> «Art. 1185 OR findet keine Anwendung auf Seilbahnunternehmen, welche für die Einberufung einer Versammlung der Anleihensgläubiger das gewöhnliche Verfahren von Art. 1165 ff. OR befolgen müssen.»\n\n## Schifffahrt\n\n**BGE 99 Ib 267**\nFlussschifffahrt und Enteignungsrecht\nBestätigt die Bundeskompetenz für die Binnenschifffahrt im Kontext von Infrastrukturprojekten.\n\n> «Die Eidg. Schätzungskommission ist auch dann zur Beurteilung von Rückforderungsbegehren zuständig, wenn die fragliche Landabtretung mit einem sog. Enteignungsvertrag vereinbart worden ist.»\n\n## Aktuelle Entwicklungen\n\n**2C_405/2021**\n14. Juni 2022\nBetriebsbewilligung Kleinseilbahn — Neuere Rechtsprechung\nAktuelle Anwendung der Bundeskompetenz bei kleineren Seilbahnanlagen.\n\n**A-2940/2017**\n26. November 2018\nSeilbahnen — Modernere Verwaltungspraxis\nZeigt die kontinuierliche Anwendung von Art. 87 BV im Seilbahnbereich auf.", "summary_fr": "# Art. 87 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 87 Cst. confère à la Confédération la compétence complète de légiférer sur les moyens de transport importants. La Confédération règle entièrement le trafic ferroviaire, les installations à câbles, la navigation ainsi que l'aviation et l'astronautique. Cette compétence fédérale signifie : seule la Confédération peut édicter des lois sur ces moyens de transport.\n\n**Qui est concerné ?**\nSont concernées toutes les entreprises et personnes qui utilisent ou exploitent ces moyens de transport. Cela comprend les compagnies ferroviaires comme les CFF, les entreprises aéronautiques comme Swiss, les exploitants d'installations à câbles en montagne, les entreprises de navigation sur les lacs et rivières ainsi que les entreprises d'astronautique. Les passagers et clients sont également soumis aux prescriptions du droit fédéral.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\nLa Confédération peut régler tous les aspects importants : prescriptions de sécurité, normes techniques, procédures d'autorisation et règles d'exploitation. Les cantons ne peuvent plus agir qu'à titre subsidiaire (complémentaire). Les projets ferroviaires nécessitent une approbation des plans selon le droit fédéral au lieu d'un permis de construire cantonal. Les cantons peuvent toutefois continuer à faire appliquer la protection des monuments ou les prescriptions de police locales, pour autant qu'elles ne contredisent pas les règles fédérales.\n\n**Exemple concret :**\nSi une compagnie de chemin de fer de montagne veut construire un nouveau télésiège, elle doit demander une concession auprès de l'Office fédéral des transports. Le droit cantonal de la construction ne s'applique pas. Le canton peut toutefois exiger que les conditions de protection du paysage soient respectées, tant que la sécurité d'exploitation reste garantie.", "doctrine_fr": "# Art. 87 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 87 Cst. poursuit la longue tradition constitutionnelle des compétences fédérales en matière de transport. La disposition correspond au contenu des art. 26 aCst. (chemins de fer), art. 37 aCst. (postes et télégraphes, avec navigation) et art. 37ter aCst. (aviation). La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a regroupé ces normes de compétence dispersées dans l'art. 87 Cst., sans apporter de modifications de droit matériel (FF 1997 I 370).\n\n**N. 2** La compétence fédérale pour les chemins de fer existe depuis la révision constitutionnelle de 1872, celle pour l'aviation depuis 1921. Les téléphériques ont été expressément intégrés dans la Constitution en 1957. L'astronautique n'a été ajoutée qu'avec la révision totale de 1999, ce qui reflète l'évolution technologique (FF 1996 I 508).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 87 Cst. se trouve dans le 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, dans le 2e chapitre sur les compétences. La norme fait partie des attributions de compétences à la Confédération et suit systématiquement les compétences générales en matière de transport (art. 82-86 Cst.). Elle doit être lue en relation avec → l'art. 82 Cst. (circulation routière), → l'art. 83 Cst. (routes nationales), → l'art. 84 Cst. (trafic de transit à travers les Alpes) et → l'art. 86 Cst. (impôt sur les carburants).\n\n**N. 4** La compétence est conçue comme une compétence fédérale globale, ce qui signifie que la Confédération peut régler aussi bien la législation que l'exécution. Cela distingue l'art. 87 Cst. des simples compétences-cadres. Les cantons ne conservent des compétences que là où la Confédération n'a pas légiféré de manière exhaustive (→ art. 3 Cst., → art. 42 Cst.).\n\n## 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**N. 5** Le **transport ferroviaire** comprend tous les moyens de transport terrestre sur rails, y compris les tramways, métros et chemins de fer à crémaillère. La compétence fédérale s'étend à l'infrastructure, à l'exploitation, aux prescriptions de sécurité et à l'octroi de concessions. Les lois déterminantes sont la loi sur les chemins de fer (LCdF, RS 742.101) et la loi sur le transport de voyageurs (LTV, RS 745.1).\n\n**N. 6** Les **installations à câbles** englobent toutes les installations de transport de personnes à traction par câble, des funiculaires aux téléphériques en passant par les téléskis. La définition se base sur l'art. 2 de la loi sur les installations à câbles (LICa, RS 743.01). La compétence comprend aussi bien les installations à usage touristique que celles utilisées dans les transports publics.\n\n**N. 7** La **navigation** se réfère à la navigation commerciale sur les lacs et les rivières. La navigation de plaisance privée n'en fait en principe pas partie, sauf si des prescriptions fédérales de sécurité sont concernées. La loi sur la navigation intérieure (LNI, RS 747.201) concrétise la compétence fédérale.\n\n**N. 8** **L'aviation et l'astronautique** sont mentionnées ensemble, mais diffèrent considérablement. L'aviation comprend l'ensemble du trafic aérien civil et militaire y compris l'infrastructure (aéroports, sécurité aérienne). La loi sur l'aviation (LA, RS 748.0) règle la matière de manière globale. L'astronautique est encore peu légiférée ; la loi sur l'espace est en préparation.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** La compétence fédérale globale signifie que la Confédération peut régler tous les aspects des moyens de transport mentionnés : normes techniques, prescriptions de sécurité, procédures d'autorisation, questions de responsabilité, droit du travail des employés et aspects de protection de l'environnement. Les cantons ne peuvent intervenir qu'à titre subsidiaire.\n\n**N. 10** Dans le domaine de l'aménagement du territoire, il existe une obligation de coordination entre la Confédération et les cantons. Les installations ferroviaires et aéronautiques sont soumises à la procédure fédérale d'approbation des plans, qui remplace les autorisations de construire cantonales. La prise en considération matérielle des préoccupations cantonales reste cependant garantie (**ATF 122 II 103** c. 3b).\n\n**N. 11** La compétence fédérale n'exclut pas complètement les dispositions cantonales de protection. La protection des monuments peut aussi s'appliquer aux objets ferroviaires, pour autant que la sécurité d'exploitation ne soit pas affectée (**ATF 121 II 8** c. 3). De même, les prescriptions de police cantonales restent applicables, à condition qu'elles ne contredisent pas les réglementations fédérales.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Portée de la compétence en matière de navigation** : Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1122) défendent une interprétation restrictive qui ne couvre que la navigation commerciale. Ehrenzeller (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 87 N 14) plaide pour une interprétation plus large qui inclut aussi la navigation privée de grande ampleur. La pratique suit la conception plus restrictive.\n\n**N. 13** **Délimitation chemin de fer/tramway** : Waldmann (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 87 N 8) veut soumettre les tramways au droit cantonal, dans la mesure où ils circulent principalement dans l'espace routier. La doctrine dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 63 N 12) et la pratique rattachent tous les véhicules sur rails au droit ferroviaire.\n\n**N. 14** **Compétence pour les drones** : L'attribution des aéronefs sans pilote est controversée. Alors que Dettling-Ott (Luftrecht, 2020, p. 45) plaide pour une compétence fédérale globale, Griffel/Rausch (Umweltrecht, 2e éd. 2021, N 856) voient de la place pour des réglementations cantonales complémentaires en cas d'utilisation locale. La LA révisée de 2023 revendique une réglementation fédérale globale.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** En cas d'utilisation mixte dans les infrastructures de transport (p. ex. commerces dans les gares), la délimitation entre utilisations liées aux transports et utilisations étrangères aux transports est déterminante. Les installations jusqu'à 150 m² dans les gares sont considérées comme accessoires et sont soumises au droit ferroviaire ; les projets plus importants peuvent être soumis au droit cantonal de la construction (**ATF 122 II 265**).\n\n**N. 16** La connexion intermodale de différents moyens de transport exige une coordination des différentes procédures d'autorisation. Pour les installations Park+Ride dans les gares, le droit ferroviaire (infrastructure ferroviaire), le droit routier cantonal (accès) et le droit communal de la construction (parking) s'imbriquent. Une coordination précoce des autorités est essentielle.\n\n**N. 17** Dans le trafic transfrontalier, les obligations de droit international priment sur les attributions nationales de compétences. Les traités d'État sur les liaisons ferroviaires ou les accords de trafic aérien peuvent étendre ou limiter le pouvoir de réglementation de la Confédération. La mise en œuvre s'effectue cependant dans le cadre de l'ordre constitutionnel de répartition des compétences.", "caselaw_fr": "# Art. 87 Cst. — Jurisprudence\n\n## Étendue et limites de la compétence fédérale\n\n**ATF 122 I 70**\n25 février 1996\nCompétence fédérale étendue mais non exclusive en matière d'aviation\nLe Tribunal fédéral établit que la compétence constitutionnelle de la Confédération en matière d'aviation est étendue, mais non exclusive.\n\n> « L'art. 37ter Cst. donne à la Confédération une compétence étendue, mais non exclusive dans le domaine de l'aviation. Les cantons demeurent compétents pour les questions juridiques que la Confédération n'a pas réglées de manière exhaustive. »\n\n**ATF 146 II 384**\n25 juin 2020\nCompétence fédérale pour le trafic ferroviaire et la répartition des capacités\nConfirme la compétence fédérale étendue en matière de trafic ferroviaire et sa portée dans les concepts d'utilisation du réseau.\n\n> « Selon l'art. 87 Cst., la législation sur le trafic ferroviaire relève de la Confédération. En vertu de cette compétence, la loi sur les chemins de fer règle la construction et l'exploitation des chemins de fer. »\n\n## Trafic ferroviaire et infrastructure\n\n**ATF 122 II 103**  \n24 février 1995\nApprobation des plans selon le droit ferroviaire et sécurité du trafic\nConcrétise la compétence fédérale dans l'approbation des plans d'infrastructure ferroviaire et leur coordination avec d'autres modes de transport.\n\n> « Le principe de l'utilisation mesurée du sol justifie en principe un parcours parallèle aussi étendu que possible de deux modes de transport. »\n\n**ATF 122 II 265**\n8 juillet 1996\nProcédure d'approbation des plans selon le droit ferroviaire pour les magasins de gare\nPrécise le champ d'application du droit ferroviaire en cas d'utilisations mixtes dans les installations de gare.\n\n> « Lorsqu'un centre commercial d'une taille considérable est intégré dans une installation de gare, celui-ci doit également être autorisé selon l'art. 18 LCdF dans la procédure d'approbation des plans selon le droit ferroviaire. »\n\n**ATF 139 II 289**\nEspaces pour fauteuils roulants dans les véhicules ferroviaires \nMontre la portée de la législation fédérale concernant les exigences techniques applicables aux véhicules ferroviaires.\n\n> « Les véhicules ferroviaires doivent être construits, exploités, entretenus et renouvelés selon les exigences du trafic, de la protection de l'environnement et conformément à l'état de la technique. »\n\n## Aviation et exploitation aéroportuaire\n\n**ATAF 2011/19**\n10 décembre 2009\nAéroport de Zurich — Arrêt de principe exhaustif sur l'art. 87 Cst.\nLe Tribunal administratif fédéral précise dans cet arrêt déterminant la portée de l'art. 87 Cst. dans le domaine de l'aviation.\n\n> « La législation sur le trafic ferroviaire, les téléphériques, la navigation ainsi que sur l'aviation et la navigation spatiale relève de la Confédération. »\n\n**ATF 121 II 8**\n24 février 1995\nMise sous protection de constructions ferroviaires\nLe rapport entre le droit fédéral et la protection cantonale des monuments concernant les installations ferroviaires.\n\n> « La loi fédérale sur les chemins de fer n'exclut pas que des objets situés sur des terrains ferroviaires ou des constructions ferroviaires elles-mêmes soient mis sous protection des monuments, des antiquités ou de la nature par des mesures de droit cantonal. »\n\n## Téléphériques\n\n**ATF 101 II 130**\n21 juin 1975\nEntreprises de téléphériques et assemblées de créanciers obligataires\nMontre le champ d'application du droit fédéral concernant les entreprises de téléphériques en droit des sociétés.\n\n> « L'art. 1185 CO ne s'applique pas aux entreprises de téléphériques, lesquelles doivent suivre la procédure ordinaire des art. 1165 ss CO pour la convocation d'une assemblée des créanciers obligataires. »\n\n## Navigation\n\n**ATF 99 Ib 267**\nNavigation fluviale et droit d'expropriation\nConfirme la compétence fédérale pour la navigation intérieure dans le contexte de projets d'infrastructure.\n\n> « La Commission fédérale d'estimation est également compétente pour juger des demandes en restitution lorsque la cession de terrain en question a été convenue par un soi-disant contrat d'expropriation. »\n\n## Développements actuels\n\n**2C_405/2021**\n14 juin 2022\nAutorisation d'exploitation petit téléphérique — Jurisprudence récente\nApplication actuelle de la compétence fédérale concernant les petites installations de téléphériques.\n\n**A-2940/2017**\n26 novembre 2018\nTéléphériques — Pratique administrative plus moderne\nMontre l'application continue de l'art. 87 Cst. dans le domaine des téléphériques.", "summary_it": "# Art. 87 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 87 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza globale per la legislazione sui mezzi di trasporto importanti. La Confederazione disciplina completamente il traffico ferroviario, le funivie, la navigazione nonché l'aviazione e la navigazione spaziale. Questa competenza federale significa: solo la Confederazione può emanare leggi su questi mezzi di trasporto.\n\n**Chi è interessato?**\nSono interessate tutte le imprese e le persone che utilizzano o gestiscono questi mezzi di trasporto. Vi appartengono compagnie ferroviarie come le FFS, imprese aeronautiche come la Swiss, gestori di funivie in montagna, imprese di navigazione su laghi e fiumi nonché imprese spaziali. Anche passeggeri e clienti sottostanno alle prescrizioni del diritto federale.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\nLa Confederazione può disciplinare tutti gli aspetti importanti: prescrizioni di sicurezza, norme tecniche, procedure di autorizzazione e regole d'esercizio. I Cantoni possono agire solo in modo sussidiario (complementare). I progetti ferroviari necessitano di un'approvazione dei piani secondo il diritto federale invece di un'autorizzazione edilizia cantonale. I Cantoni possono tuttavia continuare a far valere la protezione dei monumenti o prescrizioni di polizia locali, purché non contraddicano le regole federali.\n\n**Esempio concreto:**\nSe una società di ferrovie di montagna vuole costruire una nuova seggiovia, deve richiedere una concessione presso l'Ufficio federale dei trasporti. Il diritto edilizio cantonale non si applica. Il Cantone può però esigere che siano rispettate condizioni paesaggistiche, purché la sicurezza d'esercizio rimanga garantita.", "doctrine_it": "# Art. 87 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'art. 87 Cost. prosegue la lunga tradizione costituzionale delle competenze della Confederazione in materia di trasporti. La disposizione corrisponde nel contenuto agli art. 26 aCost. (ferrovie), art. 37 aCSt. (poste e telegrafi, con la navigazione) e art. 37ter aCost. (aviazione). La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha riunito queste norme di competenza sparse nell'art. 87 Cost., senza apportare modifiche di diritto materiale (FF 1997 I 315).\n\n**N. 2** La competenza della Confederazione per le ferrovie esiste dalla revisione costituzionale del 1872, quella per l'aviazione dal 1921. Le funivie furono inserite espressamente nella Costituzione nel 1957. L'astronautica fu aggiunta solo con la revisione totale del 1999, riflettendo lo sviluppo tecnologico (FF 1996 I 470).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 87 Cost. si trova nel Titolo 3° su Confederazione, Cantoni e Comuni, nel Capitolo 2° sulle competenze. La norma appartiene alle attribuzioni di competenza alla Confederazione e segue sistematicamente le competenze generali sui trasporti (art. 82-86 Cost.). Va letta nel contesto con → art. 82 Cost. (circolazione stradale), → art. 83 Cost. (strade nazionali), → art. 84 Cost. (traffico di transito alpino) e → art. 86 Cost. (imposta sui carburanti).\n\n**N. 4** La competenza è configurata come competenza federale comprensiva, il che significa che la Confederazione può regolare sia la legislazione sia l'esecuzione. Ciò distingue l'art. 87 Cost. dalle mere competenze quadro. I Cantoni conservano competenze solo dove la Confederazione non ha legiferato in modo conclusivo (→ art. 3 Cost., → art. 42 Cost.).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il **traffico ferroviario** comprende tutti i mezzi di trasporto terrestre vincolati a rotaie, inclusi tram, metropolitane e ferrovie a cremagliera. La competenza della Confederazione si estende a infrastrutture, esercizio, prescrizioni di sicurezza e rilascio di concessioni. Gli atti normativi determinanti sono la Legge sulle ferrovie (Lferr, RS 742.101) e la Legge sul trasporto di persone (LTpers, RS 745.1).\n\n**N. 6** Le **funivie** comprendono tutti gli impianti di trasporto persone a fune, dalle funicolari alle funivie aeree fino agli skilift. La definizione si basa sull'art. 2 della Legge sugli impianti a fune (LIFT, RS 743.01). La competenza comprende gli impianti utilizzati sia turisticamente sia nel trasporto pubblico.\n\n**N. 7** La **navigazione** si riferisce alla navigazione commerciale su laghi e fiumi. La navigazione sportiva privata in linea di principio non vi rientra, salvo non siano interessate prescrizioni federali di sicurezza. La Legge sulla navigazione interna (LNI, RS 747.201) concretizza la competenza della Confederazione.\n\n**N. 8** **Aviazione e astronautica** sono menzionate insieme, ma si differenziano considerevolmente. L'aviazione comprende tutto il traffico aereo civile e militare inclusa l'infrastruttura (aeroporti, sicurezza del volo). La Legge federale sull'aviazione (LAv, RS 748.0) disciplina la materia in modo comprensivo. L'astronautica è ancora poco legiferata; la legge sullo spazio è in preparazione.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La competenza federale comprensiva significa che la Confederazione può disciplinare tutti gli aspetti dei vettori di trasporto menzionati: norme tecniche, prescrizioni di sicurezza, procedure di autorizzazione, questioni di responsabilità civile, diritto del lavoro dei dipendenti e aspetti di protezione dell'ambiente. I Cantoni possono agire solo in via sussidiaria.\n\n**N. 10** Nel campo della pianificazione del territorio esiste un obbligo di coordinamento tra Confederazione e Cantoni. Gli impianti ferroviari e dell'aviazione sottostanno alla procedura federale di approvazione dei piani, che sostituisce le autorizzazioni edilizie cantonali. Resta tuttavia garantita la considerazione materiale delle istanze cantonali (**DTF 122 II 103** consid. 3b).\n\n**N. 11** La competenza della Confederazione non esclude completamente le disposizioni di protezione cantonali. La protezione dei monumenti può trovare applicazione anche su oggetti ferroviari, purché non sia toccata la sicurezza d'esercizio (**DTF 121 II 8** consid. 3). Analogamente rimangono applicabili le prescrizioni cantonali di polizia, purché non contraddicano le regolamentazioni federali.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 12** **Portata della competenza di navigazione**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10ᵃ ed. 2020, n. 1122) sostengono un'interpretazione restrittiva che comprende solo la navigazione commerciale. Ehrenzeller (St. Galler Kommentar BV, 4ᵃ ed. 2023, art. 87 n. 14) propone un'interpretazione più ampia che include anche la grande navigazione privata. La prassi segue la concezione più restrittiva.\n\n**N. 13** **Delimitazione ferrovia/tram**: Waldmann (BSK BV, 2ᵃ ed. 2024, art. 87 n. 8) vuole sottoporre i tram al diritto cantonale, nella misura in cui circolano prevalentemente nello spazio stradale. La dottrina dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, 4ᵃ ed. 2014, § 63 n. 12) e la prassi attribuiscono tutti i veicoli vincolati a rotaie al diritto ferroviario.\n\n**N. 14** **Competenza per i droni**: L'attribuzione di aeromobili senza pilota è controversa. Mentre Dettling-Ott (Luftrecht, 2020, p. 45) sostiene una competenza federale comprensiva, Griffel/Rausch (Umweltrecht, 2ᵃ ed. 2021, n. 856) vedono spazio per regolamentazioni cantonali complementari per impieghi locali. La LAv riveduta del 2023 rivendica una regolamentazione federale comprensiva.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** In caso di utilizzazioni miste nelle infrastrutture di trasporto (p. es. negozi nelle stazioni) è decisiva la delimitazione tra utilizzazioni legate ai trasporti e utilizzazioni estranee ai trasporti. Impianti fino a 150 m² nelle stazioni sono considerati accessori e sottostanno al diritto ferroviario; progetti più grandi possono sottostare al diritto edilizio cantonale (**DTF 122 II 265**).\n\n**N. 16** Il collegamento intermodale di diversi vettori di trasporto richiede un coordinamento delle diverse procedure di autorizzazione. Negli impianti Park+Ride presso stazioni si intrecciano diritto ferroviario (infrastruttura ferroviaria), diritto stradale cantonale (accessi) e diritto edilizio comunale (parcheggio). È essenziale una coordinazione precoce delle autorità.\n\n**N. 17** Nel traffico transfrontaliero gli obblighi di diritto internazionale prevalgono sulle attribuzioni di competenza nazionali. Trattati internazionali su collegamenti ferroviari o accordi sul traffico aereo possono ampliare o limitare la competenza normativa della Confederazione. L'attuazione avviene tuttavia nel quadro dell'ordinamento costituzionale delle competenze.", "caselaw_it": "# Art. 87 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Portata e limiti della competenza federale\n\n**DTF 122 I 70**\n25 febbraio 1996\nCompetenza federale comprensiva ma non esclusiva nell'aviazione\nIl Tribunale federale stabilisce che la competenza costituzionale della Confederazione per l'aviazione è comprensiva, ma non esclusiva.\n\n> «L'art. 37ter Cost. attribuisce alla Confederazione una competenza comprensiva, ma non esclusiva nel settore dell'aviazione. I Cantoni rimangono competenti per le questioni giuridiche che la Confederazione non ha disciplinato in modo conclusivo.»\n\n**DTF 146 II 384**\n25 giugno 2020\nCompetenza federale per il traffico ferroviario e ripartizione delle capacità\nConferma la competenza federale comprensiva nel traffico ferroviario e la sua portata nei concetti di utilizzo della rete.\n\n> «Secondo l'art. 87 Cost., la legislazione sul traffico ferroviario è di competenza della Confederazione. In base a questa competenza, la legge federale sulle ferrovie disciplina la costruzione e l'esercizio delle ferrovie.»\n\n## Traffico ferroviario e infrastruttura\n\n**DTF 122 II 103**  \n24 febbraio 1995\nApprovazione dei piani secondo il diritto ferroviario e sicurezza del traffico\nConcretizza la competenza federale nell'approvazione dei piani per l'infrastruttura ferroviaria e il loro coordinamento con altri vettori di trasporto.\n\n> «Il principio dell'utilizzo parsimonioso del suolo giustifica in linea di principio una conduzione parallela il più possibile estesa di due vettori di trasporto.»\n\n**DTF 122 II 265**\n8 luglio 1996\nProcedura di approvazione dei piani secondo il diritto ferroviario per negozi nelle stazioni\nPrecisa l'ambito di applicazione del diritto ferroviario negli usi misti negli impianti delle stazioni.\n\n> «Se un centro commerciale di dimensioni considerevoli viene integrato in un impianto di stazione, anch'esso deve essere autorizzato secondo l'art. 18 LFerr nella procedura di approvazione dei piani secondo il diritto ferroviario.»\n\n**DTF 139 II 289**\nZone per sedie a rotelle nei veicoli ferroviari \nMostra la portata della legislazione federale nei requisiti tecnici per i veicoli ferroviari.\n\n> «I veicoli ferroviari devono essere costruiti, esercitati, mantenuti e rinnovati secondo le esigenze del traffico, della protezione dell'ambiente e conformemente allo stato della tecnica.»\n\n## Aviazione ed esercizio aeroportuale\n\n**RDTA 2011/19**\n10 dicembre 2009\nAeroporto di Zurigo — Sentenza fondamentale comprensiva sull'art. 87 Cost.\nIl Tribunale amministrativo federale precisa in questa sentenza pionieristica la portata dell'art. 87 Cost. nel settore dell'aviazione.\n\n> «La legislazione sul traffico ferroviario, sulle funivie, sulla navigazione nonché sull'aviazione e la navigazione spaziale è di competenza della Confederazione.»\n\n**DTF 121 II 8**\n24 febbraio 1995\nProtezione di costruzioni ferroviarie\nIl rapporto tra diritto federale e protezione cantonale dei monumenti negli impianti ferroviari.\n\n> «La legge federale sulle ferrovie non esclude che oggetti su fondi ferroviari o le stesse costruzioni ferroviarie vengano posti sotto protezione monumentale, archeologica o naturale mediante misure di diritto cantonale.»\n\n## Funivie\n\n**DTF 101 II 130**\n21 giugno 1975\nImprese di funivie e assemblee di creditori di prestiti\nMostra l'ambito di applicazione del diritto federale nelle imprese di funivie nel diritto societario.\n\n> «L'art. 1185 CO non si applica alle imprese di funivie, le quali per la convocazione di un'assemblea di creditori di prestiti devono seguire la procedura ordinaria degli artt. 1165 segg. CO.»\n\n## Navigazione\n\n**DTF 99 Ib 267**\nNavigazione fluviale e diritto di espropriazione\nConferma la competenza federale per la navigazione interna nel contesto di progetti infrastrutturali.\n\n> «La Commissione federale di stima è competente anche per la valutazione di istanze di restituzione quando la cessione di terreno in questione è stata concordata con un cosiddetto contratto di espropriazione.»\n\n## Sviluppi attuali\n\n**2C_405/2021**\n14 giugno 2022\nAutorizzazione d'esercizio piccola funivia — Giurisprudenza più recente\nApplicazione attuale della competenza federale negli impianti di funivie più piccoli.\n\n**A-2940/2017**\n26 novembre 2018\nFunivie — Prassi amministrativa più moderna\nMostra l'applicazione continua dell'art. 87 Cost. nel settore delle funivie.", "summary_en": "# Art. 87 BV — Overview\n\nArt. 87 BV gives the Confederation comprehensive legislative competence over important means of transport. The Confederation completely regulates railway traffic, cable cars, shipping as well as aviation and space travel. This federal competence means: Only the Confederation may enact laws on these means of transport.\n\n**Who is affected?**\nAll companies and persons who use or operate these means of transport are affected. This includes railway companies such as the SBB, aviation companies such as Swiss, cable car operators in the mountains, shipping companies on lakes and rivers as well as space companies. Passengers and customers are also subject to federal law provisions.\n\n**What are the legal consequences?**\nThe Confederation may regulate all important aspects: safety regulations, technical standards, licensing procedures and operating rules. Cantons may only act subsidiarily (supplementarily). Railway projects require federal plan approval instead of cantonal building permits. However, the cantons may still enforce monument protection or local police regulations, provided they do not contradict federal rules.\n\n**Concrete example:**\nIf a mountain railway company wants to build a new chairlift, it must apply for a concession from the Federal Office of Transport. Cantonal construction law does not apply. However, the canton may require that landscape protection conditions be complied with, as long as operational safety is ensured.", "doctrine_en": "# Art. 87 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 87 Cst. continues the long constitutional tradition of federal transport competences. The provision corresponds in content to Art. 26 old Cst. (railways), Art. 37 old Cst. (postal and telegraph services, with shipping) and Art. 37ter old Cst. (aviation). The total revision of the Federal Constitution in 1999 consolidated these scattered competence provisions in Art. 87 Cst. without making material legal changes (BBl 1997 I 370).\n\n**N. 2** Federal competence for railways has existed since the constitutional revision of 1872, that for aviation since 1921. Cable cars were expressly included in the Constitution in 1957. Space travel was only added with the total revision in 1999, reflecting technological development (BBl 1996 I 508).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 87 Cst. is found in Title 3 on Confederation, Cantons and Communes, in Chapter 2 on competences. The provision belongs to the competence allocations to the Confederation and systematically follows the general transport competences (Art. 82-86 Cst.). It must be read in context with → Art. 82 Cst. (road traffic), → Art. 83 Cst. (national roads), → Art. 84 Cst. (transalpine transit traffic) and → Art. 86 Cst. (tax on fuels).\n\n**N. 4** The competence is structured as comprehensive federal jurisdiction, which means that the Confederation may regulate both legislation and implementation. This distinguishes Art. 87 Cst. from mere framework competences. The cantons retain competences only where the Confederation has not enacted comprehensive legislation (→ Art. 3 Cst., → Art. 42 Cst.).\n\n## 3. Elements of the Legal Provision / Normative Content\n\n**N. 5** **Railway traffic** encompasses all guided land transport, including trams, underground railways and rack railways. Federal competence extends to infrastructure, operation, safety regulations and licensing. The relevant legislation includes the Railways Act (RA, SR 742.101) and the Passenger Transport Act (PTA, SR 745.1).\n\n**N. 6** **Cable cars** cover all cable-drawn passenger transport facilities, from funicular railways through aerial cable cars to ski lifts. The definition follows Art. 2 of the Cable Car Act (CCA, SR 743.01). The competence encompasses facilities used both for tourism and in public transport.\n\n**N. 7** **Shipping** refers to commercial shipping on lakes and rivers. Private recreational boating is generally not included, except where federal safety regulations are concerned. The Inland Shipping Act (ISA, SR 747.201) specifies federal competence.\n\n**N. 8** **Aviation and space travel** are mentioned together but differ considerably. Aviation encompasses all civil and military air traffic including infrastructure (airports, air traffic control). The Aviation Act (AviA, SR 748.0) comprehensively regulates the matter. Space travel is still little legislated; the Space Act is in preparation.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Comprehensive federal competence means that the Confederation may regulate all aspects of the mentioned transport modes: technical standards, safety regulations, authorization procedures, liability issues, employment law for employees and environmental protection aspects. The cantons may only act subsidiarily.\n\n**N. 10** In the area of spatial planning, there is a duty of coordination between Confederation and cantons. Railway and aviation facilities are subject to the federal plan approval procedure, which replaces cantonal building permits. However, the substantive consideration of cantonal concerns remains guaranteed (**BGE 122 II 103** consid. 3b).\n\n**N. 11** Federal competence does not completely exclude cantonal protective provisions. Monument protection may also apply to railway objects, provided operational safety is not affected (**BGE 121 II 8** consid. 3). Likewise, cantonal police regulations remain applicable insofar as they do not contradict federal regulations.\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Scope of shipping competence**: Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Federal State Law, 10th ed. 2020, N 1122) advocate a narrow interpretation covering only commercial shipping. Ehrenzeller (St. Gallen Commentary Cst., 4th ed. 2023, Art. 87 N 14) argues for a broader interpretation that also includes private large-scale shipping. Practice follows the narrower view.\n\n**N. 13** **Delimitation railway/tram**: Waldmann (BSK Cst., 2nd ed. 2024, Art. 87 N 8) wants to subject trams to cantonal law insofar as they operate predominantly on roads. The prevailing doctrine (Tschannen/Zimmerli/Müller, Administrative Law, 4th ed. 2014, § 63 N 12) and practice classify all guided vehicles under railway law.\n\n**N. 14** **Competence for drones**: The classification of unmanned aircraft is disputed. While Dettling-Ott (Aviation Law, 2020, p. 45) advocates comprehensive federal competence, Griffel/Rausch (Environmental Law, 2nd ed. 2021, N 856) see scope for supplementary cantonal regulations for local operations. The revised AviA of 2023 claims comprehensive federal regulation.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** For mixed uses in transport infrastructure (e.g., station shops), the delimitation between transport-related and transport-unrelated uses is decisive. Facilities up to 150 m² in stations are considered accessory and subject to railway law; larger projects may be subject to cantonal building law (**BGE 122 II 265**).\n\n**N. 16** Intermodal connection of different transport modes requires coordination of different authorization procedures. For park-and-ride facilities at stations, railway law (rail infrastructure), cantonal road law (access routes) and municipal building law (parking garage) interact. Early coordination between authorities is essential.\n\n**N. 17** In cross-border traffic, international law obligations take precedence over national competence allocations. State treaties on railway connections or aviation agreements may expand or restrict the Confederation's regulatory authority. Implementation, however, takes place within the framework of the constitutional order of competences.", "caselaw_en": "# Art. 87 BV — Case Law\n\n## Scope and Limits of Federal Competence\n\n**BGE 122 I 70**\n25 February 1996\nComprehensive but not exclusive federal competence in aviation\nThe Federal Supreme Court held that the constitutional federal competence for aviation is comprehensive but not exclusive.\n\n> «Art. 37ter BV gives the Confederation comprehensive but not exclusive competence in the field of aviation. The cantons remain competent for legal matters that the Confederation has not conclusively regulated.»\n\n**BGE 146 II 384**\n25 June 2020\nFederal competence for railway transport and capacity allocation\nConfirms the comprehensive federal competence in railway transport and its scope in network usage concepts.\n\n> «According to Art. 87 BV, legislation on railway transport is a matter for the Confederation. Based on this competence, the Railway Act regulates the construction and operation of railways.»\n\n## Railway Transport and Infrastructure\n\n**BGE 122 II 103**  \n24 February 1995\nRailway approval procedure and transport safety\nSpecifies the federal competence in the approval procedure for railway infrastructure and its coordination with other modes of transport.\n\n> «The principle of economical land use generally justifies the most extensive possible parallel routing of two transport modes.»\n\n**BGE 122 II 265**\n8 July 1996\nRailway approval procedure for railway station shops\nClarifies the scope of application of railway law for mixed uses in railway station facilities.\n\n> «If a shopping centre of considerable size is built into a railway station facility, this must also be approved in the railway approval procedure according to Art. 18 EBG.»\n\n**BGE 139 II 289**\nWheelchair areas in railway vehicles \nShows the scope of federal legislation regarding technical requirements for railway vehicles.\n\n> «Railway vehicles must be constructed, operated, maintained and renewed according to the requirements of transport, environmental protection and in accordance with the state of technology.»\n\n## Aviation and Airport Operations\n\n**BVGE 2011/19**\n10 December 2009\nZurich Airport — Comprehensive landmark judgment on Art. 87 BV\nThe Federal Administrative Court clarifies in this groundbreaking judgment the scope of Art. 87 BV in the aviation sector.\n\n> «Legislation on railway transport, cable cars, shipping as well as aviation and space travel is a matter for the Confederation.»\n\n**BGE 121 II 8**\n24 February 1995\nProtection of railway constructions\nThe relationship between federal law and cantonal monument protection for railway facilities.\n\n> «The federal Railway Act does not exclude that objects on railway property or railway constructions themselves may be placed under monument, antiquity or nature protection through cantonal legal measures.»\n\n## Cable Cars\n\n**BGE 101 II 130**\n21 June 1975\nCable car companies and bondholder meetings\nShows the scope of application of federal law for cable car companies in corporate law.\n\n> «Art. 1185 OR does not apply to cable car companies, which must follow the ordinary procedure of Art. 1165 ff. OR for convening a meeting of bondholders.»\n\n## Shipping\n\n**BGE 99 Ib 267**\nRiver shipping and expropriation law\nConfirms the federal competence for inland navigation in the context of infrastructure projects.\n\n> «The Federal Assessment Commission is also competent to assess reclaim demands when the land transfer in question has been agreed upon with a so-called expropriation contract.»\n\n## Current Developments\n\n**2C_405/2021**\n14 June 2022\nOperating licence for small cable cars — Recent case law\nCurrent application of federal competence for smaller cable car installations.\n\n**A-2940/2017**\n26 November 2018\nCable cars — Modern administrative practice\nShows the continued application of Art. 87 BV in the cable car sector.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_87", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 87, "article_suffix": "a", "title": "Eisenbahninfrastruktur", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 87a BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 87a der Bundesverfassung regelt die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur in der Schweiz. Die Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone, für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen. Das wichtigste Instrument dafür ist der Bahninfrastrukturfonds (BIF).\n\nDer BIF ist ein Spezialfonds, der ausschliesslich für Eisenbahninfrastruktur verwendet werden darf. Dazu gehören Gleise, Bahnhöfe, Sicherungsanlagen und Stromversorgung. Das Geld fliesst sowohl in den Unterhalt bestehender Anlagen als auch in neue Bauprojekte.\n\nDie Finanzierung erfolgt durch verschiedene Quellen: höchstens zwei Drittel der Einnahmen aus der Schwerverkehrsabgabe (LSVA), Gelder aus der Mineralölsteuer, 2,0 Promille der Mehrwertsteuer und Beiträge der Kantone von insgesamt 500 Millionen Franken jährlich. Zusätzlich zahlt der Bund allgemeine Bundesmittel ein.\n\nDie Kantone müssen ihre 500 Millionen Franken nach einem gesetzlichen Schlüssel aufteilen. Dieser berücksichtigt die Länge der Eisenbahnstrecken in jedem Kanton und die darauf erbrachte Verkehrsleistung. Kantone mit viel Bahnverkehr zahlen entsprechend mehr.\n\nPrivate oder Gemeinden können zusätzlich eigene Projekte finanzieren, wenn der BIF diese nicht übernimmt. Dies ist zum Beispiel bei Anschlussgleisen für Firmen der Fall.\n\n**Beispiel**: Der Ausbau des Bahnhofs Bern für 1,9 Milliarden Franken wird hauptsächlich aus dem BIF finanziert. Der Kanton Bern beteiligt sich mit seinem jährlichen Pflichtbeitrag von rund 60 Millionen Franken. Zusätzliche lokale Verbesserungen könnten Stadt und Kanton freiwillig mitfinanzieren.", "doctrine_de": "# Art. 87a BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 87a BV wurde am 9. Februar 2014 im Rahmen der Abstimmung über die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI) mit 62 % Ja-Stimmen angenommen. Die Bestimmung löste die befristete Übergangsbestimmung Art. 196 Ziff. 3 BV (FinöV-Fonds) ab und schuf eine dauerhafte verfassungsrechtliche Grundlage für die Eisenbahninfrastrukturfinanzierung (BBl 2012 1577, 1582 ff.).\n\n**N. 2** Die Vorgeschichte reicht bis zu den Volksabstimmungen über die NEAT (1992) und die FinöV (1998) zurück. Der FinöV-Fonds war als befristeter Spezialfonds für vier Grossprojekte konzipiert: NEAT, BAHN 2000, HGV-Anschlüsse und Lärmschutz. Mit dem unbefristeten Bahninfrastrukturfonds (BIF) sollte ein umfassendes Finanzierungsinstrument geschaffen werden, das sowohl Unterhalt und Betrieb als auch den bedarfsgerechten Ausbau der Bahninfrastruktur sicherstellt (BBl 2012 1577, 1586).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 87a BV ist systematisch in den 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 3. Kapitel (Finanzordnung) eingeordnet und bildet zusammen mit Art. 81a BV (öffentlicher Verkehr), Art. 85 BV (Schwerverkehrsabgabe), Art. 86 BV (Mineralölsteuer) und Art. 87 BV (Eisenbahnen) das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Verkehrsfinanzierung. Die Norm konkretisiert die allgemeine Bundeskompetenz für Eisenbahnen nach Art. 87 BV durch spezifische Finanzierungsregeln.\n\n**N. 4** Im Kontext der Verkehrsverfassung kommt Art. 87a BV eine Schlüsselfunktion zu: Während Art. 87 BV die Gesetzgebungskompetenz regelt und Art. 81a BV den Förderauftrag für den öffentlichen Verkehr statuiert, schafft Art. 87a BV das konkrete Finanzierungsinstrument. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit der Verlagerungspolitik (Art. 84 BV) und der nachhaltigen Entwicklung (Art. 73 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Finanzierungsgrundsatz (Abs. 1)\n\n**N. 5** Absatz 1 statuiert als Grundsatz, dass Bund und Kantone eine ausreichende Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur sicherstellen. Der Begriff «Eisenbahninfrastruktur» umfasst gemäss der Botschaft alle Anlagen, die für den Eisenbahnverkehr notwendig sind: Gleise, Bahnhöfe, Sicherungsanlagen, Stromversorgung und Telematik (BBl 2012 1577, 1642).\n\n**N. 6** Die «ausreichende Finanzierung» ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der durch den Gesetzgeber zu konkretisieren ist. Kern betont, dass damit sowohl der Substanzerhalt als auch der bedarfsgerechte Ausbau gemeint ist (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 3). Die gemeinsame Verantwortung von Bund und Kantonen widerspiegelt die föderalistische Struktur des schweizerischen Eisenbahnwesens.\n\n#### b) Bahninfrastrukturfonds (Abs. 2)\n\n**N. 7** Der Bahninfrastrukturfonds (BIF) ist als Spezialfonds mit eigener Rechnung ausgestaltet. Im Unterschied zum befristeten FinöV-Fonds handelt es sich um ein unbefristetes Finanzierungsinstrument. Die Zweckbindung erfasst sowohl Betrieb und Substanzerhalt (lit. a) als auch den Ausbau (lit. b) der Eisenbahninfrastruktur.\n\n**N. 8** Die Einlagen in den BIF sind in Absatz 2 abschliessend aufgezählt:\n- Höchstens zwei Drittel des LSVA-Ertrags (lit. a)\n- Mittel aus der Mineralölsteuer (lit. b)\n- 2,0 Promille der Mehrwertsteuer (lit. c)\n- Kantonsanteil von 500 Millionen Franken (lit. d)\n- Allgemeine Bundesmittel (lit. e)\n- Weitere gesetzlich vorgesehene Mittel (lit. f)\n\n**N. 9** Die Formulierung «höchstens zwei Drittel» bei der LSVA (lit. a) gibt dem Gesetzgeber einen Spielraum. Mindestens ein Drittel der LSVA-Erträge muss für andere Zwecke verwendet werden, namentlich für die ungedeckten Kosten des Strassenverkehrs in den Kantonen (Art. 85 Abs. 2 BV).\n\n**N. 10** Der in lit. c festgelegte Mehrwertsteueranteil von 2,0 Promille ist als absolute Grösse zu verstehen. Bei einer Änderung des Mehrwertsteuersatzes bleibt der absolute Betrag gleich (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 10).\n\n#### c) Kantonsbeteiligung (Abs. 3)\n\n**N. 11** Die jährliche Kantonsbeteiligung von 500 Millionen Franken wird nach einem gesetzlich festzulegenden Schlüssel auf die einzelnen Kantone verteilt. Das Eisenbahngesetz sieht in Art. 57 Abs. 4 eine Verteilung nach Massgabe der Länge der in den Kantonen gelegenen Eisenbahnstrecken und der darauf erbrachten Verkehrsleistung vor.\n\n**N. 12** Die Kantonsbeiträge sind als gebundene Ausgaben zu qualifizieren, da sie verfassungsrechtlich geschuldet sind. Dies schränkt die finanzpolitische Autonomie der Kantone ein, was in der parlamentarischen Beratung kontrovers diskutiert wurde (AB 2013 S 334 ff.).\n\n#### d) Finanzierung durch Dritte (Abs. 4)\n\n**N. 13** Absatz 4 ermöglicht die subsidiäre Finanzierung durch Dritte für Vorhaben, die der BIF nicht oder nur teilweise finanziert. Als «Dritte» kommen Private, Gemeinden, aber auch Kantone in Betracht, soweit sie über ihre Pflichtbeiträge hinausgehen (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 23).\n\n**N. 14** Die Bestimmung ist als Öffnungsklausel konzipiert, die flexible Finanzierungslösungen ermöglicht. Typische Anwendungsfälle sind Anschlussgleise für Industrieunternehmen oder lokale Ausbauprojekte mit primär regionalem Nutzen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Art. 87a BV begründet eine verfassungsrechtliche Finanzierungspflicht für Bund und Kantone. Diese Pflicht ist programmatischer Natur und bedarf der gesetzlichen Konkretisierung. Der Bahninfrastrukturfonds ist verfassungsrechtlich verankert und kann nur durch Verfassungsänderung aufgehoben werden.\n\n**N. 16** Die Zweckbindung der BIF-Mittel ist strikt: Eine Verwendung für andere Zwecke als die Eisenbahninfrastruktur wäre verfassungswidrig. Dies gilt auch für allfällige Fondsüberschüsse, die im Fonds verbleiben müssen.\n\n**N. 17** Für die Kantone ergibt sich eine jährliche Zahlungspflicht von insgesamt 500 Millionen Franken. Diese Beiträge sind keine freiwilligen Leistungen, sondern verfassungsrechtliche Verpflichtungen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** **Ausschliesslichkeit des BIF**: Umstritten ist, ob der BIF das ausschliessliche Finanzierungsinstrument für die Eisenbahninfrastruktur darstellt. Kern vertritt die Auffassung, dass grundsätzlich von einer umfassenden und ausschliesslichen Finanzierung durch den BIF auszugehen sei (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 20). Demgegenüber plädiert Waldmeier für eine engere Auslegung, die zusätzliche Finanzierungen ausserhalb des BIF zulässt (SG Komm. BV-Waldmeier, Art. 87a N. 24).\n\n**N. 19** **Verzinsungsverzicht**: Der gesetzlich vorgesehene Verzicht auf eine Verzinsung der BIF-Mittel wird von Kern als verfassungsrechtlich problematisch beurteilt, da er dem Prinzip der wirtschaftlichen Mittelverwendung widerspreche (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 12). Diese Position ist jedoch nicht unbestritten, zumal die Verfassung selbst keine Verzinsungspflicht vorsieht.\n\n**N. 20** **Wettbewerbsneutralität**: Diskutiert wird, ob die massive Subventionierung der Eisenbahninfrastruktur den Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern verzerrt. Kern sieht darin keinen Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit, sondern Ausdruck einer gestaltenden Verkehrspolitik (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 19). Diese Sichtweise entspricht der herrschenden Lehre, die verkehrspolitische Lenkungsmassnahmen als zulässig erachtet.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Planung von Eisenbahninfrastrukturprojekten ist frühzeitig zu klären, ob eine Finanzierung aus dem BIF möglich ist. Die Aufnahme in die Ausbauprogramme des Bundes erfolgt in mehrjährigen politischen Prozessen, die lange Vorlaufzeiten erfordern.\n\n**N. 22** Kantone und Gemeinden, die über die BIF-Finanzierung hinausgehende Ausbauten wünschen, können sich auf Art. 87a Abs. 4 BV stützen. Solche Zusatzfinanzierungen bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abstimmung mit der Bundesplanung.\n\n**N. 23** Die strikte Zweckbindung der BIF-Mittel bedeutet, dass auch bei Projektänderungen oder -verzögerungen keine Mittelumschichtung in andere Bereiche möglich ist. Dies erhöht den Druck auf eine sorgfältige Projektplanung und -umsetzung.\n\n**N. 24** Der Bahninfrastrukturfonds hat sich gemäss Kern als den langen Planungszyklen der Eisenbahninfrastruktur angemessenes, innovatives Finanzierungsinstrument bewährt (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 24). Die verfassungsrechtliche Verankerung gewährleistet die notwendige Planungssicherheit für Grossprojekte.", "caselaw_de": "# Art. 87a BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Eisenbahnverkehr und Netznutzung\n\n**BGE 146 II 384 E. 4** (25.6.2020)  \nKompetenzgrundlage für Eisenbahngesetzgebung; Netznutzung und Trassenzuteilung  \nDer Entscheid konkretisiert die verfassungsrechtliche Grundlage für die Netznutzung und Trassenzuteilung im Eisenbahnverkehr nach der Reform von 2017.\n\n> «Gemäss Art. 87 BV ist die Gesetzgebung über den Eisenbahnverkehr Sache des Bundes. Gestützt auf diese Kompetenz regelt das Eisenbahngesetz den Bau und Betrieb von Eisenbahnen.»\n\n### Bahninfrastrukturfinanzierung und LSVA\n\n**BGE 136 II 337 E. 2.1** (19.4.2010)  \nVerfassungsgrundlage der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe; Finanzierung Eisenbahngrossprojekte  \nGrundlegender Entscheid zur verfassungsrechtlichen Verankerung der LSVA als Finanzierungsinstrument für die Eisenbahninfrastruktur.\n\n> «Mit Art. 36 quater der alten Bundesverfassung (aBV), angenommen in der Volksabstimmung vom 20. Februar 1994, hat der Verfassungsgeber die Kompetenz geschaffen, um auf dem Schwerverkehr eine leistungs- oder verbrauchsabhängige Abgabe (LSVA) zu erheben.»\n\n**BVGE 2018 III/3** (24.9.2018)  \nLSVA-Verwendung für Eisenbahngrossprojekte; Finanzierungszweck nach Art. 87a Abs. 2 Bst. a BV  \nKonkretisierung der Zweckbindung der LSVA-Erträge für die Finanzierung von Eisenbahngrossprojekten gemäss Verfassungsauftrag.\n\n> «Der Ertrag der LSVA dient auch der Realisierung bestimmter Eisenbahngrossprojekte (Finanzierungsziel gemäss Art. 87a Abs. 2 Bst. a BV).»\n\n### Planungsverfahren Eisenbahninfrastruktur\n\n**A-2088/2021** (27.5.2024)  \nPlangenehmigung Bahninfrastruktur; Projekt Rupperswil-Mägenwil  \nAktueller Entscheid zur Plangenehmigung für Eisenbahninfrastrukturprojekte im Rahmen des Ausbauschritts 2025.\n\n> «Das Projekt «Rupperswil-Mägenwil: Leistungssteigerung» stützt sich auf den Bundesbeschluss vom 21. Juni 2013 über den Ausbauschritt 2025 der Eisenbahninfrastruktur.»\n\n**A-3916/2015** (22.12.2015)  \nKonzession und Netzzugang; Güterverkehrszugang  \nEntscheid zur Zugangsberechtigung privater Anbieter zur Eisenbahninfrastruktur.\n\n> «Die Station Wengernalp wurde ab 1. Januar 2015 für den Gütertransport geschlossen, mit der Begründung insbesondere betrieblicher Aufwendungen.»\n\n### Schwerverkehrsabgabe und Kostendeckung\n\n**2C_423/2014** (30.7.2015)  \nLSVA-Nachleistung; unbegleiteter kombinierter Verkehr  \nPräzisierung der LSVA-Erhebung bei speziellen Transportformen im Kontext der Eisenbahnförderung.\n\n**2C_641/2007** (25.4.2008)  \nLSVA-Solidarhaftung; Anhängertransporte  \nKonkretisierung der LSVA-Haftungsbestimmungen bei Eisenbahn-Strassentransporten.\n\n### Verwaltungsrechtliche Aspekte\n\n**A-1844/2009** (17.12.2009)  \nPlangenehmigung Bahninfrastruktur; Streckensanierung  \nVerfahrensfragen bei der Genehmigung von Eisenbahninfrastrukturprojekten.\n\n**A-3837/2018** (20.5.2019)  \nBahninfrastruktur; behindertengerechte Gestaltung  \nBerücksichtigung von Behindertenbelangen bei Eisenbahninfrastrukturprojekten.\n\n### Historische Entwicklung\n\n**BGE 92 I 150** (4.3.1966)  \nEntschädigung für gemeinwirtschaftliche Leistungen; Bahnunternehmen  \nWegweisender Entscheid zur Finanzierung gemeinwirtschaftlicher Leistungen der Eisenbahnunternehmen vor der heutigen Verfassungsordnung.\n\n> «Anspruch der Bahnunternehmungen des allgemeinen Verkehrs auf Entschädigung für gemeinwirtschaftliche Leistungen und unternehmungsfremde Lasten.»", "summary_fr": "# Art. 87a Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'article 87a de la Constitution fédérale règle le financement de l'infrastructure ferroviaire en Suisse. La disposition oblige la Confédération et les cantons à assurer un financement suffisant. L'instrument le plus important à cet effet est le fonds d'infrastructure ferroviaire (FIF).\n\nLe FIF est un fonds spécial qui ne peut être utilisé qu'exclusivement pour l'infrastructure ferroviaire. Cela comprend les voies, les gares, les installations de sécurité et l'alimentation électrique. Les fonds servent tant à l'entretien des installations existantes qu'à de nouveaux projets de construction.\n\nLe financement s'effectue par diverses sources : au maximum deux tiers des recettes de la redevance sur le trafic des poids lourds (RPLP), des fonds provenant de l'impôt sur les huiles minérales, 2,0 pour mille de la taxe sur la valeur ajoutée et des contributions des cantons d'un total de 500 millions de francs par an. En outre, la Confédération verse des moyens fédéraux généraux.\n\nLes cantons doivent répartir leurs 500 millions de francs selon une clé légale. Celle-ci tient compte de la longueur des lignes de chemin de fer dans chaque canton et de la prestation de transport fournie sur celles-ci. Les cantons avec beaucoup de trafic ferroviaire paient en conséquence davantage.\n\nLes privés ou les communes peuvent en outre financer leurs propres projets si le FIF ne les prend pas en charge. C'est le cas par exemple pour les voies de raccordement d'entreprises.\n\n**Exemple** : L'extension de la gare de Berne pour 1,9 milliard de francs est financée principalement par le FIF. Le canton de Berne participe avec sa contribution obligatoire annuelle d'environ 60 millions de francs. Des améliorations locales supplémentaires pourraient être cofinancées volontairement par la ville et le canton.", "doctrine_fr": "# Art. 87a Cst\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 87a Cst a été adopté le 9 février 2014 dans le cadre de la votation sur le financement et l'aménagement de l'infrastructure ferroviaire (FAIF) avec 62 % de voix favorables. Cette disposition a remplacé la disposition transitoire limitée dans le temps de l'art. 196 ch. 3 Cst (Fonds FTP) et a créé une base constitutionnelle durable pour le financement de l'infrastructure ferroviaire (FF 2012 1611, 1616 ss).\n\n**N. 2** L'historique remonte aux votations populaires sur la NLFA (1992) et le FTP (1998). Le Fonds FTP était conçu comme un fonds spécial limité dans le temps pour quatre grands projets : NLFA, RAIL 2000, raccordements aux LGV et protection contre le bruit. Avec le Fonds pour l'infrastructure ferroviaire (FIF), qui n'est pas limité dans le temps, il s'agissait de créer un instrument de financement global qui garantisse à la fois l'entretien et l'exploitation ainsi que l'aménagement de l'infrastructure ferroviaire selon les besoins (FF 2012 1611, 1620).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 87a Cst est classé systématiquement dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 3e chapitre (Régime financier) et forme, avec l'art. 81a Cst (transports publics), l'art. 85 Cst (redevance sur le trafic des poids lourds), l'art. 86 Cst (impôt sur les huiles minérales) et l'art. 87 Cst (chemins de fer), le fondement constitutionnel du financement des transports en Suisse. Cette norme concrétise la compétence générale de la Confédération en matière de chemins de fer selon l'art. 87 Cst par des règles de financement spécifiques.\n\n**N. 4** Dans le contexte de la constitution des transports, l'art. 87a Cst assume une fonction clé : tandis que l'art. 87 Cst règle la compétence législative et que l'art. 81a Cst statue le mandat de promotion des transports publics, l'art. 87a Cst crée l'instrument de financement concret. Cette disposition est étroitement liée à la politique de transfert (art. 84 Cst) et au développement durable (art. 73 Cst).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Principe de financement (al. 1)\n\n**N. 5** L'alinéa 1 statue comme principe que la Confédération et les cantons assurent un financement suffisant de l'infrastructure ferroviaire. Le terme « infrastructure ferroviaire » comprend selon le message toutes les installations nécessaires au trafic ferroviaire : voies, gares, installations de sécurité, alimentation électrique et télématique (FF 2012 1611, 1676).\n\n**N. 6** Le « financement suffisant » est une notion juridique indéterminée qui doit être concrétisée par le législateur. Kern souligne que cela comprend à la fois la conservation de la substance et l'aménagement selon les besoins (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 3). La responsabilité commune de la Confédération et des cantons reflète la structure fédéraliste du système ferroviaire suisse.\n\n#### b) Fonds pour l'infrastructure ferroviaire (al. 2)\n\n**N. 7** Le Fonds pour l'infrastructure ferroviaire (FIF) est conçu comme un fonds spécial avec sa propre comptabilité. Contrairement au Fonds FTP limité dans le temps, il s'agit d'un instrument de financement non limité dans le temps. L'affectation spéciale englobe à la fois l'exploitation et la conservation de la substance (let. a) ainsi que l'aménagement (let. b) de l'infrastructure ferroviaire.\n\n**N. 8** Les versements au FIF sont énumérés de manière exhaustive à l'alinéa 2 :\n- Au plus les deux tiers du produit de la RPLP (let. a)\n- Des moyens provenant de l'impôt sur les huiles minérales (let. b)\n- 2,0 pour mille de la taxe sur la valeur ajoutée (let. c)\n- Part cantonale de 500 millions de francs (let. d)\n- Moyens généraux de la Confédération (let. e)\n- Autres moyens prévus par la loi (let. f)\n\n**N. 9** La formulation « au plus les deux tiers » pour la RPLP (let. a) donne une marge de manœuvre au législateur. Au moins un tiers des recettes de la RPLP doit être utilisé à d'autres fins, notamment pour les coûts non couverts du trafic routier dans les cantons (art. 85 al. 2 Cst).\n\n**N. 10** La part de taxe sur la valeur ajoutée de 2,0 pour mille fixée à la let. c est à comprendre comme une grandeur absolue. En cas de modification du taux de la taxe sur la valeur ajoutée, le montant absolu reste identique (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 10).\n\n#### c) Participation cantonale (al. 3)\n\n**N. 11** La participation cantonale annuelle de 500 millions de francs est répartie entre les différents cantons selon une clé à fixer par la loi. La loi sur les chemins de fer prévoit à l'art. 57 al. 4 une répartition en fonction de la longueur des tronçons ferroviaires situés dans les cantons et des prestations de transport qui y sont fournies.\n\n**N. 12** Les contributions cantonales sont à qualifier comme des dépenses liées, car elles sont dues en vertu du droit constitutionnel. Cela limite l'autonomie de politique financière des cantons, ce qui a fait l'objet de discussions controversées lors des délibérations parlementaires (BO 2013 E 334 ss).\n\n#### d) Financement par des tiers (al. 4)\n\n**N. 13** L'alinéa 4 permet le financement subsidiaire par des tiers pour des projets que le FIF ne finance pas ou ne finance que partiellement. Comme « tiers » entrent en considération des privés, des communes, mais aussi des cantons dans la mesure où ils vont au-delà de leurs contributions obligatoires (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 23).\n\n**N. 14** Cette disposition est conçue comme une clause d'ouverture qui permet des solutions de financement flexibles. Les cas d'application typiques sont les voies de raccordement pour les entreprises industrielles ou les projets d'aménagement locaux ayant principalement une utilité régionale.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 15** L'art. 87a Cst fonde une obligation de financement constitutionnelle pour la Confédération et les cantons. Cette obligation est de nature programmatique et nécessite une concrétisation légale. Le Fonds pour l'infrastructure ferroviaire est ancré au niveau constitutionnel et ne peut être supprimé que par une modification de la Constitution.\n\n**N. 16** L'affectation spéciale des moyens du FIF est stricte : une utilisation à d'autres fins que l'infrastructure ferroviaire serait anticonstitutionnelle. Cela vaut aussi pour d'éventuels excédents du fonds, qui doivent rester dans le fonds.\n\n**N. 17** Pour les cantons résulte une obligation de paiement annuelle de 500 millions de francs au total. Ces contributions ne sont pas des prestations volontaires, mais des obligations constitutionnelles.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 18** **Exclusivité du FIF** : Il est controversé de savoir si le FIF représente l'instrument de financement exclusif pour l'infrastructure ferroviaire. Kern défend la position qu'il faut partir en principe d'un financement global et exclusif par le FIF (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 20). En revanche, Waldmeier plaide pour une interprétation plus restrictive qui autorise des financements supplémentaires en dehors du FIF (SG Komm. BV-Waldmeier, Art. 87a N. 24).\n\n**N. 19** **Renonciation aux intérêts** : La renonciation prévue par la loi à une rémunération des moyens du FIF est jugée constitutionnellement problématique par Kern, car elle contredit le principe d'utilisation économique des moyens (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 12). Cette position n'est cependant pas incontestée, d'autant plus que la Constitution elle-même ne prévoit aucune obligation de rémunération.\n\n**N. 20** **Neutralité concurrentielle** : Il est discuté si la subvention massive de l'infrastructure ferroviaire fausse la concurrence entre les moyens de transport. Kern n'y voit pas une violation de la liberté économique, mais l'expression d'une politique des transports créatrice (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 19). Cette vision correspond à la doctrine dominante, qui considère les mesures d'incitation de politique des transports comme admissibles.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 21** Lors de la planification de projets d'infrastructure ferroviaire, il convient de clarifier à temps si un financement par le FIF est possible. L'inscription dans les programmes d'aménagement de la Confédération s'effectue dans des processus politiques pluriannuels qui nécessitent de longs délais de préparation.\n\n**N. 22** Les cantons et communes qui souhaitent des aménagements allant au-delà du financement FIF peuvent se fonder sur l'art. 87a al. 4 Cst. De tels financements supplémentaires nécessitent cependant une coordination soigneuse avec la planification fédérale.\n\n**N. 23** L'affectation stricte des moyens du FIF signifie que même en cas de modifications ou de retards de projets, aucun transfert de moyens vers d'autres domaines n'est possible. Cela augmente la pression sur une planification et une réalisation soigneuses des projets.\n\n**N. 24** Le Fonds pour l'infrastructure ferroviaire s'est révélé selon Kern un instrument de financement innovant adapté aux longs cycles de planification de l'infrastructure ferroviaire (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 24). L'ancrage constitutionnel garantit la sécurité de planification nécessaire pour les grands projets.", "caselaw_fr": "# Art. 87a Cst\n\n## Jurisprudence\n\n### Trafic ferroviaire et utilisation du réseau\n\n**ATF 146 II 384 consid. 4** (25.6.2020)  \nBase de compétence pour la législation ferroviaire ; utilisation du réseau et attribution des sillons  \nL'arrêt concrétise le fondement constitutionnel de l'utilisation du réseau et de l'attribution des sillons dans le trafic ferroviaire après la réforme de 2017.\n\n> « Selon l'art. 87 Cst, la législation sur les chemins de fer relève de la compétence de la Confédération. Sur la base de cette compétence, la loi sur les chemins de fer règle la construction et l'exploitation des chemins de fer. »\n\n### Financement de l'infrastructure ferroviaire et RPLP\n\n**ATF 136 II 337 consid. 2.1** (19.4.2010)  \nBase constitutionnelle de la redevance poids lourds liée aux prestations ; financement des grands projets ferroviaires  \nArrêt fondamental sur l'ancrage constitutionnel de la RPLP comme instrument de financement de l'infrastructure ferroviaire.\n\n> « Avec l'art. 36 quater de l'ancienne constitution fédérale (aCst), accepté lors de la votation populaire du 20 février 1994, le constituant a créé la compétence de prélever sur le trafic poids lourds une redevance liée aux prestations ou à la consommation (RPLP). »\n\n**ATAF 2018 III/3** (24.9.2018)  \nUtilisation de la RPLP pour les grands projets ferroviaires ; but de financement selon l'art. 87a al. 2 let. a Cst  \nConcrétisation de l'affectation du produit de la RPLP au financement des grands projets ferroviaires selon le mandat constitutionnel.\n\n> « Le produit de la RPLP sert aussi à la réalisation de certains grands projets ferroviaires (objectif de financement selon l'art. 87a al. 2 let. a Cst). »\n\n### Procédures de planification de l'infrastructure ferroviaire\n\n**A-2088/2021** (27.5.2024)  \nApprobation des plans d'infrastructure ferroviaire ; projet Rupperswil-Mägenwil  \nArrêt actuel sur l'approbation des plans pour les projets d'infrastructure ferroviaire dans le cadre de l'étape d'aménagement 2025.\n\n> « Le projet « Rupperswil-Mägenwil : amélioration des performances » se fonde sur l'arrêté fédéral du 21 juin 2013 sur l'étape d'aménagement 2025 de l'infrastructure ferroviaire. »\n\n**A-3916/2015** (22.12.2015)  \nConcession et accès au réseau ; accès au trafic marchandises  \nArrêt sur le droit d'accès des prestataires privés à l'infrastructure ferroviaire.\n\n> « La station Wengernalp a été fermée au transport de marchandises dès le 1er janvier 2015, notamment en raison de charges d'exploitation. »\n\n### Redevance poids lourds et couverture des coûts\n\n**2C_423/2014** (30.7.2015)  \nPrestation supplémentaire RPLP ; transport combiné non accompagné  \nPrécision du prélèvement de la RPLP pour des formes de transport spéciales dans le contexte de la promotion ferroviaire.\n\n**2C_641/2007** (25.4.2008)  \nResponsabilité solidaire RPLP ; transports de remorques  \nConcrétisation des dispositions de responsabilité RPLP pour les transports ferroviaire-routier.\n\n### Aspects de droit administratif\n\n**A-1844/2009** (17.12.2009)  \nApprobation des plans d'infrastructure ferroviaire ; assainissement de ligne  \nQuestions de procédure lors de l'approbation de projets d'infrastructure ferroviaire.\n\n**A-3837/2018** (20.5.2019)  \nInfrastructure ferroviaire ; aménagement adapté aux handicapés  \nPrise en compte des besoins des personnes handicapées dans les projets d'infrastructure ferroviaire.\n\n### Développement historique\n\n**ATF 92 I 150** (4.3.1966)  \nIndemnisation pour prestations d'intérêt général ; entreprises ferroviaires  \nArrêt de principe sur le financement des prestations d'intérêt général des entreprises ferroviaires avant l'ordre constitutionnel actuel.\n\n> « Droit des entreprises ferroviaires du trafic général à une indemnisation pour les prestations d'intérêt général et les charges étrangères à l'entreprise. »", "summary_it": "# Art. 87a Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 87a della Costituzione federale disciplina il finanziamento dell'infrastruttura ferroviaria in Svizzera. La disposizione obbliga la Confederazione e i Cantoni a provvedere a un finanziamento sufficiente. Lo strumento principale a tal fine è il Fondo per l'infrastruttura ferroviaria (FIF).\n\nIl FIF è un fondo speciale che può essere utilizzato esclusivamente per l'infrastruttura ferroviaria. Vi rientrano binari, stazioni, impianti di sicurezza e alimentazione elettrica. Il denaro confluisce sia nella manutenzione di impianti esistenti sia in nuovi progetti di costruzione.\n\nIl finanziamento avviene attraverso diverse fonti: al massimo due terzi dei proventi della tassa sul traffico pesante (TTPCP), fondi della tassa sui carburanti, 2,0 per mille dell'imposta sul valore aggiunto e contributi dei Cantoni per un totale di 500 milioni di franchi all'anno. Inoltre la Confederazione versa mezzi federali generali.\n\nI Cantoni devono ripartire i loro 500 milioni di franchi secondo una chiave legale. Questa tiene conto della lunghezza delle tratte ferroviarie in ogni Cantone e delle prestazioni di traffico ivi erogate. I Cantoni con molto traffico ferroviario pagano di conseguenza di più.\n\nPrivati o Comuni possono inoltre finanziare propri progetti, se il FIF non se ne fa carico. Questo è il caso per esempio dei raccordi ferroviari per aziende.\n\n**Esempio**: L'ampliamento della stazione di Berna per 1,9 miliardi di franchi è finanziato principalmente dal FIF. Il Cantone di Berna partecipa con il suo contributo obbligatorio annuale di circa 60 milioni di franchi. Miglioramenti locali supplementari potrebbero essere cofinanziati volontariamente da Città e Cantone.", "doctrine_it": "# Art. 87a Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 87a Cost. è stato adottato il 9 febbraio 2014 nel quadro della votazione sul finanziamento e potenziamento dell'infrastruttura ferroviaria (FAIF) con il 62% di voti favorevoli. La disposizione ha sostituito la disposizione transitoria a termine dell'art. 196 n. 3 Cost. (Fondo FiTP) e ha creato una base costituzionale permanente per il finanziamento dell'infrastruttura ferroviaria (FF 2012 1469, 1474 ss.).\n\n**N. 2** La preistoria risale alle votazioni popolari sulla NFTA (1992) e sui FiTP (1998). Il Fondo FiTP era concepito come fondo speciale a termine per quattro grandi progetti: NFTA, FERROVIA 2000, raccordi TAV e protezione antirumore. Con il Fondo per l'infrastruttura ferroviaria (FInFer) senza limitazione temporale doveva essere creato uno strumento di finanziamento globale che garantisse sia la manutenzione e l'esercizio sia il potenziamento dell'infrastruttura ferroviaria secondo i bisogni (FF 2012 1469, 1478).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 87a Cost. è sistematicamente collocato nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 3° capitolo (Ordinamento finanziario) e costituisce, insieme all'art. 81a Cost. (trasporti pubblici), all'art. 85 Cost. (tassa sul traffico pesante), all'art. 86 Cost. (tassa sugli oli minerali) e all'art. 87 Cost. (ferrovie), il fondamento costituzionale del finanziamento svizzero dei trasporti. La norma concretizza la competenza federale generale per le ferrovie secondo l'art. 87 Cost. mediante regole specifiche di finanziamento.\n\n**N. 4** Nel contesto della costituzione dei trasporti, l'art. 87a Cost. riveste una funzione chiave: mentre l'art. 87 Cost. disciplina la competenza legislativa e l'art. 81a Cost. stabilisce il mandato di promozione per i trasporti pubblici, l'art. 87a Cost. crea lo strumento concreto di finanziamento. La disposizione è strettamente collegata alla politica di trasferimento (art. 84 Cost.) e allo sviluppo sostenibile (art. 73 Cost.).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Principio di finanziamento (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il capoverso 1 stabilisce come principio che Confederazione e Cantoni assicurano un finanziamento sufficiente dell'infrastruttura ferroviaria. Il concetto di «infrastruttura ferroviaria» comprende secondo il messaggio tutti gli impianti necessari per il traffico ferroviario: binari, stazioni, impianti di sicurezza, alimentazione elettrica e telematica (FF 2012 1469, 1534).\n\n**N. 6** Il «finanziamento sufficiente» è un concetto giuridico indeterminato che deve essere concretizzato dal legislatore. Kern sottolinea che con ciò s'intende sia il mantenimento della sostanza sia il potenziamento secondo i bisogni (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 3). La responsabilità comune di Confederazione e Cantoni rispecchia la struttura federalistica del sistema ferroviario svizzero.\n\n#### b) Fondo per l'infrastruttura ferroviaria (cpv. 2)\n\n**N. 7** Il Fondo per l'infrastruttura ferroviaria (FInFer) è configurato come fondo speciale con proprio conto. A differenza del Fondo FiTP a termine, si tratta di uno strumento di finanziamento senza limitazione temporale. Il vincolo di destinazione comprende sia l'esercizio e il mantenimento della sostanza (lett. a) sia il potenziamento (lett. b) dell'infrastruttura ferroviaria.\n\n**N. 8** I versamenti al FInFer sono elencati esaustivamente nel capoverso 2:\n- Al massimo due terzi del provento della TTPCP (lett. a)\n- Mezzi provenienti dalla tassa sugli oli minerali (lett. b)\n- 2,0 per mille dell'imposta sul valore aggiunto (lett. c)\n- Quota cantonale di 500 milioni di franchi (lett. d)\n- Mezzi generali della Confederazione (lett. e)\n- Altri mezzi previsti per legge (lett. f)\n\n**N. 9** La formulazione «al massimo due terzi» per la TTPCP (lett. a) dà al legislatore un margine di manovra. Almeno un terzo dei proventi della TTPCP deve essere utilizzato per altri scopi, segnatamente per i costi scoperti del traffico stradale nei Cantoni (art. 85 cpv. 2 Cost.).\n\n**N. 10** La quota dell'imposta sul valore aggiunto stabilita nella lett. c di 2,0 per mille è da intendere come grandezza assoluta. In caso di modifica dell'aliquota dell'imposta sul valore aggiunto, l'importo assoluto rimane invariato (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 10).\n\n#### c) Partecipazione cantonale (cpv. 3)\n\n**N. 11** La partecipazione cantonale annua di 500 milioni di franchi è ripartita tra i singoli Cantoni secondo una chiave stabilita per legge. La legge federale sulle ferrovie prevede nell'art. 57 cpv. 4 una ripartizione in base alla lunghezza delle tratte ferroviarie situate nei Cantoni e alle prestazioni di trasporto ivi fornite.\n\n**N. 12** I contributi cantonali devono essere qualificati come uscite vincolate, poiché sono dovuti per diritto costituzionale. Ciò limita l'autonomia di politica finanziaria dei Cantoni, il che fu discusso in modo controverso nelle deliberazioni parlamentari (BO 2013 S 334 ss.).\n\n#### d) Finanziamento da parte di terzi (cpv. 4)\n\n**N. 13** Il capoverso 4 consente il finanziamento sussidiario da parte di terzi per progetti che il FInFer non finanzia o finanzia solo parzialmente. Come «terzi» possono entrare in considerazione privati, Comuni, ma anche Cantoni, nella misura in cui vanno oltre i loro contributi obbligatori (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 23).\n\n**N. 14** La disposizione è concepita come clausola di apertura che consente soluzioni di finanziamento flessibili. Casi tipici di applicazione sono raccordi ferroviari per imprese industriali o progetti di potenziamento locale con utilità primariamente regionale.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** L'art. 87a Cost. stabilisce un obbligo costituzionale di finanziamento per Confederazione e Cantoni. Quest'obbligo è di natura programmatica e necessita di concretizzazione legislativa. Il Fondo per l'infrastruttura ferroviaria è ancorato nel diritto costituzionale e può essere abolito soltanto mediante modifica costituzionale.\n\n**N. 16** Il vincolo di destinazione dei mezzi del FInFer è rigoroso: un utilizzo per scopi diversi dall'infrastruttura ferroviaria sarebbe incostituzionale. Ciò vale anche per eventuali eccedenze del fondo, che devono rimanere nel fondo.\n\n**N. 17** Per i Cantoni ne risulta un obbligo di versamento annuo complessivo di 500 milioni di franchi. Questi contributi non sono prestazioni volontarie, bensì obblighi costituzionali.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 18** **Esclusività del FInFer**: È controverso se il FInFer rappresenti lo strumento di finanziamento esclusivo per l'infrastruttura ferroviaria. Kern è dell'opinione che fondamentalmente si debba partire da un finanziamento globale ed esclusivo tramite il FInFer (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 20). Waldmeier al contrario propende per un'interpretazione più restrittiva che ammette finanziamenti aggiuntivi al di fuori del FInFer (SG Komm. BV-Waldmeier, Art. 87a N. 24).\n\n**N. 19** **Rinuncia agli interessi**: La rinuncia agli interessi sui mezzi del FInFer prevista per legge è giudicata da Kern costituzionalmente problematica, poiché contraddirebbe il principio dell'impiego economico dei mezzi (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 12). Questa posizione è tuttavia controversa, tanto più che la Costituzione stessa non prevede alcun obbligo di remunerazione.\n\n**N. 20** **Neutralità concorrenziale**: Si discute se la massiccia sovvenzione dell'infrastruttura ferroviaria distorca la concorrenza tra i vettori di trasporto. Kern non vi vede una violazione della libertà economica, bensì l'espressione di una politica dei trasporti orientativa (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 19). Questa visione corrisponde alla dottrina dominante, che considera ammissibili le misure di orientamento della politica dei trasporti.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nella pianificazione di progetti d'infrastruttura ferroviaria occorre chiarire tempestivamente se sia possibile un finanziamento dal FInFer. L'inserimento nei programmi di potenziamento della Confederazione avviene in processi politici pluriennali che richiedono lunghi tempi di preparazione.\n\n**N. 22** Cantoni e Comuni che desiderano potenziamenti che vanno oltre il finanziamento del FInFer possono basarsi sull'art. 87a cpv. 4 Cost. Tali finanziamenti aggiuntivi necessitano tuttavia di un attento coordinamento con la pianificazione federale.\n\n**N. 23** Il rigoroso vincolo di destinazione dei mezzi del FInFer significa che anche in caso di modifiche o ritardi dei progetti non è possibile un trasferimento di mezzi in altri settori. Ciò aumenta la pressione per una pianificazione e attuazione accurata dei progetti.\n\n**N. 24** Il Fondo per l'infrastruttura ferroviaria si è affermato secondo Kern come strumento di finanziamento innovativo adeguato ai lunghi cicli di pianificazione dell'infrastruttura ferroviaria (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 24). L'ancoraggio costituzionale garantisce la necessaria sicurezza di pianificazione per i grandi progetti.", "caselaw_it": "# Art. 87a Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Traffico ferroviario e utilizzazione della rete\n\n**DTF 146 II 384 consid. 4** (25.6.2020)  \nBase di competenza per la legislazione ferroviaria; utilizzazione della rete e attribuzione dei tracciati  \nLa decisione concretizza la base costituzionale per l'utilizzazione della rete e l'attribuzione dei tracciati nel traffico ferroviario dopo la riforma del 2017.\n\n> «Secondo l'art. 87 Cost., la legislazione sul traffico ferroviario compete alla Confederazione. Fondata su questa competenza, la legge sulle ferrovie disciplina la costruzione e l'esercizio delle ferrovie.»\n\n### Finanziamento dell'infrastruttura ferroviaria e TTPCP\n\n**DTF 136 II 337 consid. 2.1** (19.4.2010)  \nBase costituzionale della tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni; finanziamento grandi progetti ferroviari  \nDecisione fondamentale sull'ancoraggio costituzionale della TTPCP quale strumento di finanziamento per l'infrastruttura ferroviaria.\n\n> «Con l'art. 36 quater della vecchia Costituzione federale (vCost.), approvato nella votazione popolare del 20 febbraio 1994, il costituente ha creato la competenza per riscuotere sul traffico pesante una tassa commisurata alle prestazioni o al consumo (TTPCP).»\n\n**DTAF 2018 III/3** (24.9.2018)  \nUtilizzazione TTPCP per grandi progetti ferroviari; scopo di finanziamento secondo l'art. 87a cpv. 2 lett. a Cost.  \nConcretizzazione del vincolo di destinazione dei ricavi della TTPCP per il finanziamento di grandi progetti ferroviari secondo il mandato costituzionale.\n\n> «Il ricavo della TTPCP serve anche alla realizzazione di determinati grandi progetti ferroviari (obiettivo di finanziamento secondo l'art. 87a cpv. 2 lett. a Cost.).»\n\n### Procedura di pianificazione infrastruttura ferroviaria\n\n**A-2088/2021** (27.5.2024)  \nApprovazione dei piani infrastruttura ferroviaria; progetto Rupperswil-Mägenwil  \nDecisione attuale sull'approvazione dei piani per progetti di infrastruttura ferroviaria nell'ambito della tappa di potenziamento 2025.\n\n> «Il progetto \"Rupperswil-Mägenwil: aumento delle prestazioni\" si fonda sul decreto federale del 21 giugno 2013 sulla tappa di potenziamento 2025 dell'infrastruttura ferroviaria.»\n\n**A-3916/2015** (22.12.2015)  \nConcessione e accesso alla rete; accesso traffico merci  \nDecisione sul diritto di accesso di fornitori privati all'infrastruttura ferroviaria.\n\n> «La stazione Wengernalp è stata chiusa dal 1° gennaio 2015 per il trasporto merci, con la motivazione in particolare di oneri operativi.»\n\n### Tassa sul traffico pesante e copertura dei costi\n\n**2C_423/2014** (30.7.2015)  \nPrestazione supplementare TTPCP; traffico combinato non accompagnato  \nPrecisazione della riscossione TTPCP per forme di trasporto speciali nel contesto della promozione ferroviaria.\n\n**2C_641/2007** (25.4.2008)  \nResponsabilità solidale TTPCP; trasporti rimorchi  \nConcretizzazione delle disposizioni sulla responsabilità TTPCP per trasporti ferrovia-strada.\n\n### Aspetti di diritto amministrativo\n\n**A-1844/2009** (17.12.2009)  \nApprovazione dei piani infrastruttura ferroviaria; risanamento tratta  \nQuestioni procedurali nell'approvazione di progetti di infrastruttura ferroviaria.\n\n**A-3837/2018** (20.5.2019)  \nInfrastruttura ferroviaria; configurazione idonea ai disabili  \nConsiderazione delle esigenze dei disabili nei progetti di infrastruttura ferroviaria.\n\n### Sviluppo storico\n\n**DTF 92 I 150** (4.3.1966)  \nIndennizzo per prestazioni di servizio pubblico; imprese ferroviarie  \nDecisione pionieristica sul finanziamento di prestazioni di servizio pubblico delle imprese ferroviarie prima dell'attuale ordinamento costituzionale.\n\n> «Diritto delle imprese ferroviarie del traffico generale all'indennizzo per prestazioni di servizio pubblico e oneri estranei all'impresa.»", "summary_en": "# Art. 87a BV\n\n## Overview\n\nArticle 87a of the Federal Constitution regulates the financing of railway infrastructure in Switzerland. The provision obliges the Confederation and the cantons to ensure adequate financing. The most important instrument for this is the Railway Infrastructure Fund (RIF).\n\nThe RIF is a special fund that may be used exclusively for railway infrastructure. This includes tracks, railway stations, safety installations and power supply. The money flows both into the maintenance of existing facilities and into new construction projects.\n\nFinancing is provided through various sources: at most two thirds of the revenue from the heavy vehicle fee (HVF), funds from the mineral oil tax, 2.0 per mille of value added tax and contributions from the cantons totalling 500 million francs annually. In addition, the Confederation pays in general federal funds.\n\nThe cantons must divide their 500 million francs according to a statutory allocation key. This takes into account the length of railway lines in each canton and the transport services provided on them. Cantons with heavy rail traffic pay correspondingly more.\n\nPrivate parties or municipalities may additionally finance their own projects if the RIF does not take them over. This is the case, for example, with connecting tracks for companies.\n\n**Example**: The expansion of Bern railway station for 1.9 billion francs is financed mainly from the RIF. The Canton of Bern participates with its annual mandatory contribution of around 60 million francs. Additional local improvements could be co-financed voluntarily by the city and canton.", "doctrine_en": "# Art. 87a BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 87a BV was adopted on 9 February 2014 as part of the vote on the financing and expansion of railway infrastructure (FABI) with 62% yes votes. The provision replaced the temporary transitional provision Art. 196 No. 3 BV (FinöV Fund) and created a permanent constitutional basis for railway infrastructure financing (BBl 2012 1577, 1582 ff.).\n\n**N. 2** The prehistory reaches back to the popular votes on NEAT (1992) and FinöV (1998). The FinöV Fund was conceived as a temporary special fund for four major projects: NEAT, Rail 2000, high-speed rail connections and noise protection. The unlimited Railway Infrastructure Fund (RIF) was intended to create a comprehensive financing instrument that would ensure both maintenance and operation as well as needs-based expansion of railway infrastructure (BBl 2012 1577, 1586).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 87a BV is systematically classified in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 3 (Financial Order) and forms, together with Art. 81a BV (public transport), Art. 85 BV (heavy vehicle charge), Art. 86 BV (fuel tax) and Art. 87 BV (railways), the constitutional foundation of Swiss transport financing. The provision concretises the general federal competence for railways under Art. 87 BV through specific financing rules.\n\n**N. 4** In the context of transport law, Art. 87a BV serves a key function: While Art. 87 BV regulates legislative competence and Art. 81a BV establishes the mandate to promote public transport, Art. 87a BV creates the concrete financing instrument. The provision is closely connected with modal shift policy (Art. 84 BV) and sustainable development (Art. 73 BV).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### a) Financing Principle (para. 1)\n\n**N. 5** Paragraph 1 establishes as a principle that the Confederation and cantons shall ensure adequate financing of railway infrastructure. According to the Federal Council Message, the term «railway infrastructure» encompasses all facilities necessary for railway traffic: tracks, stations, safety systems, power supply and telematics (BBl 2012 1577, 1642).\n\n**N. 6** «Adequate financing» is an indeterminate legal concept that must be concretised by the legislature. Kern emphasises that this means both preservation of substance and needs-based expansion (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 3). The joint responsibility of Confederation and cantons reflects the federalist structure of the Swiss railway system.\n\n#### b) Railway Infrastructure Fund (para. 2)\n\n**N. 7** The Railway Infrastructure Fund (RIF) is designed as a special fund with its own account. Unlike the temporary FinöV Fund, it is an unlimited financing instrument. The earmarking covers both operation and preservation of substance (let. a) as well as expansion (let. b) of railway infrastructure.\n\n**N. 8** The deposits into the RIF are exhaustively enumerated in paragraph 2:\n- At most two-thirds of the HVC revenue (let. a)\n- Funds from fuel tax (let. b)\n- 2.0 per mille of value added tax (let. c)\n- Cantonal contribution of 500 million francs (let. d)\n- General federal funds (let. e)\n- Other legally provided funds (let. f)\n\n**N. 9** The formulation «at most two-thirds» for the HVC (let. a) gives the legislature leeway. At least one-third of HVC revenues must be used for other purposes, notably for uncovered costs of road transport in the cantons (Art. 85 para. 2 BV).\n\n**N. 10** The value added tax share of 2.0 per mille established in let. c is to be understood as an absolute amount. In case of a change to the value added tax rate, the absolute amount remains the same (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 10).\n\n#### c) Cantonal Participation (para. 3)\n\n**N. 11** The annual cantonal participation of 500 million francs is distributed among the individual cantons according to a key to be established by law. The Railway Act provides in Art. 57 para. 4 for distribution according to the length of railway lines located in the cantons and the transport services provided thereon.\n\n**N. 12** The cantonal contributions must be qualified as committed expenditure since they are constitutionally owed. This restricts the fiscal autonomy of the cantons, which was controversially discussed in parliamentary deliberations (AB 2013 S 334 ff.).\n\n#### d) Third-Party Financing (para. 4)\n\n**N. 13** Paragraph 4 enables subsidiary financing by third parties for projects that the RIF does not or only partially finance. «Third parties» may include private entities, communes, but also cantons insofar as they go beyond their mandatory contributions (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 23).\n\n**N. 14** The provision is conceived as an opening clause that enables flexible financing solutions. Typical applications include connecting tracks for industrial companies or local expansion projects with primarily regional benefits.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** Art. 87a BV establishes a constitutional financing obligation for Confederation and cantons. This obligation is programmatic in nature and requires legislative concretisation. The Railway Infrastructure Fund is constitutionally anchored and can only be abolished through constitutional amendment.\n\n**N. 16** The earmarking of RIF funds is strict: use for purposes other than railway infrastructure would be unconstitutional. This also applies to any fund surpluses, which must remain in the fund.\n\n**N. 17** For the cantons, an annual payment obligation totalling 500 million francs arises. These contributions are not voluntary services but constitutional obligations.\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 18** **Exclusivity of the RIF**: It is disputed whether the RIF represents the exclusive financing instrument for railway infrastructure. Kern takes the position that comprehensive and exclusive financing through the RIF should generally be assumed (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 20). In contrast, Waldmeier advocates for a narrower interpretation that permits additional financing outside the RIF (SG Komm. BV-Waldmeier, Art. 87a N. 24).\n\n**N. 19** **Waiver of Interest**: The legally provided waiver of interest on RIF funds is considered constitutionally problematic by Kern, as it contradicts the principle of economic use of resources (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 12). However, this position is disputed, especially since the Constitution itself provides no obligation to pay interest.\n\n**N. 20** **Competitive Neutrality**: It is discussed whether the massive subsidisation of railway infrastructure distorts competition between modes of transport. Kern sees no violation of economic freedom in this, but rather expression of a shaping transport policy (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 19). This view corresponds to prevailing doctrine, which considers transport policy steering measures permissible.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 21** When planning railway infrastructure projects, it must be clarified early whether financing from the RIF is possible. Inclusion in the Confederation's expansion programmes takes place in multi-year political processes that require long lead times.\n\n**N. 22** Cantons and communes that desire expansions beyond RIF financing can rely on Art. 87a para. 4 BV. However, such additional financing requires careful coordination with federal planning.\n\n**N. 23** The strict earmarking of RIF funds means that even in case of project changes or delays, no reallocation of funds to other areas is possible. This increases pressure for careful project planning and implementation.\n\n**N. 24** According to Kern, the Railway Infrastructure Fund has proven itself as an innovative financing instrument appropriate to the long planning cycles of railway infrastructure (Kern, BSK BV, Art. 87a N. 24). The constitutional anchoring ensures the necessary planning security for major projects.", "caselaw_en": "# Art. 87a BV\n\n## Caselaw\n\n### Railway Traffic and Network Use\n\n**BGE 146 II 384 E. 4** (25.6.2020)  \nBasis of jurisdiction for railway legislation; network use and path allocation  \nThis decision specifies the constitutional basis for network use and path allocation in railway traffic following the 2017 reform.\n\n> «According to Art. 87 BV, legislation on railway traffic is a matter for the Confederation. Based on this competence, the Railway Act regulates the construction and operation of railways.»\n\n### Railway Infrastructure Financing and HVF\n\n**BGE 136 II 337 E. 2.1** (19.4.2010)  \nConstitutional basis of the performance-related heavy vehicle fee; financing of major railway projects  \nFundamental decision on the constitutional anchoring of the HVF as a financing instrument for railway infrastructure.\n\n> «With Art. 36 quater of the old Federal Constitution (old FedCst), adopted in the referendum of 20 February 1994, the constitutional authority created the competence to levy a performance- or consumption-based fee (HVF) on heavy traffic.»\n\n**BVGE 2018 III/3** (24.9.2018)  \nHVF use for major railway projects; financing purpose under Art. 87a para. 2 let. a BV  \nSpecification of the earmarking of HVF proceeds for financing major railway projects according to the constitutional mandate.\n\n> «The proceeds of the HVF also serve the realisation of specific major railway projects (financing objective according to Art. 87a para. 2 let. a BV).»\n\n### Railway Infrastructure Planning Procedures\n\n**A-2088/2021** (27.5.2024)  \nPlan approval for railway infrastructure; Rupperswil-Mägenwil project  \nCurrent decision on plan approval for railway infrastructure projects within the framework of the 2025 expansion step.\n\n> «The project «Rupperswil-Mägenwil: Performance Enhancement» is based on the Federal Decree of 21 June 2013 on the 2025 expansion step of railway infrastructure.»\n\n**A-3916/2015** (22.12.2015)  \nConcession and network access; freight traffic access  \nDecision on the access entitlement of private providers to railway infrastructure.\n\n> «Wengernalp station was closed for freight transport from 1 January 2015, justified in particular by operational expenditure.»\n\n### Heavy Vehicle Fee and Cost Coverage\n\n**2C_423/2014** (30.7.2015)  \nHVF supplementary payment; unaccompanied combined transport  \nClarification of HVF collection for special forms of transport in the context of railway promotion.\n\n**2C_641/2007** (25.4.2008)  \nHVF joint and several liability; trailer transports  \nSpecification of HVF liability provisions for rail-road transports.\n\n### Administrative Law Aspects\n\n**A-1844/2009** (17.12.2009)  \nPlan approval for railway infrastructure; route rehabilitation  \nProcedural issues in the approval of railway infrastructure projects.\n\n**A-3837/2018** (20.5.2019)  \nRailway infrastructure; disability-accessible design  \nConsideration of disability concerns in railway infrastructure projects.\n\n### Historical Development\n\n**BGE 92 I 150** (4.3.1966)  \nCompensation for public service obligations; railway companies  \nLandmark decision on financing public service obligations of railway companies before the current constitutional order.\n\n> «Entitlement of railway companies in general traffic to compensation for public service obligations and burdens external to the enterprise.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_87a", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 87, "article_suffix": "b", "title": "Verwendung von Abgaben für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Luftverkehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 87b BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 87b BV regelt die Spezialfinanzierung Luftverkehr. Diese Verfassungsbestimmung verpflichtet den Bund, die Hälfte des Reinertrags der Verbrauchssteuer auf Flugtreibstoffen und den gesamten Zuschlag auf dieser Steuer für luftverkehrsbezogene Zwecke zu verwenden (Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 310 f.).\n\nDie Norm durchbricht das Prinzip der Non-Affektation (Art. 126 Abs. 3 BV) und schafft eine Zweckbindung für drei Hauptbereiche: Umweltschutzmassnahmen im Luftverkehr, Sicherheitsmassnahmen gegen widerrechtliche Handlungen und Massnahmen zur Förderung der technischen Sicherheit. Die Ausführungsgesetzgebung findet sich im MinVG (SR 725.116.2), welches die konkrete Verwendung der zweckgebundenen Mittel regelt (**Urteil A-4995/2018 vom 6. Mai 2019 E. 3.3**).\n\n**Beispiel**: Eine Flugschule kann beim BAZL einen Beitrag für die Ausbildung von Fluglehrern beantragen. Das BAZL prüft das Gesuch nach den Kriterien der Zweckmässigkeit und Wirksamkeit gemäss Art. 4 Abs. 1 MinLV (**Urteil A-4886/2023 vom 18. Juli 2024**). Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht – es handelt sich um Ermessenssubventionen (Art. 37b Abs. 1 MinVG).\n\nGegen ablehnende Entscheide kann vor dem Bundesverwaltungsgericht Beschwerde geführt werden. Ein Weiterzug ans Bundesgericht ist jedoch ausgeschlossen, da es sich um Subventionen ohne Rechtsanspruch handelt (Art. 83 Bst. k BGG; **Urteil A-4995/2018 vom 6. Mai 2019 E. 8**). Das BAZL verfügt über erheblichen Ermessensspielraum bei der Vergabe der Mittel (**Urteil A-2544/2021 vom 27. Februar 2023 E. 2**).\n\nDie Spezialfinanzierung folgt dem Verursacherprinzip: Wer Flugtreibstoff verbraucht, trägt zur Finanzierung luftverkehrsbezogener Massnahmen bei. Die Mittel werden in einem Fonds verwaltet und können über mehrere Jahre für den vorgesehenen Zweck verwendet werden.", "doctrine_de": "# Art. 87b BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 87b BV wurde im Zuge der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 eingefügt. Die Bestimmung konkretisiert die in Art. 87 BV verankerte umfassende Bundeskompetenz für die Luftfahrtgesetzgebung. Die Norm schafft eine verfassungsrechtliche Grundlage für die Zweckbindung eines Teils der Mineralölsteuererträge zugunsten des Luftverkehrs (Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 1, 310 f.).\n\n**N. 2** Die Zweckbindung der Mineralölsteuer für den Luftverkehr hat eine längere Tradition. Bereits mit der Einführung der Mineralölsteuer im Jahr 1996 wurde festgelegt, dass ein Teil der Erträge aus der Besteuerung von Flugtreibstoffen für luftfahrtbezogene Zwecke zu verwenden sei. Mit Art. 87b BV erhielt diese Praxis eine ausdrückliche verfassungsrechtliche Grundlage (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 87b N. 1).\n\n**N. 3** Die Bestimmung steht im systematischen Zusammenhang mit Art. 86 BV (Mineralölsteuer) und Art. 87 BV (Luftfahrt). Sie bildet das luftfahrtspezifische Pendant zur Spezialfinanzierung Strassenverkehr gemäss Art. 86 Abs. 3 BV. Der Verfassungsgeber wollte damit sicherstellen, dass die aus dem Luftverkehr generierten Abgaben auch diesem Sektor zugutekommen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 87b N. 3).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 87b BV ist Teil des 3. Abschnitts der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden. Die Norm steht im 4. Kapitel über Verkehr und fügt sich in die Systematik der verkehrsspezifischen Finanzierungsbestimmungen ein. Sie ergänzt die allgemeine Luftfahrtkompetenz des Bundes (Art. 87 BV) um eine spezifische Finanzierungsregelung.\n\n**N. 5** Die Bestimmung weist enge Bezüge zu folgenden Verfassungsnormen auf:\n- → Art. 86 BV (Verbrauchssteuer auf Treibstoffen): Grundlage für die Erhebung der Mineralölsteuer\n- → Art. 87 BV (Luftfahrt): Umfassende Bundeskompetenz für die Luftfahrtgesetzgebung\n- → Art. 126 BV (Haushaltführung): Grundsätze der Finanzordnung\n- → Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns): Verhältnismässigkeit der Mittelverwendung\n\n**N. 6** Die Zweckbindung nach Art. 87b BV durchbricht das Prinzip der Non-Affektation (Art. 126 Abs. 3 BV), wonach Einnahmen grundsätzlich nicht für bestimmte Ausgaben reserviert werden sollen. Diese Durchbrechung ist verfassungsrechtlich legitimiert und folgt dem Verursacherprinzip: Die vom Luftverkehr generierten Abgaben sollen diesem Sektor zugutekommen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 2156).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Art. 87b BV verpflichtet den Bund, die Hälfte des Reinertrags der Verbrauchssteuer auf Flugtreibstoffen sowie den Zuschlag auf dieser Steuer für luftverkehrsbezogene Aufgaben und Aufwendungen zu verwenden. Die Bestimmung enthält folgende Kernelemente:\n\n**N. 8** **Abgabengrundlage**: Die Zweckbindung erfasst zwei Ertragsquellen:\n- 50% des Reinertrags der Verbrauchssteuer auf Flugtreibstoffen (Grundsteuer)\n- 100% des Zuschlags auf der Verbrauchssteuer auf Flugtreibstoffen\n\nDer Begriff «Reinertrag» bezeichnet die Steuereinnahmen nach Abzug der Erhebungskosten (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 87b N. 5).\n\n**N. 9** **Verwendungszwecke**: Die Mittel sind für «Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Luftverkehr» zu verwenden. Art. 87b Bst. a-c BV konkretisiert drei Hauptverwendungszwecke:\n- Beiträge an Umweltschutzmassnahmen im Luftverkehr (Bst. a)\n- Beiträge an Sicherheitsmassnahmen gegen widerrechtliche Handlungen (Bst. b)\n- Beiträge an Massnahmen zur Förderung eines hohen technischen Sicherheitsniveaus (Bst. c)\n\n**N. 10** Die Aufzählung in Art. 87b Bst. a-c BV ist nicht abschliessend, wie der Oberbegriff «Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Luftverkehr» zeigt. Der Gesetzgeber kann weitere luftverkehrsbezogene Verwendungszwecke vorsehen, sofern ein hinreichender Sachzusammenhang besteht (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 87b N. 8).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 87b BV begründet eine Verwendungspflicht für den Bund. Die zweckgebundenen Mittel müssen für luftverkehrsbezogene Zwecke eingesetzt werden und dürfen nicht in die allgemeine Bundeskasse fliessen. Diese Zweckbindung ist für den Gesetzgeber verbindlich (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3542).\n\n**N. 12** Die Ausführungsgesetzgebung findet sich hauptsächlich im MinVG (SR 725.116.2). Das Gesetz regelt die konkrete Verwendung der zweckgebundenen Mittel und sieht vor, dass 50-75% für Massnahmen zur Förderung der technischen Sicherheit verwendet werden (Art. 37a Abs. 1 Bst. c MinVG). Die übrigen Mittel fliessen in Umweltschutz- und Sicherheitsmassnahmen.\n\n**N. 13** Die Spezialfinanzierung Luftverkehr wird als Fonds geführt. Nicht verwendete Mittel werden dem Fonds gutgeschrieben und stehen für künftige luftverkehrsbezogene Ausgaben zur Verfügung. Eine Entnahme für andere Zwecke ist verfassungswidrig (Urteil des BVGer A-4886/2023 vom 18. Juli 2024 E. 5.1 f.).\n\n**N. 14** Auf die Gewährung von Beiträgen aus der Spezialfinanzierung besteht kein Rechtsanspruch (Art. 37b Abs. 1 MinVG). Es handelt sich um Ermessenssubventionen, die im Rahmen der verfügbaren Mittel und nach Massgabe der gesetzlichen Kriterien gewährt werden (Urteil des BVGer A-4995/2018 vom 6. Mai 2019 E. 3.5).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** In der Lehre ist umstritten, wie weit der Begriff «Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Luftverkehr» zu fassen ist. Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 87b N. 7) vertreten eine eher restriktive Auslegung und fordern einen engen Sachzusammenhang mit dem Luftverkehr. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 87b N. 9) plädieren für eine grosszügigere Auslegung, die auch luftverkehrsnahe Infrastrukturmassnahmen einschliesst.\n\n**N. 16** Kontrovers diskutiert wird auch die Frage, ob die Mittel ausschliesslich für die zivile Luftfahrt verwendet werden dürfen oder auch militärische Zwecke einschliessen können. Die herrschende Lehre geht davon aus, dass Art. 87b BV primär auf die Zivilluftfahrt ausgerichtet ist, schliesst aber dual use-Massnahmen nicht kategorisch aus (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, N. 2157).\n\n**N. 17** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Höhe der Zweckbindung. Kritische Stimmen in der Lehre (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 62 N. 18) sehen in der starren 50%-Quote eine übermässige Einschränkung der finanzpolitischen Flexibilität. Befürworter betonen demgegenüber die Planungssicherheit für den Luftverkehrssektor.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Gesuchsteller für Beiträge aus der Spezialfinanzierung Luftverkehr müssen die Zweckmässigkeit und Wirksamkeit ihrer Massnahmen nachweisen (Art. 4 Abs. 1 MinLV). Das BAZL prüft die Gesuche anhand eines Mehrjahresprogramms und legt die Schwerpunkte nach Anhörung der interessierten Kreise fest (Art. 37a Abs. 3 MinVG).\n\n**N. 19** Bei der Ausbildungsfinanzierung im Luftfahrtbereich gelten besondere Voraussetzungen. Finanzhilfen werden nur gewährt, wenn ein nachgewiesener Bedarf der schweizerischen Zivilluftfahrt besteht (Art. 1 Abs. 2 VFAL). Empfänger müssen sich verpflichten, die geförderte Tätigkeit in einem bestimmten Mindestumfang auszuüben, ansonsten droht die Rückforderung der Beiträge (Urteil des BVGer A-4886/2023 vom 18. Juli 2024 E. 5.5).\n\n**N. 20** Die Rechtsprechung zeigt, dass das BAZL bei der Vergabe von Fördermitteln über erheblichen Ermessensspielraum verfügt. Das Bundesverwaltungsgericht übt bei der Überprüfung von Förderentscheiden Zurückhaltung und greift nur bei Ermessensfehlern ein (Urteil des BVGer A-2544/2021 vom 27. Februar 2023 E. 2). Gesuchsteller sollten daher ihre Anträge sorgfältig begründen und die gesetzlichen Kriterien detailliert adressieren.\n\n**N. 21** Für die Praxis bedeutsam ist auch, dass gegen ablehnende Verfügungen betreffend Ermessenssubventionen kein Weiterzug ans Bundesgericht möglich ist (Art. 83 Bst. k BGG). Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet als letzte Instanz, was die Bedeutung einer fundierten Gesuchstellung unterstreicht.", "caselaw_de": "# Art. 87b BV\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 87b BV ist noch spärlich, da die Bestimmung erst 2006 mit der «Bildungsverfassung» eingeführt wurde. Die bisherigen Entscheide betreffen hauptsächlich die Umsetzung der Bundeskompetenzen im Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG).\n\n### Institutionelle Akkreditierung und Hochschulaufsicht\n\n**Urteil 2C_548/2023 vom 15. November 2024 E. 3-7**\n\nDas Bundesgericht befasste sich erstmals umfassend mit dem durch Art. 87b BV geschaffenen System der institutionellen Akkreditierung nach HFKG. Das Verfahren betraf eine private Institution, die sich als Universität akkreditieren lassen wollte.\n\n> «Das Bundesgericht hat sich bislang noch nicht mit dem neu eingeführten Akkreditierungssystem auseinandergesetzt [...]. Es rechtfertigt sich deshalb, vorab kurz auf den rechtlichen Rahmen der institutionellen Akkreditierung im Hochschulbereich einzugehen.»\n\nDas Urteil präzisiert die verfassungsrechtlichen Grundlagen der gemeinsamen Steuerung des Hochschulwesens:\n\n> «Das System der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen wird in den Materialien als 'koordinierte Gesamtsteuerung des schweizerischen Hochschulwesens' respektive 'kohärente und umfassende Steuerung der schweizerischen Hochschulpolitik unter leitender Mitwirkung des Bundes' sowie als 'Gesamtsteuerungsansatz' bezeichnet.»\n\n**Urteil B-388/2022 vom 17. August 2023 (BVGer)**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Nichteintretensentscheid des Schweizerischen Akkreditierungsrats bei ungenügenden Akkreditierungsunterlagen. Der Fall verdeutlicht die strengen Qualitätsanforderungen für die Anerkennung als Hochschule.\n\nRelevanz: Konkretisierung der Akkreditierungsvoraussetzungen nach Art. 87b Abs. 3 BV.\n\n### Bezeichnungsschutz und sprachliche Vielfalt\n\n**BGE 142 I 16 E. 7-9**\n\nDer wegweisende Entscheid behandelte den Schutz universitärer Bezeichnungen im mehrsprachigen Kontext. Das Bundesgericht anerkannte die besondere Bedeutung sprachlicher Aspekte bei der Umsetzung von Art. 87b BV.\n\n> «Der Vorbehalt zugunsten der Kantone ist in sprachlicher Hinsicht von erheblicher Bedeutung.»\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten spezifische Bezeichnungen schützen können:\n\n> «Die Bezeichnung ‚universitäres Institut' oder ‚Fachhochschulinstitut'. Der Inhalt dieser Norm ist nicht abschliessender Natur und belässt den Kantonen die Möglichkeit, im Bereich der Bezeichnung universitärer Schulen weitere Bestimmungen zu erlassen.»\n\nRelevanz: Konkretisierung des Spannungsfeldes zwischen Bundesaufsicht und kantonaler Hochschulautonomie.\n\n### Hochschulförderung und Finanzierung\n\n**Urteil 2C_643/2019 vom 14. September 2020 (Grundbeiträge Universitäten)**\n\nDas Bundesgericht behandelte Streitigkeiten um Grundbeiträge an Universitäten. Der Entscheid zeigt die praktischen Auswirkungen der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung bei der Hochschulfinanzierung.\n\nRelevanz: Umsetzung der Finanzierungsverantwortung nach Art. 87b Abs. 2 BV.\n\n**Urteil B-196/2018 vom 27. Mai 2019 (BVGer)**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht klärte Verfahrensfragen bei der Förderung universitärer Hochschulen. Der Fall betraf die zeitliche Synchronisation von Beitrags- und Auszahlungsjahren.\n\nRelevanz: Konkretisierung der Beitragsverfahren unter dem HFKG-Regime.\n\n### Universitäre Autonomie und staatliche Aufsicht\n\n**Urteil VB.2023.00448 vom 2. Oktober 2023 (VGer ZH)**\n\nDas Zürcher Verwaltungsgericht betonte die verfassungsrechtlich geschützte Autonomie der Universitäten bei der Anerkennung von Studienleistungen:\n\n> «Die Universität Zürich rügt die falsche Durchsetzung ihrer Rahmenverordnung. Sie ist als Trägerin verfassungsrechtlich geschützter Autonomie zur eigenständigen Regelung ihrer Angelegenheiten berechtigt.»\n\nRelevanz: Abgrenzung zwischen Hochschulautonomie und staatlicher Qualitätskontrolle nach Art. 87b BV.\n\n### Zulassungsrecht und Mobilität\n\n**Urteil VB.2023.00049 vom 30. März 2023 (VGer ZH)**\n\nDas Verwaltungsgericht Zürich behandelte die Zulassung einer Studentin mit kanadischem Schulabschluss zum Medizinstudium. Der Entscheid zeigt die Grenzen der Hochschulautonomie bei international koordinierten Studiengängen.\n\nRelevanz: Umsetzung der Mobilitätsförderung nach Art. 87b Abs. 1 BV im internationalen Kontext.\n\n### Fazit der Rechtsprechung\n\nDie bisherige Rechtsprechung zu Art. 87b BV konzentriert sich auf die Umsetzung des HFKG und die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen Bund, Kantonen und Hochschulen. Zentrale Themen sind die institutionelle Akkreditierung als Qualitätsinstrument, der Schutz universitärer Bezeichnungen unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit und die verfassungsrechtlich geschützte Hochschulautonomie. Die Gerichte betonen die koordinierte Gesamtsteuerung des Hochschulwesens bei Wahrung der föderalen Strukturen.", "summary_fr": "# Art. 87b Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 87b Cst. règle le financement spécial pour l'aviation. Cette disposition constitutionnelle oblige la Confédération à affecter la moitié du produit net de l'impôt sur la consommation des carburants d'aviation et l'intégralité du supplément sur cet impôt à des buts en rapport avec l'aviation (Message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996, FF 1997 I 310 s.).\n\nLa norme rompt le principe de non-affectation (art. 126 al. 3 Cst.) et crée une affectation obligatoire pour trois domaines principaux : les mesures de protection de l'environnement dans l'aviation, les mesures de sécurité contre les actes illicites et les mesures de promotion de la sécurité technique. La législation d'exécution se trouve dans la LMin (RS 725.116.2), qui règle l'utilisation concrète des fonds affectés (**Arrêt A-4995/2018 du 6 mai 2019 c. 3.3**).\n\n**Exemple** : Une école de pilotage peut demander à l'OFAC une contribution pour la formation d'instructeurs de vol. L'OFAC examine la demande selon les critères d'opportunité et d'efficacité conformément à l'art. 4 al. 1 OMin (**Arrêt A-4886/2023 du 18 juillet 2024**). Il n'existe pas de droit à l'encouragement – il s'agit de subventions d'appréciation (art. 37b al. 1 LMin).\n\nContre les décisions de rejet, un recours peut être formé devant le Tribunal administratif fédéral. Un recours au Tribunal fédéral est toutefois exclu, car il s'agit de subventions sans droit légal (art. 83 let. k LTF ; **Arrêt A-4995/2018 du 6 mai 2019 c. 8**). L'OFAC dispose d'une marge d'appréciation considérable lors de l'attribution des fonds (**Arrêt A-2544/2021 du 27 février 2023 c. 2**).\n\nLe financement spécial suit le principe du pollueur-payeur : celui qui consomme du carburant d'aviation contribue au financement des mesures en rapport avec l'aviation. Les fonds sont gérés dans un fonds et peuvent être utilisés sur plusieurs années pour l'objectif prévu.", "doctrine_fr": "# Art. 87b Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N° 1** L'art. 87b Cst. a été inséré lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition concrétise la compétence fédérale globale en matière de législation sur l'aviation ancrée à l'art. 87 Cst. La norme crée une base constitutionnelle pour l'affectation d'une partie du produit de l'impôt sur les huiles minérales au profit du transport aérien (Message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996, FF 1997 I 1, 298 ss).\n\n**N° 2** L'affectation de l'impôt sur les huiles minérales au transport aérien a une tradition plus longue. Déjà lors de l'introduction de l'impôt sur les huiles minérales en 1996, il avait été prévu qu'une partie du produit de l'imposition des carburants d'aviation soit utilisée à des fins liées à l'aviation. Avec l'art. 87b Cst., cette pratique a obtenu une base constitutionnelle expresse (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., 4e éd. 2023, art. 87b n° 1).\n\n**N° 3** Cette disposition s'inscrit dans le contexte systématique de l'art. 86 Cst. (impôt sur les huiles minérales) et de l'art. 87 Cst. (aviation). Elle forme le pendant spécifique à l'aviation du financement spécial pour la circulation routière selon l'art. 86 al. 3 Cst. Le constituant a voulu ainsi s'assurer que les taxes générées par le transport aérien profitent aussi à ce secteur (Waldmann/Belser/Epiney, CP Cst., 2e éd. 2024, art. 87b n° 3).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N° 4** L'art. 87b Cst. fait partie de la 3e section de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes. La norme figure au 4e chapitre sur les transports et s'inscrit dans la systématique des dispositions de financement spécifiques aux transports. Elle complète la compétence générale de la Confédération en matière d'aviation (art. 87 Cst.) par une réglementation de financement spécifique.\n\n**N° 5** Cette disposition présente des liens étroits avec les normes constitutionnelles suivantes :\n- → Art. 86 Cst. (impôt à la consommation sur les carburants) : base pour la perception de l'impôt sur les huiles minérales\n- → Art. 87 Cst. (aviation) : compétence fédérale globale en matière de législation sur l'aviation\n- → Art. 126 Cst. (conduite budgétaire) : principes de l'ordre financier\n- → Art. 5 Cst. (principes de l'activité de l'État de droit) : proportionnalité de l'utilisation des moyens\n\n**N° 6** L'affectation selon l'art. 87b Cst. rompt le principe de non-affectation (art. 126 al. 3 Cst.), selon lequel les recettes ne doivent en principe pas être réservées à des dépenses déterminées. Cette rupture est légitimée par le droit constitutionnel et suit le principe du pollueur-payeur : les taxes générées par le transport aérien doivent profiter à ce secteur (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel suisse, 10e éd. 2020, n° 2156).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N° 7** L'art. 87b Cst. oblige la Confédération à utiliser la moitié du produit net de l'impôt à la consommation sur les carburants d'aviation ainsi que la surtaxe sur cet impôt pour des tâches et des dépenses liées au transport aérien. Cette disposition contient les éléments centraux suivants :\n\n**N° 8** **Base fiscale** : L'affectation porte sur deux sources de recettes :\n- 50% du produit net de l'impôt à la consommation sur les carburants d'aviation (impôt de base)\n- 100% de la surtaxe sur l'impôt à la consommation sur les carburants d'aviation\n\nLa notion de « produit net » désigne les recettes fiscales après déduction des frais de perception (Waldmann/Belser/Epiney, CP Cst., art. 87b n° 5).\n\n**N° 9** **Fins d'utilisation** : Les moyens doivent être utilisés pour « des tâches et des dépenses liées au transport aérien ». L'art. 87b let. a-c Cst. concrétise trois fins d'utilisation principales :\n- Contributions à des mesures de protection de l'environnement dans le transport aérien (let. a)\n- Contributions à des mesures de sûreté contre les actes illicites (let. b)\n- Contributions à des mesures de promotion d'un haut niveau de sécurité technique (let. c)\n\n**N° 10** L'énumération de l'art. 87b let. a-c Cst. n'est pas exhaustive, comme le montre le terme générique « tâches et dépenses liées au transport aérien ». Le législateur peut prévoir d'autres fins d'utilisation liées au transport aérien, pour autant qu'il existe un lien matériel suffisant (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., art. 87b n° 8).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N° 11** L'art. 87b Cst. fonde une obligation d'utilisation pour la Confédération. Les moyens affectés doivent être utilisés à des fins liées au transport aérien et ne peuvent pas être versés dans les caisses générales de la Confédération. Cette affectation est contraignante pour le législateur (Rhinow/Schefer/Uebersax, Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, n° 3542).\n\n**N° 12** La législation d'exécution se trouve principalement dans la LHMin (RS 725.116.2). La loi règle l'utilisation concrète des moyens affectés et prévoit que 50-75% soient utilisés pour des mesures de promotion de la sécurité technique (art. 37a al. 1 let. c LHMin). Les autres moyens sont consacrés aux mesures de protection de l'environnement et de sûreté.\n\n**N° 13** Le financement spécial transport aérien est géré comme un fonds. Les moyens non utilisés sont crédités au fonds et sont disponibles pour de futures dépenses liées au transport aérien. Un prélèvement pour d'autres fins est contraire à la Constitution (arrêt du TAF A-4886/2023 du 18 juillet 2024 consid. 5.1 ss).\n\n**N° 14** Il n'existe aucun droit à l'octroi de contributions du financement spécial (art. 37b al. 1 LHMin). Il s'agit de subventions d'opportunité qui sont accordées dans le cadre des moyens disponibles et selon les critères légaux (arrêt du TAF A-4995/2018 du 6 mai 2019 consid. 3.5).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N° 15** Dans la doctrine, l'étendue de la notion « tâches et dépenses liées au transport aérien » est controversée. Waldmann/Belser/Epiney (CP Cst., art. 87b n° 7) défendent une interprétation plutôt restrictive et exigent un lien matériel étroit avec le transport aérien. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire saint-gallois Cst., art. 87b n° 9) plaident pour une interprétation plus généreuse qui inclut aussi les mesures d'infrastructure proches du transport aérien.\n\n**N° 16** La question de savoir si les moyens peuvent être utilisés exclusivement pour l'aviation civile ou peuvent aussi inclure des fins militaires est aussi controversée. La doctrine dominante considère que l'art. 87b Cst. est orienté principalement vers l'aviation civile, mais n'exclut pas catégoriquement les mesures à double usage (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel suisse, n° 2157).\n\n**N° 17** Un autre point de controverse concerne le niveau de l'affectation. Des voix critiques dans la doctrine (Tschannen/Zimmerli/Müller, Droit administratif général, 4e éd. 2014, § 62 n° 18) voient dans le quota rigide de 50% une restriction excessive de la flexibilité de politique financière. Les partisans soulignent en revanche la sécurité de planification pour le secteur du transport aérien.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N° 18** Les requérants de contributions du financement spécial transport aérien doivent prouver l'opportunité et l'efficacité de leurs mesures (art. 4 al. 1 OHMAV). L'OFAC examine les demandes sur la base d'un programme pluriannuel et fixe les priorités après audition des milieux intéressés (art. 37a al. 3 LHMin).\n\n**N° 19** Pour le financement de la formation dans le domaine aéronautique, des conditions particulières s'appliquent. Les aides financières ne sont accordées que s'il existe un besoin avéré de l'aviation civile suisse (art. 1 al. 2 OFAL). Les bénéficiaires doivent s'engager à exercer l'activité subventionnée dans un volume minimal déterminé, sinon ils risquent le remboursement des contributions (arrêt du TAF A-4886/2023 du 18 juillet 2024 consid. 5.5).\n\n**N° 20** La jurisprudence montre que l'OFAC dispose d'une marge d'appréciation considérable lors de l'attribution des moyens de soutien. Le Tribunal administratif fédéral fait preuve de retenue lors de l'examen des décisions de soutien et n'intervient qu'en cas d'erreur d'appréciation (arrêt du TAF A-2544/2021 du 27 février 2023 consid. 2). Les requérants devraient donc soigneusement motiver leurs demandes et traiter en détail les critères légaux.\n\n**N° 21** Il est aussi important pour la pratique qu'aucun recours au Tribunal fédéral ne soit possible contre les décisions de rejet concernant les subventions d'opportunité (art. 83 let. k LTF). Le Tribunal administratif fédéral statue en dernière instance, ce qui souligne l'importance d'une demande bien fondée.", "caselaw_fr": "# Art. 87b Cst.\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 87b Cst. est encore clairsemée, la disposition n'ayant été introduite qu'en 2006 avec la « constitution sur la formation ». Les décisions rendues jusqu'à présent concernent principalement la mise en œuvre des compétences fédérales dans la loi sur l'encouragement et la coordination des hautes écoles (LEHE).\n\n### Accréditation institutionnelle et surveillance des hautes écoles\n\n**Arrêt 2C_548/2023 du 15 novembre 2024 c. 3-7**\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché pour la première fois de manière approfondie sur le système d'accréditation institutionnelle créé par l'art. 87b Cst. selon la LEHE. La procédure concernait une institution privée qui voulait se faire accréditer comme université.\n\n> « Le Tribunal fédéral ne s'est pas encore penché sur le système d'accréditation nouvellement introduit [...]. Il se justifie donc d'exposer brièvement au préalable le cadre juridique de l'accréditation institutionnelle dans le domaine des hautes écoles. »\n\nL'arrêt précise les bases constitutionnelles de la gestion commune du système des hautes écoles :\n\n> « Le système de coopération entre la Confédération et les cantons est désigné dans les travaux préparatoires comme 'gestion globale coordonnée du système suisse des hautes écoles' respectivement 'gestion cohérente et globale de la politique suisse des hautes écoles sous la participation dirigeante de la Confédération' ainsi que comme 'approche de gestion globale'. »\n\n**Arrêt B-388/2022 du 17 août 2023 (TAF)**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a confirmé la décision de non-entrée en matière du Conseil suisse d'accréditation en cas de dossier d'accréditation insuffisant. Le cas illustre les exigences de qualité strictes pour la reconnaissance en tant que haute école.\n\nPertinence : Concrétisation des conditions d'accréditation selon l'art. 87b al. 3 Cst.\n\n### Protection des dénominations et diversité linguistique\n\n**ATF 142 I 16 c. 7-9**\n\nCette décision de référence a traité la protection des dénominations universitaires dans le contexte multilingue. Le Tribunal fédéral a reconnu l'importance particulière des aspects linguistiques lors de la mise en œuvre de l'art. 87b Cst.\n\n> « La réserve en faveur des cantons revêt une importance considérable du point de vue linguistique. »\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que les cantons peuvent, dans le cadre de leurs compétences, protéger des dénominations spécifiques :\n\n> « La dénomination 'institut universitaire' ou 'institut de haute école spécialisée'. Le contenu de cette norme n'est pas de nature exhaustive et laisse aux cantons la possibilité d'édicter d'autres dispositions dans le domaine de la dénomination des écoles universitaires. »\n\nPertinence : Concrétisation du champ de tension entre surveillance fédérale et autonomie cantonale des hautes écoles.\n\n### Encouragement et financement des hautes écoles\n\n**Arrêt 2C_643/2019 du 14 septembre 2020 (contributions de base universités)**\n\nLe Tribunal fédéral a traité des litiges concernant les contributions de base aux universités. La décision montre les répercussions pratiques de la répartition des compétences constitutionnelles dans le financement des hautes écoles.\n\nPertinence : Mise en œuvre de la responsabilité de financement selon l'art. 87b al. 2 Cst.\n\n**Arrêt B-196/2018 du 27 mai 2019 (TAF)**\n\nLe Tribunal administratif fédéral a clarifié des questions de procédure lors de l'encouragement des hautes écoles universitaires. Le cas concernait la synchronisation temporelle des années de contribution et de versement.\n\nPertinence : Concrétisation des procédures de contribution sous le régime LEHE.\n\n### Autonomie universitaire et surveillance étatique\n\n**Arrêt VB.2023.00448 du 2 octobre 2023 (TA ZH)**\n\nLe Tribunal administratif zurichois a souligné l'autonomie des universités protégée par la constitution lors de la reconnaissance des prestations d'études :\n\n> « L'Université de Zurich fait grief de la mauvaise application de son règlement-cadre. En tant que titulaire d'une autonomie protégée par la constitution, elle est habilitée à régler de manière autonome ses affaires. »\n\nPertinence : Délimitation entre autonomie des hautes écoles et contrôle qualité étatique selon l'art. 87b Cst.\n\n### Droit d'admission et mobilité\n\n**Arrêt VB.2023.00049 du 30 mars 2023 (TA ZH)**\n\nLe Tribunal administratif zurichois a traité l'admission d'une étudiante avec un diplôme d'école canadien aux études de médecine. La décision montre les limites de l'autonomie des hautes écoles dans les filières d'études coordonnées au niveau international.\n\nPertinence : Mise en œuvre de l'encouragement à la mobilité selon l'art. 87b al. 1 Cst. dans le contexte international.\n\n### Bilan de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence actuelle relative à l'art. 87b Cst. se concentre sur la mise en œuvre de la LEHE et la délimitation des compétences entre la Confédération, les cantons et les hautes écoles. Les thèmes centraux sont l'accréditation institutionnelle comme instrument de qualité, la protection des dénominations universitaires en tenant compte du multilinguisme et l'autonomie des hautes écoles protégée par la constitution. Les tribunaux soulignent la gestion globale coordonnée du système des hautes écoles tout en préservant les structures fédérales.", "summary_it": "# Art. 87b Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 87b Cost. disciplina il finanziamento speciale per l'aviazione. Questa disposizione costituzionale obbliga la Confederazione a utilizzare la metà del ricavo netto dell'imposta di consumo sui carburanti per aviazione e l'intero supplemento di questa imposta per scopi legati al traffico aereo (Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996, FF 1997 I 275 segg.).\n\nLa norma deroga al principio della non-affettazione (art. 126 cpv. 3 Cost.) e crea un vincolo di destinazione per tre ambiti principali: misure di protezione dell'ambiente nel traffico aereo, misure di sicurezza contro atti illeciti e misure per promuovere la sicurezza tecnica. La legislazione d'esecuzione si trova nella LMin (RS 725.116.2), che disciplina l'uso concreto dei mezzi vincolati (**sentenza A-4995/2018 del 6 maggio 2019 consid. 3.3**).\n\n**Esempio**: Una scuola di volo può richiedere all'UFAC un contributo per la formazione di istruttori di volo. L'UFAC esamina la domanda secondo i criteri dell'opportunità e dell'efficacia conformemente all'art. 4 cpv. 1 OMin (**sentenza A-4886/2023 del 18 luglio 2024**). Non esiste un diritto legale alla promozione – si tratta di sussidi discrezionali (art. 37b cpv. 1 LMin).\n\nContro le decisioni negative può essere interposto ricorso davanti al Tribunale amministrativo federale. Tuttavia, un ricorso al Tribunale federale è escluso, poiché si tratta di sussidi senza diritto legale (art. 83 lett. k LTF; **sentenza A-4995/2018 del 6 maggio 2019 consid. 8**). L'UFAC dispone di un considerevole margine discrezionale nell'assegnazione dei mezzi (**sentenza A-2544/2021 del 27 febbraio 2023 consid. 2**).\n\nIl finanziamento speciale segue il principio di causalità: chi consume carburanti per aviazione contribuisce al finanziamento delle misure legate al traffico aereo. I mezzi sono gestiti in un fondo e possono essere utilizzati per lo scopo previsto nell'arco di più anni.", "doctrine_it": "# Art. 87b Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 87b Cost. è stato introdotto nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione concretizza la competenza federale globale in materia di legislazione sull'aviazione sancita nell'art. 87 Cost. La norma crea una base costituzionale per la destinazione vincolata di una parte dei proventi dell'imposta sugli oli minerali a favore del traffico aereo (Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996, FF 1997 I 1, 310 s.).\n\n**N. 2** La destinazione vincolata dell'imposta sugli oli minerali per il traffico aereo ha una lunga tradizione. Già con l'introduzione dell'imposta sugli oli minerali nel 1996 fu stabilito che una parte dei proventi della tassazione dei carburanti per aeromobili dovesse essere utilizzata per scopi legati all'aviazione. Con l'art. 87b Cost. questa prassi ha ottenuto una base costituzionale esplicita (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo Cost., 4a ed. 2023, Art. 87b N. 1).\n\n**N. 3** La disposizione è in relazione sistematica con l'art. 86 Cost. (imposta sugli oli minerali) e l'art. 87 Cost. (aviazione). Essa forma il pendant specifico dell'aviazione al finanziamento speciale del traffico stradale secondo l'art. 86 cpv. 3 Cost. Il costituente ha voluto così assicurare che le imposte generate dal traffico aereo giovino anche a questo settore (Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cost., 2a ed. 2024, Art. 87b N. 3).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 87b Cost. fa parte della 3a sezione della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni. La norma si trova nel 4° capitolo sui trasporti e si inserisce nella sistematica delle disposizioni di finanziamento specifiche per settore. Essa completa la competenza generale della Confederazione in materia di aviazione (art. 87 Cost.) con una regolamentazione specifica del finanziamento.\n\n**N. 5** La disposizione presenta stretti riferimenti alle seguenti norme costituzionali:\n- → Art. 86 Cost. (imposta di consumo sui carburanti): base per la riscossione dell'imposta sugli oli minerali\n- → Art. 87 Cost. (aviazione): competenza federale globale per la legislazione sull'aviazione\n- → Art. 126 Cost. (condotta del bilancio): principi dell'ordinamento finanziario\n- → Art. 5 Cost. (principi dell'attività dello Stato): proporzionalità dell'impiego dei mezzi\n\n**N. 6** La destinazione vincolata secondo l'art. 87b Cost. rompe il principio della non-affettazione (art. 126 cpv. 3 Cost.), secondo cui le entrate non dovrebbero in principio essere riservate per spese determinate. Questa deroga è legittimata dal diritto costituzionale e segue il principio di causalità: le imposte generate dal traffico aereo devono giovare a questo settore (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale svizzero, 10a ed. 2020, N. 2156).\n\n### 3. Elementi del fatto costitutivo / Contenuto normativo\n\n**N. 7** L'art. 87b Cost. obbliga la Confederazione a utilizzare la metà del ricavo netto dell'imposta di consumo sui carburanti per aeromobili nonché la sovrattassa su questa imposta per compiti e spese legati al traffico aereo. La disposizione contiene i seguenti elementi centrali:\n\n**N. 8** **Base dell'imposta**: La destinazione vincolata comprende due fonti di proventi:\n- 50% del ricavo netto dell'imposta di consumo sui carburanti per aeromobili (imposta di base)\n- 100% della sovrattassa sull'imposta di consumo sui carburanti per aeromobili\n\nIl concetto di «ricavo netto» designa le entrate fiscali dopo deduzione dei costi di riscossione (Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cost., Art. 87b N. 5).\n\n**N. 9** **Scopi di utilizzazione**: I mezzi devono essere utilizzati per «compiti e spese in relazione con il traffico aereo». L'art. 87b lett. a-c Cost. concretizza tre principali scopi di utilizzazione:\n- Contributi a misure di protezione dell'ambiente nel traffico aereo (lett. a)\n- Contributi a misure di sicurezza contro atti illeciti (lett. b)\n- Contributi a misure per promuovere un alto livello di sicurezza tecnica (lett. c)\n\n**N. 10** L'enumerazione nell'art. 87b lett. a-c Cost. non è esaustiva, come mostra il concetto superiore di «compiti e spese in relazione con il traffico aereo». Il legislatore può prevedere ulteriori scopi di utilizzazione legati al traffico aereo, purché sussista una relazione oggettiva sufficiente (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo Cost., Art. 87b N. 8).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 87b Cost. fonda un obbligo di utilizzazione per la Confederazione. I mezzi a destinazione vincolata devono essere impiegati per scopi legati al traffico aereo e non possono confluire nella cassa generale della Confederazione. Questa destinazione vincolata è vincolante per il legislatore (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale svizzero, 3a ed. 2016, N. 3542).\n\n**N. 12** La legislazione d'attuazione si trova principalmente nella LOIM (RS 725.116.2). La legge disciplina l'utilizzo concreto dei mezzi a destinazione vincolata e prevede che il 50-75% sia utilizzato per misure di promozione della sicurezza tecnica (art. 37a cpv. 1 lett. c LOIM). I mezzi rimanenti confluiscono in misure di protezione dell'ambiente e di sicurezza.\n\n**N. 13** Il finanziamento speciale del traffico aereo è gestito come fondo. I mezzi non utilizzati sono accreditati al fondo e rimangono a disposizione per future spese legate al traffico aereo. Un prelievo per altri scopi è incostituzionale (Sentenza del TAF A-4886/2023 del 18 luglio 2024 consid. 5.1 s.).\n\n**N. 14** Non sussiste alcun diritto a prestazioni sulla concessione di contributi dal finanziamento speciale (art. 37b cpv. 1 LOIM). Si tratta di sovvenzioni discrezionali che sono concesse nel quadro dei mezzi disponibili e secondo i criteri legali (Sentenza del TAF A-4995/2018 del 6 maggio 2019 consid. 3.5).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 15** Nella dottrina è controverso quanto ampiamente debba essere inteso il concetto di «compiti e spese in relazione con il traffico aereo». Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cost., Art. 87b N. 7) sostengono un'interpretazione piuttosto restrittiva e richiedono una stretta relazione oggettiva con il traffico aereo. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario di San Gallo Cost., Art. 87b N. 9) propendono per un'interpretazione più generosa che include anche misure infrastrutturali affini al traffico aereo.\n\n**N. 16** È discussa controversamente anche la questione se i mezzi possano essere utilizzati esclusivamente per l'aviazione civile o se possano includere anche scopi militari. La dottrina dominante parte dal presupposto che l'art. 87b Cost. sia orientato primariamente all'aviazione civile, ma non esclude categoricamente misure a doppio uso (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale svizzero, N. 2157).\n\n**N. 17** Un ulteriore punto controverso riguarda l'entità della destinazione vincolata. Voci critiche nella dottrina (Tschannen/Zimmerli/Müller, Diritto amministrativo generale, 4a ed. 2014, § 62 N. 18) vedono nella rigida quota del 50% una limitazione eccessiva della flessibilità di politica finanziaria. I sostenitori sottolineano d'altra parte la sicurezza di pianificazione per il settore del traffico aereo.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** I richiedenti di contributi dal finanziamento speciale del traffico aereo devono dimostrare l'opportunità e l'efficacia delle loro misure (art. 4 cpv. 1 OLOIM). L'UFAC esamina le domande sulla base di un programma pluriennale e stabilisce le priorità dopo consultazione dei circoli interessati (art. 37a cpv. 3 LOIM).\n\n**N. 19** Nel finanziamento della formazione nel settore dell'aviazione si applicano presupposti particolari. Gli aiuti finanziari sono concessi solo se sussiste un bisogno comprovato dell'aviazione civile svizzera (art. 1 cpv. 2 OFAL). I beneficiari devono impegnarsi a esercitare l'attività promossa in una determinata misura minima, altrimenti minaccia la restituzione dei contributi (Sentenza del TAF A-4886/2023 del 18 luglio 2024 consid. 5.5).\n\n**N. 20** La giurisprudenza mostra che l'UFAC dispone di considerevole margine di discrezionalità nella concessione di mezzi promozionali. Il Tribunale amministrativo federale esercita moderazione nel controllo delle decisioni di promozione e interviene solo in caso di errori di discrezionalità (Sentenza del TAF A-2544/2021 del 27 febbraio 2023 consid. 2). I richiedenti dovrebbero quindi motivare accuratamente le loro domande e indirizzare dettagliatamente i criteri legali.\n\n**N. 21** Per la pratica è rilevante anche che contro le decisioni negative concernenti sovvenzioni discrezionali non è possibile il ricorso al Tribunale federale (art. 83 lett. k LTF). Il Tribunale amministrativo federale decide come ultima istanza, il che sottolinea l'importanza di una presentazione fondata della domanda.", "caselaw_it": "# Art. 87b Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 87b Cost. è ancora limitata, poiché la disposizione è stata introdotta solo nel 2006 con la «Costituzione per la formazione». Le decisioni finora emesse riguardano principalmente l'attuazione delle competenze federali nella Legge sulla promozione e sul coordinamento del settore universitario svizzero (LPSU).\n\n### Accreditamento istituzionale e vigilanza universitaria\n\n**Sentenza 2C_548/2023 del 15 novembre 2024 consid. 3-7**\n\nIl Tribunale federale si è occupato per la prima volta in modo approfondito del sistema di accreditamento istituzionale secondo la LPSU, creato dall'art. 87b Cost. La procedura riguardava un'istituzione privata che voleva essere accreditata come università.\n\n> «Il Tribunale federale non si è ancora occupato del sistema di accreditamento di nuova introduzione [...]. Si giustifica pertanto illustrare preliminarmente il quadro giuridico dell'accreditamento istituzionale nel settore universitario.»\n\nLa sentenza precisa i fondamenti costituzionali della direzione comune del settore universitario:\n\n> «Il sistema di collaborazione tra Confederazione e Cantoni è definito nei materiali come 'direzione globale coordinata del settore universitario svizzero', rispettivamente 'direzione coerente e globale della politica universitaria svizzera con partecipazione dirigente della Confederazione' nonché come 'approccio di direzione globale'.»\n\n**Sentenza B-388/2022 del 17 agosto 2023 (TAF)**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha confermato la decisione di non entrare in materia del Consiglio svizzero di accreditamento in caso di documentazione per l'accreditamento insufficiente. Il caso chiarisce i severi requisiti qualitativi per il riconoscimento come scuola universitaria.\n\nRilevanza: concretizzazione dei presupposti di accreditamento secondo l'art. 87b cpv. 3 Cost.\n\n### Protezione delle denominazioni e diversità linguistica\n\n**DTF 142 I 16 consid. 7-9**\n\nQuesta decisione fondamentale ha trattato la protezione delle denominazioni universitarie nel contesto plurilingue. Il Tribunale federale ha riconosciuto il particolare significato degli aspetti linguistici nell'attuazione dell'art. 87b Cost.\n\n> «La riserva a favore dei Cantoni è di notevole importanza sotto il profilo linguistico.»\n\nIl Tribunale federale ha confermato che i Cantoni possono proteggere denominazioni specifiche nell'ambito delle loro competenze:\n\n> «La denominazione ‹istituto universitario› o ‹istituto di scuola universitaria professionale›. Il contenuto di questa norma non è di natura esaustiva e lascia ai Cantoni la possibilità di emanare ulteriori disposizioni nel settore delle denominazioni delle scuole universitarie.»\n\nRilevanza: concretizzazione del campo di tensione tra vigilanza federale e autonomia universitaria cantonale.\n\n### Promozione universitaria e finanziamento\n\n**Sentenza 2C_643/2019 del 14 settembre 2020 (contributi di base università)**\n\nIl Tribunale federale ha trattato controversie sui contributi di base alle università. La decisione mostra gli effetti pratici della ripartizione costituzionale delle competenze nel finanziamento universitario.\n\nRilevanza: attuazione della responsabilità di finanziamento secondo l'art. 87b cpv. 2 Cost.\n\n**Sentenza B-196/2018 del 27 maggio 2019 (TAF)**\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha chiarito questioni procedurali nella promozione delle scuole universitarie. Il caso riguardava la sincronizzazione temporale degli anni di contribuzione e di versamento.\n\nRilevanza: concretizzazione delle procedure di contribuzione sotto il regime della LPSU.\n\n### Autonomia universitaria e vigilanza statale\n\n**Sentenza VB.2023.00448 del 2 ottobre 2023 (Trib. amm. ZH)**\n\nIl Tribunale amministrativo zurighese ha sottolineato l'autonomia costituzionalmente protetta delle università nel riconoscimento delle prestazioni di studio:\n\n> «L'Università di Zurigo contesta l'applicazione errata del proprio regolamento quadro. Essa è autorizzata, in quanto portatrice di autonomia costituzionalmente protetta, a disciplinare autonomamente le proprie questioni.»\n\nRilevanza: delimitazione tra autonomia universitaria e controllo statale della qualità secondo l'art. 87b Cost.\n\n### Diritto di ammissione e mobilità\n\n**Sentenza VB.2023.00049 del 30 marzo 2023 (Trib. amm. ZH)**\n\nIl Tribunale amministrativo zurighese ha trattato l'ammissione di una studentessa con diploma scolastico canadese agli studi di medicina. La decisione mostra i limiti dell'autonomia universitaria nei corsi di studio coordinati a livello internazionale.\n\nRilevanza: attuazione della promozione della mobilità secondo l'art. 87b cpv. 1 Cost. nel contesto internazionale.\n\n### Conclusioni della giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza finora sviluppatasi sull'art. 87b Cost. si concentra sull'attuazione della LPSU e sulla delimitazione delle competenze tra Confederazione, Cantoni e scuole universitarie. I temi centrali sono l'accreditamento istituzionale come strumento qualitativo, la protezione delle denominazioni universitarie tenendo conto del plurilinguismo e l'autonomia universitaria costituzionalmente protetta. I tribunali sottolineano la direzione globale coordinata del settore universitario nel rispetto delle strutture federali.", "summary_en": "# Art. 87b BV\n\n## Overview\n\nArt. 87b BV regulates the special financing for aviation. This constitutional provision obliges the Confederation to use half of the net proceeds from the consumption tax on aviation fuel and the entire surcharge on this tax for aviation-related purposes (Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996, BBl 1997 I 310 f.).\n\nThe provision breaks with the principle of non-affectation (Art. 126 para. 3 BV) and creates an earmarking for three main areas: environmental protection measures in aviation, security measures against unlawful acts, and measures to promote technical safety. The implementing legislation is found in the MinVG (SR 725.116.2), which regulates the specific use of the earmarked funds (**Judgment A-4995/2018 of 6 May 2019 E. 3.3**).\n\n**Example**: A flight school can apply to FOCA for a contribution towards the training of flight instructors. FOCA examines the application according to the criteria of expediency and effectiveness pursuant to Art. 4 para. 1 MinLV (**Judgment A-4886/2023 of 18 July 2024**). There is no legal entitlement to funding – these are discretionary subsidies (Art. 37b para. 1 MinVG).\n\nAppeals may be lodged with the Federal Administrative Court against negative decisions. However, further appeal to the Federal Supreme Court is excluded, as these are subsidies without legal entitlement (Art. 83 let. k FSCA; **Judgment A-4995/2018 of 6 May 2019 E. 8**). FOCA has considerable discretionary scope in allocating the funds (**Judgment A-2544/2021 of 27 February 2023 E. 2**).\n\nThe special financing follows the polluter pays principle: those who consume aviation fuel contribute to the financing of aviation-related measures. The funds are managed in a fund and can be used for the intended purpose over several years.", "doctrine_en": "# Art. 87b BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 87b BV was inserted as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision concretises the comprehensive federal competence for aviation legislation anchored in Art. 87 BV. The norm creates a constitutional basis for the earmarking of part of the mineral oil tax revenue in favour of air traffic (Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996, BBl 1997 I 1, 310 f.).\n\n**N. 2** The earmarking of mineral oil tax for air traffic has a longer tradition. Already with the introduction of the mineral oil tax in 1996, it was determined that part of the revenue from the taxation of aviation fuel should be used for aviation-related purposes. With Art. 87b BV, this practice received an express constitutional basis (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 87b N. 1).\n\n**N. 3** The provision stands in systematic connection with Art. 86 BV (mineral oil tax) and Art. 87 BV (aviation). It forms the aviation-specific counterpart to the special financing for road traffic according to Art. 86 para. 3 BV. The constitutional legislator thereby wanted to ensure that the levies generated from air traffic also benefit this sector (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 87b N. 3).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 87b BV is part of the 3rd section of the Federal Constitution on the Confederation, cantons and communes. The norm stands in the 4th chapter on transport and fits into the systematics of transport-specific financing provisions. It supplements the general aviation competence of the Confederation (Art. 87 BV) with a specific financing regulation.\n\n**N. 5** The provision has close references to the following constitutional norms:\n- → Art. 86 BV (consumption tax on fuels): Basis for the levying of mineral oil tax\n- → Art. 87 BV (aviation): Comprehensive federal competence for aviation legislation\n- → Art. 126 BV (budget management): Principles of financial order\n- → Art. 5 BV (principles of state action under the rule of law): Proportionality of use of resources\n\n**N. 6** The earmarking according to Art. 87b BV breaks through the principle of non-affectation (Art. 126 para. 3 BV), according to which revenue should in principle not be reserved for specific expenditure. This breach is constitutionally legitimate and follows the polluter pays principle: The levies generated by air traffic should benefit this sector (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 2156).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 7** Art. 87b BV obliges the Confederation to use half of the net revenue of the consumption tax on aviation fuel as well as the surcharge on this tax for air traffic-related tasks and expenditure. The provision contains the following core elements:\n\n**N. 8** **Tax basis**: The earmarking covers two sources of revenue:\n- 50% of the net revenue of the consumption tax on aviation fuel (basic tax)\n- 100% of the surcharge on the consumption tax on aviation fuel\n\nThe term «net revenue» designates the tax revenue after deduction of collection costs (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 87b N. 5).\n\n**N. 9** **Purposes of use**: The funds are to be used for «tasks and expenditure in connection with air traffic». Art. 87b let. a-c BV specifies three main purposes of use:\n- Contributions to environmental protection measures in air traffic (let. a)\n- Contributions to security measures against unlawful acts (let. b)\n- Contributions to measures to promote a high level of technical safety (let. c)\n\n**N. 10** The enumeration in Art. 87b let. a-c BV is not exhaustive, as shown by the general term «tasks and expenditure in connection with air traffic». The legislator can provide for further air traffic-related purposes of use, provided there is a sufficient substantive connection (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 87b N. 8).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 87b BV establishes a duty of use for the Confederation. The earmarked funds must be deployed for air traffic-related purposes and may not flow into the general federal treasury. This earmarking is binding on the legislator (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3542).\n\n**N. 12** The implementing legislation is found mainly in the MinVG (SR 725.116.2). The law regulates the concrete use of the earmarked funds and provides that 50-75% is to be used for measures to promote technical safety (Art. 37a para. 1 let. c MinVG). The remaining funds flow into environmental protection and security measures.\n\n**N. 13** The special financing for air traffic is managed as a fund. Unused funds are credited to the fund and are available for future air traffic-related expenditure. Withdrawal for other purposes is unconstitutional (judgment of the FAC A-4886/2023 of 18 July 2024 consid. 5.1 f.).\n\n**N. 14** There is no legal right to the granting of contributions from the special financing (Art. 37b para. 1 MinVG). These are discretionary subsidies which are granted within the framework of available funds and according to the statutory criteria (judgment of the FAC A-4995/2018 of 6 May 2019 consid. 3.5).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 15** In doctrine, it is disputed how broadly the term «tasks and expenditure in connection with air traffic» is to be understood. Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 87b N. 7) represent a rather restrictive interpretation and demand a close substantive connection with air traffic. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 87b N. 9) argue for a more generous interpretation which also includes infrastructure measures related to air traffic.\n\n**N. 16** The question of whether the funds may be used exclusively for civil aviation or can also include military purposes is also controversially discussed. The prevailing doctrine assumes that Art. 87b BV is primarily oriented towards civil aviation, but does not categorically exclude dual use measures (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, N. 2157).\n\n**N. 17** A further point of dispute concerns the level of earmarking. Critical voices in doctrine (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 62 N. 18) see in the rigid 50% quota an excessive restriction of financial policy flexibility. Supporters, by contrast, emphasise the planning security for the air traffic sector.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 18** Applicants for contributions from the special financing for air traffic must demonstrate the appropriateness and effectiveness of their measures (Art. 4 para. 1 MinLV). FOCA examines the applications on the basis of a multi-year programme and sets the priorities after consultation with interested circles (Art. 37a para. 3 MinVG).\n\n**N. 19** Special conditions apply to training financing in the aviation sector. Financial aid is only granted if there is a demonstrated need of Swiss civil aviation (Art. 1 para. 2 VFAL). Recipients must undertake to exercise the promoted activity to a certain minimum extent, otherwise repayment of the contributions is threatened (judgment of the FAC A-4886/2023 of 18 July 2024 consid. 5.5).\n\n**N. 20** Case law shows that FOCA has considerable discretion in the allocation of funding. The Federal Administrative Court exercises restraint in reviewing funding decisions and only intervenes in cases of abuse of discretion (judgment of the FAC A-2544/2021 of 27 February 2023 consid. 2). Applicants should therefore carefully justify their applications and address the statutory criteria in detail.\n\n**N. 21** Also significant for practice is that against negative rulings concerning discretionary subsidies, no further appeal to the Federal Court is possible (Art. 83 let. k FSCA). The Federal Administrative Court decides as the final instance, which underlines the importance of a well-founded application.", "caselaw_en": "# Art. 87b BV\n\n## Case Law\n\nCase law on Art. 87b BV is still sparse, as the provision was only introduced in 2006 with the «Education Constitution». The decisions to date mainly concern the implementation of federal competences in the Higher Education Funding and Coordination Act (HFKG).\n\n### Institutional Accreditation and Higher Education Supervision\n\n**Judgment 2C_548/2023 of 15 November 2024 E. 3-7**\n\nThe Federal Supreme Court comprehensively addressed the system of institutional accreditation under the HFKG created by Art. 87b BV for the first time. The proceedings concerned a private institution that wanted to be accredited as a university.\n\n> «The Federal Supreme Court has not yet dealt with the newly introduced accreditation system [...]. It is therefore justified to briefly address the legal framework of institutional accreditation in the higher education sector first.»\n\nThe judgment clarifies the constitutional foundations of joint governance of higher education:\n\n> «The system of cooperation between the Confederation and the cantons is described in the materials as 'coordinated overall governance of the Swiss higher education system' or 'coherent and comprehensive governance of Swiss higher education policy with leading participation by the Confederation' as well as 'overall governance approach'.»\n\n**Judgment B-388/2022 of 17 August 2023 (FAC)**\n\nThe Federal Administrative Court confirmed the Swiss Accreditation Council's decision not to consider an application due to insufficient accreditation documents. The case illustrates the strict quality requirements for recognition as a higher education institution.\n\nRelevance: Specification of the accreditation requirements under Art. 87b para. 3 BV.\n\n### Protection of Designations and Linguistic Diversity\n\n**BGE 142 I 16 E. 7-9**\n\nThis landmark decision addressed the protection of university designations in a multilingual context. The Federal Supreme Court recognised the particular importance of linguistic aspects in implementing Art. 87b BV.\n\n> «The reservation in favour of the cantons is of considerable importance from a linguistic perspective.»\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that cantons can protect specific designations within their competences:\n\n> «The designation 'university institute' or 'university of applied sciences institute'. The content of this norm is not exhaustive and allows the cantons the possibility to issue further provisions in the area of designation of university schools.»\n\nRelevance: Specification of the tension between federal supervision and cantonal higher education autonomy.\n\n### Higher Education Funding and Financing\n\n**Judgment 2C_643/2019 of 14 September 2020 (Basic Contributions Universities)**\n\nThe Federal Supreme Court dealt with disputes over basic contributions to universities. The decision shows the practical effects of the constitutional division of competences in higher education financing.\n\nRelevance: Implementation of financing responsibility under Art. 87b para. 2 BV.\n\n**Judgment B-196/2018 of 27 May 2019 (FAC)**\n\nThe Federal Administrative Court clarified procedural questions regarding the funding of universities. The case concerned the temporal synchronisation of contribution and payment years.\n\nRelevance: Specification of contribution procedures under the HFKG regime.\n\n### University Autonomy and State Supervision\n\n**Judgment VB.2023.00448 of 2 October 2023 (AC ZH)**\n\nThe Zurich Administrative Court emphasised the constitutionally protected autonomy of universities in recognising academic achievements:\n\n> «The University of Zurich objects to the incorrect enforcement of its framework regulation. As bearer of constitutionally protected autonomy, it is entitled to independently regulate its affairs.»\n\nRelevance: Delineation between higher education autonomy and state quality control under Art. 87b BV.\n\n### Admission Law and Mobility\n\n**Judgment VB.2023.00049 of 30 March 2023 (AC ZH)**\n\nThe Zurich Administrative Court dealt with the admission of a student with a Canadian school-leaving certificate to medical studies. The decision shows the limits of higher education autonomy in internationally coordinated degree programmes.\n\nRelevance: Implementation of mobility promotion under Art. 87b para. 1 BV in an international context.\n\n### Conclusion of Case Law\n\nThe case law on Art. 87b BV to date focuses on the implementation of the HFKG and the delineation of competences between the Confederation, cantons and higher education institutions. Central themes are institutional accreditation as a quality instrument, the protection of university designations taking multilingualism into account, and constitutionally protected higher education autonomy. The courts emphasise coordinated overall governance of the higher education system while preserving federal structures.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_87b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 0, "caselaw_last_generated": "", "caselaw_quality_score": null}
{"law": "BV", "article": 88, "article_suffix": "", "title": "Fuss-, Wander- und Velowege", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 88 Fuss-, Wander- und Velowege\n\n## Übersicht\n\nArt. 88 BV regelt die Zuständigkeit des Bundes für Fuss-, Wander- und Velowegnetze in drei Bereichen. Der Artikel entstand durch die Volksinitiative von 1979 und wurde 2018 um die Velowege erweitert (BBl 2018 7891).\n\n**Grundsätze festlegen (Absatz 1)**: Der Bund kann allgemeine Regeln für Wegnetze erstellen. Diese Kompetenz nutzte er durch das Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege (FWG) und das Bundesgesetz über Velowege (VWG). Fusswege sind Verbindungen für Fussgänger (Art. 2 FWG), Wanderwege dienen der Erholung (Art. 3 FWG). Velowege sind getrennte Fahrwege für Fahrräder und muskelkraftbetriebene Fahrzeuge.\n\n**Unterstützung und Koordination (Absatz 2)**: Der Bund darf Kantone und Private bei Bau und Unterhalt der Wege finanziell unterstützen. Er kann auch verschiedene Projekte aufeinander abstimmen. Die Kantone bleiben aber für die konkrete Planung und den Bau zuständig.\n\n**Rücksichtnahme und Ersatz (Absatz 3)**: Wenn der Bund eigene Projekte plant, muss er bestehende Wegnetze berücksichtigen. Falls er Wege aufheben muss, ist er zur Errichtung von Ersatzwegen verpflichtet. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, wem der Weggrund gehört (**BGE 130 III 182 E. 5.5.1**).\n\n**Beispiel**: Bei der Sanierung der Osttangente Basel musste der Bund prüfen, wie wegfallende Fusswegverbindungen auf der Schwarzwaldbrücke ersetzt werden können (BVGer A-4598/2022 vom 29.1.2025). Die Kantone müssen in Wohngebieten Rad- und Fusswege schaffen (Art. 3 Abs. 3 lit. c RPG).", "doctrine_de": "# Art. 88 Fuss-, Wander- und Velowegnetze\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 88 BV stellt die Nachfolgebestimmung zu Art. 37quater aBV dar, der 1979 in die Bundesverfassung eingefügt wurde (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 1). Der Verfassungsartikel bildete die Grundlage für das Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege (FWG) vom 4. Oktober 1985. Die Verfassungsrevision von 1999 übernahm den Gehalt der Vorgängerbestimmung weitgehend unverändert.\n\n**N. 2** Mit der Annahme des direkten Gegenentwurfs zur Velo-Initiative am 23. September 2018 wurde Art. 88 BV um die Velowegnetze ergänzt (BBl 2018 7891). Diese Erweiterung führte zur Verabschiedung des Bundesgesetzes über Velowege (VWG) vom 18. März 2022, das die Gleichbehandlung von Fuss-, Wander- und Velowegen auf Verfassungsebene verwirklicht.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 88 BV befindet sich im 3. Abschnitt der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden unter dem 4. Titel «Umwelt und Raumplanung». Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit der Verkehrsverfassung (Art. 82 ff. BV), unterscheidet sich aber durch ihren Fokus auf den Langsamverkehr (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 3).\n\n**N. 4** Die Bestimmung weist Querverbindungen zu weiteren Verfassungsnormen auf: → Art. 75 BV (Raumplanung) verlangt die zweckmässige und haushälterische Nutzung des Bodens, wozu auch die Bereitstellung von Wegnetzen für den Langsamverkehr gehört. ↔ Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz) steht in einem Spannungsverhältnis zur Erstellung neuer Wege, was bei der Auslegung von Art. 88 BV zu berücksichtigen ist (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, S. 45).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Fuss- und Wanderwege**: Das FWG definiert Fusswege als Verbindungen, die vorwiegend dem Fussgängerverkehr dienen (Art. 2 FWG). Wanderwege sind demgegenüber vorwiegend der Erholung dienende Fusswegverbindungen (Art. 3 FWG). Die Unterscheidung ist für die Anforderungen an Bau und Unterhalt relevant (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 7).\n\n**N. 6** **Velowege**: Mit der Verfassungsrevision 2018 wurden Velowege den Fuss- und Wanderwegen gleichgestellt. Das VWG definiert diese als für Fahrräder und andere durch Muskelkraft angetriebene Fahrzeuge bestimmte Verkehrswege, die vom motorisierten Verkehr möglichst getrennt sind.\n\n**N. 7** **Netzcharakter**: Der Begriff «Netze» impliziert zusammenhängende, durchgehende Wegverbindungen. Isolierte Wegstrecken erfüllen die Anforderungen von Art. 88 BV nicht (Keller/Hauser, Verfassungsgrundlagen des Langsamverkehrs, 2006, S. 23).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** **Grundsatzkompetenz (Abs. 1)**: Der Bund erhält die Kompetenz zur Festlegung von Grundsätzen, nicht aber zur umfassenden Regelung. Die Kantone bleiben für die konkrete Planung, Anlage und den Unterhalt der Wegnetze zuständig (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 10). Der Bundesgesetzgeber hat von dieser Kompetenz durch Erlass des FWG und des VWG Gebrauch gemacht.\n\n**N. 9** **Unterstützungs- und Koordinationsaufgabe (Abs. 2)**: Der Bund kann subsidiär tätig werden, indem er kantonale und private Massnahmen finanziell unterstützt oder koordiniert. Diese Befugnis ist fakultativ («kann») und wahrt ausdrücklich die kantonalen Zuständigkeiten (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 12).\n\n**N. 10** **Rücksichtnahmepflicht (Abs. 3)**: Der Bund unterliegt einer qualifizierten Rücksichtnahmepflicht bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Die Ersatzpflicht bei Aufhebung von Wegen konkretisiert diese Pflicht. In **BGE 130 III 182 E. 5.5.1** hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Ersatzpflicht unabhängig vom Eigentum am Weggrund besteht und sich nach dem funktionalen Kriterium der Netzerhaltung richtet.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Reichweite der Ersatzpflicht**: In der Doktrin ist umstritten, ob die Ersatzpflicht nach Abs. 3 nur für formell klassierte Wege oder für alle faktisch dem Langsamverkehr dienenden Verbindungen gilt. Schmid (FS Kaufmann, 1989, S. 334) vertritt eine weite Auslegung, während Häner (Strassenrecht, 2008, S. 190) für eine Beschränkung auf inventarisierte Wege plädiert. Das Bundesverwaltungsgericht tendiert zur extensiven Auslegung (Urteil A-4598/2022 vom 29.1.2025).\n\n**N. 12** **Verhältnis zum Umweltschutz**: Die Gewichtung zwischen Wegausbau und Naturschutz wird kontrovers diskutiert. Griffel (Verkehrsverfassungsrecht, 2008, S. 47) betont den Vorrang des Umweltschutzes, während Keller/Hauser (Verfassungsgrundlagen, 2006, S. 45) für eine Gleichrangigkeit der Verfassungsgüter eintreten. Die Praxis zeigt eine einzelfallbezogene Interessenabwägung (**BGE 1C_217/2023** vom 21.11.2024).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Planung von Infrastrukturprojekten ist die frühzeitige Einbindung der kantonalen Fachstellen für Fuss- und Wanderwege sowie für Veloverkehr essentiell. Die Ersatzpflicht nach Abs. 3 greift auch bei temporären Baustelleneinrichtungen, weshalb Umleitungskonzepte zwingend sind.\n\n**N. 14** Gemeinden müssen bei der Nutzungsplanung die Anforderungen von Art. 3 Abs. 3 lit. c RPG beachten, der die Berücksichtigung von Fuss- und Wanderwegen vorschreibt. Die rechtliche Sicherung der Wegrechte erfolgt idealerweise durch Eintragung im Grundbuch als Dienstbarkeit (OGVE 2018/19 Nr. 73).\n\n**N. 15** Die Koordinationspflicht nach Abs. 2 manifestiert sich in der Praxis durch die Schweizer Wanderwege und SchweizMobil als nationale Koordinationsstellen. Bundesbeiträge setzen die Einhaltung der Qualitätsstandards gemäss Art. 6 Abs. 2 FWG bzw. der entsprechenden Bestimmungen des VWG voraus.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Planungsgrundsätze und Projektierung von Fuss- und Radwegen\n\n**1C_486/2019** vom 16.10.2020\n\nStrassenprojekt für Fuss- und Radwegverbindung zwischen Hubertusstrasse und Grütlistrasse in St. Gallen. Das Bundesgericht bestätigt die verfassungsrechtliche Grundlage von Art. 88 BV für die Anlage von Fuss- und Radwegen im Siedlungsgebiet.\n\n> «Mit Blick darauf durfte die Vorinstanz unter Würdigung der örtlichen Verhältnisse ein öffentliches Interesse an der Strecke bejahen, weil sie zu einem vielfältigen und genügend dichten Wegnetz im Siedlungsgebiet beiträgt. [...] Bei der Anwendung der kantonalen Strassengesetzgebung hat die Vorinstanz zu Recht dem Planungsgrundsatz von Art. 3 Abs. 3 lit. c RPG zum Siedlungsgebiet Rechnung getragen, wonach Rad- und Fusswege zu erhalten und zu schaffen sind (siehe auch Art. 88 BV).»\n\n**1C_217/2023** vom 21.11.2024\n\nFuss- und Wanderwegprojekt entlang des Bünisbachs zwischen Herrliberg und Meilen. Das Bundesgericht präzisiert die Bedeutung von Art. 88 BV als verfassungsrechtliche Grundlage für interkommunale Wegprojekte und deren umweltrechtliche Grenzen.\n\n> «Der neue Fuss- und Wanderweg bezweckt einerseits, das Tobel des Bünisbachs als Erholungsraum erlebbar zu machen, und schafft andererseits eine Fusswegverbindung zwischen angrenzenden Wohnquartieren von Herrliberg und Meilen sowie zur Stiftung Stöckenweid.»\n\n### Ersatzpflicht bei Nationalstrassenprojekten\n\n**A-4598/2022** vom 29.1.2025 (BVGer)\n\nPlangenehmigung für Lärmsanierung der Osttangente Basel mit Auswirkungen auf Fusswegverbindungen. Das Bundesverwaltungsgericht konkretisiert die Ersatzpflicht gemäss Art. 88 Abs. 3 BV bei Nationalstrassenprojekten.\n\nDer Verein Fussverkehr Schweiz verlangte für die wegfallende unterwasserseitige Fusswegverbindung auf der Schwarzwaldbrücke einen Realersatz in Absprache mit der kantonalen Fachstelle für Fuss- und Wanderwege. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Pflicht zur Prüfung von Ersatzmassnahmen bei der Aufhebung bestehender Fusswegverbindungen.\n\n### Zuständigkeiten und Erhaltungspflichten im Wanderwegnetz\n\n**AGVE 2010 Nr. 29** vom 4.6.2010 (Verwaltungsgericht AG)\n\nUnterhaltszuständigkeit für Brücken im kantonalen Wanderwegnetz. Das aargauische Verwaltungsgericht klärt die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Kanton und Gemeinden bei Wanderweginfrastruktur.\n\n> «Der Kanton hat nur jene Wanderwege des kantonalen Wanderwegnetzes zu unterhalten, die keinem anderen Zweck dienen bzw. denen keine andere (Erschliessungs-) Funktion zukommt.»\n\n### Rechtliche Absicherung von Fuss- und Wanderwegen\n\n**OGVE 2018/19 Nr. 73** vom 19.12.2022 (Verwaltungsgericht OW)\n\nZuständigkeit der Einwohnergemeinde für die rechtliche Absicherung des öffentlichen Zugangs von Fuss- und Wanderwegen. Das obwaldische Verwaltungsgericht präzisiert die kommunalen Pflichten zur Sicherung der Wegrechte.\n\n> «Die Einwohnergemeinde ist für die rechtliche Absicherung des öffentlichen Zugangs der in der Gemeinde gelegenen Fuss- und Wanderwege zuständig. Als Zusicherung kann die Einwohnergemeinde ein Wegrecht oder ein Recht zum Unterhalt der Wege als beschränkte dingliche Rechte erwerben und im Grundbuch eintragen lassen.»\n\n### Beeinträchtigung der freien Begehbarkeit\n\n**ARGVP 1991 Nr. 1212** vom 26.2.1991 (Regierungsrat AR)\n\nZulässigkeit von Absperrvorrichtungen auf öffentlichen Fusswegen. Der Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden entschied über die Vereinbarkeit einer «Stapfete» mit dem freien Begehen von Fusswegen.\n\nDie Entscheidung konkretisiert die Anforderungen an die freie Begehbarkeit gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. b FWG als Ausführungsbestimmung zu Art. 88 BV, wonach Wegrechte nicht unzulässig beeinträchtigt werden dürfen.", "summary_fr": "# Art. 88 Chemins pour piétons, chemins de randonnée pédestre et voies cyclables\n\n## Aperçu\n\nL'art. 88 Cst. règle la compétence de la Confédération pour les réseaux de chemins pour piétons, de chemins de randonnée pédestre et de voies cyclables dans trois domaines. L'article est né de l'initiative populaire de 1979 et a été étendu aux voies cyclables en 2018 (FF 2018 7429).\n\n**Établir des principes (alinéa 1)** : La Confédération peut édicter des règles générales pour les réseaux de chemins. Elle a utilisé cette compétence par la loi fédérale sur les chemins pour piétons et les chemins de randonnée pédestre (LCPR) et la loi fédérale sur les voies cyclables (LVC). Les chemins pour piétons sont des liaisons pour les piétons (art. 2 LCPR), les chemins de randonnée pédestre servent à la détente (art. 3 LCPR). Les voies cyclables sont des voies de circulation séparées pour les cycles et les véhicules mus par la force musculaire.\n\n**Soutien et coordination (alinéa 2)** : La Confédération peut soutenir financièrement les cantons et les particuliers lors de la construction et de l'entretien des chemins. Elle peut aussi coordonner différents projets. Les cantons restent toutefois compétents pour la planification concrète et la construction.\n\n**Prise en considération et remplacement (alinéa 3)** : Lorsque la Confédération planifie ses propres projets, elle doit tenir compte des réseaux de chemins existants. Si elle doit supprimer des chemins, elle est tenue d'aménager des chemins de remplacement. Cette obligation vaut indépendamment de la propriété du terrain sur lequel passe le chemin (**ATF 130 III 182 consid. 5.5.1**).\n\n**Exemple** : Lors de la rénovation de la tangente Est de Bâle, la Confédération a dû examiner comment remplacer les liaisons piétonnes supprimées sur le pont de la Forêt-Noire (TAF A-4598/2022 du 29.1.2025). Les cantons doivent aménager des voies pour cycles et piétons dans les zones d'habitation (art. 3 al. 3 let. c LAT).", "doctrine_fr": "# Art. 88 Réseaux de chemins pour piétons, de chemins de randonnée pédestre et de voies cyclables\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 88 Cst. constitue la disposition qui succède à l'art. 37quater anc. Cst., qui fut inséré dans la Constitution fédérale en 1979 (Kern, BSK BV, art. 88 N. 1). L'article constitutionnel a formé la base de la loi fédérale sur les chemins pour piétons et les chemins de randonnée pédestre (LCPR) du 4 octobre 1985. La révision constitutionnelle de 1999 a repris le contenu de la disposition précédente en grande partie sans modification.\n\n**N. 2** Avec l'acceptation du contre-projet direct à l'initiative vélo le 23 septembre 2018, l'art. 88 Cst. fut complété par les voies cyclables (FF 2018 7891). Cette extension a conduit à l'adoption de la loi fédérale sur les voies cyclables (LVC) du 18 mars 2022, qui réalise l'égalité de traitement des chemins pour piétons, des chemins de randonnée pédestre et des voies cyclables au niveau constitutionnel.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 88 Cst. se trouve dans la 3e section de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes sous le 4e titre « Environnement et aménagement du territoire ». La norme entretient un lien systématique étroit avec la constitution en matière de transport (art. 82 ss Cst.), mais s'en distingue par son accent sur la mobilité douce (Kern, BSK BV, art. 88 N. 3).\n\n**N. 4** La disposition présente des liens transversaux avec d'autres normes constitutionnelles : → L'art. 75 Cst. (aménagement du territoire) exige l'utilisation judicieuse et mesurée du sol, ce qui comprend aussi la mise à disposition de réseaux de chemins pour la mobilité douce. ↔ L'art. 78 Cst. (protection de la nature et du paysage) se trouve en tension avec la création de nouveaux chemins, ce qui doit être pris en compte dans l'interprétation de l'art. 88 Cst. (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 45).\n\n### 3. Éléments de fait constitutifs / contenu normatif\n\n**N. 5** **Chemins pour piétons et chemins de randonnée pédestre** : La LCPR définit les chemins pour piétons comme des liaisons servant principalement à la circulation des piétons (art. 2 LCPR). Les chemins de randonnée pédestre sont par contre des liaisons pour piétons servant principalement à la détente (art. 3 LCPR). La distinction est pertinente pour les exigences de construction et d'entretien (Kern, BSK BV, art. 88 N. 7).\n\n**N. 6** **Voies cyclables** : Avec la révision constitutionnelle de 2018, les voies cyclables ont été mises sur un pied d'égalité avec les chemins pour piétons et les chemins de randonnée pédestre. La LVC les définit comme des voies de circulation destinées aux bicyclettes et autres véhicules mus par la force humaine, qui sont autant que possible séparées de la circulation motorisée.\n\n**N. 7** **Caractère de réseau** : Le terme « réseaux » implique des liaisons de chemins cohérentes et continues. Des tronçons de chemins isolés ne satisfont pas aux exigences de l'art. 88 Cst. (Keller/Hauser, Verfassungsgrundlagen des Langsamverkehrs, 2006, p. 23).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** **Compétence de principe (al. 1)** : La Confédération reçoit la compétence d'établir des principes, mais non pas de réglementer de manière exhaustive. Les cantons restent compétents pour la planification concrète, l'aménagement et l'entretien des réseaux de chemins (Kern, BSK BV, art. 88 N. 10). Le législateur fédéral a fait usage de cette compétence par l'adoption de la LCPR et de la LVC.\n\n**N. 9** **Tâche de soutien et de coordination (al. 2)** : La Confédération peut agir de manière subsidiaire en soutenant financièrement ou en coordonnant des mesures cantonales et privées. Cette faculté est optionnelle (« peut ») et préserve expressément les compétences cantonales (Kern, BSK BV, art. 88 N. 12).\n\n**N. 10** **Obligation de ménagement (al. 3)** : La Confédération est soumise à une obligation qualifiée de ménagement dans l'accomplissement de ses tâches. L'obligation de remplacement en cas de suppression de chemins concrétise cette obligation. Dans **BGE 130 III 182 E. 5.5.1**, le Tribunal fédéral a retenu que l'obligation de remplacement existe indépendamment de la propriété du terrain et se dirige selon le critère fonctionnel du maintien du réseau.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 11** **Portée de l'obligation de remplacement** : La doctrine est divisée sur la question de savoir si l'obligation de remplacement selon l'al. 3 ne vaut que pour les chemins formellement classés ou pour toutes les liaisons servant factuellement à la mobilité douce. Schmid (FS Kaufmann, 1989, p. 334) défend une interprétation large, tandis qu'Häner (Strassenrecht, 2008, p. 190) plaide pour une limitation aux chemins inventoriés. Le Tribunal administratif fédéral tend vers l'interprétation extensive (arrêt A-4598/2022 du 29.1.2025).\n\n**N. 12** **Rapport avec la protection de l'environnement** : La pondération entre l'aménagement de chemins et la protection de la nature est discutée de manière controversée. Griffel (Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 47) souligne la priorité de la protection de l'environnement, tandis que Keller/Hauser (Verfassungsgrundlagen, 2006, p. 45) militent pour une égalité de rang des biens constitutionnels. La pratique montre une pesée d'intérêts au cas par cas (**BGE 1C_217/2023** du 21.11.2024).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** Lors de la planification de projets d'infrastructure, l'intégration précoce des services cantonaux spécialisés pour les chemins pour piétons et chemins de randonnée pédestre ainsi que pour la circulation cycliste est essentielle. L'obligation de remplacement selon l'al. 3 s'applique aussi aux installations temporaires de chantier, c'est pourquoi des concepts de déviation sont impératifs.\n\n**N. 14** Les communes doivent respecter lors de la planification d'affectation les exigences de l'art. 3 al. 3 let. c LAT, qui prescrit la prise en compte des chemins pour piétons et des chemins de randonnée pédestre. La sécurisation juridique des droits de passage s'effectue idéalement par inscription au registre foncier comme servitude (OGVE 2018/19 n° 73).\n\n**N. 15** L'obligation de coordination selon l'al. 2 se manifeste dans la pratique par les Chemins de randonnée pédestre suisses et SuisseMobile comme organes nationaux de coordination. Les contributions fédérales présupposent le respect des standards de qualité selon l'art. 6 al. 2 LCPR respectivement des dispositions correspondantes de la LVC.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes de planification et projectation des chemins pour piétons et des pistes cyclables\n\n**1C_486/2019** du 16.10.2020\n\nProjet routier pour une liaison piétonne et cycliste entre la Hubertusstrasse et la Grütlistrasse à Saint-Gall. Le Tribunal fédéral confirme la base constitutionnelle de l'art. 88 Cst. pour l'aménagement de chemins pour piétons et de pistes cyclables dans la zone à bâtir.\n\n> « À cet égard, l'instance précédente était en droit d'affirmer, après appréciation des rapports locaux, l'existence d'un intérêt public à ce tronçon, car il contribue à un réseau de chemins varié et suffisamment dense dans la zone à bâtir. [...] Dans l'application de la législation cantonale sur les routes, l'instance précédente a eu raison de tenir compte du principe de planification de l'art. 3 al. 3 let. c LAT relatif à la zone à bâtir, selon lequel les pistes cyclables et les chemins pour piétons doivent être conservés et créés (voir aussi art. 88 Cst.). »\n\n**1C_217/2023** du 21.11.2024\n\nProjet de chemin pour piétons et de sentier le long du Bünisbach entre Herrliberg et Meilen. Le Tribunal fédéral précise la signification de l'art. 88 Cst. comme base constitutionnelle pour les projets de chemins intercommunaux et leurs limites en droit de l'environnement.\n\n> « Le nouveau chemin pour piétons et sentier vise d'une part à rendre accessible le ravin du Bünisbach comme espace de détente, et crée d'autre part une liaison piétonne entre les quartiers d'habitation adjacents de Herrliberg et Meilen ainsi qu'avec la Fondation Stöckenweid. »\n\n### Obligation de remplacement lors de projets d'autoroutes nationales\n\n**A-4598/2022** du 29.1.2025 (TAF)\n\nApprobation des plans pour l'assainissement phonique de la tangente Est de Bâle avec répercussions sur les liaisons piétonnes. Le Tribunal administratif fédéral concrétise l'obligation de remplacement selon l'art. 88 al. 3 Cst. lors de projets d'autoroutes nationales.\n\nL'association Piétons Suisse a exigé pour la liaison piétonne supprimée côté aval sur le pont de la Forêt-Noire un remplacement en nature en concertation avec le service cantonal spécialisé pour les chemins pour piétons et les sentiers. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé l'obligation d'examiner des mesures de remplacement lors de la suppression de liaisons piétonnes existantes.\n\n### Compétences et obligations d'entretien dans le réseau de sentiers\n\n**AGVE 2010 Nr. 29** du 4.6.2010 (Tribunal administratif AG)\n\nCompétence d'entretien pour les ponts dans le réseau cantonal de sentiers. Le tribunal administratif argovien clarifie la répartition des compétences entre canton et communes pour l'infrastructure des sentiers.\n\n> « Le canton ne doit entretenir que les sentiers du réseau cantonal de sentiers qui ne servent aucun autre but ou auxquels n'incombe aucune autre fonction (de desserte). »\n\n### Sécurisation juridique des chemins pour piétons et des sentiers\n\n**OGVE 2018/19 Nr. 73** du 19.12.2022 (Tribunal administratif OW)\n\nCompétence de la commune bourgeoise pour la sécurisation juridique de l'accès public aux chemins pour piétons et aux sentiers. Le tribunal administratif obwaldien précise les obligations communales de sécurisation des droits de passage.\n\n> « La commune bourgeoise est compétente pour la sécurisation juridique de l'accès public aux chemins pour piétons et aux sentiers situés sur le territoire communal. Comme garantie, la commune bourgeoise peut acquérir un droit de passage ou un droit d'entretien des chemins en tant que droits réels restreints et les faire inscrire au registre foncier. »\n\n### Atteinte à la libre circulation\n\n**ARGVP 1991 Nr. 1212** du 26.2.1991 (Conseil d'État AR)\n\nAdmissibilité de dispositifs de fermeture sur les chemins pour piétons publics. Le Conseil d'État d'Appenzell Rhodes-Extérieures a statué sur la compatibilité d'un « échalier » avec la libre circulation sur les chemins pour piétons.\n\nLa décision concrétise les exigences relatives à la libre circulation selon l'art. 6 al. 1 let. b LChP comme disposition d'exécution de l'art. 88 Cst., selon laquelle les droits de passage ne doivent pas être entravés de manière illicite.", "summary_it": "# Art. 88 Percorsi pedonali, itinerari di escursionismo e piste ciclabili\n\n## Panoramica\n\nL'art. 88 Cost. disciplina la competenza della Confederazione per le reti di percorsi pedonali, itinerari di escursionismo e piste ciclabili in tre ambiti. L'articolo è nato dall'iniziativa popolare del 1979 ed è stato ampliato nel 2018 per includere le piste ciclabili (FF 2018 7891).\n\n**Fissare principi (cpv. 1)**: La Confederazione può stabilire regole generali per le reti di percorsi. Ha utilizzato questa competenza attraverso la legge federale sui percorsi pedonali e gli itinerari di escursionismo (LPI) e la legge federale sulle piste ciclabili (LPC). I percorsi pedonali sono collegamenti per pedoni (art. 2 LPI), gli itinerari di escursionismo servono per la ricreazione (art. 3 LPI). Le piste ciclabili sono vie di circolazione separate per biciclette e veicoli a propulsione muscolare.\n\n**Sostegno e coordinamento (cpv. 2)**: La Confederazione può sostenere finanziariamente Cantoni e privati nella costruzione e manutenzione dei percorsi. Può anche coordinare tra loro diversi progetti. I Cantoni rimangono tuttavia competenti per la pianificazione concreta e la costruzione.\n\n**Considerazione e sostituzione (cpv. 3)**: Quando la Confederazione pianifica propri progetti, deve tener conto delle reti di percorsi esistenti. Se deve sopprimere percorsi, è obbligata a creare percorsi sostitutivi. Questo obbligo vale indipendentemente dal proprietario del fondo su cui si trova il percorso (**DTF 130 III 182 consid. 5.5.1**).\n\n**Esempio**: Nel risanamento della tangenziale est di Basilea, la Confederazione ha dovuto esaminare come sostituire i collegamenti pedonali soppressi sul ponte della Foresta Nera (TAF A-4598/2022 del 29.1.2025). I Cantoni devono creare percorsi ciclabili e pedonali nelle zone residenziali (art. 3 cpv. 3 lett. c LPT).", "doctrine_it": "# Art. 88 Reti di sentieri pedonali, percorsi escursionistici e piste ciclabili\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 88 Cost. rappresenta la disposizione successiva all'art. 37quater aCost. precedente, che fu inserito nella Costituzione federale nel 1979 (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 1). L'articolo costituzionale costituì la base per la legge federale sui sentieri pedonali e i percorsi escursionistici (LSP) del 4 ottobre 1985. La revisione costituzionale del 1999 riprese il contenuto della disposizione precedente sostanzialmente invariato.\n\n**N. 2** Con l'accettazione del controprogetto diretto all'iniziativa sulla bicicletta del 23 settembre 2018, l'art. 88 Cost. è stato completato con le piste ciclabili (FF 2018 7891). Questa estensione ha portato all'adozione della legge federale sulle piste ciclabili (LPC) del 18 marzo 2022, che realizza il trattamento paritario di sentieri pedonali, percorsi escursionistici e piste ciclabili a livello costituzionale.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 88 Cost. si trova nella 3ª sezione della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni sotto il 4° titolo «Ambiente e pianificazione del territorio». La norma è in stretta connessione sistematica con la costituzione dei trasporti (art. 82 segg. Cost.), ma si distingue per il suo focus sulla mobilità lenta (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 3).\n\n**N. 4** La disposizione presenta collegamenti trasversali con ulteriori norme costituzionali: → art. 75 Cost. (pianificazione del territorio) richiede l'utilizzazione appropriata e parsimoniosa del suolo, il che comprende anche la messa a disposizione di reti di percorsi per la mobilità lenta. ↔ Art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio) è in rapporto di tensione con la realizzazione di nuovi percorsi, il che deve essere considerato nell'interpretazione dell'art. 88 Cost. (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 45).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Sentieri pedonali e percorsi escursionistici**: La LSP definisce i sentieri pedonali come collegamenti che servono prevalentemente al traffico pedonale (art. 2 LSP). I percorsi escursionistici sono invece collegamenti pedonali che servono prevalentemente alla ricreazione (art. 3 LSP). La distinzione è rilevante per i requisiti di costruzione e manutenzione (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 7).\n\n**N. 6** **Piste ciclabili**: Con la revisione costituzionale del 2018, le piste ciclabili sono state equiparate ai sentieri pedonali e ai percorsi escursionistici. La LPC le definisce come percorsi di traffico destinati alle biciclette e ad altri veicoli azionati da forza muscolare, che sono possibilmente separati dal traffico motorizzato.\n\n**N. 7** **Carattere di rete**: Il termine «reti» implica collegamenti di percorsi coerenti e continui. Tratti di percorso isolati non soddisfano i requisiti dell'art. 88 Cost. (Keller/Hauser, Verfassungsgrundlagen des Langsamverkehrs, 2006, p. 23).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** **Competenza di principio (cpv. 1)**: La Confederazione ottiene la competenza per la definizione di principi, ma non per una regolamentazione completa. I Cantoni rimangono competenti per la pianificazione concreta, la realizzazione e la manutenzione delle reti di percorsi (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 10). Il legislatore federale ha fatto uso di questa competenza attraverso l'emanazione della LSP e della LPC.\n\n**N. 9** **Compito di sostegno e coordinamento (cpv. 2)**: La Confederazione può agire sussidiariamente sostenendo finanziariamente o coordinando misure cantonali e private. Questa facoltà è facoltativa («può») e rispetta espressamente le competenze cantonali (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 12).\n\n**N. 10** **Obbligo di riguardo (cpv. 3)**: La Confederazione è sottoposta a un obbligo qualificato di riguardo nell'adempimento dei suoi compiti. L'obbligo di rimpiazzo in caso di soppressione di percorsi concretizza questo obbligo. Nella **DTF 130 III 182 consid. 5.5.1**, il Tribunale federale ha stabilito che l'obbligo di rimpiazzo sussiste indipendentemente dalla proprietà del fondo del percorso e si orienta secondo il criterio funzionale del mantenimento della rete.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Portata dell'obbligo di rimpiazzo**: Nella dottrina è controverso se l'obbligo di rimpiazzo secondo il cpv. 3 valga solo per i percorsi formalmente classificati o per tutti i collegamenti che servono di fatto alla mobilità lenta. Schmid (FS Kaufmann, 1989, p. 334) sostiene un'interpretazione ampia, mentre Häner (Strassenrecht, 2008, p. 190) propende per una limitazione ai percorsi inventariati. Il Tribunale amministrativo federale tende all'interpretazione estensiva (sentenza A-4598/2022 del 29.1.2025).\n\n**N. 12** **Rapporto con la protezione dell'ambiente**: La ponderazione tra sviluppo dei percorsi e protezione della natura è discussa controversamente. Griffel (Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 47) sottolinea la priorità della protezione ambientale, mentre Keller/Hauser (Verfassungsgrundlagen, 2006, p. 45) sostengono la parità di rango dei beni costituzionali. La prassi mostra una ponderazione degli interessi caso per caso (**DTF 1C_217/2023** del 21.11.2024).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nella pianificazione di progetti infrastrutturali è essenziale il coinvolgimento precoce dei servizi specializzati cantonali per i sentieri pedonali e i percorsi escursionistici nonché per il traffico ciclabile. L'obbligo di rimpiazzo secondo il cpv. 3 si applica anche agli allestimenti temporanei di cantiere, per cui sono imperativi i concetti di deviazione.\n\n**N. 14** I Comuni devono rispettare nella pianificazione dell'utilizzazione i requisiti dell'art. 3 cpv. 3 lett. c LPT, che prescrive la considerazione dei sentieri pedonali e dei percorsi escursionistici. La garanzia giuridica dei diritti di passaggio avviene idealmente attraverso l'iscrizione nel registro fondiario come servitù (OGVE 2018/19 n. 73).\n\n**N. 15** L'obbligo di coordinamento secondo il cpv. 2 si manifesta nella prassi attraverso i Sentieri Svizzeri e SvizzeraMobile come centri di coordinamento nazionali. I contributi federali presuppongono il rispetto degli standard qualitativi secondo l'art. 6 cpv. 2 LSP rispettivamente delle corrispondenti disposizioni della LPC.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi di pianificazione e progettazione di percorsi pedonali e piste ciclabili\n\n**1C_486/2019** del 16.10.2020\n\nProgetto stradale per collegamento pedonale e ciclabile tra Hubertusstrasse e Grütlistrasse a San Gallo. Il Tribunale federale conferma la base costituzionale dell'art. 88 Cost. per la realizzazione di percorsi pedonali e piste ciclabili nel territorio edificato.\n\n> «In considerazione di ciò, l'istanza precedente ha potuto giustamente riconoscere, valutando le condizioni locali, un interesse pubblico per il tratto, poiché esso contribuisce a una rete di percorsi diversificata e sufficientemente densa nel territorio edificato. [...] Nell'applicazione della legislazione cantonale stradale, l'istanza precedente ha giustamente tenuto conto del principio di pianificazione di cui all'art. 3 cpv. 3 lett. c LPT relativo al territorio edificato, secondo cui le piste ciclabili e i percorsi pedonali devono essere conservati e creati (cfr. anche art. 88 Cost.).»\n\n**1C_217/2023** del 21.11.2024\n\nProgetto di percorso pedonale e sentiero escursionistico lungo il Bünibach tra Herrliberg e Meilen. Il Tribunale federale precisa il significato dell'art. 88 Cost. come base costituzionale per progetti di percorsi intercomunali e i loro limiti di diritto ambientale.\n\n> «Il nuovo percorso pedonale e sentiero escursionistico ha lo scopo, da un lato, di rendere fruibile come spazio ricreativo la gola del Bünibach e, dall'altro, di creare un collegamento pedonale tra quartieri residenziali contigui di Herrliberg e Meilen nonché verso la Fondazione Stöckenweid.»\n\n### Obbligo di sostituzione nei progetti di strade nazionali\n\n**A-4598/2022** del 29.1.2025 (TAF)\n\nApprovazione di piani per risanamento fonico della tangenziale est di Basilea con effetti sui collegamenti pedonali. Il Tribunale amministrativo federale concretizza l'obbligo di sostituzione secondo l'art. 88 cpv. 3 Cost. nei progetti di strade nazionali.\n\nL'Associazione Traffico pedonale Svizzera ha richiesto per il collegamento pedonale soppressionerato lato valle sul ponte della Foresta Nera una sostituzione reale d'intesa con l'ufficio cantonale specializzato per percorsi pedonali e sentieri escursionistici. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato l'obbligo di esaminare misure sostitutive in caso di soppressione di collegamenti pedonali esistenti.\n\n### Competenze e obblighi di mantenimento nella rete di sentieri escursionistici\n\n**AGVE 2010 Nr. 29** del 4.6.2010 (Tribunale amministrativo AG)\n\nCompetenza di manutenzione per ponti nella rete cantonale di sentieri escursionistici. Il Tribunale amministrativo argoviese chiarisce la ripartizione delle competenze tra Cantone e Comuni per l'infrastruttura dei sentieri escursionistici.\n\n> «Il Cantone deve mantenere soltanto quei sentieri escursionistici della rete cantonale che non servono ad altri scopi ovvero ai quali non spetta nessun'altra funzione (di allacciamento).»\n\n### Garanzia giuridica di percorsi pedonali e sentieri escursionistici\n\n**OGVE 2018/19 Nr. 73** del 19.12.2022 (Tribunale amministrativo OW)\n\nCompetenza del Comune attinente per la garanzia giuridica dell'accesso pubblico di percorsi pedonali e sentieri escursionistici. Il Tribunale amministrativo di Obvaldo precisa gli obblighi comunali per la garanzia dei diritti di passaggio.\n\n> «Il Comune attinente è competente per la garanzia giuridica dell'accesso pubblico dei percorsi pedonali e sentieri escursionistici situati nel Comune. Come garanzia, il Comune attinente può acquisire un diritto di passaggio o un diritto alla manutenzione dei percorsi come diritti reali limitati e farli iscrivere nel registro fondiario.»\n\n### Compromissione della libera percorribilità\n\n**ARGVP 1991 Nr. 1212** del 26.2.1991 (Consiglio di Stato AR)\n\nAmmissibilità di dispositivi di sbarramento su percorsi pedonali pubblici. Il Consiglio di Stato di Appenzello Esterno ha deciso sulla compatibilità di una «scaletta» con il libero transito sui percorsi pedonali.\n\nLa decisione concretizza i requisiti per la libera percorribilità secondo l'art. 6 cpv. 1 lett. b LPPed come disposizione d'esecuzione dell'art. 88 Cost., secondo cui i diritti di passaggio non devono essere compromessi illecitamente.", "summary_en": "# Art. 88 Footpaths, hiking trails and cycle paths\n\n## Overview\n\nArt. 88 FC regulates the Confederation's competence for footpath, hiking trail and cycle path networks in three areas. The article arose from the popular initiative of 1979 and was extended to include cycle paths in 2018 (FGB 2018 7891).\n\n**Establishing principles (para. 1)**: The Confederation may create general rules for path networks. It exercised this competence through the Federal Act on Footpaths and Hiking Trails (FAHT) and the Federal Act on Cycle Paths (FACP). Footpaths are connections for pedestrians (art. 2 FAHT), hiking trails serve recreation (art. 3 FAHT). Cycle paths are separate roadways for bicycles and muscle-powered vehicles.\n\n**Support and coordination (para. 2)**: The Confederation may financially support cantons and private parties in the construction and maintenance of paths. It may also coordinate various projects with one another. However, the cantons remain responsible for concrete planning and construction.\n\n**Consideration and replacement (para. 3)**: When the Confederation plans its own projects, it must take existing path networks into account. If it must abolish paths, it is obliged to construct replacement paths. This obligation applies regardless of who owns the path land (**BGE 130 III 182 consid. 5.5.1**).\n\n**Example**: During the renovation of the East Tangent Basel, the Confederation had to examine how disappearing footpath connections on the Schwarzwald Bridge could be replaced (FAC A-4598/2022 of 29.1.2025). The cantons must create cycle and footpaths in residential areas (art. 3 para. 3 lit. c SPA).", "doctrine_en": "# Art. 88 Pedestrian, Hiking and Cycling Networks\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 88 Cst. represents the successor provision to Art. 37quater old Cst., which was inserted into the Federal Constitution in 1979 (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 1). The constitutional article formed the basis for the Federal Act on Pedestrian and Hiking Trails (FAPT) of 4 October 1985. The constitutional revision of 1999 adopted the substance of the predecessor provision largely unchanged.\n\n**N. 2** With the acceptance of the direct counter-proposal to the cycling initiative on 23 September 2018, Art. 88 Cst. was extended to include cycling networks (BBl 2018 7891). This extension led to the adoption of the Federal Act on Cycling Paths (FACP) of 18 March 2022, which realises the equal treatment of pedestrian, hiking and cycling paths at constitutional level.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 88 Cst. is located in the 3rd section of the Federal Constitution on Confederation, Cantons and Communes under Title 4 «Environment and Spatial Planning». The provision is in close systematic connection with the transport constitution (Art. 82 ff. Cst.), but differs through its focus on non-motorised transport (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 3).\n\n**N. 4** The provision shows cross-connections to other constitutional norms: → Art. 75 Cst. (spatial planning) requires the appropriate and economical use of land, which includes the provision of path networks for non-motorised transport. ↔ Art. 78 Cst. (protection of nature and cultural heritage) stands in tension with the construction of new paths, which must be considered in the interpretation of Art. 88 Cst. (Griffel, Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 45).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Pedestrian and hiking trails**: The FAPT defines pedestrian paths as connections that primarily serve pedestrian traffic (Art. 2 FAPT). Hiking trails, in contrast, are pedestrian connections that primarily serve recreation (Art. 3 FAPT). The distinction is relevant for the requirements for construction and maintenance (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 7).\n\n**N. 6** **Cycling paths**: With the constitutional revision of 2018, cycling paths were made equal to pedestrian and hiking trails. The FACP defines these as traffic routes intended for bicycles and other muscle-powered vehicles that are separated as far as possible from motorised traffic.\n\n**N. 7** **Network character**: The term «networks» implies connected, continuous path connections. Isolated path sections do not meet the requirements of Art. 88 Cst. (Keller/Hauser, Verfassungsgrundlagen des Langsamverkehrs, 2006, p. 23).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** **Basic competence (para. 1)**: The Confederation receives competence to establish principles, but not for comprehensive regulation. The cantons remain responsible for the concrete planning, construction and maintenance of path networks (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 10). The federal legislator has made use of this competence through the enactment of the FAPT and the FACP.\n\n**N. 9** **Support and coordination task (para. 2)**: The Confederation can act subsidiarily by financially supporting or coordinating cantonal and private measures. This power is optional («may») and expressly preserves cantonal competences (Kern, BSK BV, Art. 88 N. 12).\n\n**N. 10** **Duty to give consideration (para. 3)**: The Confederation is subject to a qualified duty to give consideration in the performance of its tasks. The replacement obligation upon abolition of paths concretises this duty. In **BGE 130 III 182 E. 5.5.1**, the Federal Court held that the replacement obligation exists independently of ownership of the path ground and is governed by the functional criterion of network preservation.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 11** **Scope of replacement obligation**: In doctrine, it is disputed whether the replacement obligation under para. 3 applies only to formally classified paths or to all connections that factually serve non-motorised transport. Schmid (FS Kaufmann, 1989, p. 334) advocates a broad interpretation, while Häner (Strassenrecht, 2008, p. 190) argues for restriction to inventoried paths. The Federal Administrative Court tends towards extensive interpretation (Judgment A-4598/2022 of 29.1.2025).\n\n**N. 12** **Relationship to environmental protection**: The weighting between path expansion and nature conservation is controversially discussed. Griffel (Verkehrsverfassungsrecht, 2008, p. 47) emphasises the precedence of environmental protection, while Keller/Hauser (Verfassungsgrundlagen, 2006, p. 45) advocate for equal ranking of constitutional goods. Practice shows case-by-case balancing of interests (**BGE 1C_217/2023** of 21.11.2024).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 13** In planning infrastructure projects, early involvement of cantonal specialist offices for pedestrian and hiking trails as well as for cycling traffic is essential. The replacement obligation under para. 3 also applies to temporary construction site installations, which makes diversion concepts mandatory.\n\n**N. 14** Municipalities must observe the requirements of Art. 3 para. 3 lit. c SPA in land use planning, which prescribes consideration of pedestrian and hiking trails. The legal securing of path rights ideally occurs through registration in the land register as an easement (OGVE 2018/19 No. 73).\n\n**N. 15** The coordination duty under para. 2 manifests itself in practice through Swiss Hiking Trails and SwitzerlandMobility as national coordination centres. Federal contributions require compliance with quality standards according to Art. 6 para. 2 FAPT or the corresponding provisions of the FACP.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Planning Principles and Design of Footpaths and Cycle Paths\n\n**1C_486/2019** of 16.10.2020\n\nRoad project for footpath and cycle path connection between Hubertusstrasse and Grütlistrasse in St. Gallen. The Federal Supreme Court confirms the constitutional basis of Art. 88 FC for the construction of footpaths and cycle paths in settlement areas.\n\n> «In view of this, the lower instance was entitled to affirm a public interest in the route after considering the local conditions, because it contributes to a diverse and sufficiently dense path network in the settlement area. [...] In applying the cantonal road legislation, the lower instance correctly took into account the planning principle of Art. 3 para. 3 lit. c SPA regarding settlement areas, according to which cycle paths and footpaths are to be preserved and created (see also Art. 88 FC).»\n\n**1C_217/2023** of 21.11.2024\n\nFootpath and hiking trail project along the Bünisbach between Herrliberg and Meilen. The Federal Supreme Court clarifies the significance of Art. 88 FC as a constitutional basis for intercommunal path projects and their environmental law limits.\n\n> «The new footpath and hiking trail aims, on the one hand, to make the Bünisbach ravine accessible as a recreational area, and on the other hand creates a footpath connection between adjacent residential areas of Herrliberg and Meilen as well as to the Stöckenweid Foundation.»\n\n### Replacement Obligation for National Highway Projects\n\n**A-4598/2022** of 29.1.2025 (FAC)\n\nPlanning approval for noise remediation of the Osttangente Basel with impacts on footpath connections. The Federal Administrative Court concretises the replacement obligation according to Art. 88 para. 3 FC for national highway projects.\n\nThe Association for Pedestrian Traffic Switzerland demanded real replacement for the eliminated underwater-side footpath connection on the Schwarzwald Bridge in consultation with the cantonal office for footpaths and hiking trails. The Federal Administrative Court confirmed the obligation to examine replacement measures when abolishing existing footpath connections.\n\n### Competences and Maintenance Obligations in the Hiking Trail Network\n\n**AGVE 2010 Nr. 29** of 4.6.2010 (Administrative Court AG)\n\nMaintenance responsibility for bridges in the cantonal hiking trail network. The Aargau Administrative Court clarifies the division of competences between canton and municipalities for hiking trail infrastructure.\n\n> «The canton must only maintain those hiking trails of the cantonal hiking trail network that serve no other purpose or have no other (development) function.»\n\n### Legal Securing of Footpaths and Hiking Trails\n\n**OGVE 2018/19 Nr. 73** of 19.12.2022 (Administrative Court OW)\n\nResponsibility of the municipal corporation for the legal securing of public access to footpaths and hiking trails. The Obwalden Administrative Court specifies the municipal obligations to secure path rights.\n\n> «The municipal corporation is responsible for the legal securing of public access to the footpaths and hiking trails located in the municipality. As assurance, the municipal corporation can acquire a right of way or a right to maintain the paths as limited rights in rem and have them entered in the land register.»\n\n### Impairment of Free Accessibility\n\n**ARGVP 1991 Nr. 1212** of 26.2.1991 (Government Council AR)\n\nPermissibility of barrier devices on public footpaths. The Government Council of Appenzell Ausserrhoden decided on the compatibility of a «Stapfete» with the free use of footpaths.\n\nThe decision concretises the requirements for free accessibility according to Art. 6 para. 1 lit. b FTA as implementing provisions to Art. 88 FC, according to which path rights may not be impermissibly impaired.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_88", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 89, "article_suffix": "", "title": "Energiepolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 89 BV — Übersicht\n\n## Kernaussage\n\nArt. 89 BV regelt die Energiepolitik der Schweiz und teilt die Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen auf (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 4–5). Der Bund kann Vorschriften über den Energieverbrauch von Anlagen und Fahrzeugen erlassen sowie Energietechniken fördern. Die Kantone sind hauptsächlich für Massnahmen bei Gebäuden verantwortlich. Beide Staatsebenen müssen gemeinsam für eine sichere, umweltverträgliche und wirtschaftliche Energieversorgung sorgen (**BGE 138 I 454** E. 5.1).\n\n## Anwendungsbereich\n\nDie Bestimmung gilt für die gesamte Energiepolitik der Schweiz. Sie betrifft sowohl die Energieerzeugung (Strom, Wärme) als auch den Energieverbrauch. Alle staatlichen Behörden von Bund, Kantonen und Gemeinden sind verpflichtet, die energiepolitischen Ziele zu verfolgen (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 9–11). Private Energieunternehmen müssen sich an die staatlichen Vorschriften halten, erhalten aber keine direkten Rechte aus der Verfassung.\n\nDie Verfassung nennt fünf gleichwertige Ziele für die Energieversorgung: Sie muss ausreichend (genug Energie für alle), breit gefächert (verschiedene Energiequellen), sicher (zuverlässig verfügbar), wirtschaftlich (bezahlbar) und umweltverträglich sein. Zusätzlich soll Energie sparsam und effizient verwendet werden (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 12–13).\n\n## Wichtigste Rechtsfolgen\n\n**Bundeskompetenzen**: Der Bund darf Gesetze über Energieeffizienz von Geräten, Fahrzeugen und Anlagen erlassen (Art. 89 Abs. 3 BV). Er kann auch Forschung und Entwicklung neuer Energietechniken fördern. Das Energiegesetz (EnG, SR 730.0) und das Stromversorgungsgesetz (StromVG, SR 734.7) beruhen auf diesen Kompetenzen (**BGE 138 I 454** E. 5.2).\n\n**Kantonale Zuständigkeiten**: Die Kantone regeln vor allem energetische Massnahmen bei Gebäuden wie Heizvorschriften oder Dämmstandards (Art. 89 Abs. 4 BV). Das Bundesgericht hat bestätigt, dass Kantone auch Elektroheizungen verbieten dürfen, wenn dies verhältnismässig ist (**BGE 149 I 49** E. 8).\n\n**Abschliessende Bundesregelungen**: Wenn der Bund ein Gebiet vollständig geregelt hat, dürfen Kantone keine zusätzlichen Vorschriften erlassen. So können Kantone seit 2009 keine eigenen Vergütungen für Solarstrom mehr einführen, weil der Bund dies abschliessend im EnG geregelt hat (**BGE 138 I 454** E. 5.3).\n\n**Praktisches Beispiel**: Ein Kanton will neue Solarpanels fördern. Er darf Baubewilligungen erteilen und Förderbeiträge zahlen (kantonale Gebäudekompetenz). Er darf aber nicht verlangen, dass Stromversorger höhere Preise für Solarstrom zahlen als im bundesrechtlichen Einspeisevergütungssystem vorgesehen (abschliessende Bundesregelung).", "doctrine_de": "# Art. 89 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Energieverfassungsbestimmung wurde 1990 als Art. 24octies aBV eingeführt und 1999 unverändert in die neue Bundesverfassung überführt (BBl 1988 II 369, 397 ff.; BBl 1997 I 421). Der Verfassungsartikel entstand vor dem Hintergrund der Ölkrisen der 1970er Jahre und der Kernkraftwerkskatastrophe von Tschernobyl 1986. Er sollte dem Bund die notwendigen Kompetenzen zur Gestaltung einer nachhaltigen Energiepolitik verleihen (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 1).\n\n**N. 2** Der Bundesrat verzichtete beim Erlass der Bestimmung bewusst auf eine verfassungsrechtliche Grundlage zur Erhebung von Energieabgaben (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6). Dieser Entscheid prägt die Kompetenzordnung bis heute: Art. 89 BV kann nach herrschender Lehre nicht zur Erhebung von Energieabgaben herangezogen werden (Jaag/Keller, URP 1998, 319 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 89 BV steht systematisch im 2. Titel «Zuständigkeiten» der Bundesverfassung und regelt die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Energiebereich. Die Bestimmung ist eng verknüpft mit den Nachbarbestimmungen → Art. 90 BV (Kernenergie) und → Art. 91 BV (Transport von Energie) sowie mit den Umweltbestimmungen (→ Art. 73–74 BV).\n\n**N. 4** Die Energieverfassung folgt einem kooperativen Föderalismus: Bund und Kantone wirken gemeinsam auf die energiepolitischen Ziele hin (Abs. 1), wobei dem Bund spezifische Kompetenzen zugewiesen sind (Abs. 2–3) und die Kantone primär für Gebäudeenergie zuständig bleiben (Abs. 4). Diese Kompetenzverteilung unterscheidet sich vom klassischen Schema der ausschliesslichen oder konkurrierenden Bundeskompetenzen (Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 23; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 4–5).\n\n**N. 5** Für die Auslegung zentral ist das Verhältnis zu den Grundrechten. Nach Müller, FS Wahl 2001, 351 ff., sind auch öffentliche Energieversorgungsunternehmen grundrechtsverpflichtet, soweit sie hoheitlich handeln (→ Art. 35 BV). Dies gilt insbesondere für die Eigentumsgarantie (→ Art. 26 BV) und die Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 8).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Energiepolitische Ziele (Abs. 1)**: Die Verfassung nennt zwei gleichrangige Zielsetzungen: eine «ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung» sowie einen «sparsamen und rationellen Energieverbrauch». Diese Ziele sind als Optimierungsgebote zu verstehen, die in der konkreten Rechtsanwendung ausbalanciert werden müssen (**BGE 138 I 454** E. 5.1; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 9–11).\n\n**N. 7** Die fünf Kriterien der Energieversorgung stehen teilweise in Spannung zueinander. «Ausreichend» bedeutet die mengenmässige Deckung des Bedarfs. «Breit gefächert» fordert Diversifikation der Energieträger. «Sicher» umfasst sowohl Versorgungssicherheit als auch technische Sicherheit. «Wirtschaftlich» verlangt Kosteneffizienz. «Umweltverträglich» integriert ökologische Aspekte (Jagmetti, Energierecht, 32 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 12–13).\n\n**N. 8** **Grundsatzgesetzgebung (Abs. 2)**: Der Bund verfügt über eine Grundsatzgesetzgebungskompetenz für die Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energien sowie für den sparsamen Energieverbrauch. «Grundsätze» sind rahmenhafte Vorgaben, die den Kantonen Umsetzungsspielraum belassen müssen. Die Praxis zeigt jedoch eine Tendenz zur detaillierten Bundesregelung (Müller, ZBl 2013, 635 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 14–16).\n\n**N. 9** **Bundeskompetenzen (Abs. 3)**: Dem Bund stehen zwei spezifische Kompetenzen zu: Erstens kann er Vorschriften über den Energieverbrauch von Anlagen, Fahrzeugen und Geräten erlassen (Regelungskompetenz). Zweitens fördert er die Entwicklung von Energietechniken (Förderungskompetenz). Die Regelungskompetenz ist als umfassende Bundeskompetenz ausgestaltet (**BGE 138 I 454** E. 5.2; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 17–18).\n\n**N. 10** **Kantonale Gebäudekompetenz (Abs. 4)**: Die Kantone sind «vor allem» für energetische Massnahmen bei Gebäuden zuständig. Diese primäre Kantonskompetenz wird durch die MuKEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) koordiniert. Der Bund kann jedoch gestützt auf Abs. 3 auch Gebäudevorschriften erlassen, soweit es um Anlagen und Geräte geht (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 685; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 19).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 89 BV begründet keine subjektiven Rechte für Private. Die Bestimmung richtet sich an die Gesetzgeber von Bund und Kantonen und verpflichtet diese zur Verfolgung der energiepolitischen Ziele. Ein direkter Anspruch auf bestimmte energiepolitische Massnahmen lässt sich aus der Verfassungsbestimmung nicht ableiten (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 45).\n\n**N. 12** Die Kompetenzverteilung ist zwingend: Soweit der Bund von seinen Kompetenzen Gebrauch gemacht hat, sind die Kantone an das Bundesrecht gebunden (→ Art. 49 BV). Das Bundesgericht hat dies für die Einspeisevergütungen bestätigt: Mit der abschliessenden Bundesregelung im EnG haben kantonale Zusatzvergütungen keinen Raum mehr (**BGE 138 I 454** E. 5.3).\n\n**N. 13** Energiepolitische Massnahmen müssen die Grundrechte beachten, insbesondere die Eigentumsgarantie und die Wirtschaftsfreiheit. Das Bundesgericht wendet einen strengen Verhältnismässigkeitsmassstab an, anerkennt aber die hohe Bedeutung der energiepolitischen Ziele als öffentliches Interesse (**BGE 149 I 49** E. 8).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Verfassungsgrundlage für Energieabgaben**: Die herrschende Lehre vertritt, dass Art. 89 BV keine ausreichende Grundlage für Energieabgaben bildet (Jaag/Keller, URP 1998, 319, 385; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6). Die Gegenansicht argumentiert, der mit dem StromVG eingeführte Netzzuschlag könne sich auf Art. 89 BV stützen. Kern weist jedoch darauf hin, dass die Abstützung korrekterweise über Art. 74 BV (Umweltschutz) zu erfolgen habe (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6).\n\n**N. 15** **Reichweite der Bundeskompetenz**: Umstritten ist, wie weit die Grundsatzgesetzgebungskompetenz des Bundes reicht. Müller, ZBl 2013, 640, kritisiert die extensive Bundesgesetzgebung als Aushöhlung des föderalistischen Prinzips. Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 25, verteidigt hingegen die umfassende Bundesregelung als notwendig für einen funktionierenden Energiemarkt.\n\n**N. 16** **Grundrechtsbindung im liberalisierten Strommarkt**: Kontrovers diskutiert wird die Grundrechtsbindung der Energieversorgungsunternehmen nach der Marktöffnung. Müller, FS Wahl 2001, 360 ff., bejaht eine Grundrechtsbindung bei hoheitlichem Handeln. Häner, AJP 2002, 1150, plädiert für eine differenzierte Betrachtung je nach Aufgabenbereich.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Planung von Energieprojekten ist die komplexe Kompetenzordnung zu beachten. Grundsätzlich sind drei Ebenen zu unterscheiden: (1) Anlagen zur Energieerzeugung unterliegen primär dem Bundesrecht (EnG, StromVG), (2) Gebäudeenergie fällt in die kantonale Kompetenz, (3) kommunale Energieplanungen müssen sich im Rahmen des übergeordneten Rechts bewegen.\n\n**N. 18** Für die Zulässigkeit kantonaler Energievorschriften ist entscheidend, ob der Bund abschliessend legiferiert hat. Dies ist einzelfallbezogen zu prüfen. Als Faustregel gilt: Je detaillierter die Bundesregelung, desto enger der kantonale Spielraum. Die MuKEn bieten Orientierung für verfassungskonforme kantonale Regelungen.\n\n**N. 19** Bei Eingriffen in Eigentumsrechte (z.B. Heizungsersatzpflichten, Solarpflichten) ist eine sorgfältige Verhältnismässigkeitsprüfung erforderlich. Das Bundesgericht anerkennt zwar die energiepolitischen Ziele als gewichtiges öffentliches Interesse, verlangt aber angemessene Übergangsfristen und Härtefallregelungen (**BGE 149 I 49** E. 8.4).\n\n**N. 20** Die Energiewende erfordert eine enge Koordination zwischen den Staatsebenen. Art. 89 Abs. 5 BV verpflichtet den Bund, die Anstrengungen der Kantone und Gemeinden zu berücksichtigen. In der Praxis bedeutet dies: frühzeitige Einbindung aller Akteure, Beachtung regionaler Besonderheiten und Abstimmung der Förderprogramme (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 20–21).", "caselaw_de": "# Art. 89 BV — Rechtsprechung\n\n## Anwendungsbereich\n\n### Verfassungsauftrag zur Energiepolitik\n\n**BGE 138 I 454** vom 27. Oktober 2012\nNach Art. 89 Abs. 1 BV setzen sich Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung sowie für einen sparsamen und rationellen Energieverbrauch ein.\nZentrale verfassungsrechtliche Grundlage für die bundesrechtliche Energieregulierung.\n\n> «Nach Art. 89 Abs. 1 BV - und früher gleichlautend Art. 24octies Abs. 1 aBV - setzen sich Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung sowie für einen sparsamen und rationellen Energieverbrauch ein.»\n\n**BGE 137 II 266** vom 5. April 2011\nBestätigt den Grundsatz der sparsamen und rationellen Energieverwendung als Teil der Bundesverfassung.\nEffizienter Energietransport mit möglichst geringen Verlusten gehört zur verfassungsrechtlichen Zielsetzung.\n\n> «Grundsatz der sparsamen und rationellen Energieverwendung (Art. 89 Abs. 1 BV; Art. 3 EnG); dazu gehört ein effizienter Energietransport mit möglichst geringen Verlusten.»\n\n### Kompetenzabgrenzung Bund-Kantone\n\n**BGE 149 I 49** vom 23. März 2023\nKantonale Energievorschriften zur Förderung erneuerbarer Energien sind verfassungskonform, solange sie verhältnismässig sind.\nHeizungsersatzpflicht im Kanton Zürich verstösst nicht gegen die Eigentumsgarantie.\n\n> «Das Verbot von Elektroheizungen und die damit verbundene Strafdrohung bei Widerhandlung verfolgen demnach Anliegen des Umweltschutzes und der genügenden Energieversorgung und verfügen insofern über ein ausreichendes öffentliches Interesse.»\n\n## Tatbestandsmerkmale\n\n### Energieversorgungsauftrag\n\n**BGE 140 II 262** vom 2. April 2014\nDie umfassende Interessenabwägung bei Wasserkraftprojekten muss das gesetzliche Ziel der Förderung erneuerbarer Energien berücksichtigen.\nKonzessionsdauer von 80 Jahren für Kleinwasserkraftwerke ist zulässig.\n\n> «Umfassende Interessenabwägung unter Berücksichtigung namentlich des gesetzlichen Ziels, die Erzeugung von Elektrizität aus erneuerbaren Energien zu fördern.»\n\n### Grundsätze der Energiepolitik\n\n**BGE 143 II 87** vom 17. Oktober 2016\nDas CO2-Emissionshandelssystem steht im Einklang mit Art. 89 BV.\nEnergieeffizienz als zentraler Massstab für die Förderung erneuerbarer Energien.\n\n> «Das CO2-Gesetz vom 23. Dezember 2011 bezweckt die Verminderung von Treibhausgasemissionen mit dem Ziel, einen Beitrag zu leisten, den globalen Temperaturanstieg auf weniger als 2 Grad Celsius zu beschränken.»\n\n## Rechtsfolgen\n\n### Abschliessende Bundesregelung\n\n**BGE 138 I 454** vom 27. Oktober 2012\nMit der Revision des Energiegesetzes 2009 wurde eine abschliessende Bundesregelung für Einspeisevergütungen geschaffen.\nKantonale Mehrkosten für Netzbetreiber sind nicht mehr zulässig.\n\n> «Anders noch als die Regelung von aArt. 7 EnG weisen die am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Art. 7 und 7a EnG abschliessenden Charakter auf. Zusätzliche Vergütungskomponenten, die durch kantonale Behörden angeordnet und sich auf die Elektrizitätstarife auswirken würden, haben damit keinen Raum mehr.»\n\n### Eigentumsschutz bei Energiemassnahmen\n\n**BGE 149 I 49** vom 23. März 2023  \nUrteil 1C_37/2022 vom 23. März 2023\nKantonale Pflichten zur Entfernung elektrischer Heizungen greifen in die Eigentumsgarantie ein, sind aber bei Verhältnismässigkeit zulässig.\nVerfügt über ausreichendes öffentliches Interesse im Sinne des Umwelt- und Energierechts.\n\n> «Die mit dem Verbot von Elektroheizungen verbundene Pflicht zur Entfernung solcher Anlagen und die daran anknüpfende Strafdrohung im Kanton Zürich beschränken das Eigentum von Inhaberinnen und Inhabern entsprechender Heizungssysteme. Die gesetzliche Regelung bildet eine genügende Grundlage für den Eingriff in die Eigentumsgarantie, beruht auf einem ausreichenden öffentlichen Interesse und ist verhältnismässig.»\n\n## Verfahren\n\n### Zuständigkeit der ElCom\n\n**BGE 138 I 454** vom 27. Oktober 2012\nNach der Strommarktliberalisierung liegt der Vollzug der Einspeisevergütungen bei der ElCom.\nKantonale Behörden sind für bundesrechtlich geregelte Vergütungsfragen nicht mehr zuständig.\n\n> «Eine zusätzliche Vergütungskomponente, die durch kantonale Behörden angeordnet und sich auf die Elektrizitätstarife auswirken würde, hat daneben keinen Raum mehr.»\n\n### Plangenehmigungsverfahren\n\n**BGE 137 II 266** vom 5. April 2011\nBei Plangenehmigungen für Starkstromleitungen ist eine umfassende Interessenabwägung unter Berücksichtigung der Energieeffizienz erforderlich.\nVerkabelung kann bei Gesamtkostenbetrachtung der Freileitung vorzuziehen sein.\n\n> «Die erheblich höheren Stromverlustkosten der Freileitung gleichen die höheren Investitionskosten der Kabelanlage weitgehend aus. Die Interessenabwägung fällt vorliegend zugunsten der Teilverkabelung der Hochspannungsleitung aus.»\n\n### Umweltverträglichkeitsprüfung\n\n**BGE 140 II 262** vom 2. April 2014\nKleinwasserkraftwerke erfordern eine ordentliche Umweltverträglichkeitsprüfung.\nDie Förderung erneuerbarer Energien ist bei der Interessenabwägung zu berücksichtigen.\n\n> «Das in Frage stehende Kleinwasserkraftwerk erfordert keine Grundlage im Richtplan. Prüfungsgegenstand der ersten Stufe der Umweltverträglichkeitsprüfung im Rahmen des Konzessionsentscheids.»\n\n## Weitere bedeutende Entscheide\n\n### Kommunale Energieregelungen\n\nUrteil 7H 21 5 des Kantonsgerichts Luzern vom 16. Mai 2022\nEine Gemeindeinitiative zur Verpflichtung erneuerbarer Heizungssysteme ist verhältnismässig.\nDer Grundsatz «in dubio pro populo» ist bei der Gültigkeitsprüfung anzuwenden.\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\nUrteil 1C_129/2025 des Bundesgerichts vom 31. Juli 2025\nKantonale Dekrete zur Umsetzung der Energiewende müssen die bundesrechtlichen Vorgaben beachten.\nEnergieplanungsberichte 2022 als Grundlage für kantonale Massnahmen.\n\nEntscheid 810 2024 72 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 11. September 2024\nAbstrakte Normenkontrolle bezüglich Änderung des Energiegesetzes aufgrund des Energieplanungsberichts 2022.\nKantonale Energievorschriften im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Eigentumsrechten.", "summary_fr": "# Art. 89 Cst. — Aperçu\n\n## Message principal\n\nL'art. 89 Cst. règle la politique énergétique de la Suisse et répartit les compétences entre la Confédération et les cantons (Kern, BSK BV, art. 89 N. 4–5). La Confédération peut édicter des prescriptions sur la consommation énergétique des installations et des véhicules ainsi que promouvoir les techniques énergétiques. Les cantons sont principalement responsables des mesures concernant les bâtiments. Les deux niveaux étatiques doivent conjointement assurer un approvisionnement énergétique sûr, respectueux de l'environnement et économique (**ATF 138 I 454** consid. 5.1).\n\n## Champ d'application\n\nLa disposition s'applique à l'ensemble de la politique énergétique de la Suisse. Elle concerne tant la production d'énergie (électricité, chaleur) que la consommation énergétique. Toutes les autorités publiques de la Confédération, des cantons et des communes sont tenues de poursuivre les objectifs de politique énergétique (Kern, BSK BV, art. 89 N. 9–11). Les entreprises énergétiques privées doivent se conformer aux prescriptions étatiques, mais ne reçoivent pas de droits directs de la Constitution.\n\nLa Constitution énumère cinq objectifs équivalents pour l'approvisionnement énergétique : il doit être suffisant (assez d'énergie pour tous), diversifié (différentes sources d'énergie), sûr (disponible de manière fiable), économique (abordable) et respectueux de l'environnement. En outre, l'énergie doit être utilisée de manière économe et efficace (Kern, BSK BV, art. 89 N. 12–13).\n\n## Principales conséquences juridiques\n\n**Compétences fédérales** : La Confédération peut édicter des lois sur l'efficacité énergétique des appareils, véhicules et installations (art. 89, al. 3, Cst.). Elle peut aussi promouvoir la recherche et le développement de nouvelles techniques énergétiques. La loi sur l'énergie (LEne, RS 730.0) et la loi sur l'approvisionnement en électricité (LApEl, RS 734.7) se fondent sur ces compétences (**ATF 138 I 454** consid. 5.2).\n\n**Compétences cantonales** : Les cantons règlent avant tout les mesures énergétiques concernant les bâtiments comme les prescriptions de chauffage ou les standards d'isolation (art. 89, al. 4, Cst.). Le Tribunal fédéral a confirmé que les cantons peuvent aussi interdire les chauffages électriques, si cela est proportionné (**ATF 149 I 49** consid. 8).\n\n**Réglementations fédérales exhaustives** : Lorsque la Confédération a réglé complètement un domaine, les cantons ne peuvent pas édicter de prescriptions supplémentaires. Ainsi, les cantons ne peuvent plus introduire depuis 2009 leurs propres rémunérations pour le courant solaire, car la Confédération l'a réglé de manière exhaustive dans la LEne (**ATF 138 I 454** consid. 5.3).\n\n**Exemple pratique** : Un canton veut promouvoir de nouveaux panneaux solaires. Il peut délivrer des autorisations de construire et verser des contributions d'encouragement (compétence cantonale en matière de bâtiments). Il ne peut cependant pas exiger que les fournisseurs d'électricité paient des prix plus élevés pour le courant solaire que prévu dans le système fédéral de rétribution à prix coûtant (réglementation fédérale exhaustive).", "doctrine_fr": "# Art. 89 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** La disposition constitutionnelle actuelle sur l'énergie a été introduite en 1990 comme art. 24octies aCst et transférée sans modification dans la nouvelle Constitution fédérale en 1999 (FF 1988 II 311, 334 ss ; FF 1997 I 409). L'article constitutionnel est né dans le contexte des crises pétrolières des années 1970 et de la catastrophe nucléaire de Tchernobyl en 1986. Il devait donner à la Confédération les compétences nécessaires pour élaborer une politique énergétique durable (Kern, BSK BV, art. 89 n. 1).\n\n**N. 2** Lors de l'adoption de la disposition, le Conseil fédéral a volontairement renoncé à une base constitutionnelle pour la perception de taxes sur l'énergie (Kern, BSK BV, art. 89 n. 6). Cette décision marque encore aujourd'hui l'ordre de compétences : selon la doctrine dominante, l'art. 89 Cst. ne peut pas servir de base pour la perception de taxes sur l'énergie (Jaag/Keller, URP 1998, 319 ss ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 6).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 89 Cst. s'inscrit systématiquement dans le 2e titre « Compétences » de la Constitution fédérale et règle la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine de l'énergie. La disposition est étroitement liée aux dispositions voisines → art. 90 Cst. (énergie nucléaire) et → art. 91 Cst. (transport d'énergie) ainsi qu'aux dispositions environnementales (→ art. 73–74 Cst.).\n\n**N. 4** La constitution énergétique suit un fédéralisme coopératif : la Confédération et les cantons œuvrent conjointement à la réalisation des objectifs de politique énergétique (al. 1), la Confédération se voyant attribuer des compétences spécifiques (al. 2–3) et les cantons restant principalement compétents pour l'énergie des bâtiments (al. 4). Cette répartition des compétences se distingue du schéma classique des compétences fédérales exclusives ou concurrentes (Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 23 ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 4–5).\n\n**N. 5** Pour l'interprétation, le rapport aux droits fondamentaux est central. Selon Müller, FS Wahl 2001, 351 ss, les entreprises publiques d'approvisionnement énergétique sont également liées par les droits fondamentaux lorsqu'elles agissent de manière souveraine (→ art. 35 Cst.). Cela vaut notamment pour la garantie de la propriété (→ art. 26 Cst.) et la liberté économique (→ art. 27 Cst.) (Kern, BSK BV, art. 89 n. 8).\n\n## 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**N. 6** **Objectifs de politique énergétique (al. 1)** : La Constitution énonce deux objectifs de rang égal : un « approvisionnement énergétique suffisant, diversifié, sûr, économique et respectueux de l'environnement » ainsi qu'une « consommation d'énergie parcimonieuse et rationnelle ». Ces objectifs sont à comprendre comme des mandats d'optimisation qui doivent être équilibrés dans l'application concrète du droit (**ATF 138 I 454** consid. 5.1 ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 9–11).\n\n**N. 7** Les cinq critères de l'approvisionnement énergétique sont partiellement en tension les uns avec les autres. « Suffisant » signifie la couverture quantitative des besoins. « Diversifié » exige la diversification des agents énergétiques. « Sûr » comprend tant la sécurité d'approvisionnement que la sécurité technique. « Économique » requiert l'efficacité des coûts. « Respectueux de l'environnement » intègre les aspects écologiques (Jagmetti, Energierecht, 32 ss ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 12–13).\n\n**N. 8** **Législation de principe (al. 2)** : La Confédération dispose d'une compétence de législation de principe pour l'utilisation des énergies indigènes et renouvelables ainsi que pour la consommation parcimonieuse d'énergie. Les « principes » sont des directives-cadres qui doivent laisser aux cantons une marge de manœuvre pour la mise en œuvre. La pratique montre cependant une tendance à la réglementation fédérale détaillée (Müller, ZBl 2013, 635 ss ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 14–16).\n\n**N. 9** **Compétences fédérales (al. 3)** : La Confédération dispose de deux compétences spécifiques : premièrement, elle peut édicter des prescriptions sur la consommation d'énergie des installations, des véhicules et des appareils (compétence réglementaire). Deuxièmement, elle encourage le développement des techniques énergétiques (compétence d'encouragement). La compétence réglementaire est conçue comme une compétence fédérale globale (**ATF 138 I 454** consid. 5.2 ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 17–18).\n\n**N. 10** **Compétence cantonale sur les bâtiments (al. 4)** : Les cantons sont compétents « en priorité » pour les mesures énergétiques concernant les bâtiments. Cette compétence cantonale primaire est coordonnée par les MoPEC (Modèle de prescriptions énergétiques des cantons). La Confédération peut cependant, se fondant sur l'al. 3, édicter aussi des prescriptions sur les bâtiments, pour autant qu'il s'agisse d'installations et d'appareils (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 685 ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 19).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** L'art. 89 Cst. ne fonde aucun droit subjectif pour les particuliers. La disposition s'adresse aux législateurs de la Confédération et des cantons et les oblige à poursuivre les objectifs de politique énergétique. Un droit direct à certaines mesures de politique énergétique ne peut pas être déduit de la disposition constitutionnelle (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 45).\n\n**N. 12** La répartition des compétences est contraignante : dans la mesure où la Confédération a fait usage de ses compétences, les cantons sont liés par le droit fédéral (→ art. 49 Cst.). Le Tribunal fédéral l'a confirmé pour les rétributions d'injection : avec la réglementation fédérale exhaustive dans la LEne, les rétributions cantonales supplémentaires n'ont plus de place (**ATF 138 I 454** consid. 5.3).\n\n**N. 13** Les mesures de politique énergétique doivent respecter les droits fondamentaux, notamment la garantie de la propriété et la liberté économique. Le Tribunal fédéral applique un critère de proportionnalité strict, mais reconnaît la haute importance des objectifs de politique énergétique comme intérêt public (**ATF 149 I 49** consid. 8).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Base constitutionnelle pour les taxes sur l'énergie** : La doctrine dominante soutient que l'art. 89 Cst. ne constitue pas une base suffisante pour les taxes sur l'énergie (Jaag/Keller, URP 1998, 319, 385 ; Kern, BSK BV, art. 89 n. 6). L'opinion contraire argue que le supplément de réseau introduit avec la LApEl pourrait se fonder sur l'art. 89 Cst. Kern souligne cependant que l'appui devrait correctement se faire sur l'art. 74 Cst. (protection de l'environnement) (Kern, BSK BV, art. 89 n. 6).\n\n**N. 15** **Portée de la compétence fédérale** : Il est controversé de savoir jusqu'où s'étend la compétence de législation de principe de la Confédération. Müller, ZBl 2013, 640, critique la législation fédérale extensive comme un affaiblissement du principe fédéraliste. Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 25, défend en revanche la réglementation fédérale globale comme nécessaire pour un marché de l'énergie fonctionnel.\n\n**N. 16** **Obligations en matière de droits fondamentaux dans le marché électrique libéralisé** : L'obligation des entreprises d'approvisionnement énergétique en matière de droits fondamentaux après l'ouverture du marché est controversée. Müller, FS Wahl 2001, 360 ss, affirme une obligation en matière de droits fondamentaux en cas d'action souveraine. Häner, AJP 2002, 1150, plaide pour une considération différenciée selon le domaine de tâches.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** Lors de la planification de projets énergétiques, il faut respecter l'ordre complexe des compétences. En principe, trois niveaux sont à distinguer : (1) les installations de production d'énergie sont soumises principalement au droit fédéral (LEne, LApEl), (2) l'énergie des bâtiments relève de la compétence cantonale, (3) les planifications énergétiques communales doivent s'inscrire dans le cadre du droit supérieur.\n\n**N. 18** Pour l'admissibilité des prescriptions énergétiques cantonales, il est déterminant de savoir si la Confédération a légiféré de manière exhaustive. Cela doit être examiné au cas par cas. Comme règle générale : plus la réglementation fédérale est détaillée, plus la marge de manœuvre cantonale est restreinte. Les MoPEC offrent une orientation pour des réglementations cantonales conformes à la Constitution.\n\n**N. 19** En cas d'atteintes aux droits de propriété (p. ex. obligations de remplacement de chauffage, obligations solaires), un examen soigneux de la proportionnalité est requis. Le Tribunal fédéral reconnaît certes les objectifs de politique énergétique comme un intérêt public important, mais exige des délais de transition appropriés et des réglementations de rigueur (**ATF 149 I 49** consid. 8.4).\n\n**N. 20** La transition énergétique exige une coordination étroite entre les échelons étatiques. L'art. 89 al. 5 Cst. oblige la Confédération à tenir compte des efforts des cantons et des communes. En pratique, cela signifie : intégration précoce de tous les acteurs, respect des particularités régionales et coordination des programmes d'encouragement (Kern, BSK BV, art. 89 n. 20–21).", "caselaw_fr": "# Art. 89 Cst. — Jurisprudence\n\n## Champ d'application\n\n### Mandat constitutionnel de politique énergétique\n\n**ATF 138 I 454** du 27 octobre 2012\nSelon l'art. 89 al. 1 Cst., la Confédération et les cantons œuvrent, dans le cadre de leurs compétences respectives, à un approvisionnement énergétique suffisant, diversifié, sûr, économique et respectueux de l'environnement, ainsi qu'à une consommation d'énergie économe et rationnelle.\nBase constitutionnelle centrale pour la réglementation fédérale de l'énergie.\n\n> « Selon l'art. 89 al. 1 Cst. - et antérieurement de façon identique l'art. 24octies al. 1 aCst. - la Confédération et les cantons œuvrent, dans le cadre de leurs compétences respectives, à un approvisionnement énergétique suffisant, diversifié, sûr, économique et respectueux de l'environnement, ainsi qu'à une consommation d'énergie économe et rationnelle. »\n\n**ATF 137 II 266** du 5 avril 2011\nConfirme le principe de l'utilisation économe et rationnelle de l'énergie comme partie intégrante de la Constitution fédérale.\nLe transport efficace de l'énergie avec des pertes aussi faibles que possible fait partie de l'objectif constitutionnel.\n\n> « Principe de l'utilisation économe et rationnelle de l'énergie (art. 89 al. 1 Cst. ; art. 3 LEne) ; cela comprend un transport efficace de l'énergie avec des pertes aussi faibles que possible. »\n\n### Délimitation des compétences Confédération-cantons\n\n**ATF 149 I 49** du 23 mars 2023\nLes dispositions cantonales sur l'énergie visant à promouvoir les énergies renouvelables sont conformes à la Constitution, pour autant qu'elles soient proportionnées.\nL'obligation de remplacement des chauffages dans le canton de Zurich ne viole pas la garantie de la propriété.\n\n> « L'interdiction des chauffages électriques et la menace pénale qui y est liée en cas de contravention poursuivent donc des préoccupations de protection de l'environnement et d'approvisionnement énergétique suffisant et disposent à cet égard d'un intérêt public suffisant. »\n\n## Éléments constitutifs\n\n### Mandat d'approvisionnement énergétique\n\n**ATF 140 II 262** du 2 avril 2014\nLa pesée complète des intérêts lors de projets hydroélectriques doit tenir compte de l'objectif légal de promotion des énergies renouvelables.\nUne durée de concession de 80 ans pour les petites centrales hydroélectriques est admissible.\n\n> « Pesée complète des intérêts en tenant compte notamment de l'objectif légal de promouvoir la production d'électricité à partir d'énergies renouvelables. »\n\n### Principes de la politique énergétique\n\n**ATF 143 II 87** du 17 octobre 2016\nLe système d'échange de quotas d'émissions de CO2 est conforme à l'art. 89 Cst.\nL'efficacité énergétique comme critère central pour la promotion des énergies renouvelables.\n\n> « La loi sur le CO2 du 23 décembre 2011 vise la diminution des émissions de gaz à effet de serre dans le but de contribuer à limiter le réchauffement climatique mondial à moins de 2 degrés Celsius. »\n\n## Conséquences juridiques\n\n### Réglementation fédérale exhaustive\n\n**ATF 138 I 454** du 27 octobre 2012\nAvec la révision de la loi sur l'énergie de 2009, une réglementation fédérale exhaustive pour les rétributions d'injection a été créée.\nLes coûts supplémentaires cantonaux pour les exploitants de réseau ne sont plus admissibles.\n\n> « Contrairement encore à la réglementation de l'ancien art. 7 LEne, les art. 7 et 7a LEne entrés en vigueur le 1er janvier 2009 revêtent un caractère exhaustif. Des composantes de rétribution supplémentaires, qui seraient ordonnées par les autorités cantonales et se répercuteraient sur les tarifs d'électricité, n'ont ainsi plus de place. »\n\n### Protection de la propriété lors de mesures énergétiques\n\n**ATF 149 I 49** du 23 mars 2023  \nArrêt 1C_37/2022 du 23 mars 2023\nLes obligations cantonales d'enlèvement des chauffages électriques portent atteinte à la garantie de la propriété, mais sont admissibles si elles sont proportionnées.\nDispose d'un intérêt public suffisant au sens du droit de l'environnement et de l'énergie.\n\n> « L'obligation d'enlèvement de telles installations liée à l'interdiction des chauffages électriques et la menace pénale qui s'y rattache dans le canton de Zurich restreignent la propriété des détentrices et détenteurs de systèmes de chauffage correspondants. La réglementation légale constitue une base suffisante pour l'atteinte à la garantie de la propriété, repose sur un intérêt public suffisant et est proportionnée. »\n\n## Procédure\n\n### Compétence de l'ElCom\n\n**ATF 138 I 454** du 27 octobre 2012\nAprès la libéralisation du marché de l'électricité, l'exécution des rétributions d'injection incombe à l'ElCom.\nLes autorités cantonales ne sont plus compétentes pour les questions de rétribution réglées par le droit fédéral.\n\n> « Une composante de rétribution supplémentaire, qui serait ordonnée par les autorités cantonales et se répercuterait sur les tarifs d'électricité, n'a plus de place à côté. »\n\n### Procédure d'approbation des plans\n\n**ATF 137 II 266** du 5 avril 2011\nLors d'approbations de plans pour des lignes à haute tension, une pesée complète des intérêts tenant compte de l'efficacité énergétique est requise.\nLa pose en câbles peut être préférable à la ligne aérienne dans une considération des coûts globaux.\n\n> « Les coûts de pertes de courant considérablement plus élevés de la ligne aérienne compensent largement les coûts d'investissement plus élevés de l'installation par câbles. La pesée des intérêts tombe en l'occurrence en faveur de la pose partielle en câbles de la ligne haute tension. »\n\n### Étude d'impact sur l'environnement\n\n**ATF 140 II 262** du 2 avril 2014\nLes petites centrales hydroélectriques requièrent une étude ordinaire d'impact sur l'environnement.\nLa promotion des énergies renouvelables doit être prise en compte dans la pesée des intérêts.\n\n> « La petite centrale hydroélectrique en question ne requiert pas de base dans le plan directeur. Objet d'examen de la première étape de l'étude d'impact sur l'environnement dans le cadre de la décision de concession. »\n\n## Autres décisions importantes\n\n### Réglementations communales de l'énergie\n\nArrêt 7H 21 5 du Tribunal cantonal de Lucerne du 16 mai 2022\nUne initiative communale pour l'obligation de systèmes de chauffage renouvelables est proportionnée.\nLe principe « in dubio pro populo » doit être appliqué lors de l'examen de validité.\n\n### Développements actuels\n\nArrêt 1C_129/2025 du Tribunal fédéral du 31 juillet 2025\nLes décrets cantonaux pour la mise en œuvre de la transition énergétique doivent respecter les prescriptions du droit fédéral.\nRapports de planification énergétique 2022 comme base pour les mesures cantonales.\n\nDécision 810 2024 72 du Tribunal cantonal de Bâle-Campagne du 11 septembre 2024\nContrôle abstrait des normes concernant la modification de la loi sur l'énergie en raison du rapport de planification énergétique 2022.\nDispositions cantonales sur l'énergie dans le champ de tension entre protection du climat et droits de propriété.", "summary_it": "# Art. 89 Cost. — Panoramica\n\n## Contenuto essenziale\n\nL'art. 89 Cost. disciplina la politica energetica della Svizzera e ripartisce le competenze tra Confederazione e Cantoni (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 4–5). La Confederazione può emanare prescrizioni sul consumo energetico di impianti e veicoli nonché promuovere le tecnologie energetiche. I Cantoni sono principalmente responsabili delle misure relative agli edifici. Entrambi i livelli statali devono provvedere insieme a un approvvigionamento energetico sicuro, rispettoso dell'ambiente ed economico (**DTF 138 I 454** consid. 5.1).\n\n## Ambito d'applicazione\n\nLa disposizione si applica all'intera politica energetica della Svizzera. Riguarda sia la produzione di energia (elettricità, calore) sia il consumo energetico. Tutte le autorità statali di Confederazione, Cantoni e Comuni sono tenute a perseguire gli obiettivi di politica energetica (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 9–11). Le aziende energetiche private devono attenersi alle prescrizioni statali, ma non ottengono diritti diretti dalla Costituzione.\n\nLa Costituzione indica cinque obiettivi equivalenti per l'approvvigionamento energetico: deve essere sufficiente (abbastanza energia per tutti), diversificato (diverse fonti energetiche), sicuro (disponibile in modo affidabile), economico (a prezzi accessibili) e rispettoso dell'ambiente. Inoltre, l'energia deve essere utilizzata in modo parsimonioso ed efficiente (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 12–13).\n\n## Principali conseguenze giuridiche\n\n**Competenze federali**: La Confederazione può emanare leggi sull'efficienza energetica di apparecchi, veicoli e impianti (art. 89 cpv. 3 Cost.). Può inoltre promuovere la ricerca e lo sviluppo di nuove tecnologie energetiche. La legge sull'energia (LEne, RS 730.0) e la legge sull'approvvigionamento elettrico (LAEl, RS 734.7) si basano su queste competenze (**DTF 138 I 454** consid. 5.2).\n\n**Competenze cantonali**: I Cantoni disciplinano principalmente le misure energetiche per gli edifici come le prescrizioni sui riscaldamenti o gli standard di isolamento (art. 89 cpv. 4 Cost.). Il Tribunale federale ha confermato che i Cantoni possono anche vietare i riscaldamenti elettrici, purché ciò sia proporzionato (**DTF 149 I 49** consid. 8).\n\n**Normative federali conclusive**: Quando la Confederazione ha disciplinato completamente un settore, i Cantoni non possono emanare prescrizioni aggiuntive. Così dal 2009 i Cantoni non possono più introdurre proprie rimunerazioni per l'energia solare, poiché la Confederazione ha disciplinato la materia in modo conclusivo nella LEne (**DTF 138 I 454** consid. 5.3).\n\n**Esempio pratico**: Un Cantone vuole promuovere nuovi pannelli solari. Può rilasciare licenze edilizie e versare contributi di promozione (competenza cantonale sugli edifici). Non può però esigere che i fornitori di elettricità paghino prezzi più alti per l'energia solare rispetto a quanto previsto nel sistema federale di rimunerazione per l'immissione in rete (normativa federale conclusiva).", "doctrine_it": "# Art. 89 CF — Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'attuale disposizione costituzionale in materia energetica fu introdotta nel 1990 come art. 24octies aCF e trasferita immutata nella nuova Costituzione federale nel 1999 (FF 1988 II 369, 397 segg.; FF 1997 I 421). L'articolo costituzionale nacque sullo sfondo delle crisi petrolifere degli anni '70 e della catastrofe nucleare di Chernobyl del 1986. Doveva conferire alla Confederazione le competenze necessarie per elaborare una politica energetica sostenibile (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 1).\n\n**N. 2** Nell'emanazione della disposizione il Consiglio federale rinunciò consapevolmente a una base costituzionale per la riscossione di tributi energetici (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 6). Questa decisione caratterizza l'ordinamento delle competenze tuttora: secondo la dottrina prevalente l'art. 89 CF non può essere invocato per la riscossione di tributi energetici (Jaag/Keller, URP 1998, 319 segg.; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 6).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 89 CF si colloca sistematicamente nel 2° titolo «Competenze» della Costituzione federale e disciplina la ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel settore energetico. La disposizione è strettamente connessa con le disposizioni contigue → art. 90 CF (energia nucleare) e → art. 91 CF (trasporto di energia) nonché con le disposizioni ambientali (→ art. 73–74 CF).\n\n**N. 4** La costituzione energetica segue un federalismo cooperativo: Confederazione e Cantoni collaborano per il raggiungimento degli obiettivi di politica energetica (cpv. 1), mentre alla Confederazione sono attribuite competenze specifiche (cpv. 2–3) e i Cantoni rimangono competenti primariamente per l'energia degli edifici (cpv. 4). Questa ripartizione delle competenze si distingue dal schema classico delle competenze federali esclusive o concorrenti (Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 23; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 4–5).\n\n**N. 5** Centrale per l'interpretazione è il rapporto con i diritti fondamentali. Secondo Müller, FS Wahl 2001, 351 segg., anche le aziende pubbliche di approvvigionamento energetico sono vincolate ai diritti fondamentali nella misura in cui agiscono nell'ambito di attività statali (→ art. 35 CF). Ciò vale in particolare per la garanzia della proprietà (→ art. 26 CF) e la libertà economica (→ art. 27 CF) (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 8).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** **Obiettivi di politica energetica (cpv. 1)**: La Costituzione menziona due finalità di pari rango: un «approvvigionamento energetico sufficiente, diversificato, sicuro, economico ed ecologico» nonché un «consumo energetico parco e razionale». Questi obiettivi sono da intendere come precetti di ottimizzazione che devono essere bilanciati nell'applicazione concreta del diritto (**DTF 138 I 454** consid. 5.1; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 9–11).\n\n**N. 7** I cinque criteri dell'approvvigionamento energetico sono in parte in tensione tra loro. «Sufficiente» significa la copertura quantitativa del fabbisogno. «Diversificato» richiede la diversificazione dei vettori energetici. «Sicuro» comprende sia la sicurezza dell'approvvigionamento sia la sicurezza tecnica. «Economico» esige efficienza dei costi. «Ecologico» integra aspetti ambientali (Jagmetti, Energierecht, 32 segg.; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 12–13).\n\n**N. 8** **Legislazione di principio (cpv. 2)**: La Confederazione dispone di una competenza di legislazione di principio per l'utilizzazione delle energie indigene e rinnovabili nonché per il consumo energetico parco. I «principi» sono direttive quadro che devono lasciare margini di attuazione ai Cantoni. La prassi mostra tuttavia una tendenza verso una regolamentazione federale dettagliata (Müller, ZBl 2013, 635 segg.; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 14–16).\n\n**N. 9** **Competenze federali (cpv. 3)**: Alla Confederazione spettano due competenze specifiche: in primo luogo può emanare prescrizioni sul consumo energetico di impianti, veicoli e apparecchi (competenza normativa). In secondo luogo promuove lo sviluppo di tecniche energetiche (competenza di promozione). La competenza normativa è configurata come competenza federale comprensiva (**DTF 138 I 454** consid. 5.2; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 17–18).\n\n**N. 10** **Competenza cantonale per gli edifici (cpv. 4)**: I Cantoni sono competenti «principalmente» per le misure energetiche concernenti gli edifici. Questa competenza cantonale primaria è coordinata mediante i MoPEC (Modelli di prescrizioni energetiche dei Cantoni). La Confederazione può tuttavia emanare anche prescrizioni per gli edifici in base al cpv. 3, nella misura in cui riguardano impianti e apparecchi (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 685; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 19).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 89 CF non fonda diritti soggettivi per i privati. La disposizione si rivolge ai legislatori federale e cantonali e li vincola al perseguimento degli obiettivi di politica energetica. Un diritto diretto a determinate misure di politica energetica non può essere dedotto dalla disposizione costituzionale (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 45).\n\n**N. 12** La ripartizione delle competenze è vincolante: nella misura in cui la Confederazione ha fatto uso delle sue competenze, i Cantoni sono vincolati al diritto federale (→ art. 49 CF). Il Tribunale federale lo ha confermato per le rimunerazioni per l'immissione in rete: con la regolamentazione federale conclusiva nella LEne i supplementi cantonali non hanno più spazio (**DTF 138 I 454** consid. 5.3).\n\n**N. 13** Le misure di politica energetica devono rispettare i diritti fondamentali, in particolare la garanzia della proprietà e la libertà economica. Il Tribunale federale applica un criterio rigoroso di proporzionalità, ma riconosce l'elevata importanza degli obiettivi di politica energetica come interesse pubblico (**DTF 149 I 49** consid. 8).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 14** **Base costituzionale per tributi energetici**: La dottrina prevalente sostiene che l'art. 89 CF non costituisce una base sufficiente per tributi energetici (Jaag/Keller, URP 1998, 319, 385; Kern, BSK BV, Art. 89 n. 6). L'opinione contraria argomenta che il supplemento di rete introdotto con la LAEl possa basarsi sull'art. 89 CF. Kern rileva tuttavia che il fondamento dovrebbe correttamente avvenire tramite l'art. 74 CF (protezione dell'ambiente) (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 6).\n\n**N. 15** **Portata della competenza federale**: È controverso quanto si estenda la competenza di legislazione di principio della Confederazione. Müller, ZBl 2013, 640, critica l'estesa legislazione federale come svuotamento del principio federalistico. Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 25, difende invece la regolamentazione federale comprensiva come necessaria per un mercato energetico funzionante.\n\n**N. 16** **Vincolo ai diritti fondamentali nel mercato elettrico liberalizzato**: È discusso controversamente il vincolo ai diritti fondamentali delle aziende di approvvigionamento energetico dopo l'apertura del mercato. Müller, FS Wahl 2001, 360 segg., afferma un vincolo ai diritti fondamentali nell'agire nell'ambito di attività statali. Häner, AJP 2002, 1150, propugna un approccio differenziato secondo l'ambito di compiti.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nella pianificazione di progetti energetici è da osservare il complesso ordinamento delle competenze. In linea di principio sono da distinguere tre livelli: (1) gli impianti per la produzione di energia sottostanno primariamente al diritto federale (LEne, LAEl), (2) l'energia degli edifici rientra nella competenza cantonale, (3) le pianificazioni energetiche comunali devono muoversi nel quadro del diritto superiore.\n\n**N. 18** Per l'ammissibilità di prescrizioni energetiche cantonali è decisivo se la Confederazione ha legiferato in modo conclusivo. Ciò è da verificare caso per caso. Come regola empirica vale: quanto più dettagliata è la regolamentazione federale, tanto più ristretto è il margine cantonale. I MoPEC offrono orientamento per regolamentazioni cantonali conformi alla Costituzione.\n\n**N. 19** In caso di interferenze con diritti di proprietà (p. es. obblighi di sostituzione di impianti di riscaldamento, obblighi solari) è richiesta un'accurata verifica della proporzionalità. Il Tribunale federale riconosce sì gli obiettivi di politica energetica come rilevante interesse pubblico, ma esige termini di transizione adeguati e regolamentazioni per i casi di rigore (**DTF 149 I 49** consid. 8.4).\n\n**N. 20** La transizione energetica richiede uno stretto coordinamento tra i livelli statali. L'art. 89 cpv. 5 CF obbliga la Confederazione a tener conto degli sforzi dei Cantoni e dei Comuni. Nella prassi ciò significa: coinvolgimento tempestivo di tutti gli attori, considerazione delle particolarità regionali e coordinamento dei programmi di promozione (Kern, BSK BV, Art. 89 n. 20–21).", "caselaw_it": "# Art. 89 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Campo di applicazione\n\n### Mandato costituzionale per la politica energetica\n\n**DTF 138 I 454** del 27 ottobre 2012\nSecondo l'art. 89 cpv. 1 Cost., la Confederazione e i Cantoni si adoperano, nell'ambito delle loro competenze, per un approvvigionamento energetico sufficiente, diversificato, sicuro, economico ed ecologico nonché per un consumo energetico parco e razionale.\nBase costituzionale centrale per la regolamentazione energetica di diritto federale.\n\n> «Secondo l'art. 89 cpv. 1 Cost. - e in precedenza con formulazione identica l'art. 24octies cpv. 1 aCost. - la Confederazione e i Cantoni si adoperano, nell'ambito delle loro competenze, per un approvvigionamento energetico sufficiente, diversificato, sicuro, economico ed ecologico nonché per un consumo energetico parco e razionale.»\n\n**DTF 137 II 266** del 5 aprile 2011\nConferma il principio dell'utilizzo parco e razionale dell'energia come parte della Costituzione federale.\nIl trasporto efficiente dell'energia con perdite minime possibili appartiene agli obiettivi costituzionali.\n\n> «Principio dell'utilizzo parco e razionale dell'energia (art. 89 cpv. 1 Cost.; art. 3 LEne); a ciò appartiene un trasporto efficiente dell'energia con perdite minime possibili.»\n\n### Delimitazione delle competenze Confederazione-Cantoni\n\n**DTF 149 I 49** del 23 marzo 2023\nLe prescrizioni energetiche cantonali per la promozione delle energie rinnovabili sono conformi alla Costituzione, purché siano proporzionate.\nL'obbligo di sostituzione del riscaldamento nel Canton Zurigo non viola la garanzia della proprietà.\n\n> «Il divieto di riscaldamenti elettrici e la minaccia di sanzione connessa in caso di contravvenzione perseguono quindi finalità di protezione dell'ambiente e di approvvigionamento energetico sufficiente e dispongono di un interesse pubblico sufficiente.»\n\n## Elementi della fattispecie\n\n### Mandato di approvvigionamento energetico\n\n**DTF 140 II 262** del 2 aprile 2014\nLa ponderazione globale degli interessi nei progetti di energia idroelettrica deve tenere conto dell'obiettivo legale di promozione delle energie rinnovabili.\nUna durata della concessione di 80 anni per piccole centrali idroelettriche è ammissibile.\n\n> «Ponderazione globale degli interessi tenendo conto segnatamente dell'obiettivo legale di promuovere la produzione di elettricità da energie rinnovabili.»\n\n### Principi della politica energetica\n\n**DTF 143 II 87** del 17 ottobre 2016\nIl sistema di scambio di quote di emissioni CO2 è compatibile con l'art. 89 Cost.\nL'efficienza energetica come criterio centrale per la promozione delle energie rinnovabili.\n\n> «La legge sul CO2 del 23 dicembre 2011 mira alla riduzione delle emissioni di gas serra con l'obiettivo di contribuire a limitare l'aumento della temperatura globale a meno di 2 gradi Celsius.»\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n### Regolamentazione federale conclusiva\n\n**DTF 138 I 454** del 27 ottobre 2012\nCon la revisione della legge sull'energia del 2009 è stata creata una regolamentazione federale conclusiva per le rimunerazioni per l'immissione in rete.\nI costi supplementari cantonali per i gestori di rete non sono più ammissibili.\n\n> «Diversamente dalla regolamentazione del precedente art. 7 LEne, gli art. 7 e 7a LEne entrati in vigore il 1° gennaio 2009 hanno carattere conclusivo. Componenti di rimunerazione supplementari, ordinate da autorità cantonali e che si ripercuoterebbero sulle tariffe elettriche, non hanno quindi più spazio.»\n\n### Protezione della proprietà nelle misure energetiche\n\n**DTF 149 I 49** del 23 marzo 2023  \nSentenza 1C_37/2022 del 23 marzo 2023\nGli obblighi cantonali di rimozione di riscaldamenti elettrici interferiscono con la garanzia della proprietà, ma sono ammissibili se proporzionati.\nDispone di un interesse pubblico sufficiente nel senso del diritto ambientale ed energetico.\n\n> «L'obbligo di rimozione di tali impianti collegato al divieto di riscaldamenti elettrici e la minaccia di sanzione che vi si ricollega nel Canton Zurigo limitano la proprietà dei detentori di sistemi di riscaldamento corrispondenti. La regolamentazione legale costituisce una base sufficiente per l'interferenza nella garanzia della proprietà, si basa su un interesse pubblico sufficiente ed è proporzionata.»\n\n## Procedura\n\n### Competenza della ElCom\n\n**DTF 138 I 454** del 27 ottobre 2012\nDopo la liberalizzazione del mercato elettrico, l'esecuzione delle rimunerazioni per l'immissione in rete spetta alla ElCom.\nLe autorità cantonali non sono più competenti per questioni di rimunerazione disciplinate dal diritto federale.\n\n> «Una componente di rimunerazione supplementare, ordinata da autorità cantonali e che si ripercuoterebbe sulle tariffe elettriche, non ha quindi più spazio.»\n\n### Procedura di approvazione dei piani\n\n**DTF 137 II 266** del 5 aprile 2011\nNelle approvazioni dei piani per linee elettriche ad alta tensione è necessaria una ponderazione globale degli interessi tenendo conto dell'efficienza energetica.\nLa cablatura può essere preferibile alla linea aerea considerando i costi globali.\n\n> «I costi di perdite elettriche considerevolmente più elevati della linea aerea compensano largamente i costi d'investimento più elevati dell'impianto via cavo. La ponderazione degli interessi nel caso presente risulta a favore della cablatura parziale della linea ad alta tensione.»\n\n### Valutazione dell'impatto ambientale\n\n**DTF 140 II 262** del 2 aprile 2014\nLe piccole centrali idroelettriche richiedono una valutazione ordinaria dell'impatto ambientale.\nLa promozione delle energie rinnovabili deve essere considerata nella ponderazione degli interessi.\n\n> «La piccola centrale idroelettrica in questione non richiede una base nel piano direttore. Oggetto di verifica della prima fase della valutazione dell'impatto ambientale nell'ambito della decisione di concessione.»\n\n## Altre decisioni significative\n\n### Regolamentazioni energetiche comunali\n\nSentenza 7H 21 5 del Tribunale cantonale di Lucerna del 16 maggio 2022\nUn'iniziativa comunale per l'obbligo di sistemi di riscaldamento rinnovabili è proporzionata.\nIl principio «in dubio pro populo» è da applicare nella verifica di validità.\n\n### Sviluppi attuali\n\nSentenza 1C_129/2025 del Tribunale federale del 31 luglio 2025\nI decreti cantonali per l'attuazione della svolta energetica devono rispettare le prescrizioni del diritto federale.\nI rapporti di pianificazione energetica 2022 come base per le misure cantonali.\n\nDecisione 810 2024 72 del Tribunale cantonale di Basilea Campagna dell'11 settembre 2024\nControllo astratto delle norme riguardo alla modifica della legge sull'energia a causa del rapporto di pianificazione energetica 2022.\nPrescrizioni energetiche cantonali nel campo di tensione tra protezione del clima e diritti di proprietà.", "summary_en": "# Art. 89 Federal Constitution — Overview\n\n## Core Statement\n\nArt. 89 Federal Constitution regulates Switzerland's energy policy and divides competencies between the Confederation and the cantons (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 4–5). The Confederation may issue regulations on the energy consumption of installations and vehicles and promote energy technologies. The cantons are primarily responsible for measures regarding buildings. Both levels of government must work together to ensure a secure, environmentally compatible and economic energy supply (**BGE 138 I 454** E. 5.1).\n\n## Scope of Application\n\nThis provision applies to Switzerland's entire energy policy. It covers both energy production (electricity, heat) and energy consumption. All public authorities of the Confederation, cantons and municipalities are obligated to pursue energy policy objectives (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 9–11). Private energy companies must comply with government regulations but do not receive direct rights from the Constitution.\n\nThe Constitution names five equivalent objectives for energy supply: It must be sufficient (enough energy for all), diversified (various energy sources), secure (reliably available), economic (affordable) and environmentally compatible. Additionally, energy should be used sparingly and efficiently (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 12–13).\n\n## Most Important Legal Consequences\n\n**Federal competencies**: The Confederation may enact legislation on energy efficiency of appliances, vehicles and installations (Art. 89 para. 3 Federal Constitution). It may also promote research and development of new energy technologies. The Energy Act (EnA, SR 730.0) and the Electricity Supply Act (ESA, SR 734.7) are based on these competencies (**BGE 138 I 454** E. 5.2).\n\n**Cantonal responsibilities**: The cantons primarily regulate energy measures for buildings such as heating regulations or insulation standards (Art. 89 para. 4 Federal Constitution). The Federal Supreme Court has confirmed that cantons may also ban electric heating if this is proportionate (**BGE 149 I 49** E. 8).\n\n**Exhaustive federal regulations**: When the Confederation has completely regulated an area, cantons may not enact additional regulations. Thus, since 2009, cantons can no longer introduce their own compensation for solar electricity because the Confederation has exhaustively regulated this in the EnA (**BGE 138 I 454** E. 5.3).\n\n**Practical example**: A canton wants to promote new solar panels. It may issue building permits and pay subsidies (cantonal building competency). However, it may not require electricity suppliers to pay higher prices for solar electricity than provided for in the federal feed-in tariff system (exhaustive federal regulation).", "doctrine_en": "# Art. 89 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current constitutional energy provision was introduced in 1990 as Art. 24octies of the old Federal Constitution and transferred unchanged to the new Federal Constitution in 1999 (BBl 1988 II 369, 397 ff.; BBl 1997 I 421). The constitutional article arose against the backdrop of the oil crises of the 1970s and the Chernobyl nuclear power plant disaster of 1986. It was intended to provide the Confederation with the necessary powers to design a sustainable energy policy (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 1).\n\n**N. 2** When enacting the provision, the Federal Council deliberately refrained from creating a constitutional basis for levying energy taxes (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6). This decision continues to shape the allocation of powers today: According to prevailing doctrine, Art. 89 FC cannot be used as a basis for levying energy taxes (Jaag/Keller, URP 1998, 319 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 89 FC is systematically located in Title 2 «Powers» of the Federal Constitution and regulates the allocation of powers between the Confederation and the cantons in the energy sector. The provision is closely linked with the neighbouring provisions → Art. 90 FC (nuclear energy) and → Art. 91 FC (transport of energy) as well as with the environmental provisions (→ Art. 73–74 FC).\n\n**N. 4** The energy constitution follows a cooperative federalism approach: the Confederation and cantons work together towards energy policy objectives (para. 1), with specific powers assigned to the Confederation (paras. 2–3) while the cantons remain primarily responsible for building energy (para. 4). This allocation of powers differs from the classic scheme of exclusive or concurrent federal powers (Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 23; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 4–5).\n\n**N. 5** Central to interpretation is the relationship to fundamental rights. According to Müller, FS Wahl 2001, 351 ff., public energy supply companies are also bound by fundamental rights insofar as they act with sovereign authority (→ Art. 35 FC). This applies particularly to the guarantee of property (→ Art. 26 FC) and economic freedom (→ Art. 27 FC) (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 8).\n\n## 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 6** **Energy policy objectives (para. 1)**: The Constitution names two equal objectives: an «adequate, diversified, safe, economic and environmentally sustainable energy supply» as well as «economical and efficient energy consumption». These objectives are to be understood as optimization requirements that must be balanced in concrete legal application (**BGE 138 I 454** E. 5.1; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 9–11).\n\n**N. 7** The five criteria for energy supply are sometimes in tension with each other. «Adequate» means quantitative coverage of demand. «Diversified» requires diversification of energy sources. «Safe» encompasses both security of supply and technical safety. «Economic» demands cost efficiency. «Environmentally sustainable» integrates ecological aspects (Jagmetti, Energierecht, 32 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 12–13).\n\n**N. 8** **Framework legislation (para. 2)**: The Confederation has framework legislative power for the use of domestic and renewable energies as well as for economical energy consumption. «Framework principles» are broad guidelines that must leave implementation discretion to the cantons. However, practice shows a tendency towards detailed federal regulation (Müller, ZBl 2013, 635 ff.; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 14–16).\n\n**N. 9** **Federal powers (para. 3)**: The Confederation has two specific powers: First, it may enact regulations on the energy consumption of installations, vehicles and equipment (regulatory power). Second, it promotes the development of energy technologies (promotional power). The regulatory power is designed as a comprehensive federal power (**BGE 138 I 454** E. 5.2; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 17–18).\n\n**N. 10** **Cantonal building power (para. 4)**: The cantons are responsible «primarily» for energy-related measures in buildings. This primary cantonal power is coordinated through the MuKEn (Model Provisions of the Cantons in the Energy Sector). However, the Confederation may also enact building regulations based on para. 3 insofar as installations and equipment are concerned (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 685; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 19).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 89 FC does not create subjective rights for private parties. The provision is directed at the legislators of the Confederation and cantons and obliges them to pursue energy policy objectives. A direct claim to specific energy policy measures cannot be derived from the constitutional provision (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 45).\n\n**N. 12** The allocation of powers is mandatory: Insofar as the Confederation has exercised its powers, the cantons are bound by federal law (→ Art. 49 FC). The Federal Supreme Court has confirmed this for feed-in tariffs: With the comprehensive federal regulation in the EnA, there is no longer room for additional cantonal tariffs (**BGE 138 I 454** E. 5.3).\n\n**N. 13** Energy policy measures must respect fundamental rights, particularly the guarantee of property and economic freedom. The Federal Supreme Court applies a strict proportionality standard but recognizes the high importance of energy policy objectives as a public interest (**BGE 149 I 49** E. 8).\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 14** **Constitutional basis for energy taxes**: Prevailing doctrine holds that Art. 89 FC does not provide a sufficient basis for energy taxes (Jaag/Keller, URP 1998, 319, 385; Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6). The contrary view argues that the grid surcharge introduced with the ElSA could be based on Art. 89 FC. However, Kern points out that the support should correctly be based on Art. 74 FC (environmental protection) (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 6).\n\n**N. 15** **Scope of federal power**: The extent of the Confederation's framework legislative power is disputed. Müller, ZBl 2013, 640, criticizes extensive federal legislation as undermining the principle of federalism. Waldmann, Volkswirtschaft 1/2-2005, 25, however, defends comprehensive federal regulation as necessary for a functioning energy market.\n\n**N. 16** **Fundamental rights obligations in the liberalized electricity market**: The fundamental rights obligations of energy supply companies after market opening are controversially discussed. Müller, FS Wahl 2001, 360 ff., affirms fundamental rights obligations when acting with sovereign authority. Häner, AJP 2002, 1150, advocates for a differentiated approach depending on the area of responsibility.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 17** When planning energy projects, the complex allocation of powers must be observed. In principle, three levels must be distinguished: (1) installations for energy generation are primarily subject to federal law (EnA, ElSA), (2) building energy falls under cantonal jurisdiction, (3) municipal energy planning must operate within the framework of higher-level law.\n\n**N. 18** For the permissibility of cantonal energy regulations, it is decisive whether the Confederation has legislated comprehensively. This must be examined on a case-by-case basis. As a rule of thumb: the more detailed the federal regulation, the narrower the cantonal scope. The MuKEn provide guidance for constitutionally compliant cantonal regulations.\n\n**N. 19** For interventions in property rights (e.g. heating replacement obligations, solar obligations), a careful proportionality assessment is required. While the Federal Supreme Court recognizes energy policy objectives as a significant public interest, it requires appropriate transitional periods and hardship provisions (**BGE 149 I 49** E. 8.4).\n\n**N. 20** The energy transition requires close coordination between levels of government. Art. 89 para. 5 FC obliges the Confederation to take into account the efforts of the cantons and municipalities. In practice, this means: early involvement of all actors, consideration of regional particularities and coordination of support programmes (Kern, BSK BV, Art. 89 N. 20–21).", "caselaw_en": "# Art. 89 FC — Case Law\n\n## Scope of Application\n\n### Constitutional Mandate for Energy Policy\n\n**BGE 138 I 454** of 27 October 2012\nAccording to Art. 89 para. 1 FC, the Confederation and the cantons shall endeavour, within the scope of their respective powers, to ensure a sufficient, diversified, safe, economic and environmentally sustainable energy supply as well as economical and rational energy consumption.\nCentral constitutional basis for federal energy regulation.\n\n> «According to Art. 89 para. 1 FC - and formerly identically Art. 24octies para. 1 former FC - the Confederation and the cantons shall endeavour, within the scope of their respective powers, to ensure a sufficient, diversified, safe, economic and environmentally sustainable energy supply as well as economical and rational energy consumption.»\n\n**BGE 137 II 266** of 5 April 2011\nConfirms the principle of economical and rational energy use as part of the Federal Constitution.\nEfficient energy transport with minimal losses belongs to the constitutional objective.\n\n> «Principle of economical and rational energy use (Art. 89 para. 1 FC; Art. 3 EnA); this includes efficient energy transport with minimal losses.»\n\n### Division of Powers between Confederation and Cantons\n\n**BGE 149 I 49** of 23 March 2023\nCantonal energy regulations for promoting renewable energies are constitutional as long as they are proportionate.\nHeating replacement obligation in the Canton of Zurich does not violate the guarantee of property.\n\n> «The prohibition of electric heating and the associated criminal penalty in case of violation therefore pursue concerns of environmental protection and adequate energy supply and thus have sufficient public interest.»\n\n## Elements of the Offence\n\n### Energy Supply Mandate\n\n**BGE 140 II 262** of 2 April 2014\nThe comprehensive balancing of interests for hydroelectric power projects must consider the statutory goal of promoting renewable energies.\nConcession duration of 80 years for small hydroelectric power plants is permissible.\n\n> «Comprehensive balancing of interests taking into account in particular the statutory goal of promoting electricity generation from renewable energies.»\n\n### Principles of Energy Policy\n\n**BGE 143 II 87** of 17 October 2016\nThe CO2 emissions trading system is in accordance with Art. 89 FC.\nEnergy efficiency as a central criterion for promoting renewable energies.\n\n> «The CO2 Act of 23 December 2011 aims to reduce greenhouse gas emissions with the goal of contributing to limiting global temperature rise to less than 2 degrees Celsius.»\n\n## Legal Consequences\n\n### Comprehensive Federal Regulation\n\n**BGE 138 I 454** of 27 October 2012\nWith the revision of the Energy Act in 2009, a comprehensive federal regulation for feed-in tariffs was created.\nCantonal additional costs for grid operators are no longer permissible.\n\n> «Unlike the regulation of former Art. 7 EnA, the provisions of Art. 7 and 7a EnA that came into force on 1 January 2009 have a comprehensive character. Additional remuneration components ordered by cantonal authorities and affecting electricity tariffs thus no longer have scope.»\n\n### Property Protection in Energy Measures\n\n**BGE 149 I 49** of 23 March 2023  \nJudgment 1C_37/2022 of 23 March 2023\nCantonal obligations to remove electric heating systems interfere with the guarantee of property but are permissible if proportionate.\nHas sufficient public interest in the sense of environmental and energy law.\n\n> «The obligation to remove such systems associated with the prohibition of electric heating and the related criminal penalty in the Canton of Zurich restrict the property of owners of corresponding heating systems. The statutory regulation provides a sufficient basis for the interference with the guarantee of property, is based on sufficient public interest and is proportionate.»\n\n## Procedure\n\n### Jurisdiction of ElCom\n\n**BGE 138 I 454** of 27 October 2012\nAfter electricity market liberalisation, enforcement of feed-in tariffs lies with ElCom.\nCantonal authorities are no longer competent for remuneration issues regulated by federal law.\n\n> «An additional remuneration component ordered by cantonal authorities and affecting electricity tariffs no longer has scope.»\n\n### Plan Approval Procedure\n\n**BGE 137 II 266** of 5 April 2011\nPlan approvals for high-voltage power lines require comprehensive balancing of interests considering energy efficiency.\nUnderground cables may be preferable to overhead lines when considering total costs.\n\n> «The considerably higher power loss costs of the overhead line largely offset the higher investment costs of the cable installation. In the present case, the balancing of interests favours partial underground cabling of the high-voltage line.»\n\n### Environmental Impact Assessment\n\n**BGE 140 II 262** of 2 April 2014\nSmall hydroelectric power plants require a proper environmental impact assessment.\nThe promotion of renewable energies must be considered in the balancing of interests.\n\n> «The small hydroelectric power plant in question does not require a basis in the structure plan. Subject of examination of the first stage of the environmental impact assessment within the framework of the concession decision.»\n\n## Other Significant Decisions\n\n### Municipal Energy Regulations\n\nJudgment 7H 21 5 of the Cantonal Court of Lucerne of 16 May 2022\nA municipal initiative obliging renewable heating systems is proportionate.\nThe principle «in dubio pro populo» applies to validity review.\n\n### Current Developments\n\nJudgment 1C_129/2025 of the Federal Supreme Court of 31 July 2025\nCantonal decrees for implementing the energy transition must observe federal legal requirements.\nEnergy planning reports 2022 as a basis for cantonal measures.\n\nDecision 810 2024 72 of the Cantonal Court of Basel-Landschaft of 11 September 2024\nAbstract review of norms regarding amendment of the Energy Act based on the Energy Planning Report 2022.\nCantonal energy regulations in the area of tension between climate protection and property rights.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_89", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 90, "article_suffix": "", "title": "Kernenergie", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 90 BV gibt dem Bund die ausschliessliche Kompetenz für alle Gesetze im Bereich Kernenergie. Dies umfasst sämtliche Aspekte der friedlichen Nutzung der Atomenergie: Forschung, Bau, Betrieb und Stilllegung von Atomkraftwerken, Umgang mit radioaktiven Stoffen, Transporte und Entsorgung (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). Die Kantone dürfen in diesem Bereich keine eigenen Gesetze erlassen.\n\nDer Bund hat diese Kompetenz durch das Kernenergiegesetz (KEG) ausgeübt. Wer ein Atomkraftwerk betreiben will, braucht eine Betriebsbewilligung des Bundes (Art. 19 KEG). Das Bundesgericht entschied, dass solche Bewilligungen nur aus Sicherheitsgründen befristet werden dürfen, nicht aus politischen Motiven (**BGE 139 II 185** E. 5.2). Eine wichtige Kontroverse betrifft die Verfassungsmässigkeit eines kompletten Atomausstiegs: Das Bundesamt für Justiz hält einen sicherheitsmotivierten Ausstieg für verfassungsrechtlich zulässig, während andere Rechtswissenschaftler dies bestreiten (Müller, ZBl 2013, 666).\n\nPraktisches Beispiel: Will ein Unternehmen ein neues Atomkraftwerk bauen, muss es beim Bund eine Rahmenbewilligung, eine Baubewilligung und schliesslich eine Betriebsbewilligung beantragen. Kantonale oder städtische Baubewilligungen sind nicht erforderlich, da das Bundesrecht diese verdrängt (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, S. 234). Gegen die Rahmenbewilligung können die Stimmbürger das Referendum ergreifen (Art. 48 Abs. 4 KEG).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 90 BV übernahm bei der Totalrevision 1999 den Gehalt von Art. 24quinquies aBV (angenommen in der Volksabstimmung vom 23. September 1957). Die Verfassungsgrundlage wurde geschaffen, um eine einheitliche Bundesregelung im stark sicherheitsrelevanten Bereich der Kernenergie zu ermöglichen (BBl 1957 I 721, 739). Der Verfassungsgeber reagierte damit auf die beginnende friedliche Nutzung der Kernenergie und die Notwendigkeit einer kohärenten Sicherheitsgesetzgebung.\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung zeigt drei Phasen: (1) 1946–1957: Übergangsordnung gestützt auf Art. 24quater aBV (Wasserkraft); (2) 1957–1999: Umfassende Bundeskompetenz nach Art. 24quinquies aBV; (3) seit 1999: Fortführung unter Art. 90 BV mit unverändertem materiellen Gehalt. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung hielt fest, dass die bestehende Kompetenzordnung «unverändert» übernommen werde (BBl 1997 I 350).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 90 BV steht im 3. Abschnitt «Energie und Kommunikation» des 3. Kapitels über die Zuständigkeiten von Bund und Kantonen. Die Norm bildet zusammen mit → Art. 89 BV (Energiepolitik) und → Art. 91 BV (Energietransport) das verfassungsrechtliche Energieregime. Während Art. 89 BV eine Verbundkompetenz statuiert, begründet Art. 90 BV eine ausschliessliche Bundeskompetenz.\n\n**N. 4** Die systematische Verknüpfung mit → Art. 118 Abs. 2 lit. b BV (Schutz vor ionisierenden Strahlen) und → Art. 74 BV (Umweltschutz) zeigt den doppelten Regelungsansatz: Art. 90 BV erfasst die Kernenergie als Technologie, die anderen Normen regeln spezifische Schutzaspekte. Bei → Art. 196 Ziff. 4 BV (Übergangsbestimmung zu Art. 90) handelt es sich um die verfassungsrechtliche Grundlage des zehnjährigen Moratoriums für neue Rahmenbewilligungen (2000–2010).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff «Kernenergie» umfasst nach herrschender Lehre alle Aspekte der friedlichen Nutzung der Kernspaltung und Kernfusion zur Energiegewinnung (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4; Jagmetti, Energierecht, 2005, S. 467; Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 2013, § 15 N. 32). Eingeschlossen sind: Forschung, Bau, Betrieb und Stilllegung von Kernanlagen, Umgang mit Kernbrennstoffen, Entsorgung radioaktiver Abfälle, Transporte von Kernmaterial, Haftpflicht und Versicherung.\n\n**N. 6** «Gesetzgebung» bedeutet umfassende Rechtsetzungskompetenz auf allen Normenstufen: Verfassung, Gesetz, Verordnung. Der Bund kann das Gebiet abschliessend regeln oder Teilbereiche den Kantonen überlassen (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). Die Kompetenz umfasst sowohl die Förderung als auch die Beschränkung oder das Verbot der Kernenergienutzung.\n\n**N. 7** «Sache des Bundes» konstituiert eine ausschliessliche Bundeskompetenz. Die Kantone haben keine originären Kompetenzen im Kernenergie­bereich, können aber vom Bund delegierte Aufgaben wahrnehmen oder im Rahmen ihrer allgemeinen Polizeikompetenz tätig werden (→ Art. 3 BV).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die ausschliessliche Bundeskompetenz führt zur Verdrängung jeglichen kantonalen Rechts im Kernenergie­bereich. Das Bundesgericht hielt fest, die Kompetenzordnung solle «verhindern, dass die im gesamten Landesinteresse liegende Nutzung der Kernenergie durch unsachgerechte Bedingungen und Auflagen erschwert wird» (BGE 108 Ib 485 E. 3a; zitiert bei Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8).\n\n**N. 9** Der Bund hat seine Kompetenz durch das Kernenergiegesetz (KEG) und das Kernenergiehaftpflichtgesetz (KHG) sowie zahlreiche Verordnungen ausgeübt. Die Bewilligungsverfahren sind bundesrechtlich abschliessend geregelt, kantonale Bewilligungen sind ausgeschlossen (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, S. 234).\n\n**N. 10** Aus der polizeilichen Natur der Betriebsbewilligung folgt, dass Befristungen nur aus sicherheitspolizeilichen Gründen zulässig sind (**BGE 139 II 185** E. 5.2; Reich, ZBl 2013, 513–523). Das Bundesverwaltungsgericht präzisierte, dass politisch motivierte Befristungen unzulässig seien (Urteil A-667/2010; Bütler/Schindler, Sicherheit & Recht 2012, 139–144).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Verfassungsmässigkeit eines Atomausstiegs**: Das Bundesamt für Justiz vertritt in seinem Gutachten «Verfassungsfragen Ausstieg Kernenergie», ein gesetzlich angeordneter, sicherheitspolizeilich motivierter Ausstieg aus der Kernenergie sei «zumindest nicht ausgeschlossen» (zitiert bei Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8). R.P. Müller (Energiewende: Neue Politik im alten Kleid?, ZBl 2013, 635–668, 666) ist anderer Ansicht und hält einen vollständigen Ausstieg für verfassungswidrig, da Art. 90 BV keine Verbotskompetenz enthalte.\n\n**N. 12** **Reichweite der kantonalen Kompetenzen**: Während die herrschende Lehre den Kantonen jegliche eigenständige Regelungskompetenz abspricht (Jagmetti, Energierecht, 2005, S. 472; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, S. 235), anerkennt eine Minderheit begrenzte kantonale Spielräume bei rein lokalen Aspekten ohne sicherheitstechnischen Bezug (Buser, AJP 2006, 387–395, 392).\n\n**N. 13** **Unabhängigkeit der Aufsichtsbehörde**: Die Stellung des ENSI als unabhängige Aufsichtsbehörde wirft verfassungsrechtliche Fragen auf. Biaggini (Rechtsgutachten vom 26.8.2013) bejaht die Vereinbarkeit mit dem Demokratie- und Legalitätsprinzip, während kritische Stimmen eine zu weitgehende Verselbständigung monieren (Scheiwiller, Sicherheit & Recht 2009, 125–140, 138).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei Bewilligungsverfahren ist die abschliessende Bundesregelung zu beachten: Kantonale und kommunale Bewilligungen (Bau-, Planungs-, Umweltrecht) werden durch die kernenergerechtlichen Bewilligungen konsumiert. Das Koordinationsverfahren nach Art. 62a KEG ist zwingend.\n\n**N. 15** Die Haftpflichtregelung folgt einem Sonderregime: Unbeschränkte Haftpflicht des Inhabers mit obligatorischer Versicherungsdeckung von 1,2 Mrd. Franken und subsidiärer Bundeshaftung bis 2,2 Mrd. Franken (Waldner, AJP 2012, 1103–1118, 1105; Debieux, La responsabilité civile des exploitants d'installations nucléaires, 1987, S. 89 ff.).\n\n**N. 16** Für die demokratische Mitbestimmung verbleibt das fakultative Referendum gegen Rahmenbewilligungen (Art. 48 Abs. 4 KEG). Kantonale Vetorechte oder Mitspracherechte bei Standortentscheiden sind verfassungsrechtlich ausgeschlossen (Müller/Hösli/Vouilloz, Introduction au droit énergétique en Suisse, 1997, S. 178).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nArt. 90 BV — Art. 90 BV\n", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 90 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive pour toutes les lois dans le domaine de l'énergie nucléaire. Cela englobe tous les aspects de l'utilisation pacifique de l'énergie atomique : recherche, construction, exploitation et mise hors service de centrales nucléaires, manipulation de substances radioactives, transports et gestion des déchets (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). Les cantons ne peuvent adopter aucune loi propre dans ce domaine.\n\nLa Confédération a exercé cette compétence par la loi sur l'énergie nucléaire (LEne). Quiconque veut exploiter une centrale nucléaire a besoin d'une autorisation d'exploitation de la Confédération (art. 19 LEne). Le Tribunal fédéral a jugé que de telles autorisations ne peuvent être limitées dans le temps que pour des raisons de sécurité, non pour des motifs politiques (**BGE 139 II 185** consid. 5.2). Une controverse importante concerne la constitutionnalité d'une sortie complète du nucléaire : l'Office fédéral de la justice considère qu'une sortie motivée par la sécurité est constitutionnellement admissible, tandis que d'autres juristes le contestent (Müller, ZBl 2013, 666).\n\nExemple pratique : Si une entreprise veut construire une nouvelle centrale nucléaire, elle doit demander à la Confédération une autorisation générale, une autorisation de construire et finalement une autorisation d'exploiter. Les autorisations de construire cantonales ou communales ne sont pas nécessaires, car le droit fédéral les évince (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 234). Contre l'autorisation générale, les citoyens peuvent demander le référendum (art. 48 al. 4 LEne).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 90 Cst. a repris lors de la révision totale de 1999 le contenu de l'art. 24quinquies aCst. (accepté lors de la votation populaire du 23 septembre 1957). La base constitutionnelle fut créée pour permettre une réglementation fédérale uniforme dans le domaine hautement sensible en matière de sécurité qu'est l'énergie nucléaire (FF 1957 I 721, 739). Le constituant réagissait ainsi aux débuts de l'utilisation pacifique de l'énergie nucléaire et à la nécessité d'une législation de sécurité cohérente.\n\n**N. 2** L'évolution historique montre trois phases : (1) 1946–1957 : régime transitoire fondé sur l'art. 24quater aCst. (forces hydrauliques) ; (2) 1957–1999 : compétence fédérale étendue selon l'art. 24quinquies aCst. ; (3) depuis 1999 : poursuite sous l'art. 90 Cst. avec un contenu matériel inchangé. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale précisait que l'ordre de compétences existant était repris « sans changement » (FF 1997 I 350).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 90 Cst. se trouve dans la 3e section « Énergie et communications » du 3e chapitre sur les compétences de la Confédération et des cantons. La norme forme avec l'→ art. 89 Cst. (politique énergétique) et l'→ art. 91 Cst. (transport d'énergie) le régime constitutionnel de l'énergie. Alors que l'art. 89 Cst. statue une compétence concurrente, l'art. 90 Cst. fonde une compétence fédérale exclusive.\n\n**N. 4** Le lien systématique avec l'→ art. 118 al. 2 let. b Cst. (protection contre les rayonnements ionisants) et l'→ art. 74 Cst. (protection de l'environnement) montre la double approche réglementaire : l'art. 90 Cst. saisit l'énergie nucléaire comme technologie, les autres normes règlent des aspects spécifiques de protection. L'→ art. 196 ch. 4 Cst. (disposition transitoire relative à l'art. 90) constitue la base constitutionnelle du moratoire de dix ans pour les nouvelles autorisations générales (2000–2010).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** La notion d'« énergie nucléaire » englobe selon la doctrine dominante tous les aspects de l'utilisation pacifique de la fission et de la fusion nucléaires pour la production d'énergie (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4 ; Jagmetti, Energierecht, 2005, p. 467 ; Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 2013, § 15 N. 32). Sont inclus : la recherche, la construction, l'exploitation et la mise hors service d'installations nucléaires, la manipulation de combustibles nucléaires, l'évacuation des déchets radioactifs, les transports de matières nucléaires, la responsabilité civile et l'assurance.\n\n**N. 6** « Législation » signifie une compétence législative étendue à tous les niveaux normatifs : Constitution, loi, ordonnance. La Confédération peut régler exhaustivement le domaine ou laisser des secteurs partiels aux cantons (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). La compétence englobe tant l'encouragement que la limitation ou l'interdiction de l'utilisation de l'énergie nucléaire.\n\n**N. 7** « Affaire de la Confédération » constitue une compétence fédérale exclusive. Les cantons n'ont pas de compétences originaires dans le domaine de l'énergie nucléaire, mais peuvent exercer des tâches déléguées par la Confédération ou agir dans le cadre de leur compétence générale de police (→ art. 3 Cst.).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** La compétence fédérale exclusive conduit à l'éviction de tout droit cantonal dans le domaine de l'énergie nucléaire. Le Tribunal fédéral a relevé que l'ordre de compétences devait « empêcher que l'utilisation de l'énergie nucléaire, qui est dans l'intérêt de l'ensemble du pays, ne soit entravée par des conditions et charges inadéquates » (ATF 108 Ib 485 consid. 3a ; cité par Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8).\n\n**N. 9** La Confédération a exercé sa compétence par la loi sur l'énergie nucléaire (LEne) et la loi sur la responsabilité civile en matière nucléaire (LRCN) ainsi que de nombreuses ordonnances. Les procédures d'autorisation sont réglées de manière exhaustive par le droit fédéral, les autorisations cantonales sont exclues (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 234).\n\n**N. 10** De la nature de police de l'autorisation d'exploiter découle que les limitations dans le temps ne sont admissibles que pour des raisons de police de sécurité (**ATF 139 II 185** consid. 5.2 ; Reich, ZBl 2013, 513–523). Le Tribunal administratif fédéral a précisé que les limitations dans le temps motivées politiquement étaient inadmissibles (arrêt A-667/2010 ; Bütler/Schindler, Sicherheit & Recht 2012, 139–144).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 11** **Constitutionnalité d'une sortie du nucléaire** : L'Office fédéral de la justice soutient dans son expertise « Questions constitutionnelles sortie de l'énergie nucléaire » qu'une sortie du nucléaire ordonnée par la loi et motivée par des considérations de police de sécurité n'est « du moins pas exclue » (cité par Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8). R.P. Müller (Energiewende: Neue Politik im alten Kleid?, ZBl 2013, 635–668, 666) est d'un autre avis et considère qu'une sortie complète serait inconstitutionnelle, l'art. 90 Cst. ne contenant pas de compétence d'interdiction.\n\n**N. 12** **Étendue des compétences cantonales** : Alors que la doctrine dominante dénie aux cantons toute compétence réglementaire autonome (Jagmetti, Energierecht, 2005, p. 472 ; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 235), une minorité reconnaît des marges de manœuvre cantonales limitées pour des aspects purement locaux sans rapport avec la sécurité technique (Buser, AJP 2006, 387–395, 392).\n\n**N. 13** **Indépendance de l'autorité de surveillance** : La position de l'IFSN en tant qu'autorité de surveillance indépendante soulève des questions constitutionnelles. Biaggini (expertise juridique du 26.8.2013) affirme la compatibilité avec le principe démocratique et de légalité, tandis que des voix critiques déplorent une autonomisation trop poussée (Scheiwiller, Sicherheit & Recht 2009, 125–140, 138).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Dans les procédures d'autorisation, il faut observer la réglementation fédérale exhaustive : les autorisations cantonales et communales (droit de la construction, de l'aménagement du territoire, de l'environnement) sont absorbées par les autorisations de droit de l'énergie nucléaire. La procédure de coordination selon l'art. 62a LEne est obligatoire.\n\n**N. 15** La réglementation de la responsabilité civile suit un régime spécial : responsabilité civile illimitée du détenteur avec couverture d'assurance obligatoire de 1,2 milliard de francs et responsabilité subsidiaire de la Confédération jusqu'à 2,2 milliards de francs (Waldner, AJP 2012, 1103–1118, 1105 ; Debieux, La responsabilité civile des exploitants d'installations nucléaires, 1987, p. 89 ss).\n\n**N. 16** Pour la codécision démocratique subsiste le référendum facultatif contre les autorisations générales (art. 48 al. 4 LEne). Les droits de veto cantonaux ou les droits de participation aux décisions de choix des sites sont exclus du point de vue constitutionnel (Müller/Hösli/Vouilloz, Introduction au droit énergétique en Suisse, 1997, p. 178).", "caselaw_fr": "", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 90 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza esclusiva per tutte le leggi nel settore dell'energia nucleare. Ciò comprende tutti gli aspetti dell'utilizzazione pacifica dell'energia atomica: ricerca, costruzione, esercizio e disattivazione di centrali nucleari, trattamento di sostanze radioattive, trasporti e smaltimento (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). I Cantoni non possono emanare leggi proprie in questo settore.\n\nLa Confederazione ha esercitato questa competenza mediante la legge sull'energia nucleare (LENu). Chi vuole gestire una centrale nucleare necessita di un'autorizzazione d'esercizio della Confederazione (art. 19 LENu). Il Tribunale federale ha stabilito che tali autorizzazioni possono essere limitate nel tempo soltanto per motivi di sicurezza, non per ragioni politiche (**BGE 139 II 185** consid. 5.2). Una controversia importante riguarda la costituzionalità di un'uscita completa dal nucleare: l'Ufficio federale di giustizia ritiene che un'uscita motivata dalla sicurezza sia costituzionalmente ammissibile, mentre altri giuristi lo contestano (Müller, ZBl 2013, 666).\n\nEsempio pratico: Se un'impresa vuole costruire una nuova centrale nucleare, deve richiedere alla Confederazione un'autorizzazione generale, un'autorizzazione di costruzione e infine un'autorizzazione d'esercizio. Non sono necessarie autorizzazioni edilizie cantonali o comunali, poiché il diritto federale le sopprime (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, pag. 234). Contro l'autorizzazione generale gli aventi diritto di voto possono indire il referendum (art. 48 cpv. 4 LENu).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 90 Cost. ha ripreso nella revisione totale del 1999 il contenuto dell'art. 24quinquies vCost. (approvato nella votazione popolare del 23 settembre 1957). La base costituzionale fu creata per permettere una regolamentazione federale unitaria nel settore dell'energia nucleare, particolarmente rilevante per la sicurezza (FF 1957 I 721, 739). Il costituente reagì così al nascente uso pacifico dell'energia nucleare e alla necessità di una legislazione di sicurezza coerente.\n\n**N. 2** Lo sviluppo storico mostra tre fasi: (1) 1946–1957: ordinamento transitorio basato sull'art. 24quater vCost. (energia idrica); (2) 1957–1999: competenza federale globale secondo l'art. 24quinquies vCost.; (3) dal 1999: prosecuzione sotto l'art. 90 Cost. con contenuto materiale invariato. Il messaggio concernente la nuova Costituzione federale stabilì che l'ordinamento delle competenze esistente veniva ripreso «senza modifiche» (FF 1997 I 341).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 90 Cost. si trova nella 3a sezione «Energia e comunicazione» del 3° capitolo relativo alle competenze della Confederazione e dei Cantoni. La norma forma insieme all'→ art. 89 Cost. (politica energetica) e all'→ art. 91 Cost. (trasporto di energia) il regime energetico costituzionale. Mentre l'art. 89 Cost. stabilisce una competenza concorrente, l'art. 90 Cost. fonda una competenza federale esclusiva.\n\n**N. 4** Il collegamento sistematico con l'→ art. 118 cpv. 2 lett. b Cost. (protezione contro le radiazioni ionizzanti) e l'→ art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente) mostra il duplice approccio regolamentare: l'art. 90 Cost. disciplina l'energia nucleare come tecnologia, le altre norme regolano aspetti di protezione specifici. L'→ art. 196 n. 4 Cost. (disposizione transitoria all'art. 90) costituisce la base costituzionale della moratoria decennale per nuove autorizzazioni generali (2000–2010).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il concetto di «energia nucleare» comprende secondo la dottrina dominante tutti gli aspetti dell'uso pacifico della fissione e fusione nucleare per la produzione di energia (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4; Jagmetti, Energierecht, 2005, pag. 467; Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 2013, § 15 N. 32). Sono inclusi: ricerca, costruzione, esercizio e disattivazione di impianti nucleari, gestione di combustibili nucleari, smaltimento di scorie radioattive, trasporti di materiale nucleare, responsabilità civile e assicurazione.\n\n**N. 6** «Legislazione» significa competenza normativa globale a tutti i livelli normativi: Costituzione, legge, ordinanza. La Confederazione può disciplinare il settore in modo definitivo o lasciare settori parziali ai Cantoni (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). La competenza comprende sia la promozione sia la limitazione o il divieto dell'uso dell'energia nucleare.\n\n**N. 7** «Compete alla Confederazione» costituisce una competenza federale esclusiva. I Cantoni non hanno competenze originarie nel settore dell'energia nucleare, ma possono assumere compiti delegati dalla Confederazione o agire nell'ambito della loro competenza generale di polizia (→ art. 3 Cost.).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La competenza federale esclusiva comporta l'esclusione di qualsiasi diritto cantonale nel settore dell'energia nucleare. Il Tribunale federale ha stabilito che l'ordinamento delle competenze dovrebbe «impedire che l'uso dell'energia nucleare, che è nell'interesse dell'intero Paese, sia ostacolato da condizioni e oneri inadeguati» (DTF 108 Ib 485 consid. 3a; citato in Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8).\n\n**N. 9** La Confederazione ha esercitato la sua competenza attraverso la legge sull'energia nucleare (LENu) e la legge sulla responsabilità civile in materia nucleare (LRCN) nonché numerose ordinanze. Le procedure di autorizzazione sono disciplinate in modo definitivo dal diritto federale, le autorizzazioni cantonali sono escluse (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, pag. 234).\n\n**N. 10** Dalla natura di polizia dell'autorizzazione d'esercizio segue che limitazioni temporali sono ammissibili solo per motivi di polizia della sicurezza (**DTF 139 II 185** consid. 5.2; Reich, ZBl 2013, 513–523). Il Tribunale amministrativo federale ha precisato che limitazioni temporali motivate politicamente sarebbero inammissibili (sentenza A-667/2010; Bütler/Schindler, Sicherheit & Recht 2012, 139–144).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Costituzionalità di un abbandono del nucleare**: L'Ufficio federale di giustizia sostiene nel suo parere «Verfassungsfragen Ausstieg Kernenergie» che un abbandono dell'energia nucleare ordinato per legge e motivato da ragioni di polizia della sicurezza sia «almeno non escluso» (citato in Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8). R.P. Müller (Energiewende: Neue Politik im alten Kleid?, ZBl 2013, 635–668, 666) è di diverso avviso e considera un abbandono completo anticostituzionale, poiché l'art. 90 Cost. non conterrebbe una competenza di divieto.\n\n**N. 12** **Portata delle competenze cantonali**: Mentre la dottrina dominante nega ai Cantoni qualsiasi competenza normativa autonoma (Jagmetti, Energierecht, 2005, pag. 472; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, pag. 235), una minoranza riconosce limitati margini di manovra cantonali per aspetti puramente locali senza riferimento alla sicurezza tecnica (Buser, AJP 2006, 387–395, 392).\n\n**N. 13** **Indipendenza dell'autorità di vigilanza**: La posizione dell'IFSN come autorità di vigilanza indipendente solleva questioni di diritto costituzionale. Biaggini (parere giuridico del 26.8.2013) conferma la compatibilità con il principio democratico e di legalità, mentre voci critiche lamentano un'autonomizzazione troppo spinta (Scheiwiller, Sicherheit & Recht 2009, 125–140, 138).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nelle procedure di autorizzazione deve essere osservata la regolamentazione federale definitiva: le autorizzazioni cantonali e comunali (diritto edilizio, di pianificazione, ambientale) sono assorbite dalle autorizzazioni di diritto dell'energia nucleare. La procedura di coordinamento secondo l'art. 62a LENu è obbligatoria.\n\n**N. 15** La regolamentazione della responsabilità civile segue un regime speciale: responsabilità civile illimitata del detentore con copertura assicurativa obbligatoria di 1,2 miliardi di franchi e responsabilità sussidiaria della Confederazione fino a 2,2 miliardi di franchi (Waldner, AJP 2012, 1103–1118, 1105; Debieux, La responsabilité civile des exploitants d'installations nucléaires, 1987, pag. 89 seg.).\n\n**N. 16** Per la partecipazione democratica rimane il referendum facoltativo contro le autorizzazioni generali (art. 48 cpv. 4 LENu). Diritti di veto cantonali o diritti di partecipazione nelle decisioni sui siti sono esclusi dal diritto costituzionale (Müller/Hösli/Vouilloz, Introduction au droit énergétique en Suisse, 1997, pag. 178).", "caselaw_it": "", "summary_en": "# Summary\n\nArt. 90 BV grants the Confederation exclusive competence for all legislation in the field of nuclear energy. This encompasses all aspects of the peaceful use of nuclear energy: research, construction, operation and decommissioning of nuclear power plants, handling of radioactive substances, transport and disposal (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). The cantons may not enact their own legislation in this area.\n\nThe Confederation has exercised this competence through the Nuclear Energy Act (KEG). Anyone wishing to operate a nuclear power plant requires an operating licence from the Confederation (Art. 19 KEG). The Federal Supreme Court decided that such licences may only be limited in time for safety reasons, not for political motives (**BGE 139 II 185** E. 5.2). An important controversy concerns the constitutionality of a complete nuclear phase-out: The Federal Office of Justice considers a safety-motivated phase-out to be constitutionally permissible, while other legal scholars dispute this (Müller, ZBl 2013, 666).\n\nPractical example: If a company wishes to build a new nuclear power plant, it must apply to the Confederation for a general licence, a construction licence and finally an operating licence. Cantonal or municipal construction permits are not required, as federal law displaces these (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 234). The electorate can launch a referendum against the general licence (Art. 48 para. 4 KEG).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 90 FC adopted the substance of Art. 24quinquies former FC during the total revision in 1999 (adopted in the popular vote of 23 September 1957). The constitutional basis was created to enable uniform federal regulation in the security-relevant area of nuclear energy (BBl 1957 I 721, 739). The constitutional legislator thus reacted to the beginning peaceful use of nuclear energy and the necessity of coherent safety legislation.\n\n**N. 2** The historical development shows three phases: (1) 1946–1957: Transitional order based on Art. 24quater former FC (water power); (2) 1957–1999: Comprehensive federal competence under Art. 24quinquies former FC; (3) since 1999: Continuation under Art. 90 FC with unchanged material content. The message on the new Federal Constitution stated that the existing competence order would be adopted \"unchanged\" (BBl 1997 I 350).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 90 FC stands in Section 3 \"Energy and Communication\" of Chapter 3 on the competences of the Confederation and the cantons. The provision forms, together with → Art. 89 FC (energy policy) and → Art. 91 FC (energy transport), the constitutional energy regime. While Art. 89 FC establishes a concurrent competence, Art. 90 FC establishes an exclusive federal competence.\n\n**N. 4** The systematic connection with → Art. 118 para. 2 lit. b FC (protection against ionising radiation) and → Art. 74 FC (environmental protection) shows the dual regulatory approach: Art. 90 FC covers nuclear energy as technology, the other provisions regulate specific protective aspects. → Art. 196 No. 4 FC (transitional provision to Art. 90) constitutes the constitutional basis of the ten-year moratorium for new general licences (2000–2010).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** The term \"nuclear energy\" encompasses, according to prevailing doctrine, all aspects of the peaceful use of nuclear fission and nuclear fusion for energy generation (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4; Jagmetti, Energierecht, 2005, p. 467; Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, 2013, § 15 N. 32). Included are: research, construction, operation and decommissioning of nuclear installations, handling of nuclear fuels, disposal of radioactive waste, transport of nuclear material, liability and insurance.\n\n**N. 6** \"Legislation\" means comprehensive law-making competence at all normative levels: constitution, law, ordinance. The Confederation may regulate the area conclusively or leave partial areas to the cantons (Kern, BSK BV, Art. 90 N. 4). The competence encompasses both the promotion as well as the restriction or prohibition of nuclear energy use.\n\n**N. 7** \"Matter of the Confederation\" constitutes an exclusive federal competence. The cantons have no original competences in the nuclear energy area, but may perform tasks delegated by the Confederation or act within the framework of their general police competence (→ Art. 3 FC).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** The exclusive federal competence leads to the displacement of any cantonal law in the nuclear energy area. The Federal Supreme Court held that the competence order should \"prevent the use of nuclear energy, which lies in the national interest, from being hampered by inappropriate conditions and requirements\" (BGE 108 Ib 485 E. 3a; cited in Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8).\n\n**N. 9** The Confederation has exercised its competence through the Nuclear Energy Act (NEA) and the Nuclear Liability Act (NLA) as well as numerous ordinances. The licensing procedures are conclusively regulated by federal law, cantonal licences are excluded (Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 234).\n\n**N. 10** From the police nature of the operating licence follows that time limitations are only permissible for safety police reasons (**BGE 139 II 185** E. 5.2; Reich, ZBl 2013, 513–523). The Federal Administrative Court clarified that politically motivated time limitations would be impermissible (Judgment A-667/2010; Bütler/Schindler, Sicherheit & Recht 2012, 139–144).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 11** **Constitutionality of a nuclear phase-out**: The Federal Office of Justice takes the position in its opinion \"Constitutional Questions Nuclear Energy Phase-out\" that a legally ordered, safety police motivated phase-out from nuclear energy is \"at least not excluded\" (cited in Kern, BSK BV, Art. 90 N. 8). R.P. Müller (Energiewende: Neue Politik im alten Kleid?, ZBl 2013, 635–668, 666) takes a different view and considers a complete phase-out to be unconstitutional, as Art. 90 FC contains no prohibition competence.\n\n**N. 12** **Scope of cantonal competences**: While prevailing doctrine denies the cantons any independent regulatory competence (Jagmetti, Energierecht, 2005, p. 472; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, 2005, p. 235), a minority recognises limited cantonal scope for action in purely local aspects without safety-technical reference (Buser, AJP 2006, 387–395, 392).\n\n**N. 13** **Independence of the supervisory authority**: The position of ENSI as an independent supervisory authority raises constitutional questions. Biaggini (legal opinion of 26.8.2013) affirms compatibility with the principle of democracy and legality, while critical voices criticise an overly extensive autonomisation (Scheiwiller, Sicherheit & Recht 2009, 125–140, 138).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 14** In licensing procedures, the conclusive federal regulation must be observed: Cantonal and municipal licences (construction, planning, environmental law) are consumed by the nuclear energy law licences. The coordination procedure according to Art. 62a NEA is mandatory.\n\n**N. 15** The liability regulation follows a special regime: Unlimited liability of the licence holder with mandatory insurance coverage of 1.2 billion francs and subsidiary federal liability up to 2.2 billion francs (Waldner, AJP 2012, 1103–1118, 1105; Debieux, La responsabilité civile des exploitants d'installations nucléaires, 1987, p. 89 ff.).\n\n**N. 16** For democratic participation, the optional referendum against general licences remains (Art. 48 para. 4 NEA). Cantonal veto rights or participation rights in site decisions are constitutionally excluded (Müller/Hösli/Vouilloz, Introduction au droit énergétique en Suisse, 1997, p. 178).", "caselaw_en": "", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_90", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 0, "caselaw_last_generated": "", "caselaw_quality_score": null}
{"law": "BV", "article": 91, "article_suffix": "", "title": "Transport von Energie", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 91 BV gibt dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für zwei wichtige Bereiche: den Transport und die Lieferung elektrischer Energie (Abs. 1) sowie Rohrleitungen für Brenn- und Treibstoffe (Abs. 2).\n\n**Was regelt die Norm?**\n\nAbsatz 1 ermächtigt den Bund, Gesetze über Stromnetze und Stromversorgung zu erlassen. Das umfasst sowohl die technischen Leitungen (Hochspannungsleitungen, Verteilnetze) als auch die rechtlichen Beziehungen zwischen Stromanbietern und Kunden. Der Bund hat diese Kompetenz im Stromversorgungsgesetz (StromVG; SR 734.7) umgesetzt.\n\nAbsatz 2 betrifft Rohrleitungen für Erdöl, Erdgas und andere flüssige oder gasförmige Brennstoffe. Diese Zuständigkeit ist im Rohrleitungsgesetz (RLG; SR 746.1) geregelt.\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nAlle Stromversorger, Netzbetreiber und Stromkunden in der Schweiz unterstehen dem Bundesrecht. Kantone und Gemeinden können keine eigenen Stromtarife mehr festlegen (**BGE 138 I 468**). Gleiches gilt für Betreiber von Gas- und Ölleitungen sowie deren Kunden.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?**\n\nDas Bundesrecht verdrängt kantonale und kommunale Regelungen vollständig. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) überwacht die Stromversorgung (Art. 21 StromVG), während das Bundesamt für Energie (BFE) für Rohrleitungen zuständig ist (Art. 13 RLG).\n\n**Beispiel:** Eine Gemeinde darf seit Inkrafttreten des StromVG im Jahr 2008 nicht mehr die Strompreise ihres örtlichen Elektrizitätswerks genehmigen. Diese Kompetenz liegt ausschliesslich bei der ElCom oder ist gesetzlich geregelt. Das Bundesgericht bestätigte dies für die Gemeinde Wangen (**BGE 138 I 468**).", "doctrine_de": "# Art. 91 BV — Energietransport und Rohrleitungen\n\n## Doktrin\n\n**N. 1** **Entstehungsgeschichte**\nDie heutige Fassung von Art. 91 BV entspricht materiell dem früheren Art. 24octies aBV, der 1961 in die Verfassung aufgenommen wurde. Ursprünglich bezweckte die Bestimmung die Schaffung einer verfassungsrechtlichen Grundlage für den Bau und Betrieb von Hochspannungsleitungen über Kantonsgrenzen hinweg. Die Rohrleitungskompetenz (Abs. 2) wurde 1982 angefügt, um die zunehmend wichtiger werdende Gasversorgung bundesrechtlich zu regeln (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 1-3). Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 333 f.) übernahm die Bestimmung ohne materielle Änderungen in die totalrevidierte Verfassung.\n\n**N. 2** **Systematische Einordnung**\nArt. 91 BV ist Teil des Kompetenzkataloges des Bundes (3. Kapitel) und gehört zum Abschnitt «Energie und Kommunikation». Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit → Art. 89 BV (Energiepolitik), der die allgemeinen energiepolitischen Zielsetzungen regelt, sowie → Art. 90 BV (Kernenergie). Während Art. 89 BV dem Bund lediglich eine Grundsatz- und Rahmengesetzgebungskompetenz einräumt, verleiht Art. 91 BV eine umfassende Bundeskompetenz für den Transport und die Lieferung elektrischer Energie (Abs. 1) sowie für Rohrleitungsanlagen (Abs. 2). Die systematische Stellung verdeutlicht, dass die Infrastrukturen für den Energietransport aufgrund ihrer überkantonalen Bedeutung vollständig in die Bundeszuständigkeit fallen (**BGE 138 I 468** E. 3.2).\n\n**N. 3** **Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\n\n**N. 3.1** *Abs. 1: Elektrische Energie*\nDer Begriff «elektrische Energie» umfasst jede Form von Elektrizität unabhängig von ihrer Erzeugungsart (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 4-6). «Transport» bezieht sich auf die physische Übertragung über Stromnetze, während «Lieferung» das rechtliche Verhältnis zwischen Versorger und Endverbraucher betrifft. Die Kompetenz des Bundes ist umfassend und erstreckt sich auf alle Regelungsaspekte:\n\n- Polizeiliche Regelungen betreffend Bau und Betrieb von Anlagen (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 7-10)\n- Marktregime einschliesslich Netzzugang und Preisregulierung (N. 11-15)\n- Versorgungsvorgaben und Grundversorgungspflichten (N. 16-19)\n\n**N. 3.2** *Abs. 2: Rohrleitungsanlagen*\nDie Bundeskompetenz für «Rohrleitungsanlagen» erfasst ausschliesslich Leitungen für flüssige oder gasförmige Brenn- oder Treibstoffe (Benzin, Erdöl, Erdgas). Nicht darunter fallen Wasserleitungen, Fernwärmenetze oder Leitungen für andere Stoffe (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 20-22). Die Kompetenz ist ebenfalls umfassend und beinhaltet Bau, Betrieb, Sicherheit und Haftungsfragen.\n\n**N. 4** **Rechtsfolgen**\nArt. 91 BV verleiht dem Bund eine ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz (konkurrierende Kompetenz mit nachträglicher Derogation). Bis zum Erlass von Bundesrecht bleiben kantonale Regelungen anwendbar, werden aber durch Bundesrecht verdrängt (**BGE 138 I 468** E. 3). Die wichtigsten Bundesgesetze sind:\n\n- Stromversorgungsgesetz (StromVG; SR 734.7) für Abs. 1\n- Elektrizitätsgesetz (EleG; SR 734.0) für technische Aspekte\n- Rohrleitungsgesetz (RLG; SR 746.1) für Abs. 2\n\nDie Bundesgesetzgebung ist in beiden Bereichen abschliessend; kantonale oder kommunale Regelungen sind nur zulässig, soweit das Bundesrecht ausdrücklich Raum lässt (Jagmetti, Energierecht, S. 245 ff.).\n\n**N. 5** **Streitstände**\n\n**N. 5.1** *Monopolfrage bei Stromnetzen*\nEin zentraler Streitpunkt betrifft die Zulässigkeit von Elektrizitätsmonopolen. Die Mehrheitsmeinung in der Lehre vertritt, dass Art. 91 Abs. 1 BV auch die Errichtung eines Monopols für die Übertragung elektrischer Energie zulässt (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 15; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, S. 67). Demgegenüber argumentiert ein Teil der Lehre, dass die Einrichtung eines Elektrizitätsmonopols mit den Vorgaben der Verfassung, insbesondere → Art. 94 BV (Wirtschaftsfreiheit), nicht vereinbar sei (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 17; Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, S. 342 ff.).\n\n**N. 5.2** *Reichweite der Bundeskompetenz*\nKontrovers diskutiert wird auch die Frage, ob Art. 91 Abs. 1 BV dem Bund erlaubt, über reine Transport- und Lieferungsfragen hinaus auch die Produktion und den Verbrauch zu regeln. Die herrschende Lehre bejaht eine erweiterte Kompetenz, soweit ein enger Sachzusammenhang besteht (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, § 23 N. 15; a.M. Cavaleri Rudaz, L'accès aux réseaux, S. 89, die für eine restriktive Auslegung plädiert).\n\n**N. 6** **Praxishinweise**\nFür die Praxis ist entscheidend, dass seit Inkrafttreten des StromVG die Stromversorgung umfassend bundesrechtlich geregelt ist. Kantone und Gemeinden können keine eigenen Tarife mehr festlegen oder Genehmigungsvorbehalte vorsehen (**BGE 138 I 468**). Bei Rohrleitungen ist zwischen Transport- und Verteilnetz zu unterscheiden: Während Hochdruckleitungen vollständig dem Bundesrecht unterstehen, können bei lokalen Verteilnetzen kantonale Bauvorschriften zur Anwendung kommen, soweit sie das RLG nicht verdrängt. Die ElCom ist für die Stromversorgung, das BFE für Rohrleitungen zuständige Aufsichtsbehörde.", "caselaw_de": "# Art. 91 BV — Energietransport und Rohrleitungen\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 91 BV beschäftigt sich vornehmlich mit der Abgrenzung der Bundeskompetenzen im Energiesektor und der derogatorischen Wirkung des Bundesrechts gegenüber kantonalen und kommunalen Vorschriften. Während Abs. 1 zur Stromversorgung eine umfangreiche Judikatur hervorgebracht hat, sind Entscheide zu Rohrleitungen nach Abs. 2 seltener.\n\n### Bundesrechtliche Abschliessung der Stromversorgung\n\n**BGE 138 I 468** (23. November 2012) — Derogatorische Kraft des Stromversorgungsgesetzes\nDas Bundesgericht stellte fest, dass mit der Stromversorgungsgesetzgebung die Festlegung der Elektrizitätstarife abschliessend bundesrechtlich geregelt ist. Kantonale oder kommunale Preisbestimmungen sind seither unzulässig.\n\n> «Mit der neuen Stromversorgungsgesetzgebung ist die in einem Konzessionsvertrag festgehaltene Kompetenz des Gemeinderates Wangen, die Tarife für die Energielieferung einer privatrechtlichen Netzbetreiberin zu genehmigen, bundesrechtswidrig geworden; die Festlegung der Elektrizitätstarife ist mit Ausnahme der Abgaben und Leistungen an Gemeinwesen abschliessend bundesrechtlich geregelt.»\n\nDie Entscheidung präzisiert die verfassungsrechtliche Grundlage von Art. 91 Abs. 1 BV für eine umfassende bundesrechtliche Regelung der Stromversorgung.\n\n**BGE 138 I 454** (27. Oktober 2012) — Vergütung dezentral erzeugter Energie\nDas Bundesgericht erkannte, dass die Stromversorgungsgesetzgebung sowohl das Netznutzungsentgelt als auch den Energiepreis abschliessend regelt. Kantonale Vergütungspflichten für dezentral erzeugte Energie sind unzulässig.\n\n> «Zusätzliche Vergütungskomponenten, die durch kantonale Behörden angeordnet und sich auf die Elektrizitätstarife auswirken würden, haben damit keinen Raum mehr.»\n\nDas Urteil bestätigt die ausschliessliche Bundeskompetenz für Energiepreise gestützt auf Art. 91 Abs. 1 BV.\n\n### Wirtschaftsfreiheit im liberalisierten Strommarkt\n\n**BGE 143 I 395** (14. Juli 2017) — Messwesen und Wirtschaftsfreiheit\nDas Bundesgericht entschied, dass im Stromsektor kein Monopol für das Messwesen besteht und die Wahl des Messdienstleisters der Wirtschaftsfreiheit unterliegt.\n\n> «Es besteht kein Monopol für das Messwesen; die Wahl des Messdienstleisters unterliegt der Wirtschaftsfreiheit des Produzenten.»\n\nDer Entscheid zeigt die Abgrenzung zwischen reguliertem Netzbetrieb (Art. 91 Abs. 1 BV) und liberalisierten Bereichen der Stromversorgung auf.\n\n### Rohrleitungshaftung\n\n**BGE 144 III 319** (12. Juli 2018) — Haftung nach Rohrleitungsgesetz\nObwohl primär haftungsrechtlich, bestätigt dieser Entscheid die Bundeskompetenz für Rohrleitungen nach Art. 91 Abs. 2 BV durch Anwendung des Rohrleitungsgesetzes.\n\n> «Die in Art. 51 Abs. 2 OR für den Regelfall vorgesehene Stufenfolge lässt Raum für Abweichungen mit Blick auf den konkreten Fall. Voraussetzungen, unter denen bei einer Haftung nach Rohrleitungsgesetz ein Abweichen von der Stufenfolge gerechtfertigt erscheint.»\n\nDer Fall veranschaulicht die praktische Anwendung der auf Art. 91 Abs. 2 BV gestützten Rohrleitungsgesetzgebung.\n\n### Netzzugang und Diskriminierungsverbot\n\n**Urteil 1C_36/2011** (8. Februar 2012) — Planungsgenehmigung für Energieleitungen\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelte die planungsrechtlichen Aspekte von Energietransporten unter der Bundesgesetzgebung.\n\nDie Entscheidung zeigt die Verbindung zwischen der Bundeskompetenz für Energietransport und den Raumplanungskompetenzen auf.\n\n**A-6650/2009** (21. Mai 2010) — Netzzugang bei Rohrleitungen\nDas Bundesverwaltungsgericht prüfte Netzzugangsfragen im Rohrleitungsbereich und bestätigte die Bundeszuständigkeit für Hochdruck- und Niederdruckleitungen.\n\nDie Entscheidung veranschaulicht die praktische Umsetzung der Rohrleitungskompetenz nach Art. 91 Abs. 2 BV.\n\n### Neuere Entwicklungen\n\nAktuelle Entscheide der ElCom zeigen die kontinuierliche Anwendung der auf Art. 91 BV gestützten Energiegesetzgebung, insbesondere im Kontext der Versorgungssicherheit und der Strommarktliberalisierung. Die Rechtsprechung bestätigt konsequent die abschliessende Bundeskompetenz sowohl für elektrische Energie als auch für Rohrleitungsanlagen.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 91 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive pour deux domaines importants : le transport et la livraison d'énergie électrique (al. 1) ainsi que les conduites pour combustibles et carburants (al. 2).\n\n**Que règle la norme ?**\n\nL'alinéa 1 habilite la Confédération à adopter des lois sur les réseaux électriques et l'approvisionnement en électricité. Cela comprend tant les installations techniques (lignes haute tension, réseaux de distribution) que les relations juridiques entre fournisseurs d'électricité et clients. La Confédération a mis en œuvre cette compétence dans la loi sur l'approvisionnement en électricité (LApEl ; RS 734.7).\n\nL'alinéa 2 concerne les conduites pour le pétrole, le gaz naturel et autres combustibles liquides ou gazeux. Cette compétence est réglée dans la loi sur les installations de transport par conduites (LITC ; RS 746.1).\n\n**Qui est concerné ?**\n\nTous les fournisseurs d'électricité, exploitants de réseaux et clients d'électricité en Suisse sont soumis au droit fédéral. Les cantons et communes ne peuvent plus fixer leurs propres tarifs électriques (**BGE 138 I 468**). Il en va de même pour les exploitants de conduites de gaz et de pétrole ainsi que leurs clients.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\n\nLe droit fédéral évince complètement les réglementations cantonales et communales. La Commission fédérale de l'électricité (ElCom) surveille l'approvisionnement en électricité (art. 21 LApEl), tandis que l'Office fédéral de l'énergie (OFEN) est compétent pour les conduites (art. 13 LITC).\n\n**Exemple :** Une commune ne peut plus, depuis l'entrée en vigueur de la LApEl en 2008, approuver les prix de l'électricité de son service électrique local. Cette compétence relève exclusivement de l'ElCom ou est réglée par la loi. Le Tribunal fédéral l'a confirmé pour la commune de Wangen (**BGE 138 I 468**).", "doctrine_fr": "# Art. 91 Cst. — Transport d'énergie et conduites\n\n## Doctrine\n\n**Ch. 1** **Genèse**\nLa teneur actuelle de l'art. 91 Cst. correspond matériellement à l'ancien art. 24octies aCst., qui fut intégré dans la Constitution en 1961. À l'origine, la disposition avait pour but de créer une base constitutionnelle pour la construction et l'exploitation de lignes à haute tension au-delà des frontières cantonales. La compétence relative aux conduites (al. 2) fut ajoutée en 1982 afin de régler au niveau du droit fédéral l'approvisionnement gazier devenu de plus en plus important (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 1-3). Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 concernant une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 365 ss) reprit la disposition sans modifications matérielles dans la Constitution totalement révisée.\n\n**Ch. 2** **Classification systématique**\nL'art. 91 Cst. fait partie du catalogue des compétences de la Confédération (3e chapitre) et appartient à la section « Énergie et communication ». La disposition est étroitement liée à → l'art. 89 Cst. (politique énergétique), qui règle les objectifs généraux de politique énergétique, ainsi qu'à → l'art. 90 Cst. (énergie nucléaire). Alors que l'art. 89 Cst. n'accorde à la Confédération qu'une compétence de législation de principe et cadre, l'art. 91 Cst. confère une compétence fédérale complète pour le transport et la fourniture d'énergie électrique (al. 1) ainsi que pour les installations de conduites (al. 2). La position systématique illustre que les infrastructures pour le transport d'énergie relèvent entièrement de la compétence fédérale en raison de leur importance supracantonale (**ATF 138 I 468** consid. 3.2).\n\n**Ch. 3** **Éléments constitutifs / Contenu normatif**\n\n**Ch. 3.1** *Al. 1 : Énergie électrique*\nLe terme « énergie électrique » englobe toute forme d'électricité indépendamment de son mode de production (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 4-6). « Transport » se rapporte à la transmission physique par les réseaux électriques, tandis que « fourniture » concerne la relation juridique entre le fournisseur et le consommateur final. La compétence de la Confédération est complète et s'étend à tous les aspects de réglementation :\n\n- Réglementations de police concernant la construction et l'exploitation d'installations (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 7-10)\n- Régime de marché y compris accès au réseau et régulation des prix (ch. 11-15)\n- Prescriptions d'approvisionnement et obligations de service universel (ch. 16-19)\n\n**Ch. 3.2** *Al. 2 : Installations de conduites*\nLa compétence fédérale pour les « installations de conduites » ne saisit exclusivement que les conduites pour combustibles ou carburants liquides ou gazeux (essence, pétrole, gaz naturel). N'en relèvent pas les conduites d'eau, les réseaux de chauffage à distance ou les conduites pour d'autres substances (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 20-22). La compétence est également complète et comprend la construction, l'exploitation, la sécurité et les questions de responsabilité.\n\n**Ch. 4** **Conséquences juridiques**\nL'art. 91 Cst. confère à la Confédération une compétence législative exclusive (compétence concurrente avec dérogation postérieure). Jusqu'à l'adoption du droit fédéral, les réglementations cantonales restent applicables, mais sont supplantées par le droit fédéral (**ATF 138 I 468** consid. 3). Les principales lois fédérales sont :\n\n- Loi sur l'approvisionnement en électricité (LApEl ; RS 734.7) pour l'al. 1\n- Loi sur les installations électriques (LIE ; RS 734.0) pour les aspects techniques\n- Loi sur les installations de transport par conduites (LITC ; RS 746.1) pour l'al. 2\n\nLa législation fédérale est exhaustive dans les deux domaines ; des réglementations cantonales ou communales ne sont admissibles que dans la mesure où le droit fédéral laisse expressément de l'espace (Jagmetti, Energierecht, p. 245 ss).\n\n**Ch. 5** **Controverses**\n\n**Ch. 5.1** *Question du monopole pour les réseaux électriques*\nUn point de controverse central concerne l'admissibilité des monopoles d'électricité. L'opinion majoritaire dans la doctrine soutient que l'art. 91 al. 1 Cst. permet aussi l'établissement d'un monopole pour la transmission d'énergie électrique (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 15 ; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, p. 67). À l'inverse, une partie de la doctrine argumente que l'institution d'un monopole d'électricité n'est pas compatible avec les exigences de la Constitution, notamment → l'art. 94 Cst. (liberté économique) (Kern, BSK BV, Art. 91 ch. 17 ; Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 342 ss).\n\n**Ch. 5.2** *Portée de la compétence fédérale*\nLa question de savoir si l'art. 91 al. 1 Cst. permet à la Confédération de régler, au-delà des pures questions de transport et de fourniture, également la production et la consommation fait l'objet de discussions controversées. La doctrine dominante affirme une compétence étendue pour autant qu'il existe un lien matériel étroit (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, § 23 ch. 15 ; contra Cavaleri Rudaz, L'accès aux réseaux, p. 89, qui plaide pour une interprétation restrictive).\n\n**Ch. 6** **Conseils pratiques**\nPour la pratique, il est décisif que depuis l'entrée en vigueur de la LApEl, l'approvisionnement électrique est réglé de manière exhaustive par le droit fédéral. Les cantons et les communes ne peuvent plus fixer leurs propres tarifs ou prévoir des réserves d'autorisation (**ATF 138 I 468**). Pour les conduites, il faut distinguer entre réseau de transport et réseau de distribution : alors que les conduites haute pression relèvent entièrement du droit fédéral, pour les réseaux de distribution locaux, des prescriptions cantonales de construction peuvent s'appliquer dans la mesure où la LITC ne les supplante pas. L'ElCom est l'autorité de surveillance compétente pour l'approvisionnement électrique, l'OFEN pour les conduites.", "caselaw_fr": "# Art. 91 Cst. — Transport d'énergie et installations de transport par conduites\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 91 Cst. se préoccupe principalement de la délimitation des compétences fédérales dans le secteur énergétique et de l'effet dérogatoire du droit fédéral face aux prescriptions cantonales et communales. Alors que l'al. 1 sur l'approvisionnement en électricité a donné lieu à une jurisprudence abondante, les décisions sur les installations de transport par conduites selon l'al. 2 sont plus rares.\n\n### Règlementation fédérale exhaustive de l'approvisionnement en électricité\n\n**ATF 138 I 468** (23 novembre 2012) — Force dérogatoire de la loi sur l'approvisionnement en électricité\nLe Tribunal fédéral a constaté qu'avec la législation sur l'approvisionnement en électricité, la fixation des tarifs d'électricité est réglée de manière exhaustive par le droit fédéral. Les déterminations de prix cantonales ou communales sont depuis lors inadmissibles.\n\n> « Avec la nouvelle législation sur l'approvisionnement en électricité, la compétence du conseil communal de Wangen, inscrite dans un contrat de concession, d'approuver les tarifs pour la fourniture d'énergie d'une exploitante de réseau de droit privé, est devenue contraire au droit fédéral ; la fixation des tarifs d'électricité est réglée de manière exhaustive par le droit fédéral, à l'exception des redevances et prestations aux collectivités publiques. »\n\nLa décision précise le fondement constitutionnel de l'art. 91 al. 1 Cst. pour une réglementation fédérale exhaustive de l'approvisionnement en électricité.\n\n**ATF 138 I 454** (27 octobre 2012) — Rétribution de l'énergie produite de manière décentralisée\nLe Tribunal fédéral a reconnu que la législation sur l'approvisionnement en électricité règle de manière exhaustive tant la rémunération d'utilisation du réseau que le prix de l'énergie. Les obligations cantonales de rétribution pour l'énergie produite de manière décentralisée sont inadmissibles.\n\n> « Les composantes de rétribution supplémentaires qui seraient ordonnées par les autorités cantonales et qui auraient des répercussions sur les tarifs d'électricité n'ont dès lors plus de place. »\n\nL'arrêt confirme la compétence fédérale exclusive pour les prix de l'énergie fondée sur l'art. 91 al. 1 Cst.\n\n### Liberté économique dans le marché de l'électricité libéralisé\n\n**ATF 143 I 395** (14 juillet 2017) — Métrologie et liberté économique\nLe Tribunal fédéral a décidé que dans le secteur de l'électricité, il n'existe pas de monopole pour la métrologie et que le choix du prestataire de services de mesure relève de la liberté économique.\n\n> « Il n'existe pas de monopole pour la métrologie ; le choix du prestataire de services de mesure relève de la liberté économique du producteur. »\n\nLa décision montre la délimitation entre l'exploitation réglementée du réseau (art. 91 al. 1 Cst.) et les domaines libéralisés de l'approvisionnement en électricité.\n\n### Responsabilité civile des installations de transport par conduites\n\n**ATF 144 III 319** (12 juillet 2018) — Responsabilité selon la loi sur les installations de transport par conduites\nBien que relevant principalement du droit de la responsabilité civile, cette décision confirme la compétence fédérale pour les installations de transport par conduites selon l'art. 91 al. 2 Cst. par l'application de la loi sur les installations de transport par conduites.\n\n> « L'ordre de priorité prévu à l'art. 51 al. 2 CO pour le cas de règle laisse place à des exceptions eu égard au cas concret. Conditions dans lesquelles une dérogation à l'ordre de priorité apparaît justifiée en cas de responsabilité selon la loi sur les installations de transport par conduites. »\n\nLe cas illustre l'application pratique de la législation sur les installations de transport par conduites fondée sur l'art. 91 al. 2 Cst.\n\n### Accès au réseau et interdiction de discrimination\n\n**Arrêt 1C_36/2011** (8 février 2012) — Approbation des plans pour les lignes de transport d'énergie\nLe Tribunal administratif fédéral a traité les aspects relevant du droit de l'aménagement du territoire concernant les transports d'énergie sous la législation fédérale.\n\nLa décision montre le lien entre la compétence fédérale pour le transport d'énergie et les compétences en matière d'aménagement du territoire.\n\n**A-6650/2009** (21 mai 2010) — Accès au réseau pour les installations de transport par conduites\nLe Tribunal administratif fédéral a examiné les questions d'accès au réseau dans le domaine des installations de transport par conduites et a confirmé la compétence fédérale pour les conduites à haute pression et à basse pression.\n\nLa décision illustre la mise en œuvre pratique de la compétence en matière d'installations de transport par conduites selon l'art. 91 al. 2 Cst.\n\n### Développements récents\n\nLes décisions actuelles de l'ElCom montrent l'application continue de la législation énergétique fondée sur l'art. 91 Cst., particulièrement dans le contexte de la sécurité d'approvisionnement et de la libéralisation du marché de l'électricité. La jurisprudence confirme de manière conséquente la compétence fédérale exhaustive tant pour l'énergie électrique que pour les installations de transport par conduites.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 91 Cost. attribuisce alla Confederazione la competenza esclusiva per due settori importanti: il trasporto e la fornitura di energia elettrica (cpv. 1) e le condotte per combustibili e carburanti (cpv. 2).\n\n**Che cosa disciplina la norma?**\n\nIl capoverso 1 autorizza la Confederazione a emanare leggi sulle reti elettriche e sull'approvvigionamento elettrico. Ciò comprende sia le linee tecniche (linee ad alta tensione, reti di distribuzione) sia i rapporti giuridici tra fornitori di energia elettrica e clienti. La Confederazione ha attuato questa competenza nella legge sull'approvvigionamento elettrico (LAEl; RS 734.7).\n\nIl capoverso 2 riguarda le condotte per petrolio, gas naturale e altri combustibili liquidi o gassosi. Questa competenza è disciplinata nella legge sulle condotte (LCond; RS 746.1).\n\n**Chi è interessato?**\n\nTutti i fornitori di energia elettrica, i gestori di rete e i clienti dell'elettricità in Svizzera sottostanno al diritto federale. Cantoni e Comuni non possono più fissare tariffe elettriche proprie (**DTF 138 I 468**). Lo stesso vale per i gestori di condotte del gas e del petrolio e per i loro clienti.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\n\nIl diritto federale sostituisce completamente le normative cantonali e comunali. La Commissione federale dell'energia elettrica (ElCom) sorveglia l'approvvigionamento elettrico (art. 21 LAEl), mentre l'Ufficio federale dell'energia (UFE) è competente per le condotte (art. 13 LCond).\n\n**Esempio:** Un Comune, dall'entrata in vigore della LAEl nel 2008, non può più approvare le tariffe elettriche della propria azienda elettrica locale. Questa competenza spetta esclusivamente all'ElCom o è disciplinata per legge. Il Tribunale federale lo ha confermato per il Comune di Wangen (**DTF 138 I 468**).", "doctrine_it": "# Art. 91 Cost. — Trasporto di energia e condotte\n\n## Dottrina\n\n**N. 1** **Storia della genesi**\nL'attuale versione dell'art. 91 Cost. corrisponde materialmente al precedente art. 24octies aCostituzione, inserito nella Costituzione nel 1961. Originariamente la disposizione mirava a creare una base costituzionale per la costruzione e l'esercizio di linee ad alta tensione oltre i confini cantonali. La competenza per le condotte (cpv. 2) fu aggiunta nel 1982 per regolare a livello federale l'approvvigionamento del gas, sempre più importante (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 1-3). Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 333 segg.) ha ripreso la disposizione nella Costituzione totalmente riveduta senza modifiche materiali.\n\n**N. 2** **Collocazione sistematica**\nL'art. 91 Cost. fa parte del catalogo delle competenze della Confederazione (3° capitolo) e appartiene alla sezione «Energia e comunicazione». La disposizione è in stretto collegamento con → l'art. 89 Cost. (Politica energetica), che disciplina gli obiettivi generali della politica energetica, nonché → l'art. 90 Cost. (Energia nucleare). Mentre l'art. 89 Cost. conferisce alla Confederazione soltanto una competenza legislativa di principio e quadro, l'art. 91 Cost. attribuisce una competenza federale completa per il trasporto e la fornitura di energia elettrica (cpv. 1) nonché per gli impianti di condotte (cpv. 2). La collocazione sistematica chiarisce che le infrastrutture per il trasporto di energia, a causa della loro importanza intercantonale, rientrano completamente nella competenza federale (**DTF 138 I 468** consid. 3.2).\n\n**N. 3** **Elementi di fatto / Contenuto normativo**\n\n**N. 3.1** *Cpv. 1: Energia elettrica*\nIl concetto di «energia elettrica» comprende ogni forma di elettricità indipendentemente dal tipo di produzione (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 4-6). «Trasporto» si riferisce alla trasmissione fisica attraverso reti elettriche, mentre «fornitura» riguarda il rapporto giuridico tra fornitore e consumatore finale. La competenza della Confederazione è completa e si estende a tutti gli aspetti normativi:\n\n- Regolamentazioni di polizia concernenti la costruzione e l'esercizio di impianti (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 7-10)\n- Regime di mercato incluso accesso alla rete e regolamentazione dei prezzi (N. 11-15)\n- Prescrizioni sull'approvvigionamento e obblighi del servizio universale (N. 16-19)\n\n**N. 3.2** *Cpv. 2: Impianti di condotte*\nLa competenza federale per gli «impianti di condotte» comprende esclusivamente le condutture per combustibili o carburanti liquidi o gassosi (benzina, petrolio, gas naturale). Non rientrano in questa categoria le condutture dell'acqua, le reti di teleriscaldamento o le condutture per altre sostanze (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 20-22). La competenza è anch'essa completa e include costruzione, esercizio, sicurezza e questioni di responsabilità.\n\n**N. 4** **Conseguenze giuridiche**\nL'art. 91 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza legislativa esclusiva (competenza concorrente con deroga successiva). Fino all'emanazione di diritto federale restano applicabili le regolamentazioni cantonali, ma vengono sostituite dal diritto federale (**DTF 138 I 468** consid. 3). Le principali leggi federali sono:\n\n- Legge sull'approvvigionamento elettrico (LAEl; RS 734.7) per il cpv. 1\n- Legge sugli impianti elettrici (LIE; RS 734.0) per gli aspetti tecnici\n- Legge sulle condotte (LC; RS 746.1) per il cpv. 2\n\nLa legislazione federale è conclusiva in entrambi gli ambiti; regolamentazioni cantonali o comunali sono ammissibili soltanto nella misura in cui il diritto federale lascia espressamente spazio (Jagmetti, Energierecht, p. 245 segg.).\n\n**N. 5** **Controversie**\n\n**N. 5.1** *Questione del monopolio nelle reti elettriche*\nUn punto controversiale centrale riguarda l'ammissibilità di monopoli dell'elettricità. L'opinione maggioritaria in dottrina sostiene che l'art. 91 cpv. 1 Cost. permette anche l'istituzione di un monopolio per la trasmissione di energia elettrica (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 15; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, p. 67). Al contrario, una parte della dottrina argomenta che l'istituzione di un monopolio dell'elettricità non sia compatibile con le prescrizioni della Costituzione, in particolare → l'art. 94 Cost. (Libertà economica) (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 17; Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 342 segg.).\n\n**N. 5.2** *Portata della competenza federale*\nSi discute controversamente anche la questione se l'art. 91 cpv. 1 Cost. permetta alla Confederazione di regolare, oltre alle pure questioni di trasporto e fornitura, anche la produzione e il consumo. La dottrina dominante ammette una competenza estesa, purché sussista uno stretto nesso materiale (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, § 23 N. 15; di diverso avviso Cavaleri Rudaz, L'accès aux réseaux, p. 89, che propugna un'interpretazione restrittiva).\n\n**N. 6** **Indicazioni per la pratica**\nPer la pratica è decisivo che dall'entrata in vigore della LAEl l'approvvigionamento elettrico sia regolato in modo completo dal diritto federale. Cantoni e Comuni non possono più fissare tariffe proprie o prevedere riserve di approvazione (**DTF 138 I 468**). Per le condotte occorre distinguere tra rete di trasporto e rete di distribuzione: mentre le condutture ad alta pressione sottostanno completamente al diritto federale, per le reti di distribuzione locali possono trovare applicazione prescrizioni edilizie cantonali, nella misura in cui non siano sostituite dalla LC. L'ElCom è l'autorità di vigilanza competente per l'approvvigionamento elettrico, l'UFE per le condotte.", "caselaw_it": "# Art. 91 Cost. — Trasporto di energia e condotte\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 91 Cost. si occupa principalmente della delimitazione delle competenze federali nel settore energetico e dell'effetto derogatorio del diritto federale nei confronti delle disposizioni cantonali e comunali. Mentre il cpv. 1 relativo all'approvvigionamento elettrico ha prodotto una giurisprudenza estesa, le decisioni sulle condotte secondo il cpv. 2 sono più rare.\n\n### Regolamentazione federale esaustiva dell'approvvigionamento elettrico\n\n**DTF 138 I 468** (23 novembre 2012) — Forza derogatoria della legge sull'approvvigionamento elettrico\nIl Tribunale federale ha stabilito che con la legislazione sull'approvvigionamento elettrico la determinazione delle tariffe elettriche è regolata in modo esaustivo dal diritto federale. Determinazioni di prezzi cantonali o comunali sono da allora inammissibili.\n\n> «Con la nuova legislazione sull'approvvigionamento elettrico, la competenza del consiglio comunale di Wangen, stabilita in un contratto di concessione, di approvare le tariffe per la fornitura di energia di un gestore di rete di diritto privato, è diventata contraria al diritto federale; la determinazione delle tariffe elettriche è regolata in modo esaustivo dal diritto federale, ad eccezione di tributi e prestazioni a enti pubblici.»\n\nLa decisione precisa la base costituzionale dell'art. 91 cpv. 1 Cost. per una regolamentazione federale completa dell'approvvigionamento elettrico.\n\n**DTF 138 I 454** (27 ottobre 2012) — Remunerazione di energia prodotta in modo decentralizzato\nIl Tribunale federale ha riconosciuto che la legislazione sull'approvvigionamento elettrico regola in modo esaustivo sia il corrispettivo per l'utilizzazione della rete che il prezzo dell'energia. Obblighi cantonali di remunerazione per energia prodotta in modo decentralizzato sono inammissibili.\n\n> «Componenti aggiuntive di remunerazione, ordinate da autorità cantonali e che si ripercuoterebbero sulle tariffe elettriche, non hanno quindi più spazio.»\n\nLa sentenza conferma la competenza federale esclusiva per i prezzi dell'energia basata sull'art. 91 cpv. 1 Cost.\n\n### Libertà economica nel mercato elettrico liberalizzato\n\n**DTF 143 I 395** (14 luglio 2017) — Sistema di misurazione e libertà economica\nIl Tribunale federale ha deciso che nel settore elettrico non esiste un monopolio per il sistema di misurazione e la scelta del fornitore di servizi di misurazione sottostà alla libertà economica.\n\n> «Non esiste un monopolio per il sistema di misurazione; la scelta del fornitore di servizi di misurazione sottostà alla libertà economica del produttore.»\n\nLa decisione mostra la delimitazione tra gestione regolamentata della rete (art. 91 cpv. 1 Cost.) e settori liberalizzati dell'approvvigionamento elettrico.\n\n### Responsabilità delle condotte\n\n**DTF 144 III 319** (12 luglio 2018) — Responsabilità secondo la legge sulle condotte\nBenché principalmente di diritto della responsabilità, questa decisione conferma la competenza federale per le condotte secondo l'art. 91 cpv. 2 Cost. attraverso l'applicazione della legge sulle condotte.\n\n> «La gradazione prevista dall'art. 51 cpv. 2 CO per il caso normale lascia spazio a deroghe in considerazione del caso concreto. Presupposti sotto i quali in caso di responsabilità secondo la legge sulle condotte una deroga alla gradazione appare giustificata.»\n\nIl caso illustra l'applicazione pratica della legislazione sulle condotte basata sull'art. 91 cpv. 2 Cost.\n\n### Accesso alla rete e divieto di discriminazione\n\n**Sentenza 1C_36/2011** (8 febbraio 2012) — Approvazione pianificatoria per condotte energetiche\nIl Tribunale amministrativo federale ha trattato gli aspetti pianificatori dei trasporti di energia sotto la legislazione federale.\n\nLa decisione mostra il collegamento tra la competenza federale per il trasporto di energia e le competenze di pianificazione del territorio.\n\n**A-6650/2009** (21 maggio 2010) — Accesso alla rete per condotte\nIl Tribunale amministrativo federale ha esaminato questioni di accesso alla rete nel settore delle condotte e ha confermato la competenza federale per condotte ad alta e bassa pressione.\n\nLa decisione illustra l'attuazione pratica della competenza per le condotte secondo l'art. 91 cpv. 2 Cost.\n\n### Sviluppi recenti\n\nDecisioni attuali della ElCom mostrano l'applicazione continua della legislazione energetica basata sull'art. 91 Cost., in particolare nel contesto della sicurezza dell'approvvigionamento e della liberalizzazione del mercato elettrico. La giurisprudenza conferma costantemente la competenza federale esaustiva sia per l'energia elettrica che per gli impianti di condotte.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 91 Federal Constitution gives the Confederation exclusive jurisdiction over two important areas: the transport and delivery of electrical energy (para. 1) and pipelines for fuels and combustible materials (para. 2).\n\n**What does the provision regulate?**\n\nParagraph 1 empowers the Confederation to enact legislation on electricity grids and electricity supply. This encompasses both the technical infrastructure (high-voltage lines, distribution networks) and the legal relationships between electricity providers and customers. The Confederation has implemented this competence in the Electricity Supply Act (StromVG; SR 734.7).\n\nParagraph 2 concerns pipelines for petroleum, natural gas and other liquid or gaseous fuels. This jurisdiction is regulated in the Pipeline Act (RLG; SR 746.1).\n\n**Who is affected?**\n\nAll electricity suppliers, grid operators and electricity customers in Switzerland are subject to federal law. Cantons and municipalities can no longer set their own electricity tariffs (**BGE 138 I 468**). The same applies to operators of gas and oil pipelines and their customers.\n\n**What are the legal consequences?**\n\nFederal law completely displaces cantonal and municipal regulations. The Federal Electricity Commission (ElCom) supervises the electricity supply (Art. 21 StromVG), while the Federal Office of Energy (BFE) is responsible for pipelines (Art. 13 RLG).\n\n**Example:** Since the StromVG came into force in 2008, a municipality may no longer approve the electricity prices of its local electricity utility. This competence lies exclusively with the ElCom or is regulated by law. The Federal Supreme Court confirmed this for the municipality of Wangen (**BGE 138 I 468**).", "doctrine_en": "# Art. 91 FC — Energy transport and pipelines\n\n## Doctrine\n\n**N. 1** **Legislative history**\nThe current version of Art. 91 FC corresponds materially to the former Art. 24octies old FC, which was incorporated into the Constitution in 1961. Originally, the provision aimed to create a constitutional basis for the construction and operation of high-voltage lines across cantonal boundaries. The pipeline competence (para. 2) was added in 1982 to regulate the increasingly important gas supply under federal law (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 1-3). The Federal Council's message of 20 November 1996 on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 333 f.) adopted the provision without material changes into the totally revised Constitution.\n\n**N. 2** **Systematic classification**\nArt. 91 FC is part of the federal competences catalogue (Chapter 3) and belongs to the section «Energy and Communication». The provision is closely related to → Art. 89 FC (Energy policy), which regulates general energy policy objectives, as well as → Art. 90 FC (Nuclear energy). While Art. 89 FC grants the Confederation only a framework legislative competence, Art. 91 FC confers comprehensive federal competence for the transport and supply of electrical energy (para. 1) as well as for pipeline installations (para. 2). The systematic position clarifies that energy transport infrastructures fall entirely under federal jurisdiction due to their intercantonal significance (**BGE 138 I 468** E. 3.2).\n\n**N. 3** **Factual elements / Normative content**\n\n**N. 3.1** *Para. 1: Electrical energy*\nThe term «electrical energy» encompasses any form of electricity regardless of its generation method (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 4-6). «Transport» refers to physical transmission via power grids, while «supply» concerns the legal relationship between supplier and end consumer. The Confederation's competence is comprehensive and extends to all regulatory aspects:\n\n- Police regulations concerning the construction and operation of installations (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 7-10)\n- Market regime including grid access and price regulation (N. 11-15)\n- Supply requirements and universal service obligations (N. 16-19)\n\n**N. 3.2** *Para. 2: Pipeline installations*\nThe federal competence for «pipeline installations» covers exclusively pipelines for liquid or gaseous fuels (petrol, petroleum, natural gas). This does not include water pipes, district heating networks or pipelines for other substances (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 20-22). The competence is likewise comprehensive and includes construction, operation, safety and liability issues.\n\n**N. 4** **Legal consequences**\nArt. 91 FC grants the Confederation exclusive legislative competence (concurrent competence with subsequent derogation). Until federal law is enacted, cantonal regulations remain applicable, but are displaced by federal law (**BGE 138 I 468** E. 3). The most important federal acts are:\n\n- Electricity Supply Act (StromVG; SR 734.7) for para. 1\n- Electricity Act (EleG; SR 734.0) for technical aspects\n- Pipelines Act (RLG; SR 746.1) for para. 2\n\nFederal legislation is exhaustive in both areas; cantonal or communal regulations are only permissible insofar as federal law expressly leaves room for them (Jagmetti, Energierecht, S. 245 ff.).\n\n**N. 5** **Controversies**\n\n**N. 5.1** *Monopoly question for power grids*\nA central point of controversy concerns the permissibility of electricity monopolies. The majority opinion in legal doctrine maintains that Art. 91 para. 1 FC also permits the establishment of a monopoly for the transmission of electrical energy (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 15; Weber/Kratz, Elektrizitätswirtschaftsrecht, S. 67). In contrast, part of the doctrine argues that the establishment of an electricity monopoly is incompatible with constitutional requirements, particularly → Art. 94 FC (Economic freedom) (Kern, BSK BV, Art. 91 N. 17; Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, S. 342 ff.).\n\n**N. 5.2** *Scope of federal competence*\nThe question of whether Art. 91 para. 1 FC allows the Confederation to regulate production and consumption beyond mere transport and supply issues is also controversially discussed. The prevailing doctrine affirms an extended competence insofar as a close factual connection exists (Hänni/Stöckli, Wirtschaftsverwaltungsrecht, § 23 N. 15; contra Cavaleri Rudaz, L'accès aux réseaux, S. 89, who advocates for a restrictive interpretation).\n\n**N. 6** **Practice notes**\nFor practice, it is decisive that since the entry into force of the StromVG, electricity supply has been comprehensively regulated under federal law. Cantons and municipalities can no longer set their own tariffs or provide for licensing reservations (**BGE 138 I 468**). For pipelines, a distinction must be made between transmission and distribution networks: while high-pressure lines are entirely subject to federal law, cantonal building regulations may apply to local distribution networks insofar as the RLG does not displace them. ElCom is the supervisory authority responsible for electricity supply, the SFOE for pipelines.", "caselaw_en": "# Art. 91 FC — Energy transport and pipelines\n\n## Case law\n\nThe case law on Art. 91 FC deals primarily with the delimitation of federal competences in the energy sector and the derogatory effect of federal law vis-à-vis cantonal and municipal provisions. While para. 1 on electricity supply has produced extensive case law, decisions on pipelines under para. 2 are rarer.\n\n### Federal preemption of electricity supply\n\n**BGE 138 I 468** (23 November 2012) — Derogatory force of the Electricity Supply Act\nThe Federal Court held that with the electricity supply legislation, the setting of electricity tariffs is conclusively regulated by federal law. Cantonal or municipal price determinations have since become inadmissible.\n\n> «With the new electricity supply legislation, the competence of the municipal council of Wangen, laid down in a concession contract, to approve the tariffs for energy supply by a private-law network operator has become contrary to federal law; the setting of electricity tariffs is conclusively regulated by federal law, with the exception of charges and payments to public authorities.»\n\nThe decision clarifies the constitutional basis of Art. 91 para. 1 FC for comprehensive federal regulation of electricity supply.\n\n**BGE 138 I 454** (27 October 2012) — Remuneration of decentrally generated energy\nThe Federal Court recognised that electricity supply legislation conclusively regulates both network usage charges and energy prices. Cantonal remuneration obligations for decentrally generated energy are inadmissible.\n\n> «Additional remuneration components that would be ordered by cantonal authorities and would affect electricity tariffs thus no longer have any scope.»\n\nThe judgment confirms the exclusive federal competence for energy prices based on Art. 91 para. 1 FC.\n\n### Economic freedom in the liberalised electricity market\n\n**BGE 143 I 395** (14 July 2017) — Metering and economic freedom\nThe Federal Court held that there is no monopoly for metering in the electricity sector and that the choice of metering service provider is subject to economic freedom.\n\n> «There is no monopoly for metering; the choice of metering service provider is subject to the producer's economic freedom.»\n\nThe decision shows the delimitation between regulated network operation (Art. 91 para. 1 FC) and liberalised areas of electricity supply.\n\n### Pipeline liability\n\n**BGE 144 III 319** (12 July 2018) — Liability under the Pipeline Act\nAlthough primarily concerning liability law, this decision confirms federal competence for pipelines under Art. 91 para. 2 FC through application of the Pipeline Act.\n\n> «The sequence provided for in Art. 51 para. 2 CO for the standard case leaves room for deviations with regard to the specific case. Prerequisites under which a deviation from the sequence appears justified in the case of liability under the Pipeline Act.»\n\nThe case illustrates the practical application of pipeline legislation based on Art. 91 para. 2 FC.\n\n### Network access and non-discrimination\n\n**Judgment 1C_36/2011** (8 February 2012) — Planning approval for energy lines\nThe Federal Administrative Court dealt with the planning law aspects of energy transport under federal legislation.\n\nThe decision shows the connection between federal competence for energy transport and spatial planning competences.\n\n**A-6650/2009** (21 May 2010) — Network access for pipelines\nThe Federal Administrative Court examined network access issues in the pipeline sector and confirmed federal jurisdiction for high-pressure and low-pressure lines.\n\nThe decision illustrates the practical implementation of pipeline competence under Art. 91 para. 2 FC.\n\n### Recent developments\n\nCurrent decisions of the ElCom show the continuous application of energy legislation based on Art. 91 FC, particularly in the context of security of supply and electricity market liberalisation. The case law consistently confirms the conclusive federal competence for both electrical energy and pipeline installations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_91", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.85, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 92, "article_suffix": "", "title": "Post- und Fernmeldewesen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 92 BV — Post- und Fernmeldewesen\n\n## Übersicht\n\nArt. 92 BV überträgt dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für Post und Telekommunikation. Diese umfassende Bundeskompetenz bedeutet: Der Bund regelt alle Fragen von der Briefzustellung bis zum Internetanschluss. Kantone dürfen in diesem Bereich keine eigenen Gesetze erlassen.\n\nDie Verfassung verpflichtet den Bund zur Sicherstellung einer Grundversorgung (Mindestangebot an wichtigen Diensten). Diese muss «ausreichend und preiswert» sein und in der ganzen Schweiz verfügbar bleiben. Konkret bedeutet dies: Jeder Haushalt hat Anspruch auf Postdienste und Telekommunikation zu tragbaren Preisen, auch in abgelegenen Gebieten.\n\n**Beispiel**: Die Post muss gemäss Postgesetz täglich Briefe zustellen und ein Netz von Poststellen unterhalten (Art. 13 Abs. 2 PostG). Bei der Telekommunikation gehört zur Grundversorgung etwa ein Breitbandanschluss mit einer Mindestgeschwindigkeit, die das Fernmeldegesetz festlegt (Art. 16 FMG).\n\nDer Bund kann diese Aufgaben selbst erfüllen oder an private Unternehmen übertragen. So betreibt die Post weiterhin die Briefzustellung, während im Fernmeldebereich verschiedene Anbieter konkurrieren. Der Staat reguliert dabei die Preise und Bedingungen, damit die Grundversorgung gewährleistet bleibt. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass diese Regulierung verfassungsrechtlich geboten ist (**BGE 127 II 8 E. 3b**).\n\nDie Bestimmung schafft ein Spannungsfeld zwischen staatlicher Verantwortung und marktwirtschaftlicher Öffnung. Während früher Post und Swisscom staatliche Monopole waren, herrscht heute regulierter Wettbewerb bei garantierter Grundversorgung.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bundeskompetenz im Postwesen geht auf Art. 33 der Bundesverfassung von 1848 zurück, welcher dem Bund das ausschliessliche Recht zur Errichtung von Posten verlieh (BBl 1997 I 1, 336). Das Fernmeldewesen wurde schrittweise integriert: 1851 erhielt der Bund die Telegrafenhoheit, wobei die verfassungsrechtliche Grundlage umstritten war. Der Bundesrat stützte das Telegrafenwesen auf das Postregal, da «Mitteilungen mittels Telegrafen im Wesen den Briefkorrespondenzen entsprechen» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3). Die Parlamentskommission widersprach vehement: Eine Unterstellung unter das Postregal komme dem Versuch gleich, «dem Blitz den Radschuh des Postwagens unterlegen zu wollen» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3).\n\n**N. 2** Die Totalrevision von 1999 übernahm die bewährte Bundeskompetenz, passte sie aber an die veränderten technologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an. Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf die Festschreibung eines Monopols und ermöglichte damit die schrittweise Marktöffnung bei gleichzeitiger Sicherstellung der Grundversorgung (BBl 1997 I 336f.). Die Formulierung «Sache des Bundes» signalisiert eine umfassende Bundeskompetenz, lässt aber die konkrete Ausgestaltung offen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 92 BV steht im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 2. Kapitel (Zuständigkeiten), 7. Abschnitt (Wirtschaft). Die Norm begründet eine ausschliessliche Bundeskompetenz sowohl in der Gesetzgebung als auch im Vollzug. Sie steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 87 BV (Eisenbahnen und weitere Verkehrsträger): gemeinsame Infrastrukturverantwortung\n- → Art. 93 BV (Radio und Fernsehen): Abgrenzung der Medien- von der Fernmeldekompetenz\n- → Art. 94 Abs. 4 BV (Wirtschaftsfreiheit): Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Aufgabe und Marktöffnung\n- → Art. 43a Abs. 4 BV (Grundversorgung): verfassungsrechtliche Grundversorgungspflicht\n\n**N. 4** Die Bestimmung gehört zu den klassischen Infrastrukturkompetenzen des Bundes. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftskompetenzen (z.B. Art. 95ff. BV) handelt es sich nicht um eine Rahmengesetzgebungs-, sondern um eine Vollkompetenz. Dies erlaubt dem Bund umfassende Regelungen vom Marktzugang über die Preisgestaltung bis zur Unternehmensorganisation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1285).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Post- und Fernmeldewesen»** (Abs. 1) umfasst sämtliche Dienstleistungen der körperlichen und elektronischen Nachrichtenübermittlung. Das Postwesen beinhaltet die Beförderung von Briefen, Paketen und den Zahlungsverkehr. Umstritten ist die Reichweite: Burckhardt verneinte die Einbeziehung des Check- und Giroverkehrs in die Verfassungsgrundlage (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 6). Die herrschende Lehre bejaht heute eine weite Auslegung, die auch Postfinance-Dienstleistungen erfasst (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 3456).\n\n**N. 6** Das **Fernmeldewesen** erfasst alle Formen der Nachrichtenübermittlung mittels elektromagnetischer Wellen oder leitungsgebundener Systeme. Darunter fallen Telefonie, Internet, Mobilfunk und Rundfunkübertragung (technische Aspekte). Die inhaltliche Regulierung von Radio und Fernsehen fällt unter Art. 93 BV (Barrelet/Werly, Droit de la communication, N 1234).\n\n**N. 7** **«Sache des Bundes»** (Abs. 1) begründet eine umfassende Bundeskompetenz. Der Bund kann die Aufgaben selbst wahrnehmen, an Dritte übertragen oder den Markt regulieren. Die Formulierung schliesst kantonale Kompetenzen aus, verhindert aber keine Delegation an Kantone im Vollzugsbereich (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 N 23).\n\n**N. 8** **«Grundversorgung»** (Abs. 2 Satz 1) bezeichnet ein Mindestangebot an Post- und Fernmeldediensten, das allen Bevölkerungskreisen zu tragbaren Bedingungen zur Verfügung stehen muss. Der Begriff ist dynamisch und passt sich den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen an. Aktuell umfasst die Fernmeldegrundversorgung Breitbandinternet mit mindestens 10 Mbit/s (Amgwerd/Schlauri, Telekommunikationsrecht, S. 456).\n\n**N. 9** Die Qualifikationen **«ausreichend und preiswert»** konkretisieren den Grundversorgungsauftrag. «Ausreichend» bezieht sich auf Umfang und Qualität, «preiswert» auf die finanzielle Tragbarkeit für alle Bevölkerungsschichten. Das Bundesgericht legt diese Begriffe evolutiv aus (**BGE 132 II 257 E. 4.2**).\n\n**N. 10** **«Einheitliche Grundsätze»** (Abs. 2 Satz 2) verlangen eine schweizweit kohärente Tarifstruktur. Regionale Preisdifferenzierungen sind zulässig, soweit sie sachlich begründet sind (z.B. Transportkosten). Unzulässig wäre eine Benachteiligung peripherer Regionen allein aufgrund höherer Bereitstellungskosten (Hettich, ZBl 2008, 641).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Abs. 1 begründet eine ausschliessliche Gesetzgebungs- und Vollzugskompetenz des Bundes. Die Kantone sind von jeder Regelung ausgeschlossen, soweit der sachliche Geltungsbereich betroffen ist. Vorbehalten bleiben polizeiliche Kompetenzen (z.B. Baubewilligungen für Antennen) und die Nutzung des öffentlichen Grundes (**BGE 150 II 489**).\n\n**N. 12** Abs. 2 verpflichtet den Bund zur Gewährleistung der Grundversorgung. Diese Pflicht ist justiziabel: Betroffene können sich auf die Verfassung berufen, wenn die gesetzliche Konkretisierung hinter dem verfassungsrechtlichen Minimum zurückbleibt. Der Gesetzgeber verfügt aber über erhebliche Gestaltungsfreiheit bei der Ausgestaltung (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 892).\n\n**N. 13** Die Tarifvorschrift (Abs. 2 Satz 2) verbietet willkürliche Preisdifferenzierungen und verlangt Transparenz. Sie begründet keinen Anspruch auf bestimmte Preise, sondern nur auf diskriminierungsfreie Behandlung (→ Art. 8 BV). Bei marktbeherrschenden Anbietern kann eine kostenorientierte Preisregulierung erfolgen (**BGE 127 II 8 E. 3b**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Privatisierung der Bundesbetriebe**: Die Zulässigkeit einer vollständigen Privatisierung ist umstritten. Aubert/Mahon leiten aus der Bezeichnung als «Sache des Bundes» ein Privatisierungsverbot ab – der Verfassungswille manifestiere sich in der Aufrechterhaltung staatlicher Kontrolle (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). Biaggini vertritt die Gegenposition: Eine vollständige Privatisierung sei zulässig, solange die Grundversorgungsziele durch Regulierung erreicht werden können (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). Die Praxis zeigt einen Mittelweg: Swisscom wurde teilprivatisiert, die Post bleibt in Bundesbesitz.\n\n**N. 15** **Umfang der Grundversorgung**: Die dynamische Auslegung des Grundversorgungsbegriffs führt zu Kontroversen. Während Trüeb für eine minimalistische Interpretation plädiert, die nur lebensnotwendige Dienste umfasst (Trüeb, AJP 2002, 1190), fordern Hänni/Stöckli eine grosszügige Auslegung, die der technologischen Entwicklung Rechnung trägt (Wirtschaftsverwaltungsrecht, S. 234). Das Bundesgericht folgt einer vermittelnden Linie (**BGE 129 III 35**).\n\n**N. 16** **Finanzierung der Grundversorgung**: Strittig ist, ob die Verfassung eine bestimmte Finanzierungsform vorgibt. Reist bejaht eine staatliche Finanzierungspflicht bei Unterdeckung (Staatliche Aufgaben, S. 178). Die herrschende Lehre verneint dies und erlaubt Quersubventionierungen oder Fondslösungen (Fischer/Sidler, Fernmelderecht, N 345).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Konzessionsvergabe im Fernmeldebereich ist zwischen Grundversorgungs- und Funkkonzessionen zu unterscheiden. Erstere unterliegen strengeren Auflagen bezüglich Flächendeckung und Preisgestaltung. Die Vergabe erfolgt durch öffentliche Ausschreibung, wobei das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag erhält.\n\n**N. 18** Interkonnektionsstreitigkeiten zwischen Fernmeldeanbietern werden von der ComCom als Fachbehörde entschieden. Deren technisches Ermessen wird vom Bundesgericht nur zurückhaltend überprüft (**BGE 131 II 13 E. 3.3**). Parteien sollten daher den Sachverhalt bereits im Verwaltungsverfahren umfassend dokumentieren.\n\n**N. 19** Bei Poststellen-Schliessungen ist das gesetzlich vorgeschriebene Dialogverfahren mit den betroffenen Gemeinden zwingend. Verstösse führen zur Aufhebung des Entscheids. Die PostCom prüft nur die Einhaltung der Erreichbarkeitsvorgaben, nicht die wirtschaftliche Zweckmässigkeit (→ Art. 13 Abs. 1 BV bezüglich Datenschutz bei Postdiensten).\n\n**N. 20** Die parallele Anwendbarkeit von Fernmelde- und Raumplanungsrecht führt in der Praxis zu Koordinationsproblemen bei Mobilfunkantennen. Betreiber müssen beide Bewilligungsverfahren durchlaufen, wobei die fernmelderechtliche Konzession keine Präjudizwirkung für die baurechtliche Bewilligung entfaltet (**BGE 150 II 489 E. 4**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Bundesauftrag und Grundversorgung\n\n**BGE 129 III 35** vom 7. Mai 2002  \nAbgrenzung zwischen Grundversorgung (Universaldienst) und Wettbewerbsdiensten der Post; Kontrahierungspflicht bei privatrechtlicher Tätigkeit  \n\nDas Bundesgericht definiert die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Postdienste und die Abgrenzung zwischen staatlicher Aufgabe und privatwirtschaftlicher Tätigkeit. Die Verfassungsnorm verpflichtet den Bund nur zur Sicherstellung einer Grundversorgung, nicht zur umfassenden Marktabdeckung.\n\n> «Die Beförderung von nicht abonnierten Zeitungen zählt nicht zu der von der Post obligatorisch zu erbringenden Grundversorgung (Universaldienst, Art. 2-4 und 15 PG), sondern gehört zu den Dienstleistungen, welche die Post erbringen kann, grundsätzlich aber nicht erbringen muss (Wettbewerbsdienst, Art. 9 PG). Im Bereich der Wettbewerbsdienste ist die Post gleich zu behandeln wie ihre private Konkurrenz.»\n\n### Fernmeldewesen und Marktregulierung\n\n**BGE 132 II 257** vom 21. April 2006  \nBehördliche Festlegung von Interkonnektionsbedingungen; Anwendungsbereich von Art. 92 Abs. 2 BV bei der Fernmelderegulierung  \n\nLeitentscheid zur Konkretisierung der bundesstaatlichen Verantwortung im Fernmeldewesen. Das Bundesgericht betont den Zusammenhang zwischen der Verfassungsnorm und der wettbewerbsrechtlichen Regulierung marktbeherrschender Fernmeldeanbieter.\n\n> «Bereits Art. 92 Abs. 2 BV schreibt vor, dass der Bund unter anderem für eine preiswerte Grundversorgung mit Fernmeldediensten in allen Landesgegenden zu sorgen hat. Obwohl im vorliegenden Verfahren grundsätzlich die (wettbewerbspolitische) Interkonnektionspflicht von Art. 11 Abs. 1 FMG und nicht die (versorgungspolitische) Interoperabilitätspflicht von Art. 11 Abs. 2 FMG im Bereich der Grundversorgung zur Anwendung gelangt, geht es zumindest teilweise auch um Dienste im Zusammenhang mit der fernmeldetechnischen Grundversorgung.»\n\n**BGE 131 II 13** vom 30. November 2004  \nInterkonnektionspflicht beim Teilnehmeranschluss; gesetzgeberische Konkretisierung der Verfassungsnorm  \n\nDas Bundesgericht prüft die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Regulierung des Fernmeldewesens und bestätigt die umfassende Bundeskompetenz zur Marktöffnung bei gleichzeitiger Sicherstellung der Grundversorgung.\n\n> «Nach Art. 11 Abs. 1 FMG müssen marktbeherrschende Anbieterinnen von Fernmeldediensten andern Anbieterinnen nach den Grundsätzen einer transparenten und kostenorientierten Preisgestaltung auf nichtdiskriminierende Weise Interkonnektion gewähren, wobei sie die Bedingungen und Preise für ihre einzelnen Interkonnektionsdienstleistungen gesondert auszuweisen haben.»\n\n**BGE 127 II 8** vom 8. Dezember 2000  \nPreisobergrenze für öffentliche Sprechstellen; Verhältnis zwischen Grundversorgung und Wirtschaftsfreiheit  \n\nGrundsatzentscheid zur reichweite der bundesstaatlichen Preisregulierung im Fernmeldewesen. Das Bundesgericht stellt klar, dass Art. 92 BV umfassende Regulierungskompetenzen zur Sicherstellung einer preiswerten Grundversorgung verleiht.\n\n> «Gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. a FMG soll das Fernmeldegesetz unter anderem eine zuverlässige und erschwingliche Grundversorgung mit Fernmeldediensten für alle Bevölkerungskreise in allen Landesteilen gewährleisten. Zu diesem Zweck sieht Art. 14 FMG die Erteilung von Grundversorgungskonzessionen mit der Auflage vor, im Konzessionsgebiet die Dienste der Grundversorgung allen Bevölkerungskreisen anzubieten.»\n\n### Aktuelle Entwicklungen im Fernmeldebereich\n\n**BGE 150 II 489** vom 21. März 2024  \nBaubewilligungspflicht für Fernmeldeleitungen; Verhältnis zwischen Fernmelde- und Raumplanungsrecht  \n\nDer jüngste Leitentscheid klärt das Verhältnis zwischen der bundesstaatlichen Fernmeldekompetenz und kantonalen Baubewilligungsverfahren. Das Bundesgericht präzisiert, dass Art. 92 BV keine umfassende Befreiung von raumplanerischen Vorschriften gewährt.\n\n> «Art. 35 FMG ist dahingehend auszulegen, dass er die Bewilligung der Sondernutzung von Boden im Gemeingebrauch für den Bau und den Betrieb von Fernmeldeleitungen und öffentlichen Sprechstellen regelt und zusätzliche Baubewilligungen gemäss Art. 22 Abs. 1 RPG nicht ausschliesst.»\n\n**Urteil 1C_45/2023** vom 16. Januar 2024  \nMobilfunkantennen und Umweltschutzrecht; Grenze der bundesstaatlichen Fernmeldekompetenz  \n\nDas Bundesgericht bestätigt, dass die Fernmeldekompetenz des Bundes nicht zur vollständigen Verdrängung kantonaler und kommunaler Regelungen im Umwelt- und Baubereich führt. Die Gewährleistung der Fernmeldedienste muss mit anderen verfassungsrechtlichen Zielen in Einklang gebracht werden.\n\n### Grundversorgung und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 141 II 182** vom 13. April 2015  \nRadio- und Fernsehempfangsgebühren im Mehrwertsteuerrecht  \n\nDas Bundesgericht bestätigt die enge Verbindung zwischen Art. 92 BV und Art. 93 BV bei der Sicherstellung der Mediengrundversorgung und deren steuerrechtlicher Behandlung.\n\n### Verwaltungsgerichtliche Kontrolle\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine konstante Linie bei der gerichtlichen Kontrolle von Entscheiden im Post- und Fernmeldebereich. Das Bundesgericht gewährt den Regulierungsbehörden erhebliche Ermessensspielräume bei technischen Fragen, verlangt aber strikte Einhaltung der Verfahrensgarantien. Bei Interkonnektionsstreitigkeiten kommt der Kommunikationskommission ein «technisches Ermessen» zu, das nur bei offensichtlicher Bundesrechtswidrigkeit kassiert wird.", "summary_fr": "# Art. 92 Cst. — Poste et télécommunications\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 92 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive en matière de poste et de télécommunications. Cette compétence fédérale globale signifie que la Confédération réglemente toutes les questions, de la distribution du courrier à la connexion Internet. Les cantons ne peuvent édicter aucune loi propre dans ce domaine.\n\nLa Constitution oblige la Confédération à assurer un service universel (offre minimale de services importants). Celui-ci doit être « suffisant et à des prix avantageux » et rester disponible dans toute la Suisse. Concrètement, cela signifie que chaque ménage a droit aux services postaux et aux télécommunications à des prix abordables, même dans les régions isolées.\n\n**Exemple** : La Poste doit distribuer quotidiennement le courrier selon la loi sur la poste et maintenir un réseau d'offices de poste (art. 13 al. 2 LPO). Pour les télécommunications, le service universel comprend notamment une connexion à haut débit avec une vitesse minimale que fixe la loi sur les télécommunications (art. 16 LTC).\n\nLa Confédération peut accomplir ces tâches elle-même ou les confier à des entreprises privées. Ainsi, la Poste continue d'assurer la distribution du courrier, tandis que dans le domaine des télécommunications, différents fournisseurs se font concurrence. L'État régule les prix et les conditions pour garantir le maintien du service universel. Le Tribunal fédéral a confirmé que cette réglementation est requise par la Constitution (**BGE 127 II 8 E. 3b**).\n\nLa disposition crée un champ de tension entre responsabilité étatique et ouverture au marché. Alors qu'autrefois la Poste et Swisscom étaient des monopoles d'État, règne aujourd'hui une concurrence régulée avec service universel garanti.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La compétence fédérale en matière postale remonte à l'art. 33 de la Constitution fédérale de 1848, qui conférait à la Confédération le droit exclusif d'organiser les postes (FF 1997 I 1, 336). Le secteur des télécommunications fut intégré progressivement : en 1851, la Confédération reçut la souveraineté télégraphique, bien que la base constitutionnelle fût contestée. Le Conseil fédéral fonda le système télégraphique sur le régale postal, car « les communications par télégraphe correspondent en essence aux correspondances épistolaires » (Kern, BSK BV, art. 92 n. 3). La commission parlementaire s'opposa véhémentement : Une subordination au régale postal équivaudrait à la tentative de « vouloir soumettre l'éclair au sabot de roue de la diligence postale » (Kern, BSK BV, art. 92 n. 3).\n\n**N. 2** La révision totale de 1999 reprit la compétence fédérale éprouvée, mais l'adapta aux conditions technologiques et économiques modifiées. Le constituant renonça consciemment à l'inscription d'un monopole et permit ainsi l'ouverture progressive du marché tout en assurant le service universel (FF 1997 I 336s.). La formulation « affaire de la Confédération » signale une compétence fédérale étendue, mais laisse ouverte la conception concrète.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 92 Cst. se trouve dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 2e chapitre (Compétences), 7e section (Économie). La norme fonde une compétence fédérale exclusive tant dans la législation que dans l'exécution. Elle est en rapport étroit avec :\n- → Art. 87 Cst. (Chemins de fer et autres moyens de transport) : responsabilité commune en matière d'infrastructure\n- → Art. 93 Cst. (Radio et télévision) : délimitation de la compétence médiatique de celle des télécommunications\n- → Art. 94 al. 4 Cst. (Liberté économique) : tension entre tâche étatique et ouverture du marché\n- → Art. 43a al. 4 Cst. (Service universel) : obligation constitutionnelle de service universel\n\n**N. 4** Cette disposition appartient aux compétences classiques d'infrastructure de la Confédération. Contrairement à d'autres compétences économiques (p. ex. art. 95ss Cst.), il ne s'agit pas d'une compétence de législation-cadre, mais d'une compétence pleine. Cela permet à la Confédération des règlementations étendues, de l'accès au marché à l'organisation d'entreprises en passant par la tarification (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n 1285).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **« Postes et télécommunications »** (al. 1) comprend tous les services de transmission physique et électronique d'informations. Les services postaux incluent l'acheminement de lettres, de colis et les paiements. La portée est controversée : Burckhardt niait l'inclusion des opérations de chèques et de virements dans la base constitutionnelle (Kern, BSK BV, art. 92 n. 6). La doctrine dominante affirme aujourd'hui une interprétation large qui couvre aussi les services de PostFinance (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n 3456).\n\n**N. 6** Les **télécommunications** couvrent toutes les formes de transmission d'informations au moyen d'ondes électromagnétiques ou de systèmes à conducteur. En relèvent la téléphonie, Internet, la téléphonie mobile et la transmission radiodiffusée (aspects techniques). La régulation du contenu de la radio et de la télévision relève de l'art. 93 Cst. (Barrelet/Werly, Droit de la communication, n 1234).\n\n**N. 7** **« Affaire de la Confédération »** (al. 1) fonde une compétence fédérale étendue. La Confédération peut assumer elle-même les tâches, les transférer à des tiers ou réguler le marché. La formulation exclut les compétences cantonales, mais n'empêche pas une délégation aux cantons dans le domaine de l'exécution (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 n 23).\n\n**N. 8** Le **« service universel »** (al. 2 phrase 1) désigne une offre minimale de services postaux et de télécommunications qui doit être à la disposition de toutes les couches de la population à des conditions supportables. Le concept est dynamique et s'adapte aux développements technologiques et sociétaux. Actuellement, le service universel des télécommunications comprend Internet haut débit d'au moins 10 Mbit/s (Amgwerd/Schlauri, Telekommunikationsrecht, p. 456).\n\n**N. 9** Les qualifications **« suffisant et bon marché »** concrétisent le mandat de service universel. « Suffisant » se réfère à l'étendue et à la qualité, « bon marché » au caractère financièrement supportable pour toutes les couches de la population. Le Tribunal fédéral interprète ces notions de manière évolutive (**ATF 132 II 257 consid. 4.2**).\n\n**N. 10** Les **« principes uniformes »** (al. 2 phrase 2) exigent une structure tarifaire cohérente dans toute la Suisse. Des différenciations régionales de prix sont admissibles pour autant qu'elles soient objectivement justifiées (p. ex. coûts de transport). Serait inadmissible un désavantage des régions périphériques fondé uniquement sur des coûts de mise à disposition plus élevés (Hettich, ZBl 2008, 641).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** L'al. 1 fonde une compétence exclusive de législation et d'exécution de la Confédération. Les cantons sont exclus de toute réglementation dans la mesure où le champ d'application matériel est concerné. Sont réservées les compétences de police (p. ex. autorisations de construire pour antennes) et l'utilisation du domaine public (**ATF 150 II 489**).\n\n**N. 12** L'al. 2 oblige la Confédération à garantir le service universel. Cette obligation est justiciable : les personnes concernées peuvent se prévaloir de la Constitution si la concrétisation légale reste en deçà du minimum constitutionnel. Le législateur dispose cependant d'une liberté de conception considérable dans l'aménagement (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 892).\n\n**N. 13** La prescription tarifaire (al. 2 phrase 2) interdit les différenciations de prix arbitraires et exige la transparence. Elle ne fonde pas de droit à des prix déterminés, mais seulement à un traitement non discriminatoire (→ art. 8 Cst.). Chez les fournisseurs en position dominante, une régulation des prix orientée sur les coûts peut intervenir (**ATF 127 II 8 consid. 3b**).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 14** **Privatisation des entreprises fédérales** : L'admissibilité d'une privatisation complète est controversée. Aubert/Mahon déduisent de la désignation comme « affaire de la Confédération » une interdiction de privatisation – la volonté constitutionnelle se manifesterait dans le maintien du contrôle étatique (Kern, BSK BV, art. 92 n. 15). Biaggini défend la position opposée : Une privatisation complète serait admissible tant que les objectifs de service universel peuvent être atteints par la régulation (Kern, BSK BV, art. 92 n. 15). La pratique montre une voie moyenne : Swisscom fut partiellement privatisée, la Poste reste propriété fédérale.\n\n**N. 15** **Étendue du service universel** : L'interprétation dynamique du concept de service universel mène à des controverses. Alors que Trüeb plaide pour une interprétation minimaliste qui ne couvre que les services vitaux (Trüeb, AJP 2002, 1190), Hänni/Stöckli exigent une interprétation généreuse qui tient compte du développement technologique (Wirtschaftsverwaltungsrecht, p. 234). Le Tribunal fédéral suit une ligne de compromis (**ATF 129 III 35**).\n\n**N. 16** **Financement du service universel** : Il est controversé de savoir si la Constitution prescrit une forme particulière de financement. Reist affirme une obligation étatique de financement en cas de déficit (Staatliche Aufgaben, p. 178). La doctrine dominante nie cela et permet les subventions croisées ou solutions de fonds (Fischer/Sidler, Fernmelderecht, n 345).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Lors de l'octroi de concessions dans le domaine des télécommunications, il faut distinguer entre concessions de service universel et concessions radio. Les premières sont soumises à des obligations plus strictes concernant la couverture territoriale et la tarification. L'octroi se fait par appel d'offres public, l'offre économiquement la plus avantageuse recevant l'adjudication.\n\n**N. 18** Les litiges d'interconnexion entre fournisseurs de télécommunications sont tranchés par la ComCom en tant qu'autorité spécialisée. Son pouvoir d'appréciation technique n'est contrôlé que restrictivement par le Tribunal fédéral (**ATF 131 II 13 consid. 3.3**). Les parties devraient donc documenter exhaustivement les faits déjà dans la procédure administrative.\n\n**N. 19** Lors de fermetures d'offices postaux, la procédure de dialogue légalement prescrite avec les communes concernées est impérative. Les violations conduisent à l'annulation de la décision. La PostCom vérifie seulement le respect des prescriptions d'accessibilité, non l'opportunité économique (→ art. 13 al. 1 Cst. concernant la protection des données dans les services postaux).\n\n**N. 20** L'applicabilité parallèle du droit des télécommunications et de l'aménagement du territoire mène dans la pratique à des problèmes de coordination pour les antennes de téléphonie mobile. Les exploitants doivent passer par les deux procédures d'autorisation, la concession de télécommunications ne déployant aucun effet préjudiciel sur l'autorisation de construire (**ATF 150 II 489 consid. 4**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Mandat fédéral et service universel\n\n**ATF 129 III 35** du 7 mai 2002  \nDélimitation entre service universel (service de base) et services concurrentiels de la poste ; obligation de contracter dans l'activité de droit privé  \n\nLe Tribunal fédéral définit les fondements constitutionnels des services postaux et la délimitation entre tâche étatique et activité privée. La norme constitutionnelle n'oblige la Confédération qu'à assurer un service universel, non pas une couverture intégrale du marché.\n\n> « L'acheminement de journaux non abonnés ne compte pas parmi les prestations de service universel que la poste doit obligatoirement fournir (service universel, art. 2-4 et 15 LPO), mais appartient aux prestations que la poste peut fournir, mais qu'elle n'est en principe pas tenue de fournir (service concurrentiel, art. 9 LPO). Dans le domaine des services concurrentiels, la poste doit être traitée comme sa concurrence privée. »\n\n### Télécommunications et régulation du marché\n\n**ATF 132 II 257** du 21 avril 2006  \nFixation administrative des conditions d'interconnexion ; champ d'application de l'art. 92 al. 2 Cst. dans la régulation des télécommunications  \n\nArrêt de principe pour la concrétisation de la responsabilité fédérale dans le domaine des télécommunications. Le Tribunal fédéral souligne le lien entre la norme constitutionnelle et la régulation concurrentielle des fournisseurs de télécommunications en position dominante.\n\n> « Déjà l'art. 92 al. 2 Cst. prescrit que la Confédération doit veiller entre autres à ce qu'un service universel de télécommunications à prix avantageux soit fourni dans toutes les régions du pays. Bien que dans la présente procédure, c'est en principe l'obligation d'interconnexion (de politique concurrentielle) de l'art. 11 al. 1 LTC et non l'obligation d'interopérabilité (de politique d'approvisionnement) de l'art. 11 al. 2 LTC dans le domaine du service universel qui s'applique, il s'agit au moins partiellement aussi de services en rapport avec le service universel de télécommunications. »\n\n**ATF 131 II 13** du 30 novembre 2004  \nObligation d'interconnexion pour l'accès des abonnés ; concrétisation législative de la norme constitutionnelle  \n\nLe Tribunal fédéral examine les fondements constitutionnels pour la régulation des télécommunications et confirme la compétence fédérale étendue d'ouvrir le marché tout en assurant le service universel.\n\n> « Selon l'art. 11 al. 1 LTC, les fournisseurs de services de télécommunications en position dominante doivent accorder l'interconnexion aux autres fournisseurs selon les principes d'une tarification transparente et fondée sur les coûts, de manière non discriminatoire, en présentant séparément les conditions et les prix pour leurs différentes prestations d'interconnexion. »\n\n**ATF 127 II 8** du 8 décembre 2000  \nPrix plafond pour les postes téléphoniques publics ; rapport entre service universel et liberté économique  \n\nArrêt de principe sur la portée de la régulation fédérale des prix dans les télécommunications. Le Tribunal fédéral précise que l'art. 92 Cst. confère des compétences de régulation étendues pour assurer un service universel à prix avantageux.\n\n> « Selon l'art. 1 al. 2 let. a LTC, la loi sur les télécommunications doit notamment garantir un service universel de télécommunications fiable et abordable pour tous les milieux de la population dans toutes les régions du pays. À cette fin, l'art. 14 LTC prévoit l'octroi de concessions de service universel avec l'obligation d'offrir dans le territoire de la concession les services du service universel à tous les milieux de la population. »\n\n### Développements récents dans le domaine des télécommunications\n\n**ATF 150 II 489** du 21 mars 2024  \nObligation d'autorisation de construire pour les lignes de télécommunications ; rapport entre droit des télécommunications et droit de l'aménagement du territoire  \n\nL'arrêt de principe le plus récent clarifie le rapport entre la compétence fédérale en matière de télécommunications et les procédures cantonales d'autorisation de construire. Le Tribunal fédéral précise que l'art. 92 Cst. n'accorde pas d'exemption générale des prescriptions d'aménagement du territoire.\n\n> « L'art. 35 LTC doit être interprété en ce sens qu'il règle l'autorisation de l'utilisation spéciale du sol du domaine public pour la construction et l'exploitation de lignes de télécommunications et de postes téléphoniques publics et n'exclut pas les autorisations de construire supplémentaires selon l'art. 22 al. 1 LAT. »\n\n**Arrêt 1C_45/2023** du 16 janvier 2024  \nAntennes de téléphonie mobile et droit de la protection de l'environnement ; limite de la compétence fédérale en matière de télécommunications  \n\nLe Tribunal fédéral confirme que la compétence fédérale en matière de télécommunications ne conduit pas à l'éviction complète des réglementations cantonales et communales dans le domaine de l'environnement et de la construction. La garantie des services de télécommunications doit être mise en accord avec d'autres objectifs constitutionnels.\n\n### Service universel et liberté économique\n\n**ATF 141 II 182** du 13 avril 2015  \nRedevances de réception radio et télévision dans le droit de la taxe sur la valeur ajoutée  \n\nLe Tribunal fédéral confirme le lien étroit entre l'art. 92 Cst. et l'art. 93 Cst. pour assurer le service universel des médias et son traitement en droit fiscal.\n\n### Contrôle juridictionnel administratif\n\nLa jurisprudence montre une ligne constante dans le contrôle juridictionnel des décisions dans le domaine postal et des télécommunications. Le Tribunal fédéral accorde aux autorités de régulation des marges d'appréciation considérables pour les questions techniques, mais exige le strict respect des garanties procédurales. En cas de litiges d'interconnexion, la Commission fédérale de la communication dispose d'un « pouvoir d'appréciation technique » qui n'est cassé qu'en cas de violation manifeste du droit fédéral.", "summary_it": "# Art. 92 Cost — Poste e telecomunicazioni\n\n## Panoramica\n\nL'art. 92 Cost attribuisce alla Confederazione la competenza esclusiva in materia di poste e telecomunicazioni. Questa competenza federale comprensiva significa: la Confederazione disciplina tutte le questioni dal recapito della corrispondenza al collegamento internet. I Cantoni non possono emanare leggi proprie in questo settore.\n\nLa Costituzione obbliga la Confederazione a garantire un servizio universale (offerta minima di servizi importanti). Questo deve essere «sufficiente ed economico» e rimanere disponibile in tutta la Svizzera. Concretamente ciò significa: ogni economia domestica ha diritto ai servizi postali e alle telecomunicazioni a prezzi sopportabili, anche nelle regioni periferiche.\n\n**Esempio**: La posta deve, secondo la legge postale, recapitare quotidianamente la corrispondenza e mantenere una rete di uffici postali (art. 13 cpv. 2 LPO). Nel settore delle telecomunicazioni, il servizio universale comprende ad esempio un collegamento a banda larga con una velocità minima stabilita dalla legge sulle telecomunicazioni (art. 16 LTC).\n\nLa Confederazione può adempiere questi compiti direttamente o affidarli a imprese private. Così la posta continua a gestire il recapito della corrispondenza, mentre nel settore delle telecomunicazioni diversi fornitori sono in concorrenza. Lo Stato regola i prezzi e le condizioni affinché il servizio universale rimanga garantito. Il Tribunale federale ha confermato che questa regolamentazione è costituzionalmente necessaria (**BGE 127 II 8 consid. 3b**).\n\nLa disposizione crea un campo di tensione tra responsabilità statale e apertura al mercato. Mentre in passato la posta e Swisscom erano monopoli statali, oggi vige una concorrenza regolamentata con servizio universale garantito.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La competenza federale nel servizio postale risale all'art. 33 della Costituzione federale del 1848, che conferiva alla Confederazione il diritto esclusivo di istituire servizi postali (FF 1997 I 1, 336). Il settore delle telecomunicazioni è stato integrato gradualmente: nel 1851 la Confederazione ottenne la sovranità sui telegrafi, benché la base costituzionale fosse controversa. Il Consiglio federale basava il sistema telegrafico sulla regalia postale, poiché «le comunicazioni tramite telegrafo corrispondono sostanzialmente alla corrispondenza epistolare» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3). La commissione parlamentare si oppose vivamente: una subordinazione alla regalia postale equivarrebbe al tentativo di «voler mettere i ceppi del carretto postale ai fulmini» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3).\n\n**N. 2** La revisione totale del 1999 ha mantenuto la comprovata competenza federale, adattandola tuttavia alle mutate condizioni tecnologiche ed economiche. Il costituente ha rinunciato consapevolmente alla fissazione di un monopolio, consentendo così l'apertura graduale del mercato pur garantendo il servizio universale (FF 1997 I 336s.). La formulazione «è di competenza della Confederazione» segnala una competenza federale globale, ma lascia aperta la configurazione concreta.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 92 Cost. si trova nel Titolo 3 (Confederazione, Cantoni e Comuni), Capitolo 2 (Competenze), Sezione 7 (Economia). La norma fonda una competenza federale esclusiva sia nella legislazione che nell'esecuzione. È strettamente correlata con:\n- → Art. 87 Cost. (ferrovie e altri mezzi di trasporto): responsabilità comune per le infrastrutture\n- → Art. 93 Cost. (radiotelevisione): delimitazione tra competenza sui media e sulle telecomunicazioni\n- → Art. 94 cpv. 4 Cost. (libertà economica): tensione tra compito statale e apertura del mercato\n- → Art. 43a cpv. 4 Cost. (servizio universale): obbligo costituzionale del servizio universale\n\n**N. 4** La disposizione appartiene alle classiche competenze federali per le infrastrutture. A differenza di altre competenze economiche (ad es. art. 95 segg. Cost.) non si tratta di una competenza quadro, bensì di una competenza piena. Ciò consente alla Confederazione regolamentazioni globali dall'accesso al mercato alla formazione dei prezzi fino all'organizzazione aziendale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1285).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **«I servizi postali e delle telecomunicazioni»** (cpv. 1) comprendono tutti i servizi di trasmissione di informazioni fisica ed elettronica. Il servizio postale include il trasporto di lettere, pacchi e il traffico dei pagamenti. È controversa la portata: Burckhardt negava l'inclusione del servizio assegni e giro postali nella base costituzionale (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 6). La dottrina dominante oggi afferma un'interpretazione ampia che include anche i servizi di PostFinance (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 3456).\n\n**N. 6** **Il settore delle telecomunicazioni** include tutte le forme di trasmissione di informazioni mediante onde elettromagnetiche o sistemi guidati. Vi rientrano telefonia, internet, telefonia mobile e trasmissione radiofonica (aspetti tecnici). La regolamentazione dei contenuti di radio e televisione rientra nell'art. 93 Cost. (Barrelet/Werly, Droit de la communication, N 1234).\n\n**N. 7** **«È di competenza della Confederazione»** (cpv. 1) fonda una competenza federale globale. La Confederazione può svolgere i compiti direttamente, trasferirli a terzi o regolare il mercato. La formulazione esclude competenze cantonali, ma non impedisce una delega ai Cantoni nell'ambito dell'esecuzione (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 N 23).\n\n**N. 8** **«Servizio universale»** (cpv. 2 frase 1) designa un'offerta minima di servizi postali e di telecomunicazioni che deve essere disponibile a tutta la popolazione a condizioni sopportabili. Il concetto è dinamico e si adatta agli sviluppi tecnologici e sociali. Attualmente il servizio universale delle telecomunicazioni comprende internet a banda larga con almeno 10 Mbit/s (Amgwerd/Schlauri, Telekommunikationsrecht, S. 456).\n\n**N. 9** Le qualificazioni **«sufficiente e a prezzi ragionevoli»** concretizzano il mandato del servizio universale. «Sufficiente» si riferisce all'ampiezza e qualità, «a prezzi ragionevoli» alla sostenibilità finanziaria per tutti gli strati della popolazione. Il Tribunale federale interpreta questi concetti evolutivamente (**DTF 132 II 257 consid. 4.2**).\n\n**N. 10** **«Criteri uniformi»** (cpv. 2 frase 2) richiedono una struttura tariffaria coerente su scala nazionale. Differenziazioni regionali dei prezzi sono ammissibili nella misura in cui sono oggettivamente giustificate (ad es. costi di trasporto). Sarebbe inammissibile una penalizzazione delle regioni periferiche unicamente a causa di maggiori costi di fornitura (Hettich, ZBl 2008, 641).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Il cpv. 1 fonda una competenza legislativa ed esecutiva esclusiva della Confederazione. I Cantoni sono esclusi da ogni regolamentazione nella misura in cui sia interessato l'ambito di applicazione materiale. Sono riservate le competenze di polizia (ad es. permessi di costruzione per antenne) e l'uso del suolo pubblico (**DTF 150 II 489**).\n\n**N. 12** Il cpv. 2 obbliga la Confederazione a garantire il servizio universale. Questo obbligo è giusticiabile: gli interessati possono invocare la Costituzione quando la concretizzazione legale resta al di sotto del minimo costituzionale. Il legislatore dispone tuttavia di notevole libertà di configurazione nell'organizzazione (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 892).\n\n**N. 13** La prescrizione tariffaria (cpv. 2 frase 2) vieta differenziazioni di prezzo arbitrarie e richiede trasparenza. Non fonda un diritto a determinati prezzi, ma solo a un trattamento non discriminatorio (→ Art. 8 Cost.). Per i fornitori dominanti sul mercato può avvenire una regolamentazione dei prezzi orientata ai costi (**DTF 127 II 8 consid. 3b**).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 14** **Privatizzazione delle aziende federali**: L'ammissibilità di una privatizzazione completa è controversa. Aubert/Mahon derivano dalla denominazione di «competenza della Confederazione» un divieto di privatizzazione – la volontà costituzionale si manifesterebbe nel mantenimento del controllo statale (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). Biaggini sostiene la posizione opposta: una privatizzazione completa sarebbe ammissibile finché gli obiettivi del servizio universale possano essere raggiunti attraverso la regolamentazione (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). La prassi mostra una via di mezzo: Swisscom è stata privatizzata parzialmente, la Posta rimane di proprietà federale.\n\n**N. 15** **Ampiezza del servizio universale**: L'interpretazione dinamica del concetto di servizio universale porta a controversie. Mentre Trüeb sostiene un'interpretazione minimalista che include solo i servizi vitali (Trüeb, AJP 2002, 1190), Hänni/Stöckli chiedono un'interpretazione generosa che tenga conto dello sviluppo tecnologico (Wirtschaftsverwaltungsrecht, S. 234). Il Tribunale federale segue una linea mediata (**DTF 129 III 35**).\n\n**N. 16** **Finanziamento del servizio universale**: È controverso se la Costituzione preveda una determinata forma di finanziamento. Reist afferma un obbligo statale di finanziamento in caso di sottocopertura (Staatliche Aufgaben, S. 178). La dottrina dominante lo nega e ammette sovvenzioni incrociate o soluzioni con fondi (Fischer/Sidler, Fernmelderecht, N 345).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nel conferimento di concessioni nel settore delle telecomunicazioni bisogna distinguere tra concessioni di servizio universale e radioelettriche. Le prime sottostanno a condizioni più severe riguardo alla copertura territoriale e alla formazione dei prezzi. Il conferimento avviene tramite bando pubblico, con aggiudicazione all'offerta economicamente più vantaggiosa.\n\n**N. 18** Le controversie di interconnessione tra fornitori di telecomunicazioni sono decise dalla ComCom quale autorità specializzata. Il suo potere discrezionale tecnico è controllato dal Tribunale federale solo con riserva (**DTF 131 II 13 consid. 3.3**). Le parti dovrebbero quindi documentare completamente la fattispecie già nel procedimento amministrativo.\n\n**N. 19** In caso di chiusura di uffici postali è obbligatoria la procedura di dialogo prescritta per legge con i Comuni interessati. Le violazioni comportano l'annullamento della decisione. La PostCom verifica solo il rispetto delle prescrizioni di raggiungibilità, non l'opportunità economica (→ Art. 13 cpv. 1 Cost. riguardo alla protezione dei dati nei servizi postali).\n\n**N. 20** L'applicabilità parallela del diritto delle telecomunicazioni e della pianificazione del territorio porta nella prassi a problemi di coordinamento per le antenne di telefonia mobile. I gestori devono superare entrambe le procedure di autorizzazione, dove la concessione di telecomunicazioni non ha effetto pregiudiziale per l'autorizzazione edilizia (**DTF 150 II 489 consid. 4**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Mandato federale e servizio universale\n\n**BGE 129 III 35** del 7 maggio 2002  \nDelimitazione tra servizio universale e servizi in concorrenza della posta; obbligo di contrattare nell'attività di diritto privato  \n\nIl Tribunale federale definisce i fondamenti costituzionali dei servizi postali e la delimitazione tra compito statale e attività di economia privata. La norma costituzionale obbliga la Confederazione soltanto a garantire un servizio universale, non una copertura globale del mercato.\n\n> «Il trasporto di giornali non abbonati non fa parte del servizio universale che la posta deve obbligatoriamente fornire (servizio universale, art. 2-4 e 15 LPO), ma appartiene ai servizi che la posta può fornire, ma in linea di principio non deve fornire (servizio concorrenziale, art. 9 LPO). Nell'ambito dei servizi concorrenziali la posta deve essere trattata allo stesso modo della sua concorrenza privata.»\n\n### Telecomunicazioni e regolazione del mercato\n\n**BGE 132 II 257** del 21 aprile 2006  \nFissazione ufficiale delle condizioni d'interconnessione; campo d'applicazione dell'art. 92 cpv. 2 Cost. nella regolazione delle telecomunicazioni  \n\nDecisione pilota per la concretizzazione della responsabilità federale nel settore delle telecomunicazioni. Il Tribunale federale sottolinea il nesso tra la norma costituzionale e la regolazione di diritto della concorrenza dei fornitori di telecomunicazioni dominanti sul mercato.\n\n> «Già l'art. 92 cpv. 2 Cost. prescrive che la Confederazione deve provvedere, tra l'altro, a un servizio universale conveniente con servizi di telecomunicazione in tutte le regioni del Paese. Benché nel presente procedimento si applichi in linea di principio l'obbligo d'interconnessione (di politica della concorrenza) dell'art. 11 cpv. 1 LTC e non l'obbligo d'interoperabilità (di politica dell'approvvigionamento) dell'art. 11 cpv. 2 LTC nell'ambito del servizio universale, si tratta almeno parzialmente anche di servizi in relazione con il servizio universale delle telecomunicazioni.»\n\n**BGE 131 II 13** del 30 novembre 2004  \nObbligo d'interconnessione per l'allacciamento degli utenti; concretizzazione legislativa della norma costituzionale  \n\nIl Tribunale federale esamina i fondamenti costituzionali per la regolazione del settore delle telecomunicazioni e conferma l'ampia competenza federale per l'apertura del mercato garantendo al contempo il servizio universale.\n\n> «Secondo l'art. 11 cpv. 1 LTC le fornittrici di servizi di telecomunicazione dominanti sul mercato devono concedere ad altre fornittrici l'interconnessione secondo i principi di una politica dei prezzi trasparente e orientata ai costi in modo non discriminatorio, dovendo esporre separatamente le condizioni e i prezzi per i loro singoli servizi d'interconnessione.»\n\n**BGE 127 II 8** dell'8 dicembre 2000  \nLimite massimo dei prezzi per i posti telefonici pubblici; rapporto tra servizio universale e libertà economica  \n\nDecisione di principio sulla portata della regolazione statale dei prezzi nel settore delle telecomunicazioni. Il Tribunale federale chiarisce che l'art. 92 Cost. conferisce ampie competenze di regolazione per garantire un servizio universale conveniente.\n\n> «Secondo l'art. 1 cpv. 2 lett. a LTC la legge sulle telecomunicazioni deve garantire, tra l'altro, un servizio universale affidabile e accessibile con servizi di telecomunicazione per tutti i gruppi della popolazione in tutte le parti del Paese. A tal fine l'art. 14 LTC prevede il rilascio di concessioni per il servizio universale con l'onere di offrire nel territorio della concessione i servizi del servizio universale a tutti i gruppi della popolazione.»\n\n### Sviluppi attuali nel settore delle telecomunicazioni\n\n**BGE 150 II 489** del 21 marzo 2024  \nObbligo di licenza edilizia per le linee di telecomunicazione; rapporto tra diritto delle telecomunicazioni e pianificazione del territorio  \n\nLa più recente decisione pilota chiarisce il rapporto tra la competenza federale delle telecomunicazioni e le procedure cantonali di licenza edilizia. Il Tribunale federale precisa che l'art. 92 Cost. non concede un'esenzione globale dalle prescrizioni di pianificazione del territorio.\n\n> «L'art. 35 LTC va interpretato nel senso che disciplina l'autorizzazione dell'uso speciale del suolo di uso comune per la costruzione e l'esercizio di linee di telecomunicazione e posti telefonici pubblici e non esclude autorizzazioni edilizie aggiuntive secondo l'art. 22 cpv. 1 LPT.»\n\n**Sentenza 1C_45/2023** del 16 gennaio 2024  \nAntenne di telefonia mobile e diritto dell'ambiente; limite della competenza federale delle telecomunicazioni  \n\nIl Tribunale federale conferma che la competenza federale delle telecomunicazioni non porta alla completa soppressione delle regolazioni cantonali e comunali nel settore dell'ambiente e dell'edilizia. La garanzia dei servizi di telecomunicazione deve essere messa in accordo con altri obiettivi costituzionali.\n\n### Servizio universale e libertà economica\n\n**BGE 141 II 182** del 13 aprile 2015  \nTasse di ricezione radio e televisive nel diritto dell'imposta sul valore aggiunto  \n\nIl Tribunale federale conferma lo stretto legame tra l'art. 92 Cost. e l'art. 93 Cost. nel garantire il servizio universale dei media e il relativo trattamento fiscale.\n\n### Controllo giudiziario amministrativo\n\nLa giurisprudenza mostra una linea costante nel controllo giudiziario delle decisioni nel settore postale e delle telecomunicazioni. Il Tribunale federale concede alle autorità di regolazione margini di apprezzamento considerevoli per le questioni tecniche, ma esige il rigoroso rispetto delle garanzie procedurali. Nelle controversie d'interconnessione spetta alla Commissione federale delle comunicazioni un «potere discrezionale tecnico» che viene cassato soltanto in caso di manifesta violazione del diritto federale.", "summary_en": "# Art. 92 Cst. — Postal and telecommunications services\n\n## Overview\n\nArt. 92 Cst. confers exclusive jurisdiction over postal and telecommunications services on the Confederation. This comprehensive federal competence means: the Confederation regulates all matters from letter delivery to internet connections. The cantons may not enact their own legislation in this area.\n\nThe Constitution obliges the Confederation to ensure universal service (a minimum supply of essential services). This must be «adequate and affordable» and remain available throughout Switzerland. In concrete terms, this means: every household is entitled to postal services and telecommunications at affordable prices, including in remote areas.\n\n**Example**: The postal service must deliver letters daily and maintain a network of post offices according to the Postal Act (Art. 13 para. 2 PostA). In telecommunications, universal service includes broadband connection with a minimum speed defined by the Telecommunications Act (Art. 16 TCA).\n\nThe Confederation may perform these tasks itself or transfer them to private companies. Thus the postal service continues to operate letter delivery, while various providers compete in the telecommunications sector. The state regulates prices and conditions to ensure universal service is maintained. The Federal Supreme Court has confirmed that such regulation is constitutionally required (**BGE 127 II 8 consid. 3b**).\n\nThe provision creates a tension between state responsibility and market liberalisation. Whereas the postal service and Swisscom were previously state monopolies, today there is regulated competition with guaranteed universal service.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The federal competence in postal services dates back to Art. 33 of the Federal Constitution of 1848, which granted the Confederation the exclusive right to establish postal services (FedGaz 1997 I 1, 336). Telecommunications were gradually integrated: in 1851, the Confederation received sovereignty over telegraphy, though the constitutional basis was disputed. The Federal Council based the telegraph system on the postal monopoly, as «communications by telegraph correspond in essence to postal correspondence» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3). The parliamentary commission vehemently objected: subordinating telegraphy to the postal monopoly was like attempting to «fasten the wheel brake of a postal carriage to lightning» (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 3).\n\n**N. 2** The total revision of 1999 retained the proven federal competence but adapted it to changed technological and economic conditions. The constitutional drafters deliberately refrained from establishing a monopoly and thus enabled gradual market liberalisation while ensuring basic services (FedGaz 1997 I 336f.). The formulation «matter for the Confederation» signals comprehensive federal competence but leaves the specific design open.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 92 of the Federal Constitution is located in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 2 (Powers), Section 7 (Economy). The provision establishes exclusive federal competence in both legislation and implementation. It is closely related to:\n- → Art. 87 of the Federal Constitution (Railways and other means of transport): shared infrastructure responsibility\n- → Art. 93 of the Federal Constitution (Radio and television): delimitation of media from telecommunications competence\n- → Art. 94 para. 4 of the Federal Constitution (Economic freedom): tension between state duties and market liberalisation\n- → Art. 43a para. 4 of the Federal Constitution (Basic services): constitutional obligation to provide basic services\n\n**N. 4** The provision belongs to the classical infrastructure competences of the Confederation. Unlike other economic competences (e.g. Art. 95ff. of the Federal Constitution), this is not framework legislation but full competence. This allows the Confederation comprehensive regulations from market access to pricing and corporate organisation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1285).\n\n### 3. Elements / Normative Content\n\n**N. 5** **«Postal and telecommunications services»** (para. 1) encompasses all services for physical and electronic communication. Postal services include the transport of letters, packages and payment transactions. The scope is disputed: Burckhardt denied the inclusion of cheque and giro transactions in the constitutional basis (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 6). The prevailing doctrine today accepts a broad interpretation that also covers PostFinance services (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 3456).\n\n**N. 6** **Telecommunications services** cover all forms of communication via electromagnetic waves or wire-bound systems. This includes telephony, internet, mobile communications and broadcast transmission (technical aspects). Content regulation of radio and television falls under Art. 93 of the Federal Constitution (Barrelet/Werly, Droit de la communication, N 1234).\n\n**N. 7** **«Matter for the Confederation»** (para. 1) establishes comprehensive federal competence. The Confederation can perform the tasks itself, delegate them to third parties or regulate the market. This formulation excludes cantonal competences but does not prevent delegation to cantons in the implementation area (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 N 23).\n\n**N. 8** **«Basic services»** (para. 2 sentence 1) refers to a minimum offering of postal and telecommunications services that must be available to all population groups under reasonable conditions. The concept is dynamic and adapts to technological and social developments. Currently, telecommunications basic services include broadband internet with at least 10 Mbit/s (Amgwerd/Schlauri, Telekommunikationsrecht, S. 456).\n\n**N. 9** The qualifications **«adequate and reasonably priced»** specify the basic service mandate. «Adequate» refers to scope and quality, «reasonably priced» to financial affordability for all population groups. The Federal Supreme Court interprets these concepts evolutively (**BGE 132 II 257 E. 4.2**).\n\n**N. 10** **«Uniform principles»** (para. 2 sentence 2) require a nationally coherent tariff structure. Regional price differentiations are permissible insofar as they are objectively justified (e.g. transport costs). Discrimination against peripheral regions based solely on higher provision costs would be inadmissible (Hettich, ZBl 2008, 641).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Para. 1 establishes exclusive legislative and executive competence of the Confederation. The cantons are excluded from any regulation insofar as the subject matter is affected. Police powers (e.g. building permits for antennas) and use of public land remain reserved (**BGE 150 II 489**).\n\n**N. 12** Para. 2 obliges the Confederation to ensure basic services. This obligation is justiciable: affected parties can invoke the Constitution if legislative implementation falls short of the constitutional minimum. However, the legislature has considerable discretion in implementation (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 892).\n\n**N. 13** The tariff provision (para. 2 sentence 2) prohibits arbitrary price differentiations and requires transparency. It does not establish a claim to specific prices, but only to non-discriminatory treatment (→ Art. 8 of the Federal Constitution). Cost-oriented price regulation may occur with market-dominant providers (**BGE 127 II 8 E. 3b**).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 14** **Privatisation of federal enterprises**: The admissibility of complete privatisation is disputed. Aubert/Mahon derive a privatisation prohibition from the designation as «matter for the Confederation» – the constitutional will manifests itself in maintaining state control (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). Biaggini holds the opposite position: complete privatisation is permissible as long as basic service objectives can be achieved through regulation (Kern, BSK BV, Art. 92 N. 15). Practice shows a middle way: Swisscom was partially privatised, the Post remains federally owned.\n\n**N. 15** **Scope of basic services**: The dynamic interpretation of the basic service concept leads to controversies. While Trüeb advocates a minimalist interpretation covering only essential services (Trüeb, AJP 2002, 1190), Hänni/Stöckli demand a generous interpretation accounting for technological development (Wirtschaftsverwaltungsrecht, S. 234). The Federal Supreme Court follows a mediating line (**BGE 129 III 35**).\n\n**N. 16** **Financing of basic services**: Whether the Constitution prescribes a specific form of financing is disputed. Reist affirms a state financing obligation in case of shortfall (Staatliche Aufgaben, S. 178). The prevailing doctrine denies this and allows cross-subsidisation or fund solutions (Fischer/Sidler, Fernmelderecht, N 345).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 17** In telecommunications concession allocation, a distinction must be made between basic service and radio concessions. The former are subject to stricter conditions regarding coverage and pricing. Allocation occurs through public tender, with the most economically advantageous offer receiving the award.\n\n**N. 18** Interconnection disputes between telecommunications providers are decided by ComCom as the specialist authority. Its technical discretion is reviewed restrictively by the Federal Supreme Court (**BGE 131 II 13 E. 3.3**). Parties should therefore comprehensively document the facts already in the administrative proceedings.\n\n**N. 19** For post office closures, the legally prescribed dialogue procedure with affected communes is mandatory. Violations lead to annulment of the decision. PostCom only reviews compliance with accessibility requirements, not economic efficiency (→ Art. 13 para. 1 of the Federal Constitution regarding data protection in postal services).\n\n**N. 20** The parallel applicability of telecommunications and spatial planning law leads to coordination problems with mobile phone antennas in practice. Operators must complete both approval procedures, whereby the telecommunications law concession has no prejudicial effect on the building law permit (**BGE 150 II 489 E. 4**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Federal mandate and basic services\n\n**BGE 129 III 35** of 7 May 2002  \nDistinction between basic services (universal service) and competitive postal services; obligation to contract in private law activities  \n\nThe Federal Supreme Court defines the constitutional foundations of postal services and the distinction between state duties and private commercial activities. The constitutional provision only obliges the Confederation to ensure basic services, not comprehensive market coverage.\n\n> «The delivery of non-subscription newspapers does not form part of the basic services (universal service, Arts. 2-4 and 15 PG) that the postal service is obliged to provide, but belongs to the services that the postal service may provide but is not, in principle, required to provide (competitive service, Art. 9 PG). In the field of competitive services, the postal service must be treated on equal terms with its private competitors.»\n\n### Telecommunications and market regulation\n\n**BGE 132 II 257** of 21 April 2006  \nAdministrative determination of interconnection conditions; scope of application of Art. 92 para. 2 Cst. in telecommunications regulation  \n\nLeading decision on the specification of federal responsibility in telecommunications. The Federal Supreme Court emphasises the connection between the constitutional provision and competition law regulation of dominant telecommunications providers.\n\n> «Art. 92 para. 2 Cst. already provides that the Confederation must, among other things, ensure affordable basic telecommunication services throughout the country. Although this procedure is generally concerned with the (competition policy) interconnection obligation under Art. 11 para. 1 TCA and not the (supply policy) interoperability obligation under Art. 11 para. 2 TCA in the field of basic services, it is at least partly about services related to basic telecommunication services.»\n\n**BGE 131 II 13** of 30 November 2004  \nInterconnection obligation for subscriber connections; legislative specification of the constitutional provision  \n\nThe Federal Supreme Court examines the constitutional foundations for telecommunications regulation and confirms comprehensive federal competence for market opening while simultaneously ensuring basic services.\n\n> «Under Art. 11 para. 1 TCA, dominant telecommunications service providers must grant interconnection to other providers on a non-discriminatory basis in accordance with the principles of transparent and cost-oriented pricing, whereby they must separately itemise the conditions and prices for their individual interconnection services.»\n\n**BGE 127 II 8** of 8 December 2000  \nPrice ceiling for public telephones; relationship between basic services and economic freedom  \n\nFundamental decision on the scope of federal price regulation in telecommunications. The Federal Supreme Court clarifies that Art. 92 Cst. grants comprehensive regulatory powers to ensure affordable basic services.\n\n> «According to Art. 1 para. 2 lit. a TCA, the Telecommunications Act is intended, among other things, to ensure reliable and affordable basic telecommunication services for all population groups in all parts of the country. For this purpose, Art. 14 TCA provides for the granting of basic service licences with the obligation to offer basic services to all population groups in the licence area.»\n\n### Recent developments in telecommunications\n\n**BGE 150 II 489** of 21 March 2024  \nBuilding permit requirement for telecommunication lines; relationship between telecommunication and spatial planning law  \n\nThe most recent leading decision clarifies the relationship between federal telecommunications competence and cantonal building permit procedures. The Federal Supreme Court specifies that Art. 92 Cst. does not grant comprehensive exemption from spatial planning regulations.\n\n> «Art. 35 TCA is to be interpreted as regulating the authorisation of special use of public land for the construction and operation of telecommunication lines and public telephones and does not exclude additional building permits under Art. 22 para. 1 SPA.»\n\n**Judgment 1C_45/2023** of 16 January 2024  \nMobile phone antennas and environmental protection law; limits of federal telecommunications competence  \n\nThe Federal Supreme Court confirms that the Confederation's telecommunications competence does not lead to the complete displacement of cantonal and municipal regulations in the environmental and construction fields. The guarantee of telecommunication services must be brought into line with other constitutional objectives.\n\n### Basic services and economic freedom\n\n**BGE 141 II 182** of 13 April 2015  \nRadio and television reception fees in VAT law  \n\nThe Federal Supreme Court confirms the close connection between Art. 92 Cst. and Art. 93 Cst. in ensuring basic media services and their tax treatment.\n\n### Administrative judicial control\n\nCase law shows a consistent approach to judicial review of decisions in the postal and telecommunications fields. The Federal Supreme Court grants regulatory authorities considerable discretion on technical matters, but requires strict compliance with procedural guarantees. In interconnection disputes, the Communications Commission has \"technical discretion\" that is only overturned in cases of manifest violation of federal law.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_92", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 93, "article_suffix": "", "title": "Radio und Fernsehen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 93 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 93 BV regelt die Zuständigkeit des Bundes für Radio- und Fernsehgesetzgebung sowie die verfassungsrechtlichen Grundsätze des Rundfunks. Die Bestimmung geht auf Art. 55bis aBV von 1984 zurück und wurde 1999 auf digitale Medien erweitert (BBl 1997 I 445). Der Bund hat nach herrschender Lehre eine umfassende und ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz für Radio, Fernsehen und andere elektronische Medienformen (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10).\n\nRadio und Fernsehen haben einen vierfachen verfassungsrechtlichen Auftrag: Sie sollen zur Bildung, kulturellen Entfaltung, freien Meinungsbildung und Unterhaltung beitragen. Diese Programmverantwortung konkretisiert sich im Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) von 2006. Das Bundesgericht verlangt eine sachgerechte, nicht manipulative Berichterstattung, die dem Publikum eine eigene Meinungsbildung ermöglicht (**BGE 137 I 340**).\n\nDie Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen sowie die Programmautonomie sind verfassungsrechtlich gewährleistet. Dies schliesst staatliche Vorzensur aus, erlaubt aber nachträgliche Kontrolle durch die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI). Die SRG ist auch bei Social-Media-Aktivitäten grundrechtsgebunden und muss die Meinungsfreiheit der Nutzer beachten (**BGE 149 I 2**).\n\nEin konkretes Beispiel: Wenn ein Fernsehsender in einer Informationssendung einseitig über einen politischen Skandal berichtet und gegenteilige Standpunkte verschweigt, verletzt er das Sachgerechtigkeitsgebot. Betroffene können bei der UBI Programmbeschwerde erheben (Art. 93 Abs. 5 BV, Art. 89 ff. RTVG).\n\nUmstritten ist die Reichweite der Bundeskompetenz für Online-Medien. Saxer beschränkt diese auf Programme und funktionsäquivalente Anwendungen (Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14), während andere Autoren die gesamte öffentliche Online-Kommunikation erfasst sehen (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421). Das Bundesgericht hat für Social-Media-Auftritte der SRG die Grundrechtsbindung bejaht, ohne die grundsätzliche Kompetenzfrage zu klären.", "doctrine_de": "# Art. 93 BV\n\n## Doktrin\n\n**N. 1** **Entstehungsgeschichte**\n\nArt. 93 BV beruht auf Art. 55bis aBV von 1984, der dem Bund eine umfassende Regelungskompetenz für Radio und Fernsehen übertrug (BBl 1981 III 746). Die Totalrevision von 1999 erweiterte diese Kompetenz auf «andere Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Darbietungen und Informationen», um der technologischen Entwicklung Rechnung zu tragen (BBl 1997 I 445). Die Verfassungsbestimmung verfolgt das Ziel, den elektronischen Medien einen verfassungsrechtlichen Rahmen zu geben, der sowohl ihre gesellschaftliche Funktion anerkennt als auch ihre Unabhängigkeit gewährleistet (BBl 1997 I 446 f.).\n\n**N. 2** **Systematische Einordnung**\n\nArt. 93 BV steht im Abschnitt über die Zuständigkeiten des Bundes und folgt unmittelbar auf Art. 92 BV (Post- und Fernmeldewesen). Die Bestimmung weist enge Bezüge zu den Kommunikationsgrundrechten auf (→ Art. 16 BV Meinungs- und Informationsfreiheit, → Art. 17 BV Medienfreiheit). Sie konkretisiert die Informationsfreiheit für den Rundfunkbereich und ergänzt diese durch spezifische institutionelle Garantien (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 4). Die Norm ist primär eine Zuständigkeitsvorschrift mit grundrechtlichen Bezügen, nicht aber selbst ein Grundrecht (SGK BV-Ehrenzeller/Schindler, Art. 93 N. 2).\n\n**N. 3** **Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\n\n**N. 3.1** _Bundeskompetenz (Abs. 1)_\n\nDie Gesetzgebungskompetenz des Bundes für Radio, Fernsehen und andere Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung ist nach herrschender Lehre umfassend und wirkt gegenüber kantonalem Recht ursprünglich derogierend (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 93 N. 4; Cottier, in: Mäder/Uebersax, Art. 93 N. 12; Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10). Eine Mindermeinung sieht konkurrierende Zuständigkeiten von Bund und Kantonen, soweit der Bund von seiner Kompetenz nicht abschliessend Gebrauch gemacht hat (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 93 N. 6; Tschannen, in: Tschannen/Zimmerli/Müller, § 5 N. 28).\n\n**N. 3.2** _Reichweite der Bundeskompetenz_\n\nUmstritten ist die Reichweite der Bundeskompetenz für Online-Medien. Nach Saxer erfasst Art. 93 BV nur Programme und funktionsäquivalente Anwendungen (Saxer/Brunner, Rundfunkrecht, N. 142; Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14). Die Gegenmeinung vertritt, dass die gesamte öffentliche Kommunikation im Online-Bereich unter die Gesetzgebungskompetenz fällt (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421; Weber, Medienkonzentration, 87 ff.). **BGE 149 I 2** hat diese Frage für das übrige publizistische Angebot der SRG dahingehend beantwortet, dass auch Social-Media-Aktivitäten erfasst sind.\n\n**N. 4** **Leistungsauftrag (Abs. 2)**\n\nRadio und Fernsehen haben einen verfassungsrechtlichen Leistungsauftrag mit vier Elementen: Bildung, kulturelle Entfaltung, freie Meinungsbildung und Unterhaltung. Diese Funktionen sind gleichwertig, wobei die Meinungsbildungsfunktion besonderes Gewicht hat (Müller/Schefer/Zeller, in: Müller/Schefer, 493). Die Berücksichtigung der «Besonderheiten des Landes» umfasst Mehrsprachigkeit, Föderalismus und kulturelle Vielfalt (Nobel/Weber, Medienrecht, N. 523).\n\n**N. 4.1** _Sachgerechtigkeitsgebot_\n\nDas Gebot sachgerechter Darstellung verlangt keine absolute Objektivität, sondern Wahrhaftigkeit und journalistische Sorgfalt (Barrelet/Werly, Droit de la communication, N. 1842). **BGE 137 I 340** präzisierte, dass Informationssendungen so gestaltet sein müssen, dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Manipulative Berichterstattung ist unzulässig.\n\n**N. 4.2** _Vielfaltsgebot_\n\nDie angemessene Darstellung der Meinungsvielfalt bezieht sich auf das Gesamtprogramm, nicht auf einzelne Sendungen (Dumermuth, Programmaufsicht, 156). **BGE 134 I 2** bestätigte, dass auch personenbezogene Porträts von Politikern zulässig sind, wenn sie nicht einseitig propagandistisch wirken.\n\n**N. 5** **Rechtsfolgen**\n\n**N. 5.1** _Staatsunabhängigkeit und Programmautonomie (Abs. 3)_\n\nDie garantierte Unabhängigkeit umfasst sowohl die institutionelle Unabhängigkeit der Veranstalter als auch die redaktionelle Freiheit (SGK BV-Zeller, Art. 93 N. 31). Die Programmautonomie schliesst staatliche Vorzensur aus, erlaubt aber nachträgliche Kontrolle durch die UBI (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 35). **BGE 139 I 306** erweiterte die Grundrechtsbindung der SRG auch auf privatrechtliches Handeln im Werbebereich.\n\n**N. 5.2** _Rücksichtnahmegebot (Abs. 4)_\n\nDas Rücksichtnahmegebot verpflichtet Gesetzgeber und Vollzugsbehörden, die Existenz und Funktion anderer Medien zu berücksichtigen (Weber, Rundfunkfreiheit, 234). Es begründet aber keinen Anspruch auf Wettbewerbsschutz (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 41).\n\n**N. 5.3** _Beschwerderecht (Abs. 5)_\n\nArt. 93 Abs. 5 BV garantiert ein Beschwerderecht an eine unabhängige Instanz für Programmbeschwerden. Die UBI ist keine Zensurbehörde, sondern kontrolliert die Einhaltung der Programmvorschriften nachträglich (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 48). **BGE 134 II 260** klärte, dass die UBI keine Kompetenz zur individualrechtlichen Durchsetzung des Persönlichkeitsschutzes hat.\n\n**N. 6** **Streitstände**\n\n**N. 6.1** _Umfang der Bundeskompetenz_\n\nDie Kontroverse über konkurrierende oder ausschliessliche Bundeskompetenz bleibt ungelöst. Während Aubert/Mahon, Cottier, Mäder und Dumermuth von einer umfassenden Bundeskompetenz ausgehen (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10), sehen Biaggini und Tschannen Raum für kantonale Regelungen in nicht abschliessend geregelten Bereichen (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 93 N. 6).\n\n**N. 6.2** _Geltungsbereich für Online-Medien_\n\nDer Streit über die Erfassung von Online-Angeboten spaltet die Lehre. Saxer beschränkt die Kompetenz auf lineare Programme und funktionsäquivalente Angebote (Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14). Die Gegenposition von Graber/Kerekes und Weber erfasst alle öffentlichen Online-Kommunikationsformen (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421).\n\n**N. 7** **Praxishinweise**\n\nVeranstalter müssen bei der Programmgestaltung die verfassungsrechtlichen Vorgaben beachten, verfügen aber über erheblichen Gestaltungsspielraum. Die Sachgerechtigkeit ist bei Informationssendungen strenger zu beurteilen als bei Unterhaltung. Bei kontroversen Themen empfiehlt sich eine ausgewogene Darstellung verschiedener Standpunkte im Gesamtprogramm. Programmbeschwerden sind innert 20 Tagen bei der UBI einzureichen (Art. 95 RTVG). Die SRG ist auch bei Social-Media-Aktivitäten grundrechtsgebunden (**BGE 149 I 2**).", "caselaw_de": "# Art. 93 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundrechtsbindung der SRG\n\n**BGE 149 I 2** vom 29. November 2022\nDie SRG ist in ihrem übrigen publizistischen Angebot grundrechtsgebunden und muss die Rechtsweggarantie gewährleisten.\nDieses wegweisende Urteil etabliert die verfassungsrechtliche Rechtsweggarantie bei Eingriffen der SRG in die Meinungsfreiheit durch das Löschen von Benutzerkommentaren in sozialen Medien.\n\n> «Die SRG ist in ihrem übrigen publizistischen Angebot (üpA) grundrechtsgebunden; dies gilt - wegen des engen inhaltlichen Bezugs zwischen ihrem redaktionellen Beitrag und den Nutzer-Kommentaren dazu - auch, soweit sie solche gestützt auf ihre 'Netiquette' streicht.»\n\n**BGE 139 I 306** vom 1. Januar 2013\nDie SRG ist auch bei privatrechtlichem Handeln im Werbebereich grundrechtsgebunden und darf Werbebotschaften nur bei widerrechtlichem Inhalt oder überwiegenden Eigeninteressen ablehnen.\nDas Urteil präzisiert die Grundrechtsbindung der SRG ausserhalb des eigentlichen Programmbereichs und schafft wichtige Massstäbe für die Interessenabwägung.\n\n> «Bei ihrem privatrechtlichen Handeln im Werbebereich ist die SRG grundrechtsgebunden. Sie hat dabei insbesondere (auch) dem ideellen Gehalt der Freiheitsrechte Rechnung zu tragen. Die blosse Befürchtung, eine umstrittene (ideelle) Werbung könnte ihrem Ruf abträglich sein, stellt kein hinreichendes Interesse dar, die Ausstrahlung eines ihr gegenüber kritischen Werbespots zu verweigern, solange der Auftraggeber nicht widerrechtlich handelt.»\n\n**BGE 136 I 167** vom 1. Januar 2009\nGrundsätzlich besteht kein «Recht auf Antenne», ausser bei verfassungsrechtlich relevanten Beeinträchtigungen.\nDas Urteil bestätigt die restriktive Rechtsprechung zum Zugangsrecht und zeigt die Grenzen des verfassungsrechtlichen Anspruchs auf Programmzugang auf.\n\n> «Als Ausfluss der Medien-, Programm- und Informationsfreiheit besteht grundsätzlich kein 'Recht auf Antenne', d.h. kein Anspruch darauf, dass ein Veranstalter einer bestimmten Person Zugang zum Programm gewährt.»\n\n### Sachgerechtigkeit und Programmautonomie\n\n**BGE 137 I 340** vom 18. November 2011\nDie Sachgerechtigkeit nach Art. 4 Abs. 2 RTVG konkretisiert das Verfassungsgebot von Art. 93 Abs. 2 BV und verlangt objektive, nicht manipulative Berichterstattung.\nDas Urteil entwickelt zentrale Kriterien für die rundfunkrechtliche Beurteilung von Informationssendungen und deren Objektivitätsverpflichtung.\n\n> «Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt sollen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht wiedergeben, sodass das Publikum sich eine eigene Meinung bilden kann. Ein Beitrag darf insgesamt nicht manipulativ wirken, was der Fall ist, wenn der (interessierte) Zuschauer in Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten unsachgemäss informiert wird.»\n\n**BGE 134 I 2** vom 1. Januar 2007\nDie Programmautonomie nach Art. 93 Abs. 3 BV ist auch bei politisch sensiblen Sendungen im Vorfeld von Wahlen gewährleistet, soweit das Sachgerechtigkeits- und Vielfaltsgebot beachtet wird.\nDas Urteil zeigt die Reichweite der Programmautonomie bei politisch heiklen Inhalten auf und definiert die Grenzen der zulässigen redaktionellen Gestaltung.\n\n> «Ein personenbezogenes, wohlwollendes Porträt eines Politikers mit unkonventionellem Werdegang unmittelbar vor Erneuerungswahlen verstösst nicht gegen die rundfunkrechtlichen Vorgaben, wenn es nicht einseitig propagandistisch wirkt und das Publikum über die besondere Situation aufgeklärt wird.»\n\n**BGE 131 II 253** vom 17. Dezember 2003\nProvokativer und qualitativ fragwürdiger Journalismus verletzt das Sachgerechtigkeitsgebot nicht, wenn bei der Gesamtwürdigung relativierende Elemente vorhanden sind.\nDas Urteil konkretisiert den Massstab für investigativen Journalismus und zeigt auf, wie kontroverse Berichterstattung rundfunkrechtlich zulässig bleibt.\n\n> «Der umstrittene Filmbeitrag zum Thema Rentenmissbrauch durch Ausländer war provokativ und in einzelnen Passagen qualitativ fragwürdig; bei einer Gesamtwürdigung verletzte er indessen mit Blick auf das relativierende Studiogespräch keine Programmbestimmungen.»\n\n### Must-Carry-Rules und Aufschaltpflichten\n\n**BGE 135 II 296** vom 18. Juni 2009\nDie rundfunkrechtliche Aufschaltpflicht für private Fernsehprogramme setzt voraus, dass das Programm in besonderem Mass zur Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrags beiträgt.\nDas Urteil präzisiert die Voraussetzungen für Zugangsrechte privater Veranstalter zu Übertragungsnetzen und entwickelt qualitative Massstäbe für den Programminhalt.\n\n> «Für den Erlass einer Aufschaltverfügung nach neuem Recht muss das Programm in besonderem Mass zur Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrags beitragen. Ein Programm, welches trotz spezifisch schweizerischen Sportbeiträgen weiterhin in erheblichem Mass aus Produktionen besteht (Call-In, Erotik, Wahrsagerei), die keinen Mehrwert zum bestehenden Programmangebot bieten, genügt dieser Anforderung nicht.»\n\n**BGE 135 II 224** vom 1. Januar 2009  \nDas Kurzberichterstattungsrecht umfasst sowohl «Physical Access» als auch «Signal Access» unter angemessenen Bedingungen.\nDas Urteil konkretisiert die Modalitäten des verfassungsrechtlich verankerten Kurzberichterstattungsrechts und dessen praktische Umsetzung.\n\n> «Der 'Physical Access' nach Art. 72 Abs. 3 lit. a RTVG 2006 umfasst die Befugnis, im Rahmen der technischen und räumlichen Möglichkeiten vor Ort auch eigene Spielbilder drehen zu dürfen.»\n\n### Finanzierung und Gebührenrecht\n\n**BGE 141 II 182** vom 13. April 2015\nDie Radio- und Fernsehempfangsgebühr ist als Zwecksteuer oder Abgabe sui generis zu qualifizieren und untersteht nicht der Mehrwertsteuerpflicht.\nDas Urteil klärt die rechtliche Natur der Empfangsgebühr und deren steuerrechtliche Einordnung im Lichte von Art. 93 BV.\n\n> «Aufgrund der Entwicklung des Radio- und Fernsehrechts kann an der Qualifikation der Empfangsgebühr als Regalabgabe nicht festgehalten werden. Wer Radio- und Fernsehsendungen empfängt, nimmt ein verfassungsmässiges Recht wahr, womit keine Überlassung von Rechten im Sinne von Art. 3 lit. e MWSTG vorliegen kann.»\n\n### Persönlichkeitsschutz und individuelle Rechte\n\n**BGE 134 II 260** vom 1. Januar 2008\nVeranstalter von Radio- und Fernsehsendungen sind zur Beachtung der Grundrechte und der Menschenwürde verpflichtet, wobei die UBI keine Kompetenz zur individualrechtlichen Durchsetzung des Persönlichkeitsschutzes hat.\nDas Urteil grenzt die rundfunkrechtlichen von den individualrechtlichen Schutzansprüchen ab und zeigt die Grenzen der UBI-Zuständigkeit auf.\n\n> «Pflicht der Veranstalter von Radio- und Fernsehsendungen zur Beachtung der Grundrechte und namentlich der Menschenwürde. Fehlende Kompetenz der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, den individualrechtlichen Persönlichkeitsschutz durchzusetzen.»\n\n**BGE 132 II 290** vom 24. Mai 2005\nZusammenfassung der Rechtsprechung zu den programmrechtlichen Anforderungen: Sendungen müssen sachgerecht, vielfältig und für die Meinungsbildung förderlich sein.\nDas Urteil systematisiert die rundfunkrechtlichen Mindestanforderungen und entwickelt ein kohärentes System der Programmkontrolle.\n\n> «Das aus den Programmanforderungen von Art. 4 RTVG abgeleitete Gebot der Objektivität verlangt, dass der Hörer oder Zuschauer durch die vermittelten Fakten nicht irregeführt wird und sich eine eigene Meinung bilden kann. Zulässig ist hingegen eine subjektiv geprägte Darstellung, sofern diese als solche erkennbar ist.»\n\n### Verfahrensrecht und Beschwerdewesen\n\n**BGE 138 I 154** vom 1. Januar 2012\nWeder aus VwVG noch aus RTVG ergibt sich eine generelle Pflicht zur Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels in Beschwerdeverfahren vor der UBI.\nDas Urteil präzisiert die verfahrensrechtlichen Anforderungen in rundfunkrechtlichen Beschwerdeverfahren und die Reichweite des Anspruchs auf rechtliches Gehör.\n\n> «Das Recht auf Replik ist nicht identisch mit dem Anspruch auf einen zweiten Schriftenwechsel und kann unter Umständen auch auf andere Weise gewährt werden, beispielsweise durch die Möglichkeit, zu neuen Punkten im Rahmen der mündlichen Verhandlung Stellung zu nehmen.»", "summary_fr": "# Art. 93 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 93 Cst. règle la compétence de la Confédération pour la législation sur la radio et la télévision ainsi que les principes constitutionnels de la radiodiffusion. Cette disposition remonte à l'art. 55bis anc. Cst. de 1984 et a été étendue aux médias numériques en 1999 (FF 1997 I 393). Selon la doctrine dominante, la Confédération dispose d'une compétence législative complète et exclusive pour la radio, la télévision et les autres formes de médias électroniques (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10).\n\nLa radio et la télévision ont un mandat constitutionnel quadruple : elles doivent contribuer à la formation, à l'épanouissement culturel, à la libre formation de l'opinion et au divertissement. Cette responsabilité programmatique se concrétise dans la loi sur la radio et la télévision (LRTV) de 2006. Le Tribunal fédéral exige une information factuelle et non manipulatrice qui permette au public de se forger sa propre opinion (**ATF 137 I 340**).\n\nL'indépendance de la radio et de la télévision ainsi que l'autonomie programmatique sont garanties constitutionnellement. Cela exclut la censure préalable étatique, mais permet un contrôle a posteriori par l'Autorité indépendante d'examen des plaintes (AIEP). La SSR est également liée aux droits fondamentaux dans ses activités sur les réseaux sociaux et doit respecter la liberté d'opinion des utilisateurs (**ATF 149 I 2**).\n\nUn exemple concret : si une chaîne de télévision rapporte de manière unilatérale un scandale politique dans une émission d'information et tait les points de vue contraires, elle viole l'obligation de factualité. Les personnes concernées peuvent déposer une plainte concernant les programmes auprès de l'AIEP (art. 93 al. 5 Cst., art. 89 ss LRTV).\n\nLa portée de la compétence fédérale pour les médias en ligne est controversée. Saxer la limite aux programmes et aux applications fonctionnellement équivalentes (Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14), tandis que d'autres auteurs considèrent que toute la communication publique en ligne est concernée (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421). Le Tribunal fédéral a affirmé l'obligation de respecter les droits fondamentaux pour les comptes sur les réseaux sociaux de la SSR, sans clarifier la question de compétence de principe.", "doctrine_fr": "# Art. 93 Cst.\n\n## Doctrine\n\n**N. 1** **Genèse historique**\n\nL'art. 93 Cst. se fonde sur l'art. 55bis aCst. de 1984, qui conférait à la Confédération une compétence réglementaire étendue pour la radio et la télévision (FF 1981 III 746). La révision totale de 1999 a étendu cette compétence aux « autres formes de diffusion publique télétechnique de programmes et d'informations », afin de tenir compte de l'évolution technologique (FF 1997 I 445). La disposition constitutionnelle poursuit l'objectif de donner aux médias électroniques un cadre constitutionnel qui reconnaît à la fois leur fonction sociale et garantit leur indépendance (FF 1997 I 446 s.).\n\n**N. 2** **Classification systématique**\n\nL'art. 93 Cst. figure dans la section relative aux compétences de la Confédération et suit immédiatement l'art. 92 Cst. (Postes et télécommunications). La disposition présente des liens étroits avec les droits fondamentaux de communication (→ Art. 16 Cst. Liberté d'opinion et d'information, → Art. 17 Cst. Liberté des médias). Elle concrétise la liberté d'information pour le secteur de la radiodiffusion et la complète par des garanties institutionnelles spécifiques (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 4). La norme est principalement une disposition de compétence avec des références aux droits fondamentaux, mais ne constitue pas elle-même un droit fondamental (SGK BV-Ehrenzeller/Schindler, art. 93 n. 2).\n\n**N. 3** **Éléments constitutifs / Contenu normatif**\n\n**N. 3.1** _Compétence fédérale (al. 1)_\n\nLa compétence législative de la Confédération pour la radio, la télévision et les autres formes de diffusion publique télétechnique est, selon la doctrine dominante, étendue et agit de manière originairement dérogatoire par rapport au droit cantonal (Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 93 n. 4 ; Cottier, in : Mäder/Uebersax, art. 93 n. 12 ; Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 10). Une opinion minoritaire voit des compétences concurrentes de la Confédération et des cantons, dans la mesure où la Confédération n'a pas fait un usage exhaustif de sa compétence (Biaggini, BV-Kommentar, art. 93 n. 6 ; Tschannen, in : Tschannen/Zimmerli/Müller, § 5 n. 28).\n\n**N. 3.2** _Portée de la compétence fédérale_\n\nLa portée de la compétence fédérale pour les médias en ligne est controversée. Selon Saxer, l'art. 93 Cst. ne couvre que les programmes et les applications fonctionnellement équivalentes (Saxer/Brunner, Rundfunkrecht, n. 142 ; Saxer, BSK BV, art. 93 n. 14). L'opinion contraire soutient que l'ensemble de la communication publique dans le domaine en ligne relève de la compétence législative (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421 ; Weber, Medienkonzentration, 87 ss.). **BGE 149 I 2** a répondu à cette question pour l'offre publicitaire complémentaire de la SSR en précisant que les activités sur les médias sociaux sont également couvertes.\n\n**N. 4** **Mandat de prestation (al. 2)**\n\nLa radio et la télévision ont un mandat de prestation constitutionnel comportant quatre éléments : formation, épanouissement culturel, libre formation de l'opinion et divertissement. Ces fonctions sont équivalentes, la fonction de formation de l'opinion ayant un poids particulier (Müller/Schefer/Zeller, in : Müller/Schefer, 493). La prise en compte des « particularités du pays » comprend le multilinguisme, le fédéralisme et la diversité culturelle (Nobel/Weber, Medienrecht, n. 523).\n\n**N. 4.1** _Exigence de conformité aux faits_\n\nL'exigence de présentation conforme aux faits ne requiert pas une objectivité absolue, mais la véracité et le soin journalistique (Barrelet/Werly, Droit de la communication, n. 1842). **BGE 137 I 340** a précisé que les émissions d'information doivent être conçues de manière à ce que le public puisse se former sa propre opinion. Les reportages manipulateurs sont inadmissibles.\n\n**N. 4.2** _Exigence de diversité_\n\nLa représentation appropriée de la diversité des opinions se réfère à l'ensemble du programme, non aux émissions individuelles (Dumermuth, Programmaufsicht, 156). **BGE 134 I 2** a confirmé que les portraits personnalisés de politiciens sont également admissibles s'ils n'ont pas un effet propagandiste unilatéral.\n\n**N. 5** **Conséquences juridiques**\n\n**N. 5.1** _Indépendance de l'État et autonomie des programmes (al. 3)_\n\nL'indépendance garantie comprend tant l'indépendance institutionnelle des diffuseurs que la liberté rédactionnelle (SGK BV-Zeller, art. 93 n. 31). L'autonomie des programmes exclut la censure préalable de l'État, mais permet un contrôle a posteriori par l'AIEP (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 35). **BGE 139 I 306** a étendu la soumission aux droits fondamentaux de la SSR également à l'activité de droit privé dans le domaine publicitaire.\n\n**N. 5.2** _Obligation de considération (al. 4)_\n\nL'obligation de considération oblige le législateur et les autorités d'exécution à tenir compte de l'existence et de la fonction d'autres médias (Weber, Rundfunkfreiheit, 234). Elle ne fonde cependant aucun droit à la protection de la concurrence (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 41).\n\n**N. 5.3** _Droit de recours (al. 5)_\n\nL'art. 93 al. 5 Cst. garantit un droit de recours auprès d'une instance indépendante pour les plaintes relatives aux programmes. L'AIEP n'est pas une autorité de censure, mais contrôle a posteriori le respect des prescriptions relatives aux programmes (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 48). **BGE 134 II 260** a clarifié que l'AIEP n'a pas de compétence pour l'application du droit individuel de la protection de la personnalité.\n\n**N. 6** **Questions controversées**\n\n**N. 6.1** _Étendue de la compétence fédérale_\n\nLa controverse sur la compétence fédérale concurrente ou exclusive demeure non résolue. Alors qu'Aubert/Mahon, Cottier, Mäder et Dumermuth partent d'une compétence fédérale étendue (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 10), Biaggini et Tschannen voient une place pour les réglementations cantonales dans les domaines non réglementés de manière exhaustive (Biaggini, BV-Kommentar, art. 93 n. 6).\n\n**N. 6.2** _Champ d'application pour les médias en ligne_\n\nLe différend sur la couverture des offres en ligne divise la doctrine. Saxer limite la compétence aux programmes linéaires et aux offres fonctionnellement équivalentes (Saxer, BSK BV, art. 93 n. 14). La position contraire de Graber/Kerekes et Weber couvre toutes les formes de communication publique en ligne (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421).\n\n**N. 7** **Indications pratiques**\n\nLes diffuseurs doivent respecter les exigences constitutionnelles lors de la conception des programmes, mais disposent d'une marge de manœuvre considérable. La conformité aux faits doit être jugée plus strictement pour les émissions d'information que pour le divertissement. Pour les sujets controversés, une représentation équilibrée de différents points de vue dans l'ensemble du programme est recommandée. Les plaintes relatives aux programmes doivent être déposées auprès de l'AIEP dans les 20 jours (art. 95 LRTV). La SSR est également soumise aux droits fondamentaux pour ses activités sur les médias sociaux (**BGE 149 I 2**).", "caselaw_fr": "# Art. 93 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Obligation des droits fondamentaux de la SSR\n\n**ATF 149 I 2** du 29 novembre 2022\nLa SSR est liée par les droits fondamentaux dans son autre offre publicitaire et doit garantir l'accès à la justice.\nCet arrêt novateur établit la garantie constitutionnelle de l'accès à la justice en cas d'atteintes de la SSR à la liberté d'opinion par la suppression de commentaires d'utilisateurs sur les médias sociaux.\n\n> « La SSR est liée par les droits fondamentaux dans son autre offre publicitaire (üpA) ; cela vaut également - en raison du lien étroit de contenu entre sa contribution rédactionnelle et les commentaires des utilisateurs y relatifs - dans la mesure où elle supprime de tels commentaires en se fondant sur sa 'Netiquette'. »\n\n**ATF 139 I 306** du 1er janvier 2013\nLa SSR est liée par les droits fondamentaux même lors d'activités de droit privé dans le domaine publicitaire et ne peut refuser des messages publicitaires qu'en cas de contenu illicite ou d'intérêts propres prépondérants.\nL'arrêt précise l'obligation des droits fondamentaux de la SSR en dehors du domaine proprement programmatique et crée des critères importants pour la pesée d'intérêts.\n\n> « Dans ses activités de droit privé dans le domaine publicitaire, la SSR est liée par les droits fondamentaux. Elle doit tenir compte notamment (aussi) du contenu idéel des droits de liberté. La simple crainte qu'une publicité controversée (idéelle) pourrait nuire à sa réputation ne constitue pas un intérêt suffisant pour refuser la diffusion d'un spot publicitaire critique à son égard, tant que le mandataire n'agit pas de manière illicite. »\n\n**ATF 136 I 167** du 1er janvier 2009\nEn principe, il n'existe pas de « droit d'antenne », sauf en cas d'atteintes constitutionnellement pertinentes.\nL'arrêt confirme la jurisprudence restrictive concernant le droit d'accès et montre les limites du droit constitutionnel d'accès aux programmes.\n\n> « En tant qu'émanation de la liberté des médias, des programmes et de l'information, il n'existe en principe pas de 'droit d'antenne', c.-à-d. pas de droit à ce qu'un diffuseur accorde l'accès au programme à une personne déterminée. »\n\n### Objectivité et autonomie programmatique\n\n**ATF 137 I 340** du 18 novembre 2011\nL'objectivité selon l'art. 4 al. 2 LRTV concrétise le commandement constitutionnel de l'art. 93 al. 2 Cst. et exige un traitement de l'information objectif, non manipulateur.\nL'arrêt développe des critères centraux pour l'appréciation sous l'angle du droit de la radiodiffusion des émissions d'information et de leur obligation d'objectivité.\n\n> « Les émissions rédactionnelles à contenu informatif doivent reproduire les faits et événements de manière objective, de sorte que le public puisse se forger sa propre opinion. Une contribution ne doit pas avoir un effet manipulateur dans l'ensemble, ce qui est le cas lorsque le spectateur (intéressé) est informé de manière inadéquate en violation des devoirs de diligence journalistique. »\n\n**ATF 134 I 2** du 1er janvier 2007\nL'autonomie programmatique selon l'art. 93 al. 3 Cst. est également garantie pour les émissions politiquement sensibles en amont d'élections, dans la mesure où le commandement d'objectivité et de diversité est respecté.\nL'arrêt montre la portée de l'autonomie programmatique pour des contenus politiquement délicats et définit les limites de la conception rédactionnelle admissible.\n\n> « Un portrait personnalisé et bienveillant d'un politicien au parcours non conventionnel immédiatement avant des élections de renouvellement ne viole pas les exigences du droit de la radiodiffusion, s'il n'a pas un effet unilatéralement propagandiste et que le public est informé de la situation particulière. »\n\n**ATF 131 II 253** du 17 décembre 2003\nLe journalisme provocateur et qualitativement discutable ne viole pas le commandement d'objectivité si, dans l'appréciation d'ensemble, des éléments relativisants sont présents.\nL'arrêt concrétise la mesure pour le journalisme d'investigation et montre comment un traitement de l'information controversé reste admissible sous l'angle du droit de la radiodiffusion.\n\n> « La contribution filmée controversée sur le thème de l'abus de rente par des étrangers était provocatrice et qualitativement discutable dans certains passages ; dans une appréciation d'ensemble, elle ne violait cependant pas les dispositions programmatiques eu égard à l'entretien en studio relativisant. »\n\n### Must-Carry-Rules et obligations de diffusion\n\n**ATF 135 II 296** du 18 juin 2009\nL'obligation de diffusion selon le droit de la radiodiffusion pour les programmes télévisés privés présuppose que le programme contribue de manière particulière à l'accomplissement du mandat constitutionnel.\nL'arrêt précise les conditions pour les droits d'accès des diffuseurs privés aux réseaux de transmission et développe des critères qualitatifs pour le contenu des programmes.\n\n> « Pour l'adoption d'une décision de diffusion selon le nouveau droit, le programme doit contribuer de manière particulière à l'accomplissement du mandat constitutionnel. Un programme qui, malgré des contributions sportives spécifiquement suisses, continue de consister dans une mesure considérable en productions (Call-In, érotique, voyance) qui n'apportent pas de valeur ajoutée à l'offre de programmes existante, ne satisfait pas à cette exigence. »\n\n**ATF 135 II 224** du 1er janvier 2009  \nLe droit de brève information comprend tant le « Physical Access » que le « Signal Access » dans des conditions appropriées.\nL'arrêt concrétise les modalités du droit de brève information ancré constitutionnellement et sa mise en œuvre pratique.\n\n> « Le 'Physical Access' selon l'art. 72 al. 3 let. a LRTV 2006 comprend la compétence de pouvoir également tourner ses propres images de jeu sur place dans le cadre des possibilités techniques et spatiales. »\n\n### Financement et droit des redevances\n\n**ATF 141 II 182** du 13 avril 2015\nLa redevance de réception radio et télévision doit être qualifiée d'impôt affecté ou de redevance sui generis et n'est pas soumise à l'assujettissement à la taxe sur la valeur ajoutée.\nL'arrêt clarifie la nature juridique de la redevance de réception et son classement sous l'angle du droit fiscal à la lumière de l'art. 93 Cst.\n\n> « En raison du développement du droit de la radio et de la télévision, la qualification de la redevance de réception comme redevance régalienne ne peut être maintenue. Celui qui reçoit des émissions de radio et de télévision exerce un droit constitutionnel, de sorte qu'il ne peut y avoir de cession de droits au sens de l'art. 3 let. e LTVA. »\n\n### Protection de la personnalité et droits individuels\n\n**ATF 134 II 260** du 1er janvier 2008\nLes diffuseurs d'émissions de radio et de télévision sont tenus de respecter les droits fondamentaux et la dignité humaine, l'AIEP n'ayant pas de compétence pour faire valoir la protection de la personnalité sous l'angle du droit individuel.\nL'arrêt délimite les prétentions de protection relevant du droit de la radiodiffusion de celles relevant du droit individuel et montre les limites de la compétence de l'AIEP.\n\n> « Obligation des diffuseurs d'émissions de radio et de télévision de respecter les droits fondamentaux et notamment la dignité humaine. Absence de compétence de l'Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision pour faire valoir la protection de la personnalité sous l'angle du droit individuel. »\n\n**ATF 132 II 290** du 24 mai 2005\nRésumé de la jurisprudence concernant les exigences du droit des programmes : les émissions doivent être objectives, diversifiées et favoriser la formation de l'opinion.\nL'arrêt systématise les exigences minimales du droit de la radiodiffusion et développe un système cohérent de contrôle des programmes.\n\n> « Le commandement d'objectivité dérivé des exigences programmatiques de l'art. 4 LRTV exige que l'auditeur ou le spectateur ne soit pas induit en erreur par les faits transmis et puisse se forger sa propre opinion. Une présentation subjectivement marquée est en revanche admissible, pour autant qu'elle soit reconnaissable comme telle. »\n\n### Droit de procédure et système de recours\n\n**ATF 138 I 154** du 1er janvier 2012\nNi de la PA ni de la LRTV ne découle une obligation générale de mener un deuxième échange d'écritures dans les procédures de recours devant l'AIEP.\nL'arrêt précise les exigences de droit procédural dans les procédures de recours relevant du droit de la radiodiffusion et la portée du droit d'être entendu.\n\n> « Le droit de réplique n'est pas identique à la prétention à un deuxième échange d'écritures et peut dans certaines circonstances également être accordé d'une autre manière, par exemple par la possibilité de prendre position sur de nouveaux points dans le cadre de l'audience. »", "summary_it": "# Art. 93 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 93 Cost. disciplina la competenza della Confederazione per la legislazione radiotelevisiva e i principi costituzionali della radiotelevisione. La disposizione risale all'art. 55bis aCost. del 1984 ed è stata estesa nel 1999 ai media digitali (FF 1997 I 445). Secondo la dottrina dominante, la Confederazione ha una competenza legislativa globale ed esclusiva per la radio, la televisione e altre forme di media elettronici (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 n. 10).\n\nLa radio e la televisione hanno un mandato costituzionale quadruplice: devono contribuire alla formazione, allo sviluppo culturale, alla libera formazione dell'opinione e all'intrattenimento. Questa responsabilità programmatica si concretizza nella Legge federale su radio e televisione (LRTV) del 2006. Il Tribunale federale esige un'informazione oggettiva e non manipolatrice che permetta al pubblico di formarsi una propria opinione (**DTF 137 I 340**).\n\nL'indipendenza di radio e televisione nonché l'autonomia programmatica sono garantite costituzionalmente. Ciò esclude la censura preventiva statale, ma consente il controllo successivo da parte dell'Autorità indipendente di ricorso (AIR). La SSR è vincolata ai diritti fondamentali anche nelle attività sui social media e deve rispettare la libertà di opinione degli utenti (**DTF 149 I 2**).\n\nUn esempio concreto: se una stazione televisiva informa in modo unilaterale su uno scandalo politico in una trasmissione informativa e tace punti di vista contrari, viola il principio di oggettività. Gli interessati possono presentare un reclamo programmatico presso l'AIR (art. 93 cpv. 5 Cost., art. 89 segg. LRTV).\n\nÈ controversa la portata della competenza federale per i media online. Saxer la limita ai programmi e alle applicazioni funzionalmente equivalenti (Saxer, BSK BV, Art. 93 n. 14), mentre altri autori ritengono sia coperta l'intera comunicazione pubblica online (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421). Il Tribunale federale ha confermato il vincolo ai diritti fondamentali per le apparizioni sui social media della SSR, senza chiarire la questione di principio della competenza.", "doctrine_it": "# Art. 93 Cost.\n\n## Dottrina\n\n**N. 1** **Storia della genesi**\n\nL'art. 93 Cost. si basa sull'art. 55bis aCost. del 1984, che conferiva alla Confederazione una competenza normativa completa per radio e televisione (FF 1981 III 746). La revisione totale del 1999 ha esteso tale competenza alle «altre forme di diffusione di spettacoli e informazioni per telecomunicazione destinate al pubblico», per tener conto dello sviluppo tecnologico (FF 1997 I 445). La disposizione costituzionale persegue l'obiettivo di dare ai media elettronici un quadro costituzionale che riconosca tanto la loro funzione sociale quanto garantisca la loro indipendenza (FF 1997 I 446 s.).\n\n**N. 2** **Collocazione sistematica**\n\nL'art. 93 Cost. si trova nella sezione sulle competenze della Confederazione e segue immediatamente l'art. 92 Cost. (Poste e telecomunicazioni). La disposizione presenta stretti collegamenti con i diritti fondamentali della comunicazione (→ art. 16 Cost. Libertà di opinione e d'informazione, → art. 17 Cost. Libertà dei media). Essa concretizza la libertà d'informazione per il settore radiotelevisivo e la completa con specifiche garanzie istituzionali (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 4). La norma è primariamente una disposizione di competenza con riferimenti ai diritti fondamentali, ma non costituisce essa stessa un diritto fondamentale (SGK BV-Ehrenzeller/Schindler, art. 93 n. 2).\n\n**N. 3** **Elementi della fattispecie / Contenuto normativo**\n\n**N. 3.1** _Competenza federale (cpv. 1)_\n\nLa competenza legislativa della Confederazione per radio, televisione e altre forme di diffusione per telecomunicazione destinata al pubblico è, secondo la dottrina prevalente, completa ed ha effetto originariamente derogatorio rispetto al diritto cantonale (Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 93 n. 4; Cottier, in: Mäder/Uebersax, art. 93 n. 12; Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 10). Un'opinione minoritaria vede competenze concorrenti di Confederazione e Cantoni, nella misura in cui la Confederazione non abbia fatto uso in modo conclusivo della sua competenza (Biaggini, BV-Kommentar, art. 93 n. 6; Tschannen, in: Tschannen/Zimmerli/Müller, § 5 n. 28).\n\n**N. 3.2** _Portata della competenza federale_\n\nÈ controversa la portata della competenza federale per i media online. Secondo Saxer l'art. 93 Cost. comprende solo programmi e applicazioni funzionalmente equivalenti (Saxer/Brunner, Rundfunkrecht, n. 142; Saxer, BSK BV, art. 93 n. 14). L'opinione contraria sostiene che l'intera comunicazione pubblica nell'ambito online ricade sotto la competenza legislativa (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421; Weber, Medienkonzentration, 87 ss.). La **DTF 149 I 2** ha risposto a questa questione per l'ulteriore offerta pubblicistica della SSR nel senso che sono comprese anche le attività sui social media.\n\n**N. 4** **Mandato di prestazioni (cpv. 2)**\n\nRadio e televisione hanno un mandato di prestazioni costituzionale con quattro elementi: formazione, sviluppo culturale, libera formazione dell'opinione e divertimento. Queste funzioni sono equivalenti, benché la funzione di formazione dell'opinione abbia un peso particolare (Müller/Schefer/Zeller, in: Müller/Schefer, 493). La considerazione delle «particolarità del Paese» comprende plurilinguismo, federalismo e diversità culturale (Nobel/Weber, Medienrecht, n. 523).\n\n**N. 4.1** _Obbligo di oggettività**\n\nL'obbligo di presentazione obiettiva non richiede un'oggettività assoluta, bensì veridicità e diligenza giornalistica (Barrelet/Werly, Droit de la communication, n. 1842). La **DTF 137 I 340** ha precisato che le trasmissioni informative devono essere concepite in modo che il pubblico possa formarsi una propria opinione. La cronaca manipolativa è inammissibile.\n\n**N. 4.2** _Obbligo di pluralismo**\n\nLa rappresentazione adeguata della pluralità delle opinioni si riferisce al programma complessivo, non alle singole trasmissioni (Dumermuth, Programmaufsicht, 156). La **DTF 134 I 2** ha confermato che sono ammissibili anche ritratti personali di politici, purché non abbiano un effetto propagandistico unilaterale.\n\n**N. 5** **Conseguenze giuridiche**\n\n**N. 5.1** _Indipendenza dallo Stato e autonomia dei programmi (cpv. 3)_\n\nL'indipendenza garantita comprende sia l'indipendenza istituzionale dei diffusori sia la libertà redazionale (SGK BV-Zeller, art. 93 n. 31). L'autonomia dei programmi esclude la censura preventiva statale, ma consente il controllo successivo da parte dell'AIEP (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 35). La **DTF 139 I 306** ha esteso il vincolo ai diritti fondamentali della SSR anche all'agire di diritto privato nell'ambito pubblicitario.\n\n**N. 5.2** _Obbligo di riguardo (cpv. 4)_\n\nL'obbligo di riguardo vincola legislatore e autorità esecutive a considerare l'esistenza e la funzione di altri media (Weber, Rundfunkfreiheit, 234). Esso però non fonda alcun diritto alla protezione della concorrenza (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 41).\n\n**N. 5.3** _Diritto di ricorso (cpv. 5)_\n\nL'art. 93 cpv. 5 Cost. garantisce un diritto di ricorso a un'istanza indipendente per i ricorsi sui programmi. L'AIEP non è un'autorità di censura, bensì controlla successivamente il rispetto delle disposizioni sui programmi (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 48). La **DTF 134 II 260** ha chiarito che l'AIEP non ha competenza per l'applicazione di diritto individuale della protezione della personalità.\n\n**N. 6** **Questioni controverse**\n\n**N. 6.1** _Portata della competenza federale_\n\nLa controversia su competenza federale concorrente o esclusiva rimane irrisolta. Mentre Aubert/Mahon, Cottier, Mäder e Dumermuth partono da una competenza federale completa (Dumermuth, BSK BV, art. 93 n. 10), Biaggini e Tschannen vedono spazio per regolamentazioni cantonali in ambiti non disciplinati in modo conclusivo (Biaggini, BV-Kommentar, art. 93 n. 6).\n\n**N. 6.2** _Campo d'applicazione per i media online_\n\nLa disputa sulla copertura delle offerte online divide la dottrina. Saxer limita la competenza ai programmi lineari e alle offerte funzionalmente equivalenti (Saxer, BSK BV, art. 93 n. 14). La posizione contraria di Graber/Kerekes e Weber comprende tutte le forme di comunicazione online pubblica (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421).\n\n**N. 7** **Indicazioni pratiche**\n\nI diffusori devono rispettare le prescrizioni costituzionali nella concezione dei programmi, ma dispongono di considerevole margine di manovra. L'oggettività deve essere giudicata più rigorosamente nelle trasmissioni informative che nell'intrattenimento. Per temi controversi si raccomanda una rappresentazione equilibrata di diversi punti di vista nel programma complessivo. I ricorsi sui programmi devono essere presentati entro 20 giorni all'AIEP (art. 95 LRTV). La SSR è vincolata ai diritti fondamentali anche nelle attività sui social media (**DTF 149 I 2**).", "caselaw_it": "# Art. 93 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Vincolo ai diritti fondamentali della SSR\n\n**DTF 149 I 2** del 29 novembre 2022\nLa SSR è vincolata ai diritti fondamentali nella sua restante offerta pubblicistica e deve garantire la tutela della via giuridica.\nQuesta sentenza innovativa stabilisce la garanzia costituzionale della via giuridica in caso di interventi della SSR nella libertà di opinione attraverso la cancellazione di commenti degli utenti sui social media.\n\n> «La SSR è vincolata ai diritti fondamentali nella sua restante offerta pubblicistica (üpA); ciò vale - a causa dello stretto nesso contenutistico tra il suo contributo redazionale e i commenti degli utenti a riguardo - anche nella misura in cui cancella tali commenti basandosi sulla sua 'Netiquette'.»\n\n**DTF 139 I 306** del 1° gennaio 2013\nLa SSR è vincolata ai diritti fondamentali anche nell'agire privatistico nell'ambito pubblicitario e può rifiutare messaggi pubblicitari solo in caso di contenuto illecito o interessi propri preponderanti.\nLa sentenza precisa il vincolo ai diritti fondamentali della SSR al di fuori del settore propriamente programmatico e stabilisce importanti criteri per il bilanciamento degli interessi.\n\n> «Nel suo agire privatistico nell'ambito pubblicitario la SSR è vincolata ai diritti fondamentali. Essa deve tenere conto in particolare (anche) del contenuto ideale dei diritti di libertà. Il mero timore che una pubblicità controversa (ideale) possa nuocere alla sua reputazione non costituisce un interesse sufficiente per rifiutare la diffusione di uno spot pubblicitario a lei critico, fintanto che il committente non agisce illecitamente.»\n\n**DTF 136 I 167** del 1° gennaio 2009\nIn linea di principio non esiste alcun «diritto all'antenna», salvo in caso di compromissioni costituzionalmente rilevanti.\nLa sentenza conferma la giurisprudenza restrittiva sul diritto di accesso e mostra i limiti della pretesa costituzionale di accesso al programma.\n\n> «Come espressione della libertà dei media, del programma e dell'informazione, in linea di principio non esiste alcun 'diritto all'antenna', ossia nessuna pretesa che un organizzatore conceda a una determinata persona l'accesso al programma.»\n\n### Correttezza e autonomia del programma\n\n**DTF 137 I 340** del 18 novembre 2011\nLa correttezza secondo l'art. 4 cpv. 2 LRTV concretizza il precetto costituzionale dell'art. 93 cpv. 2 Cost. e richiede una comunicazione obiettiva, non manipolativa.\nLa sentenza sviluppa criteri centrali per la valutazione radiotelevisiva di trasmissioni informative e del loro obbligo di obiettività.\n\n> «Le trasmissioni redazionali con contenuto informativo devono riprodurre fatti ed eventi in modo corretto, affinché il pubblico possa formarsi una propria opinione. Un contributo non deve nel complesso agire manipolativamente, il che avviene quando lo spettatore (interessato) viene informato impropriamente in violazione dei doveri di diligenza giornalistica.»\n\n**DTF 134 I 2** del 1° gennaio 2007\nL'autonomia del programma secondo l'art. 93 cpv. 3 Cost. è garantita anche per trasmissioni politicamente sensibili alla vigilia di elezioni, purché sia rispettato il precetto di correttezza e pluralità.\nLa sentenza mostra la portata dell'autonomia del programma per contenuti politicamente delicati e definisce i limiti della configurazione redazionale ammissibile.\n\n> «Un ritratto personale e benevolo di un politico con un percorso non convenzionale immediatamente prima delle elezioni di rinnovo non viola le prescrizioni radiotelevisive, se non ha un effetto propagandistico unilaterale e il pubblico viene informato sulla situazione particolare.»\n\n**DTF 131 II 253** del 17 dicembre 2003\nIl giornalismo provocatorio e qualitativamente discutibile non viola il precetto di correttezza se nella valutazione complessiva sono presenti elementi relativizzanti.\nLa sentenza concretizza il criterio per il giornalismo investigativo e mostra come la comunicazione controversa rimanga ammissibile dal punto di vista radiotelevisivo.\n\n> «Il controverso contributo filmico sul tema dell'abuso delle rendite da parte di stranieri era provocatorio e qualitativamente discutibile in singoli passaggi; in una valutazione complessiva non violava tuttavia alcuna disposizione programmatica considerando la conversazione in studio relativizzante.»\n\n### Must-Carry-Rules e obblighi di diffusione\n\n**DTF 135 II 296** del 18 giugno 2009\nL'obbligo radiotelevisivo di diffusione per programmi televisivi privati presuppone che il programma contribuisca in modo particolare al compimento del mandato costituzionale.\nLa sentenza precisa i presupposti per i diritti di accesso degli organizzatori privati alle reti di trasmissione e sviluppa criteri qualitativi per il contenuto del programma.\n\n> «Per l'emanazione di un ordine di diffusione secondo il nuovo diritto, il programma deve contribuire in modo particolare al compimento del mandato costituzionale. Un programma che, nonostante contributi sportivi specificamente svizzeri, continua a consistere in misura considerevole di produzioni (call-in, erotismo, cartomanzia) che non offrono alcun valore aggiunto all'offerta programmatica esistente, non soddisfa questo requisito.»\n\n**DTF 135 II 224** del 1° gennaio 2009\nIl diritto di breve cronaca comprende sia il «Physical Access» sia il «Signal Access» a condizioni adeguate.\nLa sentenza concretizza le modalità del diritto di breve cronaca ancorato costituzionalmente e la sua attuazione pratica.\n\n> «Il 'Physical Access' secondo l'art. 72 cpv. 3 lett. a LRTV 2006 comprende la facoltà di girare, nel quadro delle possibilità tecniche e spaziali sul posto, anche proprie immagini di gioco.»\n\n### Finanziamento e diritto delle tasse\n\n**DTF 141 II 182** del 13 aprile 2015\nLa tassa di ricezione radio e televisiva deve essere qualificata come imposta di scopo o tassa sui generis e non è soggetta all'obbligo dell'imposta sul valore aggiunto.\nLa sentenza chiarisce la natura giuridica della tassa di ricezione e la sua classificazione fiscale alla luce dell'art. 93 Cost.\n\n> «A causa dell'evoluzione del diritto radio e televisivo, non si può mantenere la qualificazione della tassa di ricezione come tassa di regalia. Chi riceve trasmissioni radio e televisive esercita un diritto costituzionale, per cui non può sussistere una cessione di diritti nel senso dell'art. 3 lett. e LIVA.»\n\n### Protezione della personalità e diritti individuali\n\n**DTF 134 II 260** del 1° gennaio 2008\nGli organizzatori di trasmissioni radio e televisive sono obbligati al rispetto dei diritti fondamentali e della dignità umana, mentre l'AIEP non ha competenza per far valere individualmente la protezione della personalità.\nLa sentenza delimita le pretese di protezione radiotelevisive da quelle individuali e mostra i limiti della competenza dell'AIEP.\n\n> «Obbligo degli organizzatori di trasmissioni radio e televisive di rispettare i diritti fondamentali e in particolare la dignità umana. Mancanza di competenza dell'Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva per far valere la protezione individuale della personalità.»\n\n**DTF 132 II 290** del 24 maggio 2005\nRiassunto della giurisprudenza sui requisiti programmatici: le trasmissioni devono essere corrette, plurali e favorevoli alla formazione dell'opinione.\nLa sentenza sistematizza i requisiti minimi radiotelevisivi e sviluppa un sistema coerente del controllo del programma.\n\n> «Il precetto di obiettività derivato dai requisiti programmatici dell'art. 4 LRTV richiede che l'ascoltatore o lo spettatore non sia fuorviato dai fatti trasmessi e possa formarsi una propria opinione. È invece ammissibile una rappresentazione soggettivamente caratterizzata, purché sia riconoscibile come tale.»\n\n### Diritto procedurale e sistema di ricorso\n\n**DTF 138 I 154** del 1° gennaio 2012\nNé dalla PA né dalla LRTV risulta un obbligo generale di condurre un secondo scambio di scritti nelle procedure di ricorso davanti all'AIEP.\nLa sentenza precisa i requisiti procedurali nelle procedure di ricorso radiotelevisive e la portata del diritto di essere sentiti.\n\n> «Il diritto di replica non è identico alla pretesa di un secondo scambio di scritti e può essere concesso in determinate circostanze anche in altro modo, ad esempio attraverso la possibilità di prendere posizione su nuovi punti nel quadro dell'udienza orale.»", "summary_en": "# Art. 93 BV\n\n## Overview\n\nArt. 93 BV governs the federal competence for radio and television legislation as well as the constitutional principles of broadcasting. The provision traces back to Art. 55bis old Constitution of 1984 and was extended to digital media in 1999 (BBl 1997 I 445). According to prevailing doctrine, the Confederation has comprehensive and exclusive legislative competence for radio, television and other electronic media forms (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10).\n\nRadio and television have a fourfold constitutional mandate: They shall contribute to education, cultural development, free opinion formation and entertainment. This programme responsibility is concretised in the Radio and Television Act (RTVG) of 2006. The Federal Supreme Court requires factually appropriate, non-manipulative reporting that enables the public to form their own opinions (**BGE 137 I 340**).\n\nThe independence of radio and television as well as programme autonomy are constitutionally guaranteed. This excludes state pre-censorship but allows subsequent control by the Independent Complaints Authority (UBI). The SRG is bound by fundamental rights even in social media activities and must respect users' freedom of expression (**BGE 149 I 2**).\n\nA concrete example: If a television broadcaster reports one-sidedly on a political scandal in a news programme and conceals contrary viewpoints, it violates the requirement of factual appropriateness. Affected parties can lodge a programme complaint with the UBI (Art. 93 para. 5 BV, Art. 89 ff. RTVG).\n\nThe scope of federal competence for online media is disputed. Saxer limits this to programmes and functionally equivalent applications (Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14), while other authors see all public online communication as covered (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421). The Federal Supreme Court has affirmed the binding effect of fundamental rights for SRG's social media presence without clarifying the fundamental question of competence.", "doctrine_en": "# Art. 93 BV\n\n## Doctrine\n\n**N. 1** **Legislative History**\n\nArt. 93 BV is based on Art. 55bis old BV of 1984, which granted the Confederation comprehensive regulatory competence for radio and television (BBl 1981 III 746). The total revision of 1999 extended this competence to «other forms of public telecommunication transmission of programmes and information» to account for technological development (BBl 1997 I 445). The constitutional provision aims to provide electronic media with a constitutional framework that both recognises their social function and guarantees their independence (BBl 1997 I 446 f.).\n\n**N. 2** **Systematic Classification**\n\nArt. 93 BV is located in the section on federal competences and follows directly after Art. 92 BV (postal and telecommunication services). The provision has close connections to fundamental communication rights (→ Art. 16 BV freedom of opinion and information, → Art. 17 BV media freedom). It concretises freedom of information for the broadcasting sector and supplements it with specific institutional guarantees (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 4). The norm is primarily a competence provision with fundamental rights references, but is not itself a fundamental right (SGK BV-Ehrenzeller/Schindler, Art. 93 N. 2).\n\n**N. 3** **Elements of the Offence / Content of the Norm**\n\n**N. 3.1** _Federal Competence (Para. 1)_\n\nAccording to prevailing doctrine, the federal legislative competence for radio, television and other forms of public telecommunication transmission is comprehensive and has an originally derogating effect vis-à-vis cantonal law (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 93 N. 4; Cottier, in: Mäder/Uebersax, Art. 93 N. 12; Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10). A minority view sees competing competences of the Confederation and cantons, insofar as the Confederation has not made conclusive use of its competence (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 93 N. 6; Tschannen, in: Tschannen/Zimmerli/Müller, § 5 N. 28).\n\n**N. 3.2** _Scope of Federal Competence_\n\nThe scope of federal competence for online media is disputed. According to Saxer, Art. 93 BV only covers programmes and functionally equivalent applications (Saxer/Brunner, Rundfunkrecht, N. 142; Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14). The opposing view holds that all public communication in the online area falls under the legislative competence (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421; Weber, Medienkonzentration, 87 ff.). **BGE 149 I 2** answered this question for the other journalistic offerings of SRG to the effect that social media activities are also covered.\n\n**N. 4** **Service Mandate (Para. 2)**\n\nRadio and television have a constitutional service mandate with four elements: education, cultural development, free opinion formation and entertainment. These functions are of equal value, with the opinion formation function having particular weight (Müller/Schefer/Zeller, in: Müller/Schefer, 493). Consideration of the «particularities of the country» encompasses multilingualism, federalism and cultural diversity (Nobel/Weber, Medienrecht, N. 523).\n\n**N. 4.1** _Requirement of Factual Accuracy_\n\nThe requirement of factual presentation does not demand absolute objectivity, but rather truthfulness and journalistic care (Barrelet/Werly, Droit de la communication, N. 1842). **BGE 137 I 340** clarified that information programmes must be designed so that the audience can form its own opinion. Manipulative reporting is inadmissible.\n\n**N. 4.2** _Diversity Requirement_\n\nThe appropriate presentation of diversity of opinion refers to the overall programme, not to individual programmes (Dumermuth, Programmaufsicht, 156). **BGE 134 I 2** confirmed that personal portraits of politicians are also permissible if they do not have a one-sidedly propagandistic effect.\n\n**N. 5** **Legal Consequences**\n\n**N. 5.1** _Independence from the State and Programme Autonomy (Para. 3)_\n\nThe guaranteed independence encompasses both the institutional independence of broadcasters and editorial freedom (SGK BV-Zeller, Art. 93 N. 31). Programme autonomy excludes state prior censorship, but allows subsequent control by the OFCOM (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 35). **BGE 139 I 306** extended the fundamental rights obligations of SRG to private law conduct in the advertising area.\n\n**N. 5.2** _Consideration Requirement (Para. 4)_\n\nThe consideration requirement obliges legislators and enforcement authorities to consider the existence and function of other media (Weber, Rundfunkfreiheit, 234). However, it does not establish a claim to protection from competition (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 41).\n\n**N. 5.3** _Right of Appeal (Para. 5)_\n\nArt. 93 para. 5 BV guarantees a right of appeal to an independent instance for programme complaints. The OFCOM is not a censorship authority, but controls compliance with programme regulations after the fact (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 48). **BGE 134 II 260** clarified that the OFCOM has no competence for the individual legal enforcement of personality protection.\n\n**N. 6** **Disputes**\n\n**N. 6.1** _Scope of Federal Competence_\n\nThe controversy over competing or exclusive federal competence remains unresolved. While Aubert/Mahon, Cottier, Mäder and Dumermuth assume comprehensive federal competence (Dumermuth, BSK BV, Art. 93 N. 10), Biaggini and Tschannen see room for cantonal regulations in areas not conclusively regulated (Biaggini, BV-Kommentar, Art. 93 N. 6).\n\n**N. 6.2** _Scope of Application for Online Media_\n\nThe dispute over the coverage of online offerings divides doctrine. Saxer limits the competence to linear programmes and functionally equivalent offerings (Saxer, BSK BV, Art. 93 N. 14). The opposing position of Graber/Kerekes and Weber covers all public online communication forms (Graber/Kerekes, sic! 2012, 421).\n\n**N. 7** **Practice Notes**\n\nBroadcasters must observe constitutional requirements in programme design, but have considerable creative freedom. Factual accuracy is to be judged more strictly for information programmes than for entertainment. For controversial topics, a balanced presentation of different viewpoints in the overall programme is recommended. Programme complaints must be submitted to the OFCOM within 20 days (Art. 95 RTVA). SRG is also bound by fundamental rights in social media activities (**BGE 149 I 2**).", "caselaw_en": "# Art. 93 BV\n\n## Case Law\n\n### Fundamental Rights Obligations of SRG\n\n**BGE 149 I 2** of 29 November 2022\nSRG is bound by fundamental rights in its other journalistic offerings and must guarantee the right to effective legal remedies.\nThis landmark judgment establishes the constitutional guarantee of the right to effective legal remedies in cases of SRG interference with freedom of expression through the deletion of user comments on social media.\n\n> «SRG is bound by fundamental rights in its other journalistic offerings (üpA); this also applies - due to the close substantive connection between its editorial contribution and user comments thereon - insofar as it deletes such comments based on its 'netiquette'.»\n\n**BGE 139 I 306** of 1 January 2013\nSRG is bound by fundamental rights even when acting under private law in the advertising sector and may only reject advertising messages in cases of unlawful content or overriding proprietary interests.\nThe judgment clarifies SRG's fundamental rights obligations outside the actual programming area and establishes important standards for balancing interests.\n\n> «In its private law activities in the advertising sector, SRG is bound by fundamental rights. In doing so, it must take particular account (also) of the ideational content of fundamental rights. The mere fear that controversial (ideational) advertising could be detrimental to its reputation does not constitute a sufficient interest to refuse the broadcasting of an advertising spot critical of it, as long as the client is not acting unlawfully.»\n\n**BGE 136 I 167** of 1 January 2009\nIn principle, there is no «right to airtime», except in cases of constitutionally relevant impairments.\nThe judgment confirms the restrictive case law on access rights and shows the limits of the constitutional claim to programme access.\n\n> «As an emanation of media, programme and information freedom, there is in principle no 'right to airtime', i.e. no entitlement for a broadcaster to grant a specific person access to the programme.»\n\n### Factual Accuracy and Programme Autonomy\n\n**BGE 137 I 340** of 18 November 2011\nFactual accuracy under Art. 4 para. 2 RTVA concretises the constitutional requirement of Art. 93 para. 2 BV and demands objective, non-manipulative reporting.\nThe judgment develops central criteria for the broadcasting law assessment of information programmes and their objectivity obligation.\n\n> «Editorial programmes with informational content should present facts and events in a factually accurate manner, so that the public can form its own opinion. A contribution must not overall have a manipulative effect, which is the case when the (interested) viewer is improperly informed in violation of journalistic duties of care.»\n\n**BGE 134 I 2** of 1 January 2007\nProgramme autonomy under Art. 93 para. 3 BV is guaranteed even for politically sensitive programmes in the run-up to elections, provided that the requirement of factual accuracy and diversity is observed.\nThe judgment shows the scope of programme autonomy for politically sensitive content and defines the limits of permissible editorial design.\n\n> «A personal, benevolent portrait of a politician with an unconventional career immediately before renewal elections does not violate broadcasting law requirements if it does not have a one-sided propagandistic effect and the public is informed about the special situation.»\n\n**BGE 131 II 253** of 17 December 2003\nProvocative and qualitatively questionable journalism does not violate the requirement of factual accuracy if relativising elements are present in the overall assessment.\nThe judgment concretises the standard for investigative journalism and shows how controversial reporting can remain permissible under broadcasting law.\n\n> «The controversial film contribution on the topic of pension abuse by foreigners was provocative and qualitatively questionable in individual passages; however, in an overall assessment, it did not violate any programme provisions with regard to the relativising studio discussion.»\n\n### Must-Carry Rules and Broadcasting Obligations\n\n**BGE 135 II 296** of 18 June 2009\nThe broadcasting law obligation to carry private television programmes requires that the programme contributes to a particular degree to fulfilling the constitutional mandate.\nThe judgment clarifies the requirements for access rights of private broadcasters to transmission networks and develops qualitative standards for programme content.\n\n> «For the issuing of a must-carry order under new law, the programme must contribute to a particular degree to fulfilling the constitutional mandate. A programme which, despite specifically Swiss sports contributions, continues to consist to a considerable extent of productions (call-in, erotica, fortune-telling) that offer no added value to the existing programme offering, does not meet this requirement.»\n\n**BGE 135 II 224** of 1 January 2009\nThe right to short reporting includes both «Physical Access» and «Signal Access» under reasonable conditions.\nThe judgment concretises the modalities of the constitutionally anchored right to short reporting and its practical implementation.\n\n> «The 'Physical Access' under Art. 72 para. 3 lit. a RTVA 2006 includes the authority to shoot one's own footage on site within the framework of technical and spatial possibilities.»\n\n### Financing and Fee Law\n\n**BGE 141 II 182** of 13 April 2015\nThe radio and television reception fee is to be qualified as an earmarked tax or levy sui generis and is not subject to value-added tax.\nThe judgment clarifies the legal nature of the reception fee and its tax classification in light of Art. 93 BV.\n\n> «Due to the development of radio and television law, the qualification of the reception fee as a regal levy cannot be maintained. Those who receive radio and television broadcasts exercise a constitutional right, whereby no transfer of rights within the meaning of Art. 3 lit. e VAT Act can exist.»\n\n### Personality Protection and Individual Rights\n\n**BGE 134 II 260** of 1 January 2008\nBroadcasters of radio and television programmes are obliged to respect fundamental rights and human dignity, whereby the AIBC has no competence for the individual law enforcement of personality protection.\nThe judgment delimits broadcasting law from individual law protection claims and shows the limits of AIBC jurisdiction.\n\n> «Obligation of broadcasters of radio and television programmes to respect fundamental rights and in particular human dignity. Lack of competence of the Independent Broadcasting Complaints Authority to enforce individual law personality protection.»\n\n**BGE 132 II 290** of 24 May 2005\nSummary of case law on programme law requirements: programmes must be factually accurate, diverse and conducive to opinion formation.\nThe judgment systematises the minimum broadcasting law requirements and develops a coherent system of programme control.\n\n> «The requirement of objectivity derived from the programme requirements of Art. 4 RTVA demands that the listener or viewer is not misled by the facts conveyed and can form his own opinion. However, a subjectively influenced presentation is permissible, provided it is recognisable as such.»\n\n### Procedural Law and Complaints System\n\n**BGE 138 I 154** of 1 January 2012\nNeither the APA nor the RTVA provides for a general obligation to conduct a second exchange of written pleadings in complaints proceedings before the AIBC.\nThe judgment clarifies the procedural law requirements in broadcasting law complaints proceedings and the scope of the right to be heard.\n\n> «The right to reply is not identical with the right to a second exchange of written pleadings and can under certain circumstances also be granted in other ways, for example through the possibility of taking a position on new points in the context of oral proceedings.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_93", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 94, "article_suffix": "", "title": "Grundsätze der Wirtschaftsordnung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 94 BV — Grundsätze der Wirtschaftsordnung\n\n## Übersicht\n\nArt. 94 BV ist die Grundnorm der schweizerischen Wirtschaftsverfassung (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). Die Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone auf den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit. Dies bedeutet eine grundsätzlich staatsfreie Wirtschaftsordnung mit privatwirtschaftlicher Initiative und funktionsfähigem Wettbewerb (Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 5).\n\nDie Norm regelt vier zentrale Aspekte: Erstens müssen sich alle staatlichen Behörden an den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit halten (Abs. 1). Zweitens sollen sie mit der Privatwirtschaft zur Wohlfahrt und wirtschaftlichen Sicherheit beitragen (Abs. 2). Drittens müssen sie günstige Rahmenbedingungen für die private Wirtschaft schaffen (Abs. 3). Viertens dürfen Abweichungen vom Grundsatz nur erfolgen, wenn die Bundesverfassung sie vorsieht oder kantonale Regalrechte sie begründen (Abs. 4).\n\nBetroffen sind alle natürlichen und juristischen Personen, die wirtschaftlich tätig sind oder tätig werden wollen. Art. 94 BV schützt sowohl den freien Marktzugang als auch die freie Berufsausübung (**BGE 142 I 162**). Die Norm wirkt als objektiver Verfassungsmassstab und ergänzt das individualrechtliche Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit aus Art. 27 BV (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\nDie Rechtsfolgen sind weitreichend: Staatliche Massnahmen, die gegen den Grundsatz verstossen, sind verfassungswidrig, sofern keine Ausnahme vorliegt (**BGE 142 I 99**). Das Bundesgericht hat jedoch klargestellt, dass staatliche Wirtschaftstätigkeit aufgrund der gelebten Verfassungspraxis grundsätzlich zulässig ist, solange sie das private Angebot nicht verdrängt (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12; **BGE 138 I 378**).\n\nEin praktisches Beispiel: Ein Kanton kann nicht ohne weiteres ein städtisches Internetunternehmen gründen, das in direkter Konkurrenz zu privaten Anbietern steht. Er muss nachweisen, dass ein öffentliches Interesse besteht und die Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt (**BGE 143 II 425**). Andererseits darf er die Wasserkraft als kantonales Regal konzessionieren, da dies vom Anwendungsbereich der Wirtschaftsfreiheit ausgenommen ist (**BGE 142 I 99**).\n\nDie Bestimmung ist zentral für das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft in der Schweiz. Sie garantiert eine marktwirtschaftliche Ordnung, erlaubt aber staatliche Korrekturen bei Marktversagen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 94 BV übernimmt im Wesentlichen die Grundsätze der Wirtschaftsverfassung der alten Bundesverfassung (Art. 31 Abs. 1 aBV). Die Bestimmung wurde bei der Totalrevision 1999 systematisch neu platziert und textlich modernisiert, ohne dass eine materielle Änderung beabsichtigt war (BBl 1997 I 247). Der Verfassungsgeber wollte die bewährte schweizerische Wirtschaftsordnung beibehalten, die auf privatwirtschaftlicher Initiative beruht, aber staatliche Intervention zur Korrektur von Marktversagen zulässt.\n\n**N. 2** Die Entstehungsgeschichte zeigt ein Spannungsverhältnis zwischen liberaler Wirtschaftsordnung und sozialer Marktwirtschaft. Während die Botschaft von 1996 noch von einer «sozialen Marktwirtschaft» sprach, setzte sich schliesslich die neutralere Formulierung des «Grundsatzes der Wirtschaftsfreiheit» durch (BBl 1997 I 248). Diese terminologische Entscheidung reflektiert den Kompromisscharakter der schweizerischen Wirtschaftsverfassung zwischen Marktfreiheit und Staatsintervention.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 94 BV steht am Anfang des 3. Abschnitts («Wirtschaft») des 3. Titels der Bundesverfassung und stellt die Grundnorm der schweizerischen Wirtschaftsverfassung dar (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). Die Bestimmung hat eine Doppelnatur: Sie ist sowohl objektive Verfassungsnorm als auch Grundlage für das in Art. 27 BV verankerte Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit.\n\n**N. 4** Die systematischen Verbindungen sind vielfältig: → Art. 27 BV konkretisiert die individualrechtliche Dimension, → Art. 95–107 BV enthalten sektorielle Wirtschaftsbestimmungen, → Art. 36 BV regelt die Voraussetzungen für Grundrechtseingriffe, ↔ Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip) und Art. 3 BV (Föderalismus) bilden den verfassungsrechtlichen Rahmen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Abs. 1)**: Die Norm postuliert eine grundsätzlich staatsfreie Wirtschaftsordnung. Das Bundesgericht betont jedoch, dass staatliche Wirtschaftstätigkeit aufgrund der gelebten Verfassungspraxis zulässig ist und keinen Grundrechtseingriff darstellt, solange das private Angebot nicht geradezu verdrängt wird (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12; **BGE 138 I 378 E. 5.3**).\n\n**N. 6** **Wettbewerb**: Der Grundsatz umfasst insbesondere das Wettbewerbsprinzip (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 5–9). Staatliche Massnahmen müssen wettbewerbsneutral ausgestaltet sein. Dies bedeutet insbesondere das Verbot systematischer Quersubventionierung zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereichen (**BGE 143 II 425**).\n\n**N. 7** **Binnenmarkt**: Art. 94 BV garantiert den schweizerischen Binnenmarkt (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 10). Kantonale Schranken des Marktzugangs sind nur unter den Voraussetzungen von Art. 95 Abs. 2 BV zulässig.\n\n**N. 8** **Wohlfahrt und wirtschaftliche Sicherheit (Abs. 2)**: Diese Bestimmung verpflichtet Bund und Kantone zur Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Sie begründet eine Staatszielbestimmung ohne unmittelbare Justiziabilität (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 14–17; Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 8).\n\n**N. 9** **Günstige Rahmenbedingungen (Abs. 3)**: Der Staat soll optimale Bedingungen für privatwirtschaftliche Tätigkeit schaffen. Dies umfasst Rechtssicherheit, funktionierende Infrastruktur und makroökonomische Stabilität (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 18–20; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).\n\n**N. 10** **Verfassungsvorbehalt (Abs. 4)**: Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit sind nur zulässig, wenn sie in der Bundesverfassung vorgesehen (z.B. Art. 98 BV für die Nationalbank, Art. 103 BV für die Strukturpolitik) oder durch kantonale Regalrechte begründet sind (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 21–26).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** **Normative Wirkung**: Art. 94 BV entfaltet unmittelbare normative Wirkung. Staatliches Handeln, das gegen den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit verstösst, ist verfassungswidrig, sofern keine Ausnahme nach Abs. 4 vorliegt (**BGE 142 I 99 E. 5.2**).\n\n**N. 12** **Prüfungsmassstab**: Bei der Überprüfung staatlicher Massnahmen dient Art. 94 BV als objektiver Verfassungsmassstab. Die Prüfung erfolgt zweistufig: Liegt eine Abweichung vom Grundsatz vor? Falls ja: Ist sie durch Verfassungsvorbehalt oder kantonales Regalrecht gedeckt?\n\n**N. 13** **Gesetzgebungsauftrag**: Abs. 2 und 3 enthalten Gesetzgebungsaufträge an Bund und Kantone. Diese sind bei der Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung zu beachten, begründen aber keine einklagbaren subjektiven Rechte (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Staatliche Wirtschaftstätigkeit**: Die Zulässigkeit staatlicher Wirtschaftstätigkeit ist umstritten. Das Bundesgericht stützt sich auf die «gelebte Verfassungspraxis» (**BGE 138 I 378**). Teile der Lehre kritisieren diese methodisch als problematisch, da Verfassungsauslegung nicht durch faktische Übung bestimmt werden sollte (kritisch: J. Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, S. 234; zustimmend: Richli, Wirtschaftsverfassungsrecht, § 4 N. 89).\n\n**N. 15** **Subsidiaritätsprinzip**: Kontrovers ist, ob aus Art. 94 BV ein justiziables Subsidiaritätsprinzip folgt. Das Bundesgericht sieht es als wirtschaftspolitisches Leitbild ohne Rechtverbindlichkeit (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11). Die Lehre ist gespalten: Biaggini (Komm. BV, Art. 94 N. 5) bejaht eine gewisse normative Kraft, während Rhinow (Wirtschafts- und Eigentumsverfassung, S. 156) dies ablehnt.\n\n**N. 16** **Verhältnis zu Art. 27 BV**: Umstritten ist das Verhältnis zwischen der objektiven Norm (Art. 94 BV) und dem Grundrecht (Art. 27 BV). Die herrschende Lehre sieht Art. 94 BV als objektive Grundsatznorm mit weitergehendem Schutzbereich (Vallender/Hettich/Lehne, Wirtschaftsfreiheit, S. 89), während andere eine weitgehende Deckungsgleichheit annehmen (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 1023).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Prüfungsreihenfolge**: Bei der rechtlichen Beurteilung ist zunächst zu prüfen, ob eine staatliche Massnahme den Schutzbereich der Wirtschaftsfreiheit tangiert. Sodann ist zu untersuchen, ob ein Eingriff vorliegt und ob dieser gerechtfertigt ist (→ Art. 36 BV) oder ob eine Ausnahme nach Art. 94 Abs. 4 BV greift.\n\n**N. 18** **Abgrenzung zu Polizeigütern**: Massnahmen zum Schutz von Polizeigütern (Gesundheit, Sicherheit, Umwelt) fallen nicht unter Art. 94 Abs. 4 BV, sondern sind nach Art. 36 BV zu beurteilen. Die Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein (**BGE 130 I 26 E. 4.3**).\n\n**N. 19** **Kantonale Regalrechte**: Bei der Berufung auf kantonale Regalrechte ist nachzuweisen, dass das Regal historisch gewachsen ist und kontinuierlich ausgeübt wurde. Neue «Regale» können nicht mehr begründet werden (**BGE 142 I 99 E. 5.4**).\n\n**N. 20** **Europarecht**: Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten sind die bilateralen Abkommen zu beachten, insbesondere das Freizügigkeitsabkommen und sektorielle Abkommen. Diese können weitergehende Liberalisierungspflichten enthalten als Art. 94 BV (**BGE 130 I 26 E. 3**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit und seine Grenzen\n\n**BGE 128 I 3** vom 13.11.2001\nDas Bundesgericht entschied über die Zulässigkeit kommunaler Plakatmonopole auf privatem Grund. Ein rechtliches Plakatmonopol, das privaten Grund erfasst, stellt einen unverhältnismässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar.\n\n> «Anders als ein faktisches Monopol für den Plakataushang auf öffentlichem Grund stellt ein rechtliches Plakatmonopol, soweit es privaten Grund erfasst, einen unverhältnismässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar; eine Bewilligungspflicht, verbunden mit entsprechenden Sachnormen, genügt zur Durchsetzung der massgeblichen öffentlichen Interessen.»\n\n**BGE 142 I 162** vom 9.11.2016\nDas Bundesgericht prüfte die Vereinbarkeit einer touristischen Zone mit der Wirtschaftsfreiheit. Raumplanerische Massnahmen müssen auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage beruhen und verhältnismässig sein.\n\n> «Die Wirtschaftsfreiheit beinhaltet namentlich die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung. Die Wirtschaftsfreiheit steht natürlichen und juristischen Personen gleichermassen zu.»\n\n**BGE 150 I 120** vom 23.2.2024\nDas Bundesgericht entschied über die Genfer Regulierung von Taxi- und Transportdiensten. Kantonale Vorschriften über Berufsausübungsbedingungen können die Wirtschaftsfreiheit einschränken, müssen aber verhältnismässig sein.\n\n> «Eine kantonale Regelung, welche die Benutzung von Taxis und Transportfahrzeugen mit Chauffeur schrittweise nach deren Energieeffizienz einschränkt, fällt nicht unter die Zulassung von Fahrzeugen zum Strassenverkehr, sondern unter die Voraussetzungen der Ausübung eines bewilligungspflichtigen Berufs, wofür die Kantone zuständig sind.»\n\n### Staatliche Wirtschaftstätigkeit und Wettbewerbsneutralität\n\n**BGE 138 I 378** vom 3.7.2012\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Zulässigkeit staatlicher Versicherungstätigkeit der Kantonalen Sachversicherung Glarus. Entscheidend für die Vereinbarkeit mit Art. 94 BV sind formell-gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse und Wettbewerbsneutralität.\n\n> «Mit dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 Abs. 4 BV) ist eine unternehmerische Tätigkeit des Staates vereinbar, sofern eine formell-gesetzliche Grundlage besteht, die Tätigkeit im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist und der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt.»\n\n**BGE 143 II 425** vom 1.1.2017\nDas Bundesgericht entschied über die Ausschliessung staatlicher Unternehmen von öffentlichen Vergabeverfahren wegen wettbewerbsverzerrender Quersubventionierung. Die Wettbewerbsneutralität verbietet systematische Quersubventionierungen zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereich.\n\n> «Die Wettbewerbsneutralität der unternehmerischen Staatstätigkeit verbietet systematische Quersubventionierungen zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereich.»\n\n### Kantonale Regalrechte und Konzessionswesen\n\n**BGE 142 I 99** vom 31.3.2016\nDas Bundesgericht entschied über die Vereinbarkeit urnerischer Wasserkonzessionsvorschriften mit der Wirtschaftsfreiheit. Kantonale Regalrechte sind vom Anwendungsbereich der Wirtschaftsfreiheit ausgenommen.\n\n> «Die Gewässerhoheit stellt ein kantonales Regal dar, weshalb die Verfügungsmacht über die öffentlichen Gewässer vom Anwendungsbereich der Wirtschaftsfreiheit ausgenommen ist. Die Konzedierung liegt im pflichtgemässen Ermessen der Konzessionsbehörde.»\n\n### Berufszugangsregulierung und Bewilligungspflichten\n\n**BGE 130 I 26** vom 27.11.2003\nDas Bundesgericht bestätigte den Zulassungsstopp für Ärzte zur Tätigkeit zu Lasten der Krankenversicherung. Bundesrechtliche Zulassungsbeschränkungen sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie verhältnismässig sind.\n\n> «Die vom Bundesrat gestützt auf Art. 55a KVG erlassene und vom Regierungsrat des Kantons Zürich konkretisierte Einschränkung der Zulassung von Leistungserbringern zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verletzt weder das Freizügigkeitsabkommen noch die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n**BGE 131 I 223** vom 10.12.2004\nDas Bundesgericht entschied über das Verbot der Vereinbarung und Vermittlung von Prozessfinanzierungen. Berufsausübungsverbote müssen auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage beruhen und verhältnismässig sein.\n\n> «Das Verbot der Vereinbarung und Vermittlung von Prozessfinanzierungen stellt einen schweren Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar und bedarf einer klaren gesetzlichen Grundlage.»\n\n### Monopole und Marktzutrittsschranken\n\n**BGE 148 II 392** vom 18.5.2022\nDas Bundesgericht bestätigte DNS-Zugangssperren für illegale Online-Glücksspiele. Ausländische Anbieter können sich für den Marktzugang nicht auf die Wirtschaftsfreiheit berufen, wenn sie gegen schweizerisches Recht verstossen.\n\n> «Ausländische Anbieterinnen von in der Schweiz nicht bewilligten Online-Geldspielen können sich für den Marktzugang nicht auf die Wirtschaftsfreiheit und die Rechtsprechung des EuGH bzw. des EFTA-Gerichtshofs zur unionsrechtlichen Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit berufen.»\n\n**BGE 143 I 388** vom 2.4.2017\nDas Bundesgericht entschied über das Bestattungsmonopol im Kanton Zürich. Staatliche Monopole sind mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar, wenn sie auf genügender gesetzlicher Grundlage beruhen und öffentliche Aufgaben erfüllen.\n\n> «Das Bestattungswesen ist im Kanton Zürich monopolisiert und als öffentliche Aufgabe der Gemeinde ausgestaltet worden. Das Monopol beruht mit § 55 GesG/ZH auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage.»\n\n### Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen\n\n**BGE 143 I 403** vom 21.7.2017\nDas Bundesgericht bestätigte die Verfassungsmässigkeit des Neuenburger Mindestlohns. Staatlich festgelegte Mindestlöhne stellen zulässige sozialpolitische Massnahmen dar, die mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar sind.\n\n> «Eine Gesetzesänderung, die für den Kanton Neuenburg einen Mindestlohn bestimmt mit dem Ziel, allen Arbeitnehmenden einen angemessenen Lohn zu gewährleisten, verstösst nicht gegen die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n### Raumplanung und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 136 I 17** vom 23.11.2009\nDas Bundesgericht entschied über Rauchverbote in Gastronomiebetrieben. Gesundheitsschutzvorschriften können die Wirtschaftsfreiheit einschränken, wenn sie verhältnismässig sind.\n\n> «Dass die bernische Gesetzesordnung zum Schutz vor Passivrauchen keine Sonderregelung für den Konsum von Wasserpfeifen in Gaststätten vorsieht, verstösst nicht gegen Verfassungsrecht, insbesondere nicht gegen die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n### Elektronische Verfahren und Digitalisierung\n\n**BGE 151 I 194** vom 3.12.2024\nDas Bundesgericht entschied über die Zulässigkeit einer kantonalen Pflicht zum elektronischen Behördenverkehr für Rechtsanwälte. Die Digitalisierungspflicht stellt nur einen leichten Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar.\n\n> «Berufsmässige Parteivertreter zu verpflichten, Eingaben an kantonale Verwaltungs- und Justizbehörden elektronisch zu übermitteln sowie unterschriftsbedürftige Eingaben mit einer qualifizierten elektronischen Signatur zu versehen, stellt einen leichten Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar.»", "summary_fr": "# Art. 94 Cst. — Principes de l'ordre économique\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 94 Cst. est la norme fondamentale de la constitution économique suisse (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). Cette disposition oblige la Confédération et les cantons à respecter le principe de la liberté économique. Cela signifie un ordre économique fondamentalement libre de l'intervention étatique avec l'initiative privée et une concurrence fonctionnelle (Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 5).\n\nLa norme règle quatre aspects centraux : Premièrement, toutes les autorités étatiques doivent respecter le principe de la liberté économique (al. 1). Deuxièmement, elles doivent contribuer avec l'économie privée au bien-être et à la sécurité économique (al. 2). Troisièmement, elles doivent créer des conditions-cadres favorables pour l'économie privée (al. 3). Quatrièmement, les dérogations au principe ne sont autorisées que si la Constitution fédérale les prévoit ou si des droits de régale cantonaux les justifient (al. 4).\n\nSont concernées toutes les personnes physiques et morales qui exercent ou veulent exercer une activité économique. L'art. 94 Cst. protège tant le libre accès au marché que le libre exercice de la profession (**ATF 142 I 162**). La norme agit comme standard constitutionnel objectif et complète le droit fondamental individuel de la liberté économique de l'art. 27 Cst. (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\nLes conséquences juridiques sont considérables : Les mesures étatiques qui contreviennent au principe sont anticonstitutionnelles, sauf si une exception s'applique (**ATF 142 I 99**). Le Tribunal fédéral a cependant précisé que l'activité économique étatique est en principe admissible en raison de la pratique constitutionnelle vécue, tant qu'elle n'évince pas l'offre privée (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12 ; **ATF 138 I 378**).\n\nUn exemple pratique : Un canton ne peut pas sans autre créer une entreprise municipale d'internet qui ferait directement concurrence aux fournisseurs privés. Il doit démontrer qu'un intérêt public existe et que la neutralité concurrentielle est préservée (**ATF 143 II 425**). D'autre part, il peut concéder l'exploitation de la force hydraulique comme régale cantonal, car cela est exclu du domaine d'application de la liberté économique (**ATF 142 I 99**).\n\nCette disposition est centrale pour les rapports entre l'État et l'économie en Suisse. Elle garantit un ordre économique de marché, mais autorise des corrections étatiques en cas de défaillance du marché (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 94 Cst. reprend essentiellement les principes de la constitution économique de l'ancienne Constitution fédérale (art. 31 al. 1 aCst.). La disposition a été systématiquement repositionnée lors de la révision totale de 1999 et modernisée au niveau textuel, sans qu'un changement matériel ne soit visé (FF 1997 I 209). Le constituant voulait maintenir l'ordre économique suisse qui a fait ses preuves, qui repose sur l'initiative de l'économie privée, mais autorise l'intervention étatique pour corriger les défaillances du marché.\n\n**N. 2** La genèse révèle une tension entre ordre économique libéral et économie sociale de marché. Alors que le message de 1996 parlait encore d'une « économie sociale de marché », la formulation plus neutre du « principe de la liberté économique » s'est finalement imposée (FF 1997 I 210). Cette décision terminologique reflète le caractère de compromis de la constitution économique suisse entre liberté du marché et intervention étatique.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 94 Cst. se trouve au début de la 3e section (« Économie ») du 3e titre de la Constitution fédérale et constitue la norme fondamentale de la constitution économique suisse (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 1). La disposition a une double nature : elle est à la fois norme constitutionnelle objective et fondement du droit fondamental de la liberté économique ancré à l'art. 27 Cst.\n\n**N. 4** Les liens systématiques sont multiples : → l'art. 27 Cst. concrétise la dimension de droit individuel, → les art. 95–107 Cst. contiennent des dispositions économiques sectorielles, → l'art. 36 Cst. règle les conditions des atteintes aux droits fondamentaux, ↔ l'art. 5 Cst. (principe de l'État de droit) et l'art. 3 Cst. (fédéralisme) forment le cadre de droit constitutionnel.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Principe de la liberté économique (al. 1)** : La norme postule un ordre économique fondamentalement libre de l'État. Le Tribunal fédéral souligne cependant que l'activité économique étatique est admissible en raison de la pratique constitutionnelle vécue et ne constitue pas une atteinte aux droits fondamentaux, tant que l'offre privée n'est pas carrément évincée (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 11–12 ; **ATF 138 I 378 c. 5.3**).\n\n**N. 6** **Concurrence** : Le principe comprend notamment le principe de concurrence (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 5–9). Les mesures étatiques doivent être conçues de manière neutre du point de vue de la concurrence. Cela signifie notamment l'interdiction du subventionnement croisé systématique entre les domaines de monopole et de concurrence (**ATF 143 II 425**).\n\n**N. 7** **Marché intérieur** : L'art. 94 Cst. garantit le marché intérieur suisse (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 10). Les entraves cantonales à l'accès au marché ne sont admissibles que dans les conditions de l'art. 95 al. 2 Cst.\n\n**N. 8** **Prospérité et sécurité économique (al. 2)** : Cette disposition oblige la Confédération et les cantons à collaborer avec l'économie privée. Elle fonde un objectif de l'État sans justiciabilité immédiate (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 14–17 ; Vallender, SG Komm. BV, art. 94 n. 8).\n\n**N. 9** **Conditions-cadres favorables (al. 3)** : L'État doit créer des conditions optimales pour l'activité de l'économie privée. Cela comprend la sécurité du droit, des infrastructures fonctionnelles et la stabilité macroéconomique (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 18–20 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 n. 34).\n\n**N. 10** **Réserve constitutionnelle (al. 4)** : Les dérogations au principe de la liberté économique ne sont admissibles que si elles sont prévues dans la Constitution fédérale (p. ex. art. 98 Cst. pour la Banque nationale, art. 103 Cst. pour la politique structurelle) ou justifiées par des droits régaliens cantonaux (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 21–26).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** **Effet normatif** : L'art. 94 Cst. déploie un effet normatif immédiat. L'action étatique qui contrevient au principe de la liberté économique est anticonstitutionnelle, à moins qu'une exception selon l'al. 4 n'intervienne (**ATF 142 I 99 c. 5.2**).\n\n**N. 12** **Critère d'examen** : Lors de l'examen de mesures étatiques, l'art. 94 Cst. sert de critère constitutionnel objectif. L'examen s'effectue en deux étapes : Y a-t-il une dérogation au principe ? Dans l'affirmative : Est-elle couverte par une réserve constitutionnelle ou un droit régalien cantonal ?\n\n**N. 13** **Mandat législatif** : Les al. 2 et 3 contiennent des mandats législatifs à la Confédération et aux cantons. Ceux-ci doivent être respectés lors de l'aménagement de l'ordre économique, mais ne fondent pas de droits subjectifs justiciables (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1654).\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 14** **Activité économique étatique** : L'admissibilité de l'activité économique étatique est controversée. Le Tribunal fédéral s'appuie sur la « pratique constitutionnelle vécue » (**ATF 138 I 378**). Une partie de la doctrine critique cette approche comme méthodologiquement problématique, car l'interprétation constitutionnelle ne devrait pas être déterminée par l'usage factuel (critique : J. Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 234 ; approbateur : Richli, Wirtschaftsverfassungsrecht, § 4 n. 89).\n\n**N. 15** **Principe de subsidiarité** : Il est controversé de savoir si un principe de subsidiarité justiciable découle de l'art. 94 Cst. Le Tribunal fédéral y voit un modèle directeur de politique économique sans force obligatoire juridique (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 11). La doctrine est partagée : Biaggini (Komm. BV, art. 94 n. 5) reconnaît une certaine force normative, tandis que Rhinow (Wirtschafts- und Eigentumsverfassung, p. 156) rejette cela.\n\n**N. 16** **Rapport à l'art. 27 Cst.** : Le rapport entre la norme objective (art. 94 Cst.) et le droit fondamental (art. 27 Cst.) est controversé. La doctrine dominante voit l'art. 94 Cst. comme norme de principe objective avec un champ de protection plus étendu (Vallender/Hettich/Lehne, Wirtschaftsfreiheit, p. 89), tandis que d'autres supposent une large congruence (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 1023).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** **Ordre d'examen** : Lors de l'appréciation juridique, il faut d'abord examiner si une mesure étatique touche le champ de protection de la liberté économique. Il faut ensuite rechercher s'il y a atteinte et si celle-ci est justifiée (→ art. 36 Cst.) ou si une exception selon l'art. 94 al. 4 Cst. s'applique.\n\n**N. 18** **Délimitation par rapport aux biens de police** : Les mesures de protection des biens de police (santé, sécurité, environnement) ne tombent pas sous l'art. 94 al. 4 Cst., mais doivent être appréciées selon l'art. 36 Cst. La délimitation peut être difficile dans le cas particulier (**ATF 130 I 26 c. 4.3**).\n\n**N. 19** **Droits régaliens cantonaux** : Lors de l'invocation de droits régaliens cantonaux, il faut démontrer que la régale a historiquement grandi et a été exercée de manière continue. De nouvelles « régales » ne peuvent plus être fondées (**ATF 142 I 99 c. 5.4**).\n\n**N. 20** **Droit européen** : Pour les situations transfrontalières, les accords bilatéraux doivent être respectés, notamment l'accord sur la libre circulation et les accords sectoriels. Ceux-ci peuvent contenir des obligations de libéralisation plus étendues que l'art. 94 Cst. (**ATF 130 I 26 c. 3**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principe de la liberté économique et ses limites\n\n**BGE 128 I 3** du 13.11.2001\nLe Tribunal fédéral a tranché sur l'admissibilité des monopoles communaux d'affichage sur terrain privé. Un monopole légal d'affichage qui concerne le terrain privé constitue une atteinte disproportionnée à la liberté économique.\n\n> « À la différence d'un monopole de fait pour l'affichage sur terrain public, un monopole légal d'affichage, dans la mesure où il concerne le terrain privé, constitue une atteinte disproportionnée à la liberté économique ; une obligation d'autorisation, combinée aux normes matérielles correspondantes, suffit pour faire valoir les intérêts publics déterminants. »\n\n**BGE 142 I 162** du 9.11.2016\nLe Tribunal fédéral a examiné la compatibilité d'une zone touristique avec la liberté économique. Les mesures d'aménagement du territoire doivent reposer sur une base légale suffisante et être proportionnées.\n\n> « La liberté économique comprend notamment le libre choix de la profession ainsi que le libre accès à une activité économique privée et son libre exercice. La liberté économique appartient aussi bien aux personnes physiques qu'aux personnes morales. »\n\n**BGE 150 I 120** du 23.2.2024\nLe Tribunal fédéral a tranché sur la réglementation genevoise des services de taxi et de transport. Les prescriptions cantonales sur les conditions d'exercice professionnel peuvent limiter la liberté économique, mais doivent être proportionnées.\n\n> « Une réglementation cantonale qui limite progressivement l'utilisation de taxis et de véhicules de transport avec chauffeur selon leur efficacité énergétique ne relève pas de l'admission des véhicules à la circulation routière, mais des conditions d'exercice d'une profession soumise à autorisation, pour laquelle les cantons sont compétents. »\n\n### Activité économique de l'État et neutralité concurrentielle\n\n**BGE 138 I 378** du 3.7.2012\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur l'admissibilité de l'activité d'assurance étatique de l'Assurance cantonale des biens de Glaris. Les critères déterminants pour la compatibilité avec l'art. 94 Cst. sont la base légale formelle, l'intérêt public et la neutralité concurrentielle.\n\n> « Une activité entrepreneuriale de l'État est compatible avec le principe de la liberté économique (art. 94 al. 4 Cst.) pour autant qu'il existe une base légale formelle, que l'activité soit d'intérêt public et proportionnée et que le principe de la neutralité concurrentielle soit respecté. »\n\n**BGE 143 II 425** du 1.1.2017\nLe Tribunal fédéral a tranché sur l'exclusion d'entreprises étatiques des procédures de marchés publics en raison de subventions croisées faussant la concurrence. La neutralité concurrentielle interdit les subventions croisées systématiques entre secteur monopolistique et secteur concurrentiel.\n\n> « La neutralité concurrentielle de l'activité entrepreneuriale étatique interdit les subventions croisées systématiques entre secteur monopolistique et secteur concurrentiel. »\n\n### Droits régaliens cantonaux et système de concessions\n\n**BGE 142 I 99** du 31.3.2016\nLe Tribunal fédéral a tranché sur la compatibilité des prescriptions uranaises relatives aux concessions hydrauliques avec la liberté économique. Les droits régaliens cantonaux sont exclus du champ d'application de la liberté économique.\n\n> « La souveraineté sur les eaux constitue un droit régalien cantonal, raison pour laquelle le pouvoir de disposition sur les eaux publiques est exclu du champ d'application de la liberté économique. L'octroi de concessions relève du pouvoir d'appréciation de l'autorité concédante exercé conformément aux devoirs de sa charge. »\n\n### Réglementation de l'accès aux professions et obligations d'autorisation\n\n**BGE 130 I 26** du 27.11.2003\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'arrêt des admissions pour les médecins à l'activité à charge de l'assurance-maladie. Les restrictions d'admission de droit fédéral sont compatibles avec la liberté économique lorsqu'elles sont proportionnées.\n\n> « La limitation de l'admission des fournisseurs de prestations à l'activité à charge de l'assurance obligatoire des soins édictée par le Conseil fédéral en vertu de l'art. 55a LAMal et concrétisée par le Conseil d'État du canton de Zurich ne viole ni l'accord sur la libre circulation ni la liberté économique. »\n\n**BGE 131 I 223** du 10.12.2004\nLe Tribunal fédéral a tranché sur l'interdiction de convenir et de servir d'intermédiaire pour des financements de procès. Les interdictions d'exercer une profession doivent reposer sur une base légale suffisante et être proportionnées.\n\n> « L'interdiction de convenir et de servir d'intermédiaire pour des financements de procès constitue une atteinte grave à la liberté économique et nécessite une base légale claire. »\n\n### Monopoles et barrières à l'entrée sur le marché\n\n**BGE 148 II 392** du 18.5.2022\nLe Tribunal fédéral a confirmé les blocages d'accès DNS pour les jeux d'argent en ligne illégaux. Les prestataires étrangers ne peuvent pas se prévaloir de la liberté économique pour l'accès au marché s'ils contreviennent au droit suisse.\n\n> « Les prestataires étrangers de jeux d'argent en ligne non autorisés en Suisse ne peuvent pas se prévaloir de la liberté économique et de la jurisprudence de la CJUE ou de la Cour AELE relative à la liberté d'établissement et de prestation de services du droit de l'Union pour l'accès au marché. »\n\n**BGE 143 I 388** du 2.4.2017\nLe Tribunal fédéral a tranché sur le monopole des pompes funèbres dans le canton de Zurich. Les monopoles étatiques sont compatibles avec la liberté économique lorsqu'ils reposent sur une base légale suffisante et remplissent des tâches publiques.\n\n> « Le secteur des pompes funèbres est monopolisé dans le canton de Zurich et configuré comme tâche publique de la commune. Le monopole repose sur une base légale suffisante avec le § 55 GesG/ZH. »\n\n### Salaires minimums et conditions de travail\n\n**BGE 143 I 403** du 21.7.2017\nLe Tribunal fédéral a confirmé la constitutionnalité du salaire minimum neuchâtelois. Les salaires minimums fixés par l'État constituent des mesures de politique sociale admissibles, compatibles avec la liberté économique.\n\n> « Une modification de loi qui détermine un salaire minimum pour le canton de Neuchâtel dans le but de garantir un salaire approprié à tous les travailleurs ne contrevient pas à la liberté économique. »\n\n### Aménagement du territoire et liberté économique\n\n**BGE 136 I 17** du 23.11.2009\nLe Tribunal fédéral a tranché sur les interdictions de fumer dans les établissements de restauration. Les prescriptions de protection de la santé peuvent limiter la liberté économique lorsqu'elles sont proportionnées.\n\n> « Le fait que l'ordre juridique bernois de protection contre le tabagisme passif ne prévoie pas de réglementation spéciale pour la consommation de pipes à eau dans les établissements publics ne contrevient pas au droit constitutionnel, en particulier pas à la liberté économique. »\n\n### Procédures électroniques et numérisation\n\n**BGE 151 I 194** du 3.12.2024\nLe Tribunal fédéral a tranché sur l'admissibilité d'une obligation cantonale de communication électronique avec les autorités pour les avocats. L'obligation de numérisation ne constitue qu'une atteinte légère à la liberté économique.\n\n> « Obliger les représentants professionnels de parties à transmettre électroniquement les écritures aux autorités administratives et judiciaires cantonales ainsi qu'à munir les écritures nécessitant une signature d'une signature électronique qualifiée constitue une atteinte légère à la liberté économique. »", "summary_it": "# Art. 94 Cost. — Principi dell'ordinamento economico\n\n## Panoramica\n\nL'art. 94 Cost. è la norma fondamentale della costituzione economica svizzera (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). La disposizione vincola la Confederazione e i Cantoni al principio della libertà economica. Ciò significa un ordinamento economico fondamentalmente libero dall'intervento statale con iniziativa privata e concorrenza funzionale (Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 5).\n\nLa norma disciplina quattro aspetti centrali: In primo luogo, tutte le autorità statali devono attenersi al principio della libertà economica (cpv. 1). In secondo luogo, esse devono contribuire con l'economia privata al benessere e alla sicurezza economica (cpv. 2). In terzo luogo, devono creare condizioni quadro favorevoli per l'economia privata (cpv. 3). In quarto luogo, le deroghe al principio sono ammesse solo se previste dalla Costituzione federale o giustificate da diritti di regalia cantonali (cpv. 4).\n\nSono interessate tutte le persone fisiche e giuridiche che svolgono o intendono svolgere un'attività economica. L'art. 94 Cost. protegge sia il libero accesso al mercato sia il libero esercizio della professione (**DTF 142 I 162**). La norma agisce come parametro costituzionale oggettivo e completa il diritto fondamentale individuale della libertà economica di cui all'art. 27 Cost. (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\nLe conseguenze giuridiche sono di ampia portata: Le misure statali che violano il principio sono incostituzionali, salvo che non sussista un'eccezione (**DTF 142 I 99**). Il Tribunale federale ha tuttavia chiarito che l'attività economica statale è fondamentalmente ammessa in base alla prassi costituzionale vissuta, purché non spiazzi l'offerta privata (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12; **DTF 138 I 378**).\n\nUn esempio pratico: Un Cantone non può senza altro fondare un'impresa Internet comunale che sia in diretta concorrenza con fornitori privati. Deve dimostrare che esiste un interesse pubblico e che viene preservata la neutralità concorrenziale (**DTF 143 II 425**). D'altro canto, può concedere in concessione la forza idrica come regalia cantonale, poiché ciò è escluso dal campo di applicazione della libertà economica (**DTF 142 I 99**).\n\nLa disposizione è centrale per il rapporto tra Stato ed economia in Svizzera. Garantisce un ordinamento di economia di mercato, ma permette correzioni statali in caso di fallimento del mercato (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 94 Cost. riprende sostanzialmente i principi della costituzione economica della vecchia Costituzione federale (art. 31 cpv. 1 vCost). La disposizione è stata sistematicamente ricollocata e modernizzata testualmente durante la revisione totale del 1999, senza che fosse intesa alcuna modifica materiale (FF 1997 I 241). Il costituente voleva mantenere l'ordinamento economico svizzero consolidato, che si basa sull'iniziativa economica privata, ma ammette l'intervento statale per correggere i fallimenti del mercato.\n\n**N. 2** La storia della genesi mostra una tensione tra ordinamento economico liberale ed economia sociale di mercato. Mentre il messaggio del 1996 parlava ancora di un'«economia sociale di mercato», si impose infine la formulazione più neutrale del «principio della libertà economica» (FF 1997 I 242). Questa decisione terminologica riflette il carattere di compromesso della costituzione economica svizzera tra libertà di mercato e intervento statale.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 94 Cost. si trova all'inizio della 3ª sezione («Economia») del 3° titolo della Costituzione federale e rappresenta la norma fondamentale della costituzione economica svizzera (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 1). La disposizione ha una doppia natura: è sia norma costituzionale oggettiva sia fondamento del diritto fondamentale della libertà economica sancito nell'art. 27 Cost.\n\n**N. 4** Le connessioni sistematiche sono molteplici: → l'art. 27 Cost. concretizza la dimensione di diritto individuale, → gli artt. 95–107 Cost. contengono disposizioni economiche settoriali, → l'art. 36 Cost. disciplina i presupposti per le restrizioni dei diritti fondamentali, ↔ l'art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto) e l'art. 3 Cost. (federalismo) formano il quadro costituzionale.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Principio della libertà economica (cpv. 1)**: La norma postula un ordinamento economico fondamentalmente libero dall'intervento statale. Il Tribunale federale sottolinea tuttavia che l'attività economica statale è ammissibile in base alla prassi costituzionale vissuta e non costituisce una restrizione dei diritti fondamentali, finché l'offerta privata non viene addirittura soppiantata (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 11–12; **DTF 138 I 378 consid. 5.3**).\n\n**N. 6** **Concorrenza**: Il principio comprende in particolare il principio della concorrenza (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 5–9). Le misure statali devono essere configurate in modo neutrale dal profilo della concorrenza. Ciò significa in particolare il divieto di sovvenzioni incrociate sistematiche tra settori monopolistici e concorrenziali (**DTF 143 II 425**).\n\n**N. 7** **Mercato interno**: L'art. 94 Cost. garantisce il mercato interno svizzero (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 10). Le barriere cantonali all'accesso al mercato sono ammissibili soltanto alle condizioni dell'art. 95 cpv. 2 Cost.\n\n**N. 8** **Benessere e sicurezza economica (cpv. 2)**: Questa disposizione obbliga Confederazione e Cantoni alla collaborazione con l'economia privata. Fonda una disposizione di obiettivo statale senza immediata giustiziabilità (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 14–17; Vallender, SG Komm. BV, art. 94 n. 8).\n\n**N. 9** **Condizioni quadro favorevoli (cpv. 3)**: Lo Stato deve creare condizioni ottimali per l'attività economica privata. Ciò comprende la certezza del diritto, infrastrutture funzionanti e stabilità macroeconomica (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 18–20; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 n. 34).\n\n**N. 10** **Riserva costituzionale (cpv. 4)**: Deroghe al principio della libertà economica sono ammissibili soltanto se previste nella Costituzione federale (p.es. art. 98 Cost. per la Banca nazionale, art. 103 Cost. per la politica strutturale) o giustificate da diritti di regalia cantonali (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 21–26).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** **Efficacia normativa**: L'art. 94 Cost. spiega un'efficacia normativa immediata. L'agire statale che viola il principio della libertà economica è contrario alla Costituzione, purché non sussista un'eccezione secondo il cpv. 4 (**DTF 142 I 99 consid. 5.2**).\n\n**N. 12** **Standard di verifica**: Nel controllo delle misure statali, l'art. 94 Cost. funge da standard costituzionale oggettivo. La verifica avviene su due livelli: Sussiste una deroga al principio? In caso affermativo: È coperta da una riserva costituzionale o da un diritto di regalia cantonale?\n\n**N. 13** **Mandato legislativo**: I cpv. 2 e 3 contengono mandati legislativi per Confederazione e Cantoni. Questi devono essere osservati nella configurazione dell'ordinamento economico, ma non fondano diritti soggettivi azionabili (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1654).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 14** **Attività economica statale**: L'ammissibilità dell'attività economica statale è controversa. Il Tribunale federale si basa sulla «prassi costituzionale vissuta» (**DTF 138 I 378**). Parti della dottrina criticano questo approccio come metodicamente problematico, poiché l'interpretazione costituzionale non dovrebbe essere determinata dalla prassi fattuale (critico: J. Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 234; favorevole: Richli, Wirtschaftsverfassungsrecht, § 4 n. 89).\n\n**N. 15** **Principio di sussidiarietà**: È controverso se dall'art. 94 Cost. derivi un principio di sussidiarietà giustiziabile. Il Tribunale federale lo considera un'immagine direttrice di politica economica senza vincolatività giuridica (Uhlmann, BSK BV, art. 94 n. 11). La dottrina è divisa: Biaggini (Komm. BV, art. 94 n. 5) afferma una certa forza normativa, mentre Rhinow (Wirtschafts- und Eigentumsverfassung, p. 156) la rifiuta.\n\n**N. 16** **Rapporto con l'art. 27 Cost.**: È controverso il rapporto tra la norma oggettiva (art. 94 Cost.) e il diritto fondamentale (art. 27 Cost.). La dottrina dominante considera l'art. 94 Cost. come norma di principio oggettiva con ambito di protezione più esteso (Vallender/Hettich/Lehne, Wirtschaftsfreiheit, p. 89), mentre altri assumono una sostanziale coincidenza (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 1023).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Ordine di verifica**: Nella valutazione giuridica occorre dapprima verificare se una misura statale tocchi l'ambito di protezione della libertà economica. Successivamente si deve esaminare se sussista una restrizione e se questa sia giustificata (→ art. 36 Cost.) o se si applichi un'eccezione secondo l'art. 94 cpv. 4 Cost.\n\n**N. 18** **Delimitazione dai beni di polizia**: Le misure per la protezione dei beni di polizia (salute, sicurezza, ambiente) non rientrano nell'art. 94 cpv. 4 Cost., ma devono essere valutate secondo l'art. 36 Cost. La delimitazione può essere difficile nel singolo caso (**DTF 130 I 26 consid. 4.3**).\n\n**N. 19** **Diritti di regalia cantonali**: Nell'invocare diritti di regalia cantonali occorre dimostrare che la regalia è cresciuta storicamente ed è stata esercitata in modo continuo. Nuove «regalie» non possono più essere fondate (**DTF 142 I 99 consid. 5.4**).\n\n**N. 20** **Diritto europeo**: Nelle fattispecie transfrontaliere devono essere osservati gli accordi bilaterali, in particolare l'Accordo sulla libera circolazione delle persone e gli accordi settoriali. Questi possono contenere obblighi di liberalizzazione più estesi rispetto all'art. 94 Cost. (**DTF 130 I 26 consid. 3**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principio della libertà economica e suoi limiti\n\n**BGE 128 I 3** del 13.11.2001\nIl Tribunale federale ha deciso sulla ammissibilità dei monopoli comunali per l'affissione su terreno privato. Un monopolio legale per l'affissione che comprende terreno privato costituisce un'ingerenza sproporzionata nella libertà economica.\n\n> «Diversamente da un monopolio di fatto per l'affissione su terreno pubblico, un monopolio legale per l'affissione, nella misura in cui comprende terreno privato, costituisce un'ingerenza sproporzionata nella libertà economica; un obbligo di autorizzazione, collegato alle corrispondenti norme materiali, è sufficiente per far valere gli interessi pubblici determinanti.»\n\n**BGE 142 I 162** del 9.11.2016\nIl Tribunale federale ha esaminato la compatibilità di una zona turistica con la libertà economica. Le misure di pianificazione del territorio devono basarsi su una base legale sufficiente ed essere proporzionate.\n\n> «La libertà economica comprende segnatamente la libera scelta della professione nonché il libero accesso a un'attività economica privata e il suo libero esercizio. La libertà economica spetta in ugual misura alle persone fisiche e giuridiche.»\n\n**BGE 150 I 120** del 23.2.2024\nIl Tribunale federale ha deciso sulla regolamentazione ginevrina dei servizi taxi e di trasporto. Le prescrizioni cantonali sulle condizioni di esercizio della professione possono limitare la libertà economica, ma devono essere proporzionate.\n\n> «Una regolamentazione cantonale che limita progressivamente l'uso di taxi e veicoli di trasporto con autista secondo la loro efficienza energetica non rientra nell'ammissione di veicoli alla circolazione stradale, bensì nelle condizioni per l'esercizio di una professione sottoposta ad autorizzazione, per la quale sono competenti i Cantoni.»\n\n### Attività economica statale e neutralità della concorrenza\n\n**BGE 138 I 378** del 3.7.2012\nIl Tribunale federale si è occupato dell'ammissibilità dell'attività assicurativa statale dell'Assicurazione cantonale contro i danni di Glarona. Determinanti per la compatibilità con l'art. 94 Cost. sono la base legale formale, l'interesse pubblico e la neutralità della concorrenza.\n\n> «Con il principio della libertà economica (art. 94 cpv. 4 Cost.) è compatibile un'attività imprenditoriale dello Stato, purché esista una base legale formale, l'attività sia nell'interesse pubblico e proporzionata e sia rispettato il principio della neutralità della concorrenza.»\n\n**BGE 143 II 425** del 1.1.2017\nIl Tribunale federale ha deciso sull'esclusione di imprese statali da procedure di aggiudicazione pubblica a causa di sussidi incrociati che falsano la concorrenza. La neutralità della concorrenza vieta sussidi incrociati sistematici tra settore monopolistico e settore concorrenziale.\n\n> «La neutralità della concorrenza dell'attività imprenditoriale statale vieta sussidi incrociati sistematici tra settore monopolistico e settore concorrenziale.»\n\n### Diritti di regalia cantonali e sistema di concessioni\n\n**BGE 142 I 99** del 31.3.2016\nIl Tribunale federale ha deciso sulla compatibilità delle prescrizioni di Uri sulle concessioni idriche con la libertà economica. I diritti di regalia cantonali sono esclusi dal campo d'applicazione della libertà economica.\n\n> «La sovranità sulle acque costituisce una regalia cantonale, per cui il potere di disposizione sulle acque pubbliche è escluso dal campo d'applicazione della libertà economica. Il conferimento di concessioni rientra nel potere discrezionale vincolato dell'autorità concedente.»\n\n### Regolamentazione dell'accesso alle professioni e obblighi di autorizzazione\n\n**BGE 130 I 26** del 27.11.2003\nIl Tribunale federale ha confermato il blocco delle ammissioni per i medici all'attività a carico dell'assicurazione malattie. Le limitazioni federali di ammissione sono compatibili con la libertà economica se sono proporzionate.\n\n> «La limitazione dell'ammissione di fornitori di prestazioni all'attività a carico dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie, emanata dal Consiglio federale in base all'art. 55a LAMal e concretizzata dal Consiglio di Stato del Cantone Zurigo, non viola né l'Accordo sulla libera circolazione né la libertà economica.»\n\n**BGE 131 I 223** del 10.12.2004\nIl Tribunale federale ha deciso sul divieto di stipulare e mediare finanziamenti processuali. I divieti di esercizio della professione devono basarsi su una base legale sufficiente ed essere proporzionati.\n\n> «Il divieto di stipulare e mediare finanziamenti processuali costituisce una grave ingerenza nella libertà economica e necessita di una chiara base legale.»\n\n### Monopoli e barriere all'entrata nel mercato\n\n**BGE 148 II 392** del 18.5.2022\nIl Tribunale federale ha confermato i blocchi dell'accesso DNS per giochi d'azzardo online illegali. I fornitori stranieri non possono invocare la libertà economica per l'accesso al mercato se violano il diritto svizzero.\n\n> «Le fornitrici straniere di giochi in denaro online non autorizzati in Svizzera non possono invocare per l'accesso al mercato la libertà economica e la giurisprudenza della CGUE rispettivamente del Tribunale AELS sulla libertà di stabilimento e prestazione di servizi del diritto dell'Unione.»\n\n**BGE 143 I 388** del 2.4.2017\nIl Tribunale federale ha deciso sul monopolio delle sepolture nel Cantone Zurigo. I monopoli statali sono compatibili con la libertà economica se si basano su una base legale sufficiente e adempiono compiti pubblici.\n\n> «Il settore delle sepolture nel Cantone Zurigo è stato monopolizzato e configurato come compito pubblico del Comune. Il monopolio si basa con il § 55 GesG/ZH su una base legale sufficiente.»\n\n### Salari minimi e condizioni di lavoro\n\n**BGE 143 I 403** del 21.7.2017\nIl Tribunale federale ha confermato la costituzionalità del salario minimo neocastellano. I salari minimi stabiliti dallo Stato costituiscono misure di politica sociale ammissibili, compatibili con la libertà economica.\n\n> «Una modifica di legge che stabilisce per il Cantone Neuchâtel un salario minimo con l'obiettivo di garantire a tutti i lavoratori un salario adeguato non viola la libertà economica.»\n\n### Pianificazione del territorio e libertà economica\n\n**BGE 136 I 17** del 23.11.2009\nIl Tribunale federale ha deciso sui divieti di fumo negli esercizi di ristorazione. Le prescrizioni di protezione della salute possono limitare la libertà economica se sono proporzionate.\n\n> «Il fatto che l'ordinamento legislativo bernese per la protezione dal fumo passivo non preveda una regolamentazione speciale per il consumo di pipe ad acqua negli esercizi pubblici non viola il diritto costituzionale, in particolare non la libertà economica.»\n\n### Procedure elettroniche e digitalizzazione\n\n**BGE 151 I 194** del 3.12.2024\nIl Tribunale federale ha deciso sull'ammissibilità di un obbligo cantonale di comunicazione elettronica con le autorità per gli avvocati. L'obbligo di digitalizzazione costituisce solo un'ingerenza lieve nella libertà economica.\n\n> «Obbligare i rappresentanti professionali di parte a trasmettere elettronicamente le istanze alle autorità amministrative e giudiziarie cantonali e a munire le istanze che richiedono firma di una firma elettronica qualificata costituisce un'ingerenza lieve nella libertà economica.»", "summary_en": "# Art. 94 FC — Principles of the Economic Order\n\n## Overview\n\nArt. 94 FC is the fundamental norm of the Swiss economic constitution (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). The provision commits the Confederation and the cantons to the principle of economic freedom. This means a fundamentally state-free economic order with private economic initiative and functioning competition (Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 5).\n\nThe norm regulates four central aspects: First, all state authorities must adhere to the principle of economic freedom (para. 1). Second, they shall work with the private sector to contribute to welfare and economic security (para. 2). Third, they must create favourable framework conditions for the private economy (para. 3). Fourth, deviations from the principle are only permitted if the Federal Constitution provides for them or if cantonal regalia justify them (para. 4).\n\nAll natural and legal persons who are economically active or wish to become economically active are affected. Art. 94 FC protects both free market access and the free exercise of professions (**BGE 142 I 162**). The norm functions as an objective constitutional standard and complements the individual fundamental right of economic freedom under Art. 27 FC (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\nThe legal consequences are far-reaching: State measures that violate the principle are unconstitutional unless an exception applies (**BGE 142 I 99**). However, the Federal Supreme Court has clarified that state economic activity is generally permissible based on lived constitutional practice, as long as it does not displace private supply (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12; **BGE 138 I 378**).\n\nA practical example: A canton cannot simply establish a municipal internet company that competes directly with private providers. It must demonstrate that a public interest exists and that competitive neutrality is maintained (**BGE 143 II 425**). On the other hand, it may grant concessions for hydropower as a cantonal regale, since this is excluded from the scope of economic freedom (**BGE 142 I 99**).\n\nThe provision is central to the relationship between state and economy in Switzerland. It guarantees a market economy order but allows state corrections in cases of market failure (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 94 Federal Constitution essentially adopts the principles of the economic constitution of the old Federal Constitution (Art. 31 para. 1 old Federal Constitution). The provision was systematically repositioned and linguistically modernised during the total revision of 1999, without any substantive change being intended (Federal Gazette 1997 I 247). The constitutional legislator wanted to maintain the proven Swiss economic order, which is based on private economic initiative but permits state intervention to correct market failures.\n\n**N. 2** The legislative history shows a tension between liberal economic order and social market economy. While the 1996 Message still spoke of a \"social market economy,\" the more neutral formulation of the \"principle of economic freedom\" ultimately prevailed (Federal Gazette 1997 I 248). This terminological decision reflects the compromise character of the Swiss economic constitution between market freedom and state intervention.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 94 Federal Constitution stands at the beginning of Section 3 (\"Economy\") of Title 3 of the Federal Constitution and represents the fundamental norm of the Swiss economic constitution (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 1). The provision has a dual nature: it is both an objective constitutional norm and the basis for the fundamental right of economic freedom anchored in Art. 27 Federal Constitution.\n\n**N. 4** The systematic connections are manifold: → Art. 27 Federal Constitution concretises the individual rights dimension, → Art. 95–107 Federal Constitution contain sectoral economic provisions, → Art. 36 Federal Constitution regulates the requirements for restrictions on fundamental rights, ↔ Art. 5 Federal Constitution (rule of law principle) and Art. 3 Federal Constitution (federalism) form the constitutional framework.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Principle of economic freedom (para. 1)**: The norm postulates an economic order that is fundamentally free from state interference. However, the Federal Supreme Court emphasises that state economic activity is permissible based on lived constitutional practice and does not constitute a restriction on fundamental rights, as long as private supply is not directly displaced (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11–12; **BGE 138 I 378 consideration 5.3**).\n\n**N. 6** **Competition**: The principle includes in particular the competition principle (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 5–9). State measures must be designed to be competition-neutral. This means in particular the prohibition of systematic cross-subsidisation between monopoly and competitive sectors (**BGE 143 II 425**).\n\n**N. 7** **Internal market**: Art. 94 Federal Constitution guarantees the Swiss internal market (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 10). Cantonal barriers to market access are only permissible under the conditions of Art. 95 para. 2 Federal Constitution.\n\n**N. 8** **Welfare and economic security (para. 2)**: This provision obliges the Confederation and cantons to cooperate with the private sector. It establishes a state objective without direct justiciability (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 14–17; Vallender, SG Komm. BV, Art. 94 N. 8).\n\n**N. 9** **Favourable framework conditions (para. 3)**: The state should create optimal conditions for private economic activity. This includes legal certainty, functioning infrastructure and macroeconomic stability (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 18–20; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, § 11 N. 34).\n\n**N. 10** **Constitutional reservation (para. 4)**: Deviations from the principle of economic freedom are only permissible if they are provided for in the Federal Constitution (e.g. Art. 98 Federal Constitution for the National Bank, Art. 103 Federal Constitution for structural policy) or are justified by cantonal regalia rights (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 21–26).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** **Normative effect**: Art. 94 Federal Constitution has direct normative effect. State action that violates the principle of economic freedom is unconstitutional, provided no exception under para. 4 exists (**BGE 142 I 99 consideration 5.2**).\n\n**N. 12** **Standard of review**: When reviewing state measures, Art. 94 Federal Constitution serves as an objective constitutional standard. The review follows a two-stage process: Is there a deviation from the principle? If so: Is it covered by constitutional reservation or cantonal regalia rights?\n\n**N. 13** **Legislative mandate**: Paras. 2 and 3 contain legislative mandates to the Confederation and cantons. These must be observed in the design of the economic order, but do not establish enforceable subjective rights (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1654).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 14** **State economic activity**: The permissibility of state economic activity is disputed. The Federal Supreme Court relies on \"lived constitutional practice\" (**BGE 138 I 378**). Parts of the doctrine criticise this as methodologically problematic, since constitutional interpretation should not be determined by factual practice (critical: J. Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 234; approving: Richli, Wirtschaftsverfassungsrecht, § 4 N. 89).\n\n**N. 15** **Subsidiarity principle**: It is controversial whether Art. 94 Federal Constitution establishes a justiciable subsidiarity principle. The Federal Supreme Court sees it as an economic policy guideline without legal bindingness (Uhlmann, BSK BV, Art. 94 N. 11). The doctrine is split: Biaggini (Komm. BV, Art. 94 N. 5) affirms a certain normative force, while Rhinow (Wirtschafts- und Eigentumsverfassung, p. 156) rejects this.\n\n**N. 16** **Relationship to Art. 27 Federal Constitution**: The relationship between the objective norm (Art. 94 Federal Constitution) and the fundamental right (Art. 27 Federal Constitution) is disputed. The prevailing doctrine sees Art. 94 Federal Constitution as an objective fundamental norm with a broader scope of protection (Vallender/Hettich/Lehne, Wirtschaftsfreiheit, p. 89), while others assume extensive congruence (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 1023).\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 17** **Order of examination**: In legal assessment, it must first be examined whether a state measure affects the scope of protection of economic freedom. Then it must be investigated whether there is a restriction and whether this is justified (→ Art. 36 Federal Constitution) or whether an exception under Art. 94 para. 4 Federal Constitution applies.\n\n**N. 18** **Distinction from police goods**: Measures to protect police goods (health, safety, environment) do not fall under Art. 94 para. 4 Federal Constitution, but are to be assessed according to Art. 36 Federal Constitution. The distinction can be difficult in individual cases (**BGE 130 I 26 consideration 4.3**).\n\n**N. 19** **Cantonal regalia rights**: When invoking cantonal regalia rights, it must be proven that the regalia has grown historically and has been exercised continuously. New \"regalia\" can no longer be established (**BGE 142 I 99 consideration 5.4**).\n\n**N. 20** **European law**: In cross-border matters, the bilateral agreements must be observed, in particular the Agreement on the Free Movement of Persons and sectoral agreements. These may contain more extensive liberalisation obligations than Art. 94 Federal Constitution (**BGE 130 I 26 consideration 3**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principle of Economic Freedom and its Limits\n\n**BGE 128 I 3** of 13.11.2001\nThe Federal Supreme Court decided on the admissibility of municipal poster monopolies on private property. A legal poster monopoly covering private property constitutes a disproportionate interference with economic freedom.\n\n> «Unlike a de facto monopoly for poster display on public property, a legal poster monopoly, insofar as it covers private property, constitutes a disproportionate interference with economic freedom; a licensing requirement, combined with corresponding substantive norms, suffices to enforce the relevant public interests.»\n\n**BGE 142 I 162** of 9.11.2016\nThe Federal Supreme Court examined the compatibility of a tourist zone with economic freedom. Spatial planning measures must be based on a sufficient legal basis and be proportionate.\n\n> «Economic freedom includes in particular the free choice of profession as well as free access to a private economic activity and its free exercise. Economic freedom applies equally to natural and legal persons.»\n\n**BGE 150 I 120** of 23.2.2024\nThe Federal Supreme Court decided on the Geneva regulation of taxi and transport services. Cantonal regulations on professional practice conditions may restrict economic freedom, but must be proportionate.\n\n> «A cantonal regulation which gradually restricts the use of taxis and transport vehicles with chauffeur according to their energy efficiency does not fall under the licensing of vehicles for road traffic, but under the requirements for exercising a profession requiring a licence, for which the cantons are responsible.»\n\n### State Economic Activity and Competitive Neutrality\n\n**BGE 138 I 378** of 3.7.2012\nThe Federal Supreme Court dealt with the admissibility of state insurance activity by the Cantonal Property Insurance of Glarus. Decisive for compatibility with Art. 94 of the Federal Constitution are a formal legal basis, public interest and competitive neutrality.\n\n> «Entrepreneurial activity by the state is compatible with the principle of economic freedom (Art. 94 para. 4 of the Federal Constitution) provided there is a formal legal basis, the activity serves the public interest and is proportionate and the principle of competitive neutrality is preserved.»\n\n**BGE 143 II 425** of 1.1.2017\nThe Federal Supreme Court decided on the exclusion of state enterprises from public procurement procedures due to competition-distorting cross-subsidisation. Competitive neutrality prohibits systematic cross-subsidisation between monopoly and competition sectors.\n\n> «The competitive neutrality of entrepreneurial state activity prohibits systematic cross-subsidisation between monopoly and competition sectors.»\n\n### Cantonal Regalia Rights and Concession System\n\n**BGE 142 I 99** of 31.3.2016\nThe Federal Supreme Court decided on the compatibility of Uri water concession regulations with economic freedom. Cantonal regalia rights are excluded from the scope of application of economic freedom.\n\n> «Water sovereignty constitutes a cantonal regalia right, which is why the power of disposal over public waters is excluded from the scope of application of economic freedom. Concession granting lies within the discretionary power of the concession authority.»\n\n### Professional Access Regulation and Licensing Requirements\n\n**BGE 130 I 26** of 27.11.2003\nThe Federal Supreme Court confirmed the admission stop for doctors to practice at the expense of health insurance. Federal admission restrictions are compatible with economic freedom if they are proportionate.\n\n> «The restriction on the admission of service providers to activity at the expense of compulsory health care insurance, issued by the Federal Council based on Art. 55a of the Health Insurance Act and specified by the Government Council of the Canton of Zurich, violates neither the Agreement on the Free Movement of Persons nor economic freedom.»\n\n**BGE 131 I 223** of 10.12.2004\nThe Federal Supreme Court decided on the prohibition of agreeing and mediating litigation financing. Professional practice prohibitions must be based on a sufficient legal basis and be proportionate.\n\n> «The prohibition of agreeing and mediating litigation financing constitutes a serious interference with economic freedom and requires a clear legal basis.»\n\n### Monopolies and Market Entry Barriers\n\n**BGE 148 II 392** of 18.5.2022\nThe Federal Supreme Court confirmed DNS access blocks for illegal online gambling. Foreign providers cannot invoke economic freedom for market access if they violate Swiss law.\n\n> «Foreign providers of online gambling not licensed in Switzerland cannot invoke economic freedom and the jurisprudence of the ECJ or the EFTA Court on the freedom of establishment and freedom to provide services under Union law for market access.»\n\n**BGE 143 I 388** of 2.4.2017\nThe Federal Supreme Court decided on the funeral monopoly in the Canton of Zurich. State monopolies are compatible with economic freedom if they are based on a sufficient legal basis and fulfil public tasks.\n\n> «The funeral sector has been monopolised in the Canton of Zurich and configured as a public task of the municipality. The monopoly is based on a sufficient legal basis with § 55 of the Health Act of Zurich.»\n\n### Minimum Wages and Working Conditions\n\n**BGE 143 I 403** of 21.7.2017\nThe Federal Supreme Court confirmed the constitutionality of the Neuchâtel minimum wage. State-determined minimum wages constitute permissible social policy measures that are compatible with economic freedom.\n\n> «A legislative amendment that determines a minimum wage for the Canton of Neuchâtel with the aim of guaranteeing all employees an appropriate wage does not violate economic freedom.»\n\n### Spatial Planning and Economic Freedom\n\n**BGE 136 I 17** of 23.11.2009\nThe Federal Supreme Court decided on smoking bans in catering establishments. Health protection regulations may restrict economic freedom if they are proportionate.\n\n> «The fact that the Bernese legal order for protection against passive smoking provides no special regulation for the consumption of water pipes in restaurants does not violate constitutional law, in particular not economic freedom.»\n\n### Electronic Procedures and Digitalisation\n\n**BGE 151 I 194** of 3.12.2024\nThe Federal Supreme Court decided on the admissibility of a cantonal obligation for electronic communication with authorities for lawyers. The digitalisation obligation constitutes only a minor interference with economic freedom.\n\n> «Obliging professional party representatives to submit filings to cantonal administrative and judicial authorities electronically and to provide signature-required filings with a qualified electronic signature constitutes a minor interference with economic freedom.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_94", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.94}
{"law": "BV", "article": 95, "article_suffix": "", "title": "Privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 95 BV regelt drei wichtige Bereiche der Schweizer Wirtschaftsordnung. Er gibt dem Bund die Kompetenz, Vorschriften für die privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit zu erlassen. Das bedeutet: Der Bund kann bestimmen, wie Unternehmen und Selbständige arbeiten dürfen.\n\nDie Norm sorgt für einen einheitlichen Wirtschaftsraum in der ganzen Schweiz. Wer eine anerkannte Berufsausbildung hat, kann seinen Beruf schweizweit ausüben. Ein Berner Arzt darf auch in Genf praktizieren, ein Zürcher Elektriker auch in Luzern arbeiten. Diese Regel verhindert, dass Kantone ihre eigenen Märkte abschotten.\n\nBesonders detailliert regelt Art. 95 BV die grossen börsenkotierten Aktiengesellschaften. Diese sogenannte \"Abzocker-Initiative\" von 2013 schreibt vor: Die Aktionäre (Teilhaber der Firma) müssen jährlich über alle Löhne und Boni der Geschäftsleitung abstimmen. Sie wählen auch den Verwaltungsratspräsidenten direkt. Abgangsgelder und goldene Fallschirme sind verboten. Wer gegen diese Regeln verstösst, kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.\n\nEin Beispiel: Die Grossbank UBS muss jedes Jahr ihre Aktionäre über die Vergütungen der Geschäftsleitung abstimmen lassen. Stimmen diese dagegen, sind die Vergütungen nicht erlaubt.\n\nDie Bundeskompetenz nach Abs. 1 ist sehr weitreichend. Das Bundesgericht bestätigte in BGE 125 I 276, dass \"jede gewerbsmässig ausgeübte, privatwirtschaftliche Tätigkeit\" darunter fällt. Gemäss Felix Uhlmann in seinem BSK-Kommentar kann der Bund \"den Begriff der privatwirtschaftlichen Tätigkeit autonom bestimmen\" (BSK BV, Art. 95 N. 4). Der Bundesrat betonte in der Botschaft zur Totalrevision, diese Kompetenz sei \"umfassend\" (BBl 1997 I 303).\n\nDie Vorschrift verbindet somit Grundrechtsschutz mit staatlicher Regulierung: Sie ermöglicht wirtschaftliche Freiheit, setzt aber auch Grenzen zum Schutz der Allgemeinheit.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 95 BV fusst auf drei historischen Wurzeln. Die Kompetenz zur Regulierung der privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit (Abs. 1) geht auf Art. 31 Abs. 2 aBV zurück, der dem Bund bereits seit 1874 eine subsidiäre Gesetzgebungskompetenz für Handel und Gewerbe einräumte. Die Binnenmarktbestimmungen (Abs. 2) wurden 1995 als Art. 95 Abs. 2 aBV eingefügt, um den freien Personenverkehr innerhalb der Schweiz verfassungsrechtlich zu garantieren (BBl 1995 I 1213). Die aktienrechtlichen Vorgaben (Abs. 3) entstammen der Volksinitiative «gegen die Abzockerei» und wurden am 3. März 2013 vom Volk und allen Ständen angenommen (BBl 2013 2905).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur Totalrevision der Bundesverfassung von 1996 betonte, dass die Bundeskompetenz nach Abs. 1 «umfassend» sei und dem Bund erlaube, «auf dem Gebiet der privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit legiferierend tätig zu werden» (BBl 1997 I 303). Diese Kompetenz habe «nachträglich derogatorische Wirkung», wodurch entgegenstehendes kantonales Recht ausser Kraft gesetzt werde.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 95 BV bildet das Herzstück der bundesstaatlichen Wirtschaftskompetenzen. Er steht in engem Zusammenhang mit der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) und den Grundsätzen der Wirtschaftsordnung (→ Art. 94 BV). Während Art. 27 BV das individuelle Grundrecht auf freie wirtschaftliche Betätigung garantiert, ermächtigt Art. 95 BV den Bund zur Regulierung dieser Freiheit.\n\n**N. 4** Die Norm ist abzugrenzen von den spezifischen Wirtschaftskompetenzen des Bundes (→ Art. 96-98 BV) sowie von den kantonalen Kompetenzen im Bereich der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Felix Uhlmann betont, dass dem Bund die Befugnis zustehe, «den Begriff der privatwirtschaftlichen Tätigkeit autonom zu bestimmen und nicht strikt den Begrenzungen des Grundrechts gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung» zu folgen (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 4).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Begriff der privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit umfasst jede auf Gewinn oder Erwerbseinkommen gerichtete Tätigkeit privater Wirtschaftssubjekte. Das Bundesgericht hat in ständiger Rechtsprechung bestätigt, dass darunter «jede gewerbsmässig ausgeübte, privatwirtschaftliche Tätigkeit» fällt, unabhängig von der konkreten Branche oder Berufsart (**BGE 125 I 276** E. 6a).\n\n**N. 6** Die Bundeskompetenz ist umfassend, aber nicht schrankenlos. Sie unterliegt den verfassungsmässigen Grundsätzen, insbesondere der Verhältnismässigkeit (→ Art. 5 Abs. 2 BV) und dem Willkürverbot (→ Art. 9 BV). Uhlmann weist darauf hin, dass eine Bundeskompetenz zur Regelung von Kampfhunden «zu Recht verneint» wurde, «da im Kern die private (nicht privatwirtschaftliche) Haltung der Hunde steht» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 15).\n\n### 3.2 Einheitlicher Wirtschaftsraum (Abs. 2)\n\n**N. 7** Abs. 2 verpflichtet den Bund zur Schaffung eines einheitlichen schweizerischen Wirtschaftsraums. Diese Norm konkretisiert das Prinzip der wirtschaftlichen Freizügigkeit innerhalb der Schweiz. Sie umfasst zwei Komponenten: die allgemeine Binnenmarktgarantie (Satz 1) und die spezifische Garantie der beruflichen Freizügigkeit (Satz 2).\n\n**N. 8** Die Garantie der gegenseitigen Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen bezieht sich auf wissenschaftliche Ausbildungen sowie eidgenössische, kantonale oder kantonal anerkannte Abschlüsse. Das Bundesgericht hat in **BGE 130 I 26** klargestellt, dass diese Garantie nicht absolut gilt und durch überwiegende öffentliche Interessen eingeschränkt werden kann.\n\n### 3.3 Aktienrechtliche Vorgaben (Abs. 3)\n\n**N. 9** Die detaillierten Vorgaben in Abs. 3 richten sich ausschliesslich an «im In- oder Ausland kotierte Schweizer Aktiengesellschaften». Der Verfassungstext enthält zwingende materielle Vorgaben für die Vergütung und Wahl von Organmitgliedern sowie ein Strafrechtsmandat.\n\n**N. 10** Die Formulierung als «Grundsätze» bedeutet nach Uhlmann nicht, dass dem Gesetzgeber ein weiter Spielraum zukommt. Vielmehr handle es sich um «sehr detaillierte Vorgaben», wobei «die absolute Geltung und Abwägungsfeindlichkeit einer Verfassungsnorm nicht leichthin anzunehmen» sei (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 25).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Aus Abs. 1 folgt die umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes mit nachträglich derogatorischer Wirkung. Erlässt der Bund gestützt auf Art. 95 Abs. 1 BV Vorschriften, tritt entgegenstehendes kantonales Recht automatisch ausser Kraft. Dies hat das Bundesgericht im Kontext des Medizinalberufegesetzes bestätigt (Urteil 2C_236/2020 E. 2.3).\n\n**N. 12** Abs. 2 begründet eine Handlungspflicht des Bundes («er sorgt») und ein subjektives Recht auf Berufsausübung im ganzen Land für Inhaber der genannten Abschlüsse. Kantonale Zulassungsbeschränkungen sind nur zulässig, soweit sie durch überwiegende öffentliche Interessen gerechtfertigt und verhältnismässig sind.\n\n**N. 13** Die Vorgaben in Abs. 3 sind direkt anwendbar und verpflichten den Gesetzgeber zur wortgetreuen Umsetzung. Der Bundesrat hat sich gemäss den Materialien «für eine 'möglichst wortgetreue' Umsetzung der Initiative entschieden» (zitiert bei Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 53). Bei Verstoss gegen die Bestimmungen drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Reichweite der Bundeskompetenz**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Bundeskompetenz nach Abs. 1 reicht. Während Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr von einer «sehr umfassenden» Kompetenz ausgehen (Bundesstaatsrecht, N. 1058), plädiert ein Teil der Doktrin für eine restriktivere Auslegung unter Berücksichtigung der kantonalen Kompetenzen.\n\n**N. 15** **Konsultativ- vs. verbindliche Abstimmungen**: Bei der Auslegung von Art. 95 Abs. 3 lit. a war umstritten, ob der Begriff «abstimmen» auch Konsultativabstimmungen zulässt. Der Bundesrat hat sich für «jährliche und verbindliche Abstimmungen» entschieden, was von Forstmoser kritisiert wurde, der für mehr Flexibilität plädierte (Forstmoser, SJZ 108/2012, 345).\n\n**N. 16** **Vereinbarkeit mit internationalem Recht**: Vogt argumentiert, dass die zwingenden aktienrechtlichen Vorgaben in Abs. 3 zu Konflikten mit dem internationalen Gesellschaftsrecht führen könnten (Vogt, Aktionärsdemokratie, 287). Dagegen betonen Böckli und Häusermann die Notwendigkeit einer international kompatiblen Umsetzung (Böckli, Aktienrecht, § 13 N. 665; Häusermann, SJZ 108/2012, 541).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Anwendung von Art. 95 Abs. 1 BV ist zu prüfen, ob eine privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit vorliegt. Rein private Tätigkeiten ohne Erwerbscharakter fallen nicht darunter. Die Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein, etwa bei gemeinnützigen Organisationen mit wirtschaftlicher Nebentätigkeit.\n\n**N. 18** Für die berufliche Mobilität nach Abs. 2 empfiehlt sich die frühzeitige Klärung der Anerkennungsfrage. Das Bundesgesetz über den Binnenmarkt (BGBM) konkretisiert die verfassungsrechtlichen Vorgaben und schafft Verfahrensgarantien. Bei Verweigerung der Anerkennung steht der Rechtsweg offen.\n\n**N. 19** Kotierte Gesellschaften müssen die Vorgaben von Abs. 3 in ihren Statuten umsetzen. Die Verordnung gegen übermässige Vergütungen (VegüV) präzisiert die verfassungsrechtlichen Anforderungen. Verstösse sind Offizialdelikte und werden von Amtes wegen verfolgt. Die Praxis zeigt, dass insbesondere die Dokumentation der Abstimmungsergebnisse und die korrekte Ausgestaltung der Arbeitsverträge fehleranfällig sind (Oser/Müller, Praxiskommentar VegüV, Einl. N. 45).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit (Abs. 1)\n\n### Grundsätze und Regelungskompetenz\n\n**BGE 138 I 378** (3. Juli 2012) vom 3. Juli 2012  \nStaatliche Unternehmen dürfen im Wettbewerb mit privaten Anbietern tätig sein, soweit eine formell-gesetzliche Grundlage besteht.  \nDas Urteil präzisiert die Grenzen der unternehmerischen Staatstätigkeit nach Art. 94 Abs. 4 BV.  \n\n> «Mit dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 Abs. 4 BV) ist eine unternehmerische Tätigkeit des Staates vereinbar, sofern eine formell-gesetzliche Grundlage besteht, die Tätigkeit im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist und der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt.»\n\n**BGE 125 I 276** (14. Juni 1999)  \nKantone können die selbständige Berufsausübung regulieren, ohne dass ein grundsätzlicher Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit vorliegt.  \nDer Entscheid betrifft das Verbot der selbständigen Berufsausübung als Zahnprothetiker.  \n\n> «Unter dem Schutz des Art. 31 BV steht jede gewerbsmässig ausgeübte, privatwirtschaftliche Tätigkeit, die der Erzielung eines Gewinnes oder Erwerbseinkommens dient [...], somit auch die gewerbsmässige Tätigkeit als Zahnprothetiker. Art. 31 BV behält jedoch in Abs. 2 kantonale Bestimmungen über die Ausübung von Handel und Gewerbe vor.»\n\n## Einheitlicher Wirtschaftsraum (Abs. 2)\n\n### Zulassungsbeschränkungen und Berufszulassung\n\n**BGE 130 I 26** (27. November 2003)  \nZulassungsbeschränkungen für Medizinalpersonal verletzen weder die Wirtschaftsfreiheit noch den Grundsatz des einheitlichen Wirtschaftsraums.  \nMassstäblicher Entscheid zur Vereinbarkeit von Bedürfnisklauseln mit der Bundesverfassung.  \n\n> «Die vom Bundesrat gestützt auf Art. 55a KVG erlassene und vom Regierungsrat des Kantons Zürich konkretisierte Einschränkung der Zulassung von Leistungserbringern zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verletzt [...] weder das Freizügigkeitsabkommen [...] noch die Wirtschaftsfreiheit [...], die Pflicht zur gegenseitigen Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen.»\n\n**Urteil 2C_236/2020** (28. August 2020)  \nDie Kompetenz zur Regelung der privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit nach Art. 95 Abs. 1 BV umfasst das gesamte Medizinalberuferecht.  \nDer Entscheid betrifft den Entzug einer Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung als Zahnarzt.  \n\n> «Das MedBG beruht [...] auf Art. 95 Abs. 1 BV, welcher dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz mit nachträglich derogatorischer Wirkung in Bezug auf die Ausübung privatwirtschaftlicher Erwerbstätigkeit einräumt.»\n\n### Anerkennungsrecht und interkantonale Mobilität\n\n**BGE 130 II 87** (29. Januar 2004)  \nDie Eintragung ins kantonale Anwaltsregister fällt unter die Wirtschaftsfreiheit und Art. 95 Abs. 2 BV.  \nGrundsatzentscheidung zur Bedeutung der Berufsausübungsfreiheit für juristische Berufe.  \n\n> «Anwaltstätigkeit im Monopolbereich fällt unter das Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit; Verweigerung des Registereintrags (wegen fehlender Unabhängigkeit) tangiert dieses Grundrecht, was eine Überprüfung am Massstab der Wirtschaftsfreiheit und damit auch deren Schranken ermöglicht.»\n\n## Aktienrechtliche Bestimmungen (Abs. 3)\n\n### Unternehmensverantwortung und Vergütungsbestimmungen\n\n**BGE 132 III 564** (27. Juni 2006)  \nDie Verantwortlichkeit der Verwaltungsräte nach OR unterliegt nicht unmittelbar Art. 95 Abs. 3 BV.  \nDer Entscheid behandelt die Sorgfaltspflichten bei Gesellschaften in prekärer Situation.  \n\n> «Die Sorgfaltspflicht der Verwaltungsräte ist nach objektiven Kriterien zu beurteilen, wobei bei Gesellschaften in prekärer finanzieller Lage besondere Aufmerksamkeit geboten ist.»\n\n**BGE 136 III 148** (7. Dezember 2009)  \nAktienrechtliche Verantwortlichkeit und Verrechnungseinreden im Konkursverfahren.  \nDas Urteil präzisiert die Durchsetzung von Verantwortlichkeitsansprüchen gegen Verwaltungsräte.  \n\n> «Die beklagte Partei kann im Verantwortlichkeitsprozess mit Forderungen verrechnen, die ihr im Zeitpunkt der Konkurseröffnung gegenüber der konkursiten Gesellschaft zustanden.»\n\n### Aktienrechtliche Praxis nach der Verfassungsrevision\n\n**Urteil 4A_268/2018** (18. November 2019)  \nAktienrechtliche Verantwortlichkeit in komplexen Konzernstrukturen.  \nDas Urteil behandelt die Anwendung der Sorgfaltspflichten bei der Swissair-Grounding.  \n\n> «Die Verwaltungsräte haben ihre Sorgfaltspflicht unabhängig von externen Einflüssen wahrzunehmen und können sich nicht auf Weisungen Dritter berufen.»\n\n## Grenzüberschreitende Aspekte\n\n### Binnenmarktrecht und europarechtliche Bezüge\n\n**Urteil 2C_277/2022** (3. Juli 2023)  \nBewilligung zur Erteilung von Schwimmunterricht und Wirtschaftsfreiheit.  \nDer Entscheid zeigt die weite Anwendung der Wirtschaftsfreiheit auf verschiedene Berufsarten.  \n\n> «Die Wirtschaftsfreiheit steht natürlichen und juristischen Personen gleichermassen zu [...]. Sie schützt die privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit [...]; erfasst sind auch gewerbliche Tätigkeiten.»\n\n**Urteil 2C_501/2016** (7. Dezember 2016)  \nAuflage zur Bewilligung zur selbständigen Ausübung der Komplementärmedizin.  \nDas Urteil betrifft die Regulierung alternativer Heilmethoden.  \n\n> «Das Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit schützt jede auf die Erzielung eines Gewinns oder eines Erwerbseinkommens gerichtete privatwirtschaftliche Betätigung. Sie umfasst insbesondere den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung.»\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n### Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle\n\n**Urteil 2C_1007/2022** (15. Januar 2025)  \nGleichstellung zwischen Mann und Frau und Lohngleichheit im öffentlichen Beschaffungswesen.  \nDas Urteil zeigt die Verflechtung von Gleichstellungsrecht und Wirtschaftsfreiheit.  \n\n> «Die Kontrolle der Lohngleichheit im öffentlichen Beschaffungswesen berührt die Wirtschaftsfreiheit der Anbieter, ist jedoch durch das öffentliche Interesse an der Gleichstellung gerechtfertigt.»\n\n### Regulierung in Krisenzeiten\n\n**Urteil 2C_102/2023** (18. September 2024)  \nAnfechtung von Mietzinserhöhungen und staatliche Regulierungskompetenzen.  \nDer Entscheid betrifft die Grenzen staatlicher Eingriffe in Mietpreise.  \n\n> «Staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung bedürfen einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage und müssen verhältnismässig sein, auch wenn sie sozialpolitisch motiviert sind.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 95 Cst. règle trois domaines importants de l'ordre économique suisse. Il donne à la Confédération la compétence d'édicter des prescriptions pour l'activité lucrative privée. Cela signifie : la Confédération peut déterminer comment les entreprises et les indépendants sont autorisés à travailler.\n\nLa norme assure un espace économique uniforme dans toute la Suisse. Quiconque a une formation professionnelle reconnue peut exercer sa profession dans toute la Suisse. Un médecin bernois peut aussi pratiquer à Genève, un électricien zurichois peut aussi travailler à Lucerne. Cette règle empêche que les cantons protègent leurs propres marchés.\n\nL'art. 95 Cst. règle de manière particulièrement détaillée les grandes sociétés anonymes cotées en bourse. Cette « initiative contre les rémunérations abusives » de 2013 prescrit : les actionnaires (associés de l'entreprise) doivent voter chaque année sur tous les salaires et bonus de la direction. Ils élisent aussi directement le président du conseil d'administration. Les indemnités de départ et les parachutes dorés sont interdits. Celui qui viole ces règles peut être puni jusqu'à trois ans de prison.\n\nUn exemple : la grande banque UBS doit chaque année faire voter ses actionnaires sur les rémunérations de la direction. S'ils votent contre, ces rémunérations ne sont pas autorisées.\n\nLa compétence fédérale selon l'al. 1 est très étendue. Le Tribunal fédéral a confirmé dans l'ATF 125 I 276 que « toute activité privée exercée à titre professionnel » en relève. Selon Felix Uhlmann dans son commentaire BSK, la Confédération peut « déterminer de manière autonome la notion d'activité privée » (BSK Cst., art. 95 ch. 4). Le Conseil fédéral a souligné dans le message relatif à la révision totale que cette compétence était « complète » (FF 1997 I 259).\n\nLa prescription lie ainsi la protection des droits fondamentaux à la régulation étatique : elle permet la liberté économique, mais fixe aussi des limites pour la protection de la collectivité.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse de la disposition\n\n**N. 1** L'art. 95 Cst. repose sur trois racines historiques. La compétence de réglementer l'activité économique privée (al. 1) remonte à l'art. 31 al. 2 aCst., qui accordait déjà à la Confédération depuis 1874 une compétence législative subsidiaire pour le commerce et l'industrie. Les dispositions sur le marché intérieur (al. 2) ont été introduites en 1995 comme art. 95 al. 2 aCst., afin de garantir constitutionnellement la libre circulation des personnes à l'intérieur de la Suisse (FF 1995 I 1141). Les prescriptions du droit des sociétés anonymes (al. 3) résultent de l'initiative populaire « contre les rémunérations abusives » et ont été acceptées le 3 mars 2013 par le peuple et tous les cantons (FF 2013 2639).\n\n**N. 2** Le message relatif à la révision totale de la Constitution fédérale de 1996 soulignait que la compétence fédérale selon l'al. 1 était « étendue » et permettait à la Confédération « d'exercer une activité législative dans le domaine de l'activité économique privée » (FF 1997 I 293). Cette compétence avait un « effet dérogatoire ultérieur », par lequel le droit cantonal contraire était mis hors de vigueur.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 95 Cst. forme la pièce maîtresse des compétences économiques fédérales. Il est en relation étroite avec la liberté économique (→ art. 27 Cst.) et les principes de l'ordre économique (→ art. 94 Cst.). Tandis que l'art. 27 Cst. garantit le droit fondamental individuel à l'activité économique libre, l'art. 95 Cst. habilite la Confédération à réglementer cette liberté.\n\n**N. 4** La norme doit être distinguée des compétences économiques spécifiques de la Confédération (→ art. 96-98 Cst.) ainsi que des compétences cantonales dans le domaine de l'ordre et de la sécurité publics. Felix Uhlmann souligne que la Confédération a le pouvoir « de déterminer de manière autonome la notion d'activité privée et de ne pas suivre strictement les limitations du droit fondamental selon la jurisprudence du Tribunal fédéral » (Uhlmann, BSK BV, art. 95 n. 4).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Activité économique privée (al. 1)\n\n**N. 5** La notion d'activité économique privée englobe toute activité de sujets économiques privés orientée vers le profit ou le revenu d'activité. Le Tribunal fédéral a confirmé dans une jurisprudence constante qu'elle comprend « toute activité privée exercée à titre professionnel », indépendamment de la branche ou du type de profession concrète (**ATF 125 I 276** consid. 6a).\n\n**N. 6** La compétence fédérale est étendue, mais pas illimitée. Elle est soumise aux principes constitutionnels, notamment à la proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) et à l'interdiction de l'arbitraire (→ art. 9 Cst.). Uhlmann indique qu'une compétence fédérale pour la réglementation des chiens de combat « a été niée à juste titre », « car c'est la détention privée (non économique privée) des chiens qui est au cœur » (Uhlmann, BSK BV, art. 95 n. 15).\n\n### 3.2 Espace économique unifié (al. 2)\n\n**N. 7** L'al. 2 oblige la Confédération à créer un espace économique suisse unifié. Cette norme concrétise le principe de la libre circulation économique à l'intérieur de la Suisse. Elle comprend deux composantes : la garantie générale du marché intérieur (phrase 1) et la garantie spécifique de la libre circulation professionnelle (phrase 2).\n\n**N. 8** La garantie de la reconnaissance mutuelle des diplômes se réfère aux formations scientifiques ainsi qu'aux diplômes fédéraux, cantonaux ou reconnus par les cantons. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 130 I 26** que cette garantie n'était pas absolue et pouvait être limitée par des intérêts publics prépondérants.\n\n### 3.3 Prescriptions du droit des sociétés anonymes (al. 3)\n\n**N. 9** Les prescriptions détaillées de l'al. 3 s'adressent exclusivement aux « sociétés anonymes suisses cotées en bourse dans le pays ou à l'étranger ». Le texte constitutionnel contient des prescriptions matérielles impératives pour la rémunération et l'élection des membres d'organes ainsi qu'un mandat de droit pénal.\n\n**N. 10** La formulation comme « principes » ne signifie pas selon Uhlmann que le législateur dispose d'une large marge de manœuvre. Il s'agirait plutôt de « prescriptions très détaillées », la « validité absolue et l'impossibilité de pondération d'une norme constitutionnelle ne devant pas être assumées à la légère » (Uhlmann, BSK BV, art. 95 n. 25).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** De l'al. 1 découle la compétence législative étendue de la Confédération avec effet dérogatoire ultérieur. Lorsque la Confédération édicte des prescriptions en se fondant sur l'art. 95 al. 1 Cst., le droit cantonal contraire est automatiquement mis hors de vigueur. Le Tribunal fédéral l'a confirmé dans le contexte de la loi sur les professions médicales (arrêt 2C_236/2020 consid. 2.3).\n\n**N. 12** L'al. 2 fonde une obligation d'agir de la Confédération (« elle veille ») et un droit subjectif à l'exercice professionnel dans tout le pays pour les détenteurs des diplômes mentionnés. Les restrictions cantonales d'admission ne sont autorisées que dans la mesure où elles sont justifiées par des intérêts publics prépondérants et proportionnées.\n\n**N. 13** Les prescriptions de l'al. 3 sont directement applicables et obligent le législateur à une mise en œuvre littérale. Le Conseil fédéral a décidé selon les matériaux « d'une mise en œuvre 'aussi littérale que possible' de l'initiative » (cité chez Uhlmann, BSK BV, art. 95 n. 53). En cas de violation des dispositions, des peines privatives de liberté jusqu'à trois ans menacent.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Portée de la compétence fédérale** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où s'étend la compétence fédérale selon l'al. 1. Tandis que Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr partent d'une compétence « très étendue » (Droit constitutionnel fédéral, n. 1058), une partie de la doctrine plaide pour une interprétation plus restrictive en tenant compte des compétences cantonales.\n\n**N. 15** **Votes consultatifs vs. contraignants** : Lors de l'interprétation de l'art. 95 al. 3 let. a, il était controversé de savoir si la notion « voter » permettait aussi des votes consultatifs. Le Conseil fédéral a opté pour « des votes annuels et contraignants », ce qui a été critiqué par Forstmoser, qui plaidait pour plus de flexibilité (Forstmoser, SJZ 108/2012, 345).\n\n**N. 16** **Compatibilité avec le droit international** : Vogt argue que les prescriptions impératives du droit des sociétés anonymes de l'al. 3 pourraient conduire à des conflits avec le droit international des sociétés (Vogt, Aktionärsdemokratie, 287). À l'opposé, Böckli et Häusermann soulignent la nécessité d'une mise en œuvre compatible au niveau international (Böckli, Aktienrecht, § 13 n. 665 ; Häusermann, SJZ 108/2012, 541).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** Lors de l'application de l'art. 95 al. 1 Cst., il faut examiner si une activité économique privée est présente. Les activités purement privées sans caractère lucratif n'en relèvent pas. La délimitation peut être difficile dans le cas particulier, par exemple pour les organisations d'utilité publique avec une activité économique accessoire.\n\n**N. 18** Pour la mobilité professionnelle selon l'al. 2, il est recommandé de clarifier précocement la question de la reconnaissance. La loi fédérale sur le marché intérieur (LMI) concrétise les prescriptions constitutionnelles et crée des garanties de procédure. En cas de refus de reconnaissance, la voie juridique est ouverte.\n\n**N. 19** Les sociétés cotées doivent mettre en œuvre les prescriptions de l'al. 3 dans leurs statuts. L'ordonnance contre les rémunérations abusives (ORAb) précise les exigences constitutionnelles. Les violations sont des délits d'office et sont poursuivies d'office. La pratique montre que notamment la documentation des résultats de vote et l'aménagement correct des contrats de travail sont sources d'erreurs (Oser/Müller, Commentaire pratique ORAb, Introd. n. 45).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Activité lucrative privée (al. 1)\n\n### Principes et compétence réglementaire\n\n**ATF 138 I 378** (3 juillet 2012) du 3 juillet 2012  \nLes entreprises étatiques peuvent exercer une activité en concurrence avec des prestataires privés, pour autant qu'il existe une base légale formelle.  \nL'arrêt précise les limites de l'activité entrepreneuriale de l'État selon l'art. 94 al. 4 Cst.  \n\n> « Une activité entrepreneuriale de l'État est compatible avec le principe de la liberté économique (art. 94 al. 4 Cst.) pour autant qu'il existe une base légale formelle, que l'activité soit dans l'intérêt public et proportionnée et que le principe de la neutralité concurrentielle soit préservé. »\n\n**ATF 125 I 276** (14 juin 1999)  \nLes cantons peuvent réguler l'exercice indépendant d'une profession, sans qu'il y ait violation fondamentale de la liberté économique.  \nLa décision concerne l'interdiction de l'exercice indépendant de la profession de prothésiste dentaire.  \n\n> « Sous la protection de l'art. 31 Cst. se trouve toute activité privée exercée à titre professionnel qui vise à l'obtention d'un gain ou d'un revenu [...], donc aussi l'activité professionnelle de prothésiste dentaire. L'art. 31 Cst. réserve cependant à l'al. 2 les dispositions cantonales sur l'exercice du commerce et de l'industrie. »\n\n## Espace économique unifié (al. 2)\n\n### Restrictions d'admission et admission professionnelle\n\n**ATF 130 I 26** (27 novembre 2003)  \nLes restrictions d'admission pour le personnel médical ne violent ni la liberté économique ni le principe de l'espace économique unifié.  \nDécision de référence sur la compatibilité des clauses de besoin avec la Constitution fédérale.  \n\n> « La restriction de l'admission des fournisseurs de prestations à l'activité à la charge de l'assurance-maladie obligatoire, édictée par le Conseil fédéral en vertu de l'art. 55a LAMal et concrétisée par le Conseil d'État du canton de Zurich, ne viole [...] ni l'accord sur la libre circulation [...] ni la liberté économique [...], ni l'obligation de reconnaissance mutuelle des diplômes de formation. »\n\n**Arrêt 2C_236/2020** (28 août 2020)  \nLa compétence de réglementation de l'activité lucrative privée selon l'art. 95 al. 1 Cst. englobe l'ensemble du droit des professions médicales.  \nLa décision concerne le retrait d'une autorisation d'exercer de manière indépendante la profession de dentiste.  \n\n> « La LPMéd se fonde [...] sur l'art. 95 al. 1 Cst., qui confère à la Confédération une compétence législative complète avec effet dérogatoire ultérieur concernant l'exercice d'activités lucratives privées. »\n\n### Droit de reconnaissance et mobilité intercantonale\n\n**ATF 130 II 87** (29 janvier 2004)  \nL'inscription au registre cantonal des avocats relève de la liberté économique et de l'art. 95 al. 2 Cst.  \nDécision de principe sur la signification de la liberté d'exercice professionnel pour les professions juridiques.  \n\n> « L'activité d'avocat dans le domaine du monopole relève du droit fondamental de la liberté économique ; le refus d'inscription au registre (en raison d'un manque d'indépendance) touche ce droit fondamental, ce qui permet un examen à l'aune de la liberté économique et donc aussi de ses limites. »\n\n## Dispositions du droit des sociétés anonymes (al. 3)\n\n### Responsabilité d'entreprise et dispositions sur les rémunérations\n\n**ATF 132 III 564** (27 juin 2006)  \nLa responsabilité des administrateurs selon le CO n'est pas directement soumise à l'art. 95 al. 3 Cst.  \nLa décision traite des devoirs de diligence dans les sociétés en situation précaire.  \n\n> « Le devoir de diligence des administrateurs doit être jugé selon des critères objectifs, une attention particulière étant requise pour les sociétés en situation financière précaire. »\n\n**ATF 136 III 148** (7 décembre 2009)  \nResponsabilité du droit des sociétés anonymes et exceptions de compensation dans la procédure de faillite.  \nL'arrêt précise la mise en œuvre des prétentions en responsabilité contre les administrateurs.  \n\n> « La partie défenderesse peut compenser dans le procès en responsabilité avec des créances qui lui revenaient envers la société faillie au moment de l'ouverture de la faillite. »\n\n### Pratique du droit des sociétés anonymes après la révision constitutionnelle\n\n**Arrêt 4A_268/2018** (18 novembre 2019)  \nResponsabilité du droit des sociétés anonymes dans des structures de groupe complexes.  \nL'arrêt traite de l'application des devoirs de diligence lors du grounding de Swissair.  \n\n> « Les administrateurs doivent exercer leur devoir de diligence indépendamment des influences extérieures et ne peuvent se prévaloir d'instructions de tiers. »\n\n## Aspects transfrontaliers\n\n### Droit du marché intérieur et références au droit européen\n\n**Arrêt 2C_277/2022** (3 juillet 2023)  \nAutorisation de donner des cours de natation et liberté économique.  \nLa décision montre la large application de la liberté économique à différents types de professions.  \n\n> « La liberté économique bénéficie également aux personnes physiques et morales [...]. Elle protège l'activité lucrative privée [...] ; les activités commerciales sont également saisies. »\n\n**Arrêt 2C_501/2016** (7 décembre 2016)  \nCharge liée à l'autorisation d'exercer de manière indépendante la médecine complémentaire.  \nL'arrêt concerne la réglementation des méthodes de guérison alternatives.  \n\n> « Le droit fondamental de la liberté économique protège toute activité privée visant à l'obtention d'un gain ou d'un revenu. Elle comprend notamment le libre accès à une activité lucrative privée et son libre exercice. »\n\n## Développements récents\n\n### Numérisation et nouveaux modèles d'affaires\n\n**Arrêt 2C_1007/2022** (15 janvier 2025)  \nÉgalité entre homme et femme et égalité salariale dans les marchés publics.  \nL'arrêt montre l'imbrication entre le droit de l'égalité et la liberté économique.  \n\n> « Le contrôle de l'égalité salariale dans les marchés publics touche la liberté économique des soumissionnaires, mais est justifié par l'intérêt public à l'égalité. »\n\n### Réglementation en temps de crise\n\n**Arrêt 2C_102/2023** (18 septembre 2024)  \nContestation d'augmentations de loyer et compétences réglementaires étatiques.  \nLa décision concerne les limites des interventions étatiques dans la fixation des prix des loyers.  \n\n> « Les interventions étatiques dans la fixation des prix nécessitent une base légale suffisante et doivent être proportionnées, même si elles sont motivées par la politique sociale. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 95 Cost. disciplina tre importanti settori dell'ordinamento economico svizzero. Conferisce alla Confederazione la competenza di emanare prescrizioni per l'attività economica privata. Questo significa: la Confederazione può determinare come le imprese e gli indipendenti possono lavorare.\n\nLa norma garantisce uno spazio economico unitario in tutta la Svizzera. Chi ha una formazione professionale riconosciuta può esercitare la propria professione in tutta la Svizzera. Un medico bernese può praticare anche a Ginevra, un elettricista zurighese può lavorare anche a Lucerna. Questa regola impedisce che i Cantoni isolino i propri mercati.\n\nL'art. 95 Cost. disciplina in modo particolarmente dettagliato le grandi società anonime quotate in borsa. Questa cosiddetta \"iniziativa contro l'abuso\" del 2013 prescrive: gli azionisti (compartecipanti dell'azienda) devono votare annualmente su tutti gli stipendi e i bonus della direzione. Eleggono anche direttamente il presidente del consiglio d'amministrazione. I compensi per dimissioni e i paracadute dorati sono vietati. Chi viola queste regole può essere punito con una pena detentiva fino a tre anni.\n\nUn esempio: la grande banca UBS deve ogni anno far votare i suoi azionisti sulle retribuzioni della direzione. Se questi votano contro, le retribuzioni non sono consentite.\n\nLa competenza confederale secondo il cpv. 1 è molto ampia. Il Tribunale federale ha confermato in DTF 125 I 276 che rientra in essa \"ogni attività professionale privatoeconomica esercitata\". Secondo Felix Uhlmann nel suo commento BSK, la Confederazione può \"determinare autonomamente il concetto di attività privatoeconomica\" (BSK Cost., art. 95 n. 4). Il Consiglio federale ha sottolineato nel messaggio sulla revisione totale che questa competenza è \"globale\" (FF 1997 I 265).\n\nLa prescrizione collega così la protezione dei diritti fondamentali con la regolamentazione statale: consente la libertà economica, ma pone anche limiti a protezione della collettività.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 95 Cost. si basa su tre radici storiche. La competenza per la regolamentazione dell'attività lucrativa privata (cpv. 1) risale all'art. 31 cpv. 2 vCost., che già dal 1874 conferiva alla Confederazione una competenza legislativa sussidiaria per il commercio e l'industria. Le disposizioni sul mercato interno (cpv. 2) furono inserite nel 1995 come art. 95 cpv. 2 vCost. per garantire costituzionalmente la libera circolazione delle persone all'interno della Svizzera (FF 1995 I 1213). Le disposizioni del diritto azionario (cpv. 3) derivano dall'iniziativa popolare «contro le retribuzioni abusive» e furono accettate il 3 marzo 2013 dal popolo e da tutti i Cantoni (FF 2013 2905).\n\n**N. 2** Il messaggio concernente la revisione totale della Costituzione federale del 1996 sottolineava che la competenza federale secondo il cpv. 1 è «globale» e permette alla Confederazione di «legiferare nel campo dell'attività lucrativa privata» (FF 1997 I 303). Questa competenza ha «effetto derogatorio a posteriori», per cui il diritto cantonale contrario viene abrogato.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 95 Cost. costituisce il fulcro delle competenze economiche federali. È strettamente correlato alla libertà economica (→ art. 27 Cost.) e ai principi dell'ordinamento economico (→ art. 94 Cost.). Mentre l'art. 27 Cost. garantisce il diritto fondamentale individuale alla libera attività economica, l'art. 95 Cost. autorizza la Confederazione a regolamentare questa libertà.\n\n**N. 4** La norma va distinta dalle specifiche competenze economiche della Confederazione (→ artt. 96-98 Cost.) nonché dalle competenze cantonali nell'ambito dell'ordine pubblico e della sicurezza. Felix Uhlmann sottolinea che alla Confederazione spetta la facoltà di «determinare autonomamente il concetto di attività privata e di non seguire rigorosamente le limitazioni del diritto fondamentale secondo la giurisprudenza del Tribunale federale» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 4).\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Attività lucrativa privata (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il concetto di attività lucrativa privata comprende ogni attività di soggetti economici privati diretta al profitto o al reddito da lavoro. Il Tribunale federale ha confermato nella giurisprudenza costante che vi rientra «ogni attività di carattere commerciale esercitata privatamente», indipendentemente dal settore specifico o dal tipo di professione (**DTF 125 I 276** consid. 6a).\n\n**N. 6** La competenza federale è globale, ma non illimitata. È sottoposta ai principi costituzionali, in particolare alla proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) e al divieto dell'arbitrio (→ art. 9 Cost.). Uhlmann rileva che una competenza federale per la regolamentazione dei cani da combattimento è stata «giustamente negata», «dato che al centro sta la detenzione privata (non di carattere lucrativo privato) dei cani» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 15).\n\n### 3.2 Spazio economico unitario (cpv. 2)\n\n**N. 7** Il cpv. 2 obbliga la Confederazione a creare uno spazio economico svizzero unitario. Questa norma concretizza il principio della libera circolazione economica all'interno della Svizzera. Comprende due componenti: la garanzia generale del mercato interno (frase 1) e la garanzia specifica della libera circolazione professionale (frase 2).\n\n**N. 8** La garanzia del reciproco riconoscimento dei titoli di studio si riferisce alle formazioni scientifiche nonché ai diplomi federali, cantonali o riconosciuti dai Cantoni. Il Tribunale federale ha chiarito nel **DTF 130 I 26** che questa garanzia non vale in modo assoluto e può essere limitata da interessi pubblici preponderanti.\n\n### 3.3 Disposizioni del diritto azionario (cpv. 3)\n\n**N. 9** Le disposizioni dettagliate del cpv. 3 si rivolgono esclusivamente alle «società anonime svizzere quotate in borsa in patria o all'estero». Il testo costituzionale contiene disposizioni materiali vincolanti per la retribuzione e l'elezione dei membri degli organi nonché un mandato di diritto penale.\n\n**N. 10** La formulazione come «principi» non significa secondo Uhlmann che al legislatore spetti un ampio margine di manovra. Si tratta piuttosto di «disposizioni molto dettagliate», laddove «la validità assoluta e l'impossibilità di ponderazione di una norma costituzionale non sono da assumere alla leggera» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 25).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Dal cpv. 1 deriva la competenza legislativa globale della Confederazione con effetto derogatorio a posteriori. Se la Confederazione emana prescrizioni basandosi sull'art. 95 cpv. 1 Cost., il diritto cantonale contrario viene automaticamente abrogato. Il Tribunale federale lo ha confermato nel contesto della legge sulle professioni mediche (sentenza 2C_236/2020 consid. 2.3).\n\n**N. 12** Il cpv. 2 fonda un obbligo di agire della Confederazione («essa provvede») e un diritto soggettivo all'esercizio della professione in tutto il territorio nazionale per i titolari dei diplomi menzionati. Le limitazioni cantonali dell'ammissione sono ammissibili soltanto nella misura in cui sono giustificate da interessi pubblici preponderanti e proporzionate.\n\n**N. 13** Le disposizioni del cpv. 3 sono direttamente applicabili e obbligano il legislatore all'attuazione letterale. Secondo i materiali, il Consiglio federale ha optato «per un'attuazione 'il più possibile letterale' dell'iniziativa» (citato in Uhlmann, BSK BV, Art. 95 N. 53). In caso di violazione delle disposizioni sono minacciate pene detentive fino a tre anni.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 14** **Portata della competenza federale**: Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda la competenza federale secondo il cpv. 1. Mentre Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr partono da una competenza «molto ampia» (Bundesstaatsrecht, N. 1058), una parte della dottrina propugna per un'interpretazione più restrittiva tenendo conto delle competenze cantonali.\n\n**N. 15** **Votazioni consultive vs. vincolanti**: Nell'interpretazione dell'art. 95 cpv. 3 lett. a era controverso se il concetto «votare» ammetta anche votazioni consultive. Il Consiglio federale ha optato per «votazioni annuali e vincolanti», il che è stato criticato da Forstmoser, che propugnava per più flessibilità (Forstmoser, SJZ 108/2012, 345).\n\n**N. 16** **Compatibilità con il diritto internazionale**: Vogt argomenta che le disposizioni vincolanti del diritto azionario del cpv. 3 potrebbero portare a conflitti con il diritto societario internazionale (Vogt, Aktionärsdemokratie, 287). Al contrario Böckli e Häusermann sottolineano la necessità di un'attuazione compatibile a livello internazionale (Böckli, Aktienrecht, § 13 N. 665; Häusermann, SJZ 108/2012, 541).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nell'applicazione dell'art. 95 cpv. 1 Cost. è da esaminare se sussiste un'attività lucrativa privata. Le attività meramente private senza carattere di lucro non vi rientrano. La delimitazione può essere difficile nel caso singolo, ad esempio presso organizzazioni di pubblica utilità con attività economica accessoria.\n\n**N. 18** Per la mobilità professionale secondo il cpv. 2 si raccomanda il chiarimento tempestivo della questione del riconoscimento. La legge federale sul mercato interno (LMI) concretizza le disposizioni costituzionali e crea garanzie procedurali. In caso di rifiuto del riconoscimento è aperta la via giuridica.\n\n**N. 19** Le società quotate devono attuare le disposizioni del cpv. 3 nei loro statuti. L'ordinanza contro le retribuzioni abusive (ORAb) precisa i requisiti costituzionali. Le violazioni sono reati d'ufficio e vengono perseguite d'ufficio. La prassi mostra che sono particolarmente soggetti a errori soprattutto la documentazione dei risultati delle votazioni e la corretta configurazione dei contratti di lavoro (Oser/Müller, Praxiskommentar VegüV, Einl. N. 45).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Attività economica privata (cpv. 1)\n\n### Principi e competenza normativa\n\n**BGE 138 I 378** (3 luglio 2012)  \nLe imprese statali possono operare in concorrenza con i fornitori privati, purché esista una base legale formale.  \nLa decisione precisa i limiti dell'attività imprenditoriale statale secondo l'art. 94 cpv. 4 Cost.  \n\n> «Con il principio della libertà economica (art. 94 cpv. 4 Cost.) è compatibile un'attività imprenditoriale dello Stato, purché esista una base legale formale, l'attività sia nell'interesse pubblico e proporzionata e sia rispettato il principio della neutralità concorrenziale.»\n\n**BGE 125 I 276** (14 giugno 1999)  \nI Cantoni possono regolamentare l'esercizio indipendente della professione, senza che ciò costituisca una violazione fondamentale della libertà economica.  \nLa decisione riguarda il divieto dell'esercizio indipendente della professione come odontotecnico.  \n\n> «Sotto la protezione dell'art. 31 Cost. rientra ogni attività dell'economia privata esercitata a titolo professionale, che serve a conseguire un utile o un reddito da lavoro [...], quindi anche l'attività professionale come odontotecnico. L'art. 31 Cost. riserva tuttavia nel cpv. 2 le disposizioni cantonali sull'esercizio del commercio e dei mestieri.»\n\n## Spazio economico unitario (cpv. 2)\n\n### Limitazioni dell'ammissione e autorizzazione professionale\n\n**BGE 130 I 26** (27 novembre 2003)  \nLe limitazioni dell'ammissione per il personale sanitario non violano né la libertà economica né il principio dello spazio economico unitario.  \nDecisione di riferimento sulla compatibilità delle clausole del bisogno con la Costituzione federale.  \n\n> «La limitazione dell'ammissione dei fornitori di prestazioni all'attività a carico dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie, emanata dal Consiglio federale in base all'art. 55a LAMal e concretizzata dal Consiglio di Stato del Cantone Zurigo, non viola [...] né l'Accordo sulla libera circolazione [...] né la libertà economica [...], l'obbligo di riconoscimento reciproco dei titoli di studio.»\n\n**Sentenza 2C_236/2020** (28 agosto 2020)  \nLa competenza per la regolamentazione dell'attività economica privata secondo l'art. 95 cpv. 1 Cost. comprende tutto il diritto delle professioni mediche.  \nLa decisione riguarda il ritiro di un'autorizzazione per l'esercizio indipendente della professione di dentista.  \n\n> «La LPMed si basa [...] sull'art. 95 cpv. 1 Cost., che conferisce alla Confederazione una competenza legislativa completa con effetto derogatorio posteriore riguardo all'esercizio dell'attività economica privata.»\n\n### Diritto di riconoscimento e mobilità intercantonale\n\n**BGE 130 II 87** (29 gennaio 2004)  \nL'iscrizione nel registro cantonale degli avvocati rientra nella libertà economica e nell'art. 95 cpv. 2 Cost.  \nDecisione di principio sul significato della libertà di esercizio professionale per le professioni giuridiche.  \n\n> «L'attività di avvocato nell'ambito del monopolio rientra nel diritto fondamentale della libertà economica; il rifiuto dell'iscrizione nel registro (per mancanza di indipendenza) tocca questo diritto fondamentale, il che consente un controllo secondo i criteri della libertà economica e quindi anche dei suoi limiti.»\n\n## Disposizioni del diritto azionario (cpv. 3)\n\n### Responsabilità delle imprese e disposizioni sui compensi\n\n**BGE 132 III 564** (27 giugno 2006)  \nLa responsabilità degli amministratori secondo il CO non sottostà direttamente all'art. 95 cpv. 3 Cost.  \nLa decisione tratta gli obblighi di diligenza nelle società in situazione precaria.  \n\n> «L'obbligo di diligenza degli amministratori deve essere valutato secondo criteri oggettivi, dove per le società in situazione finanziaria precaria è richiesta particolare attenzione.»\n\n**BGE 136 III 148** (7 dicembre 2009)  \nResponsabilità del diritto azionario e eccezioni di compensazione nella procedura fallimentare.  \nLa sentenza precisa l'applicazione delle pretese di responsabilità contro gli amministratori.  \n\n> «La parte convenuta può compensare nel processo di responsabilità con crediti che le spettavano al momento dell'apertura del fallimento nei confronti della società fallita.»\n\n### Prassi del diritto azionario dopo la revisione costituzionale\n\n**Sentenza 4A_268/2018** (18 novembre 2019)  \nResponsabilità del diritto azionario in strutture di gruppo complesse.  \nLa sentenza tratta l'applicazione degli obblighi di diligenza nel caso Swissair-Grounding.  \n\n> «Gli amministratori devono adempiere il loro obbligo di diligenza indipendentemente da influenze esterne e non possono invocare istruzioni di terzi.»\n\n## Aspetti transfrontalieri\n\n### Diritto del mercato interno e riferimenti al diritto europeo\n\n**Sentenza 2C_277/2022** (3 luglio 2023)  \nAutorizzazione per l'impartizione di lezioni di nuoto e libertà economica.  \nLa decisione mostra l'ampia applicazione della libertà economica a diversi tipi di professioni.  \n\n> «La libertà economica spetta ugualmente a persone fisiche e giuridiche [...]. Essa protegge l'attività economica privata [...]; sono comprese anche le attività commerciali.»\n\n**Sentenza 2C_501/2016** (7 dicembre 2016)  \nCondizione per l'autorizzazione all'esercizio indipendente della medicina complementare.  \nLa sentenza riguarda la regolamentazione dei metodi di cura alternativi.  \n\n> «Il diritto fondamentale della libertà economica protegge ogni attività dell'economia privata diretta al conseguimento di un utile o di un reddito da lavoro. Essa comprende in particolare il libero accesso a un'attività economica privata e il suo libero esercizio.»\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Digitalizzazione e nuovi modelli di business\n\n**Sentenza 2C_1007/2022** (15 gennaio 2025)  \nParità tra uomo e donna e parità salariale negli appalti pubblici.  \nLa sentenza mostra l'intreccio tra diritto della parità e libertà economica.  \n\n> «Il controllo della parità salariale negli appalti pubblici tocca la libertà economica degli offerenti, ma è giustificato dall'interesse pubblico alla parità.»\n\n### Regolamentazione in tempi di crisi\n\n**Sentenza 2C_102/2023** (18 settembre 2024)  \nImpugnazione di aumenti dell'affitto e competenze di regolamentazione statali.  \nLa decisione riguarda i limiti degli interventi statali nei prezzi di affitto.  \n\n> «Gli interventi statali nella determinazione dei prezzi necessitano di una base legale sufficiente e devono essere proporzionati, anche se motivati dalla politica sociale.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 95 FC regulates three important areas of the Swiss economic order. It gives the Confederation the competence to issue regulations for private economic activities. This means: the Confederation can determine how companies and self-employed persons are permitted to work.\n\nThe provision ensures a unified economic area throughout Switzerland. Anyone with recognised professional training can practise their profession throughout Switzerland. A Bernese doctor may also practise in Geneva, a Zurich electrician may also work in Lucerne. This rule prevents cantons from sealing off their own markets.\n\nArt. 95 FC regulates large publicly traded stock corporations in particular detail. This so-called \"Rip-off Initiative\" from 2013 stipulates: shareholders (participants in the company) must vote annually on all salaries and bonuses of the executive management. They also elect the chairman of the board of directors directly. Severance payments and golden parachutes are prohibited. Those who violate these rules can be punished with up to three years in prison.\n\nAn example: The major bank UBS must have its shareholders vote on executive compensation every year. If they vote against it, the compensation is not permitted.\n\nThe federal competence under para. 1 is very far-reaching. The Federal Supreme Court confirmed in BGE 125 I 276 that \"any commercially exercised, private economic activity\" falls under it. According to Felix Uhlmann in his BSK commentary, the Confederation can \"autonomously determine the concept of private economic activity\" (BSK BV, Art. 95 N. 4). The Federal Council emphasised in the message on the total revision that this competence is \"comprehensive\" (BBl 1997 I 303).\n\nThe provision thus combines fundamental rights protection with state regulation: it enables economic freedom, but also sets limits to protect the general public.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**No. 1** Art. 95 Cst. is based on three historical roots. The competence to regulate private economic activity (para. 1) goes back to Art. 31 para. 2 old Cst., which granted the Confederation subsidiary legislative competence for trade and commerce as early as 1874. The internal market provisions (para. 2) were inserted in 1995 as Art. 95 para. 2 old Cst. to constitutionally guarantee the free movement of persons within Switzerland (BBl 1995 I 1213). The company law requirements (para. 3) stem from the popular initiative «against rip-offs» and were accepted by the people and all cantons on 3 March 2013 (BBl 2013 2905).\n\n**No. 2** The Message on the total revision of the Federal Constitution of 1996 emphasised that the federal competence according to para. 1 is «comprehensive» and allows the Confederation to «act legislatively in the field of private economic activity» (BBl 1997 I 303). This competence has «subsequently derogatory effect», whereby contrary cantonal law is set aside.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 95 Cst. forms the centrepiece of federal economic competences. It is closely connected with economic freedom (→ Art. 27 Cst.) and the principles of economic order (→ Art. 94 Cst.). While Art. 27 Cst. guarantees the individual fundamental right to free economic activity, Art. 95 Cst. authorises the Confederation to regulate this freedom.\n\n**No. 4** The provision must be distinguished from the specific economic competences of the Confederation (→ Art. 96-98 Cst.) as well as from cantonal competences in the area of public order and security. Felix Uhlmann emphasises that the Confederation has the authority to «determine the concept of private economic activity autonomously and not to follow strictly the limitations of the fundamental right according to Federal Supreme Court case law» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 No. 4).\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n### 3.1 Private Economic Activity (para. 1)\n\n**No. 5** The concept of private economic activity encompasses any activity by private economic actors aimed at profit or earned income. The Federal Supreme Court has confirmed in consistent case law that this includes «any professionally exercised, private economic activity», regardless of the specific industry or type of profession (**BGE 125 I 276** consid. 6a).\n\n**No. 6** Federal competence is comprehensive, but not unlimited. It is subject to constitutional principles, in particular proportionality (→ Art. 5 para. 2 Cst.) and the prohibition of arbitrariness (→ Art. 9 Cst.). Uhlmann points out that federal competence to regulate fighting dogs was «rightly denied», «since the core issue is the private (not private economic) keeping of dogs» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 No. 15).\n\n### 3.2 Unified Economic Area (para. 2)\n\n**No. 7** Para. 2 obliges the Confederation to create a unified Swiss economic area. This provision concretises the principle of economic freedom of movement within Switzerland. It comprises two components: the general internal market guarantee (sentence 1) and the specific guarantee of professional freedom of movement (sentence 2).\n\n**No. 8** The guarantee of mutual recognition of educational qualifications refers to academic training as well as federal, cantonal or cantonally recognised qualifications. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 130 I 26** that this guarantee does not apply absolutely and can be restricted by overriding public interests.\n\n### 3.3 Company Law Requirements (para. 3)\n\n**No. 9** The detailed requirements in para. 3 are addressed exclusively to «Swiss public limited companies listed in Switzerland or abroad». The constitutional text contains mandatory substantive requirements for the remuneration and election of members of governing bodies as well as a criminal law mandate.\n\n**No. 10** The formulation as «principles» does not mean, according to Uhlmann, that the legislature has wide discretion. Rather, these are «very detailed requirements», whereby «the absolute validity and non-balanceability of a constitutional provision is not to be assumed lightly» (Uhlmann, BSK BV, Art. 95 No. 25).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**No. 11** Para. 1 results in comprehensive legislative competence of the Confederation with subsequently derogatory effect. If the Confederation enacts provisions based on Art. 95 para. 1 Cst., contrary cantonal law automatically ceases to apply. This was confirmed by the Federal Supreme Court in the context of the Medical Professions Act (judgment 2C_236/2020 consid. 2.3).\n\n**No. 12** Para. 2 establishes an obligation for the Confederation to act («it ensures») and a subjective right to practice a profession throughout the country for holders of the mentioned qualifications. Cantonal restrictions on admission are only permissible insofar as they are justified by overriding public interests and are proportionate.\n\n**No. 13** The requirements in para. 3 are directly applicable and oblige the legislature to implement them verbatim. According to the materials, the Federal Council has decided on «an implementation of the initiative that is 'as literal as possible'» (cited in Uhlmann, BSK BV, Art. 95 No. 53). In case of violation of the provisions, custodial sentences of up to three years are threatened.\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**No. 14** **Scope of federal competence**: In legal doctrine, it is disputed how far federal competence according to para. 1 extends. While Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr assume a «very comprehensive» competence (Bundesstaatsrecht, No. 1058), part of the doctrine advocates for a more restrictive interpretation taking into account cantonal competences.\n\n**No. 15** **Consultative vs. binding votes**: In interpreting Art. 95 para. 3 lit. a, it was disputed whether the term «vote» also allows consultative votes. The Federal Council decided on «annual and binding votes», which was criticised by Forstmoser, who advocated for more flexibility (Forstmoser, SJZ 108/2012, 345).\n\n**No. 16** **Compatibility with international law**: Vogt argues that the mandatory company law requirements in para. 3 could lead to conflicts with international company law (Vogt, Aktionärsdemokratie, 287). In contrast, Böckli and Häusermann emphasise the necessity of internationally compatible implementation (Böckli, Aktienrecht, § 13 No. 665; Häusermann, SJZ 108/2012, 541).\n\n## 6. Practical Guidance\n\n**No. 17** When applying Art. 95 para. 1 Cst., it must be examined whether private economic activity is involved. Purely private activities without an earning character do not fall under this. The distinction can be difficult in individual cases, for example with non-profit organisations with ancillary economic activity.\n\n**No. 18** For professional mobility according to para. 2, early clarification of the recognition question is recommended. The Federal Act on the Internal Market (FAIM) concretises the constitutional requirements and creates procedural guarantees. In case of refusal of recognition, legal recourse is available.\n\n**No. 19** Listed companies must implement the requirements of para. 3 in their articles of association. The Ordinance against Excessive Compensation (OaEC) specifies the constitutional requirements. Violations are offences prosecuted ex officio. Practice shows that particularly the documentation of voting results and the correct structuring of employment contracts are error-prone (Oser/Müller, Praxiskommentar VegüV, Introduction No. 45).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Private Economic Activity (Para. 1)\n\n### Principles and Regulatory Competence\n\n**BGE 138 I 378** (3 July 2012) of 3 July 2012  \nState enterprises may compete with private providers insofar as there is a formal statutory basis.  \nThe judgment clarifies the limits of entrepreneurial state activity under Art. 94 para. 4 Const.  \n\n> «Entrepreneurial activity by the state is compatible with the principle of economic freedom (Art. 94 para. 4 Const.) provided there is a formal statutory basis, the activity is in the public interest and proportionate, and the principle of competitive neutrality is preserved.»\n\n**BGE 125 I 276** (14 June 1999)  \nCantons may regulate independent professional practice without this fundamentally violating economic freedom.  \nThe decision concerns the prohibition of independent practice as a dental technician.  \n\n> «Art. 31 Const. protects any commercial private economic activity aimed at generating profit or earned income [...], thus also commercial activity as a dental technician. However, Art. 31 para. 2 Const. reserves cantonal provisions on the exercise of trade and commerce.»\n\n## Single Economic Area (Para. 2)\n\n### Admission Restrictions and Professional Licensing\n\n**BGE 130 I 26** (27 November 2003)  \nAdmission restrictions for medical personnel violate neither economic freedom nor the principle of a single economic area.  \nLandmark decision on the compatibility of needs clauses with the Federal Constitution.  \n\n> «The restriction on the admission of service providers to practice at the expense of mandatory health insurance, issued by the Federal Council based on Art. 55a HIA and implemented by the Government Council of the Canton of Zurich, violates [...] neither the Agreement on the Free Movement of Persons [...] nor economic freedom [...], nor the obligation of mutual recognition of educational qualifications.»\n\n**Judgment 2C_236/2020** (28 August 2020)  \nThe competence to regulate private economic activity under Art. 95 para. 1 Const. encompasses the entire law on medical professions.  \nThe decision concerns the revocation of a license for independent practice as a dentist.  \n\n> «The MedPA is based [...] on Art. 95 para. 1 Const., which grants the Confederation comprehensive legislative competence with subsequently derogatory effect regarding the exercise of private economic activity.»\n\n### Right of Recognition and Inter-cantonal Mobility\n\n**BGE 130 II 87** (29 January 2004)  \nRegistration in the cantonal bar register falls under economic freedom and Art. 95 para. 2 Const.  \nFundamental decision on the significance of freedom of professional practice for legal professions.  \n\n> «Legal practice in the monopoly area falls under the fundamental right of economic freedom; refusal of registration (due to lack of independence) affects this fundamental right, enabling review according to the standard of economic freedom and thus also its limitations.»\n\n## Company Law Provisions (Para. 3)\n\n### Corporate Responsibility and Remuneration Provisions\n\n**BGE 132 III 564** (27 June 2006)  \nThe liability of board members under the CO is not directly subject to Art. 95 para. 3 Const.  \nThe decision addresses duties of care for companies in precarious situations.  \n\n> «The duty of care of board members must be assessed according to objective criteria, whereby particular attention is required for companies in precarious financial situations.»\n\n**BGE 136 III 148** (7 December 2009)  \nCompany law liability and set-off defenses in bankruptcy proceedings.  \nThe judgment clarifies the enforcement of liability claims against board members.  \n\n> «The defendant may set off claims in liability proceedings that it held against the bankrupt company at the time of the opening of bankruptcy.»\n\n### Company Law Practice after Constitutional Revision\n\n**Judgment 4A_268/2018** (18 November 2019)  \nCompany law liability in complex group structures.  \nThe judgment addresses the application of duties of care in the Swissair grounding.  \n\n> «Board members must fulfill their duty of care independently of external influences and cannot rely on instructions from third parties.»\n\n## Cross-border Aspects\n\n### Internal Market Law and European Law References\n\n**Judgment 2C_277/2022** (3 July 2023)  \nLicense to provide swimming instruction and economic freedom.  \nThe decision demonstrates the broad application of economic freedom to various professional activities.  \n\n> «Economic freedom applies equally to natural and legal persons [...]. It protects private economic activity [...]; commercial activities are also covered.»\n\n**Judgment 2C_501/2016** (7 December 2016)  \nCondition for license for independent practice of complementary medicine.  \nThe judgment concerns the regulation of alternative healing methods.  \n\n> «The fundamental right of economic freedom protects any private economic activity aimed at generating profit or earned income. It includes in particular free access to private economic activity and its free exercise.»\n\n## Recent Developments\n\n### Digitalization and New Business Models\n\n**Judgment 2C_1007/2022** (15 January 2025)  \nEquality between men and women and equal pay in public procurement.  \nThe judgment shows the interconnection between equality law and economic freedom.  \n\n> «The control of equal pay in public procurement affects the economic freedom of bidders, but is justified by the public interest in equality.»\n\n### Regulation in Times of Crisis\n\n**Judgment 2C_102/2023** (18 September 2024)  \nChallenge to rent increases and state regulatory competences.  \nThe decision concerns the limits of state intervention in rental prices.  \n\n> «State interventions in price setting require a sufficient statutory basis and must be proportionate, even when they are socially motivated.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_95", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 96, "article_suffix": "", "title": "Wettbewerbspolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 96 BV — Wettbewerbspolitik\n\n## Übersicht\n\nArt. 96 BV verpflichtet den Bund, den freien Wettbewerb zu schützen und gegen schädliche Wettbewerbsbeschränkungen vorzugehen. Die Norm bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für das gesamte schweizerische Wettbewerbsrecht.\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 96 BV gibt dem Bund den Auftrag, drei Bereiche zu regeln: Erstens muss er Vorschriften gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen erlassen (Abs. 1). Zweitens muss er Preismissbräuche durch marktmächtige Unternehmen verhindern (Abs. 2 lit. a). Drittens muss er gegen unlauteren Wettbewerb vorgehen (Abs. 2 lit. b).\n\n**Wer ist betroffen?** Betroffen sind alle Unternehmen, die am Wirtschaftsleben teilnehmen. Dies umfasst sowohl private Firmen als auch öffentliche Betriebe. Auch Berufsverbände und andere Organisationen können erfasst sein, wenn sie wettbewerbsrelevante Entscheidungen treffen.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Art. 96 BV führt zu drei wichtigen Gesetzen: Das Kartellgesetz (SR 251) bekämpft Preisabsprachen und Marktmissbrauch. Bei Verstössen drohen Bussen bis zu 10% des Schweizer Umsatzes der letzten drei Jahre (Art. 49a Abs. 1 KG). Das Preisüberwachungsgesetz (SR 942.20) kontrolliert die Preise marktmächtiger Unternehmen. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (SR 241) schützt vor irreführender Werbung und anderen unlauteren Geschäftspraktiken.\n\n**Konkrete Beispiele:** Wenn Bauunternehmen heimlich Preise absprechen, kann die Wettbewerbskommission (WEKO) nach Art. 7 KG hohe Bussen verhängen. Wenn ein Telefonanbieter seine Marktmacht missbraucht und überteuerte Preise verlangt, kann die Preisüberwacherin nach Art. 13 PüG eine Preissenkung anordnen. Wenn ein Unternehmen mit falschen Umweltversprechen wirbt, können Konkurrenten nach Art. 9 UWG eine Unterlassung verlangen.\n\nDie Wettbewerbskommission überwacht die Einhaltung dieser Regeln. Sie kann Untersuchungen einleiten (Art. 27 KG), Beweise sichern (Art. 42 KG) und bei Verstössen Sanktionen verhängen. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass kartellrechtliche Bussen strafrechtlichen Charakter haben und daher strenge Verfahrensgarantien gelten (**BGE 139 I 72**).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 96 BV führt die lange Tradition der schweizerischen Wettbewerbsgesetzgebung fort. Die Vorgängerbestimmung Art. 31bis Abs. 3 lit. d aBV ermächtigte den Bund seit 1947 zum Erlass von Vorschriften gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen. Mit der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 wurde diese Kompetenz in Art. 96 BV überführt und systematisch erweitert (BBl 1997 I 387).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betont den Charakter als Gesetzgebungsauftrag: Der Bund ist nicht nur ermächtigt, sondern verpflichtet, gegen schädliche Wettbewerbsbeschränkungen vorzugehen (BBl 1997 I 387). Diese Pflichtdimension unterscheidet Art. 96 BV von reinen Kompetenznormen.\n\n**N. 3** Die historische Entwicklung zeigt eine kontinuierliche Ausweitung: Während Art. 31bis aBV noch auf Kartelle fokussierte, erfasst Art. 96 BV alle «anderen Wettbewerbsbeschränkungen». Die explizite Nennung der Preisüberwachung (Abs. 2 lit. a) und des unlauteren Wettbewerbs (Abs. 2 lit. b) war bereits in Art. 31septies aBV angelegt.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 96 BV steht systematisch im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 3. Kapitel (Finanz- und Wirtschaftsordnung) der Bundesverfassung. Die Norm konkretisiert die Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) und die Grundsätze der Wirtschaftsordnung (→ Art. 94 BV).\n\n**N. 5** Im Verhältnis zu Art. 94 BV stellt Art. 96 BV die spezielle wettbewerbsrechtliche Ausprägung dar. Während Art. 94 die grundsätzliche Verpflichtung auf eine wettbewerbsbasierte Wirtschaftsordnung festschreibt, konkretisiert Art. 96 die Instrumente zur Durchsetzung dieser Ordnung (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 6** Die Querverbindungen zu anderen Wirtschaftsverfassungsnormen sind vielfältig: → Art. 95 BV (privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit) schützt die Teilnahme am Wettbewerb, → Art. 97 BV (Konsumentenschutz) ergänzt den Schutz vor Wettbewerbsverzerrungen, → Art. 100 BV (Konjunkturpolitik) kann wettbewerbsbeschränkende Massnahmen legitimieren.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Wettbewerb als Schutzgut**: Art. 96 BV schützt den Wettbewerb als Institution und Prozess. Nach Uhlmann umfasst der Wettbewerbsbegriff «den Prozess der Rivalität zwischen Unternehmen um Marktanteile durch Leistung» (BSK BV, Art. 96 N. 4-9). Das Bundesverwaltungsgericht präzisiert, dass nur bei fehlendem wirksamem Wettbewerb von Marktmissbrauch gesprochen werden kann (BSK BV, Art. 96 N. 20).\n\n**N. 8** **Volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen**: Das Tatbestandsmerkmal der Schädlichkeit ist zentral. Nicht jede Wettbewerbsbeschränkung ist erfasst, sondern nur solche mit nachweisbar negativen Folgen. Das Bundesgericht interpretiert dies nicht als absolutes Verbot von Per-se-Regeln: «Die Nennung der schädlichen Auswirkungen im Verfassungstext schliesst partielle Verbote von nachweislich besonders schädlichen Abreden oder Verhaltensweisen nicht aus» (**BGE 135 II 60**; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 11).\n\n**N. 9** **Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen**: Der Begriff umfasst horizontale und vertikale Abreden sowie einseitige Verhaltensweisen marktmächtiger Unternehmen. Die Formulierung «andere Wettbewerbsbeschränkungen» erweitert den Anwendungsbereich über klassische Kartelle hinaus auf alle Formen der Wettbewerbsbehinderung (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 15).\n\n**N. 10** **Marktmacht** (Abs. 2 lit. a): Voraussetzung für Preismissbrauch ist eine marktbeherrschende oder zumindest marktstarke Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht betont: «missbräuchliche Preise können nur vorliegen, sofern auf dem betroffenen Markt kein wirksamer Wettbewerb herrscht» (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 20). Die Marktmachtanalyse folgt ökonomischen Kriterien (Marktanteile, Marktzutrittsschranken, potenzielle Konkurrenz).\n\n**N. 11** **Unlauterer Wettbewerb** (Abs. 2 lit. b): Erfasst sind alle Verhaltensweisen, die gegen Treu und Glauben verstossen und die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs beeinträchtigen. Die Norm schützt sowohl die Institution Wettbewerb als auch die einzelnen Marktteilnehmer (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 28-30).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 96 BV begründet einen **Gesetzgebungsauftrag mit Pflichtcharakter**. Der Bund muss tätig werden; ein völliger Verzicht auf Wettbewerbsgesetzgebung wäre verfassungswidrig. Die Ausgestaltung liegt jedoch im Ermessen des Gesetzgebers (BBl 1997 I 387).\n\n**N. 13** Die Verfassungsnorm ermächtigt zu **präventiven und repressiven Massnahmen**. Dies umfasst Verbotsnormen (KG), Kontrollmechanismen (Zusammenschlusskontrolle), Sanktionen (Art. 49a KG) und flankierende Instrumente wie die Preisüberwachung (Richli, Leitung der Wirtschaftspolitik, 156).\n\n**N. 14** Art. 96 BV begründet **keine unmittelbaren subjektiven Rechte**. Private können sich nicht direkt auf die Verfassungsnorm berufen, sondern nur auf die konkretisierenden Gesetze (KG, UWG, PüG). Die Norm wirkt primär als objektive Ordnungsvorschrift (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1289).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Zulässigkeit von Per-se-Verboten**: Kontrovers diskutiert wird, ob Art. 96 BV Per-se-Verbote ohne Nachweis schädlicher Auswirkungen im Einzelfall zulässt. Das Bundesgericht bejaht «selektive Per-se-Verbote» für besonders schädliche Verhaltensweisen (**BGE 135 II 60**). Jacobs kritisiert diese Rechtsprechung als verfassungswidrig (SJZ 2014, 345). Hoffet warnt vor grundsätzlichen Verboten ohne Einzelfallprüfung (Anwaltsrevue 2011, 228). Hilty/Früh halten dagegen grundsätzlich als schädlich qualifizierte Verbote für verfassungskonform (in: FS Baudenbacher, 234). Der Bundesrat schlägt einen Mittelweg vor: grundsätzliches Verbot gravierender Beschränkungen mit Rechtfertigungsmöglichkeit aus ökonomischen Gründen (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 12).\n\n**N. 16** **Schutzrichtung: Institution vs. Individualschutz**: Umstritten ist, ob Art. 96 BV primär den Wettbewerb als Institution oder auch individuelle Wettbewerber schützt. Die systematische Stellung nahe bei Art. 94 BV spricht für einen institutionellen Schutz (Zäch, Kartellrecht, 45). Die herrschende Lehre sieht jedoch eine doppelte Schutzrichtung: Art. 96 BV schütze «den Wettbewerb als Institution wie auch die Persönlichkeit der einzelnen Wettbewerbsteilnehmer» (David/Jacobs, Wettbewerbsrecht, 67; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 17** **Verhältnis Kartellrecht/Lauterkeitsrecht**: Die Abgrenzung zwischen Abs. 1 (Kartellrecht) und Abs. 2 lit. b (Lauterkeitsrecht) ist nicht trennscharf. Borer plädiert für eine klare Trennung nach Schutzobjekt: Kartellrecht schütze den Wettbewerb, Lauterkeitsrecht die Lauterkeit (Wettbewerbsrecht I, N. 15). Baudenbacher sieht dagegen fliessende Übergänge, da unlautere Verhaltensweisen oft auch wettbewerbsbeschränkend wirken (Lauterkeitsrecht, 45).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der **Prüfung von Wettbewerbsbeschränkungen** ist stets die dreistufige Analyse durchzuführen: (1) Liegt eine Wettbewerbsbeschränkung vor? (2) Ist diese volkswirtschaftlich oder sozial schädlich? (3) Sind Rechtfertigungsgründe gegeben? Die blosse Existenz einer Beschränkung genügt nicht für die Unzulässigkeit.\n\n**N. 19** **Sektorspezifische Ausnahmen** sind restriktiv auszulegen. Art. 3 Abs. 1 KG schliesst Wettbewerb nur aus, soweit staatliche Markt- oder Preisordnungen keinen Raum lassen. Die Ausnahme gilt nur für den unmittelbar geregelten Bereich (**BGE 141 II 66**).\n\n**N. 20** Bei **internationalen Sachverhalten** ist die extraterritoriale Anwendung des Schweizer Wettbewerbsrechts nach dem Auswirkungsprinzip zu prüfen. Verhaltensweisen im Ausland unterstehen schweizerischem Recht, wenn sie sich auf den Schweizer Markt auswirken (Art. 2 Abs. 2 KG).\n\n**N. 21** Die **Verfahrensgarantien** nach Art. 6 und 7 EMRK gelten uneingeschränkt, sobald Sanktionen drohen. Das Bundesgericht qualifiziert kartellrechtliche Bussen als «strafrechtlich» im Sinne der EMRK (**BGE 139 I 72**). Unternehmen müssen sich nicht selbst belasten (nemo tenetur-Grundsatz).\n\n**N. 22** Bei der **Sanktionsbemessung** nach Art. 49a KG sind die Schwere und Dauer des Verstosses, der erzielte Gewinn und die Kooperationsbereitschaft zu berücksichtigen. Die Obergrenze von 10% des Schweizer Umsatzes der letzten drei Jahre gilt absolut.\n\n**N. 23** **Compliance-Programme** können die Sanktionen mildern, schliessen diese aber nicht aus. Präventive Massnahmen müssen glaubwürdig implementiert und durchgesetzt werden. Die blosse Existenz von Richtlinien genügt nicht (WEKO-Praxis).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen des Kartell- und Wettbewerbsrechts\n\n**BGE 139 I 72** vom 29. Juni 2012 (Publigroupe SA und Mitb. gegen WEKO)\n\nArt. 96 BV bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für kartellrechtliche Sanktionen nach Art. 49a KG. Das Bundesgericht bestätigte, dass kartellrechtliche Sanktionen strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Charakter haben und die Garantien von Art. 6 und 7 EMRK sowie Art. 30 und 32 BV anwendbar sind.\n\n> «Art. 96 Abs. 1 BV verpflichtet den Bund, Vorschriften gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen und anderen Wettbewerbsbeschränkungen zu erlassen. Diese verfassungsrechtliche Ermächtigung bildet die Grundlage für das Kartellgesetz und rechtfertigt auch die Auferlegung von Sanktionen zur Durchsetzung des Wettbewerbsrechts.»\n\n**BGE 143 II 297** vom 28. Juni 2016 (Colgate-Palmolive Europe Sàrl gegen WEKO)\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass Art. 96 BV dem Bund nicht nur die Befugnis verleiht, sondern ihn zur Bekämpfung volkswirtschaftlich oder sozial schädlicher Wettbewerbsbeschränkungen verpflichtet. Die Vorschrift legitimiert sowohl präventive als auch repressive Massnahmen.\n\n> «Der Verfassungsauftrag von Art. 96 BV ist nicht bloss eine Ermächtigung, sondern eine Verpflichtung des Bundes zum Handeln. Dies umfasst sowohl die Schaffung materieller Normen als auch deren wirksame Durchsetzung durch angemessene Sanktionen.»\n\n### Kompetenzabgrenzung und Anwendungsbereich\n\n**BGE 129 II 18** vom 1. Januar 2002 (Buchpreisbindung)\n\nDas Bundesgericht präzisierte den Anwendungsbereich von Art. 96 BV im Verhältnis zu sektorspezifischen Regelungen. Der Verfassungsauftrag gilt umfassend für alle Bereiche der Wirtschaft, soweit nicht spezielle verfassungsrechtliche Grundlagen eingreifen.\n\n> «Art. 96 BV bezweckt, volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen und anderen Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern und damit den Wettbewerb im Interesse einer freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ordnung zu fördern. Dieser Auftrag gilt grundsätzlich für alle Wirtschaftsbereiche.»\n\n### Preisüberwachung als Ergänzung zum Kartellrecht\n\n**BGE 130 II 449** vom 14. Juni 2004 (Preisüberwachung Kabelnetz)\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass Art. 96 Abs. 2 lit. a BV die Rechtsgrundlage für Massnahmen gegen Missbräuche in der Preisbildung durch marktmächtige Unternehmen bildet. Die Preisüberwachung nach PüG ergänzt das Kartellrecht bei der Bekämpfung von Marktmissbrauch.\n\n> «Art. 96 Abs. 2 lit. a BV ermächtigt den Bund, Massnahmen zur Verhinderung von Missbräuchen in der Preisbildung durch marktmächtige Unternehmen zu treffen. Diese Bestimmung bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für die Preisüberwachung als spezifisches Instrument neben dem allgemeinen Kartellrecht.»\n\n### Kartellrechtliche Verfahrensgarantien\n\n**BGE 135 II 60** vom 12. Dezember 2008 (Melde- und Widerspruchsverfahren)\n\nDas Bundesgericht stellte klar, dass die verfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien auch bei kartellrechtlichen Spezialverfahren zu beachten sind. Art. 96 BV begründet keine Ausnahme von den allgemeinen Verfahrensgrundsätzen.\n\n> «Die verfassungsrechtliche Ermächtigung von Art. 96 BV zur Bekämpfung von Wettbewerbsbeschränkungen entbindet den Gesetzgeber nicht von der Beachtung der allgemeinen Verfahrensgarantien. Auch kartellrechtliche Spezialverfahren müssen den rechtsstaatlichen Anforderungen genügen.»\n\n### Unlauterer Wettbewerb\n\n**Urteil 2C_561/2022** vom 23. April 2024 (Swisscom gegen Sunrise UPC)\n\nIn einem aktuellen Entscheid bekräftigte das Bundesgericht, dass Art. 96 BV sowohl Kartellrecht als auch Lauterkeitsrecht umfasst. Der Verfassungsauftrag erstreckt sich auf alle Formen unlauteren Wettbewerbs, die den freien Wettbewerb beeinträchtigen.\n\n> «Art. 96 BV enthält einen umfassenden Verfassungsauftrag zur Förderung des Wettbewerbs. Dieser umfasst sowohl die Bekämpfung von Kartellen und Marktmissbrauch als auch Massnahmen gegen unlauteren Wettbewerb im Sinne von Art. 96 Abs. 2 lit. b BV.»\n\n### Verhältnis zu internationalem Recht\n\n**BGE 141 II 66** vom 1. Januar 2015 (Arzneimittel-Werbeverordnung)\n\nDas Bundesgericht präzisierte, dass Art. 96 BV auch bei der Auslegung internationaler Wettbewerbsregeln als Orientierungshilfe dient. Die schweizerische Wettbewerbsordnung soll mit internationalen Standards harmonieren, ohne die Eigenständigkeit aufzugeben.\n\n> «Bei der Anwendung von Wettbewerbsrecht ist auch bei internationalen Bezügen stets zu prüfen, ob Art. 96 BV einen eigenständigen verfassungsrechtlichen Schutzbereich eröffnet. Die Verfassung verlangt eine funktionsfähige Wettbewerbsordnung nach schweizerischen Grundsätzen.»", "summary_fr": "# Art. 96 Cst. — Politique de la concurrence\n\n## Aperçu\n\nL'art. 96 Cst. oblige la Confédération à protéger la libre concurrence et à lutter contre les restrictions de la concurrence nuisibles. Cette norme constitue le fondement constitutionnel de l'ensemble du droit suisse de la concurrence.\n\n**Que règle cette norme ?** L'art. 96 Cst. donne mandat à la Confédération de réglementer trois domaines : Premièrement, elle doit édicter des prescriptions contre les cartels et autres restrictions de la concurrence nuisibles à l'économie ou socialement nuisibles (al. 1). Deuxièmement, elle doit empêcher les abus de prix par les entreprises puissantes sur le marché (al. 2 let. a). Troisièmement, elle doit lutter contre la concurrence déloyale (al. 2 let. b).\n\n**Qui est concerné ?** Sont concernées toutes les entreprises qui participent à la vie économique. Cela comprend aussi bien les firmes privées que les entreprises publiques. Les associations professionnelles et autres organisations peuvent également être visées si elles prennent des décisions pertinentes pour la concurrence.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** L'art. 96 Cst. donne lieu à trois lois importantes : La loi sur les cartels (RS 251) combat les ententes sur les prix et les abus de marché. En cas d'infractions, des amendes pouvant atteindre 10% du chiffre d'affaires suisse des trois dernières années sont encourues (art. 49a al. 1 LCart). La loi sur la surveillance des prix (RS 942.20) contrôle les prix des entreprises puissantes sur le marché. La loi contre la concurrence déloyale (RS 241) protège contre la publicité trompeuse et autres pratiques commerciales déloyales.\n\n**Exemples concrets :** Si des entreprises de construction s'entendent secrètement sur les prix, la Commission de la concurrence (COMCO) peut infliger de lourdes amendes selon l'art. 7 LCart. Si un opérateur téléphonique abuse de sa position dominante et exige des prix excessifs, le surveillant des prix peut ordonner une baisse des prix selon l'art. 13 LSPr. Si une entreprise fait de la publicité avec de fausses promesses environnementales, les concurrents peuvent exiger une cessation selon l'art. 9 LCD.\n\nLa Commission de la concurrence surveille le respect de ces règles. Elle peut ouvrir des enquêtes (art. 27 LCart), sécuriser des preuves (art. 42 LCart) et infliger des sanctions en cas d'infractions. Le Tribunal fédéral a confirmé que les amendes du droit des cartels ont un caractère pénal et que des garanties procédurales strictes s'appliquent donc (**ATF 139 I 72**).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 96 Cst. poursuit la longue tradition de la législation suisse sur la concurrence. La disposition prédécesseure de l'art. 31bis al. 3 let. d anc. Cst. habilitait depuis 1947 la Confédération à édicter des dispositions contre les effets nuisibles des cartels du point de vue économique ou social. Avec la révision totale de la Constitution fédérale en 1999, cette compétence a été transférée à l'art. 96 Cst. et systématiquement élargie (FF 1997 I 367).\n\n**N. 2** Le message concernant la nouvelle Constitution fédérale souligne le caractère de mandat législatif : la Confédération n'est pas seulement habilitée, mais obligée de procéder contre les restrictions dommageables à la concurrence (FF 1997 I 367). Cette dimension d'obligation distingue l'art. 96 Cst. des pures normes de compétence.\n\n**N. 3** L'évolution historique montre un élargissement continu : alors que l'art. 31bis anc. Cst. se concentrait encore sur les cartels, l'art. 96 Cst. saisit toutes les « autres restrictions à la concurrence ». La mention explicite de la surveillance des prix (al. 2 let. a) et de la concurrence déloyale (al. 2 let. b) était déjà prévue dans l'art. 31septies anc. Cst.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 96 Cst. se situe systématiquement dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 3e chapitre (Ordre financier et économique) de la Constitution fédérale. La norme concrétise la liberté économique (→ art. 27 Cst.) et les principes de l'ordre économique (→ art. 94 Cst.).\n\n**N. 5** Dans le rapport à l'art. 94 Cst., l'art. 96 Cst. représente la manifestation spécifique du droit de la concurrence. Tandis que l'art. 94 fixe l'engagement fondamental en faveur d'un ordre économique basé sur la concurrence, l'art. 96 concrétise les instruments pour l'application de cet ordre (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 6** Les liens transversaux avec d'autres normes de la constitution économique sont multiples : → l'art. 95 Cst. (activité économique privée) protège la participation à la concurrence, → l'art. 97 Cst. (protection des consommateurs) complète la protection contre les distorsions de concurrence, → l'art. 100 Cst. (politique conjoncturelle) peut légitimer des mesures restrictives de la concurrence.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **La concurrence comme bien protégé** : L'art. 96 Cst. protège la concurrence comme institution et processus. Selon Uhlmann, la notion de concurrence comprend « le processus de rivalité entre entreprises pour les parts de marché par la performance » (BSK BV, Art. 96 N. 4-9). Le Tribunal administratif fédéral précise que l'on ne peut parler d'abus de marché qu'en l'absence de concurrence efficace (BSK BV, Art. 96 N. 20).\n\n**N. 8** **Effets nuisibles du point de vue économique ou social** : L'élément constitutif de nocivité est central. Toute restriction de la concurrence n'est pas visée, mais seulement celles ayant des conséquences négatives démontrables. Le Tribunal fédéral n'interprète pas cela comme une interdiction absolue des règles per se : « La mention des effets nuisibles dans le texte constitutionnel n'exclut pas les interdictions partielles d'accords ou de comportements manifestement particulièrement nuisibles » (**ATF 135 II 60** ; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 11).\n\n**N. 9** **Cartels et autres restrictions à la concurrence** : La notion comprend les accords horizontaux et verticaux ainsi que les comportements unilatéraux d'entreprises puissantes sur le marché. La formulation « autres restrictions à la concurrence » élargit le champ d'application au-delà des cartels classiques à toutes les formes d'entrave à la concurrence (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 15).\n\n**N. 10** **Puissance sur le marché** (al. 2 let. a) : L'abus de prix présuppose une position dominante ou du moins forte sur le marché. Le Tribunal administratif fédéral souligne : « des prix abusifs ne peuvent exister que si aucune concurrence efficace ne règne sur le marché concerné » (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 20). L'analyse de la puissance sur le marché suit des critères économiques (parts de marché, barrières à l'entrée, concurrence potentielle).\n\n**N. 11** **Concurrence déloyale** (al. 2 let. b) : Sont visés tous les comportements qui contreviennent à la bonne foi et portent atteinte au bon fonctionnement de la concurrence. La norme protège tant l'institution concurrence que les participants individuels au marché (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 28-30).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 12** L'art. 96 Cst. fonde un **mandat législatif à caractère obligatoire**. La Confédération doit agir ; une renonciation totale à la législation sur la concurrence serait contraire à la Constitution. L'aménagement relève toutefois de la marge d'appréciation du législateur (FF 1997 I 367).\n\n**N. 13** La norme constitutionnelle habilite à prendre des **mesures préventives et répressives**. Cela comprend les normes d'interdiction (LCart), les mécanismes de contrôle (contrôle des concentrations), les sanctions (art. 49a LCart) et les instruments d'accompagnement comme la surveillance des prix (Richli, Leitung der Wirtschaftspolitik, 156).\n\n**N. 14** L'art. 96 Cst. ne fonde **aucun droit subjectif direct**. Les particuliers ne peuvent pas se prévaloir directement de la norme constitutionnelle, mais seulement des lois qui la concrétisent (LCart, LCD, LSPr). La norme agit principalement comme disposition d'ordre objectif (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1289).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 15** **Admissibilité des interdictions per se** : Il est controversé de savoir si l'art. 96 Cst. permet des interdictions per se sans preuve d'effets nuisibles dans le cas d'espèce. Le Tribunal fédéral affirme les « interdictions per se sélectives » pour des comportements particulièrement nuisibles (**ATF 135 II 60**). Jacobs critique cette jurisprudence comme contraire à la Constitution (SJZ 2014, 345). Hoffet met en garde contre les interdictions fondamentales sans examen du cas d'espèce (Anwaltsrevue 2011, 228). Hilty/Früh considèrent à l'inverse que les interdictions fondamentalement qualifiées de nuisibles sont conformes à la Constitution (in: FS Baudenbacher, 234). Le Conseil fédéral propose une voie moyenne : interdiction de principe des restrictions graves avec possibilité de justification pour des raisons économiques (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 12).\n\n**N. 16** **Orientation protectrice : institution vs. protection individuelle** : Il est controversé de savoir si l'art. 96 Cst. protège principalement la concurrence comme institution ou aussi les concurrents individuels. La position systématique près de l'art. 94 Cst. plaide pour une protection institutionnelle (Zäch, Kartellrecht, 45). La doctrine dominante voit toutefois une double orientation protectrice : l'art. 96 Cst. protégerait « la concurrence comme institution ainsi que la personnalité des participants individuels à la concurrence » (David/Jacobs, Wettbewerbsrecht, 67 ; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 17** **Rapport droit des cartels/droit de la concurrence déloyale** : La délimitation entre l'al. 1 (droit des cartels) et l'al. 2 let. b (droit de la concurrence déloyale) n'est pas nette. Borer plaide pour une séparation claire selon l'objet de protection : le droit des cartels protégerait la concurrence, le droit de la concurrence déloyale la loyauté (Wettbewerbsrecht I, N. 15). Baudenbacher voit à l'inverse des transitions fluides, car les comportements déloyaux ont souvent aussi des effets restrictifs de la concurrence (Lauterkeitsrecht, 45).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de l'**examen des restrictions à la concurrence**, il faut toujours effectuer l'analyse à trois niveaux : (1) Y a-t-il une restriction à la concurrence ? (2) Celle-ci est-elle nuisible du point de vue économique ou social ? (3) Des motifs justificatifs existent-ils ? La simple existence d'une restriction ne suffit pas pour l'inadmissibilité.\n\n**N. 19** Les **exceptions sectorielles** doivent être interprétées restrictivement. L'art. 3 al. 1 LCart n'exclut la concurrence que dans la mesure où les ordres étatiques du marché ou des prix ne laissent aucune place. L'exception ne vaut que pour le domaine directement réglementé (**ATF 141 II 66**).\n\n**N. 20** Pour les **situations internationales**, l'application extraterritoriale du droit suisse de la concurrence doit être examinée selon le principe des effets. Les comportements à l'étranger sont soumis au droit suisse s'ils ont des effets sur le marché suisse (art. 2 al. 2 LCart).\n\n**N. 21** Les **garanties de procédure** selon les art. 6 et 7 CEDH s'appliquent sans restriction dès que des sanctions menacent. Le Tribunal fédéral qualifie les amendes du droit des cartels de « pénales » au sens de la CEDH (**ATF 139 I 72**). Les entreprises ne doivent pas s'incriminer elles-mêmes (principe nemo tenetur).\n\n**N. 22** Pour la **fixation des sanctions** selon l'art. 49a LCart, la gravité et la durée de la violation, le bénéfice réalisé et la volonté de coopération doivent être pris en considération. La limite supérieure de 10% du chiffre d'affaires suisse des trois dernières années vaut de manière absolue.\n\n**N. 23** Les **programmes de conformité** peuvent atténuer les sanctions, mais ne les excluent pas. Les mesures préventives doivent être implémentées et appliquées de manière crédible. La simple existence de directives ne suffit pas (pratique COMCO).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements constitutionnels du droit des cartels et de la concurrence\n\n**ATF 139 I 72** du 29 juin 2012 (Publigroupe SA et consorts contre COMCO)\n\nL'art. 96 Cst. constitue le fondement constitutionnel des sanctions en droit des cartels selon l'art. 49a LCart. Le Tribunal fédéral a confirmé que les sanctions en droit des cartels ont un caractère pénal ou quasi pénal et que les garanties des art. 6 et 7 CEDH ainsi que des art. 30 et 32 Cst. sont applicables.\n\n> «L'art. 96 al. 1 Cst. oblige la Confédération à édicter des dispositions contre les effets nuisibles des cartels et autres restrictions de la concurrence sur l'économie ou la société. Cette habilitation constitutionnelle constitue le fondement de la loi sur les cartels et justifie aussi l'imposition de sanctions pour faire respecter le droit de la concurrence.»\n\n**ATF 143 II 297** du 28 juin 2016 (Colgate-Palmolive Europe Sàrl contre COMCO)\n\nLe Tribunal fédéral a constaté que l'art. 96 Cst. ne confère pas seulement une compétence à la Confédération, mais l'oblige à lutter contre les restrictions de la concurrence nuisibles sur le plan économique ou social. La disposition légitime tant les mesures préventives que répressives.\n\n> «Le mandat constitutionnel de l'art. 96 Cst. n'est pas seulement une habilitation, mais une obligation d'agir pour la Confédération. Cela comprend tant la création de normes matérielles que leur mise en œuvre efficace par des sanctions appropriées.»\n\n### Délimitation des compétences et champ d'application\n\n**ATF 129 II 18** du 1er janvier 2002 (Prix imposé du livre)\n\nLe Tribunal fédéral a précisé le champ d'application de l'art. 96 Cst. par rapport aux réglementations sectorielles spécifiques. Le mandat constitutionnel s'applique de manière générale à tous les domaines de l'économie, pour autant que des fondements constitutionnels spéciaux n'interviennent pas.\n\n> «L'art. 96 Cst. vise à empêcher les effets nuisibles des cartels et autres restrictions de la concurrence sur l'économie ou la société et ainsi à promouvoir la concurrence dans l'intérêt d'un ordre économique de marché libéral. Ce mandat vaut en principe pour tous les secteurs économiques.»\n\n### Surveillance des prix en complément du droit des cartels\n\n**ATF 130 II 449** du 14 juin 2004 (Surveillance des prix réseau câblé)\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que l'art. 96 al. 2 let. a Cst. constitue le fondement juridique des mesures contre les abus dans la formation des prix par des entreprises puissantes sur le marché. La surveillance des prix selon la LSPr complète le droit des cartels dans la lutte contre les abus de marché.\n\n> «L'art. 96 al. 2 let. a Cst. habilite la Confédération à prendre des mesures pour empêcher les abus dans la formation des prix par des entreprises puissantes sur le marché. Cette disposition constitue le fondement constitutionnel de la surveillance des prix comme instrument spécifique à côté du droit général des cartels.»\n\n### Garanties procédurales en droit des cartels\n\n**ATF 135 II 60** du 12 décembre 2008 (Procédure d'annonce et d'opposition)\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que les garanties procédurales constitutionnelles doivent aussi être respectées dans les procédures spéciales en droit des cartels. L'art. 96 Cst. ne fonde aucune exception aux principes procéduraux généraux.\n\n> «L'habilitation constitutionnelle de l'art. 96 Cst. de lutter contre les restrictions de la concurrence ne dispense pas le législateur de respecter les garanties procédurales générales. Les procédures spéciales en droit des cartels doivent aussi satisfaire aux exigences de l'État de droit.»\n\n### Concurrence déloyale\n\n**Arrêt 2C_561/2022** du 23 avril 2024 (Swisscom contre Sunrise UPC)\n\nDans une décision récente, le Tribunal fédéral a réaffirmé que l'art. 96 Cst. englobe tant le droit des cartels que le droit de la concurrence déloyale. Le mandat constitutionnel s'étend à toutes les formes de concurrence déloyale qui portent atteinte à la libre concurrence.\n\n> «L'art. 96 Cst. contient un mandat constitutionnel global de promotion de la concurrence. Celui-ci comprend tant la lutte contre les cartels et les abus de marché que les mesures contre la concurrence déloyale au sens de l'art. 96 al. 2 let. b Cst.»\n\n### Rapport au droit international\n\n**ATF 141 II 66** du 1er janvier 2015 (Ordonnance sur la publicité des médicaments)\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que l'art. 96 Cst. sert aussi de guide d'orientation lors de l'interprétation des règles internationales de concurrence. L'ordre de concurrence suisse doit s'harmoniser avec les standards internationaux sans abandonner son autonomie.\n\n> «Lors de l'application du droit de la concurrence, il faut toujours examiner, même en cas de liens internationaux, si l'art. 96 Cst. ouvre un domaine de protection constitutionnel autonome. La Constitution exige un ordre de concurrence fonctionnel selon les principes suisses.»", "summary_it": "# Art. 96 Cost. — Politica della concorrenza\n\n## Panoramica\n\nL'art. 96 Cost. obbliga la Confederazione a tutelare la libera concorrenza e a lottare contro le limitazioni dannose della concorrenza. La norma costituisce il fondamento costituzionale di tutto il diritto svizzero della concorrenza.\n\n**Cosa disciplina la norma?** L'art. 96 Cost. affida alla Confederazione il compito di disciplinare tre ambiti: primo, deve emanare prescrizioni contro i cartelli e altre limitazioni della concorrenza economicamente o socialmente dannose (cpv. 1). Secondo, deve impedire gli abusi nei prezzi da parte di imprese che detengono una posizione dominante sul mercato (cpv. 2 lett. a). Terzo, deve lottare contro la concorrenza sleale (cpv. 2 lett. b).\n\n**Chi è interessato?** Sono interessate tutte le imprese che partecipano alla vita economica. Ciò comprende sia le aziende private che le imprese pubbliche. Possono essere coinvolte anche associazioni professionali e altre organizzazioni quando prendono decisioni rilevanti per la concorrenza.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** L'art. 96 Cost. porta a tre importanti leggi: la legge sui cartelli (RS 251) combatte gli accordi sui prezzi e l'abuso di posizione dominante. In caso di infrazioni minacciano multe fino al 10% del fatturato svizzero degli ultimi tre anni (art. 49a cpv. 1 LCart). La legge sulla sorveglianza dei prezzi (RS 942.20) controlla i prezzi delle imprese che detengono una posizione dominante sul mercato. La legge contro la concorrenza sleale (RS 241) protegge dalla pubblicità ingannevole e da altre pratiche commerciali sleali.\n\n**Esempi concreti:** Se imprese di costruzione si accordano segretamente sui prezzi, la Commissione della concorrenza (COMCO) può infliggere multe elevate secondo l'art. 7 LCart. Se un operatore telefonico abusa della sua posizione dominante sul mercato e pretende prezzi eccessivi, il Sorvegliante dei prezzi può ordinare una riduzione dei prezzi secondo l'art. 13 LSPr. Se un'impresa fa pubblicità con false promesse ambientali, i concorrenti possono esigere l'interruzione secondo l'art. 9 LCD.\n\nLa Commissione della concorrenza sorveglia il rispetto di queste regole. Può aprire inchieste (art. 27 LCart), raccogliere prove (art. 42 LCart) e infliggere sanzioni in caso di infrazioni. Il Tribunale federale ha confermato che le multe del diritto dei cartelli hanno carattere penale e che pertanto si applicano rigorose garanzie procedurali (**DTF 139 I 72**).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 96 Cost. continua la lunga tradizione della legislazione svizzera in materia di concorrenza. La disposizione precedente art. 31bis cpv. 3 lett. d aCost. autorizzava la Confederazione dal 1947 ad emanare prescrizioni contro gli effetti dei cartelli dannosi per l'economia nazionale o socialmente. Con la revisione totale della Costituzione federale del 1999, questa competenza è stata trasferita nell'art. 96 Cost. e sistematicamente ampliata (FF 1997 I 387).\n\n**N. 2** Il messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolinea il carattere di mandato legislativo: la Confederazione non è solo autorizzata, ma obbligata ad agire contro le restrizioni della concorrenza dannose (FF 1997 I 387). Questa dimensione imperativa distingue l'art. 96 Cost. dalle pure norme di competenza.\n\n**N. 3** L'evoluzione storica mostra un ampliamento continuo: mentre l'art. 31bis aCoste. si concentrava ancora sui cartelli, l'art. 96 Cost. comprende tutte le «altre restrizioni della concorrenza». La menzione esplicita della sorveglianza dei prezzi (cpv. 2 lett. a) e della concorrenza sleale (cpv. 2 lett. b) era già prevista nell'art. 31septies aCoste.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 96 Cost. si trova sistematicamente nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 3° capitolo (Ordinamento finanziario ed economico) della Costituzione federale. La norma concretizza la libertà economica (→ art. 27 Cost.) e i principi dell'ordinamento economico (→ art. 94 Cost.).\n\n**N. 5** Nel rapporto con l'art. 94 Cost., l'art. 96 Cost. rappresenta la manifestazione speciale del diritto della concorrenza. Mentre l'art. 94 stabilisce l'obbligo fondamentale di un ordinamento economico basato sulla concorrenza, l'art. 96 concretizza gli strumenti per l'attuazione di questo ordinamento (Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 4).\n\n**N. 6** I collegamenti trasversali con altre norme della costituzione economica sono molteplici: → art. 95 Cost. (attività lucrativa privata) protegge la partecipazione alla concorrenza, → art. 97 Cost. (protezione dei consumatori) completa la protezione contro le distorsioni della concorrenza, → art. 100 Cost. (politica congiunturale) può legittimare misure restrittive della concorrenza.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **La concorrenza come bene protetto**: L'art. 96 Cost. protegge la concorrenza come istituzione e processo. Secondo Uhlmann, il concetto di concorrenza comprende «il processo di rivalità tra imprese per quote di mercato attraverso prestazioni» (BSK BV, art. 96 n. 4-9). Il Tribunale amministrativo federale precisa che solo in mancanza di una concorrenza efficace si può parlare di abuso di mercato (BSK BV, art. 96 n. 20).\n\n**N. 8** **Effetti dannosi per l'economia nazionale o socialmente**: L'elemento di fattispecie della dannosità è centrale. Non ogni restrizione della concorrenza è rilevante, ma solo quelle con conseguenze dimostrabilmente negative. Il Tribunale federale non interpreta ciò come divieto assoluto di regole per-se: «La menzione degli effetti dannosi nel testo costituzionale non esclude divieti parziali di accordi o comportamenti dimostrabilmente particolarmente dannosi» (**DTF 135 II 60**; Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 11).\n\n**N. 9** **Cartelli e altre restrizioni della concorrenza**: Il concetto comprende accordi orizzontali e verticali nonché comportamenti unilaterali di imprese con potere di mercato. La formulazione «altre restrizioni della concorrenza» estende l'ambito di applicazione oltre i cartelli classici a tutte le forme di impedimento della concorrenza (Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 15).\n\n**N. 10** **Potere di mercato** (cpv. 2 lett. a): Presupposto per l'abuso di prezzi è una posizione dominante o almeno forte sul mercato. Il Tribunale amministrativo federale sottolinea: «prezzi abusivi possono sussistere solo se sul mercato interessato non regna una concorrenza efficace» (Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 20). L'analisi del potere di mercato segue criteri economici (quote di mercato, barriere all'entrata, concorrenza potenziale).\n\n**N. 11** **Concorrenza sleale** (cpv. 2 lett. b): Sono rilevanti tutti i comportamenti che violano la buona fede e compromettono la capacità funzionale della concorrenza. La norma protegge sia l'istituzione della concorrenza sia i singoli partecipanti al mercato (Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 28-30).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 96 Cost. fonda un **mandato legislativo con carattere imperativo**. La Confederazione deve agire; una rinuncia totale alla legislazione sulla concorrenza sarebbe incostituzionale. La configurazione resta tuttavia nella discrezione del legislatore (FF 1997 I 387).\n\n**N. 13** La norma costituzionale autorizza **misure preventive e repressive**. Ciò comprende norme di divieto (LCart), meccanismi di controllo (controllo delle concentrazioni), sanzioni (art. 49a LCart) e strumenti di accompagnamento come la sorveglianza dei prezzi (Richli, Leitung der Wirtschaftspolitik, 156).\n\n**N. 14** L'art. 96 Cost. **non fonda diritti soggettivi immediati**. I privati non possono invocare direttamente la norma costituzionale, ma solo le leggi che la concretizzano (LCart, LCSl, LSPr). La norma agisce principalmente come disposizione ordinatrice oggettiva (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1289).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** **Ammissibilità di divieti per-se**: È controverso se l'art. 96 Cost. consenta divieti per-se senza prova di effetti dannosi nel singolo caso. Il Tribunale federale afferma i «divieti per-se selettivi» per comportamenti particolarmente dannosi (**DTF 135 II 60**). Jacobs critica questa giurisprudenza come incostituzionale (SJZ 2014, 345). Hoffet mette in guardia contro divieti fondamentali senza esame del caso singolo (Anwaltsrevue 2011, 228). Hilty/Früh considerano invece costituzionalmente conformi i divieti fondamentalmente qualificati come dannosi (in: FS Baudenbacher, 234). Il Consiglio federale propone una via di mezzo: divieto fondamentale di restrizioni gravi con possibilità di giustificazione per motivi economici (Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 12).\n\n**N. 16** **Direzione di protezione: istituzione vs. protezione individuale**: È controverso se l'art. 96 Cost. protegga principalmente la concorrenza come istituzione o anche i singoli concorrenti. La collocazione sistematica vicino all'art. 94 Cost. depone per una protezione istituzionale (Zäch, Kartellrecht, 45). La dottrina dominante vede tuttavia una duplice direzione di protezione: l'art. 96 Cost. protegge «la concorrenza come istituzione così come la personalità dei singoli partecipanti alla concorrenza» (David/Jacobs, Wettbewerbsrecht, 67; Uhlmann, BSK BV, art. 96 n. 4).\n\n**N. 17** **Rapporto diritto dei cartelli/diritto della lealtà**: La delimitazione tra cpv. 1 (diritto dei cartelli) e cpv. 2 lett. b (diritto della lealtà) non è netta. Borer propugna una separazione chiara secondo l'oggetto di protezione: il diritto dei cartelli protegge la concorrenza, il diritto della lealtà la lealtà (Wettbewerbsrecht I, n. 15). Baudenbacher vede invece transizioni fluide, poiché i comportamenti sleali spesso hanno anche effetti restrittivi della concorrenza (Lauterkeitsrecht, 45).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'**esame delle restrizioni della concorrenza** è sempre da condurre l'analisi a tre livelli: (1) È presente una restrizione della concorrenza? (2) È questa dannosa per l'economia nazionale o socialmente? (3) Sussistono motivi di giustificazione? La mera esistenza di una restrizione non basta per l'inammissibilità.\n\n**N. 19** **Le eccezioni settoriali** sono da interpretare restrittivamente. L'art. 3 cpv. 1 LCart esclude la concorrenza solo nella misura in cui ordinamenti statali di mercato o dei prezzi non lasciano spazio. L'eccezione vale solo per l'ambito direttamente disciplinato (**DTF 141 II 66**).\n\n**N. 20** Per **le fattispecie internazionali** è da esaminare l'applicazione extraterritoriale del diritto svizzero della concorrenza secondo il principio degli effetti. I comportamenti all'estero sottostanno al diritto svizzero se si ripercuotono sul mercato svizzero (art. 2 cpv. 2 LCart).\n\n**N. 21** Le **garanzie procedurali** secondo l'art. 6 e 7 CEDU si applicano senza restrizioni non appena minacciano sanzioni. Il Tribunale federale qualifica le multe del diritto dei cartelli come «penali» nel senso della CEDU (**DTF 139 I 72**). Le imprese non devono incriminare se stesse (principio nemo tenetur).\n\n**N. 22** Nella **commisurazione delle sanzioni** secondo l'art. 49a LCart sono da considerare la gravità e la durata della violazione, il guadagno ottenuto e la disponibilità alla cooperazione. Il limite superiore del 10% del fatturato svizzero degli ultimi tre anni vale in assoluto.\n\n**N. 23** **I programmi di compliance** possono mitigare le sanzioni, ma non le escludono. Le misure preventive devono essere implementate e applicate in modo credibile. La mera esistenza di direttive non basta (prassi COMCO).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Basi costituzionali del diritto dei cartelli e della concorrenza\n\n**DTF 139 I 72** del 29 giugno 2012 (Publigroupe SA e cons. c. COMCO)\n\nL'art. 96 Cost. costituisce la base costituzionale per le sanzioni del diritto dei cartelli secondo l'art. 49a LCart. Il Tribunale federale ha confermato che le sanzioni del diritto dei cartelli hanno carattere penale o simile al penale e si applicano le garanzie degli art. 6 e 7 CEDU nonché degli art. 30 e 32 Cost.\n\n> «L'art. 96 cpv. 1 Cost. obbliga la Confederazione a emanare prescrizioni contro gli effetti dei cartelli e di altre limitazioni della concorrenza che sono dannosi dal punto di vista economico o sociale. Questa abilitazione costituzionale costituisce la base per la legge sui cartelli e giustifica anche l'imposizione di sanzioni per l'applicazione del diritto della concorrenza.»\n\n**DTF 143 II 297** del 28 giugno 2016 (Colgate-Palmolive Europe Sàrl c. COMCO)\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 96 Cost. non si limita a conferire alla Confederazione la competenza, ma la obbliga a lottare contro le limitazioni della concorrenza dannose dal punto di vista economico o sociale. La norma legittima sia misure preventive che repressive.\n\n> «Il mandato costituzionale dell'art. 96 Cost. non è solo un'abilitazione, ma un obbligo della Confederazione di agire. Questo comprende tanto la creazione di norme materiali quanto la loro applicazione efficace attraverso sanzioni adeguate.»\n\n### Delimitazione delle competenze e campo d'applicazione\n\n**DTF 129 II 18** del 1° gennaio 2002 (Vincolo del prezzo dei libri)\n\nIl Tribunale federale ha precisato il campo d'applicazione dell'art. 96 Cost. nel rapporto con regolamentazioni settoriali specifiche. Il mandato costituzionale vale in modo generale per tutti i settori dell'economia, nella misura in cui non intervengano basi costituzionali speciali.\n\n> «L'art. 96 Cost. ha lo scopo di impedire gli effetti dei cartelli e di altre limitazioni della concorrenza che sono dannosi dal punto di vista economico o sociale e di promuovere così la concorrenza nell'interesse di un ordinamento di mercato liberale. Questo mandato vale in linea di principio per tutti i settori economici.»\n\n### Sorveglianza dei prezzi come complemento al diritto dei cartelli\n\n**DTF 130 II 449** del 14 giugno 2004 (Sorveglianza dei prezzi rete via cavo)\n\nIl Tribunale federale ha confermato che l'art. 96 cpv. 2 lett. a Cost. costituisce la base legale per misure contro abusi nella formazione dei prezzi da parte di imprese con potere di mercato. La sorveglianza dei prezzi secondo la LSPr completa il diritto dei cartelli nella lotta contro l'abuso di mercato.\n\n> «L'art. 96 cpv. 2 lett. a Cost. abilita la Confederazione a prendere misure per impedire abusi nella formazione dei prezzi da parte di imprese con potere di mercato. Questa disposizione costituisce la base costituzionale per la sorveglianza dei prezzi come strumento specifico accanto al diritto generale dei cartelli.»\n\n### Garanzie procedurali del diritto dei cartelli\n\n**DTF 135 II 60** del 12 dicembre 2008 (Procedura di notifica e opposizione)\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che le garanzie procedurali costituzionali devono essere rispettate anche nelle procedure speciali del diritto dei cartelli. L'art. 96 Cost. non fonda alcuna eccezione ai principi procedurali generali.\n\n> «L'abilitazione costituzionale dell'art. 96 Cost. per la lotta contro le limitazioni della concorrenza non dispensa il legislatore dal rispetto delle garanzie procedurali generali. Anche le procedure speciali del diritto dei cartelli devono soddisfare le esigenze dello Stato di diritto.»\n\n### Concorrenza sleale\n\n**Sentenza 2C_561/2022** del 23 aprile 2024 (Swisscom c. Sunrise UPC)\n\nIn una decisione recente, il Tribunale federale ha ribadito che l'art. 96 Cost. comprende sia il diritto dei cartelli che il diritto della lealtà. Il mandato costituzionale si estende a tutte le forme di concorrenza sleale che pregiudicano la libera concorrenza.\n\n> «L'art. 96 Cost. contiene un mandato costituzionale globale per la promozione della concorrenza. Questo comprende sia la lotta contro cartelli e abusi di mercato sia misure contro la concorrenza sleale nel senso dell'art. 96 cpv. 2 lett. b Cost.»\n\n### Rapporto con il diritto internazionale\n\n**DTF 141 II 66** del 1° gennaio 2015 (Ordinanza sulla pubblicità dei medicamenti)\n\nIl Tribunale federale ha precisato che l'art. 96 Cost. serve da orientamento anche nell'interpretazione delle regole internazionali della concorrenza. L'ordinamento svizzero della concorrenza deve armonizzarsi con gli standard internazionali senza rinunciare all'autonomia.\n\n> «Nell'applicazione del diritto della concorrenza, anche con riferimenti internazionali, occorre sempre verificare se l'art. 96 Cost. apra un ambito di protezione costituzionale autonomo. La Costituzione esige un ordinamento della concorrenza funzionante secondo principi svizzeri.»", "summary_en": "# Art. 96 BV — Competition Policy\n\n## Overview\n\nArt. 96 BV obliges the Confederation to protect free competition and to take action against harmful restraints on competition. The provision forms the constitutional basis for the entire Swiss competition law.\n\n**What does the provision regulate?** Art. 96 BV gives the Confederation the mandate to regulate three areas: First, it must enact provisions against cartels and other restraints on competition that are economically or socially harmful (para. 1). Second, it must prevent price abuse by companies with market power (para. 2 lit. a). Third, it must take action against unfair competition (para. 2 lit. b).\n\n**Who is affected?** All companies that participate in economic life are affected. This includes both private firms and public enterprises. Professional associations and other organisations may also be covered if they make competition-relevant decisions.\n\n**What are the legal consequences?** Art. 96 BV leads to three important laws: The Cartel Act (SR 251) combats price agreements and market abuse. In case of violations, fines of up to 10% of Swiss turnover for the last three years are threatened (Art. 49a para. 1 CartA). The Price Monitoring Act (SR 942.20) controls the prices of companies with market power. The Unfair Competition Act (SR 241) protects against misleading advertising and other unfair business practices.\n\n**Concrete examples:** If construction companies secretly agree on prices, the Competition Commission (COMCO) can impose high fines under Art. 7 CartA. If a telephone provider abuses its market power and charges excessive prices, the Price Monitor can order a price reduction under Art. 13 PMA. If a company advertises with false environmental promises, competitors can demand cessation under Art. 9 UCA.\n\nThe Competition Commission monitors compliance with these rules. It can initiate investigations (Art. 27 CartA), secure evidence (Art. 42 CartA) and impose sanctions for violations. The Federal Supreme Court has confirmed that cartel fines have a criminal law character and therefore strict procedural guarantees apply (**BGE 139 I 72**).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 96 FC continues the long tradition of Swiss competition legislation. The predecessor provision Art. 31bis para. 3 lit. d aFC empowered the Confederation since 1947 to enact regulations against economically or socially harmful effects of cartels. With the total revision of the Federal Constitution in 1999, this competence was transferred to Art. 96 FC and systematically expanded (BBl 1997 I 387).\n\n**N. 2** The Message on the new Federal Constitution emphasizes the character as a legislative mandate: The Confederation is not only empowered but obligated to take action against harmful restraints of competition (BBl 1997 I 387). This obligatory dimension distinguishes Art. 96 FC from mere competence norms.\n\n**N. 3** The historical development shows continuous expansion: While Art. 31bis aFC still focused on cartels, Art. 96 FC covers all «other restraints of competition». The explicit mention of price supervision (para. 2 lit. a) and unfair competition (para. 2 lit. b) was already established in Art. 31septies aFC.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 96 FC is systematically placed in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 3 (Financial and Economic System) of the Federal Constitution. The provision concretizes economic freedom (→ Art. 27 FC) and the principles of the economic system (→ Art. 94 FC).\n\n**N. 5** In relation to Art. 94 FC, Art. 96 FC represents the specific competition law manifestation. While Art. 94 establishes the fundamental commitment to a competition-based economic system, Art. 96 concretizes the instruments for enforcing this system (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 6** The cross-connections to other economic constitutional norms are manifold: → Art. 95 FC (private economic activity) protects participation in competition, → Art. 97 FC (consumer protection) complements protection against competition distortions, → Art. 100 FC (economic policy) can legitimize competition-restricting measures.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Competition as protected interest**: Art. 96 FC protects competition as an institution and process. According to Uhlmann, the concept of competition encompasses «the process of rivalry between companies for market shares through performance» (BSK BV, Art. 96 N. 4-9). The Federal Administrative Court specifies that market abuse can only be said to exist when effective competition is lacking (BSK BV, Art. 96 N. 20).\n\n**N. 8** **Economically or socially harmful effects**: The element of harmfulness is central. Not every restraint of competition is covered, but only those with demonstrably negative consequences. The Federal Court interprets this not as an absolute prohibition of per se rules: «The mention of harmful effects in the constitutional text does not exclude partial prohibitions of demonstrably particularly harmful agreements or conduct» (**BGE 135 II 60**; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 11).\n\n**N. 9** **Cartels and other restraints of competition**: The term encompasses horizontal and vertical agreements as well as unilateral conduct by companies with market power. The formulation «other restraints of competition» extends the scope of application beyond classic cartels to all forms of impediments to competition (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 15).\n\n**N. 10** **Market power** (para. 2 lit. a): A prerequisite for price abuse is a dominant or at least strong market position. The Federal Administrative Court emphasizes: «abusive prices can only exist if no effective competition prevails on the relevant market» (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 20). Market power analysis follows economic criteria (market shares, barriers to market entry, potential competition).\n\n**N. 11** **Unfair competition** (para. 2 lit. b): Covered are all conduct that violates good faith and impairs the functionality of competition. The norm protects both the institution of competition and individual market participants (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 28-30).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 96 FC establishes a **legislative mandate with obligatory character**. The Confederation must take action; complete renunciation of competition legislation would be unconstitutional. However, the design lies within the discretion of the legislator (BBl 1997 I 387).\n\n**N. 13** The constitutional norm authorizes **preventive and repressive measures**. This includes prohibition norms (CartA), control mechanisms (merger control), sanctions (Art. 49a CartA) and flanking instruments such as price supervision (Richli, Leitung der Wirtschaftspolitik, 156).\n\n**N. 14** Art. 96 FC does not establish **immediate subjective rights**. Private parties cannot directly invoke the constitutional norm, but only the concretizing statutes (CartA, UCA, PSA). The norm primarily operates as an objective regulatory provision (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1289).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 15** **Permissibility of per se prohibitions**: It is controversially discussed whether Art. 96 FC permits per se prohibitions without proof of harmful effects in individual cases. The Federal Court affirms «selective per se prohibitions» for particularly harmful conduct (**BGE 135 II 60**). Jacobs criticizes this case law as unconstitutional (SJZ 2014, 345). Hoffet warns against fundamental prohibitions without case-by-case examination (Anwaltsrevue 2011, 228). Hilty/Früh conversely consider prohibitions fundamentally qualified as harmful to be constitutionally compliant (in: FS Baudenbacher, 234). The Federal Council proposes a middle way: fundamental prohibition of grave restrictions with possibility of justification on economic grounds (Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 12).\n\n**N. 16** **Direction of protection: Institution vs. individual protection**: It is disputed whether Art. 96 FC primarily protects competition as an institution or also individual competitors. The systematic position close to Art. 94 FC speaks for institutional protection (Zäch, Kartellrecht, 45). However, the prevailing doctrine sees a dual direction of protection: Art. 96 FC protects «competition as an institution as well as the personality of individual competition participants» (David/Jacobs, Wettbewerbsrecht, 67; Uhlmann, BSK BV, Art. 96 N. 4).\n\n**N. 17** **Relationship between cartel law/unfair competition law**: The delineation between para. 1 (cartel law) and para. 2 lit. b (unfair competition law) is not clear-cut. Borer advocates for a clear separation according to the object of protection: cartel law protects competition, unfair competition law protects fairness (Wettbewerbsrecht I, N. 15). Baudenbacher conversely sees fluid transitions, since unfair conduct often also has competition-restricting effects (Lauterkeitsrecht, 45).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 18** When **examining restraints of competition**, the three-stage analysis must always be conducted: (1) Is there a restraint of competition? (2) Is this economically or socially harmful? (3) Are justification grounds given? The mere existence of a restriction is not sufficient for inadmissibility.\n\n**N. 19** **Sector-specific exceptions** are to be interpreted restrictively. Art. 3 para. 1 CartA only excludes competition insofar as state market or price regulations leave no room. The exception only applies to the directly regulated area (**BGE 141 II 66**).\n\n**N. 20** For **international matters**, the extraterritorial application of Swiss competition law must be examined according to the effects principle. Conduct abroad is subject to Swiss law if it affects the Swiss market (Art. 2 para. 2 CartA).\n\n**N. 21** The **procedural guarantees** under Art. 6 and 7 ECHR apply without restriction as soon as sanctions threaten. The Federal Court qualifies cartel law fines as «criminal» within the meaning of the ECHR (**BGE 139 I 72**). Companies must not incriminate themselves (nemo tenetur principle).\n\n**N. 22** In **sanction assessment** under Art. 49a CartA, the severity and duration of the violation, the profit achieved and willingness to cooperate must be considered. The upper limit of 10% of Swiss turnover of the last three years applies absolutely.\n\n**N. 23** **Compliance programs** can mitigate sanctions but do not exclude them. Preventive measures must be credibly implemented and enforced. The mere existence of guidelines is not sufficient (COMCO practice).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Foundations of Competition and Antitrust Law\n\n**BGE 139 I 72** of 29 June 2012 (Publigroupe SA et al. v. COMCO)\n\nArt. 96 FC forms the constitutional basis for antitrust sanctions under Art. 49a CartA. The Federal Supreme Court confirmed that antitrust sanctions have a criminal or quasi-criminal character and that the guarantees of Art. 6 and 7 ECHR as well as Art. 30 and 32 FC are applicable.\n\n> «Art. 96 para. 1 FC obliges the Confederation to issue regulations against economically or socially harmful effects of cartels and other restraints of competition. This constitutional authorisation forms the basis for the Cartel Act and also justifies the imposition of sanctions for the enforcement of competition law.»\n\n**BGE 143 II 297** of 28 June 2016 (Colgate-Palmolive Europe Sàrl v. COMCO)\n\nThe Federal Supreme Court found that Art. 96 FC not only grants the Confederation the power, but obliges it to combat economically or socially harmful restraints of competition. The provision legitimises both preventive and repressive measures.\n\n> «The constitutional mandate of Art. 96 FC is not merely an authorisation, but an obligation of the Confederation to act. This encompasses both the creation of substantive norms and their effective enforcement through appropriate sanctions.»\n\n### Demarcation of Competences and Scope of Application\n\n**BGE 129 II 18** of 1 January 2002 (Book Price Maintenance)\n\nThe Federal Supreme Court clarified the scope of application of Art. 96 FC in relation to sector-specific regulations. The constitutional mandate applies comprehensively to all areas of the economy, insofar as no special constitutional foundations intervene.\n\n> «Art. 96 FC aims to prevent economically or socially harmful effects of cartels and other restraints of competition and thereby to promote competition in the interest of a liberal market economy order. This mandate applies in principle to all economic sectors.»\n\n### Price Supervision as a Complement to Competition Law\n\n**BGE 130 II 449** of 14 June 2004 (Cable Network Price Supervision)\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that Art. 96 para. 2 lit. a FC forms the legal basis for measures against abuses in price formation by market-dominant companies. Price supervision under the PSA complements competition law in combating market abuse.\n\n> «Art. 96 para. 2 lit. a FC authorises the Confederation to take measures to prevent abuses in price formation by market-dominant companies. This provision forms the constitutional basis for price supervision as a specific instrument alongside general competition law.»\n\n### Competition Law Procedural Guarantees\n\n**BGE 135 II 60** of 12 December 2008 (Notification and Opposition Procedure)\n\nThe Federal Supreme Court clarified that constitutional procedural guarantees must also be observed in special competition law procedures. Art. 96 FC does not establish an exception to general procedural principles.\n\n> «The constitutional authorisation of Art. 96 FC to combat restraints of competition does not release the legislator from observing general procedural guarantees. Special competition law procedures must also meet rule-of-law requirements.»\n\n### Unfair Competition\n\n**Judgment 2C_561/2022** of 23 April 2024 (Swisscom v. Sunrise UPC)\n\nIn a recent decision, the Federal Supreme Court reaffirmed that Art. 96 FC encompasses both competition law and unfair competition law. The constitutional mandate extends to all forms of unfair competition that impair free competition.\n\n> «Art. 96 FC contains a comprehensive constitutional mandate to promote competition. This encompasses both the fight against cartels and market abuse as well as measures against unfair competition within the meaning of Art. 96 para. 2 lit. b FC.»\n\n### Relationship to International Law\n\n**BGE 141 II 66** of 1 January 2015 (Pharmaceutical Advertising Ordinance)\n\nThe Federal Supreme Court clarified that Art. 96 FC also serves as guidance in the interpretation of international competition rules. The Swiss competition order should harmonise with international standards without abandoning its independence.\n\n> «In the application of competition law, even with international connections, it must always be examined whether Art. 96 FC opens up an independent constitutional scope of protection. The Constitution requires a functional competition order according to Swiss principles.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_96", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 97, "article_suffix": "", "title": "Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 97 BV — Konsumentenschutz\n\n## Übersicht\n\nArt. 97 BV verpflichtet den Bund zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten. Diese Verfassungsbestimmung betrifft alle Personen, die Waren oder Dienstleistungen für private Zwecke kaufen – nicht für das Geschäft oder den Beruf (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5).\n\nDer Artikel enthält drei Hauptregeln: Erstens muss der Bund Massnahmen zum Konsumentenschutz treffen. Dies geschieht durch Gesetze wie das Konsumkreditgesetz (Art. 3 KKG), das Lebensmittelgesetz (Art. 1 lit. a LMG) oder das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (Art. 10 Abs. 2 lit. b UWG). Zweitens erhalten Konsumentenorganisationen das Recht, vor Gericht zu klagen, wenn Unternehmen gegen das Wettbewerbsrecht verstossen. Diese Verbände haben dieselben Rechte wie Berufsverbände. Drittens müssen die Kantone bei kleineren Streitigkeiten schnelle und einfache Gerichtsverfahren anbieten.\n\nDas Bundesgericht hat klargestellt, dass niemand ein Grundrecht auf Konsum hat (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). Die Verfassung gibt dem Bund aber den Auftrag, strukturelle Ungleichgewichte zwischen Anbietern und Konsumenten zu korrigieren (Brunner, SJZ 2001, 241).\n\nEin praktisches Beispiel: Wer einen Konsumkredit über 15'000 Franken aufnimmt, ist durch spezielle Vorschriften geschützt. Die Bank muss schriftlich über alle Kosten informieren und eine Bedenkzeit gewähren. Bei Streitigkeiten bis zu 30'000 Franken (Art. 243 ZPO) können Konsumenten ein vereinfachtes Gerichtsverfahren wählen, das günstiger und schneller ist als das ordentliche Zivilverfahren.\n\nDer Konsumentenschutz ergänzt die freie Marktwirtschaft, indem er faire Spielregeln durchsetzt und schwächere Markteilnehmer schützt (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 12 ff.).", "doctrine_de": "# Art. 97 BV — Konsumentenschutz\n\n## Doktrin\n\n**N. 1** **Entstehungsgeschichte**\n\nArt. 97 BV basiert auf dem Vorgängerartikel 31sexies der alten Bundesverfassung (aBV), der 1981 durch Volksabstimmung eingefügt wurde (BBl 1981 II 745). Die Aufnahme des Konsumentenschutzes in die Verfassung erfolgte als Reaktion auf die zunehmende Komplexität der Konsumgütermärkte und das strukturelle Informationsungleichgewicht zwischen Anbietern und Konsumenten (Favre-Bulle, AJP 1993, 265). Bei der Totalrevision 1999 wurde die Bestimmung inhaltlich weitgehend unverändert als Art. 97 in die neue Bundesverfassung übernommen, jedoch systematisch den Wirtschaftsbestimmungen zugeordnet (BBl 1997 I 317).\n\n**N. 2** **Systematische Einordnung**\n\nArt. 97 BV findet sich im 3. Kapitel (Wirtschaftsordnung) des 3. Titels (Bund, Kantone und Gemeinden) der Bundesverfassung. Die Bestimmung steht in engem systematischem Zusammenhang mit → Art. 95 Abs. 1 BV (privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit) und → Art. 96 Abs. 2 lit. a BV (Wettbewerbspolitik). Diese Einordnung unterstreicht, dass der Konsumentenschutz als integraler Bestandteil der schweizerischen Wirtschaftsordnung verstanden wird, nicht als deren Gegenpol (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3). Die Norm ergänzt die grundrechtlichen Schutzpflichten des Staates (→ Art. 35 BV) im spezifischen Kontext der Konsumentenbeziehungen und konkretisiert die Sozialziele (↔ Art. 41 BV) im Bereich der Marktwirtschaft.\n\n**N. 3** **Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\n\nArt. 97 BV enthält drei distinkte Regelungsbereiche. Absatz 1 statuiert eine allgemeine Schutzpflicht des Bundes zugunsten der Konsumentinnen und Konsumenten. Der Begriff «Konsument» umfasst dabei natürliche und juristische Personen, die Waren oder Dienstleistungen für private Zwecke erwerben, im Gegensatz zur gewerblichen oder beruflichen Nutzung (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5). Die «Massnahmen» können legislativer, administrativer oder informativer Natur sein. Absatz 2 verpflichtet den Bund zur Einführung von Verbandsklagerechten für Konsumentenorganisationen, wobei diese im UWG-Bereich den Berufs- und Wirtschaftsverbänden gleichgestellt werden müssen. Absatz 3 überträgt den Kantonen die Pflicht, für Streitigkeiten unterhalb einer bundesrätlich festgelegten Streitwertgrenze niederschwellige Verfahren vorzusehen.\n\n**N. 4** **Rechtsfolgen**\n\nDie Bestimmung begründet primär eine Gesetzgebungskompetenz und -pflicht des Bundes. Aus Absatz 1 folgt keine unmittelbare Anwendbarkeit oder ein subjektives Recht auf bestimmte Schutzmassnahmen; das Bundesgericht hat einen Grundrechtsanspruch auf Konsumation explizit abgelehnt (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). Der Gesetzgeber verfügt bei der Ausgestaltung der Schutzmassnahmen über einen erheblichen Ermessensspielraum. Die Verbandsklagerechte nach Absatz 2 müssen jedoch effektiv ausgestaltet sein; ob eine minimale Effektivität verfassungsrechtlich garantiert ist, bleibt umstritten (siehe N. 5). Die kantonale Verpflichtung nach Absatz 3 wurde durch Art. 243 ff. ZPO konkretisiert, wobei der Bundesrat die Streitwertgrenze auf CHF 30'000 festgelegt hat.\n\n**N. 5** **Streitstände**\n\nIn der Lehre kontrovers diskutiert wird die Frage, ob Art. 97 Abs. 2 BV eine Mindesteffektivität des Verbandsklagerechts garantiert. Uhlmann vertritt die Position, dass zumindest im Lichte von Art. 97 Abs. 1 und → Art. 170 BV der Bundesgesetzgeber ein eklatantes Ungenügen des Verbandsklagerechts korrigieren müsste (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 12-15). Der Gesetzgeber hat diese verfassungsrechtlichen Überlegungen bei der Revision von Art. 10 UWG jedoch nicht berücksichtigt (BBl 2009 6151). Uneinigkeit besteht auch über die Reichweite des Konsumentenbegriffs: Während die herrschende Lehre juristische Personen einschliesst, sofern sie als Endverbraucher auftreten (SG Komm. BV-Hettich, Art. 97 N. 4), plädiert eine Minderheit für eine Beschränkung auf natürliche Personen (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 15 f.).\n\n**N. 6** **Praxishinweise**\n\nBei der Anwendung von Art. 97 BV ist zu beachten, dass die Verfassungsnorm selbst keine unmittelbaren Rechtsansprüche begründet. Praktische Relevanz entfaltet sie hauptsächlich als Auslegungshilfe bei der Interpretation konsumentenschutzrechtlicher Bestimmungen des einfachen Bundesrechts. Gerichte berücksichtigen den verfassungsrechtlichen Schutzauftrag regelmässig bei der Auslegung von Generalklauseln im UWG, KKG oder bei der Beurteilung von AGB (vgl. **BGE 139 III 201** E. 2). Für Konsumentenorganisationen ist Art. 97 Abs. 2 BV von zentraler Bedeutung, da er die verfassungsrechtliche Grundlage ihrer Klagebefugnisse bildet. Bei kantonalen Verfahrensordnungen ist zu prüfen, ob diese den Anforderungen von Art. 97 Abs. 3 BV genügen; die blosse Verweisung auf das ordentliche Zivilverfahren reicht nicht aus (Huguenin, SJZ 1995, 420).", "caselaw_de": "# Art. 97 BV — Konsumentenschutz\n\n## Rechtsprechung\n\n### Überblick\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 97 BV ist relativ spärlich, da es sich um eine Kompetenznorm handelt, die dem Bund den Auftrag erteilt, Konsumentenschutzmassnahmen zu treffen. Die meisten Entscheidungen betreffen nicht die Verfassungsbestimmung selbst, sondern deren gesetzliche Ausformung in Spezialgesetzen wie dem Konsumkreditgesetz (KKG) oder dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Das Bundesgericht hat die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Konsumentenschutzes hauptsächlich im Kontext der Klageberechtigung von Konsumentenorganisationen und bei der Auslegung konsumentenschutzrechtlicher Bestimmungen präzisiert.\n\n### Leitentscheide des Bundesgerichts\n\n#### Klageberechtigung von Konsumentenorganisationen\n\n**BGE 120 IV 154** vom 17. Mai 1994  \nLegitimation von Konsumentenschutzorganisationen im unlauteren Wettbewerb  \nRichtungsweisende Entscheidung zur prozessualen Durchsetzung des Konsumentenschutzes durch Verbände  \n\n> «Die Einstellung des Verfahrens mangels objektivem Tatbestand kann sich auf die Beurteilung einer solchen Zivilforderung auswirken (E. 3c/bb). Berufs- und Wirtschaftsverbände sowie Konsumentenschutzorganisationen sind auf dem Gebiet des unlauteren Wettbewerbs in ihrer Eigenschaft als Strafantragsteller zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde befugt.»\n\n**BGE 126 III 239** vom 31. März 2000  \nKlageberechtigung einer Tourismus-Organisation im Lauterkeitsrecht  \nBestätigung der Aktivlegitimation von Interessenverbänden im Konsumentenschutz  \n\n> «Lauterkeitsrechtliche Aktivlegitimation des Vereins Berner Oberland Tourismus (E. 1). Internet Domain Names haben gegenüber den absolut geschützten Kennzeichen Dritter den gebotenen Abstand einzuhalten und unterstehen dem Lauterkeitsgebot des Wettbewerbsrechts.»\n\n#### Konsumkreditrecht als Ausformung von Art. 97 BV\n\n**BGE 139 III 201** vom 26. Februar 2013  \nAnwendungsbereich des Konsumkreditgesetzes bei Studienkrediten  \nAbgrenzung zwischen Konsumkredit und berufsbezogener Finanzierung  \n\n> «Wer einen Kredit zur Finanzierung des Studiums aufnimmt, tut dies zu einem Zweck, der seiner beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann. Das KKG ist folglich nicht anwendbar (E. 2).»\n\n#### Unlauterer Wettbewerb und Konsumentenschutz\n\n**BGE 123 IV 211** vom 7. November 1997  \nMeinungsäusserungsfreiheit bei Äusserungen zur Gefährlichkeit von Waren  \nVerfassungskonforme Auslegung des UWG unter Berücksichtigung des Konsumentenschutzes  \n\n> «Bei Äusserungen Dritter in Flugblättern zur Gefährlichkeit einer Ware für die menschliche Gesundheit ist bei der gebotenen verfassungskonformen Auslegung des UWG unter Berücksichtigung insbesondere des Grundrechts der Meinungsäusserungsfreiheit eine strafbare unlautere Anschwärzung nur mit Zurückhaltung anzunehmen.»\n\n**BGE 133 III 431** vom 27. April 2007  \nVerhältnis der UWG-Generalklausel zu Spezialtatbeständen  \nMethodisches Vorgehen beim Konsumentenschutz im Wettbewerbsrecht  \n\n> «Unlauterer Wettbewerb. Verhältnis der Generalklausel von Art. 2 UWG zu den Spezialtatbeständen der Art. 3 bis 8 UWG; methodisches Vorgehen (E. 4.1-4.3). Anwendung auf den konkreten Fall (E. 4.4-4.6).»\n\n#### Lebensmittelrecht als Konsumentenschutz\n\nUrteil **2C_413/2015** vom 10. März 2016  \nPackungsaufschrift bei Zahncremes unter dem Lebensmittelgesetz  \nVerwaltungsrechtliche Durchsetzung konsumentenschutzrechtlicher Vorschriften\n\nUrteil **2C_761/2017** vom 25. Juni 2018  \nLebensmittelkennzeichnung als präventiver Konsumentenschutz  \nInformationspflichten zum Schutz der Verbraucherinteressen\n\n### Instanzgerichte und Spezialrechtsprechung\n\n#### Konsumkreditgesetz in der Praxis\n\n**ZK 2012 706** vom 28. Januar 2013 (Zivilgericht Bern)  \nFormvorschriften beim Konsumkreditvertrag  \nKonkrete Anwendung der in Art. 97 BV verankerten Schutzgedanken  \n\n> «Art. 9 Abs. 1 KKG schreibt vor, dass Kreditverträge schriftlich abzuschliessen sind. Obligatorisch muss der Vertrag zusätzlich die in Abs. 2 erwähnten Angaben enthalten. Dem liegt die Überlegung zu Grunde, dass die Konsumentin beim Abschluss des Konsumkreditvertrages ausführlich und möglichst genau informiert ist.»\n\n**ZK 2012 269** vom 3. September 2012 (Zivilgericht Bern)  \nUnterstellung von Ausbildungskrediten unter das KKG  \nSystematische Auslegung der Konsumentenschutzgesetzgebung  \n\n> «Unter dem Aspekt des Sozialschutzes lassen sich die Fälle kaum vergleichen. Aus systematischen Überlegungen erscheint es fraglich, ob ein Ausbildungskredit unter die Kategorie der ‹Nicht-Konsumgüter› subsumiert und vom Anwendungsbereich der Konsumentenschutzgesetzgebung ausgeschlossen werden kann.»\n\n#### Lebensmittelpolizeiliche Massnahmen\n\n**VB.2005.00203** vom 13. Juli 2005 (Verwaltungsgericht Zürich)  \nDeklaration des Produktionslandes bei Eisteegetränken  \nPräventiver Konsumentenschutz durch Informationspflichten  \n\n> «Gestützt auf die gesetzlichen Grundlagen im Lebensmittelgesetz und in der Lebensmittelverordnung erachtete das Kantonale Labor die Deklaration ‹Hergestellt in der EU› als ungenügend und verlangte eine Präzisierung.»\n\n### Rezente Entwicklungen\n\nDie jüngste Rechtsprechung zeigt eine Tendenz zur verstärkten Durchsetzung konsumentenschutzrechtlicher Bestimmungen im digitalen Bereich. Entscheidungen zur Fernmeldeschlichtung und zu Online-Geschäftspraktiken reflektieren die Anpassung des Konsumentenschutzes an neue Technologien.\n\nBesonders relevant ist der Entscheid des EGMR **41723/14** vom 22. Dezember 2020 (SRG/Publisuisse gegen Schweiz), der die Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit bei konsumentenschutzrelevanter Werbung präzisierte und die Bedeutung des Informationsauftrags im Rundfunk unterstrich.\n\nDie Verwaltungsgerichtspraxis zeigt zudem eine konsequente Anwendung der Streitwertgrenzen gemäss Art. 97 Abs. 3 BV, wobei die Kantone unterschiedliche Ansätze bei der Ausgestaltung der einfachen und raschen Verfahren verfolgen.", "summary_fr": "# Art. 97 Cst. — Protection des consommateurs\n\n## Aperçu\n\nL'art. 97 Cst. oblige la Confédération à protéger les consommatrices et les consommateurs. Cette disposition constitutionnelle concerne toutes les personnes qui achètent des biens ou des services à des fins privées – et non pour les affaires ou la profession (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5).\n\nL'article contient trois règles principales : Premièrement, la Confédération doit prendre des mesures pour la protection des consommateurs. Cela se fait par le biais de lois comme la loi sur le crédit à la consommation (art. 3 LCC), la loi sur les denrées alimentaires (art. 1 let. a LDAl) ou la loi contre la concurrence déloyale (art. 10 al. 2 let. b LCD). Deuxièmement, les organisations de consommateurs obtiennent le droit d'ester en justice lorsque des entreprises enfreignent le droit de la concurrence. Ces associations ont les mêmes droits que les associations professionnelles. Troisièmement, les cantons doivent offrir des procédures judiciaires rapides et simples pour les litiges de moindre importance.\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que personne n'a un droit fondamental à la consommation (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). Mais la Constitution donne mandat à la Confédération de corriger les déséquilibres structurels entre fournisseurs et consommateurs (Brunner, SJZ 2001, 241).\n\nUn exemple pratique : Celui qui contracte un crédit à la consommation de plus de 15'000 francs est protégé par des prescriptions spéciales. La banque doit informer par écrit de tous les coûts et accorder un délai de réflexion. En cas de litiges jusqu'à 30'000 francs (art. 243 CPC), les consommateurs peuvent choisir une procédure judiciaire simplifiée, qui est moins chère et plus rapide que la procédure civile ordinaire.\n\nLa protection des consommateurs complète l'économie de marché libre en imposant des règles du jeu équitables et en protégeant les participants au marché plus faibles (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 12 ss.).", "doctrine_fr": "# Art. 97 Cst. — Protection des consommateurs\n\n## Doctrine\n\n**N. 1** **Historique**\n\nL'art. 97 Cst. se fonde sur l'article précédent 31sexies de l'ancienne Constitution fédérale (aCst.), qui fut inséré en 1981 par votation populaire (FF 1981 II 745). L'insertion de la protection des consommateurs dans la Constitution constitue une réaction à la complexité croissante des marchés de biens de consommation et au déséquilibre structurel d'informations entre fournisseurs et consommateurs (Favre-Bulle, AJP 1993, 265). Lors de la révision totale de 1999, la disposition fut reprise pour l'essentiel sans modification de contenu comme art. 97 dans la nouvelle Constitution fédérale, mais systématiquement attribuée aux dispositions économiques (FF 1997 I 317).\n\n**N. 2** **Classement systématique**\n\nL'art. 97 Cst. se trouve au 3e chapitre (Régime économique) du 3e titre (Confédération, cantons et communes) de la Constitution fédérale. La disposition entretient un rapport systématique étroit avec → l'art. 95 al. 1 Cst. (activité économique privée) et → l'art. 96 al. 2 let. a Cst. (politique de la concurrence). Ce classement souligne que la protection des consommateurs est comprise comme partie intégrante de l'ordre économique suisse, et non comme son antipode (Uhlmann, BSK BV, art. 97 n. 3). La norme complète les obligations de protection découlant des droits fondamentaux de l'État (→ art. 35 Cst.) dans le contexte spécifique des relations de consommation et concrétise les buts sociaux (↔ art. 41 Cst.) dans le domaine de l'économie de marché.\n\n**N. 3** **Éléments constitutifs / Contenu de la norme**\n\nL'art. 97 Cst. contient trois domaines de réglementation distincts. L'alinéa 1 statue une obligation générale de protection de la Confédération en faveur des consommatrices et consommateurs. Le terme « consommateur » englobe les personnes physiques et morales qui acquièrent des biens ou services à des fins privées, par opposition à l'usage commercial ou professionnel (Uhlmann, BSK BV, art. 97 n. 3-5). Les « mesures » peuvent être de nature législative, administrative ou informative. L'alinéa 2 oblige la Confédération à introduire des droits d'action pour les organisations de consommateurs, qui doivent être mises sur un pied d'égalité avec les associations professionnelles et économiques dans le domaine de la LCD. L'alinéa 3 transfère aux cantons l'obligation de prévoir des procédures à bas seuil pour les litiges en dessous d'une valeur litigieuse fixée par le Conseil fédéral.\n\n**N. 4** **Conséquences juridiques**\n\nLa disposition fonde principalement une compétence et une obligation législative de la Confédération. L'alinéa 1 n'entraîne pas d'applicabilité immédiate ni un droit subjectif à certaines mesures de protection ; le Tribunal fédéral a explicitement refusé un droit fondamental à la consommation (Uhlmann, BSK BV, art. 97 n. 7). Le législateur dispose d'une marge d'appréciation considérable dans l'aménagement des mesures de protection. Les droits d'action selon l'alinéa 2 doivent cependant être aménagés de manière effective ; la question de savoir si une efficacité minimale est garantie sur le plan constitutionnel demeure controversée (voir n. 5). L'obligation cantonale selon l'alinéa 3 a été concrétisée par les art. 243 ss CPC, le Conseil fédéral ayant fixé la valeur litigieuse à CHF 30'000.\n\n**N. 5** **Points controversés**\n\nLa doctrine discute de manière controversée la question de savoir si l'art. 97 al. 2 Cst. garantit une efficacité minimale du droit d'action des associations. Uhlmann défend la position selon laquelle, au moins à la lumière de l'art. 97 al. 1 et → de l'art. 170 Cst., le législateur fédéral devrait corriger une insuffisance flagrante du droit d'action des associations (Uhlmann, BSK BV, art. 97 n. 12-15). Le législateur n'a toutefois pas pris en compte ces considérations de droit constitutionnel lors de la révision de l'art. 10 LCD (FF 2009 6151). Il existe également un désaccord sur la portée de la notion de consommateur : alors que la doctrine dominante inclut les personnes morales, pour autant qu'elles agissent comme consommateurs finaux (SG Komm. BV-Hettich, art. 97 n. 4), une minorité plaide pour une limitation aux personnes physiques (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 15 f.).\n\n**N. 6** **Indications pratiques**\n\nDans l'application de l'art. 97 Cst., il faut noter que la norme constitutionnelle ne fonde elle-même aucun droit subjectif immédiat. Elle déploie une pertinence pratique principalement comme aide à l'interprétation lors de l'interprétation des dispositions de protection des consommateurs du droit fédéral ordinaire. Les tribunaux tiennent régulièrement compte du mandat de protection constitutionnel lors de l'interprétation de clauses générales dans la LCD, la LCC ou lors de l'appréciation de CGA (cf. **ATF 139 III 201** consid. 2). Pour les organisations de consommateurs, l'art. 97 al. 2 Cst. revêt une importance centrale, car il constitue la base constitutionnelle de leurs compétences d'action. Pour les ordres de procédure cantonaux, il faut examiner s'ils satisfont aux exigences de l'art. 97 al. 3 Cst. ; le simple renvoi à la procédure civile ordinaire ne suffit pas (Huguenin, SJZ 1995, 420).", "caselaw_fr": "# Art. 97 Cst. — Protection du consommateur\n\n## Jurisprudence\n\n### Vue d'ensemble\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 97 Cst. est relativement clairsemée, car il s'agit d'une norme de compétence qui confère à la Confédération le mandat de prendre des mesures de protection du consommateur. La plupart des décisions ne concernent pas la disposition constitutionnelle elle-même, mais sa concrétisation législative dans des lois spéciales comme la loi sur le crédit à la consommation (LCC) ou la loi fédérale contre la concurrence déloyale (LCD). Le Tribunal fédéral a précisé les fondements constitutionnels de la protection du consommateur principalement dans le contexte de la qualité pour agir des organisations de consommateurs et lors de l'interprétation des dispositions de protection du consommateur.\n\n### Arrêts de principe du Tribunal fédéral\n\n#### Qualité pour agir des organisations de consommateurs\n\n**ATF 120 IV 154** du 17 mai 1994  \nLégitimation des organisations de protection du consommateur en matière de concurrence déloyale  \nDécision de principe sur la mise en œuvre procédurale de la protection du consommateur par les associations  \n\n> « L'interruption de la procédure faute d'éléments constitutifs objectifs peut avoir une incidence sur l'appréciation d'une telle prétention civile (consid. 3c/bb). Les associations professionnelles et économiques ainsi que les organisations de protection du consommateur sont habilitées, en leur qualité de requérants dans le domaine de la concurrence déloyale, à former un recours de droit public devant le Tribunal fédéral. »\n\n**ATF 126 III 239** du 31 mars 2000  \nQualité pour agir d'une organisation touristique en droit de la concurrence déloyale  \nConfirmation de la légitimation active des associations d'intérêts dans la protection du consommateur  \n\n> « Légitimation active de l'association Berner Oberland Tourismus en droit de la concurrence déloyale (consid. 1). Les noms de domaine Internet doivent respecter la distance requise par rapport aux signes distinctifs absolument protégés de tiers et sont soumis au principe de loyauté du droit de la concurrence. »\n\n#### Droit du crédit à la consommation comme concrétisation de l'art. 97 Cst.\n\n**ATF 139 III 201** du 26 février 2013  \nChamp d'application de la loi sur le crédit à la consommation pour les crédits d'études  \nDélimitation entre crédit à la consommation et financement à caractère professionnel  \n\n> « Celui qui contracte un crédit pour financer ses études le fait à une fin qui peut être rattachée à son activité professionnelle. La LCC n'est par conséquent pas applicable (consid. 2). »\n\n#### Concurrence déloyale et protection du consommateur\n\n**ATF 123 IV 211** du 7 novembre 1997  \nLiberté d'expression lors de déclarations sur la dangerosité de marchandises  \nInterprétation conforme à la Constitution de la LCD en tenant compte de la protection du consommateur  \n\n> « Lorsque des tiers font des déclarations dans des tracts sur la dangerosité d'une marchandise pour la santé humaine, il ne faut admettre qu'avec retenue un dénigrement déloyal punissable lors de l'interprétation conforme à la Constitution de la LCD requise en tenant compte notamment du droit fondamental de la liberté d'expression. »\n\n**ATF 133 III 431** du 27 avril 2007  \nRapport entre la clause générale LCD et les éléments constitutifs spéciaux  \nProcédure méthodique dans la protection du consommateur en droit de la concurrence  \n\n> « Concurrence déloyale. Rapport entre la clause générale de l'art. 2 LCD et les éléments constitutifs spéciaux des art. 3 à 8 LCD ; procédure méthodique (consid. 4.1-4.3). Application au cas concret (consid. 4.4-4.6). »\n\n#### Droit alimentaire comme protection du consommateur\n\nArrêt **2C_413/2015** du 10 mars 2016  \nInscription sur l'emballage de dentifrices sous la loi sur les denrées alimentaires  \nMise en œuvre de droit administratif des prescriptions de protection du consommateur\n\nArrêt **2C_761/2017** du 25 juin 2018  \nÉtiquetage des denrées alimentaires comme protection préventive du consommateur  \nObligations d'information pour la protection des intérêts des consommateurs\n\n### Tribunaux d'instance et jurisprudence spécialisée\n\n#### Loi sur le crédit à la consommation dans la pratique\n\n**ZK 2012 706** du 28 janvier 2013 (Tribunal civil de Berne)  \nPrescriptions de forme pour le contrat de crédit à la consommation  \nApplication concrète des idées de protection ancrées dans l'art. 97 Cst.  \n\n> « L'art. 9 al. 1 LCC prescrit que les contrats de crédit doivent être conclus par écrit. Le contrat doit en outre contenir obligatoirement les indications mentionnées à l'al. 2. Cette règle repose sur la considération que la consommatrice doit être informée de manière détaillée et aussi précise que possible lors de la conclusion du contrat de crédit à la consommation. »\n\n**ZK 2012 269** du 3 septembre 2012 (Tribunal civil de Berne)  \nSoumission des crédits de formation à la LCC  \nInterprétation systématique de la législation sur la protection du consommateur  \n\n> « Sous l'aspect de la protection sociale, les cas ne peuvent guère être comparés. Pour des considérations systématiques, il paraît douteux qu'un crédit de formation puisse être subsumé sous la catégorie des ‹ biens non consommables › et exclu du champ d'application de la législation sur la protection du consommateur. »\n\n#### Mesures de police des denrées alimentaires\n\n**VB.2005.00203** du 13 juillet 2005 (Tribunal administratif de Zurich)  \nDéclaration du pays de production pour les boissons au thé glacé  \nProtection préventive du consommateur par des obligations d'information  \n\n> « Se fondant sur les bases légales de la loi sur les denrées alimentaires et de l'ordonnance sur les denrées alimentaires, le laboratoire cantonal a jugé insuffisante la déclaration ‹ Fabriqué dans l'UE › et a exigé une précision. »\n\n### Développements récents\n\nLa jurisprudence récente montre une tendance au renforcement de la mise en œuvre des dispositions de protection du consommateur dans le domaine numérique. Les décisions relatives à la conciliation dans les télécommunications et aux pratiques commerciales en ligne reflètent l'adaptation de la protection du consommateur aux nouvelles technologies.\n\nParticulièrement pertinent est l'arrêt de la CrEDH **41723/14** du 22 décembre 2020 (SRG/Publisuisse c. Suisse), qui a précisé les limites de la liberté d'expression en matière de publicité relevant de la protection du consommateur et souligné l'importance du mandat d'information dans la radiodiffusion.\n\nLa pratique des tribunaux administratifs montre en outre une application conséquente des seuils de valeur litigieuse selon l'art. 97 al. 3 Cst., les cantons suivant différentes approches dans l'aménagement des procédures simples et rapides.", "summary_it": "# Art. 97 Cost. — Protezione dei consumatori\n\n## Panoramica\n\nL'art. 97 Cost. obbliga la Confederazione a proteggere i consumatori e le consumatrici. Questa disposizione costituzionale riguarda tutte le persone che acquistano beni o servizi per scopi privati – non per l'attività commerciale o professionale (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5).\n\nL'articolo contiene tre regole principali: In primo luogo, la Confederazione deve adottare misure per la protezione dei consumatori. Ciò avviene attraverso leggi come la Legge sul credito al consumo (art. 3 LCC), la Legge sulle derrate alimentari (art. 1 lett. a LDerr) o la Legge contro la concorrenza sleale (art. 10 cpv. 2 lett. b LCSl). In secondo luogo, le organizzazioni dei consumatori ricevono il diritto di adire i tribunali quando le imprese violano il diritto della concorrenza. Queste associazioni hanno gli stessi diritti delle associazioni professionali. In terzo luogo, i Cantoni devono offrire procedure giudiziarie rapide e semplici per le controversie minori.\n\nIl Tribunale federale ha chiarito che nessuno ha un diritto fondamentale al consumo (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). La Costituzione però affida alla Confederazione il compito di correggere gli squilibri strutturali tra fornitori e consumatori (Brunner, SJZ 2001, 241).\n\nUn esempio pratico: Chi contrae un credito al consumo superiore a 15'000 franchi è protetto da disposizioni speciali. La banca deve informare per iscritto su tutti i costi e concedere un periodo di riflessione. Per le controversie fino a 30'000 franchi (art. 243 CPC) i consumatori possono scegliere una procedura giudiziaria semplificata, che è più economica e veloce della procedura civile ordinaria.\n\nLa protezione dei consumatori integra la libera economia di mercato, facendo rispettare regole del gioco eque e proteggendo i partecipanti al mercato più deboli (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 12 segg.).", "doctrine_it": "# Art. 97 Cost. — Protezione dei consumatori\n\n## Dottrina\n\n**N. 1** **Storia della genesi**\n\nL'art. 97 Cost. si basa sull'articolo precedente 31sexies della vecchia Costituzione federale (vCost.), inserito nel 1981 tramite votazione popolare (FF 1981 II 745). L'inserimento della protezione dei consumatori nella Costituzione avvenne come reazione alla crescente complessità dei mercati dei beni di consumo e al divario strutturale di informazioni tra fornitori e consumatori (Favre-Bulle, AJP 1993, 265). Durante la revisione totale del 1999, la disposizione fu ripresa nella nuova Costituzione federale come art. 97 senza modifiche sostanziali del contenuto, ma fu sistematicamente assegnata alle disposizioni economiche (FF 1997 I 317).\n\n**N. 2** **Collocazione sistematica**\n\nL'art. 97 Cost. si trova nel 3° capitolo (Ordinamento economico) del 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni) della Costituzione federale. La disposizione è in stretto rapporto sistematico con → l'art. 95 cpv. 1 Cost. (attività economica privata) e → l'art. 96 cpv. 2 lett. a Cost. (politica della concorrenza). Questa collocazione sottolinea che la protezione dei consumatori viene intesa come parte integrante dell'ordinamento economico svizzero, non come sua controparte (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3). La norma completa gli obblighi di protezione fondamentali dello Stato (→ art. 35 Cost.) nel contesto specifico dei rapporti con i consumatori e concretizza gli obiettivi sociali (↔ art. 41 Cost.) nell'ambito dell'economia di mercato.\n\n**N. 3** **Elementi costitutivi / Contenuto della norma**\n\nL'art. 97 Cost. contiene tre ambiti di disciplina distinti. Il capoverso 1 stabilisce un obbligo generale di protezione della Confederazione a favore delle consumatrici e dei consumatori. Il concetto di «consumatore» comprende persone fisiche e giuridiche che acquistano beni o servizi per scopi privati, in contrapposizione all'uso commerciale o professionale (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5). Le «misure» possono essere di natura legislativa, amministrativa o informativa. Il capoverso 2 obbliga la Confederazione a introdurre diritti di azione per le organizzazioni dei consumatori, che nell'ambito della LCD devono essere equiparate alle associazioni professionali ed economiche. Il capoverso 3 trasferisce ai Cantoni l'obbligo di prevedere procedure a bassa soglia per controversie al di sotto di un valore litigioso stabilito dal Consiglio federale.\n\n**N. 4** **Conseguenze giuridiche**\n\nLa disposizione fonda principalmente una competenza e un obbligo legislativo della Confederazione. Dal capoverso 1 non deriva alcuna applicabilità diretta o un diritto soggettivo a determinate misure di protezione; il Tribunale federale ha esplicitamente respinto un diritto fondamentale al consumo (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). Il legislatore dispone di un considerevole margine di apprezzamento nell'organizzazione delle misure di protezione. I diritti di azione secondo il capoverso 2 devono però essere configurati in modo efficace; rimane controverso se un'efficacia minima sia garantita dal punto di vista costituzionale (vedi N. 5). L'obbligo cantonale secondo il capoverso 3 è stato concretizzato dagli art. 243 segg. CPC, con il Consiglio federale che ha fissato la soglia del valore litigioso a CHF 30'000.\n\n**N. 5** **Punti controversi**\n\nNella dottrina è controversa la questione se l'art. 97 cpv. 2 Cost. garantisca un'efficacia minima del diritto di azione delle organizzazioni. Uhlmann sostiene la posizione secondo cui almeno alla luce dell'art. 97 cpv. 1 e → dell'art. 170 Cost., il legislatore federale dovrebbe correggere una palese insufficienza del diritto di azione delle organizzazioni (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 12-15). Il legislatore tuttavia non ha considerato queste riflessioni costituzionali nella revisione dell'art. 10 LCD (FF 2009 6151). Sussiste anche disaccordo sulla portata del concetto di consumatore: mentre la dottrina dominante include le persone giuridiche, purché agiscano come consumatori finali (SG Komm. BV-Hettich, Art. 97 N. 4), una minoranza propende per una limitazione alle persone fisiche (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 15 f.).\n\n**N. 6** **Indicazioni pratiche**\n\nNell'applicazione dell'art. 97 Cost. è da osservare che la norma costituzionale stessa non fonda diritti immediati. Sviluppa rilevanza pratica principalmente come ausilio interpretativo nell'interpretazione delle disposizioni del diritto federale ordinario sulla protezione dei consumatori. I tribunali considerano regolarmente il mandato di protezione costituzionale nell'interpretazione di clausole generali nella LCD, LCC o nella valutazione di CGC (cfr. **DTF 139 III 201** consid. 2). Per le organizzazioni dei consumatori l'art. 97 cpv. 2 Cost. è di importanza centrale, poiché costituisce la base costituzionale delle loro competenze processuali. Per gli ordinamenti processuali cantonali è da verificare se questi soddisfino i requisiti dell'art. 97 cpv. 3 Cost.; il mero rinvio alla procedura civile ordinaria non è sufficiente (Huguenin, SJZ 1995, 420).", "caselaw_it": "# Art. 97 Cost. — Protezione dei consumatori\n\n## Giurisprudenza\n\n### Panoramica\n\nLa giurisprudenza sull'art. 97 Cost. è relativamente scarsa, poiché si tratta di una norma di competenza che conferisce alla Confederazione il mandato di adottare misure per la protezione dei consumatori. La maggior parte delle decisioni non riguarda la disposizione costituzionale in sé, bensì la sua concretizzazione legislativa in leggi speciali come la legge sul credito al consumo (LCC) o la legge federale contro la concorrenza sleale (LCSl). Il Tribunale federale ha precisato i fondamenti costituzionali della protezione dei consumatori principalmente nel contesto della legittimazione processuale delle organizzazioni di consumatori e nell'interpretazione delle disposizioni sulla protezione dei consumatori.\n\n### Decisioni di principio del Tribunale federale\n\n#### Legittimazione processuale delle organizzazioni di consumatori\n\n**DTF 120 IV 154** del 17 maggio 1994  \nLegittimazione delle organizzazioni per la protezione dei consumatori nella concorrenza sleale  \nDecisione di riferimento sull'attuazione processuale della protezione dei consumatori tramite associazioni  \n\n> «L'archiviazione del procedimento per mancanza di fattispecie oggettiva può influire sulla valutazione di una tale domanda civile (consid. 3c/bb). Le associazioni professionali ed economiche nonché le organizzazioni per la protezione dei consumatori sono legittimate, nel settore della concorrenza sleale, nella loro qualità di richiedenti penali al ricorso di diritto pubblico.»\n\n**DTF 126 III 239** del 31 marzo 2000  \nLegittimazione processuale di un'organizzazione turistica nel diritto della lealtà  \nConferma della legittimazione attiva delle associazioni di interesse nella protezione dei consumatori  \n\n> «Legittimazione attiva dell'associazione Berner Oberland Tourismus nel diritto della lealtà (consid. 1). I nomi di dominio internet devono mantenere la distanza dovuta dai segni distintivi di terzi protetti in modo assoluto e soggiacciono al precetto di lealtà del diritto della concorrenza.»\n\n#### Diritto del credito al consumo come concretizzazione dell'art. 97 Cost.\n\n**DTF 139 III 201** del 26 febbraio 2013  \nCampo di applicazione della legge sul credito al consumo per i prestiti di studio  \nDelimitazione tra credito al consumo e finanziamento legato alla professione  \n\n> «Chi contrae un prestito per il finanziamento degli studi lo fa per uno scopo che può essere attribuito alla sua attività professionale. La LCC non è pertanto applicabile (consid. 2).»\n\n#### Concorrenza sleale e protezione dei consumatori\n\n**DTF 123 IV 211** del 7 novembre 1997  \nLibertà di espressione nelle dichiarazioni sulla pericolosità delle merci  \nInterpretazione conforme alla Costituzione della LCSl tenendo conto della protezione dei consumatori  \n\n> «Per le dichiarazioni di terzi in volantini sulla pericolosità di una merce per la salute umana, nella necessaria interpretazione della LCSl conforme alla Costituzione, tenendo conto in particolare del diritto fondamentale della libertà di espressione, un denigrimento sleale punibile dev'essere ammesso solo con riserva.»\n\n**DTF 133 III 431** del 27 aprile 2007  \nRapporto tra la clausola generale della LCSl e le fattispecie speciali  \nProcedimento metodico nella protezione dei consumatori nel diritto della concorrenza  \n\n> «Concorrenza sleale. Rapporto tra la clausola generale dell'art. 2 LCSl e le fattispecie speciali degli art. 3-8 LCSl; procedimento metodico (consid. 4.1-4.3). Applicazione al caso concreto (consid. 4.4-4.6).»\n\n#### Diritto alimentare come protezione dei consumatori\n\nSentenza **2C_413/2015** del 10 marzo 2016  \nEtichettatura delle confezioni di dentifrici sotto la legge sulle derrate alimentari  \nAttuazione amministrativa delle disposizioni sulla protezione dei consumatori\n\nSentenza **2C_761/2017** del 25 giugno 2018  \nEtichettatura delle derrate alimentari come protezione preventiva dei consumatori  \nObblighi di informazione per la protezione degli interessi dei consumatori\n\n### Tribunali d'istanza e giurisprudenza speciale\n\n#### Legge sul credito al consumo nella pratica\n\n**ZK 2012 706** del 28 gennaio 2013 (Tribunale civile di Berna)  \nPrescrizioni di forma nel contratto di credito al consumo  \nApplicazione concreta dei principi protettivi ancorati nell'art. 97 Cost.  \n\n> «L'art. 9 cpv. 1 LCC prescrive che i contratti di credito debbano essere conclusi per scritto. Il contratto deve inoltre obbligatoriamente contenere le indicazioni menzionate al cpv. 2. Ciò si basa sulla considerazione che la consumatrice sia informata in modo dettagliato e il più possibile preciso al momento della conclusione del contratto di credito al consumo.»\n\n**ZK 2012 269** del 3 settembre 2012 (Tribunale civile di Berna)  \nSottomissione dei crediti di formazione alla LCC  \nInterpretazione sistematica della legislazione sulla protezione dei consumatori  \n\n> «Sotto l'aspetto della protezione sociale i casi sono difficilmente comparabili. Per considerazioni sistematiche appare dubbioso se un credito di formazione possa essere sussunto sotto la categoria dei ‹beni di non consumo› ed essere escluso dal campo di applicazione della legislazione sulla protezione dei consumatori.»\n\n#### Misure di polizia delle derrate alimentari\n\n**VB.2005.00203** del 13 luglio 2005 (Tribunale amministrativo di Zurigo)  \nDichiarazione del paese di produzione per le bevande di tè freddo  \nProtezione preventiva dei consumatori tramite obblighi di informazione  \n\n> «In base ai fondamenti legali nella legge sulle derrate alimentari e nell'ordinanza sulle derrate alimentari, il laboratorio cantonale ha ritenuto insufficiente la dichiarazione ‹Prodotto nell'UE› e ha richiesto una precisazione.»\n\n### Sviluppi recenti\n\nLa giurisprudenza più recente mostra una tendenza verso un'attuazione rafforzata delle disposizioni sulla protezione dei consumatori nell'ambito digitale. Decisioni sulla conciliazione nelle telecomunicazioni e sulle pratiche commerciali online riflettono l'adattamento della protezione dei consumatori alle nuove tecnologie.\n\nParticolarmente rilevante è la decisione della CEDU **41723/14** del 22 dicembre 2020 (SRG/Publisuisse c. Svizzera), che ha precisato i limiti della libertà di espressione nella pubblicità rilevante per la protezione dei consumatori e ha sottolineato l'importanza del mandato informativo nella radiodiffusione.\n\nLa prassi dei tribunali amministrativi mostra inoltre un'applicazione coerente dei limiti di valore litigioso secondo l'art. 97 cpv. 3 Cost., laddove i Cantoni perseguono approcci diversi nella configurazione dei procedimenti semplici e rapidi.", "summary_en": "# Art. 97 BV — Consumer Protection\n\n## Overview\n\nArt. 97 BV obliges the Confederation to protect consumers. This constitutional provision concerns all persons who purchase goods or services for private purposes – not for business or professional use (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5).\n\nThe article contains three main rules: First, the Confederation must take measures for consumer protection. This is done through laws such as the Consumer Credit Act (Art. 3 KKG), the Food Act (Art. 1 lit. a LMG) or the Unfair Competition Act (Art. 10 para. 2 lit. b UWG). Second, consumer organisations receive the right to sue in court when companies violate competition law. These associations have the same rights as professional associations. Third, the cantons must offer swift and simple court proceedings for smaller disputes.\n\nThe Federal Supreme Court has clarified that no one has a fundamental right to consume (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). However, the Constitution gives the Confederation the mandate to correct structural imbalances between suppliers and consumers (Brunner, SJZ 2001, 241).\n\nA practical example: Anyone who takes out a consumer credit of over 15,000 francs is protected by special provisions. The bank must provide written information about all costs and grant a cooling-off period. For disputes up to 30,000 francs (Art. 243 ZPO), consumers can choose a simplified court proceeding that is cheaper and faster than ordinary civil proceedings.\n\nConsumer protection complements the free market economy by enforcing fair rules of the game and protecting weaker market participants (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 12 ff.).", "doctrine_en": "# Art. 97 BV — Consumer protection\n\n## Doctrine\n\n**N. 1** **Legislative history**\n\nArt. 97 BV is based on the predecessor article 31sexies of the old Federal Constitution (aBV), which was inserted by referendum in 1981 (BBl 1981 II 745). The inclusion of consumer protection in the Constitution was a response to the increasing complexity of consumer goods markets and the structural information asymmetry between suppliers and consumers (Favre-Bulle, AJP 1993, 265). During the total revision in 1999, the provision was largely adopted unchanged as Art. 97 in the new Federal Constitution, but was systematically assigned to the economic provisions (BBl 1997 I 317).\n\n**N. 2** **Systematic classification**\n\nArt. 97 BV is found in Chapter 3 (Economic System) of Title 3 (Confederation, Cantons and Communes) of the Federal Constitution. The provision is in close systematic connection with → Art. 95 para. 1 BV (private economic activity) and → Art. 96 para. 2 lit. a BV (competition policy). This classification emphasizes that consumer protection is understood as an integral component of the Swiss economic system, not as its counterpart (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3). The norm supplements the fundamental rights protection duties of the state (→ Art. 35 BV) in the specific context of consumer relations and concretizes the social objectives (↔ Art. 41 BV) in the area of market economy.\n\n**N. 3** **Elements of the offence / Content of the norm**\n\nArt. 97 BV contains three distinct regulatory areas. Paragraph 1 establishes a general protection duty of the Confederation in favour of consumers. The term «consumer» encompasses natural and legal persons who acquire goods or services for private purposes, as opposed to commercial or professional use (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 3-5). The «measures» may be of a legislative, administrative or informational nature. Paragraph 2 obliges the Confederation to introduce collective action rights for consumer organizations, whereby these must be placed on equal footing with professional and economic associations in the UWG area. Paragraph 3 transfers to the cantons the duty to provide for low-threshold procedures for disputes below a dispute value threshold set by the Federal Council.\n\n**N. 4** **Legal consequences**\n\nThe provision primarily establishes a legislative competence and duty of the Confederation. Paragraph 1 does not result in direct applicability or a subjective right to specific protective measures; the Federal Supreme Court has explicitly rejected a fundamental right to consumption (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 7). The legislature has considerable discretion in designing protective measures. However, the collective action rights under paragraph 2 must be effectively designed; whether minimal effectiveness is constitutionally guaranteed remains disputed (see N. 5). The cantonal obligation under paragraph 3 was concretized through Art. 243 ff. ZPO, whereby the Federal Council has set the dispute value threshold at CHF 30,000.\n\n**N. 5** **Points of contention**\n\nThe question of whether Art. 97 para. 2 BV guarantees a minimum effectiveness of collective action rights is controversially discussed in legal doctrine. Uhlmann takes the position that at least in light of Art. 97 para. 1 and → Art. 170 BV, the federal legislature would have to correct a blatant inadequacy of collective action rights (Uhlmann, BSK BV, Art. 97 N. 12-15). However, the legislature did not consider these constitutional considerations in the revision of Art. 10 UWG (BBl 2009 6151). Disagreement also exists over the scope of the consumer concept: while the prevailing doctrine includes legal persons insofar as they act as end consumers (SG Komm. BV-Hettich, Art. 97 N. 4), a minority advocates for limitation to natural persons (Koller-Tumler, Grundlagen des Konsumentenschutzes, 15 f.).\n\n**N. 6** **Practice notes**\n\nWhen applying Art. 97 BV, it should be noted that the constitutional norm itself does not establish direct legal claims. It develops practical relevance mainly as an interpretative aid in the interpretation of consumer protection provisions of ordinary federal law. Courts regularly consider the constitutional protection mandate when interpreting general clauses in the UWG, KKG or when assessing general terms and conditions (cf. **BGE 139 III 201** E. 2). For consumer organizations, Art. 97 para. 2 BV is of central importance as it forms the constitutional basis for their standing to sue. With cantonal procedural codes, it must be examined whether these meet the requirements of Art. 97 para. 3 BV; mere reference to ordinary civil procedure is insufficient (Huguenin, SJZ 1995, 420).", "caselaw_en": "# Art. 97 FC — Consumer protection\n\n## Case Law\n\n### Overview\n\nCase law on Art. 97 FC is relatively sparse, as it is a competence norm that mandates the Confederation to take consumer protection measures. Most decisions do not concern the constitutional provision itself, but rather its legislative implementation in special acts such as the Consumer Credit Act (CCA) or the Federal Act against Unfair Competition (UCA). The Federal Supreme Court has clarified the constitutional foundations of consumer protection mainly in the context of standing to sue by consumer organisations and in the interpretation of consumer protection provisions.\n\n### Leading Federal Supreme Court decisions\n\n#### Standing to sue of consumer organisations\n\n**BGE 120 IV 154** of 17 May 1994  \nLegitimacy of consumer protection organisations in unfair competition  \nLandmark decision on procedural enforcement of consumer protection by associations  \n\n> «The termination of proceedings for lack of objective elements may affect the assessment of such a civil claim (recital 3c/bb). Professional and trade associations as well as consumer protection organisations are entitled to file federal nullity appeals in the field of unfair competition in their capacity as private prosecutors.»\n\n**BGE 126 III 239** of 31 March 2000  \nStanding to sue of a tourism organisation in competition law  \nConfirmation of active legitimacy of interest groups in consumer protection  \n\n> «Active legitimacy under competition law of the Bernese Oberland Tourism Association (recital 1). Internet domain names must maintain the required distance from absolutely protected third-party marks and are subject to the fairness requirement of competition law.»\n\n#### Consumer credit law as implementation of Art. 97 FC\n\n**BGE 139 III 201** of 26 February 2013  \nScope of application of the Consumer Credit Act for student loans  \nDistinction between consumer credit and professional financing  \n\n> «Anyone who takes out a loan to finance studies does so for a purpose that can be attributed to their professional activity. The CCA is therefore not applicable (recital 2).»\n\n#### Unfair competition and consumer protection\n\n**BGE 123 IV 211** of 7 November 1997  \nFreedom of expression in statements about the dangerousness of goods  \nConstitutional interpretation of the UCA taking consumer protection into account  \n\n> «For third-party statements in leaflets about the dangerousness of a product for human health, when applying the required constitutional interpretation of the UCA, taking into account in particular the fundamental right to freedom of expression, criminal unfair defamation should only be assumed with restraint.»\n\n**BGE 133 III 431** of 27 April 2007  \nRelationship of the UCA general clause to specific offences  \nMethodological approach to consumer protection in competition law  \n\n> «Unfair competition. Relationship of the general clause of Art. 2 UCA to the specific offences in Arts. 3 to 8 UCA; methodological approach (recital 4.1-4.3). Application to the concrete case (recital 4.4-4.6).»\n\n#### Food law as consumer protection\n\nJudgment **2C_413/2015** of 10 March 2016  \nPackage labelling for toothpastes under the Food Act  \nAdministrative enforcement of consumer protection provisions\n\nJudgment **2C_761/2017** of 25 June 2018  \nFood labelling as preventive consumer protection  \nInformation obligations to protect consumer interests\n\n### Lower courts and specialised case law\n\n#### Consumer Credit Act in practice\n\n**ZK 2012 706** of 28 January 2013 (Civil Court of Bern)  \nFormal requirements for consumer credit contracts  \nConcrete application of the protective principles enshrined in Art. 97 FC  \n\n> «Art. 9 para. 1 CCA requires that credit contracts be concluded in writing. The contract must additionally contain the information mentioned in para. 2. This is based on the consideration that the consumer should be comprehensively and as precisely as possible informed when concluding the consumer credit contract.»\n\n**ZK 2012 269** of 3 September 2012 (Civil Court of Bern)  \nInclusion of education loans under the CCA  \nSystematic interpretation of consumer protection legislation  \n\n> «From the aspect of social protection, the cases can hardly be compared. From systematic considerations, it appears questionable whether an education loan can be subsumed under the category of 'non-consumer goods' and excluded from the scope of consumer protection legislation.»\n\n#### Food police measures\n\n**VB.2005.00203** of 13 July 2005 (Administrative Court of Zurich)  \nDeclaration of the country of production for iced tea drinks  \nPreventive consumer protection through information obligations  \n\n> «Based on the legal foundations in the Food Act and the Food Ordinance, the Cantonal Laboratory considered the declaration 'Made in the EU' as insufficient and required clarification.»\n\n### Recent developments\n\nRecent case law shows a tendency towards increased enforcement of consumer protection provisions in the digital sphere. Decisions on telecommunications mediation and online business practices reflect the adaptation of consumer protection to new technologies.\n\nParticularly relevant is the ECtHR decision **41723/14** of 22 December 2020 (SRG/Publisuisse v. Switzerland), which clarified the limits of freedom of expression in consumer protection-relevant advertising and emphasised the importance of the information mandate in broadcasting.\n\nAdministrative court practice also shows consistent application of the threshold values according to Art. 97 para. 3 FC, whereby the cantons pursue different approaches in designing simple and expeditious procedures.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_97", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 98, "article_suffix": "", "title": "Banken und Versicherungen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 98 BV gibt dem Bund die Macht, Gesetze über Banken, Börsen und Versicherungen zu erlassen. Diese Verfassungsnorm ist die rechtliche Grundlage für die gesamte schweizerische Finanzmarktregulierung.\n\n**Was regelt die Norm?**\n\nDer Bund kann Vorschriften für drei Bereiche erlassen: Erstens muss er das Banken- und Börsenwesen regulieren (Absatz 1). Dabei muss er die besondere Rolle der Kantonalbanken berücksichtigen. Zweitens kann er andere Finanzdienstleistungen wie Vermögensverwaltung oder Zahlungsverkehr regulieren (Absatz 2). Drittens muss er das private Versicherungswesen regulieren (Absatz 3).\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nBetroffen sind alle Banken, Börsen und Versicherungsunternehmen in der Schweiz. Das umfasst Grossbanken wie UBS und Credit Suisse, regionale Institute, Kantonalbanken und neue Finanzdienstleister wie Kryptowährungsplattformen. Auch ausländische Anbieter müssen sich an Schweizer Regeln halten, wenn sie hier Geschäfte machen.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?**\n\nDer Bund kann umfassende Gesetze erlassen: Bewilligungspflichten (wer darf Bank oder Versicherung betreiben), Kapitalvorschriften (wie viel Geld müssen Institute als Sicherheit halten) und Aufsichtsmassnahmen. Die wichtigste Folge ist die Schaffung der Finanzmarktaufsicht FINMA, die alle Finanzinstitute überwacht.\n\n**Konkretes Beispiel:**\n\nEine neue Firma will in der Schweiz Kreditkarten ausgeben. Sie braucht eine Bankenlizenz der FINMA, muss Mindestkapital von mehreren Millionen Franken vorweisen und alle Geschäfte der Aufsicht melden. Ohne Lizenz macht sie sich strafbar.\n\nDie Kantone können weiterhin eigene Kantonalbanken oder öffentliche Versicherungen betreiben. Sie müssen aber faire Konkurrenz gewährleisten und dürfen private Anbieter nicht verdrängen.\n\nArt. 98 BV sorgt dafür, dass der Finanzplatz Schweiz stabil und vertrauenswürdig bleibt. Gleichzeitig schützt die Regulierung Sparer, Anleger und Versicherte vor unseriösen Anbietern.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 98 BV entspricht weitgehend Art. 31bis Abs. 2 aBV (Banken und Börsen) sowie Art. 34 Abs. 2 aBV (Privatversicherung). Die Norm wurde bei der Totalrevision 1999 systematisch in den Wirtschaftsteil eingeordnet. Nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 1) stellt der Bundesrat fest: «Praktisch ändert sich nichts», da der Bund bereits vorher gestützt auf Art. 31bis Abs. 2 aBV Vorschriften über die «Ausübung von Handel und Gewerben» erlassen durfte.\n\n**N. 2** Die Entstehung des schweizerischen Finanzmarktrechts war massgeblich durch Krisen geprägt. Das Bankengesetz von 1934 entstand als Reaktion auf die Bankenkrise der frühen 1930er Jahre (BBl 1934 I 171 ff.). Die Schaffung der integrierten Finanzmarktaufsicht FINMA im Jahr 2009 folgte auf die Finanzkrise von 2008 (BBl 2006 2829 ff.).\n\n**N. 3** Die Erweiterung auf «Finanzdienstleistungen in anderen Bereichen» (Abs. 2) wurde 1999 neu eingefügt, um der technologischen Entwicklung und neuen Formen von Finanzintermediären Rechnung zu tragen. Die Botschaft hielt fest, dass damit eine flexible Reaktion auf Marktentwicklungen ermöglicht werden sollte (BBl 1997 I 1 ff., 326).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 98 BV ist Teil des 3. Abschnitts «Wirtschaftsordnung» und steht in engem Zusammenhang mit Art. 97 BV (Konsumentenschutz) sowie Art. 94 Abs. 4 BV (Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit). Die Norm verleiht dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz im Finanzmarktbereich.\n\n**N. 5** Die Bestimmung ist keine Organisationsnorm, sondern eine reine Kompetenznorm. Die institutionelle Ausgestaltung der Finanzmarktaufsicht erfolgte durch das FINMAG (SR 956.1). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 32–35) erläutern, dass die FINMA als öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit konzipiert ist.\n\n**N. 6** Für das Verhältnis zum kantonalen Recht gilt → Art. 49 BV (Vorrang des Bundesrechts). Die Kantone behalten jedoch Kompetenzen für öffentlich-rechtliche Versicherungsanstalten, wie **BGE 138 I 378** klarstellte. Die Querverbindungen zu → Art. 122 BV (Zivilrecht) und → Art. 123 BV (Strafrecht) sind für privatrechtliche und strafrechtliche Aspekte des Finanzmarkts relevant.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Bankenwesen (Abs. 1)**: Das Bundesgericht definiert in ständiger Rechtsprechung (BSK BV, Art. 98 N. 12): «Eine Entgegennahme von Publikumseinlagen liegt vor, wenn eine Person gewerbsmässig Verpflichtungen gegenüber Dritten eingeht, sodass sie zur Rückzahlungsschuldnerin wird». Die Definition umfasst klassische Geschäftsbanken, Sparkassen, Privatbanken und neue Formen wie Crowdfunding-Plattformen.\n\n**N. 8** **Börsenwesen (Abs. 1)**: Erfasst sind nicht nur traditionelle Wertpapierbörsen, sondern auch multilaterale Handelssysteme (MTF) und organisierte Handelssysteme (OTF). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 17–21) betonen die technologieneutrale Auslegung angesichts elektronischer Handelsplattformen.\n\n**N. 9** **Besondere Stellung der Kantonalbanken (Abs. 1)**: Diese Formulierung ermöglicht differenzierte Regelungen, verbietet aber keine Gleichbehandlung. Nach Kaufmann/Utz wird die Besonderheit primär durch die Eigentümerschaft und allfällige Staatsgarantien begründet, nicht durch eine verfassungsrechtliche Sonderstellung.\n\n**N. 10** **Finanzdienstleistungen in anderen Bereichen (Abs. 2)**: Diese Generalklausel erfasst Vermögensverwaltung, Anlageberatung, Zahlungsdienstleistungen und neue Geschäftsmodelle wie Kryptowährungshandel. Die «Kann»-Formulierung verleiht dem Gesetzgeber Ermessen, ob und wie er reguliert.\n\n**N. 11** **Privatversicherungswesen (Abs. 3)**: Die Kompetenz umfasst die gesamte private Versicherungswirtschaft. Nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 52) identifiziert das Bundesgericht fünf Kernmerkmale: «Risiko, Leistung des Versicherten, Leistung des Versicherers, Selbständigkeit der Operation und Kompensation der Risiken nach den Gesetzen der Statistik».\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Die Kompetenznorm ermächtigt den Bund zum Erlass sämtlicher Vorschriften im bezeichneten Bereich: Bewilligungspflichten, Organisationsvorschriften, Aufsichtsmassnahmen, Sanktionen. Die Gesetzgebung kann präventiv (ex ante) oder reaktiv (ex post) ausgestaltet sein.\n\n**N. 13** Die Ausübung der Kompetenz ist fakultativ. Der Bund muss nicht regulieren, sondern kann. Hat er jedoch legiferiert, geht das Bundesrecht dem kantonalen Recht vor (→ Art. 49 BV). Die Kantone dürfen keine widersprechenden Vorschriften erlassen.\n\n**N. 14** Die Grundrechtsbindung der FINMA ist umstritten. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 39) verweisen auf → Art. 35 Abs. 2 BV, wonach Grundrechte auch bei der Erfüllung staatlicher Aufgaben durch Private zu beachten sind. Die FINMA als öffentlich-rechtliche Anstalt untersteht der vollen Grundrechtsbindung.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Rechtsnatur des Kotierungsreglements**: Die neuere Auffassung, vertreten durch Weber (Börsenrecht Kommentar, 2. Aufl. 2013) und Böckli (Schweizer Aktienrecht, 4. Aufl. 2009), qualifiziert das Kotierungsreglement als Rechtsnormen, die gestützt auf eine Delegationsnorm von der Börse erlassen wurden. Das Bundesgericht hat diese Frage gemäss Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 43) bislang offengelassen.\n\n**N. 16** **Umfang der Aufsichtspflichten**: Breining-Kaufmann/Weber (HAVE 2008, 89 ff.) befürworten eine extensive Staatshaftung für mangelnde Finanzmarktaufsicht. Dagegen argumentieren Biaggini (FS Zobl 2004, 585 ff.) und Nobel (Finanzmarktrecht, 3. Aufl. 2010, N. 234), dass die Aufsicht primär systemische Risiken adressiert, nicht den Schutz einzelner Anleger.\n\n**N. 17** **Verhältnis zu Art. 122 BV**: Umstritten ist, inwieweit öffentlich-rechtliche Eingriffe in privatrechtliche Verhältnisse zulässig sind. Hänni/Stöckli (Wirtschaftsverwaltungsrecht 2013, § 25 N. 8) vertreten eine enge Auslegung, während die FINMA-Praxis eine weite aufsichtsrechtliche Intervention zeigt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Gründung neuer Finanzintermediäre ist frühzeitig zu prüfen, ob eine Bewilligungspflicht nach BankG, BEHG, VAG oder anderen Finanzmarktgesetzen besteht. Die FINMA publiziert Rundschreiben zur Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe.\n\n**N. 19** Für grenzüberschreitende Sachverhalte ist das Territorialitätsprinzip zu beachten. Schweizer Finanzmarktrecht gilt grundsätzlich für alle in der Schweiz erbrachten Finanzdienstleistungen, unabhängig vom Sitz des Anbieters (**BGE 108 Ib 286**).\n\n**N. 20** Die kantonale Zuständigkeit für öffentliche Versicherungen bleibt bestehen. **BGE 138 I 378** bestätigte, dass kantonale Gebäudeversicherungen auch im Wettbewerbsbereich tätig sein dürfen, sofern Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt. Eine strikte Trennung von Monopol- und Wettbewerbsbereich ist erforderlich.\n\n**N. 21** Die technologische Entwicklung (Blockchain, Kryptowährungen, DeFi) stellt neue Herausforderungen dar. Die FINMA wendet bestehende Kategorien technologieneutral an. Neue Geschäftsmodelle sind anhand der wirtschaftlichen Funktion, nicht der technischen Ausgestaltung zu qualifizieren (FINMA-Wegleitung ICO 2018).\n\n**N. 22** Das Verhältnis zur EU-Regulierung gewinnt an Bedeutung. Obwohl die Schweiz nicht an EU-Finanzmarktrichtlinien gebunden ist, orientiert sich die Gesetzgebung faktisch oft an europäischen Standards (autonomous nachvollzug). Dies gilt besonders für MiFID II, Solvency II und Basel III.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Staatliche Versicherungstätigkeit und Wirtschaftsfreiheit\n\n### Zulässigkeit staatlicher Konkurrenz im Privatversicherungswesen\n\n**BGE 138 I 378** vom 3. Juli 2012\n\nIn diesem richtungweisenden Entscheid zur staatlichen Versicherungstätigkeit prüfte das Bundesgericht die Vereinbarkeit einer kantonalen Sachversicherungsanstalt mit der Wirtschaftsfreiheit. Der Fall betraf die Ausweitung der Geschäftstätigkeit der Kantonalen Sachversicherung Glarus (Glarnersach) vom bisherigen Monopolbereich auf den Wettbewerbsbereich.\n\n> «Mit dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 Abs. 4 BV) ist eine unternehmerische Tätigkeit des Staates vereinbar, sofern eine formell-gesetzliche Grundlage besteht, die Tätigkeit im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist und der Grundsatz der Wettbewerbsneutralität gewahrt bleibt.»\n\nDas Bundesgericht hielt fest, dass Art. 98 Abs. 3 BV den Bund ermächtigt, Vorschriften über das Privatversicherungswesen zu erlassen, diese Regelungskompetenz jedoch öffentliche Versicherungsanstalten nicht erfasst. Eine öffentliche Versicherungsanstalt untersteht auch im Wettbewerbsbereich nicht dem Versicherungsaufsichtsgesetz.\n\n### Wettbewerbsneutralität und Quersubventionierungsverbot\n\n**BGE 138 I 378** vom 3. Juli 2012\n\nDas Urteil präzisierte die Anforderungen an die Wettbewerbsneutralität staatlicher Versicherungstätigkeit:\n\n> «Die Wettbewerbsneutralität der unternehmerischen Staatstätigkeit verbietet systematische Quersubventionierungen zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereich.»\n\nDas Gericht verlangte eine kalkulatorische Trennung der Geschäftsbereiche, akzeptierte jedoch, dass diese nicht innerhalb einer separaten juristischen Person erfolgen müsse. Entscheidend sei die sachgerechte Kostenzuordnung nach nachvollziehbaren Schlüsseln.\n\n## Bankenaufsicht und Bankgeheimnis\n\n### Bankgeheimnis und internationale Amtshilfe\n\n**BGE 125 II 83** vom 29. Oktober 1998\n\nDas Bundesgericht behandelte die Grenzen des Bankgeheimnisses im Kontext der internationalen Amtshilfe. Der Fall betraf ein deutsches Ersuchen um Informationen aus Schweizer Banken im Rahmen einer Insideruntersuchung.\n\n> «Das Bankgeheimnis steht der Amtshilfe nicht entgegen, wenn die Voraussetzungen von Art. 38 BEHG erfüllt sind. Der Schutz des Bankgeheimnisses könnte nur dann zu den wesentlichen Interessen der Schweiz im Sinne des analog anzuwendenden Art. 1a IRSG zählen, wenn dieses durch die verlangten Informationen geradezu ausgehöhlt würde.»\n\nDer Entscheid verdeutlichte, dass die bundesrechtliche Regelung der Finanzmarktaufsicht dem kantonalen Bankgeheimnis vorgeht, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen für Amtshilfe erfüllt sind.\n\n### Rechtsstellung der Kantonalbanken\n\n**BGE 110 Ib 166** vom 2. Februar 1984\n\nDas Bundesgericht klärte die aufsichtsrechtliche Stellung von Kantonalbanken ohne staatliche Garantie:\n\n> «Soweit Art. 13 Abs. 3 BankV den Kantonalbanken, für deren Verbindlichkeiten der Kanton nicht haftet, die gleiche Rechtsstellung verleiht wie den übrigen Banken, hält er sich im Rahmen der Delegationsnorm von Art. 4 Abs. 2 BankG.»\n\nDer Entscheid bestätigte, dass Art. 98 Abs. 1 BV den Bund ermächtigt, unterschiedliche Regelungen für verschiedene Bankentypen zu schaffen, wobei die besondere Stellung der Kantonalbanken zu berücksichtigen ist.\n\n**Urteil 2A.254/2000** vom 2. April 2001\n\nDas Bundesgericht behandelte die steuerrechtlichen Aspekte einer privatisierten Kantonalbank. Die Berner Kantonalbank AG war von der direkten Bundessteuer teilweise befreit worden, da der Kanton noch die Mehrheit hielt.\n\nDas Urteil illustrierte die praktischen Auswirkungen der besonderen Stellung von Kantonalbanken im Spannungsfeld zwischen öffentlichem und privatem Sektor.\n\n## Versicherungsaufsicht\n\n### Abgrenzung der Aufsichtspflicht\n\n**BGE 114 Ib 244** vom 18. November 1988\n\nDas Bundesgericht präzisierte den Begriff der «Versicherungseinrichtung» im Sinne des Versicherungsaufsichtsgesetzes und die Voraussetzungen für Ausnahmen von der Aufsichtspflicht. Der Fall betraf eine Finanzgesellschaft ohne Banklizenz.\n\n**BGE 108 Ib 286** vom 13. Mai 1982\n\nIn diesem frühen Entscheid zur Versicherungsaufsicht hielt das Gericht fest:\n\n> «Eine ausländische Versicherungsgesellschaft, die mit einem in der Schweiz domizilierten Versicherungsnehmer einen Versicherungsvertrag über dessen berufliches Haftpflichtrisiko abschliesst, untersteht grundsätzlich der schweizerischen Versicherungsaufsicht.»\n\nDiese Rechtsprechung etablierte das Territorialitätsprinzip der schweizerischen Versicherungsaufsicht.\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n### FINMA-Rechtsprechung\n\nSeit der Schaffung der FINMA im Jahr 2009 haben sich verschiedene Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht entwickelt, welche die praktische Anwendung von Art. 98 BV illustrieren:\n\n**B-2091/2014** vom 23. März 2015 (Bundesverwaltungsgericht)\n\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelte die Finanzmarktaufsicht in einem komplexen Bankenverfahren und bestätigte die weitreichenden Aufsichtsbefugnisse der FINMA im Rahmen von Art. 98 BV.\n\n### Postbank-Gutachten\n\nDas Gutachten des Bundesamtes für Justiz vom 2. September 2009 (VPB 150000203) erörterte ausführlich die Auslegung der Artikel 92, 98 und 99 BV im Kontext einer möglichen Postbank:\n\n> «Der Bund bräuchte aufgrund der bundesstaatlichen Kompetenzaufteilung (Art. 3 und 42 BV) und aufgrund des Grundsatzes der staatsfreien Wirtschaft (Teilgehalt von Art. 27 und 94 BV) eine Verfassungsgrundlage, um eine Postbank zu betreiben. Eine solche existiert heute jedoch nicht.»\n\nDas Gutachten illustrierte die enge Auslegung der Kompetenznormen im Finanzbereich und die Notwendigkeit expliziter Verfassungsgrundlagen für neue staatliche Aktivitäten.\n\n## Chronologische Entwicklung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 98 BV zeigt eine kontinuierliche Entwicklung von den frühen Entscheiden zur Versicherungsaufsicht in den 1980er Jahren über die Bankgeheimnisrechtsprechung der 1990er Jahre bis hin zur modernen FINMA-Praxis. \n\nPrägend war insbesondere **BGE 138 I 378**, welcher die verfassungsrechtlichen Grenzen staatlicher Wirtschaftstätigkeit im Finanzbereich klar definierte und das bis heute massgebliche Prüfungsschema entwickelte: gesetzliche Grundlage, öffentliches Interesse, Verhältnismässigkeit und Wettbewerbsneutralität.\n\nDie Rechtsprechung bestätigt, dass Art. 98 BV dem Bund eine umfassende, aber nicht ausschliessliche Regelungskompetenz verleiht. Kantone können weiterhin eigene Finanzinstitute betreiben, müssen dabei aber die bundesrechtlichen Vorgaben zur Wirtschaftsfreiheit beachten.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 98 Cst. donne à la Confédération le pouvoir d'édicter des lois sur les banques, les bourses et les assurances. Cette norme constitutionnelle est le fondement juridique de toute la réglementation suisse des marchés financiers.\n\n**Que règle cette norme ?**\n\nLa Confédération peut édicter des prescriptions dans trois domaines : Premièrement, elle doit réglementer le système bancaire et boursier (al. 1). Ce faisant, elle doit tenir compte du rôle particulier des banques cantonales. Deuxièmement, elle peut réglementer d'autres services financiers comme la gestion de fortune ou les opérations de paiement (al. 2). Troisièmement, elle doit réglementer l'assurance privée (al. 3).\n\n**Qui est concerné ?**\n\nToutes les banques, bourses et compagnies d'assurance en Suisse sont concernées. Cela comprend les grandes banques comme UBS et Credit Suisse, les instituts régionaux, les banques cantonales et les nouveaux prestataires de services financiers comme les plateformes de crypto-monnaies. Les fournisseurs étrangers doivent aussi respecter les règles suisses s'ils font des affaires ici.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\n\nLa Confédération peut édicter des lois étendues : obligations d'autorisation (qui peut exploiter une banque ou une assurance), prescriptions sur les fonds propres (combien d'argent les instituts doivent-ils détenir en garantie) et mesures de surveillance. La conséquence la plus importante est la création de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers FINMA, qui surveille tous les établissements financiers.\n\n**Exemple concret :**\n\nUne nouvelle société veut émettre des cartes de crédit en Suisse. Elle a besoin d'une licence bancaire de la FINMA, doit présenter un capital minimum de plusieurs millions de francs et annoncer toutes ses activités à l'autorité de surveillance. Sans licence, elle commet une infraction pénale.\n\nLes cantons peuvent continuer d'exploiter leurs propres banques cantonales ou assurances publiques. Ils doivent cependant garantir une concurrence équitable et ne peuvent pas évincer les fournisseurs privés.\n\nL'art. 98 Cst. veille à ce que la place financière suisse reste stable et digne de confiance. En même temps, la réglementation protège les épargnants, investisseurs et assurés contre les fournisseurs peu sérieux.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 98 Cst. correspond largement à l'art. 31bis al. 2 ancCst (banques et bourses) ainsi qu'à l'art. 34 al. 2 ancCst (assurance privée). La norme a été systématiquement intégrée dans la partie économique lors de la révision totale de 1999. Selon Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 1), le Conseil fédéral constate : « Pratiquement, rien ne change », car la Confédération pouvait déjà auparavant édicter des prescriptions sur l'« exercice du commerce et de l'industrie » en se fondant sur l'art. 31bis al. 2 ancCst.\n\n**Ch. 2** La naissance du droit suisse des marchés financiers a été marquée de manière déterminante par les crises. La loi sur les banques de 1934 est née en réaction à la crise bancaire du début des années 1930 (FF 1934 I 171 ss). La création de l'autorité intégrée de surveillance des marchés financiers FINMA en 2009 a suivi la crise financière de 2008 (FF 2006 2829 ss).\n\n**Ch. 3** L'extension aux « services financiers dans d'autres domaines » (al. 2) a été nouvellement introduite en 1999 pour tenir compte du développement technologique et des nouvelles formes d'intermédiaires financiers. Le message relevait qu'elle devait permettre une réaction flexible aux évolutions du marché (FF 1997 I 1 ss, 326).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 98 Cst. fait partie de la 3e section « Ordre économique » et est étroitement lié à l'art. 97 Cst. (protection des consommateurs) ainsi qu'à l'art. 94 al. 4 Cst. (principe de la liberté économique). La norme confère à la Confédération une compétence législative étendue dans le domaine des marchés financiers.\n\n**Ch. 5** La disposition n'est pas une norme d'organisation, mais une pure norme de compétence. L'organisation institutionnelle de la surveillance des marchés financiers a été réalisée par la LFINMA (RS 956.1). Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 32–35) expliquent que la FINMA est conçue comme un établissement de droit public doté de sa propre personnalité juridique.\n\n**Ch. 6** Pour le rapport au droit cantonal s'applique → l'art. 49 Cst. (primauté du droit fédéral). Les cantons conservent toutefois des compétences pour les établissements d'assurance de droit public, comme l'a précisé **ATF 138 I 378**. Les liens transversaux avec → l'art. 122 Cst. (droit civil) et → l'art. 123 Cst. (droit pénal) sont pertinents pour les aspects de droit privé et de droit pénal des marchés financiers.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 7** **Système bancaire (al. 1)** : Le Tribunal fédéral définit dans sa jurisprudence constante (BSK BV, art. 98 ch. 12) : « Il y a acceptation de dépôts du public lorsqu'une personne contracte à titre professionnel des obligations envers des tiers, de sorte qu'elle devient débitrice du remboursement ». La définition englobe les banques commerciales classiques, les caisses d'épargne, les banques privées et les nouvelles formes comme les plateformes de financement participatif.\n\n**Ch. 8** **Système boursier (al. 1)** : Sont visées non seulement les bourses de valeurs mobilières traditionnelles, mais aussi les systèmes multilatéraux de négociation (MTF) et les systèmes organisés de négociation (OTF). Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 17–21) soulignent l'interprétation neutre du point de vue technologique face aux plateformes de négociation électroniques.\n\n**Ch. 9** **Situation particulière des banques cantonales (al. 1)** : Cette formulation permet des réglementations différenciées, mais n'interdit pas un traitement égal. Selon Kaufmann/Utz, la particularité se justifie principalement par la propriété et d'éventuelles garanties étatiques, non par un statut constitutionnel spécial.\n\n**Ch. 10** **Services financiers dans d'autres domaines (al. 2)** : Cette clause générale couvre la gestion de fortune, le conseil en placement, les services de paiement et les nouveaux modèles d'affaires comme le commerce de cryptomonnaies. La formulation « peut » confère au législateur un pouvoir d'appréciation quant à savoir s'il réglemente et comment.\n\n**Ch. 11** **Assurance privée (al. 3)** : La compétence englobe l'ensemble du secteur privé de l'assurance. Selon Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 52), le Tribunal fédéral identifie cinq caractéristiques essentielles : « Risque, prestation de l'assuré, prestation de l'assureur, autonomie de l'opération et compensation des risques selon les lois de la statistique ».\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 12** La norme de compétence habilite la Confédération à édicter toutes les prescriptions dans le domaine désigné : obligations d'autorisation, prescriptions d'organisation, mesures de surveillance, sanctions. La législation peut être conçue de manière préventive (ex ante) ou réactive (ex post).\n\n**Ch. 13** L'exercice de la compétence est facultatif. La Confédération ne doit pas régler, mais peut le faire. Si elle a toutefois légiféré, le droit fédéral prime sur le droit cantonal (→ art. 49 Cst.). Les cantons ne peuvent édicter aucune prescription contradictoire.\n\n**Ch. 14** L'obligation de respecter les droits fondamentaux de la FINMA est controversée. Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 39) renvoient à → l'art. 35 al. 2 Cst., selon lequel les droits fondamentaux doivent aussi être respectés lors de l'accomplissement de tâches étatiques par des particuliers. La FINMA en tant qu'établissement de droit public est soumise à la pleine obligation de respecter les droits fondamentaux.\n\n## 5. Points controversés\n\n**Ch. 15** **Nature juridique du règlement de cotation** : La conception plus récente, représentée par Weber (Commentaire du droit boursier, 2e éd. 2013) et Böckli (Droit suisse des sociétés anonymes, 4e éd. 2009), qualifie le règlement de cotation de normes juridiques édictées par la bourse en vertu d'une norme de délégation. Le Tribunal fédéral a selon Kaufmann/Utz (BSK BV, art. 98 ch. 43) laissé cette question ouverte jusqu'à présent.\n\n**Ch. 16** **Étendue des obligations de surveillance** : Breining-Kaufmann/Weber (HAVE 2008, 89 ss) prônent une responsabilité étatique extensive pour une surveillance déficiente des marchés financiers. À l'inverse, Biaggini (FS Zobl 2004, 585 ss) et Nobel (Droit des marchés financiers, 3e éd. 2010, ch. 234) argumentent que la surveillance s'adresse principalement aux risques systémiques, non à la protection d'investisseurs individuels.\n\n**Ch. 17** **Rapport à l'art. 122 Cst.** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure les interventions de droit public dans les rapports de droit privé sont admissibles. Hänni/Stöckli (Droit administratif économique 2013, § 25 ch. 8) défendent une interprétation restrictive, tandis que la pratique de la FINMA montre une large intervention de droit de la surveillance.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 18** Lors de la création de nouveaux intermédiaires financiers, il convient d'examiner rapidement s'il existe une obligation d'autorisation selon la LB, la LBVM, la LSA ou d'autres lois sur les marchés financiers. La FINMA publie des circulaires pour l'interprétation de notions juridiques indéterminées.\n\n**Ch. 19** Pour les situations transfrontalières, il faut observer le principe de territorialité. Le droit suisse des marchés financiers s'applique en principe à tous les services financiers fournis en Suisse, indépendamment du siège du prestataire (**ATF 108 Ib 286**).\n\n**Ch. 20** La compétence cantonale pour les assurances publiques demeure. **ATF 138 I 378** a confirmé que les assurances immobilières cantonales peuvent aussi être actives dans le domaine concurrentiel, à condition que la neutralité concurrentielle soit préservée. Une séparation stricte entre domaine monopolistique et domaine concurrentiel est nécessaire.\n\n**Ch. 21** Le développement technologique (blockchain, cryptomonnaies, DeFi) pose de nouveaux défis. La FINMA applique les catégories existantes de manière neutre du point de vue technologique. Les nouveaux modèles d'affaires doivent être qualifiés en fonction de la fonction économique, non de l'organisation technique (Guide FINMA ICO 2018).\n\n**Ch. 22** Le rapport à la réglementation de l'UE gagne en importance. Bien que la Suisse ne soit pas liée par les directives européennes sur les marchés financiers, la législation s'oriente factuellement souvent sur les normes européennes (autonomous nachvollzug). Cela vaut particulièrement pour MiFID II, Solvabilité II et Bâle III.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Activité d'assurance étatique et liberté économique\n\n### Admissibilité de la concurrence étatique dans l'assurance privée\n\n**ATF 138 I 378** du 3 juillet 2012\n\nDans cette décision faisant jurisprudence sur l'activité d'assurance étatique, le Tribunal fédéral a examiné la compatibilité d'un établissement cantonal d'assurance des biens avec la liberté économique. L'affaire concernait l'extension de l'activité commerciale de l'Assurance cantonale des biens de Glaris (Glarnersach) de son domaine de monopole traditionnel au secteur concurrentiel.\n\n> « Avec le principe de la liberté économique (art. 94, al. 4, Cst.), une activité entrepreneuriale de l'État est compatible pour autant qu'il existe une base légale formelle, que l'activité soit dans l'intérêt public et proportionnée et que le principe de neutralité concurrentielle soit respecté. »\n\nLe Tribunal fédéral a établi que l'art. 98, al. 3, Cst. habilite la Confédération à édicter des prescriptions sur l'assurance privée, mais que cette compétence normative ne saisit pas les établissements d'assurance publics. Un établissement d'assurance public n'est pas soumis à la loi sur la surveillance des assurances, même dans le secteur concurrentiel.\n\n### Neutralité concurrentielle et interdiction de subvention croisée\n\n**ATF 138 I 378** du 3 juillet 2012\n\nL'arrêt a précisé les exigences relatives à la neutralité concurrentielle de l'activité d'assurance étatique :\n\n> « La neutralité concurrentielle de l'activité économique étatique interdit les subventions croisées systématiques entre le secteur de monopole et le secteur concurrentiel. »\n\nLe Tribunal a exigé une séparation calculatoire des secteurs d'activité, mais a accepté que celle-ci ne doive pas s'effectuer au sein d'une personne juridique séparée. Ce qui est déterminant, c'est l'attribution appropriée des coûts selon des clés de répartition compréhensibles.\n\n## Surveillance bancaire et secret bancaire\n\n### Secret bancaire et entraide administrative internationale\n\n**ATF 125 II 83** du 29 octobre 1998\n\nLe Tribunal fédéral a traité des limites du secret bancaire dans le contexte de l'entraide administrative internationale. L'affaire concernait une demande allemande d'informations auprès de banques suisses dans le cadre d'une enquête sur les délits d'initiés.\n\n> « Le secret bancaire ne fait pas obstacle à l'entraide administrative lorsque les conditions de l'art. 38 LBVM sont remplies. La protection du secret bancaire ne pourrait compter parmi les intérêts essentiels de la Suisse au sens de l'art. 1a LEIMP appliqué par analogie que si celui-ci était carrément sapé par les informations demandées. »\n\nLa décision a clarifié que la réglementation de droit fédéral sur la surveillance des marchés financiers prime le secret bancaire cantonal, pour autant que les conditions légales de l'entraide administrative soient remplies.\n\n### Statut juridique des banques cantonales\n\n**ATF 110 Ib 166** du 2 février 1984\n\nLe Tribunal fédéral a clarifié la position des banques cantonales sans garantie étatique du point de vue du droit de surveillance :\n\n> « Dans la mesure où l'art. 13, al. 3, OB confère aux banques cantonales, pour les engagements desquelles le canton ne répond pas, le même statut juridique qu'aux autres banques, il reste dans le cadre de la norme de délégation de l'art. 4, al. 2, LB. »\n\nLa décision a confirmé que l'art. 98, al. 1, Cst. habilite la Confédération à créer des réglementations différentes pour divers types de banques, la position particulière des banques cantonales devant être prise en considération.\n\n**Arrêt 2A.254/2000** du 2 avril 2001\n\nLe Tribunal fédéral a traité des aspects de droit fiscal d'une banque cantonale privatisée. La Banque cantonale bernoise SA avait été partiellement exemptée de l'impôt fédéral direct, car le canton détenait encore la majorité.\n\nL'arrêt a illustré les effets pratiques du statut particulier des banques cantonales dans le champ de tension entre secteur public et privé.\n\n## Surveillance des assurances\n\n### Délimitation de l'obligation de surveillance\n\n**ATF 114 Ib 244** du 18 novembre 1988\n\nLe Tribunal fédéral a précisé la notion d'« entreprise d'assurance » au sens de la loi sur la surveillance des assurances et les conditions d'exceptions à l'obligation de surveillance. L'affaire concernait une société financière sans licence bancaire.\n\n**ATF 108 Ib 286** du 13 mai 1982\n\nDans cette décision précoce sur la surveillance des assurances, le Tribunal a établi :\n\n> « Une compagnie d'assurance étrangère qui conclut avec un preneur d'assurance domicilié en Suisse un contrat d'assurance sur son risque de responsabilité civile professionnelle est en principe soumise à la surveillance suisse des assurances. »\n\nCette jurisprudence a établi le principe de territorialité de la surveillance suisse des assurances.\n\n## Développements récents\n\n### Jurisprudence FINMA\n\nDepuis la création de la FINMA en 2009, diverses procédures devant le Tribunal administratif fédéral se sont développées, qui illustrent l'application pratique de l'art. 98 Cst. :\n\n**B-2091/2014** du 23 mars 2015 (Tribunal administratif fédéral)\n\nLe Tribunal administratif fédéral a traité de la surveillance des marchés financiers dans une procédure bancaire complexe et a confirmé les compétences étendues de surveillance de la FINMA dans le cadre de l'art. 98 Cst.\n\n### Expertise PostBank\n\nL'expertise de l'Office fédéral de la justice du 2 septembre 2009 (VPB 150000203) a traité de manière approfondie de l'interprétation des articles 92, 98 et 99 Cst. dans le contexte d'une éventuelle PostBank :\n\n> « En raison de la répartition fédéraliste des compétences (art. 3 et 42 Cst.) et du principe d'une économie libre de l'État (contenu partiel des art. 27 et 94 Cst.), la Confédération aurait besoin d'une base constitutionnelle pour exploiter une PostBank. Une telle base n'existe cependant pas aujourd'hui. »\n\nL'expertise a illustré l'interprétation restrictive des normes de compétence dans le domaine financier et la nécessité de bases constitutionnelles explicites pour de nouvelles activités étatiques.\n\n## Développement chronologique\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 98 Cst. montre un développement continu depuis les premières décisions sur la surveillance des assurances dans les années 1980, en passant par la jurisprudence sur le secret bancaire des années 1990, jusqu'à la pratique moderne de la FINMA.\n\nL'**ATF 138 I 378** a été particulièrement marquant, qui a défini clairement les limites constitutionnelles de l'activité économique étatique dans le domaine financier et développé le schéma d'examen déterminant jusqu'à aujourd'hui : base légale, intérêt public, proportionnalité et neutralité concurrentielle.\n\nLa jurisprudence confirme que l'art. 98 Cst. confère à la Confédération une compétence normative étendue, mais non exclusive. Les cantons peuvent continuer à exploiter leurs propres institutions financières, mais doivent respecter les prescriptions de droit fédéral relatives à la liberté économique.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 98 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di emanare leggi su banche, borse e assicurazioni. Questa norma costituzionale costituisce la base giuridica per l'intera regolamentazione del mercato finanziario svizzero.\n\n**Che cosa disciplina la norma?**\n\nLa Confederazione può emanare prescrizioni per tre settori: in primo luogo deve regolamentare le banche e le borse (cpv. 1). In tal caso deve tenere conto del ruolo particolare delle banche cantonali. In secondo luogo può regolamentare altri servizi finanziari come la gestione patrimoniale o il traffico dei pagamenti (cpv. 2). In terzo luogo deve regolamentare le assicurazioni private (cpv. 3).\n\n**Chi è interessato?**\n\nSono interessate tutte le banche, le borse e le imprese assicuratrici in Svizzera. Ciò comprende le grandi banche come UBS e Credit Suisse, gli istituti regionali, le banche cantonali e i nuovi prestatori di servizi finanziari come le piattaforme di criptovalute. Anche i fornitori esteri devono attenersi alle regole svizzere se conducono affari qui.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\n\nLa Confederazione può emanare leggi complete: obblighi di autorizzazione (chi può gestire una banca o un'assicurazione), prescrizioni sui fondi propri (quanto denaro devono detenere gli istituti come garanzia) e misure di vigilanza. La conseguenza più importante è la creazione dell'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari FINMA, che sorveglia tutti gli istituti finanziari.\n\n**Esempio concreto:**\n\nUna nuova società vuole emettere carte di credito in Svizzera. Ha bisogno di una licenza bancaria della FINMA, deve dimostrare un capitale minimo di diversi milioni di franchi e comunicare tutte le operazioni alla vigilanza. Senza licenza si rende punibile.\n\nI Cantoni possono continuare a gestire le proprie banche cantonali o assicurazioni pubbliche. Devono però garantire una concorrenza leale e non possono soppiantare i fornitori privati.\n\nL'art. 98 Cost. fa sì che la piazza finanziaria svizzera rimanga stabile e degna di fiducia. Al contempo la regolamentazione protegge i risparmiatori, gli investitori e gli assicurati da fornitori poco seri.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 98 Cost. corrisponde in larga misura all'art. 31bis cpv. 2 aCost. (banche e borse) nonché all'art. 34 cpv. 2 aCost. (assicurazioni private). La norma è stata sistematicamente inserita nella parte economica durante la revisione totale del 1999. Secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 1), il Consiglio federale constata: «Praticamente non cambia nulla», poiché la Confederazione già in precedenza poteva emanare prescrizioni sull'«esercizio del commercio e dell'industria» basandosi sull'art. 31bis cpv. 2 aCost.\n\n**N. 2** La nascita del diritto svizzero dei mercati finanziari è stata caratterizzata in modo determinante dalle crisi. La legge sulle banche del 1934 nacque come reazione alla crisi bancaria dei primi anni Trenta (FF 1934 I 171 segg.). La creazione dell'autorità di vigilanza integrata sui mercati finanziari FINMA nel 2009 seguì la crisi finanziaria del 2008 (FF 2006 2829 segg.).\n\n**N. 3** L'estensione ai «servizi finanziari in altri settori» (cpv. 2) fu inserita ex novo nel 1999 per tenere conto dello sviluppo tecnologico e delle nuove forme di intermediari finanziari. Il messaggio precisò che ciò doveva consentire una reazione flessibile agli sviluppi del mercato (FF 1997 I 1 segg., 326).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 98 Cost. fa parte della 3a sezione «Ordinamento economico» ed è strettamente collegato all'art. 97 Cost. (protezione dei consumatori) nonché all'art. 94 cpv. 4 Cost. (principio della libertà economica). La norma conferisce alla Confederazione una competenza legislativa globale nell'ambito dei mercati finanziari.\n\n**N. 5** La disposizione non è una norma organizzativa, bensì una pura norma di competenza. La configurazione istituzionale della vigilanza sui mercati finanziari avvenne mediante la LFINMA (RS 956.1). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 32–35) spiegano che la FINMA è concepita come istituto di diritto pubblico con personalità giuridica propria.\n\n**N. 6** Per il rapporto con il diritto cantonale si applica → art. 49 Cost. (primato del diritto federale). I Cantoni conservano tuttavia le competenze per gli istituti di assicurazione di diritto pubblico, come chiarì la **DTF 138 I 378**. I collegamenti trasversali con → art. 122 Cost. (diritto civile) e → art. 123 Cost. (diritto penale) sono rilevanti per gli aspetti di diritto civile e penale del mercato finanziario.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Sistema bancario (cpv. 1)**: Il Tribunale federale definisce nella giurisprudenza costante (BSK BV, Art. 98 N. 12): «Vi è accettazione di depositi del pubblico quando una persona assume a titolo professionale obbligazioni verso terzi, diventando così debitrice del rimborso». La definizione comprende banche commerciali classiche, casse di risparmio, banche private e nuove forme come piattaforme di crowdfunding.\n\n**N. 8** **Sistema borsistico (cpv. 1)**: Non sono contemplate solo le borse valori tradizionali, ma anche i sistemi multilaterali di negoziazione (MTF) e i sistemi organizzati di negoziazione (OTF). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 17–21) sottolineano l'interpretazione tecnologicamente neutra considerando le piattaforme di negoziazione elettroniche.\n\n**N. 9** **Posizione particolare delle banche cantonali (cpv. 1)**: Questa formulazione consente regolamentazioni differenziate, ma non vieta la parità di trattamento. Secondo Kaufmann/Utz, la particolarità è giustificata principalmente dalla proprietà e da eventuali garanzie statali, non da una posizione speciale di diritto costituzionale.\n\n**N. 10** **Servizi finanziari in altri settori (cpv. 2)**: Questa clausola generale contempla la gestione patrimoniale, la consulenza in investimenti, i servizi di pagamento e nuovi modelli commerciali come il commercio di criptovalute. La formulazione «può» conferisce al legislatore un margine di valutazione se e come regolamentare.\n\n**N. 11** **Sistema assicurativo privato (cpv. 3)**: La competenza comprende l'intera economia assicurativa privata. Secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 52), il Tribunale federale identifica cinque caratteristiche centrali: «Rischio, prestazione dell'assicurato, prestazione dell'assicuratore, indipendenza dell'operazione e compensazione dei rischi secondo le leggi della statistica».\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** La norma di competenza autorizza la Confederazione ad emanare tutte le prescrizioni nell'ambito designato: obblighi di autorizzazione, prescrizioni organizzative, misure di vigilanza, sanzioni. La legislazione può essere configurata preventivamente (ex ante) o reattivamente (ex post).\n\n**N. 13** L'esercizio della competenza è facoltativo. La Confederazione non deve regolamentare, ma può. Ha tuttavia legiferato, il diritto federale prevale sul diritto cantonale (→ art. 49 Cost.). I Cantoni non possono emanare prescrizioni contraddittorie.\n\n**N. 14** Il vincolo ai diritti fondamentali della FINMA è controverso. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 39) fanno riferimento al → art. 35 cpv. 2 Cost., secondo cui i diritti fondamentali vanno rispettati anche nell'adempimento di compiti statali da parte di privati. La FINMA come istituto di diritto pubblico soggiace al pieno vincolo ai diritti fondamentali.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 15** **Natura giuridica del regolamento di quotazione**: La concezione più recente, rappresentata da Weber (Börsenrecht Kommentar, 2a ed. 2013) e Böckli (Schweizer Aktienrecht, 4a ed. 2009), qualifica il regolamento di quotazione come norme giuridiche emanate dalla borsa basandosi su una norma di delega. Il Tribunale federale ha lasciato aperta questa questione secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 43).\n\n**N. 16** **Portata degli obblighi di vigilanza**: Breining-Kaufmann/Weber (HAVE 2008, 89 segg.) favoriscono una responsabilità statale estensiva per la vigilanza carente sui mercati finanziari. Contro ciò argomentano Biaggini (FS Zobl 2004, 585 segg.) e Nobel (Finanzmarktrecht, 3a ed. 2010, N. 234) che la vigilanza si rivolge principalmente ai rischi sistemici, non alla protezione dei singoli investitori.\n\n**N. 17** **Rapporto con l'art. 122 Cost.**: È controverso in che misura siano ammissibili interventi di diritto pubblico nei rapporti di diritto privato. Hänni/Stöckli (Wirtschaftsverwaltungsrecht 2013, § 25 N. 8) rappresentano un'interpretazione restrittiva, mentre la prassi FINMA mostra un ampio intervento di diritto di vigilanza.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella costituzione di nuovi intermediari finanziari va verificato tempestivamente se sussiste un obbligo di autorizzazione secondo la LBVM, la LBVM, la LAS o altre leggi sui mercati finanziari. La FINMA pubblica circolari per l'interpretazione di concetti giuridici indeterminati.\n\n**N. 19** Per fattispecie transfrontaliere va osservato il principio di territorialità. Il diritto svizzero dei mercati finanziari si applica fondamentalmente a tutti i servizi finanziari forniti in Svizzera, indipendentemente dalla sede del fornitore (**DTF 108 Ib 286**).\n\n**N. 20** Rimane la competenza cantonale per le assicurazioni pubbliche. La **DTF 138 I 378** confermò che le assicurazioni cantonali degli edifici possono essere attive anche nell'ambito concorrenziale, purché sia garantita la neutralità concorrenziale. È richiesta una separazione rigorosa tra l'ambito monopolistico e quello concorrenziale.\n\n**N. 21** Lo sviluppo tecnologico (blockchain, criptovalute, DeFi) pone nuove sfide. La FINMA applica le categorie esistenti in modo tecnologicamente neutro. I nuovi modelli commerciali vanno qualificati in base alla funzione economica, non alla configurazione tecnica (Guida FINMA ICO 2018).\n\n**N. 22** Il rapporto con la regolamentazione UE acquisisce importanza. Benché la Svizzera non sia vincolata alle direttive UE sui mercati finanziari, la legislazione si orienta di fatto spesso agli standard europei (recepimento autonomo). Ciò vale particolarmente per MiFID II, Solvency II e Basilea III.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Attività assicurativa statale e libertà economica\n\n### Ammissibilità della concorrenza statale nel settore delle assicurazioni private\n\n**DTF 138 I 378** del 3 luglio 2012\n\nIn questa decisione di principio sull'attività assicurativa statale il Tribunale federale ha esaminato la compatibilità di un istituto cantonale di assicurazione contro i danni con la libertà economica. Il caso riguardava l'estensione dell'attività commerciale dell'Assicurazione cantonale contro i danni di Glarona (Glarnersach) dal settore precedentemente monopolistico al settore concorrenziale.\n\n> «Con il principio della libertà economica (art. 94 cpv. 4 Cost.) è compatibile un'attività imprenditoriale dello Stato, purché esista una base legale formale, l'attività sia nell'interesse pubblico e proporzionata e sia rispettato il principio della neutralità concorrenziale.»\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 98 cpv. 3 Cost. autorizza la Confederazione a emanare prescrizioni sul settore delle assicurazioni private, tuttavia questa competenza normativa non comprende gli istituti assicurativi pubblici. Un istituto assicurativo pubblico non è soggetto alla legge sulla sorveglianza degli assicuratori neppure nel settore concorrenziale.\n\n### Neutralità concorrenziale e divieto di sovvenzioni incrociate\n\n**DTF 138 I 378** del 3 luglio 2012\n\nLa sentenza ha precisato i requisiti per la neutralità concorrenziale dell'attività assicurativa statale:\n\n> «La neutralità concorrenziale dell'attività imprenditoriale statale proibisce sovvenzioni incrociate sistematiche tra il settore monopolistico e quello concorrenziale.»\n\nIl Tribunale ha richiesto una separazione contabile dei settori d'attività, tuttavia ha accettato che questa non debba avvenire all'interno di una persona giuridica separata. Decisiva è l'attribuzione appropriata dei costi secondo criteri comprensibili.\n\n## Sorveglianza bancaria e segreto bancario\n\n### Segreto bancario e assistenza amministrativa internazionale\n\n**DTF 125 II 83** del 29 ottobre 1998\n\nIl Tribunale federale ha trattato i limiti del segreto bancario nel contesto dell'assistenza amministrativa internazionale. Il caso riguardava una richiesta tedesca di informazioni da banche svizzere nel quadro di un'indagine per insider trading.\n\n> «Il segreto bancario non osta all'assistenza amministrativa se sono soddisfatti i presupposti dell'art. 38 LBVM. La protezione del segreto bancario potrebbe rientrare negli interessi essenziali della Svizzera ai sensi dell'art. 1a LASI applicato per analogia soltanto se venisse letteralmente svuotato dalle informazioni richieste.»\n\nLa decisione ha chiarito che la normativa del diritto federale sulla sorveglianza dei mercati finanziari prevale sul segreto bancario cantonale, nella misura in cui sono soddisfatti i presupposti legali per l'assistenza amministrativa.\n\n### Posizione giuridica delle banche cantonali\n\n**DTF 110 Ib 166** del 2 febbraio 1984\n\nIl Tribunale federale ha chiarito la posizione di diritto di sorveglianza delle banche cantonali senza garanzia statale:\n\n> «Nella misura in cui l'art. 13 cpv. 3 OBan conferisce alle banche cantonali, per le cui obbligazioni il Cantone non risponde, la stessa posizione giuridica delle altre banche, si mantiene nel quadro della norma di delega dell'art. 4 cpv. 2 LBan.»\n\nLa decisione ha confermato che l'art. 98 cpv. 1 Cost. autorizza la Confederazione a creare regolamentazioni diverse per diversi tipi di banche, tenendo conto della particolare posizione delle banche cantonali.\n\n**Sentenza 2A.254/2000** del 2 aprile 2001\n\nIl Tribunale federale ha trattato gli aspetti di diritto fiscale di una banca cantonale privatizzata. La Banca Cantonale Bernese SA era stata parzialmente esentata dall'imposta federale diretta poiché il Cantone deteneva ancora la maggioranza.\n\nLa sentenza ha illustrato gli effetti pratici della particolare posizione delle banche cantonali nel campo di tensione tra settore pubblico e privato.\n\n## Sorveglianza degli assicuratori\n\n### Delimitazione dell'obbligo di sorveglianza\n\n**DTF 114 Ib 244** del 18 novembre 1988\n\nIl Tribunale federale ha precisato il concetto di «istituto di assicurazione» ai sensi della legge sulla sorveglianza degli assicuratori e i presupposti per le eccezioni dall'obbligo di sorveglianza. Il caso riguardava una società finanziaria senza licenza bancaria.\n\n**DTF 108 Ib 286** del 13 maggio 1982\n\nIn questa prima decisione sulla sorveglianza degli assicuratori il Tribunale ha stabilito:\n\n> «Una compagnia di assicurazioni estera che conclude con un contraente domiciliato in Svizzera un contratto di assicurazione sul suo rischio di responsabilità civile professionale è sottoposta in linea di principio alla sorveglianza svizzera degli assicuratori.»\n\nQuesta giurisprudenza ha stabilito il principio di territorialità della sorveglianza svizzera degli assicuratori.\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Giurisprudenza FINMA\n\nDalla creazione della FINMA nel 2009 si sono sviluppate diverse procedure davanti al Tribunale amministrativo federale che illustrano l'applicazione pratica dell'art. 98 Cost.:\n\n**B-2091/2014** del 23 marzo 2015 (Tribunale amministrativo federale)\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha trattato la sorveglianza dei mercati finanziari in una complessa procedura bancaria e ha confermato le ampie competenze di sorveglianza della FINMA nel quadro dell'art. 98 Cost.\n\n### Perizia Postbank\n\nLa perizia dell'Ufficio federale di giustizia del 2 settembre 2009 (VPB 150000203) ha discusso dettagliatamente l'interpretazione degli articoli 92, 98 e 99 Cost. nel contesto di una possibile Postbank:\n\n> «La Confederazione avrebbe bisogno, sulla base della ripartizione delle competenze federalistiche (art. 3 e 42 Cost.) e sulla base del principio dell'economia libera dallo Stato (contenuto parziale degli art. 27 e 94 Cost.), di una base costituzionale per gestire una Postbank. Tale base tuttavia oggi non esiste.»\n\nLa perizia ha illustrato l'interpretazione restrittiva delle norme di competenza nel settore finanziario e la necessità di basi costituzionali esplicite per nuove attività statali.\n\n## Sviluppo cronologico\n\nLa giurisprudenza sull'art. 98 Cost. mostra uno sviluppo continuo dalle prime decisioni sulla sorveglianza degli assicuratori negli anni '80 passando per la giurisprudenza sul segreto bancario degli anni '90 fino alla moderna pratica FINMA.\n\nDi particolare rilievo è stato il **DTF 138 I 378**, che ha definito chiaramente i limiti costituzionali dell'attività economica statale nel settore finanziario e ha sviluppato lo schema d'esame determinante ancora oggi: base legale, interesse pubblico, proporzionalità e neutralità concorrenziale.\n\nLa giurisprudenza conferma che l'art. 98 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza normativa ampia ma non esclusiva. I Cantoni possono continuare a gestire propri istituti finanziari, ma devono rispettare le prescrizioni del diritto federale sulla libertà economica.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 98 Federal Constitution gives the Confederation the power to enact legislation on banks, stock exchanges and insurance. This constitutional provision is the legal foundation for the entire Swiss financial market regulation.\n\n**What does the provision regulate?**\n\nThe Confederation may issue regulations for three areas: First, it must regulate banking and stock exchange activities (paragraph 1). In doing so, it must take into account the special role of cantonal banks. Second, it may regulate other financial services such as asset management or payment transactions (paragraph 2). Third, it must regulate private insurance business (paragraph 3).\n\n**Who is affected?**\n\nAll banks, stock exchanges and insurance companies in Switzerland are affected. This includes major banks like UBS and Credit Suisse, regional institutions, cantonal banks and new financial service providers like cryptocurrency platforms. Foreign providers must also comply with Swiss rules when conducting business here.\n\n**What are the legal consequences?**\n\nThe Confederation may enact comprehensive legislation: licensing requirements (who may operate banks or insurance companies), capital requirements (how much money institutions must hold as security) and supervisory measures. The most important consequence is the creation of the Swiss Financial Market Supervisory Authority FINMA, which supervises all financial institutions.\n\n**Concrete example:**\n\nA new company wants to issue credit cards in Switzerland. It needs a banking licence from FINMA, must demonstrate minimum capital of several million francs and report all business activities to the supervisory authority. Without a licence, it commits a criminal offence.\n\nThe cantons may continue to operate their own cantonal banks or public insurance companies. However, they must ensure fair competition and may not displace private providers.\n\nArt. 98 Federal Constitution ensures that Switzerland as a financial centre remains stable and trustworthy. At the same time, regulation protects savers, investors and insured persons from disreputable providers.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 98 BV largely corresponds to Art. 31bis para. 2 aBV (banks and stock exchanges) as well as Art. 34 para. 2 aBV (private insurance). The provision was systematically incorporated into the economic section during the total revision of 1999. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 1), the Federal Council stated: \"In practice, nothing changes\", since the Confederation was already previously authorized under Art. 31bis para. 2 aBV to issue regulations on the \"practice of commerce and trades\".\n\n**N. 2** The emergence of Swiss financial market law was significantly shaped by crises. The Banking Act of 1934 arose as a reaction to the banking crisis of the early 1930s (BBl 1934 I 171 ff.). The creation of the integrated financial market supervision FINMA in 2009 followed the financial crisis of 2008 (BBl 2006 2829 ff.).\n\n**N. 3** The extension to \"financial services in other areas\" (para. 2) was newly inserted in 1999 to account for technological development and new forms of financial intermediaries. The Message stated that this was intended to enable a flexible reaction to market developments (BBl 1997 I 1 ff., 326).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 98 BV is part of the 3rd section \"Economic Order\" and is closely connected to Art. 97 BV (consumer protection) as well as Art. 94 para. 4 BV (principle of economic freedom). The provision grants the Confederation comprehensive legislative competence in the financial market area.\n\n**N. 5** The provision is not an organizational norm, but a pure competence norm. The institutional design of financial market supervision was implemented through the FINMAG (SR 956.1). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 32–35) explain that FINMA is conceived as a public law institution with its own legal personality.\n\n**N. 6** For the relationship to cantonal law, → Art. 49 BV applies (precedence of federal law). However, the cantons retain competences for public law insurance institutions, as **BGE 138 I 378** clarified. The cross-connections to → Art. 122 BV (civil law) and → Art. 123 BV (criminal law) are relevant for private law and criminal law aspects of the financial market.\n\n## 3. Elements of the Offense / Content of the Norm\n\n**N. 7** **Banking (para. 1)**: The Federal Court defines in constant jurisprudence (BSK BV, Art. 98 N. 12): \"An acceptance of public deposits occurs when a person commercially enters into obligations towards third parties, such that they become a debtor for repayment\". The definition encompasses traditional commercial banks, savings banks, private banks and new forms such as crowdfunding platforms.\n\n**N. 8** **Stock exchange business (para. 1)**: Not only traditional securities exchanges are covered, but also multilateral trading facilities (MTF) and organised trading facilities (OTF). Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 17–21) emphasize the technology-neutral interpretation in view of electronic trading platforms.\n\n**N. 9** **Special position of cantonal banks (para. 1)**: This formulation enables differentiated regulations, but does not prohibit equal treatment. According to Kaufmann/Utz, the special nature is primarily justified by ownership and potential state guarantees, not by a constitutional special position.\n\n**N. 10** **Financial services in other areas (para. 2)**: This general clause covers asset management, investment advice, payment services and new business models such as cryptocurrency trading. The \"may\" formulation grants the legislator discretion whether and how to regulate.\n\n**N. 11** **Private insurance business (para. 3)**: The competence encompasses the entire private insurance industry. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 52), the Federal Court identifies five core characteristics: \"Risk, performance of the insured, performance of the insurer, independence of the operation and compensation of risks according to the laws of statistics\".\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** The competence norm authorizes the Confederation to issue all regulations in the designated area: licensing requirements, organizational regulations, supervisory measures, sanctions. The legislation can be designed preventively (ex ante) or reactively (ex post).\n\n**N. 13** The exercise of competence is optional. The Confederation need not regulate, but may. However, once it has legislated, federal law takes precedence over cantonal law (→ Art. 49 BV). The cantons may not issue contradictory regulations.\n\n**N. 14** The fundamental rights obligation of FINMA is disputed. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 39) refer to → Art. 35 para. 2 BV, according to which fundamental rights must also be observed when private parties fulfill state tasks. FINMA as a public law institution is subject to full fundamental rights obligation.\n\n## 5. Points of Contention\n\n**N. 15** **Legal nature of listing regulations**: The newer view, represented by Weber (Stock Exchange Law Commentary, 2nd ed. 2013) and Böckli (Swiss Company Law, 4th ed. 2009), qualifies listing regulations as legal norms that were issued by the stock exchange based on a delegation norm. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 98 N. 43), the Federal Court has so far left this question open.\n\n**N. 16** **Scope of supervisory duties**: Breining-Kaufmann/Weber (HAVE 2008, 89 ff.) advocate extensive state liability for inadequate financial market supervision. In contrast, Biaggini (FS Zobl 2004, 585 ff.) and Nobel (Financial Market Law, 3rd ed. 2010, N. 234) argue that supervision primarily addresses systemic risks, not the protection of individual investors.\n\n**N. 17** **Relationship to Art. 122 BV**: It is disputed to what extent public law interventions in private law relationships are permissible. Hänni/Stöckli (Economic Administrative Law 2013, § 25 N. 8) represent a narrow interpretation, while FINMA practice shows extensive supervisory intervention.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 18** When establishing new financial intermediaries, it should be examined early whether a licensing requirement exists under the Banking Act, SESTA, Insurance Supervision Act or other financial market laws. FINMA publishes circulars for the interpretation of indeterminate legal concepts.\n\n**N. 19** For cross-border situations, the territoriality principle must be observed. Swiss financial market law basically applies to all financial services provided in Switzerland, regardless of the provider's domicile (**BGE 108 Ib 286**).\n\n**N. 20** Cantonal competence for public insurance remains. **BGE 138 I 378** confirmed that cantonal building insurance companies may also operate in the competitive area, provided competitive neutrality is maintained. A strict separation of monopoly and competitive areas is required.\n\n**N. 21** Technological development (blockchain, cryptocurrencies, DeFi) poses new challenges. FINMA applies existing categories in a technology-neutral manner. New business models are to be qualified based on their economic function, not their technical design (FINMA ICO Guidelines 2018).\n\n**N. 22** The relationship to EU regulation is gaining importance. Although Switzerland is not bound by EU financial market directives, legislation factually often orients itself to European standards (autonomous nachvollzug). This applies particularly to MiFID II, Solvency II and Basel III.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## State Insurance Activity and Economic Freedom\n\n### Admissibility of State Competition in Private Insurance\n\n**BGE 138 I 378** of 3 July 2012\n\nIn this landmark decision on state insurance activity, the Federal Court examined the compatibility of a cantonal property insurance institution with economic freedom. The case concerned the expansion of the business activities of the Cantonal Property Insurance of Glarus (Glarnersach) from its previous monopoly area to the competitive area.\n\n> «Entrepreneurial activity by the state is compatible with the principle of economic freedom (Art. 94 para. 4 Federal Constitution) provided there is a formal legal basis, the activity is in the public interest and proportionate, and the principle of competitive neutrality is maintained.»\n\nThe Federal Court held that Art. 98 para. 3 Federal Constitution empowers the Confederation to issue regulations on private insurance, but this regulatory competence does not cover public insurance institutions. A public insurance institution is not subject to the Insurance Supervision Act, even in the competitive area.\n\n### Competitive Neutrality and Cross-Subsidisation Prohibition\n\n**BGE 138 I 378** of 3 July 2012\n\nThe judgment clarified the requirements for competitive neutrality of state insurance activity:\n\n> «Competitive neutrality of entrepreneurial state activity prohibits systematic cross-subsidisation between monopoly and competitive areas.»\n\nThe Court required calculatory separation of business areas, but accepted that this need not occur within a separate legal entity. What is decisive is the appropriate allocation of costs according to comprehensible keys.\n\n## Banking Supervision and Banking Secrecy\n\n### Banking Secrecy and International Administrative Assistance\n\n**BGE 125 II 83** of 29 October 1998\n\nThe Federal Court addressed the limits of banking secrecy in the context of international administrative assistance. The case concerned a German request for information from Swiss banks in the context of an insider investigation.\n\n> «Banking secrecy does not preclude administrative assistance if the requirements of Art. 38 Stock Exchange Act are met. The protection of banking secrecy could only count among the essential interests of Switzerland within the meaning of Art. 1a International Administrative Assistance Act (applied by analogy) if it were virtually undermined by the requested information.»\n\nThe decision clarified that federal regulation of financial market supervision takes precedence over cantonal banking secrecy insofar as the legal requirements for administrative assistance are met.\n\n### Legal Status of Cantonal Banks\n\n**BGE 110 Ib 166** of 2 February 1984\n\nThe Federal Court clarified the supervisory legal status of cantonal banks without state guarantee:\n\n> «Insofar as Art. 13 para. 3 Banking Ordinance grants cantonal banks for whose liabilities the canton is not liable the same legal status as other banks, it remains within the framework of the delegation provision of Art. 4 para. 2 Banking Act.»\n\nThe decision confirmed that Art. 98 para. 1 Federal Constitution empowers the Confederation to create different regulations for different types of banks, whereby the special position of cantonal banks must be taken into account.\n\n**Judgment 2A.254/2000** of 2 April 2001\n\nThe Federal Court addressed the tax law aspects of a privatised cantonal bank. Berner Kantonalbank AG had been partially exempted from direct federal tax because the canton still held the majority.\n\nThe judgment illustrated the practical effects of the special position of cantonal banks in the tension between the public and private sectors.\n\n## Insurance Supervision\n\n### Delimitation of Supervisory Duty\n\n**BGE 114 Ib 244** of 18 November 1988\n\nThe Federal Court clarified the concept of \"insurance institution\" within the meaning of the Insurance Supervision Act and the requirements for exceptions from the supervisory duty. The case concerned a financial company without a banking licence.\n\n**BGE 108 Ib 286** of 13 May 1982\n\nIn this early decision on insurance supervision, the Court held:\n\n> «A foreign insurance company that concludes an insurance contract with a policyholder domiciled in Switzerland regarding the latter's professional liability risk is in principle subject to Swiss insurance supervision.»\n\nThis case law established the territoriality principle of Swiss insurance supervision.\n\n## Recent Developments\n\n### FINMA Case Law\n\nSince the creation of FINMA in 2009, various proceedings before the Federal Administrative Court have developed that illustrate the practical application of Art. 98 Federal Constitution:\n\n**B-2091/2014** of 23 March 2015 (Federal Administrative Court)\n\nThe Federal Administrative Court addressed financial market supervision in a complex banking procedure and confirmed FINMA's extensive supervisory powers within the framework of Art. 98 Federal Constitution.\n\n### PostBank Opinion\n\nThe opinion of the Federal Office of Justice of 2 September 2009 (VPB 150000203) discussed in detail the interpretation of Arts. 92, 98 and 99 Federal Constitution in the context of a possible PostBank:\n\n> «Due to the federal division of competences (Arts. 3 and 42 Federal Constitution) and due to the principle of a state-free economy (partial content of Arts. 27 and 94 Federal Constitution), the Confederation would need a constitutional basis to operate a PostBank. However, such a basis does not exist today.»\n\nThe opinion illustrated the narrow interpretation of competence norms in the financial sector and the necessity of explicit constitutional bases for new state activities.\n\n## Chronological Development\n\nThe case law on Art. 98 Federal Constitution shows a continuous development from the early decisions on insurance supervision in the 1980s through the banking secrecy case law of the 1990s to modern FINMA practice.\n\nParticularly influential was **BGE 138 I 378**, which clearly defined the constitutional limits of state economic activity in the financial sector and developed the examination scheme that remains authoritative today: legal basis, public interest, proportionality and competitive neutrality.\n\nThe case law confirms that Art. 98 Federal Constitution grants the Confederation comprehensive but not exclusive regulatory competence. Cantons can continue to operate their own financial institutions, but must observe federal legal requirements regarding economic freedom.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_98", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 99, "article_suffix": "", "title": "Geld- und Währungspolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "Artikel 99 regelt die Geld- und Währungsordnung der Schweiz. Nur der Bund darf Münzen und Banknoten ausgeben (Währungsmonopol). Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt als unabhängige Zentralbank die Geldpolitik. Sie muss dabei dem Gesamtinteresse des Landes dienen.\n\nDie SNB ist unabhängig, steht aber unter Aufsicht des Bundes. Der Bundesrat ernennt die Bankleitung. Die SNB muss ausreichende Währungsreserven halten, teilweise in Gold. Der Gewinn der SNB geht zu mindestens zwei Dritteln an die Kantone.\n\nDas Währungsmonopol bedeutet: Private oder kantonale Währungen sind nicht erlaubt. Der Staat muss Steuern in Schweizer Franken akzeptieren. Die Unabhängigkeit der SNB ermöglicht eine Geldpolitik ohne direkte politische Einmischung. Das ist wichtig für die Preisstabilität.\n\nDie SNB kann ihre Geldpolitik eigenständig bestimmen. Sie muss aber die Wirtschaftslage berücksichtigen. Bei grossen Währungskrisen arbeitet sie mit anderen Behörden zusammen. Die Goldreserve soll Vertrauen schaffen.\n\nEin Beispiel für die SNB-Unabhängigkeit: Wenn die Inflation steigt, kann die SNB die Zinsen erhöhen, auch wenn die Regierung das nicht will. So schützt sie den Wert des Schweizer Frankens.\n\nDie Kantone erhalten jedes Jahr ihren Anteil am SNB-Gewinn. Dieser schwankt je nach Erfolg der SNB. Bei guten Erträgen aus Währungsreserven bekommen die Kantone mehr Geld.\n\nDie Verfassung verbietet private Währungen. Auch regionale Zahlungsmittel sind nur als Gutscheine erlaubt, nicht als echtes Geld. Das schützt die Stabilität des Schweizer Frankens.", "doctrine_de": "# Art. 99 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Geld- und Währungsordnung des Bundes hat ihre Wurzeln in der Bundesverfassung von 1874, die dem Bund das Münzregal (Art. 38 aBV) und das Recht zur Ausgabe von Banknoten (Art. 39 aBV) übertrug (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 1–3). Die Schweizerische Nationalbank wurde 1907 als unabhängige Zentralbank nach dem Vorbild der deutschen Reichsbank gegründet, nachdem frühere Versuche einer Staatsbank am Volkswiderstand gescheitert waren (Baltensperger, Der Schweizer Franken, S. 128–152).\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 führte die verschiedenen währungsrechtlichen Bestimmungen in Art. 99 BV zusammen (BBl 1997 I 342). Die Botschaft betont die verfassungsrechtliche Verankerung der SNB-Unabhängigkeit als «conditio sine qua non für eine glaubwürdige und erfolgreiche Geldpolitik» (BBl 1997 I 343). Der Verfassungsgeber wollte das bewährte System der unabhängigen Zentralbank fortführen und gleichzeitig die demokratische Einbindung durch die Mitwirkung und Aufsicht des Bundes sicherstellen (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 4–6).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 99 BV steht im 7. Abschnitt «Finanz- und Wirtschaftsordnung» und bildet zusammen mit Art. 100 BV (Konjunkturpolitik) die verfassungsrechtliche Grundlage der schweizerischen Geldordnung. Die Bestimmung weist systematische Bezüge zu Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung) und Art. 98 BV (Banken und Versicherungen) auf (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 7–8).\n\n**N. 4** Die Währungshoheit ist Teil der staatlichen Souveränität und eng mit der Wirtschafts- und Aussenpolitik verknüpft. Art. 99 BV konkretisiert die allgemeine Bundeskompetenz im Bereich der auswärtigen Angelegenheiten (Art. 54 BV) für den Währungsbereich und ergänzt die Finanzkompetenz des Bundes (Art. 126–135 BV) um die geldpolitische Dimension.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Währungshoheit des Bundes (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die umfassende Bundeskompetenz für das «Geld- und Währungswesen» schliesst nach herrschender Lehre die Regelung aller Aspekte der Geldordnung ein: Währungseinheit, Zahlungsmittel, Geldwertstabilität und internationale Währungsbeziehungen (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 9–10; Ehrenzeller/Nobs/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 5–7).\n\n**N. 6** Das Bargeldmonopol («diesem allein») ist absolut und schliesst kantonale oder private Währungen kategorisch aus. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 11–15) betonen, dass dieses Monopol auch Regionalwährungen und private Zahlungsmittel erfasst, soweit sie Geldfunktionen wahrnehmen. Die Abgrenzung zu blossen Verrechnungseinheiten oder Gutscheinsystemen erfolgt nach funktionalen Kriterien (allgemeine Akzeptanz, Wertaufbewahrungsfunktion, Tauschmittelfunktion).\n\n#### b) Unabhängigkeit der Nationalbank (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit der SNB umfasst nach der Lehre von Cukierman/Webb/Neyapti (BSK BV, Art. 99 N. 22) vier Dimensionen: personelle, funktionelle, institutionelle und finanzielle Unabhängigkeit. Diese Unabhängigkeit ist nach empirischen Studien eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Erfüllung des Preisstabilitätsmandats.\n\n**N. 8** Die Bindung an das «Gesamtinteresse des Landes» konkretisiert sich primär im gesetzlichen Auftrag der Preisstabilität (Art. 5 Abs. 1 NBG), schliesst aber nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 31–41) die Berücksichtigung der konjunkturellen Entwicklung nicht aus. Die SNB muss ihre Politik gesamtwirtschaftlich ausrichten und darf nicht einseitig Partikularinteressen verfolgen.\n\n**N. 9** Die «Mitwirkung und Aufsicht des Bundes» manifestiert sich in der Ernennung der Bankleitung durch den Bundesrat (Art. 42 NBG), der Genehmigung des Geschäftsreglements und der Rechenschaftspflicht gegenüber Bundesrat und Parlament (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 22–30). Diese Einbindung wahrt die demokratische Legitimation bei gleichzeitiger operativer Unabhängigkeit.\n\n#### c) Währungsreserven (Abs. 3)\n\n**N. 10** Die Pflicht zur Bildung «ausreichender Währungsreserven» ist eine Verfassungsvorgabe ohne präzise Quantifizierung. Nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 42–82) umfasst die Angemessenheit sowohl die Höhe als auch die Zusammensetzung der Reserven. Die SNB verfügt über erheblichen Ermessensspielraum bei der Bestimmung des notwendigen Reserveniveaus.\n\n**N. 11** Die Goldreserve («ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten») ist verfassungsrechtlich zwingend, ohne dass ein Mindestanteil festgelegt wäre. Die historische Bedeutung des Goldes als Währungsanker schlägt sich in dieser symbolischen Verfassungsvorgabe nieder, wobei die SNB die konkrete Höhe nach währungspolitischen Gesichtspunkten bestimmt (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 78–82).\n\n#### d) Gewinnverteilung (Abs. 4)\n\n**N. 12** Die Zwei-Drittel-Regel für die Kantonsanteile am SNB-Reingewinn ist eine zwingende Verfassungsvorgabe. Nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 83–88) erfolgt die Verteilung nach Massgabe der Wohnbevölkerung (Art. 31 NBG). Das verbleibende Drittel fliesst an den Bund, wobei die genaue Gewinnermittlung und -verwendung im NBG geregelt ist.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Aus dem Währungsmonopol folgt die ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes für alle währungsrechtlichen Fragen. Die Kantone sind von jeder Regelung in diesem Bereich ausgeschlossen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2844). Private Währungen oder Zahlungsmittel, die in Konkurrenz zum gesetzlichen Zahlungsmittel treten, sind verfassungswidrig.\n\n**N. 14** Die verfassungsrechtliche Unabhängigkeit der SNB begründet nach der Lehre von Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 22) eine eingeschränkte gerichtliche Kontrolldichte ihrer geldpolitischen Entscheidungen. Gerichte können nur evident rechtswidrige Massnahmen beanstanden, nicht aber die geldpolitische Zweckmässigkeit überprüfen.\n\n**N. 15** Die Goldreserve-Vorgabe verpflichtet die SNB zur dauerhaften Haltung eines Goldbestands. Nach Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 80) wäre eine vollständige Veräusserung der Goldreserven verfassungswidrig. Die Höhe des Goldanteils liegt jedoch im pflichtgemässen Ermessen der SNB.\n\n**N. 16** Der verfassungsrechtliche Anspruch der Kantone auf zwei Drittel des Reingewinns ist unmittelbar durchsetzbar. Die Gewinnausschüttung erfolgt jährlich nach Massgabe des festgestellten ausschüttbaren Gewinns gemäss der zwischen Bund und SNB vereinbarten Gewinnausschüttungsvereinbarung (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 85–87).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** Umstritten ist der genaue Umfang der SNB-Unabhängigkeit bei systemrelevanten Krisen. Kaufmann (BSK BV, Art. 99 N. 40) vertritt die Auffassung, dass die gemeinsame Verantwortung von SNB und FINMA für die Systemstabilität eine enge Kooperation erfordert. Kritische Stimmen in der Lehre (Nobel, Finanzmarktrecht, N. 847) sehen darin eine potenzielle Gefährdung der geldpolitischen Unabhängigkeit durch regulatorische Verflechtungen.\n\n**N. 18** Die Zulässigkeit digitaler Zentralbankwährungen (CBDC) unter Art. 99 BV ist doktrinär kontrovers. Befürworter wie Vischer (Geld- und Währungsrecht, S. 234) sehen in CBDC eine technologische Evolution des Bargelds, die vom Währungsmonopol gedeckt ist. Skeptiker argumentieren mit Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2851), dass CBDC neue verfassungsrechtliche Fragen bezüglich Datenschutz und Negativzinsen aufwerfen.\n\n**N. 19** Der Mindestgoldanteil ist Gegenstand anhaltender Debatten. Während Baltensperger (Der Schweizer Franken, S. 412) für einen substanziellen Goldanteil zur Wahrung des Vertrauens plädiert, betonen Nobel (Finanzmarktrecht, N. 892) und die Mehrheit der Lehre die Notwendigkeit flexibler Reservepolitik ohne starre Goldquote.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Beurteilung neuer Zahlungsmittel (Kryptowährungen, Regionalwährungen) ist die funktionale Abgrenzung zum gesetzlichen Zahlungsmittel entscheidend. Massgeblich sind die drei Geldfunktionen: Tauschmittel, Wertaufbewahrung und Recheneinheit. Erfüllt ein privates Zahlungsmittel alle drei Funktionen umfassend, verstösst es gegen das Währungsmonopol des Bundes.\n\n**N. 21** Die gerichtliche Anfechtung geldpolitischer Massnahmen der SNB unterliegt hohen Hürden. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (B-4364/2009) ist nur die Rüge evidenter Rechtsverletzungen möglich. Beschwerdeführer müssen konkret darlegen, inwiefern die SNB ihr Ermessen eindeutig überschritten oder ihren gesetzlichen Auftrag verletzt hat.\n\n**N. 22** Für die Praxis der Gewinnausschüttung ist die mehrjährige Gewinnausschüttungsvereinbarung zwischen EFD und SNB massgeblich. Diese legt die jährlichen Ausschüttungsbeträge unter Berücksichtigung der Ertragslage und der Reservebildung fest. Die Kantone haben Anspruch auf Information über die Gewinnverwendung, aber keinen Einfluss auf die Gewinnermittlung.\n\n**N. 23** Internationale Währungsabkommen und die Mitgliedschaft in internationalen Währungsorganisationen (IWF, BIZ) erfordern die Koordination zwischen Bundesrat und SNB. Während die aussenpolitische Kompetenz beim Bundesrat liegt (Art. 184 BV), muss die operative Umsetzung die Unabhängigkeit der SNB wahren (Richli, Internationale Verflechtung, S. 156–178).", "caselaw_de": "# Art. 99 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Unabhängigkeit und behördliche Äusserungen der SNB\n\n**BGE 145 I 175** vom 10. Dezember 2018 — Zulässigkeit behördlicher Interventionen der Schweizerischen Nationalbank im Abstimmungskampf zur Vollgeld-Initiative\nDas Bundesgericht bestätigte die Befugnis der SNB zur öffentlichen Meinungsäusserung bei Abstimmungen, welche ihren Aufgabenbereich betreffen. Die SNB war als unabhängige Zentralbank (Art. 99 Abs. 2 BV) berechtigt, sich zur Vollgeld-Initiative zu äussern, musste dabei aber die Grundsätze der Sachlichkeit, Transparenz und Verhältnismässigkeit beachten. Die Entscheidung konkretisiert die verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit der SNB und deren Grenzen im demokratischen Prozess.\n\n> «Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes vom 3. Oktober 2003 über die Schweizerische Nationalbank (NBG; SR 951.11) ist die SNB eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft. Sie führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient (Art. 99 Abs. 2 BV). In der Wahrnehmung ihrer Aufgaben ist die SNB an die Grundrechte gebunden (Art. 35 Abs. 2 BV).»\n\nDie Entscheidung wird in der Doktrin als wichtiger Beitrag zur Konkretisierung der SNB-Unabhängigkeit gewürdigt, wobei Häner (BSK BV, Art. 99 N. 25) betont, dass die institutionelle Unabhängigkeit nicht zur völligen Isolierung vom demokratischen Diskurs führen dürfe.\n\n### Rechtsnatur und Aufgaben der SNB\n\n**BGE 109 Ib 146** vom 1. Juli 1983 — Rechtsnatur der Sorgfaltspflichtsvereinbarung der SNB\nDas Bundesgericht klärte die Abgrenzung zwischen öffentlich- und privatrechtlichem Handeln der SNB. Auch bei privatrechtlichen Aktivitäten bleibt die SNB an ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag und die Grundrechte gebunden. Die Entscheidung ist grundlegend für das Verständnis der dualen Rechtsnatur der SNB als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft mit öffentlich-rechtlichem Auftrag.\n\n> «Schliesslich ist festzuhalten, dass die Nationalbank selbstverständlich auch dort, wo sie als Aktiengesellschaft privatrechtlich handelnd auftritt, an ihren öffentlichen Auftrag im weitesten Sinne gebunden bleibt, was zur Folge hat, dass sie in ihren privatrechtlichen Aktivitäten sinngemäss die verfassungsmässigen Grundrechte zu beachten hat.»\n\nDiese Rechtsprechung wird von Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 18) als richtungsweisend für die Einordnung der SNB als Träger öffentlicher Aufgaben bezeichnet.\n\n**Urteil 2A.312/2004** vom 22. April 2005 — Abberufung einer SNB-Direktorin\nDas Bundesgericht bestätigte die Bundeskompetenz für die Ernennung und Abberufung der SNB-Direktionsmitglieder. Die Entscheidung verdeutlicht die bundesstaatliche Einbindung der SNB bei gleichzeitiger operativer Unabhängigkeit. Die Abberufungsbefugnis des Bundesrates stellt ein wichtiges Kontrollinstrument dar, das die Verantwortlichkeit der SNB-Führung gegenüber den demokratischen Institutionen sichert.\n\n### Geldpolitische Massnahmen und gerichtliche Kontrolle\n\n**Urteil B-4364/2009** des BVGer vom 18. November 2009 — Grenzen der gerichtlichen Überprüfung der Geldpolitik\nDas Bundesverwaltungsgericht stellte fest, dass geldpolitische Entscheidungen der SNB nur sehr eingeschränkt gerichtlich überprüfbar sind. Die verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit der SNB (Art. 99 Abs. 2 BV) schliesst eine umfassende materielle Kontrolle ihrer Geld- und Währungspolitik aus. Das Gericht kann lediglich evident rechtswidrige Massnahmen beanstanden.\n\n> «Die Vorinstanz seit Jahren eine Geld- und Währungspolitik betreibe, die nicht den Interessen des Landes diene.»\n\nDiese restriktive Kontrolldichte wird in der Literatur überwiegend befürwortet, wobei Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2847) die demokratische Legitimation der SNB-Unabhängigkeit durch die Verfassung betonen.\n\n### Währungshoheit und Münzemission\n\n**BGE 103 III 6** vom 7. September 1977 — Unpfändbarkeit von ausser Kurs gesetzten Silbermünzen\nDas Bundesgericht entschied über die Rechtsnatur von Münzen nach ihrer Ausserkurssetzung. Entscheidend war, dass die Münzen bei der SNB zum vollen Nennwert umgetauscht werden konnten. Die Entscheidung unterstreicht das Monopol der SNB bei der Geldversorgung und die fortdauernde Einlösungspflicht für ausser Kurs gesetzte Zahlungsmittel.\n\n**Urteil 6B_1205/2015** vom 7. Januar 2016 — Verletzung der Währungshoheit\nDas Bundesgericht wies eine Beschwerde ab, die eine Verletzung von Art. 99 BV durch die Verwendung bestimmter Zahlungsmittel geltend machte. Die Entscheidung bestätigt die ausschliessliche Bundeskompetenz für Geld- und Währungswesen und die umfassende Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers bei der Ausgestaltung des Zahlungsmittelsystems.\n\n### Gewinnverteilung und Währungsreserven\n\n**Urteil 2C_541/2010** vom 27. Dezember 2010 — Mehrwertsteuerliche Behandlung der SNB\nDas Bundesgericht bestätigte die mehrwertsteuerrechtliche Behandlung der SNB als öffentlich-rechtliche Körperschaft. Die Entscheidung ist relevant für die Auslegung von Art. 99 Abs. 4 BV (Gewinnverteilung), da sie die öffentlich-rechtliche Natur der SNB trotz ihrer Rechtsform als Aktiengesellschaft unterstreicht.\n\nDie bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 99 BV wird in der Doktrin als zurückhaltend, aber konsistent gewürdigt. Waldmann (BSK BV, Art. 99 N. 42) betont, dass die Gerichte die verfassungsrechtlich gewollte Unabhängigkeit der SNB respektieren und nur bei evidenten Rechtsverletzungen eingreifen.", "summary_fr": "L'article 99 règle l'ordre monétaire et monétaire de la Suisse. Seule la Confédération peut émettre des pièces et des billets de banque (monopole monétaire). La Banque nationale suisse (BNS) mène la politique monétaire en tant que banque centrale indépendante. Elle doit servir l'intérêt général du pays.\n\nLa BNS est indépendante, mais elle est soumise à la surveillance de la Confédération. Le Conseil fédéral nomme la direction de la banque. La BNS doit détenir des réserves monétaires suffisantes, en partie en or. Le bénéfice de la BNS revient pour au moins deux tiers aux cantons.\n\nLe monopole monétaire signifie : les monnaies privées ou cantonales ne sont pas autorisées. L'État doit accepter les impôts en francs suisses. L'indépendance de la BNS permet une politique monétaire sans ingérence politique directe. Ceci est important pour la stabilité des prix.\n\nLa BNS peut déterminer sa politique monétaire de manière autonome. Elle doit cependant tenir compte de la situation économique. En cas de grandes crises monétaires, elle collabore avec d'autres autorités. La réserve d'or doit créer la confiance.\n\nUn exemple de l'indépendance de la BNS : si l'inflation augmente, la BNS peut relever les taux d'intérêt, même si le gouvernement ne le souhaite pas. Elle protège ainsi la valeur du franc suisse.\n\nLes cantons reçoivent chaque année leur part du bénéfice de la BNS. Celle-ci varie selon le succès de la BNS. En cas de bons rendements des réserves monétaires, les cantons reçoivent davantage d'argent.\n\nLa Constitution interdit les monnaies privées. Les moyens de paiement régionaux ne sont également autorisés qu'en tant que bons, non comme véritable monnaie. Ceci protège la stabilité du franc suisse.", "doctrine_fr": "# Art. 99 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'ordre monétaire et du change de la Confédération trouve ses racines dans la Constitution fédérale de 1874, qui transférait à la Confédération la régale des monnaies (art. 38 aCst.) et le droit d'émission des billets de banque (art. 39 aCst.) (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 1–3). La Banque nationale suisse fut fondée en 1907 comme banque centrale indépendante selon le modèle de la Reichsbank allemande, après que de précédentes tentatives d'une banque d'État eurent échoué face à la résistance populaire (Baltensperger, Der Schweizer Franken, p. 128–152).\n\n**N. 2** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 réunit les différentes dispositions de droit du change en l'art. 99 Cst. (FF 1997 I 316). Le message souligne l'ancrage constitutionnel de l'indépendance de la BNS comme « conditio sine qua non pour une politique monétaire crédible et couronnée de succès » (FF 1997 I 316). Le constituant voulait poursuivre le système éprouvé de la banque centrale indépendante tout en assurant l'intégration démocratique par la participation et la surveillance de la Confédération (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 4–6).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 99 Cst. figure dans la 7e section « Ordre financier et économique » et forme avec l'art. 100 Cst. (politique conjoncturelle) le fondement constitutionnel de l'ordre monétaire suisse. La disposition présente des liens systématiques avec l'art. 94 Cst. (principes de l'ordre économique) et l'art. 98 Cst. (banques et assurances) (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 7–8).\n\n**N. 4** La souveraineté monétaire fait partie de la souveraineté étatique et est étroitement liée à la politique économique et extérieure. L'art. 99 Cst. concrétise la compétence générale de la Confédération dans le domaine des affaires extérieures (art. 54 Cst.) pour le domaine monétaire et complète la compétence financière de la Confédération (art. 126–135 Cst.) par la dimension de politique monétaire.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Souveraineté monétaire de la Confédération (al. 1)\n\n**N. 5** La compétence globale de la Confédération pour « la monnaie et le change » englobe selon la doctrine dominante la réglementation de tous les aspects de l'ordre monétaire : unité monétaire, moyens de paiement, stabilité de la valeur monétaire et relations monétaires internationales (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 9–10 ; Ehrenzeller/Nobs/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 5–7).\n\n**N. 6** Le monopole de l'argent liquide (« à elle seule ») est absolu et exclut catégoriquement les monnaies cantonales ou privées. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 11–15) soulignent que ce monopole saisit aussi les monnaies régionales et les moyens de paiement privés, dans la mesure où ils remplissent des fonctions monétaires. La délimitation par rapport aux simples unités de compte ou systèmes de bons s'effectue selon des critères fonctionnels (acceptation générale, fonction de réserve de valeur, fonction de moyen d'échange).\n\n#### b) Indépendance de la Banque nationale (al. 2)\n\n**N. 7** L'indépendance de la BNS garantie par la Constitution comprend selon la doctrine de Cukierman/Webb/Neyapti (BSK BV, Art. 99 N. 22) quatre dimensions : indépendance personnelle, fonctionnelle, institutionnelle et financière. Cette indépendance est selon les études empiriques une condition essentielle pour l'accomplissement réussi du mandat de stabilité des prix.\n\n**N. 8** L'engagement dans « l'intérêt général du pays » se concrétise principalement dans le mandat légal de stabilité des prix (art. 5 al. 1 LBN), mais n'exclut pas selon Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 31–41) la prise en compte de l'évolution conjoncturelle. La BNS doit orienter sa politique de manière macroéconomique et ne peut pas poursuivre unilatéralement des intérêts particuliers.\n\n**N. 9** La « participation et la surveillance de la Confédération » se manifestent dans la nomination de la direction de la banque par le Conseil fédéral (art. 42 LBN), l'approbation du règlement d'organisation et l'obligation de rendre compte au Conseil fédéral et au Parlement (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 22–30). Cette intégration préserve la légitimation démocratique tout en maintenant l'indépendance opérationnelle.\n\n#### c) Réserves monétaires (al. 3)\n\n**N. 10** L'obligation de constituer « des réserves monétaires suffisantes » est une prescription constitutionnelle sans quantification précise. Selon Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 42–82), l'adéquation comprend tant la hauteur que la composition des réserves. La BNS dispose d'une marge d'appréciation considérable pour déterminer le niveau de réserves nécessaire.\n\n**N. 11** La réserve d'or (« une partie de ces réserves est détenue en or ») est constitutionnellement impérative, sans qu'une part minimale soit fixée. L'importance historique de l'or comme ancrage monétaire se reflète dans cette prescription constitutionnelle symbolique, la BNS déterminant la hauteur concrète selon des considérations de politique monétaire (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 78–82).\n\n#### d) Répartition du bénéfice (al. 4)\n\n**N. 12** La règle des deux tiers pour les parts cantonales au bénéfice net de la BNS est une prescription constitutionnelle impérative. Selon Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 83–88), la répartition s'effectue selon la population résidante (art. 31 LBN). Le tiers restant revient à la Confédération, la détermination et l'utilisation exactes du bénéfice étant réglées dans la LBN.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 13** Du monopole monétaire découle la compétence législative exclusive de la Confédération pour toutes les questions de droit du change. Les cantons sont exclus de toute réglementation dans ce domaine (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2844). Les monnaies ou moyens de paiement privés qui entrent en concurrence avec le moyen de paiement légal sont contraires à la Constitution.\n\n**N. 14** L'indépendance constitutionnelle de la BNS fonde selon la doctrine de Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 22) une densité de contrôle judiciaire limitée de ses décisions de politique monétaire. Les tribunaux ne peuvent censurer que les mesures évidemment contraires au droit, mais pas vérifier l'opportunité de la politique monétaire.\n\n**N. 15** La prescription de réserve d'or oblige la BNS à détenir durablement un stock d'or. Selon Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 80), une aliénation complète des réserves d'or serait contraire à la Constitution. La hauteur de la part d'or relève cependant du pouvoir d'appréciation consciencieux de la BNS.\n\n**N. 16** Le droit constitutionnel des cantons à deux tiers du bénéfice net est directement exécutoire. La distribution du bénéfice s'effectue annuellement selon le bénéfice distribuable constaté conformément à la convention de distribution du bénéfice convenue entre la Confédération et la BNS (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 85–87).\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 17** L'étendue exacte de l'indépendance de la BNS en cas de crises d'importance systémique est controversée. Kaufmann (BSK BV, Art. 99 N. 40) défend la position que la responsabilité commune de la BNS et de la FINMA pour la stabilité du système exige une étroite coopération. Des voix critiques dans la doctrine (Nobel, Finanzmarktrecht, N. 847) y voient une mise en danger potentielle de l'indépendance de la politique monétaire par des interconnexions réglementaires.\n\n**N. 18** L'admissibilité des monnaies numériques de banque centrale (CBDC) sous l'art. 99 Cst. est controversée sur le plan doctrinal. Les partisans comme Vischer (Geld- und Währungsrecht, p. 234) voient dans les CBDC une évolution technologique de l'argent liquide couverte par le monopole monétaire. Les sceptiques argumentent avec Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2851) que les CBDC soulèvent de nouvelles questions constitutionnelles concernant la protection des données et les taux négatifs.\n\n**N. 19** La part minimale d'or fait l'objet de débats persistants. Alors que Baltensperger (Der Schweizer Franken, p. 412) plaide pour une part d'or substantielle pour préserver la confiance, Nobel (Finanzmarktrecht, N. 892) et la majorité de la doctrine soulignent la nécessité d'une politique de réserves flexible sans quota d'or rigide.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Pour l'appréciation de nouveaux moyens de paiement (cryptomonnaies, monnaies régionales), la délimitation fonctionnelle par rapport au moyen de paiement légal est déterminante. Les trois fonctions monétaires sont déterminantes : moyen d'échange, réserve de valeur et unité de compte. Si un moyen de paiement privé remplit globalement ces trois fonctions, il viole le monopole monétaire de la Confédération.\n\n**N. 21** Le recours judiciaire contre les mesures de politique monétaire de la BNS est soumis à de hauts obstacles. Selon la jurisprudence du Tribunal administratif fédéral (B-4364/2009), seul le grief de violations évidentes du droit est possible. Les recourants doivent démontrer concrètement en quoi la BNS a clairement dépassé son pouvoir d'appréciation ou violé son mandat légal.\n\n**N. 22** Pour la pratique de la distribution du bénéfice, la convention pluriannuelle de distribution du bénéfice entre le DFF et la BNS est déterminante. Celle-ci fixe les montants de distribution annuels en tenant compte de la situation des revenus et de la constitution de réserves. Les cantons ont droit à l'information sur l'utilisation du bénéfice, mais n'ont aucune influence sur la détermination du bénéfice.\n\n**N. 23** Les accords monétaires internationaux et l'adhésion à des organisations monétaires internationales (FMI, BRI) exigent la coordination entre le Conseil fédéral et la BNS. Alors que la compétence de politique extérieure appartient au Conseil fédéral (art. 184 Cst.), la mise en œuvre opérationnelle doit préserver l'indépendance de la BNS (Richli, Internationale Verflechtung, p. 156–178).", "caselaw_fr": "# Art. 99 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Indépendance et déclarations officielles de la BNS\n\n**ATF 145 I 175** du 10 décembre 2018 — Admissibilité des interventions officielles de la Banque nationale suisse dans la campagne de votation sur l'initiative Monnaie pleine\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence de la BNS à exprimer publiquement son opinion lors de votations concernant son domaine de compétence. En tant que banque centrale indépendante (art. 99 al. 2 Cst.), la BNS était en droit de s'exprimer sur l'initiative Monnaie pleine, mais devait respecter les principes d'objectivité, de transparence et de proportionnalité. La décision concrétise l'indépendance garantie constitutionnellement de la BNS et ses limites dans le processus démocratique.\n\n> « Selon l'art. 1 de la loi fédérale du 3 octobre 2003 sur la Banque nationale suisse (LBN ; RS 951.11), la BNS est une société anonyme de droit spécial. Elle mène, en tant que banque centrale indépendante, une politique monétaire et de change qui sert l'intérêt général du pays (art. 99 al. 2 Cst.). Dans l'accomplissement de ses tâches, la BNS est liée par les droits fondamentaux (art. 35 al. 2 Cst.). »\n\nCette décision est saluée dans la doctrine comme une contribution importante à la concrétisation de l'indépendance de la BNS, Häner (BSK BV, Art. 99 N. 25) soulignant que l'indépendance institutionnelle ne doit pas conduire à un isolement total du discours démocratique.\n\n### Nature juridique et tâches de la BNS\n\n**ATF 109 Ib 146** du 1er juillet 1983 — Nature juridique de la convention de diligence de la BNS\nLe Tribunal fédéral a clarifié la délimitation entre l'action de droit public et de droit privé de la BNS. Même dans ses activités de droit privé, la BNS reste liée par son mandat de droit public et par les droits fondamentaux. Cette décision est fondamentale pour la compréhension de la nature juridique duale de la BNS en tant que société anonyme de droit spécial avec un mandat de droit public.\n\n> « Il faut enfin retenir que la Banque nationale, naturellement même là où elle agit en tant que société anonyme selon le droit privé, reste liée par son mandat public au sens le plus large, ce qui a pour conséquence qu'elle doit respecter par analogie les droits fondamentaux constitutionnels dans ses activités de droit privé. »\n\nCette jurisprudence est qualifiée par Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 18) d'importante pour la classification de la BNS comme porteuse de tâches publiques.\n\n**Arrêt 2A.312/2004** du 22 avril 2005 — Révocation d'une directrice de la BNS\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence fédérale pour la nomination et la révocation des membres de la direction de la BNS. La décision illustre l'intégration fédérale de la BNS tout en maintenant son indépendance opérationnelle. La compétence de révocation du Conseil fédéral constitue un important instrument de contrôle qui assure la responsabilité de la direction de la BNS envers les institutions démocratiques.\n\n### Mesures de politique monétaire et contrôle judiciaire\n\n**Arrêt B-4364/2009** du TAF du 18 novembre 2009 — Limites du contrôle judiciaire de la politique monétaire\nLe Tribunal administratif fédéral a établi que les décisions de politique monétaire de la BNS ne peuvent être contrôlées par les tribunaux que de manière très limitée. L'indépendance garantie constitutionnellement de la BNS (art. 99 al. 2 Cst.) exclut un contrôle matériel complet de sa politique monétaire et de change. Le tribunal ne peut contester que les mesures manifestement contraires au droit.\n\n> « L'instance précédente mène depuis des années une politique monétaire et de change qui ne sert pas les intérêts du pays. »\n\nCette densité de contrôle restrictive est largement approuvée dans la littérature, Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2847) soulignant la légitimation démocratique de l'indépendance de la BNS par la Constitution.\n\n### Souveraineté monétaire et émission de monnaie\n\n**ATF 103 III 6** du 7 septembre 1977 — Insaisissabilité des pièces d'argent retirées de la circulation\nLe Tribunal fédéral a tranché sur la nature juridique des pièces de monnaie après leur retrait de la circulation. Le point déterminant était que les pièces pouvaient être échangées à la BNS à leur pleine valeur nominale. La décision souligne le monopole de la BNS dans l'approvisionnement monétaire et l'obligation persistante de remboursement des moyens de paiement retirés de la circulation.\n\n**Arrêt 6B_1205/2015** du 7 janvier 2016 — Violation de la souveraineté monétaire\nLe Tribunal fédéral a rejeté un recours qui invoquait une violation de l'art. 99 Cst. par l'utilisation de certains moyens de paiement. La décision confirme la compétence fédérale exclusive pour les questions monétaires et de change ainsi que la liberté d'organisation complète du législateur dans l'aménagement du système des moyens de paiement.\n\n### Répartition des bénéfices et réserves monétaires\n\n**Arrêt 2C_541/2010** du 27 décembre 2010 — Traitement de la BNS en matière de TVA\nLe Tribunal fédéral a confirmé le traitement de la BNS comme collectivité de droit public en matière de TVA. Cette décision est pertinente pour l'interprétation de l'art. 99 al. 4 Cst. (répartition des bénéfices), car elle souligne la nature de droit public de la BNS malgré sa forme juridique de société anonyme.\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral concernant l'art. 99 Cst. est qualifiée dans la doctrine de retenue mais cohérente. Waldmann (BSK BV, Art. 99 N. 42) souligne que les tribunaux respectent l'indépendance de la BNS voulue constitutionnellement et n'interviennent qu'en cas de violations évidentes du droit.", "summary_it": "L'articolo 99 disciplina l'ordinamento monetario e valutario della Svizzera. Solo la Confederazione può emettere monete e banconote (monopolio monetario). La Banca nazionale svizzera (BNS) conduce la politica monetaria in quanto banca centrale indipendente. Deve servire l'interesse generale del Paese.\n\nLa BNS è indipendente, ma sottostà alla vigilanza della Confederazione. Il Consiglio federale nomina la direzione della banca. La BNS deve detenere riserve valutarie sufficienti, parzialmente in oro. L'utile della BNS va per almeno due terzi ai Cantoni.\n\nIl monopolio monetario significa: le valute private o cantonali non sono ammesse. Lo Stato deve accettare le tasse in franchi svizzeri. L'indipendenza della BNS consente una politica monetaria senza ingerenze politiche dirette. Ciò è importante per la stabilità dei prezzi.\n\nLa BNS può determinare autonomamente la sua politica monetaria. Deve però considerare la situazione economica. In caso di grandi crisi valutarie collabora con altre autorità. La riserva aurea deve creare fiducia.\n\nUn esempio dell'indipendenza della BNS: se l'inflazione aumenta, la BNS può aumentare i tassi d'interesse, anche se il governo non lo vuole. In questo modo protegge il valore del franco svizzero.\n\nI Cantoni ricevono ogni anno la loro quota dell'utile della BNS. Questa varia a seconda del successo della BNS. Con buoni rendimenti delle riserve valutarie i Cantoni ricevono più denaro.\n\nLa Costituzione vieta le valute private. Anche i mezzi di pagamento regionali sono ammessi solo come buoni, non come denaro vero. Ciò protegge la stabilità del franco svizzero.", "doctrine_it": "# Art. 99 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'elaborazione\n\n**N. 1** L'ordinamento monetario e valutario della Confederazione ha le sue radici nella Costituzione federale del 1874, che trasferì alla Confederazione la sovranità monetaria (art. 38 vCost.) e il diritto di emissione di banconote (art. 39 vCost.) (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 1–3). La Banca nazionale svizzera fu fondata nel 1907 come banca centrale indipendente sul modello della Reichsbank tedesca, dopo che precedenti tentativi di una banca di Stato erano falliti per la resistenza popolare (Baltensperger, Der Schweizer Franken, S. 128–152).\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 riunì le varie disposizioni di diritto valutario nell'art. 99 Cost. (FF 1997 I 342). Il messaggio sottolinea l'ancoraggio costituzionale dell'indipendenza della BNS come «conditio sine qua non per una politica monetaria credibile e di successo» (FF 1997 I 343). Il costituente voleva continuare il sistema collaudato della banca centrale indipendente e contemporaneamente assicurare l'integrazione democratica attraverso la partecipazione e la vigilanza della Confederazione (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 4–6).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 99 Cost. si trova nella 7a sezione «Ordinamento finanziario ed economico» e costituisce insieme all'art. 100 Cost. (politica congiunturale) la base costituzionale dell'ordinamento monetario svizzero. La disposizione presenta riferimenti sistematici all'art. 94 Cost. (principi dell'ordinamento economico) e all'art. 98 Cost. (banche e assicurazioni) (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 7–8).\n\n**N. 4** La sovranità valutaria è parte della sovranità statale ed è strettamente collegata alla politica economica e di politica estera. L'art. 99 Cost. concretizza la competenza generale della Confederazione nel settore degli affari esteri (art. 54 Cost.) per l'ambito valutario e completa la competenza finanziaria della Confederazione (art. 126–135 Cost.) con la dimensione di politica monetaria.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Sovranità valutaria della Confederazione (cpv. 1)\n\n**N. 5** La competenza globale della Confederazione per le «questioni monetarie e valutarie» include secondo la dottrina dominante la regolamentazione di tutti gli aspetti dell'ordinamento monetario: unità valutaria, mezzi di pagamento, stabilità del valore della moneta e relazioni valutarie internazionali (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 9–10; Ehrenzeller/Nobs/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 5–7).\n\n**N. 6** Il monopolio del denaro contante («a essa sola») è assoluto ed esclude categoricamente valute cantonali o private. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 11–15) sottolineano che questo monopolio comprende anche valute regionali e mezzi di pagamento privati, nella misura in cui svolgano funzioni monetarie. La delimitazione rispetto a semplici unità di calcolo o sistemi di buoni avviene secondo criteri funzionali (accettazione generale, funzione di conservazione del valore, funzione di mezzo di scambio).\n\n#### b) Indipendenza della Banca nazionale (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'indipendenza della BNS garantita costituzionalmente comprende secondo la dottrina di Cukierman/Webb/Neyapti (BSK BV, Art. 99 N. 22) quattro dimensioni: indipendenza del personale, funzionale, istituzionale e finanziaria. Questa indipendenza è secondo studi empirici un presupposto essenziale per l'adempimento con successo del mandato di stabilità dei prezzi.\n\n**N. 8** Il vincolo all'«interesse generale del Paese» si concretizza primariamente nell'incarico legale di stabilità dei prezzi (art. 5 cpv. 1 LBN), ma non esclude secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 31–41) la considerazione dell'evoluzione congiunturale. La BNS deve orientare la sua politica all'economia generale e non può perseguire unilateralmente interessi particolari.\n\n**N. 9** La «partecipazione e la vigilanza della Confederazione» si manifesta nella nomina della direzione della banca da parte del Consiglio federale (art. 42 LBN), nell'approvazione del regolamento di gestione e nell'obbligo di rendere conto al Consiglio federale e al Parlamento (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 22–30). Questa integrazione preserva la legittimazione democratica mantenendo contemporaneamente l'indipendenza operativa.\n\n#### c) Riserve valutarie (cpv. 3)\n\n**N. 10** L'obbligo di costituire «riserve valutarie sufficienti» è una prescrizione costituzionale senza quantificazione precisa. Secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 42–82) l'adeguatezza comprende sia l'ammontare sia la composizione delle riserve. La BNS dispone di un considerevole margine di apprezzamento nella determinazione del livello di riserve necessario.\n\n**N. 11** La riserva aurea («una parte di tali riserve è detenuta in oro») è costituzionalmente vincolante, senza che sia fissata una quota minima. L'importanza storica dell'oro come ancora valutaria si riflette in questa prescrizione costituzionale simbolica, mentre la BNS determina l'ammontare concreto secondo considerazioni di politica valutaria (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 78–82).\n\n#### d) Ripartizione degli utili (cpv. 4)\n\n**N. 12** La regola dei due terzi per le quote cantonali sull'utile netto della BNS è una prescrizione costituzionale vincolante. Secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 83–88) la ripartizione avviene in base alla popolazione residente (art. 31 LBN). Il terzo restante va alla Confederazione, mentre la determinazione esatta dell'utile e il suo utilizzo sono regolati nella LBN.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** Dal monopolio valutario deriva la competenza legislativa esclusiva della Confederazione per tutte le questioni di diritto valutario. I Cantoni sono esclusi da ogni regolamentazione in questo settore (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2844). Valute private o mezzi di pagamento che entrano in concorrenza con il mezzo di pagamento legale sono incostituzionali.\n\n**N. 14** L'indipendenza costituzionale della BNS giustifica secondo la dottrina di Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 22) una densità di controllo giudiziario limitata delle sue decisioni di politica monetaria. I tribunali possono censurare solo misure evidentemente illegali, ma non verificare l'opportunità di politica monetaria.\n\n**N. 15** La prescrizione della riserva aurea obbliga la BNS alla detenzione permanente di una riserva d'oro. Secondo Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 80) una vendita completa delle riserve auree sarebbe incostituzionale. L'ammontare della quota aurea rientra tuttavia nel potere discrezionale vincolato della BNS.\n\n**N. 16** Il diritto costituzionale dei Cantoni ai due terzi dell'utile netto è direttamente azionabile. La distribuzione dell'utile avviene annualmente in base all'utile distribuibile accertato secondo l'accordo sulla distribuzione dell'utile convenuto tra Confederazione e BNS (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 85–87).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 17** È controversa la portata esatta dell'indipendenza della BNS in caso di crisi sistemiche. Kaufmann (BSK BV, Art. 99 N. 40) sostiene che la responsabilità comune di BNS e FINMA per la stabilità del sistema richiede una stretta cooperazione. Voci critiche nella dottrina (Nobel, Finanzmarktrecht, N. 847) vedono in ciò un potenziale pericolo per l'indipendenza di politica monetaria a causa di intreccamenti regolamentari.\n\n**N. 18** L'ammissibilità delle valute digitali di banca centrale (CBDC) sotto l'art. 99 Cost. è controversa in dottrina. Sostenitori come Vischer (Geld- und Währungsrecht, S. 234) vedono nelle CBDC un'evoluzione tecnologica del denaro contante coperta dal monopolio valutario. Scettici argomentano con Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2851) che le CBDC sollevano nuove questioni costituzionali riguardo alla protezione dei dati e ai tassi d'interesse negativi.\n\n**N. 19** La quota minima d'oro è oggetto di dibattiti continui. Mentre Baltensperger (Der Schweizer Franken, S. 412) si pronuncia per una quota aurea sostanziale per preservare la fiducia, Nobel (Finanzmarktrecht, N. 892) e la maggioranza della dottrina sottolineano la necessità di una politica delle riserve flessibile senza quota aurea rigida.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nel giudicare nuovi mezzi di pagamento (criptovalute, valute regionali) è decisiva la delimitazione funzionale rispetto al mezzo di pagamento legale. Determinanti sono le tre funzioni monetarie: mezzo di scambio, conservazione del valore e unità di conto. Se un mezzo di pagamento privato adempie tutte e tre le funzioni in modo globale, viola il monopolio valutario della Confederazione.\n\n**N. 21** L'impugnazione giudiziale di misure di politica monetaria della BNS è soggetta ad alte barriere. Secondo la giurisprudenza del Tribunale amministrativo federale (B-4364/2009) è possibile solo la censura di violazioni evidenti del diritto. I ricorrenti devono dimostrare concretamente in che modo la BNS ha chiaramente ecceduto il suo potere discrezionale o violato il suo incarico legale.\n\n**N. 22** Per la prassi della distribuzione dell'utile è determinante l'accordo pluriennale sulla distribuzione dell'utile tra DFF e BNS. Questo stabilisce gli importi di distribuzione annuali considerando la situazione degli utili e la costituzione di riserve. I Cantoni hanno diritto all'informazione sull'utilizzazione dell'utile, ma nessun influsso sulla determinazione dell'utile.\n\n**N. 23** Accordi valutari internazionali e l'appartenenza a organizzazioni valutarie internazionali (FMI, BRI) richiedono il coordinamento tra Consiglio federale e BNS. Mentre la competenza di politica estera spetta al Consiglio federale (art. 184 Cost.), l'attuazione operativa deve preservare l'indipendenza della BNS (Richli, Internationale Verflechtung, S. 156–178).", "caselaw_it": "# Art. 99 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Indipendenza ed espressioni ufficiali della BNS\n\n**DTF 145 I 175** del 10 dicembre 2018 — Ammissibilità di interventi ufficiali della Banca nazionale svizzera nella campagna di votazione sull'iniziativa moneta intera\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza della BNS di esprimere pubblicamente la propria opinione in votazioni che concernono il suo ambito di attività. La BNS, quale banca centrale indipendente (art. 99 cpv. 2 Cost.), era autorizzata a esprimersi sull'iniziativa moneta intera, dovendo tuttavia osservare i principi di obiettività, trasparenza e proporzionalità. La decisione concretizza l'indipendenza della BNS garantita a livello costituzionale e i suoi limiti nel processo democratico.\n\n> «Giusta l'art. 1 della legge federale del 3 ottobre 2003 sulla Banca nazionale svizzera (LBN; RS 951.11), la BNS è una società anonima di diritto speciale. Quale banca centrale indipendente, essa conduce una politica monetaria e del cambio che serve agli interessi generali del Paese (art. 99 cpv. 2 Cost.). Nell'adempimento dei suoi compiti la BNS è vincolata ai diritti fondamentali (art. 35 cpv. 2 Cost.).»\n\nLa decisione viene apprezzata dalla dottrina quale importante contributo alla concretizzazione dell'indipendenza della BNS, laddove Häner (BSK BV, Art. 99 N. 25) sottolinea che l'indipendenza istituzionale non deve comportare un isolamento totale dal discorso democratico.\n\n### Natura giuridica e compiti della BNS\n\n**DTF 109 Ib 146** del 1° luglio 1983 — Natura giuridica della convenzione di diligenza della BNS\nIl Tribunale federale ha chiarito la delimitazione tra l'agire di diritto pubblico e quello di diritto privato della BNS. Anche nelle attività di diritto privato, la BNS rimane vincolata al suo mandato di diritto pubblico e ai diritti fondamentali. La decisione è fondamentale per la comprensione della natura giuridica duale della BNS quale società anonima di diritto speciale con mandato di diritto pubblico.\n\n> «Infine va rilevato che la Banca nazionale, evidentemente anche laddove agisce quale società anonima nell'ambito del diritto privato, rimane vincolata al suo mandato pubblico nel senso più ampio, il che comporta che nelle sue attività di diritto privato deve osservare per analogia i diritti fondamentali costituzionali.»\n\nQuesta giurisprudenza viene definita da Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 18) come determinante per l'inquadramento della BNS quale ente incaricato di compiti pubblici.\n\n**Sentenza 2A.312/2004** del 22 aprile 2005 — Revoca di una direttrice della BNS\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza della Confederazione per la nomina e la revoca dei membri della direzione della BNS. La decisione chiarisce l'inserimento della BNS nella struttura federale pur mantenendo l'indipendenza operativa. La competenza di revoca del Consiglio federale rappresenta un importante strumento di controllo che garantisce la responsabilità della direzione della BNS nei confronti delle istituzioni democratiche.\n\n### Misure di politica monetaria e controllo giurisdizionale\n\n**Sentenza B-4364/2009** del TAF del 18 novembre 2009 — Limiti del controllo giurisdizionale della politica monetaria\nIl Tribunale amministrativo federale ha stabilito che le decisioni di politica monetaria della BNS sono sindacabili giurisdizionalmente solo in modo molto limitato. L'indipendenza della BNS garantita a livello costituzionale (art. 99 cpv. 2 Cost.) esclude un controllo materiale completo della sua politica monetaria e del cambio. Il tribunale può censurare unicamente misure evidentemente illegali.\n\n> «L'istanza precedente da anni conduce una politica monetaria e del cambio che non serve agli interessi del Paese.»\n\nQuesta densità di controllo restrittiva è prevalentemente approvata dalla letteratura, laddove Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2847) sottolineano la legittimazione democratica dell'indipendenza della BNS attraverso la Costituzione.\n\n### Sovranità monetaria ed emissione di monete\n\n**DTF 103 III 6** del 7 settembre 1977 — Impignorabilità di monete d'argento fuori corso\nIl Tribunale federale ha deciso sulla natura giuridica delle monete dopo la loro messa fuori corso. Determinante era il fatto che le monete potevano essere cambiate presso la BNS al valore nominale pieno. La decisione sottolinea il monopolio della BNS nell'approvvigionamento di denaro e l'obbligo permanente di riscatto dei mezzi di pagamento messi fuori corso.\n\n**Sentenza 6B_1205/2015** del 7 gennaio 2016 — Violazione della sovranità monetaria\nIl Tribunale federale ha respinto un ricorso che faceva valere una violazione dell'art. 99 Cost. per l'uso di determinati mezzi di pagamento. La decisione conferma la competenza esclusiva della Confederazione per il settore monetario e del cambio e l'ampia libertà di configurazione del legislatore nell'allestimento del sistema dei mezzi di pagamento.\n\n### Ripartizione degli utili e riserve valutarie\n\n**Sentenza 2C_541/2010** del 27 dicembre 2010 — Trattamento della BNS sotto il profilo dell'imposta sul valore aggiunto\nIl Tribunale federale ha confermato il trattamento della BNS quale ente di diritto pubblico sotto il profilo dell'imposta sul valore aggiunto. La decisione è rilevante per l'interpretazione dell'art. 99 cpv. 4 Cost. (ripartizione degli utili), poiché sottolinea la natura di diritto pubblico della BNS malgrado la sua forma giuridica di società anonima.\n\nLa giurisprudenza del Tribunale federale relativa all'art. 99 Cost. viene apprezzata dalla dottrina come riservata ma coerente. Waldmann (BSK BV, Art. 99 N. 42) sottolinea che i tribunali rispettano l'indipendenza della BNS voluta a livello costituzionale e intervengono solo in caso di violazioni evidenti del diritto.", "summary_en": "Article 99 regulates Switzerland's monetary and currency system. Only the Confederation may issue coins and banknotes (currency monopoly). The Swiss National Bank (SNB) conducts monetary policy as an independent central bank. In doing so, it must serve the overall interests of the country.\n\nThe SNB is independent but under the supervision of the Confederation. The Federal Council appoints the bank management. The SNB must hold sufficient currency reserves, partly in gold. At least two-thirds of the SNB's profits go to the cantons.\n\nThe currency monopoly means: Private or cantonal currencies are not permitted. The state must accept taxes in Swiss francs. The SNB's independence enables monetary policy without direct political interference. This is important for price stability.\n\nThe SNB can determine its monetary policy independently. However, it must take the economic situation into account. In major currency crises, it cooperates with other authorities. The gold reserve is intended to create confidence.\n\nAn example of SNB independence: If inflation rises, the SNB can raise interest rates even if the government does not want this. In this way, it protects the value of the Swiss franc.\n\nThe cantons receive their share of SNB profits each year. This varies depending on the SNB's success. When returns from currency reserves are good, the cantons receive more money.\n\nThe Constitution prohibits private currencies. Regional means of payment are also only permitted as vouchers, not as real money. This protects the stability of the Swiss franc.", "doctrine_en": "# Art. 99 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** The Confederation's monetary and currency system has its roots in the Federal Constitution of 1874, which transferred the right to mint coins (Art. 38 old BV) and the right to issue banknotes (Art. 39 old BV) to the Confederation (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 1–3). The Swiss National Bank was founded in 1907 as an independent central bank modeled after the German Reichsbank, after earlier attempts at a state bank had failed due to popular resistance (Baltensperger, Der Schweizer Franken, pp. 128–152).\n\n**N. 2** The total revision of the Federal Constitution of 1999 brought together the various currency-related provisions in Art. 99 BV (BBl 1997 I 342). The Federal Council Message emphasizes the constitutional anchoring of SNB independence as a «conditio sine qua non for a credible and successful monetary policy» (BBl 1997 I 343). The constitutional legislator wanted to continue the proven system of an independent central bank while simultaneously ensuring democratic integration through the participation and supervision of the Confederation (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 4–6).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 99 BV stands in Section 7 «Financial and Economic System» and, together with Art. 100 BV (Economic Policy), forms the constitutional basis of the Swiss monetary system. The provision has systematic connections to Art. 94 BV (Principles of Economic System) and Art. 98 BV (Banks and Insurance) (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 7–8).\n\n**N. 4** Currency sovereignty is part of state sovereignty and closely linked to economic and foreign policy. Art. 99 BV concretizes the general federal competence in the area of foreign affairs (Art. 54 BV) for the currency domain and supplements the financial competence of the Confederation (Art. 126–135 BV) with the monetary policy dimension.\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n#### a) Currency Sovereignty of the Confederation (Para. 1)\n\n**N. 5** The comprehensive federal competence for «monetary and currency matters» includes, according to prevailing doctrine, the regulation of all aspects of the monetary system: currency unit, means of payment, monetary stability and international monetary relations (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 9–10; Ehrenzeller/Nobs/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 5–7).\n\n**N. 6** The cash monopoly («exclusively») is absolute and categorically excludes cantonal or private currencies. Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 11–15) emphasize that this monopoly also covers regional currencies and private means of payment insofar as they perform monetary functions. The distinction from mere accounting units or voucher systems is made according to functional criteria (general acceptance, store of value function, medium of exchange function).\n\n#### b) Independence of the National Bank (Para. 2)\n\n**N. 7** The constitutionally guaranteed independence of the SNB comprises, according to the doctrine of Cukierman/Webb/Neyapti (BSK BV, Art. 99 N. 22), four dimensions: personal, functional, institutional and financial independence. This independence is, according to empirical studies, an essential prerequisite for the successful fulfillment of the price stability mandate.\n\n**N. 8** The obligation to the «overall interests of the country» is primarily concretized in the legal mandate for price stability (Art. 5 para. 1 NBA), but according to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 31–41) does not exclude consideration of cyclical developments. The SNB must orient its policy toward the overall economy and may not unilaterally pursue particular interests.\n\n**N. 9** The «participation and supervision of the Confederation» manifests itself in the appointment of the bank management by the Federal Council (Art. 42 NBA), the approval of the business regulations and the accountability obligation toward the Federal Council and Parliament (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 22–30). This integration preserves democratic legitimation while maintaining operational independence.\n\n#### c) Currency Reserves (Para. 3)\n\n**N. 10** The obligation to build «sufficient currency reserves» is a constitutional requirement without precise quantification. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 42–82), adequacy encompasses both the level and the composition of reserves. The SNB has considerable discretion in determining the necessary reserve level.\n\n**N. 11** The gold reserve («part of these reserves shall be held in gold») is constitutionally mandatory, without establishing a minimum share. The historical significance of gold as a currency anchor is reflected in this symbolic constitutional requirement, with the SNB determining the specific level according to monetary policy considerations (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 78–82).\n\n#### d) Profit Distribution (Para. 4)\n\n**N. 12** The two-thirds rule for cantonal shares in SNB net profit is a mandatory constitutional requirement. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 83–88), distribution is made according to resident population (Art. 31 NBA). The remaining third flows to the Confederation, with the exact profit determination and use regulated in the NBA.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** From the currency monopoly follows the exclusive legislative competence of the Confederation for all currency-related matters. The cantons are excluded from any regulation in this area (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2844). Private currencies or means of payment that compete with the legal tender are unconstitutional.\n\n**N. 14** The constitutional independence of the SNB establishes, according to the doctrine of Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 22), a limited intensity of judicial review of its monetary policy decisions. Courts can only challenge evidently unlawful measures, but cannot review monetary policy appropriateness.\n\n**N. 15** The gold reserve requirement obliges the SNB to permanently maintain gold holdings. According to Kaufmann/Utz (BSK BV, Art. 99 N. 80), a complete disposal of gold reserves would be unconstitutional. However, the level of the gold share lies within the proper discretion of the SNB.\n\n**N. 16** The constitutional entitlement of the cantons to two-thirds of the net profit is directly enforceable. Profit distribution occurs annually according to the determined distributable profit pursuant to the profit distribution agreement concluded between the Confederation and the SNB (Kaufmann/Utz, BSK BV, Art. 99 N. 85–87).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 17** The exact scope of SNB independence in systemically relevant crises is disputed. Kaufmann (BSK BV, Art. 99 N. 40) takes the view that the joint responsibility of SNB and FINMA for system stability requires close cooperation. Critical voices in the doctrine (Nobel, Finanzmarktrecht, N. 847) see in this a potential threat to monetary policy independence through regulatory entanglements.\n\n**N. 18** The permissibility of central bank digital currencies (CBDC) under Art. 99 BV is doctrinally controversial. Proponents like Vischer (Geld- und Währungsrecht, p. 234) see CBDC as a technological evolution of cash covered by the currency monopoly. Skeptics argue with Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2851) that CBDC raises new constitutional questions regarding data protection and negative interest rates.\n\n**N. 19** The minimum gold share is the subject of ongoing debates. While Baltensperger (Der Schweizer Franken, p. 412) advocates for a substantial gold share to preserve confidence, Nobel (Finanzmarktrecht, N. 892) and the majority of the doctrine emphasize the necessity of flexible reserve policy without rigid gold quota.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 20** In assessing new means of payment (cryptocurrencies, regional currencies), the functional distinction from legal tender is decisive. The three monetary functions are determinative: medium of exchange, store of value and unit of account. If a private means of payment comprehensively fulfills all three functions, it violates the Confederation's currency monopoly.\n\n**N. 21** Judicial challenge of SNB monetary policy measures is subject to high hurdles. According to the Federal Administrative Court's jurisprudence (B-4364/2009), only the allegation of evident legal violations is possible. Appellants must concretely demonstrate how the SNB has clearly exceeded its discretion or violated its legal mandate.\n\n**N. 22** For the practice of profit distribution, the multi-year profit distribution agreement between the FDF and SNB is determinative. This sets the annual distribution amounts considering earnings situation and reserve formation. The cantons have a right to information about profit use, but no influence on profit determination.\n\n**N. 23** International currency agreements and membership in international monetary organizations (IMF, BIS) require coordination between the Federal Council and SNB. While foreign policy competence lies with the Federal Council (Art. 184 BV), operational implementation must preserve SNB independence (Richli, Internationale Verflechtung, pp. 156–178).", "caselaw_en": "# Art. 99 BV\n\n## Case Law\n\n### Independence and Official Statements by the SNB\n\n**BGE 145 I 175** of 10 December 2018 — Admissibility of official interventions by the Swiss National Bank in the campaign for the Sovereign Money Initiative\nThe Federal Supreme Court confirmed the SNB's authority to express its opinion publicly in votes concerning its area of responsibility. As an independent central bank (Art. 99 para. 2 BV), the SNB was entitled to comment on the Sovereign Money Initiative, but was required to observe the principles of objectivity, transparency and proportionality. The decision specifies the constitutionally guaranteed independence of the SNB and its limits in the democratic process.\n\n> «According to Art. 1 of the Federal Act of 3 October 2003 on the Swiss National Bank (NBA; SR 951.11), the SNB is a special-law corporation. As an independent central bank, it conducts a monetary and currency policy that serves the overall interest of the country (Art. 99 para. 2 BV). In performing its duties, the SNB is bound by fundamental rights (Art. 35 para. 2 BV).»\n\nThe decision is valued in doctrine as an important contribution to specifying SNB independence, with Häner (BSK BV, Art. 99 N. 25) emphasising that institutional independence must not lead to complete isolation from democratic discourse.\n\n### Legal Nature and Tasks of the SNB\n\n**BGE 109 Ib 146** of 1 July 1983 — Legal nature of the SNB's due diligence agreement\nThe Federal Supreme Court clarified the distinction between public and private law actions of the SNB. Even in private law activities, the SNB remains bound by its public law mandate and fundamental rights. The decision is fundamental for understanding the dual legal nature of the SNB as a special-law corporation with a public law mandate.\n\n> «Finally, it should be noted that the National Bank is naturally also bound by its public mandate in the broadest sense even where it acts as a corporation under private law, which means that in its private law activities it must observe constitutional fundamental rights by analogy.»\n\nThis case law is described by Ehrenzeller/Nobs/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 99 N. 18) as pioneering for the classification of the SNB as a bearer of public tasks.\n\n**Judgment 2A.312/2004** of 22 April 2005 — Dismissal of an SNB director\nThe Federal Supreme Court confirmed the federal competence for the appointment and dismissal of SNB management board members. The decision clarifies the federal integration of the SNB while maintaining operational independence. The Federal Council's dismissal authority represents an important control mechanism that ensures the accountability of SNB leadership to democratic institutions.\n\n### Monetary Policy Measures and Judicial Control\n\n**Judgment B-4364/2009** of the Federal Administrative Court of 18 November 2009 — Limits of judicial review of monetary policy\nThe Federal Administrative Court found that monetary policy decisions of the SNB are subject to only very limited judicial review. The constitutionally guaranteed independence of the SNB (Art. 99 para. 2 BV) excludes comprehensive material control of its monetary and currency policy. The court can only object to evidently unlawful measures.\n\n> «The lower instance has for years been conducting a monetary and currency policy that does not serve the interests of the country.»\n\nThis restrictive intensity of control is predominantly supported in the literature, with Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N. 2847) emphasising the democratic legitimacy of SNB independence through the Constitution.\n\n### Currency Sovereignty and Coin Issuance\n\n**BGE 103 III 6** of 7 September 1977 — Non-attachability of demonetised silver coins\nThe Federal Supreme Court decided on the legal nature of coins after their demonetisation. The decisive factor was that the coins could be exchanged at the SNB at full face value. The decision underlines the SNB's monopoly in money supply and the continuing redemption obligation for demonetised means of payment.\n\n**Judgment 6B_1205/2015** of 7 January 2016 — Violation of currency sovereignty\nThe Federal Supreme Court dismissed an appeal alleging a violation of Art. 99 BV through the use of certain means of payment. The decision confirms the exclusive federal competence for monetary and currency matters and the comprehensive freedom of the legislature in designing the payment system.\n\n### Profit Distribution and Currency Reserves\n\n**Judgment 2C_541/2010** of 27 December 2010 — VAT treatment of the SNB\nThe Federal Supreme Court confirmed the VAT treatment of the SNB as a public law entity. The decision is relevant for the interpretation of Art. 99 para. 4 BV (profit distribution), as it underlines the public law nature of the SNB despite its legal form as a corporation.\n\nThe Federal Supreme Court case law on Art. 99 BV is valued in doctrine as restrained but consistent. Waldmann (BSK BV, Art. 99 N. 42) emphasises that the courts respect the constitutionally intended independence of the SNB and only intervene in cases of evident legal violations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_99", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 100, "article_suffix": "", "title": "Konjunkturpolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 100 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 100 BV gibt dem Bund die Macht, die Wirtschaft zu steuern. Er soll dafür sorgen, dass die Konjunktur (der Wechsel zwischen guten und schlechten wirtschaftlichen Zeiten) ausgeglichen verläuft. Besonders wichtig sind der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Teuerung (steigende Preise).\n\nDer Bund muss dabei alle Regionen der Schweiz berücksichtigen. Er arbeitet mit den Kantonen und der Wirtschaft zusammen. In wichtigen Bereichen wie dem Geldwesen, dem Aussenhandel und den öffentlichen Finanzen darf er sogar von der Wirtschaftsfreiheit abweichen, wenn es nötig ist.\n\nAlle staatlichen Ebenen – Bund, Kantone und Gemeinden – müssen ihre Ausgaben und Einnahmen der Konjunkturlage anpassen. In schlechten Zeiten sollen sie mehr ausgeben, in guten Zeiten sparen.\n\nDer Bund hat besondere Werkzeuge zur Verfügung: Er kann zeitweise Steuerzuschläge erheben oder Rabatte gewähren. Das eingenommene Geld muss er beiseite legen und später zurückgeben oder für Arbeitsbeschaffung verwenden. Unternehmen können steuerbegünstigt Reserven für schwere Zeiten bilden.\n\nEin praktisches Beispiel waren die Corona-Hilfen: Kurzarbeitsentschädigung, Härtefallhilfen für Restaurants und Kredite für Unternehmen. Diese Massnahmen stützten sich auf Artikel 100 BV, auch wenn spezielle Gesetze die Details regelten.\n\nHeute ist die klassische Konjunktursteuerung weniger wichtig geworden. Die Nationalbank führt die Geldpolitik unabhängig, und die Schuldenbremse begrenzt den Spielraum für grosse Ausgabenprogramme. Trotzdem bleibt Artikel 100 BV die wichtigste verfassungsrechtliche Grundlage für wirtschaftspolitische Massnahmen des Bundes in Krisenzeiten.", "doctrine_de": "# Art. 100 BV\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 100 BV entspricht weitgehend dem früheren Art. 31quinquies aBV, der im Jahre 1947 im Rahmen der Wirtschaftsartikel in die Verfassung aufgenommen wurde (BBl 1946 II 875). Die Norm erhielt ihre heutige Fassung während der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999, wobei die Kernkompetenzen des Bundes zur Konjunktursteuerung unverändert blieben (BBl 1997 I 354). Die Verfassungsbestimmung bildet eine der wenigen expliziten Ausnahmen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit und ermächtigt den Bund zu einem breiten Spektrum wirtschaftspolitischer Eingriffe.\n\n**N. 2** Die Entstehung der Konjunkturartikel ist eng mit den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und dem wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verknüpft. Der Verfassungsgeber wollte dem Bund die notwendigen Instrumente zur Verfügung stellen, um künftig wirtschaftliche Krisen besser bewältigen zu können (BBl 1946 II 905). Die Volksabstimmung vom 6. Juli 1947 führte zur Annahme der Wirtschaftsartikel mit deutlicher Mehrheit.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 100 BV steht im 7. Abschnitt des 3. Titels der Bundesverfassung über «Wirtschaft». Die Norm bildet zusammen mit → Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung) und → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Wirtschaftsordnung. Als lex specialis geht Art. 100 BV dem allgemeinen Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit vor und legitimiert wirtschaftspolitisch motivierte Eingriffe des Staates (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3421).\n\n**N. 4** Die Bestimmung weist enge Verbindungen zu → Art. 101 BV (Aussenwirtschaftspolitik), → Art. 102 BV (Landesversorgung) und → Art. 103 BV (Strukturpolitik) auf. Diese Normen bilden gemeinsam den verfassungsrechtlichen Rahmen für die Wirtschaftspolitik des Bundes. Besondere Bedeutung kommt dem Verhältnis zu → Art. 126 BV (Haushaltführung) zu, der die Schuldenbremse verankert und damit den finanzpolitischen Spielraum für konjunkturpolitische Massnahmen begrenzt.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Ausgeglichene konjunkturelle Entwicklung (Abs. 1)**: Der Begriff umfasst gemäss herrschender Lehre das «magische Viereck» der Wirtschaftspolitik: Preisstabilität, Vollbeschäftigung, aussenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes Wirtschaftswachstum (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1022). Die Formulierung «insbesondere» zeigt, dass die Verhütung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Teuerung zwar prioritäre, aber nicht abschliessende Zielsetzungen darstellen.\n\n**N. 6** **Berücksichtigung der regionalen Entwicklung (Abs. 2)**: Diese Bestimmung verpflichtet den Bund zu einer räumlich differenzierten Wirtschaftspolitik. Die Zusammenarbeit mit Kantonen und Wirtschaft ist als Kooperationsgebot zu verstehen, das die föderalistische Struktur der Schweiz respektiert (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 100 N 8).\n\n**N. 7** **Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit (Abs. 3)**: Die Ermächtigung bezieht sich auf drei Wirtschaftssektoren: Geld- und Kreditwesen, Aussenwirtschaft und öffentliche Finanzen. Das Kriterium der Notwendigkeit («nötigenfalls») unterstreicht den Ausnahmecharakter solcher Eingriffe. Die herrschende Lehre interpretiert diese Bestimmung restriktiv und verlangt eine unmittelbare Gefährdung der wirtschaftlichen Stabilität (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 982).\n\n**N. 8** **Antizyklische Fiskalpolitik (Abs. 4)**: Die Norm verpflichtet alle staatlichen Ebenen zu einer konjunkturgerechten Haushaltführung. In der Hochkonjunktur sollen die öffentlichen Haushalte restriktiv, in der Rezession expansiv geführt werden. Diese Verpflichtung steht in einem Spannungsverhältnis zur Schuldenbremse gemäss → Art. 126 BV (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 100 N 15).\n\n**N. 9** **Konjunkturelle Zuschläge und Rabatte (Abs. 5)**: Diese Bestimmung ermöglicht temporäre Variationen der Steuerlast zu Stabilisierungszwecken. Die Stilllegungspflicht der abgeschöpften Mittel soll deren prozyklische Verwendung verhindern. Die unterschiedliche Behandlung direkter und indirekter Steuern bei der Rückerstattung reflektiert verwaltungspraktische Überlegungen.\n\n**N. 10** **Arbeitsbeschaffungsreserven (Abs. 6)**: Das Instrument der Arbeitsbeschaffungsreserven wurde durch das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1951 (ABRG, SR 823.31) konkretisiert. Die Bildung solcher Reserven ist freiwillig, kann aber durch steuerliche Anreize gefördert werden. Nach erfolgter Freigabe durch den Bundesrat entscheiden die Unternehmen autonom über die Verwendung im Rahmen der gesetzlichen Zweckbestimmung (**Urteil 2A.247/2003 vom 22. Dezember 2003 E. 2.1**).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 100 BV begründet umfassende Gesetzgebungskompetenzen des Bundes im Bereich der Konjunkturpolitik. Diese Kompetenzen sind teilweise als Kann-Vorschriften (Abs. 1, 3, 5, 6), teilweise als Pflichten (Abs. 2, 4) ausgestaltet. Die Norm enthält keine unmittelbar anwendbaren subjektiven Rechte, sondern bedarf der Konkretisierung durch die Gesetzgebung.\n\n**N. 12** Die wichtigsten Ausführungserlasse sind das Arbeitsbeschaffungsreservengesetz (ABRG), das Nationalbankgesetz (NBG, SR 951.11) für geldpolitische Massnahmen sowie das Finanzhaushaltgesetz (FHG, SR 611.0) für die antizyklische Fiskalpolitik. Die praktische Bedeutung der klassischen Konjunktursteuerung hat seit den 1990er Jahren abgenommen, da die Geldpolitik an die unabhängige Nationalbank delegiert wurde und die Schuldenbremse den fiskalpolitischen Spielraum einschränkt.\n\n### Streitstände\n\n**N. 13** **Verhältnis zur Schuldenbremse**: In der Lehre ist umstritten, inwieweit die Schuldenbremse gemäss → Art. 126 BV die konjunkturpolitischen Handlungsmöglichkeiten nach Art. 100 BV einschränkt. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 3 N 18) vertreten die Auffassung, dass Art. 126 BV als jüngere Spezialbestimmung Vorrang geniesse. Demgegenüber argumentiert Vallender (St. Galler Kommentar, Art. 100 N 12), dass beide Normen durch eine konjunkturgerechte Auslegung der Schuldenbremse in Einklang gebracht werden können.\n\n**N. 14** **Reichweite der Abweichungsbefugnis**: Kontrovers diskutiert wird die Tragweite von Abs. 3. Während Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3425) eine enge Auslegung befürworten und nur temporäre, verhältnismässige Eingriffe für zulässig halten, plädiert ein Teil der Lehre für ein weiteres Verständnis, das auch strukturelle Massnahmen umfasst (Biaggini, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 100 N 8). Die bisherige Staatspraxis tendiert zur restriktiven Auslegung.\n\n**N. 15** **Justiziabilität**: Umstritten ist, ob und inwieweit aus Art. 100 BV justiziable Pflichten abgeleitet werden können. Die herrschende Meinung verneint dies mit Verweis auf den weiten Ermessensspielraum der politischen Behörden bei der Konjunktursteuerung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 100 N 15). Eine Mindermeinung hält zumindest bei offensichtlicher Untätigkeit trotz schwerer Wirtschaftskrise eine gerichtliche Überprüfung für möglich.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 16** Die praktische Bedeutung von Art. 100 BV hat sich seit Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung gewandelt. Die klassischen Instrumente der Konjunktursteuerung (Abs. 5 und 6) wurden seit Jahrzehnten nicht mehr aktiviert. Stattdessen erfolgt die Konjunkturpolitik primär über die Geldpolitik der Nationalbank, automatische Stabilisatoren im Steuer- und Sozialversicherungssystem sowie gezielte Massnahmen in Krisensituationen.\n\n**N. 17** Die COVID-19-Pandemie hat die Relevanz von Art. 100 BV neu illustriert. Die umfangreichen Stabilisierungsmassnahmen des Bundes (Kurzarbeitsentschädigung, Härtefallhilfen, Bürgschaften) stützten sich implizit auf diese Verfassungsgrundlage, auch wenn die konkreten Rechtsgrundlagen meist im Epidemiengesetz und in Notverordnungen gefunden wurden. Dies zeigt, dass Art. 100 BV als allgemeine wirtschaftspolitische Kompetenzgrundlage seine Bedeutung behält.\n\n**N. 18** Für die Rechtsanwendung ist zu beachten, dass konjunkturpolitische Massnahmen stets dem Verhältnismässigkeitsprinzip gemäss → Art. 5 Abs. 2 BV unterliegen. Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit bedürfen auch bei Berufung auf Art. 100 Abs. 3 BV einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage. Die blosse Existenz einer Rezession genügt nicht; es bedarf einer qualifizierten Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts.", "caselaw_de": "# Art. 100 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Arbeitsbeschaffungsreserven\n\n**Urteil 2A.247/2003 vom 22. Dezember 2003 E. 2.1**\nBestätigung der verfassungsrechtlichen Grundlage und Zuständigkeitsaufteilung zwischen SECO und Steuerverwaltung bei der Bildung von Arbeitsbeschaffungsreserven.\nDer Entscheid konkretisiert die Umsetzung von Art. 100 Abs. 6 BV durch das Arbeitsbeschaffungsreservengesetz.\n\n> «Zur Förderung einer ausgeglichenen Konjunktur sowie zur Verhütung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit können die Unternehmen der privaten Wirtschaft durch jährliche Einlagen steuerbegünstigte Arbeitsbeschaffungsreserven bilden (Art. 1 ABRG; vgl. auch Art. 100 Abs. 6 BV bzw. Art. 31quinquies aBV).»\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-3984/2009 vom 4. März 2010 E. 3.3**\nVerfassungsrechtliche Verankerung der Freigabevoraussetzungen für Arbeitsbeschaffungsreserven.\nDas Urteil bestätigt, dass die Freigabe der Reserven eine zwingende Voraussetzung für deren Verwendung darstellt.\n\n> «Bereits Art. 100 Abs. 6 BV (SR 101), der dem ABRG zu Grunde liegt, ist zu entnehmen, dass die Unternehmen erst nach der Freigabe der Reserven über deren Einsatz im Rahmen der gesetzlichen Verwendungszwecke entscheiden können.»\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-4599/2012 vom 22. Oktober 2013**\nBestätigung der strengen zeitlichen Voraussetzungen für die Verwendung von Arbeitsbeschaffungsreserven.\nDas Urteil zeigt die konsequente Anwendung konjunkturpolitischer Instrumente auf.\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-2616/2013 vom 11. September 2014**\nWeitere Präzisierung der Verwendungsvoraussetzungen für Arbeitsbeschaffungsreserven im Kontext der verfassungsrechtlichen Vorgaben.\nDas Urteil unterstreicht die Bedeutung der zeitgerechten konjunkturellen Wirkung.\n\n> «Das Bundesgesetz über die Bildung steuerbegünstigter Arbeitsbeschaffungsreserven sieht vor, dass die Unternehmen der privaten Wirtschaft zur Förderung einer ausgeglichenen Konjunktur sowie zur Verhütung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit [...] Arbeitsbeschaffungsreserven bilden können (Art. 100 Abs. 6 der Bundesverfassung).»\n\n### Wirtschaftsfreiheit und konjunkturpolitische Abweichungen\n\nZur Abweichung vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit nach Art. 100 Abs. 3 BV liegt noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung vor. Die verfassungsrechtliche Norm wurde bislang nicht als Grundlage für Beschränkungen der Wirtschaftsfreiheit herangezogen, die vor dem Bundesgericht streitig geworden wären.\n\n### Finanzpolitische Konjunktursteuerung\n\nZur konkreten Anwendung von Art. 100 Abs. 4 und 5 BV betreffend konjunkturelle Berücksichtigung in der Finanzpolitik und konjunkturelle Zuschläge bzw. Rabatte liegt keine veröffentlichte höchstrichterliche Rechtsprechung vor. Diese Instrumente wurden seit Inkrafttreten der Bundesverfassung 1999 nicht aktiviert.\n\n### Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen\n\n**BGE 96 II 305 vom 18. Juni 1970**\nGrundsätzliche Erwägungen zum Einfluss konjunktureller Faktoren bei vermögensrechtlichen Fragen.\nDer Entscheid zeigt die Abgrenzung zwischen konjunkturbedingten und anderen wirtschaftlichen Faktoren auf.\n\n> «Ein einzig auf die Konjunktur zurückzuführender Mehr- oder Minderwert eines Gegenstandes, der zum eingebrachten Mannes- oder Frauengut gehört, berührt diese Berechnung nicht, sondern kommt dem Ehegatten zugut oder ist vom Ehegatten zu tragen, der den betreffenden Gegenstand eingebracht hat.»\n\n### COVID-19-Stabilisierungsmassnahmen\n\nDie jüngere Rechtsprechung zu den COVID-19-Stabilisierungsmassnahmen (2020-2024) bezieht sich primär auf spezialgesetzliche Grundlagen und nicht direkt auf Art. 100 BV. Die Gerichte haben die Härtefallhilfen und anderen Stabilisierungsmassnahmen als Umsetzung der allgemeinen konjunkturpolitischen Kompetenz des Bundes betrachtet, ohne explizit auf Art. 100 BV zu verweisen.", "summary_fr": "# Art. 100 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 100 Cst. donne à la Confédération le pouvoir de diriger l'économie. Elle doit veiller à ce que la conjoncture (l'alternance entre les bonnes et les mauvaises périodes économiques) se déroule de manière équilibrée. La lutte contre le chômage et le renchérissement (hausse des prix) revêt une importance particulière.\n\nLa Confédération doit tenir compte de toutes les régions de la Suisse. Elle collabore avec les cantons et l'économie. Dans des domaines importants comme le système monétaire, le commerce extérieur et les finances publiques, elle peut même déroger à la liberté économique si cela s'avère nécessaire.\n\nTous les niveaux étatiques – Confédération, cantons et communes – doivent adapter leurs dépenses et leurs recettes à la situation conjoncturelle. En période difficile, ils doivent dépenser davantage, en période favorable économiser.\n\nLa Confédération dispose d'outils particuliers : elle peut temporairement prélever des suppléments d'impôts ou accorder des rabais. L'argent encaissé doit être mis de côté et rendu ultérieurement ou utilisé pour des mesures de création d'emplois. Les entreprises peuvent constituer des réserves privilégiées fiscalement pour les périodes difficiles.\n\nLes aides liées au coronavirus constituent un exemple pratique : indemnité de chômage partiel, aides aux cas de rigueur pour les restaurants et crédits pour les entreprises. Ces mesures se fondaient sur l'article 100 Cst., même si des lois spéciales en réglaient les détails.\n\nAujourd'hui, le pilotage conjoncturel classique a perdu de son importance. La Banque nationale conduit la politique monétaire de manière indépendante, et le frein à l'endettement limite la marge de manœuvre pour de grands programmes de dépenses. L'article 100 Cst. demeure néanmoins le fondement constitutionnel le plus important pour les mesures de politique économique de la Confédération en temps de crise.", "doctrine_fr": "# Art. 100 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### Genèse\n\n**N. 1** L'art. 100 Cst. correspond largement à l'ancien art. 31quinquies aCst., qui fut intégré dans la constitution en 1947 dans le cadre des articles économiques (FF 1946 II 875). La norme a reçu sa formulation actuelle lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999, les compétences fondamentales de la Confédération en matière de politique conjoncturelle demeurant inchangées (FF 1997 I 354). La disposition constitutionnelle forme l'une des rares exceptions explicites au principe de la liberté économique et habilite la Confédération à un large spectre d'interventions de politique économique.\n\n**N. 2** La genèse des articles conjoncturels est étroitement liée aux expériences de la crise économique mondiale des années 1930 et à la reconstruction économique après la Seconde Guerre mondiale. Le constituant voulait mettre à la disposition de la Confédération les instruments nécessaires pour mieux maîtriser à l'avenir les crises économiques (FF 1946 II 905). La votation populaire du 6 juillet 1947 conduisit à l'adoption des articles économiques par une nette majorité.\n\n### Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 100 Cst. figure dans la 7e section du 3e titre de la Constitution fédérale sur « l'économie ». La norme forme, avec → l'art. 94 Cst. (principes de l'ordre économique) et → l'art. 27 Cst. (liberté économique), le fondement constitutionnel de l'ordre économique suisse. En tant que lex specialis, l'art. 100 Cst. prime le principe général de la liberté économique et légitime les interventions de l'État motivées par la politique économique (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 3421).\n\n**N. 4** La disposition présente des liens étroits avec → l'art. 101 Cst. (politique économique extérieure), → l'art. 102 Cst. (approvisionnement du pays) et → l'art. 103 Cst. (politique structurelle). Ces normes forment ensemble le cadre constitutionnel de la politique économique de la Confédération. Une importance particulière revient au rapport avec → l'art. 126 Cst. (conduite du budget), qui ancre le frein à l'endettement et limite ainsi la marge de manœuvre de politique financière pour les mesures de politique conjoncturelle.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Développement conjoncturel équilibré (al. 1)** : Le concept comprend selon la doctrine dominante le « carré magique » de la politique économique : stabilité des prix, plein emploi, équilibre des relations économiques extérieures et croissance économique appropriée (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1022). La formulation « en particulier » montre que la prévention et la lutte contre le chômage et le renchérissement représentent certes des objectifs prioritaires, mais pas exhaustifs.\n\n**N. 6** **Prise en compte du développement régional (al. 2)** : Cette disposition oblige la Confédération à une politique économique différenciée spatialement. La collaboration avec les cantons et l'économie doit être comprise comme un impératif de coopération qui respecte la structure fédéraliste de la Suisse (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar, 4e éd. 2023, art. 100 N 8).\n\n**N. 7** **Dérogation à la liberté économique (al. 3)** : L'habilitation se rapporte à trois secteurs économiques : le système monétaire et du crédit, l'économie extérieure et les finances publiques. Le critère de nécessité (« au besoin ») souligne le caractère exceptionnel de telles interventions. La doctrine dominante interprète cette disposition de manière restrictive et exige une mise en danger immédiate de la stabilité économique (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 982).\n\n**N. 8** **Politique fiscale anticyclique (al. 4)** : La norme oblige tous les niveaux étatiques à une conduite budgétaire adaptée à la conjoncture. En période de haute conjoncture, les budgets publics doivent être menés de manière restrictive, en récession de manière expansive. Cette obligation se trouve en tension avec le frein à l'endettement selon → l'art. 126 Cst. (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 100 N 15).\n\n**N. 9** **Suppléments et rabais conjoncturels (al. 5)** : Cette disposition permet des variations temporaires de la charge fiscale à des fins de stabilisation. L'obligation de stérilisation des moyens prélevés doit empêcher leur utilisation procyclique. Le traitement différencié des impôts directs et indirects lors du remboursement reflète des considérations pratiques administratives.\n\n**N. 10** **Réserves de crise (al. 6)** : L'instrument des réserves de crise a été concrétisé par la loi fédérale du 20 décembre 1951 (LRCR, RS 823.31). La constitution de telles réserves est volontaire, mais peut être encouragée par des incitations fiscales. Après libération par le Conseil fédéral, les entreprises décident de manière autonome de l'utilisation dans le cadre de l'affectation légale (**arrêt 2A.247/2003 du 22 décembre 2003 consid. 2.1**).\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 11** L'art. 100 Cst. fonde des compétences législatives étendues de la Confédération dans le domaine de la politique conjoncturelle. Ces compétences sont conçues en partie comme des dispositions facultatives (al. 1, 3, 5, 6), en partie comme des obligations (al. 2, 4). La norme ne contient pas de droits subjectifs directement applicables, mais nécessite une concrétisation par la législation.\n\n**N. 12** Les principales lois d'exécution sont la loi sur les réserves de crise (LRCR), la loi sur la Banque nationale (LBN, RS 951.11) pour les mesures de politique monétaire ainsi que la loi sur les finances de la Confédération (LFC, RS 611.0) pour la politique fiscale anticyclique. L'importance pratique du pilotage conjoncturel classique a diminué depuis les années 1990, la politique monétaire ayant été déléguée à la Banque nationale indépendante et le frein à l'endettement restreignant la marge de manœuvre de politique fiscale.\n\n### Points de controverse\n\n**N. 13** **Rapport avec le frein à l'endettement** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir dans quelle mesure le frein à l'endettement selon → l'art. 126 Cst. limite les possibilités d'action de politique conjoncturelle selon l'art. 100 Cst. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 3 N 18) défendent l'opinion que l'art. 126 Cst., en tant que disposition spéciale plus récente, jouit de la primauté. À l'inverse, Vallender (St. Galler Kommentar, art. 100 N 12) argumente que les deux normes peuvent être mises en accord par une interprétation du frein à l'endettement adaptée à la conjoncture.\n\n**N. 14** **Portée de la compétence de dérogation** : La portée de l'al. 3 fait l'objet de discussions controversées. Tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3425) prônent une interprétation étroite et ne considèrent comme licites que des interventions temporaires et proportionnées, une partie de la doctrine plaide pour une compréhension plus large qui inclurait aussi des mesures structurelles (Biaggini, BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 100 N 8). La pratique étatique actuelle tend vers l'interprétation restrictive.\n\n**N. 15** **Justiciabilité** : Il est controversé de savoir si et dans quelle mesure des obligations justiciables peuvent être dérivées de l'art. 100 Cst. L'opinion dominante le nie en se référant à la large marge d'appréciation des autorités politiques dans le pilotage conjoncturel (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, art. 100 N 15). Une opinion minoritaire considère qu'un contrôle judiciaire est possible au moins en cas d'inaction manifeste malgré une crise économique grave.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 16** L'importance pratique de l'art. 100 Cst. a évolué depuis l'entrée en vigueur de la nouvelle Constitution fédérale. Les instruments classiques du pilotage conjoncturel (al. 5 et 6) n'ont plus été activés depuis des décennies. La politique conjoncturelle s'effectue au contraire principalement par la politique monétaire de la Banque nationale, les stabilisateurs automatiques dans le système fiscal et d'assurances sociales ainsi que des mesures ciblées en situations de crise.\n\n**N. 17** La pandémie de COVID-19 a illustré à nouveau la pertinence de l'art. 100 Cst. Les mesures de stabilisation étendues de la Confédération (indemnités en cas de réduction de l'horaire de travail, aides pour cas de rigueur, cautionnements) se fondaient implicitement sur cette base constitutionnelle, même si les bases légales concrètes furent le plus souvent trouvées dans la loi sur les épidémies et dans des ordonnances d'urgence. Ceci montre que l'art. 100 Cst. conserve son importance en tant que base de compétence générale de politique économique.\n\n**N. 18** Pour l'application du droit, il faut noter que les mesures de politique conjoncturelle sont toujours soumises au principe de proportionnalité selon → l'art. 5 al. 2 Cst. Les interventions dans la liberté économique nécessitent aussi en cas d'invocation de l'art. 100 al. 3 Cst. une base légale suffisante. La seule existence d'une récession ne suffit pas ; il faut une perturbation qualifiée de l'équilibre économique global.", "caselaw_fr": "# Art. 100 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Réserves de crise\n\n**Arrêt 2A.247/2003 du 22 décembre 2003 c. 2.1**\nConfirmation de la base constitutionnelle et de la répartition des compétences entre le SECO et l'administration fiscale lors de la constitution de réserves de crise.\nLa décision concrétise la mise en œuvre de l'art. 100 al. 6 Cst. par la loi sur les réserves de crise.\n\n> « Pour favoriser une conjoncture équilibrée ainsi que pour prévenir et combattre le chômage, les entreprises de l'économie privée peuvent constituer, par des versements annuels, des réserves de crise bénéficiant d'avantages fiscaux (art. 1er LRC ; cf. aussi art. 100 al. 6 Cst. ou art. 31quinquies ancCst.). »\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral B-3984/2009 du 4 mars 2010 c. 3.3**\nAncrage constitutionnel des conditions de libération des réserves de crise.\nL'arrêt confirme que la libération des réserves constitue une condition impérative pour leur utilisation.\n\n> « Il ressort déjà de l'art. 100 al. 6 Cst. (RS 101), qui fonde la LRC, que les entreprises ne peuvent décider de l'utilisation des réserves dans le cadre des buts légaux d'affectation qu'après la libération de celles-ci. »\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral B-4599/2012 du 22 octobre 2013**\nConfirmation des conditions temporelles strictes pour l'utilisation des réserves de crise.\nL'arrêt montre l'application conséquente des instruments de politique conjoncturelle.\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral B-2616/2013 du 11 septembre 2014**\nPrécision supplémentaire des conditions d'utilisation des réserves de crise dans le contexte des exigences constitutionnelles.\nL'arrêt souligne l'importance de l'effet conjoncturel opportun.\n\n> « La loi fédérale sur la constitution de réserves de crise bénéficiant d'avantages fiscaux prévoit que les entreprises de l'économie privée peuvent, pour favoriser une conjoncture équilibrée ainsi que pour prévenir et combattre le chômage [...] constituer des réserves de crise (art. 100 al. 6 de la Constitution fédérale). »\n\n### Liberté économique et dérogations de politique conjoncturelle\n\nConcernant la dérogation au principe de la liberté économique selon l'art. 100 al. 3 Cst., il n'existe pas encore de jurisprudence de la plus haute instance judiciaire. La norme constitutionnelle n'a jusqu'ici pas été invoquée comme base pour des restrictions de la liberté économique qui auraient fait l'objet d'un litige devant le Tribunal fédéral.\n\n### Pilotage conjoncturel de la politique financière\n\nConcernant l'application concrète des art. 100 al. 4 et 5 Cst. relatifs à la prise en compte conjoncturelle dans la politique financière et aux suppléments ou rabais conjoncturels, il n'existe aucune jurisprudence publiée de la plus haute instance judiciaire. Ces instruments n'ont pas été activés depuis l'entrée en vigueur de la Constitution fédérale en 1999.\n\n### Collaboration entre la Confédération et les cantons\n\n**ATF 96 II 305 du 18 juin 1970**\nConsidérations de principe sur l'influence des facteurs conjoncturels dans les questions de droit patrimonial.\nLa décision montre la délimitation entre les facteurs conjoncturels et les autres facteurs économiques.\n\n> « Une plus-value ou une moins-value d'un objet appartenant aux biens propres du mari ou de la femme qui ne serait due qu'à la conjoncture ne touche pas ce calcul, mais profite à l'époux ou est supportée par l'époux qui a apporté l'objet en question. »\n\n### Mesures de stabilisation COVID-19\n\nLa jurisprudence récente sur les mesures de stabilisation COVID-19 (2020-2024) se réfère principalement aux bases légales spéciales et non directement à l'art. 100 Cst. Les tribunaux ont considéré les aides en cas de rigueur et autres mesures de stabilisation comme la mise en œuvre de la compétence générale de la Confédération en matière de politique conjoncturelle, sans se référer explicitement à l'art. 100 Cst.", "summary_it": "# Art. 100 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 100 Cost. conferisce alla Confederazione il potere di dirigere l'economia. Essa deve far sì che la congiuntura (l'alternarsi di periodi economici favorevoli e sfavorevoli) si sviluppi in modo equilibrato. Particolarmente importanti sono la lotta contro la disoccupazione e il rincaro (l'aumento dei prezzi).\n\nLa Confederazione deve tenere conto di tutte le regioni della Svizzera. Collabora con i Cantoni e l'economia. In settori importanti come il sistema monetario, il commercio estero e le finanze pubbliche può anche derogare dalla libertà economica, se necessario.\n\nTutti i livelli statali – Confederazione, Cantoni e Comuni – devono adeguare le loro uscite ed entrate alla situazione congiunturale. Nei periodi difficili dovrebbero spendere di più, in quelli favorevoli risparmiare.\n\nLa Confederazione dispone di strumenti particolari: può riscuotere temporaneamente soprattasse o concedere riduzioni. Il denaro incassato deve essere messo da parte e successivamente restituito o utilizzato per la creazione di posti di lavoro. Le imprese possono costituire riserve agevolate fiscalmente per i periodi difficili.\n\nUn esempio pratico sono stati gli aiuti COVID: indennità per lavoro ridotto, aiuti per casi di rigore per i ristoranti e crediti per le imprese. Queste misure si fondavano sull'articolo 100 Cost., anche se leggi speciali ne regolavano i dettagli.\n\nOggi il controllo classico della congiuntura è diventato meno importante. La Banca nazionale conduce la politica monetaria in modo indipendente e il freno all'indebitamento limita il margine di manovra per grandi programmi di spesa. Ciononostante l'articolo 100 Cost. rimane il fondamento costituzionale più importante per le misure di politica economica della Confederazione in tempi di crisi.", "doctrine_it": "# Art. 100 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 100 Cost. corrisponde largamente al precedente art. 31quinquies aCoste, che fu inserito nella Costituzione nel 1947 nell'ambito degli articoli economici (FF 1946 II 875). La norma ricevette la sua formulazione attuale durante la revisione totale della Costituzione federale del 1999, mentre le competenze principali della Confederazione per la politica congiunturale rimasero invariate (FF 1997 I 354). La disposizione costituzionale costituisce una delle poche eccezioni esplicite al principio della libertà economica e autorizza la Confederazione a un ampio spettro di interventi di politica economica.\n\n**N. 2** L'origine degli articoli congiunturali è strettamente collegata alle esperienze della crisi economica mondiale degli anni 1930 e alla ricostruzione economica dopo la Seconda guerra mondiale. Il costituente voleva mettere a disposizione della Confederazione gli strumenti necessari per poter superare meglio in futuro le crisi economiche (FF 1946 II 905). La votazione popolare del 6 luglio 1947 portò all'adozione degli articoli economici con chiara maggioranza.\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 100 Cost. si trova nella 7a sezione del 3° titolo della Costituzione federale su «Economia». La norma forma insieme all'→ art. 94 Cost. (principi dell'ordinamento economico) e all'→ art. 27 Cost. (libertà economica) il fondamento costituzionale dell'ordinamento economico svizzero. Come lex specialis, l'art. 100 Cost. prevale sul principio generale della libertà economica e legittima gli interventi dello Stato motivati dalla politica economica (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N 3421).\n\n**N. 4** La disposizione presenta stretti collegamenti con l'→ art. 101 Cost. (politica economica esterna), l'→ art. 102 Cost. (approvvigionamento del Paese) e l'→ art. 103 Cost. (politica strutturale). Queste norme formano insieme il quadro costituzionale per la politica economica della Confederazione. Particolare importanza assume il rapporto con l'→ art. 126 Cost. (gestione delle finanze), che ancor il freno all'indebitamento e limita così il margine di manovra finanziario per le misure di politica congiunturale.\n\n### Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Sviluppo congiunturale equilibrato (cpv. 1)**: Il concetto comprende secondo la dottrina dominante il «quadrilatero magico» della politica economica: stabilità dei prezzi, pieno impiego, equilibrio dell'economia esterna e crescita economica adeguata (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1022). La formulazione «in particolare» mostra che la prevenzione e la lotta contro la disoccupazione e il rincaro rappresentano obiettivi prioritari, ma non conclusivi.\n\n**N. 6** **Considerazione dello sviluppo regionale (cpv. 2)**: Questa disposizione obbliga la Confederazione a una politica economica spazialmente differenziata. La collaborazione con Cantoni ed economia va intesa come obbligo di cooperazione che rispetta la struttura federalistica della Svizzera (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar, 4a ed. 2023, art. 100 N 8).\n\n**N. 7** **Deroga alla libertà economica (cpv. 3)**: L'autorizzazione si riferisce a tre settori economici: settore monetario e creditizio, economia esterna e finanze pubbliche. Il criterio della necessità («se necessario») sottolinea il carattere eccezionale di tali interventi. La dottrina dominante interpreta questa disposizione in modo restrittivo e richiede un pericolo immediato per la stabilità economica (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, pag. 982).\n\n**N. 8** **Politica fiscale anticiclica (cpv. 4)**: La norma obbliga tutti i livelli statali a una gestione delle finanze conforme alla congiuntura. Nell'alta congiuntura i bilanci pubblici devono essere gestiti in modo restrittivo, nella recessione in modo espansivo. Questo obbligo si trova in rapporto di tensione con il freno all'indebitamento secondo l'→ art. 126 Cost. (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2a ed. 2024, art. 100 N 15).\n\n**N. 9** **Soprattasse e sconti congiunturali (cpv. 5)**: Questa disposizione permette variazioni temporanee del carico fiscale a scopi di stabilizzazione. L'obbligo di sterilizzazione dei mezzi prelevati deve impedire il loro uso prociclico. Il trattamento diverso delle imposte dirette e indirette nella restituzione riflette considerazioni pratiche amministrative.\n\n**N. 10** **Riserve per la creazione di posti di lavoro (cpv. 6)**: Lo strumento delle riserve per la creazione di posti di lavoro è stato concretizzato dalla legge federale del 20 dicembre 1951 (LRCL, RS 823.31). La costituzione di tali riserve è volontaria, ma può essere promossa mediante incentivi fiscali. Dopo l'avvenuto sblocco da parte del Consiglio federale, le imprese decidono autonomamente sull'utilizzazione nel quadro della destinazione legale (**Sentenza 2A.247/2003 del 22 dicembre 2003 consid. 2.1**).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 100 Cost. stabilisce competenze legislative complete della Confederazione nel settore della politica congiunturale. Queste competenze sono formulate in parte come disposizioni facoltative (cpv. 1, 3, 5, 6), in parte come obblighi (cpv. 2, 4). La norma non contiene diritti soggettivi direttamente applicabili, ma necessita di concretizzazione mediante la legislazione.\n\n**N. 12** I principali atti normativi di esecuzione sono la legge sulle riserve per la creazione di posti di lavoro (LRCL), la legge sulla Banca nazionale (LBN, RS 951.11) per le misure di politica monetaria nonché la legge sulle finanze della Confederazione (LFC, RS 611.0) per la politica fiscale anticiclica. L'importanza pratica del controllo congiunturale classico è diminuita dagli anni 1990, poiché la politica monetaria è stata delegata alla Banca nazionale indipendente e il freno all'indebitamento limita il margine di manovra della politica fiscale.\n\n### Punti controversi\n\n**N. 13** **Rapporto con il freno all'indebitamento**: Nella dottrina è controverso fino a che punto il freno all'indebitamento secondo l'→ art. 126 Cost. limiti le possibilità d'azione di politica congiunturale secondo l'art. 100 Cost. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 3 N 18) sostengono che l'art. 126 Cost. come disposizione speciale più recente goda di precedenza. Al contrario, Vallender (St. Galler Kommentar, art. 100 N 12) argomenta che entrambe le norme possano essere messe in accordo attraverso un'interpretazione del freno all'indebitamento conforme alla congiuntura.\n\n**N. 14** **Portata dell'autorizzazione a derogare**: Si discute in modo controverso la portata del cpv. 3. Mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3425) propugnano un'interpretazione restrittiva e ritengono ammissibili solo interventi temporanei e proporzionati, una parte della dottrina propende per una comprensione più ampia che includa anche misure strutturali (Biaggini, BV-Kommentar, 2a ed. 2017, art. 100 N 8). La prassi statale finora tende all'interpretazione restrittiva.\n\n**N. 15** **Giustiziabilità**: È controverso se e in che misura dall'art. 100 Cost. possano derivarsi obblighi giustiziabili. L'opinione dominante lo nega con riferimento all'ampio margine di discrezionalità delle autorità politiche nel controllo congiunturale (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, art. 100 N 15). Un'opinione minoritaria ritiene possibile un controllo giudiziario almeno in caso di evidente inattività nonostante grave crisi economica.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** L'importanza pratica dell'art. 100 Cost. è cambiata dall'entrata in vigore della nuova Costituzione federale. Gli strumenti classici del controllo congiunturale (cpv. 5 e 6) non sono stati più attivati da decenni. Invece la politica congiunturale avviene principalmente attraverso la politica monetaria della Banca nazionale, stabilizzatori automatici nel sistema fiscale e delle assicurazioni sociali nonché misure mirate in situazioni di crisi.\n\n**N. 17** La pandemia COVID-19 ha illustrato nuovamente la rilevanza dell'art. 100 Cost. Le ampie misure di stabilizzazione della Confederazione (indennità per lavoro ridotto, aiuti per i casi di rigore, fideiussioni) si fondavano implicitamente su questa base costituzionale, anche se le basi giuridiche concrete furono per lo più trovate nella legge sulle epidemie e in ordinanze d'urgenza. Ciò mostra che l'art. 100 Cost. mantiene la sua importanza come base di competenza generale di politica economica.\n\n**N. 18** Per l'applicazione del diritto è da osservare che le misure di politica congiunturale sottostanno sempre al principio della proporzionalità secondo l'→ art. 5 cpv. 2 Cost. Gli interventi nella libertà economica necessitano anche invocando l'art. 100 cpv. 3 Cost. di una base legale sufficiente. La mera esistenza di una recessione non basta; occorre un disturbo qualificato dell'equilibrio economico generale.", "caselaw_it": "# Art. 100 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Riserve per la creazione di posti di lavoro\n\n**Sentenza 2A.247/2003 del 22 dicembre 2003 consid. 2.1**\nConferma della base costituzionale e della ripartizione delle competenze tra SECO e amministrazione fiscale nella formazione delle riserve per la creazione di posti di lavoro.\nLa decisione concretizza l'attuazione dell'art. 100 cpv. 6 Cost. mediante la Legge sulle riserve per la creazione di posti di lavoro.\n\n> «Per promuovere una congiuntura equilibrata e per prevenire e combattere la disoccupazione, le imprese dell'economia privata possono costituire riserve fiscalmente privilegiate per la creazione di posti di lavoro mediante depositi annuali (art. 1 LRCPL; cfr. anche art. 100 cpv. 6 Cost. rispettivamente art. 31quinquies aCost.).»\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale B-3984/2009 del 4 marzo 2010 consid. 3.3**\nAncoraggio costituzionale dei presupposti per lo svincolo delle riserve per la creazione di posti di lavoro.\nLa sentenza conferma che lo svincolo delle riserve costituisce un presupposto imperativo per il loro utilizzo.\n\n> «Già dall'art. 100 cpv. 6 Cost. (RS 101), su cui si basa la LRCPL, si evince che le imprese possono decidere sull'impiego delle riserve nell'ambito degli scopi di utilizzazione legali solo dopo lo svincolo delle riserve.»\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale B-4599/2012 del 22 ottobre 2013**\nConferma dei rigorosi presupposti temporali per l'utilizzo delle riserve per la creazione di posti di lavoro.\nLa sentenza mostra l'applicazione conseguente degli strumenti di politica congiunturale.\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale B-2616/2013 dell'11 settembre 2014**\nUlteriore precisazione dei presupposti di utilizzazione delle riserve per la creazione di posti di lavoro nel contesto delle prescrizioni costituzionali.\nLa sentenza sottolinea l'importanza dell'effetto congiunturale tempestivo.\n\n> «La Legge federale sulla costituzione di riserve fiscalmente privilegiate per la creazione di posti di lavoro prevede che le imprese dell'economia privata possano costituire riserve per la creazione di posti di lavoro per promuovere una congiuntura equilibrata e per prevenire e combattere la disoccupazione [...] (art. 100 cpv. 6 della Costituzione federale).»\n\n### Libertà economica e deroghe di politica congiunturale\n\nRiguardo alla deroga al principio della libertà economica secondo l'art. 100 cpv. 3 Cost. non esiste ancora giurisprudenza del tribunale supremo. La norma costituzionale non è stata finora utilizzata come base per limitazioni della libertà economica che siano state controverse davanti al Tribunale federale.\n\n### Pilotaggio congiunturale della politica finanziaria\n\nRiguardo all'applicazione concreta dell'art. 100 cpv. 4 e 5 Cost. concernente la considerazione congiunturale nella politica finanziaria e i supplementi o sconti congiunturali non esiste giurisprudenza pubblicata del tribunale supremo. Questi strumenti non sono stati attivati dall'entrata in vigore della Costituzione federale nel 1999.\n\n### Collaborazione tra Confederazione e Cantoni\n\n**DTF 96 II 305 del 18 giugno 1970**\nConsiderazioni di principio sull'influsso di fattori congiunturali in questioni patrimoniali.\nLa decisione mostra la delimitazione tra fattori congiunturali e altri fattori economici.\n\n> «Un plusvalore o minusvalore di un oggetto appartenente ai beni conferiti dal marito o dalla moglie, riconducibile unicamente alla congiuntura, non tocca questo calcolo, ma va a beneficio del coniuge o deve essere sopportato dal coniuge che ha conferito l'oggetto in questione.»\n\n### Misure di stabilizzazione COVID-19\n\nLa giurisprudenza più recente relativa alle misure di stabilizzazione COVID-19 (2020-2024) si riferisce primariamente a basi legali speciali e non direttamente all'art. 100 Cost. I tribunali hanno considerato gli aiuti per i casi di rigore e altre misure di stabilizzazione come attuazione della competenza generale di politica congiunturale della Confederazione, senza riferirsi esplicitamente all'art. 100 Cost.", "summary_en": "# Art. 100 BV\n\n## Overview\n\nArticle 100 BV gives the Confederation the power to manage the economy. It is to ensure that economic cycles (the alternation between good and bad economic times) run smoothly. Particularly important are the fight against unemployment and inflation (rising prices).\n\nThe Confederation must take all regions of Switzerland into account. It works together with the cantons and the economy. In important areas such as monetary matters, foreign trade and public finances, it may even deviate from economic freedom if necessary.\n\nAll state levels – Confederation, cantons and municipalities – must adapt their expenditure and revenue to the economic situation. In bad times they should spend more, in good times they should save.\n\nThe Confederation has special tools at its disposal: It can temporarily impose tax surcharges or grant rebates. The money collected must be set aside and later returned or used for job creation. Companies can build up reserves for difficult times with tax benefits.\n\nA practical example was the Corona aid: short-time work compensation, hardship aid for restaurants and loans for companies. These measures were based on Article 100 BV, even though special laws regulated the details.\n\nToday, classical economic cycle management has become less important. The National Bank conducts monetary policy independently, and the debt brake limits the scope for large spending programmes. Nevertheless, Article 100 BV remains the most important constitutional basis for the Confederation's economic policy measures in times of crisis.", "doctrine_en": "# Art. 100 FC\n\n## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**No. 1** Art. 100 FC largely corresponds to the former Art. 31quinquies oldFC, which was incorporated into the Constitution in 1947 as part of the economic articles (Federal Gazette 1946 II 875). The provision received its current form during the total revision of the Federal Constitution in 1999, whereby the Confederation's core competences for economic cycle control remained unchanged (Federal Gazette 1997 I 354). The constitutional provision constitutes one of the few explicit exceptions to the principle of economic freedom and authorises the Confederation to undertake a broad spectrum of economic policy interventions.\n\n**No. 2** The emergence of the economic cycle articles is closely linked to the experiences of the global economic crisis of the 1930s and economic reconstruction after the Second World War. The constitutional legislator wanted to provide the Confederation with the necessary instruments to better manage future economic crises (Federal Gazette 1946 II 905). The popular vote of 6 July 1947 led to the adoption of the economic articles with a clear majority.\n\n### Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 100 FC stands in the 7th section of the 3rd title of the Federal Constitution on «Economy». The provision forms, together with → Art. 94 FC (principles of the economic order) and → Art. 27 FC (economic freedom), the constitutional foundation of the Swiss economic order. As lex specialis, Art. 100 FC takes precedence over the general principle of economic freedom and legitimises state interventions motivated by economic policy (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, No. 3421).\n\n**No. 4** The provision shows close connections to → Art. 101 FC (foreign economic policy), → Art. 102 FC (national economic supply), and → Art. 103 FC (structural policy). These norms together form the constitutional framework for the Confederation's economic policy. Special importance attaches to the relationship with → Art. 126 FC (budget management), which anchors the debt brake and thus limits the fiscal policy scope for economic cycle policy measures.\n\n### Elements of the Offence / Normative Content\n\n**No. 5** **Balanced economic development (para. 1)**: According to prevailing doctrine, the concept encompasses the «magic square» of economic policy: price stability, full employment, external economic equilibrium, and appropriate economic growth (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, No. 1022). The wording «in particular» shows that the prevention and combating of unemployment and inflation represent priority but not exhaustive objectives.\n\n**No. 6** **Consideration of regional development (para. 2)**: This provision obliges the Confederation to pursue a spatially differentiated economic policy. Cooperation with cantons and the economy is to be understood as a cooperation requirement that respects Switzerland's federalist structure (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary, 4th ed. 2023, Art. 100 No. 8).\n\n**No. 7** **Departure from economic freedom (para. 3)**: The authorisation relates to three economic sectors: monetary and credit systems, foreign trade, and public finances. The criterion of necessity («if necessary») underlines the exceptional character of such interventions. Prevailing doctrine interprets this provision restrictively and requires an immediate threat to economic stability (Müller/Schefer, Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, p. 982).\n\n**No. 8** **Anti-cyclical fiscal policy (para. 4)**: The provision obliges all state levels to conduct budgets appropriate to the economic cycle. During economic booms, public budgets should be conducted restrictively; during recessions, expansively. This obligation stands in tension with the debt brake according to → Art. 126 FC (Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, 2nd ed. 2024, Art. 100 No. 15).\n\n**No. 9** **Cyclical surcharges and discounts (para. 5)**: This provision enables temporary variations in the tax burden for stabilisation purposes. The requirement to sequester the absorbed funds is intended to prevent their pro-cyclical use. The different treatment of direct and indirect taxes in reimbursement reflects administrative practical considerations.\n\n**No. 10** **Job creation reserves (para. 6)**: The instrument of job creation reserves was concretised by the Federal Act of 20 December 1951 (JCRA, SR 823.31). The formation of such reserves is voluntary but can be promoted through tax incentives. After release by the Federal Council, companies decide autonomously on their use within the framework of the legal purpose designation (**Decision 2A.247/2003 of 22 December 2003 recital 2.1**).\n\n### Legal Consequences\n\n**No. 11** Art. 100 FC establishes comprehensive legislative competences of the Confederation in the field of economic cycle policy. These competences are partly designed as discretionary provisions (paras. 1, 3, 5, 6), partly as obligations (paras. 2, 4). The provision contains no directly applicable subjective rights but requires concretisation through legislation.\n\n**No. 12** The most important implementing statutes are the Job Creation Reserves Act (JCRA), the National Bank Act (NBA, SR 951.11) for monetary policy measures, and the Financial Budget Act (FBA, SR 611.0) for anti-cyclical fiscal policy. The practical importance of classical economic cycle control has diminished since the 1990s, as monetary policy has been delegated to the independent National Bank and the debt brake restricts fiscal policy scope.\n\n### Disputes\n\n**No. 13** **Relationship to the debt brake**: It is disputed in doctrine to what extent the debt brake according to → Art. 126 FC restricts the economic cycle policy possibilities under Art. 100 FC. Tschannen/Zimmerli/Müller (General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 3 No. 18) take the view that Art. 126 FC as the more recent special provision takes precedence. In contrast, Vallender (St. Gallen Commentary, Art. 100 No. 12) argues that both norms can be reconciled through an economic cycle-appropriate interpretation of the debt brake.\n\n**No. 14** **Scope of the departure authority**: The scope of para. 3 is controversially discussed. While Rhinow/Schefer/Uebersax (No. 3425) advocate a narrow interpretation and consider only temporary, proportionate interventions permissible, part of the doctrine argues for a broader understanding that also encompasses structural measures (Biaggini, FC Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 100 No. 8). Previous state practice tends towards restrictive interpretation.\n\n**No. 15** **Justiciability**: It is disputed whether and to what extent justiciable obligations can be derived from Art. 100 FC. The prevailing opinion denies this with reference to the wide discretionary scope of political authorities in economic cycle control (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Art. 100 No. 15). A minority opinion considers judicial review possible at least in cases of obvious inaction despite severe economic crisis.\n\n### Practice Guidelines\n\n**No. 16** The practical importance of Art. 100 FC has changed since the entry into force of the new Federal Constitution. The classical instruments of economic cycle control (paras. 5 and 6) have not been activated for decades. Instead, economic cycle policy occurs primarily through the National Bank's monetary policy, automatic stabilisers in the tax and social insurance system, and targeted measures in crisis situations.\n\n**No. 17** The COVID-19 pandemic has newly illustrated the relevance of Art. 100 FC. The Confederation's extensive stabilisation measures (short-time work compensation, hardship aid, guarantees) were implicitly based on this constitutional foundation, even though the concrete legal bases were mostly found in the Epidemics Act and emergency ordinances. This shows that Art. 100 FC retains its importance as a general economic policy competence basis.\n\n**No. 18** For legal application, it should be noted that economic cycle policy measures are always subject to the principle of proportionality according to → Art. 5 para. 2 FC. Interventions in economic freedom require a sufficient legal basis even when invoking Art. 100 para. 3 FC. The mere existence of a recession is insufficient; a qualified disruption of overall economic equilibrium is required.", "caselaw_en": "# Art. 100 BV\n\n## Case Law\n\n### Job Creation Reserves\n\n**Judgment 2A.247/2003 of 22 December 2003 consid. 2.1**\nConfirmation of the constitutional basis and division of competence between SECO and the tax authorities in the creation of job creation reserves.\nThe decision concretizes the implementation of Art. 100 para. 6 BV through the Job Creation Reserves Act.\n\n> «To promote a balanced economy and to prevent and combat unemployment, private sector enterprises may form tax-privileged job creation reserves through annual contributions (Art. 1 ABRG; see also Art. 100 para. 6 BV or Art. 31quinquies old BV).»\n\n**Federal Administrative Court Judgment B-3984/2009 of 4 March 2010 consid. 3.3**\nConstitutional anchoring of the release requirements for job creation reserves.\nThe judgment confirms that the release of reserves constitutes a mandatory prerequisite for their use.\n\n> «Art. 100 para. 6 BV (SR 101), which underlies the ABRG, already shows that enterprises can only decide on the deployment of reserves within the statutory purposes of use after their release.»\n\n**Federal Administrative Court Judgment B-4599/2012 of 22 October 2013**\nConfirmation of strict temporal requirements for the use of job creation reserves.\nThe judgment demonstrates the consistent application of economic policy instruments.\n\n**Federal Administrative Court Judgment B-2616/2013 of 11 September 2014**\nFurther specification of the conditions for use of job creation reserves in the context of constitutional requirements.\nThe judgment emphasizes the importance of timely economic impact.\n\n> «The Federal Act on the Formation of Tax-Privileged Job Creation Reserves provides that private sector enterprises may form job creation reserves to promote a balanced economy and to prevent and combat unemployment [...] (Art. 100 para. 6 of the Federal Constitution).»\n\n### Economic Freedom and Economic Policy Derogations\n\nRegarding derogation from the principle of economic freedom under Art. 100 para. 3 BV, there is no supreme court case law yet. The constitutional provision has not been used as a basis for restrictions on economic freedom that have become contentious before the Federal Court.\n\n### Fiscal Economic Management\n\nRegarding the concrete application of Art. 100 para. 4 and 5 BV concerning economic considerations in fiscal policy and economic surcharges or discounts, there is no published supreme court case law. These instruments have not been activated since the Federal Constitution came into force in 1999.\n\n### Cooperation Between the Confederation and the Cantons\n\n**BGE 96 II 305 of 18 June 1970**\nFundamental considerations on the influence of economic factors in property law matters.\nThe decision shows the distinction between economy-related and other economic factors.\n\n> «An increase or decrease in value of an object belonging to the contributed property of the husband or wife that is solely attributable to economic conditions does not affect this calculation, but benefits or burdens the spouse who contributed the object in question.»\n\n### COVID-19 Stabilization Measures\n\nRecent case law on COVID-19 stabilization measures (2020-2024) refers primarily to special statutory bases and not directly to Art. 100 BV. The courts have regarded hardship aid and other stabilization measures as implementation of the Confederation's general economic policy competence, without explicitly referring to Art. 100 BV.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_100", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 101, "article_suffix": "", "title": "Aussenwirtschaftspolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 101 BV regelt die Aussenwirtschaftspolitik der Schweiz. Die Bestimmung gibt dem Bund zwei wichtige Aufgaben: Er muss die schweizerischen Wirtschaftsinteressen im Ausland fördern und kann bei Bedarf die heimische Wirtschaft schützen.\n\n## Förderung im Ausland\n\nDer Bund hilft Schweizer Unternehmen beim Export und bei Investitionen im Ausland. Er schliesst dafür Handelsabkommen ab, betreibt diplomatische Unterstützung und bietet Exportrisikogarantien. Diese Förderung erfolgt über Organisationen wie Switzerland Global Enterprise oder durch Schweizer Botschaften. Das Ziel ist es, Schweizer Firmen Zugang zu ausländischen Märkten zu verschaffen und sie vor unfairer Behandlung zu schützen.\n\n## Schutz der inländischen Wirtschaft\n\nIn besonderen Fällen kann der Bund die Schweizer Wirtschaft vor schädlicher ausländischer Konkurrenz schützen. Dies geschieht zum Beispiel durch Einfuhrbeschränkungen (Mengenlimits für bestimmte Waren), Schutzzölle oder technische Vorschriften. Solche Massnahmen sind aber nur erlaubt, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen – etwa bei einer Wirtschaftskrise oder wenn ausländische Staaten ihre Unternehmen unfair bevorzugen.\n\n## Beispiel aus der Praxis\n\nWenn ein wichtiger Handelspartner plötzlich hohe Zölle auf Schweizer Maschinen erhebt, kann der Bund diplomatisch intervenieren oder als Gegenmassnahme seinerseits Beschränkungen einführen. Bei einer Überflutung des Schweizer Marktes mit subventionierten ausländischen Produkten könnte er temporäre Schutzmassnahmen beschliessen.\n\nDer Artikel ermöglicht es dem Bund ausserdem, in Notfällen vom normalen Prinzip der Wirtschaftsfreiheit abzuweichen. Das bedeutet: Er kann zeitweise stärker in die Wirtschaft eingreifen, als es normalerweise erlaubt wäre. Diese Ausnahme ist jedoch streng an besondere Umstände gebunden.\n\nArt. 101 BV schafft keine direkten Rechte für Privatpersonen oder Unternehmen. Sie können nicht einfach verlangen, dass der Bund bestimmte Massnahmen ergreift. Die Bestimmung ist vielmehr eine Arbeitsanweisung an die Regierung.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 101 BV entspricht in seinen Grundzügen dem früheren Art. 31bis Abs. 3 aBV. Die Bestimmung wurde bei der Totalrevision 1999 weitgehend unverändert übernommen, jedoch systematisch neu in den Abschnitt über Wirtschaftspolitik eingeordnet (BBl 1997 I 1, 375). Die Botschaft betont, dass die schweizerische Aussenwirtschaftspolitik auf dem liberalen Grundverständnis des Freihandels beruht, gleichzeitig aber Schutzmechanismen für die inländische Wirtschaft vorsieht.\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung zeigt eine kontinuierliche Erweiterung der bundesstaatlichen Kompetenzen im Aussenwirtschaftsbereich. Bereits in der BV von 1848 waren in Art. 23 und Art. 28 aussenwirtschaftliche Befugnisse verankert. Mit der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre erfolgte durch Art. 31bis aBV eine bedeutende Kompetenzerweiterung, die dem Bund explizit gestattete, vom Grundsatz der Handels- und Gewerbefreiheit abzuweichen (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 1-2).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 101 BV bildet zusammen mit Art. 100 (Konjunkturpolitik), Art. 102 (Landesversorgung), Art. 103 (Strukturpolitik) und Art. 104 (Landwirtschaft) den wirtschaftspolitischen Kern der Bundesverfassung. Die Norm steht in einem Spannungsverhältnis zur Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 und 94 BV), wobei Art. 94 Abs. 4 BV explizit auf Abweichungen «nach den Artikeln 101 und 102» verweist.\n\n**N. 4** Im Kontext des Aussenwirtschaftsrechts ist Art. 101 BV mit → Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten) und → Art. 133 BV (Zölle) verknüpft. Die Kompetenz zur Wahrung schweizerischer Wirtschaftsinteressen im Ausland überschneidet sich teilweise mit der allgemeinen aussenpolitischen Zuständigkeit des Bundes. Für die Erhebung von Zöllen besteht jedoch mit Art. 133 BV eine speziellere Kompetenznorm (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 19).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absatz 1** begründet eine Staatsaufgabe des Bundes zur Wahrung schweizerischer Wirtschaftsinteressen im Ausland. Der Begriff «Wirtschaftsinteressen» umfasst sowohl private Unternehmensinteressen als auch gesamtwirtschaftliche Anliegen. Die «Wahrung» beinhaltet aktive Förderung (Exportförderung, Investitionsschutz) und defensive Massnahmen (Handelshemmnisse abbauen).\n\n**N. 6** Die Instrumente zur Interessenwahrung sind vielfältig: Abschluss von Handelsabkommen, Freihandelsabkommen und Investitionsschutzabkommen, Mitgliedschaft in internationalen Wirtschaftsorganisationen (WTO, OECD), diplomatische Interventionen, Exportrisikogarantie und Swiss Business Hubs (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 10-13).\n\n**N. 7** **Absatz 2** enthält zwei Kompetenzen: Erstens die allgemeine Befugnis zu Schutzmassnahmen für die inländische Wirtschaft, zweitens die qualifizierte Ermächtigung zur Abweichung vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit. Das Tatbestandsmerkmal «besondere Fälle» verlangt aussergewöhnliche Umstände wie Wirtschaftskrisen, Strukturkrisen einzelner Branchen oder gravierende Wettbewerbsverzerrungen durch ausländische Praktiken.\n\n**N. 8** Der Begriff «inländische Wirtschaft» umfasst alle in der Schweiz ansässigen Wirtschaftsakteure unabhängig von ihrer Nationalität. Schutzmassnahmen können branchenbezogen oder gesamtwirtschaftlich ausgestaltet sein (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 46).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Art. 101 BV begründet keine subjektiven Rechte Privater. Die Norm hat programmatischen Charakter und bedarf der Konkretisierung durch Bundesgesetze. Aus Abs. 1 können Private weder einen Anspruch auf bestimmte aussenwirtschaftspolitische Massnahmen noch auf diplomatischen Schutz ableiten (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 14-15).\n\n**N. 10** Gestützt auf Art. 101 Abs. 2 BV kann der Bund protektionistische Massnahmen wie Einfuhrbeschränkungen, Kontingentierungen oder technische Handelshemmnisse erlassen. Solche Massnahmen müssen jedoch verhältnismässig sein und dürfen internationale Verpflichtungen der Schweiz (insb. WTO-Recht) nicht verletzen.\n\n**N. 11** Die Abweichung vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit nach Abs. 2 Satz 2 muss nicht zeitlich befristet werden (Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, S. 472, zit. in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 72). Sie unterliegt jedoch den allgemeinen verfassungsrechtlichen Schranken, insbesondere dem Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) und dem Rechtsgleichheitsgebot (→ Art. 8 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umfang der Schutzkompetenzen**: Umstritten ist, ob Art. 101 Abs. 2 BV nur defensive Schutzmassnahmen oder auch aktive Industriepolitik legitimiert. Die herrschende Lehre vertritt eine restriktive Auslegung, wonach nur Abwehrmassnahmen gegen externe Störungen zulässig sind, nicht aber eine planmässige Wirtschaftslenkung (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1089).\n\n**N. 13** **Zölle als Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit**: Kontrovers diskutiert wird die Qualifikation protektionistischer Zölle. Nach Arpagaus sind nur prohibitiv wirkende Zölle als Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit zu qualifizieren (Arpagaus, Wirtschaftsfreiheit und Wettbewerbsverzerrungen, Rz. 370-373, zit. in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 73). Demgegenüber vertritt Lehner im St. Galler Kommentar, dass bereits Zölle, welche protektionistisch motiviert sind und den freien Wettbewerb spürbar einschränken, als grundsatzwidrige Massnahmen zu qualifizieren sind (SG Komm. BV-Lehner, Art. 101 N. 22).\n\n**N. 14** **Verhältnis zum Völkerrecht**: Die Reichweite von Art. 101 BV wird durch völkerrechtliche Verpflichtungen begrenzt. Strittig ist, inwieweit der verfassungsrechtliche Schutzauftrag Vorrang vor WTO-Verpflichtungen beanspruchen kann. Die Praxis zeigt, dass der Bundesrat internationale Verpflichtungen regelmässig höher gewichtet als potenzielle Schutzinteressen (Cottier/Oesch, International Trade Regulation, S. 845 ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Anwendung von Art. 101 BV ist stets die Kompetenzsystematik zu beachten: Für sektorspezifische Massnahmen bestehen oft speziellere Verfassungsgrundlagen (z.B. Art. 104 BV für Landwirtschaft). Art. 101 BV kommt nur subsidiär zur Anwendung.\n\n**N. 16** Unternehmen, die von ausländischen Wettbewerbsverzerrungen betroffen sind, können gestützt auf die Ausführungsgesetzgebung zu Art. 101 BV (z.B. Bundesgesetz über aussenwirtschaftliche Massnahmen) Schutzmassnahmen beantragen. Die Hürden sind jedoch hoch: Es müssen erhebliche Schädigungen der betroffenen Branche und ein öffentliches Interesse am Schutz nachgewiesen werden.\n\n**N. 17** Im Bereich der Exportkontrolle (Dual-Use-Güter, Kriegsmaterial) dient Art. 101 BV zusammen mit → Art. 54 Abs. 2 BV als verfassungsrechtliche Grundlage. Die Verwaltungspraxis zeigt eine zunehmende Berufung auf aussenwirtschaftliche Schutzinteressen bei der Kontrolle kritischer Technologietransfers.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 101 BV ist spärlich, da diese Verfassungsbestimmung primär eine programmatische Staatszielbestimmung ohne unmittelbare subjektive Berechtigung darstellt. Die wenigen verfügbaren Entscheidungen betreffen hauptsächlich die verfassungsrechtlichen Grenzen staatlicher Wirtschaftsmassnahmen und deren Verhältnismässigkeit.\n\n### Aussenwirtschaftspolitische Massnahmen\n\n**BGE 100 Ib 318** vom 20. Dezember 1974\n\nDas Bundesgericht anerkannte die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Einfuhrkontingentierungen als Schutz der inländischen Wirtschaft. Bei der Kontingentierung für Fleisch aus Süd-Rhodesien hielt das Bundesgericht fest, dass ein gemischtes System zur Wahrung bisheriger Handelsbeziehungen bei gleichzeitiger Gleichbehandlung der Gewerbetreibenden verfassungskonform sei.\n\n> «Ein gemischtes System, das mit einem doppelten Schlüssel sowohl die bisherigen Handelsbeziehungen möglichst schonen wie auch die Gewerbegenossen möglichst gleichbehandeln will, verstösst nicht gegen die Verfassung.»\n\n**BGE 102 Ib 227** vom 11. Juni 1976\n\nDiese Entscheidung bestätigte die Zulässigkeit von Exportkontrollen bei strategischen Gütern. Das Bundesgericht prüfte die Bewilligungspflicht für die Ausfuhr von Eisenwaren und anerkannte dabei grundsätzlich die Befugnis des Bundes zu aussenwirtschaftlichen Schutzmassnahmen.\n\nDas Urteil ist relevant für die praktische Umsetzung von Art. 101 Abs. 2 BV, wonach der Bund zum Schutz der inländischen Wirtschaft auch von der Wirtschaftsfreiheit abweichen kann.\n\n### Wirtschaftspolitische Straftatbestände\n\n**BGE 110 Ib 82** vom 8. Februar 1984\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Rechtshilfe bei Verstössen gegen wirtschaftspolitische Massnahmen. Der Fall betraf Bannbruch nach Art. 76 ZG im Kontext illegaler Computerexporte.\n\n> «Wegen Handlungen gegen wirtschaftspolitische Massnahmen, wie der Bannbruch gemäss Art. 76 ZG, kann die Rechtshilfe gemäss dieser Bestimmung verweigert werden.»\n\nDiese Rechtsprechung zeigt, dass das Bundesgericht wirtschaftspolitische Massnahmen des Bundes als legitimes Schutzinstrument im Sinne von Art. 101 Abs. 2 BV anerkennt und deren Durchsetzung straftatrechtlich absichert.\n\n### Verfassungsrechtliche Schranken staatlicher Wirtschaftstätigkeit\n\n**Bundesratsbeschluss vom 2. September 2009** (150000203)\n\nObwohl kein Gerichtsurteil, ist dieser Beschluss für die Auslegung von Art. 101 BV bedeutsam. Er hält fest, dass staatliche Wirtschaftstätigkeit einer spezifischen Verfassungsgrundlage bedarf und nicht pauschal unter Art. 101 BV subsumiert werden kann.\n\nDie Bestimmung begründet keine allgemeine Ermächtigung für staatliche Marktinterventionen, sondern beschränkt sich auf die Wahrung schweizerischer Wirtschaftsinteressen im Ausland und spezifische Schutzmassnahmen nach Abs. 2.\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\n**Verwaltungsgerichtspraxis zu Exportkontrollen (2020-2025)**\n\nDie jüngere Verwaltungsrechtsprechung zeigt eine verstärkte Anwendung von Art. 101 BV im Bereich der Dual-Use-Güter-Kontrolle. Verschiedene Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts betrafen Exportbewilligungen für strategische Güter, wobei die Behörden sich auf Art. 101 Abs. 2 BV als verfassungsrechtliche Grundlage für Beschränkungen stützten.\n\nDiese Praxis zeigt, dass Art. 101 BV in der heutigen vernetzten Weltwirtschaft praktische Bedeutung für die Kontrolle kritischer Technologietransfers erhalten hat.\n\n### Fazit\n\nDie Rechtsprechung bestätigt den programmatischen Charakter von Art. 101 BV. Die Norm begründet keine subjektiven Rechte, sondern umschreibt Staatsaufgaben. Ihre praktische Bedeutung entfaltet sie primär als verfassungsrechtliche Grundlage für spezifische gesetzliche Regelungen im Bereich der Aussenwirtschaftspolitik und des Exports strategischer Güter.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 101 Cst. règle la politique économique extérieure de la Suisse. Cette disposition confère à la Confédération deux missions importantes : elle doit promouvoir les intérêts économiques suisses à l'étranger et peut, en cas de besoin, protéger l'économie nationale.\n\n## Promotion à l'étranger\n\nLa Confédération aide les entreprises suisses dans leurs exportations et leurs investissements à l'étranger. Elle conclut à cette fin des accords commerciaux, fournit un soutien diplomatique et offre des garanties contre les risques à l'exportation. Cette promotion s'effectue par l'intermédiaire d'organisations comme Switzerland Global Enterprise ou par les ambassades suisses. L'objectif est de donner accès aux marchés étrangers aux entreprises suisses et de les protéger contre tout traitement inéquitable.\n\n## Protection de l'économie nationale\n\nDans des cas particuliers, la Confédération peut protéger l'économie suisse contre une concurrence étrangère préjudiciable. Cela se fait par exemple par des restrictions à l'importation (limites quantitatives pour certaines marchandises), des droits de douane de protection ou des prescriptions techniques. De telles mesures ne sont toutefois autorisées que si des circonstances exceptionnelles l'exigent – par exemple en cas de crise économique ou lorsque des États étrangers favorisent leurs entreprises de manière déloyale.\n\n## Exemple tiré de la pratique\n\nSi un partenaire commercial important impose soudainement des droits de douane élevés sur les machines suisses, la Confédération peut intervenir par la voie diplomatique ou introduire à son tour des restrictions à titre de contre-mesure. En cas d'inondation du marché suisse par des produits étrangers subventionnés, elle pourrait décider de mesures de protection temporaires.\n\nL'article permet en outre à la Confédération de déroger, en cas d'urgence, au principe normal de la liberté économique. Cela signifie qu'elle peut temporairement intervenir plus fortement dans l'économie qu'il ne serait normalement permis. Cette exception est cependant strictement liée à des circonstances particulières.\n\nL'art. 101 Cst. ne crée pas de droits directs pour les particuliers ou les entreprises. Ils ne peuvent pas simplement exiger que la Confédération prenne certaines mesures. Cette disposition constitue plutôt une instruction de travail à l'intention du gouvernement.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 101 Cst. correspond dans ses grandes lignes à l'ancien art. 31bis al. 3 aConst. La disposition a été reprise pratiquement inchangée lors de la révision totale de 1999, mais reclassée systématiquement dans la section sur la politique économique (FF 1997 I 1, 359). Le message souligne que la politique économique extérieure suisse repose sur la conception libérale du libre-échange, tout en prévoyant simultanément des mécanismes de protection pour l'économie intérieure.\n\n**N. 2** L'évolution historique montre un élargissement continu des compétences de l'État fédéral dans le domaine de l'économie extérieure. Déjà dans la Constitution de 1848, les art. 23 et 28 ancraient des compétences de politique économique extérieure. Avec la crise économique des années 1930, l'art. 31bis aConst. a apporté un élargissement significatif des compétences, permettant explicitement à la Confédération de déroger au principe de la liberté du commerce et de l'industrie (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 1-2).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 101 Cst. forme avec l'art. 100 (politique conjoncturelle), l'art. 102 (approvisionnement du pays), l'art. 103 (politique structurelle) et l'art. 104 (agriculture) le noyau de politique économique de la Constitution fédérale. La norme se trouve en tension avec la liberté économique (art. 27 et 94 Cst.), l'art. 94 al. 4 Cst. renvoyant explicitement aux dérogations « selon les articles 101 et 102 ».\n\n**N. 4** Dans le contexte du droit de l'économie extérieure, l'art. 101 Cst. est lié à → l'art. 54 Cst. (affaires extérieures) et → l'art. 133 Cst. (douanes). La compétence de sauvegarde des intérêts économiques suisses à l'étranger recoupe partiellement la compétence générale de politique extérieure de la Confédération. Pour la perception de droits de douane, il existe cependant avec l'art. 133 Cst. une norme de compétence plus spéciale (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 19).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **L'alinéa 1** établit une tâche étatique de la Confédération pour la sauvegarde des intérêts économiques suisses à l'étranger. Le terme « intérêts économiques » englobe tant les intérêts d'entreprises privées que les préoccupations économiques générales. La « sauvegarde » comprend la promotion active (promotion des exportations, protection des investissements) et les mesures défensives (suppression des entraves commerciales).\n\n**N. 6** Les instruments de sauvegarde des intérêts sont variés : conclusion d'accords commerciaux, d'accords de libre-échange et d'accords de protection des investissements, adhésion à des organisations économiques internationales (OMC, OCDE), interventions diplomatiques, garantie contre les risques à l'exportation et Swiss Business Hubs (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 10-13).\n\n**N. 7** **L'alinéa 2** contient deux compétences : premièrement la compétence générale de prendre des mesures de protection pour l'économie intérieure, deuxièmement l'habilitation qualifiée à déroger au principe de la liberté économique. L'élément constitutif « cas particuliers » exige des circonstances extraordinaires comme des crises économiques, des crises structurelles de certaines branches ou de graves distorsions de concurrence dues à des pratiques étrangères.\n\n**N. 8** Le terme « économie intérieure » englobe tous les acteurs économiques établis en Suisse indépendamment de leur nationalité. Les mesures de protection peuvent être conçues par branche ou pour l'ensemble de l'économie (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 46).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** L'art. 101 Cst. ne fonde aucun droit subjectif des particuliers. La norme a un caractère programmatique et nécessite une concrétisation par des lois fédérales. De l'al. 1, les particuliers ne peuvent dériver ni un droit à certaines mesures de politique économique extérieure ni à la protection diplomatique (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 14-15).\n\n**N. 10** En vertu de l'art. 101 al. 2 Cst., la Confédération peut édicter des mesures protectionnistes comme des restrictions à l'importation, des contingentements ou des entraves techniques au commerce. De telles mesures doivent cependant être proportionnées et ne peuvent violer les obligations internationales de la Suisse (notamment le droit de l'OMC).\n\n**N. 11** La dérogation au principe de la liberté économique selon l'al. 2 phrase 2 ne doit pas être limitée dans le temps (Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 472, cité in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 72). Elle est cependant soumise aux limites générales du droit constitutionnel, notamment au principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) et au principe d'égalité (→ art. 8 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Étendue des compétences de protection** : Il est controversé de savoir si l'art. 101 al. 2 Cst. ne légitime que des mesures de protection défensives ou aussi une politique industrielle active. La doctrine dominante défend une interprétation restrictive, selon laquelle seules sont admises les mesures de défense contre des perturbations externes, mais pas une direction planifiée de l'économie (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1089).\n\n**N. 13** **Droits de douane comme dérogation à la liberté économique** : La qualification des droits de douane protectionnistes est discutée de manière controversée. Selon Arpagaus, seuls les droits de douane ayant un effet prohibitif sont à qualifier comme dérogations au principe de la liberté économique (Arpagaus, Wirtschaftsfreiheit und Wettbewerbsverzerrungen, ch. 370-373, cité in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 73). À l'inverse, Lehner soutient dans le commentaire saint-gallois que déjà les droits de douane motivés par des considérations protectionnistes et restreignant sensiblement la libre concurrence sont à qualifier comme mesures contraires au principe (SG Komm. BV-Lehner, Art. 101 N. 22).\n\n**N. 14** **Rapport au droit international** : La portée de l'art. 101 Cst. est limitée par les obligations de droit international. Il est controversé dans quelle mesure le mandat constitutionnel de protection peut revendiquer la priorité sur les obligations de l'OMC. La pratique montre que le Conseil fédéral pèse régulièrement les obligations internationales plus lourd que les intérêts potentiels de protection (Cottier/Oesch, International Trade Regulation, p. 845 ss).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Dans l'application de l'art. 101 Cst., il faut toujours respecter la systématique des compétences : pour les mesures sectorielles spécifiques, il existe souvent des bases constitutionnelles plus spéciales (p. ex. art. 104 Cst. pour l'agriculture). L'art. 101 Cst. ne s'applique que subsidiairement.\n\n**N. 16** Les entreprises affectées par des distorsions de concurrence étrangères peuvent demander des mesures de protection en vertu de la législation d'exécution de l'art. 101 Cst. (p. ex. Loi fédérale sur les mesures économiques extérieures). Les obstacles sont cependant élevés : il faut prouver des dommages considérables à la branche concernée et un intérêt public à la protection.\n\n**N. 17** Dans le domaine du contrôle des exportations (biens à double usage, matériel de guerre), l'art. 101 Cst. sert avec → l'art. 54 al. 2 Cst. de base constitutionnelle. La pratique administrative montre un recours croissant aux intérêts de protection de l'économie extérieure lors du contrôle des transferts de technologies critiques.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 101 Cst. est rare, cette disposition constitutionnelle représentant principalement un objectif programmatique de l'État sans droit subjectif immédiat. Les quelques décisions disponibles concernent principalement les limites constitutionnelles des mesures économiques étatiques et leur proportionnalité.\n\n### Mesures de politique économique extérieure\n\n**ATF 100 Ib 318** du 20 décembre 1974\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu la licéité constitutionnelle des contingentements d'importation comme protection de l'économie intérieure. Concernant le contingentement pour la viande de Rhodésie du Sud, le Tribunal fédéral a retenu qu'un système mixte visant à préserver les relations commerciales existantes tout en garantissant l'égalité de traitement des commerçants était conforme à la Constitution.\n\n> « Un système mixte qui, avec une double clé, veut à la fois ménager autant que possible les relations commerciales antérieures et traiter autant que possible à égalité les membres de la profession, ne contrevient pas à la Constitution. »\n\n**ATF 102 Ib 227** du 11 juin 1976\n\nCette décision a confirmé la licéité des contrôles à l'exportation pour les biens stratégiques. Le Tribunal fédéral a examiné l'obligation d'autorisation pour l'exportation d'articles en fer et a reconnu en principe la compétence de la Confédération de prendre des mesures de protection en matière d'économie extérieure.\n\nL'arrêt est pertinent pour la mise en œuvre pratique de l'art. 101 al. 2 Cst., selon lequel la Confédération peut déroger à la liberté économique pour protéger l'économie intérieure.\n\n### Infractions de politique économique\n\n**ATF 110 Ib 82** du 8 février 1984\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur l'entraide judiciaire en cas de violations de mesures de politique économique. L'affaire concernait une infraction de contrebande selon l'art. 76 LD dans le contexte d'exportations illégales d'ordinateurs.\n\n> « Pour des actes dirigés contre des mesures de politique économique, comme l'infraction de contrebande selon l'art. 76 LD, l'entraide peut être refusée en vertu de cette disposition. »\n\nCette jurisprudence montre que le Tribunal fédéral reconnaît les mesures de politique économique de la Confédération comme instrument de protection légitime au sens de l'art. 101 al. 2 Cst. et assure leur mise en œuvre par le droit pénal.\n\n### Limites constitutionnelles de l'activité économique étatique\n\n**Arrêté du Conseil fédéral du 2 septembre 2009** (150000203)\n\nBien qu'il ne s'agisse pas d'un jugement, cet arrêté est significatif pour l'interprétation de l'art. 101 Cst. Il retient que l'activité économique étatique nécessite une base constitutionnelle spécifique et ne peut être subordonnée globalement à l'art. 101 Cst.\n\nLa disposition ne fonde pas une autorisation générale d'intervention étatique sur le marché, mais se limite à la sauvegarde des intérêts économiques suisses à l'étranger et aux mesures de protection spécifiques selon l'al. 2.\n\n### Développements récents\n\n**Pratique du droit administratif en matière de contrôles à l'exportation (2020-2025)**\n\nLa jurisprudence administrative récente montre une application renforcée de l'art. 101 Cst. dans le domaine du contrôle des biens à double usage. Diverses décisions du Tribunal administratif fédéral ont concerné des autorisations d'exportation pour des biens stratégiques, les autorités s'appuyant sur l'art. 101 al. 2 Cst. comme base constitutionnelle pour les restrictions.\n\nCette pratique montre que l'art. 101 Cst. a acquis une importance pratique dans l'économie mondiale interconnectée d'aujourd'hui pour le contrôle des transferts de technologies critiques.\n\n### Conclusion\n\nLa jurisprudence confirme le caractère programmatique de l'art. 101 Cst. La norme ne fonde pas de droits subjectifs, mais circonscrit les tâches de l'État. Elle déploie son importance pratique principalement comme base constitutionnelle pour des réglementations légales spécifiques dans le domaine de la politique économique extérieure et de l'exportation de biens stratégiques.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 101 Cost. disciplina la politica economica estera della Svizzera. La disposizione assegna alla Confederazione due compiti importanti: deve promuovere gli interessi economici svizzeri all'estero e può, se necessario, proteggere l'economia nazionale.\n\n## Promozione all'estero\n\nLa Confederazione aiuta le imprese svizzere nell'esportazione e negli investimenti all'estero. A tal fine conclude accordi commerciali, fornisce sostegno diplomatico e offre garanzie per i rischi d'esportazione. Questa promozione avviene attraverso organizzazioni come Switzerland Global Enterprise o tramite le ambasciate svizzere. L'obiettivo è procurare alle aziende svizzere l'accesso ai mercati esteri e proteggerle da trattamenti sleali.\n\n## Protezione dell'economia nazionale\n\nIn casi particolari, la Confederazione può proteggere l'economia svizzera dalla concorrenza estera dannosa. Ciò avviene ad esempio attraverso restrizioni all'importazione (limiti quantitativi per determinate merci), dazi protettivi o prescrizioni tecniche. Tali misure sono però ammesse solo quando sussistono circostanze eccezionali – ad esempio in caso di crisi economica o quando Stati esteri favoriscono slealmente le proprie imprese.\n\n## Esempio dalla prassi\n\nSe un importante partner commerciale impone improvvisamente dazi elevati sui macchinari svizzeri, la Confederazione può intervenire diplomaticamente o introdurre a sua volta restrizioni come contromisura. In caso di inondazione del mercato svizzero con prodotti esteri sovvenzionati, potrebbe decidere misure protettive temporanee.\n\nL'articolo consente inoltre alla Confederazione di derogare, in caso di emergenza, al principio normale della libertà economica. Ciò significa: può intervenire temporaneamente nell'economia in modo più intenso di quanto normalmente consentito. Questa eccezione è tuttavia strettamente vincolata a circostanze particolari.\n\nL'art. 101 Cost. non crea diritti diretti per i privati o le imprese. Essi non possono semplicemente pretendere che la Confederazione adotti determinate misure. La disposizione è piuttosto un'istruzione di lavoro per il governo.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della norma\n\n**N. 1** L'art. 101 Cost. corrisponde nei suoi tratti fondamentali al precedente art. 31bis cpv. 3 aCostituzione. La disposizione è stata ripresa in larga misura invariata nella revisione totale del 1999, tuttavia sistematicamente ricollocata nella sezione sulla politica economica (FF 1997 I 1, 375). Il messaggio sottolinea che la politica economica esterna svizzera si basa sulla concezione liberale del libero scambio, prevedendo però al contempo meccanismi di protezione per l'economia nazionale.\n\n**N. 2** L'evoluzione storica mostra una continua estensione delle competenze dello Stato federale nel settore dell'economia esterna. Già nella Costituzione del 1848 erano ancorate negli art. 23 e 28 competenze di politica economica esterna. Con la crisi economica degli anni '30 si è verificata attraverso l'art. 31bis aCostituzione un'importante estensione delle competenze, che permetteva esplicitamente alla Confederazione di derogare dal principio della libertà di commercio e d'industria (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 1-2).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 101 Cost. forma insieme agli art. 100 (politica congiunturale), 102 (approvvigionamento del Paese), 103 (politica strutturale) e 104 (agricoltura) il nucleo di politica economica della Costituzione federale. La norma si trova in un rapporto di tensione con la libertà economica (art. 27 e 94 Cost.), dove l'art. 94 cpv. 4 Cost. rinvia esplicitamente a deroghe «secondo gli articoli 101 e 102».\n\n**N. 4** Nel contesto del diritto dell'economia esterna, l'art. 101 Cost. è collegato con → Art. 54 Cost. (affari esteri) e → Art. 133 Cost. (dazi doganali). La competenza per la tutela degli interessi economici svizzeri all'estero si sovrappone parzialmente alla competenza generale di politica estera della Confederazione. Per la riscossione di dazi doganali esiste tuttavia con l'art. 133 Cost. una norma di competenza più specifica (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 19).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Il capoverso 1** fonda un compito statale della Confederazione per la tutela degli interessi economici svizzeri all'estero. Il concetto di «interessi economici» comprende sia gli interessi privati delle imprese sia le preoccupazioni economiche generali. La «tutela» include la promozione attiva (promozione delle esportazioni, protezione degli investimenti) e misure difensive (riduzione degli ostacoli commerciali).\n\n**N. 6** Gli strumenti per la tutela degli interessi sono diversi: conclusione di accordi commerciali, accordi di libero scambio e accordi di protezione degli investimenti, adesione a organizzazioni economiche internazionali (OMC, OCSE), interventi diplomatici, garanzia contro i rischi delle esportazioni e Swiss Business Hubs (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 10-13).\n\n**N. 7** **Il capoverso 2** contiene due competenze: in primo luogo la facoltà generale di adottare misure di protezione per l'economia nazionale, in secondo luogo l'autorizzazione qualificata a derogare dal principio della libertà economica. L'elemento di fattispecie «casi particolari» richiede circostanze eccezionali come crisi economiche, crisi strutturali di singoli settori o gravi distorsioni della concorrenza causate da pratiche estere.\n\n**N. 8** Il concetto di «economia nazionale» comprende tutti gli operatori economici domiciliati in Svizzera indipendentemente dalla loro nazionalità. Le misure di protezione possono essere configurate per settore o per l'insieme dell'economia (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 46).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'art. 101 Cost. non fonda diritti soggettivi dei privati. La norma ha carattere programmatico e necessita di concretizzazione attraverso leggi federali. Dal cpv. 1 i privati non possono derivare né un diritto a determinate misure di politica economica estera né a protezione diplomatica (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 14-15).\n\n**N. 10** Fondata sull'art. 101 cpv. 2 Cost., la Confederazione può emanare misure protezionistiche come restrizioni all'importazione, contingentamenti o ostacoli tecnici al commercio. Tali misure devono tuttavia essere proporzionate e non possono violare obblighi internazionali della Svizzera (in particolare il diritto OMC).\n\n**N. 11** La deroga dal principio della libertà economica secondo il cpv. 2 frase 2 non deve essere limitata nel tempo (Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 472, cit. in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 72). È tuttavia sottoposta ai limiti costituzionali generali, in particolare al principio di proporzionalità (→ Art. 5 cpv. 2 Cost.) e al principio di uguaglianza giuridica (→ Art. 8 Cost.).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 12** **Portata delle competenze di protezione**: È controverso se l'art. 101 cpv. 2 Cost. legittimi solo misure di protezione difensive o anche una politica industriale attiva. La dottrina prevalente sostiene un'interpretazione restrittiva, secondo cui sono ammissibili solo misure difensive contro disturbi esterni, ma non una pianificazione sistematica dell'economia (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1089).\n\n**N. 13** **Dazi doganali come deroga alla libertà economica**: La qualificazione dei dazi doganali protezionistici è discussa controversamente. Secondo Arpagaus, solo i dazi con effetto proibitivo sono da qualificare come deroghe dal principio della libertà economica (Arpagaus, Wirtschaftsfreiheit und Wettbewerbsverzerrungen, Rz. 370-373, cit. in Oesch, BSK BV, Art. 101 Fn. 73). Diversamente, Lehner nel Commentario di San Gallo sostiene che già i dazi doganali motivati da intenti protezionistici e che limitano sensibilmente la libera concorrenza sono da qualificare come misure contrarie al principio (SG Komm. BV-Lehner, Art. 101 N. 22).\n\n**N. 14** **Rapporto con il diritto internazionale**: La portata dell'art. 101 Cost. è limitata da obblighi di diritto internazionale. È controverso in che misura il mandato costituzionale di protezione possa rivendicare la precedenza sugli obblighi OMC. La prassi mostra che il Consiglio federale pondera regolarmente gli obblighi internazionali più degli interessi di protezione potenziali (Cottier/Oesch, International Trade Regulation, p. 845 ss.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'applicazione dell'art. 101 Cost. occorre sempre considerare la sistematica delle competenze: per misure settoriali specifiche esistono spesso basi costituzionali più speciali (p.es. art. 104 Cost. per l'agricoltura). L'art. 101 Cost. si applica solo in via sussidiaria.\n\n**N. 16** Le imprese interessate da distorsioni della concorrenza estere possono richiedere misure di protezione fondate sulla legislazione di attuazione dell'art. 101 Cost. (p.es. Legge federale sui provvedimenti economici esterni). Le soglie sono tuttavia elevate: devono essere dimostrati danni considerevoli al settore interessato e un interesse pubblico alla protezione.\n\n**N. 17** Nel settore del controllo delle esportazioni (beni a duplice uso, materiale bellico) l'art. 101 Cost. serve insieme all'→ Art. 54 cpv. 2 Cost. come base costituzionale. La prassi amministrativa mostra un crescente ricorso agli interessi di protezione dell'economia esterna nel controllo dei trasferimenti di tecnologie critiche.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 101 Cost. è scarsa, poiché questa disposizione costituzionale rappresenta principalmente un obiettivo statale programmatico senza diritto soggettivo immediato. Le poche decisioni disponibili riguardano principalmente i limiti costituzionali delle misure economiche statali e la loro proporzionalità.\n\n### Misure di politica economica esterna\n\n**DTF 100 Ib 318** del 20 dicembre 1974\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto l'ammissibilità costituzionale dei contingenti di importazione come protezione dell'economia nazionale. Nel contingentamento per la carne proveniente dalla Rhodesia meridionale, il Tribunale federale ha stabilito che un sistema misto per la salvaguardia delle relazioni commerciali esistenti con contemporanea parità di trattamento degli operatori economici è conforme alla Costituzione.\n\n> «Un sistema misto che con una doppia chiave vuole sia proteggere il più possibile le relazioni commerciali esistenti sia trattare il più possibile in modo paritario i colleghi di professione, non viola la Costituzione.»\n\n**DTF 102 Ib 227** dell'11 giugno 1976\n\nQuesta decisione ha confermato l'ammissibilità dei controlli all'esportazione per beni strategici. Il Tribunale federale ha esaminato l'obbligo di autorizzazione per l'esportazione di prodotti siderurgici e ha riconosciuto in principio la competenza della Confederazione ad adottare misure protettive di politica economica esterna.\n\nLa sentenza è rilevante per l'attuazione pratica dell'art. 101 cpv. 2 Cost., secondo cui la Confederazione può derogare alla libertà economica anche per proteggere l'economia nazionale.\n\n### Fattispecie penali di politica economica\n\n**DTF 110 Ib 82** dell'8 febbraio 1984\n\nIl Tribunale federale si è occupato dell'assistenza giudiziaria in caso di violazioni di misure di politica economica. Il caso riguardava il contrabbando secondo l'art. 76 LD nel contesto di esportazioni illegali di computer.\n\n> «Per atti contro misure di politica economica, come il contrabbando secondo l'art. 76 LD, l'assistenza giudiziaria può essere rifiutata secondo questa disposizione.»\n\nQuesta giurisprudenza mostra che il Tribunale federale riconosce le misure di politica economica della Confederazione come strumento di protezione legittimo nel senso dell'art. 101 cpv. 2 Cost. e ne assicura l'applicazione dal punto di vista del diritto penale.\n\n### Limiti costituzionali dell'attività economica statale\n\n**Decreto del Consiglio federale del 2 settembre 2009** (150000203)\n\nBenché non sia una sentenza giudiziaria, questo decreto è significativo per l'interpretazione dell'art. 101 Cost. Stabilisce che l'attività economica statale necessita di una base costituzionale specifica e non può essere sussunta genericamente sotto l'art. 101 Cost.\n\nLa disposizione non fonda un'autorizzazione generale per interventi statali sul mercato, ma si limita alla tutela degli interessi economici svizzeri all'estero e a specifiche misure protettive secondo il cpv. 2.\n\n### Sviluppi recenti\n\n**Prassi dei tribunali amministrativi sui controlli all'esportazione (2020-2025)**\n\nLa giurisprudenza amministrativa più recente mostra un'applicazione rafforzata dell'art. 101 Cost. nell'ambito del controllo dei beni a duplice uso. Diverse decisioni del Tribunale amministrativo federale hanno riguardato autorizzazioni all'esportazione per beni strategici, dove le autorità si sono basate sull'art. 101 cpv. 2 Cost. come fondamento costituzionale per le restrizioni.\n\nQuesta prassi mostra che l'art. 101 Cost. ha acquisito significato pratico nell'odierna economia mondiale interconnessa per il controllo dei trasferimenti di tecnologie critiche.\n\n### Conclusione\n\nLa giurisprudenza conferma il carattere programmatico dell'art. 101 Cost. La norma non fonda diritti soggettivi, ma circoscrive compiti statali. Il suo significato pratico si manifesta principalmente come fondamento costituzionale per specifiche regolamentazioni legali nell'ambito della politica economica esterna e dell'esportazione di beni strategici.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 101 FC regulates Switzerland's foreign economic policy. The provision gives the Confederation two important tasks: it must promote Swiss economic interests abroad and can protect the domestic economy when necessary.\n\n## Promotion Abroad\n\nThe Confederation helps Swiss companies with exports and investments abroad. To this end, it concludes trade agreements, provides diplomatic support and offers export risk guarantees. This promotion takes place through organisations such as Switzerland Global Enterprise or through Swiss embassies. The aim is to give Swiss companies access to foreign markets and protect them from unfair treatment.\n\n## Protection of the Domestic Economy\n\nIn special cases, the Confederation can protect the Swiss economy from harmful foreign competition. This happens, for example, through import restrictions (quantity limits for certain goods), protective tariffs or technical regulations. However, such measures are only permitted if extraordinary circumstances exist – such as during an economic crisis or when foreign states unfairly favour their companies.\n\n## Example from Practice\n\nIf an important trading partner suddenly imposes high tariffs on Swiss machinery, the Confederation can intervene diplomatically or introduce restrictions as a countermeasure. In the event of the Swiss market being flooded with subsidised foreign products, it could decide on temporary protective measures.\n\nThe article also enables the Confederation to deviate from the normal principle of economic freedom in emergencies. This means: it can temporarily intervene more strongly in the economy than would normally be permitted. However, this exception is strictly tied to special circumstances.\n\nArt. 101 FC does not create direct rights for private individuals or companies. They cannot simply demand that the Confederation take certain measures. Rather, the provision is a work instruction to the government.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 101 Cst. corresponds in its basic features to the former Art. 31bis para. 3 old Cst. The provision was adopted largely unchanged during the total revision of 1999, but was systematically reorganised into the section on economic policy (BBl 1997 I 1, 375). The Federal Council message emphasises that Swiss foreign economic policy is based on the liberal understanding of free trade, while simultaneously providing protective mechanisms for the domestic economy.\n\n**N. 2** Historical development shows a continuous expansion of federal competences in the foreign economic sphere. Foreign economic powers were already anchored in Art. 23 and Art. 28 of the 1848 Constitution. With the economic crisis of the 1930s, Art. 31bis old Cst. brought about a significant expansion of competences, which explicitly allowed the Confederation to deviate from the principle of freedom of trade and industry (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 1-2).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 101 Cst. forms, together with Art. 100 (economic policy), Art. 102 (national economic supply), Art. 103 (structural policy) and Art. 104 (agriculture), the economic policy core of the Federal Constitution. The norm stands in tension with economic freedom (Art. 27 and 94 Cst.), whereby Art. 94 para. 4 Cst. explicitly refers to deviations «under articles 101 and 102».\n\n**N. 4** In the context of foreign economic law, Art. 101 Cst. is linked with → Art. 54 Cst. (foreign affairs) and → Art. 133 Cst. (customs duties). The competence to safeguard Swiss economic interests abroad partially overlaps with the general foreign policy competence of the Confederation. For the levying of customs duties, however, there is a more specific competence norm in Art. 133 Cst. (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 19).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Paragraph 1** establishes a state task of the Confederation to safeguard Swiss economic interests abroad. The term «economic interests» encompasses both private business interests and overall economic concerns. «Safeguarding» includes active promotion (export promotion, investment protection) and defensive measures (reducing trade barriers).\n\n**N. 6** The instruments for safeguarding interests are diverse: conclusion of trade agreements, free trade agreements and investment protection agreements, membership in international economic organisations (WTO, OECD), diplomatic interventions, export risk guarantee and Swiss Business Hubs (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 10-13).\n\n**N. 7** **Paragraph 2** contains two competences: firstly, the general power to take protective measures for the domestic economy, and secondly, the qualified authorisation to deviate from the principle of economic freedom. The element «special cases» requires exceptional circumstances such as economic crises, structural crises in individual sectors, or serious distortions of competition through foreign practices.\n\n**N. 8** The term «domestic economy» encompasses all economic actors resident in Switzerland regardless of their nationality. Protective measures may be sector-specific or economy-wide (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 46).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 101 Cst. does not establish subjective rights of private parties. The norm has a programmatic character and requires concretisation through federal acts. From para. 1, private parties can neither derive a claim to specific foreign economic policy measures nor to diplomatic protection (Oesch, BSK BV, Art. 101 N. 14-15).\n\n**N. 10** Based on Art. 101 para. 2 Cst., the Confederation may enact protectionist measures such as import restrictions, quotas or technical trade barriers. Such measures must, however, be proportionate and may not violate international obligations of Switzerland (esp. WTO law).\n\n**N. 11** The deviation from the principle of economic freedom under para. 2 sentence 2 need not be temporally limited (Reich, Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, p. 472, cited in Oesch, BSK BV, Art. 101 fn. 72). It is, however, subject to general constitutional limits, in particular the principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 Cst.) and the principle of equality before the law (→ Art. 8 Cst.).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Scope of protective competences**: It is disputed whether Art. 101 para. 2 Cst. legitimises only defensive protective measures or also active industrial policy. The prevailing doctrine takes a restrictive interpretation, according to which only defensive measures against external disruptions are permissible, but not systematic economic intervention (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1089).\n\n**N. 13** **Customs duties as deviation from economic freedom**: The qualification of protectionist customs duties is controversially discussed. According to Arpagaus, only prohibitively effective customs duties are to be qualified as deviations from the principle of economic freedom (Arpagaus, Wirtschaftsfreiheit und Wettbewerbsverzerrungen, para. 370-373, cited in Oesch, BSK BV, Art. 101 fn. 73). In contrast, Lehner in the St. Gallen Commentary argues that customs duties that are protectionistically motivated and noticeably restrict free competition should already be qualified as measures contrary to principle (SG Komm. BV-Lehner, Art. 101 N. 22).\n\n**N. 14** **Relationship to international law**: The scope of Art. 101 Cst. is limited by international law obligations. It is disputed to what extent the constitutional protective mandate can claim priority over WTO obligations. Practice shows that the Federal Council regularly weighs international obligations higher than potential protective interests (Cottier/Oesch, International Trade Regulation, p. 845 ff.).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 15** When applying Art. 101 Cst., the competence system must always be observed: for sector-specific measures, more specific constitutional bases often exist (e.g., Art. 104 Cst. for agriculture). Art. 101 Cst. only applies subsidiarily.\n\n**N. 16** Companies affected by foreign distortions of competition may apply for protective measures based on implementing legislation to Art. 101 Cst. (e.g., Federal Act on Foreign Economic Measures). The hurdles are, however, high: considerable damage to the affected sector and a public interest in protection must be proven.\n\n**N. 17** In the area of export control (dual-use goods, war material), Art. 101 Cst. together with → Art. 54 para. 2 Cst. serves as a constitutional basis. Administrative practice shows an increasing reliance on foreign economic protective interests in controlling critical technology transfers.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 101 Cst. is sparse, as this constitutional provision primarily represents a programmatic state objective without immediate subjective entitlement. The few available decisions mainly concern the constitutional limits of state economic measures and their proportionality.\n\n### Foreign Economic Policy Measures\n\n**BGE 100 Ib 318** of 20 December 1974\n\nThe Federal Supreme Court recognised the constitutional admissibility of import quotas as protection for the domestic economy. In the case of quotas for meat from South Rhodesia, the Federal Supreme Court held that a mixed system for maintaining existing trade relationships while ensuring equal treatment of traders was constitutionally compliant.\n\n> «A mixed system that uses a double key to both preserve existing trade relationships as much as possible and treat traders as equally as possible does not violate the constitution.»\n\n**BGE 102 Ib 227** of 11 June 1976\n\nThis decision confirmed the admissibility of export controls for strategic goods. The Federal Supreme Court examined the licensing requirement for the export of iron goods and fundamentally recognised the Confederation's power to implement foreign economic protection measures.\n\nThe judgment is relevant for the practical implementation of Art. 101 para. 2 Cst., according to which the Confederation may also deviate from economic freedom to protect the domestic economy.\n\n### Economic Policy Criminal Offences\n\n**BGE 110 Ib 82** of 8 February 1984\n\nThe Federal Supreme Court dealt with mutual legal assistance in cases of violations against economic policy measures. The case concerned smuggling under Art. 76 CustA in the context of illegal computer exports.\n\n> «Legal assistance under this provision may be refused for acts against economic policy measures, such as smuggling under Art. 76 CustA.»\n\nThis case law shows that the Federal Supreme Court recognises the Confederation's economic policy measures as a legitimate protective instrument within the meaning of Art. 101 para. 2 Cst. and secures their enforcement through criminal law.\n\n### Constitutional Limits on State Economic Activity\n\n**Federal Council Decision of 2 September 2009** (150000203)\n\nAlthough not a court judgment, this decision is significant for the interpretation of Art. 101 Cst. It establishes that state economic activity requires a specific constitutional basis and cannot be generally subsumed under Art. 101 Cst.\n\nThe provision does not establish a general authorisation for state market interventions, but is limited to safeguarding Swiss economic interests abroad and specific protective measures under para. 2.\n\n### Recent Developments\n\n**Administrative Court Practice on Export Controls (2020-2025)**\n\nRecent administrative case law shows increased application of Art. 101 Cst. in the area of dual-use goods control. Various decisions of the Federal Administrative Court concerned export licences for strategic goods, where the authorities relied on Art. 101 para. 2 Cst. as the constitutional basis for restrictions.\n\nThis practice shows that Art. 101 Cst. has gained practical significance in today's interconnected global economy for controlling critical technology transfers.\n\n### Conclusion\n\nCase law confirms the programmatic character of Art. 101 Cst. The provision does not establish subjective rights but defines state tasks. Its practical significance unfolds primarily as a constitutional basis for specific legislative regulations in the area of foreign economic policy and the export of strategic goods.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_101", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 102, "article_suffix": "", "title": "Landesversorgung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 102 — Landesversorgung\n\n## Übersicht\n\nArtikel 102 BV gibt dem Bund die Aufgabe, das Land mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Das gilt für Krisensituationen wie Kriege, politische Bedrohungen oder schwere Mangellagen, wenn die Wirtschaft die Versorgung nicht selbst sicherstellen kann. Der Bund muss schon im Frieden vorsorgende Massnahmen treffen (BBl 1997 I 351).\n\nLebenswichtige Güter sind Energie, Nahrungsmittel, Heilmittel und wichtige Transportleistungen (Art. 4 Abs. 2 LVG). Das wichtigste Mittel sind Pflichtlager: Private Firmen müssen bestimmte Mengen dieser Güter auf Vorrat halten und bekommen dafür eine staatliche Entschädigung (**BGE 135 II 38 E. 5.2**). Diese Lager sichern die Versorgung für mehrere Monate.\n\nIn Krisenzeiten darf der Bund von der Wirtschaftsfreiheit abweichen. Er kann dann Preise festsetzen, Waren beschlagnahmen oder die Produktion lenken. Diese Massnahmen müssen verhältnismässig sein und dürfen nur so lange dauern, wie die Krise anhält (→ Art. 36 BV).\n\nEin Beispiel: Droht ein Strommangel im Winter, kann der Bund Reservekraftwerke bereitstellen oder den Stromverbrauch einschränken. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte 2024, dass auch Strommangellagen unter Art. 102 BV fallen (**BVGer A-1706/2023 E. 4.3.2**).\n\nDas System funktioniert über Selbsthilfeorganisationen der Wirtschaft: Die Carbura verwaltet die Treibstofflager, Réservesuisse die Nahrungsmittelvorräte. Diese Organisationen arbeiten unter staatlicher Aufsicht, können aber eigenständig Beiträge erheben und Bewilligungen erteilen.\n\nDie Landesversorgung ist subsidiär: Der Staat greift nur ein, wenn der Markt versagt. Betroffene können gegen Verfügungen des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung Beschwerde führen. Nur bei akuter Bedrohung ist der Rechtsweg ausgeschlossen (Art. 83 lit. j BGG).", "doctrine_de": "# Art. 102 — Landesversorgung\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung über die wirtschaftliche Landesversorgung wurde in der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 materiell unverändert aus Art. 31bis Abs. 3 lit. e aBV übernommen (BBl 1997 I 351). Die Verfassungsgrundlage für die Landesversorgung wurde erstmals 1947 nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geschaffen und 1982 zeitgemäss formuliert (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 1). Die heutige Fassung betont die subsidiäre Rolle des Staates: Er greift nur ein, wenn die Wirtschaft selbst die Versorgung nicht sicherstellen kann.\n\n**N. 2** Historisch wurzelt das Landesversorgungsrecht in der Kriegswirtschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg scheiterte 1921 ein erster Versuch, eine Verfassungsgrundlage zu schaffen (Cottier, Liberalismus oder Staatsintervention, 2014, S. 245ff.). Erst die Erfahrungen mit der prekären Versorgungslage während des Zweiten Weltkriegs führten 1947 zur erfolgreichen Einführung von Art. 31bis Abs. 3 lit. e aBV. Die Revision von 1982 passte die Norm an die veränderten geopolitischen Verhältnisse an und stellte neben kriegerischen auch «schwere Mangellagen» unter den Schutzbereich.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 102 BV steht im 3. Titel der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden, genauer im 2. Kapitel über die Zuständigkeiten des Bundes im Abschnitt über Wirtschaft. Die Norm ist systematisch eingebettet zwischen Art. 101 BV (Aussenwirtschaftspolitik) und Art. 103 BV (Strukturpolitik). Diese Platzierung unterstreicht den wirtschaftspolitischen Charakter der Landesversorgung (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 3).\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in einem Spannungsverhältnis zu den wirtschaftlichen Grundrechten und Grundsätzen:\n- → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit): Abs. 2 ermöglicht explizit Abweichungen\n- → Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung): Landesversorgung als zulässige Ausnahme vom Prinzip der Privatwirtschaft\n- → Art. 100 BV (Konjunkturpolitik): Abgrenzung zur allgemeinen Wirtschaftsförderung\n- ↔ Art. 101 BV (Aussenwirtschaftspolitik): Versorgungssicherheit erfordert oft internationale Zusammenarbeit\n\n**N. 5** Die völkerrechtliche Dimension ist bedeutsam, da die Schweiz als Binnenland ohne eigene Rohstoffvorkommen auf internationale Kooperation angewiesen ist (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 7-11). Die Mitgliedschaft in der Internationalen Energieagentur (IEA) und bilaterale Abkommen sind Ausdruck dieser Abhängigkeit.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Lebenswichtige Güter und Dienstleistungen**: Der Begriff umfasst alle Güter und Dienstleistungen, deren Fehlen die Existenzgrundlagen der Bevölkerung oder die Funktionsfähigkeit des Staates gefährden würde. Das Landesversorgungsgesetz konkretisiert dies in Art. 4 Abs. 2 LVG: Energie, Nahrungsmittel, Heilmittel, Transportkapazitäten und IKT-Dienstleistungen. **BGE 135 II 38 E. 4.1** bestätigte die offene Formulierung als zweckmässig angesichts sich wandelnder Bedrohungslagen.\n\n**N. 7** **Bedrohungsszenarien**: Die Verfassung nennt drei Situationen (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 4-5):\n- *Machtpolitische Bedrohungen*: Wirtschaftssanktionen, Handelsblockaden\n- *Kriegerische Bedrohungen*: Bewaffnete Konflikte mit Auswirkungen auf Handelsrouten\n- *Schwere Mangellagen*: Naturkatastrophen, Pandemien, technische Grossausfälle\n\n**N. 8** Das Bundesverwaltungsgericht präzisierte in **A-1706/2023 E. 4.3.2**, dass eine «schwere Mangellage» voraussetzt, dass die normale Marktversorgung versagt und gravierende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft oder wesentliche Teile der Bevölkerung drohen.\n\n**N. 9** **Subsidiarität («denen die Wirtschaft nicht selbst zu begegnen vermag»)**: Der Staat greift nur ein, wenn private Akteure die Versorgung nicht sicherstellen können (Richli, SBVR XIII, S. 285). Dies ist Ausdruck des in Art. 94 BV verankerten Prinzips der Privatwirtschaft. Die Rechtsprechung verlangt den Nachweis des Marktversagens (BVGer A-1706/2023 E. 4.3.3).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Vorsorgliche Massnahmen (Abs. 1)**: Der Bund ist verpflichtet, präventiv tätig zu werden. Die wichtigsten Instrumente sind (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 12):\n- Pflichtlager für kritische Güter (Art. 5ff. LVG)\n- Importerleichterungen in Krisenzeiten (Art. 22ff. LVG)\n- Produktionslenkung und -sicherung (Art. 28ff. LVG)\n- Reservekapazitäten bei kritischen Infrastrukturen\n\n**N. 11** Das System der Pflichtlagerhaltung durch Private mit staatlicher Entschädigung hat sich bewährt (**BGE 135 II 38 E. 5.2**). Die Selbsthilfeorganisationen wie Carbura oder Réservesuisse nehmen dabei eine Mittlerrolle zwischen Staat und Wirtschaft ein (BVGer B-7972/2008).\n\n**N. 12** **Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit (Abs. 2)**: «Nötigenfalls» bedeutet, dass die Massnahme verhältnismässig sein muss. Mögliche Eingriffe umfassen:\n- Preis- und Mengenregulierungen\n- Bezugsscheine und Rationierungen\n- Produktions- und Importgebote\n- Beschlagnahmungen gegen Entschädigung\n\n**N. 13** Die Abweichung ist nur für die Dauer der Krisensituation zulässig und muss den Grundsätzen von Art. 36 BV genügen (Schott, Staat und Wettbewerb, 2010, N. 784). Das Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) bleibt auch in Krisenzeiten massgebend.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Umfang der Versorgungspflicht**: Umstritten ist, wie weit die staatliche Vorsorge gehen muss. Häberli (BlAR 2013, S. 185) vertritt eine extensive Auslegung, die auch langfristige Klimarisiken einbezieht. Kaufmann (Handbuch Aussenpolitik, 1992, S. 625) plädiert für eine restriktive Interpretation beschränkt auf akute Krisen. Die Praxis tendiert zu einem Mittelweg mit risikobasierter Priorisierung.\n\n**N. 15** **Private vs. staatliche Lagerhaltung**: Achermann-Knoepfli (Pflichtlagervertrag, 1990, S. 112ff.) kritisiert die Delegation an Private als verfassungsrechtlich problematisch. Schürmann (Wirtschaftsverwaltungsrecht, 1994, S. 445) und die herrschende Lehre sehen darin eine zulässige und effiziente Form der Aufgabenerfüllung. Das Bundesgericht hat das System wiederholt bestätigt (**BGE 135 II 38**).\n\n**N. 16** **Anwendbarkeit auf neue Risiken**: Kontrovers ist die Einbeziehung von Cyberrisiken und Klimawandel. Oesch/Ruff (BSK BV, Art. 102 N. 6) befürworten eine evolutive Auslegung. Probst (FS Schweizerischer Juristentag 1979, S. 545) warnt vor einer Überdehnung des Verfassungsauftrags. BVGer A-1706/2023 zeigt, dass die Praxis neue Bedrohungen (Strommangellage) einbezieht.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Rechtsschutz**: Gegen Verfügungen des BWL ist die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht gegeben (Art. 38 Abs. 3 LVG). Ausgenommen sind nur Entscheide bei zunehmender Bedrohung oder schweren Mangellagen (Art. 83 lit. j BGG). Diese Ausnahme ist eng auszulegen (**BGE 135 II 38 E. 1.4**).\n\n**N. 18** **Verhältnismässigkeitsprüfung**: Massnahmen der Landesversorgung unterliegen einer strengen Verhältnismässigkeitsprüfung. Das Bundesverwaltungsgericht verlangt (A-1706/2023 E. 4.4):\n- Konkrete Darlegung der Bedrohungslage\n- Nachweis des Marktversagens\n- Prüfung milderer Alternativen\n- Befristung der Massnahmen\n\n**N. 19** **Entschädigungspflicht**: Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit sind grundsätzlich entschädigungspflichtig. Bei Pflichtlagern erfolgt die Entschädigung über Garantiefondsbeiträge (Art. 11 LVG). Bei Notrechtsmassnahmen gilt Art. 38 LVG. Die Entschädigung muss den Marktverhältnissen Rechnung tragen (Sutter-Somm, WuR 1990, S. 115).\n\n**N. 20** **Internationale Koordination**: Landesversorgungsmassnahmen sind mit völkerrechtlichen Verpflichtungen abzustimmen, insbesondere mit WTO-Recht und bilateralen Abkommen (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 10-11). Die IEA-Mitgliedschaft verpflichtet zur Mindestbevorratung von Erdöl (90 Tage Nettoimporte).", "caselaw_de": "# Art. 102 — Landesversorgung\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 102 BV befasst sich vorwiegend mit der Organisation und Kontrolle der wirtschaftlichen Landesversorgung, insbesondere der Pflichtlagerhaltung, sowie mit den prozeduralen Aspekten der Aufsicht über die herangezogenen Organisationen der Wirtschaft. Die meisten Entscheide stammen aus dem Bereich der Mineralöl- und Heilmittelvorräte.\n\n### I. Grundlagen der wirtschaftlichen Landesversorgung\n\n**BGE 81 I 133** vom 22. Juni 1955\n\nDas Bundesgericht klärte grundlegend die Rechtsnatur bundesrätlicher Genehmigungen im Kontext der Landesversorgung. Die bundesrätliche Genehmigung wirkt nicht konstitutiv, sondern deklaratorisch für die Rechtsgültigkeit kantonaler Erlasse, die Bundeskompetenzen berühren.\n\n> «Die Genehmigung des Bundesrates nach Art. 102 Ziff. 13 aBV [heute Art. 102 BV] bildet keine Existenzbedingung für die Rechtsgültigkeit des kantonalen Erlasses, sondern stellt lediglich eine Bedingung für dessen Wirksamkeit dar.»\n\n**BGE 135 II 38** vom 2. Dezember 2008\n\nDas Bundesgericht definierte in diesem Leitentscheid die verfassungsrechtliche Grundlage der wirtschaftlichen Landesversorgung und die Rechtsnatur von Genehmigungsentscheiden. Der Fall betraf die Carbura als Selbsthilfeorganisation der Pflichtlagerhalter für Treib- und Brennstoffe.\n\n> «Gemäss Art. 102 BV stellt der Bund die Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen sicher für den Fall machtpolitischer oder kriegerischer Bedrohungen sowie in schweren Mangellagen, denen die Wirtschaft nicht selbst zu begegnen vermag. Er trifft vorsorgliche Massnahmen und kann nötigenfalls vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abweichen.»\n\nDer Entscheid bestätigte, dass Genehmigungsentscheide des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung als anfechtbare Verfügungen gelten und der Rechtsschutz nach den allgemeinen Bestimmungen der Bundesrechtspflege gewährt wird.\n\n### II. Pflichtlagerhaltung und Selbsthilfeorganisationen\n\n**BVGer B-7972/2008** vom 4. März 2010\n\nDas Bundesverwaltungsgericht bestätigte die zentrale Rolle der Carbura als Selbsthilfeorganisation der Pflichtlagerhalter. Das Urteil klärte die Rechtsstellung privater Organisationen, die öffentliche Aufgaben der Landesversorgung erfüllen.\n\nDie Carbura ist befugt, Einfuhrbewilligungen zu erteilen und die Pflichtlagerhaltung zu überwachen, ohne selbst über Rechtsetzungsbefugnisse zu verfügen. Ihre Reglemente bedürfen der Genehmigung durch das zuständige Bundesamt.\n\n**BVGer B-1483/2019** vom 23. März 2021\n\nDieses Urteil behandelte die Rechtsstellung einer Genossenschaft der Pflichtlagerhalter von Heilmitteln. Das Gericht bestätigte das System der delegierten Aufgabenerfüllung durch private Selbsthilfeorganisationen als verfassungskonform.\n\nDie Entschädigung für die Pflichtlagerhaltung und der Schutz vor Preisrisiken während der Lagerzeit sind wesentliche Elemente des Landesversorgungssystems.\n\n**BVGer B-456/2022** vom 18. Juli 2022\n\nDas Urteil klärte die Voraussetzungen für Garantiefondsbeiträge bei der Einfuhr von Energie- und Proteinträgern zu Futterzwecken. Die Réservesuisse als Selbsthilfeorganisation ist berechtigt, entsprechende Beiträge von Importeuren zu erheben.\n\nDie Umverzollung von Waren kann nachträglich zur Beitragspflicht führen, wenn sich der Verwendungszweck ändert und damit die Pflichtlagerhaltung berührt wird.\n\n### III. Aktuelle Entwicklungen: Stromversorgungssicherheit\n\n**BVGer A-1706/2023** (BVGE 2024 II/1) vom 19. Februar 2024\n\nDieser wegweisende Entscheid erweiterte den Anwendungsbereich von Art. 102 BV auf die Stromversorgung. Das Gericht anerkannte die Kompetenz des Bundesrates, bei drohenden Mangellagen in der Elektrizitätsversorgung gestützt auf das Landesversorgungsgesetz Notmassnahmen zu treffen.\n\nDer Fall betraf die Bereitstellung eines temporären Reservekraftwerks in Birr (AG) zur Überbrückung von Versorgungsengpässen im Winter. Das Bundesverwaltungsgericht stellte hohe Anforderungen an den Nachweis einer schweren Mangellage:\n\n> «Das Landesversorgungsgesetz sieht gegen Verfügungen über wirtschaftliche Interventionsmassnahmen Rechtsschutz vor und die Behörde hat in grundsätzlicher Weise darzulegen, von welchen Annahmen sie in Bezug auf die Versorgungslage ausgeht und nach welchen Kriterien sie die Wahrscheinlichkeit einer Beeinträchtigung der Versorgung beurteilt.»\n\nDas Urteil zeigt die Anpassungsfähigkeit des Landesversorgungsrechts an neue Bedrohungslagen und bestätigt die verfassungsrechtliche Grundlage für präventive Massnahmen bei der kritischen Infrastruktur.\n\n### IV. Verfahrensrechtliche Aspekte\n\nDie Rechtsprechung entwickelte klare Grundsätze zum Rechtsschutz im Landesversorgungsrecht. Gegen Verfügungen des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung steht grundsätzlich die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 38 Abs. 3 LVG). \n\nAusgenommen sind nur Entscheide, die bei zunehmender Bedrohung oder schweren Mangellagen getroffen werden (Art. 83 lit. j BGG). Diese Rechtsweggarantie gewährleistet auch in Krisenzeiten den rechtsstaatlichen Schutz der Betroffenen.\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 102 BV eine flexible Verfassungsgrundlage für die Bewältigung unterschiedlicher Versorgungsrisiken bildet — von traditionellen Güterknappheiten bis hin zu modernen Infrastrukturkrisen wie Strommangellagen.", "summary_fr": "# Art. 102 — Approvisionnement du pays\n\n## Aperçu\n\nL'article 102 Cst. charge la Confédération d'approvisionner le pays en biens et services vitaux. Cela concerne les situations de crise comme les guerres, les menaces politiques ou les graves pénuries, lorsque l'économie ne peut assurer l'approvisionnement par elle-même. La Confédération doit prendre des mesures préventives dès le temps de paix (FF 1997 I 351).\n\nLes biens vitaux sont l'énergie, les denrées alimentaires, les médicaments et les prestations de transport importantes (art. 4 al. 2 LAP). Le principal instrument sont les stocks obligatoires : les entreprises privées doivent détenir en réserve certaines quantités de ces biens et reçoivent en contrepartie une indemnité étatique (**ATF 135 II 38 consid. 5.2**). Ces stocks garantissent l'approvisionnement pour plusieurs mois.\n\nEn temps de crise, la Confédération peut déroger à la liberté économique. Elle peut alors fixer des prix, réquisitionner des marchandises ou diriger la production. Ces mesures doivent être proportionnées et ne peuvent durer que le temps de la crise (→ art. 36 Cst.).\n\nUn exemple : si une pénurie d'électricité menace en hiver, la Confédération peut mettre à disposition des centrales de réserve ou restreindre la consommation d'électricité. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé en 2024 que les situations de pénurie d'électricité relèvent également de l'art. 102 Cst. (**TAF A-1706/2023 consid. 4.3.2**).\n\nLe système fonctionne par l'intermédiaire d'organisations d'entraide de l'économie : Carbura gère les stocks de carburants, Réservesuisse les réserves de denrées alimentaires. Ces organisations travaillent sous surveillance étatique, mais peuvent percevoir de manière autonome des contributions et délivrer des autorisations.\n\nL'approvisionnement du pays est subsidiaire : l'État n'intervient que lorsque le marché fait défaut. Les personnes concernées peuvent recourir contre les décisions de l'Office fédéral pour l'approvisionnement économique du pays. Ce n'est qu'en cas de menace aiguë que la voie de droit est exclue (art. 83 let. j LTF).", "doctrine_fr": "# Art. 102 — Approvisionnement du pays\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** La disposition sur l'approvisionnement économique du pays a été reprise matériellement inchangée de l'art. 31bis al. 3 let. e ancCst lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 (FF 1997 I 351). La base constitutionnelle pour l'approvisionnement du pays a été créée pour la première fois en 1947 après les expériences de la Seconde Guerre mondiale et formulée de manière contemporaine en 1982 (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 1). La formulation actuelle souligne le rôle subsidiaire de l'État : il n'intervient que lorsque l'économie ne peut pas assurer elle-même l'approvisionnement.\n\n**Ch. 2** Historiquement, le droit de l'approvisionnement du pays s'enracine dans l'économie de guerre. Après la Première Guerre mondiale, une première tentative de créer une base constitutionnelle a échoué en 1921 (Cottier, Liberalismus oder Staatsintervention, 2014, p. 245ss). Ce sont les expériences de la situation d'approvisionnement précaire pendant la Seconde Guerre mondiale qui ont mené en 1947 à l'introduction réussie de l'art. 31bis al. 3 let. e ancCst. La révision de 1982 a adapté la norme aux rapports géopolitiques modifiés et a placé, outre les menaces guerrières, aussi les « graves pénuries » sous le champ de protection.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 102 Cst se trouve dans le 3e titre de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes, plus précisément dans le 2e chapitre sur les compétences de la Confédération dans la section sur l'économie. La norme est systématiquement encadrée entre l'art. 101 Cst (politique économique extérieure) et l'art. 103 Cst (politique structurelle). Ce positionnement souligne le caractère de politique économique de l'approvisionnement du pays (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 3).\n\n**Ch. 4** La disposition se trouve en tension avec les droits fondamentaux et principes économiques :\n- → Art. 27 Cst (liberté économique) : l'al. 2 permet explicitement des dérogations\n- → Art. 94 Cst (principes de l'ordre économique) : l'approvisionnement du pays comme exception admissible au principe de l'économie privée\n- → Art. 100 Cst (politique conjoncturelle) : délimitation par rapport à l'encouragement économique général\n- ↔ Art. 101 Cst (politique économique extérieure) : la sécurité d'approvisionnement exige souvent une coopération internationale\n\n**Ch. 5** La dimension de droit international est significative, car la Suisse, en tant que pays enclavé sans gisements propres de matières premières, dépend de la coopération internationale (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 7-11). L'adhésion à l'Agence internationale de l'énergie (AIE) et les accords bilatéraux sont l'expression de cette dépendance.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 6** **Biens et services vitaux** : Le concept englobe tous les biens et services dont l'absence menacerait les bases d'existence de la population ou le fonctionnement de l'État. La loi sur l'approvisionnement du pays concrétise cela à l'art. 4 al. 2 LAP : énergie, denrées alimentaires, médicaments, capacités de transport et services TIC. L'**ATF 135 II 38 consid. 4.1** a confirmé que la formulation ouverte était appropriée compte tenu de l'évolution des situations de menace.\n\n**Ch. 7** **Scénarios de menace** : La Constitution nomme trois situations (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 4-5) :\n- *Menaces de nature politique* : sanctions économiques, blocus commerciaux\n- *Menaces guerrières* : conflits armés avec répercussions sur les routes commerciales\n- *Graves pénuries* : catastrophes naturelles, pandémies, pannes techniques importantes\n\n**Ch. 8** Le Tribunal administratif fédéral a précisé dans l'**A-1706/2023 consid. 4.3.2** qu'une « grave pénurie » présuppose que l'approvisionnement normal du marché fait défaut et que des répercussions graves menacent l'économie globale ou des parties essentielles de la population.\n\n**Ch. 9** **Subsidiarité (« auxquelles l'économie ne peut pas faire face par ses propres moyens ») : L'État n'intervient que lorsque les acteurs privés ne peuvent pas assurer l'approvisionnement (Richli, SBVR XIII, p. 285). Ceci est l'expression du principe de l'économie privée ancré à l'art. 94 Cst. La jurisprudence exige la preuve de la défaillance du marché (TAF A-1706/2023 consid. 4.3.3).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 10** **Mesures préventives (al. 1)** : La Confédération est tenue d'agir préventivement. Les principaux instruments sont (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 12) :\n- Stocks obligatoires pour les biens critiques (art. 5ss LAP)\n- Facilités d'importation en temps de crise (art. 22ss LAP)\n- Orientation et assurance de la production (art. 28ss LAP)\n- Capacités de réserve pour les infrastructures critiques\n\n**Ch. 11** Le système de constitution d'entrepôts obligatoires par les privés avec indemnisation étatique a fait ses preuves (**ATF 135 II 38 consid. 5.2**). Les organisations d'entraide comme Carbura ou Réservesuisse assument un rôle d'intermédiaire entre l'État et l'économie (TAF B-7972/2008).\n\n**Ch. 12** **Dérogation à la liberté économique (al. 2)** : « Au besoin » signifie que la mesure doit être proportionnée. Les interventions possibles comprennent :\n- Réglementations des prix et des quantités\n- Bons d'achat et rationnements\n- Obligations de production et d'importation\n- Confiscations contre indemnisation\n\n**Ch. 13** La dérogation n'est admissible que pour la durée de la situation de crise et doit respecter les principes de l'art. 36 Cst (Schott, Staat und Wettbewerb, 2010, ch. 784). Le principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst) reste déterminant même en temps de crise.\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 14** **Étendue de l'obligation d'approvisionnement** : Il est controversé de savoir jusqu'où doit aller la prévoyance étatique. Häberli (BlAR 2013, p. 185) défend une interprétation extensive qui inclut aussi les risques climatiques à long terme. Kaufmann (Handbuch Aussenpolitik, 1992, p. 625) plaide pour une interprétation restrictive limitée aux crises aiguës. La pratique tend vers une voie médiane avec priorisation basée sur les risques.\n\n**Ch. 15** **Constitution d'entrepôts privée vs étatique** : Achermann-Knoepfli (Pflichtlagervertrag, 1990, p. 112ss) critique la délégation aux privés comme problématique du point de vue du droit constitutionnel. Schürmann (Wirtschaftsverwaltungsrecht, 1994, p. 445) et la doctrine dominante y voient une forme admissible et efficace d'accomplissement des tâches. Le Tribunal fédéral a confirmé le système à plusieurs reprises (**ATF 135 II 38**).\n\n**Ch. 16** **Applicabilité aux nouveaux risques** : L'inclusion des cyber-risques et du changement climatique est controversée. Oesch/Ruff (BSK BV, art. 102 ch. 6) sont favorables à une interprétation évolutive. Probst (FS Schweizerischer Juristentag 1979, p. 545) met en garde contre une extension excessive du mandat constitutionnel. Le TAF A-1706/2023 montre que la pratique inclut les nouvelles menaces (pénurie d'électricité).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 17** **Protection juridique** : Contre les décisions de l'OFAE, le recours au Tribunal administratif fédéral est donné (art. 38 al. 3 LAP). Sont seulement exceptées les décisions en cas de menace croissante ou de graves pénuries (art. 83 let. j LTF). Cette exception doit être interprétée restrictivement (**ATF 135 II 38 consid. 1.4**).\n\n**Ch. 18** **Examen de proportionnalité** : Les mesures d'approvisionnement du pays sont soumises à un strict examen de proportionnalité. Le Tribunal administratif fédéral exige (A-1706/2023 consid. 4.4) :\n- Exposé concret de la situation de menace\n- Preuve de la défaillance du marché\n- Examen d'alternatives plus douces\n- Limitation dans le temps des mesures\n\n**Ch. 19** **Obligation d'indemnisation** : Les atteintes à la liberté économique sont en principe sujettes à indemnisation. Pour les entrepôts obligatoires, l'indemnisation se fait via les contributions au fonds de garantie (art. 11 LAP). Pour les mesures de droit de nécessité, l'art. 38 LAP s'applique. L'indemnisation doit tenir compte des conditions du marché (Sutter-Somm, WuR 1990, p. 115).\n\n**Ch. 20** **Coordination internationale** : Les mesures d'approvisionnement du pays doivent être coordonnées avec les obligations de droit international, en particulier avec le droit OMC et les accords bilatéraux (Oesch/Ruff, BSK BV, art. 102 ch. 10-11). L'adhésion à l'AIE oblige à la constitution de stocks minimaux de pétrole (90 jours d'importations nettes).", "caselaw_fr": "# Art. 102 — Approvisionnement du pays\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 102 Cst. traite principalement de l'organisation et du contrôle de l'approvisionnement économique du pays, en particulier du stockage obligatoire, ainsi que des aspects procéduraux de la surveillance des organisations de l'économie auxquelles il est fait appel. La plupart des arrêts proviennent du domaine des réserves de produits pétroliers et de médicaments.\n\n### I. Fondements de l'approvisionnement économique du pays\n\n**ATF 81 I 133** du 22 juin 1955\n\nLe Tribunal fédéral a clarifié de manière fondamentale la nature juridique des approbations du Conseil fédéral dans le contexte de l'approvisionnement du pays. L'approbation du Conseil fédéral n'agit pas de manière constitutive, mais déclaratoire pour la validité juridique des actes cantonaux qui touchent aux compétences fédérales.\n\n> «L'approbation du Conseil fédéral selon l'art. 102 ch. 13 aCst. [aujourd'hui art. 102 Cst.] ne constitue pas une condition d'existence pour la validité juridique de l'acte cantonal, mais représente seulement une condition pour son efficacité.»\n\n**ATF 135 II 38** du 2 décembre 2008\n\nLe Tribunal fédéral a défini dans cet arrêt de principe la base constitutionnelle de l'approvisionnement économique du pays et la nature juridique des décisions d'approbation. L'affaire concernait la Carbura en tant qu'organisation d'entraide des détenteurs d'entrepôts obligatoires pour les carburants et combustibles.\n\n> «Selon l'art. 102 Cst., la Confédération assure l'approvisionnement du pays en biens et services vitaux en cas de menaces d'ordre politique ou militaire et lors de graves pénuries que l'économie n'est pas en mesure de surmonter par ses propres moyens. Elle prend des mesures préventives et peut, si nécessaire, déroger au principe de la liberté économique.»\n\nL'arrêt a confirmé que les décisions d'approbation de l'Office fédéral pour l'approvisionnement économique du pays valent comme décisions attaquables et que la protection juridique est accordée selon les dispositions générales de la juridiction fédérale.\n\n### II. Stockage obligatoire et organisations d'entraide\n\n**TAF B-7972/2008** du 4 mars 2010\n\nLe Tribunal administratif fédéral a confirmé le rôle central de la Carbura en tant qu'organisation d'entraide des détenteurs d'entrepôts obligatoires. Le jugement a clarifié la position juridique des organisations privées qui accomplissent des tâches publiques d'approvisionnement du pays.\n\nLa Carbura est habilitée à délivrer des autorisations d'importation et à surveiller le stockage obligatoire, sans disposer elle-même de compétences d'édiction de normes. Ses règlements nécessitent l'approbation de l'office fédéral compétent.\n\n**TAF B-1483/2019** du 23 mars 2021\n\nCe jugement a traité de la position juridique d'une coopérative des détenteurs d'entrepôts obligatoires de médicaments. Le tribunal a confirmé que le système d'accomplissement délégué de tâches par des organisations d'entraide privées est conforme à la constitution.\n\nL'indemnisation pour le stockage obligatoire et la protection contre les risques de prix pendant la période de stockage sont des éléments essentiels du système d'approvisionnement du pays.\n\n**TAF B-456/2022** du 18 juillet 2022\n\nLe jugement a clarifié les conditions pour les contributions au fonds de garantie lors de l'importation de porteurs d'énergie et de protéines à des fins fourragères. La Réservesuisse en tant qu'organisation d'entraide est habilitée à prélever les contributions correspondantes auprès des importateurs.\n\nLe changement de destination douanière de marchandises peut entraîner a posteriori une obligation de contribution, lorsque l'usage change et que le stockage obligatoire s'en trouve concerné.\n\n### III. Développements actuels : sécurité d'approvisionnement électrique\n\n**TAF A-1706/2023** (ATAF 2024 II/1) du 19 février 2024\n\nCet arrêt novateur a élargi le champ d'application de l'art. 102 Cst. à l'approvisionnement électrique. Le tribunal a reconnu la compétence du Conseil fédéral à prendre des mesures d'urgence sur la base de la loi sur l'approvisionnement du pays en cas de menace de pénurie dans l'approvisionnement électrique.\n\nL'affaire concernait la mise à disposition d'une centrale de réserve temporaire à Birr (AG) pour pallier les engorgements d'approvisionnement en hiver. Le Tribunal administratif fédéral a posé des exigences élevées pour la preuve d'une grave pénurie :\n\n> «La loi sur l'approvisionnement du pays prévoit une protection juridique contre les décisions portant sur des mesures d'intervention économiques et l'autorité doit exposer de manière fondamentale sur quelles hypothèses elle se base concernant la situation d'approvisionnement et selon quels critères elle évalue la probabilité d'une atteinte à l'approvisionnement.»\n\nLe jugement montre la capacité d'adaptation du droit de l'approvisionnement du pays aux nouvelles situations de menace et confirme la base constitutionnelle pour des mesures préventives concernant les infrastructures critiques.\n\n### IV. Aspects de droit procédural\n\nLa jurisprudence a développé des principes clairs concernant la protection juridique dans le droit de l'approvisionnement du pays. Contre les décisions de l'Office fédéral pour l'approvisionnement économique du pays, le recours devant le Tribunal administratif fédéral est en principe ouvert (art. 38 al. 3 LAP).\n\nSont seulement exceptées les décisions prises en cas de menace croissante ou de graves pénuries (art. 83 let. j LTF). Cette garantie de voie de droit assure la protection de l'État de droit des personnes concernées même en temps de crise.\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 102 Cst. constitue une base constitutionnelle flexible pour surmonter différents risques d'approvisionnement — des pénuries traditionnelles de biens jusqu'aux crises d'infrastructures modernes comme les pénuries d'électricité.", "summary_it": "# Art. 102 — Approvvigionamento del Paese\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 102 Cost. attribuisce alla Confederazione il compito di approvvigionare il Paese con beni e servizi vitali. Ciò vale per situazioni di crisi come guerre, minacce politiche o gravi situazioni di carenza, quando l'economia non può garantire da sola l'approvvigionamento. La Confederazione deve adottare misure preventive già in tempo di pace (FF 1997 I 351).\n\nI beni vitali sono energia, prodotti alimentari, medicamenti e importanti prestazioni di trasporto (art. 4 cpv. 2 LAPPae). Il mezzo più importante sono le scorte obbligatorie: le imprese private devono tenere in riserva determinate quantità di questi beni e ricevono a tale scopo un'indennità statale (**DTF 135 II 38 consid. 5.2**). Queste scorte garantiscono l'approvvigionamento per diversi mesi.\n\nIn tempi di crisi la Confederazione può derogare alla libertà economica. Può allora fissare i prezzi, sequestrare merci o dirigere la produzione. Queste misure devono essere proporzionate e possono durare solo finché perdura la crisi (→ art. 36 Cost.).\n\nUn esempio: se minaccia una penuria di elettricità in inverno, la Confederazione può mettere a disposizione centrali elettriche di riserva o limitare il consumo di elettricità. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato nel 2024 che anche le situazioni di carenza di elettricità rientrano nell'art. 102 Cost. (**TAF A-1706/2023 consid. 4.3.2**).\n\nIl sistema funziona tramite organizzazioni di auto-aiuto dell'economia: la Carbura gestisce le scorte di carburanti, Réservesuisse le scorte alimentari. Queste organizzazioni operano sotto vigilanza statale, ma possono riscuotere autonomamente contributi e rilasciare autorizzazioni.\n\nL'approvvigionamento del Paese ha carattere sussidiario: lo Stato interviene solo quando il mercato fallisce. Gli interessati possono ricorrere contro le decisioni dell'Ufficio federale per l'approvvigionamento economico del Paese. Solo in caso di minaccia acuta è esclusa la via giudiziaria (art. 83 lett. j LTF).", "doctrine_it": "# Art. 102 — Approvvigionamento del Paese\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La disposizione sull'approvvigionamento economico del Paese è stata ripresa materialmente invariata dall'art. 31bis cpv. 3 lett. e Cost. 1874 nella revisione totale della Costituzione federale del 1999 (FF 1997 I 369). La base costituzionale per l'approvvigionamento del Paese fu creata per la prima volta nel 1947 dopo le esperienze della Seconda Guerra Mondiale e formulata in modo adeguato ai tempi nel 1982 (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 1). La formulazione attuale sottolinea il ruolo sussidiario dello Stato: esso interviene solo quando l'economia stessa non può garantire l'approvvigionamento.\n\n**N. 2** Storicamente il diritto dell'approvvigionamento del Paese affonda le sue radici nell'economia di guerra. Dopo la Prima Guerra Mondiale fallì nel 1921 un primo tentativo di creare una base costituzionale (Cottier, Liberalismus oder Staatsintervention, 2014, p. 245 segg.). Solo le esperienze con la precaria situazione di approvvigionamento durante la Seconda Guerra Mondiale portarono nel 1947 all'introduzione riuscita dell'art. 31bis cpv. 3 lett. e Cost. 1874. La revisione del 1982 adeguò la norma alle mutate circostanze geopolitiche e pose sotto l'ambito di protezione, accanto a quelli bellici, anche le «gravi situazioni di penuria».\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 102 Cost. si trova nel 3° titolo della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni, più precisamente nel 2° capitolo sulle competenze della Confederazione nella sezione sull'economia. La norma è sistematicamente inserita tra l'art. 101 Cost. (politica economica esterna) e l'art. 103 Cost. (politica strutturale). Questa collocazione sottolinea il carattere di politica economica dell'approvvigionamento del Paese (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 3).\n\n**N. 4** La disposizione si trova in rapporto di tensione con i diritti fondamentali e i principi economici:\n- → Art. 27 Cost. (libertà economica): il cpv. 2 consente esplicitamente deroghe\n- → Art. 94 Cost. (principi dell'ordinamento economico): l'approvvigionamento del Paese come eccezione ammissibile al principio dell'economia privata\n- → Art. 100 Cost. (politica congiunturale): delimitazione dalla promozione economica generale\n- ↔ Art. 101 Cost. (politica economica esterna): la sicurezza dell'approvvigionamento richiede spesso la cooperazione internazionale\n\n**N. 5** La dimensione di diritto internazionale è significativa, poiché la Svizzera come Paese senza sbocco al mare e senza giacimenti propri di materie prime dipende dalla cooperazione internazionale (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 7-11). L'adesione all'Agenzia Internazionale dell'Energia (IEA) e gli accordi bilaterali sono espressione di questa dipendenza.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** **Beni e servizi vitali**: Il concetto comprende tutti i beni e servizi la cui mancanza metterebbe in pericolo le basi esistenziali della popolazione o la capacità di funzionamento dello Stato. La Legge sull'approvvigionamento del Paese lo concretizza nell'art. 4 cpv. 2 LAP: energia, derrate alimentari, medicamenti, capacità di trasporto e servizi TIC. La **DTF 135 II 38 consid. 4.1** ha confermato la formulazione aperta come opportuna di fronte a situazioni di minaccia in evoluzione.\n\n**N. 7** **Scenari di minaccia**: La Costituzione nomina tre situazioni (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 4-5):\n- *Minacce di politica di potenza*: sanzioni economiche, blocchi commerciali\n- *Minacce belliche*: conflitti armati con ripercussioni sulle vie commerciali\n- *Gravi situazioni di penuria*: catastrofi naturali, pandemie, grandi guasti tecnici\n\n**N. 8** Il Tribunale amministrativo federale ha precisato nella **A-1706/2023 consid. 4.3.2** che una «grave situazione di penuria» presuppone che il normale approvvigionamento di mercato fallisca e minaccino gravi ripercussioni sull'economia complessiva o su parti essenziali della popolazione.\n\n**N. 9** **Sussidiarietà («alle quali l'economia non è in grado di far fronte da sola»)**: Lo Stato interviene solo quando gli attori privati non possono garantire l'approvvigionamento (Richli, SBVR XIII, p. 285). Ciò è espressione del principio dell'economia privata ancorato nell'art. 94 Cost. La giurisprudenza esige la prova del fallimento del mercato (TAF A-1706/2023 consid. 4.3.3).\n\n### 4. Effetti giuridici\n\n**N. 10** **Misure preventive (cpv. 1)**: La Confederazione è obbligata ad agire in modo preventivo. Gli strumenti più importanti sono (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 12):\n- Scorte obbligatorie per beni critici (art. 5 segg. LAP)\n- Facilitazioni di importazione in tempi di crisi (art. 22 segg. LAP)\n- Orientamento e garanzia della produzione (art. 28 segg. LAP)\n- Capacità di riserva presso infrastrutture critiche\n\n**N. 11** Il sistema di costituzione di scorte obbligatorie da parte dei privati con indennizzo statale si è dimostrato valido (**DTF 135 II 38 consid. 5.2**). Le organizzazioni di auto-aiuto come Carbura o Réservesuisse assumono un ruolo di mediazione tra Stato ed economia (TAF B-7972/2008).\n\n**N. 12** **Deroga alla libertà economica (cpv. 2)**: «Se necessario» significa che la misura deve essere proporzionata. I possibili interventi comprendono:\n- Regolamentazioni di prezzo e quantità\n- Buoni di acquisto e razionamenti\n- Obblighi di produzione e importazione\n- Sequestri contro indennizzo\n\n**N. 13** La deroga è ammissibile solo per la durata della situazione di crisi e deve soddisfare i principi dell'art. 36 Cost. (Schott, Staat und Wettbewerb, 2010, N. 784). Il principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) rimane determinante anche in tempi di crisi.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Portata dell'obbligo di approvvigionamento**: È controverso fino a che punto debba spingersi la previdenza statale. Häberli (BlAR 2013, p. 185) sostiene un'interpretazione estensiva che include anche i rischi climatici a lungo termine. Kaufmann (Handbuch Aussenpolitik, 1992, p. 625) propende per un'interpretazione restrittiva limitata alle crisi acute. La prassi tende verso una via di mezzo con priorità basata sui rischi.\n\n**N. 15** **Costituzione di scorte privata vs. statale**: Achermann-Knoepfli (Pflichtlagervertrag, 1990, p. 112 segg.) critica la delega ai privati come problematica dal punto di vista costituzionale. Schürmann (Wirtschaftsverwaltungsrecht, 1994, p. 445) e la dottrina dominante vi vedono una forma ammissibile ed efficiente di adempimento dei compiti. Il Tribunale federale ha confermato ripetutamente il sistema (**DTF 135 II 38**).\n\n**N. 16** **Applicabilità a nuovi rischi**: È controversa l'inclusione dei rischi informatici e del cambiamento climatico. Oesch/Ruff (BSK BV, Art. 102 N. 6) favoriscono un'interpretazione evolutiva. Probst (FS Schweizerischer Juristentag 1979, p. 545) mette in guardia da un'eccessiva estensione del mandato costituzionale. La TAF A-1706/2023 mostra che la prassi include nuove minacce (penuria di elettricità).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Tutela giuridica**: Contro le decisioni dell'UFAE è dato il ricorso al Tribunale amministrativo federale (art. 38 cpv. 3 LAP). Sono escluse solo le decisioni in caso di minaccia crescente o gravi situazioni di penuria (art. 83 lett. j LTF). Questa eccezione va interpretata restrittivamente (**DTF 135 II 38 consid. 1.4**).\n\n**N. 18** **Esame di proporzionalità**: Le misure dell'approvvigionamento del Paese sottostanno a un rigoroso esame di proporzionalità. Il Tribunale amministrativo federale esige (A-1706/2023 consid. 4.4):\n- Illustrazione concreta della situazione di minaccia\n- Prova del fallimento del mercato\n- Esame di alternative più miti\n- Limitazione temporale delle misure\n\n**N. 19** **Obbligo di indennizzo**: Gli interventi nella libertà economica sono in principio soggetti a indennizzo. Per le scorte obbligatorie l'indennizzo avviene tramite contributi del fondo di garanzia (art. 11 LAP). Per le misure di diritto di necessità vale l'art. 38 LAP. L'indennizzo deve tenere conto delle condizioni di mercato (Sutter-Somm, WuR 1990, p. 115).\n\n**N. 20** **Coordinamento internazionale**: Le misure di approvvigionamento del Paese vanno coordinate con gli obblighi di diritto internazionale, in particolare con il diritto OMC e gli accordi bilaterali (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 10-11). L'adesione all'IEA obbliga alla costituzione di scorte minime di petrolio (90 giorni di importazioni nette).", "caselaw_it": "# Art. 102 — Approvvigionamento economico del Paese\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 102 Cost. si occupa prevalentemente dell'organizzazione e del controllo dell'approvvigionamento economico del Paese, in particolare delle scorte obbligatorie, nonché degli aspetti procedurali della vigilanza sulle organizzazioni economiche coinvolte. La maggior parte delle decisioni proviene dall'ambito delle scorte di oli minerali e medicamenti.\n\n### I. Principi fondamentali dell'approvvigionamento economico del Paese\n\n**DTF 81 I 133** del 22 giugno 1955\n\nIl Tribunale federale ha chiarito in modo fondamentale la natura giuridica delle approvazioni del Consiglio federale nel contesto dell'approvvigionamento del Paese. L'approvazione del Consiglio federale non ha effetto costitutivo, bensì dichiarativo per la validità giuridica di atti cantonali che toccano le competenze federali.\n\n> «L'approvazione del Consiglio federale secondo l'art. 102 n. 13 aCostituzione [oggi art. 102 Cost.] non costituisce una condizione di esistenza per la validità giuridica dell'atto cantonale, ma rappresenta unicamente una condizione per la sua efficacia.»\n\n**DTF 135 II 38** del 2 dicembre 2008\n\nIl Tribunale federale ha definito in questa decisione di principio la base costituzionale dell'approvvigionamento economico del Paese e la natura giuridica delle decisioni di approvazione. Il caso riguardava la Carbura come organizzazione di autoaiuto dei detentori di scorte obbligatorie di carburanti e combustibili.\n\n> «Secondo l'art. 102 Cost., la Confederazione provvede all'approvvigionamento del Paese con beni e servizi vitali in caso di minacce politiche o belliche e in situazioni di grave penuria cui l'economia non può ovviare da sola. Adotta misure precauzionali e può, se necessario, derogare al principio della libertà economica.»\n\nLa decisione ha confermato che le decisioni di approvazione dell'Ufficio federale per l'approvvigionamento economico del Paese valgono come decisioni impugnabili e che la tutela giuridica è garantita secondo le disposizioni generali della giustizia federale.\n\n### II. Scorte obbligatorie e organizzazioni di autoaiuto\n\n**TAF B-7972/2008** del 4 marzo 2010\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha confermato il ruolo centrale della Carbura come organizzazione di autoaiuto dei detentori di scorte obbligatorie. La sentenza ha chiarito la posizione giuridica delle organizzazioni private che adempiono compiti pubblici dell'approvvigionamento del Paese.\n\nLa Carbura è autorizzata a rilasciare autorizzazioni di importazione e a sorvegliare la detenzione di scorte obbligatorie, senza tuttavia disporre di competenze legislative. I suoi regolamenti necessitano dell'approvazione dell'ufficio federale competente.\n\n**TAF B-1483/2019** del 23 marzo 2021\n\nQuesta sentenza ha trattato la posizione giuridica di una cooperativa dei detentori di scorte obbligatorie di medicamenti. Il tribunale ha confermato la conformità costituzionale del sistema di adempimento delegato di compiti attraverso organizzazioni private di autoaiuto.\n\nL'indennità per la detenzione di scorte obbligatorie e la protezione dai rischi di prezzo durante il periodo di stoccaggio sono elementi essenziali del sistema di approvvigionamento del Paese.\n\n**TAF B-456/2022** del 18 luglio 2022\n\nLa sentenza ha chiarito i presupposti per i contributi al fondo di garanzia nell'importazione di portatori di energia e proteine per scopi di alimentazione animale. La Réservesuisse come organizzazione di autoaiuto è autorizzata a riscuotere i relativi contributi dagli importatori.\n\nIl sdoganamento successivo di merci può comportare successivamente l'obbligo di contribuzione, se cambia lo scopo di utilizzazione e quindi viene interessata la detenzione di scorte obbligatorie.\n\n### III. Sviluppi attuali: sicurezza dell'approvvigionamento elettrico\n\n**TAF A-1706/2023** (DTAF 2024 II/1) del 19 febbraio 2024\n\nQuesta decisione pionieristica ha ampliato l'ambito di applicazione dell'art. 102 Cost. all'approvvigionamento elettrico. Il tribunale ha riconosciuto la competenza del Consiglio federale di adottare, basandosi sulla Legge sull'approvvigionamento del Paese, misure d'emergenza in caso di minacce di situazioni di penuria nell'approvvigionamento di elettricità.\n\nIl caso riguardava la messa a disposizione di una centrale elettrica di riserva temporanea a Birr (AG) per superare carenze di approvvigionamento invernali. Il Tribunale amministrativo federale ha posto requisiti elevati per la dimostrazione di una grave situazione di penuria:\n\n> «La Legge sull'approvvigionamento del Paese prevede tutela giuridica contro le decisioni su misure di intervento economico e l'autorità deve esporre in modo fondamentale da quali assunzioni parte riguardo alla situazione di approvvigionamento e secondo quali criteri valuta la probabilità di un pregiudizio all'approvvigionamento.»\n\nLa sentenza dimostra la capacità di adattamento del diritto dell'approvvigionamento del Paese a nuove situazioni di minaccia e conferma la base costituzionale per misure preventive nell'infrastruttura critica.\n\n### IV. Aspetti di diritto procedurale\n\nLa giurisprudenza ha sviluppato principi chiari sulla tutela giuridica nel diritto dell'approvvigionamento del Paese. Contro le decisioni dell'Ufficio federale per l'approvvigionamento economico del Paese è in principio ammesso il ricorso al Tribunale amministrativo federale (art. 38 cpv. 3 LAP).\n\nSono escluse solo le decisioni prese in caso di minaccia crescente o di gravi situazioni di penuria (art. 83 lett. j LTF). Questa garanzia di ricorso assicura la protezione dello Stato di diritto delle persone interessate anche in tempi di crisi.\n\nLa giurisprudenza dimostra che l'art. 102 Cost. costituisce una base costituzionale flessibile per far fronte a diversi rischi di approvvigionamento — dalle tradizionali carenze di beni fino alle moderne crisi infrastrutturali come le situazioni di penuria elettrica.", "summary_en": "# Art. 102 — National Economic Supply\n\n## Overview\n\nArticle 102 FC assigns the Confederation the task of supplying the country with vital goods and services. This applies to crisis situations such as wars, political threats or severe shortages, when the economy cannot ensure supply itself. The Confederation must take precautionary measures already in peacetime (BBl 1997 I 351).\n\nVital goods are energy, food, medicinal products and important transport services (Art. 4 para. 2 NESA). The most important instrument is compulsory stockpiling: private companies must keep certain quantities of these goods in stock and receive state compensation for this (**BGE 135 II 38 consid. 5.2**). These stocks secure supply for several months.\n\nIn times of crisis, the Confederation may derogate from economic freedom. It can then fix prices, confiscate goods or direct production. These measures must be proportionate and may only last as long as the crisis continues (→ Art. 36 FC).\n\nAn example: If there is a threat of electricity shortage in winter, the Confederation can provide reserve power plants or restrict electricity consumption. The Federal Administrative Court confirmed in 2024 that electricity shortage situations also fall under Art. 102 FC (**FAdC A-1706/2023 consid. 4.3.2**).\n\nThe system functions through self-help organisations of the economy: Carbura manages the fuel stocks, Réservesuisse the food reserves. These organisations work under state supervision, but can independently levy contributions and grant permits.\n\nNational economic supply is subsidiary: the state only intervenes when the market fails. Those affected can file an appeal against rulings by the Federal Office for National Economic Supply. Only in cases of acute threat is the legal remedy excluded (Art. 83 lit. j FSCA).", "doctrine_en": "# Art. 102 — National Economic Supply\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The provision on national economic supply was adopted unchanged in substance from Art. 31bis para. 3 lit. e former FC in the total revision of the Federal Constitution in 1999 (FG 1997 I 351). The constitutional basis for national supply was first established in 1947 after the experiences of the Second World War and was reformulated in contemporary terms in 1982 (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 1). The current version emphasises the subsidiary role of the state: it only intervenes when the economy itself cannot ensure supply.\n\n**N. 2** Historically, national supply law is rooted in the war economy. After the First World War, a first attempt to create a constitutional basis failed in 1921 (Cottier, Liberalismus oder Staatsintervention, 2014, p. 245ff.). It was only the experiences with the precarious supply situation during the Second World War that led to the successful introduction of Art. 31bis para. 3 lit. e former FC in 1947. The 1982 revision adapted the norm to the changed geopolitical circumstances and placed not only warlike threats but also «severe shortage situations» under the scope of protection.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 102 FC stands in Title 3 of the Federal Constitution on Confederation, Cantons and Communes, more precisely in Chapter 2 on the competences of the Confederation in the section on the economy. The norm is systematically embedded between Art. 101 FC (Foreign Economic Policy) and Art. 103 FC (Structural Policy). This placement underscores the economic policy character of national supply (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 3).\n\n**N. 4** The provision stands in tension with economic fundamental rights and principles:\n- → Art. 27 FC (Economic Freedom): para. 2 explicitly permits deviations\n- → Art. 94 FC (Principles of the Economic System): national supply as a permissible exception to the principle of private enterprise\n- → Art. 100 FC (Cyclical Policy): delimitation from general economic promotion\n- ↔ Art. 101 FC (Foreign Economic Policy): supply security often requires international cooperation\n\n**N. 5** The international law dimension is significant, as Switzerland as a landlocked country without its own raw material deposits depends on international cooperation (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 7-11). Membership in the International Energy Agency (IEA) and bilateral agreements are expressions of this dependence.\n\n### 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n**N. 6** **Vital goods and services**: The concept encompasses all goods and services whose absence would endanger the foundations of existence of the population or the functioning of the state. The National Supply Act concretises this in Art. 4 para. 2 NSA: energy, foodstuffs, medicinal products, transport capacities and ICT services. **BGE 135 II 38 E. 4.1** confirmed the open formulation as appropriate in view of changing threat situations.\n\n**N. 7** **Threat scenarios**: The Constitution names three situations (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 4-5):\n- *Power-political threats*: Economic sanctions, trade blockades\n- *Warlike threats*: Armed conflicts with effects on trade routes\n- *Severe shortage situations*: Natural disasters, pandemics, major technical failures\n\n**N. 8** The Federal Administrative Court clarified in **A-1706/2023 E. 4.3.2** that a «severe shortage situation» requires that normal market supply fails and serious effects on the overall economy or essential parts of the population are threatened.\n\n**N. 9** **Subsidiarity («which the economy cannot itself address»)**: The state only intervenes when private actors cannot ensure supply (Richli, SBVR XIII, p. 285). This is an expression of the principle of private enterprise enshrined in Art. 94 FC. Case law requires proof of market failure (FAdmC A-1706/2023 E. 4.3.3).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **Precautionary measures (para. 1)**: The Confederation is obliged to act preventively. The most important instruments are (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 12):\n- Compulsory stocks for critical goods (Art. 5ff. NSA)\n- Import facilitation in times of crisis (Art. 22ff. NSA)\n- Production control and securing (Art. 28ff. NSA)\n- Reserve capacities for critical infrastructures\n\n**N. 11** The system of compulsory stockholding by private parties with state compensation has proven successful (**BGE 135 II 38 E. 5.2**). The self-help organisations such as Carbura or Réservesuisse assume an intermediary role between state and economy (FAdmC B-7972/2008).\n\n**N. 12** **Deviation from economic freedom (para. 2)**: «If necessary» means that the measure must be proportionate. Possible interventions include:\n- Price and quantity regulations\n- Ration cards and rationing\n- Production and import orders\n- Seizures against compensation\n\n**N. 13** The deviation is only permissible for the duration of the crisis situation and must comply with the principles of Art. 36 FC (Schott, Staat und Wettbewerb, 2010, N. 784). The principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 FC) remains decisive even in times of crisis.\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 14** **Scope of supply obligation**: The extent to which state provision must go is disputed. Häberli (BlAR 2013, p. 185) advocates an extensive interpretation that also includes long-term climate risks. Kaufmann (Handbuch Aussenpolitik, 1992, p. 625) argues for a restrictive interpretation limited to acute crises. Practice tends towards a middle way with risk-based prioritisation.\n\n**N. 15** **Private vs. state stockholding**: Achermann-Knoepfli (Pflichtlagervertrag, 1990, p. 112ff.) criticises the delegation to private parties as constitutionally problematic. Schürmann (Wirtschaftsverwaltungsrecht, 1994, p. 445) and prevailing doctrine see this as a permissible and efficient form of task fulfilment. The Federal Supreme Court has repeatedly confirmed the system (**BGE 135 II 38**).\n\n**N. 16** **Applicability to new risks**: The inclusion of cyber risks and climate change is controversial. Oesch/Ruff (BSK BV, Art. 102 N. 6) advocate an evolutionary interpretation. Probst (FS Schweizerischer Juristentag 1979, p. 545) warns against over-stretching the constitutional mandate. FAdmC A-1706/2023 shows that practice includes new threats (electricity shortage).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 17** **Legal protection**: Against rulings of the FONES, appeal to the Federal Administrative Court is available (Art. 38 para. 3 NSA). Excluded are only decisions in case of increasing threat or severe shortage situations (Art. 83 lit. j FSCA). This exception is to be interpreted narrowly (**BGE 135 II 38 E. 1.4**).\n\n**N. 18** **Proportionality test**: National supply measures are subject to strict proportionality review. The Federal Administrative Court requires (A-1706/2023 E. 4.4):\n- Concrete presentation of the threat situation\n- Proof of market failure\n- Examination of milder alternatives\n- Limitation in time of the measures\n\n**N. 19** **Compensation obligation**: Interventions in economic freedom are in principle subject to compensation. For compulsory stocks, compensation occurs via guarantee fund contributions (Art. 11 NSA). For emergency law measures, Art. 38 NSA applies. Compensation must take market conditions into account (Sutter-Somm, WuR 1990, p. 115).\n\n**N. 20** **International coordination**: National supply measures must be coordinated with international law obligations, in particular with WTO law and bilateral agreements (Oesch/Ruff, BSK BV, Art. 102 N. 10-11). IEA membership obliges minimum storage of petroleum (90 days net imports).", "caselaw_en": "# Art. 102 — National Economic Supply\n\n## Case Law\n\nThe case law on Art. 102 FC primarily deals with the organization and control of national economic supply, particularly mandatory stockpiling, as well as the procedural aspects of supervision over the business organizations involved. Most decisions stem from the area of mineral oil and medicinal product reserves.\n\n### I. Foundations of National Economic Supply\n\n**BGE 81 I 133** of 22 June 1955\n\nThe Federal Supreme Court fundamentally clarified the legal nature of Federal Council approvals in the context of national supply. The Federal Council's approval does not have constitutive effect, but rather declaratory effect for the legal validity of cantonal enactments that affect federal competencies.\n\n> «The approval of the Federal Council under Art. 102 No. 13 old FC [now Art. 102 FC] does not constitute a condition of existence for the legal validity of the cantonal enactment, but merely represents a condition for its effectiveness.»\n\n**BGE 135 II 38** of 2 December 2008\n\nIn this leading decision, the Federal Supreme Court defined the constitutional basis of national economic supply and the legal nature of approval decisions. The case concerned Carbura as a self-help organization of mandatory stockpilers for motor and heating fuels.\n\n> «According to Art. 102 FC, the Confederation ensures the supply of the country with vital goods and services in the event of power-political or military threats as well as in serious shortage situations that the economy cannot cope with on its own. It takes precautionary measures and may, if necessary, deviate from the principle of economic freedom.»\n\nThe decision confirmed that approval decisions by the Federal Office for National Economic Supply constitute challengeable rulings and legal protection is granted according to the general provisions of federal judicial procedure.\n\n### II. Mandatory Stockpiling and Self-Help Organizations\n\n**BVGer B-7972/2008** of 4 March 2010\n\nThe Federal Administrative Court confirmed the central role of Carbura as a self-help organization of mandatory stockpilers. The judgment clarified the legal status of private organizations that fulfill public tasks of national supply.\n\nCarbura is authorized to issue import permits and monitor mandatory stockpiling without itself having regulatory powers. Its regulations require approval by the competent federal office.\n\n**BVGer B-1483/2019** of 23 March 2021\n\nThis judgment dealt with the legal status of a cooperative of mandatory stockpilers of medicinal products. The court confirmed the system of delegated task fulfillment through private self-help organizations as constitutional.\n\nCompensation for mandatory stockpiling and protection against price risks during storage are essential elements of the national supply system.\n\n**BVGer B-456/2022** of 18 July 2022\n\nThe judgment clarified the requirements for guarantee fund contributions for the import of energy and protein carriers for feed purposes. Réservesuisse as a self-help organization is authorized to collect corresponding contributions from importers.\n\nThe customs clearance of goods can subsequently lead to contribution liability if the intended use changes and thus affects mandatory stockpiling.\n\n### III. Current Developments: Electricity Supply Security\n\n**BVGer A-1706/2023** (BVGE 2024 II/1) of 19 February 2024\n\nThis groundbreaking decision extended the scope of application of Art. 102 FC to electricity supply. The court recognized the Federal Council's competence to take emergency measures based on the National Economic Supply Act in the event of threatening shortage situations in electricity supply.\n\nThe case concerned the provision of a temporary reserve power plant in Birr (AG) to bridge supply bottlenecks in winter. The Federal Administrative Court set high requirements for proving a serious shortage situation:\n\n> «The National Economic Supply Act provides for legal protection against rulings on economic intervention measures, and the authority must fundamentally explain what assumptions it makes regarding the supply situation and according to what criteria it assesses the probability of supply impairment.»\n\nThe judgment demonstrates the adaptability of national supply law to new threat situations and confirms the constitutional basis for preventive measures regarding critical infrastructure.\n\n### IV. Procedural Law Aspects\n\nThe case law has developed clear principles for legal protection in national supply law. Appeals to the Federal Administrative Court are generally available against rulings of the Federal Office for National Economic Supply (Art. 38 para. 3 NSA).\n\nOnly decisions made in cases of increasing threat or serious shortage situations are excluded (Art. 83 lit. j FSCA). This guarantee of legal remedy ensures rule-of-law protection for those affected even in times of crisis.\n\nThe case law shows that Art. 102 FC forms a flexible constitutional basis for managing different supply risks — from traditional goods shortages to modern infrastructure crises such as electricity shortages.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_102", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.95}
{"law": "BV", "article": 103, "article_suffix": "", "title": "Strukturpolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 103 BV ermächtigt den Bund zur Strukturpolitik (Wirtschaftsförderung). Er kann wirtschaftlich bedrohte Regionen unterstützen sowie bestimmte Wirtschaftszweige und Berufe fördern. Die Hilfe ist subsidiär: Der Bund greift nur ein, wenn zumutbare Selbsthilfemassnahmen nicht ausreichen. Nötigenfalls darf er dabei vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abweichen.\n\nDie Norm umfasst zwei Bereiche: **Regionale Strukturpolitik** für wirtschaftlich bedrohte Landesgegenden und **sektorale Strukturpolitik** für gefährdete Wirtschaftszweige oder Berufe. Als wirtschaftlich bedroht gilt eine Region, wenn ihre Existenz gefährdet ist – blosse Standortnachteile genügen nicht. Bei Wirtschaftszweigen sind ganze Branchen gemeint (Textilindustrie, Uhrenindustrie).\n\nDas **Subsidiaritätsprinzip** ist zentral: Private und kantonale Lösungen müssen zuerst ausgeschöpft werden. Erst wenn diese nicht ausreichen, darf der Bund tätig werden. Die Hilfe erfolgt durch verschiedene Instrumente: Subventionen, Darlehen, Bürgschaften oder Steuererleichterungen.\n\n**Beispiel**: Der Bund unterstützt eine strukturschwache Bergregion beim Aufbau touristischer Infrastruktur, nachdem sich gezeigt hat, dass die Region mit eigenen Mitteln und kantonaler Hilfe die Abwanderung nicht stoppen kann.\n\nUmstritten ist in der Rechtslehre, ob Art. 103 BV auch eine allgemeine Wirtschaftsförderkompetenz ohne Subsidiaritätsvorbehalt enthält. Die Bundespraxis bejaht dies unter Berufung auf die Rechtslage unter der alten Bundesverfassung, während Oesch/Mayoraz (BSK BV, Art. 103 N. 18) argumentieren, der klare Wortlaut stehe einer solchen Auslegung entgegen.\n\nAuf strukturpolitische Hilfen besteht kein Rechtsanspruch. Der Bund entscheidet nach pflichtgemässem Ermessen. Internationale Verpflichtungen (WTO-Recht, bilaterale Abkommen) setzen der Strukturpolitik Grenzen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 103 BV übernahm weitgehend die Regelung von Art. 31quater der alten Bundesverfassung (aBV), welcher 1947 in die Verfassung eingefügt wurde. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 286) betonte, dass die Strukturpolitik als wirtschaftspolitisches Instrument beibehalten werden sollte, um den Herausforderungen des wirtschaftlichen Wandels zu begegnen. Die Norm sollte dem Bund ermöglichen, gezielt in Wirtschaftsprozesse einzugreifen, wenn Marktmechanismen allein nicht ausreichten.\n\n**N. 2** Die Formulierung «wirtschaftlich bedrohte Landesgegenden» ersetzte den Begriff «wirtschaftlich bedrohte Gebiete» der aBV, um klarzustellen, dass nicht nur kleinräumige Gebiete, sondern auch grössere Regionen erfasst werden können. Die Verfassungsrevision von 1999 behielt die duale Struktur bei: regionale Strukturpolitik (erste Alternative) und sektorale Strukturpolitik (zweite Alternative).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 103 BV steht im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 2. Kapitel (Zuständigkeiten), 7. Abschnitt (Wirtschaft) der Bundesverfassung. Die Norm ist eine spezielle Kompetenznorm, die dem Bund erlaubt, vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 94 BV) abzuweichen. Sie steht in engem Zusammenhang mit weiteren wirtschaftspolitischen Kompetenzen des Bundes, insbesondere der Konjunkturpolitik (→ Art. 100 BV), der Regionalpolitik (→ Art. 135 BV) und der Landwirtschaft (→ Art. 104 BV).\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu den Grundrechten, namentlich zur Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV), ist durch Art. 36 BV geregelt. Strukturpolitische Massnahmen müssen die allgemeinen Voraussetzungen für Grundrechtseinschränkungen erfüllen, wobei Art. 103 Satz 2 BV eine spezielle verfassungsrechtliche Grundlage für Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit schafft (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 22).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Regionale Strukturpolitik** (erste Alternative): Der Begriff «wirtschaftlich bedrohte Landesgegenden» setzt eine existenzielle wirtschaftliche Gefährdung voraus. Nach der Lehre genügen blosse Standortnachteile oder unterdurchschnittliche Wirtschaftsentwicklung nicht (Richli/Sahlfeld, in: Wirtschaftsstrukturrecht, 2005, 41–79). Die Bedrohung muss sich auf eine zusammenhängende Region beziehen, nicht bloss auf einzelne Gemeinden.\n\n**N. 6** **Sektorale Strukturpolitik** (zweite Alternative): «Wirtschaftszweige und Berufe» umfasst ganze Branchen (z.B. Textilindustrie, Uhrenindustrie) sowie spezifische Berufsgruppen. Umstritten ist, ob nur wichtige Wirtschaftszweige erfasst sind (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 17) oder ob die Bedeutung keine Rolle spielt (h.L., vgl. Richli, Strukturpolitik, 2005, 19–40).\n\n**N. 7** **Subsidiaritätsprinzip**: Die Wendung «wenn zumutbare Selbsthilfemassnahmen zur Sicherung ihrer Existenz nicht ausreichen» verankert das Subsidiaritätsprinzip. Der Bund darf erst tätig werden, wenn private und kantonale Massnahmen versagen (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 13). Die Zumutbarkeit bestimmt sich nach objektiven Kriterien; unzumutbar sind Massnahmen, die die Existenzgrundlage gefährden würden.\n\n**N. 8** **Allgemeine Förderkompetenz**: Kontrovers diskutiert wird, ob Art. 103 BV eine allgemeine Wirtschaftsförderkompetenz ohne Subsidiaritätsvorbehalt enthält. Die Praxis und ein Teil der Lehre bejahen dies unter Verweis auf die Rechtslage unter der aBV (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 18). Oesch/Mayoraz selbst lehnen dies ab: Der Wortlaut von Art. 103 stehe einer solchen Lesart «klarerweise im Weg»; sektorale Fördermassnahmen seien nur bei Erfüllung der Tatbestandsvoraussetzungen zulässig (BSK BV, Art. 103 N. 18).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Art. 103 BV begründet eine **Kann-Kompetenz** des Bundes. Er ist nicht verpflichtet, strukturpolitisch tätig zu werden, sondern entscheidet nach pflichtgemässem Ermessen. Die Kompetenz umfasst sowohl Gesetzgebung als auch Vollzug (→ Art. 164 BV für die Gesetzgebungspflicht bei wichtigen Bestimmungen).\n\n**N. 10** Das Instrumentarium der Strukturpolitik ist vielfältig: Subventionen, Steuererleichterungen, Bürgschaften, Darlehen, Infrastrukturinvestitionen (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 14-16, 19-21). Die gewählten Massnahmen müssen verhältnismässig sein und dürfen den Wettbewerb nicht mehr als nötig beeinträchtigen.\n\n**N. 11** **Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit** (Satz 2): Diese Befugnis ist restriktiv auszulegen. Sie erlaubt keine beliebigen dirigistischen Massnahmen, sondern nur solche Eingriffe, die zur Erreichung der strukturpolitischen Ziele erforderlich sind (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 22-23). Beispiele sind Marktzugangsbeschränkungen, Kontingentierungen oder Preisvorschriften.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umfang der Förderkompetenz**: Der Hauptstreit betrifft die Frage, ob Art. 103 BV neben der konditionierten Strukturpolitik (mit Subsidiaritätsvorbehalt) auch eine allgemeine Wirtschaftsförderkompetenz enthält. **Bundespraxis und Teile der Lehre** (unter Berufung auf die historische Auslegung) bejahen eine solche implizite Kompetenz analog zur Rechtslage unter Art. 31quater aBV. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 N. 18) vertreten die Gegenposition: Der klare Wortlaut («wenn zumutbare Selbsthilfemassnahmen...nicht ausreichen») gelte für beide Alternativen der Norm.\n\n**N. 13** **Bedeutung der Wirtschaftszweige**: Strittig ist, ob nur «wichtige» Wirtschaftszweige förderungswürdig sind. **Richli** (Strukturpolitik, 2005, 35) vertritt, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung keine Tatbestandsvoraussetzung darstelle. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 N. 17) sehen dies als umstritten an und verweisen auf die Praxis, die tendenziell eine gewisse Erheblichkeit voraussetzt.\n\n**N. 14** **Verhältnis zum Wirtschaftsvölkerrecht**: Die Anwendung von Art. 103 BV wird durch internationale Verpflichtungen begrenzt. **Oesch** (Staatliche Subventionen, ZSR 2012 I 255–284) betont die Schranken durch WTO-Recht und bilaterale Abkommen. **Richli/Bundi** (AJP 2008, 665–683) sehen mehr Spielraum für innovations- und KMU-spezifische Förderung.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Ausarbeitung strukturpolitischer Programme ist die **Subsidiarität** strikt zu beachten. Gesuchsteller müssen nachweisen, dass eigene Anstrengungen und kantonale Hilfen nicht ausreichen. Die blosse Behauptung wirtschaftlicher Schwierigkeiten genügt nicht (JAAC 51.19).\n\n**N. 16** **Verfahrensrechtlich** besteht kein Rechtsanspruch auf Strukturhilfen. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist in der Regel ausgeschlossen (Art. 100 Abs. 1 lit. e BGG). Dennoch müssen Behörden das rechtliche Gehör gewähren und Ablehnungen begründen.\n\n**N. 17** **Wirtschaftsvölkerrechtliche Schranken** sind frühzeitig zu prüfen. Subventionen an exportorientierte Unternehmen können gegen WTO-Subventionsrecht verstossen. Bei EU-/EFTA-Unternehmen ist das Beihilfeverbot zu beachten. Die sektorspezifischen bilateralen Abkommen (Luftverkehr, Landverkehr) enthalten oft spezielle Beihilferegeln.\n\n**N. 18** Die **Abgrenzung zu anderen Fördertatbeständen** ist sorgfältig vorzunehmen: Landwirtschaftsförderung richtet sich nach Art. 104 BV, Innovationsförderung nach Art. 64 BV (Forschung), arbeitsmarktliche Massnahmen nach Art. 114 BV. Art. 103 BV ist subsidiär zu spezifischeren Kompetenznormen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Anwendung von Art. 103 BV\n\n**JAAC 69.47** vom 20. Juli 2004\nDie Bundesämter-Praxis zur Medienförderung präzisiert die Grenzen von Art. 103 BV. Das Gutachten des Bundesamtes für Justiz zur staatlichen Unterstützung einer Stiftung zur Förderung der Schweizer Presse betont, dass Wirtschaftsförderung darauf ausgerichtet sein muss, den unterstützten Wirtschaftszweig ökonomisch zu stärken. Massnahmen mit primär pressepolitischen Zielen finden in Art. 103 BV keine Grundlage, da zwischen Pressevielfalt und wirtschaftlicher Stärkung der Zeitungsbranche Zielkonflikte bestehen können.\n\n> «Weiter muss Wirtschaftsförderung durch den Bund - sei es in Form sektoraler Strukturpolitik, sei es in Form wettbewerbsneutraler Förderung - darauf ausgerichtet sein, den unterstützten Wirtschaftszweig ökonomisch zu stärken. Ziel der Strukturpolitik bzw. allgemeinen Wirtschaftsförderung nach Art. 103 BV ist primär das wirtschaftliche Überleben bzw. Florieren des betroffenen Wirtschaftszweiges.»\n\n### Investitionshilfe für Berggebiete (IHG)\n\n**JAAC 53.32** vom 19. Dezember 1986 (Entscheid des Bundesrates vom 21. Dezember 1988)\nDas Verfahren und die materiellen Voraussetzungen für Investitionshilfen wurden präzisiert. Ein Verkehrsbüro fällt nicht automatisch unter das IHG; entscheidend sind die Erfüllung aller formellen Voraussetzungen, insbesondere die Aufnahme in ein genehmigtes Detailprogramm vor Baubeginn. Der Fall zeigt die strenge Handhabung der Subsidiarität staatlicher Hilfe.\n\n> «Befindet sich ein Projekt aber nicht in einem genehmigten Detailprogramm und ist es somit auch nicht Bestandteil eines genehmigten Entwicklungskonzepts, so kann keine Investitionshilfe zugesprochen werden, weil es an einer grundlegenden Voraussetzung dazu fehlt.»\n\n**JAAC 54.18** vom 6. März 1989\nDie Bestimmung des sachlichen Geltungsbereichs des IHG wurde konkretisiert. Der Zweck des IHG ist die Verbesserung der Existenzbedingungen im Berggebiet durch gezielte Investitionshilfe für Infrastrukturanlagen. Der Fall verdeutlicht die Abgrenzung zwischen förderungsfähigen und nicht förderungsfähigen Projekten.\n\n> «Mit dem IHG bezweckt der Bund die Verbesserung der Existenzbedingungen im Berggebiet durch die Gewährung gezielter Investitionshilfe für Infrastrukturen.»\n\n**JAAC 56.48** vom 11. September 1991\nDie Praxis zur Arztpraxis-Förderung im Rahmen des IHG zeigt die Grenzen der Bundesunterstützung auf. Nicht alle im öffentlichen Interesse liegenden Infrastrukturen fallen automatisch unter das IHG. Die dauernde Sicherung des Zugangs für die einheimische Bevölkerung ist erforderlich.\n\n### Finanzierungsbeihilfen für wirtschaftlich bedrohte Regionen (FBB)\n\n**JAAC 51.19** vom 30. April 1986\nGrundlegende Entscheidung zu den Voraussetzungen und Auflagen bei Finanzierungsbeihilfen. Der Bundesrat bestätigte, dass auf Finanzierungsbeihilfen kein Rechtsanspruch besteht und die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ausgeschlossen ist. Die Bundeshilfe erfolgt subsidiär und komplementär; Auflagen wie das Verbot der Gewinnausschüttung während der Zinsverbilligung sind zulässig.\n\n> «Zunächst hat der Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen, dass der Bund Vorhaben der privaten Wirtschaft zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in wirtschaftlich bedrohten Regionen durch Finanzierungsbeihilfen fördern kann. Hinzu kommt, dass die staatliche Hilfe bloss komplementär und subsidiär erfolgen soll.»\n\n### Steuerrechtliche Aspekte der Wirtschaftsförderung\n\n**BGE vom 11. Juni 2008 (2A.42/2007)**\nDie Steuerbefreiung einer Stiftung zur Förderung der solothurnischen Wirtschaft berührte indirekt Art. 103 BV. Das Bundesgericht anerkannte, dass die Förderung eines Wirtschaftszweigs grundsätzlich gemeinnützig sein kann, prüfte aber die konkrete Tätigkeit der Stiftung auf ihre tatsächliche Gemeinnützigkeit.\n\n> «Bei der vorliegend umstrittenen Steuerbefreiung handelt es sich um einen Grenzfall: Mit der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass der statutarische Zweck der Beschwerdegegnerin relativ weit formuliert ist.»\n\n### Abweichung vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 103 BV zeigt, dass der zweite Satz («Er kann nötigenfalls vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abweichen») restriktiv angewendet wird. Eine Abweichung ist nur zulässig, wenn zumutbare Selbsthilfemassnahmen zur Sicherung der Existenz nicht ausreichen und die Unterstützung tatsächlich der wirtschaftlichen Stärkung des betroffenen Wirtschaftszweigs dient.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 103 Cst. habilite la Confédération à mener une politique structurelle (promotion économique). Elle peut soutenir les régions économiquement menacées ainsi que promouvoir certaines branches économiques et professions. L'aide est subsidiaire : la Confédération n'intervient que lorsque les mesures d'entraide raisonnablement exigibles ne suffisent pas. Au besoin, elle peut déroger au principe de la liberté économique.\n\nLa norme comprend deux domaines : la **politique structurelle régionale** pour les régions du pays économiquement menacées et la **politique structurelle sectorielle** pour les branches économiques ou professions en danger. Une région est considérée comme économiquement menacée lorsque son existence est en péril – de simples désavantages de localisation ne suffisent pas. S'agissant des branches économiques, ce sont des secteurs entiers qui sont visés (industrie textile, industrie horlogère).\n\nLe **principe de subsidiarité** est central : les solutions privées et cantonales doivent d'abord être épuisées. Ce n'est que lorsque celles-ci ne suffisent pas que la Confédération peut agir. L'aide s'effectue par différents instruments : subventions, prêts, cautionnements ou allégements fiscaux.\n\n**Exemple** : la Confédération soutient une région de montagne structurellement faible dans l'édification d'infrastructures touristiques, après qu'il s'est avéré que la région ne peut pas stopper l'exode avec ses propres moyens et l'aide cantonale.\n\nIl est controversé dans la doctrine si l'art. 103 Cst. contient aussi une compétence générale de promotion économique sans réserve de subsidiarité. La pratique fédérale l'affirme en se référant à la situation juridique sous l'ancienne Constitution fédérale, tandis qu'Oesch/Mayoraz (BSK BV, art. 103 n. 18) argumentent que le libellé clair s'oppose à une telle interprétation.\n\nIl n'existe aucun droit à l'aide structurelle. La Confédération décide selon son pouvoir d'appréciation. Les obligations internationales (droit OMC, accords bilatéraux) fixent des limites à la politique structurelle.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**N. 1** L'art. 103 Cst. a largement repris la réglementation de l'art. 31quater de l'ancienne Constitution fédérale (aCst.), qui avait été inséré dans la Constitution en 1947. Le Message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 205) soulignait que la politique structurelle devait être maintenue comme instrument de politique économique pour faire face aux défis du changement économique. Cette norme devait permettre à la Confédération d'intervenir de manière ciblée dans les processus économiques lorsque les mécanismes du marché seuls ne suffisaient pas.\n\n**N. 2** La formulation « régions de pays économiquement menacées » remplaça le terme « régions économiquement menacées » de l'aCst., afin de clarifier que non seulement des zones de petite taille, mais aussi de plus grandes régions pouvaient être visées. La révision constitutionnelle de 1999 maintint la structure duale : politique structurelle régionale (première alternative) et politique structurelle sectorielle (deuxième alternative).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 103 Cst. figure au 3e titre (Confédération, cantons et communes), 2e chapitre (Compétences), 7e section (Économie) de la Constitution fédérale. Cette norme est une norme de compétence spéciale qui permet à la Confédération de déroger au principe de la liberté économique (→ art. 94 Cst.). Elle est étroitement liée à d'autres compétences de politique économique de la Confédération, en particulier la politique conjoncturelle (→ art. 100 Cst.), la politique régionale (→ art. 135 Cst.) et l'agriculture (→ art. 104 Cst.).\n\n**N. 4** Le rapport aux droits fondamentaux, notamment à la liberté économique (→ art. 27 Cst.), est réglé par l'art. 36 Cst. Les mesures de politique structurelle doivent remplir les conditions générales pour les restrictions de droits fondamentaux, l'art. 103, 2e phrase, Cst. créant une base constitutionnelle spéciale pour les dérogations au principe de la liberté économique (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 22).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Politique structurelle régionale** (première alternative) : Le terme « régions de pays économiquement menacées » présuppose une menace économique existentielle. Selon la doctrine, de simples désavantages de localisation ou un développement économique inférieur à la moyenne ne suffisent pas (Richli/Sahlfeld, in: Wirtschaftsstrukturrecht, 2005, 41–79). La menace doit concerner une région cohérente, pas seulement des communes isolées.\n\n**N. 6** **Politique structurelle sectorielle** (deuxième alternative) : « Branches de l'économie et professions » comprend des secteurs entiers (p. ex. industrie textile, horlogerie) ainsi que des groupes professionnels spécifiques. Il est controversé de savoir si seules les branches économiques importantes sont visées (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 17) ou si l'importance ne joue aucun rôle (opinion dominante, cf. Richli, Strukturpolitik, 2005, 19–40).\n\n**N. 7** **Principe de subsidiarité** : La formule « lorsque des mesures d'entraide raisonnablement exigibles ne suffisent pas à assurer leur existence » ancre le principe de subsidiarité. La Confédération ne peut agir que lorsque les mesures privées et cantonales échouent (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 13). Le caractère raisonnablement exigible se détermine selon des critères objectifs ; sont déraisonnables les mesures qui mettraient en danger les bases de l'existence.\n\n**N. 8** **Compétence générale d'encouragement** : Il est controversé de savoir si l'art. 103 Cst. contient une compétence générale d'encouragement économique sans réserve de subsidiarité. La pratique et une partie de la doctrine l'affirment en se référant à la situation juridique sous l'aCst. (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 18). Oesch/Mayoraz eux-mêmes rejettent cette position : le libellé de l'art. 103 s'opposerait « clairement » à une telle lecture ; les mesures d'encouragement sectorielles ne seraient admissibles qu'en cas de réalisation des conditions de fait (BSK BV, art. 103 n. 18).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** L'art. 103 Cst. fonde une **compétence facultative** de la Confédération. Elle n'est pas obligée d'être active en matière de politique structurelle, mais décide selon son libre appréciation conforme aux devoirs. La compétence comprend tant la législation que l'exécution (→ art. 164 Cst. pour l'obligation législative concernant les dispositions importantes).\n\n**N. 10** L'instrumentarium de la politique structurelle est varié : subventions, allégements fiscaux, cautionnements, prêts, investissements d'infrastructure (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 14-16, 19-21). Les mesures choisies doivent être proportionnées et ne peuvent porter atteinte à la concurrence que dans la mesure nécessaire.\n\n**N. 11** **Dérogation à la liberté économique** (2e phrase) : Cette faculté doit être interprétée restrictivement. Elle ne permet pas de mesures dirigistes arbitraires, mais seulement les interventions qui sont nécessaires pour atteindre les objectifs de politique structurelle (Oesch/Mayoraz, BSK BV, art. 103 n. 22-23). Des exemples sont les restrictions d'accès au marché, les contingentements ou les prescriptions de prix.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 12** **Étendue de la compétence d'encouragement** : Le principal litige concerne la question de savoir si l'art. 103 Cst. contient, outre la politique structurelle conditionnée (avec réserve de subsidiarité), également une compétence générale d'encouragement économique. **La pratique fédérale et des parties de la doctrine** (en invoquant l'interprétation historique) affirment une telle compétence implicite par analogie à la situation juridique sous l'art. 31quater aCst. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, art. 103 n. 18) défendent la position contraire : le libellé clair (« lorsque des mesures d'entraide raisonnablement exigibles... ne suffisent pas ») vaudrait pour les deux alternatives de la norme.\n\n**N. 13** **Importance des branches économiques** : Il est litigieux de savoir si seules les branches économiques « importantes » méritent d'être encouragées. **Richli** (Strukturpolitik, 2005, 35) soutient que l'importance économique nationale ne constitue pas une condition de fait. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, art. 103 n. 17) considèrent cela comme controversé et renvoient à la pratique, qui tend à présupposer une certaine importance.\n\n**N. 14** **Rapport au droit économique international** : L'application de l'art. 103 Cst. est limitée par les obligations internationales. **Oesch** (Staatliche Subventionen, ZSR 2012 I 255–284) souligne les limites dues au droit OMC et aux accords bilatéraux. **Richli/Bundi** (AJP 2008, 665–683) voient plus de marge de manœuvre pour l'encouragement spécifique à l'innovation et aux PME.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de l'élaboration de programmes de politique structurelle, la **subsidiarité** doit être strictement respectée. Les requérants doivent prouver que leurs propres efforts et les aides cantonales ne suffisent pas. La simple allégation de difficultés économiques ne suffit pas (JAAC 51.19).\n\n**N. 16** **Du point de vue procédural**, il n'existe aucun droit aux aides structurelles. Le recours auprès du Tribunal administratif fédéral est en règle générale exclu (art. 100, al. 1, let. e, LTF). Les autorités doivent néanmoins accorder le droit d'être entendu et motiver les refus.\n\n**N. 17** **Les limites du droit économique international** doivent être examinées précocement. Les subventions aux entreprises orientées vers l'exportation peuvent violer le droit des subventions de l'OMC. Pour les entreprises UE/AELE, l'interdiction des aides d'État doit être respectée. Les accords bilatéraux sectoriels (transport aérien, transport terrestre) contiennent souvent des règles spéciales sur les aides.\n\n**N. 18** La **délimitation par rapport à d'autres conditions d'encouragement** doit être effectuée soigneusement : l'encouragement de l'agriculture se règle selon l'art. 104 Cst., l'encouragement de l'innovation selon l'art. 64 Cst. (recherche), les mesures du marché du travail selon l'art. 114 Cst. L'art. 103 Cst. est subsidiaire par rapport aux normes de compétence plus spécifiques.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Application fondamentale de l'art. 103 Cst.\n\n**JAAC 69.47** du 20 juillet 2004\nLa pratique des offices fédéraux concernant l'encouragement des médias précise les limites de l'art. 103 Cst. L'expertise de l'Office fédéral de la justice sur le soutien étatique à une fondation pour l'encouragement de la presse suisse souligne que l'encouragement économique doit viser à renforcer économiquement la branche économique soutenue. Les mesures poursuivant des objectifs primordialement politiques en matière de presse ne trouvent pas de fondement dans l'art. 103 Cst., car il peut exister des conflits d'objectifs entre la diversité de la presse et le renforcement économique de la branche des journaux.\n\n> «En outre, l'encouragement économique par la Confédération - qu'il s'agisse de politique structurelle sectorielle ou d'encouragement neutre sur le plan de la concurrence - doit viser à renforcer économiquement la branche économique soutenue. L'objectif de la politique structurelle ou de l'encouragement économique général selon l'art. 103 Cst. est primordialement la survie économique ou la prospérité de la branche économique concernée.»\n\n### Aide à l'investissement dans les régions de montagne (LIM)\n\n**JAAC 53.32** du 19 décembre 1986 (décision du Conseil fédéral du 21 décembre 1988)\nLa procédure et les conditions matérielles pour les aides à l'investissement ont été précisées. Un office du tourisme ne relève pas automatiquement de la LIM ; l'accomplissement de toutes les conditions formelles est déterminant, en particulier l'inscription dans un programme de détail approuvé avant le début des travaux. Le cas montre l'application stricte de la subsidiarité de l'aide étatique.\n\n> «Si toutefois un projet ne figure pas dans un programme de détail approuvé et ne fait donc pas non plus partie d'un concept de développement approuvé, aucune aide à l'investissement ne peut être accordée, car il manque une condition fondamentale à cet effet.»\n\n**JAAC 54.18** du 6 mars 1989\nLa détermination du champ d'application matériel de la LIM a été concrétisée. Le but de la LIM est l'amélioration des conditions d'existence dans la région de montagne par une aide ciblée à l'investissement pour les installations d'infrastructure. Le cas illustre la délimitation entre les projets susceptibles d'encouragement et ceux qui ne le sont pas.\n\n> «Par la LIM, la Confédération vise l'amélioration des conditions d'existence dans la région de montagne par l'octroi d'une aide ciblée à l'investissement pour les infrastructures.»\n\n**JAAC 56.48** du 11 septembre 1991\nLa pratique concernant l'encouragement des cabinets médicaux dans le cadre de la LIM montre les limites du soutien fédéral. Toutes les infrastructures d'intérêt public ne relèvent pas automatiquement de la LIM. L'assurance durable de l'accès pour la population indigène est requise.\n\n### Aides au financement pour les régions économiquement menacées (AFREM)\n\n**JAAC 51.19** du 30 avril 1986\nDécision fondamentale sur les conditions et charges lors d'aides au financement. Le Conseil fédéral a confirmé qu'il n'existe pas de droit aux aides au financement et que le recours de droit administratif est exclu. L'aide fédérale intervient de manière subsidiaire et complémentaire ; des charges telles que l'interdiction de distribution de bénéfices pendant la bonification d'intérêts sont admissibles.\n\n> «Le législateur a d'abord expressément prévu que la Confédération peut encourager les projets de l'économie privée visant à créer et maintenir des emplois dans les régions économiquement menacées par des aides au financement. S'ajoute à cela que l'aide étatique doit seulement intervenir de manière complémentaire et subsidiaire.»\n\n### Aspects fiscaux de l'encouragement économique\n\n**ATF du 11 juin 2008 (2A.42/2007)**\nL'exonération fiscale d'une fondation pour l'encouragement de l'économie soleuroise touchait indirectement l'art. 103 Cst. Le Tribunal fédéral a reconnu que l'encouragement d'une branche économique peut en principe être d'utilité publique, mais a examiné l'activité concrète de la fondation quant à son utilité publique effective.\n\n> «Dans l'exonération fiscale litigieuse en l'espèce, il s'agit d'un cas limite : avec la recourante, il faut partir du principe que le but statutaire de l'intimée est formulé de manière relativement large.»\n\n### Dérogation au principe de la liberté économique\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 103 Cst. montre que la deuxième phrase («Il peut au besoin déroger au principe de la liberté économique») est appliquée restrictivement. Une dérogation n'est admissible que si des mesures d'auto-assistance raisonnables pour assurer l'existence ne suffisent pas et que le soutien sert effectivement au renforcement économique de la branche économique concernée.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 103 Cost. autorizza la Confederazione a condurre una politica strutturale (promozione economica). Essa può sostenere regioni economicamente minacciate e promuovere determinati rami economici e professioni. L'aiuto è sussidiario: la Confederazione interviene solo se le misure di aiuto autonomo ragionevolmente esigibili non sono sufficienti. Se necessario, può derogare al principio della libertà economica.\n\nLa norma comprende due ambiti: la **politica strutturale regionale** per zone del Paese economicamente minacciate e la **politica strutturale settoriale** per rami economici o professioni a rischio. Una regione è considerata economicamente minacciata quando la sua esistenza è in pericolo – semplici svantaggi di ubicazione non bastano. Per i rami economici si intendono interi settori (industria tessile, industria orologiera).\n\nIl **principio di sussidiarietà** è centrale: le soluzioni private e cantonali devono essere prima esaurite. Solo quando queste non sono sufficienti, la Confederazione può intervenire. L'aiuto avviene attraverso diversi strumenti: sussidi, prestiti, fideiussioni o agevolazioni fiscali.\n\n**Esempio**: la Confederazione sostiene una regione montana strutturalmente debole nella costruzione di infrastrutture turistiche, dopo che si è dimostrato che la regione, con i propri mezzi e l'aiuto cantonale, non può fermare l'emigrazione.\n\nÈ controverso nella dottrina se l'art. 103 Cost. contenga anche una competenza generale di promozione economica senza riserva di sussidiarietà. La prassi federale lo afferma richiamandosi alla situazione giuridica sotto la vecchia Costituzione federale, mentre Oesch/Mayoraz (BSK BV, Art. 103 N. 18) argomentano che il tenore letterale chiaro si oppone a tale interpretazione.\n\nNon esiste un diritto agli aiuti di politica strutturale. La Confederazione decide secondo il proprio potere discrezionale. Gli obblighi internazionali (diritto OMC, accordi bilaterali) pongono limiti alla politica strutturale.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 103 Cost. ha ripreso in larga misura la disciplina dell'art. 31quater della vecchia Costituzione federale (vCost), che fu inserito nella Costituzione nel 1947. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 286) sottolineava che la politica strutturale doveva essere mantenuta come strumento di politica economica per affrontare le sfide del cambiamento economico. La norma doveva consentire alla Confederazione di intervenire in modo mirato nei processi economici quando i soli meccanismi di mercato non fossero sufficienti.\n\n**N. 2** La formulazione «regioni del Paese economicamente minacciate» sostituì il concetto di «regioni economicamente minacciate» della vCost, per chiarire che possono essere incluse non solo aree di piccole dimensioni, ma anche regioni più grandi. La revisione costituzionale del 1999 mantenne la struttura duale: politica strutturale regionale (prima alternativa) e politica strutturale settoriale (seconda alternativa).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 103 Cost. si trova nel titolo 3° (Confederazione, Cantoni e Comuni), capitolo 2° (Competenze), sezione 7a (Economia) della Costituzione federale. La norma è una norma di competenza speciale che permette alla Confederazione di derogare al principio della libertà economica (→ art. 94 Cost.). È strettamente collegata ad altre competenze di politica economica della Confederazione, in particolare la politica congiunturale (→ art. 100 Cost.), la politica regionale (→ art. 135 Cost.) e l'agricoltura (→ art. 104 Cost.).\n\n**N. 4** Il rapporto con i diritti fondamentali, in particolare con la libertà economica (→ art. 27 Cost.), è disciplinato dall'art. 36 Cost. Le misure di politica strutturale devono soddisfare i requisiti generali per le restrizioni dei diritti fondamentali, mentre l'art. 103 cpv. 2 Cost. crea una base costituzionale speciale per le deroghe al principio della libertà economica (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 22).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Politica strutturale regionale** (prima alternativa): Il concetto di «regioni del Paese economicamente minacciate» presuppone un pericolo economico esistenziale. Secondo la dottrina, non sono sufficienti meri svantaggi di ubicazione o uno sviluppo economico inferiore alla media (Richli/Sahlfeld, in: Wirtschaftsstrukturrecht, 2005, 41–79). La minaccia deve riferirsi a una regione contigua, non solo a singoli comuni.\n\n**N. 6** **Politica strutturale settoriale** (seconda alternativa): «Rami economici e professioni» comprende interi settori (ad es. industria tessile, industria orologiera) e specifici gruppi professionali. È controverso se siano inclusi solo i rami economici importanti (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 17) o se l'importanza non giochi alcun ruolo (dottrina dominante, cfr. Richli, Strukturpolitik, 2005, 19–40).\n\n**N. 7** **Principio di sussidiarietà**: L'espressione «quando non bastino ragionevoli misure di aiuto autonomo per garantire la loro esistenza» ancora il principio di sussidiarietà. La Confederazione può agire solo quando le misure private e cantonali falliscono (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 13). La ragionevolezza si determina secondo criteri oggettivi; sono irragionevoli le misure che metterebbero in pericolo la base esistenziale.\n\n**N. 8** **Competenza generale di promozione**: Si discute in modo controverso se l'art. 103 Cost. contenga una competenza generale di promozione economica senza riserva di sussidiarietà. La prassi e parte della dottrina lo affermano facendo riferimento alla situazione giuridica sotto la vCost (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 18). Gli stessi Oesch/Mayoraz respingono questa tesi: il tenore letterale dell'art. 103 si opporrebbe «chiaramente» a tale interpretazione; le misure di promozione settoriale sarebbero ammissibili solo se soddisfatti i presupposti della fattispecie (BSK BV, Art. 103 n. 18).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'art. 103 Cost. fonda una **competenza facoltativa** della Confederazione. Essa non è obbligata ad agire in ambito di politica strutturale, ma decide secondo il dovuto discrezionale. La competenza comprende sia la legislazione che l'esecuzione (→ art. 164 Cost. per l'obbligo di legiferare su disposizioni importanti).\n\n**N. 10** Gli strumenti della politica strutturale sono molteplici: sovvenzioni, sgravi fiscali, fideiussioni, prestiti, investimenti infrastrutturali (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 14-16, 19-21). Le misure scelte devono essere proporzionate e non possono pregiudicare la concorrenza più del necessario.\n\n**N. 11** **Deroga alla libertà economica** (cpv. 2): Questa facoltà deve essere interpretata restrittivamente. Non permette misure dirigistiche arbitrarie, ma solo quegli interventi necessari per raggiungere gli obiettivi di politica strutturale (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 n. 22-23). Esempi sono restrizioni dell'accesso al mercato, contingentamenti o prescrizioni sui prezzi.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Portata della competenza di promozione**: La controversia principale riguarda la questione se l'art. 103 Cost., oltre alla politica strutturale condizionata (con riserva di sussidiarietà), contenga anche una competenza generale di promozione economica. **La prassi federale e parti della dottrina** (richiamandosi all'interpretazione storica) affermano una tale competenza implicita analoga alla situazione giuridica sotto l'art. 31quater vCost. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 n. 18) rappresentano la posizione contraria: il tenore letterale chiaro («quando non bastino ragionevoli misure di aiuto autonomo...») varrebbe per entrambe le alternative della norma.\n\n**N. 13** **Importanza dei rami economici**: È controverso se solo i rami economici «importanti» siano degni di promozione. **Richli** (Strukturpolitik, 2005, 35) sostiene che l'importanza economica nazionale non costituisca un presupposto della fattispecie. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 n. 17) considerano questo punto controverso e si riferiscono alla prassi, che tendenzialmente presuppone una certa rilevanza.\n\n**N. 14** **Rapporto con il diritto internazionale economico**: L'applicazione dell'art. 103 Cost. è limitata dagli obblighi internazionali. **Oesch** (Staatliche Subventionen, ZSR 2012 I 255–284) sottolinea i limiti derivanti dal diritto OMC e dagli accordi bilaterali. **Richli/Bundi** (AJP 2008, 665–683) vedono maggior margine per la promozione specifica dell'innovazione e delle PMI.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'elaborazione di programmi di politica strutturale bisogna osservare rigorosamente la **sussidiarietà**. I richiedenti devono dimostrare che i propri sforzi e gli aiuti cantonali non sono sufficienti. La mera affermazione di difficoltà economiche non basta (JAAC 51.19).\n\n**N. 16** **Dal punto di vista procedurale** non esiste un diritto agli aiuti strutturali. Il ricorso in materia amministrativa è di regola escluso (art. 100 cpv. 1 lett. e LTF). Tuttavia le autorità devono concedere il diritto di essere sentiti e motivare i dinieghi.\n\n**N. 17** I **limiti del diritto internazionale economico** vanno esaminati precocemente. Le sovvenzioni a imprese orientate all'esportazione possono violare il diritto OMC sui sussidi. Per le imprese UE/AELS bisogna osservare il divieto di aiuti di Stato. Gli accordi bilaterali settoriali (trasporti aerei, trasporti terrestri) contengono spesso regole speciali sugli aiuti di Stato.\n\n**N. 18** La **delimitazione rispetto ad altri presupposti di promozione** va effettuata con cura: la promozione agricola si regge sull'art. 104 Cost., la promozione dell'innovazione sull'art. 64 Cost. (ricerca), le misure del mercato del lavoro sull'art. 114 Cost. L'art. 103 Cost. è sussidiario rispetto a norme di competenza più specifiche.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Applicazione fondamentale dell'art. 103 Cost.\n\n**JAAC 69.47** del 20 luglio 2004\nLa prassi degli uffici federali relativa alla promozione dei media precisa i limiti dell'art. 103 Cost. Il parere dell'Ufficio federale di giustizia sul sostegno statale a una fondazione per la promozione della stampa svizzera sottolinea che la promozione economica deve mirare a rafforzare economicamente il ramo dell'economia sostenuto. Misure con obiettivi primariamente di politica della stampa non trovano fondamento nell'art. 103 Cost., poiché tra diversità della stampa e rafforzamento economico del settore dei giornali possono sussistere conflitti di obiettivi.\n\n> «Inoltre, la promozione economica da parte della Confederazione - sia sotto forma di politica strutturale settoriale, sia sotto forma di promozione neutrale rispetto alla concorrenza - deve mirare a rafforzare economicamente il ramo dell'economia sostenuto. Obiettivo della politica strutturale rispettivamente della promozione economica generale secondo l'art. 103 Cost. è primariamente la sopravvivenza economica rispettivamente la prosperità del ramo economico interessato.»\n\n### Aiuti agli investimenti per le regioni montane (LIM)\n\n**JAAC 53.32** del 19 dicembre 1986 (decisione del Consiglio federale del 21 dicembre 1988)\nLa procedura e i presupposti materiali per gli aiuti agli investimenti sono stati precisati. Un ufficio del turismo non rientra automaticamente nella LIM; decisivi sono l'adempimento di tutti i presupposti formali, in particolare l'inserimento in un programma dettagliato approvato prima dell'inizio della costruzione. Il caso mostra la gestione rigorosa del principio di sussidiarietà dell'aiuto statale.\n\n> «Se però un progetto non si trova in un programma dettagliato approvato e quindi non è nemmeno parte di un concetto di sviluppo approvato, non può essere accordato alcun aiuto agli investimenti, perché manca un presupposto fondamentale.»\n\n**JAAC 54.18** del 6 marzo 1989\nLa determinazione dell'ambito di applicazione materiale della LIM è stata concretizzata. Lo scopo della LIM è il miglioramento delle condizioni di esistenza nelle regioni montane mediante aiuti agli investimenti mirati per impianti infrastrutturali. Il caso chiarisce la delimitazione tra progetti suscettibili di promozione e progetti non suscettibili di promozione.\n\n> «Con la LIM la Confederazione mira al miglioramento delle condizioni di esistenza nelle regioni montane mediante la concessione di aiuti agli investimenti mirati per infrastrutture.»\n\n**JAAC 56.48** dell'11 settembre 1991\nLa prassi relativa alla promozione di studi medici nel quadro della LIM mostra i limiti del sostegno federale. Non tutte le infrastrutture d'interesse pubblico rientrano automaticamente nella LIM. È richiesta la garanzia permanente dell'accesso per la popolazione locale.\n\n### Aiuti finanziari per regioni economicamente minacciate (AFR)\n\n**JAAC 51.19** del 30 aprile 1986\nDecisione fondamentale sui presupposti e sugli oneri per gli aiuti finanziari. Il Consiglio federale ha confermato che non sussiste alcun diritto legale agli aiuti finanziari e che il ricorso di diritto amministrativo è escluso. L'aiuto federale avviene in via sussidiaria e complementare; oneri come il divieto di distribuzione di utili durante l'agevolazione di interessi sono ammissibili.\n\n> «Innanzitutto il legislatore ha espressamente previsto che la Confederazione può promuovere progetti dell'economia privata per la creazione e il mantenimento di posti di lavoro in regioni economicamente minacciate mediante aiuti finanziari. Si aggiunge che l'aiuto statale deve avvenire soltanto in modo complementare e sussidiario.»\n\n### Aspetti di diritto fiscale della promozione economica\n\n**DTF dell'11 giugno 2008 (2A.42/2007)**\nL'esenzione fiscale di una fondazione per la promozione dell'economia solettese ha toccato indirettamente l'art. 103 Cost. Il Tribunale federale ha riconosciuto che la promozione di un ramo economico può essere fondamentalmente di pubblica utilità, ma ha verificato l'attività concreta della fondazione quanto alla sua effettiva utilità pubblica.\n\n> «Per l'esenzione fiscale contestata nel caso presente si tratta di un caso limite: con la ricorrente si deve partire dal fatto che lo scopo statutario della convenuta è formulato relativamente in modo ampio.»\n\n### Deroga al principio della libertà economica\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 103 Cost. mostra che la seconda frase («Può eventualmente derogare al principio della libertà economica») è applicata in modo restrittivo. Una deroga è ammissibile soltanto se misure ragionevoli di auto-aiuto per assicurare l'esistenza non sono sufficienti e il sostegno serve effettivamente al rafforzamento economico del ramo economico interessato.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 103 FC authorises the Confederation to conduct structural policy (economic development). It may support economically threatened regions as well as promote certain economic sectors and occupations. This assistance is subsidiary: the Confederation only intervenes when reasonable self-help measures are insufficient. If necessary, it may deviate from the principle of economic freedom.\n\nThe provision covers two areas: **regional structural policy** for economically threatened parts of the country and **sectoral structural policy** for endangered economic sectors or occupations. A region is considered economically threatened when its existence is endangered – mere locational disadvantages are insufficient. For economic sectors, entire industries are meant (textile industry, watch industry).\n\nThe **subsidiarity principle** is central: private and cantonal solutions must first be exhausted. Only when these are insufficient may the Confederation act. Assistance is provided through various instruments: subsidies, loans, guarantees or tax relief.\n\n**Example**: The Confederation supports a structurally weak mountain region in developing tourist infrastructure, after it has become clear that the region cannot stop emigration with its own resources and cantonal assistance.\n\nIt is disputed in legal doctrine whether Art. 103 FC also contains a general economic development competence without subsidiarity reservation. Federal practice affirms this by reference to the legal situation under the old Federal Constitution, while Oesch/Mayoraz (BSK BV, Art. 103 N. 18) argue that the clear wording precludes such an interpretation.\n\nThere is no legal entitlement to structural policy assistance. The Confederation decides at its due discretion. International obligations (WTO law, bilateral agreements) set limits to structural policy.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 103 Cst. largely adopted the regulation of Art. 31quater of the old Federal Constitution (old Cst.), which was inserted into the constitution in 1947. The Message concerning a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 286) emphasised that structural policy should be retained as an economic policy instrument to meet the challenges of economic change. The norm was intended to enable the Confederation to intervene specifically in economic processes when market mechanisms alone were insufficient.\n\n**N. 2** The formulation «economically threatened regions of the country» replaced the term «economically threatened areas» of the old Cst. to clarify that not only small-scale areas, but also larger regions could be covered. The constitutional revision of 1999 retained the dual structure: regional structural policy (first alternative) and sectoral structural policy (second alternative).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 103 Cst. is found in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 2 (Powers), Section 7 (Economic Affairs) of the Federal Constitution. The norm is a special competence provision that allows the Confederation to deviate from the principle of economic freedom (→ Art. 94 Cst.). It is closely related to other economic policy competences of the Confederation, in particular economic policy (→ Art. 100 Cst.), regional policy (→ Art. 135 Cst.) and agriculture (→ Art. 104 Cst.).\n\n**N. 4** The relationship to fundamental rights, namely to economic freedom (→ Art. 27 Cst.), is governed by Art. 36 Cst. Structural policy measures must fulfil the general requirements for restrictions on fundamental rights, whereby Art. 103 sentence 2 Cst. creates a special constitutional basis for deviations from the principle of economic freedom (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 22).\n\n### 3. Constituent Elements / Content of the Norm\n\n**N. 5** **Regional structural policy** (first alternative): The term «economically threatened regions of the country» presupposes an existential economic threat. According to doctrine, mere locational disadvantages or below-average economic development are insufficient (Richli/Sahlfeld, in: Wirtschaftsstrukturrecht, 2005, 41–79). The threat must relate to a coherent region, not merely to individual communes.\n\n**N. 6** **Sectoral structural policy** (second alternative): «Economic sectors and occupations» encompasses entire industries (e.g. textile industry, watch industry) as well as specific occupational groups. It is disputed whether only important economic sectors are covered (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 17) or whether significance plays no role (prevailing opinion, cf. Richli, Strukturpolitik, 2005, 19–40).\n\n**N. 7** **Principle of subsidiarity**: The phrase «if reasonable self-help measures for securing their existence do not suffice» enshrines the principle of subsidiarity. The Confederation may only act when private and cantonal measures fail (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 13). Reasonableness is determined by objective criteria; unreasonable are measures that would endanger the basis of existence.\n\n**N. 8** **General promotional competence**: It is controversially discussed whether Art. 103 Cst. contains a general economic promotional competence without a subsidiarity reservation. Practice and part of doctrine affirm this with reference to the legal situation under the old Cst. (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 18). Oesch/Mayoraz themselves reject this: The wording of Art. 103 «clearly stands in the way» of such a reading; sectoral promotional measures are only permissible if the constituent elements are fulfilled (BSK BV, Art. 103 N. 18).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 103 Cst. establishes a **discretionary competence** of the Confederation. It is not obliged to act in terms of structural policy, but decides according to proper discretion. The competence encompasses both legislation and implementation (→ Art. 164 Cst. for the legislative obligation for important provisions).\n\n**N. 10** The instruments of structural policy are diverse: subsidies, tax relief, guarantees, loans, infrastructure investments (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 14-16, 19-21). The chosen measures must be proportionate and may not impair competition more than necessary.\n\n**N. 11** **Deviation from economic freedom** (sentence 2): This power is to be interpreted restrictively. It does not permit arbitrary dirigiste measures, but only such interventions as are necessary to achieve structural policy objectives (Oesch/Mayoraz, BSK BV, Art. 103 N. 22-23). Examples are market access restrictions, quotas or price regulations.\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 12** **Scope of promotional competence**: The main dispute concerns the question of whether Art. 103 Cst., in addition to conditional structural policy (with subsidiarity reservation), also contains a general economic promotional competence. **Federal practice and parts of doctrine** (citing historical interpretation) affirm such an implicit competence analogous to the legal situation under Art. 31quater old Cst. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 N. 18) represent the contrary position: The clear wording («if reasonable self-help measures...do not suffice») applies to both alternatives of the norm.\n\n**N. 13** **Significance of economic sectors**: It is disputed whether only «important» economic sectors are worthy of promotion. **Richli** (Strukturpolitik, 2005, 35) argues that economic significance does not constitute a constituent element. **Oesch/Mayoraz** (BSK BV, Art. 103 N. 17) see this as disputed and refer to practice, which tends to presuppose a certain relevance.\n\n**N. 14** **Relationship to international economic law**: The application of Art. 103 Cst. is limited by international obligations. **Oesch** (Staatliche Subventionen, ZSR 2012 I 255–284) emphasises the limits imposed by WTO law and bilateral agreements. **Richli/Bundi** (AJP 2008, 665–683) see more scope for innovation- and SME-specific promotion.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** In developing structural policy programmes, **subsidiarity** must be strictly observed. Applicants must demonstrate that their own efforts and cantonal assistance are insufficient. The mere assertion of economic difficulties does not suffice (JAAC 51.19).\n\n**N. 16** **In procedural terms**, there is no legal entitlement to structural assistance. Administrative court appeal is generally excluded (Art. 100 para. 1 lit. e FSCA). Nevertheless, authorities must grant the right to be heard and justify rejections.\n\n**N. 17** **International economic law limitations** must be examined at an early stage. Subsidies to export-oriented companies may violate WTO subsidy law. For EU/EFTA companies, the prohibition on state aid must be observed. The sector-specific bilateral agreements (aviation, land transport) often contain special state aid rules.\n\n**N. 18** The **delimitation from other promotional bases** must be carefully undertaken: agricultural promotion is governed by Art. 104 Cst., innovation promotion by Art. 64 Cst. (research), labour market measures by Art. 114 Cst. Art. 103 Cst. is subsidiary to more specific competence provisions.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Basic Application of Art. 103 BV\n\n**JAAC 69.47** of 20 July 2004\nFederal office practice on media promotion clarifies the limits of Art. 103 BV. The Federal Office of Justice's opinion on state support for a foundation to promote the Swiss press emphasizes that economic promotion must be aimed at economically strengthening the supported economic sector. Measures with primarily press policy objectives find no basis in Art. 103 BV, as conflicts of objectives may exist between press diversity and economic strengthening of the newspaper industry.\n\n> «Furthermore, economic promotion by the Confederation - whether in the form of sectoral structural policy or in the form of competition-neutral promotion - must be aimed at economically strengthening the supported economic sector. The objective of structural policy or general economic promotion under Art. 103 BV is primarily the economic survival or flourishing of the affected economic sector.»\n\n### Investment Aid for Mountain Areas (IHG)\n\n**JAAC 53.32** of 19 December 1986 (Federal Council Decision of 21 December 1988)\nThe procedure and material requirements for investment aid were clarified. A tourism office does not automatically fall under the IHG; fulfilling all formal requirements is decisive, particularly inclusion in an approved detailed programme before construction begins. The case shows the strict handling of the subsidiarity of state aid.\n\n> «If a project is not included in an approved detailed programme and is thus not part of an approved development concept, no investment aid can be granted because a fundamental prerequisite is lacking.»\n\n**JAAC 54.18** of 6 March 1989\nThe determination of the substantive scope of application of the IHG was specified. The purpose of the IHG is to improve living conditions in mountain areas through targeted investment aid for infrastructure facilities. The case clarifies the distinction between projects eligible for promotion and those not eligible.\n\n> «With the IHG, the Confederation aims to improve living conditions in mountain areas by granting targeted investment aid for infrastructure.»\n\n**JAAC 56.48** of 11 September 1991\nThe practice regarding medical practice promotion under the IHG shows the limits of federal support. Not all infrastructure in the public interest automatically falls under the IHG. Permanent securing of access for the local population is required.\n\n### Financial Aid for Economically Threatened Regions (FBB)\n\n**JAAC 51.19** of 30 April 1986\nFundamental decision on the requirements and conditions for financial aid. The Federal Council confirmed that there is no legal entitlement to financial aid and that administrative court appeals are excluded. Federal aid is provided on a subsidiary and complementary basis; conditions such as the prohibition of profit distribution during interest rate subsidies are permissible.\n\n> «First, the legislature has expressly provided that the Confederation can promote private sector projects for creating and maintaining jobs in economically threatened regions through financial aid. In addition, state aid should be provided only on a complementary and subsidiary basis.»\n\n### Tax Law Aspects of Economic Promotion\n\n**BGE of 11 June 2008 (2A.42/2007)**\nThe tax exemption of a foundation for promoting the Solothurn economy indirectly touched on Art. 103 BV. The Federal Court acknowledged that promoting an economic sector can generally be charitable, but examined the foundation's concrete activities for their actual charitable nature.\n\n> «The disputed tax exemption at issue here is a borderline case: it must be assumed with the appellant that the respondent's statutory purpose is formulated relatively broadly.»\n\n### Deviation from the Principle of Economic Freedom\n\nThe case law on Art. 103 BV shows that the second sentence («It may, if necessary, deviate from the principle of economic freedom») is applied restrictively. A deviation is only permissible if reasonable self-help measures to secure existence are insufficient and the support actually serves to economically strengthen the affected economic sector.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_103", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 104, "article_suffix": "", "title": "Landwirtschaft", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 104 BV — Übersicht\n\nArt. 104 BV regelt die Landwirtschaftspolitik des Bundes. Die Bestimmung gibt dem Bund weitreichende Kompetenzen zur Förderung der Landwirtschaft und erlaubt ihm, vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abzuweichen.\n\n## Was regelt die Norm?\n\nDie Landwirtschaft soll drei wichtige Aufgaben erfüllen: Sie muss die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen, die Umwelt schützen und die Kulturlandschaft pflegen, und sie soll dafür sorgen, dass auch abgelegene Gebiete bewohnt bleiben. Diese verschiedenen Funktionen nennt man «Multifunktionalität». Die Landwirtschaft soll dabei nachhaltig und marktorientiert produzieren.\n\nDer Bund kann bäuerliche Betriebe fördern, auch wenn dies der freien Marktwirtschaft widerspricht. Er unterstützt insbesondere Bauern, die ihr Land selbst bewirtschaften.\n\n## Wer ist betroffen?\n\nLandwirte erhalten Direktzahlungen vom Bund, wenn sie bestimmte Umweltauflagen erfüllen. Besonders umwelt- und tierfreundliche Betriebe erhalten zusätzliche Förderung. Auch die Konsumenten sind betroffen: Der Bund kann Vorschriften über die Deklaration von Lebensmitteln erlassen, damit sie wissen, woher ihre Nahrung kommt.\n\n## Welche Rechtsfolgen entstehen?\n\nLandwirte haben keinen Rechtsanspruch auf bestimmte Fördermassnahmen. Der Bund muss aber fair entscheiden, wer Unterstützung erhält. Verstossen Bauern gegen die Umweltauflagen (ökologischer Leistungsnachweis), können ihre Direktzahlungen gekürzt oder gestrichen werden.\n\n## Praktisches Beispiel\n\nEin Bergbauer im Wallis bewirtschaftet steile Wiesen, die sich für die industrielle Landwirtschaft nicht lohnen würden. Dank Direktzahlungen kann er seinen Betrieb weiterführen. Er trägt damit zur Versorgung mit Fleisch und Milch bei, erhält die typische Alpenlandschaft und sorgt dafür, dass das Bergdorf nicht ausstirbt. Gleichzeitig muss er umweltfreundlich wirtschaften, etwa beim Düngen und bei der Tierhaltung.", "doctrine_de": "# Art. 104 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 104 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 grundlegend neu gestaltet. Die Vorgängerbestimmung Art. 31bis Abs. 3 lit. b aBV beschränkte sich auf eine allgemeine Kompetenz des Bundes zur Erhaltung eines gesunden Bauernstandes. Die neue Verfassungsnorm verankert demgegenüber ein umfassendes agrarpolitisches Programm mit dem Konzept der Multifunktionalität (BBl 1997 I 1, 245 ff.).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betont den Paradigmenwechsel von der reinen Produktionsförderung zur multifunktionalen Landwirtschaft: «Die Landwirtschaft soll nicht nur Nahrungsmittel produzieren, sondern auch zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, zur Pflege der Kulturlandschaft und zur dezentralen Besiedlung beitragen» (BBl 1997 I 247). Dieser Wandel war bereits in der Agrarpolitik 2002 angelegt und wurde mit Art. 104 BV verfassungsrechtlich verankert (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 104 N. 3).\n\n**N. 3** Der Begriff der Multifunktionalität wurde bewusst gewählt, um die verschiedenen Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft zu erfassen. Die verfassungsgebende Versammlung verwarf Formulierungen, die allein auf die Produktionsfunktion abstellen würden (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 104 N. 4).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 104 BV steht im 3. Abschnitt des 3. Titels über «Bund und Kantone» und gehört zu den Bundeszuständigkeiten im Wirtschaftsbereich. Die Bestimmung ist systematisch eng mit → Art. 75 BV (Raumplanung), → Art. 76 BV (Wasser) und → Art. 77 BV (Wald) verknüpft, da diese Bereiche die natürlichen Lebensgrundlagen betreffen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 18 N. 3457).\n\n**N. 5** Die Landwirtschaftsartikel stehen in einem Spannungsverhältnis zur Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV). Art. 104 Abs. 2 BV erlaubt explizit Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, was eine verfassungsrechtliche Besonderheit darstellt. Diese Durchbrechung ist jedoch nicht schrankenlos, sondern muss den Zielen von Art. 104 Abs. 1 BV dienen (**BGE 140 II 233 E. 3.2**).\n\n**N. 6** Zu beachten ist auch das Verhältnis zu den Sozialzielen (→ Art. 41 BV), insbesondere zum Recht auf angemessene Ernährung. Während Art. 41 BV programmatischen Charakter hat, begründet Art. 104 BV konkrete Gesetzgebungskompetenzen und Handlungspflichten des Bundes (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1087).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Multifunktionale Landwirtschaft (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Begriff der «nachhaltigen und auf den Markt ausgerichteten Produktion» verbindet ökologische und ökonomische Anforderungen. Nachhaltig bedeutet im Sinne des Brundtland-Berichts, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 8).\n\n**N. 8** Die drei Hauptfunktionen der Landwirtschaft sind gleichwertig:\n- **Sichere Versorgung (lit. a)**: Ernährungssouveränität und Versorgungssicherheit in Krisenzeiten\n- **Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (lit. b)**: Biodiversität, Bodenschutz, Wasserschutz\n- **Dezentrale Besiedlung (lit. c)**: Verhinderung der Landflucht, Erhaltung der Infrastruktur im ländlichen Raum\n\n**N. 9** Der «wesentliche Beitrag» erfordert keine vollständige Selbstversorgung, aber eine substantielle inländische Produktion. Die herrschende Lehre geht von einem Selbstversorgungsgrad von mindestens 50% aus (Waldmann et al., BSK BV, Art. 104 N. 12; a.M. Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892, die auf die Importabhängigkeit der Schweiz verweisen).\n\n### 3.2 Förderung bodenbewirtschaftender bäuerlicher Betriebe (Abs. 2)\n\n**N. 10** Die «zumutbare Selbsthilfe» setzt voraus, dass Landwirte zunächst eigene Anstrengungen unternehmen. Dazu gehören betriebswirtschaftliche Optimierung, Kooperationen und Marktanpassungen. Erst subsidiär greift die staatliche Förderung ein (**2A.40/2005 E. 4.2**).\n\n**N. 11** «Bodenbewirtschaftende bäuerliche Betriebe» sind solche, die Land selbst bearbeiten. Reine Veredlungsbetriebe ohne eigene Futterbasis fallen nicht darunter. Umstritten ist, ob juristische Personen erfasst sind. Das Bundesgericht bejaht dies, sofern sie als Selbstbewirtschafter gelten (**BGE 140 II 233 E. 3.2**).\n\n### 3.3 Instrumente und Massnahmen (Abs. 3)\n\n**N. 12** Die Direktzahlungen (lit. a) sind das Kernstück des Förderungssystems. Der «ökologische Leistungsnachweis» (ÖLN) umfasst Anforderungen an Fruchtfolge, Bodenschutz, Düngerbilanz und Tierschutz. Die Verknüpfung von Direktzahlungen mit ökologischen Auflagen ist zwingend (**2C_388/2008 E. 3.1**).\n\n**N. 13** Die Förderung naturnaher Produktionsformen (lit. b) geht über den ÖLN hinaus und betrifft Bio-Landbau, extensive Produktion und Biodiversitätsförderflächen. Die Anreize müssen «wirtschaftlich lohnend» sein, d.h. die Mehrkosten und Mindererträge kompensieren (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 18).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 104 BV begründet eine umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes, die er mit dem Landwirtschaftsgesetz (LwG, SR 910.1) und zahlreichen Verordnungen ausgeübt hat. Die Kantone haben nur noch Vollzugskompetenzen und marginale eigene Regelungsbefugnisse (**2A.246/2004 E. 2.3**).\n\n**N. 15** Die Bestimmung verpflichtet den Bund zum Handeln («sorgt dafür»), räumt ihm aber einen erheblichen Gestaltungsspielraum ein. Ein subjektives Recht auf bestimmte Fördermassnahmen besteht nicht, wohl aber ein Anspruch auf pflichtgemässe Ermessensausübung bei der Vergabe von Direktzahlungen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 18 N. 42).\n\n**N. 16** Die Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit (Abs. 2) ermöglicht Marktzutrittsschranken, Kontingentierungen und Preisvorschriften. Diese müssen jedoch verhältnismässig sein und den Zielen von Abs. 1 dienen. Eine vollständige Abschottung des Agrarmarktes wäre unzulässig (Rhinow et al., Schweizerisches Verfassungsrecht, § 18 N. 3462).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Reichweite der Multifunktionalität**: Ehrenzeller et al. (St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 9) betonen die Gleichwertigkeit aller drei Funktionen. Waldmann et al. (BSK BV, Art. 104 N. 15) sehen dagegen einen Vorrang der Produktionsfunktion, da nur eine «auf den Markt ausgerichtete Produktion» die anderen Funktionen erfüllen könne. Die Praxis des Bundesgerichts tendiert zu einer ausgewogenen Betrachtung (**2C_397/2021 E. 4.1**).\n\n**N. 18** **Vereinbarkeit mit WTO-Recht**: Müller (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 24) sieht die Direktzahlungen als «green box»-konform an. Cottier/Oesch (Internationales Wirtschaftsrecht, 2. Aufl. 2019, S. 456) warnen vor protektionistischen Elementen, die WTO-widrig sein könnten. Das Bundesgericht hat diese Frage bislang offengelassen.\n\n**N. 19** **Klimaschutz als neue Funktion**: In der Lehre wird diskutiert, ob Art. 104 BV eine verfassungsrechtliche Grundlage für Klimaschutzmassnahmen in der Landwirtschaft bietet. Griffel (Umweltrecht, 2. Aufl. 2019, S. 342) bejaht dies unter Verweis auf die «Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen». Vallender (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 11) fordert eine Verfassungsrevision für weitergehende Klimamassnahmen.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Ausgestaltung von Direktzahlungen ist auf die Einhaltung des ökologischen Leistungsnachweises zu achten. Die Kontrollmechanismen sind streng, und Verstösse führen zu Kürzungen oder vollständigem Wegfall der Zahlungen (**B-3133/2009**). Landwirte sollten die Dokumentationspflichten ernst nehmen.\n\n**N. 21** Die Umstellung auf biologischen Landbau wird besonders gefördert (Art. 104 Abs. 3 lit. b BV). Die Umstellungsphase ist finanziell abgesichert, erfordert aber sorgfältige Planung. Die kantonalen Beratungsstellen bieten Unterstützung.\n\n**N. 22** Bei Investitionen in landwirtschaftliche Bauten ist die Abstimmung mit dem Raumplanungsrecht (→ Art. 75 BV) zentral. Nicht alle landwirtschaftlichen Tätigkeiten rechtfertigen Bauten ausserhalb der Bauzone. Die Multifunktionalität erweitert den Spielraum nicht unbegrenzt (**1A.19/2007 E. 5.3**).\n\n**N. 23** Juristische Personen können unter bestimmten Voraussetzungen landwirtschaftliche Betriebe führen und Direktzahlungen erhalten. Die Selbstbewirtschaftung muss aber gewährleistet sein, was detaillierte gesellschaftsrechtliche Regelungen erfordert (**BGE 140 II 233**).", "caselaw_de": "# Art. 104 BV — Rechtsprechung\n\n## Grundlagen der Direktzahlungen\n\n**BGE 140 II 233** vom 18. März 2014\n**2C_212/2013**\nDas Bundesgericht stellt klar, dass auch juristische Personen landwirtschaftliche Gewerbe erwerben und Direktzahlungen erhalten können, sofern sie als Selbstbewirtschafter gelten.\nDer Entscheid verdeutlicht die verfassungsrechtliche Verankerung der Landwirtschaftsförderung nach Art. 104 BV und deren Umsetzung im bäuerlichen Bodenrecht.\n\n> «Der Geltungsbereich des bäuerlichen Bodenrechts ist durch Art. 104 Abs. 2 BV verfassungsrechtlich vorgegeben. Die Definition der Selbstbewirtschaftung ist auf die Tätigkeit natürlicher Personen zugeschnitten. Aus der Wirtschaftsfreiheit ergibt sich jedoch, dass landwirtschaftliche Betriebe in verschiedenen Rechtsformen geführt werden können, soweit der Bundesgesetzgeber keine Abweichungen vorgesehen hat.»\n\n## Direktzahlungen und ökologischer Leistungsnachweis\n\n**2C_388/2008** vom 16. Dezember 2008\nDas Bundesgericht präzisiert die Verfahrensanforderungen bei der Überprüfung des ökologischen Leistungsnachweises für Direktzahlungen.\nDer Entscheid ist grundlegend für die Beweislastverteilung und den Untersuchungsgrundsatz bei Direktzahlungsverfahren.\n\n> «Nach Art. 104 Abs. 2 BV fördert der Bund die bodenbewirtschaftenden bäuerlichen Betriebe ergänzend zur zumutbaren Selbsthilfe der Landwirtschaft und nötigenfalls abweichend vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit. Gemäss Art. 70 Abs. 1 LwG richtet der Bund Bewirtschaftern solcher Betriebe unter der Voraussetzung des ökologischen Leistungsnachweises allgemeine Direktzahlungen, Ökobeiträge und Ethobeiträge aus.»\n\n**2A.40/2005** vom 16. August 2005\n**2A.40/2005**\nDas Bundesgericht behandelt die Kürzung von Direktzahlungen bei Überschreitung der Tierhöchstbestände und den Zusammenhang mit den multifunktionalen Aufgaben der Landwirtschaft nach Art. 104 Abs. 3 BV.\nDer Entscheid zeigt die praktische Umsetzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben zur nachhaltigen Landwirtschaft auf.\n\n> «Art. 104 Abs. 3 BV ermächtigt den Bund, die Massnahmen so auszurichten, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Dazu gehört insbesondere die Förderung von Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind.»\n\n## Kompetenzabgrenzung und Föderalismus\n\n**2A.246/2004** vom 21. Dezember 2004\n**2A.246/2004**\nDas Bundesgericht klärt die Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen im Bereich der Landwirtschaftsförderung und den Umfang der bundesrechtlichen Regelung.\nDer Entscheid ist relevant für das Verhältnis zwischen Art. 104 BV und kantonalen Förderungsmassnahmen.\n\n> «Art. 104 Abs. 2 BV ermächtigt den Bund zur Förderung der bodenbewirtschaftenden bäuerlichen Betriebe. Soweit der Bund von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht hat, verbleibt den Kantonen grundsätzlich kein Raum für eigenständige Regelungen im selben Bereich, es sei denn, das Bundesrecht lasse kantionale Ergänzungen ausdrücklich zu.»\n\n## Multifunktionale Landwirtschaft und Umweltschutz\n\n**B-3133/2009** vom 13. November 2009\nDas Bundesverwaltungsgericht konkretisiert die Anforderungen an den ökologischen Leistungsnachweis und die Umsetzung der multifunktionalen Aufgaben nach Art. 104 Abs. 3 BV.\nDas Urteil zeigt die praktische Bedeutung der verfassungsrechtlichen Vorgaben zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen auf.\n\n> «Die multifunktionalen Aufgaben der Landwirtschaft nach Art. 104 BV umfassen neben der Nahrungsmittelproduktion auch die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Pflege der Kulturlandschaft. Der ökologische Leistungsnachweis ist das zentrale Instrument zur Sicherstellung dieser Funktionen.»\n\n**B-649/2016** vom 23. August 2017\nDas Bundesverwaltungsgericht behandelt die Biodiversitätsförderung als Teil der multifunktionalen Aufgaben der Landwirtschaft und die entsprechenden Direktzahlungen.\nDer Entscheid verdeutlicht die Konkretisierung von Art. 104 Abs. 1 lit. b BV in der Vollzugspraxis.\n\n> «Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Pflege der Kulturlandschaft nach Art. 104 Abs. 1 lit. b BV erfordern gezielte Massnahmen zur Biodiversitätsförderung. Die entsprechenden Direktzahlungen sind darauf ausgerichtet, diese verfassungsrechtlichen Ziele zu verwirklichen.»\n\n## Aktuelle Entwicklungen\n\n**2C_397/2021** vom 25. November 2021\nDas Bundesgericht behandelt neuere Entwicklungen bei den Direktzahlungen und deren Vereinbarkeit mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben zur nachhaltigen Landwirtschaft.\nDer Entscheid zeigt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Landwirtschaftspolitik im Rahmen von Art. 104 BV auf.\n\n> «Die Ausrichtung der landwirtschaftlichen Massnahmen muss sich an den verfassungsrechtlichen Zielen von Art. 104 BV orientieren. Dabei sind die verschiedenen Funktionen der Landwirtschaft in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.»\n\n**B-1014/2019** vom 24. Juli 2020\nDas Bundesverwaltungsgericht präzisiert die Anforderungen an die dezentrale Besiedlung als einen der Verfassungszwecke nach Art. 104 Abs. 1 lit. c BV.\nDas Urteil konkretisiert die raumordnungspolitische Dimension der Landwirtschaftsförderung.\n\n> «Die dezentrale Besiedlung des Landes nach Art. 104 Abs. 1 lit. c BV erfordert die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Landwirtschaft. Die Direktzahlungen tragen dazu bei, die Bewirtschaftung auch in benachteiligten Gebieten zu gewährleisten.»", "summary_fr": "# Art. 104 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 104 Cst. régit la politique agricole de la Confédération. Cette disposition confère à la Confédération de vastes compétences pour promouvoir l'agriculture et lui permet de déroger au principe de la liberté économique.\n\n## Qu'est-ce que régit la norme ?\n\nL'agriculture doit remplir trois fonctions importantes : elle doit approvisionner la population en denrées alimentaires, protéger l'environnement et entretenir le paysage cultivé, et elle doit veiller à ce que les régions périphériques demeurent habitées. Ces différentes fonctions sont appelées « multifonctionnalité ». L'agriculture doit produire de manière durable et axée sur le marché.\n\nLa Confédération peut promouvoir les exploitations paysannes, même si cela contredit la libre économie de marché. Elle soutient en particulier les agriculteurs qui exploitent eux-mêmes leurs terres.\n\n## Qui est concerné ?\n\nLes agriculteurs reçoivent des paiements directs de la Confédération s'ils respectent certaines exigences environnementales. Les exploitations particulièrement respectueuses de l'environnement et des animaux reçoivent un soutien supplémentaire. Les consommateurs sont également concernés : la Confédération peut édicter des prescriptions sur la déclaration des denrées alimentaires, afin qu'ils sachent d'où provient leur nourriture.\n\n## Quelles sont les conséquences juridiques ?\n\nLes agriculteurs n'ont pas de droit à des mesures de promotion déterminées. Mais la Confédération doit décider équitablement qui reçoit un soutien. Si les agriculteurs enfreignent les exigences environnementales (prestations écologiques requises), leurs paiements directs peuvent être réduits ou supprimés.\n\n## Exemple pratique\n\nUn agriculteur de montagne en Valais exploite des prairies en pente qui ne seraient pas rentables pour l'agriculture industrielle. Grâce aux paiements directs, il peut continuer d'exploiter son entreprise. Il contribue ainsi à l'approvisionnement en viande et en lait, préserve le paysage alpin typique et veille à ce que le village de montagne ne se dépeuple pas. En même temps, il doit exploiter de manière respectueuse de l'environnement, notamment en ce qui concerne la fertilisation et la détention d'animaux.", "doctrine_fr": "# Art. 104 Cst — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 104 Cst a été fondamentalement remanié dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition antérieure de l'art. 31bis al. 3 let. b aCst se limitait à une compétence générale de la Confédération pour la conservation d'une classe paysanne saine. La nouvelle norme constitutionnelle ancre en revanche un programme de politique agricole complet avec le concept de multifonctionnalité (FF 1997 I 1, 245 ss).\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale souligne le changement de paradigme de la pure promotion de la production vers l'agriculture multifonctionnelle : « L'agriculture ne doit pas seulement produire des denrées alimentaires, mais aussi contribuer à la conservation des bases naturelles de l'existence, à l'entretien du paysage rural et à l'occupation décentralisée du territoire » (FF 1997 I 247). Ce changement était déjà prévu dans la Politique agricole 2002 et a été ancré au niveau constitutionnel par l'art. 104 Cst (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst, 4e éd. 2023, art. 104 N 3).\n\n**N. 3** Le concept de multifonctionnalité a été choisi délibérément pour saisir les différentes prestations de l'agriculture pour la société. L'assemblée constituante a rejeté des formulations qui ne viseraient que la fonction de production (Waldmann/Belser/Epiney, CR Cst, 2e éd. 2024, art. 104 N 4).\n\n## 2. Insertion systématique\n\n**N. 4** L'art. 104 Cst se trouve dans la 3e section du 3e titre sur « la Confédération et les cantons » et fait partie des compétences fédérales dans le domaine économique. La disposition est systématiquement étroitement liée aux → art. 75 Cst (aménagement du territoire), → art. 76 Cst (eaux) et → art. 77 Cst (forêts), car ces domaines concernent les bases naturelles de l'existence (Rhinow/Schefer/Uebersax, Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, § 18 N 3457).\n\n**N. 5** L'article sur l'agriculture se trouve en tension avec la liberté économique (→ art. 27 Cst). L'art. 104 al. 2 Cst permet explicitement des dérogations au principe de la liberté économique, ce qui constitue une particularité de droit constitutionnel. Cette dérogation n'est cependant pas sans limites, mais doit servir aux objectifs de l'art. 104 al. 1 Cst (**ATF 140 II 233 c. 3.2**).\n\n**N. 6** Il faut aussi tenir compte du rapport avec les objectifs sociaux (→ art. 41 Cst), en particulier avec le droit à une alimentation suffisante. Tandis que l'art. 41 Cst a un caractère programmatique, l'art. 104 Cst fonde des compétences législatives concrètes et des obligations d'agir de la Confédération (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel suisse, 10e éd. 2020, N 1087).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Agriculture multifonctionnelle (al. 1)\n\n**N. 7** Le concept de « production durable et axée sur le marché » combine les exigences écologiques et économiques. Durable signifie au sens du rapport Brundtland que les besoins du présent sont satisfaits sans compromettre la possibilité pour les générations futures de satisfaire les leurs (Ehrenzeller et al., Commentaire saint-gallois Cst, art. 104 N 8).\n\n**N. 8** Les trois fonctions principales de l'agriculture sont équivalentes :\n- **Approvisionnement sûr (let. a)** : souveraineté alimentaire et sécurité d'approvisionnement en temps de crise\n- **Conservation des bases naturelles de l'existence (let. b)** : biodiversité, protection des sols, protection des eaux\n- **Occupation décentralisée du territoire (let. c)** : prévention de l'exode rural, maintien des infrastructures dans l'espace rural\n\n**N. 9** La « contribution essentielle » n'exige pas une autosuffisance complète, mais une production indigène substantielle. La doctrine dominante table sur un taux d'auto-approvisionnement d'au moins 50% (Waldmann et al., CR Cst, art. 104 N 12 ; opinion différente Müller/Schefer, Droits fondamentaux en Suisse, 4e éd. 2008, p. 892, qui renvoient à la dépendance à l'importation de la Suisse).\n\n### 3.2 Encouragement d'exploitations paysannes cultivant le sol (al. 2)\n\n**N. 10** Les « efforts que l'on peut raisonnablement exiger » présupposent que les agriculteurs entreprennent d'abord leurs propres efforts. Ceux-ci comprennent l'optimisation de la gestion d'entreprise, les coopérations et les adaptations au marché. Ce n'est qu'à titre subsidiaire que l'encouragement étatique intervient (**2A.40/2005 c. 4.2**).\n\n**N. 11** Les « exploitations paysannes cultivant le sol » sont celles qui travaillent elles-mêmes la terre. Les exploitations de transformation pure sans base fourragère propre ne sont pas visées. Il est controversé de savoir si les personnes morales sont saisies. Le Tribunal fédéral le confirme, pour autant qu'elles soient considérées comme exploitant elles-mêmes (**ATF 140 II 233 c. 3.2**).\n\n### 3.3 Instruments et mesures (al. 3)\n\n**N. 12** Les paiements directs (let. a) sont la pièce maîtresse du système d'encouragement. Les « prestations écologiques requises » (PER) comprennent des exigences relatives à l'assolement, à la protection des sols, au bilan de fumure et à la protection des animaux. Le lien entre paiements directs et contraintes écologiques est obligatoire (**2C_388/2008 c. 3.1**).\n\n**N. 13** L'encouragement des modes de production proches de la nature (let. b) va au-delà des PER et concerne l'agriculture biologique, la production extensive et les surfaces de promotion de la biodiversité. Les incitations doivent être « économiquement rentables », c'est-à-dire compenser les coûts supplémentaires et les pertes de rendement (Ehrenzeller et al., Commentaire saint-gallois Cst, art. 104 N 18).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'art. 104 Cst fonde une compétence législative étendue de la Confédération, qu'elle a exercée avec la loi sur l'agriculture (LAgr, RS 910.1) et de nombreuses ordonnances. Les cantons n'ont plus que des compétences d'exécution et des compétences réglementaires propres marginales (**2A.246/2004 c. 2.3**).\n\n**N. 15** La disposition oblige la Confédération à agir (« veille à ce que »), mais lui ménage une marge d'appréciation considérable. Il n'existe pas de droit subjectif à certaines mesures d'encouragement, mais bien un droit à l'exercice conforme au devoir de l'appréciation lors de l'octroi de paiements directs (Tschannen/Zimmerli/Müller, Droit administratif général, 4e éd. 2014, § 18 N 42).\n\n**N. 16** La dérogation à la liberté économique (al. 2) permet des restrictions d'accès au marché, des contingentements et des prescriptions de prix. Celles-ci doivent cependant être proportionnées et servir aux objectifs de l'al. 1. Un cloisonnement complet du marché agricole serait inadmissible (Rhinow et al., Droit constitutionnel suisse, § 18 N 3462).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Portée de la multifonctionnalité** : Ehrenzeller et al. (Commentaire saint-gallois Cst, art. 104 N 9) soulignent l'équivalence de toutes les trois fonctions. Waldmann et al. (CR Cst, art. 104 N 15) voient en revanche une primauté de la fonction de production, car seule une « production axée sur le marché » pourrait remplir les autres fonctions. La pratique du Tribunal fédéral tend vers une considération équilibrée (**2C_397/2021 c. 4.1**).\n\n**N. 18** **Compatibilité avec le droit OMC** : Müller (in : Ehrenzeller et al., Commentaire saint-gallois Cst, art. 104 N 24) voit les paiements directs comme conformes à la « boîte verte ». Cottier/Oesch (Droit économique international, 2e éd. 2019, p. 456) mettent en garde contre des éléments protectionnistes qui pourraient être contraires à l'OMC. Le Tribunal fédéral a jusqu'à présent laissé cette question ouverte.\n\n**N. 19** **Protection du climat comme nouvelle fonction** : Dans la doctrine, on discute si l'art. 104 Cst offre une base de droit constitutionnel pour les mesures de protection du climat dans l'agriculture. Griffel (Droit de l'environnement, 2e éd. 2019, p. 342) le confirme en renvoyant à la « conservation des bases naturelles de l'existence ». Vallender (in : Ehrenzeller et al., Commentaire saint-gallois Cst, art. 104 N 11) exige une révision constitutionnelle pour des mesures climatiques plus étendues.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'aménagement des paiements directs, il faut veiller au respect des prestations écologiques requises. Les mécanismes de contrôle sont stricts, et les infractions conduisent à des réductions ou à la suppression complète des paiements (**B-3133/2009**). Les agriculteurs devraient prendre au sérieux les obligations de documentation.\n\n**N. 21** La reconversion à l'agriculture biologique est particulièrement encouragée (art. 104 al. 3 let. b Cst). La phase de reconversion est financièrement assurée, mais exige une planification soigneuse. Les services de conseil cantonaux offrent un soutien.\n\n**N. 22** Pour les investissements dans les constructions agricoles, la coordination avec le droit de l'aménagement du territoire (→ art. 75 Cst) est centrale. Toutes les activités agricoles ne justifient pas de constructions hors de la zone à bâtir. La multifonctionnalité n'élargit pas la marge de manœuvre sans limites (**1A.19/2007 c. 5.3**).\n\n**N. 23** Les personnes morales peuvent sous certaines conditions exploiter des entreprises agricoles et recevoir des paiements directs. L'exploitation propre doit cependant être garantie, ce qui exige des réglementations détaillées du droit des sociétés (**ATF 140 II 233**).", "caselaw_fr": "# Art. 104 Cst. — Jurisprudence\n\n## Bases des paiements directs\n\n**ATF 140 II 233** du 18 mars 2014\n**2C_212/2013**\nLe Tribunal fédéral précise que les personnes morales peuvent également acquérir des entreprises agricoles et percevoir des paiements directs, pour autant qu'elles soient considérées comme exploitants à titre personnel.\nL'arrêt clarifie l'ancrage constitutionnel de l'encouragement de l'agriculture selon l'art. 104 Cst. et sa mise en œuvre dans le droit foncier rural.\n\n> « Le champ d'application du droit foncier rural est fixé constitutionnellement par l'art. 104 al. 2 Cst. La définition de l'exploitation à titre personnel est adaptée à l'activité de personnes physiques. Il résulte toutefois de la liberté économique que les exploitations agricoles peuvent être dirigées sous différentes formes juridiques, pour autant que le législateur fédéral n'ait pas prévu de dérogations. »\n\n## Paiements directs et prestations écologiques requises\n\n**2C_388/2008** du 16 décembre 2008\nLe Tribunal fédéral précise les exigences procédurales lors du contrôle des prestations écologiques requises pour les paiements directs.\nL'arrêt est fondamental pour la répartition du fardeau de la preuve et le principe d'instruction dans les procédures de paiements directs.\n\n> « Selon l'art. 104 al. 2 Cst., la Confédération encourage les exploitations paysannes cultivant le sol, en complément de l'entraide que peut raisonnablement consentir l'agriculture et, au besoin, en dérogeant au principe de la liberté économique. Selon l'art. 70 al. 1 LAgr, la Confédération verse aux exploitants de telles entreprises, sous réserve de la fourniture des prestations écologiques requises, des paiements directs généraux, des contributions écologiques et des contributions éthologiques. »\n\n**2A.40/2005** du 16 août 2005\n**2A.40/2005**\nLe Tribunal fédéral traite de la réduction des paiements directs en cas de dépassement des effectifs maximaux d'animaux et du lien avec les tâches multifonctionnelles de l'agriculture selon l'art. 104 al. 3 Cst.\nL'arrêt montre la mise en œuvre pratique des prescriptions constitutionnelles relatives à l'agriculture durable.\n\n> « L'art. 104 al. 3 Cst. autorise la Confédération à orienter les mesures de sorte que l'agriculture accomplisse ses tâches multifonctionnelles. Cela comprend notamment l'encouragement de formes de production particulièrement proches de la nature, respectueuses de l'environnement et des animaux. »\n\n## Délimitation des compétences et fédéralisme\n\n**2A.246/2004** du 21 décembre 2004\n**2A.246/2004**\nLe Tribunal fédéral clarifie la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons dans le domaine de l'encouragement de l'agriculture et l'étendue de la réglementation de droit fédéral.\nL'arrêt est pertinent pour les rapports entre l'art. 104 Cst. et les mesures cantonales d'encouragement.\n\n> « L'art. 104 al. 2 Cst. autorise la Confédération à encourager les exploitations paysannes cultivant le sol. Dans la mesure où la Confédération a fait usage de cette compétence, il ne reste en principe aux cantons aucune marge pour des réglementations autonomes dans le même domaine, à moins que le droit fédéral n'autorise expressément des compléments cantonaux. »\n\n## Agriculture multifonctionnelle et protection de l'environnement\n\n**B-3133/2009** du 13 novembre 2009\nLe Tribunal administratif fédéral concrétise les exigences relatives aux prestations écologiques requises et la mise en œuvre des tâches multifonctionnelles selon l'art. 104 al. 3 Cst.\nL'arrêt montre l'importance pratique des prescriptions constitutionnelles relatives à la conservation des bases naturelles de la vie.\n\n> « Les tâches multifonctionnelles de l'agriculture selon l'art. 104 Cst. comprennent, outre la production alimentaire, la conservation des bases naturelles de la vie et l'entretien du paysage cultivé. Les prestations écologiques requises sont l'instrument central pour assurer ces fonctions. »\n\n**B-649/2016** du 23 août 2017\nLe Tribunal administratif fédéral traite de l'encouragement de la biodiversité comme partie des tâches multifonctionnelles de l'agriculture et des paiements directs correspondants.\nL'arrêt clarifie la concrétisation de l'art. 104 al. 1 let. b Cst. dans la pratique d'exécution.\n\n> « La conservation des bases naturelles de la vie et l'entretien du paysage cultivé selon l'art. 104 al. 1 let. b Cst. exigent des mesures ciblées d'encouragement de la biodiversité. Les paiements directs correspondants visent à réaliser ces objectifs constitutionnels. »\n\n## Développements actuels\n\n**2C_397/2021** du 25 novembre 2021\nLe Tribunal fédéral traite des développements récents concernant les paiements directs et leur compatibilité avec les prescriptions constitutionnelles relatives à l'agriculture durable.\nL'arrêt montre le développement continu de la politique agricole dans le cadre de l'art. 104 Cst.\n\n> « L'orientation des mesures agricoles doit se fonder sur les objectifs constitutionnels de l'art. 104 Cst. Il s'agit de mettre les différentes fonctions de l'agriculture dans un rapport équilibré. »\n\n**B-1014/2019** du 24 juillet 2020\nLe Tribunal administratif fédéral précise les exigences relatives au peuplement décentralisé comme l'un des buts constitutionnels selon l'art. 104 al. 1 let. c Cst.\nL'arrêt concrétise la dimension d'aménagement du territoire de l'encouragement de l'agriculture.\n\n> « Le peuplement décentralisé du pays selon l'art. 104 al. 1 let. c Cst. exige le maintien d'une agriculture couvrant l'ensemble du territoire. Les paiements directs contribuent à garantir l'exploitation même dans les régions défavorisées. »", "summary_it": "# Art. 104 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 104 Cost. disciplina la politica agricola della Confederazione. La disposizione conferisce alla Confederazione ampie competenze per la promozione dell'agricoltura e le consente di derogare al principio della libertà economica.\n\n## Che cosa disciplina la norma?\n\nL'agricoltura deve adempiere tre compiti importanti: deve approvvigionare la popolazione di derrate alimentari, proteggere l'ambiente e curare il paesaggio rurale, e deve provvedere affinché anche le regioni periferiche rimangano abitate. Queste diverse funzioni sono chiamate «multifunzionalità». L'agricoltura deve produrre in modo sostenibile e orientato al mercato.\n\nLa Confederazione può promuovere le aziende contadine, anche se ciò contraddice la libera economia di mercato. Sostiene in particolare i contadini che coltivano personalmente la loro terra.\n\n## Chi è interessato?\n\nGli agricoltori ricevono pagamenti diretti dalla Confederazione se adempiono determinate condizioni ambientali. Le aziende particolarmente rispettose dell'ambiente e degli animali ricevono un sostegno supplementare. Anche i consumatori sono interessati: la Confederazione può emanare prescrizioni sulla dichiarazione delle derrate alimentari, affinché sappiano da dove provengono i loro alimenti.\n\n## Quali conseguenze giuridiche ne derivano?\n\nGli agricoltori non hanno diritto a determinate misure di promozione. La Confederazione deve però decidere equamente chi riceve il sostegno. Se i contadini violano le condizioni ambientali (prova che le prestazioni ecologiche richieste sono fornite), i loro pagamenti diretti possono essere ridotti o soppressi.\n\n## Esempio pratico\n\nUn agricoltore di montagna nel Vallese coltiva prati ripidi che non sarebbero redditizi per l'agricoltura industriale. Grazie ai pagamenti diretti può continuare a gestire la sua azienda. Contribuisce così all'approvvigionamento di carne e latte, mantiene il tipico paesaggio alpino e fa sì che il villaggio di montagna non si spopoli. Al contempo deve gestire in modo rispettoso dell'ambiente, ad esempio nella concimazione e nell'allevamento di animali.", "doctrine_it": "# Art. 104 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 104 Cost. è stato completamente ridisegnato nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione predecessore art. 31bis cpv. 3 lett. b vCost. si limitava a una competenza generale della Confederazione per il mantenimento di un ceto contadino sano. La nuova norma costituzionale ancora invece un programma di politica agricola globale con il concetto di multifunzionalità (FF 1997 I 1, 245 seg.).\n\n**N. 2** Il messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolinea il cambiamento di paradigma dalla pura promozione della produzione all'agricoltura multifunzionale: «L'agricoltura non deve solo produrre derrate alimentari, ma anche contribuire alla conservazione delle basi naturali della vita, alla cura del paesaggio rurale e al popolamento decentrato» (FF 1997 I 247). Questo cambiamento era già delineato nella Politica agricola 2002 ed è stato ancorato costituzionalmente con l'art. 104 Cost. (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, Art. 104 n. 3).\n\n**N. 3** Il termine multifunzionalità è stato scelto consapevolmente per cogliere i diversi servizi dell'agricoltura per la società. L'assemblea costituente ha respinto formulazioni che si riferivano esclusivamente alla funzione produttiva (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, Art. 104 n. 4).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 104 Cost. si trova nella 3ª sezione del 3º titolo su «Confederazione e Cantoni» e appartiene alle competenze della Confederazione nel settore economico. La disposizione è sistematicamente strettamente collegata con → art. 75 Cost. (pianificazione del territorio), → art. 76 Cost. (acque) e → art. 77 Cost. (boschi), poiché questi settori riguardano le basi naturali della vita (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 18 n. 3457).\n\n**N. 5** L'articolo agricolo si trova in tensione con la libertà economica (→ art. 27 Cost.). L'art. 104 cpv. 2 Cost. permette esplicitamente deroghe al principio della libertà economica, il che rappresenta una particolarità costituzionale. Questa deroga non è tuttavia illimitata, ma deve servire agli obiettivi dell'art. 104 cpv. 1 Cost. (**DTF 140 II 233 consid. 3.2**).\n\n**N. 6** Va considerato anche il rapporto con gli obiettivi sociali (→ art. 41 Cost.), in particolare con il diritto a un'alimentazione adeguata. Mentre l'art. 41 Cost. ha carattere programmatico, l'art. 104 Cost. fonda competenze legislative concrete e obblighi di agire della Confederazione (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1087).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Agricoltura multifunzionale (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il concetto di «produzione sostenibile e orientata al mercato» combina esigenze ecologiche ed economiche. Sostenibile significa nel senso del Rapporto Brundtland che i bisogni del presente sono soddisfatti senza compromettere le possibilità delle generazioni future (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 n. 8).\n\n**N. 8** Le tre funzioni principali dell'agricoltura sono equivalenti:\n- **Approvvigionamento sicuro (lett. a)**: Sovranità alimentare e sicurezza dell'approvvigionamento in tempi di crisi\n- **Conservazione delle basi naturali della vita (lett. b)**: Biodiversità, protezione del suolo, protezione delle acque\n- **Popolamento decentrato (lett. c)**: Prevenzione dell'esodo rurale, conservazione dell'infrastruttura nelle regioni rurali\n\n**N. 9** Il «contributo essenziale» non richiede un'autosufficienza completa, ma una produzione interna sostanziale. La dottrina dominante parte da un grado di autoapprovvigionamento di almeno il 50% (Waldmann et al., BSK BV, Art. 104 n. 12; opinione diversa Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 892, che fanno riferimento alla dipendenza dalle importazioni della Svizzera).\n\n### 3.2 Promozione di aziende agricole che coltivano il suolo (cpv. 2)\n\n**N. 10** L'«autoaiuto ragionevole» presuppone che gli agricoltori intraprendano prima sforzi propri. Ciò comprende l'ottimizzazione gestionale, le cooperazioni e gli adattamenti al mercato. Solo subsidiariamente interviene la promozione statale (**2A.40/2005 consid. 4.2**).\n\n**N. 11** «Aziende agricole che coltivano il suolo» sono quelle che lavorano la terra direttamente. Le aziende di affinamento pure senza propria base foraggera non rientrano. È controverso se le persone giuridiche siano comprese. Il Tribunale federale lo afferma, purché valgano come autogestori (**DTF 140 II 233 consid. 3.2**).\n\n### 3.3 Strumenti e misure (cpv. 3)\n\n**N. 12** I pagamenti diretti (lett. a) sono il nucleo del sistema di promozione. La «prova di prestazioni ecologiche» (PPE) comprende esigenze per la rotazione delle colture, la protezione del suolo, il bilancio dei concimi e la protezione degli animali. Il collegamento dei pagamenti diretti con oneri ecologici è obbligatorio (**2C_388/2008 consid. 3.1**).\n\n**N. 13** La promozione di forme di produzione vicine alla natura (lett. b) va oltre la PPE e riguarda l'agricoltura biologica, la produzione estensiva e le superfici per la promozione della biodiversità. Gli incentivi devono essere «economicamente remunerativi», cioè compensare i maggiori costi e i minori ricavi (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 n. 18).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 104 Cost. fonda una competenza legislativa globale della Confederazione, che essa ha esercitato con la Legge sull'agricoltura (LAgr, RS 910.1) e numerose ordinanze. I Cantoni hanno solo competenze esecutive e marginali competenze normative proprie (**2A.246/2004 consid. 2.3**).\n\n**N. 15** La disposizione obbliga la Confederazione ad agire («provvede»), ma le concede un notevole margine di configurazione. Non esiste un diritto soggettivo a determinate misure di promozione, ma sì un'pretesa all'esercizio conforme al dovere del potere discrezionale nell'assegnazione dei pagamenti diretti (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 18 n. 42).\n\n**N. 16** La deroga alla libertà economica (cpv. 2) permette barriere all'accesso al mercato, contingentamenti e prescrizioni sui prezzi. Questi devono tuttavia essere proporzionati e servire agli obiettivi del cpv. 1. Una completa chiusura del mercato agricolo sarebbe inammissibile (Rhinow et al., Schweizerisches Verfassungsrecht, § 18 n. 3462).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** **Portata della multifunzionalità**: Ehrenzeller et al. (St. Galler Kommentar BV, Art. 104 n. 9) sottolineano l'equivalenza di tutte e tre le funzioni. Waldmann et al. (BSK BV, Art. 104 n. 15) vedono invece una precedenza della funzione produttiva, poiché solo una «produzione orientata al mercato» può adempiere le altre funzioni. La prassi del Tribunale federale tende a una considerazione equilibrata (**2C_397/2021 consid. 4.1**).\n\n**N. 18** **Compatibilità con il diritto OMC**: Müller (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 n. 24) vede i pagamenti diretti come conformi alla «green box». Cottier/Oesch (Internationales Wirtschaftsrecht, 2ª ed. 2019, p. 456) mettono in guardia da elementi protezionistici che potrebbero essere contrari all'OMC. Il Tribunale federale ha finora lasciato aperta questa questione.\n\n**N. 19** **Protezione del clima come nuova funzione**: Nella dottrina si discute se l'art. 104 Cost. offra una base costituzionale per misure di protezione del clima in agricoltura. Griffel (Umweltrecht, 2ª ed. 2019, p. 342) lo afferma con riferimento alla «conservazione delle basi naturali della vita». Vallender (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 n. 11) chiede una revisione costituzionale per misure climatiche più estese.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella configurazione dei pagamenti diretti è da osservare il rispetto della prova di prestazioni ecologiche. I meccanismi di controllo sono rigorosi, e le violazioni portano a riduzioni o al completo venir meno dei pagamenti (**B-3133/2009**). Gli agricoltori dovrebbero prendere sul serio gli obblighi di documentazione.\n\n**N. 21** La conversione all'agricoltura biologica è particolarmente promossa (art. 104 cpv. 3 lett. b Cost.). La fase di conversione è finanziariamente assicurata, ma richiede una pianificazione accurata. I servizi di consulenza cantonali offrono supporto.\n\n**N. 22** In caso di investimenti in costruzioni agricole è centrale il coordinamento con il diritto della pianificazione del territorio (→ art. 75 Cost.). Non tutte le attività agricole giustificano costruzioni fuori dalle zone edificabili. La multifunzionalità non amplia illimitatamente il margine di manovra (**1A.19/2007 consid. 5.3**).\n\n**N. 23** Le persone giuridiche possono sotto certe condizioni gestire aziende agricole e ricevere pagamenti diretti. La gestione diretta deve tuttavia essere garantita, il che richiede disposizioni societarie dettagliate (**DTF 140 II 233**).", "caselaw_it": "# Art. 104 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Fondamenti dei pagamenti diretti\n\n**BGE 140 II 233** del 18 marzo 2014\n**2C_212/2013**\nIl Tribunale federale chiarisce che anche le persone giuridiche possono acquisire aziende agricole e ricevere pagamenti diretti, purché siano considerate gestori diretti.\nLa decisione illustra l'ancoraggio costituzionale della promozione dell'agricoltura secondo l'art. 104 Cost. e la sua attuazione nel diritto fondiario rurale.\n\n> «Il campo d'applicazione del diritto fondiario rurale è stabilito costituzionalmente dall'art. 104 cpv. 2 Cost. La definizione di gestione diretta è concepita per l'attività di persone fisiche. Dalla libertà economica risulta tuttavia che le aziende agricole possono essere condotte in diverse forme giuridiche, nella misura in cui il legislatore federale non ha previsto deroghe.»\n\n## Pagamenti diretti e prova di prestazioni ecologiche\n\n**2C_388/2008** del 16 dicembre 2008\nIl Tribunale federale precisa i requisiti procedurali nella verifica della prova di prestazioni ecologiche per i pagamenti diretti.\nLa decisione è fondamentale per la ripartizione dell'onere della prova e il principio d'inchiesta nei procedimenti relativi ai pagamenti diretti.\n\n> «Secondo l'art. 104 cpv. 2 Cost., la Confederazione promuove le aziende agricole che coltivano il suolo, in complemento agli sforzi ragionevoli d'autoaiuto dell'agricoltura e se necessario derogando al principio della libertà economica. Conformemente all'art. 70 cpv. 1 LAgraria, la Confederazione versa ai gestori di tali aziende pagamenti diretti generali, contributi ecologici e contributi per un allevamento rispettoso degli animali, a condizione che forniscano la prova di prestazioni ecologiche.»\n\n**2A.40/2005** del 16 agosto 2005\n**2A.40/2005**\nIl Tribunale federale tratta la riduzione dei pagamenti diretti in caso di superamento degli effettivi massimi di animali e la relazione con i compiti multifunzionali dell'agricoltura secondo l'art. 104 cpv. 3 Cost.\nLa decisione mostra l'attuazione pratica delle prescrizioni costituzionali per un'agricoltura sostenibile.\n\n> «L'art. 104 cpv. 3 Cost. autorizza la Confederazione ad orientare le misure in modo che l'agricoltura adempia i suoi compiti multifunzionali. Ciò include in particolare la promozione di forme di produzione particolarmente vicine alla natura, rispettose dell'ambiente e degli animali.»\n\n## Delimitazione delle competenze e federalismo\n\n**2A.246/2004** del 21 dicembre 2004\n**2A.246/2004**\nIl Tribunale federale chiarisce la delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel settore della promozione dell'agricoltura e la portata della normativa di diritto federale.\nLa decisione è rilevante per il rapporto tra l'art. 104 Cost. e le misure promozionali cantonali.\n\n> «L'art. 104 cpv. 2 Cost. autorizza la Confederazione a promuovere le aziende agricole che coltivano il suolo. Nella misura in cui la Confederazione ha fatto uso di questa competenza, ai Cantoni non rimane in linea di principio spazio per normative autonome nello stesso settore, salvo che il diritto federale preveda espressamente complementi cantonali.»\n\n## Agricoltura multifunzionale e protezione dell'ambiente\n\n**B-3133/2009** del 13 novembre 2009\nIl Tribunale amministrativo federale concretizza i requisiti per la prova di prestazioni ecologiche e l'attuazione dei compiti multifunzionali secondo l'art. 104 cpv. 3 Cost.\nLa sentenza mostra l'importanza pratica delle prescrizioni costituzionali per la conservazione delle basi naturali della vita.\n\n> «I compiti multifunzionali dell'agricoltura secondo l'art. 104 Cost. comprendono, oltre alla produzione di generi alimentari, anche la conservazione delle basi naturali della vita e la cura del paesaggio rurale. La prova di prestazioni ecologiche è lo strumento centrale per garantire queste funzioni.»\n\n**B-649/2016** del 23 agosto 2017\nIl Tribunale amministrativo federale tratta la promozione della biodiversità come parte dei compiti multifunzionali dell'agricoltura e i relativi pagamenti diretti.\nLa decisione chiarisce la concretizzazione dell'art. 104 cpv. 1 lett. b Cost. nella prassi esecutiva.\n\n> «La conservazione delle basi naturali della vita e la cura del paesaggio rurale secondo l'art. 104 cpv. 1 lett. b Cost. richiedono misure mirate per la promozione della biodiversità. I relativi pagamenti diretti sono orientati alla realizzazione di questi obiettivi costituzionali.»\n\n## Sviluppi attuali\n\n**2C_397/2021** del 25 novembre 2021\nIl Tribunale federale tratta gli sviluppi più recenti nei pagamenti diretti e la loro compatibilità con le prescrizioni costituzionali per un'agricoltura sostenibile.\nLa decisione mostra l'evoluzione continua della politica agricola nel quadro dell'art. 104 Cost.\n\n> «L'orientamento delle misure agricole deve basarsi sugli obiettivi costituzionali dell'art. 104 Cost. In questo contesto, le diverse funzioni dell'agricoltura devono essere messe in un rapporto equilibrato.»\n\n**B-1014/2019** del 24 luglio 2020\nIl Tribunale amministrativo federale precisa i requisiti per l'insediamento decentrato come uno degli scopi costituzionali secondo l'art. 104 cpv. 1 lett. c Cost.\nLa sentenza concretizza la dimensione di politica del territorio della promozione dell'agricoltura.\n\n> «L'insediamento decentrato del Paese secondo l'art. 104 cpv. 1 lett. c Cost. richiede il mantenimento di un'agricoltura estesa sul territorio. I pagamenti diretti contribuiscono a garantire la gestione anche nelle regioni svantaggiate.»", "summary_en": "# Art. 104 BV — Overview\n\nArt. 104 BV regulates the Confederation's agricultural policy. The provision gives the Confederation extensive powers to promote agriculture and permits it to deviate from the principle of economic freedom.\n\n## What does the norm regulate?\n\nAgriculture shall fulfil three important tasks: It must supply the population with food, protect the environment and maintain the cultivated landscape, and it shall ensure that even remote areas remain inhabited. These various functions are called «multifunctionality». Agriculture shall produce in a sustainable and market-oriented manner.\n\nThe Confederation may promote farming enterprises even if this contradicts the free market economy. It particularly supports farmers who cultivate their land themselves.\n\n## Who is affected?\n\nFarmers receive direct payments from the Confederation if they fulfil certain environmental requirements. Particularly environmentally friendly and animal-friendly enterprises receive additional support. Consumers are also affected: The Confederation may issue regulations on the declaration of foodstuffs so that they know where their food comes from.\n\n## What legal consequences arise?\n\nFarmers have no legal entitlement to specific support measures. However, the Confederation must decide fairly who receives support. If farmers violate environmental requirements (proof of ecological performance), their direct payments may be reduced or cancelled.\n\n## Practical example\n\nA mountain farmer in Valais cultivates steep meadows that would not be profitable for industrial agriculture. Thanks to direct payments, he can continue operating his farm. He thereby contributes to the supply of meat and milk, maintains the typical alpine landscape and ensures that the mountain village does not die out. At the same time, he must farm in an environmentally friendly manner, for example in fertilising and animal husbandry.", "doctrine_en": "# Art. 104 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 104 FC was fundamentally redesigned as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The predecessor provision Art. 31bis para. 3 lit. b old FC was limited to a general federal competence for maintaining a healthy farming community. In contrast, the new constitutional norm establishes a comprehensive agricultural policy programme with the concept of multifunctionality (BBl 1997 I 1, 245 ff.).\n\n**N. 2** The Message on the new Federal Constitution emphasises the paradigm shift from pure production support to multifunctional agriculture: «Agriculture should not only produce food, but also contribute to preserving the natural foundations of life, maintaining the cultural landscape and supporting decentralised settlement» (BBl 1997 I 247). This change was already embedded in Agricultural Policy 2002 and was constitutionally enshrined with Art. 104 FC (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 104 N. 3).\n\n**N. 3** The concept of multifunctionality was deliberately chosen to capture the various services agriculture provides to society. The constitutional assembly rejected formulations that would focus solely on the production function (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 104 N. 4).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 104 FC is located in the 3rd section of the 3rd title on «Confederation and Cantons» and belongs to the federal competences in the economic sphere. The provision is systematically closely linked with → Art. 75 FC (spatial planning), → Art. 76 FC (water) and → Art. 77 FC (forests), as these areas concern the natural foundations of life (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 18 N. 3457).\n\n**N. 5** The agriculture articles are in tension with economic freedom (→ Art. 27 FC). Art. 104 para. 2 FC explicitly permits deviations from the principle of economic freedom, which represents a constitutional peculiarity. However, this breach is not unlimited but must serve the objectives of Art. 104 para. 1 FC (**BGE 140 II 233 E. 3.2**).\n\n**N. 6** The relationship to the social objectives (→ Art. 41 FC), particularly the right to adequate nutrition, must also be considered. While Art. 41 FC has a programmatic character, Art. 104 FC establishes concrete legislative competences and duties to act for the Confederation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1087).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Multifunctional Agriculture (Para. 1)\n\n**N. 7** The concept of «sustainable and market-oriented production» combines ecological and economic requirements. Sustainable means, in the sense of the Brundtland Report, that the needs of the present are met without compromising the ability of future generations to meet their own needs (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 8).\n\n**N. 8** The three main functions of agriculture are equivalent:\n- **Secure supply (lit. a)**: Food sovereignty and supply security in times of crisis\n- **Preservation of natural foundations of life (lit. b)**: Biodiversity, soil protection, water protection\n- **Decentralised settlement (lit. c)**: Prevention of rural exodus, maintenance of infrastructure in rural areas\n\n**N. 9** The «substantial contribution» does not require complete self-sufficiency, but substantial domestic production. The prevailing doctrine assumes a self-sufficiency rate of at least 50% (Waldmann et al., BSK BV, Art. 104 N. 12; different view Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 892, who refer to Switzerland's import dependency).\n\n### 3.2 Promotion of Land-Cultivating Farms (Para. 2)\n\n**N. 10** «Reasonable self-help» presupposes that farmers first undertake their own efforts. This includes business optimisation, cooperation and market adaptation. Only subsidiarily does state support intervene (**2A.40/2005 E. 4.2**).\n\n**N. 11** «Land-cultivating farms» are those that work the land themselves. Pure refinement operations without their own feed base are not included. Whether legal persons are covered is disputed. The Federal Supreme Court affirms this, provided they are considered self-cultivators (**BGE 140 II 233 E. 3.2**).\n\n### 3.3 Instruments and Measures (Para. 3)\n\n**N. 12** Direct payments (lit. a) are the centrepiece of the support system. The «ecological performance record» (ÖLN) includes requirements for crop rotation, soil protection, fertiliser balance and animal welfare. The link between direct payments and ecological conditions is mandatory (**2C_388/2008 E. 3.1**).\n\n**N. 13** The promotion of near-natural production methods (lit. b) goes beyond the ÖLN and concerns organic farming, extensive production and biodiversity promotion areas. The incentives must be «economically worthwhile», i.e. compensate for additional costs and reduced yields (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 18).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Art. 104 FC establishes a comprehensive legislative competence for the Confederation, which it has exercised with the Agriculture Act (LwG, SR 910.1) and numerous ordinances. The cantons have only enforcement competences and marginal regulatory powers of their own (**2A.246/2004 E. 2.3**).\n\n**N. 15** The provision obliges the Confederation to act («ensures»), but grants it considerable discretion in design. There is no subjective right to specific support measures, but there is a claim to proper exercise of discretion in the allocation of direct payments (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 18 N. 42).\n\n**N. 16** The deviation from economic freedom (para. 2) enables market access barriers, quotas and price regulations. However, these must be proportionate and serve the objectives of para. 1. Complete isolation of the agricultural market would be inadmissible (Rhinow et al., Schweizerisches Verfassungsrecht, § 18 N. 3462).\n\n## 5. Points of Controversy\n\n**N. 17** **Scope of multifunctionality**: Ehrenzeller et al. (St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 9) emphasise the equivalence of all three functions. Waldmann et al. (BSK BV, Art. 104 N. 15) see a priority of the production function, as only «market-oriented production» can fulfil the other functions. The practice of the Federal Supreme Court tends towards a balanced view (**2C_397/2021 E. 4.1**).\n\n**N. 18** **Compatibility with WTO law**: Müller (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 24) sees direct payments as «green box»-compliant. Cottier/Oesch (Internationales Wirtschaftsrecht, 2nd ed. 2019, p. 456) warn of protectionist elements that could be WTO-incompatible. The Federal Supreme Court has left this question open so far.\n\n**N. 19** **Climate protection as a new function**: The doctrine discusses whether Art. 104 FC provides a constitutional basis for climate protection measures in agriculture. Griffel (Umweltrecht, 2nd ed. 2019, p. 342) affirms this with reference to the «preservation of natural foundations of life». Vallender (in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 104 N. 11) demands a constitutional revision for more far-reaching climate measures.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 20** When designing direct payments, compliance with the ecological performance record must be ensured. The control mechanisms are strict, and violations lead to reductions or complete elimination of payments (**B-3133/2009**). Farmers should take documentation obligations seriously.\n\n**N. 21** Conversion to organic farming is particularly promoted (Art. 104 para. 3 lit. b FC). The conversion period is financially secured, but requires careful planning. Cantonal advisory services offer support.\n\n**N. 22** For investments in agricultural buildings, coordination with spatial planning law (→ Art. 75 FC) is central. Not all agricultural activities justify buildings outside the building zone. Multifunctionality does not expand the scope of action indefinitely (**1A.19/2007 E. 5.3**).\n\n**N. 23** Legal persons can operate agricultural enterprises and receive direct payments under certain conditions. However, self-cultivation must be guaranteed, which requires detailed corporate law regulations (**BGE 140 II 233**).", "caselaw_en": "# Art. 104 BV — Case Law\n\n## Foundations of Direct Payments\n\n**BGE 140 II 233** of 18 March 2014\n**2C_212/2013**\nThe Federal Supreme Court clarifies that legal persons may also acquire agricultural enterprises and receive direct payments, provided they qualify as self-operators.\nThe decision illustrates the constitutional foundation of agricultural promotion under Art. 104 BV and its implementation in rural land law.\n\n> «The scope of application of rural land law is constitutionally prescribed by Art. 104 para. 2 BV. The definition of self-operation is tailored to the activity of natural persons. However, economic freedom means that agricultural enterprises may be operated under various legal forms, insofar as the Federal Legislature has not provided for deviations.»\n\n## Direct Payments and Ecological Performance Verification\n\n**2C_388/2008** of 16 December 2008\nThe Federal Supreme Court specifies the procedural requirements for reviewing ecological performance verification for direct payments.\nThe decision is fundamental for the distribution of burden of proof and the investigative principle in direct payment procedures.\n\n> «According to Art. 104 para. 2 BV, the Confederation promotes land-cultivating farm enterprises as a supplement to reasonable self-help by agriculture and, where necessary, in deviation from the principle of economic freedom. According to Art. 70 para. 1 LwG, the Confederation provides general direct payments, ecological contributions and ethological contributions to operators of such enterprises subject to ecological performance verification.»\n\n**2A.40/2005** of 16 August 2005\n**2A.40/2005**\nThe Federal Supreme Court addresses the reduction of direct payments in case of exceeding maximum livestock numbers and the connection with the multifunctional tasks of agriculture under Art. 104 para. 3 BV.\nThe decision demonstrates the practical implementation of constitutional requirements for sustainable agriculture.\n\n> «Art. 104 para. 3 BV authorises the Confederation to design measures so that agriculture fulfils its multifunctional tasks. This includes in particular the promotion of production methods that are particularly close to nature, environmentally and animal-friendly.»\n\n## Allocation of Powers and Federalism\n\n**2A.246/2004** of 21 December 2004\n**2A.246/2004**\nThe Federal Supreme Court clarifies the allocation of powers between the Confederation and the cantons in the area of agricultural promotion and the scope of federal regulation.\nThe decision is relevant for the relationship between Art. 104 BV and cantonal promotion measures.\n\n> «Art. 104 para. 2 BV authorises the Confederation to promote land-cultivating farm enterprises. Insofar as the Confederation has exercised this competence, the cantons in principle have no room for autonomous regulations in the same area, unless federal law expressly allows cantonal supplements.»\n\n## Multifunctional Agriculture and Environmental Protection\n\n**B-3133/2009** of 13 November 2009\nThe Federal Administrative Court specifies the requirements for ecological performance verification and the implementation of multifunctional tasks under Art. 104 para. 3 BV.\nThe judgment demonstrates the practical significance of constitutional requirements for preserving the natural foundations of life.\n\n> «The multifunctional tasks of agriculture under Art. 104 BV include, in addition to food production, the preservation of the natural foundations of life and the maintenance of the cultural landscape. Ecological performance verification is the central instrument for ensuring these functions.»\n\n**B-649/2016** of 23 August 2017\nThe Federal Administrative Court addresses biodiversity promotion as part of the multifunctional tasks of agriculture and the corresponding direct payments.\nThe decision illustrates the specification of Art. 104 para. 1 lit. b BV in implementation practice.\n\n> «The preservation of the natural foundations of life and the maintenance of the cultural landscape under Art. 104 para. 1 lit. b BV require targeted measures for biodiversity promotion. The corresponding direct payments are designed to realise these constitutional objectives.»\n\n## Current Developments\n\n**2C_397/2021** of 25 November 2021\nThe Federal Supreme Court addresses recent developments in direct payments and their compatibility with constitutional requirements for sustainable agriculture.\nThe decision demonstrates the continuous development of agricultural policy within the framework of Art. 104 BV.\n\n> «The design of agricultural measures must be oriented towards the constitutional objectives of Art. 104 BV. In doing so, the various functions of agriculture must be brought into a balanced relationship.»\n\n**B-1014/2019** of 24 July 2020\nThe Federal Administrative Court specifies the requirements for decentralised settlement as one of the constitutional purposes under Art. 104 para. 1 lit. c BV.\nThe judgment specifies the spatial planning dimension of agricultural promotion.\n\n> «Decentralised settlement of the country under Art. 104 para. 1 lit. c BV requires the maintenance of comprehensive agriculture. Direct payments contribute to ensuring cultivation also in disadvantaged areas.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_104", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.85, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.0, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 104, "article_suffix": "a", "title": "Ernährungssicherheit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 104a der Bundesverfassung regelt die Ernährungssicherheit in der Schweiz. Das bedeutet: Die Bevölkerung soll dauerhaft Zugang zu genügend gesunden Lebensmitteln haben. Der Artikel wurde 2017 mit grosser Mehrheit angenommen und trat 2018 in Kraft.\n\nDie Bestimmung verpflichtet den Bund, fünf wichtige Bereiche zu fördern: Erstens muss das Kulturland (fruchtbare Äcker und Wiesen) geschützt werden. Ohne genügend landwirtschaftliche Flächen kann die Schweiz nicht selbst Lebensmittel produzieren. Zweitens soll die Landwirtschaft standortgerecht und umweltfreundlich wirtschaften. Das heisst: Kartoffeln werden im Mittelland angebaut, nicht in den Bergen. Drittens müssen Bauern und Lebensmittelhändler auf die Nachfrage der Konsumenten eingehen, statt nur zu produzieren, was staatlich gefördert wird.\n\nViertens anerkennt der Artikel, dass die Schweiz Lebensmittel importieren muss. Etwa 40 Prozent aller Nahrungsmittel kommen aus dem Ausland. Dabei soll auf nachhaltige Produktionsbedingungen geachtet werden. Fünftens sollen Lebensmittel nicht verschwendet werden.\n\nEin praktisches Beispiel: Wenn eine Gemeinde neue Bauzonen plant, muss sie prüfen, ob dabei wertvolles Kulturland verloren geht. Der Schutz der Ernährungsgrundlagen hat nun mehr Gewicht bei solchen Entscheidungen.\n\nDie Norm schafft keine direkten Rechte für Einzelpersonen, sondern gibt dem Gesetzgeber Aufträge für die Politik.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 104a BV wurde am 24. September 2017 mit überwältigendem Mehr von Volk (78,7%) und Ständen (alle Kantone) als Gegenentwurf zur Volksinitiative «Für Ernährungssicherheit» angenommen und trat per 1. Januar 2018 in Kraft. Die Volksinitiative wurde daraufhin zurückgezogen.\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates vom 24. Januar 2017 betonte, dass die Schweiz zwar über eine hohe Ernährungssicherheit verfüge, diese jedoch angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcenverknappung nicht als selbstverständlich gelte (BBl 2017 2195). Der Verfassungsartikel sollte die verschiedenen Dimensionen der Ernährungssicherheit — von der inländischen Produktion über den internationalen Handel bis zum nachhaltigen Konsum — in einem ganzheitlichen Ansatz verankern.\n\n**N. 3** Der Gegenentwurf ging inhaltlich über die ursprüngliche Volksinitiative hinaus, indem er nicht nur die Produktionsseite, sondern die gesamte Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller einbezog. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit grenzüberschreitender Handelsbeziehungen (lit. d) als Anerkennung der Tatsache, dass die Schweiz rund 40% ihrer Lebensmittel importiert (BBl 2017 2199).\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 104a BV steht im 6. Titel der Bundesverfassung über die Zuständigkeiten des Bundes und der Kantone und bildet zusammen mit Art. 104 BV (Landwirtschaft) das verfassungsrechtliche Fundament der Agrarpolitik. Während Art. 104 BV primär die multifunktionale Landwirtschaft und ihre gemeinwirtschaftlichen Leistungen regelt, fokussiert Art. 104a BV auf die Ernährungssicherheit als übergeordnetes Ziel.\n\n**N. 5** Die Bestimmung weist enge Bezüge zu weiteren Verfassungsnormen auf: → Art. 2 Abs. 2 BV (Gemeinwohl), → Art. 54 Abs. 2 BV (Linderung von Not und Armut in der Welt), → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), → Art. 74 BV (Umweltschutz), → Art. 75 BV (Raumplanung) und → Art. 80 BV (Tierschutz). Diese systematischen Querverbindungen prägen die Auslegung der einzelnen Tatbestandsmerkmale.\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu Art. 104 BV besteht eine komplementäre Beziehung: Während Art. 104 BV die Instrumente und Massnahmen der Landwirtschaftspolitik regelt (Direktzahlungen, Produktionsvorschriften), definiert Art. 104a BV das übergeordnete Ziel der Ernährungssicherheit und erweitert den Fokus über die Primärproduktion hinaus auf die gesamte Ernährungskette.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Der Zweckartikel «zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln» definiert Ernährungssicherheit als dauerhaften Zugang zu ausreichenden, sicheren und nahrhaften Lebensmitteln. Dies umfasst sowohl die physische Verfügbarkeit als auch die wirtschaftliche Zugänglichkeit (Affordability).\n\n**N. 8** **Lit. a: Sicherung der Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion** — Der Kulturlandschutz wird explizit als Verfassungsauftrag verankert. Dies verstärkt die bereits in Art. 75 BV und Art. 3 Abs. 2 lit. a RPG angelegte Schutzpflicht. Das Bundesgericht hat in **BGE 147 II 83 E. 3.2** klargestellt, dass Art. 104a lit. a BV den quantitativen Schutz der Fruchtfolgeflächen verfassungsrechtlich untermauert. Neben dem Boden umfassen die Produktionsgrundlagen auch Wasser, genetische Ressourcen und das landwirtschaftliche Wissen.\n\n**N. 9** **Lit. b: Standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion** — Diese Bestimmung kodifiziert das Nachhaltigkeitsprinzip für die Landwirtschaft. «Standortangepasst» bedeutet die Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten (Klima, Boden, Topografie) und schliesst intensive Produktionsformen in ungeeigneten Lagen aus. «Ressourceneffizient» verlangt einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und hohe Produktivität pro Flächeneinheit.\n\n**N. 10** **Lit. c: Auf den Markt ausgerichtete Land- und Ernährungswirtschaft** — Die Marktorientierung als Verfassungsprinzip markiert eine Abkehr von rein angebotsorientierten Produktionsanreizen. Die Einbeziehung der «Ernährungswirtschaft» erweitert den Geltungsbereich über die Primärproduktion hinaus auf Verarbeitung, Handel und Gastronomie.\n\n**N. 11** **Lit. d: Grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zur nachhaltigen Entwicklung** — Diese weltweit einzigartige Verfassungsbestimmung anerkennt die Importabhängigkeit der Schweiz und verpflichtet zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten im Agrarhandel. Der Begriff «nachhaltige Entwicklung» umfasst gemäss Botschaft ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimensionen (BBl 2017 2200).\n\n**N. 12** **Lit. e: Ressourcenschonender Umgang mit Lebensmitteln** — Diese Bestimmung adressiert Lebensmittelverluste und -verschwendung (Food Waste) entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für Massnahmen zur Reduktion von Verlusten bei Produktion, Verarbeitung, Handel und Konsum.\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Art. 104a BV begründet als Kompetenznorm einen Gesetzgebungsauftrag an den Bund, schafft jedoch keine unmittelbar durchsetzbaren subjektiven Rechte. Der Bund ist verpflichtet, «Voraussetzungen» zu schaffen — dies impliziert einen weiten gesetzgeberischen Gestaltungsspielraum bei der Wahl der Mittel.\n\n**N. 14** In der Rechtsanwendung entfaltet Art. 104a BV seine Wirkung primär als Auslegungshilfe und bei Interessenabwägungen. Das Bundesgericht hat in **Urteil 1C_235/2020 E. 5.3.2** festgehalten, dass Art. 104a BV das Gewicht des Kulturlandschutzes bei raumplanerischen Abwägungen verstärkt. Die Norm dient als «Optimierungsgebot» im Sinne der Prinzipientheorie.\n\n**N. 15** Für die Verwaltung begründet Art. 104a BV Berücksichtigungspflichten bei Erlass und Vollzug des Landwirtschafts-, Raumplanungs-, Umwelt- und Aussenhandelsrechts. Bei der Ausarbeitung von Verordnungen und politischen Strategien (z.B. Agrarpolitik 2022+) ist die Zielnorm der Ernährungssicherheit als Richtschnur heranzuziehen.\n\n### Streitstände\n\n**N. 16** Die Rechtsnatur von Art. 104a BV ist in der Lehre umstritten. **Rainer J. Schweizer** (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 104a N. 8) qualifiziert die Bestimmung als reine Kompetenznorm ohne programmatischen Gehalt. Demgegenüber betont **Christine Kaufmann** (Die Verankerung der Ernährungssicherheit in der Bundesverfassung, LeGes 2018, S. 1 ff.), dass Art. 104a BV durchaus programmatische Elemente enthalte, die bei der Gesetzgebung und -auslegung zu berücksichtigen seien.\n\n**N. 17** Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zwischen Kulturlandschutz (lit. a) und Marktorientierung (lit. c). **Peter Hänni** (Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, § 3 N. 128a) sieht hier ein Spannungsverhältnis, da strenger Flächenschutz die Anpassungsfähigkeit an Markterfordernisse einschränke. **Thomas Sägesser** (Kommentar RPG, Art. 3 N. 42a) argumentiert dagegen, dass beide Ziele durch intelligente Raumplanung vereinbar seien.\n\n**N. 18** Die Tragweite der Nachhaltigkeitsklausel in lit. d ist ebenfalls umstritten. **Elisabeth Bürgi Bonanomi** (Nachhaltige Agrarimporte in die Schweiz?, Jusletter 15.10.2018) plädiert für eine weite Auslegung, die auch soziale Standards in Exportländern einschliesst. **Mathis Berger** (Agraraussenwirtschaft und Verfassung, 2019, S. 89 ff.) warnt vor handelsrechtlichen Konflikten und favorisiert eine restriktive Interpretation.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei Planungsverfahren ist Art. 104a BV frühzeitig in die Interessenabwägung einzubeziehen. Besonders bei der Beanspruchung von Fruchtfolgeflächen müssen Behörden nachweisen, dass keine geeigneten Alternativen bestehen und die Inanspruchnahme auf das Minimum beschränkt wird (→ Art. 30 Abs. 1bis RPV).\n\n**N. 20** Im Bewilligungsverfahren für landwirtschaftliche Bauten und Anlagen ist die «standortangepasste» Produktion (lit. b) als Kriterium heranzuziehen. Intensivtierhaltungen in sensiblen Gebieten oder bodenunabhängige Produktionen können sich nur schwer auf Art. 104a BV berufen.\n\n**N. 21** Bei der Ausgestaltung von Förderprogrammen und Direktzahlungen sind alle fünf Dimensionen von Art. 104a BV ausgewogen zu berücksichtigen. Einseitige Optimierungen — etwa reine Produktivitätssteigerung ohne Nachhaltigkeitsaspekte — widersprechen dem ganzheitlichen Ansatz der Norm.\n\n**N. 22** Für die Agrarpolitik ergibt sich aus Art. 104a BV ein Kohärenzgebot: Massnahmen in einem Bereich (z.B. Marktöffnung) dürfen andere Ziele (z.B. Kulturlandschutz) nicht untergraben. Dies erfordert eine sektorübergreifende Politikgestaltung und regelmässige Wirkungskontrollen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nArt. 104a BV wurde erst am 24. September 2017 in die Bundesverfassung aufgenommen und trat per 1. Januar 2018 in Kraft. Die Rechtsprechung zu dieser neuen Bestimmung ist entsprechend noch wenig entwickelt. Die verfügbaren Entscheide betreffen hauptsächlich die Anwendung der Ernährungssicherheitsnorm im Kontext des Raumplanungs- und Landwirtschaftsrechts.\n\n### Verhältnis zu Art. 104 BV und Landwirtschaftspolitik\n\n**Urteil 2C_294/2023 vom 22. Januar 2025**  \nDas Bundesgericht stellte im Kontext des Tierschutzrechts klar, dass Art. 104a BV die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion stärkt, ohne jedoch die bestehenden Tierschutzvorschriften zu relativieren. Die Bestimmung begründet keine Befreiung von allgemeinen Rechtspflichten in der Nutztierhaltung.\n\n> «Art. 104a BV schafft Voraussetzungen für eine standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion, was aber nicht zur Lockerung der tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen führt.»\n\n### Fruchtfolgeflächen und Raumplanung\n\n**Urteil 1C_235/2020 vom 16. Dezember 2020**  \nDas Bundesgericht anerkannte Art. 104a BV als verfassungsrechtliche Grundlage für den verschärften Schutz von Fruchtfolgeflächen. Die Bestimmung unterstützt die restriktive Handhabung von Entlassungsgesuchen aus dem kantonalen Inventar der Fruchtfolgeflächen.\n\n> «Art. 104a Abs. 1 lit. a BV verpflichtet den Bund zur Sicherung der Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere des Kulturlandes. Dies rechtfertigt strenge Anforderungen an die Entlassung von Fruchtfolgeflächen.»\n\n**Urteil A-5843/2022 vom 23. Juni 2025 (BVGer)**  \nDas Bundesverwaltungsgericht wendete Art. 104a BV bei der Interessenabwägung im Nationalstrassenbau an. Der Kulturlandschutz nach Art. 104a BV muss bei Infrastrukturvorhaben gebührend berücksichtigt werden, auch wenn er nicht immer vorrangig ist.\n\nDas Gericht betonte die Bedeutung umfassender Variantenprüfungen:\n\n> «Bei der Interessenabwägung ist der Kulturlandschutz im Sinne von Art. 104a BV gebührend zu berücksichtigen. Es sind Varianten zu prüfen, mit denen weniger oder gar kein Landwirtschaftsland beansprucht würde.»\n\n### Standortangepasste Produktion\n\n**Urteil A-3425/2019 vom 19. Dezember 2019 (BVGer)**  \nDas Bundesverwaltungsgericht verwies auf Art. 104a BV im Kontext ökologischer Ausgleichsmassnahmen. Die Bestimmung unterstützt eine nachhaltige, standortangepasste Landwirtschaft, die mit dem Naturschutz in Einklang steht.\n\nDie Relevanz der Bestimmung für die Interessenabwägung zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz wurde hervorgehoben:\n\n> «Art. 104a BV fordert eine ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion, die auch ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt und damit Synergien zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ermöglicht.»\n\n### Kantonale und regionale Anwendung\n\n**Urteil 602 2021 6 vom 13. April 2022 (KG Freiburg)**  \nDas Kantonsgericht Freiburg stützte sich auf Art. 104a BV bei der Prüfung von Einzonungen. Die Bestimmung verstärkt das verfassungsrechtliche Gewicht des Kulturlandschutzes in der Raumplanung.\n\n**Urteil 110/2022/37 vom 24. Oktober 2022 (BVD Bern)**  \nDas Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorat des Kantons Bern bezog Art. 104a BV in die Interessenabwägung bei Alpwegen ein. Die Bestimmung unterstützt eine traditionelle, extensive Berglandwirtschaft.\n\n### Bedeutung für die Vollzugspraxis\n\nDie bisherige Rechtsprechung zeigt, dass Art. 104a BV als verstärkende verfassungsrechtliche Grundlage für bereits bestehende landwirtschaftsfreundliche Politiken und Normen dient. Die Bestimmung wird insbesondere bei Interessenabwägungen zwischen verschiedenen Bodennutzungen herangezogen, ohne jedoch bestehende Schutzbestimmungen (Tierschutz, Umweltschutz) zu relativieren.\n\nDie Gerichte betonen den präventiven Charakter der Norm: Art. 104a BV verpflichtet dazu, die Grundlagen der Ernährungssicherheit proaktiv zu schützen, bevor Knappheitssituationen entstehen. Dies rechtfertigt strengere Anforderungen beim Kulturlandschutz und bei der Standortplanung für Infrastrukturen.", "summary_fr": "## Aperçu général\n\nL'article 104a de la Constitution fédérale règle la sécurité alimentaire en Suisse. Cela signifie : la population doit avoir durablement accès à suffisamment d'aliments sains. L'article a été accepté en 2017 à une large majorité et est entré en vigueur en 2018.\n\nCette disposition oblige la Confédération à encourager cinq domaines importants : Premièrement, les terres cultivables (champs et prés fertiles) doivent être protégées. Sans suffisamment de surfaces agricoles, la Suisse ne peut pas produire elle-même des denrées alimentaires. Deuxièmement, l'agriculture doit fonctionner de manière adaptée au site et respectueuse de l'environnement. Cela signifie : les pommes de terre sont cultivées sur le Plateau, pas dans les montagnes. Troisièmement, les agriculteurs et les commerçants de denrées alimentaires doivent répondre à la demande des consommateurs, au lieu de produire seulement ce qui est encouragé par l'État.\n\nQuatrièmement, l'article reconnaît que la Suisse doit importer des denrées alimentaires. Environ 40 pour cent de tous les aliments viennent de l'étranger. Il convient alors de veiller aux conditions de production durables. Cinquièmement, les aliments ne doivent pas être gaspillés.\n\nUn exemple pratique : lorsqu'une commune planifie de nouvelles zones à bâtir, elle doit examiner si de précieuses terres cultivables sont perdues dans ce processus. La protection des bases de l'alimentation a désormais plus de poids dans de telles décisions.\n\nLa norme ne crée pas de droits directs pour les particuliers, mais donne au législateur des mandats pour la politique.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Historique\n\n**N. 1** L'art. 104a Cst. a été adopté le 24 septembre 2017 par une majorité écrasante du peuple (78,7%) et des cantons (tous les cantons) en tant que contre-projet à l'initiative populaire « Pour la sécurité alimentaire » et est entré en vigueur le 1er janvier 2018. L'initiative populaire a ensuite été retirée.\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral du 24 janvier 2017 soulignait que, bien que la Suisse jouisse d'une sécurité alimentaire élevée, celle-ci ne peut être considérée comme acquise face aux défis globaux tels que le changement climatique, la croissance démographique et la raréfaction des ressources (FF 2017 2133). L'article constitutionnel devait ancrer les différentes dimensions de la sécurité alimentaire — de la production indigène au commerce international jusqu'à la consommation durable — dans une approche globale.\n\n**N. 3** Le contre-projet allait, sur le fond, au-delà de l'initiative populaire initiale en incluant non seulement l'aspect production, mais l'ensemble de la chaîne de valeur du champ à l'assiette. La nécessité de relations commerciales transfrontalières (let. d) a été particulièrement soulignée en reconnaissance du fait que la Suisse importe environ 40% de ses denrées alimentaires (FF 2017 2137).\n\n### Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 104a Cst. figure dans le 6e titre de la Constitution fédérale sur les compétences de la Confédération et des cantons et forme, avec l'art. 104 Cst. (agriculture), le fondement constitutionnel de la politique agricole. Alors que l'art. 104 Cst. règle prioritairement l'agriculture multifonctionnelle et ses prestations d'intérêt général, l'art. 104a Cst. se concentre sur la sécurité alimentaire comme objectif supérieur.\n\n**N. 5** La disposition présente des liens étroits avec d'autres normes constitutionnelles : → Art. 2 al. 2 Cst. (bien commun), → Art. 54 al. 2 Cst. (réduction de la misère et de la pauvreté dans le monde), → Art. 73 Cst. (développement durable), → Art. 74 Cst. (protection de l'environnement), → Art. 75 Cst. (aménagement du territoire) et → Art. 80 Cst. (protection des animaux). Ces liens systématiques transversaux façonnent l'interprétation des différents éléments constitutifs.\n\n**N. 6** Dans le rapport à l'art. 104 Cst. existe une relation complémentaire : tandis que l'art. 104 Cst. règle les instruments et mesures de la politique agricole (paiements directs, prescriptions de production), l'art. 104a Cst. définit l'objectif supérieur de la sécurité alimentaire et élargit le focus au-delà de la production primaire à l'ensemble de la chaîne alimentaire.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** L'article de finalité « en vue d'assurer l'approvisionnement de la population en denrées alimentaires » définit la sécurité alimentaire comme un accès durable à des denrées alimentaires suffisantes, sûres et nutritives. Cela comprend tant la disponibilité physique que l'accessibilité économique (Affordability).\n\n**N. 8** **Let. a : Préservation des bases de la production agricole** — La protection des terres cultivables est explicitement ancrée comme mandat constitutionnel. Ceci renforce l'obligation de protection déjà énoncée à l'art. 75 Cst. et à l'art. 3 al. 2 let. a LAT. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 147 II 83 consid. 3.2** que l'art. 104a let. a Cst. étaie constitutionnellement la protection quantitative des surfaces d'assolement. Outre le sol, les bases de production comprennent également l'eau, les ressources génétiques et le savoir agricole.\n\n**N. 9** **Let. b : Production de denrées alimentaires adaptée au site et utilisant les ressources de manière efficiente** — Cette disposition codifie le principe de durabilité pour l'agriculture. « Adaptée au site » signifie la prise en compte des conditions naturelles (climat, sol, topographie) et exclut les formes de production intensive dans des sites inappropriés. « Utilisant les ressources de manière efficiente » exige un usage respectueux des ressources naturelles et une productivité élevée par unité de surface.\n\n**N. 10** **Let. c : Agriculture et industrie agroalimentaire orientées vers le marché** — L'orientation marché comme principe constitutionnel marque une rupture avec les incitations de production purement orientées vers l'offre. L'inclusion de l'« industrie agroalimentaire » étend le champ d'application au-delà de la production primaire à la transformation, au commerce et à la restauration.\n\n**N. 11** **Let. d : Relations commerciales transfrontalières qui contribuent au développement durable** — Cette disposition constitutionnelle unique au monde reconnaît la dépendance à l'importation de la Suisse et oblige à tenir compte des aspects de durabilité dans le commerce agricole. La notion de « développement durable » comprend, selon le message, les dimensions écologiques, sociales et économiques (FF 2017 2138).\n\n**N. 12** **Let. e : Utilisation respectueuse des ressources naturelles dans la production de denrées alimentaires** — Cette disposition s'adresse aux pertes et gaspillage alimentaires (Food Waste) le long de l'ensemble de la chaîne de valeur. Elle constitue la base constitutionnelle pour des mesures visant à réduire les pertes lors de la production, transformation, commerce et consommation.\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 13** L'art. 104a Cst., en tant que norme de compétence, fonde un mandat législatif pour la Confédération, mais ne crée pas de droits subjectifs directement exigibles. La Confédération est obligée de créer des « conditions » — ceci implique une large marge de manœuvre législative dans le choix des moyens.\n\n**N. 14** Dans l'application du droit, l'art. 104a Cst. déploie ses effets principalement comme aide à l'interprétation et lors de pesées d'intérêts. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**arrêt 1C_235/2020 consid. 5.3.2** que l'art. 104a Cst. renforce le poids de la protection des terres cultivables lors de pesées d'aménagement du territoire. La norme sert de « commandement d'optimisation » au sens de la théorie des principes.\n\n**N. 15** Pour l'administration, l'art. 104a Cst. fonde des obligations de prise en considération lors de l'édiction et de l'exécution du droit agricole, de l'aménagement du territoire, de l'environnement et du commerce extérieur. Lors de l'élaboration d'ordonnances et de stratégies politiques (p. ex. Politique agricole 2022+), la norme de finalité de la sécurité alimentaire doit servir de ligne directrice.\n\n### Points litigieux\n\n**N. 16** La nature juridique de l'art. 104a Cst. est controversée dans la doctrine. **Rainer J. Schweizer** (in : St. Galler Kommentar BV, Art. 104a N. 8) qualifie la disposition comme pure norme de compétence sans contenu programmatique. À l'inverse, **Christine Kaufmann** (Die Verankerung der Ernährungssicherheit in der Bundesverfassung, LeGes 2018, p. 1 ss) souligne que l'art. 104a Cst. contient bien des éléments programmatiques qui doivent être pris en compte lors de la législation et de l'interprétation.\n\n**N. 17** Le rapport entre protection des terres cultivables (let. a) et orientation marché (let. c) fait l'objet de discussions controversées. **Peter Hänni** (Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6e éd. 2016, § 3 N. 128a) y voit une tension, car une protection stricte des surfaces limite la capacité d'adaptation aux exigences du marché. **Thomas Sägesser** (Kommentar RPG, Art. 3 N. 42a) argumente au contraire que les deux objectifs sont conciliables par un aménagement du territoire intelligent.\n\n**N. 18** La portée de la clause de durabilité de la let. d est également controversée. **Elisabeth Bürgi Bonanomi** (Nachhaltige Agrarimporte in die Schweiz?, Jusletter 15.10.2018) plaide pour une interprétation large qui inclut également les standards sociaux dans les pays exportateurs. **Mathis Berger** (Agraraussenwirtschaft und Verfassung, 2019, p. 89 ss) met en garde contre des conflits de droit commercial et favorise une interprétation restrictive.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 19** Lors de procédures de planification, l'art. 104a Cst. doit être intégré précocement dans la pesée d'intérêts. Particulièrement lors de l'utilisation de surfaces d'assolement, les autorités doivent démontrer qu'aucune alternative appropriée n'existe et que l'utilisation est limitée au minimum (→ Art. 30 al. 1bis OAT).\n\n**N. 20** Dans la procédure d'autorisation pour des constructions et installations agricoles, la production « adaptée au site » (let. b) doit être utilisée comme critère. Les détentions intensives d'animaux dans des zones sensibles ou les productions indépendantes du sol peuvent difficilement se prévaloir de l'art. 104a Cst.\n\n**N. 21** Lors de la conception de programmes d'encouragement et de paiements directs, toutes les cinq dimensions de l'art. 104a Cst. doivent être prises en compte de manière équilibrée. Les optimisations unilatérales — par exemple une pure augmentation de productivité sans aspects de durabilité — contredisent l'approche globale de la norme.\n\n**N. 22** Pour la politique agricole résulte de l'art. 104a Cst. un commandement de cohérence : les mesures dans un domaine (p. ex. ouverture du marché) ne doivent pas saper d'autres objectifs (p. ex. protection des terres cultivables). Ceci exige une conception politique intersectorielle et des contrôles d'efficacité réguliers.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nL'art. 104a Cst. n'a été intégré dans la Constitution fédérale que le 24 septembre 2017 et est entré en vigueur le 1er janvier 2018. La jurisprudence relative à cette nouvelle disposition est par conséquent encore peu développée. Les arrêts disponibles concernent principalement l'application de la norme sur la sécurité alimentaire dans le contexte du droit de l'aménagement du territoire et du droit agricole.\n\n### Rapport à l'art. 104 Cst. et politique agricole\n\n**Arrêt 2C_294/2023 du 22 janvier 2025**  \nLe Tribunal fédéral a précisé dans le contexte du droit de la protection des animaux que l'art. 104a Cst. renforce les fondements constitutionnels de la production agricole, sans toutefois relativiser les prescriptions existantes de protection des animaux. La disposition ne fonde aucune exemption des obligations juridiques générales dans la détention d'animaux de rente.\n\n> « L'art. 104a Cst. crée les conditions d'une production alimentaire adaptée au site et efficace en ressources, mais cela ne conduit pas à un assouplissement des exigences minimales du droit de la protection des animaux. »\n\n### Surfaces d'assolement et aménagement du territoire\n\n**Arrêt 1C_235/2020 du 16 décembre 2020**  \nLe Tribunal fédéral a reconnu l'art. 104a Cst. comme fondement constitutionnel pour la protection renforcée des surfaces d'assolement. La disposition soutient la gestion restrictive des demandes de déclassement de l'inventaire cantonal des surfaces d'assolement.\n\n> « L'art. 104a al. 1 let. a Cst. oblige la Confédération à préserver les bases de la production agricole, notamment les terres cultivables. Cela justifie des exigences strictes pour le déclassement de surfaces d'assolement. »\n\n**Arrêt A-5843/2022 du 23 juin 2025 (TAF)**  \nLe Tribunal administratif fédéral a appliqué l'art. 104a Cst. lors de la pesée des intérêts dans la construction d'autoroutes nationales. La protection des terres cultivables selon l'art. 104a Cst. doit être dûment prise en compte dans les projets d'infrastructure, même si elle n'est pas toujours prioritaire.\n\nLe tribunal a souligné l'importance d'examens complets des variantes :\n\n> « Lors de la pesée des intérêts, la protection des terres cultivables au sens de l'art. 104a Cst. doit être dûment prise en compte. Il faut examiner des variantes qui nécessiteraient moins ou aucune terre agricole. »\n\n### Production adaptée au site\n\n**Arrêt A-3425/2019 du 19 décembre 2019 (TAF)**  \nLe Tribunal administratif fédéral s'est référé à l'art. 104a Cst. dans le contexte de mesures de compensation écologique. La disposition soutient une agriculture durable et adaptée au site, en harmonie avec la protection de la nature.\n\nLa pertinence de la disposition pour la pesée des intérêts entre l'utilisation agricole et la protection de la nature a été soulignée :\n\n> « L'art. 104a Cst. exige une production alimentaire efficace en ressources, qui tient également compte des aspects écologiques et permet ainsi des synergies entre l'agriculture et la protection de la nature. »\n\n### Application cantonale et régionale\n\n**Arrêt 602 2021 6 du 13 avril 2022 (TC Fribourg)**  \nLe Tribunal cantonal de Fribourg s'est appuyé sur l'art. 104a Cst. lors de l'examen de mises en zone. La disposition renforce le poids constitutionnel de la protection des terres cultivables dans l'aménagement du territoire.\n\n**Arrêt 110/2022/37 du 24 octobre 2022 (DTEE Berne)**  \nLa Direction des travaux publics, des transports et de l'énergie du canton de Berne a intégré l'art. 104a Cst. dans la pesée des intérêts concernant les chemins d'alpage. La disposition soutient une agriculture de montagne traditionnelle et extensive.\n\n### Signification pour la pratique d'exécution\n\nLa jurisprudence jusqu'à présent montre que l'art. 104a Cst. sert de fondement constitutionnel renforçant pour des politiques et normes déjà existantes favorables à l'agriculture. La disposition est notamment invoquée lors de pesées d'intérêts entre différentes utilisations du sol, sans toutefois relativiser les dispositions de protection existantes (protection des animaux, protection de l'environnement).\n\nLes tribunaux soulignent le caractère préventif de la norme : l'art. 104a Cst. oblige à protéger proactivement les bases de la sécurité alimentaire, avant que des situations de pénurie ne surviennent. Cela justifie des exigences plus strictes pour la protection des terres cultivables et pour la planification d'implantation d'infrastructures.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 104a della Costituzione federale disciplina la sicurezza alimentare in Svizzera. Ciò significa che la popolazione deve avere accesso permanente a sufficienti alimenti sani. L'articolo è stato accettato nel 2017 con grande maggioranza ed è entrato in vigore nel 2018.\n\nLa disposizione obbliga la Confederazione a promuovere cinque settori importanti: In primo luogo, le superfici coltive (campi e prati fertili) devono essere protette. Senza sufficienti superfici agricole, la Svizzera non può produrre autonomamente alimenti. In secondo luogo, l'agricoltura deve operare in modo adeguato al sito e rispettoso dell'ambiente. Ciò significa che le patate vengono coltivate nell'Altipiano, non in montagna. In terzo luogo, i contadini e i commercianti di prodotti alimentari devono rispondere alla domanda dei consumatori, invece di produrre solo ciò che viene promosso dallo Stato.\n\nIn quarto luogo, l'articolo riconosce che la Svizzera deve importare alimenti. Circa il 40 per cento di tutti gli alimenti proviene dall'estero. In questo contesto si deve fare attenzione a condizioni di produzione sostenibili. In quinto luogo, gli alimenti non devono essere sprecati.\n\nUn esempio pratico: se un comune pianifica nuove zone edificabili, deve verificare se in tal modo si perdono preziose superfici coltive. La protezione delle basi alimentari ha ora maggior peso in tali decisioni.\n\nLa norma non crea diritti diretti per le singole persone, ma dà al legislatore mandati per la politica.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 104a Cost. è stato adottato il 24 settembre 2017 con maggioranza schiacciante del Popolo (78,7%) e dei Cantoni (tutti i Cantoni) come controprogetto all'iniziativa popolare «Per la sicurezza alimentare» ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2018. L'iniziativa popolare è stata successivamente ritirata.\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale del 24 gennaio 2017 sottolineava che, benché la Svizzera disponga di un'elevata sicurezza alimentare, questa non può essere data per scontata di fronte alle sfide globali come il cambiamento climatico, la crescita demografica e la scarsità delle risorse (FF 2017 2195). L'articolo costituzionale doveva ancorare le diverse dimensioni della sicurezza alimentare — dalla produzione nazionale al commercio internazionale fino al consumo sostenibile — in un approccio olistico.\n\n**N. 3** Il controprogetto andava oltre l'iniziativa popolare originaria dal punto di vista contenutistico, includendo non solo il lato della produzione, ma l'intera catena del valore dal campo al piatto. È stata particolarmente evidenziata la necessità di relazioni commerciali transfrontaliere (let. d) come riconoscimento del fatto che la Svizzera importa circa il 40% dei suoi alimenti (FF 2017 2199).\n\n### Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 104a Cost. si trova nel 6° Titolo della Costituzione federale sulle competenze della Confederazione e dei Cantoni e costituisce insieme all'art. 104 Cost. (agricoltura) il fondamento costituzionale della politica agricola. Mentre l'art. 104 Cost. disciplina principalmente l'agricoltura multifunzionale e le sue prestazioni di servizio pubblico, l'art. 104a Cost. si concentra sulla sicurezza alimentare come obiettivo superiore.\n\n**N. 5** La disposizione presenta stretti legami con altre norme costituzionali: → art. 2 cpv. 2 Cost. (bene comune), → art. 54 cpv. 2 Cost. (alleviamento di bisogni e povertà nel mondo), → art. 73 Cost. (sostenibilità), → art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente), → art. 75 Cost. (pianificazione del territorio) e → art. 80 Cost. (protezione degli animali). Questi collegamenti sistematici trasversali caratterizzano l'interpretazione dei singoli elementi di fattispecie.\n\n**N. 6** Nel rapporto con l'art. 104 Cost. sussiste una relazione complementare: mentre l'art. 104 Cost. disciplina gli strumenti e le misure della politica agricola (pagamenti diretti, prescrizioni sulla produzione), l'art. 104a Cost. definisce l'obiettivo superiore della sicurezza alimentare ed estende il focus oltre la produzione primaria all'intera catena alimentare.\n\n### Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** L'articolo di scopo «per garantire l'approvvigionamento della popolazione con derrate alimentari» definisce la sicurezza alimentare come accesso duraturo ad alimenti sufficienti, sicuri e nutrienti. Questo comprende sia la disponibilità fisica che l'accessibilità economica (affordability).\n\n**N. 8** **Let. a: Salvaguardia delle basi per la produzione agricola** — La protezione del paesaggio coltivo è esplicitamente ancorata come mandato costituzionale. Ciò rafforza l'obbligo di protezione già stabilito nell'art. 75 Cost. e nell'art. 3 cpv. 2 let. a LPT. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 147 II 83 consid. 3.2** che l'art. 104a let. a Cost. sostiene costituzionalmente la protezione quantitativa delle superfici per l'avvicendamento delle colture. Oltre al suolo, le basi produttive comprendono anche acqua, risorse genetiche e il sapere agricolo.\n\n**N. 9** **Let. b: Produzione di derrate alimentari adeguata al territorio e efficace sotto il profilo delle risorse** — Questa disposizione codifica il principio di sostenibilità per l'agricoltura. «Adeguata al territorio» significa la considerazione delle condizioni naturali (clima, suolo, topografia) ed esclude forme di produzione intensive in siti inadatti. «Efficace sotto il profilo delle risorse» richiede un uso parsimonioso delle risorse naturali e un'alta produttività per unità di superficie.\n\n**N. 10** **Let. c: Economia agricola e alimentare orientata al mercato** — L'orientamento al mercato come principio costituzionale segna un allontanamento da incentivi alla produzione puramente orientati all'offerta. L'inclusione dell'«economia alimentare» estende l'ambito di validità oltre la produzione primaria alla trasformazione, al commercio e alla gastronomia.\n\n**N. 11** **Let. d: Relazioni commerciali transfrontaliere che contribuiscono allo sviluppo sostenibile** — Questa disposizione costituzionale unica al mondo riconosce la dipendenza dalle importazioni della Svizzera e obbliga a considerare aspetti di sostenibilità nel commercio agricolo. Il termine «sviluppo sostenibile» comprende secondo il messaggio dimensioni ecologiche, sociali ed economiche (FF 2017 2200).\n\n**N. 12** **Let. e: Impiego parsimonioso delle derrate alimentari** — Questa disposizione affronta le perdite e lo spreco di alimenti (food waste) lungo l'intera catena del valore. Costituisce il fondamento costituzionale per misure di riduzione delle perdite nella produzione, trasformazione, commercio e consumo.\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** L'art. 104a Cost. come norma di competenza fonda un mandato legislativo per la Confederazione, ma non crea diritti soggettivi direttamente applicabili. La Confederazione è obbligata a creare «condizioni» — ciò implica un ampio margine di manovra legislativo nella scelta dei mezzi.\n\n**N. 14** Nell'applicazione del diritto l'art. 104a Cost. sviluppa il suo effetto principalmente come ausilio interpretativo e nelle ponderazioni di interessi. Il Tribunale federale ha stabilito nella **sentenza 1C_235/2020 consid. 5.3.2** che l'art. 104a Cost. rafforza il peso della protezione del paesaggio coltivo nelle ponderazioni di pianificazione territoriale. La norma funge da «obbligo di ottimizzazione» nel senso della teoria dei principi.\n\n**N. 15** Per l'amministrazione l'art. 104a Cost. fonda obblighi di considerazione nell'emanazione e nell'esecuzione del diritto agricolo, della pianificazione del territorio, ambientale e del commercio estero. Nell'elaborazione di ordinanze e strategie politiche (p.es. Politica agricola 2022+) la norma obiettivo della sicurezza alimentare deve essere utilizzata come linea guida.\n\n### Questioni controverse\n\n**N. 16** La natura giuridica dell'art. 104a Cost. è controversa in dottrina. **Rainer J. Schweizer** (in: Commentario di San Gallo Cost., art. 104a n. 8) qualifica la disposizione come pura norma di competenza senza contenuto programmatico. Al contrario **Christine Kaufmann** (L'ancoraggio della sicurezza alimentare nella Costituzione federale, LeGes 2018, p. 1 segg.) sottolinea che l'art. 104a Cost. contiene effettivamente elementi programmatici da considerare nella legislazione e nell'interpretazione.\n\n**N. 17** È controverso il rapporto tra protezione del paesaggio coltivo (let. a) e orientamento al mercato (let. c). **Peter Hänni** (Diritto della pianificazione, dell'edilizia e particolare della protezione dell'ambiente, 6a ed. 2016, § 3 n. 128a) vede qui un rapporto di tensione, poiché una protezione rigorosa delle superfici limiterebbe la capacità di adattamento alle esigenze del mercato. **Thomas Sägesser** (Commentario LPT, art. 3 n. 42a) argomenta invece che entrambi gli obiettivi sono compatibili attraverso una pianificazione territoriale intelligente.\n\n**N. 18** Anche la portata della clausola di sostenibilità nella let. d è controversa. **Elisabeth Bürgi Bonanomi** (Importazioni agricole sostenibili in Svizzera?, Jusletter 15.10.2018) propende per un'interpretazione ampia che includa anche standard sociali nei Paesi esportatori. **Mathis Berger** (Economia agricola estera e Costituzione, 2019, p. 89 segg.) mette in guardia da conflitti di diritto commerciale e favorisce un'interpretazione restrittiva.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Nelle procedure di pianificazione l'art. 104a Cost. deve essere incluso precocemente nella ponderazione degli interessi. Particolarmente nell'utilizzazione di superfici per l'avvicendamento delle colture le autorità devono dimostrare che non esistono alternative adatte e che l'utilizzazione è limitata al minimo (→ art. 30 cpv. 1bis OPT).\n\n**N. 20** Nella procedura di autorizzazione per costruzioni e impianti agricoli la produzione «adeguata al territorio» (let. b) deve essere utilizzata come criterio. Allevamenti intensivi in zone sensibili o produzioni indipendenti dal suolo possono difficilmente invocare l'art. 104a Cost.\n\n**N. 21** Nella configurazione di programmi di promozione e pagamenti diretti tutte e cinque le dimensioni dell'art. 104a Cost. devono essere considerate in modo equilibrato. Ottimizzazioni unilaterali — ad esempio puro aumento della produttività senza aspetti di sostenibilità — contraddicono l'approccio olistico della norma.\n\n**N. 22** Per la politica agricola dall'art. 104a Cost. risulta un obbligo di coerenza: misure in un settore (p.es. apertura del mercato) non possono minare altri obiettivi (p.es. protezione del paesaggio coltivo). Ciò richiede una configurazione politica intersettoriale e controlli d'efficacia regolari.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nL'art. 104a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale soltanto il 24 settembre 2017 ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2018. La giurisprudenza su questa nuova disposizione è ancora poco sviluppata. Le decisioni disponibili concernono principalmente l'applicazione della norma sulla sicurezza alimentare nel contesto del diritto della pianificazione del territorio e del diritto agrario.\n\n### Rapporto con l'art. 104 Cost. e politica agricola\n\n**Sentenza 2C_294/2023 del 22 gennaio 2025**  \nIl Tribunale federale ha chiarito nel contesto del diritto sulla protezione degli animali che l'art. 104a Cost. rafforza i fondamenti costituzionali per la produzione agricola, senza tuttavia relativizzare le prescrizioni vigenti sulla protezione degli animali. La disposizione non comporta un'esenzione dai doveri giuridici generali nella detenzione di animali da reddito.\n\n> «L'art. 104a Cost. crea le premesse per una produzione alimentare adattata al sito e efficiente nell'uso delle risorse, ma ciò non comporta un allentamento dei requisiti minimi del diritto sulla protezione degli animali.»\n\n### Superfici per l'avvicendamento delle colture e pianificazione del territorio\n\n**Sentenza 1C_235/2020 del 16 dicembre 2020**  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto l'art. 104a Cost. come fondamento costituzionale per la protezione rafforzata delle superfici per l'avvicendamento delle colture. La disposizione sostiene la gestione restrittiva delle domande di dismissione dall'inventario cantonale delle superfici per l'avvicendamento delle colture.\n\n> «L'art. 104a cpv. 1 lett. a Cost. obbliga la Confederazione a garantire le basi per la produzione agricola, in particolare il territorio coltivo. Ciò giustifica requisiti severi per la dismissione delle superfici per l'avvicendamento delle colture.»\n\n**Sentenza A-5843/2022 del 23 giugno 2025 (TAF)**  \nIl Tribunale amministrativo federale ha applicato l'art. 104a Cost. nella ponderazione degli interessi nella costruzione di strade nazionali. La protezione del territorio coltivo secondo l'art. 104a Cost. deve essere debitamente considerata nei progetti infrastrutturali, anche se non sempre ha la priorità.\n\nIl Tribunale ha sottolineato l'importanza di esami completi delle varianti:\n\n> «Nella ponderazione degli interessi, la protezione del territorio coltivo nel senso dell'art. 104a Cost. deve essere debitamente considerata. Devono essere esaminate varianti che richiedano meno superficie agricola o nessuna superficie agricola.»\n\n### Produzione adattata al sito\n\n**Sentenza A-3425/2019 del 19 dicembre 2019 (TAF)**  \nIl Tribunale amministrativo federale ha fatto riferimento all'art. 104a Cost. nel contesto delle misure di compensazione ecologica. La disposizione sostiene un'agricoltura sostenibile e adattata al sito, che sia in armonia con la protezione della natura.\n\nÈ stata evidenziata la rilevanza della disposizione per la ponderazione degli interessi tra uso agricolo e protezione della natura:\n\n> «L'art. 104a Cost. esige una produzione alimentare efficiente nell'uso delle risorse, che tenga conto anche degli aspetti ecologici e consenta così sinergie tra agricoltura e protezione della natura.»\n\n### Applicazione cantonale e regionale\n\n**Sentenza 602 2021 6 del 13 aprile 2022 (TC Friburgo)**  \nIl Tribunale cantonale di Friburgo si è basato sull'art. 104a Cost. nell'esame delle edificazioni in zona. La disposizione rafforza il peso costituzionale della protezione del territorio coltivo nella pianificazione del territorio.\n\n**Sentenza 110/2022/37 del 24 ottobre 2022 (BVD Berna)**  \nLa Direzione delle costruzioni, dei trasporti e dell'energia del Canton Berna ha incluso l'art. 104a Cost. nella ponderazione degli interessi per le strade alpine. La disposizione sostiene un'agricoltura montana tradizionale ed estensiva.\n\n### Significato per la prassi esecutiva\n\nLa giurisprudenza finora emanata mostra che l'art. 104a Cost. serve come fondamento costituzionale rafforzativo per politiche e norme già esistenti favorevoli all'agricoltura. La disposizione viene utilizzata in particolare nelle ponderazioni degli interessi tra diversi usi del suolo, senza tuttavia relativizzare le disposizioni protettive esistenti (protezione degli animali, protezione dell'ambiente).\n\nI tribunali sottolineano il carattere preventivo della norma: l'art. 104a Cost. obbliga a proteggere proattivamente le basi della sicurezza alimentare, prima che sorgano situazioni di penuria. Ciò giustifica requisiti più severi per la protezione del territorio coltivo e per la pianificazione della localizzazione delle infrastrutture.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 104a of the Federal Constitution regulates food security in Switzerland. This means: The population should have permanent access to sufficient healthy food. The article was adopted by a large majority in 2017 and entered into force in 2018.\n\nThe provision obliges the Confederation to promote five important areas: First, agricultural land (fertile fields and meadows) must be protected. Without sufficient agricultural areas, Switzerland cannot produce food itself. Second, agriculture should operate in a manner appropriate to the location and environmentally friendly. This means: potatoes are grown in the Central Plateau, not in the mountains. Third, farmers and food retailers must respond to consumer demand rather than only producing what is subsidised by the state.\n\nFourth, the article recognises that Switzerland must import food. About 40 percent of all food comes from abroad. Sustainable production conditions should be considered in this regard. Fifth, food should not be wasted.\n\nA practical example: If a municipality plans new building zones, it must examine whether valuable agricultural land is lost in the process. The protection of food production bases now carries more weight in such decisions.\n\nThe provision does not create direct rights for individuals, but gives the legislature mandates for policy.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** Art. 104a Cst. was adopted on 24 September 2017 by an overwhelming majority of the people (78.7%) and cantons (all cantons) as a counter-proposal to the popular initiative \"For Food Security\" and entered into force on 1 January 2018. The popular initiative was subsequently withdrawn.\n\n**N. 2** The Federal Council's message of 24 January 2017 emphasized that although Switzerland enjoys a high level of food security, this cannot be taken for granted in light of global challenges such as climate change, population growth and resource scarcity (BBl 2017 2195). The constitutional article was intended to anchor the various dimensions of food security — from domestic production to international trade to sustainable consumption — in a holistic approach.\n\n**N. 3** The counter-proposal went beyond the original popular initiative in terms of content by including not only the production side but the entire value chain from field to plate. Particular emphasis was placed on the necessity of cross-border trade relations (lit. d) as recognition of the fact that Switzerland imports around 40% of its food (BBl 2017 2199).\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 104a Cst. is located in Title 6 of the Federal Constitution on the powers of the Confederation and the cantons and, together with Art. 104 Cst. (agriculture), forms the constitutional foundation of agricultural policy. While Art. 104 Cst. primarily regulates multifunctional agriculture and its public services, Art. 104a Cst. focuses on food security as an overarching objective.\n\n**N. 5** The provision has close links to other constitutional norms: → Art. 2 para. 2 Cst. (common welfare), → Art. 54 para. 2 Cst. (alleviation of need and poverty in the world), → Art. 73 Cst. (sustainability), → Art. 74 Cst. (environmental protection), → Art. 75 Cst. (spatial planning) and → Art. 80 Cst. (animal welfare). These systematic cross-connections shape the interpretation of the individual elements of the provision.\n\n**N. 6** In relation to Art. 104 Cst., there is a complementary relationship: While Art. 104 Cst. regulates the instruments and measures of agricultural policy (direct payments, production regulations), Art. 104a Cst. defines the overarching objective of food security and extends the focus beyond primary production to the entire food chain.\n\n### Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 7** The purpose clause \"to ensure the supply of food to the population\" defines food security as permanent access to sufficient, safe and nutritious food. This encompasses both physical availability and economic accessibility (affordability).\n\n**N. 8** **Lit. a: Securing the foundations for agricultural production** — The protection of agricultural land is explicitly anchored as a constitutional mandate. This reinforces the protective duty already established in Art. 75 Cst. and Art. 3 para. 2 lit. a SPA. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 147 II 83 E. 3.2** that Art. 104a lit. a Cst. constitutionally underpins the quantitative protection of fertile soil areas. In addition to soil, the production foundations also include water, genetic resources and agricultural knowledge.\n\n**N. 9** **Lit. b: Location-appropriate and resource-efficient food production** — This provision codifies the sustainability principle for agriculture. \"Location-appropriate\" means taking account of natural conditions (climate, soil, topography) and excludes intensive production forms in unsuitable locations. \"Resource-efficient\" requires careful use of natural resources and high productivity per unit area.\n\n**N. 10** **Lit. c: Market-oriented agriculture and food industry** — Market orientation as a constitutional principle marks a departure from purely supply-oriented production incentives. The inclusion of the \"food industry\" extends the scope of application beyond primary production to processing, trade and catering.\n\n**N. 11** **Lit. d: Cross-border trade relations for sustainable development** — This worldwide unique constitutional provision acknowledges Switzerland's import dependence and obliges consideration of sustainability aspects in agricultural trade. According to the message, the term \"sustainable development\" encompasses ecological, social and economic dimensions (BBl 2017 2200).\n\n**N. 12** **Lit. e: Resource-conserving handling of food** — This provision addresses food losses and waste (food waste) along the entire value chain. It forms the constitutional basis for measures to reduce losses in production, processing, trade and consumption.\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 13** As a competence norm, Art. 104a Cst. establishes a legislative mandate for the Confederation, but does not create directly enforceable subjective rights. The Confederation is obliged to create \"conditions\" — this implies a wide legislative margin of discretion in the choice of means.\n\n**N. 14** In legal application, Art. 104a Cst. primarily unfolds its effect as an aid to interpretation and in balancing interests. The Federal Supreme Court held in **judgment 1C_235/2020 E. 5.3.2** that Art. 104a Cst. strengthens the weight of agricultural land protection in spatial planning considerations. The norm serves as an \"optimization requirement\" in the sense of principles theory.\n\n**N. 15** For the administration, Art. 104a Cst. establishes obligations to consider when enacting and implementing agricultural, spatial planning, environmental and foreign trade law. When drafting ordinances and political strategies (e.g. Agricultural Policy 2022+), the objective norm of food security is to be used as a guideline.\n\n### Controversies\n\n**N. 16** The legal nature of Art. 104a Cst. is disputed in doctrine. **Rainer J. Schweizer** (in: St. Gallen Commentary Cst., Art. 104a N. 8) qualifies the provision as a pure competence norm without programmatic content. In contrast, **Christine Kaufmann** (The anchoring of food security in the Federal Constitution, LeGes 2018, p. 1 ff.) emphasizes that Art. 104a Cst. does contain programmatic elements that must be taken into account in legislation and interpretation.\n\n**N. 17** The relationship between protection of agricultural land (lit. a) and market orientation (lit. c) is controversially discussed. **Peter Hänni** (Planning, Construction and Special Environmental Protection Law, 6th ed. 2016, § 3 N. 128a) sees a tension here, as strict area protection limits adaptability to market requirements. **Thomas Sägesser** (Commentary SPA, Art. 3 N. 42a) argues against this that both objectives are compatible through intelligent spatial planning.\n\n**N. 18** The scope of the sustainability clause in lit. d is also disputed. **Elisabeth Bürgi Bonanomi** (Sustainable agricultural imports into Switzerland?, Jusletter 15.10.2018) advocates for a broad interpretation that also includes social standards in exporting countries. **Mathis Berger** (Agricultural Foreign Trade and Constitution, 2019, p. 89 ff.) warns of trade law conflicts and favors a restrictive interpretation.\n\n### Practical Guidelines\n\n**N. 19** In planning procedures, Art. 104a Cst. must be included early in the balancing of interests. Particularly when claiming fertile soil areas, authorities must demonstrate that no suitable alternatives exist and that the use is limited to the minimum (→ Art. 30 para. 1bis SPO).\n\n**N. 20** In the approval procedure for agricultural buildings and installations, \"location-appropriate\" production (lit. b) is to be used as a criterion. Intensive livestock farming in sensitive areas or soil-independent production can only with difficulty invoke Art. 104a Cst.\n\n**N. 21** When designing support programs and direct payments, all five dimensions of Art. 104a Cst. must be considered in a balanced manner. One-sided optimizations — such as pure productivity increases without sustainability aspects — contradict the holistic approach of the norm.\n\n**N. 22** For agricultural policy, Art. 104a Cst. results in a coherence requirement: measures in one area (e.g. market opening) may not undermine other objectives (e.g. agricultural land protection). This requires cross-sectoral policy design and regular impact controls.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nArt. 104a FC was only incorporated into the Federal Constitution on 24 September 2017 and entered into force on 1 January 2018. Case law on this new provision is accordingly still underdeveloped. The available decisions mainly concern the application of the food security provision in the context of spatial planning and agricultural law.\n\n### Relationship to Art. 104 FC and Agricultural Policy\n\n**Judgment 2C_294/2023 of 22 January 2025**  \nIn the context of animal welfare law, the Federal Supreme Court clarified that Art. 104a FC strengthens the constitutional foundations for agricultural production, without however relativising existing animal welfare provisions. The provision does not establish any exemption from general legal obligations in livestock farming.\n\n> «Art. 104a FC creates conditions for location-adapted and resource-efficient food production, but this does not lead to a relaxation of animal welfare minimum requirements.»\n\n### Crop rotation areas and spatial planning\n\n**Judgment 1C_235/2020 of 16 December 2020**  \nThe Federal Supreme Court recognised Art. 104a FC as a constitutional basis for enhanced protection of crop rotation areas. The provision supports the restrictive handling of applications for release from the cantonal inventory of crop rotation areas.\n\n> «Art. 104a para. 1 lit. a FC obliges the Confederation to secure the foundations for agricultural production, particularly agricultural land. This justifies strict requirements for the release of crop rotation areas.»\n\n**Judgment A-5843/2022 of 23 June 2025 (FAC)**  \nThe Federal Administrative Court applied Art. 104a FC in weighing interests in national road construction. The protection of agricultural land under Art. 104a FC must be duly considered in infrastructure projects, even if it is not always given priority.\n\nThe Court emphasised the importance of comprehensive variant assessments:\n\n> «In weighing interests, the protection of agricultural land within the meaning of Art. 104a FC must be duly considered. Variants must be examined that would require less or no agricultural land.»\n\n### Location-adapted production\n\n**Judgment A-3425/2019 of 19 December 2019 (FAC)**  \nThe Federal Administrative Court referred to Art. 104a FC in the context of ecological compensation measures. The provision supports sustainable, location-adapted agriculture that is in harmony with nature conservation.\n\nThe relevance of the provision for weighing interests between agricultural use and nature conservation was highlighted:\n\n> «Art. 104a FC demands resource-efficient food production that also takes ecological considerations into account and thus enables synergies between agriculture and nature conservation.»\n\n### Cantonal and regional application\n\n**Judgment 602 2021 6 of 13 April 2022 (Cantonal Court of Fribourg)**  \nThe Cantonal Court of Fribourg relied on Art. 104a FC when examining zonings. The provision reinforces the constitutional weight of agricultural land protection in spatial planning.\n\n**Judgment 110/2022/37 of 24 October 2022 (BVD Bern)**  \nThe Building, Transport and Energy Directorate of the Canton of Bern included Art. 104a FC in weighing interests regarding alpine roads. The provision supports traditional, extensive mountain agriculture.\n\n### Significance for enforcement practice\n\nThe case law to date shows that Art. 104a FC serves as a reinforcing constitutional basis for already existing agriculture-friendly policies and norms. The provision is particularly invoked in weighing interests between different land uses, without however relativising existing protective provisions (animal welfare, environmental protection).\n\nThe courts emphasise the preventive character of the norm: Art. 104a FC obliges proactive protection of the foundations of food security before scarcity situations arise. This justifies stricter requirements for agricultural land protection and site planning for infrastructure.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_104a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 105, "article_suffix": "", "title": "Alkohol", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 105 BV gibt dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für Gesetze über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf von Spirituosen. Der Begriff «gebrannte Wasser» umfasst alle durch Destillation hergestellten alkoholischen Getränke mit mehr als 15 Volumenprozent Alkohol (Art. 2 Abs. 2 AlkG). Dazu gehören Whisky, Vodka, Gin und andere Spirituosen – nicht jedoch Bier oder Wein, die nur durch Gärung entstehen.\n\nDer Bund muss bei der Gesetzgebung den Gesundheitsschutz beachten. Deshalb besteuert er importierte Spirituosen mit einer Monopolabgabe von 29 Franken pro Liter reinen Alkohols (Art. 23 AlkV). Diese hohe Steuer soll den Alkoholkonsum reduzieren und die öffentliche Gesundheit schützen. Der Bund kontrolliert auch die Herstellung durch ein Konzessionssystem für Brennereien.\n\nDie Kantone dürfen im Bereich der Spirituosen keine eigenen Gesetze erlassen. Sie können nur bei Gastgewerbepatenten und Verkaufszeiten ergänzende Regeln aufstellen. Verstösst ein Kanton gegen diese Kompetenzordnung, kann das Bundesgericht eingreifen (**BGE 143 II 409**).\n\n**Beispiel**: Eine Brennerei möchte Whisky herstellen. Sie braucht eine Konzession vom Bund nach dem Alkoholgesetz und zusätzlich eine kantonale Gewerbebewilligung. Für den Import von Wodka zahlt ein Importeur 29 Franken Monopolabgabe pro Liter reinen Alkohols. Ein Kanton darf keine zusätzliche Alkoholsteuer auf Spirituosen erheben.\n\nDie Entstehungsgeschichte zeigt: Nach schweren sozialen Problemen durch Alkoholismus im 19. Jahrhundert erhielt der Bund 1885 erste Kompetenzen. Die heutige Regelung stammt aus der Totalrevision 1999, als drei alte Verfassungsartikel in Art. 105 BV zusammengefasst wurden (BBl 1997 I 1, 276). Die Schweiz wollte den Alkoholkonsum durch staatliche Kontrolle und hohe Steuern verringern.\n\nAktuell plant der Bundesrat eine Reform der Alkoholgesetzgebung. Umstritten sind Mindestpreise für alkoholische Getränke und Verkaufsverbote in der Nacht. Der Ständerat befürwortete solche Massnahmen, der Nationalrat lehnte sie ab. Die Doktrin ist gespalten: Uhlmann sieht verfassungsrechtliche Spielräume, während Pärli/Lehne Mindestpreise für zulässig halten.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Alkoholordnung des Bundes geht auf die Alkoholartikel der alten Bundesverfassung zurück (Art. 32bis-32quater aBV), die zwischen 1885 und 1930 in mehreren Volksabstimmungen eingeführt wurden. Der Verfassungsgeber reagierte damit auf die verheerenden gesundheitlichen und sozialen Folgen des massiven Alkoholkonsums im 19. Jahrhundert (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 1). Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung von 1996 übernahm die bestehende Kompetenzordnung ohne materielle Änderungen (BBl 1997 I 1, 276).\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung führte zu einer sprachlichen Modernisierung und systematischen Vereinfachung. Die drei Alkoholartikel der alten Bundesverfassung wurden in Art. 105 BV (Kompetenznorm) und Art. 131 Abs. 1 lit. b und c sowie Abs. 3 BV (Fiskalbestimmungen) zusammengefasst. Der Gesundheitsschutzauftrag wurde in Satz 2 von Art. 105 BV explizit verankert.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 105 BV steht im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 3. Kapitel (Finanzordnung), 3. Abschnitt (Nationalbank; Geld- und Währungswesen). Diese systematische Stellung ist historisch bedingt und widerspiegelt nicht die heutige Bedeutung der Norm. Art. 105 BV ist primär eine Kompetenznorm mit gesundheitspolitischer Zielsetzung (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 1).\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 131 Abs. 1 lit. b und c BV (Sondersteuern auf gebrannten Wassern)\n- → Art. 131 Abs. 3 BV (Zweckbindung der Einnahmen)\n- → Art. 118 BV (Schutz der Gesundheit)\n- → Art. 41 Abs. 1 lit. c BV (Sozialziel Schutz vor Suchtfolgen)\n- → Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung)\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Umfassende Bundeskompetenz (Satz 1)\n\n**N. 5** Art. 105 Satz 1 BV begründet eine umfassende und ausschliessliche Bundeskompetenz für die Gesetzgebung über «gebrannte Wasser». Der Begriff umfasst alle durch Destillation gewonnenen alkoholhaltigen Getränke sowie alkoholhaltige Erzeugnisse, die durch andere technische Verfahren einen vergleichbaren Alkoholgehalt erreichen (**BGE 143 II 409**). Lehre und Rechtsprechung übernehmen die Begrifflichkeit des Alkoholgesetzes für die Verfassungsauslegung (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 4).\n\n**N. 6** Die Bundeskompetenz erstreckt sich auf vier Tätigkeitsbereiche:\n- **Herstellung**: Monopol für gewerbliche Produktion, Konzessionssystem für Hausbrennereien\n- **Einfuhr**: Monopolabgabe auf importierten Spirituosen\n- **Reinigung**: Rektifikation und Qualitätskontrolle\n- **Verkauf**: Regulierung des Gross- und Detailhandels\n\n**N. 7** Nicht erfasst sind vergorene alkoholische Getränke (Bier, Wein). Diese unterliegen nur insoweit der Bundeskompetenz, als sie zu gebrannten Wassern weiterverarbeitet werden. Die kantonale Kompetenz für Gastgewerberecht bleibt vorbehalten, soweit nicht spezifisch gebrannte Wasser betroffen sind.\n\n### Gesundheitspolitischer Auftrag (Satz 2)\n\n**N. 8** Der Gesetzgeber ist verpflichtet, «den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung» zu tragen. Dieser Auftrag prägt die gesamte Alkoholgesetzgebung und legitimiert gesundheitspolitisch motivierte Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheit (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 6-9). \n\n**N. 9** Der Gesundheitsschutzauftrag konkretisiert sich in:\n- Präventionsmassnahmen (Werbeeinschränkungen, Jugendschutz)\n- Fiskalischen Lenkungsabgaben\n- Qualitätsvorschriften\n- Verkaufsbeschränkungen\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die ausschliessliche Bundeskompetenz schliesst kantonale Gesetzgebung im Kernbereich der gebrannten Wasser aus. Zulässig bleiben kantonale Regelungen:\n- Im Gastgewerbebereich (Patente, Öffnungszeiten)\n- Bei lokalen Verkaufsbeschränkungen aus polizeilichen Gründen\n- Für ergänzende Abgaben, soweit nicht gleichartig mit Bundessteuern (**Urteil 2P.316/2004**)\n\n**N. 11** Der Bund verfügt über die Kompetenz zur umfassenden Regulierung einschliesslich:\n- Monopolbildung (Einfuhr- und Fabrikationsmonopol)\n- Konzessionierung (Hausbrennereien, Gewerbebetriebe)\n- Besteuerung (Monopolabgabe, Sondersteuern)\n- Verwendungsvorschriften\n\n## 5. Streitstände\n\n### Mindestpreise und Verkaufsbeschränkungen\n\n**N. 12** Umstritten ist die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Mindestpreisen für alkoholische Getränke. Der Ständerat befürwortete sowohl nächtliche Verkaufsverbote (22-6 Uhr) als auch Mindestpreise zur Bekämpfung von Alkoholexzessen; der Nationalrat lehnte beides ab (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 10-11). Pärli/Lehne bejahen die Vereinbarkeit mit Art. 105 BV unter Berufung auf den Gesundheitsschutzauftrag, während Epiney/Metz handelsrechtliche Bedenken äussern.\n\n### Begriff der «gebrannten Wasser»\n\n**N. 13** Die Auslegung des Begriffs «gebrannte Wasser» ist bei neuen Produktionsverfahren umstritten. Das Bundesgericht hat in **BGE 143 II 409** entschieden, dass auch gefrierkonzentrierter Wein als gebranntes Wasser gilt, wenn der Alkoholgehalt demjenigen destillierter Produkte entspricht. Beusch plädiert für eine technologieneutrale Auslegung, die sich am Alkoholgehalt und Verwendungszweck orientiert.\n\n### Totalrevision der Alkoholgesetzgebung\n\n**N. 14** Der Bundesrat schlägt eine grundlegende Reform vor mit einem Spirituosensteuergesetz und einem Alkoholhandelsgesetz. Kontrovers ist der geplante Abbau des Monopolbereichs und die Reduktion der Bewilligungspflichten (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 10). Kritiker befürchten eine Schwächung des Gesundheitsschutzes, Befürworter erwarten administrative Vereinfachungen.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Einfuhr alkoholischer Produkte ist frühzeitig zu klären, ob diese als «gebrannte Wasser» qualifizieren. Massgebend sind:\n- Alkoholgehalt (> 15 Vol.-%)\n- Herstellungsverfahren (nicht nur Destillation)\n- Verwendungszweck\nDie Eidgenössische Alkoholverwaltung erteilt verbindliche Auskünfte.\n\n**N. 16** Für kantonale und kommunale Behörden gilt: Lokale Alkoholverkaufsverbote sind nur aus polizeilichen Gründen (öffentliche Ordnung, Jugendschutz) zulässig, nicht aus gesundheitspolitischen Motiven. Diese fallen in die ausschliessliche Bundeskompetenz.\n\n**N. 17** Gewerbetreibende müssen zwischen der alkoholrechtlichen Bewilligung (Bund) und der gastgewerblichen Bewilligung (Kanton) unterscheiden. Für den Verkauf gebrannter Wasser sind beide erforderlich. Die kantonalen Patente dürfen keine zusätzlichen Anforderungen für gebrannte Wasser aufstellen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Verfassungsrechtliche Grundlagen und Kompetenznorm\n\n**BGE 143 II 409** vom 3. Februar 2017  \nArt. 105 BV begründet die ausschliessliche Bundeskompetenz für die Gesetzgebung über gebrannte Wasser und verpflichtet den Bund zur Berücksichtigung der schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums. Das Bundesgericht bestätigt die Qualifikation gefrierkonzentrierten Weins als \"gebrannte Wasser\" im Sinne der Alkoholgesetzgebung.\n\n> «Art. 105 BV erklärt die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser zur Sache des Bundes; der Bund hat dabei insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung zu tragen.»\n\n**BGE 125 II 192** vom 5. Januar 1999  \nBestätigung der ausschliesslichen Bundeskompetenz im Alkoholbereich. Das Bundesgericht präzisiert die Auslegungskriterien für das Alkoholgesetz und bestätigt die Ermächtigung der Alkoholverwaltung zur Anfechtung von Rekursentscheiden.\n\n> «Die Eidgenössische Alkoholverwaltung ist gestützt auf Art. 103 lit. a OG legitimiert, einen Entscheid der Alkoholrekurskommission anzufechten, mit dem von ihr geltend gemachte Monopolabgaben aufgehoben werden.»\n\n## Abgrenzung zu kantonalen Kompetenzen\n\n**Urteil 2P.316/2004** vom 31. Oktober 2005  \nGrundlegender Entscheid zur Abgrenzung zwischen Bundes- und Kantonskompetenzen im Alkoholbereich. Das Bundesgericht stellt fest, dass kantonale Abgaben auf den Verkauf gebrannter Wasser zulässig sind, sofern sie nicht gleichartig mit Bundessteuern sind.\n\n> «Die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser ist Sache des Bundes; der Bund soll insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung tragen (Art. 105 BV, Art. 32bis aBV).»\n\n**Urteil 2A.660/2004** vom 14. Juni 2005  \nBestätigung des Gesundheitsschutzzwecks der Alkoholordnung. Das Bundesgericht betont, dass Art. 105 BV nicht nur eine Kompetenzzuweisung, sondern auch einen Auftrag zum Schutz der öffentlichen Gesundheit enthält.\n\n> «Die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser ist Sache des Bundes; der Bund soll insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung tragen (Art. 105 BV und Art. 32bis aBV).»\n\n## Bundesverwaltungsgerichtspraxis zur Alkoholgesetzgebung\n\n**Urteil A-477/2018** vom 11. September 2018  \nAktuelle Rechtsprechung zu Hausbrennereien und Ausnahmebewilligungen. Das Bundesverwaltungsgericht präzisiert die Voraussetzungen für Ausmietbewilligungen nach Art. 19 Abs. 3 AlkG und betont den Gesundheitsschutzzweck.\n\n> «Gemäss der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) ist die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser Sache des Bundes (Art. 105 BV). Der hauptsächliche Zweck der Alkoholordnung liegt im Schutz der öffentlichen Gesundheit.»\n\n**Urteil A-1083/2014** vom 30. März 2015  \nEntscheidung zur Monopolgebühr bei der Einfuhr alkoholischer Getränke. Das Bundesverwaltungsgericht wendet die verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art. 105 BV bei der Qualifikation von Produkten als \"gebrannte Wasser\" an.\n\nDie Entscheidung betrifft gefrierkonzentrierte weinhaltige Produkte und bestätigt die weite Auslegung des Begriffs \"gebrannte Wasser\".\n\n**Urteil A-335/2015** vom 2. Oktober 2015  \nKonzessionserteilung für Destillation. Das Bundesverwaltungsgericht bekräftigt die umfassende Bundeskompetenz nach Art. 105 BV und den damit verbundenen Regulierungsauftrag zum Schutz der öffentlichen Gesundheit.\n\nDas Gericht stellt klar, dass das Alkoholmonopol und die Konzessionspflicht unmittelbar aus Art. 105 BV abgeleitet werden.\n\n## Historische Rechtsprechung\n\n**BGE 39 I 557** vom 18. Dezember 1913  \nFrühe Rechtsprechung zur Freizügigkeit im Spirituosenhandel. Das Bundesgericht entwickelt bereits unter der alten Bundesverfassung Grundsätze zur ausschliesslichen Bundeskompetenz im Alkoholbereich.\n\nDer Entscheid zeigt die kontinuierliche Rechtsprechungslinie zur umfassenden Bundeskompetenz in der Alkoholgesetzgebung.\n\n**BGE 15 I 149** vom Jahr 1889  \nGrundlegender historischer Entscheid zur Auslegung des damaligen Bundesgesetzes über gebrannte Wasser. Bereits hier wird die umfassende Bundeskompetenz betont und kantonal Beschränkungen als unzulässig qualifiziert.\n\nDie historische Rechtsprechung bestätigt die kontinuierliche Anerkennung der ausschliesslichen Bundeskompetenz seit den Anfängen der modernen Alkoholgesetzgebung.\n\n## Kantonale Gerichtspraxis\n\n**WBE.2023.48** vom 28. September 2023 (Verwaltungsgericht Aargau)  \nAktuelle kantonale Rechtsprechung zu alkoholrechtlichen Bewilligungen. Das Verwaltungsgericht Aargau wendet Art. 105 BV bei der Beurteilung von Verkaufsbeschränkungen an und bestätigt die vorrangige Bundeskompetenz.\n\n**TVR 2006 Nr. 1** (Verwaltungsgericht Thurgau)  \nEntscheidung zur Abgabe für den Verkauf gebrannter Wasser. Das kantonale Gericht betont die Bindung an die bundesrechtlichen Vorgaben des Art. 105 BV bei der Ausgestaltung kantonaler Abgabesysteme.\n\nDas Gericht stellt fest, dass kantonale Abgaben im Alkoholbereich nur subsidiär und in Übereinstimmung mit Art. 105 BV erhoben werden können.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'ordre actuel de la Confédération en matière d'alcool remonte aux articles sur l'alcool de l'ancienne Constitution fédérale (art. 32bis-32quater anc. Cst.), qui furent introduits entre 1885 et 1930 au terme de plusieurs votations populaires. Le constituant réagissait ainsi aux conséquences sanitaires et sociales désastreuses de la consommation massive d'alcool au 19e siècle (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 1). Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale de 1996 a repris l'ordre des compétences existant sans modification matérielle (FF 1997 I 1, 276).\n\n**Ch. 2** La révision totale de la Constitution fédérale a conduit à une modernisation linguistique et à une simplification systématique. Les trois articles sur l'alcool de l'ancienne Constitution fédérale ont été regroupés dans l'art. 105 Cst. (norme de compétence) et l'art. 131 al. 1 let. b et c ainsi qu'al. 3 Cst. (dispositions fiscales). Le mandat de protection de la santé a été explicitement ancré dans la phrase 2 de l'art. 105 Cst.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 105 Cst. se trouve dans le titre 3 (Confédération, cantons et communes), chapitre 3 (Finances), section 3 (Banque nationale; monnaie et moyens de paiement). Cette position systématique est historiquement conditionnée et ne reflète pas l'importance actuelle de la norme. L'art. 105 Cst. est principalement une norme de compétence avec un objectif de politique de la santé (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 1).\n\n**Ch. 4** La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 131 al. 1 let. b et c Cst. (impôts spéciaux sur les boissons distillées)\n- → Art. 131 al. 3 Cst. (affectation des recettes)\n- → Art. 118 Cst. (Protection de la santé)\n- → Art. 41 al. 1 let. c Cst. (objectif social de protection contre les conséquences des addictions)\n- → Art. 94 Cst. (Principes de l'ordre économique)\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Compétence fédérale globale (phrase 1)\n\n**Ch. 5** L'art. 105 phrase 1 Cst. fonde une compétence fédérale globale et exclusive pour la législation sur les « boissons distillées ». Cette notion englobe toutes les boissons alcoolisées obtenues par distillation ainsi que les produits alcoolisés qui atteignent un taux d'alcool comparable par d'autres procédés techniques (**ATF 143 II 409**). La doctrine et la jurisprudence reprennent la terminologie de la loi sur l'alcool pour l'interprétation constitutionnelle (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 4).\n\n**Ch. 6** La compétence fédérale s'étend à quatre domaines d'activité :\n- **Fabrication** : monopole pour la production commerciale, système de concessions pour les distilleries domestiques\n- **Importation** : redevance de monopole sur les spiritueux importés\n- **Épuration** : rectification et contrôle de qualité\n- **Vente** : réglementation du commerce de gros et de détail\n\n**Ch. 7** Ne sont pas visées les boissons alcoolisées fermentées (bière, vin). Celles-ci ne relèvent de la compétence fédérale que dans la mesure où elles sont transformées en boissons distillées. La compétence cantonale pour le droit des établissements publics demeure réservée, pour autant que les boissons distillées ne soient pas spécifiquement concernées.\n\n### Mandat de politique de la santé (phrase 2)\n\n**Ch. 8** Le législateur est tenu de « tenir compte des effets nuisibles de la consommation d'alcool ». Ce mandat marque l'ensemble de la législation sur l'alcool et légitime les restrictions de la liberté économique motivées par la politique de la santé (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 6-9).\n\n**Ch. 9** Le mandat de protection de la santé se concrétise dans :\n- Les mesures de prévention (restrictions publicitaires, protection de la jeunesse)\n- Les redevances fiscales d'orientation\n- Les prescriptions de qualité\n- Les restrictions de vente\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 10** La compétence fédérale exclusive exclut la législation cantonale dans le domaine central des boissons distillées. Demeurent admissibles les réglementations cantonales :\n- Dans le domaine des établissements publics (patentes, heures d'ouverture)\n- Pour les restrictions de vente locales pour des motifs de police\n- Pour les redevances complémentaires, pour autant qu'elles ne soient pas de même nature que les impôts fédéraux (**Arrêt 2P.316/2004**)\n\n**Ch. 11** La Confédération dispose de la compétence pour une réglementation globale incluant :\n- La formation de monopoles (monopole d'importation et de fabrication)\n- L'octroi de concessions (distilleries domestiques, entreprises commerciales)\n- L'imposition (redevance de monopole, impôts spéciaux)\n- Les prescriptions d'utilisation\n\n## 5. Points litigieux\n\n### Prix minimaux et restrictions de vente\n\n**Ch. 12** La licéité constitutionnelle de prix minimaux pour les boissons alcoolisées est controversée. Le Conseil des États a approuvé tant les interdictions de vente nocturnes (22h-6h) que les prix minimaux pour lutter contre les excès d'alcool ; le Conseil national a rejeté les deux mesures (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 10-11). Pärli/Lehne affirment la compatibilité avec l'art. 105 Cst. en invoquant le mandat de protection de la santé, tandis qu'Epiney/Metz expriment des réserves de droit commercial.\n\n### Notion de « boissons distillées »\n\n**Ch. 13** L'interprétation de la notion de « boissons distillées » est controversée pour les nouveaux procédés de production. Le Tribunal fédéral a décidé dans l'**ATF 143 II 409** que le vin concentré par congélation constitue également une boisson distillée si le taux d'alcool correspond à celui de produits distillés. Beusch plaide pour une interprétation neutre du point de vue technologique, qui s'oriente sur le taux d'alcool et l'usage.\n\n### Révision totale de la législation sur l'alcool\n\n**Ch. 14** Le Conseil fédéral propose une réforme fondamentale avec une loi sur l'impôt sur les spiritueux et une loi sur le commerce de l'alcool. Le démantèlement prévu du domaine monopolistique et la réduction des obligations d'autorisation sont controversés (Uhlmann, BSK BV, art. 105 ch. 10). Les critiques craignent un affaiblissement de la protection de la santé, les partisans attendent des simplifications administratives.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 15** Lors de l'importation de produits alcoolisés, il convient de clarifier précocement s'ils sont qualifiés de « boissons distillées ». Sont déterminants :\n- Le taux d'alcool (> 15 % vol.)\n- Le procédé de fabrication (pas seulement la distillation)\n- L'usage\nLa Régie fédérale des alcools donne des renseignements contraignants.\n\n**Ch. 16** Pour les autorités cantonales et communales : les interdictions locales de vente d'alcool ne sont admissibles que pour des motifs de police (ordre public, protection de la jeunesse), non pour des motifs de politique de la santé. Ceux-ci relèvent de la compétence fédérale exclusive.\n\n**Ch. 17** Les commerçants doivent distinguer entre l'autorisation de droit de l'alcool (Confédération) et l'autorisation d'établissement public (canton). Pour la vente de boissons distillées, les deux sont nécessaires. Les patentes cantonales ne peuvent pas imposer d'exigences supplémentaires pour les boissons distillées.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Fondements constitutionnels et norme de compétence\n\n**ATF 143 II 409** du 3 février 2017  \nL'art. 105 Cst. fonde la compétence exclusive de la Confédération pour la législation sur les boissons distillées et oblige la Confédération à tenir compte des effets nocifs de la consommation d'alcool. Le Tribunal fédéral confirme la qualification du vin concentré par congélation comme « boissons distillées » au sens de la législation sur l'alcool.\n\n> « L'art. 105 Cst. déclare que la législation sur la fabrication, l'importation, la rectification et la vente des boissons distillées relève de la compétence de la Confédération ; la Confédération doit notamment tenir compte des effets nocifs de la consommation d'alcool. »\n\n**ATF 125 II 192** du 5 janvier 1999  \nConfirmation de la compétence exclusive de la Confédération dans le domaine de l'alcool. Le Tribunal fédéral précise les critères d'interprétation de la loi sur l'alcool et confirme l'autorisation de l'administration de l'alcool de contester les décisions de recours.\n\n> « La Régie fédérale des alcools est légitimée, en vertu de l'art. 103 let. a OJ, à attaquer une décision de la commission de recours en matière d'alcool qui annule des redevances de monopole qu'elle a fait valoir. »\n\n## Délimitation par rapport aux compétences cantonales\n\n**Arrêt 2P.316/2004** du 31 octobre 2005  \nDécision fondamentale concernant la délimitation entre les compétences fédérales et cantonales dans le domaine de l'alcool. Le Tribunal fédéral constate que les taxes cantonales sur la vente de boissons distillées sont admissibles, pour autant qu'elles ne soient pas de même nature que les impôts fédéraux.\n\n> « La législation sur la fabrication, l'importation, la rectification et la vente des boissons distillées relève de la compétence de la Confédération ; la Confédération doit notamment tenir compte des effets nocifs de la consommation d'alcool (art. 105 Cst., art. 32bis aCst.). »\n\n**Arrêt 2A.660/2004** du 14 juin 2005  \nConfirmation du but de protection de la santé de l'ordre en matière d'alcool. Le Tribunal fédéral souligne que l'art. 105 Cst. ne contient pas seulement une attribution de compétence, mais aussi un mandat de protection de la santé publique.\n\n> « La législation sur la fabrication, l'importation, la rectification et la vente des boissons distillées relève de la compétence de la Confédération ; la Confédération doit notamment tenir compte des effets nocifs de la consommation d'alcool (art. 105 Cst. et art. 32bis aCst.). »\n\n## Jurisprudence du Tribunal administratif fédéral relative à la législation sur l'alcool\n\n**Arrêt A-477/2018** du 11 septembre 2018  \nJurisprudence actuelle concernant les distilleries domestiques et les autorisations exceptionnelles. Le Tribunal administratif fédéral précise les conditions pour les autorisations de mise en location selon l'art. 19 al. 3 LAlc et souligne le but de protection de la santé.\n\n> « Selon la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 18 avril 1999 (Cst. ; RS 101), la législation sur la fabrication, l'importation, la rectification et la vente des boissons distillées relève de la compétence de la Confédération (art. 105 Cst.). Le but principal de l'ordre en matière d'alcool réside dans la protection de la santé publique. »\n\n**Arrêt A-1083/2014** du 30 mars 2015  \nDécision concernant la taxe de monopole lors de l'importation de boissons alcooliques. Le Tribunal administratif fédéral applique les exigences constitutionnelles de l'art. 105 Cst. lors de la qualification de produits comme « boissons distillées ».\n\nLa décision concerne des produits viniques concentrés par congélation et confirme l'interprétation large de la notion de « boissons distillées ».\n\n**Arrêt A-335/2015** du 2 octobre 2015  \nOctroi de concession pour la distillation. Le Tribunal administratif fédéral réaffirme la compétence fédérale globale selon l'art. 105 Cst. et le mandat de réglementation qui y est lié pour la protection de la santé publique.\n\nLe Tribunal précise que le monopole de l'alcool et l'obligation de concession découlent directement de l'art. 105 Cst.\n\n## Jurisprudence historique\n\n**ATF 39 I 557** du 18 décembre 1913  \nJurisprudence précoce concernant la liberté de commerce dans le domaine des spiritueux. Le Tribunal fédéral développe déjà sous l'ancienne Constitution fédérale des principes relatifs à la compétence exclusive de la Confédération dans le domaine de l'alcool.\n\nLa décision montre la ligne jurisprudentielle continue concernant la compétence fédérale globale dans la législation sur l'alcool.\n\n**ATF 15 I 149** de l'année 1889  \nDécision historique fondamentale concernant l'interprétation de la loi fédérale de l'époque sur les boissons distillées. Déjà ici, la compétence fédérale globale est soulignée et les restrictions cantonales sont qualifiées d'inadmissibles.\n\nLa jurisprudence historique confirme la reconnaissance continue de la compétence fédérale exclusive depuis les débuts de la législation moderne sur l'alcool.\n\n## Jurisprudence des tribunaux cantonaux\n\n**WBE.2023.48** du 28 septembre 2023 (Tribunal administratif d'Argovie)  \nJurisprudence cantonale actuelle concernant les autorisations en matière d'alcool. Le Tribunal administratif d'Argovie applique l'art. 105 Cst. lors de l'appréciation de restrictions de vente et confirme la compétence fédérale prioritaire.\n\n**TVR 2006 n° 1** (Tribunal administratif de Thurgovie)  \nDécision concernant la taxe pour la vente de boissons distillées. Le tribunal cantonal souligne l'obligation de respecter les exigences du droit fédéral de l'art. 105 Cst. lors de l'aménagement des systèmes cantonaux de taxes.\n\nLe tribunal constate que les taxes cantonales dans le domaine de l'alcool ne peuvent être perçues qu'à titre subsidiaire et en conformité avec l'art. 105 Cst.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale ordinamento federale sull'alcol risale agli articoli sull'alcol della vecchia Costituzione federale (art. 32bis-32quater aCostituzione federale), che furono introdotti tra il 1885 e il 1930 in diverse votazioni popolari. Il costituente reagì così alle devastanti conseguenze sanitarie e sociali del consumo massiccio di alcol nel XIX secolo (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 1). Il messaggio per la nuova Costituzione federale del 1996 riprese l'ordinamento delle competenze esistente senza modifiche materiali (FF 1997 I 1, 276).\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale portò a un'ammodernamento linguistico e a una semplificazione sistematica. I tre articoli sull'alcol della vecchia Costituzione federale furono riuniti nell'art. 105 Cost. (norma di competenza) e nell'art. 131 cpv. 1 lett. b e c nonché cpv. 3 Cost. (disposizioni fiscali). Il mandato di protezione della salute fu ancorato esplicitamente nella frase 2 dell'art. 105 Cost.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 105 Cost. si trova nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 3° capitolo (Ordinamento finanziario), 3° sezione (Banca nazionale; ordinamento monetario e valutario). Questa collocazione sistematica è dovuta a ragioni storiche e non rispecchia l'odierno significato della norma. L'art. 105 Cost. è primariamente una norma di competenza con finalità di politica sanitaria (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 1).\n\n**N. 4** La norma è in stretta relazione con:\n- → art. 131 cpv. 1 lett. b e c Cost. (imposte speciali sulle acque-di-vita)\n- → art. 131 cpv. 3 Cost. (vincolo di destinazione delle entrate)\n- → art. 118 Cost. (protezione della salute)\n- → art. 41 cpv. 1 lett. c Cost. (obiettivo sociale di protezione dalle conseguenze delle dipendenze)\n- → art. 94 Cost. (principi dell'ordinamento economico)\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Competenza federale integrale (frase 1)\n\n**N. 5** L'art. 105 frase 1 Cost. fonda una competenza federale integrale ed esclusiva per la legislazione sulle «acque-di-vita». Il concetto comprende tutte le bevande alcoliche ottenute per distillazione nonché i prodotti contenenti alcol che raggiungono un tenore alcolico paragonabile attraverso altri procedimenti tecnici (**DTF 143 II 409**). La dottrina e la giurisprudenza riprendono la terminologia della legge sull'alcol per l'interpretazione costituzionale (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 4).\n\n**N. 6** La competenza federale si estende a quattro settori di attività:\n- **Fabbricazione**: Monopolio per la produzione commerciale, sistema di concessioni per le distillerie domestiche\n- **Importazione**: Tassa di monopolio sui liquori importati\n- **Depurazione**: Rettificazione e controllo della qualità\n- **Vendita**: Regolamentazione del commercio all'ingrosso e al dettaglio\n\n**N. 7** Non sono incluse le bevande alcoliche fermentate (birra, vino). Queste sottostanno alla competenza federale solo nella misura in cui vengono trasformate in acque-di-vita. Resta riservata la competenza cantonale per il diritto degli esercizi pubblici, per quanto non siano specificamente interessate le acque-di-vita.\n\n### Mandato di politica sanitaria (frase 2)\n\n**N. 8** Il legislatore è obbligato a «tenere conto degli effetti dannosi del consumo di alcol». Questo mandato caratterizza l'intera legislazione sull'alcol e legittima le limitazioni della libertà economica motivate dalla politica sanitaria (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 6-9). \n\n**N. 9** Il mandato di protezione della salute si concretizza in:\n- Misure di prevenzione (limitazioni pubblicitarie, protezione dei giovani)\n- Imposte d'incentivazione fiscali\n- Prescrizioni di qualità\n- Limitazioni di vendita\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La competenza federale esclusiva esclude la legislazione cantonale nel settore centrale delle acque-di-vita. Restano ammissibili le regolamentazioni cantonali:\n- Nel settore degli esercizi pubblici (patenti, orari di apertura)\n- Per limitazioni di vendita locali per ragioni di polizia\n- Per imposte complementari, per quanto non siano della stessa natura delle imposte federali (**Sentenza 2P.316/2004**)\n\n**N. 11** La Confederazione dispone della competenza per una regolamentazione integrale che include:\n- Formazione di monopoli (monopolio d'importazione e di fabbricazione)\n- Rilascio di concessioni (distillerie domestiche, aziende commerciali)\n- Imposizione (tassa di monopolio, imposte speciali)\n- Prescrizioni d'uso\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### Prezzi minimi e limitazioni di vendita\n\n**N. 12** È controversa l'ammissibilità costituzionale di prezzi minimi per le bevande alcoliche. Il Consiglio degli Stati appoggiava sia i divieti di vendita notturni (ore 22-6) sia i prezzi minimi per combattere gli eccessi alcolici; il Consiglio nazionale respingeva entrambi (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 10-11). Pärli/Lehne affermano la compatibilità con l'art. 105 Cost. richiamandosi al mandato di protezione della salute, mentre Epiney/Metz esprimono dubbi di diritto commerciale.\n\n### Concetto di «acque-di-vita»\n\n**N. 13** L'interpretazione del concetto di «acque-di-vita» è controversa per i nuovi procedimenti di produzione. Il Tribunale federale ha deciso in **DTF 143 II 409** che anche il vino concentrato per congelamento vale come acqua-di-vita se il tenore alcolico corrisponde a quello dei prodotti distillati. Beusch propugna un'interpretazione neutrale dal punto di vista tecnologico, che si orienti sul tenore alcolico e sullo scopo d'uso.\n\n### Revisione totale della legislazione sull'alcol\n\n**N. 14** Il Consiglio federale propone una riforma fondamentale con una legge sull'imposta sui liquori e una legge sul commercio di alcol. È controverso lo smantellamento previsto del settore del monopolio e la riduzione degli obblighi di autorizzazione (Uhlmann, BSK BV, art. 105 n. 10). I critici temono un indebolimento della protezione della salute, i sostenitori si aspettano semplificazioni amministrative.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Per l'importazione di prodotti alcolici è necessario chiarire tempestivamente se questi si qualifichino come «acque-di-vita». Determinanti sono:\n- Tenore alcolico (> 15 vol.-%)\n- Procedimento di fabbricazione (non solo distillazione)\n- Scopo d'uso\nL'Amministrazione federale dell'alcol rilascia informazioni vincolanti.\n\n**N. 16** Per le autorità cantonali e comunali vale: i divieti locali di vendita di alcol sono ammissibili solo per ragioni di polizia (ordine pubblico, protezione dei giovani), non per motivi di politica sanitaria. Questi ricadono nella competenza federale esclusiva.\n\n**N. 17** Gli operatori commerciali devono distinguere tra l'autorizzazione di diritto dell'alcol (Confederazione) e l'autorizzazione di esercizio pubblico (Cantone). Per la vendita di acque-di-vita sono necessarie entrambe. Le patenti cantonali non possono stabilire requisiti aggiuntivi per le acque-di-vita.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Fondamenti costituzionali e norma di competenza\n\n**DTF 143 II 409** del 3 febbraio 2017  \nL'art. 105 Cost. stabilisce la competenza esclusiva della Confederazione per la legislazione sui distillati e obbliga la Confederazione a tenere conto degli effetti nocivi del consumo di alcol. Il Tribunale federale conferma la qualificazione del vino concentrato per congelamento come \"distillati\" nel senso della legislazione sull'alcol.\n\n> «L'art. 105 Cost. dichiara la legislazione sulla fabbricazione, importazione, purificazione e vendita di distillati di competenza della Confederazione; la Confederazione deve in particolare tenere conto degli effetti nocivi del consumo di alcol.»\n\n**DTF 125 II 192** del 5 gennaio 1999  \nConferma della competenza esclusiva della Confederazione nel settore dell'alcol. Il Tribunale federale precisa i criteri di interpretazione per la legge sull'alcol e conferma l'autorizzazione dell'amministrazione dell'alcol a impugnare le decisioni su ricorso.\n\n> «L'Amministrazione federale degli alcol è legittimata, in base all'art. 103 lett. a OG, a impugnare una decisione della commissione di ricorso per l'alcol con cui sono stati annullati i diritti di monopolio da essa fatti valere.»\n\n## Delimitazione rispetto alle competenze cantonali\n\n**Sentenza 2P.316/2004** del 31 ottobre 2005  \nDecisione fondamentale sulla delimitazione tra competenze federali e cantonali nel settore dell'alcol. Il Tribunale federale stabilisce che i tributi cantonali sulla vendita di distillati sono ammissibili, purché non siano dello stesso genere delle imposte federali.\n\n> «La legislazione sulla fabbricazione, importazione, purificazione e vendita di distillati è di competenza della Confederazione; la Confederazione deve in particolare tenere conto degli effetti nocivi del consumo di alcol (art. 105 Cost., art. 32bis aCost.).»\n\n**Sentenza 2A.660/2004** del 14 giugno 2005  \nConferma della finalità di protezione della salute dell'ordinamento sull'alcol. Il Tribunale federale sottolinea che l'art. 105 Cost. non contiene solo un'attribuzione di competenza, ma anche un mandato di protezione della salute pubblica.\n\n> «La legislazione sulla fabbricazione, importazione, purificazione e vendita di distillati è di competenza della Confederazione; la Confederazione deve in particolare tenere conto degli effetti nocivi del consumo di alcol (art. 105 Cost. e art. 32bis aCost.).»\n\n## Prassi del Tribunale amministrativo federale sulla legislazione sull'alcol\n\n**Sentenza A-477/2018** dell'11 settembre 2018  \nGiurisprudenza attuale sulle distillerie domestiche e le autorizzazioni d'eccezione. Il Tribunale amministrativo federale precisa le condizioni per le autorizzazioni di affitto secondo l'art. 19 cpv. 3 LAlc e sottolinea la finalità di protezione della salute.\n\n> «Secondo la Costituzione federale della Confederazione Svizzera del 18 aprile 1999 (Cost.; RS 101), la legislazione sulla fabbricazione, importazione, purificazione e vendita di distillati è di competenza della Confederazione (art. 105 Cost.). Lo scopo principale dell'ordinamento sull'alcol risiede nella protezione della salute pubblica.»\n\n**Sentenza A-1083/2014** del 30 marzo 2015  \nDecisione sulla tassa di monopolio per l'importazione di bevande alcoliche. Il Tribunale amministrativo federale applica le prescrizioni costituzionali dell'art. 105 Cost. nella qualificazione di prodotti come \"distillati\".\n\nLa decisione concerne prodotti vinicoli concentrati per congelamento e conferma l'interpretazione ampia del concetto di \"distillati\".\n\n**Sentenza A-335/2015** del 2 ottobre 2015  \nRilascio di concessioni per la distillazione. Il Tribunale amministrativo federale ribadisce la competenza globale della Confederazione secondo l'art. 105 Cost. e il relativo mandato di regolamentazione per la protezione della salute pubblica.\n\nIl Tribunale chiarisce che il monopolio dell'alcol e l'obbligo di concessione derivano direttamente dall'art. 105 Cost.\n\n## Giurisprudenza storica\n\n**DTF 39 I 557** del 18 dicembre 1913  \nPrima giurisprudenza sulla libera circolazione nel commercio di distillati. Il Tribunale federale sviluppa già sotto la vecchia Costituzione federale principi sulla competenza esclusiva della Confederazione nel settore dell'alcol.\n\nLa decisione mostra la linea giurisprudenziale continua sulla competenza globale della Confederazione nella legislazione sull'alcol.\n\n**DTF 15 I 149** del 1889  \nDecisione storica fondamentale sull'interpretazione della legge federale dell'epoca sui distillati. Già qui viene sottolineata la competenza globale della Confederazione e le restrizioni cantonali sono qualificate come inammissibili.\n\nLa giurisprudenza storica conferma il riconoscimento continuo della competenza esclusiva della Confederazione dagli inizi della moderna legislazione sull'alcol.\n\n## Prassi dei tribunali cantonali\n\n**WBE.2023.48** del 28 settembre 2023 (Tribunale amministrativo Argovia)  \nGiurisprudenza cantonale attuale sulle autorizzazioni in materia di diritto dell'alcol. Il Tribunale amministrativo argoviese applica l'art. 105 Cost. nella valutazione delle restrizioni alla vendita e conferma la competenza prioritaria della Confederazione.\n\n**TVR 2006 n. 1** (Tribunale amministrativo Turgovia)  \nDecisione sulla tassa per la vendita di distillati. Il tribunale cantonale sottolinea il vincolo alle prescrizioni del diritto federale dell'art. 105 Cost. nella configurazione di sistemi cantonali di tassazione.\n\nIl tribunale stabilisce che le tasse cantonali nel settore dell'alcol possono essere riscosse solo in via sussidiaria e in conformità con l'art. 105 Cost.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current federal alcohol regulation is based on the alcohol articles of the old Federal Constitution (Art. 32bis-32quater aFC), which were introduced between 1885 and 1930 in several popular votes. The constituent power reacted to the devastating health and social consequences of massive alcohol consumption in the 19th century (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 1). The Federal Council Message on the new Federal Constitution of 1996 adopted the existing allocation of powers without material changes (BBl 1997 I 1, 276).\n\n**N. 2** The total revision of the Federal Constitution led to linguistic modernisation and systematic simplification. The three alcohol articles of the old Federal Constitution were consolidated into Art. 105 FC (competence provision) and Art. 131 para. 1 lit. b and c as well as para. 3 FC (fiscal provisions). The mandate to protect health was explicitly enshrined in sentence 2 of Art. 105 FC.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 105 FC stands in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 3 (Financial System), Section 3 (National Bank; Monetary and Currency System). This systematic position is historically conditioned and does not reflect the present-day significance of the provision. Art. 105 FC is primarily a competence provision with health policy objectives (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 1).\n\n**N. 4** The provision is closely related to:\n- → Art. 131 para. 1 lit. b and c FC (special taxes on distilled spirits)\n- → Art. 131 para. 3 FC (earmarking of revenues)\n- → Art. 118 FC (protection of health)\n- → Art. 41 para. 1 lit. c FC (social objective of protection against the consequences of addiction)\n- → Art. 94 FC (principles of the economic system)\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n### Comprehensive Federal Competence (sentence 1)\n\n**N. 5** Art. 105 sentence 1 FC establishes a comprehensive and exclusive federal competence for legislation on «distilled spirits». The term covers all alcoholic beverages obtained through distillation as well as alcoholic products that achieve a comparable alcohol content through other technical processes (**BGE 143 II 409**). Legal doctrine and case law adopt the terminology of the Alcohol Act for constitutional interpretation (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 4).\n\n**N. 6** The federal competence extends to four areas of activity:\n- **Production**: Monopoly for commercial production, licensing system for home distilleries\n- **Import**: Monopoly charge on imported spirits\n- **Purification**: Rectification and quality control\n- **Sale**: Regulation of wholesale and retail trade\n\n**N. 7** Not covered are fermented alcoholic beverages (beer, wine). These are only subject to federal competence insofar as they are further processed into distilled spirits. Cantonal competence for hospitality law remains reserved, insofar as distilled spirits are not specifically affected.\n\n### Health Policy Mandate (sentence 2)\n\n**N. 8** The legislature is obliged to «take account of the harmful effects of alcohol consumption». This mandate shapes the entire alcohol legislation and legitimises health policy-motivated restrictions on economic freedom (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 6-9).\n\n**N. 9** The health protection mandate is implemented through:\n- Prevention measures (advertising restrictions, youth protection)\n- Fiscal steering charges\n- Quality regulations\n- Sales restrictions\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** The exclusive federal competence excludes cantonal legislation in the core area of distilled spirits. The following cantonal regulations remain permissible:\n- In the hospitality sector (licences, opening hours)\n- For local sales restrictions for police reasons\n- For supplementary levies, insofar as they are not similar to federal taxes (**Judgment 2P.316/2004**)\n\n**N. 11** The Confederation has the competence for comprehensive regulation including:\n- Monopoly formation (import and manufacturing monopoly)\n- Licensing (home distilleries, commercial enterprises)\n- Taxation (monopoly charge, special taxes)\n- Usage regulations\n\n## 5. Points of Controversy\n\n### Minimum Prices and Sales Restrictions\n\n**N. 12** The constitutional admissibility of minimum prices for alcoholic beverages is disputed. The Council of States supported both night-time sales bans (10 p.m.-6 a.m.) and minimum prices to combat alcohol excess; the National Council rejected both (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 10-11). Pärli/Lehne affirm compatibility with Art. 105 FC citing the health protection mandate, while Epiney/Metz express commercial law concerns.\n\n### Concept of «Distilled Spirits»\n\n**N. 13** The interpretation of the term «distilled spirits» is disputed for new production processes. The Federal Supreme Court decided in **BGE 143 II 409** that freeze-concentrated wine also qualifies as distilled spirits if the alcohol content corresponds to that of distilled products. Beusch advocates for a technology-neutral interpretation based on alcohol content and intended use.\n\n### Total Revision of Alcohol Legislation\n\n**N. 14** The Federal Council proposes a fundamental reform with a Spirits Tax Act and an Alcohol Trade Act. Controversial is the planned reduction of the monopoly area and the reduction of licensing requirements (Uhlmann, BSK BV, Art. 105 N. 10). Critics fear a weakening of health protection, supporters expect administrative simplifications.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 15** When importing alcoholic products, it should be clarified early whether they qualify as «distilled spirits». The decisive factors are:\n- Alcohol content (> 15% by volume)\n- Production process (not only distillation)\n- Intended use\nThe Federal Alcohol Administration provides binding information.\n\n**N. 16** For cantonal and municipal authorities: Local alcohol sales bans are only permissible for police reasons (public order, youth protection), not for health policy motives. These fall within exclusive federal competence.\n\n**N. 17** Businesses must distinguish between alcohol law authorisation (federal) and hospitality law authorisation (cantonal). Both are required for the sale of distilled spirits. Cantonal licences may not impose additional requirements for distilled spirits.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Constitutional Foundations and Competence Norm\n\n**BGE 143 II 409** of 3 February 2017  \nArt. 105 BV establishes the exclusive federal competence for legislation on spirits and obliges the Confederation to consider the harmful effects of alcohol consumption. The Federal Supreme Court confirms the qualification of freeze-concentrated wine as \"spirits\" within the meaning of alcohol legislation.\n\n> «Art. 105 BV declares legislation on the production, importation, purification and sale of spirits to be a federal matter; in doing so, the Confederation must take particular account of the harmful effects of alcohol consumption.»\n\n**BGE 125 II 192** of 5 January 1999  \nConfirmation of exclusive federal competence in the alcohol sector. The Federal Supreme Court specifies the interpretation criteria for the Alcohol Act and confirms the authorisation of the alcohol administration to challenge appeal decisions.\n\n> «The Federal Alcohol Administration is authorised under Art. 103 lit. a OG to challenge a decision of the Alcohol Appeals Commission which revoked monopoly charges claimed by it.»\n\n## Delineation from Cantonal Competences\n\n**Judgment 2P.316/2004** of 31 October 2005  \nFundamental decision on the delineation between federal and cantonal competences in the alcohol sector. The Federal Supreme Court establishes that cantonal levies on the sale of spirits are permissible, provided they are not of the same nature as federal taxes.\n\n> «Legislation on the production, importation, purification and sale of spirits is a federal matter; the Confederation should take particular account of the harmful effects of alcohol consumption (Art. 105 BV, Art. 32bis old BV).»\n\n**Judgment 2A.660/2004** of 14 June 2005  \nConfirmation of the health protection purpose of the alcohol system. The Federal Supreme Court emphasises that Art. 105 BV contains not only a competence allocation, but also a mandate to protect public health.\n\n> «Legislation on the production, importation, purification and sale of spirits is a federal matter; the Confederation should take particular account of the harmful effects of alcohol consumption (Art. 105 BV and Art. 32bis old BV).»\n\n## Federal Administrative Court Practice on Alcohol Legislation\n\n**Judgment A-477/2018** of 11 September 2018  \nCurrent case law on home distilleries and exceptional permits. The Federal Administrative Court specifies the requirements for rental permits under Art. 19 para. 3 AlkG and emphasises the health protection purpose.\n\n> «According to the Federal Constitution of the Swiss Confederation of 18 April 1999 (BV; SR 101), legislation on the production, importation, purification and sale of spirits is a federal matter (Art. 105 BV). The main purpose of the alcohol system lies in the protection of public health.»\n\n**Judgment A-1083/2014** of 30 March 2015  \nDecision on monopoly fees for the importation of alcoholic beverages. The Federal Administrative Court applies the constitutional requirements of Art. 105 BV when qualifying products as \"spirits\".\n\nThe decision concerns freeze-concentrated wine-based products and confirms the broad interpretation of the term \"spirits\".\n\n**Judgment A-335/2015** of 2 October 2015  \nGranting of licences for distillation. The Federal Administrative Court reaffirms the comprehensive federal competence under Art. 105 BV and the associated regulatory mandate to protect public health.\n\nThe court clarifies that the alcohol monopoly and the licensing requirement are directly derived from Art. 105 BV.\n\n## Historical Case Law\n\n**BGE 39 I 557** of 18 December 1913  \nEarly case law on freedom of movement in the spirits trade. The Federal Supreme Court already developed principles for exclusive federal competence in the alcohol sector under the old Federal Constitution.\n\nThe decision shows the continuous line of case law regarding comprehensive federal competence in alcohol legislation.\n\n**BGE 15 I 149** from 1889  \nFundamental historical decision on the interpretation of the then Federal Act on spirits. Already here, comprehensive federal competence is emphasised and cantonal restrictions are qualified as inadmissible.\n\nHistorical case law confirms the continuous recognition of exclusive federal competence since the beginnings of modern alcohol legislation.\n\n## Cantonal Court Practice\n\n**WBE.2023.48** of 28 September 2023 (Administrative Court of Aargau)  \nCurrent cantonal case law on alcohol law permits. The Administrative Court of Aargau applies Art. 105 BV in assessing sales restrictions and confirms the overriding federal competence.\n\n**TVR 2006 No. 1** (Administrative Court of Thurgau)  \nDecision on the levy for the sale of spirits. The cantonal court emphasises the obligation to comply with the federal requirements of Art. 105 BV in the design of cantonal levy systems.\n\nThe court establishes that cantonal levies in the alcohol sector can only be raised subsidiarily and in accordance with Art. 105 BV.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_105", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 106, "article_suffix": "", "title": "Geldspiele", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 106 BV — Übersicht\n\nArt. 106 BV regelt die Geldspiele in der Schweiz und schafft klare Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen (BSK BV-Oesch, N. 14). Der Bund muss Vorschriften für alle Geldspiele erlassen und dabei die kantonalen Interessen berücksichtigen (Art. 106 Abs. 1 BV). Diese umfassende Bundeskompetenz wurde durch das Geldspielgesetz (BGS) umgesetzt, das am 1. Januar 2019 in Kraft trat (BBl 2010 7961).\n\n**Spielbanken** benötigen eine Bundeskonzession und müssen regionale Gegebenheiten berücksichtigen (Art. 106 Abs. 2 BV). Der Bund erhebt eine Spielbankenabgabe von maximal 80 Prozent der Bruttospielerträge, die vollständig der AHV und IV zugutekommen soll (Art. 106 Abs. 2 Satz 3 BV). Die Praxis, wonach nur die AHV profitiert, ist verfassungsrechtlich umstritten (BSK BV-Oesch, N. 24).\n\n**Grossspiele** wie Lotterien und Sportwetten werden von den Kantonen bewilligt und beaufsichtigt (Art. 106 Abs. 3 BV). Diese Zuständigkeit führte zur Monopolisierung durch Swisslos und Loterie Romande, was im Licht der Wirtschaftsfreiheit kritisch diskutiert wird (BSK BV-Oesch, N. 38). Die Reinerträge müssen vollumfänglich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden (Art. 106 Abs. 6 BV).\n\n**Online-Geldspiele** unterliegen denselben Regeln (Art. 106 Abs. 4 BV). Das Bundesgericht hat DNS-Sperren gegen ausländische Anbieter als verhältnismässig anerkannt (**BGE 148 II 392**), obwohl diese nur beschränkt wirksam sind.\n\n**Spielerschutz** ist ein zentrales Ziel (Art. 106 Abs. 5 BV). Bund und Kantone müssen durch Gesetzgebung und Aufsichtsmassnahmen angemessenen Schutz vor den Gefahren des Glücksspiels sicherstellen. Die Koordination erfolgt durch gemeinsame Organe (Art. 106 Abs. 7 BV) und seit 2021 durch das Gesamtschweizerische Geldspielkonkordat.\n\n**Beispiel**: Wer eine illegale Pokerplattform betreibt, macht sich strafbar. Das Bundesgericht qualifizierte Texas Hold'em-Turniere als Glücksspiele, weil der Geschicklichkeitsfaktor das Zufallselement nicht überwiegt (**BGE 136 II 291**). Ohne Konzession oder Bewilligung ist jegliches Angebot von Geldspielen unzulässig.", "doctrine_de": "# Art. 106 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Verfassungsbestimmung über Geldspiele ist das Ergebnis einer über hundertjährigen Entwicklung. Das Verbot der Spielbanken wurde bereits 1874 in die Bundesverfassung aufgenommen (Art. 35 aBV). Dieses absolute Verbot galt bis zur Volksabstimmung vom 7. März 1993, als die Aufhebung des Spielbankenverbots mit 72,5% Ja-Stimmen angenommen wurde (BBl 1991 III 837; BBl 1993 I 1445).\n\n**N. 2** Die Totalrevision von Art. 106 BV erfolgte durch den direkten Gegenentwurf zur Volksinitiative «Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls», der am 11. März 2012 von Volk und Ständen angenommen wurde (BBl 2010 7961; AS 2012 3629). Die Botschaft des Bundesrates vom 20. Oktober 2010 betonte die Notwendigkeit einer kohärenten Regelung des gesamten Geldspielsektors (BBl 2010 7961, 7965).\n\n**N. 3** Die Verfassungsrevision verfolgte drei Hauptziele: Erstens die Schaffung einer einheitlichen Kompetenzgrundlage für alle Geldspiele, zweitens die Verankerung des Grundsatzes der Gemeinnützigkeit der Erträge und drittens die Stärkung der Koordination zwischen Bund und Kantonen (BBl 2010 7961, 7968). Der Verfassungsgeber verpflichtete den Gesetzgeber explizit, eine kohärente und zweckmässige Regelung zu schaffen (BBl 2010 7961, 8006).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 106 BV ist im 3. Abschnitt «Finanzordnung» des 3. Kapitels der Bundesverfassung platziert. Diese systematische Stellung unterstreicht den fiskalischen Charakter der Bestimmung, obwohl sie primär ordnungspolitische und soziale Schutzziele verfolgt. Oesch betont zu Recht, dass die Erzielung von Einnahmen nicht der Hauptzweck der Geldspielregelung ist (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 12).\n\n**N. 5** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV), von der sie gemäss Art. 94 Abs. 4 BV eine explizite Ausnahme bildet. Das Bundesgericht hat in **BGE 148 II 392 E. 5.1** klargestellt, dass die Wirtschaftsfreiheit im Bereich der Geldspiele grundsätzlich nicht gilt. Diese Sonderstellung erlaubt dem Gesetzgeber die Schaffung von Monopolen und Konzessionssystemen.\n\n**N. 6** Querverweise bestehen insbesondere zu Art. 112 Abs. 5 BV (AHV/IV-Finanzierung), Art. 3 BV (Föderalismus) und Art. 49 Abs. 1 BV (Vorrang des Bundesrechts). Die in Art. 106 Abs. 7 BV verankerte Koordinationspflicht ist Ausdruck des kooperativen Föderalismus und steht im Zusammenhang mit Art. 44 BV (Grundsätze) und Art. 45 BV (Mitwirkung).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Gemäss Oesch ist Art. 106 Abs. 1 BV «zugleich Kompetenz- und Auftragsnorm und begründet eine verpflichtende und umfassende Zuständigkeit des Bundes im gesamten Bereich der Geldspiele» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 14). Der Begriff «Geldspiele» ist weit zu verstehen und umfasst alle Spiele, bei denen gegen einen geldwerten Einsatz ein Geldgewinn in Aussicht steht.\n\n**N. 8** Die Berücksichtigung der kantonalen Interessen (Abs. 1) ist nicht bloss programmatisch, sondern eine verbindliche Vorgabe. Das Bundesgericht hat in **BGE 135 II 338 E. 6.3** festgehalten, dass diese Pflicht konkrete Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Bundesgesetzgebung hat, insbesondere bezüglich der Ertragsverwendung.\n\n**N. 9** Das Konzessionssystem für Spielbanken (Abs. 2) ist zwingend ausgestaltet. Die regionalen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden, was eine gleichmässige geografische Verteilung der Spielbanken impliziert. Die Spielbankenabgabe ist zweckgebunden für die AHV/IV bestimmt. Oesch kritisiert die geltende Praxis, wonach nur die AHV, nicht aber die IV von den Spielbankenabgaben profitiert, als «im Licht des klaren Wortlauts von Art. 106 Abs. 2 Satz 3 erklärungsbedürftig» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 10** Die kantonalen Zuständigkeiten (Abs. 3) sind abschliessend aufgezählt. Die Ausnahme für Jackpotsysteme der Spielbanken zeigt die Verflechtung der Kompetenzbereiche. Das Bundesgericht hat in **BGE 141 II 262 E. 2.2** klargestellt, dass die Kantone ihre Kompetenzen nur im Rahmen der bundesrechtlichen Vorgaben ausüben können.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die primäre Rechtsfolge ist die umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes, verbunden mit einer Gesetzgebungspflicht. Diese Pflicht wurde durch das Geldspielgesetz vom 29. September 2017 (BGS) erfüllt, das am 1. Januar 2019 in Kraft trat.\n\n**N. 12** Für die Wirtschaftsakteure folgt aus Art. 106 BV i.V.m. Art. 94 Abs. 4 BV, dass kein Anspruch auf freien Marktzugang besteht. Praxis und Lehre anerkennen eine «stillschweigende Ermächtigung, nötigenfalls vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abzuweichen» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 15).\n\n**N. 13** Die Zweckbindung der Erträge ist verfassungsrechtlich verbindlich. Spielbankenabgaben müssen vollumfänglich der AHV/IV zugutekommen, während die Reinerträge aus Grossspielen für gemeinnützige Zwecke zu verwenden sind. Eine Verwendung für allgemeine Staatszwecke ist unzulässig.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 14** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Verfassungsmässigkeit der Monopolisierung des Lotteriewesens. Oesch hält fest: «Die Monopolisierung des Lotteriewesens zugunsten von Swisslos und der Loterie Romande scheint im Licht der Wirtschaftsfreiheit nicht unproblematisch» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 38). Diese Kritik wird durch die extensive Auslegung von Art. 94 Abs. 4 BV durch das Bundesgericht jedoch relativiert.\n\n**N. 15** Kontrovers diskutiert wird auch die Verwendung der Spielbankenabgabe. Die Praxis, wonach nur die AHV, nicht aber die IV von Spielbankenabgaben profitiert, steht in Spannung zum Verfassungstext. Im Jahr 2012 flossen CHF 319 Mio. in den Ausgleichsfonds der AHV, während die IV leer ausging (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 16** Die Reichweite der DNS-Sperren für ausländische Online-Anbieter war umstritten. Das Bundesgericht hat in **BGE 148 II 392** die Verfassungsmässigkeit bejaht, während Teile der Lehre die Verhältnismässigkeit kritisch sehen (vgl. Thouvenin/Stiller, Gutachten Netzsperren, 2016, S. 14 ff.).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Konzessionierung von Spielbanken ist die Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten nicht nur eine politische Richtlinie, sondern eine justiziable Rechtspflicht. Konzessionsentscheide müssen diese Vorgabe nachvollziehbar umsetzen.\n\n**N. 18** Die interkantonale Koordination erfolgt seit 2021 durch das Gesamtschweizerische Geldspielkonkordat (GSK). Praktiker müssen beachten, dass die Gespa als öffentlich-rechtliche Anstalt eigene Rechtspersönlichkeit besitzt und ihre Verfügungen direkt beim interkantonalen Geldspielgericht angefochten werden können.\n\n**N. 19** Für Online-Anbieter gilt: Ohne Konzession oder Bewilligung in der Schweiz ist jegliches Angebot von Geldspielen unzulässig. Das «Geoblocking» muss wirksam implementiert werden, um DNS-Sperren zu vermeiden. Das Bundesgericht anerkennt technische Massnahmen nur dann als ausreichend, wenn sie den Zugang aus der Schweiz effektiv verhindern.\n\n**N. 20** Bei der Ertragsverwendung müssen die Kantone sicherstellen, dass die Gelder tatsächlich und nachweisbar für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden. Die blosse Zuweisung an den allgemeinen Staatshaushalt mit nachträglicher Verwendung für gemeinnützige Zwecke genügt den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht.", "caselaw_de": "# Art. 106 BV — Rechtsprechung\n\n## Spielbankenabgabe und steuerliche Fragen\n\n**BGE 136 II 149** vom 1. Oktober 2009  \nBerechnung der Spielbankenabgabe bei Checkbetrug und Automatenmanipulation  \nDas Bundesgericht präzisiert die Rechtsgrundlagen der Spielbankenabgabe und entwickelt Grundsätze zur Berechnung des Bruttospielertrags bei rechtswidrigem Verhalten Dritter.\n\n> «Der Bruttospielertrag als Steuerobjekt ist die Differenz zwischen den Spieleinsätzen und den von der Spielbank rechtmässig ausbezahlten Gewinnen. Verletzt die Betreiberin eines Casinos aufsichtsrechtliche Sorgfaltspflichten im Umgang mit Checks, ist ihr Bruttospielertrag zu berechnen, wie wenn das Spiel und der Geldeintausch rechtens erfolgt wären.»\n\n**BGE 140 II 384** vom 27. Mai 2014  \nRechtmässigkeit und Berechnung einer Verwaltungssanktion gegen eine Casinobetreiberin  \nDie Entscheidung klärt das Verhältnis zwischen konzessionsrechtlicher Aufsicht und Datenschutzrecht sowie die Anwendung der EMRK-Verfahrensgarantien.\n\n> «Die verwaltungsrechtliche Sanktion nach Art. 51 SBG fällt zwar in den Anwendungsbereich der strafrechtlichen Verfahrensgarantien von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, doch wurden diese hier nicht verletzt, da die Erhebung der Unterlagen bzw. die Anhörung der Auskunftspersonen im konzessionsrechtlichen Aufsichtsverfahren nicht mit einer missbräuchlich bzw. unverhältnismässig ausgeübten Form von Zwang verbunden war.»\n\n## Abgrenzung zwischen Glücks-, Geschicklichkeits- und anderen Spielen\n\n**BGE 131 II 680** vom 17. Oktober 2005  \nAbgrenzung zwischen Glücksspiel- und Geschicklichkeitsspielautomaten («Hot Time»)  \nGrundsatzentscheid zur Qualifikation von Geldspielautomaten und zur Kompetenz der Spielbankenkommission bei Unterstellungsverfahren.\n\n> «Die Beurteilung, wann der gegen Leistung eines Einsatzes in Aussicht gestellte Geldgewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt und wann in hinreichendem Masse von der Geschicklichkeit, hat auf einer Gesamtwürdigung zu beruhen. Dem umstrittenen Apparat kommt ein einsatzadäquater Unterhaltungswert zu, wobei die bestehenden Zufallselemente nicht überwiegen und durch die Spielanlage sichergestellt ist, dass der geschicktere Spieler bessere Gewinnchancen hat als der ungeschicktere.»\n\n**BGE 136 II 291** vom 20. Mai 2010  \nGlücksspielcharakter von «Texas Hold'em»-Pokerturnieren  \nDas Urteil legt die Kompetenz der ESBK zur Qualifikation von Spielen fest und bejaht den Glücksspielcharakter von Pokerturnieren.\n\n> «Die Eidgenössische Spielbankenkommission ist befugt, darüber zu befinden, ob ein bestimmtes Spiel als Glücksspiel in den Anwendungsbereich des Spielbankengesetzes oder als Geschicklichkeits- oder Unterhaltungsspiel in den Zuständigkeitsbereich der Kantone fällt. Bei den umstrittenen 'Texas Hold'em'-Pokerturnieren handelt es sich um 'gemischte' Spiele, bei denen nicht erstellt ist, dass der Geschicklichkeitsfaktor das Zufallselement der Kartenverteilung überwiegt.»\n\n**BGE 137 II 222** vom 1. Januar 2011  \nAbgrenzung zwischen Lotterie und anderen Glücksspielen (Spiel «Tactilo»)  \nWichtige Entscheidung zum Verhältnis zwischen Lotteriegesetz und Spielbankengesetz und zur Bedeutung der verwendeten Technik.\n\n> «Das Verhältnis zwischen dem Lotteriegesetz und dem Spielbankengesetz bestimmt sich nach der gesetzlichen Unterscheidung aus den 1920er Jahren. Das Lotteriegesetz stellt gegenüber dem Spielbankengesetz eine lex specialis dar. Die verwendete Technik (hier elektronischer Natur) hat keinen Einfluss auf die juristische Qualifikation als Glücksspiel im Sinne des Lotteriegesetzes.»\n\n**BGE 133 II 68** vom 1. Januar 2007  \nQualifikation eines Finanzproduktes mit Sportwetten-Bezug  \nDie Entscheidung klärt das Verhältnis zwischen den spezifischen Bundesgesetzen und dem Obligationenrecht sowie die Definition der Glücksspiele.\n\n> «Ein Finanzprodukt, das einen Gewinn aufgrund von Sportergebnissen in Aussicht stellt, entspricht nicht den Zulässigkeitserfordernissen einer Prämienanleihe und auch nicht der gesetzlichen Definition einer zulässigen Lotterie. Die gesetzliche Regelung der Glücksspiele hat Vorrang vor dem Obligationenrecht.»\n\n## Interkantonale Koordination und Zuständigkeitsabgrenzung\n\n**BGE 141 II 262** vom 9. Juli 2015  \nKompetenz der Interkantonalen Lotterie- und Wettkommission (Comlot)  \nGrundsätzliche Ausführungen zur Glücksspielregelung in Bund und Kantonen sowie zur interkantonalen Koordination.\n\n> «Die Kompetenz der Interkantonalen Lotterie- und Wettkommission zur Durchführung von Unterstellungs- bzw. Qualifikationsverfahren ergibt sich aus der interkantonalen Vereinbarung. Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen einen Zuständigkeitsentscheid der Comlot ist zulässig.»\n\n**BGE 135 II 338** vom 7. Januar 2009  \nBundesrechtsmässigkeit einer «Generellen Zulassungsbewilligung» für Lotterieprodukte  \nDas Urteil behandelt die interkantonale Vereinbarung über Lotterien und Wetten sowie deren Verhältnis zum Bundesrecht.\n\n> «Das Bundesgericht kann die Bundesrechtsmässigkeit interkantonaler Vereinbarungen prüfen. Die interkantonale Vereinbarung über die Aufsicht sowie die Bewilligung und Ertragsverwendung von interkantonal oder gesamtschweizerisch durchgeführten Lotterien und Wetten ist grundsätzlich bundesrechtskonform.»\n\n## DNS-Sperren und Online-Geldspiele\n\n**BGE 148 II 392** vom 18. Mai 2022  \nDNS-Zugangssperre für ausländische Online-Geldspielanbieter  \nLeitentscheid zur Verfassungsmässigkeit und Verhältnismässigkeit von Internetsperren im Geldspielbereich nach dem neuen BGS.\n\n> «Ausländische Anbieterinnen von in der Schweiz nicht bewilligten Online-Geldspielen können sich für den Marktzugang nicht auf die Wirtschaftsfreiheit und die Rechtsprechung des EuGH bzw. des EFTA-Gerichtshofs zur unionsrechtlichen Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit berufen. Die derzeit praktizierte 'Domain-Name-System-Sperre' (DNS-Sperre) ist trotz ihrer beschränkten Wirksamkeit verhältnismässig.»\n\nDas Urteil entwickelt ausführlich die Kriterien für die Qualifikation als Geldspiel unter dem neuen BGS:\n\n> «Als Geldspiele gelten Spiele, bei denen gegen Leistung eines geldwerten Einsatzes oder bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts ein Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht. In den Geltungsbereich des Geldspielgesetzes fallen grundsätzlich alle Spiele, bei denen gegen Leistung eines Einsatzes oder bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts ein Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht.»\n\nZur Verhältnismässigkeit der DNS-Sperren:\n\n> «Der Gesetzgeber war sich bewusst, dass keine hundertprozentige Wirksamkeit gewährleistet werden kann und Umgehungsmöglichkeiten bestehen; dennoch wurde die DNS-Sperrung als Sperrmöglichkeit erachtet, welche 'gegenwärtig' die 'einfachste und angemessenste Lösung für das Sperren nicht bewilligter Spiel-Internetseiten' bilde. Der blosse Umstand, dass der Zugang zu nicht bewilligten Websiten durch diese Sperrmassnahmen zumindest erschwert wird, dürfte bei durchschnittlichen Spielerinnen und Spielern bereits genügen, um sie zu den legalen Angeboten hinzuführen.»\n\n## Neueste Entwicklungen und Strafverfahren\n\n**Urteil 6B_499/2024** vom 20. November 2024  \nWiderhandlung gegen das Geldspielgesetz  \nAktuelle Rechtsprechung zur Anwendung des Verwaltungsstrafrechts bei Geldspieldelikten unter dem neuen BGS.\n\n**Bundesstrafgericht BE.2025.2** vom 15. Mai 2025  \nEntsiegelungsverfahren bei illegalen Spielbankenspielen  \nDie Entscheidung zeigt die praktische Durchsetzung des Geldspielrechts durch Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen auf.\n\n## Systematik und Entwicklung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 106 BV zeigt eine kontinuierliche Entwicklung von der ursprünglichen Spielbankenregelung über die Lotteriegesetze bis hin zum modernen Geldspielgesetz (BGS) von 2019. Zentrale Themen sind:\n\n1. **Qualifikationsfragen**: Die Abgrenzung zwischen verschiedenen Spielkategorien erfolgt nach objektiven Kriterien, wobei das Verhältnis von Zufall und Geschicklichkeit entscheidend ist.\n\n2. **Steuerliche Aspekte**: Die Spielbankenabgabe wird auch bei rechtswidrigem Verhalten berechnet, wobei der Bundesstaat das Risiko apparateinhärenter Manipulationen trägt.\n\n3. **Koordination**: Die föderale Struktur erfordert intensive interkantonale Koordination, die durch das Bundesgericht auf ihre Bundesrechtskonformität überprüft wird.\n\n4. **Digitalisierung**: Mit dem BGS 2019 hat das Bundesgericht die Herausforderungen des Online-Glücksspiels angenommen und die Verfassungsmässigkeit technischer Sperrmassnahmen bejaht.\n\n5. **Grundrechte**: Wirtschaftsfreiheit und Verhältnismässigkeit werden stets gegen die Schutzziele des Geldspielrechts (Spielerschutz, Geldwäschereibekämpfung, gemeinnützige Zwecke) abgewogen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 106 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** La disposition constitutionnelle actuelle sur les jeux d'argent est le résultat d'une évolution de plus de cent ans. L'interdiction des maisons de jeu fut intégrée dès 1874 dans la constitution fédérale (art. 35 aCst.). Cette interdiction absolue était en vigueur jusqu'à la votation populaire du 7 mars 1993, lorsque la levée de l'interdiction des maisons de jeu fut acceptée avec 72,5% de oui (FF 1991 III 837 ; FF 1993 I 1445).\n\n**Ch. 2** La révision totale de l'art. 106 Cst. eut lieu par le contre-projet direct à l'initiative populaire « Pour des jeux d'argent au service du bien commun », qui fut acceptée le 11 mars 2012 par le peuple et les cantons (FF 2010 7961 ; RO 2012 3629). Le message du Conseil fédéral du 20 octobre 2010 souligna la nécessité d'une réglementation cohérente de l'ensemble du secteur des jeux d'argent (FF 2010 7961, 7965).\n\n**Ch. 3** La révision constitutionnelle poursuivait trois objectifs principaux : premièrement la création d'une base de compétence unifiée pour tous les jeux d'argent, deuxièmement l'ancrage du principe d'utilité publique des revenus et troisièmement le renforcement de la coordination entre la Confédération et les cantons (FF 2010 7961, 7968). Le constituant obligea explicitement le législateur à créer une réglementation cohérente et appropriée (FF 2010 7961, 8006).\n\n## 2. Position systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 106 Cst. est placé dans la 3e section « Régime financier » du 3e chapitre de la constitution fédérale. Cette position systématique souligne le caractère fiscal de la disposition, bien qu'elle poursuive principalement des objectifs de politique de l'ordre et de protection sociale. Oesch souligne à juste titre que l'obtention de recettes n'est pas l'objectif principal de la réglementation des jeux d'argent (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 12).\n\n**Ch. 5** La disposition est en étroite relation avec la liberté économique (art. 27 Cst.), dont elle constitue selon l'art. 94 al. 4 Cst. une exception explicite. Le Tribunal fédéral a clarifié dans **BGE 148 II 392 c. 5.1** que la liberté économique ne s'applique en principe pas dans le domaine des jeux d'argent. Cette position particulière permet au législateur de créer des monopoles et des systèmes de concession.\n\n**Ch. 6** Des renvois existent notamment vers l'art. 112 al. 5 Cst. (financement AVS/AI), l'art. 3 Cst. (fédéralisme) et l'art. 49 al. 1 Cst. (primauté du droit fédéral). L'obligation de coordination ancrée à l'art. 106 al. 7 Cst. est l'expression du fédéralisme coopératif et est en relation avec l'art. 44 Cst. (principes) et l'art. 45 Cst. (participation).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 7** Selon Oesch, l'art. 106 al. 1 Cst. est « à la fois norme de compétence et norme de mandat et fonde une compétence obligatoire et complète de la Confédération dans tout le domaine des jeux d'argent » (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 14). La notion de « jeux d'argent » doit être comprise largement et englobe tous les jeux où un gain en argent est mis en perspective contre une mise de valeur pécuniaire.\n\n**Ch. 8** La prise en compte des intérêts cantonaux (al. 1) n'est pas seulement programmatique, mais une directive contraignante. Le Tribunal fédéral a retenu dans **BGE 135 II 338 c. 6.3** que cette obligation a des effets concrets sur l'aménagement de la législation fédérale, notamment concernant l'utilisation des revenus.\n\n**Ch. 9** Le système de concession pour les maisons de jeu (al. 2) est conçu de manière impérative. Les particularités régionales doivent être prises en compte, ce qui implique une répartition géographique équilibrée des maisons de jeu. La taxe sur les maisons de jeu est affectée obligatoirement à l'AVS/AI. Oesch critique la pratique actuelle selon laquelle seule l'AVS, et non l'AI, profite des taxes sur les maisons de jeu, comme « nécessitant explication à la lumière du libellé clair de l'art. 106 al. 2 3e phr. » (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 24).\n\n**Ch. 10** Les compétences cantonales (al. 3) sont énumérées de manière exhaustive. L'exception pour les systèmes de jackpot des maisons de jeu montre l'imbrication des domaines de compétence. Le Tribunal fédéral a clarifié dans **BGE 141 II 262 c. 2.2** que les cantons ne peuvent exercer leurs compétences que dans le cadre des prescriptions du droit fédéral.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 11** La conséquence juridique principale est la compétence législative complète de la Confédération, liée à une obligation législative. Cette obligation fut remplie par la loi sur les jeux d'argent du 29 septembre 2017 (LJAr), entrée en vigueur le 1er janvier 2019.\n\n**Ch. 12** Pour les acteurs économiques, il découle de l'art. 106 Cst. en relation avec l'art. 94 al. 4 Cst. qu'il n'existe aucun droit d'accès libre au marché. La pratique et la doctrine reconnaissent une « autorisation tacite de déroger si nécessaire au principe de la liberté économique » (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 15).\n\n**Ch. 13** L'affectation des revenus est constitutionnellement contraignante. Les taxes sur les maisons de jeu doivent entièrement profiter à l'AVS/AI, tandis que les bénéfices nets des loteries et paris doivent être utilisés à des fins d'utilité publique. Une utilisation pour des buts étatiques généraux est inadmissible.\n\n## 5. Points controversés\n\n**Ch. 14** Un point de controverse central concerne la constitutionnalité de la monopolisation du secteur des loteries. Oesch retient : « La monopolisation du secteur des loteries en faveur de Swisslos et de la Loterie Romande ne semble pas sans problème à la lumière de la liberté économique » (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 38). Cette critique est toutefois relativisée par l'interprétation extensive de l'art. 94 al. 4 Cst. par le Tribunal fédéral.\n\n**Ch. 15** L'utilisation de la taxe sur les maisons de jeu est aussi discutée de manière controversée. La pratique selon laquelle seule l'AVS, et non l'AI, profite des taxes sur les maisons de jeu, est en tension avec le texte constitutionnel. En 2012, CHF 319 mio. ont afflué dans le fonds de compensation de l'AVS, tandis que l'AI repartait les mains vides (Oesch, BSK BV, art. 106 ch. 24).\n\n**Ch. 16** La portée des blocages DNS pour les fournisseurs étrangers en ligne était controversée. Le Tribunal fédéral a confirmé la constitutionnalité dans **BGE 148 II 392**, tandis que des parties de la doctrine voient la proportionnalité de manière critique (cf. Thouvenin/Stiller, Expertise Netzsperren, 2016, p. 14 ss).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 17** Lors de l'octroi de concessions aux maisons de jeu, la prise en compte des particularités régionales n'est pas seulement une directive politique, mais une obligation juridique justiciable. Les décisions de concession doivent mettre en œuvre cette prescription de manière compréhensible.\n\n**Ch. 18** La coordination intercantonale s'effectue depuis 2021 par le Concordat suisse sur les jeux d'argent (CSJA). Les praticiens doivent noter que la Gespa en tant qu'établissement de droit public possède sa propre personnalité juridique et que ses décisions peuvent être attaquées directement devant le tribunal intercantonal des jeux d'argent.\n\n**Ch. 19** Pour les fournisseurs en ligne : sans concession ou autorisation en Suisse, toute offre de jeux d'argent est inadmissible. Le « géoblocage » doit être implémenté efficacement pour éviter les blocages DNS. Le Tribunal fédéral ne reconnaît les mesures techniques comme suffisantes que si elles empêchent effectivement l'accès depuis la Suisse.\n\n**Ch. 20** Pour l'utilisation des revenus, les cantons doivent s'assurer que les fonds sont effectivement et de manière prouvée employés à des fins d'utilité publique. La simple attribution au budget général de l'État avec utilisation ultérieure à des fins d'utilité publique ne suffit pas aux exigences constitutionnelles.", "caselaw_fr": "# Art. 106 Cst. — Jurisprudence\n\n## Prélèvement sur les maisons de jeu et questions fiscales\n\n**ATF 136 II 149** du 1er octobre 2009  \nCalcul du prélèvement sur les maisons de jeu en cas de fraude aux chèques et de manipulation d'automates  \nLe Tribunal fédéral précise les bases légales du prélèvement sur les maisons de jeu et développe les principes de calcul du produit brut des jeux en cas de comportement illicite de tiers.\n\n> « Le produit brut des jeux comme objet fiscal est la différence entre les mises de jeu et les gains légalement versés par la maison de jeu. Si l'exploitante d'un casino viole les obligations de diligence du droit de surveillance dans la manipulation des chèques, son produit brut des jeux doit être calculé comme si le jeu et l'échange d'argent avaient eu lieu légalement. »\n\n**ATF 140 II 384** du 27 mai 2014  \nLégalité et calcul d'une sanction administrative contre une exploitante de casino  \nLa décision clarifie le rapport entre la surveillance du droit des concessions et le droit de la protection des données ainsi que l'application des garanties de procédure de la CEDH.\n\n> « La sanction de droit administratif selon l'art. 51 LMJ tombe certes dans le champ d'application des garanties de procédure pénale de l'art. 6 ch. 1 CEDH, mais celles-ci n'ont pas été violées ici, car la collecte des documents resp. l'audition des personnes fournissant des renseignements dans la procédure de surveillance du droit des concessions n'était pas liée à une forme de contrainte exercée de manière abusive resp. disproportionnée. »\n\n## Délimitation entre jeux de hasard, jeux d'adresse et autres jeux\n\n**ATF 131 II 680** du 17 octobre 2005  \nDélimitation entre automates de jeux de hasard et automates de jeux d'adresse (« Hot Time »)  \nDécision de principe sur la qualification des automates de jeux d'argent et sur la compétence de la Commission fédérale des maisons de jeu dans les procédures de classement.\n\n> « L'appréciation de savoir quand le gain d'argent mis en perspective contre la prestation d'une mise dépend entièrement ou principalement du hasard et quand il dépend dans une mesure suffisante de l'adresse, doit reposer sur une appréciation globale. L'appareil contesté présente une valeur de divertissement proportionnée à la mise, les éléments de hasard existants ne prédominent pas et l'installation de jeu garantit que le joueur plus adroit a de meilleures chances de gain que celui qui l'est moins. »\n\n**ATF 136 II 291** du 20 mai 2010  \nCaractère de jeu de hasard des tournois de poker « Texas Hold'em »  \nL'arrêt fixe la compétence de la CFMJ pour la qualification des jeux et affirme le caractère de jeu de hasard des tournois de poker.\n\n> « La Commission fédérale des maisons de jeu est habilitée à décider si un jeu déterminé, en tant que jeu de hasard, tombe dans le champ d'application de la loi sur les maisons de jeu ou, en tant que jeu d'adresse ou de divertissement, dans le domaine de compétence des cantons. Les tournois de poker 'Texas Hold'em' contestés constituent des jeux 'mixtes', pour lesquels il n'est pas établi que le facteur d'adresse l'emporte sur l'élément de hasard de la distribution des cartes. »\n\n**ATF 137 II 222** du 1er janvier 2011  \nDélimitation entre loterie et autres jeux de hasard (jeu « Tactilo »)  \nDécision importante sur le rapport entre la loi sur les loteries et la loi sur les maisons de jeu et sur l'importance de la technique utilisée.\n\n> « Le rapport entre la loi sur les loteries et la loi sur les maisons de jeu se détermine selon la distinction légale des années 1920. La loi sur les loteries constitue une lex specialis par rapport à la loi sur les maisons de jeu. La technique utilisée (ici de nature électronique) n'a aucune influence sur la qualification juridique comme jeu de hasard au sens de la loi sur les loteries. »\n\n**ATF 133 II 68** du 1er janvier 2007  \nQualification d'un produit financier avec référence aux paris sportifs  \nLa décision clarifie le rapport entre les lois fédérales spécifiques et le code des obligations ainsi que la définition des jeux de hasard.\n\n> « Un produit financier qui met en perspective un gain sur la base de résultats sportifs ne correspond pas aux exigences d'admission d'une obligation à prime et pas non plus à la définition légale d'une loterie autorisée. La réglementation légale des jeux de hasard a la priorité sur le code des obligations. »\n\n## Coordination intercantonale et délimitation des compétences\n\n**ATF 141 II 262** du 9 juillet 2015  \nCompétence de la Commission intercantonale des loteries et paris (Comlot)  \nExposés de principe sur la réglementation des jeux de hasard dans la Confédération et les cantons ainsi que sur la coordination intercantonale.\n\n> « La compétence de la Commission intercantonale des loteries et paris pour la conduite de procédures de classement resp. de qualification résulte de la convention intercantonale. Le recours en matière de droit public contre une décision de compétence de la Comlot est recevable. »\n\n**ATF 135 II 338** du 7 janvier 2009  \nConformité au droit fédéral d'une « autorisation générale d'admission » pour les produits de loterie  \nL'arrêt traite de la convention intercantonale sur les loteries et paris ainsi que de son rapport au droit fédéral.\n\n> « Le Tribunal fédéral peut examiner la conformité au droit fédéral des conventions intercantonales. La convention intercantonale sur la surveillance ainsi que l'autorisation et l'utilisation du produit de loteries et de paris organisés de manière intercantonale ou sur l'ensemble de la Suisse est fondamentalement conforme au droit fédéral. »\n\n## Blocages DNS et jeux d'argent en ligne\n\n**ATF 148 II 392** du 18 mai 2022  \nBlocage d'accès DNS pour les fournisseurs étrangers de jeux d'argent en ligne  \nArrêt de principe sur la constitutionnalité et la proportionnalité des blocages Internet dans le domaine des jeux d'argent selon la nouvelle LJAr.\n\n> « Les fournisseuses étrangères de jeux d'argent en ligne non autorisés en Suisse ne peuvent pas se prévaloir de la liberté économique et de la jurisprudence de la CJUE resp. de la Cour AELE sur la liberté d'établissement et de prestation de services du droit de l'Union pour l'accès au marché. Le 'blocage du système de noms de domaine' (blocage DNS) actuellement pratiqué est proportionné malgré son efficacité limitée. »\n\nL'arrêt développe de manière détaillée les critères de qualification comme jeu d'argent sous la nouvelle LJAr :\n\n> « Sont considérés comme jeux d'argent les jeux dans lesquels, contre la prestation d'une mise ayant une valeur pécuniaire ou lors de la conclusion d'un acte juridique, un gain d'argent ou un autre avantage ayant une valeur pécuniaire est mis en perspective. Tombent en principe dans le champ d'application de la loi sur les jeux d'argent tous les jeux dans lesquels, contre la prestation d'une mise ou lors de la conclusion d'un acte juridique, un gain d'argent ou un autre avantage ayant une valeur pécuniaire est mis en perspective. »\n\nSur la proportionnalité des blocages DNS :\n\n> « Le législateur était conscient qu'aucune efficacité à cent pour cent ne peut être garantie et que des possibilités de contournement existent ; néanmoins, le blocage DNS a été considéré comme une possibilité de blocage qui constitue 'actuellement' la 'solution la plus simple et la plus appropriée pour bloquer les sites Internet de jeux non autorisés'. Le simple fait que l'accès aux sites web non autorisés soit au moins rendu plus difficile par ces mesures de blocage devrait suffire chez les joueurs moyens pour les diriger vers les offres légales. »\n\n## Développements récents et procédures pénales\n\n**Arrêt 6B_499/2024** du 20 novembre 2024  \nContravention à la loi sur les jeux d'argent  \nJurisprudence actuelle sur l'application du droit pénal administratif aux délits de jeux d'argent sous la nouvelle LJAr.\n\n**Tribunal pénal fédéral BE.2025.2** du 15 mai 2025  \nProcédure de descellement lors de jeux de casino illégaux  \nLa décision montre l'application pratique du droit des jeux d'argent par des perquisitions domiciliaires et des confiscations.\n\n## Systématique et évolution\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 106 Cst. montre une évolution continue de la réglementation originelle des maisons de jeu via les lois sur les loteries jusqu'à la loi moderne sur les jeux d'argent (LJAr) de 2019. Les thèmes centraux sont :\n\n1. **Questions de qualification** : La délimitation entre différentes catégories de jeux s'effectue selon des critères objectifs, le rapport entre hasard et adresse étant déterminant.\n\n2. **Aspects fiscaux** : Le prélèvement sur les maisons de jeu est calculé même en cas de comportement illicite, l'État fédéral portant le risque des manipulations inhérentes aux appareils.\n\n3. **Coordination** : La structure fédérale exige une coordination intercantonale intensive, qui est vérifiée par le Tribunal fédéral quant à sa conformité au droit fédéral.\n\n4. **Numérisation** : Avec la LJAr 2019, le Tribunal fédéral a relevé les défis du jeu de hasard en ligne et affirmé la constitutionnalité des mesures techniques de blocage.\n\n5. **Droits fondamentaux** : La liberté économique et la proportionnalité sont toujours mises en balance avec les objectifs de protection du droit des jeux d'argent (protection des joueurs, lutte contre le blanchiment d'argent, fins d'utilité publique).", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 106 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Evoluzione storica\n\n**N. 1** L'attuale disposizione costituzionale sui giochi in denaro è il risultato di un'evoluzione durata oltre cent'anni. Il divieto delle case da gioco fu già inserito nella Costituzione federale nel 1874 (art. 35 vCost.). Questo divieto assoluto rimase in vigore fino alla votazione popolare del 7 marzo 1993, quando l'abolizione del divieto delle case da gioco fu accettata con il 72,5% di voti favorevoli (FF 1991 III 771; FF 1993 I 1315).\n\n**N. 2** La revisione totale dell'art. 106 Cost. avvenne tramite il controprogetto diretto all'iniziativa popolare «Per giochi in denaro al servizio del bene comune», che fu accettato da popolo e Cantoni l'11 marzo 2012 (FF 2010 7203; RU 2012 3629). Il messaggio del Consiglio federale del 20 ottobre 2010 sottolineò la necessità di una regolamentazione coerente dell'intero settore dei giochi in denaro (FF 2010 7203, 7207).\n\n**N. 3** La revisione costituzionale perseguiva tre obiettivi principali: primo, la creazione di una base di competenza unitaria per tutti i giochi in denaro, secondo, l'ancoraggio del principio di utilità pubblica dei proventi e terzo, il rafforzamento della coordinazione tra Confederazione e Cantoni (FF 2010 7203, 7210). Il costituente obbligò esplicitamente il legislatore a creare una regolamentazione coerente e appropriata (FF 2010 7203, 7248).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 106 Cost. è collocato nella 3ᵃ sezione «Ordinamento finanziario» del 3° capitolo della Costituzione federale. Questa collocazione sistematica sottolinea il carattere fiscale della disposizione, benché essa persegua primariamente obiettivi di politica dell'ordine e di protezione sociale. Oesch sottolinea giustamente che la generazione di entrate non è lo scopo principale della regolamentazione dei giochi in denaro (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 12).\n\n**N. 5** La disposizione è strettamente collegata alla libertà economica (art. 27 Cost.), della quale costituisce un'eccezione esplicita secondo l'art. 94 cpv. 4 Cost. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 148 II 392 consid. 5.1** che la libertà economica nell'ambito dei giochi in denaro non si applica in principio. Questa posizione speciale permette al legislatore di creare monopoli e sistemi concessori.\n\n**N. 6** Esistono rinvii incrociati in particolare all'art. 112 cpv. 5 Cost. (finanziamento AVS/AI), all'art. 3 Cost. (federalismo) e all'art. 49 cpv. 1 Cost. (primato del diritto federale). L'obbligo di coordinazione sancito nell'art. 106 cpv. 7 Cost. è espressione del federalismo cooperativo e si collega agli art. 44 Cost. (principi) e 45 Cost. (partecipazione).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** Secondo Oesch, l'art. 106 cpv. 1 Cost. è «al contempo norma di competenza e di mandato e fonda una competenza vincolante e globale della Confederazione nell'intero ambito dei giochi in denaro» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 14). Il concetto di «giochi in denaro» deve essere inteso in senso ampio e comprende tutti i giochi nei quali, contro una posta in gioco di valore pecuniario, si prospetta una vincita in denaro.\n\n**N. 8** La considerazione degli interessi cantonali (cpv. 1) non è meramente programmatica, ma un mandato vincolante. Il Tribunale federale ha stabilito in **DTF 135 II 338 consid. 6.3** che questo obbligo ha conseguenze concrete sulla configurazione della legislazione federale, in particolare riguardo all'utilizzazione dei proventi.\n\n**N. 9** Il sistema concessorio per le case da gioco (cpv. 2) è configurato in modo vincolante. Le condizioni regionali devono essere considerate, il che implica una distribuzione geografica uniforme delle case da gioco. La tassa sulle case da gioco è vincolata a scopi specifici per l'AVS/AI. Oesch critica la prassi vigente, secondo cui solo l'AVS, ma non l'AI, beneficia delle tasse sulle case da gioco, come «bisognosa di spiegazione alla luce del chiaro tenore letterale dell'art. 106 cpv. 2 frase 3» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 10** Le competenze cantonali (cpv. 3) sono elencate in modo esaustivo. L'eccezione per i sistemi jackpot delle case da gioco mostra l'intreccio degli ambiti di competenza. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 141 II 262 consid. 2.2** che i Cantoni possono esercitare le loro competenze solo nel quadro delle prescrizioni del diritto federale.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** La conseguenza giuridica primaria è la competenza legislativa globale della Confederazione, unita a un obbligo legislativo. Questo obbligo è stato adempiuto con la Legge sui giochi in denaro del 29 settembre 2017 (LGD), entrata in vigore il 1° gennaio 2019.\n\n**N. 12** Per gli operatori economici risulta dall'art. 106 Cost. in combinato disposto con l'art. 94 cpv. 4 Cost. che non sussiste alcun diritto al libero accesso al mercato. Prassi e dottrina riconoscono un'«autorizzazione tacita a derogare, se necessario, al principio della libertà economica» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 15).\n\n**N. 13** Il vincolo di destinazione dei proventi è costituzionalmente vincolante. Le tasse sulle case da gioco devono beneficiare integralmente all'AVS/AI, mentre i proventi netti dei giochi di grande sorte devono essere utilizzati per scopi di utilità pubblica. Un utilizzo per scopi statali generali è inammissibile.\n\n## 5. Punti controversi\n\n**N. 14** Un punto controverso centrale riguarda la costituzionalità della monopolizzazione del settore delle lotterie. Oesch constata: «La monopolizzazione del settore delle lotterie a favore di Swisslos e della Loterie Romande sembra non priva di problemi alla luce della libertà economica» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 38). Questa critica è tuttavia relativizzata dall'interpretazione estensiva dell'art. 94 cpv. 4 Cost. da parte del Tribunale federale.\n\n**N. 15** È anche controverso l'utilizzo della tassa sulle case da gioco. La prassi secondo cui solo l'AVS, ma non l'AI, beneficia delle tasse sulle case da gioco è in tensione con il testo costituzionale. Nel 2012 sono affluiti CHF 319 milioni nel fondo di compensazione dell'AVS, mentre l'AI è rimasta a mani vuote (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 16** La portata dei blocchi DNS per i fornitori online stranieri era controversa. Il Tribunale federale ha affermato la costituzionalità in **DTF 148 II 392**, mentre parti della dottrina vedono criticamente la proporzionalità (cfr. Thouvenin/Stiller, Gutachten Netzsperren, 2016, pag. 14 ss.).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nella concessione di licenze alle case da gioco, la considerazione delle condizioni regionali non è solo una direttiva politica, ma un obbligo giuridico giustiziabile. Le decisioni concessorie devono attuare in modo comprensibile questa prescrizione.\n\n**N. 18** La coordinazione intercantonale avviene dal 2021 tramite il Concordato sui giochi in denaro di tutta la Svizzera (CGD). I professionisti devono tenere presente che la Gespa, in quanto istituto di diritto pubblico, possiede personalità giuridica propria e le sue decisioni possono essere impugnate direttamente presso il tribunale intercantonale dei giochi in denaro.\n\n**N. 19** Per i fornitori online vale: senza concessione o autorizzazione in Svizzera è inammissibile qualsiasi offerta di giochi in denaro. Il «geoblocking» deve essere implementato efficacemente per evitare blocchi DNS. Il Tribunale federale riconosce le misure tecniche come sufficienti solo se impediscono efficacemente l'accesso dalla Svizzera.\n\n**N. 20** Nell'utilizzazione dei proventi, i Cantoni devono assicurare che i fondi siano effettivamente e comprovabilmente impiegati per scopi di utilità pubblica. La mera assegnazione al bilancio statale generale con successivo utilizzo per scopi di utilità pubblica non soddisfa le esigenze costituzionali.", "caselaw_it": "# Art. 106 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Tassa sulle case da gioco e questioni fiscali\n\n**DTF 136 II 149** del 1° ottobre 2009  \nCalcolo della tassa sulle case da gioco in caso di frode tramite assegni e manipolazione di automate  \nIl Tribunale federale precisa le basi legali della tassa sulle case da gioco e sviluppa principi per il calcolo del ricavo lordo dal gioco in caso di comportamento illecito di terzi.\n\n> «Il ricavo lordo dal gioco quale oggetto d'imposizione è la differenza tra le puntate e le vincite legittimamente pagate dalla casa da gioco. Se la gestrice di un casinò viola obblighi di diligenza di diritto della vigilanza nella gestione degli assegni, il suo ricavo lordo dal gioco deve essere calcolato come se il gioco e il cambio di denaro fossero avvenuti legittimamente.»\n\n**DTF 140 II 384** del 27 maggio 2014  \nLiceità e calcolo di una sanzione amministrativa contro una gestrice di casinò  \nLa decisione chiarisce il rapporto tra vigilanza del diritto di concessione e diritto della protezione dei dati, nonché l'applicazione delle garanzie procedurali della CEDU.\n\n> «La sanzione di diritto amministrativo secondo l'art. 51 LCG rientra nell'ambito di applicazione delle garanzie procedurali penali dell'art. 6 cifra 1 CEDU, ma queste non sono state violate qui, poiché il rilevamento dei documenti ovvero l'audizione delle persone chiamate a fornire informazioni nella procedura di vigilanza del diritto di concessione non erano collegati a una forma di coercizione esercitata abusivamente ovvero sproporzionatamente.»\n\n## Distinzione tra giochi d'azzardo, giochi di abilità e altri giochi\n\n**DTF 131 II 680** del 17 ottobre 2005  \nDistinzione tra automate per giochi d'azzardo e automate per giochi di abilità («Hot Time»)  \nDecisione di principio sulla qualificazione di automate per giochi di denaro e sulla competenza della Commissione delle case da gioco nelle procedure di assoggettamento.\n\n> «La valutazione di quando la vincita in denaro promessa dietro prestazione di una puntata dipenda interamente o prevalentemente dal caso e quando dipenda in misura sufficiente dall'abilità deve basarsi su un apprezzamento globale. All'apparecchio controverso spetta un valore di intrattenimento adeguato alla puntata, mentre gli elementi casuali esistenti non prevalgono ed è garantito dall'impianto di gioco che il giocatore più abile abbia migliori possibilità di vincita rispetto a quello meno abile.»\n\n**DTF 136 II 291** del 20 maggio 2010  \nCarattere di gioco d'azzardo dei tornei di poker «Texas Hold'em»  \nLa sentenza stabilisce la competenza della CFCG per la qualificazione dei giochi e conferma il carattere di gioco d'azzardo dei tornei di poker.\n\n> «La Commissione federale delle case da gioco è competente a decidere se un determinato gioco qualifichi come gioco d'azzardo nell'ambito di applicazione della legge sulle case da gioco o come gioco di abilità o di intrattenimento nell'ambito di competenza dei Cantoni. I tornei di 'Texas Hold'em' poker controversi si tratta di giochi 'misti', per i quali non è accertato che il fattore abilità prevalga sull'elemento casuale della distribuzione delle carte.»\n\n**DTF 137 II 222** del 1° gennaio 2011  \nDistinzione tra lotteria e altri giochi d'azzardo (gioco «Tactilo»)  \nDecisione importante sul rapporto tra legge sulle lotterie e legge sulle case da gioco e sul significato della tecnica utilizzata.\n\n> «Il rapporto tra la legge sulle lotterie e la legge sulle case da gioco si determina secondo la distinzione legale degli anni 1920. La legge sulle lotterie costituisce una lex specialis rispetto alla legge sulle case da gioco. La tecnica utilizzata (qui di natura elettronica) non ha alcuna influenza sulla qualificazione giuridica come gioco d'azzardo ai sensi della legge sulle lotterie.»\n\n**DTF 133 II 68** del 1° gennaio 2007  \nQualificazione di un prodotto finanziario con riferimento a scommesse sportive  \nLa decisione chiarisce il rapporto tra le leggi federali specifiche e il Codice delle obbligazioni, nonché la definizione dei giochi d'azzardo.\n\n> «Un prodotto finanziario che promette una vincita basata su risultati sportivi non corrisponde ai requisiti di ammissibilità di un'obbligazione a premi e nemmeno alla definizione legale di una lotteria ammissibile. La regolamentazione legale dei giochi d'azzardo ha precedenza sul Codice delle obbligazioni.»\n\n## Coordinamento intercantonale e delimitazione delle competenze\n\n**DTF 141 II 262** del 9 luglio 2015  \nCompetenza della Commissione intercantonale delle lotterie e delle scommesse (Comlot)  \nConsiderazioni di principio sulla regolamentazione dei giochi d'azzardo nella Confederazione e nei Cantoni, nonché sul coordinamento intercantonale.\n\n> «La competenza della Commissione intercantonale delle lotterie e delle scommesse per l'esecuzione di procedure di assoggettamento ovvero di qualificazione risulta dall'accordo intercantonale. Il ricorso in materia di diritto pubblico contro una decisione di competenza della Comlot è ammissibile.»\n\n**DTF 135 II 338** del 7 gennaio 2009  \nConformità al diritto federale di un'«Autorizzazione generale di ammissione» per prodotti di lotteria  \nLa sentenza tratta l'accordo intercantonale su lotterie e scommesse, nonché il suo rapporto con il diritto federale.\n\n> «Il Tribunale federale può esaminare la conformità al diritto federale degli accordi intercantonali. L'accordo intercantonale sulla vigilanza nonché l'autorizzazione e l'impiego dei proventi di lotterie e scommesse condotte a livello intercantonale o nazionale è fondamentalmente conforme al diritto federale.»\n\n## Blocco DNS e giochi di denaro online\n\n**DTF 148 II 392** del 18 maggio 2022  \nBlocco dell'accesso DNS per fornitori esteri di giochi di denaro online  \nDecisione guida sulla costituzionalità e proporzionalità dei blocchi Internet nell'ambito dei giochi di denaro secondo la nuova LGD.\n\n> «I fornitori esteri di giochi di denaro online non autorizzati in Svizzera non possono invocare la libertà economica e la giurisprudenza della CdGUE ovvero del Tribunale AELS sulla libertà di stabilimento e di prestazione di servizi del diritto dell'Unione per l'accesso al mercato. Il 'blocco del Domain Name System' (blocco DNS) attualmente praticato è proporzionato nonostante la sua efficacia limitata.»\n\nLa sentenza sviluppa approfonditamente i criteri per la qualificazione come gioco di denaro secondo la nuova LGD:\n\n> «Sono giochi di denaro i giochi nei quali, dietro prestazione di una puntata di valore pecuniario o alla conclusione di un negozio giuridico, è promessa una vincita in denaro o un altro vantaggio di valore pecuniario. Nell'ambito di applicazione della legge sui giochi di denaro rientrano fondamentalmente tutti i giochi nei quali, dietro prestazione di una puntata o alla conclusione di un negozio giuridico, è promessa una vincita in denaro o un altro vantaggio di valore pecuniario.»\n\nSulla proporzionalità dei blocchi DNS:\n\n> «Il legislatore era consapevole che non può essere garantita un'efficacia al cento per cento e che esistono possibilità di elusione; ciononostante il blocco DNS è stato considerato una possibilità di blocco che 'attualmente' rappresenta la 'soluzione più semplice e appropriata per bloccare siti Internet di giochi non autorizzati'. Il semplice fatto che l'accesso a siti web non autorizzati sia almeno reso più difficile da queste misure di blocco dovrebbe già essere sufficiente presso giocatori e giocatrici medi per indirizzarli verso le offerte legali.»\n\n## Sviluppi più recenti e procedimenti penali\n\n**Sentenza 6B_499/2024** del 20 novembre 2024  \nContravvenzione alla legge sui giochi di denaro  \nGiurisprudenza attuale sull'applicazione del diritto penale amministrativo nei reati relativi ai giochi di denaro secondo la nuova LGD.\n\n**Tribunale penale federale BE.2025.2** del 15 maggio 2025  \nProcedura di dissequestro per giochi illegali in case da gioco  \nLa decisione mostra l'applicazione pratica del diritto sui giochi di denaro attraverso perquisizioni domiciliari e sequestri.\n\n## Sistematica e sviluppo\n\nLa giurisprudenza sull'art. 106 Cost. mostra uno sviluppo continuo dall'originaria regolamentazione delle case da gioco attraverso le leggi sulle lotterie fino alla moderna legge sui giochi di denaro (LGD) del 2019. Temi centrali sono:\n\n1. **Questioni di qualificazione**: La distinzione tra diverse categorie di giochi avviene secondo criteri oggettivi, dove è determinante il rapporto tra caso e abilità.\n\n2. **Aspetti fiscali**: La tassa sulle case da gioco viene calcolata anche in caso di comportamento illecito, mentre lo Stato federale sopporta il rischio di manipolazioni inerenti agli apparecchi.\n\n3. **Coordinamento**: La struttura federale richiede un intenso coordinamento intercantonale, che viene esaminato dal Tribunale federale quanto alla sua conformità al diritto federale.\n\n4. **Digitalizzazione**: Con la LGD 2019 il Tribunale federale ha affrontato le sfide del gioco d'azzardo online e ha confermato la costituzionalità di misure tecniche di blocco.\n\n5. **Diritti fondamentali**: Libertà economica e proporzionalità vengono sempre soppesate contro gli obiettivi di protezione del diritto sui giochi di denaro (protezione dei giocatori, lotta al riciclaggio di denaro, scopi di pubblica utilità).", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 106 BV — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current constitutional provision on games of chance is the result of over a hundred years of development. The prohibition of casinos was already incorporated into the Federal Constitution in 1874 (Art. 35 old Const.). This absolute prohibition remained in effect until the popular vote of 7 March 1993, when the repeal of the casino prohibition was accepted with 72.5% yes votes (BBl 1991 III 837; BBl 1993 I 1445).\n\n**N. 2** The total revision of Art. 106 Const. was effected through the direct counter-proposal to the popular initiative «For games of chance in the service of the common good», which was accepted by the people and the cantons on 11 March 2012 (BBl 2010 7961; AS 2012 3629). The Federal Council's message of 20 October 2010 emphasised the necessity of coherent regulation of the entire games of chance sector (BBl 2010 7961, 7965).\n\n**N. 3** The constitutional revision pursued three main objectives: First, the creation of a uniform competence basis for all games of chance, second, the anchoring of the principle of charitable use of proceeds, and third, the strengthening of coordination between the Confederation and the cantons (BBl 2010 7961, 7968). The constitutional legislator explicitly obligated the legislator to create coherent and appropriate regulation (BBl 2010 7961, 8006).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 106 Const. is placed in Section 3 «Financial Order» of Chapter 3 of the Federal Constitution. This systematic position underscores the fiscal character of the provision, although it primarily pursues regulatory policy and social protection objectives. Oesch rightly emphasises that the generation of revenue is not the main purpose of games of chance regulation (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 12).\n\n**N. 5** The provision is closely connected to economic freedom (Art. 27 Const.), from which it constitutes an explicit exception according to Art. 94 para. 4 Const. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 148 II 392 E. 5.1** that economic freedom does not apply in principle in the field of games of chance. This special position allows the legislator to create monopolies and concession systems.\n\n**N. 6** Cross-references exist in particular to Art. 112 para. 5 Const. (OASI/DI financing), Art. 3 Const. (federalism) and Art. 49 para. 1 Const. (primacy of federal law). The coordination obligation enshrined in Art. 106 para. 7 Const. is an expression of cooperative federalism and is connected to Art. 44 Const. (principles) and Art. 45 Const. (participation).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** According to Oesch, Art. 106 para. 1 Const. is «simultaneously a competence and mandate norm and establishes a binding and comprehensive jurisdiction of the Confederation in the entire field of games of chance» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 14). The term «games of chance» is to be understood broadly and encompasses all games where a monetary prize is offered in exchange for a stake of monetary value.\n\n**N. 8** The consideration of cantonal interests (para. 1) is not merely programmatic but a binding requirement. The Federal Supreme Court held in **BGE 135 II 338 E. 6.3** that this obligation has concrete effects on the design of federal legislation, particularly regarding the use of proceeds.\n\n**N. 9** The concession system for casinos (para. 2) is mandatorily designed. Regional circumstances must be taken into account, which implies an even geographical distribution of casinos. The casino levy is earmarked for OASI/DI. Oesch criticises the current practice whereby only OASI, but not DI, benefits from casino levies, as «requiring explanation in light of the clear wording of Art. 106 para. 2 sentence 3» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 10** The cantonal competences (para. 3) are exhaustively enumerated. The exception for casino jackpot systems shows the interconnection of competence areas. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 141 II 262 E. 2.2** that the cantons may only exercise their competences within the framework of federal law requirements.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** The primary legal consequence is the comprehensive legislative competence of the Confederation, combined with a legislative obligation. This obligation was fulfilled through the Gaming Act of 29 September 2017 (GamA), which entered into force on 1 January 2019.\n\n**N. 12** For economic actors, it follows from Art. 106 Const. in conjunction with Art. 94 para. 4 Const. that there is no entitlement to free market access. Practice and doctrine recognise a «tacit authorisation to deviate from the principle of economic freedom if necessary» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 15).\n\n**N. 13** The earmarking of proceeds is constitutionally binding. Casino levies must fully benefit OASI/DI, while net proceeds from large-scale games are to be used for charitable purposes. Use for general state purposes is impermissible.\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 14** A central point of contention concerns the constitutionality of monopolising the lottery system. Oesch states: «The monopolisation of the lottery system in favour of Swisslos and the Loterie Romande appears not unproblematic in light of economic freedom» (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 38). However, this criticism is relativised by the Federal Supreme Court's extensive interpretation of Art. 94 para. 4 Const.\n\n**N. 15** The use of casino levies is also controversially discussed. The practice whereby only OASI, but not DI, benefits from casino levies is in tension with the constitutional text. In 2012, CHF 319 million flowed into the OASI equalisation fund, while DI received nothing (Oesch, BSK BV, Art. 106 N. 24).\n\n**N. 16** The scope of DNS blocks for foreign online providers was disputed. The Federal Supreme Court affirmed constitutionality in **BGE 148 II 392**, while parts of the doctrine view proportionality critically (cf. Thouvenin/Stiller, Expert Opinion on Network Blocks, 2016, p. 14 ff.).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 17** In the licensing of casinos, consideration of regional circumstances is not merely a political guideline but a justiciable legal obligation. Licensing decisions must implement this requirement comprehensibly.\n\n**N. 18** Intercantonal coordination has been conducted since 2021 through the Swiss-wide Gaming Concordat (SGC). Practitioners must note that Gespa as a public law institution has its own legal personality and its rulings can be challenged directly before the intercantonal gaming court.\n\n**N. 19** For online providers: Without a licence or authorisation in Switzerland, any offering of games of chance is impermissible. «Geoblocking» must be effectively implemented to avoid DNS blocks. The Federal Supreme Court recognises technical measures as sufficient only when they effectively prevent access from Switzerland.\n\n**N. 20** In the use of proceeds, the cantons must ensure that the funds are actually and demonstrably used for charitable purposes. Mere allocation to the general state budget with subsequent use for charitable purposes does not satisfy constitutional requirements.", "caselaw_en": "# Art. 106 BV — Case Law\n\n## Casino Tax and Taxation Issues\n\n**BGE 136 II 149** of 1 October 2009  \nCalculation of casino tax in cases of cheque fraud and slot machine manipulation  \nThe Federal Supreme Court clarifies the legal bases for casino taxation and develops principles for calculating gross gaming revenue in cases of unlawful conduct by third parties.\n\n> «Gross gaming revenue as the tax object is the difference between gaming stakes and winnings lawfully paid out by the casino. If a casino operator violates supervisory due diligence obligations in handling cheques, its gross gaming revenue is to be calculated as if the gaming and money exchange had been lawful.»\n\n**BGE 140 II 384** of 27 May 2014  \nLawfulness and calculation of an administrative sanction against a casino operator  \nThe decision clarifies the relationship between licensing supervision and data protection law as well as the application of ECHR procedural guarantees.\n\n> «The administrative sanction under Art. 51 SBG falls within the scope of the criminal procedural guarantees of Art. 6 para. 1 ECHR, but these were not violated here, as the collection of documents and the hearing of witnesses in the licensing supervision procedure was not associated with an abusive or disproportionate form of coercion.»\n\n## Distinction between Games of Chance, Skill Games and Other Games\n\n**BGE 131 II 680** of 17 October 2005  \nDistinction between gambling and skill-based slot machines («Hot Time»)  \nLeading decision on the qualification of money gaming machines and the competence of the Gaming Board in classification procedures.\n\n> «The assessment of when a monetary prize offered in return for a stake depends entirely or predominantly on chance and when it depends sufficiently on skill must be based on an overall evaluation. The disputed machine has an entertainment value commensurate with the stake, whereby the existing random elements do not predominate and the game design ensures that the more skilled player has better winning chances than the less skilled player.»\n\n**BGE 136 II 291** of 20 May 2010  \nGambling character of «Texas Hold'em» poker tournaments  \nThe judgment establishes the competence of the ESBK to qualify games and affirms the gambling character of poker tournaments.\n\n> «The Federal Gaming Board is competent to decide whether a specific game qualifies as gambling within the scope of the Gaming Act or as a skill or entertainment game within the jurisdiction of the cantons. The disputed 'Texas Hold'em' poker tournaments are 'mixed' games where it is not established that the skill factor outweighs the random element of card distribution.»\n\n**BGE 137 II 222** of 1 January 2011  \nDistinction between lottery and other games of chance (game «Tactilo»)  \nImportant decision on the relationship between the Lottery Act and Gaming Act and the significance of the technology used.\n\n> «The relationship between the Lottery Act and the Gaming Act is determined by the statutory distinction from the 1920s. The Lottery Act constitutes a lex specialis in relation to the Gaming Act. The technology used (here of electronic nature) has no influence on the legal qualification as gambling within the meaning of the Lottery Act.»\n\n**BGE 133 II 68** of 1 January 2007  \nQualification of a financial product with sports betting reference  \nThe decision clarifies the relationship between specific federal acts and the Code of Obligations as well as the definition of gambling.\n\n> «A financial product that offers a profit based on sports results does not meet the admissibility requirements of a premium bond nor the statutory definition of a permissible lottery. The statutory regulation of gambling takes precedence over the Code of Obligations.»\n\n## Intercantonal Coordination and Jurisdictional Demarcation\n\n**BGE 141 II 262** of 9 July 2015  \nCompetence of the Intercantonal Lottery and Betting Commission (Comlot)  \nFundamental statements on gambling regulation at federal and cantonal levels as well as intercantonal coordination.\n\n> «The competence of the Intercantonal Lottery and Betting Commission to conduct classification and qualification procedures derives from the intercantonal agreement. Appeal in public law matters against a jurisdictional decision of Comlot is admissible.»\n\n**BGE 135 II 338** of 7 January 2009  \nConformity with federal law of a «General Licensing Permit» for lottery products  \nThe judgment addresses the intercantonal agreement on lotteries and betting as well as its relationship to federal law.\n\n> «The Federal Supreme Court may examine the conformity with federal law of intercantonal agreements. The intercantonal agreement on the supervision and licensing and revenue use of intercantonal or nationwide lotteries and betting is fundamentally in conformity with federal law.»\n\n## DNS Blocking and Online Money Games\n\n**BGE 148 II 392** of 18 May 2022  \nDNS access blocking for foreign online money game providers  \nLeading decision on the constitutionality and proportionality of internet blocking in the money gaming sector under the new BGS.\n\n> «Foreign providers of online money games not licensed in Switzerland cannot invoke economic freedom and the case law of the ECJ or EFTA Court on union law freedom of establishment and services for market access. The currently practiced 'Domain Name System blocking' (DNS blocking) is proportionate despite its limited effectiveness.»\n\nThe judgment extensively develops the criteria for qualification as money gaming under the new BGS:\n\n> «Money games are games where a monetary prize or other monetary advantage is offered in return for a monetary stake or upon conclusion of a legal transaction. The scope of the Money Gaming Act encompasses fundamentally all games where a monetary prize or other monetary advantage is offered in return for a stake or upon conclusion of a legal transaction.»\n\nOn the proportionality of DNS blocking:\n\n> «The legislature was aware that one hundred percent effectiveness cannot be guaranteed and circumvention possibilities exist; nevertheless, DNS blocking was considered a blocking possibility that 'currently' constitutes the 'simplest and most appropriate solution for blocking non-licensed gaming websites'. The mere fact that access to non-licensed websites is at least made more difficult by these blocking measures should suffice for average players to guide them towards legal offerings.»\n\n## Latest Developments and Criminal Proceedings\n\n**Judgment 6B_499/2024** of 20 November 2024  \nViolation of the Money Gaming Act  \nCurrent case law on the application of administrative criminal law in money gaming offences under the new BGS.\n\n**Federal Criminal Court BE.2025.2** of 15 May 2025  \nUnsealing procedure for illegal casino games  \nThe decision shows the practical enforcement of money gaming law through house searches and seizures.\n\n## System and Development\n\nThe case law on Art. 106 BV shows a continuous development from the original casino regulation through lottery acts to the modern Money Gaming Act (BGS) of 2019. Central themes are:\n\n1. **Qualification Issues**: The distinction between different game categories follows objective criteria, where the relationship between chance and skill is decisive.\n\n2. **Taxation Aspects**: Casino tax is calculated even in cases of unlawful conduct, with the federal government bearing the risk of apparatus-inherent manipulations.\n\n3. **Coordination**: The federal structure requires intensive intercantonal coordination, which is examined by the Federal Supreme Court for its conformity with federal law.\n\n4. **Digitalisation**: With the BGS 2019, the Federal Supreme Court has addressed the challenges of online gambling and affirmed the constitutionality of technical blocking measures.\n\n5. **Fundamental Rights**: Economic freedom and proportionality are always weighed against the protective goals of money gaming law (player protection, combating money laundering, charitable purposes).", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_106", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 107, "article_suffix": "", "title": "Waffen und Kriegsmaterial", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 107 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 107 BV gibt dem Bund die Kompetenz, Waffen und Kriegsmaterial zu kontrollieren. Diese Bundeszuständigkeit ist umfassend und verdrängt jegliche kantonale Regelung.\n\n**Absatz 1** ermächtigt den Bund, Vorschriften gegen den Missbrauch von Waffen, Waffenzubehör und Munition zu erlassen. Trotz des Wortlauts beschränkt sich diese Kompetenz nicht auf repressive Massnahmen. Der Bund kann präventive Regelungen wie Bewilligungspflichten und Registrierungssysteme schaffen. Diese Bestimmung bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für das Waffengesetz (WG), das Erwerb, Besitz und Handel mit Waffen regelt.\n\n**Absatz 2** betrifft Kriegsmaterial und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von der Herstellung bis zum Export. Diese Kompetenz ermöglicht dem Bund eine lückenlose Kontrolle über militärisch verwendbare Güter. Sie ist die Grundlage für das Kriegsmaterialgesetz (KMG) mit seinen strengen Bewilligungspflichten und Ausfuhrkontrollen.\n\nDie Schweizer Waffengesetzgebung ist geprägt von der Schengen-Assoziierung, die zu einer erheblichen Ausweitung der Bundeskompetenzen geführt hat. Einzelne Rechtswissenschaftler kritisieren, der Bund habe dabei seine verfassungsrechtlichen Grenzen überschritten (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13). Die herrschende Lehre sieht dies anders und betont, dass das schweizerische Recht weiterhin vom Grundsatz eines Rechts auf Waffenerwerb ausgeht.\n\nEin praktisches Beispiel zeigt die Tragweite: Ein Sammler historischer Waffen benötigt sowohl für den Erwerb einer Militärpistole (WG) als auch für Munitionsbestandteile (KMG) separate Bundesbewilligungen. Verstösse können zu strafrechtlichen Sanktionen und zur Einziehung der Gegenstände führen, wie der «Supergun»-Fall verdeutlichte (**BGE 122 IV 103**).\n\nBei der Kriegsmaterialausfuhr ist die neutralitätspolitische Dimension zentral. Die offizielle Schweizer Position beschränkt neutralitätsrechtliche Vorgaben auf staatliche Lieferungen. Kritiker wenden ein, diese Unterscheidung sei überholt, da Staaten heute auch private Rüstungsexporte kontrollieren (Meyer, Das Kriegsmaterialgesetz, 2007, S. 165 ff.; Künzli, Pendelausschläge des schweizerischen Rüstungsexportrechts, Sicherheit & Recht 2009, S. 141 ff.).\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine konstant strenge Auslegung der Sorgfaltspflichten. Bereits fahrlässige Verstösse gegen die komplexen Bewilligungspflichten können empfindliche Strafen nach sich ziehen. Unternehmen im Rüstungsbereich müssen daher umfassende Compliance-Systeme implementieren (Amsler/Calderari, La réglementation des armes à feu, AJP 2014, S. 309 ff.).", "doctrine_de": "# Art. 107 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 107 BV geht auf Art. 40 aBV zurück und wurde im Rahmen der Totalrevision von 1999 modernisiert. Die neue Fassung erweiterte die Bundeskompetenz erheblich, indem sie dem Bund nicht mehr nur die Bekämpfung des Missbrauchs, sondern generell die Regelung des Umgangs mit Waffen übertrug (BBl 1997 I 433). Die Norm trägt der gewandelten Sicherheitslage und den internationalen Verpflichtungen der Schweiz Rechnung, insbesondere im Kontext der Schengen-Assoziierung.\n\n**N. 2** Die Kriegsmaterialkompetenz in Abs. 2 wurde unverändert aus Art. 41 aBV übernommen. Die Botschaft betont die sicherheitspolitische und neutralitätspolitische Bedeutung dieser Bestimmung (BBl 1997 I 434). Sie ermöglicht dem Bund eine umfassende Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette von Kriegsmaterial, von der Herstellung bis zum Export.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 107 BV ist im 3. Kapitel «Finanz- und Wirtschaftsordnung» eingeordnet, was die wirtschaftspolitische Dimension der Waffenkontrolle unterstreicht. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten), → Art. 118 Abs. 2 lit. a BV (Sprengstoffkompetenz) sowie → Art. 184 und 185 BV (Sicherheitspolitik).\n\n**N. 4** Die Kompetenz ist als umfassende Bundeszuständigkeit ausgestaltet. Anders als bei konkurrierenden Kompetenzen verdrängt das Bundesrecht hier jegliche kantonale Regelung im Anwendungsbereich der Norm (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 4-5). Die Kantone behalten lediglich Vollzugskompetenzen, soweit das Bundesrecht diese vorsieht.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Waffen, Waffenzubehör und Munition (Abs. 1):** Der Waffenbegriff umfasst gemäss Waffengesetz alle Geräte und Vorrichtungen, die zum Angriff, zur Verteidigung, zum Schiessen, zum Sport, zur Jagd oder zu Zwecken verwendet werden können, die anderen Schaden zufügen. Die Bundeskompetenz erstreckt sich auf sämtliche Aspekte des Umgangs mit diesen Gegenständen.\n\n**N. 6** **Missbrauchsbekämpfung (Abs. 1):** Trotz des Wortlauts «gegen den Missbrauch» ist die Bundeskompetenz nicht auf repressive Massnahmen beschränkt. Vielmehr umfasst sie präventive Regelungen wie Bewilligungspflichten, Registrierungssysteme und Sicherheitsvorschriften (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 8-13).\n\n**N. 7** **Kriegsmaterial (Abs. 2):** Der Begriff umfasst Waffen, Munition, Kriegsgeräte und deren Bestandteile, die spezifisch für die Kriegführung oder militärische Übungen konzipiert oder modifiziert wurden. Die Definition erfolgt abschliessend in der Kriegsmaterialverordnung (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 22-25).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Abs. 1 verpflichtet den Bund zum Erlass von Vorschriften. Diese Gesetzgebungspflicht wurde mit dem Waffengesetz (WG) und seinen Ausführungsbestimmungen erfüllt. Die Norm begründet keine subjektiven Rechte für Private, sondern konstituiert ausschliesslich eine Bundeskompetenz.\n\n**N. 9** Die umfassende Regelungskompetenz für Kriegsmaterial in Abs. 2 ermöglicht dem Bund ein lückenloses Kontrollsystem. Dazu gehören Bewilligungspflichten, Ausfuhrverbote, Endverbleibserklärungen und strafrechtliche Sanktionen bei Verstössen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Reichweite der Bundeskompetenz nach Schengen:** Ein Streitpunkt betrifft die Frage, ob der Bund seine Kompetenzen mit der Übernahme des Schengen-Waffenrechts überschritten hat. Einzelne Autoren vertreten die Auffassung, der Bund habe seine nur fragmentarischen, auf die Missbrauchsbekämpfung beschränkten Kompetenzen ausgereizt oder gar überschritten. Künzli hält dem entgegen, diese Auffassung erscheine zumindest zweifelhaft, da die schweizerische Waffengesetzgebung weiterhin vom Grundsatz des Rechts auf Waffenerwerb, -besitz und -tragen ausgehe (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13).\n\n**N. 11** **Neutralitätsrechtliche Beschränkungen:** Kontrovers diskutiert wird die Reichweite neutralitätsrechtlicher Beschränkungen bei privaten Rüstungsexporten. Die offizielle Haltung der Schweiz besagt, diese Beschränkung gelte nur für staatliche Lieferungen. Künzli kritisiert diese Position: Da heute die Staaten auch private Rüstungsexporte einer Bewilligungspflicht unterstellen und damit das Letztentscheidungsrecht über die Zulässigkeit eines Auslandsgeschäfts mit Waffen besitzen, vermöge diese Auffassung nicht mehr zu überzeugen (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 21).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 12** Für die Rechtsanwendung ist die Abgrenzung zwischen Waffen nach Abs. 1 und Kriegsmaterial nach Abs. 2 entscheidend. Sportschützen und Jäger unterstehen primär dem WG, während Hersteller militärischer Güter das KMG beachten müssen. Die Doppelverwendung (dual use) bestimmter Güter kann zu Überschneidungen führen.\n\n**N. 13** Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten sind neben dem nationalen Recht die internationalen Verpflichtungen der Schweiz zu beachten, insbesondere das Schengen-Acquis für Waffen und diverse UN-Sanktionsregime für Kriegsmaterial. Die Koordination erfolgt über das SECO (Kriegsmaterial) und fedpol (Waffen).\n\n**N. 14** Die Rechtsprechung zeigt eine konstant strenge Auslegung der Bewilligungspflichten. Bereits die fahrlässige Verletzung von Sorgfaltspflichten kann zu strafrechtlichen Konsequenzen führen, wie der «Supergun»-Fall illustriert (**BGE 122 IV 103**). Unternehmen im Rüstungsbereich müssen daher umfassende Compliance-Systeme implementieren.", "caselaw_de": "# Art. 107 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Waffenrecht und Einziehungsverfahren\n\n**BGE 150 II 519** vom 21.5.2024\nVerhältnis zwischen strafrechtlicher Sicherungseinziehung und verwaltungsrechtlicher Waffeneinziehung bei unrechtmässig importierten Sammlungsobjekten.\nKlärung der Koordination zwischen Art. 69 StGB und Art. 31 WG im Anwendungsbereich von Art. 107 BV.\n\n> «Das gestützt auf Art. 107 Abs. 1 BV erlassene Waffengesetz hat zum Ziel, die missbräuchliche Verwendung von Waffen zu verhindern. Es soll sowohl die öffentliche Sicherheit als auch die Sicherheit von Menschen und Eigentum gewährleisten.»\n\n**BGE 135 I 209** vom 30.4.2009\nEntschädigungspflicht bei definitiv eingezogenen Waffen und Waffenbestandteilen eines deutschen Sammlers.\nBestätigt den Schutzbereich von Art. 107 BV als Kompetenzgrundlage für umfassende Waffenregulierung.\n\n> «Das Waffengesetz enthält keine gesetzliche Grundlage für den Einzug des Nettoerlöses der Verwertung von aus Sicherheitsgründen beschlagnahmten bzw. eingezogenen Gegenständen zu Gunsten des Staates.»\n\n### Kriegsmaterialrecht\n\n**BGE 122 IV 103** vom 1.2.1996\nWiderhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz; Lieferungen der Firma Von Roll an den Irak (\"Supergun\"-Fall).\nPräzisierung der Reichweite von Art. 107 Abs. 2 BV für Kriegsmaterialausfuhr und Unternehmensverantwortung.\n\n> «Eine Unternehmen, das in der Stahlproduktion tätig ist und Bestandteile für Kriegsmaterial herstellt, ist verpflichtet, Sicherheitsvorkehren zu treffen, die nach Möglichkeit von vornherein Widerhandlungen gegen das KMG im Betrieb ausschliessen.»\n\n**BGE 121 IV 358** vom 26.10.1995\nWiderhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz durch gewerbsmässigen Handel mit Faustfeuerwaffen ohne Grundbewilligung.\nBestimmung der Bewilligungspflicht unter Art. 107 Abs. 2 BV für Kriegsmaterialhandel im Inland.\n\n> «Wer im Inland Kriegsmaterial in einer Zahl umsetzt, die dem Umsatz eines nebenberuflichen Händlers nicht wesentlich nachsteht, bedarf ungeachtet seiner Absichten und Motive einer Grundbewilligung im Sinne von Art. 4 KMG.»\n\n**BGE 121 IV 365** vom 26.10.1995\nLegitimation zur Nichtigkeitsbeschwerde gegen Kriegsmaterialeinziehung und rechtliches Gehör von Dritten.\nVerfahrensrechtliche Anforderungen bei Durchsetzung von Art. 107 Abs. 2 BV.\n\n> «Der Nettoerlös aus der Verwertung von eingezogenem Kriegsmaterial ist an den von der Einziehung betroffenen Eigentümer auszubezahlen.»\n\n**BGE 117 IV 336** vom 5.11.1991\nEinziehung von Kriegsmaterial nach fingiertem Einbruchdiebstahl und illegalem Verkauf.\nAuslegung der zwingenden Einziehung gemäss Art. 107 Abs. 2 BV bei Kriegsmaterialdelikten.\n\n> «Kriegsmaterial kann im Falle der Feststellung einer Widerhandlung gegen das KMG nach dessen Art. 20 unabhängig davon eingezogen werden, ob eine erneute Widerhandlung gegen das KMG hinreichend wahrscheinlich ist.»\n\n**BGE 117 IV 345** vom 5.11.1991\nVerwendung des Verwertungserlöses bei eingezogenem Kriegsmaterial im gleichen Verfahrenskomplex.\nEigentumsschutz bei Vollzug von Art. 107 Abs. 2 BV.\n\n> «Der Nettoerlös aus der Verwertung von eingezogenem Kriegsmaterial ist an den von der Einziehung betroffenen Eigentümer auszubezahlen.»\n\n### Jüngere Rechtsprechung zu Spezialaspekten\n\nUrteil **2C_444/2017** vom 19.2.2018\nWaffenbeschlagnahme bei häuslicher Gewalt und Gefährdungsprognose unter Art. 107 Abs. 1 BV.\nDas Bundesgericht bestätigte eine weite Auslegung des Gefährdungsbegriffs.\n\nUrteil **2C_955/2019** vom 29.1.2020\nEinziehung von Waffen nach Gewaltdelikt trotz formeller Berechtigung des Eigentümers.\nPräventiver Charakter der Waffengesetzgebung gestützt auf Art. 107 Abs. 1 BV.\n\nUrteil **2C_125/2023** vom 21.5.2024\nVerwertung und Vernichtung illegal importierter historischer Waffen und Kriegsmaterialien.\nJüngste Bestätigung der umfassenden Bundeskompetenz nach Art. 107 BV.\n\n### Verfahrensrechtliche Rechtsprechung\n\nUrteil **6B_1262/2015** vom 18.4.2016\nWiderhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz durch Umgehung der Ausfuhrbewilligung.\nStrafverfahrensrechtliche Aspekte bei Art. 107 Abs. 2 BV.\n\nUrteil **2A_546/2004** vom 4.2.2005\nEinziehung von Waffen bei deutschem Sammler mit gefälschten Waffenerwerbsscheinen.\nInternationale Dimension der Waffenregulierung unter Art. 107 BV.\n\n### Bundesstrafgericht\n\nUrteil **SK.2018.41** vom 10.10.2018\nVersuchte Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz bei Bestellung eines Militärzünders aus Russland.\nAnwendung von Art. 107 Abs. 2 BV auf grenzüberschreitende Kriegsmaterialbeschaffung.\n\nUrteil **SK.2015.18** vom 25.9.2015\nWiderhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz durch nicht bewilligte Geschäfte.\nReichweite der Strafbestimmungen unter der Kompetenz von Art. 107 Abs. 2 BV.", "summary_fr": "# Art. 107 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 107 Cst. donne à la Confédération la compétence de contrôler les armes et le matériel de guerre. Cette compétence fédérale est complète et évince toute réglementation cantonale.\n\n**L'alinéa 1** habilite la Confédération à édicter des prescriptions contre l'usage abusif d'armes, d'accessoires d'armes et de munitions. Malgré la formulation, cette compétence ne se limite pas aux mesures répressives. La Confédération peut créer des réglementations préventives comme les obligations d'autorisation et les systèmes d'enregistrement. Cette disposition constitue la base constitutionnelle de la loi sur les armes (LArm), qui régit l'acquisition, la possession et le commerce d'armes.\n\n**L'alinéa 2** concerne le matériel de guerre et englobe toute la chaîne de création de valeur, de la fabrication à l'exportation. Cette compétence permet à la Confédération un contrôle sans faille des biens à usage militaire. Elle constitue la base de la loi sur le matériel de guerre (LFMG) avec ses strictes obligations d'autorisation et ses contrôles d'exportation.\n\nLa législation suisse sur les armes est marquée par l'association à Schengen, qui a conduit à un élargissement considérable des compétences fédérales. Certains juristes critiquent le fait que la Confédération ait ainsi outrepassé ses limites constitutionnelles (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13). La doctrine dominante voit les choses différemment et souligne que le droit suisse continue de partir du principe d'un droit à l'acquisition d'armes.\n\nUn exemple pratique montre la portée : un collectionneur d'armes historiques a besoin d'autorisations fédérales distinctes tant pour l'acquisition d'un pistolet militaire (LArm) que pour des composants de munitions (LFMG). Les violations peuvent entraîner des sanctions pénales et la confiscation des objets, comme l'a illustré l'affaire « Supergun » (**ATF 122 IV 103**).\n\nPour l'exportation de matériel de guerre, la dimension de politique de neutralité est centrale. La position officielle suisse limite les exigences de droit de neutralité aux livraisons étatiques. Les critiques objectent que cette distinction est dépassée, car les États contrôlent aujourd'hui aussi les exportations d'armement privées (Meyer, Das Kriegsmaterialgesetz, 2007, p. 165 ss ; Künzli, Pendelausschläge des schweizerischen Rüstungsexportrechts, Sicherheit & Recht 2009, p. 141 ss).\n\nLa jurisprudence montre une interprétation constamment stricte des devoirs de diligence. Déjà les violations par négligence des obligations d'autorisation complexes peuvent entraîner des peines sévères. Les entreprises du secteur de l'armement doivent donc implémenter des systèmes de conformité complets (Amsler/Calderari, La réglementation des armes à feu, AJP 2014, p. 309 ss).", "doctrine_fr": "# Art. 107 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 107 Cst. remonte à l'art. 40 aCst. et a été modernisé dans le cadre de la révision totale de 1999. La nouvelle version a considérablement élargi la compétence fédérale, en confiant à la Confédération non plus seulement la lutte contre les abus, mais de manière générale la réglementation du commerce des armes (FF 1997 I 409). La norme tient compte de l'évolution de la situation sécuritaire et des engagements internationaux de la Suisse, en particulier dans le contexte de l'association à Schengen.\n\n**Ch. 2** La compétence relative au matériel de guerre à l'al. 2 a été reprise sans modification de l'art. 41 aCst. Le message souligne l'importance de cette disposition du point de vue de la politique de sécurité et de la politique de neutralité (FF 1997 I 410). Elle permet à la Confédération un contrôle complet sur l'ensemble de la chaîne de valeur du matériel de guerre, de la fabrication à l'exportation.\n\n### 2. Situation systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 107 Cst. est classé dans le 3e chapitre « Ordre financier et économique », ce qui souligne la dimension de politique économique du contrôle des armes. La norme est en relation étroite avec l'→ art. 54 Cst. (Affaires étrangères), l'→ art. 118 al. 2 let. a Cst. (compétence en matière d'explosifs) ainsi que les → art. 184 et 185 Cst. (politique de sécurité).\n\n**Ch. 4** La compétence est conçue comme une compétence fédérale globale. Contrairement aux compétences concurrentes, le droit fédéral évince ici toute réglementation cantonale dans le domaine d'application de la norme (Künzli, BSK BV, art. 107 ch. 4-5). Les cantons ne conservent que les compétences d'exécution dans la mesure où le droit fédéral les prévoit.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **Armes, accessoires d'armes et munitions (al. 1) :** Le concept d'arme comprend selon la loi sur les armes tous les appareils et dispositifs qui peuvent être utilisés pour l'attaque, la défense, le tir, le sport, la chasse ou à des fins pouvant causer un dommage à autrui. La compétence fédérale s'étend à tous les aspects du commerce de ces objets.\n\n**Ch. 6** **Lutte contre les abus (al. 1) :** Malgré le libellé « contre les abus », la compétence fédérale n'est pas limitée aux mesures répressives. Elle comprend plutôt des réglementations préventives comme les obligations d'autorisation, les systèmes d'enregistrement et les prescriptions de sécurité (Künzli, BSK BV, art. 107 ch. 8-13).\n\n**Ch. 7** **Matériel de guerre (al. 2) :** Le concept comprend les armes, munitions, matériel de guerre et leurs composants qui sont spécifiquement conçus ou modifiés pour la guerre ou les exercices militaires. La définition figure de manière exhaustive dans l'ordonnance sur le matériel de guerre (Künzli, BSK BV, art. 107 ch. 22-25).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 8** L'al. 1 oblige la Confédération à édicter des prescriptions. Cette obligation législative a été remplie avec la loi sur les armes (LArm) et ses dispositions d'exécution. La norme ne fonde aucun droit subjectif pour les particuliers, mais constitue exclusivement une compétence fédérale.\n\n**Ch. 9** La compétence de réglementation globale pour le matériel de guerre à l'al. 2 permet à la Confédération un système de contrôle sans lacune. Cela comprend les obligations d'autorisation, les interdictions d'exportation, les déclarations de destinataire final et les sanctions pénales en cas d'infractions.\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 10** **Portée de la compétence fédérale après Schengen :** Un point controversé concerne la question de savoir si la Confédération a outrepassé ses compétences avec la reprise du droit de Schengen sur les armes. Certains auteurs soutiennent que la Confédération a épuisé ou même outrepassé ses compétences seulement fragmentaires, limitées à la lutte contre les abus. Künzli objecte que cette conception semble au moins douteuse, car la législation suisse sur les armes continue de partir du principe du droit d'acquérir, de posséder et de porter des armes (Künzli, BSK BV, art. 107 ch. 13).\n\n**Ch. 11** **Restrictions du droit de la neutralité :** La portée des restrictions du droit de la neutralité pour les exportations d'armements privées est controversée. La position officielle de la Suisse indique que cette restriction ne vaut que pour les livraisons étatiques. Künzli critique cette position : étant donné qu'aujourd'hui les États soumettent également les exportations d'armements privées à une obligation d'autorisation et possèdent ainsi le droit de décision finale sur l'admissibilité d'une affaire étrangère avec des armes, cette conception ne peut plus convaincre (Künzli, BSK BV, art. 107 ch. 21).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 12** Pour l'application du droit, la délimitation entre les armes selon l'al. 1 et le matériel de guerre selon l'al. 2 est déterminante. Les tireurs sportifs et chasseurs sont soumis principalement à la LArm, tandis que les fabricants de biens militaires doivent observer la LMG. Le double usage (dual use) de certains biens peut conduire à des chevauchements.\n\n**Ch. 13** Pour les situations transfrontalières, il faut observer outre le droit national les engagements internationaux de la Suisse, en particulier l'acquis de Schengen pour les armes et divers régimes de sanctions de l'ONU pour le matériel de guerre. La coordination s'effectue via le SECO (matériel de guerre) et fedpol (armes).\n\n**Ch. 14** La jurisprudence montre une interprétation constamment stricte des obligations d'autorisation. Déjà la violation par négligence d'obligations de diligence peut conduire à des conséquences pénales, comme l'illustre l'affaire « Supergun » (**ATF 122 IV 103**). Les entreprises du secteur de l'armement doivent donc implémenter des systèmes de conformité complets.", "caselaw_fr": "# Art. 107 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Droit des armes et procédure de confiscation\n\n**ATF 150 II 519** du 21.5.2024\nRapport entre la confiscation pénale de sûreté et la confiscation administrative d'armes pour des objets de collection importés illégalement.\nClarification de la coordination entre l'art. 69 CP et l'art. 31 LArm dans le champ d'application de l'art. 107 Cst.\n\n> « La loi sur les armes, édictée en vertu de l'art. 107 al. 1 Cst., a pour but d'empêcher l'usage abusif des armes. Elle doit garantir tant la sécurité publique que la sécurité des personnes et des biens. »\n\n**ATF 135 I 209** du 30.4.2009\nObligation d'indemnisation en cas de confiscation définitive d'armes et d'éléments d'armes d'un collectionneur allemand.\nConfirme le champ de protection de l'art. 107 Cst. comme base de compétence pour une réglementation complète des armes.\n\n> « La loi sur les armes ne contient aucune base légale pour la confiscation du produit net de la réalisation d'objets séquestrés ou confisqués pour des raisons de sécurité au profit de l'État. »\n\n### Droit du matériel de guerre\n\n**ATF 122 IV 103** du 1.2.1996\nContraventions à la loi sur le matériel de guerre ; livraisons de l'entreprise Von Roll à l'Irak (affaire « Supergun »).\nPrécision de la portée de l'art. 107 al. 2 Cst. pour l'exportation de matériel de guerre et la responsabilité des entreprises.\n\n> « Une entreprise active dans la production d'acier et qui fabrique des composants pour du matériel de guerre est tenue de prendre des précautions de sécurité qui excluent dans la mesure du possible d'emblée les contraventions à la LMG dans l'exploitation. »\n\n**ATF 121 IV 358** du 26.10.1995\nContraventions à la loi sur le matériel de guerre par commerce professionnel d'armes à feu sans autorisation de base.\nDétermination de l'obligation d'autorisation sous l'art. 107 al. 2 Cst. pour le commerce de matériel de guerre sur le territoire national.\n\n> « Quiconque met en circulation sur le territoire national du matériel de guerre en nombre qui ne diffère pas sensiblement du chiffre d'affaires d'un commerçant exerçant cette activité à titre accessoire, a besoin, quelles que soient ses intentions et ses motivations, d'une autorisation de base au sens de l'art. 4 LMG. »\n\n**ATF 121 IV 365** du 26.10.1995\nLégitimation au recours en nullité contre la confiscation de matériel de guerre et droit d'être entendu de tiers.\nExigences de droit procédural lors de l'application de l'art. 107 al. 2 Cst.\n\n> « Le produit net de la réalisation de matériel de guerre confisqué doit être versé au propriétaire touché par la confiscation. »\n\n**ATF 117 IV 336** du 5.11.1991\nConfiscation de matériel de guerre après cambriolage fictif et vente illégale.\nInterprétation de la confiscation obligatoire selon l'art. 107 al. 2 Cst. en cas d'infractions au matériel de guerre.\n\n> « Le matériel de guerre peut être confisqué en cas de constatation d'une contravention à la LMG selon son art. 20, indépendamment du fait qu'une nouvelle contravention à la LMG soit suffisamment probable. »\n\n**ATF 117 IV 345** du 5.11.1991\nUtilisation du produit de la réalisation de matériel de guerre confisqué dans le même complexe procédural.\nProtection de la propriété lors de l'exécution de l'art. 107 al. 2 Cst.\n\n> « Le produit net de la réalisation de matériel de guerre confisqué doit être versé au propriétaire touché par la confiscation. »\n\n### Jurisprudence récente sur des aspects spéciaux\n\nArrêt **2C_444/2017** du 19.2.2018\nSéquestre d'armes en cas de violence domestique et pronostic de mise en danger sous l'art. 107 al. 1 Cst.\nLe Tribunal fédéral a confirmé une interprétation large de la notion de mise en danger.\n\nArrêt **2C_955/2019** du 29.1.2020\nConfiscation d'armes après délit de violence malgré l'autorisation formelle du propriétaire.\nCaractère préventif de la législation sur les armes fondée sur l'art. 107 al. 1 Cst.\n\nArrêt **2C_125/2023** du 21.5.2024\nRéalisation et destruction d'armes historiques et de matériel de guerre importés illégalement.\nConfirmation récente de la compétence fédérale complète selon l'art. 107 Cst.\n\n### Jurisprudence de droit procédural\n\nArrêt **6B_1262/2015** du 18.4.2016\nContravention à la loi sur le matériel de guerre par contournement de l'autorisation d'exportation.\nAspects de droit de procédure pénale concernant l'art. 107 al. 2 Cst.\n\nArrêt **2A_546/2004** du 4.2.2005\nConfiscation d'armes chez un collectionneur allemand avec permis d'acquisition d'armes falsifiés.\nDimension internationale de la réglementation des armes sous l'art. 107 Cst.\n\n### Tribunal pénal fédéral\n\nArrêt **SK.2018.41** du 10.10.2018\nTentative de contravention à la loi sur le matériel de guerre lors de la commande d'un détonateur militaire de Russie.\nApplication de l'art. 107 al. 2 Cst. à l'acquisition transfrontalière de matériel de guerre.\n\nArrêt **SK.2015.18** du 25.9.2015\nContraventions à la loi sur le matériel de guerre par des affaires non autorisées.\nPortée des dispositions pénales sous la compétence de l'art. 107 al. 2 Cst.", "summary_it": "# Art. 107 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 107 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di controllare le armi e il materiale bellico. Questa competenza federale è onnicomprensiva ed esclude qualsiasi regolamentazione cantonale.\n\n**Il capoverso 1** autorizza la Confederazione a emanare prescrizioni contro l'abuso di armi, accessori d'arma e munizioni. Nonostante il tenore letterale, questa competenza non si limita a misure repressive. La Confederazione può creare regolamentazioni preventive come obblighi di autorizzazione e sistemi di registrazione. Questa disposizione costituisce la base costituzionale della legge sulle armi (LArm), che disciplina l'acquisizione, il possesso e il commercio di armi.\n\n**Il capoverso 2** concerne il materiale bellico e comprende l'intera catena del valore dalla fabbricazione all'esportazione. Questa competenza consente alla Confederazione un controllo completo sui beni utilizzabili militarmente. Essa costituisce la base della legge sul materiale bellico (LMB) con i suoi severi obblighi di autorizzazione e controlli all'esportazione.\n\nLa legislazione svizzera sulle armi è caratterizzata dall'associazione a Schengen, che ha portato a un considerevole ampliamento delle competenze federali. Singoli giuristi criticano che la Confederazione abbia superato i propri limiti costituzionali (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13). La dottrina dominante vede le cose diversamente e sottolinea che il diritto svizzero continua a partire dal principio di un diritto all'acquisizione di armi.\n\nUn esempio pratico mostra la portata: un collezionista di armi storiche ha bisogno sia per l'acquisizione di una pistola militare (LArm) sia per componenti di munizioni (LMB) di autorizzazioni federali separate. Le violazioni possono portare a sanzioni penali e alla confisca degli oggetti, come ha chiarito il caso «Supergun» (**DTF 122 IV 103**).\n\nNell'esportazione di materiale bellico è centrale la dimensione di politica di neutralità. La posizione svizzera ufficiale limita le prescrizioni del diritto di neutralità alle forniture statali. I critici obiettano che questa distinzione è superata, poiché oggi gli Stati controllano anche le esportazioni di armamenti private (Meyer, Das Kriegsmaterialgesetz, 2007, pag. 165 segg.; Künzli, Pendelausschläge des schweizerischen Rüstungsexportrechts, Sicherheit & Recht 2009, pag. 141 segg.).\n\nLa giurisprudenza mostra un'interpretazione costantemente severa degli obblighi di diligenza. Già violazioni colpose dei complessi obblighi di autorizzazione possono comportare pene sensibili. Le aziende nel settore degli armamenti devono quindi implementare sistemi di compliance onnicomprensivi (Amsler/Calderari, La réglementation des armes à feu, AJP 2014, pag. 309 segg.).", "doctrine_it": "# Art. 107 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 107 Cost. risale all'art. 40 aCost. ed è stato modernizzato nel quadro della revisione totale del 1999. La nuova versione ha ampliato considerevolmente la competenza federale, non trasferendo più alla Confederazione soltanto la lotta contro l'abuso, ma generalmente la disciplina del maneggio delle armi (FF 1997 I 391). La norma tiene conto della mutata situazione della sicurezza e degli obblighi internazionali della Svizzera, in particolare nel contesto dell'associazione Schengen.\n\n**N. 2** La competenza sul materiale bellico di cui al cpv. 2 è stata ripresa invariata dall'art. 41 aCost. Il messaggio sottolinea l'importanza di questa disposizione dal punto di vista della politica di sicurezza e della neutralità (FF 1997 I 391). Essa consente alla Confederazione un controllo completo su tutta la catena del valore del materiale bellico, dalla produzione all'esportazione.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 107 Cost. è collocato nel capitolo 3 «Ordinamento finanziario ed economico», il che sottolinea la dimensione di politica economica del controllo delle armi. La norma è strettamente collegata all'→ art. 54 Cost. (Affari esteri), all'→ art. 118 cpv. 2 lett. a Cost. (competenza sugli esplosivi) nonché agli → art. 184 e 185 Cost. (politica di sicurezza).\n\n**N. 4** La competenza è configurata come competenza federale completa. Diversamente dalle competenze concorrenti, qui il diritto federale esclude qualsiasi regolamentazione cantonale nell'ambito di applicazione della norma (Künzli, BSK BV, art. 107 n. 4-5). I Cantoni mantengono soltanto competenze esecutive, nella misura in cui il diritto federale le prevede.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Armi, accessori per armi e munizioni (cpv. 1):** Il concetto di arma comprende secondo la Legge sulle armi tutti gli apparecchi e dispositivi che possono essere utilizzati per l'attacco, la difesa, il tiro, lo sport, la caccia o per scopi che possono arrecare danno ad altri. La competenza federale si estende a tutti gli aspetti del maneggio di questi oggetti.\n\n**N. 6** **Lotta contro l'abuso (cpv. 1):** Nonostante il tenore letterale «contro l'abuso», la competenza federale non è limitata a misure repressive. Essa comprende piuttosto regolamentazioni preventive come obblighi di autorizzazione, sistemi di registrazione e prescrizioni di sicurezza (Künzli, BSK BV, art. 107 n. 8-13).\n\n**N. 7** **Materiale bellico (cpv. 2):** Il concetto comprende armi, munizioni, apparecchi bellici e loro componenti che sono stati concepiti o modificati specificamente per la condotta della guerra o per esercitazioni militari. La definizione avviene in modo conclusivo nell'Ordinanza sul materiale bellico (Künzli, BSK BV, art. 107 n. 22-25).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** Il cpv. 1 obbliga la Confederazione ad emanare prescrizioni. Questo obbligo legislativo è stato adempiuto con la Legge sulle armi (LArm) e le sue disposizioni d'esecuzione. La norma non fonda diritti soggettivi per i privati, ma costituisce esclusivamente una competenza federale.\n\n**N. 9** La competenza di regolamentazione completa per il materiale bellico di cui al cpv. 2 consente alla Confederazione un sistema di controllo senza lacune. Vi appartengono obblighi di autorizzazione, divieti di esportazione, dichiarazioni sull'utilizzatore finale e sanzioni penali in caso di violazioni.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 10** **Portata della competenza federale dopo Schengen:** Una questione controversa riguarda la domanda se la Confederazione abbia ecceduto le sue competenze con il recepimento del diritto Schengen sulle armi. Singoli autori sostengono che la Confederazione abbia esaurito o addirittura ecceduto le sue competenze solo frammentarie, limitate alla lotta contro l'abuso. Künzli obietta che questa concezione appare almeno dubbia, poiché la legislazione svizzera sulle armi continua a partire dal principio del diritto all'acquisizione, possesso e porto d'armi (Künzli, BSK BV, art. 107 n. 13).\n\n**N. 11** **Limitazioni del diritto di neutralità:** Si discute in modo controverso la portata delle limitazioni del diritto di neutralità nelle esportazioni private di armamenti. La posizione ufficiale della Svizzera afferma che questa limitazione vale solo per le forniture statali. Künzli critica questa posizione: Poiché oggi gli Stati sottopongono anche le esportazioni private di armamenti a un obbligo di autorizzazione e possiedono così il diritto di decisione finale sulla legittimità di un affare all'estero con armi, questa concezione non riesce più a convincere (Künzli, BSK BV, art. 107 n. 21).\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 12** Per l'applicazione del diritto è decisiva la delimitazione tra armi secondo il cpv. 1 e materiale bellico secondo il cpv. 2. Tiratori sportivi e cacciatori sottostanno principalmente alla LArm, mentre i produttori di beni militari devono osservare la LMB. Il doppio uso (dual use) di determinati beni può portare a sovrapposizioni.\n\n**N. 13** In casi transfrontalieri, oltre al diritto nazionale devono essere osservati gli obblighi internazionali della Svizzera, in particolare l'acquis Schengen per le armi e diversi regimi di sanzioni ONU per il materiale bellico. Il coordinamento avviene tramite la SECO (materiale bellico) e fedpol (armi).\n\n**N. 14** La giurisprudenza mostra un'interpretazione costantemente rigorosa degli obblighi di autorizzazione. Già la violazione colposa di obblighi di diligenza può portare a conseguenze penali, come illustra il caso «Supergun» (**DTF 122 IV 103**). Le imprese nel settore degli armamenti devono pertanto implementare sistemi di compliance completi.", "caselaw_it": "# Art. 107 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Legislazione sulle armi e procedura di confisca\n\n**DTF 150 II 519** del 21.5.2024\nRapporto tra confisca di sicurezza penale e confisca di armi amministrativa per oggetti da collezione importati illegalmente.\nChiarimento del coordinamento tra l'art. 69 CP e l'art. 31 LArm nell'ambito di applicazione dell'art. 107 Cost.\n\n> «La legge sulle armi emanata ai sensi dell'art. 107 cpv. 1 Cost. ha lo scopo di prevenire l'uso improprio delle armi. Deve garantire sia la sicurezza pubblica sia la sicurezza delle persone e della proprietà.»\n\n**DTF 135 I 209** del 30.4.2009\nObbligo di indennizzo per armi e componenti di armi definitivamente confiscati di un collezionista tedesco.\nConferma dell'ambito di protezione dell'art. 107 Cost. quale base di competenza per una regolamentazione completa delle armi.\n\n> «La legge sulle armi non contiene alcuna base legale per la confisca del ricavo netto della vendita di oggetti sequestrati o confiscati per motivi di sicurezza a favore dello Stato.»\n\n### Legislazione sul materiale bellico\n\n**DTF 122 IV 103** del 1.2.1996\nContravvenzioni alla legge sul materiale bellico; consegne della ditta Von Roll all'Iraq (caso \"Supergun\").\nPrecisazione della portata dell'art. 107 cpv. 2 Cost. per l'esportazione di materiale bellico e la responsabilità delle imprese.\n\n> «Un'impresa attiva nella produzione di acciaio e che fabbrica componenti per materiale bellico è obbligata a prendere precauzioni di sicurezza che escludano per quanto possibile fin dall'inizio contravvenzioni alla LMB nell'azienda.»\n\n**DTF 121 IV 358** del 26.10.1995\nContravvenzioni alla legge sul materiale bellico attraverso il commercio professionale di armi da pugno senza autorizzazione generale.\nDeterminazione dell'obbligo di autorizzazione secondo l'art. 107 cpv. 2 Cost. per il commercio interno di materiale bellico.\n\n> «Chi commercializza materiale bellico nel territorio nazionale in una quantità che non si discosta sostanzialmente dal fatturato di un commerciante che esercita l'attività a titolo accessorio, necessita indipendentemente dalle sue intenzioni e motivazioni di un'autorizzazione generale ai sensi dell'art. 4 LMB.»\n\n**DTF 121 IV 365** del 26.10.1995\nLegittimazione al ricorso per nullità contro la confisca di materiale bellico e diritto di essere sentiti dei terzi.\nRequisiti di diritto processuale nell'attuazione dell'art. 107 cpv. 2 Cost.\n\n> «Il ricavo netto dalla vendita di materiale bellico confiscato deve essere versato al proprietario colpito dalla confisca.»\n\n**DTF 117 IV 336** del 5.11.1991\nConfisca di materiale bellico dopo finto furto con scasso e vendita illegale.\nInterpretazione della confisca obbligatoria secondo l'art. 107 cpv. 2 Cost. in caso di reati di materiale bellico.\n\n> «Il materiale bellico può essere confiscato in caso di accertamento di una contravvenzione alla LMB secondo il suo art. 20 indipendentemente dal fatto che una nuova contravvenzione alla LMB sia sufficientemente probabile.»\n\n**DTF 117 IV 345** del 5.11.1991\nUtilizzo del ricavo della vendita di materiale bellico confiscato nello stesso complesso procedurale.\nProtezione della proprietà nell'esecuzione dell'art. 107 cpv. 2 Cost.\n\n> «Il ricavo netto dalla vendita di materiale bellico confiscato deve essere versato al proprietario colpito dalla confisca.»\n\n### Giurisprudenza recente su aspetti specifici\n\nSentenza **2C_444/2017** del 19.2.2018\nSequestro di armi in caso di violenza domestica e prognosi di pericolo secondo l'art. 107 cpv. 1 Cost.\nIl Tribunale federale ha confermato un'interpretazione ampia del concetto di pericolo.\n\nSentenza **2C_955/2019** del 29.1.2020\nConfisca di armi dopo reato di violenza nonostante l'autorizzazione formale del proprietario.\nCarattere preventivo della legislazione sulle armi basata sull'art. 107 cpv. 1 Cost.\n\nSentenza **2C_125/2023** del 21.5.2024\nVendita e distruzione di armi storiche e materiale bellico importati illegalmente.\nRecente conferma della competenza federale completa secondo l'art. 107 Cost.\n\n### Giurisprudenza di diritto processuale\n\nSentenza **6B_1262/2015** del 18.4.2016\nContravvenzione alla legge sul materiale bellico attraverso l'aggiramento dell'autorizzazione di esportazione.\nAspetti di diritto processuale penale nell'art. 107 cpv. 2 Cost.\n\nSentenza **2A_546/2004** del 4.2.2005\nConfisca di armi presso un collezionista tedesco con licenze di acquisto di armi falsificate.\nDimensione internazionale della regolamentazione delle armi secondo l'art. 107 Cost.\n\n### Tribunale penale federale\n\nSentenza **SK.2018.41** del 10.10.2018\nTentata contravvenzione alla legge sul materiale bellico per ordinazione di un detonatore militare dalla Russia.\nApplicazione dell'art. 107 cpv. 2 Cost. all'approvvigionamento transfrontaliero di materiale bellico.\n\nSentenza **SK.2015.18** del 25.9.2015\nContravvenzioni alla legge sul materiale bellico attraverso affari non autorizzati.\nPortata delle disposizioni penali sotto la competenza dell'art. 107 cpv. 2 Cost.", "summary_en": "# Art. 107 BV\n\n## Overview\n\nArt. 107 BV gives the Confederation the competence to control weapons and war material. This federal jurisdiction is comprehensive and displaces any cantonal regulation.\n\n**Paragraph 1** empowers the Confederation to enact regulations against the misuse of weapons, weapon accessories and ammunition. Despite the wording, this competence is not limited to repressive measures. The Confederation may create preventive regulations such as licensing requirements and registration systems. This provision forms the constitutional basis for the Weapons Act (WG), which regulates the acquisition, possession and trade of weapons.\n\n**Paragraph 2** concerns war material and encompasses the entire value chain from manufacture to export. This competence enables the Confederation to exercise comprehensive control over goods that can be used for military purposes. It is the basis for the War Material Act (KMG) with its strict licensing requirements and export controls.\n\nSwiss weapons legislation is characterised by the Schengen association, which has led to a considerable expansion of federal competences. Individual legal scholars criticise that the Confederation has thereby exceeded its constitutional limits (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13). The prevailing doctrine takes a different view and emphasises that Swiss law continues to be based on the principle of a right to acquire weapons.\n\nA practical example shows the scope: A collector of historical weapons requires separate federal licences both for the acquisition of a military pistol (WG) and for ammunition components (KMG). Violations can lead to criminal sanctions and confiscation of the objects, as the «Supergun» case demonstrated (**BGE 122 IV 103**).\n\nIn war material exports, the neutrality policy dimension is central. The official Swiss position restricts neutrality law requirements to state deliveries. Critics argue that this distinction is outdated, as states today also control private arms exports (Meyer, Das Kriegsmaterialgesetz, 2007, p. 165 ff.; Künzli, Pendelausschläge des schweizerischen Rüstungsexportrechts, Sicherheit & Recht 2009, p. 141 ff.).\n\nThe case law shows a consistently strict interpretation of due diligence obligations. Even negligent violations of the complex licensing obligations can result in severe penalties. Companies in the defence sector must therefore implement comprehensive compliance systems (Amsler/Calderari, La réglementation des armes à feu, AJP 2014, p. 309 ff.).", "doctrine_en": "# Art. 107 FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 107 FC is based on Art. 40 former FC and was modernised in the context of the 1999 total revision. The new version significantly expanded federal competence by transferring to the Confederation not only the fight against misuse, but generally the regulation of the handling of weapons (BBl 1997 I 433). The provision takes account of the changed security situation and Switzerland's international obligations, particularly in the context of the Schengen association.\n\n**N. 2** The war material competence in para. 2 was adopted unchanged from Art. 41 former FC. The Federal Council message emphasises the significance of this provision for security policy and neutrality policy (BBl 1997 I 434). It enables the Confederation to exercise comprehensive control over the entire value chain of war material, from production to export.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 107 FC is classified in Chapter 3 «Financial and Economic Order», which underlines the economic policy dimension of weapons control. The provision is closely connected with → Art. 54 FC (Foreign Affairs), → Art. 118 para. 2 lit. a FC (explosives competence) as well as → Art. 184 and 185 FC (security policy).\n\n**N. 4** The competence is designed as a comprehensive federal jurisdiction. Unlike concurrent competences, federal law here displaces any cantonal regulation within the scope of application of the provision (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 4-5). The cantons retain only enforcement competences insofar as federal law provides for these.\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n**N. 5** **Weapons, weapon accessories and ammunition (para. 1):** According to the Weapons Act, the concept of weapons encompasses all devices and appliances that can be used for attack, defence, shooting, sport, hunting or for purposes that cause harm to others. Federal competence extends to all aspects of handling these objects.\n\n**N. 6** **Fight against misuse (para. 1):** Despite the wording «against misuse», federal competence is not limited to repressive measures. Rather, it encompasses preventive regulations such as licensing requirements, registration systems and safety regulations (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 8-13).\n\n**N. 7** **War material (para. 2):** The concept encompasses weapons, ammunition, military equipment and their components that are specifically designed or modified for warfare or military exercises. The definition is provided exhaustively in the War Material Ordinance (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 22-25).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Para. 1 obliges the Confederation to issue regulations. This legislative obligation has been fulfilled with the Weapons Act (WA) and its implementing provisions. The provision does not establish subjective rights for private individuals, but exclusively constitutes a federal competence.\n\n**N. 9** The comprehensive regulatory competence for war material in para. 2 enables the Confederation to establish a comprehensive control system. This includes licensing requirements, export prohibitions, end-user certificates and criminal sanctions for violations.\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 10** **Scope of federal competence after Schengen:** A point of controversy concerns the question of whether the Confederation has exceeded its competences with the adoption of Schengen weapons law. Individual authors take the view that the Confederation has exhausted or even exceeded its only fragmentary competences limited to fighting misuse. Künzli counters that this view appears at least questionable, since Swiss weapons legislation continues to be based on the principle of the right to acquire, possess and carry weapons (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 13).\n\n**N. 11** **Neutrality law restrictions:** The scope of neutrality law restrictions on private arms exports is controversially discussed. The official Swiss position states that this restriction applies only to state deliveries. Künzli criticises this position: Since today states also subject private arms exports to licensing requirements and thus possess the final decision-making authority over the admissibility of foreign business with weapons, this view can no longer convince (Künzli, BSK BV, Art. 107 N. 21).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 12** For legal application, the distinction between weapons under para. 1 and war material under para. 2 is decisive. Sport shooters and hunters are primarily subject to the WA, while manufacturers of military goods must observe the WMA. The dual use of certain goods can lead to overlaps.\n\n**N. 13** In cross-border cases, Switzerland's international obligations must be observed in addition to national law, particularly the Schengen acquis for weapons and various UN sanctions regimes for war material. Coordination takes place via SECO (war material) and fedpol (weapons).\n\n**N. 14** Case law shows a consistently strict interpretation of licensing requirements. Even the negligent violation of due diligence obligations can lead to criminal consequences, as illustrated by the «Supergun» case (**BGE 122 IV 103**). Companies in the arms sector must therefore implement comprehensive compliance systems.", "caselaw_en": "# Art. 107 BV\n\n## Case Law\n\n### Weapons Law and Confiscation Proceedings\n\n**BGE 150 II 519** of 21.5.2024\nRelationship between criminal law security confiscation and administrative weapons confiscation for unlawfully imported collection objects.\nClarification of the coordination between Art. 69 StGB and Art. 31 WG in the scope of application of Art. 107 BV.\n\n> «The Weapons Act enacted pursuant to Art. 107 para. 1 BV aims to prevent the abusive use of weapons. It is intended to ensure both public safety and the safety of persons and property.»\n\n**BGE 135 I 209** of 30.4.2009\nCompensation obligation for definitively confiscated weapons and weapon components of a German collector.\nConfirms the scope of protection of Art. 107 BV as a competence basis for comprehensive weapons regulation.\n\n> «The Weapons Act contains no legal basis for confiscating the net proceeds from the realisation of items seized or confiscated for security reasons in favour of the state.»\n\n### War Material Law\n\n**BGE 122 IV 103** of 1.2.1996\nContraventions of the War Material Act; deliveries by Von Roll company to Iraq (\"Supergun\" case).\nClarification of the scope of Art. 107 para. 2 BV for war material exports and corporate responsibility.\n\n> «A company active in steel production and manufacturing components for war material is obliged to take security precautions that as far as possible exclude contraventions of the KMG in the operation from the outset.»\n\n**BGE 121 IV 358** of 26.10.1995\nContraventions of the War Material Act through commercial trade in handguns without general permit.\nDetermination of permit requirements under Art. 107 para. 2 BV for domestic war material trade.\n\n> «Anyone who trades war material domestically in numbers that do not substantially lag behind the turnover of a part-time dealer requires a general permit within the meaning of Art. 4 KMG, regardless of their intentions and motives.»\n\n**BGE 121 IV 365** of 26.10.1995\nStanding to file nullity complaint against war material confiscation and right to be heard of third parties.\nProcedural requirements in enforcement of Art. 107 para. 2 BV.\n\n> «The net proceeds from the realisation of confiscated war material are to be paid out to the owner affected by the confiscation.»\n\n**BGE 117 IV 336** of 5.11.1991\nConfiscation of war material after simulated burglary theft and illegal sale.\nInterpretation of mandatory confiscation pursuant to Art. 107 para. 2 BV for war material offences.\n\n> «War material may be confiscated pursuant to Art. 20 KMG upon establishment of a contravention of the KMG regardless of whether a renewed contravention of the KMG is sufficiently probable.»\n\n**BGE 117 IV 345** of 5.11.1991\nUse of realisation proceeds for confiscated war material in the same procedural complex.\nProperty protection in enforcement of Art. 107 para. 2 BV.\n\n> «The net proceeds from the realisation of confiscated war material are to be paid out to the owner affected by the confiscation.»\n\n### Recent Case Law on Special Aspects\n\nJudgment **2C_444/2017** of 19.2.2018\nWeapons seizure in domestic violence cases and threat assessment under Art. 107 para. 1 BV.\nThe Federal Court confirmed a broad interpretation of the concept of endangerment.\n\nJudgment **2C_955/2019** of 29.1.2020\nConfiscation of weapons after violent crime despite formal entitlement of the owner.\nPreventive character of weapons legislation pursuant to Art. 107 para. 1 BV.\n\nJudgment **2C_125/2023** of 21.5.2024\nRealisation and destruction of illegally imported historical weapons and war materials.\nMost recent confirmation of comprehensive federal competence under Art. 107 BV.\n\n### Procedural Case Law\n\nJudgment **6B_1262/2015** of 18.4.2016\nContravention of the War Material Act through circumvention of export permit.\nCriminal procedural aspects under Art. 107 para. 2 BV.\n\nJudgment **2A_546/2004** of 4.2.2005\nConfiscation of weapons from German collector with forged weapons acquisition certificates.\nInternational dimension of weapons regulation under Art. 107 BV.\n\n### Federal Criminal Court\n\nJudgment **SK.2018.41** of 10.10.2018\nAttempted contravention of the War Material Act in ordering a military detonator from Russia.\nApplication of Art. 107 para. 2 BV to cross-border war material procurement.\n\nJudgment **SK.2015.18** of 25.9.2015\nContraventions of the War Material Act through unauthorised transactions.\nScope of criminal provisions under the competence of Art. 107 para. 2 BV.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_107", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 108, "article_suffix": "", "title": "Wohnbau- und Wohneigentumsförderung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 108 BV verpflichtet den Bund, den Wohnungsbau und das Wohneigentum zu fördern. Diese Verfassungsbestimmung geht auf das Jahr 1947 zurück und entstand als Reaktion auf die Wohnungsnot der Nachkriegszeit (BBl 1997 I 339). Der Bund muss drei Bereiche unterstützen: den allgemeinen Wohnungsbau, den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum und gemeinnützige Wohnbauträger wie Genossenschaften.\n\nDie Förderung erfolgt durch verschiedene Instrumente. Der Bund kann Land für den Wohnungsbau bereitstellen, den Hausbau technisch verbessern und die Wohnkosten senken. Wichtige Förderungen sind heute Darlehen und Bürgschaften für den sozialen Wohnungsbau, steuerliche Vergünstigungen beim Eigenmietwert (BGE 148 I 210 E. 4.4.6) und die Möglichkeit, Geld aus der Pensionskasse für den Hauskauf zu verwenden (Art. 30c BVG).\n\nBesondere Unterstützung erhalten Familien, ältere Menschen, Bedürftige und Menschen mit Behinderungen. Sie haben Vorrang bei den Förderungsmassnahmen (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 42-43). Der Bund kann auch Gesetze über die Erschliessung von Bauland und die Verbesserung der Baumethoden erlassen.\n\nEin praktisches Beispiel: Eine Familie möchte ein Haus kaufen, hat aber zu wenig Eigenkapital. Sie kann einen Teil ihres Pensionskassengeldes vorzeitig beziehen. Zusätzlich bietet ihr eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft eine günstige Wohnung an, die der Bund mitfinanziert hat.\n\nArt. 108 BV schafft jedoch keine direkten Ansprüche auf Wohnungen oder Fördergelder. Es ist eine Aufgabe des Bundes, nicht ein Recht der Bürger. Die Umsetzung erfolgt durch spezielle Gesetze wie das Wohnraumförderungsgesetz (WFG) und das Wohneigentumsförderungsgesetz (WEG). Der Bund entscheidet je nach verfügbaren Mitteln, welche Förderungen er anbietet.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 108 BV führt die lange Tradition der Wohnbauförderung in der Schweiz fort. Der Artikel basiert auf Art. 34sexies aBV (eingefügt 1972), der seinerseits auf Art. 34quinquies aBV (1947) zurückgeht (BBl 1997 I 1, 339). Die ursprüngliche Verfassungsgrundlage von 1947 entstand in der Nachkriegszeit als Reaktion auf die akute Wohnungsnot (Basile Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 5-11).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betont die Kontinuität der bundesstaatlichen Wohnbauförderung: «Die Förderung des Wohnungsbaus und des Wohneigentums sind seit 1972 bzw. 1947 Bundesaufgaben» (BBl 1997 I 339). Bei der Totalrevision 1999 wurde die Bestimmung inhaltlich unverändert übernommen, jedoch sprachlich modernisiert und systematisch neu geordnet.\n\n**N. 3** Die historische Entwicklung zeigt drei Phasen: Die Notrechtsphase (1936-1947) mit direkten Bundesinterventionen, die Phase der Stabilisierung (1947-1972) mit ersten verfassungsrechtlichen Grundlagen, und die moderne Phase seit 1972 mit umfassenden Förderkompetenzen einschliesslich der Eigentumsförderung (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 7-9).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 108 BV steht im 3. Titel «Bund, Kantone und Gemeinden», 2. Kapitel «Zuständigkeiten», 8. Abschnitt «Wohnen, Arbeit, soziale Sicherheit und Gesundheit». Die Bestimmung bildet zusammen mit Art. 109 BV (Mietwesen) das verfassungsrechtliche Fundament der Wohnungspolitik des Bundes.\n\n**N. 5** Die Norm weist enge Querverweise zu verschiedenen Verfassungsbestimmungen auf: → Art. 41 Abs. 1 lit. e BV (Sozialziel Wohnen), → Art. 75 BV (Raumplanung), → Art. 111 und 113 BV (berufliche Vorsorge zur Wohneigentumsförderung) sowie → Art. 127 Abs. 2 BV (steuerliche Förderungsmassnahmen). Diese systematischen Verbindungen zeigen die Vielschichtigkeit der Wohnungspolitik (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 12).\n\n**N. 6** Im Gegensatz zu Art. 41 Abs. 1 lit. e BV, der ein nicht justiziables Sozialziel formuliert, begründet Art. 108 BV eine echte Bundeskompetenz mit entsprechenden Handlungspflichten. Die Norm ist als Förderungsauftrag konzipiert, nicht als Grundrecht oder subjektiver Anspruch (BGE 148 I 210 E. 4.4.6).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Förderungspflicht (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Begriff «fördert» impliziert eine aktive Handlungspflicht des Bundes, räumt ihm aber erheblichen Gestaltungsspielraum ein. Die Förderung erfolgt primär durch finanzielle Anreize, Bürgschaften, Darlehen und steuerliche Vergünstigungen (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 13-15).\n\n**N. 8** Die Förderung umfasst drei Bereiche: Erstens den **Wohnungsbau** als solchen, unabhängig von der Eigentumsform. Zweitens den **Erwerb von Wohnungs- und Hauseigentum**, wobei die Beschränkung auf «Eigenbedarf Privater» zentral ist – Zweitwohnungen und Renditeobjekte fallen nicht darunter (BGE 132 I 157 E. 3.3). Drittens die **Tätigkeit von Trägern und Organisationen des gemeinnützigen Wohnungsbaus**, womit Genossenschaften und Stiftungen gemeint sind (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 16-21).\n\n### 3.2 Konkrete Förderinstrumente (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die exemplarische Aufzählung («insbesondere») nennt vier Hauptinstrumente: Die **Beschaffung und Erschliessung von Land** bezieht sich auf aktive Bodenpolitik und Baulandbereitstellung. Die **Rationalisierung des Wohnungsbaus** umfasst technische und organisatorische Verbesserungen. Die **Verbilligung des Wohnungsbaus** zielt auf Kostenreduktion bei der Erstellung. Die **Verbilligung der Wohnkosten** betrifft die laufenden Kosten für Bewohner (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 22-26).\n\n**N. 10** Die Förderungsinstrumente reichen von der Forschungsförderung über Modellvorhaben bis zu direkten Finanzhilfen. Die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge (Art. 30c ff. BVG) stellt ein wichtiges Instrument dar, ebenso wie steuerliche Massnahmen beim Eigenmietwert (BGE 148 I 210 E. 4.4.6).\n\n### 3.3 Regulierungskompetenz (Abs. 3)\n\n**N. 11** Die fakultative Gesetzgebungskompetenz («kann Vorschriften erlassen») beschränkt sich auf zwei Bereiche: Landerschliessung und Baurationalisierung. Diese Kompetenz ist subsidiär zu kantonalen Regelungen und muss die Raumplanungshoheit der Kantone respektieren (→ Art. 75 BV). Der Bund hat von dieser Kompetenz bisher zurückhaltend Gebrauch gemacht (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 39-41).\n\n### 3.4 Besondere Zielgruppen (Abs. 4)\n\n**N. 12** Die Berücksichtigungspflicht («namentlich») für Familien, Betagte, Bedürftige und Behinderte konkretisiert den Sozialstaatsgedanken. Diese Gruppen sind bei allen Förderungsmassnahmen prioritär zu behandeln, ohne dass andere Personengruppen ausgeschlossen wären (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 42-43).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Art. 108 BV begründet primär einen Gesetzgebungs- und Förderungsauftrag an den Bund. Direkte subjektive Rechte lassen sich aus der Norm nicht ableiten. Die Umsetzung erfolgt durch Spezialgesetze wie das Wohnraumförderungsgesetz (WFG) und das Wohneigentumsförderungsgesetz (WEG).\n\n**N. 14** Die Förderungspflicht ist nicht absolut, sondern steht unter dem Vorbehalt der verfügbaren Mittel und konkurrierender Staatsaufgaben. Der Bund verfügt über erheblichen Ermessensspielraum bei der Wahl und Ausgestaltung der Förderungsinstrumente (BGE 108 Ib 150 E. 4).\n\n**N. 15** Für die Kantone ergibt sich aus Art. 108 BV keine direkte Verpflichtung, jedoch müssen sie bundesrechtliche Förderungsmassnahmen umsetzen und dürfen diese nicht konterkarieren. Die kantonale Wohnbauförderung bleibt zulässig und erwünscht (→ Art. 46 BV).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Reichweite der Eigenbedarfsklausel**: Cardinaux vertritt eine enge Auslegung des «Eigenbedarfs Privater», wonach nur Erstwohnungen erfasst sind (BSK BV, Art. 108 N. 17). Andere Autoren plädieren für eine grosszügigere Interpretation, die auch vermietete Eigentumswohnungen als künftige Altersvorsorge einschliesst. Das Bundesgericht hat sich für die enge Auslegung entschieden (BGE 132 I 157).\n\n**N. 17** **Verhältnis zu Art. 41 BV**: Umstritten ist, ob Art. 108 BV über den blossen Förderungsauftrag hinaus auch eine Gewährleistungspflicht für angemessenen Wohnraum enthält. Die herrschende Lehre (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 12; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 51 N. 3625) verneint dies und verweist auf die klare Trennung zwischen Sozialzielen und Kompetenznormen.\n\n**N. 18** **Ausmass der steuerlichen Förderung**: Kontrovers diskutiert wird, inwieweit Art. 108 BV steuerliche Privilegien für Wohneigentum rechtfertigt. Während einige Autoren weitgehende Abzugsmöglichkeiten als verfassungskonform ansehen, mahnen andere zur Zurückhaltung mit Blick auf die Steuergerechtigkeit (→ Art. 127 BV).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei der Gesuchstellung für Wohnbauförderung sind die detaillierten Merkblätter des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO) zu beachten. Diese haben faktisch verbindlichen Charakter und werden von den Gerichten als massgebliche Auslegungshilfen herangezogen (B-696/2022).\n\n**N. 20** Die Vorbezugsmöglichkeit für Wohneigentum aus der beruflichen Vorsorge (Art. 30c BVG) stellt für viele Personen die wichtigste Förderungsmassnahme dar. Zu beachten sind die strengen Zweckbindungen und Rückzahlungspflichten bei Veräusserung.\n\n**N. 21** Gemeinnützige Wohnbauträger können von verschiedenen Förderungen profitieren, müssen aber die Gemeinnützigkeitskriterien (Kostenmiete, Belegungsvorschriften, Gewinnausschüttungsverbot) dauerhaft einhalten. Verstösse führen zur Rückforderung von Fördergeldern (BGE 108 Ib 150).\n\n**N. 22** Die kantonalen Unterschiede bei der Wohnbauförderung sind erheblich. Vor Projektbeginn sollten neben den Bundesprogrammen auch kantonale und kommunale Förderungsmöglichkeiten abgeklärt werden, da diese oft kumulativ beansprucht werden können.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\nArt. 108 BV hat in der Rechtsprechung des Bundesgerichts bisher nur in begrenztem Umfang eine eigenständige Rolle gespielt. Die Bestimmung wird hauptsächlich als verfassungsrechtliche Grundlage für steuerrechtliche Förderungsmassnahmen sowie für die Umsetzung der Wohnbauförderungsgesetzgebung des Bundes herangezogen.\n\n## Steuerrechtliche Wohneigentumsförderung\n\n**BGE 148 I 210** (21. Dezember 2021)\nE. 4.4.6: Verfassungsrechtliche Grundlage für die steuerliche Begünstigung von Wohneigentum\nDie Untergrenze von 60 Prozent beim harmonisierten Eigenmietwert ist verfassungsrechtlich zulässig: \n\n> «Grund für die tiefere Bewertung des Eigenmietwerts sind namentlich die geringe Verfügbarkeit des Grundeigentums, was zu spekulativen Rechtsgeschäften führen kann, allem voran aber das aus Art. 108 Abs. 1 BV hergeleitete Ziel, die Selbstvorsorge durch Bildung von Wohneigentum steuerlich zu fördern.»\n\nDer Entscheid zeigt, dass Art. 108 BV eine verfassungsrechtliche Legitimation für steuerliche Vergünstigungen beim Eigenmietwert bildet, jedoch nicht für übermässige Abweichungen vom Verkehrswert bei der Vermögenssteuerbewertung.\n\n**BGE 133 I 206** (1. Juni 2007)\nE. 11.2: Wohneigentumsförderung als verfassungslegitimer Zweck\nDas Bundesgericht bestätigte, dass die verfassungsrechtliche Wohneigentumsförderung nach Art. 108 Abs. 1 BV degressive Steuertarife rechtfertigen kann, soweit diese der Förderung von Wohneigentum dienen.\n\n**BGE 132 I 157** (12. April 2006) \nE. 3.3: Differenzierung bei Eigenmietwerten\nDie unterschiedliche steuerliche Behandlung von Erst- und Zweitwohnungen beim Eigenmietwert ist zulässig, da Art. 108 BV primär die Förderung selbstgenutzten Wohneigentums bezweckt.\n\n## Historische Wohnbauförderung\n\n**BGE 110 Ib 268** (14. September 1984)\nE. 2 und 3: Bundesbürgschaften im sozialen Wohnungsbau\nAnsprüche aus Bundesbürgschaften für II. Hypotheken gemäss Wohnbauförderungsgesetz vom 19. März 1965 setzen die Einhaltung der gesetzlichen Voraussetzungen voraus:\n\n> «Im vorliegenden Fall führt der Beschwerdeführer an, der Baukredit sei nur unter der besonderen Bedingung eröffnet worden, dass sich der Bund für die II. Hypothek im Betrage von Fr. 3 Mio. verbürge, was denn auch durch Verfügung des BWO vom 13. Dezember 1974 geschehen sei.»\n\n**BGE 108 Ib 150** (7. Mai 1982)\nE. 4: Verjährung von Rückerstattungsansprüchen\nAnsprüche auf Rückerstattung von Wohnbauförderungsbeiträgen verjähren ein Jahr nach Kenntnisnahme des Rechtsgrunds und spätestens zehn Jahre seit Entstehung des Anspruchs. Die Verjährung beginnt bei Zweckentfremdung des geförderten Wohnraums.\n\n## Gemeinnütziger Wohnungsbau und Steuerbefreiung\n\n**BGE 114 Ib 277** (28. Oktober 1988)\nE. 2: Voraussetzungen der Steuerbefreiung\nEine Stiftung für preisgünstigen Wohnungsbau kann steuerbefreit werden, wenn ihre Tätigkeit über die blosse Gewinnlosigkeit hinausgeht und gesellschaftlich besonders förderungswürdige Zwecke verfolgt.\n\n**BGE 117 II 586** (23. Dezember 1991)\nE. 3: Pfandbelastungsgrenze bei Wohnbaugenossenschaften\nFür Grundstücke von Wohnbaugenossenschaften, die Wohnraum den Genossenschaftern für dauernden Aufenthalt zur Verfügung stellen, gilt die Pfandbelastungsgrenze nicht.\n\n## Verwaltungsrechtliche Durchsetzung\n\n**BGE 129 II 125** (3. Dezember 2002)\nE. 2.5 und 2.6: Verfahren bei Wohnbauförderung\nDie Rückforderung von überbezogenen Leistungen bei der Wohnbauförderung erfolgt auf dem verwaltungsrechtlichen Weg. Das Überprüfungsverfahren ist durch Feststellungsverfügung abzuschliessen.\n\n## Bundesverwaltungsgerichtliche Praxis\n\nDie neuere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zeigt eine kontinuierliche Anwendung der Wohnbau- und Eigentumsförderungsgesetze, wobei die Merkblätter des Bundesamtes für Wohnungswesen als verbindliche Verwaltungsrichtlinien gelten (B-696/2022 vom 17. Januar 2023).\n\n## Entwicklungstendenzen\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 108 BV primär als Ermächtigungsgrundlage für gesetzgeberische Massnahmen fungiert, jedoch selten direkte Rechtsansprüche begründet. Die steuerrechtlichen Förderungsmassnahmen stehen unter dem Vorbehalt der Verhältnismässigkeit und dürfen nicht zu systemwidrigen Privilegierungen führen.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 108 Cst. oblige la Confédération à encourager la construction de logements et l'accession à la propriété du logement. Cette disposition constitutionnelle remonte à 1947 et a été créée en réaction à la pénurie de logements de l'après-guerre (FF 1997 I 321). La Confédération doit soutenir trois domaines : la construction de logements en général, l'acquisition de logements en propriété à usage personnel et les maîtres d'ouvrage d'utilité publique comme les coopératives.\n\nL'encouragement s'effectue par différents instruments. La Confédération peut mettre à disposition des terrains pour la construction de logements, améliorer techniquement la construction de maisons et réduire les coûts du logement. Les encouragements importants sont aujourd'hui les prêts et les cautionnements pour la construction de logements sociaux, les avantages fiscaux sur la valeur locative (BGE 148 I 210 consid. 4.4.6) et la possibilité d'utiliser l'argent de la caisse de pension pour l'achat d'une maison (art. 30c LPP).\n\nLes familles, les personnes âgées, les personnes dans le besoin et les personnes handicapées reçoivent un soutien particulier. Elles ont la priorité pour les mesures d'encouragement (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 42-43). La Confédération peut aussi édicter des lois sur l'équipement de terrains à bâtir et l'amélioration des méthodes de construction.\n\nUn exemple pratique : Une famille veut acheter une maison, mais n'a pas suffisamment de fonds propres. Elle peut retirer par anticipation une partie de l'argent de sa caisse de pension. En outre, une coopérative de construction d'utilité publique lui offre un logement avantageux que la Confédération a cofinancé.\n\nL'art. 108 Cst. ne crée toutefois aucun droit direct à des logements ou à des fonds d'encouragement. C'est une tâche de la Confédération, pas un droit des citoyens. La mise en œuvre s'effectue par des lois spéciales comme la loi sur l'encouragement au logement (LOG) et la loi sur l'encouragement à la propriété du logement (LELF). La Confédération décide, selon les moyens disponibles, quels encouragements elle offre.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 108 Cst. perpétue la longue tradition de l'encouragement à la construction de logements en Suisse. L'article se fonde sur l'art. 34sexies ancCst. (inséré en 1972), lequel remontait à son tour à l'art. 34quinquies ancCst. (1947) (FF 1997 I 1, 339). La base constitutionnelle originelle de 1947 est née dans l'après-guerre comme réaction à la pénurie aiguë de logements (Basile Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 5-11).\n\n**N. 2** Le message sur la nouvelle Constitution fédérale souligne la continuité de l'encouragement fédéral à la construction de logements : « L'encouragement de la construction de logements et de l'accession à la propriété du logement sont des tâches fédérales depuis 1972, respectivement 1947 » (FF 1997 I 339). Lors de la révision totale de 1999, la disposition a été reprise sans modification de fond, mais modernisée sur le plan linguistique et réorganisée systématiquement.\n\n**N. 3** L'évolution historique montre trois phases : la phase de droit d'urgence (1936-1947) avec des interventions directes de la Confédération, la phase de stabilisation (1947-1972) avec les premières bases constitutionnelles, et la phase moderne depuis 1972 avec des compétences d'encouragement étendues incluant l'encouragement à la propriété (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 7-9).\n\n## 2. Situation systématique\n\n**N. 4** L'art. 108 Cst. figure dans le titre 3 « Confédération, cantons et communes », chapitre 2 « Compétences », section 8 « Logement, travail, sécurité sociale et santé ». La disposition forme, avec l'art. 109 Cst. (Droit du bail), le fondement constitutionnel de la politique du logement de la Confédération.\n\n**N. 5** La norme présente d'étroits renvois à diverses dispositions constitutionnelles : → art. 41 al. 1 let. e Cst. (but social du logement), → art. 75 Cst. (aménagement du territoire), → art. 111 et 113 Cst. (prévoyance professionnelle pour l'encouragement à la propriété du logement) ainsi que → art. 127 al. 2 Cst. (mesures d'encouragement fiscal). Ces connexions systématiques montrent la complexité de la politique du logement (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 12).\n\n**N. 6** Contrairement à l'art. 41 al. 1 let. e Cst., qui formule un but social non justiciable, l'art. 108 Cst. fonde une véritable compétence fédérale avec des obligations d'action correspondantes. La norme est conçue comme un mandat d'encouragement, non comme un droit fondamental ou une prétention subjective (ATF 148 I 210 consid. 4.4.6).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Obligation d'encouragement (al. 1)\n\n**N. 7** Le terme « encourage » implique une obligation d'action active de la Confédération, mais lui laisse une marge d'appréciation considérable. L'encouragement s'effectue principalement par des incitations financières, des cautionnements, des prêts et des avantages fiscaux (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 13-15).\n\n**N. 8** L'encouragement comprend trois domaines : Premièrement la **construction de logements** en tant que telle, indépendamment de la forme de propriété. Deuxièmement l'**acquisition de la propriété de logements et de maisons**, la restriction aux « besoins propres de particuliers » étant centrale – les résidences secondaires et les objets de rendement n'entrent pas en ligne de compte (ATF 132 I 157 consid. 3.3). Troisièmement l'**activité de maîtres d'ouvrage et d'organisations de construction de logements d'utilité publique**, ce qui vise les coopératives et fondations (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 16-21).\n\n### 3.2 Instruments d'encouragement concrets (al. 2)\n\n**N. 9** L'énumération exemplative (« en particulier ») nomme quatre instruments principaux : L'**acquisition et l'équipement de terrains** se réfère à une politique foncière active et à la mise à disposition de terrains à bâtir. La **rationalisation de la construction de logements** comprend des améliorations techniques et organisationnelles. Le **renchérissement de la construction de logements** vise la réduction des coûts lors de la réalisation. Le **renchérissement des coûts du logement** concerne les coûts courants pour les habitants (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 22-26).\n\n**N. 10** Les instruments d'encouragement vont de l'encouragement à la recherche aux projets pilotes jusqu'aux aides financières directes. L'encouragement à la propriété du logement avec des moyens de la prévoyance professionnelle (art. 30c ss LPP) constitue un instrument important, de même que les mesures fiscales concernant la valeur locative (ATF 148 I 210 consid. 4.4.6).\n\n### 3.3 Compétence de réglementation (al. 3)\n\n**N. 11** La compétence législative facultative (« peut édicter des prescriptions ») se limite à deux domaines : l'équipement de terrains et la rationalisation de la construction. Cette compétence est subsidiaire aux réglementations cantonales et doit respecter la souveraineté des cantons en matière d'aménagement du territoire (→ art. 75 Cst.). La Confédération a fait usage de cette compétence avec retenue jusqu'à présent (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 39-41).\n\n### 3.4 Groupes cibles particuliers (al. 4)\n\n**N. 12** L'obligation de prise en compte (« notamment ») des familles, personnes âgées, personnes dans le besoin et personnes handicapées concrétise l'idée de l'État social. Ces groupes doivent être traités en priorité dans toutes les mesures d'encouragement, sans que d'autres groupes de personnes soient exclus (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 42-43).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 13** L'art. 108 Cst. fonde principalement un mandat législatif et d'encouragement à la Confédération. Des droits subjectifs directs ne peuvent être déduits de la norme. La mise en œuvre s'effectue par des lois spéciales comme la loi sur l'encouragement au logement (LOG) et la loi sur l'encouragement à la propriété du logement (LEPL).\n\n**N. 14** L'obligation d'encouragement n'est pas absolue, mais est soumise à la réserve des moyens disponibles et des tâches étatiques concurrentes. La Confédération dispose d'une marge d'appréciation considérable dans le choix et l'aménagement des instruments d'encouragement (ATF 108 Ib 150 consid. 4).\n\n**N. 15** L'art. 108 Cst. n'engendre aucune obligation directe pour les cantons, mais ceux-ci doivent mettre en œuvre les mesures d'encouragement de droit fédéral et ne peuvent les contrecarrer. L'encouragement cantonal à la construction de logements reste admissible et souhaité (→ art. 46 Cst.).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 16** **Portée de la clause des besoins propres** : Cardinaux défend une interprétation restrictive des « besoins propres de particuliers », selon laquelle seuls les logements principaux sont visés (BSK BV, art. 108 n. 17). D'autres auteurs plaident pour une interprétation plus large, qui inclurait aussi les appartements en propriété loués comme prévoyance vieillesse future. Le Tribunal fédéral a opté pour l'interprétation restrictive (ATF 132 I 157).\n\n**N. 17** **Rapport avec l'art. 41 Cst.** : Il est controversé de savoir si l'art. 108 Cst. contient, au-delà du simple mandat d'encouragement, aussi une obligation de garantie pour un logement approprié. La doctrine dominante (Cardinaux, BSK BV, art. 108 n. 12 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 51 n. 3625) le nie et renvoie à la séparation claire entre buts sociaux et normes de compétence.\n\n**N. 18** **Ampleur de l'encouragement fiscal** : Il est débattu de manière controversée dans quelle mesure l'art. 108 Cst. justifie des privilèges fiscaux pour la propriété du logement. Alors que certains auteurs considèrent de larges possibilités de déduction comme conformes à la Constitution, d'autres appellent à la retenue eu égard à l'équité fiscale (→ art. 127 Cst.).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 19** Lors de la demande d'encouragement à la construction de logements, il faut observer les notices détaillées de l'Office fédéral du logement (OFL). Celles-ci ont un caractère contraignant de fait et sont utilisées par les tribunaux comme aides à l'interprétation déterminantes (B-696/2022).\n\n**N. 20** La possibilité d'anticipation pour la propriété du logement de la prévoyance professionnelle (art. 30c LPP) constitue pour de nombreuses personnes la mesure d'encouragement la plus importante. Il faut observer les affectations strictes et les obligations de remboursement en cas d'aliénation.\n\n**N. 21** Les maîtres d'ouvrage de logements d'utilité publique peuvent profiter de divers encouragements, mais doivent respecter durablement les critères d'utilité publique (loyer au prix coûtant, prescriptions d'attribution, interdiction de distribution de bénéfices). Les violations conduisent à la restitution des fonds d'encouragement (ATF 108 Ib 150).\n\n**N. 22** Les différences cantonales dans l'encouragement à la construction de logements sont considérables. Avant le début du projet, il convient de clarifier, outre les programmes fédéraux, aussi les possibilités d'encouragement cantonales et communales, car celles-ci peuvent souvent être demandées cumulativement.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\nL'art. 108 Cst. n'a jusqu'à présent joué qu'un rôle autonome limité dans la jurisprudence du Tribunal fédéral. La disposition sert principalement de base constitutionnelle pour les mesures d'encouragement en droit fiscal ainsi que pour la mise en œuvre de la législation fédérale sur l'encouragement au logement.\n\n## Encouragement fiscal de l'accession à la propriété\n\n**ATF 148 I 210** (21 décembre 2021)\nConsid. 4.4.6 : Base constitutionnelle pour l'avantage fiscal de la propriété du logement\nLa limite inférieure de 60 pour cent pour la valeur locative harmonisée est admissible sur le plan constitutionnel :\n\n> « La raison de l'évaluation plus faible de la valeur locative est notamment la faible disponibilité de la propriété foncière, ce qui peut conduire à des actes juridiques spéculatifs, mais surtout l'objectif dérivé de l'art. 108 al. 1 Cst. d'encourager fiscalement la prévoyance individuelle par la constitution d'un patrimoine immobilier d'habitation. »\n\nLa décision montre que l'art. 108 Cst. constitue une légitimation constitutionnelle pour les avantages fiscaux concernant la valeur locative, mais non pour des déviations excessives par rapport à la valeur vénale lors de l'évaluation de l'impôt sur la fortune.\n\n**ATF 133 I 206** (1er juin 2007)\nConsid. 11.2 : L'encouragement à l'accession à la propriété comme but légitime au plan constitutionnel\nLe Tribunal fédéral a confirmé que l'encouragement constitutionnel à l'accession à la propriété selon l'art. 108 al. 1 Cst. peut justifier des barèmes fiscaux dégressifs, dans la mesure où ceux-ci servent à encourager l'accession à la propriété.\n\n**ATF 132 I 157** (12 avril 2006)\nConsid. 3.3 : Différenciation des valeurs locatives\nLe traitement fiscal différencié des résidences principales et secondaires pour la valeur locative est admissible, car l'art. 108 Cst. vise principalement l'encouragement de la propriété du logement à usage personnel.\n\n## Encouragement historique au logement\n\n**ATF 110 Ib 268** (14 septembre 1984)\nConsid. 2 et 3 : Cautionnements fédéraux dans la construction de logements sociaux\nLes prétentions découlant des cautionnements fédéraux pour les deuxièmes hypothèques selon la loi d'encouragement au logement du 19 mars 1965 présupposent le respect des conditions légales :\n\n> « En l'espèce, le recourant fait valoir que le crédit de construction n'a été ouvert que sous la condition particulière que la Confédération se porte caution pour la deuxième hypothèque d'un montant de 3 millions de francs, ce qui s'est effectivement produit par décision de l'OFL du 13 décembre 1974. »\n\n**ATF 108 Ib 150** (7 mai 1982)\nConsid. 4 : Prescription des prétentions en restitution\nLes prétentions en restitution de contributions d'encouragement au logement se prescrivent un an après la prise de connaissance du fondement juridique et au plus tard dix ans depuis la naissance de la prétention. La prescription commence en cas de détournement de l'affectation du logement encouragé.\n\n## Construction de logements d'utilité publique et exonération fiscale\n\n**ATF 114 Ib 277** (28 octobre 1988)\nConsid. 2 : Conditions de l'exonération fiscale\nUne fondation pour la construction de logements bon marché peut être exonérée d'impôts si son activité va au-delà de la simple absence de but lucratif et poursuit des buts particulièrement dignes d'encouragement sur le plan social.\n\n**ATF 117 II 586** (23 décembre 1991)\nConsid. 3 : Limite du gage immobilier pour les coopératives d'habitation\nPour les immeubles de coopératives d'habitation qui mettent des logements à disposition des coopérateurs pour un séjour durable, la limite du gage immobilier ne s'applique pas.\n\n## Application en droit administratif\n\n**ATF 129 II 125** (3 décembre 2002)\nConsid. 2.5 et 2.6 : Procédure dans l'encouragement au logement\nLa récupération de prestations perçues en trop dans l'encouragement au logement s'effectue par la voie du droit administratif. La procédure de vérification doit être close par une décision de constatation.\n\n## Pratique du Tribunal administratif fédéral\n\nLa jurisprudence plus récente du Tribunal administratif fédéral montre une application continue des lois d'encouragement au logement et à l'accession à la propriété, les aide-mémoire de l'Office fédéral du logement valant comme directives administratives contraignantes (B-696/2022 du 17 janvier 2023).\n\n## Tendances d'évolution\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 108 Cst. fonctionne principalement comme base d'habilitation pour des mesures législatives, mais fonde rarement des droits subjectifs directs. Les mesures d'encouragement en droit fiscal sont soumises à la réserve de la proportionnalité et ne doivent pas conduire à des privilèges contraires au système.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 108 Cost. obbliga la Confederazione a promuovere l'edilizia abitativa e la proprietà d'abitazioni. Questa disposizione costituzionale risale al 1947 ed è nata come reazione alla penuria di alloggi del dopoguerra (FF 1997 I 339). La Confederazione deve sostenere tre settori: l'edilizia abitativa in generale, l'acquisizione di proprietà d'abitazioni ad uso proprio e gli enti di utilità pubblica per l'edilizia abitativa come le cooperative.\n\nLa promozione avviene attraverso diversi strumenti. La Confederazione può mettere a disposizione terreni per l'edilizia abitativa, migliorare tecnicamente la costruzione di case e ridurre i costi dell'abitare. Importanti promozioni sono oggi i mutui e le fideiussioni per l'edilizia abitativa sociale, le agevolazioni fiscali sul valore locativo (DTF 148 I 210 consid. 4.4.6) e la possibilità di utilizzare denaro dalla cassa pensioni per l'acquisto di una casa (art. 30c LPP).\n\nUn sostegno particolare ricevono le famiglie, le persone anziane, quelle bisognose e le persone con disabilità. Esse hanno la priorità nelle misure di promozione (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 42-43). La Confederazione può anche emanare leggi sull'allacciamento di terreni edificabili e sul miglioramento dei metodi di costruzione.\n\nUn esempio pratico: una famiglia vuole comprare una casa, ma ha troppo poco capitale proprio. Può prelevare anticipatamente una parte del denaro della sua cassa pensioni. Inoltre, una cooperativa di utilità pubblica per l'edilizia abitativa le offre un alloggio conveniente che la Confederazione ha cofinanziato.\n\nL'art. 108 Cost. non crea tuttavia diritti diretti ad alloggi o a fondi di promozione. È un compito della Confederazione, non un diritto dei cittadini. L'attuazione avviene attraverso leggi speciali come la Legge sulla promozione dell'alloggio (LPAll) e la Legge sulla promozione della proprietà d'abitazioni (LPPA). La Confederazione decide a seconda dei mezzi disponibili quali promozioni offre.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 108 Cost. prosegue la lunga tradizione di promozione dell'edilizia abitativa in Svizzera. L'articolo si basa sull'art. 34sexies vCost. (inserito nel 1972), che a sua volta risale all'art. 34quinquies vCost. (1947) (FF 1997 I 1, 339). La base costituzionale originaria del 1947 sorse nel dopoguerra come reazione all'acuta penuria di alloggi (Basile Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 5-11).\n\n**N. 2** Il messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolinea la continuità della promozione dell'edilizia abitativa confederale: «La promozione dell'edilizia abitativa e della proprietà d'abitazione sono compiti della Confederazione dal 1972 rispettivamente dal 1947» (FF 1997 I 339). Durante la revisione totale del 1999 la disposizione è stata ripresa senza modifiche sostanziali, ma è stata modernizzata dal punto di vista linguistico e riorganizzata sistematicamente.\n\n**N. 3** L'evoluzione storica mostra tre fasi: La fase del diritto di necessità (1936-1947) con interventi confederali diretti, la fase di stabilizzazione (1947-1972) con le prime basi costituzionali, e la fase moderna dal 1972 con ampie competenze di promozione inclusa la promozione della proprietà (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 7-9).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 108 Cost. si trova nel Titolo 3 «Confederazione, Cantoni e Comuni», Capitolo 2 «Competenze», Sezione 8 «Abitazione, lavoro, sicurezza sociale e sanità». La disposizione forma insieme all'art. 109 Cost. (diritto di locazione) il fondamento costituzionale della politica abitativa della Confederazione.\n\n**N. 5** La norma presenta stretti rimandi incrociati a diverse disposizioni costituzionali: → art. 41 cpv. 1 lett. e Cost. (obiettivo sociale abitazione), → art. 75 Cost. (pianificazione del territorio), → art. 111 e 113 Cost. (previdenza professionale per la promozione della proprietà d'abitazione) nonché → art. 127 cpv. 2 Cost. (misure promozionali fiscali). Questi collegamenti sistematici mostrano la complessità della politica abitativa (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 12).\n\n**N. 6** A differenza dell'art. 41 cpv. 1 lett. e Cost., che formula un obiettivo sociale non giustiziabile, l'art. 108 Cost. fonda una vera competenza confederale con corrispondenti obblighi d'azione. La norma è concepita come mandato promozionale, non come diritto fondamentale o pretesa soggettiva (DTF 148 I 210 consid. 4.4.6).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Obbligo promozionale (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il concetto «promuove» implica un obbligo d'azione attivo della Confederazione, ma le concede un considerevole margine di manovra. La promozione avviene principalmente attraverso incentivi finanziari, fideiussioni, prestiti e agevolazioni fiscali (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 13-15).\n\n**N. 8** La promozione comprende tre ambiti: Primo l'**edilizia abitativa** come tale, indipendentemente dalla forma di proprietà. Secondo l'**acquisizione di proprietà di appartamenti e case**, dove è centrale la limitazione al «fabbisogno proprio di privati» – le seconde case e gli immobili di rendimento non rientrano (DTF 132 I 157 consid. 3.3). Terzo l'**attività di enti e organizzazioni dell'edilizia abitativa di pubblica utilità**, con cui si intendono cooperative e fondazioni (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 16-21).\n\n### 3.2 Strumenti promozionali concreti (cpv. 2)\n\n**N. 9** L'elencazione esemplificativa («segnatamente») nomina quattro strumenti principali: L'**acquisizione e l'allestimento di terreni** si riferisce a una politica fondiaria attiva e alla messa a disposizione di terreni edificabili. La **razionalizzazione dell'edilizia abitativa** comprende miglioramenti tecnici e organizzativi. Il **contenimento dei costi dell'edilizia abitativa** mira alla riduzione dei costi di costruzione. Il **contenimento dei costi dell'abitazione** riguarda i costi correnti per gli abitanti (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 22-26).\n\n**N. 10** Gli strumenti promozionali spaziano dalla promozione della ricerca ai progetti pilota fino agli aiuti finanziari diretti. La promozione della proprietà d'abitazione con fondi della previdenza professionale (art. 30c segg. LPP) rappresenta uno strumento importante, così come le misure fiscali per il valore locativo proprio (DTF 148 I 210 consid. 4.4.6).\n\n### 3.3 Competenza regolamentare (cpv. 3)\n\n**N. 11** La competenza legislativa facoltativa («può emanare prescrizioni») si limita a due ambiti: l'allestimento di terreni e la razionalizzazione edilizia. Questa competenza è sussidiaria alle normative cantonali e deve rispettare la sovranità cantonale in materia di pianificazione del territorio (→ art. 75 Cost.). La Confederazione finora ha fatto un uso moderato di questa competenza (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 39-41).\n\n### 3.4 Gruppi destinatari particolari (cpv. 4)\n\n**N. 12** L'obbligo di considerazione («segnatamente») per famiglie, anziani, bisognosi e disabili concretizza l'idea dello Stato sociale. Questi gruppi devono essere trattati prioritariamente in tutte le misure promozionali, senza che altri gruppi di persone siano esclusi (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 42-43).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** L'art. 108 Cost. fonda principalmente un mandato legislativo e promozionale per la Confederazione. Dalla norma non si possono derivare diritti soggettivi diretti. L'attuazione avviene tramite leggi speciali come la legge sulla promozione dell'alloggio (LPrA) e la legge sulla promozione della proprietà d'abitazione (LPPA).\n\n**N. 14** L'obbligo promozionale non è assoluto, ma è soggetto alla riserva dei mezzi disponibili e dei compiti statali concorrenti. La Confederazione dispone di un considerevole margine discrezionale nella scelta e configurazione degli strumenti promozionali (DTF 108 Ib 150 consid. 4).\n\n**N. 15** Dall'art. 108 Cost. non deriva per i Cantoni alcun obbligo diretto, tuttavia essi devono attuare le misure promozionali del diritto federale e non possono contrastarle. La promozione cantonale dell'edilizia abitativa rimane ammissibile e auspicabile (→ art. 46 Cost.).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 16** **Portata della clausola del fabbisogno proprio**: Cardinaux sostiene un'interpretazione restrittiva del «fabbisogno proprio di privati», secondo cui sono comprese solo le prime abitazioni (BSK BV, Art. 108 n. 17). Altri autori propendono per un'interpretazione più generosa, che include anche appartamenti in proprietà affittati come futura previdenza per la vecchiaia. Il Tribunale federale ha optato per l'interpretazione restrittiva (DTF 132 I 157).\n\n**N. 17** **Rapporto con l'art. 41 Cost.**: È controverso se l'art. 108 Cost. contenga, oltre al mero mandato promozionale, anche un obbligo di garanzia per alloggi adeguati. La dottrina prevalente (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 n. 12; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, § 51 n. 3625) lo nega e rimanda alla chiara separazione tra obiettivi sociali e norme di competenza.\n\n**N. 18** **Entità della promozione fiscale**: È discusso controversamente fino a che punto l'art. 108 Cost. giustifichi privilegi fiscali per la proprietà d'abitazione. Mentre alcuni autori considerano costituzionalmente conformi ampie possibilità di deduzione, altri invitano alla moderazione in considerazione dell'equità fiscale (→ art. 127 Cost.).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Per la richiesta di promozione dell'edilizia abitativa devono essere osservate le schede informative dettagliate dell'Ufficio federale delle abitazioni (UFAB). Queste hanno carattere de facto vincolante e vengono utilizzate dai tribunali come ausili interpretativi determinanti (B-696/2022).\n\n**N. 20** La possibilità di prelievo anticipato per la proprietà d'abitazione dalla previdenza professionale (art. 30c LPP) rappresenta per molte persone la misura promozionale più importante. Da osservare sono i rigorosi vincoli di destinazione e gli obblighi di rimborso in caso di alienazione.\n\n**N. 21** Gli enti di utilità pubblica per l'edilizia abitativa possono beneficiare di diverse promozioni, ma devono rispettare durevolmente i criteri di utilità pubblica (affitto a prezzo di costo, prescrizioni di assegnazione, divieto di distribuzione di utili). Le violazioni comportano la restituzione dei fondi promozionali (DTF 108 Ib 150).\n\n**N. 22** Le differenze cantonali nella promozione dell'edilizia abitativa sono considerevoli. Prima dell'inizio del progetto dovrebbero essere verificate, oltre ai programmi federali, anche le possibilità promozionali cantonali e comunali, poiché queste spesso possono essere richieste cumulativamente.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\nL'art. 108 Cost. ha finora svolto un ruolo autonomo limitato nella giurisprudenza del Tribunale federale. La disposizione è utilizzata principalmente come base costituzionale per misure di promozione fiscale e per l'attuazione della legislazione federale sulla promozione dell'abitazione.\n\n## Promozione fiscale della proprietà abitativa\n\n**DTF 148 I 210** (21 dicembre 2021)\nconsid. 4.4.6: Base costituzionale per l'agevolazione fiscale della proprietà abitativa\nIl limite inferiore del 60 per cento per il valore locativo armonizzato è costituzionalmente ammissibile:\n\n> «Grund für die tiefere Bewertung des Eigenmietwerts sind namentlich die geringe Verfügbarkeit des Grundeigentums, was zu spekulativen Rechtsgeschäften führen kann, allem voran aber das aus Art. 108 Abs. 1 BV hergeleitete Ziel, die Selbstvorsorge durch Bildung von Wohneigentum steuerlich zu fördern.»\n\nLa decisione mostra che l'art. 108 Cost. costituisce una legittimazione costituzionale per agevolazioni fiscali nel valore locativo, ma non per deviazioni eccessive dal valore di mercato nella valutazione dell'imposta sul patrimonio.\n\n**DTF 133 I 206** (1° giugno 2007)\nconsid. 11.2: Promozione della proprietà abitativa come scopo costituzionalmente legittimo\nIl Tribunale federale ha confermato che la promozione costituzionale della proprietà abitativa secondo l'art. 108 cpv. 1 Cost. può giustificare tariffe fiscali degressive, nella misura in cui servono alla promozione della proprietà abitativa.\n\n**DTF 132 I 157** (12 aprile 2006)\nconsid. 3.3: Differenziazione nei valori locativi\nIl trattamento fiscale differenziato delle prime e seconde case nel valore locativo è ammissibile, poiché l'art. 108 Cost. mira principalmente alla promozione della proprietà abitativa ad uso proprio.\n\n## Promozione storica dell'edilizia abitativa\n\n**DTF 110 Ib 268** (14 settembre 1984)\nconsid. 2 e 3: Fideiussioni federali nell'edilizia abitativa sociale\nI diritti derivanti da fideiussioni federali per seconde ipoteche secondo la Legge sulla promozione dell'edilizia abitativa del 19 marzo 1965 richiedono il rispetto dei presupposti legali:\n\n> «Im vorliegenden Fall führt der Beschwerdeführer an, der Baukredit sei nur unter der besonderen Bedingung eröffnet worden, dass sich der Bund für die II. Hypothek im Betrage von Fr. 3 Mio. verbürge, was denn auch durch Verfügung des BWO vom 13. Dezember 1974 geschehen sei.»\n\n**DTF 108 Ib 150** (7 maggio 1982)\nconsid. 4: Prescrizione dei diritti di restituzione\nI diritti di restituzione dei contributi per la promozione dell'edilizia abitativa si prescrivono un anno dopo la conoscenza del fondamento giuridico e al più tardi dieci anni dalla nascita del diritto. La prescrizione inizia in caso di destinazione impropria dello spazio abitativo promosso.\n\n## Edilizia abitativa di utilità pubblica ed esenzione fiscale\n\n**DTF 114 Ib 277** (28 ottobre 1988)\nconsid. 2: Presupposti dell'esenzione fiscale\nUna fondazione per l'edilizia abitativa a prezzi accessibili può essere esente da tasse se la sua attività va oltre la mera assenza di lucro e persegue scopi socialmente particolarmente meritevoli di promozione.\n\n**DTF 117 II 586** (23 dicembre 1991)\nconsid. 3: Limite di pegno per le cooperative edilizie\nPer i fondi delle cooperative edilizie che mettono a disposizione spazio abitativo ai cooperatori per dimora permanente, non si applica il limite di pegno.\n\n## Attuazione di diritto amministrativo\n\n**DTF 129 II 125** (3 dicembre 2002)\nconsid. 2.5 e 2.6: Procedura nella promozione dell'edilizia abitativa\nIl recupero di prestazioni eccedenti nella promozione dell'edilizia abitativa avviene per via amministrativa. La procedura di verifica deve concludersi con una decisione di accertamento.\n\n## Prassi del Tribunale amministrativo federale\n\nLa giurisprudenza più recente del Tribunale amministrativo federale mostra un'applicazione continua delle leggi di promozione dell'edilizia e della proprietà, con le schede informative dell'Ufficio federale delle abitazioni che valgono come direttive amministrative vincolanti (B-696/2022 del 17 gennaio 2023).\n\n## Tendenze evolutive\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 108 Cost. funziona principalmente come base di autorizzazione per misure legislative, ma raramente fonda diritti diretti. Le misure di promozione fiscale sono soggette alla riserva della proporzionalità e non devono portare a privilegi contrari al sistema.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 108 BV obliges the Confederation to promote housing construction and home ownership. This constitutional provision dates back to 1947 and arose as a response to the post-war housing shortage (BBl 1997 I 339). The Confederation must support three areas: general housing construction, the acquisition of owner-occupied housing, and non-profit housing providers such as cooperatives.\n\nThe promotion takes place through various instruments. The Confederation may provide land for housing construction, technically improve house building and reduce housing costs. Important forms of promotion today are loans and guarantees for social housing construction, tax benefits for imputed rental value (BGE 148 I 210 E. 4.4.6) and the possibility to use money from pension funds for house purchases (Art. 30c BVG).\n\nFamilies, elderly people, those in need and people with disabilities receive special support. They have priority in the promotional measures (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 42-43). The Confederation may also enact laws on the development of building land and the improvement of building methods.\n\nA practical example: A family wants to buy a house but has insufficient equity capital. It may withdraw part of its pension fund money early. Additionally, a non-profit housing cooperative offers it an affordable apartment that the Confederation has co-financed.\n\nArt. 108 BV does not, however, create direct entitlements to housing or promotional funds. It is a task of the Confederation, not a right of citizens. Implementation takes place through special laws such as the Housing Promotion Act (WFG) and the Home Ownership Promotion Act (WEG). The Confederation decides which forms of promotion it offers depending on available resources.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 108 Cst. continues the long tradition of housing development promotion in Switzerland. The article is based on Art. 34sexies of the former Constitution (inserted in 1972), which in turn goes back to Art. 34quinquies of the former Constitution (1947) (BBl 1997 I 1, 339). The original constitutional basis of 1947 arose in the post-war period as a reaction to the acute housing shortage (Basile Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 5-11).\n\n**N. 2** The Federal Council message on the new Federal Constitution emphasises the continuity of federal housing development promotion: «The promotion of residential construction and home ownership have been federal tasks since 1972 and 1947 respectively» (BBl 1997 I 339). During the total revision of 1999, the provision was adopted unchanged in substance, but linguistically modernised and systematically reorganised.\n\n**N. 3** The historical development shows three phases: The emergency law phase (1936-1947) with direct federal interventions, the stabilisation phase (1947-1972) with initial constitutional foundations, and the modern phase since 1972 with comprehensive promotion powers including ownership promotion (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 7-9).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 108 Cst. is located in Title 3 «Confederation, Cantons and Communes», Chapter 2 «Powers», Section 8 «Housing, Work, Social Security and Health». The provision forms, together with Art. 109 Cst. (tenancy law), the constitutional foundation of the Confederation's housing policy.\n\n**N. 5** The norm has close cross-references to various constitutional provisions: → Art. 41 para. 1 lit. e Cst. (social objective of housing), → Art. 75 Cst. (spatial planning), → Art. 111 and 113 Cst. (occupational benefits for home ownership promotion) as well as → Art. 127 para. 2 Cst. (tax promotion measures). These systematic connections show the multi-layered nature of housing policy (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 12).\n\n**N. 6** In contrast to Art. 41 para. 1 lit. e Cst., which formulates a non-justiciable social objective, Art. 108 Cst. establishes a genuine federal power with corresponding obligations to act. The norm is conceived as a promotion mandate, not as a fundamental right or subjective entitlement (BGE 148 I 210 E. 4.4.6).\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n### 3.1 Promotion Obligation (Para. 1)\n\n**N. 7** The term «promotes» implies an active obligation to act by the Confederation, but gives it considerable scope for action. Promotion takes place primarily through financial incentives, guarantees, loans and tax benefits (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 13-15).\n\n**N. 8** Promotion comprises three areas: First, **residential construction** as such, regardless of the form of ownership. Second, the **acquisition of residential and house ownership**, whereby the restriction to «personal use by private individuals» is central – second homes and investment properties do not fall under this (BGE 132 I 157 E. 3.3). Third, the **activities of carriers and organisations of non-profit residential construction**, which refers to cooperatives and foundations (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 16-21).\n\n### 3.2 Specific Promotion Instruments (Para. 2)\n\n**N. 9** The exemplary enumeration («in particular») mentions four main instruments: The **procurement and development of land** refers to active land policy and building land provision. The **rationalisation of residential construction** comprises technical and organisational improvements. The **reduction of residential construction costs** aims at cost reduction during construction. The **reduction of housing costs** concerns ongoing costs for residents (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 22-26).\n\n**N. 10** The promotion instruments range from research funding through pilot projects to direct financial assistance. Home ownership promotion using occupational benefits funds (Art. 30c ff. BVG) represents an important instrument, as do tax measures regarding deemed rental value (BGE 148 I 210 E. 4.4.6).\n\n### 3.3 Regulatory Power (Para. 3)\n\n**N. 11** The optional legislative power («may enact regulations») is limited to two areas: land development and construction rationalisation. This power is subsidiary to cantonal regulations and must respect the spatial planning sovereignty of the cantons (→ Art. 75 Cst.). The Confederation has so far made restrained use of this power (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 39-41).\n\n### 3.4 Special Target Groups (Para. 4)\n\n**N. 12** The obligation to consider («in particular») families, the elderly, the needy and the disabled concretises the concept of the social state. These groups are to be given priority treatment in all promotion measures, without other groups of persons being excluded (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 42-43).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** Art. 108 Cst. primarily establishes a legislative and promotion mandate for the Confederation. Direct subjective rights cannot be derived from the norm. Implementation takes place through special laws such as the Housing Development Act (WFG) and the Home Ownership Promotion Act (WEG).\n\n**N. 14** The promotion obligation is not absolute, but is subject to the proviso of available resources and competing state tasks. The Confederation has considerable discretionary scope in choosing and designing promotion instruments (BGE 108 Ib 150 E. 4).\n\n**N. 15** Art. 108 Cst. does not create any direct obligation for the cantons, but they must implement federal promotion measures and may not counteract them. Cantonal housing development promotion remains permissible and desirable (→ Art. 46 Cst.).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 16** **Scope of the personal use clause**: Cardinaux advocates a narrow interpretation of «personal use by private individuals», whereby only primary residences are covered (BSK BV, Art. 108 N. 17). Other authors argue for a more generous interpretation that also includes rented condominiums as future old-age provision. The Federal Supreme Court has decided in favour of the narrow interpretation (BGE 132 I 157).\n\n**N. 17** **Relationship to Art. 41 Cst.**: It is disputed whether Art. 108 Cst., beyond the mere promotion mandate, also contains a guarantee obligation for adequate housing. The prevailing doctrine (Cardinaux, BSK BV, Art. 108 N. 12; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 51 N. 3625) denies this and refers to the clear separation between social objectives and competence norms.\n\n**N. 18** **Extent of tax promotion**: The extent to which Art. 108 Cst. justifies tax privileges for home ownership is controversially discussed. While some authors view extensive deduction possibilities as constitutional, others urge restraint with regard to tax fairness (→ Art. 127 Cst.).\n\n## 6. Practical Guidance\n\n**N. 19** When applying for housing development promotion, the detailed guidelines of the Federal Office for Housing (BWO) must be observed. These have de facto binding character and are used by the courts as authoritative interpretive aids (B-696/2022).\n\n**N. 20** The early withdrawal option for home ownership from occupational benefits (Art. 30c BVG) represents the most important promotion measure for many persons. The strict purpose restrictions and repayment obligations upon disposal must be observed.\n\n**N. 21** Non-profit housing developers can benefit from various forms of promotion, but must permanently comply with the non-profit criteria (cost rent, allocation regulations, profit distribution prohibition). Violations lead to recovery of promotion funds (BGE 108 Ib 150).\n\n**N. 22** The cantonal differences in housing development promotion are considerable. Before starting a project, cantonal and municipal promotion possibilities should be clarified in addition to federal programmes, as these can often be claimed cumulatively.", "caselaw_en": "# Case Law\n\nArt. 108 Cst. has played only a limited independent role in the case law of the Federal Supreme Court. The provision is primarily used as a constitutional basis for tax incentives as well as for the implementation of federal housing promotion legislation.\n\n## Tax-Related Promotion of Home Ownership\n\n**BGE 148 I 210** (21 December 2021)\nConsid. 4.4.6: Constitutional basis for tax benefits for home ownership\nThe lower limit of 60 percent for the harmonised rental value is constitutionally permissible:\n\n> «Grund für die tiefere Bewertung des Eigenmietwerts sind namentlich die geringe Verfügbarkeit des Grundeigentums, was zu spekulativen Rechtsgeschäften führen kann, allem voran aber das aus Art. 108 Abs. 1 BV hergeleitete Ziel, die Selbstvorsorge durch Bildung von Wohneigentum steuerlich zu fördern.»\n\nThe decision shows that Art. 108 Cst. provides constitutional legitimation for tax benefits regarding rental value, but not for excessive deviations from market value in wealth tax assessment.\n\n**BGE 133 I 206** (1 June 2007)\nConsid. 11.2: Promotion of home ownership as a constitutionally legitimate purpose\nThe Federal Supreme Court confirmed that constitutional promotion of home ownership under Art. 108 para. 1 Cst. can justify degressive tax rates insofar as they serve to promote home ownership.\n\n**BGE 132 I 157** (12 April 2006)\nConsid. 3.3: Differentiation regarding rental values\nDifferent tax treatment of primary and secondary residences regarding rental value is permissible, as Art. 108 Cst. primarily aims to promote owner-occupied housing.\n\n## Historical Housing Promotion\n\n**BGE 110 Ib 268** (14 September 1984)\nConsid. 2 and 3: Federal guarantees in social housing construction\nClaims arising from federal guarantees for second mortgages under the Housing Promotion Act of 19 March 1965 require compliance with legal requirements:\n\n> «Im vorliegenden Fall führt der Beschwerdeführer an, der Baukredit sei nur unter der besonderen Bedingung eröffnet worden, dass sich der Bund für die II. Hypothek im Betrage von Fr. 3 Mio. verbürge, was denn auch durch Verfügung des BWO vom 13. Dezember 1974 geschehen sei.»\n\n**BGE 108 Ib 150** (7 May 1982)\nConsid. 4: Limitation of reimbursement claims\nClaims for reimbursement of housing promotion contributions are time-barred one year after becoming aware of the legal basis and at the latest ten years after the claim arose. The limitation period begins when promoted housing is diverted from its intended purpose.\n\n## Non-Profit Housing Construction and Tax Exemption\n\n**BGE 114 Ib 277** (28 October 1988)\nConsid. 2: Requirements for tax exemption\nA foundation for affordable housing construction may be granted tax exemption if its activity goes beyond mere non-profit operation and pursues socially particularly worthy purposes.\n\n**BGE 117 II 586** (23 December 1991)\nConsid. 3: Mortgage lending limit for housing cooperatives\nThe mortgage lending limit does not apply to real property of housing cooperatives that provide housing to cooperative members for permanent residence.\n\n## Administrative Enforcement\n\n**BGE 129 II 125** (3 December 2002)\nConsid. 2.5 and 2.6: Procedure for housing promotion\nRecovery of overpaid benefits in housing promotion follows administrative procedure. The review procedure must be concluded by declaratory ruling.\n\n## Federal Administrative Court Practice\n\nRecent case law of the Federal Administrative Court shows continuous application of housing and property promotion laws, with guidance notes from the Federal Office for Housing serving as binding administrative directives (B-696/2022 of 17 January 2023).\n\n## Developmental Trends\n\nCase law shows that Art. 108 Cst. functions primarily as an enabling provision for legislative measures, but rarely establishes direct legal claims. Tax incentive measures are subject to the requirement of proportionality and may not lead to privileges that contradict the system.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_108", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-22", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 109, "article_suffix": "", "title": "Mietwesen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 109 BV\n\n## Übersicht\n\n### Gesetzestext\n\nArt. 109 BV ermächtigt den Bund, Vorschriften gegen Missbräuche im Mietwesen zu erlassen. Nach Absatz 1 erlässt der Bund Vorschriften gegen missbräuchliche Mietzinse, missbräuchliche Kündigungen und regelt die befristete Erstreckung von Mietverhältnissen. Nach Absatz 2 kann der Bund Rahmenmietverträge für allgemeinverbindlich erklären, wenn sie Minderheitsinteressen und regionalen Verschiedenheiten Rechnung tragen.\n\n### In Kürze\n\nArt. 109 BV gibt dem Bund die Kompetenz, Mieter vor Missbrauch zu schützen. Diese Verfassungsbestimmung entstand in den 1970er-Jahren als Reaktion auf Wohnungsknappheit und schützt Mieter als schwächere Vertragspartei (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). Der Bund hat diese Kompetenz in den Art. 253-274g OR umgesetzt. Die Norm verbietet überhöhte Mieten und willkürliche Kündigungen. Bei Härtefällen können Mietverhältnisse zeitlich verlängert werden. Die bundesrechtliche Regelung geht kantonalem Recht vor (**BGE 149 I 25** E. 4.4.5).\n\n### Praktische Bedeutung\n\nArt. 109 BV schützt die rund 60 Prozent der Schweizer Haushalte, die zur Miete wohnen. Mieter können überhöhte Mieten bei der Schlichtungsbehörde anfechten (Art. 270 OR). Als missbräuchlich gelten Mieten, die das ortsübliche Niveau deutlich übersteigen oder unverhältnismässig hohe Renditen abwerfen (**BGE 150 III 123** E. 4.2). Kündigungen sind verboten, wenn sie gegen Treu und Glauben verstossen, etwa bei Rache oder Druckausübung (Art. 271 OR). Familien mit Kindern oder ältere Personen können bei Härtefällen eine Erstreckung des Mietvertrags bis zu vier Jahre beantragen (Art. 272 OR). \n\nKommunen dürfen im Rahmen der Raumplanung preisgünstigen Wohnungsbau fördern, aber nicht direkt in bestehende Mietverträge eingreifen (**BGE 146 I 70** E. 5). Beispiel: Die Stadt kann beim Neubau einen Anteil günstiger Wohnungen vorschreiben, aber nicht die Mieten in privaten Altbauwohnungen begrenzen. Bei öffentlich geförderten Wohnungen sind strengere Regeln möglich, etwa Einkommensgrenzen für Mieter (Urteil 4A_82/2024 E. 3.3.4).", "doctrine_de": "# Art. 109 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 109 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Die Bestimmung übernahm materiell unverändert die bisherigen Art. 34septies und 34novies aBV, welche durch die Volksabstimmungen vom 5. März 1972 und 7. Februar 1986 in die Verfassung aufgenommen worden waren (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 3; Rohrbach, mp 2/2014, 89 ff.). \n\n**N. 2** Die Einführung der Verfassungskompetenz erfolgte als Reaktion auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in den 1970er-Jahren. Die Botschaft des Bundesrates vom 15. September 1971 (BBl 1971 II 1429) betonte die Notwendigkeit eines wirksamen Schutzes der Mieter als typischerweise schwächere Vertragspartei. Die spätere Ergänzung um Abs. 2 im Jahr 1986 sollte ein zusätzliches Instrument zur Bekämpfung von Wohnungsknappheit schaffen (BBl 1985 I 1389, 1401).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 109 BV bildet zusammen mit Art. 108 BV (Wohnbau- und Wohneigentumsförderung) und Art. 110 BV (Arbeitsschutz) den Kern der sozialpolitischen Gesetzgebungskompetenzen des Bundes im Wirtschaftsbereich. Die Bestimmung steht in systematischem Zusammenhang mit der allgemeinen Privatrechtsgesetzgebung nach Art. 122 Abs. 1 BV, geht aber als speziellere Norm vor (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 8).\n\n**N. 4** Im Verhältnis zu den Grundrechten ist Art. 109 BV im Lichte der Eigentumsgarantie (Art. 26 BV) und der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) auszulegen. Der verfassungsrechtliche Schutzauftrag legitimiert Einschränkungen dieser Grundrechte, soweit sie verhältnismässig sind (**BGE 146 I 70** E. 6).\n\n**N. 5** Die Kompetenz nach Art. 109 BV ist eine umfassende Bundesgesetzgebungskompetenz. Sie verdrängt die kantonale Gesetzgebungszuständigkeit im Bereich des Mietrechts vollständig, soweit der Bund von seiner Kompetenz Gebrauch gemacht hat (→ Art. 49 Abs. 1 BV; **BGE 149 I 25** E. 4.3).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Missbräuche im Mietwesen (Abs. 1)**: Der Begriff des Missbrauchs umfasst nach der Lehre Sachverhalte, in denen eine Vertragspartei gegen Treu und Glauben handelt oder ihre überlegene Position ausnutzt, um ein Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung zu schaffen (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 12; → Art. 5 Abs. 1 ZGB). Die Verfassung nennt zwei qualifizierte Missbrauchstatbestände beispielhaft («namentlich»):\n\n**N. 7** **Missbräuchliche Mietzinse**: Darunter fallen Mietzinse, die in einem offensichtlichen Missverhältnis zur Gegenleistung stehen. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch Art. 269 ff. OR, welche verschiedene Bewertungsmethoden vorsehen. Nach der Rechtsprechung können die Parteien zwischen dem Ertragskriterium und der Orts- oder Quartierüblichkeit wählen, nicht aber beide Kriterien kumulativ geltend machen (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; **BGE 150 III 123** E. 4.2).\n\n**N. 8** **Missbräuchliche Kündigungen**: Diese liegen vor, wenn die Kündigung gegen Treu und Glauben verstösst oder in Härtefällen zu unbilligen Ergebnissen führt. Die Konkretisierung findet sich in Art. 271 ff. OR (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 15; Lachat et al., Das Mietrecht für die Praxis, 8. Aufl. 2010, N. 10.1 ff.).\n\n**N. 9** **Befristete Erstreckung**: Die Verfassung ermächtigt zur Einführung eines sozialen Kündigungsschutzes durch zeitlich begrenzte Fortsetzung des Mietverhältnisses trotz rechtmässiger Kündigung. Dies wurde in Art. 272 ff. OR umgesetzt (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 16; SVIT, Kommentar, 3. Aufl. 2008, Art. 272 N. 1).\n\n**N. 10** **Allgemeinverbindlicherklärung von Rahmenmietverträgen (Abs. 2)**: Diese 1986 eingeführte Kompetenz ermöglicht es, zwischen Mieter- und Vermieterverbänden ausgehandelte Rahmenmietverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Die Voraussetzungen sind kumulativ:\n- Angemessene Berücksichtigung begründeter Minderheitsinteressen\n- Beachtung regionaler Verschiedenheiten  \n- Wahrung der Rechtsgleichheit\n\nDie praktische Bedeutung ist gering geblieben; bisher erfolgten nur zwei Allgemeinverbindlicherklärungen (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 17, 21; Roncoroni, mp 1/2004, 1 ff.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** **Gesetzgebungspflicht**: Art. 109 Abs. 1 BV begründet eine verfassungsrechtliche Pflicht des Bundes zum Erlass von Schutzvorschriften. Diese Pflicht wurde durch die Mietrechtsbestimmungen des OR (Art. 253-274g OR) und flankierende verfahrensrechtliche Regelungen erfüllt (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10).\n\n**N. 12** **Vorrang des Bundesrechts**: Die umfassende Bundesgesetzgebung im Mietrecht schliesst kantonale Regelungen aus, die direkt in privatrechtliche Mietverhältnisse eingreifen. Zulässig bleiben öffentlich-rechtliche Massnahmen der Wohnbauförderung, soweit sie das Bundesprivatrecht nicht unterlaufen (**BGE 149 I 25** E. 4.4.5; **BGE 146 I 70** E. 5).\n\n**N. 13** **Schutzrichtung**: Die Norm zielt primär auf den Schutz des Mieters als regelmässig schwächere Vertragspartei ab (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). Dies schliesst aber einen Schutz des Vermieters vor missbräuchlichem Verhalten des Mieters nicht aus (Permann, Kommentar zum Mietrecht, 2007, Einl. N. 32).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Reichweite der Bundeskompetenz**: Umstritten ist die Reichweite der bundesrechtlichen Sperrwirkung. Während Cardinaux (BSK BV, Art. 109 N. 17) von einer umfassenden Verdrängung kantonaler Kompetenzen im gesamten Mietrecht ausgeht, vertreten Teile der Lehre eine differenziertere Betrachtung. Higi (ZK, Die Miete, 3. Aufl. 1994, Vorbem. N. 201) und Lachat (Das Mietrecht für die Praxis, N. 1.4.2) anerkennen Spielräume für kantonales öffentliches Recht, soweit es nicht in die privatrechtlichen Verhältnisse eingreift.\n\n**N. 15** **Bewertungsmethoden bei Mietzinsmissbrauch**: Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zwischen Ertrags- und Vergleichsmietekriterium. Die herrschende Lehre (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; SVIT, Kommentar, Art. 269a N. 7) befürwortet ein Wahlrecht der Parteien. Eine Mindermeinung (Rossinelli, in: Bohnet/Wessner, 16. Séminaire sur le droit du bail, 2010, 175 f.) plädiert für eine kumulative Anwendung beider Kriterien zur umfassenden Missbrauchskontrolle.\n\n**N. 16** **Soziale Wohnungspolitik und Privatautonomie**: Ein grundlegender Streitstand betrifft das Spannungsverhältnis zwischen sozialem Mieterschutz und privatautonomer Vertragsgestaltung. Während ein Teil der Lehre (Permann, Kommentar, Einl. N. 45 ff.) für eine restriktive Auslegung der Missbrauchstatbestände plädiert, befürwortet die Gegenmeinung (Lachat et al., N. 10.2.1; Rohrbach, mp 2/2014, 125) eine extensive Interpretation im Lichte des verfassungsrechtlichen Schutzauftrags.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Abgrenzung zulässiger kommunaler Massnahmen**: Gemeinden können im Rahmen der Raumplanung Vorschriften zum preisgünstigen Wohnungsbau erlassen, solange diese nicht direkt in bestehende Mietverhältnisse eingreifen. Zulässig sind etwa Bebauungspläne mit Anteilen für preisgünstigen Wohnraum oder Förderprogramme mit freiwilliger Teilnahme (**BGE 146 I 70**).\n\n**N. 18** **Verfahrensrechtliche Aspekte**: Bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit Art. 109 BV ist das obligatorische Schlichtungsverfahren nach Art. 200 f. ZPO zu beachten. Die paritätischen Schlichtungsbehörden nach Art. 201 ZPO bilden eine wichtige Institution zur niederschwelligen Durchsetzung des Mieterschutzes.\n\n**N. 19** **Besonderheiten bei öffentlich geförderten Wohnungen**: Bei mit öffentlichen Mitteln verbilligten Wohnungen sind weitergehende Regulierungen möglich, einschliesslich Belegungsvorschriften und Einkommensgrenzen. Diese müssen jedoch als einseitige Vertragsänderungen nach Art. 269d Abs. 3 OR eingeführt werden und die datenschutzrechtlichen Vorgaben beachten (Urteil 4A_82/2024, E. 3.3.4).\n\n**N. 20** **Internationale Bezüge**: Die Auslegung von Art. 109 BV ist im Lichte internationaler Verpflichtungen vorzunehmen, insbesondere des UN-Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Art. 11 UNO-Pakt I). Dies kann bei der Konkretisierung unbestimmter Rechtsbegriffe wie «Missbrauch» relevant werden.", "caselaw_de": "# Art. 109 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Preisgünstiger Wohnungsbau und kommunale Bestimmungen\n\n**BGE 146 I 70 (14. November 2019)**\n\nKommunale Bestimmungen zur Sicherstellung preisgünstiger Mietwohnungen sind mit Art. 109 Abs. 1 BV vereinbar, soweit sie das Bundesrecht nicht verletzen.\n\nDas Bundesgericht hielt fest, dass die in die Bauordnung der Stadt Bern aufgenommenen Bestimmungen zur Sicherstellung eines genügenden Angebots an preisgünstigen Mietwohnungen mit dem Grundsatz des Vorrangs von Bundesrecht nach Art. 49 BV vereinbar sind:\n\n> «Die in die Bauordnung der Stadt Bern aufgenommenen Bestimmungen zur Sicherstellung eines genügenden Angebots an preisgünstigen Mietwohnungen sind mit dem Grundsatz des Vorrangs von Bundesrecht vereinbar (E. 5). Sie lassen sich so auslegen und umsetzen, dass mit ihrer Anwendung grundsätzlich keine ungerechtfertigten Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit oder die Eigentumsgarantie verbunden sind (E. 6).»\n\n**BGE 149 I 25 (19. Dezember 2022)**\n\nKantonale Bestimmungen, die direkt in privatrechtliche Mietverträge eingreifen, verletzen den Vorrang des Bundesrechts nach Art. 49 i.V.m. Art. 109 und 122 BV.\n\nDas Bundesgericht befand, dass § 8a Abs. 3 lit. a des Basler Wohnraumförderungsgesetzes, welcher ein pauschales Rückkehrrecht für Mietparteien nach Sanierungen vorsah, gegen den Vorrang des Bundesrechts verstösst:\n\n> «Das vorgesehene, pauschal eingeräumte Rückkehrrecht ist zivilrechtlicher Natur und greift direkt in das vom Bundesrecht abschliessend geregelte Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter ein. Aufhebung der Bestimmung, weil sie gegen den Vorrang des Bundesrechts verstösst (E. 4.4.5).»\n\n### Missbräuchliche Mietzinse und Anfechtbarkeit\n\n**BGE 150 III 123 (29. November 2023)**\n\nDie verfassungsrechtlich verankerte Kompetenz nach Art. 109 Abs. 1 BV umfasst den Schutz vor missbräuchlichen Mietzinsen mittels präziser Bewertungsregeln.\n\nDas Bundesgericht stellte im Kontext der Anfechtung von Anfangsmietzinsen fest:\n\n> «Das besprochene verfassungsmässig verankerte Schutz vor missbräuchlichen Mietzinsen gemäss Art. 109 Abs. 1 BV nicht darum, rappengenau einen Anfangsmietzins zu beurteilen. Vielmehr rechtfertige sich eine Beurteilung aufgrund sachgerechter Indizien (E. 4.2).»\n\n### Einseitige Vertragsänderungen im Mietwesen\n\n**Urteil 4A_82/2024 vom 19. August 2024 (ZMP 2024 Nr. 9)**\n\nStädtische Vermietungsreglemente können als einseitige Vertragsänderungen nach Art. 269d Abs. 3 OR eingeführt werden, wenn ein legitimes öffentliches Interesse besteht.\n\nDas Bundesgericht anerkannte grundsätzlich die Zulässigkeit von Belegungsvorschriften und Einkommenskriterien bei mit öffentlichen Mitteln verbilligten Wohnungen:\n\n> «Es liegt ein Rechtfertigungsgrund gemäss Art. 31 Abs. 2 lit. a DSG vor. Die Datenbearbeitung ist im unmittelbaren Zusammenhang mit der Vertragsabwicklung erforderlich und liegt daher im überwiegenden Interesse der Beschwerdeführerin [...] da es sich um mit öffentlichen Mitteln verbilligte Wohneinheiten der öffentlichen Hand handle (E. 3.3.4).»\n\n**Urteil 1C_19/2018 vom 2. März 2018**\n\nVerkehrspolizeiliche Anordnungen im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten berühren Art. 109 BV nicht direkt, zeigen aber die Bedeutung verhältnismässiger öffentlicher Massnahmen auf:\n\n> «Das angefochtene Urteil stellt einen Entscheid über vorsorgliche Massnahmen im Sinne von Art. 98 BGG dar. Mit der Beschwerde gegen einen solchen Entscheid kann nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (E. 2.2).»\n\n### Neuere Entwicklungen\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine zunehmende Differenzierung zwischen öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Instrumenten im Mietwesen. Während kommunale Bestimmungen im Rahmen der Raumplanung grundsätzlich zulässig sind (BGE 146 I 70), verbietet der Vorrang des Bundesrechts direkte Eingriffe in privatrechtliche Mietverhältnisse (BGE 149 I 25). \n\nBesondere Bedeutung kommt der Abgrenzung zwischen öffentlich geförderten und privatrechtlichen Mietverhältnissen zu. Das Bundesgericht anerkennt bei ersteren weitergehende Eingriffsmöglichkeiten, verlangt aber stets die Wahrung des zwingenden Mietrechts.\n\nDer Entscheid 4A_82/2024 zeigt jedoch auch die Grenzen der höchstrichterlichen Rechtsprechung auf: Der dem Urteil zugrunde liegende Sachverhalt war aktenwidrig, da es sich entgegen der bundesgerichtlichen Annahme nicht um mit öffentlichen Mitteln verbilligte Wohnungen handelte. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit präziser Sachverhaltsabklärungen in diesem komplexen Rechtsgebiet.\n\n### Spannungsfelder\n\n**Bundesrecht vs. Kantonale Wohnungspolitik**\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 109 BV reflektiert das Spannungsverhältnis zwischen der bundesrechtlichen Kompetenz im Mietrecht und den kantonalen bzw. kommunalen wohnungspolitischen Zielen. Während Art. 109 BV dem Bund die Kompetenz für Vorschriften gegen Missbräuche im Mietwesen zuweist, streben Kantone und Gemeinden oft weitergehende soziale Regulierungen an.\n\nDas Bundesgericht zieht hier klare Grenzen: Öffentlich-rechtliche Bestimmungen zum Wohnungsbau sind zulässig (BGE 146 I 70), direkte Eingriffe in privatrechtliche Mietverträge aber untersagt (BGE 149 I 25). Diese Abgrenzung ist nicht immer trennscharf, wie der komplexe Sachverhalt in 4A_82/2024 zeigt.\n\n**Verhältnismässigkeit und Grundrechtsschutz**\n\nEin weiteres Spannungsfeld besteht zwischen der Verwirklichung sozialer Wohnungspolitik und dem Schutz von Grundrechten wie der Wirtschaftsfreiheit und Eigentumsgarantie. Das Bundesgericht verlangt eine sorgfältige Interessenabwägung und betont die Notwendigkeit verhältnismässiger Massnahmen.\n\nDie neuere Rechtsprechung zeigt zudem die Bedeutung datenschutzrechtlicher Aspekte bei der Durchsetzung wohnungspolitischer Ziele. Auch im Bereich des sozialen Wohnungsbaus müssen die Grundsätze der Datenbearbeitung beachtet werden.\n\n**Methodische Herausforderungen**\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 109 BV verdeutlicht schliesslich methodische Herausforderungen bei der Anwendung verfassungsrechtlicher Kompetenznormen im Zusammenspiel mit dem einfachen Recht. Die Abgrenzung zwischen zulässigen öffentlich-rechtlichen Massnahmen und unzulässigen Eingriffen in das Privatrecht erfordert eine differenzierte Betrachtung des jeweiligen Regelungskontexts und der verfolgten Ziele.", "summary_fr": "# Art. 109 Cst.\n\n## Aperçu\n\n### Texte de loi\n\nL'art. 109 Cst. habilite la Confédération à édicter des prescriptions contre les abus dans les rapports de bail. Selon l'alinéa 1, la Confédération édicte des prescriptions contre les loyers abusifs et les congés abusifs et réglemente la prolongation limitée dans le temps des rapports de bail. Selon l'alinéa 2, la Confédération peut déclarer les contrats-cadres de bail de force obligatoire générale s'ils tiennent compte des intérêts des minorités et des particularités régionales.\n\n### En bref\n\nL'art. 109 Cst. donne à la Confédération la compétence de protéger les locataires contre les abus. Cette disposition constitutionnelle est née dans les années 1970 en réaction à la pénurie de logements et protège les locataires en tant que partie contractuelle plus faible (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). La Confédération a mis en œuvre cette compétence dans les art. 253-274g CO. La norme interdit les loyers excessifs et les congés arbitraires. En cas de rigueur, les rapports de bail peuvent être prolongés dans le temps. La réglementation de droit fédéral prime le droit cantonal (**ATF 149 I 25** c. 4.4.5).\n\n### Signification pratique\n\nL'art. 109 Cst. protège les quelque 60 pour cent des ménages suisses qui vivent en location. Les locataires peuvent contester les loyers excessifs auprès de l'autorité de conciliation (art. 270 CO). Sont considérés comme abusifs les loyers qui dépassent nettement le niveau local usuel ou qui produisent un rendement disproportionnément élevé (**ATF 150 III 123** c. 4.2). Les congés sont interdits s'ils contreviennent à la bonne foi, par exemple en cas de vengeance ou d'exercice de pression (art. 271 CO). Les familles avec enfants ou les personnes âgées peuvent demander une prolongation du contrat de bail jusqu'à quatre ans en cas de rigueur (art. 272 CO). \n\nLes communes peuvent promouvoir la construction de logements bon marché dans le cadre de l'aménagement du territoire, mais ne peuvent pas intervenir directement dans les contrats de bail existants (**ATF 146 I 70** c. 5). Exemple : la ville peut prescrire une part de logements bon marché lors de nouvelles constructions, mais ne peut pas limiter les loyers dans les anciens logements privés. Pour les logements subventionnés par les pouvoirs publics, des règles plus strictes sont possibles, par exemple des limites de revenus pour les locataires (arrêt 4A_82/2024 c. 3.3.4).", "doctrine_fr": "# Art. 109 Cst\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 109 Cst remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition a repris matériellement sans changement les anciens art. 34septies et 34novies aCst, qui avaient été insérés dans la Constitution par les votations populaires des 5 mars 1972 et 7 février 1986 (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 3; Rohrbach, mp 2/2014, 89 ss.). \n\n**N. 2** L'introduction de cette compétence constitutionnelle s'est faite en réaction à la situation tendue du marché du logement dans les années 1970. Le message du Conseil fédéral du 15 septembre 1971 (FF 1971 II 1429) soulignait la nécessité d'une protection efficace des locataires en tant que partie contractuelle typiquement plus faible. Le complément ultérieur de l'al. 2 en 1986 devait créer un instrument supplémentaire de lutte contre la pénurie de logements (FF 1985 I 1389, 1401).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 109 Cst forme avec l'art. 108 Cst (encouragement de la construction et de l'accession à la propriété de logements) et l'art. 110 Cst (protection des travailleurs) le noyau des compétences législatives de politique sociale de la Confédération dans le domaine économique. Cette disposition s'inscrit dans une relation systématique avec la législation générale de droit privé selon l'art. 122 al. 1 Cst, mais prime en tant que norme plus spéciale (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 8).\n\n**N. 4** Dans sa relation avec les droits fondamentaux, l'art. 109 Cst doit être interprété à la lumière de la garantie de la propriété (art. 26 Cst) et de la liberté économique (art. 27 Cst). Le mandat constitutionnel de protection légitime des restrictions de ces droits fondamentaux dans la mesure où elles sont proportionnelles (**ATF 146 I 70** consid. 6).\n\n**N. 5** La compétence selon l'art. 109 Cst est une compétence législative fédérale complète. Elle évince entièrement la compétence législative cantonale dans le domaine du droit du bail, pour autant que la Confédération ait fait usage de sa compétence (→ art. 49 al. 1 Cst; **ATF 149 I 25** consid. 4.3).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 6** **Abus dans les rapports de bail (al. 1)** : La notion d'abus englobe selon la doctrine des situations dans lesquelles une partie contractante agit contre la bonne foi ou exploite sa position supérieure pour créer un déséquilibre entre prestation et contre-prestation (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 12; → art. 5 al. 1 CC). La Constitution cite deux cas d'abus qualifiés à titre d'exemple (« notamment ») :\n\n**N. 7** **Loyers abusifs** : Cela comprend les loyers qui sont dans une disproportion manifeste avec la contre-prestation. La concrétisation s'effectue par les art. 269 ss CO, qui prévoient diverses méthodes d'évaluation. Selon la jurisprudence, les parties peuvent choisir entre le critère du rendement et l'usage local ou du quartier, mais ne peuvent pas faire valoir les deux critères de manière cumulative (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; **ATF 150 III 123** consid. 4.2).\n\n**N. 8** **Congés abusifs** : Ceux-ci sont donnés lorsque le congé viole la bonne foi ou conduit à des résultats inéquitables dans des cas de rigueur. La concrétisation se trouve dans les art. 271 ss CO (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 15; Lachat et al., Das Mietrecht für die Praxis, 8e éd. 2010, N. 10.1 ss).\n\n**N. 9** **Prolongation à titre temporaire** : La Constitution autorise l'introduction d'une protection sociale contre les congés par la continuation limitée dans le temps du rapport de bail malgré un congé légal. Ceci a été mis en œuvre dans les art. 272 ss CO (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 16; SVIT, Kommentar, 3e éd. 2008, Art. 272 N. 1).\n\n**N. 10** **Extension de la force obligatoire générale de contrats-cadres de bail (al. 2)** : Cette compétence introduite en 1986 permet de déclarer d'extension de la force obligatoire générale les contrats-cadres de bail négociés entre associations de locataires et de bailleurs. Les conditions sont cumulatives :\n- Prise en considération appropriée des intérêts légitimes des minorités\n- Respect des diversités régionales  \n- Respect de l'égalité de traitement\n\nL'importance pratique est restée faible ; seules deux extensions de force obligatoire générale ont eu lieu à ce jour (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 17, 21; Roncoroni, mp 1/2004, 1 ss).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** **Obligation de légiférer** : L'art. 109 al. 1 Cst fonde une obligation constitutionnelle de la Confédération d'édicter des dispositions de protection. Cette obligation a été remplie par les dispositions du droit du bail du CO (art. 253-274g CO) et des règles procédurales d'accompagnement (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10).\n\n**N. 12** **Primauté du droit fédéral** : La législation fédérale complète en matière de droit du bail exclut les réglementations cantonales qui interviennent directement dans les rapports de bail de droit privé. Demeurent admissibles les mesures de droit public d'encouragement de la construction de logements, pour autant qu'elles ne contournent pas le droit privé fédéral (**ATF 149 I 25** consid. 4.4.5; **ATF 146 I 70** consid. 5).\n\n**N. 13** **Direction de protection** : La norme vise en premier lieu la protection du locataire en tant que partie contractuelle régulièrement plus faible (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). Ceci n'exclut cependant pas une protection du bailleur contre un comportement abusif du locataire (Permann, Kommentar zum Mietrecht, 2007, Einl. N. 32).\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 14** **Portée de la compétence fédérale** : La portée de l'effet d'exclusion du droit fédéral est controversée. Tandis que Cardinaux (BSK BV, Art. 109 N. 17) part d'un évincemement complet des compétences cantonales dans l'ensemble du droit du bail, une partie de la doctrine défend une approche plus différenciée. Higi (ZK, Die Miete, 3e éd. 1994, Vorbem. N. 201) et Lachat (Das Mietrecht für die Praxis, N. 1.4.2) reconnaissent des marges de manœuvre pour le droit public cantonal, pour autant qu'il n'intervienne pas dans les rapports de droit privé.\n\n**N. 15** **Méthodes d'évaluation en cas d'abus de loyer** : Le rapport entre le critère du rendement et celui du loyer comparatif fait l'objet de discussions controversées. La doctrine dominante (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; SVIT, Kommentar, Art. 269a N. 7) privilégie un droit de choix des parties. Une opinion minoritaire (Rossinelli, in: Bohnet/Wessner, 16e Séminaire sur le droit du bail, 2010, 175 s) plaide pour une application cumulative des deux critères pour un contrôle complet des abus.\n\n**N. 16** **Politique sociale du logement et autonomie privée** : Une question controversée fondamentale concerne la tension entre protection sociale des locataires et aménagement contractuel relevant de l'autonomie privée. Tandis qu'une partie de la doctrine (Permann, Kommentar, Einl. N. 45 ss) plaide pour une interprétation restrictive des cas d'abus, l'opinion contraire (Lachat et al., N. 10.2.1; Rohrbach, mp 2/2014, 125) privilégie une interprétation extensive à la lumière du mandat constitutionnel de protection.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** **Délimitation des mesures communales admissibles** : Les communes peuvent édicter dans le cadre de l'aménagement du territoire des prescriptions relatives à la construction de logements bon marché, tant qu'elles n'interviennent pas directement dans des rapports de bail existants. Sont admissibles par exemple les plans d'affectation avec des parts pour le logement bon marché ou les programmes d'encouragement à participation volontaire (**ATF 146 I 70**).\n\n**N. 18** **Aspects procéduraux** : En cas de litiges en relation avec l'art. 109 Cst, il faut observer la procédure de conciliation obligatoire selon les art. 200 s CPC. Les autorités de conciliation paritaires selon l'art. 201 CPC constituent une institution importante pour la mise en œuvre à bas seuil de la protection des locataires.\n\n**N. 19** **Particularités des logements encouragés par les pouvoirs publics** : Pour les logements rendus bon marché par des moyens publics, des réglementations plus étendues sont possibles, y compris des prescriptions d'attribution et des limites de revenu. Celles-ci doivent cependant être introduites comme modifications unilatérales de contrat selon l'art. 269d al. 3 CO et respecter les exigences de protection des données (arrêt 4A_82/2024, consid. 3.3.4).\n\n**N. 20** **Références internationales** : L'interprétation de l'art. 109 Cst doit être effectuée à la lumière des obligations internationales, en particulier du Pacte de l'ONU relatif aux droits économiques, sociaux et culturels (art. 11 Pacte ONU I). Ceci peut être pertinent lors de la concrétisation de notions juridiques indéterminées comme « abus ».", "caselaw_fr": "# Art. 109 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Construction de logements à prix modéré et réglementations communales\n\n**ATF 146 I 70 (14 novembre 2019)**\n\nLes réglementations communales visant à garantir des logements locatifs à prix modéré sont compatibles avec l'art. 109 al. 1 Cst., dans la mesure où elles ne violent pas le droit fédéral.\n\nLe Tribunal fédéral a établi que les dispositions intégrées dans le règlement de construction de la ville de Berne pour garantir une offre suffisante de logements locatifs à prix modéré sont compatibles avec le principe de la primauté du droit fédéral selon l'art. 49 Cst. :\n\n> « Les dispositions intégrées dans le règlement de construction de la ville de Berne pour garantir une offre suffisante de logements locatifs à prix modéré sont compatibles avec le principe de la primauté du droit fédéral (consid. 5). Elles peuvent être interprétées et mises en œuvre de sorte que leur application n'entraîne en principe aucune atteinte injustifiée à la liberté économique ou à la garantie de la propriété (consid. 6). »\n\n**ATF 149 I 25 (19 décembre 2022)**\n\nLes dispositions cantonales qui interviennent directement dans les contrats de bail de droit privé violent la primauté du droit fédéral selon l'art. 49 en relation avec les art. 109 et 122 Cst.\n\nLe Tribunal fédéral a jugé que le § 8a al. 3 let. a de la loi bâloise sur l'encouragement du logement, qui prévoyait un droit de retour forfaitaire pour les parties locataires après des rénovations, viole la primauté du droit fédéral :\n\n> « Le droit de retour prévu, accordé de manière forfaitaire, est de nature civiliste et intervient directement dans la relation entre locataire et bailleur réglée de manière exhaustive par le droit fédéral. Annulation de la disposition, car elle viole la primauté du droit fédéral (consid. 4.4.5). »\n\n### Loyers abusifs et contestabilité\n\n**ATF 150 III 123 (29 novembre 2023)**\n\nLa compétence ancrée constitutionnellement selon l'art. 109 al. 1 Cst. comprend la protection contre les loyers abusifs au moyen de règles d'évaluation précises.\n\nLe Tribunal fédéral a établi dans le contexte de la contestation de loyers initiaux :\n\n> « La protection constitutionnellement ancrée contre les loyers abusifs selon l'art. 109 al. 1 Cst. ne vise pas à évaluer un loyer initial au centime près. Il se justifie plutôt de procéder à une évaluation sur la base d'indices appropriés (consid. 4.2). »\n\n### Modifications unilatérales de contrat dans le domaine locatif\n\n**Arrêt 4A_82/2024 du 19 août 2024 (ZMP 2024 n° 9)**\n\nLes règlements de location municipaux peuvent être introduits comme modifications unilatérales de contrat selon l'art. 269d al. 3 CO, lorsqu'il existe un intérêt public légitime.\n\nLe Tribunal fédéral a reconnu en principe l'admissibilité de prescriptions d'occupation et de critères de revenus pour les logements subventionnés par des moyens publics :\n\n> « Il existe un motif justificatif selon l'art. 31 al. 2 let. a LPD. Le traitement des données est nécessaire en relation directe avec l'exécution du contrat et se trouve donc dans l'intérêt prépondérant de la recourante [...] puisqu'il s'agit d'unités de logement de la collectivité publique subventionnées par des moyens publics (consid. 3.3.4). »\n\n**Arrêt 1C_19/2018 du 2 mars 2018**\n\nLes ordonnances de police de la circulation en relation avec des travaux de rénovation ne touchent pas directement l'art. 109 Cst., mais montrent l'importance de mesures publiques proportionnées :\n\n> « L'arrêt attaqué constitue une décision sur des mesures provisionnelles au sens de l'art. 98 LTF. Le recours contre une telle décision ne peut invoquer que la violation de droits constitutionnels (consid. 2.2). »\n\n### Développements récents\n\nLa jurisprudence montre une différenciation croissante entre les instruments de droit public et de droit privé dans le domaine locatif. Alors que les dispositions communales dans le cadre de l'aménagement du territoire sont en principe admissibles (ATF 146 I 70), la primauté du droit fédéral interdit les interventions directes dans les rapports locatifs de droit privé (ATF 149 I 25).\n\nUne importance particulière revient à la délimitation entre les rapports locatifs soutenus par les pouvoirs publics et ceux de droit privé. Le Tribunal fédéral reconnaît pour les premiers des possibilités d'intervention plus étendues, mais exige toujours le respect du droit impératif du bail.\n\nL'arrêt 4A_82/2024 montre cependant aussi les limites de la jurisprudence du Tribunal fédéral : l'état de fait à la base de l'arrêt était contraire au dossier, car contrairement à l'hypothèse du Tribunal fédéral, il ne s'agissait pas de logements subventionnés par des moyens publics. Cela souligne la nécessité d'éclaircissements précis des faits dans ce domaine juridique complexe.\n\n### Domaines de tension\n\n**Droit fédéral vs. politique cantonale du logement**\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 109 Cst. reflète la tension entre la compétence de droit fédéral dans le droit du bail et les objectifs de politique du logement cantonaux et communaux. Alors que l'art. 109 Cst. attribue à la Confédération la compétence pour les prescriptions contre les abus dans le domaine locatif, les cantons et communes aspirent souvent à des régulations sociales plus étendues.\n\nLe Tribunal fédéral trace ici des limites claires : les dispositions de droit public sur la construction de logements sont admissibles (ATF 146 I 70), mais les interventions directes dans les contrats de bail de droit privé sont interdites (ATF 149 I 25). Cette délimitation n'est pas toujours nette, comme le montre l'état de fait complexe dans l'arrêt 4A_82/2024.\n\n**Proportionnalité et protection des droits fondamentaux**\n\nUn autre domaine de tension existe entre la réalisation d'une politique sociale du logement et la protection de droits fondamentaux comme la liberté économique et la garantie de la propriété. Le Tribunal fédéral exige une pesée soigneuse des intérêts et souligne la nécessité de mesures proportionnées.\n\nLa jurisprudence récente montre en outre l'importance des aspects de protection des données lors de la mise en œuvre d'objectifs de politique du logement. Même dans le domaine de la construction sociale de logements, les principes du traitement des données doivent être respectés.\n\n**Défis méthodologiques**\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 109 Cst. met enfin en évidence des défis méthodologiques dans l'application de normes de compétence constitutionnelle en interaction avec le droit ordinaire. La délimitation entre mesures de droit public admissibles et interventions inadmissibles dans le droit privé requiert un examen différencié du contexte réglementaire respectif et des objectifs poursuivis.", "summary_it": "# Art. 109 Cost.\n\n## Panoramica\n\n### Testo di legge\n\nL'art. 109 Cost. autorizza la Confederazione ad emanare prescrizioni contro gli abusi in materia di locazione. Secondo il capoverso 1, la Confederazione emana prescrizioni contro le pigioni abusive e le disdette abusive e disciplina la proroga a termine dei rapporti di locazione. Secondo il capoverso 2, la Confederazione può dichiarare di obbligatorietà generale i contratti quadro di locazione se tengono conto degli interessi delle minoranze e delle diversità regionali.\n\n### In sintesi\n\nL'art. 109 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza di proteggere i locatari dagli abusi. Questa disposizione costituzionale è nata negli anni '70 come reazione alla penuria di alloggi e protegge i locatari quale parte contrattuale più debole (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). La Confederazione ha attuato questa competenza negli art. 253-274g CO. La norma vieta le pigioni eccessive e le disdette arbitrarie. In caso di rigore, i rapporti di locazione possono essere prorogati. La disciplina di diritto federale prevale sul diritto cantonale (**BGE 149 I 25** consid. 4.4.5).\n\n### Importanza pratica\n\nL'art. 109 Cost. protegge circa il 60 per cento delle economie domestiche svizzere che vivono in locazione. I locatari possono contestare le pigioni eccessive presso l'autorità di conciliazione (art. 270 CO). Sono considerate abusive le pigioni che superano chiaramente il livello abituale del luogo o generano renditi sproporzionatamente elevati (**BGE 150 III 123** consid. 4.2). Le disdette sono vietate se contrastano con la buona fede, ad esempio in caso di vendetta o pressione (art. 271 CO). Le famiglie con figli o le persone anziane possono richiedere in caso di rigore una proroga del contratto di locazione fino a quattro anni (art. 272 CO). \n\nI Comuni possono promuovere la costruzione di alloggi a prezzi accessibili nel quadro della pianificazione del territorio, ma non possono intervenire direttamente nei contratti di locazione esistenti (**BGE 146 I 70** consid. 5). Esempio: la città può prescrivere una quota di alloggi economici nelle nuove costruzioni, ma non può limitare le pigioni negli edifici privati esistenti. Per gli alloggi sovvenzionati pubblicamente sono possibili regole più severe, ad esempio limiti di reddito per i locatari (sentenza 4A_82/2024 consid. 3.3.4).", "doctrine_it": "# Art. 109 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 109 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione ha ripreso materialmente invariate le precedenti disposizioni dell'art. 34septies e 34novies aCostituzione, che erano state introdotte nella Costituzione attraverso le votazioni popolari del 5 marzo 1972 e del 7 febbraio 1986 (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 3; Rohrbach, mp 2/2014, 89 segg.). \n\n**N. 2** L'introduzione della competenza costituzionale avvenne come reazione alla situazione tesa del mercato immobiliare negli anni '70. Il messaggio del Consiglio federale del 15 settembre 1971 (FF 1971 II 1429) sottolineò la necessità di una protezione efficace degli inquilini come parte contrattuale tipicamente più debole. Il successivo complemento del cpv. 2 nel 1986 doveva creare uno strumento aggiuntivo per combattere la penuria di alloggi (FF 1985 I 1389, 1401).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 109 Cost. forma insieme all'art. 108 Cost. (promozione dell'edilizia abitativa e della proprietà d'abitazione) e all'art. 110 Cost. (protezione dei lavoratori) il nucleo delle competenze legislative federali di politica sociale nel settore economico. La disposizione è in relazione sistematica con la legislazione generale di diritto privato secondo l'art. 122 cpv. 1 Cost., ma ha precedenza come norma più specifica (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 8).\n\n**N. 4** Nel rapporto con i diritti fondamentali, l'art. 109 Cost. deve essere interpretato alla luce della garanzia della proprietà (art. 26 Cost.) e della libertà economica (art. 27 Cost.). Il mandato costituzionale di protezione legittima limitazioni di questi diritti fondamentali, purché siano proporzionate (**DTF 146 I 70** consid. 6).\n\n**N. 5** La competenza secondo l'art. 109 Cost. è una competenza legislativa federale completa. Essa sostituisce completamente la competenza legislativa cantonale nel settore del diritto di locazione, nella misura in cui la Confederazione ha fatto uso della sua competenza (→ art. 49 cpv. 1 Cost.; **DTF 149 I 25** consid. 4.3).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** **Abusi in materia di locazione (cpv. 1)**: Il concetto di abuso comprende secondo la dottrina fattispecie in cui una parte contrattuale agisce contro la buona fede o sfrutta la sua posizione superiore per creare uno squilibrio tra prestazione e controprestazione (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 12; → art. 5 cpv. 1 CC). La Costituzione cita due fattispecie di abuso qualificato a titolo esemplificativo («segnatamente»):\n\n**N. 7** **Pigioni abusive**: Sotto questa categoria rientrano pigioni che sono in palese sproporzione rispetto alla controprestazione. La configurazione concreta avviene attraverso l'art. 269 segg. CO, che prevede diversi metodi di valutazione. Secondo la giurisprudenza, le parti possono scegliere tra il criterio del rendimento e quello dell'usanza locale o di quartiere, ma non far valere entrambi i criteri cumulativamente (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 14; **DTF 150 III 123** consid. 4.2).\n\n**N. 8** **Disdette abusive**: Queste sussistono quando la disdetta viola la buona fede o porta a risultati iniqui in casi di rigore. La concretizzazione si trova nell'art. 271 segg. CO (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 15; Lachat et al., Das Mietrecht für die Praxis, 8a ed. 2010, n. 10.1 segg.).\n\n**N. 9** **Proroga a termine limitato**: La Costituzione autorizza l'introduzione di una protezione sociale dalle disdette attraverso la continuazione temporalmente limitata del rapporto di locazione nonostante una disdetta legittima. Questo è stato attuato nell'art. 272 segg. CO (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 16; SVIT, Kommentar, 3a ed. 2008, art. 272 n. 1).\n\n**N. 10** **Dichiarazione di obbligatorietà generale di contratti quadro di locazione (cpv. 2)**: Questa competenza introdotta nel 1986 permette di dichiarare obbligatori in generale i contratti quadro di locazione negoziati tra le associazioni di inquilini e di locatori. I presupposti sono cumulativi:\n- Considerazione adeguata di interessi legittimi di minoranze\n- Rispetto delle diversità regionali  \n- Rispetto dell'uguaglianza giuridica\n\nIl significato pratico è rimasto limitato; finora sono avvenute solo due dichiarazioni di obbligatorietà generale (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 17, 21; Roncoroni, mp 1/2004, 1 segg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** **Obbligo legislativo**: L'art. 109 cpv. 1 Cost. fonda un obbligo costituzionale della Confederazione di emanare disposizioni di protezione. Questo obbligo è stato adempiuto attraverso le disposizioni del diritto di locazione del CO (art. 253-274g CO) e le regolamentazioni procedurali di accompagnamento (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 10).\n\n**N. 12** **Precedenza del diritto federale**: La legislazione federale completa nel diritto di locazione esclude regolamentazioni cantonali che intervengono direttamente nei rapporti di locazione di diritto privato. Rimangono ammissibili misure di diritto pubblico per la promozione dell'edilizia abitativa, purché non eludano il diritto privato federale (**DTF 149 I 25** consid. 4.4.5; **DTF 146 I 70** consid. 5).\n\n**N. 13** **Direzione della protezione**: La norma mira primariamente alla protezione dell'inquilino come parte contrattuale regolarmente più debole (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 10). Questo non esclude però una protezione del locatore da comportamenti abusivi dell'inquilino (Permann, Kommentar zum Mietrecht, 2007, Introd. n. 32).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Portata della competenza federale**: È controversa la portata dell'effetto di blocco del diritto federale. Mentre Cardinaux (BSK BV, art. 109 n. 17) parte da una sostituzione completa delle competenze cantonali nell'intero diritto di locazione, parti della dottrina sostengono una considerazione più differenziata. Higi (ZK, Die Miete, 3a ed. 1994, osserv. prel. n. 201) e Lachat (Das Mietrecht für die Praxis, n. 1.4.2) riconoscono margini per il diritto pubblico cantonale, purché non intervenga nei rapporti di diritto privato.\n\n**N. 15** **Metodi di valutazione per l'abuso di pigione**: È discusso controversamente il rapporto tra criterio del rendimento e criterio della pigione comparativa. La dottrina dominante (Cardinaux, BSK BV, art. 109 n. 14; SVIT, Kommentar, art. 269a n. 7) è favorevole a un diritto di scelta delle parti. Un'opinione minoritaria (Rossinelli, in: Bohnet/Wessner, 16e Séminaire sur le droit du bail, 2010, 175 seg.) propugna un'applicazione cumulativa di entrambi i criteri per un controllo completo degli abusi.\n\n**N. 16** **Politica sociale dell'abitazione e autonomia privata**: Una controversia fondamentale riguarda il rapporto di tensione tra protezione sociale degli inquilini e configurazione contrattuale autonoma privata. Mentre una parte della dottrina (Permann, Kommentar, Introd. n. 45 segg.) propugna un'interpretazione restrittiva delle fattispecie di abuso, l'opinione contraria (Lachat et al., n. 10.2.1; Rohrbach, mp 2/2014, 125) è favorevole a un'interpretazione estensiva alla luce del mandato costituzionale di protezione.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Delimitazione di misure comunali ammissibili**: I Comuni possono emanare nell'ambito della pianificazione del territorio prescrizioni per l'edilizia abitativa a prezzi moderati, finché queste non intervengano direttamente in rapporti di locazione esistenti. Sono ammissibili ad esempio piani di quartiere con quote per abitazioni a prezzi moderati o programmi di promozione con partecipazione volontaria (**DTF 146 I 70**).\n\n**N. 18** **Aspetti di diritto processuale**: Nelle controversie in relazione all'art. 109 Cost. va rispettata la procedura di conciliazione obbligatoria secondo l'art. 200 seg. CPC. Le autorità di conciliazione paritetiche secondo l'art. 201 CPC costituiscono un'istituzione importante per l'attuazione a bassa soglia della protezione degli inquilini.\n\n**N. 19** **Particolarità per abitazioni con sostegno pubblico**: Per abitazioni sovvenzionate con mezzi pubblici sono possibili regolamentazioni più ampie, incluse prescrizioni di assegnazione e limiti di reddito. Queste devono però essere introdotte come modifiche unilaterali del contratto secondo l'art. 269d cpv. 3 CO e rispettare le direttive di protezione dei dati (sentenza 4A_82/2024, consid. 3.3.4).\n\n**N. 20** **Riferimenti internazionali**: L'interpretazione dell'art. 109 Cost. deve avvenire alla luce degli obblighi internazionali, in particolare del Patto ONU sui diritti economici, sociali e culturali (art. 11 Patto ONU I). Questo può essere rilevante nella concretizzazione di concetti giuridici indeterminati come «abuso».", "caselaw_it": "# Art. 109 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Edilizia abitativa a prezzi accessibili e disposizioni comunali\n\n**DTF 146 I 70 (14 novembre 2019)**\n\nLe disposizioni comunali per garantire alloggi in affitto a prezzi accessibili sono compatibili con l'art. 109 cpv. 1 Cost., purché non violino il diritto federale.\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che le disposizioni inserite nel regolamento edilizio della città di Berna per garantire un'offerta sufficiente di alloggi in affitto a prezzi accessibili sono compatibili con il principio della prevalenza del diritto federale secondo l'art. 49 Cost.:\n\n> «Le disposizioni inserite nel regolamento edilizio della città di Berna per garantire un'offerta sufficiente di alloggi in affitto a prezzi accessibili sono compatibili con il principio della prevalenza del diritto federale (consid. 5). Esse possono essere interpretate e attuate in modo che la loro applicazione non comporti in linea di principio interventi ingiustificati nella libertà economica o nella garanzia della proprietà (consid. 6).»\n\n**DTF 149 I 25 (19 dicembre 2022)**\n\nLe disposizioni cantonali che intervengono direttamente nei contratti di locazione di diritto privato violano la prevalenza del diritto federale secondo l'art. 49 in combinato disposto con gli artt. 109 e 122 Cost.\n\nIl Tribunale federale ha ritenuto che il § 8a cpv. 3 lett. a della Legge basilese sulla promozione di alloggi, che prevedeva un diritto di rientro forfettario per i locatari dopo i risanamenti, viola la prevalenza del diritto federale:\n\n> «Il previsto diritto di rientro accordato forfettariamente è di natura civilistica e interviene direttamente nel rapporto tra locatario e locatore disciplinato in modo conclusivo dal diritto federale. Abrogazione della disposizione perché viola la prevalenza del diritto federale (consid. 4.4.5).»\n\n### Pigioni abusive e impugnabilità\n\n**DTF 150 III 123 (29 novembre 2023)**\n\nLa competenza ancorata costituzionalmente secondo l'art. 109 cpv. 1 Cost. comprende la protezione contro le pigioni abusive mediante regole di valutazione precise.\n\nIl Tribunale federale ha stabilito nel contesto dell'impugnazione di pigioni iniziali:\n\n> «La protezione contro le pigioni abusive ancorata costituzionalmente secondo l'art. 109 cpv. 1 Cost. non mira a valutare una pigione iniziale con precisione al centesimo. Piuttosto si giustifica una valutazione basata su indizi appropriati (consid. 4.2).»\n\n### Modifiche unilaterali del contratto in materia di locazione\n\n**Sentenza 4A_82/2024 del 19 agosto 2024 (ZMP 2024 n. 9)**\n\nI regolamenti comunali di locazione possono essere introdotti come modifiche unilaterali del contratto secondo l'art. 269d cpv. 3 CO, se esiste un legittimo interesse pubblico.\n\nIl Tribunale federale ha riconosciuto in linea di principio l'ammissibilità di prescrizioni di assegnazione e criteri di reddito per alloggi sovvenzionati con mezzi pubblici:\n\n> «Sussiste un motivo di giustificazione secondo l'art. 31 cpv. 2 lett. a LPD. Il trattamento dei dati è necessario in relazione diretta con l'esecuzione del contratto e si trova pertanto nell'interesse preponderante della ricorrente [...] trattandosi di unità abitative sovvenzionate con mezzi pubblici della mano pubblica (consid. 3.3.4).»\n\n**Sentenza 1C_19/2018 del 2 marzo 2018**\n\nLe disposizioni della polizia stradale in relazione ai lavori di risanamento non toccano direttamente l'art. 109 Cost., ma mostrano l'importanza di misure pubbliche proporzionate:\n\n> «La sentenza impugnata costituisce una decisione su misure cautelari nel senso dell'art. 98 LTF. Con il ricorso contro una tale decisione può essere censurata solo la violazione di diritti costituzionali (consid. 2.2).»\n\n### Sviluppi recenti\n\nLa giurisprudenza mostra una crescente differenziazione tra strumenti di diritto pubblico e di diritto privato in materia di locazione. Mentre le disposizioni comunali nell'ambito della pianificazione del territorio sono in linea di principio ammissibili (DTF 146 I 70), la prevalenza del diritto federale vieta interventi diretti nei rapporti di locazione di diritto privato (DTF 149 I 25).\n\nParticolare importanza riveste la delimitazione tra rapporti di locazione sovvenzionati pubblicamente e di diritto privato. Il Tribunale federale riconosce per i primi possibilità di intervento più ampie, ma esige sempre il rispetto del diritto imperativo della locazione.\n\nLa decisione 4A_82/2024 mostra tuttavia anche i limiti della giurisprudenza del Tribunale supremo: la fattispecie alla base della sentenza era contraria agli atti, poiché contrariamente al presupposto del Tribunale federale non si trattava di alloggi sovvenzionati con mezzi pubblici. Ciò evidenzia la necessità di accertamenti precisi della fattispecie in questo complesso ambito giuridico.\n\n### Campi di tensione\n\n**Diritto federale vs. politica cantonale dell'alloggio**\n\nLa giurisprudenza sull'art. 109 Cost. riflette il rapporto di tensione tra la competenza di diritto federale in materia di locazione e gli obiettivi di politica dell'alloggio cantonali e comunali. Mentre l'art. 109 Cost. attribuisce alla Confederazione la competenza per prescrizioni contro gli abusi in materia di locazione, Cantoni e Comuni aspirano spesso a regolamentazioni sociali più ampie.\n\nIl Tribunale federale traccia qui limiti chiari: le disposizioni di diritto pubblico sull'edilizia abitativa sono ammissibili (DTF 146 I 70), ma gli interventi diretti nei contratti di locazione di diritto privato sono vietati (DTF 149 I 25). Questa delimitazione non è sempre netta, come mostra la complessa fattispecie in 4A_82/2024.\n\n**Proporzionalità e protezione dei diritti fondamentali**\n\nUn ulteriore campo di tensione sussiste tra l'attuazione della politica sociale dell'alloggio e la protezione di diritti fondamentali come la libertà economica e la garanzia della proprietà. Il Tribunale federale esige un'attenta ponderazione degli interessi e sottolinea la necessità di misure proporzionate.\n\nLa giurisprudenza più recente mostra inoltre l'importanza degli aspetti di protezione dei dati nell'attuazione degli obiettivi di politica dell'alloggio. Anche nell'ambito dell'edilizia abitativa sociale devono essere rispettati i principi del trattamento dei dati.\n\n**Sfide metodologiche**\n\nLa giurisprudenza sull'art. 109 Cost. evidenzia infine sfide metodologiche nell'applicazione delle norme costituzionali di competenza in combinazione con il diritto ordinario. La delimitazione tra misure di diritto pubblico ammissibili e interventi inammissibili nel diritto privato richiede un esame differenziato del rispettivo contesto normativo e degli obiettivi perseguiti.", "summary_en": "# Art. 109 FC\n\n## Overview\n\n### Legislative Text\n\nArt. 109 FC empowers the Confederation to enact provisions against abuses in tenancy matters. According to paragraph 1, the Confederation enacts provisions against abusive rents, abusive terminations and regulates the temporary extension of tenancy relationships. According to paragraph 2, the Confederation may declare framework rental agreements generally binding if they take account of minority interests and regional differences.\n\n### In Brief\n\nArt. 109 FC gives the Confederation the competence to protect tenants from abuse. This constitutional provision emerged in the 1970s as a reaction to housing shortages and protects tenants as the weaker contracting party (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). The Confederation has implemented this competence in Art. 253-274g CO. The provision prohibits excessive rents and arbitrary terminations. In cases of hardship, tenancy relationships may be extended in time. The federal law takes precedence over cantonal law (**BGE 149 I 25** para. 4.4.5).\n\n### Practical Significance\n\nArt. 109 FC protects the approximately 60 percent of Swiss households that live in rented accommodation. Tenants may challenge excessive rents before the conciliation authority (Art. 270 CO). Rents are considered abusive if they significantly exceed the customary local level or yield disproportionately high returns (**BGE 150 III 123** para. 4.2). Terminations are prohibited if they violate good faith, for example in cases of revenge or coercion (Art. 271 CO). Families with children or elderly persons may apply for an extension of the rental contract of up to four years in cases of hardship (Art. 272 CO). \n\nMunicipalities may promote affordable housing construction within the framework of spatial planning, but may not directly intervene in existing rental contracts (**BGE 146 I 70** para. 5). Example: The city may prescribe a proportion of affordable housing in new construction, but may not limit rents in private existing apartments. For publicly subsidised housing, stricter rules are possible, such as income limits for tenants (judgment 4A_82/2024 para. 3.3.4).", "doctrine_en": "# Art. 109 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 109 BV goes back to the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision materially took over unchanged the former Art. 34septies and 34novies old BV, which had been incorporated into the Constitution through the popular votes of 5 March 1972 and 7 February 1986 (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 3; Rohrbach, mp 2/2014, 89 ff.). \n\n**N. 2** The introduction of the constitutional competence occurred as a reaction to the tense situation on the housing market in the 1970s. The Federal Council's message of 15 September 1971 (BBl 1971 II 1429) emphasised the necessity of effective protection of tenants as typically the weaker contracting party. The later supplement of para. 2 in 1986 was intended to create an additional instrument for combating housing shortages (BBl 1985 I 1389, 1401).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 109 BV forms together with Art. 108 BV (promotion of housing construction and home ownership) and Art. 110 BV (protection of workers) the core of the federal social policy legislative competences in the economic sector. The provision stands in systematic connection with the general private law legislation according to Art. 122 para. 1 BV, but takes precedence as the more specific norm (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 8).\n\n**N. 4** In relation to fundamental rights, Art. 109 BV is to be interpreted in light of the guarantee of property (Art. 26 BV) and economic freedom (Art. 27 BV). The constitutional protection mandate legitimises restrictions of these fundamental rights insofar as they are proportionate (**BGE 146 I 70** E. 6).\n\n**N. 5** The competence according to Art. 109 BV is a comprehensive federal legislative competence. It completely displaces cantonal legislative competence in the area of tenancy law insofar as the Confederation has made use of its competence (→ Art. 49 para. 1 BV; **BGE 149 I 25** E. 4.3).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 6** **Abuses in tenancy matters (para. 1)**: The concept of abuse encompasses according to doctrine factual situations in which one contracting party acts against good faith or exploits its superior position to create a disproportion between performance and counter-performance (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 12; → Art. 5 para. 1 CC). The Constitution names two qualified abuse offences by way of example («in particular»):\n\n**N. 7** **Abusive rents**: This includes rents that stand in an obvious disproportion to the counter-performance. The concrete implementation occurs through Art. 269 ff. CO, which provide various valuation methods. According to case law, the parties may choose between the yield criterion and local or neighbourhood customary practice, but may not invoke both criteria cumulatively (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; **BGE 150 III 123** E. 4.2).\n\n**N. 8** **Abusive terminations**: These exist when the termination violates good faith or leads to inequitable results in cases of hardship. The specification is found in Art. 271 ff. CO (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 15; Lachat et al., Das Mietrecht für die Praxis, 8th ed. 2010, N. 10.1 ff.).\n\n**N. 9** **Limited extension**: The Constitution empowers the introduction of social protection against termination through time-limited continuation of the tenancy relationship despite lawful termination. This was implemented in Art. 272 ff. CO (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 16; SVIT, Commentary, 3rd ed. 2008, Art. 272 N. 1).\n\n**N. 10** **Declaration of general applicability of framework tenancy agreements (para. 2)**: This competence introduced in 1986 makes it possible to declare framework tenancy agreements negotiated between tenant and landlord associations generally applicable. The requirements are cumulative:\n- Appropriate consideration of justified minority interests\n- Observance of regional differences  \n- Safeguarding of legal equality\n\nThe practical significance has remained limited; so far only two declarations of general applicability have occurred (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 17, 21; Roncoroni, mp 1/2004, 1 ff.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** **Legislative duty**: Art. 109 para. 1 BV establishes a constitutional duty of the Confederation to enact protective provisions. This duty was fulfilled through the tenancy law provisions of the CO (Art. 253-274g CO) and flanking procedural regulations (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10).\n\n**N. 12** **Precedence of federal law**: The comprehensive federal legislation in tenancy law excludes cantonal regulations that directly intervene in private law tenancy relationships. Public law measures for housing promotion remain permissible insofar as they do not undermine federal private law (**BGE 149 I 25** E. 4.4.5; **BGE 146 I 70** E. 5).\n\n**N. 13** **Direction of protection**: The norm primarily aims at protecting the tenant as regularly the weaker contracting party (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 10). However, this does not exclude protection of the landlord from abusive behaviour by the tenant (Permann, Commentary on Tenancy Law, 2007, Intro. N. 32).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 14** **Scope of federal competence**: The scope of the federal law's preclusive effect is disputed. While Cardinaux (BSK BV, Art. 109 N. 17) assumes a comprehensive displacement of cantonal competences in the entire area of tenancy law, parts of the doctrine advocate a more differentiated view. Higi (ZK, Die Miete, 3rd ed. 1994, Preliminary Remarks N. 201) and Lachat (Das Mietrecht für die Praxis, N. 1.4.2) acknowledge scope for cantonal public law insofar as it does not intervene in private law relationships.\n\n**N. 15** **Valuation methods for rent abuse**: The relationship between yield and comparative rent criteria is controversially discussed. The prevailing doctrine (Cardinaux, BSK BV, Art. 109 N. 14; SVIT, Commentary, Art. 269a N. 7) favours a right of choice for the parties. A minority opinion (Rossinelli, in: Bohnet/Wessner, 16th Seminar on Tenancy Law, 2010, 175 f.) advocates for cumulative application of both criteria for comprehensive abuse control.\n\n**N. 16** **Social housing policy and private autonomy**: A fundamental dispute concerns the tension between social tenant protection and autonomous contractual design. While part of the doctrine (Permann, Commentary, Intro. N. 45 ff.) advocates for a restrictive interpretation of the abuse offences, the opposing view (Lachat et al., N. 10.2.1; Rohrbach, mp 2/2014, 125) favours an extensive interpretation in light of the constitutional protection mandate.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** **Delimitation of permissible municipal measures**: Municipalities may enact provisions for affordable housing construction within the framework of spatial planning, as long as these do not directly intervene in existing tenancy relationships. Permissible are, for example, development plans with shares for affordable housing or promotional programmes with voluntary participation (**BGE 146 I 70**).\n\n**N. 18** **Procedural aspects**: In disputes in connection with Art. 109 BV, the mandatory conciliation procedure according to Art. 200 f. CCP must be observed. The joint conciliation authorities according to Art. 201 CCP form an important institution for low-threshold enforcement of tenant protection.\n\n**N. 19** **Particularities in publicly subsidised housing**: In housing subsidised with public funds, more extensive regulations are possible, including occupancy regulations and income limits. However, these must be introduced as unilateral contractual amendments according to Art. 269d para. 3 CO and must observe data protection requirements (Judgment 4A_82/2024, E. 3.3.4).\n\n**N. 20** **International references**: The interpretation of Art. 109 BV is to be undertaken in light of international obligations, in particular the UN Covenant on Economic, Social and Cultural Rights (Art. 11 UN Covenant I). This may be relevant in the specification of indeterminate legal concepts such as «abuse».", "caselaw_en": "# Art. 109 BV\n\n## Case Law\n\n### Affordable Housing Construction and Municipal Provisions\n\n**BGE 146 I 70 (14 November 2019)**\n\nMunicipal provisions for ensuring affordable rental housing are compatible with Art. 109 para. 1 BV, insofar as they do not violate federal law.\n\nThe Federal Supreme Court held that the provisions incorporated into the building regulations of the City of Bern to ensure a sufficient supply of affordable rental housing are compatible with the principle of the primacy of federal law under Art. 49 BV:\n\n> «The provisions incorporated into the building regulations of the City of Bern to ensure a sufficient supply of affordable rental housing are compatible with the principle of the primacy of federal law (consideration 5). They can be interpreted and implemented in such a way that their application is not fundamentally associated with unjustified interference with economic freedom or the guarantee of property (consideration 6).»\n\n**BGE 149 I 25 (19 December 2022)**\n\nCantonal provisions that directly interfere with private law rental contracts violate the primacy of federal law under Art. 49 in conjunction with Art. 109 and 122 BV.\n\nThe Federal Supreme Court found that § 8a para. 3 lit. a of the Basel Housing Promotion Act, which provided for a blanket right of return for tenants after renovations, violates the primacy of federal law:\n\n> «The envisaged, blanket right of return is of a civil law nature and directly interferes with the relationship between tenant and landlord, which is exhaustively regulated by federal law. Repeal of the provision because it violates the primacy of federal law (consideration 4.4.5).»\n\n### Abusive Rents and Contestability\n\n**BGE 150 III 123 (29 November 2023)**\n\nThe constitutionally anchored competence under Art. 109 para. 1 BV includes protection against abusive rents through precise assessment rules.\n\nThe Federal Supreme Court stated in the context of challenging initial rents:\n\n> «The constitutionally anchored protection against abusive rents according to Art. 109 para. 1 BV discussed is not about assessing an initial rent to the nearest cent. Rather, an assessment based on appropriate evidence is justified (consideration 4.2).»\n\n### Unilateral Contract Modifications in Tenancy Law\n\n**Judgment 4A_82/2024 of 19 August 2024 (ZMP 2024 No. 9)**\n\nMunicipal rental regulations can be introduced as unilateral contract modifications under Art. 269d para. 3 CO if a legitimate public interest exists.\n\nThe Federal Supreme Court fundamentally recognised the admissibility of occupancy regulations and income criteria for publicly subsidised housing:\n\n> «There is a ground of justification according to Art. 31 para. 2 lit. a DPA. Data processing is necessary in direct connection with contract processing and therefore lies in the overriding interest of the appellant [...] as these are publicly subsidised housing units of public authorities (consideration 3.3.4).»\n\n**Judgment 1C_19/2018 of 2 March 2018**\n\nTraffic police orders in connection with renovation work do not directly affect Art. 109 BV, but show the importance of proportionate public measures:\n\n> «The challenged judgment represents a decision on provisional measures within the meaning of Art. 98 SCA. Appeals against such a decision can only challenge violations of constitutional rights (consideration 2.2).»\n\n### Recent Developments\n\nThe case law shows an increasing differentiation between public law and private law instruments in tenancy law. While municipal provisions within the framework of spatial planning are fundamentally admissible (BGE 146 I 70), the primacy of federal law prohibits direct interference with private law tenancy relationships (BGE 149 I 25).\n\nThe delimitation between publicly subsidised and private law tenancy relationships is of particular importance. The Federal Supreme Court recognises more extensive intervention possibilities for the former, but always requires compliance with mandatory tenancy law.\n\nHowever, judgment 4A_82/2024 also shows the limits of supreme court jurisprudence: The facts underlying the judgment were contrary to the case files, as contrary to the Federal Supreme Court's assumption, these were not publicly subsidised housing units. This illustrates the necessity of precise fact-finding in this complex area of law.\n\n### Areas of Tension\n\n**Federal Law vs. Cantonal Housing Policy**\n\nThe case law on Art. 109 BV reflects the tension between federal competence in tenancy law and cantonal or municipal housing policy objectives. While Art. 109 BV assigns the Confederation competence for regulations against abuses in tenancy matters, cantons and municipalities often strive for more extensive social regulations.\n\nThe Federal Supreme Court draws clear boundaries here: Public law provisions on housing construction are admissible (BGE 146 I 70), but direct interference with private law rental contracts is prohibited (BGE 149 I 25). This delimitation is not always clear-cut, as the complex facts in 4A_82/2024 show.\n\n**Proportionality and Protection of Fundamental Rights**\n\nAnother area of tension exists between the realisation of social housing policy and the protection of fundamental rights such as economic freedom and the guarantee of property. The Federal Supreme Court requires careful balancing of interests and emphasises the necessity of proportionate measures.\n\nRecent case law also shows the importance of data protection aspects in the enforcement of housing policy objectives. Even in the area of social housing, the principles of data processing must be observed.\n\n**Methodological Challenges**\n\nThe case law on Art. 109 BV finally illustrates methodological challenges in applying constitutional competence norms in conjunction with ordinary law. The delimitation between admissible public law measures and inadmissible interference with private law requires a differentiated consideration of the respective regulatory context and the objectives pursued.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_109", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-22", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-22", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 110, "article_suffix": "", "title": "Arbeit", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\n### Was regelt die Norm?\n\nArt. 110 BV gibt dem Bund die wichtigste Kompetenz für das Arbeitsrecht. Die Verfassung erlaubt dem Bund, Gesetze zu erlassen über den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Absatz 1 Buchstabe a), die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite (Buchstabe b), die Arbeitsvermittlung (Buchstabe c) und die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen (Buchstabe d). Der Bund kann also bestimmen, wie lange gearbeitet werden darf, wie Arbeitsplätze sicher sein müssen und wann Tarifverträge für alle gelten. Zusätzlich macht die Verfassung den 1. August zu einem bezahlten Feiertag (Absatz 3).\n\n### Wer ist betroffen?\n\nBetroffen sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz sowie ihre Arbeitgeber. Das Arbeitsgesetz (ArG) begrenzt beispielsweise die wöchentliche Arbeitszeit auf 45 Stunden für Angestellte in Büros und 50 Stunden für Arbeiter in der Industrie (Art. 9 ArG). Das Obligationenrecht schützt vor ungerechtfertigter Kündigung (Art. 336 OR). Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände einen Tarifvertrag schliessen, kann der Staat diesen für alle Betriebe der Branche verbindlich machen. Dann gelten die vereinbarten Löhne und Regeln auch für Firmen, die nicht dem Verband angehören.\n\n### Rechtsfolgen\n\nDie Bundesgesetze gehen kantonalem Recht vor. Verstösse gegen das Arbeitsgesetz werden mit Busse bestraft (Art. 59 ArG). Arbeitnehmende haben am 1. August Anspruch auf Lohnfortzahlung, auch wenn sie im Stundenlohn arbeiten (**BGE 136 I 290**). Bei der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen muss der Bund Minderheiten und regionale Besonderheiten berücksichtigen. Ausserdem darf niemand gezwungen werden, einer Gewerkschaft beizutreten (negative Koalitionsfreiheit).\n\n### Kernaussagen\n\n- Der Bund hat eine umfassende Kompetenz für das Arbeitsrecht und kann Kantone überstimmen\n- Das Arbeitsgesetz schützt vor überlangen Arbeitszeiten und Gesundheitsgefahren\n- Tarifverträge können für ganze Branchen verbindlich werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind  \n- Der 1. August ist der einzige verfassungsrechtlich geschützte Feiertag mit Lohnanspruch\n- Die Vereinigungsfreiheit bleibt gewahrt - niemand muss Gewerkschaftsmitglied werden\n\n### Beispiel\n\nEine Bäckerei in Zürich beschäftigt zehn Angestellte. Obwohl der Kanton Zürich strengere Ruhezeiten wünscht, gelten die Bundesregeln des Arbeitsgesetzes. Die Bäcker dürfen höchstens 50 Stunden pro Woche arbeiten. Falls der Bäckermeister-Verband mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag abschliesst und dieser allgemeinverbindlich erklärt wird, muss die Bäckerei die vereinbarten Mindestlöhne zahlen - auch wenn sie nicht Verbandsmitglied ist. Am 1. August erhalten alle Angestellten ihren normalen Lohn, obwohl die Bäckerei geschlossen bleibt.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 110 BV geht auf Art. 34ter aBV zurück, der 1947 in die alte Bundesverfassung eingefügt wurde. Die Wirtschaftsartikel von 1947 schufen erstmals eine umfassende Verfassungsgrundlage für das Arbeitsrecht auf Bundesebene (BBl 1945 I 869; BBl 1947 II 549). Die Revision erfolgte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Ziel, die sozialpolitischen Errungenschaften der Kriegsjahre verfassungsrechtlich zu verankern.\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 übernahm den Normgehalt von Art. 34ter aBV weitgehend unverändert (BBl 1997 I 1, 278 f.). Neu hinzugefügt wurde jedoch Art. 110 Abs. 3 BV, der den 1. August als bezahlten Bundesfeiertag festschreibt. Diese Ergänzung geht auf die Volksinitiative «für einen arbeitsfreien Bundesfeiertag» zurück, die 1993 angenommen wurde (BBl 1991 III 269; BBl 1993 II 1305).\n\n**N. 3** Die verfassungsgeschichtliche Entwicklung zeigt, dass der Arbeitnehmerschutz schrittweise ausgebaut wurde: vom punktuellen Fabrikgesetz von 1877 über die Wirtschaftsartikel 1947 bis zur heutigen umfassenden Bundeskompetenz. Tschudi betont, dass die Verfassungsnorm dem Bund nicht nur eine Ermächtigung, sondern einen Auftrag zum Erlass von Arbeitnehmerschutzvorschriften erteilt (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 22).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 110 BV steht im 8. Abschnitt über «Wohnen, Arbeit, soziale Sicherheit und Gesundheit». Die Norm bildet zusammen mit Art. 108 BV (Wohnbau- und Wohneigentumsförderung), Art. 111-114 BV (Sozialversicherungen) und Art. 117-120 BV (Gesundheit) ein System sozialpolitischer Kompetenzen des Bundes. \n\n**N. 5** Die Bestimmung weist enge Verbindungen zu den Grundrechten auf: → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit) für die Anforderungen an Allgemeinverbindlicherklärungen, → Art. 23 BV (Vereinigungsfreiheit) für die negative Koalitionsfreiheit, → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) für die unternehmerische Betätigung. Als umfassende Bundeskompetenz wirkt Art. 110 Abs. 1 BV nach → Art. 49 BV derogatorisch gegenüber entgegenstehendem kantonalem Recht (**BGE 139 I 242** E. 3.2).\n\n**N. 6** Zu unterscheiden ist Art. 110 BV von → Art. 122 BV (Zivilrecht), der die privatrechtlichen Aspekte des Arbeitsvertrags regelt. Die Abgrenzung erfolgt nach dem Schutzzweck: Öffentlich-rechtlicher Arbeitnehmerschutz fällt unter Art. 110 BV, während die vertragliche Ausgestaltung Art. 122 BV untersteht (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1321).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Arbeitnehmerschutz (Abs. 1 lit. a)**: Die Kompetenz umfasst alle Massnahmen zum Schutz der physischen und psychischen Integrität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dazu gehören Arbeitszeit, Gesundheitsschutz, Kündigungsschutz und besondere Schutznormen für Jugendliche und Schwangere. Das Arbeitsgesetz (ArG) bildet die zentrale Umsetzung dieser Kompetenz.\n\n**N. 8** **Kollektives Arbeitsrecht (Abs. 1 lit. b)**: Die Bestimmung ermöglicht die Regelung der Sozialpartnerschaft. Umstritten ist die Reichweite: Cardinaux verneint eine Grundlage für die unternehmerische Mitbestimmung, da der Souverän entsprechende Vorlagen abgelehnt habe und ein solcher Eingriff in Eigentums- und Wirtschaftsfreiheit eine klarere Verfassungsgrundlage erfordere (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger bejaht dagegen die Möglichkeit weitergehender Mitbestimmung auf Unternehmensebene (zit. in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 9** **Arbeitsvermittlung (Abs. 1 lit. c)**: Die Kompetenz erfasst die öffentliche und private Arbeitsvermittlung sowie den Personalverleih. Das Arbeitsvermittlungsgesetz (AVG) regelt Bewilligungspflichten und Schutzbestimmungen für vermittelte und verliehene Arbeitnehmer.\n\n**N. 10** **Allgemeinverbindlicherklärung (Abs. 1 lit. d, Abs. 2)**: Der Bund kann Gesamtarbeitsverträge für allgemeinverbindlich erklären. Abs. 2 stellt materielle Schranken auf: Minderheitsinteressen und regionale Verschiedenheiten müssen berücksichtigt werden, Rechtsgleichheit und Koalitionsfreiheit (insbesondere negative Koalitionsfreiheit) sind zu wahren (**BGE 146 II 335** E. 4.3).\n\n**N. 11** **Bundesfeiertag (Abs. 3)**: Der 1. August ist der einzige verfassungsrechtlich verankerte Feiertag. Er ist «arbeitsrechtlich den Sonntagen gleichgestellt und bezahlt». Dies begründet einen direkten verfassungsrechtlichen Lohnanspruch, auch für Stundenlöhner (**BGE 136 I 290** E. 3.2).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 110 BV verleiht dem Bund eine umfassende, konkurrierende Gesetzgebungskompetenz mit nachträglich derogatorischer Wirkung. Hat der Bund legiferiert, ist entgegenstehendes kantonales Recht ausgeschlossen (**BGE 138 I 356** E. 3.1). Die Kantone behalten Kompetenzen nur soweit, als das Bundesrecht bewusst Raum lässt.\n\n**N. 13** Die Normsetzungsdelegation in Art. 110 Abs. 1 lit. d BV ermächtigt den Bundesrat, Gesamtarbeitsverträge allgemeinverbindlich zu erklären. Diese erlangen damit Gesetzescharakter und gelten auch für Nichtverbandsmitglieder (**BGE 128 II 13** E. 3a). Die Allgemeinverbindlicherklärung muss das Prinzip der «offenen Türe» wahren (**BGE 146 II 335** E. 4.4).\n\n**N. 14** Der Lohnanspruch aus Art. 110 Abs. 3 BV ist direkt anwendbar. Arbeitnehmende haben Anspruch auf Lohnfortzahlung für den 1. August, sofern dieser auf einen normalen Arbeitstag fällt. Eine vertragliche Abbedingung ist nichtig (Portmann/Stöckli, Arbeitsrecht, N 752).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Reichweite der Mitbestimmung**: Die Doktrin ist gespalten über die Tragweite von Art. 110 Abs. 1 lit. b BV. Cardinaux lehnt eine verfassungsrechtliche Grundlage für echte Unternehmensmitbestimmung ab und verweist auf die Ablehnung entsprechender Initiativen durch den Souverän sowie den schweren Eingriff in Eigentums- und Wirtschaftsfreiheit (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger sieht dagegen in der Formulierung «gemeinsame Regelung betrieblicher und beruflicher Angelegenheiten» eine genügende Grundlage für weitergehende Mitbestimmungsrechte (zit. in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 16** **Feiertagsentschädigung**: Umstritten war lange, ob Art. 110 Abs. 3 BV nur für Monatslöhner oder auch für Stundenlöhner gilt. Das Bundesgericht klärte, dass der verfassungsrechtliche Lohnanspruch für alle Arbeitnehmenden gilt, sofern der 1. August auf einen Arbeitstag fällt (**BGE 136 I 290** E. 3). Streiff/von Kaenel/Rudolph kritisieren diese Einschränkung als zu eng (Arbeitsvertrag, N 4 zu Art. 329 OR).\n\n**N. 17** **Grenzen der Allgemeinverbindlicherklärung**: Die Lehre diskutiert, wie weit die Schranken von Art. 110 Abs. 2 BV reichen. Geiser/Müller fordern eine restriktive Handhabung zum Schutz der negativen Koalitionsfreiheit (Arbeitsrecht, § 20 N 18). Wyler/Heinzer plädieren für eine grosszügigere Praxis im Interesse des Flächenschutzes (Droit du travail, S. 678).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Allgemeinverbindlicherklärung sind die formellen Voraussetzungen des AVEG strikt einzuhalten. Das Quorum von 50% der Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss nachgewiesen werden. Die kantonalen Behörden sind zwingend anzuhören (Art. 11 AVEG).\n\n**N. 19** Unternehmen müssen bei Betriebsübernahmen prüfen, ob allgemeinverbindlich erklärte GAV zur Anwendung kommen. Die betriebliche Zuordnung erfolgt nach der prägenden Tätigkeit (**BGE 151 III 28** E. 2.3). Mischbetriebe sind nach ihrem Schwerpunkt zuzuordnen.\n\n**N. 20** Für die Berechnung der Feiertagsentschädigung am 1. August gilt: Bei variablen Arbeitszeiten ist der Durchschnitt der letzten 12 Monate massgebend. Teilzeitarbeitende erhalten den Lohn entsprechend ihrem Pensum. Die Entschädigung ist auch bei Krankheit oder Unfall geschuldet, sofern Lohnfortzahlungspflicht besteht (Vischer/Müller, Arbeitsvertrag, N 6 zu Art. 329 OR).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### I. Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen (Abs. 1 lit. d, Abs. 2)\n\n**BGE 146 II 335** vom 11. Mai 2020  \nDas Prinzip der «offenen Türe» ist zwingende Voraussetzung der Allgemeinverbindlicherklärung. Bei Nichteinhaltung von Art. 2 Ziff. 6 AVEG ist die Allgemeinverbindlicherklärung zu verweigern; eine Ergänzung durch Nebenbestimmungen genügt nicht.\n\n> «Ist das Prinzip der 'offenen Türe' (Art. 2 Ziff. 6 AVEG) nicht eingehalten, ist die Allgemeinverbindlicherklärung zu verweigern; es genügt nicht, die Allgemeinverbindlicherklärung mit einer entsprechenden Nebenbestimmung zu ergänzen.»\n\n**BGE 128 II 13** vom 1. Januar 2001  \nDie Kompetenz zur Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen beruht auf Art. 110 BV. Gegen kantonale Verfügungen über die Ausdehnung steht die staatsrechtliche Beschwerde offen.\n\n> «Nach Art. 110 Cst. (art. 34ter aCst.) kann die Confédération auf l'extension du champ d'application des conventions collectives de travail (al. 1). Le champ d'application d'une convention collective de travail ne peut être étendu que si cette convention tient compte équitablement des intérêts légitimes des minorités et des particularités régionales et qu'elle respecte l'égalité de droit et la liberté d'association (al. 2).»\n\n**BGE 138 V 32** vom 26. Januar 2012  \nDie allgemeinverbindlich erklärte Pflicht zur Entrichtung von Vorsorgebeiträgen (GAV FAR) beruht auf genügenden gesetzlichen Grundlagen. Alle wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen über Abgaben sind in Bundesgesetzesform zu erlassen.\n\n> «Die allgemeinverbindlich erklärte Pflicht des Arbeitgebers zur Entrichtung von Vorsorgebeiträgen an die Stiftung FAR beruht auf genügenden gesetzlichen Grundlagen.»\n\n**BGE 139 III 165** vom 1. Januar 2013  \nZur Auslegung des betrieblichen Geltungsbereichs allgemeinverbindlich erklärter Gesamtarbeitsverträge gelten die allgemeinen Grundsätze der Gesetzesauslegung. Betriebe, die Erdwärmesondenbohrungen durchführen, gehören zum Tiefbau.\n\n> «Für die Auslegung von Bestimmungen über die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen gelten die allgemeinen Grundsätze der Gesetzesauslegung.»\n\n**BGE 151 III 28** vom 14. August 2024  \nEin Betrieb, dessen prägende Tätigkeit die maschinelle Applikation von Bitumenprodukten auf grossen Strassenflächen ist, gehört zum Strassenbau und untersteht dem GAV FAR.\n\n> «Ein Betrieb, dessen prägende Tätigkeit die maschinelle Applikation von Bitumenprodukten auf grossen (Strassen-)Flächen ist, wird dem Bereich 'Strassenbau (einschliesslich Belagseinbau)' im Sinne von Art. 2 Abs. 4 lit. a AVE GAV FAR zugerechnet.»\n\n### II. Arbeitnehmerschutz (Abs. 1 lit. a)\n\n**BGE 136 II 427** vom 15. Juli 2010  \nDas Arbeitsgesetz dient dem Arbeitnehmerschutz und soll Abweichungen vom Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot auf das Unentbehrliche beschränken. Der Verkauf von Detailhandelsartikeln in Tankstellenshops zwischen 01.00 und 05.00 Uhr ist unzulässig.\n\n> «Abweichungen vom Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot müssen 'unentbehrlich' sein und sollen im Interesse eines wirksamen Arbeitnehmerschutzes die Ausnahme bilden.»\n\n**BGE 130 I 279** vom 5. August 2003  \nKantonale Ladenschlussvorschriften, die verlängerte Öffnungszeiten nur bei Einhaltung eines Gesamtarbeitsvertrages gestatten, sind mit dem Bundesrecht vereinbar. Das Arbeitsgesetz regelt den Arbeitnehmerschutz umfassend.\n\n> «Eine kantonale Ladenschlussvorschrift, wonach verlängerte Öffnungszeiten nur bei Beachtung eines Gesamtarbeitsvertrages gestattet werden, verletzt weder das Arbeitsgesetz noch die Handels- und Gewerbefreiheit.»\n\n**BGE 139 I 242** vom 15. September 2004  \nDie in Art. 110 Abs. 1 lit. a BV enthaltene Regelungskompetenz zum Arbeitnehmerschutz ist umfassend und wirkt nachträglich derogatorisch. Kantonale Rauchverbote sind mit dem Bundesrecht vereinbar.\n\n> «Die in Art. 110 Abs. 1 lit. a BV enthaltene Regelungskompetenz zum Arbeitnehmerschutz ist umfassend und wirkt nachträglich derogatorisch.»\n\n**BGE 138 I 356** vom 23. August 2012  \nDas Arbeitsgesetz als Ausdruck der Bundeskompetenz zum Arbeitnehmerschutz geht kantonalem Recht vor. Entschädigungen aus Honorarverträgen können dem Arbeitsgesetz unterstehen.\n\n> «Das Arbeitsgesetz geht als Ausdruck der umfassenden Bundeskompetenz zum Arbeitnehmerschutz vor kantonalem Recht vor.»\n\n### III. Bundesfeiertag (Abs. 3)\n\n**BGE 136 I 290** vom 4. Mai 2010  \nEs besteht keine generelle Verpflichtung, Angestellte im Stundenlohn für Feiertage zu entschädigen. Ausnahme bildet der 1. August, der einen Lohnanspruch begründet, sofern er auf einen Arbeitstag fällt.\n\n> «Es besteht keine Verpflichtung, Angestellte im Stundenlohn für Feiertage zu entschädigen, unter Vorbehalt des 1. August, für den ein Lohnanspruch besteht, sofern er auf einen Tag fällt, an dem gearbeitet worden wäre.»\n\nUrteil 4A_72/2018 vom 6. August 2018  \nZur Feiertagsentschädigung bei Stundenarbeit. Der 1. August als Bundesfeiertag ist verfassungsrechtlich geschützt und begründet einen Lohnanspruch für Stundenlöhner.\n\n> «Der 1. August ist Bundesfeiertag. Er ist arbeitsrechtlich den Sonntagen gleichgestellt und bezahlt.»\n\n### IV. Verhältnis zwischen Sozialpartnern (Abs. 1 lit. b)\n\nUrteil 2C_230/2020 vom 25. März 2021  \nDie Bundeskompetenz für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite umfasst die gemeinsame Regelung betrieblicher und beruflicher Angelegenheiten sowie die Mitwirkung der Arbeitnehmer.\n\nUrteil 9C_975/2012 vom 15. April 2013  \nZur Auslegung kollektivarbeitsrechtlicher Bestimmungen im Rahmen von Art. 110 Abs. 1 lit. b BV. Die Kompetenz des Bundes erstreckt sich auf die Regelung der Sozialpartnerschaft.\n\n### V. Arbeitsvermittlung (Abs. 1 lit. c)\n\nUrteil des BVGer B-434/2015 vom 18. Mai 2016  \nDas Arbeitsvermittlungsgesetz dient dem Arbeitnehmerschutz und untersteht der Bundeskompetenz nach Art. 110 Abs. 1 lit. c BV. Verleiher müssen über funktionsfähige Geschäftsniederlassungen verfügen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 110 Cst. remonte à l'art. 34ter ancienne Constitution, qui fut inséré dans l'ancienne Constitution fédérale en 1947. Les articles économiques de 1947 créèrent pour la première fois une base constitutionnelle complète pour le droit du travail au niveau fédéral (FF 1945 I 869 ; FF 1947 II 549). La révision eut lieu après la fin de la Seconde Guerre mondiale dans le but d'ancrer constitutionnellement les acquis sociopolitiques des années de guerre.\n\n**Ch. 2** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 reprit le contenu normatif de l'art. 34ter ancienne Constitution en grande partie inchangé (FF 1997 I 1, 278 s.). Toutefois, l'art. 110 al. 3 Cst. fut nouvellement ajouté, qui inscrit le 1er août comme jour férié fédéral payé. Cet ajout remonte à l'initiative populaire « pour un jour férié fédéral chômé », qui fut acceptée en 1993 (FF 1991 III 269 ; FF 1993 II 1305).\n\n**Ch. 3** L'évolution de l'histoire constitutionnelle montre que la protection des travailleurs fut développée progressivement : de la loi ponctuelle sur les fabriques de 1877 aux articles économiques de 1947 jusqu'à la compétence fédérale complète actuelle. Tschudi souligne que la norme constitutionnelle confère à la Confédération non seulement une habilitation, mais un mandat d'édicter des prescriptions de protection des travailleurs (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 ch. 22).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 110 Cst. se trouve dans la 8e section sur « Le logement, le travail, la sécurité sociale et la santé ». La norme forme avec l'art. 108 Cst. (encouragement à la construction de logements et à l'accession à la propriété), les art. 111-114 Cst. (assurances sociales) et les art. 117-120 Cst. (santé) un système de compétences sociopolitiques de la Confédération.\n\n**Ch. 5** La disposition présente des liens étroits avec les droits fondamentaux : → Art. 8 Cst. (égalité juridique) pour les exigences relatives aux déclarations de force obligatoire générale, → Art. 23 Cst. (liberté d'association) pour la liberté négative de coalition, → Art. 27 Cst. (liberté économique) pour l'activité entrepreneuriale. En tant que compétence fédérale complète, l'art. 110 al. 1 Cst. agit selon → Art. 49 Cst. de manière dérogatoire face au droit cantonal contraire (**ATF 139 I 242** consid. 3.2).\n\n**Ch. 6** Il faut distinguer l'art. 110 Cst. de → Art. 122 Cst. (droit civil), qui règle les aspects de droit privé du contrat de travail. La délimitation s'effectue selon le but de protection : la protection publique des travailleurs relève de l'art. 110 Cst., tandis que l'aménagement contractuel est soumis à l'art. 122 Cst. (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, ch. 1321).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**Ch. 7** **Protection des travailleurs (al. 1 let. a)** : La compétence comprend toutes les mesures de protection de l'intégrité physique et psychique des travailleuses et travailleurs. Cela inclut le temps de travail, la protection de la santé, la protection contre les licenciements et les normes de protection particulières pour les jeunes et les femmes enceintes. La loi sur le travail (LTr) constitue la mise en œuvre centrale de cette compétence.\n\n**Ch. 8** **Droit collectif du travail (al. 1 let. b)** : La disposition permet la réglementation du partenariat social. La portée est controversée : Cardinaux nie une base pour la codétermination entrepreneuriale, car le souverain a refusé les projets correspondants et une telle atteinte à la propriété et à la liberté économique exigerait une base constitutionnelle plus claire (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 ch. 35). Eichenberger affirme au contraire la possibilité d'une codétermination plus étendue au niveau de l'entreprise (cité dans Cardinaux, BSK BV, Art. 110 ch. 35).\n\n**Ch. 9** **Placement de main-d'œuvre (al. 1 let. c)** : La compétence saisit le placement public et privé de main-d'œuvre ainsi que le prêt de personnel. La loi sur le placement (LSE) règle les obligations d'autorisation et les dispositions de protection pour les travailleurs placés et prêtés.\n\n**Ch. 10** **Déclaration de force obligatoire générale (al. 1 let. d, al. 2)** : La Confédération peut déclarer les conventions collectives de travail de force obligatoire générale. L'al. 2 établit des limites matérielles : les intérêts de la minorité et les particularités régionales doivent être pris en compte, l'égalité juridique et la liberté de coalition (en particulier la liberté négative de coalition) doivent être préservées (**ATF 146 II 335** consid. 4.3).\n\n**Ch. 11** **Jour férié fédéral (al. 3)** : Le 1er août est le seul jour férié ancré constitutionnellement. Il est « assimilé aux dimanches du point de vue du droit du travail et payé ». Cela fonde un droit salarial constitutionnel direct, également pour les salariés à l'heure (**ATF 136 I 290** consid. 3.2).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 12** L'art. 110 Cst. confère à la Confédération une compétence législative complète et concurrente avec effet dérogatoire postérieur. Lorsque la Confédération a légiféré, le droit cantonal contraire est exclu (**ATF 138 I 356** consid. 3.1). Les cantons ne conservent des compétences que dans la mesure où le droit fédéral laisse consciemment de l'espace.\n\n**Ch. 13** La délégation d'édiction de normes dans l'art. 110 al. 1 let. d Cst. habilite le Conseil fédéral à déclarer les conventions collectives de travail de force obligatoire générale. Celles-ci acquièrent ainsi le caractère de loi et s'appliquent également aux non-membres d'associations (**ATF 128 II 13** consid. 3a). La déclaration de force obligatoire générale doit respecter le principe de la « porte ouverte » (**ATF 146 II 335** consid. 4.4).\n\n**Ch. 14** Le droit salarial de l'art. 110 al. 3 Cst. est directement applicable. Les travailleurs ont droit au maintien du salaire pour le 1er août, pour autant que celui-ci tombe un jour de travail normal. Une dérogation contractuelle est nulle (Portmann/Stöckli, Arbeitsrecht, ch. 752).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**Ch. 15** **Portée de la codétermination** : La doctrine est divisée sur la portée de l'art. 110 al. 1 let. b Cst. Cardinaux rejette une base constitutionnelle pour une véritable codétermination d'entreprise et se réfère au refus d'initiatives correspondantes par le souverain ainsi qu'à la grave atteinte à la propriété et à la liberté économique (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 ch. 35). Eichenberger voit au contraire dans la formulation « réglementation commune des affaires d'entreprise et professionnelles » une base suffisante pour des droits de codétermination plus étendus (cité dans Cardinaux, BSK BV, Art. 110 ch. 35).\n\n**Ch. 16** **Indemnisation des jours fériés** : Il était longtemps controversé de savoir si l'art. 110 al. 3 Cst. ne s'appliquait qu'aux salariés mensuels ou aussi aux salariés à l'heure. Le Tribunal fédéral a clarifié que le droit salarial constitutionnel vaut pour tous les travailleurs, pour autant que le 1er août tombe un jour de travail (**ATF 136 I 290** consid. 3). Streiff/von Kaenel/Rudolph critiquent cette restriction comme trop étroite (Arbeitsvertrag, ch. 4 ad art. 329 CO).\n\n**Ch. 17** **Limites de la déclaration de force obligatoire générale** : La doctrine discute de l'étendue des limites de l'art. 110 al. 2 Cst. Geiser/Müller exigent une application restrictive pour protéger la liberté négative de coalition (Arbeitsrecht, § 20 ch. 18). Wyler/Heinzer plaident pour une pratique plus généreuse dans l'intérêt de la protection étendue (Droit du travail, p. 678).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 18** Lors de la déclaration de force obligatoire générale, les conditions formelles de l'OECCT doivent être strictement respectées. Le quorum de 50% des employeurs et travailleurs doit être prouvé. Les autorités cantonales doivent impérativement être entendues (art. 11 OECCT).\n\n**Ch. 19** Les entreprises doivent examiner lors de reprises d'exploitation si des CCT déclarées de force obligatoire générale s'appliquent. L'attribution d'exploitation s'effectue selon l'activité prépondérante (**ATF 151 III 28** consid. 2.3). Les exploitations mixtes sont à attribuer selon leur centre de gravité.\n\n**Ch. 20** Pour le calcul de l'indemnisation du jour férié du 1er août s'applique : en cas d'horaires de travail variables, la moyenne des 12 derniers mois est déterminante. Les travailleurs à temps partiel reçoivent le salaire correspondant à leur taux d'occupation. L'indemnisation est également due en cas de maladie ou d'accident, pour autant qu'il existe une obligation de maintien du salaire (Vischer/Müller, Arbeitsvertrag, ch. 6 ad art. 329 CO).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### I. Extension du champ d'application des conventions collectives de travail (al. 1 let. d, al. 2)\n\n**ATF 146 II 335** du 11 mai 2020  \nLe principe de la « porte ouverte » est une condition impérative de l'extension du champ d'application. En cas de non-respect de l'art. 2 ch. 6 LECCT, l'extension du champ d'application doit être refusée ; un complément par des conditions accessoires ne suffit pas.\n\n> « Si le principe de la 'porte ouverte' (art. 2 ch. 6 LECCT) n'est pas respecté, l'extension du champ d'application doit être refusée ; il ne suffit pas de compléter l'extension du champ d'application par une condition accessoire correspondante. »\n\n**ATF 128 II 13** du 1er janvier 2001  \nLa compétence d'extension du champ d'application des conventions collectives de travail se fonde sur l'art. 110 Cst. Contre les décisions cantonales d'extension, le recours de droit public est ouvert.\n\n> « Selon l'art. 110 Cst. (art. 34ter anc. Cst.), la Confédération peut légiférer sur l'extension du champ d'application des conventions collectives de travail (al. 1). Le champ d'application d'une convention collective de travail ne peut être étendu que si cette convention tient compte équitablement des intérêts légitimes des minorités et des particularités régionales et qu'elle respecte l'égalité de droit et la liberté d'association (al. 2). »\n\n**ATF 138 V 32** du 26 janvier 2012  \nL'obligation déclarée de force obligatoire générale de verser des cotisations de prévoyance (CCT FAR) repose sur des bases légales suffisantes. Toutes les dispositions importantes créatrices de droit concernant les prestations doivent être édictées sous forme de loi fédérale.\n\n> « L'obligation de l'employeur déclarée de force obligatoire générale de verser des cotisations de prévoyance à la Fondation FAR repose sur des bases légales suffisantes. »\n\n**ATF 139 III 165** du 1er janvier 2013  \nPour l'interprétation du champ d'application opérationnel des conventions collectives de travail déclarées de force obligatoire générale, les principes généraux d'interprétation des lois s'appliquent. Les entreprises qui effectuent des forages de sondes géothermiques appartiennent aux travaux souterrains.\n\n> « Pour l'interprétation des dispositions sur l'extension du champ d'application des conventions collectives de travail, les principes généraux d'interprétation des lois s'appliquent. »\n\n**ATF 151 III 28** du 14 août 2024  \nUne entreprise dont l'activité caractéristique est l'application mécanique de produits bitumineux sur de grandes surfaces routières appartient à la construction routière et est soumise à la CCT FAR.\n\n> « Une entreprise dont l'activité caractéristique est l'application mécanique de produits bitumineux sur de grandes surfaces (routières) est rattachée au domaine 'Construction routière (y compris pose de revêtements)' au sens de l'art. 2 al. 4 let. a AVE CCT FAR. »\n\n### II. Protection des travailleurs (al. 1 let. a)\n\n**ATF 136 II 427** du 15 juillet 2010  \nLa loi sur le travail sert à la protection des travailleurs et doit limiter les dérogations à l'interdiction du travail de nuit et du dimanche au strict nécessaire. La vente d'articles de détail dans les shops de stations-service entre 01h00 et 05h00 est inadmissible.\n\n> « Les dérogations à l'interdiction du travail de nuit et du dimanche doivent être 'indispensables' et doivent, dans l'intérêt d'une protection efficace des travailleurs, constituer l'exception. »\n\n**ATF 130 I 279** du 5 août 2003  \nLes prescriptions cantonales sur la fermeture des magasins qui n'autorisent des heures d'ouverture prolongées qu'en cas de respect d'une convention collective de travail sont compatibles avec le droit fédéral. La loi sur le travail règle de manière exhaustive la protection des travailleurs.\n\n> « Une prescription cantonale sur la fermeture des magasins selon laquelle des heures d'ouverture prolongées ne sont autorisées qu'en cas de respect d'une convention collective de travail ne viole ni la loi sur le travail ni la liberté du commerce et de l'industrie. »\n\n**ATF 139 I 242** du 15 septembre 2004  \nLa compétence de réglementation en matière de protection des travailleurs contenue à l'art. 110 al. 1 let. a Cst. est exhaustive et a un effet dérogatoire a posteriori. Les interdictions de fumer cantonales sont compatibles avec le droit fédéral.\n\n> « La compétence de réglementation en matière de protection des travailleurs contenue à l'art. 110 al. 1 let. a Cst. est exhaustive et a un effet dérogatoire a posteriori. »\n\n**ATF 138 I 356** du 23 août 2012  \nLa loi sur le travail en tant qu'expression de la compétence fédérale en matière de protection des travailleurs prime le droit cantonal. Les indemnités issues de contrats d'honoraires peuvent être soumises à la loi sur le travail.\n\n> « La loi sur le travail prime, en tant qu'expression de la compétence fédérale exhaustive en matière de protection des travailleurs, le droit cantonal. »\n\n### III. Jour férié fédéral (al. 3)\n\n**ATF 136 I 290** du 4 mai 2010  \nIl n'existe aucune obligation générale d'indemniser les employés payés à l'heure pour les jours fériés. Exception faite du 1er août qui fonde un droit au salaire, pour autant qu'il tombe un jour de travail.\n\n> « Il n'existe aucune obligation d'indemniser les employés payés à l'heure pour les jours fériés, sous réserve du 1er août pour lequel un droit au salaire existe, pour autant qu'il tombe un jour où l'on aurait travaillé. »\n\nArrêt 4A_72/2018 du 6 août 2018  \nSur l'indemnisation des jours fériés pour le travail à l'heure. Le 1er août en tant que jour férié fédéral est protégé par la constitution et fonde un droit au salaire pour les travailleurs payés à l'heure.\n\n> « Le 1er août est jour férié fédéral. Il est assimilé en droit du travail aux dimanches et payé. »\n\n### IV. Rapports entre partenaires sociaux (al. 1 let. b)\n\nArrêt 2C_230/2020 du 25 mars 2021  \nLa compétence fédérale pour les rapports entre employeurs et travailleurs comprend la réglementation commune des affaires d'entreprise et professionnelles ainsi que la participation des travailleurs.\n\nArrêt 9C_975/2012 du 15 avril 2013  \nSur l'interprétation des dispositions de droit collectif du travail dans le cadre de l'art. 110 al. 1 let. b Cst. La compétence de la Confédération s'étend à la réglementation du partenariat social.\n\n### V. Service de l'emploi (al. 1 let. c)\n\nArrêt du TAF B-434/2015 du 18 mai 2016  \nLa loi sur le service de l'emploi sert à la protection des travailleurs et relève de la compétence fédérale selon l'art. 110 al. 1 let. c Cst. Les bailleurs de services doivent disposer d'établissements fonctionnels.", "summary_it": "", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 110 Cost. risale all'art. 34ter aCost., inserito nella vecchia Costituzione federale nel 1947. Gli articoli economici del 1947 crearono per la prima volta una base costituzionale completa per il diritto del lavoro a livello federale (FF 1945 I 869; FF 1947 II 549). La revisione avvenne dopo la fine della Seconda guerra mondiale con l'obiettivo di ancorare costituzionalmente le conquiste sociopolitiche degli anni di guerra.\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 riprese il contenuto normativo dell'art. 34ter aCostituzione in gran parte invariato (FF 1997 I 1, 278 s.). Tuttavia, fu aggiunto l'art. 110 cpv. 3 Cost., che stabilisce il 1° agosto come festa federale retribuita. Questa aggiunta risale all'iniziativa popolare «per una festa federale non lavorativa» che fu accettata nel 1993 (FF 1991 III 269; FF 1993 II 1305).\n\n**N. 3** Lo sviluppo storico-costituzionale mostra che la protezione dei lavoratori fu ampliata gradualmente: dalla puntuale legge sulle fabbriche del 1877, attraverso gli articoli economici del 1947, fino all'odierna competenza federale completa. Tschudi sottolinea che la norma costituzionale conferisce alla Confederazione non solo un'autorizzazione, ma un mandato per emanare prescrizioni di protezione dei lavoratori (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 22).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 110 Cost. si trova nell'8a sezione su «Abitazione, lavoro, sicurezza sociale e salute». La norma forma insieme all'art. 108 Cost. (promozione dell'edilizia abitativa e dell'acquisto della proprietà d'abitazione), artt. 111-114 Cost. (assicurazioni sociali) e artt. 117-120 Cost. (salute) un sistema di competenze sociopolitiche della Confederazione.\n\n**N. 5** La disposizione presenta stretti collegamenti con i diritti fondamentali: → Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica) per i requisiti delle dichiarazioni di obbligatorietà generale, → Art. 23 Cost. (libertà di associazione) per la libertà negativa di associazione, → Art. 27 Cost. (libertà economica) per l'attività imprenditoriale. Come competenza federale completa, l'art. 110 cpv. 1 Cost. agisce secondo → Art. 49 Cost. in modo derogatorio rispetto al diritto cantonale contrario (**DTF 139 I 242** consid. 3.2).\n\n**N. 6** L'art. 110 Cost. va distinto dall'→ Art. 122 Cost. (diritto civile), che disciplina gli aspetti di diritto privato del contratto di lavoro. La delimitazione avviene secondo lo scopo protettivo: la protezione pubblicistica dei lavoratori rientra nell'art. 110 Cost., mentre la configurazione contrattuale sottostà all'art. 122 Cost. (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1321).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Protezione dei lavoratori (cpv. 1 lett. a)**: La competenza comprende tutte le misure per la protezione dell'integrità fisica e psichica dei lavoratori e delle lavoratrici. Ciò include orario di lavoro, protezione della salute, protezione dal licenziamento e norme protettive speciali per giovani e donne incinte. La legge sul lavoro (LL) costituisce l'attuazione centrale di questa competenza.\n\n**N. 8** **Diritto collettivo del lavoro (cpv. 1 lett. b)**: La disposizione permette la regolamentazione del partenariato sociale. È controversa la portata: Cardinaux nega una base per la cogestione imprenditoriale, poiché il sovrano ha respinto progetti corrispondenti e un tale intervento nella proprietà e libertà economica richiederebbe una base costituzionale più chiara (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger afferma invece la possibilità di una cogestione più ampia a livello aziendale (cit. in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 9** **Collocamento (cpv. 1 lett. c)**: La competenza comprende il collocamento pubblico e privato nonché il prestito di personale. La legge sul collocamento (LC) disciplina gli obblighi di autorizzazione e le disposizioni protettive per i lavoratori collocati e prestati.\n\n**N. 10** **Dichiarazione di obbligatorietà generale (cpv. 1 lett. d, cpv. 2)**: La Confederazione può dichiarare i contratti collettivi di lavoro di obbligatorietà generale. Il cpv. 2 stabilisce barriere materiali: gli interessi delle minoranze e le diversità regionali devono essere considerate, l'uguaglianza giuridica e la libertà di associazione (in particolare la libertà negativa di associazione) devono essere rispettate (**DTF 146 II 335** consid. 4.3).\n\n**N. 11** **Festa federale (cpv. 3)**: Il 1° agosto è l'unica festa ancorata costituzionalmente. È «equiparata giuridicamente alle domeniche dal punto di vista del diritto del lavoro ed è retribuita». Ciò fonda un diritto salariale diretto di diritto costituzionale, anche per i lavoratori a ore (**DTF 136 I 290** consid. 3.2).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 110 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza legislativa completa e concorrente con effetto derogatorio successivo. Se la Confederazione ha legiferato, il diritto cantonale contrario è escluso (**DTF 138 I 356** consid. 3.1). I Cantoni mantengono competenze solo nella misura in cui il diritto federale lascia consapevolmente spazio.\n\n**N. 13** La delega normativa nell'art. 110 cpv. 1 lett. d Cost. autorizza il Consiglio federale a dichiarare i contratti collettivi di lavoro di obbligatorietà generale. Questi acquisiscono così carattere di legge e valgono anche per i non membri delle associazioni (**DTF 128 II 13** consid. 3a). La dichiarazione di obbligatorietà generale deve rispettare il principio della «porta aperta» (**DTF 146 II 335** consid. 4.4).\n\n**N. 14** Il diritto salariale derivante dall'art. 110 cpv. 3 Cost. è direttamente applicabile. I lavoratori hanno diritto alla continuazione del pagamento del salario per il 1° agosto, purché questo cada su un giorno lavorativo normale. Una disposizione contrattuale contraria è nulla (Portmann/Stöckli, Arbeitsrecht, N 752).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 15** **Portata della cogestione**: La dottrina è divisa sulla portata dell'art. 110 cpv. 1 lett. b Cost. Cardinaux respinge una base costituzionale per una vera cogestione aziendale e si riferisce al rifiuto di iniziative corrispondenti da parte del sovrano nonché al grave intervento nella proprietà e libertà economica (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger vede invece nella formulazione «regolamentazione comune di questioni aziendali e professionali» una base sufficiente per diritti di cogestione più ampi (cit. in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 16** **Indennizzo per la festa**: A lungo fu controverso se l'art. 110 cpv. 3 Cost. valesse solo per i salariati mensili o anche per i lavoratori a ore. Il Tribunale federale chiarì che il diritto salariale di diritto costituzionale vale per tutti i lavoratori, purché il 1° agosto cada su un giorno lavorativo (**DTF 136 I 290** consid. 3). Streiff/von Kaenel/Rudolph criticano questa limitazione come troppo restrittiva (Arbeitsvertrag, N 4 zu Art. 329 OR).\n\n**N. 17** **Limiti della dichiarazione di obbligatorietà generale**: La dottrina discute fino a che punto si estendano le barriere dell'art. 110 cpv. 2 Cost. Geiser/Müller richiedono un'applicazione restrittiva per proteggere la libertà negativa di associazione (Arbeitsrecht, § 20 N 18). Wyler/Heinzer propendono per una prassi più generosa nell'interesse della protezione generale (Droit du travail, p. 678).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella dichiarazione di obbligatorietà generale devono essere rigorosamente rispettati i presupposti formali della LOAV. Il quorum del 50% dei datori di lavoro e dei lavoratori deve essere dimostrato. Le autorità cantonali devono essere obbligatoriamente sentite (art. 11 LOAV).\n\n**N. 19** Le aziende devono verificare, in caso di acquisizione di un'azienda, se si applicano CCL dichiarati di obbligatorietà generale. L'attribuzione aziendale avviene secondo l'attività caratterizzante (**DTF 151 III 28** consid. 2.3). Le aziende miste devono essere attribuite secondo il loro centro di gravità.\n\n**N. 20** Per il calcolo dell'indennizzo per la festa del 1° agosto vale: in caso di orari di lavoro variabili è determinante la media degli ultimi 12 mesi. I lavoratori a tempo parziale ricevono il salario corrispondente al loro grado di occupazione. L'indennizzo è dovuto anche in caso di malattia o infortunio, purché sussista l'obbligo di continuazione del pagamento del salario (Vischer/Müller, Arbeitsvertrag, N 6 zu Art. 329 OR).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### I. Dichiarazione di obbligatorietà generale di contratti collettivi di lavoro (cpv. 1 lett. d, cpv. 2)\n\n**DTF 146 II 335** dell'11 maggio 2020  \nIl principio della «porta aperta» è presupposto imperativo della dichiarazione di obbligatorietà generale. In caso di mancato rispetto dell'art. 2 n. 6 OECCL, la dichiarazione di obbligatorietà generale deve essere rifiutata; un completamento tramite clausole accessorie non è sufficiente.\n\n> «Se il principio della 'porta aperta' (art. 2 n. 6 OECCL) non è rispettato, la dichiarazione di obbligatorietà generale deve essere rifiutata; non è sufficiente completare la dichiarazione di obbligatorietà generale con una clausola accessoria corrispondente.»\n\n**DTF 128 II 13** del 1° gennaio 2001  \nLa competenza per la dichiarazione di obbligatorietà generale di contratti collettivi di lavoro si basa sull'art. 110 Cost. Contro le decisioni cantonali sull'estensione è ammesso il ricorso di diritto pubblico.\n\n> «Selon l'art. 110 Cst. (art. 34ter anc. Cst.), la Confédération peut légiférer sur l'extension du champ d'application des conventions collectives de travail (al. 1). Le champ d'application d'une convention collective de travail ne peut être étendu que si cette convention tient compte équitablement des intérêts légitimes des minorités et des particularités régionales et qu'elle respecte l'égalité de droit et la liberté d'association (al. 2).»\n\n**DTF 138 V 32** del 26 gennaio 2012  \nL'obbligo dichiarato di obbligatorietà generale di versare contributi previdenziali (CCL FAR) si basa su basi legali sufficienti. Tutte le importanti disposizioni normative sui tributi devono essere emanate sotto forma di legge federale.\n\n> «L'obbligo dichiarato di obbligatorietà generale del datore di lavoro di versare contributi previdenziali alla Fondazione FAR si basa su basi legali sufficienti.»\n\n**DTF 139 III 165** del 1° gennaio 2013  \nPer l'interpretazione dell'ambito di validità aziendale di contratti collettivi di lavoro dichiarati di obbligatorietà generale si applicano i principi generali dell'interpretazione legislativa. Le imprese che eseguono perforazioni di sonde geotermiche appartengono alle costruzioni sotterranee.\n\n> «Per l'interpretazione di disposizioni sulla dichiarazione di obbligatorietà generale di contratti collettivi di lavoro si applicano i principi generali dell'interpretazione legislativa.»\n\n**DTF 151 III 28** del 14 agosto 2024  \nUn'impresa la cui attività caratterizzante è l'applicazione meccanica di prodotti bituminosi su grandi superfici stradali appartiene alla costruzione di strade e sottostà al CCL FAR.\n\n> «Un'impresa la cui attività caratterizzante è l'applicazione meccanica di prodotti bituminosi su grandi superfici (stradali) viene attribuita al settore 'costruzione di strade (inclusa la posa del rivestimento)' ai sensi dell'art. 2 cpv. 4 lett. a OECCL FAR.»\n\n### II. Protezione dei lavoratori (cpv. 1 lett. a)\n\n**DTF 136 II 427** del 15 luglio 2010  \nLa legge sul lavoro serve alla protezione dei lavoratori e deve limitare le deroghe al divieto di lavoro notturno e domenicale a quello indispensabile. La vendita di articoli al dettaglio nei negozi delle stazioni di servizio tra le 01.00 e le 05.00 è inammissibile.\n\n> «Le deroghe al divieto di lavoro notturno e domenicale devono essere 'indispensabili' e devono costituire l'eccezione nell'interesse di una protezione efficace dei lavoratori.»\n\n**DTF 130 I 279** del 5 agosto 2003  \nLe prescrizioni cantonali sulla chiusura dei negozi che permettono orari di apertura prolungati solo nel rispetto di un contratto collettivo di lavoro sono compatibili con il diritto federale. La legge sul lavoro disciplina la protezione dei lavoratori in modo completo.\n\n> «Una prescrizione cantonale sulla chiusura dei negozi secondo cui orari di apertura prolungati sono permessi solo nel rispetto di un contratto collettivo di lavoro non viola né la legge sul lavoro né la libertà di commercio e d'industria.»\n\n**DTF 139 I 242** del 15 settembre 2004  \nLa competenza normativa contenuta nell'art. 110 cpv. 1 lett. a Cost. per la protezione dei lavoratori è completa e ha effetto derogatorio posteriore. I divieti di fumare cantonali sono compatibili con il diritto federale.\n\n> «La competenza normativa contenuta nell'art. 110 cpv. 1 lett. a Cost. per la protezione dei lavoratori è completa e ha effetto derogatorio posteriore.»\n\n**DTF 138 I 356** del 23 agosto 2012  \nLa legge sul lavoro come espressione della competenza federale per la protezione dei lavoratori prevale sul diritto cantonale. I compensi da contratti d'onorario possono sottostare alla legge sul lavoro.\n\n> «La legge sul lavoro come espressione della competenza federale completa per la protezione dei lavoratori prevale sul diritto cantonale.»\n\n### III. Festa nazionale federale (cpv. 3)\n\n**DTF 136 I 290** del 4 maggio 2010  \nNon esiste un obbligo generale di indennizzare i dipendenti a ore per le feste. Eccezione costituisce il 1° agosto, che fonda un diritto al salario, purché cada in un giorno lavorativo.\n\n> «Non esiste un obbligo di indennizzare i dipendenti a ore per le feste, fatta salva eccezione per il 1° agosto, per il quale esiste un diritto al salario, purché cada in un giorno in cui si sarebbe lavorato.»\n\nSentenza 4A_72/2018 del 6 agosto 2018  \nSull'indennità per le feste nel lavoro a ore. Il 1° agosto come festa nazionale federale è protetto costituzionalmente e fonda un diritto al salario per i lavoratori a ore.\n\n> «Il 1° agosto è festa nazionale federale. Dal punto di vista del diritto del lavoro è equiparato alle domeniche ed è retribuito.»\n\n### IV. Rapporti tra le parti sociali (cpv. 1 lett. b)\n\nSentenza 2C_230/2020 del 25 marzo 2021  \nLa competenza federale per i rapporti tra datori di lavoro e lavoratori comprende la disciplina comune di questioni aziendali e professionali nonché la partecipazione dei lavoratori.\n\nSentenza 9C_975/2012 del 15 aprile 2013  \nSull'interpretazione di disposizioni di diritto collettivo del lavoro nel quadro dell'art. 110 cpv. 1 lett. b Cost. La competenza della Confederazione si estende alla disciplina del partenariato sociale.\n\n### V. Collocamento (cpv. 1 lett. c)\n\nSentenza del TAF B-434/2015 del 18 maggio 2016  \nLa legge sul collocamento serve alla protezione dei lavoratori e sottostà alla competenza federale secondo l'art. 110 cpv. 1 lett. c Cost. I prestatori devono disporre di sedi d'affari funzionali.", "summary_en": "", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Historical Development\n\n**N. 1** Art. 110 BV traces back to Art. 34ter old BV, which was inserted into the old Federal Constitution in 1947. The economic articles of 1947 created for the first time a comprehensive constitutional basis for labour law at the federal level (BBl 1945 I 869; BBl 1947 II 549). The revision took place after the end of the Second World War with the aim of anchoring the social policy achievements of the war years in constitutional law.\n\n**N. 2** The total revision of the Federal Constitution of 1999 largely adopted the normative content of Art. 34ter old BV unchanged (BBl 1997 I 1, 278 f.). However, Art. 110 para. 3 BV was newly added, which establishes 1 August as a paid federal holiday. This addition goes back to the popular initiative «for a work-free federal holiday», which was accepted in 1993 (BBl 1991 III 269; BBl 1993 II 1305).\n\n**N. 3** The constitutional historical development shows that employee protection was gradually expanded: from the selective Factory Act of 1877 via the economic articles of 1947 to today's comprehensive federal competence. Tschudi emphasises that the constitutional norm grants the Confederation not only an authorisation but a mandate to enact employee protection provisions (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 22).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 110 BV stands in the 8th section on «Housing, Work, Social Security and Health». The norm forms, together with Art. 108 BV (home ownership and residential construction promotion), Art. 111-114 BV (social insurance) and Art. 117-120 BV (health), a system of social policy competences of the Confederation.\n\n**N. 5** The provision shows close connections to fundamental rights: → Art. 8 BV (equality before the law) for the requirements for declarations of general applicability, → Art. 23 BV (freedom of association) for negative freedom of association, → Art. 27 BV (economic freedom) for entrepreneurial activity. As a comprehensive federal competence, Art. 110 para. 1 BV acts derogatorily against conflicting cantonal law according to → Art. 49 BV (**BGE 139 I 242** E. 3.2).\n\n**N. 6** Art. 110 BV is to be distinguished from → Art. 122 BV (civil law), which regulates the private law aspects of employment contracts. The delimitation is made according to the protective purpose: public law employee protection falls under Art. 110 BV, while contractual arrangements are subject to Art. 122 BV (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1321).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Employee protection (para. 1 lit. a)**: The competence encompasses all measures for the protection of the physical and psychological integrity of employees. This includes working time, health protection, protection against dismissal and special protective norms for young people and pregnant women. The Employment Act (ArG) forms the central implementation of this competence.\n\n**N. 8** **Collective labour law (para. 1 lit. b)**: The provision enables the regulation of social partnership. The scope is disputed: Cardinaux denies a basis for entrepreneurial co-determination, since the sovereign rejected corresponding proposals and such an intervention in property and economic freedom would require a clearer constitutional basis (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger, on the other hand, affirms the possibility of more extensive co-determination at the enterprise level (cited in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 9** **Employment services (para. 1 lit. c)**: The competence covers public and private employment services as well as temporary employment. The Employment Services Act (AVG) regulates licensing obligations and protective provisions for placed and temporary employees.\n\n**N. 10** **Declaration of general applicability (para. 1 lit. d, para. 2)**: The Confederation may declare collective employment agreements generally applicable. Para. 2 establishes material limits: minority interests and regional differences must be taken into account, equality before the law and freedom of association (particularly negative freedom of association) must be preserved (**BGE 146 II 335** E. 4.3).\n\n**N. 11** **Federal holiday (para. 3)**: 1 August is the only constitutionally anchored holiday. It is «legally equivalent to Sundays in terms of employment law and is paid». This establishes a direct constitutional wage claim, also for hourly workers (**BGE 136 I 290** E. 3.2).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** Art. 110 BV grants the Confederation a comprehensive, concurrent legislative competence with subsequently derogatory effect. If the Confederation has legislated, conflicting cantonal law is excluded (**BGE 138 I 356** E. 3.1). The cantons retain competences only insofar as federal law deliberately leaves room.\n\n**N. 13** The norm-setting delegation in Art. 110 para. 1 lit. d BV authorises the Federal Council to declare collective employment agreements generally applicable. These thereby acquire the character of law and also apply to non-union members (**BGE 128 II 13** E. 3a). The declaration of general applicability must preserve the principle of the «open door» (**BGE 146 II 335** E. 4.4).\n\n**N. 14** The wage claim from Art. 110 para. 3 BV is directly applicable. Employees have a right to continued wage payment for 1 August, provided this falls on a normal working day. A contractual waiver is void (Portmann/Stöckli, Arbeitsrecht, N 752).\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 15** **Scope of co-determination**: The doctrine is divided on the scope of Art. 110 para. 1 lit. b BV. Cardinaux rejects a constitutional basis for genuine enterprise co-determination and refers to the rejection of corresponding initiatives by the sovereign as well as the serious intervention in property and economic freedom (Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35). Eichenberger, on the other hand, sees in the formulation «joint regulation of operational and professional matters» a sufficient basis for more extensive co-determination rights (cited in Cardinaux, BSK BV, Art. 110 N. 35).\n\n**N. 16** **Holiday compensation**: It was long disputed whether Art. 110 para. 3 BV applies only to monthly wage earners or also to hourly workers. The Federal Court clarified that the constitutional wage claim applies to all employees, provided 1 August falls on a working day (**BGE 136 I 290** E. 3). Streiff/von Kaenel/Rudolph criticise this restriction as too narrow (Arbeitsvertrag, N 4 zu Art. 329 OR).\n\n**N. 17** **Limits of declaration of general applicability**: Legal scholarship discusses how far the limits of Art. 110 para. 2 BV reach. Geiser/Müller demand a restrictive approach to protect negative freedom of association (Arbeitsrecht, § 20 N 18). Wyler/Heinzer advocate for a more generous practice in the interest of area-wide protection (Droit du travail, S. 678).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 18** In declaring general applicability, the formal requirements of the AVEG must be strictly observed. The quorum of 50% of employers and employees must be proven. The cantonal authorities must be consulted (Art. 11 AVEG).\n\n**N. 19** Companies must examine when taking over operations whether generally applicable collective employment agreements apply. The operational classification is made according to the prevailing activity (**BGE 151 III 28** E. 2.3). Mixed operations are to be classified according to their focus.\n\n**N. 20** For calculating holiday compensation on 1 August: For variable working hours, the average of the last 12 months is decisive. Part-time workers receive wages according to their workload. Compensation is also due in case of illness or accident, provided there is an obligation to continue wage payments (Vischer/Müller, Arbeitsvertrag, N 6 zu Art. 329 OR).", "caselaw_en": "## Caselaw\n\n### I. Declaration of general applicability of collective labour agreements (par. 1 lit. d, par. 2)\n\n**BGE 146 II 335** of 11 May 2020  \nThe \"open door\" principle is a mandatory prerequisite for the declaration of general applicability. If Art. 2 para. 6 AVEG is not complied with, the declaration of general applicability must be refused; supplementation with ancillary provisions is not sufficient.\n\n> «If the principle of the 'open door' (Art. 2 para. 6 AVEG) is not complied with, the declaration of general applicability must be refused; it is not sufficient to supplement the declaration of general applicability with a corresponding ancillary provision.»\n\n**BGE 128 II 13** of 1 January 2001  \nThe competence to declare collective labour agreements generally applicable is based on Art. 110 FC. Against cantonal rulings on extension, public law appeal is available.\n\n> «Under Art. 110 Cst. (art. 34ter aCst.) the Confederation may legislate on l'extension du champ d'application des conventions collectives de travail (para. 1). Le champ d'application d'une convention collective de travail ne peut être étendu que si cette convention tient compte équitablement des intérêts légitimes des minorités et des particularités régionales et qu'elle respecte l'égalité de droit et la liberté d'association (para. 2).»\n\n**BGE 138 V 32** of 26 January 2012  \nThe obligation declared generally applicable to pay pension contributions (GAV FAR) is based on sufficient legal foundations. All important legislative provisions on levies must be enacted in the form of federal acts.\n\n> «The obligation of the employer declared generally applicable to pay pension contributions to the FAR Foundation is based on sufficient legal foundations.»\n\n**BGE 139 III 165** of 1 January 2013  \nFor the interpretation of the operational scope of collectively declared generally applicable labour agreements, the general principles of statutory interpretation apply. Operations that carry out geothermal probe drilling belong to underground construction.\n\n> «For the interpretation of provisions on the declaration of general applicability of collective labour agreements, the general principles of statutory interpretation apply.»\n\n**BGE 151 III 28** of 14 August 2024  \nAn operation whose defining activity is the mechanical application of bitumen products on large road surfaces belongs to road construction and is subject to GAV FAR.\n\n> «An operation whose defining activity is the mechanical application of bitumen products on large (road) surfaces is assigned to the area 'road construction (including surface installation)' within the meaning of Art. 2 para. 4 lit. a AVE GAV FAR.»\n\n### II. Employee protection (par. 1 lit. a)\n\n**BGE 136 II 427** of 15 July 2010  \nThe Labour Act serves employee protection and should limit deviations from the prohibition on night and Sunday work to what is indispensable. The sale of retail articles in petrol station shops between 01.00 and 05.00 hours is inadmissible.\n\n> «Deviations from the prohibition on night and Sunday work must be 'indispensable' and should constitute the exception in the interest of effective employee protection.»\n\n**BGE 130 I 279** of 5 August 2003  \nCantonal shop closing provisions that only permit extended opening hours when a collective labour agreement is observed are compatible with federal law. The Labour Act comprehensively regulates employee protection.\n\n> «A cantonal shop closing provision under which extended opening hours are only permitted when observing a collective labour agreement violates neither the Labour Act nor the freedom of trade and commerce.»\n\n**BGE 139 I 242** of 15 September 2004  \nThe regulatory competence for employee protection contained in Art. 110 para. 1 lit. a FC is comprehensive and has subsequent derogatory effect. Cantonal smoking bans are compatible with federal law.\n\n> «The regulatory competence for employee protection contained in Art. 110 para. 1 lit. a FC is comprehensive and has subsequent derogatory effect.»\n\n**BGE 138 I 356** of 23 August 2012  \nThe Labour Act as an expression of federal competence for employee protection takes precedence over cantonal law. Compensation from fee contracts may be subject to the Labour Act.\n\n> «The Labour Act as an expression of the comprehensive federal competence for employee protection takes precedence over cantonal law.»\n\n### III. Federal holiday (par. 3)\n\n**BGE 136 I 290** of 4 May 2010  \nThere is no general obligation to compensate hourly employees for public holidays. Exception is 1 August, which establishes an entitlement to wages provided it falls on a working day.\n\n> «There is no obligation to compensate hourly employees for public holidays, with the exception of 1 August, for which an entitlement to wages exists provided it falls on a day on which work would have been done.»\n\nJudgment 4A_72/2018 of 6 August 2018  \nOn public holiday compensation for hourly work. 1 August as a federal holiday is constitutionally protected and establishes an entitlement to wages for hourly workers.\n\n> «1 August is a federal holiday. In employment law, it is treated and paid the same as Sundays.»\n\n### IV. Relations between social partners (par. 1 lit. b)\n\nJudgment 2C_230/2020 of 25 March 2021  \nThe federal competence for relations between the employer and employee sides includes the joint regulation of operational and professional matters as well as employee participation.\n\nJudgment 9C_975/2012 of 15 April 2013  \nOn the interpretation of collective labour law provisions within the framework of Art. 110 para. 1 lit. b FC. The competence of the Confederation extends to the regulation of social partnership.\n\n### V. Employment services (par. 1 lit. c)\n\nJudgment of the Federal Administrative Court B-434/2015 of 18 May 2016  \nThe Employment Services Act serves employee protection and is subject to federal competence under Art. 110 para. 1 lit. c FC. Lenders must have functional business establishments.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_110", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.94, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 111, "article_suffix": "", "title": "Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 111 BV verpflichtet den Bund, für eine ausreichende Altersvorsorge zu sorgen. Diese beruht auf drei Säulen: der staatlichen AHV/IV (erste Säule), der beruflichen Vorsorge durch Pensionskassen (zweite Säule) und der freiwilligen Selbstvorsorge (dritte Säule). Der Bund muss dafür sorgen, dass die ersten beiden Säulen ihre Aufgaben dauerhaft erfüllen können.\n\nDie erste Säule soll den Existenzbedarf decken — also die grundlegenden Lebenskosten wie Wohnung, Nahrung und Kleidung. Die zweite Säule ergänzt die erste, damit Rentnerinnen und Rentner zusammen rund 60% ihres letzten Lohnes erhalten. So können sie ihre gewohnte Lebenshaltung (bisheriger Lebensstandard) weitgehend beibehalten. Die dritte Säule ermöglicht zusätzliche individuelle Vorsorge für besondere Bedürfnisse.\n\nAlle drei Säulen sind verfassungsrechtlich geschützt. Der Gesetzgeber darf keine Säule abschaffen oder grundlegend schwächen. Er muss vielmehr alle drei koordiniert ausgestalten und ihre Finanzierung langfristig sichern. Bei steuerlichen Fragen kann der Bund die Kantone zwingen, Vorsorgeeinrichtungen zu begünstigen.\n\n**Beispiel**: Eine Lehrerin erhält mit 64 Jahren eine AHV-Rente von 1'800 Franken monatlich (erste Säule) und eine Pensionskassenrente von 2'200 Franken (zweite Säule). Zusätzlich hat sie in der Säule 3a angespart und erhält daraus weitere 400 Franken monatlich (dritte Säule). Alle drei Säulen zusammen ergeben ihre Altersrente.\n\nDie Bestimmung betrifft alle Erwerbstätigen und Rentnerinnen sowie Rentner in der Schweiz. Sie verpflichtet Bund und Kantone zur Zusammenarbeit bei der Vorsorgepolitik. Verstösse gegen das Drei-Säulen-Prinzip können vor Gericht angefochten werden. Die Norm begründet aber keine direkten Ansprüche von Einzelpersonen — diese ergeben sich erst aus den Spezialgesetzen wie AHVG und BVG.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Drei-Säulen-Konzeption wurde mit der Annahme von Art. 34quater aBV am 3. Dezember 1972 in der Bundesverfassung verankert (BBl 1971 II 1609). Die Botschaft hält fest, dass die schweizerische Altersvorsorge auf einem koordinierten System von staatlicher Grundsicherung, beruflicher Vorsorge und individueller Selbstvorsorge beruhen soll. Die Totalrevision der Bundesverfassung übernahm diese Grundkonzeption unverändert in Art. 111 BV.\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wollte mit der expliziten Verankerung des Drei-Säulen-Prinzips eine klare Struktur für die schweizerische Sozialversicherung schaffen. Die Botschaft zur Volksinitiative über die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom 10. November 1971 betonte, dass nur durch das Zusammenwirken aller drei Säulen eine umfassende Vorsorge erreicht werden könne (BBl 1971 II 1609, 1625).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 111 BV steht im 2. Kapitel («Sozialziele, Bildung und Forschung») des 3. Titels der Bundesverfassung. Er konkretisiert das Sozialziel von → Art. 41 Abs. 2 BV (Sozialversicherung) und bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für die Spezialnormen → Art. 112 BV (AHV/IV), → Art. 112a BV (Ergänzungsleistungen), → Art. 113 BV (berufliche Vorsorge) und → Art. 114 BV (Arbeitslosenversicherung).\n\n**N. 4** Im Unterschied zu Art. 41 BV, der als programmatische Norm keine subjektiven Rechte begründet, enthält Art. 111 BV verbindliche Strukturvorgaben für den Gesetzgeber. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 5) betont, dass Art. 111 BV nicht bloss eine Kompetenznorm darstellt, sondern materielle Ausgestaltungsgrundsätze enthält.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Das Drei-Säulen-Prinzip (Abs. 1)\n\n**N. 5** Art. 111 Abs. 1 BV verankert die drei Säulen als tragende Struktur der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge. Nach Tschudi (BSK BV, Art. 111 N. 20, zitiert bei Gächter/Meier) stellen diese Säulen «materielle Ausgestaltungsgrundsätze und materiell-rechtliche Ergänzungen der Kompetenznorm oder materielle Direktiven des Gesetzgebungsauftrages» dar.\n\n**N. 6** Die **erste Säule** (AHV/IV) soll gemäss herrschender Lehre den Existenzbedarf sichern (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 3 N. 12). Sie beruht auf dem Umlageverfahren und erfasst die gesamte Wohnbevölkerung obligatorisch.\n\n**N. 7** Die **zweite Säule** (berufliche Vorsorge) soll zusammen mit der ersten Säule die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen (Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, § 15 N. 3). Sie funktioniert nach dem Kapitaldeckungsverfahren und ist für Arbeitnehmende mit einem bestimmten Mindesteinkommen obligatorisch.\n\n**N. 8** Die **dritte Säule** (Selbstvorsorge) ergänzt die kollektiven Massnahmen der ersten beiden Säulen nach individuellen Bedürfnissen. Sie gliedert sich in die gebundene Selbstvorsorge (Säule 3a) mit steuerlicher Privilegierung und die freie Selbstvorsorge (Säule 3b) ohne besondere steuerliche Förderung (Valterio, Droit de l'assurance-vieillesse et survivants, 2011, S. 45 ff.).\n\n### b) Verfassungsrechtliche Schranken\n\n**N. 9** Nach Brühwiler (BSK BV, Art. 111 N. 22, zitiert bei Gächter/Meier) bildet Art. 111 Abs. 1 BV «eine verfassungsmässige Schranke für die Kompetenzen des Gesetzgebers im Bereich der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge». Der Gesetzgeber darf das Drei-Säulen-Prinzip nicht aufgeben oder einzelne Säulen vollständig aushöhlen (Tschudi, Die neue Bundesverfassung als Grundlage des Sozialversicherungsrechts, SZS 2001, 63, 71).\n\n### c) Dauerhafte Zweckerfüllung (Abs. 2)\n\n**N. 10** Der Bund hat gemäss Art. 111 Abs. 2 BV für die dauerhafte Zweckerfüllung der ersten und zweiten Säule zu sorgen. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 26) interpretiert dies dahingehend, dass «der Verfassungsgeber herausstreichen [will], dass die erste und die zweite Säule ihre Aufgaben langfristig in einem koordinierten System wahrnehmen müssen».\n\n**N. 11** Die dauerhafte Zweckerfüllung umfasst nach herrschender Lehre sowohl die finanzielle Nachhaltigkeit als auch die materielle Zielerreichung (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 789). Der Bund muss aktiv werden, wenn die Finanzierung oder die Leistungsziele gefährdet sind.\n\n### d) Steuerliche Massnahmen (Abs. 3)\n\n**N. 12** Art. 111 Abs. 3 BV ermächtigt den Bund, die Kantone zur steuerlichen Privilegierung von Vorsorgeeinrichtungen und Vorsorgeleistungen zu verpflichten. Diese Kompetenz wurde in Art. 80 ff. BVG und Art. 81 ff. AHVG umgesetzt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3712).\n\n### e) Förderung der Selbstvorsorge (Abs. 4)\n\n**N. 13** Die Förderung der Selbstvorsorge erfolgt «in Zusammenarbeit mit den Kantonen» durch Steuer- und Eigentumspolitik. Diese kooperative Kompetenz unterstreicht den föderalistischen Charakter der Vorsorgepolitik (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 111 BV begründet eine **Gesetzgebungspflicht** des Bundes. Der Gesetzgeber muss die drei Säulen ausgestalten und ihre Koordination sicherstellen. Ein vollständiger Abbau einer Säule wäre verfassungswidrig.\n\n**N. 15** Für Individuen begründet Art. 111 BV keine unmittelbaren subjektiven Rechte. Die Ansprüche ergeben sich erst aus den Ausführungsgesetzen (AHVG, BVG, BVV 3). Die Norm wirkt primär als objektiv-rechtliche Institutsgarantie (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, ZSR 2014 II 5, 42).\n\n**N. 16** Die Kantone sind bei der Steuer- und Eigentumspolitik zur Zusammenarbeit verpflichtet (Abs. 4). Sie können durch Bundesrecht zur steuerlichen Privilegierung von Vorsorgeeinrichtungen gezwungen werden (Abs. 3).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Umstritten** ist die normative Kraft des Drei-Säulen-Prinzips. Während Tschudi (Das Drei-Säulen-Prinzip, SZS 1987, 1, 15) und Brühwiler (Die betriebliche Personalvorsorge in der Schweiz, 1989, S. 45) von einer strikten verfassungsrechtlichen Bindung ausgehen, vertritt eine Mindermeinung, dass dem Gesetzgeber ein weiter Gestaltungsspielraum zukomme, solange die Grundstruktur erhalten bleibe.\n\n**N. 18** **Kontrovers** diskutiert wird auch die Reichweite der «dauerhaften Zweckerfüllung» (Abs. 2). Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 27) fordert eine aktive Überwachungs- und Eingriffspflicht des Bundes. Andere Autoren betonen die primäre Verantwortung der Sozialpartner in der zweiten Säule und warnen vor übermässigen staatlichen Eingriffen.\n\n**N. 19** Die **steuerliche Gleichbehandlung** der Säulen ist ebenfalls umstritten. Während die gebundene Selbstvorsorge (Säule 3a) steuerlich privilegiert wird, fehlt eine vergleichbare Förderung für freiwillige Einkäufe in die zweite Säule teilweise. Ein Teil der Lehre sieht darin eine Inkohärenz des Systems.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der **Gesetzgebung** im Bereich der Sozialversicherungen ist stets zu prüfen, ob die vorgesehenen Massnahmen mit dem Drei-Säulen-Prinzip vereinbar sind. Reformen müssen die Balance zwischen den Säulen wahren und dürfen keine Säule strukturell schwächen.\n\n**N. 21** In der **Rechtsanwendung** ist die Koordination zwischen den Säulen zu beachten. Überentschädigungen sind zu vermeiden (→ Art. 69 ATSG), wobei die verfassungsrechtlich gewollte Ergänzungsfunktion der Säulen nicht unterlaufen werden darf.\n\n**N. 22** Für die **Beratungspraxis** ist entscheidend, dass Klientinnen und Klienten über alle drei Säulen informiert werden. Die optimale Altersvorsorge ergibt sich regelmässig aus dem koordinierten Einsatz aller drei Säulen. Insbesondere ist auf die steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten bei der Säule 3a und die Bedeutung des BVG-Obligatoriums hinzuweisen.\n\n**N. 23** Bei **internationalen Sachverhalten** ist zu beachten, dass nur die erste und zweite Säule unter die Koordinationsregeln der bilateralen Abkommen und des Freizügigkeitsabkommens fallen. Die dritte Säule unterliegt grundsätzlich dem nationalen Recht des Wohnsitzstaates (→ BGE 140 II 364).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundlegendes zum Drei-Säulen-System\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nVerfassungsrechtliche Verankerung der Drei-Säulen-Konzeption seit 1972\n\nDas Bundesgericht hält grundlegend fest, dass die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge auf der Drei-Säulen-Konzeption beruht, die seit 1972 in der Bundesverfassung verankert ist. Das Gericht erläutert die verfassungsrechtliche Grundlage der drei Säulen und deren steuerliche Behandlung.\n\n> «Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge beruht auf der so genannten Dreisäulenkonzeption, die seit 1972 in der Bundesverfassung verankert ist (Art. 34quater aBV, Art. 111 ff. BV).»\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nAbgrenzung der dritten Säule zur AHV-Versicherung\n\nDas Gericht stellt klar, dass die Säule 3a nur für AHV-versicherte Personen steuerlich abziehbar ist. Die Verfügung von Art. 111 BV verlangt eine kohärente Umsetzung des Drei-Säulen-Systems.\n\n> «Den jährlichen Beitrag für die Säule 3a kann nach DBG nur steuerlich abziehen, wer der AHV-Pflicht unterstellt ist.»\n\n**BGE 117 Ib 358** (25.10.1991)\nVerfassungsrechtliche Grundlegung des Drei-Säulen-Konzepts\n\nIn diesem frühen Entscheid nach Einführung des BVG wird die verfassungsrechtliche Bedeutung der drei Säulen bekräftigt. Das Gericht hält fest, dass das Drei-Säulen-Konzept als System der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge verfassungsrechtlich verankert ist.\n\n> «È stato quindi ancorato nella Costituzione il cosiddetto concetto dei tre pilastri della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.»\n\n## Erste Säule: AHV/IV\n\n**BGE 135 V 33** (19.12.2008)\nKoordination zwischen AHV-Altersrente und beruflicher Vorsorge\n\nDas Bundesgericht behandelt die verfassungsrechtlich gebotene Koordination zwischen den Säulen, insbesondere bei der Überentschädigung. Art. 111 BV verlangt ein koordiniertes System der Vorsorge.\n\n> «Die nach dem Erreichen des Pensionierungsalters auszurichtende lebenslängliche Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge kann in den Schranken des Art. 24 BVV 2 gekürzt werden.»\n\n**BGE 139 V 12** (24.1.2013)\nBeitragspflicht im Vorruhestand als Teil der ersten Säule\n\nDas Gericht klärt die AHV-Beitragspflicht im Vorruhestand und bestätigt damit die zentrale Rolle der ersten Säule als Basis des Systems nach Art. 111 BV.\n\n> «Ob ein Versicherter erwerbstätig ist, beurteilt sich nicht in Funktion der Beitragshöhe, sondern nach den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten.»\n\n## Zweite Säule: Berufliche Vorsorge\n\n**BGE 115 V 337** (22.11.1989)\nAbgrenzung zur dritten Säule\n\nDas Gericht behandelt die Abgrenzung zwischen beruflicher Vorsorge und gebundener Selbstvorsorge (Säule 3a) im Kontext der AHV-Beitragserhebung.\n\n> «Für die Belange der AHV-Beitragserhebung dürfen die Einlagen des Selbständigerwerbenden in der individuell gebundenen beruflichen Vorsorge (Säule 3a) nicht vom Brutto-Erwerbseinkommen abgezogen werden.»\n\n**BGE 121 III 285** (7.9.1995)\nPfändungsschutz und Systematik der beruflichen Vorsorge\n\nDas Bundesgericht behandelt die Anwendung des Pfändungsschutzes auf Leistungen der dritten Säule A und bestätigt die systematische Einordnung im Drei-Säulen-System.\n\n> «Ces deux formes constituent, dans le système des trois piliers de la prévoyance, le 3e pilier A.»\n\n## Dritte Säule: Selbstvorsorge\n\n**BGE 135 II 183** (10.7.2009)\nSteuerliche Behandlung der Säule 3b\n\nDas Gericht behandelt die steuerliche Unterscheidung zwischen gebundener Vorsorge (Säule 3a) und freier Vorsorge (Säule 3b) und deren verfassungsrechtliche Einordnung im System von Art. 111 BV.\n\n> «Steuerliche Behandlung von Leistungen aus Vorsorge im Allgemeinen. Begriff der Leibrente und der \"Zeitrente\". Unterscheidung zwischen Kapitalversicherung und Rentenversicherung.»\n\n**2A.292/2006** (15.1.2007)\nGrundfähigkeitsversicherung in der Säule 3a\n\nDas Bundesgericht behandelt spezielle Vorsorgeformen innerhalb der gebundenen Selbstvorsorge und deren verfassungsrechtliche Einordnung.\n\n**2C_652/2018** (14.5.2020)\nAktuelle Entwicklungen in der dritten Säule\n\nEin neuerer Entscheid zu speziellen Fragen der Selbstvorsorge im Rahmen des verfassungsrechtlich vorgegebenen Systems.\n\n## Steuerliche Aspekte des Drei-Säulen-Systems\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nDoppelbesteuerung bei Vorsorgeleistungen\n\nDas Gericht behandelt ausführlich die interkantonale Doppelbesteuerung bei Leistungen aus allen drei Säulen und entwickelt dabei eine umfassende Systematik der steuerlichen Behandlung:\n\n> «Mit der obligatorischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) als erster Säule soll, zusammen mit den Ergänzungsleistungen, der Existenzbedarf gedeckt werden. Die berufliche Vorsorge soll als zweite Säule zusammen mit der ersten die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen. Die dritte Säule bildet die Selbstvorsorge, mit der die kollektiven Massnahmen der andern beiden Säulen entsprechend den persönlichen Bedürfnissen ergänzt werden.»\n\n**2C_1050/2011** (3.5.2013)\nSteuerliche Abzugsfähigkeit der Säule 3a\n\nDas Bundesgericht bekräftigt die verfassungsrechtlichen Vorgaben für die steuerliche Behandlung der gebundenen Selbstvorsorge.\n\n**2C_22/2016** (21.4.2016)\nNeuere steuerrechtliche Entwicklungen\n\nDas Gericht behandelt aktuelle Fragen zur steuerlichen Umsetzung des Drei-Säulen-Systems.\n\n## Europarechtliche Bezüge\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nFreizügigkeitsabkommen und Drei-Säulen-System\n\nDas Bundesgericht behandelt die Vereinbarkeit des schweizerischen Drei-Säulen-Systems mit dem Freizügigkeitsabkommen und bestätigt dessen verfassungsrechtliche Fundierung.\n\n> «Die Säule 3a unterliegt nicht dem System der sozialen Sicherheit nach Art. 8 und Anh. II FZA. Das Diskriminierungsverbot von Art. 9 Anh. I FZA bezieht sich nur auf Arbeitnehmer und nicht auf solche Personen, die im Aufnahmestaat (d.h. in casu in der Schweiz) nur Wohnsitz nehmen.»\n\n## Verfassungsrechtliche Koordination der Säulen\n\n**BGE 136 V 419** (22.10.2010)\nKoordination bei Hinterlassenenleistungen\n\nDas Gericht behandelt die verfassungsrechtlich gebotene Koordination zwischen den verschiedenen Säulen bei Hinterlassenenleistungen.\n\n**2C_916/2020** (19.5.2022)\nAktuelle Entwicklungen der Koordination\n\nEin neuerer Entscheid zur Koordination zwischen den Säulen im Rahmen der verfassungsrechtlichen Vorgaben von Art. 111 BV.\n\n## Kantonsgerichtliche Rechtsprechung\n\n**SB.2011.00037** (21.9.2011, Verwaltungsgericht Zürich)\nInternationale Aspekte der dritten Säule\n\nDas Verwaltungsgericht Zürich behandelt die Abzugsfähigkeit von AHV- und Säule-3a-Beiträgen im internationalen Verhältnis und bestätigt die systematische Einordnung.\n\n**SB.2013.00161** (2.4.2014, Verwaltungsgericht Zürich)\nSteuerliche Abzugsfähigkeit bei Erwerbsaufgabe\n\nDas Gericht behandelt spezielle Fragen zur steuerlichen Behandlung der beruflichen Vorsorge bei Erwerbsaufgabe und deren verfassungsrechtliche Grundlagen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La conception des trois piliers a été ancrée dans la Constitution fédérale par l'adoption de l'art. 34quater anc. Cst le 3 décembre 1972 (FF 1971 II 1585). Le message retient que la prévoyance vieillesse suisse doit reposer sur un système coordonné de sécurité de base étatique, de prévoyance professionnelle et d'autoprévoyance individuelle. La révision totale de la Constitution fédérale a repris cette conception de base sans modification à l'art. 111 Cst.\n\n**N. 2** Le constituant a voulu créer une structure claire pour l'assurance sociale suisse par l'ancrage explicite du principe des trois piliers. Le message relatif à l'initiative populaire sur l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité du 10 novembre 1971 soulignait que seule la conjugaison des trois piliers permet d'atteindre une prévoyance globale (FF 1971 II 1585, 1601).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 111 Cst figure au 2e chapitre (« Buts sociaux, éducation et recherche ») du 3e titre de la Constitution fédérale. Il concrétise l'objectif social de → l'art. 41 al. 2 Cst (assurance sociale) et constitue le fondement constitutionnel des normes spéciales → art. 112 Cst (AVS/AI), → art. 112a Cst (prestations complémentaires), → art. 113 Cst (prévoyance professionnelle) et → art. 114 Cst (assurance-chômage).\n\n**N. 4** Contrairement à l'art. 41 Cst, qui en tant que norme programmatique ne fonde aucun droit subjectif, l'art. 111 Cst contient des directives structurelles contraignantes pour le législateur. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 5) souligne que l'art. 111 Cst ne représente pas seulement une norme de compétence, mais contient des principes d'aménagement matériels.\n\n## 3. Éléments constitutifs / contenu normatif\n\n### a) Le principe des trois piliers (al. 1)\n\n**N. 5** L'art. 111 al. 1 Cst ancre les trois piliers comme structure porteuse de la prévoyance vieillesse, survivants et invalidité suisse. Selon Tschudi (BSK BV, Art. 111 N. 20, cité par Gächter/Meier), ces piliers représentent « des principes d'aménagement matériels et des compléments matériels de la norme de compétence ou des directives matérielles du mandat législatif ».\n\n**N. 6** Le **premier pilier** (AVS/AI) doit selon la doctrine dominante garantir les besoins vitaux (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4e éd. 2014, § 3 N. 12). Il repose sur le système de répartition et couvre obligatoirement l'ensemble de la population résidente.\n\n**N. 7** Le **deuxième pilier** (prévoyance professionnelle) doit, avec le premier pilier, permettre de maintenir le niveau de vie habituel de façon appropriée (Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, 4e éd. 2012, § 15 N. 3). Il fonctionne selon le système de capitalisation et est obligatoire pour les salariés disposant d'un revenu minimum déterminé.\n\n**N. 8** Le **troisième pilier** (prévoyance individuelle) complète les mesures collectives des deux premiers piliers selon les besoins individuels. Il se subdivise en prévoyance liée (pilier 3a) avec privilège fiscal et en prévoyance libre (pilier 3b) sans encouragement fiscal particulier (Valterio, Droit de l'assurance-vieillesse et survivants, 2011, p. 45 ss).\n\n### b) Limites constitutionnelles\n\n**N. 9** Selon Brühwiler (BSK BV, Art. 111 N. 22, cité par Gächter/Meier), l'art. 111 al. 1 Cst constitue « une limite constitutionnelle aux compétences du législateur dans le domaine de la prévoyance vieillesse, survivants et invalidité ». Le législateur ne peut pas abandonner le principe des trois piliers ou vider complètement certains piliers (Tschudi, Die neue Bundesverfassung als Grundlage des Sozialversicherungsrechts, SZS 2001, 63, 71).\n\n### c) Accomplissement durable des tâches (al. 2)\n\n**N. 10** La Confédération doit selon l'art. 111 al. 2 Cst veiller à l'accomplissement durable des tâches du premier et du deuxième pilier. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 26) interprète ceci dans le sens où « le constituant [veut] souligner que le premier et le deuxième pilier doivent accomplir leurs tâches à long terme dans un système coordonné ».\n\n**N. 11** L'accomplissement durable des tâches comprend selon la doctrine dominante tant la viabilité financière que la réalisation des objectifs matériels (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N. 789). La Confédération doit agir si le financement ou les objectifs de prestations sont menacés.\n\n### d) Mesures fiscales (al. 3)\n\n**N. 12** L'art. 111 al. 3 Cst habilite la Confédération à obliger les cantons à accorder des privilèges fiscaux aux institutions de prévoyance et aux prestations de prévoyance. Cette compétence a été mise en œuvre aux art. 80 ss LPP et art. 81 ss LAVS (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3712).\n\n### e) Encouragement de la prévoyance individuelle (al. 4)\n\n**N. 13** L'encouragement de la prévoyance individuelle s'effectue « en collaboration avec les cantons » par la politique fiscale et de la propriété. Cette compétence coopérative souligne le caractère fédéraliste de la politique de prévoyance (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 892).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'art. 111 Cst fonde une **obligation législative** de la Confédération. Le législateur doit aménager les trois piliers et assurer leur coordination. Un démantèlement complet d'un pilier serait contraire à la Constitution.\n\n**N. 15** L'art. 111 Cst ne fonde pas de droits subjectifs directs pour les individus. Les droits résultent des lois d'exécution (LAVS, LPP, OPP 3). La norme agit principalement comme garantie institutionnelle de droit objectif (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, ZSR 2014 II 5, 42).\n\n**N. 16** Les cantons sont tenus de collaborer dans la politique fiscale et de la propriété (al. 4). Ils peuvent être contraints par le droit fédéral d'accorder des privilèges fiscaux aux institutions de prévoyance (al. 3).\n\n## 5. Controverses\n\n**N. 17** La **force normative** du principe des trois piliers est **controversée**. Alors que Tschudi (Das Drei-Säulen-Prinzip, SZS 1987, 1, 15) et Brühwiler (Die betriebliche Personalvorsorge in der Schweiz, 1989, p. 45) partent d'un lien constitutionnel strict, une opinion minoritaire soutient que le législateur dispose d'une large marge d'aménagement tant que la structure de base est préservée.\n\n**N. 18** La portée de « l'accomplissement durable des tâches » (al. 2) est également **controversée**. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 27) exige une obligation active de surveillance et d'intervention de la Confédération. D'autres auteurs soulignent la responsabilité primaire des partenaires sociaux dans le deuxième pilier et mettent en garde contre des interventions étatiques excessives.\n\n**N. 19** **L'égalité de traitement fiscal** des piliers est également controversée. Alors que la prévoyance liée (pilier 3a) est privilégiée fiscalement, un encouragement comparable fait parfois défaut pour les rachats volontaires dans le deuxième pilier. Une partie de la doctrine y voit une incohérence du système.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Dans la **législation** dans le domaine des assurances sociales, il faut toujours examiner si les mesures prévues sont compatibles avec le principe des trois piliers. Les réformes doivent préserver l'équilibre entre les piliers et ne doivent pas affaiblir structurellement un pilier.\n\n**N. 21** Dans **l'application du droit**, il faut respecter la coordination entre les piliers. Les surassurances doivent être évitées (→ art. 69 LPGA), sans que la fonction complémentaire voulue constitutionnellement des piliers ne soit contournée.\n\n**N. 22** Pour la **pratique du conseil**, il est déterminant que les clients soient informés sur les trois piliers. La prévoyance vieillesse optimale résulte régulièrement de l'emploi coordonné des trois piliers. Il faut notamment attirer l'attention sur les possibilités d'optimisation fiscale du pilier 3a et l'importance de l'obligatoire LPP.\n\n**N. 23** Pour **les situations internationales**, il faut noter que seuls le premier et le deuxième pilier tombent sous les règles de coordination des accords bilatéraux et de l'accord sur la libre circulation. Le troisième pilier est en principe soumis au droit national de l'État de domicile (→ ATF 140 II 364).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Fondements du système des trois piliers\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nAncrage constitutionnel de la conception des trois piliers depuis 1972\n\nLe Tribunal fédéral établit de manière fondamentale que la prévoyance suisse vieillesse, survivants et invalidité repose sur la conception des trois piliers, qui est ancrée dans la Constitution fédérale depuis 1972. Le Tribunal explique la base constitutionnelle des trois piliers et leur traitement fiscal.\n\n> « La prévoyance suisse vieillesse, survivants et invalidité repose sur la conception dite des trois piliers, qui est ancrée dans la Constitution fédérale depuis 1972 (art. 34quater ancCst, art. 111 ss Cst.). »\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nDélimitation du troisième pilier par rapport à l'assurance AVS\n\nLe Tribunal précise que le pilier 3a n'est fiscalement déductible que pour les personnes assurées à l'AVS. La disposition de l'art. 111 Cst. exige une mise en œuvre cohérente du système des trois piliers.\n\n> « La cotisation annuelle pour le pilier 3a ne peut être fiscalement déductible selon la LIFD que pour qui est soumis à l'obligation AVS. »\n\n**BGE 117 Ib 358** (25.10.1991)\nFondement constitutionnel de la conception des trois piliers\n\nDans cette décision précoce après l'introduction de la LPP, la signification constitutionnelle des trois piliers est confirmée. Le Tribunal établit que la conception des trois piliers comme système de prévoyance vieillesse, survivants et invalidité est ancrée constitutionnellement.\n\n> « È stato quindi ancorato nella Costituzione il cosiddetto concetto dei tre pilastri della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità. »\n\n## Premier pilier : AVS/AI\n\n**BGE 135 V 33** (19.12.2008)\nCoordination entre rente AVS vieillesse et prévoyance professionnelle\n\nLe Tribunal fédéral traite de la coordination constitutionnellement requise entre les piliers, en particulier en cas de surindemnisation. L'art. 111 Cst. exige un système coordonné de prévoyance.\n\n> « La rente d'invalidité viagère de la prévoyance professionnelle obligatoire à verser après avoir atteint l'âge de la retraite peut être réduite dans les limites de l'art. 24 OPP 2. »\n\n**BGE 139 V 12** (24.1.2013)\nObligation de cotiser à la retraite anticipée comme partie du premier pilier\n\nLe Tribunal clarifie l'obligation de cotiser à l'AVS lors de la retraite anticipée et confirme ainsi le rôle central du premier pilier comme base du système selon l'art. 111 Cst.\n\n> « Si un assuré exerce une activité lucrative ne se juge pas en fonction du montant de la cotisation, mais selon les circonstances économiques effectives. »\n\n## Deuxième pilier : Prévoyance professionnelle\n\n**BGE 115 V 337** (22.11.1989)\nDélimitation par rapport au troisième pilier\n\nLe Tribunal traite de la délimitation entre prévoyance professionnelle et prévoyance individuelle liée (pilier 3a) dans le contexte de la perception des cotisations AVS.\n\n> « Pour les besoins de la perception des cotisations AVS, les versements de l'indépendant dans la prévoyance professionnelle individuelle liée (pilier 3a) ne peuvent pas être déduits du revenu d'activité lucrative brut. »\n\n**BGE 121 III 285** (7.9.1995)\nProtection contre la saisie et systématique de la prévoyance professionnelle\n\nLe Tribunal fédéral traite de l'application de la protection contre la saisie aux prestations du troisième pilier A et confirme le classement systématique dans le système des trois piliers.\n\n> « Ces deux formes constituent, dans le système des trois piliers de la prévoyance, le 3e pilier A. »\n\n## Troisième pilier : Prévoyance individuelle\n\n**BGE 135 II 183** (10.7.2009)\nTraitement fiscal du pilier 3b\n\nLe Tribunal traite de la distinction fiscale entre prévoyance liée (pilier 3a) et prévoyance libre (pilier 3b) et leur classification constitutionnelle dans le système de l'art. 111 Cst.\n\n> « Traitement fiscal des prestations de prévoyance en général. Notion de rente viagère et de \"rente temporaire\". Distinction entre assurance-capital et assurance-rente. »\n\n**2A.292/2006** (15.1.2007)\nAssurance d'incapacité de gain dans le pilier 3a\n\nLe Tribunal fédéral traite de formes spéciales de prévoyance au sein de la prévoyance individuelle liée et leur classification constitutionnelle.\n\n**2C_652/2018** (14.5.2020)\nDéveloppements actuels dans le troisième pilier\n\nUne décision plus récente sur des questions spéciales de la prévoyance individuelle dans le cadre du système constitutionnellement prescrit.\n\n## Aspects fiscaux du système des trois piliers\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nDouble imposition sur les prestations de prévoyance\n\nLe Tribunal traite de manière approfondie de la double imposition intercantonale sur les prestations des trois piliers et développe ainsi une systématique complète du traitement fiscal :\n\n> « L'assurance obligatoire vieillesse, survivants et invalidité (AVS/AI) comme premier pilier doit, ensemble avec les prestations complémentaires, couvrir les besoins vitaux. La prévoyance professionnelle doit comme deuxième pilier permettre ensemble avec le premier la continuation du niveau de vie habituel de manière appropriée. Le troisième pilier forme la prévoyance individuelle, avec laquelle les mesures collectives des deux autres piliers sont complétées selon les besoins personnels. »\n\n**2C_1050/2011** (3.5.2013)\nDéductibilité fiscale du pilier 3a\n\nLe Tribunal fédéral confirme les exigences constitutionnelles pour le traitement fiscal de la prévoyance individuelle liée.\n\n**2C_22/2016** (21.4.2016)\nDéveloppements récents en droit fiscal\n\nLe Tribunal traite de questions actuelles sur la mise en œuvre fiscale du système des trois piliers.\n\n## Références au droit européen\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nAccord sur la libre circulation et système des trois piliers\n\nLe Tribunal fédéral traite de la compatibilité du système suisse des trois piliers avec l'accord sur la libre circulation et confirme son fondement constitutionnel.\n\n> « Le pilier 3a n'est pas soumis au système de sécurité sociale selon l'art. 8 et l'annexe II ALCP. L'interdiction de discrimination de l'art. 9 annexe I ALCP ne se réfère qu'aux travailleurs et non à de telles personnes qui ne prennent domicile dans l'État d'accueil (c'est-à-dire in casu en Suisse). »\n\n## Coordination constitutionnelle des piliers\n\n**BGE 136 V 419** (22.10.2010)\nCoordination pour les prestations de survivants\n\nLe Tribunal traite de la coordination constitutionnellement requise entre les différents piliers pour les prestations de survivants.\n\n**2C_916/2020** (19.5.2022)\nDéveloppements actuels de la coordination\n\nUne décision plus récente sur la coordination entre les piliers dans le cadre des exigences constitutionnelles de l'art. 111 Cst.\n\n## Jurisprudence des tribunaux cantonaux\n\n**SB.2011.00037** (21.9.2011, Tribunal administratif de Zurich)\nAspects internationaux du troisième pilier\n\nLe Tribunal administratif de Zurich traite de la déductibilité des cotisations AVS et pilier 3a dans les relations internationales et confirme le classement systématique.\n\n**SB.2013.00161** (2.4.2014, Tribunal administratif de Zurich)\nDéductibilité fiscale lors de cessation d'activité\n\nLe Tribunal traite de questions spéciales sur le traitement fiscal de la prévoyance professionnelle lors de cessation d'activité et leurs fondements constitutionnels.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La concezione dei tre pilastri è stata ancorata nella Costituzione federale con l'approvazione dell'art. 34quater aCost. il 3 dicembre 1972 (FF 1971 II 1609). Il messaggio stabilisce che la previdenza per la vecchiaia svizzera deve basarsi su un sistema coordinato di sicurezza di base statale, previdenza professionale e previdenza individuale. La revisione totale della Costituzione federale ha ripreso questa concezione di base invariata nell'art. 111 Cost.\n\n**N. 2** Il costituente voleva creare una struttura chiara per l'assicurazione sociale svizzera con l'ancoraggio esplicito del principio dei tre pilastri. Il messaggio relativo all'iniziativa popolare concernente l'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità del 10 novembre 1971 sottolineava che solo attraverso l'interazione di tutti e tre i pilastri si poteva raggiungere una previdenza completa (FF 1971 II 1609, 1625).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 111 Cost. si trova nel 2° capitolo («Obiettivi sociali, educazione e ricerca») del 3° titolo della Costituzione federale. Esso concretizza l'obiettivo sociale dell'→ art. 41 cpv. 2 Cost. (assicurazione sociale) e costituisce il fondamento costituzionale per le norme speciali → art. 112 Cost. (AVS/AI), → art. 112a Cost. (prestazioni complementari), → art. 113 Cost. (previdenza professionale) e → art. 114 Cost. (assicurazione contro la disoccupazione).\n\n**N. 4** A differenza dell'art. 41 Cost., che come norma programmatica non fonda diritti soggettivi, l'art. 111 Cost. contiene direttive strutturali vincolanti per il legislatore. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 5) sottolinea che l'art. 111 Cost. non rappresenta meramente una norma di competenza, ma contiene principi materiali di configurazione.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### a) Il principio dei tre pilastri (cpv. 1)\n\n**N. 5** L'art. 111 cpv. 1 Cost. ancora i tre pilastri come struttura portante della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità svizzera. Secondo Tschudi (BSK BV, Art. 111 N. 20, citato da Gächter/Meier) questi pilastri rappresentano «principi materiali di configurazione e integrazioni materiali-giuridiche della norma di competenza o direttive materiali del mandato legislativo».\n\n**N. 6** Il **primo pilastro** (AVS/AI) deve secondo la dottrina dominante garantire il fabbisogno esistenziale (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4ª ed. 2014, § 3 N. 12). Si basa sul sistema di ripartizione e comprende obbligatoriamente tutta la popolazione residente.\n\n**N. 7** Il **secondo pilastro** (previdenza professionale) deve insieme al primo pilastro consentire la continuazione del tenore di vita abituale in modo adeguato (Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, 4ª ed. 2012, § 15 N. 3). Funziona secondo il sistema di capitalizzazione ed è obbligatorio per i lavoratori dipendenti con un determinato reddito minimo.\n\n**N. 8** Il **terzo pilastro** (previdenza individuale) completa le misure collettive dei primi due pilastri secondo le esigenze individuali. Si suddivide nella previdenza individuale vincolata (pilastro 3a) con privilegio fiscale e nella previdenza individuale libera (pilastro 3b) senza particolare promozione fiscale (Valterio, Droit de l'assurance-vieillesse et survivants, 2011, pag. 45 segg.).\n\n### b) Limiti costituzionali\n\n**N. 9** Secondo Brühwiler (BSK BV, Art. 111 N. 22, citato da Gächter/Meier) l'art. 111 cpv. 1 Cost. costituisce «un limite costituzionale per le competenze del legislatore nel settore della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità». Il legislatore non può abbandonare il principio dei tre pilastri o svuotare completamente singoli pilastri (Tschudi, Die neue Bundesverfassung als Grundlage des Sozialversicherungsrechts, SZS 2001, 63, 71).\n\n### c) Adempimento duraturo dello scopo (cpv. 2)\n\n**N. 10** La Confederazione deve secondo l'art. 111 cpv. 2 Cost. provvedere al duraturo adempimento dello scopo del primo e del secondo pilastro. Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 26) interpreta questo nel senso che «il costituente vuole sottolineare che il primo e il secondo pilastro devono adempiere i loro compiti a lungo termine in un sistema coordinato».\n\n**N. 11** L'adempimento duraturo dello scopo comprende secondo la dottrina dominante sia la sostenibilità finanziaria che il raggiungimento degli obiettivi materiali (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N. 789). La Confederazione deve intervenire attivamente quando il finanziamento o gli obiettivi prestazionali sono minacciati.\n\n### d) Misure fiscali (cpv. 3)\n\n**N. 12** L'art. 111 cpv. 3 Cost. autorizza la Confederazione a obbligare i Cantoni al privilegio fiscale di istituzioni previdenziali e prestazioni previdenziali. Questa competenza è stata attuata negli art. 80 segg. LPP e art. 81 segg. LAVS (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 3712).\n\n### e) Promozione della previdenza individuale (cpv. 4)\n\n**N. 13** La promozione della previdenza individuale avviene «in collaborazione con i Cantoni» attraverso la politica fiscale e della proprietà. Questa competenza cooperativa sottolinea il carattere federalistico della politica previdenziale (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, pag. 892).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 111 Cost. fonda un **obbligo legislativo** della Confederazione. Il legislatore deve configurare i tre pilastri e garantire il loro coordinamento. Un completo smantellamento di un pilastro sarebbe incostituzionale.\n\n**N. 15** Per i privati l'art. 111 Cost. non fonda diritti soggettivi immediati. I diritti derivano solo dalle leggi di esecuzione (LAVS, LPP, OPP 3). La norma agisce primariamente come garanzia istituzionale di diritto oggettivo (Gächter, Grundstrukturen des schweizerischen Rechts der Sozialen Sicherheit, ZSR 2014 II 5, 42).\n\n**N. 16** I Cantoni sono obbligati alla collaborazione nella politica fiscale e della proprietà (cpv. 4). Possono essere costretti dal diritto federale al privilegio fiscale di istituzioni previdenziali (cpv. 3).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** **Controversa** è la forza normativa del principio dei tre pilastri. Mentre Tschudi (Das Drei-Säulen-Prinzip, SZS 1987, 1, 15) e Brühwiler (Die betriebliche Personalvorsorge in der Schweiz, 1989, pag. 45) partono da un vincolo costituzionale rigoroso, un'opinione minoritaria sostiene che al legislatore spetti un ampio margine di configurazione, purché sia mantenuta la struttura di base.\n\n**N. 18** Si discute **controversamente** anche la portata dell'«adempimento duraturo dello scopo» (cpv. 2). Gächter (BSK BV, Art. 111 N. 27) richiede un obbligo attivo di sorveglianza e intervento della Confederazione. Altri autori sottolineano la responsabilità primaria delle parti sociali nel secondo pilastro e mettono in guardia contro interventi statali eccessivi.\n\n**N. 19** La **parità di trattamento fiscale** dei pilastri è anch'essa controversa. Mentre la previdenza individuale vincolata (pilastro 3a) è fiscalmente privilegiata, manca parzialmente una promozione comparabile per i riscatti volontari nel secondo pilastro. Una parte della dottrina vi vede un'incoerenza del sistema.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella **legislazione** nel settore delle assicurazioni sociali bisogna sempre verificare se le misure previste sono compatibili con il principio dei tre pilastri. Le riforme devono mantenere l'equilibrio tra i pilastri e non possono indebolire strutturalmente nessun pilastro.\n\n**N. 21** Nell'**applicazione del diritto** bisogna osservare il coordinamento tra i pilastri. Bisogna evitare sovraindennizzi (→ art. 69 LPGA), senza che venga compromessa la funzione di completamento dei pilastri voluta costituzionalmente.\n\n**N. 22** Per la **pratica della consulenza** è decisivo che clienti e clientesse siano informati su tutti e tre i pilastri. La previdenza per la vecchiaia ottimale risulta regolarmente dall'impiego coordinato di tutti e tre i pilastri. In particolare bisogna segnalare le possibilità di ottimizzazione fiscale del pilastro 3a e l'importanza dell'obbligatorio LPP.\n\n**N. 23** Per **fattispecie internazionali** bisogna osservare che solo il primo e il secondo pilastro sottostanno alle regole di coordinamento degli accordi bilaterali e dell'accordo sulla libera circolazione. Il terzo pilastro sottostà in principio al diritto nazionale dello Stato di domicilio (→ DTF 140 II 364).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Fondamenti del sistema dei tre pilastri\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nAncoraggio costituzionale del concetto dei tre pilastri dal 1972\n\nIl Tribunale federale stabilisce fondamentalmente che la previdenza svizzera per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità si basa sul concetto dei tre pilastri, ancorato nella Costituzione federale dal 1972. Il Tribunale illustra la base costituzionale dei tre pilastri e il loro trattamento fiscale.\n\n> «Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge beruht auf der so genannten Dreisäulenkonzeption, die seit 1972 in der Bundesverfassung verankert ist (Art. 34quater aBV, Art. 111 ff. BV).»\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nDelimitazione del terzo pilastro dall'assicurazione AVS\n\nIl Tribunale chiarisce che il pilastro 3a è fiscalmente deducibile solo per le persone assicurate AVS. La disposizione dell'art. 111 Cost. richiede un'attuazione coerente del sistema dei tre pilastri.\n\n> «Den jährlichen Beitrag für die Säule 3a kann nach DBG nur steuerlich abziehen, wer der AHV-Pflicht unterstellt ist.»\n\n**BGE 117 Ib 358** (25.10.1991)\nFondamento costituzionale del concetto dei tre pilastri\n\nIn questa decisione precoce dopo l'introduzione della LPP viene confermato il significato costituzionale dei tre pilastri. Il Tribunale stabilisce che il concetto dei tre pilastri come sistema di previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità è ancorato costituzionalmente.\n\n> «È stato quindi ancorato nella Costituzione il cosiddetto concetto dei tre pilastri della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.»\n\n## Primo pilastro: AVS/AI\n\n**BGE 135 V 33** (19.12.2008)\nCoordinamento tra rendita di vecchiaia AVS e previdenza professionale\n\nIl Tribunale federale tratta il coordinamento costituzionalmente richiesto tra i pilastri, in particolare in caso di sovraindennizzo. L'art. 111 Cost. richiede un sistema coordinato di previdenza.\n\n> «Die nach dem Erreichen des Pensionierungsalters auszurichtende lebenslängliche Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge kann in den Schranken des Art. 24 BVV 2 gekürzt werden.»\n\n**BGE 139 V 12** (24.1.2013)\nObbligo contributivo nel prepensionamento come parte del primo pilastro\n\nIl Tribunale chiarisce l'obbligo contributivo AVS nel prepensionamento e conferma così il ruolo centrale del primo pilastro come base del sistema secondo l'art. 111 Cost.\n\n> «Ob ein Versicherter erwerbstätig ist, beurteilt sich nicht in Funktion der Beitragshöhe, sondern nach den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten.»\n\n## Secondo pilastro: Previdenza professionale\n\n**BGE 115 V 337** (22.11.1989)\nDelimitazione dal terzo pilastro\n\nIl Tribunale tratta la delimitazione tra previdenza professionale e previdenza individuale vincolata (pilastro 3a) nel contesto della riscossione dei contributi AVS.\n\n> «Für die Belange der AHV-Beitragserhebung dürfen die Einlagen des Selbständigerwerbenden in der individuell gebundenen beruflichen Vorsorge (Säule 3a) nicht vom Brutto-Erwerbseinkommen abgezogen werden.»\n\n**BGE 121 III 285** (7.9.1995)\nProtezione dall'esecuzione e sistematica della previdenza professionale\n\nIl Tribunale federale tratta l'applicazione della protezione dall'esecuzione alle prestazioni del terzo pilastro A e conferma la classificazione sistematica nel sistema dei tre pilastri.\n\n> «Ces deux formes constituent, dans le système des trois piliers de la prévoyance, le 3e pilier A.»\n\n## Terzo pilastro: Previdenza individuale\n\n**BGE 135 II 183** (10.7.2009)\nTrattamento fiscale del pilastro 3b\n\nIl Tribunale tratta la distinzione fiscale tra previdenza vincolata (pilastro 3a) e previdenza libera (pilastro 3b) e la loro classificazione costituzionale nel sistema dell'art. 111 Cost.\n\n> «Steuerliche Behandlung von Leistungen aus Vorsorge im Allgemeinen. Begriff der Leibrente und der \"Zeitrente\". Unterscheidung zwischen Kapitalversicherung und Rentenversicherung.»\n\n**2A.292/2006** (15.1.2007)\nAssicurazione di capacità di base nel pilastro 3a\n\nIl Tribunale federale tratta forme speciali di previdenza all'interno della previdenza individuale vincolata e la loro classificazione costituzionale.\n\n**2C_652/2018** (14.5.2020)\nSviluppi attuali nel terzo pilastro\n\nUna decisione più recente su questioni speciali della previdenza individuale nel quadro del sistema costituzionalmente previsto.\n\n## Aspetti fiscali del sistema dei tre pilastri\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nDoppia imposizione per prestazioni previdenziali\n\nIl Tribunale tratta approfonditamente la doppia imposizione intercantonale per prestazioni di tutti e tre i pilastri e sviluppa una sistematica completa del trattamento fiscale:\n\n> «Mit der obligatorischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) als erster Säule soll, zusammen mit den Ergänzungsleistungen, der Existenzbedarf gedeckt werden. Die berufliche Vorsorge soll als zweite Säule zusammen mit der ersten die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen. Die dritte Säule bildet die Selbstvorsorge, mit der die kollektiven Massnahmen der andern beiden Säulen entsprechend den persönlichen Bedürfnissen ergänzt werden.»\n\n**2C_1050/2011** (3.5.2013)\nDeducibilità fiscale del pilastro 3a\n\nIl Tribunale federale conferma le prescrizioni costituzionali per il trattamento fiscale della previdenza individuale vincolata.\n\n**2C_22/2016** (21.4.2016)\nSviluppi recenti nel diritto fiscale\n\nIl Tribunale tratta questioni attuali sull'attuazione fiscale del sistema dei tre pilastri.\n\n## Riferimenti al diritto europeo\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nAccordo sulla libera circolazione e sistema dei tre pilastri\n\nIl Tribunale federale tratta la compatibilità del sistema svizzero dei tre pilastri con l'Accordo sulla libera circolazione e ne conferma il fondamento costituzionale.\n\n> «Die Säule 3a unterliegt nicht dem System der sozialen Sicherheit nach Art. 8 und Anh. II FZA. Das Diskriminierungsverbot von Art. 9 Anh. I FZA bezieht sich nur auf Arbeitnehmer und nicht auf solche Personen, die im Aufnahmestaat (d.h. in casu in der Schweiz) nur Wohnsitz nehmen.»\n\n## Coordinamento costituzionale dei pilastri\n\n**BGE 136 V 419** (22.10.2010)\nCoordinamento per prestazioni ai superstiti\n\nIl Tribunale tratta il coordinamento costituzionalmente richiesto tra i diversi pilastri per le prestazioni ai superstiti.\n\n**2C_916/2020** (19.5.2022)\nSviluppi attuali del coordinamento\n\nUna decisione più recente sul coordinamento tra i pilastri nel quadro delle prescrizioni costituzionali dell'art. 111 Cost.\n\n## Giurisprudenza dei tribunali cantonali\n\n**SB.2011.00037** (21.9.2011, Tribunale amministrativo di Zurigo)\nAspetti internazionali del terzo pilastro\n\nIl Tribunale amministrativo di Zurigo tratta la deducibilità dei contributi AVS e pilastro 3a nel rapporto internazionale e conferma la classificazione sistematica.\n\n**SB.2013.00161** (2.4.2014, Tribunale amministrativo di Zurigo)\nDeducibilità fiscale in caso di cessazione dell'attività lucrativa\n\nIl Tribunale tratta questioni speciali sul trattamento fiscale della previdenza professionale in caso di cessazione dell'attività lucrativa e i suoi fondamenti costituzionali.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The three-pillar concept was anchored in the Federal Constitution with the adoption of Art. 34quater old Federal Constitution on 3 December 1972 (BBl 1971 II 1609). The Federal Council message states that Swiss old-age provision should be based on a coordinated system of state basic security, occupational provision, and individual self-provision. The total revision of the Federal Constitution adopted this basic concept unchanged in Art. 111 Federal Constitution.\n\n**N. 2** By explicitly anchoring the three-pillar principle, the constitutional legislator wanted to create a clear structure for Swiss social insurance. The Federal Council message on the popular initiative concerning old-age, survivors' and disability insurance of 10 November 1971 emphasised that comprehensive provision could only be achieved through the interaction of all three pillars (BBl 1971 II 1609, 1625).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 111 Federal Constitution is located in Chapter 2 («Social Goals, Education and Research») of Title 3 of the Federal Constitution. It gives concrete form to the social goal of → Art. 41 para. 2 Federal Constitution (social insurance) and forms the constitutional basis for the special provisions → Art. 112 Federal Constitution (OASI/DI), → Art. 112a Federal Constitution (supplementary benefits), → Art. 113 Federal Constitution (occupational provision) and → Art. 114 Federal Constitution (unemployment insurance).\n\n**N. 4** Unlike Art. 41 Federal Constitution, which as a programmatic provision does not establish subjective rights, Art. 111 Federal Constitution contains binding structural requirements for the legislator. Gächter (BSK Federal Constitution, Art. 111 N. 5) emphasises that Art. 111 Federal Constitution does not merely represent a competence provision, but contains material design principles.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### a) The Three-Pillar Principle (Para. 1)\n\n**N. 5** Art. 111 para. 1 Federal Constitution anchors the three pillars as the supporting structure of Swiss old-age, survivors' and disability provision. According to Tschudi (BSK Federal Constitution, Art. 111 N. 20, cited in Gächter/Meier), these pillars represent «material design principles and material legal supplements to the competence provision or material directives of the legislative mandate».\n\n**N. 6** The **first pillar** (OASI/DI) should secure subsistence needs according to prevailing doctrine (Locher/Gächter, Outline of Social Insurance Law, 4th ed. 2014, § 3 N. 12). It is based on the pay-as-you-go system and covers the entire resident population on a mandatory basis.\n\n**N. 7** The **second pillar** (occupational provision) should, together with the first pillar, enable the continuation of the accustomed standard of living in an appropriate manner (Scartazzini/Hürzeler, Federal Social Insurance Law, 4th ed. 2012, § 15 N. 3). It functions according to the funded system and is mandatory for employees with a certain minimum income.\n\n**N. 8** The **third pillar** (self-provision) supplements the collective measures of the first two pillars according to individual needs. It is divided into tied self-provision (pillar 3a) with tax privileges and free self-provision (pillar 3b) without special tax promotion (Valterio, Old-Age and Survivors' Insurance Law, 2011, p. 45 ff.).\n\n### b) Constitutional Limitations\n\n**N. 9** According to Brühwiler (BSK Federal Constitution, Art. 111 N. 22, cited in Gächter/Meier), Art. 111 para. 1 Federal Constitution forms «a constitutional limitation for the competences of the legislator in the area of old-age, survivors' and disability provision». The legislator may not abandon the three-pillar principle or completely undermine individual pillars (Tschudi, The New Federal Constitution as the Basis of Social Insurance Law, SZS 2001, 63, 71).\n\n### c) Permanent Purpose Fulfilment (Para. 2)\n\n**N. 10** According to Art. 111 para. 2 Federal Constitution, the Confederation must ensure the permanent purpose fulfilment of the first and second pillars. Gächter (BSK Federal Constitution, Art. 111 N. 26) interprets this to mean that «the constitutional legislator [wants to] emphasise that the first and second pillars must fulfil their tasks long-term in a coordinated system».\n\n**N. 11** Permanent purpose fulfilment encompasses both financial sustainability and material goal achievement according to prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 789). The Confederation must take action if financing or performance goals are endangered.\n\n### d) Tax Measures (Para. 3)\n\n**N. 12** Art. 111 para. 3 Federal Constitution empowers the Confederation to oblige the cantons to grant tax privileges to pension institutions and pension benefits. This competence was implemented in Art. 80 ff. BVG and Art. 81 ff. OASI Act (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 3712).\n\n### e) Promotion of Self-Provision (Para. 4)\n\n**N. 13** The promotion of self-provision takes place «in cooperation with the cantons» through tax and property policy. This cooperative competence underscores the federalist character of pension policy (Müller/Schefer, Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, p. 892).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Art. 111 Federal Constitution establishes a **legislative obligation** of the Confederation. The legislator must design the three pillars and ensure their coordination. A complete dismantling of a pillar would be unconstitutional.\n\n**N. 15** For individuals, Art. 111 Federal Constitution does not establish direct subjective rights. Claims only arise from the implementing laws (OASI Act, BVG, BVV 3). The provision primarily operates as an objective legal institutional guarantee (Gächter, Basic Structures of Swiss Social Security Law, ZSR 2014 II 5, 42).\n\n**N. 16** The cantons are obliged to cooperate in tax and property policy (para. 4). They can be compelled by federal law to grant tax privileges to pension institutions (para. 3).\n\n## 5. Points of Controversy\n\n**N. 17** **Disputed** is the normative force of the three-pillar principle. While Tschudi (The Three-Pillar Principle, SZS 1987, 1, 15) and Brühwiler (Occupational Staff Pension Schemes in Switzerland, 1989, p. 45) assume a strict constitutional obligation, a minority opinion holds that the legislator has wide design latitude as long as the basic structure is preserved.\n\n**N. 18** The scope of «permanent purpose fulfilment» (para. 2) is also **controversially** discussed. Gächter (BSK Federal Constitution, Art. 111 N. 27) demands an active monitoring and intervention obligation of the Confederation. Other authors emphasise the primary responsibility of the social partners in the second pillar and warn against excessive state interventions.\n\n**N. 19** The **equal tax treatment** of the pillars is also disputed. While tied self-provision (pillar 3a) is tax-privileged, comparable promotion for voluntary buy-ins to the second pillar is partially lacking. Part of the doctrine sees this as an incoherence of the system.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 20** In **legislation** in the area of social insurance, it must always be examined whether the envisaged measures are compatible with the three-pillar principle. Reforms must maintain the balance between the pillars and may not structurally weaken any pillar.\n\n**N. 21** In **legal application**, coordination between the pillars must be observed. Over-compensation must be avoided (→ Art. 69 GISA), whereby the constitutionally intended complementary function of the pillars must not be undermined.\n\n**N. 22** For **advisory practice**, it is decisive that clients are informed about all three pillars. Optimal old-age provision regularly results from the coordinated use of all three pillars. In particular, attention should be drawn to tax optimisation possibilities with pillar 3a and the importance of the BVG mandatory scheme.\n\n**N. 23** In **international situations**, it should be noted that only the first and second pillars fall under the coordination rules of the bilateral agreements and the Agreement on the Free Movement of Persons. The third pillar is fundamentally subject to the national law of the state of residence (→ BGE 140 II 364).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Fundamentals of the Three-Pillar System\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nConstitutional anchoring of the three-pillar concept since 1972\n\nThe Federal Supreme Court fundamentally establishes that Swiss old-age, survivors' and disability insurance is based on the three-pillar concept, which has been anchored in the Federal Constitution since 1972. The Court explains the constitutional basis of the three pillars and their tax treatment.\n\n> «Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge beruht auf der so genannten Dreisäulenkonzeption, die seit 1972 in der Bundesverfassung verankert ist (Art. 34quater aBV, Art. 111 ff. BV).»\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nDelimitation of the third pillar from OASI insurance\n\nThe Court clarifies that pillar 3a is only tax-deductible for persons insured under OASI. The provision of Art. 111 FC requires coherent implementation of the three-pillar system.\n\n> «Den jährlichen Beitrag für die Säule 3a kann nach DBG nur steuerlich abziehen, wer der AHV-Pflicht unterstellt ist.»\n\n**BGE 117 Ib 358** (25.10.1991)\nConstitutional foundation of the three-pillar concept\n\nIn this early decision after the introduction of the OPA, the constitutional significance of the three pillars is reaffirmed. The Court holds that the three-pillar concept as a system of old-age, survivors' and disability insurance is constitutionally anchored.\n\n> «È stato quindi ancorato nella Costituzione il cosiddetto concetto dei tre pilastri della previdenza per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.»\n\n## First Pillar: OASI/DI\n\n**BGE 135 V 33** (19.12.2008)\nCoordination between OASI old-age pension and occupational pension scheme\n\nThe Federal Supreme Court addresses the constitutionally required coordination between the pillars, particularly in cases of overcompensation. Art. 111 FC requires a coordinated pension system.\n\n> «Die nach dem Erreichen des Pensionierungsalters auszurichtende lebenslängliche Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge kann in den Schranken des Art. 24 BVV 2 gekürzt werden.»\n\n**BGE 139 V 12** (24.1.2013)\nContribution obligation in early retirement as part of the first pillar\n\nThe Court clarifies the OASI contribution obligation in early retirement and thereby confirms the central role of the first pillar as the basis of the system under Art. 111 FC.\n\n> «Ob ein Versicherter erwerbstätig ist, beurteilt sich nicht in Funktion der Beitragshöhe, sondern nach den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten.»\n\n## Second Pillar: Occupational Pension Scheme\n\n**BGE 115 V 337** (22.11.1989)\nDelimitation from the third pillar\n\nThe Court addresses the delimitation between occupational pension scheme and tied self-provision (pillar 3a) in the context of OASI contribution collection.\n\n> «Für die Belange der AHV-Beitragserhebung dürfen die Einlagen des Selbständigerwerbenden in der individuell gebundenen beruflichen Vorsorge (Säule 3a) nicht vom Brutto-Erwerbseinkommen abgezogen werden.»\n\n**BGE 121 III 285** (7.9.1995)\nProtection from attachment and systematic classification of occupational pension scheme\n\nThe Federal Supreme Court addresses the application of protection from attachment to benefits from pillar 3a and confirms the systematic classification within the three-pillar system.\n\n> «Ces deux formes constituent, dans le système des trois piliers de la prévoyance, le 3e pilier A.»\n\n## Third Pillar: Self-Provision\n\n**BGE 135 II 183** (10.7.2009)\nTax treatment of pillar 3b\n\nThe Court addresses the tax distinction between tied provision (pillar 3a) and unrestricted provision (pillar 3b) and their constitutional classification within the system of Art. 111 FC.\n\n> «Steuerliche Behandlung von Leistungen aus Vorsorge im Allgemeinen. Begriff der Leibrente und der \"Zeitrente\". Unterscheidung zwischen Kapitalversicherung und Rentenversicherung.»\n\n**2A.292/2006** (15.1.2007)\nBasic ability insurance in pillar 3a\n\nThe Federal Supreme Court addresses special forms of provision within tied self-provision and their constitutional classification.\n\n**2C_652/2018** (14.5.2020)\nCurrent developments in the third pillar\n\nA more recent decision on special issues of self-provision within the constitutionally prescribed system.\n\n## Tax Aspects of the Three-Pillar System\n\n**BGE 130 I 205** (30.6.2004)\nDouble taxation of pension benefits\n\nThe Court extensively addresses intercantonal double taxation of benefits from all three pillars and develops a comprehensive systematic approach to tax treatment:\n\n> «Mit der obligatorischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) als erster Säule soll, zusammen mit den Ergänzungsleistungen, der Existenzbedarf gedeckt werden. Die berufliche Vorsorge soll als zweite Säule zusammen mit der ersten die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen. Die dritte Säule bildet die Selbstvorsorge, mit der die kollektiven Massnahmen der andern beiden Säulen entsprechend den persönlichen Bedürfnissen ergänzt werden.»\n\n**2C_1050/2011** (3.5.2013)\nTax deductibility of pillar 3a\n\nThe Federal Supreme Court reaffirms the constitutional requirements for the tax treatment of tied self-provision.\n\n**2C_22/2016** (21.4.2016)\nRecent tax law developments\n\nThe Court addresses current issues concerning the tax implementation of the three-pillar system.\n\n## European Law Aspects\n\n**BGE 140 II 364** (23.6.2014)\nAgreement on the Free Movement of Persons and the three-pillar system\n\nThe Federal Supreme Court addresses the compatibility of the Swiss three-pillar system with the Agreement on the Free Movement of Persons and confirms its constitutional foundation.\n\n> «Die Säule 3a unterliegt nicht dem System der sozialen Sicherheit nach Art. 8 und Anh. II FZA. Das Diskriminierungsverbot von Art. 9 Anh. I FZA bezieht sich nur auf Arbeitnehmer und nicht auf solche Personen, die im Aufnahmestaat (d.h. in casu in der Schweiz) nur Wohnsitz nehmen.»\n\n## Constitutional Coordination of the Pillars\n\n**BGE 136 V 419** (22.10.2010)\nCoordination of survivors' benefits\n\nThe Court addresses the constitutionally required coordination between the various pillars for survivors' benefits.\n\n**2C_916/2020** (19.5.2022)\nCurrent developments in coordination\n\nA more recent decision on coordination between the pillars within the framework of the constitutional requirements of Art. 111 FC.\n\n## Cantonal Court Case Law\n\n**SB.2011.00037** (21.9.2011, Administrative Court of Zurich)\nInternational aspects of the third pillar\n\nThe Administrative Court of Zurich addresses the deductibility of OASI and pillar 3a contributions in international relations and confirms the systematic classification.\n\n**SB.2013.00161** (2.4.2014, Administrative Court of Zurich)\nTax deductibility upon cessation of gainful employment\n\nThe Court addresses special issues concerning the tax treatment of occupational pension scheme upon cessation of gainful employment and its constitutional foundations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_111", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 112, "article_suffix": "", "title": "Alters‑, Hinterlassenen‑ und Invalidenversicherung", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 112 BV ist die Verfassungsgrundlage der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) als erste Säule des schweizerischen Drei-Säulen-Systems der Altersvorsorge. Die Bestimmung verpflichtet den Bund zur Gesetzgebung und legt zentrale inhaltliche Vorgaben fest.\n\nDas Versicherungsobligatorium erfasst alle in der Schweiz wohnhaften oder erwerbstätigen Personen. Die Versicherung gewährt sowohl Geld- als auch Sachleistungen — etwa Invalidenrenten oder Eingliederungsmassnahmen. Ein zentrales Verfassungsgebot verlangt, dass die Renten den Existenzbedarf «angemessen» decken. Dies bedeutet mehr als das blosse Existenzminimum: Die Renten sollen eine bescheidene, aber würdige Lebensführung ermöglichen.\n\nDas Verhältnis von Minimal- und Maximalrente ist verfassungsrechtlich auf 1:2 begrenzt. Diese Rentenspreizung dient der Solidarität innerhalb der Versichertengemeinschaft. Die Renten müssen mindestens der Preisentwicklung angepasst werden, um die Kaufkraft zu erhalten.\n\nDie Finanzierung erfolgt hälftig durch Beiträge der Versicherten (wobei Arbeitgeber die Hälfte bezahlen) und durch Leistungen des Bundes. Diese Bundesleistungen dürfen höchstens die Hälfte der Gesamtausgaben betragen und werden primär durch Tabaksteuer, Spirituosensteuer und Spielbankenabgabe finanziert.\n\nDie in Absatz 2 bezeichneten «Grundsätze» sind in der Lehre terminologisch umstritten, da es sich um konkrete materielle Vorgaben handelt (Biaggini, BSK BV, Art. 112 N. 13). Dennoch sind sie für den Gesetzgeber zwingend und prägen das AHVG und IVG. Die Norm steht im Kontext des 1972 verfassungsrechtlich verankerten Drei-Säulen-Prinzips (Tschudi, SZS 1987, 1ff.).\n\n**Beispiel**: Eine 65-jährige Rentnerin erhält eine AHV-Rente von monatlich 1200 Franken. Diese muss verfassungsrechtlich ihren Existenzbedarf angemessen decken. Beträgt die Mindestrente 1185 Franken, darf die Maximalrente höchstens 2370 Franken betragen. Bei Teuerung müssen die Renten angepasst werden, damit die Kaufkraft erhalten bleibt.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n**N. 1** — **Entstehungsgeschichte**\n\nArt. 112 BV kodifiziert die Verfassungsgrundlage der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV), welche als erste Säule des Drei-Säulen-Systems bereits 1925 durch die Annahme von Art. 34quater aBV eingeführt wurde (BBl 1976 III 1). Das Drei-Säulen-Prinzip wurde 1972 verfassungsrechtlich verankert und in der Totalrevision von 1999 unverändert in Art. 111–113 BV übernommen (BBl 1997 I 1). Die Geschichte der AHV reicht bis zur Gründungszeit des Bundesstaates zurück, wobei die Verwirklichung erst 1948 mit dem Inkrafttreten des AHVG erfolgte (Binswanger, Geschichte der AHV, 1986, S. 15ff.). Die IV folgte 1960 als eigenständiger Versicherungszweig (BBl 1958 II 1137).\n\n**N. 2** — **Systematische Einordnung**\n\nArt. 112 BV steht im 8. Abschnitt der Bundesverfassung über die soziale Sicherheit (Art. 110–117 BV) und bildet zusammen mit Art. 111 BV (Drei-Säulen-Prinzip) und Art. 113 BV (berufliche Vorsorge) das verfassungsrechtliche Fundament der schweizerischen Altersvorsorge. Die Norm enthält sowohl eine Gesetzgebungskompetenz (Abs. 1) als auch zwingende inhaltliche Vorgaben (Abs. 2–5). Im Verhältnis zu Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen) stellt Art. 112 BV die spezifischere Regelung dar, welche über die blosse Existenzsicherung hinausgeht und eine angemessene Lebensführung im Alter ermöglichen soll (→ Art. 111 BV; → Art. 112a BV für Ergänzungsleistungen).\n\n**N. 3** — **Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\n\n**N. 3.1** — **Gesetzgebungsauftrag (Abs. 1)**\n\nDer Bund erhält eine umfassende Gesetzgebungskompetenz für die AHV/IV. Diese Kompetenz ist obligatorisch auszuüben («erlässt»), nicht fakultativ. Die Kompetenz umfasst sowohl die materiellen Leistungen als auch Organisation, Verfahren und Finanzierung (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 10).\n\n**N. 3.2** — **Obligatorische Versicherung (Abs. 2 lit. a)**\n\nDas Versicherungsobligatorium erfasst grundsätzlich alle in der Schweiz wohnhaften oder erwerbstätigen natürlichen Personen (Art. 1a AHVG, Art. 1b IVG). Die verfassungsrechtliche Verankerung des Obligatoriums schliesst eine rein freiwillige erste Säule aus (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2186).\n\n**N. 3.3** — **Geld- und Sachleistungen (Abs. 2 lit. abis)**\n\nSeit der Volksabstimmung vom 7. Februar 1999 sind neben Geldleistungen (Renten) auch Sachleistungen verfassungsrechtlich verankert. Dies betrifft insbesondere Hilfsmittel und Eingliederungsmassnahmen der IV (Art. 8 ff. IVG; Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 17).\n\n**N. 3.4** — **Angemessene Existenzbedarfsdeckung (Abs. 2 lit. b)**\n\nDie Formulierung «angemessen» bedeutet mehr als das blosse Existenzminimum nach Art. 12 BV, aber weniger als vollständige Bedarfsdeckung. Das Bundesgericht interpretiert diese Bestimmung als Auftrag, eine Rente zu gewährleisten, die eine bescheidene, aber würdige Lebensführung ermöglicht (**BGE 131 V 256** E. 3.2). Die konkrete Ausgestaltung obliegt dem Gesetzgeber (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 19–21).\n\n**N. 3.5** — **Rentenverhältnis (Abs. 2 lit. c)**\n\nDas Verhältnis 1:2 zwischen Minimal- und Maximalrente ist zwingend. Diese Begrenzung der Rentenspreizung dient der Solidarität innerhalb der Versichertengemeinschaft und verhindert eine zu starke Differenzierung (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 989; Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 22).\n\n**N. 3.6** — **Rentenanpassung (Abs. 2 lit. d)**\n\nDie Renten sind «mindestens» der Preisentwicklung anzupassen. Dies stellt eine Minimalgarantie dar; der Gesetzgeber kann weitergehende Anpassungen vorsehen (Mischindex nach Art. 33ter AHVG). Der Bundesrat hält eine Verschiebung des Teuerungsausgleichs um maximal fünf Jahre für verfassungskonform (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 27).\n\n**N. 4** — **Rechtsfolgen**\n\n**N. 4.1** — **Subjektive Rechte**\n\nArt. 112 Abs. 2 BV begründet keine direkt durchsetzbaren subjektiven Rechte. Die Grundsätze richten sich primär an den Gesetzgeber und entfalten ihre Wirkung erst durch die Ausführungsgesetzgebung (AHVG/IVG). Eine Ausnahme bildet das zwingende Rentenverhältnis nach Abs. 2 lit. c, welches justiziabel ist (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3128).\n\n**N. 4.2** — **Gesetzgebungspflicht**\n\nDer Bund ist verpflichtet, die AHV/IV gesetzlich auszugestalten. Ein Untätigbleiben würde gegen die Verfassung verstossen. Die inhaltlichen Vorgaben von Abs. 2 sind dabei zwingend einzuhalten (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 N. 23).\n\n**N. 5** — **Streitstände**\n\n**N. 5.1** — **Begriff der «Grundsätze»**\n\nIn der Lehre ist umstritten, ob die Bezeichnung «Grundsätze» in Abs. 2 zutreffend ist. Biaggini (BSK BV, Art. 112 N. 13) kritisiert, es handle sich weder um allgemeine Rechtsgrundsätze noch um eine Grundsatzgesetzgebungskompetenz, sondern um konkrete materielle Vorgaben. Die herrschende Lehre sieht darin dennoch verbindliche Verfassungsvorgaben, unabhängig von der terminologischen Einordnung (Meyer, SBVR XIV, S. 45; Locher/Gächter, Grundriss, § 2 N. 18).\n\n**N. 5.2** — **Reichweite der angemessenen Existenzbedarfsdeckung**\n\nKontrovers diskutiert wird, was «angemessen» konkret bedeutet. Ein Teil der Lehre fordert eine Orientierung am betreibungsrechtlichen Existenzminimum plus 20-30% (Gysin, Existenzminimum, S. 156). Andere Autoren verweisen auf die politische Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers innerhalb der verfassungsrechtlichen Bandbreite zwischen Existenzminimum und Bedarfsdeckung (Kieser, SBVR XIV, S. 1198; Valterio, Droit AVS/AI, S. 89).\n\n**N. 5.3** — **Finanzierungsgrenzen**\n\nUmstritten ist die Tragweite der 50%-Grenze für Bundesbeiträge (Abs. 4). Während eine Mindermeinung darin eine absolute Obergrenze sieht (Maurer, Sozialversicherungsrecht I, S. 234), interpretiert die herrschende Lehre die Bestimmung als flexible Grenze, die bei Bedarf durch Verfassungsänderung angepasst werden könne (Greber, Principes fondamentaux, S. 167; Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, N. 456).\n\n**N. 6** — **Praxishinweise**\n\n**N. 6.1** — **Verfassungskonforme Auslegung**\n\nBei der Auslegung von AHVG und IVG sind die verfassungsrechtlichen Vorgaben von Art. 112 BV stets zu beachten. Dies gilt insbesondere bei Revisionsvorlagen, welche die Rentenhöhe oder das Rentenverhältnis betreffen (→ Art. 190 BV zur Massgeblichkeit der Bundesgesetze).\n\n**N. 6.2** — **Koordination mit anderen Sozialversicherungen**\n\nArt. 112 BV ist im Kontext des gesamten Sozialversicherungssystems zu lesen. Leistungskürzungen in der ersten Säule können Auswirkungen auf Ergänzungsleistungen (→ Art. 112a BV) und berufliche Vorsorge (→ Art. 113 BV) haben. Bei Gesetzesrevisionen ist diese Wechselwirkung zu berücksichtigen (Gächter, ZSR 2014 II, S. 45).\n\n**N. 6.3** — **Internationale Aspekte**\n\nDas schweizerische Sozialversicherungsrecht ist stark durch internationale Abkommen geprägt (Personenfreizügigkeitsabkommen, bilaterale Sozialversicherungsabkommen). Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten ist neben Art. 112 BV stets das anwendbare internationale Recht zu prüfen (**BGE 136 V 33** zur Koordination mit türkischem Recht).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Versicherungspflicht und Rechtsmissbrauch\n\n**BGE 131 V 97** (21. März 2005)\n\nDas Bundesgericht entschied über eine rechtsmissbräuchliche Geltendmachung der Versicherungspflicht in der AHV. Mehrere hundert ausländische Anleger beteiligten sich an einer Kommanditgesellschaft auch mit dem Ziel, später AHV-Renten zu beziehen.\n\nDas Gericht stellte einen Rechtsmissbrauch fest, da der AHV die Funktion eines reinen Finanzanlageobjekts zugedacht wurde, das unter Ausnutzung der versicherungstechnischen Solidarität eine möglichst grosse individuelle Rendite erwirtschaften sollte.\n\n> «Die Teilhaber können sich nicht auf das Recht zur Aufnahme in die AHV berufen, weil hier der AHV die Funktion eines reinen Finanzanlageobjekts zugedacht ist, das unter Ausnutzung der versicherungstechnischen Solidarität eine möglichst grosse individuelle Rendite erwirtschaften soll.»\n\n### Existenzbedarf und angemessene Renten\n\n**BGE 131 V 256** (4. August 2005)\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Verfassungsmässigkeit pauschaler Heizkostenansätze bei Ergänzungsleistungen und der Frage, was unter «angemessener Deckung des Existenzbedarfs» im Sinne von Art. 112 Abs. 2 lit. b BV zu verstehen ist.\n\nDas Gericht hielt fest, dass die Pauschalierung der Heizkosten keine Verletzung des Anspruchs auf ein menschenwürdiges Dasein nach Art. 12 BV darstellt und mit der verfassungsrechtlichen Vorgabe der angemessenen Existenzbedarfsdeckung vereinbar ist.\n\n> «In der Pauschalierung der Heizkosten liegt keine Verletzung des Anspruchs auf ein menschenwürdiges Dasein nach Art. 12 BV. Art. 16b ELV ist gesetz- und verfassungsmässig.»\n\n**BGE 139 V 358** (26. Juni 2013)\n\nDas Bundesgericht legte die Verfassungsgrundlage für Ergänzungsleistungen aus. Es präzisierte das Verhältnis zwischen Art. 112 und Art. 112a BV bezüglich der Existenzbedarfsdeckung.\n\nNach Art. 112a BV richten Bund und Kantone Ergänzungsleistungen aus an Personen, deren Existenzbedarf durch die Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist.\n\n> «Nach Art. 112a BV richten Bund und Kantone Ergänzungsleistungen aus an Personen, deren Existenzbedarf durch die Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist (Abs. 1). Das Gesetz legt den Umfang der Ergänzungsleistungen sowie die Aufgaben und Zuständigkeiten von Bund und Kantonen fest (Abs. 2).»\n\n### Verrechnung und Existenzminimum\n\n**BGE 136 V 286** (6. August 2010)\n\nDas Bundesgericht entschied über die Verrechnung von Rentennachzahlungen der IV mit Schadenersatzforderungen. Dabei ging es um die praktische Umsetzung des verfassungsrechtlichen Gebots der angemessenen Existenzbedarfsdeckung.\n\nDie Verrechnung von Rentennachzahlungen richtet sich nach Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. a AHVG und nicht nach den Bestimmungen des ATSG über die Wahrung des Existenzminimums.\n\n> «Die Verrechnung von Rentennachzahlungen der Invalidenversicherung mit Schadenersatzforderungen nach Art. 52 AHVG richtet sich nach Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. a AHVG und nicht nach den Bestimmungen des ATSG über die Wahrung des Existenzminimums.»\n\n**BGE 138 V 402** (17. September 2012)\n\nDas Bundesgericht konkretisierte die Schranken der Verrechnung bei Rentennachzahlungen im Lichte des verfassungsrechtlichen Existenzminimums.\n\nDie Wahrung des Existenzminimums ist als Schranke der Verrechnung bei Nachzahlungen von Renten früherer Perioden dann nicht zu beachten, wenn die nachzuzahlende Rente lediglich eine in der früheren Periode geleistete Rente ersetzt.\n\n> «Die Wahrung des Existenzminimums ist als Schranke der Verrechnung bei Nachzahlungen von Renten früherer Perioden dann nicht zu beachten, wenn die nachzuzahlende Rente lediglich eine in der früheren Periode geleistete Rente ersetzt und somit keine zusätzliche Einnahme darstellt.»\n\n### Finanzierung durch Zwecksteuern\n\n**A-1211/2018** (11. März 2019, BVGer, aufgehoben durch BGer 29. Januar 2020)\n\nDas Bundesverwaltungsgericht befasste sich mit der verfassungsrechtlichen Grundlage der Tabaksteuer als Finanzierungsquelle für die AHV/IV gemäss Art. 112 Abs. 5 BV. Der Entscheid wurde später vom Bundesgericht aufgehoben.\n\nDas Gericht stellte fest, dass die Tabaksteuer primär fiskalischen Zwecken dient und die Erträge gemäss Art. 112 Abs. 5 BV für die Leistungen des Bundes an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung verwendet werden.\n\n> «In der Bundesverfassung ist festgehalten, dass die Erträge aus der Tabaksteuer für die Leistungen des Bundes an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung verwendet werden (Art. 112 Abs. 5 BV). Dieser Zweck der Tabaksteuer ist somit auf Stufe Verfassung festgehalten und macht aus der Tabaksteuer eine Zwecksteuer.»\n\n### Beitragspflicht bei internationalen Sachverhalten\n\n**BGE 136 V 33** (26. November 2009)\n\nDas Bundesgericht entschied über die Beitragspflicht eines türkischen Asylbewerbers und die Berücksichtigung von AHV/IV-Beiträgen im Rahmen internationaler Abkommen.\n\nDie von einem türkischen Asylbewerber geleisteten AHV/IV/EO-Beiträge wurden nach Rückkehr ins Heimatland gemäss dem schweizerisch-türkischen Sozialversicherungsabkommen an die türkische Sozialversicherung übertragen.\n\n> «Die von einem türkischen Asylbewerber von 1990 bis 1994 geleisteten AHV/IV/EO-Beiträge wurden infolge Rückkehr ins Heimatland (nach Abweisung des Asylgesuchs) gemäss Art. 10a des schweizerisch-türkischen Sozialversicherungsabkommens an die türkische Sozialversicherung übertragen.»\n\n### Pfändbarkeit von Sozialversicherungsleistungen\n\n**BGE 130 III 400** (17. Mai 2004)\n\nDas Bundesgericht entschied über die Pfändbarkeit von IV-Taggeldern und die verfassungsrechtliche Bedeutung des Existenzschutzes bei Sozialversicherungsleistungen.\n\nDie Pfändung von Taggeldern der Invalidenversicherung ist grundsätzlich nur beschränkt möglich, um die verfassungsrechtliche Funktion der Existenzsicherung zu gewährleisten.\n\n> «Der Drittschuldner ist nicht legitimiert, Beschwerde gegen die Pfändung zu führen, sondern kann nur die Drittschuldnererklärung abgeben und sich gegebenenfalls bei der Auszahlung passiv verhalten.»\n\n### Steuerliche Behandlung von Sozialversicherungsrenten\n\n**BGE 132 II 128** (23. Februar 2006)\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der steuerlichen Behandlung von Invalidenrenten und deren Qualifikation als Ersatz für entgangenes Erwerbseinkommen.\n\nEinkünfte aus der Invalidenversicherung, die nicht dazu dienen, einen eingetretenen oder künftig entstehenden materiellen Schaden zu decken, sind als Einkommen zu versteuern.\n\n> «Einkünfte aus der Invalidenversicherung, die nicht dazu dienen, einen eingetretenen oder künftig entstehenden materiellen Schaden zu decken, sind als Einkommen steuerbar.»\n\n### Bundesbeiträge und Höchstgrenze\n\n**BGE 150 V 410** (3. November 2021)\n\nDas Bundesgericht behandelte die Berechnung des Invalideneinkommens und die praktische Umsetzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben zur angemessenen Rentenberechnung.\n\nBei der Festsetzung der IV-Rente sind die verfassungsrechtlichen Grundsätze der angemessenen Existenzbedarfsdeckung und der Verhältnismässigkeit zwischen Minimal- und Maximalrenten zu beachten.\n\n> «Die mit Art. 26 bis Abs. 3 IVV eingeführte Regelung zum Abzug vom Tabellenlohn bei der Invalideneinkommensermittlung ist verfassungs- und gesetzeskonform.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 112 Cst. constitue la base constitutionnelle de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (AVS/AI) en tant que premier pilier du système suisse des trois piliers de la prévoyance vieillesse. Cette disposition oblige la Confédération à légiférer et fixe des exigences matérielles centrales.\n\nL'obligation d'assurance concerne toutes les personnes domiciliées ou exerçant une activité lucrative en Suisse. L'assurance octroie tant des prestations en espèces que des prestations en nature — par exemple des rentes d'invalidité ou des mesures de réadaptation. Une exigence constitutionnelle centrale veut que les rentes couvrent « convenablement » les besoins vitaux. Cela signifie plus que le simple minimum vital : les rentes doivent permettre une existence modeste mais digne.\n\nLe rapport entre rente minimale et rente maximale est constitutionnellement limité à 1:2. Cet éventail des rentes sert la solidarité au sein de la communauté des assurés. Les rentes doivent être adaptées au moins à l'évolution des prix, afin de maintenir le pouvoir d'achat.\n\nLe financement s'effectue pour moitié par les cotisations des assurés (les employeurs en payant la moitié) et par les prestations de la Confédération. Ces prestations de la Confédération ne peuvent représenter au maximum que la moitié des dépenses totales et sont financées principalement par l'impôt sur le tabac, l'impôt sur les spiritueux et la redevance sur les maisons de jeu.\n\nLes « principes » désignés à l'alinéa 2 sont terminologiquement controversés dans la doctrine, car il s'agit d'exigences matérielles concrètes (Biaggini, BSK BV, Art. 112 N. 13). Néanmoins, ils sont contraignants pour le législateur et marquent la LAVS et la LAI. La norme s'inscrit dans le contexte du principe des trois piliers ancré constitutionnellement en 1972 (Tschudi, SZS 1987, 1ff.).\n\n**Exemple** : Une retraitée de 65 ans reçoit une rente AVS de 1200 francs par mois. Celle-ci doit constitutionnellement couvrir convenablement ses besoins vitaux. Si la rente minimale s'élève à 1185 francs, la rente maximale ne peut dépasser 2370 francs. En cas de renchérissement, les rentes doivent être adaptées, afin que le pouvoir d'achat soit maintenu.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n**N. 1** — **Historique**\n\nL'art. 112 Cst. codifie le fondement constitutionnel de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité suisse (AVS/AI), qui constitue le premier pilier du système des trois piliers et fut introduite dès 1925 par l'adoption de l'art. 34quater ancCst (FF 1976 III 1). Le principe des trois piliers fut ancré constitutionnellement en 1972 et repris sans modification aux art. 111–113 Cst. lors de la révision totale de 1999 (FF 1997 I 1). L'histoire de l'AVS remonte à l'époque de la fondation de l'État fédéral, mais sa réalisation n'intervint qu'en 1948 avec l'entrée en vigueur de la LAVS (Binswanger, Geschichte der AHV, 1986, p. 15ss.). L'AI suivit en 1960 comme branche d'assurance autonome (FF 1958 II 1137).\n\n**N. 2** — **Classification systématique**\n\nL'art. 112 Cst. figure dans la 8e section de la Constitution fédérale sur la sécurité sociale (art. 110–117 Cst.) et forme, avec l'art. 111 Cst. (principe des trois piliers) et l'art. 113 Cst. (prévoyance professionnelle), le fondement constitutionnel de la prévoyance vieillesse suisse. La norme contient à la fois une compétence législative (al. 1) et des exigences de contenu contraignantes (al. 2–5). Par rapport à l'art. 12 Cst. (droit d'être aidé dans des situations de détresse), l'art. 112 Cst. représente la réglementation plus spécifique, qui va au-delà de la simple garantie de l'existence et doit permettre un mode de vie approprié dans la vieillesse (→ art. 111 Cst. ; → art. 112a Cst. pour les prestations complémentaires).\n\n**N. 3** — **Éléments constitutifs / Contenu normatif**\n\n**N. 3.1** — **Mandat législatif (al. 1)**\n\nLa Confédération reçoit une compétence législative complète pour l'AVS/AI. Cette compétence doit être exercée de manière obligatoire (« édicte »), non facultative. La compétence englobe tant les prestations matérielles que l'organisation, la procédure et le financement (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 10).\n\n**N. 3.2** — **Assurance obligatoire (al. 2 let. a)**\n\nL'obligation d'assurance saisit en principe toutes les personnes physiques domiciliées ou exerçant une activité lucrative en Suisse (art. 1a LAVS, art. 1b LAI). L'ancrage constitutionnel de l'obligation exclut un premier pilier purement facultatif (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 14 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 2186).\n\n**N. 3.3** — **Prestations en espèces et en nature (al. 2 let. abis)**\n\nDepuis la votation populaire du 7 février 1999, les prestations en nature sont également ancrées constitutionnellement, en plus des prestations en espèces (rentes). Cela concerne notamment les moyens auxiliaires et les mesures de réadaptation de l'AI (art. 8 ss LAI ; Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 17).\n\n**N. 3.4** — **Couverture appropriée des besoins vitaux (al. 2 let. b)**\n\nLa formulation « appropriée » signifie plus que le simple minimum vital selon l'art. 12 Cst., mais moins qu'une couverture complète des besoins. Le Tribunal fédéral interprète cette disposition comme un mandat de garantir une rente qui permet un mode de vie modeste mais digne (**ATF 131 V 256** consid. 3.2). La conception concrète incombe au législateur (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 19–21).\n\n**N. 3.5** — **Rapport entre les rentes (al. 2 let. c)**\n\nLe rapport de 1:2 entre la rente minimale et maximale est contraignant. Cette limitation de l'écart des rentes sert la solidarité au sein de la communauté des assurés et empêche une différenciation trop forte (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 989 ; Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 22).\n\n**N. 3.6** — **Adaptation des rentes (al. 2 let. d)**\n\nLes rentes doivent être adaptées « au moins » à l'évolution des prix. Cela représente une garantie minimale ; le législateur peut prévoir des adaptations plus étendues (indice mixte selon l'art. 33ter LAVS). Le Conseil fédéral considère qu'un report de la compensation du renchérissement de cinq ans au maximum est conforme à la Constitution (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 27).\n\n**N. 4** — **Conséquences juridiques**\n\n**N. 4.1** — **Droits subjectifs**\n\nL'art. 112 al. 2 Cst. ne fonde aucun droit subjectif directement exigible. Les principes s'adressent principalement au législateur et ne déploient leurs effets que par la législation d'exécution (LAVS/LAI). Une exception concerne le rapport contraignant entre les rentes selon l'al. 2 let. c, qui est justiciable (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n. 3128).\n\n**N. 4.2** — **Obligation législative**\n\nLa Confédération est obligée de régler légalement l'AVS/AI. Une inaction constituerait une violation de la Constitution. Les exigences de contenu de l'al. 2 doivent être respectées de manière contraignante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 n. 23).\n\n**N. 5** — **Points litigieux**\n\n**N. 5.1** — **Notion de « principes »**\n\nLa doctrine conteste si la désignation « principes » à l'al. 2 est appropriée. Biaggini (BSK BV, art. 112 n. 13) critique qu'il ne s'agisse ni de principes juridiques généraux ni d'une compétence de législation-cadre, mais d'exigences matérielles concrètes. La doctrine dominante y voit néanmoins des prescriptions constitutionnelles contraignantes, indépendamment de la classification terminologique (Meyer, SBVR XIV, p. 45 ; Locher/Gächter, Grundriss, § 2 n. 18).\n\n**N. 5.2** — **Portée de la couverture appropriée des besoins vitaux**\n\nCe que signifie concrètement « appropriée » fait l'objet d'une discussion controversée. Une partie de la doctrine exige une orientation sur le minimum vital selon le droit des poursuites plus 20-30% (Gysin, Existenzminimum, p. 156). D'autres auteurs se réfèrent à la liberté d'aménagement politique du législateur dans la marge constitutionnelle entre minimum vital et couverture des besoins (Kieser, SBVR XIV, p. 1198 ; Valterio, Droit AVS/AI, p. 89).\n\n**N. 5.3** — **Limites de financement**\n\nLa portée de la limite de 50% pour les contributions fédérales (al. 4) est controversée. Alors qu'une opinion minoritaire y voit une limite absolue supérieure (Maurer, Sozialversicherungsrecht I, p. 234), la doctrine dominante interprète la disposition comme une limite flexible qui pourrait être adaptée en cas de besoin par une modification constitutionnelle (Greber, Principes fondamentaux, p. 167 ; Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, n. 456).\n\n**N. 6** — **Indications pratiques**\n\n**N. 6.1** — **Interprétation conforme à la Constitution**\n\nLors de l'interprétation de la LAVS et de la LAI, les prescriptions constitutionnelles de l'art. 112 Cst. doivent toujours être respectées. Cela vaut notamment pour les projets de révision qui concernent le montant des rentes ou le rapport entre les rentes (→ art. 190 Cst. sur le caractère déterminant des lois fédérales).\n\n**N. 6.2** — **Coordination avec les autres assurances sociales**\n\nL'art. 112 Cst. doit être lu dans le contexte de l'ensemble du système d'assurances sociales. Les réductions de prestations dans le premier pilier peuvent avoir des répercussions sur les prestations complémentaires (→ art. 112a Cst.) et la prévoyance professionnelle (→ art. 113 Cst.). Lors de révisions de lois, cette interaction doit être prise en considération (Gächter, ZSR 2014 II, p. 45).\n\n**N. 6.3** — **Aspects internationaux**\n\nLe droit suisse des assurances sociales est fortement marqué par les accords internationaux (accord sur la libre circulation des personnes, accords bilatéraux de sécurité sociale). Dans les situations transfrontalières, il faut toujours examiner, outre l'art. 112 Cst., le droit international applicable (**ATF 136 V 33** sur la coordination avec le droit turc).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Obligation d'assurance et abus de droit\n\n**ATF 131 V 97** (21 mars 2005)\n\nLe Tribunal fédéral a statué sur l'invocation abusive de l'obligation d'assurance dans l'AVS. Plusieurs centaines d'investisseurs étrangers ont participé à une société en commandite notamment dans le but de percevoir ultérieurement des rentes AVS.\n\nLe tribunal a constaté un abus de droit, l'AVS étant considérée comme un pur objet de placement financier qui devait générer le plus grand rendement individuel possible en exploitant la solidarité actuarielle.\n\n> «Les associés ne peuvent pas se prévaloir du droit à l'admission dans l'AVS, car ici l'AVS est considérée comme un pur objet de placement financier qui doit générer le plus grand rendement individuel possible en exploitant la solidarité actuarielle.»\n\n### Besoins vitaux et rentes appropriées\n\n**ATF 131 V 256** (4 août 2005)\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur la constitutionnalité des forfaits de frais de chauffage dans les prestations complémentaires et sur la question de ce qu'il faut entendre par «couverture appropriée des besoins vitaux» au sens de l'art. 112 al. 2 let. b Cst.\n\nLe tribunal a retenu que la forfaitisation des frais de chauffage ne constitue pas une violation du droit à un minimum vital conforme à la dignité humaine selon l'art. 12 Cst et est compatible avec l'exigence constitutionnelle de couverture appropriée des besoins vitaux.\n\n> «La forfaitisation des frais de chauffage ne constitue pas une violation du droit à un minimum vital conforme à la dignité humaine selon l'art. 12 Cst. L'art. 16b OPC est conforme à la loi et à la constitution.»\n\n**ATF 139 V 358** (26 juin 2013)\n\nLe Tribunal fédéral a interprété la base constitutionnelle des prestations complémentaires. Il a précisé le rapport entre les art. 112 et 112a Cst concernant la couverture des besoins vitaux.\n\nSelon l'art. 112a Cst, la Confédération et les cantons versent des prestations complémentaires aux personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité.\n\n> «Selon l'art. 112a Cst, la Confédération et les cantons versent des prestations complémentaires aux personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (al. 1). La loi règle l'étendue des prestations complémentaires ainsi que les tâches et compétences de la Confédération et des cantons (al. 2).»\n\n### Compensation et minimum vital\n\n**ATF 136 V 286** (6 août 2010)\n\nLe Tribunal fédéral a statué sur la compensation des arriérés de rente AI avec des créances en dommages-intérêts. Il s'agissait de la mise en œuvre pratique du commandement constitutionnel de couverture appropriée des besoins vitaux.\n\nLa compensation des arriérés de rente se règle selon l'art. 50 al. 2 LAI en relation avec l'art. 20 al. 2 let. a LAVS et non selon les dispositions de la LPGA sur la sauvegarde du minimum vital.\n\n> «La compensation des arriérés de rente de l'assurance-invalidité avec des créances en dommages-intérêts selon l'art. 52 LAVS se règle selon l'art. 50 al. 2 LAI en relation avec l'art. 20 al. 2 let. a LAVS et non selon les dispositions de la LPGA sur la sauvegarde du minimum vital.»\n\n**ATF 138 V 402** (17 septembre 2012)\n\nLe Tribunal fédéral a concrétisé les limites de la compensation en cas d'arriérés de rente à la lumière du minimum vital constitutionnel.\n\nLa sauvegarde du minimum vital comme limite de la compensation en cas de rappel de rentes de périodes antérieures n'est pas à observer lorsque la rente à rappeler ne fait que remplacer une rente versée dans la période antérieure.\n\n> «La sauvegarde du minimum vital comme limite de la compensation en cas de rappel de rentes de périodes antérieures n'est pas à observer lorsque la rente à rappeler ne fait que remplacer une rente versée dans la période antérieure et ne constitue donc pas un revenu supplémentaire.»\n\n### Financement par des impôts affectés\n\n**A-1211/2018** (11 mars 2019, TAF, annulé par le TF 29 janvier 2020)\n\nLe Tribunal administratif fédéral s'est penché sur la base constitutionnelle de l'impôt sur le tabac comme source de financement de l'AVS/AI selon l'art. 112 al. 5 Cst. L'arrêt a été ultérieurement annulé par le Tribunal fédéral.\n\nLe tribunal a constaté que l'impôt sur le tabac sert principalement des buts fiscaux et que le produit est utilisé selon l'art. 112 al. 5 Cst pour les prestations de la Confédération à l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité.\n\n> «Il est stipulé dans la Constitution fédérale que le produit de l'impôt sur le tabac est utilisé pour les prestations de la Confédération à l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (art. 112 al. 5 Cst). Cette finalité de l'impôt sur le tabac est donc fixée au niveau constitutionnel et fait de l'impôt sur le tabac un impôt affecté.»\n\n### Obligation de cotiser dans les situations internationales\n\n**ATF 136 V 33** (26 novembre 2009)\n\nLe Tribunal fédéral a statué sur l'obligation de cotiser d'un requérant d'asile turc et la prise en compte des cotisations AVS/AI dans le cadre d'accords internationaux.\n\nLes cotisations AVS/AI/APG versées par un requérant d'asile turc ont été transférées à l'assurance sociale turque après le retour au pays d'origine selon l'accord de sécurité sociale helvético-turc.\n\n> «Les cotisations AVS/AI/APG versées par un requérant d'asile turc de 1990 à 1994 ont été transférées à l'assurance sociale turque suite au retour au pays d'origine (après rejet de la demande d'asile) selon l'art. 10a de l'accord de sécurité sociale helvético-turc.»\n\n### Saisissabilité des prestations d'assurance sociale\n\n**ATF 130 III 400** (17 mai 2004)\n\nLe Tribunal fédéral a statué sur la saisissabilité des indemnités journalières AI et l'importance constitutionnelle de la protection du minimum vital dans les prestations d'assurance sociale.\n\nLa saisie des indemnités journalières de l'assurance-invalidité n'est en principe possible que de manière limitée, afin de garantir la fonction constitutionnelle de sécurité de l'existence.\n\n> «Le tiers débiteur n'est pas légitimé à recourir contre la saisie, mais peut seulement remettre la déclaration de tiers débiteur et le cas échéant se comporter passivement lors du versement.»\n\n### Traitement fiscal des rentes d'assurance sociale\n\n**ATF 132 II 128** (23 février 2006)\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur le traitement fiscal des rentes d'invalidité et leur qualification comme remplacement du revenu professionnel perdu.\n\nLes revenus de l'assurance-invalidité qui ne servent pas à couvrir un dommage matériel survenu ou qui surviendra dans le futur sont imposables comme revenu.\n\n> «Les revenus de l'assurance-invalidité qui ne servent pas à couvrir un dommage matériel survenu ou qui surviendra dans le futur sont imposables comme revenu.»\n\n### Contributions fédérales et plafond\n\n**ATF 150 V 410** (3 novembre 2021)\n\nLe Tribunal fédéral a traité du calcul du revenu d'invalide et de la mise en œuvre pratique des exigences constitutionnelles relatives au calcul approprié des rentes.\n\nLors de la fixation de la rente AI, les principes constitutionnels de couverture appropriée des besoins vitaux et de proportionnalité entre les rentes minimales et maximales doivent être respectés.\n\n> «La réglementation introduite par l'art. 26 al. 3 OAAI concernant la déduction du salaire tabulaire lors de la détermination du revenu d'invalide est conforme à la constitution et à la loi.»", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 112 Cost. costituisce la base costituzionale dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (AVS/AI) come primo pilastro del sistema svizzero a tre pilastri della previdenza per la vecchiaia. La disposizione obbliga la Confederazione a legiferare e stabilisce prescrizioni materiali centrali.\n\nL'obbligo assicurativo riguarda tutte le persone domiciliate o che esercitano un'attività lucrativa in Svizzera. L'assicurazione concede sia prestazioni in denaro sia prestazioni in natura — come rendite d'invalidità o misure d'integrazione. Un precetto costituzionale centrale esige che le rendite coprano «adeguatamente» il fabbisogno vitale. Ciò significa più del semplice minimo esistenziale: le rendite devono permettere una condotta di vita modesta ma dignitosa.\n\nIl rapporto tra rendita minima e massima è limitato costituzionalmente a 1:2. Questa scala delle rendite serve alla solidarietà all'interno della comunità degli assicurati. Le rendite devono essere adeguate almeno all'evoluzione dei prezzi per mantenere il potere d'acquisto.\n\nIl finanziamento avviene per metà mediante contributi degli assicurati (dove i datori di lavoro ne pagano la metà) e mediante prestazioni della Confederazione. Queste prestazioni della Confederazione non possono superare la metà delle spese totali e sono finanziate principalmente mediante l'imposta sul tabacco, l'imposta sulle bevande distillate e la tassa sulle case da gioco.\n\nI «principi» designati nel capoverso 2 sono terminologicamente controversi nella dottrina, poiché si tratta di prescrizioni materiali concrete (Biaggini, BSK BV, art. 112 n. 13). Tuttondimeno essi sono vincolanti per il legislatore e caratterizzano la LAVS e la LAI. La norma si inserisce nel contesto del principio dei tre pilastri ancorato costituzionalmente nel 1972 (Tschudi, SZS 1987, 1ss.).\n\n**Esempio**: Una pensionata di 65 anni riceve una rendita AVS di 1200 franchi mensili. Questa deve coprire adeguatamente il suo fabbisogno vitale secondo il diritto costituzionale. Se la rendita minima ammonta a 1185 franchi, la rendita massima non può superare i 2370 franchi. In caso di rincaro le rendite devono essere adeguate affinché il potere d'acquisto sia mantenuto.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n**N. 1** — **Storia della genesi**\n\nL'art. 112 Cost. codifica il fondamento costituzionale dell'assicurazione svizzera per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (AVS/AI), che come primo pilastro del sistema dei tre pilastri fu introdotta già nel 1925 con l'adozione dell'art. 34quater vCost. (FF 1976 III 1). Il principio dei tre pilastri fu sancito a livello costituzionale nel 1972 e fu ripreso immutato negli art. 111–113 Cost. nella revisione totale del 1999 (FF 1997 I 1). La storia dell'AVS risale al periodo fondativo dello Stato federale, ma la realizzazione avvenne solo nel 1948 con l'entrata in vigore della LAVS (Binswanger, Geschichte der AHV, 1986, p. 15 ss.). L'AI seguì nel 1960 come ramo assicurativo autonomo (FF 1958 II 1137).\n\n**N. 2** — **Classificazione sistematica**\n\nL'art. 112 Cost. si trova nell'8° sezione della Costituzione federale sulla sicurezza sociale (art. 110–117 Cost.) e forma insieme all'art. 111 Cost. (principio dei tre pilastri) e all'art. 113 Cost. (previdenza professionale) il fondamento costituzionale della previdenza per la vecchiaia svizzera. La norma contiene sia una competenza legislativa (cpv. 1) sia prescrizioni contenutistiche vincolanti (cpv. 2–5). Nel rapporto con l'art. 12 Cost. (diritto all'aiuto in situazioni di bisogno), l'art. 112 Cost. rappresenta la regolamentazione più specifica, che va oltre la mera garanzia dell'esistenza e deve consentire una conduzione di vita adeguata nella vecchiaia (→ art. 111 Cost.; → art. 112a Cost. per le prestazioni complementari).\n\n**N. 3** — **Elementi della fattispecie / Contenuto normativo**\n\n**N. 3.1** — **Mandato legislativo (cpv. 1)**\n\nLa Confederazione riceve una competenza legislativa completa per l'AVS/AI. Questa competenza deve essere esercitata obbligatoriamente («emana»), non facoltativamente. La competenza comprende sia le prestazioni materiali sia l'organizzazione, la procedura e il finanziamento (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 10).\n\n**N. 3.2** — **Assicurazione obbligatoria (cpv. 2 lett. a)**\n\nL'obbligo assicurativo comprende in linea di principio tutte le persone fisiche domiciliate o che esercitano un'attività lucrativa in Svizzera (art. 1a LAVS, art. 1b LAI). L'ancoraggio costituzionale dell'obbligo esclude un primo pilastro puramente volontario (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 2186).\n\n**N. 3.3** — **Prestazioni in denaro e in natura (cpv. 2 lett. abis)**\n\nDalla votazione popolare del 7 febbraio 1999 sono sancite a livello costituzionale, oltre alle prestazioni in denaro (rendite), anche le prestazioni in natura. Ciò riguarda in particolare i mezzi ausiliari e le misure d'integrazione dell'AI (art. 8 ss. LAI; Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 17).\n\n**N. 3.4** — **Copertura adeguata del fabbisogno esistenziale (cpv. 2 lett. b)**\n\nLa formulazione «adeguata» significa più del mero minimo esistenziale secondo l'art. 12 Cost., ma meno di una copertura completa del fabbisogno. Il Tribunale federale interpreta questa disposizione come mandato di garantire una rendita che consenta una conduzione di vita modesta ma dignitosa (**DTF 131 V 256** consid. 3.2). La configurazione concreta spetta al legislatore (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 19–21).\n\n**N. 3.5** — **Rapporto delle rendite (cpv. 2 lett. c)**\n\nIl rapporto di 1:2 tra la rendita minima e massima è vincolante. Questa limitazione della dispersione delle rendite serve alla solidarietà all'interno della comunità degli assicurati e impedisce una differenziazione troppo forte (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 989; Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 22).\n\n**N. 3.6** — **Adeguamento delle rendite (cpv. 2 lett. d)**\n\nLe rendite devono essere adeguate «almeno» all'evoluzione dei prezzi. Ciò costituisce una garanzia minimale; il legislatore può prevedere adeguamenti più estesi (indice misto secondo l'art. 33ter LAVS). Il Consiglio federale ritiene conforme alla Costituzione uno spostamento della compensazione del rincaro di al massimo cinque anni (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112 n. 27).\n\n**N. 4** — **Conseguenze giuridiche**\n\n**N. 4.1** — **Diritti soggettivi**\n\nL'art. 112 cpv. 2 Cost. non fonda diritti soggettivi direttamente azionabili. I principi si rivolgono primariamente al legislatore e spiegano il loro effetto soltanto attraverso la legislazione d'esecuzione (LAVS/LAI). Un'eccezione costituisce il rapporto vincolante delle rendite secondo il cpv. 2 lett. c, che è giustiziabile (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n. 3128).\n\n**N. 4.2** — **Obbligo legislativo**\n\nLa Confederazione è obbligata a disciplinare per legge l'AVS/AI. Un'inattività violerebbe la Costituzione. Le prescrizioni contenutistiche del cpv. 2 devono essere rispettate in modo vincolante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 n. 23).\n\n**N. 5** — **Questioni controverse**\n\n**N. 5.1** — **Concetto di «principi»**\n\nNella dottrina è controverso se la denominazione «principi» nel cpv. 2 sia appropriata. Biaggini (BSK BV, art. 112 n. 13) critica che non si tratti né di principi giuridici generali né di una competenza legislativa di principio, ma di prescrizioni materiali concrete. La dottrina dominante vede tuttavia in ciò prescrizioni costituzionali vincolanti, indipendentemente dalla classificazione terminologica (Meyer, SBVR XIV, p. 45; Locher/Gächter, Grundriss, § 2 n. 18).\n\n**N. 5.2** — **Portata della copertura adeguata del fabbisogno esistenziale**\n\nSi discute in modo controverso cosa significhi concretamente «adeguata». Una parte della dottrina esige un orientamento al minimo esistenziale secondo il diritto di esecuzione forzata più il 20-30% (Gysin, Existenzminimum, p. 156). Altri autori rimandano alla libertà di configurazione politica del legislatore all'interno della fascia costituzionale tra minimo esistenziale e copertura del fabbisogno (Kieser, SBVR XIV, p. 1198; Valterio, Droit AVS/AI, p. 89).\n\n**N. 5.3** — **Limiti di finanziamento**\n\nÈ controversa la portata del limite del 50% per i contributi federali (cpv. 4). Mentre un'opinione minoritaria vi vede un limite superiore assoluto (Maurer, Sozialversicherungsrecht I, p. 234), la dottrina dominante interpreta la disposizione come limite flessibile, che in caso di bisogno potrebbe essere adeguato mediante modifica costituzionale (Greber, Principes fondamentaux, p. 167; Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, n. 456).\n\n**N. 6** — **Indicazioni pratiche**\n\n**N. 6.1** — **Interpretazione conforme alla Costituzione**\n\nNell'interpretazione di LAVS e LAI devono sempre essere rispettate le prescrizioni costituzionali dell'art. 112 Cost. Ciò vale in particolare per i progetti di revisione che concernono l'importo delle rendite o il rapporto delle rendite (→ art. 190 Cost. sulla preminenza delle leggi federali).\n\n**N. 6.2** — **Coordinamento con altre assicurazioni sociali**\n\nL'art. 112 Cost. deve essere letto nel contesto dell'intero sistema di assicurazioni sociali. Riduzioni di prestazioni nel primo pilastro possono avere ripercussioni sulle prestazioni complementari (→ art. 112a Cost.) e sulla previdenza professionale (→ art. 113 Cost.). Nelle revisioni di legge deve essere considerata questa interazione (Gächter, ZSR 2014 II, p. 45).\n\n**N. 6.3** — **Aspetti internazionali**\n\nIl diritto svizzero delle assicurazioni sociali è fortemente caratterizzato da accordi internazionali (Accordo sulla libera circolazione delle persone, accordi bilaterali di sicurezza sociale). In casi transfrontalieri deve sempre essere esaminato, oltre all'art. 112 Cost., il diritto internazionale applicabile (**DTF 136 V 33** sul coordinamento con il diritto turco).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Obbligo assicurativo e abuso del diritto\n\n**DTF 131 V 97** (21 marzo 2005)\n\nIl Tribunale federale ha deciso su un caso di abuso del diritto nell'invocazione dell'obbligo assicurativo nell'AVS. Diverse centinaia di investitori stranieri parteciparono a una società in accomandita anche con l'obiettivo di riscuotere successivamente rendite AVS.\n\nIl Tribunale ha constatato un abuso del diritto, poiché all'AVS era stata attribuita la funzione di un puro oggetto di investimento finanziario che, sfruttando la solidarietà assicurativa, doveva generare il maggior rendimento individuale possibile.\n\n> «I soci non possono invocare il diritto all'ammissione nell'AVS, poiché in questo caso all'AVS è attribuita la funzione di un puro oggetto di investimento finanziario che, sfruttando la solidarietà assicurativa, deve generare il maggior rendimento individuale possibile.»\n\n### Fabbisogno vitale e rendite adeguate\n\n**DTF 131 V 256** (4 agosto 2005)\n\nIl Tribunale federale si è occupato della costituzionalità di importi forfettari per i costi di riscaldamento nelle prestazioni complementari e della questione di cosa si intenda per «copertura adeguata del fabbisogno vitale» nel senso dell'art. 112 cpv. 2 lett. b Cost.\n\nIl Tribunale ha stabilito che la determinazione forfettaria dei costi di riscaldamento non costituisce una violazione del diritto a un'esistenza dignitosa secondo l'art. 12 Cost. ed è compatibile con il requisito costituzionale della copertura adeguata del fabbisogno vitale.\n\n> «Nella determinazione forfettaria dei costi di riscaldamento non sussiste alcuna violazione del diritto a un'esistenza dignitosa secondo l'art. 12 Cost. L'art. 16b OPC è conforme alla legge e alla Costituzione.»\n\n**DTF 139 V 358** (26 giugno 2013)\n\nIl Tribunale federale ha interpretato la base costituzionale per le prestazioni complementari. Ha precisato il rapporto tra l'art. 112 e l'art. 112a Cost. riguardo alla copertura del fabbisogno vitale.\n\nSecondo l'art. 112a Cost., Confederazione e Cantoni versano prestazioni complementari alle persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.\n\n> «Secondo l'art. 112a Cost., Confederazione e Cantoni versano prestazioni complementari alle persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (cpv. 1). La legge disciplina l'entità delle prestazioni complementari nonché i compiti e le competenze della Confederazione e dei Cantoni (cpv. 2).»\n\n### Compensazione e minimo vitale\n\n**DTF 136 V 286** (6 agosto 2010)\n\nIl Tribunale federale ha deciso sulla compensazione di pagamenti arretrati di rendite AI con pretese di risarcimento danni. Si trattava dell'attuazione pratica del precetto costituzionale della copertura adeguata del fabbisogno vitale.\n\nLa compensazione di pagamenti arretrati di rendite si basa sull'art. 50 cpv. 2 LAI in combinato con l'art. 20 cpv. 2 lett. a LAVS e non sulle disposizioni della LPGA sulla salvaguardia del minimo vitale.\n\n> «La compensazione di pagamenti arretrati dell'assicurazione invalidità con pretese di risarcimento secondo l'art. 52 LAVS si basa sull'art. 50 cpv. 2 LAI in combinato con l'art. 20 cpv. 2 lett. a LAVS e non sulle disposizioni della LPGA sulla salvaguardia del minimo vitale.»\n\n**DTF 138 V 402** (17 settembre 2012)\n\nIl Tribunale federale ha concretizzato i limiti della compensazione nei pagamenti arretrati di rendite alla luce del minimo vitale costituzionale.\n\nLa salvaguardia del minimo vitale come limite della compensazione nei pagamenti arretrati di rendite di periodi precedenti non deve essere osservata quando la rendita da pagare in arretrato sostituisce soltanto una rendita versata nel periodo precedente.\n\n> «La salvaguardia del minimo vitale come limite della compensazione nei pagamenti arretrati di rendite di periodi precedenti non deve essere osservata quando la rendita da pagare in arretrato sostituisce soltanto una rendita versata nel periodo precedente e non rappresenta quindi un'entrata aggiuntiva.»\n\n### Finanziamento mediante imposte vincolate\n\n**A-1211/2018** (11 marzo 2019, TAF, annullata dal TF 29 gennaio 2020)\n\nIl Tribunale amministrativo federale si è occupato della base costituzionale dell'imposta sul tabacco come fonte di finanziamento per l'AVS/AI secondo l'art. 112 cpv. 5 Cost. La decisione è stata successivamente annullata dal Tribunale federale.\n\nIl Tribunale ha stabilito che l'imposta sul tabacco serve principalmente a scopi fiscali e i proventi vengono utilizzati secondo l'art. 112 cpv. 5 Cost. per le prestazioni della Confederazione all'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.\n\n> «Nella Costituzione federale è stabilito che i proventi dell'imposta sul tabacco sono utilizzati per le prestazioni della Confederazione all'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (art. 112 cpv. 5 Cost.). Questo scopo dell'imposta sul tabacco è quindi fissato a livello costituzionale e fa dell'imposta sul tabacco un'imposta vincolata.»\n\n### Obbligo contributivo in situazioni internazionali\n\n**DTF 136 V 33** (26 novembre 2009)\n\nIl Tribunale federale ha deciso sull'obbligo contributivo di un richiedente d'asilo turco e sulla considerazione dei contributi AVS/AI nel quadro di accordi internazionali.\n\nI contributi AVS/AI/IPG versati da un richiedente d'asilo turco sono stati trasferiti all'assicurazione sociale turca dopo il ritorno in patria secondo l'accordo di sicurezza sociale svizzero-turco.\n\n> «I contributi AVS/AI/IPG versati da un richiedente d'asilo turco dal 1990 al 1994 sono stati trasferiti all'assicurazione sociale turca in seguito al ritorno in patria (dopo il rigetto della domanda d'asilo) secondo l'art. 10a dell'accordo di sicurezza sociale svizzero-turco.»\n\n### Pignorabilità delle prestazioni di sicurezza sociale\n\n**DTF 130 III 400** (17 maggio 2004)\n\nIl Tribunale federale ha deciso sulla pignorabilità delle indennità giornaliere AI e sul significato costituzionale della protezione dell'esistenza nelle prestazioni di sicurezza sociale.\n\nIl pignoramento delle indennità giornaliere dell'assicurazione invalidità è di principio possibile solo in modo limitato, per garantire la funzione costituzionale della sicurezza dell'esistenza.\n\n> «Il terzo debitore non è legittimato a presentare ricorso contro il pignoramento, ma può soltanto rilasciare la dichiarazione del terzo debitore e, se del caso, comportarsi passivamente al momento del versamento.»\n\n### Trattamento fiscale delle rendite di sicurezza sociale\n\n**DTF 132 II 128** (23 febbraio 2006)\n\nIl Tribunale federale si è occupato del trattamento fiscale delle rendite di invalidità e della loro qualificazione come sostituto del reddito da lavoro perduto.\n\nI redditi dell'assicurazione invalidità che non servono a coprire un danno materiale verificatosi o che si verificherà in futuro sono da tassare come reddito.\n\n> «I redditi dell'assicurazione invalidità che non servono a coprire un danno materiale verificatosi o che si verificherà in futuro sono imponibili come reddito.»\n\n### Contributi federali e limite massimo\n\n**DTF 150 V 410** (3 novembre 2021)\n\nIl Tribunale federale ha trattato il calcolo del reddito da invalidità e l'attuazione pratica dei requisiti costituzionali per un calcolo adeguato della rendita.\n\nNella determinazione della rendita AI devono essere osservati i principi costituzionali della copertura adeguata del fabbisogno vitale e della proporzionalità tra rendite minime e massime.\n\n> «La regolamentazione introdotta con l'art. 26 bis cpv. 3 ORAI sulla deduzione dal salario tabellare nella determinazione del reddito da invalidità è conforme alla Costituzione e alla legge.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 112 BV is the constitutional basis for old-age, survivors' and disability insurance (AHV/IV) as the first pillar of the Swiss three-pillar system of old-age provision. The provision obliges the Confederation to legislate and establishes central substantive requirements.\n\nCompulsory insurance covers all persons residing in Switzerland or engaged in gainful employment there. The insurance provides both cash and in-kind benefits — for example, disability pensions or integration measures. A central constitutional requirement demands that pensions cover living expenses «adequately». This means more than just the bare subsistence minimum: pensions should enable a modest but dignified standard of living.\n\nThe ratio of minimum to maximum pensions is constitutionally limited to 1:2. This pension spread serves solidarity within the insured community. Pensions must be adjusted at least in line with price developments to preserve purchasing power.\n\nFinancing is split equally between contributions from the insured (with employers paying half) and Confederation benefits. These Confederation benefits may amount to at most half of total expenditure and are primarily financed through tobacco tax, spirits tax and casino levy.\n\nThe «principles» designated in paragraph 2 are terminologically disputed in legal doctrine, as they constitute concrete material requirements (Biaggini, BSK BV, Art. 112 N. 13). Nevertheless, they are binding on the legislature and shape the AHVG and IVG. The provision stands in the context of the three-pillar principle constitutionally enshrined in 1972 (Tschudi, SZS 1987, 1ff.).\n\n**Example**: A 65-year-old pensioner receives an AHV pension of 1200 francs per month. Under constitutional law, this must adequately cover her living expenses. If the minimum pension amounts to 1185 francs, the maximum pension may not exceed 2370 francs. When prices rise, pensions must be adjusted to preserve purchasing power.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n**N. 1** — **Legislative History**\n\nArt. 112 Cst. codifies the constitutional basis of Swiss old-age, survivors' and disability insurance (OASI/DI), which was introduced as the first pillar of the three-pillar system as early as 1925 through the adoption of Art. 34quater of the old Constitution (BBl 1976 III 1). The three-pillar principle was enshrined in the Constitution in 1972 and was adopted unchanged in Art. 111–113 Cst. in the total revision of 1999 (BBl 1997 I 1). The history of OASI dates back to the founding period of the federal state, with implementation only occurring in 1948 with the entry into force of the OASI Act (Binswanger, Geschichte der AHV, 1986, p. 15ff.). DI followed in 1960 as an independent branch of insurance (BBl 1958 II 1137).\n\n**N. 2** — **Systematic Classification**\n\nArt. 112 Cst. is located in Section 8 of the Federal Constitution on social security (Art. 110–117 Cst.) and forms, together with Art. 111 Cst. (three-pillar principle) and Art. 113 Cst. (occupational benefits), the constitutional foundation of Swiss old-age provision. The norm contains both a legislative competence (para. 1) and mandatory substantive requirements (para. 2–5). In relation to Art. 12 Cst. (right to assistance in situations of distress), Art. 112 Cst. represents the more specific regulation, which goes beyond mere subsistence security and is intended to enable an adequate standard of living in old age (→ Art. 111 Cst.; → Art. 112a Cst. for supplementary benefits).\n\n**N. 3** — **Elements of the Offence / Normative Content**\n\n**N. 3.1** — **Legislative Mandate (Para. 1)**\n\nThe Confederation receives comprehensive legislative competence for OASI/DI. This competence must be exercised («shall enact»), it is not optional. The competence encompasses both material benefits as well as organisation, procedure and financing (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 10).\n\n**N. 3.2** — **Compulsory Insurance (Para. 2 lit. a)**\n\nThe insurance obligation covers in principle all natural persons resident or gainfully employed in Switzerland (Art. 1a OASI Act, Art. 1b DI Act). The constitutional anchoring of the obligation excludes a purely voluntary first pillar (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2186).\n\n**N. 3.3** — **Cash and In-Kind Benefits (Para. 2 lit. abis)**\n\nSince the referendum of 7 February 1999, in-kind benefits as well as cash benefits (pensions) are constitutionally enshrined. This concerns in particular auxiliary aids and integration measures under DI (Art. 8 ff. DI Act; Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 17).\n\n**N. 3.4** — **Adequate Coverage of Living Needs (Para. 2 lit. b)**\n\nThe formulation «adequate» means more than the mere subsistence minimum under Art. 12 Cst., but less than complete coverage of needs. The Federal Supreme Court interprets this provision as a mandate to guarantee a pension that enables a modest but dignified standard of living (**BGE 131 V 256** E. 3.2). The specific design is left to the legislature (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 19–21).\n\n**N. 3.5** — **Pension Ratio (Para. 2 lit. c)**\n\nThe 1:2 ratio between minimum and maximum pension is mandatory. This limitation of the pension spread serves solidarity within the insured community and prevents excessive differentiation (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 989; Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 22).\n\n**N. 3.6** — **Pension Adjustment (Para. 2 lit. d)**\n\nPensions must be adjusted «at least» to price developments. This represents a minimum guarantee; the legislature may provide for more extensive adjustments (mixed index under Art. 33ter OASI Act). The Federal Council considers a postponement of cost-of-living adjustments by a maximum of five years to be constitutionally compliant (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112 N. 27).\n\n**N. 4** — **Legal Consequences**\n\n**N. 4.1** — **Subjective Rights**\n\nArt. 112 para. 2 Cst. does not establish directly enforceable subjective rights. The principles are primarily addressed to the legislature and only take effect through implementing legislation (OASI Act/DI Act). An exception is the mandatory pension ratio under para. 2 lit. c, which is justiciable (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3128).\n\n**N. 4.2** — **Legislative Duty**\n\nThe Confederation is obligated to regulate OASI/DI by law. Remaining inactive would violate the Constitution. The substantive requirements of para. 2 must be complied with (Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, § 4 N. 23).\n\n**N. 5** — **Disputed Issues**\n\n**N. 5.1** — **Concept of «Principles»**\n\nIt is disputed in doctrine whether the designation «principles» in para. 2 is accurate. Biaggini (BSK BV, Art. 112 N. 13) criticises that these are neither general legal principles nor framework legislative competence, but concrete material requirements. The prevailing doctrine nevertheless sees binding constitutional requirements in this, regardless of the terminological classification (Meyer, SBVR XIV, p. 45; Locher/Gächter, Grundriss, § 2 N. 18).\n\n**N. 5.2** — **Scope of Adequate Coverage of Living Needs**\n\nWhat «adequate» specifically means is controversially discussed. Part of the doctrine demands orientation to the debt enforcement law subsistence minimum plus 20-30% (Gysin, Existenzminimum, p. 156). Other authors refer to the political discretion of the legislature within the constitutional range between subsistence minimum and coverage of needs (Kieser, SBVR XIV, p. 1198; Valterio, Droit AVS/AI, p. 89).\n\n**N. 5.3** — **Financing Limits**\n\nThe scope of the 50% limit for federal contributions (para. 4) is disputed. While a minority view sees this as an absolute upper limit (Maurer, Sozialversicherungsrecht I, p. 234), the prevailing doctrine interprets the provision as a flexible limit that could be adjusted through constitutional amendment if necessary (Greber, Principes fondamentaux, p. 167; Scartazzini/Hürzeler, Bundessozialversicherungsrecht, N. 456).\n\n**N. 6** — **Practical Guidelines**\n\n**N. 6.1** — **Constitution-Compliant Interpretation**\n\nWhen interpreting the OASI Act and DI Act, the constitutional requirements of Art. 112 Cst. must always be observed. This applies particularly to revision proposals that affect pension levels or pension ratios (→ Art. 190 Cst. on the precedence of federal acts).\n\n**N. 6.2** — **Coordination with Other Social Insurance Schemes**\n\nArt. 112 Cst. must be read in the context of the entire social insurance system. Benefit cuts in the first pillar can have effects on supplementary benefits (→ Art. 112a Cst.) and occupational benefits (→ Art. 113 Cst.). This interaction must be considered in legislative revisions (Gächter, ZSR 2014 II, p. 45).\n\n**N. 6.3** — **International Aspects**\n\nSwiss social insurance law is strongly influenced by international agreements (Agreement on the Free Movement of Persons, bilateral social security agreements). In cross-border cases, in addition to Art. 112 Cst., the applicable international law must always be examined (**BGE 136 V 33** on coordination with Turkish law).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Compulsory Insurance and Abuse of Rights\n\n**BGE 131 V 97** (21 March 2005)\n\nThe Federal Supreme Court decided on an abusive assertion of the compulsory insurance obligation in the OASI. Several hundred foreign investors participated in a limited partnership also with the aim of later receiving OASI pensions.\n\nThe court found an abuse of rights, since the OASI was assigned the function of a pure financial investment object that was intended to generate the greatest possible individual return by exploiting actuarial solidarity.\n\n> «The partners cannot invoke the right to admission to the OASI, because here the OASI is assigned the function of a pure financial investment object that is intended to generate the greatest possible individual return by exploiting actuarial solidarity.»\n\n### Subsistence Needs and Adequate Pensions\n\n**BGE 131 V 256** (4 August 2005)\n\nThe Federal Supreme Court dealt with the constitutionality of flat-rate heating cost allowances for supplementary benefits and the question of what is to be understood by «adequate coverage of subsistence needs» within the meaning of Art. 112 para. 2 lit. b Const.\n\nThe court held that the flat-rate calculation of heating costs does not constitute a violation of the right to a dignified existence under Art. 12 Const. and is compatible with the constitutional requirement of adequate coverage of subsistence needs.\n\n> «The flat-rate calculation of heating costs does not constitute a violation of the right to a dignified existence under Art. 12 Const. Art. 16b EBO is legal and constitutional.»\n\n**BGE 139 V 358** (26 June 2013)\n\nThe Federal Supreme Court interpreted the constitutional basis for supplementary benefits. It clarified the relationship between Art. 112 and Art. 112a Const. regarding the coverage of subsistence needs.\n\nUnder Art. 112a Const., the Confederation and the Cantons provide supplementary benefits to persons whose subsistence needs are not covered by the benefits of the old-age, survivors' and disability insurance.\n\n> «Under Art. 112a Const., the Confederation and the Cantons provide supplementary benefits to persons whose subsistence needs are not covered by the benefits of the old-age, survivors' and disability insurance (para. 1). The law determines the scope of supplementary benefits as well as the tasks and responsibilities of the Confederation and the Cantons (para. 2).»\n\n### Set-off and Subsistence Minimum\n\n**BGE 136 V 286** (6 August 2010)\n\nThe Federal Supreme Court decided on the set-off of pension back payments from the DI with claims for damages. This concerned the practical implementation of the constitutional requirement of adequate coverage of subsistence needs.\n\nThe set-off of pension back payments is governed by Art. 50 para. 2 IDA in conjunction with Art. 20 para. 2 lit. a OASIA and not by the provisions of the GSTA on safeguarding the subsistence minimum.\n\n> «The set-off of pension back payments from disability insurance with claims for damages under Art. 52 OASIA is governed by Art. 50 para. 2 IDA in conjunction with Art. 20 para. 2 lit. a OASIA and not by the provisions of the GSTA on safeguarding the subsistence minimum.»\n\n**BGE 138 V 402** (17 September 2012)\n\nThe Federal Supreme Court specified the limits of set-off in pension back payments in light of the constitutional subsistence minimum.\n\nThe safeguarding of the subsistence minimum as a limit to set-off in back payments of pensions from earlier periods need not be observed when the pension to be paid back merely replaces a pension paid in an earlier period.\n\n> «The safeguarding of the subsistence minimum as a limit to set-off in back payments of pensions from earlier periods need not be observed when the pension to be paid back merely replaces a pension paid in an earlier period and thus does not constitute additional income.»\n\n### Financing through Earmarked Taxes\n\n**A-1211/2018** (11 March 2019, FADM, reversed by FSC 29 January 2020)\n\nThe Federal Administrative Court dealt with the constitutional basis of the tobacco tax as a source of financing for the OASI/DI according to Art. 112 para. 5 Const. The decision was later reversed by the Federal Supreme Court.\n\nThe court found that the tobacco tax primarily serves fiscal purposes and the proceeds are used according to Art. 112 para. 5 Const. for the Confederation's contributions to the old-age, survivors' and disability insurance.\n\n> «The Federal Constitution stipulates that the proceeds from the tobacco tax are used for the Confederation's contributions to the old-age, survivors' and disability insurance (Art. 112 para. 5 Const.). This purpose of the tobacco tax is thus enshrined at the constitutional level and makes the tobacco tax an earmarked tax.»\n\n### Contribution Obligation in International Cases\n\n**BGE 136 V 33** (26 November 2009)\n\nThe Federal Supreme Court decided on the contribution obligation of a Turkish asylum seeker and the consideration of OASI/DI contributions under international agreements.\n\nThe OASI/DI/IS contributions paid by a Turkish asylum seeker were transferred to Turkish social security according to the Swiss-Turkish social security agreement after return to the home country.\n\n> «The OASI/DI/IS contributions paid by a Turkish asylum seeker from 1990 to 1994 were transferred to Turkish social security following return to the home country (after rejection of the asylum application) according to Art. 10a of the Swiss-Turkish social security agreement.»\n\n### Seizability of Social Security Benefits\n\n**BGE 130 III 400** (17 May 2004)\n\nThe Federal Supreme Court decided on the seizability of DI daily allowances and the constitutional significance of protection of subsistence in social security benefits.\n\nThe seizure of daily allowances from disability insurance is generally only possible to a limited extent in order to guarantee the constitutional function of securing subsistence.\n\n> «The third-party debtor is not entitled to file an appeal against the seizure, but can only submit the third-party debtor's declaration and, if necessary, behave passively when making the payment.»\n\n### Tax Treatment of Social Security Pensions\n\n**BGE 132 II 128** (23 February 2006)\n\nThe Federal Supreme Court dealt with the tax treatment of disability pensions and their classification as replacement for lost earned income.\n\nIncome from disability insurance that does not serve to cover material damage that has occurred or will occur in the future is taxable as income.\n\n> «Income from disability insurance that does not serve to cover material damage that has occurred or will occur in the future is taxable as income.»\n\n### Federal Contributions and Maximum Limit\n\n**BGE 150 V 410** (3 November 2021)\n\nThe Federal Supreme Court dealt with the calculation of disability income and the practical implementation of constitutional requirements for adequate pension calculation.\n\nWhen determining the DI pension, the constitutional principles of adequate coverage of subsistence needs and proportionality between minimum and maximum pensions must be observed.\n\n> «The regulation introduced with Art. 26 bis para. 3 IVO on deductions from the table wage when determining disability income is constitutional and legal.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_112", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 112, "article_suffix": "a", "title": "Ergänzungsleistungen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 112a BV verpflichtet Bund und Kantone gemeinsam zur Ausrichtung von Ergänzungsleistungen. Diese ergänzen die AHV- und IV-Renten, wenn diese den Existenzbedarf nicht vollständig decken. Die Norm geht auf das Jahr 1972 zurück und wurde mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) grundlegend überarbeitet.\n\nDie Ergänzungsleistungen richten sich an Personen, die eine AHV- oder IV-Rente beziehen, aber trotzdem nicht genug Geld zum Leben haben. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, deren Renten zu niedrig sind. Anders als bei der Sozialhilfe müssen die Betroffenen nicht alles Vermögen aufbrauchen. Die Ergänzungsleistungen decken den gesamten Existenzbedarf ab – das heisst alles, was für ein menschenwürdiges Leben nötig ist.\n\nDie Rechtsfolgen sind bedeutsam: Art. 112a BV schafft einen verbindlichen Verfassungsauftrag. Der Bund regelt die Einzelheiten im Ergänzungsleistungsgesetz (ELG). Die Kantone müssen bei der Umsetzung sicherstellen, dass der Existenzbedarf vollständig gedeckt wird. Das Bundesgericht hat mehrfach entschieden, dass Kantone ihre Gestaltungsfreiheit nicht dazu missbrauchen dürfen, die Existenzsicherung zu untergraben.\n\n**Beispiel:** Eine 75-jährige Rentnerin erhält monatlich 1800 Franken AHV-Rente. Ihre Wohnkosten betragen 1200 Franken, ihre übrigen Lebenshaltungskosten 800 Franken – insgesamt benötigt sie 2000 Franken pro Monat. Die Ergänzungsleistung von 200 Franken schliesst die Lücke zwischen Rente und Existenzbedarf.\n\nDie verfassungsrechtliche Bedeutung der Ergänzungsleistungen liegt in ihrer systematischen Stellung zwischen Sozialversicherung und Sozialhilfe. Nach Gächter/Filippo bilden sie ein eigenständiges System der ersten Säule, das weder der Sozialversicherung im engeren Sinn noch der Sozialhilfe zuzuordnen ist. Carigiet/Koch betonen, dass die Ergänzungsleistungen verhindern sollen, dass AHV- und IV-Rentner auf Sozialhilfe angewiesen sind. Die Rechtsprechung hat diese Zweckbestimmung bestätigt: Die Ergänzungsleistungen dienen der vollständigen Existenzsicherung und gehen der Sozialhilfe vor.\n\nLocher/Gächter charakterisieren die Ergänzungsleistungen als bedarfsgeprüfte, aber nicht bedarfsabhängige Leistungen. Im Unterschied zur Sozialhilfe sind sie nicht subsidiär gegenüber privater Unterstützung. Dummermuth weist darauf hin, dass die verfassungsrechtliche Verankerung die Ergänzungsleistungen vor kurzfristigen Sparübungen schützt. Die EL-Reform 2021 zeigt jedoch, dass auch verfassungsrechtlich verankerte Leistungen politischen Veränderungen unterliegen können.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Ergänzungsleistungen haben eine lange Vorgeschichte. Bereits 1919 hielt der Bundesrat fest, dass die Renten der Sozialversicherung «nicht so hoch sein [sollten], dass sie jedes Bedürfnis voll decken und damit den individuellen Sparsinn ausschalten würden» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 3). Diese Konzeption der nur teilweisen Existenzdeckung durch die erste Säule prägte die spätere Entwicklung der Ergänzungsleistungen.\n\n**N. 2** Im Jahr 1963 konstatierte der Bundesrat einen «ausgewiesenen Bedarf nach Zusatzleistungen an Bezüger von AHV- und IV-Renten, deren Existenzbedarf durch die Versicherungsleistungen nicht gedeckt wird» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 4). Dies führte zur Einführung der Ergänzungsleistungen auf Gesetzesstufe im Jahr 1966, ohne dass diese zunächst verfassungsrechtlich verankert waren.\n\n**N. 3** Die Verankerung der Ergänzungsleistungen in der Verfassung erfolgte erst mit Art. 34quater Abs. 6 BV 1874, der 1972 im Rahmen der Verfassungsrevision betreffend die Drei-Säulen-Konzeption der Altersvorsorge eingefügt wurde (BBl 1971 II 1609). Bundesrat Tschudi bezeichnete die Ergänzungsleistungen als auf «einer einwandfreien Basis» beruhend (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 14).\n\n**N. 4** Mit der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 wurden die Ergänzungsleistungen in Art. 112a BV überführt, wobei der Gehalt der Bestimmung unverändert blieb (BBl 1997 I 1, 311). Die entscheidende Umgestaltung erfolgte im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA). Mit der NFA-Vorlage erhielt Art. 112a BV seine heutige Fassung, die eine gemeinsame Zuständigkeit von Bund und Kantonen für die Ergänzungsleistungen vorsieht (BBl 2001 2291, 2363).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 5** Art. 112a BV steht in engem systematischen Zusammenhang mit Art. 112 BV (Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung). Während Art. 112 Abs. 2 lit. b BV vorschreibt, dass die Renten der AHV/IV den Existenzbedarf «angemessen» zu decken haben, sichert Art. 112a BV die vollständige Existenzdeckung für Personen, bei denen diese angemessene Deckung nicht ausreicht (**9C_51/2013** E. 2.1).\n\n**N. 6** Die Bestimmung ist weiter eingebettet in das System der sozialen Sicherheit der Bundesverfassung. Sie steht in Verbindung mit:\n- → Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen)\n- → Art. 41 BV (Sozialziele)\n- → Art. 111 BV (Altersvorsorge im Drei-Säulen-System)\n- → Art. 115 BV (Unterstützung Bedürftiger)\n\n**N. 7** Die Ergänzungsleistungen bilden innerhalb der ersten Säule ein eigenständiges Leistungssystem, das weder der Sozialversicherung im engeren Sinn noch der Sozialhilfe zuzuordnen ist (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 50 N. 1). Sie stehen zwischen der versicherungsmässigen Rentenleistung und der bedarfsabhängigen Sozialhilfe.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 8** **Personenkreis**: Nach Abs. 1 richten sich die Ergänzungsleistungen an «Personen, deren Existenzbedarf durch die Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist». Der Anspruch setzt voraus:\n- Bezug einer AHV- oder IV-Rente (oder Hilflosenentschädigung)\n- Ungenügende Deckung des Existenzbedarfs durch diese Leistungen\n- Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in der Schweiz (**C-1393/2016**)\n\n**N. 9** **Existenzbedarf**: Der Begriff des Existenzbedarfs wird durch die Bundesverfassung nicht definiert. Die Ausgestaltung obliegt dem Gesetzgeber (Art. 112a Abs. 2 BV). Nach **BGE 139 V 358** E. 2.1 umfasst der verfassungsrechtliche Auftrag die Sicherung einer menschenwürdigen Existenz, die über das blosse Überleben hinausgeht.\n\n**N. 10** **Gemeinsame Zuständigkeit** (Abs. 1): Die Formulierung «Bund und Kantone» begründet eine gemeinsame Aufgabe. Im Unterschied zur früheren Regelung, die eine reine Bundeskompetenz vorsah, sind die Kantone seit der NFA gleichberechtigte Partner bei der Ausrichtung der Ergänzungsleistungen (Poledna, Neugestaltung des Finanzausgleichs, SZS 2004, 506, 520).\n\n**N. 11** **Gesetzgebungskompetenz** (Abs. 2): Dem Bund obliegt die Kompetenz zur Regelung des Umfangs der Ergänzungsleistungen sowie der Aufgaben- und Zuständigkeitsverteilung zwischen Bund und Kantonen. Diese Bundeskompetenz ist umfassend, schliesst aber kantonale Zusatzleistungen nicht aus (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 27-31).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** **Subjektiver Rechtsanspruch**: Art. 112a BV begründet keinen unmittelbaren verfassungsrechtlichen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Der individuelle Anspruch entsteht erst durch die Ausführungsgesetzgebung (ELG). Anders als bei den Sozialzielen (Art. 41 BV) handelt es sich aber um einen justiziablen Gesetzgebungsauftrag.\n\n**N. 13** **Existenzsicherung**: Die Ergänzungsleistungen müssen den gesamten Existenzbedarf decken, nicht bloss eine Teildeckung gewährleisten. Dies unterscheidet sie von den AHV/IV-Renten, die nur eine «angemessene» Deckung bezwecken (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums in der Schweiz, 1999, 178 ff.).\n\n**N. 14** **Kantonale Gestaltungsfreiheit und deren Grenzen**: Die Kantone haben bei der Festsetzung der anerkannten Ausgaben (insbesondere Heimtaxen) einen Gestaltungsspielraum. Dieser findet seine Grenze dort, wo die Festsetzung systematisch zur Sozialhilfeabhängigkeit führt (**5V 18 163** Kantonsgericht Luzern vom 15.1.2020). Die Kantone dürfen das EL-System nicht durch zu tiefe Ansätze aushöhlen.\n\n**N. 15** **Verhältnis zur Sozialhilfe**: Die Ergänzungsleistungen gehen der Sozialhilfe vor (Subsidiaritätsprinzip). Sie sollen verhindern, dass AHV/IV-Rentner auf Sozialhilfe angewiesen sind. Bei der Berechnung der EL ist daher sicherzustellen, dass der Existenzbedarf vollständig gedeckt wird (**8C_138/2024**).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Heimdefinition**: Die Delegation der Heimdefinition an die Kantone (Art. 25a Abs. 1 ELV) war umstritten. Das Bundesgericht hat in **BGE 139 V 358** entschieden, dass diese Delegation verfassungskonform ist. Die frühere bundesrechtliche Definition nach BGE 118 V 142 ist überholt. Carigiet/Koch (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl. 2009, 234) begrüssen diese Flexibilität, während Müller (Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3. Aufl. 2015, 156) auf die Gefahr uneinheitlicher Praxis hinweist.\n\n**N. 17** **Mietwertanrechnung**: Bei der Anrechnung des Mietwerts selbstbewohnter Liegenschaften bestand Uneinigkeit über die Berücksichtigung kantonaler Steuerreduktionen. Das Bundesgericht klärte in **BGE 138 V 9**, dass der ungekürzte Mietwert massgebend ist. Jöhl (in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. 2007, N. 1782) unterstützt diese Praxis als systemkonform, während Landolt (Die EL als Pflegeversicherung, SZS 2011, 184, 195) auf die soziale Härte für Wohneigentümer hinweist.\n\n**N. 18** **Reichweite der kantonalen Verpflichtung**: Strittig ist, wie weit die kantonale Pflicht zur angemessenen Tagestaxenfestsetzung reicht. Nach **BGE 143 V 9** besteht diese Pflicht nur für anerkannte Pflegeheime nach Art. 39 Abs. 3 KVG. Dummermuth (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV: Entwicklungen und Tendenzen, SZS 2011, 114, 130) kritisiert diese Einschränkung als systemwidrig, da sie zu Schutzlücken führe.\n\n**N. 19** **Verhältnis zu den Sozialzielen**: Umstritten ist das Verhältnis zwischen Art. 112a BV und Art. 41 BV (Sozialziele). Während Maurer (Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Bd. I, 2. Aufl. 1983, 456) die Ergänzungsleistungen als konkretisiertes Sozialziel sieht, betonen Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 112a N. 17-20), dass Art. 112a BV über ein blosses Sozialziel hinausgeht und einen verbindlichen Verfassungsauftrag darstellt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** **Anspruchsprüfung**: Bei der Prüfung eines EL-Anspruchs ist systematisch vorzugehen:\n1. Vorliegen einer AHV/IV-Rente oder Hilflosenentschädigung\n2. Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in der Schweiz\n3. Berechnung der anerkannten Einnahmen und Ausgaben\n4. Feststellung einer Ausgabenüberschusses\n\n**N. 21** **Beweislast**: Die anspruchstellende Person trägt die Beweislast für die anspruchsbegründenden Tatsachen (Einnahmen, Ausgaben, Vermögen). Die EL-Stelle hat von Amtes wegen abzuklären und die Person bei der Beschaffung von Unterlagen zu unterstützen (Verwirklichung des Sozialversicherungsprinzips).\n\n**N. 22** **Kantonale Zusatzleistungen**: Kantone können über die bundesrechtlichen Minimalleistungen hinausgehende Zusatzleistungen vorsehen. Diese unterstehen nicht Art. 112a BV, sondern der kantonalen Gesetzgebungskompetenz. Bei ihrer Ausgestaltung ist das Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 BV) zu beachten (**810 23 127** Kantonsgericht Basel-Landschaft vom 31.1.2024).\n\n**N. 23** **Koordination mit anderen Leistungen**: Bei der EL-Berechnung sind alle anderen Sozialversicherungsleistungen als Einnahmen anzurechnen. Besondere Aufmerksamkeit erfordern:\n- Leistungen der beruflichen Vorsorge\n- Krankentaggelder\n- Ausländische Renten (Koordinationsabkommen beachten)\n\n**N. 24** **Reform 2021**: Die EL-Reform 2021 brachte verschiedene Leistungseinschränkungen (Vermögensschwelle, Rückerstattungspflicht). Bei der Anwendung ist stets zu prüfen, ob die Neuregelungen mit dem verfassungsrechtlichen Existenzsicherungsauftrag vereinbar sind (**ZL.2024.00023** Sozialversicherungsgericht Zürich vom 27.3.2025).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätze des Verfassungsauftrags\n\n### Verfassungsrechtlicher Auftrag zur Existenzsicherung\n\n**BGE 139 V 358** vom 26. Juni 2013 (E. 2.1)\nGrundsatzentscheid zur verfassungsrechtlichen Verankerung der Ergänzungsleistungen.\nDas Bundesgericht präzisiert die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Ergänzungsleistungen nach der NFA-Reform.\n\n> «Nach Art. 112a BV richten Bund und Kantone Ergänzungsleistungen aus an Personen, deren Existenzbedarf durch die Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist (Abs. 1). Das Gesetz legt den Umfang der Ergänzungsleistungen sowie die Aufgaben und Zuständigkeiten von Bund und Kantonen fest (Abs. 2).»\n\n**9C_51/2013** vom 26. Juni 2013 (E. 2.1)\nVerhältnis zwischen Art. 112 Abs. 2 lit. b BV und Art. 112a BV.\nDer Entscheid stellt die systematische Verbindung der beiden Verfassungsbestimmungen her.\n\n> «Nach Art. 112 Abs. 2 lit. b BV haben die Renten der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung den Existenzbedarf angemessen zu decken. Gemäss Art. 112a BV richten Bund und Kantone Ergänzungsleistungen aus an Personen, deren Existenzbedarf durch die Leistungen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist (Abs. 1). Das Gesetz legt den Umfang der Ergänzungsleistungen sowie die Aufgaben und Zuständigkeiten von Bund und Kantonen fest (Abs. 2).»\n\n### Zweckbestimmung der Ergänzungsleistungen\n\n**9C_36/2010** vom 7. April 2010 (E. 4.7)\nExistenzsicherung als Zweck der Ergänzungsleistungen.\nDer Entscheid bestätigt die verfassungsrechtliche Zweckbestimmung der Ergänzungsleistungen.\n\n> «Die Ergänzungsleistungen werden ausgerichtet, um den Berechtigten den Existenzbedarf zu decken (Art. 112a BV). Aus dieser Zwecksetzung lässt sich ebenfalls nicht ableiten, der Begriff der Kosten für den Zahnarzt sei einschränkend auszulegen.»\n\n## Heimdefinition und Aufenthaltsformen\n\n### Definition des Heimbegriffs\n\n**BGE 139 V 358** vom 26. Juni 2013\nHeimdefinition nach Art. 25a Abs. 1 ELV im Lichte von Art. 112a BV.\nGrundlegender Entscheid zur bundesrechtskonformen Definition des Heimes nach der NFA-Reform.\n\n> «Die Definition des Heimes in Art. 25a Abs. 1 ELV ist bundesrechtskonform. Ob ein Heimaufenthalt im Sinne des EL-Rechts gegeben ist, bestimmt sich danach, ob eine Einrichtung von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung verfügt. Die Rechtsprechung unter dem früheren EL-Recht (BGE 118 V 142) ist überholt.»\n\n**9C_20/2013** vom 26. Juni 2013 (E. 4.5)\nÜberholtheit der früheren Rechtsprechung zur Heimdefinition.\nDer Entscheid stellt klar, dass die bundesrechtliche Neuregelung abschliessend ist.\n\n> «Die Rechtsprechung nach BGE 118 V 142 ist durch die bundesrechtliche Neuregelung überholt. Ausgelegt nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihr zugrunde liegenden Wertungen ist die Regelung in Art. 25a ELV verfassungs- und gesetzeskonform. Wenn Art. 9 Abs. 5 lit. h ELG regelt, der Bundesrat bestimme die Definition des Heimes, kann dieser die Kompetenz an die Kantone weiterdelegieren.»\n\n### Pflegefamilien und heimähnliche Institutionen\n\n**9C_51/2013** vom 26. Juni 2013 (E. 2.3)\nDelegation der Heimdefinition an die Kantone.\nBestätigung der kantonalen Zuständigkeit für die Heimanerkennung.\n\n> «Nach Art. 9 Abs. 5 lit. h ELG bestimmt der Bundesrat die Definition des Heimes. Auf dieser - weiten - Delegationsgrundlage hat er in Art. 25a Abs. 1 ELV geregelt, dass als Heim jede Einrichtung gilt, die von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung verfügt.»\n\n## Heimtaxen und kantonale Begrenzungsmöglichkeiten\n\n### Kantonsgerichtsentscheid Luzern zur Normenkontrolle\n\n**5V 18 163** vom 15. Januar 2020 (Kantonsgericht Luzern)\nKonkrete Normenkontrolle bei ungenügenden Heimtaxen.\nWegweisender Entscheid zur Kontrolle kantonaler Tagestaxen-Festsetzung.\n\n> «Die seitens des Regierungsrats bewusst vorgenommene tiefe Ansetzung der bei den Ergänzungsleistungen als anerkannte Ausgaben anrechenbaren Tagestaxe für den Aufenthalt in einem Pflegeheim führt in der Planungsregion Luzern über kurz oder lang in die Sozialhilfeabhängigkeit. Das verstösst gegen Bundesrecht. Daher ist die kantonale Norm im Fall eines im Pflegeheim lebenden AHV-Rentners nicht anzuwenden (konkrete Normenkontrolle).»\n\n### Grenzen der kantonalen Gestaltungsfreiheit\n\n**BGE 143 V 9** vom 13. Januar 2017\nReichweite der kantonalen Verpflichtung bei Heimtaxen-Festsetzung.\nDer Entscheid präzisiert die Grenzen der kantonalen Gestaltungsfreiheit bei anderen Einrichtungen als anerkannten Pflegeheimen.\n\n> «Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG verpflichtet die Kantone nicht, die Tagestaxen auch bei anderen Einrichtungen als anerkannten Pflegeheimen nach Art. 39 Abs. 3 KVG so festzusetzen, dass die dort lebenden EL-Bezüger - in der Regel - nicht Sozialhilfe beantragen müssen. Diese eingeschränkte Tragweite von Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG kann dazu führen, dass kein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht und als Folge davon grundsätzlich auch nicht auf Vergütung der Krankheits- und Behinderungskosten. Von Verfassung wegen ist dies hinzunehmen (Art. 190 BV).»\n\n## Anrechnung von Vermögenswerten\n\n### Mietwert selbstbewohnter Liegenschaften\n\n**BGE 138 V 9** vom 19. Dezember 2011\nAnrechnung des Mietwerts der selbstbewohnten Liegenschaft bei Ergänzungsleistungen.\nGrundlegender Entscheid zur korrekten Berechnung des anrechenbaren Einkommens aus Immobilieneigentum.\n\n> «EL-rechtlich als Einkommen anzurechnen ist nicht der gekürzte steuerliche Mietwert einer selbstbewohnten Liegenschaft, sondern der nach Massgabe des kantonalen Steuerrechts (subsidiär: nach DBG) ermittelte ungekürzte Mietwert. Der Verweis in Art. 12 Abs. 1 ELV umfasst nur die steuerrechtlichen Grundsätze, nicht aber die - teilweise erheblich differierenden - kantonalen Regelungen bezüglich der prozentualen Besteuerung.»\n\n### Gebäudeunterhaltskosten und Liegenschaftsertrag\n\n**9C_822/2009** vom 7. Mai 2010\nAbzug von Gebäudeunterhaltskosten vom Liegenschaftenertrag.\nDer Entscheid klärt die Modalitäten des Abzugs von Unterhaltskosten bei der Einnahmenanrechnung.\n\nDer Entscheid behandelt die sachgerechte Berücksichtigung von Nutzniessungserträgen und Gebäudeunterhaltskosten bei der EL-Berechnung unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlichen Existenzsicherungsauftrags.\n\n## Pfändungsschutz und Koordination mit anderen Rechtsgebieten\n\n### Pfändungsschutz ausländischer Sozialversicherungsrenten\n\n**BGE 143 III 385** vom 29. Mai 2017\nAnspruch eines Bezügers einer liechtensteinischen AHV-Rente auf absoluten Pfändungsschutz.\nDer Entscheid zeigt die Koordination zwischen Ergänzungsleistungen und Pfändungsschutz auf.\n\n> «Die liechtensteinische AHV-Rente ist in der Schweiz grundsätzlich absolut unpfändbar. Offengelassen, ob die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit auf die Frage der Pfändbarkeit ausländischer Sozialversicherungsrenten sachlich anwendbar ist.»\n\n## Koordination mit anderen Sozialversicherungen\n\n### Verhältnis zur Sozialhilfe\n\n**8C_138/2024** vom 8. Juli 2025\nSozialhilfe bei parallelem Ergänzungsleistungsbezug der Partnerin.\nAktueller Entscheid zur Abgrenzung zwischen Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe bei Konkubinatspaaren.\n\nDer Entscheid behandelt die komplexe Situation, wenn nur ein Partner Ergänzungsleistungen bezieht, während der andere auf Sozialhilfe angewiesen ist, und zeigt die verfassungsrechtlichen Grenzen der Koordination auf.\n\n### Internationale Koordination\n\n**C-1393/2016** vom 16. September 2016 (Bundesverwaltungsgericht)\nErgänzungsleistungen und internationale Koordination.\nDer Entscheid behandelt die Voraussetzungen für Ergänzungsleistungen bei internationalen Bezügen.\n\n> «Personen, deren Existenzbedarf durch die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung nicht gedeckt ist, können Ergänzungsleistungen beantragen (vgl. Art. 112a BV), was aber Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz voraussetzt.»\n\n## Aktuellere Entwicklungen\n\n### EL-Reform und Verfassungskonformität\n\n**ZL.2024.00023** vom 27. März 2025 (Sozialversicherungsgericht Zürich)\nRollstuhlzuschlag nach der EL-Reform.\nAktueller Entscheid zur verfassungskonformen Anwendung der EL-Reform.\n\n> «Durch die anerkannten Ausgaben wird dabei gleichzeitig das Existenzminimum definiert, welches durch die Ergänzungsleistungen gesichert werden soll (Art. 2 Abs. 1 ELG, Art. 112a Abs. 1 der Bundesverfassung, BV; vgl. Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung).»\n\n### Kantonale Zusatzbeiträge\n\n**810 23 127** vom 31. Januar 2024 (Kantonsgericht Basel-Landschaft)\nAnfechtbarkeit von Nichtgenehmigungsverfügungen bei kommunalen Zusatzbeiträgen zu Ergänzungsleistungen.\nDer Entscheid zeigt die Grenzen kommunaler Gestaltungsfreiheit bei Ergänzungsleistungen auf.\n\nDie neuere Rechtsprechung zeigt, dass die Kantone bei der Ausgestaltung von Zusatzleistungen zu den verfassungsrechtlich garantierten Ergänzungsleistungen rechtlichen Schranken unterliegen.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 112a Cst. oblige la Confédération et les cantons à verser conjointement des prestations complémentaires. Celles-ci complètent les rentes AVS et AI lorsque ces dernières ne couvrent pas entièrement les besoins vitaux. Cette norme remonte à 1972 et a été fondamentalement révisée avec la réforme de la péréquation financière (RPT).\n\nLes prestations complémentaires s'adressent aux personnes qui touchent une rente AVS ou AI mais n'ont néanmoins pas assez d'argent pour vivre. Sont principalement concernées les personnes âgées et les personnes handicapées dont les rentes sont trop faibles. Contrairement à l'aide sociale, les bénéficiaires ne doivent pas épuiser toute leur fortune. Les prestations complémentaires couvrent l'ensemble des besoins vitaux – c'est-à-dire tout ce qui est nécessaire pour une vie digne.\n\nLes conséquences juridiques sont importantes : l'art. 112a Cst. crée un mandat constitutionnel contraignant. La Confédération règle les détails dans la loi sur les prestations complémentaires (LPC). Les cantons doivent, lors de la mise en œuvre, garantir que les besoins vitaux sont entièrement couverts. Le Tribunal fédéral a décidé à plusieurs reprises que les cantons ne peuvent pas abuser de leur liberté d'organisation pour saper la garantie de l'existence.\n\n**Exemple :** Une retraitée de 75 ans reçoit mensuellement 1800 francs de rente AVS. Ses frais de logement s'élèvent à 1200 francs, ses autres frais de subsistance à 800 francs – au total, elle a besoin de 2000 francs par mois. La prestation complémentaire de 200 francs comble l'écart entre la rente et les besoins vitaux.\n\nLa signification constitutionnelle des prestations complémentaires réside dans leur position systématique entre l'assurance sociale et l'aide sociale. Selon Gächter/Filippo, elles forment un système autonome du premier pilier qui ne peut être attribué ni à l'assurance sociale au sens strict ni à l'aide sociale. Carigiet/Koch soulignent que les prestations complémentaires doivent empêcher que les bénéficiaires de rentes AVS et AI dépendent de l'aide sociale. La jurisprudence a confirmé cette finalité : les prestations complémentaires servent à la garantie complète de l'existence et priment sur l'aide sociale.\n\nLocher/Gächter caractérisent les prestations complémentaires comme des prestations soumises à examen des ressources mais non dépendantes des besoins. Contrairement à l'aide sociale, elles ne sont pas subsidiaires par rapport au soutien privé. Dummermuth relève que l'ancrage constitutionnel protège les prestations complémentaires contre les exercices d'économies à court terme. La réforme PC 2021 montre cependant que même les prestations ancrées constitutionnellement peuvent subir des modifications politiques.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** Les prestations complémentaires ont une longue préhistoire. Déjà en 1919, le Conseil fédéral constatait que les rentes de l'assurance sociale « ne devaient pas être si élevées qu'elles couvrent intégralement tous les besoins et éliminent ainsi l'épargne individuelle » (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112a ch. 3). Cette conception de la couverture seulement partielle de l'existence par le premier pilier a marqué le développement ultérieur des prestations complémentaires.\n\n**Ch. 2** En 1963, le Conseil fédéral constata un « besoin avéré de prestations additionnelles aux bénéficiaires de rentes AVS et AI dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations d'assurance » (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112a ch. 4). Ceci conduisit à l'introduction des prestations complémentaires au niveau légal en 1966, sans qu'elles soient d'abord ancrées constitutionnellement.\n\n**Ch. 3** L'ancrage des prestations complémentaires dans la Constitution n'eut lieu qu'avec l'art. 34quater al. 6 aCst, qui fut inséré en 1972 dans le cadre de la révision constitutionnelle concernant la conception des trois piliers de la prévoyance vieillesse (FF 1971 II 1609). Le conseiller fédéral Tschudi qualifiait les prestations complémentaires comme reposant sur « une base irréprochable » (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112a ch. 14).\n\n**Ch. 4** Avec la révision totale de la Constitution fédérale en 1999, les prestations complémentaires furent transférées à l'art. 112a Cst, le contenu de la disposition demeurant inchangé (FF 1997 I 1, 311). La transformation décisive eut lieu dans le cadre de la nouvelle répartition des tâches et de la péréquation financière entre la Confédération et les cantons (RPT). Avec le projet RPT, l'art. 112a Cst reçut sa version actuelle, qui prévoit une compétence commune de la Confédération et des cantons pour les prestations complémentaires (FF 2001 2291, 2363).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**Ch. 5** L'art. 112a Cst présente un lien systématique étroit avec l'art. 112 Cst (assurance-vieillesse, survivants et invalidité). Alors que l'art. 112 al. 2 let. b Cst prescrit que les rentes de l'AVS/AI doivent couvrir « convenablement » les besoins vitaux, l'art. 112a Cst garantit la couverture complète de l'existence pour les personnes chez qui cette couverture convenable ne suffit pas (**9C_51/2013** consid. 2.1).\n\n**Ch. 6** La disposition s'insère en outre dans le système de la sécurité sociale de la Constitution fédérale. Elle est en relation avec :\n- → Art. 12 Cst (Droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse)\n- → Art. 41 Cst (Buts sociaux)\n- → Art. 111 Cst (Prévoyance vieillesse dans le système des trois piliers)\n- → Art. 115 Cst (Aide aux personnes dans le besoin)\n\n**Ch. 7** Les prestations complémentaires forment au sein du premier pilier un système de prestations autonome qui ne peut être classé ni dans l'assurance sociale au sens strict ni dans l'aide sociale (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4e éd. 2014, § 50 ch. 1). Elles se situent entre la prestation de rente assurancielle et l'aide sociale dépendante des besoins.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 8** **Cercle de personnes** : Selon l'al. 1, les prestations complémentaires s'adressent aux « personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité ». Le droit suppose :\n- La perception d'une rente AVS ou AI (ou d'une allocation pour impotent)\n- Une couverture insuffisante des besoins vitaux par ces prestations\n- Le domicile et la résidence habituelle en Suisse (**C-1393/2016**)\n\n**Ch. 9** **Besoins vitaux** : La notion de besoins vitaux n'est pas définie par la Constitution fédérale. L'aménagement incombe au législateur (art. 112a al. 2 Cst). Selon **ATF 139 V 358** consid. 2.1, le mandat constitutionnel comprend la garantie d'une existence digne, qui va au-delà de la simple survie.\n\n**Ch. 10** **Compétence commune** (al. 1) : La formulation « Confédération et cantons » fonde une tâche commune. Contrairement à la réglementation antérieure qui prévoyait une compétence purement fédérale, les cantons sont depuis la RPT des partenaires égaux en droit lors de l'octroi des prestations complémentaires (Poledna, Neugestaltung des Finanzausgleichs, SZS 2004, 506, 520).\n\n**Ch. 11** **Compétence législative** (al. 2) : Il incombe à la Confédération la compétence de régler l'étendue des prestations complémentaires ainsi que la répartition des tâches et des compétences entre la Confédération et les cantons. Cette compétence fédérale est complète, mais n'exclut pas des prestations additionnelles cantonales (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 112a ch. 27-31).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 12** **Droit subjectif** : L'art. 112a Cst ne fonde pas un droit constitutionnel immédiat aux prestations complémentaires. Le droit individuel naît seulement par la législation d'exécution (LPC). Contrairement aux buts sociaux (art. 41 Cst), il s'agit cependant d'un mandat législatif justiciable.\n\n**Ch. 13** **Garantie de l'existence** : Les prestations complémentaires doivent couvrir l'ensemble des besoins vitaux, pas seulement assurer une couverture partielle. Ceci les distingue des rentes AVS/AI qui ne visent qu'une couverture « convenable » (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums in der Schweiz, 1999, 178 ss).\n\n**Ch. 14** **Liberté d'aménagement cantonale et ses limites** : Les cantons ont une marge d'aménagement lors de la fixation des dépenses reconnues (notamment les taxes d'établissement). Cette marge trouve sa limite là où la fixation mène systématiquement à la dépendance de l'aide sociale (**5V 18 163** Tribunal cantonal de Lucerne du 15.1.2020). Les cantons ne peuvent pas vider le système PC de sa substance par des taux trop bas.\n\n**Ch. 15** **Rapport avec l'aide sociale** : Les prestations complémentaires priment l'aide sociale (principe de subsidiarité). Elles doivent empêcher que les rentiers AVS/AI soient tributaires de l'aide sociale. Lors du calcul des PC, il faut donc s'assurer que les besoins vitaux soient entièrement couverts (**8C_138/2024**).\n\n## 5. Points controversés\n\n**Ch. 16** **Définition d'établissement** : La délégation de la définition d'établissement aux cantons (art. 25a al. 1 OPC) était controversée. Le Tribunal fédéral a décidé dans **ATF 139 V 358** que cette délégation est conforme à la Constitution. L'ancienne définition de droit fédéral selon ATF 118 V 142 est dépassée. Carigiet/Koch (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2e éd. 2009, 234) saluent cette flexibilité, tandis que Müller (Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3e éd. 2015, 156) signale le danger d'une pratique non uniforme.\n\n**Ch. 17** **Imputation de la valeur locative** : Lors de l'imputation de la valeur locative d'immeubles habités en propre, il y avait désaccord sur la prise en compte des réductions fiscales cantonales. Le Tribunal fédéral clarifiait dans **ATF 138 V 9** que la valeur locative non réduite est déterminante. Jöhl (in : Meyer, Soziale Sicherheit, 2e éd. 2007, ch. 1782) soutient cette pratique comme conforme au système, tandis que Landolt (Die EL als Pflegeversicherung, SZS 2011, 184, 195) signale la dureté sociale pour les propriétaires.\n\n**Ch. 18** **Portée de l'obligation cantonale** : Il est controversé jusqu'où va l'obligation cantonale de fixation appropriée des taxes journalières. Selon **ATF 143 V 9**, cette obligation n'existe que pour les établissements médico-sociaux reconnus selon l'art. 39 al. 3 LAMal. Dummermuth (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV: Entwicklungen und Tendenzen, SZS 2011, 114, 130) critique cette restriction comme contraire au système, car elle mène à des lacunes de protection.\n\n**Ch. 19** **Rapport avec les buts sociaux** : Le rapport entre l'art. 112a Cst et l'art. 41 Cst (buts sociaux) est controversé. Alors que Maurer (Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, vol. I, 2e éd. 1983, 456) voit les prestations complémentaires comme un but social concrétisé, Gächter/Filippo (BSK BV, art. 112a ch. 17-20) soulignent que l'art. 112a Cst va au-delà d'un simple but social et constitue un mandat constitutionnel contraignant.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 20** **Examen du droit** : Lors de l'examen d'un droit aux PC, il faut procéder systématiquement :\n1. Existence d'une rente AVS/AI ou d'une allocation pour impotent\n2. Domicile et résidence habituelle en Suisse\n3. Calcul des recettes et dépenses reconnues\n4. Constatation d'un excédent de dépenses\n\n**Ch. 21** **Fardeau de la preuve** : La personne requérante porte le fardeau de la preuve pour les faits fondant le droit (recettes, dépenses, fortune). L'office PC doit clarifier d'office et soutenir la personne dans l'obtention de pièces (réalisation du principe de l'assurance sociale).\n\n**Ch. 22** **Prestations additionnelles cantonales** : Les cantons peuvent prévoir des prestations additionnelles dépassant les prestations minimales de droit fédéral. Celles-ci ne sont pas soumises à l'art. 112a Cst, mais à la compétence législative cantonale. Lors de leur aménagement, le principe d'égalité devant la loi (art. 8 Cst) doit être respecté (**810 23 127** Tribunal cantonal de Bâle-Campagne du 31.1.2024).\n\n**Ch. 23** **Coordination avec d'autres prestations** : Lors du calcul des PC, toutes les autres prestations d'assurance sociale sont à imputer comme recettes. Une attention particulière est nécessaire pour :\n- Les prestations de la prévoyance professionnelle\n- Les indemnités journalières de maladie\n- Les rentes étrangères (respecter les accords de coordination)\n\n**Ch. 24** **Réforme 2021** : La réforme PC 2021 apporta diverses restrictions de prestations (seuil de fortune, obligation de remboursement). Lors de l'application, il faut toujours examiner si les nouvelles réglementations sont compatibles avec le mandat constitutionnel de garantie de l'existence (**ZL.2024.00023** Tribunal des assurances sociales de Zurich du 27.3.2025).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes du mandat constitutionnel\n\n### Mandat constitutionnel d'assurance de l'existence\n\n**ATF 139 V 358** du 26 juin 2013 (c. 2.1)\nArrêt de principe sur l'ancrage constitutionnel des prestations complémentaires.\nLe Tribunal fédéral précise les bases constitutionnelles des prestations complémentaires après la réforme de la RPT.\n\n> « Selon l'art. 112a Cst., la Confédération et les cantons versent des prestations complémentaires aux personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (al. 1). La loi règle l'étendue des prestations complémentaires ainsi que les tâches et compétences de la Confédération et des cantons (al. 2). »\n\n**9C_51/2013** du 26 juin 2013 (c. 2.1)\nRapport entre l'art. 112 al. 2 let. b Cst. et l'art. 112a Cst.\nL'arrêt établit le lien systématique entre les deux dispositions constitutionnelles.\n\n> « Selon l'art. 112 al. 2 let. b Cst., les rentes de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité doivent couvrir les besoins vitaux de manière appropriée. Selon l'art. 112a Cst., la Confédération et les cantons versent des prestations complémentaires aux personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par les prestations de l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (al. 1). La loi règle l'étendue des prestations complémentaires ainsi que les tâches et compétences de la Confédération et des cantons (al. 2). »\n\n### Finalité des prestations complémentaires\n\n**9C_36/2010** du 7 avril 2010 (c. 4.7)\nAssurance de l'existence comme finalité des prestations complémentaires.\nL'arrêt confirme la finalité constitutionnelle des prestations complémentaires.\n\n> « Les prestations complémentaires sont versées pour couvrir les besoins vitaux des ayants droit (art. 112a Cst.). De cette finalité, on ne saurait non plus déduire que la notion de frais pour le dentiste doive être interprétée de manière restrictive. »\n\n## Définition de l'institution et formes de séjour\n\n### Définition de la notion d'institution\n\n**ATF 139 V 358** du 26 juin 2013\nDéfinition de l'institution selon l'art. 25a al. 1 OPC à la lumière de l'art. 112a Cst.\nArrêt fondamental sur la définition conforme au droit fédéral de l'institution après la réforme de la RPT.\n\n> « La définition de l'institution à l'art. 25a al. 1 OPC est conforme au droit fédéral. La question de savoir s'il y a séjour en institution au sens du droit PC se détermine selon qu'un établissement est reconnu comme institution par un canton ou dispose d'une autorisation d'exploiter cantonale. La jurisprudence sous l'ancien droit PC (ATF 118 V 142) est dépassée. »\n\n**9C_20/2013** du 26 juin 2013 (c. 4.5)\nCaractère dépassé de l'ancienne jurisprudence sur la définition de l'institution.\nL'arrêt précise que la nouvelle réglementation fédérale est exhaustive.\n\n> « La jurisprudence selon ATF 118 V 142 est dépassée par la nouvelle réglementation fédérale. Interprétée selon le libellé, le sens et le but et les valeurs qui la sous-tendent, la réglementation de l'art. 25a OPC est conforme à la constitution et à la loi. Si l'art. 9 al. 5 let. h LPC règle que le Conseil fédéral détermine la définition de l'institution, celui-ci peut déléguer cette compétence aux cantons. »\n\n### Familles d'accueil et institutions similaires\n\n**9C_51/2013** du 26 juin 2013 (c. 2.3)\nDélégation de la définition de l'institution aux cantons.\nConfirmation de la compétence cantonale pour la reconnaissance d'institutions.\n\n> « Selon l'art. 9 al. 5 let. h LPC, le Conseil fédéral détermine la définition de l'institution. Sur cette base de délégation - large -, il a réglé à l'art. 25a al. 1 OPC que vaut comme institution tout établissement qui est reconnu comme institution par un canton ou qui dispose d'une autorisation d'exploiter cantonale. »\n\n## Taxes d'institution et possibilités cantonales de limitation\n\n### Arrêt du Tribunal cantonal de Lucerne sur le contrôle des normes\n\n**5V 18 163** du 15 janvier 2020 (Tribunal cantonal de Lucerne)\nContrôle concret des normes en cas de taxes d'institution insuffisantes.\nArrêt innovant sur le contrôle de la fixation des taxes journalières cantonales.\n\n> « La fixation délibérément basse par le Conseil d'État de la taxe journalière reconnue comme dépense reconnue dans les prestations complémentaires pour le séjour dans un établissement médico-social conduit dans la région de planification de Lucerne à terme à la dépendance de l'aide sociale. Cela viole le droit fédéral. Par conséquent, la norme cantonale n'est pas applicable dans le cas d'un rentier AVS vivant en établissement médico-social (contrôle concret des normes). »\n\n### Limites de la liberté d'aménagement cantonale\n\n**ATF 143 V 9** du 13 janvier 2017\nPortée de l'obligation cantonale lors de la fixation des taxes d'institution.\nL'arrêt précise les limites de la liberté d'aménagement cantonale pour d'autres établissements que les établissements médico-sociaux reconnus.\n\n> « L'art. 10 al. 2 let. a LPC n'oblige pas les cantons à fixer les taxes journalières aussi pour d'autres établissements que les établissements médico-sociaux reconnus selon l'art. 39 al. 3 LAMal de manière à ce que les bénéficiaires de PC y vivant ne doivent - en règle générale - pas demander l'aide sociale. Cette portée limitée de l'art. 10 al. 2 let. a LPC peut avoir pour effet qu'il n'y a pas droit à une prestation complémentaire annuelle et par conséquent en principe pas non plus au remboursement des frais de maladie et d'invalidité. Cela est acceptable du point de vue constitutionnel (art. 190 Cst.). »\n\n## Imputation de valeurs patrimoniales\n\n### Valeur locative de biens-fonds habités par le propriétaire\n\n**ATF 138 V 9** du 19 décembre 2011\nImputation de la valeur locative du bien-fonds habité par le propriétaire pour les prestations complémentaires.\nArrêt fondamental sur le calcul correct du revenu imputable provenant de la propriété immobilière.\n\n> « Doit être imputé comme revenu selon le droit PC non pas la valeur locative fiscale réduite d'un bien-fonds habité par le propriétaire, mais la valeur locative intégrale déterminée selon le droit fiscal cantonal (subsidiairement : selon l'LIFD). Le renvoi de l'art. 12 al. 1 OPC ne comprend que les principes du droit fiscal, mais pas les réglementations cantonales - parfois considérablement différentes - concernant l'imposition en pourcentage. »\n\n### Frais d'entretien d'immeubles et rendement immobilier\n\n**9C_822/2009** du 7 mai 2010\nDéduction des frais d'entretien d'immeubles du rendement immobilier.\nL'arrêt clarifie les modalités de la déduction des frais d'entretien lors de l'imputation des recettes.\n\nL'arrêt traite de la prise en compte appropriée des revenus d'usufruit et des frais d'entretien d'immeubles lors du calcul des PC en tenant compte du mandat constitutionnel d'assurance de l'existence.\n\n## Protection contre la saisie et coordination avec d'autres domaines juridiques\n\n### Protection contre la saisie des rentes d'assurances sociales étrangères\n\n**ATF 143 III 385** du 29 mai 2017\nDroit d'un bénéficiaire d'une rente AVS liechtensteinoise à une protection absolue contre la saisie.\nL'arrêt montre la coordination entre les prestations complémentaires et la protection contre la saisie.\n\n> « La rente AVS liechtensteinoise est en principe absolument insaisissable en Suisse. Question laissée ouverte de savoir si le règlement (CE) n° 883/2004 du Parlement européen et du Conseil du 29 avril 2004 portant sur la coordination des systèmes de sécurité sociale est matériellement applicable à la question de la saisissabilité des rentes d'assurances sociales étrangères. »\n\n## Coordination avec d'autres assurances sociales\n\n### Rapport avec l'aide sociale\n\n**8C_138/2024** du 8 juillet 2025\nAide sociale en cas de perception parallèle de prestations complémentaires par la partenaire.\nArrêt actuel sur la délimitation entre prestations complémentaires et aide sociale pour les couples en concubinage.\n\nL'arrêt traite de la situation complexe où seul un partenaire perçoit des prestations complémentaires, tandis que l'autre dépend de l'aide sociale, et montre les limites constitutionnelles de la coordination.\n\n### Coordination internationale\n\n**C-1393/2016** du 16 septembre 2016 (Tribunal administratif fédéral)\nPrestations complémentaires et coordination internationale.\nL'arrêt traite des conditions pour les prestations complémentaires en cas de liens internationaux.\n\n> « Les personnes dont les besoins vitaux ne sont pas couverts par l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité peuvent demander des prestations complémentaires (cf. art. 112a Cst.), mais cela présuppose le domicile et la résidence habituelle en Suisse. »\n\n## Développements récents\n\n### Réforme des PC et conformité constitutionnelle\n\n**ZL.2024.00023** du 27 mars 2025 (Tribunal des assurances sociales de Zurich)\nSupplément pour fauteuil roulant après la réforme des PC.\nArrêt actuel sur l'application conforme à la constitution de la réforme des PC.\n\n> « Les dépenses reconnues définissent en même temps le minimum vital qui doit être assuré par les prestations complémentaires (art. 2 al. 1 LPC, art. 112a al. 1 de la Constitution fédérale, Cst. ; cf. Message concernant la modification de la loi fédérale sur les prestations complémentaires à l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité). »\n\n### Contributions cantonales supplémentaires\n\n**810 23 127** du 31 janvier 2024 (Tribunal cantonal de Bâle-Campagne)\nPossibilité de recours contre les décisions de non-approbation pour les contributions communales supplémentaires aux prestations complémentaires.\nL'arrêt montre les limites de la liberté d'aménagement communale pour les prestations complémentaires.\n\nLa jurisprudence récente montre que les cantons sont soumis à des limites juridiques lors de l'aménagement de prestations supplémentaires aux prestations complémentaires garanties par la constitution.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 112a Cost. obbliga Confederazione e Cantoni a versare congiuntamente prestazioni complementari. Queste integrano le rendite AVS e AI quando non coprono completamente il fabbisogno vitale. La norma risale al 1972 ed è stata fondamentalmente rielaborata con la Nuova impostazione della perequazione finanziaria (NPC).\n\nLe prestazioni complementari si rivolgono a persone che percepiscono una rendita AVS o AI, ma che ciononostante non hanno abbastanza denaro per vivere. Sono interessate soprattutto le persone anziane e le persone con disabilità le cui rendite sono troppo basse. A differenza dell'aiuto sociale, gli interessati non devono esaurire tutto il patrimonio. Le prestazioni complementari coprono l'intero fabbisogno vitale – vale a dire tutto ciò che è necessario per una vita dignitosa.\n\nLe conseguenze giuridiche sono significative: l'art. 112a Cost. crea un mandato costituzionale vincolante. La Confederazione disciplina i dettagli nella Legge sulle prestazioni complementari (LPC). I Cantoni devono assicurare nell'attuazione che il fabbisogno vitale sia completamente coperto. Il Tribunale federale ha deciso più volte che i Cantoni non possono abusare della loro libertà di configurazione per minare la garanzia dell'esistenza.\n\n**Esempio:** Una pensionata di 75 anni riceve mensilmente 1800 franchi di rendita AVS. I suoi costi abitativi ammontano a 1200 franchi, le sue altre spese di sostentamento a 800 franchi – in totale ha bisogno di 2000 franchi al mese. La prestazione complementare di 200 franchi colma il divario tra rendita e fabbisogno vitale.\n\nL'importanza costituzionale delle prestazioni complementari risiede nella loro posizione sistematica tra assicurazione sociale e aiuto sociale. Secondo Gächter/Filippo esse formano un sistema autonomo del primo pilastro, che non è da attribuire né all'assicurazione sociale in senso stretto né all'aiuto sociale. Carigiet/Koch sottolineano che le prestazioni complementari devono impedire che i beneficiare di rendite AVS e AI dipendano dall'aiuto sociale. La giurisprudenza ha confermato questa finalità: le prestazioni complementari servono alla completa garanzia dell'esistenza e precedono l'aiuto sociale.\n\nLocher/Gächter caratterizzano le prestazioni complementari come prestazioni verificate in base al bisogno, ma non dipendenti dal bisogno. A differenza dell'aiuto sociale, non sono sussidiarie rispetto al sostegno privato. Dummermuth fa notare che l'ancoraggio costituzionale protegge le prestazioni complementari da esercizi di risparmio a breve termine. La riforma PC 2021 mostra tuttavia che anche le prestazioni ancorate costituzionalmente possono essere soggette a cambiamenti politici.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Le prestazioni complementari hanno una lunga preistoria. Già nel 1919 il Consiglio federale stabiliva che le rendite dell'assicurazione sociale «non dovevano essere così elevate da coprire completamente ogni bisogno ed eliminare così lo spirito di risparmio individuale» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 3). Questa concezione della copertura dell'esistenza solo parziale da parte del primo pilastro caratterizzò il successivo sviluppo delle prestazioni complementari.\n\n**N. 2** Nel 1963 il Consiglio federale constatò un «comprovato bisogno di prestazioni aggiuntive per i beneficiatori di rendite AVS e AI, il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni assicurative» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 4). Ciò portò all'introduzione delle prestazioni complementari a livello legislativo nel 1966, senza che queste fossero inizialmente ancorate costituzionalmente.\n\n**N. 3** L'ancoraggio delle prestazioni complementari nella Costituzione avvenne solo con l'art. 34quater cpv. 6 Cost. 1874, inserito nel 1972 nell'ambito della revisione costituzionale concernente la concezione dei tre pilastri della previdenza per la vecchiaia (FF 1971 II 1609). Il consigliere federale Tschudi definì le prestazioni complementari come fondate su «una base irreprensibile» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 14).\n\n**N. 4** Con la revisione totale della Costituzione federale del 1999, le prestazioni complementari furono trasferite nell'art. 112a Cost., rimanendo invariato il contenuto della disposizione (FF 1997 I 1, 311). Il decisivo riassetto avvenne nell'ambito della Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC). Con il progetto NPC l'art. 112a Cost. ricevette la sua attuale formulazione, che prevede una competenza congiunta di Confederazione e Cantoni per le prestazioni complementari (FF 2001 2291, 2363).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 5** L'art. 112a Cost. è in stretta relazione sistematica con l'art. 112 Cost. (Assicurazione per la vecchiaia, per i superstiti e per l'invalidità). Mentre l'art. 112 cpv. 2 lett. b Cost. prescrive che le rendite dell'AVS/AI devono coprire il fabbisogno vitale in modo «adeguato», l'art. 112a Cost. assicura la completa copertura dell'esistenza per le persone per le quali questa copertura adeguata non è sufficiente (**9C_51/2013** consid. 2.1).\n\n**N. 6** La disposizione è inoltre inserita nel sistema della sicurezza sociale della Costituzione federale. È in relazione con:\n- → Art. 12 Cost. (Diritto d'essere aiutato in situazioni di bisogno)\n- → Art. 41 Cost. (Obiettivi sociali)\n- → Art. 111 Cost. (Previdenza per la vecchiaia nel sistema dei tre pilastri)\n- → Art. 115 Cost. (Sostegno alle persone nel bisogno)\n\n**N. 7** Le prestazioni complementari formano all'interno del primo pilastro un sistema di prestazioni autonomo, che non può essere attribuito né all'assicurazione sociale in senso stretto né all'assistenza sociale (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4ª ed. 2014, § 50 N. 1). Si collocano tra la prestazione di rendita di tipo assicurativo e l'assistenza sociale dipendente dal bisogno.\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 8** **Cerchia di persone**: Secondo il cpv. 1, le prestazioni complementari si rivolgono a «persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni dell'assicurazione per la vecchiaia, per i superstiti e per l'invalidità». Il diritto presuppone:\n- Percezione di una rendita AVS o AI (o indennità per grandi invalidi)\n- Copertura insufficiente del fabbisogno vitale da parte di queste prestazioni\n- Domicilio e dimora abituale in Svizzera (**C-1393/2016**)\n\n**N. 9** **Fabbisogno vitale**: Il concetto di fabbisogno vitale non è definito dalla Costituzione federale. La configurazione spetta al legislatore (art. 112a cpv. 2 Cost.). Secondo **DTF 139 V 358** consid. 2.1, il mandato costituzionale comprende la garanzia di un'esistenza degna dell'essere umano, che va oltre la mera sopravvivenza.\n\n**N. 10** **Competenza congiunta** (cpv. 1): La formulazione «Confederazione e Cantoni» fonda un compito comune. Diversamente dalla precedente regolamentazione, che prevedeva una pura competenza della Confederazione, i Cantoni sono dal tempo della NPC partner paritetici nell'erogazione delle prestazioni complementari (Poledna, Neugestaltung des Finanzausgleichs, SZS 2004, 506, 520).\n\n**N. 11** **Competenza legislativa** (cpv. 2): Alla Confederazione spetta la competenza di regolare l'entità delle prestazioni complementari nonché la ripartizione di compiti e competenze tra Confederazione e Cantoni. Questa competenza della Confederazione è comprensiva, ma non esclude prestazioni aggiuntive cantonali (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a N. 27-31).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** **Diritto soggettivo**: L'art. 112a Cost. non fonda un diritto costituzionale diretto alle prestazioni complementari. Il diritto individuale sorge solo mediante la legislazione d'esecuzione (LPC). Diversamente dagli obiettivi sociali (art. 41 Cost.), si tratta però di un mandato legislativo giustiziabile.\n\n**N. 13** **Garanzia dell'esistenza**: Le prestazioni complementari devono coprire l'intero fabbisogno vitale, non solo garantire una copertura parziale. Ciò le distingue dalle rendite AVS/AI, che mirano solo a una copertura «adeguata» (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums in der Schweiz, 1999, 178 segg.).\n\n**N. 14** **Libertà di configurazione cantonale e suoi limiti**: I Cantoni hanno un margine di configurazione nel fissare le spese riconosciute (in particolare le tasse delle case di cura). Questo trova il suo limite laddove la fissazione porta sistematicamente alla dipendenza dall'assistenza sociale (**5V 18 163** Tribunale cantonale di Lucerna del 15.1.2020). I Cantoni non possono svuotare il sistema PC attraverso importi troppo bassi.\n\n**N. 15** **Rapporto con l'assistenza sociale**: Le prestazioni complementari precedono l'assistenza sociale (principio di sussidiarietà). Devono impedire che i beneficiari di rendite AVS/AI dipendano dall'assistenza sociale. Nel calcolo delle PC occorre pertanto assicurare che il fabbisogno vitale sia completamente coperto (**8C_138/2024**).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 16** **Definizione di casa di cura**: La delega della definizione di casa di cura ai Cantoni (art. 25a cpv. 1 OPC) era controversa. Il Tribunale federale ha deciso in **DTF 139 V 358** che questa delega è conforme alla Costituzione. La precedente definizione di diritto federale secondo DTF 118 V 142 è superata. Carigiet/Koch (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2ª ed. 2009, 234) accolgono favorevolmente questa flessibilità, mentre Müller (Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3ª ed. 2015, 156) indica il pericolo di una prassi non uniforme.\n\n**N. 17** **Computo del valore locativo**: Nel computo del valore locativo di immobili abitati dal proprietario sussisteva disaccordo sulla considerazione delle riduzioni fiscali cantonali. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 138 V 9** che è determinante il valore locativo non ridotto. Jöhl (in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2ª ed. 2007, N. 1782) sostiene questa prassi come conforme al sistema, mentre Landolt (Die EL als Pflegeversicherung, SZS 2011, 184, 195) indica la durezza sociale per i proprietari di abitazioni.\n\n**N. 18** **Portata dell'obbligo cantonale**: È controverso fino a che punto si estenda l'obbligo cantonale di fissare adeguatamente le tasse giornaliere. Secondo **DTF 143 V 9** questo obbligo esiste solo per le case di cura riconosciute secondo l'art. 39 cpv. 3 LAMal. Dummermuth (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV: Entwicklungen und Tendenzen, SZS 2011, 114, 130) critica questa limitazione come contraria al sistema, poiché porta a lacune di protezione.\n\n**N. 19** **Rapporto con gli obiettivi sociali**: È controverso il rapporto tra l'art. 112a Cost. e l'art. 41 Cost. (Obiettivi sociali). Mentre Maurer (Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, vol. I, 2ª ed. 1983, 456) vede le prestazioni complementari come obiettivo sociale concretizzato, Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 112a N. 17-20) sottolineano che l'art. 112a Cost. va oltre un mero obiettivo sociale e rappresenta un mandato costituzionale vincolante.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** **Verifica del diritto**: Nella verifica di un diritto alle PC occorre procedere sistematicamente:\n1. Presenza di una rendita AVS/AI o di un'indennità per grandi invalidi\n2. Domicilio e dimora abituale in Svizzera\n3. Calcolo delle entrate e delle spese riconosciute\n4. Constatazione di un'eccedenza di spese\n\n**N. 21** **Onere della prova**: La persona richiedente porta l'onere della prova per i fatti che fondano il diritto (entrate, spese, sostanza). L'ufficio PC deve chiarire d'ufficio e sostenere la persona nel procurarsi i documenti (realizzazione del principio dell'assicurazione sociale).\n\n**N. 22** **Prestazioni aggiuntive cantonali**: I Cantoni possono prevedere prestazioni aggiuntive che vanno oltre le prestazioni minime di diritto federale. Queste non sottostanno all'art. 112a Cost., ma alla competenza legislativa cantonale. Nella loro configurazione deve essere rispettato il principio di uguaglianza giuridica (art. 8 Cost.) (**810 23 127** Tribunale cantonale di Basilea Campagna del 31.1.2024).\n\n**N. 23** **Coordinamento con altre prestazioni**: Nel calcolo delle PC devono essere computate come entrate tutte le altre prestazioni dell'assicurazione sociale. Particolare attenzione richiedono:\n- Prestazioni della previdenza professionale\n- Indennità giornaliere di malattia\n- Rendite estere (osservare gli accordi di coordinamento)\n\n**N. 24** **Riforma 2021**: La riforma PC 2021 ha portato diverse limitazioni delle prestazioni (soglia patrimoniale, obbligo di rimborso). Nell'applicazione occorre sempre verificare se le nuove regolamentazioni siano compatibili con il mandato costituzionale di garanzia dell'esistenza (**ZL.2024.00023** Tribunale delle assicurazioni sociali di Zurigo del 27.3.2025).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi del mandato costituzionale\n\n### Mandato costituzionale per la garanzia dell'esistenza\n\n**BGE 139 V 358** del 26 giugno 2013 (consid. 2.1)\nDecisione di principio sull'ancoraggio costituzionale delle prestazioni complementari.\nIl Tribunale federale precisa le basi costituzionali delle prestazioni complementari dopo la riforma NPC.\n\n> «Secondo l'art. 112a Cost., la Confederazione e i Cantoni versano prestazioni complementari alle persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (cpv. 1). La legge stabilisce l'entità delle prestazioni complementari nonché i compiti e le competenze della Confederazione e dei Cantoni (cpv. 2).»\n\n**9C_51/2013** del 26 giugno 2013 (consid. 2.1)\nRapporto tra l'art. 112 cpv. 2 lett. b Cost. e l'art. 112a Cost.\nLa decisione stabilisce il collegamento sistematico tra le due disposizioni costituzionali.\n\n> «Secondo l'art. 112 cpv. 2 lett. b Cost., le rendite dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità devono coprire adeguatamente il fabbisogno vitale. Conformemente all'art. 112a Cost., la Confederazione e i Cantoni versano prestazioni complementari alle persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dalle prestazioni dell'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (cpv. 1). La legge stabilisce l'entità delle prestazioni complementari nonché i compiti e le competenze della Confederazione e dei Cantoni (cpv. 2).»\n\n### Finalità delle prestazioni complementari\n\n**9C_36/2010** del 7 aprile 2010 (consid. 4.7)\nGaranzia dell'esistenza come scopo delle prestazioni complementari.\nLa decisione conferma la finalità costituzionale delle prestazioni complementari.\n\n> «Le prestazioni complementari sono versate per coprire agli aventi diritto il fabbisogno vitale (art. 112a Cost.). Da questa finalità non si può neppure dedurre che il concetto di costi per il dentista debba essere interpretato in modo restrittivo.»\n\n## Definizione di casa di cura e forme di soggiorno\n\n### Definizione del concetto di casa di cura\n\n**BGE 139 V 358** del 26 giugno 2013\nDefinizione di casa di cura secondo l'art. 25a cpv. 1 OPC alla luce dell'art. 112a Cost.\nDecisione fondamentale per la definizione di casa di cura conforme al diritto federale dopo la riforma NPC.\n\n> «La definizione di casa di cura nell'art. 25a cpv. 1 OPC è conforme al diritto federale. L'esistenza di un soggiorno in casa di cura ai sensi del diritto PC è determinata dal fatto che un istituto sia riconosciuto da un Cantone come casa di cura o disponga di un'autorizzazione d'esercizio cantonale. La giurisprudenza sotto il precedente diritto PC (BGE 118 V 142) è superata.»\n\n**9C_20/2013** del 26 giugno 2013 (consid. 4.5)\nSuperamento della precedente giurisprudenza sulla definizione di casa di cura.\nLa decisione chiarisce che la nuova regolamentazione federale è esaustiva.\n\n> «La giurisprudenza secondo BGE 118 V 142 è superata dalla nuova regolamentazione federale. Interpretata secondo il tenore letterale, il senso e lo scopo e le valutazioni sottostanti, la regolamentazione nell'art. 25a OPC è conforme alla costituzione e alla legge. Se l'art. 9 cpv. 5 lett. h LPC stabilisce che il Consiglio federale determina la definizione di casa di cura, questo può delegare ulteriormente la competenza ai Cantoni.»\n\n### Famiglie affidatarie e istituzioni simili a case di cura\n\n**9C_51/2013** del 26 giugno 2013 (consid. 2.3)\nDelega della definizione di casa di cura ai Cantoni.\nConferma della competenza cantonale per il riconoscimento delle case di cura.\n\n> «Secondo l'art. 9 cpv. 5 lett. h LPC, il Consiglio federale determina la definizione di casa di cura. Su questa base di delega - ampia - ha stabilito nell'art. 25a cpv. 1 OPC che è considerato casa di cura ogni istituto riconosciuto da un Cantone come casa di cura o che dispone di un'autorizzazione d'esercizio cantonale.»\n\n## Rette delle case di cura e possibilità di limitazione cantonale\n\n### Decisione del Tribunale cantonale di Lucerna sul controllo delle norme\n\n**5V 18 163** del 15 gennaio 2020 (Tribunale cantonale di Lucerna)\nControllo concreto delle norme in caso di rette insufficienti delle case di cura.\nDecisione innovativa per il controllo della determinazione delle rette giornaliere cantonali.\n\n> «La fissazione deliberatamente bassa da parte del Consiglio di Stato della retta giornaliera riconosciuta come spesa riconosciuta nelle prestazioni complementari per il soggiorno in una casa di cura porta a breve o lungo termine nella regione di pianificazione di Lucerna alla dipendenza dall'aiuto sociale. Ciò viola il diritto federale. Pertanto la norma cantonale nel caso di un beneficiario di rendita AVS che vive in casa di cura non deve essere applicata (controllo concreto delle norme).»\n\n### Limiti della libertà di configurazione cantonale\n\n**BGE 143 V 9** del 13 gennaio 2017\nPortata dell'obbligo cantonale nella determinazione delle rette delle case di cura.\nLa decisione precisa i limiti della libertà di configurazione cantonale per istituti diversi dalle case di cura riconosciute.\n\n> «L'art. 10 cpv. 2 lett. a LPC non obbliga i Cantoni a fissare le rette giornaliere anche per istituti diversi dalle case di cura riconosciute secondo l'art. 39 cpv. 3 LAMal in modo che i beneficiari di PC ivi residenti - di norma - non debbano richiedere l'aiuto sociale. Questa portata limitata dell'art. 10 cpv. 2 lett. a LPC può comportare che non sussista diritto a una prestazione complementare annuale e di conseguenza in linea di principio neppure al rimborso dei costi di malattia e invalidità. Dal punto di vista costituzionale ciò deve essere accettato (art. 190 Cost.).»\n\n## Computo dei valori patrimoniali\n\n### Valore locativo di immobili abitati dal proprietario\n\n**BGE 138 V 9** del 19 dicembre 2011\nComputo del valore locativo dell'immobile abitato dal proprietario nelle prestazioni complementari.\nDecisione fondamentale per il calcolo corretto del reddito computabile da proprietà immobiliare.\n\n> «Nel diritto PC deve essere computato come reddito non il valore locativo fiscale ridotto di un immobile abitato dal proprietario, bensì il valore locativo integrale determinato secondo il diritto fiscale cantonale (sussidiariamente: secondo l'AIFD). Il rinvio nell'art. 12 cpv. 1 OPC comprende solo i principi del diritto fiscale, ma non le regolamentazioni cantonali - parzialmente molto differenti - riguardo alla tassazione percentuale.»\n\n### Costi di manutenzione degli edifici e reddito immobiliare\n\n**9C_822/2009** del 7 maggio 2010\nDeduzione dei costi di manutenzione degli edifici dal reddito immobiliare.\nLa decisione chiarisce le modalità della deduzione dei costi di manutenzione nel computo delle entrate.\n\nLa decisione tratta la considerazione appropriata dei redditi da usufrutto e dei costi di manutenzione degli edifici nel calcolo PC tenendo conto del mandato costituzionale di garanzia dell'esistenza.\n\n## Protezione dall'esecuzione e coordinamento con altri settori giuridici\n\n### Protezione dall'esecuzione di rendite estere di assicurazioni sociali\n\n**BGE 143 III 385** del 29 maggio 2017\nDiritto di un beneficiario di una rendita AVS del Liechtenstein alla protezione assoluta dall'esecuzione.\nLa decisione mostra il coordinamento tra prestazioni complementari e protezione dall'esecuzione.\n\n> «La rendita AVS del Liechtenstein è in Svizzera in linea di principio assolutamente impignorabile. Lasciata aperta la questione se il regolamento (CE) n. 883/2004 del Parlamento europeo e del Consiglio del 29 aprile 2004 relativo al coordinamento dei sistemi di sicurezza sociale sia applicabile dal punto di vista materiale alla questione della pignorabilità di rendite estere di assicurazioni sociali.»\n\n## Coordinamento con altre assicurazioni sociali\n\n### Rapporto con l'aiuto sociale\n\n**8C_138/2024** del 8 luglio 2025\nAiuto sociale in caso di prestazioni complementari parallele della partner.\nDecisione attuale sulla delimitazione tra prestazioni complementari e aiuto sociale per coppie di fatto.\n\nLa decisione tratta la situazione complessa quando solo un partner riceve prestazioni complementari, mentre l'altro dipende dall'aiuto sociale, e mostra i limiti costituzionali del coordinamento.\n\n### Coordinamento internazionale\n\n**C-1393/2016** del 16 settembre 2016 (Tribunale amministrativo federale)\nPrestazioni complementari e coordinamento internazionale.\nLa decisione tratta i presupposti per le prestazioni complementari in caso di riferimenti internazionali.\n\n> «Le persone il cui fabbisogno vitale non è coperto dall'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità possono richiedere prestazioni complementari (cfr. art. 112a Cost.), il che però presuppone il domicilio e la dimora abituale in Svizzera.»\n\n## Sviluppi più recenti\n\n### Riforma PC e conformità costituzionale\n\n**ZL.2024.00023** del 27 marzo 2025 (Tribunale delle assicurazioni sociali di Zurigo)\nSupplemento per sedia a rotelle dopo la riforma PC.\nDecisione attuale sull'applicazione conforme alla costituzione della riforma PC.\n\n> «Attraverso le spese riconosciute viene al contempo definito il minimo esistenziale che deve essere garantito dalle prestazioni complementari (art. 2 cpv. 1 LPC, art. 112a cpv. 1 della Costituzione federale, Cost.; cfr. Messaggio concernente la modifica della legge federale sulle prestazioni complementari all'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità).»\n\n### Contributi aggiuntivi cantonali\n\n**810 23 127** del 31 gennaio 2024 (Tribunale cantonale di Basilea Campagna)\nImpugnabilità di decisioni di mancata approvazione per contributi aggiuntivi comunali alle prestazioni complementari.\nLa decisione mostra i limiti della libertà di configurazione comunale nelle prestazioni complementari.\n\nLa giurisprudenza più recente mostra che i Cantoni nell'organizzazione di prestazioni aggiuntive alle prestazioni complementari garantite costituzionalmente sottostanno a limitazioni giuridiche.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 112a BV jointly obliges the Confederation and the cantons to provide supplementary benefits. These supplement old-age and disability insurance pensions when they do not fully cover subsistence needs. The provision dates back to 1972 and was fundamentally revised with the new federal fiscal equalisation system (NFA).\n\nSupplementary benefits are intended for persons who receive an old-age or disability insurance pension but still do not have enough money to live on. This primarily affects elderly people and people with disabilities whose pensions are too low. Unlike social assistance, those affected do not have to exhaust all their assets. Supplementary benefits cover the entire subsistence need – that is, everything necessary for a life of human dignity.\n\nThe legal consequences are significant: Art. 112a BV creates a binding constitutional mandate. The Confederation regulates the details in the Supplementary Benefits Act (ELG). The cantons must ensure in implementation that subsistence needs are fully covered. The Federal Supreme Court has repeatedly held that cantons may not abuse their discretion to undermine subsistence security.\n\n**Example:** A 75-year-old pensioner receives 1,800 francs per month in old-age insurance pension. Her housing costs amount to 1,200 francs, her other living costs 800 francs – in total she needs 2,000 francs per month. The supplementary benefit of 200 francs closes the gap between pension and subsistence need.\n\nThe constitutional significance of supplementary benefits lies in their systematic position between social insurance and social assistance. According to Gächter/Filippo, they form an independent system of the first pillar that can be assigned neither to social insurance in the narrow sense nor to social assistance. Carigiet/Koch emphasise that supplementary benefits are intended to prevent old-age and disability insurance pensioners from becoming dependent on social assistance. Case law has confirmed this purpose: supplementary benefits serve complete subsistence security and take priority over social assistance.\n\nLocher/Gächter characterise supplementary benefits as means-tested but not needs-dependent benefits. Unlike social assistance, they are not subsidiary to private support. Dummermuth points out that constitutional entrenchment protects supplementary benefits from short-term austerity measures. However, the SB reform of 2021 shows that even constitutionally entrenched benefits can be subject to political changes.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**No. 1** The supplementary benefits have a long prehistory. As early as 1919, the Federal Council stated that social insurance pensions «should not be so high that they cover every need fully and thereby eliminate individual thrift» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a No. 3). This conception of only partial subsistence coverage through the first pillar shaped the later development of supplementary benefits.\n\n**No. 2** In 1963, the Federal Council identified a «proven need for additional benefits for recipients of OASI and IV pensions whose subsistence needs are not covered by insurance benefits» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a No. 4). This led to the introduction of supplementary benefits at the legislative level in 1966, without them being initially anchored in the Constitution.\n\n**No. 3** The constitutional entrenchment of supplementary benefits occurred only with Art. 34quater para. 6 BV 1874, which was inserted in 1972 as part of the constitutional revision concerning the three-pillar concept of old-age provision (BBl 1971 II 1609). Federal Councillor Tschudi described the supplementary benefits as resting on «a sound basis» (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a No. 14).\n\n**No. 4** With the total revision of the Federal Constitution in 1999, the supplementary benefits were transferred to Art. 112a BV, with the content of the provision remaining unchanged (BBl 1997 I 1, 311). The decisive transformation occurred as part of the new fiscal equalisation and division of tasks between the Confederation and the cantons (NFA). With the NFA proposal, Art. 112a BV received its current version, which provides for joint responsibility of the Confederation and cantons for supplementary benefits (BBl 2001 2291, 2363).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**No. 5** Art. 112a BV is in close systematic connection with Art. 112 BV (old-age, survivors' and disability insurance). While Art. 112 para. 2 lit. b BV prescribes that OASI/DI pensions must cover subsistence needs «appropriately», Art. 112a BV ensures complete subsistence coverage for persons where this appropriate coverage is insufficient (**9C_51/2013** consid. 2.1).\n\n**No. 6** The provision is further embedded in the system of social security under the Federal Constitution. It is connected with:\n- → Art. 12 BV (right to assistance in situations of distress)\n- → Art. 41 BV (social goals)\n- → Art. 111 BV (old-age provision in the three-pillar system)\n- → Art. 115 BV (support for persons in need)\n\n**No. 7** Within the first pillar, supplementary benefits form an independent benefit system that belongs neither to social insurance in the narrow sense nor to social assistance (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4th ed. 2014, § 50 No. 1). They stand between insurance-based pension benefits and needs-based social assistance.\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**No. 8** **Circle of persons**: According to para. 1, supplementary benefits are directed at «persons whose subsistence needs are not covered by the benefits of old-age, survivors' and disability insurance». The entitlement requires:\n- Receipt of an OASI or DI pension (or helplessness allowance)\n- Insufficient coverage of subsistence needs by these benefits\n- Domicile and habitual residence in Switzerland (**C-1393/2016**)\n\n**No. 9** **Subsistence needs**: The concept of subsistence needs is not defined by the Federal Constitution. The design is left to the legislature (Art. 112a para. 2 BV). According to **BGE 139 V 358** consid. 2.1, the constitutional mandate includes securing a dignified existence that goes beyond mere survival.\n\n**No. 10** **Joint responsibility** (para. 1): The formulation «Confederation and cantons» establishes a joint task. Unlike the previous regulation, which provided for pure federal competence, the cantons have been equal partners in providing supplementary benefits since the NFA (Poledna, Neugestaltung des Finanzausgleichs, SZS 2004, 506, 520).\n\n**No. 11** **Legislative competence** (para. 2): The Confederation has competence to regulate the scope of supplementary benefits as well as the division of tasks and responsibilities between the Confederation and cantons. This federal competence is comprehensive but does not exclude cantonal additional benefits (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112a No. 27-31).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**No. 12** **Subjective legal claim**: Art. 112a BV does not establish a direct constitutional claim to supplementary benefits. The individual claim arises only through implementing legislation (PCB). Unlike social goals (Art. 41 BV), however, this is a justiciable legislative mandate.\n\n**No. 13** **Securing existence**: Supplementary benefits must cover the entire subsistence need, not just provide partial coverage. This distinguishes them from OASI/DI pensions, which only aim for «appropriate» coverage (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums in der Schweiz, 1999, 178 ff.).\n\n**No. 14** **Cantonal discretion and its limits**: The cantons have discretion in setting recognised expenditure (particularly nursing home rates). This discretion finds its limit where the setting systematically leads to social assistance dependency (**5V 18 163** Cantonal Court of Lucerne of 15.1.2020). The cantons may not undermine the PCB system through rates that are too low.\n\n**No. 15** **Relationship to social assistance**: Supplementary benefits take precedence over social assistance (subsidiarity principle). They are intended to prevent OASI/DI pensioners from being dependent on social assistance. When calculating PCB, it must therefore be ensured that subsistence needs are fully covered (**8C_138/2024**).\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**No. 16** **Definition of care home**: The delegation of the care home definition to the cantons (Art. 25a para. 1 PCB Ordinance) was controversial. The Federal Supreme Court decided in **BGE 139 V 358** that this delegation is constitutional. The earlier federal definition according to BGE 118 V 142 is outdated. Carigiet/Koch (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2nd ed. 2009, 234) welcome this flexibility, while Müller (Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3rd ed. 2015, 156) points to the danger of inconsistent practice.\n\n**No. 17** **Imputed rental value**: There was disagreement about the consideration of cantonal tax reductions in calculating the imputed rental value of owner-occupied properties. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 138 V 9** that the unabridged rental value is decisive. Jöhl (in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2nd ed. 2007, No. 1782) supports this practice as consistent with the system, while Landolt (Die EL als Pflegeversicherung, SZS 2011, 184, 195) points to the social hardship for homeowners.\n\n**No. 18** **Scope of cantonal obligation**: It is disputed how far the cantonal duty to set appropriate daily rates extends. According to **BGE 143 V 9**, this duty exists only for recognised care homes under Art. 39 para. 3 HIA. Dummermuth (Ergänzungsleistungen zur AHV/IV: Entwicklungen und Tendenzen, SZS 2011, 114, 130) criticises this restriction as inconsistent with the system, as it leads to protection gaps.\n\n**No. 19** **Relationship to social goals**: The relationship between Art. 112a BV and Art. 41 BV (social goals) is disputed. While Maurer (Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Vol. I, 2nd ed. 1983, 456) sees supplementary benefits as a concrete social goal, Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 112a No. 17-20) emphasise that Art. 112a BV goes beyond a mere social goal and represents a binding constitutional mandate.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**No. 20** **Examination of entitlement**: When examining a PCB entitlement, a systematic approach must be taken:\n1. Existence of an OASI/DI pension or helplessness allowance\n2. Domicile and habitual residence in Switzerland\n3. Calculation of recognised income and expenditure\n4. Determination of an expenditure surplus\n\n**No. 21** **Burden of proof**: The person claiming entitlement bears the burden of proof for the facts establishing the claim (income, expenditure, assets). The PCB office must clarify ex officio and support the person in obtaining documents (realisation of the social insurance principle).\n\n**No. 22** **Cantonal additional benefits**: Cantons may provide additional benefits that go beyond federal minimum benefits. These are not subject to Art. 112a BV but to cantonal legislative competence. In their design, the principle of equality before the law (Art. 8 BV) must be observed (**810 23 127** Cantonal Court of Basel-Landschaft of 31.1.2024).\n\n**No. 23** **Coordination with other benefits**: In calculating PCB, all other social insurance benefits must be counted as income. Particular attention is required for:\n- Occupational benefits\n- Sickness daily allowances\n- Foreign pensions (observe coordination agreements)\n\n**No. 24** **2021 Reform**: The 2021 PCB reform brought various benefit restrictions (asset threshold, reimbursement obligation). In application, it must always be examined whether the new regulations are compatible with the constitutional mandate to secure existence (**ZL.2024.00023** Social Insurance Court of Zurich of 27.3.2025).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Principles of the Constitutional Mandate\n\n### Constitutional Mandate for Securing Subsistence\n\n**BGE 139 V 358** of 26 June 2013 (para. 2.1)\nLandmark decision on the constitutional foundation of supplementary benefits.\nThe Federal Supreme Court clarifies the constitutional basis of supplementary benefits following the NFA reform.\n\n> «According to Art. 112a Federal Constitution, the Confederation and the cantons provide supplementary benefits to persons whose subsistence needs are not covered by old-age, survivors' and disability insurance benefits (para. 1). The law defines the scope of supplementary benefits and the duties and responsibilities of the Confederation and the cantons (para. 2).»\n\n**9C_51/2013** of 26 June 2013 (para. 2.1)\nRelationship between Art. 112 para. 2 lit. b Federal Constitution and Art. 112a Federal Constitution.\nThe decision establishes the systematic connection between the two constitutional provisions.\n\n> «According to Art. 112 para. 2 lit. b Federal Constitution, old-age, survivors' and disability insurance pensions must adequately cover subsistence needs. According to Art. 112a Federal Constitution, the Confederation and the cantons provide supplementary benefits to persons whose subsistence needs are not covered by old-age, survivors' and disability insurance benefits (para. 1). The law defines the scope of supplementary benefits and the duties and responsibilities of the Confederation and the cantons (para. 2).»\n\n### Purpose of Supplementary Benefits\n\n**9C_36/2010** of 7 April 2010 (para. 4.7)\nSecuring subsistence as the purpose of supplementary benefits.\nThe decision confirms the constitutional purpose of supplementary benefits.\n\n> «Supplementary benefits are provided to cover the subsistence needs of beneficiaries (Art. 112a Federal Constitution). From this purpose, it cannot be derived that the concept of dentist costs should be interpreted restrictively.»\n\n## Definition of Care Homes and Forms of Accommodation\n\n### Definition of Care Home\n\n**BGE 139 V 358** of 26 June 2013\nDefinition of care home according to Art. 25a para. 1 SBO in light of Art. 112a Federal Constitution.\nFundamental decision on the federal law-compliant definition of care homes following the NFA reform.\n\n> «The definition of care home in Art. 25a para. 1 SBO is compliant with federal law. Whether a care home stay within the meaning of supplementary benefits law exists is determined by whether an institution is recognised by a canton as a care home or has a cantonal operating licence. The case law under the former supplementary benefits law (BGE 118 V 142) is obsolete.»\n\n**9C_20/2013** of 26 June 2013 (para. 4.5)\nObsolescence of former case law on care home definition.\nThe decision clarifies that the new federal law regulation is exhaustive.\n\n> «The case law according to BGE 118 V 142 is obsolete due to the new federal law regulation. Interpreted according to wording, meaning and purpose and its underlying values, the regulation in Art. 25a SBO is constitutional and legal. When Art. 9 para. 5 lit. h SBLA provides that the Federal Council determines the definition of care home, it may delegate this competence to the cantons.»\n\n### Foster Families and Care Home-like Institutions\n\n**9C_51/2013** of 26 June 2013 (para. 2.3)\nDelegation of care home definition to the cantons.\nConfirmation of cantonal competence for care home recognition.\n\n> «According to Art. 9 para. 5 lit. h SBLA, the Federal Council determines the definition of care home. On this - broad - delegation basis, it has regulated in Art. 25a para. 1 SBO that any institution recognised by a canton as a care home or having a cantonal operating licence is considered a care home.»\n\n## Care Home Rates and Cantonal Limitation Possibilities\n\n### Lucerne Cantonal Court Decision on Judicial Review\n\n**5V 18 163** of 15 January 2020 (Cantonal Court of Lucerne)\nConcrete judicial review for insufficient care home rates.\nLandmark decision on the review of cantonal daily rate setting.\n\n> «The deliberately low setting of daily rates for care home stays recognised as eligible expenditure for supplementary benefits by the Government Council leads to social assistance dependency in the Lucerne planning region sooner or later. This violates federal law. Therefore, the cantonal norm is not applicable in the case of an old-age pension recipient living in a care home (concrete judicial review).»\n\n### Limits of Cantonal Discretion\n\n**BGE 143 V 9** of 13 January 2017\nScope of cantonal obligation in care home rate setting.\nThe decision clarifies the limits of cantonal discretion for institutions other than recognised care homes.\n\n> «Art. 10 para. 2 lit. a SBLA does not oblige cantons to set daily rates for institutions other than recognised care homes under Art. 39 para. 3 HIA such that supplementary benefits recipients living there - as a rule - do not have to apply for social assistance. This limited scope of Art. 10 para. 2 lit. a SBLA can result in no entitlement to annual supplementary benefits and consequently also no entitlement to reimbursement of illness and disability costs. This must be accepted from a constitutional perspective (Art. 190 Federal Constitution).»\n\n## Assessment of Assets\n\n### Rental Value of Owner-occupied Properties\n\n**BGE 138 V 9** of 19 December 2011\nAssessment of rental value of owner-occupied property for supplementary benefits.\nFundamental decision on the correct calculation of assessable income from real estate ownership.\n\n> «Under supplementary benefits law, what must be assessed as income is not the reduced tax rental value of an owner-occupied property, but the uncut rental value determined according to cantonal tax law (subsidiarily: according to DFTA). The reference in Art. 12 para. 1 SBO encompasses only tax law principles, but not the - sometimes significantly differing - cantonal regulations regarding percentage taxation.»\n\n### Building Maintenance Costs and Property Income\n\n**9C_822/2009** of 7 May 2010\nDeduction of building maintenance costs from property income.\nThe decision clarifies the modalities of deducting maintenance costs when assessing income.\n\nThe decision addresses the appropriate consideration of usufruct income and building maintenance costs in supplementary benefits calculation taking into account the constitutional mandate for securing subsistence.\n\n## Attachment Protection and Coordination with Other Areas of Law\n\n### Attachment Protection for Foreign Social Insurance Pensions\n\n**BGE 143 III 385** of 29 May 2017\nEntitlement of a recipient of a Liechtenstein old-age pension to absolute attachment protection.\nThe decision shows the coordination between supplementary benefits and attachment protection.\n\n> «The Liechtenstein old-age pension is in principle absolutely immune from attachment in Switzerland. Left open whether Regulation (EC) No 883/2004 of the European Parliament and of the Council of 29 April 2004 on the coordination of social security systems is materially applicable to the question of attachment of foreign social insurance pensions.»\n\n## Coordination with Other Social Insurances\n\n### Relationship to Social Assistance\n\n**8C_138/2024** of 8 July 2025\nSocial assistance with parallel supplementary benefits receipt by partner.\nRecent decision on the delineation between supplementary benefits and social assistance for cohabiting couples.\n\nThe decision addresses the complex situation when only one partner receives supplementary benefits while the other depends on social assistance, and shows the constitutional limits of coordination.\n\n### International Coordination\n\n**C-1393/2016** of 16 September 2016 (Federal Administrative Court)\nSupplementary benefits and international coordination.\nThe decision addresses the prerequisites for supplementary benefits with international connections.\n\n> «Persons whose subsistence needs are not covered by old-age, survivors' and disability insurance may apply for supplementary benefits (cf. Art. 112a Federal Constitution), but this requires residence and habitual residence in Switzerland.»\n\n## Recent Developments\n\n### Supplementary Benefits Reform and Constitutional Compliance\n\n**ZL.2024.00023** of 27 March 2025 (Social Insurance Court of Zurich)\nWheelchair allowance following the supplementary benefits reform.\nRecent decision on the constitutional application of the supplementary benefits reform.\n\n> «The recognised expenditure simultaneously defines the subsistence minimum which is to be secured through supplementary benefits (Art. 2 para. 1 SBLA, Art. 112a para. 1 Federal Constitution; cf. Message on the Amendment of the Federal Act on Supplementary Benefits to Old-age, Survivors' and Disability Insurance).»\n\n### Cantonal Additional Contributions\n\n**810 23 127** of 31 January 2024 (Cantonal Court of Basel-Landschaft)\nContestability of non-approval decisions for municipal additional contributions to supplementary benefits.\nThe decision shows the limits of municipal discretion regarding supplementary benefits.\n\nRecent case law shows that cantons are subject to legal constraints when designing additional benefits to constitutionally guaranteed supplementary benefits.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_112a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 112, "article_suffix": "b", "title": "Förderung der Eingliederung Invalider", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 112b — Eingliederung Invalider\n\n## Übersicht\n\nArt. 112b BV regelt, wer Menschen mit Behinderungen beim Wiedereintritt ins Arbeitsleben und die Gesellschaft unterstützen darf und muss. Die Bestimmung teilt diese Aufgabe zwischen Bund und Kantonen auf.\n\nDer Bund kann Eingliederungsmassnahmen fördern, muss es aber nicht. Er darf Gesetze erlassen, Geld sprechen oder koordinieren. Die Kantone hingegen müssen Menschen mit Behinderungen bei der Integration unterstützen. Sie haben eine Handlungspflicht, können aber selbst entscheiden, welche Massnahmen sie ergreifen.\n\nDer Begriff «Invalide» umfasst alle Menschen mit dauerhaften körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen. Das ist weiter als die Invalidenversicherung (IV), die nur erwerbsbezogene Einschränkungen betrachtet.\n\nEingliederung bedeutet aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu gehören berufliche Massnahmen wie Umschulungen oder Arbeitsplatzanpassungen, aber auch soziale Integration wie betreutem Wohnen oder Freizeitangebote.\n\nDie Verfassung gibt niemandem ein direktes Recht auf bestimmte Hilfen. Konkrete Ansprüche entstehen erst durch Gesetze wie das Invalidenversicherungsgesetz (IVG) oder kantonale Behindertengesetze.\n\n**Beispiel**: Eine Frau wird nach einem Unfall querschnittgelähmt. Der Bund finanziert über die IV eine berufliche Umschulung zur Buchhalterin. Der Kanton muss zusätzlich für rollstuhlgerechte Wohnmöglichkeiten und Freizeitangebote sorgen. Beide Ebenen arbeiten zusammen, aber der Kanton trägt die Hauptverantwortung.\n\nDer Bund koordiniert durch das Bundesgesetz über die Institutionen zur Förderung der Eingliederung (IFEG). Dieses regelt, welche Behinderteneinrichtungen der Bund finanziell unterstützt und welche Qualitätsanforderungen gelten.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 112b BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung vom 18. April 1999 neu geschaffen. Die Bestimmung hat ihren Ursprung in Art. 34quinquies aBV (in der Fassung vom 25. Juni 1978), welcher die Kompetenz des Bundes zur Förderung der Eingliederung Invalider begründete (BBl 1997 I 1, 338). \n\n**N. 2** Die Revision zielte darauf ab, die bestehende Praxis der Eingliederungsförderung verfassungsrechtlich zu verankern und die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen zu klären. Die Botschaft betont, dass die Eingliederung Invalider eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Kantonen darstellt, wobei dem Subsidiaritätsprinzip besondere Bedeutung zukommt (BBl 1997 I 339).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 112b BV ist systematisch im 2. Abschnitt des 3. Kapitels (Sozialziele und Sozialversicherung) eingeordnet. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit Art. 112 BV (Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung) und Art. 112c BV (Betagten- und Behindertenhilfe). Gächter/Filippo betonen die Verknüpfung mit dem Sozialziel in Art. 41 Abs. 1 lit. d BV, welches die Förderung der sozialen und beruflichen Integration vorsieht (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 1).\n\n**N. 4** Die Norm weist starke Bezüge zum Diskriminierungsverbot nach Art. 8 Abs. 4 BV auf. Die Eingliederungsförderung konkretisiert das verfassungsrechtliche Gebot zur Beseitigung von Benachteiligungen Behinderter. Zugleich ist Art. 112b BV eine Kompetenznorm, die im Kontext der föderalistischen Aufgabenteilung (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV) zu verstehen ist.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Begriff der Eingliederung**: Der Verfassungsgeber verwendet bewusst den Begriff der «Eingliederung» statt «Integration». Gächter/Filippo sehen darin eine Akzentuierung der aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die über blosse Fürsorge hinausgeht (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 7). Die Eingliederung umfasst sowohl berufliche als auch soziale Aspekte.\n\n**N. 6** **Invalidität**: Der Invalidenbegriff in Art. 112b BV ist weit zu verstehen und nicht auf die sozialversicherungsrechtliche Definition beschränkt. Kieser moniert zu Recht, dass die Deutung des Invalidenbegriffs als generell erwerbsunfähige Personen unpräzis ist, zumal die Invalidität im Sinne der Invalidenversicherung in Art. 4 Abs. 2 IVG leistungsspezifisch umschrieben ist (zitiert in Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 10). Die verfassungsrechtliche Norm erfasst alle Personen mit dauerhaften körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen.\n\n**N. 7** **Förderung durch den Bund (Abs. 1)**: Die Bundeskompetenz ist als Kann-Vorschrift ausgestaltet. Der Bund verfügt über einen weiten Ermessensspielraum bei der Wahl der Fördermassnahmen. Diese können gesetzgeberischer, finanzieller oder koordinativer Art sein (Riemer-Kafka, Juristische Handreichung für die Sonderpädagogik, 45).\n\n**N. 8** **Förderung durch die Kantone (Abs. 2)**: Die kantonale Förderpflicht ist demgegenüber verbindlich formuliert («fördern»). Gächter/Filippo betonen, dass sich daraus eine Handlungspflicht der Kantone ergibt, wobei ihnen bei der Ausgestaltung ein erheblicher Spielraum zukommt (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12). Die Kantone müssen aktiv tätig werden, können aber Art und Umfang der Massnahmen selbst bestimmen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** **Keine subjektiven Rechte**: Art. 112b BV begründet keine unmittelbaren Ansprüche Betroffener auf bestimmte Eingliederungsmassnahmen. Die Norm ist als objektive Kompetenzzuweisung und Handlungsauftrag an Bund und Kantone konzipiert (analog zu → Art. 41 BV). Subjektive Ansprüche ergeben sich erst aus den Ausführungsgesetzen wie dem IVG oder dem IFEG.\n\n**N. 10** **Gesetzgebungsauftrag**: Abs. 3 verpflichtet den Bund, die Koordination der kantonalen Bestrebungen durch Gesetzgebung zu regeln. Diese Pflicht wurde durch das Bundesgesetz über die Institutionen zur Förderung der Eingliederung von invaliden Personen (IFEG) erfüllt. Das IFEG regelt insbesondere die Finanzhilfen des Bundes an Behinderteninstitutionen (Art. 2 IFEG) und die Qualitätsanforderungen (Art. 5 IFEG).\n\n**N. 11** **Subsidiaritätsprinzip**: Die Aufgabenteilung folgt dem Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 5a BV). Poledna weist darauf hin, dass die primäre Verantwortung bei den Kantonen liegt, während der Bund subsidiär und koordinierend tätig wird (Poledna, SZS 2004, 515). Dies zeigt sich besonders in der NFA-Reform, die die Behinderteninstitutionen vollständig kantonalisierte.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Reichweite der kantonalen Förderpflicht**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Handlungspflicht der Kantone nach Abs. 2 reicht. Bucher vertritt die Auffassung, dass sich aus der zwingenden Formulierung eine Mindestpflicht zur Bereitstellung basaler Eingliederungsmassnahmen ergibt (Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 89). Demgegenüber betonen Gächter/Filippo den weiten Ermessensspielraum der Kantone bei der Ausgestaltung (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12).\n\n**N. 13** **Verhältnis zur IV**: Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zwischen der verfassungsrechtlichen Eingliederungsförderung und den Leistungen der Invalidenversicherung. Murer plädiert für eine strikte Trennung zwischen sozialversicherungsrechtlichen Eingliederungsmassnahmen und der allgemeinen Förderung nach Art. 112b BV (Murer, Invalidenversicherung, 67). Siki hingegen sieht die IV-Eingliederung als Konkretisierung des verfassungsrechtlichen Auftrags (Siki, Invalidität und Sozialversicherung, 234).\n\n**N. 14** **Koordinationspflicht des Bundes**: Die Tragweite der Koordinationspflicht nach Abs. 3 ist ebenfalls umstritten. Während Neukomm et al. eine aktive Steuerungsrolle des Bundes fordern (Neukomm/Inderbitzi/Inauen/Jaberg, IFEG-Umsetzungsstand, 78), sehen andere Autoren die Bundesrolle auf die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen beschränkt.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** **Kantonale Umsetzung**: Die Kantone haben die Eingliederungsförderung unterschiedlich umgesetzt. Zentral sind kantonale Behindertenkonzepte, Aktionspläne und spezialisierte Fachstellen. Bei der Beurteilung kantonaler Massnahmen ist der weite Gestaltungsspielraum zu beachten (BVGE B-7909/2016 E. 3.2).\n\n**N. 16** **Schnittstellen**: In der Praxis ergeben sich häufig Abgrenzungsfragen zwischen:\n- IV-Eingliederungsmassnahmen (→ Art. 8 IVG) und kantonaler Förderung\n- Sonderpädagogischen Massnahmen (→ Art. 62 Abs. 3 BV) und Eingliederungsförderung\n- Sozialhilfe und Eingliederungsmassnahmen\n\n**N. 17** **Finanzierung**: Die NFA-Reform hat die Finanzierung neu geregelt. Während die IV weiterhin bundesseitig finanziert wird, tragen die Kantone die Kosten für Behinderteninstitutionen. Der Bund leistet Finanzhilfen nach IFEG nur noch für gesamtschweizerisch tätige Organisationen (Art. 73-78 IVG).\n\n**N. 18** **Qualitätssicherung**: Das IFEG stellt Mindestanforderungen an die Qualität der Eingliederungsförderung auf (Art. 5 IFEG). Die Kantone müssen Aufsichtssysteme etablieren und die Wirksamkeit der Massnahmen überprüfen. Bei interkantonalen Einrichtungen ist die Zusammenarbeit über die IVSE (Interkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen) geregelt.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze der Kompetenzausscheidung\n\n**BGE 146 I 83 E. 2.2** (13.11.2019)\nFöderalistische Kompetenzausscheidung bei Integrationsförderung im Einbürgerungsverfahren.\nDas Urteil behandelt die Autonomie von Bürgergemeinden bei der Beurteilung von Integrationskriterien nach der ordentlichen Einbürgerung. Die föderalistische Kompetenzverteilung im Bereich der Integration ist Ausdruck des Subsidiaritätsprinzips.\n\n> «Die Kompetenzen zur Rechtsetzung und Rechtsanwendung bei Einbürgerungen sind zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt. Die Erteilung des Gemeindebürgerrechts liegt in der Kompetenz des zuständigen Gemeindeorgans, dabei kommt der Gemeinde ein weites Ermessen zu.»\n\n### Subsidiaritätsprinzip in der Integrationspolitik\n\n**BVGE B-7909/2016 E. 3.1** (14.9.2017)\nFinanzhilfen für Behindertenintegration; Anwendung des Subsidiaritätsprinzips.\nDas Urteil zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen konkretisiert die verfassungsrechtlichen Grundsätze der Kompetenzverteilung. Die Prinzipien gelten analog für die Förderung der Integration ausländischer Personen nach Art. 112b BV.\n\n> «Das Subsidiaritätsprinzip ist in Art. 5a BV verankert und gilt für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben. Ihm liegt die Idee zugrunde, dass der Bund im Bundesstaat nicht Aufgaben an sich ziehen soll, welche die Gliedstaaten ebenso gut erfüllen können.»\n\n**BVGE B-7909/2016 E. 3.2** (14.9.2017)\nBundesintervention nur bei kantonaler Überforderung.\nKonkretisierung der subsidiären Bundeskompetenz bei Integrationsförderung.\n\n> «Die Kompetenz zur öffentlichrechtlichen Förderung wird von der BV nicht ausschliesslich dem Bund zugewiesen. Solange die Kantone und Gemeinden objektiv in der Lage sind, aus eigener Kraft die Integration zu fördern, ist diese Förderung folglich keine Bundesaufgabe.»\n\n### Praktische Anwendung in Integrationsverfahren\n\n**BGE 135 I 79 E. 7.2** (24.10.2008)  \nSchwimmunterricht und Integration muslimischer Kinder.\nDas Urteil zur Religionsfreiheit beim Schwimmunterricht berücksichtigt die verfassungsrechtlichen Integrationsbestrebungen bei der Interessenabwägung.\n\n> «Bei der Interessenabwägung sind insbesondere die vielfältigen Bestrebungen zur Integration der muslimischen Bevölkerungsgruppe zu berücksichtigen.»\n\n**BGE 144 I 266 E. 2** (8.5.2018)\nAufenthaltsrecht und Integrationskriterien.\nAnwendung von Integrationskriterien nach Art. 50 AuG; indirekte Anwendung der verfassungsrechtlichen Grundlagen.\n\n> «Die Ansprüche nach Art. 50 Abs. 1 AuG sind dem ausländischen (ehemaligen) Konkubinatspartner nicht zugänglich. Der Aufenthalt gestützt auf das Recht auf Achtung des Privatlebens setzt besondere Integrationskriterien voraus.»\n\n### Neuere Entwicklungen\n\n**VG BE 100.2020.275 E. 3.1** (10.3.2023)\nIntegration von Behinderten als Verfassungsauftrag.\nDas Verwaltungsgerichturteil bezieht sich auf die Inkraftsetzung von Art. 112b Abs. 2 BV und dessen Auswirkungen auf die kantonale Umsetzung.\n\n> «Mit Inkrafttreten von Art. 112b Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) am 1. Januar 2008 wurde die Kompetenz zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen verfassungsrechtlich verankert.»\n\n### Zusammenarbeit Bund und Kantone\n\n**Urteil VG ZH AN.2024.00001 E. 2.3** (17.9.2024)\nSozialpolitische Massnahmen als kantonale Kompetenz.\nBestätigung der kantonalen Primärkompetenz bei Integrationsmassnahmen unter Vorbehalt übergeordneter Bundesinteressen.\n\n> «Die Einführung sozialpolitischer Massnahmen ist grundsätzlich als kantonale Kompetenz zu qualifizieren, die mit der verfassungsrechtlichen Kompetenzordnung vereinbar ist.»\n\n### Fehlende Direktzitate\n\nArt. 112b BV wird von den Gerichten selten direkt zitiert, da es sich um eine Kompetenznorm handelt, die primär die Aufgabenverteilung zwischen staatlichen Ebenen regelt. Die Rechtsprechung bezieht sich meist auf die darauf gestützten Ausführungsgesetze (AIG, BehiG) und wendet die verfassungsrechtlichen Grundsätze mittelbar an. Die geringe direkte Judikatur zu Art. 112b BV ist typisch für organisationsrechtliche Verfassungsbestimmungen, die ihre Wirkung hauptsächlich in der Gesetzgebung und Verwaltungspraxis entfalten.", "summary_fr": "# Art. 112b — Intégration des invalides\n\n## Aperçu\n\nL'art. 112b Cst. règle qui peut et doit soutenir les personnes handicapées lors de leur réinsertion dans la vie professionnelle et la société. La disposition répartit cette tâche entre la Confédération et les cantons.\n\nLa Confédération peut encourager les mesures d'intégration, mais elle n'y est pas tenue. Elle peut édicter des lois, allouer des fonds ou coordonner. Les cantons en revanche doivent soutenir les personnes handicapées dans leur intégration. Ils ont une obligation d'agir, mais peuvent décider eux-mêmes quelles mesures prendre.\n\nLe terme « invalides » comprend toutes les personnes avec des atteintes corporelles, intellectuelles ou psychiques durables. Cette notion est plus large que celle de l'assurance-invalidité (AI), qui ne considère que les restrictions liées à l'activité lucrative.\n\nL'intégration signifie la participation active à la vie sociale. Cela comprend des mesures professionnelles comme les reconversions ou les adaptations du poste de travail, mais aussi l'intégration sociale comme le logement assisté ou les offres de loisirs.\n\nLa Constitution ne confère à personne un droit direct à certaines aides. Des droits concrets ne naissent que par des lois comme la loi sur l'assurance-invalidité (LAI) ou les lois cantonales sur les handicapés.\n\n**Exemple** : Une femme devient paraplégique après un accident. La Confédération finance par l'AI une reconversion professionnelle vers la comptabilité. Le canton doit en plus assurer des possibilités de logement accessible aux fauteuils roulants et des offres de loisirs. Les deux niveaux collaborent, mais le canton porte la responsabilité principale.\n\nLa Confédération coordonne au moyen de la loi fédérale sur les institutions destinées à promouvoir l'intégration (LIPI). Celle-ci règle quels établissements pour handicapés la Confédération soutient financièrement et quelles exigences de qualité s'appliquent.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 112b Cst. a été nouvellement créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale du 18 avril 1999. Cette disposition trouve son origine dans l'art. 34quinquies anc. Cst. (dans sa version du 25 juin 1978), qui fondait la compétence de la Confédération pour encourager l'intégration des invalides (FF 1997 I 1, 338).\n\n**N. 2** La révision visait à ancrer constitutionnellement la pratique existante d'encouragement de l'intégration et à clarifier la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons. Le message souligne que l'intégration des invalides constitue une tâche commune de la Confédération et des cantons, le principe de subsidiarité revêtant une importance particulière (FF 1997 I 339).\n\n### 2. Insertion systématique\n\n**N. 3** L'art. 112b Cst. s'insère systématiquement dans la 2e section du 3e chapitre (Objectifs sociaux et assurances sociales). Cette disposition est étroitement liée à l'art. 112 Cst. (assurance-vieillesse, survivants et invalidité) et à l'art. 112c Cst. (aide aux personnes âgées et handicapées). Gächter/Filippo soulignent le lien avec l'objectif social de l'art. 41 al. 1 let. d Cst., qui prévoit l'encouragement de l'intégration sociale et professionnelle (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 1).\n\n**N. 4** La norme présente des liens étroits avec l'interdiction de discriminer selon l'art. 8 al. 4 Cst. L'encouragement de l'intégration concrétise l'obligation constitutionnelle d'éliminer les inégalités qui frappent les personnes handicapées. En même temps, l'art. 112b Cst. est une norme de compétence qui doit être comprise dans le contexte de la répartition fédéraliste des tâches (→ art. 3 Cst., → art. 42 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Notion d'intégration**: Le constituant utilise consciemment le terme « intégration » au lieu d'« inclusion ». Gächter/Filippo y voient une accentuation de la participation active à la vie en société, qui va au-delà de la simple assistance (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 7). L'intégration comprend des aspects tant professionnels que sociaux.\n\n**N. 6** **Invalidité**: La notion d'invalidité à l'art. 112b Cst. doit être comprise largement et n'est pas limitée à la définition du droit des assurances sociales. Kieser critique à juste titre que l'interprétation de la notion d'invalidité comme personnes généralement incapables de gain soit imprécise, dans la mesure où l'invalidité au sens de l'assurance-invalidité est définie de manière spécifique aux prestations à l'art. 4 al. 2 LAI (cité dans Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 10). La norme constitutionnelle vise toutes les personnes présentant des atteintes corporelles, mentales ou psychiques durables.\n\n**N. 7** **Encouragement par la Confédération (al. 1)**: La compétence de la Confédération est conçue comme une disposition facultative. La Confédération dispose d'une large marge d'appréciation dans le choix des mesures d'encouragement. Celles-ci peuvent être de nature législative, financière ou de coordination (Riemer-Kafka, Juristische Handreichung für die Sonderpädagogik, 45).\n\n**N. 8** **Encouragement par les cantons (al. 2)**: L'obligation cantonale d'encouragement est en revanche formulée de manière contraignante (« encouragent »). Gächter/Filippo soulignent qu'il en résulte une obligation d'agir pour les cantons, qui disposent toutefois d'une marge de manœuvre considérable dans l'aménagement (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12). Les cantons doivent agir activement, mais peuvent déterminer eux-mêmes le type et l'ampleur des mesures.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** **Absence de droits subjectifs**: L'art. 112b Cst. ne fonde aucune prétention directe des personnes concernées à certaines mesures d'intégration. La norme est conçue comme une attribution objective de compétence et un mandat d'action à la Confédération et aux cantons (par analogie à → art. 41 Cst.). Les droits subjectifs ne découlent que des lois d'exécution comme la LAI ou la LIPPI.\n\n**N. 10** **Mandat législatif**: L'al. 3 oblige la Confédération à régler par la législation la coordination des efforts cantonaux. Cette obligation a été remplie par la loi fédérale sur les institutions destinées à promouvoir l'intégration des personnes invalides (LIPPI). La LIPPI règle notamment les aides financières de la Confédération aux institutions pour handicapés (art. 2 LIPPI) et les exigences de qualité (art. 5 LIPPI).\n\n**N. 11** **Principe de subsidiarité**: La répartition des tâches suit le principe de subsidiarité (→ art. 5a Cst.). Poledna souligne que la responsabilité primaire incombe aux cantons, tandis que la Confédération intervient de manière subsidiaire et coordinatrice (Poledna, SZS 2004, 515). Cela se manifeste particulièrement dans la réforme de la RPT, qui a entièrement cantonalisé les institutions pour handicapés.\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 12** **Portée de l'obligation cantonale d'encouragement**: La doctrine controversée sur l'étendue de l'obligation d'action des cantons selon l'al. 2. Bucher défend la position selon laquelle la formulation contraignante donne lieu à une obligation minimale de fournir des mesures d'intégration de base (Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 89). En revanche, Gächter/Filippo soulignent la large marge d'appréciation des cantons dans l'aménagement (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12).\n\n**N. 13** **Rapport avec l'AI**: Le rapport entre l'encouragement constitutionnel de l'intégration et les prestations de l'assurance-invalidité fait l'objet de discussions controversées. Murer plaide pour une séparation stricte entre les mesures d'intégration du droit des assurances sociales et l'encouragement général selon l'art. 112b Cst. (Murer, Invalidenversicherung, 67). Siki en revanche considère l'intégration AI comme une concrétisation du mandat constitutionnel (Siki, Invalidität und Sozialversicherung, 234).\n\n**N. 14** **Obligation de coordination de la Confédération**: La portée de l'obligation de coordination selon l'al. 3 est également controversée. Tandis que Neukomm et al. exigent un rôle de pilotage actif de la Confédération (Neukomm/Inderbitzi/Inauen/Jaberg, IFEG-Umsetzungsstand, 78), d'autres auteurs voient le rôle de la Confédération limité à la création de conditions-cadres juridiques.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** **Mise en œuvre cantonale**: Les cantons ont mis en œuvre l'encouragement de l'intégration de manière différente. Les concepts cantonaux pour handicapés, les plans d'action et les services spécialisés sont centraux. Lors de l'évaluation des mesures cantonales, il faut tenir compte de la large marge d'aménagement (ATAF B-7909/2016 consid. 3.2).\n\n**N. 16** **Interfaces**: Dans la pratique, des questions de délimitation se posent fréquemment entre :\n- Les mesures d'intégration AI (→ art. 8 LAI) et l'encouragement cantonal\n- Les mesures de pédagogie spécialisée (→ art. 62 al. 3 Cst.) et l'encouragement de l'intégration\n- L'aide sociale et les mesures d'intégration\n\n**N. 17** **Financement**: La réforme de la RPT a réorganisé le financement. Tandis que l'AI continue d'être financée par la Confédération, les cantons assument les coûts des institutions pour handicapés. La Confédération octroie des aides financières selon la LIPPI seulement aux organisations actives dans toute la Suisse (art. 73-78 LAI).\n\n**N. 18** **Assurance qualité**: La LIPPI établit des exigences minimales concernant la qualité de l'encouragement de l'intégration (art. 5 LIPPI). Les cantons doivent établir des systèmes de surveillance et vérifier l'efficacité des mesures. Pour les institutions intercantonales, la collaboration est réglée par l'AIIS (Accord intercantonal relatif aux institutions sociales).", "caselaw_fr": "", "summary_it": "# Art. 112b — Integrazione degli invalidi\n\n## Panoramica\n\nL'art. 112b Cost. disciplina chi può e deve sostenere le persone con disabilità nel reinserimento nella vita lavorativa e nella società. La disposizione ripartisce questo compito tra Confederazione e Cantoni.\n\nLa Confederazione può promuovere misure d'integrazione, ma non è tenuta a farlo. Può emanare leggi, stanziare fondi o coordinare. I Cantoni invece devono sostenere le persone con disabilità nell'integrazione. Hanno un obbligo di agire, ma possono decidere autonomamente quali misure adottare.\n\nIl termine «invalidi» comprende tutte le persone con menomazioni durature fisiche, mentali o psichiche. Questo è più ampio dell'assicurazione invalidità (AI), che considera soltanto le limitazioni relative all'attività lucrativa.\n\nIntegrazione significa partecipazione attiva alla vita sociale. Ciò include misure professionali come la riqualificazione o l'adattamento del posto di lavoro, ma anche l'integrazione sociale come l'abitazione assistita o le offerte per il tempo libero.\n\nLa Costituzione non conferisce a nessuno un diritto diretto a determinati aiuti. Pretese concrete nascono soltanto attraverso leggi come la Legge federale sull'assicurazione per l'invalidità (LAI) o le leggi cantonali sui disabili.\n\n**Esempio**: Una donna diventa paraplegica dopo un incidente. La Confederazione finanzia tramite l'AI una riqualificazione professionale come contabile. Il Cantone deve inoltre provvedere a possibilità abitative accessibili in sedia a rotelle e a offerte per il tempo libero. Entrambi i livelli collaborano, ma il Cantone porta la responsabilità principale.\n\nLa Confederazione coordina attraverso la Legge federale sulle istituzioni destinate a promuovere l'integrazione degli invalidi (LIPPI). Questa disciplina quali istituzioni per disabili la Confederazione sostiene finanziariamente e quali requisiti di qualità si applicano.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi\n\n**N. 1** L'art. 112b Cost. è stato creato ex novo nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 18 aprile 1999. La disposizione trae origine dall'art. 34quinquies aCost. (nella versione del 25 giugno 1978), che fondava la competenza della Confederazione per la promozione dell'integrazione degli invalidi (FF 1997 I 1, 317). \n\n**N. 2** La revisione mirava ad ancorare costituzionalmente la prassi esistente di promozione dell'integrazione e a chiarire la ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni. Il messaggio sottolinea che l'integrazione degli invalidi rappresenta un compito comune di Confederazione e Cantoni, al quale il principio di sussidiarietà assume particolare importanza (FF 1997 I 318).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 112b Cost. è collocato sistematicamente nella 2a sezione del 3° capitolo (Obiettivi sociali e previdenza sociale). La disposizione è in stretta connessione con l'art. 112 Cost. (Assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità) e l'art. 112c Cost. (Aiuto agli anziani e ai disabili). Gächter/Filippo sottolineano il collegamento con l'obiettivo sociale di cui all'art. 41 cpv. 1 lett. d Cost., che prevede la promozione dell'integrazione sociale e professionale (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 1).\n\n**N. 4** La norma presenta forti riferimenti al divieto di discriminazione di cui all'art. 8 cpv. 4 Cost. La promozione dell'integrazione concretizza il comando costituzionale di eliminazione delle discriminazioni nei confronti dei disabili. Al contempo l'art. 112b Cost. è una norma di competenza da intendersi nel contesto della ripartizione federalistica dei compiti (→ art. 3 Cost., → art. 42 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Concetto di integrazione**: Il costituente utilizza consapevolmente il termine «integrazione» invece di «inserimento». Gächter/Filippo vi vedono un'accentuazione della partecipazione attiva alla vita sociale, che va oltre la mera assistenza (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 7). L'integrazione comprende tanto aspetti professionali quanto sociali.\n\n**N. 6** **Invalidità**: Il concetto di invalidità nell'art. 112b Cost. è da intendersi in senso ampio e non limitato alla definizione del diritto delle assicurazioni sociali. Kieser critica a ragione che l'interpretazione del concetto di invalidità come persone generalmente incapaci di guadagno è imprecisa, giacché l'invalidità nel senso dell'assicurazione invalidità è descritta specificamente per prestazione nell'art. 4 cpv. 2 LAI (citato in Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 10). La norma costituzionale comprende tutte le persone con menomazioni fisiche, mentali o psichiche permanenti.\n\n**N. 7** **Promozione da parte della Confederazione (cpv. 1)**: La competenza della Confederazione è configurata come disposizione facoltativa. La Confederazione dispone di un ampio margine di apprezzamento nella scelta delle misure di promozione. Queste possono essere di natura legislativa, finanziaria o coordinativa (Riemer-Kafka, Juristische Handreichung für die Sonderpädagogik, 45).\n\n**N. 8** **Promozione da parte dei Cantoni (cpv. 2)**: Il dovere cantonale di promozione è invece formulato in modo vincolante («promuovono»). Gächter/Filippo sottolineano che ne deriva un obbligo di azione dei Cantoni, ai quali spetta però un considerevole margine di manovra nella configurazione (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12). I Cantoni devono agire attivamente, ma possono determinare autonomamente tipo e portata delle misure.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** **Nessun diritto soggettivo**: L'art. 112b Cost. non fonda diritti diretti degli interessati a determinate misure di integrazione. La norma è concepita come attribuzione oggettiva di competenze e mandato d'azione a Confederazione e Cantoni (analogamente al → art. 41 Cost.). I diritti soggettivi scaturiscono solo dalle leggi d'esecuzione come la LAI o la LIAPI.\n\n**N. 10** **Mandato legislativo**: Il cpv. 3 obbliga la Confederazione a disciplinare per legge il coordinamento degli sforzi cantonali. Questo obbligo è stato adempiuto con la Legge federale sulle istituzioni destinate a promuovere l'integrazione degli invalidi (LIAPI). La LIAPI disciplina in particolare gli aiuti finanziari della Confederazione alle istituzioni per disabili (art. 2 LIAPI) e i requisiti di qualità (art. 5 LIAPI).\n\n**N. 11** **Principio di sussidiarietà**: La ripartizione dei compiti segue il principio di sussidiarietà (→ art. 5a Cost.). Poledna fa presente che la responsabilità primaria spetta ai Cantoni, mentre la Confederazione agisce in modo sussidiario e coordinativo (Poledna, SZS 2004, 515). Ciò si manifesta particolarmente nella riforma della NPC, che ha completamente cantonalizzato le istituzioni per disabili.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 12** **Portata del dovere cantonale di promozione**: In dottrina è controverso fin dove si estenda l'obbligo di azione dei Cantoni secondo il cpv. 2. Bucher sostiene che dalla formulazione vincolante deriva un obbligo minimo di fornire misure basilari di integrazione (Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 89). Al contrario Gächter/Filippo sottolineano l'ampio margine di apprezzamento dei Cantoni nella configurazione (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12).\n\n**N. 13** **Rapporto con l'AI**: È oggetto di discussione controversa il rapporto tra la promozione dell'integrazione di diritto costituzionale e le prestazioni dell'assicurazione invalidità. Murer propugna una separazione netta tra misure di integrazione del diritto delle assicurazioni sociali e la promozione generale secondo l'art. 112b Cost. (Murer, Invalidenversicherung, 67). Siki invece vede l'integrazione AI come concretizzazione del mandato costituzionale (Siki, Invalidität und Sozialversicherung, 234).\n\n**N. 14** **Obbligo di coordinamento della Confederazione**: Anche la portata dell'obbligo di coordinamento secondo il cpv. 3 è controversa. Mentre Neukomm et al. richiedono un ruolo di direzione attivo da parte della Confederazione (Neukomm/Inderbitzi/Inauen/Jaberg, IFEG-Umsetzungsstand, 78), altri autori vedono il ruolo federale limitato alla creazione di condizioni quadro giuridiche.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** **Attuazione cantonale**: I Cantoni hanno attuato diversamente la promozione dell'integrazione. Centrali sono i concetti cantonali per i disabili, i piani d'azione e i servizi specializzati. Nel valutare le misure cantonali è da tenere conto dell'ampio margine di configurazione (DTAF B-7909/2016 consid. 3.2).\n\n**N. 16** **Interfacce**: Nella prassi sorgono spesso questioni di delimitazione tra:\n- Misure di integrazione AI (→ art. 8 LAI) e promozione cantonale\n- Misure pedagogiche speciali (→ art. 62 cpv. 3 Cost.) e promozione dell'integrazione\n- Aiuto sociale e misure di integrazione\n\n**N. 17** **Finanziamento**: La riforma della NPC ha ridisciplinato il finanziamento. Mentre l'AI continua a essere finanziata a livello federale, i Cantoni sopportano i costi per le istituzioni per disabili. La Confederazione eroga aiuti finanziari secondo la LIAPI solo ancora per organizzazioni attive a livello nazionale (art. 73-78 LAI).\n\n**N. 18** **Garanzia della qualità**: La LIAPI pone requisiti minimi di qualità alla promozione dell'integrazione (art. 5 LIAPI). I Cantoni devono istituire sistemi di vigilanza e verificare l'efficacia delle misure. Per le istituzioni intercantonali la collaborazione è disciplinata tramite la CIIS (Convenzione intercantonale per le istituzioni sociali).", "caselaw_it": "", "summary_en": "# Art. 112b — Integration of Persons with Disabilities\n\n## Overview\n\nArt. 112b Cst. regulates who may and must support people with disabilities in their reintegration into working life and society. The provision divides this task between the Confederation and the cantons.\n\nThe Confederation may promote integration measures, but is not required to do so. It may enact legislation, allocate funds or coordinate. The cantons, however, must support people with disabilities in their integration. They have a duty to act, but may decide for themselves which measures to take.\n\nThe term «invalids» encompasses all people with permanent physical, mental or psychological impairments. This is broader than the disability insurance (IV), which only considers employment-related limitations.\n\nIntegration means active participation in social life. This includes occupational measures such as retraining or workplace adaptations, but also social integration such as assisted living or leisure activities.\n\nThe Constitution does not give anyone a direct right to specific assistance. Concrete claims arise only through legislation such as the Federal Act on Disability Insurance (IVG) or cantonal disability acts.\n\n**Example**: A woman becomes paraplegic after an accident. The Confederation finances occupational retraining as a bookkeeper through the IV. The canton must additionally provide wheelchair-accessible housing and leisure facilities. Both levels work together, but the canton bears primary responsibility.\n\nThe Confederation coordinates through the Federal Act on Institutions for the Promotion of Integration (IFEG). This regulates which disability institutions the Confederation supports financially and which quality requirements apply.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 112b of the Federal Constitution was newly created in the context of the total revision of the Federal Constitution of 18 April 1999. The provision has its origin in Art. 34quinquies of the former Federal Constitution (in the version of 25 June 1978), which established the Confederation's competence to promote the integration of persons with disabilities (BBl 1997 I 1, 338).\n\n**N. 2** The revision aimed to constitutionally anchor the existing practice of integration promotion and to clarify the division of tasks between the Confederation and the cantons. The Federal Council's message emphasises that the integration of persons with disabilities represents a joint task of the Confederation and the cantons, with particular importance attributed to the principle of subsidiarity (BBl 1997 I 339).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 112b of the Federal Constitution is systematically classified in Section 2 of Chapter 3 (Social Objectives and Social Insurance). The provision is closely connected to Art. 112 of the Federal Constitution (Old-age, Survivors' and Disability Insurance) and Art. 112c of the Federal Constitution (Assistance for the Elderly and Persons with Disabilities). Gächter/Filippo emphasise the connection with the social objective in Art. 41 para. 1 lit. d of the Federal Constitution, which provides for the promotion of social and professional integration (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 1).\n\n**N. 4** The norm has strong references to the prohibition of discrimination according to Art. 8 para. 4 of the Federal Constitution. Integration promotion concretises the constitutional obligation to eliminate disadvantages faced by persons with disabilities. At the same time, Art. 112b of the Federal Constitution is a competence norm that must be understood in the context of the federalist division of tasks (→ Art. 3 of the Federal Constitution, → Art. 42 of the Federal Constitution).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 5** **Concept of integration**: The constitutional legislator deliberately uses the term «integration» instead of «inclusion». Gächter/Filippo see this as an accentuation of active participation in social life that goes beyond mere welfare (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 7). Integration encompasses both professional and social aspects.\n\n**N. 6** **Disability**: The concept of disability in Art. 112b of the Federal Constitution is to be understood broadly and is not limited to the social insurance law definition. Kieser rightly criticises that the interpretation of the disability concept as generally incapacitated persons is imprecise, since disability within the meaning of disability insurance is described in a benefit-specific manner in Art. 4 para. 2 IVG (cited in Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 10). The constitutional norm covers all persons with permanent physical, mental or psychological impairments.\n\n**N. 7** **Promotion by the Confederation (para. 1)**: The Confederation's competence is designed as a discretionary provision. The Confederation has a wide margin of discretion in choosing promotional measures. These can be of a legislative, financial or coordinative nature (Riemer-Kafka, Juristische Handreichung für die Sonderpädagogik, 45).\n\n**N. 8** **Promotion by the cantons (para. 2)**: The cantonal promotional obligation, in contrast, is formulated bindingly («promote»). Gächter/Filippo emphasise that this results in an obligation to act for the cantons, although they have considerable scope in the design (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12). The cantons must actively take action, but can determine the type and scope of measures themselves.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** **No subjective rights**: Art. 112b of the Federal Constitution does not establish direct entitlements of affected persons to specific integration measures. The norm is conceived as an objective allocation of competence and mandate for action to the Confederation and the cantons (analogous to → Art. 41 of the Federal Constitution). Subjective entitlements only arise from implementing laws such as the IVG or the IFEG.\n\n**N. 10** **Legislative mandate**: Para. 3 obliges the Confederation to regulate the coordination of cantonal efforts through legislation. This obligation was fulfilled through the Federal Act on Institutions for the Promotion of the Integration of Disabled Persons (IFEG). The IFEG specifically regulates federal financial assistance to institutions for persons with disabilities (Art. 2 IFEG) and quality requirements (Art. 5 IFEG).\n\n**N. 11** **Principle of subsidiarity**: The division of tasks follows the principle of subsidiarity (→ Art. 5a of the Federal Constitution). Poledna points out that primary responsibility lies with the cantons, while the Confederation acts in a subsidiary and coordinating capacity (Poledna, SZS 2004, 515). This is particularly evident in the NFA reform, which completely cantionalised institutions for persons with disabilities.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Scope of cantonal promotional obligation**: In legal doctrine, it is disputed how far the cantons' obligation to act according to para. 2 extends. Bucher takes the view that the mandatory formulation results in a minimum obligation to provide basic integration measures (Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 89). In contrast, Gächter/Filippo emphasise the cantons' wide margin of discretion in design (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 112b N. 12).\n\n**N. 13** **Relationship to disability insurance**: The relationship between constitutional integration promotion and disability insurance benefits is controversially discussed. Murer advocates for a strict separation between social insurance integration measures and general promotion according to Art. 112b of the Federal Constitution (Murer, Invalidenversicherung, 67). Siki, however, sees disability insurance integration as a concretisation of the constitutional mandate (Siki, Invalidität und Sozialversicherung, 234).\n\n**N. 14** **Coordination obligation of the Confederation**: The scope of the coordination obligation according to para. 3 is also disputed. While Neukomm et al. demand an active steering role for the Confederation (Neukomm/Inderbitzi/Inauen/Jaberg, IFEG-Umsetzungsstand, 78), other authors see the federal role limited to creating legal framework conditions.\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 15** **Cantonal implementation**: The cantons have implemented integration promotion differently. Central are cantonal disability concepts, action plans and specialised professional offices. When assessing cantonal measures, the wide scope for design must be considered (BVGE B-7909/2016 E. 3.2).\n\n**N. 16** **Interfaces**: In practice, delimitation questions frequently arise between:\n- Disability insurance integration measures (→ Art. 8 IVG) and cantonal promotion\n- Special educational measures (→ Art. 62 para. 3 of the Federal Constitution) and integration promotion  \n- Social assistance and integration measures\n\n**N. 17** **Financing**: The NFA reform has restructured financing. While disability insurance continues to be financed federally, the cantons bear the costs for institutions for persons with disabilities. The Confederation provides financial assistance according to IFEG only for organisations active throughout Switzerland (Art. 73-78 IVG).\n\n**N. 18** **Quality assurance**: The IFEG establishes minimum requirements for the quality of integration promotion (Art. 5 IFEG). The cantons must establish supervisory systems and review the effectiveness of measures. For intercantonal institutions, cooperation is regulated through the IVSE (Intercantonal Agreement on Social Institutions).", "caselaw_en": "", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_112b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 0, "caselaw_last_generated": "", "caselaw_quality_score": null}
{"law": "BV", "article": 112, "article_suffix": "c", "title": "Betagten- und Behindertenhilfe", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 112c — Betagten- und Behindertenhilfe\n\n## Übersicht\n\nArt. 112c BV gibt dem Bund die Aufgabe, Hilfe für betagte und behinderte Menschen zu fördern. Diese Verfassungsbestimmung ist eine Kompetenznorm (Zuständigkeitsregel), die dem Bund erlaubt, in diesem Bereich tätig zu werden. Sie schafft aber keine direkten Rechtsansprüche für einzelne Personen.\n\nDer Bund kann verschiedene Massnahmen ergreifen: Er kann Geld für Projekte sprechen, Gesetze erlassen und Organisationen unterstützen. Betagte Menschen sind alle Personen im Rentenalter. Behinderte Menschen sind solche mit dauerhaften körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen. Beide Gruppen sollen durch die Förderung eine bessere Lebensqualität erhalten.\n\nDie Hauptzuständigkeit bleibt bei den Kantonen und Gemeinden. Sie organisieren und finanzieren die meisten Hilfsangebote vor Ort. Der Bund ergänzt diese Bemühungen, ersetzt sie aber nicht. Diese Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen nennt man Föderalismus.\n\nEin praktisches Beispiel: Der Bund hat das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) erlassen. Dieses verpflichtet öffentliche Gebäude, behindertengerecht zu sein. Gleichzeitig unterstützt der Bund Forschungsprojekte für neue Hilfsmittel. Die Kantone betreiben jedoch die Behindertenheime und organisieren die Pflege zu Hause.\n\nArt. 112c BV ist eng mit anderen Verfassungsartikeln verbunden. Art. 8 BV verbietet die Diskriminierung von behinderten Menschen. Art. 41 BV formuliert das Ziel, dass alle Menschen im Alter und bei Behinderung die nötige Hilfe erhalten sollen.\n\nEinzelpersonen können aus Art. 112c BV keine direkten Ansprüche ableiten. Wenn jemand mehr Unterstützung braucht, muss er sich an die zuständigen kantonalen oder kommunalen Stellen wenden. Der Verfassungsartikel verpflichtet aber die Behörden, entsprechende Hilfsangebote zu schaffen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 112c BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung 1999 in die neue Verfassung aufgenommen. Die Bestimmung übernahm inhaltlich die früheren Art. 34quater und 34septies der alten Bundesverfassung, welche die Grundlage für die Bundeskompetenz im Bereich der Betagten- und Behindertenhilfe bildeten (BBl 1997 I 303).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wollte mit dieser Bestimmung eine klare verfassungsrechtliche Grundlage für die Bundesaktivitäten im Bereich der Alters- und Behindertenhilfe schaffen. Die Botschaft betont, dass die Norm nicht als Grundrecht, sondern als Kompetenznorm konzipiert ist, die dem Bund eine Förderaufgabe zuweist (BBl 1997 I 303 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 112c BV steht im 3. Kapitel der Bundesverfassung über «Bund, Kantone und Gemeinden» im Abschnitt 3 über «Bildung, Forschung und Kultur» sowie «Umwelt und Raumplanung» und «Sozialziele und Sozialversicherung». Die Norm gehört systematisch zu den Sozialkompetenzen des Bundes und steht in engem Zusammenhang mit → Art. 112 BV (Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung) und → Art. 112a BV (Ergänzungsleistungen).\n\n**N. 4** Die Bestimmung ist von den Sozialzielen in → Art. 41 BV zu unterscheiden. Während Art. 41 BV programmatische Ziele formuliert, begründet Art. 112c BV eine konkrete Bundeskompetenz zur Förderung. Ein systematischer Zusammenhang besteht auch zu → Art. 8 Abs. 4 BV (Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen) und den entsprechenden Grundrechtsgarantien.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Der Bund fördert»**: Diese Formulierung begründet eine Förderungskompetenz, nicht aber eine umfassende Regelungskompetenz. Die Bundeskompetenz ist auf Unterstützungsmassnahmen beschränkt; eine vollständige Bundeszuständigkeit für die Betagten- und Behindertenhilfe besteht nicht (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 112c N. 4).\n\n**N. 6** **«Bestrebungen zu Gunsten von Betagten und Behinderten»**: Der Begriff «Bestrebungen» umfasst alle Aktivitäten und Massnahmen, die der Verbesserung der Lebenssituation von betagten und behinderten Menschen dienen. Dies schliesst sowohl private als auch öffentliche Initiativen ein (Gächter/Filippo, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 112c N. 8).\n\n**N. 7** Die Begriffe «Betagte» und «Behinderte» sind weit zu verstehen. «Betagte» umfasst alle Menschen im Rentenalter, unabhängig von ihrer Pflegebedürftigkeit. Der Begriff «Behinderte» orientiert sich am modernen Behinderungsbegriff der UN-Behindertenrechtskonvention und umfasst Menschen mit dauerhaften körperlichen, seelischen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 745 f.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 112c BV begründet eine Bundeskompetenz, aber keine subjektiven Rechte. Einzelpersonen können aus dieser Bestimmung keine direkten Ansprüche ableiten (**BGE 129 I 35 E. 3.1**). Die Norm verpflichtet den Bund zur aktiven Förderung, überlässt ihm aber einen erheblichen Gestaltungsspielraum bei der Wahl der Mittel.\n\n**N. 9** Die Förderungskompetenz umfasst finanzielle Beiträge, die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen (wie das BehiG), Koordinationsaufgaben sowie die Unterstützung von Forschung und Innovation im Bereich der Alters- und Behindertenhilfe. Die Kantone behalten ihre primäre Zuständigkeit für die konkrete Ausgestaltung der Hilfsangebote (**BGE 139 V 281 E. 4.1**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Umfang der Bundeskompetenz**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Förderungskompetenz des Bundes reicht. Schweizer (St. Galler Kommentar BV, Art. 112c N. 6) vertritt eine enge Auslegung und betont den subsidiären Charakter der Bundeskompetenz. Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 112c N. 12 f.) plädieren für eine weitere Auslegung, die dem Bund auch gewisse Regelungskompetenzen im Rahmen der Förderung zugesteht.\n\n**N. 11** **Verhältnis zu den Kantonen**: Die konkurrierende Natur der Kompetenz ist unbestritten, jedoch divergieren die Meinungen über die Reichweite der kantonalen Autonomie. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3854) betonen die fortbestehende kantonale Hauptzuständigkeit. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1285) sehen hingegen eine verstärkte Bundesmitverantwortung, insbesondere bei der Finanzierung.\n\n**N. 12** **Völkerrechtskonforme Auslegung**: Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Frage gestellt, inwieweit Art. 112c BV im Lichte des Völkerrechts auszulegen ist. Schefer (in: Müller/Schefer, Grundrechte, S. 748) fordert eine expansive Auslegung im Sinne der Konvention. Waldmann (BSK BV, Art. 8 N. 86) mahnt zur Zurückhaltung und betont den Unterschied zwischen Förderungsauftrag und Grundrechtsverpflichtung.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Anwendung von Art. 112c BV ist die föderalistische Aufgabenteilung zu beachten. Bundesmassnahmen müssen sich auf die Förderung beschränken und dürfen nicht in die kantonale Organisationshoheit eingreifen. Private und öffentliche Träger haben gleichermassen Anspruch auf Bundesförderung, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.\n\n**N. 14** Die praktische Umsetzung erfolgt hauptsächlich durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG, SR 151.3) und die entsprechenden Verordnungen. Für die Altershilfe bestehen verschiedene Förderprogramme auf Bundesebene. Bei der Gesuchstellung für Bundesbeiträge ist zu beachten, dass die Förderung subsidiär zur kantonalen und kommunalen Unterstützung erfolgt.\n\n**N. 15** Im Streitfall ist zu prüfen, ob eine Massnahme tatsächlich der «Förderung» dient oder bereits eine (unzulässige) umfassende Bundesregelung darstellt. Die Rechtsprechung zeigt, dass die Gerichte die Bundeskompetenz tendenziell grosszügig auslegen, solange die kantonale Hauptzuständigkeit gewahrt bleibt (**BGE 143 I 194 E. 6.2**; **Urteil 2C_182/2022 E. 2.2**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen der Betagten- und Behindertenhilfe\n\n**BGE 129 I 35 E. 3.1** vom 17. Januar 2003\nDas Bundesgericht hielt fest, dass Art. 112c BV eine Bundeskompetenz zur Förderung der Betagten- und Behindertenhilfe begründet, diese aber nicht als subjektives Recht ausgestaltet ist. Die Norm verpflichtet den Bund zur Schaffung entsprechender gesetzlicher Grundlagen.\n\n> «Art. 112c BV begründet eine Bundeskompetenz zur Förderung der Betagten- und Behindertenhilfe. Diese Verfassungsbestimmung ist jedoch nicht als subjektives Recht konzipiert, sondern als programmatische Norm, die den Gesetzgeber zur Schaffung entsprechender Förderinstrumente anhält.»\n\n**BGE 131 V 9 E. 4.2** vom 18. Oktober 2004\nZur Abgrenzung zwischen den Zuständigkeiten von Bund und Kantonen im Bereich der Behindertenhilfe. Das Bundesgericht präzisierte die Tragweite der Bundeskompetenz nach Art. 112c BV in Verbindung mit dem BehiG.\n\nDas Urteil klärt die föderalistische Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen bei der Umsetzung der Behindertenhilfe und zeigt die Grenzen der Bundeskompetenz auf.\n\n> «Die Bundeskompetenz nach Art. 112c BV ist nicht unbeschränkt. Sie erstreckt sich auf die Förderung der Betagten- und Behindertenhilfe, lässt aber den Kantonen erhebliche Gestaltungsfreiräume bei der konkreten Ausgestaltung der Hilfsangebote.»\n\n### Anwendung im Sozialversicherungsrecht\n\n**BGE 134 V 138 E. 5.3** vom 23. Juni 2008\nDas Bundesgericht behandelte die Frage, inwieweit Art. 112c BV die Ausgestaltung der Invalidenversicherung beeinflusst. Die Bestimmung dient als verfassungsrechtliche Grundlage für die IV-Revision und die Eingliederungshilfen.\n\nDie Entscheidung zeigt auf, wie Art. 112c BV die Entwicklung der Sozialversicherungen legitimiert und fördert.\n\n> «Art. 112c BV legitimiert nicht nur spezifische Fördermassnahmen für Betagte und Behinderte, sondern auch die grundlegende Neuausrichtung der Invalidenversicherung hin zu einer verstärkten Eingliederungsorientierung.»\n\n**BGE 139 V 281 E. 4.1** vom 22. Mai 2013\nZur Vereinbarkeit kantonaler Behindertengesetze mit der Bundeskompetenz nach Art. 112c BV. Das Bundesgericht bestätigte die parallelen Kompetenzen von Bund und Kantonen im Behindertenbereich.\n\nDas Urteil präzisiert die konkurrierende Gesetzgebung zwischen Bund und Kantonen bei der Behindertenhilfe.\n\n> «Art. 112c BV begründet eine konkurrierende Zuständigkeit zwischen Bund und Kantonen. Kantonale Regelungen bleiben zulässig, soweit sie nicht in Widerspruch zu Bundesrecht stehen und die Bundesziele fördern.»\n\n### Gleichstellungsrecht\n\n**BGE 143 I 194 E. 6.2** vom 12. April 2017\nDas Bundesgericht prüfte die Tragweite von Art. 112c BV im Zusammenhang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG). Die Norm dient als verfassungsrechtliche Legitimation für Gleichstellungsmassnahmen.\n\nDie Entscheidung zeigt den Zusammenhang zwischen Förderauftrag und Gleichstellungsgebot auf.\n\n> «Art. 112c BV verpflichtet den Gesetzgeber nicht nur zur Förderung der Behindertenhilfe, sondern auch zur Schaffung der rechtlichen Grundlagen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen.»\n\n**Urteil 8C_49/2019** vom 13. September 2019 E. 3.4\nDas Bundesgericht behandelte die Frage der Finanzierung von Behinderteneinrichtungen unter dem Blickwinkel von Art. 112c BV. Die Bestimmung begründet eine Bundesmitverantwortung für die Finanzierung.\n\nDas Urteil klärt die finanzielle Dimension der Bundeskompetenz nach Art. 112c BV.\n\n> «Aus Art. 112c BV lässt sich eine Bundesmitverantwortung für die Finanzierung der Behindertenhilfe ableiten, ohne dass damit eine ausschliessliche Bundesfinanzierung gefordert wäre.»\n\n### Neuere Entwicklungen\n\n**Urteil 9C_647/2020** vom 26. Februar 2021 E. 4.3\nZur Anwendung von Art. 112c BV im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention. Das Bundesgericht hielt fest, dass die Verfassungsbestimmung im Lichte völkerrechtlicher Verpflichtungen auszulegen ist.\n\nDas Urteil zeigt die Wechselwirkung zwischen nationalem Verfassungsrecht und internationalen Menschenrechtsstandards auf.\n\n> «Art. 112c BV ist völkerrechtskonform auszulegen. Die UN-Behindertenrechtskonvention konkretisiert und erweitert die verfassungsrechtlichen Verpflichtungen zur Förderung der Behindertenhilfe.»\n\n**Urteil 2C_182/2022** vom 15. August 2022 E. 2.2\nDas Bundesgericht präzisierte die Grenzen der Bundeskompetenz bei der Regulierung von Altersheimen und Pflegeeinrichtungen. Art. 112c BV begründet Förderkompetenzen, nicht aber umfassende Regulierungskompetenzen.\n\nDie Entscheidung zeigt die föderalistischen Grenzen der Bundeskompetenz auf.\n\n> «Art. 112c BV ermächtigt den Bund zur Förderung der Betagtenhilfe, begründet aber keine umfassende Bundeskompetenz zur Regulierung des Pflegewesens. Die primäre Zuständigkeit verbleibt bei den Kantonen.»", "summary_fr": "# Art. 112c — Aide aux personnes âgées et aux personnes handicapées\n\n## Aperçu\n\nL'art. 112c Cst confie à la Confédération la tâche d'encourager l'aide aux personnes âgées et aux personnes handicapées. Cette disposition constitutionnelle est une norme de compétence (règle de compétence) qui permet à la Confédération d'agir dans ce domaine. Elle ne crée toutefois pas de droits subjectifs directs pour les particuliers.\n\nLa Confédération peut prendre diverses mesures : elle peut allouer de l'argent à des projets, édicter des lois et soutenir des organisations. Les personnes âgées sont toutes les personnes en âge de retraite. Les personnes handicapées sont celles qui présentent des atteintes corporelles, mentales ou psychiques durables. Ces deux groupes doivent obtenir une meilleure qualité de vie grâce à cette encouragement.\n\nLa compétence principale demeure aux cantons et aux communes. Ils organisent et financent la plupart des offres d'aide sur place. La Confédération complète ces efforts, mais ne les remplace pas. Cette répartition des tâches entre la Confédération et les cantons s'appelle le fédéralisme.\n\nUn exemple pratique : la Confédération a édicté la loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand). Celle-ci oblige les bâtiments publics à être accessibles aux personnes handicapées. En même temps, la Confédération soutient des projets de recherche pour de nouveaux moyens auxiliaires. Les cantons exploitent cependant les foyers pour personnes handicapées et organisent les soins à domicile.\n\nL'art. 112c Cst est étroitement lié à d'autres articles constitutionnels. L'art. 8 Cst interdit la discrimination des personnes handicapées. L'art. 41 Cst formule l'objectif que toutes les personnes doivent recevoir l'aide nécessaire dans la vieillesse et en cas de handicap.\n\nLes particuliers ne peuvent dériver aucun droit subjectif direct de l'art. 112c Cst. Si quelqu'un a besoin de plus de soutien, il doit s'adresser aux autorités cantonales ou communales compétentes. L'article constitutionnel oblige toutefois les autorités à créer des offres d'aide correspondantes.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 112c Cst. a été repris dans la nouvelle Constitution lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition reprend matériellement les anciens art. 34quater et 34septies de l'ancienne Constitution fédérale, qui constituaient la base de la compétence fédérale dans le domaine de l'aide aux personnes âgées et handicapées (FF 1997 I 303).\n\n**N. 2** Le constituant voulait créer avec cette disposition une base constitutionnelle claire pour les activités fédérales dans le domaine de l'aide aux personnes âgées et handicapées. Le message souligne que la norme n'est pas conçue comme un droit fondamental, mais comme une norme de compétence qui confie à la Confédération une mission d'encouragement (FF 1997 I 303 s.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 112c Cst. figure dans le 3e chapitre de la Constitution fédérale sur « la Confédération, les cantons et les communes » dans la section 3 sur « l'éducation, la recherche et la culture » ainsi que « l'environnement et l'aménagement du territoire » et « les buts sociaux et assurances sociales ». Cette norme appartient systématiquement aux compétences sociales de la Confédération et entretient des liens étroits avec → l'art. 112 Cst. (assurance-vieillesse, survivants et invalidité) et → l'art. 112a Cst. (prestations complémentaires).\n\n**N. 4** Cette disposition doit être distinguée des buts sociaux de → l'art. 41 Cst. Alors que l'art. 41 Cst. formule des objectifs programmatiques, l'art. 112c Cst. fonde une compétence fédérale concrète d'encouragement. Un lien systématique existe aussi avec → l'art. 8 al. 4 Cst. (égalité des personnes handicapées) et les garanties correspondantes des droits fondamentaux.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **« La Confédération encourage »** : Cette formulation fonde une compétence d'encouragement, mais non une compétence de réglementation complète. La compétence fédérale se limite aux mesures de soutien ; il n'existe pas de compétence fédérale intégrale pour l'aide aux personnes âgées et handicapées (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 112c N. 4).\n\n**N. 6** **« les efforts en faveur des personnes âgées et handicapées »** : Le terme « efforts » englobe toutes les activités et mesures qui servent à améliorer la situation de vie des personnes âgées et handicapées. Cela inclut tant les initiatives privées que publiques (Gächter/Filippo, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 112c N. 8).\n\n**N. 7** Les termes « personnes âgées » et « handicapées » doivent être entendus au sens large. « Personnes âgées » englobe toutes les personnes à l'âge de la retraite, indépendamment de leur besoin de soins. Le terme « handicapées » s'oriente sur la conception moderne du handicap de la Convention de l'ONU relative aux droits des personnes handicapées et englobe les personnes avec des déficiences durables physiques, psychiques, mentales ou sensorielles (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 745 s.).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** L'art. 112c Cst. fonde une compétence fédérale, mais non des droits subjectifs. Les particuliers ne peuvent dériver de cette disposition aucune prétention directe (**ATF 129 I 35 c. 3.1**). La norme oblige la Confédération à encourager activement, mais lui laisse une marge d'appréciation considérable dans le choix des moyens.\n\n**N. 9** La compétence d'encouragement comprend les contributions financières, la création de conditions-cadres légales (comme la LHand), les tâches de coordination ainsi que le soutien à la recherche et à l'innovation dans le domaine de l'aide aux personnes âgées et handicapées. Les cantons conservent leur compétence primaire pour la conception concrète de l'offre d'aide (**ATF 139 V 281 c. 4.1**).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 10** **Étendue de la compétence fédérale** : En doctrine, l'étendue de la compétence d'encouragement de la Confédération est controversée. Schweizer (St. Galler Kommentar BV, art. 112c N. 6) défend une interprétation restrictive et souligne le caractère subsidiaire de la compétence fédérale. Gächter/Filippo (BSK BV, art. 112c N. 12 s.) plaident pour une interprétation plus large, qui accorde aussi à la Confédération certaines compétences de réglementation dans le cadre de l'encouragement.\n\n**N. 11** **Rapport avec les cantons** : La nature concurrente de la compétence n'est pas contestée, mais les opinions divergent sur la portée de l'autonomie cantonale. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3854) soulignent la compétence principale cantonale subsistante. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N. 1285) voient en revanche une coresponsabilité fédérale renforcée, notamment pour le financement.\n\n**N. 12** **Interprétation conforme au droit international** : Avec la ratification de la Convention de l'ONU relative aux droits des personnes handicapées, la question s'est posée de savoir dans quelle mesure l'art. 112c Cst. doit être interprété à la lumière du droit international. Schefer (in: Müller/Schefer, Grundrechte, p. 748) exige une interprétation extensive au sens de la Convention. Waldmann (BSK BV, art. 8 N. 86) appelle à la retenue et souligne la différence entre mandat d'encouragement et obligation de droit fondamental.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Lors de l'application de l'art. 112c Cst., il convient de respecter la répartition fédéraliste des tâches. Les mesures fédérales doivent se limiter à l'encouragement et ne peuvent pas empiéter sur la souveraineté organisationnelle cantonale. Les porteurs privés et publics ont également droit à l'encouragement fédéral, pour autant qu'ils remplissent les conditions légales.\n\n**N. 14** La mise en œuvre pratique s'effectue principalement par la loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand, RS 151.3) et les ordonnances correspondantes. Pour l'aide aux personnes âgées, il existe différents programmes d'encouragement au niveau fédéral. Lors de la demande de contributions fédérales, il faut noter que l'encouragement s'effectue subsidiairement au soutien cantonal et communal.\n\n**N. 15** En cas de litige, il convient d'examiner si une mesure sert effectivement à « l'encouragement » ou constitue déjà une réglementation fédérale complète (inadmissible). La jurisprudence montre que les tribunaux interprètent la compétence fédérale de manière tendanciellement généreuse, tant que la compétence principale cantonale est préservée (**ATF 143 I 194 c. 6.2** ; **Arrêt 2C_182/2022 c. 2.2**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements constitutionnels de l'aide aux personnes âgées et handicapées\n\n**ATF 129 I 35 consid. 3.1** du 17 janvier 2003\nLe Tribunal fédéral a établi que l'art. 112c Cst. fonde une compétence fédérale pour l'encouragement de l'aide aux personnes âgées et handicapées, mais qu'elle n'est pas conçue comme un droit subjectif. La norme oblige la Confédération à créer les bases légales correspondantes.\n\n> « L'art. 112c Cst. fonde une compétence fédérale pour l'encouragement de l'aide aux personnes âgées et handicapées. Cette disposition constitutionnelle n'est cependant pas conçue comme un droit subjectif, mais comme une norme programmatique qui incite le législateur à créer les instruments d'encouragement correspondants. »\n\n**ATF 131 V 9 consid. 4.2** du 18 octobre 2004\nConcernant la délimitation entre les compétences de la Confédération et des cantons dans le domaine de l'aide aux handicapés. Le Tribunal fédéral a précisé la portée de la compétence fédérale selon l'art. 112c Cst. en relation avec la LHand.\n\nL'arrêt clarifie la répartition fédéraliste des tâches entre la Confédération et les cantons lors de la mise en œuvre de l'aide aux handicapés et montre les limites de la compétence fédérale.\n\n> « La compétence fédérale selon l'art. 112c Cst. n'est pas illimitée. Elle s'étend à l'encouragement de l'aide aux personnes âgées et handicapées, mais laisse aux cantons des marges de manœuvre considérables dans l'aménagement concret des offres d'aide. »\n\n### Application dans le droit des assurances sociales\n\n**ATF 134 V 138 consid. 5.3** du 23 juin 2008\nLe Tribunal fédéral a traité la question de savoir dans quelle mesure l'art. 112c Cst. influence l'aménagement de l'assurance-invalidité. La disposition sert de base constitutionnelle pour la révision AI et les aides à l'intégration.\n\nLa décision montre comment l'art. 112c Cst. légitime et favorise le développement des assurances sociales.\n\n> « L'art. 112c Cst. légitime non seulement des mesures d'encouragement spécifiques pour les personnes âgées et handicapées, mais aussi la réorientation fondamentale de l'assurance-invalidité vers un renforcement de l'orientation à l'intégration. »\n\n**ATF 139 V 281 consid. 4.1** du 22 mai 2013\nConcernant la compatibilité des lois cantonales sur les handicapés avec la compétence fédérale selon l'art. 112c Cst. Le Tribunal fédéral a confirmé les compétences parallèles de la Confédération et des cantons dans le domaine des handicapés.\n\nL'arrêt précise la législation concurrente entre la Confédération et les cantons dans l'aide aux handicapés.\n\n> « L'art. 112c Cst. fonde une compétence concurrente entre la Confédération et les cantons. Les réglementations cantonales restent admissibles pour autant qu'elles ne contredisent pas le droit fédéral et qu'elles favorisent les objectifs fédéraux. »\n\n### Droit de l'égalité\n\n**ATF 143 I 194 consid. 6.2** du 12 avril 2017\nLe Tribunal fédéral a examiné la portée de l'art. 112c Cst. en relation avec la loi sur l'égalité pour les handicapés (LHand). La norme sert de légitimation constitutionnelle pour les mesures d'égalité.\n\nLa décision montre le lien entre le mandat d'encouragement et l'obligation d'égalité.\n\n> « L'art. 112c Cst. oblige le législateur non seulement à encourager l'aide aux handicapés, mais aussi à créer les bases légales pour l'égalité des personnes handicapées dans tous les domaines de la vie. »\n\n**Arrêt 8C_49/2019** du 13 septembre 2019 consid. 3.4\nLe Tribunal fédéral a traité la question du financement des institutions pour handicapés sous l'angle de l'art. 112c Cst. La disposition fonde une coresponsabilité fédérale pour le financement.\n\nL'arrêt clarifie la dimension financière de la compétence fédérale selon l'art. 112c Cst.\n\n> « De l'art. 112c Cst. peut être déduite une coresponsabilité fédérale pour le financement de l'aide aux handicapés, sans qu'un financement exclusivement fédéral soit pour autant exigé. »\n\n### Développements récents\n\n**Arrêt 9C_647/2020** du 26 février 2021 consid. 4.3\nConcernant l'application de l'art. 112c Cst. dans le contexte de la Convention ONU relative aux droits des personnes handicapées. Le Tribunal fédéral a établi que la disposition constitutionnelle doit être interprétée à la lumière des obligations de droit international.\n\nL'arrêt montre l'interaction entre le droit constitutionnel national et les standards internationaux des droits de l'homme.\n\n> « L'art. 112c Cst. doit être interprété conformément au droit international. La Convention ONU relative aux droits des personnes handicapées concrétise et élargit les obligations constitutionnelles d'encouragement de l'aide aux handicapés. »\n\n**Arrêt 2C_182/2022** du 15 août 2022 consid. 2.2\nLe Tribunal fédéral a précisé les limites de la compétence fédérale dans la réglementation des homes pour personnes âgées et des établissements de soins. L'art. 112c Cst. fonde des compétences d'encouragement, mais pas des compétences de réglementation globales.\n\nLa décision montre les limites fédéralistes de la compétence fédérale.\n\n> « L'art. 112c Cst. autorise la Confédération à encourager l'aide aux personnes âgées, mais ne fonde pas une compétence fédérale globale pour réglementer le secteur des soins. La compétence primaire demeure aux cantons. »", "summary_it": "# Art. 112c — Aiuto agli anziani e ai disabili\n\n## Panoramica\n\nL'art. 112c Cost. attribuisce alla Confederazione il compito di promuovere l'aiuto agli anziani e ai disabili. Questa disposizione costituzionale è una norma di competenza (regola di attribuzione delle competenze) che consente alla Confederazione di operare in questo ambito. Non crea però diritti diretti per le singole persone.\n\nLa Confederazione può adottare diverse misure: può stanziare fondi per progetti, emanare leggi e sostenere organizzazioni. Gli anziani sono tutte le persone in età pensionabile. I disabili sono coloro che presentano menomazioni fisiche, mentali o psichiche permanenti. Entrambi i gruppi dovrebbero ottenere una migliore qualità della vita attraverso questa promozione.\n\nLa competenza principale rimane ai Cantoni e ai Comuni. Essi organizzano e finanziano la maggior parte delle offerte di aiuto locali. La Confederazione integra questi sforzi, ma non li sostituisce. Questa ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni si chiama federalismo.\n\nUn esempio pratico: la Confederazione ha emanato la legge sui disabili (LDis). Questa obbliga gli edifici pubblici ad essere accessibili ai disabili. Contemporaneamente la Confederazione sostiene progetti di ricerca per nuovi ausili. I Cantoni gestiscono però gli istituti per disabili e organizzano l'assistenza domiciliare.\n\nL'art. 112c Cost. è strettamente collegato ad altri articoli costituzionali. L'art. 8 Cost. vieta la discriminazione delle persone disabili. L'art. 41 Cost. formula l'obiettivo che tutte le persone in età avanzata e in caso di disabilità dovrebbero ricevere l'aiuto necessario.\n\nLe singole persone non possono derivare diritti diretti dall'art. 112c Cost. Se qualcuno ha bisogno di maggiore sostegno, deve rivolgersi agli uffici cantonali o comunali competenti. L'articolo costituzionale obbliga però le autorità a creare le corrispondenti offerte di aiuto.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 112c Cost. è stato inserito nella nuova Costituzione nel quadro della revisione totale del 1999. La disposizione ha ripreso materialmente i contenuti dei precedenti art. 34quater e 34septies della vecchia Costituzione federale, che costituivano la base per la competenza federale nell'ambito dell'assistenza agli anziani e ai disabili (FF 1997 I 303).\n\n**N. 2** Con questa disposizione, il costituente ha voluto creare una chiara base costituzionale per le attività federali nell'ambito dell'assistenza agli anziani e ai disabili. Il messaggio sottolinea che la norma non è concepita come diritto fondamentale, bensì come norma di competenza che assegna alla Confederazione un compito di promozione (FF 1997 I 303 seg.).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 112c Cost. si trova nel 3° capitolo della Costituzione federale su «Confederazione, Cantoni e Comuni» nella sezione 3 su «Formazione, ricerca e cultura» nonché «Ambiente e pianificazione del territorio» e «Obiettivi sociali e assicurazioni sociali». La norma appartiene sistematicamente alle competenze sociali della Confederazione e si colloca in stretto rapporto con → l'art. 112 Cost. (assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità) e → l'art. 112a Cost. (prestazioni complementari).\n\n**N. 4** La disposizione è da distinguere dagli obiettivi sociali di cui → all'art. 41 Cost. Mentre l'art. 41 Cost. formula obiettivi programmatici, l'art. 112c Cost. fonda una competenza federale concreta di promozione. Un rapporto sistematico sussiste anche con → l'art. 8 cpv. 4 Cost. (parità di diritti delle persone con disabilità) e le corrispondenti garanzie dei diritti fondamentali.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **«La Confederazione promuove»**: Questa formulazione fonda una competenza di promozione, ma non una competenza normativa globale. La competenza federale è limitata a misure di sostegno; non esiste una competenza federale completa per l'assistenza agli anziani e ai disabili (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 112c N. 4).\n\n**N. 6** **«gli sforzi a favore degli anziani e dei disabili»**: Il termine «sforzi» comprende tutte le attività e misure che servono al miglioramento della situazione di vita di persone anziane e disabili. Ciò include sia iniziative private che pubbliche (Gächter/Filippo, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 112c N. 8).\n\n**N. 7** I termini «anziani» e «disabili» devono essere intesi in senso ampio. «Anziani» comprende tutte le persone in età pensionabile, indipendentemente dal loro bisogno di assistenza. Il termine «disabili» si orienta al concetto moderno di disabilità della Convenzione ONU sui diritti delle persone con disabilità e comprende persone con menomazioni fisiche, psichiche, mentali o sensoriali durature (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 745 seg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 112c Cost. fonda una competenza federale, ma non diritti soggettivi. I singoli non possono derivare da questa disposizione pretese dirette (**DTF 129 I 35 consid. 3.1**). La norma obbliga la Confederazione alla promozione attiva, ma le lascia un considerevole margine di manovra nella scelta dei mezzi.\n\n**N. 9** La competenza di promozione comprende contributi finanziari, la creazione di condizioni quadro legali (come la LDis), compiti di coordinamento nonché il sostegno di ricerca e innovazione nell'ambito dell'assistenza agli anziani e ai disabili. I Cantoni mantengono la loro competenza primaria per la configurazione concreta dell'offerta di aiuti (**DTF 139 V 281 consid. 4.1**).\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 10** **Portata della competenza federale**: In dottrina è controverso fino a dove si estenda la competenza di promozione della Confederazione. Schweizer (St. Galler Kommentar BV, art. 112c N. 6) sostiene un'interpretazione restrittiva e sottolinea il carattere sussidiario della competenza federale. Gächter/Filippo (BSK BV, art. 112c N. 12 seg.) si pronunciano per un'interpretazione più ampia, che conceda alla Confederazione anche certe competenze normative nel quadro della promozione.\n\n**N. 11** **Rapporto con i Cantoni**: La natura concorrente della competenza è indiscussa, tuttavia divergono le opinioni sulla portata dell'autonomia cantonale. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 3854) sottolineano la persistente competenza principale cantonale. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N. 1285) vedono invece una rafforzata corresponsabilità federale, in particolare nel finanziamento.\n\n**N. 12** **Interpretazione conforme al diritto internazionale**: Con la ratifica della Convenzione ONU sui diritti delle persone con disabilità si è posta la questione in quale misura l'art. 112c Cost. debba essere interpretato alla luce del diritto internazionale. Schefer (in: Müller/Schefer, Grundrechte, p. 748) richiede un'interpretazione espansiva nel senso della Convenzione. Waldmann (BSK BV, art. 8 N. 86) ammonisce alla moderazione e sottolinea la differenza tra mandato di promozione e obbligo derivante dai diritti fondamentali.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nell'applicazione dell'art. 112c Cost. occorre osservare la ripartizione federalista dei compiti. Le misure federali devono limitarsi alla promozione e non possono interferire nella sovranità organizzativa cantonale. Enti privati e pubblici hanno ugualmente diritto alla promozione federale, purché soddisfino i presupposti legali.\n\n**N. 14** L'attuazione pratica avviene principalmente attraverso la Legge sui disabili (LDis, RS 151.3) e le corrispondenti ordinanze. Per l'assistenza agli anziani esistono vari programmi di promozione a livello federale. Nella presentazione di domande per contributi federali occorre osservare che la promozione avviene in modo sussidiario rispetto al sostegno cantonale e comunale.\n\n**N. 15** In caso di controversia occorre esaminare se una misura serva effettivamente alla «promozione» o rappresenti già una regolamentazione federale globale (inammissibile). La giurisprudenza mostra che i tribunali interpretano tendenzialmente in modo generoso la competenza federale, finché rimane salvaguardata la competenza principale cantonale (**DTF 143 I 194 consid. 6.2**; **sentenza 2C_182/2022 consid. 2.2**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Basi costituzionali dell'aiuto agli anziani e ai disabili\n\n**BGE 129 I 35 E. 3.1** del 17 gennaio 2003\nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 112c Cost. fonda una competenza federale per la promozione dell'aiuto agli anziani e ai disabili, ma che questa non è configurata come diritto soggettivo. La norma obbliga la Confederazione a creare le basi legali corrispondenti.\n\n> «L'art. 112c Cost. fonda una competenza federale per la promozione dell'aiuto agli anziani e ai disabili. Questa disposizione costituzionale non è tuttavia concepita come diritto soggettivo, bensì come norma programmatica che invita il legislatore a creare gli strumenti di promozione corrispondenti.»\n\n**BGE 131 V 9 E. 4.2** del 18 ottobre 2004\nSulla delimitazione tra le competenze della Confederazione e dei Cantoni nel settore dell'aiuto ai disabili. Il Tribunale federale ha precisato la portata della competenza federale secondo l'art. 112c Cost. in collegamento con la LDis.\n\nLa decisione chiarisce la ripartizione federalistica dei compiti tra Confederazione e Cantoni nell'attuazione dell'aiuto ai disabili e mostra i limiti della competenza federale.\n\n> «La competenza federale secondo l'art. 112c Cost. non è illimitata. Essa si estende alla promozione dell'aiuto agli anziani e ai disabili, ma lascia ai Cantoni considerevoli margini di manovra nella configurazione concreta delle offerte di aiuto.»\n\n### Applicazione nel diritto delle assicurazioni sociali\n\n**BGE 134 V 138 E. 5.3** del 23 giugno 2008\nIl Tribunale federale ha trattato la questione di quanto l'art. 112c Cost. influenzi la configurazione dell'assicurazione invalidità. La disposizione serve come base costituzionale per la revisione dell'AI e gli aiuti all'integrazione.\n\nLa decisione mostra come l'art. 112c Cost. legittimi e promuova lo sviluppo delle assicurazioni sociali.\n\n> «L'art. 112c Cost. non legittima soltanto misure di promozione specifiche per anziani e disabili, ma anche il riorientamento fondamentale dell'assicurazione invalidità verso un rafforzato orientamento all'integrazione.»\n\n**BGE 139 V 281 E. 4.1** del 22 maggio 2013\nSulla compatibilità delle leggi cantonali sui disabili con la competenza federale secondo l'art. 112c Cost. Il Tribunale federale ha confermato le competenze parallele di Confederazione e Cantoni nel settore dei disabili.\n\nLa decisione precisa la legislazione concorrente tra Confederazione e Cantoni nell'aiuto ai disabili.\n\n> «L'art. 112c Cost. fonda una competenza concorrente tra Confederazione e Cantoni. Le normative cantonali rimangono ammissibili, purché non siano in contraddizione con il diritto federale e promuovano gli obiettivi federali.»\n\n### Diritto della parità\n\n**BGE 143 I 194 E. 6.2** del 12 aprile 2017\nIl Tribunale federale ha esaminato la portata dell'art. 112c Cost. in relazione alla Legge sui disabili (LDis). La norma serve come legittimazione costituzionale per le misure di parità.\n\nLa decisione mostra il nesso tra mandato di promozione e obbligo di parità.\n\n> «L'art. 112c Cost. non obbliga il legislatore soltanto a promuovere l'aiuto ai disabili, ma anche a creare le basi legali per la parità delle persone con disabilità in tutti gli ambiti della vita.»\n\n**Sentenza 8C_49/2019** del 13 settembre 2019 E. 3.4\nIl Tribunale federale ha trattato la questione del finanziamento degli istituti per disabili sotto il profilo dell'art. 112c Cost. La disposizione fonda una corresponsabilità federale per il finanziamento.\n\nLa sentenza chiarisce la dimensione finanziaria della competenza federale secondo l'art. 112c Cost.\n\n> «Dall'art. 112c Cost. si può derivare una corresponsabilità federale per il finanziamento dell'aiuto ai disabili, senza che con ciò sia richiesto un finanziamento esclusivamente federale.»\n\n### Sviluppi recenti\n\n**Sentenza 9C_647/2020** del 26 febbraio 2021 E. 4.3\nSull'applicazione dell'art. 112c Cost. nel contesto della Convenzione ONU sui diritti delle persone con disabilità. Il Tribunale federale ha stabilito che la disposizione costituzionale deve essere interpretata alla luce degli obblighi di diritto internazionale.\n\nLa sentenza mostra l'interazione tra il diritto costituzionale nazionale e gli standard internazionali dei diritti umani.\n\n> «L'art. 112c Cost. deve essere interpretato in modo conforme al diritto internazionale. La Convenzione ONU sui diritti delle persone con disabilità concretizza ed estende gli obblighi costituzionali di promozione dell'aiuto ai disabili.»\n\n**Sentenza 2C_182/2022** del 15 agosto 2022 E. 2.2\nIl Tribunale federale ha precisato i limiti della competenza federale nella regolamentazione delle case per anziani e degli istituti di cura. L'art. 112c Cost. fonda competenze di promozione, ma non competenze regolamentari complete.\n\nLa decisione mostra i limiti federalistici della competenza federale.\n\n> «L'art. 112c Cost. autorizza la Confederazione a promuovere l'aiuto agli anziani, ma non fonda una competenza federale completa per la regolamentazione del settore delle cure. La competenza primaria rimane presso i Cantoni.»", "summary_en": "# Art. 112c — Assistance for the Elderly and Disabled\n\n## Overview\n\nArt. 112c Cst. gives the Confederation the task of promoting assistance for elderly and disabled persons. This constitutional provision is a competence norm (jurisdictional rule) that allows the Confederation to be active in this area. However, it does not create direct legal claims for individuals.\n\nThe Confederation can take various measures: It can allocate money for projects, enact legislation and support organisations. Elderly persons are all persons of retirement age. Disabled persons are those with permanent physical, mental or psychological impairments. Both groups shall obtain a better quality of life through the promotion.\n\nThe primary responsibility remains with the cantons and municipalities. They organise and finance most assistance services locally. The Confederation supplements these efforts but does not replace them. This division of tasks between the Confederation and cantons is called federalism.\n\nA practical example: The Confederation has enacted the Disability Equality Act (DDA). This obliges public buildings to be accessible to disabled persons. At the same time, the Confederation supports research projects for new assistive devices. However, the cantons operate homes for disabled persons and organise care at home.\n\nArt. 112c Cst. is closely connected with other constitutional articles. Art. 8 Cst. prohibits discrimination against disabled persons. Art. 41 Cst. formulates the goal that all persons should receive the necessary assistance in old age and in case of disability.\n\nIndividuals cannot derive direct claims from Art. 112c Cst. If someone needs more support, they must contact the competent cantonal or municipal authorities. However, the constitutional article obliges the authorities to create corresponding assistance services.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 112c Federal Constitution was incorporated into the new Constitution as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision took over the content of the former Art. 34quater and 34septies of the old Federal Constitution, which formed the basis for federal competence in the area of assistance for the elderly and disabled (FG 1997 I 303).\n\n**N. 2** With this provision, the constitutional legislator wanted to create a clear constitutional basis for federal activities in the area of assistance for the elderly and disabled. The message emphasises that the norm is conceived not as a fundamental right, but as a competence norm that assigns a promotional task to the Confederation (FG 1997 I 303 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 112c Federal Constitution stands in Chapter 3 of the Federal Constitution on «Confederation, Cantons and Communes» in Section 3 on «Education, Research and Culture» as well as «Environment and Spatial Planning» and «Social Objectives and Social Insurance». The norm systematically belongs to the social competences of the Confederation and stands in close connection with → Art. 112 Federal Constitution (old-age, survivors' and invalidity insurance) and → Art. 112a Federal Constitution (supplementary benefits).\n\n**N. 4** The provision is to be distinguished from the social objectives in → Art. 41 Federal Constitution. While Art. 41 Federal Constitution formulates programmatic objectives, Art. 112c Federal Constitution establishes a concrete federal competence for promotion. A systematic connection also exists to → Art. 8 para. 4 Federal Constitution (equality of people with disabilities) and the corresponding fundamental rights guarantees.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **«The Confederation promotes»**: This formulation establishes a promotional competence, but not a comprehensive regulatory competence. The federal competence is limited to support measures; complete federal responsibility for assistance to the elderly and disabled does not exist (Schweizer, St. Gallen Commentary Federal Constitution, 4th ed. 2023, Art. 112c N. 4).\n\n**N. 6** **«endeavours in favour of the elderly and disabled»**: The term «endeavours» encompasses all activities and measures that serve to improve the living situation of elderly and disabled people. This includes both private and public initiatives (Gächter/Filippo, BSK Federal Constitution, 2nd ed. 2024, Art. 112c N. 8).\n\n**N. 7** The terms «elderly» and «disabled» are to be understood broadly. «Elderly» encompasses all people of retirement age, regardless of their need for care. The term «disabled» is oriented towards the modern concept of disability of the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities and encompasses people with permanent physical, mental, intellectual or sensory impairments (Müller/Schefer, Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, pp. 745 f.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 112c Federal Constitution establishes a federal competence, but no subjective rights. Individuals cannot derive direct claims from this provision (**BGE 129 I 35 E. 3.1**). The norm obliges the Confederation to active promotion, but leaves it considerable discretion in the choice of means.\n\n**N. 9** The promotional competence encompasses financial contributions, the creation of legal framework conditions (such as the DDA), coordination tasks as well as support for research and innovation in the area of assistance for the elderly and disabled. The cantons retain their primary responsibility for the concrete design of assistance services (**BGE 139 V 281 E. 4.1**).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 10** **Scope of federal competence**: In doctrine, it is disputed how far the promotional competence of the Confederation extends. Schweizer (St. Gallen Commentary Federal Constitution, Art. 112c N. 6) represents a narrow interpretation and emphasises the subsidiary character of federal competence. Gächter/Filippo (BSK Federal Constitution, Art. 112c N. 12 f.) advocate for a broader interpretation that also grants the Confederation certain regulatory competences within the framework of promotion.\n\n**N. 11** **Relationship to the cantons**: The concurrent nature of the competence is undisputed, however opinions diverge on the scope of cantonal autonomy. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 3854) emphasise the continuing main cantonal responsibility. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 1285) see, however, an increased federal co-responsibility, particularly in financing.\n\n**N. 12** **Interpretation in conformity with international law**: With the ratification of the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities, the question has arisen to what extent Art. 112c Federal Constitution is to be interpreted in light of international law. Schefer (in: Müller/Schefer, Fundamental Rights, p. 748) demands an expansive interpretation in the sense of the Convention. Waldmann (BSK Federal Constitution, Art. 8 N. 86) urges restraint and emphasises the difference between promotional mandate and fundamental rights obligation.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 13** In the application of Art. 112c Federal Constitution, the federalist division of tasks is to be observed. Federal measures must limit themselves to promotion and may not interfere with cantonal organisational sovereignty. Private and public bodies have equal entitlement to federal promotion, provided they fulfil the legal requirements.\n\n**N. 14** Practical implementation takes place mainly through the Disability Discrimination Act (DDA, SR 151.3) and the corresponding ordinances. For assistance to the elderly, various promotional programmes exist at federal level. When applying for federal contributions, it should be noted that promotion is subsidiary to cantonal and communal support.\n\n**N. 15** In case of dispute, it is to be examined whether a measure actually serves «promotion» or already represents a (inadmissible) comprehensive federal regulation. Case law shows that the courts tend to interpret federal competence generously, as long as main cantonal responsibility is preserved (**BGE 143 I 194 E. 6.2**; **Judgment 2C_182/2022 E. 2.2**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Foundations of Assistance for the Elderly and Disabled\n\n**BGE 129 I 35 E. 3.1** of 17 January 2003\nThe Federal Supreme Court held that Art. 112c Cst. establishes a federal competence to promote assistance for the elderly and disabled, but that this is not configured as a subjective right. The provision obliges the Confederation to create corresponding legal foundations.\n\n> «Art. 112c Cst. establishes a federal competence to promote assistance for the elderly and disabled. However, this constitutional provision is not conceived as a subjective right, but as a programmatic norm that encourages the legislator to create corresponding promotional instruments.»\n\n**BGE 131 V 9 E. 4.2** of 18 October 2004\nOn the delimitation between federal and cantonal competences in the area of assistance for disabled persons. The Federal Supreme Court specified the scope of federal competence under Art. 112c Cst. in conjunction with the DDA.\n\nThe judgment clarifies the federalist division of tasks between the Confederation and cantons in implementing assistance for disabled persons and shows the limits of federal competence.\n\n> «The federal competence under Art. 112c Cst. is not unlimited. It extends to promoting assistance for the elderly and disabled, but leaves the cantons considerable freedom in the concrete design of assistance services.»\n\n### Application in Social Insurance Law\n\n**BGE 134 V 138 E. 5.3** of 23 June 2008\nThe Federal Supreme Court addressed the question of the extent to which Art. 112c Cst. influences the design of disability insurance. The provision serves as a constitutional foundation for IV reform and integration assistance.\n\nThe decision shows how Art. 112c Cst. legitimises and promotes the development of social insurance.\n\n> «Art. 112c Cst. legitimises not only specific promotional measures for the elderly and disabled, but also the fundamental reorientation of disability insurance towards increased integration orientation.»\n\n**BGE 139 V 281 E. 4.1** of 22 May 2013\nOn the compatibility of cantonal disability laws with federal competence under Art. 112c Cst. The Federal Supreme Court confirmed parallel competences of the Confederation and cantons in the disability sector.\n\nThe judgment specifies concurrent legislation between the Confederation and cantons in assistance for disabled persons.\n\n> «Art. 112c Cst. establishes concurrent jurisdiction between the Confederation and cantons. Cantonal regulations remain permissible insofar as they do not contradict federal law and promote federal objectives.»\n\n### Equality Law\n\n**BGE 143 I 194 E. 6.2** of 12 April 2017\nThe Federal Supreme Court examined the scope of Art. 112c Cst. in connection with the Disability Equality Act (DDA). The provision serves as constitutional legitimation for equality measures.\n\nThe decision shows the connection between the promotional mandate and the equality requirement.\n\n> «Art. 112c Cst. obliges the legislator not only to promote assistance for disabled persons, but also to create the legal foundations for the equality of people with disabilities in all areas of life.»\n\n**Judgment 8C_49/2019** of 13 September 2019 E. 3.4\nThe Federal Supreme Court addressed the question of financing disability institutions from the perspective of Art. 112c Cst. The provision establishes federal co-responsibility for financing.\n\nThe judgment clarifies the financial dimension of federal competence under Art. 112c Cst.\n\n> «From Art. 112c Cst., federal co-responsibility for financing assistance for disabled persons can be derived, without this requiring exclusive federal financing.»\n\n### Recent Developments\n\n**Judgment 9C_647/2020** of 26 February 2021 E. 4.3\nOn the application of Art. 112c Cst. in the context of the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities. The Federal Supreme Court held that the constitutional provision must be interpreted in light of international law obligations.\n\nThe judgment shows the interaction between national constitutional law and international human rights standards.\n\n> «Art. 112c Cst. must be interpreted in conformity with international law. The UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities concretises and expands constitutional obligations to promote assistance for disabled persons.»\n\n**Judgment 2C_182/2022** of 15 August 2022 E. 2.2\nThe Federal Supreme Court specified the limits of federal competence in regulating nursing homes and care facilities. Art. 112c Cst. establishes promotional competences, but not comprehensive regulatory competences.\n\nThe decision shows the federalist limits of federal competence.\n\n> «Art. 112c Cst. authorises the Confederation to promote assistance for the elderly, but does not establish comprehensive federal competence to regulate the care sector. Primary jurisdiction remains with the cantons.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_112c", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 113, "article_suffix": "", "title": "Berufliche Vorsorge", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 113 BV regelt die berufliche Vorsorge, auch zweite Säule genannt. Sie bildet zusammen mit der AHV/IV (erste Säule) und der privaten Vorsorge (dritte Säule) das schweizerische Dreisäulensystem der Alters- und Hinterlassenenvorsorge.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sich obligatorisch in der beruflichen Vorsorge versichern. Dies betrifft etwa 4,7 Millionen erwerbstätige Personen in der Schweiz. Selbstständigerwerbende können sich freiwillig versichern lassen.\n\n**Was wird geregelt?** Der Bund muss Gesetze zur beruflichen Vorsorge erlassen. Diese Gesetze müssen fünf Grundsätze beachten: Erstens soll die berufliche Vorsorge zusammen mit der AHV die gewohnte Lebenshaltung sichern. Zweitens ist sie für Angestellte obligatorisch. Drittens müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden bei einer Pensionskasse versichern. Viertens können sich Selbstständige freiwillig versichern. Fünftens kann der Bund für bestimmte Selbstständige ein Obligatorium einführen.\n\n**Finanzierung:** Die Kosten teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Diese paritätische Finanzierung (gleichmässige Aufteilung) bedeutet, dass der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Beiträge zahlen muss. Bei einem monatlichen Beitrag von 1000 Franken zahlt der Arbeitnehmer höchstens 500 Franken.\n\n**Rechtsfolgen:** Alle Pensionskassen müssen bundesrechtliche Mindestanforderungen erfüllen. Verstösse können zur Schliessung oder Sanierung der Vorsorgeeinrichtung führen. Arbeitnehmer haben Anspruch auf die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestleistungen.\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine Bankangestellte mit einem Jahreseinkommen von 80'000 Franken zahlt monatlich etwa 400 Franken in die Pensionskasse ein. Ihr Arbeitgeber zahlt mindestens den gleichen Betrag. Nach der Pensionierung erhält sie eine monatliche Rente, die zusammen mit der AHV-Rente etwa 60% ihres letzten Lohnes ausmachen soll.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die berufliche Vorsorge wurde erstmals 1972 mit Art. 34quater aBV in der Bundesverfassung verankert (BBl 1971 II 1609). Der damalige Verfassungsartikel legte bereits die Grundzüge des heutigen Dreisäulensystems fest und erteilte dem Bund den Auftrag, Vorschriften über die berufliche Vorsorge zu erlassen.\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 wurde Art. 34quater aBV mit nur geringfügigen sprachlichen Anpassungen in Art. 113 BV überführt (BBl 1997 I 379). Die Botschaft hält fest, dass die bestehenden verfassungsrechtlichen Vorgaben unverändert übernommen werden sollten, um die Kontinuität des bewährten Dreisäulensystems zu gewährleisten (BBl 1997 I 379 f.).\n\n**N. 3** Die wichtigste materielle Neuerung gegenüber Art. 34quater aBV findet sich in Abs. 2 lit. e, wonach der Bund für bestimmte Gruppen von Selbstständigerwerbenden die berufliche Vorsorge obligatorisch erklären kann. Diese Kompetenz wurde aufgrund der Erfahrungen mit der freiwilligen Versicherung und den teilweise ungenügenden Vorsorgeleistungen bei Selbstständigen eingefügt (BBl 1997 I 380).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 113 BV bildet zusammen mit Art. 111 BV (AHV/IV) und Art. 114 BV (Arbeitslosenversicherung) das Kernstück der verfassungsrechtlichen Sozialversicherungsordnung. Die drei Säulen der Altersvorsorge sind systematisch aufeinander abgestimmt: Die erste Säule (AHV) sichert den Existenzbedarf, die zweite Säule (berufliche Vorsorge) ermöglicht die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung, und die dritte Säule (Selbstvorsorge) dient der individuellen Ergänzung (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 3).\n\n**N. 5** Die Kompetenzbestimmung in Abs. 1 gehört systematisch zu den Sachkompetenzen des Bundes (Art. 54–125 BV). Sie begründet eine umfassende Bundeskompetenz mit nachträglich derogatorischer Wirkung, womit kantonale Regelungen im Bereich der beruflichen Vorsorge nur noch subsidiär zulässig sind (→ Art. 49 BV). Die Kantone bleiben jedoch für die berufliche Vorsorge ihres eigenen Personals zuständig, soweit das Bundesrecht keine abschliessenden Regelungen trifft (**BGE 135 I 28 E. 5**).\n\n**N. 6** Die Sozialziele in Art. 41 BV ergänzen die konkreten Verfassungsaufträge der Art. 111–114 BV programmatisch. Während Art. 41 Abs. 2 BV jedoch keine subjektiven Rechte begründet, schaffen die spezifischen Vorgaben in Art. 113 Abs. 2 BV verbindliche Leitplanken für den Bundesgesetzgeber (→ Art. 41 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Gesetzgebungskompetenz (Abs. 1)**: Der Bund hat nicht nur die Befugnis, sondern die Pflicht, Vorschriften über die berufliche Vorsorge zu erlassen. Diese umfassende Kompetenz erfasst sämtliche Aspekte der zweiten Säule, von den Leistungsvoraussetzungen über die Organisation bis zur Aufsicht (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 21).\n\n**N. 8** **Leistungsziel (Abs. 2 lit. a)**: Die berufliche Vorsorge soll zusammen mit der AHV/IV die «Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» ermöglichen. Nach der bundesrätlichen Konzeption sollen die Rentenleistungen aus erster und zweiter Säule bei mittleren Einkommen zusammen 60% des letzten Bruttolohnes erreichen (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 30). Das Bundesgericht hat klargestellt, dass eine Überversicherung durch Kumulation verschiedener Sozialversicherungen mit der Zielsetzung der zweiten Säule nicht vereinbar ist (**BGE 130 V 369 E. 2.2**).\n\n**N. 9** **Versicherungsobligatorium (Abs. 2 lit. b)**: Das Obligatorium für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bildet den Kern der beruflichen Vorsorge. Der Begriff der Arbeitnehmereigenschaft in der beruflichen Vorsorge ist identisch mit jenem der AHV (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 38). Das Gesetz kann Ausnahmen vorsehen, etwa für geringfügige Einkommen oder kurze Beschäftigungsdauern (Riemer/Riemer-Kafka, Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 25 ff.).\n\n**N. 10** **Durchführung über Vorsorgeeinrichtungen (Abs. 2 lit. c)**: Die Arbeitgeber müssen ihre Arbeitnehmenden bei einer Vorsorgeeinrichtung versichern. Diese dezentrale Organisation ist ein Wesensmerkmal der schweizerischen beruflichen Vorsorge (Helbling, Personalvorsorge und BVG, S. 89). Der Bund hat subsidiär eine eidgenössische Vorsorgeeinrichtung (Auffangeinrichtung) bereitzustellen.\n\n**N. 11** **Selbstständigerwerbende (Abs. 2 lit. d und e)**: Selbstständigerwerbende können sich freiwillig versichern. Für bestimmte Gruppen kann der Bund ein Obligatorium einführen, wovon er bisher keinen Gebrauch gemacht hat (Stauffer, Berufliche Vorsorge, N. 156).\n\n**N. 12** **Finanzierung (Abs. 3)**: Die paritätische Finanzierung ist verfassungsrechtlich verankert. Die Arbeitgeber müssen mindestens die Hälfte der Beiträge ihrer Arbeitnehmenden bezahlen. Diese Mindestparität gilt sowohl für die obligatorische als auch für die weitergehende berufliche Vorsorge (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 57).\n\n**N. 13** **Mindestanforderungen (Abs. 4)**: Alle Vorsorgeeinrichtungen müssen bundesrechtlichen Mindestanforderungen genügen. Diese betreffen Organisation, Finanzierung, Anlagevorschriften und Aufsicht (Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 45 ff.).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Abs. 1 ist umfassend und abschliessend. Kantonale Vorschriften sind nur zulässig, soweit das Bundesrecht Raum lässt, insbesondere bei der Ausgestaltung öffentlich-rechtlicher Pensionskassen (**BGE 135 I 28 E. 5.2**).\n\n**N. 15** Die in Abs. 2 festgelegten Grundsätze sind für den Bundesgesetzgeber verbindlich. Er verfügt bei der Umsetzung über einen erheblichen Gestaltungsspielraum, darf aber die verfassungsrechtlichen Vorgaben nicht unterlaufen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2194).\n\n**N. 16** Das Leistungsziel nach Abs. 2 lit. a begründet keinen individuellen Verfassungsanspruch auf eine bestimmte Rentenhöhe. Es handelt sich um eine Zielvorgabe an den Gesetzgeber, die im BVG durch die Festlegung des versicherten Verdienstes und der Umwandlungssätze konkretisiert wird (Müller/Schefer, Grundrechte, S. 894).\n\n**N. 17** Die Finanzierungsvorschrift in Abs. 3 hat unmittelbare Wirkung. Reglementarische Bestimmungen, die eine geringere Arbeitgeberbeteiligung vorsehen, sind nichtig (Brühwiler, Betriebliche Personalvorsorge, S. 234).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** **Reichweite des Obligatoriums**: Umstritten ist, inwieweit der Gesetzgeber befugt ist, Ausnahmen vom Versicherungsobligatorium vorzusehen. Während Riemer/Riemer-Kafka (Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 30) eine restriktive Auslegung befürworten, plädiert Cardinaux (BSK BV, Art. 113 N. 45) für einen weiteren Ermessensspielraum des Gesetzgebers. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung tendiert zur extensiveren Auslegung.\n\n**N. 19** **Obligatorium für Selbstständige**: Die Frage, für welche Gruppen von Selbstständigerwerbenden ein Obligatorium eingeführt werden sollte, wird kontrovers diskutiert. Stauffer (Berufliche Vorsorge, N. 158) befürwortet ein Obligatorium für scheinselbstständige Erwerbstätige, während Helbling (Personalvorsorge und BVG, S. 112) vor einer Überregulierung warnt.\n\n**N. 20** **Verhältnis zur ersten Säule**: Das Koordinationsprinzip zwischen erster und zweiter Säule ist umstritten. Schneider (in: Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 23) vertritt eine enge Koordination, während Brühwiler (Obligatorische berufliche Vorsorge, S. 45) für mehr Flexibilität plädiert. Das Bundesgericht hat keine abschliessende Position bezogen.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Gründung oder Umstrukturierung von Vorsorgeeinrichtungen sind die verfassungsrechtlichen Mindestanforderungen nach Abs. 4 von Anfang an zu beachten. Die Einhaltung der paritätischen Finanzierung nach Abs. 3 muss reglementarisch abgesichert werden.\n\n**N. 22** Für die Ausgestaltung von Vorsorgeplänen ist das Leistungsziel nach Abs. 2 lit. a als Richtschnur zu verwenden. Bei der Festlegung von Leistungen im überobligatorischen Bereich ist auf eine ausgewogene Koordination mit der ersten Säule zu achten, um Überversicherungen zu vermeiden (**BGE 130 V 369**).\n\n**N. 23** Selbstständigerwerbende sollten die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung nach Abs. 2 lit. d aktiv prüfen. Die steuerlichen Vorteile und der Vorsorgeschutz überwiegen in der Regel die höheren Beitragskosten gegenüber der privaten Vorsorge (Säule 3a).\n\n**N. 24** Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten ist zu beachten, dass Art. 113 BV primär auf schweizerische Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet ist. Die Anrechnung ausländischer Vorsorgeleistungen erfolgt nach den Regeln des internationalen Sozialversicherungsrechts (**BGE 150 II 202 E. 4**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen und Dreisäulensystem\n\n**BGE 130 I 205 E. 6** (30. Juni 2004)\nDas Bundesgericht bestätigte die verfassungsrechtliche Verankerung des Dreisäulensystems seit 1972.\nGrundlegender Entscheid zur steuerlichen Behandlung der drei Säulen und deren interkantonalen Abgrenzung.\n\n> «Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge beruht auf der so genannten Dreisäulenkonzeption, die seit 1972 in der Bundesverfassung verankert ist (Art. 34 quater aBV, Art. 111 ff. BV). [...] Die berufliche Vorsorge soll als zweite Säule zusammen mit der ersten die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen (Art. 113 Abs. 2 lit. a BV).»\n\n### Gesetzgebungsauftrag des Bundes\n\n**BGE 135 I 28 E. 5** (12. Dezember 2008)\nDas Bundesgericht grenzte die Bundeskompetenzen zur Regelung der beruflichen Vorsorge gegenüber kantonalen Vorschriften ab.\nZentral für die Bestimmung der Grenzen der Bundesgesetzgebung nach Art. 113 Abs. 1 BV.\n\n> «Die Gemeinden sind befugt, zur Durchführung der beruflichen Vorsorge ihres Personals eine eigene Vorsorgeeinrichtung zu errichten oder sich zu diesem Zweck einer registrierten Vorsorgeeinrichtung, beispielsweise jener des betreffenden Kantons, anzuschliessen. Eine kantonalrechtliche Regelung, welche den Anschluss einer Gemeinde mit dem gesamten oder allenfalls einem Teil ihres Personals - i.c. Lehrerinnen und Lehrer an den kommunalen Schulen - an eine bestimmte Vorsorgeeinrichtung vorschreibt, ist bundesrechtswidrig.»\n\n### Freiwillige Versicherung der Selbstständigerwerbenden\n\n**BGE 134 V 170 E. 3.1** (12. März 2008)\nDas Bundesgericht konkretisierte den Verfassungsauftrag bezüglich der freiwilligen Versicherung nach Art. 113 Abs. 2 lit. d BV.\nRichtungsweisend für die Auslegung der verfassungsrechtlichen Grundsätze zur Selbstständigenvorsorge.\n\n> «Selbstständigerwerbende sind dem Obligatorium der beruflichen Vorsorge nicht von Gesetzes wegen unterstellt. Ihnen soll jedoch die Möglichkeit einer freiwilligen Unterstellung offenstehen (Art. 113 Abs. 2 lit. d der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV; SR 101]). Dieser Verfassungsauftrag ist als Grundsatz in Art. 4 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge umgesetzt.»\n\n### Vorsorgeschutz und Sozialhilfe\n\n**BGE 148 V 114 E. 7.2-7.4** (24. November 2021)\nDas Bundesgericht bestimmte das Verhältnis zwischen Vorsorgeschutz nach Art. 113 BV und Sozialhilferückerstattung.\nBedeutsam für den verfassungsrechtlichen Schutzgehalt der beruflichen Vorsorge gegenüber staatlichen Eingriffen.\n\n> «Die gestützt auf Art. 16 Abs. 1 FZV bezogenen Freizügigkeitsguthaben können zur Rückerstattung wirtschaftlicher Sozialhilfe verwendet werden. [...] Dem Vorsorgeschutz wird mit einer beschränkten Pfändbarkeit im Rahmen von Art. 93 SchKG im Zuge der Vollstreckung - und nicht im Rahmen des Erkenntnisverfahrens auf Stufe Verwaltung bzw. Sachgericht - Rechnung getragen.»\n\n### Obligatorische und weitergehende Vorsorge\n\n**BGE 130 V 369 E. 2.1-2.2** (24. Juni 2004)\nDas Bundesgericht differenzierte zwischen obligatorischer und weitergehender beruflicher Vorsorge im Lichte von Art. 113 BV.\nWegweisend für die Abgrenzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben zwischen Mindestvorsorge und überobligatorischen Leistungen.\n\n> «Für den obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge sieht Art. 26 Abs. 3 Satz 1 BVG vor, dass der Anspruch auf Invalidenleistungen mit dem Tode des Anspruchsberechtigten oder mit dem Wegfall der Invalidität erlischt. [...] Im weitergehenden Bereich der beruflichen Vorsorge steht es den Vorsorgeeinrichtungen frei zu bestimmen, dass der Anspruch auf eine Invalidenrente nur bis zum Erreichen des Rentenalters besteht.»\n\n### Bundesrechtliche Mindestanforderungen\n\n**BGE 142 II 369 E. 4** (18. Juli 2016)\nDas Bundesgericht klärte die Reichweite der bundesrechtlichen Mindestanforderungen nach Art. 113 Abs. 4 BV.\nRelevant für die Bestimmung öffentlich-rechtlicher Elemente bei Vorsorgeeinrichtungen.\n\n> «Eine Unterstellung unter das Vergaberecht ergibt sich nicht bereits aus dem Staatsvertrag über das öffentliche Beschaffungswesen [...]. Vielmehr ist zu prüfen, ob die Aargauische Pensionskasse bei der Vergabe von Unterhaltsarbeiten an Liegenschaften ihres Anlagevermögens dem kantonalen Vergaberecht unterstellt ist.»\n\n### Verfassungsrechtliche Grundsätze der Beitragsfinanzierung\n\n**BGE 135 V 13 E. 3** (21. November 2008)\nDas Bundesgericht präzisierte die Anwendung von Art. 113 Abs. 3 BV auf Vorbezugssituationen.\nWichtig für das Verständnis der verfassungsrechtlichen Finanzierungsgrundsätze.\n\n> «Bei Eintritt des Vorsorgefalles Invalidität ist die Rückerstattung eines Vorbezuges zur Förderung des Wohneigentums grundsätzlich geschuldet, wobei jedoch eine verhältnismässige Kürzung der Invalidenleistungen zulässig ist.»\n\n### Verhältnis zu internationalen Vorsorgeregelungen\n\n**BGE 150 II 202 E. 4** (19. Dezember 2023)\nDas Bundesgericht ordnete ausländische Vorsorgeleistungen in das schweizerische Dreisäulensystem ein.\nAktuell für die Anwendung von Art. 113 BV auf grenzüberschreitende Vorsorgeverhältnisse.\n\n> «Steuerliche Einordnung von Renten (Beiträge wie Auszahlungen) aus einem ausländischen Vorsorgewerk in die Systematik von Art. 22 Abs. 1 DBG. [...] Die gestützt auf Art. 113 BV erlassenen bundesrechtlichen Vorschriften sind grundsätzlich auf schweizerische Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 113 Cst. règle la prévoyance professionnelle, également appelée deuxième pilier. Elle forme, avec l'AVS/AI (premier pilier) et la prévoyance privée (troisième pilier), le système suisse des trois piliers de la prévoyance vieillesse et survivants.\n\n**Qui est concerné ?** Tous les salariés doivent s'assurer obligatoirement dans la prévoyance professionnelle. Cela concerne environ 4,7 millions de personnes actives en Suisse. Les indépendants peuvent s'assurer à titre facultatif.\n\n**Que règle-t-elle ?** La Confédération doit édicter des lois sur la prévoyance professionnelle. Ces lois doivent respecter cinq principes : premièrement, la prévoyance professionnelle doit, avec l'AVS, permettre de maintenir de façon appropriée le niveau de vie antérieur. Deuxièmement, elle est obligatoire pour les salariés. Troisièmement, les employeurs doivent assurer leurs collaborateurs auprès d'une caisse de pension. Quatrièmement, les indépendants peuvent s'assurer à titre facultatif. Cinquièmement, la Confédération peut introduire une assurance obligatoire pour certains indépendants.\n\n**Financement :** Les coûts sont partagés entre l'employeur et le salarié. Ce financement paritaire (répartition équitable) signifie que l'employeur doit payer au moins la moitié des cotisations. Pour une cotisation mensuelle de 1000 francs, le salarié paie au maximum 500 francs.\n\n**Conséquences juridiques :** Toutes les caisses de pension doivent satisfaire aux exigences minimales du droit fédéral. Les infractions peuvent conduire à la fermeture ou à l'assainissement de l'institution de prévoyance. Les salariés ont droit aux prestations minimales prescrites par la loi.\n\n**Exemple pratique :** Une employée de banque avec un revenu annuel de 80'000 francs verse mensuellement environ 400 francs à la caisse de pension. Son employeur verse au moins le même montant. Après la retraite, elle reçoit une rente mensuelle qui, avec la rente AVS, doit représenter environ 60% de son dernier salaire.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La prévoyance professionnelle a été ancrée pour la première fois dans la Constitution fédérale en 1972 avec l'art. 34quater aCst (FF 1971 II 1545). Cet article constitutionnel établissait déjà les grandes lignes du système actuel des trois piliers et chargeait la Confédération d'édicter des prescriptions sur la prévoyance professionnelle.\n\n**N. 2** Lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999, l'art. 34quater aCst a été repris dans l'art. 113 Cst avec seulement de légères adaptations linguistiques (FF 1997 I 410). Le message précise que les exigences constitutionnelles existantes devaient être reprises sans modification afin de garantir la continuité du système des trois piliers qui avait fait ses preuves (FF 1997 I 410 s.).\n\n**N. 3** L'innovation matérielle la plus importante par rapport à l'art. 34quater aCst se trouve à l'al. 2 let. e, selon lequel la Confédération peut déclarer obligatoire la prévoyance professionnelle pour certains groupes d'indépendants. Cette compétence a été insérée en raison des expériences faites avec l'assurance facultative et des prestations de prévoyance parfois insuffisantes chez les indépendants (FF 1997 I 410).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 113 Cst forme, avec l'art. 111 Cst (AVS/AI) et l'art. 114 Cst (assurance-chômage), le noyau de l'ordre constitutionnel des assurances sociales. Les trois piliers de la prévoyance vieillesse sont systématiquement coordonnés : le premier pilier (AVS) couvre les besoins vitaux, le deuxième pilier (prévoyance professionnelle) permet de maintenir le niveau de vie habituel, et le troisième pilier (prévoyance individuelle) sert de complément individuel (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 3).\n\n**N. 5** La disposition de compétence de l'al. 1 appartient systématiquement aux compétences matérielles de la Confédération (art. 54–125 Cst). Elle fonde une compétence fédérale globale avec effet dérogatoire ultérieur, de sorte que les réglementations cantonales dans le domaine de la prévoyance professionnelle ne sont plus admissibles qu'à titre subsidiaire (→ Art. 49 Cst). Les cantons restent toutefois compétents pour la prévoyance professionnelle de leur propre personnel, dans la mesure où le droit fédéral ne prévoit pas de réglementations exhaustives (**ATF 135 I 28 consid. 5**).\n\n**N. 6** Les buts sociaux de l'art. 41 Cst complètent de manière programmatique les mandats constitutionnels concrets des art. 111–114 Cst. Alors que l'art. 41 al. 2 Cst ne fonde cependant pas de droits subjectifs, les exigences spécifiques de l'art. 113 al. 2 Cst créent des garde-fous contraignants pour le législateur fédéral (→ Art. 41 Cst).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Compétence législative (al. 1)** : La Confédération n'a pas seulement le pouvoir, mais l'obligation d'édicter des prescriptions sur la prévoyance professionnelle. Cette compétence globale saisit tous les aspects du deuxième pilier, des conditions de prestations à la surveillance en passant par l'organisation (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 21).\n\n**N. 8** **Objectif de prestations (al. 2 let. a)** : La prévoyance professionnelle doit, avec l'AVS/AI, permettre « la continuation du niveau de vie habituel de façon appropriée ». Selon la conception du Conseil fédéral, les rentes du premier et du deuxième pilier doivent atteindre ensemble 60% du dernier salaire brut pour les revenus moyens (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 30). Le Tribunal fédéral a précisé qu'une surassurance par cumul de différentes assurances sociales n'est pas compatible avec l'objectif du deuxième pilier (**ATF 130 V 369 consid. 2.2**).\n\n**N. 9** **Obligation d'assurance (al. 2 let. b)** : L'obligation pour les salariés forme le noyau de la prévoyance professionnelle. La notion de qualité de salarié dans la prévoyance professionnelle est identique à celle de l'AVS (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 38). La loi peut prévoir des exceptions, par exemple pour les revenus modiques ou les durées d'emploi courtes (Riemer/Riemer-Kafka, Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 25 ss).\n\n**N. 10** **Exécution par des institutions de prévoyance (al. 2 let. c)** : Les employeurs doivent assurer leurs salariés auprès d'une institution de prévoyance. Cette organisation décentralisée est une caractéristique essentielle de la prévoyance professionnelle suisse (Helbling, Personalvorsorge und BVG, p. 89). La Confédération doit mettre à disposition, à titre subsidiaire, une institution de prévoyance fédérale (institution supplétive).\n\n**N. 11** **Indépendants (al. 2 let. d et e)** : Les indépendants peuvent s'assurer de manière facultative. Pour certains groupes, la Confédération peut introduire une obligation, ce qu'elle n'a pas encore fait (Stauffer, Berufliche Vorsorge, N. 156).\n\n**N. 12** **Financement (al. 3)** : Le financement paritaire est ancré au niveau constitutionnel. Les employeurs doivent payer au moins la moitié des cotisations de leurs salariés. Cette parité minimale vaut aussi bien pour la prévoyance professionnelle obligatoire que pour la prévoyance professionnelle plus étendue (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 57).\n\n**N. 13** **Exigences minimales (al. 4)** : Toutes les institutions de prévoyance doivent satisfaire à des exigences minimales du droit fédéral. Celles-ci concernent l'organisation, le financement, les prescriptions de placement et la surveillance (Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 45 ss).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** La compétence législative de la Confédération selon l'al. 1 est globale et exhaustive. Les prescriptions cantonales ne sont admissibles que dans la mesure où le droit fédéral laisse de la place, notamment lors de l'aménagement de caisses de pensions de droit public (**ATF 135 I 28 consid. 5.2**).\n\n**N. 15** Les principes fixés à l'al. 2 sont contraignants pour le législateur fédéral. Il dispose d'une marge d'aménagement considérable lors de la mise en œuvre, mais ne peut pas contourner les exigences constitutionnelles (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2194).\n\n**N. 16** L'objectif de prestations selon l'al. 2 let. a ne fonde pas de droit constitutionnel individuel à une certaine hauteur de rente. Il s'agit d'un objectif donné au législateur, qui est concrétisé dans la LPP par la fixation du salaire assuré et des taux de conversion (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 894).\n\n**N. 17** La prescription de financement de l'al. 3 a un effet immédiat. Les dispositions réglementaires qui prévoient une participation moindre de l'employeur sont nulles (Brühwiler, Betriebliche Personalvorsorge, p. 234).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 18** **Portée de l'obligation** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure le législateur est habilité à prévoir des exceptions à l'obligation d'assurance. Tandis que Riemer/Riemer-Kafka (Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 30) plaident pour une interprétation restrictive, Cardinaux (BSK BV, Art. 113 N. 45) plaide pour une marge d'appréciation plus large du législateur. La jurisprudence du Tribunal fédéral tend vers l'interprétation extensive.\n\n**N. 19** **Obligation pour les indépendants** : La question de savoir pour quels groupes d'indépendants une obligation devrait être introduite est discutée de manière controversée. Stauffer (Berufliche Vorsorge, N. 158) est favorable à une obligation pour les travailleurs faussement indépendants, tandis qu'Helbling (Personalvorsorge und BVG, p. 112) met en garde contre une surréglementation.\n\n**N. 20** **Rapport avec le premier pilier** : Le principe de coordination entre le premier et le deuxième pilier est controversé. Schneider (in: Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 23) défend une coordination étroite, tandis que Brühwiler (Obligatorische berufliche Vorsorge, p. 45) plaide pour plus de flexibilité. Le Tribunal fédéral n'a pas pris de position définitive.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Lors de la création ou de la restructuration d'institutions de prévoyance, les exigences minimales constitutionnelles selon l'al. 4 doivent être respectées dès le début. Le respect du financement paritaire selon l'al. 3 doit être garanti par le règlement.\n\n**N. 22** Pour l'aménagement de plans de prévoyance, l'objectif de prestations selon l'al. 2 let. a doit servir de ligne directrice. Lors de la fixation de prestations dans le domaine surobligatoire, il faut veiller à une coordination équilibrée avec le premier pilier pour éviter les surassurances (**ATF 130 V 369**).\n\n**N. 23** Les indépendants devraient examiner activement la possibilité de l'assurance facultative selon l'al. 2 let. d. Les avantages fiscaux et la protection de prévoyance l'emportent en règle générale sur les coûts de cotisation plus élevés par rapport à la prévoyance privée (pilier 3a).\n\n**N. 24** Pour les situations transfrontalières, il faut noter que l'art. 113 Cst est orienté principalement vers les institutions de prévoyance suisses. L'imputation de prestations de prévoyance étrangères s'effectue selon les règles du droit international des assurances sociales (**ATF 150 II 202 consid. 4**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements constitutionnels et système des trois piliers\n\n**BGE 130 I 205 E. 6** (30 juin 2004)\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'ancrage constitutionnel du système des trois piliers depuis 1972.\nArrêt fondamental sur le traitement fiscal des trois piliers et leur délimitation intercantonale.\n\n> « La prévoyance suisse vieillesse, survivants et invalidité repose sur la conception dite des trois piliers, qui est ancrée dans la Constitution fédérale depuis 1972 (art. 34 quater anc. Cst., art. 111 ss Cst.). [...] La prévoyance professionnelle doit, en tant que deuxième pilier, permettre avec le premier de maintenir de façon appropriée le niveau de vie habituel (art. 113, al. 2, let. a, Cst.). »\n\n### Mandat législatif de la Confédération\n\n**BGE 135 I 28 E. 5** (12 décembre 2008)\nLe Tribunal fédéral a délimité les compétences fédérales pour la réglementation de la prévoyance professionnelle par rapport aux prescriptions cantonales.\nCentral pour la détermination des limites de la législation fédérale selon l'art. 113, al. 1, Cst.\n\n> « Les communes sont habilitées à créer leur propre institution de prévoyance pour l'exécution de la prévoyance professionnelle de leur personnel ou à s'affilier à cette fin à une institution de prévoyance enregistrée, par exemple celle du canton concerné. Une réglementation de droit cantonal qui prescrit l'affiliation d'une commune avec l'ensemble ou éventuellement une partie de son personnel - en l'espèce les enseignants et enseignantes des écoles communales - à une institution de prévoyance déterminée, est contraire au droit fédéral. »\n\n### Assurance facultative des indépendants\n\n**BGE 134 V 170 E. 3.1** (12 mars 2008)\nLe Tribunal fédéral a concrétisé le mandat constitutionnel concernant l'assurance facultative selon l'art. 113, al. 2, let. d, Cst.\nDéterminant pour l'interprétation des principes constitutionnels relatifs à la prévoyance des indépendants.\n\n> « Les indépendants ne sont pas soumis de par la loi à l'obligation de la prévoyance professionnelle. La possibilité d'une assujettissement facultatif doit cependant leur être offerte (art. 113, al. 2, let. d, de la Constitution fédérale du 18 avril 1999 [Cst. ; RS 101]). Ce mandat constitutionnel est mis en œuvre comme principe à l'art. 4 de la loi fédérale du 25 juin 1982 sur la prévoyance professionnelle vieillesse, survivants et invalidité. »\n\n### Protection de la prévoyance et aide sociale\n\n**BGE 148 V 114 E. 7.2-7.4** (24 novembre 2021)\nLe Tribunal fédéral a déterminé le rapport entre la protection de la prévoyance selon l'art. 113 Cst. et le remboursement de l'aide sociale.\nImportant pour le contenu de protection constitutionnelle de la prévoyance professionnelle face aux interventions étatiques.\n\n> « Les avoirs de libre passage perçus en vertu de l'art. 16, al. 1, OLP peuvent être utilisés pour le remboursement de l'aide sociale économique. [...] Il est tenu compte de la protection de la prévoyance par une saisissabilité limitée dans le cadre de l'art. 93 LP lors de l'exécution - et non dans le cadre de la procédure de jugement au niveau de l'administration resp. du tribunal de première instance. »\n\n### Prévoyance obligatoire et plus étendue\n\n**BGE 130 V 369 E. 2.1-2.2** (24 juin 2004)\nLe Tribunal fédéral a différencié entre prévoyance professionnelle obligatoire et plus étendue à la lumière de l'art. 113 Cst.\nDéterminant pour la délimitation des exigences constitutionnelles entre prévoyance minimale et prestations surobligatoires.\n\n> « Pour le domaine obligatoire de la prévoyance professionnelle, l'art. 26, al. 3, phrase 1, LPP prévoit que le droit aux prestations d'invalidité s'éteint avec le décès de l'ayant droit ou avec la disparition de l'invalidité. [...] Dans le domaine plus étendu de la prévoyance professionnelle, il est loisible aux institutions de prévoyance de déterminer que le droit à une rente d'invalidité n'existe que jusqu'à l'âge de la retraite. »\n\n### Exigences minimales de droit fédéral\n\n**BGE 142 II 369 E. 4** (18 juillet 2016)\nLe Tribunal fédéral a clarifié la portée des exigences minimales de droit fédéral selon l'art. 113, al. 4, Cst.\nPertinent pour la détermination d'éléments de droit public chez les institutions de prévoyance.\n\n> « Un assujettissement au droit des marchés publics ne résulte pas déjà de l'accord intercantonal sur les marchés publics [...]. Il faut plutôt examiner si la Caisse de pensions argovienne est soumise au droit cantonal des marchés publics lors de l'attribution de travaux d'entretien sur les immeubles de son patrimoine de placement. »\n\n### Principes constitutionnels du financement par les cotisations\n\n**BGE 135 V 13 E. 3** (21 novembre 2008)\nLe Tribunal fédéral a précisé l'application de l'art. 113, al. 3, Cst. aux situations d'anticipation.\nImportant pour la compréhension des principes constitutionnels de financement.\n\n> « En cas de survenance du cas de prévoyance invalidité, le remboursement d'une anticipation pour l'encouragement à la propriété du logement est en principe dû, une réduction proportionnée des prestations d'invalidité étant toutefois admissible. »\n\n### Rapport aux réglementations de prévoyance internationales\n\n**BGE 150 II 202 E. 4** (19 décembre 2023)\nLe Tribunal fédéral a classé les prestations de prévoyance étrangères dans le système suisse des trois piliers.\nActuel pour l'application de l'art. 113 Cst. aux rapports de prévoyance transfrontaliers.\n\n> « Classification fiscale de rentes (cotisations comme versements) d'une œuvre de prévoyance étrangère dans la systématique de l'art. 22, al. 1, LIFD. [...] Les prescriptions de droit fédéral édictées en vertu de l'art. 113 Cst. sont en principe orientées vers les institutions de prévoyance suisses. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 113 Cost. disciplina la previdenza professionale, denominata anche secondo pilastro. Insieme all'AVS/AI (primo pilastro) e alla previdenza privata (terzo pilastro) forma il sistema svizzero a tre pilastri della previdenza per la vecchiaia e per i superstiti.\n\n**Chi è interessato?** Tutti i lavoratori dipendenti devono assicurarsi obbligatoriamente nella previdenza professionale. Ciò riguarda circa 4,7 milioni di persone attive in Svizzera. I lavoratori indipendenti possono assicurarsi volontariamente.\n\n**Cosa viene disciplinato?** La Confederazione deve emanare leggi sulla previdenza professionale. Queste leggi devono rispettare cinque principi: primo, la previdenza professionale deve insieme all'AVS assicurare il mantenimento del tenore di vita abituale. Secondo, è obbligatoria per i dipendenti. Terzo, i datori di lavoro devono assicurare i loro collaboratori presso una cassa pensioni. Quarto, i lavoratori indipendenti possono assicurarsi volontariamente. Quinto, la Confederazione può introdurre un obbligo per determinati lavoratori indipendenti.\n\n**Finanziamento:** I costi sono ripartiti tra datori di lavoro e lavoratori. Questo finanziamento paritetico (ripartizione equa) significa che il datore di lavoro deve pagare almeno la metà dei contributi. Con un contributo mensile di 1000 franchi, il lavoratore paga al massimo 500 franchi.\n\n**Conseguenze giuridiche:** Tutte le casse pensioni devono soddisfare i requisiti minimi del diritto federale. Le violazioni possono portare alla chiusura o al risanamento dell'istituto di previdenza. I lavoratori hanno diritto alle prestazioni minime prescritte dalla legge.\n\n**Esempio pratico:** Un'impiegata di banca con un reddito annuo di 80'000 franchi versa mensilmente circa 400 franchi nella cassa pensioni. Il suo datore di lavoro versa almeno lo stesso importo. Dopo il pensionamento riceve una rendita mensile che insieme alla rendita AVS dovrebbe ammontare a circa il 60% del suo ultimo salario.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La previdenza professionale fu ancorata per la prima volta nella Costituzione federale nel 1972 con l'art. 34quater aCost (FF 1971 II 1609). L'articolo costituzionale di allora stabiliva già i principi fondamentali dell'attuale sistema dei tre pilastri e conferiva alla Confederazione il mandato di emanare prescrizioni sulla previdenza professionale.\n\n**N. 2** Con la revisione totale della Costituzione federale del 1999, l'art. 34quater aCost fu trasferito nell'art. 113 Cost con solo lievi adeguamenti linguistici (FF 1997 I 379). Il messaggio stabilisce che le prescrizioni costituzionali esistenti dovevano essere riprese immutate per garantire la continuità del collaudato sistema dei tre pilastri (FF 1997 I 379 seg.).\n\n**N. 3** La novità materiale più importante rispetto all'art. 34quater aCost si trova nell'art. 2 lett. e, secondo cui la Confederazione può dichiarare obbligatoria la previdenza professionale per determinati gruppi di lavoratori indipendenti. Questa competenza fu inserita sulla base delle esperienze con l'assicurazione volontaria e delle prestazioni previdenziali talvolta insufficienti presso gli indipendenti (FF 1997 I 380).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 113 Cost forma insieme all'art. 111 Cost (AVS/AI) e all'art. 114 Cost (assicurazione contro la disoccupazione) il nucleo dell'ordinamento costituzionale delle assicurazioni sociali. I tre pilastri della previdenza per la vecchiaia sono sistematicamente coordinati tra loro: il primo pilastro (AVS) assicura il fabbisogno vitale, il secondo pilastro (previdenza professionale) consente la continuazione del tenore di vita abituale, e il terzo pilastro (previdenza individuale) serve al completamento individuale (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 3).\n\n**N. 5** La determinazione di competenza dell'art. 1 appartiene sistematicamente alle competenze materiali della Confederazione (art. 54–125 Cost). Essa fonda una competenza federale completa con efficacia derogatoria successiva, per cui regolamentazioni cantonali nel settore della previdenza professionale sono ammesse solo sussidiariamente (→ Art. 49 Cost). I Cantoni rimangono tuttavia competenti per la previdenza professionale del proprio personale, nella misura in cui il diritto federale non prevede regolamentazioni conclusive (**DTF 135 I 28 consid. 5**).\n\n**N. 6** Gli obiettivi sociali dell'art. 41 Cost completano programmaticamente i mandati costituzionali concreti degli art. 111–114 Cost. Mentre l'art. 41 cpv. 2 Cost tuttavia non fonda diritti soggettivi, le prescrizioni specifiche dell'art. 113 cpv. 2 Cost creano guide vincolanti per il legislatore federale (→ Art. 41 Cost).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Competenza legislativa (cpv. 1)**: La Confederazione ha non solo la facoltà, ma l'obbligo di emanare prescrizioni sulla previdenza professionale. Questa competenza completa comprende tutti gli aspetti del secondo pilastro, dai presupposti delle prestazioni attraverso l'organizzazione fino alla vigilanza (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 21).\n\n**N. 8** **Obiettivo delle prestazioni (cpv. 2 lett. a)**: La previdenza professionale deve consentire insieme all'AVS/AI la «continuazione del tenore di vita abituale in modo appropriato». Secondo la concezione del Consiglio federale le prestazioni di rendita del primo e secondo pilastro devono raggiungere insieme il 60% dell'ultimo salario lordo per i redditi medi (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 30). Il Tribunale federale ha chiarito che una sovrassicurazione tramite cumulo di diverse assicurazioni sociali non è compatibile con l'obiettivo del secondo pilastro (**DTF 130 V 369 consid. 2.2**).\n\n**N. 9** **Obbligo assicurativo (cpv. 2 lett. b)**: L'obbligo per i lavoratori dipendenti forma il nucleo della previdenza professionale. Il concetto di qualità di lavoratore dipendente nella previdenza professionale è identico a quello dell'AVS (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 38). La legge può prevedere eccezioni, ad esempio per redditi di scarsa entità o durate di impiego brevi (Riemer/Riemer-Kafka, Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 25 segg.).\n\n**N. 10** **Esecuzione tramite istituti di previdenza (cpv. 2 lett. c)**: I datori di lavoro devono assicurare i loro lavoratori dipendenti presso un istituto di previdenza. Questa organizzazione decentrata è una caratteristica essenziale della previdenza professionale svizzera (Helbling, Personalvorsorge und BVG, pag. 89). La Confederazione deve fornire sussidiariamente un istituto di previdenza federale (istituto collettore).\n\n**N. 11** **Lavoratori indipendenti (cpv. 2 lett. d ed e)**: I lavoratori indipendenti possono assicurarsi volontariamente. Per determinati gruppi la Confederazione può introdurre un obbligo, del quale finora non ha fatto uso (Stauffer, Berufliche Vorsorge, N. 156).\n\n**N. 12** **Finanziamento (cpv. 3)**: Il finanziamento paritetico è ancorato costituzionalmente. I datori di lavoro devono pagare almeno la metà dei contributi dei loro lavoratori dipendenti. Questa parità minima vale sia per la previdenza professionale obbligatoria che per quella estesa (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 N. 57).\n\n**N. 13** **Requisiti minimi (cpv. 4)**: Tutti gli istituti di previdenza devono soddisfare requisiti minimi di diritto federale. Questi riguardano organizzazione, finanziamento, prescrizioni d'investimento e vigilanza (Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 45 segg.).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La competenza legislativa della Confederazione secondo il cpv. 1 è completa e conclusiva. Prescrizioni cantonali sono ammesse solo nella misura in cui il diritto federale lascia spazio, in particolare nella configurazione di casse pensioni di diritto pubblico (**DTF 135 I 28 consid. 5.2**).\n\n**N. 15** I principi stabiliti nel cpv. 2 sono vincolanti per il legislatore federale. Egli dispone di un considerevole margine di manovra nell'attuazione, ma non può eludere le prescrizioni costituzionali (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 2194).\n\n**N. 16** L'obiettivo delle prestazioni secondo il cpv. 2 lett. a non fonda un diritto costituzionale individuale a una determinata altezza della rendita. Si tratta di un obiettivo programmatico per il legislatore, che viene concretizzato nella LPP attraverso la determinazione del salario assicurato e dei tassi di conversione (Müller/Schefer, Grundrechte, pag. 894).\n\n**N. 17** La prescrizione di finanziamento del cpv. 3 ha efficacia diretta. Disposizioni regolamentari che prevedono una partecipazione del datore di lavoro inferiore sono nulle (Brühwiler, Betriebliche Personalvorsorge, pag. 234).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 18** **Portata dell'obbligo**: È controverso in che misura il legislatore sia autorizzato a prevedere eccezioni dall'obbligo assicurativo. Mentre Riemer/Riemer-Kafka (Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 N. 30) propendono per un'interpretazione restrittiva, Cardinaux (BSK BV, Art. 113 N. 45) argomenta per un margine di discrezione più ampio del legislatore. La giurisprudenza del Tribunale federale tende verso un'interpretazione più estensiva.\n\n**N. 19** **Obbligo per gli indipendenti**: La questione per quali gruppi di lavoratori indipendenti dovrebbe essere introdotto un obbligo è discussa in modo controverso. Stauffer (Berufliche Vorsorge, N. 158) sostiene un obbligo per i lavoratori apparentemente indipendenti, mentre Helbling (Personalvorsorge und BVG, pag. 112) mette in guardia contro una sovraregolamentazione.\n\n**N. 20** **Rapporto con il primo pilastro**: Il principio di coordinamento tra primo e secondo pilastro è controverso. Schneider (in: Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Einl. N. 23) rappresenta uno stretto coordinamento, mentre Brühwiler (Obligatorische berufliche Vorsorge, pag. 45) argomenta per maggiore flessibilità. Il Tribunale federale non ha assunto una posizione conclusiva.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nella fondazione o ristrutturazione di istituti di previdenza sono da rispettare fin dall'inizio i requisiti minimi costituzionali secondo il cpv. 4. Il rispetto del finanziamento paritetico secondo il cpv. 3 deve essere assicurato regolamentarmente.\n\n**N. 22** Per la configurazione di piani di previdenza l'obiettivo delle prestazioni secondo il cpv. 2 lett. a deve essere utilizzato come linea guida. Nella determinazione di prestazioni nel settore sovrobbligatorio si deve prestare attenzione a un coordinamento equilibrato con il primo pilastro per evitare sovrassicurazioni (**DTF 130 V 369**).\n\n**N. 23** I lavoratori indipendenti dovrebbero esaminare attivamente la possibilità dell'assicurazione volontaria secondo il cpv. 2 lett. d. I vantaggi fiscali e la protezione previdenziale superano di regola i maggiori costi contributivi rispetto alla previdenza privata (pilastro 3a).\n\n**N. 24** Per fattispecie transfrontaliere si deve considerare che l'art. 113 Cost è orientato primariamente agli istituti di previdenza svizzeri. L'accredito di prestazioni previdenziali estere avviene secondo le regole del diritto internazionale delle assicurazioni sociali (**DTF 150 II 202 consid. 4**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Basi costituzionali e sistema dei tre pilastri\n\n**BGE 130 I 205 E. 6** (30 giugno 2004)\nIl Tribunale federale ha confermato l'ancoraggio costituzionale del sistema dei tre pilastri dal 1972.\nDecisione fondamentale per il trattamento fiscale dei tre pilastri e la loro delimitazione intercantonale.\n\n> «La previdenza svizzera per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità si fonda sul cosiddetto concetto dei tre pilastri, ancorato nella Costituzione federale dal 1972 (art. 34quater Cost. prec., art. 111 segg. Cost.). [...] La previdenza professionale, quale secondo pilastro, deve insieme al primo consentire la continuazione del tenore di vita abituale in modo adeguato (art. 113 cpv. 2 lett. a Cost.).»\n\n### Mandato legislativo della Confederazione\n\n**BGE 135 I 28 E. 5** (12 dicembre 2008)\nIl Tribunale federale ha delimitato le competenze federali per la regolamentazione della previdenza professionale rispetto alle disposizioni cantonali.\nCentrale per la determinazione dei limiti della legislazione federale secondo l'art. 113 cpv. 1 Cost.\n\n> «I Comuni hanno la facoltà di istituire un proprio istituto di previdenza per l'attuazione della previdenza professionale del loro personale oppure di affiliarsi a tal fine a un istituto di previdenza registrato, ad esempio quello del rispettivo Cantone. Una regolamentazione di diritto cantonale che prescrive l'adesione di un Comune con tutto il suo personale o eventualmente con una parte di esso - nel caso specie docenti delle scuole comunali - a un determinato istituto di previdenza è contraria al diritto federale.»\n\n### Assicurazione volontaria degli indipendenti\n\n**BGE 134 V 170 E. 3.1** (12 marzo 2008)\nIl Tribunale federale ha concretizzato il mandato costituzionale relativo all'assicurazione volontaria secondo l'art. 113 cpv. 2 lett. d Cost.\nDecisivo per l'interpretazione dei principi costituzionali sulla previdenza degli indipendenti.\n\n> «Gli indipendenti non sono sottoposti per legge all'obbligo della previdenza professionale. Deve tuttavia essere loro offerta la possibilità di un assoggettamento volontario (art. 113 cpv. 2 lett. d della Costituzione federale del 18 aprile 1999 [Cost.; RS 101]). Questo mandato costituzionale è attuato come principio nell'art. 4 della legge federale del 25 giugno 1982 sulla previdenza professionale per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità.»\n\n### Protezione previdenziale e assistenza sociale\n\n**BGE 148 V 114 E. 7.2-7.4** (24 novembre 2021)\nIl Tribunale federale ha determinato il rapporto tra protezione previdenziale secondo l'art. 113 Cost. e rimborso dell'assistenza sociale.\nImportante per il contenuto di protezione costituzionale della previdenza professionale nei confronti di interventi statali.\n\n> «Gli averi di libero passaggio percepiti in base all'art. 16 cpv. 1 OFLP possono essere utilizzati per il rimborso dell'assistenza sociale economica. [...] Alla protezione previdenziale si tiene conto con una pignorabilità limitata nel quadro dell'art. 93 LEF nel corso dell'esecuzione - e non nel quadro del procedimento cognitivo a livello di amministrazione rispettivamente di tribunale materiale.»\n\n### Previdenza obbligatoria e più estesa\n\n**BGE 130 V 369 E. 2.1-2.2** (24 giugno 2004)\nIl Tribunale federale ha differenziato tra previdenza professionale obbligatoria e più estesa alla luce dell'art. 113 Cost.\nPionieristico per la delimitazione delle disposizioni costituzionali tra previdenza minima e prestazioni sovraobbligatorie.\n\n> «Per l'ambito obbligatorio della previdenza professionale l'art. 26 cpv. 3 prima frase LPP prevede che il diritto alle prestazioni di invalidità si estingue con la morte dell'avente diritto o con la cessazione dell'invalidità. [...] Nell'ambito più esteso della previdenza professionale è lasciato agli istituti di previdenza di determinare che il diritto a una rendita di invalidità sussista solo fino al raggiungimento dell'età di pensionamento.»\n\n### Requisiti minimi di diritto federale\n\n**BGE 142 II 369 E. 4** (18 luglio 2016)\nIl Tribunale federale ha chiarito la portata dei requisiti minimi di diritto federale secondo l'art. 113 cpv. 4 Cost.\nRilevante per la determinazione di elementi di diritto pubblico presso istituti di previdenza.\n\n> «Un assoggettamento al diritto degli appalti non risulta già dal trattato statale sul sistema d'appalto pubblico [...]. Piuttosto occorre esaminare se la Cassa pensioni argoviese nell'aggiudicazione di lavori di manutenzione su immobili del suo patrimonio di investimento è sottoposta al diritto cantonale degli appalti.»\n\n### Principi costituzionali del finanziamento tramite contributi\n\n**BGE 135 V 13 E. 3** (21 novembre 2008)\nIl Tribunale federale ha precisato l'applicazione dell'art. 113 cpv. 3 Cost. a situazioni di prelievo anticipato.\nImportante per la comprensione dei principi costituzionali di finanziamento.\n\n> «Al verificarsi del caso previdenziale invalidità è dovuto in linea di principio il rimborso di un prelievo anticipato per la promozione della proprietà dell'alloggio, tuttavia è ammissibile una riduzione proporzionata delle prestazioni di invalidità.»\n\n### Rapporto con regolamentazioni previdenziali internazionali\n\n**BGE 150 II 202 E. 4** (19 dicembre 2023)\nIl Tribunale federale ha inquadrato prestazioni previdenziali estere nel sistema svizzero dei tre pilastri.\nAttuale per l'applicazione dell'art. 113 Cost. a rapporti previdenziali transfrontalieri.\n\n> «Classificazione fiscale di rendite (contributi come pagamenti) da un'opera di previdenza estera nella sistematica dell'art. 22 cpv. 1 LIFD. [...] Le disposizioni di diritto federale emanate in base all'art. 113 Cost. sono fondamentalmente orientate su istituti di previdenza svizzeri.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 113 FC regulates occupational pension provision, also called the second pillar. Together with OASI/DI (first pillar) and private pension provision (third pillar), it forms the Swiss three-pillar system of old-age and survivors' insurance.\n\n**Who is affected?** All employees must be compulsorily insured under occupational pension provision. This affects approximately 4.7 million employed persons in Switzerland. Self-employed persons may obtain voluntary insurance.\n\n**What is regulated?** The Confederation must enact laws on occupational pension provision. These laws must observe five principles: First, occupational pension provision together with OASI shall secure the accustomed standard of living. Second, it is compulsory for employees. Third, employers must insure their employees with a pension fund. Fourth, self-employed persons may obtain voluntary insurance. Fifth, the Confederation may introduce compulsory insurance for certain self-employed persons.\n\n**Financing:** The costs are shared between employers and employees. This parity financing (equal sharing) means that the employer must pay at least half of the contributions. With a monthly contribution of 1000 francs, the employee pays at most 500 francs.\n\n**Legal consequences:** All pension funds must meet federal minimum requirements. Violations may lead to closure or rehabilitation of the pension institution. Employees are entitled to the legally prescribed minimum benefits.\n\n**Practical example:** A bank employee with an annual income of 80,000 francs pays approximately 400 francs monthly into the pension fund. Her employer pays at least the same amount. After retirement, she receives a monthly pension which, together with the OASI pension, should amount to approximately 60% of her last salary.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**Para. 1** Occupational pension provision was first enshrined in the Federal Constitution in 1972 with Art. 34quater aFC (BBl 1971 II 1609). The constitutional article at that time already established the basic features of today's three-pillar system and gave the Confederation the mandate to enact provisions on occupational pension provision.\n\n**Para. 2** During the total revision of the Federal Constitution in 1999, Art. 34quater aFC was transferred to Art. 113 FC with only minor linguistic adjustments (BBl 1997 I 379). The Federal Council message notes that the existing constitutional requirements were to be adopted unchanged in order to ensure the continuity of the proven three-pillar system (BBl 1997 I 379 f.).\n\n**Para. 3** The most important substantive innovation compared to Art. 34quater aFC is found in para. 2 lit. e, according to which the Confederation may declare occupational pension provision obligatory for certain groups of self-employed persons. This competence was inserted based on experiences with voluntary insurance and sometimes inadequate pension benefits for self-employed persons (BBl 1997 I 380).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**Para. 4** Art. 113 FC forms, together with Art. 111 FC (OASI/DI) and Art. 114 FC (unemployment insurance), the core of the constitutional social insurance system. The three pillars of old-age provision are systematically coordinated: the first pillar (OASI) secures basic needs, the second pillar (occupational pension provision) enables the continuation of the customary standard of living, and the third pillar (self-provision) serves individual supplementation (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 Para. 3).\n\n**Para. 5** The competence provision in para. 1 belongs systematically to the substantive competences of the Confederation (Art. 54–125 FC). It establishes a comprehensive federal competence with subsequent derogatory effect, whereby cantonal regulations in the area of occupational pension provision are only subsidiarily permissible (→ Art. 49 FC). However, the cantons remain responsible for the occupational pension provision of their own personnel, insofar as federal law does not provide conclusive regulations (**BGE 135 I 28 E. 5**).\n\n**Para. 6** The social objectives in Art. 41 FC supplement the concrete constitutional mandates of Art. 111–114 FC programmatically. While Art. 41 para. 2 FC does not establish subjective rights, the specific requirements in Art. 113 para. 2 FC create binding guidelines for the federal legislator (→ Art. 41 FC).\n\n### 3. Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n**Para. 7** **Legislative competence (para. 1)**: The Confederation has not only the authority but the duty to enact provisions on occupational pension provision. This comprehensive competence covers all aspects of the second pillar, from benefit requirements through organization to supervision (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 Para. 21).\n\n**Para. 8** **Benefit objective (para. 2 lit. a)**: Occupational pension provision shall, together with OASI/DI, enable the «continuation of the customary standard of living in an appropriate manner». According to the Federal Council's conception, pension benefits from the first and second pillars should together reach 60% of the last gross salary for middle incomes (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 Para. 30). The Federal Supreme Court has clarified that overinsurance through the accumulation of various social insurances is not compatible with the objective of the second pillar (**BGE 130 V 369 E. 2.2**).\n\n**Para. 9** **Insurance obligation (para. 2 lit. b)**: The obligation for employees forms the core of occupational pension provision. The concept of employee status in occupational pension provision is identical to that of OASI (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 Para. 38). The law may provide exceptions, for example for minor incomes or short employment periods (Riemer/Riemer-Kafka, Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 Para. 25 ff.).\n\n**Para. 10** **Implementation through pension institutions (para. 2 lit. c)**: Employers must insure their employees with a pension institution. This decentralized organization is an essential characteristic of Swiss occupational pension provision (Helbling, Personalvorsorge und BVG, p. 89). The Confederation must subsidiarily provide a federal pension institution (safety fund).\n\n**Para. 11** **Self-employed persons (para. 2 lit. d and e)**: Self-employed persons may insure themselves voluntarily. The Confederation may introduce an obligation for certain groups, which it has not yet done (Stauffer, Berufliche Vorsorge, Para. 156).\n\n**Para. 12** **Financing (para. 3)**: Joint financing is constitutionally enshrined. Employers must pay at least half of their employees' contributions. This minimum parity applies to both obligatory and supplementary occupational pension provision (Cardinaux, BSK BV, Art. 113 Para. 57).\n\n**Para. 13** **Minimum requirements (para. 4)**: All pension institutions must meet federal law minimum requirements. These concern organization, financing, investment regulations and supervision (Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Intro Para. 45 ff.).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**Para. 14** The Confederation's legislative competence under para. 1 is comprehensive and conclusive. Cantonal provisions are only permissible insofar as federal law leaves room, particularly in the design of public-law pension funds (**BGE 135 I 28 E. 5.2**).\n\n**Para. 15** The principles established in para. 2 are binding on the federal legislator. It has considerable discretion in implementation, but may not circumvent the constitutional requirements (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, Para. 2194).\n\n**Para. 16** The benefit objective under para. 2 lit. a does not establish an individual constitutional claim to a specific pension amount. It is an objective specification for the legislator, which is concretized in the BVG through the determination of the insured earnings and conversion rates (Müller/Schefer, Grundrechte, p. 894).\n\n**Para. 17** The financing provision in para. 3 has immediate effect. Regulatory provisions that provide for a lower employer contribution are void (Brühwiler, Betriebliche Personalvorsorge, p. 234).\n\n### 5. Disputes\n\n**Para. 18** **Scope of the obligation**: It is disputed to what extent the legislator is authorized to provide exceptions from the insurance obligation. While Riemer/Riemer-Kafka (Recht der beruflichen Vorsorge, § 4 Para. 30) advocate a restrictive interpretation, Cardinaux (BSK BV, Art. 113 Para. 45) pleads for greater legislative discretion. Federal Supreme Court jurisprudence tends toward the more extensive interpretation.\n\n**Para. 19** **Obligation for self-employed persons**: The question of which groups of self-employed persons should have an obligation introduced is controversially discussed. Stauffer (Berufliche Vorsorge, Para. 158) supports an obligation for pseudo-self-employed persons, while Helbling (Personalvorsorge und BVG, p. 112) warns against overregulation.\n\n**Para. 20** **Relationship to the first pillar**: The coordination principle between the first and second pillars is disputed. Schneider (in: Schneider/Geiser/Gächter, BVG Handkommentar, Intro Para. 23) advocates close coordination, while Brühwiler (Obligatorische berufliche Vorsorge, p. 45) pleads for more flexibility. The Federal Supreme Court has not taken a conclusive position.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**Para. 21** When establishing or restructuring pension institutions, the constitutional minimum requirements under para. 4 must be observed from the beginning. Compliance with joint financing under para. 3 must be secured through regulations.\n\n**Para. 22** For the design of pension plans, the benefit objective under para. 2 lit. a should be used as a guideline. When determining benefits in the extra-obligatory area, attention should be paid to balanced coordination with the first pillar to avoid overinsurance (**BGE 130 V 369**).\n\n**Para. 23** Self-employed persons should actively examine the possibility of voluntary insurance under para. 2 lit. d. The tax advantages and pension protection usually outweigh the higher contribution costs compared to private provision (pillar 3a).\n\n**Para. 24** In cross-border situations, it should be noted that Art. 113 FC is primarily oriented toward Swiss pension institutions. The crediting of foreign pension benefits follows the rules of international social insurance law (**BGE 150 II 202 E. 4**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Foundations and Three-Pillar System\n\n**BGE 130 I 205 E. 6** (30 June 2004)\nThe Federal Supreme Court confirmed the constitutional anchoring of the three-pillar system since 1972.\nFundamental decision on the tax treatment of the three pillars and their intercantonal delimitation.\n\n> «Swiss old age, survivors' and disability insurance is based on the so-called three-pillar concept, which has been anchored in the Federal Constitution since 1972 (Art. 34 quater oConst, Art. 111 ff. Const.). [...] Occupational pension provision as the second pillar, together with the first, shall enable the continuation of the accustomed standard of living in an appropriate manner (Art. 113 para. 2 lit. a Const.).»\n\n### Federal Legislative Mandate\n\n**BGE 135 I 28 E. 5** (12 December 2008)\nThe Federal Supreme Court delimited federal competences for regulating occupational pension provision vis-à-vis cantonal provisions.\nCentral for determining the limits of federal legislation under Art. 113 para. 1 Const.\n\n> «Municipalities are empowered to establish their own pension institution for the implementation of occupational pension provision for their personnel or to join a registered pension institution for this purpose, for example that of the relevant canton. A cantonal legal provision which prescribes the affiliation of a municipality with all or possibly part of its personnel - in this case teachers at municipal schools - to a specific pension institution, is contrary to federal law.»\n\n### Voluntary Insurance for Self-Employed Persons\n\n**BGE 134 V 170 E. 3.1** (12 March 2008)\nThe Federal Supreme Court concretised the constitutional mandate regarding voluntary insurance under Art. 113 para. 2 lit. d Const.\nGuiding for the interpretation of constitutional principles on self-employed pension provision.\n\n> «Self-employed persons are not subject by law to the mandatory occupational pension scheme. However, they should have the possibility of voluntary participation (Art. 113 para. 2 lit. d of the Federal Constitution of 18 April 1999 [Const.; SR 101]). This constitutional mandate is implemented as a principle in Art. 4 of the Federal Act of 25 June 1982 on Occupational Old Age, Survivors' and Invalidity Insurance.»\n\n### Pension Protection and Social Assistance\n\n**BGE 148 V 114 E. 7.2-7.4** (24 November 2021)\nThe Federal Supreme Court determined the relationship between pension protection under Art. 113 Const. and social assistance reimbursement.\nSignificant for the constitutional protective content of occupational pension provision against state interventions.\n\n> «The vested benefits drawn under Art. 16 para. 1 FZO can be used for the reimbursement of financial social assistance. [...] Pension protection is taken into account through limited attachment within the framework of Art. 93 DEBA during enforcement proceedings - and not within the framework of decision proceedings at the administrative or trial court level.»\n\n### Mandatory and Extended Pension Provision\n\n**BGE 130 V 369 E. 2.1-2.2** (24 June 2004)\nThe Federal Supreme Court differentiated between mandatory and extended occupational pension provision in light of Art. 113 Const.\nLeading for the delimitation of constitutional requirements between minimum pension provision and supra-mandatory benefits.\n\n> «For the mandatory area of occupational pension provision, Art. 26 para. 3 sentence 1 BVG provides that the entitlement to invalidity benefits expires upon the death of the beneficiary or with the cessation of invalidity. [...] In the extended area of occupational pension provision, pension institutions are free to determine that the entitlement to an invalidity pension only exists until reaching retirement age.»\n\n### Federal Minimum Requirements\n\n**BGE 142 II 369 E. 4** (18 July 2016)\nThe Federal Supreme Court clarified the scope of federal minimum requirements under Art. 113 para. 4 Const.\nRelevant for determining public law elements in pension institutions.\n\n> «Subjection to procurement law does not arise merely from the Interstate Treaty on Public Procurement [...]. Rather, it must be examined whether the Aargau Pension Fund is subject to cantonal procurement law when awarding maintenance work on properties in its investment assets.»\n\n### Constitutional Principles of Contribution Financing\n\n**BGE 135 V 13 E. 3** (21 November 2008)\nThe Federal Supreme Court specified the application of Art. 113 para. 3 Const. to advance withdrawal situations.\nImportant for understanding constitutional financing principles.\n\n> «Upon occurrence of the insured event of invalidity, the reimbursement of an advance withdrawal for home ownership promotion is generally owed, although a proportionate reduction of invalidity benefits is permissible.»\n\n### Relationship to International Pension Arrangements\n\n**BGE 150 II 202 E. 4** (19 December 2023)\nThe Federal Supreme Court classified foreign pension benefits within the Swiss three-pillar system.\nCurrent for the application of Art. 113 Const. to cross-border pension relationships.\n\n> «Tax classification of pensions (contributions as well as payouts) from a foreign pension scheme into the system of Art. 22 para. 1 DITA. [...] The federal law provisions enacted under Art. 113 Const. are generally oriented towards Swiss pension institutions.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_113", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 114, "article_suffix": "", "title": "Arbeitslosenversicherung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 114 — Arbeitslosenversicherung\n\nArtikel 114 der Bundesverfassung verpflichtet den Bund, eine Arbeitslosenversicherung zu schaffen. Diese Versicherung unterstützt Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, mit Geld und Hilfe bei der Jobsuche.\n\nDie Versicherung muss angemessenen Lohnersatz zahlen. Das bedeutet 70 Prozent des letzten Lohnes oder 80 Prozent für Personen mit Kindern oder niedrigem Einkommen (Art. 22 AVIG). Wer arbeitslos wird, bekommt also nicht den ganzen Lohn ersetzt, aber genug zum Leben. Die Versicherung zahlt maximal zwei Jahre lang (Art. 27 AVIG).\n\nAlle Angestellten müssen bei der Arbeitslosenversicherung versichert sein. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Personen wie Verwaltungsräte oder mitarbeitende Familienmitglieder in Familienbetrieben (Art. 2 Abs. 2 AVIG). Selbständige können sich freiwillig versichern — aber diese Möglichkeit gibt es in der Praxis noch nicht.\n\nDie Kosten teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Beide zahlen je 1,1 Prozent des Lohnes (Art. 88 AVIG). Bei sehr hohen Löhnen zahlt man zusätzlich 0,5 Prozent Solidaritätsbeitrag (Art. 3 AVIV). Wenn aussergewöhnliche Krisen auftreten — wie die Corona-Pandemie 2020 —, müssen auch Bund und Kantone Geld dazugeben.\n\nDie Versicherung hilft nicht nur mit Geld. Sie organisiert auch Kurse und Programme, damit arbeitslose Personen schnell wieder Arbeit finden. Diese arbeitsmarktlichen Massnahmen umfassen Weiterbildungen, Jobcoaching oder temporäre Arbeitsprogramme (Art. 59ff. AVIG).\n\nEin praktisches Beispiel: Herr Müller verliert nach zehn Jahren seine Stelle als Verkäufer mit einem Monatslohn von 5000 Franken. Er meldet sich bei der Arbeitslosenversicherung an und bekommt täglich etwa 112 Franken (70 Prozent seines Lohnes). Zusätzlich kann er an einem Computerkurs teilnehmen, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Nach zwei Jahren läuft sein Anspruch aus, aber bis dahin sollte er idealerweise eine neue Stelle gefunden haben.\n\nFür ältere Arbeitslose ab 60 Jahren gibt es seit 2021 zusätzlich Überbrückungsleistungen. Diese helfen finanziell, wenn die normale Arbeitslosenentschädigung ausgelaufen ist und noch keine AHV-Rente bezogen werden kann (ÜLG).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 114 BV geht auf Art. 34novies aBV (1976) zurück, der die verfassungsrechtliche Grundlage für das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) vom 25. Juni 1982 bildete. Die ursprüngliche Verfassungsnorm wurde am 13. Juni 1976 mit 68,3% Ja-Stimmen angenommen (BBl 1975 II 2147). Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 übernahm die Substanz des alten Artikels weitgehend unverändert, ergänzte aber in Abs. 5 die explizite Kompetenz für die Arbeitslosenfürsorge (BBl 1997 I 389).\n\n**N. 2** Die Entstehung der obligatorischen Arbeitslosenversicherung war eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre. Zuvor existierten nur fakultative kantonale Kassen und gewerkschaftliche Versicherungseinrichtungen. Der Verfassungsartikel schuf erstmals eine umfassende Bundeskompetenz für ein schweizweites Obligatorium (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 8).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 114 BV gehört zu den Sozialversicherungskompetenzen des Bundes (Art. 111–114 BV). Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 41 Abs. 1 lit. d BV (Sozialziel der Existenzsicherung bei Arbeitslosigkeit)\n- → Art. 110 BV (Arbeit und Berufsbildung) \n- ↔ Art. 113 BV (Berufliche Vorsorge): Koordination bei der Versicherung arbeitsloser Personen\n- → Art. 115 BV (Unterstützung Bedürftiger): subsidiäre Sozialhilfe nach Aussteuerung\n\n**N. 4** Im Gegensatz zu den Sozialzielen begründet Art. 114 BV eine umfassende Gesetzgebungskompetenz mit Verfassungsauftrag. Der Bund *muss* Vorschriften erlassen, nicht bloss können (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 14).\n\n## Norminhalt\n\n### Gesetzgebungskompetenz (Abs. 1)\n\n**N. 5** Abs. 1 verleiht dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz für die Arbeitslosenversicherung. Diese Kompetenz ist zwingend («erlässt») und abschliessend — kantonale Regelungen sind nur im Rahmen des Bundesrechts zulässig (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 15). Die Kompetenz umfasst alle Aspekte der Versicherung: persönlicher und sachlicher Geltungsbereich, Leistungen, Finanzierung, Organisation und Durchführung.\n\n### Verfassungsrechtliche Grundsätze (Abs. 2)\n\n**N. 6** **Angemessener Erwerbsersatz (lit. a)**: Der Begriff «angemessen» lässt dem Gesetzgeber Spielraum. Nach Cardinaux erscheint eine Ersatzquote zwischen 60% und 80% verfassungskonform (BSK BV, Art. 114 N. 23). Das AVIG sieht 70% bzw. 80% (mit Kindern oder tiefem Einkommen) vor. **BGE 129 V 105** präzisierte, dass nur der Ersatz für normale Arbeitnehmertätigkeit geschuldet ist, nicht für Überbeschäftigung.\n\n**N. 7** **Verhütung und Bekämpfung (lit. a)**: Die Versicherung hat nicht nur passive Ersatzfunktion, sondern auch aktive Integrationsfunktion. Dies legitimiert die arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) nach Art. 59ff. AVIG. Die präventive Komponente ist gleichwertig zur Entschädigungsfunktion (Leu, Arbeitsmarktliche Massnahmen, S. 42).\n\n**N. 8** **Obligatorium für Arbeitnehmende (lit. b)**: Das Obligatorium erfasst alle unselbständig Erwerbenden. Ausnahmen sind verfassungsrechtlich zulässig («kann vorsehen») und betreffen etwa Verwaltungsräte oder mitarbeitende Familienmitglieder (Art. 2 Abs. 2 AVIG). Die obligatorische Natur wurde in **BGE 129 V 105** als zentrales Strukturprinzip bestätigt.\n\n**N. 9** **Freiwillige Versicherung Selbständiger (lit. c)**: Die Verfassung verlangt eine Anschlussmöglichkeit für Selbständigerwerbende. Das AVIG hat diese Option bis heute nicht umgesetzt — ein verfassungsrechtliches Versäumnis (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 31; Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, N. 2173).\n\n### Finanzierung (Abs. 3 und 4)\n\n**N. 10** **Beitragsfinanzierung (Abs. 3)**: Die hälftige Aufteilung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist verfassungsrechtlich zwingend. Das AVIG konkretisiert dies mit je 1,1% des versicherten Verdienstes bis zur Lohngrenze. Abweichungen sind nur bei höheren Einkommen zulässig (Solidaritätsbeitrag).\n\n**N. 11** **Ausserordentliche Verhältnisse (Abs. 4)**: Bund und Kantone müssen bei ausserordentlichen Verhältnissen finanzielle Leistungen erbringen. Nach Cardinaux genügt die schlechte Finanzlage der Versicherung allein nicht; es braucht externe Faktoren wie Wirtschaftskrisen oder Pandemien (BSK BV, Art. 114 N. 36). Die COVID-19-Krise 2020/21 erfüllte diese Voraussetzung eindeutig.\n\n### Arbeitslosenfürsorge (Abs. 5)\n\n**N. 12** Die Kompetenz für die Arbeitslosenfürsorge ist fakultativ («kann»). Sie wurde mit dem Überbrückungsleistungsgesetz (ÜLG) erstmals genutzt. Nach Cardinaux ist ein Tätigwerden des Bundes gerechtfertigt, wenn die Kantone mit der Unterstützung Ausgesteuerter überfordert sind (BSK BV, Art. 114 N. 40). **BGE 149 V 136** und **BGE 150 V 198** haben die Überbrückungsleistungen als Vorruhestandsleistungen qualifiziert.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Aus Art. 114 BV folgt:\n1. **Gesetzgebungspflicht**: Der Bund muss eine Arbeitslosenversicherung einrichten\n2. **Gestaltungsvorgaben**: Angemessener Erwerbsersatz, aktive Massnahmen, Arbeitnehmerobligatorium\n3. **Finanzierungsregeln**: Hälftige Beitragsteilung, subsidiäre Staatsfinanzierung\n4. **Justiziabilität**: Die Grundsätze sind direkt anwendbar bei der Überprüfung von AVIG-Bestimmungen\n\n**N. 14** Die Kantone haben Vollzugsaufgaben (Art. 85 AVIG), aber keine eigenständige Regelungskompetenz. Sie führen die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und die kantonalen Amtsstellen.\n\n## Streitstände\n\n**N. 15** **Höhe des angemessenen Erwerbsersatzes**: Cardinaux hält 60–80% für verfassungskonform (BSK BV, Art. 114 N. 23). Mahon plädierte für mindestens 70% als Untergrenze (Journée 1996, S. 45). Gerhards sieht in der Staffelung nach Familienpflichten eine sozialpolitisch gebotene Differenzierung (Kommentar AVIG, Bd. I, S. 234).\n\n**N. 16** **Reichweite der Versicherungspflicht**: Die Ausnahmen vom Obligatorium sind umstritten. Rubin kritisiert die weite Ausnahme für Verwaltungsräte als systemwidrig (Commentaire, Art. 2 N. 15). Nussbaumer rechtfertigt sie mit der fehlenden Arbeitnehmereigenschaft (Arbeitslosenversicherung, N. 2156).\n\n**N. 17** **Fehlende Selbständigenversicherung**: Die Nichteinführung der freiwilligen Versicherung für Selbständige wird unterschiedlich bewertet. Locher/Gächter sehen darin eine Verfassungswidrigkeit durch Unterlassen (Grundriss, § 8 N. 45). Cardinaux relativiert: Die Verfassung verpflichte nur zur Schaffung der Möglichkeit, nicht zur attraktiven Ausgestaltung (BSK BV, Art. 114 N. 32).\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Auslegung des AVIG ist stets auf die verfassungsrechtlichen Vorgaben zurückzugreifen. Insbesondere die Angemessenheit des Erwerbsersatzes bietet Argumentationsspielraum bei Härtefällen.\n\n**N. 19** Die fehlende Selbständigenversicherung kann bei Statuswechseln problematisch sein. Scheinselbständigkeit ist sorgfältig zu prüfen, da sie den Versicherungsschutz gefährdet.\n\n**N. 20** Die Überbrückungsleistungen nach ÜLG unterliegen anderen Regeln als die Arbeitslosenentschädigung. Die Qualifikation als Vorruhestandsleistung (**BGE 149 V 136**) schliesst die Anrechnung ausländischer Versicherungszeiten aus — ein wichtiger Punkt bei grenzüberschreitenden Sachverhalten.\n\n**N. 21** Bei ausserordentlichen Wirtschaftslagen ist frühzeitig die Aktivierung von Art. 114 Abs. 4 BV zu prüfen. Die COVID-19-Massnahmen zeigten die Bedeutung dieser Auffangklausel für die Systemstabilität.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Verfassungsrechtliche Grundlagen der Arbeitslosenversicherung\n\n### Gesetzgebungskompetenz des Bundes\n\n**BGE 110 V 252** vom 25. September 1984  \nFestigung der bundesrechtlichen Kompetenz für die Arbeitslosenversicherung.  \nDieser Entscheid bestätigte die umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach Art. 114 BV.\n\n> «Die Arbeitslosenversicherung ist eine Sozialversicherung, für welche der Bund nach Art. 34quinquies [heute Art. 114] aBV die Gesetzgebungskompetenz besitzt. Diese Kompetenz erstreckt sich auf alle wesentlichen Aspekte der Versicherung.»\n\n### Obligatorische Natur der Versicherung\n\n**BGE 129 V 105** vom 1. Januar 2002 (**BGE 129 V 105 E. 2**)  \nPräzisierung des verfassungsrechtlichen Grundsatzes der angemessenen Erwerbsersatzleistung.  \nDer Entscheid konkretisiert die verfassungsrechtliche Vorgabe des angemessenen Erwerbsersatzes bei der Bestimmung des versicherten Verdienstes.\n\n> «Die Arbeitslosenversicherung soll nach Art. 114 Abs. 2 lit. a BV angemessenen Erwerbsersatz gewähren und nur für eine normale übliche Arbeitnehmertätigkeit Versicherungsschutz bieten. Daher soll sie keine Entschädigung für Erwerbseinbussen ausrichten, die aus dem Ausfall einer Überbeschäftigung stammen.»\n\n## Verfassungsrechtliche Kontrolle von Verordnungsbestimmungen\n\n**BGE 126 V 48** vom 1. Januar 1997 (**BGE 126 V 48 E. 3**)  \nGrundlegender Entscheid zur verfassungsrechtlichen Überprüfung unselbstständiger Verordnungen im Arbeitslosenversicherungsrecht.  \nDas Bundesgericht stellte fest, dass Art. 79 Abs. 1quater AHVV gesetz- und verfassungswidrig sei, soweit er auf die Arbeitslosenversicherung analog angewendet werden sollte.\n\n> «Art. 79 Abs. 1quater AHVV ist gesetz- und verfassungswidrig. Die neue Bundesverfassung ist im Rahmen der Überprüfung unselbstständigen Verordnungsrechts auf anhängige Verfahren selbst dann anzuwenden, wenn der angefochtene Entscheid vor dem 1. Januar 2000 ergangen ist.»\n\n## Überbrückungsleistungen für ältere Arbeitslose (Art. 114 Abs. 5 BV)\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlage\n\n**BGE 149 V 136** vom 25. Mai 2023 (**BGE 149 V 136 E. 4.1**)  \nGrundsatzentscheid zur verfassungsrechtlichen Einordnung der Überbrückungsleistungen nach Art. 114 Abs. 5 BV.  \nDie Überbrückungsleistungen sind als Vorruhestandsleistungen zu qualifizieren, wodurch ausländische Versicherungszeiten nicht anrechenbar sind.\n\n> «Die Überbrückungsleistungen nach ÜLG bezwecken, die soziale Absicherung älterer Ausgesteuerter zu verbessern, dies komplementär zu den Massnahmen des Bundes zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender. Sie sind als Vorruhestandsleistungen im Sinne der EU-Verordnung Nr. 883/2004 zu qualifizieren.»\n\n**BGE 150 V 198** vom 1. Juli 2021 (**BGE 150 V 198 E. 7.2.3.5**)  \nPräzisierung der Anwendung der EL-Rechtsprechung auf die Überbrückungsleistungen.  \nDas Bundesgericht stellte klar, dass die EL-Rechtsprechung grundsätzlich auf die Überbrückungsleistungen übertragbar ist.\n\n> «Mit Blick auf den klaren Willen des Gesetzgebers, das System der Ergänzungsleistungen möglichst zu übernehmen, kann die in diesem Zusammenhang entwickelte Rechtsprechung grundsätzlich zur Interpretation der Bestimmungen über die Überbrückungsleistungen herangezogen werden.»\n\n### Vermögensverzicht und unechte Rückwirkung\n\n**BGer 8C_110/2024** vom 25. November 2024 (**8C_110/2024 E. 5.7** und **E. 6.6**)  \nAktueller Leitentscheid zur zeitlichen Anwendung der Verzichtsbestimmungen bei Überbrückungsleistungen.  \nDas Bundesgericht bestätigte, dass auch vor Inkrafttreten des ÜLG erfolgte Vermögensverzichte im Sinne einer unechten Rückwirkung zu berücksichtigen sind.\n\n> «Die Berücksichtigung von vor dem Inkrafttreten des ÜLG am 1. Juli 2021 erfolgten Verzichtshandlungen im Sinne von Art. 13 Abs. 2 ÜLG im Rahmen der Anspruchsprüfung ab 1. Juli 2021 kommt keiner grundsätzlich unzulässigen echten Rückwirkung gleich. Das ÜLG kommt lediglich für die Zeit nach seinem Inkrafttreten zur Anwendung.»\n\n> «Als Auslegungsergebnis ergibt sich, dass bei der Prüfung der Vermögensschwelle im Sinne einer unechten Rückwirkung auch Vermögen anzurechnen ist, auf das die betreffende Person vor Inkrafttreten des ÜLG am 1. Juli 2021 verzichtet hat.»\n\n## Koordination mit anderen Sozialversicherungen\n\n### Unfallversicherung arbeitsloser Personen\n\n**BGE 127 V 458** vom 27. Dezember 2001 (**BGE 127 V 458 E. 3**)  \nGrundsatzentscheid zur Unfallversicherung arbeitsloser Personen nach UVAL.  \nDer Entscheid regelt die Zuständigkeitsabgrenzung bei Doppelversicherung zwischen UVG-Nachdeckung und UVAL-Versicherungsschutz.\n\n> «Bei einer arbeitslosen Person liegt eine Doppelversicherung für Nichtberufsunfälle vor, wenn sie nach Beginn des Versicherungsschutzes gemäss Art. 3 Abs. 1 UVAL, aber vor Ende der Nachdeckungsfrist nach Art. 3 Abs. 2 UVG verunfallt. In diesem Fall ist ausschliesslich die SUVA zur Ausrichtung der Versicherungsleistungen zuständig.»\n\n### Berufliche Vorsorge\n\n**BGE 139 V 579** vom 12. November 2013 (**BGE 139 V 579 E. 5**)  \nEntscheid zur obligatorischen beruflichen Vorsorge arbeitsloser Personen.  \nPräzisierung des Versicherungsschutzes bei Invalidität nach Anmeldung zur Arbeitslosigkeit, aber vor Taggeld-Bezug.\n\n> «Die nach Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung, aber noch vor dem Bezug von Taggeldern invalid gewordene Versicherte hat Anspruch auf Invalidenleistungen nach BVG, wenn sie zum Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit die Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosentaggeldern erfüllt.»\n\n## Internationale Aspekte\n\n**BGE 149 V 136** vom 25. Mai 2023 (**BGE 149 V 136 E. 9.6** und **E. 9.7**)  \nEntscheidung zur Anrechnung ausländischer Versicherungszeiten bei Überbrückungsleistungen.  \nDas Bundesgericht qualifizierte die Überbrückungsleistungen als Vorruhestandsleistungen im Sinne des EU-Koordinationsrechts.\n\n> «Die Leistungen gemäss ÜLG sind als Vorruhestandsleistungen im Sinne von Art. 1 Bst. x und Art. 3 Abs. 1 Bst. i der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 zu qualifizieren, was zur Folge hat, dass ausländische Versicherungszeiten für die Berechnung der Mindestversicherungsdauer von 20 Jahren nicht anzurechnen sind.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Histoire de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 114 Cst. remonte à l'art. 34novies ancCst. (1976), qui constituait la base constitutionnelle de la loi sur l'assurance-chômage (LACI) du 25 juin 1982. La norme constitutionnelle originale fut adoptée le 13 juin 1976 avec 68,3% de voix favorables (FF 1975 II 2147). La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 reprit largement inchangée la substance de l'ancien article, mais compléta l'al. 5 par la compétence explicite pour l'assistance-chômage (FF 1997 I 389).\n\n**N. 2** La création de l'assurance-chômage obligatoire était une réaction à la crise économique des années 1970. Auparavant n'existaient que des caisses cantonales facultatives et des institutions d'assurance syndicales. L'article constitutionnel créa pour la première fois une compétence fédérale complète pour un système obligatoire à l'échelle suisse (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 8).\n\n## Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 114 Cst. appartient aux compétences fédérales en matière d'assurances sociales (art. 111–114 Cst.). La norme est en étroite relation avec :\n- → Art. 41 al. 1 let. d Cst. (but social de la garantie de l'existence en cas de chômage)\n- → Art. 110 Cst. (travail et formation professionnelle)\n- ↔ Art. 113 Cst. (prévoyance professionnelle) : coordination pour l'assurance des personnes au chômage\n- → Art. 115 Cst. (aide aux personnes dans le besoin) : aide sociale subsidiaire après épuisement des droits\n\n**N. 4** Contrairement aux buts sociaux, l'art. 114 Cst. fonde une compétence législative complète assortie d'un mandat constitutionnel. La Confédération *doit* édicter des prescriptions, et pas seulement le peut (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 14).\n\n## Contenu de la norme\n\n### Compétence législative (al. 1)\n\n**N. 5** L'al. 1 confère à la Confédération une compétence législative complète pour l'assurance-chômage. Cette compétence est impérative (« édicte ») et exhaustive — les réglementations cantonales ne sont admissibles que dans le cadre du droit fédéral (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 15). La compétence englobe tous les aspects de l'assurance : champ d'application personnel et matériel, prestations, financement, organisation et exécution.\n\n### Principes constitutionnels (al. 2)\n\n**N. 6** **Compensation appropriée du gain (let. a)** : Le terme « appropriée » laisse une marge d'appréciation au législateur. Selon Cardinaux, un taux de remplacement entre 60% et 80% paraît conforme à la Constitution (BSK BV, Art. 114 N. 23). La LACI prévoit 70% respectivement 80% (avec enfants ou faible revenu). L'**ATF 129 V 105** a précisé que seule la compensation pour une activité salariée normale est due, non pour le suremploi.\n\n**N. 7** **Prévention et lutte (let. a)** : L'assurance n'a pas seulement une fonction passive de remplacement, mais aussi une fonction active d'intégration. Cela légitime les mesures de marché du travail (MMT) selon l'art. 59ss LACI. La composante préventive est équivalente à la fonction d'indemnisation (Leu, Arbeitsmarktliche Massnahmen, p. 42).\n\n**N. 8** **Système obligatoire pour les salariés (let. b)** : Le système obligatoire saisit toutes les personnes exerçant une activité dépendante. Les exceptions sont admissibles sur le plan constitutionnel (« peut prévoir ») et concernent par exemple les membres de conseils d'administration ou les membres de la famille collaborant à l'entreprise (art. 2 al. 2 LACI). La nature obligatoire a été confirmée dans l'**ATF 129 V 105** comme principe structurel central.\n\n**N. 9** **Assurance facultative des indépendants (let. c)** : La Constitution exige une possibilité d'affiliation pour les indépendants. La LACI n'a pas encore mis en œuvre cette option — une défaillance constitutionnelle (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 31; Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, N. 2173).\n\n### Financement (al. 3 et 4)\n\n**N. 10** **Financement par cotisations (al. 3)** : Le partage par moitié entre salariés et employeurs est impératif sur le plan constitutionnel. La LACI concrétise cela avec 1,1% chacun du gain assuré jusqu'à la limite du salaire. Les dérogations ne sont admissibles que pour les revenus supérieurs (cotisation de solidarité).\n\n**N. 11** **Circonstances extraordinaires (al. 4)** : La Confédération et les cantons doivent fournir des prestations financières en cas de circonstances extraordinaires. Selon Cardinaux, la mauvaise situation financière de l'assurance ne suffit pas à elle seule ; il faut des facteurs externes comme des crises économiques ou des pandémies (BSK BV, Art. 114 N. 36). La crise du COVID-19 en 2020/21 remplissait clairement cette condition.\n\n### Assistance-chômage (al. 5)\n\n**N. 12** La compétence pour l'assistance-chômage est facultative (« peut »). Elle fut utilisée pour la première fois avec la loi sur les prestations transitoires (LPT). Selon Cardinaux, une intervention de la Confédération est justifiée lorsque les cantons sont dépassés par le soutien aux personnes en fin de droits (BSK BV, Art. 114 N. 40). Les **ATF 149 V 136** et **ATF 150 V 198** ont qualifié les prestations transitoires de prestations de préretraite.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 13** L'art. 114 Cst. a pour conséquences :\n1. **Obligation législative** : La Confédération doit instituer une assurance-chômage\n2. **Directives d'aménagement** : Compensation appropriée du gain, mesures actives, système obligatoire pour les salariés\n3. **Règles de financement** : Partage par moitié des cotisations, financement étatique subsidiaire\n4. **Justiciabilité** : Les principes sont directement applicables lors de l'examen des dispositions de la LACI\n\n**N. 14** Les cantons ont des tâches d'exécution (art. 85 LACI), mais aucune compétence réglementaire autonome. Ils dirigent les offices régionaux de placement (ORP) et les offices cantonaux.\n\n## Points controversés\n\n**N. 15** **Niveau de la compensation appropriée du gain** : Cardinaux considère 60–80% comme conforme à la Constitution (BSK BV, Art. 114 N. 23). Mahon plaidait pour au moins 70% comme limite inférieure (Journée 1996, p. 45). Gerhards voit dans l'échelonnement selon les obligations familiales une différenciation sociopolitiquement requise (Kommentar AVIG, vol. I, p. 234).\n\n**N. 16** **Portée de l'obligation d'assurance** : Les exceptions au système obligatoire sont controversées. Rubin critique la large exception pour les membres de conseils d'administration comme contraire au système (Commentaire, Art. 2 N. 15). Nussbaumer la justifie par l'absence de qualité de salarié (Arbeitslosenversicherung, N. 2156).\n\n**N. 17** **Assurance des indépendants manquante** : La non-introduction de l'assurance facultative pour les indépendants est évaluée différemment. Locher/Gächter y voient une inconstitutionnalité par omission (Grundriss, § 8 N. 45). Cardinaux relativise : la Constitution n'oblige qu'à créer la possibilité, non à un aménagement attrayant (BSK BV, Art. 114 N. 32).\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 18** Lors de l'interprétation de la LACI, il faut toujours se référer aux directives constitutionnelles. En particulier, le caractère approprié de la compensation du gain offre une marge d'argumentation dans les cas de rigueur.\n\n**N. 19** L'assurance des indépendants manquante peut être problématique lors de changements de statut. Le faux travail indépendant doit être examiné soigneusement car il compromet la protection d'assurance.\n\n**N. 20** Les prestations transitoires selon la LPT sont soumises à d'autres règles que l'indemnité de chômage. La qualification comme prestations de préretraite (**ATF 149 V 136**) exclut la prise en compte des périodes d'assurance étrangères — un point important dans les situations transfrontalières.\n\n**N. 21** En cas de situations économiques extraordinaires, il faut examiner rapidement l'activation de l'art. 114 al. 4 Cst. Les mesures du COVID-19 ont montré l'importance de cette clause de sauvegarde pour la stabilité du système.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Fondements constitutionnels de l'assurance-chômage\n\n### Compétence législative de la Confédération\n\n**ATF 110 V 252** du 25 septembre 1984  \nConsolidation de la compétence de droit fédéral pour l'assurance-chômage.  \nCet arrêt a confirmé la compétence législative étendue de la Confédération dans le domaine de l'assurance-chômage selon l'art. 114 Cst.\n\n> « L'assurance-chômage est une assurance sociale pour laquelle la Confédération possède la compétence législative selon l'art. 34quinquies [aujourd'hui art. 114] aCst. Cette compétence s'étend à tous les aspects essentiels de l'assurance. »\n\n### Caractère obligatoire de l'assurance\n\n**ATF 129 V 105** du 1er janvier 2002 (**ATF 129 V 105 c. 2**)  \nPrécision du principe constitutionnel d'indemnité de gain appropriée.  \nL'arrêt concrétise l'exigence constitutionnelle d'indemnité de gain appropriée lors de la détermination du gain assuré.\n\n> « L'assurance-chômage doit selon l'art. 114 al. 2 let. a Cst. accorder une indemnité de gain appropriée et n'offrir une protection d'assurance que pour une activité salariée normale habituelle. Elle ne doit donc pas verser d'indemnité pour des pertes de gain provenant de la cessation d'un suremploi. »\n\n## Contrôle constitutionnel des dispositions d'ordonnance\n\n**ATF 126 V 48** du 1er janvier 1997 (**ATF 126 V 48 c. 3**)  \nArrêt fondamental sur l'examen constitutionnel des ordonnances non autonomes en droit de l'assurance-chômage.  \nLe Tribunal fédéral a constaté que l'art. 79 al. 1quater RAVS était contraire à la loi et à la constitution dans la mesure où il devait être appliqué par analogie à l'assurance-chômage.\n\n> « L'art. 79 al. 1quater RAVS est contraire à la loi et à la constitution. La nouvelle Constitution fédérale s'applique dans le cadre de l'examen du droit d'ordonnance non autonome aux procédures pendantes même lorsque la décision attaquée a été rendue avant le 1er janvier 2000. »\n\n## Prestations transitoires pour chômeurs âgés (art. 114 al. 5 Cst.)\n\n### Fondement constitutionnel\n\n**ATF 149 V 136** du 25 mai 2023 (**ATF 149 V 136 c. 4.1**)  \nArrêt de principe sur la qualification constitutionnelle des prestations transitoires selon l'art. 114 al. 5 Cst.  \nLes prestations transitoires sont à qualifier de prestations de préretraite, ce qui rend les périodes d'assurance étrangères non imputables.\n\n> « Les prestations transitoires selon la LPtra visent à améliorer la sécurité sociale des chômeurs âgés en fin de droit, ceci en complément aux mesures de la Confédération pour promouvoir l'emploi des travailleurs âgés. Elles sont à qualifier de prestations de préretraite au sens du règlement UE n° 883/2004. »\n\n**ATF 150 V 198** du 1er juillet 2021 (**ATF 150 V 198 c. 7.2.3.5**)  \nPrécision de l'application de la jurisprudence PC aux prestations transitoires.  \nLe Tribunal fédéral a clarifié que la jurisprudence PC est en principe transposable aux prestations transitoires.\n\n> « Eu égard à la volonté claire du législateur d'adopter autant que possible le système des prestations complémentaires, la jurisprudence développée dans ce contexte peut en principe être utilisée pour interpréter les dispositions sur les prestations transitoires. »\n\n### Renonciation à la fortune et rétroactivité impropre\n\n**TF 8C_110/2024** du 25 novembre 2024 (**8C_110/2024 c. 5.7** et **c. 6.6**)  \nArrêt directeur actuel sur l'application temporelle des dispositions de renonciation pour les prestations transitoires.  \nLe Tribunal fédéral a confirmé que les renonciations à la fortune intervenues avant l'entrée en vigueur de la LPtra doivent être prises en compte au sens d'une rétroactivité impropre.\n\n> « La prise en compte des actes de renonciation intervenus avant l'entrée en vigueur de la LPtra le 1er juillet 2021 au sens de l'art. 13 al. 2 LPtra dans le cadre de l'examen du droit à partir du 1er juillet 2021 n'équivaut pas à une rétroactivité propre en principe inadmissible. La LPtra ne s'applique que pour la période postérieure à son entrée en vigueur. »\n\n> « Comme résultat d'interprétation, il ressort que lors de l'examen du seuil de fortune, au sens d'une rétroactivité impropre, doit aussi être imputée la fortune à laquelle la personne concernée a renoncé avant l'entrée en vigueur de la LPtra le 1er juillet 2021. »\n\n## Coordination avec d'autres assurances sociales\n\n### Assurance-accidents des chômeurs\n\n**ATF 127 V 458** du 27 décembre 2001 (**ATF 127 V 458 c. 3**)  \nArrêt de principe sur l'assurance-accidents des chômeurs selon l'ACAC.  \nL'arrêt règle la délimitation des compétences en cas de double assurance entre la couverture ultérieure LAA et la protection d'assurance ACAC.\n\n> « Pour une personne au chômage, il y a double assurance pour les accidents non professionnels lorsqu'elle a un accident après le début de la protection d'assurance selon l'art. 3 al. 1 ACAC, mais avant la fin du délai de couverture ultérieure selon l'art. 3 al. 2 LAA. Dans ce cas, la SUVA est exclusivement compétente pour verser les prestations d'assurance. »\n\n### Prévoyance professionnelle\n\n**ATF 139 V 579** du 12 novembre 2013 (**ATF 139 V 579 c. 5**)  \nArrêt sur la prévoyance professionnelle obligatoire des chômeurs.  \nPrécision de la protection d'assurance en cas d'invalidité après inscription à l'assurance-chômage, mais avant le versement d'indemnités journalières.\n\n> « L'assurée devenue invalide après inscription à l'assurance-chômage, mais encore avant la perception d'indemnités journalières, a droit aux prestations d'invalidité selon la LPP si elle remplissait les conditions pour la perception d'indemnités journalières de chômage au moment de la survenance de l'incapacité de travail. »\n\n## Aspects internationaux\n\n**ATF 149 V 136** du 25 mai 2023 (**ATF 149 V 136 c. 9.6** et **c. 9.7**)  \nDécision sur l'imputation des périodes d'assurance étrangères pour les prestations transitoires.  \nLe Tribunal fédéral a qualifié les prestations transitoires de prestations de préretraite au sens du droit de coordination UE.\n\n> « Les prestations selon la LPtra sont à qualifier de prestations de préretraite au sens de l'art. 1 let. x et de l'art. 3 al. 1 let. i du règlement (CE) n° 883/2004, ce qui a pour conséquence que les périodes d'assurance étrangères ne sont pas imputables pour le calcul de la durée d'assurance minimale de 20 ans. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 114 Cost. risale all'art. 34novies aCostituzione (1976), che costituiva la base costituzionale per la legge sull'assicurazione contro la disoccupazione (LADI) del 25 giugno 1982. La norma costituzionale originale fu accettata il 13 giugno 1976 con il 68,3% di voti favorevoli (FF 1975 II 2147). La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha ripreso la sostanza del vecchio articolo sostanzialmente immutata, ma ha completato nel cpv. 5 la competenza esplicita per l'assistenza ai disoccupati (FF 1997 I 389).\n\n**N. 2** La nascita dell'assicurazione obbligatoria contro la disoccupazione fu una reazione alla crisi economica degli anni '70. In precedenza esistevano solo casse cantonali facoltative e istituzioni assicurative sindacali. L'articolo costituzionale creò per la prima volta una competenza federale completa per un obbligo su scala nazionale (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 8).\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 114 Cost. appartiene alle competenze della Confederazione in materia di assicurazioni sociali (art. 111–114 Cost.). La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 41 cpv. 1 lett. d Cost. (obiettivo sociale della garanzia dell'esistenza in caso di disoccupazione)\n- → Art. 110 Cost. (lavoro e formazione professionale) \n- ↔ Art. 113 Cost. (previdenza professionale): coordinamento nell'assicurazione delle persone disoccupate\n- → Art. 115 Cost. (sostegno ai bisognosi): assistenza sociale sussidiaria dopo la disoccupazione\n\n**N. 4** Contrariamente agli obiettivi sociali, l'art. 114 Cost. stabilisce una competenza legislativa completa con mandato costituzionale. La Confederazione *deve* emanare prescrizioni, non può soltanto (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 14).\n\n## Contenuto normativo\n\n### Competenza legislativa (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il cpv. 1 conferisce alla Confederazione una competenza legislativa completa per l'assicurazione contro la disoccupazione. Questa competenza è vincolante («emana») ed esclusiva — le normative cantonali sono ammissibili solo nel quadro del diritto federale (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 15). La competenza comprende tutti gli aspetti dell'assicurazione: campo di applicazione personale e materiale, prestazioni, finanziamento, organizzazione ed esecuzione.\n\n### Principi costituzionali (cpv. 2)\n\n**N. 6** **Adeguata sostituzione del guadagno (lett. a)**: Il concetto di «adeguato» lascia margine di discrezione al legislatore. Secondo Cardinaux, una quota di sostituzione tra il 60% e l'80% appare conforme alla costituzione (BSK BV, Art. 114 N. 23). La LADI prevede il 70% rispettivamente l'80% (con figli o reddito basso). La **DTF 129 V 105** ha precisato che è dovuta solo la sostituzione per normale attività di dipendente, non per sovroccupazione.\n\n**N. 7** **Prevenzione e lotta (lett. a)**: L'assicurazione non ha solo funzione passiva di sostituzione, ma anche funzione attiva di integrazione. Ciò legittima le misure relative al mercato del lavoro (MML) secondo l'art. 59 segg. LADI. La componente preventiva è equivalente alla funzione di indennizzazione (Leu, Arbeitsmarktliche Massnahmen, pag. 42).\n\n**N. 8** **Obbligo per i lavoratori dipendenti (lett. b)**: L'obbligo comprende tutti i lavoratori dipendenti. Le eccezioni sono costituzionalmente ammissibili («può prevedere») e riguardano ad esempio consiglieri d'amministrazione o familiari collaboratori (art. 2 cpv. 2 LADI). La natura obbligatoria è stata confermata nella **DTF 129 V 105** come principio strutturale centrale.\n\n**N. 9** **Assicurazione volontaria degli indipendenti (lett. c)**: La costituzione esige una possibilità di adesione per i lavoratori indipendenti. La LADI non ha ancora attuato questa opzione — una omissione costituzionale (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 31; Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, N. 2173).\n\n### Finanziamento (cpv. 3 e 4)\n\n**N. 10** **Finanziamento tramite contributi (cpv. 3)**: La ripartizione a metà tra dipendenti e datori di lavoro è costituzionalmente vincolante. La LADI concretizza ciò con l'1,1% ciascuno del guadagno assicurato fino al limite salariale. Deviazioni sono ammissibili solo per redditi più elevati (contributo di solidarietà).\n\n**N. 11** **Situazioni straordinarie (cpv. 4)**: Confederazione e Cantoni devono fornire prestazioni finanziarie in situazioni straordinarie. Secondo Cardinaux, la sola cattiva situazione finanziaria dell'assicurazione non basta; servono fattori esterni come crisi economiche o pandemie (BSK BV, Art. 114 N. 36). La crisi COVID-19 del 2020/21 soddisfaceva chiaramente questo presupposto.\n\n### Assistenza ai disoccupati (cpv. 5)\n\n**N. 12** La competenza per l'assistenza ai disoccupati è facoltativa («può»). È stata utilizzata per la prima volta con la legge sulle prestazioni transitorie (LPTr). Secondo Cardinaux, un'attività della Confederazione è giustificata quando i Cantoni sono sovraccarichi nel sostegno alle persone arrivate a fine diritto (BSK BV, Art. 114 N. 40). Le **DTF 149 V 136** e **DTF 150 V 198** hanno qualificato le prestazioni transitorie come prestazioni di prepensionamento.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** Dall'art. 114 Cost. consegue:\n1. **Obbligo legislativo**: La Confederazione deve istituire un'assicurazione contro la disoccupazione\n2. **Prescrizioni di configurazione**: Adeguata sostituzione del guadagno, misure attive, obbligo per i dipendenti\n3. **Regole di finanziamento**: Ripartizione a metà dei contributi, finanziamento statale sussidiario\n4. **Giustiziabilità**: I principi sono direttamente applicabili nella verifica delle disposizioni LADI\n\n**N. 14** I Cantoni hanno compiti esecutivi (art. 85 LADI), ma nessuna competenza normativa autonoma. Gestiscono i centri regionali per l'impiego (CRI) e gli uffici cantonali.\n\n## Questioni controverse\n\n**N. 15** **Entità dell'adeguata sostituzione del guadagno**: Cardinaux ritiene conforme alla costituzione il 60–80% (BSK BV, Art. 114 N. 23). Mahon aveva sostenuto almeno il 70% come limite minimo (Journée 1996, pag. 45). Gerhards vede nella graduazione secondo gli obblighi familiari una differenziazione socio-politicamente necessaria (Kommentar AVIG, Vol. I, pag. 234).\n\n**N. 16** **Portata dell'obbligo assicurativo**: Le eccezioni dall'obbligo sono controverse. Rubin critica l'ampia eccezione per i consiglieri d'amministrazione come contraria al sistema (Commentaire, Art. 2 N. 15). Nussbaumer la giustifica con la mancanza della qualità di dipendente (Arbeitslosenversicherung, N. 2156).\n\n**N. 17** **Mancante assicurazione degli indipendenti**: La non introduzione dell'assicurazione volontaria per gli indipendenti è valutata diversamente. Locher/Gächter vi vedono un'incostituzionalità per omissione (Grundriss, § 8 N. 45). Cardinaux relativizza: la costituzione obbliga solo alla creazione della possibilità, non a una configurazione attrattiva (BSK BV, Art. 114 N. 32).\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'interpretazione della LADI bisogna sempre risalire alle prescrizioni costituzionali. In particolare l'adeguatezza della sostituzione del guadagno offre margine argomentativo nei casi di rigore.\n\n**N. 19** La mancante assicurazione degli indipendenti può essere problematica nei cambi di statuto. Il lavoro fittizio indipendente deve essere esaminato accuratamente, poiché mette in pericolo la protezione assicurativa.\n\n**N. 20** Le prestazioni transitorie secondo la LPTr sono soggette a regole diverse dall'indennità di disoccupazione. La qualificazione come prestazione di prepensionamento (**DTF 149 V 136**) esclude il computo dei periodi assicurativi esteri — un punto importante nei casi transfrontalieri.\n\n**N. 21** In situazioni economiche straordinarie bisogna verificare tempestivamente l'attivazione dell'art. 114 cpv. 4 Cost. Le misure COVID-19 hanno mostrato l'importanza di questa clausola di salvaguardia per la stabilità del sistema.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Basi costituzionali dell'assicurazione contro la disoccupazione\n\n### Competenza legislativa della Confederazione\n\n**BGE 110 V 252** del 25 settembre 1984  \nConsolidamento della competenza di diritto federale per l'assicurazione contro la disoccupazione.  \nQuesta decisione ha confermato l'ampia competenza legislativa della Confederazione nel settore dell'assicurazione contro la disoccupazione secondo l'art. 114 Cost.\n\n> «L'assicurazione contro la disoccupazione è un'assicurazione sociale per la quale la Confederazione possiede la competenza legislativa secondo l'art. 34quinquies [oggi art. 114] aCost. Questa competenza si estende a tutti gli aspetti essenziali dell'assicurazione.»\n\n### Carattere obbligatorio dell'assicurazione\n\n**BGE 129 V 105** del 1° gennaio 2002 (**BGE 129 V 105 consid. 2**)  \nPrecisazione del principio costituzionale dell'adeguata sostituzione del reddito.  \nLa decisione concretizza la prescrizione costituzionale dell'adeguata sostituzione del reddito nella determinazione del guadagno assicurato.\n\n> «L'assicurazione contro la disoccupazione deve accordare secondo l'art. 114 cpv. 2 lett. a Cost. un'adeguata sostituzione del reddito e offrire protezione assicurativa solo per un'attività di lavoratore dipendente normale e usuale. Pertanto, non deve versare indennizzi per perdite di guadagno derivanti dalla cessazione di un sovraoccupazione.»\n\n## Controllo costituzionale delle disposizioni di ordinanza\n\n**BGE 126 V 48** del 1° gennaio 1997 (**BGE 126 V 48 consid. 3**)  \nDecisione fondamentale sul controllo costituzionale delle ordinanze non autonome nel diritto dell'assicurazione contro la disoccupazione.  \nIl Tribunale federale ha stabilito che l'art. 79 cpv. 1quater OAVS era contrario alla legge e alla Costituzione, nella misura in cui doveva essere applicato per analogia all'assicurazione contro la disoccupazione.\n\n> «L'art. 79 cpv. 1quater OAVS è contrario alla legge e alla Costituzione. La nuova Costituzione federale si applica nel quadro del controllo del diritto di ordinanza non autonomo ai procedimenti pendenti anche quando la decisione impugnata è stata emanata prima del 1° gennaio 2000.»\n\n## Prestazioni transitorie per disoccupati anziani (art. 114 cpv. 5 Cost.)\n\n### Base costituzionale\n\n**BGE 149 V 136** del 25 maggio 2023 (**BGE 149 V 136 consid. 4.1**)  \nDecisione di principio sulla classificazione costituzionale delle prestazioni transitorie secondo l'art. 114 cpv. 5 Cost.  \nLe prestazioni transitorie devono essere qualificate come prestazioni di prepensionamento, motivo per cui i periodi di assicurazione esteri non sono computabili.\n\n> «Le prestazioni transitorie secondo la LPT mirano a migliorare la sicurezza sociale degli anziani che hanno esaurito il diritto all'indennità, ciò in modo complementare alle misure della Confederazione per promuovere l'occupazione dei lavoratori anziani. Esse devono essere qualificate come prestazioni di prepensionamento nel senso del regolamento UE n. 883/2004.»\n\n**BGE 150 V 198** del 1° luglio 2021 (**BGE 150 V 198 consid. 7.2.3.5**)  \nPrecisazione dell'applicazione della giurisprudenza PC alle prestazioni transitorie.  \nIl Tribunale federale ha chiarito che la giurisprudenza PC è fondamentalmente trasferibile alle prestazioni transitorie.\n\n> «In considerazione della chiara volontà del legislatore di riprendere il più possibile il sistema delle prestazioni complementari, la giurisprudenza sviluppata in tale contesto può essere fondamentalmente utilizzata per l'interpretazione delle disposizioni sulle prestazioni transitorie.»\n\n### Rinuncia al patrimonio e retroattività impropria\n\n**BGer 8C_110/2024** del 25 novembre 2024 (**8C_110/2024 consid. 5.7** e **consid. 6.6**)  \nDecisione guida attuale sull'applicazione temporale delle disposizioni sulla rinuncia nelle prestazioni transitorie.  \nIl Tribunale federale ha confermato che anche le rinunce al patrimonio avvenute prima dell'entrata in vigore della LPT devono essere considerate nel senso di una retroattività impropria.\n\n> «La considerazione di atti di rinuncia avvenuti prima dell'entrata in vigore della LPT il 1° luglio 2021 nel senso dell'art. 13 cpv. 2 LPT nel quadro dell'esame del diritto a partire dal 1° luglio 2021 non equivale a una retroattività propria fondamentalmente inammissibile. La LPT si applica unicamente per il tempo successivo alla sua entrata in vigore.»\n\n> «Come risultato interpretativo emerge che nell'esame della soglia patrimoniale, nel senso di una retroattività impropria, deve essere computato anche il patrimonio a cui la persona interessata ha rinunciato prima dell'entrata in vigore della LPT il 1° luglio 2021.»\n\n## Coordinamento con altre assicurazioni sociali\n\n### Assicurazione contro gli infortuni delle persone disoccupate\n\n**BGE 127 V 458** del 27 dicembre 2001 (**BGE 127 V 458 consid. 3**)  \nDecisione di principio sull'assicurazione contro gli infortuni delle persone disoccupate secondo l'OAINF.  \nLa decisione regola la delimitazione delle competenze in caso di doppia assicurazione tra la continuazione della copertura LAINF e la protezione assicurativa OAINF.\n\n> «Per una persona disoccupata sussiste una doppia assicurazione per gli infortuni non professionali quando ha un infortunio dopo l'inizio della protezione assicurativa secondo l'art. 3 cpv. 1 OAINF, ma prima della fine del termine di continuazione della copertura secondo l'art. 3 cpv. 2 LAINF. In questo caso è esclusivamente la SUVA ad essere competente per il versamento delle prestazioni assicurative.»\n\n### Previdenza professionale\n\n**BGE 139 V 579** del 12 novembre 2013 (**BGE 139 V 579 consid. 5**)  \nDecisione sulla previdenza professionale obbligatoria delle persone disoccupate.  \nPrecisazione della protezione assicurativa in caso di invalidità dopo l'annuncio alla disoccupazione, ma prima del percepimento dell'indennità giornaliera.\n\n> «L'assicurata divenuta invalida dopo l'annuncio all'assicurazione contro la disoccupazione, ma ancora prima del percepimento di indennità giornaliere, ha diritto a prestazioni d'invalidità secondo la LPP se al momento dell'insorgere dell'incapacità al lavoro adempiva le condizioni per il percepimento di indennità giornaliere di disoccupazione.»\n\n## Aspetti internazionali\n\n**BGE 149 V 136** del 25 maggio 2023 (**BGE 149 V 136 consid. 9.6** e **consid. 9.7**)  \nDecisione sul computo dei periodi di assicurazione esteri nelle prestazioni transitorie.  \nIl Tribunale federale ha qualificato le prestazioni transitorie come prestazioni di prepensionamento nel senso del diritto di coordinamento UE.\n\n> «Le prestazioni secondo la LPT devono essere qualificate come prestazioni di prepensionamento nel senso dell'art. 1 lett. x e art. 3 cpv. 1 lett. i del regolamento (CE) n. 883/2004, il che ha per conseguenza che i periodi di assicurazione esteri non sono da computare per il calcolo della durata minima di assicurazione di 20 anni.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 114 Cst. traces back to Art. 34novies aaCst. (1976), which formed the constitutional basis for the Unemployment Insurance Act (UIA) of 25 June 1982. The original constitutional provision was adopted on 13 June 1976 with 68.3% of votes in favour (BBl 1975 II 2147). The total revision of the Federal Constitution in 1999 largely adopted the substance of the old article unchanged, but added in para. 5 the explicit authority for unemployment assistance (BBl 1997 I 389).\n\n**N. 2** The creation of compulsory unemployment insurance was a response to the economic crisis of the 1970s. Previously, only voluntary cantonal funds and trade union insurance institutions existed. The constitutional article created for the first time comprehensive federal authority for a nationwide compulsory system (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 8).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 114 Cst. belongs to the federal social insurance authorities (Art. 111–114 Cst.). The provision is closely connected with:\n- → Art. 41 para. 1 lit. d Cst. (social objective of securing subsistence in case of unemployment)\n- → Art. 110 Cst. (work and vocational education) \n- ↔ Art. 113 Cst. (occupational pension provision): coordination in the insurance of unemployed persons\n- → Art. 115 Cst. (assistance to persons in need): subsidiary social assistance after exhaustion of benefits\n\n**N. 4** Unlike social objectives, Art. 114 Cst. establishes comprehensive legislative authority with a constitutional mandate. The Confederation *must* enact regulations, not merely may (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 14).\n\n## Content of the Provision\n\n### Legislative Authority (para. 1)\n\n**N. 5** Para. 1 grants the Confederation comprehensive legislative authority for unemployment insurance. This authority is mandatory («shall enact») and exclusive — cantonal regulations are only permissible within the framework of federal law (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 15). The authority encompasses all aspects of insurance: personal and material scope, benefits, financing, organisation and implementation.\n\n### Constitutional Principles (para. 2)\n\n**N. 6** **Appropriate compensation for loss of earnings (lit. a)**: The term «appropriate» gives the legislator discretion. According to Cardinaux, a replacement rate between 60% and 80% appears constitutionally compliant (BSK BV, Art. 114 N. 23). The UIA provides for 70% or 80% (with children or low income). **BGE 129 V 105** clarified that only compensation for normal employee activity is owed, not for overemployment.\n\n**N. 7** **Prevention and combating (lit. a)**: The insurance has not only a passive replacement function, but also an active integration function. This legitimises the labour market measures (LMM) according to Art. 59ff. UIA. The preventive component is equivalent to the compensation function (Leu, Arbeitsmarktliche Massnahmen, p. 42).\n\n**N. 8** **Compulsory insurance for employees (lit. b)**: Compulsory insurance covers all employed persons. Exceptions are constitutionally permissible («may provide») and concern, for example, members of boards of directors or family members working in the business (Art. 2 para. 2 UIA). The compulsory nature was confirmed in **BGE 129 V 105** as a central structural principle.\n\n**N. 9** **Voluntary insurance for self-employed persons (lit. c)**: The Constitution requires the possibility for self-employed persons to join. The UIA has not implemented this option to date — a constitutional omission (Cardinaux, BSK BV, Art. 114 N. 31; Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, N. 2173).\n\n### Financing (para. 3 and 4)\n\n**N. 10** **Contribution financing (para. 3)**: The equal division between employees and employers is constitutionally mandatory. The UIA implements this with 1.1% each of insured earnings up to the wage ceiling. Deviations are only permissible for higher incomes (solidarity contribution).\n\n**N. 11** **Extraordinary circumstances (para. 4)**: The Confederation and cantons must provide financial benefits in extraordinary circumstances. According to Cardinaux, the poor financial situation of the insurance alone does not suffice; external factors such as economic crises or pandemics are required (BSK BV, Art. 114 N. 36). The COVID-19 crisis of 2020/21 clearly met this requirement.\n\n### Unemployment Assistance (para. 5)\n\n**N. 12** The authority for unemployment assistance is optional («may»). It was used for the first time with the Bridging Benefits Act (BBA). According to Cardinaux, federal action is justified when the cantons are overwhelmed with supporting those who have exhausted their benefits (BSK BV, Art. 114 N. 40). **BGE 149 V 136** and **BGE 150 V 198** have qualified bridging benefits as early retirement benefits.\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 13** From Art. 114 Cst. follows:\n1. **Legislative duty**: The Confederation must establish unemployment insurance\n2. **Design requirements**: Appropriate compensation for loss of earnings, active measures, employee compulsory insurance\n3. **Financing rules**: Equal contribution sharing, subsidiary state financing\n4. **Justiciability**: The principles are directly applicable in reviewing UIA provisions\n\n**N. 14** The cantons have enforcement tasks (Art. 85 UIA), but no independent regulatory authority. They operate the regional employment centres (RAV) and the cantonal offices.\n\n## Controversies\n\n**N. 15** **Level of appropriate compensation for loss of earnings**: Cardinaux considers 60–80% constitutionally compliant (BSK BV, Art. 114 N. 23). Mahon advocated for at least 70% as a lower limit (Journée 1996, p. 45). Gerhards sees the graduation according to family obligations as a socio-politically necessary differentiation (Kommentar AVIG, Vol. I, p. 234).\n\n**N. 16** **Scope of compulsory insurance**: The exceptions from compulsory insurance are disputed. Rubin criticises the broad exception for members of boards of directors as contrary to the system (Commentaire, Art. 2 N. 15). Nussbaumer justifies it with the lack of employee status (Arbeitslosenversicherung, N. 2156).\n\n**N. 17** **Missing self-employed insurance**: The non-introduction of voluntary insurance for self-employed persons is assessed differently. Locher/Gächter see this as unconstitutionality by omission (Grundriss, § 8 N. 45). Cardinaux puts this in perspective: The Constitution only obligates the creation of the possibility, not attractive design (BSK BV, Art. 114 N. 32).\n\n## Practice Notes\n\n**N. 18** In interpreting the UIA, constitutional requirements must always be referred to. In particular, the appropriateness of compensation for loss of earnings offers argumentative scope in cases of hardship.\n\n**N. 19** The missing self-employed insurance can be problematic in status changes. Sham self-employment must be carefully examined as it endangers insurance protection.\n\n**N. 20** Bridging benefits under the BBA are subject to different rules than unemployment compensation. The qualification as early retirement benefits (**BGE 149 V 136**) excludes the crediting of foreign insurance periods — an important point in cross-border cases.\n\n**N. 21** In extraordinary economic situations, the activation of Art. 114 para. 4 Cst. should be examined early. The COVID-19 measures showed the importance of this safety net clause for system stability.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Constitutional Foundations of Unemployment Insurance\n\n### Federal Legislative Competence\n\n**BGE 110 V 252** of 25 September 1984  \nConsolidation of federal competence for unemployment insurance.  \nThis decision confirmed the comprehensive legislative competence of the Confederation in the field of unemployment insurance under Art. 114 Cst.\n\n> \"Unemployment insurance is a social insurance for which the Confederation has legislative competence under Art. 34quinquies [now Art. 114] of the old Constitution. This competence extends to all essential aspects of the insurance.\"\n\n### Compulsory Nature of the Insurance\n\n**BGE 129 V 105** of 1 January 2002 (**BGE 129 V 105 para. 2**)  \nSpecification of the constitutional principle of appropriate earnings replacement.  \nThe decision concretises the constitutional requirement of appropriate earnings replacement in determining insured earnings.\n\n> \"Unemployment insurance shall, according to Art. 114 para. 2 lit. a Cst., provide appropriate earnings replacement and only offer insurance coverage for normal customary employment activities. Therefore, it shall not provide compensation for loss of earnings resulting from the loss of overemployment.\"\n\n## Constitutional Review of Ordinance Provisions\n\n**BGE 126 V 48** of 1 January 1997 (**BGE 126 V 48 para. 3**)  \nFundamental decision on the constitutional review of dependent ordinances in unemployment insurance law.  \nThe Federal Supreme Court found that Art. 79 para. 1quater OASI Ordinance was unlawful and unconstitutional insofar as it should be applied by analogy to unemployment insurance.\n\n> \"Art. 79 para. 1quater OASI Ordinance is unlawful and unconstitutional. The new Federal Constitution applies in the context of reviewing dependent ordinance law to pending proceedings even when the contested decision was rendered before 1 January 2000.\"\n\n## Bridging Benefits for Older Unemployed Persons (Art. 114 para. 5 Cst.)\n\n### Constitutional Foundation\n\n**BGE 149 V 136** of 25 May 2023 (**BGE 149 V 136 para. 4.1**)  \nLandmark decision on the constitutional classification of bridging benefits under Art. 114 para. 5 Cst.  \nBridging benefits are to be qualified as early retirement benefits, whereby foreign insurance periods are not creditable.\n\n> \"Bridging benefits under the Bridging Benefits Act aim to improve the social security of older persons whose unemployment benefits have expired, as a complement to Confederation measures to promote employment of older workers. They are to be qualified as early retirement benefits within the meaning of EU Regulation No 883/2004.\"\n\n**BGE 150 V 198** of 1 July 2021 (**BGE 150 V 198 para. 7.2.3.5**)  \nSpecification of the application of supplementary benefits case law to bridging benefits.  \nThe Federal Supreme Court clarified that supplementary benefits case law is generally transferable to bridging benefits.\n\n> \"In view of the legislature's clear intention to adopt the supplementary benefits system as far as possible, the case law developed in this context can generally be used to interpret the provisions on bridging benefits.\"\n\n### Waiver of Assets and Quasi-Retroactive Effect\n\n**Federal Supreme Court 8C_110/2024** of 25 November 2024 (**8C_110/2024 para. 5.7** and **para. 6.6**)  \nCurrent leading decision on the temporal application of waiver provisions for bridging benefits.  \nThe Federal Supreme Court confirmed that asset waivers made before the Bridging Benefits Act entered into force are to be considered in the sense of a quasi-retroactive effect.\n\n> \"Consideration of waiver acts within the meaning of Art. 13 para. 2 Bridging Benefits Act that occurred before the Bridging Benefits Act entered into force on 1 July 2021 in the context of entitlement examination from 1 July 2021 does not constitute fundamentally inadmissible true retroactive effect. The Bridging Benefits Act applies only to the period after its entry into force.\"\n\n> \"As an interpretive result, when examining the asset threshold in the sense of a quasi-retroactive effect, assets must also be counted on which the person concerned waived before the Bridging Benefits Act entered into force on 1 July 2021.\"\n\n## Coordination with Other Social Insurances\n\n### Accident Insurance for Unemployed Persons\n\n**BGE 127 V 458** of 27 December 2001 (**BGE 127 V 458 para. 3**)  \nLandmark decision on accident insurance for unemployed persons under AUIA.  \nThe decision regulates the demarcation of competence in cases of double insurance between UIA continued coverage and AUIA insurance coverage.\n\n> \"For an unemployed person, there is double insurance for non-occupational accidents if they have an accident after the start of insurance coverage according to Art. 3 para. 1 AUIA, but before the end of the continued coverage period according to Art. 3 para. 2 UIA. In this case, SUVA is exclusively responsible for providing insurance benefits.\"\n\n### Occupational Pension Scheme\n\n**BGE 139 V 579** of 12 November 2013 (**BGE 139 V 579 para. 5**)  \nDecision on compulsory occupational pension scheme for unemployed persons.  \nSpecification of insurance coverage for disability after registration for unemployment but before receiving daily allowances.\n\n> \"The insured person who becomes disabled after registration with unemployment insurance but before receiving daily allowances is entitled to disability benefits under the OPS if they met the requirements for receiving unemployment daily allowances at the time of the onset of incapacity for work.\"\n\n## International Aspects\n\n**BGE 149 V 136** of 25 May 2023 (**BGE 149 V 136 para. 9.6** and **para. 9.7**)  \nDecision on crediting foreign insurance periods for bridging benefits.  \nThe Federal Supreme Court qualified bridging benefits as early retirement benefits within the meaning of EU coordination law.\n\n> \"Benefits under the Bridging Benefits Act are to be qualified as early retirement benefits within the meaning of Art. 1 lit. x and Art. 3 para. 1 lit. i of Regulation (EC) No 883/2004, which has the consequence that foreign insurance periods are not creditable for calculating the minimum insurance period of 20 years.\"", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_114", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 115, "article_suffix": "", "title": "Unterstützung Bedürftiger", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 115 — Unterstützung Bedürftiger\n\n## Übersicht\n\nArt. 115 BV regelt, welcher Kanton für die Unterstützung bedürftiger Personen zuständig ist. Der erste Satz legt fest, dass bedürftige Menschen von ihrem Wohnkanton Hilfe erhalten. Der zweite Satz gibt dem Bund die Kompetenz, Ausnahmen und Zuständigkeiten genauer zu regeln.\n\n**Bedürftigkeit** liegt vor, wenn eine Person ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten kann. Dies umfasst sowohl wirtschaftliche Sozialhilfe (Geld für Wohnung, Essen, Kleidung) als auch persönliche Hilfe (Betreuung, Pflege). Der **Wohnkanton** ist nicht immer der Kanton, wo jemand offiziell wohnt. Das Bundesgesetz ZUG regelt, wann ein sogenannter «Unterstützungswohnsitz» entsteht.\n\nDer Wohnkanton muss bedürftige Personen unterstützen und die Kosten tragen. Er kann sich dieser Pflicht nicht entziehen. Andere Kantone sind grundsätzlich nicht zuständig, auch wenn jemand dort vorübergehend wohnt. Der Bund regelt Sonderfälle, etwa bei Asylsuchenden, Auslandschweizern oder bei Heimplatzierungen in anderen Kantonen.\n\n**Beispiel**: Eine Familie zieht von Basel nach Zürich. Nach drei Monaten wird der Vater arbeitslos und die Familie braucht Sozialhilfe. Zürich ist als neuer Wohnkanton zuständig und muss die Familie unterstützen. Basel muss nichts bezahlen.\n\nDie Bestimmung ist eine reine Zuständigkeitsregel zwischen den Kantonen. Sie begründet keinen direkten Anspruch auf bestimmte Leistungen. Wie viel Sozialhilfe jemand erhält, bestimmt das kantonale Recht. Die Grundversorgung in Notlagen ist jedoch durch Art. 12 BV garantiert.\n\nArt. 115 BV verhindert, dass bedürftige Menschen zwischen den Kantonen «hin und her geschoben» werden. Jeder Kanton weiss klar, wann er zuständig ist. Dies schützt sowohl die betroffenen Personen als auch die Kantone vor unklaren Kostenverteilungen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 115 BV hat seine Wurzeln in der Bundesverfassung von 1874, namentlich in Art. 45 Abs. 3 aBV (Verbot der Heimschaffung von unterstützungsbedürftigen Schweizer Bürgern) und Art. 48 aBV (Unterstützung durch den Wohnkanton). Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 355) hält fest, dass die Bestimmung die bewährte interkantonale Zuständigkeitsregelung in modernisierter Form fortführt, ohne am Grundprinzip der wohnörtlichen Unterstützung zu rütteln.\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wollte mit Art. 115 BV bewusst eine schlanke Kompetenz- und Kollisionsnorm schaffen, welche die Grundzuständigkeit der Wohnkantone festschreibt und dem Bund die Regelung von Ausnahmen und Zuständigkeitsfragen überlässt. Gächter/Filippo betonen, dass die historische Entwicklung vom Heimatprinzip zum Wohnortsprinzip damit ihren verfassungsrechtlichen Abschluss gefunden hat (BSK BV, Art. 115 N. 1-8).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 115 BV steht systematisch im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 5. Kapitel (Mitwirkung der Kantone an der Willensbildung des Bundes), 2. Abschnitt (Zuständigkeiten). Die Platzierung unterstreicht den primär kompetenzrechtlichen Charakter der Norm. Sie ist keine Grundrechtsnorm und begründet — im Gegensatz zu → Art. 12 BV — keine individuellen Leistungsansprüche.\n\n**N. 4** Die enge Verbindung zu → Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen) ist dennoch offensichtlich: Während Art. 12 BV das «Ob» und das «Was» der Unterstützung regelt, bestimmt Art. 115 BV das «Wer» der Zuständigkeit. Weitere wichtige Querverweise bestehen zu → Art. 41 Abs. 1 lit. a BV (Sozialziel der sozialen Sicherheit), → Art. 112 ff. BV (Sozialversicherungen) und → Art. 121 Abs. 1 BV (Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Bedürftigkeit** ist der zentrale Tatbestand des Art. 115 Satz 1 BV. Gächter/Filippo definieren Bedürftigkeit als Zustand, in dem eine Person ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln bestreiten kann (BSK BV, Art. 115 N. 16-20). Die konkrete Ausgestaltung des Bedürftigkeitsbegriffs obliegt dem kantonalen Recht, wobei die Grenze bei Art. 12 BV liegt. Wizent präzisiert, dass Bedürftigkeit sowohl die wirtschaftliche als auch die persönliche Sozialhilfe umfasst (Wizent, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, 2014, 45 ff.).\n\n**N. 6** Der **Wohnkanton** im Sinne von Art. 115 Satz 1 BV wird durch das Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (ZUG) näher bestimmt. Gächter/Filippo weisen darauf hin, dass der verfassungsrechtliche Begriff des Wohnkantons nicht mit dem zivilrechtlichen Wohnsitzbegriff nach Art. 23 ff. ZGB gleichzusetzen ist (BSK BV, Art. 115 N. 21-23). Vielmehr entwickelt das ZUG eigenständige Anknüpfungspunkte, insbesondere den Unterstützungswohnsitz gemäss Art. 4 ff. ZUG.\n\n**N. 7** Die **Bundeskompetenz** nach Art. 115 Satz 2 BV charakterisiert Biaggini als ausschliessliche Bundeskompetenz (BSK BV, Art. 115 N. 14, zitiert nach Biaggini). Der Bund kann demnach sowohl Ausnahmen vom Wohnortsprinzip (etwa für Auslandschweizer oder Asylsuchende) als auch die interkantonale Zuständigkeitsabgrenzung abschliessend regeln. Gächter/Filippo präzisieren, dass diese Kompetenz primär durch das ZUG und spezialgesetzliche Regelungen (AsylG, AVIG) wahrgenommen wird (BSK BV, Art. 115 N. 9-15).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 115 BV begründet eine **objektiv-rechtliche Zuständigkeitspflicht** der Kantone. Der zuständige Wohnkanton kann sich seiner Unterstützungspflicht nicht entziehen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Pflicht ist jedoch nicht unmittelbar justiziabel — bedürftige Personen können gestützt auf Art. 115 BV allein keine Leistungsansprüche geltend machen (**BGE 148 V 114** E. 5.2).\n\n**N. 9** Die **interkantonale Kostenverteilung** richtet sich nach dem Territorialitätsprinzip: Der Wohnkanton trägt grundsätzlich die vollen Kosten der Unterstützung. Ausnahmen bestehen bei vorübergehenden Aufenthalten (Spitalaufenthalte, Heimunterbringungen) gemäss den Regelungen des ZUG und interkantonaler Vereinbarungen wie der IVSE. Anderer betont die praktische Bedeutung dieser Vereinbarungen für die Kostenaufteilung bei ausserkantonalen Platzierungen (Anderer, in: Häfeli, Das schweizerische Sozialhilferecht, 2008, 201 ff.).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Umfang der Bundeskompetenz**: Während Biaggini die Bundeskompetenz nach Art. 115 Satz 2 BV als ausschliesslich charakterisiert (BSK BV, Art. 115 N. 14), vertreten andere Autoren eine differenziertere Sicht. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr sehen Raum für ergänzende kantonale Regelungen, solange diese nicht mit dem bundesrechtlichen Zuständigkeitssystem kollidieren (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1845). Gächter/Filippo nehmen eine vermittelnde Position ein und betonen, dass die Kantone im Rahmen ihrer Organisationsautonomie durchaus Detailregelungen treffen können (BSK BV, Art. 115 N. 15).\n\n**N. 11** **Verhältnis zu den Sozialzielen**: Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis von Art. 115 BV zu → Art. 41 BV. Während Schmid Art. 115 BV als reine Zuständigkeitsnorm ohne materiellen Gehalt versteht (Schmid, in: FS Murer, 2010, 757 ff.), sehen Gächter/Filippo in der Norm auch eine implizite Verpflichtung zur Existenzsicherung, die über die Nothilfe nach Art. 12 BV hinausgeht (BSK BV, Art. 115 N. 24-25). Gysin vermittelt, indem sie Art. 115 BV als kompetenzrechtliche Konkretisierung der Sozialziele interpretiert (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums, 1999, 89 ff.).\n\n**N. 12** **Bundesrahmengesetz**: Seit Jahren wird die Schaffung eines Bundesrahmengesetzes zur Sozialhilfe diskutiert. Coullery plädiert für eine massvolle bundesrechtliche Harmonisierung der kantonalen Sozialhilfestandards (ZeSo 2/2009, 24-25). Wolffers lehnt dies ab und betont die verfassungsrechtlich verankerte kantonale Zuständigkeit (Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2. Aufl. 1999, 45). Die SKOS-Richtlinien haben sich als faktischer, aber rechtlich unverbindlicher Standard etabliert, wie Hänzi analysiert (Hänzi, Die Richtlinien der SKOS, 2011, 125 ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** **Wohnsitzabklärungen** sind in der Praxis oft komplex. Bei unklaren Verhältnissen empfiehlt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit anderen potenziell zuständigen Kantonen. Das Verfahren nach Art. 28 ZUG (Feststellungsklage beim Bundesgericht) sollte nur als ultima ratio eingesetzt werden. Thomet weist auf die praktischen Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Unterstützungswohnsitzes hin, insbesondere bei Personen ohne festen Wohnsitz (Thomet, Kommentar ZUG, 2. Aufl. 1994, Art. 4 N. 15 ff.).\n\n**N. 14** **Interkantonale Koordination** erfolgt primär über die IVSE und bilaterale Vereinbarungen. Rüegg empfiehlt eine proaktive Zusammenarbeit der kantonalen Sozialdienste, um Zuständigkeitskonflikte zu vermeiden (Rüegg, in: Häfeli, 2008, 323 ff.). Bei Heimplatzierungen ist die frühzeitige Klärung der Kostengutsprache essentiell — nachträgliche Kostenübernahmen sind die Ausnahme (**BGE 143 V 451** E. 3.2).\n\n**N. 15** **Ausländerrechtliche Aspekte** sind besonders zu beachten: Sozialhilfebezug kann ausländerrechtliche Konsequenzen haben (Widerruf der Aufenthaltsbewilligung, Nichtverlängerung). Die Sozialbehörden müssen die Migrationsämter über substantiellen Sozialhilfebezug informieren. Gleichzeitig darf die Furcht vor ausländerrechtlichen Konsequenzen nicht dazu führen, dass Personen in Notlagen keine Hilfe erhalten — der Anspruch nach Art. 12 BV ist unabhängig vom Aufenthaltsstatus (**BGE 130 I 82** E. 3.3).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### I. Grundsatz der wohnkantonalen Unterstützung\n\n**BGE 149 V 156** vom 1. März 2023  \nGrundsatz der wohnkantonalen Unterstützung nach Art. 115 BV und dessen Ausführung im ZUG.\nDas Bundesgericht bestätigt die verfassungsrechtliche Verankerung der interkantonalen Zuständigkeitsverteilung in der Sozialhilfe.\n\n> «Bedürftige werden von ihrem Wohnkanton unterstützt (Art. 115 Satz 1 BV). Der Bund regelt die Ausnahmen und Zuständigkeiten (Art. 115 Satz 2 BV). Das Bundesgesetz vom 24. Juni 1977 über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz, ZUG; SR 851.1) präzisiert in dem durch die Verfassung vorgegebenen Rahmen, welcher Kanton für die Fürsorge zuständig ist.»\n\n**BGE 149 V 240** vom 5. Oktober 2023  \nVerhältnis zwischen Art. 115 BV und der bundesgesetzlichen Präzisierung der Unterstützungszuständigkeit.\nDie Verfassungsnorm bedarf zwingend der gesetzlichen Ausführung durch das ZUG.\n\n> «Bedürftige werden von ihrem Wohnkanton unterstützt (Art. 115 BV). Der Bund regelt die Ausnahmen und Zuständigkeiten (Art. 115 Satz 2 BV). Das Bundesgesetz vom 24. Juni 1977 über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz, ZUG; SR 851.1) präzisiert in dem durch die Verfassung vorgegebenen Rahmen, welcher Kanton für die Fürsorge zuständig ist.»\n\n### II. Verhältnis zu Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen)\n\n**BGE 130 I 82** vom 19. Februar 2004  \nAbgrenzung zwischen kantonaler Sozialhilfe nach Art. 115 BV und bundesrechtlich garantierter Nothilfe nach Art. 12 BV.\nArt. 115 BV regelt die Zuständigkeitsverteilung, während Art. 12 BV den Leistungsanspruch begründet.\n\n> «Die Kantone sind frei, zusätzliche Vorschriften im Dienste der Missbrauchsbekämpfung zu erlassen [...]. Die mit der Änderung des zürcherischen Sozialhilfegesetzes getroffene Regelung der Asylfürsorge verletzt den Grundsatz der derogatorischen Kraft des Bundesrechts nicht.»\n\n### III. Bundesrechtliche Kompetenzabgrenzung\n\n**BGE 148 V 114** vom 24. November 2021  \nKantonale Kompetenz in der wirtschaftlichen Sozialhilfe und verfassungsrechtliche Grenzen.\nArt. 115 BV begründet grundsätzlich kantonale Zuständigkeit mit begrenzten bundesrechtlichen Vorgaben.\n\n> «Der streitbetroffene Bereich der wirtschaftlichen Sozialhilfe fällt mangels verfassungsrechtlicher Bundeskompetenz (jenseits der Kollisionsregel in Art. 115 BV) in die Zuständigkeit der Kantone.»\n\n### IV. Unterstützung von Auslandschweizern\n\n**BGE 138 V 445** vom 17. September 2012  \nSonderregelung für heimkehrende Auslandschweizer als Ausnahme vom Grundsatz des Art. 115 BV.\nDie Bundesregelung stellt eine eng auszulegende Sonderregelung gegenüber dem allgemeinen Wohnsitzprinzip dar.\n\n> «Damit stelle sie eine Sonderregelung gegenüber dem in Art. 115 BV verankerten Grundsatz der Unterstützung Bedürftiger durch den Wohnkanton dar und sei folglich eng auszulegen.»\n\n### V. Interkantonale Vereinbarungen und Institutionen\n\n**BGE 143 V 451** vom 21. November 2017  \nAnwendung von Art. 115 BV bei interkantonalen Vereinbarungen über Sozialinstitutionen.\nInterkantonale Vereinbarungen ändern nichts am Grundprinzip der wohnkantonalen Unterstützung.\n\n> «Wird in einer interkantonalen Vereinbarung die Anwendung von Bundesrecht vorgesehen, handelt es sich beim verwiesenen Recht um (inter-)kantonales Recht im Sinne von Art. 48 Abs. 3 und Art. 49 Abs. 1 BV.»\n\n### VI. Unterstützungswohnsitz und Familienpflege\n\n**BGE 150 V 297** vom 22. Mai 2024  \nBegründung des Unterstützungswohnsitzes bei volljährigen Personen in Familienpflege.\nSelbständig abgeschlossene Betreuungsverträge ändern nichts am Grundsatz des Art. 115 BV.\n\n> «Schliesst eine volljährige Person selbstständig einen Betreuungsvertrag ab, steht dies der Begründung eines Unterstützungswohnsitzes am Ort ihres Aufenthaltes nicht entgegen, da es am Erfordernis der behördlichen Unterbringung in Familienpflege gemäss Art. 5 ZUG fehlt.»\n\n### VII. Kantonale Sozialhilfe und Bundesrecht\n\n**Urteil 8C_758/2015** vom 29. Oktober 2015  \nArt. 115 BV begründet keinen subjektiven bundesrechtlichen Anspruch auf bestimmte Sozialhilfeleistungen.\nDie Verfassungsnorm ist primär eine Zuständigkeitsregel, nicht eine Leistungsnorm.\n\n> «Ein subjektiver (bundesrechtlicher) Anspruch auf bestimmte Sozialhilfeleistungen liesse sich daraus ohnehin nicht ableiten.»\n\n### VIII. Aktuelle Entwicklungen und Rechtssicherheit\n\n**Verwaltungsgericht St. Gallen B 2015/60** vom 27. September 2016  \nAnwendung des Art. 115 BV bei Leistungskürzungen und Sanktionen.\nDie Verfassungsnorm setzt der kantonalen Gestaltungsfreiheit gewisse Grenzen.\n\n> «Der Beschwerdeführer versuchte mittels eines offensichtlich gefälschten Dokuments und falscher Angaben situationsbedingte Leistungen zu erwirken. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz liegt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vor.»\n\n**Verwaltungsgericht St. Gallen B 2019/53** vom 24. Januar 2020  \nOrtsanwesenheitspflicht und Ferienaufenthalte im Ausland als Grenze der wohnkantonalen Unterstützung.\nArt. 115 BV verankert eine Kollisionsregel für die interkantonale Zuständigkeit.\n\n> «Nach Art. 115 BV werden Bedürftige von ihrem Wohnkanton unterstützt. Der Bund regelt die Ausnahmen und Zuständigkeiten. Art. 115 BV verankert in Satz 1 eine Kollisionsregel, welche die interkantonale Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger bestimmt.»", "summary_fr": "# Art. 115 — Assistance aux personnes dans le besoin\n\n## Aperçu\n\nL'art. 115 Cst. règle quel canton est compétent pour l'assistance aux personnes dans le besoin. La première phrase établit que les personnes nécessiteuses reçoivent de l'aide de leur canton de domicile. La deuxième phrase donne à la Confédération la compétence de régler plus précisément les exceptions et les compétences.\n\nLa **nécessité** existe lorsqu'une personne ne peut subvenir à ses besoins vitaux par ses propres moyens. Cela comprend tant l'aide sociale économique (argent pour le logement, la nourriture, les vêtements) que l'aide personnelle (encadrement, soins). Le **canton de domicile** n'est pas toujours le canton où quelqu'un réside officiellement. La loi fédérale ZUG règle quand naît un « domicile de secours ».\n\nLe canton de domicile doit soutenir les personnes dans le besoin et supporter les coûts. Il ne peut se soustraire à cette obligation. D'autres cantons ne sont en principe pas compétents, même si quelqu'un y réside temporairement. La Confédération règle les cas particuliers, notamment pour les requérants d'asile, les Suisses de l'étranger ou lors de placements en établissements dans d'autres cantons.\n\n**Exemple** : Une famille déménage de Bâle à Zurich. Après trois mois, le père perd son emploi et la famille a besoin de l'aide sociale. Zurich est compétent comme nouveau canton de domicile et doit soutenir la famille. Bâle n'a rien à payer.\n\nCette disposition est une pure règle de compétence entre les cantons. Elle ne fonde aucun droit direct à des prestations déterminées. Le montant de l'aide sociale que reçoit une personne est déterminé par le droit cantonal. L'aide d'urgence dans les situations de détresse est cependant garantie par l'art. 12 Cst.\n\nL'art. 115 Cst. empêche que les personnes dans le besoin soient « ballottées » entre les cantons. Chaque canton sait clairement quand il est compétent. Cela protège tant les personnes concernées que les cantons contre des répartitions de coûts peu claires.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 115 Cst trouve ses racines dans la Constitution fédérale de 1874, notamment dans l'art. 45 al. 3 aCst (interdiction de refoulement de citoyens suisses nécessiteux vers leur commune d'origine) et l'art. 48 aCst (assistance par le canton de domicile). Le Message sur une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 355) précise que la disposition perpétue sous une forme modernisée la réglementation intercantonale éprouvée en matière de compétences, sans remettre en question le principe fondamental de l'assistance par le lieu de domicile.\n\n**N. 2** Le constituant a voulu créer consciemment avec l'art. 115 Cst une norme de compétence et de collision concise, qui consacre la compétence de principe des cantons de domicile et laisse à la Confédération le soin de régler les exceptions et les questions de compétence. Gächter/Filippo soulignent que l'évolution historique du principe du lieu d'origine vers le principe du lieu de domicile a ainsi trouvé son aboutissement constitutionnel (BSK BV, art. 115 N 1-8).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 115 Cst se situe systématiquement dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 5e chapitre (Participation des cantons à la formation de la volonté fédérale), 2e section (Compétences). Ce positionnement souligne le caractère principalement compétentiel de la norme. Elle n'est pas une norme de droits fondamentaux et ne fonde — contrairement à → l'art. 12 Cst — aucune prétention individuelle à des prestations.\n\n**N. 4** Le lien étroit avec → l'art. 12 Cst (droit d'être secouru dans des situations de détresse) est néanmoins évident : tandis que l'art. 12 Cst règle le « si » et le « quoi » de l'assistance, l'art. 115 Cst détermine le « qui » de la compétence. D'autres renvois importants existent vers → l'art. 41 al. 1 let. a Cst (objectif social de la sécurité sociale), → l'art. 112 ss Cst (assurances sociales) et → l'art. 121 al. 1 Cst (séjour des étrangers).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** L'**indigence** est l'élément constitutif central de l'art. 115 1ère phrase Cst. Gächter/Filippo définissent l'indigence comme un état dans lequel une personne ne peut assurer sa subsistance ou ne peut l'assurer à temps avec ses propres moyens (BSK BV, art. 115 N 16-20). La conception concrète de la notion d'indigence relève du droit cantonal, la limite se situant à l'art. 12 Cst. Wizent précise que l'indigence englobe tant l'aide sociale économique que personnelle (Wizent, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, 2014, 45 ss).\n\n**N. 6** Le **canton de domicile** au sens de l'art. 115 1ère phrase Cst est déterminé plus précisément par la loi fédérale sur la compétence en matière d'assistance (LComp). Gächter/Filippo soulignent que la notion constitutionnelle de canton de domicile n'est pas équivalente à la notion civiliste de domicile selon l'art. 23 ss CC (BSK BV, art. 115 N 21-23). La LComp développe plutôt ses propres points de rattachement, notamment le domicile de secours selon l'art. 4 ss LComp.\n\n**N. 7** La **compétence fédérale** selon l'art. 115 2e phrase Cst est caractérisée par Biaggini comme une compétence fédérale exclusive (BSK BV, art. 115 N 14, cité d'après Biaggini). La Confédération peut ainsi régler de manière définitive tant les exceptions au principe du lieu de domicile (par exemple pour les Suisses de l'étranger ou les requérants d'asile) que la délimitation des compétences intercantonales. Gächter/Filippo précisent que cette compétence s'exerce principalement par la LComp et des réglementations législatives spéciales (LAsi, LACI) (BSK BV, art. 115 N 9-15).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** L'art. 115 Cst fonde une **obligation de compétence de droit objectif** des cantons. Le canton de domicile compétent ne peut se soustraire à son obligation d'assistance dès que les conditions sont remplies. Cette obligation n'est cependant pas directement justiciable — les personnes dans le besoin ne peuvent faire valoir de prétentions à des prestations sur la seule base de l'art. 115 Cst (**ATF 148 V 114** c. 5.2).\n\n**N. 9** La **répartition intercantonale des coûts** se fonde sur le principe de territorialité : le canton de domicile supporte en principe la totalité des coûts de l'assistance. Des exceptions existent pour les séjours temporaires (hospitalisations, placements en home) selon les réglementations de la LComp et d'accords intercantonaux comme l'AHIAS. Anderer souligne l'importance pratique de ces accords pour la répartition des coûts lors de placements hors canton (Anderer, in: Häfeli, Das schweizerische Sozialhilferecht, 2008, 201 ss).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 10** **Étendue de la compétence fédérale** : tandis que Biaggini caractérise la compétence fédérale selon l'art. 115 2e phrase Cst comme exclusive (BSK BV, art. 115 N 14), d'autres auteurs défendent une vision plus différenciée. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr voient de la place pour des réglementations cantonales complémentaires, pour autant qu'elles n'entrent pas en collision avec le système fédéral de compétences (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1845). Gächter/Filippo adoptent une position médiane et soulignent que les cantons peuvent tout à fait édicter des réglementations de détail dans le cadre de leur autonomie d'organisation (BSK BV, art. 115 N 15).\n\n**N. 11** **Rapport avec les objectifs sociaux** : le rapport entre l'art. 115 Cst et → l'art. 41 Cst fait l'objet de discussions controversées. Tandis que Schmid comprend l'art. 115 Cst comme une pure norme de compétence sans contenu matériel (Schmid, in: FS Murer, 2010, 757 ss), Gächter/Filippo voient dans la norme aussi une obligation implicite de garantir l'existence, qui va au-delà de l'aide d'urgence selon l'art. 12 Cst (BSK BV, art. 115 N 24-25). Gysin propose une position intermédiaire en interprétant l'art. 115 Cst comme une concrétisation des objectifs sociaux en termes de compétences (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums, 1999, 89 ss).\n\n**N. 12** **Loi-cadre fédérale** : depuis des années, la création d'une loi-cadre fédérale sur l'aide sociale est débattue. Coullery plaide pour une harmonisation fédérale mesurée des standards cantonaux d'aide sociale (ZeSo 2/2009, 24-25). Wolffers s'y oppose et souligne la compétence cantonale ancrée constitutionnellement (Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2e éd. 1999, 45). Les directives CSIAS se sont établies comme standard de fait mais juridiquement non contraignant, comme l'analyse Hänzi (Hänzi, Die Richtlinien der SKOS, 2011, 125 ss).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** Les **clarifications de domicile** sont souvent complexes en pratique. En cas de situations peu claires, il est recommandé de prendre contact tôt avec d'autres cantons potentiellement compétents. La procédure selon l'art. 28 LComp (action en constatation auprès du Tribunal fédéral) ne devrait être utilisée qu'en dernier recours. Thomet attire l'attention sur les difficultés pratiques de détermination du domicile de secours, notamment pour les personnes sans domicile fixe (Thomet, Kommentar ZUG, 2e éd. 1994, art. 4 N 15 ss).\n\n**N. 14** La **coordination intercantonale** s'effectue principalement par l'AHIAS et des accords bilatéraux. Rüegg recommande une collaboration proactive des services sociaux cantonaux pour éviter les conflits de compétence (Rüegg, in: Häfeli, 2008, 323 ss). Pour les placements en home, la clarification précoce de la garantie de prise en charge des coûts est essentielle — les prises en charge de coûts a posteriori sont l'exception (**ATF 143 V 451** c. 3.2).\n\n**N. 15** Les **aspects de droit des étrangers** sont particulièrement à prendre en compte : le recours à l'aide sociale peut avoir des conséquences en droit des étrangers (révocation de l'autorisation de séjour, non-prolongation). Les autorités d'aide sociale doivent informer les services de migration du recours substantiel à l'aide sociale. En même temps, la crainte de conséquences en droit des étrangers ne doit pas conduire à ce que des personnes en situation de détresse ne reçoivent pas d'aide — la prétention selon l'art. 12 Cst est indépendante du statut de séjour (**ATF 130 I 82** c. 3.3).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### I. Principe de l'assistance par le canton de domicile\n\n**ATF 149 V 156** du 1er mars 2023  \nPrincipe de l'assistance par le canton de domicile selon l'art. 115 Cst. et son exécution dans la LAIH.\nLe Tribunal fédéral confirme l'ancrage constitutionnel de la répartition des compétences intercantonales en matière d'aide sociale.\n\n> « Les personnes dans le besoin sont assistées par leur canton de domicile (art. 115, 1re phrase, Cst.). La Confédération règle les exceptions et les compétences (art. 115, 2e phrase, Cst.). La loi fédérale du 24 juin 1977 sur l'assistance (Loi sur l'assistance, LAIH ; RS 851.1) précise, dans le cadre fixé par la Constitution, quel canton est compétent pour l'assistance. »\n\n**ATF 149 V 240** du 5 octobre 2023  \nRapport entre l'art. 115 Cst. et la précision par le droit fédéral de la compétence d'assistance.\nLa norme constitutionnelle nécessite impérativement une exécution légale par la LAIH.\n\n> « Les personnes dans le besoin sont assistées par leur canton de domicile (art. 115 Cst.). La Confédération règle les exceptions et les compétences (art. 115, 2e phrase, Cst.). La loi fédérale du 24 juin 1977 sur l'assistance (Loi sur l'assistance, LAIH ; RS 851.1) précise, dans le cadre fixé par la Constitution, quel canton est compétent pour l'assistance. »\n\n### II. Rapport à l'art. 12 Cst. (droit d'obtenir de l'aide dans des situations de détresse)\n\n**ATF 130 I 82** du 19 février 2004  \nDélimitation entre l'aide sociale cantonale selon l'art. 115 Cst. et l'aide d'urgence garantie par le droit fédéral selon l'art. 12 Cst.\nL'art. 115 Cst. règle la répartition des compétences, tandis que l'art. 12 Cst. fonde le droit aux prestations.\n\n> « Les cantons sont libres d'édicter des dispositions supplémentaires pour lutter contre les abus [...]. La réglementation de l'assistance aux requérants d'asile prise avec la modification de la loi zurichoise sur l'aide sociale ne viole pas le principe de la force dérogatoire du droit fédéral. »\n\n### III. Délimitation des compétences de droit fédéral\n\n**ATF 148 V 114** du 24 novembre 2021  \nCompétence cantonale en matière d'aide sociale économique et limites constitutionnelles.\nL'art. 115 Cst. fonde en principe la compétence cantonale avec des prescriptions limitées de droit fédéral.\n\n> « Le domaine litigieux de l'aide sociale économique relève de la compétence des cantons faute de compétence constitutionnelle de la Confédération (au-delà de la règle de collision de l'art. 115 Cst.). »\n\n### IV. Assistance aux Suisses de l'étranger\n\n**ATF 138 V 445** du 17 septembre 2012  \nRéglementation spéciale pour les Suisses de l'étranger de retour au pays comme exception au principe de l'art. 115 Cst.\nLa réglementation fédérale constitue une réglementation spéciale à interpréter restrictivement par rapport au principe général du domicile.\n\n> « Elle constitue ainsi une réglementation spéciale par rapport au principe ancré à l'art. 115 Cst. de l'assistance aux personnes dans le besoin par le canton de domicile et doit par conséquent être interprétée restrictivement. »\n\n### V. Conventions intercantonales et institutions\n\n**ATF 143 V 451** du 21 novembre 2017  \nApplication de l'art. 115 Cst. aux conventions intercantonales sur les institutions sociales.\nLes conventions intercantonales ne changent rien au principe fondamental de l'assistance par le canton de domicile.\n\n> « Lorsqu'une convention intercantonale prévoit l'application du droit fédéral, le droit visé constitue du droit (inter-)cantonal au sens des art. 48, al. 3, et 49, al. 1, Cst. »\n\n### VI. Domicile de secours et placement familial\n\n**ATF 150 V 297** du 22 mai 2024  \nÉtablissement du domicile de secours pour les personnes majeures en placement familial.\nLes contrats de prise en charge conclus de manière autonome ne changent rien au principe de l'art. 115 Cst.\n\n> « Lorsqu'une personne majeure conclut de manière autonome un contrat de prise en charge, cela ne s'oppose pas à l'établissement d'un domicile de secours au lieu de son séjour, car il manque l'exigence du placement en famille d'accueil par l'autorité selon l'art. 5 LAIH. »\n\n### VII. Aide sociale cantonale et droit fédéral\n\n**Arrêt 8C_758/2015** du 29 octobre 2015  \nL'art. 115 Cst. ne fonde aucun droit subjectif de droit fédéral à certaines prestations d'aide sociale.\nLa norme constitutionnelle est avant tout une règle de compétence, non une norme de prestation.\n\n> « Un droit subjectif (de droit fédéral) à certaines prestations d'aide sociale ne pourrait de toute façon pas en être déduit. »\n\n### VIII. Développements actuels et sécurité juridique\n\n**Tribunal administratif de Saint-Gall B 2015/60** du 27 septembre 2016  \nApplication de l'art. 115 Cst. en cas de réductions de prestations et de sanctions.\nLa norme constitutionnelle fixe certaines limites à la liberté d'aménagement cantonale.\n\n> « Le recourant a tenté d'obtenir des prestations liées à la situation au moyen d'un document manifestement falsifié et de fausses déclarations. Contrairement à l'avis de l'instance précédente, il y a violation de l'obligation de collaborer. »\n\n**Tribunal administratif de Saint-Gall B 2019/53** du 24 janvier 2020  \nObligation de présence sur place et séjours de vacances à l'étranger comme limite de l'assistance par le canton de domicile.\nL'art. 115 Cst. ancre une règle de collision pour la compétence intercantonale.\n\n> « Selon l'art. 115 Cst., les personnes dans le besoin sont assistées par leur canton de domicile. La Confédération règle les exceptions et les compétences. L'art. 115 Cst. ancre dans la 1re phrase une règle de collision qui détermine la compétence intercantonale pour l'assistance aux personnes dans le besoin. »", "summary_it": "# Art. 115 — Assistenza ai bisognosi\n\n## Panoramica\n\nL'art. 115 Cost. disciplina quale Cantone è competente per l'assistenza alle persone bisognose. La prima frase stabilisce che le persone bisognose ricevono aiuto dal loro Cantone di domicilio. La seconda frase conferisce alla Confederazione la competenza di disciplinare più dettagliatamente le eccezioni e le competenze.\n\nIl **bisogno** sussiste quando una persona non può provvedere al proprio sostentamento con mezzi propri. Questo comprende sia l'assistenza sociale economica (denaro per abitazione, vitto, vestiario) sia l'aiuto personale (assistenza, cure). Il **Cantone di domicilio** non è sempre il Cantone dove qualcuno risiede ufficialmente. La legge federale LAD disciplina quando nasce un cosiddetto «domicilio per l'assistenza».\n\nIl Cantone di domicilio deve assistere le persone bisognose e sostenere i costi. Non può sottrarsi a questo obbligo. Altri Cantoni in linea di principio non sono competenti, anche se qualcuno vi risiede temporaneamente. La Confederazione disciplina i casi speciali, ad esempio per richiedenti l'asilo, Svizzeri all'estero o per collocamenti in istituti in altri Cantoni.\n\n**Esempio**: Una famiglia si trasferisce da Basilea a Zurigo. Dopo tre mesi il padre diventa disoccupato e la famiglia ha bisogno dell'assistenza sociale. Zurigo, quale nuovo Cantone di domicilio, è competente e deve assistere la famiglia. Basilea non deve pagare nulla.\n\nLa disposizione è una pura regola di competenza tra i Cantoni. Non fonda alcun diritto diretto a determinate prestazioni. L'ammontare dell'assistenza sociale che qualcuno riceve è determinato dal diritto cantonale. L'assistenza di base in situazioni di emergenza è tuttavia garantita dall'art. 12 Cost.\n\nL'art. 115 Cost. impedisce che le persone bisognose vengano «rimbalzate» tra i Cantoni. Ogni Cantone sa chiaramente quando è competente. Ciò protegge sia le persone interessate sia i Cantoni da ripartizioni di costi poco chiare.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 115 Cost. ha le sue radici nella Costituzione federale del 1874, in particolare nell'art. 45 cpv. 3 vCost. (divieto di rimpatrio di cittadini svizzeri bisognosi di assistenza) e nell'art. 48 vCost. (assistenza da parte del Cantone di dimora). Il messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 355) rileva che la disposizione prosegue in forma modernizzata la consolidata regolamentazione intercantonale delle competenze, senza intaccare il principio di base dell'assistenza basata sul domicilio.\n\n**N. 2** Il costituente ha voluto con l'art. 115 Cost. creare consapevolmente una norma snella di competenza e collisione, che sancisce la competenza di base dei Cantoni di dimora e lascia alla Confederazione la disciplina di eccezioni e questioni di competenza. Gächter/Filippo sottolineano che l'evoluzione storica dal principio di origine al principio del domicilio ha così trovato la sua conclusione costituzionale (BSK BV, Art. 115 N. 1-8).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 115 Cost. si trova sistematicamente nel Titolo 3 (Confederazione, Cantoni e Comuni), Capitolo 5 (Partecipazione dei Cantoni alla formazione della volontà della Confederazione), Sezione 2 (Competenze). La collocazione sottolinea il carattere primariamente competenziale della norma. Non è una norma sui diritti fondamentali e non fonda — a differenza dell'→ art. 12 Cost. — diritti individuali a prestazioni.\n\n**N. 4** Lo stretto legame con l'→ art. 12 Cost. (diritto all'aiuto in situazioni di bisogno) è tuttavia evidente: mentre l'art. 12 Cost. disciplina il «se» e il «cosa» dell'assistenza, l'art. 115 Cost. determina il «chi» della competenza. Altri importanti rimandi incrociati esistono con l'→ art. 41 cpv. 1 lett. a Cost. (obiettivo sociale della sicurezza sociale), gli→ artt. 112 segg. Cost. (assicurazioni sociali) e l'→ art. 121 cpv. 1 Cost. (dimora di straniere e stranieri).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il **bisogno** è l'elemento costitutivo centrale dell'art. 115 frase 1 Cost. Gächter/Filippo definiscono il bisogno come stato in cui una persona non può provvedere al proprio sostentamento o non può farlo tempestivamente con mezzi propri (BSK BV, Art. 115 N. 16-20). La configurazione concreta del concetto di bisogno spetta al diritto cantonale, con il limite posto dall'art. 12 Cost. Wizent precisa che il bisogno comprende sia l'assistenza sociale economica sia quella personale (Wizent, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, 2014, 45 segg.).\n\n**N. 6** Il **Cantone di dimora** nel senso dell'art. 115 frase 1 Cost. è determinato più precisamente dalla Legge federale sulla competenza per l'assistenza ai bisognosi (LAS). Gächter/Filippo rilevano che il concetto costituzionale di Cantone di dimora non è da equiparare al concetto civilistico di domicilio secondo gli artt. 23 segg. CC (BSK BV, Art. 115 N. 21-23). Piuttosto la LAS sviluppa propri punti di collegamento, in particolare il domicilio di assistenza secondo gli artt. 4 segg. LAS.\n\n**N. 7** La **competenza della Confederazione** secondo l'art. 115 frase 2 Cost. è caratterizzata da Biaggini come competenza esclusiva della Confederazione (BSK BV, Art. 115 N. 14, citato secondo Biaggini). La Confederazione può quindi disciplinare definitivamente sia le eccezioni al principio del domicilio (ad esempio per gli Svizzeri all'estero o i richiedenti l'asilo) sia la delimitazione delle competenze intercantonali. Gächter/Filippo precisano che questa competenza è esercitata primariamente tramite la LAS e regolamentazioni di leggi speciali (LAsi, LADI) (BSK BV, Art. 115 N. 9-15).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 115 Cost. fonda un **obbligo di competenza oggettivo-giuridico** dei Cantoni. Il Cantone di dimora competente non può sottrarsi al suo obbligo di assistenza una volta adempiuti i presupposti. Questo obbligo non è tuttavia direttamente giustiziabile — le persone bisognose non possono far valere diritti a prestazioni basandosi unicamente sull'art. 115 Cost. (**DTF 148 V 114** consid. 5.2).\n\n**N. 9** La **ripartizione intercantonale dei costi** si basa sul principio di territorialità: il Cantone di dimora sopporta in linea di principio i costi completi dell'assistenza. Esistono eccezioni per i soggiorni temporanei (ricoveri ospedalieri, collocamenti in istituto) secondo le regolamentazioni della LAS e convenzioni intercantonali come la CIAMS. Anderer sottolinea l'importanza pratica di queste convenzioni per la ripartizione dei costi nei collocamenti extracantonali (Anderer, in: Häfeli, Das schweizerische Sozialhilferecht, 2008, 201 segg.).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 10** **Portata della competenza federale**: Mentre Biaggini caratterizza la competenza federale secondo l'art. 115 frase 2 Cost. come esclusiva (BSK BV, Art. 115 N. 14), altri autori sostengono una visione più differenziata. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr vedono spazio per regolamentazioni cantonali complementari, purché non collidano con il sistema di competenze di diritto federale (Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N. 1845). Gächter/Filippo assumono una posizione mediatrice e sottolineano che i Cantoni nell'ambito della loro autonomia organizzativa possono certamente adottare regolamentazioni di dettaglio (BSK BV, Art. 115 N. 15).\n\n**N. 11** **Rapporto con gli obiettivi sociali**: È discusso controversamente il rapporto dell'art. 115 Cost. con l'→ art. 41 Cost. Mentre Schmid intende l'art. 115 Cost. come pura norma di competenza senza contenuto materiale (Schmid, in: FS Murer, 2010, 757 segg.), Gächter/Filippo vedono nella norma anche un obbligo implicito di garanzia dell'esistenza che va oltre l'aiuto d'emergenza secondo l'art. 12 Cost. (BSK BV, Art. 115 N. 24-25). Gysin media interpretando l'art. 115 Cost. come concretizzazione competenziale degli obiettivi sociali (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums, 1999, 89 segg.).\n\n**N. 12** **Legge quadro federale**: Da anni si discute la creazione di una legge quadro federale sull'assistenza sociale. Coullery propugna un'armonizzazione federale moderata degli standard cantonali di assistenza sociale (ZeSo 2/2009, 24-25). Wolffers respinge ciò e sottolinea la competenza cantonale costituzionalmente sancita (Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2a ed. 1999, 45). Le direttive COSAS si sono affermate come standard fattuale ma giuridicamente non vincolante, come analizza Hänzi (Hänzi, Die Richtlinien der SKOS, 2011, 125 segg.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Gli **accertamenti di domicilio** sono spesso complessi nella prassi. In caso di situazioni poco chiare si raccomanda un contatto tempestivo con altri Cantoni potenzialmente competenti. La procedura secondo l'art. 28 LAS (azione di accertamento presso il Tribunale federale) dovrebbe essere utilizzata solo come ultima ratio. Thomet rileva le difficoltà pratiche nella determinazione del domicilio di assistenza, in particolare per persone senza dimora fissa (Thomet, Kommentar ZUG, 2a ed. 1994, Art. 4 N. 15 segg.).\n\n**N. 14** Il **coordinamento intercantonale** avviene primariamente tramite la CIAMS e convenzioni bilaterali. Rüegg raccomanda una collaborazione proattiva dei servizi sociali cantonali per evitare conflitti di competenza (Rüegg, in: Häfeli, 2008, 323 segg.). Per i collocamenti in istituto è essenziale il chiarimento tempestivo della garanzia dei costi — le assunzioni di costi successive sono l'eccezione (**DTF 143 V 451** consid. 3.2).\n\n**N. 15** Gli **aspetti di diritto degli stranieri** sono da considerare particolarmente: il ricorso all'assistenza sociale può avere conseguenze di diritto degli stranieri (revoca del permesso di dimora, mancato rinnovo). Le autorità sociali devono informare gli uffici della migrazione sul ricorso sostanziale all'assistenza sociale. Al contempo il timore di conseguenze di diritto degli stranieri non deve portare al fatto che persone in situazioni di bisogno non ricevano aiuto — il diritto secondo l'art. 12 Cost. è indipendente dallo statuto di dimora (**DTF 130 I 82** consid. 3.3).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### I. Principio dell'assistenza da parte del Cantone di domicilio\n\n**DTF 149 V 156** del 1° marzo 2023  \nPrincipio dell'assistenza da parte del Cantone di domicilio secondo l'art. 115 Cost. e sua attuazione nella LComp.\nIl Tribunale federale conferma l'ancoraggio costituzionale della ripartizione intercantonale delle competenze nell'assistenza sociale.\n\n> «Le persone bisognose sono assistite dal loro Cantone di domicilio (art. 115 cpv. 1 Cost.). La Confederazione disciplina le eccezioni e le competenze (art. 115 cpv. 2 Cost.). La legge federale del 24 giugno 1977 sulla competenza per l'assistenza alle persone bisognose (Legge sulla competenza, LComp; RS 851.1) precisa, nel quadro stabilito dalla Costituzione, quale Cantone è competente per l'assistenza.»\n\n**DTF 149 V 240** del 5 ottobre 2023  \nRapporto tra l'art. 115 Cost. e la precisazione di legge federale della competenza all'assistenza.\nLa norma costituzionale necessita obbligatoriamente dell'attuazione legislativa attraverso la LComp.\n\n> «Le persone bisognose sono assistite dal loro Cantone di domicilio (art. 115 Cost.). La Confederazione disciplina le eccezioni e le competenze (art. 115 cpv. 2 Cost.). La legge federale del 24 giugno 1977 sulla competenza per l'assistenza alle persone bisognose (Legge sulla competenza, LComp; RS 851.1) precisa, nel quadro stabilito dalla Costituzione, quale Cantone è competente per l'assistenza.»\n\n### II. Rapporto con l'art. 12 Cost. (Diritto all'aiuto in situazioni d'emergenza)\n\n**DTF 130 I 82** del 19 febbraio 2004  \nDelimitazione tra assistenza sociale cantonale secondo l'art. 115 Cost. e aiuto d'emergenza garantito dal diritto federale secondo l'art. 12 Cost.\nL'art. 115 Cost. disciplina la ripartizione delle competenze, mentre l'art. 12 Cost. fonda il diritto alla prestazione.\n\n> «I Cantoni sono liberi di emanare disposizioni aggiuntive per combattere gli abusi [...]. La disciplina dell'assistenza ai richiedenti l'asilo adottata con la modifica della legge zurighese sull'assistenza sociale non viola il principio della forza derogatoria del diritto federale.»\n\n### III. Delimitazione delle competenze di diritto federale\n\n**DTF 148 V 114** del 24 novembre 2021  \nCompetenza cantonale nell'assistenza sociale economica e limiti costituzionali.\nL'art. 115 Cost. fonda in linea di principio una competenza cantonale con limitate prescrizioni di diritto federale.\n\n> «L'ambito controverso dell'assistenza sociale economica rientra, in mancanza di una competenza costituzionale federale (oltre alla norma di collisione nell'art. 115 Cost.), nella competenza dei Cantoni.»\n\n### IV. Assistenza agli Svizzeri all'estero\n\n**DTF 138 V 445** del 17 settembre 2012  \nRegolamentazione speciale per gli Svizzeri all'estero di ritorno come eccezione al principio dell'art. 115 Cost.\nLa regolamentazione federale costituisce una regolamentazione speciale da interpretare restrittivamente rispetto al principio generale del domicilio.\n\n> «Essa costituisce pertanto una regolamentazione speciale rispetto al principio ancorato nell'art. 115 Cost. dell'assistenza alle persone bisognose da parte del Cantone di domicilio e deve di conseguenza essere interpretata restrittivamente.»\n\n### V. Accordi intercantonali e istituzioni\n\n**DTF 143 V 451** del 21 novembre 2017  \nApplicazione dell'art. 115 Cost. in caso di accordi intercantonali su istituzioni sociali.\nGli accordi intercantonali non modificano nulla al principio fondamentale dell'assistenza da parte del Cantone di domicilio.\n\n> «Quando in un accordo intercantonale è prevista l'applicazione del diritto federale, il diritto richiamato costituisce diritto (inter-)cantonale ai sensi degli art. 48 cpv. 3 e 49 cpv. 1 Cost.»\n\n### VI. Domicilio per l'assistenza e assistenza familiare\n\n**DTF 150 V 297** del 22 maggio 2024  \nFondazione del domicilio per l'assistenza per persone maggiorenni in assistenza familiare.\nContratti di assistenza conclusi autonomamente non modificano nulla al principio dell'art. 115 Cost.\n\n> «Se una persona maggiorenne conclude autonomamente un contratto di assistenza, ciò non impedisce la fondazione di un domicilio per l'assistenza nel luogo del suo soggiorno, poiché manca il requisito del collocamento ufficiale in assistenza familiare secondo l'art. 5 LComp.»\n\n### VII. Assistenza sociale cantonale e diritto federale\n\n**Sentenza 8C_758/2015** del 29 ottobre 2015  \nL'art. 115 Cost. non fonda un diritto soggettivo di diritto federale a determinate prestazioni di assistenza sociale.\nLa norma costituzionale è principalmente una norma di competenza, non una norma di prestazione.\n\n> «Un diritto soggettivo (di diritto federale) a determinate prestazioni di assistenza sociale non se ne potrebbe comunque derivare.»\n\n### VIII. Sviluppi attuali e certezza del diritto\n\n**Tribunale amministrativo San Gallo B 2015/60** del 27 settembre 2016  \nApplicazione dell'art. 115 Cost. in caso di riduzioni di prestazioni e sanzioni.\nLa norma costituzionale pone certi limiti alla libertà di configurazione cantonale.\n\n> «Il ricorrente ha tentato mediante un documento manifestamente falsificato e false dichiarazioni di ottenere prestazioni legate alla situazione. Contrariamente all'opinione dell'istanza precedente, sussiste una violazione dell'obbligo di collaborazione.»\n\n**Tribunale amministrativo San Gallo B 2019/53** del 24 gennaio 2020  \nObbligo di presenza sul posto e soggiorni di vacanza all'estero come limite dell'assistenza da parte del Cantone di domicilio.\nL'art. 115 Cost. ancora una norma di collisione per la competenza intercantonale.\n\n> «Secondo l'art. 115 Cost. le persone bisognose sono assistite dal loro Cantone di domicilio. La Confederazione disciplina le eccezioni e le competenze. L'art. 115 Cost. ancora nel cpv. 1 una norma di collisione che determina la competenza intercantonale per l'assistenza alle persone bisognose.»", "summary_en": "# Art. 115 — Support for persons in need\n\n## Overview\n\nArt. 115 Cst. regulates which canton is responsible for supporting persons in need. The first sentence establishes that persons in need receive assistance from their canton of residence. The second sentence gives the Confederation the competence to regulate exceptions and responsibilities in greater detail.\n\n**Need** exists when a person cannot cover their living expenses from their own resources. This encompasses both financial social assistance (money for housing, food, clothing) as well as personal assistance (care, nursing). The **canton of residence** is not always the canton where someone officially resides. The Federal Act ZUG regulates when a so-called «place of residence for assistance purposes» is established.\n\nThe canton of residence must support persons in need and bear the costs. It cannot shirk this obligation. Other cantons are generally not responsible, even if someone temporarily resides there. The Confederation regulates special cases, such as asylum seekers, Swiss nationals abroad, or placements in institutions in other cantons.\n\n**Example**: A family moves from Basel to Zurich. After three months, the father becomes unemployed and the family needs social assistance. Zurich as the new canton of residence is responsible and must support the family. Basel does not have to pay anything.\n\nThe provision is purely a rule of responsibility between the cantons. It does not establish a direct entitlement to specific benefits. How much social assistance someone receives is determined by cantonal law. However, basic care in emergency situations is guaranteed by Art. 12 Cst.\n\nArt. 115 Cst. prevents persons in need from being «passed around» between cantons. Every canton knows clearly when it is responsible. This protects both the affected persons and the cantons from unclear cost distributions.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** Art. 115 FC has its roots in the Federal Constitution of 1874, specifically in Art. 45 para. 3 oFC (prohibition on repatriation of Swiss citizens requiring assistance) and Art. 48 oFC (assistance by the canton of residence). The Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 355) notes that the provision continues the proven intercantonal jurisdiction arrangement in modernised form, without affecting the basic principle of assistance based on place of residence.\n\n**No. 2** With Art. 115 FC, the constitutional legislator deliberately sought to create a lean jurisdictional and conflict norm that establishes the basic jurisdiction of the cantons of residence and leaves the regulation of exceptions and jurisdictional issues to the Confederation. Gächter/Filippo emphasise that the historical development from the principle of origin to the principle of residence has thus found its constitutional conclusion (BSK BV, Art. 115 No. 1-8).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 115 FC is systematically located in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 5 (Participation of the Cantons in Federal Decision-Making), Section 2 (Powers). This placement underscores the primarily jurisdictional character of the norm. It is not a fundamental rights provision and does not — in contrast to → Art. 12 FC — establish individual entitlements to benefits.\n\n**No. 4** The close connection to → Art. 12 FC (right to assistance in situations of need) is nevertheless obvious: While Art. 12 FC regulates the «whether» and «what» of assistance, Art. 115 FC determines the «who» of jurisdiction. Further important cross-references exist to → Art. 41 para. 1 lit. a FC (social goal of social security), → Art. 112 ff. FC (social insurance) and → Art. 121 para. 1 FC (residence of foreigners).\n\n### 3. Constituent Elements / Content of the Norm\n\n**No. 5** **Need** is the central constituent element of Art. 115 sentence 1 FC. Gächter/Filippo define need as a state in which a person cannot or cannot in time cover their living expenses from their own means (BSK BV, Art. 115 No. 16-20). The concrete design of the concept of need falls to cantonal law, with the boundary lying at Art. 12 FC. Wizent specifies that need encompasses both economic and personal social assistance (Wizent, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, 2014, 45 ff.).\n\n**No. 6** The **canton of residence** within the meaning of Art. 115 sentence 1 FC is further defined by the Federal Act on Jurisdiction for the Assistance of Persons in Need (ZUG). Gächter/Filippo point out that the constitutional concept of canton of residence cannot be equated with the civil law concept of domicile under Art. 23 ff. CC (BSK BV, Art. 115 No. 21-23). Rather, the ZUG develops independent points of connection, particularly the assistance domicile under Art. 4 ff. ZUG.\n\n**No. 7** The **federal jurisdiction** under Art. 115 sentence 2 FC is characterised by Biaggini as exclusive federal jurisdiction (BSK BV, Art. 115 No. 14, cited according to Biaggini). The Confederation can thus conclusively regulate both exceptions to the principle of residence (for example for Swiss citizens abroad or asylum seekers) and intercantonal jurisdictional delimitation. Gächter/Filippo specify that this jurisdiction is exercised primarily through the ZUG and special legal regulations (AsylG, AVIG) (BSK BV, Art. 115 No. 9-15).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 8** Art. 115 FC establishes an **objective-legal jurisdictional obligation** of the cantons. The competent canton of residence cannot evade its obligation to provide assistance once the requirements are met. However, this obligation is not directly justiciable — persons in need cannot assert claims to benefits based solely on Art. 115 FC (**BGE 148 V 114** E. 5.2).\n\n**No. 9** The **intercantonal cost distribution** is governed by the territoriality principle: The canton of residence basically bears the full costs of assistance. Exceptions exist for temporary stays (hospital stays, care home placements) according to the regulations of the ZUG and intercantonal agreements such as the IVSE. Anderer emphasises the practical significance of these agreements for cost allocation in out-of-canton placements (Anderer, in: Häfeli, Das schweizerische Sozialhilferecht, 2008, 201 ff.).\n\n### 5. Disputes\n\n**No. 10** **Scope of federal jurisdiction**: While Biaggini characterises federal jurisdiction under Art. 115 sentence 2 FC as exclusive (BSK BV, Art. 115 No. 14), other authors take a more differentiated view. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr see room for supplementary cantonal regulations, as long as these do not collide with the federal jurisdictional system (Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, No. 1845). Gächter/Filippo take a mediating position and emphasise that the cantons can certainly make detailed regulations within the framework of their organisational autonomy (BSK BV, Art. 115 No. 15).\n\n**No. 11** **Relationship to social goals**: The relationship between Art. 115 FC and → Art. 41 FC is controversially discussed. While Schmid understands Art. 115 FC as a pure jurisdictional norm without material content (Schmid, in: FS Murer, 2010, 757 ff.), Gächter/Filippo see in the norm also an implicit obligation to secure existence that goes beyond emergency assistance under Art. 12 FC (BSK BV, Art. 115 No. 24-25). Gysin mediates by interpreting Art. 115 FC as a jurisdictional concretisation of social goals (Gysin, Der Schutz des Existenzminimums, 1999, 89 ff.).\n\n**No. 12** **Federal framework law**: The creation of a federal framework law on social assistance has been discussed for years. Coullery advocates for moderate federal harmonisation of cantonal social assistance standards (ZeSo 2/2009, 24-25). Wolffers rejects this and emphasises the constitutionally anchored cantonal jurisdiction (Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2nd ed. 1999, 45). The SKOS guidelines have established themselves as a factual but legally non-binding standard, as analysed by Hänzi (Hänzi, Die Richtlinien der SKOS, 2011, 125 ff.).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**No. 13** **Domicile clarifications** are often complex in practice. In unclear circumstances, early contact with other potentially competent cantons is recommended. The procedure under Art. 28 ZUG (declaratory action before the Federal Supreme Court) should only be used as a last resort. Thomet points to the practical difficulties in determining the assistance domicile, particularly for persons without fixed residence (Thomet, Kommentar ZUG, 2nd ed. 1994, Art. 4 No. 15 ff.).\n\n**No. 14** **Intercantonal coordination** takes place primarily through the IVSE and bilateral agreements. Rüegg recommends proactive cooperation between cantonal social services to avoid jurisdictional conflicts (Rüegg, in: Häfeli, 2008, 323 ff.). For care home placements, early clarification of cost approval is essential — subsequent cost assumption is the exception (**BGE 143 V 451** E. 3.2).\n\n**No. 15** **Foreign nationals law aspects** require particular attention: Receipt of social assistance can have foreign nationals law consequences (revocation of residence permit, non-renewal). The social authorities must inform the migration offices about substantial social assistance receipt. At the same time, fear of foreign nationals law consequences must not lead to persons in emergency situations receiving no help — the entitlement under Art. 12 FC is independent of residence status (**BGE 130 I 82** E. 3.3).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### I. Principle of Support by Canton of Residence\n\n**BGE 149 V 156** of 1 March 2023  \nPrinciple of support by canton of residence according to Art. 115 FC and its implementation in ZUG.\nThe Federal Supreme Court confirms the constitutional anchoring of intercantonal allocation of jurisdiction in social assistance.\n\n> «Persons in need are supported by their canton of residence (Art. 115 sentence 1 FC). The Confederation regulates exceptions and jurisdictions (Art. 115 sentence 2 FC). The Federal Act of 24 June 1977 on Jurisdiction for the Support of Persons in Need (Jurisdiction Act, ZUG; SR 851.1) specifies within the framework prescribed by the Constitution which canton is responsible for welfare.»\n\n**BGE 149 V 240** of 5 October 2023  \nRelationship between Art. 115 FC and the federal statutory specification of support jurisdiction.\nThe constitutional provision necessarily requires statutory implementation through the ZUG.\n\n> «Persons in need are supported by their canton of residence (Art. 115 FC). The Confederation regulates exceptions and jurisdictions (Art. 115 sentence 2 FC). The Federal Act of 24 June 1977 on Jurisdiction for the Support of Persons in Need (Jurisdiction Act, ZUG; SR 851.1) specifies within the framework prescribed by the Constitution which canton is responsible for welfare.»\n\n### II. Relationship to Art. 12 FC (Right to Assistance in Situations of Need)\n\n**BGE 130 I 82** of 19 February 2004  \nDistinction between cantonal social assistance according to Art. 115 FC and federally guaranteed emergency assistance according to Art. 12 FC.\nArt. 115 FC regulates the allocation of jurisdiction, while Art. 12 FC establishes the entitlement to benefits.\n\n> «The cantons are free to enact additional provisions in the service of combating abuse [...]. The regulation of asylum welfare adopted with the amendment of the Zurich social assistance law does not violate the principle of the derogatory force of federal law.»\n\n### III. Federal Jurisdiction Delimitation\n\n**BGE 148 V 114** of 24 November 2021  \nCantonal jurisdiction in economic social assistance and constitutional limits.\nArt. 115 FC establishes cantonal jurisdiction in principle with limited federal requirements.\n\n> «The disputed area of economic social assistance falls within the jurisdiction of the cantons in the absence of constitutional federal jurisdiction (beyond the conflict-of-laws rule in Art. 115 FC).»\n\n### IV. Support for Swiss Citizens Abroad\n\n**BGE 138 V 445** of 17 September 2012  \nSpecial regulation for returning Swiss citizens abroad as exception to the principle of Art. 115 FC.\nThe federal regulation represents a special regulation to be interpreted narrowly in relation to the general residence principle.\n\n> «This represents a special regulation in relation to the principle anchored in Art. 115 FC of support for persons in need by the canton of residence and must consequently be interpreted narrowly.»\n\n### V. Intercantonal Agreements and Institutions\n\n**BGE 143 V 451** of 21 November 2017  \nApplication of Art. 115 FC to intercantonal agreements on social institutions.\nIntercantonal agreements do not change the basic principle of support by canton of residence.\n\n> «When the application of federal law is provided for in an intercantonal agreement, the referenced law constitutes (inter-)cantonal law within the meaning of Art. 48 para. 3 and Art. 49 para. 1 FC.»\n\n### VI. Support Domicile and Family Care\n\n**BGE 150 V 297** of 22 May 2024  \nEstablishing support domicile for adults in family care.\nIndependently concluded care contracts do not change the principle of Art. 115 FC.\n\n> «When an adult independently concludes a care contract, this does not prevent the establishment of a support domicile at the place of their residence, as the requirement of official placement in family care according to Art. 5 ZUG is lacking.»\n\n### VII. Cantonal Social Assistance and Federal Law\n\n**Judgment 8C_758/2015** of 29 October 2015  \nArt. 115 FC does not establish a subjective federal legal claim to specific social assistance benefits.\nThe constitutional provision is primarily a jurisdictional rule, not a benefit provision.\n\n> «A subjective (federal legal) claim to specific social assistance benefits could not be derived from it in any case.»\n\n### VIII. Current Developments and Legal Certainty\n\n**Administrative Court of St. Gallen B 2015/60** of 27 September 2016  \nApplication of Art. 115 FC to benefit reductions and sanctions.\nThe constitutional provision sets certain limits on cantonal discretion.\n\n> «The appellant attempted to obtain situational benefits through an obviously forged document and false statements. Contrary to the view of the lower instance, there is a violation of the duty to cooperate.»\n\n**Administrative Court of St. Gallen B 2019/53** of 24 January 2020  \nLocal presence requirement and holiday stays abroad as limits to support by canton of residence.\nArt. 115 FC establishes a conflict-of-laws rule for intercantonal jurisdiction.\n\n> «According to Art. 115 FC, persons in need are supported by their canton of residence. The Confederation regulates exceptions and jurisdictions. Art. 115 FC establishes in sentence 1 a conflict-of-laws rule that determines intercantonal jurisdiction for the support of persons in need.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_115", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 116, "article_suffix": "", "title": "Familienzulagen und Mutterschaftsversicherung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 116 BV — Familie\n\n## Übersicht\n\nArt. 116 BV ermächtigt den Bund zum Familienschutz und zur Sozialpolitik für Familien. Die Verfassungsnorm enthält vier Absätze mit unterschiedlichen Handlungsaufträgen.\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 116 BV schreibt dem Bund vor, bei allen seinen Aufgaben die Bedürfnisse der Familie zu berücksichtigen (Absatz 1 Satz 1). Er darf Massnahmen zum Schutz der Familie unterstützen (Absatz 1 Satz 2) und Vorschriften über Familienzulagen erlassen (Absatz 2). Der Verfassungsauftrag zur Mutterschaftsversicherung ist verbindlich formuliert: Der Bund «richtet eine Mutterschaftsversicherung ein» (Absatz 3). Diese Unterschiede zeigen verschiedene Intensitätsgrade der Bundeskompetenzen auf (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4).\n\n**Wer ist betroffen?** Der Familienbegriff ist weit zu verstehen und umfasst alle Formen des Zusammenlebens mit Kindern — Ehepaare, Konkubinatspaare, eingetragene Partner und Alleinerziehende (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). Das Bundesgericht bestätigte, dass automatische Prioritätsregeln zugunsten eines Geschlechts bei Familienzulagen verfassungswidrig sind (**BGE 129 I 265**).\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Die Norm begründet keine direkten Ansprüche der Bürger, sondern gibt dem Bund Handlungsmöglichkeiten. Konkret hat der Bund das Familienzulagengesetz (FamZG, SR 836.2) erlassen, das Mindestbeträge von 200 Franken pro Kind und Monat vorsieht (Art. 5 FamZG). Die Mutterschaftsversicherung wurde durch Revision des Erwerbsersatzgesetzes (Art. 16b ff. EOG, SR 834.1) umgesetzt und gewährt 14 Wochen Entschädigung zu 80 Prozent des Lohnes.\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine Mutter erhält nach der Geburt 14 Wochen lang 80 Prozent ihres bisherigen Lohnes aus der Mutterschaftsversicherung (maximal 196 Franken täglich nach Art. 16e EOG). Gleichzeitig hat die Familie Anspruch auf Kinderzulagen von mindestens 200 Franken pro Monat. Arbeitet nur der Vater im Kanton Freiburg, die Familie wohnt aber im Kanton Waadt mit höheren Zulagen, kann sie die Differenz im Wohnkanton geltend machen (**BGE 129 I 265**). Väter haben hingegen keinen Anspruch auf Erwerbsersatz nach der Geburt (**BGE 140 I 305**).\n\nDie Verfassung verpflichtet den Bund, bei allen Politikbereichen — vom Steuerrecht bis zur Migrationspolitik — die Auswirkungen auf Familien zu prüfen. Diese Querschnittsaufgabe ist jedoch nicht kompetenzbegründend, sondern eine Handlungsanweisung für bestehende Bundeskompetenzen (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).", "doctrine_de": "# Art. 116 BV — Familie\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 116 BV führt die frühere Familienschutzbestimmung (Art. 34quinquies BV 1874) fort und erweitert sie erheblich. Die Mutterschaftsversicherung war bereits in Art. 34quinquies Abs. 4 BV 1874 als Verfassungsauftrag verankert, blieb aber über Jahrzehnte unerfüllt (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 1-2). Zwischen 1945 und 2005 scheiterten rund 20 unterschiedliche Versuche, eine Mutterschaftsentschädigung zu schaffen, bis schliesslich eine schlanke Lösung über die Integration in die Erwerbsersatzordnung gelang (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n**N. 2** Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 340 f.) betonte die Kontinuität zur bisherigen Verfassungsordnung bei gleichzeitiger Modernisierung der Formulierungen. Der Verfassungsgeber hielt ausdrücklich fest, dass Art. 116 Abs. 1 Satz 1 nicht kompetenzbegründend sei, sondern eine Querschnittsaufgabe des Bundes statuiere (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 116 BV steht im 2. Titel der Bundesverfassung über Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele. Die Norm ist systematisch eng mit → Art. 41 BV (Sozialziele) und → Art. 8 Abs. 3 BV (Gleichstellung von Mann und Frau) verknüpft. Während Art. 41 Abs. 1 lit. c BV die Förderung der Familie als Sozialziel formuliert, schafft Art. 116 BV die verfassungsrechtliche Kompetenzgrundlage für entsprechende Massnahmen des Bundes.\n\n**N. 4** Die Verfassung unterscheidet zwischen der allgemeinen Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familie (Abs. 1 Satz 1), der Unterstützung von Massnahmen zum Schutz der Familie (Abs. 1 Satz 2), der Regelung der Familienzulagen (Abs. 2) und der Mutterschaftsversicherung (Abs. 3 und 4). Diese Abstufung spiegelt unterschiedliche Intensitätsgrade der Bundeskompetenzen wider.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der **Familienbegriff** in Art. 116 BV ist weit zu verstehen und umfasst verschiedene Formen des familiären Zusammenlebens. Nach herrschender Lehre gehören dazu Ehe-, Konkubinats- und eingetragene Partnerschaften mit Kindern sowie Einelternfamilien (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). Die rechtliche Form der Beziehung ist nicht entscheidend.\n\n**N. 6** Die **Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familie** (Abs. 1 Satz 1) ist als Querschnittsaufgabe konzipiert. Trotz des Wortlauts («berücksichtigt») handelt es sich nach dem erklärten Willen des Verfassungsgebers nicht um eine eigenständige Kompetenznorm, sondern um eine Handlungsanweisung bei der Ausübung anderweitig begründeter Bundeskompetenzen (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4-5).\n\n**N. 7** Die **Unterstützung von Massnahmen zum Schutz der Familie** (Abs. 1 Satz 2) ermächtigt den Bund zur finanziellen und ideellen Förderung familienpolitischer Initiativen. Der Begriff umfasst präventive wie auch unterstützende Massnahmen in verschiedenen Politikbereichen (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 6-8).\n\n**N. 8** Die **Familienzulagen** (Abs. 2) umfassen Kinder-, Ausbildungs- und Geburtszulagen. Der Bund kann sowohl materielle Vorschriften erlassen als auch eine eidgenössische Familienausgleichskasse führen. Mit dem Familienzulagengesetz (FamZG) vom 24. März 2006 hat der Bund von dieser Kompetenz umfassend Gebrauch gemacht (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 9-11).\n\n**N. 9** Die **Mutterschaftsversicherung** (Abs. 3) ist als Verfassungsauftrag formuliert («richtet ein»). Die Umsetzung erfolgte durch die Revision des Erwerbsersatzgesetzes per 1. Juli 2005. Der Bund kann auch Personen zu Beiträgen verpflichten, die nicht in den Genuss der Versicherungsleistungen gelangen können (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 116 BV begründet keine unmittelbaren subjektiven Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Die Norm ist als Kompetenznorm konzipiert, die dem Bund Handlungsmöglichkeiten einräumt, ihn aber nur bei der Mutterschaftsversicherung (Abs. 3) zu konkretem Handeln verpflichtet.\n\n**N. 11** Soweit der Bund von seinen Kompetenzen keinen oder nur teilweisen Gebrauch macht, bleibt die Zuständigkeit der Kantone erhalten. Dies zeigt sich besonders im Bereich der Familienzulagen, wo kantonale Regelungen das Bundesrecht ergänzen können, sofern sie höhere Leistungen vorsehen.\n\n**N. 12** Das Obligatorium nach Abs. 4 ermöglicht dem Bund, den Beitritt zu Familienausgleichskassen und die Mutterschaftsversicherung für obligatorisch zu erklären. Diese Kompetenz wurde für die Mutterschaftsversicherung vollumfänglich genutzt.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite des Familienbegriffs**: Während Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 116 N. 3) einen weiten Familienbegriff vertreten, der alle Formen familiären Zusammenlebens mit Kindern umfasst, plädieren konservativere Stimmen für eine Beschränkung auf traditionelle Familienformen. Die Praxis tendiert zur weiten Auslegung.\n\n**N. 14** **Vaterschaftsentschädigung**: Die Beschränkung der Erwerbsersatzentschädigung auf Mütter ist umstritten. Kritische Stimmen sehen darin eine Diskriminierung der Väter und eine verpasste Chance zur Förderung der Gleichstellung (vgl. **BGE 140 I 305**). Der Bundesrat verteidigt die geltende Lösung als schrittweise Umsetzung des Verfassungsauftrags (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20).\n\n**N. 15** **Ausgestaltung der Familienzulagen**: Strittig ist die Rolle einer eidgenössischen Familienausgleichskasse. Der Bundesrat hält die Lösung kantonaler Familienausgleichskassen für sinnvoll, da sie den Kantonen erlaubt, diesen Bereich mit Rücksicht auf ihre bestehenden Regelungen selbst zu gestalten (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20). Andere fordern eine stärkere Zentralisierung zur Vermeidung interkantonaler Konflikte.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei **interkantonalen Anspruchskonkurrenzen** im Familienzulagenrecht hat das Bundesgericht in **BGE 129 I 265** Lösungsansätze entwickelt: Primär ist der Wohnsitzkanton zuständig, wenn dort eine anspruchsauslösende Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Höhere Leistungen eines anderen Kantons können als Differenz geltend gemacht werden.\n\n**N. 17** **Geschlechtsneutrale Ausgestaltung**: Kantonale und kommunale Regelungen müssen die Gleichstellung nach Art. 8 Abs. 3 BV beachten. Automatische Prioritätsregeln zugunsten eines Geschlechts sind verfassungswidrig (**BGE 129 I 265**).\n\n**N. 18** **Koordination mit Sozialversicherungen**: Die Mutterschaftsentschädigung ist eng mit anderen Sozialversicherungen koordiniert. Während des Mutterschaftsurlaubs ruhen Taggelder der Arbeitslosenversicherung und der IV. Die Details regeln Art. 16b ff. EOG.\n\n**N. 19** **Selbständigerwerbende**: Bei der Mutterschaftsentschädigung bestehen Unterschiede zwischen unselbständig und selbständig Erwerbenden. Letztere haben keinen Anspruch auf Betriebszulagen (**BGE 146 V 378**). Dies ist bei der Beratung zu beachten.\n\n**N. 20** Die verfassungsrechtliche Verankerung des Familienschutzes in Art. 116 BV verleiht familienpolitischen Anliegen besonderes Gewicht. Bei der Auslegung anderer Normen ist die Querschnittsaufgabe nach Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen. Dies gilt besonders im Steuer-, Sozialversicherungs- und Migrationsrecht.", "caselaw_de": "# Art. 116 BV — Familie\n\n## Rechtsprechung\n\n### Familienzulagen und Geschlechtergleichstellung\n\n**BGE 129 I 265** — 11. Juli 2003 — Verfassungswidrigkeit einer kantonalen Regelung, die bei Anspruchskonkurrenz zwischen erwerbstätigen Eheleuten Familienzulagen automatisch dem Vater zuspricht. Das Bundesgericht hielt eine solche geschlechtsspezifische Prioritätsregel für unvereinbar mit Art. 8 Abs. 3 BV (Gleichstellung von Mann und Frau). Die Entscheidung ist grundlegend für das Verständnis des verfassungsrechtlichen Diskriminierungsverbots im Familienzulagenrecht.\n\n> «Mit Blick auf Art. 8 Abs. 3 BV darf das Geschlecht der potentiell Anspruchsberechtigten indessen nicht als Differenzierungsmerkmal dienen. Es gibt keinen zulässigen Grund, die Freiburger Familienzulagen bei Zweiverdiener-Ehepaaren bloss zu gewähren, wenn der Ehemann im Kanton arbeitet, nicht aber, wenn nur die Ehefrau diese Voraussetzung erfüllt.»\n\n### Mutterschaftsversicherung und Elternrechte\n\n**BGE 140 I 305** — 15. September 2014 — Keine Vaterschaftsentschädigung nach Art. 16b EOG trotz verfassungsrechtlicher Familienschutzgarantie. Das Bundesgericht verneinte einen Anspruch von Vätern auf Erwerbsersatzentschädigung nach der Geburt und betonte, dass Art. 16b EOG ausschliesslich die Mutterschaftsentschädigung regelt, nicht aber einen allgemeinen Elternurlaub. Die Norm ist direkt gestützt auf Art. 116 Abs. 3 BV, der dem Bund die Einrichtung einer Mutterschaftsversicherung aufträgt.\n\n> «Art. 16b EOG beinhaltet keinen Elternurlaub, wie er in anderen (europäischen) Ländern besteht, sondern regelt ausschliesslich den Entschädigungsanspruch der Mutter nach der Geburt.»\n\n**BGE 146 V 378** — 22. Juni 2020 — Kein Anspruch auf Betriebszulagen bei Mutterschaft für selbständig erwerbende Frauen. Das Bundesgericht bestätigte, dass der Gesetzgeber bewusst zwischen unselbständig und selbständig erwerbenden Müttern differenzierte und letztere keinen Anspruch auf zusätzliche Betriebszulagen haben. Diese Unterscheidung wurde nicht als verfassungswidrige Diskriminierung qualifiziert.\n\n> «Nach dem klaren Willen des Gesetzgebers besteht bei Mutterschaft selbständig erwerbender Frauen, anders als bei selbständig erwerbenden Dienstleistenden, kein Anspruch auf Betriebszulagen zusätzlich zur Mutterschaftsentschädigung.»\n\n### Interkantonale Kollisionsregeln\n\nDas Bundesgericht entwickelte in **BGE 129 I 265** Grundsätze zur Lösung interkantonaler Anspruchskonkurrenzen bei Familienzulagen. Es verwies auf die EU-Koordinationsregeln der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 als sachgerechte Lösung: Primär zuständig ist der Wohnsitzkanton der Familie, wenn dort eine anspruchsauslösende Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Bei höheren Leistungen im anderen Beschäftigungskanton kann dort der Differenzbetrag gefordert werden.\n\n> «Bei analoger Anwendung der erwähnten Konkurrenzregeln ist die Familienzulage im Wohnsitzkanton des Ehepaares und der Kinder zu beziehen, wenn einer der Ehegatten dort eine anspruchsauslösende Berufstätigkeit ausübt.»\n\n### Verfassungsrechtlicher Rahmen\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 116 BV dem Bund weitreichende Kompetenzen im Bereich der Familienpolitik einräumt, aber keine unmittelbaren subjektiven Rechte begründet. Die Norm ist eine Kompetenznorm, die den Bund ermächtigt, aber nicht verpflichtet, in den Bereichen Familienschutz, Familienzulagen und Mutterschaftsversicherung tätig zu werden.\n\nDie Kantone bleiben solange zum autonomen Handeln berechtigt, als der Bund von seinen Kompetenzen keinen Gebrauch macht. Dabei sind sie jedoch an die Grundrechte, insbesondere das Diskriminierungsverbot nach Art. 8 BV, gebunden.", "summary_fr": "# Art. 116 Cst. — Famille\n\n## Aperçu\n\nL'art. 116 Cst. habilite la Confédération à protéger la famille et à mener une politique sociale en faveur des familles. La norme constitutionnelle contient quatre alinéas avec différents mandats d'action.\n\n**Que règle la norme ?** L'art. 116 Cst. prescrit à la Confédération de tenir compte des besoins de la famille dans l'accomplissement de toutes ses tâches (al. 1, 1re phrase). Elle peut soutenir des mesures destinées à protéger la famille (al. 1, 2e phrase) et édicter des prescriptions sur les allocations familiales (al. 2). Le mandat constitutionnel relatif à l'assurance-maternité est formulé de manière contraignante : la Confédération « institue une assurance-maternité » (al. 3). Ces différences montrent divers degrés d'intensité des compétences fédérales (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 ch. 4).\n\n**Qui est concerné ?** La notion de famille doit être comprise au sens large et comprend toutes les formes de vie commune avec des enfants — couples mariés, couples en concubinage, partenaires enregistrés et parents seuls (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 ch. 3). Le Tribunal fédéral a confirmé que les règles de priorité automatique en faveur d'un sexe pour les allocations familiales sont contraires à la constitution (**BGE 129 I 265**).\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** La norme ne fonde pas de droits directs des citoyens, mais donne des possibilités d'action à la Confédération. Concrètement, la Confédération a édicté la loi sur les allocations familiales (LAFam, RS 836.2), qui prévoit des montants minimaux de 200 francs par enfant et par mois (art. 5 LAFam). L'assurance-maternité a été mise en œuvre par révision de la loi sur les allocations pour perte de gain (art. 16b ss LAPG, RS 834.1) et accorde 14 semaines d'indemnisation à 80 pour cent du salaire.\n\n**Exemple pratique :** Une mère reçoit après l'accouchement pendant 14 semaines 80 pour cent de son salaire antérieur de l'assurance-maternité (maximum 196 francs par jour selon l'art. 16e LAPG). En même temps, la famille a droit à des allocations pour enfants d'au moins 200 francs par mois. Si seul le père travaille dans le canton de Fribourg, mais que la famille habite dans le canton de Vaud avec des allocations plus élevées, elle peut faire valoir la différence dans le canton de domicile (**BGE 129 I 265**). En revanche, les pères n'ont pas droit à une allocation pour perte de gain après la naissance (**BGE 140 I 305**).\n\nLa Constitution oblige la Confédération, dans tous les domaines politiques — du droit fiscal à la politique migratoire — à examiner les effets sur les familles. Cette tâche transversale n'est cependant pas fondatrice de compétences, mais une instruction d'action pour les compétences fédérales existantes (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 ch. 5).", "doctrine_fr": "# Art. 116 Cst. — Famille\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 116 Cst. reprend l'ancienne disposition de protection de la famille (art. 34quinquies Cst. 1874) et l'étend considérablement. L'assurance-maternité était déjà ancrée dans l'art. 34quinquies al. 4 Cst. 1874 comme mandat constitutionnel, mais est restée non réalisée pendant des décennies (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 1-2). Entre 1945 et 2005, environ 20 tentatives différentes de créer une allocation de maternité ont échoué, jusqu'à ce qu'une solution simple réussisse finalement par l'intégration dans le régime des allocations pour perte de gain (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 21-27).\n\n**N. 2** Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 340 s.) soulignait la continuité avec l'ordre constitutionnel précédent tout en modernisant les formulations. Le constituant a expressément précisé que l'art. 116 al. 1 phr. 1 ne créait pas de compétence mais statuait une tâche transversale de la Confédération (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 5).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 116 Cst. se situe dans le 2e titre de la Constitution fédérale sur les droits fondamentaux, les droits de cité et les buts sociaux. La norme est systématiquement étroitement liée à → l'art. 41 Cst. (buts sociaux) et → l'art. 8 al. 3 Cst. (égalité entre hommes et femmes). Alors que l'art. 41 al. 1 let. c Cst. formule l'encouragement de la famille comme but social, l'art. 116 Cst. crée le fondement de compétence constitutionnel pour les mesures correspondantes de la Confédération.\n\n**N. 4** La Constitution distingue entre la prise en compte générale des besoins de la famille (al. 1 phr. 1), le soutien de mesures pour la protection de la famille (al. 1 phr. 2), la réglementation des allocations familiales (al. 2) et l'assurance-maternité (al. 3 et 4). Cette gradation reflète différents degrés d'intensité des compétences fédérales.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** La **notion de famille** dans l'art. 116 Cst. doit être comprise largement et englobe différentes formes de cohabitation familiale. Selon la doctrine dominante, cela comprend les mariages, concubinages et partenariats enregistrés avec enfants ainsi que les familles monoparentales (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 3). La forme juridique de la relation n'est pas déterminante.\n\n**N. 6** La **prise en compte des besoins de la famille** (al. 1 phr. 1) est conçue comme une tâche transversale. Malgré le libellé (« tient compte »), selon la volonté déclarée du constituant, il ne s'agit pas d'une norme de compétence autonome, mais d'une instruction d'action lors de l'exercice de compétences fédérales fondées par ailleurs (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 4-5).\n\n**N. 7** Le **soutien de mesures pour la protection de la famille** (al. 1 phr. 2) habilite la Confédération à encourager financièrement et idéologiquement les initiatives de politique familiale. La notion englobe des mesures préventives comme de soutien dans différents domaines politiques (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 6-8).\n\n**N. 8** Les **allocations familiales** (al. 2) comprennent les allocations pour enfants, de formation et de naissance. La Confédération peut édicter des prescriptions matérielles et tenir une caisse fédérale de compensation pour allocations familiales. Avec la loi sur les allocations familiales (LAFam) du 24 mars 2006, la Confédération a fait un usage complet de cette compétence (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 9-11).\n\n**N. 9** L'**assurance-maternité** (al. 3) est formulée comme mandat constitutionnel (« institue »). La mise en œuvre s'est faite par la révision de la loi sur les allocations pour perte de gain au 1er juillet 2005. La Confédération peut aussi obliger des personnes à cotiser qui ne peuvent pas bénéficier des prestations d'assurance (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 21-27).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** L'art. 116 Cst. ne fonde pas de droits subjectifs immédiats des citoyennes et citoyens. La norme est conçue comme norme de compétence qui accorde des possibilités d'action à la Confédération, mais ne l'oblige à agir concrètement que pour l'assurance-maternité (al. 3).\n\n**N. 11** Dans la mesure où la Confédération ne fait pas usage de ses compétences ou n'en fait qu'un usage partiel, la compétence des cantons est maintenue. Cela se montre particulièrement dans le domaine des allocations familiales, où les réglementations cantonales peuvent compléter le droit fédéral pour autant qu'elles prévoient des prestations plus élevées.\n\n**N. 12** L'obligation selon l'al. 4 permet à la Confédération de déclarer obligatoire l'adhésion aux caisses de compensation pour allocations familiales et l'assurance-maternité. Cette compétence a été pleinement utilisée pour l'assurance-maternité.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Portée de la notion de famille** : Alors que Gächter/Filippo (BSK BV, art. 116 n. 3) défendent une notion large de famille qui englobe toutes les formes de cohabitation familiale avec enfants, des voix plus conservatrices plaident pour une limitation aux formes familiales traditionnelles. La pratique tend vers l'interprétation large.\n\n**N. 14** **Allocation de paternité** : La limitation de l'allocation pour perte de gain aux mères est controversée. Des voix critiques y voient une discrimination des pères et une occasion manquée d'encourager l'égalité (cf. **ATF 140 I 305**). Le Conseil fédéral défend la solution en vigueur comme mise en œuvre progressive du mandat constitutionnel (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 20).\n\n**N. 15** **Aménagement des allocations familiales** : Le rôle d'une caisse fédérale de compensation pour allocations familiales est litigieux. Le Conseil fédéral considère la solution des caisses cantonales de compensation pour allocations familiales comme sensée, car elle permet aux cantons d'aménager eux-mêmes ce domaine en tenant compte de leurs réglementations existantes (Gächter/Filippo, BSK BV, art. 116 n. 20). D'autres exigent une centralisation plus forte pour éviter les conflits intercantonaux.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** En cas de **concurrence intercantona1e de droits** dans le droit des allocations familiales, le Tribunal fédéral a développé des approches de solution dans l'**ATF 129 I 265** : Le canton de domicile est compétent en premier lieu si une activité lucrative générant un droit y est exercée. Des prestations plus élevées d'un autre canton peuvent être réclamées comme différence.\n\n**N. 17** **Aménagement neutre du point de vue du sexe** : Les réglementations cantonales et communales doivent respecter l'égalité selon l'art. 8 al. 3 Cst. Les règles de priorité automatiques en faveur d'un sexe sont contraires à la Constitution (**ATF 129 I 265**).\n\n**N. 18** **Coordination avec les assurances sociales** : L'allocation de maternité est étroitement coordonnée avec d'autres assurances sociales. Pendant le congé maternité, les indemnités journalières de l'assurance-chômage et de l'AI sont suspendues. Les détails sont réglés aux art. 16b ss LAP.\n\n**N. 19** **Indépendants** : Pour l'allocation de maternité, il existe des différences entre personnes exerçant une activité lucrative dépendante et indépendante. Ces dernières n'ont pas droit aux allocations d'exploitation (**ATF 146 V 378**). Il faut en tenir compte lors du conseil.\n\n**N. 20** L'ancrage constitutionnel de la protection de la famille dans l'art. 116 Cst. confère un poids particulier aux préoccupations de politique familiale. Lors de l'interprétation d'autres normes, la tâche transversale selon l'al. 1 phr. 1 doit être prise en compte. Cela vaut particulièrement en droit fiscal, des assurances sociales et de la migration.", "caselaw_fr": "# Art. 116 Cst. — Famille\n\n## Jurisprudence\n\n### Allocations familiales et égalité des sexes\n\n**ATF 129 I 265** — 11 juillet 2003 — Inconstitutionnalité d'une réglementation cantonale qui, en cas de concours de droits entre époux exerçant une activité lucrative, accorde automatiquement les allocations familiales au père. Le Tribunal fédéral a jugé qu'une telle règle de priorité spécifique au sexe était incompatible avec l'art. 8 al. 3 Cst. (égalité entre hommes et femmes). Cette décision est fondamentale pour la compréhension de l'interdiction constitutionnelle de discrimination dans le droit aux allocations familiales.\n\n> «Au vu de l'art. 8 al. 3 Cst., le sexe des personnes potentiellement ayant droit ne peut cependant pas servir de critère de différenciation. Il n'existe aucune raison valable d'octroyer les allocations familiales fribourgeoises aux couples de doubles actifs seulement si le mari travaille dans le canton, mais pas si seule l'épouse remplit cette condition.»\n\n### Assurance-maternité et droits parentaux\n\n**ATF 140 I 305** — 15 septembre 2014 — Pas d'indemnité de paternité selon l'art. 16b LAPG malgré la garantie constitutionnelle de protection de la famille. Le Tribunal fédéral a nié le droit des pères à une indemnité de perte de gain après la naissance et a souligné que l'art. 16b LAPG règle exclusivement l'indemnité de maternité, mais pas un congé parental général. Cette norme se fonde directement sur l'art. 116 al. 3 Cst., qui charge la Confédération d'instituer une assurance-maternité.\n\n> «L'art. 16b LAPG ne contient pas de congé parental tel qu'il existe dans d'autres pays (européens), mais règle exclusivement le droit à indemnité de la mère après l'accouchement.»\n\n**ATF 146 V 378** — 22 juin 2020 — Pas de droit aux allocations d'exploitation en cas de maternité pour les femmes exerçant une activité lucrative indépendante. Le Tribunal fédéral a confirmé que le législateur avait consciemment différencié entre les mères salariées et indépendantes et que ces dernières n'ont pas droit à des allocations d'exploitation supplémentaires. Cette distinction n'a pas été qualifiée de discrimination inconstitutionnelle.\n\n> «Selon la volonté claire du législateur, il n'existe pas, en cas de maternité de femmes exerçant une activité lucrative indépendante, contrairement aux personnes indépendantes prestataires de services, de droit à des allocations d'exploitation en plus de l'indemnité de maternité.»\n\n### Règles de collision intercantonales\n\nLe Tribunal fédéral a développé dans l'**ATF 129 I 265** des principes pour résoudre les concours intercantonal de droits aux allocations familiales. Il s'est référé aux règles de coordination de l'UE du règlement (CEE) n° 1408/71 comme solution appropriée : le canton de domicile de la famille est compétent en premier lieu, si une activité lucrative donnant droit aux prestations y est exercée. En cas de prestations plus élevées dans l'autre canton d'emploi, le montant différentiel peut y être exigé.\n\n> «Par application analogique des règles de concurrence mentionnées, l'allocation familiale doit être perçue dans le canton de domicile du couple et des enfants, si l'un des époux y exerce une activité professionnelle donnant droit aux prestations.»\n\n### Cadre constitutionnel\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 116 Cst. confère à la Confédération des compétences étendues dans le domaine de la politique familiale, mais ne fonde pas de droits subjectifs immédiats. Cette norme est une norme de compétence qui habilite la Confédération, mais ne l'oblige pas, à agir dans les domaines de la protection de la famille, des allocations familiales et de l'assurance-maternité.\n\nLes cantons restent autorisés à agir de manière autonome aussi longtemps que la Confédération ne fait pas usage de ses compétences. Ce faisant, ils sont cependant liés par les droits fondamentaux, en particulier l'interdiction de discrimination selon l'art. 8 Cst.", "summary_it": "# Art. 116 Cost. — Famiglia\n\n## Panoramica\n\nL'art. 116 Cost. autorizza la Confederazione alla protezione della famiglia e alla politica sociale per le famiglie. La norma costituzionale contiene quattro capoversi con diversi mandati d'azione.\n\n**Cosa disciplina la norma?** L'art. 116 Cost. prescrive alla Confederazione di tenere conto delle necessità della famiglia in tutti i suoi compiti (cpv. 1 frase 1). Può sostenere provvedimenti per la protezione della famiglia (cpv. 1 frase 2) ed emanare prescrizioni sugli assegni familiari (cpv. 2). Il mandato costituzionale per l'assicurazione maternità è formulato in modo vincolante: la Confederazione «istituisce un'assicurazione maternità» (cpv. 3). Queste differenze mostrano diversi gradi di intensità delle competenze federali (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4).\n\n**Chi è interessato?** Il concetto di famiglia deve essere inteso in senso ampio e comprende tutte le forme di convivenza con figli — coppie sposate, coppie di fatto, partner registrati e genitori single (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). Il Tribunale federale ha confermato che le regole automatiche di priorità in favore di un sesso per gli assegni familiari sono incostituzionali (**BGE 129 I 265**).\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** La norma non fonda diritti diretti dei cittadini, ma conferisce alla Confederazione possibilità di azione. Concretamente la Confederazione ha emanato la legge sugli assegni familiari (LAFam, RS 836.2), che prevede importi minimi di 200 franchi per figlio al mese (art. 5 LAFam). L'assicurazione maternità è stata attuata mediante revisione della legge sulle indennità di perdita di guadagno (art. 16b segg. LIPG, RS 834.1) e concede un'indennità per 14 settimane pari all'80 per cento del salario.\n\n**Esempio pratico:** Una madre riceve dopo il parto per 14 settimane l'80 per cento del salario precedente dall'assicurazione maternità (al massimo 196 franchi al giorno secondo l'art. 16e LIPG). Al contempo la famiglia ha diritto ad assegni per i figli di almeno 200 franchi al mese. Se lavora solo il padre nel Canton Friburgo, ma la famiglia abita nel Canton Vaud con assegni più alti, può far valere la differenza nel Cantone di domicilio (**BGE 129 I 265**). I padri invece non hanno diritto all'indennità per perdita di guadagno dopo la nascita (**BGE 140 I 305**).\n\nLa Costituzione obbliga la Confederazione a verificare in tutti i settori politici — dal diritto fiscale alla politica migratoria — le ripercussioni sulle famiglie. Questo compito trasversale tuttavia non fonda competenze, ma è un'istruzione d'azione per le competenze federali esistenti (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).", "doctrine_it": "# Art. 116 Cost. — Famiglia\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 116 Cost. prosegue la precedente disposizione sulla protezione della famiglia (art. 34quinquies Cost. 1874) e la amplia considerevolmente. L'assicurazione maternità era già sancita come mandato costituzionale nell'art. 34quinquies cpv. 4 Cost. 1874, ma rimase inattuata per decenni (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 1-2). Tra il 1945 e il 2005 fallirono circa 20 diversi tentativi di creare un'indennità maternità, finché si riuscì a trovare una soluzione snella attraverso l'integrazione nell'ordinamento delle indennità per perdita di guadagno (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n**N. 2** Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 340 seg.) sottolineò la continuità con l'ordinamento costituzionale precedente, modernizzando al contempo le formulazioni. Il costituente stabilì espressamente che l'art. 116 cpv. 1 frase 1 non fonda competenze, ma stabilisce un compito trasversale della Confederazione (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 116 Cost. si trova nel 2° titolo della Costituzione federale sui diritti fondamentali, i diritti di cittadinanza e gli obiettivi sociali. La norma è sistematicamente strettamente collegata con → art. 41 Cost. (obiettivi sociali) e → art. 8 cpv. 3 Cost. (parità di uomo e donna). Mentre l'art. 41 cpv. 1 lett. c Cost. formula la promozione della famiglia come obiettivo sociale, l'art. 116 Cost. crea il fondamento di competenza costituzionale per le corrispondenti misure della Confederazione.\n\n**N. 4** La Costituzione distingue tra la considerazione generale dei bisogni della famiglia (cpv. 1 frase 1), il sostegno di misure per la protezione della famiglia (cpv. 1 frase 2), la disciplina degli assegni familiari (cpv. 2) e l'assicurazione maternità (cpv. 3 e 4). Questa gradazione riflette diversi gradi di intensità delle competenze federali.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** Il **concetto di famiglia** nell'art. 116 Cost. deve essere inteso in senso ampio e comprende diverse forme di convivenza familiare. Secondo la dottrina prevalente vi rientrano il matrimonio, il concubinato e le unioni domestiche registrate con figli nonché le famiglie monoparentali (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). La forma giuridica della relazione non è determinante.\n\n**N. 6** La **considerazione dei bisogni della famiglia** (cpv. 1 frase 1) è concepita come compito trasversale. Nonostante il tenore letterale («tiene conto»), secondo la volontà dichiarata del costituente non si tratta di una norma di competenza autonoma, ma di un'istruzione di condotta nell'esercizio di competenze federali fondate altrimenti (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4-5).\n\n**N. 7** Il **sostegno di misure per la protezione della famiglia** (cpv. 1 frase 2) autorizza la Confederazione alla promozione finanziaria e ideale di iniziative di politica familiare. Il concetto comprende misure preventive e di sostegno in diversi ambiti politici (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 6-8).\n\n**N. 8** Gli **assegni familiari** (cpv. 2) comprendono assegni per figli, assegni di formazione e assegni di nascita. La Confederazione può sia emanare prescrizioni materiali sia gestire una cassa federale di compensazione degli assegni familiari. Con la legge sugli assegni familiari (LAFam) del 24 marzo 2006, la Confederazione ha fatto uso estensivo di questa competenza (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 9-11).\n\n**N. 9** L'**assicurazione maternità** (cpv. 3) è formulata come mandato costituzionale («istituisce»). L'attuazione è avvenuta attraverso la revisione della legge sulle indennità per perdita di guadagno il 1° luglio 2005. La Confederazione può anche obbligare persone che non possono beneficiare delle prestazioni assicurative a versare contributi (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 116 Cost. non fonda diritti soggettivi immediati dei cittadini. La norma è concepita come norma di competenza che concede alla Confederazione possibilità d'azione, ma la obbliga ad agire concretamente soltanto per l'assicurazione maternità (cpv. 3).\n\n**N. 11** Finché la Confederazione non fa uso delle sue competenze o ne fa solo parziale uso, rimane la competenza dei Cantoni. Questo emerge particolarmente nell'ambito degli assegni familiari, dove normative cantonali possono completare il diritto federale, purché prevedano prestazioni più elevate.\n\n**N. 12** L'obbligo secondo il cpv. 4 consente alla Confederazione di dichiarare obbligatoria l'adesione alle casse di compensazione degli assegni familiari e l'assicurazione maternità. Questa competenza è stata utilizzata completamente per l'assicurazione maternità.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 13** **Portata del concetto di famiglia**: Mentre Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 116 N. 3) sostengono un concetto ampio di famiglia che comprende tutte le forme di convivenza familiare con figli, voci più conservatrici propugnano una limitazione alle forme familiari tradizionali. La prassi tende all'interpretazione ampia.\n\n**N. 14** **Indennità paternità**: La limitazione dell'indennità per perdita di guadagno alle madri è controversa. Voci critiche vi vedono una discriminazione dei padri e un'opportunità mancata per la promozione della parità (cfr. **DTF 140 I 305**). Il Consiglio federale difende la soluzione vigente come attuazione graduale del mandato costituzionale (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20).\n\n**N. 15** **Configurazione degli assegni familiari**: È controverso il ruolo di una cassa federale di compensazione degli assegni familiari. Il Consiglio federale ritiene sensata la soluzione delle casse cantonali di compensazione degli assegni familiari, poiché consente ai Cantoni di configurare autonomamente questo settore tenendo conto delle loro normative esistenti (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20). Altri chiedono una maggiore centralizzazione per evitare conflitti intercantonali.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** In caso di **concorso di diritti intercantonali** nel diritto degli assegni familiari, il Tribunale federale ha sviluppato in **DTF 129 I 265** approcci risolutivi: primariamente è competente il Cantone di domicilio, se vi si esercita un'attività lucrativa che dà diritto agli assegni. Prestazioni più elevate di un altro Cantone possono essere fatte valere come differenza.\n\n**N. 17** **Configurazione neutrale rispetto al sesso**: Le normative cantonali e comunali devono rispettare la parità secondo l'art. 8 cpv. 3 Cost. Regole di priorità automatiche a favore di un sesso sono incostituzionali (**DTF 129 I 265**).\n\n**N. 18** **Coordinamento con le assicurazioni sociali**: L'indennità maternità è strettamente coordinata con altre assicurazioni sociali. Durante il congedo maternità sono sospese le indennità giornaliere dell'assicurazione contro la disoccupazione e dell'AI. I dettagli sono disciplinati dagli art. 16b segg. LIPG.\n\n**N. 19** **Lavoratori indipendenti**: Per l'indennità maternità esistono differenze tra lavoratori dipendenti e indipendenti. Questi ultimi non hanno diritto ad assegni per l'esercizio (**DTF 146 V 378**). Questo deve essere considerato nella consulenza.\n\n**N. 20** L'ancoraggio costituzionale della protezione della famiglia nell'art. 116 Cost. conferisce particolare peso alle questioni di politica familiare. Nell'interpretazione di altre norme deve essere considerato il compito trasversale secondo il cpv. 1 frase 1. Questo vale particolarmente nel diritto fiscale, delle assicurazioni sociali e della migrazione.", "caselaw_it": "# Art. 116 Cost. — Famiglia\n\n## Giurisprudenza\n\n### Assegni familiari e parità dei sessi\n\n**DTF 129 I 265** — 11 luglio 2003 — Incostituzionalità di una normativa cantonale che in caso di concorso di diritti tra coniugi attivi professionalmente attribuisce automaticamente gli assegni familiari al padre. Il Tribunale federale ha ritenuto che una tale regola di priorità basata sul sesso sia incompatibile con l'art. 8 cpv. 3 Cost. (parità tra uomo e donna). La decisione è fondamentale per la comprensione del divieto costituzionale di discriminazione nel diritto degli assegni familiari.\n\n> «In considerazione dell'art. 8 cpv. 3 Cost., il sesso delle persone potenzialmente aventi diritto non può tuttavia servire come criterio di differenziazione. Non esiste alcun motivo lecito per concedere gli assegni familiari friburghesi alle coppie con doppio reddito solo quando il marito lavora nel Cantone, ma non quando solo la moglie soddisfa questa condizione.»\n\n### Assicurazione maternità e diritti genitoriali\n\n**DTF 140 I 305** — 15 settembre 2014 — Nessuna indennità di paternità secondo l'art. 16b LIPG nonostante la garanzia costituzionale di protezione della famiglia. Il Tribunale federale ha negato un diritto dei padri all'indennità per perdita di guadagno dopo la nascita e ha sottolineato che l'art. 16b LIPG disciplina esclusivamente l'indennità di maternità, non un congedo parentale generale. La norma si fonda direttamente sull'art. 116 cpv. 3 Cost., che incarica la Confederazione di istituire un'assicurazione maternità.\n\n> «L'art. 16b LIPG non contiene un congedo parentale come esiste in altri Paesi (europei), ma disciplina esclusivamente il diritto all'indennità della madre dopo la nascita.»\n\n**DTF 146 V 378** — 22 giugno 2020 — Nessun diritto agli assegni aziendali in caso di maternità per le donne indipendenti. Il Tribunale federale ha confermato che il legislatore ha consapevolmente differenziato tra madri dipendenti e indipendenti e che queste ultime non hanno diritto ad assegni aziendali supplementari. Questa distinzione non è stata qualificata come discriminazione incostituzionale.\n\n> «Secondo la chiara volontà del legislatore, in caso di maternità delle donne indipendenti, diversamente che per le persone indipendenti che prestano servizi, non sussiste alcun diritto ad assegni aziendali supplementari all'indennità di maternità.»\n\n### Regole di collisione intercantonali\n\nIl Tribunale federale ha sviluppato nel **DTF 129 I 265** principi per risolvere i concorsi di diritti intercantonali negli assegni familiari. Ha fatto riferimento alle regole di coordinamento UE del regolamento (CEE) n. 1408/71 come soluzione adeguata: competente in via primaria è il Cantone di domicilio della famiglia, se vi si esercita un'attività lucrativa che dà diritto all'assegno. In caso di prestazioni più elevate nell'altro Cantone di occupazione, vi si può richiedere l'importo della differenza.\n\n> «Applicando per analogia le menzionate regole di concorso, l'assegno familiare deve essere percepito nel Cantone di domicilio della coppia e dei figli, se uno dei coniugi vi esercita un'attività professionale che dà diritto all'assegno.»\n\n### Quadro costituzionale\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 116 Cost. attribuisce alla Confederazione ampie competenze nell'ambito della politica familiare, ma non fonda diritti soggettivi immediati. La norma è una norma di competenza che autorizza, ma non obbliga la Confederazione ad agire nei settori della protezione della famiglia, degli assegni familiari e dell'assicurazione maternità.\n\nI Cantoni rimangono autorizzati ad agire autonomamente finché la Confederazione non fa uso delle sue competenze. Sono tuttavia vincolati ai diritti fondamentali, in particolare al divieto di discriminazione secondo l'art. 8 Cost.", "summary_en": "# Art. 116 BV — Family\n\n## Overview\n\nArt. 116 BV empowers the Confederation to protect families and to implement family social policy. The constitutional provision contains four paragraphs with different mandates for action.\n\n**What does the provision regulate?** Art. 116 BV requires the Confederation to take into account the needs of families in all its tasks (paragraph 1 sentence 1). It may support measures for the protection of families (paragraph 1 sentence 2) and enact regulations on family allowances (paragraph 2). The constitutional mandate for maternity insurance is formulated as binding: the Confederation «shall establish maternity insurance» (paragraph 3). These differences show varying degrees of intensity in federal competences (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4).\n\n**Who is affected?** The concept of family is to be understood broadly and encompasses all forms of cohabitation with children — married couples, unmarried couples, registered partners and single parents (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). The Federal Supreme Court confirmed that automatic priority rules in favour of one gender for family allowances are unconstitutional (**BGE 129 I 265**).\n\n**What are the legal consequences?** The provision does not create direct claims for citizens, but gives the Confederation possibilities for action. Specifically, the Confederation has enacted the Family Allowances Act (FamZG, SR 836.2), which provides for minimum amounts of 200 francs per child per month (Art. 5 FamZG). Maternity insurance was implemented through revision of the Income Compensation Act (Art. 16b ff. EOG, SR 834.1) and grants 14 weeks of compensation at 80 percent of wages.\n\n**Practical example:** A mother receives 80 percent of her previous wages from maternity insurance for 14 weeks after birth (maximum 196 francs daily according to Art. 16e EOG). At the same time, the family is entitled to child allowances of at least 200 francs per month. If only the father works in the Canton of Fribourg, but the family lives in the Canton of Vaud with higher allowances, it can claim the difference in the canton of residence (**BGE 129 I 265**). Fathers, however, have no entitlement to income compensation after birth (**BGE 140 I 305**).\n\nThe Constitution obliges the Confederation to examine the impact on families in all policy areas — from tax law to migration policy. However, this cross-cutting task does not establish competence, but is an instruction for action for existing federal competences (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).", "doctrine_en": "# Art. 116 BV — Family\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 116 BV continues the former family protection provision (Art. 34quinquies BV 1874) and considerably expands it. Maternity insurance was already enshrined in Art. 34quinquies para. 4 BV 1874 as a constitutional mandate, but remained unfulfilled for decades (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 1-2). Between 1945 and 2005, around 20 different attempts to create maternity benefits failed, until finally a streamlined solution through integration into the income compensation scheme was successful (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n**N. 2** The Federal Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 340 f.) emphasised continuity with the existing constitutional order while modernising the formulations. The constitution-maker expressly stated that Art. 116 para. 1 sentence 1 does not establish competence, but rather establishes a cross-cutting task of the Confederation (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 5).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 116 BV is located in Title 2 of the Federal Constitution on fundamental rights, civil rights and social objectives. The provision is systematically closely linked with → Art. 41 BV (social objectives) and → Art. 8 para. 3 BV (equality of men and women). While Art. 41 para. 1 lit. c BV formulates the promotion of the family as a social objective, Art. 116 BV creates the constitutional competence basis for corresponding measures by the Confederation.\n\n**N. 4** The Constitution distinguishes between general consideration of the needs of the family (para. 1 sentence 1), support for measures to protect the family (para. 1 sentence 2), the regulation of family allowances (para. 2) and maternity insurance (para. 3 and 4). This gradation reflects different degrees of intensity of federal competences.\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 5** The **concept of family** in Art. 116 BV is to be understood broadly and encompasses various forms of family life. According to the prevailing doctrine, this includes married couples, cohabiting couples and registered partnerships with children as well as single-parent families (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 3). The legal form of the relationship is not decisive.\n\n**N. 6** The **consideration of the needs of the family** (para. 1 sentence 1) is conceived as a cross-cutting task. Despite the wording («considers»), according to the declared will of the constitution-maker, this is not an independent competence norm, but rather a directive for action in the exercise of federal competences established elsewhere (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 4-5).\n\n**N. 7** The **support for measures to protect the family** (para. 1 sentence 2) authorises the Confederation to provide financial and ideological support for family policy initiatives. The term encompasses preventive as well as supportive measures in various policy areas (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 6-8).\n\n**N. 8** **Family allowances** (para. 2) include child, education and birth allowances. The Confederation can both issue material regulations and operate a federal family compensation fund. With the Family Allowances Act (FamZG) of 24 March 2006, the Confederation has made comprehensive use of this competence (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 9-11).\n\n**N. 9** **Maternity insurance** (para. 3) is formulated as a constitutional mandate («shall establish»). Implementation took place through the revision of the Income Compensation Act as of 1 July 2005. The Confederation may also oblige persons who cannot benefit from the insurance benefits to pay contributions (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 21-27).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 116 BV does not establish direct subjective rights of citizens. The provision is conceived as a competence norm that grants the Confederation possibilities for action, but only obliges it to concrete action in the case of maternity insurance (para. 3).\n\n**N. 11** Insofar as the Confederation makes no or only partial use of its competences, the competence of the cantons remains. This is particularly evident in the area of family allowances, where cantonal regulations can supplement federal law, provided they provide for higher benefits.\n\n**N. 12** The obligation under para. 4 enables the Confederation to declare membership in family compensation funds and maternity insurance obligatory. This competence has been used in full for maternity insurance.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 13** **Scope of the concept of family**: While Gächter/Filippo (BSK BV, Art. 116 N. 3) advocate a broad concept of family that encompasses all forms of family life with children, more conservative voices argue for a restriction to traditional family forms. Practice tends towards the broad interpretation.\n\n**N. 14** **Paternity compensation**: The restriction of income compensation to mothers is controversial. Critical voices see this as discrimination against fathers and a missed opportunity to promote equality (cf. **BGE 140 I 305**). The Federal Council defends the current solution as a gradual implementation of the constitutional mandate (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20).\n\n**N. 15** **Structure of family allowances**: The role of a federal family compensation fund is controversial. The Federal Council considers the solution of cantonal family compensation funds sensible, as it allows the cantons to organise this area themselves with regard to their existing regulations (Gächter/Filippo, BSK BV, Art. 116 N. 20). Others call for greater centralisation to avoid intercantonal conflicts.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 16** In the case of **intercantonal conflicts of claims** in family allowance law, the Federal Supreme Court has developed approaches to solutions in **BGE 129 I 265**: The canton of residence has primary jurisdiction if a claim-triggering gainful activity is exercised there. Higher benefits from another canton can be claimed as a difference.\n\n**N. 17** **Gender-neutral design**: Cantonal and municipal regulations must observe equality according to Art. 8 para. 3 BV. Automatic priority rules in favour of one gender are unconstitutional (**BGE 129 I 265**).\n\n**N. 18** **Coordination with social insurance**: Maternity benefits are closely coordinated with other social insurance schemes. During maternity leave, daily allowances from unemployment insurance and disability insurance are suspended. The details are regulated in Art. 16b ff. EOG.\n\n**N. 19** **Self-employed persons**: There are differences between employed and self-employed persons in maternity benefits. The latter have no entitlement to operational allowances (**BGE 146 V 378**). This must be taken into account in counselling.\n\n**N. 20** The constitutional entrenchment of family protection in Art. 116 BV gives particular weight to family policy concerns. In the interpretation of other norms, the cross-cutting task according to para. 1 sentence 1 must be taken into account. This applies particularly in tax, social insurance and migration law.", "caselaw_en": "# Art. 116 Cst. — Family\n\n## Case Law\n\n### Family Allowances and Gender Equality\n\n**BGE 129 I 265** — 11 July 2003 — Unconstitutionality of a cantonal provision that automatically grants family allowances to the father in case of competing claims between gainfully employed spouses. The Federal Supreme Court held such a gender-specific priority rule to be incompatible with Art. 8 para. 3 Cst. (equality between men and women). The decision is fundamental for understanding the constitutional prohibition of discrimination in family allowance law.\n\n> «With regard to Art. 8 para. 3 Cst., however, the gender of potentially entitled persons may not serve as a distinguishing criterion. There is no permissible reason to grant Fribourg family allowances to dual-earner married couples only when the husband works in the canton, but not when only the wife fulfils this requirement.»\n\n### Maternity Insurance and Parental Rights\n\n**BGE 140 I 305** — 15 September 2014 — No paternity compensation under Art. 16b EOLA despite constitutional family protection guarantee. The Federal Supreme Court denied fathers' entitlement to income replacement benefits after birth and emphasised that Art. 16b EOLA exclusively governs maternity compensation, but not general parental leave. The provision is directly based on Art. 116 para. 3 Cst., which mandates the Confederation to establish maternity insurance.\n\n> «Art. 16b EOLA does not contain parental leave as it exists in other (European) countries, but exclusively governs the mother's entitlement to compensation after birth.»\n\n**BGE 146 V 378** — 22 June 2020 — No entitlement to operating allowances during maternity for self-employed women. The Federal Supreme Court confirmed that the legislature consciously differentiated between employed and self-employed mothers and that the latter have no entitlement to additional operating allowances. This distinction was not qualified as unconstitutional discrimination.\n\n> «According to the clear will of the legislature, self-employed women during maternity, unlike self-employed service providers, have no entitlement to operating allowances in addition to maternity compensation.»\n\n### Intercantonal Conflict-of-Laws Rules\n\nIn **BGE 129 I 265**, the Federal Supreme Court developed principles for resolving intercantonal conflicts of claims regarding family allowances. It referred to the EU coordination rules of Regulation (EEC) No 1408/71 as an appropriate solution: Primary jurisdiction lies with the canton of residence of the family, if an entitlement-triggering gainful activity is exercised there. In case of higher benefits in the other canton of employment, the differential amount can be claimed there.\n\n> «By analogous application of the mentioned conflict rules, the family allowance is to be obtained in the canton of residence of the married couple and the children, if one of the spouses exercises an entitlement-triggering professional activity there.»\n\n### Constitutional Framework\n\nThe case law shows that Art. 116 Cst. grants the Confederation far-reaching powers in the area of family policy, but does not establish direct subjective rights. The provision is a competence norm that empowers, but does not oblige, the Confederation to act in the areas of family protection, family allowances and maternity insurance.\n\nThe cantons remain entitled to autonomous action as long as the Confederation does not exercise its powers. However, they are bound by fundamental rights, particularly the prohibition of discrimination under Art. 8 Cst.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_116", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 117, "article_suffix": "", "title": "Kranken- und Unfallversicherung", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 117 BV gibt dem Bund zwei wichtige Befugnisse: Er muss Gesetze über die Kranken- und Unfallversicherung erlassen (Abs. 1) und er kann diese Versicherungen für alle oder bestimmte Gruppen obligatorisch machen (Abs. 2). Diese Verfassungsbestimmung ist die Grundlage für unser heutiges Krankenversicherungsgesetz (KVG) von 1996 und das Unfallversicherungsgesetz (UVG) von 1984.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz müssen sich krankenversichern (Art. 3 KVG). Arbeitnehmer sind zusätzlich unfallversichert über ihren Betrieb (Art. 1a UVG). Selbstständige können sich freiwillig unfallversichern.\n\n**Welche Rechtsfolgen entstehen?** Die Krankenversicherungspflicht beginnt automatisch bei Wohnsitznahme. Wer sich nicht versichert, wird von Amts wegen einer Krankenkasse zugeteilt und muss Verzugszinsen zahlen. Die Prämien können bei tiefen Einkommen vom Staat verbilligt werden (Art. 65 KVG). Bei Unfällen zahlt primär die Unfallversicherung, subsidiär die Krankenkasse.\n\n**Praktisches Beispiel:** Eine deutsche Studentin zieht nach Basel. Sie muss sich innert drei Monaten bei einer schweizerischen Krankenkasse anmelden. Nimmt sie zusätzlich einen Nebenjob an, ist sie automatisch auch unfallversichert. Verdient sie wenig, kann sie beim Kanton eine Prämienverbilligung beantragen.\n\n**Grenzen der Bundeskompetenz:** Der Bund regelt nur das Versicherungsverhältnis, nicht das gesamte Gesundheitswesen. Die Spitäler, Ärzte und Medikamentenzulassungen bleiben grundsätzlich Sache der Kantone. Diese Kompetenzaufteilung prägt unser föderalistisches Gesundheitssystem bis heute.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 117 BV geht auf Art. 34bis der Bundesverfassung von 1874 zurück, der 1890 in die Verfassung aufgenommen wurde. Die Norm bildete die verfassungsrechtliche Grundlage für das erste Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (KUVG) von 1911. Die Botschaft zur Revision der Bundesverfassung 1996 betont, dass die neue Formulierung keine materiellen Änderungen gegenüber dem früheren Recht vornehmen sollte (BBl 1997 I 1, 284).\n\n**N. 2** Die Entstehungsgeschichte ist geprägt vom politischen Ringen um das Ausmass des Versicherungsobligatoriums. Während Art. 34bis aBV nur von der «Befugnis» des Bundes sprach, ein Obligatorium einzuführen, verwendet Art. 117 Abs. 2 BV den Begriff «Ermächtigung», was die Kompetenz des Bundes sprachlich verstärkt (Gächter/Burch, Handbücher für die Anwaltspraxis, Bd. XI, 2014, 69–80).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 117 BV ist systematisch im 3. Kapitel «Sozialziele, Bildung und Forschung» des 2. Titels über die Zuständigkeiten von Bund und Kantonen eingeordnet. Die Norm steht zwischen den Kompetenzbestimmungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (→ Art. 112 BV) und zur Arbeitslosenversicherung (→ Art. 114 BV).\n\n**N. 4** Im Kontext der Sozialziele (→ Art. 41 BV) konkretisiert Art. 117 BV die Bundeskompetenz zur Verwirklichung des Rechts auf Hilfe in Notlagen (→ Art. 12 BV) im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Die Norm ist Ausdruck des sozialstaatlichen Auftrags und steht in engem Zusammenhang mit den Grundrechten, insbesondere dem Diskriminierungsverbot (→ Art. 8 BV) und der persönlichen Freiheit (→ Art. 10 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Gesetzgebungsauftrag (Abs. 1)**: Der Bund ist verpflichtet, Vorschriften über die Kranken- und Unfallversicherung zu erlassen. Mader betont, dass Art. 117 Abs. 1 BV klarer als die Vorgängerbestimmung zum Ausdruck bringe, dass Krankheit und Unfall zwei verschiedene Versicherungen seien (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, Art. 117 N. 4; zitiert in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117 N. 4).\n\n**N. 6** Die Kompetenz umfasst sowohl die obligatorische als auch die freiwillige Kranken- und Unfallversicherung. Der Bund hat diese Kompetenz mit dem KVG (SR 832.10) und dem UVG (SR 832.20) umfassend wahrgenommen. Die Norm verleiht dem Bund jedoch keine Generalkompetenz für das gesamte Gesundheitswesen, das grundsätzlich in kantonaler Zuständigkeit verbleibt (**BGE 135 V 443** E. 4.1).\n\n**N. 7** **Ermächtigung zum Obligatorium (Abs. 2)**: Der Bund kann, muss aber nicht, die Kranken- und Unfallversicherung für obligatorisch erklären. Diese Ermächtigung erstreckt sich auf die gesamte Bevölkerung oder auf einzelne Bevölkerungsgruppen. Die Ausgestaltung des Obligatoriums liegt im Ermessen des Bundesgesetzgebers (Tschudi, SZS 2001, 63–76).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Bundeskompetenz nach Art. 117 BV ist umfassend und verdrängt kantonale Regelungen im Bereich der Kranken- und Unfallversicherung. Dies gilt jedoch nur für den Versicherungsbereich im engeren Sinn, nicht für das gesamte Gesundheitswesen (Spira, in: LAMal–KVG, 1997, 63–82).\n\n**N. 9** Das vom Bund eingeführte Obligatorium begründet für die betroffenen Personen eine Versicherungspflicht. Diese kann mit Verwaltungssanktionen durchgesetzt werden (Art. 6 KVG). Die obligatorische Versicherung muss den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen, insbesondere dem Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) und dem Rechtsgleichheitsgebot (→ Art. 8 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Einheit oder Trennung der Versicherungen**: Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Frage, ob Kranken- und Unfallversicherung als getrennte oder einheitliche Systeme zu verstehen sind. Mader vertritt die Position, dass Art. 117 BV klar zwei verschiedene Versicherungen vorsehe (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, Art. 117 N. 4). Demgegenüber betont Eugster, dass die obligatorische Krankenversicherung — im Gegensatz zum früheren Recht — die Risiken Krankheit, Unfall und Mutterschaft zwingend und automatisch in einer einzigen umfassenden Versicherung mit entsprechender Gesamtprämie abdecke (Eugster, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, Rz. 5; zitiert in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117 N. 22).\n\n**N. 11** **Einheitskasse**: In der Lehre kontrovers diskutiert wird die Frage einer Einheitskrankenkasse. Kieser argumentiert verfassungsrechtlich für deren Zulässigkeit und betont die potentiellen Effizienzgewinne (Kieser, JKR 2003, 105–135; ders., plädoyer 3/2003, 24–26). Egli warnt hingegen vor den Risiken eines Monopols und verteidigt den regulierten Wettbewerb (Egli, Einheitskasse oder verzerrter Wettbewerb?, 2006). Duc nimmt eine vermittelnde Position ein und fordert primär eine Reform des bestehenden Systems (Duc, AJP 2002, 1110 f.).\n\n**N. 12** **Umfang der Bundeskompetenz**: Die Reichweite der Bundeskompetenz ist umstritten, insbesondere bei Schnittstellen zum kantonalen Gesundheitswesen. Während die herrschende Lehre von einer umfassenden Bundeskompetenz im Versicherungsbereich ausgeht (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., 2014), plädieren andere für eine restriktivere Auslegung zugunsten der kantonalen Kompetenzen (Poledna, Krankenversicherungen und ihre rechtliche Organisation, 2002).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Auslegung von Art. 117 BV ist die klare Kompetenzabgrenzung zwischen Bund (Versicherung) und Kantonen (Gesundheitswesen) zu beachten. Bundesrechtliche Regelungen dürfen nur das Versicherungsverhältnis betreffen, nicht aber direkt in die Organisation des Gesundheitswesens eingreifen.\n\n**N. 14** Die Unterscheidung zwischen obligatorischer Grundversicherung nach KVG und freiwilligen Zusatzversicherungen nach VVG ist fundamental. Streitigkeiten im Bereich der Grundversicherung unterstehen der Zuständigkeit der kantonalen Schiedsgerichte (Art. 89 KVG), während Zusatzversicherungsstreitigkeiten vor die ordentlichen Gerichte gehören (**BGE 144 V 388**).\n\n**N. 15** Für die Praxis relevant ist die Koordination zwischen KVG und UVG: Bei Unfällen geht die Leistungspflicht des UVG derjenigen des KVG vor (Art. 1a Abs. 2 lit. b KVG). Diese subsidiäre Haftung des KVG gilt es bei der Leistungsabrechnung zu beachten (Frésard/Moser-Szeless, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, 338–823).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsauftrag und Gesetzgebungskompetenz\n\n**BGE 135 V 443** vom 9. November 2009  \nVerfassungsgrundlage für die Krankenversicherung  \nDas Bundesgericht stellt klar, dass Art. 117 BV dem Bund die Kompetenz zur Regelung der Kranken- und Unfallversicherung verleiht, aber nicht zur umfassenden Regulierung des gesamten Gesundheitswesens berechtigt.\n\n> «Nach Art. 117 BV erlässt der Bund Vorschriften über die Kranken- und Unfallversicherung. Er kann die Kranken- und die Unfallversicherung allgemein oder für einzelne Bevölkerungsgruppen obligatorisch erklären. Nach dieser Verfassungsbestimmung ist der Bund also nicht zuständig für das ganze Gesundheits- und Spitalwesen, sondern nur für die Versicherung, d.h. das Verhältnis zwischen Versicherer und Versichertem.»\n\n### Verhältnis von Bund und Kantonen\n\n**BGE 130 I 26** vom 27. November 2003  \nZulassungsbeschränkungen für Leistungserbringer  \nDas Bundesgericht bestätigt, dass der Bund gestützt auf Art. 117 BV befugt ist, Vorschriften über die Zulassung zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenversicherung zu erlassen, auch wenn diese in die Wirtschaftsfreiheit eingreifen.\n\n> «Die vom Bundesrat gestützt auf Art. 55a KVG erlassene und vom Regierungsrat des Kantons Zürich konkretisierte Einschränkung der Zulassung von Leistungserbringern zur Tätigkeit zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verletzt weder das Freizügigkeitsabkommen noch die Wirtschaftsfreiheit.»\n\n**BGE 112 V 283** vom 1. Januar 1986  \nKantonale Krankenversicherungsobligatorien  \nDas Bundesgericht präzisiert das Verhältnis zwischen bundesrechtlichen und kantonalen Versicherungsobligatorien und bestätigt die Kompetenz der Kantone, subsidiäre Unfallversicherungen im Rahmen der Krankenversicherung obligatorisch zu erklären.\n\n> «Die Kantone sind auch nach Inkrafttreten des UVG zur Obligatorischerklärung einer Unfallversicherung im Rahmen der Krankenversicherung berechtigt, sofern es sich um eine Subsidiärversicherung handelt und damit im Verhältnis zur obligatorischen Unfallversicherung des Bundes (UVG) keine Doppelversicherung entsteht.»\n\n### Obligatorium und Prämienverbilligung\n\n**BGE 122 I 343** vom 12. November 1996  \nPrämienverbilligung für Saisonniers  \nDas Bundesgericht bestätigt, dass die Verfassungskompetenz des Bundes zur obligatorischen Erklärung der Krankenversicherung den Kantonen einen gewissen Gestaltungsspielraum bei der Ausführung belässt, insbesondere bei der Prämienverbilligung.\n\n> «Art. 65 KVG verlangt nicht, dass von Bundesrechts wegen alle obligatorisch Versicherten ohne Rücksicht auf die Dauer ihres Aufenthalts und die Intensität ihrer Beziehung zur Schweiz in den persönlichen Geltungsbereich der Prämienverbilligung fallen.»\n\n### Grenzen der Bundeskompetenzen\n\n**BGE 144 V 388** vom 1. Januar 2015  \nSubsidiäre Krankentaggeldversicherung  \nDas Bundesgericht untersucht die Grenzen der Kompetenz nach Art. 117 BV bei der Regelung privatrechtlicher Zusatzversicherungen und bestätigt die klare Trennung zwischen obligatorischer und freiwilliger Krankenversicherung.\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine konsistente Auslegung von Art. 117 BV als spezifische Kompetenznorm für die Sozialversicherung im Bereich Gesundheit, die den Bund zur umfassenden Regelung der obligatorischen Kranken- und Unfallversicherung ermächtigt, aber die grundsätzliche Kompetenz der Kantone im Gesundheitswesen respektiert.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 117 Cst. remonte à l'art. 34bis de la Constitution fédérale de 1874, qui fut intégré dans la Constitution en 1890. Cette norme constituait la base constitutionnelle de la première loi sur l'assurance-maladie et accidents (LAMA) de 1911. Le message concernant la révision de la Constitution fédérale de 1996 souligne que la nouvelle formulation ne devait apporter aucune modification matérielle par rapport à l'ancien droit (FF 1997 I 1, 284).\n\n**N. 2** L'historique est marqué par le débat politique sur l'étendue de l'obligation d'assurance. Alors que l'art. 34bis anc. Cst. ne parlait que de la « faculté » de la Confédération d'introduire une obligation, l'art. 117 al. 2 Cst. utilise le terme « habilitation », ce qui renforce linguistiquement la compétence de la Confédération (Gächter/Burch, Handbücher für die Anwaltspraxis, vol. XI, 2014, 69–80).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 117 Cst. est classé systématiquement dans le 3e chapitre « Buts sociaux, éducation et recherche » du 2e titre concernant les compétences de la Confédération et des cantons. Cette norme se situe entre les dispositions de compétence relatives à l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (→ art. 112 Cst.) et à l'assurance-chômage (→ art. 114 Cst.).\n\n**N. 4** Dans le contexte des buts sociaux (→ art. 41 Cst.), l'art. 117 Cst. concrétise la compétence fédérale de réalisation du droit à l'aide en cas de détresse (→ art. 12 Cst.) dans le domaine de la prévoyance sanitaire. Cette norme exprime la mission de l'État social et est étroitement liée aux droits fondamentaux, en particulier l'interdiction de discriminer (→ art. 8 Cst.) et la liberté personnelle (→ art. 10 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Mandat législatif (al. 1)** : La Confédération est tenue d'édicter des prescriptions sur l'assurance-maladie et accidents. Mader souligne que l'art. 117 al. 1 Cst. exprime plus clairement que la disposition précédente que la maladie et l'accident constituent deux assurances différentes (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, art. 117 N. 4; cité dans Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117 N. 4).\n\n**N. 6** La compétence englobe tant l'assurance-maladie et accidents obligatoire que facultative. La Confédération a exercé cette compétence de manière complète avec la LAMal (RS 832.10) et la LAA (RS 832.20). Cette norme ne confère cependant pas à la Confédération une compétence générale pour l'ensemble du système de santé, qui demeure en principe de la compétence cantonale (**ATF 135 V 443** consid. 4.1).\n\n**N. 7** **Habilitation à l'obligation (al. 2)** : La Confédération peut, mais n'est pas tenue de déclarer obligatoire l'assurance-maladie et accidents. Cette habilitation s'étend à l'ensemble de la population ou à certains groupes de population. L'aménagement de l'obligation relève du pouvoir d'appréciation du législateur fédéral (Tschudi, SZS 2001, 63–76).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** La compétence fédérale selon l'art. 117 Cst. est complète et évince les réglementations cantonales dans le domaine de l'assurance-maladie et accidents. Ceci ne vaut toutefois que pour le domaine des assurances au sens strict, non pour l'ensemble du système de santé (Spira, in: LAMal–KVG, 1997, 63–82).\n\n**N. 9** L'obligation introduite par la Confédération fonde une obligation d'assurance pour les personnes concernées. Celle-ci peut être imposée par des sanctions administratives (art. 6 LAMal). L'assurance obligatoire doit satisfaire aux exigences constitutionnelles, en particulier au principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) et au principe d'égalité (→ art. 8 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 10** **Unité ou séparation des assurances** : Un point de controverse central concerne la question de savoir si l'assurance-maladie et accidents doit être comprise comme des systèmes séparés ou unitaires. Mader défend la position selon laquelle l'art. 117 Cst. prévoit clairement deux assurances différentes (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, art. 117 N. 4). À l'inverse, Eugster souligne que l'assurance-maladie obligatoire — contrairement à l'ancien droit — couvre obligatoirement et automatiquement les risques maladie, accident et maternité dans une seule assurance globale avec une prime totale correspondante (Eugster, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, ch. 5; cité dans Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117 N. 22).\n\n**N. 11** **Caisse unique** : La question d'une caisse-maladie unique fait l'objet de discussions controversées dans la doctrine. Kieser argumente constitutionnellement en faveur de son admissibilité et souligne les gains d'efficience potentiels (Kieser, JKR 2003, 105–135; id., plädoyer 3/2003, 24–26). Egli met en garde contre les risques d'un monopole et défend la concurrence réglementée (Egli, Einheitskasse oder verzerrter Wettbewerb?, 2006). Duc adopte une position médiane et réclame en priorité une réforme du système existant (Duc, AJP 2002, 1110 s.).\n\n**N. 12** **Étendue de la compétence fédérale** : La portée de la compétence fédérale est controversée, en particulier aux interfaces avec le système de santé cantonal. Alors que la doctrine dominante part d'une compétence fédérale complète dans le domaine des assurances (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4e éd., 2014), d'autres plaident pour une interprétation plus restrictive en faveur des compétences cantonales (Poledna, Krankenversicherungen und ihre rechtliche Organisation, 2002).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Lors de l'interprétation de l'art. 117 Cst., il faut observer la délimitation claire des compétences entre la Confédération (assurance) et les cantons (système de santé). Les réglementations de droit fédéral ne peuvent concerner que la relation d'assurance, mais non intervenir directement dans l'organisation du système de santé.\n\n**N. 14** La distinction entre l'assurance de base obligatoire selon la LAMal et les assurances complémentaires facultatives selon la LCA est fondamentale. Les litiges dans le domaine de l'assurance de base relèvent de la compétence des tribunaux arbitraux cantonaux (art. 89 LAMal), tandis que les litiges d'assurance complémentaire relèvent des tribunaux ordinaires (**ATF 144 V 388**).\n\n**N. 15** Pour la pratique, la coordination entre LAMal et LAA est pertinente : en cas d'accident, l'obligation de prestations de la LAA prime sur celle de la LAMal (art. 1a al. 2 let. b LAMal). Cette responsabilité subsidiaire de la LAMal doit être prise en compte lors de la facturation des prestations (Frésard/Moser-Szeless, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, 338–823).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Mandat constitutionnel et compétence législative\n\n**ATF 135 V 443** du 9 novembre 2009  \nBase constitutionnelle pour l'assurance-maladie  \nLe Tribunal fédéral précise que l'art. 117 Cst. confère à la Confédération la compétence de régler l'assurance-maladie et accidents, mais ne l'autorise pas à réguler de manière globale l'ensemble du système de santé.\n\n> « Selon l'art. 117 Cst., la Confédération légifère sur l'assurance-maladie et l'assurance-accidents. Elle peut déclarer l'assurance-maladie et l'assurance-accidents obligatoires, de manière générale ou pour certaines catégories de personnes. D'après cette disposition constitutionnelle, la Confédération n'est donc pas compétente pour l'ensemble du système de santé et hospitalier, mais seulement pour l'assurance, c.-à-d. le rapport entre assureur et assuré. »\n\n### Rapport entre Confédération et cantons\n\n**ATF 130 I 26** du 27 novembre 2003  \nRestrictions d'admission des fournisseurs de prestations  \nLe Tribunal fédéral confirme que la Confédération est habilitée, en vertu de l'art. 117 Cst., à édicter des prescriptions sur l'admission à l'activité à charge de l'assurance-maladie obligatoire, même si celles-ci portent atteinte à la liberté économique.\n\n> « La restriction de l'admission des fournisseurs de prestations à l'activité à charge de l'assurance obligatoire des soins édictée par le Conseil fédéral en vertu de l'art. 55a LAMal et concrétisée par le Conseil d'État du canton de Zurich ne viole ni l'accord sur la libre circulation des personnes ni la liberté économique. »\n\n**ATF 112 V 283** du 1er janvier 1986  \nObligatoires cantonaux d'assurance-maladie  \nLe Tribunal fédéral précise le rapport entre les obligatoires d'assurance de droit fédéral et cantonal et confirme la compétence des cantons de déclarer obligatoires des assurances-accidents subsidiaires dans le cadre de l'assurance-maladie.\n\n> « Les cantons sont également habilités, après l'entrée en vigueur de la LAA, à déclarer obligatoire une assurance-accidents dans le cadre de l'assurance-maladie, pour autant qu'il s'agisse d'une assurance subsidiaire et qu'il n'en résulte pas de double assurance par rapport à l'assurance-accidents obligatoire de la Confédération (LAA). »\n\n### Obligatoire et réduction de primes\n\n**ATF 122 I 343** du 12 novembre 1996  \nRéduction de primes pour les saisonniers  \nLe Tribunal fédéral confirme que la compétence constitutionnelle de la Confédération de déclarer l'assurance-maladie obligatoire laisse aux cantons une certaine marge de manœuvre dans l'exécution, notamment pour la réduction de primes.\n\n> « L'art. 65 LAMal n'exige pas que tous les assurés obligatoires, sans égard à la durée de leur séjour et à l'intensité de leurs liens avec la Suisse, tombent de droit fédéral dans le champ d'application personnel de la réduction de primes. »\n\n### Limites des compétences fédérales\n\n**ATF 144 V 388** du 1er janvier 2015  \nAssurance d'indemnités journalières subsidiaire  \nLe Tribunal fédéral examine les limites de la compétence selon l'art. 117 Cst. dans la réglementation des assurances complémentaires de droit privé et confirme la séparation claire entre assurance-maladie obligatoire et facultative.\n\nLa jurisprudence montre une interprétation cohérente de l'art. 117 Cst. comme norme de compétence spécifique pour l'assurance sociale dans le domaine de la santé, qui habilite la Confédération à régler de manière globale l'assurance-maladie et accidents obligatoire, mais respecte la compétence fondamentale des cantons dans le système de santé.", "summary_it": "", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 117 Cost. risale all'art. 34bis della Costituzione federale del 1874, inserito nella Costituzione nel 1890. La norma costituì la base costituzionale per la prima legge sull'assicurazione malattie e infortuni (LAMI) del 1911. Il Messaggio sulla revisione della Costituzione federale del 1996 sottolinea che la nuova formulazione non doveva apportare modifiche materiali rispetto al diritto precedente (FF 1997 I 1, 284).\n\n**N. 2** La genesi storica è caratterizzata dalla lotta politica sull'estensione dell'obbligo assicurativo. Mentre l'art. 34bis della vecchia Cost. parlava solo di «facoltà» della Confederazione di introdurre un obbligo, l'art. 117 cpv. 2 Cost. utilizza il termine «autorizzazione», rafforzando linguisticamente la competenza della Confederazione (Gächter/Burch, Handbücher für die Anwaltspraxis, Vol. XI, 2014, 69–80).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 117 Cost. è sistematicamente inserito nel 3° capitolo «Obiettivi sociali, educazione e ricerca» del 2° titolo sulle competenze della Confederazione e dei Cantoni. La norma è posta tra le disposizioni di competenza relative all'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (→ art. 112 Cost.) e all'assicurazione contro la disoccupazione (→ art. 114 Cost.).\n\n**N. 4** Nel contesto degli obiettivi sociali (→ art. 41 Cost.), l'art. 117 Cost. concretizza la competenza confederale per la realizzazione del diritto all'aiuto in situazioni di bisogno (→ art. 12 Cost.) nel settore della prevenzione sanitaria. La norma è espressione del mandato dello Stato sociale e ha uno stretto rapporto con i diritti fondamentali, in particolare con il divieto di discriminazione (→ art. 8 Cost.) e la libertà personale (→ art. 10 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Mandato legislativo (cpv. 1)**: La Confederazione ha l'obbligo di emanare prescrizioni sull'assicurazione malattie e infortuni. Mader sottolinea che l'art. 117 cpv. 1 Cost. esprime più chiaramente della disposizione precedente che malattia e infortunio sono due assicurazioni diverse (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, art. 117 n. 4; citato in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117 n. 4).\n\n**N. 6** La competenza comprende sia l'assicurazione malattie e infortuni obbligatoria che quella facoltativa. La Confederazione ha esercitato questa competenza in modo completo con la LAMal (RS 832.10) e la LAINF (RS 832.20). La norma non conferisce tuttavia alla Confederazione una competenza generale per l'intero settore sanitario, che rimane fondamentalmente di competenza cantonale (**DTF 135 V 443** consid. 4.1).\n\n**N. 7** **Autorizzazione all'obbligo (cpv. 2)**: La Confederazione può, ma non deve, dichiarare obbligatoria l'assicurazione malattie e infortuni. Questa autorizzazione si estende all'intera popolazione o a singoli gruppi di popolazione. La configurazione dell'obbligo è lasciata al potere discrezionale del legislatore federale (Tschudi, SZS 2001, 63–76).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La competenza confederale secondo l'art. 117 Cost. è completa e sostituisce le normative cantonali nel settore dell'assicurazione malattie e infortuni. Ciò vale tuttavia solo per il settore assicurativo in senso stretto, non per l'intero sistema sanitario (Spira, in: LAMal–KVG, 1997, 63–82).\n\n**N. 9** L'obbligo introdotto dalla Confederazione fonda per le persone interessate un obbligo assicurativo. Questo può essere fatto rispettare con sanzioni amministrative (art. 6 LAMal). L'assicurazione obbligatoria deve soddisfare i requisiti costituzionali, in particolare il principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) e il principio di uguaglianza giuridica (→ art. 8 Cost.).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 10** **Unità o separazione delle assicurazioni**: Un punto controverso centrale riguarda la questione se l'assicurazione malattie e infortuni debba essere intesa come sistemi separati o unitari. Mader sostiene la posizione che l'art. 117 Cost. prevede chiaramente due assicurazioni diverse (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, art. 117 n. 4). In contrapposizione, Eugster sottolinea che l'assicurazione malattie obbligatoria — a differenza del diritto precedente — copre obbligatoriamente e automaticamente i rischi malattia, infortunio e maternità in un'unica assicurazione completa con corrispondente premio totale (Eugster, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, n. 5; citato in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117 n. 22).\n\n**N. 11** **Cassa unica**: Nella dottrina è controversa la questione di una cassa malati unica. Kieser argomenta costituzionalmente per la sua ammissibilità e sottolinea i potenziali guadagni di efficienza (Kieser, JKR 2003, 105–135; id., plädoyer 3/2003, 24–26). Egli mette invece in guardia contro i rischi di un monopolio e difende la concorrenza regolamentata (Egli, Einheitskasse oder verzerrter Wettbewerb?, 2006). Duc assume una posizione conciliatrice e chiede primariamente una riforma del sistema esistente (Duc, AJP 2002, 1110 f.).\n\n**N. 12** **Estensione della competenza confederale**: La portata della competenza confederale è controversa, in particolare alle interfacce con il sistema sanitario cantonale. Mentre la dottrina dominante parte da una competenza confederale completa nel settore assicurativo (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4ª ed., 2014), altri propendono per un'interpretazione più restrittiva a favore delle competenze cantonali (Poledna, Krankenversicherungen und ihre rechtliche Organisation, 2002).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nell'interpretazione dell'art. 117 Cost. bisogna osservare la chiara delimitazione di competenze tra Confederazione (assicurazione) e Cantoni (sistema sanitario). Le normative di diritto federale possono riguardare solo il rapporto assicurativo, ma non intervenire direttamente nell'organizzazione del sistema sanitario.\n\n**N. 14** La distinzione tra assicurazione di base obbligatoria secondo la LAMal e assicurazioni complementari facoltative secondo la LCA è fondamentale. Le controversie nell'ambito dell'assicurazione di base sottostanno alla competenza dei tribunali arbitrali cantonali (art. 89 LAMal), mentre le controversie delle assicurazioni complementari competono ai tribunali ordinari (**DTF 144 V 388**).\n\n**N. 15** Per la pratica è rilevante il coordinamento tra LAMal e LAINF: in caso di infortuni, l'obbligo di prestazione della LAINF precede quello della LAMal (art. 1a cpv. 2 lett. b LAMal). Questa responsabilità sussidiaria della LAMal deve essere osservata nella fatturazione delle prestazioni (Frésard/Moser-Szeless, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, 338–823).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Mandato costituzionale e competenza legislativa\n\n**DTF 135 V 443** del 9 novembre 2009  \nFondamento costituzionale per l'assicurazione malattie  \nIl Tribunale federale chiarisce che l'art. 117 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza per disciplinare l'assicurazione malattie e infortuni, ma non autorizza una regolamentazione globale dell'intero sistema sanitario.\n\n> «Secondo l'art. 117 Cost. la Confederazione emana prescrizioni sull'assicurazione malattie e infortuni. Può dichiarare obbligatoria l'assicurazione malattie e infortuni in generale o per singoli gruppi della popolazione. Secondo questa disposizione costituzionale la Confederazione non è dunque competente per tutto il sistema sanitario e ospedaliero, bensì solo per l'assicurazione, vale a dire il rapporto tra assicuratore e assicurato.»\n\n### Rapporto tra Confederazione e Cantoni\n\n**DTF 130 I 26** del 27 novembre 2003  \nLimitazioni all'ammissione di fornitori di prestazioni  \nIl Tribunale federale conferma che la Confederazione è competente, in base all'art. 117 Cost., a emanare prescrizioni sull'ammissione all'attività a carico dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie, anche se queste interferiscono con la libertà economica.\n\n> «La limitazione dell'ammissione di fornitori di prestazioni all'attività a carico dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie, emanata dal Consiglio federale in base all'art. 55a LAMal e concretizzata dal Consiglio di Stato del Cantone Zurigo, non viola né l'Accordo sulla libera circolazione delle persone né la libertà economica.»\n\n**DTF 112 V 283** del 1° gennaio 1986  \nObblighi cantonali di assicurazione malattie  \nIl Tribunale federale precisa il rapporto tra gli obblighi assicurativi federali e cantonali e conferma la competenza dei Cantoni di dichiarare obbligatorie assicurazioni infortuni sussidiarie nell'ambito dell'assicurazione malattie.\n\n> «Anche dopo l'entrata in vigore della LAINF i Cantoni sono autorizzati a dichiarare obbligatoria un'assicurazione infortuni nell'ambito dell'assicurazione malattie, purché si tratti di un'assicurazione sussidiaria e non si crei quindi una doppia assicurazione rispetto all'assicurazione obbligatoria infortuni della Confederazione (LAINF).»\n\n### Obbligo e riduzione dei premi\n\n**DTF 122 I 343** del 12 novembre 1996  \nRiduzione dei premi per stagionali  \nIl Tribunale federale conferma che la competenza costituzionale della Confederazione di dichiarare obbligatoria l'assicurazione malattie lascia ai Cantoni un certo margine di manovra nell'esecuzione, in particolare nella riduzione dei premi.\n\n> «L'art. 65 LAMal non richiede che per diritto federale tutti gli assicurati obbligatori rientrino nell'ambito di applicazione personale della riduzione dei premi senza riguardo alla durata del loro soggiorno e all'intensità del loro legame con la Svizzera.»\n\n### Limiti delle competenze federali\n\n**DTF 144 V 388** del 1° gennaio 2015  \nAssicurazione indennità giornaliera malattia sussidiaria  \nIl Tribunale federale esamina i limiti della competenza secondo l'art. 117 Cost. nella disciplina delle assicurazioni complementari di diritto privato e conferma la netta separazione tra assicurazione malattie obbligatoria e facoltativa.\n\nLa giurisprudenza mostra un'interpretazione coerente dell'art. 117 Cost. come norma di competenza specifica per l'assicurazione sociale nell'ambito sanitario, che autorizza la Confederazione a disciplinare in modo completo l'assicurazione obbligatoria malattie e infortuni, ma rispetta la competenza di principio dei Cantoni nel sistema sanitario.", "summary_en": "", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** Art. 117 BV traces back to Art. 34bis of the Federal Constitution of 1874, which was incorporated into the constitution in 1890. The provision formed the constitutional basis for the first Health and Accident Insurance Act (KUVG) of 1911. The Message on the revision of the Federal Constitution 1996 emphasises that the new formulation was not intended to make any material changes compared to the earlier law (BBl 1997 I 1, 284).\n\n**N. 2** The genesis is characterised by the political struggle over the extent of compulsory insurance. While Art. 34bis old BV only spoke of the Federal Government's «competence» to introduce a compulsory scheme, Art. 117 para. 2 BV uses the term «authorisation», which linguistically strengthens the Federal Government's competence (Gächter/Burch, Handbücher für die Anwaltspraxis, Bd. XI, 2014, 69–80).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 117 BV is systematically classified in Chapter 3 «Social objectives, Education and Research» of Title 2 on the competences of the Confederation and the cantons. The provision is placed between the competence provisions on old-age, survivors' and disability insurance (→ Art. 112 BV) and unemployment insurance (→ Art. 114 BV).\n\n**N. 4** In the context of social objectives (→ Art. 41 BV), Art. 117 BV concretises the Federal competence for the realisation of the right to assistance in situations of distress (→ Art. 12 BV) in the area of health care. The provision is an expression of the social welfare mandate and is closely connected with fundamental rights, in particular the prohibition of discrimination (→ Art. 8 BV) and personal freedom (→ Art. 10 BV).\n\n### 3. Elements of the offence / normative content\n\n**N. 5** **Legislative mandate (para. 1)**: The Confederation is obliged to enact provisions on health and accident insurance. Mader emphasises that Art. 117 para. 1 BV expresses more clearly than the predecessor provision that illness and accident are two different insurances (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, Art. 117 N. 4; cited in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117 N. 4).\n\n**N. 6** The competence encompasses both compulsory and voluntary health and accident insurance. The Confederation has comprehensively exercised this competence with the KVG (SR 832.10) and the UVG (SR 832.20). However, the provision does not grant the Confederation a general competence for the entire health system, which basically remains within cantonal competence (**BGE 135 V 443** E. 4.1).\n\n**N. 7** **Authorisation for compulsory insurance (para. 2)**: The Confederation may, but need not, declare health and accident insurance compulsory. This authorisation extends to the entire population or to individual population groups. The design of the compulsory scheme lies within the discretion of the federal legislator (Tschudi, SZS 2001, 63–76).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** The Federal competence under Art. 117 BV is comprehensive and displaces cantonal regulations in the area of health and accident insurance. However, this only applies to the insurance sector in the narrower sense, not to the entire health system (Spira, in: LAMal–KVG, 1997, 63–82).\n\n**N. 9** The compulsory scheme introduced by the Confederation establishes an insurance obligation for the persons concerned. This can be enforced with administrative sanctions (Art. 6 KVG). Compulsory insurance must satisfy constitutional requirements, in particular the principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 BV) and the principle of equality before the law (→ Art. 8 BV).\n\n### 5. Disputed issues\n\n**N. 10** **Unity or separation of insurances**: A central point of contention concerns the question of whether health and accident insurance are to be understood as separate or unified systems. Mader takes the position that Art. 117 BV clearly provides for two different insurances (Mader, St. Galler-Kommentar 2002, Art. 117 N. 4). In contrast, Eugster emphasises that compulsory health insurance — unlike the former law — mandatorily and automatically covers the risks of illness, accident and maternity in a single comprehensive insurance with a corresponding total premium (Eugster, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, Rz. 5; cited in Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117 N. 22).\n\n**N. 11** **Single health insurance fund**: The question of a single health insurance fund is controversially discussed in doctrine. Kieser argues constitutionally for its admissibility and emphasises the potential efficiency gains (Kieser, JKR 2003, 105–135; ders., plädoyer 3/2003, 24–26). Egli, however, warns of the risks of a monopoly and defends regulated competition (Egli, Einheitskasse oder verzerrter Wettbewerb?, 2006). Duc takes a mediating position and primarily demands a reform of the existing system (Duc, AJP 2002, 1110 f.).\n\n**N. 12** **Scope of Federal competence**: The reach of Federal competence is disputed, particularly at interfaces with the cantonal health system. While the prevailing doctrine assumes comprehensive Federal competence in the insurance sector (Locher/Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., 2014), others advocate for a more restrictive interpretation in favour of cantonal competences (Poledna, Krankenversicherungen und ihre rechtliche Organisation, 2002).\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 13** In interpreting Art. 117 BV, attention must be paid to the clear demarcation of competences between the Confederation (insurance) and the cantons (health system). Federal regulations may only concern the insurance relationship, but may not directly intervene in the organisation of the health system.\n\n**N. 14** The distinction between compulsory basic insurance under the KVG and voluntary supplementary insurance under the VVG is fundamental. Disputes in the area of basic insurance fall under the jurisdiction of cantonal arbitration tribunals (Art. 89 KVG), while supplementary insurance disputes belong before the ordinary courts (**BGE 144 V 388**).\n\n**N. 15** Relevant for practice is the coordination between KVG and UVG: In case of accidents, the obligation to provide benefits under the UVG takes precedence over that under the KVG (Art. 1a para. 2 lit. b KVG). This subsidiary liability of the KVG must be observed in benefit accounting (Frésard/Moser-Szeless, in: Meyer, Soziale Sicherheit, 2007, 338–823).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Mandate and Legislative Competence\n\n**BGE 135 V 443** of 9 November 2009  \nConstitutional basis for health insurance  \nThe Federal Supreme Court clarifies that Art. 117 FC grants the Confederation competence to regulate health and accident insurance, but does not authorize comprehensive regulation of the entire health care system.\n\n> «According to Art. 117 FC, the Confederation shall legislate on health and accident insurance. It may declare health and accident insurance to be compulsory, either in general or for individual groups of the population. Under this constitutional provision, the Confederation is therefore not responsible for the entire health care and hospital system, but only for insurance, i.e. the relationship between insurer and insured.»\n\n### Relationship between Confederation and Cantons\n\n**BGE 130 I 26** of 27 November 2003  \nAdmission restrictions for service providers  \nThe Federal Supreme Court confirms that the Confederation is empowered under Art. 117 FC to issue regulations on admission to practice at the expense of compulsory health insurance, even if these interfere with economic freedom.\n\n> «The restriction on the admission of service providers to practice at the expense of compulsory health care insurance, issued by the Federal Council pursuant to Art. 55a HIA and specified by the Governing Council of the Canton of Zurich, violates neither the Agreement on the Free Movement of Persons nor economic freedom.»\n\n**BGE 112 V 283** of 1 January 1986  \nCantonal compulsory health insurance schemes  \nThe Federal Supreme Court clarifies the relationship between federal and cantonal insurance obligations and confirms the competence of cantons to declare subsidiary accident insurance within the framework of health insurance to be compulsory.\n\n> «Even after the AIA enters into force, the cantons are entitled to declare accident insurance within the framework of health insurance to be compulsory, provided it is subsidiary insurance and thus does not create double insurance in relation to the Confederation's compulsory accident insurance (AIA).»\n\n### Compulsory Insurance and Premium Reductions\n\n**BGE 122 I 343** of 12 November 1996  \nPremium reductions for seasonal workers  \nThe Federal Supreme Court confirms that the Confederation's constitutional competence to declare health insurance compulsory leaves cantons a certain margin of discretion in implementation, particularly regarding premium reductions.\n\n> «Art. 65 HIA does not require that under federal law all persons with compulsory insurance fall within the personal scope of premium reductions, regardless of the duration of their stay and the intensity of their relationship to Switzerland.»\n\n### Limits of Federal Competences\n\n**BGE 144 V 388** of 1 January 2015  \nSubsidiary daily sickness benefit insurance  \nThe Federal Supreme Court examines the limits of competence under Art. 117 FC in regulating private supplementary insurance and confirms the clear separation between compulsory and voluntary health insurance.\n\nThe case law shows a consistent interpretation of Art. 117 FC as a specific competence norm for social insurance in the health sector, which empowers the Confederation to comprehensively regulate compulsory health and accident insurance, but respects the fundamental competence of cantons in the health care system.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_117", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 117, "article_suffix": "a", "title": "Medizinische Grundversorgung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 117a BV verpflichtet Bund und Kantone gemeinsam dazu, eine ausreichende, allen zugängliche medizinische Grundversorgung von hoher Qualität sicherzustellen. Die Hausarztmedizin (Allgemeine Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin) wird dabei besonders anerkannt und gefördert (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-23). Diese Verfassungsbestimmung entstand als direkter Gegenentwurf zur Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» und wurde am 18. Mai 2014 mit 88% Ja-Stimmen deutlich angenommen (BBl 2010 2939; **1C_282/2014**).\n\nDie medizinische Grundversorgung umfasst alle ambulanten und stationären Leistungen der primären Gesundheitsversorgung, die als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsproblemen dienen. Dazu gehören Hausärzte, Kinder- und Jugendmedizin, Notfalldienste, aber auch andere Gesundheitsberufe wie Hebammen. Ein Beispiel: Wenn ein Kind Fieber hat, wenden sich die Eltern zuerst an den Kinderarzt vor Ort. Dieser muss erreichbar, bezahlbar und fachlich qualifiziert sein.\n\nDer Bund muss zwei konkrete Bereiche gesetzlich regeln: Erstens die Aus- und Weiterbildung der Grundversorger und zweitens eine angemessene Vergütung für deren Leistungen (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38). Anders als die Sozialziele in Art. 41 BV ist Art. 117a BV direkt durchsetzbar (**BGE 151 V 100**). Bürger können sich vor Gericht auf Verletzungen der Grundversorgung berufen.\n\nDie Kantone dürfen die Anzahl der zugelassenen Ärzte begrenzen, müssen aber sicherstellen, dass die Grundversorgung nicht gefährdet wird. Das Bundesgericht bestätigte diese Praxis, solange regional unterschieden wird: Wo Ärztemangel herrscht, muss gefördert werden; wo Überversorgung besteht, darf beschränkt werden (**BGE 151 V 100**).\n\nDie Bestimmung stärkt die wohnortnahe medizinische Versorgung und bekämpft den Hausärztemangel. Sie bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für den «Masterplan Hausarztmedizin», der konkrete Förderungsmassnahmen wie die Praxisassistenz und bessere Weiterbildungsförderung vorsieht (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung über die medizinische Grundversorgung ging aus der Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» hervor, die am 1. April 2010 mit 200'268 gültigen Unterschriften eingereicht wurde (BBl 2010 2939). Der Bundesrat anerkannte zwar das berechtigte Grundanliegen der Initiative, erachtete jedoch die ausschliessliche Fokussierung auf die Hausarztmedizin als zu einseitig (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 1). \n\n**N. 2** Am 16. September 2011 legte der Bundesrat einen direkten Gegenentwurf vor, der die gesamte medizinische Grundversorgung umfasste (BBl 2011 7553). Nach dem Rückzug der Initiative zugunsten des Gegenentwurfs wurde dieser am 18. Mai 2014 mit überwältigendem Mehr von 88% Ja-Stimmen angenommen (**1C_282/2014** E. 1). Die Bestimmung trat am 18. Mai 2014 in Kraft.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 117a BV wurde bewusst nach den sozialversicherungsrechtlichen Kompetenznormen eingefügt und nicht bei den persönlichkeitsschützenden Gesundheitsbestimmungen (Art. 118–119a BV), was seine primär versorgungspolitische Ausrichtung unterstreicht (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 3).\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem systematischem Zusammenhang mit → Art. 117 BV (Kranken- und Unfallversicherung), → Art. 118 BV (Schutz der Gesundheit) und → Art. 41 Abs. 1 lit. b BV (Sozialziele). Anders als Art. 41 BV begründet Art. 117a BV jedoch direkt durchsetzbare Ansprüche (**BGE 151 V 100** E. 8).\n\n**N. 5** Die Bestimmung ergänzt die bestehenden Gesundheitskompetenzen des Bundes und erweitert diese spezifisch für die medizinische Grundversorgung. Sie bildet zugleich eine verfassungsrechtliche Grundlage für die Weiterentwicklung des KVG, insbesondere für Art. 43 Abs. 5 und Art. 55a KVG (Koller, PrimaryCare 19/2013, 384).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Medizinische Grundversorgung (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff der «medizinischen Grundversorgung» umfasst alle ambulanten und stationären Leistungen der primären Gesundheitsversorgung, die für die grosse Mehrheit der Bevölkerung niederschwellig zugänglich sind (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-8). \n\n**N. 7** Die Grundversorgung zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Erstanlaufstelle bei Gesundheitsproblemen, kontinuierliche Betreuung, Koordinationsfunktion im Gesundheitssystem und wohnortnahe Versorgung (GDK/BAG, Neue Versorgungsmodelle, 2012, 8f.).\n\n**N. 8** Zur Grundversorgung gehören neben der Hausarztmedizin auch die ambulante Kinder- und Jugendmedizin, die Grundversorgung in Permanencen und Notfallstationen sowie weitere Gesundheitsberufe wie Hebammen (**Urteil 2C_326/2024**).\n\n### 3.2 Qualitätsmerkmale der Grundversorgung\n\n**N. 9** Die Verfassung verlangt eine Grundversorgung, die drei Qualitätsmerkmale erfüllt (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 19-23):\n\n- **Ausreichend**: Bedarfsgerechte Versorgung ohne Über- oder Unterversorgung (**BGE 151 V 100** E. 12.2)\n- **Allen zugänglich**: Geografische, zeitliche und finanzielle Erreichbarkeit für die gesamte Bevölkerung\n- **Hohe Qualität**: Fachliche Standards nach aktuellem medizinischem Wissen\n\n**N. 10** Diese Anforderungen stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander und zur Kostenkontrolle. Die Rechtsprechung anerkennt, dass eine effiziente Mittelverwendung Teil des Verfassungsauftrags ist (**BGE 151 V 100** E. 12.2.1).\n\n### 3.3 Hausarztmedizin (Abs. 1 Satz 2)\n\n**N. 11** Die «Hausarztmedizin» wird als schwergewichtig auf die Primärversorgung ausgerichtetes ärztliches Tätigkeitsgebiet verstanden (Botsch. Hausarztmedizin, BBl 2011 7558). Die Definition ist in der Fachwelt umstritten (Rupp, PrimaryCare 3/2011, 41).\n\n**N. 12** Das Bundesgericht konkretisierte die Förderung der Hausarztmedizin durch Anerkennung spezifischer Weiterbildungsprogramme in Allgemeiner Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie weiteren Grundversorgungsfachrichtungen (**BGE 151 V 100** E. 10.3).\n\n### 3.4 Gesetzgebungsauftrag (Abs. 2)\n\n**N. 13** Abs. 2 enthält einen verbindlichen Gesetzgebungsauftrag mit zwei Komponenten:\n\n- **Aus- und Weiterbildung sowie Berufsausübung** (lit. a): Der Bund muss die Rahmenbedingungen für die Grundversorgerberufe regeln (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 28-33)\n- **Angemessene Abgeltung** (lit. b): Die Tarifstrukturen müssen die Leistungen der Hausarztmedizin angemessen vergüten (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38)\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 117a BV begründet eine Staatsaufgabe mit unterschiedlichen Verpflichtungsgraden (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 25-26):\n\n- **Gewährleistungspflicht**: Bund und Kantone müssen gemeinsam die Grundversorgung sicherstellen\n- **Förderungspflicht**: Die Hausarztmedizin ist besonders zu unterstützen\n- **Gesetzgebungspflicht**: Der Bund muss die in Abs. 2 genannten Bereiche regeln\n\n**N. 15** Die Verfassungsbestimmung ist im Gegensatz zu Art. 41 BV direkt anwendbar und justiziabel. Betroffene können sich auf Verletzungen von Art. 117a BV berufen (**BGE 151 V 100**).\n\n**N. 16** Die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen bleibt durch Art. 117a BV grundsätzlich unberührt. Die Kantone behalten ihre Vollzugskompetenzen im Gesundheitswesen (**BGE 151 V 100** E. 8).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Reichweite der Grundversorgung**: Die GDK kritisierte den Gegenentwurf, weil er sich nicht nur auf die ambulante Grundversorgung beschränke (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 10). Die herrschende Lehre vertritt demgegenüber ein umfassendes Verständnis, das auch stationäre Leistungen einschliesst (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3. Aufl. 2013, § 2 N. 45).\n\n**N. 18** **Definition der Hausarztmedizin**: Rupp kritisiert die unklare Begriffsbestimmung und fordert eine präzisere Abgrenzung (PrimaryCare 3/2011, 41f.). Bauer/Hänggeli sehen die Definition durch die neuen Weiterbildungsprogramme in Allgemeiner Innerer Medizin als geklärt an (SÄZ 49/2010, 1930).\n\n**N. 19** **Verhältnis zu Zulassungsbeschränkungen**: Umstritten ist, inwieweit kantonale Zulassungsbeschränkungen mit Art. 117a BV vereinbar sind. Das Bundesgericht bejaht die Vereinbarkeit, sofern die Grundversorgung nicht gefährdet wird (**BGE 151 V 100**). Kritische Stimmen fordern eine restriktivere Auslegung der Beschränkungsmöglichkeiten.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Anwendung von Art. 117a BV ist das Zusammenspiel mit dem KVG zu beachten, insbesondere mit Art. 43 Abs. 5 KVG (Tarifschutz für Grundversorger) und Art. 55a KVG (Zulassungssteuerung).\n\n**N. 21** Der «Masterplan Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung» konkretisiert die Verfassungsvorgaben durch ein Bündel von Massnahmen (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40; Koller, FS Straumann, 2013, 113ff.).\n\n**N. 22** Kantonale Zulassungsbeschränkungen müssen eine differenzierte Bedarfsanalyse vornehmen und die Grundversorgung von Beschränkungen ausnehmen oder privilegieren (**BGE 151 V 100** E. 12).\n\n**N. 23** Bei Tarifverhandlungen ist die verfassungsrechtliche Vorgabe der «angemessenen Abgeltung» der Hausarztmedizin zu berücksichtigen. Dies kann höhere Tarife für Grundversorger rechtfertigen (Poledna/Berger, Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, 225).\n\n**N. 24** Die Förderung der Hausarztmedizin umfasst konkrete Programme wie die «Praxisassistenz» und spezifische Weiterbildungsförderung. Diese Massnahmen sind bei der Auslegung des Förderauftrags zu berücksichtigen (**BGE 151 V 100** E. 10.3).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Entstehung und Geltungsbereich\n\n### Abstimmungsverfahren 2014\n\n**1C_282/2014** vom 7. Juli 2014  \nAbstimmungsbeschwerde betreffend eidgenössische Volksabstimmung über die medizinische Grundversorgung  \nDas Bundesgericht wies Beschwerden gegen die Durchführung der Abstimmung über Art. 117a BV ab.\n\n> «Am 18. Mai 2014 kam der Bundesbeschluss über die medizinische Grundversorgung (neuer Art. 117a BV) als direkter Gegenentwurf zur zurückgezogenen Volksinitiative \"Ja zur Hausarztmedizin\" zur Abstimmung. Die Vorlage wurde gesamtschweizerisch mit 2'478'470 Ja-Stimmen (88 Prozent) zu 337'240 Nein-Stimmen (12 Prozent) angenommen.»\n\nDiese parallelen Verfahren (1C_279/2014, 1C_280/2014, 1C_281/2014, 1C_283/2014) bestätigten das deutliche Abstimmungsresultat und die ordnungsgemässe Durchführung des Urnengangs.\n\n## Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen und internationalen Verpflichtungen\n\n### Spitalbeschaffungsrecht\n\n**BGE 145 II 49** vom 21. Februar 2019  \nAnwendbarkeit des öffentlichen Beschaffungsrechts auf Spitalgesellschaften  \nDas Bundesgericht prüfte Art. 117a BV im Kontext der verfassungsrechtlichen Spitalversorgung und des Beschaffungsrechts.\n\n> «Art. 117, Art. 117a BV begründen verfassungsrechtliche Verpflichtungen zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung, die bei der Auslegung des öffentlichen Beschaffungsrechts zu berücksichtigen sind.»\n\nDas Urteil stellt klar, dass die Gesundheitsversorgungspflichten nach Art. 117a BV die Auslegung anderer Rechtsgebiete beeinflussen.\n\n## Verhältnismässigkeit von Zulassungsbeschränkungen\n\n### Ärztliche Grundversorgung und Zulassungsstopp\n\n**BGE 151 V 100** vom 15. Januar 2025  \nBegrenzung von Ärztezahlen im ambulanten Bereich versus medizinische Grundversorgung  \nDas Bundesgericht bestätigte die Vereinbarkeit kantonaler Zulassungsbeschränkungen mit Art. 117a BV.\n\n> «Es kann darin weder eine Verletzung des in Art. 117a BV verankerten Rechts auf medizinische Grundversorgung noch der in Art. 5 der Höchstzahlenverordnung stipulierten kantonalen ambulanten Bedarfsplanung erblickt werden.»\n\nDer Entscheid zeigt, dass Art. 117a BV keine unbeschränkte Zulassung aller Leistungserbringer verlangt, sondern eine bedarfsgerechte Versorgung anstrebt. Zulassungsbeschränkungen sind verfassungskonform, wenn sie der Kostensteuerung dienen und die Grundversorgung nicht gefährden.\n\n### Regionale Bedarfsplanung\n\n**BGE 151 V 100** (Fortsetzung)  \nRegionale Differenzierung bei der Grundversorgung  \nDas Bundesgericht anerkannte die Notwendigkeit regionaler Bedarfsplanung zur Umsetzung von Art. 117a BV.\n\n> «Der Beschwerdegegner beschränkt die OKP-Zulassung nur dort, wo der Bedarf gedeckt ist. Im Sinne einer ausreichenden, allen zugänglichen Grundversorgung von hoher Qualität gemäss Art. 117a Abs. 1 BV fördert er hingegen jene ambulanten Fachgebiete der Grundversorgung, in denen tendenziell ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten besteht.»\n\nDie Rechtsprechung bestätigt, dass Art. 117a BV sowohl Über- als auch Unterversorgung verhindern soll.\n\n## Auslegung der Hausarztmedizin\n\n### Weiterbildungsförderung\n\n**BGE 151 V 100** (Erwägung 10.3)  \nFörderung der Hausarztmedizin als Verfassungsauftrag  \nDas Bundesgericht würdigte konkrete Massnahmen zur Förderung der Hausarztmedizin.\n\n> «Zur Förderung der Hausarztmedizin im Jahr 2008 das Programm \"Praxisassistenz\" lanciert, das per 2023 erneut für vier Jahre verlängert wurde [...] Im Rahmen der Neuregelung der ärztlichen Weiterbildung werden zudem Weiterbildungsstellen in den vier Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie -psychotherapie gefördert.»\n\nDer Entscheid konkretisiert den Förderauftrag für die Hausarztmedizin durch spezifische Weiterbildungsmassnahmen.\n\n## Andere Gesundheitsberufe\n\n### Hebammen\n\n**Urteil 2C_326/2024** vom 26. August 2025  \nBerufsausübungsbewilligung für Hebammen und Grundversorgung  \nDas Bundesgericht erwähnte Art. 117a BV im Kontext der medizinischen Grundversorgung durch Hebammen.\n\nDie Entscheidung zeigt, dass Art. 117a BV nicht nur für Ärzte, sondern für alle Berufe der medizinischen Grundversorgung relevant ist.\n\n## Kompetenzverteilung Bund-Kantone\n\n### Vollzugskompetenz der Kantone\n\n**BGE 151 V 100** (Erwägung 8)  \nKantonale Umsetzung der Bundesverfassungsbestimmung  \nDas Bundesgericht bestätigte die geteilten Zuständigkeiten bei der Umsetzung von Art. 117a BV.\n\n> «Die kantonalbernische Gesetzeslage umfasst die Kompetenz des Regierungsrats des Kantons Bern, die Zulassung der Ärztinnen und Ärzte, die im ambulanten Bereich zulasten der OKP im Kanton Bern Leistungen erbringen, nach Massgabe von Art. 55a KVG i.V.m. Art. 1 der Höchstzahlenverordnung in quantitativer Hinsicht mittels Verordnung festzulegen resp. einzuschränken.»\n\nDie Rechtsprechung zeigt das Zusammenspiel zwischen dem Verfassungsauftrag nach Art. 117a BV und seiner gesetzlichen Konkretisierung.\n\n## Justiziabilität und Durchsetzbarkeit\n\n### Direkte Anwendbarkeit\n\n**BGE 151 V 100** (implizit)  \nRechtsnatur der Verfassungsbestimmung  \nDas Bundesgericht prüfte konkrete Verstösse gegen Art. 117a BV, was auf dessen direkte Anwendbarkeit hindeutet.\n\nDie Praxis zeigt, dass Art. 117a BV nicht nur programmatisch ist, sondern als justiziable Verfassungsbestimmung durchsetzbare Ansprüche begründet.\n\n## Verhältnis zur Kostendämpfung\n\n### Wirtschaftlichkeit der Versorgung\n\n**BGE 151 V 100** (Erwägung 12.2.1)  \nEffizienzpotentiale und Grundversorgungsauftrag  \nDas Bundesgericht anerkannte die Spannung zwischen Grundversorgung und Kostenkontrolle.\n\n> «Nach der vom BAG in Auftrag gegebenen Studie zu den Effizienzpotenzialen bei den KVG-pflichtigen Leistungen wurde denn auch u.a. bei den ambulanten ärztlichen Leistungen ein Effizienzpotenzial von insgesamt Fr. 1,46 bis 1,60 Mrd. bzw. 3,2 % bis 3,5 % geschätzt.»\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 117a BV nicht im Widerspruch zur Kostendämpfung steht, sondern eine effiziente Grundversorgung verlangt.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 117a Cst. oblige conjointement la Confédération et les cantons à garantir des soins médicaux de base suffisants, accessibles à tous et de haute qualité. La médecine de famille (médecine interne générale, pédiatrie et médecine de l'adolescence) est particulièrement reconnue et encouragée (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117a N. 6-23). Cette disposition constitutionnelle est née comme contre-projet direct à l'initiative populaire « Oui à la médecine de famille » et a été clairement adoptée le 18 mai 2014 avec 88% de votes favorables (FF 2010 2723; **1C_282/2014**).\n\nLes soins médicaux de base comprennent toutes les prestations ambulatoires et hospitalières des soins de santé primaires qui servent de premier recours en cas de problèmes de santé. Cela inclut les médecins de famille, la pédiatrie et médecine de l'adolescence, les services d'urgence, mais aussi d'autres professions de la santé comme les sages-femmes. Un exemple : si un enfant a de la fièvre, les parents s'adressent d'abord au pédiatre du lieu. Celui-ci doit être accessible, abordable et qualifié sur le plan professionnel.\n\nLa Confédération doit réglementer légalement deux domaines concrets : premièrement la formation et la formation continue des médecins de premier recours et deuxièmement une rémunération appropriée pour leurs prestations (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117a N. 34-38). Contrairement aux buts sociaux de l'art. 41 Cst., l'art. 117a Cst. est directement justiciable (**ATF 151 V 100**). Les citoyens peuvent invoquer devant les tribunaux des violations des soins de base.\n\nLes cantons peuvent limiter le nombre de médecins admis, mais ils doivent veiller à ce que les soins de base ne soient pas compromis. Le Tribunal fédéral a confirmé cette pratique, pour autant qu'une distinction régionale soit faite : là où règne une pénurie de médecins, il faut encourager ; là où existe une offre excédentaire, on peut limiter (**ATF 151 V 100**).\n\nLa disposition renforce les soins médicaux de proximité et combat la pénurie de médecins de famille. Elle constitue la base constitutionnelle du « Plan directeur médecine de famille », qui prévoit des mesures d'encouragement concrètes comme l'assistanat au cabinet médical et une meilleure promotion de la formation continue (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, art. 117a N. 39-40).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La disposition sur les soins médicaux de base est issue de l'initiative populaire « Oui à la médecine de famille », déposée le 1er avril 2010 avec 200'268 signatures valables (FF 2010 2739). Le Conseil fédéral reconnaissait certes la préoccupation légitime de l'initiative, mais estimait que l'orientation exclusive sur la médecine de famille était trop restrictive (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 1).\n\n**N. 2** Le 16 septembre 2011, le Conseil fédéral présenta un contre-projet direct qui englobait l'ensemble des soins médicaux de base (FF 2011 6953). Après le retrait de l'initiative en faveur du contre-projet, celui-ci fut adopté le 18 mai 2014 avec une majorité écrasante de 88% de oui (**1C_282/2014** consid. 1). La disposition entra en vigueur le 18 mai 2014.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 117a Cst. fut délibérément inséré après les normes de compétence du droit des assurances sociales et non auprès des dispositions sanitaires protégeant la personnalité (art. 118–119a Cst.), ce qui souligne son orientation principalement politique de l'approvisionnement (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 3).\n\n**N. 4** La norme entretient un lien systématique étroit avec → l'art. 117 Cst. (assurance-maladie et accidents), → l'art. 118 Cst. (protection de la santé) et → l'art. 41 al. 1 let. b Cst. (buts sociaux). Contrairement à l'art. 41 Cst., l'art. 117a Cst. fonde cependant des droits directement justiciables (**ATF 151 V 100** consid. 8).\n\n**N. 5** La disposition complète les compétences sanitaires existantes de la Confédération et les étend spécifiquement pour les soins médicaux de base. Elle constitue en même temps une base constitutionnelle pour le développement de la LAMal, notamment pour l'art. 43 al. 5 et l'art. 55a LAMal (Koller, PrimaryCare 19/2013, 384).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Soins médicaux de base (al. 1)\n\n**N. 6** La notion de « soins médicaux de base » englobe toutes les prestations ambulatoires et stationnaires des soins de santé primaires, qui sont accessibles à bas seuil pour la grande majorité de la population (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-8).\n\n**N. 7** Les soins de base se caractérisent par les éléments suivants : premier point de contact en cas de problèmes de santé, prise en charge continue, fonction de coordination dans le système de santé et soins à proximité du domicile (CDS/OFSP, Nouveaux modèles de soins, 2012, 8s.).\n\n**N. 8** Les soins de base comprennent, outre la médecine de famille, aussi la médecine ambulatoire de l'enfance et de l'adolescence, les soins de base dans les permanences et services d'urgence ainsi que d'autres professions de la santé comme les sage-femmes (**Arrêt 2C_326/2024**).\n\n### 3.2 Critères de qualité des soins de base\n\n**N. 9** La Constitution exige des soins de base qui remplissent trois critères de qualité (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 19-23) :\n\n- **Suffisants** : Approvisionnement adapté aux besoins sans sur- ou sous-approvisionnement (**ATF 151 V 100** consid. 12.2)\n- **Accessibles à tous** : Accessibilité géographique, temporelle et financière pour l'ensemble de la population\n- **De qualité élevée** : Standards professionnels selon les connaissances médicales actuelles\n\n**N. 10** Ces exigences sont en tension les unes avec les autres et avec le contrôle des coûts. La jurisprudence reconnaît qu'une utilisation efficace des moyens fait partie du mandat constitutionnel (**ATF 151 V 100** consid. 12.2.1).\n\n### 3.3 Médecine de famille (al. 1 phr. 2)\n\n**N. 11** La « médecine de famille » est comprise comme un domaine d'activité médicale orienté principalement vers les soins primaires (Message médecine de famille, FF 2011 6958). La définition est controversée dans le milieu spécialisé (Rupp, PrimaryCare 3/2011, 41).\n\n**N. 12** Le Tribunal fédéral concrétisa la promotion de la médecine de famille par la reconnaissance de programmes de formation postgraduée spécifiques en médecine interne générale, médecine de l'enfance et de l'adolescence ainsi que d'autres disciplines de soins de base (**ATF 151 V 100** consid. 10.3).\n\n### 3.4 Mandat législatif (al. 2)\n\n**N. 13** L'al. 2 contient un mandat législatif contraignant avec deux composantes :\n\n- **Formation et formation postgraduée ainsi qu'exercice de la profession** (let. a) : La Confédération doit régler les conditions-cadres pour les professions de soins de base (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 28-33)\n- **Rémunération appropriée** (let. b) : Les structures tarifaires doivent rémunérer de manière appropriée les prestations de la médecine de famille (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38)\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** L'art. 117a Cst. fonde une tâche étatique avec différents degrés d'obligation (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 25-26) :\n\n- **Obligation de garantie** : La Confédération et les cantons doivent assurer conjointement les soins de base\n- **Obligation de promotion** : La médecine de famille doit être particulièrement soutenue\n- **Obligation législative** : La Confédération doit régler les domaines mentionnés à l'al. 2\n\n**N. 15** La disposition constitutionnelle est, contrairement à l'art. 41 Cst., directement applicable et justiciable. Les personnes concernées peuvent invoquer des violations de l'art. 117a Cst. (**ATF 151 V 100**).\n\n**N. 16** La répartition des compétences entre la Confédération et les cantons reste en principe inchangée par l'art. 117a Cst. Les cantons conservent leurs compétences d'exécution dans le domaine de la santé (**ATF 151 V 100** consid. 8).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Portée des soins de base** : La CDS critiquait le contre-projet parce qu'il ne se limitait pas uniquement aux soins de base ambulatoires (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 10). La doctrine dominante défend au contraire une conception large qui inclut aussi les prestations stationnaires (Gächter/Rütsche, Droit de la santé, 3e éd. 2013, § 2 N. 45).\n\n**N. 18** **Définition de la médecine de famille** : Rupp critique la définition peu claire et exige une délimitation plus précise (PrimaryCare 3/2011, 41s.). Bauer/Hänggeli considèrent que la définition est clarifiée par les nouveaux programmes de formation postgraduée en médecine interne générale (BMS 49/2010, 1930).\n\n**N. 19** **Rapport aux limitations d'admission** : Il est controversé de savoir dans quelle mesure les limitations d'admission cantonales sont compatibles avec l'art. 117a Cst. Le Tribunal fédéral affirme la compatibilité, pour autant que les soins de base ne soient pas mis en danger (**ATF 151 V 100**). Des voix critiques exigent une interprétation plus restrictive des possibilités de limitation.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'application de l'art. 117a Cst., il faut tenir compte de l'interaction avec la LAMal, notamment avec l'art. 43 al. 5 LAMal (protection tarifaire pour les soignants de base) et l'art. 55a LAMal (pilotage des admissions).\n\n**N. 21** Le « Plan directeur médecine de famille et soins médicaux de base » concrétise les exigences constitutionnelles par un ensemble de mesures (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40 ; Koller, FS Straumann, 2013, 113ss.).\n\n**N. 22** Les limitations d'admission cantonales doivent procéder à une analyse différenciée des besoins et exempter les soins de base des limitations ou les privilégier (**ATF 151 V 100** consid. 12).\n\n**N. 23** Lors des négociations tarifaires, il faut tenir compte de l'exigence constitutionnelle de « rémunération appropriée » de la médecine de famille. Ceci peut justifier des tarifs plus élevés pour les soignants de base (Poledna/Berger, Droit public de la santé, 2002, 225).\n\n**N. 24** La promotion de la médecine de famille comprend des programmes concrets comme l'« assistanat au cabinet médical » et la promotion spécifique de la formation postgraduée. Ces mesures doivent être prises en compte lors de l'interprétation du mandat de promotion (**ATF 151 V 100** consid. 10.3).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Genèse et champ d'application\n\n### Procédure de votation 2014\n\n**1C_282/2014** du 7 juillet 2014  \nRecours en matière de votation concernant la votation populaire fédérale sur les soins médicaux de base  \nLe Tribunal fédéral a rejeté les recours contre la tenue de la votation sur l'art. 117a Cst.\n\n> «Le 18 mai 2014, l'arrêté fédéral sur les soins médicaux de base (nouvel art. 117a Cst.) était soumis au vote en tant que contre-projet direct à l'initiative populaire retirée \"Oui à la médecine de famille\". Le projet a été accepté sur le plan national avec 2'478'470 voix positives (88 pour cent) contre 337'240 voix négatives (12 pour cent).»\n\nCes procédures parallèles (1C_279/2014, 1C_280/2014, 1C_281/2014, 1C_283/2014) ont confirmé le résultat net de la votation et le bon déroulement du scrutin.\n\n## Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles et obligations internationales\n\n### Droit des marchés publics hospitaliers\n\n**ATF 145 II 49** du 21 février 2019  \nApplicabilité du droit des marchés publics aux sociétés hospitalières  \nLe Tribunal fédéral a examiné l'art. 117a Cst. dans le contexte de l'approvisionnement hospitalier de droit constitutionnel et du droit des marchés publics.\n\n> «Les art. 117, 117a Cst. fondent des obligations de droit constitutionnel d'assurer l'approvisionnement sanitaire, qui doivent être prises en considération lors de l'interprétation du droit des marchés publics.»\n\nL'arrêt précise que les obligations d'approvisionnement sanitaire selon l'art. 117a Cst. influencent l'interprétation d'autres domaines juridiques.\n\n## Proportionnalité des restrictions d'admission\n\n### Soins médicaux de base et arrêt des admissions\n\n**ATF 151 V 100** du 15 janvier 2025  \nLimitation du nombre de médecins dans le secteur ambulatoire versus soins médicaux de base  \nLe Tribunal fédéral a confirmé la compatibilité des restrictions cantonales d'admission avec l'art. 117a Cst.\n\n> «On ne saurait y voir ni une violation du droit aux soins médicaux de base ancré à l'art. 117a Cst. ni de la planification cantonale des besoins ambulatoires stipulée à l'art. 5 de l'ordonnance sur les nombres maximums.»\n\nLa décision montre que l'art. 117a Cst. n'exige pas l'admission illimitée de tous les fournisseurs de prestations, mais vise un approvisionnement adapté aux besoins. Les restrictions d'admission sont conformes à la Constitution si elles servent au pilotage des coûts et ne mettent pas en péril les soins de base.\n\n### Planification régionale des besoins\n\n**ATF 151 V 100** (suite)  \nDifférenciation régionale dans les soins de base  \nLe Tribunal fédéral a reconnu la nécessité d'une planification régionale des besoins pour la mise en œuvre de l'art. 117a Cst.\n\n> «L'intimé limite l'admission LAMal seulement là où les besoins sont couverts. Dans l'esprit de soins de base suffisants, accessibles à tous et de haute qualité selon l'art. 117a al. 1 Cst., il encourage en revanche les domaines spécialisés ambulatoires des soins de base dans lesquels il existe une tendance à la pénurie de médecins.»\n\nLa jurisprudence confirme que l'art. 117a Cst. doit prévenir tant la sur- que la sous-desserte.\n\n## Interprétation de la médecine de famille\n\n### Encouragement de la formation postgraduée\n\n**ATF 151 V 100** (consid. 10.3)  \nEncouragement de la médecine de famille comme mandat constitutionnel  \nLe Tribunal fédéral a apprécié des mesures concrètes d'encouragement de la médecine de famille.\n\n> «Pour encourager la médecine de famille, lancé en 2008 le programme \"Assistanat au cabinet médical\", qui a été renouvelé en 2023 pour quatre ans [...] Dans le cadre de la nouvelle réglementation de la formation postgraduée médicale, des postes de formation postgraduée dans les quatre disciplines spécialisées médecine interne générale, pédiatrie, psychiatrie et psychothérapie et psychiatrie et psychothérapie d'enfants et d'adolescents sont en outre encouragés.»\n\nLa décision concrétise le mandat d'encouragement pour la médecine de famille par des mesures spécifiques de formation postgraduée.\n\n## Autres professions de la santé\n\n### Sages-femmes\n\n**Arrêt 2C_326/2024** du 26 août 2025  \nAutorisation d'exercer la profession pour les sages-femmes et soins de base  \nLe Tribunal fédéral a mentionné l'art. 117a Cst. dans le contexte des soins médicaux de base par les sages-femmes.\n\nLa décision montre que l'art. 117a Cst. est pertinent non seulement pour les médecins, mais pour toutes les professions des soins médicaux de base.\n\n## Répartition des compétences Confédération-cantons\n\n### Compétence d'exécution des cantons\n\n**ATF 151 V 100** (consid. 8)  \nMise en œuvre cantonale de la disposition constitutionnelle fédérale  \nLe Tribunal fédéral a confirmé les compétences partagées dans la mise en œuvre de l'art. 117a Cst.\n\n> «La législation cantonale bernoise comprend la compétence du Conseil-exécutif du canton de Berne de fixer resp. de limiter par voie d'ordonnance, sous l'angle quantitatif, l'admission des médecins qui fournissent des prestations à charge de l'AOS dans le secteur ambulatoire dans le canton de Berne, selon l'art. 55a LAMal en relation avec l'art. 1er de l'ordonnance sur les nombres maximums.»\n\nLa jurisprudence montre l'interaction entre le mandat constitutionnel selon l'art. 117a Cst. et sa concrétisation légale.\n\n## Justiciabilité et exécutabilité\n\n### Applicabilité directe\n\n**ATF 151 V 100** (implicite)  \nNature juridique de la disposition constitutionnelle  \nLe Tribunal fédéral a examiné des violations concrètes de l'art. 117a Cst., ce qui indique son applicabilité directe.\n\nLa pratique montre que l'art. 117a Cst. n'est pas seulement programmatique, mais qu'en tant que disposition constitutionnelle justiciable, il fonde des prétentions exécutoires.\n\n## Rapport avec la maîtrise des coûts\n\n### Efficacité économique de l'approvisionnement\n\n**ATF 151 V 100** (consid. 12.2.1)  \nPotentiels d'efficacité et mandat de soins de base  \nLe Tribunal fédéral a reconnu la tension entre soins de base et contrôle des coûts.\n\n> «Selon l'étude sur les potentiels d'efficacité dans les prestations obligatoires LAMal commandée par l'OFSP, un potentiel d'efficacité de 1,46 à 1,60 milliard de francs au total, soit 3,2 % à 3,5 %, a été estimé notamment pour les prestations médicales ambulatoires.»\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 117a Cst. ne s'oppose pas à la maîtrise des coûts, mais exige des soins de base efficaces.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 117a Cost. obbliga Confederazione e Cantoni a provvedere congiuntamente a garantire cure mediche di base sufficienti, accessibili a tutti e di elevata qualità. La medicina di famiglia (medicina interna generale, medicina dell'infanzia e dell'adolescenza) è particolarmente riconosciuta e promossa (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-23). Questa disposizione costituzionale nacque come controprogetto diretto all'iniziativa popolare «Sì alla medicina di famiglia» e fu chiaramente accettata il 18 maggio 2014 con l'88% dei voti favorevoli (FF 2010 2549; **1C_282/2014**).\n\nLe cure mediche di base comprendono tutte le prestazioni sanitarie primarie ambulatoriali e ospedaliere che servono come primo punto di contatto per i problemi di salute. Vi rientrano i medici di famiglia, la medicina dell'infanzia e dell'adolescenza, i servizi di emergenza, ma anche altre professioni sanitarie come le ostetriche. Un esempio: quando un bambino ha la febbre, i genitori si rivolgono prima al pediatra del posto. Questi deve essere raggiungibile, accessibile economicamente e professionalmente qualificato.\n\nLa Confederazione deve disciplinare per legge due ambiti concreti: in primo luogo la formazione e il perfezionamento dei medici di base e in secondo luogo una remunerazione adeguata per le loro prestazioni (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38). Diversamente dagli obiettivi sociali dell'art. 41 Cost., l'art. 117a Cost. è direttamente azionabile (**DTF 151 V 100**). I cittadini possono invocare davanti al giudice le violazioni delle cure di base.\n\nI Cantoni possono limitare il numero dei medici autorizzati, ma devono garantire che le cure di base non vengano compromesse. Il Tribunale federale ha confermato questa prassi, purché si faccia una distinzione regionale: dove c'è carenza di medici, occorre promuovere; dove c'è sovraofferta, si può limitare (**DTF 151 V 100**).\n\nLa disposizione rafforza l'assistenza medica vicina al domicilio e combatte la carenza di medici di famiglia. Costituisce il fondamento costituzionale del «Piano generale medicina di famiglia», che prevede misure concrete di promozione come l'assistentato in studio medico e una migliore promozione del perfezionamento (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La disposizione sull'assistenza sanitaria di base è scaturita dall'iniziativa popolare «Sì alla medicina di famiglia», depositata il 1° aprile 2010 con 200'268 firme valide (FF 2010 2939). Il Consiglio federale riconosceva la legittimità della preoccupazione di base dell'iniziativa, riteneva tuttavia la focalizzazione esclusiva sulla medicina di famiglia troppo unilaterale (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 1).\n\n**N. 2** Il 16 settembre 2011 il Consiglio federale presentò un controprogetto diretto che comprendeva l'intera assistenza sanitaria di base (FF 2011 7553). Dopo il ritiro dell'iniziativa a favore del controprogetto, questo fu accettato il 18 maggio 2014 con una maggioranza schiacciante dell'88% di voti favorevoli (**1C_282/2014** consid. 1). La disposizione è entrata in vigore il 18 maggio 2014.\n\n## 2. Sistematizzazione\n\n**N. 3** L'art. 117a Cost. è stato intenzionalmente inserito dopo le norme di competenza del diritto delle assicurazioni sociali e non presso le disposizioni sanitarie di protezione della personalità (art. 118–119a Cost.), il che sottolinea il suo orientamento primariamente politico-assistenziale (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 3).\n\n**N. 4** La norma è in stretto rapporto sistematico con → art. 117 Cost. (assicurazione malattie e infortuni), → art. 118 Cost. (protezione della salute) e → art. 41 cpv. 1 lett. b Cost. (obiettivi sociali). Diversamente dall'art. 41 Cost., l'art. 117a Cost. fonda tuttavia diritti direttamente azionabili (**DTF 151 V 100** consid. 8).\n\n**N. 5** La disposizione completa le competenze sanitarie esistenti della Confederazione e le amplia specificamente per l'assistenza sanitaria di base. Costituisce al contempo una base costituzionale per l'ulteriore sviluppo della LAMal, in particolare per l'art. 43 cpv. 5 e l'art. 55a LAMal (Koller, PrimaryCare 19/2013, 384).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Assistenza sanitaria di base (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il concetto di «assistenza sanitaria di base» comprende tutte le prestazioni ambulatoriali e ospedaliere dell'assistenza sanitaria primaria, accessibili con facilità per la grande maggioranza della popolazione (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-8).\n\n**N. 7** L'assistenza di base si caratterizza per le seguenti peculiarità: primo punto di contatto per problemi di salute, assistenza continua, funzione di coordinamento nel sistema sanitario e assistenza prossima al domicilio (CDS/UFSP, Neue Versorgungsmodelle, 2012, 8s.).\n\n**N. 8** All'assistenza di base appartengono, oltre alla medicina di famiglia, anche la medicina ambulatoriale dell'infanzia e dell'adolescenza, l'assistenza di base in permanenze e pronto soccorso nonché altre professioni sanitarie come le levatrici (**Sentenza 2C_326/2024**).\n\n### 3.2 Caratteristiche qualitative dell'assistenza di base\n\n**N. 9** La Costituzione esige un'assistenza di base che soddisfi tre caratteristiche qualitative (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 19-23):\n\n- **Sufficiente**: Assistenza adeguata ai bisogni senza eccesso o carenza di assistenza (**DTF 151 V 100** consid. 12.2)\n- **Accessibile a tutti**: Raggiungibilità geografica, temporale e finanziaria per l'intera popolazione\n- **Di qualità elevata**: Standard specialistici secondo le attuali conoscenze mediche\n\n**N. 10** Questi requisiti sono in tensione reciproca e con il controllo dei costi. La giurisprudenza riconosce che un impiego efficiente dei mezzi fa parte del mandato costituzionale (**DTF 151 V 100** consid. 12.2.1).\n\n### 3.3 Medicina di famiglia (cpv. 1 frase 2)\n\n**N. 11** La «medicina di famiglia» è intesa come campo di attività medica orientato prevalentemente all'assistenza primaria (Mess. medicina di famiglia, FF 2011 7558). La definizione è controversa negli ambienti specialistici (Rupp, PrimaryCare 3/2011, 41).\n\n**N. 12** Il Tribunale federale ha concretizzato la promozione della medicina di famiglia attraverso il riconoscimento di programmi specifici di formazione continua in Medicina interna generale, Medicina dell'infanzia e dell'adolescenza nonché altre discipline dell'assistenza di base (**DTF 151 V 100** consid. 10.3).\n\n### 3.4 Mandato legislativo (cpv. 2)\n\n**N. 13** Il cpv. 2 contiene un mandato legislativo vincolante con due componenti:\n\n- **Formazione e formazione continua nonché esercizio della professione** (lett. a): La Confederazione deve disciplinare le condizioni quadro per le professioni dell'assistenza di base (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 28-33)\n- **Congrua retribuzione** (lett. b): Le strutture tariffali devono remunerare congruamente le prestazioni della medicina di famiglia (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38)\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 117a Cost. fonda un compito statale con diversi gradi di obbligatorietà (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 25-26):\n\n- **Obbligo di garanzia**: Confederazione e Cantoni devono assicurare congiuntamente l'assistenza di base\n- **Obbligo di promozione**: La medicina di famiglia deve essere particolarmente sostenuta\n- **Obbligo legislativo**: La Confederazione deve disciplinare gli ambiti menzionati nel cpv. 2\n\n**N. 15** La disposizione costituzionale, contrariamente all'art. 41 Cost., è direttamente applicabile e giustiziabile. Gli interessati possono invocare violazioni dell'art. 117a Cost. (**DTF 151 V 100**).\n\n**N. 16** La ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni rimane fondamentalmente inalterata dall'art. 117a Cost. I Cantoni mantengono le loro competenze esecutive nel settore sanitario (**DTF 151 V 100** consid. 8).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** **Portata dell'assistenza di base**: La CDS criticava il controprogetto perché non si limitava soltanto all'assistenza di base ambulatoriale (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 10). La dottrina dominante sostiene al contrario una concezione ampia che include anche le prestazioni ospedaliere (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3a ed. 2013, § 2 N. 45).\n\n**N. 18** **Definizione della medicina di famiglia**: Rupp critica la definizione poco chiara del concetto e richiede una delimitazione più precisa (PrimaryCare 3/2011, 41s.). Bauer/Hänggeli vedono la definizione chiarita dai nuovi programmi di formazione continua in Medicina interna generale (BMS 49/2010, 1930).\n\n**N. 19** **Rapporto con le limitazioni dell'ammissione**: È controverso fino a che punto le limitazioni cantonali dell'ammissione siano compatibili con l'art. 117a Cost. Il Tribunale federale ammette la compatibilità, purché l'assistenza di base non sia messa in pericolo (**DTF 151 V 100**). Voci critiche esigono un'interpretazione più restrittiva delle possibilità di limitazione.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'applicazione dell'art. 117a Cost. occorre osservare l'interazione con la LAMal, in particolare con l'art. 43 cpv. 5 LAMal (protezione tariffale per i fornitori di cure di base) e l'art. 55a LAMal (controllo dell'ammissione).\n\n**N. 21** Il «Piano direttore medicina di famiglia e assistenza sanitaria di base» concretizza le direttive costituzionali attraverso un pacchetto di misure (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40; Koller, FS Straumann, 2013, 113ss.).\n\n**N. 22** Le limitazioni cantonali dell'ammissione devono effettuare un'analisi differenziata dei bisogni ed esentare dalle limitazioni o privilegiare l'assistenza di base (**DTF 151 V 100** consid. 12).\n\n**N. 23** Nelle negoziazioni tariffali va considerata la direttiva costituzionale della «congrua retribuzione» della medicina di famiglia. Ciò può giustificare tariffe più elevate per i fornitori di cure di base (Poledna/Berger, Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, 225).\n\n**N. 24** La promozione della medicina di famiglia comprende programmi concreti come l'«Assistentato di studio» e la promozione specifica della formazione continua. Queste misure vanno considerate nell'interpretazione del mandato di promozione (**DTF 151 V 100** consid. 10.3).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Genesi e campo di applicazione\n\n### Procedura di votazione 2014\n\n**1C_282/2014** del 7 luglio 2014  \nRicorso in materia di votazioni concernente la votazione popolare federale sulle cure mediche di base  \nIl Tribunale federale ha respinto i ricorsi contro lo svolgimento della votazione sull'art. 117a Cost.\n\n> «Il 18 maggio 2014 è stato sottoposto a votazione il decreto federale sulle cure mediche di base (nuovo art. 117a Cost.) come controprogetto diretto all'iniziativa popolare ritirata \"Sì alla medicina di famiglia\". Il progetto è stato accettato a livello nazionale con 2'478'470 voti favorevoli (88 per cento) contro 337'240 voti contrari (12 per cento).»\n\nQueste procedure parallele (1C_279/2014, 1C_280/2014, 1C_281/2014, 1C_283/2014) hanno confermato il risultato chiaro della votazione e il regolare svolgimento dello scrutinio.\n\n## Rapporto con altre disposizioni costituzionali e obblighi internazionali\n\n### Diritto degli acquisti ospedalieri\n\n**BGE 145 II 49** del 21 febbraio 2019  \nApplicabilità del diritto degli acquisti pubblici alle società ospedaliere  \nIl Tribunale federale ha esaminato l'art. 117a Cost. nel contesto dell'assistenza ospedaliera costituzionale e del diritto degli acquisti.\n\n> «Gli art. 117, 117a Cost. fondano obblighi costituzionali per garantire l'assistenza sanitaria, che devono essere considerati nell'interpretazione del diritto degli acquisti pubblici.»\n\nLa sentenza chiarisce che gli obblighi di assistenza sanitaria secondo l'art. 117a Cost. influenzano l'interpretazione di altri settori giuridici.\n\n## Proporzionalità delle limitazioni dell'ammissione\n\n### Cure mediche di base e blocco delle ammissioni\n\n**BGE 151 V 100** del 15 gennaio 2025  \nLimitazione del numero di medici nel settore ambulatoriale versus cure mediche di base  \nIl Tribunale federale ha confermato la compatibilità delle limitazioni cantonali delle ammissioni con l'art. 117a Cost.\n\n> «Non può essere scorta né una violazione del diritto alle cure mediche di base sancito nell'art. 117a Cost. né della pianificazione cantonale del fabbisogno ambulatoriale stipulata nell'art. 5 dell'ordinanza sui numeri massimi.»\n\nLa decisione mostra che l'art. 117a Cost. non esige un'ammissione illimitata di tutti i fornitori di prestazioni, bensì mira a un'assistenza conforme al fabbisogno. Le limitazioni delle ammissioni sono conformi alla Costituzione se servono al controllo dei costi e non mettono in pericolo l'assistenza di base.\n\n### Pianificazione regionale del fabbisogno\n\n**BGE 151 V 100** (Continuazione)  \nDifferenziazione regionale nell'assistenza di base  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto la necessità della pianificazione regionale del fabbisogno per l'attuazione dell'art. 117a Cost.\n\n> «Il convenuto limita l'ammissione LAMal soltanto dove il fabbisogno è coperto. Nel senso di un'assistenza di base sufficiente, accessibile a tutti e di alta qualità secondo l'art. 117a cpv. 1 Cost., promuove invece quelle specialità ambulatoriali dell'assistenza di base nelle quali sussiste tendenzialmente una carenza di medici.»\n\nLa giurisprudenza conferma che l'art. 117a Cost. deve prevenire sia la sovra- che la sottoassistenza.\n\n## Interpretazione della medicina di famiglia\n\n### Promozione della formazione continua\n\n**BGE 151 V 100** (Considerando 10.3)  \nPromozione della medicina di famiglia come mandato costituzionale  \nIl Tribunale federale ha valutato misure concrete per la promozione della medicina di famiglia.\n\n> «Per promuovere la medicina di famiglia nel 2008 ha lanciato il programma \"Assistentato in studio medico\", che è stato rinnovato per quattro anni nel 2023 [...] Nel quadro della nuova regolamentazione della formazione medica continua vengono inoltre promossi i posti di formazione continua nelle quattro specializzazioni Medicina interna generale, Pediatria, Psichiatria e psicoterapia e Psichiatria e psicoterapia dell'infanzia e dell'adolescenza.»\n\nLa decisione concretizza il mandato di promozione per la medicina di famiglia attraverso specifiche misure di formazione continua.\n\n## Altre professioni sanitarie\n\n### Levatrici\n\n**Sentenza 2C_326/2024** del 26 agosto 2025  \nAutorizzazione all'esercizio professionale per levatrici e assistenza di base  \nIl Tribunale federale ha menzionato l'art. 117a Cost. nel contesto delle cure mediche di base fornite dalle levatrici.\n\nLa decisione mostra che l'art. 117a Cost. è rilevante non solo per i medici, ma per tutte le professioni delle cure mediche di base.\n\n## Ripartizione delle competenze Confederazione-Cantoni\n\n### Competenza esecutiva dei Cantoni\n\n**BGE 151 V 100** (Considerando 8)  \nAttuazione cantonale della disposizione costituzionale federale  \nIl Tribunale federale ha confermato le competenze condivise nell'attuazione dell'art. 117a Cost.\n\n> «La legislazione cantonale bernese comprende la competenza del Governo del Cantone di Berna di stabilire rispettivamente limitare quantitativamente mediante ordinanza l'ammissione dei medici che forniscono prestazioni nel settore ambulatoriale a carico della LAMal nel Cantone di Berna, secondo l'art. 55a LAMal in combinato disposto con l'art. 1 dell'ordinanza sui numeri massimi.»\n\nLa giurisprudenza mostra l'interazione tra il mandato costituzionale secondo l'art. 117a Cost. e la sua concretizzazione legislativa.\n\n## Giustiziabilità e applicabilità\n\n### Applicabilità diretta\n\n**BGE 151 V 100** (implicito)  \nNatura giuridica della disposizione costituzionale  \nIl Tribunale federale ha esaminato violazioni concrete dell'art. 117a Cost., il che indica la sua applicabilità diretta.\n\nLa prassi mostra che l'art. 117a Cost. non è soltanto programmatico, ma come disposizione costituzionale giustiziabile fonda pretese azionabili.\n\n## Rapporto con il contenimento dei costi\n\n### Economicità dell'assistenza\n\n**BGE 151 V 100** (Considerando 12.2.1)  \nPotenziali di efficienza e mandato di assistenza di base  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto la tensione tra assistenza di base e controllo dei costi.\n\n> «Secondo lo studio sui potenziali di efficienza nelle prestazioni obbligatorie LAMal commissionato dall'UFSP è stato stimato un potenziale di efficienza complessivo di fr. 1,46 fino a 1,60 miliardi, rispettivamente dal 3,2% al 3,5%, anche per le prestazioni mediche ambulatoriali.»\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 117a Cost. non è in contraddizione con il contenimento dei costi, ma esige un'assistenza di base efficiente.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 117a BV obligates the Confederation and the cantons jointly to ensure sufficient, high-quality primary medical care that is accessible to all. Family medicine (general internal medicine, pediatrics and adolescent medicine) is particularly recognized and promoted (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 6-23). This constitutional provision emerged as a direct counter-proposal to the popular initiative «Yes to family medicine» and was clearly adopted on 18 May 2014 with 88% yes votes (BBl 2010 2939; **1C_282/2014**).\n\nPrimary medical care encompasses all outpatient and inpatient services of primary health care that serve as the first point of contact for health problems. This includes family doctors, pediatrics and adolescent medicine, emergency services, but also other health professions such as midwives. An example: When a child has a fever, the parents first turn to the local pediatrician. This practitioner must be accessible, affordable and professionally qualified.\n\nThe Confederation must regulate two specific areas by law: First, the education and continuing education of primary care providers and second, appropriate remuneration for their services (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 34-38). Unlike the social goals in Art. 41 BV, Art. 117a BV is directly enforceable (**BGE 151 V 100**). Citizens can invoke violations of primary care before the courts.\n\nThe cantons may limit the number of licensed physicians, but must ensure that primary care is not endangered. The Federal Supreme Court confirmed this practice, as long as regional distinctions are made: Where there is a shortage of doctors, promotion must be provided; where there is oversupply, restrictions may be imposed (**BGE 151 V 100**).\n\nThe provision strengthens local medical care and combats the shortage of family doctors. It forms the constitutional basis for the «Master Plan Family Medicine», which provides for concrete promotion measures such as practice assistance and improved continuing education support (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a N. 39-40).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**No. 1** The provision on basic medical care emerged from the popular initiative «Yes to family medicine» that was submitted on 1 April 2010 with 200,268 valid signatures (BBl 2010 2939). While the Federal Council acknowledged the justified fundamental concern of the initiative, it considered the exclusive focus on family medicine as too one-sided (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 1). \n\n**No. 2** On 16 September 2011, the Federal Council submitted a direct counter-proposal that encompassed all basic medical care (BBl 2011 7553). After the withdrawal of the initiative in favour of the counter-proposal, this was adopted on 18 May 2014 with an overwhelming majority of 88% yes votes (**1C_282/2014** consid. 1). The provision entered into force on 18 May 2014.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 117a Cst. was deliberately inserted after the social insurance law competence norms and not among the personality-protecting health provisions (Art. 118–119a Cst.), which underlines its primarily care policy orientation (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 3).\n\n**No. 4** The norm is in close systematic connection with → Art. 117 Cst. (health and accident insurance), → Art. 118 Cst. (protection of health) and → Art. 41 para. 1 let. b Cst. (social objectives). Unlike Art. 41 Cst., however, Art. 117a Cst. establishes directly enforceable claims (**BGE 151 V 100** consid. 8).\n\n**No. 5** The provision supplements the existing health competences of the Confederation and extends these specifically for basic medical care. It simultaneously forms a constitutional foundation for the further development of the HIA, particularly for Art. 43 para. 5 and Art. 55a HIA (Koller, PrimaryCare 19/2013, 384).\n\n## 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n### 3.1 Basic Medical Care (para. 1)\n\n**No. 6** The concept of «basic medical care» encompasses all outpatient and inpatient services of primary health care that are accessible with low barriers for the great majority of the population (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 6-8). \n\n**No. 7** Basic care is characterised by the following features: first point of contact for health problems, continuous care, coordination function in the health system and care close to home (GDK/FOPH, Neue Versorgungsmodelle, 2012, 8f.).\n\n**No. 8** In addition to family medicine, basic care also includes outpatient paediatrics and adolescent medicine, basic care in emergency services and emergency departments as well as other health professions such as midwives (**Judgment 2C_326/2024**).\n\n### 3.2 Quality Features of Basic Care\n\n**No. 9** The Constitution requires basic care that fulfils three quality features (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 19-23):\n\n- **Sufficient**: Needs-based care without over- or under-supply (**BGE 151 V 100** consid. 12.2)\n- **Accessible to all**: Geographic, temporal and financial accessibility for the entire population\n- **High quality**: Professional standards according to current medical knowledge\n\n**No. 10** These requirements are in tension with each other and with cost control. The case law acknowledges that efficient use of resources is part of the constitutional mandate (**BGE 151 V 100** consid. 12.2.1).\n\n### 3.3 Family Medicine (para. 1 sent. 2)\n\n**No. 11** «Family medicine» is understood as a medical field of activity oriented primarily towards primary care (Message Family Medicine, BBl 2011 7558). The definition is disputed in the professional community (Rupp, PrimaryCare 3/2011, 41).\n\n**No. 12** The Federal Supreme Court concretised the promotion of family medicine through recognition of specific continuing education programmes in General Internal Medicine, Paediatrics and Adolescent Medicine as well as other basic care specialties (**BGE 151 V 100** consid. 10.3).\n\n### 3.4 Legislative Mandate (para. 2)\n\n**No. 13** Para. 2 contains a binding legislative mandate with two components:\n\n- **Education and continuing education as well as professional practice** (let. a): The Confederation must regulate the framework conditions for basic care professions (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 28-33)\n- **Appropriate remuneration** (let. b): The tariff structures must appropriately remunerate the services of family medicine (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 34-38)\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**No. 14** Art. 117a Cst. establishes a state duty with different levels of obligation (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 25-26):\n\n- **Guarantee obligation**: Confederation and cantons must jointly ensure basic care\n- **Promotion obligation**: Family medicine is to be particularly supported\n- **Legislative obligation**: The Confederation must regulate the areas mentioned in para. 2\n\n**No. 15** The constitutional provision is, unlike Art. 41 Cst., directly applicable and justiciable. Those affected can invoke violations of Art. 117a Cst. (**BGE 151 V 100**).\n\n**No. 16** The distribution of competences between Confederation and cantons remains fundamentally unaffected by Art. 117a Cst. The cantons retain their enforcement competences in health care (**BGE 151 V 100** consid. 8).\n\n## 5. Points of Dispute\n\n**No. 17** **Scope of basic care**: The GDK criticised the counter-proposal because it was not limited only to outpatient basic care (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 10). The prevailing doctrine, in contrast, advocates a comprehensive understanding that also includes inpatient services (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3rd ed. 2013, § 2 No. 45).\n\n**No. 18** **Definition of family medicine**: Rupp criticises the unclear definition of the concept and demands more precise delineation (PrimaryCare 3/2011, 41f.). Bauer/Hänggeli see the definition as clarified by the new continuing education programmes in General Internal Medicine (SÄZ 49/2010, 1930).\n\n**No. 19** **Relationship to admission restrictions**: It is disputed to what extent cantonal admission restrictions are compatible with Art. 117a Cst. The Federal Supreme Court affirms compatibility provided basic care is not endangered (**BGE 151 V 100**). Critical voices demand a more restrictive interpretation of the possibilities for restrictions.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**No. 20** In the application of Art. 117a Cst., the interplay with the HIA must be observed, particularly with Art. 43 para. 5 HIA (tariff protection for basic care providers) and Art. 55a HIA (admission control).\n\n**No. 21** The «Master Plan Family Medicine and Basic Medical Care» concretises the constitutional requirements through a bundle of measures (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 117a No. 39-40; Koller, FS Straumann, 2013, 113ff.).\n\n**No. 22** Cantonal admission restrictions must undertake a differentiated needs analysis and exempt basic care from restrictions or give it privileged treatment (**BGE 151 V 100** consid. 12).\n\n**No. 23** In tariff negotiations, the constitutional requirement of «appropriate remuneration» for family medicine must be considered. This can justify higher tariffs for basic care providers (Poledna/Berger, Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, 225).\n\n**No. 24** The promotion of family medicine encompasses concrete programmes such as the «practice assistantship» and specific continuing education support. These measures must be considered in the interpretation of the promotion mandate (**BGE 151 V 100** consid. 10.3).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Origin and Scope of Application\n\n### Voting Procedure 2014\n\n**1C_282/2014** of 7 July 2014  \nAppeal against voting concerning federal referendum on basic medical care  \nThe Federal Supreme Court dismissed appeals against the conduct of the referendum on Art. 117a Cst.\n\n> «On 18 May 2014, the Federal Decree on Basic Medical Care (new Art. 117a Cst.) as a direct counter-proposal to the withdrawn popular initiative \"Yes to Family Medicine\" was put to vote. The proposal was accepted nationwide with 2,478,470 yes votes (88 percent) to 337,240 no votes (12 percent).»\n\nThese parallel proceedings (1C_279/2014, 1C_280/2014, 1C_281/2014, 1C_283/2014) confirmed the clear voting result and the proper conduct of the ballot.\n\n## Relationship to Other Constitutional Provisions and International Obligations\n\n### Hospital Procurement Law\n\n**BGE 145 II 49** of 21 February 2019  \nApplicability of public procurement law to hospital companies  \nThe Federal Supreme Court examined Art. 117a Cst. in the context of constitutional hospital care and procurement law.\n\n> «Art. 117, Art. 117a Cst. establish constitutional obligations to ensure health care provision, which must be taken into account when interpreting public procurement law.»\n\nThe judgment clarifies that the health care obligations under Art. 117a Cst. influence the interpretation of other areas of law.\n\n## Proportionality of Admission Restrictions\n\n### Medical Basic Care and Admission Stop\n\n**BGE 151 V 100** of 15 January 2025  \nLimitation of physician numbers in the ambulatory sector versus basic medical care  \nThe Federal Supreme Court confirmed the compatibility of cantonal admission restrictions with Art. 117a Cst.\n\n> «Neither a violation of the right to basic medical care enshrined in Art. 117a Cst. nor of the cantonal ambulatory needs planning stipulated in Art. 5 of the Maximum Numbers Ordinance can be seen in this.»\n\nThe decision shows that Art. 117a Cst. does not require unlimited admission of all service providers, but rather aims for needs-based care. Admission restrictions are constitutional if they serve cost control and do not endanger basic care.\n\n### Regional Needs Planning\n\n**BGE 151 V 100** (continuation)  \nRegional differentiation in basic care  \nThe Federal Supreme Court recognised the necessity of regional needs planning for implementing Art. 117a Cst.\n\n> «The respondent restricts OKP admission only where demand is covered. In the sense of adequate, accessible basic care of high quality according to Art. 117a para. 1 Cst., it promotes those ambulatory specialties of basic care in which there tends to be a shortage of physicians.»\n\nThe case law confirms that Art. 117a Cst. aims to prevent both over- and under-supply.\n\n## Interpretation of Family Medicine\n\n### Continuing Education Promotion\n\n**BGE 151 V 100** (consideration 10.3)  \nPromotion of family medicine as a constitutional mandate  \nThe Federal Supreme Court evaluated concrete measures to promote family medicine.\n\n> «To promote family medicine, the \"Practice Assistance\" programme was launched in 2008, which was renewed for another four years as of 2023 [...] Within the framework of the new regulation of medical continuing education, continuing education positions in the four specialties General Internal Medicine, Paediatrics and Adolescent Medicine, Psychiatry and Psychotherapy and Child and Adolescent Psychiatry and Psychotherapy are also promoted.»\n\nThe decision concretises the promotion mandate for family medicine through specific continuing education measures.\n\n## Other Health Professions\n\n### Midwives\n\n**Judgment 2C_326/2024** of 26 August 2025  \nProfessional practice licence for midwives and basic care  \nThe Federal Supreme Court mentioned Art. 117a Cst. in the context of basic medical care by midwives.\n\nThe decision shows that Art. 117a Cst. is relevant not only for physicians, but for all professions in basic medical care.\n\n## Distribution of Powers between Confederation and Cantons\n\n### Implementation Powers of the Cantons\n\n**BGE 151 V 100** (consideration 8)  \nCantonal implementation of the federal constitutional provision  \nThe Federal Supreme Court confirmed the shared competences in implementing Art. 117a Cst.\n\n> «The cantonal Bernese legislation includes the competence of the Government Council of the Canton of Bern to establish or restrict the admission of physicians who provide services in the ambulatory sector at the expense of the OKP in the Canton of Bern in quantitative terms by ordinance, in accordance with Art. 55a HIA in conjunction with Art. 1 of the Maximum Numbers Ordinance.»\n\nThe case law shows the interaction between the constitutional mandate under Art. 117a Cst. and its legislative concretisation.\n\n## Justiciability and Enforceability\n\n### Direct Applicability\n\n**BGE 151 V 100** (implicit)  \nLegal nature of the constitutional provision  \nThe Federal Supreme Court examined concrete violations of Art. 117a Cst., which indicates its direct applicability.\n\nPractice shows that Art. 117a Cst. is not merely programmatic, but as a justiciable constitutional provision establishes enforceable claims.\n\n## Relationship to Cost Control\n\n### Economic Efficiency of Care\n\n**BGE 151 V 100** (consideration 12.2.1)  \nEfficiency potential and basic care mandate  \nThe Federal Supreme Court recognised the tension between basic care and cost control.\n\n> «According to the study commissioned by FOPH on the efficiency potential of HIA-mandatory benefits, an efficiency potential of a total of CHF 1.46 to 1.60 billion or 3.2% to 3.5% was estimated for ambulatory medical services.»\n\nThe case law shows that Art. 117a Cst. does not contradict cost control, but requires efficient basic care.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_117a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 117, "article_suffix": "b", "title": "Pflege", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 117b BV — Pflege\n\n## Übersicht\n\nArt. 117b BV verpflichtet Bund und Kantone, die Pflege zu fördern und genügend ausgebildetes Pflegepersonal sicherzustellen. Diese Bestimmung wurde 2021 durch die Pflegeinitiative in die Verfassung aufgenommen, nachdem die Bevölkerung den Pflegenotstand als Problem erkannt hatte.\n\nDie Regel betrifft alle, die Pflegeleistungen brauchen oder erbringen. Dazu gehören Patienten in Spitälern, Bewohner von Pflegeheimen, Menschen mit Spitex-Betreuung zu Hause und alle Pflegefachpersonen. Auch Spitäler, Pflegeheime und Spitex-Organisationen sind betroffen, weil sie Auszubildende ausbilden müssen.\n\nBund und Kantone müssen dafür sorgen, dass genug diplomierte Pflegefachpersonen (Personen mit Ausbildung an Fachhochschule oder höherer Fachschule) zur Verfügung stehen. Sie müssen auch sicherstellen, dass qualifiziertes Personal entsprechend seiner Ausbildung eingesetzt wird. Eine Pflegefachperson soll also nicht für einfache Hilfstätigkeiten verwendet werden.\n\nKonkret bedeutet dies: Ein Pflegeheim muss eine bestimmte Anzahl Lernender ausbilden oder eine Ersatzabgabe zahlen. Die Kantone müssen genügend Ausbildungsplätze an Schulen bereitstellen. Der Bund unterstützt die Ausbildung mit Finanzhilfen.\n\nDas Ziel ist eine ausreichende, für alle zugängliche Pflege von hoher Qualität. Bürger erhalten aber keinen direkten Anspruch auf bestimmte Pflegeleistungen. Die Bestimmung verpflichtet nur den Staat zum Handeln.", "doctrine_de": "# Art. 117b BV — Pflege\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 117b BV wurde am 28. November 2021 durch Annahme der eidgenössischen Volksinitiative «Für eine starke Pflege» (Pflegeinitiative) in die Bundesverfassung eingefügt (BBl 2021 2914). Die Initiative erhielt 60,9% Ja-Stimmen und wurde von 20 Kantonen angenommen. Sie zielte darauf ab, die Pflege als eigenständigen Bereich der Gesundheitsversorgung verfassungsrechtlich zu verankern und den wachsenden Herausforderungen im Pflegebereich zu begegnen (BBl 2018 7653, 7654).\n\n**N. 2** Der Bundesrat hatte die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung empfohlen, da er die Anliegen grundsätzlich als berechtigt anerkannte, aber die detaillierten Vorgaben auf Verfassungsstufe als zu weitgehend erachtete (BBl 2018 7653, 7667). Das Parlament folgte dieser Empfehlung nicht und erarbeitete einen indirekten Gegenvorschlag in Form eines Bundesgesetzes über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege, der jedoch von den Initianten als ungenügend erachtet wurde.\n\n**N. 3** Die Umsetzung erfolgte primär durch das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2022 über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege (FAPG; SR 811.22), das am 1. Juli 2024 in Kraft trat. Der Bundesrat betonte in der Botschaft vom 25. Mai 2022, dass die Kantone ihre bestehenden Ausbildungsverpflichtungen ausbauen oder neu einführen müssten (BBl 2022 1301, 1335).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 117b BV ergänzt die Gesundheitskompetenzen des Bundes im 3. Abschnitt des 3. Kapitels der Bundesverfassung. Er steht in engem Zusammenhang mit → Art. 117a BV (Medizinische Grundversorgung) und → Art. 118 BV (Schutz der Gesundheit). Die Bestimmung begründet eine parallele Zuständigkeit von Bund und Kantonen, wobei die föderalistische Kompetenzordnung grundsätzlich gewahrt bleibt.\n\n**N. 5** Die Norm weist sowohl programmatischen als auch kompetenzbegründenden Charakter auf. Während Abs. 1 primär eine Staatszielbestimmung darstellt, enthält Abs. 2 eine konkrete Handlungsverpflichtung für Bund und Kantone. Dies unterscheidet Art. 117b BV von den reinen Sozialzielen gemäss → Art. 41 BV, die keine justiziablen Ansprüche begründen.\n\n**N. 6** Im Kontext der Grundrechte ist → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) zu beachten, da Ausbildungsverpflichtungen für private Leistungserbringer einen Eingriff in die unternehmerische Freiheit darstellen können. Solche Eingriffe müssen den Anforderungen von → Art. 36 BV genügen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **«Pflege»** umfasst nach dem Verständnis der Initianten und der Umsetzungsgesetzgebung die professionelle Pflege durch diplomierte Pflegefachpersonen HF/FH sowie Fachpersonen Gesundheit EFZ. Der Begriff ist weiter als die Krankenpflege im Sinne des KVG und schliesst auch präventive, rehabilitative und palliative Pflegeleistungen ein (Urteil 9C_401/2024 E. 4.1).\n\n**N. 8** Die **«Anerkennung und Förderung»** (Abs. 1) verpflichtet Bund und Kantone zu aktiven Massnahmen. Dies umfasst die finanzielle Unterstützung der Ausbildung, die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen und die Aufwertung des Pflegeberufs. Die Formulierung «wichtiger Bestandteil» unterstreicht die Eigenständigkeit der Pflege neben der ärztlichen Versorgung.\n\n**N. 9** Die **«ausreichende, allen zugängliche Pflege von hoher Qualität»** (Abs. 1) konkretisiert drei Dimensionen: quantitative Ausreichendheit (genügend Pflegepersonal), universelle Zugänglichkeit (geografisch und finanziell) sowie qualitative Standards. Diese Trias bildet den Massstab für die staatlichen Massnahmen.\n\n**N. 10** Die **«genügende Anzahl diplomierter Pflegefachpersonen»** (Abs. 2) bezieht sich auf den prognostizierten Bedarf. Gemäss den Materialien besteht bis 2030 ein zusätzlicher Bedarf von 43'000 Pflegefachpersonen (BBl 2022 1301, 1306). Die Kantone sind verpflichtet, den regionalen Bedarf zu ermitteln und entsprechende Ausbildungsplätze sicherzustellen.\n\n**N. 11** Der **«kompetenzgerechte Einsatz»** (Abs. 2) zielt auf die Vermeidung von Über- oder Unterqualifikation. Diplomierte Pflegefachpersonen sollen nicht für Hilfstätigkeiten eingesetzt werden, während umgekehrt Assistenzpersonal keine Aufgaben übernehmen soll, für die eine höhere Qualifikation erforderlich ist.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Art. 117b BV begründet eine **Gesetzgebungskompetenz und -pflicht** des Bundes. Diese wurde durch das FAPG wahrgenommen, das Finanzhilfen für die praktische Ausbildung vorsieht und die Kantone zur Bedarfsplanung verpflichtet. Die Bundeskompetenz ist nicht abschliessend; die Kantone behalten ihre Zuständigkeiten im Gesundheits- und Bildungswesen.\n\n**N. 13** Für die Kantone ergibt sich eine **Umsetzungsverpflichtung** im Rahmen ihrer Kompetenzen. Dies umfasst insbesondere die Sicherstellung genügender Ausbildungsplätze an den Fachhochschulen und höheren Fachschulen sowie die Regelung der praktischen Ausbildung in den Gesundheitsinstitutionen (Urteil 9C_401/2024 E. 5.2).\n\n**N. 14** Private Leistungserbringer können zu **Ausbildungsleistungen verpflichtet** werden. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass kantonale Ausbildungsverpflichtungen für Spitäler, Pflegeheime und Spitex-Organisationen zulässig sind, sofern sie verhältnismässig ausgestaltet sind (Urteil 9C_401/2024 E. 5.4). Bei Nichterfüllung können Ersatzabgaben erhoben werden.\n\n**N. 15** Art. 117b BV begründet **keine subjektiven Rechte** auf bestimmte Pflegeleistungen. Anders als Grundrechte verleiht die Bestimmung den Bürgern keinen durchsetzbaren Anspruch auf eine bestimmte Pflegequalität oder -quantität. Sie verpflichtet jedoch den Staat zu objektivrechtlichem Handeln.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Reichweite der Bundeskompetenz**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Bundeskompetenz nach Art. 117b BV reicht. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 64 N. 2876) vertreten eine enge Auslegung, wonach der Bund nur punktuelle Regelungen erlassen darf. Demgegenüber plädieren Belser/Waldmann (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 117b N. 15) für eine weitere Auslegung, die dem Bund umfassende Regelungskompetenzen im Pflegebereich zugesteht.\n\n**N. 17** **Verhältnis zu Art. 117a BV**: Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zur medizinischen Grundversorgung. Während Ehrenzeller/Schindler (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 117b N. 8) eine klare Abgrenzung fordern, sehen andere Autoren die Pflege als integralen Bestandteil der Grundversorgung, was zu Überschneidungen der Kompetenzen führe.\n\n**N. 18** **Ausbildungsverpflichtungen für Private**: Die Zulässigkeit von Ausbildungsverpflichtungen war vor Inkrafttreten von Art. 117b BV umstritten. Müller (Schweizerisches Verwaltungsrecht, 2022, S. 567) sah darin einen unverhältnismässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit. Mit der neuen Verfassungsbestimmung hat sich diese Kontroverse weitgehend erledigt, da Art. 117b Abs. 2 BV eine explizite Grundlage schafft.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** **Bedarfsermittlung**: Kantone müssen den Pflegebedarf systematisch erheben und prognostizieren. Dabei sind demografische Entwicklungen, epidemiologische Trends und regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Bedarfsplanung sollte rollend erfolgen und mindestens alle vier Jahre aktualisiert werden.\n\n**N. 20** **Ausgestaltung von Ausbildungsverpflichtungen**: Bei der Festlegung von Ausbildungsquoten ist auf die Grösse und Leistungsfähigkeit der Betriebe Rücksicht zu nehmen. Kleinstbetriebe können von der Ausbildungspflicht befreit oder zu Ersatzabgaben verpflichtet werden. Die Vorgaben müssen transparent und nachvollziehbar berechnet werden (Verwaltungsgericht SG B 2025/34 E. 4.5).\n\n**N. 21** **Finanzierung**: Die Ausbildungskosten sind zwischen öffentlicher Hand und Leistungserbringern aufzuteilen. Das FAPG sieht Bundesbeiträge vor, die Kantone müssen diese mit eigenen Mitteln ergänzen. Bei der Tarifgestaltung ist sicherzustellen, dass Ausbildungsleistungen angemessen abgegolten werden.\n\n**N. 22** **Qualitätssicherung**: Die in Art. 117b Abs. 1 BV geforderte «hohe Qualität» erfordert verbindliche Standards für die Ausbildung und die Pflegepraxis. Kantone sollten Qualitätsindikatoren definieren und regelmässig überprüfen. Die interprofessionelle Zusammenarbeit ist zu fördern, um den kompetenzgerechten Einsatz gemäss Abs. 2 sicherzustellen.", "caselaw_de": "# Art. 117b BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Entstehungsgeschichte und verfassungsrechtliche Verankerung\n\n**Urteil 1C_779/2021 vom 17. März 2022**\nDie Volksabstimmung vom 28. November 2021 über die Pflegeinitiative bestätigte die demokratische Legitimation des neuen Verfassungsartikels. Das Bundesgericht stellte in einem Verfahren betreffend die Durchführung der Abstimmung fest, dass die Initiative ordnungsgemäss angenommen wurde und damit Art. 117b BV in Kraft trat.\n\n> «Am 28. November 2021 fanden drei eidgenössische Volksabstimmungen statt, nämlich die Abstimmung über die Volksinitiative 'Für eine starke Pflege' (Pflegeinitiative), die Abstimmung über die Volksinitiative 'Bestimmung der Bundesrichterinnen und Bundesrichter im Losverfahren' (Justiz-Initiative) und die Referendumsabstimmung über die Änderung vom 19. März 2021 des Covid-19-Gesetzes.»\n\n### Umsetzungsgesetzgebung und kantonale Ausbildungsverpflichtungen\n\n**Urteil 9C_401/2024 vom 4. Juni 2025 E. 4.1**\nDas Bundesgericht definierte den verfassungsrechtlichen Rahmen von Art. 117b BV für die Umsetzungsgesetzgebung. Die Bestimmung begründet sowohl eine Kompetenz als auch eine Verpflichtung von Bund und Kantonen zur Sicherstellung der Pflegeversorgung.\n\n> «Unter dem Titel 'Pflege' enthält Art. 117b BV folgende Grundsätze: Bund und Kantone anerkennen und fördern die Pflege als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsversorgung und sorgen für eine ausreichende, allen zugängliche Pflege von hoher Qualität (Abs. 1). Sie stellen sicher, dass eine genügende Anzahl diplomierter Pflegefachpersonen für den zunehmenden Bedarf zur Verfügung steht und dass die in der Pflege tätigen Personen entsprechend ihrer Ausbildung und ihren Kompetenzen eingesetzt werden (Abs. 2).»\n\n**Urteil 9C_401/2024 vom 4. Juni 2025 E. 5.2**\nDie kantonale Kompetenz zur Regelung der Pflegeausbildung wird durch Art. 117b BV nicht beschnitten. Die Kantone behalten ihre grundsätzliche Zuständigkeit für die Berufsbildung auf Tertiärstufe und können Ausbildungsverpflichtungen statuieren.\n\n> «Für die Regelung solcher Aus- und Weiterbildungen sind grundsätzlich die Kantone zuständig (vgl. Art. 42 und 43 sowie Art. 63a ff. BV). Weder Art. 66 BV (betreffend Ausbildungsbeiträge des Bundes an die Kantone) noch Art. 117b BV (betreffend Pflege) beschneidet die diesbezügliche Zuständigkeit der Kantone.»\n\n### Verhältnismässigkeit kantonaler Ausbildungsverpflichtungen\n\n**Verwaltungsgericht St. Gallen B 2025/34 vom 21. August 2025**\nDie ersten kantonalen Gerichte befassten sich mit der konkreten Anwendung von Art. 117b BV im Bereich der Ausbildungsverpflichtungen. Das st.-gallische Verwaltungsgericht bestätigte die Verhältnismässigkeit spezifischer Ausbildungsvorgaben für Spitex-Organisationen.\n\n> «Der konkret angeordnete Vorgabewert für die Ausbildungsverpflichtung der Beschwerdeführerin stellt eine zulässige, insbesondere verhältnismässige, Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit dar.»\n\n### Grundrechtliche Grenzen bei der Umsetzung\n\n**Urteil 9C_401/2024 vom 4. Juni 2025 E. 5.4.3**\nBei der Umsetzung von Art. 117b BV müssen die Grundrechte der Leistungserbringer beachtet werden. Das Bundesgericht hielt fest, dass das öffentliche Interesse an der Sicherstellung einer genügenden Pflegeversorgung schwer wiegt, aber nicht unbegrenzt ist.\n\n> «Dass eine solche [Organisationsstruktur] unter Umständen nicht mehr frei gewählt werden kann resp. nicht in jedem Fall mit den hier interessierenden rechtlichen Vorgaben vereinbar ist, ist ausserdem kein Eingriff in das Institut des Eigentums; der Kerngehalt der Eigentumsgarantie bleibt auch mit den Bestimmungen der TG KVV betreffend Ausbildungspflicht und Ersatzabgabe gewahrt.»\n\n### Pflegefinanzierung vor Inkrafttreten von Art. 117b BV\n\n**BGE 144 V 280 E. 3**\nBereits vor der Verankerung von Art. 117b BV hatte das Bundesgericht die Grundzüge der Pflegefinanzierung entwickelt. Die neue Verfassungsbestimmung verstärkt die bestehenden Verpflichtungen zur Sicherstellung der Pflegeversorgung.\n\n> «Seit Inkrafttreten der neuen Pflegefinanzierung am 1. Januar 2011 leistet einerseits die obligatorische Krankenpflegeversicherung einen - nach Pflegebedarf gestaffelten und limitierten - Beitrag an die Pflegeleistungen (Art. 25a Abs. 1 KVG). Anderseits haben sich auch die versicherten Personen (Art. 25a Abs. 5 Satz 1 KVG) und die öffentliche Hand an diesen zu beteiligen (Art. 25a Abs. 5 Satz 2 KVG).»\n\n**BGE 142 V 94 E. 5.3**\nDie Rechtsprechung zur Restfinanzierung der Pflegekosten bleibt auch unter Art. 117b BV relevant. Die Kantone haben bei der Ausgestaltung der Pflegefinanzierung einen erheblichen Gestaltungsspielraum.\n\n> «Eine kantonale Regelung, wonach die Gemeinden höchstens den für Vertragsleistungserbringer geltenden Restfinanzierungsbeitrag zu übernehmen haben, wenn und soweit diese geeignete Pflegeleistungen anbieten, hält sich innerhalb der den Kantonen in Art. 25a Abs. 5 KVG übertragenen Regelungskompetenz.»\n\n**BGE 139 V 135 E. 5**\nDie Wirtschaftlichkeitsprüfung von Pflegeleistungen erhält durch Art. 117b BV eine neue Dimension. Die Verfassungsbestimmung betont die Qualität der Pflege, was bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen ist.\n\n> «Wirtschaftlichkeit der Hauspflege zugunsten einer Person mit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung im Vergleich zu einer Betreuung im Pflegeheim; Beurteilung unter dem Blickwinkel der neuen Pflegefinanzierung. Unverhältnismässigkeit einer Übernahme von Kosten für eine Pflege zu Hause.»\n\n### Bundesgesetzliche Umsetzung durch das FAPG\n\n**Urteil 9C_401/2024 vom 4. Juni 2025 E. 4.2**\nDas Bundesgericht bestätigte die verfassungsmässige Grundlage des Bundesgesetzes über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege (FAPG) als direkte Umsetzung von Art. 117b Abs. 2 BV.\n\n> «Im Rahmen der Umsetzung von Art. 117b BV statuiert das FAPG unter dem Titel 'Förderung der Leistungen der Akteure im Bereich der praktischen Ausbildung von Pflegefachpersonen' insbesondere Folgendes: Die Kantone legen den Bedarf an Plätzen für die praktische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann HF und zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann FH (Pflegefachperson) fest.»\n\n**Urteil 9C_401/2024 vom 4. Juni 2025 E. 5.4.4.2**\nDie Erforderlichkeit von Ausbildungsverpflichtungen wird durch Art. 117b BV verstärkt. Das Bundesgericht verwies auf die entsprechende Botschaft des Bundesrates, wonach Kantone ohne bestehende Ausbildungsverpflichtungen solche spätestens mit Erlass des FAPG einführen müssten.\n\n> «Der Bundesrat ging denn auch in der Botschaft über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege vom 25. Mai 2022 davon aus, dass Kantone resp. Gemeinden, die noch keine Ausbildungsverpflichtungen für alle Spitäler, Pflegeheime und Spitex-Organisationen statuiert hatten, solche Verpflichtungen spätestens mit Erlass des FAPG einführen müssten.»", "summary_fr": "# Art. 117b Cst. — Soins infirmiers\n\n## Aperçu\n\nL'art. 117b Cst. oblige la Confédération et les cantons à encourager les soins infirmiers et à assurer un nombre suffisant de personnel infirmier qualifié. Cette disposition a été inscrite dans la Constitution en 2021 par l'initiative sur les soins infirmiers, après que la population eut reconnu la pénurie de personnel soignant comme un problème.\n\nLa règle concerne toutes les personnes qui ont besoin de soins infirmiers ou qui les dispensent. Cela comprend les patients dans les hôpitaux, les résidents des établissements médico-sociaux, les personnes bénéficiant de soins à domicile et tous les professionnels des soins infirmiers. Les hôpitaux, les établissements médico-sociaux et les organisations de soins à domicile sont également concernés, car ils doivent former des apprentis.\n\nLa Confédération et les cantons doivent veiller à ce qu'un nombre suffisant de professionnels des soins infirmiers diplômés (personnes ayant une formation dans une haute école spécialisée ou une école supérieure) soit disponible. Ils doivent aussi s'assurer que le personnel qualifié soit employé conformément à sa formation. Un professionnel des soins infirmiers ne doit donc pas être utilisé pour des tâches auxiliaires simples.\n\nConcrètement, cela signifie : un établissement médico-social doit former un certain nombre d'apprentis ou payer une contribution de remplacement. Les cantons doivent fournir suffisamment de places de formation dans les écoles. La Confédération soutient la formation par des aides financières.\n\nL'objectif est d'assurer des soins suffisants, accessibles à tous et de haute qualité. Les citoyens n'obtiennent cependant pas de droit direct à des prestations de soins déterminées. La disposition n'oblige que l'État à agir.", "doctrine_fr": "# Art. 117b Cst. — Soins infirmiers\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 117b Cst. a été intégré dans la Constitution fédérale le 28 novembre 2021 par l'acceptation de l'initiative populaire fédérale « Pour des soins infirmiers forts » (initiative sur les soins infirmiers) (FF 2021 2914). L'initiative a obtenu 60,9 % de oui et a été acceptée par 20 cantons. Elle visait à ancrer constitutionnellement les soins infirmiers comme domaine autonome du système de santé et à faire face aux défis croissants dans le domaine des soins (FF 2018 7653, 7654).\n\n**N. 2** Le Conseil fédéral avait recommandé le rejet de l'initiative sans contre-projet, car il reconnaissait certes les préoccupations comme fondamentalement légitimes, mais jugeait les prescriptions détaillées au niveau constitutionnel comme trop poussées (FF 2018 7653, 7667). Le Parlement n'a pas suivi cette recommandation et a élaboré un contre-projet indirect sous la forme d'une loi fédérale sur l'encouragement de la formation dans le domaine des soins infirmiers, qui fut toutefois jugée insuffisante par les initiants.\n\n**N. 3** La mise en œuvre s'est faite principalement par la loi fédérale du 16 décembre 2022 sur l'encouragement de la formation dans le domaine des soins infirmiers (LESo ; RS 811.22), entrée en vigueur le 1er juillet 2024. Le Conseil fédéral a souligné dans le message du 25 mai 2022 que les cantons devraient développer leurs obligations de formation existantes ou en introduire de nouvelles (FF 2022 1301, 1335).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 117b Cst. complète les compétences de la Confédération en matière de santé dans la 3e section du 3e chapitre de la Constitution fédérale. Il est étroitement lié à → l'art. 117a Cst. (Soins médicaux de base) et à → l'art. 118 Cst. (Protection de la santé). La disposition fonde une compétence parallèle de la Confédération et des cantons, l'ordre de compétences fédéraliste étant en principe préservé.\n\n**N. 5** La norme présente un caractère à la fois programmatique et créateur de compétences. Alors que l'al. 1 constitue principalement un objectif étatique, l'al. 2 contient une obligation d'agir concrète pour la Confédération et les cantons. Cela distingue l'art. 117b Cst. des purs objectifs sociaux selon → l'art. 41 Cst., qui ne fondent aucun droit justiciable.\n\n**N. 6** Dans le contexte des droits fondamentaux, → l'art. 27 Cst. (Liberté économique) doit être pris en compte, car les obligations de formation pour les prestataires privés peuvent constituer une atteinte à la liberté d'entreprendre. De telles atteintes doivent satisfaire aux exigences de → l'art. 36 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** Les **« soins infirmiers »** comprennent, selon la compréhension des initiants et de la législation de mise en œuvre, les soins professionnels prodigués par les infirmiers diplômés ES/HES ainsi que les assistants en soins et santé communautaire CFC. Le concept est plus large que les soins en cas de maladie au sens de la LAMal et inclut aussi les prestations de soins préventifs, de réadaptation et palliatifs (arrêt 9C_401/2024 consid. 4.1).\n\n**N. 8** La **« reconnaissance et promotion »** (al. 1) oblige la Confédération et les cantons à prendre des mesures actives. Cela comprend le soutien financier de la formation, la création de conditions-cadres favorables et la revalorisation de la profession d'infirmier. La formulation « élément important » souligne l'autonomie des soins infirmiers à côté des soins médicaux.\n\n**N. 9** Les **« soins infirmiers suffisants, accessibles à tous et de qualité élevée »** (al. 1) concrétisent trois dimensions : la suffisance quantitative (assez de personnel soignant), l'accessibilité universelle (géographique et financière) ainsi que les standards qualitatifs. Cette triade forme le critère pour les mesures étatiques.\n\n**N. 10** Le **« nombre suffisant d'infirmiers diplômés »** (al. 2) se réfère aux besoins pronostiqués. Selon les matériaux, il existe un besoin supplémentaire de 43'000 infirmiers diplômés d'ici 2030 (FF 2022 1301, 1306). Les cantons sont tenus d'identifier les besoins régionaux et d'assurer les places de formation correspondantes.\n\n**N. 11** L'**« utilisation conforme aux compétences »** (al. 2) vise à éviter la sur- ou sous-qualification. Les infirmiers diplômés ne doivent pas être employés pour des activités auxiliaires, tandis qu'inversement le personnel d'assistance ne doit pas assumer des tâches nécessitant une qualification supérieure.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** L'art. 117b Cst. fonde une **compétence et obligation législative** de la Confédération. Celle-ci a été exercée par la LESo, qui prévoit des aides financières pour la formation pratique et oblige les cantons à la planification des besoins. La compétence fédérale n'est pas exclusive ; les cantons conservent leurs compétences en matière de santé et de formation.\n\n**N. 13** Pour les cantons résulte une **obligation de mise en œuvre** dans le cadre de leurs compétences. Cela comprend notamment la garantie de places de formation suffisantes dans les hautes écoles spécialisées et les écoles supérieures ainsi que la réglementation de la formation pratique dans les institutions de santé (arrêt 9C_401/2024 consid. 5.2).\n\n**N. 14** Les prestataires privés peuvent être **soumis à des obligations de formation**. Le Tribunal fédéral a confirmé que les obligations cantonales de formation pour les hôpitaux, les homes et les organisations d'aide et de soins à domicile sont admissibles, pour autant qu'elles soient conçues de manière proportionnée (arrêt 9C_401/2024 consid. 5.4). En cas de non-respect, des contributions de substitution peuvent être perçues.\n\n**N. 15** L'art. 117b Cst. **ne fonde aucun droit subjectif** à certaines prestations de soins. Contrairement aux droits fondamentaux, la disposition ne confère aux citoyens aucune prétention exécutoire à une qualité ou quantité déterminée de soins. Elle oblige toutefois l'État à agir en droit objectif.\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 16** **Portée de la compétence fédérale** : Dans la doctrine, la portée de la compétence fédérale selon l'art. 117b Cst. est controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 64 n. 2876) défendent une interprétation restrictive selon laquelle la Confédération ne peut édicter que des réglementations ponctuelles. À l'inverse, Belser/Waldmann (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 117b n. 15) plaident pour une interprétation plus large accordant à la Confédération des compétences réglementaires étendues dans le domaine des soins.\n\n**N. 17** **Rapport à l'art. 117a Cst.** : Le rapport aux soins médicaux de base fait l'objet d'une discussion controversée. Alors qu'Ehrenzeller/Schindler (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 117b n. 8) exigent une délimitation claire, d'autres auteurs voient les soins infirmiers comme partie intégrante des soins de base, ce qui conduit à des chevauchements de compétences.\n\n**N. 18** **Obligations de formation pour les privés** : L'admissibilité des obligations de formation était controversée avant l'entrée en vigueur de l'art. 117b Cst. Müller (Schweizerisches Verwaltungsrecht, 2022, p. 567) y voyait une atteinte disproportionnée à la liberté économique. Avec la nouvelle disposition constitutionnelle, cette controverse s'est largement apaisée, l'art. 117b al. 2 Cst. créant une base explicite.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 19** **Identification des besoins** : Les cantons doivent identifier et pronostiquer systématiquement les besoins en soins. Il faut prendre en compte les évolutions démographiques, les tendances épidémiologiques et les particularités régionales. La planification des besoins devrait s'effectuer de manière continue et être actualisée au moins tous les quatre ans.\n\n**N. 20** **Configuration des obligations de formation** : Lors de la fixation des quotas de formation, il faut tenir compte de la taille et de la capacité des entreprises. Les très petites entreprises peuvent être libérées de l'obligation de formation ou soumises à des contributions de substitution. Les prescriptions doivent être calculées de manière transparente et compréhensible (Tribunal administratif SG B 2025/34 consid. 4.5).\n\n**N. 21** **Financement** : Les coûts de formation doivent être répartis entre la collectivité publique et les prestataires. La LESo prévoit des contributions fédérales que les cantons doivent compléter avec leurs propres moyens. Dans l'élaboration des tarifs, il faut s'assurer que les prestations de formation soient rémunérées de manière appropriée.\n\n**N. 22** **Assurance qualité** : La « qualité élevée » exigée par l'art. 117b al. 1 Cst. nécessite des standards contraignants pour la formation et la pratique des soins. Les cantons devraient définir des indicateurs de qualité et les vérifier régulièrement. La collaboration interprofessionnelle doit être encouragée pour assurer l'utilisation conforme aux compétences selon l'al. 2.", "caselaw_fr": "# Art. 117b Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Historique de la genèse et ancrage constitutionnel\n\n**Arrêt 1C_779/2021 du 17 mars 2022**\nLa votation populaire du 28 novembre 2021 sur l'initiative sur les soins infirmiers a confirmé la légitimation démocratique du nouvel article constitutionnel. Le Tribunal fédéral a constaté dans une procédure concernant le déroulement de la votation que l'initiative avait été acceptée conformément aux règles et que l'art. 117b Cst. entrait ainsi en vigueur.\n\n> « Le 28 novembre 2021 ont eu lieu trois votations fédérales, à savoir la votation sur l'initiative populaire 'Pour des soins infirmiers forts' (initiative sur les soins infirmiers), la votation sur l'initiative populaire 'Détermination des juges fédéraux par tirage au sort' (initiative sur la justice) et la votation référendaire sur la modification du 19 mars 2021 de la loi Covid-19. »\n\n### Législation d'application et obligations cantonales de formation\n\n**Arrêt 9C_401/2024 du 4 juin 2025 c. 4.1**\nLe Tribunal fédéral a défini le cadre constitutionnel de l'art. 117b Cst. pour la législation d'application. La disposition fonde à la fois une compétence et une obligation de la Confédération et des cantons de garantir les soins infirmiers.\n\n> « Sous le titre 'Soins' l'art. 117b Cst. contient les principes suivants : la Confédération et les cantons reconnaissent et encouragent les soins comme élément important de l'approvisionnement en soins de santé et veillent à assurer des soins suffisants, accessibles à tous et de qualité élevée (al. 1). Ils veillent à ce qu'un nombre suffisant d'infirmières et d'infirmiers diplômés soit disponible pour répondre aux besoins croissants et à ce que les personnes actives dans le domaine des soins soient employées en fonction de leur formation et de leurs compétences (al. 2). »\n\n**Arrêt 9C_401/2024 du 4 juin 2025 c. 5.2**\nLa compétence cantonale de régler la formation en soins infirmiers n'est pas restreinte par l'art. 117b Cst. Les cantons conservent leur compétence de principe pour la formation professionnelle au niveau tertiaire et peuvent édicter des obligations de formation.\n\n> « Pour la réglementation de telles formations et formations continues, ce sont en principe les cantons qui sont compétents (cf. art. 42 et 43 ainsi qu'art. 63a ss Cst.). Ni l'art. 66 Cst. (concernant les contributions de formation de la Confédération aux cantons) ni l'art. 117b Cst. (concernant les soins) ne restreignent la compétence des cantons à cet égard. »\n\n### Proportionnalité des obligations cantonales de formation\n\n**Tribunal administratif de St-Gall B 2025/34 du 21 août 2025**\nLes premiers tribunaux cantonaux se sont penchés sur l'application concrète de l'art. 117b Cst. dans le domaine des obligations de formation. Le tribunal administratif saint-gallois a confirmé la proportionnalité d'exigences spécifiques de formation pour les organisations Spitex.\n\n> « La valeur indicative concrètement ordonnée pour l'obligation de formation de la recourante constitue une restriction admissible, en particulier proportionnée, de la liberté économique. »\n\n### Limites liées aux droits fondamentaux lors de la mise en œuvre\n\n**Arrêt 9C_401/2024 du 4 juin 2025 c. 5.4.3**\nLors de la mise en œuvre de l'art. 117b Cst., les droits fondamentaux des fournisseurs de prestations doivent être respectés. Le Tribunal fédéral a retenu que l'intérêt public à garantir des soins infirmiers suffisants a un poids considérable, mais n'est pas illimité.\n\n> « Qu'une telle [structure organisationnelle] ne puisse plus être librement choisie dans certaines circonstances, respectivement ne soit pas compatible dans tous les cas avec les prescriptions légales concernées, ne constitue en outre pas une atteinte à l'institution de la propriété ; le noyau dur de la garantie de la propriété reste également préservé avec les dispositions du TG KVV concernant l'obligation de formation et la taxe de remplacement. »\n\n### Financement des soins avant l'entrée en vigueur de l'art. 117b Cst.\n\n**ATF 144 V 280 c. 3**\nDéjà avant l'ancrage de l'art. 117b Cst., le Tribunal fédéral avait développé les grandes lignes du financement des soins. La nouvelle disposition constitutionnelle renforce les obligations existantes de garantir les soins infirmiers.\n\n> « Depuis l'entrée en vigueur du nouveau financement des soins le 1er janvier 2011, d'une part l'assurance obligatoire des soins verse une contribution - échelonnée selon les besoins de soins et limitée - aux prestations de soins (art. 25a al. 1 LAMal). D'autre part, les personnes assurées (art. 25a al. 5 phrase 1 LAMal) et les pouvoirs publics doivent aussi y participer (art. 25a al. 5 phrase 2 LAMal). »\n\n**ATF 142 V 94 c. 5.3**\nLa jurisprudence relative au financement résiduel des coûts de soins reste pertinente également sous l'art. 117b Cst. Les cantons disposent d'une marge d'appréciation considérable dans l'aménagement du financement des soins.\n\n> « Une réglementation cantonale selon laquelle les communes ont à reprendre au maximum la contribution de financement résiduel valable pour les fournisseurs de prestations sous contrat, si et dans la mesure où ceux-ci offrent des prestations de soins appropriées, se maintient dans le cadre de la compétence réglementaire transférée aux cantons à l'art. 25a al. 5 LAMal. »\n\n**ATF 139 V 135 c. 5**\nL'examen de l'économicité des prestations de soins acquiert une nouvelle dimension par l'art. 117b Cst. La disposition constitutionnelle met l'accent sur la qualité des soins, ce qui doit être pris en considération lors de l'appréciation de l'économicité.\n\n> « Économicité des soins à domicile en faveur d'une personne atteinte d'une maladie d'Alzheimer avancée en comparaison avec une prise en charge en home ; appréciation sous l'angle du nouveau financement des soins. Caractère disproportionné d'une prise en charge de coûts pour des soins à domicile. »\n\n### Mise en œuvre par la loi fédérale à travers la LFPSo\n\n**Arrêt 9C_401/2024 du 4 juin 2025 c. 4.2**\nLe Tribunal fédéral a confirmé la base constitutionnelle de la Loi fédérale sur l'encouragement de la formation dans le domaine des soins (LFPSo) comme mise en œuvre directe de l'art. 117b al. 2 Cst.\n\n> « Dans le cadre de la mise en œuvre de l'art. 117b Cst., la LFPSo édicte sous le titre 'Encouragement des prestations des acteurs dans le domaine de la formation pratique d'infirmières et d'infirmiers' notamment ce qui suit : les cantons déterminent les besoins en places pour la formation pratique d'infirmière ou d'infirmier ES et d'infirmière ou d'infirmier HES (infirmière ou infirmier). »\n\n**Arrêt 9C_401/2024 du 4 juin 2025 c. 5.4.4.2**\nLa nécessité d'obligations de formation est renforcée par l'art. 117b Cst. Le Tribunal fédéral s'est référé au message correspondant du Conseil fédéral, selon lequel les cantons sans obligations de formation existantes devraient en introduire au plus tard lors de l'adoption de la LFPSo.\n\n> « Le Conseil fédéral partait d'ailleurs dans le message sur l'encouragement de la formation dans le domaine des soins du 25 mai 2022 du principe que les cantons, respectivement les communes, qui n'avaient pas encore édicté d'obligations de formation pour tous les hôpitaux, homes et organisations Spitex, devraient introduire de telles obligations au plus tard lors de l'adoption de la LFPSo. »", "summary_it": "# Art. 117b Cost. — Cure infermieristiche\n\n## Panoramica\n\nL'art. 117b Cost. obbliga la Confederazione e i Cantoni a promuovere le cure infermieristiche e a garantire un numero sufficiente di personale infermieristico qualificato. Questa disposizione è stata inserita nella Costituzione nel 2021 tramite l'iniziativa sulle cure infermieristiche, dopo che la popolazione aveva riconosciuto la carenza di personale infermieristico come un problema.\n\nLa norma riguarda tutti coloro che necessitano di prestazioni infermieristiche o le forniscono. Ciò include pazienti negli ospedali, residenti delle case di cura, persone assistite a domicilio dai servizi Spitex e tutti i professionisti delle cure infermieristiche. Sono interessati anche ospedali, case di cura e organizzazioni Spitex, poiché devono formare apprendisti.\n\nLa Confederazione e i Cantoni devono garantire che sia disponibile un numero sufficiente di infermieri diplomati (persone con formazione presso scuole universitarie professionali o scuole specializzate superiori). Devono anche assicurare che il personale qualificato sia impiegato secondo la propria formazione. Un infermiere professionale non dovrebbe quindi essere utilizzato per semplici attività ausiliarie.\n\nConcretamente questo significa: una casa di cura deve formare un determinato numero di apprendisti o pagare una tassa sostitutiva. I Cantoni devono mettere a disposizione un numero sufficiente di posti di formazione nelle scuole. La Confederazione sostiene la formazione con aiuti finanziari.\n\nL'obiettivo è quello di garantire cure infermieristiche sufficienti, accessibili a tutti e di alta qualità. I cittadini non ottengono però un diritto diretto a determinate prestazioni infermieristiche. La disposizione obbliga solo lo Stato ad agire.", "doctrine_it": "# Art. 117b Cost. — Cure infermieristiche\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 117b Cost. è stato inserito nella Costituzione federale il 28 novembre 2021 attraverso l'accettazione dell'iniziativa popolare federale «Per cure infermieristiche forti» (iniziativa sulle cure infermieristiche) (FF 2021 2914). L'iniziativa ha ottenuto il 60,9% di voti favorevoli ed è stata accettata da 20 cantoni. Mirava ad ancorare costituzionalmente le cure infermieristiche come settore autonomo dell'assistenza sanitaria e ad affrontare le crescenti sfide nel settore delle cure (FF 2018 7653, 7654).\n\n**N. 2** Il Consiglio federale aveva raccomandato di respingere l'iniziativa senza controprogetto, poiché riconosceva in linea di principio la legittimità delle richieste, ma considerava troppo dettagliate le prescrizioni a livello costituzionale (FF 2018 7653, 7667). Il Parlamento non ha seguito questa raccomandazione ed ha elaborato un controprogetto indiretto sotto forma di una legge federale sulla promozione della formazione nel settore delle cure infermieristiche, che tuttavia è stata considerata insufficiente dagli iniziativisti.\n\n**N. 3** L'attuazione è avvenuta principalmente attraverso la legge federale del 16 dicembre 2022 sulla promozione della formazione nel settore delle cure infermieristiche (LFCu; RS 811.22), entrata in vigore il 1° luglio 2024. Il Consiglio federale ha sottolineato nel messaggio del 25 maggio 2022 che i cantoni dovevano ampliare o introdurre ex novo i loro obblighi di formazione esistenti (FF 2022 1301, 1335).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 117b Cost. completa le competenze della Confederazione in materia sanitaria nella 3a sezione del 3° capitolo della Costituzione federale. È strettamente collegato con → l'art. 117a Cost. (Cure mediche di base) e → l'art. 118 Cost. (Protezione della salute). La disposizione fonda una competenza parallela di Confederazione e cantoni, mantenendo fondamentalmente l'ordine federalistico delle competenze.\n\n**N. 5** La norma ha carattere sia programmatico che fondativo di competenze. Mentre il cpv. 1 rappresenta principalmente una disposizione di obiettivo statale, il cpv. 2 contiene un obbligo concreto d'azione per Confederazione e cantoni. Ciò distingue l'art. 117b Cost. dai puri obiettivi sociali secondo → l'art. 41 Cost., che non fondano pretese giustiziabili.\n\n**N. 6** Nel contesto dei diritti fondamentali va considerato → l'art. 27 Cost. (Libertà economica), poiché gli obblighi di formazione per i fornitori di prestazioni privati possono rappresentare un'ingerenza nella libertà imprenditoriale. Tali ingerenze devono soddisfare i requisiti dell'→ art. 36 Cost.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **«Cure infermieristiche»** comprende secondo l'intendimento degli iniziativisti e della legislazione d'attuazione le cure professionali da parte di infermieri diplomati SSS/SUP e di operatori sociosanitari AFC. Il concetto è più ampio delle cure mediche secondo la LAMal e include anche prestazioni di cure preventive, riabilitative e palliative (sentenza 9C_401/2024 consid. 4.1).\n\n**N. 8** Il **«riconoscimento e promozione»** (cpv. 1) obbliga Confederazione e cantoni ad adottare misure attive. Ciò comprende il sostegno finanziario della formazione, la creazione di condizioni quadro favorevoli e la rivalutazione della professione infermieristica. La formulazione «elemento importante» sottolinea l'autonomia delle cure infermieristiche accanto all'assistenza medica.\n\n**N. 9** Le **«cure sufficienti, accessibili a tutti e di elevata qualità»** (cpv. 1) concretizzano tre dimensioni: sufficienza quantitativa (personale infermieristico sufficiente), accessibilità universale (geografica e finanziaria) e standard qualitativi. Questa triade costituisce il parametro per le misure statali.\n\n**N. 10** Il **«numero sufficiente di infermieri diplomati»** (cpv. 2) si riferisce al fabbisogno prognosticato. Secondo i materiali sussiste fino al 2030 un fabbisogno aggiuntivo di 43'000 infermieri specializzati (FF 2022 1301, 1306). I cantoni sono obbligati a determinare il fabbisogno regionale e ad assicurare i corrispondenti posti di formazione.\n\n**N. 11** L'**«impiego conforme alle competenze»** (cpv. 2) mira ad evitare la sovra o sottoqualificazione. Gli infermieri diplomati non dovrebbero essere impiegati per attività ausiliarie, mentre inversamente il personale d'assistenza non dovrebbe assumere compiti per i quali è richiesta una qualificazione superiore.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'art. 117b Cost. fonda una **competenza e obbligo legislativo** della Confederazione. Questo è stato esercitato attraverso la LFCu, che prevede aiuti finanziari per la formazione pratica e obbliga i cantoni alla pianificazione del fabbisogno. La competenza della Confederazione non è esclusiva; i cantoni mantengono le loro competenze in materia sanitaria e formativa.\n\n**N. 13** Per i cantoni deriva un **obbligo d'attuazione** nell'ambito delle loro competenze. Ciò comprende in particolare la garanzia di posti di formazione sufficienti nelle scuole universitarie professionali e nelle scuole specializzate superiori, nonché la regolamentazione della formazione pratica nelle istituzioni sanitarie (sentenza 9C_401/2024 consid. 5.2).\n\n**N. 14** I fornitori di prestazioni privati possono essere **obbligati a prestazioni formative**. Il Tribunale federale ha confermato che gli obblighi di formazione cantonali per ospedali, case di cura e organizzazioni di cure a domicilio sono ammissibili, purché configurati in modo proporzionato (sentenza 9C_401/2024 consid. 5.4). In caso di mancato adempimento possono essere riscosse tasse sostitutive.\n\n**N. 15** L'art. 117b Cost. **non fonda diritti soggettivi** a determinate prestazioni di cura. Diversamente dai diritti fondamentali, la disposizione non conferisce ai cittadini una pretesa esigibile a una determinata qualità o quantità di cure. Obbliga tuttavia lo Stato ad agire dal punto di vista del diritto oggettivo.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 16** **Portata della competenza della Confederazione**: Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda la competenza della Confederazione secondo l'art. 117b Cost. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, § 64 n. 2876) sostengono un'interpretazione restrittiva, secondo cui la Confederazione può emanare solo regolamentazioni puntuali. Al contrario, Belser/Waldmann (BSK BV, 2a ed. 2024, art. 117b n. 15) propugnano un'interpretazione più ampia, che attribuisce alla Confederazione competenze regolamentari complete nel settore delle cure.\n\n**N. 17** **Rapporto con l'art. 117a Cost.**: È oggetto di discussione controversa il rapporto con le cure mediche di base. Mentre Ehrenzeller/Schindler (St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 117b n. 8) esigono una delimitazione chiara, altri autori vedono le cure infermieristiche come parte integrante delle cure di base, il che condurrebbe a sovrapposizioni delle competenze.\n\n**N. 18** **Obblighi di formazione per privati**: L'ammissibilità degli obblighi di formazione era controversa prima dell'entrata in vigore dell'art. 117b Cost. Müller (Schweizerisches Verwaltungsrecht, 2022, p. 567) vi vedeva un'ingerenza sproporzionata nella libertà economica. Con la nuova disposizione costituzionale questa controversia si è largamente risolta, poiché l'art. 117b cpv. 2 Cost. crea una base esplicita.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** **Determinazione del fabbisogno**: I cantoni devono rilevare e prognosticare sistematicamente il fabbisogno di cure. Devono essere considerati sviluppi demografici, tendenze epidemiologiche e particolarità regionali. La pianificazione del fabbisogno dovrebbe avvenire in modo continuativo ed essere aggiornata almeno ogni quattro anni.\n\n**N. 20** **Configurazione degli obblighi di formazione**: Nella definizione delle quote di formazione va tenuto conto delle dimensioni e della capacità prestazionale delle aziende. Le microaziende possono essere esentate dall'obbligo di formazione o obbligate al versamento di tasse sostitutive. Le prescrizioni devono essere calcolate in modo trasparente e comprensibile (Tribunale amministrativo SG B 2025/34 consid. 4.5).\n\n**N. 21** **Finanziamento**: I costi di formazione devono essere ripartiti tra enti pubblici e fornitori di prestazioni. La LFCu prevede contributi federali, che i cantoni devono completare con mezzi propri. Nella configurazione delle tariffe va garantito che le prestazioni formative siano remunerate adeguatamente.\n\n**N. 22** **Garanzia della qualità**: L'«elevata qualità» richiesta dall'art. 117b cpv. 1 Cost. esige standard vincolanti per la formazione e la pratica delle cure. I cantoni dovrebbero definire indicatori di qualità e verificarli regolarmente. Va promossa la collaborazione interprofessionale per garantire l'impiego conforme alle competenze secondo il cpv. 2.", "caselaw_it": "# Art. 117b Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Genesi e ancoraggio costituzionale\n\n**Sentenza 1C_779/2021 del 17 marzo 2022**\nLa votazione popolare del 28 novembre 2021 sull'iniziativa per le cure infermieristiche ha confermato la legittimazione democratica del nuovo articolo costituzionale. Il Tribunale federale ha constatato in una procedura concernente lo svolgimento della votazione che l'iniziativa è stata accettata regolarmente e che pertanto l'art. 117b Cost. è entrato in vigore.\n\n> «Il 28 novembre 2021 si sono tenute tre votazioni popolari federali, ovvero la votazione sull'iniziativa popolare 'Per cure infermieristiche forti' (Iniziativa per le cure infermieristiche), la votazione sull'iniziativa popolare 'Designazione dei giudici federali mediante sorteggio' (Iniziativa sulla giustizia) e la votazione referendaria sulla modifica del 19 marzo 2021 della Legge COVID-19.»\n\n### Legislazione di attuazione e obblighi cantonali di formazione\n\n**Sentenza 9C_401/2024 del 4 giugno 2025 consid. 4.1**\nIl Tribunale federale ha definito il quadro costituzionale dell'art. 117b Cost. per la legislazione di attuazione. La disposizione fonda sia una competenza sia un obbligo di Confederazione e Cantoni per garantire l'assistenza infermieristica.\n\n> «Sotto il titolo 'Cure infermieristiche' l'art. 117b Cost. contiene i seguenti principi: la Confederazione e i Cantoni riconoscono e promuovono le cure infermieristiche quale importante componente dell'assistenza sanitaria e provvedono a un'assistenza infermieristica sufficiente, accessibile a tutti e di elevata qualità (cpv. 1). Provvedono affinché sia disponibile un numero sufficiente di persone qualificate specialiste in cure infermieristiche per il crescente fabbisogno e affinché le persone attive nelle cure infermieristiche siano impiegate conformemente alla loro formazione e alle loro competenze (cpv. 2).»\n\n**Sentenza 9C_401/2024 del 4 giugno 2025 consid. 5.2**\nLa competenza cantonale per la regolamentazione della formazione infermieristica non viene limitata dall'art. 117b Cost. I Cantoni mantengono la loro competenza di principio per la formazione professionale di livello terziario e possono stabilire obblighi di formazione.\n\n> «Per la regolamentazione di tali formazioni e formazioni continue sono competenti in linea di principio i Cantoni (cfr. art. 42 e 43 nonché art. 63a segg. Cost.). Né l'art. 66 Cost. (concernente i sussidi formativi della Confederazione ai Cantoni) né l'art. 117b Cost. (concernente le cure infermieristiche) limitano la relativa competenza dei Cantoni.»\n\n### Proporzionalità degli obblighi cantonali di formazione\n\n**Tribunale amministrativo di San Gallo B 2025/34 del 21 agosto 2025**\nI primi tribunali cantonali si sono occupati dell'applicazione concreta dell'art. 117b Cost. nell'ambito degli obblighi di formazione. Il Tribunale amministrativo sangallese ha confermato la proporzionalità di specifiche prescrizioni formative per le organizzazioni Spitex.\n\n> «Il valore prescrittivo concretamente ordinato per l'obbligo di formazione della ricorrente rappresenta una limitazione ammissibile, in particolare proporzionata, della libertà economica.»\n\n### Limiti dei diritti fondamentali nell'attuazione\n\n**Sentenza 9C_401/2024 del 4 giugno 2025 consid. 5.4.3**\nNell'attuazione dell'art. 117b Cost. devono essere rispettati i diritti fondamentali dei fornitori di prestazioni. Il Tribunale federale ha stabilito che l'interesse pubblico a garantire un'assistenza infermieristica sufficiente ha un peso considerevole, ma non è illimitato.\n\n> «Il fatto che una tale [struttura organizzativa] non possa eventualmente più essere scelta liberamente rispettivamente non sia in ogni caso compatibile con le prescrizioni legali qui rilevanti, non è inoltre un intervento nell'istituto della proprietà; il nocciolo duro della garanzia della proprietà rimane preservato anche con le disposizioni del TG KVV concernenti l'obbligo di formazione e la tassa sostitutiva.»\n\n### Finanziamento delle cure prima dell'entrata in vigore dell'art. 117b Cost.\n\n**DTF 144 V 280 consid. 3**\nGià prima dell'ancoraggio dell'art. 117b Cost. il Tribunale federale aveva sviluppato i tratti fondamentali del finanziamento delle cure. La nuova disposizione costituzionale rafforza gli obblighi esistenti per garantire l'assistenza infermieristica.\n\n> «Dall'entrata in vigore del nuovo finanziamento delle cure il 1° gennaio 2011, da un lato l'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie versa un contributo - graduato secondo il fabbisogno di cure e limitato - alle prestazioni di cura (art. 25a cpv. 1 LAMal). Dall'altro lato anche le persone assicurate (art. 25a cpv. 5 prima frase LAMal) e i poteri pubblici devono partecipare a questi costi (art. 25a cpv. 5 seconda frase LAMal).»\n\n**DTF 142 V 94 consid. 5.3**\nLa giurisprudenza sul finanziamento residuo dei costi delle cure rimane rilevante anche sotto l'art. 117b Cost. I Cantoni dispongono di un notevole margine di manovra nella configurazione del finanziamento delle cure.\n\n> «Una regolamentazione cantonale secondo la quale i Comuni devono assumere al massimo il contributo di finanziamento residuo valido per i fornitori di prestazioni convenzionati, se e nella misura in cui questi offrono prestazioni di cura adeguate, si mantiene entro la competenza normativa trasferita ai Cantoni nell'art. 25a cpv. 5 LAMal.»\n\n**DTF 139 V 135 consid. 5**\nLa verifica dell'economicità delle prestazioni di cura acquisisce una nuova dimensione attraverso l'art. 117b Cost. La disposizione costituzionale enfatizza la qualità delle cure, che deve essere considerata nella valutazione dell'economicità.\n\n> «Economicità delle cure a domicilio a favore di una persona con malattia di Alzheimer avanzata in confronto a un'assistenza in casa di cura; valutazione sotto l'aspetto del nuovo finanziamento delle cure. Sproporzione di un'assunzione di costi per cure a domicilio.»\n\n### Attuazione mediante legge federale attraverso la LPCInf\n\n**Sentenza 9C_401/2024 del 4 giugno 2025 consid. 4.2**\nIl Tribunale federale ha confermato la base costituzionale della Legge federale sulla promozione della formazione nel settore delle cure infermieristiche (LPCInf) come attuazione diretta dell'art. 117b cpv. 2 Cost.\n\n> «Nel quadro dell'attuazione dell'art. 117b Cost. la LPCInf stabilisce sotto il titolo 'Promozione delle prestazioni degli attori nell'ambito della formazione pratica di specialisti in cure infermieristiche' in particolare quanto segue: i Cantoni determinano il fabbisogno di posti per la formazione pratica di specialista in cure infermieristiche SSS e di specialista in cure infermieristiche SUP (specialista in cure infermieristiche).»\n\n**Sentenza 9C_401/2024 del 4 giugno 2025 consid. 5.4.4.2**\nLa necessità di obblighi di formazione viene rafforzata dall'art. 117b Cost. Il Tribunale federale ha fatto riferimento al relativo messaggio del Consiglio federale, secondo il quale i Cantoni senza obblighi di formazione esistenti dovrebbero introdurli al più tardi con l'emanazione della LPCInf.\n\n> «Il Consiglio federale partiva del resto nel messaggio sulla promozione della formazione nel settore delle cure infermieristiche del 25 maggio 2022 dal presupposto che Cantoni rispettivamente Comuni che non avevano ancora stabilito obblighi di formazione per tutti gli ospedali, le case di cura e le organizzazioni Spitex, dovessero introdurre tali obblighi al più tardi con l'emanazione della LPCInf.»", "summary_en": "# Art. 117b BV — Nursing Care\n\n## Overview\n\nArt. 117b BV requires the Confederation and the cantons to promote nursing care and ensure an adequate supply of trained nursing staff. This provision was incorporated into the Constitution in 2021 through the nursing care initiative, after the population recognised the nursing care shortage as a problem.\n\nThe rule affects everyone who needs or provides nursing care services. This includes patients in hospitals, residents of nursing homes, people with home care services at home, and all nursing professionals. Hospitals, nursing homes and home care organisations are also affected because they must train apprentices.\n\nThe Confederation and the cantons must ensure that sufficient qualified nursing professionals (persons with training at universities of applied sciences or higher vocational schools) are available. They must also ensure that qualified personnel are deployed according to their training. A nursing professional should therefore not be used for simple auxiliary activities.\n\nConcretely, this means: A nursing home must train a certain number of apprentices or pay a substitute levy. The cantons must provide sufficient training places at schools. The Confederation supports training with financial assistance.\n\nThe goal is adequate, accessible nursing care of high quality for all. However, citizens do not receive a direct entitlement to specific nursing care services. The provision only obliges the state to take action.", "doctrine_en": "# Art. 117b Cst. — Nursing Care\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** Art. 117b Cst. was inserted into the Federal Constitution on 28 November 2021 through the adoption of the federal popular initiative «For strong nursing care» (nursing initiative) (FedGaz 2021 2914). The initiative received 60.9% of votes in favour and was accepted by 20 cantons. It aimed to constitutionally anchor nursing care as an independent area of healthcare and to address the growing challenges in the nursing sector (FedGaz 2018 7653, 7654).\n\n**No. 2** The Federal Council had recommended rejecting the initiative without a counter-proposal, as it recognised the concerns as fundamentally justified but considered the detailed requirements at constitutional level to be too far-reaching (FedGaz 2018 7653, 7667). Parliament did not follow this recommendation and developed an indirect counter-proposal in the form of a federal act on the promotion of training in nursing care, which was however considered insufficient by the initiators.\n\n**No. 3** Implementation occurred primarily through the Federal Act of 16 December 2022 on the Promotion of Training in Nursing Care (FPTNC; SR 811.22), which entered into force on 1 July 2024. The Federal Council emphasised in its message of 25 May 2022 that the cantons would have to expand or newly introduce their existing training obligations (FedGaz 2022 1301, 1335).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 4** Art. 117b Cst. supplements the Confederation's health competences in Section 3 of Chapter 3 of the Federal Constitution. It is closely linked to → Art. 117a Cst. (Basic medical care) and → Art. 118 Cst. (Protection of health). The provision establishes parallel competence of the Confederation and cantons, whereby the federalist allocation of powers is fundamentally preserved.\n\n**No. 5** The norm has both programmatic and competence-establishing character. While para. 1 primarily represents a state objective provision, para. 2 contains a concrete obligation to act for the Confederation and cantons. This distinguishes Art. 117b Cst. from the pure social objectives under → Art. 41 Cst., which do not establish justiciable claims.\n\n**No. 6** In the context of fundamental rights, → Art. 27 Cst. (Economic freedom) must be considered, as training obligations for private service providers may constitute an interference with entrepreneurial freedom. Such interferences must satisfy the requirements of → Art. 36 Cst.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**No. 7** **«Nursing care»** encompasses, according to the understanding of the initiators and implementing legislation, professional nursing by qualified nursing specialists HF/FH as well as healthcare specialists with a federal certificate of competency. The term is broader than nursing care within the meaning of the HIA and includes preventive, rehabilitative and palliative nursing services (Judgment 9C_401/2024 consid. 4.1).\n\n**No. 8** **«Recognition and promotion»** (para. 1) obliges the Confederation and cantons to take active measures. This includes financial support for training, creation of favourable framework conditions and upgrading of the nursing profession. The formulation «important component» underlines the independence of nursing care alongside medical care.\n\n**No. 9** The **«sufficient, accessible nursing care of high quality for all»** (para. 1) specifies three dimensions: quantitative sufficiency (enough nursing staff), universal accessibility (geographically and financially) as well as quality standards. This triad forms the standard for state measures.\n\n**No. 10** The **«sufficient number of qualified nursing specialists»** (para. 2) refers to projected demand. According to the materials, there is an additional need for 43,000 nursing specialists by 2030 (FedGaz 2022 1301, 1306). The cantons are obliged to determine regional needs and ensure corresponding training places.\n\n**No. 11** **«Competence-appropriate deployment»** (para. 2) aims to avoid over- or under-qualification. Qualified nursing specialists should not be deployed for auxiliary activities, while conversely assistant staff should not undertake tasks for which a higher qualification is required.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 12** Art. 117b Cst. establishes a **legislative competence and obligation** of the Confederation. This was exercised through the FPTNC, which provides financial assistance for practical training and obliges the cantons to plan for needs. The Confederation's competence is not exhaustive; the cantons retain their competences in health and education.\n\n**No. 13** For the cantons there arises an **implementation obligation** within the framework of their competences. This includes in particular ensuring sufficient training places at universities of applied sciences and colleges of higher education as well as regulating practical training in health institutions (Judgment 9C_401/2024 consid. 5.2).\n\n**No. 14** Private service providers can be **obliged to provide training services**. The Federal Supreme Court has confirmed that cantonal training obligations for hospitals, nursing homes and home care organisations are permissible, provided they are proportionally designed (Judgment 9C_401/2024 consid. 5.4). In case of non-compliance, substitute fees may be levied.\n\n**No. 15** Art. 117b Cst. **does not establish subjective rights** to specific nursing services. Unlike fundamental rights, the provision does not grant citizens an enforceable claim to a specific nursing quality or quantity. It does however oblige the state to act under objective law.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**No. 16** **Scope of federal competence**: In legal doctrine it is disputed how far the federal competence under Art. 117b Cst. extends. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, § 64 No. 2876) advocate a narrow interpretation, according to which the Confederation may only enact selective regulations. In contrast, Belser/Waldmann (BSK Cst., 2nd ed. 2024, Art. 117b No. 15) argue for a broader interpretation that grants the Confederation comprehensive regulatory competences in nursing care.\n\n**No. 17** **Relationship to Art. 117a Cst.**: The relationship to basic medical care is controversially discussed. While Ehrenzeller/Schindler (St. Gallen Commentary Cst., 4th ed. 2023, Art. 117b No. 8) demand a clear demarcation, other authors see nursing care as an integral component of basic care, which leads to overlapping competences.\n\n**No. 18** **Training obligations for private parties**: The admissibility of training obligations was disputed before Art. 117b Cst. entered into force. Müller (Swiss Administrative Law, 2022, p. 567) saw this as a disproportionate interference with economic freedom. With the new constitutional provision, this controversy has largely been resolved, as Art. 117b para. 2 Cst. creates an explicit basis.\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**No. 19** **Needs assessment**: Cantons must systematically survey and forecast nursing needs. Demographic developments, epidemiological trends and regional particularities must be considered. Needs planning should be rolling and updated at least every four years.\n\n**No. 20** **Design of training obligations**: When setting training quotas, the size and capacity of businesses must be taken into account. Very small businesses can be exempted from the training obligation or obliged to pay substitute fees. The requirements must be transparently and comprehensibly calculated (Administrative Court SG B 2025/34 consid. 4.5).\n\n**No. 21** **Financing**: Training costs are to be divided between the public sector and service providers. The FPTNC provides for federal contributions, which the cantons must supplement with their own resources. In tariff design, it must be ensured that training services are appropriately remunerated.\n\n**No. 22** **Quality assurance**: The «high quality» required in Art. 117b para. 1 Cst. requires binding standards for training and nursing practice. Cantons should define quality indicators and regularly review them. Interprofessional collaboration should be promoted to ensure competence-appropriate deployment according to para. 2.", "caselaw_en": "# Art. 117b BV\n\n## Caselaw\n\n### Genesis and constitutional anchoring\n\n**Judgment 1C_779/2021 of 17 March 2022**\nThe popular vote of 28 November 2021 on the nursing initiative confirmed the democratic legitimacy of the new constitutional article. The Federal Supreme Court established in proceedings concerning the conduct of the vote that the initiative was duly adopted and that Art. 117b BV thus entered into force.\n\n> «On 28 November 2021, three federal popular votes took place, namely the vote on the popular initiative 'For strong nursing' (nursing initiative), the vote on the popular initiative 'Selection of federal judges by drawing lots' (justice initiative) and the referendum vote on the amendment of 19 March 2021 to the COVID-19 Act.»\n\n### Implementation legislation and cantonal training obligations\n\n**Judgment 9C_401/2024 of 4 June 2025 E. 4.1**\nThe Federal Supreme Court defined the constitutional framework of Art. 117b BV for implementation legislation. The provision establishes both a competence and an obligation of the Confederation and the cantons to ensure nursing care.\n\n> «Under the title 'Nursing', Art. 117b BV contains the following principles: The Confederation and the cantons recognise and promote nursing as an important component of health care and ensure adequate nursing care that is accessible to all and of high quality (para. 1). They ensure that a sufficient number of qualified nursing professionals is available for increasing demand and that persons working in nursing are deployed in accordance with their training and skills (para. 2).»\n\n**Judgment 9C_401/2024 of 4 June 2025 E. 5.2**\nThe cantonal competence to regulate nursing training is not curtailed by Art. 117b BV. The cantons retain their principal responsibility for vocational education and training at the tertiary level and may establish training obligations.\n\n> «For the regulation of such training and further education, the cantons are principally responsible (cf. Art. 42 and 43 as well as Art. 63a ff. BV). Neither Art. 66 BV (concerning training contributions from the Confederation to the cantons) nor Art. 117b BV (concerning nursing) curtails the relevant competence of the cantons.»\n\n### Proportionality of cantonal training obligations\n\n**Administrative Court St. Gallen B 2025/34 of 21 August 2025**\nThe first cantonal courts dealt with the concrete application of Art. 117b BV in the area of training obligations. The St. Gallen Administrative Court confirmed the proportionality of specific training requirements for Spitex organisations.\n\n> «The specifically ordered target value for the training obligation of the appellant constitutes a permissible, in particular proportionate, restriction of economic freedom.»\n\n### Fundamental rights limits in implementation\n\n**Judgment 9C_401/2024 of 4 June 2025 E. 5.4.3**\nIn implementing Art. 117b BV, the fundamental rights of service providers must be respected. The Federal Supreme Court held that the public interest in ensuring sufficient nursing care carries great weight, but is not unlimited.\n\n> «That such [organisational structure] may under certain circumstances no longer be freely chosen resp. is not in every case compatible with the legal requirements of interest here, is moreover not an interference with the institution of property; the core content of the guarantee of property also remains preserved with the provisions of TG KVV concerning training obligation and substitute levy.»\n\n### Nursing financing before Art. 117b BV entered into force\n\n**BGE 144 V 280 E. 3**\nEven before the anchoring of Art. 117b BV, the Federal Supreme Court had developed the basic features of nursing financing. The new constitutional provision strengthens the existing obligations to ensure nursing care.\n\n> «Since the new nursing financing entered into force on 1 January 2011, on the one hand compulsory health insurance makes a contribution to nursing services that is graduated according to nursing needs and limited (Art. 25a para. 1 KVG). On the other hand, the insured persons (Art. 25a para. 5 sent. 1 KVG) and the public authorities must also participate in these (Art. 25a para. 5 sent. 2 KVG).»\n\n**BGE 142 V 94 E. 5.3**\nThe case law on residual financing of nursing costs remains relevant under Art. 117b BV. The cantons have considerable scope for discretion in designing nursing financing.\n\n> «A cantonal regulation whereby the communes have to assume at most the residual financing contribution that applies to contractual service providers, if and insofar as these offer suitable nursing services, remains within the regulatory competence transferred to the cantons in Art. 25a para. 5 KVG.»\n\n**BGE 139 V 135 E. 5**\nThe cost-effectiveness review of nursing services gains a new dimension through Art. 117b BV. The constitutional provision emphasises the quality of nursing, which must be taken into account when assessing cost-effectiveness.\n\n> «Cost-effectiveness of home nursing for a person with advanced Alzheimer's disease compared to care in a nursing home; assessment from the perspective of the new nursing financing. Disproportionality of assuming costs for nursing at home.»\n\n### Federal legislative implementation through the FAPG\n\n**Judgment 9C_401/2024 of 4 June 2025 E. 4.2**\nThe Federal Supreme Court confirmed the constitutional basis of the Federal Act on the Promotion of Training in the Field of Nursing (FAPG) as direct implementation of Art. 117b para. 2 BV.\n\n> «In the context of implementing Art. 117b BV, the FAPG establishes under the title 'Promotion of services by actors in the field of practical training of nursing professionals' in particular the following: The cantons determine the need for places for practical training as a nursing professional HF or nursing professional FH (nursing professional).»\n\n**Judgment 9C_401/2024 of 4 June 2025 E. 5.4.4.2**\nThe necessity of training obligations is reinforced by Art. 117b BV. The Federal Supreme Court referred to the corresponding Federal Council message, according to which cantons without existing training obligations would have to introduce such obligations at the latest with the enactment of the FAPG.\n\n> «The Federal Council indeed assumed in the message on the promotion of training in the field of nursing of 25 May 2022 that cantons resp. communes that had not yet established training obligations for all hospitals, nursing homes and Spitex organisations would have to introduce such obligations at the latest with the enactment of the FAPG.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_117b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 118, "article_suffix": "", "title": "Schutz der Gesundheit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 118 BV — Schutz der Gesundheit\n\n## Übersicht\n\nArt. 118 BV regelt die Gesundheitskompetenzen des Bundes. Die Bestimmung erlaubt dem Bund nicht, in allen Gesundheitsfragen zu handeln. Er darf nur dort tätig werden, wo die Verfassung ihm ausdrücklich Zuständigkeiten gibt (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\nAbsatz 1 verpflichtet den Bund, innerhalb seiner bestehenden Kompetenzen Gesundheitsschutzmassnahmen zu treffen. Absatz 2 nennt drei spezielle Bereiche, in denen der Bund Gesetze erlassen darf:\n\n**Erstens** regelt er den Umgang mit gesundheitsschädlichen Produkten wie Medikamenten, Drogen, Chemikalien und Lebensmitteln. Das umfasst ihre Herstellung, ihren Verkauf und ihre Verwendung. Beispiel: Das Heilmittelgesetz verbietet den Verkauf von Medikamenten ohne ärztliche Verschreibung (**BGE 140 II 520** E. 3).\n\n**Zweitens** bekämpft der Bund ansteckende und gefährliche Krankheiten bei Menschen und Tieren. Diese Kompetenz ist sehr weitreichend (nachträglich derogatorisch), wie die COVID-19-Pandemie zeigte (**BGE 147 I 478** E. 3.2). Seit 2022 verbietet die Verfassung auch jede Tabakwerbung, die Kinder und Jugendliche erreicht (AS 2022 241).\n\n**Drittens** schützt der Bund vor radioaktiver Strahlung, nicht aber vor Handystrahlung. Diese fällt unter den Umweltschutz.\n\nDie Kantone bleiben für alle anderen Gesundheitsfragen zuständig, etwa Spitäler und Gesundheitsförderung. Sie können auch strengere Regeln erlassen als der Bund, wenn das Bundesgesetz dies erlaubt. Beispiel: Viele Kantone haben schärfere Rauchverbote als das Bundesgesetz (**BGE 139 I 242** E. 3.3).", "doctrine_de": "# Art. 118 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 118 BV überführte die bisherigen Art. 69, 69bis und 24quinquies Abs. 2 aBV in den neuen Verfassungstext (BBl 1997 I 332). Die Bestimmung wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung als «Gesundheitsartikel» konzipiert und entspricht weitgehend dem bundesrätlichen Entwurf (BBl 1997 I 614). Die einzige substantielle Änderung betrifft die Erwähnung von «Menschen und Tieren», die vom allgemeinen Absatz 1 in die spezifische Kompetenz von Abs. 2 lit. b verschoben wurde.\n\n**N. 2** Am 13. Februar 2022 wurde Art. 118 Abs. 2 lit. b durch Volksabstimmung um ein explizites Werbeverbot für Tabakprodukte ergänzt, das sich an Kinder und Jugendliche richtet (BBl 2019 6883; AS 2022 241). Diese Verfassungsänderung geht auf die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» zurück und erweitert die Bundeskompetenz im Bereich der Krankheitsbekämpfung um ein präventives Element.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 118 BV ist systematisch im 3. Kapitel («Bund, Kantone und Gemeinden»), 2. Abschnitt («Zuständigkeiten») unter dem Titel «Sozialziele, Bildung, Forschung und Kultur» eingeordnet. Die Norm bildet zusammen mit Art. 117 BV (Kranken- und Unfallversicherung), Art. 119 BV (Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich) und Art. 120 BV (Gentechnologie ausserhalb des Humanbereichs) den verfassungsrechtlichen Rahmen für die Gesundheitspolitik des Bundes.\n\n**N. 4** Die Kompetenzbestimmung steht in engem Zusammenhang mit dem Sozialziel von Art. 41 Abs. 1 lit. b BV, wonach sich Bund und Kantone dafür einsetzen, dass jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält. Während Art. 41 BV jedoch keine subjektiven Rechte begründet und nicht justiziabel ist, schafft Art. 118 BV konkrete Gesetzgebungskompetenzen des Bundes (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 5** Die Querbezüge zu Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit) und Art. 35 BV (Verwirklichung der Grundrechte) sind bei der Auslegung zu beachten. Der Gesundheitsschutz kann als staatliche Schutzpflicht verstanden werden, die sich aus den Grundrechten ableitet (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Allgemeine Gesundheitsschutzmassnahmen (Abs. 1)\n\n**N. 6** Abs. 1 verpflichtet den Bund, «im Rahmen seiner Zuständigkeiten» Massnahmen zum Schutz der Gesundheit zu treffen. Diese Formulierung macht deutlich, dass Art. 118 BV keine umfassende Bundeskompetenz für das Gesundheitswesen begründet. Der Bund kann nur dort tätig werden, wo ihm die Verfassung ausdrücklich Kompetenzen zuweist (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 7** Der Gesundheitsbegriff ist weit zu verstehen und umfasst nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern auch fürsorgerische und Wohlfahrtsaspekte im Sinne der WHO-Definition (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4). Dies ermöglicht dem Bund, präventive Massnahmen zu ergreifen, soweit sie von seinen spezifischen Kompetenzen gedeckt sind.\n\n### 3.2 Spezifische Gesetzgebungskompetenzen (Abs. 2)\n\n**N. 8** Abs. 2 enthält eine abschliessende Aufzählung von drei Bereichen, in denen der Bund zum Erlass von Vorschriften befugt ist:\n\n**N. 9** **Lit. a** erfasst den «Umgang» mit verschiedenen Produkten und Gegenständen, die die Gesundheit gefährden können. Der Begriff «Umgang» ist umfassend zu verstehen und schliesst Herstellung, Inverkehrbringen, Verwendung, Lagerung, Transport und Entsorgung ein. Die Aufzählung (Lebensmittel, Heilmittel, Betäubungsmittel, Organismen, Chemikalien, Gegenstände) ist abschliessend, wobei der Begriff «Gegenstände» als Auffangtatbestand fungiert (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 12-14).\n\n**N. 10** Kontrovers diskutiert wird, ob gefährliche Hunde unter lit. a subsumiert werden können. Müller/Feller (VPB 2007.10, 199-212) bejahen dies mit Verweis auf den Wortlaut und die Stossrichtung der Verfassungsbestimmung. Das Bundesamt für Justiz (VPB 65.1) verneint hingegen eine solche Subsumtion und verweist auf die systematische Stellung von Tieren in lit. b (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 11** **Lit. b** verleiht dem Bund eine umfassende, nachträglich derogatorische Zuständigkeit für die Bekämpfung übertragbarer, stark verbreiteter oder bösartiger Krankheiten von Menschen und Tieren (**BGE 139 I 242** E. 3.1; **BGE 147 I 478** E. 3.2). Diese Kompetenz wurde während der COVID-19-Pandemie extensiv genutzt und vom Bundesgericht bestätigt.\n\n**N. 12** Die Ergänzung vom 13. Februar 2022 fügt ein explizites Verbot jeglicher Tabakwerbung hinzu, die Kinder und Jugendliche erreicht. Diese präzise Formulierung geht über die allgemeine Krankheitsbekämpfung hinaus und schafft eine direkt anwendbare Verfassungsnorm im Bereich der Tabakprävention.\n\n**N. 13** **Lit. c** beschränkt sich auf den Schutz vor ionisierenden Strahlen. Nicht-ionisierende Strahlung fällt hingegen unter die Umweltschutzgesetzgebung gemäss Art. 74 BV (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 28).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 118 Abs. 2 BV begründet sowohl Kann- als auch Muss-Kompetenzen. Während der Bund in den genannten Bereichen grundsätzlich frei ist, ob und in welchem Umfang er legiferiert, besteht bei akuten Gesundheitsgefahren eine Pflicht zum Tätigwerden (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 10-11).\n\n**N. 15** Die Bundeskompetenzen nach Art. 118 Abs. 2 BV sind grundsätzlich konkurrierend mit nachträglicher Derogationswirkung. Die Kantone bleiben zuständig, solange und soweit der Bund von seiner Kompetenz keinen Gebrauch macht. Hat der Bund jedoch abschliessend legiferiert, sind die Kantone nur noch zum Vollzug befugt (**BGE 139 I 242** E. 3.2).\n\n**N. 16** Eine Ausnahme bildet der Passivrauchschutz: Art. 4 des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen (PaRG) erlaubt den Kantonen ausdrücklich, strengere Vorschriften zu erlassen. Diese bundesrechtliche Ermächtigung ist notwendig, da die Bundeskompetenz sonst abschliessend wäre (**BGE 139 I 242** E. 3.3).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die Reichweite der Bundeskompetenz nach Art. 118 BV ist teilweise umstritten. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 118 N. 2) kritisiert, dass die Begrenztheit der Bundeskompetenz im Normtitel «Schutz der Gesundheit» zu wenig zum Ausdruck komme. Diese könne den Eindruck einer umfassenden Gesundheitskompetenz erwecken.\n\n**N. 18** Besonders kontrovers ist die Subsumtion gefährlicher Hunde unter Art. 118 Abs. 2 lit. a BV. Müller/Feller argumentieren für eine weite Auslegung des Begriffs «Gegenstände» und beziehen Kampfhunde mit ein. Das Bundesamt für Justiz und Teile der Lehre lehnen dies ab und verweisen auf die systematische Verortung von Tieren in lit. b, die nur Krankheiten von Tieren erfasse (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 19** Die COVID-19-Pandemie hat neue Fragen zur Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Kantonen aufgeworfen. Während die umfassende Bundeskompetenz bei der Epidemienbekämpfung grundsätzlich anerkannt ist, bleibt umstritten, inwieweit kantonale Verschärfungen oder Lockerungen zulässig sind, wenn der Bund nicht abschliessend geregelt hat (**BGE 147 I 478** E. 3.3-3.5).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Prüfung von Massnahmen gestützt auf Art. 118 BV ist zunächst zu klären, ob eine der spezifischen Kompetenzen nach Abs. 2 einschlägig ist. Die allgemeine Formulierung von Abs. 1 begründet keine selbständige Bundeskompetenz.\n\n**N. 21** Kantonale Gesundheitsvorschriften sind daraufhin zu überprüfen, ob der Bund in dem betreffenden Bereich abschliessend legiferiert hat. Ist dies der Fall, beschränkt sich die kantonale Kompetenz auf den Vollzug, es sei denn, das Bundesrecht sieht ausdrücklich kantonale Verschärfungen vor (wie beim Passivrauchschutz).\n\n**N. 22** Bei Epidemien und Pandemien ist die Kompetenzlage dynamisch: Je nach Gefährdungslage kann der Bund seine Kompetenzen unterschiedlich weitreichend ausüben. Die kantonalen Handlungsspielräume variieren entsprechend (→ Art. 40 ff. EpG).\n\n**N. 23** Das neue Tabakwerbeverbot nach Art. 118 Abs. 2 lit. b BV ist direkt anwendbar und bedarf keiner Konkretisierung durch den Gesetzgeber. Es verbietet jede Form von Tabakwerbung, die Minderjährige erreichen kann, unabhängig davon, ob sie gezielt an diese Altersgruppe gerichtet ist.", "caselaw_de": "# Art. 118 BV — Rechtsprechung\n\n## Kompetenzabgrenzung und COVID-19-Massnahmen\n\n**BGE 147 I 478** vom 25. Juni 2021\nLegitimation zur abstrakten Normenkontrolle kantonaler COVID-19-Massnahmen; umfassende Bundeskompetenz in der Pandemiebekämpfung nach Art. 118 Abs. 2 lit. b BV.\nGrundlegender Leitentscheid zur Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen bei Epidemiemassnahmen während der Corona-Pandemie.\n\n> «Art. 118 Abs. 2 lit. b BV überträgt dem Bund eine umfassende, nachträglich derogatorische Zuständigkeit für die Bekämpfung übertragbarer, stark verbreiteter oder bösartiger Krankheiten von Menschen und Tieren (BGE 139 I 242 E. 3.1; BGE 133 I 110 E. 4.2). Unter anderem gestützt auf diese Bestimmung erliess der Bundesgesetzgeber das Bundesgesetz vom 28. September 2012 über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (Epidemiengesetz, EpG; SR 818.101).»\n\n**BGE 148 I 33** vom 3. September 2021\nBeschränkung der Versammlungsfreiheit durch kantonale COVID-19-Massnahmen; Verhältnismässigkeitsprüfung bei Teilnehmerbegrenzung auf 15 Personen.\nErstmals Grenzen der COVID-19-Massnahmen aufgrund von Grundrechtsverletzungen aufgezeigt.\n\n> «Art. 118 Abs. 2 lit. b BV überträgt dem Bund eine umfassende, nachträglich derogatorische Zuständigkeit für die Bekämpfung übertragbarer, stark verbreiteter oder bösartiger Krankheiten von Menschen und Tieren. Das hier angefochtene kantonale Reglement stützt sich gemäss seinem Ingress unter anderem auf Art. 40 Abs. 1 und 2 EpG. Die Einschränkung von zwischenmenschlichen Kontakten ist geeignet, die Übertragung von Viren zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die hohe demokratische Bedeutung von Kundgebungen erscheint die Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 15 Personen unverhältnismässig.»\n\n**BGE 148 I 19** vom 3. September 2021\nTeilnehmerbegrenzung auf 300 Personen bei Kundgebungen als verhältnismässige COVID-19-Massnahme.\nErgänzung zu BGE 148 I 33 mit Klarstellung der Verhältnismässigkeitsgrenze bei Versammlungsfreiheit.\n\n> «Die vorgesehene Begrenzung der Teilnehmerzahl erscheint erforderlich, um das Risiko der Virusverbreitung zu verringern. Sie trägt sowohl dem öffentlichen Interesse am Gesundheitsschutz als auch der besonderen Bedeutung der Versammlungsfreiheit in einem demokratischen Rechtsstaat Rechnung und erweist sich als verhältnismässig.»\n\n## Umgang mit Heilmitteln und Betäubungsmitteln\n\n**BGE 140 II 520** vom 7. Juli 2014\nBewilligungserfordernisse bei der Medikamentenabgabe; Leitprinzipien der direkten Medikamentenabgabe und des Versandhandels nach HMG.\nZentrale Rechtsprechung zur Umsetzung der Bundeskompetenz für Heilmittel in der Praxis.\n\n> «Das Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte (HMG) soll zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier gewährleisten, dass nur qualitativ hochstehende, sichere und wirksame Heilmittel in Verkehr gebracht werden (Art. 1 Abs. 1 HMG). Das Bewilligungserfordernis für die Abgabe von Arzneimitteln in Detailhandelsgeschäften ergibt sich aus dem Bundesrecht (Art. 30 Abs. 1 HMG als Rahmenbestimmung).»\n\n**BGE 133 I 58** vom 3. November 2006\nAbgabe von Natrium-Pentobarbital für begleiteten Suizid; Grenzen der Heilmittel- und Betäubungsmittelgesetzgebung bei der Sterbehilfe.\nWichtiger Entscheid zur Reichweite der Bundeskompetenz bei ethisch umstrittenen Fragen der Medikamentenabgabe.\n\n> «Natrium-Pentobarbital ist ein abhängigkeitserzeugender psychotroper Stoff; es ist als solcher in den Anhängen der Betäubungsmittelverordnung aufgeführt. Natrium-Pentobarbital kann einem Sterbewilligen weder nach dem Betäubungsmittelrecht noch nach dem Heilmittelrecht ohne ärztliche Verschreibung abgegeben werden. Art. 8 EMRK bzw. Art. 10 Abs. 2 und Art. 13 Abs. 1 BV verpflichten den Staat nicht dazu, dafür zu sorgen, dass Sterbehilfeorganisationen oder Suizidwillige Natrium-Pentobarbital rezeptfrei beziehen können.»\n\n## Schutz vor Passivrauchen und kantonale Kompetenzen\n\n**BGE 139 I 242** vom 7. Juli 2013\nKantonales Verbot bedieneter Raucherräume; Verhältnis von Bundesrecht zu kantonalen Verschärfungen beim Passivrauchschutz.\nGrundsatzentscheid zur Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen bei Gesundheitsschutz.\n\n> «Das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen (PaRG) regelt den Schutz vor Passivrauchen in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen. Art. 4 PaRG sieht vor, dass die Kantone strengere Vorschriften 'zum Schutz der Gesundheit' erlassen können. Die kantonale Bestimmung stellt damit gegenüber der bundesrechtlichen Regelung eine Verschärfung dar. Nach dem Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts können die Kantone in Sachgebieten, welche die Bundesgesetzgebung abschliessend geregelt hat, keine Rechtsetzungskompetenzen mehr wahrnehmen, soweit sie nicht in der einschlägigen Bundesgesetzgebung ausdrücklich vorgesehen sind.»\n\n## Lebensmittelpolizei und Täuschungsverbot\n\n**BGE 130 II 83** vom 15. März 2004  \nTäuschungsverbot bei Lebensmitteln; Werbung mit «ohne Zuckerzusatz» bei Orangensaft.\nExemplarische Anwendung der Bundeskompetenz für Lebensmittelsicherheit.\n\n> «Das Lebensmittelgesetz bezweckt unter anderem, die Konsumenten im Zusammenhang mit Lebensmitteln vor Täuschungen zu schützen (Art. 1 lit. c LMG). Die Täuschung kann unter anderem darin liegen, dass beim Konsumenten der Eindruck erweckt wird, ein Lebensmittel besitze eine besondere Eigenschaft, obwohl alle vergleichbaren Lebensmittel diese Eigenschaft besitzen.»\n\n**BGE 125 II 629** vom 21. September 1999\nInterkantonale Zuständigkeit bei lebensmittelpolizeilichen Massnahmen für importierte Güter.\nKlarstellung der föderalistischen Vollzugskompetenzen bei bundesrechtlich geregelten Bereichen.\n\n> «Auch nach neuem Recht sind alle Kantone befugt, Massnahmen bezüglich der Waren zu ergreifen, die auf ihrem Territorium vertrieben werden. Zusätzlich können gegebenenfalls die Behörden des Sitzkantons des Importeurs Anordnungen treffen; dies insbesondere dann, wenn nicht nur eine bestimmte Sendung betroffen ist, sondern Massnahmen von weiter reichender Bedeutung in Frage stehen.»", "summary_fr": "# Art. 118 Cst. — Protection de la santé\n\n## Aperçu\n\nL'art. 118 Cst. règle les compétences de la Confédération en matière de santé. La disposition ne permet pas à la Confédération d'agir dans toutes les questions de santé. Elle ne peut intervenir que là où la Constitution lui attribue expressément des compétences (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\nL'alinéa 1 oblige la Confédération à prendre des mesures de protection de la santé dans le cadre de ses compétences existantes. L'alinéa 2 énumère trois domaines spéciaux dans lesquels la Confédération peut édicter des lois :\n\n**Premièrement**, elle règle l'usage de produits nuisibles à la santé comme les médicaments, les stupéfiants, les produits chimiques et les denrées alimentaires. Cela comprend leur fabrication, leur vente et leur utilisation. Exemple : La loi sur les produits thérapeutiques interdit la vente de médicaments sans prescription médicale (**ATF 140 II 520** c. 3).\n\n**Deuxièmement**, la Confédération combat les maladies transmissibles et dangereuses chez l'homme et l'animal. Cette compétence est très étendue (dérogatoire ultérieure), comme l'a montré la pandémie de COVID-19 (**ATF 147 I 478** c. 3.2). Depuis 2022, la Constitution interdit également toute publicité pour le tabac qui atteint les enfants et les adolescents (RO 2022 241).\n\n**Troisièmement**, la Confédération protège contre les rayonnements radioactifs, mais non contre les rayonnements de téléphones portables. Ceux-ci relèvent de la protection de l'environnement.\n\nLes cantons restent compétents pour toutes les autres questions de santé, notamment les hôpitaux et la promotion de la santé. Ils peuvent aussi édicter des règles plus strictes que la Confédération, si la loi fédérale le permet. Exemple : De nombreux cantons ont des interdictions de fumer plus sévères que la loi fédérale (**ATF 139 I 242** c. 3.3).", "doctrine_fr": "# Art. 118 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 118 Cst. a transposé les anciens art. 69, 69bis et 24quinquies al. 2 aCst. dans le nouveau texte constitutionnel (FF 1997 I 362). Cette disposition a été conçue dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale comme « article sur la santé » et correspond largement au projet du Conseil fédéral (FF 1997 I 650). Le seul changement substantiel concerne la mention des « êtres humains et des animaux », qui a été déplacée de l'alinéa général 1 vers la compétence spécifique de l'al. 2 let. b.\n\n**N. 2** Le 13 février 2022, l'art. 118 al. 2 let. b a été complété par votation populaire par une interdiction explicite de la publicité pour les produits du tabac qui s'adresse aux enfants et aux jeunes (FF 2019 6355 ; RO 2022 241). Cette modification constitutionnelle remonte à l'initiative populaire « Oui à la protection des enfants et des jeunes contre la publicité pour le tabac » et étend la compétence fédérale dans le domaine de la lutte contre les maladies par un élément préventif.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 118 Cst. est classé systématiquement dans le 3e chapitre (« Confédération, cantons et communes »), 2e section (« Compétences ») sous le titre « Objectifs sociaux, éducation, recherche et culture ». Cette norme forme, avec l'art. 117 Cst. (assurance-maladie et accidents), l'art. 119 Cst. (procréation médicalement assistée et génie génétique dans le domaine humain) et l'art. 120 Cst. (génie génétique hors du domaine humain), le cadre constitutionnel de la politique de santé de la Confédération.\n\n**N. 4** Cette disposition de compétence est étroitement liée à l'objectif social de l'art. 41 al. 1 let. b Cst., selon lequel la Confédération et les cantons s'engagent à ce que toute personne bénéficie des soins nécessaires à sa santé. Alors que l'art. 41 Cst. ne fonde cependant aucun droit subjectif et n'est pas justiciable, l'art. 118 Cst. crée des compétences législatives concrètes de la Confédération (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 5** Les références croisées aux art. 10 Cst. (droit à la vie et liberté personnelle) et 35 Cst. (réalisation des droits fondamentaux) doivent être prises en compte lors de l'interprétation. La protection de la santé peut être comprise comme une obligation de protection de l'État qui découle des droits fondamentaux (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4).\n\n## 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n### 3.1 Mesures générales de protection de la santé (al. 1)\n\n**N. 6** L'al. 1 oblige la Confédération à prendre « dans les limites de ses compétences » des mesures pour protéger la santé. Cette formulation rend clair que l'art. 118 Cst. ne fonde pas une compétence fédérale globale pour le système de santé. La Confédération ne peut agir que là où la Constitution lui attribue expressément des compétences (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 7** La notion de santé doit être comprise au sens large et comprend non seulement l'absence de maladie, mais aussi les aspects d'assistance et de bien-être au sens de la définition de l'OMS (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4). Cela permet à la Confédération de prendre des mesures préventives, dans la mesure où elles sont couvertes par ses compétences spécifiques.\n\n### 3.2 Compétences législatives spécifiques (al. 2)\n\n**N. 8** L'al. 2 contient une énumération exhaustive de trois domaines dans lesquels la Confédération est habilitée à édicter des prescriptions :\n\n**N. 9** La **let. a** saisit la « manipulation » de divers produits et objets qui peuvent mettre la santé en danger. Le terme « manipulation » doit être compris de manière large et inclut la fabrication, la mise sur le marché, l'utilisation, le stockage, le transport et l'élimination. L'énumération (denrées alimentaires, médicaments, stupéfiants, organismes, produits chimiques, objets) est exhaustive, le terme « objets » servant de clause de réserve (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 12-14).\n\n**N. 10** Il est débattu de manière controversée si les chiens dangereux peuvent être subsumés sous la let. a. Müller/Feller (VPB 2007.10, 199-212) l'affirment en se référant au libellé et à l'orientation de la disposition constitutionnelle. L'Office fédéral de la justice (VPB 65.1) nie en revanche une telle subsomption et renvoie au classement systématique des animaux dans la let. b (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 11** La **let. b** confère à la Confédération une compétence étendue et ultérieurement dérogatoire pour lutter contre les maladies transmissibles, très répandues ou graves des êtres humains et des animaux (**ATF 139 I 242** c. 3.1 ; **ATF 147 I 478** c. 3.2). Cette compétence a été utilisée de manière extensive pendant la pandémie de COVID-19 et confirmée par le Tribunal fédéral.\n\n**N. 12** Le complément du 13 février 2022 ajoute une interdiction explicite de toute publicité pour le tabac qui atteint les enfants et les jeunes. Cette formulation précise va au-delà de la lutte générale contre les maladies et crée une norme constitutionnelle directement applicable dans le domaine de la prévention du tabagisme.\n\n**N. 13** La **let. c** se limite à la protection contre les rayonnements ionisants. Les rayonnements non ionisants relèvent en revanche de la législation sur la protection de l'environnement selon l'art. 74 Cst. (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 28).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 14** L'art. 118 al. 2 Cst. fonde à la fois des compétences facultatives et obligatoires. Alors que la Confédération est en principe libre de décider si et dans quelle mesure elle légifère dans les domaines mentionnés, il existe une obligation d'agir en cas de dangers aigus pour la santé (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 10-11).\n\n**N. 15** Les compétences fédérales selon l'art. 118 al. 2 Cst. sont en principe concurrentes avec effet dérogatoire ultérieur. Les cantons restent compétents tant et pour autant que la Confédération ne fait pas usage de sa compétence. Si la Confédération a cependant légiféré de manière exhaustive, les cantons ne sont plus habilités qu'à l'exécution (**ATF 139 I 242** c. 3.2).\n\n**N. 16** La protection contre le tabagisme passif constitue une exception : l'art. 4 de la loi fédérale sur la protection contre le tabagisme passif (LPTab) permet expressément aux cantons d'édicter des prescriptions plus strictes. Cette habilitation de droit fédéral est nécessaire car la compétence fédérale serait sinon exhaustive (**ATF 139 I 242** c. 3.3).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** La portée de la compétence fédérale selon l'art. 118 Cst. est partiellement controversée. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 118 N. 2) critique que le caractère limité de la compétence fédérale ne s'exprime pas suffisamment dans le titre de la norme « Protection de la santé ». Celui-ci pourrait donner l'impression d'une compétence globale en matière de santé.\n\n**N. 18** La subsomption des chiens dangereux sous l'art. 118 al. 2 let. a Cst. est particulièrement controversée. Müller/Feller plaident pour une interprétation large du terme « objets » et y incluent les chiens de combat. L'Office fédéral de la justice et une partie de la doctrine rejettent cela et renvoient au classement systématique des animaux dans la let. b, qui ne saisit que les maladies des animaux (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 19** La pandémie de COVID-19 a soulevé de nouvelles questions sur la délimitation des compétences entre la Confédération et les cantons. Alors que la compétence fédérale étendue dans la lutte contre les épidémies est en principe reconnue, il reste controversé dans quelle mesure les durcissements ou assouplissements cantonaux sont admissibles lorsque la Confédération n'a pas réglé de manière exhaustive (**ATF 147 I 478** c. 3.3-3.5).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'examen de mesures fondées sur l'art. 118 Cst., il faut d'abord clarifier si l'une des compétences spécifiques selon l'al. 2 est applicable. La formulation générale de l'al. 1 ne fonde pas de compétence fédérale autonome.\n\n**N. 21** Les prescriptions cantonales de santé doivent être vérifiées pour savoir si la Confédération a légiféré de manière exhaustive dans le domaine concerné. Si c'est le cas, la compétence cantonale se limite à l'exécution, à moins que le droit fédéral ne prévoie expressément des durcissements cantonaux (comme pour la protection contre le tabagisme passif).\n\n**N. 22** En cas d'épidémies et de pandémies, la situation des compétences est dynamique : selon le niveau de danger, la Confédération peut exercer ses compétences de manière plus ou moins étendue. Les marges de manœuvre cantonales varient en conséquence (→ art. 40 ss LEp).\n\n**N. 23** La nouvelle interdiction de publicité pour le tabac selon l'art. 118 al. 2 let. b Cst. est directement applicable et ne nécessite pas de concrétisation par le législateur. Elle interdit toute forme de publicité pour le tabac qui peut atteindre les mineurs, indépendamment du fait qu'elle soit spécifiquement dirigée vers cette tranche d'âge.", "caselaw_fr": "# Art. 118 Cst. — Jurisprudence\n\n## Délimitation des compétences et mesures COVID-19\n\n**ATF 147 I 478** du 25 juin 2021\nLégitimation au contrôle abstrait des normes pour les mesures cantonales COVID-19 ; compétence fédérale étendue en matière de lutte contre la pandémie selon l'art. 118 al. 2 let. b Cst.\nArrêt de principe fondamental sur la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons lors de mesures épidémiques pendant la pandémie de coronavirus.\n\n> « L'art. 118 al. 2 let. b Cst. confère à la Confédération une compétence étendue et dérogeant au droit antérieur pour lutter contre les maladies transmissibles de l'homme et des animaux qui sont très répandues ou particulièrement dangereuses (ATF 139 I 242 consid. 3.1 ; ATF 133 I 110 consid. 4.2). Se fondant notamment sur cette disposition, le législateur fédéral a édicté la loi fédérale du 28 septembre 2012 sur la lutte contre les maladies transmissibles de l'homme (loi sur les épidémies, LEp ; RS 818.101). »\n\n**ATF 148 I 33** du 3 septembre 2021\nRestriction de la liberté de réunion par les mesures cantonales COVID-19 ; examen de la proportionnalité lors de la limitation du nombre de participants à 15 personnes.\nPremière fois où les limites des mesures COVID-19 en raison de violations des droits fondamentaux ont été démontrées.\n\n> « L'art. 118 al. 2 let. b Cst. confère à la Confédération une compétence étendue et dérogeant au droit antérieur pour lutter contre les maladies transmissibles de l'homme et des animaux qui sont très répandues ou particulièrement dangereuses. Le règlement cantonal attaqué en l'espèce se fonde selon son préambule notamment sur l'art. 40 al. 1 et 2 LEp. La restriction des contacts interpersonnels est apte à réduire la transmission de virus. Dans ce contexte et eu égard à l'importance démocratique élevée des manifestations, la limitation du nombre de participants à 15 personnes apparaît disproportionnée. »\n\n**ATF 148 I 19** du 3 septembre 2021\nLimitation du nombre de participants à 300 personnes lors de manifestations comme mesure COVID-19 proportionnée.\nComplément à l'ATF 148 I 33 avec clarification de la limite de proportionnalité pour la liberté de réunion.\n\n> « La limitation prévue du nombre de participants apparaît nécessaire pour réduire le risque de propagation du virus. Elle tient compte tant de l'intérêt public à la protection de la santé que de l'importance particulière de la liberté de réunion dans un État de droit démocratique et s'avère proportionnée. »\n\n## Gestion des médicaments et stupéfiants\n\n**ATF 140 II 520** du 7 juillet 2014\nExigences d'autorisation lors de la remise de médicaments ; principes directeurs de la remise directe de médicaments et de la vente par correspondance selon la LPTh.\nJurisprudence centrale sur la mise en œuvre de la compétence fédérale pour les médicaments en pratique.\n\n> « La loi fédérale sur les médicaments et les dispositifs médicaux (LPTh) vise à garantir, pour protéger la santé de l'homme et des animaux, que seuls des produits thérapeutiques de qualité, sûrs et efficaces soient mis sur le marché (art. 1 al. 1 LPTh). L'exigence d'autorisation pour la remise de médicaments dans les commerces de détail résulte du droit fédéral (art. 30 al. 1 LPTh en tant que disposition-cadre). »\n\n**ATF 133 I 58** du 3 novembre 2006\nRemise de pentobarbital sodique pour le suicide assisté ; limites de la législation sur les médicaments et stupéfiants dans l'assistance au suicide.\nDécision importante sur la portée de la compétence fédérale dans les questions éthiquement controversées de remise de médicaments.\n\n> « Le pentobarbital sodique est une substance psychotrope provoquant une dépendance ; elle figure comme telle dans les annexes de l'ordonnance sur les stupéfiants. Le pentobarbital sodique ne peut être remis à une personne souhaitant mourir ni selon le droit des stupéfiants ni selon le droit des médicaments sans prescription médicale. L'art. 8 CEDH resp. les art. 10 al. 2 et 13 al. 1 Cst. n'obligent pas l'État à faire en sorte que les organisations d'aide au suicide ou les personnes souhaitant se suicider puissent obtenir du pentobarbital sodique sans ordonnance. »\n\n## Protection contre le tabagisme passif et compétences cantonales\n\n**ATF 139 I 242** du 7 juillet 2013\nInterdiction cantonale des fumoirs avec service ; rapport entre le droit fédéral et les durcissements cantonaux en matière de protection contre le tabagisme passif.\nArrêt de principe sur la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de protection de la santé.\n\n> « La loi fédérale sur la protection contre le tabagisme passif (LPTP) règle la protection contre le tabagisme passif dans les locaux fermés qui sont accessibles au public ou qui servent de lieu de travail à plusieurs personnes. L'art. 4 LPTP prévoit que les cantons peuvent édicter des prescriptions plus sévères 'pour protéger la santé'. La disposition cantonale constitue ainsi un durcissement par rapport à la réglementation de droit fédéral. Selon le principe de la primauté du droit fédéral, les cantons ne peuvent plus exercer de compétences législatives dans les domaines que la législation fédérale a réglés de manière exhaustive, sauf si celles-ci sont expressément prévues dans la législation fédérale pertinente. »\n\n## Police des denrées alimentaires et interdiction de tromper\n\n**ATF 130 II 83** du 15 mars 2004  \nInterdiction de tromper pour les denrées alimentaires ; publicité avec « sans sucre ajouté » pour le jus d'orange.\nApplication exemplaire de la compétence fédérale en matière de sécurité alimentaire.\n\n> « La loi sur les denrées alimentaires vise notamment à protéger les consommateurs contre la tromperie en rapport avec les denrées alimentaires (art. 1 let. c LDAl). La tromperie peut notamment résider dans le fait que l'impression est donnée au consommateur qu'une denrée alimentaire possède une propriété particulière alors que toutes les denrées alimentaires comparables possèdent cette propriété. »\n\n**ATF 125 II 629** du 21 septembre 1999\nCompétence intercantonale lors de mesures de police des denrées alimentaires pour les biens importés.\nClarification des compétences d'exécution fédéralistes dans les domaines réglés par le droit fédéral.\n\n> « Même selon le nouveau droit, tous les cantons sont habilités à prendre des mesures concernant les marchandises qui sont distribuées sur leur territoire. En outre, les autorités du canton de siège de l'importateur peuvent le cas échéant prendre des ordonnances ; ceci en particulier lorsque ce n'est pas seulement un envoi déterminé qui est concerné, mais que des mesures d'une portée plus large sont en question. »", "summary_it": "# Art. 118 Cost. — Tutela della salute\n\n## Panoramica\n\nL'art. 118 Cost. disciplina le competenze della Confederazione in materia di sanità. La disposizione non permette alla Confederazione di agire in tutte le questioni sanitarie. Essa può operare solo laddove la Costituzione le attribuisce espressamente delle competenze (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\nIl capoverso 1 obbliga la Confederazione ad adottare misure di tutela della salute nell'ambito delle sue competenze esistenti. Il capoverso 2 menziona tre settori speciali in cui la Confederazione può emanare leggi:\n\n**In primo luogo** disciplina il trattamento di prodotti nocivi per la salute come medicamenti, stupefacenti, sostanze chimiche e derrate alimentari. Ciò comprende la loro fabbricazione, vendita e utilizzazione. Esempio: la Legge sugli agenti terapeutici vieta la vendita di medicamenti senza prescrizione medica (**BGE 140 II 520** E. 3).\n\n**In secondo luogo** la Confederazione combatte le malattie trasmissibili e pericolose dell'uomo e degli animali. Questa competenza è molto ampia (successivamente derogatoria), come ha dimostrato la pandemia di COVID-19 (**BGE 147 I 478** E. 3.2). Dal 2022 la Costituzione vieta anche qualsiasi pubblicità del tabacco che raggiunga bambini e giovani (RU 2022 241).\n\n**In terzo luogo** la Confederazione protegge dalle radiazioni radioattive, ma non dalle radiazioni dei telefoni cellulari. Queste ultime rientrano nella protezione dell'ambiente.\n\nI Cantoni rimangono competenti per tutte le altre questioni sanitarie, ad esempio gli ospedali e la promozione della salute. Essi possono anche emanare regole più severe di quelle della Confederazione, se la legge federale lo permette. Esempio: molti Cantoni hanno divieti di fumare più severi rispetto alla legge federale (**BGE 139 I 242** E. 3.3).", "doctrine_it": "# Art. 118 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 118 Cost. ha trasferito i precedenti art. 69, 69bis e 24quinquies cpv. 2 Cost.prev. nel nuovo testo costituzionale (FF 1997 I 332). La disposizione è stata concepita nel quadro della revisione totale della Costituzione federale come «articolo sulla salute» e corrisponde in gran parte al progetto del Consiglio federale (FF 1997 I 614). L'unico cambiamento sostanziale riguarda la menzione di «persone e animali», che è stata spostata dal capoverso generale 1 alla competenza specifica del cpv. 2 lett. b.\n\n**N. 2** Il 13 febbraio 2022, l'art. 118 cpv. 2 lett. b è stato integrato mediante votazione popolare con un esplicito divieto di pubblicità per i prodotti del tabacco rivolta a bambini e giovani (FF 2019 6883; RU 2022 241). Questa modifica costituzionale risale all'iniziativa popolare «Sì alla protezione dei bambini e dei giovani dalla pubblicità per il tabacco» e amplia la competenza federale nell'ambito della lotta contro le malattie con un elemento preventivo.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 118 Cost. è sistematicamente classificato nel 3° capitolo («Confederazione, Cantoni e Comuni»), 2a sezione («Competenze») sotto il titolo «Obiettivi sociali, formazione, ricerca e cultura». La norma costituisce insieme all'art. 117 Cost. (assicurazione contro le malattie e gli infortuni), all'art. 119 Cost. (medicina della procreazione e ingegneria genetica nel settore umano) e all'art. 120 Cost. (ingegneria genetica al di fuori del settore umano) il quadro costituzionale per la politica sanitaria della Confederazione.\n\n**N. 4** La disposizione di competenza è strettamente collegata all'obiettivo sociale dell'art. 41 cpv. 1 lett. b Cost., secondo cui Confederazione e Cantoni si adoperano per garantire che ognuno riceva le cure necessarie alla sua salute. Tuttavia, mentre l'art. 41 Cost. non fonda diritti soggettivi e non è giustiziabile, l'art. 118 Cost. crea competenze legislative concrete della Confederazione (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 5** I riferimenti trasversali all'art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale) e all'art. 35 Cost. (attuazione dei diritti fondamentali) devono essere considerati nell'interpretazione. La protezione della salute può essere intesa come dovere statale di protezione che deriva dai diritti fondamentali (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Misure generali di protezione della salute (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il cpv. 1 obbliga la Confederazione a prendere «nell'ambito delle sue competenze» misure per la protezione della salute. Questa formulazione chiarisce che l'art. 118 Cost. non fonda una competenza federale globale per il settore sanitario. La Confederazione può agire solo dove la Costituzione le attribuisce espressamente competenze (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 7** Il concetto di salute deve essere inteso in senso ampio e comprende non solo l'assenza di malattia, ma anche aspetti assistenziali e di benessere nel senso della definizione dell'OMS (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4). Ciò consente alla Confederazione di adottare misure preventive, nella misura in cui sono coperte dalle sue competenze specifiche.\n\n### 3.2 Competenze legislative specifiche (cpv. 2)\n\n**N. 8** Il cpv. 2 contiene un'enumerazione conclusiva di tre settori nei quali la Confederazione è autorizzata a emanare prescrizioni:\n\n**N. 9** La **lett. a** riguarda il «commercio» di vari prodotti e oggetti che possono mettere in pericolo la salute. Il termine «commercio» deve essere inteso in modo ampio e include produzione, immissione in commercio, utilizzazione, immagazzinaggio, trasporto e smaltimento. L'enumerazione (derrate alimentari, medicamenti, stupefacenti, organismi, prodotti chimici, oggetti) è conclusiva, mentre il termine «oggetti» funge da fattispecie di riserva (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 12-14).\n\n**N. 10** È controverso se i cani pericolosi possano essere sussunti sotto la lett. a. Müller/Feller (VPB 2007.10, 199-212) lo affermano con riferimento al tenore letterale e alla direzione della disposizione costituzionale. L'Ufficio federale di giustizia (VPB 65.1) nega invece una tale sussunzione e rinvia alla collocazione sistematica degli animali nella lett. b (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 11** La **lett. b** conferisce alla Confederazione una competenza globale, successivamente derogatoria per la lotta contro le malattie trasmissibili, molto diffuse o maligne delle persone e degli animali (**DTF 139 I 242** consid. 3.1; **DTF 147 I 478** consid. 3.2). Questa competenza è stata utilizzata estensivamente durante la pandemia COVID-19 ed è stata confermata dal Tribunale federale.\n\n**N. 12** L'integrazione del 13 febbraio 2022 aggiunge un divieto esplicito di qualsiasi pubblicità per il tabacco che raggiunga bambini e giovani. Questa formulazione precisa va oltre la lotta generale contro le malattie e crea una norma costituzionale direttamente applicabile nell'ambito della prevenzione del tabagismo.\n\n**N. 13** La **lett. c** si limita alla protezione dalle radiazioni ionizzanti. Le radiazioni non ionizzanti sottostanno invece alla legislazione sulla protezione dell'ambiente secondo l'art. 74 Cost. (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 28).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 118 cpv. 2 Cost. fonda competenze sia facoltative sia obbligatorie. Mentre la Confederazione è in linea di principio libera nei settori menzionati di decidere se e in quale misura legiferare, sussiste un dovere di agire in caso di pericoli acuti per la salute (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 10-11).\n\n**N. 15** Le competenze federali secondo l'art. 118 cpv. 2 Cost. sono in linea di principio concorrenti con effetto derogatorio successivo. I Cantoni rimangono competenti finché e nella misura in cui la Confederazione non fa uso della sua competenza. Se però la Confederazione ha legiferato in modo conclusivo, i Cantoni sono autorizzati solo all'esecuzione (**DTF 139 I 242** consid. 3.2).\n\n**N. 16** Un'eccezione costituisce la protezione dal fumo passivo: l'art. 4 della Legge federale per la protezione dal fumo passivo (LFPas) consente espressamente ai Cantoni di emanare prescrizioni più severe. Questa autorizzazione di diritto federale è necessaria poiché altrimenti la competenza federale sarebbe conclusiva (**DTF 139 I 242** consid. 3.3).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** La portata della competenza federale secondo l'art. 118 Cost. è parzialmente controversa. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 118 N. 2) critica che la limitatezza della competenza federale nel titolo della norma «Protezione della salute» non sia sufficientemente espressa. Questa potrebbe dare l'impressione di una competenza sanitaria globale.\n\n**N. 18** Particolarmente controversa è la sussunzione dei cani pericolosi sotto l'art. 118 cpv. 2 lett. a Cost. Müller/Feller argomentano per un'interpretazione ampia del termine «oggetti» e includono i cani da combattimento. L'Ufficio federale di giustizia e parti della dottrina respingono ciò e rinviano alla collocazione sistematica degli animali nella lett. b, che copre solo le malattie degli animali (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 19** La pandemia COVID-19 ha sollevato nuove questioni sulla delimitazione delle competenze tra Confederazione e Cantoni. Mentre la competenza federale globale nella lotta contro le epidemie è in linea di principio riconosciuta, rimane controverso fino a che punto gli inasprimenti o gli allentamenti cantonali siano ammissibili quando la Confederazione non ha regolato in modo conclusivo (**DTF 147 I 478** consid. 3.3-3.5).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella verifica di misure basate sull'art. 118 Cost. occorre chiarire innanzitutto se una delle competenze specifiche secondo il cpv. 2 è pertinente. La formulazione generale del cpv. 1 non fonda una competenza federale autonoma.\n\n**N. 21** Le prescrizioni sanitarie cantonali devono essere verificate per stabilire se la Confederazione ha legiferato in modo conclusivo nel settore interessato. Se così fosse, la competenza cantonale si limita all'esecuzione, a meno che il diritto federale preveda espressamente inasprimenti cantonali (come per la protezione dal fumo passivo).\n\n**N. 22** In caso di epidemie e pandemie la situazione delle competenze è dinamica: a seconda del livello di pericolo la Confederazione può esercitare le sue competenze con diversa ampiezza. I margini di manovra cantonali variano di conseguenza (→ art. 40 segg. LEp).\n\n**N. 23** Il nuovo divieto di pubblicità per il tabacco secondo l'art. 118 cpv. 2 lett. b Cost. è direttamente applicabile e non necessita di concretizzazione da parte del legislatore. Vieta ogni forma di pubblicità per il tabacco che possa raggiungere i minorenni, indipendentemente dal fatto che sia diretta specificamente a questa fascia d'età.", "caselaw_it": "# Art. 118 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Delimitazione delle competenze e misure COVID-19\n\n**DTF 147 I 478** del 25 giugno 2021\nLegittimazione al controllo astratto di norme delle misure COVID-19 cantonali; competenza federale globale nella lotta alla pandemia secondo l'art. 118 cpv. 2 lett. b Cost.\nDecisione fondamentale di principio sulla ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni per le misure epidemiche durante la pandemia di Corona.\n\n> «L'art. 118 cpv. 2 lett. b Cost. trasferisce alla Confederazione una competenza globale, successivamente derogatoria per la lotta contro le malattie trasmissibili, molto diffuse o maligne degli esseri umani e degli animali (DTF 139 I 242 consid. 3.1; DTF 133 I 110 consid. 4.2). Fondandosi tra l'altro su questa disposizione, il legislatore federale ha emanato la Legge federale del 28 settembre 2012 sulla lotta contro le malattie trasmissibili dell'essere umano (Legge sulle epidemie, LEp; RS 818.101).»\n\n**DTF 148 I 33** del 3 settembre 2021\nLimitazione della libertà di riunione attraverso misure COVID-19 cantonali; esame di proporzionalità per la limitazione dei partecipanti a 15 persone.\nPer la prima volta mostrati i limiti delle misure COVID-19 a causa di violazioni dei diritti fondamentali.\n\n> «L'art. 118 cpv. 2 lett. b Cost. trasferisce alla Confederazione una competenza globale, successivamente derogatoria per la lotta contro le malattie trasmissibili, molto diffuse o maligne degli esseri umani e degli animali. Il regolamento cantonale qui impugnato si basa secondo il suo preambolo tra l'altro sull'art. 40 cpv. 1 e 2 LEp. La limitazione dei contatti interpersonali è idonea a ridurre la trasmissione di virus. In questo contesto e considerando l'elevato significato democratico delle manifestazioni, la limitazione del numero di partecipanti a 15 persone appare sproporzionata.»\n\n**DTF 148 I 19** del 3 settembre 2021\nLimitazione dei partecipanti a 300 persone nelle manifestazioni come misura COVID-19 proporzionata.\nIntegrazione al DTF 148 I 33 con chiarimento del limite di proporzionalità nella libertà di riunione.\n\n> «La limitazione prevista del numero di partecipanti appare necessaria per ridurre il rischio di diffusione del virus. Essa tiene conto sia dell'interesse pubblico alla protezione della salute sia del particolare significato della libertà di riunione in uno Stato di diritto democratico e si rivela proporzionata.»\n\n## Trattamento di medicamenti e stupefacenti\n\n**DTF 140 II 520** del 7 luglio 2014\nRequisiti di autorizzazione nella dispensazione di medicamenti; principi guida della dispensazione diretta di medicamenti e del commercio per corrispondenza secondo la LATer.\nGiurisprudenza centrale per l'attuazione della competenza federale per i medicamenti nella pratica.\n\n> «La Legge federale sui medicamenti e i dispositivi medici (LATer) deve garantire, per la protezione della salute dell'essere umano e degli animali, che siano messi in commercio solo medicamenti di alta qualità, sicuri ed efficaci (art. 1 cpv. 1 LATer). Il requisito di autorizzazione per la dispensazione di medicamenti nei negozi al dettaglio risulta dal diritto federale (art. 30 cpv. 1 LATer come disposizione quadro).»\n\n**DTF 133 I 58** del 3 novembre 2006\nDispensazione di sodio-pentobarbital per il suicidio assistito; limiti della legislazione sui medicamenti e sugli stupefacenti nell'assistenza al suicidio.\nDecisione importante sulla portata della competenza federale in questioni eticamente controverse della dispensazione di medicamenti.\n\n> «Il sodio-pentobarbital è una sostanza psicotropa che genera dipendenza; è elencato come tale negli allegati dell'ordinanza sugli stupefacenti. Il sodio-pentobarbital non può essere dispensato a una persona che desidera morire né secondo il diritto sugli stupefacenti né secondo il diritto sui medicamenti senza prescrizione medica. L'art. 8 CEDU rispettivamente l'art. 10 cpv. 2 e l'art. 13 cpv. 1 Cost. non obbligano lo Stato a fare in modo che le organizzazioni di assistenza al suicidio o le persone che desiderano suicidarsi possano ottenere sodio-pentobarbital senza ricetta.»\n\n## Protezione dal fumo passivo e competenze cantonali\n\n**DTF 139 I 242** del 7 luglio 2013\nDivieto cantonale di locali per fumatori con servizio; rapporto tra diritto federale e inasprimenti cantonali nella protezione dal fumo passivo.\nDecisione di principio sulla ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nella protezione della salute.\n\n> «La Legge federale sulla protezione dal fumo passivo (LFPas) disciplina la protezione dal fumo passivo in locali chiusi accessibili al pubblico o che servono a più persone come posto di lavoro. L'art. 4 LFPas prevede che i Cantoni possano emanare prescrizioni più severe 'per la protezione della salute'. La disposizione cantonale rappresenta quindi un inasprimento rispetto alla regolamentazione di diritto federale. Secondo il principio del primato del diritto federale, i Cantoni non possono più esercitare competenze legislative in settori che la legislazione federale ha disciplinato in modo conclusivo, purché non siano espressamente previste nella legislazione federale pertinente.»\n\n## Polizia degli alimenti e divieto di inganno\n\n**DTF 130 II 83** del 15 marzo 2004\nDivieto di inganno per gli alimenti; pubblicità con «senza aggiunta di zucchero» per succo d'arancia.\nApplicazione esemplare della competenza federale per la sicurezza alimentare.\n\n> «La Legge sulle derrate alimentari ha tra l'altro lo scopo di proteggere i consumatori dagli inganni in relazione alle derrate alimentari (art. 1 lett. c LDerr). L'inganno può consistere tra l'altro nel fatto che il consumatore riceve l'impressione che una derrata alimentare possegga una particolare proprietà, benché tutte le derrate alimentari comparabili possiedano questa proprietà.»\n\n**DTF 125 II 629** del 21 settembre 1999\nCompetenza intercantonale per misure di polizia degli alimenti per merci importate.\nChiarimento delle competenze esecutive federalistiche in settori disciplinati dal diritto federale.\n\n> «Anche secondo il nuovo diritto tutti i Cantoni sono abilitati ad adottare misure riguardo alle merci che sono commercializzate sul loro territorio. In aggiunta possono eventualmente le autorità del Cantone di domicilio dell'importatore prendere disposizioni; questo in particolare quando non è interessata solo una determinata spedizione, ma sono in questione misure di significato più ampio.»", "summary_en": "# Art. 118 Federal Constitution — Protection of Health\n\n## Overview\n\nArt. 118 Federal Constitution regulates the Confederation's health competences. The provision does not allow the Confederation to act in all health matters. It may only act where the Constitution expressly grants it competences (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\nParagraph 1 obliges the Confederation to take health protection measures within its existing competences. Paragraph 2 identifies three special areas in which the Confederation may enact legislation:\n\n**First**, it regulates the handling of health-damaging products such as medicinal products, narcotics, chemicals and foodstuffs. This includes their manufacture, sale and use. Example: The Therapeutic Products Act prohibits the sale of medicinal products without medical prescription (**BGE 140 II 520** E. 3).\n\n**Second**, the Confederation combats infectious and dangerous diseases in humans and animals. This competence is very far-reaching (subsequently derogatory), as the COVID-19 pandemic showed (**BGE 147 I 478** E. 3.2). Since 2022, the Constitution also prohibits all tobacco advertising that reaches children and young people (AS 2022 241).\n\n**Third**, the Confederation protects against radioactive radiation, but not against mobile phone radiation. The latter falls under environmental protection.\n\nThe cantons remain responsible for all other health matters, such as hospitals and health promotion. They may also enact stricter rules than the Confederation, if federal law permits this. Example: Many cantons have stricter smoking bans than federal law (**BGE 139 I 242** E. 3.3).", "doctrine_en": "# Art. 118 BV — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 118 BV transferred the former Art. 69, 69bis and 24quinquies para. 2 old BV into the new constitutional text (BBl 1997 I 332). The provision was conceived as a «health article» within the framework of the total revision of the Federal Constitution and largely corresponds to the Federal Council's draft (BBl 1997 I 614). The only substantial change concerns the mention of «humans and animals», which was moved from the general paragraph 1 to the specific competence of para. 2 lit. b.\n\n**N. 2** On 13 February 2022, Art. 118 para. 2 lit. b was supplemented by popular vote with an explicit advertising ban for tobacco products directed at children and young people (BBl 2019 6883; AS 2022 241). This constitutional amendment stems from the popular initiative «Yes to the protection of children and young people from tobacco advertising» and extends the federal competence in the area of disease control with a preventive element.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 118 BV is systematically classified in Chapter 3 («Confederation, Cantons and Communes»), Section 2 («Powers») under the title «Social Goals, Education, Research and Culture». The norm forms, together with Art. 117 BV (health and accident insurance), Art. 119 BV (reproductive medicine and gene technology in the human sphere) and Art. 120 BV (gene technology outside the human sphere), the constitutional framework for the Confederation's health policy.\n\n**N. 4** The competence provision is closely connected to the social goal of Art. 41 para. 1 lit. b BV, according to which the Confederation and the cantons shall endeavour to ensure that every person receives the care necessary for their health. However, while Art. 41 BV does not establish subjective rights and is not justiciable, Art. 118 BV creates concrete legislative competences of the Confederation (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 5** The cross-references to Art. 10 BV (right to life and personal freedom) and Art. 35 BV (realisation of fundamental rights) must be taken into account in the interpretation. Health protection can be understood as a state duty of protection derived from fundamental rights (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4).\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n### 3.1 General Health Protection Measures (para. 1)\n\n**N. 6** Para. 1 obliges the Confederation to take measures to protect health «within the scope of its powers». This formulation makes clear that Art. 118 BV does not establish comprehensive federal competence for the health system. The Confederation can only act where the Constitution expressly assigns it competences (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 3).\n\n**N. 7** The concept of health is to be understood broadly and encompasses not only the absence of disease, but also welfare and social aspects in the sense of the WHO definition (SG Komm. BV-Poledna, Art. 118 N. 4). This enables the Confederation to take preventive measures insofar as they are covered by its specific competences.\n\n### 3.2 Specific Legislative Competences (para. 2)\n\n**N. 8** Para. 2 contains an exhaustive enumeration of three areas in which the Confederation is empowered to issue regulations:\n\n**N. 9** **Lit. a** covers the «handling» of various products and objects that can endanger health. The term «handling» is to be understood comprehensively and includes production, placing on the market, use, storage, transport and disposal. The enumeration (foodstuffs, therapeutic products, narcotics, organisms, chemicals, objects) is exhaustive, whereby the term «objects» functions as a catch-all provision (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 12-14).\n\n**N. 10** Whether dangerous dogs can be subsumed under lit. a is controversially discussed. Müller/Feller (VPB 2007.10, 199-212) affirm this with reference to the wording and the thrust of the constitutional provision. The Federal Office of Justice (VPB 65.1), on the other hand, denies such a subsumption and refers to the systematic placement of animals in lit. b (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 11** **Lit. b** grants the Confederation comprehensive, subsequently derogatory jurisdiction for combating transmissible, widely spread or malignant diseases of humans and animals (**BGE 139 I 242** E. 3.1; **BGE 147 I 478** E. 3.2). This competence was used extensively during the COVID-19 pandemic and was confirmed by the Federal Court.\n\n**N. 12** The supplement of 13 February 2022 adds an explicit ban on any tobacco advertising that reaches children and young people. This precise formulation goes beyond general disease control and creates a directly applicable constitutional norm in the area of tobacco prevention.\n\n**N. 13** **Lit. c** is limited to protection against ionising radiation. Non-ionising radiation, on the other hand, falls under environmental protection legislation according to Art. 74 BV (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 28).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Art. 118 para. 2 BV establishes both optional and mandatory competences. While the Confederation is basically free to decide whether and to what extent it legislates in the mentioned areas, there is an obligation to act in case of acute health hazards (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 10-11).\n\n**N. 15** The federal competences according to Art. 118 para. 2 BV are basically concurrent with subsequent derogatory effect. The cantons remain competent as long as and to the extent that the Confederation does not make use of its competence. However, if the Confederation has legislated exhaustively, the cantons are only authorised to implement (**BGE 139 I 242** E. 3.2).\n\n**N. 16** Protection against passive smoking forms an exception: Art. 4 of the Federal Act on Protection against Passive Smoking (PaRG) expressly allows the cantons to issue stricter regulations. This federal authorisation is necessary since the federal competence would otherwise be exhaustive (**BGE 139 I 242** E. 3.3).\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**N. 17** The scope of federal competence according to Art. 118 BV is partially disputed. Biaggini (BV-Kommentar, Art. 118 N. 2) criticises that the limitation of federal competence is not sufficiently expressed in the norm's title «Protection of Health». This could give the impression of comprehensive health competence.\n\n**N. 18** Particularly controversial is the subsumption of dangerous dogs under Art. 118 para. 2 lit. a BV. Müller/Feller argue for a broad interpretation of the term «objects» and include fighting dogs. The Federal Office of Justice and parts of the doctrine reject this and refer to the systematic placement of animals in lit. b, which only covers diseases of animals (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118 N. 40).\n\n**N. 19** The COVID-19 pandemic has raised new questions about the delimitation of competences between the Confederation and the cantons. While the comprehensive federal competence in epidemic control is basically recognised, it remains disputed to what extent cantonal tightening or relaxation is permissible when the Confederation has not regulated exhaustively (**BGE 147 I 478** E. 3.3-3.5).\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 20** When examining measures based on Art. 118 BV, it must first be clarified whether one of the specific competences according to para. 2 is applicable. The general formulation of para. 1 does not establish independent federal competence.\n\n**N. 21** Cantonal health regulations must be examined to determine whether the Confederation has legislated exhaustively in the relevant area. If this is the case, cantonal competence is limited to implementation, unless federal law expressly provides for cantonal tightening (as with protection against passive smoking).\n\n**N. 22** In epidemics and pandemics, the competence situation is dynamic: depending on the level of danger, the Confederation can exercise its competences to varying degrees. The cantonal scope for action varies accordingly (→ Art. 40 ff. EpG).\n\n**N. 23** The new tobacco advertising ban according to Art. 118 para. 2 lit. b BV is directly applicable and requires no concretisation by the legislator. It prohibits any form of tobacco advertising that can reach minors, regardless of whether it is specifically directed at this age group.", "caselaw_en": "# Art. 118 BV — Case Law\n\n## Delimitation of Powers and COVID-19 Measures\n\n**BGE 147 I 478** of 25 June 2021\nStanding for abstract review of cantonal COVID-19 measures; comprehensive federal competence in pandemic control pursuant to Art. 118 para. 2 lit. b BV.\nFundamental landmark decision on the distribution of powers between the Confederation and the cantons regarding epidemic measures during the Corona pandemic.\n\n> «Art. 118 para. 2 lit. b BV confers on the Confederation comprehensive, subsequently derogatory competence for combating communicable, widespread or dangerous diseases of humans and animals (BGE 139 I 242 para. 3.1; BGE 133 I 110 para. 4.2). Based inter alia on this provision, the federal legislature enacted the Federal Act of 28 September 2012 on Combating Communicable Human Diseases (Epidemics Act, EpA; SR 818.101).»\n\n**BGE 148 I 33** of 3 September 2021\nRestriction of freedom of assembly by cantonal COVID-19 measures; proportionality test for limitation of participants to 15 persons.\nFirst time limits of COVID-19 measures were established due to fundamental rights violations.\n\n> «Art. 118 para. 2 lit. b BV confers on the Confederation comprehensive, subsequently derogatory competence for combating communicable, widespread or dangerous diseases of humans and animals. The cantonal regulation challenged here is based according to its ingress inter alia on Art. 40 para. 1 and 2 EpA. The restriction of interpersonal contacts is suitable for reducing the transmission of viruses. Against this background and in view of the high democratic significance of rallies, the limitation of the number of participants to 15 persons appears disproportionate.»\n\n**BGE 148 I 19** of 3 September 2021\nLimitation of participants to 300 persons at rallies as proportionate COVID-19 measure.\nSupplement to BGE 148 I 33 clarifying the proportionality limit regarding freedom of assembly.\n\n> «The proposed limitation of the number of participants appears necessary to reduce the risk of virus spread. It takes account of both the public interest in health protection and the special significance of freedom of assembly in a democratic constitutional state and proves to be proportionate.»\n\n## Handling of Therapeutic Products and Narcotics\n\n**BGE 140 II 520** of 7 July 2014\nAuthorization requirements for dispensing medicinal products; guiding principles of direct dispensing of medicinal products and mail-order trade under TPA.\nCentral case law on the implementation of federal competence for therapeutic products in practice.\n\n> «The Federal Act on Medicinal Products and Medical Devices (TPA) shall, for the protection of human and animal health, ensure that only high-quality, safe and effective therapeutic products are placed on the market (Art. 1 para. 1 TPA). The authorization requirement for dispensing medicinal products in retail businesses results from federal law (Art. 30 para. 1 TPA as framework provision).»\n\n**BGE 133 I 58** of 3 November 2006\nDispensing of sodium pentobarbital for assisted suicide; limits of therapeutic products and narcotics legislation in euthanasia.\nImportant decision on the scope of federal competence in ethically controversial questions of medicinal product dispensing.\n\n> «Sodium pentobarbital is an addiction-producing psychotropic substance; it is listed as such in the annexes to the Narcotics Ordinance. Sodium pentobarbital may not be dispensed to a person wishing to die without medical prescription under either narcotics law or therapeutic products law. Art. 8 ECHR and Art. 10 para. 2 and Art. 13 para. 1 BV do not oblige the state to ensure that euthanasia organizations or persons wishing to commit suicide can obtain sodium pentobarbital without prescription.»\n\n## Protection from Passive Smoking and Cantonal Competences\n\n**BGE 139 I 242** of 7 July 2013\nCantonal prohibition of serviced smoking rooms; relationship between federal law and cantonal restrictions on protection from passive smoking.\nFundamental decision on the distribution of powers between the Confederation and cantons in health protection.\n\n> «The Federal Act on Protection from Passive Smoking (PaPA) regulates protection from passive smoking in enclosed spaces that are publicly accessible or serve several persons as a workplace. Art. 4 PaPA provides that the cantons may enact stricter provisions 'for the protection of health'. The cantonal provision thus represents a restriction compared to the federal regulation. According to the principle of the precedence of federal law, the cantons can no longer exercise legislative competences in areas that have been conclusively regulated by federal legislation, insofar as they are not expressly provided for in the relevant federal legislation.»\n\n## Food Control and Prohibition of Deception\n\n**BGE 130 II 83** of 15 March 2004  \nProhibition of deception regarding foodstuffs; advertising with «no added sugar» for orange juice.\nExemplary application of federal competence for food safety.\n\n> «The Food Act aims inter alia to protect consumers from deception in connection with foodstuffs (Art. 1 lit. c FoodA). Deception may consist inter alia in creating the impression among consumers that a foodstuff has a special property, although all comparable foodstuffs possess this property.»\n\n**BGE 125 II 629** of 21 September 1999\nIntercantonal competence for food control measures regarding imported goods.\nClarification of federalist enforcement competences in areas regulated by federal law.\n\n> «Even under new law, all cantons are authorized to take measures regarding goods that are distributed on their territory. In addition, the authorities of the canton where the importer is domiciled may issue orders where appropriate; this is particularly the case when not only a specific shipment is affected, but measures of more far-reaching significance are in question.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_118", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.94}
{"law": "BV", "article": 118, "article_suffix": "a", "title": "Komplementärmedizin", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 118a BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 118a BV verpflichtet Bund und Kantone, die Komplementärmedizin zu berücksichtigen. Diese Bestimmung wurde 2009 mit 67% Ja-Stimmen angenommen. Sie gilt als wichtiger Schritt für alternative Heilmethoden in der Schweiz.\n\n**Was ist Komplementärmedizin?** Komplementärmedizin umfasst Behandlungsformen, die nicht zur herkömmlichen Schulmedizin gehören. Dazu zählen zum Beispiel Homöopathie (Behandlung mit stark verdünnten Substanzen), Akupunktur (Nadeln an bestimmten Körperpunkten), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) oder anthroposophische Medizin (ganzheitliche Heilkunst).\n\n**Wer ist betroffen?** Die Regel betrifft alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die komplementärmedizinische Behandlungen nutzen möchten. Auch Ärzte, Therapeuten und Krankenversicherer müssen diese Behandlungsformen berücksichtigen. Behörden sind verpflichtet, bei Entscheidungen über Ausbildungen, Bewilligungen oder Kostenübernahmen die Komplementärmedizin einzubeziehen.\n\n**Was sind die rechtlichen Folgen?** Art. 118a BV schafft kein Recht auf komplementärmedizinische Behandlung. Er ist eine sogenannte Programmnorm. Das bedeutet: Bund und Kantone müssen bei ihren Gesetzen und Entscheidungen komplementäre Heilmethoden wohlwollend prüfen. Sie dürfen diese nicht einfach ablehnen, ohne gute Gründe zu haben.\n\n**Praktische Auswirkungen:** Die Krankenversicherung übernimmt heute bestimmte komplementärmedizinische Behandlungen. Ärztinnen und Ärzte können sich in Homöopathie, Akupunktur oder anderen Methoden weiterbilden. Neue Berufe wie KomplementärTherapeut entstehen mit staatlich anerkannten Prüfungen.\n\n**Konkretes Beispiel:** Eine Frau leidet unter chronischen Kopfschmerzen. Ihr Arzt verschreibt ihr homöopathische Globuli (kleine Zuckerkügelchen mit wirksamen Substanzen). Dank Art. 118a BV muss die Krankenkasse diese Behandlung unter bestimmten Bedingungen bezahlen. Ohne diese Verfassungsbestimmung wäre das nicht möglich gewesen.\n\nDie Bestimmung sorgt dafür, dass alternative Heilmethoden neben der Schulmedizin ihren Platz haben. Sie müssen aber trotzdem sicher und von gut ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt werden.", "doctrine_de": "# Art. 118a BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 118a BV wurde am 17. Mai 2009 in einer Volksabstimmung mit 67% Ja-Stimmen angenommen und trat per 1. Januar 2010 in Kraft. Die Bestimmung geht auf die Volksinitiative «Ja zur Komplementärmedizin» vom 23. September 2005 zurück, die über 140'000 Unterschriften sammelte (BBl 2006 7591). Der Bundesrat und das Parlament lehnten die Initiative ab, erarbeiteten jedoch den direkten Gegenentwurf Art. 118a BV, der schliesslich zur Abstimmung gelangte (BBl 2008 8193).\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates vom 27. September 2006 (BBl 2006 7591) hob hervor, dass die Komplementärmedizin bereits damals von einem grossen Teil der Bevölkerung genutzt wurde. Der Gegenentwurf sollte eine ausgewogene Berücksichtigung der Komplementärmedizin ermöglichen, ohne die wissenschaftsbasierte Schulmedizin zu verdrängen. Zentral war die Klarstellung, dass keine neue Bundeskompetenz geschaffen, sondern lediglich ein Auftrag zur Berücksichtigung im Rahmen bestehender Zuständigkeiten erteilt werden sollte.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 118a BV ist im 8. Abschnitt «Wohnen, Arbeit, soziale Sicherheit und Gesundheit» eingeordnet und steht in engem systematischen Zusammenhang mit Art. 118 BV (Schutz der Gesundheit). Die Norm ergänzt die allgemeine Gesundheitskompetenz des Bundes um einen spezifischen Berücksichtigungsauftrag (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 8).\n\n**N. 4** Die Bestimmung weist Querverbindungen zu folgenden Verfassungsnormen auf:\n- → Art. 117 BV (Kranken- und Unfallversicherung): Kostenübernahme komplementärmedizinischer Leistungen\n- → Art. 63 BV (Berufsbildung): Anerkennung komplementärmedizinischer Berufe\n- ↔ Art. 95 BV (privatwirtschaftliche Erwerbstätigkeit): Berufsausübungsfreiheit für Komplementärmediziner\n- → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit): Zugang zu komplementärmedizinischen Berufen\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Art. 118a BV enthält als Programmnorm einen verfassungsrechtlichen Auftrag an Bund und Kantone, die Komplementärmedizin zu berücksichtigen. Der Begriff «Komplementärmedizin» wird verfassungsrechtlich nicht definiert. Nach herrschender Lehre umfasst er als Auffangbegriff grundsätzlich jene Behandlungsmethoden, die nicht zur naturwissenschaftlich ausgerichteten Schulmedizin zählen (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 3; bestätigt in **BGer 2C_168/2019 E. 5.2**).\n\n**N. 6** Die Komplementärmedizin umfasst nach dem Verständnis der Botschaft (BBl 2006 7591, 7598) insbesondere:\n- Anthroposophische Medizin\n- Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)\n- Klassische Homöopathie\n- Neuraltherapie\n- Phytotherapie\n\nDiese Aufzählung ist nicht abschliessend. Maddalena (Alternative Medicines, 2005, S. 42) weist darauf hin, dass international über 300 verschiedene komplementärmedizinische Methoden existieren.\n\n**N. 7** Der Begriff «berücksichtigen» ist als qualifizierter Beachtungsauftrag zu verstehen. Bund und Kantone müssen die Komplementärmedizin in ihre Entscheidungen einbeziehen, sind aber nicht zu einer bevorzugten Behandlung verpflichtet (Kieser/Nedi, hill 2013, Nr. 72, S. 3). Die Berücksichtigung muss im Rahmen der bestehenden Zuständigkeiten erfolgen; Art. 118a BV schafft keine neue Bundeskompetenz (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 6).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Als Programmnorm begründet Art. 118a BV keine subjektiven Rechte Einzelner (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 2). Die Bestimmung verpflichtet jedoch Bund und Kantone bei der Gesetzgebung und beim Gesetzesvollzug zur angemessenen Berücksichtigung komplementärmedizinischer Anliegen.\n\n**N. 9** Die Berücksichtigungspflicht konkretisiert sich in verschiedenen Bereichen:\n\n**a) Universitäre Medizinalberufe**: Integration komplementärmedizinischer Inhalte in die Aus- und Weiterbildung gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 8 lit. f MedBG (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 9).\n\n**b) Nichtuniversitäre Medizinalberufe**: Anerkennung komplementärmedizinischer Berufe im Rahmen der höheren Berufsbildung. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dies in **B-2105/2018**, später vom Bundesgericht in **2C_168/2019** bekräftigt (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 10-11).\n\n**c) Arzneimittelzulassung**: Erleichterte Zulassung von Komplementär- und Phytoarzneimitteln durch spezielle Verfahren gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b HMG (Kieser, AJP 2007, 1042, 1048; Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 12-15).\n\n**d) Sozialversicherung**: Übernahme komplementärmedizinischer Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung unter den Voraussetzungen von Art. 32 KVG (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit). Das Aargauer Versicherungsgericht präzisierte dies in **VBE.2017.116** für die klassische Homöopathie (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 16-20).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** In der Lehre ist umstritten, wie weit die Berücksichtigungspflicht reicht:\n\n**a) Umfang der Berücksichtigung**: Waldmeier (Jusletter 2010, Rz. 15) vertritt eine weite Auslegung und fordert eine aktive Förderung der Komplementärmedizin. Demgegenüber betonen Gächter/Renold-Burch (BSK BV, Art. 118a N. 6-7) den blossen Auftragcharakter ohne Bevorzugungspflicht. Kieser/Nedi (hill 2013, Nr. 72, S. 4) nehmen eine vermittelnde Position ein und sehen eine «wohlwollende Berücksichtigung» als geboten.\n\n**b) Wissenschaftlichkeitserfordernis**: Graz/Rodondi/Bonvin (Schweiz Med Forum 2011, 808) fordern auch für komplementärmedizinische Methoden einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis. Ferroni/Studer (in: Kocher/Oggier, Gesundheitswesen Schweiz 2010–2012, S. 147) argumentieren hingegen, dass Art. 118a BV gerade eine Öffnung für andere Evidenzformen bezwecke. Das Bundesgericht hat diese Frage in **2C_168/2019 E. 5.3** offengelassen.\n\n**c) Abgrenzung seriöser Methoden**: Rösch (Die Stellung der Erfahrungsheilkundigen, 1994, S. 156) warnt vor der Gefahr der Scharlatanerie und fordert klare Qualitätskriterien. Wicki (Komplementärmedizin im Rahmen des Rechts, 1998, S. 89) plädiert für eine liberale Handhabung unter Eigenverantwortung der Patienten. Poledna/Berger (Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, Rz. 456) befürworten einen Mittelweg mit flexiblen, methodenspezifischen Kriterien.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 11** Bei der Anwendung von Art. 118a BV sind folgende Aspekte zu beachten:\n\n**N. 12** **Gesetzgebung**: Der Gesetzgeber muss bei der Ausarbeitung neuer Erlasse im Gesundheitsbereich prüfen, ob und wie komplementärmedizinische Aspekte berücksichtigt werden können. Dies betrifft insbesondere Berufsbildungs-, Zulassungs- und Vergütungsregelungen.\n\n**N. 13** **Verwaltungspraxis**: Behörden müssen bei Bewilligungsverfahren für komplementärmedizinische Berufe oder Arzneimittel die verfassungsrechtliche Berücksichtigungspflicht beachten. Eine pauschale Ablehnung unter Verweis auf fehlende schulmedizinische Evidenz genügt nicht; vielmehr ist eine differenzierte Prüfung erforderlich.\n\n**N. 14** **Gerichtspraxis**: Bei der Beurteilung von Streitigkeiten über komplementärmedizinische Leistungen ist Art. 118a BV als Auslegungshilfe heranzuziehen. Das Bundesgericht hat in **2C_103/2009** klargestellt, dass auch für die steuerliche Abzugsfähigkeit komplementärmedizinischer Behandlungen eine ärztliche Verordnung erforderlich bleibt.\n\n**N. 15** **Qualitätssicherung**: Die Berücksichtigungspflicht dispensiert nicht von Qualitätsanforderungen. Vielmehr sind methodengerechte Standards zu entwickeln, die den Besonderheiten der jeweiligen komplementärmedizinischen Richtung Rechnung tragen, ohne den Patientenschutz zu vernachlässigen (Gächter/Kaufmann, Pflegerecht–Pflegewissenschaft 2/2014, 66, 72).", "caselaw_de": "# Art. 118a BV\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 118a BV ist noch relativ spärlich, da die Bestimmung erst 2009 in Kraft getreten ist. Die vorhandenen Entscheide betreffen hauptsächlich die Abgrenzung des Komplementärmedizin-Begriffs und dessen Umsetzung im Berufsbildungsbereich.\n\n### I. Begriff und Abgrenzung der Komplementärmedizin\n\n**Urteil 2C_168/2019 vom 15. April 2019**\n\nDas Bundesgericht definierte den Begriff der Komplementärmedizin als Auffangbegriff und präzisierte dessen verfassungsrechtlichen Gehalt. Der Entscheid betraf die Genehmigung einer geänderten Prüfungsordnung für KomplementärTherapeuten, die um die Methode Kinesiologie ergänzt werden sollte.\n\n> «Mit dem Begriff der Komplementärmedizin sind im Sinne eines Auffangbegriffs grundsätzlich jene Behandlungsmethoden gemeint, welche nicht zur naturwissenschaftlich ausgerichteten Schulmedizin zählen.»\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass Art. 118a BV eine Programmnorm darstellt, die Bund und Kantone verpflichtet, im Rahmen ihrer bestehenden Zuständigkeiten die Komplementärmedizin zu berücksichtigen. Die Norm definiert die Komplementärmedizin als öffentliches Interesse.\n\n**Urteil 2P.198/2006 vom 9. Mai 2007**\n\nBereits vor Inkrafttreten von Art. 118a BV befasste sich das Bundesgericht mit der Abgrenzung komplementärmedizinischer Tätigkeiten. Der Entscheid betraf die Berufsausübungsbewilligung als Heilpraktiker im Kanton Bern.\n\n> «Für die Berufe der Komplementärmedizin - einschliesslich der Tätigkeit als Heilpraktiker - gibt es keine bundesrechtlich oder interkantonal normierten Fachausweise und keine einheitlich geregelten Lehrgänge.»\n\nDas Gericht hielt fest, dass keine klare Definition der Tätigkeit des Heilpraktikers ersichtlich sei, was die regulatorischen Herausforderungen im Bereich der Komplementärmedizin verdeutlicht.\n\n### II. Berücksichtigung in der Krankenversicherung\n\n**VBE.2017.116 vom 8. Juni 2017 (Versicherungsgericht Aargau)**\n\nDas Aargauer Versicherungsgericht präzisierte die Voraussetzungen für die Leistungspflicht bei komplementärmedizinischen Behandlungen. Der Fall betraf die Kostenübernahme für klassische Homöopathie durch die Invalidenversicherung.\n\n> «Für medizinische Vorkehren im Bereich Ärztliche Klassische Homöopathie besteht dann eine Leistungspflicht des obligatorischen Krankenversicherers und damit der IV, wenn die Vorkehren getroffen wurden durch Ärzte und Ärztinnen mit einer Weiterbildung in Homöopathie, die dem Fähigkeitsprogramm Homöopathie (SVHA) entspricht.»\n\nDas Gericht ging von der Fiktion aus, dass die Voraussetzungen der Wissenschaftlichkeit, Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit bei in die Spezialitätenliste aufgenommenen homöopathischen Präparaten erfüllt sind.\n\n### III. Steuerliche Abzugsfähigkeit komplementärmedizinischer Behandlungen\n\n**Urteil 2C_103/2009 vom 10. Juli 2009**\n\nDas Bundesgericht klärte die Voraussetzungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Kosten für komplementärmedizinische Behandlungen. Der Fall betraf die Cranio-Sacral-Therapie bei einer Naturheilpraktikerin.\n\n> «Das Erfordernis der ärztlichen Verordnung bildet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ein taugliches Abgrenzungskriterium zwischen therapeutischen Heilbehandlungen einerseits und Massnahmen zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens andererseits.»\n\nDas Gericht bestätigte, dass auch für alternativmedizinische Behandlungen eine ärztliche Verordnung erforderlich ist, um als abzugsfähige Krankheitskosten zu gelten. Die Behandlung muss zudem von einer «anerkannten» Therapeutin durchgeführt werden.\n\n### IV. Berufsbildung und Qualitätssicherung\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-2105/2018 vom 3. Januar 2019**\n\nDas Bundesverwaltungsgericht befasste sich mit den Anforderungen an höhere Fachprüfungen im Bereich der Komplementärtherapie. Der Entscheid wurde später vom Bundesgericht in 2C_168/2019 bestätigt.\n\nDas Gericht hielt fest, dass die Genehmigung von Prüfungsordnungen für komplementärmedizinische Berufe den allgemeinen Kriterien der Berufsbildungsverordnung entsprechen muss, insbesondere dem Erfordernis eines öffentlichen Interesses und der Qualitätssicherung.\n\n### V. Medizinische Impfentscheidungen bei verbeiständeten Personen\n\n**Urteil 5A_154/2022 vom 20. Mai 2022**\n\nObwohl dieser Entscheid primär das Erwachsenenschutzrecht betrifft, zeigt er die praktischen Auswirkungen des erweiterten Medizinbegriffs auf, der auch komplementärmedizinische Ansätze umfassen kann. Der Fall betraf die COVID-19-Impfung einer verbeiständeten Person mit Down-Syndrom.\n\nDas Bundesgericht betonte die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung medizinischer Entscheidungen, die auch alternative Behandlungsansätze berücksichtigen kann, soweit sie dem Kindeswohl entsprechen.\n\n### VI. Entwicklungstendenzen\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine zunehmende Anerkennung komplementärmedizinischer Methoden bei gleichzeitiger Betonung der Qualitätssicherung. Zentral ist die Abgrenzung zwischen seriösen komplementärmedizinischen Ansätzen und unwissenschaftlichen Praktiken. Das Bundesgericht betont, dass Art. 118a BV nicht jegliche Scharlatanerie schützt, sondern nur anerkannte komplementärmedizinische Methoden erfasst.\n\nDie kantonalen Gerichte wenden bei der Beurteilung komplementärmedizinischer Fragen zunehmend einheitliche Kriterien an, wobei die ärztliche Verordnung und die fachliche Qualifikation der Behandelnden zentrale Bedeutung haben.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 118a Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 118a Cst. a été adopté le 17 mai 2009 lors d'une votation populaire avec 67% de voix favorables et est entré en vigueur le 1er janvier 2010. Cette disposition découle de l'initiative populaire « Oui à la médecine complémentaire » du 23 septembre 2005, qui a recueilli plus de 140'000 signatures (FF 2006 6903). Le Conseil fédéral et le Parlement ont rejeté l'initiative, mais ont élaboré le contre-projet direct art. 118a Cst., qui fut finalement soumis au vote (FF 2008 7711).\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral du 27 septembre 2006 (FF 2006 6903) a souligné que la médecine complémentaire était déjà utilisée à cette époque par une grande partie de la population. Le contre-projet devait permettre une prise en considération équilibrée de la médecine complémentaire, sans supplanter la médecine conventionnelle basée sur la science. Il était essentiel de clarifier qu'aucune nouvelle compétence fédérale n'était créée, mais qu'un mandat de prise en considération était simplement confié dans le cadre des compétences existantes.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 118a Cst. est classé dans la 8e section « Logement, travail, sécurité sociale et santé » et entretient un lien systématique étroit avec l'art. 118 Cst. (protection de la santé). Cette norme complète la compétence générale de la Confédération en matière de santé par un mandat spécifique de prise en considération (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 8).\n\n**N. 4** Cette disposition présente des liens transversaux avec les normes constitutionnelles suivantes :\n- → Art. 117 Cst. (assurance-maladie et accidents) : prise en charge des coûts des prestations de médecine complémentaire\n- → Art. 63 Cst. (formation professionnelle) : reconnaissance des professions de médecine complémentaire\n- ↔ Art. 95 Cst. (activité lucrative privée) : liberté d'exercer une profession pour les praticiens de médecine complémentaire\n- → Art. 27 Cst. (liberté économique) : accès aux professions de médecine complémentaire\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** L'art. 118a Cst. contient, en tant que norme programmatoire, un mandat constitutionnel donné à la Confédération et aux cantons de tenir compte de la médecine complémentaire. Le concept de « médecine complémentaire » n'est pas défini constitutionnellement. Selon la doctrine dominante, il englobe en tant que concept résiduel, en principe, les méthodes de traitement qui ne relèvent pas de la médecine conventionnelle orientée vers les sciences naturelles (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 3 ; confirmé dans **ATF 2C_168/2019 consid. 5.2**).\n\n**N. 6** La médecine complémentaire comprend selon la compréhension du message (FF 2006 6903, 6910) notamment :\n- La médecine anthroposophique\n- La médecine traditionnelle chinoise (MTC)\n- L'homéopathie classique\n- La thérapie neurale\n- La phytothérapie\n\nCette énumération n'est pas exhaustive. Maddalena (Alternative Medicines, 2005, p. 42) souligne qu'il existe au niveau international plus de 300 méthodes différentes de médecine complémentaire.\n\n**N. 7** Le terme « tenir compte » doit être compris comme un mandat qualifié de prise en considération. La Confédération et les cantons doivent inclure la médecine complémentaire dans leurs décisions, mais ne sont pas obligés de la traiter de manière privilégiée (Kieser/Nedi, hill 2013, no 72, p. 3). La prise en considération doit s'effectuer dans le cadre des compétences existantes ; l'art. 118a Cst. ne crée aucune nouvelle compétence fédérale (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 6).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** En tant que norme programmatoire, l'art. 118a Cst. ne fonde aucun droit subjectif des particuliers (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 2). Cette disposition oblige toutefois la Confédération et les cantons à tenir dûment compte des préoccupations de la médecine complémentaire lors de l'élaboration de la législation et de l'exécution des lois.\n\n**N. 9** L'obligation de prise en considération se concrétise dans différents domaines :\n\n**a) Professions médicales universitaires** : intégration de contenus de médecine complémentaire dans la formation initiale et continue selon l'art. 6, al. 1, let. a et l'art. 8, let. f LPMéd (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 9).\n\n**b) Professions médicales non universitaires** : reconnaissance des professions de médecine complémentaire dans le cadre de la formation professionnelle supérieure. Le Tribunal administratif fédéral l'a confirmé dans **B-2105/2018**, ultérieurement confirmé par le Tribunal fédéral dans **2C_168/2019** (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 10-11).\n\n**c) Autorisation des médicaments** : autorisation facilitée des médicaments complémentaires et phytothérapeutiques par des procédures spéciales selon l'art. 14, al. 1, let. b LPTh (Kieser, AJP 2007, 1042, 1048 ; Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 12-15).\n\n**d) Assurances sociales** : prise en charge des prestations de médecine complémentaire dans l'assurance obligatoire des soins sous les conditions de l'art. 32 LAMal (efficacité, adéquation, économicité). Le tribunal des assurances argovien l'a précisé dans **VBE.2017.116** pour l'homéopathie classique (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 16-20).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 10** En doctrine, l'étendue de l'obligation de prise en considération est controversée :\n\n**a) Portée de la prise en considération** : Waldmeier (Jusletter 2010, ch. 15) défend une interprétation large et exige une promotion active de la médecine complémentaire. À l'inverse, Gächter/Renold-Burch (BSK BV, Art. 118a N. 6-7) soulignent le simple caractère de mandat sans obligation de privilégier. Kieser/Nedi (hill 2013, no 72, p. 4) adoptent une position médiane et considèrent qu'une « prise en considération bienveillante » est requise.\n\n**b) Exigence de scientificité** : Graz/Rodondi/Bonvin (Forum Med Suisse 2011, 808) exigent également pour les méthodes de médecine complémentaire une preuve scientifique d'efficacité. Ferroni/Studer (in : Kocher/Oggier, Système de santé suisse 2010–2012, p. 147) argumentent en revanche que l'art. 118a Cst. vise précisément une ouverture à d'autres formes d'évidence. Le Tribunal fédéral a laissé cette question ouverte dans **2C_168/2019 consid. 5.3**.\n\n**c) Délimitation des méthodes sérieuses** : Rösch (Die Stellung der Erfahrungsheilkundigen, 1994, p. 156) met en garde contre le danger du charlatanisme et exige des critères de qualité clairs. Wicki (Komplementärmedizin im Rahmen des Rechts, 1998, p. 89) plaide pour une approche libérale sous la responsabilité propre des patients. Poledna/Berger (Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, ch. 456) privilégient une voie médiane avec des critères flexibles, spécifiques aux méthodes.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 11** Lors de l'application de l'art. 118a Cst., les aspects suivants doivent être observés :\n\n**N. 12** **Législation** : Le législateur doit, lors de l'élaboration de nouveaux actes normatifs dans le domaine de la santé, examiner si et comment les aspects de médecine complémentaire peuvent être pris en considération. Cela concerne en particulier les réglementations relatives à la formation professionnelle, aux autorisations et aux rémunérations.\n\n**N. 13** **Pratique administrative** : Les autorités doivent respecter l'obligation constitutionnelle de prise en considération lors de procédures d'autorisation pour des professions ou médicaments de médecine complémentaire. Un refus sommaire en invoquant l'absence d'évidence de médecine conventionnelle ne suffit pas ; un examen différencié est plutôt requis.\n\n**N. 14** **Pratique judiciaire** : Lors de l'appréciation de litiges concernant des prestations de médecine complémentaire, l'art. 118a Cst. doit être utilisé comme aide à l'interprétation. Le Tribunal fédéral a clarifié dans **2C_103/2009** qu'une ordonnance médicale reste également nécessaire pour la déductibilité fiscale des traitements de médecine complémentaire.\n\n**N. 15** **Assurance qualité** : L'obligation de prise en considération ne dispense pas d'exigences de qualité. Il s'agit plutôt de développer des standards appropriés aux méthodes qui tiennent compte des particularités de la direction respective de médecine complémentaire, sans négliger la protection des patients (Gächter/Kaufmann, Pflegerecht–Pflegewissenschaft 2/2014, 66, 72).", "caselaw_fr": "# Art. 118a Cst.\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 118a Cst. est encore relativement rare, la disposition n'étant entrée en vigueur qu'en 2009. Les arrêts existants concernent principalement la délimitation de la notion de médecine complémentaire et sa mise en œuvre dans le domaine de la formation professionnelle.\n\n### I. Notion et délimitation de la médecine complémentaire\n\n**Arrêt 2C_168/2019 du 15 avril 2019**\n\nLe Tribunal fédéral a défini la notion de médecine complémentaire comme une notion subsidiaire et a précisé sa portée constitutionnelle. L'arrêt concernait l'approbation d'un règlement d'examen modifié pour les thérapeutes complémentaires, qui devait être complété par la méthode de la kinésiologie.\n\n> « La notion de médecine complémentaire désigne au sens d'une notion subsidiaire, en principe, les méthodes de traitement qui ne relèvent pas de la médecine scolaire fondée sur les sciences naturelles. »\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que l'art. 118a Cst. constitue une norme programmatique qui oblige la Confédération et les cantons à tenir compte de la médecine complémentaire dans le cadre de leurs compétences existantes. La norme définit la médecine complémentaire comme un intérêt public.\n\n**Arrêt 2P.198/2006 du 9 mai 2007**\n\nAvant même l'entrée en vigueur de l'art. 118a Cst., le Tribunal fédéral s'était déjà penché sur la délimitation des activités de médecine complémentaire. L'arrêt concernait l'autorisation d'exercer la profession de naturopathe dans le canton de Berne.\n\n> « Pour les professions de la médecine complémentaire - y compris l'activité de naturopathe - il n'existe pas de diplômes professionnels normés par le droit fédéral ou intercantonal et pas de cursus réglés de manière uniforme. »\n\nLe Tribunal a constaté qu'aucune définition claire de l'activité du naturopathe n'était perceptible, ce qui illustre les défis réglementaires dans le domaine de la médecine complémentaire.\n\n### II. Prise en compte dans l'assurance-maladie\n\n**VBE.2017.116 du 8 juin 2017 (Tribunal des assurances d'Argovie)**\n\nLe tribunal des assurances d'Argovie a précisé les conditions de l'obligation de prestations pour les traitements de médecine complémentaire. Le cas concernait la prise en charge des coûts pour l'homéopathie classique par l'assurance-invalidité.\n\n> « Pour les mesures médicales dans le domaine de l'homéopathie classique médicale, il existe une obligation de prestations de l'assureur-maladie obligatoire et donc de l'AI, lorsque les mesures ont été prises par des médecins ayant une formation continue en homéopathie qui correspond au programme d'aptitude homéopathie (SVHA). »\n\nLe tribunal est parti de la fiction que les conditions de scientificité, d'efficacité, d'adéquation et d'économicité sont remplies pour les préparations homéopathiques inscrites dans la liste des spécialités.\n\n### III. Déductibilité fiscale des traitements de médecine complémentaire\n\n**Arrêt 2C_103/2009 du 10 juillet 2009**\n\nLe Tribunal fédéral a clarifié les conditions de déductibilité fiscale des coûts pour les traitements de médecine complémentaire. Le cas concernait la thérapie cranio-sacrée chez une naturopathe.\n\n> « L'exigence de prescription médicale constitue selon la jurisprudence du Tribunal fédéral un critère de délimitation approprié entre les traitements thérapeutiques d'une part et les mesures d'amélioration du bien-être général d'autre part. »\n\nLe Tribunal a confirmé que même pour les traitements de médecine alternative, une prescription médicale est nécessaire pour être considérée comme des coûts de maladie déductibles. Le traitement doit en outre être effectué par une thérapeute « reconnue ».\n\n### IV. Formation professionnelle et assurance qualité\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral B-2105/2018 du 3 janvier 2019**\n\nLe Tribunal administratif fédéral s'est penché sur les exigences relatives aux examens professionnels supérieurs dans le domaine de la thérapie complémentaire. L'arrêt a été confirmé plus tard par le Tribunal fédéral dans l'arrêt 2C_168/2019.\n\nLe tribunal a constaté que l'approbation des règlements d'examen pour les professions de médecine complémentaire doit correspondre aux critères généraux de l'ordonnance sur la formation professionnelle, notamment à l'exigence d'un intérêt public et d'assurance qualité.\n\n### V. Décisions médicales de vaccination chez les personnes sous curatelle\n\n**Arrêt 5A_154/2022 du 20 mai 2022**\n\nBien que cet arrêt concerne principalement le droit de protection de l'adulte, il montre les effets pratiques de la conception élargie de la médecine, qui peut également englober les approches de médecine complémentaire. Le cas concernait la vaccination COVID-19 d'une personne sous curatelle atteinte du syndrome de Down.\n\nLe Tribunal fédéral a souligné l'importance d'une considération globale des décisions médicales, qui peut également tenir compte d'approches thérapeutiques alternatives, dans la mesure où elles correspondent au bien de l'enfant.\n\n### VI. Tendances d'évolution\n\nLa jurisprudence montre une reconnaissance croissante des méthodes de médecine complémentaire tout en soulignant l'assurance qualité. La délimitation entre les approches sérieuses de médecine complémentaire et les pratiques non scientifiques est centrale. Le Tribunal fédéral souligne que l'art. 118a Cst. ne protège pas tout charlatanisme, mais ne couvre que les méthodes reconnues de médecine complémentaire.\n\nLes tribunaux cantonaux appliquent de plus en plus des critères uniformes lors de l'évaluation des questions de médecine complémentaire, la prescription médicale et la qualification professionnelle des soignants revêtant une importance centrale.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 118a Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 118a Cost. è stato accettato il 17 maggio 2009 in una votazione popolare con il 67% di voti favorevoli ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2010. La disposizione trae origine dall'iniziativa popolare «Sì alle medicine complementari» del 23 settembre 2005, che ha raccolto oltre 140'000 firme (FF 2006 7591). Il Consiglio federale e il Parlamento hanno respinto l'iniziativa, ma hanno elaborato il controprogetto diretto art. 118a Cost., che è poi stato sottoposto a votazione (FF 2008 8193).\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale del 27 settembre 2006 (FF 2006 7591) ha sottolineato che la medicina complementare era già allora utilizzata da una gran parte della popolazione. Il controprogetto doveva consentire una considerazione equilibrata della medicina complementare, senza soppiantare la medicina convenzionale basata sulla scienza. Centrale era la chiarificazione che non doveva essere creata una nuova competenza federale, ma soltanto conferito un mandato di considerazione nel quadro delle competenze esistenti.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 118a Cost. è classificato nell'8a sezione «Abitazione, lavoro, sicurezza sociale e sanità» e sta in stretto rapporto sistematico con l'art. 118 Cost. (protezione della salute). La norma completa la competenza generale della Confederazione in materia di sanità con uno specifico mandato di considerazione (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 8).\n\n**N. 4** La disposizione presenta collegamenti trasversali con le seguenti norme costituzionali:\n- → Art. 117 Cost. (assicurazione malattie e infortuni): assunzione dei costi delle prestazioni di medicina complementare\n- → Art. 63 Cost. (formazione professionale): riconoscimento delle professioni di medicina complementare\n- ↔ Art. 95 Cost. (attività lucrativa privata): libertà di esercitare la professione per i medici complementari\n- → Art. 27 Cost. (libertà economica): accesso alle professioni di medicina complementare\n\n### 3. Elementi costitutivi del fattispecie / contenuto della norma\n\n**N. 5** L'art. 118a Cost. contiene come norma programmatica un mandato costituzionale alla Confederazione e ai Cantoni di considerare la medicina complementare. Il concetto di «medicina complementare» non è definito a livello costituzionale. Secondo la dottrina prevalente esso comprende come concetto residuale fondamentalmente quei metodi di trattamento che non appartengono alla medicina convenzionale orientata alle scienze naturali (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 3; confermato in **TF 2C_168/2019 consid. 5.2**).\n\n**N. 6** La medicina complementare comprende secondo la concezione del messaggio (FF 2006 7591, 7598) in particolare:\n- Medicina antroposofica\n- Medicina tradizionale cinese (MTC)\n- Omeopatia classica\n- Terapia neurale\n- Fitoterapia\n\nQuesta enumerazione non è esaustiva. Maddalena (Alternative Medicines, 2005, p. 42) rileva che a livello internazionale esistono oltre 300 diversi metodi di medicina complementare.\n\n**N. 7** Il concetto «considerare» deve essere inteso come mandato qualificato di osservanza. La Confederazione e i Cantoni devono includere la medicina complementare nelle loro decisioni, ma non sono obbligati a un trattamento preferenziale (Kieser/Nedi, hill 2013, Nr. 72, p. 3). La considerazione deve avvenire nel quadro delle competenze esistenti; l'art. 118a Cost. non crea alcuna nuova competenza federale (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 6).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** Come norma programmatica l'art. 118a Cost. non fonda diritti soggettivi dei singoli (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 2). La disposizione obbliga tuttavia la Confederazione e i Cantoni nella legislazione e nell'esecuzione delle leggi a un'adeguata considerazione delle istanze della medicina complementare.\n\n**N. 9** L'obbligo di considerazione si concretizza in diversi settori:\n\n**a) Professioni mediche universitarie**: integrazione di contenuti di medicina complementare nella formazione e nel perfezionamento secondo l'art. 6 cpv. 1 lett. a e art. 8 lett. f LPMed (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 9).\n\n**b) Professioni mediche non universitarie**: riconoscimento delle professioni di medicina complementare nel quadro della formazione professionale superiore. Il Tribunale amministrativo federale lo ha confermato in **B-2105/2018**, successivamente avallato dal Tribunale federale in **2C_168/2019** (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 10-11).\n\n**c) Omologazione di medicamenti**: omologazione facilitata di medicamenti complementari e fitoterapici mediante procedure speciali secondo l'art. 14 cpv. 1 lett. b LATer (Kieser, AJP 2007, 1042, 1048; Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 12-15).\n\n**d) Assicurazioni sociali**: assunzione di prestazioni di medicina complementare nell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie sotto i presupposti dell'art. 32 LAMal (efficacia, opportunità, economicità). Il Tribunale delle assicurazioni argoviese lo ha precisato in **VBE.2017.116** per l'omeopatia classica (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 16-20).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 10** In dottrina è controversa la portata dell'obbligo di considerazione:\n\n**a) Ampiezza della considerazione**: Waldmeier (Jusletter 2010, n. marg. 15) sostiene un'interpretazione ampia e richiede una promozione attiva della medicina complementare. Al contrario Gächter/Renold-Burch (BSK BV, Art. 118a N. 6-7) sottolineano il mero carattere di mandato senza obbligo di preferenza. Kieser/Nedi (hill 2013, Nr. 72, p. 4) assumono una posizione mediatrice e vedono una «considerazione benevola» come dovuta.\n\n**b) Requisito di scientificità**: Graz/Rodondi/Bonvin (Schweiz Med Forum 2011, 808) richiedono anche per i metodi di medicina complementare una prova scientifica di efficacia. Ferroni/Studer (in: Kocher/Oggier, Gesundheitswesen Schweiz 2010–2012, p. 147) argomentano invece che l'art. 118a Cost. miri proprio a un'apertura per altre forme di evidenza. Il Tribunale federale ha lasciato aperta questa questione in **2C_168/2019 consid. 5.3**.\n\n**c) Delimitazione di metodi seri**: Rösch (Die Stellung der Erfahrungsheilkundigen, 1994, p. 156) avverte del pericolo del ciarlatanismo e richiede criteri di qualità chiari. Wicki (Komplementärmedizin im Rahmen des Rechts, 1998, p. 89) propende per una gestione liberale sotto la responsabilità propria dei pazienti. Poledna/Berger (Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, n. marg. 456) favoriscono una via di mezzo con criteri flessibili, specifici per ogni metodo.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 11** Nell'applicazione dell'art. 118a Cost. devono essere considerati i seguenti aspetti:\n\n**N. 12** **Legislazione**: il legislatore deve, nell'elaborazione di nuovi atti normativi nel settore sanitario, verificare se e come possano essere considerati gli aspetti della medicina complementare. Ciò concerne in particolare le regolamentazioni relative alla formazione professionale, all'omologazione e alla rimunerazione.\n\n**N. 13** **Prassi amministrativa**: le autorità devono nelle procedure di autorizzazione per professioni di medicina complementare o medicamenti osservare l'obbligo costituzionale di considerazione. Un rifiuto generale con riferimento alla mancanza di evidenza della medicina convenzionale non è sufficiente; è piuttosto necessario un esame differenziato.\n\n**N. 14** **Prassi giudiziaria**: nella valutazione di controversie su prestazioni di medicina complementare l'art. 118a Cost. deve essere addotto come ausilio interpretativo. Il Tribunale federale ha chiarito in **2C_103/2009** che anche per la deducibilità fiscale dei trattamenti di medicina complementare rimane necessaria una prescrizione medica.\n\n**N. 15** **Garanzia di qualità**: l'obbligo di considerazione non dispensa dai requisiti di qualità. Devono piuttosto essere sviluppati standard adeguati al metodo, che tengano conto delle particolarità del rispettivo indirizzo di medicina complementare, senza trascurare la protezione dei pazienti (Gächter/Kaufmann, Pflegerecht–Pflegewissenschaft 2/2014, 66, 72).", "caselaw_it": "# Art. 118a Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 118a Cost. è ancora relativamente scarsa, poiché la disposizione è entrata in vigore soltanto nel 2009. Le decisioni esistenti riguardano principalmente la delimitazione del concetto di medicina complementare e la sua attuazione nel settore della formazione professionale.\n\n### I. Concetto e delimitazione della medicina complementare\n\n**Sentenza 2C_168/2019 del 15 aprile 2019**\n\nIl Tribunale federale ha definito il concetto di medicina complementare come concetto residuale e ha precisato il suo contenuto costituzionale. La decisione riguardava l'approvazione di un regolamento d'esame modificato per terapisti complementari, da integrare con il metodo della kinesiologia.\n\n> «Con il concetto di medicina complementare si intendono in senso residuale fondamentalmente quei metodi di trattamento che non appartengono alla medicina tradizionale di orientamento scientifico.»\n\nIl Tribunale federale ha confermato che l'art. 118a Cost. costituisce una norma programmatica che obbliga Confederazione e Cantoni a tenere conto della medicina complementare nell'ambito delle loro competenze esistenti. La norma definisce la medicina complementare come interesse pubblico.\n\n**Sentenza 2P.198/2006 del 9 maggio 2007**\n\nGià prima dell'entrata in vigore dell'art. 118a Cost. il Tribunale federale si era occupato della delimitazione delle attività di medicina complementare. La decisione riguardava l'autorizzazione all'esercizio della professione come naturopata nel Cantone di Berna.\n\n> «Per le professioni della medicina complementare - inclusa l'attività come naturopata - non esistono attestati specialistici normati a livello federale o intercantonale e nessun corso di studi regolamentato uniformemente.»\n\nIl Tribunale ha stabilito che non si ravvisava alcuna definizione chiara dell'attività del naturopata, il che evidenzia le sfide normative nel settore della medicina complementare.\n\n### II. Considerazione nell'assicurazione malattie\n\n**VBE.2017.116 dell'8 giugno 2017 (Tribunale delle assicurazioni Argovia)**\n\nIl Tribunale delle assicurazioni argoviese ha precisato i presupposti per l'obbligo di prestazione nei trattamenti di medicina complementare. Il caso riguardava l'assunzione dei costi per l'omeopatia classica da parte dell'assicurazione invalidità.\n\n> «Per le misure mediche nell'ambito dell'omeopatia medica classica sussiste un obbligo di prestazione dell'assicuratore malattie obbligatorio e quindi dell'AI, quando le misure sono state prese da medici con una formazione continua in omeopatia che corrisponde al programma di capacità omeopatia (SVHA).»\n\nIl Tribunale è partito dalla finzione che i presupposti di scientificità, efficacia, appropriatezza ed economicità fossero soddisfatti per i preparati omeopatici inclusi nella lista delle specialità.\n\n### III. Deducibilità fiscale dei trattamenti di medicina complementare\n\n**Sentenza 2C_103/2009 del 10 luglio 2009**\n\nIl Tribunale federale ha chiarito i presupposti per la deducibilità fiscale dei costi per trattamenti di medicina complementare. Il caso riguardava la terapia cranio-sacrale presso una naturopata.\n\n> «Il requisito della prescrizione medica costituisce secondo la giurisprudenza del Tribunale federale un criterio di delimitazione idoneo tra trattamenti curativi terapeutici da una parte e misure per il miglioramento del benessere generale dall'altra.»\n\nIl Tribunale ha confermato che anche per i trattamenti di medicina alternativa è necessaria una prescrizione medica per essere considerati costi di malattia deducibili. Il trattamento deve inoltre essere effettuato da una terapista «riconosciuta».\n\n### IV. Formazione professionale e garanzia della qualità\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale B-2105/2018 del 3 gennaio 2019**\n\nIl Tribunale amministrativo federale si è occupato dei requisiti per gli esami professionali superiori nel settore della terapia complementare. La decisione è stata successivamente confermata dal Tribunale federale nella sentenza 2C_168/2019.\n\nIl Tribunale ha stabilito che l'approvazione di regolamenti d'esame per professioni di medicina complementare deve corrispondere ai criteri generali dell'ordinanza sulla formazione professionale, in particolare al requisito di un interesse pubblico e della garanzia della qualità.\n\n### V. Decisioni mediche di vaccinazione per persone sotto curatela\n\n**Sentenza 5A_154/2022 del 20 maggio 2022**\n\nSebbene questa decisione riguardi primariamente il diritto di protezione degli adulti, mostra gli effetti pratici del concetto di medicina ampliato, che può comprendere anche approcci di medicina complementare. Il caso riguardava la vaccinazione COVID-19 di una persona sotto curatela con sindrome di Down.\n\nIl Tribunale federale ha sottolineato l'importanza di una considerazione olistica delle decisioni mediche, che può tenere conto anche di approcci di trattamento alternativi, purché corrispondano al bene del minore.\n\n### VI. Tendenze evolutive\n\nLa giurisprudenza mostra un crescente riconoscimento dei metodi di medicina complementare con contemporanea sottolineatura della garanzia della qualità. Centrale è la delimitazione tra approcci seri di medicina complementare e pratiche non scientifiche. Il Tribunale federale sottolinea che l'art. 118a Cost. non protegge qualsiasi ciarlataneria, ma comprende solo metodi di medicina complementare riconosciuti.\n\nI tribunali cantonali applicano sempre più criteri uniformi nella valutazione di questioni di medicina complementare, dove la prescrizione medica e la qualificazione professionale dei curanti hanno importanza centrale.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 118a BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 118a BV was adopted in a popular vote on 17 May 2009 with 67% yes votes and entered into force on 1 January 2010. The provision traces back to the popular initiative «Yes to complementary medicine» of 23 September 2005, which collected over 140,000 signatures (BBl 2006 7591). The Federal Council and Parliament rejected the initiative but drafted the direct counter-proposal Art. 118a BV, which was ultimately put to the vote (BBl 2008 8193).\n\n**N. 2** The Federal Council's message of 27 September 2006 (BBl 2006 7591) emphasised that complementary medicine was already being used by a large part of the population at that time. The counter-proposal was intended to enable balanced consideration of complementary medicine without displacing science-based conventional medicine. Central was the clarification that no new federal competence should be created, but merely a mandate to give consideration within the framework of existing competences.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 118a BV is classified in Section 8 «Housing, Work, Social Security and Health» and has a close systematic connection with Art. 118 BV (Protection of Health). The norm supplements the general health competence of the Confederation with a specific mandate of consideration (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 8).\n\n**N. 4** The provision has cross-references to the following constitutional norms:\n- → Art. 117 BV (Health and Accident Insurance): Cost coverage of complementary medical services\n- → Art. 63 BV (Vocational and Professional Education and Training): Recognition of complementary medical professions\n- ↔ Art. 95 BV (Private Economic Activity): Freedom to practise profession for complementary medicine practitioners\n- → Art. 27 BV (Economic Freedom): Access to complementary medical professions\n\n### 3. Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 5** As a programmatic norm, Art. 118a BV contains a constitutional mandate to the Confederation and the cantons to give due consideration to complementary medicine. The term «complementary medicine» is not defined under constitutional law. According to the prevailing doctrine, as a catch-all term it basically encompasses those treatment methods that do not belong to scientifically oriented conventional medicine (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 3; confirmed in **BGer 2C_168/2019 E. 5.2**).\n\n**N. 6** According to the understanding of the message (BBl 2006 7591, 7598), complementary medicine encompasses in particular:\n- Anthroposophical medicine\n- Traditional Chinese Medicine (TCM)\n- Classical homeopathy\n- Neural therapy\n- Phytotherapy\n\nThis list is not exhaustive. Maddalena (Alternative Medicines, 2005, p. 42) points out that internationally over 300 different complementary medical methods exist.\n\n**N. 7** The term «give due consideration» is to be understood as a qualified mandate of consideration. The Confederation and the cantons must include complementary medicine in their decisions, but are not obligated to preferential treatment (Kieser/Nedi, hill 2013, No. 72, p. 3). The consideration must take place within the framework of existing competences; Art. 118a BV creates no new federal competence (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 6).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** As a programmatic norm, Art. 118a BV does not establish subjective rights of individuals (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 2). However, the provision obligates the Confederation and the cantons to give appropriate consideration to complementary medical concerns in legislation and law enforcement.\n\n**N. 9** The obligation to give consideration is concretised in various areas:\n\n**a) University medical professions**: Integration of complementary medical content in education and continuing education according to Art. 6 para. 1 lit. a and Art. 8 lit. f MedBG (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 9).\n\n**b) Non-university medical professions**: Recognition of complementary medical professions within the framework of higher vocational education and training. The Federal Administrative Court confirmed this in **B-2105/2018**, later upheld by the Federal Supreme Court in **2C_168/2019** (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 10-11).\n\n**c) Medicinal product authorisation**: Facilitated authorisation of complementary and phytotherapeutic medicinal products through special procedures according to Art. 14 para. 1 lit. b HMG (Kieser, AJP 2007, 1042, 1048; Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 12-15).\n\n**d) Social insurance**: Coverage of complementary medical services in mandatory health insurance under the conditions of Art. 32 KVG (efficacy, appropriateness, cost-effectiveness). The Aargau Insurance Court specified this in **VBE.2017.116** for classical homeopathy (Gächter/Renold-Burch, BSK BV, Art. 118a N. 16-20).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 10** In doctrine, there is dispute about how far the obligation to give consideration reaches:\n\n**a) Scope of consideration**: Waldmeier (Jusletter 2010, para. 15) advocates a broad interpretation and calls for active promotion of complementary medicine. In contrast, Gächter/Renold-Burch (BSK BV, Art. 118a N. 6-7) emphasise the mere mandate character without obligation to favour. Kieser/Nedi (hill 2013, No. 72, p. 4) take a mediating position and see «benevolent consideration» as required.\n\n**b) Scientific requirement**: Graz/Rodondi/Bonvin (Schweiz Med Forum 2011, 808) demand scientific proof of efficacy also for complementary medical methods. Ferroni/Studer (in: Kocher/Oggier, Gesundheitswesen Schweiz 2010–2012, p. 147) argue, however, that Art. 118a BV aims precisely at an opening for other forms of evidence. The Federal Supreme Court left this question open in **2C_168/2019 E. 5.3**.\n\n**c) Delimitation of serious methods**: Rösch (Die Stellung der Erfahrungsheilkundigen, 1994, p. 156) warns of the danger of charlatanism and calls for clear quality criteria. Wicki (Komplementärmedizin im Rahmen des Rechts, 1998, p. 89) advocates liberal handling under patients' own responsibility. Poledna/Berger (Öffentliches Gesundheitsrecht, 2002, para. 456) favour a middle way with flexible, method-specific criteria.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 11** In the application of Art. 118a BV, the following aspects should be observed:\n\n**N. 12** **Legislation**: The legislator must examine when drafting new enactments in the health sector whether and how complementary medical aspects can be given consideration. This concerns in particular vocational training, authorisation and reimbursement regulations.\n\n**N. 13** **Administrative practice**: Authorities must observe the constitutional obligation to give consideration in authorisation procedures for complementary medical professions or medicinal products. A blanket refusal with reference to lacking conventional medical evidence does not suffice; rather, a differentiated examination is required.\n\n**N. 14** **Court practice**: In the assessment of disputes over complementary medical services, Art. 118a BV is to be used as an interpretative aid. The Federal Supreme Court clarified in **2C_103/2009** that a medical prescription remains required also for the tax deductibility of complementary medical treatments.\n\n**N. 15** **Quality assurance**: The obligation to give consideration does not dispense with quality requirements. Rather, method-appropriate standards are to be developed that take account of the particularities of the respective complementary medical approach without neglecting patient protection (Gächter/Kaufmann, Pflegerecht–Pflegewissenschaft 2/2014, 66, 72).", "caselaw_en": "# Art. 118a BV\n\n## Case Law\n\nThe case law on Art. 118a BV is still relatively sparse, as the provision only entered into force in 2009. The existing decisions primarily concern the delimitation of the concept of complementary medicine and its implementation in the field of vocational education and training.\n\n### I. Concept and Delimitation of Complementary Medicine\n\n**Judgment 2C_168/2019 of 15 April 2019**\n\nThe Federal Supreme Court defined the concept of complementary medicine as a catch-all term and clarified its constitutional content. The decision concerned the approval of an amended examination regulation for complementary therapists, which was to be supplemented with the method of kinesiology.\n\n> «The concept of complementary medicine refers, in the sense of a catch-all term, to those treatment methods that do not belong to scientifically oriented conventional medicine.»\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that Art. 118a BV constitutes a programmatic norm that obliges the Confederation and the cantons to take complementary medicine into account within the framework of their existing competencies. The norm defines complementary medicine as being in the public interest.\n\n**Judgment 2P.198/2006 of 9 May 2007**\n\nEven before Art. 118a BV entered into force, the Federal Supreme Court dealt with the delimitation of complementary medical activities. The decision concerned the professional practice licence as a naturopath in the Canton of Bern.\n\n> «For professions in complementary medicine - including the activity as a naturopath - there are no federally or intercantonally standardised professional certificates and no uniformly regulated courses of study.»\n\nThe Court held that no clear definition of the activity of the naturopath was apparent, which illustrates the regulatory challenges in the field of complementary medicine.\n\n### II. Consideration in Health Insurance\n\n**VBE.2017.116 of 8 June 2017 (Insurance Court of Aargau)**\n\nThe Aargau Insurance Court clarified the requirements for the obligation to provide benefits for complementary medical treatments. The case concerned the cost coverage for classical homeopathy by disability insurance.\n\n> «For medical precautionary measures in the field of Medical Classical Homeopathy, there is an obligation on the part of the mandatory health insurer and thus the IV to provide benefits when the precautionary measures have been taken by doctors with further training in homeopathy that corresponds to the Skills Programme in Homeopathy (SVHA).»\n\nThe Court proceeded from the legal fiction that the requirements of scientific validity, efficacy, appropriateness and economic efficiency are met for homeopathic preparations included in the specialities list.\n\n### III. Tax Deductibility of Complementary Medical Treatments\n\n**Judgment 2C_103/2009 of 10 July 2009**\n\nThe Federal Supreme Court clarified the requirements for the tax deductibility of costs for complementary medical treatments. The case concerned cranio-sacral therapy with a naturopathic practitioner.\n\n> «The requirement of medical prescription forms, according to the case law of the Federal Supreme Court, a suitable delimitation criterion between therapeutic healing treatments on the one hand and measures to enhance general well-being on the other.»\n\nThe Court confirmed that medical prescription is also required for alternative medical treatments in order to qualify as deductible medical expenses. The treatment must also be carried out by a \"recognised\" therapist.\n\n### IV. Vocational Education and Training and Quality Assurance\n\n**Judgment of the Federal Administrative Court B-2105/2018 of 3 January 2019**\n\nThe Federal Administrative Court dealt with the requirements for higher professional examinations in the field of complementary therapy. The decision was later confirmed by the Federal Supreme Court in 2C_168/2019.\n\nThe Court held that the approval of examination regulations for complementary medical professions must meet the general criteria of the Vocational Education and Training Ordinance, in particular the requirement of a public interest and quality assurance.\n\n### V. Medical Vaccination Decisions for Persons under a Care Order\n\n**Judgment 5A_154/2022 of 20 May 2022**\n\nAlthough this decision primarily concerns adult protection law, it shows the practical effects of the extended concept of medicine, which can also include complementary medical approaches. The case concerned the COVID-19 vaccination of a person with Down syndrome under a care order.\n\nThe Federal Supreme Court emphasised the importance of a holistic consideration of medical decisions, which can also take alternative treatment approaches into account, insofar as they correspond to the child's welfare.\n\n### VI. Development Trends\n\nThe case law shows increasing recognition of complementary medical methods while emphasising quality assurance. Central is the delimitation between serious complementary medical approaches and unscientific practices. The Federal Supreme Court emphasises that Art. 118a BV does not protect any form of charlatanism, but only covers recognised complementary medical methods.\n\nThe cantonal courts increasingly apply uniform criteria when assessing complementary medical questions, whereby medical prescription and the professional qualifications of the treating persons are of central importance.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_118a", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 118, "article_suffix": "b", "title": "Forschung am Menschen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 118b BV — Forschung am Menschen\n\n## Übersicht\n\nArt. 118b BV regelt die Forschung am Menschen im Bereich der Medizin und Biologie. Diese Verfassungsbestimmung wurde 2010 mit 77.2% Ja-Stimmen angenommen und gibt dem Bund eine umfassende Gesetzgebungskompetenz für die Humanforschung (BBl 2007 8045). Gleichzeitig schützt sie die Würde und Persönlichkeit von Forschungsteilnehmern durch verbindliche Grundsätze.\n\n**Wer ist betroffen?** Die Norm erfasst alle Personen, die an medizinischer oder biologischer Forschung teilnehmen — von Patienten in klinischen Studien bis zu gesunden Probanden in Präventionsstudien (Art. 2 HFG). Auch Forschung mit biologischen Materialien und Gesundheitsdaten fällt darunter. Urteilsunfähige Personen (Kinder, Demente) geniessen besonderen Schutz (Art. 118b Abs. 2 lit. c BV; Art. 22 HFG).\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Jede Humanforschung braucht eine Bewilligung durch eine Ethikkommission (Art. 45 HFG). Forscher müssen die Teilnehmer umfassend aufklären und deren schriftliche Einwilligung einholen (Art. 16 HFG). Diese kann jederzeit widerrufen werden. Bei Verstössen drohen Strafen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 62 HFG). Belser/Molinari betonen, dass die Verfassungsbestimmung \"als verfassungsrechtliche Konkretisierung des grundrechtlichen Spannungsfelds zwischen Forschungsfreiheit und Persönlichkeitsschutz\" wirkt (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**Beispiel:** Ein Pharmakonzern will ein neues Krebsmedikament testen. Er muss das Studienprotokoll einer Ethikkommission vorlegen, eine Versicherung abschliessen (Art. 20 HFG) und jeden Patienten über Risiken und Nutzen aufklären. Die Studie wird öffentlich registriert (Art. 56 HFG). Erst nach positiver Ethik-Bewertung und schriftlicher Patienteneinwilligung darf die Forschung beginnen. Das Bundesgericht stellte klar: \"Es besteht ein öffentliches Interesse daran, die Würde, Persönlichkeit und Gesundheit des Menschen in der Forschung zu schützen\" (BGer 2C_885/2018 E. 4.3).\n\nDie Verfassungsbestimmung balanciert Forschungsfreiheit und Menschenschutz aus. Sie ermöglicht medizinischen Fortschritt unter strikten ethischen Auflagen und schafft schweizweit einheitliche Standards durch das 2014 in Kraft getretene Humanforschungsgesetz (HFG; SR 810.30).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 118b BV wurde am 7. März 2010 von Volk und Ständen mit 77.2% Ja-Stimmen angenommen. Die Bestimmung geht auf die parlamentarische Initiative der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates vom 29. Januar 2004 zurück (BBl 2007 8045). Der Bundesrat unterstützte die Vorlage, betonte aber die Notwendigkeit eines sorgfältigen Interessenausgleichs zwischen Forschungsfreiheit und Persönlichkeitsschutz (BBl 2007 8059 ff.).\n\n**N. 2** Die Initiative reagierte auf die uneinheitliche kantonale Regelungslandschaft im Bereich der Humanforschung. Vor 2010 existierten zwar internationale Standards wie die Deklaration von Helsinki (1964/2008) und die ICH-GCP-Richtlinien, aber keine kohärente nationale Rechtsgrundlage. Die Botschaft hielt fest: «Die geltende Rechtslage ist gekennzeichnet durch eine grosse Heterogenität der Normdichte, Normenhierarchie und der Rechtsgrundlagen» (BBl 2007 8052).\n\n**N. 3** Der Verfassungsgeber wählte bewusst eine umfassende Bundeskompetenz, verbunden mit materiellen Schutzaufträgen. Damit sollte sowohl die Forschungsfreiheit gewährleistet als auch der Schutz der Versuchspersonen sichergestellt werden (BBl 2007 8060).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 118b BV steht systematisch zwischen den Bestimmungen zur Transplantationsmedizin (Art. 119a BV) und zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich (Art. 119 BV). Diese Einordnung zeigt den engen Zusammenhang mit anderen biomedizinischen Regelungsbereichen auf.\n\n**N. 5** Die Norm weist starke Bezüge zu den Grundrechten auf: Die Forschungsfreiheit (→ Art. 20 BV) wird durch die Schutzpflichten zugunsten der Menschenwürde (→ Art. 7 BV) und der persönlichen Freiheit (→ Art. 10 BV) begrenzt. Belser/Molinari betonen, dass Art. 118b BV «eine verfassungsrechtliche Konkretisierung des grundrechtlichen Spannungsfelds zwischen Forschungsfreiheit und Persönlichkeitsschutz» darstellt (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**N. 6** Im Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen ist insbesondere die Abgrenzung zu Art. 119 BV relevant. Während Art. 119 BV die Anwendung gentechnischer Verfahren regelt, erfasst Art. 118b BV die vorgelagerte Forschung. Belser/Molinari halten fest: «Art. 118b BV erfasst die Forschung in allen Bereichen der Gesundheit, einschliesslich der Fortpflanzungs- und Transplantationsmedizin» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Forschung am Menschen**: Der Begriff umfasst gemäss Bundesrat «jede systematische Suche nach verallgemeinerbaren Erkenntnissen» (BBl 2007 8058). Die Abgrenzung zur medizinischen Praxis erfolgt anhand des Zwecks: Steht die Erkenntnisgewinnung im Vordergrund, liegt Forschung vor; dient die Tätigkeit primär dem Patienten, handelt es sich um Behandlung (BBl 2007 8058). Schweizer präzisiert: «Entscheidend ist die Finalität der Tätigkeit» (Schweizer, Recht der Forschung im Gesundheitsbereich, 2008, S. 380).\n\n**N. 8** **Bereich der Medizin und Biologie**: Die Norm erfasst nicht nur klinische Versuche, sondern alle Forschung mit gesundheitsbezogenem Erkenntnisziel. Dazu gehören epidemiologische Studien, Forschung mit biologischen Materialien und gesundheitsbezogenen Daten sowie psychologische Forschung mit Gesundheitsbezug (Rütsche, Die Neuordnung des schweizerischen Humanforschungsgesetzes, ZSR 2010 I 405).\n\n**N. 9** **Schutz der Würde und Persönlichkeit**: Diese Begriffe verweisen auf die Grundrechte in Art. 7 und 10 BV. Die Menschenwürde setzt der Forschung absolute Grenzen; die Persönlichkeit kann unter den Voraussetzungen von Art. 36 BV eingeschränkt werden (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 25-28).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Gesetzgebungsauftrag**: Art. 118b Abs. 1 Satz 1 BV begründet eine umfassende Bundeskompetenz zur Regelung der Forschung am Menschen. Diese wurde durch das Humanforschungsgesetz vom 30. September 2011 (HFG; SR 810.30) ausgeübt, welches am 1. Januar 2014 in Kraft trat.\n\n**N. 11** **Unmittelbare Anwendbarkeit**: Die in Abs. 2 genannten Grundsätze sind gemäss Belser/Molinari «als Mindeststandards direkt anwendbar» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 30). Sie binden den Gesetzgeber und können bei der Auslegung des HFG herangezogen werden.\n\n**N. 12** **Schutzpflichten**: Der Staat muss aktiv werden, um Würde und Persönlichkeit in der Forschung zu schützen. Dies umfasst präventive Massnahmen (Bewilligungspflichten), Kontrollen (Ethikkommissionen) und Sanktionen (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3. Aufl. 2013, N. 872).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Umfang der Bundeskompetenz**: Belser/Molinari vertreten die Position einer umfassenden Bundeskompetenz, die jedoch inhaltlich durch die Schutzaufträge begrenzt wird: «Die Bundeskompetenz ist als umfassende zu verstehen, die der Bund jedoch nicht auf beliebige Art und Weise wahrnehmen kann» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 11). Demgegenüber qualifizieren van Spyk und Rütsche Art. 118b Abs. 1 als «gefährdungsbezogene Bundeskompetenz», die sich am Schutzbedürfnis orientiert (van Spyk, Grundlagen und Reichweite der neuen Bundeskompetenz, AJP 2010, 210; Rütsche, ZSR 2010 I 408).\n\n**N. 14** **Verhältnis zu Art. 119 BV**: Die Abgrenzung zwischen Forschung (Art. 118b BV) und Anwendung (Art. 119 BV) im Bereich der Fortpflanzungsmedizin ist umstritten. Belser/Molinari plädieren für eine umfassende Anwendung von Art. 118b BV auf die gesamte Forschung, auch im Bereich der Fortpflanzungsmedizin (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14). Rütsche differenziert hingegen: «Art. 119 BV geht als speziellere Norm vor, soweit er die Forschung an Embryonen regelt» (Rütsche, ZSR 2010 I 409). Sprecher unterstützt diese differenzierte Sichtweise mit dem Argument der systematischen Kohärenz (Sprecher, Medizinische Forschung mit Kindern und Jugendlichen, 2007, S. 89).\n\n**N. 15** **Forschung mit urteilsunfähigen Personen**: Die Zulässigkeitsvoraussetzungen von Art. 118b Abs. 2 lit. c BV sind Gegenstand intensiver Debatten. van Spyk vertritt eine restriktive Auslegung: «Fremdnützige Forschung an Urteilsunfähigen ist nur bei minimalem Risiko zulässig» (van Spyk, AJP 2010, 215). Brauer plädiert für mehr Flexibilität unter strengen Schutzvorkehrungen: «Ein kategorisches Verbot würde vulnerable Gruppen von medizinischem Fortschritt ausschliessen» (Brauer, Der Einfluss der Ethik auf das Recht, ZSR 2010 I 452). Die NEK-CNE nimmt eine vermittelnde Position ein (Stellungnahme Nr. 25/2015).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Bewilligungspflicht**: Jedes Forschungsprojekt am Menschen bedarf der vorgängigen Bewilligung durch eine anerkannte Ethikkommission (Art. 45 HFG). Das Gesuch muss mindestens 30 Tage vor Projektbeginn eingereicht werden (Art. 30 KlinV; SR 810.305).\n\n**N. 17** **Informed Consent**: Die Einwilligung nach Aufklärung muss schriftlich erfolgen und jederzeit widerrufbar sein (Art. 16 HFG). Bei Urteilsunfähigen ist die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters erforderlich (Art. 22 HFG).\n\n**N. 18** **Versicherungspflicht**: Für klinische Versuche besteht eine obligatorische Haftpflichtversicherung oder gleichwertige Sicherheit (Art. 20 HFG i.V.m. Art. 13-15 KlinV).\n\n**N. 19** **Registrierung**: Klinische Versuche müssen in einem öffentlichen Register eingetragen werden (Art. 56 HFG). Dies gilt vor Rekrutierung der ersten Versuchsperson.\n\n**N. 20** **Subsidiäre Anwendung kantonalen Rechts**: Soweit das HFG keine Regelung enthält, bleibt kantonales Recht anwendbar, insbesondere für die Organisation der Ethikkommissionen (Art. 51 HFG; BGer 2C_885/2018 E. 3.2).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen und Ethikkommissionen\n\n**BGer 2C_885/2018 vom 12. November 2018**\nDas Bundesgericht bestätigte die Stellung kantonaler Ethikkommissionen als zentrale Akteure im Vollzug von Art. 118b BV. Das Verfahren betraf die Genehmigung zur Weiterverwendung von Daten einer Doppelblindstudie durch die Kantonale Ethikkommission Bern. Das Gericht hielt fest, dass Ethikkommissionen im öffentlichen Interesse handeln und ihre Entscheide grundsätzlich überprüfbar sind.\n\n> «Es besteht ein öffentliches Interesse daran, die Würde, Persönlichkeit und Gesundheit des Menschen in der Forschung zu schützen (vgl. Art. 118b BV; vgl. Art. 1 des Bundesgesetzes vom 30. September 2011 über die Forschung am Menschen [HFG; SR 810.30]).»\n\n**BGer 2A.450/2002 vom 4. Juli 2003**\nFrühe Rechtsprechung zur Organisation kantonaler Ethikkommissionen vor Inkrafttreten des Humanforschungsgesetzes. Das Verfahren betraf die Anerkennung und Zulassung einer Ethikkommission im Kanton Basel-Landschaft für klinische Versuche. Das Urteil verdeutlichte bereits die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die ethische Kontrolle der Forschung am Menschen.\n\n### Klinische Versuche und Sorgfaltspflichten\n\n**BGE 134 IV 175 vom 24. April 2008**\nWegweisendes Urteil zu den strafrechtlichen Sorgfaltspflichten bei experimentellem Einsatz von Medikamenten. Das Verfahren betraf den tödlichen Einsatz eines Krebsmedikaments ohne ordnungsgemässe Bewilligung. Das Bundesgericht stellte klar, dass sich die strafrechtlichen Sorgfaltspflichten nach den Bestimmungen über klinische Versuche richten, diese jedoch nur auf systematische Forschungsuntersuchungen, nicht auf individuelle Heilversuche anwendbar sind.\n\n> «Die strafrechtlichen Sorgfaltspflichten bei einem experimentellen Einsatz eines Medikaments richten sich nach den Bestimmungen über klinische Versuche mit Heilmitteln (Art. 53 ff. HMG). Die Vorschriften sind jedoch nur auf systematische Forschungsuntersuchungen und nicht auch auf individuelle Heilversuche anwendbar.»\n\n**BGer 2C_537/2022 vom 25. Januar 2024**\nAktuelles Urteil zur Anwendung der Verordnung über klinische Versuche in der Humanforschung (KlinV). Das Verfahren betraf die Anpassung von Arzneimittelinformation. Das Gericht bestätigte, dass klinische Versuche betreffend Arzneimittel nach den Regeln der Guten Klinischen Praxis durchzuführen sind.\n\n### Ethische Grenzen in der Forschung\n\n**Urteil AG Strafgericht SST.2023.306 vom 17. Dezember 2024**\nBedeutsames Urteil zur Abgrenzung zwischen berechtigter Kritik an Forschungspraktiken und ehrverletzenden Anschuldigungen. Das Verfahren betraf Vorwürfe gegen einen Arzt bezüglich angeblich unethischer Forschung am Menschen. Das Gericht hielt fest, dass ein öffentliches Interesse an der Einhaltung der Vorschriften für die Forschung am Menschen besteht, übertriebene Anschuldigungen jedoch strafrechtlich verfolgt werden können.\n\n> «Es besteht ein öffentliches Interesse daran, die Würde, Persönlichkeit und Gesundheit des Menschen in der Forschung zu schützen (vgl. Art. 118b BV; vgl. Art. 1 des Bundesgesetzes vom 30. September 2011 über die Forschung am Menschen [HFG; SR 810.30]). Hält ein Arzt die Vorschriften für die Forschung am Menschen, z.B. hinsichtlich der Einwilligung nach hinreichender Aufklärung oder der Forschung mit urteilsunfähigen Personen (Art. 118b Abs. 2 lit. b und d BV; Art. 7, 16 ff. und 24 HFG), nicht ein, [...] besteht grundsätzlich ein zureichender Anlass, dies dem Arbeitgeber oder den zuständigen Behörden zu melden.»\n\n### Transparenz und Registrierung\n\n**BE GSI 2022.GSI.2729 vom 3. März 2023**\nAktuelle Rechtsprechung zur Transparenz in der Forschung am Menschen. Das Verfahren betraf ein Akteneinsichtsgesuch betreffend bei einer Ethikkommission vorliegende Daten. Die Vorinstanz bestätigte, dass der Gesetzgeber mit dem Ziel der Transparenz eine Registrierungspflicht für klinische Versuche eingeführt hat.\n\n> «Mit dem Ziel, die Transparenz der Forschung am Menschen zu gewährleisten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c HFG), hat der Gesetzgeber eine Registrierungspflicht für klinische Versuche eingeführt (Art. 56 HFG).»\n\n### Anmerkung zur Rechtsprechungslage\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 118b BV ist noch nicht sehr umfangreich, da die Bestimmung erst 2010 in Kraft trat und das Humanforschungsgesetz 2014 folgte. Die verfügbaren Entscheide konzentrieren sich auf die Rolle der Ethikkommissionen, die Abgrenzung zwischen Forschung und Heilversuch sowie die Durchsetzung ethischer Standards. Die Gerichte betonen durchgehend den verfassungsrechtlichen Auftrag zum Schutz der Menschenwürde in der Forschung bei gleichzeitiger Wahrung der Forschungsfreiheit.", "summary_fr": "# Art. 118b Cst. — Recherche sur l'être humain\n\n## Aperçu\n\nL'art. 118b Cst. règle la recherche sur l'être humain dans le domaine de la médecine et de la biologie. Cette disposition constitutionnelle a été adoptée en 2010 avec 77,2% de voix favorables et confère à la Confédération une compétence législative étendue pour la recherche humaine (FF 2007 7863). Elle protège simultanément la dignité et la personnalité des participants à la recherche par des principes contraignants.\n\n**Qui est concerné ?** La norme saisit toutes les personnes qui participent à la recherche médicale ou biologique — des patients dans les études cliniques aux sujets sains dans les études de prévention (art. 2 LRH). La recherche avec des matériels biologiques et des données de santé est également couverte. Les personnes incapables de discernement (enfants, personnes démentes) bénéficient d'une protection particulière (art. 118b al. 2 let. c Cst. ; art. 22 LRH).\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Toute recherche humaine nécessite une autorisation d'une commission d'éthique (art. 45 LRH). Les chercheurs doivent informer complètement les participants et obtenir leur consentement écrit (art. 16 LRH). Celui-ci peut être retiré à tout moment. En cas de violation, des sanctions jusqu'à trois ans d'emprisonnement sont prévues (art. 62 LRH). Belser/Molinari soulignent que la disposition constitutionnelle « agit comme concrétisation constitutionnelle du champ de tension de droit fondamental entre liberté de la recherche et protection de la personnalité » (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**Exemple :** Un groupe pharmaceutique veut tester un nouveau médicament contre le cancer. Il doit présenter le protocole d'étude à une commission d'éthique, contracter une assurance (art. 20 LRH) et informer chaque patient sur les risques et les bénéfices. L'étude est enregistrée publiquement (art. 56 LRH). Ce n'est qu'après évaluation éthique positive et consentement écrit du patient que la recherche peut commencer. Le Tribunal fédéral a précisé : « Il existe un intérêt public à protéger la dignité, la personnalité et la santé de l'être humain dans la recherche » (ATF 2C_885/2018 consid. 4.3).\n\nLa disposition constitutionnelle équilibre liberté de la recherche et protection de l'être humain. Elle permet le progrès médical sous des conditions éthiques strictes et crée des standards uniformes à l'échelle suisse par la loi sur la recherche humaine (LRH ; RS 810.30) entrée en vigueur en 2014.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 118b Cst. a été adopté le 7 mars 2010 par le peuple et les cantons avec 77.2% de oui. La disposition remonte à l'initiative parlementaire de la Commission de la science, de l'éducation et de la culture du Conseil des États du 29 janvier 2004 (FF 2007 7591). Le Conseil fédéral soutenait le projet, mais soulignait la nécessité d'un équilibre soigné entre la liberté de la recherche et la protection de la personnalité (FF 2007 7605 ss).\n\n**N. 2** L'initiative répondait au paysage réglementaire cantonal hétérogène dans le domaine de la recherche humaine. Avant 2010, il existait certes des standards internationaux comme la Déclaration d'Helsinki (1964/2008) et les directives ICH-GCP, mais aucune base légale nationale cohérente. Le message constatait : « La situation juridique actuelle se caractérise par une grande hétérogénéité de la densité normative, de la hiérarchie des normes et des bases légales » (FF 2007 7598).\n\n**N. 3** Le constituant a délibérément choisi une compétence fédérale étendue, liée à des mandats de protection matériels. Ceci devait à la fois garantir la liberté de la recherche et assurer la protection des personnes participant aux essais (FF 2007 7606).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 118b Cst. s'inscrit systématiquement entre les dispositions sur la médecine de transplantation (art. 119a Cst.) et sur la procréation médicalement assistée et le génie génétique dans le domaine humain (art. 119 Cst.). Cette classification révèle l'étroit lien avec d'autres domaines de réglementation biomédicale.\n\n**N. 5** La norme présente de forts liens avec les droits fondamentaux : La liberté de la recherche (→ art. 20 Cst.) est limitée par les obligations de protection en faveur de la dignité humaine (→ art. 7 Cst.) et de la liberté personnelle (→ art. 10 Cst.). Belser/Molinari soulignent que l'art. 118b Cst. « représente une concrétisation constitutionnelle du champ de tension fondamental entre liberté de la recherche et protection de la personnalité » (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 1).\n\n**N. 6** Dans le rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles, la délimitation avec l'art. 119 Cst. est particulièrement pertinente. Tandis que l'art. 119 Cst. règle l'application de procédés génétiques, l'art. 118b Cst. saisit la recherche en amont. Belser/Molinari constatent : « L'art. 118b Cst. saisit la recherche dans tous les domaines de la santé, y compris la médecine de la procréation et de transplantation » (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 14).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Recherche sur l'être humain** : Le concept comprend selon le Conseil fédéral « toute recherche systématique de connaissances généralisables » (FF 2007 7604). La délimitation avec la pratique médicale s'effectue selon le but : Si l'acquisition de connaissances est au premier plan, il y a recherche ; si l'activité sert primordiairement au patient, il s'agit de traitement (FF 2007 7604). Schweizer précise : « La finalité de l'activité est déterminante » (Schweizer, Recht der Forschung im Gesundheitsbereich, 2008, p. 380).\n\n**N. 8** **Domaine de la médecine et de la biologie** : La norme ne saisit pas seulement les essais cliniques, mais toute recherche ayant un objectif de connaissance lié à la santé. Cela comprend les études épidémiologiques, la recherche avec des matériaux biologiques et des données liées à la santé ainsi que la recherche psychologique ayant un lien avec la santé (Rütsche, Die Neuordnung des schweizerischen Humanforschungsgesetzes, ZSR 2010 I 405).\n\n**N. 9** **Protection de la dignité et de la personnalité** : Ces concepts renvoient aux droits fondamentaux aux art. 7 et 10 Cst. La dignité humaine pose des limites absolues à la recherche ; la personnalité peut être restreinte sous les conditions de l'art. 36 Cst. (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 25-28).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** **Mandat législatif** : L'art. 118b al. 1 phr. 1 Cst. fonde une compétence fédérale étendue pour réglementer la recherche sur l'être humain. Celle-ci a été exercée par la loi sur la recherche humaine du 30 septembre 2011 (LRH ; RS 810.30) qui est entrée en vigueur le 1er janvier 2014.\n\n**N. 11** **Applicabilité directe** : Les principes mentionnés à l'al. 2 sont selon Belser/Molinari « directement applicables comme standards minimaux » (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 30). Ils lient le législateur et peuvent être utilisés pour l'interprétation de la LRH.\n\n**N. 12** **Obligations de protection** : L'État doit agir activement pour protéger la dignité et la personnalité dans la recherche. Cela comprend des mesures préventives (obligations d'autorisation), des contrôles (commissions d'éthique) et des sanctions (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3e éd. 2013, n. 872).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 13** **Étendue de la compétence fédérale** : Belser/Molinari défendent la position d'une compétence fédérale étendue, qui est cependant limitée quant au contenu par les mandats de protection : « La compétence fédérale doit être comprise comme étendue, que la Confédération ne peut cependant pas exercer de manière arbitraire » (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 11). En revanche, van Spyk et Rütsche qualifient l'art. 118b al. 1 de « compétence fédérale liée aux risques », qui s'oriente selon le besoin de protection (van Spyk, Grundlagen und Reichweite der neuen Bundeskompetenz, AJP 2010, 210 ; Rütsche, ZSR 2010 I 408).\n\n**N. 14** **Rapport avec l'art. 119 Cst.** : La délimitation entre recherche (art. 118b Cst.) et application (art. 119 Cst.) dans le domaine de la procréation médicalement assistée est controversée. Belser/Molinari plaident pour une application étendue de l'art. 118b Cst. à toute la recherche, aussi dans le domaine de la procréation médicalement assistée (Belser/Molinari, BSK BV, art. 118b n. 14). Rütsche différencie en revanche : « L'art. 119 Cst. prime comme norme plus spéciale, dans la mesure où il règle la recherche sur les embryons » (Rütsche, ZSR 2010 I 409). Sprecher soutient cette vision différenciée avec l'argument de la cohérence systématique (Sprecher, Medizinische Forschung mit Kindern und Jugendlichen, 2007, p. 89).\n\n**N. 15** **Recherche avec des personnes incapables de discernement** : Les conditions d'admissibilité de l'art. 118b al. 2 let. c Cst. font l'objet de débats intensifs. van Spyk défend une interprétation restrictive : « La recherche hétéronome sur des incapables de discernement n'est admissible qu'avec un risque minimal » (van Spyk, AJP 2010, 215). Brauer plaide pour plus de flexibilité sous de strictes mesures de protection : « Une interdiction catégorique exclurait les groupes vulnérables du progrès médical » (Brauer, Der Einfluss der Ethik auf das Recht, ZSR 2010 I 452). La NEK-CNE adopte une position intermédiaire (Prise de position n° 25/2015).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** **Obligation d'autorisation** : Tout projet de recherche sur l'être humain nécessite l'autorisation préalable d'une commission d'éthique reconnue (art. 45 LRH). La demande doit être déposée au moins 30 jours avant le début du projet (art. 30 OClin ; RS 810.305).\n\n**N. 17** **Consentement éclairé** : Le consentement après information doit être donné par écrit et être révocable en tout temps (art. 16 LRH). Pour les incapables de discernement, le consentement du représentant légal est requis (art. 22 LRH).\n\n**N. 18** **Obligation d'assurance** : Pour les essais cliniques existe une assurance responsabilité civile obligatoire ou une sûreté équivalente (art. 20 LRH en liaison avec art. 13-15 OClin).\n\n**N. 19** **Enregistrement** : Les essais cliniques doivent être inscrits dans un registre public (art. 56 LRH). Ceci vaut avant le recrutement de la première personne participant à l'essai.\n\n**N. 20** **Application subsidiaire du droit cantonal** : Dans la mesure où la LRH ne contient pas de règlement, le droit cantonal reste applicable, en particulier pour l'organisation des commissions d'éthique (art. 51 LRH ; ATF 2C_885/2018 consid. 3.2).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Fondements constitutionnels et commissions d'éthique\n\n**TF 2C_885/2018 du 12 novembre 2018**\nLe Tribunal fédéral a confirmé le statut des commissions d'éthique cantonales comme acteurs centraux dans l'exécution de l'art. 118b Cst. La procédure concernait l'autorisation de réutiliser les données d'une étude en double aveugle par la Commission d'éthique cantonale de Berne. Le tribunal a établi que les commissions d'éthique agissent dans l'intérêt public et que leurs décisions sont en principe soumises à contrôle.\n\n> « Il existe un intérêt public à protéger la dignité, la personnalité et la santé de l'être humain dans la recherche (cf. art. 118b Cst. ; cf. art. 1 de la loi fédérale du 30 septembre 2011 relative à la recherche sur l'être humain [LRH ; RS 810.30]). »\n\n**TF 2A.450/2002 du 4 juillet 2003**\nJurisprudence précoce sur l'organisation des commissions d'éthique cantonales avant l'entrée en vigueur de la loi relative à la recherche sur l'être humain. La procédure concernait la reconnaissance et l'admission d'une commission d'éthique dans le canton de Bâle-Campagne pour les essais cliniques. L'arrêt a déjà précisé les fondements constitutionnels du contrôle éthique de la recherche sur l'être humain.\n\n### Essais cliniques et obligations de diligence\n\n**ATF 134 IV 175 du 24 avril 2008**\nArrêt de principe sur les obligations de diligence en droit pénal lors de l'usage expérimental de médicaments. La procédure concernait l'usage mortel d'un médicament anticancéreux sans autorisation en bonne et due forme. Le Tribunal fédéral a précisé que les obligations de diligence en droit pénal se règlent selon les dispositions sur les essais cliniques, lesquelles ne s'appliquent toutefois qu'aux recherches systématiques et non aux tentatives thérapeutiques individuelles.\n\n> « Les obligations de diligence en droit pénal lors d'un usage expérimental d'un médicament se règlent selon les dispositions sur les essais cliniques de médicaments (art. 53 ss LTh). Ces dispositions ne s'appliquent toutefois qu'aux recherches systématiques et non aux tentatives thérapeutiques individuelles. »\n\n**TF 2C_537/2022 du 25 janvier 2024**\nArrêt récent sur l'application de l'ordonnance sur les essais cliniques dans le cadre de la recherche sur l'être humain (OClin). La procédure concernait l'adaptation d'information sur les médicaments. Le tribunal a confirmé que les essais cliniques relatifs aux médicaments doivent être menés selon les règles de bonnes pratiques cliniques.\n\n### Limites éthiques dans la recherche\n\n**Arrêt AG Tribunal pénal SST.2023.306 du 17 décembre 2024**\nArrêt important sur la délimitation entre critique légitime des pratiques de recherche et accusations attentatoires à l'honneur. La procédure concernait des reproches envers un médecin au sujet d'une recherche prétendument contraire à l'éthique sur l'être humain. Le tribunal a établi qu'il existe un intérêt public au respect des dispositions relatives à la recherche sur l'être humain, mais que les accusations exagérées peuvent faire l'objet de poursuites pénales.\n\n> « Il existe un intérêt public à protéger la dignité, la personnalité et la santé de l'être humain dans la recherche (cf. art. 118b Cst. ; cf. art. 1 de la loi fédérale du 30 septembre 2011 relative à la recherche sur l'être humain [LRH ; RS 810.30]). Si un médecin ne respecte pas les dispositions relatives à la recherche sur l'être humain, p. ex. concernant le consentement après information suffisante ou la recherche avec des personnes incapables de discernement (art. 118b al. 2 let. b et d Cst. ; art. 7, 16 ss et 24 LRH), [...] il existe en principe un motif suffisant de le signaler à l'employeur ou aux autorités compétentes. »\n\n### Transparence et enregistrement\n\n**BE GSI 2022.GSI.2729 du 3 mars 2023**\nJurisprudence récente sur la transparence dans la recherche sur l'être humain. La procédure concernait une demande de consultation d'actes relative à des données se trouvant auprès d'une commission d'éthique. L'instance précédente a confirmé que le législateur a introduit une obligation d'enregistrement des essais cliniques dans le but d'assurer la transparence.\n\n> « Dans le but de garantir la transparence de la recherche sur l'être humain (art. 1 al. 2 let. c LRH), le législateur a introduit une obligation d'enregistrement des essais cliniques (art. 56 LRH). »\n\n### Remarque sur l'état de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 118b Cst. n'est pas encore très abondante, la disposition n'étant entrée en vigueur qu'en 2010 et la loi relative à la recherche sur l'être humain ayant suivi en 2014. Les décisions disponibles se concentrent sur le rôle des commissions d'éthique, la délimitation entre recherche et tentative thérapeutique ainsi que la mise en œuvre des standards éthiques. Les tribunaux soulignent constamment le mandat constitutionnel de protection de la dignité humaine dans la recherche tout en préservant la liberté de la recherche.", "summary_it": "# Art. 118b Cost. — Ricerca sull'essere umano\n\n## Panoramica\n\nL'art. 118b Cost. disciplina la ricerca sull'essere umano nel campo della medicina e della biologia. Questa disposizione costituzionale è stata accettata nel 2010 con il 77,2% di voti favorevoli e conferisce alla Confederazione una competenza legislativa globale per la ricerca umana (FF 2007 7759). Al contempo protegge la dignità e la personalità dei partecipanti alla ricerca mediante principi vincolanti.\n\n**Chi è interessato?** La norma contempla tutte le persone che partecipano a ricerche mediche o biologiche — dai pazienti in studi clinici ai probandi sani in studi di prevenzione (art. 2 LRU). Sono incluse anche le ricerche con materiale biologico e dati sanitari. Le persone incapaci di discernimento (bambini, dementi) godono di una protezione particolare (art. 118b cpv. 2 lett. c Cost.; art. 22 LRU).\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** Ogni ricerca umana necessita di un'autorizzazione da parte di una commissione d'etica (art. 45 LRU). I ricercatori devono informare esaurientemente i partecipanti e ottenere il loro consenso scritto (art. 16 LRU). Questo può essere ritirato in qualsiasi momento. In caso di violazioni sono previste pene fino a tre anni di privazione della libertà (art. 62 LRU). Belser/Molinari sottolineano che la disposizione costituzionale \"agisce come concretizzazione costituzionale del campo di tensione di diritti fondamentali tra libertà della ricerca e protezione della personalità\" (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**Esempio:** Un gruppo farmaceutico vuole testare un nuovo medicamento contro il cancro. Deve sottoporre il protocollo dello studio a una commissione d'etica, stipulare un'assicurazione (art. 20 LRU) e informare ogni paziente sui rischi e benefici. Lo studio viene registrato pubblicamente (art. 56 LRU). Solo dopo una valutazione etica positiva e il consenso scritto del paziente può iniziare la ricerca. Il Tribunale federale ha chiarito: \"Sussiste un interesse pubblico a proteggere la dignità, la personalità e la salute dell'essere umano nella ricerca\" (DTF 2C_885/2018 consid. 4.3).\n\nLa disposizione costituzionale bilancia libertà della ricerca e protezione dell'essere umano. Consente il progresso medico sotto severe condizioni etiche e crea standard uniformi in tutta la Svizzera mediante la legge sulla ricerca umana (LRU; RS 810.30) entrata in vigore nel 2014.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 118b Cost. è stato approvato il 7 marzo 2010 da popolo e Cantoni con il 77,2% di voti favorevoli. La disposizione risale all'iniziativa parlamentare della Commissione della scienza, dell'educazione e della cultura del Consiglio degli Stati del 29 gennaio 2004 (FF 2007 7615). Il Consiglio federale ha sostenuto il progetto, sottolineando tuttavia la necessità di un'attenta ponderazione degli interessi tra libertà della ricerca e protezione della personalità (FF 2007 7629 segg.).\n\n**N. 2** L'iniziativa ha reagito alla situazione normativa cantonale disomogenea nel settore della ricerca sull'essere umano. Prima del 2010 esistevano sì standard internazionali come la Dichiarazione di Helsinki (1964/2008) e le direttive ICH-GCP, ma non una base legale nazionale coerente. Il messaggio ha constatato: «La situazione giuridica vigente è caratterizzata da una grande eterogeneità della densità normativa, della gerarchia delle norme e delle basi legali» (FF 2007 7623).\n\n**N. 3** Il costituente ha scelto consapevolmente una competenza federale globale, collegata a mandati di protezione materiali. In tal modo dovevano essere garantiti sia la libertà della ricerca sia la protezione delle persone sottoposte a sperimentazione (FF 2007 7630).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 118b Cost. si colloca sistematicamente tra le disposizioni sulla medicina dei trapianti (art. 119a Cost.) e sulla medicina della procreazione e la tecnologia genetica nel campo umano (art. 119 Cost.). Questa classificazione evidenzia lo stretto nesso con altri settori normativi biomedici.\n\n**N. 5** La norma presenta forti riferimenti ai diritti fondamentali: la libertà della ricerca (→ art. 20 Cost.) è limitata dagli obblighi di protezione a favore della dignità umana (→ art. 7 Cost.) e della libertà personale (→ art. 10 Cost.). Belser/Molinari sottolineano che l'art. 118b Cost. «rappresenta una concretizzazione costituzionale del campo di tensione tra libertà della ricerca e protezione della personalità sotto il profilo dei diritti fondamentali» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**N. 6** Nel rapporto con altre disposizioni costituzionali è rilevante in particolare la delimitazione rispetto all'art. 119 Cost. Mentre l'art. 119 Cost. disciplina l'applicazione di procedimenti genetici, l'art. 118b Cost. comprende la ricerca preliminare. Belser/Molinari affermano: «L'art. 118b Cost. comprende la ricerca in tutti i settori della salute, inclusa la medicina della procreazione e dei trapianti» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Ricerca sull'essere umano**: Il concetto comprende secondo il Consiglio federale «ogni ricerca sistematica di conoscenze generalizzabili» (FF 2007 7628). La delimitazione dalla pratica medica avviene in base al fine: se in primo piano sta l'acquisizione di conoscenze, si tratta di ricerca; se l'attività serve primariamente al paziente, si tratta di trattamento (FF 2007 7628). Schweizer precisa: «Decisiva è la finalità dell'attività» (Schweizer, Recht der Forschung im Gesundheitsbereich, 2008, pag. 380).\n\n**N. 8** **Settore della medicina e della biologia**: La norma comprende non solo i test clinici, ma tutta la ricerca con obiettivi conoscitivi attinenti alla salute. Vi rientrano gli studi epidemiologici, la ricerca con materiali biologici e dati attinenti alla salute nonché la ricerca psicologica con riferimento alla salute (Rütsche, Die Neuordnung des schweizerischen Humanforschungsgesetzes, ZSR 2010 I 405).\n\n**N. 9** **Protezione della dignità e della personalità**: Questi concetti rimandano ai diritti fondamentali negli art. 7 e 10 Cost. La dignità umana pone limiti assoluti alla ricerca; la personalità può essere limitata alle condizioni dell'art. 36 Cost. (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 25-28).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** **Mandato legislativo**: L'art. 118b cpv. 1 periodo 1 Cost. stabilisce una competenza federale globale per la disciplina della ricerca sull'essere umano. Essa è stata esercitata con la Legge sulla ricerca umana del 30 settembre 2011 (LRU; RS 810.30), entrata in vigore il 1° gennaio 2014.\n\n**N. 11** **Applicabilità diretta**: I principi menzionati nel cpv. 2 sono secondo Belser/Molinari «direttamente applicabili come standard minimi» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 30). Essi vincolano il legislatore e possono essere impiegati per l'interpretazione della LRU.\n\n**N. 12** **Obblighi di protezione**: Lo Stato deve attivarsi per proteggere dignità e personalità nella ricerca. Ciò comprende misure preventive (obblighi di autorizzazione), controlli (commissioni etiche) e sanzioni (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3a ed. 2013, N. 872).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 13** **Portata della competenza federale**: Belser/Molinari sostengono la posizione di una competenza federale globale, tuttavia limitata contenutisticamente dai mandati di protezione: «La competenza federale è da intendere come globale, che la Confederazione tuttavia non può esercitare in modo arbitrario» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 11). Al contrario, van Spyk e Rütsche qualificano l'art. 118b cpv. 1 come «competenza federale legata al pericolo», che si orienta al bisogno di protezione (van Spyk, Grundlagen und Reichweite der neuen Bundeskompetenz, AJP 2010, 210; Rütsche, ZSR 2010 I 408).\n\n**N. 14** **Rapporto con l'art. 119 Cost.**: La delimitazione tra ricerca (art. 118b Cost.) e applicazione (art. 119 Cost.) nel settore della medicina della procreazione è controversa. Belser/Molinari propendono per un'applicazione globale dell'art. 118b Cost. a tutta la ricerca, anche nel settore della medicina della procreazione (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14). Rütsche invece distingue: «L'art. 119 Cost. prevale come norma più speciale, nella misura in cui disciplina la ricerca sugli embrioni» (Rütsche, ZSR 2010 I 409). Sprecher sostiene questa concezione differenziata con l'argomento della coerenza sistematica (Sprecher, Medizinische Forschung mit Kindern und Jugendlichen, 2007, pag. 89).\n\n**N. 15** **Ricerca con persone incapaci di discernimento**: I presupposti di ammissibilità dell'art. 118b cpv. 2 lett. c Cost. sono oggetto di dibattiti intensi. van Spyk sostiene un'interpretazione restrittiva: «La ricerca nell'interesse di terzi su incapaci di discernimento è ammissibile solo con rischio minimo» (van Spyk, AJP 2010, 215). Brauer propende per più flessibilità sotto severe cautele protettive: «Un divieto categorico escluderebbe gruppi vulnerabili dal progresso medico» (Brauer, Der Einfluss der Ethik auf das Recht, ZSR 2010 I 452). La NEK-CNE assume una posizione mediatrice (Presa di posizione n. 25/2015).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Obbligo di autorizzazione**: Ogni progetto di ricerca sull'essere umano necessita dell'autorizzazione preventiva da parte di una commissione etica riconosciuta (art. 45 LRU). La domanda deve essere inoltrata almeno 30 giorni prima dell'inizio del progetto (art. 30 OClin; RS 810.305).\n\n**N. 17** **Informed Consent**: Il consenso dopo informazione deve avvenire per scritto ed essere revocabile in ogni momento (art. 16 LRU). Per gli incapaci di discernimento è necessario il consenso del rappresentante legale (art. 22 LRU).\n\n**N. 18** **Obbligo assicurativo**: Per i test clinici sussiste un'assicurazione di responsabilità civile obbligatoria o una sicurezza equivalente (art. 20 LRU in combinato disposto con art. 13-15 OClin).\n\n**N. 19** **Registrazione**: I test clinici devono essere iscritti in un registro pubblico (art. 56 LRU). Ciò vale prima del reclutamento della prima persona sottoposta a sperimentazione.\n\n**N. 20** **Applicazione sussidiaria del diritto cantonale**: Nella misura in cui la LRU non contiene disciplina, rimane applicabile il diritto cantonale, in particolare per l'organizzazione delle commissioni etiche (art. 51 LRU; TF 2C_885/2018 consid. 3.2).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Fondamenti costituzionali e commissioni etiche\n\n**DTF 2C_885/2018 del 12 novembre 2018**\nIl Tribunale federale ha confermato la posizione delle commissioni etiche cantonali come attori centrali nell'attuazione dell'art. 118b Cost. La procedura riguardava l'autorizzazione per il riutilizzo di dati di uno studio in doppio cieco da parte della Commissione etica cantonale di Berna. Il Tribunale ha stabilito che le commissioni etiche agiscono nell'interesse pubblico e che le loro decisioni sono in linea di principio sindacabili.\n\n> «Sussiste un interesse pubblico a proteggere la dignità, la personalità e la salute dell'essere umano nella ricerca (cfr. art. 118b Cost.; cfr. art. 1 della Legge federale del 30 settembre 2011 sulla ricerca umana [LRUm; RS 810.30]).»\n\n**DTF 2A.450/2002 del 4 luglio 2003**\nGiurisprudenza precoce sull'organizzazione delle commissioni etiche cantonali prima dell'entrata in vigore della Legge sulla ricerca umana. La procedura riguardava il riconoscimento e l'autorizzazione di una commissione etica nel Canton Basilea Campagna per sperimentazioni cliniche. La sentenza ha già chiarito i fondamenti costituzionali per il controllo etico della ricerca sull'essere umano.\n\n### Sperimentazioni cliniche e obblighi di diligenza\n\n**DTF 134 IV 175 del 24 aprile 2008**\nSentenza fondamentale sugli obblighi penali di diligenza nell'uso sperimentale di medicamenti. La procedura riguardava l'uso letale di un medicamento oncologico senza autorizzazione regolare. Il Tribunale federale ha chiarito che gli obblighi penali di diligenza si orientano secondo le disposizioni sulle sperimentazioni cliniche, tuttavia queste sono applicabili solo a ricerche sistematiche e non a tentativi terapeutici individuali.\n\n> «Gli obblighi penali di diligenza nell'uso sperimentale di un medicamento si orientano secondo le disposizioni sulle sperimentazioni cliniche con agenti terapeutici (art. 53 segg. LATer). Le prescrizioni sono tuttavia applicabili solo a ricerche sistematiche e non anche a tentativi terapeutici individuali.»\n\n**DTF 2C_537/2022 del 25 gennaio 2024**\nSentenza attuale sull'applicazione dell'Ordinanza sulle sperimentazioni cliniche nella ricerca umana (OSClin). La procedura riguardava l'adattamento di informazioni sui medicamenti. Il Tribunale ha confermato che le sperimentazioni cliniche relative ai medicamenti devono essere condotte secondo le regole della Buona pratica clinica.\n\n### Limiti etici nella ricerca\n\n**Sentenza AG Tribunale penale SST.2023.306 del 17 dicembre 2024**\nSentenza significativa sulla delimitazione tra critica legittima alle pratiche di ricerca e accuse lesive dell'onore. La procedura riguardava accuse contro un medico relative a presunte ricerche non etiche sull'essere umano. Il Tribunale ha stabilito che sussiste un interesse pubblico al rispetto delle prescrizioni per la ricerca sull'essere umano, tuttavia accuse eccessive possono essere perseguite penalmente.\n\n> «Sussiste un interesse pubblico a proteggere la dignità, la personalità e la salute dell'essere umano nella ricerca (cfr. art. 118b Cost.; cfr. art. 1 della Legge federale del 30 settembre 2011 sulla ricerca umana [LRUm; RS 810.30]). Se un medico non rispetta le prescrizioni per la ricerca sull'essere umano, ad es. riguardo al consenso dopo sufficiente informazione o alla ricerca con persone incapaci di discernimento (art. 118b cpv. 2 lett. b e d Cost.; art. 7, 16 segg. e 24 LRUm), [...] sussiste in linea di principio un motivo sufficiente per segnalarlo al datore di lavoro o alle autorità competenti.»\n\n### Trasparenza e registrazione\n\n**BE GSI 2022.GSI.2729 del 3 marzo 2023**\nGiurisprudenza attuale sulla trasparenza nella ricerca sull'essere umano. La procedura riguardava una domanda di consultazione di atti relativa a dati presso una commissione etica. L'istanza inferiore ha confermato che il legislatore ha introdotto un obbligo di registrazione per le sperimentazioni cliniche con l'obiettivo della trasparenza.\n\n> «Con l'obiettivo di garantire la trasparenza della ricerca sull'essere umano (art. 1 cpv. 2 lett. c LRUm), il legislatore ha introdotto un obbligo di registrazione per le sperimentazioni cliniche (art. 56 LRUm).»\n\n### Osservazione sulla situazione giurisprudenziale\n\nLa giurisprudenza sull'art. 118b Cost. non è ancora molto ampia, poiché la disposizione è entrata in vigore solo nel 2010 e la Legge sulla ricerca umana è seguita nel 2014. Le decisioni disponibili si concentrano sul ruolo delle commissioni etiche, la delimitazione tra ricerca e tentativo terapeutico nonché l'applicazione di standard etici. I tribunali sottolineano costantemente il mandato costituzionale di protezione della dignità umana nella ricerca salvaguardando al contempo la libertà di ricerca.", "summary_en": "# Art. 118b Cst. — Research involving human beings\n\n## Overview\n\nArt. 118b Cst. governs research involving human beings in the fields of medicine and biology. This constitutional provision was adopted in 2010 with 77.2% approval and grants the Confederation comprehensive legislative authority over human research (BBl 2007 8045). At the same time, it protects the dignity and personality of research participants through binding principles.\n\n**Who is affected?** The provision covers all persons who participate in medical or biological research — from patients in clinical trials to healthy volunteers in prevention studies (Art. 2 HRA). Research involving biological materials and health data also falls under this provision. Persons lacking capacity of judgment (children, persons with dementia) enjoy special protection (Art. 118b para. 2 lit. c Cst.; Art. 22 HRA).\n\n**What are the legal consequences?** All human research requires authorisation from an ethics committee (Art. 45 HRA). Researchers must provide comprehensive information to participants and obtain their written consent (Art. 16 HRA). This consent may be withdrawn at any time. Violations are punishable by imprisonment of up to three years (Art. 62 HRA). Belser/Molinari emphasise that the constitutional provision \"acts as a constitutional specification of the fundamental rights tension between freedom of research and protection of personality\" (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**Example:** A pharmaceutical company wants to test a new cancer drug. It must submit the study protocol to an ethics committee, take out insurance (Art. 20 HRA) and inform each patient about risks and benefits. The study is publicly registered (Art. 56 HRA). Research may only begin after a positive ethics assessment and written patient consent. The Federal Supreme Court clarified: \"There is a public interest in protecting human dignity, personality and health in research\" (BGer 2C_885/2018 E. 4.3).\n\nThe constitutional provision balances freedom of research and human protection. It enables medical progress under strict ethical conditions and creates uniform standards throughout Switzerland through the Human Research Act (HRA; SR 810.30), which came into force in 2014.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 118b Cst. was adopted on 7 March 2010 by the people and cantons with 77.2% yes votes. The provision originates from the parliamentary initiative of the Council of States' Committee for Science, Education and Culture dated 29 January 2004 (BBl 2007 8045). The Federal Council supported the proposal, but emphasised the necessity of a careful balance of interests between research freedom and protection of personality (BBl 2007 8059 ff.).\n\n**N. 2** The initiative responded to the heterogeneous cantonal regulatory landscape in the field of human research. Before 2010, international standards such as the Declaration of Helsinki (1964/2008) and the ICH-GCP guidelines existed, but there was no coherent national legal basis. The dispatch stated: «The current legal situation is characterised by great heterogeneity in the density of norms, hierarchy of norms and legal bases» (BBl 2007 8052).\n\n**N. 3** The constitutional legislator deliberately chose comprehensive federal competence, combined with substantive protective mandates. This was intended to both guarantee research freedom and ensure protection of test subjects (BBl 2007 8060).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 118b Cst. is systematically placed between the provisions on transplantation medicine (Art. 119a Cst.) and on reproductive medicine and genetic technology in the human field (Art. 119 Cst.). This classification shows the close connection with other biomedical regulatory areas.\n\n**N. 5** The norm has strong connections to fundamental rights: Research freedom (→ Art. 20 Cst.) is limited by protective duties in favour of human dignity (→ Art. 7 Cst.) and personal freedom (→ Art. 10 Cst.). Belser/Molinari emphasise that Art. 118b Cst. «represents a constitutional specification of the fundamental rights tension between research freedom and protection of personality» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 1).\n\n**N. 6** In relation to other constitutional provisions, the demarcation from Art. 119 Cst. is particularly relevant. While Art. 119 Cst. regulates the application of genetic engineering procedures, Art. 118b Cst. covers the upstream research. Belser/Molinari state: «Art. 118b Cst. covers research in all areas of health, including reproductive and transplantation medicine» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Research on humans**: According to the Federal Council, the term encompasses «any systematic search for generalisable knowledge» (BBl 2007 8058). The demarcation from medical practice is made according to purpose: If knowledge acquisition is in the foreground, research exists; if the activity primarily serves the patient, it constitutes treatment (BBl 2007 8058). Schweizer specifies: «The finality of the activity is decisive» (Schweizer, Recht der Forschung im Gesundheitsbereich, 2008, p. 380).\n\n**N. 8** **Field of medicine and biology**: The norm covers not only clinical trials, but all research with health-related knowledge objectives. This includes epidemiological studies, research with biological materials and health-related data as well as psychological research with health relevance (Rütsche, Die Neuordnung des schweizerischen Humanforschungsgesetzes, ZSR 2010 I 405).\n\n**N. 9** **Protection of dignity and personality**: These terms refer to the fundamental rights in Art. 7 and 10 Cst. Human dignity sets absolute limits to research; personality can be restricted under the conditions of Art. 36 Cst. (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 25-28).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **Legislative mandate**: Art. 118b para. 1 sentence 1 Cst. establishes comprehensive federal competence for regulating research on humans. This was exercised through the Human Research Act of 30 September 2011 (HRA; SR 810.30), which came into force on 1 January 2014.\n\n**N. 11** **Direct applicability**: According to Belser/Molinari, the principles mentioned in para. 2 are «directly applicable as minimum standards» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 30). They bind the legislator and can be used in interpreting the HRA.\n\n**N. 12** **Protective duties**: The state must actively protect dignity and personality in research. This includes preventive measures (licensing requirements), controls (ethics committees) and sanctions (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, 3rd ed. 2013, N. 872).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 13** **Scope of federal competence**: Belser/Molinari represent the position of comprehensive federal competence, which is however substantively limited by protective mandates: «Federal competence is to be understood as comprehensive, but the Confederation cannot exercise it in any arbitrary manner» (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 11). In contrast, van Spyk and Rütsche qualify Art. 118b para. 1 as «risk-related federal competence», which is oriented towards the need for protection (van Spyk, Grundlagen und Reichweite der neuen Bundeskompetenz, AJP 2010, 210; Rütsche, ZSR 2010 I 408).\n\n**N. 14** **Relationship to Art. 119 Cst.**: The demarcation between research (Art. 118b Cst.) and application (Art. 119 Cst.) in the field of reproductive medicine is disputed. Belser/Molinari advocate for comprehensive application of Art. 118b Cst. to all research, including in the field of reproductive medicine (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 118b N. 14). Rütsche, however, differentiates: «Art. 119 Cst. takes precedence as the more specific norm, insofar as it regulates research on embryos» (Rütsche, ZSR 2010 I 409). Sprecher supports this differentiated view with the argument of systematic coherence (Sprecher, Medizinische Forschung mit Kindern und Jugendlichen, 2007, p. 89).\n\n**N. 15** **Research with persons lacking capacity to consent**: The admissibility requirements of Art. 118b para. 2 lit. c Cst. are the subject of intensive debates. van Spyk represents a restrictive interpretation: «Research serving the interests of others on persons lacking capacity to consent is only permissible with minimal risk» (van Spyk, AJP 2010, 215). Brauer advocates for more flexibility under strict protective precautions: «A categorical prohibition would exclude vulnerable groups from medical progress» (Brauer, Der Einfluss der Ethik auf das Recht, ZSR 2010 I 452). The NEK-CNE takes a mediating position (Opinion No. 25/2015).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** **Licensing requirement**: Every research project on humans requires prior approval by a recognised ethics committee (Art. 45 HRA). The application must be submitted at least 30 days before project commencement (Art. 30 ClinO; SR 810.305).\n\n**N. 17** **Informed consent**: Informed consent must be given in writing and must be revocable at any time (Art. 16 HRA). For persons lacking capacity to consent, the consent of the legal representative is required (Art. 22 HRA).\n\n**N. 18** **Insurance obligation**: For clinical trials, obligatory liability insurance or equivalent security exists (Art. 20 HRA in conjunction with Art. 13-15 ClinO).\n\n**N. 19** **Registration**: Clinical trials must be entered in a public register (Art. 56 HRA). This applies before recruitment of the first test subject.\n\n**N. 20** **Subsidiary application of cantonal law**: Insofar as the HRA contains no regulation, cantonal law remains applicable, particularly for the organisation of ethics committees (Art. 51 HRA; BGer 2C_885/2018 E. 3.2).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Foundations and Ethics Committees\n\n**BGer 2C_885/2018 of 12 November 2018**\nThe Federal Supreme Court confirmed the position of cantonal ethics committees as central actors in the implementation of Art. 118b FC. The proceedings concerned the approval for the continued use of data from a double-blind study by the Cantonal Ethics Committee Bern. The court held that ethics committees act in the public interest and that their decisions are in principle subject to review.\n\n> «There is a public interest in protecting the dignity, personality and health of humans in research (cf. Art. 118b FC; cf. Art. 1 of the Federal Act of 30 September 2011 on Research involving Human Beings [HRA; SR 810.30]).»\n\n**BGer 2A.450/2002 of 4 July 2003**\nEarly case law on the organisation of cantonal ethics committees before the Human Research Act entered into force. The proceedings concerned the recognition and approval of an ethics committee in the Canton of Basel-Landschaft for clinical trials. The judgment already clarified the constitutional foundations for the ethical control of research on humans.\n\n### Clinical Trials and Duties of Care\n\n**BGE 134 IV 175 of 24 April 2008**\nLandmark judgment on criminal duties of care in the experimental use of medicinal products. The proceedings concerned the fatal use of a cancer medication without proper authorisation. The Federal Supreme Court clarified that criminal duties of care in the experimental use of medicinal products are governed by the provisions on clinical trials, which are however only applicable to systematic research investigations, not to individual therapeutic experiments.\n\n> «The criminal duties of care in the experimental use of a medicinal product are governed by the provisions on clinical trials with therapeutic products (Art. 53 ff. TPA). However, the provisions are only applicable to systematic research investigations and not to individual therapeutic experiments.»\n\n**BGer 2C_537/2022 of 25 January 2024**\nRecent judgment on the application of the Ordinance on Clinical Trials in Human Research (ClinO). The proceedings concerned the adaptation of medicinal product information. The court confirmed that clinical trials concerning medicinal products must be conducted according to the rules of Good Clinical Practice.\n\n### Ethical Limits in Research\n\n**Urteil AG Strafgericht SST.2023.306 of 17 December 2024**\nSignificant judgment on the distinction between legitimate criticism of research practices and defamatory accusations. The proceedings concerned accusations against a doctor regarding allegedly unethical research on humans. The court held that there is a public interest in compliance with provisions for research on humans, but excessive accusations can be prosecuted under criminal law.\n\n> «There is a public interest in protecting the dignity, personality and health of humans in research (cf. Art. 118b FC; cf. Art. 1 of the Federal Act of 30 September 2011 on Research involving Human Beings [HRA; SR 810.30]). If a doctor does not comply with the provisions for research on humans, e.g. regarding consent after adequate information or research with persons lacking capacity to consent (Art. 118b para. 2 lit. b and d FC; Art. 7, 16 ff. and 24 HRA), [...] there is in principle sufficient cause to report this to the employer or the competent authorities.»\n\n### Transparency and Registration\n\n**BE GSI 2022.GSI.2729 of 3 March 2023**\nRecent case law on transparency in research on humans. The proceedings concerned a request for access to files regarding data held by an ethics committee. The lower court confirmed that the legislator has introduced a registration requirement for clinical trials with the aim of transparency.\n\n> «With the aim of ensuring transparency in research on humans (Art. 1 para. 2 lit. c HRA), the legislator has introduced a registration requirement for clinical trials (Art. 56 HRA).»\n\n### Note on the State of Case Law\n\nCase law on Art. 118b FC is not yet very extensive, as the provision only entered into force in 2010 and the Human Research Act followed in 2014. The available decisions focus on the role of ethics committees, the distinction between research and therapeutic experiments, and the enforcement of ethical standards. The courts consistently emphasise the constitutional mandate to protect human dignity in research while safeguarding freedom of research.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_118b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 119, "article_suffix": "", "title": "Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 119 BV schützt Menschen vor Missbräuchen der Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie. Die Bestimmung verbietet bestimmte Verfahren vollständig und regelt andere streng.\n\n**Absolute Verbote:** Klonen von Menschen ist grundsätzlich untersagt. Ebenso dürfen menschliche Embryonen und Keimzellen nicht gentechnisch verändert werden. Tierisches und menschliches Erbgut darf nicht vermischt werden. Leihmutterschaft (wenn eine Frau ein Kind für andere austrägt) und Embryonenspende sind verboten. Mit Keimzellen (Ei- und Samenzellen) und Embryonen darf kein Handel getrieben werden.\n\n**Strenge Regeln für erlaubte Verfahren:** Künstliche Befruchtung und ähnliche Methoden sind nur bei Unfruchtbarkeit oder zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten erlaubt. Sie dürfen nicht verwendet werden, um bestimmte Eigenschaften beim Kind zu erzeugen oder für Forschung. Nur so viele Embryonen dürfen entwickelt werden, wie für die Behandlung nötig sind.\n\n**Schutz persönlicher Daten:** Genetische Untersuchungen (DNA-Tests) sind nur mit Zustimmung der betroffenen Person oder aufgrund gesetzlicher Vorschriften erlaubt. Jede Person hat das Recht zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern sind.\n\n**Beispiel aus der Praxis:** Ein Schweizer Paar kann sich nicht durch eine Leihmutter in den USA helfen lassen. Wird trotzdem ein Kind durch Leihmutterschaft geboren, erkennt die Schweiz die ausländische Geburtsurkunde nicht automatisch an. Der biologische Vater kann das Kind aber anerkennen, die Wunschmutter muss es adoptieren.\n\nDer Bund muss Gesetze erlassen, die diese Grundsätze umsetzen und dabei Menschenwürde, Persönlichkeit und Familie schützen. Die Regeln gelten auch dann, wenn Menschen für Behandlungen ins Ausland reisen.", "doctrine_de": "# Doktrin zu Art. 119 BV\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Der Verfassungsartikel geht auf Art. 24novies aBV zurück, der am 17. Mai 1992 mit 73.8% Ja-Stimmen angenommen wurde. Die Volksinitiative «gegen Missbräuche der Fortpflanzungs- und Gentechnologie beim Menschen» (Beobachter-Initiative) prägte massgeblich die Diskussion (BBl 1989 III 985). Der Bundesrat nahm die Anliegen der Initiative in einem direkten Gegenentwurf auf, welcher schliesslich zur Annahme gelangte (BBl 1989 III 1028).\n\n**N. 2** Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 überführte Art. 24novies aBV in den heutigen Art. 119 BV ohne materielle Änderungen. Die Revision von 2015 (BBl 2013 5853) ergänzte lit. c mit der Präimplantationsdiagnostik, nachdem das Volk am 14. Juni 2015 mit 61.9% die entsprechende Verfassungsänderung annahm. Diese Entwicklung zeigt die dynamische Anpassung des Verfassungsrechts an medizintechnische Entwicklungen bei gleichzeitiger Wahrung ethischer Grundsätze.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 119 BV ist systematisch im 2. Titel «Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele» eingeordnet, bildet jedoch keine unmittelbar anspruchsbegründende Grundrechtsnorm. Vielmehr handelt es sich um eine Schutz- und Gesetzgebungsnorm mit grundrechtsverstärkender Wirkung (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 9). Die Bestimmung konkretisiert den Schutz der Menschenwürde (→ Art. 7 BV) und der persönlichen Freiheit (→ Art. 10 BV) im biotechnologischen Bereich.\n\n**N. 4** Die enge Verbindung zu → Art. 118b BV (Transplantationsmedizin), → Art. 119a BV (Genomanalyse im Versicherungs- und Arbeitsbereich) und → Art. 120 BV (Gentechnologie im Ausserhumanbereich) zeigt die umfassende verfassungsrechtliche Regelung der Biotechnologie. International korrespondiert Art. 119 BV mit der Biomedizin-Konvention des Europarates (BMK), deren Ratifikation durch die Schweiz allerdings noch aussteht.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Schutzauftrag (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Schutz vor «Missbräuchen» umfasst nicht ein generelles Verbot der Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie, sondern zielt auf deren verantwortungsvolle Anwendung (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 12). Der Begriff «Missbrauch» ist wertungsoffen und bedarf der Konkretisierung durch den Gesetzgeber. Das Bundesgericht hat klargestellt, dass der Kinderwunsch eine elementare Erscheinung der Persönlichkeitsentfaltung darstellt und unter den Schutzbereich der persönlichen Freiheit fällt (**BGE 119 Ia 460 E. 4**).\n\n### b) Gesetzgebungsauftrag (Abs. 2 Ingress)\n\n**N. 6** Der zwingende Gesetzgebungsauftrag («erlässt Vorschriften») verpflichtet den Bund zum Erlass umfassender Regelungen. Die Schutzgütertrias — Menschenwürde, Persönlichkeit und Familie — bildet den normativen Rahmen. Der Familienbegriff ist nach Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) weit zu verstehen und umfasst das Familienleben nach → Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 EMRK, nicht nur die traditionelle Kleinfamilie.\n\n### c) Grundsätze (Abs. 2 lit. a–g)\n\n**N. 7** **Klonverbot (lit. a)**: Das absolute Verbot erfasst sowohl das reproduktive als auch das therapeutische Klonen. «Eingriffe in das Erbgut» beziehen sich auf die Keimbahn-Gentherapie, nicht auf somatische Gentherapien (Schweizer, Verfassungs- und völkerrechtliche Vorgaben, S. 45).\n\n**N. 8** **Artenschranke (lit. b)**: Das Verbot von Chimären- und Hybridbildung schützt die biologische Integrität der menschlichen Spezies. Die Verwendung tierischer Mitochondrien bei der IVF ist umstritten (Müller, Rechtliche und ethische Fragen, S. 152).\n\n**N. 9** **Fortpflanzungsmedizin (lit. c)**: Die Subsidiaritätsklausel («nicht anders behoben werden kann») wird kontrovers diskutiert. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) argumentieren, dass Unfruchtbarkeit im verfassungsrechtlichen Sinne umfassend als unerfüllbarer Kinderwunsch zu verstehen sei, auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Das FMedG vertritt demgegenüber ein restriktiveres Verständnis.\n\n**N. 10** **Leihmutterschaftsverbot (lit. d)**: Das absolute Verbot bildet nach **BGE 141 III 328 E. 7.4.1** Kernbestand des schweizerischen ordre public. Die Embryonenspende ist ebenfalls ausnahmslos untersagt, im Gegensatz zur erlaubten Gametenspende.\n\n**N. 11** **Kommerzialisierungsverbot (lit. e)**: Das Handelsverbot umfasst entgeltliche und unentgeltliche Transaktionen. Die Abgrenzung zur zulässigen Aufwandsentschädigung ist im Einzelfall vorzunehmen (Büchler, Die Eizellenspende, S. 28).\n\n**N. 12** **Informationelle Selbstbestimmung (lit. f)**: Die Einwilligung muss informiert, frei und spezifisch erfolgen. Gesetzliche Ausnahmen bestehen im Strafverfahren (**BGE 128 II 259**) und bei überwiegenden Interessen Dritter.\n\n**N. 13** **Recht auf Kenntnis der Abstammung (lit. g)**: Nach **BGE 128 I 63** steht dieser Anspruch volljährigen Personen unbedingt zu. Die Kollision mit Anonymitätszusagen an Gametenspender löst das FMedG zugunsten des Rechts des Kindes.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die unmittelbaren Verbote (lit. a, b, d, e) entfalten direkte Wirkung und bedürfen keiner Umsetzungsgesetzgebung. Verstösse können strafrechtliche Sanktionen nach StGB und Spezialgesetzen nach sich ziehen. Die Schutz- und Gesetzgebungsaufträge verpflichten primär den Bundesgesetzgeber, entfalten aber auch Ausstrahlungswirkung auf die Rechtsanwendung.\n\n**N. 15** Im internationalen Verhältnis führt das Leihmutterschaftsverbot zu Anerkennungsproblemen bei im Ausland begründeten Kindesverhältnissen. Das Bundesgericht entwickelte eine differenzierte Praxis: Genetische Verwandtschaft ermöglicht die Anerkennung des biologischen Vaters (**BGE 148 III 384**), während das Kindesverhältnis zur Wunschmutter regelmässig der Adoption bedarf.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Familienbegriff**: Die zentrale Kontroverse betrifft die Reichweite des verfassungsrechtlichen Familienbegriffs. Während Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) für ein weites Verständnis im Sinne von Art. 8 EMRK plädieren, das auch unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare einschliesst, vertritt das FMedG einen engeren Familienbegriff. Diese Divergenz hat unmittelbare Auswirkungen auf den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin.\n\n**N. 17** **Unfruchtbarkeitsbegriff**: Umstritten ist, ob soziale Unfruchtbarkeit (bei gleichgeschlechtlichen Paaren oder Alleinstehenden) der medizinischen gleichzustellen ist. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) befürworten eine umfassende Interpretation, die jeden unerfüllbaren Kinderwunsch einschliesst. Die Gegenposition verlangt eine medizinische Indikation (Gächter/Rütsche, Gesundheitsrecht, § 14 N. 567).\n\n**N. 18** **Präimplantationsdiagnostik**: Die 2015 erfolgte Verfassungsänderung löste den Streit über die Zulässigkeit der PID nur teilweise. Kontrovers bleibt der Umfang zulässiger genetischer Untersuchungen und die Definition «schwerer Krankheiten» (Addor/Bühler, sic! 2004, S. 389).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten ist zwischen der materiellrechtlichen Beurteilung nach schweizerischem Recht und der internationalprivatrechtlichen Anerkennung zu unterscheiden. Das Kindeswohl kann im Einzelfall eine pragmatische Lösung gebieten, ohne das verfassungsrechtliche Verbot zu relativieren.\n\n**N. 20** Die dynamische Entwicklung der Biotechnologie erfordert eine evolutive Auslegung der Verfassungsnorm. Neue Verfahren wie die Mitochondrien-Spende oder CRISPR/Cas9-Technologien sind an den bestehenden Grundsätzen zu messen, wobei der Gesetzgeber gegebenenfalls tätig werden muss.\n\n**N. 21** Beratende Ärzte müssen über die rechtlichen Grenzen der Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz informieren, dürfen aber Behandlungen im Ausland nicht aktiv fördern, wenn diese gegen schweizerisches Recht verstossen würden. Die Information über rechtskonforme Alternativen bleibt zulässig und geboten.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung zu Art. 119 BV\n\n## I. Leihmutterschaft (Art. 119 Abs. 2 lit. d BV)\n\n### 1. Verfassungsrechtliches Verbot und ordre public\n\n**BGE 141 III 328 E. 7.4.1-7.4.3** vom 14. September 2015: Grundsatzentscheid zur Leihmutterschaft\nDas verfassungsrechtliche Verbot der Leihmutterschaft nach Art. 119 Abs. 2 lit. d BV bildet Kernbestand des schweizerischen ordre public im internationalen Zivilrecht. Die Bestimmung ist darauf ausgerichtet, Missbräuche zu verhindern und die Menschenwürde zu schützen.\n\n> «Art. 119 Abs. 2 lit. d BV verbietet alle Arten von Leihmutterschaft. Dieses Verbot bildet Kernbestand des schweizerischen ordre public. Es soll verhindern, dass die Fortpflanzung zum Gegenstand kommerzieller Transaktionen wird und die beteiligten Frauen instrumentalisiert werden.»\n\n**BGE 141 III 312 E. 4.2** vom 21. Mai 2015: Ordre public bei Leihmutterschaft\nDie Anerkennung ausländischer Entscheidungen, die Leihmutterschaftsvereinbarungen sanktionieren, verstösst gegen den schweizerischen ordre public, soweit damit das verfassungsrechtliche Verbot umgangen wird.\n\n> «Das schweizerische Leihmutterschaftsverbot gemäss Art. 119 Abs. 2 lit. d BV gehört zu den grundlegenden Wertvorstellungen der schweizerischen Rechtsordnung. Seine Umgehung durch Anerkennung ausländischer Gerichtsentscheide wäre mit dem ordre public unvereinbar.»\n\n### 2. Eintragung ausländischer Urkunden\n\n**BGE 148 III 384 E. 5.2** vom 1. Juli 2022: Leihmutterschaft in Georgien\nBei Leihmutterschaft im Ausland durch in der Schweiz domizilierte Wunscheltern ist schweizerisches Abstammungsrecht anwendbar. Das Kindesverhältnis entsteht zur Leihmutter von Gesetzes wegen mit der Geburt. Der Wunschvater kann das Kindesverhältnis durch Anerkennung herstellen.\n\n> «Führen die in der Schweiz domizilierten Wunscheltern in Georgien eine Leihmutterschaft durch und ist schweizerisches Abstammungsrecht anwendbar, so entsteht das Kindesverhältnis zur Leihmutter von Gesetzes wegen mit der Geburt des Kindes. Der Wunschvater kann das Kindesverhältnis durch Anerkennung herstellen.»\n\n**BGE 141 III 328 E. 6.4** vom 14. September 2015: Nichteintragung bei Umgehung\nEine kalifornische Geburtsurkunde kann nicht anerkannt werden, wenn die verurkundeten Kindesverhältnisse zu genetisch nicht verwandten Eltern in Umgehung des schweizerischen Leihmutterschaftsverbotes entstanden sind.\n\n> «Die Anerkennung einer ausländischen Geburtsurkunde, die Kindesverhältnisse zu Personen ausweist, die weder genetisch noch rechtlich mit dem Kind verwandt sind, würde das Leihmutterschaftsverbot von Art. 119 Abs. 2 lit. d BV umgehen und ist daher abzulehnen.»\n\n## II. Erbgutuntersuchungen (Art. 119 Abs. 2 lit. f BV)\n\n### 1. DNA-Profile im Strafverfahren\n\n**BGE 128 II 259 E. 3.2-3.7** vom 29. Mai 2002: Grundrechtseingriff durch DNA-Profil\nDie Erstellung eines DNA-Profils stellt einen Eingriff in das Recht auf körperliche Integrität (Art. 10 Abs. 2 BV) und den Schutz vor Missbrauch persönlicher Daten (Art. 13 Abs. 2 BV) dar. Art. 119 Abs. 2 lit. f BV konkretisiert diese Garantien im Bereich der Erbgutuntersuchung.\n\n> «Die Entnahme eines Wangenschleimhautabstrichs zur Erstellung eines DNA-Profils greift in die körperliche Integrität ein. Die Speicherung und Bearbeitung der genetischen Daten verletzt das informationelle Selbstbestimmungsrecht. Diese Eingriffe bedürfen einer gesetzlichen Grundlage und müssen verhältnismässig sein.»\n\n**BGE 145 IV 263 E. 3.3-3.6** vom 24. April 2019: Verhältnismässigkeit von DNA-Profilen\nDie Verhältnismässigkeit der Erstellung eines DNA-Profils im Hinblick auf künftige Straftaten ist im Einzelfall zu prüfen. Die Schwere der begangenen Straftat und die Rückfallgefahr sind massgebliche Kriterien.\n\n> «Art. 255 Abs. 1 lit. a StPO bildet eine gesetzliche Grundlage für die Erstellung eines DNA-Profils im Hinblick auf allfällige künftige Straftaten. Die Verhältnismässigkeit ist anhand der Schwere der Anlasstat und der Wahrscheinlichkeit künftiger Delikte zu beurteilen.»\n\n### 2. Kenntnis der Abstammung\n\n**BGE 128 I 63 E. 2.1-5** vom 4. März 2002: Recht auf Kenntnis der Abstammung\nArt. 119 Abs. 2 lit. g BV gewährleistet jeder Person Zugang zu den Daten über ihre Abstammung. Dieser Anspruch steht dem volljährigen Adoptivkind unabhängig von einer Interessenabwägung zu.\n\n> «Der Anspruch auf Kenntnis der leiblichen Eltern steht dem volljährigen Adoptivkind als Ausprägung der persönlichen Freiheit und gestützt auf Art. 119 Abs. 2 lit. g BV unbedingt zu. Eine Abwägung mit entgegenstehenden Interessen der leiblichen Eltern ist nicht vorzunehmen.»\n\n**Urteil 5A_382/2021 E. 3.3** vom 20. April 2022: Kindeswohl bei Abstammungsstreitigkeiten\nDas verfassungsrechtliche Recht auf Kenntnis der Abstammung kollidiert mit obstruierendem Verhalten eines Elternteils, das die Vaterschaftsklärung verhindert. Solches Verhalten ist dem Kind nicht zuzurechnen.\n\n> «Ein Verhalten der Mutter, das die Vaterschaftsklärung obstruiert, liegt offensichtlich nicht im Interesse des Kindes und würde mit dessen verfassungsmässigem Anspruch auf Kenntnis seiner Abstammung kollidieren (Art. 119 Abs. 2 lit. g BV). Folglich ist das Verhalten der Mutter dem Kind nicht zuzurechnen.»\n\n## III. Fortpflanzungsmedizin (Art. 119 Abs. 1 und 2 BV)\n\n### 1. Grundsatzentscheidung zu Reproduktionstechniken\n\n**BGE 119 Ia 460 E. 4-12** vom 22. Dezember 1993: Verfassungsrechtliche Schranken\nGenerelle Verbote der heterologen Insemination und der In-vitro-Fertilisation verletzen die persönliche Freiheit. Art. 24novies aBV (heute Art. 119 BV) ermächtigt den Gesetzgeber zu Regelungen, verbietet jedoch nicht jede Form der medizinisch unterstützten Fortpflanzung.\n\n> «Die Beschränkung des Zugangs zu den Methoden der künstlichen Fortpflanzung betrifft die persönliche Freiheit. Generelle Verbote der heterologen Insemination und der In-vitro-Fertilisation können vor der persönlichen Freiheit nicht standhalten, soweit sie nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gerechtfertigt sind.»\n\n### 2. Anwendungsbereich und Abgrenzungen\n\n**Urteil 2C_39/2018 E. 2-4** vom 18. Juni 2019: Weiterbildung Reproduktionsmedizin\nDer Schutzbereich von Art. 119 BV erstreckt sich auf die medizinische Praxis im Bereich der Fortpflanzungsmedizin. Weiterbildungsanforderungen für Ärzte dienen der Qualitätssicherung.\n\n> «Die Fortpflanzungsmedizin unterliegt besonderen Qualitätsanforderungen. Weiterbildungsvorschriften für Ärzte im Schwerpunkt Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie dienen dem Schutz der Patientinnen und entsprechen dem Verfassungsauftrag von Art. 119 BV.»\n\n## IV. EGMR-Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK\n\n### 1. Leihmutterschaft und Familienleben\n\n**EGMR-Entscheid D.B. et autres c. Suisse** vom 22. November 2022 (Nr. 58817/15)\nVerweigerung der Anerkennung des Kindesverhältnisses zwischen einem mittels Leihmutterschaft gezeugten Kind und dem Wunschvater verletzt Art. 8 EMRK, wenn keine alternativen Wege zur Anerkennung bestehen.\n\n> Der EGMR stellte fest: «Le refus de reconnaître l'acte de naissance établi légalement à l'étranger concernant le lien de filiation entre le père d'intention et l'enfant, sans prévoir de modes alternatifs de reconnaissance dudit lien, ne poursuit pas le but de l'intérêt supérieur de l'enfant.»\n\n**EGMR-Entscheid S.C. et autres c. Suisse** vom 28. November 2023 (Nr. 26848/18)\nUnzulässigkeitsentscheid: Nachträgliche Adoption durch den Wunschvater heilt die anfängliche Verweigerung der Anerkennung. Die Adoptionsverfahren bieten ausreichende alternative Wege zur Herstellung des Kindesverhältnisses.\n\n## V. Entwicklungstendenzen\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 119 BV zeigt eine schrittweise Anpassung an die gesellschaftliche Realität bei gleichzeitiger Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundsätze. Während das Leihmutterschaftsverbot konsequent durchgesetzt wird, entwickeln die Gerichte pragmatische Lösungen für Fälle, in denen bereits im Ausland Kinder geboren wurden. Die EGMR-Rechtsprechung verstärkt den Druck, alternative Wege zur Anerkennung von Kindesverhältnissen zu schaffen, die das Kindeswohl respektieren.\n\nIm Bereich der DNA-Analytik wird die Balance zwischen Strafverfolgungsinteressen und Persönlichkeitsschutz laufend neu austariert, wobei die Verhältnismässigkeitsprüfung eine zentrale Rolle spielt. Das Recht auf Kenntnis der Abstammung wird dabei als starkes Individualrecht anerkannt, das nur in Ausnahmefällen Einschränkungen unterliegt.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Doctrine concernant l'art. 119 Cst.\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'article constitutionnel remonte à l'art. 24novies ancCst., qui fut accepté le 17 mai 1992 avec 73,8% de voix favorables. L'initiative populaire « contre l'utilisation abusive des techniques de reproduction et de génie génétique appliquées à l'être humain » (initiative de l'Observateur) influença de manière déterminante la discussion (FF 1989 III 837). Le Conseil fédéral reprit les préoccupations de l'initiative dans un contre-projet direct, qui finalement fut accepté (FF 1989 III 864).\n\n**Ch. 2** La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 transféra l'art. 24novies ancCst. dans l'actuel art. 119 Cst. sans modifications matérielles. La révision de 2015 (FF 2013 5145) compléta la let. c avec le diagnostic préimplantatoire, après que le peuple eut accepté le 14 juin 2015 avec 61,9% la modification constitutionnelle correspondante. Cette évolution montre l'adaptation dynamique du droit constitutionnel aux développements médico-techniques tout en préservant les principes éthiques.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 119 Cst. est systématiquement classé dans le 2e titre « Droits fondamentaux, droits de cité et buts sociaux », mais ne constitue pas une norme de droit fondamental créant directement des droits subjectifs. Il s'agit plutôt d'une norme de protection et de législation avec un effet de renforcement des droits fondamentaux (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119 ch. 9). La disposition concrétise la protection de la dignité humaine (→ art. 7 Cst.) et de la liberté personnelle (→ art. 10 Cst.) dans le domaine biotechnologique.\n\n**Ch. 4** Le lien étroit avec → l'art. 118b Cst. (médecine de la transplantation), → l'art. 119a Cst. (analyse du génome dans les domaines de l'assurance et du travail) et → l'art. 120 Cst. (génie génétique dans le domaine non humain) montre la réglementation constitutionnelle complète de la biotechnologie. Au plan international, l'art. 119 Cst. correspond à la Convention sur la biomédecine du Conseil de l'Europe (CBM), dont la ratification par la Suisse est toutefois encore en suspens.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### a) Mandat de protection (al. 1)\n\n**Ch. 5** La protection contre les « utilisations abusives » ne comprend pas une interdiction générale de la procréation médicalement assistée et du génie génétique, mais vise leur application responsable (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119 ch. 12). La notion d'« utilisation abusive » est ouverte à l'interprétation et nécessite une concrétisation par le législateur. Le Tribunal fédéral a précisé que le désir d'enfant constitue une manifestation élémentaire de l'épanouissement de la personnalité et relève du champ de protection de la liberté personnelle (**ATF 119 Ia 460 consid. 4**).\n\n### b) Mandat législatif (al. 2 préambule)\n\n**Ch. 6** Le mandat législatif impératif (« édicte des dispositions ») oblige la Confédération à édicter des réglementations complètes. La triade de biens protégés — dignité humaine, personnalité et famille — forme le cadre normatif. La notion de famille doit, selon Belser/Molinari (BSK BV, art. 119 ch. 30), être comprise largement et englobe la vie familiale selon → l'art. 13 al. 1 Cst. et l'art. 8 CEDH, et pas seulement la famille nucléaire traditionnelle.\n\n### c) Principes (al. 2 let. a–g)\n\n**Ch. 7** **Interdiction du clonage (let. a)** : L'interdiction absolue couvre tant le clonage reproductif que thérapeutique. Les « interventions sur le patrimoine génétique » se rapportent à la thérapie génique germinale, non aux thérapies géniques somatiques (Schweizer, Exigences constitutionnelles et de droit international, p. 45).\n\n**Ch. 8** **Barrière des espèces (let. b)** : L'interdiction de formation de chimères et d'hybrides protège l'intégrité biologique de l'espèce humaine. L'utilisation de mitochondries animales lors de FIV est controversée (Müller, Questions juridiques et éthiques, p. 152).\n\n**Ch. 9** **Procréation médicalement assistée (let. c)** : La clause de subsidiarité (« ne peut pas être surmontée autrement ») est discutée de manière controversée. Belser/Molinari (BSK BV, art. 119 ch. 30) soutiennent que la stérilité au sens constitutionnel doit être comprise de manière large comme un désir d'enfant irréalisable, même chez les couples de même sexe. La LPMA adopte par contre une compréhension plus restrictive.\n\n**Ch. 10** **Interdiction de la maternité de substitution (let. d)** : L'interdiction absolue forme selon **ATF 141 III 328 consid. 7.4.1** le noyau dur de l'ordre public suisse. Le don d'embryons est également interdit sans exception, contrairement au don de gamètes qui est autorisé.\n\n**Ch. 11** **Interdiction de commercialisation (let. e)** : L'interdiction de commerce comprend les transactions rémunérées et non rémunérées. La délimitation avec l'indemnisation licite des frais doit être effectuée au cas par cas (Büchler, Le don d'ovocytes, p. 28).\n\n**Ch. 12** **Autodétermination informationnelle (let. f)** : Le consentement doit être éclairé, libre et spécifique. Des exceptions légales existent dans la procédure pénale (**ATF 128 II 259**) et en cas d'intérêts prépondérants de tiers.\n\n**Ch. 13** **Droit de connaître ses origines (let. g)** : Selon **ATF 128 I 63**, cette prétention appartient inconditionnellement aux personnes majeures. La collision avec les promesses d'anonymat faites aux donneurs de gamètes est résolue par la LPMA en faveur du droit de l'enfant.\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 14** Les interdictions immédiates (let. a, b, d, e) déploient un effet direct et ne nécessitent pas de législation de mise en œuvre. Les violations peuvent entraîner des sanctions pénales selon le CP et les lois spéciales. Les mandats de protection et de législation obligent en premier lieu le législateur fédéral, mais déploient aussi un effet d'irradiation sur l'application du droit.\n\n**Ch. 15** Dans les relations internationales, l'interdiction de la maternité de substitution conduit à des problèmes de reconnaissance des filiations établies à l'étranger. Le Tribunal fédéral a développé une pratique différenciée : la parenté génétique permet la reconnaissance du père biologique (**ATF 148 III 384**), tandis que la filiation avec la mère d'intention nécessite régulièrement une adoption.\n\n## 5. Points litigieux\n\n**Ch. 16** **Notion de famille** : La controverse centrale concerne la portée de la notion constitutionnelle de famille. Alors que Belser/Molinari (BSK BV, art. 119 ch. 30) plaident pour une compréhension large au sens de l'art. 8 CEDH, qui inclut aussi les couples non mariés et de même sexe, la LPMA adopte une notion de famille plus étroite. Cette divergence a des répercussions directes sur l'accès à la procréation médicalement assistée.\n\n**Ch. 17** **Notion de stérilité** : Il est controversé de savoir si la stérilité sociale (chez les couples de même sexe ou les personnes célibataires) doit être assimilée à la stérilité médicale. Belser/Molinari (BSK BV, art. 119 ch. 30) favorisent une interprétation large qui inclut tout désir d'enfant irréalisable. La position contraire exige une indication médicale (Gächter/Rütsche, Droit de la santé, § 14 ch. 567).\n\n**Ch. 18** **Diagnostic préimplantatoire** : La modification constitutionnelle de 2015 ne résolut que partiellement le litige sur l'admissibilité du DPI. Restent controversés l'étendue des examens génétiques admissibles et la définition des « maladies graves » (Addor/Bühler, sic! 2004, p. 389).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 19** Dans les situations transfrontalières, il faut distinguer entre l'appréciation matérielle selon le droit suisse et la reconnaissance de droit international privé. Le bien de l'enfant peut dans le cas individuel commander une solution pragmatique, sans relativiser l'interdiction constitutionnelle.\n\n**Ch. 20** L'évolution dynamique de la biotechnologie exige une interprétation évolutive de la norme constitutionnelle. Les nouvelles procédures comme le don mitochondrial ou les technologies CRISPR/Cas9 doivent être mesurées aux principes existants, le législateur devant le cas échéant agir.\n\n**Ch. 21** Les médecins-conseils doivent informer sur les limites juridiques de la procréation médicalement assistée en Suisse, mais ne peuvent pas promouvoir activement des traitements à l'étranger s'ils contreviendraient au droit suisse. L'information sur des alternatives conformes au droit reste licite et indiquée.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence relative à l'art. 119 Cst.\n\n## I. Maternité de substitution (art. 119 al. 2 let. d Cst.)\n\n### 1. Interdiction constitutionnelle et ordre public\n\n**ATF 141 III 328 consid. 7.4.1-7.4.3** du 14 septembre 2015 : Arrêt de principe sur la maternité de substitution\nL'interdiction constitutionnelle de la maternité de substitution selon l'art. 119 al. 2 let. d Cst. forme le noyau dur de l'ordre public suisse en droit international privé. Cette disposition vise à prévenir les abus et à protéger la dignité humaine.\n\n> « L'art. 119 al. 2 let. d Cst. interdit toutes les formes de maternité de substitution. Cette interdiction forme le noyau dur de l'ordre public suisse. Elle vise à empêcher que la procréation devienne l'objet de transactions commerciales et que les femmes concernées soient instrumentalisées. »\n\n**ATF 141 III 312 consid. 4.2** du 21 mai 2015 : Ordre public en matière de maternité de substitution\nLa reconnaissance de décisions étrangères qui sanctionnent des conventions de maternité de substitution viole l'ordre public suisse dans la mesure où elle contourne l'interdiction constitutionnelle.\n\n> « L'interdiction suisse de la maternité de substitution selon l'art. 119 al. 2 let. d Cst. fait partie des conceptions fondamentales de l'ordre juridique suisse. Son contournement par la reconnaissance de décisions judiciaires étrangères serait incompatible avec l'ordre public. »\n\n### 2. Inscription d'actes étrangers\n\n**ATF 148 III 384 consid. 5.2** du 1er juillet 2022 : Maternité de substitution en Géorgie\nEn cas de maternité de substitution à l'étranger par des parents intentionnels domiciliés en Suisse, le droit suisse de la filiation est applicable. Le rapport de filiation s'établit de plein droit avec la mère porteuse au moment de la naissance. Le père intentionnel peut établir le rapport de filiation par reconnaissance.\n\n> « Si les parents intentionnels domiciliés en Suisse recourent à une maternité de substitution en Géorgie et que le droit suisse de la filiation est applicable, le rapport de filiation s'établit de plein droit avec la mère porteuse au moment de la naissance de l'enfant. Le père intentionnel peut établir le rapport de filiation par reconnaissance. »\n\n**ATF 141 III 328 consid. 6.4** du 14 septembre 2015 : Non-inscription en cas de contournement\nUn acte de naissance californien ne peut être reconnu lorsque les rapports de filiation qui y sont consignés avec des parents non apparentés génétiquement ont été établis en contournement de l'interdiction suisse de la maternité de substitution.\n\n> « La reconnaissance d'un acte de naissance étranger qui établit des rapports de filiation avec des personnes qui ne sont ni génétiquement ni juridiquement apparentées à l'enfant contournerait l'interdiction de la maternité de substitution de l'art. 119 al. 2 let. d Cst. et doit donc être rejetée. »\n\n## II. Analyses génétiques (art. 119 al. 2 let. f Cst.)\n\n### 1. Profils ADN dans la procédure pénale\n\n**ATF 128 II 259 consid. 3.2-3.7** du 29 mai 2002 : Atteinte aux droits fondamentaux par le profil ADN\nL'établissement d'un profil ADN constitue une atteinte au droit à l'intégrité corporelle (art. 10 al. 2 Cst.) et à la protection contre l'emploi abusif de données personnelles (art. 13 al. 2 Cst.). L'art. 119 al. 2 let. f Cst. concrétise ces garanties dans le domaine de l'analyse génétique.\n\n> « Le prélèvement d'un frottis de la muqueuse buccale pour l'établissement d'un profil ADN porte atteinte à l'intégrité corporelle. La conservation et le traitement des données génétiques violent le droit à l'autodétermination informationnelle. Ces atteintes nécessitent une base légale et doivent être proportionnées. »\n\n**ATF 145 IV 263 consid. 3.3-3.6** du 24 avril 2019 : Proportionnalité des profils ADN\nLa proportionnalité de l'établissement d'un profil ADN en vue d'infractions futures doit être examinée cas par cas. La gravité de l'infraction commise et le risque de récidive sont des critères déterminants.\n\n> « L'art. 255 al. 1 let. a CPP constitue une base légale pour l'établissement d'un profil ADN en vue d'éventuelles infractions futures. La proportionnalité doit être appréciée en fonction de la gravité de l'infraction ayant donné lieu à la mesure et de la probabilité d'infractions futures. »\n\n### 2. Connaissance de la filiation\n\n**ATF 128 I 63 consid. 2.1-5** du 4 mars 2002 : Droit à la connaissance de la filiation\nL'art. 119 al. 2 let. g Cst. garantit à toute personne l'accès aux données sur sa filiation. Cette prétention appartient à l'enfant adopté majeur indépendamment d'une pesée des intérêts.\n\n> « La prétention à la connaissance des parents biologiques appartient à l'enfant adopté majeur comme expression de la liberté personnelle et en vertu de l'art. 119 al. 2 let. g Cst., sans restriction. Une pesée avec des intérêts contraires des parents biologiques ne doit pas être entreprise. »\n\n**Arrêt 5A_382/2021 consid. 3.3** du 20 avril 2022 : Bien de l'enfant dans les contestations de filiation\nLe droit constitutionnel à la connaissance de la filiation entre en collision avec un comportement obstructif d'un parent qui empêche l'établissement de la paternité. Un tel comportement ne peut être imputé à l'enfant.\n\n> « Un comportement de la mère qui fait obstacle à l'établissement de la paternité ne sert manifestement pas l'intérêt de l'enfant et entrerait en collision avec sa prétention constitutionnelle à la connaissance de sa filiation (art. 119 al. 2 let. g Cst.). Par conséquent, le comportement de la mère ne peut être imputé à l'enfant. »\n\n## III. Procréation médicalement assistée (art. 119 al. 1 et 2 Cst.)\n\n### 1. Arrêt de principe sur les techniques de reproduction\n\n**ATF 119 Ia 460 consid. 4-12** du 22 décembre 1993 : Limites constitutionnelles\nLes interdictions générales de l'insémination hétérologue et de la fécondation in vitro violent la liberté personnelle. L'art. 24novies ancCst. (aujourd'hui art. 119 Cst.) habilite le législateur à adopter des réglementations, mais n'interdit pas toute forme de procréation médicalement assistée.\n\n> « La restriction de l'accès aux méthodes de procréation artificielle concerne la liberté personnelle. Les interdictions générales de l'insémination hétérologue et de la fécondation in vitro ne peuvent résister devant la liberté personnelle, dans la mesure où elles ne sont pas justifiées par des intérêts publics prépondérants. »\n\n### 2. Champ d'application et délimitations\n\n**Arrêt 2C_39/2018 consid. 2-4** du 18 juin 2019 : Formation continue en médecine reproductive\nLe champ de protection de l'art. 119 Cst. s'étend à la pratique médicale dans le domaine de la médecine reproductive. Les exigences de formation continue pour les médecins servent à l'assurance qualité.\n\n> « La médecine reproductive est soumise à des exigences de qualité particulières. Les prescriptions de formation continue pour les médecins en médecine reproductive et endocrinologie gynécologique spécialisées servent à la protection des patientes et correspondent au mandat constitutionnel de l'art. 119 Cst. »\n\n## IV. Jurisprudence de la CourEDH relative à l'art. 8 CEDH\n\n### 1. Maternité de substitution et vie familiale\n\n**Arrêt CourEDH D.B. et autres c. Suisse** du 22 novembre 2022 (no 58817/15)\nLe refus de reconnaître le rapport de filiation entre un enfant conçu par maternité de substitution et le père intentionnel viole l'art. 8 CEDH lorsqu'il n'existe pas de voies alternatives de reconnaissance.\n\n> La CourEDH a constaté : « Le refus de reconnaître l'acte de naissance établi légalement à l'étranger concernant le lien de filiation entre le père d'intention et l'enfant, sans prévoir de modes alternatifs de reconnaissance dudit lien, ne poursuit pas le but de l'intérêt supérieur de l'enfant. »\n\n**Arrêt CourEDH S.C. et autres c. Suisse** du 28 novembre 2023 (no 26848/18)\nDécision d'irrecevabilité : L'adoption ultérieure par le père intentionnel guérit le refus initial de reconnaissance. Les procédures d'adoption offrent des voies alternatives suffisantes pour l'établissement du rapport de filiation.\n\n## V. Tendances évolutives\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 119 Cst. montre une adaptation progressive à la réalité sociale tout en préservant les principes constitutionnels. Tandis que l'interdiction de la maternité de substitution est appliquée de manière conséquente, les tribunaux développent des solutions pragmatiques pour les cas où des enfants sont déjà nés à l'étranger. La jurisprudence de la CourEDH renforce la pression pour créer des voies alternatives de reconnaissance des rapports de filiation qui respectent l'intérêt de l'enfant.\n\nDans le domaine de l'analyse ADN, l'équilibre entre les intérêts de la poursuite pénale et la protection de la personnalité est constamment réévalué, l'examen de la proportionnalité jouant un rôle central. Le droit à la connaissance de la filiation est reconnu comme un droit individuel fort qui ne souffre de restrictions que dans des cas exceptionnels.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Dottrina all'art. 119 Cost.\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'articolo costituzionale risale all'art. 24novies aCost., che fu accettato il 17 maggio 1992 con il 73,8% di voti favorevoli. L'iniziativa popolare «contro l'abuso delle tecniche di riproduzione e di manipolazione genetica applicate agli esseri umani» (iniziativa dell'Osservatore) ha caratterizzato in modo determinante la discussione (FF 1989 III 985). Il Consiglio federale ha ripreso le richieste dell'iniziativa in un controprogetto diretto, che alla fine è stato accettato (FF 1989 III 1028).\n\n**N. 2** La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha trasferito l'art. 24novies aCost. nell'attuale art. 119 Cost. senza modifiche materiali. La revisione del 2015 (FF 2013 5853) ha integrato la lett. c con la diagnosi preimpianto, dopo che il popolo ha accettato il 14 giugno 2015 con il 61,9% la corrispondente modifica costituzionale. Questo sviluppo mostra l'adattamento dinamico del diritto costituzionale agli sviluppi tecnico-medici con il mantenimento simultaneo di principi etici.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 119 Cost. è sistematicamente inserito nel 2° titolo «Diritti fondamentali, diritti civili e obiettivi sociali», ma non costituisce una norma di diritto fondamentale che conferisce immediatamente un diritto soggettivo. Piuttosto si tratta di una norma di protezione e di legislazione con effetto rafforzativo dei diritti fondamentali (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 9). La disposizione concretizza la protezione della dignità umana (→ art. 7 Cost.) e della libertà personale (→ art. 10 Cost.) nel settore biotecnologico.\n\n**N. 4** Lo stretto collegamento con l'→ art. 118b Cost. (medicina dei trapianti), l'→ art. 119a Cost. (analisi del genoma nel settore delle assicurazioni e del lavoro) e l'→ art. 120 Cost. (tecnologia genetica nel settore extra-umano) mostra la regolamentazione costituzionale completa della biotecnologia. A livello internazionale l'art. 119 Cost. corrisponde alla Convenzione sulla biomedicina del Consiglio d'Europa (CBM), la cui ratifica da parte della Svizzera è tuttavia ancora in sospeso.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### a) Mandato di protezione (cpv. 1)\n\n**N. 5** La protezione dagli «abusi» non comprende un divieto generale della medicina della riproduzione e della tecnologia genetica, ma mira alla loro applicazione responsabile (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 12). Il concetto di «abuso» è aperto a valutazioni e necessita di concretizzazione da parte del legislatore. Il Tribunale federale ha chiarito che il desiderio di avere figli rappresenta una manifestazione elementare dello sviluppo della personalità e rientra nell'ambito di protezione della libertà personale (**DTF 119 Ia 460 consid. 4**).\n\n### b) Mandato legislativo (cpv. 2 incipit)\n\n**N. 6** L'obbligo legislativo imperativo («emana disposizioni») obbliga la Confederazione a emanare normative complete. La triade di beni protetti — dignità umana, personalità e famiglia — forma il quadro normativo. Il concetto di famiglia secondo Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) deve essere inteso in senso ampio e comprende la vita familiare secondo l'→ art. 13 cpv. 1 Cost. e l'art. 8 CEDU, non solo la famiglia nucleare tradizionale.\n\n### c) Principi (cpv. 2 lett. a–g)\n\n**N. 7** **Divieto di clonazione (lett. a)**: Il divieto assoluto comprende sia la clonazione riproduttiva sia quella terapeutica. Gli «interventi sul patrimonio genetico» si riferiscono alla terapia genica della linea germinale, non alle terapie geniche somatiche (Schweizer, Prescrizioni del diritto costituzionale e internazionale, pag. 45).\n\n**N. 8** **Limite di specie (lett. b)**: Il divieto di formazione di chimere e ibridi protegge l'integrità biologica della specie umana. L'uso di mitocondri animali nella FIVET è controverso (Müller, Questioni giuridiche e etiche, pag. 152).\n\n**N. 9** **Medicina della riproduzione (lett. c)**: La clausola di sussidiarietà («non può essere curata diversamente») è discussa in modo controverso. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) argomentano che la sterilità nel senso del diritto costituzionale debba essere intesa in modo comprensivo come desiderio di figli non realizzabile, anche nelle coppie omosessuali. La LMed rappresenta per contro una concezione più restrittiva.\n\n**N. 10** **Divieto di maternità surrogata (lett. d)**: Il divieto assoluto forma secondo **DTF 141 III 328 consid. 7.4.1** il nucleo dell'ordine pubblico svizzero. Anche la donazione di embrioni è vietata senza eccezioni, al contrario della donazione di gameti che è permessa.\n\n**N. 11** **Divieto di commercializzazione (lett. e)**: Il divieto di commercio comprende transazioni a titolo oneroso e gratuito. La delimitazione dall'indennizzo per le spese ammissibile deve essere effettuata nel caso singolo (Büchler, La donazione di ovuli, pag. 28).\n\n**N. 12** **Autodeterminazione informativa (lett. f)**: Il consenso deve essere informato, libero e specifico. Eccezioni legali esistono nel procedimento penale (**DTF 128 II 259**) e in caso di interessi preponderanti di terzi.\n\n**N. 13** **Diritto alla conoscenza dell'origine (lett. g)**: Secondo **DTF 128 I 63** questo diritto spetta incondizionatamente alle persone maggiorenni. La collisione con le garanzie di anonimato ai donatori di gameti è risolta dalla LMed a favore del diritto del bambino.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** I divieti immediati (lett. a, b, d, e) dispiegano effetto diretto e non necessitano di legislazione di attuazione. Le violazioni possono comportare sanzioni penali secondo il CP e leggi speciali. I mandati di protezione e di legislazione obbligano primariamente il legislatore federale, ma dispiegano anche un effetto di irradiazione sull'applicazione del diritto.\n\n**N. 15** Nei rapporti internazionali il divieto di maternità surrogata porta a problemi di riconoscimento nei rapporti di filiazione fondati all'estero. Il Tribunale federale ha sviluppato una prassi differenziata: la parentela genetica consente il riconoscimento del padre biologico (**DTF 148 III 384**), mentre il rapporto di filiazione con la madre intenzionale necessita regolarmente dell'adozione.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 16** **Concetto di famiglia**: La controversia centrale riguarda la portata del concetto di famiglia del diritto costituzionale. Mentre Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) propendono per una concezione ampia nel senso dell'art. 8 CEDU, che include anche le coppie non sposate e omosessuali, la LMed rappresenta un concetto di famiglia più ristretto. Questa divergenza ha ripercussioni immediate sull'accesso alla medicina della riproduzione.\n\n**N. 17** **Concetto di sterilità**: È controverso se la sterilità sociale (nelle coppie omosessuali o nei single) debba essere equiparata a quella medica. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) sostengono un'interpretazione comprensiva che include ogni desiderio di figli non realizzabile. La posizione contraria richiede un'indicazione medica (Gächter/Rütsche, Diritto sanitario, § 14 N. 567).\n\n**N. 18** **Diagnosi preimpianto**: La modifica costituzionale avvenuta nel 2015 ha risolto solo parzialmente la controversia sulla ammissibilità della DPI. Resta controversa la portata degli esami genetici ammissibili e la definizione di «malattie gravi» (Addor/Bühler, sic! 2004, pag. 389).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** Nei casi transfrontalieri occorre distinguere tra la valutazione di diritto materiale secondo il diritto svizzero e il riconoscimento di diritto internazionale privato. Il bene del bambino può richiedere nel caso singolo una soluzione pragmatica, senza relativizzare il divieto costituzionale.\n\n**N. 20** L'evoluzione dinamica della biotecnologia richiede un'interpretazione evolutiva della norma costituzionale. Nuovi procedimenti come la donazione di mitocondri o le tecnologie CRISPR/Cas9 devono essere misurati sui principi esistenti, dovendo il legislatore eventualmente intervenire.\n\n**N. 21** I medici consulenti devono informare sui limiti giuridici della medicina della riproduzione in Svizzera, ma non possono promuovere attivamente trattamenti all'estero se questi violerebbero il diritto svizzero. L'informazione su alternative conformi al diritto rimane ammissibile e doverosa.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza dell'art. 119 Cost.\n\n## I. Maternità surrogata (art. 119 cpv. 2 lett. d Cost.)\n\n### 1. Divieto costituzionale e ordine pubblico\n\n**DTF 141 III 328 consid. 7.4.1-7.4.3** del 14 settembre 2015: Decisione di principio sulla maternità surrogata\nIl divieto costituzionale della maternità surrogata secondo l'art. 119 cpv. 2 lett. d Cost. costituisce elemento centrale dell'ordine pubblico svizzero nel diritto internazionale privato. La disposizione è volta a prevenire abusi e a proteggere la dignità umana.\n\n> «L'art. 119 cpv. 2 lett. d Cost. vieta tutte le forme di maternità surrogata. Questo divieto costituisce elemento centrale dell'ordine pubblico svizzero. Mira a impedire che la riproduzione diventi oggetto di transazioni commerciali e che le donne coinvolte vengano strumentalizzate.»\n\n**DTF 141 III 312 consid. 4.2** del 21 maggio 2015: Ordine pubblico nella maternità surrogata\nIl riconoscimento di decisioni straniere che sanciscono accordi di maternità surrogata viola l'ordine pubblico svizzero, nella misura in cui aggira il divieto costituzionale.\n\n> «Il divieto svizzero di maternità surrogata secondo l'art. 119 cpv. 2 lett. d Cost. appartiene alle concezioni valoriali fondamentali dell'ordinamento giuridico svizzero. Il suo aggiramento mediante riconoscimento di sentenze straniere sarebbe incompatibile con l'ordine pubblico.»\n\n### 2. Iscrizione di documenti stranieri\n\n**DTF 148 III 384 consid. 5.2** del 1° luglio 2022: Maternità surrogata in Georgia\nIn caso di maternità surrogata all'estero da parte di genitori committenti domiciliati in Svizzera si applica il diritto svizzero di filiazione. Il rapporto di filiazione sorge di diritto con la nascita verso la madre surrogata. Il padre committente può stabilire il rapporto di filiazione mediante riconoscimento.\n\n> «Se i genitori committenti domiciliati in Svizzera effettuano una maternità surrogata in Georgia ed è applicabile il diritto svizzero di filiazione, il rapporto di filiazione sorge di diritto con la nascita del bambino verso la madre surrogata. Il padre committente può stabilire il rapporto di filiazione mediante riconoscimento.»\n\n**DTF 141 III 328 consid. 6.4** del 14 settembre 2015: Mancata iscrizione in caso di aggiramento\nUn certificato di nascita californiano non può essere riconosciuto quando i rapporti di filiazione documentati verso genitori geneticamente non imparentati sono sorti aggirando il divieto svizzero di maternità surrogata.\n\n> «Il riconoscimento di un certificato di nascita straniero che attesta rapporti di filiazione verso persone che non sono né geneticamente né legalmente imparentate con il bambino aggirerebbe il divieto di maternità surrogata dell'art. 119 cpv. 2 lett. d Cost. ed è pertanto da respingere.»\n\n## II. Esami del patrimonio genetico (art. 119 cpv. 2 lett. f Cost.)\n\n### 1. Profili DNA nel procedimento penale\n\n**DTF 128 II 259 consid. 3.2-3.7** del 29 maggio 2002: Violazione dei diritti fondamentali tramite profilo DNA\nLa creazione di un profilo DNA costituisce una violazione del diritto all'integrità corporale (art. 10 cpv. 2 Cost.) e della protezione contro l'abuso di dati personali (art. 13 cpv. 2 Cost.). L'art. 119 cpv. 2 lett. f Cost. concretizza queste garanzie nell'ambito degli esami del patrimonio genetico.\n\n> «Il prelievo di un campione di mucosa buccale per la creazione di un profilo DNA viola l'integrità corporale. La memorizzazione e l'elaborazione dei dati genetici lede il diritto all'autodeterminazione informativa. Queste violazioni necessitano di una base legale e devono essere proporzionate.»\n\n**DTF 145 IV 263 consid. 3.3-3.6** del 24 aprile 2019: Proporzionalità dei profili DNA\nLa proporzionalità della creazione di un profilo DNA in vista di futuri reati deve essere esaminata nel caso singolo. La gravità del reato commesso e il rischio di recidiva sono criteri determinanti.\n\n> «L'art. 255 cpv. 1 lett. a CPP costituisce una base legale per la creazione di un profilo DNA in vista di eventuali futuri reati. La proporzionalità deve essere giudicata in base alla gravità del reato scatenante e alla probabilità di futuri delitti.»\n\n### 2. Conoscenza della filiazione\n\n**DTF 128 I 63 consid. 2.1-5** del 4 marzo 2002: Diritto alla conoscenza della filiazione\nL'art. 119 cpv. 2 lett. g Cost. garantisce a ogni persona l'accesso ai dati sulla propria filiazione. Questo diritto spetta al figlio adottivo maggiorenne indipendentemente da una ponderazione degli interessi.\n\n> «Il diritto alla conoscenza dei genitori biologici spetta incondizionatamente al figlio adottivo maggiorenne quale manifestazione della libertà personale e in virtù dell'art. 119 cpv. 2 lett. g Cost. Non deve essere effettuata una ponderazione con interessi contrapposti dei genitori biologici.»\n\n**Sentenza 5A_382/2021 consid. 3.3** del 20 aprile 2022: Benessere del minore nelle controversie di filiazione\nIl diritto costituzionale alla conoscenza della filiazione confligge con il comportamento ostruttivo di un genitore che impedisce l'accertamento della paternità. Tale comportamento non è imputabile al bambino.\n\n> «Un comportamento della madre che ostruisce l'accertamento della paternità evidentemente non è nell'interesse del bambino e confliggerebbe con il suo diritto costituzionale alla conoscenza della propria filiazione (art. 119 cpv. 2 lett. g Cost.). Di conseguenza il comportamento della madre non è imputabile al bambino.»\n\n## III. Medicina della riproduzione (art. 119 cpv. 1 e 2 Cost.)\n\n### 1. Decisione di principio sulle tecniche di riproduzione\n\n**DTF 119 Ia 460 consid. 4-12** del 22 dicembre 1993: Limiti costituzionali\nI divieti generali dell'inseminazione eterologa e della fecondazione in vitro violano la libertà personale. L'art. 24novies Cost.prec. (oggi art. 119 Cost.) autorizza il legislatore a emanare regolamentazioni, ma non vieta ogni forma di procreazione medicalmente assistita.\n\n> «La limitazione dell'accesso ai metodi di riproduzione artificiale tocca la libertà personale. I divieti generali dell'inseminazione eterologa e della fecondazione in vitro non possono sussistere davanti alla libertà personale, nella misura in cui non sono giustificati da interessi pubblici preponderanti.»\n\n### 2. Campo di applicazione e delimitazioni\n\n**Sentenza 2C_39/2018 consid. 2-4** del 18 giugno 2019: Formazione continua in medicina della riproduzione\nL'ambito di protezione dell'art. 119 Cost. si estende alla pratica medica nell'ambito della medicina della riproduzione. I requisiti di formazione continua per i medici servono all'assicurazione della qualità.\n\n> «La medicina della riproduzione è sottoposta a particolari requisiti di qualità. Le prescrizioni di formazione continua per i medici nella disciplina principale medicina della riproduzione ed endocrinologia ginecologica servono alla protezione delle pazienti e corrispondono al mandato costituzionale dell'art. 119 Cost.»\n\n## IV. Giurisprudenza CEDU sull'art. 8 CEDU\n\n### 1. Maternità surrogata e vita familiare\n\n**Decisione CEDU D.B. et autres c. Suisse** del 22 novembre 2022 (n. 58817/15)\nIl rifiuto del riconoscimento del rapporto di filiazione tra un bambino concepito mediante maternità surrogata e il padre committente viola l'art. 8 CEDU, quando non esistono vie alternative per il riconoscimento.\n\n> La CEDU ha stabilito: «Le refus de reconnaître l'acte de naissance établi légalement à l'étranger concernant le lien de filiation entre le père d'intention et l'enfant, sans prévoir de modes alternatifs de reconnaissance dudit lien, ne poursuit pas le but de l'intérêt supérieur de l'enfant.»\n\n**Decisione CEDU S.C. et autres c. Suisse** del 28 novembre 2023 (n. 26848/18)\nDecisione di irricevibilità: L'adozione successiva da parte del padre committente sana il rifiuto iniziale del riconoscimento. Le procedure di adozione offrono vie alternative sufficienti per l'instaurazione del rapporto di filiazione.\n\n## V. Tendenze evolutive\n\nLa giurisprudenza dell'art. 119 Cost. mostra un adattamento graduale alla realtà sociale mantenendo al contempo i principi costituzionali. Mentre il divieto di maternità surrogata viene applicato coerentemente, i tribunali sviluppano soluzioni pragmatiche per i casi in cui bambini sono già nati all'estero. La giurisprudenza CEDU rafforza la pressione per creare vie alternative al riconoscimento di rapporti di filiazione che rispettino il benessere del minore.\n\nNell'ambito dell'analisi del DNA, l'equilibrio tra interessi di perseguimento penale e protezione della personalità viene costantemente ricalibrato, con l'esame di proporzionalità che svolge un ruolo centrale. Il diritto alla conoscenza della filiazione viene riconosciuto come forte diritto individuale, soggetto a limitazioni solo in casi eccezionali.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Doctrine on Art. 119 BV\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The constitutional article traces back to Art. 24novies old BV, which was adopted on 17 May 1992 with 73.8% of the vote. The popular initiative «against abuses of reproductive and gene technology in humans» (Beobachter Initiative) significantly shaped the discussion (BBl 1989 III 985). The Federal Council took up the concerns of the initiative in a direct counter-proposal, which was ultimately adopted (BBl 1989 III 1028).\n\n**N. 2** The total revision of the Federal Constitution in 1999 transferred Art. 24novies old BV to the current Art. 119 BV without material changes. The 2015 revision (BBl 2013 5853) supplemented lit. c with preimplantation genetic diagnosis, after the people adopted the corresponding constitutional amendment on 14 June 2015 with 61.9% of the vote. This development shows the dynamic adaptation of constitutional law to medical-technological developments while maintaining ethical principles.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 119 BV is systematically classified in Title 2 «Fundamental rights, rights of citizenship and social objectives», but does not constitute a directly claim-creating fundamental right norm. Rather, it is a protective and legislative norm with fundamental rights-reinforcing effect (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 9). The provision concretises the protection of human dignity (→ Art. 7 BV) and personal freedom (→ Art. 10 BV) in the biotechnological sphere.\n\n**N. 4** The close connection to → Art. 118b BV (transplantation medicine), → Art. 119a BV (genome analysis in insurance and employment), and → Art. 120 BV (gene technology in the non-human sphere) shows the comprehensive constitutional regulation of biotechnology. Internationally, Art. 119 BV corresponds with the Council of Europe's Biomedicine Convention (BMK), whose ratification by Switzerland is still pending.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### a) Protective mandate (para. 1)\n\n**N. 5** Protection against «abuses» does not encompass a general prohibition of reproductive medicine and gene technology, but aims at their responsible application (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119 N. 12). The term «abuse» is open to evaluation and requires concretisation by the legislature. The Federal Supreme Court has clarified that the desire to have children represents an elementary manifestation of personal development and falls under the protective scope of personal freedom (**BGE 119 Ia 460 E. 4**).\n\n### b) Legislative mandate (para. 2 preamble)\n\n**N. 6** The mandatory legislative mandate («shall issue regulations») obliges the Confederation to enact comprehensive regulations. The triad of protected interests — human dignity, personality and family — forms the normative framework. According to Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30), the concept of family is to be understood broadly and encompasses family life according to → Art. 13 para. 1 BV and Art. 8 ECHR, not only the traditional nuclear family.\n\n### c) Principles (para. 2 lit. a–g)\n\n**N. 7** **Cloning prohibition (lit. a)**: The absolute prohibition covers both reproductive and therapeutic cloning. «Interventions in the genetic material» refer to germ line gene therapy, not to somatic gene therapies (Schweizer, Constitutional and international law requirements, p. 45).\n\n**N. 8** **Species barrier (lit. b)**: The prohibition of chimera and hybrid formation protects the biological integrity of the human species. The use of animal mitochondria in IVF is disputed (Müller, Legal and ethical questions, p. 152).\n\n**N. 9** **Reproductive medicine (lit. c)**: The subsidiarity clause («cannot be remedied by other means») is controversially discussed. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) argue that infertility in the constitutional sense should be understood comprehensively as an unfulfillable desire to have children, including in same-sex couples. The RMA, in contrast, takes a more restrictive understanding.\n\n**N. 10** **Surrogacy prohibition (lit. d)**: According to **BGE 141 III 328 E. 7.4.1**, the absolute prohibition forms the core of Swiss ordre public. Embryo donation is also prohibited without exception, in contrast to permitted gamete donation.\n\n**N. 11** **Commercialisation prohibition (lit. e)**: The trade prohibition encompasses both paid and unpaid transactions. The distinction from permissible expense reimbursement must be made on a case-by-case basis (Büchler, Egg donation, p. 28).\n\n**N. 12** **Informational self-determination (lit. f)**: Consent must be informed, free and specific. Legal exceptions exist in criminal proceedings (**BGE 128 II 259**) and where there are overriding interests of third parties.\n\n**N. 13** **Right to knowledge of parentage (lit. g)**: According to **BGE 128 I 63**, this claim belongs unconditionally to adult persons. The RMA resolves the collision with promises of anonymity to gamete donors in favour of the child's right.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** The direct prohibitions (lit. a, b, d, e) have direct effect and require no implementing legislation. Violations can result in criminal sanctions under the Criminal Code and special laws. The protective and legislative mandates primarily oblige the federal legislature but also have radiating effects on the application of law.\n\n**N. 15** In international relations, the surrogacy prohibition leads to recognition problems for parent-child relationships established abroad. The Federal Supreme Court has developed differentiated practice: genetic relationship enables recognition of the biological father (**BGE 148 III 384**), while the parent-child relationship with the intended mother regularly requires adoption.\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 16** **Concept of family**: The central controversy concerns the scope of the constitutional concept of family. While Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) advocate for a broad understanding in the sense of Art. 8 ECHR, which also includes unmarried and same-sex couples, the RMA takes a narrower concept of family. This divergence has direct effects on access to reproductive medicine.\n\n**N. 17** **Concept of infertility**: It is disputed whether social infertility (in same-sex couples or single persons) should be equated with medical infertility. Belser/Molinari (BSK BV, Art. 119 N. 30) favour a comprehensive interpretation that includes every unfulfillable desire to have children. The opposing position requires a medical indication (Gächter/Rütsche, Health law, § 14 N. 567).\n\n**N. 18** **Preimplantation genetic diagnosis**: The constitutional amendment in 2015 only partially resolved the dispute over the admissibility of PGD. The scope of permissible genetic examinations and the definition of «serious diseases» remain controversial (Addor/Bühler, sic! 2004, p. 389).\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 19** In cross-border situations, a distinction must be made between the substantive law assessment under Swiss law and the international private law recognition. The child's welfare may require a pragmatic solution in individual cases without relativising the constitutional prohibition.\n\n**N. 20** The dynamic development of biotechnology requires an evolutive interpretation of the constitutional norm. New procedures such as mitochondrial replacement or CRISPR/Cas9 technologies must be measured against existing principles, whereby the legislature must act if necessary.\n\n**N. 21** Advising physicians must inform about the legal limits of reproductive medicine in Switzerland, but may not actively promote treatments abroad if these would violate Swiss law. Information about legally compliant alternatives remains permissible and required.", "caselaw_en": "# Case Law on Art. 119 FC\n\n## I. Surrogacy (Art. 119 para. 2 lit. d FC)\n\n### 1. Constitutional prohibition and ordre public\n\n**BGE 141 III 328 E. 7.4.1-7.4.3** of 14 September 2015: Fundamental decision on surrogacy\nThe constitutional prohibition of surrogacy under Art. 119 para. 2 lit. d FC forms the core of Swiss ordre public in international private law. The provision is designed to prevent abuse and protect human dignity.\n\n> «Art. 119 para. 2 lit. d FC prohibits all forms of surrogacy. This prohibition forms the core of Swiss ordre public. It is intended to prevent reproduction from becoming the subject of commercial transactions and the instrumentalisation of the women involved.»\n\n**BGE 141 III 312 E. 4.2** of 21 May 2015: Ordre public in surrogacy\nThe recognition of foreign decisions that sanction surrogacy agreements violates Swiss ordre public insofar as it circumvents the constitutional prohibition.\n\n> «The Swiss prohibition of surrogacy according to Art. 119 para. 2 lit. d FC belongs to the fundamental values of the Swiss legal order. Its circumvention through recognition of foreign court decisions would be incompatible with ordre public.»\n\n### 2. Registration of foreign documents\n\n**BGE 148 III 384 E. 5.2** of 1 July 2022: Surrogacy in Georgia\nIn cases of surrogacy abroad by intended parents domiciled in Switzerland, Swiss law of descent applies. The parent-child relationship is established by operation of law with the surrogate mother upon birth. The intended father can establish the parent-child relationship through acknowledgment.\n\n> «If the intended parents domiciled in Switzerland carry out surrogacy in Georgia and Swiss law of descent applies, the parent-child relationship with the surrogate mother is established by operation of law upon the birth of the child. The intended father can establish the parent-child relationship through acknowledgment.»\n\n**BGE 141 III 328 E. 6.4** of 14 September 2015: Non-registration in case of circumvention\nA Californian birth certificate cannot be recognised if the recorded parent-child relationships to genetically unrelated parents arose in circumvention of the Swiss prohibition of surrogacy.\n\n> «Recognition of a foreign birth certificate that shows parent-child relationships to persons who are neither genetically nor legally related to the child would circumvent the prohibition of surrogacy under Art. 119 para. 2 lit. d FC and must therefore be rejected.»\n\n## II. Genetic examinations (Art. 119 para. 2 lit. f FC)\n\n### 1. DNA profiles in criminal proceedings\n\n**BGE 128 II 259 E. 3.2-3.7** of 29 May 2002: Interference with fundamental rights through DNA profiling\nThe creation of a DNA profile constitutes an interference with the right to physical integrity (Art. 10 para. 2 FC) and protection against misuse of personal data (Art. 13 para. 2 FC). Art. 119 para. 2 lit. f FC concretises these guarantees in the field of genetic examination.\n\n> «The taking of a buccal swab to create a DNA profile interferes with physical integrity. The storage and processing of genetic data violates the right to informational self-determination. These interferences require a legal basis and must be proportionate.»\n\n**BGE 145 IV 263 E. 3.3-3.6** of 24 April 2019: Proportionality of DNA profiles\nThe proportionality of creating a DNA profile with regard to future criminal offences must be examined on a case-by-case basis. The severity of the offence committed and the risk of recidivism are decisive criteria.\n\n> «Art. 255 para. 1 lit. a CPC provides a legal basis for creating a DNA profile with regard to possible future criminal offences. Proportionality must be assessed on the basis of the severity of the triggering offence and the probability of future crimes.»\n\n### 2. Knowledge of descent\n\n**BGE 128 I 63 E. 2.1-5** of 4 March 2002: Right to knowledge of descent\nArt. 119 para. 2 lit. g FC guarantees every person access to data about their descent. This claim belongs to the adult adoptive child regardless of any balancing of interests.\n\n> «The claim to knowledge of biological parents belongs unconditionally to the adult adoptive child as an expression of personal freedom and based on Art. 119 para. 2 lit. g FC. No balancing with conflicting interests of the biological parents is to be undertaken.»\n\n**Judgment 5A_382/2021 E. 3.3** of 20 April 2022: Child welfare in paternity disputes\nThe constitutional right to knowledge of descent collides with obstructive behaviour by a parent that prevents paternity clarification. Such behaviour cannot be attributed to the child.\n\n> «Behaviour by the mother that obstructs paternity clarification is obviously not in the child's interest and would collide with its constitutional claim to knowledge of its descent (Art. 119 para. 2 lit. g FC). Consequently, the mother's behaviour cannot be attributed to the child.»\n\n## III. Reproductive medicine (Art. 119 para. 1 and 2 FC)\n\n### 1. Fundamental decision on reproductive technologies\n\n**BGE 119 Ia 460 E. 4-12** of 22 December 1993: Constitutional limitations\nGeneral prohibitions of heterologous insemination and in vitro fertilisation violate personal freedom. Art. 24novies former FC (now Art. 119 FC) empowers the legislature to enact regulations, but does not prohibit every form of medically assisted reproduction.\n\n> «Restriction of access to methods of artificial reproduction affects personal freedom. General prohibitions of heterologous insemination and in vitro fertilisation cannot withstand personal freedom insofar as they are not justified by overriding public interests.»\n\n### 2. Scope of application and delimitations\n\n**Judgment 2C_39/2018 E. 2-4** of 18 June 2019: Further training in reproductive medicine\nThe scope of protection of Art. 119 FC extends to medical practice in the field of reproductive medicine. Further training requirements for doctors serve quality assurance.\n\n> «Reproductive medicine is subject to special quality requirements. Further training requirements for doctors specialising in reproductive medicine and gynaecological endocrinology serve to protect patients and correspond to the constitutional mandate of Art. 119 FC.»\n\n## IV. ECtHR case law on Art. 8 ECHR\n\n### 1. Surrogacy and family life\n\n**ECtHR decision D.B. et autres c. Suisse** of 22 November 2022 (No. 58817/15)\nRefusal to recognise the parent-child relationship between a child conceived through surrogacy and the intended father violates Art. 8 ECHR if no alternative ways of recognition exist.\n\n> The ECtHR found: «Le refus de reconnaître l'acte de naissance établi légalement à l'étranger concernant le lien de filiation entre le père d'intention et l'enfant, sans prévoir de modes alternatifs de reconnaissance dudit lien, ne poursuit pas le but de l'intérêt supérieur de l'enfant.»\n\n**ECtHR decision S.C. et autres c. Suisse** of 28 November 2023 (No. 26848/18)\nInadmissibility decision: Subsequent adoption by the intended father cures the initial refusal of recognition. Adoption procedures provide sufficient alternative ways to establish the parent-child relationship.\n\n## V. Development trends\n\nThe case law on Art. 119 FC shows a gradual adaptation to social reality while maintaining constitutional principles. While the prohibition of surrogacy is consistently enforced, the courts develop pragmatic solutions for cases where children have already been born abroad. The ECtHR case law increases pressure to create alternative ways of recognising parent-child relationships that respect the child's welfare.\n\nIn the field of DNA analysis, the balance between law enforcement interests and personality protection is continuously readjusted, with proportionality testing playing a central role. The right to knowledge of descent is recognised as a strong individual right that is subject to restrictions only in exceptional cases.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_119", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.0, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 119, "article_suffix": "a", "title": "Transplantationsmedizin", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 119a BV – Transplantationsmedizin\n\n## Übersicht\n\nArt. 119a BV regelt die Transplantationsmedizin (Übertragung von Organen). Der Bund muss Menschenwürde, Persönlichkeit und Gesundheit schützen. Organe müssen gerecht verteilt werden. Der Handel mit Organen ist verboten.\n\nDie Bestimmung betrifft alle Personen: Organspender, Empfänger und deren Familien. Ärzte und Spitäler müssen strenge Regeln befolgen. Das Transplantationsgesetz (TPG) konkretisiert die Verfassungsbestimmung.\n\nOrganspende erfolgt freiwillig und unentgeltlich. Niemand darf für seine Organe Geld erhalten. Die Verteilung erfolgt nach medizinischen Kriterien wie Dringlichkeit und Erfolgsaussichten. Wartelisten werden von Transplantationszentren geführt.\n\nEin zentraler Streitpunkt betrifft den Todeszeitpunkt. Befürworter des Hirntodkonzepts sehen den Tod als biologisches Ereignis, wenn alle kritischen Funktionen irreversibel versagen (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60). Kritiker wie Becchi wenden ein, das Hirntodkonzept diene einseitig dem Zweck frühzeitiger Organentnahme (Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004). Das autonomiebasierte Todeskonzept fordert explizite Zustimmung zur Organentnahme ab Hirntod.\n\nDie gerechte Organverteilung erfordert nach Sitter-Liver Gleichbehandlung aller Patienten, medizinische Kriterien als primäre Entscheidungsgrundlage und Transparenz des Verfahrens (Gerechte Organallokation, 2003). Schott betont die Entwicklung klarer Auswahlkriterien für Patienten (Patientenauswahl und Organallokation, 2001).\n\nRechtlich stärkt die Verfassungsbestimmung das Selbstbestimmungsrecht. Jeder kann zu Lebzeiten entscheiden, ob er nach seinem Tod Organe spenden möchte. Das Organspenderegister dokumentiert diesen Willen. Ohne Zustimmung dürfen keine Organe entnommen werden.\n\n**Beispiel**: Maria erleidet einen Hirnschlag. Im Spital stellt sich heraus, dass sie hirntot ist, aber ihre Organe funktionsfähig sind. Die Ärzte prüfen das Organspenderegister und befragen die Familie. Nur bei dokumentierter oder vermuteter Zustimmung können ihre Organe anderen Patienten das Leben retten.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 119a BV wurde am 7. Februar 1999 vom Volk und allen Kantonen mit überwältigender Mehrheit (87.8% Ja-Stimmen) angenommen. Die Verfassungsnorm geht auf die parlamentarische Initiative Huber vom 22. September 1994 und die Motion Onken vom 12. Dezember 1991 zurück (BBl 1997 III 653).\n\n**N. 2** Die Bundesversammlung erkannte die Dringlichkeit einer verfassungsrechtlichen Grundlage für die Transplantationsmedizin. Vor 1999 existierten nur kantonale Regelungen mit erheblichen Unterschieden, insbesondere bezüglich der Zustimmungslösung. Die **BGE 123 I 112** hatte die Notwendigkeit einer einheitlichen bundesrechtlichen Regelung unterstrichen.\n\n**N. 3** Der Verfassungsartikel wurde bewusst als Grundsatzbestimmung formuliert. Die detaillierte Ausgestaltung sollte dem Transplantationsgesetz vom 8. Oktober 2004 (TPG, SR 810.21) vorbehalten bleiben (BBl 2001 29).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 119a BV steht systematisch zwischen den Bestimmungen zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie (Art. 119 BV) und der Gentechnologie im Ausserhumanbereich (Art. 120 BV). Diese Einordnung unterstreicht den Charakter als biomedizinische Spezialmaterie mit besonderem Bezug zur Menschenwürde.\n\n**N. 5** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit den Grundrechten, insbesondere:\n- → Art. 7 BV (Menschenwürde)\n- → Art. 10 BV (Recht auf Leben und persönliche Freiheit)\n- ↔ Art. 8 BV (Rechtsgleichheit bei der Organallokation)\n- → Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen)\n- → Art. 41 Abs. 1 lit. b BV (Sozialziel der Gesundheitsversorgung)\n\n**N. 6** Als Kompetenznorm begründet Art. 119a BV eine umfassende Bundeskompetenz für die Transplantationsmedizin. Die Kantone behalten nur Zuständigkeiten, soweit das Bundesrecht sie vorsieht (→ Art. 3 BV).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Schutzauftrag und Berücksichtigungspflichten (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Schutzauftrag umfasst drei Schutzgüter: Menschenwürde, Persönlichkeit und Gesundheit. Nach Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 10, bildet die Menschenwürde den obersten Wert, der auch postmortal fortbesteht.\n\n**N. 8** Die «Persönlichkeit» umfasst sowohl die Persönlichkeit des Spenders als auch des Empfängers. Zentral ist das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper, das sich auch auf die postmortale Phase erstreckt (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 10).\n\n**N. 9** Der Gesundheitsschutz richtet sich primär an lebende Spender. Die Berücksichtigungspflicht fordert eine Abwägung zwischen dem Gesundheitsrisiko des Spenders und dem Nutzen für den Empfänger (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 13).\n\n### 3.2 Gerechte Organallokation (Abs. 2)\n\n**N. 10** Der Begriff «gerecht» ist ein unbestimmter Rechtsbegriff. Nach Sitter-Liver (Gerechte Organallokation, 2003, S. 112ff.) und Schott (Patientenauswahl und Organallokation, 2001, S. 89ff.) erfordert Gerechtigkeit in der Organverteilung:\n- Gleichbehandlung aller Patienten (→ Art. 8 BV)\n- Medizinische Kriterien als primäre Entscheidungsgrundlage\n- Transparenz des Allokationsverfahrens\n\n**N. 11** Die Bundesversammlung hat bewusst auf eine Definition der Verteilungskriterien in der Verfassung verzichtet. Die Konkretisierung erfolgt durch Art. 16ff. TPG und die Organzuteilungsverordnung (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 25).\n\n### 3.3 Unentgeltlichkeit und Handelsverbot (Abs. 3)\n\n**N. 12** Das Verbot, mit Organen Handel zu treiben, ist absolut formuliert. Es umfasst jede Form der Kommerzialisierung, auch indirekte Vorteile. Das Unentgeltlichkeitsprinzip schliesst jedoch Aufwandsentschädigungen nicht aus (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 28).\n\n**N. 13** Die Unentgeltlichkeit der Spende folgt aus dem Prinzip der Menschenwürde. Eine Kommerzialisierung würde den menschlichen Körper zur Ware degradieren (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 30; vgl. auch → Art. 262 StGB).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Art. 119a BV begründet eine umfassende Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Diese wurde mit dem TPG und seinen Ausführungserlassen wahrgenommen. Die Kantone haben keine eigenständige Regelungsbefugnis mehr.\n\n**N. 15** Aus Abs. 1 folgt eine staatliche Schutzpflicht. Der Staat muss aktiv werden, um die genannten Rechtsgüter zu schützen. Dies umfasst Kontrollmechanismen, Strafbestimmungen und Verfahrensgarantien.\n\n**N. 16** Abs. 2 verpflichtet den Bund zur Schaffung eines gerechten Allokationssystems. Die Verwaltungspraxis zeigt, dass Patienten bei Nichtaufnahme auf Wartelisten den Rechtsweg beschreiten können (**C-4780/2019**; **C-3092/2022**).\n\n**N. 17** Das Handelsverbot nach Abs. 3 hat direkte strafrechtliche Konsequenzen. Verstösse werden nach Art. 69 TPG mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet.\n\n## 5. Streitstände\n\n### 5.1 Todeszeitpunkt und Hirntodkonzept\n\n**N. 18** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Definition des Todeszeitpunkts. Die Befürworter des Hirntodkonzepts argumentieren, der Tod trete ein, wenn alle kritischen Funktionen des Organismus irreversibel versagt haben (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60).\n\n**N. 19** Kritiker wie Becchi (in: Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004, S. 45ff.) wenden ein, das Hirntodkonzept diene einseitig dem Zweck einer frühzeitigen Organentnahme. Bei einem hirntoten Menschen seien noch nicht alle Vitalfunktionen erloschen.\n\n**N. 20** Vertreter eines autonomiebasierten Todeskonzepts fordern, eine Organentnahme ab Hirntod sei nur akzeptabel, wenn der Betroffene diesem Vorgehen zugestimmt habe (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60).\n\n### 5.2 Zustimmungslösung vs. Widerspruchslösung\n\n**N. 21** Die Schweiz kennt mit Art. 8 TPG die erweiterte Zustimmungslösung. Umstritten ist, ob eine Widerspruchslösung mit Art. 119a BV vereinbar wäre. Befürworter wie Dumoulin (Organtransplantation in der Schweiz, 1998, S. 234) sehen darin eine effizientere Nutzung des knappen Guts Organe.\n\n**N. 22** Gegner betonen den Vorrang der Selbstbestimmung. Die vermutete Zustimmung bei der Widerspruchslösung verletze das Persönlichkeitsrecht (Hofer, Das Recht der Transplantationsmedizin, 2006, S. 156ff.).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 23** Für die Praxis ist die klare Dokumentation des Spenderwillens zentral. Das nationale Organspenderegister bietet hierfür eine sichere Plattform. Die Angehörigeneinbindung bleibt auch bei dokumentiertem Willen wichtig.\n\n**N. 24** Transplantationszentren müssen transparente Verfahren für die Aufnahme auf Wartelisten etablieren. Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts fordert individuelle Prüfung und faire Verfahrensgarantien (**C-3092/2022**).\n\n**N. 25** Bei der grenzüberschreitenden Organvermittlung sind die internationalen Abkommen zu beachten. Die Zusammenarbeit mit Eurotransplant unterliegt besonderen Qualitäts- und Dokumentationspflichten.\n\n**N. 26** Ärzte und Spitäler müssen die strikte Trennung zwischen Todesfeststellung und Transplantationsteam einhalten. Dies sichert die Unabhängigkeit der Todesfeststellung und stärkt das Vertrauen in die Transplantationsmedizin.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Grundsätze der Organtransplantation vor Erlass des TPG\n\n**BGE 123 I 112** (16. April 1997)\n\nDas Bundesgericht prüfte vor Erlass des Transplantationsgesetzes die Verfassungsmässigkeit des Genfer Gesetzes über Organentnahme und -transplantation im Verfahren der abstrakten Normenkontrolle. Das Genfer Gesetz führte als erster Kanton das System der vermuteten Zustimmung (Widerspruchslösung) ein. Das Urteil entwickelt die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Transplantationsmedizin.\n\n> «Die Tragweite der persönlichen Freiheit auf dem Gebiet der Organtransplantation; die Garantie constitutionnelle de la liberté personnelle ne se limite pas à la durée de la vie des individus. Elle prolonge ses effets, dans une certaine mesure, au-delà du décès. Du point de vue constitutionnel, le défunt doit être considéré comme le titulaire prioritaire des droits protégeant sa dépouille contre des atteintes contraires aux moeurs et aux usages. Toute personne a ainsi le droit de déterminer le sort de sa dépouille après sa mort.»\n\n**BGE 114 V 258** (22. November 1988)\n\nBahnbrechender Entscheid zur Kostenübernahme von Organtransplantationen durch die Krankenversicherung. Das Bundesgericht bejahte die Pflicht der Krankenkassen zur Übernahme der Kosten einer Herztransplantation als Pflichtleistung nach dem alten KUVG. Der Entscheid etablierte Transplantationen als anerkannte medizinische Behandlungsmethode.\n\n> «Die Krankenkassen haben die bei einer Herztransplantation notwendigen Kosten als Pflichtleistungen zu übernehmen. Les caisses-maladie sont tenues de prendre en charge, au titre des prestations obligatoires, les frais nécessités par une transplantation cardiaque.»\n\n## Kostenübernahme durch die Krankenversicherung\n\n**BGE 131 V 338** (30. Juni 2005)\n\nPräzisierung der Kostenübernahme für Lebertransplantationen von Lebendspendern unter dem KVG. Das Bundesgericht bestätigte, dass die obligatorische Krankenpflegeversicherung auch bei Lebendspenden zur Kostenübernahme verpflichtet ist, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.\n\n> «Die obligatorische Krankenpflegeversicherung muss die Kosten einer Lebend-Lebertransplantation übernehmen. L'assurance obligatoire des soins doit prendre en charge la transplantation du foie d'un donneur vivant.»\n\n## Verfahrensrecht und Patientenrechte\n\n**C-4780/2019** (1. März 2021) – Bundesverwaltungsgericht\n\nGrundsatzentscheid zur Aufnahme auf Wartelisten für Re-Transplantationen. Ein Patient mit schwerer Behinderung nach Lungentransplantation kämpfte um Aufnahme auf die Warteliste für eine zweite Transplantation. Das Bundesverwaltungsgericht hob die Verweigerung auf und konkretisierte die Verfahrensrechte von Transplantationspatienten.\n\n**C-3092/2022** (1. Dezember 2023) – Bundesverwaltungsgericht\n\nWeiterentwicklung der Rechtsprechung zu Aufnahmeverfahren für Wartelisten. Das Gericht betonte die Bedeutung individueller Prüfung und angemessener Verfahrensgarantien bei Entscheidungen über die Aufnahme auf Transplantationswartelisten.\n\n**C-2635/2021** (7. März 2022) – Bundesverwaltungsgericht\n\nDas Bundesverwaltungsgericht präzisierte weitere Verfahrensanforderungen für die Aufnahme auf Transplantationswartelisten und stärkte die Rechtstellung von Patienten gegenüber Transplantationszentren.\n\n## Datenschutz und Transparenz\n\n**C-90/2013** (18. Januar 2013) – Bundesverwaltungsgericht\n\nWegweisendes Urteil zur Rechtsverweigerungsbeschwerde im Transplantationsbereich. Ein Witwer kämpfte um Zugang zu Informationen über die medizinischen Umstände, die zur Nicht-Eignung seiner verstorbenen Ehefrau als Organspenderin führten. Das Urteil berührt die Balance zwischen Transparenz und ärztlichem Berufsgeheimnis.\n\n## Strafrecht und Organhandel\n\n**BES.2020.106** (7. Mai 2018) – Appellationsgericht Basel-Stadt\n\nStrafverfahren wegen Verdachts auf Verstösse gegen das Transplantationsgesetz. Das Gericht behandelte Vorwürfe illegaler Organentnahme und konkretisierte die strafrechtlichen Schutzbestimmungen des TPG. Das Verfahren wurde schliesslich eingestellt.\n\n**BES.2018.93** (7. Mai 2018) – Appellationsgericht Basel-Stadt\n\nWeiterer Fall zu strafrechtlichen Aspekten der Organtransplantation. Das Gericht prüfte den Verdacht rechtswidriger Organentnahme und betonte die Bedeutung der informierten Zustimmung als zentrale Schutzbestimmung.\n\n## Aktuelle Entwicklungen\n\n**9C_121/2024** (23. Juni 2025) – Bundesgericht\n\nJüngster Entscheid zur Krankenversicherung im Transplantationsbereich. Das Bundesgericht behandelte komplexe Fragen der Kostentragung bei langfristigen Folgekosten von Organtransplantationen und Erwerbsausfallentschädigungen für Organempfänger.", "summary_fr": "# Art. 119a Cst. – Médecine de la transplantation\n\n## Aperçu\n\nL'art. 119a Cst. règle la médecine de la transplantation (transfert d'organes). La Confédération doit protéger la dignité humaine, la personnalité et la santé. Les organes doivent être répartis équitablement. Le commerce d'organes est interdit.\n\nLa disposition concerne toutes les personnes : donneurs d'organes, receveurs et leurs familles. Les médecins et les hôpitaux doivent respecter des règles strictes. La loi sur la transplantation (LTx) concrétise la disposition constitutionnelle.\n\nLe don d'organes s'effectue sur base volontaire et à titre gratuit. Personne ne peut recevoir d'argent pour ses organes. La répartition s'effectue selon des critères médicaux tels que l'urgence et les chances de succès. Les listes d'attente sont tenues par les centres de transplantation.\n\nUn point de controverse central concerne le moment de la mort. Les partisans du concept de mort cérébrale considèrent la mort comme un événement biologique, lorsque toutes les fonctions critiques cessent irréversiblement (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 60). Les critiques comme Becchi objectent que le concept de mort cérébrale sert unilatéralement le but du prélèvement précoce d'organes (Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004). Le concept de mort basé sur l'autonomie exige un consentement explicite au prélèvement d'organes dès la mort cérébrale.\n\nLa répartition équitable des organes exige selon Sitter-Liver l'égalité de traitement de tous les patients, des critères médicaux comme base de décision primaire et la transparence de la procédure (Gerechte Organallokation, 2003). Schott souligne le développement de critères de sélection clairs pour les patients (Patientenauswahl und Organallokation, 2001).\n\nJuridiquement, la disposition constitutionnelle renforce le droit à l'autodétermination. Chacun peut décider de son vivant s'il souhaite donner ses organes après sa mort. Le registre des donneurs d'organes documente cette volonté. Sans consentement, aucun organe ne peut être prélevé.\n\n**Exemple** : Maria subit un accident vasculaire cérébral. À l'hôpital, il s'avère qu'elle est en état de mort cérébrale, mais que ses organes sont fonctionnels. Les médecins consultent le registre des donneurs d'organes et interrogent la famille. Seulement en cas de consentement documenté ou présumé, ses organes peuvent sauver la vie d'autres patients.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 119a Cst. a été accepté le 7 février 1999 par le peuple et tous les cantons avec une majorité écrasante (87,8% de oui). Cette norme constitutionnelle fait suite à l'initiative parlementaire Huber du 22 septembre 1994 et à la motion Onken du 12 décembre 1991 (FF 1997 III 653).\n\n**N. 2** L'Assemblée fédérale a reconnu l'urgence d'un fondement constitutionnel pour la médecine de transplantation. Avant 1999, il n'existait que des réglementations cantonales avec des différences considérables, notamment concernant la solution du consentement. L'**ATF 123 I 112** avait souligné la nécessité d'une réglementation fédérale uniforme.\n\n**N. 3** L'article constitutionnel a été formulé consciemment comme disposition de principe. L'aménagement détaillé devait être réservé à la loi sur la transplantation du 8 octobre 2004 (LTx, RS 810.21) (FF 2001 29).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 119a Cst. se situe systématiquement entre les dispositions relatives à la procréation médicalement assistée et au génie génétique (art. 119 Cst.) et au génie génétique dans le domaine non humain (art. 120 Cst.). Cette classification souligne son caractère de matière biomédicale spécialisée avec un rapport particulier à la dignité humaine.\n\n**N. 5** La norme est en relation étroite avec les droits fondamentaux, notamment :\n- → Art. 7 Cst. (dignité humaine)\n- → Art. 10 Cst. (droit à la vie et liberté personnelle)\n- ↔ Art. 8 Cst. (égalité juridique dans l'allocation d'organes)\n- → Art. 12 Cst. (droit d'être secouru)\n- → Art. 41 al. 1 let. b Cst. (but social des soins de santé)\n\n**N. 6** En tant que norme de compétence, l'art. 119a Cst. fonde une compétence fédérale complète pour la médecine de transplantation. Les cantons ne conservent que les compétences prévues par le droit fédéral (→ Art. 3 Cst.).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Mandat de protection et obligations de considération (al. 1)\n\n**N. 7** Le mandat de protection comprend trois biens protégés : la dignité humaine, la personnalité et la santé. Selon Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 10, la dignité humaine forme la valeur suprême, qui subsiste aussi post mortem.\n\n**N. 8** La « personnalité » comprend tant la personnalité du donneur que celle du receveur. Central est le droit d'autodétermination sur son propre corps, qui s'étend aussi à la phase post-mortem (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 10).\n\n**N. 9** La protection de la santé s'adresse en premier lieu aux donneurs vivants. L'obligation de considération exige une pesée entre le risque sanitaire du donneur et l'utilité pour le receveur (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 13).\n\n### 3.2 Allocation équitable d'organes (al. 2)\n\n**N. 10** Le terme « équitable » est une notion juridique indéterminée. Selon Sitter-Liver (Gerechte Organallokation, 2003, p. 112ss) et Schott (Patientenauswahl und Organallokation, 2001, p. 89ss), l'équité dans la répartition d'organes requiert :\n- L'égalité de traitement de tous les patients (→ Art. 8 Cst.)\n- Les critères médicaux comme base de décision primaire\n- La transparence de la procédure d'allocation\n\n**N. 11** L'Assemblée fédérale a consciemment renoncé à une définition des critères de répartition dans la Constitution. La concrétisation s'effectue par les art. 16ss LTx et l'ordonnance sur l'attribution d'organes (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 25).\n\n### 3.3 Gratuité et interdiction du commerce (al. 3)\n\n**N. 12** L'interdiction de faire commerce d'organes est formulée de manière absolue. Elle englobe toute forme de commercialisation, y compris les avantages indirects. Le principe de gratuité n'exclut toutefois pas les dédommagements (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 28).\n\n**N. 13** La gratuité du don découle du principe de la dignité humaine. Une commercialisation dégraderait le corps humain en marchandise (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 30 ; cf. aussi → Art. 262 CP).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** L'art. 119a Cst. fonde une compétence législative complète de la Confédération. Celle-ci a été exercée avec la LTx et ses actes d'exécution. Les cantons n'ont plus de compétence réglementaire autonome.\n\n**N. 15** L'al. 1 fait découler une obligation de protection étatique. L'État doit agir activement pour protéger les biens juridiques mentionnés. Cela comprend des mécanismes de contrôle, des dispositions pénales et des garanties de procédure.\n\n**N. 16** L'al. 2 oblige la Confédération à créer un système d'allocation équitable. La pratique administrative montre que les patients peuvent recourir en justice en cas de non-inscription sur les listes d'attente (**C-4780/2019** ; **C-3092/2022**).\n\n**N. 17** L'interdiction du commerce selon l'al. 3 a des conséquences pénales directes. Les violations sont punies selon l'art. 69 LTx d'une peine privative de liberté de cinq ans au plus.\n\n## 5. Points litigieux\n\n### 5.1 Moment de la mort et concept de mort cérébrale\n\n**N. 18** Un point litigieux central concerne la définition du moment de la mort. Les partisans du concept de mort cérébrale soutiennent que la mort intervient quand toutes les fonctions critiques de l'organisme ont défailli de manière irréversible (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 60).\n\n**N. 19** Des critiques comme Becchi (in : Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004, p. 45ss) objectent que le concept de mort cérébrale sert unilatéralement l'objectif d'un prélèvement d'organes précoce. Chez une personne en mort cérébrale, toutes les fonctions vitales ne sont pas encore éteintes.\n\n**N. 20** Les représentants d'un concept de mort basé sur l'autonomie exigent qu'un prélèvement d'organes dès la mort cérébrale ne soit acceptable que si la personne concernée a consenti à cette procédure (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a N. 60).\n\n### 5.2 Solution du consentement vs. solution du consentement présumé\n\n**N. 21** La Suisse connaît avec l'art. 8 LTx la solution du consentement élargi. Il est controversé de savoir si une solution du consentement présumé serait compatible avec l'art. 119a Cst. Des partisans comme Dumoulin (Organtransplantation in der Schweiz, 1998, p. 234) y voient une utilisation plus efficace de la ressource rare qu'sont les organes.\n\n**N. 22** Les opposants soulignent la primauté de l'autodétermination. Le consentement présumé dans la solution du consentement présumé violerait le droit de la personnalité (Hofer, Das Recht der Transplantationsmedizin, 2006, p. 156ss).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 23** Pour la pratique, la documentation claire de la volonté du donneur est centrale. Le registre national des donneurs d'organes offre pour cela une plateforme sûre. L'implication des proches reste importante même en cas de volonté documentée.\n\n**N. 24** Les centres de transplantation doivent établir des procédures transparentes pour l'inscription sur les listes d'attente. La jurisprudence du Tribunal administratif fédéral exige un examen individuel et des garanties de procédure équitables (**C-3092/2022**).\n\n**N. 25** Lors de l'attribution transfrontalière d'organes, les accords internationaux doivent être respectés. La collaboration avec Eurotransplant est soumise à des obligations particulières de qualité et de documentation.\n\n**N. 26** Les médecins et hôpitaux doivent maintenir la séparation stricte entre constatation du décès et équipe de transplantation. Cela assure l'indépendance de la constatation du décès et renforce la confiance dans la médecine de transplantation.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes de la transplantation d'organes avant l'adoption de la LTx\n\n**ATF 123 I 112** (16 avril 1997)\n\nLe Tribunal fédéral a examiné, avant l'adoption de la loi sur la transplantation, la constitutionnalité de la loi genevoise sur le prélèvement et la transplantation d'organes dans le cadre d'un contrôle abstrait des normes. La loi genevoise fut le premier canton à introduire le système du consentement présumé (solution du refus). L'arrêt développe les bases constitutionnelles pour la médecine de transplantation.\n\n> «La portée de la liberté personnelle dans le domaine de la transplantation d'organes ; la garantie constitutionnelle de la liberté personnelle ne se limite pas à la durée de la vie des individus. Elle prolonge ses effets, dans une certaine mesure, au-delà du décès. Du point de vue constitutionnel, le défunt doit être considéré comme le titulaire prioritaire des droits protégeant sa dépouille contre des atteintes contraires aux mœurs et aux usages. Toute personne a ainsi le droit de déterminer le sort de sa dépouille après sa mort.»\n\n**ATF 114 V 258** (22 novembre 1988)\n\nArrêt pionnier sur la prise en charge des coûts de transplantation d'organes par l'assurance-maladie. Le Tribunal fédéral a confirmé l'obligation des caisses-maladie de prendre en charge les coûts d'une transplantation cardiaque comme prestation obligatoire sous l'ancienne LAMA. L'arrêt a établi les transplantations comme méthode de traitement médical reconnue.\n\n> «Les caisses-maladie sont tenues de prendre en charge, au titre des prestations obligatoires, les frais nécessités par une transplantation cardiaque. Les caisses-maladie ont les coûts nécessaires lors d'une transplantation cardiaque à assumer comme prestations obligatoires.»\n\n## Prise en charge des coûts par l'assurance-maladie\n\n**ATF 131 V 338** (30 juin 2005)\n\nPrécision de la prise en charge des coûts pour les transplantations hépatiques de donneurs vivants sous la LAMal. Le Tribunal fédéral a confirmé que l'assurance obligatoire des soins est également tenue à la prise en charge des coûts en cas de don vivant, si les conditions légales sont remplies.\n\n> «L'assurance obligatoire des soins doit prendre en charge les coûts d'une transplantation hépatique de donneur vivant. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung muss die Kosten einer Lebend-Lebertransplantation übernehmen.»\n\n## Droit de procédure et droits des patients\n\n**C-4780/2019** (1er mars 2021) – Tribunal administratif fédéral\n\nArrêt de principe sur l'inscription sur les listes d'attente pour des re-transplantations. Un patient gravement handicapé après une transplantation pulmonaire s'est battu pour son inscription sur la liste d'attente pour une seconde transplantation. Le Tribunal administratif fédéral a annulé le refus et a concrétisé les droits procéduraux des patients en transplantation.\n\n**C-3092/2022** (1er décembre 2023) – Tribunal administratif fédéral\n\nDéveloppement de la jurisprudence sur les procédures d'inscription sur les listes d'attente. Le tribunal a souligné l'importance d'un examen individuel et de garanties procédurales appropriées dans les décisions concernant l'inscription sur les listes d'attente de transplantation.\n\n**C-2635/2021** (7 mars 2022) – Tribunal administratif fédéral\n\nLe Tribunal administratif fédéral a précisé d'autres exigences procédurales pour l'inscription sur les listes d'attente de transplantation et a renforcé la position juridique des patients face aux centres de transplantation.\n\n## Protection des données et transparence\n\n**C-90/2013** (18 janvier 2013) – Tribunal administratif fédéral\n\nArrêt marquant sur le recours pour déni de justice dans le domaine de la transplantation. Un veuf s'est battu pour accéder aux informations sur les circonstances médicales qui ont conduit à la non-admissibilité de son épouse décédée comme donneuse d'organes. L'arrêt touche à l'équilibre entre transparence et secret professionnel médical.\n\n## Droit pénal et trafic d'organes\n\n**BES.2020.106** (7 mai 2018) – Cour d'appel de Bâle-Ville\n\nProcédure pénale pour soupçon de violations de la loi sur la transplantation. Le tribunal a traité des accusations de prélèvement illégal d'organes et a concrétisé les dispositions pénales de protection de la LTx. La procédure a finalement été classée.\n\n**BES.2018.93** (7 mai 2018) – Cour d'appel de Bâle-Ville\n\nAutre cas concernant les aspects pénaux de la transplantation d'organes. Le tribunal a examiné le soupçon de prélèvement illicite d'organes et a souligné l'importance du consentement éclairé comme disposition de protection centrale.\n\n## Développements actuels\n\n**9C_121/2024** (23 juin 2025) – Tribunal fédéral\n\nArrêt récent sur l'assurance-maladie dans le domaine de la transplantation. Le Tribunal fédéral a traité des questions complexes de prise en charge des coûts à long terme des transplantations d'organes et des indemnités pour perte de gain pour les receveurs d'organes.", "summary_it": "# Art. 119a CF – Medicina dei trapianti\n\n## Panoramica\n\nL'art. 119a CF disciplina la medicina dei trapianti (trapianto di organi). La Confederazione deve proteggere la dignità umana, la personalità e la salute. Gli organi devono essere distribuiti equamente. Il commercio di organi è vietato.\n\nLa disposizione riguarda tutte le persone: donatori di organi, riceventi e le loro famiglie. I medici e gli ospedali devono rispettare regole severe. La legge sui trapianti (LTx) concretizza la disposizione costituzionale.\n\nLa donazione di organi avviene volontariamente e gratuitamente. Nessuno può ricevere denaro per i propri organi. La distribuzione avviene secondo criteri medici come l'urgenza e le prospettive di successo. Le liste d'attesa sono gestite dai centri di trapianto.\n\nUn punto controverso centrale riguarda il momento della morte. I sostenitori del concetto di morte cerebrale vedono la morte come evento biologico, quando tutte le funzioni critiche cessano irreversibilmente (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60). I critici come Becchi obiettano che il concetto di morte cerebrale serve unilateralmente allo scopo del prelievo precoce di organi (Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004). Il concetto di morte basato sull'autonomia richiede il consenso esplicito al prelievo di organi dalla morte cerebrale.\n\nLa distribuzione equa degli organi richiede secondo Sitter-Liver il trattamento paritario di tutti i pazienti, criteri medici come base decisionale primaria e trasparenza della procedura (Gerechte Organallokation, 2003). Schott sottolinea lo sviluppo di criteri di selezione chiari per i pazienti (Patientenauswahl und Organallokation, 2001).\n\nGiuridicamente la disposizione costituzionale rafforza il diritto all'autodeterminazione. Ognuno può decidere in vita se desidera donare i propri organi dopo la morte. Il registro dei donatori di organi documenta questa volontà. Senza consenso non possono essere prelevati organi.\n\n**Esempio**: Maria subisce un ictus. In ospedale si constata che è cerebralmente morta, ma i suoi organi sono funzionali. I medici controllano il registro dei donatori di organi e interrogano la famiglia. Solo in caso di consenso documentato o presunto i suoi organi possono salvare la vita di altri pazienti.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 119a Cost. è stato accolto il 7 febbraio 1999 dal popolo e da tutti i Cantoni con una maggioranza schiacciante (87.8% di voti favorevoli). La norma costituzionale risale all'iniziativa parlamentare Huber del 22 settembre 1994 e alla mozione Onken del 12 dicembre 1991 (FF 1997 III 653).\n\n**N. 2** L'Assemblea federale riconobbe l'urgenza di una base costituzionale per la medicina dei trapianti. Prima del 1999 esistevano solo regolamentazioni cantonali con notevoli differenze, in particolare riguardo alla soluzione del consenso. La **DTF 123 I 112** aveva sottolineato la necessità di una regolamentazione unitaria di diritto federale.\n\n**N. 3** L'articolo costituzionale fu formulato deliberatamente come disposizione di principio. La configurazione dettagliata doveva essere riservata alla legge sui trapianti dell'8 ottobre 2004 (LTx, RS 810.21) (FF 2001 29).\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 119a Cost. si colloca sistematicamente tra le disposizioni sulla medicina della procreazione e la tecnologia genetica (art. 119 Cost.) e la tecnologia genetica nel campo non umano (art. 120 Cost.). Questa classificazione sottolinea il carattere di materia biomedica speciale con particolare riferimento alla dignità umana.\n\n**N. 5** La norma è strettamente correlata ai diritti fondamentali, in particolare:\n- → Art. 7 Cost. (dignità umana)\n- → Art. 10 Cost. (diritto alla vita e alla libertà personale)\n- ↔ Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica nell'allocazione degli organi)\n- → Art. 12 Cost. (diritto all'aiuto in situazioni di bisogno)\n- → Art. 41 cpv. 1 lett. b Cost. (obiettivo sociale dell'assistenza sanitaria)\n\n**N. 6** Come norma di competenza, l'art. 119a Cost. fonda una competenza federale comprensiva per la medicina dei trapianti. I Cantoni conservano competenze solo nella misura in cui il diritto federale le prevede (→ art. 3 Cost.).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Mandato di protezione e obblighi di considerazione (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il mandato di protezione comprende tre beni protetti: dignità umana, personalità e salute. Secondo Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 10, la dignità umana costituisce il valore supremo, che persiste anche post mortem.\n\n**N. 8** La «personalità» comprende sia la personalità del donatore sia quella del ricevente. Centrale è il diritto di autodeterminazione sul proprio corpo, che si estende anche alla fase post mortem (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 10).\n\n**N. 9** La protezione della salute si rivolge primariamente ai donatori viventi. L'obbligo di considerazione richiede una ponderazione tra il rischio sanitario del donatore e il beneficio per il ricevente (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 13).\n\n### 3.2 Allocazione equa degli organi (cpv. 2)\n\n**N. 10** Il concetto di «equo» è un concetto giuridico indeterminato. Secondo Sitter-Liver (Gerechte Organallokation, 2003, p. 112 segg.) e Schott (Patientenauswahl und Organallokation, 2001, p. 89 segg.), l'equità nella distribuzione degli organi richiede:\n- Parità di trattamento di tutti i pazienti (→ art. 8 Cost.)\n- Criteri medici come base decisionale primaria\n- Trasparenza del procedimento di allocazione\n\n**N. 11** L'Assemblea federale ha deliberatamente rinunciato a una definizione dei criteri di distribuzione nella costituzione. La concretizzazione avviene tramite gli art. 16 segg. LTx e l'ordinanza sull'attribuzione di organi (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 25).\n\n### 3.3 Gratuità e divieto di commercio (cpv. 3)\n\n**N. 12** Il divieto di commerciare con organi è formulato in modo assoluto. Comprende ogni forma di commercializzazione, anche vantaggi indiretti. Il principio di gratuità non esclude tuttavia le indennità per le spese (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 28).\n\n**N. 13** La gratuità della donazione deriva dal principio della dignità umana. Una commercializzazione degraderebbe il corpo umano a merce (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 30; cfr. anche → art. 262 CP).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** L'art. 119a Cost. fonda una competenza legislativa comprensiva della Confederazione. Questa è stata esercitata con la LTx e i suoi decreti di esecuzione. I Cantoni non hanno più alcuna competenza normativa autonoma.\n\n**N. 15** Dal cpv. 1 deriva un obbligo statale di protezione. Lo Stato deve intervenire attivamente per proteggere i beni giuridici menzionati. Ciò comprende meccanismi di controllo, disposizioni penali e garanzie procedurali.\n\n**N. 16** Il cpv. 2 obbliga la Confederazione a creare un sistema di allocazione equo. La prassi amministrativa mostra che i pazienti possono ricorrere per via giuridica in caso di mancata iscrizione nelle liste di attesa (**C-4780/2019**; **C-3092/2022**).\n\n**N. 17** Il divieto di commercio secondo il cpv. 3 ha dirette conseguenze penali. Le violazioni sono punite secondo l'art. 69 LTx con pena detentiva fino a cinque anni.\n\n## 5. Controversie\n\n### 5.1 Momento della morte e concetto di morte cerebrale\n\n**N. 18** Un punto controverso centrale riguarda la definizione del momento della morte. I sostenitori del concetto di morte cerebrale argomentano che la morte sopraggiunge quando tutte le funzioni critiche dell'organismo sono cessate irreversibilmente (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 60).\n\n**N. 19** Critici come Becchi (in: Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004, p. 45 segg.) obiettano che il concetto di morte cerebrale serva unilateralmente al fine di un prelievo precoce di organi. In una persona cerebralmente morta non tutte le funzioni vitali sono ancora estinte.\n\n**N. 20** I rappresentanti di un concetto di morte basato sull'autonomia richiedono che un prelievo di organi dalla morte cerebrale sia accettabile solo se l'interessato ha acconsentito a tale procedimento (Belser/Molinari, BSK BV, art. 119a n. 60).\n\n### 5.2 Soluzione del consenso vs. soluzione del dissenso\n\n**N. 21** La Svizzera conosce con l'art. 8 LTx la soluzione del consenso esteso. È controverso se una soluzione del dissenso sarebbe compatibile con l'art. 119a Cost. Sostenitori come Dumoulin (Organtransplantation in der Schweiz, 1998, p. 234) vedono in ciò un utilizzo più efficiente del bene scarso organi.\n\n**N. 22** Gli oppositori sottolineano la priorità dell'autodeterminazione. Il consenso presunto nella soluzione del dissenso violerebbe il diritto della personalità (Hofer, Das Recht der Transplantationsmedizin, 2006, p. 156 segg.).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 23** Per la pratica è centrale la chiara documentazione della volontà del donatore. Il registro nazionale di donazione di organi offre per questo una piattaforma sicura. Il coinvolgimento dei congiunti rimane importante anche in caso di volontà documentata.\n\n**N. 24** I centri di trapianto devono stabilire procedure trasparenti per l'iscrizione nelle liste di attesa. La giurisprudenza del Tribunale amministrativo federale richiede un esame individuale e garanzie procedurali eque (**C-3092/2022**).\n\n**N. 25** Nella mediazione transfrontaliera di organi sono da rispettare gli accordi internazionali. La collaborazione con Eurotransplant sottostà a speciali obblighi di qualità e documentazione.\n\n**N. 26** Medici e ospedali devono rispettare la rigorosa separazione tra accertamento del decesso e équipe di trapianto. Ciò garantisce l'indipendenza dell'accertamento del decesso e rafforza la fiducia nella medicina dei trapianti.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi del trapianto di organi prima dell'entrata in vigore della LTx\n\n**DTF 123 I 112** (16 aprile 1997)\n\nIl Tribunale federale, prima dell'entrata in vigore della legge sui trapianti, esaminò la costituzionalità della legge ginevrina sui prelievi e trapianti di organi nel quadro del controllo astratto delle norme. La legge ginevrina introdusse per prima a livello cantonale il sistema del consenso presunto (soluzione dell'opposizione). La sentenza sviluppa i fondamenti costituzionali per la medicina dei trapianti.\n\n> «La portata della libertà personale nel campo del trapianto di organi; la garanzia costituzionale della libertà personale non si limita alla durata della vita degli individui. Prolunga i suoi effetti, in una certa misura, oltre il decesso. Dal punto di vista costituzionale, il defunto deve essere considerato come il titolare prioritario dei diritti che proteggono la sua spoglia contro attentati contrari ai buoni costumi e agli usi. Ogni persona ha così il diritto di determinare la sorte della sua spoglia dopo la morte.»\n\n**DTF 114 V 258** (22 novembre 1988)\n\nDecisione pionieristica sulla copertura dei costi dei trapianti di organi da parte dell'assicurazione malattie. Il Tribunale federale confermò l'obbligo delle casse malati di assumere i costi di un trapianto cardiaco quale prestazione obbligatoria secondo la vecchia LAMI. La decisione stabilì i trapianti come metodo di trattamento medico riconosciuto.\n\n> «Le casse malati devono assumere i costi necessari per un trapianto cardiaco quali prestazioni obbligatorie. Les caisses-maladie sont tenues de prendre en charge, au titre des prestations obligatoires, les frais nécessités par une transplantation cardiaque.»\n\n## Copertura dei costi da parte dell'assicurazione malattie\n\n**DTF 131 V 338** (30 giugno 2005)\n\nPrecisazione della copertura dei costi per trapianti di fegato da donatore vivente secondo la LAMal. Il Tribunale federale confermò che l'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie è tenuta ad assumere i costi anche in caso di donazione da vivente, se sono adempiute le condizioni legali.\n\n> «L'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie deve assumere i costi di un trapianto di fegato da donatore vivente. L'assurance obligatoire des soins doit prendre en charge la transplantation du foie d'un donneur vivant.»\n\n## Diritto procedurale e diritti dei pazienti\n\n**C-4780/2019** (1° marzo 2021) – Tribunale amministrativo federale\n\nDecisione di principio sull'iscrizione nelle liste d'attesa per ri-trapianti. Un paziente con grave disabilità dopo trapianto polmonare lottò per l'iscrizione nella lista d'attesa per un secondo trapianto. Il Tribunale amministrativo federale annullò il rifiuto e concretizzò i diritti procedurali dei pazienti trapiantati.\n\n**C-3092/2022** (1° dicembre 2023) – Tribunale amministrativo federale\n\nSviluppo della giurisprudenza sulle procedure di ammissione alle liste d'attesa. Il Tribunale sottolineò l'importanza dell'esame individuale e di adeguate garanzie procedurali nelle decisioni sull'iscrizione nelle liste d'attesa per trapianti.\n\n**C-2635/2021** (7 marzo 2022) – Tribunale amministrativo federale\n\nIl Tribunale amministrativo federale precisò ulteriori requisiti procedurali per l'iscrizione nelle liste d'attesa per trapianti e rafforzò la posizione giuridica dei pazienti nei confronti dei centri di trapianto.\n\n## Protezione dei dati e trasparenza\n\n**C-90/2013** (18 gennaio 2013) – Tribunale amministrativo federale\n\nSentenza fondamentale sul ricorso per diniego di giustizia nel settore dei trapianti. Un vedovo lottò per l'accesso alle informazioni sulle circostanze mediche che portarono alla non idoneità della moglie deceduta quale donatrice di organi. La sentenza tocca l'equilibrio tra trasparenza e segreto professionale medico.\n\n## Diritto penale e traffico di organi\n\n**BES.2020.106** (7 maggio 2018) – Corte d'appello di Basilea Città\n\nProcedimento penale per sospetto di violazioni della legge sui trapianti. Il Tribunale trattò accuse di prelievo illegale di organi e concretizzò le disposizioni penali di protezione della LTx. Il procedimento fu infine archiviato.\n\n**BES.2018.93** (7 maggio 2018) – Corte d'appello di Basilea Città\n\nAltro caso su aspetti penali del trapianto di organi. Il Tribunale esaminò il sospetto di prelievo illecito di organi e sottolineò l'importanza del consenso informato quale disposizione centrale di protezione.\n\n## Sviluppi attuali\n\n**9C_121/2024** (23 giugno 2025) – Tribunale federale\n\nDecisione più recente sull'assicurazione malattie nel settore dei trapianti. Il Tribunale federale trattò questioni complesse della copertura dei costi per i costi consequenziali a lungo termine dei trapianti di organi e le indennità per perdita di guadagno per i riceventi di organi.", "summary_en": "# Art. 119a BV – Transplantation medicine\n\n## Overview\n\nArt. 119a BV regulates transplantation medicine (transfer of organs). The Confederation must protect human dignity, personality and health. Organs must be distributed fairly. Trade in organs is prohibited.\n\nThe provision affects all persons: organ donors, recipients and their families. Doctors and hospitals must follow strict rules. The Transplantation Act (TxA) concretizes the constitutional provision.\n\nOrgan donation is voluntary and free of charge. No one may receive money for their organs. Distribution takes place according to medical criteria such as urgency and prospects of success. Waiting lists are maintained by transplantation centres.\n\nA central point of dispute concerns the time of death. Proponents of the brain death concept see death as a biological event when all critical functions fail irreversibly (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60). Critics such as Becchi object that the brain death concept serves unilaterally the purpose of early organ removal (Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004). The autonomy-based concept of death requires explicit consent to organ removal from brain death.\n\nFair organ distribution requires, according to Sitter-Liver, equal treatment of all patients, medical criteria as the primary basis for decision-making and transparency of the procedure (Gerechte Organallokation, 2003). Schott emphasizes the development of clear selection criteria for patients (Patientenauswahl und Organallokation, 2001).\n\nLegally, the constitutional provision strengthens the right to self-determination. Everyone can decide during their lifetime whether they want to donate organs after their death. The organ donor register documents this will. No organs may be removed without consent.\n\n**Example**: Maria suffers a stroke. In the hospital it turns out that she is brain dead, but her organs are functional. The doctors check the organ donor register and question the family. Only with documented or presumed consent can her organs save the lives of other patients.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 119a BV was adopted on 7 February 1999 by the people and all cantons with an overwhelming majority (87.8% yes votes). The constitutional provision stems from the parliamentary initiative Huber of 22 September 1994 and motion Onken of 12 December 1991 (BBl 1997 III 653).\n\n**N. 2** The Federal Assembly recognized the urgency of a constitutional basis for transplantation medicine. Before 1999, only cantonal regulations existed with considerable differences, particularly regarding consent solutions. **BGE 123 I 112** had underlined the necessity of uniform federal regulation.\n\n**N. 3** The constitutional article was deliberately formulated as a principle provision. Detailed implementation was to remain reserved to the Transplantation Act of 8 October 2004 (TPG, SR 810.21) (BBl 2001 29).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 119a BV is systematically positioned between the provisions on reproductive medicine and genetic technology (Art. 119 BV) and genetic technology in the non-human sphere (Art. 120 BV). This classification underlines the character as biomedical special subject matter with particular reference to human dignity.\n\n**N. 5** The provision is closely connected to fundamental rights, particularly:\n- → Art. 7 BV (human dignity)\n- → Art. 10 BV (right to life and personal liberty)\n- ↔ Art. 8 BV (equality before the law in organ allocation)\n- → Art. 12 BV (right to assistance in situations of distress)\n- → Art. 41 para. 1 lit. b BV (social goal of healthcare provision)\n\n**N. 6** As a competence provision, Art. 119a BV establishes comprehensive federal competence for transplantation medicine. The cantons retain only competences insofar as federal law provides for them (→ Art. 3 BV).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Protection Mandate and Consideration Obligations (para. 1)\n\n**N. 7** The protection mandate encompasses three protected interests: human dignity, personality and health. According to Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 10, human dignity forms the highest value, which also continues after death.\n\n**N. 8** «Personality» encompasses both the personality of the donor and of the recipient. Central is the right of self-determination over one's own body, which also extends to the post-mortem phase (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 10).\n\n**N. 9** Health protection is primarily directed at living donors. The consideration obligation requires a balancing between the health risk of the donor and the benefit for the recipient (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 13).\n\n### 3.2 Fair Organ Allocation (para. 2)\n\n**N. 10** The term «fair» is an indeterminate legal concept. According to Sitter-Liver (Gerechte Organallokation, 2003, p. 112ff.) and Schott (Patientenauswahl und Organallokation, 2001, p. 89ff.), fairness in organ distribution requires:\n- Equal treatment of all patients (→ Art. 8 BV)\n- Medical criteria as primary decision basis\n- Transparency of the allocation procedure\n\n**N. 11** The Federal Assembly deliberately refrained from defining distribution criteria in the constitution. Specification takes place through Art. 16ff. TPG and the Organ Allocation Ordinance (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 25).\n\n### 3.3 Gratuitousness and Trade Prohibition (para. 3)\n\n**N. 12** The prohibition on trading in organs is formulated in absolute terms. It encompasses every form of commercialisation, including indirect advantages. However, the principle of gratuitousness does not exclude expense reimbursements (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 28).\n\n**N. 13** The gratuitousness of donation follows from the principle of human dignity. Commercialisation would degrade the human body to a commodity (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 30; cf. also → Art. 262 StGB).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** Art. 119a BV establishes comprehensive legislative competence of the Confederation. This was exercised with the TPG and its implementing regulations. The cantons no longer have independent regulatory authority.\n\n**N. 15** Para. 1 gives rise to a state duty to protect. The state must actively intervene to protect the mentioned legal interests. This encompasses control mechanisms, criminal provisions and procedural guarantees.\n\n**N. 16** Para. 2 obliges the Confederation to create a fair allocation system. Administrative practice shows that patients can resort to legal proceedings when not admitted to waiting lists (**C-4780/2019**; **C-3092/2022**).\n\n**N. 17** The trade prohibition under para. 3 has direct criminal law consequences. Violations are punished according to Art. 69 TPG with imprisonment of up to five years.\n\n## 5. Controversial Issues\n\n### 5.1 Time of Death and Brain Death Concept\n\n**N. 18** A central point of contention concerns the definition of the time of death. Proponents of the brain death concept argue that death occurs when all critical functions of the organism have irreversibly failed (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60).\n\n**N. 19** Critics such as Becchi (in: Bondolfi/Kostka/Seelmann, Organallokation, 2004, p. 45ff.) object that the brain death concept serves one-sidedly the purpose of early organ removal. In a brain-dead person, not all vital functions have yet ceased.\n\n**N. 20** Representatives of an autonomy-based concept of death demand that organ removal after brain death is only acceptable if the person concerned has consented to this procedure (Belser/Molinari, BSK BV, Art. 119a N. 60).\n\n### 5.2 Consent Solution vs. Opt-out Solution\n\n**N. 21** Switzerland employs the extended consent solution with Art. 8 TPG. It is controversial whether an opt-out solution would be compatible with Art. 119a BV. Proponents such as Dumoulin (Organtransplantation in der Schweiz, 1998, p. 234) see in this a more efficient use of the scarce resource of organs.\n\n**N. 22** Opponents emphasise the primacy of self-determination. The presumed consent in the opt-out solution would violate personality rights (Hofer, Das Recht der Transplantationsmedizin, 2006, p. 156ff.).\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 23** For practice, clear documentation of the donor's wishes is central. The national organ donor register offers a secure platform for this. Involvement of relatives remains important even with documented wishes.\n\n**N. 24** Transplantation centres must establish transparent procedures for admission to waiting lists. The case law of the Federal Administrative Court demands individual examination and fair procedural guarantees (**C-3092/2022**).\n\n**N. 25** In cross-border organ procurement, international agreements must be observed. Cooperation with Eurotransplant is subject to special quality and documentation obligations.\n\n**N. 26** Doctors and hospitals must maintain strict separation between death determination and transplantation team. This secures the independence of death determination and strengthens trust in transplantation medicine.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Principles of Organ Transplantation Prior to the Enactment of the Transplantation Act\n\n**BGE 123 I 112** (16 April 1997)\n\nPrior to the enactment of the Transplantation Act, the Federal Supreme Court examined the constitutionality of the Geneva Act on Organ Removal and Transplantation in abstract judicial review proceedings. The Geneva Act was the first canton to introduce the system of presumed consent (opt-out solution). The judgment developed the constitutional foundations for transplantation medicine.\n\n> «The scope of personal liberty in the field of organ transplantation; the constitutional guarantee of personal liberty is not limited to the duration of individuals' lives. It extends its effects, to a certain extent, beyond death. From a constitutional perspective, the deceased must be considered as the primary holder of rights protecting their remains against violations contrary to morals and customs. Every person thus has the right to determine the fate of their remains after death.»\n\n**BGE 114 V 258** (22 November 1988)\n\nGroundbreaking decision on cost coverage for organ transplantations by health insurance. The Federal Supreme Court affirmed the duty of health insurance funds to cover the costs of a heart transplantation as a mandatory benefit under the former KUVG. The decision established transplantations as a recognised medical treatment method.\n\n> «Health insurance funds must cover the costs necessary for a heart transplantation as mandatory benefits. Health insurance funds are obliged to cover, as mandatory benefits, the costs necessitated by a heart transplantation.»\n\n## Cost Coverage by Health Insurance\n\n**BGE 131 V 338** (30 June 2005)\n\nClarification of cost coverage for liver transplantations from living donors under the HIA. The Federal Supreme Court confirmed that mandatory health care insurance is also obliged to cover costs for living donations when the statutory requirements are met.\n\n> «Mandatory health care insurance must cover the costs of a living liver transplantation. Mandatory health care insurance must cover liver transplantation from a living donor.»\n\n## Procedural Law and Patient Rights\n\n**C-4780/2019** (1 March 2021) – Federal Administrative Court\n\nLandmark decision on admission to waiting lists for re-transplantations. A patient with severe disability following lung transplantation fought for admission to the waiting list for a second transplantation. The Federal Administrative Court overturned the refusal and specified the procedural rights of transplantation patients.\n\n**C-3092/2022** (1 December 2023) – Federal Administrative Court\n\nFurther development of case law on admission procedures for waiting lists. The court emphasised the importance of individual examination and appropriate procedural guarantees in decisions regarding admission to transplantation waiting lists.\n\n**C-2635/2021** (7 March 2022) – Federal Administrative Court\n\nThe Federal Administrative Court specified further procedural requirements for admission to transplantation waiting lists and strengthened the legal position of patients vis-à-vis transplantation centres.\n\n## Data Protection and Transparency\n\n**C-90/2013** (18 January 2013) – Federal Administrative Court\n\nLandmark judgment on denial of justice complaints in the transplantation field. A widower fought for access to information about the medical circumstances that led to his deceased wife's unsuitability as an organ donor. The judgment addresses the balance between transparency and medical professional secrecy.\n\n## Criminal Law and Organ Trafficking\n\n**BES.2020.106** (7 May 2018) – Court of Appeal Basel-Stadt\n\nCriminal proceedings on suspicion of violations of the Transplantation Act. The court dealt with allegations of illegal organ removal and specified the criminal protection provisions of the Transplantation Act. The proceedings were ultimately discontinued.\n\n**BES.2018.93** (7 May 2018) – Court of Appeal Basel-Stadt\n\nFurther case on criminal aspects of organ transplantation. The court examined suspicion of unlawful organ removal and emphasised the importance of informed consent as a central protection provision.\n\n## Current Developments\n\n**9C_121/2024** (23 June 2025) – Federal Supreme Court\n\nMost recent decision on health insurance in the transplantation field. The Federal Supreme Court dealt with complex questions of cost coverage for long-term follow-up costs of organ transplantations and loss of earnings compensation for organ recipients.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_119a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 120, "article_suffix": "", "title": "Gentechnologie im Ausserhumanbereich", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 120 BV schützt vor Missbräuchen der Gentechnologie (Veränderung von Erbgut). Die Bestimmung hat zwei Absätze: Absatz 1 schützt Mensch und Umwelt vor Missbrauch. Absatz 2 gibt dem Bund die Aufgabe, Regeln für den Umgang mit Erbgut von Tieren, Pflanzen und anderen Organismen zu erlassen.\n\nDer Bund muss dabei drei wichtige Grundsätze beachten: die Würde der Kreatur, die Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt sowie den Schutz der genetischen Vielfalt. Unter «Würde der Kreatur» versteht die Rechtswissenschaft den ethischen Eigenwert von Lebewesen. Allerdings ist umstritten, ob dieser Begriff nur Tiere und Pflanzen oder auch Menschen umfasst (Errass contra herrschende Lehre nach Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 14-78).\n\nBetroffen sind alle, die mit Gentechnik arbeiten: Forscher, Landwirte, Pharmaunternehmen und Behörden. Das Bundesgericht hat entschieden, dass bei Tierversuchen die besondere Nähe von Primaten zum Menschen zu berücksichtigen ist (**BGE 135 II 384**).\n\nKonkrete Beispiele zeigen die Bedeutung: Ein Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem Weizen muss alle Schutzgüter berücksichtigen (**BGE 129 II 286**). In der Landwirtschaft gilt seit 2005 ein Moratorium für gentechnisch veränderte Organismen (Art. 37a GTG), das mehrfach verlängert wurde.\n\nDie Rechtsfolgen sind vielfältig: Forscher brauchen Bewilligungen für Versuche. Unternehmen müssen Sicherheitsvorschriften einhalten. Behörden prüfen jedes Gesuch sorgfältig. Basel-Stadt diskutierte sogar Grundrechte für Menschenaffen, was das Bundesgericht grundsätzlich für zulässig hielt (**BGE 147 I 183**).\n\nArt. 120 BV zeigt, dass die Verfassung auch auf neue Technologien reagiert und ethische Grenzen setzt.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 120 BV wurde im Zuge der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 geschaffen und ersetzte den vormaligen Art. 24novies aBV (eingefügt 1992). Die Verfassungsbestimmung reagierte auf die rasanten Entwicklungen in der Gentechnologie und das gesellschaftliche Bedürfnis nach rechtlichen Leitplanken für diese neuen Technologien (BBl 1997 I 256). Die Bestimmung wurde später durch die Übergangsbestimmung Art. 197 Ziff. 7 BV ergänzt, welche ein fünfjähriges Moratorium für die landwirtschaftliche Nutzung gentechnisch veränderter Organismen vorsah (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 2).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber verfolgte mit Art. 120 BV drei zentrale Ziele: den Schutz vor Missbräuchen der Gentechnologie, die Wahrung der Würde der Kreatur sowie den Schutz der genetischen Vielfalt. Der Begriff der «Würde der Kreatur» stellte dabei ein Novum im Verfassungsrecht dar und löste intensive Debatten über seinen normativen Gehalt aus (BBl 1997 I 256 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 120 BV findet sich im 8. Abschnitt «Wohnen, Arbeit, soziale Sicherheit und Gesundheit» und steht in engem systematischen Zusammenhang mit Art. 119 BV (Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich). Die Zweiteilung der Gentechnologie-Regelung in Human- und Ausserhumanbereich reflektiert die unterschiedlichen ethischen und rechtlichen Massstäbe in diesen Bereichen (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 3).\n\n**N. 4** Die Norm weist vielfältige Querverbindungen auf: → Art. 73 BV (Nachhaltigkeit), → Art. 74 BV (Umweltschutz), → Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz), → Art. 80 BV (Tierschutz) sowie → Art. 104 BV (Landwirtschaft). Diese systematischen Bezüge unterstreichen den umfassenden Schutzanspruch der Verfassung im Bereich der Biotechnologie. \n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Art. 120 Abs. 1 BV statuiert ein allgemeines Schutzgebot vor «Missbräuchen der Gentechnologie». Der Begriff des Missbrauchs setzt eine zulässige Verwendung voraus und impliziert damit, dass die Gentechnologie nicht per se verboten ist, sondern nur deren missbräuchliche Anwendung (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 4-7).\n\n**N. 6** Art. 120 Abs. 2 Satz 1 BV begründet eine umfassende Bundeskompetenz für den Erlass von Vorschriften über den Umgang mit Keim- und Erbgut. Diese Kompetenz umfasst sämtliche Phasen vom geschlossenen System über Freisetzungsversuche bis zum Inverkehrbringen (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 8-13).\n\n**N. 7** Der zentrale und zugleich umstrittenste Begriff ist die «Würde der Kreatur» in Art. 120 Abs. 2 Satz 2 BV. Die herrschende Lehre versteht darunter nur nichtmenschliche Lebewesen (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ff.), während eine Mindermeinung auch den Menschen einbezieht (Errass, Gentechnologie, 61 ff. und ZSR 2002 I 333 f.). Das Bundesgericht hat in **BGE 135 II 405 E. 4.3** klargestellt, dass die Würde der Kreatur unabhängig von der Gentechnologie existiert und auch ausserhalb dieses Bereichs zu beachten ist.\n\n**N. 8** Die «Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt» bildet ein weiteres Schutzgut. Kontrovers ist, ob darunter auch der Eigentumsschutz fällt: Errass (Gentechnologie, 53 f.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) bejaht dies, während Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 i.f., 132 ff.) dies verneinen.\n\n**N. 9** Der Schutz der «genetischen Vielfalt» zielt auf die Erhaltung der Biodiversität und steht in engem Zusammenhang mit → Art. 78 BV (Natur- und Heimatschutz).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 120 BV ist primär eine Kompetenznorm, die den Bund zum Erlass von Schutzvorschriften verpflichtet. Die Umsetzung erfolgte hauptsächlich durch das Gentechnikgesetz (GTG), das Umweltschutzgesetz (insbesondere Art. 29a-h USG) und das Landwirtschaftsgesetz (Art. 27a LwG).\n\n**N. 11** Die Würde der Kreatur entfaltet direkte Wirkung bei der Interessenabwägung in konkreten Anwendungsfällen. Das Bundesgericht hat in **BGE 135 II 384** festgehalten, dass bei Tierversuchen mit Primaten die Würde der Kreatur als Abwägungsfaktor zu berücksichtigen ist.\n\n**N. 12** Art. 120 BV begründet keine subjektiven Rechte für Einzelpersonen, prägt aber die Auslegung und Anwendung des einfachgesetzlichen Rechts im Sinne einer verfassungskonformen Auslegung. \n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** Der Begriff der «Kreatur» ist Gegenstand einer fundamentalen Kontroverse: Während die herrschende Lehre (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ff.) nur nichtmenschliche Lebewesen erfasst sieht, plädiert Errass (Gentechnologie, 61 ff. und ZSR 2002 I 333 f.) für die Einbeziehung des Menschen. Diese Frage hat direkte Auswirkungen auf den Anwendungsbereich der Norm.\n\n**N. 14** Umstritten ist ferner der Schutzbereich der «Sicherheit des Menschen»: Errass (Gentechnologie, 53 f.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) und die St. Galler Kommentierung sehen auch den Eigentumsschutz erfasst, während Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 i.f., 132 ff.) dies mit Blick auf die spezifische Eigentumsgarantie in → Art. 26 BV ablehnen.\n\n**N. 15** Die konkrete Tragweite der Würde der Kreatur bleibt kontrovers. Während das Bundesgericht eine pragmatische Abwägungslösung vertritt (**BGE 135 II 405**), fordern Teile der Lehre absolute Grenzen der Instrumentalisierung (EKAH, Die Würde der Kreatur bei Pflanzen, Bern 2008).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Bewilligung von Freisetzungsversuchen ist eine umfassende Risikobeurteilung unter Einbezug aller in Art. 120 BV genannten Schutzgüter erforderlich. Die Behörden müssen nachweisen, dass sie die Würde der Kreatur in ihre Abwägung einbezogen haben (**BGE 129 II 286**).\n\n**N. 17** Für die Praxis der kantonalen Tierversuchskommissionen hat **BGE 135 II 384** verbindliche Massstäbe gesetzt: Je näher ein Tier dem Menschen steht, desto gewichtiger sind seine Interessen in der Abwägung zu berücksichtigen.\n\n**N. 18** Das verlängerte Moratorium für GVO in der Landwirtschaft (Art. 37a GTG) schränkt die praktische Bedeutung von Art. 120 BV in diesem Bereich ein. Forschung im geschlossenen System bleibt jedoch zulässig, sofern die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden.\n\n**N. 19** Die jüngste Rechtsprechung zu Grundrechten für Primaten (**BGE 147 I 183**) zeigt, dass die Würde der Kreatur auch ausserhalb der Gentechnologie Wirkung entfaltet und kantonale Entwicklungen in diesem Bereich nicht ausgeschlossen sind.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Tierversuche und Würde der Kreatur\n\n**BGE 135 II 384** vom 7. Oktober 2009\n\nDas Bundesgericht präzisierte die Anwendung von Art. 120 Abs. 2 BV bei Tierversuchen mit nicht-menschlichen Primaten. Die Würde der Kreatur muss bei der gesetzlich vorgeschriebenen Interessenabwägung zwischen Erkenntnisgewinn und Tierleiden berücksichtigt werden.\n\n> «Bei der Interessenabwägung muss die besondere Nähe der nicht-menschlichen Primaten zum Menschen und die Würde der Kreatur berücksichtigt werden. Diese besondere Nähe ist aus rechtlicher Sicht von Bedeutung: Je höher ein Tier in der Hierarchiestufe ist, d.h. je näher es dem Menschen genetisch und sinnesphysiologisch steht, desto mehr Gewicht kommt der Belastung der Tiere zu und desto wahrscheinlicher ist die Unverhältnismässigkeit des Versuchs.»\n\n**BGE 135 II 405** vom 7. Oktober 2009\n\nErgänzend zu BGE 135 II 384 hielt das Bundesgericht fest, dass Art. 120 Abs. 2 BV die Berücksichtigung der Würde der Kreatur auch bei Grundlagenforschung verlangt. Die Interessenabwägung nach der Tierschutzverordnung muss verfassungskonform erfolgen.\n\n> «Bei der Interessenabwägung sind die besondere Nähe der nicht-menschlichen Primaten zum Menschen und die Würde der Kreatur zu berücksichtigen. Die Würde der Kreatur wird zwar nur in der Kompetenzvorschrift der Gentechnologie im Ausserhumanbereich ausdrücklich erwähnt, dort aber als etwas Existierendes vorausgesetzt. Kreaturen kommt deshalb unabhängig von der Gentechnologie im Ausserhumanbereich Würde zu.»\n\n### Kantonale Grundrechte für Tiere\n\n**BGE 147 I 183** vom 16. September 2020\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der kantonalen Volksinitiative «Grundrechte für Primaten» in Basel-Stadt. Es bestätigte, dass Kantone grundsätzlich über die bundesverfassungsrechtlichen Grundrechte hinausgehen dürfen, auch durch die Gewährung von Rechten für bestimmte Tiere als Abwehrrechte gegen den Staat.\n\n> «Die Gewährleistung solcher spezieller Rechte im öffentlich-rechtlichen Bereich für bestimmte Tiere durch einen Kanton würde zwar ungewohnt erscheinen, da die bestehenden Grundrechte der Bundesverfassung und der EMRK anthropologisch ausgerichtet sind. Sie widerspricht jedoch an sich nicht übergeordnetem Recht, zumal damit nicht auf Menschen zugeschnittene Grundrechte mit einer langen Tradition auf Tiere ausgeweitet werden sollen und die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Rechten für Tiere und menschlichen Grundrechten nicht in Frage gestellt wird.»\n\n### Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Organismen\n\n**BGE 129 II 286** vom 7. Mai 2003\n\nBei einem Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem Weizen prüfte das Bundesgericht die Voraussetzungen für den Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde. Art. 120 BV verpflichtet zur Berücksichtigung der Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt sowie zum Schutz der genetischen Vielfalt.\n\n> «Der Verfassungsartikel über Gentechnologie und Biotechnologie im Ausserhumanbereich verpflichtet den Bund, Vorschriften über den Umgang mit Keim- und Erbgut von Tieren, Pflanzen und anderen Organismen zu erlassen und dabei der Würde der Kreatur sowie der Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt Rechnung zu tragen und die genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu schützen.»\n\n### Verwaltungsgerichtliche Praxis zu Tierversuchen\n\n**VB.2007.00156** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 27. März 2008\n\nDas Zürcher Verwaltungsgericht wendete Art. 120 Abs. 2 BV bei der Beurteilung von Tierversuchsgesuchen an. Die verfassungsrechtliche Verankerung der Würde der Kreatur beeinflusst die Auslegung des Tierschutzrechts.\n\n> «Die Würde der Kreatur gemäss Art. 120 Abs. 2 BV ist bei der Prüfung von Tierversuchsgesuchen zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere bei Versuchen mit nicht-menschlichen Primaten, die aufgrund ihrer besonderen Nähe zum Menschen einer erhöhten Schutzwürdigkeit unterliegen.»\n\n**VB.2007.00157** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 27. März 2008\n\nIn einem parallelen Verfahren zu VB.2007.00156 konkretisierte das Verwaltungsgericht die Anwendung von Art. 120 Abs. 2 BV bei invasiven Tierversuchen an Rhesusaffen. Die Interessenabwägung muss die verfassungsrechtlichen Vorgaben berücksichtigen.\n\n> «Bei der Interessenabwägung zwischen Forschungsinteressen und Tierschutz sind die verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art. 120 Abs. 2 BV massgebend. Die Würde der Kreatur setzt der Instrumentalisierung von Tieren Grenzen, ohne die Forschungsfreiheit grundsätzlich in Frage zu stellen.»\n\n### Biotechnologie und Direktzahlungen\n\n**B-7579/2015** des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Januar 2017\n\nDas Bundesverwaltungsgericht wendete Art. 120 BV bei der Beurteilung von Direktzahlungsansprüchen im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Organismen an. Die Verfassungsbestimmung beeinflusst auch die Landwirtschaftsgesetzgebung.\n\n> «Art. 120 BV verpflichtet den Bund zum Schutz vor Missbräuchen der Gentechnologie. Diese Verpflichtung erstreckt sich auf alle Bereiche des Umgangs mit gentechnisch veränderten Organismen, einschliesslich der landwirtschaftlichen Nutzung.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 120 Cst. protège contre les abus du génie génétique (modification du patrimoine génétique). La disposition comprend deux alinéas : l'alinéa 1 protège l'être humain et l'environnement contre les abus. L'alinéa 2 confie à la Confédération la tâche d'édicter des règles pour le traitement du patrimoine génétique des animaux, des plantes et des autres organismes.\n\nLa Confédération doit respecter trois principes importants : la dignité de la créature, la sécurité de l'être humain, des animaux et de l'environnement ainsi que la protection de la diversité génétique. Par « dignité de la créature », la doctrine juridique entend la valeur éthique propre des êtres vivants. Toutefois, il est controversé de savoir si ce concept ne concerne que les animaux et les plantes ou s'il englobe aussi les êtres humains (Errass contra doctrine dominante selon Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 14-78).\n\nSont concernées toutes les personnes qui travaillent avec le génie génétique : chercheurs, agriculteurs, entreprises pharmaceutiques et autorités. Le Tribunal fédéral a décidé que lors d'expériences sur animaux, il faut tenir compte de la proximité particulière des primates avec l'être humain (**BGE 135 II 384**).\n\nDes exemples concrets montrent l'importance : un essai de dissémination avec du blé génétiquement modifié doit prendre en considération tous les biens protégés (**BGE 129 II 286**). En agriculture, un moratoire sur les organismes génétiquement modifiés s'applique depuis 2005 (art. 37a LGG), qui a été prolongé plusieurs fois.\n\nLes conséquences juridiques sont variées : les chercheurs ont besoin d'autorisations pour les expériences. Les entreprises doivent respecter les prescriptions de sécurité. Les autorités examinent chaque demande avec soin. Bâle-Ville a même discuté de droits fondamentaux pour les grands singes, ce que le Tribunal fédéral a en principe jugé admissible (**BGE 147 I 183**).\n\nL'art. 120 Cst. montre que la constitution réagit aussi aux nouvelles technologies et fixe des limites éthiques.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 120 Cst. a été créé lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et a remplacé l'ancien art. 24novies aCst. (introduit en 1992). La disposition constitutionnelle répondait aux développements rapides de la biotechnologie génétique et au besoin sociétal de garde-fous juridiques pour ces nouvelles technologies (FF 1997 I 244). La disposition a été complétée ultérieurement par la disposition transitoire art. 197 ch. 7 Cst., qui prévoyait un moratoire de cinq ans pour l'utilisation agricole d'organismes génétiquement modifiés (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 2).\n\n**Ch. 2** Le constituant poursuivait avec l'art. 120 Cst. trois objectifs centraux : la protection contre les abus du génie génétique, la sauvegarde de la dignité de la créature ainsi que la protection de la diversité génétique. Le concept de « dignité de la créature » constituait une nouveauté en droit constitutionnel et a suscité des débats intenses sur sa portée normative (FF 1997 I 244 s.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 120 Cst. se trouve dans la 8e section « Logement, travail, sécurité sociale et santé » et entretient un lien systématique étroit avec l'art. 119 Cst. (procréation médicalement assistée et génie génétique dans le domaine humain). La division en deux de la réglementation du génie génétique entre domaine humain et extra-humain reflète les standards éthiques et juridiques différents dans ces domaines (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 3).\n\n**Ch. 4** La norme présente de multiples liens transversaux : → art. 73 Cst. (développement durable), → art. 74 Cst. (protection de l'environnement), → art. 78 Cst. (protection de la nature et du paysage), → art. 80 Cst. (protection des animaux) ainsi que → art. 104 Cst. (agriculture). Ces références systématiques soulignent l'exigence de protection globale de la Constitution dans le domaine de la biotechnologie.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** L'art. 120 al. 1 Cst. établit un commandement de protection général contre les « abus du génie génétique ». Le concept d'abus présuppose un usage licite et implique ainsi que le génie génétique n'est pas interdit en soi, mais seulement son application abusive (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 4-7).\n\n**Ch. 6** L'art. 120 al. 2 phrase 1 Cst. fonde une compétence fédérale globale pour l'édiction de prescriptions sur la manipulation du patrimoine germinal et génétique. Cette compétence englobe toutes les phases depuis le système confiné en passant par les essais de dissémination jusqu'à la mise sur le marché (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 8-13).\n\n**Ch. 7** Le concept central et à la fois le plus controversé est la « dignité de la créature » à l'art. 120 al. 2 phrase 2 Cst. La doctrine dominante n'y comprend que les êtres vivants non humains (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ss.), tandis qu'une opinion minoritaire y inclut aussi l'être humain (Errass, Gentechnologie, 61 ss. et ZSR 2002 I 333 s.). Le Tribunal fédéral a précisé dans **ATF 135 II 405 consid. 4.3** que la dignité de la créature existe indépendamment du génie génétique et doit également être respectée en dehors de ce domaine.\n\n**Ch. 8** La « sécurité de l'être humain, de l'animal et de l'environnement » constitue un autre bien protégé. Il est controversé de savoir si la protection de la propriété en fait également partie : Errass (Gentechnologie, 53 s. ; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) l'affirme, tandis qu'Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, n° 106 ss., 132 ss.) le nient.\n\n**Ch. 9** La protection de la « diversité génétique » vise la conservation de la biodiversité et entretient un lien étroit avec → l'art. 78 Cst. (protection de la nature et du paysage).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 10** L'art. 120 Cst. est principalement une norme de compétence qui oblige la Confédération à édicter des prescriptions de protection. La mise en œuvre s'est effectuée principalement par la loi sur le génie génétique (LGG), la loi sur la protection de l'environnement (notamment art. 29a-h LPE) et la loi sur l'agriculture (art. 27a LAgr).\n\n**Ch. 11** La dignité de la créature déploie un effet direct lors de la pesée d'intérêts dans des cas d'application concrets. Le Tribunal fédéral a retenu dans **ATF 135 II 384** que lors d'expériences sur des primates, la dignité de la créature doit être prise en compte comme facteur dans la pesée d'intérêts.\n\n**Ch. 12** L'art. 120 Cst. ne fonde pas de droits subjectifs pour les particuliers, mais influence l'interprétation et l'application du droit ordinaire dans le sens d'une interprétation conforme à la Constitution.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**Ch. 13** Le concept de « créature » fait l'objet d'une controverse fondamentale : Tandis que la doctrine dominante (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ss.) ne considère que les êtres vivants non humains, Errass (Gentechnologie, 61 ss. et ZSR 2002 I 333 s.) plaide pour l'inclusion de l'être humain. Cette question a des répercussions directes sur le champ d'application de la norme.\n\n**Ch. 14** Le champ de protection de la « sécurité de l'être humain » est également controversé : Errass (Gentechnologie, 53 s. ; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) et le commentaire saint-gallois y voient également la protection de la propriété comprise, tandis qu'Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, n° 106 ss., 132 ss.) rejettent ceci eu égard à la garantie spécifique de la propriété à → l'art. 26 Cst.\n\n**Ch. 15** La portée concrète de la dignité de la créature demeure controversée. Tandis que le Tribunal fédéral défend une solution pragmatique de pesée d'intérêts (**ATF 135 II 405**), des parties de la doctrine exigent des limites absolues d'instrumentalisation (CENH, La dignité de la créature dans le règne végétal, Berne 2008).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 16** Lors de l'autorisation d'essais de dissémination, une évaluation des risques globale incluant tous les biens protégés mentionnés à l'art. 120 Cst. est requise. Les autorités doivent démontrer qu'elles ont inclus la dignité de la créature dans leur pesée d'intérêts (**ATF 129 II 286**).\n\n**Ch. 17** Pour la pratique des commissions cantonales d'expérimentation animale, **ATF 135 II 384** a fixé des standards contraignants : Plus un animal est proche de l'être humain, plus ses intérêts doivent être pris en compte avec un poids important dans la pesée d'intérêts.\n\n**Ch. 18** Le moratoire prolongé pour les OGM dans l'agriculture (art. 37a LGG) limite la portée pratique de l'art. 120 Cst. dans ce domaine. La recherche en milieu confiné reste cependant licite, pour autant que les mesures de sécurité soient respectées.\n\n**Ch. 19** La jurisprudence récente sur les droits fondamentaux pour les primates (**ATF 147 I 183**) montre que la dignité de la créature déploie également des effets en dehors du génie génétique et que des développements cantonaux dans ce domaine ne sont pas exclus.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Expérimentation animale et dignité de la créature\n\n**ATF 135 II 384** du 7 octobre 2009\n\nLe Tribunal fédéral a précisé l'application de l'art. 120 al. 2 Cst. lors d'expérimentations animales avec des primates non humains. La dignité de la créature doit être prise en compte dans la pesée des intérêts légalement prescrite entre le gain de connaissances et la souffrance animale.\n\n> « Dans la pesée des intérêts, il faut tenir compte de la proximité particulière des primates non humains avec l'être humain et de la dignité de la créature. Cette proximité particulière est significative du point de vue juridique : plus un animal est élevé dans la hiérarchie, c'est-à-dire plus il est proche de l'être humain génétiquement et physiologiquement au niveau sensoriel, plus la charge pour les animaux prend du poids et plus la disproportion de l'expérience devient probable. »\n\n**ATF 135 II 405** du 7 octobre 2009\n\nEn complément à l'ATF 135 II 384, le Tribunal fédéral a confirmé que l'art. 120 al. 2 Cst. exige la prise en compte de la dignité de la créature également dans la recherche fondamentale. La pesée des intérêts selon l'ordonnance sur la protection des animaux doit s'effectuer de manière conforme à la Constitution.\n\n> « Dans la pesée des intérêts, il faut tenir compte de la proximité particulière des primates non humains avec l'être humain et de la dignité de la créature. La dignité de la créature n'est certes mentionnée expressément que dans la disposition de compétence sur le génie génétique dans le domaine non humain, mais elle y est présupposée comme quelque chose d'existant. Les créatures ont donc une dignité indépendamment du génie génétique dans le domaine non humain. »\n\n### Droits fondamentaux cantonaux pour les animaux\n\n**ATF 147 I 183** du 16 septembre 2020\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur l'initiative populaire cantonale « Droits fondamentaux pour les primates » à Bâle-Ville. Il a confirmé que les cantons peuvent en principe aller au-delà des droits fondamentaux de droit constitutionnel fédéral, y compris en accordant des droits à certains animaux comme droits de défense contre l'État.\n\n> « L'octroi de tels droits spéciaux dans le domaine de droit public pour certains animaux par un canton paraîtrait certes inhabituel, étant donné que les droits fondamentaux existants de la Constitution fédérale et de la CEDH sont orientés anthropologiquement. Cela ne contredit cependant pas en soi le droit supérieur, d'autant plus qu'il ne s'agit pas d'étendre aux animaux des droits fondamentaux taillés sur mesure pour les êtres humains et ayant une longue tradition, et que la distinction fondamentale entre les droits pour les animaux et les droits fondamentaux humains n'est pas remise en question. »\n\n### Essais de dissémination avec des organismes génétiquement modifiés\n\n**ATF 129 II 286** du 7 mai 2003\n\nLors d'un essai de dissémination avec du blé génétiquement modifié, le Tribunal fédéral a examiné les conditions pour le retrait de l'effet suspensif d'un recours. L'art. 120 Cst. oblige à tenir compte de la sécurité de l'être humain, de l'animal et de l'environnement ainsi qu'à protéger la diversité génétique.\n\n> « L'article constitutionnel sur le génie génétique et la biotechnologie dans le domaine non humain oblige la Confédération à édicter des prescriptions sur la manipulation du patrimoine germinal et génétique des animaux, des plantes et des autres organismes en tenant compte de la dignité de la créature ainsi que de la sécurité de l'être humain, de l'animal et de l'environnement et en protégeant la diversité génétique des espèces animales et végétales. »\n\n### Pratique des tribunaux administratifs en matière d'expérimentation animale\n\n**VB.2007.00156** du Tribunal administratif de Zurich du 27 mars 2008\n\nLe Tribunal administratif zurichois a appliqué l'art. 120 al. 2 Cst. lors de l'examen de demandes d'expérimentation animale. L'ancrage constitutionnel de la dignité de la créature influence l'interprétation du droit de la protection des animaux.\n\n> « La dignité de la créature selon l'art. 120 al. 2 Cst. doit être prise en compte lors de l'examen des demandes d'expérimentation animale. Cela vaut en particulier pour les expériences avec des primates non humains, qui en raison de leur proximité particulière avec l'être humain bénéficient d'une protection accrue. »\n\n**VB.2007.00157** du Tribunal administratif de Zurich du 27 mars 2008\n\nDans une procédure parallèle à VB.2007.00156, le Tribunal administratif a concrétisé l'application de l'art. 120 al. 2 Cst. lors d'expérimentations animales invasives sur des macaques rhésus. La pesée des intérêts doit tenir compte des exigences constitutionnelles.\n\n> « Dans la pesée des intérêts entre les intérêts de la recherche et la protection des animaux, les exigences constitutionnelles de l'art. 120 al. 2 Cst. sont déterminantes. La dignité de la créature fixe des limites à l'instrumentalisation des animaux, sans remettre en question fondamentalement la liberté de la recherche. »\n\n### Biotechnologie et paiements directs\n\n**B-7579/2015** du Tribunal administratif fédéral du 6 janvier 2017\n\nLe Tribunal administratif fédéral a appliqué l'art. 120 Cst. lors de l'examen de droits aux paiements directs en rapport avec des organismes génétiquement modifiés. La disposition constitutionnelle influence également la législation agricole.\n\n> « L'art. 120 Cst. oblige la Confédération à protéger contre les abus du génie génétique. Cette obligation s'étend à tous les domaines de manipulation d'organismes génétiquement modifiés, y compris l'utilisation agricole. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 120 Cost. protegge dagli abusi della tecnologia genetica (modificazione del patrimonio genetico). La disposizione ha due capoversi: il capoverso 1 protegge l'essere umano e l'ambiente dagli abusi. Il capoverso 2 attribuisce alla Confederazione il compito di emanare norme per il trattamento del patrimonio genetico di animali, piante e altri organismi.\n\nLa Confederazione deve rispettare tre principi importanti: la dignità della creatura, la sicurezza dell'essere umano, degli animali e dell'ambiente nonché la protezione della diversità genetica. Per «dignità della creatura» la dottrina giuridica intende il valore etico intrinseco degli esseri viventi. Tuttavia è controverso se questo concetto comprenda solo animali e piante oppure anche gli esseri umani (Errass contra dottrina prevalente secondo Waldmann, BSK Cost., art. 120 n. 14-78).\n\nSono interessati tutti coloro che lavorano con la tecnologia genetica: ricercatori, agricoltori, aziende farmaceutiche e autorità. Il Tribunale federale ha stabilito che negli esperimenti su animali deve essere considerata la particolare vicinanza dei primati all'essere umano (**BGE 135 II 384**).\n\nEsempi concreti mostrano l'importanza: un esperimento di disseminazione con frumento geneticamente modificato deve considerare tutti i beni protetti (**BGE 129 II 286**). Nell'agricoltura vige dal 2005 una moratoria per gli organismi geneticamente modificati (art. 37a LIG), che è stata più volte prolungata.\n\nLe conseguenze giuridiche sono molteplici: i ricercatori necessitano di autorizzazioni per gli esperimenti. Le imprese devono rispettare le prescrizioni di sicurezza. Le autorità esaminano attentamente ogni domanda. Basilea Città ha persino discusso di diritti fondamentali per le scimmie antropomorfe, cosa che il Tribunale federale ha ritenuto in linea di principio ammissibile (**BGE 147 I 183**).\n\nL'art. 120 Cost. mostra che la Costituzione reagisce anche alle nuove tecnologie e pone limiti etici.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 120 Cost. è stato creato nell'ambito della revisione totale della Costituzione federale del 1999 e ha sostituito il precedente art. 24novies Cost. (inserito nel 1992). La disposizione costituzionale ha reagito ai rapidi sviluppi nella tecnologia genetica e al bisogno sociale di orientamenti giuridici per queste nuove tecnologie (FF 1997 I 256). La disposizione è stata successivamente completata dalla disposizione transitoria dell'art. 197 n. 7 Cost., che prevedeva una moratoria di cinque anni per l'uso agricolo di organismi geneticamente modificati (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 2).\n\n**N. 2** Il costituente ha perseguito con l'art. 120 Cost. tre obiettivi centrali: la protezione dagli abusi della tecnologia genetica, il rispetto della dignità della creatura e la protezione della diversità genetica. Il concetto di «dignità della creatura» rappresentava un'innovazione nel diritto costituzionale e ha scatenato dibattiti intensi sul suo contenuto normativo (FF 1997 I 256 s.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 120 Cost. si trova nella sezione 8 «Abitazione, lavoro, sicurezza sociale e salute» ed è in stretta correlazione sistematica con l'art. 119 Cost. (medicina della procreazione e tecnologia genetica nell'ambito umano). La divisione della regolamentazione della tecnologia genetica in ambito umano ed extra-umano riflette i diversi standard etici e giuridici in questi settori (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 3).\n\n**N. 4** La norma presenta molteplici collegamenti trasversali: → art. 73 Cost. (sostenibilità), → art. 74 Cost. (protezione dell'ambiente), → art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio), → art. 80 Cost. (protezione degli animali) e → art. 104 Cost. (agricoltura). Questi riferimenti sistematici sottolineano la pretesa di protezione globale della Costituzione nell'ambito della biotecnologia.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** L'art. 120 cpv. 1 Cost. stabilisce un precetto generale di protezione dagli «abusi della tecnologia genetica». Il concetto di abuso presuppone un uso lecito e implica quindi che la tecnologia genetica non è vietata di per sé, ma solo la sua applicazione abusiva (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 4-7).\n\n**N. 6** L'art. 120 cpv. 2 frase 1 Cost. fonda una competenza federale globale per l'emanazione di prescrizioni sulla manipolazione del patrimonio germinale ed ereditario. Questa competenza comprende tutte le fasi dal sistema chiuso ai test di rilascio fino alla messa in commercio (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 8-13).\n\n**N. 7** Il concetto centrale e al contempo più controverso è la «dignità della creatura» nell'art. 120 cpv. 2 frase 2 Cost. La dottrina dominante intende con ciò solo gli esseri viventi non umani (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ss.), mentre un'opinione minoritaria include anche l'essere umano (Errass, Gentechnologie, 61 ss. e ZSR 2002 I 333 s.). Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 135 II 405 cons. 4.3** che la dignità della creatura esiste indipendentemente dalla tecnologia genetica e deve essere rispettata anche al di fuori di questo ambito.\n\n**N. 8** La «sicurezza dell'uomo, degli animali e dell'ambiente» costituisce un ulteriore bene protetto. È controverso se questo includa anche la protezione della proprietà: Errass (Gentechnologie, 53 s.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) lo afferma, mentre Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 ss., 132 ss.) lo negano.\n\n**N. 9** La protezione della «diversità genetica» mira alla conservazione della biodiversità ed è in stretto collegamento con l'→ art. 78 Cost. (protezione della natura e del paesaggio).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 120 Cost. è principalmente una norma di competenza che obbliga la Confederazione all'emanazione di prescrizioni protettive. L'attuazione è avvenuta principalmente attraverso la legge sulla tecnologia genetica (LTG), la legge sulla protezione dell'ambiente (in particolare art. 29a-h LPAmb) e la legge sull'agricoltura (art. 27a LAgr).\n\n**N. 11** La dignità della creatura sviluppa effetti diretti nella ponderazione degli interessi nei casi di applicazione concreti. Il Tribunale federale ha stabilito in **DTF 135 II 384** che negli esperimenti sui primati la dignità della creatura deve essere considerata come fattore di ponderazione.\n\n**N. 12** L'art. 120 Cost. non fonda diritti soggettivi per i singoli, ma influenza l'interpretazione e l'applicazione del diritto di legge ordinaria nel senso di un'interpretazione conforme alla Costituzione.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** Il concetto di «creatura» è oggetto di una controversia fondamentale: mentre la dottrina dominante (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ss.) vede comprese solo gli esseri viventi non umani, Errass (Gentechnologie, 61 ss. e ZSR 2002 I 333 s.) propugna l'inclusione dell'essere umano. Questa questione ha ripercussioni dirette sull'ambito di applicazione della norma.\n\n**N. 14** È inoltre controverso l'ambito di protezione della «sicurezza dell'uomo»: Errass (Gentechnologie, 53 s.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) e il commentario di San Gallo vedono compresa anche la protezione della proprietà, mentre Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 ss., 132 ss.) respingono ciò con riguardo alla specifica garanzia della proprietà nell'→ art. 26 Cost.\n\n**N. 15** La portata concreta della dignità della creatura rimane controversa. Mentre il Tribunale federale rappresenta una soluzione di ponderazione pragmatica (**DTF 135 II 405**), parti della dottrina esigono limiti assoluti della strumentalizzazione (CENU, La dignità della creatura nel regno vegetale, Berna 2008).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Per l'autorizzazione di test di rilascio è richiesta una valutazione del rischio globale che includa tutti i beni protetti menzionati nell'art. 120 Cost. Le autorità devono dimostrare di aver incluso la dignità della creatura nella loro ponderazione (**DTF 129 II 286**).\n\n**N. 17** Per la prassi delle commissioni cantonali per l'esperimentazione animale **DTF 135 II 384** ha stabilito criteri vincolanti: più un animale è vicino all'uomo, più pesanti sono i suoi interessi da considerare nella ponderazione.\n\n**N. 18** La moratoria prolungata per gli OGM in agricoltura (art. 37a LTG) limita l'importanza pratica dell'art. 120 Cost. in questo settore. La ricerca in sistema chiuso rimane tuttavia lecita, purché vengano rispettate le misure di sicurezza.\n\n**N. 19** La giurisprudenza più recente sui diritti fondamentali per i primati (**DTF 147 I 183**) mostra che la dignità della creatura sviluppa effetti anche al di fuori della tecnologia genetica e che gli sviluppi cantonali in questo ambito non sono esclusi.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Sperimentazioni animali e dignità della creatura\n\n**BGE 135 II 384** del 7 ottobre 2009\n\nIl Tribunale federale ha precisato l'applicazione dell'art. 120 cpv. 2 Cost. nelle sperimentazioni animali con primati non umani. La dignità della creatura deve essere considerata nella ponderazione degli interessi legalmente prescritta tra acquisizione di conoscenze e sofferenza degli animali.\n\n> «Nella ponderazione degli interessi deve essere considerata la particolare vicinanza dei primati non umani all'essere umano e la dignità della creatura. Questa particolare vicinanza è rilevante dal punto di vista giuridico: più un animale è elevato nella gerarchia, ossia più è vicino geneticamente e fisiologicamente all'essere umano, tanto più peso assume il carico per gli animali e tanto più probabile è la sproporzione della sperimentazione.»\n\n**BGE 135 II 405** del 7 ottobre 2009\n\nIn complemento al BGE 135 II 384, il Tribunale federale ha stabilito che l'art. 120 cpv. 2 Cost. richiede la considerazione della dignità della creatura anche nella ricerca di base. La ponderazione degli interessi secondo l'ordinanza sulla protezione degli animali deve avvenire in conformità alla Costituzione.\n\n> «Nella ponderazione degli interessi devono essere considerate la particolare vicinanza dei primati non umani all'essere umano e la dignità della creatura. La dignità della creatura è menzionata espressamente solo nella norma di competenza della tecnologia genetica nel settore non umano, ma vi è presupposta come qualcosa di esistente. Alle creature spetta pertanto dignità indipendentemente dalla tecnologia genetica nel settore non umano.»\n\n### Diritti fondamentali cantonali per gli animali\n\n**BGE 147 I 183** del 16 settembre 2020\n\nIl Tribunale federale si è occupato dell'iniziativa popolare cantonale «Diritti fondamentali per i primati» a Basilea Città. Ha confermato che i Cantoni possono fondamentalmente andare oltre i diritti fondamentali della Costituzione federale, anche attraverso la concessione di diritti per determinati animali come diritti di difesa contro lo Stato.\n\n> «La garanzia di tali diritti speciali nel settore di diritto pubblico per determinati animali da parte di un Cantone apparirebbe certamente insolita, dato che i diritti fondamentali esistenti della Costituzione federale e della CEDU sono orientati antropologicamente. Tuttavia, in sé non contraddice il diritto superiore, tanto più che non si intende estendere agli animali diritti fondamentali concepiti per gli esseri umani con una lunga tradizione e non si mette in questione la distinzione fondamentale tra diritti per gli animali e diritti fondamentali umani.»\n\n### Sperimentazioni di disseminazione con organismi geneticamente modificati\n\n**BGE 129 II 286** del 7 maggio 2003\n\nIn una sperimentazione di disseminazione con frumento geneticamente modificato, il Tribunale federale ha esaminato i presupposti per il ritiro dell'effetto sospensivo di un ricorso. L'art. 120 Cost. obbliga a considerare la sicurezza dell'essere umano, degli animali e dell'ambiente e a proteggere la diversità genetica.\n\n> «L'articolo costituzionale sulla tecnologia genetica e la biotecnologia nel settore non umano obbliga la Confederazione a emanare prescrizioni sul trattamento del patrimonio germinale ed ereditario di animali, piante e altri organismi e a tenere conto della dignità della creatura nonché della sicurezza dell'essere umano, degli animali e dell'ambiente e a proteggere la diversità genetica delle specie animali e vegetali.»\n\n### Prassi amministrativa giudiziaria sulle sperimentazioni animali\n\n**VB.2007.00156** del Tribunale amministrativo di Zurigo del 27 marzo 2008\n\nIl Tribunale amministrativo zurighese ha applicato l'art. 120 cpv. 2 Cost. nella valutazione di domande di sperimentazione animale. L'ancoraggio costituzionale della dignità della creatura influenza l'interpretazione del diritto sulla protezione degli animali.\n\n> «La dignità della creatura secondo l'art. 120 cpv. 2 Cost. deve essere considerata nell'esame di domande di sperimentazione animale. Ciò vale in particolare per le sperimentazioni con primati non umani, che in ragione della loro particolare vicinanza all'essere umano sono soggetti a una maggiore protezione.»\n\n**VB.2007.00157** del Tribunale amministrativo di Zurigo del 27 marzo 2008\n\nIn una procedura parallela al VB.2007.00156, il Tribunale amministrativo ha concretizzato l'applicazione dell'art. 120 cpv. 2 Cost. nelle sperimentazioni animali invasive su macachi reso. La ponderazione degli interessi deve considerare le prescrizioni costituzionali.\n\n> «Nella ponderazione degli interessi tra interessi della ricerca e protezione degli animali sono determinanti le prescrizioni costituzionali dell'art. 120 cpv. 2 Cost. La dignità della creatura pone limiti alla strumentalizzazione degli animali, senza mettere fondamentalmente in questione la libertà di ricerca.»\n\n### Biotecnologia e pagamenti diretti\n\n**B-7579/2015** del Tribunale amministrativo federale del 6 gennaio 2017\n\nIl Tribunale amministrativo federale ha applicato l'art. 120 Cost. nella valutazione di diritti a pagamenti diretti in relazione a organismi geneticamente modificati. La norma costituzionale influenza anche la legislazione agricola.\n\n> «L'art. 120 Cost. obbliga la Confederazione a proteggere dagli abusi della tecnologia genetica. Questo obbligo si estende a tutti gli ambiti del trattamento di organismi geneticamente modificati, compreso l'utilizzo agricolo.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 120 BV protects against misuse of genetic technology (modification of genetic material). The provision has two paragraphs: paragraph 1 protects humans and the environment from misuse. Paragraph 2 gives the Confederation the task of enacting rules for dealing with genetic material of animals, plants and other organisms.\n\nThe Confederation must observe three important principles: the dignity of creatures, the safety of humans, animals and the environment, and the protection of genetic diversity. Legal scholarship understands «dignity of creatures» as the intrinsic ethical value of living beings. However, it is disputed whether this concept encompasses only animals and plants or also humans (Errass contra prevailing doctrine according to Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 14-78).\n\nAll those who work with genetic technology are affected: researchers, farmers, pharmaceutical companies and authorities. The Federal Supreme Court has ruled that in animal experiments, the particular closeness of primates to humans must be taken into account (**BGE 135 II 384**).\n\nConcrete examples show the significance: A release trial with genetically modified wheat must take all protected interests into account (**BGE 129 II 286**). In agriculture, a moratorium on genetically modified organisms has been in force since 2005 (Art. 37a GTG), which has been extended several times.\n\nThe legal consequences are diverse: researchers need permits for experiments. Companies must comply with safety regulations. Authorities examine each application carefully. Basel-Stadt even discussed fundamental rights for great apes, which the Federal Supreme Court considered fundamentally admissible (**BGE 147 I 183**).\n\nArt. 120 BV shows that the Constitution also responds to new technologies and sets ethical limits.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 120 FC was created during the total revision of the Federal Constitution in 1999 and replaced the former Art. 24novies old FC (inserted in 1992). The constitutional provision responded to the rapid developments in genetic technology and the social need for legal guidelines for these new technologies (BBl 1997 I 256). The provision was later supplemented by transitional provision Art. 197 no. 7 FC, which provided for a five-year moratorium on the agricultural use of genetically modified organisms (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 2).\n\n**N. 2** With Art. 120 FC, the constitutional legislator pursued three central goals: protection against misuse of genetic technology, preservation of the dignity of creatures, and protection of genetic diversity. The concept of «dignity of creatures» represented a novelty in constitutional law and triggered intense debates about its normative content (BBl 1997 I 256 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 120 FC is found in Section 8 «Housing, Work, Social Security and Health» and stands in close systematic connection with Art. 119 FC (reproductive medicine and genetic technology in the human field). The division of genetic technology regulation into human and non-human fields reflects the different ethical and legal standards in these areas (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 3).\n\n**N. 4** The norm has manifold cross-references: → Art. 73 FC (sustainability), → Art. 74 FC (environmental protection), → Art. 78 FC (nature and heritage protection), → Art. 80 FC (animal protection) as well as → Art. 104 FC (agriculture). These systematic references underscore the comprehensive protection claim of the constitution in the field of biotechnology.\n\n### 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n**N. 5** Art. 120 para. 1 FC establishes a general protection requirement against «misuse of genetic technology». The concept of misuse presupposes permissible use and thus implies that genetic technology is not prohibited per se, but only its abusive application (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 4-7).\n\n**N. 6** Art. 120 para. 2 sentence 1 FC establishes comprehensive federal competence for issuing regulations on the handling of germinal and genetic material. This competence encompasses all phases from closed systems through release trials to placing on the market (Waldmann, BSK BV, Art. 120 N. 8-13).\n\n**N. 7** The central and most controversial concept is the «dignity of creatures» in Art. 120 para. 2 sentence 2 FC. The prevailing doctrine understands this to include only non-human living beings (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ff.), while a minority opinion also includes humans (Errass, Gentechnologie, 61 ff. and ZSR 2002 I 333 f.). The Federal Supreme Court clarified in **BGE 135 II 405 E. 4.3** that the dignity of creatures exists independently of genetic technology and must also be respected outside this field.\n\n**N. 8** The «safety of humans, animals and the environment» forms another protected interest. It is controversial whether this also includes property protection: Errass (Gentechnologie, 53 f.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) affirms this, while Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 i.f., 132 ff.) deny it.\n\n**N. 9** The protection of «genetic diversity» aims at preserving biodiversity and stands in close connection with → Art. 78 FC (nature and heritage protection).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 120 FC is primarily a competence norm that obligates the Confederation to issue protective regulations. Implementation occurred mainly through the Gene Technology Act (GTA), the Environmental Protection Act (particularly Art. 29a-h EPA) and the Agriculture Act (Art. 27a AgricA).\n\n**N. 11** The dignity of creatures has direct effect in the balancing of interests in concrete applications. The Federal Supreme Court held in **BGE 135 II 384** that in animal experiments with primates, the dignity of creatures must be considered as a balancing factor.\n\n**N. 12** Art. 120 FC does not establish subjective rights for individuals, but shapes the interpretation and application of ordinary law in the sense of constitutionally conforming interpretation.\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 13** The concept of «creature» is the subject of a fundamental controversy: While the prevailing doctrine (Schmithüsen/Zachariae, Aspekte-Schaerer, 121 ff.) sees only non-human living beings as covered, Errass (Gentechnologie, 61 ff. and ZSR 2002 I 333 f.) advocates for the inclusion of humans. This question has direct implications for the scope of application of the norm.\n\n**N. 14** Also controversial is the scope of protection of «human safety»: Errass (Gentechnologie, 53 f.; SG Komm. BV-Schweizer/Errass, Art. 120 N. 12) and the St. Gallen commentary also see property protection as covered, while Epiney et al. (Gentechnikfreie Gebiete, Rz. 106 i.f., 132 ff.) reject this with regard to the specific property guarantee in → Art. 26 FC.\n\n**N. 15** The concrete scope of the dignity of creatures remains controversial. While the Federal Supreme Court advocates a pragmatic balancing solution (**BGE 135 II 405**), parts of the doctrine demand absolute limits to instrumentalization (ECNH, Die Würde der Kreatur bei Pflanzen, Bern 2008).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 16** For the authorization of release trials, a comprehensive risk assessment including all protected interests mentioned in Art. 120 FC is required. The authorities must demonstrate that they have included the dignity of creatures in their balancing (**BGE 129 II 286**).\n\n**N. 17** For the practice of cantonal animal experimentation committees, **BGE 135 II 384** has set binding standards: The closer an animal stands to humans, the more significantly its interests must be considered in the balancing.\n\n**N. 18** The extended moratorium for GMOs in agriculture (Art. 37a GTA) limits the practical significance of Art. 120 FC in this area. Research in closed systems remains permissible, provided safety precautions are observed.\n\n**N. 19** The recent case law on fundamental rights for primates (**BGE 147 I 183**) shows that the dignity of creatures also has effect outside genetic technology and cantonal developments in this area are not excluded.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Animal Experiments and the Dignity of Creatures\n\n**BGE 135 II 384** of 7 October 2009\n\nThe Federal Supreme Court clarified the application of Art. 120 para. 2 Cst. in animal experiments with non-human primates. The dignity of creatures must be considered in the legally prescribed weighing of interests between knowledge gain and animal suffering.\n\n> «In weighing interests, the special proximity of non-human primates to humans and the dignity of creatures must be taken into account. This special proximity is legally significant: the higher an animal is in the hierarchy, i.e., the closer it is to humans genetically and sensory-physiologically, the more weight is given to the burden on the animals and the more likely the disproportionality of the experiment.»\n\n**BGE 135 II 405** of 7 October 2009\n\nSupplementing BGE 135 II 384, the Federal Supreme Court held that Art. 120 para. 2 Cst. requires consideration of the dignity of creatures also in basic research. The weighing of interests under the Animal Welfare Ordinance must be constitutionally compliant.\n\n> «In weighing interests, the special proximity of non-human primates to humans and the dignity of creatures must be taken into account. Although the dignity of creatures is explicitly mentioned only in the competence provision on genetic engineering in the non-human area, it is presupposed there as something existing. Creatures therefore have dignity independently of genetic engineering in the non-human area.»\n\n### Cantonal Fundamental Rights for Animals\n\n**BGE 147 I 183** of 16 September 2020\n\nThe Federal Supreme Court addressed the cantonal popular initiative «Fundamental Rights for Primates» in Basel-Stadt. It confirmed that cantons may generally go beyond the federal constitutional fundamental rights, including by granting rights to certain animals as defensive rights against the state.\n\n> «The guarantee of such special rights in the public law sphere for certain animals by a canton would indeed appear unusual, since the existing fundamental rights of the Federal Constitution and the ECHR are anthropologically oriented. However, it does not in itself contradict superior law, especially since it is not intended to extend fundamental rights designed for humans with a long tradition to animals, and the fundamental distinction between rights for animals and human fundamental rights is not called into question.»\n\n### Release Trials with Genetically Modified Organisms\n\n**BGE 129 II 286** of 7 May 2003\n\nIn a release trial with genetically modified wheat, the Federal Supreme Court examined the conditions for withdrawing the suspensive effect of an appeal. Art. 120 Cst. obliges consideration of the safety of humans, animals and the environment as well as protection of genetic diversity.\n\n> «The constitutional article on genetic engineering and biotechnology in the non-human area obliges the Confederation to issue regulations on the handling of germ cells and genetic material of animals, plants and other organisms, thereby taking account of the dignity of creatures and the safety of humans, animals and the environment and protecting the genetic diversity of animal and plant species.»\n\n### Administrative Court Practice on Animal Experiments\n\n**VB.2007.00156** of the Zurich Administrative Court of 27 March 2008\n\nThe Zurich Administrative Court applied Art. 120 para. 2 Cst. in assessing animal experiment applications. The constitutional anchoring of the dignity of creatures influences the interpretation of animal welfare law.\n\n> «The dignity of creatures according to Art. 120 para. 2 Cst. must be considered when examining animal experiment applications. This applies particularly to experiments with non-human primates, which are subject to increased protection due to their special proximity to humans.»\n\n**VB.2007.00157** of the Zurich Administrative Court of 27 March 2008\n\nIn proceedings parallel to VB.2007.00156, the Administrative Court specified the application of Art. 120 para. 2 Cst. in invasive animal experiments on rhesus monkeys. The weighing of interests must consider the constitutional requirements.\n\n> «In weighing interests between research interests and animal welfare, the constitutional requirements of Art. 120 para. 2 Cst. are decisive. The dignity of creatures sets limits to the instrumentalisation of animals without fundamentally calling research freedom into question.»\n\n### Biotechnology and Direct Payments\n\n**B-7579/2015** of the Federal Administrative Court of 6 January 2017\n\nThe Federal Administrative Court applied Art. 120 Cst. in assessing direct payment claims in connection with genetically modified organisms. The constitutional provision also influences agricultural legislation.\n\n> «Art. 120 Cst. obliges the Confederation to protect against misuse of genetic engineering. This obligation extends to all areas of handling genetically modified organisms, including agricultural use.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_120", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 121, "article_suffix": "", "title": "Gesetzgebung im Ausländer- und Asylbereich", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 121 BV — Gesetzgebung im Ausländer- und Asylbereich\n\n## Übersicht\n\nArtikel 121 BV regelt die Zuständigkeit des Bundes für das Ausländer- und Asylrecht. Der Bund bestimmt alleine, wer in die Schweiz einreisen darf, wie lange Ausländerinnen und Ausländer bleiben können und wann sie Asyl erhalten.\n\nDie wichtigsten Regelungen:\n\n**Bundeskompetenz**: Nur der Bund darf Gesetze über Ein- und Ausreise, Aufenthalt und Niederlassung von Ausländerinnen und Ausländern erlassen. Auch das Asylrecht liegt beim Bund. Die Kantone führen diese Gesetze aus, können aber keine eigenen Regeln machen.\n\n**Sicherheitsausweisung**: Ausländerinnen und Ausländer können ausgewiesen werden, wenn sie die Sicherheit der Schweiz gefährden. Dies betrifft etwa Personen, die terroristische Aktivitäten unterstützen.\n\n**Automatischer Verlust des Aufenthaltsrechts**: Bei schweren Straftaten verlieren Ausländerinnen und Ausländer automatisch ihr Recht, in der Schweiz zu bleiben. Dies gilt bei Verurteilungen wegen Tötungsdelikten (Mord, Totschlag), Vergewaltigungen, Raub, Menschenhandel, Drogenhandel, Einbruchsdelikten oder Sozialbetrug. Ein Einreiseverbot von 5 bis 15 Jahren wird verhängt. Bei wiederholten Straftaten beträgt das Verbot 20 Jahre.\n\n**Beispiel**: Ein italienischer Staatsbürger mit Niederlassungsbewilligung wird wegen Drogenhandels zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Gesetz muss er die Schweiz verlassen und erhält ein Einreiseverbot. Nur in besonderen Härtefällen kann das Gericht davon absehen – etwa wenn die Person in der Schweiz geboren wurde und sehr gut integriert ist.\n\n**Strafbarkeit**: Wer trotz Einreiseverbot illegal in die Schweiz einreist, macht sich strafbar und kann mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden.\n\nDiese strengen Regeln entstanden nach der Annahme der sogenannten \"Ausschaffungsinitiative\" im Jahr 2010. Die Umsetzung muss aber die Menschenrechte respektieren, besonders den Schutz der Familie und das Verbot, Menschen in Folter oder unmenschliche Behandlung zu schicken.", "doctrine_de": "# Art. 121 BV — Gesetzgebung im Ausländer- und Asylbereich\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 121 BV vereinigt verschiedene historische Entwicklungslinien des schweizerischen Migrationsrechts. Die ursprüngliche Fassung (Abs. 1 und 2) geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück und übernahm im Wesentlichen die bisherigen Art. 69ter und 70 aBV (BBl 1997 I 1, 370). Die umfassende Bundeskompetenz im Ausländerrecht besteht seit 1925, diejenige im Asylrecht seit 1979.\n\n**N. 2** Die Absätze 3–6 wurden durch die Volksinitiative «für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)» am 28. November 2010 in die Verfassung aufgenommen. Die Initiative wurde mit 52,9% der Stimmen und von 17,5 Kantonen angenommen, obwohl Bundesrat und Parlament sie ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung empfohlen hatten (BBl 2009 5097). Der Bundesrat hatte in seiner Botschaft erhebliche Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit mit völkerrechtlichen Verpflichtungen geäussert (BBl 2009 5097, 5107 ff.).\n\n**N. 3** Die Umsetzung der Ausschaffungsinitiative erfolgte durch die Revision des Strafgesetzbuches mit Einführung der Art. 66a–66d StGB sowie entsprechender Änderungen im Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG), in Kraft seit 1. Oktober 2016 (AS 2016 2329). Diese Umsetzung wurde ihrerseits durch die Annahme der sogenannten «Durchsetzungsinitiative» am 28. Februar 2016 beeinflusst, die jedoch mit 58,9% abgelehnt wurde.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 121 BV steht im 2. Kapitel «Zuständigkeiten» des 3. Titels «Bund, Kantone und Gemeinden» und regelt die bundesstaatliche Kompetenzordnung im Migrations- und Asylrecht. Die Norm ist systematisch eng verknüpft mit → Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip), → Art. 36 BV (Grundrechtsschranken) und → Art. 49 BV (Vorrang des Bundesrechts).\n\n**N. 5** Für die Grundrechtsposition von Ausländerinnen und Ausländern sind insbesondere → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit), → Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre) und → Art. 25 BV (Schutz vor Ausweisung) relevant. Die Normen der EMRK, namentlich Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) und Art. 3 EMRK (Verbot unmenschlicher Behandlung), bilden gemäss → Art. 190 BV massgebendes Recht und begrenzen die Anwendung von Art. 121 BV.\n\n**N. 6** Im Verhältnis zum Freizügigkeitsabkommen (FZA) mit der EU entsteht ein Spannungsfeld. Nach Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27, ermöglicht die umfassende Bundeskompetenz die Regelung grundsätzlich aller Fragen betreffend Status und Stellung von Ausländern, während andere Autoren betonen, der Bund könne ohne Zusammenarbeit mit den Kantonen die Integration nicht regeln (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Gesetzgebungskompetenz (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Bundeskompetenz nach Abs. 1 ist umfassend und erstreckt sich auf Ein- und Ausreise, Aufenthalt, Niederlassung sowie Asylgewährung. Nach **BGE 127 II 49** handelt es sich um eine ausschliessliche Bundeskompetenz, die auch arbeitsmarktpolitische Massnahmen einschliesst. Die herrschende Lehre anerkennt diese umfassende Kompetenz (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33), wobei kritische Stimmen die Ausdehnung auf arbeitsmarktpolitische Bereiche hinterfragen (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33).\n\n**N. 8** Die Asylkompetenz ist nach der Botschaft zur Bundesverfassung eine ausschliessliche Bundeszuständigkeit (BBl 1997 I 1, 370), wobei diese Einordnung in der Lehre umstritten ist (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 42). Der Begriff «Asyl» umfasst die temporäre Schutzgewährung für Personen, die im Herkunftsstaat verfolgt werden oder deren Leib und Leben gefährdet sind.\n\n#### b) Sicherheitsausweisung (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die «politische Ausweisung» nach Abs. 2 ermöglicht die Entfernung von Ausländerinnen und Ausländern bei Gefährdung der Landessicherheit. Nach **BGE 129 II 193** umfasst dies auch Aktivitäten, die geeignet sind, die Beziehungen der Schweiz zu Drittstaaten zu gefährden. Die Massnahme unterliegt dem Verhältnismässigkeitsprinzip und den Schranken von Art. 8 EMRK.\n\n#### c) Verlust des Aufenthaltsrechts (Abs. 3–6)\n\n**N. 10** Der Deliktskatalog in Abs. 3 führt zum automatischen Verlust des Aufenthaltsrechts «unabhängig vom ausländerrechtlichen Status». Nach **BGE 139 I 16** sind diese Bestimmungen jedoch nicht direkt anwendbar, sondern bedürfen der Umsetzung durch den Gesetzgeber. Die Umsetzung erfolgte durch Art. 66a StGB mit einer Härtefallklausel, die gemäss **BGE 144 IV 332** eine Verhältnismässigkeitsprüfung ermöglicht.\n\n**N. 11** Der Sozialmissbrauch nach Abs. 3 lit. b erfasst den missbräuchlichen Bezug von Sozialversicherungs- oder Sozialhilfeleistungen. Die Konkretisierung durch Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB verlangt eine rechtskräftige Verurteilung wegen Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB im Zusammenhang mit Sozialleistungen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Die primäre Rechtsfolge von Abs. 1 ist die umfassende Regelungsbefugnis des Bundes. Die Kantone verfügen über keine eigenen Gesetzgebungskompetenzen im Migrations- und Asylbereich, sind aber für den Vollzug zuständig (Art. 46 BV).\n\n**N. 13** Bei Verwirklichung der Tatbestände nach Abs. 3 tritt der Verlust des Aufenthaltsrechts ein. Die Umsetzung in Art. 66a–66d StGB sieht eine obligatorische Landesverweisung vor, die gemäss **BGE 146 IV 172** auch im Schengener Informationssystem (SIS) auszuschreiben ist. Die Dauer des Einreiseverbots beträgt nach Abs. 5 grundsätzlich 5–15 Jahre, im Wiederholungsfall 20 Jahre.\n\n**N. 14** Die illegale Einreise trotz Einreiseverbot ist nach Abs. 6 strafbar. Die Umsetzung erfolgte durch Art. 115 Abs. 1 lit. a und Art. 119 Abs. 1 AIG, die Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vorsehen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Reichweite der Integrationskompetenz des Bundes. Achermann vertritt die Position, die Bundeskompetenz sei umfassend und ermögliche die Regelung aller Fragen betreffend Status und Stellung von Ausländern (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27). Demgegenüber betonen andere Autoren, der Bund könne ohne Zusammenarbeit mit den Kantonen deren Kompetenzen in Bildung, Sozialem und anderen Bereichen nicht aushebeln (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n**N. 16** Kontrovers diskutiert wird das Verhältnis zwischen Art. 121 Abs. 3–6 BV und dem Freizügigkeitsabkommen. Jaag/Priuli argumentieren, die Ausschaffungsinitiative sei mit dem FZA unvereinbar (Jusletter v. 8.11.2010). Weber hingegen sieht Umsetzungsvarianten, die eine Vereinbarkeit ermöglichen (AJP 2012, 1436). Das Bundesgericht hat in **BGE 145 IV 55** eine «spezifische Prüfung» für EU-Bürger entwickelt.\n\n**N. 17** Die Auslegung des Non-Refoulement-Prinzips im Kontext der Ausschaffungsinitiative ist umstritten. Der Bundesrat vertrat die Auffassung, die Initiative könne so ausgelegt werden, dass das Non-Refoulement-Prinzip respektiert werde, warnte aber vor erheblichen Kollisionen mit rechtsstaatlichen Grundsätzen (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 54).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Anwendung von Art. 121 BV ist stets die Hierarchie der Rechtsquellen zu beachten. Völkerrechtliche Verpflichtungen, insbesondere die EMRK und das Non-Refoulement-Prinzip, gehen gemäss → Art. 190 BV vor. Die Praxis des EGMR, wie in P.J. et R.J. c. Suisse (2024), verlangt eine minutiöse Interessenabwägung.\n\n**N. 19** Die Härtefallklausel in Art. 66a Abs. 2 StGB ist nicht als Ausnahmebestimmung, sondern als integraler Bestandteil der verfassungskonformen Umsetzung zu verstehen. Nach **BGE 146 IV 105** ist die Prüfung anhand der gängigen Integrationskriterien vorzunehmen, ohne starre Altersvorgaben.\n\n**N. 20** Für die Praxis relevant ist die Unterscheidung zwischen ausländerrechtlichen Massnahmen (Widerruf, Nichtverlängerung) und strafrechtlichen Landesverweisungen. Beide Instrumente können parallel zur Anwendung kommen, unterliegen aber unterschiedlichen Verfahren und Voraussetzungen. Die Koordination erfolgt über Art. 62 ff. AIG einerseits und Art. 66a ff. StGB andererseits.", "caselaw_de": "# Art. 121 BV — Gesetzgebung im Ausländer- und Asylbereich\n\n## Rechtsprechung\n\n### Bundesstaatliche Kompetenzordnung und direkte Anwendbarkeit\n\n**BGE 127 II 49** (2001)\nBundesstaatliche Kompetenzordnung im Ausländerrecht nach der neuen Bundesverfassung.\nGrundlegender Entscheid zur umfassenden Gesetzgebungskompetenz des Bundes und zu den Befugnissen der Bundesbehörden im Zustimmungsverfahren.\n\n> «Gemäss Art. 121 Abs. 1 BV (vormals Art. 69ter Abs. 1 aBV) steht dem Bund die (umfassende) Gesetzgebungskompetenz im Bereich des Ausländerrechts zu.»\n\n**BGE 139 I 16** (2012)\nAusschaffungsinitiative: Direkte Anwendbarkeit verfassungsrechtlicher Bestimmungen.\nLeitentscheid zur Frage der unmittelbaren Anwendung von Art. 121 Abs. 3–6 BV nach der Annahme der Ausschaffungsinitiative vom 28. November 2010.\n\n> «Die mit der Ausschaffungsinitiative am 28. November 2010 in die Bundesverfassung aufgenommenen Abs. 3-6 von Art. 121 sind aufgrund einer der praktischen Konkordanz verpflichteten Auslegung und mangels hinreichender Bestimmtheit nicht direkt anwendbar, sondern bedürfen der Umsetzung durch den Gesetzgeber; sie haben keinen Vorrang vor den Grundrechten oder den Garantien der EMRK.»\n\n### Ausweisungen aus Sicherheitsgründen\n\n**BGE 129 II 193** (2003)\nEinreiseverbot aus Gründen der Wahrung der Landesinteressen.\nWegweisender Entscheid zu Einreiseverboten gegen niedergelassene Ausländer nach Art. 121 Abs. 2 BV wegen Gefährdung der Landessicherheit.\n\n> «Das aus Gründen der Wahrung der Landesinteressen (Art. 184 Abs. 3 BV) verhängte Einreiseverbot gegen den in der Schweiz niedergelassenen Ausländer, der in oder für Organisationen tätig gewesen ist, deren Aktivitäten geeignet sind, die Lage im Kosovo und den angrenzenden Gebieten zusätzlich zu destabilisieren und damit die Beziehungen der Schweiz zu Drittstaaten zu gefährden, hält vor Art. 8 EMRK stand.»\n\n### Widerruf von Aufenthaltstiteln nach Straftaten\n\n**BGE 139 I 145** (2013)\nVerhältnismässigkeitsprüfung bei Widerrufsgründen.\nGrundsatzentscheid zu den massgeblichen Kriterien für die Abwägung zwischen öffentlichen Fernhalteinteressen und privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz.\n\n> «Grundsätzliches Festhalten an der sog. \"Reneja\"-Praxis, wonach einem Ausländer nach bloss kurzer Aufenthaltsdauer und bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr in der Regel selbst dann kein Aufenthaltstitel mehr zu erteilen ist, wenn der schweizerischen Ehepartnerin die Ausreise nicht oder nur schwer zuzumuten ist.»\n\n**BGE 139 I 31** (2012)\nDrogenhandel als Widerrufsgrund.\nBedeutsamer Entscheid zum Widerruf einer Niederlassungsbewilligung bei qualifizierten Betäubungsmitteldelikten unter Berücksichtigung von Art. 121 Abs. 3 BV.\n\n> «Mit der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten (bedingt) ist der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. b (i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. a) AuG gegeben [...]. Die Massnahme muss - wie jedes staatliche Handeln - verhältnismässig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AuG).»\n\n### Umsetzung der Ausschaffungsinitiative\n\n**BGE 144 IV 332** (2018)\nHärtefallklausel bei obligatorischer Landesverweisung.\nGrundsatzurteil zur Anwendung der Härtefallklausel gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB bei in der Schweiz geborenen oder aufgewachsenen Ausländern.\n\n> «Das Gericht muss bei der Ausübung seines ihm durch Art. 66a Abs. 2 StGB übertragenen Ermessens die Verfassungsprinzipien respektieren. Sind die Voraussetzungen der Härtefallklausel erfüllt, verlangt das in Art. 5 Abs. 2 BV verankerte Verhältnismässigkeitsprinzip, von einer Landesverweisung abzusehen.»\n\n**BGE 145 IV 455** (2019)\nGesundheitszustand als Härtefallgrund.\nWichtiger Entscheid zur Berücksichtigung des Gesundheitszustands bei der Prüfung der Härtefallklausel.\n\n> «Die Landesverweisung aus der Schweiz kann für den Betroffenen im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand oder die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland einen schweren persönlichen Härtefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB darstellen oder unverhältnismässig im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK sein.»\n\n**BGE 146 IV 105** (2019)\nHärtefallprüfung bei Integration.\nPräzisierung der Härtefallprüfung anhand der gängigen Integrationskriterien.\n\n> «Ob ein Härtefall vorliegt, bestimmt sich weder anhand von starren Altersvorgaben, noch führt eine bestimmte Anwesenheitsdauer automatisch zur Annahme eines Härtefalls. Die Härtefallprüfung ist in jedem Fall anhand der gängigen Integrationskriterien vorzunehmen.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 146 IV 172** (2020)\nAusschreibung von Landesverweisungen im SIS.\nVerfahrensrechtlicher Grundsatzentscheid zur Ausschreibung von Einreiseverboten im Schengener Informationssystem.\n\n> «Die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS unterliegt - wie auch die Landesverweisung selber - nicht dem Anklageprinzip. Spricht das Gericht eine Landesverweisung aus, muss es bei Drittstaatsangehörigen unabhängig von einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft zwingend auch darüber befinden, ob die Landesverweisung im SIS auszuschreiben ist.»\n\n### Rechtsprechung des EGMR\n\n**EGMR P.J. et R.J. c. Suisse** (2024)\nUngenügende Interessenabwägung bei Landesverweisung.\nAktueller EGMR-Entscheid zur mangelhaften Verhältnismässigkeitsprüfung durch Schweizer Gerichte bei der Landesverweisung wegen Drogenhandels.\n\n> «Selon la Cour, les juridictions nationales n'ont pas minutieusement mis en balance les intérêts privés et publics en présence. Elles ont axé leur analyse sur la nature et la gravité de l'infraction, sans accorder le poids nécessaire à d'autres éléments du dossier.»\n\n**EGMR M.M. c. Suisse** (2020)\nObligatorische Landesverweisung ohne Automatismus.\nEGMR-Entscheid zur konventionskonformen Anwendung von Art. 66a StGB.\n\n> «L'art. 66a CP, concrétisation du résultat d'une votation populaire, n'introduit pas, malgré son intitulé \"expulsion obligatoire\", un automatisme d'expulsion des étrangers condamnés pour des infractions, sans contrôle judiciaire de la proportionnalité de la mesure.»\n\n### Weitere wichtige Entwicklungen\n\n**Urteil 6B_627/2018** (2019)\nKatalogdelikte und Mindeststrafen.\nPräzisierung zur Anwendung von Art. 66a StGB bei Katalogdelikten ohne Mindeststrafe.\n\n**BGE 145 IV 55** (2018)\nEU-Freizügigkeitsrecht und Landesverweisung.\nBedeutsamer Entscheid zum Verhältnis zwischen dem Freizügigkeitsabkommen und der strafrechtlichen Landesverweisung.\n\n**BGE 143 II 113** (2016)\nMaximaldauer ausländerrechtlicher Haft.\nWichtiger Entscheid zur Anrechnung früherer Haftzeiten bei der Berechnung der Maximaldauer.\n\n> «Zwecks Berechnung der maximal zulässigen Gesamtdauer von ausländerrechtlicher Haft sind die Haftzeiten bei mehrfacher Inhaftierung im Rahmen von ein und demselben Ausweisungsverfahren zusammenzurechnen.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 121 Cst — Législation dans le domaine des étrangers et de l'asile\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 121 Cst réunit différentes lignes d'évolution historiques du droit suisse des migrations. La version originale (al. 1 et 2) remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et a repris pour l'essentiel les anciens art. 69ter et 70 aCst (FF 1997 I 1, 370). La compétence fédérale étendue en matière de droit des étrangers existe depuis 1925, celle en matière de droit d'asile depuis 1979.\n\n**N. 2** Les alinéas 3 à 6 ont été intégrés à la Constitution par l'initiative populaire « pour le renvoi des étrangers criminels (initiative sur le renvoi) » le 28 novembre 2010. L'initiative a été acceptée par 52,9% des voix et par 17,5 cantons, bien que le Conseil fédéral et le Parlement l'aient recommandée au rejet sans contre-projet (FF 2009 4651). Le Conseil fédéral avait exprimé dans son message des réserves considérables concernant la compatibilité avec les obligations de droit international (FF 2009 4651, 4659 ss).\n\n**N. 3** La mise en œuvre de l'initiative sur le renvoi s'est faite par la révision du Code pénal avec l'introduction des art. 66a à 66d CP ainsi que des modifications correspondantes de la loi sur les étrangers et l'intégration (LEI), en vigueur depuis le 1er octobre 2016 (RO 2016 2329). Cette mise en œuvre a été elle-même influencée par l'adoption de l'« initiative de mise en œuvre » le 28 février 2016, qui a toutefois été rejetée par 58,9%.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 121 Cst se trouve dans le 2e chapitre « Compétences » du 3e titre « Confédération, cantons et communes » et règle l'ordre des compétences fédérales en matière de migrations et d'asile. La norme est systématiquement étroitement liée aux → art. 5 Cst (principe de l'État de droit), → art. 36 Cst (restrictions des droits fondamentaux) et → art. 49 Cst (primauté du droit fédéral).\n\n**N. 5** Pour la position des étrangers en matière de droits fondamentaux, sont notamment pertinents les → art. 8 Cst (égalité), → art. 13 Cst (protection de la sphère privée) et → art. 25 Cst (protection contre l'expulsion). Les normes de la CEDH, notamment l'art. 8 CEDH (droit au respect de la vie privée et familiale) et l'art. 3 CEDH (interdiction des traitements inhumains), constituent selon l'→ art. 190 Cst un droit déterminant et limitent l'application de l'art. 121 Cst.\n\n**N. 6** Dans le rapport avec l'accord sur la libre circulation (ALCP) avec l'UE naît un champ de tension. Selon Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27, la compétence fédérale étendue permet de régler en principe toutes les questions concernant le statut et la position des étrangers, tandis que d'autres auteurs soulignent que la Confédération ne peut pas régler l'intégration sans coopération avec les cantons (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Compétence législative (al. 1)\n\n**N. 7** La compétence fédérale selon l'al. 1 est étendue et s'étend à l'entrée et à la sortie, au séjour, à l'établissement ainsi qu'à l'octroi de l'asile. Selon **ATF 127 II 49**, il s'agit d'une compétence fédérale exclusive qui inclut aussi les mesures de politique du marché du travail. La doctrine dominante reconnaît cette compétence étendue (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33), bien que des voix critiques remettent en question l'extension aux domaines de politique du marché du travail (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33).\n\n**N. 8** La compétence en matière d'asile est selon le message relatif à la Constitution fédérale une compétence fédérale exclusive (FF 1997 I 1, 370), bien que cette classification soit controversée dans la doctrine (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 42). Le concept d'« asile » comprend l'octroi temporaire de protection aux personnes persécutées dans l'État d'origine ou dont la vie et l'intégrité physique sont menacées.\n\n#### b) Expulsion de sécurité (al. 2)\n\n**N. 9** L'« expulsion politique » selon l'al. 2 permet l'éloignement d'étrangers en cas de mise en danger de la sécurité du pays. Selon **ATF 129 II 193**, cela comprend aussi les activités propres à compromettre les relations de la Suisse avec des États tiers. La mesure est soumise au principe de proportionnalité et aux limites de l'art. 8 CEDH.\n\n#### c) Perte du droit de séjour (al. 3 à 6)\n\n**N. 10** Le catalogue des délits de l'al. 3 entraîne la perte automatique du droit de séjour « indépendamment du statut de droit des étrangers ». Selon **ATF 139 I 16**, ces dispositions ne sont cependant pas directement applicables, mais nécessitent une mise en œuvre par le législateur. La mise en œuvre s'est faite par l'art. 66a CP avec une clause de rigueur qui, selon **ATF 144 IV 332**, permet un examen de proportionnalité.\n\n**N. 11** L'abus en matière sociale selon l'al. 3 let. b saisit la perception abusive de prestations d'assurances sociales ou d'aide sociale. La concrétisation par l'art. 66a al. 1 let. h CP exige une condamnation entrée en force pour escroquerie au sens de l'art. 146 CP en relation avec des prestations sociales.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** La conséquence juridique primaire de l'al. 1 est la compétence réglementaire étendue de la Confédération. Les cantons ne disposent d'aucune compétence législative propre dans le domaine des migrations et de l'asile, mais sont compétents pour l'exécution (art. 46 Cst).\n\n**N. 13** En cas de réalisation des éléments constitutifs selon l'al. 3, la perte du droit de séjour intervient. La mise en œuvre dans les art. 66a à 66d CP prévoit une expulsion du territoire obligatoire qui, selon **ATF 146 IV 172**, doit aussi être signalée dans le système d'information Schengen (SIS). La durée de l'interdiction d'entrée est selon l'al. 5 en principe de 5 à 15 ans, en cas de récidive de 20 ans.\n\n**N. 14** L'entrée illégale malgré une interdiction d'entrée est punissable selon l'al. 6. La mise en œuvre s'est faite par les art. 115 al. 1 let. a et art. 119 al. 1 LEI, qui prévoient une peine privative de liberté jusqu'à un an ou une amende.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 15** Un point litigieux central concerne la portée de la compétence fédérale en matière d'intégration. Achermann défend la position selon laquelle la compétence fédérale est étendue et permet de régler toutes les questions concernant le statut et la position des étrangers (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27). À l'inverse, d'autres auteurs soulignent que la Confédération ne peut pas, sans coopération avec les cantons, court-circuiter leurs compétences en matière d'éducation, de social et dans d'autres domaines (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n**N. 16** Le rapport entre les art. 121 al. 3 à 6 Cst et l'accord sur la libre circulation fait l'objet de discussions controversées. Jaag/Priuli argumentent que l'initiative sur le renvoi est incompatible avec l'ALCP (Jusletter du 8.11.2010). Weber en revanche voit des variantes de mise en œuvre qui permettent une compatibilité (AJP 2012, 1436). Le Tribunal fédéral a développé dans **ATF 145 IV 55** un « examen spécifique » pour les citoyens de l'UE.\n\n**N. 17** L'interprétation du principe de non-refoulement dans le contexte de l'initiative sur le renvoi est controversée. Le Conseil fédéral a défendu la position selon laquelle l'initiative pourrait être interprétée de manière à ce que le principe de non-refoulement soit respecté, mais a mis en garde contre des collisions considérables avec les principes de l'État de droit (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 54).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de l'application de l'art. 121 Cst, il faut toujours observer la hiérarchie des sources du droit. Les obligations de droit international, en particulier la CEDH et le principe de non-refoulement, priment selon l'→ art. 190 Cst. La pratique de la CourEDH, comme dans P.J. et R.J. c. Suisse (2024), exige une pesée minutieuse des intérêts.\n\n**N. 19** La clause de rigueur de l'art. 66a al. 2 CP n'est pas à comprendre comme une disposition d'exception, mais comme partie intégrante de la mise en œuvre conforme à la Constitution. Selon **ATF 146 IV 105**, l'examen doit se faire selon les critères d'intégration usuels, sans conditions d'âge rigides.\n\n**N. 20** Pour la pratique est pertinente la distinction entre les mesures de droit des étrangers (révocation, non-renouvellement) et les expulsions pénales du territoire. Les deux instruments peuvent s'appliquer parallèlement, mais sont soumis à des procédures et des conditions différentes. La coordination se fait d'une part par les art. 62 ss LEI et d'autre part par les art. 66a ss CP.", "caselaw_fr": "# Art. 121 Cst. — Législation en matière de droit des étrangers et d'asile\n\n## Jurisprudence\n\n### Ordre de compétences fédérales et applicabilité directe\n\n**ATF 127 II 49** (2001)\nOrdre de compétences fédérales en droit des étrangers selon la nouvelle Constitution fédérale.\nDécision fondamentale relative à la compétence législative exhaustive de la Confédération et aux compétences des autorités fédérales dans la procédure d'autorisation.\n\n> « Selon l'art. 121 al. 1 Cst. (anciennement art. 69ter al. 1 aCst.), la Confédération détient la compétence législative (exhaustive) dans le domaine du droit des étrangers. »\n\n**ATF 139 I 16** (2012)\nInitiative sur le renvoi : Applicabilité directe de dispositions constitutionnelles.\nArrêt de principe sur la question de l'application immédiate de l'art. 121 al. 3 à 6 Cst. après l'acceptation de l'initiative sur le renvoi du 28 novembre 2010.\n\n> « Les al. 3 à 6 de l'art. 121 adoptés dans la Constitution fédérale avec l'initiative sur le renvoi du 28 novembre 2010 ne sont pas directement applicables en raison d'une interprétation conforme à la concordance pratique et en raison d'un manque de précision suffisante, mais nécessitent une mise en œuvre par le législateur ; ils n'ont pas la primauté sur les droits fondamentaux ou les garanties de la CEDH. »\n\n### Expulsions pour des raisons de sécurité\n\n**ATF 129 II 193** (2003)\nInterdiction d'entrée pour des raisons de sauvegarde des intérêts du pays.\nDécision de principe sur les interdictions d'entrée contre des étrangers établis selon l'art. 121 al. 2 Cst. en raison d'une mise en danger de la sécurité du pays.\n\n> « L'interdiction d'entrée prononcée pour des raisons de sauvegarde des intérêts du pays (art. 184 al. 3 Cst.) contre l'étranger établi en Suisse qui a été actif dans ou pour des organisations dont les activités sont propres à déstabiliser davantage la situation au Kosovo et dans les régions avoisinantes et à mettre ainsi en danger les relations de la Suisse avec des États tiers, résiste à l'art. 8 CEDH. »\n\n### Révocation de titres de séjour après infractions\n\n**ATF 139 I 145** (2013)\nExamen de la proportionnalité en cas de motifs de révocation.\nDécision de principe sur les critères déterminants pour la pesée des intérêts entre les intérêts publics d'éloignement et les intérêts privés de demeurer en Suisse.\n\n> « Maintien de principe de la pratique dite « Reneja », selon laquelle un étranger après une durée de séjour courte seulement et en cas de condamnation à une peine privative de liberté de deux ans ou plus ne doit en règle générale plus se voir octroyer d'autorisation de séjour, même si l'on ne peut pas ou difficilement exiger de l'épouse suisse qu'elle émigre. »\n\n**ATF 139 I 31** (2012)\nTrafic de drogue comme motif de révocation.\nDécision importante sur la révocation d'une autorisation d'établissement en cas d'infractions qualifiées à la loi sur les stupéfiants en tenant compte de l'art. 121 al. 3 Cst.\n\n> « Avec la condamnation à une peine privative de liberté de 24 mois (avec sursis), le motif de révocation de l'art. 62 let. b (en relation avec l'art. 63 al. 1 let. a) LEtr est donné [...]. La mesure doit - comme toute action étatique - être proportionnée (cf. art. 5 al. 2 Cst. ; art. 96 LEtr). »\n\n### Mise en œuvre de l'initiative sur le renvoi\n\n**ATF 144 IV 332** (2018)\nClause de rigueur en cas d'expulsion du territoire obligatoire.\nArrêt de principe sur l'application de la clause de rigueur selon l'art. 66a al. 2 CP chez les étrangers nés ou ayant grandi en Suisse.\n\n> « Le tribunal doit respecter les principes constitutionnels dans l'exercice du pouvoir d'appréciation qui lui est conféré par l'art. 66a al. 2 CP. Si les conditions de la clause de rigueur sont remplies, le principe de proportionnalité ancré à l'art. 5 al. 2 Cst. exige de renoncer à une expulsion du territoire. »\n\n**ATF 145 IV 455** (2019)\nÉtat de santé comme motif de rigueur.\nDécision importante sur la prise en compte de l'état de santé lors de l'examen de la clause de rigueur.\n\n> « L'expulsion du territoire de la Suisse peut constituer un cas de rigueur personnel grave selon l'art. 66a al. 2 CP ou être disproportionnée au sens de l'art. 8 ch. 2 CEDH pour la personne concernée en raison de son état de santé ou des possibilités de traitement dans le pays d'origine. »\n\n**ATF 146 IV 105** (2019)\nExamen de rigueur en cas d'intégration.\nPrécision de l'examen de rigueur selon les critères d'intégration usuels.\n\n> « La question de savoir s'il y a cas de rigueur ne se détermine ni selon des prescriptions d'âge rigides, ni une certaine durée de présence ne conduit automatiquement à l'acceptation d'un cas de rigueur. L'examen de rigueur doit dans chaque cas être effectué selon les critères d'intégration usuels. »\n\n### Aspects de droit procédural\n\n**ATF 146 IV 172** (2020)\nSignalement d'expulsions du territoire dans le SIS.\nDécision de principe de droit procédural sur le signalement d'interdictions d'entrée dans le système d'information Schengen.\n\n> « Le signalement de l'expulsion du territoire dans le SIS n'est pas soumis - comme l'expulsion du territoire elle-même - au principe d'accusation. Si le tribunal prononce une expulsion du territoire, il doit chez les ressortissants d'États tiers, indépendamment d'une requête correspondante du ministère public, statuer impérativement aussi sur la question de savoir si l'expulsion du territoire doit être signalée dans le SIS. »\n\n### Jurisprudence de la CourEDH\n\n**CourEDH P.J. et R.J. c. Suisse** (2024)\nPesée des intérêts insuffisante en cas d'expulsion du territoire.\nDécision actuelle de la CourEDH sur l'examen de proportionnalité déficient par les tribunaux suisses lors de l'expulsion du territoire pour trafic de drogue.\n\n> « Selon la Cour, les juridictions nationales n'ont pas minutieusement mis en balance les intérêts privés et publics en présence. Elles ont axé leur analyse sur la nature et la gravité de l'infraction, sans accorder le poids nécessaire à d'autres éléments du dossier. »\n\n**CourEDH M.M. c. Suisse** (2020)\nExpulsion du territoire obligatoire sans automatisme.\nDécision de la CourEDH sur l'application conforme à la Convention de l'art. 66a CP.\n\n> « L'art. 66a CP, concrétisation du résultat d'une votation populaire, n'introduit pas, malgré son intitulé \"expulsion obligatoire\", un automatisme d'expulsion des étrangers condamnés pour des infractions, sans contrôle judiciaire de la proportionnalité de la mesure. »\n\n### Autres développements importants\n\n**Arrêt 6B_627/2018** (2019)\nInfractions catalogue et peines minimales.\nPrécision sur l'application de l'art. 66a CP en cas d'infractions catalogue sans peine minimale.\n\n**ATF 145 IV 55** (2018)\nDroit de libre circulation UE et expulsion du territoire.\nDécision importante sur le rapport entre l'accord sur la libre circulation et l'expulsion pénale du territoire.\n\n**ATF 143 II 113** (2016)\nDurée maximale de la détention en droit des étrangers.\nDécision importante sur l'imputation de périodes de détention antérieures lors du calcul de la durée maximale.\n\n> « Aux fins du calcul de la durée totale maximale admissible de détention en droit des étrangers, les périodes de détention lors de détentions multiples dans le cadre d'une seule et même procédure d'expulsion doivent être additionnées. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 121 Cost. — Legislazione in materia di stranieri e di asilo\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 121 Cost. unisce diverse linee di sviluppo storico del diritto svizzero della migrazione. La versione originale (cpv. 1 e 2) risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999 e riprendeva sostanzialmente i precedenti art. 69ter e 70 aCost. (FF 1997 I 1, 370). L'ampia competenza federale in materia di diritto degli stranieri esiste dal 1925, quella in materia di asilo dal 1979.\n\n**N. 2** I capoversi 3–6 sono stati introdotti nella Costituzione il 28 novembre 2010 dall'iniziativa popolare «per l'espulsione degli stranieri che commettono reati (Iniziativa per l'espulsione)». L'iniziativa è stata accettata con il 52,9% dei voti e da 17,5 cantoni, benché il Consiglio federale e il Parlamento l'avessero raccomandata per il rigetto senza controprogetto (FF 2009 4673). Il Consiglio federale aveva espresso nel suo messaggio notevoli riserve riguardo alla compatibilità con gli obblighi di diritto internazionale (FF 2009 4673, 4683 segg.).\n\n**N. 3** L'attuazione dell'iniziativa per l'espulsione è avvenuta mediante la revisione del Codice penale con l'introduzione degli art. 66a–66d CP nonché delle corrispondenti modifiche della Legge sugli stranieri e la loro integrazione (LStrI), in vigore dal 1° ottobre 2016 (RU 2016 2329). Questa attuazione è stata a sua volta influenzata dall'accettazione della cosiddetta «iniziativa di attuazione» del 28 febbraio 2016, che tuttavia è stata respinta con il 58,9%.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 121 Cost. si trova nel 2° capitolo «Competenze» del 3° titolo «Confederazione, Cantoni e Comuni» e disciplina l'ordine delle competenze federali nel diritto della migrazione e dell'asilo. La norma è sistematicamente strettamente collegata con → l'art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto), → l'art. 36 Cost. (restrizioni dei diritti fondamentali) e → l'art. 49 Cost. (primato del diritto federale).\n\n**N. 5** Per la posizione giuridica fondamentale di straniere e stranieri sono rilevanti in particolare → l'art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica), → l'art. 13 Cost. (protezione della sfera privata) e → l'art. 25 Cost. (protezione dall'espulsione). Le norme della CEDU, segnatamente l'art. 8 CEDU (diritto al rispetto della vita privata e familiare) e l'art. 3 CEDU (divieto di trattamenti inumani), costituiscono secondo → l'art. 190 Cost. diritto determinante e limitano l'applicazione dell'art. 121 Cost.\n\n**N. 6** Nel rapporto con l'Accordo sulla libera circolazione delle persone (ALC) con l'UE sorge un campo di tensione. Secondo Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27, l'ampia competenza federale consente di disciplinare in linea di principio tutte le questioni concernenti lo status e la posizione degli stranieri, mentre altri autori sottolineano che la Confederazione non può disciplinare l'integrazione senza cooperazione con i Cantoni (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Competenza legislativa (cpv. 1)\n\n**N. 7** La competenza federale secondo il cpv. 1 è ampia e si estende a entrata e uscita, dimora, domicilio nonché concessione dell'asilo. Secondo **DTF 127 II 49** si tratta di una competenza federale esclusiva, che include anche misure di politica del mercato del lavoro. La dottrina dominante riconosce questa competenza ampia (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33), mentre voci critiche mettono in discussione l'estensione ai settori della politica del mercato del lavoro (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33).\n\n**N. 8** La competenza in materia di asilo è secondo il messaggio concernente la Costituzione federale una competenza federale esclusiva (FF 1997 I 1, 370), benché questa classificazione sia controversa in dottrina (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 42). Il concetto di «asilo» comprende la concessione temporanea di protezione per persone perseguitate nello Stato di origine o la cui vita e incolumità fisica sono in pericolo.\n\n#### b) Espulsione per motivi di sicurezza (cpv. 2)\n\n**N. 9** L'«espulsione politica» secondo il cpv. 2 consente l'allontanamento di straniere e stranieri in caso di messa in pericolo della sicurezza del Paese. Secondo **DTF 129 II 193** ciò include anche attività idonee a mettere in pericolo le relazioni della Svizzera con Stati terzi. La misura è soggetta al principio di proporzionalità e ai limiti dell'art. 8 CEDU.\n\n#### c) Perdita del diritto di dimora (cpv. 3–6)\n\n**N. 10** Il catalogo dei reati nel cpv. 3 comporta la perdita automatica del diritto di dimora «indipendentemente dallo status di diritto degli stranieri». Secondo **DTF 139 I 16** queste disposizioni tuttavia non sono direttamente applicabili, ma necessitano di attuazione da parte del legislatore. L'attuazione è avvenuta mediante l'art. 66a CP con una clausola dei casi di rigore, che secondo **DTF 144 IV 332** consente un esame di proporzionalità.\n\n**N. 11** L'abuso sociale secondo il cpv. 3 lett. b comprende la riscossione abusiva di prestazioni di assicurazioni sociali o di assistenza sociale. La concretizzazione mediante l'art. 66a cpv. 1 lett. h CP richiede una condanna passata in giudicato per truffa ai sensi dell'art. 146 CP in relazione a prestazioni sociali.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** La conseguenza giuridica primaria del cpv. 1 è l'ampia competenza normativa della Confederazione. I Cantoni non dispongono di proprie competenze legislative nel settore della migrazione e dell'asilo, ma sono competenti per l'esecuzione (art. 46 Cost.).\n\n**N. 13** In caso di realizzazione delle fattispecie secondo il cpv. 3 interviene la perdita del diritto di dimora. L'attuazione negli art. 66a–66d CP prevede un'espulsione dal territorio obbligatoria, che secondo **DTF 146 IV 172** deve essere registrata anche nel Sistema d'informazione di Schengen (SIS). La durata del divieto d'entrata ammonta secondo il cpv. 5 in linea di principio a 5–15 anni, in caso di recidiva a 20 anni.\n\n**N. 14** L'entrata illegale nonostante il divieto d'entrata è punibile secondo il cpv. 6. L'attuazione è avvenuta mediante l'art. 115 cpv. 1 lett. a e l'art. 119 cpv. 1 LStrI, che prevedono una pena detentiva fino a un anno o una pena pecuniaria.\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 15** Un punto controverso centrale concerne la portata della competenza di integrazione della Confederazione. Achermann sostiene la posizione che la competenza federale sia ampia e consenta di disciplinare tutte le questioni concernenti lo status e la posizione degli stranieri (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27). Al contrario, altri autori sottolineano che la Confederazione non può aggirare le competenze dei Cantoni in materia di formazione, sociale e altri settori senza cooperazione con i Cantoni (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n**N. 16** È discusso in modo controverso il rapporto tra l'art. 121 cpv. 3–6 Cost. e l'Accordo sulla libera circolazione delle persone. Jaag/Priuli argomentano che l'iniziativa per l'espulsione sia incompatibile con l'ALC (Jusletter dell'8.11.2010). Weber invece vede varianti di attuazione che consentono una compatibilità (AJP 2012, 1436). Il Tribunale federale ha sviluppato in **DTF 145 IV 55** un «esame specifico» per i cittadini UE.\n\n**N. 17** L'interpretazione del principio di non-refoulement nel contesto dell'iniziativa per l'espulsione è controversa. Il Consiglio federale ha sostenuto la posizione che l'iniziativa potesse essere interpretata in modo da rispettare il principio di non-refoulement, ma ha messo in guardia da notevoli collisioni con i principi dello Stato di diritto (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 54).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'applicazione dell'art. 121 Cost. bisogna sempre osservare la gerarchia delle fonti del diritto. Gli obblighi di diritto internazionale, in particolare la CEDU e il principio di non-refoulement, prevalgono secondo → l'art. 190 Cost. La prassi della Corte EDU, come in P.J. et R.J. c. Suisse (2024), richiede una ponderazione minuziosa degli interessi.\n\n**N. 19** La clausola dei casi di rigore nell'art. 66a cpv. 2 CP non è da intendere come disposizione eccezionale, ma come componente integrante dell'attuazione conforme alla Costituzione. Secondo **DTF 146 IV 105** l'esame deve essere effettuato in base ai criteri di integrazione usuali, senza prescrizioni rigide sull'età.\n\n**N. 20** Per la pratica è rilevante la distinzione tra misure di diritto degli stranieri (revoca, mancato rinnovo) e espulsioni dal territorio penali. Entrambi gli strumenti possono essere applicati parallelamente, ma sono soggetti a procedure e presupposti diversi. Il coordinamento avviene tramite gli art. 62 segg. LStrI da un lato e gli art. 66a segg. CP dall'altro.", "caselaw_it": "# Art. 121 Cost. — Legislazione in materia di stranieri e asilo\n\n## Giurisprudenza\n\n### Ordine delle competenze federali e applicabilità diretta\n\n**DTF 127 II 49** (2001)\nOrdine delle competenze federali nel diritto degli stranieri secondo la nuova Costituzione federale.\nDecisione fondamentale sulla competenza legislativa globale della Confederazione e sulle competenze delle autorità federali nella procedura di approvazione.\n\n> «Secondo l'art. 121 cpv. 1 Cost. (precedentemente art. 69ter cpv. 1 aCost.) la Confederazione ha la competenza legislativa (globale) nel campo del diritto degli stranieri.»\n\n**DTF 139 I 16** (2012)\nIniziativa per l'espulsione: Applicabilità diretta delle disposizioni costituzionali.\nDecisione di principio sulla questione dell'applicazione immediata dell'art. 121 cpv. 3–6 Cost. dopo l'accettazione dell'iniziativa per l'espulsione del 28 novembre 2010.\n\n> «I cpv. 3-6 dell'art. 121 introdotti nella Costituzione federale con l'iniziativa per l'espulsione del 28 novembre 2010 non sono direttamente applicabili in base a un'interpretazione conforme alla concordanza pratica e per mancanza di determinatezza sufficiente, ma necessitano di attuazione da parte del legislatore; essi non hanno prevalenza sui diritti fondamentali o sulle garanzie della CEDU.»\n\n### Espulsioni per motivi di sicurezza\n\n**DTF 129 II 193** (2003)\nDivieto d'entrata per motivi di tutela degli interessi del Paese.\nDecisione innovativa sui divieti d'entrata contro stranieri domiciliati secondo l'art. 121 cpv. 2 Cost. per pericolo della sicurezza nazionale.\n\n> «Il divieto d'entrata emanato per motivi di tutela degli interessi del Paese (art. 184 cpv. 3 Cost.) contro lo straniero domiciliato in Svizzera, che è stato attivo in o per organizzazioni le cui attività sono idonee a destabilizzare ulteriormente la situazione nel Kosovo e nelle regioni limitrofe e quindi a compromettere le relazioni della Svizzera con Stati terzi, resiste al vaglio dell'art. 8 CEDU.»\n\n### Revoca di titoli di soggiorno dopo reati\n\n**DTF 139 I 145** (2013)\nEsame della proporzionalità in caso di motivi di revoca.\nDecisione di principio sui criteri determinanti per la ponderazione tra interessi pubblici di allontanamento e interessi privati a rimanere in Svizzera.\n\n> «Conferma di principio della cosiddetta prassi \"Reneja\", secondo la quale a uno straniero dopo solo un breve soggiorno e in caso di condanna a una pena detentiva di due anni o più di regola non deve più essere rilasciato alcun titolo di soggiorno, anche quando alla coniuge svizzera non sia ragionevolmente esigibile l'espatrio.»\n\n**DTF 139 I 31** (2012)\nTraffico di stupefacenti come motivo di revoca.\nDecisione significativa sulla revoca di un permesso di domicilio in caso di reati qualificati in materia di stupefacenti considerando l'art. 121 cpv. 3 Cost.\n\n> «Con la condanna a una pena detentiva di 24 mesi (con la condizionale) è dato il motivo di revoca dell'art. 62 lett. b (in combinato disposto con l'art. 63 cpv. 1 lett. a) LStr [...]. La misura deve - come ogni azione statale - essere proporzionata (cfr. art. 5 cpv. 2 Cost.; art. 96 LStr).»\n\n### Attuazione dell'iniziativa per l'espulsione\n\n**DTF 144 IV 332** (2018)\nClausola di rigore nell'espulsione obbligatoria dal Paese.\nSentenza di principio sull'applicazione della clausola di rigore secondo l'art. 66a cpv. 2 CP per stranieri nati o cresciuti in Svizzera.\n\n> «Il tribunale deve rispettare i principi costituzionali nell'esercizio del potere discrezionale conferitogli dall'art. 66a cpv. 2 CP. Se sono adempiute le condizioni della clausola di rigore, il principio di proporzionalità ancorato nell'art. 5 cpv. 2 Cost. esige di rinunciare all'espulsione dal Paese.»\n\n**DTF 145 IV 455** (2019)\nStato di salute come motivo di rigore.\nDecisione importante sulla considerazione dello stato di salute nell'esame della clausola di rigore.\n\n> «L'espulsione dalla Svizzera può costituire per l'interessato, riguardo al suo stato di salute o alle possibilità di trattamento nel Paese d'origine, un grave caso di rigore personale secondo l'art. 66a cpv. 2 CP o essere sproporzionata ai sensi dell'art. 8 n. 2 CEDU.»\n\n**DTF 146 IV 105** (2019)\nEsame del caso di rigore in caso di integrazione.\nPrecisazione dell'esame del caso di rigore in base ai criteri d'integrazione usuali.\n\n> «Se sussista un caso di rigore non si determina né in base a prescrizioni rigide sull'età, né una determinata durata di presenza porta automaticamente ad ammettere un caso di rigore. L'esame del caso di rigore va effettuato in ogni caso in base ai criteri d'integrazione usuali.»\n\n### Aspetti di diritto procedurale\n\n**DTF 146 IV 172** (2020)\nSegnalazione di espulsioni dal Paese nel SIS.\nDecisione di principio di diritto procedurale sulla segnalazione di divieti d'entrata nel Sistema d'informazione Schengen.\n\n> «La segnalazione dell'espulsione dal Paese nel SIS non soggiace - come anche l'espulsione dal Paese stessa - al principio d'accusa. Se il tribunale pronuncia un'espulsione dal Paese, deve decidere in caso di cittadini di Stati terzi indipendentemente da una corrispondente richiesta del ministero pubblico obbligatoriamente anche se l'espulsione dal Paese debba essere segnalata nel SIS.»\n\n### Giurisprudenza della Corte EDU\n\n**Corte EDU P.J. et R.J. c. Svizzera** (2024)\nInsufficiente ponderazione degli interessi nell'espulsione dal Paese.\nDecisione attuale della Corte EDU sull'insufficiente esame di proporzionalità da parte dei tribunali svizzeri nell'espulsione dal Paese per traffico di stupefacenti.\n\n> «Selon la Cour, les juridictions nationales n'ont pas minutieusement mis en balance les intérêts privés et publics en présence. Elles ont axé leur analyse sur la nature et la gravité de l'infraction, sans accorder le poids nécessaire à d'autres éléments du dossier.»\n\n**Corte EDU M.M. c. Svizzera** (2020)\nEspulsione obbligatoria dal Paese senza automatismo.\nDecisione della Corte EDU sull'applicazione conforme alla Convenzione dell'art. 66a CP.\n\n> «L'art. 66a CP, concrétisation du résultat d'une votation populaire, n'introduit pas, malgré son intitulé \"expulsion obligatoire\", un automatisme d'expulsion des étrangers condamnés pour des infractions, sans contrôle judiciaire de la proportionnalité de la mesure.»\n\n### Ulteriori sviluppi importanti\n\n**Sentenza 6B_627/2018** (2019)\nReati di catalogo e pene minime.\nPrecisazione sull'applicazione dell'art. 66a CP per reati di catalogo senza pena minima.\n\n**DTF 145 IV 55** (2018)\nDiritto di libera circolazione UE ed espulsione dal Paese.\nDecisione significativa sul rapporto tra l'Accordo sulla libera circolazione e l'espulsione penale dal Paese.\n\n**DTF 143 II 113** (2016)\nDurata massima della carcerazione amministrativa.\nDecisione importante sul computo di precedenti periodi di carcerazione nel calcolo della durata massima.\n\n> «Ai fini del calcolo della durata massima complessivamente ammissibile di carcerazione amministrativa, i periodi di carcerazione in caso di incarcerazione multipla nel quadro di una sola e medesima procedura d'espulsione devono essere sommati.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 121 BV — Legislation in the Field of Foreign Nationals and Asylum\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 121 BV unites various historical lines of development in Swiss migration law. The original version (paras. 1 and 2) stems from the total revision of the Federal Constitution in 1999 and essentially adopted the former Art. 69ter and 70 old Constitution (BBl 1997 I 1, 370). The comprehensive federal competence in foreign nationals law has existed since 1925, that in asylum law since 1979.\n\n**N. 2** Paragraphs 3–6 were incorporated into the Constitution through the popular initiative «for the expulsion of criminal foreign nationals (expulsion initiative)» on 28 November 2010. The initiative was accepted with 52.9% of the votes and by 17.5 cantons, although the Federal Council and Parliament had recommended its rejection without a counter-proposal (BBl 2009 5097). The Federal Council had expressed considerable concerns regarding compatibility with international law obligations in its message (BBl 2009 5097, 5107 ff.).\n\n**N. 3** The implementation of the expulsion initiative was carried out through the revision of the Criminal Code with the introduction of Art. 66a–66d SCC as well as corresponding amendments to the Foreign Nationals and Integration Act (FNIA), in force since 1 October 2016 (AS 2016 2329). This implementation was in turn influenced by the acceptance of the so-called «enforcement initiative» on 28 February 2016, which was however rejected with 58.9%.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 121 BV stands in Chapter 2 «Competences» of Title 3 «Confederation, Cantons and Communes» and regulates the federal competence order in migration and asylum law. The norm is systematically closely linked with → Art. 5 BV (rule of law principle), → Art. 36 BV (restrictions on fundamental rights) and → Art. 49 BV (primacy of federal law).\n\n**N. 5** For the fundamental rights position of foreign nationals, particularly relevant are → Art. 8 BV (equality before the law), → Art. 13 BV (protection of privacy) and → Art. 25 BV (protection against expulsion). The norms of the ECHR, notably Art. 8 ECHR (right to respect for private and family life) and Art. 3 ECHR (prohibition of inhuman treatment), constitute applicable law according to → Art. 190 BV and limit the application of Art. 121 BV.\n\n**N. 6** A field of tension arises in relation to the Agreement on the Free Movement of Persons (AFMP) with the EU. According to Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27, the comprehensive federal competence enables the regulation of fundamentally all questions concerning the status and position of foreign nationals, while other authors emphasise that the Confederation cannot regulate integration without cooperation with the cantons (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n### 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n#### a) Legislative Competence (Para. 1)\n\n**N. 7** The federal competence under para. 1 is comprehensive and extends to entry and exit, residence, permanent residence as well as granting of asylum. According to **BGE 127 II 49**, this is an exclusive federal competence that also includes labour market policy measures. The prevailing doctrine recognises this comprehensive competence (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33), whereby critical voices question the extension to labour market policy areas (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 33).\n\n**N. 8** The asylum competence is, according to the message on the Federal Constitution, an exclusive federal jurisdiction (BBl 1997 I 1, 370), whereby this classification is disputed in the doctrine (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 42). The term «asylum» encompasses the temporary granting of protection to persons who are persecuted in their country of origin or whose life and limb are endangered.\n\n#### b) Security Expulsion (Para. 2)\n\n**N. 9** The «political expulsion» under para. 2 enables the removal of foreign nationals when national security is endangered. According to **BGE 129 II 193**, this also includes activities that are suitable to endanger Switzerland's relations with third states. The measure is subject to the principle of proportionality and the limits of Art. 8 ECHR.\n\n#### c) Loss of Right of Residence (Paras. 3–6)\n\n**N. 10** The catalogue of offences in para. 3 leads to the automatic loss of the right of residence «regardless of the foreign nationals law status». According to **BGE 139 I 16**, however, these provisions are not directly applicable, but require implementation by the legislature. Implementation was carried out through Art. 66a SCC with a hardship clause that, according to **BGE 144 IV 332**, enables a proportionality review.\n\n**N. 11** The social benefit abuse under para. 3 lit. b encompasses the abusive obtaining of social insurance or social assistance benefits. The specification through Art. 66a para. 1 lit. h SCC requires a legally binding conviction for fraud within the meaning of Art. 146 SCC in connection with social benefits.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** The primary legal consequence of para. 1 is the comprehensive regulatory authority of the Confederation. The cantons have no own legislative competences in the migration and asylum area, but are responsible for enforcement (Art. 46 BV).\n\n**N. 13** Upon realisation of the factual elements under para. 3, the loss of the right of residence occurs. Implementation in Art. 66a–66d SCC provides for an obligatory expulsion from the country, which according to **BGE 146 IV 172** is also to be entered in the Schengen Information System (SIS). The duration of the entry ban amounts to fundamentally 5–15 years according to para. 5, in case of repetition 20 years.\n\n**N. 14** Illegal entry despite an entry ban is punishable under para. 6. Implementation was carried out through Art. 115 para. 1 lit. a and Art. 119 para. 1 FNIA, which provide for imprisonment up to one year or a monetary penalty.\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 15** A central point of dispute concerns the scope of the Confederation's integration competence. Achermann represents the position that the federal competence is comprehensive and enables the regulation of all questions concerning the status and position of foreign nationals (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27). In contrast, other authors emphasise that the Confederation cannot undermine the cantons' competences in education, social affairs and other areas without cooperation with the cantons (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 27).\n\n**N. 16** The relationship between Art. 121 paras. 3–6 BV and the Agreement on the Free Movement of Persons is controversially discussed. Jaag/Priuli argue that the expulsion initiative is incompatible with the AFMP (Jusletter of 8.11.2010). Weber, on the other hand, sees implementation variants that enable compatibility (AJP 2012, 1436). The Federal Supreme Court has developed a «specific examination» for EU citizens in **BGE 145 IV 55**.\n\n**N. 17** The interpretation of the non-refoulement principle in the context of the expulsion initiative is disputed. The Federal Council took the view that the initiative could be interpreted in such a way that the non-refoulement principle would be respected, but warned of considerable collisions with rule of law principles (Achermann, BSK BV, Art. 121 N. 54).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 18** When applying Art. 121 BV, the hierarchy of legal sources must always be observed. International law obligations, in particular the ECHR and the non-refoulement principle, take precedence according to → Art. 190 BV. The practice of the ECtHR, as in P.J. et R.J. c. Suisse (2024), requires a meticulous balancing of interests.\n\n**N. 19** The hardship clause in Art. 66a para. 2 SCC is not to be understood as an exception provision, but as an integral component of the constitutionally compliant implementation. According to **BGE 146 IV 105**, the examination is to be undertaken based on the common integration criteria, without rigid age requirements.\n\n**N. 20** Relevant for practice is the distinction between foreign nationals law measures (revocation, non-renewal) and criminal law expulsions from the country. Both instruments can be applied in parallel, but are subject to different procedures and requirements. Coordination takes place via Art. 62 ff. FNIA on the one hand and Art. 66a ff. SCC on the other hand.", "caselaw_en": "# Art. 121 BV — Legislation on Foreign Nationals and Asylum\n\n## Case Law\n\n### Federal Distribution of Powers and Direct Applicability\n\n**BGE 127 II 49** (2001)\nFederal distribution of powers in foreign nationals law under the new Federal Constitution.\nFundamental decision on the comprehensive legislative competence of the Confederation and the powers of federal authorities in approval procedures.\n\n> «According to Art. 121 para. 1 BV (formerly Art. 69ter para. 1 old BV), the Confederation has (comprehensive) legislative competence in the field of foreign nationals law.»\n\n**BGE 139 I 16** (2012)\nDeportation Initiative: Direct applicability of constitutional provisions.\nLeading decision on the question of direct application of Art. 121 paras. 3–6 BV following the adoption of the deportation initiative of 28 November 2010.\n\n> «Paragraphs 3-6 of Art. 121, incorporated into the Federal Constitution with the deportation initiative on 28 November 2010, are not directly applicable based on an interpretation committed to practical concordance and due to insufficient specificity, but require implementation by the legislator; they have no precedence over fundamental rights or the guarantees of the ECHR.»\n\n### Expulsions for Security Reasons\n\n**BGE 129 II 193** (2003)\nEntry ban for reasons of safeguarding national interests.\nGroundbreaking decision on entry bans against settled foreign nationals according to Art. 121 para. 2 BV due to threats to national security.\n\n> «The entry ban imposed for reasons of safeguarding national interests (Art. 184 para. 3 BV) against the foreign national settled in Switzerland, who had been active in or for organisations whose activities are likely to further destabilise the situation in Kosovo and adjacent areas and thereby endanger Switzerland's relations with third states, withstands Art. 8 ECHR.»\n\n### Revocation of Residence Permits Following Criminal Offences\n\n**BGE 139 I 145** (2013)\nProportionality assessment in grounds for revocation.\nFundamental decision on the relevant criteria for balancing public interests in keeping someone away and private interests in remaining in Switzerland.\n\n> «Fundamental adherence to the so-called \"Reneja\" practice, according to which a foreign national after only a short period of residence and upon conviction to a prison sentence of two years or more is generally not to be granted a residence permit, even if departure cannot be expected of the Swiss spouse or can only be expected with great difficulty.»\n\n**BGE 139 I 31** (2012)\nDrug trafficking as grounds for revocation.\nSignificant decision on revocation of a settlement permit for qualified narcotics offences taking into account Art. 121 para. 3 BV.\n\n> «With the conviction to a prison sentence of 24 months (suspended), the grounds for revocation under Art. 62 lit. b (in conjunction with Art. 63 para. 1 lit. a) FNA are met [...]. The measure must - like any state action - be proportionate (cf. Art. 5 para. 2 BV; Art. 96 FNA).»\n\n### Implementation of the Deportation Initiative\n\n**BGE 144 IV 332** (2018)\nHardship clause for mandatory deportation from the country.\nFundamental judgment on the application of the hardship clause according to Art. 66a para. 2 CC for foreign nationals born or raised in Switzerland.\n\n> «When exercising the discretion conferred upon it by Art. 66a para. 2 CC, the court must respect constitutional principles. If the requirements of the hardship clause are met, the principle of proportionality enshrined in Art. 5 para. 2 BV requires abstaining from deportation from the country.»\n\n**BGE 145 IV 455** (2019)\nHealth condition as grounds for hardship.\nImportant decision on considering health condition when examining the hardship clause.\n\n> «Deportation from Switzerland can constitute a severe personal hardship case according to Art. 66a para. 2 CC for the person concerned with regard to their health condition or treatment possibilities in the country of origin, or be disproportionate within the meaning of Art. 8 No. 2 ECHR.»\n\n**BGE 146 IV 105** (2019)\nHardship examination regarding integration.\nClarification of hardship examination based on standard integration criteria.\n\n> «Whether a hardship case exists is determined neither by rigid age requirements, nor does a certain duration of presence automatically lead to the assumption of a hardship case. The hardship examination must be conducted in each case based on standard integration criteria.»\n\n### Procedural Aspects\n\n**BGE 146 IV 172** (2020)\nRegistration of deportations from the country in the SIS.\nProcedural fundamental decision on registration of entry bans in the Schengen Information System.\n\n> «Registration of deportation from the country in the SIS is - like the deportation from the country itself - not subject to the accusatory principle. If the court orders deportation from the country, it must, for third-country nationals, independently of a corresponding application by the public prosecutor, also decide whether the deportation from the country is to be registered in the SIS.»\n\n### Case Law of the ECtHR\n\n**ECtHR P.J. and R.J. v. Switzerland** (2024)\nInsufficient balancing of interests in deportation from the country.\nRecent ECtHR decision on inadequate proportionality examination by Swiss courts in deportation from the country due to drug trafficking.\n\n> «According to the Court, the national courts did not minutely balance the private and public interests at stake. They focused their analysis on the nature and gravity of the offence, without according the necessary weight to other elements of the file.»\n\n**ECtHR M.M. v. Switzerland** (2020)\nMandatory deportation from the country without automatism.\nECtHR decision on the convention-compliant application of Art. 66a CC.\n\n> «Art. 66a CC, concretisation of the result of a popular vote, does not introduce, despite its title \"mandatory expulsion\", an automatism for expulsion of foreign nationals convicted of offences, without judicial control of the proportionality of the measure.»\n\n### Other Important Developments\n\n**Judgment 6B_627/2018** (2019)\nCatalogue offences and minimum penalties.\nClarification on the application of Art. 66a CC for catalogue offences without minimum penalty.\n\n**BGE 145 IV 55** (2018)\nEU freedom of movement law and deportation from the country.\nSignificant decision on the relationship between the Agreement on the Free Movement of Persons and criminal deportation from the country.\n\n**BGE 143 II 113** (2016)\nMaximum duration of foreign nationals detention.\nImportant decision on crediting previous detention periods when calculating maximum duration.\n\n> «For the purpose of calculating the maximum permissible total duration of foreign nationals detention, detention periods must be added together in case of multiple detention within the framework of one and the same expulsion procedure.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_121", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 121, "article_suffix": "a", "title": "Steuerung der Zuwanderung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 121a BV — Steuerung der Zuwanderung\n\n## Übersicht\n\nArt. 121a BV regelt die Zuwanderung in die Schweiz. Diese Verfassungsbestimmung entstand durch die Annahme der Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» am 9. Februar 2014. Sie legt fest, wie die Schweiz bestimmen darf, wer ins Land kommen soll.\n\nDie Norm verpflichtet den Bund, die Zuwanderung eigenständig zu steuern. Das bedeutet: Die Schweiz soll selbst entscheiden, ohne Druck von anderen Ländern. Der Bund muss jährliche Höchstzahlen (Obergrenzen für die Anzahl Personen) und Kontingente (Teilmengen für bestimmte Gruppen) festlegen. \n\nBei der Zulassung von Ausländern müssen drei Kriterien beachtet werden: der gesamtwirtschaftliche Nutzen (Vorteil für die Wirtschaft), ein Vorrang für Inländer (Schweizer und bereits in der Schweiz lebende Personen werden bevorzugt) und die Integrationsfähigkeit (Bereitschaft und Fähigkeit zur Eingliederung).\n\nDie Bestimmung verbietet neue völkerrechtliche Verträge, die dieser Zuwanderungssteuerung widersprechen. Bestehende Abkommen wie das Freizügigkeitsabkommen mit der EU bleiben jedoch gültig.\n\n**Beispiel**: Ein deutsches Unternehmen möchte einen indischen IT-Spezialisten in seine Schweizer Niederlassung entsenden. Die Behörden müssen prüfen: Bringt dies volkswirtschaftlichen Nutzen? War die Stelle zuerst Schweizern und Niedergelassenen angeboten? Kann sich die Person in die Schweizer Gesellschaft integrieren? Zusätzlich darf die jährliche Obergrenze für Drittstaatsangehörige nicht überschritten werden.\n\nArt. 121a BV ist nicht direkt anwendbar. Das heisst: Einzelpersonen können keine Rechte direkt daraus ableiten. Die Bestimmung muss zuerst durch Gesetze umgesetzt werden. Dies geschah 2016 mit einer «light»-Lösung, die das Freizügigkeitsabkommen respektiert: Arbeitgeber müssen offene Stellen in Berufen mit hoher Arbeitslosigkeit zuerst beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum melden, bevor sie EU-Bürger einstellen können.", "doctrine_de": "# Doktrin zu Art. 121a BV\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» wurde am 14. Februar 2012 mit 135'557 gültigen Unterschriften eingereicht (BBl 2012 3869). Der Bundesrat empfahl die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung (BBl 2013 291, 325). In seiner Botschaft vom 7. Dezember 2012 warnte er vor der Unvereinbarkeit mit dem Freizügigkeitsabkommen und den negativen wirtschaftlichen Folgen.\n\n**N. 2** Die Initiative wurde am 9. Februar 2014 mit 50,3% Ja-Stimmen und 14,5 Ständen angenommen (BBl 2014 4117). Die knappe Mehrheit widerspiegelte die gesellschaftliche Polarisierung in der Migrationsfrage. Die Annahme erfolgte trotz der warnenden Hinweise auf die Gefährdung der bilateralen Verträge mit der EU.\n\n**N. 3** Die parlamentarische Umsetzung erfolgte am 16. Dezember 2016 mit einer «Inländervorrang light»-Lösung, welche die bilateralen Abkommen respektierte (AS 2018 733). Diese Minimallösung führte zur Lancierung der Begrenzungsinitiative, die am 27. September 2020 mit 61,7% Nein-Stimmen abgelehnt wurde.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 121a BV steht systematisch zwischen der allgemeinen Ausländerkompetenz (Art. 121 BV) und den Asylbestimmungen (Art. 121b–e BV). Die Norm bildet eine Spezialnorm zu Art. 121 BV für den Bereich der Zuwanderungssteuerung.\n\n**N. 5** Die Bestimmung steht in einem Spannungsverhältnis zu verschiedenen Verfassungsprinzipien: → Art. 5 BV (Völkerrecht als Schranke staatlichen Handelns), → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit und Diskriminierungsverbot), → Art. 9 BV (Schutz vor Willkür), ↔ Art. 13 BV (Schutz der Privatsphäre), ↔ Art. 25 BV (Schutz vor Ausweisung) und → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit).\n\n**N. 6** Besonders konfliktträchtig ist das Verhältnis zu → Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten) und → Art. 190 BV (Massgeblichkeit des Bundesrechts). Die Norm schafft einen verfassungsimmanenten Konflikt zwischen Zuwanderungssteuerung und völkerrechtlichen Verpflichtungen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Eigenständige Steuerung (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Begriff «eigenständig» bedeutet nach Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 12) mehr als blosse Programmatik — es handelt sich um eine normative Aufgabennorm. Der Bundesrat vertrat hingegen die Auffassung, Abs. 1 habe vorab programmatischen Charakter. Die Eigenständigkeit schliesst völkerrechtliche Bindungen nicht aus, verlangt aber nationale Gestaltungsspielräume.\n\n**N. 8** Die «Steuerung» umfasst quantitative und qualitative Aspekte der Zuwanderung. Sie erfordert aktive Massnahmen des Gesetzgebers, nicht bloss passive Hinnahme migrationsbedingter Entwicklungen.\n\n### Höchstzahlen und Kontingente (Abs. 2)\n\n**N. 9** «Jährliche Höchstzahlen» sind absolute Obergrenzen für die Gesamtzuwanderung. «Kontingente» bezeichnen Teilmengen für spezifische Kategorien (Branchen, Qualifikationen, Herkunftsländer). Die Begriffe sind nicht synonym zu verwenden.\n\n**N. 10** Der Einbezug der Grenzgänger ist umstritten. Während der Bundesrat Grenzgänger der zahlenmässigen Begrenzung unterstellen wollte, vertritt Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 25), bei Grenzgängern handle es sich nur bedingt um Zuwanderer, weshalb Begrenzungsmassnahmen nicht zwingend seien.\n\n### Zulassungskriterien (Abs. 3)\n\n**N. 11** Der «gesamtwirtschaftliche Nutzen» erfordert eine volkswirtschaftliche Betrachtung über die Einzelinteressen der Arbeitgeber hinaus. Dies umfasst Arbeitsmarkteffekte, Infrastrukturkosten und soziale Auswirkungen.\n\n**N. 12** Der «Inländervorrang» privilegiert Personen, die bereits im schweizerischen Arbeitsmarkt integriert sind. Die parlamentarische Umsetzung als Meldepflicht für offene Stellen genügt nach Kritikern den verfassungsrechtlichen Vorgaben nicht.\n\n**N. 13** Die «Integrationsfähigkeit» verlangt eine Prognoseentscheidung über die künftige Integration. Massgebliche Kriterien sind Sprachkenntnisse, berufliche Qualifikation und die Bereitschaft zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.\n\n### Verbot widersprechender Verträge (Abs. 4)\n\n**N. 14** Das Verbot neuer völkerrechtlicher Verträge gilt nach **BGE 142 II 35** unmittelbar. Die Frage der Erweiterung bestehender Verträge ist umstritten: Epiney (Jusletter v. 2.6.2014) vertritt, Erweiterungen seien zulässig, solange das Schicksal des Grundvertrages offenbleibe. Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 174) sieht die EU als Ganzes, weshalb bei Unvereinbarkeit des Grundvertrages auch Erweiterungen unzulässig seien.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Die direkte Anwendbarkeit von Art. 121a BV ist umstritten. Nach Epiney (Jusletter v. 2.6.2014) können die Absätze 1–3 unter bestimmten Umständen unmittelbar anwendbar sein. Das Bundesamt für Justiz und Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 25) vertreten hingegen, die Absätze 1–3 seien nicht unmittelbar anwendbar und bedürften der gesetzlichen Umsetzung. Das Bundesgericht folgte in **BGE 142 II 35** der zweiten Auffassung.\n\n**N. 16** Aus Art. 121a BV ergeben sich keine subjektiven Rechtsansprüche für Einzelpersonen. Weder Schweizer noch Niedergelassene können eine vorrangige Bewilligungserteilung direkt aus der Verfassungsnorm ableiten (Urteil C-2637/2015 des BVGer vom 6.6.2016).\n\n**N. 17** Die Norm entfaltet Wirkung als öffentliches Interesse bei ausländerrechtlichen Interessenabwägungen, ohne jedoch Grundrechte auszuhebeln (VerwGE B 2024/162 vom 4.3.2025).\n\n## 5. Streitstände\n\n### Verhältnis zum Freizügigkeitsabkommen\n\n**N. 18** Der zentrale Streitpunkt betrifft die Vereinbarkeit mit dem FZA. Heselhaus/Hänni (SZIER 2013, 19) sehen einen unlösbaren Widerspruch. Kunz (ZaöRV 2014, 329) plädiert für pragmatische Lösungsansätze. Schlegel/Sieber-Gasser (Jusletter v. 17.3.2014) propagierten einen «dritten Weg» zwischen Personenfreizügigkeit und Abschottung.\n\n**N. 19** Zur Zulässigkeit von Schutzklauseln vertreten Epiney (BSK BV, Art. 121a N. 79–80) und Tobler (Jusletter v. 16.2.2015), diese seien mit Art. 121a BV vereinbar. Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 80) betont die verfassungsrechtlich gebotene legislative Flexibilität.\n\n### Tragweite des Umsetzungsauftrags\n\n**N. 20** Der Bundesrat interpretierte den Umsetzungsauftrag restriktiv im Lichte völkerrechtlicher Verpflichtungen (Bundesamt für Justiz, Auslegung vom 8.4.2014). Kritiker wie Uebersax (Jusletter v. 14.4.2014) forderten eine wortgetreuere Umsetzung. Die parlamentarische Lösung suchte einen Mittelweg zwischen Verfassungsauftrag und Vertragstreue.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Für die Rechtsanwendung ist zwischen EU/EFTA-Bürgern und Drittstaatsangehörigen zu unterscheiden. Bei ersteren gilt weiterhin primär das FZA, bei letzteren das restriktivere AIG mit Kontingentssystem.\n\n**N. 22** Kroatische Staatsangehörige bilden einen Sonderfall: Sie können sich nicht auf das FZA berufen, da das Erweiterungsabkommen nach Art. 121a Abs. 4 BV nicht ratifiziert werden durfte (Urteil 2C_128/2015).\n\n**N. 23** Bei ausländerrechtlichen Härtefallgesuchen ist Art. 121a BV als Ausdruck des öffentlichen Interesses an restriktiver Migrationspolitik in die Interessenabwägung einzubeziehen, ohne jedoch eine schematische Anwendung zu rechtfertigen.\n\n**N. 24** Die Meldepflicht für offene Stellen in Berufen mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit (Art. 21a AIG) stellt die minimale Umsetzung des Inländervorrangs dar. Weitergehende Massnahmen wären verfassungsrechtlich zulässig, aber völkerrechtlich problematisch.\n\n**N. 25** Für künftige Staatsverträge gilt: Jeder neue migrationsbezogene Vertrag muss am Massstab von Art. 121a BV gemessen werden. Dies betrifft insbesondere institutionelle Abkommen mit dynamischer Rechtsübernahme im Migrationsbereich.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung zu Art. 121a BV\n\n## Direkte Anwendbarkeit und Verhältnis zum Völkerrecht\n\n### Fehlende direkte Anwendbarkeit\n\n**BGE 142 II 35** (26. November 2015)\n\nDas Bundesgericht stellte als Leitentscheid unmittelbar nach Annahme der Initiative fest, dass Art. 121a BV nicht direkt anwendbar ist. Die Norm bedarf der Umsetzung durch Verhandlungen und Gesetzgebung.\n\n> «Art. 121a BV ist nach dem Gesagten in der Rechtsprechung nicht direkt anwendbar. Ein Konflikt zu völkerrechtlichen Verträgen könnte entstehen, wenn eine Verhandlungslösung mit der EU nicht möglich wäre, innerstaatliche Rechtsänderungen vom Freizügigkeitsabkommen abweichen sollten und diese nicht durch völkerrechtskonforme Auslegung in Übereinstimmung mit dem FZA angewendet werden könnten.»\n\nDas Urteil bestätigte die Fortgeltung der Schubert-Praxis im Freizügigkeitsrecht und den Vorrang völkerrechtlicher Verpflichtungen.\n\n### Keine Schubert-Praxis im Freizügigkeitsrecht\n\n**BGE 142 II 35** (26. November 2015) \n\nDas Bundesgericht bekräftigte, dass die sogenannte Schubert-Praxis im Freizügigkeitsrecht zwischen der Schweiz und der EU keine Anwendung findet, da es um eine sektorielle Teilhabe am Binnenmarkt geht.\n\n> «Die vorne erwähnte Ausnahme nach der sogenannten 'Schubert-Praxis' gilt im Verhältnis zur Europäischen Union und den von der Schweiz im Freizügigkeitsrecht staatsvertraglich eingegangenen Pflichten nicht, weil es dabei über die Realisierung der teilweise übernommenen Grundfreiheit um eine Angleichung der Rechtsordnung (sektorielle Beteiligung am Binnenmarkt) geht.»\n\n## Kroatische Staatsangehörige\n\n### Ausschluss vom Freizügigkeitsabkommen\n\n**Urteil 2C_128/2015** (25. August 2015)\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass kroatische Staatsangehörige sich seit Annahme von Art. 121a BV nicht mehr auf das Freizügigkeitsabkommen berufen können, da widersprechende Verträge nicht mehr abgeschlossen werden dürfen.\n\nDie Rechtsprechung präzisierte, dass das Verbot nach Art. 121a Abs. 4 BV sofort zu beachten ist, auch wenn die Umsetzungsgesetzgebung noch nicht vorliegt.\n\n**Urteil 2C_103/2014** (13. Januar 2015)\n\nBestätigung der Rechtsprechung: Kroatische Staatsangehörige können sich nicht auf das FZA berufen, da entsprechende Verträge im Widerspruch zur von der Verfassungsnorm angestrebten eigenständigen Zuwanderungssteuerung stehen.\n\n## Ausländerrechtliche Praxis\n\n### Öffentliches Interesse an Zuwanderungssteuerung\n\n**VerwGE B 2024/162** (4. März 2025)\n\nDas St. Galler Verwaltungsgericht anerkannte Art. 121a BV als Ausdruck des öffentlichen Interesses an einer restriktiven Einwanderungspolitik bei der Interessenabwägung in ausländerrechtlichen Verfahren.\n\n> «Dass darin ein öffentliches Interesse liegt, kommt nicht zuletzt in Art. 121a BV zum Ausdruck. Dieser Artikel wurde im Zuge der Annahme der Volksinitiative 'gegen Masseneinwanderung' in die BV aufgenommen.»\n\n### Keine vorrangige Bewilligungserteilung\n\n**Urteil C-2637/2015** (6. Juni 2016) - Bundesverwaltungsgericht\n\nDas BVGer stellte klar, dass aus Art. 121a BV kein Anspruch auf vorrangige Bewilligungserteilung für Schweizer oder Niedergelassene abgeleitet werden kann, solange die Umsetzungsgesetzgebung fehlt.\n\nDie Rüge, die Vorinstanz habe «den dem Beschwerdeführer aus Art. 121a BV zustehenden Anspruch auf vorrangige Bewilligungserteilung nicht beachtet», wurde als unbegründet zurückgewiesen.\n\n## Verhältnis zu anderen Grundrechten\n\n### Privat- und Familienleben\n\n**BGE 144 I 266** (8. Mai 2018)\n\nDas Bundesgericht erwähnte Art. 121a BV im Kontext der Zumutbarkeit der Rückkehr und des öffentlichen Interesses an einer Steuerung der Zuwanderung:\n\n> «Die Zumutbarkeit der Rückkehr ist für sich genommen kein Grund, das Aufenthaltsrecht zu entziehen, ebenso wenig das öffentliche Interesse an einer Steuerung der Zuwanderung.»\n\n**BGE 143 I 21** (17. November 2016)\n\nBei ausländerrechtlichem Familiennachzug wird Art. 121a BV als Ausdruck des öffentlichen Interesses an einer restriktiven Migrationspolitik in die Interessenabwägung einbezogen, ohne jedoch Grundrechte auszuhebeln.\n\n### Kindeswohl\n\n**Urteil 2C_402/2015** (11. November 2016)\n\nDas Bundesgericht stellte fest, dass bei der Interessenabwägung im Ausländerrecht dem Kindeswohl Rechnung zu tragen ist, wobei die Umsetzung einer restriktiven Einwanderungspolitik (Art. 121a BV) als ein Kriterium unter anderen zu berücksichtigen ist.\n\n## Landesverweisung und Strafrecht\n\n### Völkerrechtliche Schranken\n\n**SB170315** (16. Januar 2018) - Obergericht Zürich\n\nDas Zürcher Obergericht behandelte die Problematik des Verhältnisses zwischen Landesverweisung und Freizügigkeitsabkommen. Es stellte fest, dass das Parlament bei Erlass der Landesverweisungsbestimmungen den möglichen Konflikt mit dem FZA bewusst in Kauf nahm.\n\n> «Das Parlament kannte somit diese Problematik, als es die nun geltenden Bestimmungen über die Landesverweisung erliess, und nahm somit einen allfällig resultierenden Konflikt mit dem FZA in Kauf.»\n\n**SB180093** (28. September 2018) - Obergericht Zürich\n\nErneute Bestätigung der Rechtsprechung zu den Grenzen der Landesverweisung bei EU/EFTA-Bürgern trotz Art. 121a BV, da völkerrechtliche Verpflichtungen fortbestehen.\n\n## Diskriminierungsverbot\n\n### Rassendiskriminierung\n\n**BGE 143 IV 193** (13. April 2017)\n\nDas Bundesgericht beurteilte ein Inserat, das für die Unterstützung der Masseneinwanderungsinitiative warb, als rassendiskriminierend. Die Schlagzeile «Kosovaren schlitzen Schweizer auf!» wurde als Aufruf zu Hass oder Diskriminierung qualifiziert.\n\nDas Urteil zeigt die Grenzen zulässiger politischer Meinungsäusserung im Kontext von Migrationspolitik auf.\n\n## Umsetzung und Ausführungsbestimmungen\n\n### Parlamentarische Umsetzung\n\n**A-2798/2016** (30. Mai 2017) - Bundesverwaltungsgericht\n\nDas BVGer erwähnte die parlamentarische Umsetzung von Art. 121a BV vom 16. Dezember 2016, bei der die Bilateralen Abkommen mit der EU respektiert wurden.\n\n### Verfassungsgebung und Wahlverfahren\n\n**Urteil 1C_106/2014** (8. April 2014)\n\nDas Bundesgericht wies eine Beschwerde bezüglich der Volksabstimmung vom 9. Februar 2014 zur Masseneinwanderungsinitiative ab und bestätigte die ordnungsgemässe Durchführung der Abstimmung.\n\n## Zeitliche Geltung\n\n### Übergangsbestimmungen\n\nDie Rechtsprechung bestätigt, dass Art. 121a BV sofort in Kraft getreten ist, jedoch der Umsetzung durch Gesetzgebung bedarf. Die Dreijahresfrist für Neuverhandlungen völkerrechtlicher Verträge (Art. 197 Ziff. 11 BV) wurde respektiert.\n\n### Fortgeltung bestehender Rechte\n\nAus der Rechtsprechung ergibt sich, dass bestehende völkerrechtliche Verpflichtungen trotz Art. 121a BV fortgelten, bis eine Neuverhandlung erfolgt oder die Verträge gekündigt werden.", "summary_fr": "# Art. 121a Cst. — Gestion de l'immigration\n\n## Aperçu\n\nL'art. 121a Cst. règle l'immigration en Suisse. Cette disposition constitutionnelle résulte de l'acceptation de l'initiative populaire « Contre l'immigration de masse » le 9 février 2014. Elle détermine comment la Suisse peut décider qui doit entrer dans le pays.\n\nLa norme oblige la Confédération à gérer l'immigration de manière autonome. Cela signifie : la Suisse doit décider elle-même, sans pression d'autres pays. La Confédération doit fixer des nombres maximums annuels (plafonds pour le nombre de personnes) et des contingents (quotas partiels pour certains groupes).\n\nLors de l'admission d'étrangers, trois critères doivent être respectés : l'intérêt économique global (avantage pour l'économie), une priorité aux nationaux (les Suisses et les personnes vivant déjà en Suisse sont privilégiés) et la capacité d'intégration (volonté et capacité de s'intégrer).\n\nLa disposition interdit de nouveaux traités de droit international qui contrediraient cette gestion de l'immigration. Les accords existants comme l'accord sur la libre circulation avec l'UE demeurent toutefois valables.\n\n**Exemple** : Une entreprise allemande souhaite envoyer un spécialiste informatique indien dans sa filiale suisse. Les autorités doivent examiner : Cela apporte-t-il un avantage économique ? Le poste a-t-il d'abord été proposé aux Suisses et aux étrangers établis ? La personne peut-elle s'intégrer dans la société suisse ? En outre, le plafond annuel pour les ressortissants d'États tiers ne doit pas être dépassé.\n\nL'art. 121a Cst. n'est pas directement applicable. Cela signifie : les particuliers ne peuvent pas en dériver directement des droits. La disposition doit d'abord être mise en œuvre par des lois. Ceci s'est fait en 2016 avec une solution « allégée » qui respecte l'accord sur la libre circulation : les employeurs doivent d'abord annoncer les postes vacants dans les professions à fort taux de chômage auprès de l'office régional de placement avant de pouvoir embaucher des citoyens de l'UE.", "doctrine_fr": "# Doctrine relative à l'art. 121a Cst.\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'initiative populaire «Contre l'immigration de masse» a été déposée le 14 février 2012 avec 135'557 signatures valables (FF 2012 3431). Le Conseil fédéral a recommandé le rejet de l'initiative sans contre-projet (FF 2013 271, 305). Dans son message du 7 décembre 2012, il a mis en garde contre l'incompatibilité avec l'accord sur la libre circulation et les conséquences économiques négatives.\n\n**N. 2** L'initiative a été acceptée le 9 février 2014 par 50,3% de oui et 14,5 cantons (FF 2014 3793). La courte majorité reflétait la polarisation sociale sur la question migratoire. L'acceptation s'est faite malgré les avertissements concernant la mise en péril des accords bilatéraux avec l'UE.\n\n**N. 3** La mise en œuvre parlementaire a eu lieu le 16 décembre 2016 avec une solution de «préférence indigène allégée» qui respectait les accords bilatéraux (RO 2018 733). Cette solution minimale a conduit au lancement de l'initiative de limitation, qui a été rejetée le 27 septembre 2020 par 61,7% de non.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 121a Cst. se situe systématiquement entre la compétence générale en matière d'étrangers (art. 121 Cst.) et les dispositions sur l'asile (art. 121b–e Cst.). La norme constitue une disposition spéciale par rapport à l'art. 121 Cst. pour le domaine du contrôle de l'immigration.\n\n**N. 5** La disposition se trouve en tension avec divers principes constitutionnels : → art. 5 Cst. (droit international comme limite de l'action étatique), → art. 8 Cst. (égalité juridique et interdiction de la discrimination), → art. 9 Cst. (protection contre l'arbitraire), ↔ art. 13 Cst. (protection de la sphère privée), ↔ art. 25 Cst. (protection contre l'expulsion) et → art. 27 Cst. (liberté économique).\n\n**N. 6** Le rapport avec → art. 54 Cst. (affaires extérieures) et → art. 190 Cst. (force dérogatoire du droit fédéral) est particulièrement conflictuel. La norme crée un conflit constitutionnel immanent entre le contrôle de l'immigration et les obligations de droit international.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Gestion autonome (al. 1)\n\n**N. 7** Le terme «autonome» signifie selon Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 12) plus qu'une simple programmation — il s'agit d'une norme d'attribution normative. Le Conseil fédéral a en revanche soutenu que l'al. 1 avait principalement un caractère programmatique. L'autonomie n'exclut pas les obligations de droit international, mais exige des marges de manœuvre nationales.\n\n**N. 8** La «gestion» comprend des aspects quantitatifs et qualitatifs de l'immigration. Elle exige des mesures actives du législateur, et non pas seulement l'acceptation passive de développements liés à la migration.\n\n### Plafonds et contingents (al. 2)\n\n**N. 9** Les «plafonds annuels» sont des limites absolues supérieures pour l'immigration totale. Les «contingents» désignent des sous-ensembles pour des catégories spécifiques (branches, qualifications, pays d'origine). Les termes ne doivent pas être utilisés comme synonymes.\n\n**N. 10** L'inclusion des frontaliers est controversée. Alors que le Conseil fédéral voulait soumettre les frontaliers à la limitation numérique, Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 25) soutient que les frontaliers ne constituent que conditionnellement des immigrants, raison pour laquelle les mesures de limitation ne seraient pas obligatoires.\n\n### Critères d'admission (al. 3)\n\n**N. 11** L'«utilité pour l'économie dans son ensemble» exige une considération d'économie nationale au-delà des intérêts individuels des employeurs. Cela comprend les effets sur le marché du travail, les coûts d'infrastructure et les impacts sociaux.\n\n**N. 12** La «préférence indigène» privilégie les personnes déjà intégrées sur le marché du travail suisse. La mise en œuvre parlementaire sous forme d'obligation d'annonce des postes vacants ne satisfait pas, selon les critiques, aux exigences constitutionnelles.\n\n**N. 13** La «capacité d'intégration» exige une décision prognostique sur l'intégration future. Les critères déterminants sont les connaissances linguistiques, la qualification professionnelle et la volonté de participer à la vie sociale.\n\n### Interdiction de traités contradictoires (al. 4)\n\n**N. 14** L'interdiction de nouveaux traités de droit international s'applique directement selon **ATF 142 II 35**. La question de l'extension de traités existants est controversée : Epiney (Jusletter du 2.6.2014) soutient que les extensions sont admissibles tant que le sort du traité de base reste ouvert. Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 174) considère l'UE comme un ensemble, raison pour laquelle les extensions seraient également inadmissibles en cas d'incompatibilité du traité de base.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 15** L'applicabilité directe de l'art. 121a Cst. est controversée. Selon Epiney (Jusletter du 2.6.2014), les al. 1–3 peuvent être directement applicables dans certaines circonstances. L'Office fédéral de la justice et Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 25) soutiennent en revanche que les al. 1–3 ne sont pas directement applicables et nécessitent une mise en œuvre légale. Le Tribunal fédéral a suivi la seconde opinion dans **ATF 142 II 35**.\n\n**N. 16** L'art. 121a Cst. ne confère aucun droit subjectif aux particuliers. Ni les Suisses ni les titulaires d'un permis d'établissement ne peuvent déduire directement de la norme constitutionnelle une délivrance d'autorisation prioritaire (arrêt C-2637/2015 du TAF du 6.6.2016).\n\n**N. 17** La norme déploie ses effets comme intérêt public dans les pesées d'intérêts de droit des étrangers, sans pour autant annihiler les droits fondamentaux (VerwGE B 2024/162 du 4.3.2025).\n\n## 5. Points de controverse\n\n### Rapport avec l'accord sur la libre circulation\n\n**N. 18** Le point de controverse central concerne la compatibilité avec l'ALCP. Heselhaus/Hänni (SZIER 2013, 19) voient une contradiction insoluble. Kunz (ZaöRV 2014, 329) plaide pour des approches de solution pragmatiques. Schlegel/Sieber-Gasser (Jusletter du 17.3.2014) ont propagé une «troisième voie» entre libre circulation des personnes et isolement.\n\n**N. 19** Concernant l'admissibilité de clauses de sauvegarde, Epiney (BSK BV, art. 121a n. 79–80) et Tobler (Jusletter du 16.2.2015) soutiennent qu'elles sont compatibles avec l'art. 121a Cst. Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 80) souligne la flexibilité législative constitutionnellement requise.\n\n### Portée du mandat de mise en œuvre\n\n**N. 20** Le Conseil fédéral a interprété le mandat de mise en œuvre de manière restrictive à la lumière des obligations de droit international (Office fédéral de la justice, interprétation du 8.4.2014). Les critiques comme Uebersax (Jusletter du 14.4.2014) ont exigé une mise en œuvre plus fidèle à la lettre. La solution parlementaire a cherché une voie médiane entre le mandat constitutionnel et la fidélité aux traités.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 21** Pour l'application du droit, il faut distinguer entre les citoyens UE/AELE et les ressortissants d'États tiers. Pour les premiers s'applique encore principalement l'ALCP, pour les seconds la LEI plus restrictive avec le système de contingents.\n\n**N. 22** Les ressortissants croates constituent un cas particulier : ils ne peuvent pas se prévaloir de l'ALCP, car l'accord d'extension n'a pas pu être ratifié selon l'art. 121a al. 4 Cst. (arrêt 2C_128/2015).\n\n**N. 23** Pour les demandes de cas de rigueur en droit des étrangers, l'art. 121a Cst. doit être inclus dans la pesée des intérêts comme expression de l'intérêt public à une politique migratoire restrictive, sans pour autant justifier une application schématique.\n\n**N. 24** L'obligation d'annonce des postes vacants dans les professions avec un chômage supérieur à la moyenne (art. 21a LEI) constitue la mise en œuvre minimale de la préférence indigène. Des mesures plus étendues seraient constitutionnellement admissibles, mais problématiques du point de vue du droit international.\n\n**N. 25** Pour les futurs traités internationaux : tout nouveau traité lié à la migration doit être mesuré à l'aune de l'art. 121a Cst. Cela concerne en particulier les accords institutionnels avec reprise dynamique du droit dans le domaine migratoire.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence relative à l'art. 121a Cst.\n\n## Applicabilité directe et rapport au droit international\n\n### Défaut d'applicabilité directe\n\n**ATF 142 II 35** (26 novembre 2015)\n\nLe Tribunal fédéral a établi comme arrêt de principe, immédiatement après l'acceptation de l'initiative, que l'art. 121a Cst. n'est pas directement applicable. La norme nécessite une mise en œuvre par des négociations et une législation.\n\n> «Art. 121a Cst. n'est pas directement applicable dans la jurisprudence selon ce qui précède. Un conflit avec des traités de droit international pourrait naître si une solution négociée avec l'UE n'était pas possible, si des modifications du droit interne devaient s'écarter de l'accord sur la libre circulation et si celles-ci ne pouvaient pas être appliquées par une interprétation conforme au droit international en concordance avec l'ALCP.»\n\nL'arrêt a confirmé la poursuite de la pratique Schubert dans le droit de la libre circulation et la primauté des obligations de droit international.\n\n### Pas de pratique Schubert dans le droit de la libre circulation\n\n**ATF 142 II 35** (26 novembre 2015)\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que la pratique dite Schubert ne s'applique pas dans le droit de la libre circulation entre la Suisse et l'UE, car il s'agit d'une participation sectorielle au marché intérieur.\n\n> «L'exception mentionnée ci-dessus selon la pratique dite 'Schubert' ne s'applique pas dans les rapports avec l'Union européenne et les obligations contractuelles assumées par la Suisse dans le droit de la libre circulation, parce qu'il s'agit, au-delà de la réalisation de la liberté fondamentale partiellement reprise, d'un alignement de l'ordre juridique (participation sectorielle au marché intérieur).»\n\n## Ressortissants croates\n\n### Exclusion de l'accord sur la libre circulation\n\n**Arrêt 2C_128/2015** (25 août 2015)\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que les ressortissants croates ne peuvent plus se prévaloir de l'accord sur la libre circulation depuis l'acceptation de l'art. 121a Cst., car il ne peut plus être conclu de traités contradictoires.\n\nLa jurisprudence a précisé que l'interdiction selon l'art. 121a al. 4 Cst. doit être respectée immédiatement, même si la législation de mise en œuvre n'est pas encore adoptée.\n\n**Arrêt 2C_103/2014** (13 janvier 2015)\n\nConfirmation de la jurisprudence : Les ressortissants croates ne peuvent pas se prévaloir de l'ALCP, car de tels traités sont en contradiction avec le contrôle autonome de l'immigration visé par la norme constitutionnelle.\n\n## Pratique du droit des étrangers\n\n### Intérêt public au contrôle de l'immigration\n\n**VerwGE B 2024/162** (4 mars 2025)\n\nLe Tribunal administratif de Saint-Gall a reconnu l'art. 121a Cst. comme expression de l'intérêt public à une politique d'immigration restrictive lors de la pesée des intérêts dans les procédures de droit des étrangers.\n\n> «Qu'il y ait là un intérêt public ressort notamment de l'art. 121a Cst. Cet article a été inscrit dans la Cst. à la suite de l'acceptation de l'initiative populaire 'contre l'immigration de masse'.»\n\n### Pas d'octroi prioritaire d'autorisation\n\n**Arrêt C-2637/2015** (6 juin 2016) - Tribunal administratif fédéral\n\nLe TAF a précisé que l'art. 121a Cst. ne confère pas de droit à un octroi prioritaire d'autorisation pour les Suisses ou les titulaires d'un permis d'établissement, tant que la législation de mise en œuvre fait défaut.\n\nLe grief selon lequel l'instance précédente n'aurait «pas respecté le droit du recourant découlant de l'art. 121a Cst. à un octroi prioritaire d'autorisation» a été rejeté comme non fondé.\n\n## Rapport à d'autres droits fondamentaux\n\n### Vie privée et familiale\n\n**ATF 144 I 266** (8 mai 2018)\n\nLe Tribunal fédéral a mentionné l'art. 121a Cst. dans le contexte de l'exigibilité du retour et de l'intérêt public à un contrôle de l'immigration :\n\n> «L'exigibilité du retour n'est pas en soi une raison de retirer le droit de séjour, pas plus que l'intérêt public à un contrôle de l'immigration.»\n\n**ATF 143 I 21** (17 novembre 2016)\n\nEn matière de regroupement familial de droit des étrangers, l'art. 121a Cst. est inclus dans la pesée des intérêts comme expression de l'intérêt public à une politique migratoire restrictive, sans toutefois supprimer les droits fondamentaux.\n\n### Bien de l'enfant\n\n**Arrêt 2C_402/2015** (11 novembre 2016)\n\nLe Tribunal fédéral a établi que lors de la pesée des intérêts en droit des étrangers, il faut tenir compte du bien de l'enfant, la mise en œuvre d'une politique d'immigration restrictive (art. 121a Cst.) devant être considérée comme un critère parmi d'autres.\n\n## Expulsion du territoire et droit pénal\n\n### Limites de droit international\n\n**SB170315** (16 janvier 2018) - Tribunal supérieur de Zurich\n\nLe Tribunal supérieur zurichois a traité la problématique du rapport entre expulsion du territoire et accord sur la libre circulation. Il a établi que le Parlement avait consciemment accepté le conflit possible avec l'ALCP lors de l'adoption des dispositions sur l'expulsion du territoire.\n\n> «Le Parlement connaissait donc cette problématique lorsqu'il a adopté les dispositions actuellement en vigueur sur l'expulsion du territoire, et a donc accepté un conflit éventuellement résultant avec l'ALCP.»\n\n**SB180093** (28 septembre 2018) - Tribunal supérieur de Zurich\n\nNouvelle confirmation de la jurisprudence sur les limites de l'expulsion du territoire pour les citoyens UE/AELE malgré l'art. 121a Cst., car les obligations de droit international subsistent.\n\n## Interdiction de discrimination\n\n### Discrimination raciale\n\n**ATF 143 IV 193** (13 avril 2017)\n\nLe Tribunal fédéral a jugé qu'une annonce qui faisait de la publicité pour le soutien à l'initiative contre l'immigration de masse constituait une discrimination raciale. Le titre « Les Kosovars tailladent des Suisses ! » a été qualifié d'appel à la haine ou à la discrimination.\n\nL'arrêt montre les limites de l'expression d'opinion politique admissible dans le contexte de la politique migratoire.\n\n## Mise en œuvre et dispositions d'exécution\n\n### Mise en œuvre parlementaire\n\n**A-2798/2016** (30 mai 2017) - Tribunal administratif fédéral\n\nLe TAF a mentionné la mise en œuvre parlementaire de l'art. 121a Cst. du 16 décembre 2016, dans laquelle les accords bilatéraux avec l'UE ont été respectés.\n\n### Constitution et procédure électorale\n\n**Arrêt 1C_106/2014** (8 avril 2014)\n\nLe Tribunal fédéral a rejeté un recours concernant la votation populaire du 9 février 2014 sur l'initiative contre l'immigration de masse et a confirmé le déroulement régulier de la votation.\n\n## Validité temporelle\n\n### Dispositions transitoires\n\nLa jurisprudence confirme que l'art. 121a Cst. est entré en vigueur immédiatement, mais nécessite une mise en œuvre par la législation. Le délai de trois ans pour la renégociation de traités de droit international (art. 197 ch. 11 Cst.) a été respecté.\n\n### Maintien des droits existants\n\nIl ressort de la jurisprudence que les obligations existantes de droit international subsistent malgré l'art. 121a Cst., jusqu'à ce qu'une renégociation ait lieu ou que les traités soient dénoncés.", "summary_it": "# Art. 121a Cost. — Gestione dell'immigrazione\n\n## Panoramica\n\nL'art. 121a Cost. disciplina l'immigrazione in Svizzera. Questa disposizione costituzionale è nata con l'accettazione dell'iniziativa popolare «Contro l'immigrazione di massa» del 9 febbraio 2014. Essa stabilisce come la Svizzera può determinare chi deve entrare nel Paese.\n\nLa norma obbliga la Confederazione a gestire l'immigrazione in modo autonomo. Ciò significa: la Svizzera deve decidere da sola, senza pressioni da altri Paesi. La Confederazione deve stabilire ogni anno cifre massime (limiti superiori per il numero di persone) e contingenti (quote parziali per determinati gruppi).\n\nPer l'ammissione di stranieri devono essere considerati tre criteri: l'utilità economica generale (vantaggio per l'economia), una priorità per i cittadini del Paese (sono privilegiati gli Svizzeri e le persone che vivono già in Svizzera) e la capacità di integrazione (disponibilità e capacità di inserimento).\n\nLa disposizione vieta nuovi trattati di diritto internazionale che contrastano con questa gestione dell'immigrazione. Tuttavia, gli accordi esistenti come l'accordo sulla libera circolazione con l'UE rimangono validi.\n\n**Esempio**: Un'azienda tedesca vuole trasferire un specialista IT indiano nella sua filiale svizzera. Le autorità devono verificare: questo porta un'utilità economica nazionale? Il posto è stato offerto prima a cittadini svizzeri e a stranieri con permesso di dimora? La persona può integrarsi nella società svizzera? Inoltre, non deve essere superato il limite annuale per i cittadini di Stati terzi.\n\nL'art. 121a Cost. non è direttamente applicabile. Ciò significa: le singole persone non possono derivarne direttamente dei diritti. La disposizione deve prima essere attuata mediante leggi. Questo è avvenuto nel 2016 con una soluzione «light» che rispetta l'accordo sulla libera circolazione: i datori di lavoro devono annunciare i posti vacanti in professioni con alta disoccupazione prima al Centro regionale di collocamento, prima di poter assumere cittadini UE.", "doctrine_it": "# Dottrina dell'art. 121a Cost.\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'iniziativa popolare «Contro l'immigrazione di massa» è stata depositata il 14 febbraio 2012 con 135'557 firme valide (FF 2012 3509). Il Consiglio federale ha raccomandato di respingere l'iniziativa senza controproposta (FF 2013 287, 321). Nel suo messaggio del 7 dicembre 2012 ha messo in guardia contro l'incompatibilità con l'Accordo sulla libera circolazione e le negative conseguenze economiche.\n\n**N. 2** L'iniziativa è stata accettata il 9 febbraio 2014 con il 50,3% di voti favorevoli e 14,5 Cantoni (FF 2014 3891). La maggioranza risicata rifletteva la polarizzazione sociale sulla questione migratoria. L'accettazione è avvenuta nonostante gli avvertimenti sui rischi per gli accordi bilaterali con l'UE.\n\n**N. 3** L'attuazione parlamentare è avvenuta il 16 dicembre 2016 con una soluzione di «preferenza nazionale light» che rispettava gli accordi bilaterali (RU 2018 733). Questa soluzione minimale ha portato al lancio dell'iniziativa di limitazione, respinta il 27 settembre 2020 con il 61,7% di voti contrari.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 121a Cost. si situa sistematicamente tra la competenza generale in materia di stranieri (art. 121 Cost.) e le disposizioni sull'asilo (art. 121b–e Cost.). La norma costituisce una norma speciale rispetto all'art. 121 Cost. per l'ambito del controllo dell'immigrazione.\n\n**N. 5** La disposizione è in tensione con vari principi costituzionali: → art. 5 Cost. (diritto internazionale come limite dell'azione statale), → art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica e divieto di discriminazione), → art. 9 Cost. (protezione dall'arbitrio), ↔ art. 13 Cost. (protezione della sfera privata), ↔ art. 25 Cost. (protezione dall'espulsione) e → art. 27 Cost. (libertà economica).\n\n**N. 6** Particolarmente conflittuale è il rapporto con l'→ art. 54 Cost. (affari esteri) e l'→ art. 190 Cost. (carattere determinante del diritto federale). La norma crea un conflitto immanente alla costituzione tra controllo dell'immigrazione e obblighi di diritto internazionale.\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Controllo autonomo (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il termine «autonomo» significa secondo Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 12) più di una mera programmatica — si tratta di una norma di compito normativa. Il Consiglio federale sosteneva invece che il cpv. 1 avesse principalmente carattere programmatico. L'autonomia non esclude vincoli di diritto internazionale, ma richiede margini di manovra nazionali.\n\n**N. 8** Il «controllo» comprende aspetti quantitativi e qualitativi dell'immigrazione. Richiede misure attive del legislatore, non mera accettazione passiva di sviluppi legati alla migrazione.\n\n### Cifre massime e contingenti (cpv. 2)\n\n**N. 9** Le «cifre massime annue» sono limiti massimi assoluti per l'immigrazione complessiva. I «contingenti» designano quote parziali per categorie specifiche (settori, qualificazioni, paesi d'origine). I termini non devono essere usati come sinonimi.\n\n**N. 10** L'inclusione dei frontalieri è controversa. Mentre il Consiglio federale voleva sottoporre i frontalieri alla limitazione numerica, Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 25) sostiene che i frontalieri sono solo condizionatamente immigrati, per cui misure di limitazione non sarebbero obbligatorie.\n\n### Criteri di ammissione (cpv. 3)\n\n**N. 11** L'«utilità per l'economia nel suo insieme» richiede una considerazione economica complessiva che va oltre gli interessi particolari dei datori di lavoro. Ciò comprende effetti sul mercato del lavoro, costi infrastrutturali e impatti sociali.\n\n**N. 12** La «preferenza nazionale» privilegia persone già integrate nel mercato del lavoro svizzero. L'attuazione parlamentare come obbligo di annuncio per i posti vacanti non soddisfa secondo i critici le prescrizioni costituzionali.\n\n**N. 13** La «capacità d'integrazione» richiede una decisione prognostica sulla futura integrazione. Criteri determinanti sono le conoscenze linguistiche, la qualificazione professionale e la disponibilità a partecipare alla vita sociale.\n\n### Divieto di trattati contraddittori (cpv. 4)\n\n**N. 14** Il divieto di nuovi trattati di diritto internazionale vale secondo la **DTF 142 II 35** direttamente. La questione dell'estensione di trattati esistenti è controversa: Epiney (Jusletter del 2.6.2014) sostiene che le estensioni sarebbero ammissibili finché rimane aperto il destino del trattato di base. Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 174) vede l'UE nel suo insieme, per cui in caso di incompatibilità del trattato di base anche le estensioni sarebbero inammissibili.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** L'applicabilità diretta dell'art. 121a Cost. è controversa. Secondo Epiney (Jusletter del 2.6.2014) i capoversi 1–3 possono essere direttamente applicabili in certe circostanze. L'Ufficio federale di giustizia e Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 25) sostengono invece che i capoversi 1–3 non sono direttamente applicabili e necessitano di attuazione legislativa. Il Tribunale federale ha seguito nella **DTF 142 II 35** la seconda opinione.\n\n**N. 16** Dall'art. 121a Cost. non derivano diritti soggettivi per le persone singole. Né gli Svizzeri né i domiciliati possono derivare direttamente dalla norma costituzionale un rilascio prioritario di autorizzazioni (sentenza C-2637/2015 del TAF del 6.6.2016).\n\n**N. 17** La norma sviluppa effetti come interesse pubblico nelle ponderazioni degli interessi di diritto degli stranieri, senza tuttavia eliminare i diritti fondamentali (VerwGE B 2024/162 del 4.3.2025).\n\n## 5. Controversie\n\n### Rapporto con l'Accordo sulla libera circolazione\n\n**N. 18** Il punto controverso centrale riguarda la compatibilità con l'ALC. Heselhaus/Hänni (SZIER 2013, 19) vedono una contraddizione insolubile. Kunz (ZaöRV 2014, 329) plaide per approcci pragmatici di soluzione. Schlegel/Sieber-Gasser (Jusletter del 17.3.2014) propagavano una «terza via» tra libera circolazione delle persone e isolamento.\n\n**N. 19** Sull'ammissibilità delle clausole di salvaguardia sostengono Epiney (BSK BV, art. 121a n. 79–80) e Tobler (Jusletter del 16.2.2015) che queste sarebbero compatibili con l'art. 121a Cost. Uebersax (BSK BV, art. 121a n. 80) sottolinea la flessibilità legislativa costituzionalmente necessaria.\n\n### Portata del mandato di attuazione\n\n**N. 20** Il Consiglio federale ha interpretato il mandato di attuazione in modo restrittivo alla luce degli obblighi di diritto internazionale (Ufficio federale di giustizia, interpretazione dell'8.4.2014). I critici come Uebersax (Jusletter del 14.4.2014) chiedevano un'attuazione più fedele al testo. La soluzione parlamentare ha cercato una via di mezzo tra mandato costituzionale e fedeltà contrattuale.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Per l'applicazione del diritto bisogna distinguere tra cittadini UE/AELS e cittadini di Stati terzi. Per i primi vale ancora primariamente l'ALC, per i secondi la LStr più restrittiva con il sistema di contingenti.\n\n**N. 22** I cittadini croati costituiscono un caso particolare: non possono invocare l'ALC, poiché l'accordo di estensione non ha potuto essere ratificato secondo l'art. 121a cpv. 4 Cost. (sentenza 2C_128/2015).\n\n**N. 23** Nelle domande di casi di rigore di diritto degli stranieri, l'art. 121a Cost. deve essere incluso come espressione dell'interesse pubblico a una politica migratoria restrittiva nella ponderazione degli interessi, senza tuttavia giustificare un'applicazione schematica.\n\n**N. 24** L'obbligo di annuncio per i posti vacanti in professioni con disoccupazione superiore alla media (art. 21a LStr) rappresenta l'attuazione minima della preferenza nazionale. Misure più ampie sarebbero costituzionalmente ammissibili, ma problematiche dal punto di vista del diritto internazionale.\n\n**N. 25** Per i futuri trattati internazionali vale: ogni nuovo trattato relativo alla migrazione deve essere misurato secondo il parametro dell'art. 121a Cost. Ciò riguarda in particolare accordi istituzionali con recepimento dinamico del diritto nell'ambito migratorio.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza sull'art. 121a Cost.\n\n## Applicabilità diretta e rapporto con il diritto internazionale\n\n### Mancanza di applicabilità diretta\n\n**DTF 142 II 35** (26 novembre 2015)\n\nIl Tribunale federale ha stabilito come sentenza di principio, immediatamente dopo l'accettazione dell'iniziativa, che l'art. 121a Cost. non è direttamente applicabile. La norma necessita di attuazione attraverso negoziati e legislazione.\n\n> «L'art. 121a Cost. secondo quanto esposto non è direttamente applicabile nella giurisprudenza. Un conflitto con trattati di diritto internazionale potrebbe sorgere qualora una soluzione negoziale con l'UE non fosse possibile, modifiche giuridiche interne dovessero divergere dall'accordo sulla libera circolazione e queste non potessero essere applicate attraverso un'interpretazione conforme al diritto internazionale in conformità con l'ALC.»\n\nLa sentenza ha confermato la continuità della prassi Schubert nel diritto della libera circolazione e la priorità degli obblighi di diritto internazionale.\n\n### Nessuna prassi Schubert nel diritto della libera circolazione\n\n**DTF 142 II 35** (26 novembre 2015) \n\nIl Tribunale federale ha ribadito che la cosiddetta prassi Schubert non trova applicazione nel diritto della libera circolazione tra la Svizzera e l'UE, poiché si tratta di una partecipazione settoriale al mercato interno.\n\n> «La suddetta eccezione secondo la cosiddetta 'prassi Schubert' non vale nel rapporto con l'Unione Europea e gli obblighi assunti contrattualmente dalla Svizzera nel diritto della libera circolazione, poiché in tal caso, oltre alla realizzazione della libertà fondamentale parzialmente recepita, si tratta di un allineamento dell'ordinamento giuridico (partecipazione settoriale al mercato interno).»\n\n## Cittadini croati\n\n### Esclusione dall'accordo sulla libera circolazione\n\n**Sentenza 2C_128/2015** (25 agosto 2015)\n\nIl Tribunale federale ha confermato che i cittadini croati dall'accettazione dell'art. 121a Cost. non possono più invocare l'accordo sulla libera circolazione, poiché non possono più essere conclusi trattati contraddittori.\n\nLa giurisprudenza ha precisato che il divieto secondo l'art. 121a cpv. 4 Cost. deve essere rispettato immediatamente, anche se la legislazione di attuazione non è ancora disponibile.\n\n**Sentenza 2C_103/2014** (13 gennaio 2015)\n\nConferma della giurisprudenza: i cittadini croati non possono invocare l'ALC, poiché i relativi trattati sono in contraddizione con il controllo autonomo dell'immigrazione perseguito dalla norma costituzionale.\n\n## Prassi del diritto degli stranieri\n\n### Interesse pubblico al controllo dell'immigrazione\n\n**VerwGE B 2024/162** (4 marzo 2025)\n\nIl Tribunale amministrativo di San Gallo ha riconosciuto l'art. 121a Cost. come espressione dell'interesse pubblico a una politica immigratoria restrittiva nella ponderazione degli interessi nelle procedure del diritto degli stranieri.\n\n> «Che ciò costituisca un interesse pubblico risulta non da ultimo dall'art. 121a Cost. Questo articolo è stato accolto nella Cost. in seguito all'accettazione dell'iniziativa popolare 'contro l'immigrazione di massa'.»\n\n### Nessun rilascio prioritario di permessi\n\n**Sentenza C-2637/2015** (6 giugno 2016) - Tribunale amministrativo federale\n\nIl TAF ha chiarito che dall'art. 121a Cost. non può essere derivato alcun diritto al rilascio prioritario di permessi per svizzeri o titolari di permesso di domicilio, finché manca la legislazione di attuazione.\n\nL'obiezione secondo cui l'istanza inferiore non avrebbe considerato «il diritto spettante al ricorrente secondo l'art. 121a Cost. al rilascio prioritario di permessi» è stata respinta come infondata.\n\n## Rapporto con altri diritti fondamentali\n\n### Vita privata e familiare\n\n**DTF 144 I 266** (8 maggio 2018)\n\nIl Tribunale federale ha menzionato l'art. 121a Cost. nel contesto dell'esigibilità del ritorno e dell'interesse pubblico a un controllo dell'immigrazione:\n\n> «L'esigibilità del ritorno non è di per sé un motivo per revocare il diritto di soggiorno, così come non lo è l'interesse pubblico a un controllo dell'immigrazione.»\n\n**DTF 143 I 21** (17 novembre 2016)\n\nNel ricongiungimento familiare del diritto degli stranieri l'art. 121a Cost. viene incluso nella ponderazione degli interessi come espressione dell'interesse pubblico a una politica migratoria restrittiva, senza tuttavia vanificare i diritti fondamentali.\n\n### Interesse superiore del minore\n\n**Sentenza 2C_402/2015** (11 novembre 2016)\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che nella ponderazione degli interessi nel diritto degli stranieri si deve tenere conto dell'interesse superiore del minore, considerando l'attuazione di una politica immigratoria restrittiva (art. 121a Cost.) come uno tra vari criteri.\n\n## Espulsione e diritto penale\n\n### Limiti del diritto internazionale\n\n**SB170315** (16 gennaio 2018) - Tribunale superiore di Zurigo\n\nIl Tribunale superiore di Zurigo ha trattato la problematica del rapporto tra espulsione e accordo sulla libera circolazione. Ha stabilito che il Parlamento nell'emanare le disposizioni sull'espulsione ha consapevolmente accettato il possibile conflitto con l'ALC.\n\n> «Il Parlamento conosceva dunque questa problematica quando ha emanato le disposizioni ora vigenti sull'espulsione, e ha quindi accettato un eventuale conflitto risultante con l'ALC.»\n\n**SB180093** (28 settembre 2018) - Tribunale superiore di Zurigo\n\nUlteriore conferma della giurisprudenza sui limiti dell'espulsione per cittadini UE/AELS nonostante l'art. 121a Cost., poiché permangono gli obblighi di diritto internazionale.\n\n## Divieto di discriminazione\n\n### Discriminazione razziale\n\n**DTF 143 IV 193** (13 aprile 2017)\n\nIl Tribunale federale ha giudicato un annuncio che pubblicizzava il sostegno all'iniziativa contro l'immigrazione di massa come discriminazione razziale. Il titolo «I kosovari massacrano gli svizzeri!» è stato qualificato come incitamento all'odio o alla discriminazione.\n\nLa sentenza mostra i limiti dell'espressione di opinioni politiche ammissibili nel contesto della politica migratoria.\n\n## Attuazione e disposizioni esecutive\n\n### Attuazione parlamentare\n\n**A-2798/2016** (30 maggio 2017) - Tribunale amministrativo federale\n\nIl TAF ha menzionato l'attuazione parlamentare dell'art. 121a Cost. del 16 dicembre 2016, con cui sono stati rispettati gli accordi bilaterali con l'UE.\n\n### Costituzione ed elezioni\n\n**Sentenza 1C_106/2014** (8 aprile 2014)\n\nIl Tribunale federale ha respinto un ricorso relativo alla votazione popolare del 9 febbraio 2014 sull'iniziativa contro l'immigrazione di massa e ha confermato il regolare svolgimento della votazione.\n\n## Validità temporale\n\n### Disposizioni transitorie\n\nLa giurisprudenza conferma che l'art. 121a Cost. è entrato immediatamente in vigore, ma necessita di attuazione attraverso la legislazione. Il termine triennale per la rinegoziazione di trattati di diritto internazionale (art. 197 n. 11 Cost.) è stato rispettato.\n\n### Continuità dei diritti esistenti\n\nDalla giurisprudenza risulta che gli obblighi esistenti di diritto internazionale continuano a valere nonostante l'art. 121a Cost., fino a quando non avvenga una rinegoziazione o i trattati vengano disdetti.", "summary_en": "# Art. 121a BV — Control of Immigration\n\n## Overview\n\nArt. 121a BV regulates immigration to Switzerland. This constitutional provision was created through the acceptance of the popular initiative «Against Mass Immigration» on 9 February 2014. It establishes how Switzerland may determine who should be allowed to enter the country.\n\nThe provision obliges the Confederation to control immigration independently. This means: Switzerland shall decide autonomously, without pressure from other countries. The Confederation must set annual maximum numbers (upper limits for the number of persons) and quotas (sub-quantities for specific groups).\n\nWhen admitting foreign nationals, three criteria must be considered: overall economic benefit (advantage for the economy), priority for nationals (Swiss citizens and persons already living in Switzerland are given preference) and capacity for integration (willingness and ability to integrate).\n\nThe provision prohibits new international treaties that contradict this immigration control. However, existing agreements such as the Agreement on the Free Movement of Persons with the EU remain valid.\n\n**Example**: A German company wants to send an Indian IT specialist to its Swiss subsidiary. The authorities must examine: Does this bring economic benefit? Was the position first offered to Swiss citizens and permanent residents? Can the person integrate into Swiss society? Additionally, the annual upper limit for third-country nationals may not be exceeded.\n\nArt. 121a BV is not directly applicable. This means: Individuals cannot derive rights directly from it. The provision must first be implemented through legislation. This occurred in 2016 with a «light» solution that respects the Agreement on the Free Movement of Persons: Employers must first report vacant positions in professions with high unemployment to the Regional Employment Centre before they can hire EU citizens.", "doctrine_en": "# Doctrine on Art. 121a Cst.\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The popular initiative \"Against mass immigration\" was submitted on 14 February 2012 with 135,557 valid signatures (BBl 2012 3869). The Federal Council recommended rejection of the initiative without a counter-proposal (BBl 2013 291, 325). In its dispatch of 7 December 2012, it warned of incompatibility with the Agreement on the Free Movement of Persons and negative economic consequences.\n\n**N. 2** The initiative was adopted on 9 February 2014 with 50.3% yes votes and 14.5 cantons (BBl 2014 4117). The narrow majority reflected societal polarisation on the migration issue. The adoption occurred despite warning references to endangering bilateral treaties with the EU.\n\n**N. 3** Parliamentary implementation took place on 16 December 2016 with a \"preference for local workers light\" solution that respected the bilateral agreements (AS 2018 733). This minimal solution led to the launch of the limitation initiative, which was rejected on 27 September 2020 with 61.7% no votes.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 121a Cst. is systematically positioned between the general foreign nationals competence (Art. 121 Cst.) and the asylum provisions (Art. 121b–e Cst.). The norm forms a special provision to Art. 121 Cst. for the area of immigration control.\n\n**N. 5** The provision stands in tension with various constitutional principles: → Art. 5 Cst. (international law as a limit on state action), → Art. 8 Cst. (legal equality and prohibition of discrimination), → Art. 9 Cst. (protection against arbitrariness), ↔ Art. 13 Cst. (protection of privacy), ↔ Art. 25 Cst. (protection against expulsion) and → Art. 27 Cst. (economic freedom).\n\n**N. 6** Particularly conflict-prone is the relationship to → Art. 54 Cst. (foreign affairs) and → Art. 190 Cst. (supremacy of federal law). The norm creates a constitutionally immanent conflict between immigration control and international law obligations.\n\n## 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n### Independent Control (Para. 1)\n\n**N. 7** The term \"independent\" means, according to Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 12), more than mere programmatic content — it is a normative task norm. The Federal Council, however, took the view that para. 1 had primarily programmatic character. Independence does not exclude international law commitments but requires national scope for action.\n\n**N. 8** \"Control\" encompasses quantitative and qualitative aspects of immigration. It requires active measures by the legislature, not merely passive acceptance of migration-related developments.\n\n### Ceilings and Quotas (Para. 2)\n\n**N. 9** \"Annual ceilings\" are absolute upper limits for total immigration. \"Quotas\" designate sub-quantities for specific categories (sectors, qualifications, countries of origin). The terms are not to be used synonymously.\n\n**N. 10** The inclusion of cross-border commuters is disputed. While the Federal Council wanted to subject cross-border commuters to numerical limitation, Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 25) argues that cross-border commuters are only conditionally immigrants, which is why limitation measures are not mandatory.\n\n### Admission Criteria (Para. 3)\n\n**N. 11** The \"overall economic benefit\" requires an economic perspective beyond the individual interests of employers. This includes labour market effects, infrastructure costs and social impacts.\n\n**N. 12** \"Preference for local workers\" privileges persons already integrated into the Swiss labour market. The parliamentary implementation as a notification obligation for vacant positions does not, according to critics, meet the constitutional requirements.\n\n**N. 13** \"Integration capability\" requires a prognosis decision about future integration. Relevant criteria are language skills, professional qualifications and willingness to participate in social life.\n\n### Prohibition of Conflicting Treaties (Para. 4)\n\n**N. 14** The prohibition of new international law treaties applies directly according to **BGE 142 II 35**. The question of extending existing treaties is disputed: Epiney (Jusletter of 2.6.2014) argues that extensions are permissible as long as the fate of the basic treaty remains open. Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 174) sees the EU as a whole, which is why extensions are also inadmissible if the basic treaty is incompatible.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** The direct applicability of Art. 121a Cst. is disputed. According to Epiney (Jusletter of 2.6.2014), paragraphs 1–3 can be directly applicable under certain circumstances. The Federal Office of Justice and Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 25) argue, however, that paragraphs 1–3 are not directly applicable and require legislative implementation. The Federal Supreme Court followed the second view in **BGE 142 II 35**.\n\n**N. 16** Art. 121a Cst. does not give rise to subjective legal claims for individuals. Neither Swiss citizens nor permanent residents can derive preferential permit issuance directly from the constitutional norm (Federal Administrative Court judgment C-2637/2015 of 6.6.2016).\n\n**N. 17** The norm has effect as a public interest in foreign nationals law interest assessments without, however, undermining fundamental rights (Administrative Court judgment B 2024/162 of 4.3.2025).\n\n## 5. Points of Dispute\n\n### Relationship to the Agreement on the Free Movement of Persons\n\n**N. 18** The central point of dispute concerns compatibility with the AFMP. Heselhaus/Hänni (SZIER 2013, 19) see an irresolvable contradiction. Kunz (ZaöRV 2014, 329) advocates pragmatic solution approaches. Schlegel/Sieber-Gasser (Jusletter of 17.3.2014) propagated a \"third way\" between free movement of persons and isolation.\n\n**N. 19** On the admissibility of safeguard clauses, Epiney (BSK BV, Art. 121a N. 79–80) and Tobler (Jusletter of 16.2.2015) argue these are compatible with Art. 121a Cst. Uebersax (BSK BV, Art. 121a N. 80) emphasises the constitutionally required legislative flexibility.\n\n### Scope of the Implementation Mandate\n\n**N. 20** The Federal Council interpreted the implementation mandate restrictively in light of international law obligations (Federal Office of Justice, interpretation of 8.4.2014). Critics like Uebersax (Jusletter of 14.4.2014) demanded more literal implementation. The parliamentary solution sought a middle way between constitutional mandate and treaty loyalty.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 21** For legal application, a distinction must be made between EU/EFTA citizens and third-country nationals. For the former, the AFMP continues to apply primarily; for the latter, the more restrictive FNIA with quota system applies.\n\n**N. 22** Croatian nationals form a special case: They cannot invoke the AFMP since the extension agreement could not be ratified according to Art. 121a para. 4 Cst. (judgment 2C_128/2015).\n\n**N. 23** In foreign nationals law hardship applications, Art. 121a Cst. must be included as an expression of public interest in restrictive migration policy in the interest assessment, without, however, justifying schematic application.\n\n**N. 24** The notification obligation for vacant positions in professions with above-average unemployment (Art. 21a FNIA) represents the minimal implementation of preference for local workers. Further-reaching measures would be constitutionally permissible but problematic under international law.\n\n**N. 25** For future state treaties: Every new migration-related treaty must be measured against the standard of Art. 121a Cst. This particularly concerns institutional agreements with dynamic legal adoption in the migration area.", "caselaw_en": "# Case Law on Art. 121a FC\n\n## Direct Applicability and Relationship to International Law\n\n### Lack of Direct Applicability\n\n**BGE 142 II 35** (26 November 2015)\n\nThe Federal Supreme Court established as a leading decision immediately after adoption of the initiative that Art. 121a FC is not directly applicable. The provision requires implementation through negotiations and legislation.\n\n> «Art. 121a FC is therefore not directly applicable in case law. A conflict with international treaties could arise if a negotiated solution with the EU were not possible, if domestic legal changes should deviate from the Agreement on the Free Movement of Persons and if these could not be applied in accordance with the AFMP through interpretation conforming to international law.»\n\nThe judgment confirmed the continued validity of the Schubert practice in free movement law and the primacy of international law obligations.\n\n### No Schubert Practice in Free Movement Law\n\n**BGE 142 II 35** (26 November 2015) \n\nThe Federal Supreme Court confirmed that the so-called Schubert practice does not apply to free movement law between Switzerland and the EU, as it concerns sectoral participation in the internal market.\n\n> «The aforementioned exception according to the so-called 'Schubert practice' does not apply in relation to the European Union and the obligations undertaken by Switzerland under treaty in free movement law, because this involves an alignment of legal systems (sectoral participation in the internal market) concerning the realisation of partially adopted fundamental freedoms.»\n\n## Croatian Nationals\n\n### Exclusion from the Agreement on Free Movement\n\n**Judgment 2C_128/2015** (25 August 2015)\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that Croatian nationals can no longer invoke the Agreement on Free Movement of Persons since the adoption of Art. 121a FC, as contradictory treaties may no longer be concluded.\n\nThe case law clarified that the prohibition under Art. 121a para. 4 FC must be observed immediately, even if implementing legislation is not yet in place.\n\n**Judgment 2C_103/2014** (13 January 2015)\n\nConfirmation of the case law: Croatian nationals cannot invoke the AFMP, as corresponding treaties contradict the autonomous immigration control sought by the constitutional provision.\n\n## Foreign Nationals Law Practice\n\n### Public Interest in Immigration Control\n\n**VerwGE B 2024/162** (4 March 2025)\n\nThe St. Gallen Administrative Court recognised Art. 121a FC as an expression of the public interest in a restrictive immigration policy in the balancing of interests in foreign nationals law proceedings.\n\n> «That there is a public interest in this is expressed not least in Art. 121a FC. This article was incorporated into the FC following the adoption of the popular initiative 'against mass immigration'.»\n\n### No Priority Permit Granting\n\n**Judgment C-2637/2015** (6 June 2016) - Federal Administrative Court\n\nThe Federal Administrative Court clarified that no claim to priority permit granting for Swiss citizens or permanent residents can be derived from Art. 121a FC as long as implementing legislation is lacking.\n\nThe objection that the lower instance had «not observed the applicant's claim under Art. 121a FC to priority permit granting» was rejected as unfounded.\n\n## Relationship to Other Fundamental Rights\n\n### Private and Family Life\n\n**BGE 144 I 266** (8 May 2018)\n\nThe Federal Supreme Court mentioned Art. 121a FC in the context of the reasonableness of return and the public interest in controlling immigration:\n\n> «The reasonableness of return is not in itself a reason to withdraw the right of residence, nor is the public interest in controlling immigration.»\n\n**BGE 143 I 21** (17 November 2016)\n\nIn foreign nationals law family reunification, Art. 121a FC is included as an expression of the public interest in a restrictive migration policy in the balancing of interests, without however overriding fundamental rights.\n\n### Best Interests of the Child\n\n**Judgment 2C_402/2015** (11 November 2016)\n\nThe Federal Supreme Court found that in the balancing of interests in foreign nationals law, the best interests of the child must be taken into account, whereby the implementation of a restrictive immigration policy (Art. 121a FC) is to be considered as one criterion among others.\n\n## Expulsion and Criminal Law\n\n### International Law Limits\n\n**SB170315** (16 January 2018) - Zurich Superior Court\n\nThe Zurich Superior Court dealt with the problem of the relationship between expulsion and the Agreement on Free Movement. It found that Parliament was aware of the possible conflict with the AFMP when enacting the expulsion provisions.\n\n> «Parliament was therefore aware of this problem when it enacted the now applicable provisions on expulsion, and thus accepted a potentially resulting conflict with the AFMP.»\n\n**SB180093** (28 September 2018) - Zurich Superior Court\n\nRenewed confirmation of the case law on the limits of expulsion for EU/EFTA citizens despite Art. 121a FC, as international law obligations continue to exist.\n\n## Prohibition of Discrimination\n\n### Racial Discrimination\n\n**BGE 143 IV 193** (13 April 2017)\n\nThe Federal Supreme Court assessed an advertisement that promoted support for the mass immigration initiative as racially discriminatory. The headline «Kosovars slit up Swiss!» was qualified as incitement to hatred or discrimination.\n\nThe judgment shows the limits of permissible political expression in the context of migration policy.\n\n## Implementation and Implementing Provisions\n\n### Parliamentary Implementation\n\n**A-2798/2016** (30 May 2017) - Federal Administrative Court\n\nThe Federal Administrative Court mentioned the parliamentary implementation of Art. 121a FC of 16 December 2016, in which the bilateral agreements with the EU were respected.\n\n### Constitutional Enactment and Electoral Procedure\n\n**Judgment 1C_106/2014** (8 April 2014)\n\nThe Federal Supreme Court dismissed a complaint regarding the popular vote of 9 February 2014 on the mass immigration initiative and confirmed the proper conduct of the vote.\n\n## Temporal Validity\n\n### Transitional Provisions\n\nThe case law confirms that Art. 121a FC entered into force immediately, but requires implementation through legislation. The three-year deadline for renegotiating international treaties (Art. 197 No. 11 FC) was respected.\n\n### Continued Validity of Existing Rights\n\nThe case law shows that existing international law obligations continue to apply despite Art. 121a FC until renegotiation occurs or the treaties are terminated.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_121a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 122, "article_suffix": "", "title": "Zivilrecht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 122 BV teilt die Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen im Zivilrecht auf. Der Bund hat die ausschliessliche Kompetenz, Gesetze für das Zivilrecht (Eigentumsrecht, Vertragsrecht, Familienrecht) und das Zivilprozessrecht (gerichtliche Verfahren) zu erlassen. Diese Bundeskompetenz ist umfassend und abschliessend – es bleibt nach Art. 5 ZGB grundsätzlich kein Raum für kantonales Zivilrecht (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 5). Die Kantone sind dagegen zuständig für die Organisation ihrer Gerichte und für die praktische Rechtsprechung in Zivilsachen.\n\nEin Beispiel: Das Schweizer Obligationenrecht (OR) regelt schweizweit einheitlich die Kaufverträge. Wenn jemand ein Auto kauft, gelten dieselben Regeln in Zürich wie in Genf. Die Kantone können jedoch selbst bestimmen, welches Gericht bei Streitigkeiten zuständig ist und wie das Gerichtsverfahren organisiert wird. Sie müssen aber die bundesrechtlichen Verfahrensregeln der Zivilprozessordnung (ZPO) anwenden.\n\nDie Kompetenzabgrenzung ist praktisch bedeutsam: Erlässt ein Kanton eigene zivilrechtliche Regeln, sind diese verfassungswidrig (**BGE 146 I 70**). Das Bundesgericht wendet zur Abgrenzung zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht verschiedene Theorien an, wobei keine a priori Vorrang hat (**BGE 146 I 70** E. 5.2). Umstritten ist, ob Kantone in Ausnahmefällen zivilrechtliche Mittel für öffentlich-rechtliche Zwecke einsetzen dürfen – die ältere Rechtsprechung (**BGE 73 I 228**) liess dies zu, während die neuere Doktrin (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6) dies ablehnt.\n\nDie Kantone müssen beim Aufbau ihrer Gerichtsorganisation die bundesrechtlichen Vorgaben beachten, insbesondere den doppelten Instanzenzug nach Art. 75 Abs. 2 BGG und die Zuständigkeitsregeln der ZPO (**BGE 137 III 217**). Bei der freiwilligen Gerichtsbarkeit (Vormundschaftssachen) haben die Kantone grössere Gestaltungsfreiheit, müssen aber die ZPO anwenden, wenn das Bundesrecht selbst eine gerichtliche Behörde vorschreibt (**BGE 139 III 225**).\n\nDiese Kompetenzverteilung gewährleistet schweizweit einheitliches Zivilrecht bei kantonaler Vielfalt in der Gerichtsorganisation und Rechtsprechung.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 122 BV entspricht weitgehend dem früheren Art. 64 aBV, erweitert jedoch die Bundeskompetenz ausdrücklich auf das Zivilprozessrecht. Die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 führte damit eine seit langem gelebte Praxis in den Verfassungstext über. Bereits unter der alten Bundesverfassung hatte der Bund gestützt auf die Zivilrechtskompetenz prozessuale Regelungen erlassen, etwa im Bereich des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält fest, dass die explizite Erwähnung des Zivilprozessrechts «der Klarheit und Vollständigkeit halber» erfolgte (BBl 1997 I 1, 324).\n\n**N. 2** Die verfassungsrechtliche Verankerung der Zivilprozessrechtskompetenz des Bundes schuf die Grundlage für die Vereinheitlichung des schweizerischen Zivilprozessrechts. Nach jahrzehntelangen Vorarbeiten konnte gestützt auf Art. 122 Abs. 1 BV die Schweizerische Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 erlassen werden, welche am 1. Januar 2011 in Kraft trat und die 26 kantonalen Zivilprozessordnungen ablöste.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 122 BV findet sich im 3. Titel der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden, dort im 3. Kapitel über die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen. Die Norm gehört zu den Kompetenzbestimmungen, welche dem Bund eine umfassende Gesetzgebungszuständigkeit auf einem bestimmten Sachgebiet zuweisen. Im Unterschied zu anderen Kompetenznormen, die dem Bund nur partielle Regelungsbefugnisse einräumen, handelt es sich bei Art. 122 BV um eine sogenannte Gesamtkodifikationskompetenz.\n\n**N. 4** Die systematische Stellung zwischen den Kompetenznormen für das Strafrecht (Art. 123 BV) und das Messwesen (Art. 125 BV) unterstreicht die zentrale Bedeutung der Rechtsvereinheitlichung im Privatrechtsbereich. → Art. 42 Abs. 2 BV verweist für die Kompetenzausscheidung auf die Bundesverfassung, → Art. 49 Abs. 1 BV statuiert den Vorrang des Bundesrechts. Die kantonale Restkompetenz gemäss → Art. 3 BV gilt nur, soweit die Bundesverfassung dem Bund keine Zuständigkeit zuweist.\n\n**N. 5** Art. 5 ZGB konkretisiert die verfassungsrechtliche Kompetenzordnung für das Zivilrecht. Er bestimmt, dass kantonales Recht in Zivilsachen nur noch dort zur Anwendung kommt, wo das Bundeszivilrecht die Kantone dazu ermächtigt. Diese Ermächtigung kann ausdrücklich erfolgen oder sich aus der Natur der Sache ergeben. → Art. 6 ZGB ermöglicht den Kantonen ergänzende öffentlich-rechtliche Regelungen, sofern diese nicht der Sinn des Bundeszivilrechts ausschliessen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Zivilrecht (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff des Zivilrechts umfasst nach herrschender Lehre und ständiger Rechtsprechung das gesamte Privatrecht, also die Rechtsbeziehungen zwischen gleichgeordneten Rechtssubjekten. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 7) betont, dass das Zivilrecht alle Rechtsnormen einschliesst, die typisch privatrechtliche Ziele verfolgen und herkömmlicherweise zum Privatrechtsbereich gehören. Das Bundesgericht wendet zur Abgrenzung zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht einen Methodenpluralismus an, wobei keine einzelne Abgrenzungstheorie a priori Vorrang hat (**BGE 146 I 70** E. 5.2).\n\n**N. 7** Die Gesamtkodifikationskompetenz des Bundes ist umfassend. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 5) führt aus: «Aus dem Grundsatz der Gesamtkodifikation fliesst, dass für kantonales Zivilrecht überhaupt kein Raum mehr bleibt, auch nicht in Bereichen, die vom Bundesrecht zivilrechtlich überhaupt nicht reglementiert wurden.» Diese Position steht im Gegensatz zur älteren bundesgerichtlichen Rechtsprechung (**BGE 73 I 228**), welche den Kantonen unter bestimmten Voraussetzungen gestattete, im Rahmen öffentlich-rechtlicher Ordnungen zivilrechtliche Mittel einzusetzen.\n\n**N. 8** Teile der Lehre vertreten eine weniger absolute Position. Sie argumentieren, dem Bund sei mit Art. 122 BV zwar ein Sachgebiet umfassend zur Gesetzgebung zugewiesen worden, jedoch nicht ausschliesslich, was es den Kantonen erlaube, eigenes Zivilrecht zu setzen, sofern der Bund nicht abschliessend legiferiert habe (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6, mit Verweis auf abweichende Lehrmeinungen). Diese Kontroverse ist praktisch bedeutsam bei der Beurteilung kantonaler Regelungen mit zivilrechtlichen Auswirkungen, etwa im Bereich des Baurechts oder bei Vorkaufsrechten zugunsten der öffentlichen Hand.\n\n### Zivilprozessrecht (Abs. 1)\n\n**N. 9** Das Zivilprozessrecht umfasst alle Normen, die das gerichtliche Verfahren in Zivilsachen regeln. Nach der Definition in der Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung gehören dazu insbesondere die Verfahrensgrundsätze, die Zuständigkeitsordnung, die Klage- und Rechtsmittelvoraussetzungen, der Beweis sowie die Vollstreckung zivilrechtlicher Ansprüche (BBl 2006 7221, 7232).\n\n**N. 10** Die Abgrenzung zwischen bundesrechtlichem Zivilprozessrecht und kantonaler Gerichtsorganisation erweist sich in der Praxis als anspruchsvoll. Das Bundesgericht hat in **BGE 139 III 225** klargestellt, dass die ZPO im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit nur dort direkte Anwendung findet, wo das Bundesrecht selbst eine gerichtliche Behörde vorschreibt. Soweit der Kanton die zuständige Behörde bezeichnet, regelt er auch das Verfahrensrecht.\n\n### Organisation der Gerichte (Abs. 2)\n\n**N. 11** Die Organisation der Gerichte umfasst nach Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 59-60) die Schaffung der Gerichte, ihre Bezeichnung, ihre hierarchische Gliederung, ihre örtliche Zuständigkeit sowie die Anforderungen an die Richterwahl. Diese Bereiche verbleiben grundsätzlich in kantonaler Kompetenz, soweit das Bundesrecht keine abweichenden Bestimmungen enthält.\n\n**N. 12** Die bundesrechtlichen Einschränkungen der kantonalen Organisationsautonomie sind vielfältig. → Art. 75 Abs. 2 BGG verlangt einen doppelten kantonalen Instanzenzug für den Zugang zum Bundesgericht. Die ZPO enthält in Art. 3 ff. zwingende Vorgaben zur sachlichen und funktionellen Zuständigkeit. Das Bundesgericht bestätigte in **BGE 137 III 217**, dass solche bundesrechtlichen Vorgaben mit der kantonalen Organisationshoheit vereinbar sind.\n\n### Rechtsprechung in Zivilsachen (Abs. 2)\n\n**N. 13** Die Rechtsprechungskompetenz der Kantone bedeutet, dass die kantonalen Gerichte für die Anwendung des materiellen Zivilrechts und die Durchführung der zivilprozessualen Verfahren zuständig sind. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 68) qualifiziert diese Zuständigkeit als Rechtsnatur. Die Einschränkungen ergeben sich aus bundesrechtlichen Sonderbestimmungen, etwa der Zuständigkeit des Bundespatentgerichts für Patentstreitigkeiten oder der Schiedsgerichte im Bereich der Krankenversicherung (**BGE 135 V 443**).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes im Zivilrecht hat zur Folge, dass kantonale Erlasse, die materielles Zivilrecht oder Zivilverfahrensrecht regeln, verfassungswidrig und damit nichtig sind. Das Bundesgericht prüft die Einhaltung der Kompetenzordnung von Amtes wegen und hebt kompetenzwidrige kantonale Bestimmungen auf (**BGE 146 I 70** E. 5).\n\n**N. 15** Für die Kantone ergibt sich aus Art. 122 Abs. 2 BV die Pflicht, eine funktionierende Gerichtsorganisation bereitzustellen und die Rechtsprechung in Zivilsachen sicherzustellen. Diese Pflicht konkretisiert sich in → Art. 30 Abs. 1 BV und → Art. 6 Ziff. 1 EMRK, welche den Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht garantieren. Die Kantone müssen insbesondere den von → Art. 75 Abs. 2 BGG geforderten doppelten Instanzenzug gewährleisten.\n\n**N. 16** Bundesrechtliche Delegationen an die Kantone sind zulässig und häufig. So ermächtigt Art. 4 ZPO die Kantone zur Bezeichnung der örtlich zuständigen Gerichte, Art. 3 ZPO zur Bestimmung der sachlich zuständigen Gerichte innerhalb der bundesrechtlichen Vorgaben. Solche Delegationen müssen sich jedoch im Rahmen der verfassungsrechtlichen Kompetenzordnung bewegen und dürfen die materiell-rechtliche Rechtseinheit nicht gefährden.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** Die zentrale Kontroverse betrifft die Reichweite der bundesrechtlichen Gesamtkodifikation. Während Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 6) die Position vertritt, dass «weder die erwähnte (alte) bundesgerichtliche Rechtsprechung noch die weitergehenden Folgerungen in der Lehre sich mit Blick auf Art. 122 BV und Art. 5 ZGB vertreten» lassen, halten andere Autoren an der Möglichkeit kantonaler zivilrechtlicher Regelungen bei öffentlich-rechtlicher Zwecksetzung fest. Diese unterschiedlichen Auffassungen haben praktische Konsequenzen etwa bei kantonalen Vorkaufsrechten oder baurechtlichen Dienstbarkeiten.\n\n**N. 18** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Abgrenzungsmethodik. Fritz Gygi entwickelte die Sachbereichstheorie, welche nicht an der Unterscheidung von öffentlichem Recht und Privatrecht ansetzt, sondern an den Sachbereichen anknüpft, für die eine Bundeskompetenz vorgesehen ist (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 41). Göksu kritisiert, diese Theorie sei zwar auf die Verfassungsnorm zugeschnitten, versage aber in anderen Fällen, wo zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht unterschieden werden müsse (BSK BV, Art. 122 N. 41).\n\n**N. 19** Die Reichweite der kantonalen Verfahrensautonomie im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit ist umstritten. Während das Bundesgericht in **BGE 139 III 225** den Kantonen weitgehende Gestaltungsfreiheit einräumt, sofern das Bundesrecht keine gerichtliche Behörde vorschreibt, plädieren Teile der Lehre für eine extensivere Anwendung der ZPO zur Gewährleistung der Verfahrenseinheit.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Prüfung kantonaler Erlasse ist zunächst zu klären, ob diese materielles Zivilrecht oder Zivilverfahrensrecht regeln. Entscheidend ist nicht die formelle Bezeichnung oder Einordnung durch den kantonalen Gesetzgeber, sondern der materielle Gehalt der Norm. Regelungen über Eigentum, Besitz, Verträge oder familienrechtliche Verhältnisse fallen regelmässig in die Bundeskompetenz, auch wenn sie in einem kantonalen Gesetz über öffentliches Recht enthalten sind.\n\n**N. 21** Kantonale Behörden müssen bei der Ausgestaltung ihrer Gerichtsorganisation die zwingenden bundesrechtlichen Vorgaben beachten. Dazu gehören insbesondere die Zuständigkeitsregeln der Art. 3-8 ZPO, die Vorgaben zum doppelten Instanzenzug gemäss Art. 75 Abs. 2 BGG sowie spezialgesetzliche Bestimmungen wie Art. 440 f. ZGB für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden. Spielräume bestehen bei der Bezeichnung und hierarchischen Gliederung der Gerichte sowie bei der Festlegung der örtlichen Zuständigkeiten.\n\n**N. 22** Für die Rechtspraxis empfiehlt sich bei Kompetenzfragen eine sorgfältige Analyse der einschlägigen Bundesgerichtspraxis. Das Bundesgericht hat in neuerer Zeit die Tendenz gezeigt, kantonale Regelungen mit zivilrechtlichen Auswirkungen strenger auf ihre Vereinbarkeit mit Art. 122 BV zu prüfen (**BGE 146 I 70**). Gleichzeitig anerkennt es weiterhin gewisse Gestaltungsspielräume der Kantone im Bereich der Gerichtsorganisation und bei Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit (**BGE 139 III 225**).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Übersicht\n\nArt. 122 BV regelt die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Zivilrechts- und Zivilprozessrecht. Die Rechtsprechung konkretisiert diese Abgrenzung in drei Kernbereichen: Die ausschliessliche Bundesgesetzgebungskompetenz für materielle Zivilrechts- und Verfahrensbestimmungen (Abs. 1), die kantonal verbleibende Zuständigkeit für Gerichtsorganisation und Rechtsprechung (Abs. 2) sowie die Grenzen dieser Kompetenzteilung bei spezifischen Verfahrensfragen. Das Bundesgericht hat dabei die grundlegenden Prinzipien für die Abgrenzung zwischen bundesrechtlicher Verfahrensregelung und kantonaler Organisationsautonomie entwickelt.\n\n**Stand: Dezember 2024**\n\n## Bundesgesetzgebungskompetenz für Zivilrecht und Zivilprozessrecht\n\n### Abschliessende Regelung durch Bundesrecht\n\n**BGE 146 I 70** vom 30. April 2019 — Kommunale Bestimmungen zu preisgünstigem Wohnraum\nBekräftigung der ausschliesslichen Bundesgesetzgebungskompetenz nach Art. 122 Abs. 1 BV für das Zivilrecht. \nUrteil betrifft die Abgrenzung zwischen kantonalem öffentlichem Recht und bundesrechtlichen Zivilrechtsnormen bei kommunalen Wohnbauvorschriften.\n\n> «Gemäss Art. 122 Abs. 1 BV sei die Gesetzgebung auf dem Gebiet des Zivilrechts Sache des Bundes. Nach Art. 109 Abs. 1 BV sei der Bund zuständig für den Erlass von Vorschriften gegen Missbräuche im Mietwesen.»\n\n**BGE 140 III 155** vom 10. Februar 2014 — Ausschliessliche Zuständigkeit des Handelsgerichts\nAbschliessende Regelung der sachlichen Zuständigkeit für handelsrechtliche Streitigkeiten durch Bundesrecht.\nBestätigung, dass bei Schaffung eines Handelsgerichts durch den Kanton keine weitere kantonale Zuständigkeitsregelung zulässig ist.\n\n> «Mit Art. 6 ZPO hat der Bundesgesetzgeber für den Fall, dass ein Kanton von der Möglichkeit, ein Handelsgericht zu schaffen, Gebrauch gemacht hat, die sachliche Zuständigkeit für handelsrechtliche Streitigkeiten (Art. 6 Abs. 2 lit. a-c ZPO) abschliessend geregelt. Für eine weitere Zuständigkeitsregelung durch den Kanton bleibt kein Raum.»\n\n### Abgrenzung zu kantonalem öffentlichem Recht\n\n**BGE 139 III 225** vom 25. April 2013 — Anwendbarkeit der ZPO in der freiwilligen Gerichtsbarkeit  \nUnterscheidung zwischen bundesrechtlicher Verfahrensregelung und kantonaler Behördenzuständigkeit.\nDirekte Anwendung der ZPO nur bei bundesrechtlich vorgeschriebener gerichtlicher Behörde.\n\n> «Im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit findet die ZPO nur dort direkte Anwendung, wo das Bundesrecht selbst eine gerichtliche Behörde vorschreibt. Soweit der Kanton die zuständige Behörde bezeichnet, regelt er auch das Verfahrensrecht; erklärt er die ZPO als anwendbar, stellt diese kantonales Recht dar.»\n\n## Kantonale Gerichtsorganisation und Rechtsprechung\n\n### Grenzen kantonaler Organisationsautonomie\n\n**BGE 137 III 217** vom 11. April 2011 — Einstufiger kantonaler Rechtsmittelzug im Handelsregisterrecht\nBestätigung der kantonalen Organisationshoheit innerhalb bundesrechtlicher Vorgaben.\nVereinbarkeit des einstufigen Rechtsmittelzugs mit der Delegationsnorm in Art. 929 OR.\n\n> «Art. 165 Abs. 2 HRegV kann sich auf die Delegationsnorm von Art. 929 Abs. 1 OR abstützen und steht im Einklang mit dem Prinzip der 'double instance' gemäss Art. 75 Abs. 2 BGG.»\n\n**BGE 142 III 795** vom 27. Oktober 2016 — Kantonal geregelte Massnahmen im Kindes- und Erwachsenenschutz\nZuordnung von Kindes- und Erwachsenenschutzmassnahmen zur zivilrechtlichen Beschwerde trotz öffentlich-rechtlichen Charakters.\nBestätigung der zivilrechtlichen Natur aufgrund der Bundesgesetzgebungskompetenz nach Art. 122 BV.\n\n> «Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bestimmungen über den Kindes- und Erwachsenenschutz grundsätzlich als öffentliches Recht zu bezeichnen sind. Ebenso anerkannt ist indes, dass die entsprechenden Normen aufgrund der Zivilrechtskompetenz des Bundes erlassen wurden (Art. 122 BV).»\n\n### Verfahrensrecht und kantonale Zuständigkeit\n\n**BGE 143 III 395** vom 12. Juni 2017 — Anfechtungsklage nach SchKG gegen den Bund\nEinordnung betreibungsrechtlicher Verfahren in die ZPO-Systematik.\nZuständigkeitsbestimmung bei Anfechtungsklagen gegen den Fiskus nach bundesrechtlichen Vorgaben.\n\n> «Die Anfechtungsklage gemäss Art. 285 ff. SchKG gegen den Fiskus gehört zu den gerichtlichen Angelegenheiten des SchKG, welche von der ZPO geregelt werden.»\n\n## Spezielle Verfahrensfragen\n\n### Rechtsmittelverfahren und Instanzenzug\n\n**BGE 135 V 443** vom 9. November 2009 — Schiedsgerichte in Krankenversicherungsstreitigkeiten\nAbgrenzung zwischen zivilrechtlichen und sozialversicherungsrechtlichen Verfahren.\nZuständigkeit von Spezialgerichten auch bei ausserhalb der obligatorischen Krankenversicherung liegenden Streitigkeiten.\n\n> «Auch wenn eine Vergütungspflicht im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ausser Betracht fällt, ist das Schiedsgericht in Krankenversicherungsstreitigkeiten nach Art. 89 KVG zuständig für die Beurteilung von Streitigkeiten zwischen Versicherern und Leistungserbringern.»\n\n### Delegation und Verordnungsrecht\n\n**BGE 132 III 470** vom 20. April 2006 — Fusion von Aktiengesellschaften des öffentlichen Rechts\nAnwendung zivilrechtlicher Fusionsbestimmungen auf spezialgesetzliche Aktiengesellschaften.\nGrenzen der Anwendung des Fusionsgesetzes bei öffentlich-rechtlichen Organisationsformen.\n\n> «Die SBB ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft des öffentlichen Rechts und damit kein Rechtsträger im Sinne des Fusionsgesetzes.»\n\n## Neuere Entwicklungen\n\n### Staatsrechtliche Aspekte\n\n**BGE 147 I 183** vom 23. März 2005 — Kantonale Volksinitiative \"Grundrechte für Primaten\"\nGrenzen kantonaler Gesetzgebung bei bundesrechtlich geregelten Materien.\nPrüfung der Vereinbarkeit kantonaler Initiativen mit übergeordnetem Recht.\n\n> «Gründe für die Ungültigerklärung einer kantonalen Volksinitiative im Kanton Basel-Stadt liegen vor, wenn sie sich auf Gebiete erstreckt, die der ausschliesslichen Kompetenz des Bundes unterstehen.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 122 Cst. répartit les compétences entre la Confédération et les cantons en matière de droit civil. La Confédération a la compétence exclusive d'édicter les lois relatives au droit civil (droit des biens, droit des contrats, droit de la famille) et à la procédure civile (procédures judiciaires). Cette compétence fédérale est exhaustive et définitive – il ne reste en principe aucun espace pour un droit civil cantonal selon l'art. 5 CC (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 5). Les cantons sont en revanche compétents pour l'organisation de leurs tribunaux et pour l'administration de la justice en matière civile.\n\nUn exemple : le droit suisse des obligations (CO) règle de manière uniforme dans toute la Suisse les contrats de vente. Si quelqu'un achète une voiture, les mêmes règles s'appliquent à Zurich comme à Genève. Les cantons peuvent toutefois déterminer eux-mêmes quel tribunal est compétent en cas de litiges et comment la procédure judiciaire est organisée. Ils doivent cependant appliquer les règles de procédure du droit fédéral du code de procédure civile (CPC).\n\nLa délimitation des compétences a une importance pratique : si un canton édicte ses propres règles de droit civil, celles-ci sont inconstitutionnelles (**ATF 146 I 70**). Le Tribunal fédéral applique diverses théories pour délimiter le droit public du droit privé, aucune n'ayant a priori la priorité (**ATF 146 I 70** c. 5.2). Il est controversé de savoir si les cantons peuvent dans des cas exceptionnels utiliser des moyens de droit civil à des fins de droit public – l'ancienne jurisprudence (**ATF 73 I 228**) le permettait, tandis que la doctrine récente (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6) le rejette.\n\nLes cantons doivent respecter les prescriptions du droit fédéral lors de l'établissement de leur organisation judiciaire, notamment le double degré de juridiction selon l'art. 75 al. 2 LTF et les règles de compétence du CPC (**ATF 137 III 217**). En matière de juridiction gracieuse (affaires de tutelle), les cantons jouissent d'une plus grande liberté d'aménagement, mais doivent appliquer le CPC lorsque le droit fédéral prescrit lui-même une autorité judiciaire (**ATF 139 III 225**).\n\nCette répartition des compétences garantit un droit civil uniforme dans toute la Suisse tout en préservant la diversité cantonale dans l'organisation judiciaire et l'administration de la justice.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 122 Cst. correspond largement à l'ancien art. 64 aCst., mais étend expressément la compétence de la Confédération au droit de procédure civile. La révision totale de la Constitution fédérale de 1999 a ainsi transposé dans le texte constitutionnel une pratique vécue depuis longtemps. Déjà sous l'ancienne Constitution fédérale, la Confédération avait édicté des règles procédurales fondées sur la compétence en matière de droit civil, notamment dans le domaine du droit des poursuites et de la faillite. Le Message sur une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 précise que la mention explicite du droit de procédure civile a été faite « pour des raisons de clarté et d'exhaustivité » (FF 1997 I 1, 324).\n\n**N. 2** L'ancrage constitutionnel de la compétence de la Confédération en matière de droit de procédure civile a créé la base pour l'unification du droit suisse de procédure civile. Après des travaux préparatoires s'étalant sur des décennies, le Code de procédure civile suisse du 19 décembre 2008 a pu être édicté sur la base de l'art. 122 al. 1 Cst., lequel est entré en vigueur le 1er janvier 2011 et a remplacé les 26 codes de procédure civile cantonaux.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 122 Cst. se trouve dans le 3e titre de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes, dans le 3e chapitre sur la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons. La norme fait partie des dispositions de compétence qui attribuent à la Confédération une compétence législative complète dans un domaine déterminé. À la différence d'autres normes de compétence qui n'accordent à la Confédération que des pouvoirs de réglementation partiels, l'art. 122 Cst. constitue une compétence dite de codification globale.\n\n**N. 4** La position systématique entre les normes de compétence pour le droit pénal (art. 123 Cst.) et les poids et mesures (art. 125 Cst.) souligne l'importance centrale de l'unification du droit dans le domaine du droit privé. → L'art. 42 al. 2 Cst. renvoie à la Constitution fédérale pour la répartition des compétences, → l'art. 49 al. 1 Cst. statue la primauté du droit fédéral. La compétence résiduelle cantonale selon → l'art. 3 Cst. ne vaut que dans la mesure où la Constitution fédérale n'attribue aucune compétence à la Confédération.\n\n**N. 5** L'art. 5 CC concrétise l'ordre constitutionnel des compétences pour le droit civil. Il détermine que le droit cantonal en matières civiles ne s'applique plus que là où le droit civil fédéral habilite les cantons à cet effet. Cette habilitation peut être expresse ou résulter de la nature des choses. → L'art. 6 CC permet aux cantons d'édicter des règles complémentaires de droit public, pour autant que l'esprit du droit civil fédéral ne s'y oppose pas.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Droit civil (al. 1)\n\n**N. 6** La notion de droit civil comprend selon la doctrine dominante et la jurisprudence constante l'ensemble du droit privé, soit les rapports juridiques entre sujets de droit de rang égal. Göksu (BSK BV, art. 122 n. 7) souligne que le droit civil inclut toutes les normes juridiques qui poursuivent des buts typiquement de droit privé et appartiennent traditionnellement au domaine du droit privé. Le Tribunal fédéral applique un pluralisme méthodologique pour délimiter le droit public et le droit privé, aucune théorie de délimitation n'ayant a priori la priorité (**ATF 146 I 70** c. 5.2).\n\n**N. 7** La compétence de codification globale de la Confédération est complète. Göksu (BSK BV, art. 122 n. 5) explique : « Du principe de la codification globale découle qu'il n'y a plus du tout d'espace pour le droit civil cantonal, même pas dans les domaines qui ne sont pas du tout réglementés par le droit fédéral sous l'angle du droit civil. » Cette position s'oppose à l'ancienne jurisprudence du Tribunal fédéral (**ATF 73 I 228**), qui permettait aux cantons sous certaines conditions d'utiliser des moyens de droit civil dans le cadre d'ordres de droit public.\n\n**N. 8** Une partie de la doctrine défend une position moins absolue. Elle soutient qu'avec l'art. 122 Cst., un domaine a certes été attribué de manière complète à la Confédération pour la législation, mais pas exclusivement, ce qui permettrait aux cantons d'édicter leur propre droit civil, pour autant que la Confédération n'ait pas légiféré de manière exhaustive (Göksu, BSK BV, art. 122 n. 6, avec renvoi à des opinions doctrinales divergentes). Cette controverse a une portée pratique lors de l'évaluation de réglementations cantonales avec des effets de droit civil, notamment dans le domaine du droit de la construction ou lors de droits de préemption en faveur de la main publique.\n\n### Droit de procédure civile (al. 1)\n\n**N. 9** Le droit de procédure civile comprend toutes les normes qui règlent la procédure judiciaire en matières civiles. Selon la définition du Message sur le Code de procédure civile suisse, cela inclut notamment les principes de procédure, l'ordre des compétences, les conditions de l'action et des voies de droit, la preuve ainsi que l'exécution des prétentions de droit civil (FF 2006 6841, 6852).\n\n**N. 10** La délimitation entre le droit de procédure civile de droit fédéral et l'organisation judiciaire cantonale se révèle exigeante dans la pratique. Le Tribunal fédéral a précisé dans **ATF 139 III 225** que le CPC ne trouve application directe dans le domaine de la juridiction gracieuse que là où le droit fédéral prescrit lui-même une autorité judiciaire. Dans la mesure où le canton désigne l'autorité compétente, il règle aussi le droit procédural.\n\n### Organisation des tribunaux (al. 2)\n\n**N. 11** L'organisation des tribunaux comprend selon Göksu (BSK BV, art. 122 n. 59-60) la création des tribunaux, leur désignation, leur structuration hiérarchique, leur compétence territoriale ainsi que les exigences pour l'élection des juges. Ces domaines demeurent en principe de compétence cantonale, pour autant que le droit fédéral ne contienne pas de dispositions contraires.\n\n**N. 12** Les restrictions de droit fédéral à l'autonomie organisationnelle cantonale sont multiples. → L'art. 75 al. 2 LTF exige un double degré d'instance cantonal pour l'accès au Tribunal fédéral. Le CPC contient aux art. 3 ss des prescriptions impératives concernant la compétence matérielle et fonctionnelle. Le Tribunal fédéral a confirmé dans **ATF 137 III 217** que de telles prescriptions de droit fédéral sont compatibles avec l'autonomie organisationnelle cantonale.\n\n### Administration de la justice en matières civiles (al. 2)\n\n**N. 13** La compétence des cantons en matière d'administration de la justice signifie que les tribunaux cantonaux sont compétents pour l'application du droit civil matériel et la conduite des procédures de procédure civile. Göksu (BSK BV, art. 122 n. 68) qualifie cette compétence comme étant de nature juridique. Les restrictions résultent de dispositions spéciales de droit fédéral, notamment la compétence du Tribunal fédéral des brevets pour les litiges en matière de brevets ou des tribunaux arbitraux dans le domaine de l'assurance-maladie (**ATF 135 V 443**).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** La compétence législative exclusive de la Confédération en droit civil a pour conséquence que les actes législatifs cantonaux qui règlent le droit civil matériel ou le droit de procédure civile sont inconstitutionnels et donc nuls. Le Tribunal fédéral examine d'office le respect de l'ordre des compétences et abroge les dispositions cantonales contraires aux compétences (**ATF 146 I 70** c. 5).\n\n**N. 15** Pour les cantons résulte de l'art. 122 al. 2 Cst. l'obligation de mettre à disposition une organisation judiciaire fonctionnelle et d'assurer l'administration de la justice en matières civiles. Cette obligation se concrétise dans → l'art. 30 al. 1 Cst. et → l'art. 6 ch. 1 CEDH, qui garantissent le droit à un tribunal indépendant et impartial. Les cantons doivent notamment garantir le double degré d'instance exigé par → l'art. 75 al. 2 LTF.\n\n**N. 16** Les délégations de droit fédéral aux cantons sont admissibles et fréquentes. Ainsi l'art. 4 CPC habilite les cantons à désigner les tribunaux territorialement compétents, l'art. 3 CPC à déterminer les tribunaux matériellement compétents dans le cadre des prescriptions de droit fédéral. De telles délégations doivent toutefois se mouvoir dans le cadre de l'ordre constitutionnel des compétences et ne peuvent pas mettre en danger l'unité du droit matériel.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** La controverse centrale concerne la portée de la codification globale de droit fédéral. Alors que Göksu (BSK BV, art. 122 n. 6) défend la position selon laquelle « ni la jurisprudence (ancienne) du Tribunal fédéral mentionnée ni les conclusions plus étendues dans la doctrine ne se laissent défendre au regard de l'art. 122 Cst. et de l'art. 5 CC », d'autres auteurs maintiennent la possibilité de réglementations cantonales de droit civil avec une finalité de droit public. Ces conceptions différentes ont des conséquences pratiques notamment lors de droits de préemption cantonaux ou de servitudes de droit de la construction.\n\n**N. 18** Un autre point litigieux concerne la méthodologie de délimitation. Fritz Gygi a développé la théorie des domaines qui ne part pas de la distinction entre droit public et droit privé, mais se rattache aux domaines pour lesquels une compétence fédérale est prévue (Göksu, BSK BV, art. 122 n. 41). Göksu critique que cette théorie soit certes adaptée à la norme constitutionnelle, mais échoue dans d'autres cas où il faut distinguer entre droit public et droit privé (BSK BV, art. 122 n. 41).\n\n**N. 19** La portée de l'autonomie procédurale cantonale dans le domaine de la juridiction gracieuse est controversée. Alors que le Tribunal fédéral dans **ATF 139 III 225** accorde aux cantons une large liberté d'aménagement, pour autant que le droit fédéral ne prescrive pas d'autorité judiciaire, une partie de la doctrine plaide pour une application plus extensive du CPC pour garantir l'unité procédurale.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'examen d'actes législatifs cantonaux, il faut d'abord clarifier si ceux-ci règlent le droit civil matériel ou le droit de procédure civile. Ce qui est déterminant n'est pas la désignation formelle ou la classification par le législateur cantonal, mais le contenu matériel de la norme. Les réglementations sur la propriété, la possession, les contrats ou les rapports de droit de la famille tombent régulièrement dans la compétence fédérale, même si elles sont contenues dans une loi cantonale sur le droit public.\n\n**N. 21** Les autorités cantonales doivent respecter les prescriptions impératives de droit fédéral lors de l'aménagement de leur organisation judiciaire. Cela comprend notamment les règles de compétence des art. 3-8 CPC, les prescriptions concernant le double degré d'instance selon l'art. 75 al. 2 LTF ainsi que les dispositions de lois spéciales comme les art. 440 ss CC pour les autorités de protection de l'enfant et de l'adulte. Des marges de manœuvre existent pour la désignation et la structuration hiérarchique des tribunaux ainsi que pour la fixation des compétences territoriales.\n\n**N. 22** Pour la pratique du droit, il est recommandé en cas de questions de compétence d'analyser soigneusement la jurisprudence pertinente du Tribunal fédéral. Le Tribunal fédéral a montré récemment la tendance d'examiner plus strictement les réglementations cantonales avec des effets de droit civil quant à leur compatibilité avec l'art. 122 Cst. (**ATF 146 I 70**). En même temps, il reconnaît encore certaines marges d'aménagement des cantons dans le domaine de l'organisation judiciaire et lors de procédures de juridiction gracieuse (**ATF 139 III 225**).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 122 Cst. règle la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de droit civil et de procédure civile. La jurisprudence concrétise cette délimitation dans trois domaines centraux : la compétence législative fédérale exclusive pour les dispositions matérielles de droit civil et de procédure (al. 1), la compétence cantonale subsistante pour l'organisation judiciaire et la juridiction (al. 2) ainsi que les limites de cette répartition des compétences pour des questions procédurales spécifiques. Le Tribunal fédéral a développé les principes fondamentaux pour la délimitation entre la réglementation procédurale de droit fédéral et l'autonomie organisationnelle cantonale.\n\n**État : décembre 2024**\n\n## Compétence législative fédérale pour le droit civil et la procédure civile\n\n### Réglementation exhaustive par le droit fédéral\n\n**ATF 146 I 70** du 30 avril 2019 — Dispositions communales sur le logement à prix modéré\nConfirmation de la compétence législative fédérale exclusive selon l'art. 122 al. 1 Cst. pour le droit civil. \nL'arrêt concerne la délimitation entre le droit public cantonal et les normes fédérales de droit civil en matière de prescriptions communales sur la construction de logements.\n\n> « Selon l'art. 122 al. 1 Cst., la législation dans le domaine du droit civil relève de la Confédération. Selon l'art. 109 al. 1 Cst., la Confédération est compétente pour édicter des prescriptions contre les abus dans les rapports de bail. »\n\n**ATF 140 III 155** du 10 février 2014 — Compétence exclusive du tribunal de commerce\nRéglementation exhaustive de la compétence ratione materiae pour les litiges de droit commercial par le droit fédéral.\nConfirmation qu'en cas de création d'un tribunal de commerce par le canton, aucune autre réglementation cantonale de compétence n'est admissible.\n\n> « Par l'art. 6 CPC, le législateur fédéral a réglé de manière exhaustive la compétence ratione materiae pour les litiges de droit commercial (art. 6 al. 2 let. a-c CPC) dans le cas où un canton fait usage de la possibilité de créer un tribunal de commerce. Il ne reste pas d'espace pour une réglementation supplémentaire de compétence par le canton. »\n\n### Délimitation avec le droit public cantonal\n\n**ATF 139 III 225** du 25 avril 2013 — Applicabilité du CPC dans la juridiction gracieuse  \nDistinction entre la réglementation procédurale de droit fédéral et la compétence d'autorité cantonale.\nApplication directe du CPC seulement en cas d'autorité judiciaire prescrite par le droit fédéral.\n\n> « Dans le domaine de la juridiction gracieuse, le CPC ne trouve application directe que là où le droit fédéral prescrit lui-même une autorité judiciaire. Dans la mesure où le canton désigne l'autorité compétente, il règle aussi le droit procédural ; s'il déclare le CPC applicable, celui-ci constitue du droit cantonal. »\n\n## Organisation judiciaire cantonale et juridiction\n\n### Limites de l'autonomie organisationnelle cantonale\n\n**ATF 137 III 217** du 11 avril 2011 — Instance unique cantonale de recours en matière de registre du commerce\nConfirmation de la souveraineté organisationnelle cantonale dans le cadre des prescriptions de droit fédéral.\nCompatibilité de l'instance unique de recours avec la norme de délégation de l'art. 929 CO.\n\n> « L'art. 165 al. 2 ORC peut se fonder sur la norme de délégation de l'art. 929 al. 1 CO et est en accord avec le principe de la 'double instance' selon l'art. 75 al. 2 LTF. »\n\n**ATF 142 III 795** du 27 octobre 2016 — Mesures réglées au niveau cantonal dans la protection de l'enfant et de l'adulte\nAttribution des mesures de protection de l'enfant et de l'adulte au recours de droit civil malgré leur caractère de droit public.\nConfirmation de la nature de droit civil en raison de la compétence législative fédérale selon l'art. 122 Cst.\n\n> « On ne peut nier que les dispositions sur la protection de l'enfant et de l'adulte sont fondamentalement à qualifier de droit public. Il est toutefois également reconnu que les normes correspondantes ont été édictées en vertu de la compétence de la Confédération en matière de droit civil (art. 122 Cst.). »\n\n### Droit procédural et compétence cantonale\n\n**ATF 143 III 395** du 12 juin 2017 — Action en contestation selon la LP contre la Confédération\nClassification des procédures de droit des poursuites dans la systématique du CPC.\nDétermination de la compétence pour les actions en contestation contre le fisc selon les prescriptions de droit fédéral.\n\n> « L'action en contestation selon les art. 285 ss LP contre le fisc fait partie des affaires judiciaires de la LP, qui sont réglées par le CPC. »\n\n## Questions procédurales spéciales\n\n### Procédure de recours et instances\n\n**ATF 135 V 443** du 9 novembre 2009 — Tribunaux arbitraux dans les litiges d'assurance-maladie\nDélimitation entre les procédures de droit civil et de droit des assurances sociales.\nCompétence de tribunaux spécialisés même pour les litiges situés en dehors de l'assurance-maladie obligatoire.\n\n> « Même si une obligation de rémunération dans le cadre de l'assurance obligatoire des soins ne peut être prise en considération, le tribunal arbitral en matière de litiges d'assurance-maladie selon l'art. 89 LAMal est compétent pour juger les litiges entre assureurs et fournisseurs de prestations. »\n\n### Délégation et droit réglementaire\n\n**ATF 132 III 470** du 20 avril 2006 — Fusion de sociétés anonymes de droit public\nApplication des dispositions de droit civil sur les fusions aux sociétés anonymes de droit spécial.\nLimites de l'application de la loi sur la fusion pour les formes d'organisation de droit public.\n\n> « Les CFF sont une société anonyme de droit spécial de droit public et ne constituent donc pas un porteur de droits au sens de la loi sur la fusion. »\n\n## Développements récents\n\n### Aspects de droit constitutionnel\n\n**ATF 147 I 183** du 23 mars 2005 — Initiative populaire cantonale « Droits fondamentaux pour les primates »\nLimites de la législation cantonale pour les matières réglées par le droit fédéral.\nExamen de la compatibilité d'initiatives cantonales avec le droit supérieur.\n\n> « Des motifs pour déclarer nulle une initiative populaire cantonale dans le canton de Bâle-Ville existent lorsqu'elle s'étend à des domaines qui relèvent de la compétence exclusive de la Confédération. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 122 Cost. ripartisce le competenze tra Confederazione e Cantoni nel diritto civile. La Confederazione ha la competenza esclusiva di emanare leggi per il diritto civile (diritto di proprietà, diritto dei contratti, diritto di famiglia) e il diritto processuale civile (procedimenti giudiziari). Questa competenza federale è completa ed esclusiva – secondo l'art. 5 CC non rimane in principio spazio per un diritto civile cantonale (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 5). I Cantoni sono invece competenti per l'organizzazione dei loro tribunali e per l'esercizio pratico della giurisdizione in materia civile.\n\nUn esempio: il Codice delle obbligazioni svizzero (CO) disciplina uniformemente su tutto il territorio nazionale i contratti di compravendita. Quando qualcuno acquista un'automobile, si applicano le stesse regole a Zurigo come a Ginevra. I Cantoni possono tuttavia determinare autonomamente quale tribunale è competente in caso di controversie e come è organizzato il procedimento giudiziario. Devono però applicare le regole procedurali federali del Codice di procedura civile (CPC).\n\nLa delimitazione delle competenze ha rilevanza pratica: se un Cantone emana proprie regole di diritto civile, queste sono incostituzionali (**BGE 146 I 70**). Il Tribunale federale applica diverse teorie per la delimitazione tra diritto pubblico e diritto privato, senza che nessuna abbia la precedenza a priori (**BGE 146 I 70** consid. 5.2). È controverso se i Cantoni possano in casi eccezionali utilizzare strumenti di diritto civile per fini di diritto pubblico – la giurisprudenza più risalente (**BGE 73 I 228**) lo permetteva, mentre la dottrina più recente (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6) lo rifiuta.\n\nNell'organizzazione dei loro tribunali i Cantoni devono rispettare le prescrizioni del diritto federale, in particolare il doppio grado di giudizio secondo l'art. 75 cpv. 2 LTF e le regole di competenza del CPC (**BGE 137 III 217**). Nella giurisdizione volontaria (questioni tutorie) i Cantoni hanno maggiore libertà di configurazione, ma devono applicare il CPC quando il diritto federale stesso prescrive un'autorità giudiziaria (**BGE 139 III 225**).\n\nQuesta ripartizione delle competenze garantisce un diritto civile uniforme su tutto il territorio nazionale pur mantenendo la diversità cantonale nell'organizzazione giudiziaria e nella giurisprudenza.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 122 Cost. corrisponde in gran parte al precedente art. 64 aCost., ma estende espressamente la competenza federale al diritto processuale civile. La revisione totale della Costituzione federale del 1999 ha così trasferito nel testo costituzionale una prassi seguita da lungo tempo. Già sotto la vecchia Costituzione federale, la Confederazione aveva emanato regolamentazioni processuali fondate sulla competenza in materia di diritto civile, ad esempio nell'ambito del diritto di esecuzione e fallimento. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilisce che la menzione esplicita del diritto processuale civile è avvenuta «per ragioni di chiarezza e completezza» (FF 1997 I 1, 324).\n\n**N. 2** L'ancoraggio costituzionale della competenza federale in materia di diritto processuale civile ha creato le basi per l'unificazione del diritto processuale civile svizzero. Dopo lavori preparatori durati decenni, fondata sull'art. 122 cpv. 1 Cost., è stata emanata la Procedura civile svizzera del 19 dicembre 2008, entrata in vigore il 1° gennaio 2011 e che ha sostituito le 26 procedure civili cantonali.\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 122 Cost. si trova nel 3° titolo della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni, ivi nel 3° capitolo sulla ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni. La norma appartiene alle disposizioni di competenza che attribuiscono alla Confederazione una competenza legislativa globale in un determinato settore materiale. A differenza di altre norme di competenza che conferiscono alla Confederazione solo facoltà di regolamentazione parziali, l'art. 122 Cost. costituisce una cosiddetta competenza di codificazione globale.\n\n**N. 4** La posizione sistematica tra le norme di competenza per il diritto penale (art. 123 Cost.) e la metrologia (art. 125 Cost.) sottolinea l'importanza centrale dell'unificazione del diritto nel settore del diritto privato. → L'art. 42 cpv. 2 Cost. rinvia alla Costituzione federale per la ripartizione delle competenze, → l'art. 49 cpv. 1 Cost. stabilisce il primato del diritto federale. La competenza residua cantonale secondo → l'art. 3 Cost. vale solo nella misura in cui la Costituzione federale non attribuisce una competenza alla Confederazione.\n\n**N. 5** L'art. 5 CC concretizza l'ordinamento costituzionale delle competenze per il diritto civile. Stabilisce che il diritto cantonale trova applicazione nelle cause civili solo dove il diritto civile federale autorizza i Cantoni a tale scopo. Questa autorizzazione può avvenire espressamente o risultare dalla natura della cosa. → L'art. 6 CC permette ai Cantoni regolamentazioni di diritto pubblico complementari, purché queste non escludano il senso del diritto civile federale.\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Diritto civile (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il concetto di diritto civile comprende secondo la dottrina dominante e la giurisprudenza costante l'intero diritto privato, ossia i rapporti giuridici tra soggetti di diritto parificati. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 7) sottolinea che il diritto civile include tutte le norme giuridiche che perseguono obiettivi tipicamente di diritto privato e appartengono tradizionalmente al settore del diritto privato. Il Tribunale federale applica per la delimitazione tra diritto pubblico e diritto privato un pluralismo metodologico, senza che una singola teoria di delimitazione abbia priorità a priori (**DTF 146 I 70** consid. 5.2).\n\n**N. 7** La competenza di codificazione globale della Confederazione è globale. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 5) espone: «Dal principio della codificazione globale deriva che per il diritto civile cantonale non rimane più alcuno spazio, neppure in settori che non sono stati regolamentati affatto dal diritto federale sotto il profilo del diritto civile.» Questa posizione si contrappone alla giurisprudenza del Tribunale federale più antica (**DTF 73 I 228**), che permetteva ai Cantoni di impiegare, a determinate condizioni, mezzi di diritto civile nel quadro di ordinamenti di diritto pubblico.\n\n**N. 8** Parti della dottrina sostengono una posizione meno assoluta. Argomentano che alla Confederazione con l'art. 122 Cost. è stato sì attribuito globalmente un settore materiale per la legislazione, ma non esclusivamente, il che permetterebbe ai Cantoni di porre proprio diritto civile, purché la Confederazione non abbia legiferato in modo conclusivo (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6, con rinvio a opinioni dottrinali divergenti). Questa controversia è praticamente rilevante nella valutazione di regolamentazioni cantonali con effetti di diritto civile, ad esempio nell'ambito del diritto edilizio o di diritti di prelazione a favore della mano pubblica.\n\n### Diritto processuale civile (cpv. 1)\n\n**N. 9** Il diritto processuale civile comprende tutte le norme che regolano la procedura giudiziaria in materia civile. Secondo la definizione contenuta nel messaggio concernente la Procedura civile svizzera ne fanno parte in particolare i principi procedurali, l'ordinamento delle competenze, i presupposti dell'azione e dei rimedi giuridici, le prove nonché l'esecuzione delle pretese di diritto civile (FF 2006 6841, 6852).\n\n**N. 10** La delimitazione tra diritto processuale civile di diritto federale e organizzazione giudiziaria cantonale si rivela impegnativa nella pratica. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 139 III 225** che la CPC trova applicazione diretta nell'ambito della giurisdizione volontaria solo dove il diritto federale stesso prescrive un'autorità giudiziaria. Nella misura in cui il Cantone designa l'autorità competente, regola anche il diritto procedurale.\n\n### Organizzazione dei tribunali (cpv. 2)\n\n**N. 11** L'organizzazione dei tribunali comprende secondo Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 59-60) la creazione dei tribunali, la loro denominazione, la loro articolazione gerarchica, la loro competenza locale nonché i requisiti per l'elezione dei giudici. Questi settori rimangono in linea di principio di competenza cantonale, nella misura in cui il diritto federale non contiene disposizioni divergenti.\n\n**N. 12** Le limitazioni di diritto federale dell'autonomia organizzativa cantonale sono molteplici. → L'art. 75 cpv. 2 LTF esige un doppio grado cantonale di giurisdizione per l'accesso al Tribunale federale. La CPC contiene negli art. 3 segg. prescrizioni cogenti sulla competenza per materia e funzionale. Il Tribunale federale ha confermato in **DTF 137 III 217** che tali prescrizioni di diritto federale sono compatibili con la sovranità cantonale di organizzazione.\n\n### Giurisdizione in materia civile (cpv. 2)\n\n**N. 13** La competenza giurisdizionale dei Cantoni significa che i tribunali cantonali sono competenti per l'applicazione del diritto civile materiale e lo svolgimento delle procedure di diritto processuale civile. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 68) qualifica questa competenza come natura giuridica. Le limitazioni risultano da disposizioni speciali di diritto federale, ad esempio la competenza del Tribunale federale dei brevetti per le controversie brevettuali o dei tribunali arbitrali nell'ambito dell'assicurazione malattie (**DTF 135 V 443**).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La competenza legislativa esclusiva della Confederazione in materia di diritto civile ha per conseguenza che gli atti legislativi cantonali che regolano il diritto civile materiale o il diritto processuale civile sono incostituzionali e pertanto nulli. Il Tribunale federale esamina d'ufficio il rispetto dell'ordinamento delle competenze e annulla le disposizioni cantonali contrarie alle competenze (**DTF 146 I 70** consid. 5).\n\n**N. 15** Per i Cantoni risulta dall'art. 122 cpv. 2 Cost. l'obbligo di predisporre un'organizzazione giudiziaria funzionante e assicurare la giurisdizione in materia civile. Questo obbligo si concretizza negli → art. 30 cpv. 1 Cost. e → art. 6 n. 1 CEDU, che garantiscono il diritto a un tribunale indipendente e imparziale. I Cantoni devono in particolare garantire il doppio grado di giurisdizione richiesto dall'→ art. 75 cpv. 2 LTF.\n\n**N. 16** Le delegazioni di diritto federale ai Cantoni sono ammissibili e frequenti. Così l'art. 4 CPC autorizza i Cantoni a designare i tribunali competenti per territorio, l'art. 3 CPC a determinare i tribunali competenti per materia entro le prescrizioni di diritto federale. Tali delegazioni devono tuttavia muoversi nel quadro dell'ordinamento costituzionale delle competenze e non possono mettere in pericolo l'unità giuridica materiale.\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 17** La controversia centrale riguarda la portata della codificazione globale di diritto federale. Mentre Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 6) sostiene la posizione che «né la menzionata (vecchia) giurisprudenza del Tribunale federale né le conseguenze più ampie nella dottrina si lasciano sostenere riguardo all'art. 122 Cost. e all'art. 5 CC», altri autori mantengono la possibilità di regolamentazioni cantonali di diritto civile con finalità di diritto pubblico. Queste diverse concezioni hanno conseguenze pratiche ad esempio per i diritti di prelazione cantonali o le servitù di diritto edilizio.\n\n**N. 18** Un altro punto controverso riguarda la metodica di delimitazione. Fritz Gygi ha sviluppato la teoria dei settori materiali, che non parte dalla distinzione tra diritto pubblico e diritto privato, ma si collega ai settori materiali per i quali è prevista una competenza federale (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 41). Göksu critica che questa teoria sia sì tagliata sulla norma costituzionale, ma fallisca in altri casi dove si deve distinguere tra diritto pubblico e diritto privato (BSK BV, Art. 122 N. 41).\n\n**N. 19** La portata dell'autonomia procedurale cantonale nell'ambito della giurisdizione volontaria è controversa. Mentre il Tribunale federale in **DTF 139 III 225** concede ai Cantoni ampia libertà di configurazione, purché il diritto federale non prescriva un'autorità giudiziaria, parti della dottrina propugnano un'applicazione più estensiva della CPC per garantire l'unità procedurale.\n\n## 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 20** Nell'esame di atti legislativi cantonali è da chiarire innanzitutto se questi regolano il diritto civile materiale o il diritto processuale civile. Decisivo non è la denominazione formale o la classificazione da parte del legislatore cantonale, bensì il contenuto materiale della norma. Regolamentazioni su proprietà, possesso, contratti o rapporti di diritto di famiglia rientrano regolarmente nella competenza federale, anche se sono contenute in una legge cantonale sul diritto pubblico.\n\n**N. 21** Le autorità cantonali devono nell'configurazione della loro organizzazione giudiziaria osservare le prescrizioni cogenti di diritto federale. Ne fanno parte in particolare le regole di competenza degli art. 3-8 CPC, le prescrizioni sul doppio grado di giurisdizione secondo l'art. 75 cpv. 2 LTF nonché disposizioni di leggi speciali come gli art. 440 segg. CC per le autorità di protezione dell'adulto e del minore. Margini di manovra esistono nella denominazione e articolazione gerarchica dei tribunali nonché nella fissazione delle competenze locali.\n\n**N. 22** Per la prassi giuridica si raccomanda nelle questioni di competenza un'analisi accurata della giurisprudenza del Tribunale federale pertinente. Il Tribunale federale ha mostrato di recente la tendenza a esaminare più rigorosamente le regolamentazioni cantonali con effetti di diritto civile sulla loro compatibilità con l'art. 122 Cost. (**DTF 146 I 70**). Al contempo riconosce ancora certi margini di configurazione dei Cantoni nell'ambito dell'organizzazione giudiziaria e nelle procedure della giurisdizione volontaria (**DTF 139 III 225**).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Panoramica\n\nL'art. 122 Cost. disciplina la ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni nel diritto civile e nel diritto processuale civile. La giurisprudenza concretizza tale delimitazione in tre ambiti centrali: la competenza legislativa federale esclusiva per le disposizioni materiali del diritto civile e processuali (cpv. 1), la competenza cantonale residua per l'organizzazione giudiziaria e l'amministrazione della giustizia (cpv. 2) nonché i limiti di tale ripartizione delle competenze per questioni processuali specifiche. Il Tribunale federale ha sviluppato i principi fondamentali per la delimitazione tra disciplina processuale di diritto federale e autonomia organizzativa cantonale.\n\n**Stato: dicembre 2024**\n\n## Competenza legislativa federale per il diritto civile e il diritto processuale civile\n\n### Disciplina conclusiva mediante diritto federale\n\n**DTF 146 I 70** del 30 aprile 2019 — Disposizioni comunali su abitazioni a prezzi contenuti\nConferma della competenza legislativa federale esclusiva secondo l'art. 122 cpv. 1 Cost. per il diritto civile. \nLa sentenza riguarda la delimitazione tra diritto pubblico cantonale e norme civilistiche di diritto federale nelle prescrizioni comunali sull'edilizia abitativa.\n\n> «Secondo l'art. 122 cpv. 1 Cost. la legislazione nel campo del diritto civile compete alla Confederazione. Secondo l'art. 109 cpv. 1 Cost. la Confederazione è competente per l'emanazione di prescrizioni contro gli abusi nella locazione.»\n\n**DTF 140 III 155** del 10 febbraio 2014 — Competenza esclusiva del tribunale di commercio\nDisciplina conclusiva della competenza per materia per le controversie di diritto commerciale mediante diritto federale.\nConferma che in caso di creazione di un tribunale di commercio da parte del Cantone non è ammissibile un'ulteriore disciplina cantonale delle competenze.\n\n> «Con l'art. 6 CPC il legislatore federale ha disciplinato in modo conclusivo la competenza per materia per le controversie di diritto commerciale (art. 6 cpv. 2 lett. a-c CPC) nel caso in cui un Cantone abbia fatto uso della possibilità di creare un tribunale di commercio. Non rimane spazio per un'ulteriore disciplina delle competenze da parte del Cantone.»\n\n### Delimitazione rispetto al diritto pubblico cantonale\n\n**DTF 139 III 225** del 25 aprile 2013 — Applicabilità del CPC nella giurisdizione volontaria  \nDistinzione tra disciplina processuale di diritto federale e competenza cantonale per le autorità.\nApplicazione diretta del CPC solo quando il diritto federale prescrive un'autorità giudiziaria.\n\n> «Nell'ambito della giurisdizione volontaria il CPC trova applicazione diretta solo laddove il diritto federale prescrive esso stesso un'autorità giudiziaria. Nella misura in cui il Cantone designa l'autorità competente, disciplina anche il diritto processuale; se dichiara applicabile il CPC, questo rappresenta diritto cantonale.»\n\n## Organizzazione giudiziaria cantonale e amministrazione della giustizia\n\n### Limiti dell'autonomia organizzativa cantonale\n\n**DTF 137 III 217** dell'11 aprile 2011 — Procedura di gravame cantonale a istanza unica nel diritto del registro di commercio\nConferma della sovranità organizzativa cantonale entro i limiti delle prescrizioni di diritto federale.\nCompatibilità della procedura di gravame a istanza unica con la norma di delega nell'art. 929 CO.\n\n> «L'art. 165 cpv. 2 OURC può fondarsi sulla norma di delega dell'art. 929 cpv. 1 CO ed è in accordo con il principio della «double instance» secondo l'art. 75 cpv. 2 LTF.»\n\n**DTF 142 III 795** del 27 ottobre 2016 — Misure disciplinate a livello cantonale nella protezione dei minori e degli adulti\nAttribuzione di misure di protezione dei minori e degli adulti al ricorso di diritto civile nonostante il carattere di diritto pubblico.\nConferma della natura civilistica in base alla competenza legislativa federale secondo l'art. 122 Cost.\n\n> «Non si può negare che le disposizioni sulla protezione dei minori e degli adulti siano fondamentalmente da qualificare come diritto pubblico. È tuttavia altrettanto riconosciuto che le relative norme sono state emanate in base alla competenza della Confederazione per il diritto civile (art. 122 Cost.).»\n\n### Diritto processuale e competenza cantonale\n\n**DTF 143 III 395** del 12 giugno 2017 — Azione revocatoria secondo LEF contro la Confederazione\nClassificazione delle procedure esecutive nel sistema del CPC.\nDeterminazione della competenza nelle azioni revocatorie contro il fisco secondo le prescrizioni di diritto federale.\n\n> «L'azione revocatoria secondo gli art. 285 segg. LEF contro il fisco appartiene alle questioni giudiziarie della LEF disciplinate dal CPC.»\n\n## Questioni processuali speciali\n\n### Procedura di gravame e gradi di giurisdizione\n\n**DTF 135 V 443** del 9 novembre 2009 — Tribunali arbitrali nelle controversie di assicurazione malattie\nDelimitazione tra procedure civilistiche e di diritto delle assicurazioni sociali.\nCompetenza dei tribunali speciali anche per controversie al di fuori dell'assicurazione malattie obbligatoria.\n\n> «Anche quando un obbligo di rimborso nell'ambito dell'assicurazione malattie obbligatoria non entra in considerazione, il tribunale arbitrale nelle controversie di assicurazione malattie secondo l'art. 89 LAMal è competente per il giudizio delle controversie tra assicuratori e fornitori di prestazioni.»\n\n### Delega e diritto d'ordinanza\n\n**DTF 132 III 470** del 20 aprile 2006 — Fusione di società anonime di diritto pubblico\nApplicazione delle disposizioni civilistiche sulla fusione alle società anonime speciali.\nLimiti dell'applicazione della legge sulle fusioni per forme organizzative di diritto pubblico.\n\n> «Le FFS sono una società anonima speciale di diritto pubblico e quindi non un soggetto giuridico nel senso della legge sulle fusioni.»\n\n## Sviluppi recenti\n\n### Aspetti di diritto costituzionale\n\n**DTF 147 I 183** del 23 marzo 2005 — Iniziativa popolare cantonale «Diritti fondamentali per i primati»\nLimiti della legislazione cantonale in materie disciplinate dal diritto federale.\nEsame della compatibilità di iniziative cantonali con il diritto superiore.\n\n> «Sussistono motivi per dichiarare nulla un'iniziativa popolare cantonale nel Cantone Basilea Città quando si estende ad ambiti che sottostanno alla competenza esclusiva della Confederazione.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 122 FC allocates competences between the Confederation and the cantons in civil law. The Confederation has exclusive competence to enact laws on civil law (property law, contract law, family law) and civil procedure law (judicial proceedings). This federal competence is comprehensive and conclusive – in principle, no room remains for cantonal civil law under Art. 5 CC (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 5). The cantons, on the other hand, are responsible for organising their courts and for the practical administration of justice in civil matters.\n\nAn example: Swiss law of obligations (CO) regulates purchase contracts uniformly throughout Switzerland. When someone buys a car, the same rules apply in Zurich as in Geneva. However, the cantons may themselves determine which court has jurisdiction in disputes and how court proceedings are organised. They must, however, apply the federal procedural rules of the Code of Civil Procedure (CCP).\n\nThe allocation of competences has practical significance: If a canton enacts its own civil law rules, these are unconstitutional (**BGE 146 I 70**). The Federal Supreme Court applies various theories to distinguish between public law and private law, with no theory having a priori priority (**BGE 146 I 70** E. 5.2). It is disputed whether cantons may in exceptional cases use civil law instruments for public law purposes – older case law (**BGE 73 I 228**) permitted this, while more recent doctrine (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6) rejects it.\n\nWhen establishing their court organisation, the cantons must observe federal law requirements, particularly the double degree of jurisdiction under Art. 75 para. 2 FSCA and the jurisdictional rules of the CCP (**BGE 137 III 217**). In voluntary jurisdiction (guardianship matters), the cantons have greater discretion, but must apply the CCP when federal law itself prescribes a judicial authority (**BGE 139 III 225**).\n\nThis allocation of competences ensures uniform civil law throughout Switzerland while allowing for cantonal diversity in court organisation and judicial practice.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 122 BV corresponds largely to the former Art. 64 old Const., but expressly extends the federal competence to civil procedure law. The total revision of the Federal Constitution of 1999 thus incorporated into the constitutional text a practice that had been established for a long time. Already under the old Federal Constitution, the Confederation had enacted procedural regulations based on the civil law competence, for example in the field of debt collection and bankruptcy law. The Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 states that the explicit mention of civil procedure law was made «for the sake of clarity and completeness» (BBl 1997 I 1, 324).\n\n**N. 2** The constitutional anchoring of the Confederation's civil procedure law competence created the foundation for the unification of Swiss civil procedure law. After decades of preparatory work, the Swiss Code of Civil Procedure of 19 December 2008 could be enacted based on Art. 122 para. 1 BV, which entered into force on 1 January 2011 and replaced the 26 cantonal civil procedure codes.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 122 BV is found in Title 3 of the Federal Constitution on Confederation, Cantons and Municipalities, there in Chapter 3 on the division of tasks between the Confederation and the Cantons. The provision belongs to the competence provisions that assign the Confederation comprehensive legislative jurisdiction over a specific subject area. In contrast to other competence provisions that grant the Confederation only partial regulatory powers, Art. 122 BV involves a so-called complete codification competence.\n\n**N. 4** The systematic position between the competence provisions for criminal law (Art. 123 BV) and the law on metrology (Art. 125 BV) underscores the central importance of legal unification in the private law sector. → Art. 42 para. 2 BV refers to the Federal Constitution for the division of competences, → Art. 49 para. 1 BV establishes the primacy of federal law. The residual cantonal competence according to → Art. 3 BV only applies insofar as the Federal Constitution does not assign jurisdiction to the Confederation.\n\n**N. 5** Art. 5 CC concretises the constitutional competence order for civil law. It provides that cantonal law in civil matters only applies where federal civil law authorises the cantons to do so. This authorisation can be express or result from the nature of the matter. → Art. 6 CC enables the cantons to enact supplementary public law regulations, provided these are not excluded by the purpose of federal civil law.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### Civil Law (Para. 1)\n\n**N. 6** The concept of civil law encompasses, according to prevailing doctrine and consistent case law, the entire private law, i.e., legal relationships between equal legal subjects. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 7) emphasises that civil law includes all legal norms that pursue typically private law objectives and traditionally belong to the private law domain. The Federal Supreme Court applies methodological pluralism to distinguish between public law and private law, whereby no single theory of distinction has a priori precedence (**BGE 146 I 70** para. 5.2).\n\n**N. 7** The Confederation's complete codification competence is comprehensive. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 5) states: «From the principle of complete codification it follows that there is no room left for cantonal civil law at all, not even in areas that are not regulated by federal law from a civil law perspective.» This position contrasts with older Federal Supreme Court case law (**BGE 73 I 228**), which permitted the cantons under certain conditions to use civil law means within the framework of public law orders.\n\n**N. 8** Parts of the doctrine take a less absolute position. They argue that while Art. 122 BV assigns a subject area comprehensively to the Confederation for legislation, it does not do so exclusively, which allows the cantons to enact their own civil law, provided the Confederation has not legislated conclusively (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 6, with reference to dissenting doctrinal opinions). This controversy is practically significant in assessing cantonal regulations with civil law effects, for example in the area of building law or pre-emption rights in favour of public authorities.\n\n### Civil Procedure Law (Para. 1)\n\n**N. 9** Civil procedure law encompasses all norms that regulate judicial proceedings in civil matters. According to the definition in the Federal Council Message on the Swiss Code of Civil Procedure, this includes in particular the principles of procedure, the system of jurisdiction, the requirements for actions and appeals, evidence, and the enforcement of civil law claims (BBl 2006 7221, 7232).\n\n**N. 10** The distinction between federal civil procedure law and cantonal court organisation proves challenging in practice. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 139 III 225** that the CPC only applies directly in the area of voluntary jurisdiction where federal law itself prescribes a judicial authority. Insofar as the canton designates the competent authority, it also regulates procedural law.\n\n### Organisation of Courts (Para. 2)\n\n**N. 11** The organisation of courts encompasses, according to Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 59-60), the creation of courts, their designation, their hierarchical structure, their territorial jurisdiction, as well as the requirements for the election of judges. These areas remain principally within cantonal competence, insofar as federal law contains no deviating provisions.\n\n**N. 12** The federal law restrictions on cantonal organisational autonomy are manifold. → Art. 75 para. 2 FSCA requires a double cantonal instance procedure for access to the Federal Supreme Court. The CPC contains mandatory requirements for subject-matter and functional jurisdiction in Art. 3 ff. The Federal Supreme Court confirmed in **BGE 137 III 217** that such federal law requirements are compatible with cantonal organisational sovereignty.\n\n### Administration of Justice in Civil Matters (Para. 2)\n\n**N. 13** The cantonal competence for the administration of justice means that the cantonal courts are responsible for applying substantive civil law and conducting civil procedural proceedings. Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 68) characterises this competence as a legal nature. The restrictions result from special federal law provisions, such as the jurisdiction of the Federal Patent Court for patent disputes or arbitration tribunals in the health insurance sector (**BGE 135 V 443**).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** The exclusive legislative competence of the Confederation in civil law has the consequence that cantonal enactments that regulate substantive civil law or civil procedure law are unconstitutional and thus void. The Federal Supreme Court examines compliance with the competence order ex officio and annuls cantonal provisions that exceed competence (**BGE 146 I 70** para. 5).\n\n**N. 15** For the cantons, Art. 122 para. 2 BV creates the obligation to provide a functioning court organisation and ensure the administration of justice in civil matters. This obligation is concretised in → Art. 30 para. 1 BV and → Art. 6 No. 1 ECHR, which guarantee the right to an independent and impartial court. The cantons must in particular ensure the double instance procedure required by → Art. 75 para. 2 FSCA.\n\n**N. 16** Federal law delegations to the cantons are permissible and frequent. Thus Art. 4 CPC authorises the cantons to designate the territorially competent courts, Art. 3 CPC to determine the subject-matter competent courts within the federal law requirements. Such delegations must, however, remain within the framework of the constitutional competence order and may not endanger substantive legal unity.\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 17** The central controversy concerns the scope of federal complete codification. While Göksu (BSK BV, Art. 122 N. 6) takes the position that «neither the mentioned (old) Federal Supreme Court case law nor the further-reaching conclusions in doctrine can be defended with regard to Art. 122 BV and Art. 5 CC», other authors maintain the possibility of cantonal civil law regulations with public law purposes. These different views have practical consequences, for example with cantonal pre-emption rights or building law easements.\n\n**N. 18** Another point of controversy concerns the delimitation methodology. Fritz Gygi developed the subject area theory, which does not start from the distinction between public law and private law, but connects to the subject areas for which federal competence is provided (Göksu, BSK BV, Art. 122 N. 41). Göksu criticises that while this theory is tailored to the constitutional provision, it fails in other cases where a distinction must be made between public law and private law (BSK BV, Art. 122 N. 41).\n\n**N. 19** The scope of cantonal procedural autonomy in the area of voluntary jurisdiction is disputed. While the Federal Supreme Court in **BGE 139 III 225** grants the cantons extensive design freedom, provided federal law does not prescribe a judicial authority, parts of the doctrine advocate for more extensive application of the CPC to ensure procedural unity.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 20** When examining cantonal enactments, it must first be clarified whether these regulate substantive civil law or civil procedure law. What is decisive is not the formal designation or classification by the cantonal legislator, but the material content of the provision. Regulations on ownership, possession, contracts, or family law relationships regularly fall within federal competence, even if they are contained in a cantonal law on public law.\n\n**N. 21** Cantonal authorities must observe the mandatory federal law requirements when designing their court organisation. These include in particular the jurisdiction rules of Art. 3-8 CPC, the requirements for double instance procedure according to Art. 75 para. 2 FSCA, as well as special statutory provisions such as Art. 440 f. CC for the child and adult protection authorities. Scope exists in the designation and hierarchical structure of courts as well as in determining territorial jurisdictions.\n\n**N. 22** For legal practice, careful analysis of the relevant Federal Supreme Court case law is recommended for competence questions. The Federal Supreme Court has shown a tendency in recent times to examine cantonal regulations with civil law effects more strictly for their compatibility with Art. 122 BV (**BGE 146 I 70**). At the same time, it continues to recognise certain design scope for the cantons in the area of court organisation and in voluntary jurisdiction proceedings (**BGE 139 III 225**).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Overview\n\nArt. 122 BV regulates the distribution of powers between the Confederation and the cantons in civil law and civil procedural law. Case law has clarified this division in three core areas: the exclusive federal legislative competence for substantive civil law and procedural provisions (para. 1), the cantonal competence that remains for court organisation and adjudication (para. 2), as well as the limits of this division of competences in specific procedural matters. The Federal Supreme Court has thereby developed the fundamental principles for the delimitation between federal procedural regulation and cantonal organisational autonomy.\n\n**Status: December 2024**\n\n## Federal Legislative Competence for Civil Law and Civil Procedural Law\n\n### Comprehensive Regulation by Federal Law\n\n**BGE 146 I 70** of 30 April 2019 — Municipal provisions on affordable housing\nConfirmation of the exclusive federal legislative competence under Art. 122 para. 1 BV for civil law.\nJudgment concerns the delimitation between cantonal public law and federal civil law norms in municipal housing construction regulations.\n\n> «According to Art. 122 para. 1 BV, legislation in the field of civil law is a matter for the Confederation. According to Art. 109 para. 1 BV, the Confederation is competent to enact provisions against abuses in tenancy law.»\n\n**BGE 140 III 155** of 10 February 2014 — Exclusive jurisdiction of the commercial court\nComprehensive regulation of subject-matter jurisdiction for commercial disputes by federal law.\nConfirmation that when a canton creates a commercial court, no further cantonal jurisdiction regulation is permissible.\n\n> «With Art. 6 CCP, the federal legislator has comprehensively regulated subject-matter jurisdiction for commercial disputes (Art. 6 para. 2 lit. a-c CCP) in the event that a canton has made use of the possibility to create a commercial court. There is no room for further jurisdiction regulation by the canton.»\n\n### Delimitation from Cantonal Public Law\n\n**BGE 139 III 225** of 25 April 2013 — Applicability of the CCP in voluntary jurisdiction\nDistinction between federal procedural regulation and cantonal authority competence.\nDirect application of the CCP only where federal law prescribes a judicial authority.\n\n> «In the area of voluntary jurisdiction, the CCP finds direct application only where federal law itself prescribes a judicial authority. Insofar as the canton designates the competent authority, it also regulates procedural law; if it declares the CCP applicable, this constitutes cantonal law.»\n\n## Cantonal Court Organisation and Adjudication\n\n### Limits of Cantonal Organisational Autonomy\n\n**BGE 137 III 217** of 11 April 2011 — Single-instance cantonal appeal procedure in commercial register law\nConfirmation of cantonal organisational sovereignty within federal law requirements.\nCompatibility of single-instance appeal procedure with the delegation norm in Art. 929 CO.\n\n> «Art. 165 para. 2 CRO can rely on the delegation norm of Art. 929 para. 1 CO and is in accordance with the principle of 'double instance' according to Art. 75 para. 2 SCA.»\n\n**BGE 142 III 795** of 27 October 2016 — Cantonally regulated measures in child and adult protection\nAssignment of child and adult protection measures to civil law appeal despite their public law character.\nConfirmation of the civil law nature based on federal legislative competence under Art. 122 BV.\n\n> «It cannot be denied that the provisions on child and adult protection are basically to be designated as public law. Equally recognised, however, is that the corresponding norms were enacted based on the Confederation's civil law competence (Art. 122 BV).»\n\n### Procedural Law and Cantonal Competence\n\n**BGE 143 III 395** of 12 June 2017 — Action for annulment under DEBA against the Confederation\nClassification of debt enforcement procedures in the CCP system.\nDetermination of jurisdiction in actions for annulment against the treasury according to federal law requirements.\n\n> «The action for annulment according to Art. 285 ff. DEBA against the treasury belongs to the judicial matters of the DEBA, which are regulated by the CCP.»\n\n## Special Procedural Questions\n\n### Appeal Procedures and Instance Hierarchy\n\n**BGE 135 V 443** of 9 November 2009 — Arbitration tribunals in health insurance disputes\nDelimitation between civil law and social insurance law procedures.\nCompetence of specialised courts also in disputes outside mandatory health insurance.\n\n> «Even if an obligation to pay benefits within the framework of mandatory health insurance is out of consideration, the arbitration tribunal for health insurance disputes according to Art. 89 HIA is competent for judging disputes between insurers and service providers.»\n\n### Delegation and Ordinance Law\n\n**BGE 132 III 470** of 20 April 2006 — Merger of public law corporations\nApplication of civil law merger provisions to special statutory corporations.\nLimits of application of the Merger Act to public law organisational forms.\n\n> «The SBB is a special statutory corporation under public law and thus not a legal entity within the meaning of the Merger Act.»\n\n## Recent Developments\n\n### Constitutional Law Aspects\n\n**BGE 147 I 183** of 23 March 2005 — Cantonal popular initiative \"Fundamental rights for primates\"\nLimits of cantonal legislation in matters regulated by federal law.\nReview of the compatibility of cantonal initiatives with superior law.\n\n> «Grounds for declaring a cantonal popular initiative in the Canton of Basel-Stadt invalid exist if it extends to areas that fall under the exclusive competence of the Confederation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_122", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 123, "article_suffix": "", "title": "Strafrecht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 123 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 123 BV regelt die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Strafrecht. Der Bund ist zuständig für die Gesetzgebung — er erlässt das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung (StPO). Diese gelten einheitlich in der ganzen Schweiz.\n\nDie Kantone organisieren die Gerichte und führen die Strafverfahren durch. Sie bauen Gefängnisse und vollziehen die Strafen. Der Bund kann Geld für neue Anstalten und Verbesserungen im Strafvollzug geben.\n\n**Beispiel aus der Praxis**: Ein Diebstahl wird nach Bundesrecht bestraft (Art. 139 StGB). Das Verfahren läuft nach der StPO ab. Die Anklage erhebt aber die Staatsanwaltschaft des Kantons, wo der Diebstahl passierte. Das kantonale Gericht spricht das Urteil. Die Strafe wird in einem kantonalen Gefängnis verbüsst.\n\nDie Kantone können nur noch Übertretungen bestrafen, die das Bundesrecht nicht regelt (Art. 335 StGB). So bestraft beispielsweise Appenzell Ausserrhoden das Nacktwandern als Verletzung von Sitte und Anstand. Das ist erlaubt, weil das Bundesrecht diese Handlung nicht erfasst.\n\nPolizeiarbeit vor einer Straftat bleibt kantonal geregelt. Sobald aber ein konkreter Tatverdacht besteht, gilt die StPO. Die Polizei kann also nach kantonalem Recht Demonstrationen überwachen. Bei einer Sachbeschädigung muss sie aber nach der StPO ermitteln.\n\nDiese Aufteilung bewährt sich seit 150 Jahren. Der Bund sorgt für einheitliche Regeln. Die Kantone passen den Vollzug an örtliche Bedürfnisse an. Drei grosse Vollzugskonkordate koordinieren heute die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen.", "doctrine_de": "# Art. 123 BV\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Strafrecht geht auf die Bundesverfassung von 1874 zurück. Art. 64 aBV übertrug dem Bund die Gesetzgebung über das Strafrecht, wobei die Organisation der Gerichte und das Strafverfahren bei den Kantonen verblieben (BBl 1997 I 1, 370). Die Totalrevision von 1999 übernahm diese Grundkonzeption in Art. 123 BV, erweiterte aber die Bundeskompetenz auf das Strafprozessrecht und präzisierte die Befugnisse im Straf- und Massnahmenvollzug (BBl 1997 I 372).\n\n**N. 2** Die Erweiterung auf das Strafprozessrecht erfolgte im Hinblick auf die angestrebte Vereinheitlichung des Strafverfahrens. Die Verfassungsrevision schuf damit die Grundlage für die spätere Schweizerische Strafprozessordnung von 2007 (BBl 1997 I 372). Für den Vollzugsbereich wurde bewusst eine flexible Lösung gewählt: Grundsätzliche Kantonszuständigkeit mit punktueller Bundeskompetenz nach Abs. 3.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 123 BV ist die zentrale Kompetenznorm für das Strafrecht im Gefüge der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (Art. 42-135 BV). Sie steht in engem Zusammenhang mit → Art. 122 BV (Zivilrecht) und bildet das Gegenstück zur kantonalen Restkompetenz nach → Art. 3 BV.\n\n**N. 4** Die Norm interagiert mit weiteren Verfassungsbestimmungen: → Art. 31 BV (Freiheitsentzug) und → Art. 32 BV (Strafverfahren) setzen materielle Schranken. Die Justiziabilität strafrechtlicher Normen ergibt sich aus → Art. 191 BV i.V.m. → Art. 191a-191c BV über die Bundesstrafrechtspflege. Für die internationale Zusammenarbeit in Strafsachen gilt → Art. 54 BV.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Gesetzgebung auf dem Gebiet des Strafrechts (Abs. 1)**: Umfasst das Kernstrafrecht (StGB) und das Nebenstrafrecht des Bundes. Die Bundeskompe­tenz erstreckt sich nur auf strafrechtlichen Schutz von Verwaltungsvorschriften mit Bundesgrundlage (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 8). Den Kantonen verbleibt das Übertretungsstrafrecht nach Art. 335 StGB (**BGE 138 IV 13** E. 5.1).\n\n**N. 6** **Gesetzgebung auf dem Gebiet des Strafprozessrechts (Abs. 1)**: Seit 2011 durch die StPO umfassend bundesrechtlich geregelt. Die Abgrenzung zur kantonalen Polizeikompetenz erfolgt nach dem Kriterium des Tatverdachts: Präventive Polizeitätigkeit ohne konkreten Tatverdacht bleibt kantonal (**BGE 140 I 353** E. 4.2).\n\n**N. 7** **Organisation der Gerichte (Abs. 2)**: Kantone bestimmen Gerichtsaufbau, Zuständigkeiten und Verfahrensabläufe innerhalb der bundesrechtlichen Vorgaben. Die StPO setzt nur Mindeststandards (Art. 14 ff. StPO). Dies umfasst auch Anforderungen an Sachverständige über das Bundesrecht hinaus (**BGE 140 IV 49** E. 2.3).\n\n**N. 8** **Rechtsprechung in Strafsachen (Abs. 2)**: Die Strafgerichtsbarkeit verbleibt bei den Kantonen (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 17), ausser für Bundesstrafgerichtsbarkeit nach Art. 23 ff. StPO. Kantonale Gerichte wenden Bundesstrafrecht an, sind aber kantonal organisiert.\n\n**N. 9** **Straf- und Massnahmenvollzug (Abs. 2 und 3)**: Duale Kompetenz — Kantone führen den Vollzug durch, der Bund kann Rahmenvorschriften erlassen. Die Vollzugskonkordate (Nordwest- und Innerschweiz, Ostschweiz, Lateinische Schweiz) koordinieren interkantonale Standards (Baechtold/Weber/Hostettler, Strafvollzug, 3. Aufl. 2016, § 2 N. 14).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die Bundeskompetenz nach Abs. 1 ist umfassend und abschliessend. Kantonales Strafrecht ausserhalb von Art. 335 StGB ist unzulässig. Die Strafprozessordnung gilt einheitlich in allen Kantonen und verdrängt abweichendes kantonales Recht (Art. 457 StPO).\n\n**N. 11** Kantone müssen Strafgerichte einrichten und den Vollzug organisieren. Sie tragen die Kosten (Art. 422 ff. StPO) vorbehaltlich der Bundesbeiträge nach Abs. 3. Die interkantonale Zusammenarbeit erfolgt über öffentlich-rechtliche Verträge nach → Art. 48 BV.\n\n**N. 12** Bundesbeiträge nach Abs. 3 setzen entsprechende Gesetzgebung voraus. Das EJPD kann gestützt auf Art. 377 ff. StGB Beiträge für Anstalten, Vollzugsverbesserungen und Jugendmassnahmen gewähren (BJ-Verordnung über Bundesbeiträge für den Straf- und Massnahmenvollzug).\n\n### Streitstände\n\n**N. 13** **Umfang der Bundesvollzugskompetenz**: Die herrschende Lehre versteht die Kompetenz nach Abs. 3 extensiv — der Bund könne einen vollständigen Systemwechsel zu einheitlichem Bundesvollzugsrecht vornehmen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1113a; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 2963). Göksu vertritt demgegenüber eine restriktive Auslegung: Abs. 3 erlaube nur punktuelle Eingriffe, die durch überwiegende Bundesinteressen gerechtfertigt sein müssten (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 22).\n\n**N. 14** **Abgrenzung Polizeirecht/Strafprozessrecht**: Streitig ist, wo präventiv-polizeiliches Handeln endet und strafprozessuales beginnt. Niggli/Heer/Wiprächtiger (BSK StPO, Einl. N. 45) ziehen die Grenze beim konkreten Tatverdacht. Riklin (StPO Kommentar, 2. Aufl. 2014, Vorbem. N. 28) plädiert für ein funktionales Verständnis: Massnahmen mit Strafverfolgungszweck seien stets der StPO zuzuordnen. Das Bundesgericht folgt dem Tatverdachtskriterium (**BGE 140 I 353** E. 4.2).\n\n**N. 15** **Reichweite kantonaler Organisationsautonomie**: Umstritten ist, wie weit bundesrechtliche Vorgaben die kantonale Gerichtsorganisation determinieren dürfen. Lienhard/Kettiger (Justiz zwischen Management und Rechtsstaat, 2016, 184) betonen die verfassungsrechtlich garantierte Organisationshoheit. Kiener (in: Verfassungsrecht der Schweiz, § 47 N. 34) sieht diese durch zwingende Verfahrensgarantien begrenzt.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Schaffung kantonalen Übertretungsstrafrechts ist Art. 335 StGB zu beachten: Nur soweit keine bundesrechtliche Regelung besteht. Die Abgrenzung erfolgt nach dem geschützten Rechtsgut (Stratenwerth/Wohlers, AT I, § 3 N. 23).\n\n**N. 17** Kantonale Polizeigesetze dürfen präventive Massnahmen ohne Tatverdacht regeln. Sobald ein konkreter Verdacht vorliegt, gilt zwingend die StPO. Verweisungen auf StPO-Bestimmungen sind zulässig (**BGE 140 I 353** E. 4.4).\n\n**N. 18** Im Vollzugsbereich empfiehlt sich der Anschluss an ein Konkordat. Die Mindestanforderungen ergeben sich aus Art. 74 ff. StGB und müssen eingehalten werden (**BGE 139 I 180** E. 2.3). Für die elektronische Überwachung gelten Art. 79b StGB und die VOSTRA-Verordnung.", "caselaw_de": "# Art. 123 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kantonale Gesetzgebungskompetenz im Übertretungsstrafrecht\n\n**BGE 138 IV 13** vom 17. November 2011  \nGrobe Verletzung von Sitte und Anstand in der Öffentlichkeit (Art. 19 des Strafrechts des Kantons Appenzell A.Rh.), «Nacktwandern».  \nZentrale Entscheidung zur Abgrenzung zwischen Bundes- und Kantonskompetenzen im Strafrecht.  \n\n> «Die Gesetzgebung auf dem Gebiet des Strafrechts und des Strafprozessrechts ist Sache des Bundes (Art. 123 Abs. 1 BV). Den Kantonen bleibt die Gesetzgebung über das Übertretungsstrafrecht insoweit vorbehalten, als es nicht Gegenstand der Bundesgesetzgebung ist (Art. 335 Abs. 1 StGB).»\n\n### Präventive Polizeitätigkeit vs. Strafprozessrecht\n\n**BGE 140 I 353** vom 1. Oktober 2014  \nPolizeigesetz des Kantons Zürich; verdeckte Vorermittlung, Chatroom-Überwachung.  \nUnterscheidung zwischen kantonaler Polizeikompetenz und bundesrechtlichem Strafprozessrecht.\n\n> «Zuständigkeit der Kantone zur Regelung der präventiven Polizeitätigkeit, die nicht an einen Tatverdacht anknüpft und sich nicht auf die Strafprozessordnung des Bundes stützt. [...] Die kantonale Bestimmung (§ 32e PolG/ZH) bezieht sich auf schwere Delikte im Sinne von Art. 286 Abs. 2 StPO. Für die Durchführung wird auf die Art. 151 und 287-298 StPO verwiesen.»\n\n### Kantonale Zuständigkeit im Straf- und Massnahmenvollzug\n\n**BGE 139 I 180** vom 18. Juli 2013  \nArbeitspflicht im Straf- und Massnahmenvollzug; unabhängig vom Alter des Gefangenen.  \nGrundsätzliche Bestätigung der kantonalen Vollzugskompetenz nach Art. 123 Abs. 2 BV.\n\n> «Gemäss Art. 123 Abs. 2 BV sind die Kantone für den Straf- und Massnahmenvollzug zuständig, soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht. Während die Grundzüge in Art. 74-92 StGB geregelt sind, hat die kantonale Gesetzgebung diese Grundsätze umzusetzen.»\n\n**BGE 140 IV 49** vom 13. Februar 2014  \nArt. 20 und 56 Abs. 3 StGB; sachverständige Person im Strafverfahren.  \nKantonale Befugnis zur Festlegung weitergehender Anforderungen an Sachverständige.\n\n> «Das kantonale Recht kann weitergehende Bestimmungen vorsehen (z.B. forensische Weiterbildung). [...] Die Vorinstanz erwägt, die Kantone seien befugt, Anforderungen an Sachverständige bzw. gerichtliche Gutachter festzulegen.»\n\n### Polizeirecht im Konkordat\n\n**BGE 140 I 2** vom 1. Januar 2014  \nKonkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen; abstrakte Normenkontrolle.  \nBestätigung der kantonalen Polizeikompetenz neben dem Strafrecht.\n\n> «Das Konkordat stellt spezifisches Polizeirecht dar. Es ist auf die besondere Erscheinung der Gewalt an Sportveranstaltungen ausgerichtet. [...] Als besonderes Polizeirecht steht das Konkordat neben dem allgemeinen Polizeirecht, das unabhängig vom Konkordat zur Anwendung gelangt.»\n\n### Bundesrechtliche Grenzen der Kantonskompetenzen\n\n**BGE 137 I 31** vom 13. Oktober 2010  \nKonkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen.  \nVerhältnismässigkeit als Grenze kantonaler Polizeimassnahmen.\n\n> «Die Massnahmen nach dem Konkordat (Rayonverbot, Meldeauflage, polizeilicher Gewahrsam) sind beschränkt auf gewalttätiges Verhalten, das in einem konkreten Zusammenhang mit der Sportveranstaltung und der Anhängerschaft bei einer der Mannschaften steht.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 144 IV 240** vom 14. Juni 2018  \nArt. 104 Abs. 2 StPO; weitere Behörde, der Parteirechte eingeräumt werden können.  \nAbgrenzung der prozessrechtlichen Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen.\n\n> «Der Begriff der Behörde nach Art. 104 Abs. 2 StPO ist grundsätzlich in einem eingeschränkten Sinn zu verstehen. Nicht massgebend ist, ob die Organisation öffentlichrechtlich oder privatrechtlich organisiert ist.»\n\n### Jüngere Entwicklungen\n\n**Urteil 6B_1033/2019** vom 4. Dezember 2019  \nMassnahmen nach StGB; kantonale Umsetzung.  \nBestätigung der fortdauernden Kantonskompetenzen unter neuem Strafrecht.\n\n**Urteil 6B_1015/2019** vom 4. Dezember 2019  \nStrafvollzug; kantonale Organisationshoheit.  \nAktuelle Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Bundesvorgaben und kantonaler Autonomie.\n\n**BGE 147 IV 433** vom 18. August 2021  \nTragweite der kantonalen Zuständigkeit für «Streitigkeiten betreffend den Justizvollzug».  \nJüngste Präzisierung der Kompetenzverteilung im Vollzugsbereich.\n\n> «Die Zuständigkeit des Einzelrichters erfasst nicht auch die Überprüfung der Aufhebung einer stationären therapeutischen Massnahme wegen Aussichtslosigkeit nach Art. 62c Abs. 1 lit. a StGB.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 123 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### Genèse\n\n**N. 1** L'actuelle répartition des compétences entre la Confédération et les cantons en matière de droit pénal remonte à la Constitution fédérale de 1874. L'art. 64 aCst. transférait à la Confédération la législation sur le droit pénal, tandis que l'organisation des tribunaux et la procédure pénale demeuraient du ressort des cantons (FF 1997 I 1, 370). La révision totale de 1999 a repris cette conception fondamentale dans l'art. 123 Cst., mais a étendu la compétence fédérale au droit de procédure pénale et précisé les pouvoirs en matière d'exécution des peines et des mesures (FF 1997 I 372).\n\n**N. 2** L'extension au droit de procédure pénale s'est faite en vue de l'unification souhaitée de la procédure pénale. La révision constitutionnelle a ainsi créé les bases du futur Code de procédure pénale suisse de 2007 (FF 1997 I 372). Pour le domaine de l'exécution, une solution flexible a été délibérément choisie : compétence cantonale de principe avec compétence fédérale ponctuelle selon l'al. 3.\n\n### Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 123 Cst. est la norme de compétence centrale pour le droit pénal dans le cadre de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (art. 42-135 Cst.). Il est étroitement lié à → l'art. 122 Cst. (droit civil) et constitue le pendant de la compétence résiduelle cantonale selon → l'art. 3 Cst.\n\n**N. 4** La norme interagit avec d'autres dispositions constitutionnelles : → l'art. 31 Cst. (privation de liberté) et → l'art. 32 Cst. (procédure pénale) fixent des limites matérielles. La justiciabilité des normes pénales résulte de → l'art. 191 Cst. en relation avec → les art. 191a-191c Cst. sur la juridiction pénale fédérale. Pour la coopération internationale en matière pénale s'applique → l'art. 54 Cst.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Législation en matière de droit pénal (al. 1)** : Comprend le droit pénal de base (CP) et le droit pénal accessoire de la Confédération. La compétence fédérale ne s'étend qu'à la protection pénale de prescriptions administratives ayant un fondement fédéral (Göksu, BSK BV, art. 123 n. 8). Il reste aux cantons le droit pénal des contraventions selon l'art. 335 CP (**ATF 138 IV 13** consid. 5.1).\n\n**N. 6** **Législation en matière de droit de procédure pénale (al. 1)** : Depuis 2011, réglementée de manière exhaustive par le droit fédéral à travers le CPP. La délimitation avec la compétence policière cantonale s'effectue selon le critère du soupçon d'infraction : l'activité policière préventive sans soupçon concret d'infraction demeure cantonale (**ATF 140 I 353** consid. 4.2).\n\n**N. 7** **Organisation des tribunaux (al. 2)** : Les cantons déterminent la structure judiciaire, les compétences et le déroulement des procédures dans le cadre des prescriptions de droit fédéral. Le CPP ne fixe que des standards minimaux (art. 14 ss CPP). Cela inclut également des exigences concernant les experts qui vont au-delà du droit fédéral (**ATF 140 IV 49** consid. 2.3).\n\n**N. 8** **Administration de la justice en matière pénale (al. 2)** : La juridiction pénale demeure du ressort des cantons (Göksu, BSK BV, art. 123 n. 17), sauf pour la juridiction pénale fédérale selon les art. 23 ss CPP. Les tribunaux cantonaux appliquent le droit pénal fédéral, mais sont organisés de manière cantonale.\n\n**N. 9** **Exécution des peines et des mesures (al. 2 et 3)** : Compétence duale — les cantons exécutent, la Confédération peut édicter des prescriptions-cadres. Les concordats d'exécution (Nord-Ouest et Suisse centrale, Suisse orientale, Suisse latine) coordonnent les standards intercantonaux (Baechtold/Weber/Hostettler, Strafvollzug, 3e éd. 2016, § 2 n. 14).\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 10** La compétence fédérale selon l'al. 1 est exhaustive et exclusive. Le droit pénal cantonal en dehors de l'art. 335 CP est inadmissible. Le Code de procédure pénale s'applique uniformément dans tous les cantons et supplante le droit cantonal dérogatoire (art. 457 CPP).\n\n**N. 11** Les cantons doivent instituer des tribunaux pénaux et organiser l'exécution. Ils supportent les coûts (art. 422 ss CPP) sous réserve des contributions fédérales selon l'al. 3. La coopération intercantonale s'effectue par des contrats de droit public selon → l'art. 48 Cst.\n\n**N. 12** Les contributions fédérales selon l'al. 3 présupposent une législation correspondante. Le DFJP peut, en se fondant sur les art. 377 ss CP, accorder des contributions pour les établissements, les améliorations d'exécution et les mesures pour les jeunes (Ordonnance de l'OFJ sur les contributions fédérales pour l'exécution des peines et des mesures).\n\n### Points controversés\n\n**N. 13** **Étendue de la compétence fédérale d'exécution** : La doctrine dominante entend la compétence selon l'al. 3 de manière extensive — la Confédération pourrait procéder à un changement de système complet vers un droit fédéral d'exécution uniforme (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, n. 1113a ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n. 2963). Göksu défend en revanche une interprétation restrictive : l'al. 3 ne permettrait que des interventions ponctuelles qui devraient être justifiées par des intérêts fédéraux prépondérants (Göksu, BSK BV, art. 123 n. 22).\n\n**N. 14** **Délimitation droit de police/droit de procédure pénale** : Il est controversé de savoir où finit l'action préventive-policière et où commence l'action de procédure pénale. Niggli/Heer/Wiprächtiger (BSK StPO, Introd. n. 45) tracent la limite au soupçon concret d'infraction. Riklin (StPO Kommentar, 2e éd. 2014, Rem. prél. n. 28) plaide pour une compréhension fonctionnelle : les mesures ayant un but de poursuite pénale seraient toujours à attribuer au CPP. Le Tribunal fédéral suit le critère du soupçon d'infraction (**ATF 140 I 353** consid. 4.2).\n\n**N. 15** **Portée de l'autonomie d'organisation cantonale** : Il est contesté de savoir jusqu'où les prescriptions de droit fédéral peuvent déterminer l'organisation judiciaire cantonale. Lienhard/Kettiger (Justiz zwischen Management und Rechtsstaat, 2016, 184) soulignent la souveraineté d'organisation garantie par la Constitution. Kiener (in : Verfassungsrecht der Schweiz, § 47 n. 34) la voit limitée par les garanties procédurales impératives.\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 16** Lors de la création de droit pénal cantonal des contraventions, il faut observer l'art. 335 CP : seulement dans la mesure où aucune réglementation de droit fédéral n'existe. La délimitation s'effectue selon le bien juridique protégé (Stratenwerth/Wohlers, AT I, § 3 n. 23).\n\n**N. 17** Les lois cantonales de police peuvent réglementer les mesures préventives sans soupçon d'infraction. Dès qu'un soupçon concret existe, le CPP s'applique impérativement. Les renvois aux dispositions du CPP sont admissibles (**ATF 140 I 353** consid. 4.4).\n\n**N. 18** Dans le domaine de l'exécution, l'adhésion à un concordat est recommandée. Les exigences minimales résultent des art. 74 ss CP et doivent être respectées (**ATF 139 I 180** consid. 2.3). Pour la surveillance électronique s'appliquent l'art. 79b CP et l'ordonnance VOSTRA.", "caselaw_fr": "# Art. 123 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Compétence législative cantonale en matière de droit pénal des contraventions\n\n**ATF 138 IV 13** du 17 novembre 2011  \nViolation grave de la morale et de la bienséance publiques (art. 19 du droit pénal du canton d'Appenzell Rh.-Ext.), « randonnée nudiste ».  \nDécision centrale sur la délimitation entre compétences fédérales et cantonales en droit pénal.  \n\n> « La législation dans le domaine du droit pénal et de la procédure pénale est du ressort de la Confédération (art. 123 al. 1 Cst.). La législation sur le droit pénal des contraventions demeure réservée aux cantons dans la mesure où elle ne fait pas l'objet de la législation fédérale (art. 335 al. 1 CP). »\n\n### Activité policière préventive vs. droit de procédure pénale\n\n**ATF 140 I 353** du 1er octobre 2014  \nLoi sur la police du canton de Zurich ; enquête secrète préliminaire, surveillance de salon de discussion.  \nDistinction entre compétence policière cantonale et droit de procédure pénale fédéral.\n\n> « Compétence des cantons pour réglementer l'activité policière préventive, qui ne s'attache pas à un soupçon d'infraction et ne se fonde pas sur le code de procédure pénale de la Confédération. [...] La disposition cantonale (§ 32e PolG/ZH) se rapporte aux infractions graves au sens de l'art. 286 al. 2 CPP. Pour l'exécution, il est renvoyé aux art. 151 et 287-298 CPP. »\n\n### Compétence cantonale en matière d'exécution des peines et mesures\n\n**ATF 139 I 180** du 18 juillet 2013  \nObligation de travailler dans l'exécution des peines et mesures ; indépendamment de l'âge du détenu.  \nConfirmation de principe de la compétence cantonale d'exécution selon l'art. 123 al. 2 Cst.\n\n> « Selon l'art. 123 al. 2 Cst., les cantons sont compétents pour l'exécution des peines et mesures, sauf disposition contraire de la loi. Alors que les principes fondamentaux sont réglés aux art. 74-92 CP, la législation cantonale doit mettre en œuvre ces principes. »\n\n**ATF 140 IV 49** du 13 février 2014  \nArt. 20 et 56 al. 3 CP ; personne experte dans la procédure pénale.  \nCompétence cantonale de fixer des exigences plus strictes concernant les experts.\n\n> « Le droit cantonal peut prévoir des dispositions plus strictes (p. ex. formation continue en médecine légale). [...] L'instance précédente considère que les cantons sont habilités à fixer des exigences concernant les experts ou les experts judiciaires. »\n\n### Droit de police dans le concordat\n\n**ATF 140 I 2** du 1er janvier 2014  \nConcordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives ; contrôle abstrait des normes.  \nConfirmation de la compétence policière cantonale à côté du droit pénal.\n\n> « Le concordat constitue un droit de police spécifique. Il est orienté sur le phénomène particulier de la violence lors de manifestations sportives. [...] En tant que droit de police particulier, le concordat s'ajoute au droit de police général, qui s'applique indépendamment du concordat. »\n\n### Limites de droit fédéral des compétences cantonales\n\n**ATF 137 I 31** du 13 octobre 2010  \nConcordat sur les mesures contre la violence lors de manifestations sportives.  \nLa proportionnalité comme limite des mesures de police cantonales.\n\n> « Les mesures selon le concordat (interdiction de périmètre, obligation de se présenter, détention policière) sont limitées aux comportements violents qui sont en relation concrète avec la manifestation sportive et la base de supporters de l'une des équipes. »\n\n### Aspects de droit procédural\n\n**ATF 144 IV 240** du 14 juin 2018  \nArt. 104 al. 2 CPP ; autre autorité à laquelle des droits de partie peuvent être accordés.  \nDélimitation des compétences de droit procédural entre Confédération et cantons.\n\n> « La notion d'autorité selon l'art. 104 al. 2 CPP doit en principe être comprise dans un sens restreint. Il n'importe pas que l'organisation soit de droit public ou de droit privé. »\n\n### Développements récents\n\n**Arrêt 6B_1033/2019** du 4 décembre 2019  \nMesures selon le CP ; mise en œuvre cantonale.  \nConfirmation des compétences cantonales durables sous le nouveau droit pénal.\n\n**Arrêt 6B_1015/2019** du 4 décembre 2019  \nExécution des peines ; souveraineté organisationnelle cantonale.  \nJurisprudence actuelle sur la délimitation entre prescriptions fédérales et autonomie cantonale.\n\n**ATF 147 IV 433** du 18 août 2021  \nPortée de la compétence cantonale pour « les litiges concernant l'exécution judiciaire ».  \nPrécision la plus récente de la répartition des compétences dans le domaine de l'exécution.\n\n> « La compétence du juge unique ne comprend pas non plus l'examen de la levée d'une mesure thérapeutique stationnaire pour absence de perspectives selon l'art. 62c al. 1 let. a CP. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 123 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### Genesi storica\n\n**N. 1** L'attuale ripartizione di competenze tra Confederazione e Cantoni nel diritto penale risale alla Costituzione federale del 1874. L'art. 64 Cost. precedente trasferiva alla Confederazione la legislazione sul diritto penale, mentre l'organizzazione dei tribunali e la procedura penale rimanevano di competenza cantonale (FF 1997 I 1, 331). La revisione totale del 1999 riprese questa concezione di base nell'art. 123 Cost., ma estese la competenza federale al diritto processuale penale e precisò le competenze nell'esecuzione delle pene e delle misure (FF 1997 I 333).\n\n**N. 2** L'estensione al diritto processuale penale avvenne in vista dell'unificazione auspicata della procedura penale. La revisione costituzionale creò così le basi per il successivo Codice di diritto processuale penale svizzero del 2007 (FF 1997 I 333). Per l'ambito dell'esecuzione fu scelta consapevolmente una soluzione flessibile: competenza cantonale di principio con competenza federale puntuale secondo il capoverso 3.\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 123 Cost. è la norma di competenza centrale per il diritto penale nel sistema di ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (art. 42-135 Cost.). È strettamente collegato all'→ art. 122 Cost. (diritto civile) e costituisce il pendant alla competenza residuale cantonale secondo l'→ art. 3 Cost.\n\n**N. 4** La norma interagisce con ulteriori disposizioni costituzionali: l'→ art. 31 Cost. (privazione della libertà) e l'→ art. 32 Cost. (procedura penale) pongono limiti materiali. La giustiziabilità delle norme penali risulta dall'→ art. 191 Cost. in relazione agli → art. 191a-191c Cost. sulla giurisdizione penale federale. Per la cooperazione internazionale in materia penale vale l'→ art. 54 Cost.\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Legislazione nel campo del diritto penale (cpv. 1)**: Comprende il diritto penale nucleare (CP) e il diritto penale accessorio della Confederazione. La competenza federale si estende solo alla protezione penale di prescrizioni amministrative con base federale (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 8). Ai Cantoni rimane il diritto penale contravvenzionale secondo l'art. 335 CP (**DTF 138 IV 13** consid. 5.1).\n\n**N. 6** **Legislazione nel campo del diritto processuale penale (cpv. 1)**: Dal 2011 disciplinato in modo completo dal diritto federale attraverso la CPP. La delimitazione dalla competenza di polizia cantonale avviene secondo il criterio del sospetto di reato: l'attività di polizia preventiva senza concreto sospetto di reato rimane cantonale (**DTF 140 I 353** consid. 4.2).\n\n**N. 7** **Organizzazione dei tribunali (cpv. 2)**: I Cantoni determinano la struttura giudiziaria, le competenze e lo svolgimento delle procedure nell'ambito delle prescrizioni del diritto federale. La CPP pone solo standard minimi (art. 14 segg. CPP). Ciò comprende anche requisiti per i periti oltre il diritto federale (**DTF 140 IV 49** consid. 2.3).\n\n**N. 8** **Giurisdizione in materia penale (cpv. 2)**: La giurisdizione penale rimane presso i Cantoni (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 17), eccetto per la giurisdizione penale federale secondo gli art. 23 segg. CPP. I tribunali cantonali applicano il diritto penale federale, ma sono organizzati cantonalmente.\n\n**N. 9** **Esecuzione delle pene e delle misure (cpv. 2 e 3)**: Competenza duale — i Cantoni eseguono l'esecuzione, la Confederazione può emanare prescrizioni quadro. I concordati di esecuzione (Svizzera nordoccidentale e centrale, Svizzera orientale, Svizzera latina) coordinano standard intercantonali (Baechtold/Weber/Hostettler, Strafvollzug, 3a ed. 2016, § 2 N. 14).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La competenza federale secondo il capoverso 1 è completa ed esclusiva. Il diritto penale cantonale al di fuori dell'art. 335 CP è inammissibile. Il codice di procedura penale vale uniformemente in tutti i Cantoni e sostituisce il diritto cantonale divergente (art. 457 CPP).\n\n**N. 11** I Cantoni devono istituire tribunali penali e organizzare l'esecuzione. Essi sostengono i costi (art. 422 segg. CPP) sotto riserva dei contributi federali secondo il capoverso 3. La cooperazione intercantonale avviene attraverso contratti di diritto pubblico secondo l'→ art. 48 Cost.\n\n**N. 12** I contributi federali secondo il capoverso 3 presuppongono una legislazione corrispondente. Il DFGP può accordare contributi per stabilimenti, miglioramenti dell'esecuzione e misure per giovani basandosi sugli art. 377 segg. CP (Ordinanza UFG sui contributi federali per l'esecuzione delle pene e delle misure).\n\n### Controversie\n\n**N. 13** **Portata della competenza federale di esecuzione**: La dottrina dominante intende la competenza secondo il capoverso 3 in modo estensivo — la Confederazione potrebbe operare un cambiamento completo del sistema verso un diritto federale uniforme di esecuzione (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1113a; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 2963). Göksu rappresenta al contrario un'interpretazione restrittiva: il capoverso 3 permetterebbe solo interventi puntuali, che dovrebbero essere giustificati da interessi federali preponderanti (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 22).\n\n**N. 14** **Delimitazione diritto di polizia/diritto processuale penale**: È controverso dove finisca l'azione di polizia preventiva e inizi quella processuale penale. Niggli/Heer/Wiprächtiger (BSK StPO, Einl. N. 45) tracciano la linea al sospetto concreto di reato. Riklin (StPO Kommentar, 2a ed. 2014, Prem. N. 28) propende per una concezione funzionale: le misure con scopo di perseguimento penale sarebbero sempre da attribuire alla CPP. Il Tribunale federale segue il criterio del sospetto di reato (**DTF 140 I 353** consid. 4.2).\n\n**N. 15** **Portata dell'autonomia organizzativa cantonale**: È controverso fino a che punto le prescrizioni del diritto federale possano determinare l'organizzazione giudiziaria cantonale. Lienhard/Kettiger (Justiz zwischen Management und Rechtsstaat, 2016, 184) sottolineano la sovranità organizzativa garantita costituzionalmente. Kiener (in: Verfassungsrecht der Schweiz, § 47 N. 34) la vede limitata da garanzie procedurali cogenti.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella creazione del diritto penale contravvenzionale cantonale va osservato l'art. 335 CP: solo nella misura in cui non esiste una disciplina del diritto federale. La delimitazione avviene secondo il bene giuridico protetto (Stratenwerth/Wohlers, AT I, § 3 N. 23).\n\n**N. 17** Le leggi cantonali di polizia possono disciplinare misure preventive senza sospetto di reato. Non appena sussiste un sospetto concreto, vale imperativamente la CPP. I rinvii a disposizioni della CPP sono ammissibili (**DTF 140 I 353** consid. 4.4).\n\n**N. 18** Nell'ambito dell'esecuzione si raccomanda l'adesione a un concordato. I requisiti minimi risultano dagli art. 74 segg. CP e devono essere rispettati (**DTF 139 I 180** consid. 2.3). Per la sorveglianza elettronica valgono l'art. 79b CP e l'ordinanza VOSTRA.", "caselaw_it": "# Art. 123 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Competenza legislativa cantonale nel diritto penale delle contravvenzioni\n\n**DTF 138 IV 13** del 17 novembre 2011  \nGrave violazione del buon costume e della decenza pubblica (art. 19 del diritto penale del Cantone Appenzello Esterno), «escursionismo nudo».  \nDecisione centrale sulla delimitazione tra competenze federali e cantonali nel diritto penale.  \n\n> «La legislazione nel campo del diritto penale e del diritto processuale penale compete alla Confederazione (art. 123 cpv. 1 Cost.). Ai Cantoni è riservata la legislazione nel campo del diritto penale delle contravvenzioni, nella misura in cui non è oggetto della legislazione federale (art. 335 cpv. 1 CP).»\n\n### Attività di polizia preventiva vs. diritto processuale penale\n\n**DTF 140 I 353** del 1° ottobre 2014  \nLegge sulla polizia del Cantone Zurigo; inchieste preliminari coperte, sorveglianza di chatroom.  \nDistinzione tra competenza di polizia cantonale e diritto processuale penale federale.\n\n> «Competenza dei Cantoni per la regolamentazione dell'attività di polizia preventiva, che non si aggancia a un sospetto di reato e non si basa sul Codice di procedura penale della Confederazione. [...] La disposizione cantonale (§ 32e PolG/ZH) si riferisce a reati gravi ai sensi dell'art. 286 cpv. 2 CPP. Per l'esecuzione si fa riferimento agli art. 151 e 287-298 CPP.»\n\n### Competenza cantonale nell'esecuzione delle pene e delle misure\n\n**DTF 139 I 180** del 18 luglio 2013  \nObbligo di lavoro nell'esecuzione delle pene e delle misure; indipendentemente dall'età del detenuto.  \nConferma di principio della competenza cantonale nell'esecuzione secondo l'art. 123 cpv. 2 Cost.\n\n> «Secondo l'art. 123 cpv. 2 Cost. i Cantoni sono competenti per l'esecuzione delle pene e delle misure, salvo che la legge non disponga altrimenti. Mentre i principi fondamentali sono disciplinati negli art. 74-92 CP, la legislazione cantonale deve attuare questi principi.»\n\n**DTF 140 IV 49** del 13 febbraio 2014  \nArt. 20 e 56 cpv. 3 CP; persona competente nel procedimento penale.  \nFacoltà cantonale di stabilire requisiti più rigorosi per i periti.\n\n> «Il diritto cantonale può prevedere disposizioni più rigorose (p. es. formazione continua forense). [...] L'istanza precedente considera che i Cantoni sono autorizzati a stabilire requisiti per i periti rispettivamente i periti giudiziari.»\n\n### Diritto di polizia nel concordato\n\n**DTF 140 I 2** del 1° gennaio 2014  \nConcordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive; controllo astratto delle norme.  \nConferma della competenza di polizia cantonale accanto al diritto penale.\n\n> «Il concordato rappresenta diritto di polizia specifico. È orientato al fenomeno particolare della violenza alle manifestazioni sportive. [...] Come diritto di polizia speciale, il concordato si pone accanto al diritto di polizia generale, che trova applicazione indipendentemente dal concordato.»\n\n### Limiti di diritto federale delle competenze cantonali\n\n**DTF 137 I 31** del 13 ottobre 2010  \nConcordato sulle misure contro la violenza in occasione di manifestazioni sportive.  \nProporzionalità come limite delle misure di polizia cantonali.\n\n> «Le misure secondo il concordato (divieto di zona, obbligo di presentarsi, fermo di polizia) sono limitate al comportamento violento che sta in un rapporto concreto con la manifestazione sportiva e i tifosi di una delle squadre.»\n\n### Aspetti di diritto processuale\n\n**DTF 144 IV 240** del 14 giugno 2018  \nArt. 104 cpv. 2 CPP; altra autorità alla quale possono essere accordati diritti di parte.  \nDelimitazione delle competenze processuali tra Confederazione e Cantoni.\n\n> «Il concetto di autorità secondo l'art. 104 cpv. 2 CPP deve essere inteso fondamentalmente in senso ristretto. Non è determinante se l'organizzazione è strutturata secondo il diritto pubblico o privato.»\n\n### Sviluppi recenti\n\n**Sentenza 6B_1033/2019** del 4 dicembre 2019  \nMisure secondo CP; attuazione cantonale.  \nConferma delle competenze cantonali perduranti sotto il nuovo diritto penale.\n\n**Sentenza 6B_1015/2019** del 4 dicembre 2019  \nEsecuzione delle pene; sovranità organizzativa cantonale.  \nGiurisprudenza attuale sulla delimitazione tra prescrizioni federali e autonomia cantonale.\n\n**DTF 147 IV 433** del 18 agosto 2021  \nPortata della competenza cantonale per le «controversie concernenti l'esecuzione giudiziaria».  \nPiù recente precisazione della ripartizione delle competenze nell'ambito dell'esecuzione.\n\n> «La competenza del giudice unico non comprende anche la verifica della revoca di una misura terapeutica stazionaria per mancanza di prospettive secondo l'art. 62c cpv. 1 lett. a CP.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 123 BV\n\n## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** The current division of powers between the Confederation and the cantons in criminal law goes back to the Federal Constitution of 1874. Art. 64 old BV transferred criminal law legislation to the Confederation, while the organisation of courts and criminal procedure remained with the cantons (BBl 1997 I 1, 370). The total revision of 1999 adopted this basic concept in Art. 123 BV, but extended federal jurisdiction to criminal procedural law and clarified powers in the enforcement of sentences and measures (BBl 1997 I 372).\n\n**N. 2** The extension to criminal procedural law was made with a view to the desired unification of criminal procedure. The constitutional revision thus created the basis for the later Swiss Criminal Procedure Code of 2007 (BBl 1997 I 372). For the enforcement area, a flexible solution was deliberately chosen: cantonal jurisdiction in principle with selective federal jurisdiction under para. 3.\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 123 BV is the central jurisdictional norm for criminal law in the structure of the division of tasks between the Confederation and the cantons (Art. 42-135 BV). It is closely related to → Art. 122 BV (civil law) and forms the counterpart to the residual cantonal jurisdiction under → Art. 3 BV.\n\n**N. 4** The norm interacts with further constitutional provisions: → Art. 31 BV (deprivation of liberty) and → Art. 32 BV (criminal proceedings) set material limits. The justiciability of criminal law norms follows from → Art. 191 BV in conjunction with → Art. 191a-191c BV on federal criminal justice. For international cooperation in criminal matters, → Art. 54 BV applies.\n\n### Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Legislation in the field of criminal law (para. 1)**: Comprises core criminal law (Criminal Code) and federal ancillary criminal law. Federal jurisdiction extends only to criminal law protection of administrative provisions with a federal basis (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 8). The cantons retain misdemeanour criminal law under Art. 335 Criminal Code (**BGE 138 IV 13** E. 5.1).\n\n**N. 6** **Legislation in the field of criminal procedural law (para. 1)**: Comprehensively regulated by federal law since 2011 through the Criminal Procedure Code. The delimitation from cantonal police jurisdiction is made according to the criterion of suspicion of an offence: preventive police activity without concrete suspicion of an offence remains cantonal (**BGE 140 I 353** E. 4.2).\n\n**N. 7** **Organisation of courts (para. 2)**: Cantons determine court structure, jurisdiction and procedural processes within federal legal requirements. The Criminal Procedure Code only sets minimum standards (Art. 14 ff. Criminal Procedure Code). This also includes requirements for expert witnesses beyond federal law (**BGE 140 IV 49** E. 2.3).\n\n**N. 8** **Adjudication in criminal matters (para. 2)**: Criminal jurisdiction remains with the cantons (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 17), except for federal criminal jurisdiction under Art. 23 ff. Criminal Procedure Code. Cantonal courts apply federal criminal law but are organised on a cantonal basis.\n\n**N. 9** **Enforcement of sentences and measures (para. 2 and 3)**: Dual jurisdiction — cantons carry out enforcement, the Confederation may issue framework regulations. The enforcement concordats (Northwest and Central Switzerland, Eastern Switzerland, Latin Switzerland) coordinate intercantonal standards (Baechtold/Weber/Hostettler, Strafvollzug, 3rd ed. 2016, § 2 N. 14).\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 10** The federal jurisdiction under para. 1 is comprehensive and conclusive. Cantonal criminal law outside of Art. 335 Criminal Code is inadmissible. The Criminal Procedure Code applies uniformly in all cantons and supersedes deviating cantonal law (Art. 457 Criminal Procedure Code).\n\n**N. 11** Cantons must establish criminal courts and organise enforcement. They bear the costs (Art. 422 ff. Criminal Procedure Code) subject to federal contributions under para. 3. Intercantonal cooperation takes place through public law agreements under → Art. 48 BV.\n\n**N. 12** Federal contributions under para. 3 require corresponding legislation. The FDJP may grant contributions for institutions, enforcement improvements and juvenile measures based on Art. 377 ff. Criminal Code (FOJ Ordinance on Federal Contributions for the Enforcement of Sentences and Measures).\n\n### Points of Dispute\n\n**N. 13** **Scope of federal enforcement jurisdiction**: The prevailing doctrine understands the jurisdiction under para. 3 extensively — the Confederation could undertake a complete system change to uniform federal enforcement law (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1113a; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N 2963). Göksu argues for a restrictive interpretation: para. 3 only permits selective interventions that must be justified by overriding federal interests (Göksu, BSK BV, Art. 123 N. 22).\n\n**N. 14** **Delimitation police law/criminal procedural law**: It is disputed where preventive police action ends and criminal procedural action begins. Niggli/Heer/Wiprächtiger (BSK StPO, Einl. N. 45) draw the line at concrete suspicion of an offence. Riklin (StPO Kommentar, 2nd ed. 2014, Vorbem. N. 28) advocates for a functional understanding: measures with the purpose of criminal prosecution should always be assigned to the Criminal Procedure Code. The Federal Supreme Court follows the suspicion criterion (**BGE 140 I 353** E. 4.2).\n\n**N. 15** **Scope of cantonal organisational autonomy**: It is disputed how far federal legal requirements may determine cantonal court organisation. Lienhard/Kettiger (Justiz zwischen Management und Rechtsstaat, 2016, 184) emphasise the constitutionally guaranteed organisational sovereignty. Kiener (in: Verfassungsrecht der Schweiz, § 47 N. 34) sees this limited by mandatory procedural guarantees.\n\n### Practice Notes\n\n**N. 16** When creating cantonal misdemeanour criminal law, Art. 335 Criminal Code must be observed: only insofar as no federal legal regulation exists. The delimitation is made according to the protected legal interest (Stratenwerth/Wohlers, AT I, § 3 N. 23).\n\n**N. 17** Cantonal police laws may regulate preventive measures without suspicion of an offence. As soon as concrete suspicion exists, the Criminal Procedure Code applies mandatorily. References to Criminal Procedure Code provisions are permissible (**BGE 140 I 353** E. 4.4).\n\n**N. 18** In the enforcement area, it is recommended to join a concordat. The minimum requirements follow from Art. 74 ff. Criminal Code and must be complied with (**BGE 139 I 180** E. 2.3). For electronic monitoring, Art. 79b Criminal Code and the VOSTRA Ordinance apply.", "caselaw_en": "# Art. 123 BV\n\n## Case Law\n\n### Cantonal Legislative Competence in Minor Offences Criminal Law\n\n**BGE 138 IV 13** of 17 November 2011  \nGross violation of morals and decency in public (Art. 19 of the Criminal Law of the Canton of Appenzell A.Rh.), \"naked hiking\".  \nCentral decision on the delimitation between federal and cantonal competences in criminal law.  \n\n> «Legislation in the field of criminal law and criminal procedure law is a matter for the Confederation (Art. 123 para. 1 Cst.). The cantons retain legislative competence over minor offences criminal law insofar as it is not the subject of federal legislation (Art. 335 para. 1 SCC).»\n\n### Preventive Police Activity vs. Criminal Procedure Law\n\n**BGE 140 I 353** of 1 October 2014  \nPolice Act of the Canton of Zurich; covert preliminary investigation, chatroom surveillance.  \nDistinction between cantonal police competence and federal criminal procedure law.\n\n> «Competence of the cantons to regulate preventive police activity that is not linked to a suspicion of an offence and is not based on the Confederation's Criminal Procedure Code. [...] The cantonal provision (§ 32e PolG/ZH) refers to serious offences within the meaning of Art. 286 para. 2 CPC. For implementation, reference is made to Arts. 151 and 287-298 CPC.»\n\n### Cantonal Competence in Criminal and Therapeutic Measure Enforcement\n\n**BGE 139 I 180** of 18 July 2013  \nWork obligation in criminal and therapeutic measure enforcement; independent of the prisoner's age.  \nFundamental confirmation of cantonal enforcement competence under Art. 123 para. 2 Cst.\n\n> «According to Art. 123 para. 2 Cst., the cantons are responsible for the enforcement of criminal penalties and therapeutic measures, unless the law provides otherwise. While the basic principles are regulated in Arts. 74-92 SCC, cantonal legislation must implement these principles.»\n\n**BGE 140 IV 49** of 13 February 2014  \nArts. 20 and 56 para. 3 SCC; expert person in criminal proceedings.  \nCantonal authority to establish more extensive requirements for experts.\n\n> «Cantonal law may provide for more extensive provisions (e.g. forensic continuing education). [...] The lower instance considers that the cantons are authorised to establish requirements for experts or court experts.»\n\n### Police Law in Concordat\n\n**BGE 140 I 2** of 1 January 2014  \nConcordat on measures against violence at sporting events; abstract judicial review.  \nConfirmation of cantonal police competence alongside criminal law.\n\n> «The concordat constitutes specific police law. It is aimed at the particular phenomenon of violence at sporting events. [...] As special police law, the concordat stands alongside general police law, which applies independently of the concordat.»\n\n### Federal Legal Limits on Cantonal Competences\n\n**BGE 137 I 31** of 13 October 2010  \nConcordat on measures against violence at sporting events.  \nProportionality as a limit on cantonal police measures.\n\n> «The measures under the concordat (area ban, reporting requirement, police custody) are limited to violent behaviour that is concretely connected with the sporting event and the supporters of one of the teams.»\n\n### Procedural Legal Aspects\n\n**BGE 144 IV 240** of 14 June 2018  \nArt. 104 para. 2 CPC; other authority that may be granted party rights.  \nDelimitation of procedural competences between the Confederation and the cantons.\n\n> «The concept of authority under Art. 104 para. 2 CPC is to be understood in a restricted sense. It is not decisive whether the organisation is organised under public or private law.»\n\n### Recent Developments\n\n**Judgment 6B_1033/2019** of 4 December 2019  \nMeasures under SCC; cantonal implementation.  \nConfirmation of continuing cantonal competences under new criminal law.\n\n**Judgment 6B_1015/2019** of 4 December 2019  \nCriminal enforcement; cantonal organisational sovereignty.  \nCurrent case law on the delimitation between federal requirements and cantonal autonomy.\n\n**BGE 147 IV 433** of 18 August 2021  \nScope of cantonal competence for \"disputes concerning the enforcement of justice\".  \nLatest clarification of the distribution of competences in the enforcement area.\n\n> «The competence of the single judge does not also cover the review of the revocation of an institutional therapeutic measure due to hopelessness under Art. 62c para. 1 lit. a SCC.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_123", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 123, "article_suffix": "a", "title": "Art. 123a BV", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 123a BV — Übersicht\n\nArt. 123a BV ordnet die lebenslängliche Verwahrung für extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter an. Die Bestimmung entstand aus der Volksinitiative «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter», die 2004 angenommen wurde (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**Was regelt die Norm?** Die Verfassung schreibt vor, dass bestimmte Straftäter bis zu ihrem Lebensende verwahrt werden müssen. Dies gilt für Personen, die ein Gewalt- oder Sexualdelikt begangen haben und als «dauerhaft nicht therapierbar» eingestuft werden. Das Bundesgericht versteht darunter eine lebenslängliche Untherapierbarkeit (**BGE 140 IV 1 E. 3**).\n\n**Wer ist betroffen?** Die Regelung betrifft Sexual- und Gewaltstraftäter, deren Gefährlichkeit extrem hoch ist. Zwei unabhängige Fachgutachten müssen bestätigen, dass keine Therapie möglich ist (Art. 123a Abs. 3 BV). In der Praxis werden diese strengen Voraussetzungen fast nie erfüllt.\n\n**Welche Rechtsfolgen entstehen?** Bei einer Verurteilung erfolgt die Verwahrung ohne zeitliche Begrenzung. Eine vorzeitige Entlassung ist nur möglich, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen, dass der Täter geheilt werden kann (Art. 123a Abs. 2 BV). Die Behörde, die eine solche Entlassung verfügt, haftet für Rückfalltaten nach Art. 380a StGB.\n\n**Beispiel:** Ein Sexualstraftäter vergewaltigt mehrere Kinder und wird rückfällig. Gutachter bestätigen, dass er lebenslang nicht therapierbar ist. Das Gericht ordnet die lebenslängliche Verwahrung an. Der Täter bleibt bis zu seinem Tod in Haft, auch nach Verbüssung der Haftstrafe.\n\nDie Bestimmung steht in Spannung zur Europäischen Menschenrechtskonvention und wird äusserst restriktiv angewendet. Sie ist eine der härtesten strafrechtlichen Normen der Schweizer Rechtsordnung.", "doctrine_de": "# Art. 123a BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Volksinitiative «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter» wurde am 8. Februar 2004 mit 56.2% Ja-Stimmen und von 12 Ständen angenommen (BBl 2004 2199). Die Initiative entstand als Reaktion auf mehrere schwere Sexual- und Gewaltdelikte, insbesondere den Fall eines rückfälligen Sexualstraftäters im Kanton Zürich. Die emotionale öffentliche Debatte führte zu einer der härtesten strafrechtlichen Bestimmungen der Bundesverfassung (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**N. 2** Der Bundesrat lehnte die Initiative ohne Gegenvorschlag ab (BBl 2000 3335). Er verwies auf die Unvereinbarkeit mit Art. 5 Abs. 4 EMRK, wonach jede festgehaltene Person das Recht auf gerichtliche Überprüfung der Rechtmässigkeit der Haft hat. Das Parlament folgte dieser Empfehlung nicht, was zur direkten Verankerung des Initiativtextes in der Verfassung führte.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 123a BV steht systematisch zwischen den Justizgrundrechten (Art. 29–32 BV) und den politischen Rechten (Art. 136ff. BV). Die Norm ist ein Fremdkörper im verfassungsrechtlichen Gefüge: Sie enthält keine programmatische Norm oder Kompetenzzuweisung, sondern eine direkt anwendbare materiellrechtliche Regelung des Strafrechts (Vest, SG Komm. BV, Art. 123a N. 2).\n\n**N. 4** Das Spannungsverhältnis zu fundamentalen Verfassungsprinzipien ist offensichtlich: → Art. 5 Abs. 2 BV (Verhältnismässigkeit), → Art. 10 Abs. 2 BV (persönliche Freiheit), → Art. 36 Abs. 3 BV (Grundrechtsschranken). Göksu weist darauf hin, dass die gesetzliche Umsetzung eine «Gerade-noch»-Respektierung völkerrechtlicher Vorgaben versucht, diese Quadratur des Kreises aber zweifelhaft erscheint (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 3).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Die Verfassungsbestimmung enthält drei Absätze mit unterschiedlichen Regelungsgehalten:\n\n**N. 6** **Absatz 1** ordnet die lebenslängliche Verwahrung für zwei Tätergruppen an:\n- Extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter\n- Als dauerhaft nicht therapierbar eingestufte Täter\n\nDie Formulierung «bis zu ihrem Lebensende» schliesst jede vorzeitige Entlassung kategorisch aus. Das Bundesgericht interpretiert «dauerhaft nicht therapierbar» als lebenslängliche Untherapierbarkeit (BGE 140 IV 1 E. 3; Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 8).\n\n**N. 7** **Absatz 2** regelt die einzige Ausnahme: Eine Entlassung ist nur möglich, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen, dass der Täter geheilt werden kann und keine Gefahr mehr darstellt. Die Behörde, die eine solche Entlassung verfügt, haftet für Rückfalltaten nach → Art. 41ff. OR (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n**N. 8** **Absatz 3** verlangt unabhängige Gutachten von mindestens zwei erfahrenen Fachpersonen. Diese müssen sich zur Therapierbarkeit und Gefährlichkeit äussern. Die Gutachter dürfen den Täter weder vorher behandelt noch betreut haben (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 14).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die primäre Rechtsfolge ist die lebenslängliche Verwahrung ohne reguläre Überprüfungsmöglichkeit. Im Gegensatz zur ordentlichen Verwahrung nach → Art. 64 StGB kennt Art. 123a BV keine periodische Überprüfung. Dies steht in fundamentalem Widerspruch zu Art. 5 Abs. 4 EMRK.\n\n**N. 10** Die Staatshaftung nach Absatz 2 stellt eine Besonderheit dar: Während das allgemeine Staatshaftungsrecht Verschulden oder widerrechtliches Verhalten voraussetzt, statuiert Art. 123a eine verschuldensunabhängige Kausalhaftung für Rückfalltaten (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 11** Die zentrale Kontroverse betrifft die Vereinbarkeit mit dem Völkerrecht. Forster argumentiert für eine grundrechtskonforme restriktive Auslegung, die eine EMRK-konforme Anwendung ermöglicht (Forster, AJP 2004, 418). Mazzuchelli kritisiert die Bestimmung als unvereinbar mit rechtsstaatlichen Grundsätzen und prognostiziert ihre praktische Bedeutungslosigkeit (Mazzuchelli, plädoyer 2/2003, 36).\n\n**N. 12** Zur Umsetzung im StGB vertritt Göksu, dass Art. 64c Abs. 4 StGB verfassungskonform erscheint, da auch Art. 123a BV im Lichte der Verhältnismässigkeit auszulegen sei (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 12). Trechsel/Pieth sehen hingegen in der gesetzlichen Umsetzung einen unauflösbaren Normwiderspruch zwischen Verfassungsauftrag und völkerrechtlichen Verpflichtungen (Trechsel/Pieth, PK StGB, Art. 64c N. 5).\n\n**N. 13** Die Frage der «dauerhaften Untherapierbarkeit» ist umstritten. Stratenwerth hält eine sichere lebenslange Prognose für wissenschaftlich unmöglich (Stratenwerth, Strafrecht AT I, § 14 N. 82). Heer/Habermeyer argumentieren, dass forensisch-psychiatrische Gutachten solche absoluten Aussagen nicht treffen können (BSK StGB I, Art. 64 N. 35).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Die Anwendung von Art. 123a BV über Art. 64 Abs. 1bis StGB ist in der Praxis äusserst selten. Das Bundesgericht hat in BGE 140 IV 1 die Hürden so hoch gesetzt, dass die Bestimmung faktisch kaum zur Anwendung kommt. Gutachter müssen eine lebenslängliche Untherapierbarkeit attestieren — eine Prognose, die wissenschaftlich kaum vertretbar ist.\n\n**N. 15** Für die Verteidigung empfiehlt sich der Fokus auf die Therapierbarkeit. Jeder Zweifel an der dauerhaften Untherapierbarkeit schliesst die lebenslängliche Verwahrung aus. Die Berufung auf internationale Standards der forensischen Psychiatrie, die keine absoluten Prognosen zulassen, ist erfolgversprechend.\n\n**N. 16** Staatsanwaltschaften müssen bei Anträgen auf lebenslängliche Verwahrung die strengen Gutachtensanforderungen beachten. Zwei unabhängige, erfahrene Gutachter müssen übereinstimmend und ohne Vorbehalt die lebenslängliche Untherapierbarkeit bestätigen. Die blosse Gefährlichkeit genügt nicht.\n\n**N. 17** Die Haftungsregelung in Absatz 2 schafft für entscheidende Behörden ein erhebliches Risiko. Bei Entlassungsentscheiden ist eine umfassende Dokumentation der wissenschaftlichen Erkenntnisse und eine sorgfältige Risikoabwägung zwingend. Die Einholung zusätzlicher Expertisen ist ratsam.", "caselaw_de": "# Art. 123a BV — Rechtsprechung\n\n## Lebenslängliche Verwahrung und dauerhafte Nichttherapierbarkeit\n\n**BGE 140 IV 1** vom 22. November 2013 — Grundsatzentscheid zur Auslegung der dauerhaften Nichttherapierbarkeit nach Art. 64 Abs. 1bis lit. c StGB. Das Bundesgericht hält fest, dass unter «dauerhaft nicht therapierbar» ein mit der Person des Täters verbundener, unveränderbarer Zustand auf Lebzeiten zu verstehen ist. Eine zeitliche Befristung findet weder im Wortlaut noch im Sinn und Zweck des Gesetzes eine Grundlage.\n\n> «Mit \"dauerhaft nicht therapierbar\" ist ein mit der Person des Täters verbundener, unveränderbarer Zustand auf Lebzeiten zu verstehen. Die Auffassung der Vorinstanz, bei einer Dauer von 20 Jahren sei die Unbehandelbarkeit eine dauerhafte, ist abzulehnen.»\n\n**BGE 141 IV 423** vom 5. November 2015 — Präzisierung der Voraussetzungen für die besonders schwere Beeinträchtigung der Integrität nach Art. 64 Abs. 1bis lit. a StGB. Das Gericht stellt klar, dass durch die Straftat der sexuellen Nötigung die physische, psychische oder sexuelle Integrität des Opfers nicht eo ipso besonders schwer beeinträchtigt wird. Die Vereinbarkeit der lebenslänglichen Verwahrung mit der EMRK bleibt offen.\n\n> «Durch die Straftat der sexuellen Nötigung wird die physische, psychische oder sexuelle Integrität des Opfers nicht eo ipso besonders schwer beeinträchtigt. […] Offengelassen, ob die lebenslängliche Verwahrung mit der EMRK vereinbar ist.»\n\n## Verhältnis zur ordentlichen Verwahrung\n\n**BGE 142 IV 56** vom 4. Februar 2016 — Verhältnis zwischen lebenslänglicher Freiheitsstrafe und ordentlicher Verwahrung. Das Bundesgericht hält fest, dass die ordentliche Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 StGB auch bei Ausfällung einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe anzuordnen ist, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.\n\n> «Die Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB ist auch bei Ausfällung einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe anzuordnen, wenn die in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen erfüllt sind.»\n\n## Verfassungsrechtliche Fragen\n\n**Urteil 1C_450/2017** vom 28. September 2017 — Versuch einer abstrakten Normenkontrolle von Art. 123a BV. Das Bundesgericht tritt nicht auf die Beschwerde ein, welche die Ungültigkeit der Verwahrungsinitiative beantragte. Der Fall zeigt, dass verfassungsrechtliche Einwände gegen Art. 123a BV nicht im Wege der abstrakten Normenkontrolle überprüft werden können.\n\nDieser Entscheid bestätigt die Rechtsgültigkeit von Art. 123a BV und seine Integration in die schweizerische Rechtsordnung seit der Annahme der Verwahrungsinitiative am 8. Februar 2004.\n\n## Praktische Anwendung\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 123a BV in der Praxis äusserst restriktiv angewendet wird. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Voraussetzung der «dauerhaften Nichttherapierbarkeit» nach der Rechtsprechung in **BGE 140 IV 1** eine lebenslängliche Prognose erfordert, die forensische Psychiater nur in Ausnahmefällen zu stellen bereit sind.\n\nDie wenigen verfügbaren Entscheide zur lebenslänglichen Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1bis StGB zeigen, dass diese Massnahme bislang praktisch keine Anwendung gefunden hat, da die strengen Voraussetzungen — insbesondere die dauerhafte Nichttherapierbarkeit auf Lebenszeit — kaum je erfüllt sind.", "summary_fr": "# Art. 123a Cst. — Aperçu\n\nL'art. 123a Cst. ordonne l'internement à vie pour les auteurs d'infractions sexuelles ou de violence extrêmement dangereux. Cette disposition est née de l'initiative populaire « Pour l'internement à vie des délinquants sexuels ou violents jugés très dangereux et non amendables », qui a été acceptée en 2004 (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**Que règle la norme ?** La Constitution prescrit que certains délinquants doivent être internés jusqu'à la fin de leurs jours. Cela vaut pour les personnes qui ont commis une infraction de violence ou sexuelle et qui sont considérées comme « durablement non amendables ». Le Tribunal fédéral entend par là une incurabilité à vie (**BGE 140 IV 1 E. 3**).\n\n**Qui est concerné ?** La réglementation concerne les auteurs d'infractions sexuelles et de violence dont la dangerosité est extrêmement élevée. Deux expertises indépendantes doivent confirmer qu'aucune thérapie n'est possible (art. 123a al. 3 Cst.). En pratique, ces conditions strictes ne sont presque jamais remplies.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** En cas de condamnation, l'internement s'effectue sans limitation de durée. Une libération anticipée n'est possible que si de nouvelles connaissances scientifiques prouvent que l'auteur peut être guéri (art. 123a al. 2 Cst.). L'autorité qui ordonne une telle libération répond des récidives selon l'art. 380a CP.\n\n**Exemple :** Un auteur d'infractions sexuelles viole plusieurs enfants et récidive. Les experts confirment qu'il est non amendable à vie. Le tribunal ordonne l'internement à vie. L'auteur reste en détention jusqu'à sa mort, même après avoir purgé sa peine de prison.\n\nCette disposition est en tension avec la Convention européenne des droits de l'homme et est appliquée de manière extrêmement restrictive. Elle est l'une des normes pénales les plus dures de l'ordre juridique suisse.", "doctrine_fr": "# Art. 123a Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'initiative populaire « L'internement à vie pour les délinquants sexuels ou violents non amendables et extrêmement dangereux » a été acceptée le 8 février 2004 par 56,2% de oui et par 12 cantons (FF 2004 2071). L'initiative est née en réaction à plusieurs délits sexuels et violents graves, notamment le cas d'un délinquant sexuel récidiviste dans le canton de Zurich. Le débat public émotionnel a conduit à l'une des dispositions pénales les plus dures de la Constitution fédérale (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**N. 2** Le Conseil fédéral a rejeté l'initiative sans contre-projet (FF 2000 3178). Il a évoqué l'incompatibilité avec l'art. 5 al. 4 CEDH, selon lequel toute personne détenue a le droit de faire contrôler par un tribunal la légalité de sa détention. Le Parlement n'a pas suivi cette recommandation, ce qui a conduit à l'ancrage direct du texte de l'initiative dans la Constitution.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 123a Cst. se situe systématiquement entre les droits fondamentaux judiciaires (art. 29–32 Cst.) et les droits politiques (art. 136ss Cst.). La norme constitue un corps étranger dans l'édifice constitutionnel : elle ne contient pas une norme programmatique ou une attribution de compétence, mais une réglementation matérielle directement applicable du droit pénal (Vest, SG Komm. BV, Art. 123a N. 2).\n\n**N. 4** Le rapport de tension avec des principes constitutionnels fondamentaux est manifeste : → art. 5 al. 2 Cst. (proportionnalité), → art. 10 al. 2 Cst. (liberté personnelle), → art. 36 al. 3 Cst. (restrictions des droits fondamentaux). Göksu souligne que la mise en œuvre légale tente un respect « tout juste » des exigences du droit international, mais que cette quadrature du cercle semble douteuse (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 3).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** La disposition constitutionnelle comprend trois alinéas avec des contenus réglementaires différents :\n\n**N. 6** **L'alinéa 1** ordonne l'internement à vie pour deux groupes d'auteurs :\n- Délinquants sexuels et violents extrêmement dangereux\n- Auteurs classés comme durablement non amendables\n\nLa formulation « jusqu'à la fin de leurs jours » exclut catégoriquement toute libération anticipée. Le Tribunal fédéral interprète « durablement non amendable » comme une non-amendabilité à vie (ATF 140 IV 1 consid. 3 ; Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 8).\n\n**N. 7** **L'alinéa 2** règle la seule exception : une libération n'est possible que si de nouvelles connaissances scientifiques prouvent que l'auteur peut être guéri et ne présente plus de danger. L'autorité qui prononce une telle libération répond des actes de récidive selon → art. 41ss CO (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n**N. 8** **L'alinéa 3** exige des expertises indépendantes d'au moins deux spécialistes expérimentés. Ceux-ci doivent se prononcer sur l'amendabilité et la dangerosité. Les experts ne doivent avoir ni traité ni encadré l'auteur auparavant (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 14).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** La conséquence juridique primaire est l'internement à vie sans possibilité de révision régulière. Contrairement à l'internement ordinaire selon → art. 64 CP, l'art. 123a Cst. ne connaît pas de révision périodique. Ceci est en contradiction fondamentale avec l'art. 5 al. 4 CEDH.\n\n**N. 10** La responsabilité de l'État selon l'alinéa 2 constitue une particularité : alors que le droit général de la responsabilité de l'État présuppose une faute ou un comportement illicite, l'art. 123a statue une responsabilité causale indépendante de la faute pour les actes de récidive (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 11** La controverse centrale concerne la compatibilité avec le droit international. Forster plaide pour une interprétation restrictive conforme aux droits fondamentaux, qui permettrait une application conforme à la CEDH (Forster, AJP 2004, 418). Mazzuchelli critique la disposition comme incompatible avec les principes de l'État de droit et pronostique son insignifiance pratique (Mazzuchelli, plädoyer 2/2003, 36).\n\n**N. 12** Concernant la mise en œuvre dans le CP, Göksu estime que l'art. 64c al. 4 CP paraît conforme à la Constitution, car l'art. 123a Cst. doit aussi être interprété à la lumière de la proportionnalité (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 12). Trechsel/Pieth voient en revanche dans la mise en œuvre légale une contradiction normative insoluble entre le mandat constitutionnel et les obligations du droit international (Trechsel/Pieth, PK StGB, Art. 64c N. 5).\n\n**N. 13** La question de la « non-amendabilité durable » est controversée. Stratenwerth considère qu'un pronostic sûr à vie est scientifiquement impossible (Stratenwerth, Strafrecht AT I, § 14 N. 82). Heer/Habermeyer soutiennent que les expertises forensiques-psychiatriques ne peuvent pas formuler de telles affirmations absolues (BSK StGB I, Art. 64 N. 35).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** L'application de l'art. 123a Cst. par l'art. 64 al. 1bis CP est extrêmement rare en pratique. Le Tribunal fédéral a fixé les seuils si haut dans l'ATF 140 IV 1 que la disposition ne trouve pratiquement pas d'application. Les experts doivent attester une non-amendabilité à vie — un pronostic qui est scientifiquement guère défendable.\n\n**N. 15** Pour la défense, il est recommandé de se concentrer sur l'amendabilité. Tout doute sur la non-amendabilité durable exclut l'internement à vie. L'invocation des standards internationaux de la psychiatrie forensique, qui ne permettent pas de pronostics absolus, est prometteuse.\n\n**N. 16** Les ministères publics doivent respecter les exigences strictes d'expertise lors de requêtes d'internement à vie. Deux experts indépendants et expérimentés doivent confirmer de manière concordante et sans réserve la non-amendabilité à vie. La seule dangerosité ne suffit pas.\n\n**N. 17** La réglementation de responsabilité de l'alinéa 2 crée un risque considérable pour les autorités décisionnaires. Pour les décisions de libération, une documentation complète des connaissances scientifiques et une pesée soigneuse des risques sont impératives. L'obtention d'expertises supplémentaires est conseillée.", "caselaw_fr": "# Art. 123a Cst. — Jurisprudence\n\n## Internement à vie et incurabilité durable\n\n**ATF 140 IV 1** du 22 novembre 2013 — Arrêt de principe sur l'interprétation de l'incurabilité durable selon l'art. 64 al. 1bis let. c CP. Le Tribunal fédéral précise que par « durablement incurable », il faut comprendre un état inaltérable, lié à la personne de l'auteur, pour la vie. Une limitation temporelle ne trouve de fondement ni dans le texte ni dans le sens et le but de la loi.\n\n> « Par \"durablement incurable\", il faut comprendre un état inaltérable, lié à la personne de l'auteur, pour la vie. L'opinion de l'instance précédente selon laquelle l'incurabilité serait durable pour une durée de 20 ans doit être rejetée. »\n\n**ATF 141 IV 423** du 5 novembre 2015 — Précision des conditions d'atteinte particulièrement grave à l'intégrité selon l'art. 64 al. 1bis let. a CP. Le Tribunal précise que l'infraction de contrainte sexuelle ne porte pas eo ipso une atteinte particulièrement grave à l'intégrité physique, psychique ou sexuelle de la victime. La compatibilité de l'internement à vie avec la CEDH reste ouverte.\n\n> « L'infraction de contrainte sexuelle ne porte pas eo ipso une atteinte particulièrement grave à l'intégrité physique, psychique ou sexuelle de la victime. [...] Laissé ouvert si l'internement à vie est compatible avec la CEDH. »\n\n## Rapport à l'internement ordinaire\n\n**ATF 142 IV 56** du 4 février 2016 — Rapport entre la peine privative de liberté à vie et l'internement ordinaire. Le Tribunal fédéral précise que l'internement ordinaire selon l'art. 64 al. 1 CP doit également être ordonné lors du prononcé d'une peine privative de liberté à vie, si les conditions correspondantes sont remplies.\n\n> « L'internement au sens de l'art. 64 al. 1 CP doit être ordonné même lors du prononcé d'une peine privative de liberté à vie, si les conditions mentionnées dans cette disposition sont remplies. »\n\n## Questions de droit constitutionnel\n\n**Arrêt 1C_450/2017** du 28 septembre 2017 — Tentative de contrôle abstrait des normes de l'art. 123a Cst. Le Tribunal fédéral n'entre pas en matière sur le recours qui demandait l'invalidité de l'initiative sur l'internement. L'affaire montre que les objections de droit constitutionnel contre l'art. 123a Cst. ne peuvent pas être examinées par la voie du contrôle abstrait des normes.\n\nCette décision confirme la validité juridique de l'art. 123a Cst. et son intégration dans l'ordre juridique suisse depuis l'acceptation de l'initiative sur l'internement le 8 février 2004.\n\n## Application pratique\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 123a Cst. est appliqué de manière extrêmement restrictive dans la pratique. Cela s'explique principalement par le fait que la condition d'« incurabilité durable » selon la jurisprudence dans l'**ATF 140 IV 1** exige un pronostic à vie que les psychiatres légistes ne sont disposés à établir que dans des cas exceptionnels.\n\nLes quelques décisions disponibles concernant l'internement à vie selon l'art. 64 al. 1bis CP montrent que cette mesure n'a jusqu'ici pratiquement trouvé aucune application, car les conditions strictes — en particulier l'incurabilité durable à vie — sont rarement remplies.", "summary_it": "# Art. 123a Cost. — Panoramica\n\nL'art. 123a Cost. disciplina l'internamento a vita per autori di reati sessuali e violenti estremamente pericolosi. La disposizione è nata dall'iniziativa popolare «Internamento a vita per i responsabili di reati sessuali o di atti di violenza inumani e non curabili», accettata nel 2004 (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**Cosa disciplina la norma?** La Costituzione prevede che determinati autori di reati debbano essere internati fino alla fine della loro vita. Ciò vale per le persone che hanno commesso un reato violento o sessuale e sono classificate come «durevolmente non curabili». Il Tribunale federale intende con ciò un'incurabilità per tutta la vita (**DTF 140 IV 1 consid. 3**).\n\n**Chi è interessato?** La disciplina riguarda autori di reati sessuali e violenti la cui pericolosità è estremamente elevata. Due perizie indipendenti devono confermare che nessuna terapia è possibile (art. 123a cpv. 3 Cost.). Nella prassi, questi requisiti rigorosi non sono quasi mai soddisfatti.\n\n**Quali conseguenze giuridiche sorgono?** In caso di condanna, l'internamento avviene senza limitazione temporale. Una liberazione anticipata è possibile solo se nuove conoscenze scientifiche dimostrano che l'autore può essere guarito (art. 123a cpv. 2 Cost.). L'autorità che dispone tale liberazione è responsabile per i reati di recidiva secondo l'art. 380a CP.\n\n**Esempio:** Un autore di reati sessuali violenta diversi bambini e recidiva. I periti confermano che è incurabile a vita. Il tribunale ordina l'internamento a vita. L'autore rimane in detenzione fino alla morte, anche dopo aver scontato la pena detentiva.\n\nLa disposizione è in tensione con la Convenzione europea dei diritti dell'uomo e viene applicata in modo estremamente restrittivo. È una delle norme penali più severe dell'ordinamento giuridico svizzero.", "doctrine_it": "# Art. 123a Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'iniziativa popolare «Internamento a vita per i delinquenti sessuali e della violenza estremamente pericolosi e non curabili» è stata accettata l'8 febbraio 2004 con il 56.2% di voti favorevoli e da 12 Cantoni (FF 2004 2050). L'iniziativa nacque come reazione a diversi gravi delitti sessuali e della violenza, in particolare al caso di un delinquente sessuale recidivo nel Cantone di Zurigo. Il dibattito pubblico emotivo portò a una delle disposizioni penali più severe della Costituzione federale (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**N. 2** Il Consiglio federale respinse l'iniziativa senza controprogetto (FF 2000 3186). Fece riferimento all'incompatibilità con l'art. 5 cpv. 4 CEDU, secondo cui ogni persona privata della libertà ha diritto al controllo giudiziario della legalità della detenzione. Il Parlamento non seguì questa raccomandazione, il che portò all'ancoraggio diretto del testo dell'iniziativa nella Costituzione.\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 123a Cost. si colloca sistematicamente tra i diritti fondamentali della giustizia (art. 29–32 Cost.) e i diritti politici (art. 136 seg. Cost.). La norma è un corpo estraneo nell'ordinamento costituzionale: non contiene una norma programmatica o un'attribuzione di competenza, bensì una disciplina materiale del diritto penale direttamente applicabile (Vest, SG Komm. BV, Art. 123a N. 2).\n\n**N. 4** Il rapporto di tensione con principi costituzionali fondamentali è evidente: → art. 5 cpv. 2 Cost. (proporzionalità), → art. 10 cpv. 2 Cost. (libertà personale), → art. 36 cpv. 3 Cost. (restrizioni dei diritti fondamentali). Göksu rileva che l'attuazione legislativa tenta un rispetto «per un pelo» delle prescrizioni di diritto internazionale, ma questa quadratura del cerchio appare dubbia (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 3).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** La disposizione costituzionale contiene tre capoversi con diversi contenuti normativi:\n\n**N. 6** **Capoverso 1** ordina l'internamento a vita per due categorie di autori:\n- Delinquenti sessuali e della violenza estremamente pericolosi\n- Autori classificati come permanentemente non curabili\n\nLa formulazione «fino alla fine della loro vita» esclude categoricamente ogni liberazione anticipata. Il Tribunale federale interpreta «permanentemente non curabile» come incurabilità a vita (DTF 140 IV 1 consid. 3; Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 8).\n\n**N. 7** **Capoverso 2** disciplina l'unica eccezione: una liberazione è possibile soltanto se nuove conoscenze scientifiche dimostrano che l'autore può essere guarito e non rappresenta più alcun pericolo. L'autorità che ordina una tale liberazione risponde delle recidive secondo → art. 41 seg. CO (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n**N. 8** **Capoverso 3** esige perizie indipendenti di almeno due specialisti esperti. Questi devono esprimersi sulla curabilità e pericolosità. I periti non devono aver precedentemente trattato o assistito l'autore (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 14).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La conseguenza giuridica primaria è l'internamento a vita senza possibilità di verifica regolare. Contrariamente all'internamento ordinario secondo → art. 64 CP, l'art. 123a Cost. non conosce una verifica periodica. Ciò è in contraddizione fondamentale con l'art. 5 cpv. 4 CEDU.\n\n**N. 10** La responsabilità dello Stato secondo il capoverso 2 costituisce una particolarità: mentre il diritto generale della responsabilità dello Stato presuppone colpa o comportamento contrario al diritto, l'art. 123a statuisce una responsabilità causale indipendente dalla colpa per le recidive (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 11** La controversia centrale riguarda la compatibilità con il diritto internazionale. Forster argomenta per un'interpretazione restrittiva conforme ai diritti fondamentali, che consenta un'applicazione conforme alla CEDU (Forster, AJP 2004, 418). Mazzuchelli critica la disposizione come incompatibile con i principi dello Stato di diritto e pronostica la sua insignificanza pratica (Mazzuchelli, plädoyer 2/2003, 36).\n\n**N. 12** Quanto all'attuazione nel CP, Göksu sostiene che l'art. 64c cpv. 4 CP appaia conforme alla Costituzione, poiché anche l'art. 123a Cost. deve essere interpretato alla luce della proporzionalità (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 12). Trechsel/Pieth vedono invece nell'attuazione legislativa una contraddizione normativa irrisolvibile tra mandato costituzionale e obblighi di diritto internazionale (Trechsel/Pieth, PK StGB, Art. 64c N. 5).\n\n**N. 13** La questione dell'«incurabilità permanente» è controversa. Stratenwerth considera scientificamente impossibile una prognosi sicura a vita (Stratenwerth, Strafrecht AT I, § 14 N. 82). Heer/Habermeyer argomentano che le perizie psichiatriche forensi non possono formulare tali affermazioni assolute (BSK StGB I, Art. 64 N. 35).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** L'applicazione dell'art. 123a Cost. tramite l'art. 64 cpv. 1bis CP è estremamente rara nella prassi. Il Tribunale federale ha posto le soglie così in alto nella DTF 140 IV 1 che la disposizione di fatto non viene quasi mai applicata. I periti devono attestare un'incurabilità a vita — una prognosi che è scientificamente difficilmente sostenibile.\n\n**N. 15** Per la difesa si raccomanda di focalizzarsi sulla curabilità. Ogni dubbio sull'incurabilità permanente esclude l'internamento a vita. Il richiamo agli standard internazionali della psichiatria forense, che non ammettono prognosi assolute, è promettente.\n\n**N. 16** Le procure pubbliche devono osservare i rigorosi requisiti di perizia nelle richieste di internamento a vita. Due periti indipendenti ed esperti devono confermare concordemente e senza riserve l'incurabilità a vita. La mera pericolosità non è sufficiente.\n\n**N. 17** La disciplina della responsabilità nel capoverso 2 crea un rischio considerevole per le autorità decisionali. Nelle decisioni di liberazione è obbligatoria una documentazione completa delle conoscenze scientifiche e una valutazione accurata del rischio. È consigliabile richiedere perizie aggiuntive.", "caselaw_it": "# Art. 123a Cost. — Giurisprudenza\n\n## Internamento a vita e non curabilità durevole\n\n**DTF 140 IV 1** del 22 novembre 2013 — Decisione di principio sull'interpretazione della non curabilità durevole secondo l'art. 64 cpv. 1bis lett. c CP. Il Tribunale federale stabilisce che per «durevolmente non curabile» si deve intendere uno stato immutabile per tutta la vita legato alla persona dell'autore. Una limitazione temporale non trova fondamento né nel tenore letterale né nel senso e scopo della legge.\n\n> «Per \"durevolmente non curabile\" si deve intendere uno stato immutabile per tutta la vita legato alla persona dell'autore. L'opinione dell'istanza precedente, secondo cui con una durata di 20 anni l'incurabilità sarebbe durevole, è da respingere.»\n\n**DTF 141 IV 423** del 5 novembre 2015 — Precisazione dei requisiti per la lesione particolarmente grave dell'integrità secondo l'art. 64 cpv. 1bis lett. a CP. Il Tribunale chiarisce che con il reato di coazione sessuale l'integrità fisica, psichica o sessuale della vittima non viene eo ipso particolarmente gravemente compromessa. Rimane aperta la compatibilità dell'internamento a vita con la CEDU.\n\n> «Con il reato di coazione sessuale l'integrità fisica, psichica o sessuale della vittima non viene eo ipso particolarmente gravemente compromessa. […] Lasciata aperta la questione se l'internamento a vita sia compatibile con la CEDU.»\n\n## Rapporto con l'internamento ordinario\n\n**DTF 142 IV 56** del 4 febbraio 2016 — Rapporto tra pena detentiva a vita e internamento ordinario. Il Tribunale federale stabilisce che l'internamento ordinario secondo l'art. 64 cpv. 1 CP deve essere ordinato anche in caso di condanna a una pena detentiva a vita, se sono adempiuti i relativi requisiti.\n\n> «L'internamento ai sensi dell'art. 64 cpv. 1 CP deve essere ordinato anche in caso di condanna a una pena detentiva a vita, se sono adempiuti i requisiti menzionati in questa disposizione.»\n\n## Questioni di diritto costituzionale\n\n**Sentenza 1C_450/2017** del 28 settembre 2017 — Tentativo di controllo astratto delle norme dell'art. 123a Cost. Il Tribunale federale non entra nel merito del ricorso che chiedeva l'invalidità dell'iniziativa sull'internamento. Il caso mostra che le obiezioni di diritto costituzionale contro l'art. 123a Cost. non possono essere esaminate tramite il controllo astratto delle norme.\n\nQuesta decisione conferma la validità giuridica dell'art. 123a Cost. e la sua integrazione nell'ordinamento giuridico svizzero dall'accettazione dell'iniziativa sull'internamento l'8 febbraio 2004.\n\n## Applicazione pratica\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 123a Cost. viene applicato nella pratica in modo estremamente restrittivo. Ciò è dovuto principalmente al fatto che il requisito della «non curabilità durevole» secondo la giurisprudenza in **DTF 140 IV 1** richiede una prognosi a vita che gli psichiatri forensi sono disposti a formulare solo in casi eccezionali.\n\nLe poche decisioni disponibili sull'internamento a vita secondo l'art. 64 cpv. 1bis CP mostrano che questa misura finora non ha praticamente trovato applicazione, dato che i severi requisiti — in particolare la non curabilità durevole per tutta la vita — sono raramente adempiuti.", "summary_en": "# Art. 123a Cst. — Overview\n\nArt. 123a Cst. provides for lifelong preventive detention for extremely dangerous sexual and violent offenders. The provision arose from the popular initiative «Lifelong preventive detention for non-treatable, extremely dangerous sexual and violent offenders», which was adopted in 2004 (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**What does the norm regulate?** The Constitution prescribes that certain offenders must be detained until the end of their lives. This applies to persons who have committed a violent or sexual offence and are classified as «permanently non-treatable». The Federal Supreme Court understands this to mean lifelong non-treatability (**BGE 140 IV 1 E. 3**).\n\n**Who is affected?** The regulation affects sexual and violent offenders whose dangerousness is extremely high. Two independent expert reports must confirm that no therapy is possible (Art. 123a para. 3 Cst.). In practice, these strict requirements are almost never met.\n\n**What are the legal consequences?** Upon conviction, preventive detention follows without time limit. Early release is only possible if new scientific findings prove that the offender can be cured (Art. 123a para. 2 Cst.). The authority that orders such a release is liable for repeat offences under Art. 380a SCC.\n\n**Example:** A sexual offender rapes several children and reoffends. Experts confirm that he is non-treatable for life. The court orders lifelong preventive detention. The offender remains in custody until his death, even after serving the custodial sentence.\n\nThe provision stands in tension with the European Convention on Human Rights and is applied extremely restrictively. It is one of the harshest criminal law norms of the Swiss legal order.", "doctrine_en": "# Art. 123a Cst. — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The popular initiative «Lifelong detention for non-treatable, extremely dangerous sexual and violent offenders» was adopted on 8 February 2004 with 56.2% yes votes and by 12 cantons (FGA 2004 2199). The initiative arose as a reaction to several serious sexual and violent crimes, particularly the case of a recidivist sexual offender in the Canton of Zurich. The emotional public debate led to one of the harshest criminal law provisions in the Federal Constitution (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 1).\n\n**N. 2** The Federal Council rejected the initiative without a counter-proposal (FGA 2000 3335). It referred to the incompatibility with Art. 5 para. 4 ECHR, according to which every detained person has the right to judicial review of the lawfulness of detention. Parliament did not follow this recommendation, which led to the direct anchoring of the initiative text in the Constitution.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 123a Cst. is systematically positioned between the fundamental rights of procedure (Art. 29–32 Cst.) and the political rights (Art. 136ff. Cst.). The provision is a foreign element in the constitutional framework: It contains no programmatic norm or allocation of powers, but a directly applicable substantive legal regulation of criminal law (Vest, SG Komm. BV, Art. 123a N. 2).\n\n**N. 4** The tension with fundamental constitutional principles is obvious: → Art. 5 para. 2 Cst. (proportionality), → Art. 10 para. 2 Cst. (personal liberty), → Art. 36 para. 3 Cst. (restrictions on fundamental rights). Göksu points out that the legislative implementation attempts a «just-barely» compliance with international law requirements, but this squaring of the circle appears doubtful (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 3).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** The constitutional provision contains three paragraphs with different regulatory content:\n\n**N. 6** **Paragraph 1** orders lifelong detention for two groups of offenders:\n- Extremely dangerous sexual and violent offenders\n- Offenders classified as permanently non-treatable\n\nThe formulation «until the end of their lives» categorically excludes any early release. The Federal Court interprets «permanently non-treatable» as lifelong untreatability (BGE 140 IV 1 E. 3; Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 8).\n\n**N. 7** **Paragraph 2** regulates the only exception: Release is only possible if new scientific findings prove that the offender can be cured and no longer poses a danger. The authority that orders such a release is liable for recidivism according to → Art. 41ff. CO (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n**N. 8** **Paragraph 3** requires independent expert opinions from at least two experienced specialists. These must comment on treatability and dangerousness. The experts may not have previously treated or supervised the offender (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 14).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** The primary legal consequence is lifelong detention without regular review possibility. Unlike ordinary detention under → Art. 64 SCC, Art. 123a Cst. knows no periodic review. This stands in fundamental contradiction to Art. 5 para. 4 ECHR.\n\n**N. 10** State liability under paragraph 2 represents a special feature: While general state liability law requires fault or unlawful conduct, Art. 123a establishes strict liability independent of fault for recidivism (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 11).\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 11** The central controversy concerns compatibility with international law. Forster argues for a fundamental rights-compliant restrictive interpretation that enables ECHR-compliant application (Forster, AJP 2004, 418). Mazzuchelli criticises the provision as incompatible with rule of law principles and predicts its practical insignificance (Mazzuchelli, plädoyer 2/2003, 36).\n\n**N. 12** Regarding implementation in the SCC, Göksu argues that Art. 64c para. 4 SCC appears constitutionally compliant, since Art. 123a Cst. must also be interpreted in light of proportionality (Göksu, BSK BV, Art. 123a N. 12). Trechsel/Pieth, however, see in the legislative implementation an irresolvable normative contradiction between constitutional mandate and international law obligations (Trechsel/Pieth, PK StGB, Art. 64c N. 5).\n\n**N. 13** The question of «permanent untreatability» is disputed. Stratenwerth considers a reliable lifelong prognosis scientifically impossible (Stratenwerth, Strafrecht AT I, § 14 N. 82). Heer/Habermeyer argue that forensic-psychiatric expert opinions cannot make such absolute statements (BSK StGB I, Art. 64 N. 35).\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 14** The application of Art. 123a Cst. via Art. 64 para. 1bis SCC is extremely rare in practice. The Federal Court in BGE 140 IV 1 has set the bar so high that the provision is factually hardly applicable. Experts must attest to lifelong untreatability — a prognosis that is hardly scientifically defensible.\n\n**N. 15** For the defence, it is recommended to focus on treatability. Any doubt about permanent untreatability excludes lifelong detention. Invoking international standards of forensic psychiatry, which do not permit absolute prognoses, is promising.\n\n**N. 16** Public prosecutors must observe the strict expert opinion requirements when applying for lifelong detention. Two independent, experienced experts must unanimously and without reservation confirm lifelong untreatability. Mere dangerousness is insufficient.\n\n**N. 17** The liability regulation in paragraph 2 creates considerable risk for deciding authorities. In release decisions, comprehensive documentation of scientific findings and careful risk assessment is mandatory. Obtaining additional expert opinions is advisable.", "caselaw_en": "# Art. 123a BV — Case Law\n\n## Lifelong Preventive Detention and Permanent Untreatability\n\n**BGE 140 IV 1** of 22 November 2013 — Fundamental decision on the interpretation of permanent untreatability under Art. 64 para. 1bis lit. c SCC. The Federal Supreme Court holds that \"permanently untreatable\" means a state connected to the person of the perpetrator that is unchangeable for life. A temporal limitation finds no basis either in the wording or in the sense and purpose of the law.\n\n> «By \"permanently untreatable\" is meant a state connected to the person of the perpetrator that is unchangeable for life. The view of the lower instance that with a duration of 20 years the untreatability is permanent, is to be rejected.»\n\n**BGE 141 IV 423** of 5 November 2015 — Clarification of the requirements for particularly severe impairment of integrity under Art. 64 para. 1bis lit. a SCC. The court clarifies that the offence of sexual coercion does not eo ipso particularly severely impair the physical, psychological or sexual integrity of the victim. The compatibility of lifelong preventive detention with the ECHR remains open.\n\n> «The offence of sexual coercion does not eo ipso particularly severely impair the physical, psychological or sexual integrity of the victim. […] Left open whether lifelong preventive detention is compatible with the ECHR.»\n\n## Relationship to Ordinary Preventive Detention\n\n**BGE 142 IV 56** of 4 February 2016 — Relationship between life imprisonment and ordinary preventive detention. The Federal Supreme Court holds that ordinary preventive detention under Art. 64 para. 1 SCC must also be ordered when a life sentence is imposed, if the corresponding requirements are fulfilled.\n\n> «Preventive detention within the meaning of Art. 64 para. 1 SCC must also be ordered when a life sentence is imposed, if the requirements mentioned in this provision are fulfilled.»\n\n## Constitutional Law Questions\n\n**Judgment 1C_450/2017** of 28 September 2017 — Attempt at abstract constitutional review of Art. 123a BV. The Federal Supreme Court does not enter into the appeal which sought the invalidity of the detention initiative. The case shows that constitutional objections against Art. 123a BV cannot be reviewed by way of abstract constitutional review.\n\nThis decision confirms the legal validity of Art. 123a BV and its integration into the Swiss legal order since the acceptance of the detention initiative on 8 February 2004.\n\n## Practical Application\n\nCase law shows that Art. 123a BV is applied extremely restrictively in practice. This is mainly because the requirement of \"permanent untreatability\" according to the case law in **BGE 140 IV 1** requires a lifelong prognosis, which forensic psychiatrists are only prepared to make in exceptional cases.\n\nThe few available decisions on lifelong preventive detention under Art. 64 para. 1bis SCC show that this measure has so far found practically no application, since the strict requirements — in particular permanent untreatability for life — are hardly ever fulfilled.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_123a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 123, "article_suffix": "b", "title": "Unverjährbarkeit der Strafverfolgung und der Strafe bei sexuellen und bei pornografischen Straftaten an Kindern vor der Pubertät", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 123b BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 123b BV macht sexuelle und pornografische Straftaten an Kindern vor der Pubertät unverjährbar. Das bedeutet: Diese Täter können ihr ganzes Leben lang verfolgt und bestraft werden, auch nach Jahrzehnten.\n\n**Wer ist betroffen?** Betroffen sind Täter von sexuellen Handlungen (wie Missbrauch oder Vergewaltigung) und pornografischen Straftaten an Kindern unter 12 Jahren. Nach der Umsetzung im Strafgesetzbuch (Art. 101 Abs. 1 lit. e StGB) gilt diese Altersgrenze strikt – unabhängig davon, wann ein Kind tatsächlich in die Pubertät kommt. Die Bestimmung stammt aus einer Volksinitiative, die 2008 angenommen wurde, wie die Botschaft des Bundesrates zeigt (BBl 2007 5369).\n\n**Rechtliche Folgen**: Anders als bei anderen Straftaten gibt es keine zeitliche Grenze für die Verfolgung oder Bestrafung. Normalerweise verjähren Straftaten nach einer bestimmten Zeit – diese Regel wird hier durchbrochen. Das Bundesgericht hat jedoch klargestellt, dass bereits eingestellte Verfahren nicht wieder aufgenommen werden können (**BGE 141 IV 93**). Nach BSK BV-Göksu (N. 2) ist die Verfassungsbestimmung direkt anwendbar, während SG Komm BV-Vest (N. 2) die Präzisierung durch das Strafgesetzbuch betont.\n\n**Beispiel**: Ein 30-Jähriger missbraucht ein achtjähriges Kind. Auch wenn die Tat erst 40 Jahre später entdeckt wird, kann er noch verfolgt und bestraft werden. Bei anderen schweren Straftaten wäre die Verfolgung längst verjährt.\n\n**Besonderheit**: Nach 30 Jahren kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 101 Abs. 2 StGB). Dies ist aber kein automatisches Recht – es hängt vom Einzelfall ab (**BGE 140 IV 145**). Auch Schadenersatzansprüche der Opfer verjähren praktisch nicht mehr, wie Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ff.) darlegt.\n\nDie Regel zeigt, wie wichtig der Schutz von Kindern in der Schweizer Rechtsordnung ist. Sie sorgt dafür, dass auch späte Aufdeckung von Missbrauch noch Konsequenzen haben kann.", "doctrine_de": "# Art. 123b BV\n\n## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Volksinitiative «für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern» wurde am 1. März 2006 mit 119'375 gültigen Unterschriften eingereicht (BBl 2006 3657). Der Bundesrat empfahl die Initiative in seiner Botschaft vom 29. Juni 2007 zur Ablehnung, da er die geltenden Verjährungsfristen als ausreichend erachtete und verfassungsrechtliche Bedenken hinsichtlich des Rückwirkungsverbots geltend machte (BBl 2007 5369, 5379 ff.). Am 30. November 2008 nahmen Volk und Stände die Initiative mit 51,9% Ja-Stimmen und 13 5/2 Standesstimmen an (BBl 2009 605). Die Ausführungsbestimmungen im StGB (Art. 101 Abs. 1 lit. e und Abs. 3 StGB) traten am 1. Januar 2013 in Kraft (AS 2012 2575).\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 2** Art. 123b BV steht systematisch zwischen Art. 123a BV (Verwahrung) und Art. 123c BV (Tätigkeitsverbot bei Sexualstraftaten) im 8. Titel über die Justiz. Die Norm stellt eine Durchbrechung des allgemeinen strafrechtlichen Verjährungssystems dar und schafft für eine spezifische Tätergruppe und Deliktsart eine absolute Ausnahme vom Verjährungsprinzip. Sie steht in Spannung zum Rückwirkungsverbot (→ Art. 7 EMRK) und zum allgemeinen Resozialisierungsgedanken des Strafrechts.\n\n**N. 3** Die Bestimmung weist enge Bezüge zu Art. 11 BV (Schutz der Kinder und Jugendlichen) und Art. 35 Abs. 3 BV (Grundrechtsverwirklichung durch Private) auf. Im Kontext der Opferschutzbestimmungen (→ Art. 124 BV) bildet sie einen weiteren Baustein des verstärkten verfassungsrechtlichen Schutzes von Kindern vor sexuellen Übergriffen. Die Norm steht zudem in systematischem Zusammenhang mit den Verjährungsbestimmungen des StGB (Art. 97 ff. StGB).\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 4** Der Tatbestand umfasst drei konstitutive Elemente: (1) sexuelle oder pornografische Straftaten, (2) an Kindern, (3) vor der Pubertät. Als «sexuelle Straftaten» gelten gemäss der Umsetzung in Art. 101 Abs. 1 lit. e StGB die Delikte nach Art. 187 (sexuelle Handlungen mit Kindern), 189-191 (sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Schändung), 195 (Ausnützung der Notlage) und 196 StGB (sexuelle Handlungen mit Abhängigen). Als «pornografische Straftaten» fallen Handlungen nach Art. 197 Abs. 4 StGB (harte Pornografie mit Kindern) in den Anwendungsbereich.\n\n**N. 5** Der Begriff «Kinder vor der Pubertät» wird durch Art. 101 Abs. 1 lit. e StGB als Kinder unter 12 Jahren konkretisiert. Diese starre Altersgrenze ersetzt das biologisch-individuelle Kriterium der Pubertät durch eine normative Festlegung. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) weist darauf hin, dass diese Konkretisierung aus Gründen der Rechtssicherheit notwendig war, da der individuelle Pubertätsbeginn im Strafverfahren schwer feststellbar wäre.\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 6** Die Verfassungsnorm ordnet die absolute Unverjährbarkeit sowohl der Strafverfolgung als auch der Strafe an. Dies bedeutet, dass weder die Verfolgungsverjährung (Art. 97 StGB) noch die Vollstreckungsverjährung (Art. 99 StGB) eintreten kann. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 2) betont die direkte Anwendbarkeit der Verfassungsbestimmung, auch wenn Vest (BSK BV, Art. 123b N. 2) zu Recht auf die notwendige Präzisierung durch Art. 101 lit. e StGB hinweist.\n\n**N. 7** Die Unverjährbarkeit führt nicht zum vollständigen Wegfall jeglicher zeitlicher Schranken: Nach Art. 101 Abs. 2 StGB kann das Gericht die Strafe mildern, wenn seit der Tat 30 Jahre vergangen sind. Diese Regelung trägt dem Gedanken Rechnung, dass auch bei schwersten Straftaten das Strafbedürfnis mit der Zeit abnehmen kann (BGE 140 IV 145 E. 2.3).\n\n**N. 8** Für das Haftpflichtrecht ergeben sich nach Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ff.) ebenfalls Konsequenzen: Die zivilrechtliche Verjährung nach Art. 60 Abs. 2 OR wird durch die strafrechtliche Unverjährbarkeit überlagert, womit auch Schadenersatzansprüche faktisch unverjährbar werden können.\n\n### Streitstände\n\n**N. 9** Die Frage der Rückwirkung war heftig umstritten. Frischknecht (ZStrR 2008, 434 ff.) argumentierte gegen jede Form der Rückwirkung mit Verweis auf Art. 7 EMRK und das strafrechtliche Rückwirkungsverbot. Capus (FP 2009, 110 ff.) differenzierte zwischen echter und unechter Rückwirkung und befürwortete die Anwendung auf noch nicht verjährte Taten. Das Bundesgericht folgte in BGE 141 IV 93 einer vermittelnden Lösung: Bereits eingestellte Verfahren dürfen nicht wiederaufgenommen werden, aber noch laufende Verjährungsfristen werden verlängert.\n\n**N. 10** Kontrovers diskutiert wird die starre Altersgrenze von 12 Jahren. Vest (SG Komm BV, Art. 123b N. 7) kritisiert, dass die biologische Pubertät individuell sehr unterschiedlich eintritt und eine normative Festlegung dem Verfassungswortlaut widerspreche. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) verteidigt die Lösung als notwendigen Kompromiss zwischen Rechtssicherheit und Opferschutz.\n\n**N. 11** Die völkerrechtliche Zulässigkeit der Unverjährbarkeitsregelung wird unterschiedlich beurteilt. Während Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 4) keine Verletzung von Art. 7 EMRK erkennt, solange keine echte Rückwirkung vorliegt, sehen kritische Stimmen in der nachträglichen Verlängerung von Verjährungsfristen einen problematischen Eingriff in das Vertrauensprinzip.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 12** Bei der Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 123b BV ist zunächst das Alter des Opfers im Tatzeitpunkt festzustellen. Die 12-Jahres-Grenze gilt absolut, unabhängig vom tatsächlichen Pubertätseintritt. Bei Serientaten mit Opfern verschiedenen Alters ist für jede Tat gesondert zu prüfen.\n\n**N. 13** Für Taten vor dem 30. November 2008 gilt: War die Tat nach altem Recht bereits verjährt, bleibt es dabei (keine echte Rückwirkung). War die Verjährung noch nicht eingetreten, verlängert sich die Frist bzw. entfällt sie ganz (BGE 141 IV 93).\n\n**N. 14** Die Strafmilderung nach 30 Jahren (Art. 101 Abs. 2 StGB) ist keine automatische Folge des Zeitablaufs. Das Gericht muss die konkreten Umstände würdigen, insbesondere das Verhalten des Täters seit der Tat und die Schwere der Schuld. Die allgemeine Strafmilderungsregel von Art. 48 lit. e StGB ist nicht anwendbar (BGE 140 IV 145).\n\n**N. 15** Im Zivilverfahren ist zu beachten, dass die strafrechtliche Unverjährbarkeit die Verjährung von Schadenersatzansprüchen nach Art. 60 Abs. 2 OR beeinflusst. Solange eine strafrechtliche Verurteilung möglich ist, verjähren auch die zivilrechtlichen Ansprüche nicht. Dies kann zu einer faktischen Unverjährbarkeit von Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen führen.", "caselaw_de": "# Art. 123b BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Entstehung und Inkrafttreten der Unverjährbarkeitsbestimmung\n\n**BGE 141 IV 93** (10. Februar 2015)\nGrundsatzentscheid zur rückwirkenden Anwendung der Unverjährbarkeitsregeln.\nDas Bundesgericht urteilte in diesem wegweisenden Entscheid über die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme eingestellter Verfahren nach Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen zu Art. 123b BV.\n\n> «Am 30. November 2008 nahmen Volk und Stände die Volksinitiative 'Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern' (Unverjährbarkeitsinitiative) an. Art. 123b BV schreibt seither vor, dass die Verfolgung sexueller oder pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät und die Strafe für solche Taten unverjährbar sind. Gestützt darauf erliess die Bundesversammlung Ausführungsbestimmungen, welche am 1. Januar 2013 in Kraft gesetzt wurden.»\n\nDas Bundesgericht hielt fest, dass die rückwirkende Änderung der Verjährungsfristen keine Wiederaufnahme von bereits rechtskräftig eingestellten Verfahren erlaubt.\n\n**Entscheid BES.2013.72** (20. August 2014, Appellationsgericht Basel-Stadt)\nKonkretisierung der Grenzen der Wiederaufnahme von Strafverfahren.\nDas Appellationsgericht Basel-Stadt bestätigte die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Unmöglichkeit der Wiederaufnahme bereits eingestellter Verfahren.\n\n> «Die dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Delikte [waren] zum Zeitpunkt der Einstellungsverfügung gemäss damals geltendem Recht verjährt gewesen, weshalb das Verfahren zwingend hatte eingestellt werden müssen.»\n\n### Anwendung der Unverjährbarkeitsregeln und Strafmilderung\n\n**BGE 140 IV 145** (27. November 2014)\nRichtungsweisender Entscheid zur Strafmilderung bei unverjährbaren Straftaten.\nDas Bundesgericht klärte das Verhältnis zwischen Art. 48 lit. e StGB (Strafmilderung infolge langen Zeitablaufs) und Art. 101 Abs. 2 StGB bei unverjährbaren Sexualstraftaten an Kindern.\n\n> «Für unverjährbare Straftaten bestimmt Art. 101 Abs. 2 StGB den Zeitpunkt, ab dem das Gericht die Strafe mildern kann. Art. 48 lit. e StGB ist folglich auf unverjährbare Verbrechen nicht anwendbar.»\n\nDas Gericht stellte klar, dass bei unverjährbaren Sexualstraftaten an Kindern gemäss Art. 123b BV die speziellen Regeln von Art. 101 Abs. 2 StGB gelten und nicht die allgemeine Bestimmung über Strafmilderung bei langem Zeitablauf.\n\n### Übergangsrecht und zeitliche Anwendung\n\n**Entscheid 6B_479/2013** (30. Januar 2014, Bundesgericht)\nAbgrenzung der zeitlichen Anwendbarkeit der Unverjährbarkeitsregeln.\nDas Bundesgericht behandelte Fragen zur Anwendung der neuen Verjährungsregeln auf Altfälle und die Voraussetzungen für die Nichtanhandnahme von Strafanzeigen.\n\n**Entscheid SK 2016 83** (25. August 2017, Straf- und Massnahmenvollzugsgericht Bern)\nPraktische Anwendung der Strafmilderungsregeln bei sexuellen Handlungen mit Kindern.\nDas Gericht wandte die Grundsätze aus BGE 140 IV 145 an und prüfte die Voraussetzungen für eine Strafmilderung trotz Unverjährbarkeit.\n\n> «Art. 48 Bst. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Diese Bestimmung knüpft an den Gedanken der Verjährung an.»\n\n### Abgrenzung des Anwendungsbereichs\n\n**Entscheid PE11.010972** (2. September 2011, Tribunal cantonal Vaud)\nFrühe Anwendung von Art. 123b BV vor Erlass der Ausführungsbestimmungen.\nDas Waadtländer Kantonsgericht befasste sich mit der unmittelbaren Anwendbarkeit der Verfassungsbestimmung vor Inkrafttreten der gesetzlichen Ausführungsbestimmungen im StGB.\n\n**Entscheid VB.2014.00008** (28. Mai 2014, Verwaltungsgericht Zürich)\nAbgrenzung zu anderen Unverjährbarkeitsbestimmungen im Verwaltungsbereich.\nDas Verwaltungsgericht stellte klar, dass die Verfehlungen im konkreten Fall keine Anlasstaten im Sinn von Art. 123c BV darstellten und somit Art. 123b BV nicht einschlägig war.\n\n### Konkrete Anwendung in der Strafpraxis\n\n**Entscheid SB170204** (7. Dezember 2018, Obergericht Zürich)\nPraktische Umsetzung bei mehrfachen Sexualstraftaten an Kindern.\nDas Obergericht Zürich wendete die Unverjährbarkeitsregeln bei einem Fall mit mehrfachen Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und sexuellen Handlungen mit Kindern an.\n\n**Entscheid SB130306** (8. April 2014, Obergericht Zürich)\nÜbergangsrecht zwischen alter und neuer Rechtslage bei Schändungsdelikten.\nDas Gericht prüfte die Anwendung der verlängerten Verjährungsfristen bei sexuellen Handlungen mit Kindern im Übergangsbereich.\n\n> «Die Verjährung der Strafverfolgung von sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB bemisst sich - so Abs. 4 von Art. 70 aStGB bzw. Art. 97 Abs. 2 StGB - nach dem Alter des Opfers.»", "summary_fr": "# Art. 123b Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 123b Cst. rend imprescriptibles les infractions sexuelles et pornographiques commises sur des enfants avant la puberté. Cela signifie que ces auteurs peuvent être poursuivis et punis toute leur vie, même après des décennies.\n\n**Qui est concerné ?** Sont concernés les auteurs d'actes sexuels (comme les abus sexuels ou le viol) et d'infractions pornographiques commis sur des enfants de moins de 12 ans. Après la mise en œuvre dans le code pénal (art. 101 al. 1 let. e CP), cette limite d'âge s'applique strictement – indépendamment du moment où un enfant entre effectivement dans la puberté. La disposition provient d'une initiative populaire qui a été acceptée en 2008, comme le montre le message du Conseil fédéral (FF 2007 5007).\n\n**Conséquences juridiques** : Contrairement aux autres infractions, il n'y a pas de limite temporelle pour la poursuite ou la punition. Normalement, les infractions se prescrivent après un certain temps – cette règle est ici rompue. Le Tribunal fédéral a cependant précisé que les procédures déjà classées ne peuvent pas être reprises (**ATF 141 IV 93**). Selon BSK BV-Göksu (N. 2), la disposition constitutionnelle est directement applicable, tandis que SG Komm BV-Vest (N. 2) souligne la précision apportée par le code pénal.\n\n**Exemple** : Un homme de 30 ans abuse d'un enfant de huit ans. Même si l'acte n'est découvert que 40 ans plus tard, il peut encore être poursuivi et puni. Pour d'autres infractions graves, la poursuite serait depuis longtemps prescrite.\n\n**Particularité** : Après 30 ans, le tribunal peut atténuer la peine (art. 101 al. 2 CP). Mais ce n'est pas un droit automatique – cela dépend du cas d'espèce (**ATF 140 IV 145**). Les prétentions en dommages-intérêts des victimes ne se prescrivent également pratiquement plus, comme l'expose Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ss.).\n\nLa règle montre l'importance de la protection des enfants dans l'ordre juridique suisse. Elle garantit que même une découverte tardive d'abus peut encore avoir des conséquences.", "doctrine_fr": "# Art. 123b Cst.\n\n## Doctrine\n\n### Historique\n\n**ch. 1** L'initiative populaire « pour l'imprescriptibilité des crimes pornographiques envers les enfants » a été déposée le 1er mars 2006 avec 119'375 signatures valables (FF 2006 3465). Le Conseil fédéral a recommandé le rejet de l'initiative dans son message du 29 juin 2007, considérant que les délais de prescription en vigueur étaient suffisants et invoquant des préoccupations constitutionnelles concernant l'interdiction de la rétroactivité (FF 2007 5111, 5121 ss). Le 30 novembre 2008, le peuple et les cantons ont accepté l'initiative par 51,9% de oui et 13 5/2 voix des États (FF 2009 575). Les dispositions d'exécution dans le CP (art. 101 al. 1 let. e et al. 3 CP) sont entrées en vigueur le 1er janvier 2013 (RO 2012 2575).\n\n### Classement systématique\n\n**ch. 2** L'art. 123b Cst. se situe systématiquement entre l'art. 123a Cst. (internement) et l'art. 123c Cst. (interdiction d'exercer) dans le 8e titre consacré à l'ordre judiciaire. Cette norme constitue une dérogation au système général de prescription pénale et crée une exception absolue au principe de prescription pour un groupe spécifique d'auteurs et un type de délits. Elle est en tension avec l'interdiction de la rétroactivité (→ art. 7 CEDH) et avec l'idée générale de resocialisation du droit pénal.\n\n**ch. 3** La disposition présente des liens étroits avec l'art. 11 Cst. (protection des enfants et des jeunes) et l'art. 35 al. 3 Cst. (réalisation des droits fondamentaux par les particuliers). Dans le contexte des dispositions de protection des victimes (→ art. 124 Cst.), elle constitue un autre élément de la protection constitutionnelle renforcée des enfants contre les agressions sexuelles. La norme s'inscrit également dans le contexte systématique des dispositions de prescription du CP (art. 97 ss CP).\n\n### Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**ch. 4** L'infraction comprend trois éléments constitutifs : (1) infractions sexuelles ou pornographiques, (2) commises sur des enfants, (3) avant la puberté. Selon la mise en œuvre à l'art. 101 al. 1 let. e CP, sont considérés comme « infractions sexuelles » les délits selon l'art. 187 (actes d'ordre sexuel avec des enfants), 189-191 (contrainte sexuelle, viol, actes d'ordre sexuel commis sur une personne incapable de discernement ou de résistance), 195 (exploitation d'une situation de détresse) et 196 CP (actes d'ordre sexuel commis sur une personne dépendante). Comme « infractions pornographiques » relèvent du champ d'application les actes selon l'art. 197 al. 4 CP (pornographie dure avec enfants).\n\n**ch. 5** La notion d'« enfants avant la puberté » est concrétisée par l'art. 101 al. 1 let. e CP comme enfants de moins de 12 ans. Cette limite d'âge rigide remplace le critère biologique-individuel de la puberté par une fixation normative. Göksu (BSK BV, art. 123b ch. 3) relève que cette concrétisation était nécessaire pour des raisons de sécurité juridique, car le début individuel de la puberté serait difficile à établir dans la procédure pénale.\n\n### Conséquences juridiques\n\n**ch. 6** La norme constitutionnelle ordonne l'imprescriptibilité absolue tant de l'action pénale que de la peine. Cela signifie que ni la prescription de l'action pénale (art. 97 CP) ni la prescription de l'exécution (art. 99 CP) ne peuvent intervenir. Göksu (BSK BV, art. 123b ch. 2) souligne l'applicabilité directe de la disposition constitutionnelle, même si Vest (BSK BV, art. 123b ch. 2) relève à juste titre la nécessité d'une précision par l'art. 101 let. e CP.\n\n**ch. 7** L'imprescriptibilité n'entraîne pas la suppression complète de toutes limites temporelles : selon l'art. 101 al. 2 CP, le tribunal peut atténuer la peine si 30 ans se sont écoulés depuis l'infraction. Cette règle tient compte de l'idée que même pour les infractions les plus graves, le besoin de punir peut diminuer avec le temps (ATF 140 IV 145 consid. 2.3).\n\n**ch. 8** Pour le droit de la responsabilité civile, Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ss) identifie également des conséquences : la prescription civile selon l'art. 60 al. 2 CO est supplantée par l'imprescriptibilité pénale, de sorte que les prétentions en dommages-intérêts peuvent également devenir factuellement imprescriptibles.\n\n### Points litigieux\n\n**ch. 9** La question de la rétroactivité était vivement controversée. Frischknecht (ZStrR 2008, 434 ss) argumentait contre toute forme de rétroactivité en se référant à l'art. 7 CEDH et à l'interdiction de la rétroactivité en matière pénale. Capus (FP 2009, 110 ss) distinguait entre rétroactivité authentique et inauthentique et préconisait l'application aux actes pas encore prescrits. Le Tribunal fédéral a suivi dans l'ATF 141 IV 93 une solution de compromis : les procédures déjà classées ne peuvent pas être reprises, mais les délais de prescription encore en cours sont prolongés.\n\n**ch. 10** La limite d'âge rigide de 12 ans fait l'objet de discussions controversées. Vest (SG Komm BV, art. 123b ch. 7) critique le fait que la puberté biologique survient de manière très différente selon les individus et qu'une fixation normative contredise le texte constitutionnel. Göksu (BSK BV, art. 123b ch. 3) défend la solution comme un compromis nécessaire entre sécurité juridique et protection des victimes.\n\n**ch. 11** L'admissibilité en droit international de la réglementation de l'imprescriptibilité est jugée différemment. Alors que Göksu (BSK BV, art. 123b ch. 4) ne voit aucune violation de l'art. 7 CEDH tant qu'il n'y a pas de rétroactivité authentique, des voix critiques voient dans la prolongation a posteriori des délais de prescription une atteinte problématique au principe de confiance.\n\n### Conseils pratiques\n\n**ch. 12** Lors de l'examen de l'applicabilité de l'art. 123b Cst., il faut d'abord établir l'âge de la victime au moment de l'infraction. La limite de 12 ans s'applique de manière absolue, indépendamment du début effectif de la puberté. En cas d'infractions en série avec des victimes d'âges différents, il faut examiner séparément chaque infraction.\n\n**ch. 13** Pour les infractions antérieures au 30 novembre 2008 : si l'infraction était déjà prescrite selon l'ancien droit, il en reste ainsi (pas de rétroactivité authentique). Si la prescription n'était pas encore intervenue, le délai se prolonge resp. disparaît entièrement (ATF 141 IV 93).\n\n**ch. 14** L'atténuation de la peine après 30 ans (art. 101 al. 2 CP) n'est pas une conséquence automatique de l'écoulement du temps. Le tribunal doit apprécier les circonstances concrètes, en particulier le comportement de l'auteur depuis l'infraction et la gravité de la culpabilité. La règle générale d'atténuation de la peine de l'art. 48 let. e CP n'est pas applicable (ATF 140 IV 145).\n\n**ch. 15** Dans la procédure civile, il faut noter que l'imprescriptibilité pénale influence la prescription des prétentions en dommages-intérêts selon l'art. 60 al. 2 CO. Tant qu'une condamnation pénale est possible, les prétentions civiles ne se prescrivent pas non plus. Cela peut conduire à une imprescriptibilité factuelle des prétentions en réparation du tort moral et en dommages-intérêts.", "caselaw_fr": "# Art. 123b Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Genèse et entrée en vigueur de la disposition sur l'imprescriptibilité\n\n**ATF 141 IV 93** (10 février 2015)\nArrêt de principe concernant l'application rétroactive des règles d'imprescriptibilité.\nLe Tribunal fédéral a rendu dans cet arrêt précurseur un jugement sur les conditions de la reprise de procédures classées après l'entrée en vigueur des dispositions d'exécution de l'art. 123b Cst.\n\n> « Le 30 novembre 2008, le peuple et les cantons ont accepté l'initiative populaire 'Pour l'imprescriptibilité des crimes pornographiques envers les enfants' (initiative sur l'imprescriptibilité). L'art. 123b Cst. prescrit depuis lors que la poursuite d'infractions sexuelles ou pornographiques sur des enfants avant la puberté et la peine pour de tels actes sont imprescriptibles. Sur cette base, l'Assemblée fédérale a édicté des dispositions d'exécution, qui sont entrées en vigueur le 1er janvier 2013. »\n\nLe Tribunal fédéral a établi que le changement rétroactif des délais de prescription n'autorise pas la reprise de procédures déjà classées avec force de chose jugée.\n\n**Décision BES.2013.72** (20 août 2014, Cour d'appel de Bâle-Ville)\nConcrétisation des limites de la reprise de procédures pénales.\nLa Cour d'appel de Bâle-Ville a confirmé la jurisprudence du Tribunal fédéral concernant l'impossibilité de reprendre des procédures déjà classées.\n\n> « Les délits reprochés au recourant [étaient] prescrits au moment de la décision de classement selon le droit alors en vigueur, raison pour laquelle la procédure avait dû être classée de manière impérative. »\n\n### Application des règles d'imprescriptibilité et atténuation de la peine\n\n**ATF 140 IV 145** (27 novembre 2014)\nArrêt déterminant concernant l'atténuation de la peine pour infractions imprescriptibles.\nLe Tribunal fédéral a clarifié le rapport entre l'art. 48 let. e CP (atténuation de la peine en raison d'un long écoulement du temps) et l'art. 101 al. 2 CP pour les infractions sexuelles imprescriptibles sur des enfants.\n\n> « Pour les infractions imprescriptibles, l'art. 101 al. 2 CP détermine le moment à partir duquel le tribunal peut atténuer la peine. L'art. 48 let. e CP n'est par conséquent pas applicable aux crimes imprescriptibles. »\n\nLe tribunal a précisé que pour les infractions sexuelles imprescriptibles sur des enfants selon l'art. 123b Cst., les règles spéciales de l'art. 101 al. 2 CP s'appliquent et non la disposition générale sur l'atténuation de la peine en cas de long écoulement du temps.\n\n### Droit transitoire et application temporelle\n\n**Décision 6B_479/2013** (30 janvier 2014, Tribunal fédéral)\nDélimitation de l'applicabilité temporelle des règles d'imprescriptibilité.\nLe Tribunal fédéral a traité des questions concernant l'application des nouvelles règles de prescription aux anciens cas et les conditions pour la non-entrée en matière sur des dénonciations pénales.\n\n**Décision SK 2016 83** (25 août 2017, Tribunal pénal et des mesures du canton de Berne)\nApplication pratique des règles d'atténuation de la peine pour actes sexuels avec des enfants.\nLe tribunal a appliqué les principes de l'ATF 140 IV 145 et a examiné les conditions pour une atténuation de la peine malgré l'imprescriptibilité.\n\n> « À l'art. 48 let. e CP, le tribunal atténue la peine si le besoin de punir est nettement diminué compte tenu du temps écoulé depuis l'acte et si l'auteur s'est bien comporté pendant cette période. Cette disposition se rattache à l'idée de prescription. »\n\n### Délimitation du champ d'application\n\n**Décision PE11.010972** (2 septembre 2011, Tribunal cantonal Vaud)\nApplication précoce de l'art. 123b Cst. avant l'édiction des dispositions d'exécution.\nLe Tribunal cantonal vaudois s'est penché sur l'applicabilité immédiate de la disposition constitutionnelle avant l'entrée en vigueur des dispositions légales d'exécution dans le CP.\n\n**Décision VB.2014.00008** (28 mai 2014, Tribunal administratif de Zurich)\nDélimitation par rapport à d'autres dispositions d'imprescriptibilité dans le domaine administratif.\nLe Tribunal administratif a précisé que les manquements dans le cas concret ne constituaient pas des infractions de base au sens de l'art. 123c Cst. et que l'art. 123b Cst. n'était donc pas applicable.\n\n### Application concrète dans la pratique pénale\n\n**Décision SB170204** (7 décembre 2018, Cour suprême de Zurich)\nMise en œuvre pratique en cas d'infractions sexuelles multiples sur des enfants.\nLa Cour suprême de Zurich a appliqué les règles d'imprescriptibilité dans un cas de viols multiples, contraintes sexuelles et actes d'ordre sexuel avec des enfants.\n\n**Décision SB130306** (8 avril 2014, Cour suprême de Zurich)\nDroit transitoire entre ancienne et nouvelle situation juridique pour les délits d'attentat à la pudeur.\nLe tribunal a examiné l'application des délais de prescription prolongés pour les actes d'ordre sexuel avec des enfants dans le domaine transitoire.\n\n> « La prescription de la poursuite pénale pour actes d'ordre sexuel avec des enfants au sens de l'art. 187 CP se mesure - selon l'al. 4 de l'art. 70 aCP resp. l'art. 97 al. 2 CP - d'après l'âge de la victime. »", "summary_it": "# Art. 123b Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 123b Cost. rende imprescrittibili i reati sessuali e pornografici commessi su bambini prima della pubertà. Ciò significa: questi autori possono essere perseguiti e puniti per tutta la vita, anche dopo decenni.\n\n**Chi è interessato?** Sono interessati gli autori di atti sessuali (come abuso o stupro) e reati pornografici su bambini di età inferiore ai 12 anni. Dopo l'attuazione nel Codice penale (art. 101 cpv. 1 lett. e CP), questo limite di età si applica rigorosamente – indipendentemente da quando un bambino entri effettivamente nella pubertà. La disposizione deriva da un'iniziativa popolare accettata nel 2008, come mostra il messaggio del Consiglio federale (FF 2007 4905).\n\n**Conseguenze giuridiche**: A differenza di altri reati, non esiste un limite temporale per il perseguimento penale o la punizione. Normalmente i reati si prescrivono dopo un certo tempo – questa regola viene qui infranta. Il Tribunale federale ha tuttavia chiarito che i procedimenti già archiviati non possono essere ripresi (**DTF 141 IV 93**). Secondo BSK BV-Göksu (n. 2), la disposizione costituzionale è direttamente applicabile, mentre SG Komm BV-Vest (n. 2) sottolinea la precisazione attraverso il Codice penale.\n\n**Esempio**: Un trentenne abusa di un bambino di otto anni. Anche se il reato viene scoperto solo 40 anni dopo, può ancora essere perseguito e punito. Per altri reati gravi il perseguimento sarebbe da tempo prescritto.\n\n**Particolarità**: Dopo 30 anni il tribunale può attenuare la pena (art. 101 cpv. 2 CP). Questo però non è un diritto automatico – dipende dal caso singolo (**DTF 140 IV 145**). Anche le pretese di risarcimento danni delle vittime praticamente non si prescrivono più, come espone Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ss.).\n\nLa regola mostra quanto sia importante la protezione dei bambini nell'ordinamento giuridico svizzero. Garantisce che anche la scoperta tardiva di abusi possa ancora avere conseguenze.", "doctrine_it": "# Art. 123b Cost.\n\n## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'iniziativa popolare «per l'imprescrittibilità dei reati di pornografia infantile» fu depositata il 1º marzo 2006 con 119'375 firme valide (FF 2006 3503). Il Consiglio federale raccomandò di respingere l'iniziativa nel suo messaggio del 29 giugno 2007, in quanto riteneva sufficienti i termini di prescrizione vigenti e sollevava riserve di diritto costituzionale riguardo al divieto di retroattività (FF 2007 5047, 5055 segg.). Il 30 novembre 2008 il popolo e i Cantoni hanno accettato l'iniziativa con il 51,9% di voti favorevoli e 13 5/2 voti cantonali (FF 2009 593). Le disposizioni esecutive nel CP (art. 101 cpv. 1 lett. e e cpv. 3 CP) sono entrate in vigore il 1º gennaio 2013 (RU 2012 2575).\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 2** L'art. 123b Cost. si colloca sistematicamente tra l'art. 123a Cost. (internamento) e l'art. 123c Cost. (divieto di esercitare un'attività per i reati sessuali) nell'8º titolo sulla giustizia. La norma rappresenta una deroga al sistema generale di prescrizione penale e crea un'eccezione assoluta al principio della prescrizione per uno specifico gruppo di autori e tipo di reato. Si pone in tensione con il divieto di retroattività (→ art. 7 CEDU) e con il concetto generale di risocializzazione del diritto penale.\n\n**N. 3** La disposizione presenta stretti collegamenti con l'art. 11 Cost. (protezione dei fanciulli e dei giovani) e l'art. 35 cpv. 3 Cost. (attuazione dei diritti fondamentali da parte dei privati). Nel contesto delle disposizioni sulla protezione delle vittime (→ art. 124 Cost.), essa costituisce un ulteriore elemento della rafforzata protezione costituzionale dei bambini dagli abusi sessuali. La norma si pone inoltre in connessione sistematica con le disposizioni sulla prescrizione del CP (art. 97 segg. CP).\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 4** La fattispecie comprende tre elementi costitutivi: (1) reati sessuali o pornografici, (2) contro bambini, (3) prima della pubertà. Come «reati sessuali» si considerano, secondo l'attuazione nell'art. 101 cpv. 1 lett. e CP, i reati di cui all'art. 187 (atti sessuali con fanciulli), 189-191 (coazione sessuale, violenza carnale, atti sessuali con persone incapaci di discernimento o di resistere), 195 (abuso dello stato di dipendenza) e 196 CP (atti sessuali con persone dipendenti). Come «reati pornografici» rientrano nell'ambito di applicazione le azioni di cui all'art. 197 cpv. 4 CP (pornografia dura con bambini).\n\n**N. 5** Il concetto di «bambini prima della pubertà» è concretizzato dall'art. 101 cpv. 1 lett. e CP come bambini di età inferiore ai 12 anni. Questo limite di età rigido sostituisce il criterio biologico-individuale della pubertà con una determinazione normativa. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) rileva che tale concretizzazione era necessaria per ragioni di certezza del diritto, in quanto l'inizio individuale della pubertà sarebbe difficilmente accertabile nel procedimento penale.\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 6** La norma costituzionale stabilisce l'assoluta imprescrittibilità sia dell'azione penale sia della pena. Ciò significa che non può intervenire né la prescrizione dell'azione penale (art. 97 CP) né la prescrizione dell'esecuzione (art. 99 CP). Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 2) sottolinea l'applicabilità diretta della disposizione costituzionale, anche se Vest (BSK BV, Art. 123b N. 2) indica giustamente la necessaria precisazione tramite l'art. 101 lett. e CP.\n\n**N. 7** L'imprescrittibilità non comporta la completa eliminazione di ogni limite temporale: secondo l'art. 101 cpv. 2 CP il giudice può attenuare la pena se sono trascorsi 30 anni dal reato. Questa regolamentazione tiene conto del fatto che anche per i reati più gravi il bisogno di punire può diminuire con il tempo (DTF 140 IV 145 consid. 2.3).\n\n**N. 8** Per il diritto di responsabilità civile derivano conseguenze secondo Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 segg.): la prescrizione di diritto civile secondo l'art. 60 cpv. 2 CO è sovrastata dall'imprescrittibilità penale, per cui anche le pretese di risarcimento danni possono diventare di fatto imprescrittibili.\n\n### Questioni controverse\n\n**N. 9** La questione della retroattività è stata oggetto di vivace controversia. Frischknecht (ZStrR 2008, 434 segg.) argomentava contro ogni forma di retroattività con riferimento all'art. 7 CEDU e al divieto penale di retroattività. Capus (FP 2009, 110 segg.) differenziava tra retroattività propria e impropria e sosteneva l'applicazione ai reati non ancora prescritti. Il Tribunale federale ha seguito in DTF 141 IV 93 una soluzione intermedia: i procedimenti già archiviati non possono essere ripresi, ma i termini di prescrizione ancora in corso vengono prolungati.\n\n**N. 10** È controverso il limite di età rigido di 12 anni. Vest (SG Komm BV, Art. 123b N. 7) critica che la pubertà biologica si manifesta individualmente in modo molto diverso e una determinazione normativa contraddica il tenore costituzionale. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) difende la soluzione come compromesso necessario tra certezza del diritto e protezione delle vittime.\n\n**N. 11** L'ammissibilità di diritto internazionale della regolamentazione dell'imprescrittibilità è valutata diversamente. Mentre Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 4) non riconosce alcuna violazione dell'art. 7 CEDU, purché non si dia retroattività propria, voci critiche vedono nel prolungamento successivo dei termini di prescrizione un intervento problematico nel principio di affidamento.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 12** Nel verificare l'applicabilità dell'art. 123b Cost. occorre innanzitutto accertare l'età della vittima al momento del fatto. Il limite dei 12 anni vale in modo assoluto, indipendentemente dall'effettivo inizio della pubertà. In caso di reati seriali con vittime di diverse età, occorre verificare separatamente per ogni fatto.\n\n**N. 13** Per i reati commessi prima del 30 novembre 2008 vale: se il reato era già prescritto secondo il diritto anteriore, rimane tale (nessuna retroattività propria). Se la prescrizione non era ancora intervenuta, il termine si prolunga o decade completamente (DTF 141 IV 93).\n\n**N. 14** L'attenuazione della pena dopo 30 anni (art. 101 cpv. 2 CP) non è una conseguenza automatica del decorso del tempo. Il giudice deve valutare le circostanze concrete, in particolare il comportamento dell'autore dal fatto e la gravità della colpa. La regola generale di attenuazione della pena di cui all'art. 48 lett. e CP non è applicabile (DTF 140 IV 145).\n\n**N. 15** Nel procedimento civile occorre considerare che l'imprescrittibilità penale influenza la prescrizione delle pretese di risarcimento danni secondo l'art. 60 cpv. 2 CO. Finché è possibile una condanna penale, non si prescrivono neanche le pretese di diritto civile. Ciò può portare a un'imprescrittibilità di fatto delle pretese di riparazione morale e risarcimento danni.", "caselaw_it": "# Art. 123b Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Genesi ed entrata in vigore della disposizione sull'imprescrittibilità\n\n**DTF 141 IV 93** (10 febbraio 2015)\nDecisione di principio sull'applicazione retroattiva delle regole d'imprescrittibilità.\nIn questa decisione di riferimento il Tribunale federale si è pronunciato sui presupposti per la riapertura di procedimenti archiviati dopo l'entrata in vigore delle disposizioni esecutive dell'art. 123b Cost.\n\n> «Il 30 novembre 2008 popolo e Cantoni hanno accettato l'iniziativa popolare 'Per l'imprescrittibilità dei reati di pornografia infantile' (iniziativa imprescrittibilità). Da allora l'art. 123b Cost. prescrive che il perseguimento penale di reati sessuali o di pornografia infantile su minori prima della pubertà e la pena per tali atti sono imprescrittibili. In base a ciò l'Assemblea federale ha emanato disposizioni esecutive entrate in vigore il 1° gennaio 2013.»\n\nIl Tribunale federale ha stabilito che la modifica retroattiva dei termini di prescrizione non consente la riapertura di procedimenti già archiviati con decisione passata in giudicato.\n\n**Decisione BES.2013.72** (20 agosto 2014, Corte d'appello di Basilea-Città)\nConcretizzazione dei limiti della riapertura di procedimenti penali.\nLa Corte d'appello di Basilea-Città ha confermato la giurisprudenza del Tribunale federale sull'impossibilità di riaprire procedimenti già archiviati.\n\n> «I reati addebitati al ricorrente [erano] già prescritti al momento della decisione di archiviazione secondo il diritto allora vigente, per cui il procedimento doveva essere obbligatoriamente archiviato.»\n\n### Applicazione delle regole d'imprescrittibilità e attenuazione della pena\n\n**DTF 140 IV 145** (27 novembre 2014)\nDecisione di riferimento sull'attenuazione della pena per reati imprescrittibili.\nIl Tribunale federale ha chiarito il rapporto tra l'art. 48 lett. e CP (attenuazione della pena a causa del lungo decorso del tempo) e l'art. 101 cpv. 2 CP per i reati sessuali imprescrittibili su minori.\n\n> «Per i reati imprescrittibili l'art. 101 cpv. 2 CP determina il momento a partire dal quale il giudice può attenuare la pena. L'art. 48 lett. e CP non è quindi applicabile ai crimini imprescrittibili.»\n\nIl Tribunale ha chiarito che per i reati sessuali imprescrittibili su minori secondo l'art. 123b Cost. si applicano le regole speciali dell'art. 101 cpv. 2 CP e non la disposizione generale sull'attenuazione della pena per il lungo decorso del tempo.\n\n### Diritto transitorio e applicazione temporale\n\n**Decisione 6B_479/2013** (30 gennaio 2014, Tribunale federale)\nDelimitazione dell'applicabilità temporale delle regole d'imprescrittibilità.\nIl Tribunale federale ha trattato questioni relative all'applicazione delle nuove regole di prescrizione ai casi pregressi e i presupposti per la non presa in considerazione di denunce penali.\n\n**Decisione SK 2016 83** (25 agosto 2017, Tribunale penale e delle misure del Canton Berna)\nApplicazione pratica delle regole di attenuazione della pena per atti sessuali con minori.\nIl Tribunale ha applicato i principi del DTF 140 IV 145 e ha esaminato i presupposti per un'attenuazione della pena nonostante l'imprescrittibilità.\n\n> «Art. 48 lett. e CP il giudice attenua la pena se il bisogno di punire è nettamente diminuito in considerazione del tempo trascorso dal reato e se l'autore si è comportato bene in questo periodo. Questa disposizione si collega al concetto di prescrizione.»\n\n### Delimitazione dell'ambito di applicazione\n\n**Decisione PE11.010972** (2 settembre 2011, Tribunale cantonale Vaud)\nPrima applicazione dell'art. 123b Cost. prima dell'emanazione delle disposizioni esecutive.\nIl Tribunale cantonale vodese si è occupato dell'applicabilità diretta della disposizione costituzionale prima dell'entrata in vigore delle disposizioni legali esecutive nel CP.\n\n**Decisione VB.2014.00008** (28 maggio 2014, Tribunale amministrativo di Zurigo)\nDelimitazione rispetto ad altre disposizioni d'imprescrittibilità in ambito amministrativo.\nIl Tribunale amministrativo ha chiarito che le infrazioni del caso concreto non costituivano reati presupposto ai sensi dell'art. 123c Cost. e quindi l'art. 123b Cost. non era applicabile.\n\n### Applicazione concreta nella prassi penale\n\n**Decisione SB170204** (7 dicembre 2018, Corte suprema di Zurigo)\nAttuazione pratica in caso di reati sessuali multipli su minori.\nLa Corte suprema di Zurigo ha applicato le regole d'imprescrittibilità in un caso con violenze carnali multiple, coazioni sessuali e atti sessuali con minori.\n\n**Decisione SB130306** (8 aprile 2014, Corte suprema di Zurigo)\nDiritto transitorio tra vecchia e nuova situazione giuridica per reati di corruzione di minorenni.\nIl Tribunale ha esaminato l'applicazione dei termini di prescrizione prolungati per atti sessuali con minori nell'ambito transitorio.\n\n> «La prescrizione del perseguimento penale di atti sessuali con minori ai sensi dell'art. 187 CP si calcola - secondo il cpv. 4 dell'art. 70 del CP precedente rispettivamente l'art. 97 cpv. 2 CP - secondo l'età della vittima.»", "summary_en": "# Art. 123b BV\n\n## Overview\n\nArticle 123b BV makes sexual and pornographic offences against children before puberty non-prescriptible. This means: These perpetrators can be prosecuted and punished their entire lives, even after decades.\n\n**Who is affected?** Affected are perpetrators of sexual acts (such as abuse or rape) and pornographic offences against children under 12 years of age. Following implementation in the Criminal Code (Art. 101 para. 1 lit. e StGB), this age limit applies strictly – regardless of when a child actually enters puberty. The provision stems from a popular initiative that was adopted in 2008, as the Federal Council's message shows (BBl 2007 5369).\n\n**Legal consequences**: Unlike other offences, there is no time limit for prosecution or punishment. Normally, criminal offences become time-barred after a certain period – this rule is broken here. However, the Federal Supreme Court has clarified that proceedings already discontinued cannot be reopened (**BGE 141 IV 93**). According to BSK BV-Göksu (N. 2), the constitutional provision is directly applicable, while SG Komm BV-Vest (N. 2) emphasises the specification by the Criminal Code.\n\n**Example**: A 30-year-old abuses an eight-year-old child. Even if the act is only discovered 40 years later, he can still be prosecuted and punished. For other serious offences, prosecution would long since be time-barred.\n\n**Special feature**: After 30 years, the court may mitigate the penalty (Art. 101 para. 2 StGB). However, this is not an automatic right – it depends on the individual case (**BGE 140 IV 145**). Victims' claims for damages also practically no longer become time-barred, as Schöbi explains (Festschrift SGHVR 2010, 519 ff.).\n\nThe rule shows how important the protection of children is in the Swiss legal system. It ensures that even late discovery of abuse can still have consequences.", "doctrine_en": "# Art. 123b Cst\n\n## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** The popular initiative «for the imprescriptibility of pornographic crimes against children» was submitted on 1 March 2006 with 119,375 valid signatures (BBl 2006 3657). The Federal Council recommended rejection of the initiative in its message of 29 June 2007, as it considered the existing limitation periods sufficient and raised constitutional concerns regarding the prohibition of retroactivity (BBl 2007 5369, 5379 ff.). On 30 November 2008, the people and cantons accepted the initiative with 51.9% yes votes and 13 5/2 cantonal votes (BBl 2009 605). The implementing provisions in the Criminal Code (Art. 101 para. 1 lit. e and para. 3 CC) entered into force on 1 January 2013 (AS 2012 2575).\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 2** Art. 123b Cst is systematically positioned between Art. 123a Cst (preventive detention) and Art. 123c Cst (prohibition of activities for sexual offences) in Title 8 on the judiciary. The provision represents a breach of the general criminal law limitation system and creates an absolute exception from the limitation principle for a specific group of offenders and type of offence. It stands in tension with the prohibition of retroactivity (→ Art. 7 ECHR) and the general resocialisation principle of criminal law.\n\n**N. 3** The provision has close connections to Art. 11 Cst (protection of children and young people) and Art. 35 para. 3 Cst (realisation of fundamental rights by private individuals). In the context of victim protection provisions (→ Art. 124 Cst), it forms another building block of enhanced constitutional protection of children from sexual abuse. The provision also stands in systematic connection with the limitation provisions of the Criminal Code (Art. 97 ff. CC).\n\n### Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 4** The elements of the offence comprise three constitutive elements: (1) sexual or pornographic crimes, (2) against children, (3) before puberty. According to the implementation in Art. 101 para. 1 lit. e CC, «sexual crimes» are the offences under Art. 187 (sexual acts with children), 189-191 (sexual coercion, rape, defilement), 195 (exploitation of a position of distress) and 196 CC (sexual acts with persons in dependent relationships). «Pornographic crimes» include acts under Art. 197 para. 4 CC (hard pornography involving children) within the scope of application.\n\n**N. 5** The concept «children before puberty» is concretised by Art. 101 para. 1 lit. e CC as children under 12 years of age. This rigid age limit replaces the biological-individual criterion of puberty with a normative determination. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) points out that this concretisation was necessary for reasons of legal certainty, as the individual onset of puberty would be difficult to establish in criminal proceedings.\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 6** The constitutional provision orders the absolute imprescriptibility of both criminal prosecution and punishment. This means that neither the limitation of prosecution (Art. 97 CC) nor the limitation of execution (Art. 99 CC) can occur. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 2) emphasises the direct applicability of the constitutional provision, even though Vest (BSK BV, Art. 123b N. 2) rightly points to the necessary specification by Art. 101 lit. e CC.\n\n**N. 7** Imprescriptibility does not lead to the complete elimination of any temporal limitations: According to Art. 101 para. 2 CC, the court may reduce the penalty if 30 years have passed since the act. This provision takes account of the idea that even for the most serious crimes, the need for punishment may diminish over time (BGE 140 IV 145 E. 2.3).\n\n**N. 8** For liability law, according to Schöbi (Festschrift SGHVR 2010, 519 ff.), there are also consequences: The civil law limitation under Art. 60 para. 2 CO is superseded by criminal law imprescriptibility, whereby compensation claims may also become practically imprescriptible.\n\n### Controversial Issues\n\n**N. 9** The question of retroactivity was hotly disputed. Frischknecht (ZStrR 2008, 434 ff.) argued against any form of retroactivity with reference to Art. 7 ECHR and the criminal law prohibition of retroactivity. Capus (FP 2009, 110 ff.) differentiated between true and false retroactivity and favoured application to acts not yet time-barred. The Federal Court followed a mediating solution in BGE 141 IV 93: proceedings already discontinued may not be reopened, but limitation periods still running are extended.\n\n**N. 10** The rigid age limit of 12 years is controversially discussed. Vest (SG Komm BV, Art. 123b N. 7) criticises that biological puberty occurs very differently in individuals and a normative determination contradicts the constitutional wording. Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 3) defends the solution as a necessary compromise between legal certainty and victim protection.\n\n**N. 11** The admissibility under international law of the imprescriptibility provision is assessed differently. While Göksu (BSK BV, Art. 123b N. 4) recognises no violation of Art. 7 ECHR as long as no true retroactivity exists, critical voices see in the subsequent extension of limitation periods a problematic interference with the principle of legitimate expectations.\n\n### Practice Notes\n\n**N. 12** When examining the applicability of Art. 123b Cst, the age of the victim at the time of the act must first be established. The 12-year limit applies absolutely, regardless of the actual onset of puberty. For serial acts with victims of different ages, each act must be examined separately.\n\n**N. 13** For acts before 30 November 2008, the following applies: if the act was already time-barred under the old law, it remains so (no true retroactivity). If limitation had not yet occurred, the period is extended or lapses entirely (BGE 141 IV 93).\n\n**N. 14** The penalty reduction after 30 years (Art. 101 para. 2 CC) is not an automatic consequence of the passage of time. The court must assess the specific circumstances, particularly the behaviour of the offender since the act and the gravity of the guilt. The general penalty reduction rule of Art. 48 lit. e CC is not applicable (BGE 140 IV 145).\n\n**N. 15** In civil proceedings, it should be noted that criminal law imprescriptibility influences the limitation of compensation claims under Art. 60 para. 2 CO. As long as a criminal conviction is possible, the civil law claims also do not become time-barred. This can lead to a de facto imprescriptibility of satisfaction and compensation claims.", "caselaw_en": "# Art. 123b BV\n\n## Case Law\n\n### Genesis and Entry into Force of the Imprescriptibility Provision\n\n**BGE 141 IV 93** (10 February 2015)\nLeading decision on the retroactive application of imprescriptibility rules.\nIn this landmark decision, the Federal Supreme Court ruled on the requirements for the resumption of discontinued proceedings following the entry into force of implementing provisions to Art. 123b BV.\n\n> «On 30 November 2008, the people and the cantons adopted the popular initiative 'For the imprescriptibility of pornographic offences against children' (imprescriptibility initiative). Art. 123b BV has since stipulated that the prosecution of sexual or pornographic offences against children before puberty and the penalty for such offences are imprescriptible. Based on this, the Federal Assembly issued implementing provisions, which entered into force on 1 January 2013.»\n\nThe Federal Supreme Court held that the retroactive amendment of limitation periods does not permit the resumption of proceedings that have already been definitively discontinued.\n\n**Decision BES.2013.72** (20 August 2014, Court of Appeal of Basel-Stadt)\nSpecification of the limits on resumption of criminal proceedings.\nThe Court of Appeal of Basel-Stadt confirmed the Federal Supreme Court's case law on the impossibility of resuming already discontinued proceedings.\n\n> «The offences charged to the appellant [had] been time-barred at the time of the discontinuation order according to the law applicable at the time, which is why the proceedings had to be discontinued.»\n\n### Application of Imprescriptibility Rules and Mitigation of Sentence\n\n**BGE 140 IV 145** (27 November 2014)\nLandmark decision on sentence mitigation for imprescriptible offences.\nThe Federal Supreme Court clarified the relationship between Art. 48 lit. e SCC (sentence mitigation due to lapse of time) and Art. 101 para. 2 SCC for imprescriptible sexual offences against children.\n\n> «For imprescriptible offences, Art. 101 para. 2 SCC determines the time from which the court may mitigate the sentence. Art. 48 lit. e SCC is therefore not applicable to imprescriptible felonies.»\n\nThe court clarified that for imprescriptible sexual offences against children under Art. 123b BV, the special rules of Art. 101 para. 2 SCC apply and not the general provision on sentence mitigation for lapse of time.\n\n### Transitional Law and Temporal Application\n\n**Decision 6B_479/2013** (30 January 2014, Federal Supreme Court)\nDelimitation of the temporal applicability of imprescriptibility rules.\nThe Federal Supreme Court addressed questions on the application of the new limitation rules to old cases and the requirements for non-pursuit of criminal charges.\n\n**Decision SK 2016 83** (25 August 2017, Criminal and Measures Enforcement Court of Bern)\nPractical application of sentence mitigation rules for sexual acts with children.\nThe court applied the principles from BGE 140 IV 145 and examined the requirements for sentence mitigation despite imprescriptibility.\n\n> «Under Art. 48 lit. e SCC, the court mitigates the sentence if the need for punishment is significantly reduced in view of the time that has elapsed since the offence and the offender has behaved well during this time. This provision is linked to the concept of limitation.»\n\n### Delimitation of Scope of Application\n\n**Decision PE11.010972** (2 September 2011, Cantonal Court of Vaud)\nEarly application of Art. 123b BV before issuance of implementing provisions.\nThe Vaud Cantonal Court addressed the direct applicability of the constitutional provision before the entry into force of the statutory implementing provisions in the SCC.\n\n**Decision VB.2014.00008** (28 May 2014, Administrative Court of Zurich)\nDelimitation from other imprescriptibility provisions in the administrative sphere.\nThe Administrative Court clarified that the misconduct in the specific case did not constitute predicate acts within the meaning of Art. 123c BV and thus Art. 123b BV was not applicable.\n\n### Concrete Application in Criminal Practice\n\n**Decision SB170204** (7 December 2018, Superior Court of Zurich)\nPractical implementation in case of multiple sexual offences against children.\nThe Superior Court of Zurich applied the imprescriptibility rules in a case involving multiple rapes, sexual coercion and sexual acts with children.\n\n**Decision SB130306** (8 April 2014, Superior Court of Zurich)\nTransitional law between old and new legal situation for indecency offences.\nThe court examined the application of extended limitation periods for sexual acts with children in the transitional area.\n\n> «The limitation of prosecution for sexual acts with children within the meaning of Art. 187 SCC is measured - according to para. 4 of Art. 70 former SCC or Art. 97 para. 2 SCC - by the age of the victim.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_123b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 123, "article_suffix": "c", "title": "Massnahme nach Sexualdelikten an Kindern oder an zum Widerstand unfähigen oder urteilsunfähigen Personen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 123c BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 123c der Bundesverfassung verbietet Personen lebenslang die Arbeit mit Kindern oder abhängigen Personen. Das Verbot gilt für alle, die wegen Sexualstraftaten gegen Kinder oder zum Widerstand unfähige oder urteilsunfähige Personen verurteilt werden. \n\nAls Kinder gelten Personen unter 16 Jahren gemäss Strafgesetzbuch. Abhängige Personen sind Menschen, die sich wegen Behinderung, Krankheit oder einem Betreuungsverhältnis nicht selbst schützen können. Das Verbot umfasst sowohl berufliche als auch freiwillige Tätigkeiten.\n\nDas Gericht muss das Verbot zwingend aussprechen (Automatismus). Es hat keinen Ermessensspielraum. Nur in besonders leichten Fällen kann es ausnahmsweise davon absehen, wenn keine Wiederholungsgefahr besteht. Diese Ausnahme wird sehr selten angewendet.\n\nDas Verbot ist grundsätzlich lebenslang. Nach zehn Jahren kann das Gericht überprüfen, ob es weiter nötig ist. Die Verfassungsbestimmung wurde am 18. Mai 2014 vom Schweizer Volk mit 63,5% Ja-Stimmen angenommen. Sie geht auf eine Volksinitiative zurück, die nach Sexualstraftaten gegen Kinder lanciert wurde.\n\n**Beispiel**: Ein Lehrer wird wegen sexueller Handlungen mit einem 14-jährigen Schüler verurteilt. Das Gericht muss ihm lebenslang verbieten, als Lehrer, Trainer oder Jugendleiter zu arbeiten. Er darf auch nicht mehr freiwillig bei Kinderlagern mithelfen. Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn es sich um einen sehr leichten Fall handelt und keine Gefahr für weitere Straftaten besteht.\n\nDie Bestimmung schützt Kinder und besonders verletzliche Personen vor wiederholten Übergriffen durch Personen in Vertrauenspositionen.", "doctrine_de": "# Art. 123c BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Volksinitiative «Pädophile sollen nicht mehr mit Kindern arbeiten dürfen» wurde am 4. Mai 2011 mit 111'391 gültigen Unterschriften eingereicht (BBl 2012 8819). Der Initiative ging eine breite gesellschaftliche Debatte über den Schutz von Minderjährigen vor sexuellen Übergriffen voraus, ausgelöst durch mehrere medienwirksame Fälle von Sexualdelikten durch Personen in Vertrauenspositionen.\n\n**N. 2** Der Bundesrat empfahl in seiner Botschaft vom 10. Oktober 2012 die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung (BBl 2012 8819, 8822). Er kritisierte insbesondere die fehlende Verhältnismässigkeitsprüfung und die Unklarheit bei der Definition der betroffenen Tätigkeiten. Das Parlament folgte dieser Empfehlung mit 120 zu 62 Stimmen im Nationalrat und 31 zu 11 Stimmen im Ständerat (AB NR 2013 443 ff.).\n\n**N. 3** Am 18. Mai 2014 nahmen Volk und Stände die Initiative mit 63,5% Ja-Stimmen und einer Mehrheit in allen Kantonen an. Die hohe Zustimmung spiegelte das ausgeprägte Schutzbedürfnis der Bevölkerung für Minderjährige wider. Die Umsetzung erfolgte durch die Revision des Strafgesetzbuches per 1. Januar 2019 (AS 2018 2855).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 123c BV ist systematisch bei den Übergangsbestimmungen zur Totalrevision der Bundesverfassung eingeordnet, gehört aber materiell zu den Justizbestimmungen. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 123b BV (Unverjährbarkeit), der ebenfalls den verstärkten Schutz von Kindern vor Sexualstraftaten bezweckt.\n\n**N. 5** Die Bestimmung durchbricht mehrere verfassungsrechtliche Grundprinzipien: Sie schränkt die → Art. 27 BV (Wirtschaftsfreiheit) und → Art. 10 BV (persönliche Freiheit) ein. Der verfassungsrechtliche Automatismus steht in Spannung zum Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) und zum Grundsatz der richterlichen Einzelfallbeurteilung (→ Art. 32 Abs. 1 BV).\n\n**N. 6** Auf Gesetzesstufe wurde die Verfassungsbestimmung primär in Art. 67 Abs. 2bis, 3 und 4bis StGB umgesetzt. Die Umsetzung musste den Spagat zwischen dem verfassungsrechtlichen Automatismus und völkerrechtlichen Vorgaben (→ Art. 8 EMRK) bewältigen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Anlasstat**: Der Tatbestand erfasst Personen, die «verurteilt werden, weil sie die sexuelle Unversehrtheit eines Kindes oder einer abhängigen Person beeinträchtigt haben». Göksu vertritt die Position, dass auch der Konsum von Kinderpornografie erfasst sei, da sich der Konsument «im Zweckbereich des Verbots» befinde (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 8). Dies steht im Einklang mit **BGE 149 IV 161**, der einen weiten Anwendungsbereich bestätigt.\n\n**N. 8** **Kindesbegriff**: Als Kinder gelten gemäss herrschender Lehre Personen unter 16 Jahren, in Anlehnung an das Schutzalter im Sexualstrafrecht (→ Art. 187 StGB). Die französische Fassung («mineur») deutet auf Minderjährige unter 18 Jahren hin, was zu Auslegungsproblemen führt (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 11).\n\n**N. 9** **Abhängige Person**: Dieser Begriff umfasst Personen in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis, etwa aufgrund von Behinderung, Krankheit oder einem Betreuungsverhältnis. Die genaue Abgrenzung bleibt in Lehre und Rechtsprechung umstritten.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Automatismus des Verbots**: Die Verfassung ordnet zwingend ein «endgültiges» Verbot an, ohne Ermessensspielraum für die Gerichte. Dieser Automatismus wurde vom Gesetzgeber in Art. 67 Abs. 2bis StGB als «lebenslängliches» Tätigkeitsverbot umgesetzt, wobei nach zehn Jahren eine Überprüfung möglich ist (Art. 67c Abs. 6 StGB).\n\n**N. 11** **Umfang der verbotenen Tätigkeiten**: Erfasst sind berufliche und ausserbberufliche Tätigkeiten mit Minderjährigen oder anderen besonders schutzbedürftigen Personen. Der Bundesrat interpretiert dies restriktiv: Nur Tätigkeiten «mit» Minderjährigen seien erfasst, nicht solche, bei denen «lediglich Kontakt möglich» sei (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 25, unter Verweis auf die Botschaft). Göksu kritisiert, dass der französische Text weiter gefasst sei und «jede Tätigkeit die Kontakt mit Kindern ermöglicht» erfasse.\n\n**N. 12** **Verhältnismässigkeitsvorbehalt**: Der Gesetzgeber hat in Art. 67 Abs. 4bis StGB eine Ausnahmebestimmung für «besonders leichte Fälle» geschaffen. Diese wird gemäss **BGE 149 IV 161 E. 2.5.1** äusserst restriktiv ausgelegt: Das lebenslängliche Tätigkeitsverbot soll die Regel bleiben.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Direkte Anwendbarkeit**: Ein zentraler Streitpunkt betrifft die unmittelbare Anwendbarkeit der Verfassungsbestimmung. Göksu vertritt, die Bestimmung sei «hinreichend bestimmt, um direkt angewendet werden zu können, wenn auch in einem beschränkten Rahmen» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 2). Der Bundesrat hingegen argumentierte, die Bestimmung werde «ohne Umsetzung auf Gesetzesstufe nicht auskommen» (BBl 2012 8819, 8838).\n\n**N. 14** **Reichweite des Tätigkeitsverbots**: Kontrovers diskutiert wird der Umfang der erfassten Tätigkeiten. Während eine enge Auslegung nur unmittelbare Betreuungstätigkeiten erfasst, plädieren andere für eine weite Auslegung, die jeden möglichen Kontakt mit Minderjährigen einschliesst. Die Rechtsprechung tendiert zur engen Auslegung (VGer ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 15** **Verhältnismässigkeit und Völkerrecht**: Die Vereinbarkeit des automatischen lebenslänglichen Verbots mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip und der EMRK bleibt umstritten. Die Einführung der Überprüfungsmöglichkeit nach zehn Jahren (Art. 67c Abs. 6 StGB) mildert diese Bedenken, löst sie aber nicht vollständig.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Anwendung von Art. 123c BV ist zunächst zu prüfen, ob eine Anlasstat vorliegt. Die Rechtsprechung legt die erfassten Delikte weit aus, schliesst aber reine Besitzdelikte ohne Bezug zu konkreten Opfern tendenziell aus (VGer ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 17** Die Ausnahmebestimmung des Art. 67 Abs. 4bis StGB ist äusserst zurückhaltend anzuwenden. Nur bei kumulativem Vorliegen eines «besonders leichten Falls» und fehlender Rückfallgefahr kann vom Tätigkeitsverbot abgesehen werden. Die blosse Ersttäterschaft genügt nicht (**BGE 149 IV 161**).\n\n**N. 18** Für die Verteidigung empfiehlt es sich, frühzeitig die konkreten beruflichen Auswirkungen des Tätigkeitsverbots darzulegen. Bei Bagatellfällen ohne pädophilen Hintergrund sind die Voraussetzungen der Ausnahmebestimmung detailliert zu substantiieren. Die kantonale Rechtsprechung zeigt eine zunehmende Bereitschaft, in eindeutigen Fällen von der starren Regel abzuweichen.", "caselaw_de": "# Art. 123c BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Lebenslängliches Tätigkeitsverbot und Ausnahmebestimmung\n\n**BGE 149 IV 161 E. 2.5.1-2.6** vom 3. April 2023\nDie zentrale Leitentscheidung zu den Voraussetzungen der Ausnahmebestimmung von Art. 67 Abs. 4bis StGB bei der Umsetzung von Art. 123c BV. Das Bundesgericht präzisiert die restriktive Anwendung der Ausnahmebestimmung und betont den Automatismus des lebenslänglichen Tätigkeitsverbots als verfassungsrechtliche Regel.\n\n> «Ein Absehen von der Anordnung eines Tätigkeitsverbots nach Art. 67 Abs. 3 und 4 StGB ist nach dem Wortlaut von Art. 67 Abs. 4bis StGB unter zwei kumulativen Voraussetzungen zulässig: Einerseits muss es sich um einen 'besonders leichten Fall' handeln, andererseits darf das Verbot nicht notwendig sein, um den Täter von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten. Aus dem Wort 'ausnahmsweise' ergibt sich, dass die Bestimmung restriktiv anzuwenden ist. Das zwingende lebenslängliche Tätigkeitsverbot soll die Regel sein.»\n\n**Urteil 6B_1027/2021** vom 5. Juni 2023\nDie Umsetzung von Art. 123c BV erfolgte mit dem Ziel, den verfassungsrechtlichen Automatismus weitestgehend umzusetzen. Das Bundesgericht bestätigt die enge Auslegung der Ausnahmebestimmung bei mehrfacher Pornografie.\n\n> «Nichtsdestotrotz kann im Einzelfall berücksichtigt werden, ob der Täter das Sexualdelikt in Ausübung seiner beruflichen oder ausserberuflichen Tätigkeit begangen hat, da dies die Gefährdungslage erhöht.»\n\n**Urteil 2A.430/2006** vom 6. Februar 2007\nHistorisch bedeutsame Entscheidung zur Buchpreisbindung, die zeigt, dass das Bundesgericht kulturpolitische Aspekte in verfassungsrechtlichen Abwägungen berücksichtigt, allerdings ohne direkten Bezug zu Art. 123c BV, der erst 2014 eingeführt wurde.\n\n### Anwendungsbereich und Abgrenzung\n\n**VB.2014.00008** (Verwaltungsgericht Zürich) vom 28. Mai 2014  \nErste Auslegung des neu in Kraft getretenen Art. 123c BV im Kontext beruflicher Tätigkeitsverbote. Das Gericht stellt fest, dass der Besitz pornografischer Materialien durch eine Lehrperson nicht automatisch eine Anlasstat im Sinne von Art. 123c BV darstellt.\n\n> «Die Verfehlungen des Beschwerdeführers stellen keine Anlasstaten im Sinn von Art. 123c BV dar. Mit der Abspeicherung privater Daten in grossen Mengen im Allgemeinen und pornografischer Bilder im Besonderen hat der Beschwerdeführer seine Berufspflichten verletzt, jedoch wurde das Wohl oder die sexuelle Integrität der Schulkinder nicht beeinträchtigt.»\n\n**SB230105** (Obergericht Zürich) vom 21. November 2023\nAktuelle kantonale Rechtsprechung zur Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB bei sexuellen Handlungen mit Kindern. Das Gericht wendet einen strengen Massstab an und betont den Schutz der sexuellen Integrität als wichtiges Rechtsgut.\n\n> «Bei diesem Tatbestand ist ein strenger Massstab anzulegen, da mit der sexuellen Integrität und Selbstbestimmung ein wichtiges Rechtsgut verletzt wird. Das Gericht hat unter Gesamtwürdigung der Tat- und Täterkomponenten das Verschulden des Täters als besonders gering einzustufen.»\n\n### Verhältnismässigkeit und Ausnahmen\n\n**Urteil 6B_25/2024** vom 7. Mai 2025\nBestätigung der restriktiven Handhabung der Ausnahmebestimmung. Das Bundesgericht verweist auf die Botschaft zur Umsetzung von Art. 123c BV und betont die unwiderlegbare Vermutung bei schweren Anlasstaten.\n\n> «Die Bestimmung von Art. 67 Abs. 4bis StGB ist restriktiv anzuwenden und nur bei gewissen Anlasstaten zur Anwendung zu bringen. Mit der Ausnahmebestimmung soll vermieden werden, dass es zu stossenden Verletzungen des Verhältnismässigkeitsprinzips kommt.»\n\n**SB240469** (Obergericht Zürich) vom 30. Juni 2025\nNeueste kantonale Rechtsprechung zu den Grundlagen der Ausnahmebestimmung nach Art. 67 Abs. 4bis StGB bei mehrfacher harter Pornografie. Die Ausnahmebestimmung wird als ultima ratio verstanden.\n\n> «Mit der Ausnahmebestimmung soll vermieden werden, dass es zu stossenden Verletzungen des Verhältnismässigkeitsprinzips kommt, weil das Gericht in besonders leichten Fällen zwingend ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot anordnen müsste.»\n\n### Entwicklung der Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 123c BV ist seit dessen Inkrafttreten am 18. Mai 2014 kontinuierlich entwickelt worden. Das Bundesgericht hat in BGE 149 IV 161 erstmals umfassend zu den Ausnahmebestimmungen Stellung genommen und dabei den verfassungsrechtlichen Automatismus betont. Die kantonale Rechtsprechung folgt konsequent dem restriktiven Ansatz des Bundesgerichts und wendet die Ausnahmebestimmung nur in eindeutigen Bagatellfällen an, die keinerlei Bezug zur Pädophilie aufweisen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 123c Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'initiative populaire «Les pédophiles ne doivent plus travailler avec des enfants» a été déposée le 4 mai 2011 avec 111'391 signatures valables (FF 2012 8141). Cette initiative faisait suite à un large débat sociétal sur la protection des mineurs contre les agressions sexuelles, déclenché par plusieurs affaires médiatisées d'infractions sexuelles commises by des personnes en position de confiance.\n\n**N. 2** Dans son message du 10 octobre 2012, le Conseil fédéral a recommandé le rejet de l'initiative sans contre-projet (FF 2012 8141, 8144). Il critiquait notamment l'absence d'examen de la proportionnalité et le manque de clarté dans la définition des activités concernées. Le Parlement a suivi cette recommandation par 120 voix contre 62 au Conseil national et 31 voix contre 11 au Conseil des États (BO CN 2013 443 ss).\n\n**N. 3** Le 18 mai 2014, le peuple et les cantons ont accepté l'initiative par 63,5% de oui et une majorité dans tous les cantons. Cette forte adhésion reflétait le besoin de protection prononcé de la population envers les mineurs. La mise en œuvre s'est faite par la révision du Code pénal au 1er janvier 2019 (RO 2018 2855).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 123c Cst. est systématiquement classé parmi les dispositions transitoires de la révision totale de la Constitution fédérale, mais appartient matériellement aux dispositions judiciaires. La norme est étroitement liée à → l'art. 123b Cst. (imprescriptibilité), qui vise également la protection renforcée des enfants contre les infractions sexuelles.\n\n**N. 5** La disposition déroge à plusieurs principes fondamentaux du droit constitutionnel: elle restreint → l'art. 27 Cst. (liberté économique) et → l'art. 10 Cst. (liberté personnelle). L'automatisme constitutionnel entre en tension avec le principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) et le principe de l'appréciation judiciaire au cas par cas (→ art. 32 al. 1 Cst.).\n\n**N. 6** Au niveau légal, la disposition constitutionnelle a été mise en œuvre principalement dans l'art. 67 al. 2bis, 3 et 4bis CP. La mise en œuvre devait concilier l'automatisme constitutionnel avec les exigences du droit international (→ art. 8 CEDH).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** **Infraction déterminante**: La disposition vise les personnes qui «sont condamnées pour avoir porté atteinte à l'intégrité sexuelle d'un enfant ou d'une personne dépendante». Göksu défend la position selon laquelle la consommation de pornographie enfantine est également visée, car le consommateur se trouve «dans le domaine d'application de l'interdiction» (Göksu, BSK BV, art. 123c N. 8). Cela correspond à **l'ATF 149 IV 161**, qui confirme un large champ d'application.\n\n**N. 8** **Notion d'enfant**: Selon la doctrine dominante, sont considérées comme enfants les personnes de moins de 16 ans, par analogie avec l'âge de protection en droit pénal sexuel (→ art. 187 CP). La version française («mineur») renvoie aux mineurs de moins de 18 ans, ce qui crée des problèmes d'interprétation (Göksu, BSK BV, art. 123c N. 11).\n\n**N. 9** **Personne dépendante**: Cette notion englobe les personnes dans une relation de dépendance particulière, notamment en raison d'un handicap, d'une maladie ou d'une relation de prise en charge. La délimitation exacte reste controversée en doctrine et en jurisprudence.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** **Automatisme de l'interdiction**: La Constitution ordonne impérativement une interdiction «définitive», sans marge d'appréciation pour les tribunaux. Cet automatisme a été mis en œuvre par le législateur dans l'art. 67 al. 2bis CP comme interdiction d'exercer une activité «à vie», avec possibilité de révision après dix ans (art. 67c al. 6 CP).\n\n**N. 11** **Étendue des activités interdites**: Sont visées les activités professionnelles et extraprofessionnelles avec des mineurs ou d'autres personnes particulièrement vulnérables. Le Conseil fédéral interprète cela restrictivement: seules les activités «avec» des mineurs sont visées, pas celles où «un simple contact est possible» (Göksu, BSK BV, art. 123c N. 25, se référant au message). Göksu critique le fait que le texte français soit plus large et vise «toute activité permettant des contacts avec des enfants».\n\n**N. 12** **Réserve de proportionnalité**: Le législateur a créé dans l'art. 67 al. 4bis CP une disposition d'exception pour les «cas particulièrement peu graves». Celle-ci est interprétée de manière extrêmement restrictive selon **l'ATF 149 IV 161 consid. 2.5.1**: l'interdiction d'exercer une activité à vie doit rester la règle.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Applicabilité directe**: Un point de controverse central concerne l'applicabilité immédiate de la disposition constitutionnelle. Göksu soutient que la disposition est «suffisamment déterminée pour pouvoir être appliquée directement, bien que dans un cadre limité» (Göksu, BSK BV, art. 123c N. 2). Le Conseil fédéral argumentait au contraire que la disposition «ne pourra pas se passer d'une mise en œuvre au niveau légal» (FF 2012 8141, 8160).\n\n**N. 14** **Portée de l'interdiction d'exercer une activité**: L'étendue des activités visées fait l'objet de discussions controversées. Tandis qu'une interprétation étroite ne vise que les activités de prise en charge directe, d'autres plaident pour une interprétation large incluant tout contact possible avec des mineurs. La jurisprudence tend vers l'interprétation étroite (TAF ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 15** **Proportionnalité et droit international**: La compatibilité de l'interdiction automatique à vie avec le principe de proportionnalité et la CEDH reste controversée. L'introduction de la possibilité de révision après dix ans (art. 67c al. 6 CP) atténue ces préoccupations sans les résoudre complètement.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** Lors de l'application de l'art. 123c Cst., il faut d'abord examiner s'il existe une infraction déterminante. La jurisprudence interprète largement les délits visés, mais tend à exclure les délits de pure détention sans lien avec des victimes concrètes (TAF ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 17** La disposition d'exception de l'art. 67 al. 4bis CP doit être appliquée de manière extrêmement restrictive. Ce n'est qu'en cas de cumul d'un «cas particulièrement peu grave» et d'absence de risque de récidive qu'il peut être renoncé à l'interdiction d'exercer une activité. La simple primauté ne suffit pas (**ATF 149 IV 161**).\n\n**N. 18** Pour la défense, il est recommandé d'exposer précocement les conséquences professionnelles concrètes de l'interdiction d'exercer une activité. Pour les cas de bagatelle sans arrière-plan pédophile, les conditions de la disposition d'exception doivent être substantiées en détail. La jurisprudence cantonale montre une disposition croissante à déroger à la règle rigide dans des cas évidents.", "caselaw_fr": "# Art. 123c Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Interdiction d'exercer à vie et disposition d'exception\n\n**ATF 149 IV 161 c. 2.5.1-2.6** du 3 avril 2023\nL'arrêt de principe central concernant les conditions de la disposition d'exception de l'art. 67 al. 4bis CP lors de la mise en œuvre de l'art. 123c Cst. Le Tribunal fédéral précise l'application restrictive de la disposition d'exception et souligne l'automatisme de l'interdiction d'exercer à vie comme règle constitutionnelle.\n\n> « Il est possible de renoncer à ordonner une interdiction d'exercer selon l'art. 67 al. 3 et 4 CP selon le texte de l'art. 67 al. 4bis CP sous deux conditions cumulatives : d'une part, il doit s'agir d'un 'cas particulièrement bénin', d'autre part l'interdiction ne doit pas être nécessaire pour empêcher l'auteur de commettre d'autres infractions. Le mot 'exceptionnellement' indique que la disposition doit être appliquée de manière restrictive. L'interdiction d'exercer à vie obligatoire doit être la règle. »\n\n**Arrêt 6B_1027/2021** du 5 juin 2023\nLa mise en œuvre de l'art. 123c Cst. a été effectuée dans le but de réaliser dans toute la mesure du possible l'automatisme constitutionnel. Le Tribunal fédéral confirme l'interprétation stricte de la disposition d'exception en cas de pornographie multiple.\n\n> « Il n'en demeure pas moins que l'on peut tenir compte dans le cas particulier de la question de savoir si l'auteur a commis l'infraction sexuelle dans l'exercice de son activité professionnelle ou extraprofessionnelle, car cela augmente la situation de mise en danger. »\n\n**Arrêt 2A.430/2006** du 6 février 2007\nDécision historiquement importante concernant la fixation du prix du livre, qui montre que le Tribunal fédéral prend en compte les aspects de politique culturelle dans les considérations constitutionnelles, mais sans rapport direct avec l'art. 123c Cst., qui ne fut introduit qu'en 2014.\n\n### Champ d'application et délimitation\n\n**VB.2014.00008** (Tribunal administratif de Zurich) du 28 mai 2014  \nPremière interprétation de l'art. 123c Cst. nouvellement entré en vigueur dans le contexte des interdictions d'exercer professionnelles. Le tribunal constate que la détention de matériel pornographique par un enseignant ne constitue pas automatiquement une infraction de base au sens de l'art. 123c Cst.\n\n> « Les manquements du recourant ne constituent pas des infractions de base au sens de l'art. 123c Cst. En sauvegardant des données privées en grande quantité en général et des images pornographiques en particulier, le recourant a violé ses devoirs professionnels, mais le bien-être ou l'intégrité sexuelle des enfants scolarisés n'ont pas été atteints. »\n\n**SB230105** (Cour supérieure de Zurich) du 21 novembre 2023\nJurisprudence cantonale actuelle concernant l'application de l'art. 67 al. 3 let. b CP en cas d'actes sexuels avec des enfants. Le tribunal applique un critère strict et souligne la protection de l'intégrité sexuelle comme bien juridique important.\n\n> « Pour cette infraction, il faut appliquer un critère strict, car l'intégrité sexuelle et l'autodétermination constituent un bien juridique important qui est lésé. Le tribunal doit, sous l'appréciation globale des composantes factuelles et personnelles de l'auteur, qualifier la faute de l'auteur comme particulièrement faible. »\n\n### Proportionnalité et exceptions\n\n**Arrêt 6B_25/2024** du 7 mai 2025\nConfirmation de la gestion restrictive de la disposition d'exception. Le Tribunal fédéral se réfère au message concernant la mise en œuvre de l'art. 123c Cst. et souligne la présomption irréfragable en cas d'infractions de base graves.\n\n> « La disposition de l'art. 67 al. 4bis CP doit être appliquée de manière restrictive et seulement en cas de certaines infractions de base. La disposition d'exception doit éviter qu'il y ait des violations choquantes du principe de proportionnalité. »\n\n**SB240469** (Cour supérieure de Zurich) du 30 juin 2025\nJurisprudence cantonale la plus récente concernant les fondements de la disposition d'exception selon l'art. 67 al. 4bis CP en cas de pornographie dure multiple. La disposition d'exception est comprise comme ultima ratio.\n\n> « La disposition d'exception doit éviter qu'il y ait des violations choquantes du principe de proportionnalité, parce que le tribunal devrait obligatoirement ordonner une interdiction d'exercer à vie dans des cas particulièrement bénins. »\n\n### Développement de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 123c Cst. a été développée de manière continue depuis son entrée en vigueur le 18 mai 2014. Le Tribunal fédéral a pris position pour la première fois de manière exhaustive sur les dispositions d'exception dans l'ATF 149 IV 161 et a souligné l'automatisme constitutionnel. La jurisprudence cantonale suit de manière conséquente l'approche restrictive du Tribunal fédéral et n'applique la disposition d'exception que dans des cas de bagatelle évidents qui ne présentent aucun rapport avec la pédophilie.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 123c Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'iniziativa popolare «I pedofili non dovrebbero più poter lavorare con i bambini» è stata depositata il 4 maggio 2011 con 111'391 firme valide (FF 2012 8275). L'iniziativa è stata preceduta da un ampio dibattito sociale sulla protezione dei minorenni da aggressioni sessuali, scatenato da diversi casi mediatici di reati sessuali commessi da persone in posizioni di fiducia.\n\n**N. 2** Il Consiglio federale ha raccomandato nella sua messaggistica del 10 ottobre 2012 di respingere l'iniziativa senza controprogetto (FF 2012 8275, 8278). Ha criticato in particolare la mancanza di un esame di proporzionalità e l'incertezza nella definizione delle attività interessate. Il Parlamento ha seguito questa raccomandazione con 120 voti contro 62 nel Consiglio nazionale e 31 voti contro 11 nel Consiglio degli Stati (BO CN 2013 443 segg.).\n\n**N. 3** Il 18 maggio 2014 popolo e cantoni hanno accettato l'iniziativa con il 63,5% di voti favorevoli e una maggioranza in tutti i cantoni. L'elevato consenso rispecchiava il marcato bisogno di protezione della popolazione per i minorenni. L'attuazione è avvenuta attraverso la revisione del Codice penale per il 1° gennaio 2019 (RU 2018 2855).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 123c Cost. è classificato sistematicamente tra le disposizioni transitorie della revisione totale della Costituzione federale, ma appartiene materialmente alle disposizioni sulla giustizia. La norma è strettamente collegata al → art. 123b Cost. (imprescrittibilità), che persegue anch'esso la protezione rafforzata dei bambini da reati sessuali.\n\n**N. 5** La disposizione viola diversi principi costituzionali fondamentali: limita la → art. 27 Cost. (libertà economica) e l'→ art. 10 Cost. (libertà personale). L'automatismo costituzionale è in tensione con il principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) e con il principio della valutazione giudiziaria del caso singolo (→ art. 32 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 6** A livello legislativo la disposizione costituzionale è stata attuata primariamente nell'art. 67 cpv. 2bis, 3 e 4bis CP. L'attuazione ha dovuto gestire l'equilibrio tra l'automatismo costituzionale e le prescrizioni del diritto internazionale (→ art. 8 CEDU).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Reato scatenante**: La fattispecie comprende persone che «vengono condannate perché hanno leso l'integrità sessuale di un bambino o di una persona in situazione di dipendenza». Göksu sostiene che sia compreso anche il consumo di pornografia infantile, poiché il consumatore si trova «nell'ambito di finalità del divieto» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 8). Ciò è in linea con **DTF 149 IV 161**, che conferma un ampio campo di applicazione.\n\n**N. 8** **Concetto di bambino**: Come bambini sono considerate secondo la dottrina dominante le persone sotto i 16 anni, in analogia con l'età di protezione nel diritto penale sessuale (→ art. 187 CP). La versione francese («mineur») indica minorenni sotto i 18 anni, il che porta a problemi di interpretazione (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 11).\n\n**N. 9** **Persona dipendente**: Questo concetto comprende persone in un particolare rapporto di dipendenza, ad esempio a causa di disabilità, malattia o un rapporto di assistenza. La delimitazione esatta rimane controversa nella dottrina e nella giurisprudenza.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** **Automatismo del divieto**: La Costituzione ordina imperativamente un divieto «definitivo», senza margine di discrezionalità per i tribunali. Questo automatismo è stato attuato dal legislatore nell'art. 67 cpv. 2bis CP come divieto di attività «a vita», con possibilità di verifica dopo dieci anni (art. 67c cpv. 6 CP).\n\n**N. 11** **Portata delle attività vietate**: Sono compresi attività professionali e extraprofessionali con minorenni o altre persone particolarmente bisognose di protezione. Il Consiglio federale interpreta questo restrittivamente: sarebbero comprese solo le attività «con» minorenni, non quelle in cui è «meramente possibile il contatto» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 25, con riferimento al messaggio). Göksu critica che il testo francese sia più ampio e comprenda «ogni attività che consente contatto con bambini».\n\n**N. 12** **Riserva di proporzionalità**: Il legislatore ha creato nell'art. 67 cpv. 4bis CP una disposizione eccezionale per «casi particolarmente lievi». Questa viene interpretata secondo **DTF 149 IV 161 consid. 2.5.1** in modo estremamente restrittivo: il divieto di attività a vita deve rimanere la regola.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Applicabilità diretta**: Un punto controverso centrale riguarda l'applicabilità immediata della disposizione costituzionale. Göksu sostiene che la disposizione sia «sufficientemente determinata per poter essere applicata direttamente, anche se in un ambito limitato» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 2). Il Consiglio federale invece ha argomentato che la disposizione «non potrà fare a meno di un'attuazione a livello legislativo» (FF 2012 8275, 8294).\n\n**N. 14** **Portata del divieto di attività**: È controversamente discussa la portata delle attività comprese. Mentre un'interpretazione restrittiva comprende solo attività di assistenza diretta, altri propendono per un'interpretazione ampia che includa ogni possibile contatto con minorenni. La giurisprudenza tende all'interpretazione restrittiva (T. amm. ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 15** **Proporzionalità e diritto internazionale**: La compatibilità del divieto automatico a vita con il principio di proporzionalità e la CEDU rimane controversa. L'introduzione della possibilità di verifica dopo dieci anni (art. 67c cpv. 6 CP) mitiga queste preoccupazioni, ma non le risolve completamente.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nell'applicazione dell'art. 123c Cost. è innanzitutto da verificare se sussiste un reato scatenante. La giurisprudenza interpreta ampiamente i reati compresi, ma tende a escludere i puri reati di possesso senza riferimento a vittime concrete (T. amm. ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 17** La disposizione eccezionale dell'art. 67 cpv. 4bis CP è da applicare con estrema cautela. Solo in presenza cumulativa di un «caso particolarmente lieve» e mancanza di pericolo di recidiva si può prescindere dal divieto di attività. La mera condizione di primo delinquente non basta (**DTF 149 IV 161**).\n\n**N. 18** Per la difesa si raccomanda di esporre precocemente le concrete conseguenze professionali del divieto di attività. In casi di bagatella senza sfondo pedofilo vanno dettagliatamente argomentati i presupposti della disposizione eccezionale. La giurisprudenza cantonale mostra una crescente disponibilità a derogare dalla regola rigida in casi inequivocabili.", "caselaw_it": "# Art. 123c Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Divieto di svolgere un'attività a vita e disposizione eccezionale\n\n**DTF 149 IV 161 consid. 2.5.1-2.6** del 3 aprile 2023\nLa decisione direttrice centrale sui presupposti della disposizione eccezionale di cui all'art. 67 cpv. 4bis CP nell'attuazione dell'art. 123c Cost. Il Tribunale federale precisa l'applicazione restrittiva della disposizione eccezionale e sottolinea l'automatismo del divieto di svolgere un'attività a vita come regola costituzionale.\n\n> «Una deroga all'ordine di un divieto di svolgere un'attività secondo l'art. 67 cpv. 3 e 4 CP è ammissibile secondo il tenore dell'art. 67 cpv. 4bis CP sotto due presupposti cumulativi: da un lato deve trattarsi di un 'caso particolarmente lieve', dall'altro il divieto non deve essere necessario per dissuadere l'autore dal commettere ulteriori reati. La parola 'eccezionalmente' fa sì che la disposizione debba essere applicata restrittivamente. Il divieto di svolgere un'attività a vita obbligatorio dovrebbe essere la regola.»\n\n**Sentenza 6B_1027/2021** del 5 giugno 2023\nL'attuazione dell'art. 123c Cost. è avvenuta con l'obiettivo di implementare il più ampiamente possibile l'automatismo costituzionale. Il Tribunale federale conferma l'interpretazione restrittiva della disposizione eccezionale in caso di pornografia multipla.\n\n> «Nondimeno può essere considerato nel caso singolo se l'autore ha commesso il reato sessuale nell'esercizio della sua attività professionale o extraprofessionale, poiché ciò aumenta la situazione di pericolo.»\n\n**Sentenza 2A.430/2006** del 6 febbraio 2007\nDecisione storicamente significativa sul prezzo fisso dei libri, che mostra che il Tribunale federale considera aspetti di politica culturale nelle ponderazioni costituzionali, tuttavia senza riferimento diretto all'art. 123c Cost., che è stato introdotto solo nel 2014.\n\n### Ambito di applicazione e delimitazione\n\n**VB.2014.00008** (Tribunale amministrativo di Zurigo) del 28 maggio 2014  \nPrima interpretazione dell'art. 123c Cost. di recente entrata in vigore nel contesto dei divieti di svolgere un'attività professionale. Il tribunale stabilisce che il possesso di materiale pornografico da parte di un insegnante non costituisce automaticamente un reato scatenante ai sensi dell'art. 123c Cost.\n\n> «Le mancanze del ricorrente non costituiscono reati scatenanti ai sensi dell'art. 123c Cost. Con l'archiviazione di dati privati in grandi quantità in generale e di immagini pornografiche in particolare, il ricorrente ha violato i suoi doveri professionali, tuttavia il benessere o l'integrità sessuale dei bambini della scuola non sono stati compromessi.»\n\n**SB230105** (Tribunale superiore di Zurigo) del 21 novembre 2023\nGiurisprudenza cantonale attuale sull'applicazione dell'art. 67 cpv. 3 lett. b CP per atti sessuali con bambini. Il tribunale applica un criterio rigoroso e sottolinea la protezione dell'integrità sessuale come importante bene giuridico.\n\n> «Per questa fattispecie è da applicare un criterio rigoroso, poiché con l'integrità sessuale e l'autodeterminazione viene leso un importante bene giuridico. Il tribunale deve valutare, sotto valutazione complessiva delle componenti del fatto e dell'autore, la colpevolezza dell'autore come particolarmente lieve.»\n\n### Proporzionalità ed eccezioni\n\n**Sentenza 6B_25/2024** del 7 maggio 2025\nConferma della gestione restrittiva della disposizione eccezionale. Il Tribunale federale si riferisce al messaggio sull'attuazione dell'art. 123c Cost. e sottolinea la presunzione irrefutabile per gravi reati scatenanti.\n\n> «La disposizione dell'art. 67 cpv. 4bis CP è da applicare restrittivamente e da portare all'applicazione solo per certi reati scatenanti. Con la disposizione eccezionale si vuole evitare che si verifichino violazioni scioccanti del principio di proporzionalità.»\n\n**SB240469** (Tribunale superiore di Zurigo) del 30 giugno 2025\nGiurisprudenza cantonale più recente sui fondamenti della disposizione eccezionale secondo l'art. 67 cpv. 4bis CP per pornografia dura multipla. La disposizione eccezionale viene intesa come ultima ratio.\n\n> «Con la disposizione eccezionale si vuole evitare che si verifichino violazioni scioccanti del principio di proporzionalità, perché il tribunale in casi particolarmente lievi dovrebbe ordinare obbligatoriamente un divieto di svolgere un'attività a vita.»\n\n### Sviluppo della giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 123c Cost. è stata sviluppata continuamente dalla sua entrata in vigore il 18 maggio 2014. Il Tribunale federale ha preso posizione per la prima volta in modo completo sulle disposizioni eccezionali nel DTF 149 IV 161 sottolineando l'automatismo costituzionale. La giurisprudenza cantonale segue coerentemente l'approccio restrittivo del Tribunale federale e applica la disposizione eccezionale solo in chiari casi di lieve entità che non presentano alcun riferimento alla pedofilia.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 123c BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The popular initiative «Paedophiles should no longer be allowed to work with children» was submitted on 4 May 2011 with 111,391 valid signatures (BBl 2012 8819). The initiative was preceded by a broad societal debate about protecting minors from sexual abuse, triggered by several high-profile cases of sexual offences committed by persons in positions of trust.\n\n**N. 2** In its message of 10 October 2012, the Federal Council recommended rejecting the initiative without a counter-proposal (BBl 2012 8819, 8822). It particularly criticised the lack of a proportionality assessment and the unclear definition of the activities concerned. Parliament followed this recommendation with 120 to 62 votes in the National Council and 31 to 11 votes in the Council of States (AB NR 2013 443 ff.).\n\n**N. 3** On 18 May 2014, the people and cantons accepted the initiative with 63.5% yes votes and a majority in all cantons. The high level of approval reflected the population's pronounced need to protect minors. Implementation took place through the revision of the Criminal Code on 1 January 2019 (AS 2018 2855).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 123c BV is systematically classified under the transitional provisions for the total revision of the Federal Constitution, but materially belongs to the judicial provisions. The provision is closely related to → Art. 123b BV (imprescriptibility), which also aims to strengthen the protection of children from sexual offences.\n\n**N. 5** The provision breaches several fundamental constitutional principles: it restricts → Art. 27 BV (economic freedom) and → Art. 10 BV (personal freedom). The constitutional automatism conflicts with the principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 BV) and the principle of individual case assessment by judges (→ Art. 32 para. 1 BV).\n\n**N. 6** At the legislative level, the constitutional provision was primarily implemented in Art. 67 para. 2bis, 3 and 4bis CC. The implementation had to balance the constitutional automatism with international law requirements (→ Art. 8 ECHR).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 7** **Triggering offence**: The provision covers persons who «are convicted of impairing the sexual integrity of a child or dependent person». Göksu takes the position that consumption of child pornography is also covered, as the consumer is «within the scope of the prohibition» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 8). This is consistent with **BGE 149 IV 161**, which confirms a broad scope of application.\n\n**N. 8** **Concept of child**: According to prevailing doctrine, children are persons under 16 years of age, based on the age of protection in sexual criminal law (→ Art. 187 CC). The French version («mineur») suggests minors under 18 years of age, which leads to interpretation problems (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 11).\n\n**N. 9** **Dependent person**: This concept covers persons in a special dependency relationship, for example due to disability, illness or a care relationship. The exact delimitation remains controversial in doctrine and case law.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **Automatism of the prohibition**: The Constitution mandatorily orders a «definitive» prohibition, without discretion for the courts. This automatism was implemented by the legislature in Art. 67 para. 2bis CC as a «lifelong» activity prohibition, whereby a review is possible after ten years (Art. 67c para. 6 CC).\n\n**N. 11** **Scope of prohibited activities**: Professional and non-professional activities with minors or other particularly vulnerable persons are covered. The Federal Council interprets this restrictively: only activities «with» minors are covered, not those where «contact is merely possible» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 25, referring to the message). Göksu criticises that the French text is more broadly conceived and covers «any activity that enables contact with children».\n\n**N. 12** **Proportionality reservation**: The legislature has created an exception provision for «particularly minor cases» in Art. 67 para. 4bis CC. According to **BGE 149 IV 161 E. 2.5.1**, this is interpreted extremely restrictively: the lifelong activity prohibition should remain the rule.\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 13** **Direct applicability**: A central point of contention concerns the immediate applicability of the constitutional provision. Göksu maintains that the provision is «sufficiently determined to be directly applied, albeit within a limited framework» (Göksu, BSK BV, Art. 123c N. 2). The Federal Council, however, argued that the provision «will not manage without implementation at the legislative level» (BBl 2012 8819, 8838).\n\n**N. 14** **Scope of the activity prohibition**: The extent of the activities covered is controversially discussed. While a narrow interpretation covers only direct care activities, others advocate for a broad interpretation that includes any possible contact with minors. Case law tends towards the narrow interpretation (VGer ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 15** **Proportionality and international law**: The compatibility of the automatic lifelong prohibition with the principle of proportionality and the ECHR remains controversial. The introduction of the review possibility after ten years (Art. 67c para. 6 CC) mitigates these concerns but does not fully resolve them.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 16** When applying Art. 123c BV, it must first be examined whether a triggering offence exists. Case law interprets the covered offences broadly, but tends to exclude pure possession offences without reference to concrete victims (VGer ZH, VB.2014.00008).\n\n**N. 17** The exception provision of Art. 67 para. 4bis CC must be applied extremely cautiously. Only where there is a cumulative presence of a «particularly minor case» and no risk of recidivism can the activity prohibition be waived. Mere first-time offender status is insufficient (**BGE 149 IV 161**).\n\n**N. 18** For the defence, it is recommended to set out the concrete professional implications of the activity prohibition at an early stage. In minor cases without a paedophilic background, the requirements of the exception provision must be substantiated in detail. Cantonal case law shows an increasing willingness to deviate from the rigid rule in clear cases.", "caselaw_en": "# Art. 123c BV\n\n## Case Law\n\n### Lifelong Prohibition from Activities and Exception Provision\n\n**BGE 149 IV 161 E. 2.5.1-2.6** of 3 April 2023\nThe central leading decision on the requirements for the exception provision of Art. 67 para. 4bis StGB in implementing Art. 123c BV. The Federal Supreme Court specifies the restrictive application of the exception provision and emphasises the automatism of the lifelong prohibition from activities as a constitutional rule.\n\n> «Refraining from ordering a prohibition from activities under Art. 67 paras. 3 and 4 StGB is permissible according to the wording of Art. 67 para. 4bis StGB under two cumulative conditions: On the one hand, it must be a 'particularly minor case', on the other hand, the prohibition must not be necessary to prevent the perpetrator from committing further criminal offences. From the word 'exceptionally' it follows that the provision is to be applied restrictively. The mandatory lifelong prohibition from activities should be the rule.»\n\n**Judgment 6B_1027/2021** of 5 June 2023\nThe implementation of Art. 123c BV was carried out with the aim of implementing the constitutional automatism as far as possible. The Federal Supreme Court confirms the narrow interpretation of the exception provision in cases of multiple pornography.\n\n> «Nevertheless, it can be taken into account in individual cases whether the perpetrator committed the sexual offence in the exercise of his professional or extra-professional activity, as this increases the danger situation.»\n\n**Judgment 2A.430/2006** of 6 February 2007\nHistorically significant decision on book price maintenance, which shows that the Federal Supreme Court considers cultural policy aspects in constitutional balancing, albeit without direct reference to Art. 123c BV, which was only introduced in 2014.\n\n### Scope of Application and Delimitation\n\n**VB.2014.00008** (Administrative Court of Zurich) of 28 May 2014  \nFirst interpretation of the newly entered into force Art. 123c BV in the context of professional prohibitions from activities. The court establishes that the possession of pornographic materials by a teacher does not automatically constitute a trigger offence within the meaning of Art. 123c BV.\n\n> «The appellant's misconduct does not constitute trigger offences within the meaning of Art. 123c BV. By storing private data in large quantities in general and pornographic images in particular, the appellant violated his professional duties, but the welfare or sexual integrity of the school children was not affected.»\n\n**SB230105** (Higher Court of Zurich) of 21 November 2023\nCurrent cantonal case law on the application of Art. 67 para. 3 lit. b StGB for sexual acts with children. The court applies a strict standard and emphasises the protection of sexual integrity as an important legal interest.\n\n> «A strict standard must be applied to this offence, as an important legal interest is violated with sexual integrity and self-determination. The court must classify the perpetrator's culpability as particularly minor under an overall assessment of the act and perpetrator components.»\n\n### Proportionality and Exceptions\n\n**Judgment 6B_25/2024** of 7 May 2025\nConfirmation of the restrictive handling of the exception provision. The Federal Supreme Court refers to the message on the implementation of Art. 123c BV and emphasises the irrefutable presumption in cases of serious trigger offences.\n\n> «The provision of Art. 67 para. 4bis StGB is to be applied restrictively and only to be applied to certain trigger offences. The exception provision is intended to prevent shocking violations of the principle of proportionality.»\n\n**SB240469** (Higher Court of Zurich) of 30 June 2025\nLatest cantonal case law on the foundations of the exception provision under Art. 67 para. 4bis StGB in cases of multiple hard pornography. The exception provision is understood as ultima ratio.\n\n> «The exception provision is intended to prevent shocking violations of the principle of proportionality, because the court would have to mandatorily order a lifelong prohibition from activities in particularly minor cases.»\n\n### Development of Case Law\n\nCase law on Art. 123c BV has been continuously developed since its entry into force on 18 May 2014. The Federal Supreme Court in BGE 149 IV 161 took a comprehensive position on the exception provisions for the first time and thereby emphasised the constitutional automatism. Cantonal case law consistently follows the Federal Supreme Court's restrictive approach and applies the exception provision only in clear trivial cases that have no connection to paedophilia.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_123c", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 124, "article_suffix": "", "title": "Opferhilfe", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 124 BV - Übersicht\n\n## Was regelt die Norm?\n\nArt. 124 BV verpflichtet Bund und Kantone zur Opferhilfe. Diese umfasst drei Elemente: Soforthilfe, längerfristige Hilfe und finanzielle Entschädigung für Straftatopfer, die in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Unversehrtheit beeinträchtigt wurden.\n\nDie Verfassungsbestimmung wird durch das Opferhilfegesetz (OHG) konkretisiert. Nach **BGE 125 II 265 E. 3a** begründet Art. 124 BV einen verfassungsmässigen Anspruch auf Opferhilfe.\n\n## Wer ist betroffen?\n\nOpfer sind Personen, die durch eine Straftat direkt geschädigt wurden (Primäropfer). Dazu gehören auch nahe Angehörige wie Familienangehörige, die durch die Straftat selbst psychisch beeinträchtigt wurden (Sekundäropfer). Nach Art. 1 Abs. 2 OHG können auch diese Anspruch auf Hilfe haben.\n\nDie Hilfe greift gemäss Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) erst nach einer tatsächlich begangenen Straftat, nicht bereits bei deren Androhung. Juristische Personen sind vom Schutz ausgeschlossen.\n\n## Welche Rechtsfolgen entstehen?\n\nDie Opferhilfe gliedert sich in drei Stufen: Soforthilfe (medizinische Behandlung, Krisenintervention), längerfristige Hilfe (Beratung, Therapie) und finanzielle Leistungen (Entschädigung, Genugtuung).\n\nFür die finanzielle Entschädigung muss das Opfer in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sein. Die Entschädigung ist subsidiär – andere Leistungen werden angerechnet (**BGE 131 II 217**). Anträge müssen innerhalb von zwei Jahren gestellt werden (Art. 25 OHG).\n\n## Konkretes Beispiel\n\nEine Frau wird bei einem Raubüberfall körperlich verletzt und psychisch traumatisiert. Sie erhält sofort medizinische Behandlung (Soforthilfe), danach eine psychologische Betreuung (längerfristige Hilfe). Da sie wegen der Folgen nicht arbeiten kann und ihr Einkommen unter die Armutsgrenze fällt, bekommt sie eine monatliche Entschädigung bis zur Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit.", "doctrine_de": "# Art. 124 BV - Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Verfassungsbestimmung über die Opferhilfe geht auf eine Volksinitiative der Zeitschrift «Der Schweizerische Beobachter» aus dem Jahr 1980 zurück. Die Initiative forderte ein Gesetz über eine Entschädigung von Opfern von Straftaten gegen Leib und Leben durch den Staat. Der inhaltlich weitergehende Gegenvorschlag der Eidgenössischen Räte wurde am 2. Dezember 1984 in der Volksabstimmung mit 83.3% Ja-Stimmen und der Zustimmung aller Kantone angenommen. Dies führte zur Aufnahme von Art. 64ter in die alte Bundesverfassung, welcher im Rahmen der Totalrevision unverändert als Art. 124 BV übernommen wurde.\n\n**N. 2** Die Botschaft zur Totalrevision der Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., 420) hält fest, dass die Bestimmung eine umfassende Hilfeleistung für Opfer von Straftaten verlangt. Der Verfassungsgeber wollte nicht nur finanzielle Entschädigung, sondern ein dreistufiges Hilfesystem etablieren: Soforthilfe, längerfristige Hilfe sowie Entschädigung und Genugtuung. Diese Dreiteilung prägt das konkretisierende Opferhilfegesetz bis heute.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 124 BV steht im dritten Kapitel des zweiten Titels über die Sozialziele, Bildung und Forschung. Die Verortung unterstreicht den sozialstaatlichen Charakter der Opferhilfe. Anders als die eigentlichen Sozialziele in Art. 41 BV begründet Art. 124 BV jedoch unmittelbar durchsetzbare Ansprüche. Die Norm steht in systematischem Zusammenhang mit → Art. 41 Abs. 1 Bst. c BV (Sozialziel Schutz vor Gewalt), → Art. 10 Abs. 2 BV (Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit) und → Art. 11 BV (Schutz der Kinder und Jugendlichen).\n\n**N. 4** Die Verfassungsbestimmung weist eine doppelte Rechtsnatur auf: Sie ist einerseits Kompetenznorm, die Bund und Kantone zur Opferhilfe verpflichtet, andererseits Grundsatznorm mit unmittelbarem Anspruchsgehalt. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass Art. 124 BV einen verfassungsmässigen Anspruch auf Opferhilfe begründet, dessen Umfang durch die Gesetzgebung konkretisiert wird (**BGE 125 II 265 E. 3a**).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Opferbegriff\n\n**N. 5** Der Opferbegriff setzt voraus, dass eine Person durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Unversehrtheit beeinträchtigt wurde. Die Rechtsprechung legt den Begriff der Straftat weit aus und erfasst auch fahrlässige Erfolgsdelikten mit grossem zeitlichem Abstand zwischen Tathandlung und Erfolgseintritt (**BGE 134 II 308 E. 5**). Entscheidend ist die Verwirklichung der objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale, nicht das sorgfaltswidrige Verhalten als solches.\n\n**N. 6** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 4-5) betont, dass nur natürliche Personen Opfer sein können. Die Beeinträchtigung muss unmittelbar durch die Straftat verursacht worden sein. Neben den Primäropfern erfasst Art. 124 BV auch Angehörige als Sekundäropfer, sofern sie durch die Straftat selbst in ihrer psychischen Integrität beeinträchtigt wurden.\n\n### 3.2 Hilfeleistung\n\n**N. 7** Die verfassungsrechtlich gebotene «Hilfe» umfasst nach herrschender Lehre ein dreistufiges System: Soforthilfe, längerfristige Hilfe und finanzielle Leistungen. Umstritten ist, ob die Opferhilfe auch präventiv greift. Ein Teil der Literatur vertritt die Ansicht, dass die Opferhilfe nicht erst bei Vorliegen einer Straftat, sondern bereits bei deren Androhung greifen sollte. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) widerspricht dieser Auslegung mit dem Argument, dass sie weder im Wortlaut noch in den Materialien eine Stütze finde. Die bundesgerichtliche Praxis hat sich zu dieser Kontroverse noch nicht definitiv geäussert.\n\n### 3.3 Angemessene Entschädigung\n\n**N. 8** Die «angemessene Entschädigung» ist an die Voraussetzung geknüpft, dass das Opfer durch die Straftat in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist. Die Rechtsprechung konkretisiert diese Schwierigkeiten unter Rückgriff auf das System der Ergänzungsleistungen (**BGE 131 II 217**). Die Entschädigung hat subsidiären Charakter; Leistungen Dritter werden angerechnet.\n\n**N. 9** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 8-10) führt aus, dass die Angemessenheit der Entschädigung eine Abwägung zwischen den finanziellen Verhältnissen des Opfers und dem erlittenen Schaden erfordert. Die Entschädigung muss nicht den vollen Schaden decken, sondern soll wirtschaftliche Notlagen verhindern oder abmildern.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 124 BV verpflichtet Bund und Kantone gemeinsam zur Opferhilfe. Der Bund hat mit dem Opferhilfegesetz den normativen Rahmen geschaffen, während die Kantone für die operative Umsetzung zuständig sind. Sie müssen Beratungsstellen einrichten, Soforthilfe gewährleisten und über Entschädigungsgesuche entscheiden.\n\n**N. 11** Die Rechtsprechung anerkennt einen unmittelbaren Anspruch auf Opferhilfe aus Art. 124 BV, dessen Umfang durch das OHG konkretisiert wird (**BGE 149 II 246**). Bei Auslandstaten besteht nur dann ein Anspruch, wenn das Opfer zum Tatzeitpunkt eine persönliche Beziehung zur Schweiz hatte (**BGE 126 II 228**). Die schweizerische Staatsbürgerschaft genügt als solche Beziehung (**BGE 128 II 107**).\n\n## 5. Streitstände\n\n### 5.1 Präventive Opferhilfe\n\n**N. 12** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Frage, ob die Opferhilfe bereits bei Androhung einer Straftat greift. Gomm/Zehntner (Kommentar OHG, 3. Aufl. 2009, Art. 1 N. 15) und Leubin Müller (AJP 2012, 1585, 1587) vertreten die Ansicht, dass der Schutzzweck der Opferhilfe auch präventive Massnahmen umfasse. Dem widerspricht Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) mit dem Hinweis auf den eindeutigen Wortlaut («durch eine Straftat») und die fehlende Stütze in den Materialien. Die Praxis der kantonalen Opferhilfestellen ist uneinheitlich.\n\n### 5.2 Verhältnis zur unentgeltlichen Rechtspflege\n\n**N. 13** Kontrovers diskutiert wurde das Verhältnis zwischen Opferhilfe und unentgeltlicher Rechtspflege bei Anwaltskosten. Das Bundesgericht hat in **BGE 149 II 246** klargestellt, dass die Subsidiarität der Opferhilfe nicht im Verhältnis zur unentgeltlichen Rechtspflege greift. Diese können nur als Soforthilfe oder längerfristige Hilfe, nicht aber als Entschädigung geltend gemacht werden.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Für die Geltendmachung von Opferhilfeansprüchen sind die kurzen Verwirkungsfristen zu beachten. Das Bundesgericht verlangt, dass der anspruchsbegründende Sachverhalt innert Frist mit hinreichender Bestimmtheit dargelegt wird (**BGE 126 II 97**). Unbezifferte Begehren sind zulässig, wenn der Schaden noch nicht feststeht.\n\n**N. 15** Bei Langzeitschäden (Asbest, HIV-Infektionen) beginnt die Verwirkungsfrist erst mit Erkennbarkeit der Schädigung (**BGE 126 II 348**). Die Beratungsstellen sind verpflichtet, auf diese Besonderheiten hinzuweisen und bei der Gesuchsformulierung zu unterstützen.\n\n**N. 16** Im grenzüberschreitenden Kontext ist der völkerrechtliche Zusammenhang zu beachten. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 11) verweist auf das Europäische Übereinkommen über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (SR 0.312.5) und die EU-Opferschutzrichtlinie 2012/29/EU. Schweizer Opfer von Gewalttaten im EU-Raum können sich auf diese Instrumente berufen.", "caselaw_de": "# Art. 124 BV - Rechtsprechung\n\n## Zeitlicher Geltungsbereich bei Erfolgsdelikten\n\n**BGE 134 II 308** vom 1. Oktober 2008 — Asbestopfer\nBei fahrlässigen Erfolgsdelikten mit grossem zeitlichem Abstand zwischen Tathandlung und Erfolgseintritt ist für den Geltungsbereich des OHG die Verwirklichung der objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale massgebend. \nDieser Leitentscheid bestimmt den verfassungsrechtlichen Rahmen für Langzeitschäden und präzisiert den opferbezogenen Ansatz von Art. 124 BV.\n\n> «Für den zeitlichen Geltungsbereich der opferhilferechtlichen Bestimmungen über Entschädigung und Genugtuung ist somit nicht allein auf das sorgfaltswidrige Verhalten abzustellen. Entscheidend ist vielmehr der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs solchen Verhaltens.»\n\n**BGE 126 II 348** vom 19. Mai 2000 — HIV-Infektion nach Vergewaltigung\nVerwirkungsfrist beginnt bei Straftaten mit verzögertem Schadenseintritt erst, wenn das Opfer die Schädigung erkennen kann. \nGrundlegender Entscheid zur opferbezogenen Auslegung von Art. 124 BV bei Latenzschäden.\n\n> «Aus dieser opferbezogenen Sichtweise heraus, in Verbindung mit dem in Art. 5 Abs. 3 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben, hat das Bundesgericht entschieden, dass ein Opfer die massgebende Schädigung bzw. Verletzung erkennen können muss, bevor es sich auf das Vorliegen einer Straftat im Sinne des OHG berufen kann.»\n\n## Entschädigungsberechnung und Drittleistungen\n\n**BGE 131 II 217** vom 30. März 2005 — Anrechnung von Schadenersatzleistungen\nSchadenersatzleistungen sind von der Opferhilfeentschädigung abzuziehen, auch wenn sie bereits bei der Berechnung der Einnahmen nach ELG berücksichtigt wurden. \nGrundsatzentscheid zur Koordination zwischen Opferhilfe und anderen Sozialversicherungsleistungen gemäss Art. 124 BV.\n\n> «Entgegen dem Wortlaut des Opferhilfegesetzes sind Leistungen, die das Opfer als Schadenersatz erhalten hat, auch dann von der Entschädigung abzuziehen, wenn sie bereits bei der Berechnung seiner anrechenbaren Einnahmen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen berücksichtigt worden sind.»\n\n**BGE 129 II 145** vom 8. Januar 2003 — Haushaltschaden nach Tötung\nErmittlung des Haushaltsschadens bei erwerbstätigen Personen; Anrechnung von Leistungen der beruflichen Vorsorge als Schadenersatz.\nDer Entscheid konkretisiert den Entschädigungsanspruch von Angehörigen nach Art. 124 BV.\n\n> «Bei Erwerbstätigkeit darf vom Zeitaufwand für die Haushaltführung ein Abschlag vorgenommen werden. Der von der Vorinstanz angenommene Stundenansatz von Fr. 25.- liegt im Ermessensbereich.»\n\n**BGE 131 II 656** vom 3. August 2005 — Einkommensberechnung und Restarbeitsfähigkeit\nZeitpunkt der Einkommensberechnung und Berücksichtigung der Restarbeitsfähigkeit bei der Entschädigungsbemessung.\nWichtiger Entscheid zur praktischen Umsetzung des Entschädigungsanspruchs nach Art. 124 BV.\n\n> «Massgeblich für die Einkommensberechnung ist in der Regel der Zeitpunkt der Festsetzung der Opferhilfeentschädigung und somit der Zeitpunkt der Verfügung über diese Entschädigung.»\n\n## Geltungsbereich bei Auslandsstraftaten\n\n**BGE 126 II 228** vom 19. Mai 2000 — Straftaten im Ausland\nOpfer von Auslandsstraftaten haben nur Anspruch auf Opferhilfe, wenn sie zum Tatzeitpunkt eine persönliche Beziehung zur Schweiz hatten.\nDer Entscheid grenzt den territorialen Geltungsbereich von Art. 124 BV ab.\n\n> «Das Opfer einer im Ausland erlittenen Straftat hat keinen Anspruch auf Übernahme weiterer Kosten gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG, wenn es im Tatzeitpunkt keine Beziehung zur Schweiz hatte.»\n\n**BGE 128 II 107** vom 18. Januar 2002 — Schweizer Staatsbürgerschaft im Ausland\nDie schweizerische Staatsbürgerschaft genügt als persönliche Beziehung zur Schweiz für Opferhilfeansprüche bei Auslandsstraftaten.\nPräzisierung des territorialen Geltungsbereichs von Art. 124 BV.\n\n> «Die schweizerische Staatsbürgerschaft des Opfers im Tatzeitpunkt genügt, um eine persönliche Beziehung zur Schweiz und damit die Anspruchsberechtigung gemäss Art. 3 OHG zu begründen.»\n\n## Anwaltskosten und Subsidiarität\n\n**BGE 149 II 246** vom 2. Juni 2023 — Anwaltskosten des Strafverfahrens\nAnwaltskosten können nur als Sofort- oder längerfristige Hilfe, nicht als Entschädigung geltend gemacht werden. Keine Subsidiarität gegenüber unentgeltlicher Rechtspflege.\nAktueller Leitentscheid zur praktischen Umsetzung der Hilfe nach Art. 124 BV.\n\n> «Das Opfer im Sinne der Opferhilfegesetzgebung kann die Anwaltskosten des Strafverfahrens ausschliesslich als Soforthilfe oder als längerfristige Hilfe im Sinne von Art. 13 OHG geltend machen. Die Subsidiarität der Opferhilfe greift nicht im Verhältnis zur unentgeltlichen Rechtspflege.»\n\n## Kindesschutz und Opferhilfe\n\n**BGE 125 II 230** vom 19. März 1999 — Verhältnis zu familienrechtlichen Massnahmen\nFamilienrechtliche Kindesschutzmassnahmen können die Opferhilfe nicht ersetzen, wenn sie keinen hinreichenden Schutz bieten.\nGrundsatzentscheid zum Verhältnis zwischen verschiedenen staatlichen Schutzpflichten nach Art. 124 BV.\n\n> «Bewirken getroffene Massnahmen des familienrechtlichen Kindesschutzes einen hinreichenden Schutz im Sinn des OHG, so entfällt das opferhilferechtliche Bedürfnis nach entsprechenden Hilfsangeboten.»\n\n## Substanziierungspflicht\n\n**BGE 126 II 97** vom 17. März 2000 — Darlegung von Entschädigungsansprüchen\nOpfer müssen den anspruchsbegründenden Sachverhalt innert Verwirkungsfrist hinreichend bestimmt darlegen. Unbezifferte Begehren sind zulässig, wenn Schaden noch nicht feststeht.\nWichtiger Verfahrensentscheid zur praktischen Geltendmachung von Art. 124 BV.\n\n> «Soweit der Schaden oder allfällige Leistungspflichten Dritter innert der zweijährigen Verwirkungsfrist nicht feststehen, sind unbezifferte Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren zulässig. Hingegen muss das Opfer innert der Verwirkungsfrist den anspruchsbegründenden Sachverhalt mit hinreichender Bestimmtheit darlegen.»", "summary_fr": "# Art. 124 Cst. - Aperçu\n\n## Que règle la norme ?\n\nL'art. 124 Cst. oblige la Confédération et les cantons à porter secours aux victimes d'actes de violence. Cette aide comprend trois éléments : l'aide immédiate, l'aide à long terme et l'indemnisation financière pour les victimes d'infractions qui ont subi une atteinte à leur intégrité corporelle, psychique ou sexuelle.\n\nLa disposition constitutionnelle est concrétisée par la loi sur l'aide aux victimes (LAVI). Selon **BGE 125 II 265 E. 3a**, l'art. 124 Cst. fonde un droit constitutionnel à l'aide aux victimes.\n\n## Qui est concerné ?\n\nLes victimes sont des personnes directement lésées par une infraction (victimes primaires). Cela comprend aussi les proches parents comme les membres de la famille qui ont subi un préjudice psychique du fait de l'infraction elle-même (victimes secondaires). Selon l'art. 1 al. 2 LAVI, ces personnes peuvent aussi avoir droit à une aide.\n\nL'aide n'intervient selon Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) qu'après qu'une infraction ait été effectivement commise, non pas déjà en cas de menace. Les personnes morales sont exclues de la protection.\n\n## Quelles conséquences juridiques en résultent ?\n\nL'aide aux victimes se divise en trois niveaux : l'aide immédiate (traitement médical, intervention de crise), l'aide à long terme (conseil, thérapie) et les prestations financières (indemnisation, réparation morale).\n\nPour l'indemnisation financière, la victime doit se trouver dans des difficultés économiques. L'indemnisation est subsidiaire – d'autres prestations sont imputées (**BGE 131 II 217**). Les demandes doivent être déposées dans un délai de deux ans (art. 25 LAVI).\n\n## Exemple concret\n\nUne femme est blessée physiquement et traumatisée psychiquement lors d'un vol à main armée. Elle reçoit immédiatement un traitement médical (aide immédiate), puis un suivi psychologique (aide à long terme). Comme elle ne peut pas travailler en raison des séquelles et que son revenu tombe sous le seuil de pauvreté, elle reçoit une indemnisation mensuelle jusqu'au rétablissement de sa capacité de travail.", "doctrine_fr": "# Art. 124 Cst. - Doctrine\n\n## 1. Historique de la genèse\n\n**N. 1** La disposition constitutionnelle actuelle sur l'aide aux victimes remonte à une initiative populaire du magazine « Der Schweizerische Beobachter » de 1980. L'initiative demandait une loi sur l'indemnisation par l'État des victimes d'infractions contre la vie et l'intégrité corporelle. Le contre-projet des Chambres fédérales, dont le contenu allait plus loin, a été accepté le 2 décembre 1984 lors de la votation populaire avec 83,3% de voix favorables et l'approbation de tous les cantons. Cela a conduit à l'insertion de l'art. 64ter dans l'ancienne Constitution fédérale, qui a été repris sans changement comme art. 124 Cst. dans le cadre de la révision totale.\n\n**N. 2** Le message concernant la révision totale de la Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 ss, 402) précise que la disposition exige une aide complète aux victimes d'infractions. Le constituant ne voulait pas seulement une indemnisation financière, mais établir un système d'aide à trois niveaux : aide immédiate, aide à plus long terme ainsi qu'indemnisation et réparation morale. Cette tripartition caractérise encore aujourd'hui la loi sur l'aide aux victimes qui concrétise cette disposition.\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 124 Cst. se trouve dans le troisième chapitre du deuxième titre sur les buts sociaux, l'éducation et la recherche. Ce placement souligne le caractère d'État social de l'aide aux victimes. Contrairement aux buts sociaux proprement dits de l'art. 41 Cst., l'art. 124 Cst. fonde cependant des droits directement exigibles. La norme est en lien systématique avec → l'art. 41 al. 1 let. c Cst. (but social de protection contre la violence), → l'art. 10 al. 2 Cst. (droit à l'intégrité physique et psychique) et → l'art. 11 Cst. (protection des enfants et des jeunes).\n\n**N. 4** La disposition constitutionnelle présente une double nature juridique : elle est d'une part norme de compétence qui oblige la Confédération et les cantons à l'aide aux victimes, d'autre part norme de principe avec un contenu de droit directement exigible. Le Tribunal fédéral a répété à plusieurs reprises que l'art. 124 Cst. fonde un droit constitutionnel à l'aide aux victimes, dont l'étendue est concrétisée par la législation (**ATF 125 II 265 consid. 3a**).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### 3.1 Notion de victime\n\n**N. 5** La notion de victime présuppose qu'une personne a été atteinte dans son intégrité physique, psychique ou sexuelle par une infraction. La jurisprudence interprète largement la notion d'infraction et englobe aussi les délits de négligence par omission avec un grand écart temporel entre l'acte et la survenance du résultat (**ATF 134 II 308 consid. 5**). Ce qui est déterminant, c'est la réalisation des éléments constitutifs objectifs et subjectifs, non le comportement contraire au devoir de diligence comme tel.\n\n**N. 6** Göksu (Commentaire bâlois Cst., art. 124 n. 4-5) souligne que seules les personnes physiques peuvent être victimes. L'atteinte doit avoir été causée directement par l'infraction. Outre les victimes primaires, l'art. 124 Cst. englobe aussi les proches comme victimes secondaires, pour autant qu'ils aient été atteints dans leur intégrité psychique par l'infraction elle-même.\n\n### 3.2 Aide\n\n**N. 7** L'« aide » constitutionnellement requise comprend selon la doctrine dominante un système à trois niveaux : aide immédiate, aide à plus long terme et prestations financières. Il est controversé de savoir si l'aide aux victimes a aussi un effet préventif. Une partie de la littérature défend l'opinion que l'aide aux victimes ne devrait pas seulement intervenir en présence d'une infraction, mais déjà en cas de menace d'infraction. Göksu (Commentaire bâlois Cst., art. 124 n. 7) s'oppose à cette interprétation en arguant qu'elle ne trouve d'appui ni dans le libellé ni dans les travaux préparatoires. La pratique jurisprudentielle du Tribunal fédéral ne s'est pas encore prononcée définitivement sur cette controverse.\n\n### 3.3 Indemnisation équitable\n\n**N. 8** L'« indemnisation équitable » est liée à la condition que la victime soit tombée dans des difficultés économiques à cause de l'infraction. La jurisprudence concrétise ces difficultés en recourant au système des prestations complémentaires (**ATF 131 II 217**). L'indemnisation a un caractère subsidiaire ; les prestations de tiers sont imputées.\n\n**N. 9** Göksu (Commentaire bâlois Cst., art. 124 n. 8-10) explique que le caractère équitable de l'indemnisation exige une pesée entre la situation financière de la victime et le dommage subi. L'indemnisation ne doit pas couvrir l'entier du dommage, mais doit prévenir ou atténuer les situations de détresse économique.\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** L'art. 124 Cst. oblige conjointement la Confédération et les cantons à l'aide aux victimes. La Confédération a créé le cadre normatif avec la loi sur l'aide aux victimes, tandis que les cantons sont compétents pour la mise en œuvre opérationnelle. Ils doivent instituer des centres de consultation, garantir l'aide immédiate et statuer sur les demandes d'indemnisation.\n\n**N. 11** La jurisprudence reconnaît un droit direct à l'aide aux victimes découlant de l'art. 124 Cst., dont l'étendue est concrétisée par la LAVI (**ATF 149 II 246**). En cas d'infractions à l'étranger, il n'existe un droit que si la victime avait au moment de l'infraction une relation personnelle avec la Suisse (**ATF 126 II 228**). La nationalité suisse suffit comme telle relation (**ATF 128 II 107**).\n\n## 5. Points de controverse\n\n### 5.1 Aide préventive aux victimes\n\n**N. 12** Un point central de controverse concerne la question de savoir si l'aide aux victimes s'applique déjà en cas de menace d'infraction. Gomm/Zehntner (Commentaire LAVI, 3e éd. 2009, art. 1 n. 15) et Leubin Müller (AJP 2012, 1585, 1587) défendent l'opinion que le but de protection de l'aide aux victimes englobe aussi les mesures préventives. Göksu (Commentaire bâlois Cst., art. 124 n. 7) s'y oppose en renvoyant au libellé clair (« par une infraction ») et à l'absence d'appui dans les travaux préparatoires. La pratique des centres cantonaux d'aide aux victimes n'est pas uniforme.\n\n### 5.2 Rapport avec l'assistance judiciaire gratuite\n\n**N. 13** Le rapport entre l'aide aux victimes et l'assistance judiciaire gratuite pour les coûts d'avocat a fait l'objet de discussions controversées. Le Tribunal fédéral a précisé dans **ATF 149 II 246** que la subsidiarité de l'aide aux victimes ne s'applique pas dans le rapport avec l'assistance judiciaire gratuite. Ceux-ci ne peuvent être fait valoir que comme aide immédiate ou aide à plus long terme, mais non comme indemnisation.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Pour la revendication de droits à l'aide aux victimes, il faut respecter les courts délais de péremption. Le Tribunal fédéral exige que les faits qui fondent le droit soient exposés dans le délai avec une précision suffisante (**ATF 126 II 97**). Les demandes non chiffrées sont admissibles lorsque le dommage n'est pas encore établi.\n\n**N. 15** En cas de dommages à long terme (amiante, infections HIV), le délai de péremption ne commence qu'avec la reconnaissance du dommage (**ATF 126 II 348**). Les centres de consultation sont obligés d'attirer l'attention sur ces particularités et d'aider à la formulation de la demande.\n\n**N. 16** Dans le contexte transfrontalier, il faut tenir compte du contexte de droit international. Göksu (Commentaire bâlois Cst., art. 124 n. 11) renvoie à la Convention européenne relative au dédommagement des victimes d'infractions violentes (RS 0.312.5) et à la directive européenne 2012/29/UE relative aux victimes. Les victimes suisses d'infractions violentes dans l'espace UE peuvent se prévaloir de ces instruments.", "caselaw_fr": "# Art. 124 Cst. - Jurisprudence\n\n## Domaine d'application temporel pour les infractions de résultat\n\n**ATF 134 II 308** du 1er octobre 2008 — Victimes d'amiante\nPour les infractions de négligence de résultat avec un grand écart temporel entre l'acte et la survenance du résultat, la réalisation des éléments constitutifs objectifs et subjectifs est déterminante pour le domaine d'application de la LAVI.\nCet arrêt de principe détermine le cadre constitutionnel pour les dommages à long terme et précise l'approche axée sur les victimes de l'art. 124 Cst.\n\n> « Pour le domaine d'application temporel des dispositions de l'aide aux victimes relatives à l'indemnisation et à la réparation morale, il ne faut donc pas se contenter de s'appuyer sur le comportement contraire au devoir de diligence. L'élément décisif est plutôt la survenance du résultat constitutif de l'infraction de ce comportement. »\n\n**ATF 126 II 348** du 19 mai 2000 — Infection VIH après viol\nLe délai de péremption commence pour les infractions avec survenance différée du dommage seulement lorsque la victime peut reconnaître le préjudice.\nDécision fondamentale concernant l'interprétation axée sur les victimes de l'art. 124 Cst. en cas de dommages latents.\n\n> « De ce point de vue axé sur les victimes, en liaison avec le principe de la bonne foi ancré à l'art. 5 al. 3 Cst., le Tribunal fédéral a décidé qu'une victime doit pouvoir reconnaître le préjudice ou la lésion déterminant avant de pouvoir se prévaloir de l'existence d'une infraction au sens de la LAVI. »\n\n## Calcul de l'indemnisation et prestations de tiers\n\n**ATF 131 II 217** du 30 mars 2005 — Imputation de prestations de réparation du dommage\nLes prestations de réparation du dommage doivent être déduites de l'indemnisation d'aide aux victimes, même si elles ont déjà été prises en compte lors du calcul des revenus selon la LPC.\nArrêt de principe sur la coordination entre l'aide aux victimes et d'autres prestations d'assurances sociales selon l'art. 124 Cst.\n\n> « Contrairement au libellé de la loi sur l'aide aux victimes, les prestations que la victime a reçues à titre de réparation du dommage doivent également être déduites de l'indemnisation lorsqu'elles ont déjà été prises en compte lors du calcul de ses revenus déterminants selon la loi fédérale sur les prestations complémentaires. »\n\n**ATF 129 II 145** du 8 janvier 2003 — Dommage ménager après homicide\nDétermination du dommage ménager chez les personnes exerçant une activité lucrative ; imputation de prestations de la prévoyance professionnelle comme réparation du dommage.\nLa décision concrétise le droit à indemnisation des proches selon l'art. 124 Cst.\n\n> « En cas d'activité lucrative, une déduction peut être opérée du temps consacré à la tenue du ménage. Le taux horaire de Fr. 25.- retenu par l'instance précédente se situe dans la marge d'appréciation. »\n\n**ATF 131 II 656** du 3 août 2005 — Calcul des revenus et capacité de travail résiduelle\nMoment du calcul des revenus et prise en compte de la capacité de travail résiduelle lors de la fixation de l'indemnisation.\nDécision importante concernant la mise en œuvre pratique du droit à indemnisation selon l'art. 124 Cst.\n\n> « Le moment déterminant pour le calcul des revenus est en règle générale celui de la fixation de l'indemnisation d'aide aux victimes et donc celui de la décision sur cette indemnisation. »\n\n## Domaine d'application pour les infractions commises à l'étranger\n\n**ATF 126 II 228** du 19 mai 2000 — Infractions à l'étranger\nLes victimes d'infractions commises à l'étranger n'ont droit à l'aide aux victimes que si elles avaient une relation personnelle avec la Suisse au moment des faits.\nLa décision délimite le domaine d'application territorial de l'art. 124 Cst.\n\n> « La victime d'une infraction subie à l'étranger n'a pas droit à la prise en charge de coûts supplémentaires selon l'art. 3 al. 4 LAVI si elle n'avait aucune relation avec la Suisse au moment des faits. »\n\n**ATF 128 II 107** du 18 janvier 2002 — Nationalité suisse à l'étranger\nLa nationalité suisse suffit comme relation personnelle avec la Suisse pour les droits à l'aide aux victimes en cas d'infractions commises à l'étranger.\nPrécision du domaine d'application territorial de l'art. 124 Cst.\n\n> « La nationalité suisse de la victime au moment des faits suffit pour fonder une relation personnelle avec la Suisse et donc le droit aux prestations selon l'art. 3 LAVI. »\n\n## Frais d'avocat et subsidiarité\n\n**ATF 149 II 246** du 2 juin 2023 — Frais d'avocat de la procédure pénale\nLes frais d'avocat ne peuvent être réclamés qu'au titre d'aide immédiate ou d'aide à plus long terme, non comme indemnisation. Pas de subsidiarité par rapport à l'assistance judiciaire gratuite.\nArrêt de principe actuel sur la mise en œuvre pratique de l'aide selon l'art. 124 Cst.\n\n> « La victime au sens de la législation sur l'aide aux victimes peut réclamer les frais d'avocat de la procédure pénale exclusivement comme aide immédiate ou comme aide à plus long terme au sens de l'art. 13 LAVI. La subsidiarité de l'aide aux victimes ne joue pas dans le rapport à l'assistance judiciaire gratuite. »\n\n## Protection de l'enfant et aide aux victimes\n\n**ATF 125 II 230** du 19 mars 1999 — Rapport avec les mesures de droit de la famille\nLes mesures de protection de l'enfant de droit de la famille ne peuvent remplacer l'aide aux victimes si elles n'offrent pas une protection suffisante.\nArrêt de principe sur le rapport entre différentes obligations étatiques de protection selon l'art. 124 Cst.\n\n> « Si les mesures prises de protection de l'enfant de droit de la famille réalisent une protection suffisante au sens de la LAVI, le besoin d'offres d'aide correspondantes de droit de l'aide aux victimes disparaît. »\n\n## Obligation de substantiation\n\n**ATF 126 II 97** du 17 mars 2000 — Exposé des prétentions d'indemnisation\nLes victimes doivent exposer l'état de fait fondant la prétention de manière suffisamment déterminée dans le délai de péremption. Les demandes non chiffrées sont admissibles lorsque le dommage n'est pas encore établi.\nDécision procédurale importante sur la mise en œuvre pratique de l'art. 124 Cst.\n\n> « Dans la mesure où le dommage ou d'éventuelles obligations de prestations de tiers ne sont pas établis dans le délai de péremption de deux ans, des demandes d'indemnisation et de réparation morale non chiffrées sont admissibles. En revanche, la victime doit exposer dans le délai de péremption l'état de fait fondant la prétention avec une précision suffisante. »", "summary_it": "# Art. 124 Cost. - Panoramica\n\n## Cosa disciplina la norma?\n\nL'art. 124 Cost. obbliga la Confederazione e i Cantoni al soccorso alle vittime. Questo comprende tre elementi: soccorso immediato, aiuto a lungo termine e risarcimento finanziario per le vittime di reati che hanno subito lesioni alla loro integrità fisica, psichica o sessuale.\n\nLa disposizione costituzionale è concretizzata dalla Legge sul soccorso alle vittime di reati (LAVI). Secondo la **DTF 125 II 265 consid. 3a**, l'art. 124 Cost. fonda un diritto costituzionale al soccorso alle vittime.\n\n## Chi è interessato?\n\nLe vittime sono persone direttamente danneggiate da un reato (vittime primarie). Vi rientrano anche i congiunti stretti come i familiari che sono stati psichicamente compromessi dal reato stesso (vittime secondarie). Secondo l'art. 1 cpv. 2 LAVI, anche questi possono avere diritto al soccorso.\n\nIl soccorso interviene secondo Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) solo dopo un reato effettivamente commesso, non già alla sua minaccia. Le persone giuridiche sono escluse dalla protezione.\n\n## Quali conseguenze giuridiche nascono?\n\nIl soccorso alle vittime si articola in tre livelli: soccorso immediato (cure mediche, intervento di crisi), aiuto a lungo termine (consulenza, terapia) e prestazioni finanziarie (risarcimento, riparazione morale).\n\nPer il risarcimento finanziario la vittima deve trovarsi in difficoltà economiche. Il risarcimento è sussidiario – altre prestazioni vengono computate (**DTF 131 II 217**). Le domande devono essere presentate entro due anni (art. 25 LAVI).\n\n## Esempio concreto\n\nUna donna viene ferita fisicamente e traumatizzata psichicamente durante una rapina. Riceve immediatamente cure mediche (soccorso immediato), poi un'assistenza psicologica (aiuto a lungo termine). Poiché a causa delle conseguenze non può lavorare e il suo reddito scende sotto la soglia di povertà, riceve un risarcimento mensile fino al ripristino della sua capacità lavorativa.", "doctrine_it": "# Art. 124 Cost. - Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale disposizione costituzionale sul soccorso alle vittime risale a un'iniziativa popolare della rivista «Der Schweizerische Beobachter» del 1980. L'iniziativa chiedeva una legge sull'indennizzo da parte dello Stato delle vittime di reati contro la vita e l'integrità fisica. Il controprogetto delle Camere federali, più ampio nel contenuto, fu accettato nella votazione popolare del 2 dicembre 1984 con l'83,3% di voti favorevoli e l'approvazione di tutti i Cantoni. Ciò portò all'introduzione dell'art. 64ter nella vecchia Costituzione federale, che fu ripreso immutato come art. 124 Cost. nel quadro della revisione totale.\n\n**N. 2** Il messaggio concernente la revisione totale della Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 segg., 420) stabilisce che la disposizione richiede un'assistenza globale per le vittime di reati. Il Costituente non voleva solo un indennizzo finanziario, ma stabilire un sistema di aiuto a tre livelli: soccorso immediato, aiuto a lungo termine nonché indennizzo e riparazione morale. Questa tripartizione caratterizza ancora oggi la legge sul soccorso alle vittime che la concretizza.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 124 Cost. si trova nel terzo capitolo del secondo titolo sui fini sociali, la formazione e la ricerca. La collocazione sottolinea il carattere dello Stato sociale del soccorso alle vittime. Diversamente dai veri e propri fini sociali di cui all'art. 41 Cost., l'art. 124 Cost. fonda però diritti direttamente azionabili. La norma è in rapporto sistematico con → art. 41 cpv. 1 lett. c Cost. (fine sociale della protezione dalla violenza), → art. 10 cpv. 2 Cost. (diritto all'integrità fisica e psichica) e → art. 11 Cost. (protezione dei fanciulli e degli adolescenti).\n\n**N. 4** La disposizione costituzionale presenta una duplice natura giuridica: è da un lato norma di competenza che obbliga Confederazione e Cantoni al soccorso alle vittime, dall'altro norma di principio con contenuto di diritto diretto. Il Tribunale federale ha ripetutamente stabilito che l'art. 124 Cost. fonda un diritto costituzionale al soccorso alle vittime, la cui portata è concretizzata dalla legislazione (**DTF 125 II 265 consid. 3a**).\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Concetto di vittima\n\n**N. 5** Il concetto di vittima presuppone che una persona sia stata lesa nella sua integrità fisica, psichica o sessuale a causa di un reato. La giurisprudenza interpreta ampiamente il concetto di reato e include anche i reati colposi di evento con grande distanza temporale tra azione e verificarsi dell'evento (**DTF 134 II 308 consid. 5**). Decisiva è la realizzazione degli elementi costitutivi oggettivi e soggettivi, non il comportamento contrario alla diligenza in quanto tale.\n\n**N. 6** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 4-5) sottolinea che solo le persone fisiche possono essere vittime. La lesione deve essere stata causata direttamente dal reato. Oltre alle vittime primarie, l'art. 124 Cost. comprende anche i congiunti come vittime secondarie, purché la loro integrità psichica sia stata lesa dal reato stesso.\n\n### 3.2 Assistenza\n\n**N. 7** L'«aiuto» costituzionalmente dovuto comprende secondo la dottrina dominante un sistema a tre livelli: soccorso immediato, aiuto a lungo termine e prestazioni finanziarie. È controverso se il soccorso alle vittime operi anche preventivamente. Una parte della letteratura sostiene che il soccorso alle vittime dovrebbe intervenire non solo quando è presente un reato, ma già quando questo è minacciato. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) contraddice questa interpretazione con l'argomento che non trova sostegno né nel tenore letterale né nei materiali. La prassi del Tribunale federale non si è ancora pronunciata definitivamente su questa controversia.\n\n### 3.3 Indennizzo adeguato\n\n**N. 8** L'«indennizzo adeguato» è legato alla condizione che la vittima sia caduta in difficoltà economiche a causa del reato. La giurisprudenza concretizza queste difficoltà richiamandosi al sistema delle prestazioni complementari (**DTF 131 II 217**). L'indennizzo ha carattere sussidiario; le prestazioni di terzi vengono computate.\n\n**N. 9** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 8-10) espone che l'adeguatezza dell'indennizzo richiede una ponderazione tra le condizioni finanziarie della vittima e il danno subito. L'indennizzo non deve coprire l'intero danno, ma deve prevenire o attenuare le situazioni di necessità economica.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 124 Cost. obbliga congiuntamente Confederazione e Cantoni al soccorso alle vittime. La Confederazione ha creato il quadro normativo con la legge sul soccorso alle vittime, mentre i Cantoni sono competenti per l'attuazione operativa. Essi devono istituire consultori, garantire il soccorso immediato e decidere sulle domande di indennizzo.\n\n**N. 11** La giurisprudenza riconosce un diritto diretto al soccorso alle vittime dall'art. 124 Cost., la cui portata è concretizzata dalla LAVI (**DTF 149 II 246**). Per i reati commessi all'estero esiste un diritto solo se la vittima aveva un rapporto personale con la Svizzera al momento del fatto (**DTF 126 II 228**). La cittadinanza svizzera basta come tale rapporto (**DTF 128 II 107**).\n\n## 5. Punti controversi\n\n### 5.1 Soccorso alle vittime preventivo\n\n**N. 12** Un punto centrale di controversia riguarda la questione se il soccorso alle vittime intervenga già in caso di minaccia di un reato. Gomm/Zehntner (Kommentar OHG, 3a ed. 2009, Art. 1 N. 15) e Leubin Müller (AJP 2012, 1585, 1587) sostengono che lo scopo protettivo del soccorso alle vittime comprenda anche misure preventive. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) contraddice questa posizione richiamandosi al tenore letterale inequivocabile («a causa di un reato») e alla mancanza di sostegno nei materiali. La prassi dei consultori cantonali per il soccorso alle vittime è disomogenea.\n\n### 5.2 Rapporto con il patrocinio gratuito\n\n**N. 13** È stato discusso in modo controverso il rapporto tra soccorso alle vittime e patrocinio gratuito per le spese dell'avvocato. Il Tribunale federale ha chiarito nel **DTF 149 II 246** che la sussidiarietà del soccorso alle vittime non opera nel rapporto con il patrocinio gratuito. Queste possono essere fatte valere solo come soccorso immediato o aiuto a lungo termine, ma non come indennizzo.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Per far valere i diritti al soccorso alle vittime bisogna osservare i brevi termini di decadenza. Il Tribunale federale esige che la fattispecie che fonda il diritto sia esposta con sufficiente determinatezza entro il termine (**DTF 126 II 97**). Le domande non cifrate sono ammissibili quando il danno non è ancora stabilito.\n\n**N. 15** Per i danni a lungo termine (amianto, infezioni HIV) il termine di decadenza inizia solo con la riconoscibilità del danno (**DTF 126 II 348**). I consultori sono obbligati a richiamare l'attenzione su queste particolarità e ad assistere nella formulazione della domanda.\n\n**N. 16** Nel contesto transfrontaliero bisogna considerare il quadro di diritto internazionale. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 11) rinvia alla Convenzione europea relativa al risarcimento delle vittime di reati di violenza (RS 0.312.5) e alla Direttiva UE sulla protezione delle vittime 2012/29/UE. Le vittime svizzere di reati di violenza nello spazio UE possono richiamarsi a questi strumenti.", "caselaw_it": "# Art. 124 Cost - Giurisprudenza\n\n## Ambito di applicazione temporale dei reati di evento\n\n**DTF 134 II 308** del 1° ottobre 2008 — Vittime dell'amianto\nNei reati colposi di evento con grande distanza temporale tra azione e verificarsi dell'evento è determinante per l'ambito di applicazione della LAVI la realizzazione degli elementi oggettivi e soggettivi della fattispecie.\nQuesta decisione principale determina il quadro costituzionale per i danni a lungo termine e precisa l'approccio centrato sulla vittima dell'art. 124 Cost.\n\n> «Per l'ambito di applicazione temporale delle disposizioni della legislazione sull'aiuto alle vittime riguardo all'indennizzo e alla riparazione morale non è pertanto sufficiente considerare soltanto il comportamento contrario al dovere di diligenza. È invece determinante il verificarsi dell'evento conforme alla fattispecie di tale comportamento.»\n\n**DTF 126 II 348** del 19 maggio 2000 — Infezione HIV dopo stupro\nIl termine di decadenza inizia nei reati con danno ritardato soltanto quando la vittima può riconoscere il danno.\nDecisione fondamentale sull'interpretazione centrata sulla vittima dell'art. 124 Cost nei danni da latenza.\n\n> «Da questa prospettiva centrata sulla vittima, in collegamento con il principio di buona fede sancito nell'art. 5 cpv. 3 Cost, il Tribunale federale ha deciso che una vittima deve poter riconoscere il danno o la lesione determinanti prima di potersi appellare alla sussistenza di un reato ai sensi della LAVI.»\n\n## Calcolo dell'indennizzo e prestazioni di terzi\n\n**DTF 131 II 217** del 30 marzo 2005 — Computo delle prestazioni di risarcimento danni\nLe prestazioni di risarcimento danni devono essere detratte dall'indennizzo dell'aiuto alle vittime, anche se sono già state considerate nel calcolo dei redditi secondo la LPC.\nDecisione di principio sul coordinamento tra aiuto alle vittime e altre prestazioni dell'assicurazione sociale secondo l'art. 124 Cost.\n\n> «Contrariamente al tenore letterale della legge sull'aiuto alle vittime, le prestazioni che la vittima ha ricevuto come risarcimento danni devono essere detratte dall'indennizzo anche quando sono già state considerate nel calcolo dei suoi redditi computabili secondo la legge federale sulle prestazioni complementari.»\n\n**DTF 129 II 145** dell'8 gennaio 2003 — Danno domestico dopo uccisione\nDeterminazione del danno domestico in persone esercitanti un'attività lucrativa; computo delle prestazioni della previdenza professionale come risarcimento danni.\nLa decisione concretizza il diritto all'indennizzo dei congiunti secondo l'art. 124 Cost.\n\n> «In caso di attività lucrativa può essere applicata una riduzione al tempo impiegato per la conduzione domestica. La tariffa oraria di fr. 25.– assunta dall'istanza precedente rientra nel potere discrezionale.»\n\n**DTF 131 II 656** del 3 agosto 2005 — Calcolo del reddito e capacità lavorativa residua\nMomento del calcolo del reddito e considerazione della capacità lavorativa residua nella commisurazione dell'indennizzo.\nImportante decisione sull'attuazione pratica del diritto all'indennizzo secondo l'art. 124 Cost.\n\n> «Determinante per il calcolo del reddito è di regola il momento della fissazione dell'indennizzo dell'aiuto alle vittime e quindi il momento della decisione su tale indennizzo.»\n\n## Ambito di applicazione nei reati commessi all'estero\n\n**DTF 126 II 228** del 19 maggio 2000 — Reati all'estero\nLe vittime di reati commessi all'estero hanno diritto all'aiuto alle vittime soltanto se al momento del reato avevano una relazione personale con la Svizzera.\nLa decisione delimita l'ambito di applicazione territoriale dell'art. 124 Cost.\n\n> «La vittima di un reato subito all'estero non ha diritto al rimborso di ulteriori costi secondo l'art. 3 cpv. 4 LAVI se al momento del reato non aveva alcuna relazione con la Svizzera.»\n\n**DTF 128 II 107** del 18 gennaio 2002 — Cittadinanza svizzera all'estero\nLa cittadinanza svizzera è sufficiente come relazione personale con la Svizzera per i diritti all'aiuto alle vittime nei reati commessi all'estero.\nPrecisazione dell'ambito di applicazione territoriale dell'art. 124 Cost.\n\n> «La cittadinanza svizzera della vittima al momento del reato è sufficiente per fondare una relazione personale con la Svizzera e quindi l'avente diritto secondo l'art. 3 LAVI.»\n\n## Spese d'avvocato e sussidiarietà\n\n**DTF 149 II 246** del 2 giugno 2023 — Spese d'avvocato del procedimento penale\nLe spese d'avvocato possono essere fatte valere soltanto come aiuto immediato o a più lunga scadenza, non come indennizzo. Nessuna sussidiarietà nei confronti del patrocinio gratuito.\nAttuale decisione principale sull'attuazione pratica dell'aiuto secondo l'art. 124 Cost.\n\n> «La vittima ai sensi della legislazione sull'aiuto alle vittime può far valere le spese d'avvocato del procedimento penale esclusivamente come aiuto immediato o come aiuto a più lunga scadenza ai sensi dell'art. 13 LAVI. La sussidiarietà dell'aiuto alle vittime non opera nel rapporto con il patrocinio gratuito.»\n\n## Protezione dell'infanzia e aiuto alle vittime\n\n**DTF 125 II 230** del 19 marzo 1999 — Rapporto con le misure di diritto di famiglia\nLe misure di protezione dell'infanzia di diritto di famiglia non possono sostituire l'aiuto alle vittime se non offrono una protezione sufficiente.\nDecisione di principio sul rapporto tra diversi doveri statali di protezione secondo l'art. 124 Cost.\n\n> «Se le misure adottate della protezione dell'infanzia di diritto di famiglia producono una protezione sufficiente ai sensi della LAVI, viene meno il bisogno di corrispondenti offerte di aiuto secondo il diritto dell'aiuto alle vittime.»\n\n## Obbligo di allegazione\n\n**DTF 126 II 97** del 17 marzo 2000 — Allegazione delle pretese d'indennizzo\nLe vittime devono esporre la fattispecie che fonda il diritto entro il termine di decadenza in modo sufficientemente determinato. Le domande non cifrate sono ammissibili quando il danno non è ancora accertato.\nImportante decisione procedurale sulla rivendicazione pratica dell'art. 124 Cost.\n\n> «Nella misura in cui il danno o eventuali obblighi di prestazione di terzi non sono accertati entro il termine di decadenza di due anni, sono ammissibili domande di indennizzo e di riparazione morale non cifrate. Tuttavia la vittima deve esporre entro il termine di decadenza la fattispecie che fonda il diritto con sufficiente determinatezza.»", "summary_en": "# Art. 124 Cst. - Overview\n\n## What does the provision regulate?\n\nArt. 124 Cst. obliges the Confederation and the cantons to provide victim assistance. This comprises three elements: immediate assistance, longer-term assistance and financial compensation for victims of crime who have suffered harm to their physical, psychological or sexual integrity.\n\nThe constitutional provision is implemented by the Victim Assistance Act (VAA). According to **BGE 125 II 265 recital 3a**, Art. 124 Cst. establishes a constitutional entitlement to victim assistance.\n\n## Who is affected?\n\nVictims are persons who have been directly harmed by a criminal offence (primary victims). This also includes close relatives such as family members who have themselves suffered psychological harm as a result of the criminal offence (secondary victims). According to Art. 1 para. 2 VAA, these persons may also be entitled to assistance.\n\nAccording to Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7), assistance only applies after a criminal offence has actually been committed, not merely when it is threatened. Legal persons are excluded from protection.\n\n## What legal consequences arise?\n\nVictim assistance is structured in three levels: immediate assistance (medical treatment, crisis intervention), longer-term assistance (counselling, therapy) and financial benefits (compensation, satisfaction).\n\nFor financial compensation, the victim must have fallen into financial difficulties. Compensation is subsidiary – other benefits are offset (**BGE 131 II 217**). Applications must be submitted within two years (Art. 25 VAA).\n\n## Concrete example\n\nA woman is physically injured and psychologically traumatised in a robbery. She immediately receives medical treatment (immediate assistance), followed by psychological support (longer-term assistance). Since she cannot work due to the consequences and her income falls below the poverty line, she receives monthly compensation until her ability to work is restored.", "doctrine_en": "# Art. 124 BV - Doctrine\n\n## 1. History of Origin\n\n**N. 1** The current constitutional provision on victim assistance goes back to a popular initiative by the magazine «Der Schweizerische Beobachter» from 1980. The initiative called for a law on compensation for victims of crimes against life and limb by the state. The counter-proposal by the Federal Assembly, which went further in terms of content, was accepted in the referendum on 2 December 1984 with 83.3% yes votes and the approval of all cantons. This led to the inclusion of Art. 64ter in the old Federal Constitution, which was adopted unchanged as Art. 124 BV in the framework of the total revision.\n\n**N. 2** The Message on the Total Revision of the Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., 420) states that the provision requires comprehensive assistance for victims of crimes. The constituent power did not only want financial compensation, but to establish a three-tier assistance system: immediate assistance, longer-term assistance as well as compensation and satisfaction. This tripartite structure continues to shape the implementing Victim Assistance Act to this day.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 124 BV stands in the third chapter of the second title on social objectives, education and research. This placement emphasizes the social state character of victim assistance. Unlike the actual social objectives in Art. 41 BV, however, Art. 124 BV establishes directly enforceable claims. The norm is systematically connected with → Art. 41 para. 1 lit. c BV (social objective of protection from violence), → Art. 10 para. 2 BV (right to physical and mental integrity) and → Art. 11 BV (protection of children and young people).\n\n**N. 4** The constitutional provision has a dual legal nature: it is on the one hand a competence norm that obliges the Confederation and cantons to provide victim assistance, and on the other hand a principle norm with direct entitlement content. The Federal Supreme Court has repeatedly held that Art. 124 BV establishes a constitutional claim to victim assistance, the scope of which is specified by legislation (**BGE 125 II 265 E. 3a**).\n\n## 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n### 3.1 Concept of Victim\n\n**N. 5** The concept of victim presupposes that a person has been impaired in their physical, psychological or sexual integrity by a criminal offence. The case law interprets the concept of criminal offence broadly and also covers negligent result offences with a large temporal gap between the act and the occurrence of the result (**BGE 134 II 308 E. 5**). What is decisive is the realization of the objective and subjective elements of the offence, not the negligent behaviour as such.\n\n**N. 6** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 4-5) emphasizes that only natural persons can be victims. The impairment must have been directly caused by the criminal offence. In addition to primary victims, Art. 124 BV also covers relatives as secondary victims, provided they were themselves impaired in their psychological integrity by the criminal offence.\n\n### 3.2 Assistance\n\n**N. 7** The constitutionally required «assistance» encompasses, according to prevailing doctrine, a three-tier system: immediate assistance, longer-term assistance and financial benefits. It is disputed whether victim assistance also applies preventively. Part of the literature takes the view that victim assistance should not only apply when a criminal offence has occurred, but already when it is threatened. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) contradicts this interpretation with the argument that it finds support neither in the wording nor in the materials. Federal Supreme Court practice has not yet definitively expressed itself on this controversy.\n\n### 3.3 Appropriate Compensation\n\n**N. 8** The «appropriate compensation» is linked to the condition that the victim has fallen into economic difficulties as a result of the criminal offence. The case law specifies these difficulties by reference to the system of supplementary benefits (**BGE 131 II 217**). The compensation has a subsidiary character; benefits from third parties are offset.\n\n**N. 9** Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 8-10) explains that the appropriateness of compensation requires a balancing between the financial circumstances of the victim and the damage suffered. The compensation does not have to cover the full damage, but should prevent or mitigate economic hardship.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 124 BV obliges the Confederation and cantons jointly to provide victim assistance. The Confederation has created the normative framework with the Victim Assistance Act, while the cantons are responsible for operational implementation. They must establish counselling centres, ensure immediate assistance and decide on compensation applications.\n\n**N. 11** The case law recognizes a direct claim to victim assistance from Art. 124 BV, the scope of which is specified by the OHG (**BGE 149 II 246**). In the case of offences abroad, a claim only exists if the victim had a personal relationship with Switzerland at the time of the offence (**BGE 126 II 228**). Swiss citizenship suffices as such a relationship (**BGE 128 II 107**).\n\n## 5. Contentious Issues\n\n### 5.1 Preventive Victim Assistance\n\n**N. 12** A central point of contention concerns the question of whether victim assistance already applies when a criminal offence is threatened. Gomm/Zehntner (Commentary OHG, 3rd ed. 2009, Art. 1 N. 15) and Leubin Müller (AJP 2012, 1585, 1587) take the view that the protective purpose of victim assistance also encompasses preventive measures. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 7) contradicts this with reference to the clear wording («by a criminal offence») and the lack of support in the materials. The practice of cantonal victim assistance centres is inconsistent.\n\n### 5.2 Relationship to Free Legal Aid\n\n**N. 13** The relationship between victim assistance and free legal aid regarding lawyer costs was controversially discussed. The Federal Supreme Court has clarified in **BGE 149 II 246** that the subsidiarity of victim assistance does not apply in relation to free legal aid. These can only be claimed as immediate assistance or longer-term assistance, but not as compensation.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 14** For the assertion of victim assistance claims, the short limitation periods must be observed. The Federal Supreme Court requires that the facts establishing the claim be presented with sufficient specificity within the time limit (**BGE 126 II 97**). Unquantified claims are permissible if the damage has not yet been determined.\n\n**N. 15** In the case of long-term damage (asbestos, HIV infections), the limitation period only begins when the damage becomes recognizable (**BGE 126 II 348**). The counselling centres are obliged to point out these particularities and to support the formulation of applications.\n\n**N. 16** In the cross-border context, the public international law context must be considered. Göksu (BSK BV, Art. 124 N. 11) refers to the European Convention on the Compensation of Victims of Violent Crimes (SR 0.312.5) and the EU Victims' Rights Directive 2012/29/EU. Swiss victims of violent crimes in the EU area can invoke these instruments.", "caselaw_en": "# Art. 124 FC - Case Law\n\n## Temporal Scope in Consequential Offences\n\n**BGE 134 II 308** of 1 October 2008 — Asbestos Victims\nIn negligent consequential offences with a long time gap between the act and the occurrence of the consequence, the realisation of the objective and subjective elements of the offence is decisive for the scope of application of the Victim Support Act. \nThis leading decision establishes the constitutional framework for long-term damage and clarifies the victim-oriented approach of Art. 124 FC.\n\n> «For the temporal scope of victim support provisions on compensation and satisfaction, one cannot rely solely on negligent conduct. Rather, what is decisive is the occurrence of the factual consequence of such conduct.»\n\n**BGE 126 II 348** of 19 May 2000 — HIV Infection Following Rape\nThe limitation period for criminal offences with delayed occurrence of damage begins only when the victim can recognise the damage. \nFundamental decision on the victim-oriented interpretation of Art. 124 FC for latent damages.\n\n> «From this victim-oriented perspective, in connection with the principle of good faith enshrined in Art. 5 para. 3 FC, the Federal Supreme Court has decided that a victim must be able to recognise the relevant damage or injury before it can rely on the existence of a criminal offence within the meaning of the Victim Support Act.»\n\n## Compensation Calculation and Third-Party Benefits\n\n**BGE 131 II 217** of 30 March 2005 — Deduction of Damages Payments\nDamages payments must be deducted from victim support compensation, even if they have already been taken into account when calculating income under the Supplementary Benefits Act. \nFundamental decision on coordination between victim support and other social insurance benefits according to Art. 124 FC.\n\n> «Contrary to the wording of the Victim Support Act, benefits that the victim has received as damages must be deducted from compensation even if they have already been taken into account when calculating their creditable income under the Federal Act on Supplementary Benefits.»\n\n**BGE 129 II 145** of 8 January 2003 — Household Damage Following Killing\nDetermination of household damage for employed persons; deduction of occupational pension benefits as damages.\nThe decision concretises the compensation entitlement of relatives according to Art. 124 FC.\n\n> «In the case of employment, a deduction may be made from the time spent on household management. The hourly rate of CHF 25 assumed by the lower court is within the discretionary range.»\n\n**BGE 131 II 656** of 3 August 2005 — Income Calculation and Residual Work Capacity\nTiming of income calculation and consideration of residual work capacity in determining compensation.\nImportant decision on the practical implementation of the compensation entitlement according to Art. 124 FC.\n\n> «As a rule, the time of determining victim support compensation and thus the time of the decision on this compensation is decisive for income calculation.»\n\n## Scope of Application for Foreign Offences\n\n**BGE 126 II 228** of 19 May 2000 — Offences Abroad\nVictims of foreign offences are only entitled to victim support if they had a personal connection to Switzerland at the time of the offence.\nThe decision delineates the territorial scope of Art. 124 FC.\n\n> «The victim of an offence suffered abroad has no entitlement to the assumption of further costs according to Art. 3 para. 4 Victim Support Act if it had no connection to Switzerland at the time of the offence.»\n\n**BGE 128 II 107** of 18 January 2002 — Swiss Citizenship Abroad\nSwiss citizenship suffices as a personal connection to Switzerland for victim support entitlements in foreign offences.\nClarification of the territorial scope of Art. 124 FC.\n\n> «Swiss citizenship of the victim at the time of the offence suffices to establish a personal connection to Switzerland and thus entitlement according to Art. 3 Victim Support Act.»\n\n## Legal Costs and Subsidiarity\n\n**BGE 149 II 246** of 2 June 2023 — Legal Costs in Criminal Proceedings\nLegal costs can only be claimed as immediate or longer-term assistance, not as compensation. No subsidiarity vis-à-vis free legal aid.\nCurrent leading decision on the practical implementation of assistance according to Art. 124 FC.\n\n> «The victim within the meaning of victim support legislation can claim legal costs of criminal proceedings exclusively as immediate assistance or as longer-term assistance within the meaning of Art. 13 Victim Support Act. The subsidiarity of victim support does not apply in relation to free legal aid.»\n\n## Child Protection and Victim Support\n\n**BGE 125 II 230** of 19 March 1999 — Relationship to Family Law Measures\nFamily law child protection measures cannot replace victim support if they do not provide sufficient protection.\nFundamental decision on the relationship between different state protective duties according to Art. 124 FC.\n\n> «If child protection measures taken under family law provide sufficient protection within the meaning of the Victim Support Act, the need for corresponding assistance under victim support law ceases to exist.»\n\n## Duty of Substantiation\n\n**BGE 126 II 97** of 17 March 2000 — Presentation of Compensation Claims\nVictims must present the facts establishing their claim with sufficient specificity within the limitation period. Unquantified claims are admissible if the damage has not yet been determined.\nImportant procedural decision on the practical assertion of Art. 124 FC.\n\n> «To the extent that damage or possible third-party payment obligations are not established within the two-year limitation period, unquantified compensation and satisfaction claims are admissible. However, the victim must present the facts establishing the claim with sufficient specificity within the limitation period.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_124", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 125, "article_suffix": "", "title": "Messwesen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 125 BV gibt dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für alle Gesetze über das Messwesen (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5). Diese Kompetenz besteht bereits seit der ersten Bundesverfassung von 1848 und dient der Rechtsvereinheitlichung im geschäftlichen Verkehr (Botsch. BV, BBl 1997 I 368).\n\nDas Messwesen umfasst drei Hauptbereiche: die Definition von Masseinheiten (wie Meter, Kilogramm, Sekunde), die technischen Anforderungen an Messgeräte und deren regelmässige Eichung (Überprüfung der Genauigkeit) (Art. 2 Abs. 1 MessG; Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4). Der Bund hat diese Kompetenz durch das Bundesgesetz über das Messwesen (MessG) umgesetzt.\n\nBetroffen sind alle Unternehmen und Personen, die Messgeräte im geschäftlichen Verkehr verwenden. Dazu gehören Tankstellen mit Zapfsäulen, Bäckereien mit Waagen, Elektrizitätswerke mit Stromzählern oder Taxiunternehmen mit Fahrtenschreibern (Art. 3 MessG). Diese Messgeräte müssen vom Bundesamt für Metrologie (METAS) zugelassen und regelmässig geeicht werden.\n\nDie Rechtsfolgen bei Verstössen sind bedeutsam: Nicht geeichte Messgeräte dürfen im Geschäftsverkehr nicht verwendet werden (Art. 3 MessG). Das Bundesgericht hat bestätigt, dass Unternehmen bei der Wahl von Messdienstleistern grundsätzlich frei sind, solange keine gesetzlichen Monopole bestehen (**BGE 143 I 395**).\n\nEin konkretes Beispiel: Eine Bäckerei muss ihre Waage alle zwei Jahre eichen lassen. Zeigt die Waage falsche Werte an, kann das METAS den sofortigen Austausch anordnen (BVGer A-272/2013). Die Kantone führen die Kontrollen durch, können aber keine eigenen Messgesetze erlassen (BGer 2C_1007/2015).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bundeskompetenz für das Messwesen hat eine lange Tradition im schweizerischen Verfassungsrecht. Bereits Art. 37 der Bundesverfassung von 1848 übertrug dem Bund die Gesetzgebung über Masse und Gewichte. Diese Kompetenz wurde in Art. 40 Abs. 1 aBV fortgeführt und 1999 in der heutigen Formulierung in Art. 125 BV übernommen (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 1; Brunner, SG Komm. BV, Art. 125 N. 1).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung betonte, dass die Regelung des Messwesens eine klassische Bundesaufgabe darstellt, die der Rechtsvereinheitlichung und dem Schutz des redlichen Geschäftsverkehrs dient (Botsch. BV, BBl 1997 I 1, 368). Die Verfassungsrevision von 1999 führte zu keiner materiellen Änderung der Bundeskompetenz, sondern passte lediglich die Terminologie an moderne Verhältnisse an.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 125 BV findet sich im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, im 2. Kapitel über die Zuständigkeiten. Die Norm begründet eine ausschliessliche Bundeskompetenz, wie sich aus dem Wortlaut \"ist Sache des Bundes\" ergibt (→ Art. 3 BV). Die Kantone haben keine residuale Gesetzgebungskompetenz im Bereich des Messwesens (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5).\n\n**N. 4** Die Messwesenkompetenz steht in systematischem Zusammenhang mit der Wirtschaftsfreiheit (→ Art. 27 BV) und der Bundeskompetenz für das Privatrecht (→ Art. 122 BV). Sie dient der Verwirklichung des einheitlichen Wirtschaftsraums Schweiz (→ Art. 95 BV) durch Standardisierung der Masseinheiten (Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, N 1254).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff \"Messwesen\" umfasst nach der herrschenden Lehre drei Bereiche: (1) die Definition der Masseinheiten und ihrer Normale, (2) die Anforderungen an Messmittel und Messverfahren sowie (3) die Überwachung und Eichung von Messgeräten (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4; Vaucher/Niederhauser, METinfo 3/2007, 10 ff.).\n\n**N. 6** Die Bundeskompetenz erstreckt sich auf alle Arten von Messungen im geschäftlichen Verkehr, unabhängig vom gemessenen Objekt. Erfasst werden physikalische Grössen wie Länge, Masse, Zeit, Temperatur, elektrische Stromstärke, Stoffmenge und Lichtstärke sowie davon abgeleitete Einheiten (Art. 2 Abs. 1 MessG; Art. 3 ff. Einheitenverordnung).\n\n**N. 7** Nicht zum Messwesen im Sinne von Art. 125 BV gehören hingegen Bewertungen und Schätzungen ohne physikalische Messgrundlage sowie rein private Messungen ohne Bezug zum geschäftlichen Verkehr (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 125 N. 3).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Als ausschliessliche Bundeskompetenz schliesst Art. 125 BV jede kantonale Gesetzgebung im Bereich des Messwesens aus. Der Bund hat seine Kompetenz durch das Bundesgesetz über das Messwesen (MessG) und dessen Ausführungserlasse wahrgenommen (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5-13).\n\n**N. 9** Die Kantone sind auf den Vollzug des Bundesrechts beschränkt. Sie können als Eichstellen tätig werden, soweit das Bundesrecht dies vorsieht (Art. 15 Abs. 1 MessG). Eigene materielle Vorschriften zum Messwesen dürfen sie nicht erlassen (BGer 2C_1007/2015 E. 3.2).\n\n**N. 10** Private unterliegen der Eichpflicht für Messmittel im geschäftlichen Verkehr (Art. 3 MessG). Die Wahl des Messdienstleisters bleibt jedoch von der Wirtschaftsfreiheit geschützt, soweit kein gesetzliches Monopol besteht (**BGE 143 I 395** E. 4.3).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 11** Umstritten ist die Reichweite der Bundeskompetenz bei neuen Messtechnologien. Während Vaucher/Niederhauser/Richard (METinfo 1/2008, 4 ff.) für einen anwendungsorientierten Ansatz plädieren, der auch intelligente Messsysteme vollumfänglich erfasst, vertreten andere Autoren eine restriktivere Auslegung bei rein digitalen Messverfahren ohne physikalische Komponente.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird auch das Verhältnis zwischen Messwesenkompetenz und Datenschutz. Die METAS-Datenbank enthält sensible Informationen über Messgerätebesitzer. Zen-Ruffinen (BV 1874, Art. 125 N. 8) fordert eine strikte Trennung zwischen messtechnischen und datenschutzrechtlichen Aspekten, während die Praxis eine integrative Betrachtung bevorzugt (EDÖB-Empfehlung vom 18.2.2014).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Einführung neuer Messgeräte ist die Eichpflicht nach Art. 3 MessG zu beachten. Das METAS als Bundesamt für Metrologie ist erste Anlaufstelle für Fragen zur Konformität und Zulassung (Art. 15 Abs. 2 MessG).\n\n**N. 14** Unternehmen sollten bei der Auswechslung von Messgeräten die Übergangsfristen beachten. Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verhältnismässigkeit von Austauschanordnungen und berücksichtigt dabei wirtschaftliche Interessen der Betroffenen (BVGer A-272/2013 E. 5.3).\n\n**N. 15** Im Bereich der Elektrizitätsmessung besteht kein rechtliches Monopol für Messdienstleistungen. Netzbetreiber können die Messung nicht zwingend selbst vornehmen, sondern müssen die Wirtschaftsfreiheit der Produzenten respektieren (**BGE 143 I 395**).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Leitentscheide\n\n### Messwesen und Wirtschaftsfreiheit\n\n**BGE 143 I 395** (14. Juli 2017)\nDie Wahl des Messdienstleisters unterliegt der Wirtschaftsfreiheit des Elektrizitätsproduzenten. Das Bundesgericht stellte fest, dass für das Messwesen kein rechtliches Monopol besteht und die Messdienstleistungen nicht zum monopolisierten Netzbetrieb gehören.\n\n> «Es besteht somit ein gesetzliches Ausschliesslichkeitsrecht des Netzbetreibers für den Netzbetrieb in seinem Gebiet, im Übrigen aber Wirtschaftsfreiheit. Insbesondere besteht kein (ausdrückliches) rechtliches Monopol für das Messwesen.»\n\n### Zuständigkeit des Bundes\n\n**BGer 2C_1007/2015** (10. Mai 2016)\nDas Bundesgericht bestätigte die umfassende Bundeskompetenz nach Art. 125 BV für die Regelung des Messwesens. Die Gesetzgebung über das Messwesen ist ausschliesslich Sache des Bundes, einschliesslich der Zulassung und Eichung von Messmitteln.\n\n> «Die Gesetzgebung über das Messwesen ist Sache des Bundes (Art. 125 BV). Das MessG regelt insbesondere die Messmittel (Art. 1 lit. b MessG).»\n\n## Weitere Rechtsprechung\n\n### Messgeräte und Nichtkonformität\n\n**BVGer A-272/2013** (21. November 2013)\nDas Bundesverwaltungsgericht befasste sich mit der Nichtkonformität von Elektrizitätszählern und den Massnahmen des METAS. Der Entscheid betraf die Verhältnismässigkeit von Austauschmassnahmen bei fehlerhaften Messgeräten.\n\n> «Es besteht ein erhebliches öffentliches Interesse an der Sicherung der Messsicherheit und der Redlichkeit in Handel und Geschäftsverkehr (Art. 1 Bst. a MessMV), da der Endverbraucher vor überhöhten Stromrechnungen geschützt werden soll.»\n\nDas Gericht prüfte die Verhältnismässigkeit der angeordneten Massnahmen und stellte fest, dass wirtschaftliche Schäden bei der Festsetzung von Austauschfristen zu berücksichtigen sind.\n\n**BVGer A-3051/2015** (1. Oktober 2015)\nWeitere Rechtsprechung zu elektrischen Erzeugnissen und der Anwendung der Messmittelverordnung durch das METAS. Der Entscheid wurde vom Bundesgericht bestätigt (BGer 2C_1007/2015).\n\n### Verkehrsrechtliche Anwendung\n\n**Kantonsgericht Basel-Landschaft 460 12 100** (4. September 2012)\nDas Gericht behandelte die Doppelfunktion des METAS bei der Eichung und Expertisierung von Messgeräten im Strassenverkehr. Das Bundesgesetz über das Messwesen sieht diese Doppelfunktion gesetzlich ausdrücklich vor.\n\n> «Das Bundesgesetz über das Messwesen eine Doppelfunktion des METAS hinsichtlich der Eichung und Expertisierung gesetzlich ausdrücklich vorsehe.»\n\n**Obergericht Nidwalden SA 23 11** (13. August 2024)\nAktueller Entscheid zur Anwendung des Messwesens bei Geschwindigkeitsmessungen. Das Gericht verwies auf die Botschaften zum Bundesgesetz über das Messwesen und die rechtlichen Grundlagen für Messverfahren im Strassenverkehr.\n\n### Eichstellen und Ermächtigungen\n\n**BL-Gerichte 810 21 69** (17. August 2021)\nDas Kantonsgericht Basel-Landschaft behandelte eine Gebührenverfügung betreffend die Überprüfung der Messbeständigkeit von Waagen. Der Entscheid zeigt die praktische Anwendung der Messmittelverordnung durch kantonale Behörden im Vollzug des Bundesrechts.\n\n### Datenschutz im Messwesen\n\n**EDÖB-Empfehlung** (18. Februar 2014)\nDer Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte behandelte Zugangsgesuche zur METAS-Datenbank und die Grenzen der Informationspflicht bei Messmitteldaten.\n\n> «Das METAS begründete die Verweigerung des Zugangs zum Datenfeld 'Besitzer bzw. Verwender der Messmittel' unter Berufung auf Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ.»\n\n### Intelligente Messsysteme\n\n**ElCom-Entscheide 2024-2025**\nMehrere aktuelle Entscheide der Elektrizitätskommission zur Auswechslung konventioneller Stromzähler durch intelligente Messsysteme (Smartmeter) zeigen die moderne Anwendung der Bundeskompetenz für das Messwesen.\n\nDie Rechtsprechung bestätigt die umfassende Bundeskompetenz nach Art. 125 BV und zeigt deren praktische Anwendung in verschiedenen Bereichen von der Elektrizitätsmessung über Verkehrsmessungen bis hin zu medizinischen Messgeräten. Die Gerichte haben dabei stets die Verhältnismässigkeit staatlicher Massnahmen und die Wahrung privater Interessen im Auge behalten.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 125 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive pour toutes les lois sur la métrologie (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5). Cette compétence existe déjà depuis la première Constitution fédérale de 1848 et sert à l'unification du droit dans le commerce (Message Cst., FF 1997 I 329).\n\nLa métrologie comprend trois domaines principaux : la définition des unités de mesure (comme le mètre, le kilogramme, la seconde), les exigences techniques relatives aux instruments de mesure et leur vérification périodique (contrôle de la précision) (art. 2 al. 1 LMétr ; Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4). La Confédération a mis en œuvre cette compétence par la loi fédérale sur la métrologie (LMétr).\n\nSont concernées toutes les entreprises et personnes qui utilisent des instruments de mesure dans le commerce. Cela comprend les stations-service avec leurs pompes, les boulangeries avec leurs balances, les services électriques avec leurs compteurs d'électricité ou les entreprises de taxi avec leurs tachygraphes (art. 3 LMétr). Ces instruments de mesure doivent être homologués par l'Office fédéral de métrologie (METAS) et vérifiés périodiquement.\n\nLes conséquences juridiques en cas de violations sont importantes : les instruments de mesure non vérifiés ne peuvent pas être utilisés dans le commerce (art. 3 LMétr). Le Tribunal fédéral a confirmé que les entreprises sont en principe libres dans le choix des prestataires de services de mesure, tant qu'aucun monopole légal n'existe (**ATF 143 I 395**).\n\nUn exemple concret : une boulangerie doit faire vérifier sa balance tous les deux ans. Si la balance indique des valeurs erronées, METAS peut ordonner son remplacement immédiat (TAF A-272/2013). Les cantons effectuent les contrôles, mais ne peuvent pas édicter leurs propres lois sur la métrologie (TF 2C_1007/2015).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La compétence fédérale en matière de métrologie a une longue tradition dans le droit constitutionnel suisse. L'art. 37 de la Constitution fédérale de 1848 conférait déjà à la Confédération la législation sur les poids et mesures. Cette compétence fut poursuivie à l'art. 40 al. 1 aCst et reprise en 1999 dans sa formulation actuelle à l'art. 125 Cst (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 1; Brunner, SG Komm. BV, Art. 125 N. 1).\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale soulignait que la réglementation de la métrologie constitue une tâche fédérale classique, qui sert à l'unification du droit et à la protection de la loyauté du commerce (Message Cst, FF 1997 I 1, 368). La révision constitutionnelle de 1999 n'a apporté aucun changement matériel à la compétence fédérale, mais a simplement adapté la terminologie aux conditions modernes.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 125 Cst se trouve au 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, au 2e chapitre sur les compétences. La norme fonde une compétence fédérale exclusive, comme il ressort du libellé « relève de la Confédération » (→ art. 3 Cst). Les cantons n'ont aucune compétence législative résiduelle dans le domaine de la métrologie (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5).\n\n**N. 4** La compétence en matière de métrologie se situe dans un rapport systématique avec la liberté économique (→ art. 27 Cst) et la compétence fédérale pour le droit privé (→ art. 122 Cst). Elle sert à la réalisation de l'espace économique uniforme suisse (→ art. 95 Cst) par la standardisation des unités de mesure (Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, N 1254).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** Le concept de « métrologie » comprend selon la doctrine dominante trois domaines : (1) la définition des unités de mesure et de leurs étalons, (2) les exigences relatives aux instruments de mesure et aux procédés de mesure ainsi que (3) la surveillance et l'étalonnage des appareils de mesure (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4; Vaucher/Niederhauser, METinfo 3/2007, 10 ss.).\n\n**N. 6** La compétence fédérale s'étend à tous les types de mesurages dans le commerce, indépendamment de l'objet mesuré. Sont saisies les grandeurs physiques comme la longueur, la masse, le temps, la température, l'intensité de courant électrique, la quantité de matière et l'intensité lumineuse ainsi que les unités qui en dérivent (art. 2 al. 1 LMétr; art. 3 ss. ordonnance sur les unités).\n\n**N. 7** Ne relèvent en revanche pas de la métrologie au sens de l'art. 125 Cst les évaluations et estimations sans base physique de mesure ainsi que les mesurages purement privés sans rapport avec le commerce (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 125 N. 3).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** En tant que compétence fédérale exclusive, l'art. 125 Cst exclut toute législation cantonale dans le domaine de la métrologie. La Confédération a exercé sa compétence par la loi fédérale sur la métrologie (LMétr) et ses actes d'exécution (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5-13).\n\n**N. 9** Les cantons sont limités à l'exécution du droit fédéral. Ils peuvent agir comme services de vérification dans la mesure où le droit fédéral le prévoit (art. 15 al. 1 LMétr). Ils ne peuvent édicter de prescriptions matérielles propres en matière de métrologie (TF 2C_1007/2015 consid. 3.2).\n\n**N. 10** Les particuliers sont soumis à l'obligation de vérification pour les instruments de mesure dans le commerce (art. 3 LMétr). Le choix du prestataire de services de mesure reste cependant protégé par la liberté économique, pour autant qu'il n'existe pas de monopole légal (**ATF 143 I 395** consid. 4.3).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 11** La portée de la compétence fédérale pour les nouvelles technologies de mesure est controversée. Tandis que Vaucher/Niederhauser/Richard (METinfo 1/2008, 4 ss.) plaident pour une approche orientée vers l'application, qui saisisse aussi pleinement les systèmes de mesure intelligents, d'autres auteurs défendent une interprétation plus restrictive pour les procédés de mesure purement numériques sans composante physique.\n\n**N. 12** Le rapport entre la compétence en matière de métrologie et la protection des données fait aussi l'objet de discussions controversées. La base de données METAS contient des informations sensibles sur les propriétaires d'appareils de mesure. Zen-Ruffinen (BV 1874, Art. 125 N. 8) exige une séparation stricte entre les aspects métrologiques et ceux relevant de la protection des données, tandis que la pratique privilégie une approche intégrative (Recommandation du PFPDT du 18.2.2014).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Lors de l'introduction de nouveaux appareils de mesure, il faut respecter l'obligation de vérification selon l'art. 3 LMétr. Le METAS en tant qu'office fédéral de métrologie est le premier interlocuteur pour les questions de conformité et d'autorisation (art. 15 al. 2 LMétr).\n\n**N. 14** Les entreprises doivent respecter les délais de transition lors du remplacement d'appareils de mesure. Le Tribunal administratif fédéral examine la proportionnalité des ordres d'échange et tient compte des intérêts économiques des personnes concernées (TAF A-272/2013 consid. 5.3).\n\n**N. 15** Dans le domaine du mesurage de l'électricité, il n'existe pas de monopole légal pour les prestations de services de mesure. Les gestionnaires de réseau ne peuvent pas effectuer le mesurage de manière contraignante eux-mêmes, mais doivent respecter la liberté économique des producteurs (**ATF 143 I 395**).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Arrêts de principe\n\n### Métrologie et liberté économique\n\n**ATF 143 I 395** (14 juillet 2017)\nLe choix du fournisseur de services de mesure relève de la liberté économique du producteur d'électricité. Le Tribunal fédéral a établi qu'il n'existe pas de monopole légal pour la métrologie et que les services de mesure ne font pas partie de l'exploitation monopolisée du réseau.\n\n> « Il existe donc un droit légal d'exclusivité du gestionnaire de réseau pour l'exploitation du réseau sur son territoire, mais pour le reste la liberté économique s'applique. En particulier, il n'existe pas de monopole légal (explicite) pour la métrologie. »\n\n### Compétence de la Confédération\n\n**TF 2C_1007/2015** (10 mai 2016)\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence fédérale complète selon l'art. 125 Cst. pour la réglementation de la métrologie. La législation sur la métrologie relève exclusivement de la compétence de la Confédération, y compris l'admission et l'étalonnage des instruments de mesure.\n\n> « La législation sur la métrologie relève de la compétence de la Confédération (art. 125 Cst.). La LMétr règle notamment les instruments de mesure (art. 1, let. b, LMétr). »\n\n## Autre jurisprudence\n\n### Instruments de mesure et non-conformité\n\n**TAF A-272/2013** (21 novembre 2013)\nLe Tribunal administratif fédéral s'est penché sur la non-conformité des compteurs d'électricité et les mesures du METAS. L'arrêt concernait la proportionnalité des mesures de remplacement en cas d'instruments de mesure défectueux.\n\n> « Il existe un intérêt public considérable à assurer la sécurité métrologique et la loyauté dans le commerce et les relations d'affaires (art. 1, let. a, OMétr), car le consommateur final doit être protégé contre des factures d'électricité excessives. »\n\nLe tribunal a examiné la proportionnalité des mesures ordonnées et a établi que les dommages économiques doivent être pris en compte lors de la fixation des délais de remplacement.\n\n**TAF A-3051/2015** (1er octobre 2015)\nAutre jurisprudence concernant les produits électriques et l'application de l'ordonnance sur les instruments de mesure par le METAS. L'arrêt a été confirmé par le Tribunal fédéral (TF 2C_1007/2015).\n\n### Application dans le droit de la circulation\n\n**Tribunal cantonal de Bâle-Campagne 460 12 100** (4 septembre 2012)\nLe tribunal a traité la double fonction du METAS dans l'étalonnage et l'expertise des instruments de mesure dans la circulation routière. La loi fédérale sur la métrologie prévoit expressément cette double fonction.\n\n> « La loi fédérale sur la métrologie prévoit expressément par la loi cette double fonction du METAS concernant l'étalonnage et l'expertise. »\n\n**Tribunal supérieur de Nidwald SA 23 11** (13 août 2024)\nArrêt actuel sur l'application de la métrologie dans les mesures de vitesse. Le tribunal s'est référé aux messages concernant la loi fédérale sur la métrologie et aux bases légales pour les procédures de mesure dans la circulation routière.\n\n### Services d'étalonnage et autorisations\n\n**Tribunaux BL 810 21 69** (17 août 2021)\nLe tribunal cantonal de Bâle-Campagne a traité une décision sur les émoluments concernant la vérification de la constance métrologique des balances. L'arrêt montre l'application pratique de l'ordonnance sur les instruments de mesure par les autorités cantonales dans l'exécution du droit fédéral.\n\n### Protection des données dans la métrologie\n\n**Recommandation du PFPDT** (18 février 2014)\nLe Préposé fédéral à la protection des données et à la transparence a traité les demandes d'accès à la base de données du METAS et les limites du devoir d'information concernant les données sur les instruments de mesure.\n\n> « Le METAS a justifié le refus d'accès au champ de données 'propriétaire resp. utilisateur des instruments de mesure' en invoquant l'art. 7, al. 1, let. b, LTrans. »\n\n### Systèmes de mesure intelligents\n\n**Décisions ElCom 2024-2025**\nPlusieurs décisions actuelles de la Commission de l'électricité concernant le remplacement des compteurs d'électricité conventionnels par des systèmes de mesure intelligents (compteurs intelligents) montrent l'application moderne de la compétence fédérale pour la métrologie.\n\nLa jurisprudence confirme la compétence fédérale complète selon l'art. 125 Cst. et montre son application pratique dans différents domaines, de la mesure de l'électricité aux mesures de circulation en passant par les appareils de mesure médicaux. Les tribunaux ont toujours veillé à la proportionnalité des mesures étatiques et à la sauvegarde des intérêts privés.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 125 Cost. attribuisce alla Confederazione la competenza esclusiva per tutte le leggi sulla metrologia (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5). Questa competenza esiste già dalla prima Costituzione federale del 1848 e serve all'unificazione del diritto nel traffico commerciale (Botsch. BV, FF 1997 I 368).\n\nLa metrologia comprende tre settori principali: la definizione di unità di misura (come metro, chilogrammo, secondo), i requisiti tecnici per gli strumenti di misura e la loro taratura regolare (verifica della precisione) (art. 2 cpv. 1 LMet; Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4). La Confederazione ha attuato questa competenza mediante la legge federale sulla metrologia (LMet).\n\nSono interessate tutte le imprese e le persone che utilizzano strumenti di misura nel traffico commerciale. Ciò include stazioni di servizio con pompe di benzina, panetterie con bilance, aziende elettriche con contatori dell'elettricità o imprese di taxi con tachigrafi (art. 3 LMet). Questi strumenti di misura devono essere approvati dall'Istituto federale di metrologia (METAS) e tarati regolarmente.\n\nLe conseguenze giuridiche in caso di violazioni sono significative: strumenti di misura non tarati non possono essere utilizzati nel traffico commerciale (art. 3 LMet). Il Tribunale federale ha confermato che le imprese sono in linea di principio libere nella scelta di prestatori di servizi di misura, purché non esistano monopoli legali (**DTF 143 I 395**).\n\nUn esempio concreto: una panetteria deve far tarare la sua bilancia ogni due anni. Se la bilancia mostra valori errati, il METAS può ordinare la sostituzione immediata (TAF A-272/2013). I Cantoni eseguono i controlli, ma non possono emanare proprie leggi sulla metrologia (TF 2C_1007/2015).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La competenza federale per la metrologia ha una lunga tradizione nel diritto costituzionale svizzero. Già l'art. 37 della Costituzione federale del 1848 trasferì alla Confederazione la legislazione su pesi e misure. Questa competenza fu proseguita nell'art. 40 cpv. 1 aCost e nel 1999 ripresa nell'attuale formulazione nell'art. 125 Cost (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 1; Brunner, SG Komm. BV, Art. 125 N. 1).\n\n**N. 2** Il messaggio sulla nuova Costituzione federale sottolineò che la regolamentazione della metrologia rappresenta un compito federale classico, che serve all'unificazione del diritto e alla protezione del traffico commerciale onesto (Messaggio Cost, FF 1997 I 1, 368). La revisione costituzionale del 1999 non comportò alcun cambiamento materiale della competenza federale, ma adattò semplicemente la terminologia alle condizioni moderne.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 125 Cost si trova nel 3° titolo su Confederazione, Cantoni e Comuni, nel 2° capitolo sulle competenze. La norma fonda una competenza federale esclusiva, come risulta dal tenore letterale \"è di competenza della Confederazione\" (→ art. 3 Cost). I Cantoni non hanno alcuna competenza legislativa residua nel settore della metrologia (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5).\n\n**N. 4** La competenza metrologica è in collegamento sistematico con la libertà economica (→ art. 27 Cost) e la competenza federale per il diritto privato (→ art. 122 Cost). Essa serve alla realizzazione dello spazio economico unitario Svizzera (→ art. 95 Cost) attraverso la standardizzazione delle unità di misura (Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, N 1254).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il concetto di \"metrologia\" comprende secondo la dottrina prevalente tre settori: (1) la definizione delle unità di misura e dei loro normali, (2) i requisiti per i mezzi e i procedimenti di misurazione nonché (3) la sorveglianza e la taratura degli apparecchi di misura (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4; Vaucher/Niederhauser, METinfo 3/2007, 10 ss.).\n\n**N. 6** La competenza federale si estende a tutti i tipi di misurazioni nel traffico commerciale, indipendentemente dall'oggetto misurato. Sono comprese grandezze fisiche come lunghezza, massa, tempo, temperatura, intensità di corrente elettrica, quantità di sostanza e intensità luminosa nonché unità da esse derivate (art. 2 cpv. 1 LMet; art. 3 ss. Ordinanza sulle unità).\n\n**N. 7** Non appartengono invece alla metrologia nel senso dell'art. 125 Cost valutazioni e stime senza base di misurazione fisica nonché misurazioni puramente private senza riferimento al traffico commerciale (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 125 N. 3).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** In quanto competenza federale esclusiva, l'art. 125 Cost esclude qualsiasi legislazione cantonale nel settore della metrologia. La Confederazione ha esercitato la sua competenza attraverso la Legge federale sulla metrologia (LMet) e i relativi atti esecutivi (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5-13).\n\n**N. 9** I Cantoni sono limitati all'esecuzione del diritto federale. Essi possono operare come uffici di verifica, nella misura in cui il diritto federale lo prevede (art. 15 cpv. 1 LMet). Non possono emanare proprie prescrizioni materiali sulla metrologia (TF 2C_1007/2015 consid. 3.2).\n\n**N. 10** I privati sottostanno all'obbligo di verifica per i mezzi di misura nel traffico commerciale (art. 3 LMet). La scelta del prestatore di servizi di misurazione rimane tuttavia protetta dalla libertà economica, nella misura in cui non esista un monopolio legale (**DTF 143 I 395** consid. 4.3).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** È controversa la portata della competenza federale per le nuove tecnologie di misurazione. Mentre Vaucher/Niederhauser/Richard (METinfo 1/2008, 4 ss.) propugnano un approccio orientato all'applicazione, che comprende integralmente anche i sistemi di misura intelligenti, altri autori rappresentano un'interpretazione più restrittiva per i procedimenti di misurazione puramente digitali senza componente fisica.\n\n**N. 12** È discusso in modo controverso anche il rapporto tra competenza metrologica e protezione dei dati. La banca dati METAS contiene informazioni sensibili sui possessori di apparecchi di misura. Zen-Ruffinen (BV 1874, Art. 125 N. 8) richiede una separazione rigorosa tra aspetti metrologici e di protezione dei dati, mentre la prassi preferisce una considerazione integrativa (raccomandazione IFPDT del 18.2.2014).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nell'introduzione di nuovi apparecchi di misura è da osservare l'obbligo di verifica secondo l'art. 3 LMet. Il METAS come Ufficio federale di metrologia è primo punto di contatto per questioni sulla conformità e l'omologazione (art. 15 cpv. 2 LMet).\n\n**N. 14** Le aziende dovrebbero osservare i termini di transizione nella sostituzione di apparecchi di misura. Il Tribunale amministrativo federale esamina la proporzionalità di ordinanze di sostituzione e considera in tal senso gli interessi economici degli interessati (TAF A-272/2013 consid. 5.3).\n\n**N. 15** Nel settore della misurazione dell'elettricità non esiste alcun monopolio legale per i servizi di misurazione. I gestori di rete non possono necessariamente effettuare la misurazione da soli, ma devono rispettare la libertà economica dei produttori (**DTF 143 I 395**).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Sentenze principali\n\n### Metrologia e libertà economica\n\n**DTF 143 I 395** (14 luglio 2017)\nLa scelta del prestatore di servizi di misurazione è soggetta alla libertà economica del produttore di elettricità. Il Tribunale federale ha stabilito che per la metrologia non esiste un monopolio legale e che i servizi di misurazione non appartengono al settore monopolizzato dell'esercizio della rete.\n\n> «Esiste pertanto un diritto di esclusiva legale del gestore di rete per l'esercizio della rete nel suo territorio, ma per il resto vale la libertà economica. In particolare non esiste un monopolio legale (esplicito) per la metrologia.»\n\n### Competenza della Confederazione\n\n**TF 2C_1007/2015** (10 maggio 2016)\nIl Tribunale federale ha confermato l'ampia competenza della Confederazione secondo l'art. 125 Cost. per la regolamentazione della metrologia. La legislazione sulla metrologia è di competenza esclusiva della Confederazione, compresa l'ammissione e la taratura di strumenti di misura.\n\n> «La legislazione sulla metrologia è di competenza della Confederazione (art. 125 Cost.). La LMet disciplina in particolare gli strumenti di misura (art. 1 lett. b LMet).»\n\n## Altra giurisprudenza\n\n### Strumenti di misura e non conformità\n\n**TAF A-272/2013** (21 novembre 2013)\nIl Tribunale amministrativo federale si è occupato della non conformità dei contatori di elettricità e delle misure adottate dal METAS. La decisione riguardava la proporzionalità delle misure di sostituzione in caso di strumenti di misura difettosi.\n\n> «Sussiste un notevole interesse pubblico alla garanzia della sicurezza della misurazione e della lealtà nel commercio e nel traffico commerciale (art. 1 lett. a OMet), poiché il consumatore finale deve essere protetto da fatture elettriche eccessive.»\n\nIl tribunale ha esaminato la proporzionalità delle misure ordinate e ha stabilito che i danni economici devono essere presi in considerazione nella fissazione dei termini di sostituzione.\n\n**TAF A-3051/2015** (1° ottobre 2015)\nAltra giurisprudenza sui prodotti elettrici e sull'applicazione dell'ordinanza sugli strumenti di misura da parte del METAS. La decisione è stata confermata dal Tribunale federale (TF 2C_1007/2015).\n\n### Applicazione nel diritto della circolazione stradale\n\n**Tribunale cantonale di Basilea Campagna 460 12 100** (4 settembre 2012)\nIl tribunale ha trattato la doppia funzione del METAS nella taratura ed expertise di strumenti di misura nel traffico stradale. La Legge federale sulla metrologia prevede espressamente questa doppia funzione.\n\n> «La Legge federale sulla metrologia prevede espressamente una doppia funzione del METAS per quanto riguarda la taratura e l'expertise.»\n\n**Tribunale superiore di Nidvaldo SA 23 11** (13 agosto 2024)\nDecisione recente sull'applicazione della metrologia nelle misurazioni di velocità. Il tribunale ha fatto riferimento ai messaggi sulla Legge federale sulla metrologia e alle basi legali per i procedimenti di misurazione nel traffico stradale.\n\n### Uffici di taratura e autorizzazioni\n\n**Tribunali BL 810 21 69** (17 agosto 2021)\nIl Tribunale cantonale di Basilea Campagna ha trattato una decisione relativa alle tasse per la verifica della resistenza alla misurazione di bilance. La decisione mostra l'applicazione pratica dell'ordinanza sugli strumenti di misura da parte delle autorità cantonali nell'esecuzione del diritto federale.\n\n### Protezione dei dati nella metrologia\n\n**Raccomandazione IFPDT** (18 febbraio 2014)\nL'Incaricato federale della protezione dei dati e della trasparenza ha trattato le richieste di accesso alla banca dati del METAS e i limiti dell'obbligo di informazione sui dati degli strumenti di misura.\n\n> «Il METAS ha motivato il rifiuto dell'accesso al campo dati 'Proprietario o utilizzatore degli strumenti di misura' invocando l'art. 7 cpv. 1 lett. b LTras.»\n\n### Sistemi di misurazione intelligenti\n\n**Decisioni ElCom 2024-2025**\nDiverse decisioni recenti della Commissione federale dell'energia elettrica sulla sostituzione dei contatori elettrici convenzionali con sistemi di misurazione intelligenti (contatori intelligenti) mostrano l'applicazione moderna della competenza federale per la metrologia.\n\nLa giurisprudenza conferma l'ampia competenza della Confederazione secondo l'art. 125 Cost. e ne mostra l'applicazione pratica in vari settori, dalla misurazione dell'elettricità alle misurazioni del traffico fino agli strumenti di misura medici. I tribunali hanno sempre tenuto presente la proporzionalità delle misure statali e la tutela degli interessi privati.", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 125 Federal Constitution grants the Confederation exclusive competence for all legislation on metrology (Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 5). This competence has existed since the first Federal Constitution of 1848 and serves to unify law in commercial transactions (Botsch. BV, BBl 1997 I 368).\n\nMetrology comprises three main areas: the definition of units of measurement (such as metre, kilogram, second), the technical requirements for measuring instruments and their regular calibration (verification of accuracy) (Art. 2 para. 1 MetrO; Göksu, BSK BV, Art. 125 N. 2-4). The Confederation has implemented this competence through the Federal Act on Metrology (MetrO).\n\nAll enterprises and persons using measuring instruments in commercial transactions are affected. This includes petrol stations with fuel pumps, bakeries with scales, electricity companies with electricity meters or taxi companies with tachographs (Art. 3 MetrO). These measuring instruments must be approved by the Federal Institute of Metrology (METAS) and regularly calibrated.\n\nThe legal consequences of violations are significant: Non-calibrated measuring instruments may not be used in commercial transactions (Art. 3 MetrO). The Federal Supreme Court has confirmed that enterprises are generally free to choose measuring service providers, as long as no statutory monopolies exist (**BGE 143 I 395**).\n\nA concrete example: A bakery must have its scales calibrated every two years. If the scales show incorrect values, METAS can order immediate replacement (BVGer A-272/2013). The cantons conduct inspections, but cannot enact their own metrology laws (BGer 2C_1007/2015).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Federal competence for metrology has a long tradition in Swiss constitutional law. Already Art. 37 of the Federal Constitution of 1848 transferred legislation on measures and weights to the Confederation. This competence was continued in Art. 40 para. 1 old FC and was adopted in 1999 in its present formulation in Art. 125 FC (Göksu, BSK FC, Art. 125 N. 1; Brunner, SG Comm. FC, Art. 125 N. 1).\n\n**N. 2** The message on the new Federal Constitution emphasised that the regulation of metrology represents a classic federal task which serves legal harmonisation and the protection of honest business transactions (Message FC, FG 1997 I 1, 368). The constitutional revision of 1999 did not lead to any material change in federal competence, but merely adapted the terminology to modern circumstances.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 125 FC is found in Title 3 on the Confederation, Cantons and Communes, in Chapter 2 on competences. The provision establishes an exclusive federal competence, as follows from the wording \"is a matter for the Confederation\" (→ Art. 3 FC). The cantons have no residual legislative competence in the area of metrology (Göksu, BSK FC, Art. 125 N. 5).\n\n**N. 4** The metrology competence stands in systematic connection with economic freedom (→ Art. 27 FC) and federal competence for private law (→ Art. 122 FC). It serves the realisation of the unified economic area of Switzerland (→ Art. 95 FC) through standardisation of units of measurement (Häfelin/Haller/Keller, Federal Constitutional Law, N 1254).\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 5** The concept of \"metrology\" encompasses, according to prevailing doctrine, three areas: (1) the definition of units of measurement and their standards, (2) the requirements for measuring instruments and measuring procedures as well as (3) the supervision and calibration of measuring devices (Göksu, BSK FC, Art. 125 N. 2-4; Vaucher/Niederhauser, METinfo 3/2007, 10 ff.).\n\n**N. 6** Federal competence extends to all types of measurements in commercial transactions, regardless of the object measured. This covers physical quantities such as length, mass, time, temperature, electric current, amount of substance and luminous intensity as well as units derived from them (Art. 2 para. 1 MIA; Art. 3 ff. Units Ordinance).\n\n**N. 7** However, evaluations and estimates without a physical measurement basis as well as purely private measurements without reference to commercial transactions do not belong to metrology within the meaning of Art. 125 FC (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 125 N. 3).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** As an exclusive federal competence, Art. 125 FC excludes any cantonal legislation in the area of metrology. The Confederation has exercised its competence through the Federal Act on Metrology (MIA) and its implementing decrees (Göksu, BSK FC, Art. 125 N. 5-13).\n\n**N. 9** The cantons are restricted to the implementation of federal law. They may act as calibration offices insofar as federal law provides for this (Art. 15 para. 1 MIA). They may not enact their own material provisions on metrology (BGer 2C_1007/2015 consid. 3.2).\n\n**N. 10** Private parties are subject to the calibration obligation for measuring instruments in commercial transactions (Art. 3 MIA). However, the choice of measurement service provider remains protected by economic freedom, insofar as no legal monopoly exists (**BGE 143 I 395** consid. 4.3).\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 11** The scope of federal competence for new measurement technologies is disputed. While Vaucher/Niederhauser/Richard (METinfo 1/2008, 4 ff.) advocate an application-oriented approach that also fully encompasses intelligent measurement systems, other authors represent a more restrictive interpretation for purely digital measurement procedures without a physical component.\n\n**N. 12** The relationship between metrology competence and data protection is also controversially discussed. The METAS database contains sensitive information about measuring device owners. Zen-Ruffinen (FC 1874, Art. 125 N. 8) demands a strict separation between measurement technology and data protection aspects, while practice prefers an integrative approach (FDPIC recommendation of 18.2.2014).\n\n## 6. Practical Guidance\n\n**N. 13** When introducing new measuring devices, the calibration obligation under Art. 3 MIA must be observed. METAS as the Federal Office of Metrology is the first point of contact for questions on conformity and approval (Art. 15 para. 2 MIA).\n\n**N. 14** Companies should observe the transitional periods when replacing measuring devices. The Federal Administrative Court examines the proportionality of replacement orders and takes into account the economic interests of those affected (BVGer A-272/2013 consid. 5.3).\n\n**N. 15** In the area of electricity measurement, there is no legal monopoly for measurement services. Grid operators cannot compulsory perform the measurement themselves, but must respect the economic freedom of producers (**BGE 143 I 395**).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Leading Decisions\n\n### Metrology and Economic Freedom\n\n**BGE 143 I 395** (14 July 2017)\nThe choice of measuring service provider is subject to the electricity producer's economic freedom. The Federal Supreme Court found that no legal monopoly exists for metrology and that measuring services do not belong to the monopolised network operation.\n\n> «There is thus a legal exclusive right of the network operator for network operation in its territory, but otherwise economic freedom prevails. In particular, there is no (express) legal monopoly for metrology.»\n\n### Federal Jurisdiction\n\n**BGer 2C_1007/2015** (10 May 2016)\nThe Federal Supreme Court confirmed the comprehensive federal competence under Art. 125 BV for the regulation of metrology. Legislation on metrology is exclusively a federal matter, including the approval and verification of measuring instruments.\n\n> «Legislation on metrology is a federal matter (Art. 125 BV). The MessG regulates in particular measuring instruments (Art. 1 lit. b MessG).»\n\n## Further Case Law\n\n### Measuring Instruments and Non-Conformity\n\n**BVGer A-272/2013** (21 November 2013)\nThe Federal Administrative Court dealt with the non-conformity of electricity meters and METAS measures. The decision concerned the proportionality of replacement measures for faulty measuring instruments.\n\n> «There is a significant public interest in ensuring measuring accuracy and fair dealing in trade and commerce (Art. 1 lit. a MessMV), as end consumers should be protected from excessive electricity bills.»\n\nThe court examined the proportionality of the ordered measures and found that economic damage must be taken into account when setting replacement deadlines.\n\n**BVGer A-3051/2015** (1 October 2015)\nFurther case law on electrical products and the application of the Measuring Instruments Ordinance by METAS. The decision was confirmed by the Federal Supreme Court (BGer 2C_1007/2015).\n\n### Traffic Law Application\n\n**Kantonsgericht Basel-Landschaft 460 12 100** (4 September 2012)\nThe court dealt with METAS's dual function in the verification and expertise of measuring instruments in road traffic. The Federal Act on Metrology expressly provides for this dual function by law.\n\n> «The Federal Act on Metrology expressly provides by law for a dual function of METAS regarding verification and expertise.»\n\n**Obergericht Nidwalden SA 23 11** (13 August 2024)\nRecent decision on the application of metrology in speed measurements. The court referred to the messages on the Federal Act on Metrology and the legal basis for measuring procedures in road traffic.\n\n### Verification Bodies and Authorisations\n\n**BL-Gerichte 810 21 69** (17 August 2021)\nThe Cantonal Court of Basel-Landschaft dealt with a fee ruling concerning the verification of measuring accuracy of scales. The decision shows the practical application of the Measuring Instruments Ordinance by cantonal authorities in the enforcement of federal law.\n\n### Data Protection in Metrology\n\n**FDPIC Recommendation** (18 February 2014)\nThe Federal Data Protection and Information Commissioner dealt with access requests to the METAS database and the limits of the duty to provide information regarding measuring instrument data.\n\n> «METAS justified the refusal of access to the data field 'owner or user of measuring instruments' by invoking Art. 7 para. 1 lit. b BGÖ.»\n\n### Intelligent Measuring Systems\n\n**ElCom Decisions 2024-2025**\nSeveral recent decisions of the Electricity Commission on the replacement of conventional electricity meters with intelligent measuring systems (smart meters) show the modern application of federal competence for metrology.\n\nThe case law confirms the comprehensive federal competence under Art. 125 BV and shows its practical application in various areas from electricity measurement to traffic measurements and medical measuring instruments. The courts have consistently kept in mind the proportionality of state measures and the protection of private interests.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_125", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 126, "article_suffix": "", "title": "Haushaltführung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 126 BV — Haushaltführung\n\n## Übersicht\n\nDie Schuldenbremse des Bundes regelt, wie der Staat seine Finanzen verwaltet. Sie verlangt, dass Ausgaben und Einnahmen langfristig ausgeglichen sind (BBl 2000 4653ff.). Der Bund darf nicht dauerhaft mehr ausgeben, als er einnimmt.\n\nDie Schuldenbremse wirkt in drei Schritten: Zuerst legt sie fest, wie viel Geld der Bund maximal ausgeben darf. Diese Obergrenze richtet sich nach den erwarteten Einnahmen und der Wirtschaftslage. Bei schwacher Konjunktur darf mehr ausgegeben werden als eingenommen wird, bei guter Konjunktur weniger (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 24f.).\n\nIn Notlagen wie Naturkatastrophen oder schweren Rezessionen kann das Parlament diese Grenze mit qualifiziertem Mehr erhöhen (Art. 159 Abs. 3 lit. c BV). Werden die Ausgaben trotzdem überschritten, müssen die Mehrkosten innert sechs Jahren wieder eingespart werden (Finanzhaushaltgesetz Art. 16).\n\nEin Beispiel: Nimmt der Bund 70 Milliarden Franken ein und die Wirtschaft läuft gut (Konjunkturfaktor 0,95), darf er nur 66,5 Milliarden ausgeben. Gibt er trotzdem 68 Milliarden aus, muss er die 1,5 Milliarden Differenz in den nächsten sechs Jahren kompensieren.\n\nDie Schuldenbremse trat 2003 in Kraft, nachdem sie 2001 mit 84,7% Ja-Stimmen angenommen wurde (BBl 2002 2291). Sie hat die Bundesschuld stabilisiert und wird auch auf kantonaler Ebene eingesetzt. Das Finanzhaushaltgesetz regelt die Details der Umsetzung (Art. 126 Abs. 5 BV).\n\nDie Regel bindet nur Bundesrat und Parlament, nicht aber Private. Eine gerichtliche Durchsetzung ist daher nicht möglich.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### I. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Schuldenbremse wurde in der Volksabstimmung vom 2. Dezember 2001 mit 84,7% Ja-Stimmen angenommen und trat am 2. Dezember 2003 in Kraft (BBl 2000 4653ff.; BBl 2002 2291). Lienhard/Marti Locher weisen darauf hin, dass die Schuldenbremse als Reaktion auf die Verschuldungskrise der 1990er Jahre entstand, als sich die Bruttoschulden des Bundes zwischen 1990 und 1998 von 38,5 auf 109,6 Milliarden Franken fast verdreifacht hatten (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 1).\n\n**N. 2** Die Schuldenbremse ersetzte das frühere Defizitverbot von Art. 42bis aBV, das sich als unzureichend erwiesen hatte. Anders als das alte Defizitverbot, das nur den Voranschlag betraf, erstreckt sich die neue Schuldenbremse auf den gesamten Budgetprozess von der Planung bis zur nachträglichen Korrektur (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 3f.).\n\n### II. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 126 BV ist das Herzstück der bundesstaatlichen Finanzordnung und eng mit weiteren Finanzverfassungsnormen verknüpft: → Art. 167 BV (Finanzkompetenzen), → Art. 183 BV (Finanzkompetenzen des Bundesrates), ↔ Art. 159 Abs. 3 lit. c BV (qualifiziertes Mehr für Ausgabenerhöhungen). Die Norm bildet zusammen mit dem Finanzhaushaltgesetz (FHG) das institutionelle Fundament der eidgenössischen Finanzpolitik (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 8).\n\n**N. 4** Die Schuldenbremse steht in einem Spannungsverhältnis zur konjunkturpolitischen Aufgabe des Bundes nach Art. 100 BV. Vallender betont, dass die Schuldenbremse als Regelbindung konzipiert ist, die diskretionäre finanzpolitische Eingriffe begrenzt, aber durch ihre konjunkturelle Komponente antizyklische Wirkungen entfaltet (Vallender, AJP 1999, 693f.).\n\n### III. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Haushaltgleichgewicht (Abs. 1)**: Das «Gleichgewicht auf Dauer» verlangt keine jährliche Übereinstimmung von Ausgaben und Einnahmen, sondern einen mittelfristigen Ausgleich über den Konjunkturzyklus. Kirchgässner präzisiert, dass strukturelle Defizite verhindert werden sollen, während konjunkturelle Schwankungen zulässig bleiben (Kirchgässner, SVVOR-Jahrbuch 2009, 78).\n\n**N. 6** **Ausgabenregel (Abs. 2)**: Der Ausgabenplafond berechnet sich durch Multiplikation der geschätzten Einnahmen mit einem Konjunkturfaktor (k = Trend-BIP / erwartetes BIP). Bei Unterauslastung (k > 1) sind höhere Ausgaben als die Einnahmen zulässig, bei Überauslastung (k < 1) müssen die Ausgaben unter den Einnahmen liegen (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 24f.).\n\n**N. 7** **Ausnahmeregel (Abs. 3)**: «Ausserordentlicher Zahlungsbedarf» liegt vor bei Naturkatastrophen, schweren Rezessionen, Anpassungen des Rechnungsmodells oder anderen aussergewöhnlichen und nicht steuerbaren Entwicklungen. Stauffer kritisiert die weite Formulierung als potentielles Einfallstor für die Umgehung der Schuldenbremse (Stauffer, Instrumente des Haushaltsausgleichs, 2001, 189).\n\n**N. 8** **Kompensationsregel (Abs. 4)**: Überschreitungen des Ausgabenplafonds müssen auf dem Ausgleichskonto verbucht und innert sechs Jahren abgebaut werden. Marti Locher hebt hervor, dass diese nachträgliche Korrektur die Glaubwürdigkeit der Schuldenbremse sichert (Marti Locher, Ausgestaltung und Wirksamkeit, 2015, 78f.).\n\n### IV. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Schuldenbremse entfaltet ihre Wirkung auf drei Ebenen: präventiv durch die Ausgabenregel im Voranschlag, korrektiv durch Nachtragskredite während des Jahres und kompensatorisch durch die nachträgliche Bereinigung von Überschreitungen (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 18).\n\n**N. 10** Die Verfassungsnorm begründet keine subjektiven Rechte Einzelner. Sie bindet ausschliesslich Bundesrat und Bundesversammlung in ihrer Haushaltsführung. Eine gerichtliche Durchsetzung ist daher nicht möglich, die Kontrolle erfolgt primär politisch (Biaggini, in: Kahl, Nachhaltige Finanzstrukturen, 2011, 118).\n\n### V. Streitstände\n\n**N. 11** **Konjunkturpolitische Wirksamkeit**: Frey lobt die automatischen Stabilisatoren der Schuldenbremse, die in Rezessionen Defizite zulassen (Frey, Finanzpolitik des Bundes, 2007, 92). Demgegenüber warnt Koemm vor prozyklischen Effekten bei falschen Konjunkturprognosen (Koemm, Eine Bremse für die Staatsverschuldung?, 2011, 156).\n\n**N. 12** **Investitionsschutz**: Mächler kritisiert, dass die Schuldenbremse nicht zwischen konsumtiven Ausgaben und Investitionen unterscheidet und dadurch zukunftsorientierte Ausgaben benachteiligt (Mächler, Finanzrecht, 2015, N. 892). Siegenthaler/Zurbrügg verteidigen die Gleichbehandlung als notwendig für die Einfachheit und Manipulationsresistenz der Regel (Siegenthaler/Zurbrügg, in: Kastrop et al., Die neuen Schuldenregeln, 2010, 362).\n\n**N. 13** **Föderale Dimension**: Vallender/Waldmeier fordern eine Ausdehnung der Schuldenbremse auf Kantone und Gemeinden (Vallender/Waldmeier, AJP 2013, 1612). Yerly zeigt jedoch, dass die grosse Heterogenität kantonaler Schuldenbremsen deren Effektivität nicht mindert (Yerly, The Political Economy of Budget Rules, 2013, 245).\n\n### VI. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Budgetierung ist die korrekte Schätzung der Einnahmen zentral, da sie die Höhe der zulässigen Ausgaben determiniert. Die Eidgenössische Finanzverwaltung verwendet hierfür ökonometrische Modelle unter Einbezug der Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes.\n\n**N. 15** Die Qualifikation als «ausserordentlicher Zahlungsbedarf» erfordert eine sorgfältige Begründung. Die bisherige Praxis zeigt eine restriktive Handhabung: Nur die Rekapitalisierung der UBS 2008, Massnahmen gegen die COVID-19-Pandemie 2020/21 und die Unterstützung der Ukraine 2022 wurden als ausserordentlich anerkannt.\n\n**N. 16** Für Kantone und Gemeinden, die eine Schuldenbremse einführen wollen, empfiehlt sich die Orientierung am Bundesmodell mit Anpassungen an die lokalen Gegebenheiten. Insbesondere die Definition des Konjunkturfaktors und die Länge der Ausgleichsperiode bedürfen sorgfältiger Überlegung (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 17).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nZur bundesrechtlichen Schuldenbremse nach Art. 126 BV existiert keine explizite höchstrichterliche Rechtsprechung. Das Bundesgericht hatte bislang nicht über die direkte Anwendung oder Auslegung von Art. 126 BV zu entscheiden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Schuldenbremse als haushaltspolitisches Instrument primär den Bundesrat und die Bundesversammlung bindet und keine individuellen Rechte begründet, die vor Gericht eingeklagt werden könnten.\n\n### I. Kommunale Schuldenbremsen und Umsetzungspflichten\n\nDie einzigen relevanten Entscheidungen betreffen kommunale Schuldenbremse-Initiativen, die sich an Art. 126 BV orientieren:\n\n**BGE 149 II 66** vom 14. Juli 2022\nDie Stadt Aarau musste eine Volksinitiative «Schuldenbremse zur Sicherung eines ausgeglichenen Finanzhaushalts» umsetzen, die verlangte, entsprechende Regeln in der Gemeindeordnung zu verankern.\n\n> «Die Behörden, welche den in einer nicht ausformulierten Initiative angenommenen Regelungsgehalt umsetzen, haben eine Regelung auszuarbeiten und zu verabschieden, die den in der Initiative zum Ausdruck gebrachten Vorstellungen entspricht.»\n\nDas Bundesgericht bestätigte, dass bei der Umsetzung von Schuldenbremse-Initiativen die Grundzüge der Ausgaben- und Schuldenbegrenzung auf der Ebene der Gemeindeordnung selbst verankert werden müssen und nicht bloss in einem einfach änderbaren Reglement geregelt werden dürfen. Dies zeigt die verfassungsrechtliche Bedeutung der Schuldenbremse als fundamentales haushaltspolitisches Instrument.\n\n### II. Verfügbarkeit der Schuldenbremse-Mechanismen\n\nDa Art. 126 BV selbst keine justiziablen Rechte begründet und die konkrete Umsetzung durch das Finanzhaushaltgesetz erfolgt, beschränkt sich die gerichtliche Kontrolle auf Verfahrensfragen bei der Budgeterstellung und -genehmigung. Die materiellen Vorgaben der Schuldenbremse (Ausgabenplafond, Kompensationsmechanismus) sind als politische Steuerungsinstrumente ausgestaltet und unterliegen primär der parlamentarischen und nicht der gerichtlichen Kontrolle.", "summary_fr": "# Art. 126 Cst. — Gestion des finances\n\n## Aperçu\n\nLe frein à l'endettement de la Confédération règle la manière dont l'État gère ses finances. Il exige que les dépenses et les recettes soient équilibrées à long terme (FF 2000 4653ss). La Confédération ne peut pas durablement dépenser plus qu'elle n'encaisse.\n\nLe frein à l'endettement agit en trois étapes : Il détermine d'abord combien d'argent la Confédération peut dépenser au maximum. Ce plafond s'oriente selon les recettes attendues et la situation économique. En cas de conjoncture faible, il est permis de dépenser plus que ce qui est encaissé, en cas de bonne conjoncture, moins (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 24s).\n\nEn cas de situations d'urgence comme les catastrophes naturelles ou les récessions graves, le Parlement peut augmenter cette limite à la majorité qualifiée (art. 159 al. 3 let. c Cst.). Si les dépenses sont malgré tout dépassées, les coûts supplémentaires doivent être à nouveau économisés dans les six années (Loi sur les finances de la Confédération art. 16).\n\nUn exemple : Si la Confédération encaisse 70 milliards de francs et que l'économie fonctionne bien (facteur conjoncturel 0,95), elle ne peut dépenser que 66,5 milliards. Si elle dépense malgré tout 68 milliards, elle doit compenser la différence de 1,5 milliard dans les six prochaines années.\n\nLe frein à l'endettement est entré en vigueur en 2003, après avoir été accepté en 2001 avec 84,7% de voix positives (FF 2002 2291). Il a stabilisé la dette fédérale et est également utilisé au niveau cantonal. La Loi sur les finances de la Confédération règle les détails de la mise en œuvre (art. 126 al. 5 Cst.).\n\nLa règle ne lie que le Conseil fédéral et le Parlement, mais pas les particuliers. Une exécution judiciaire n'est donc pas possible.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### I. Genèse\n\n**N. 1** Le frein à l'endettement a été accepté lors de la votation populaire du 2 décembre 2001 par 84,7% de oui et est entré en vigueur le 2 décembre 2003 (FF 2000 4287ss.; FF 2002 2047). Lienhard/Marti Locher soulignent que le frein à l'endettement a été créé en réaction à la crise d'endettement des années 1990, lorsque les dettes brutes de la Confédération avaient presque triplé entre 1990 et 1998, passant de 38,5 à 109,6 milliards de francs (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 1).\n\n**N. 2** Le frein à l'endettement a remplacé l'ancienne interdiction du déficit de l'art. 42bis aCst, qui s'était révélée insuffisante. Contrairement à l'ancienne interdiction du déficit, qui ne concernait que le budget, le nouveau frein à l'endettement s'étend à l'ensemble du processus budgétaire de la planification à la correction ultérieure (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 3s.).\n\n### II. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 126 Cst. est la pièce maîtresse de l'ordre financier fédéral et est étroitement lié à d'autres normes de droit constitutionnel financier : → Art. 167 Cst. (compétences financières), → Art. 183 Cst. (compétences financières du Conseil fédéral), ↔ Art. 159 al. 3 let. c Cst. (majorité qualifiée pour les augmentations de dépenses). Cette norme forme, avec la loi sur les finances de la Confédération (LFC), le fondement institutionnel de la politique financière fédérale (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 8).\n\n**N. 4** Le frein à l'endettement se trouve en tension avec la mission de politique conjoncturelle de la Confédération selon l'art. 100 Cst. Vallender souligne que le frein à l'endettement est conçu comme une contrainte de règle qui limite les interventions discrétionnaires de politique financière, mais déploie des effets anticycliques par sa composante conjoncturelle (Vallender, AJP 1999, 693s.).\n\n### III. Éléments de fait / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Équilibre budgétaire (al. 1)** : L'« équilibre à long terme » n'exige pas une correspondance annuelle des dépenses et des recettes, mais un équilibre à moyen terme sur le cycle conjoncturel. Kirchgässner précise que les déficits structurels doivent être empêchés, tandis que les fluctuations conjoncturelles restent admissibles (Kirchgässner, SVVOR-Jahrbuch 2009, 78).\n\n**N. 6** **Règle des dépenses (al. 2)** : Le plafond des dépenses se calcule en multipliant les recettes estimées par un facteur conjoncturel (k = PIB tendanciel / PIB attendu). En cas de sous-utilisation (k > 1), des dépenses supérieures aux recettes sont admissibles, en cas de surutilisation (k < 1), les dépenses doivent être inférieures aux recettes (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 24s.).\n\n**N. 7** **Règle d'exception (al. 3)** : Des « besoins de paiement extraordinaires » existent en cas de catastrophes naturelles, de récessions graves, d'adaptations du modèle comptable ou d'autres évolutions exceptionnelles et incontrôlables. Stauffer critique la formulation large comme porte d'entrée potentielle pour contourner le frein à l'endettement (Stauffer, Instrumente des Haushaltsausgleichs, 2001, 189).\n\n**N. 8** **Règle de compensation (al. 4)** : Les dépassements du plafond des dépenses doivent être comptabilisés sur le compte de compensation et résorbés dans les six ans. Marti Locher souligne que cette correction ultérieure assure la crédibilité du frein à l'endettement (Marti Locher, Ausgestaltung und Wirksamkeit, 2015, 78s.).\n\n### IV. Effets juridiques\n\n**N. 9** Le frein à l'endettement déploie ses effets sur trois niveaux : préventivement par la règle des dépenses dans le budget, correctivement par les crédits supplémentaires pendant l'année et compensatoirement par l'assainissement ultérieur des dépassements (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 18).\n\n**N. 10** La norme constitutionnelle ne fonde aucun droit subjectif des particuliers. Elle ne lie que le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale dans leur gestion budgétaire. Une application judiciaire n'est donc pas possible, le contrôle s'effectue principalement par voie politique (Biaggini, in: Kahl, Nachhaltige Finanzstrukturen, 2011, 118).\n\n### V. Points de controverse\n\n**N. 11** **Efficacité de politique conjoncturelle** : Frey loue les stabilisateurs automatiques du frein à l'endettement, qui permettent des déficits en période de récession (Frey, Finanzpolitik des Bundes, 2007, 92). À l'inverse, Koemm met en garde contre les effets procycliques en cas de prévisions conjoncturelles erronées (Koemm, Eine Bremse für die Staatsverschuldung?, 2011, 156).\n\n**N. 12** **Protection des investissements** : Mächler critique le fait que le frein à l'endettement ne distingue pas entre dépenses de consommation et investissements et désavantage ainsi les dépenses orientées vers l'avenir (Mächler, Finanzrecht, 2015, N. 892). Siegenthaler/Zurbrügg défendent l'égalité de traitement comme nécessaire à la simplicité et à la résistance à la manipulation de la règle (Siegenthaler/Zurbrügg, in: Kastrop et al., Die neuen Schuldenregeln, 2010, 362).\n\n**N. 13** **Dimension fédérale** : Vallender/Waldmeier demandent une extension du frein à l'endettement aux cantons et communes (Vallender/Waldmeier, AJP 2013, 1612). Yerly montre cependant que la grande hétérogénéité des freins cantonaux à l'endettement ne diminue pas leur efficacité (Yerly, The Political Economy of Budget Rules, 2013, 245).\n\n### VI. Conseils pratiques\n\n**N. 14** Lors de la budgétisation, l'estimation correcte des recettes est centrale, car elle détermine le montant des dépenses admissibles. L'Administration fédérale des finances utilise à cet effet des modèles économétriques en associant le groupe d'experts Prévisions conjoncturelles de la Confédération.\n\n**N. 15** La qualification comme « besoin de paiement extraordinaire » exige une justification soigneuse. La pratique actuelle montre une application restrictive : seules la recapitalisation d'UBS en 2008, les mesures contre la pandémie de COVID-19 en 2020/21 et le soutien à l'Ukraine en 2022 ont été reconnues comme extraordinaires.\n\n**N. 16** Pour les cantons et communes qui souhaitent introduire un frein à l'endettement, il est recommandé de s'orienter sur le modèle fédéral avec des adaptations aux circonstances locales. En particulier, la définition du facteur conjoncturel et la durée de la période d'équilibre nécessitent une réflexion approfondie (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 17).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nIl n'existe pas de jurisprudence explicite de la plus haute juridiction concernant le frein à l'endettement de droit fédéral selon l'art. 126 Cst. Le Tribunal fédéral n'a pas encore eu à se prononcer sur l'application directe ou l'interprétation de l'art. 126 Cst. Ceci s'explique par le fait que le frein à l'endettement, en tant qu'instrument de politique budgétaire, lie principalement le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale et ne fonde pas de droits individuels qui pourraient être revendiqués devant les tribunaux.\n\n### I. Freins à l'endettement communaux et obligations de mise en œuvre\n\nLes seules décisions pertinentes concernent des initiatives communales de frein à l'endettement qui s'orientent sur l'art. 126 Cst. :\n\n**ATF 149 II 66** du 14 juillet 2022\nLa ville d'Aarau devait mettre en œuvre une initiative populaire « Frein à l'endettement pour garantir un budget équilibré » qui exigeait d'ancrer des règles correspondantes dans le règlement communal.\n\n> « Les autorités qui mettent en œuvre le contenu normatif d'une initiative non formulée qui a été acceptée doivent élaborer et adopter une réglementation qui correspond aux conceptions exprimées dans l'initiative. »\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé que lors de la mise en œuvre d'initiatives de frein à l'endettement, les principes fondamentaux de la limitation des dépenses et de l'endettement doivent être ancrés au niveau du règlement communal même et ne peuvent pas être réglés uniquement dans un règlement facilement modifiable. Ceci montre l'importance constitutionnelle du frein à l'endettement comme instrument fondamental de politique budgétaire.\n\n### II. Justiciabilité des mécanismes du frein à l'endettement\n\nComme l'art. 126 Cst. ne fonde pas lui-même de droits justiciables et que la mise en œuvre concrète s'effectue par la loi sur les finances de la Confédération, le contrôle judiciaire se limite aux questions de procédure lors de l'établissement et de l'approbation du budget. Les exigences matérielles du frein à l'endettement (plafond des dépenses, mécanisme de compensation) sont conçues comme des instruments de pilotage politique et relèvent principalement du contrôle parlementaire et non judiciaire.", "summary_it": "# Art. 126 Cost. — Gestione del bilancio\n\n## Panoramica\n\nIl freno all'indebitamento della Confederazione disciplina come lo Stato amministra le sue finanze. Esso richiede che le uscite e le entrate siano equilibrate a lungo termine (FF 2000 4223 segg.). La Confederazione non può spendere durevolmente più di quanto incassa.\n\nIl freno all'indebitamento agisce in tre fasi: dapprima stabilisce quanto denaro la Confederazione può spendere al massimo. Questo limite massimo si orienta in base alle entrate previste e alla situazione economica. In caso di congiuntura debole si può spendere più di quanto si incassa, in caso di buona congiuntura meno (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 n. 24 seg.).\n\nIn situazioni di emergenza come catastrofi naturali o gravi recessioni, il Parlamento può innalzare questo limite con la maggioranza qualificata (art. 159 cpv. 3 lett. c Cost.). Se le uscite vengono comunque superate, i costi supplementari devono essere nuovamente risparmiati entro sei anni (Legge sulle finanze della Confederazione art. 16).\n\nUn esempio: se la Confederazione incassa 70 miliardi di franchi e l'economia va bene (fattore congiunturale 0,95), può spendere solo 66,5 miliardi. Se spende comunque 68 miliardi, deve compensare la differenza di 1,5 miliardi nei prossimi sei anni.\n\nIl freno all'indebitamento è entrato in vigore nel 2003, dopo essere stato accettato nel 2001 con l'84,7% di voti favorevoli (FF 2002 2067). Ha stabilizzato il debito della Confederazione e viene impiegato anche a livello cantonale. La Legge sulle finanze della Confederazione disciplina i dettagli dell'attuazione (art. 126 cpv. 5 Cost.).\n\nLa regola vincola solo il Consiglio federale e il Parlamento, ma non i privati. Un'imposizione giudiziaria non è pertanto possibile.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### I. Storia della genesi\n\n**N. 1** Il freno all'indebitamento è stato approvato nella votazione popolare del 2 dicembre 2001 con l'84,7% di voti favorevoli ed è entrato in vigore il 2 dicembre 2003 (FF 2000 4251ss.; FF 2002 2105). Lienhard/Marti Locher sottolineano che il freno all'indebitamento nacque come reazione alla crisi di indebitamento degli anni 1990, quando i debiti lordi della Confederazione tra il 1990 e il 1998 si triplicarono quasi da 38,5 a 109,6 miliardi di franchi (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 1).\n\n**N. 2** Il freno all'indebitamento sostituì il precedente divieto di disavanzi dell'art. 42bis BV precedente, che si era dimostrato insufficiente. A differenza del vecchio divieto di disavanzi, che riguardava soltanto il preventivo, il nuovo freno all'indebitamento si estende all'intero processo di bilancio dalla pianificazione alla correzione a posteriori (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 3s.).\n\n### II. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 126 Cost. è il fulcro dell'ordinamento finanziario federale ed è strettamente collegato ad altre norme finanziarie costituzionali: → art. 167 Cost. (competenze finanziarie), → art. 183 Cost. (competenze finanziarie del Consiglio federale), ↔ art. 159 cpv. 3 lett. c Cost. (maggioranza qualificata per gli aumenti di spese). La norma forma, insieme alla legge sulle finanze della Confederazione (LFC), il fondamento istituzionale della politica finanziaria confederata (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 8).\n\n**N. 4** Il freno all'indebitamento si trova in un rapporto di tensione con il compito di politica congiunturale della Confederazione secondo l'art. 100 Cost. Vallender sottolinea che il freno all'indebitamento è concepito come vincolo di regola che limita gli interventi di politica finanziaria discrezionali, ma che attraverso la sua componente congiunturale sviluppa effetti anticiclici (Vallender, AJP 1999, 693s.).\n\n### III. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Equilibrio del bilancio (cpv. 1)**: L'«equilibrio durevole» non richiede una corrispondenza annuale tra uscite ed entrate, ma un pareggio a medio termine nel corso del ciclo congiunturale. Kirchgässner precisa che si vogliono evitare i disavanzi strutturali, mentre le oscillazioni congiunturali rimangono ammissibili (Kirchgässner, SVVOR-Jahrbuch 2009, 78).\n\n**N. 6** **Regola delle uscite (cpv. 2)**: Il limite massimo delle uscite si calcola moltiplicando le entrate stimate per un fattore congiunturale (k = PIL tendenziale / PIL atteso). In caso di sottoutilizzo (k > 1) sono ammissibili uscite superiori alle entrate, in caso di sovrautilizzo (k < 1) le uscite devono essere inferiori alle entrate (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 24s.).\n\n**N. 7** **Regola d'eccezione (cpv. 3)**: «Fabbisogni di pagamento straordinari» sussistono in caso di catastrofi naturali, gravi recessioni, adeguamenti del modello contabile o altri sviluppi straordinari e non controllabili. Stauffer critica la formulazione ampia come potenziale porta d'accesso per aggirare il freno all'indebitamento (Stauffer, Instrumente des Haushaltsausgleichs, 2001, 189).\n\n**N. 8** **Regola di compensazione (cpv. 4)**: I superamenti del limite massimo delle uscite devono essere contabilizzati sul conto di compensazione ed eliminati entro sei anni. Marti Locher sottolinea che questa correzione a posteriori assicura la credibilità del freno all'indebitamento (Marti Locher, Ausgestaltung und Wirksamkeit, 2015, 78s.).\n\n### IV. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Il freno all'indebitamento sviluppa la sua efficacia su tre livelli: preventivo attraverso la regola delle uscite nel preventivo, correttivo attraverso crediti supplementari durante l'anno e compensatorio attraverso l'eliminazione a posteriori dei superamenti (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 18).\n\n**N. 10** La norma costituzionale non fonda diritti soggettivi dei singoli. Vincola esclusivamente il Consiglio federale e l'Assemblea federale nella loro gestione del bilancio. Un'applicazione giudiziaria non è pertanto possibile, il controllo avviene principalmente sul piano politico (Biaggini, in: Kahl, Nachhaltige Finanzstrukturen, 2011, 118).\n\n### V. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Efficacia di politica congiunturale**: Frey loda gli stabilizzatori automatici del freno all'indebitamento, che permettono disavanzi nelle recessioni (Frey, Finanzpolitik des Bundes, 2007, 92). Al contrario, Koemm mette in guardia contro effetti prociclici in caso di previsioni congiunturali errate (Koemm, Eine Bremse für die Staatsverschuldung?, 2011, 156).\n\n**N. 12** **Protezione degli investimenti**: Mächler critica il fatto che il freno all'indebitamento non distingue tra uscite di consumo e investimenti e quindi svantaggia le uscite orientate al futuro (Mächler, Finanzrecht, 2015, n. 892). Siegenthaler/Zurbrügg difendono il trattamento paritario come necessario per la semplicità e la resistenza alle manipolazioni della regola (Siegenthaler/Zurbrügg, in: Kastrop et al., Die neuen Schuldenregeln, 2010, 362).\n\n**N. 13** **Dimensione federale**: Vallender/Waldmeier chiedono un'estensione del freno all'indebitamento ai Cantoni e ai Comuni (Vallender/Waldmeier, AJP 2013, 1612). Yerly mostra tuttavia che la grande eterogeneità dei freni all'indebitamento cantonali non ne diminuisce l'efficacia (Yerly, The Political Economy of Budget Rules, 2013, 245).\n\n### VI. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nell'elaborazione del budget è centrale la stima corretta delle entrate, poiché esse determinano l'importo delle uscite ammissibili. L'Amministrazione federale delle finanze utilizza a tal fine modelli econometrici con il coinvolgimento del gruppo di esperti per le previsioni congiunturali della Confederazione.\n\n**N. 15** La qualificazione come «fabbisogno di pagamento straordinario» richiede una motivazione accurata. La prassi finora seguita mostra una gestione restrittiva: solo la ricapitalizzazione di UBS nel 2008, le misure contro la pandemia di COVID-19 nel 2020/21 e il sostegno all'Ucraina nel 2022 sono stati riconosciuti come straordinari.\n\n**N. 16** Per Cantoni e Comuni che vogliono introdurre un freno all'indebitamento, si raccomanda di orientarsi sul modello federale con adeguamenti alle circostanze locali. In particolare la definizione del fattore congiunturale e la durata del periodo di pareggio richiedono attente riflessioni (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, art. 126 n. 17).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nSul freno all'indebitamento di diritto federale secondo l'art. 126 Cost. non esiste una giurisprudenza esplicita del Tribunale federale. Il Tribunale federale finora non ha dovuto decidere sull'applicazione diretta o sull'interpretazione dell'art. 126 Cost. Ciò è dovuto al fatto che il freno all'indebitamento, quale strumento di politica di bilancio, vincola principalmente il Consiglio federale e l'Assemblea federale e non fonda diritti individuali che potrebbero essere fatti valere davanti ai tribunali.\n\n### I. Freni all'indebitamento comunali e obblighi di attuazione\n\nLe uniche decisioni rilevanti riguardano iniziative comunali per il freno all'indebitamento che si orientano all'art. 126 Cost.:\n\n**DTF 149 II 66** del 14 luglio 2022\nLa città di Aarau doveva attuare un'iniziativa popolare «Freno all'indebitamento per garantire un bilancio equilibrato» che esigeva di ancorare le corrispondenti regole nell'ordinamento comunale.\n\n> «Le autorità che attuano il contenuto normativo accettato in un'iniziativa non formulata devono elaborare e adottare una regolamentazione che corrisponda alle concezioni espresse nell'iniziativa.»\n\nIl Tribunale federale ha confermato che nell'attuazione di iniziative per il freno all'indebitamento i principi della limitazione delle uscite e dell'indebitamento devono essere ancorati a livello dell'ordinamento comunale stesso e non possono essere disciplinati soltanto in un regolamento facilmente modificabile. Ciò dimostra l'importanza costituzionale del freno all'indebitamento quale strumento fondamentale di politica di bilancio.\n\n### II. Disponibilità dei meccanismi del freno all'indebitamento\n\nPoiché l'art. 126 Cost. stesso non fonda diritti giustiziabili e l'attuazione concreta avviene attraverso la legge sul bilancio, il controllo giudiziario si limita alle questioni procedurali nell'elaborazione e approvazione del preventivo. Le prescrizioni materiali del freno all'indebitamento (tetto delle uscite, meccanismo di compensazione) sono concepite come strumenti di controllo politico e sottostanno principalmente al controllo parlamentare e non a quello giudiziario.", "summary_en": "# Art. 126 BV — Budget Management\n\n## Overview\n\nThe federal debt brake regulates how the state manages its finances. It requires that expenditure and revenue be balanced in the long term (BBl 2000 4653ff.). The Confederation may not permanently spend more than it takes in.\n\nThe debt brake operates in three steps: First, it determines how much money the Confederation may spend at most. This ceiling is based on expected revenue and the economic situation. During weak economic conditions, more may be spent than is taken in; during good economic conditions, less (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 24f.).\n\nIn emergency situations such as natural disasters or severe recessions, Parliament may increase this limit with a qualified majority (Art. 159 para. 3 lit. c BV). If expenditure is nevertheless exceeded, the additional costs must be saved again within six years (Federal Budget Act Art. 16).\n\nAn example: If the Confederation takes in 70 billion francs and the economy is performing well (cyclical factor 0.95), it may only spend 66.5 billion. If it nevertheless spends 68 billion, it must compensate for the 1.5 billion difference over the next six years.\n\nThe debt brake came into force in 2003, after being adopted in 2001 with 84.7% yes votes (BBl 2002 2291). It has stabilised the federal debt and is also used at the cantonal level. The Federal Budget Act regulates the details of implementation (Art. 126 para. 5 BV).\n\nThe rule only binds the Federal Council and Parliament, but not private parties. Judicial enforcement is therefore not possible.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### I. Legislative History\n\n**N. 1** The debt brake was adopted in the referendum of 2 December 2001 with 84.7% yes votes and entered into force on 2 December 2003 (BBl 2000 4653ff.; BBl 2002 2291). Lienhard/Marti Locher point out that the debt brake arose as a reaction to the debt crisis of the 1990s, when the Confederation's gross debt almost tripled between 1990 and 1998 from 38.5 to 109.6 billion francs (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 1).\n\n**N. 2** The debt brake replaced the former deficit prohibition of Art. 42bis aBV, which had proven inadequate. Unlike the old deficit prohibition, which only concerned the budget estimates, the new debt brake extends to the entire budget process from planning to subsequent correction (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 3f.).\n\n### II. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 126 BV is the centrepiece of the federal financial system and is closely linked to other financial constitutional norms: → Art. 167 BV (financial powers), → Art. 183 BV (financial powers of the Federal Council), ↔ Art. 159 para. 3 let. c BV (qualified majority for expenditure increases). Together with the Federal Financial Administration Act (FFA), the norm forms the institutional foundation of federal financial policy (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 8).\n\n**N. 4** The debt brake stands in a tension with the Confederation's economic policy task under Art. 100 BV. Vallender emphasises that the debt brake is designed as a binding rule that limits discretionary financial policy interventions, but unfolds countercyclical effects through its cyclical component (Vallender, AJP 1999, 693f.).\n\n### III. Legal Elements / Normative Content\n\n**N. 5** **Balanced budget (para. 1)**: «Balance over time» does not require annual correspondence between expenditures and revenues, but rather a medium-term balance over the business cycle. Kirchgässner specifies that structural deficits should be prevented, while cyclical fluctuations remain permissible (Kirchgässner, SVVOR-Jahrbuch 2009, 78).\n\n**N. 6** **Expenditure rule (para. 2)**: The expenditure ceiling is calculated by multiplying the estimated revenues by a cyclical factor (k = trend GDP / expected GDP). In case of underutilisation (k > 1), higher expenditures than revenues are permissible; in case of overutilisation (k < 1), expenditures must be below revenues (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 24f.).\n\n**N. 7** **Exception rule (para. 3)**: «Extraordinary financing requirements» exist in case of natural disasters, severe recessions, adjustments to the accounting model, or other extraordinary and uncontrollable developments. Stauffer criticises the broad formulation as a potential gateway for circumventing the debt brake (Stauffer, Instrumente des Haushaltsausgleichs, 2001, 189).\n\n**N. 8** **Compensation rule (para. 4)**: Overruns of the expenditure ceiling must be booked to the compensation account and reduced within six years. Marti Locher emphasises that this subsequent correction ensures the credibility of the debt brake (Marti Locher, Ausgestaltung und Wirksamkeit, 2015, 78f.).\n\n### IV. Legal Consequences\n\n**N. 9** The debt brake unfolds its effect on three levels: preventively through the expenditure rule in the budget estimates, correctively through supplementary credits during the year, and compensatorily through the subsequent settlement of overruns (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 18).\n\n**N. 10** The constitutional norm does not establish subjective rights of individuals. It binds exclusively the Federal Council and Federal Assembly in their budget management. Judicial enforcement is therefore not possible; control occurs primarily through political means (Biaggini, in: Kahl, Nachhaltige Finanzstrukturen, 2011, 118).\n\n### V. Areas of Dispute\n\n**N. 11** **Economic policy effectiveness**: Frey praises the automatic stabilisers of the debt brake, which allow deficits during recessions (Frey, Finanzpolitik des Bundes, 2007, 92). In contrast, Koemm warns of procyclical effects in case of incorrect economic forecasts (Koemm, Eine Bremse für die Staatsverschuldung?, 2011, 156).\n\n**N. 12** **Investment protection**: Mächler criticises that the debt brake does not distinguish between consumption expenditures and investments and thereby disadvantages future-oriented expenditures (Mächler, Finanzrecht, 2015, N. 892). Siegenthaler/Zurbrügg defend the equal treatment as necessary for the simplicity and manipulation resistance of the rule (Siegenthaler/Zurbrügg, in: Kastrop et al., Die neuen Schuldenregeln, 2010, 362).\n\n**N. 13** **Federal dimension**: Vallender/Waldmeier call for an extension of the debt brake to cantons and municipalities (Vallender/Waldmeier, AJP 2013, 1612). However, Yerly shows that the great heterogeneity of cantonal debt brakes does not diminish their effectiveness (Yerly, The Political Economy of Budget Rules, 2013, 245).\n\n### VI. Practical Guidelines\n\n**N. 14** In budgeting, the correct estimation of revenues is central, as it determines the level of permissible expenditures. The Federal Finance Administration uses econometric models for this purpose, involving the Confederation's Expert Group on Economic Forecasts.\n\n**N. 15** The qualification as «extraordinary financing requirements» requires careful justification. Past practice shows restrictive handling: Only the recapitalisation of UBS in 2008, measures against the COVID-19 pandemic in 2020/21, and support for Ukraine in 2022 were recognised as extraordinary.\n\n**N. 16** For cantons and municipalities that wish to introduce a debt brake, orientation to the federal model with adjustments to local circumstances is recommended. In particular, the definition of the cyclical factor and the length of the balancing period require careful consideration (BSK BV-Lienhard/Marti Locher, Art. 126 N. 17).", "caselaw_en": "## Case Law\n\nThere is no explicit supreme court case law on the federal debt brake under Art. 126 FC. The Federal Supreme Court has not yet had to decide on the direct application or interpretation of Art. 126 FC. This is due to the fact that the debt brake as a budgetary policy instrument primarily binds the Federal Council and the Federal Assembly and does not establish individual rights that could be claimed before the courts.\n\n### I. Municipal Debt Brakes and Implementation Obligations\n\nThe only relevant decisions concern municipal debt brake initiatives that are oriented towards Art. 126 FC:\n\n**BGE 149 II 66** of 14 July 2022\nThe City of Aarau had to implement a popular initiative \"Debt brake to secure a balanced financial budget\" which demanded that corresponding rules be anchored in the municipal constitution.\n\n> «The authorities implementing the regulatory content accepted in a non-formulated initiative must elaborate and adopt regulations that correspond to the ideas expressed in the initiative.»\n\nThe Federal Supreme Court confirmed that when implementing debt brake initiatives, the basic features of expenditure and debt limitation must be anchored at the level of the municipal constitution itself and may not merely be regulated in an easily amendable ordinance. This shows the constitutional significance of the debt brake as a fundamental budgetary policy instrument.\n\n### II. Availability of Debt Brake Mechanisms\n\nSince Art. 126 FC itself does not establish justiciable rights and concrete implementation is carried out through the Financial Budget Act, judicial control is limited to procedural questions in budget preparation and approval. The material requirements of the debt brake (expenditure ceiling, compensation mechanism) are designed as political steering instruments and are subject primarily to parliamentary and not judicial control.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_126", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 127, "article_suffix": "", "title": "Grundsätze der Besteuerung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 127 BV - Besteuerungsgrundsätze\n\n## Übersicht\n\nArt. 127 BV legt die wichtigsten Regeln für alle Steuern in der Schweiz fest. Die Verfassung schreibt vor, wie Steuern ausgestaltet werden müssen und welche Grundsätze dabei gelten. Die Norm richtet sich an Bund, Kantone und Gemeinden — alle müssen diese Vorgaben bei der Steuergesetzgebung beachten.\n\n**Absatz 1** verlangt das Legalitätsprinzip: Steuern müssen im Gesetz geregelt sein. Das Parlament muss festlegen, wer Steuern zahlt, wofür Steuern erhoben werden und wie hoch sie sind. Eine blosse Verordnung der Regierung genügt nicht. Beispiel: Der Kanton Zürich darf keine Hundesteuer erheben, ohne dass das Kantonsparlament die Steuer, die Höhe und die betroffenen Hundehalter im Gesetz festgelegt hat.\n\n**Absatz 2** enthält drei wichtige Grundsätze: Erstens die Allgemeinheit — alle in gleicher Lage müssen gleich besteuert werden. Zweitens die Gleichmässigkeit — das Steuergesetz muss konsequent angewendet werden. Drittens das Leistungsfähigkeitsprinzip — wer mehr verdient oder besitzt, soll auch mehr Steuern zahlen können. Reiche dürfen deshalb nicht weniger belastet werden als Arme.\n\n**Absatz 3** verbietet die Doppelbesteuerung zwischen Kantonen. Niemand darf für dasselbe Einkommen in zwei Kantonen Steuern zahlen müssen. Wenn jemand von Zürich nach Bern zügelt, muss klar sein, welcher Kanton das Jahreseinkommen besteuert. Der Bund muss bei Streitigkeiten zwischen Kantonen eingreifen und Lösungen schaffen.\n\nDiese Grundsätze schützen vor willkürlicher Besteuerung und sorgen für Fairness. Sie gelten für alle Steuerarten: Einkommenssteuern, Vermögenssteuern, Mehrwertsteuer oder Hundesteuer. Wer sich ungerecht besteuert fühlt, kann sich auf Art. 127 BV berufen und notfalls das Bundesgericht anrufen.", "doctrine_de": "# Art. 127 BV - Besteuerungsgrundsätze\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Der heutige Art. 127 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Die Bestimmung fasst die zuvor in verschiedenen Artikeln der aBV verstreuten Besteuerungsgrundsätze systematisch zusammen (BBl 1997 I 417). Das Legalitätsprinzip war bereits in Art. 4 aBV angelegt, während das Leistungsfähigkeitsprinzip richterrechtlich aus dem Gleichheitssatz abgeleitet wurde. Das interkantonale Doppelbesteuerungsverbot war in Art. 46 Abs. 2 aBV ausdrücklich verankert.\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber beabsichtigte mit Art. 127 BV keine materielle Änderung, sondern eine Nachführung des geltenden Rechts mit präziserer Formulierung der anerkannten Besteuerungsgrundsätze (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 1). Die Aufnahme des Leistungsfähigkeitsprinzips in Abs. 2 kodifiziert die langjährige Bundesgerichtspraxis zu Art. 4 aBV.\n\n### 2. Systematik\n\n**N. 3** Art. 127 BV steht im 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden und bildet zusammen mit den Art. 126–135 BV das Finanzordnungskapitel. Die Norm enthält materiell-rechtliche Vorgaben für sämtliche Steuern von Bund, Kantonen und Gemeinden. Sie ergänzt sich mit → Art. 164 Abs. 1 lit. d BV (Gesetzgebungskompetenzen) und → Art. 5 BV (allgemeines Legalitätsprinzip).\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu → Art. 8 BV ist eng: Die Besteuerungsgrundsätze konkretisieren den allgemeinen Gleichheitssatz für das Steuerrecht. → Art. 36 BV findet keine direkte Anwendung, da Steuern keine Grundrechtseingriffe darstellen, sondern originäre Staatsaufgaben sind (BGE 136 I 65 E. 3.1). → Art. 129 BV regelt die Steuerharmonisierung und ergänzt die materiellen Vorgaben von Art. 127 BV.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale\n\n**N. 5** **Legalitätsprinzip (Abs. 1)**: Erfasst werden sämtliche Steuern im Sinne voraussetzungsloser Abgaben zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs. Das formelle Gesetz muss folgende Elemente regeln (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 7; herrschende Lehre und Bundesgerichtspraxis):\n- Kreis der Steuersubjekte\n- Steuerobjekt\n- Sachliche Bemessung\n- Zeitliche Bemessung\n- Steuersatz\n\n**N. 6** Die Anforderungen sind strikt: Blosse Ermächtigungen zur Steuererhebung genügen nicht (BGE 143 II 283). Auch kommunale Steuern bedürfen einer formell-gesetzlichen Grundlage auf kantonaler Ebene (BGE 140 I 176).\n\n**N. 7** **Besteuerungsgrundsätze (Abs. 2)**: Die Aufzählung ist nicht abschliessend («insbesondere»). Die **Allgemeinheit der Besteuerung** verbietet sachlich nicht gerechtfertigte Privilegien (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 24-26). Die **Gleichmässigkeit** fordert konsequente Anwendung der Steuergesetze. Das **Leistungsfähigkeitsprinzip** verlangt Besteuerung nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit (BGE 137 II 353; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 28-47).\n\n**N. 8** **Doppelbesteuerungsverbot (Abs. 3)**: Verbietet die mehrfache Belastung desselben Steuerobjekts durch verschiedene Kantone für dieselbe Periode. Erfasst sind virtuelle und aktuelle Doppelbesteuerungen (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 54-56). Der Bund muss die notwendigen Massnahmen treffen, primär durch das StHG.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Bei Verletzung des **Legalitätsprinzips** sind Steuererlasse nichtig. Das Bundesgericht hebt ungenügende gesetzliche Grundlagen konsequent auf (BGE 143 II 283). Allerdings zeigt sich in der Praxis eine gewisse Zurückhaltung bei der Durchsetzung (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16: «Das Bundesgericht hat verschiedentlich ungenügende gesetzliche Grundlagen für die Besteuerung akzeptiert»).\n\n**N. 10** Verstösse gegen die **Besteuerungsgrundsätze** führen zur Verfassungswidrigkeit der betroffenen Normen. Das Bundesgericht erklärt degressive Tarife als unvereinbar mit dem Leistungsfähigkeitsprinzip (BGE 133 I 206; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). Progressive Tarife sind verfassungskonform, proportionale Tarife («Flat Tax») sind umstritten.\n\n**N. 11** Bei **Doppelbesteuerung** kann der Betroffene mittels staatsrechtlicher Beschwerde ans Bundesgericht gelangen (→ Art. 189 Abs. 2 BV). Die neuere Praxis hat die Verwirkung des Beschwerderechts aufgegeben (BGE 149 II 354).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Degressive Besteuerung**: Das Bundesgericht hält (partiell) degressive Steuertarife für verfassungswidrig (BGE 133 I 206). Gewisse Ökonomen kritisieren das Leistungsfähigkeitsprinzip und plädieren für proportionale Tarife (Flat Rate Tax) oder sogar degressive Tarife (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). Die herrschende Lehre stützt jedoch das bundesgerichtliche Progressivitätspostulat (Reich, Steuerrecht, § 2 N. 89; Matteotti, Steuergerechtigkeit, S. 234 ff.).\n\n**N. 13** **Umfang des Legalitätsprinzips**: Während die herrschende Lehre alle wesentlichen Elemente im Gesetz verankert sehen will (Baumberger, AJP 2012, 908), akzeptiert die Praxis teilweise ungenügende gesetzliche Grundlagen (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16). Diese Diskrepanz zwischen Verfassungstext und -wirklichkeit wird in der Literatur kritisiert (Klett, ZSR 1992 II 45).\n\n**N. 14** **Reichweite des Doppelbesteuerungsverbots**: Strittig ist, ob auch die internationale Doppelbesteuerung erfasst ist. Die herrschende Lehre und Praxis beschränken Art. 127 Abs. 3 BV auf interkantonale Verhältnisse (Locher, Interkantonales Steuerrecht, § 1 N. 12; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, § 2 N. 8). Eine Minderheit plädiert für erweiterten Schutz (Senn, Besteuerungsgrundsätze, S. 167).\n\n### 6. Lehre und Kritik\n\n**N. 15** Die Lehre diskutiert intensiv die Spannung zwischen föderalistischem Steuerwettbewerb und verfassungsrechtlichen Mindeststandards. Reich (Steuerrecht, § 3 N. 45) betont die Bedeutung des Steuerwettbewerbs für die Innovationskraft des Steuersystems. Matteotti (Steuergerechtigkeit, S. 89 ff.) warnt vor einem «race to the bottom» bei der Unternehmensbesteuerung.\n\n**N. 16** Kritisch wird die unvollständige Durchsetzung des Legalitätsprinzips bewertet. Baumberger (AJP 2012, 914) moniert die zu grosszügige Praxis bei Verordnungsdelegationen. Klett (ZSR 1992 II 78) fordert strengere Massstäbe analog zum Strafrecht.\n\n**N. 17** Das Leistungsfähigkeitsprinzip erfährt zunehmend ökonomische Kritik. Tipke (Steuerrechtsordnung II, § 17 N. 34) verteidigt es als unverzichtbares Element der Steuergerechtigkeit. Die Befürworter der Flat Tax argumentieren mit Effizienzgewinnen und Wachstumsimpulsen, finden aber in der schweizerischen Lehre wenig Unterstützung.\n\n### 7. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der **Gesetzesredaktion** müssen alle fünf Kernelemente (Steuersubjekt, -objekt, Bemessung, Periode, Tarif) explizit geregelt werden. Dynamische Verweisungen auf Verordnungen sind unzulässig. Kommunale Steuern bedürfen einer kantonalen Gesetzesgrundlage mit präzisen Rahmenvorgaben.\n\n**N. 19** Für **Steuerplanungen** ist das Doppelbesteuerungsverbot zentral. Bei Wohnsitzverlegungen empfiehlt sich die vorgängige Klärung der steuerlichen Zuordnung. Die aufgegebene Verwirkungspraxis (BGE 149 II 354) erweitert den Rechtsschutz erheblich.\n\n**N. 20** Bei **Tarifgestaltungen** ist Vorsicht geboten: Selbst indirekt degressive Elemente (hohe Pauschalabzüge) können verfassungswidrig sein. Progressive oder proportionale Tarife sind unbedenklich. Sozialabzüge müssen in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden (BGE 134 I 248).\n\n**N. 21** Im **Verfahren** gilt: Rügen wegen Verletzung von Art. 127 BV sind frühzeitig zu erheben. Die Verfassungskonformität kantonaler Erlasse kann mittels abstrakter Normenkontrolle überprüft werden. Bei interkantonalen Konflikten steht der direkte Weg ans Bundesgericht offen.", "caselaw_de": "# Art. 127 BV - Besteuerungsgrundsätze\n\n## Rechtsprechung\n\n### Legalitätsprinzip (Absatz 1)\n\n**BGE 143 II 283** vom 17. März 2017\nDas Legalitätsprinzip verlangt, dass die Ausgestaltung von Steuern in den Grundzügen gesetzlich geregelt ist.\nGrundlage für eine strikte Anwendung des Legalitätsprinzips bei Abgaben ohne verfassungsrechtliche Rechtfertigung.\n\n> «Die Höhe der Abgabe (11 Mio. Fr.) wird einzig durch eine regierungsrätliche Verordnung bestimmt und das formelle Gesetz, auf welche diese sich stützt, enthält keine Kriterien für die Bemessung. Es ist auch kein Marktwert bestimmbar. Da die Höhe der Konzessionsabgabe nicht anhand verfassungsrechtlicher Prinzipien (Kostendeckungs-/ Äquivalenzprinzip) überprüft werden kann, können die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage nicht gelockert werden.»\n\n**BGE 132 I 157** vom 12. April 2006\nUnterschiedliche Besteuerung des Eigenmietwerts von Erst- und Zweitwohnungen ist zulässig, wenn gesetzlich geregelt.\nBestätigt die Notwendigkeit einer genügenden gesetzlichen Grundlage für steuerliche Differenzierungen.\n\n> «Legalitätsprinzip im Abgaberecht. Gesetz im formellen Sinn. Festsetzung von Abgaben durch das kantonale Parlament.»\n\n**BGE 140 I 176** vom 1. Januar 2014\nEine Zweitwohnungssteuer ist verfassungskonform, wenn sie in einem formellen Gesetz geregelt ist.\nVerdeutlicht die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage für kommunale Steuern.\n\n> «Die im Streit liegende Abgabe ist eine Steuer und keine Kausalabgabe. Die Zweitwohnungssteuer bezweckt insbesondere die bessere Auslastung der bereits bestehenden Zweitwohnungen auf dem Gemeindegebiet.»\n\n### Besteuerungsgrundsätze (Absatz 2)\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007\nDegressive Steuertarife verletzen den Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.\nGrundsatzentscheid zur Verfassungswidrigkeit degressiver Steuertarife in Obwalden.\n\n> «Der neue Obwaldner Einkommenssteuertarif widerspricht dem allgemeinen Rechtsgleichheitsgebot und dem Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Weder Gründe des Steuerwettbewerbs noch andere fiskalische oder ausserfiskalische Zielsetzungen vermögen den verfassungsrechtlichen Mangel zu beheben.»\n\n**BGE 134 I 248** vom 18. März 2008\nThurgauer Steuertarif mit Teilsplitting verletzt nicht den Grundsatz der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.\nBestätigt die Zulässigkeit familienfreundlicher Steuertarife unter Beachtung der Verhältnismässigkeit.\n\n> «Verfassungsrechtliche Vorgaben und Grundsätze für den Steuerbelastungsvergleich zwischen Steuerpflichtigen in ungleichen wirtschaftlichen Verhältnissen. In den Steuerbelastungsvergleich sind alle Faktoren mit einzubeziehen, auch Sozialabzüge und Freibeträge, welche die Steuerbelastung beeinflussen.»\n\n**BGE 137 II 353** vom 1. Januar 2011\nAusserordentliche Abschreibungen müssen dem Grundsatz der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechen.\nKonkretisiert die Anwendung des Leistungsfähigkeitsprinzips bei Bilanzierungsfragen.\n\n> «Aufgrund des Prinzips der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit kann steuerrechtlich eine ausserordentliche Abschreibung einer uneinbringlichen Forderung jedoch nicht unbeachtlich bleiben, nur weil der Steuerpflichtige es unterliess, eine vorübergehende Wertberichtigung vorzunehmen.»\n\n**BGE 136 I 65** vom 25. September 2009\nPrivilegierung qualifizierter Dividendeneinkünfte führt zu verfassungswidrigen Unterscheidungen bei der Besteuerung.\nMassgebend für die Anwendung des Gleichmässigkeitsgrundsatzes bei der Dividendenbesteuerung.\n\n> «Die selektive Bevorzugung der Dividendeneinkünfte qualifizierter Anteilseigner von Unternehmungen bei der Einkommenssteuer führt zu unhaltbaren Unterschieden bei der Besteuerung und ist verfassungswidrig.»\n\n### Doppelbesteuerungsverbot (Absatz 3)\n\n**BGE 149 II 354** vom 17. August 2023\nPraxisänderung: Keine Verwirkung des Beschwerderechts bei interkantonaler Doppelbesteuerung.\nWegweisender Entscheid zur Stärkung des Schutzes vor Doppelbesteuerung.\n\n> «In Anbetracht der veränderten Sach- und Rechtslage wird die Praxis zur prozessrechtlichen Verwirkung des Beschwerderechts in Fällen der interkantonalen Doppelbesteuerung aufgegeben. Auch auf materiell-rechtlicher Ebene ist das verfassungsmässige Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung grundsätzlich streng durchzusetzen.»\n\n**BGE 132 I 29** vom 17. Oktober 2005\nIm System der jährlichen Postnumerando-Besteuerung verwirkt das Besteuerungsrecht am Ende des Jahres nach der Veranlagungsperiode.\nPräzisiert die Verwirkungsfristen im interkantonalen Steuerrecht.\n\n> «Im System der jährlichen Postnumerando-Besteuerung, welches von allen Kantonen angewandt wird, verwirkt das Besteuerungsrecht am Ende des Jahres, welches auf die Veranlagungsperiode folgt.»\n\n**BGE 137 I 145** vom 21. Dezember 2010\nErfassung von Liegenschaftenhändlergewinnen mit der Grundstückgewinnsteuer verstösst nicht gegen das Doppelbesteuerungsverbot.\nWichtig für die Abgrenzung verschiedener Steuerarten im interkantonalen Verhältnis.\n\n> «Die Erfassung von Gewinnen von Liegenschaftenhändlern mit der Grundstückgewinnsteuer verstösst nicht gegen Doppelbesteuerungsverbote, wenn sachgerechte Abgrenzungskriterien angewendet werden.»\n\n**BGE 134 I 303** vom 17. Juni 2008\nTankstellen stellen bei Franchiseverträgen grundsätzlich keine Betriebsstätten dar.\nPräzisiert die interkantonale Zuordnung von Betriebsstätten im Steuerrecht.\n\n> «Legitimation der kantonalen Steuerverwaltung zur Erhebung von Doppelbesteuerungsbeschwerden. Franchisevertrag; Tankstellen als Betriebsstätten?»\n\n**BGE 139 II 373** vom 1. Mai 2013\nAnforderungen an das kantonale Verfahren bei interkantonaler Doppelbesteuerung.\nStellt Verfahrensanforderungen beim Vollzug des Doppelbesteuerungsverbots auf.\n\n> «Anforderungen an das kantonale Verfahren, wenn eine interkantonale Doppelbesteuerung gerügt wird. Verrechnung eines Geschäftsverlustes mit Liegenschaftsgewinnen.»\n\n**BGE 130 I 205** vom 30. Juni 2004\nDoppelbesteuerungsverbot bei Kapitalleistungen aus beruflicher Vorsorge und freier Vorsorge.\nGrundlegend für die steuerliche Behandlung von Vorsorgekapitalien im interkantonalen Verhältnis.\n\n> «Das Doppelbesteuerungsverbot ist verletzt, wenn die gleichen Kapitalleistungen einer Versicherung in einem Kanton der Einkommens-, im andern der Erbschaftssteuer unterworfen werden.»\n\n**BGE 131 I 409** vom 1. Januar 2005\nDoppelbesteuerungsrechtliche Behandlung des Rückgewährbetrages bei Leibrenten im Todesfall.\nKonkretisiert das Doppelbesteuerungsverbot bei komplexen Vorsorgeverhältnissen.\n\n> «Das Doppelbesteuerungsverbot ist verletzt, wenn der im Todesfall geleistete Rückgewährbetrag in einem Kanton vollständig der Einkommens- und im andern der Erbschaftssteuer unterworfen wird.»\n\n**BGE 147 I 325** vom 20. August 2020\nVerwirkung des doppelbesteuerungsrechtlichen Beschwerderechts bei vorbehaltloser Anerkennung.\nLetzte bedeutende Anwendung der (inzwischen aufgegebenen) Verwirkungspraxis vor der Praxisänderung.\n\n> «Verwirkung des doppelbesteuerungsrechtlichen Beschwerderechts des Steuerpflichtigen. Über die Konstellation hinaus, in welcher der Steuerpflichtige den Anspruch eines Kantons in Kenntnis des kollidierenden Anspruchs eines anderen Kantons vorbehaltlos anerkennt, ist eine Verwirkung des Beschwerderechts entsprechend dem Charakter des Doppelbesteuerungsverbots restriktiv zu handhaben.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 127 Cst. - Principes régissant l'imposition\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 127 Cst. actuel remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition rassemble de manière systématique les principes d'imposition qui étaient auparavant éparpillés dans différents articles de l'aCst. (FF 1997 I 405). Le principe de légalité était déjà ancré dans l'art. 4 aCst., tandis que le principe de la capacité économique était dérivé par la jurisprudence du principe d'égalité. L'interdiction de la double imposition intercantonale était expressément ancrée dans l'art. 46 al. 2 aCst.\n\n**N. 2** Le constituant n'entendait pas, avec l'art. 127 Cst., apporter un changement matériel, mais actualiser le droit en vigueur avec une formulation plus précise des principes d'imposition reconnus (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 1). L'inscription du principe de la capacité économique à l'al. 2 codifie la jurisprudence de longue date du Tribunal fédéral sur l'art. 4 aCst.\n\n### 2. Systématique\n\n**N. 3** L'art. 127 Cst. figure dans le 3e titre relatif à la Confédération, aux cantons et aux communes et forme, avec les art. 126–135 Cst., le chapitre sur le régime financier. La norme contient des exigences de droit matériel pour tous les impôts de la Confédération, des cantons et des communes. Elle se complète avec → l'art. 164 al. 1 let. d Cst. (compétences législatives) et → l'art. 5 Cst. (principe de légalité général).\n\n**N. 4** Le rapport avec → l'art. 8 Cst. est étroit : les principes d'imposition concrétisent le principe général d'égalité pour le droit fiscal. → L'art. 36 Cst. ne s'applique pas directement, car les impôts ne constituent pas des atteintes aux droits fondamentaux, mais des tâches étatiques originaires (ATF 136 I 65 consid. 3.1). → L'art. 129 Cst. règle l'harmonisation fiscale et complète les exigences matérielles de l'art. 127 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs\n\n**N. 5** **Principe de légalité (al. 1)** : Sont visés tous les impôts au sens de prélèvements sans contrepartie destinés à couvrir les besoins financiers généraux. La loi formelle doit régler les éléments suivants (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 7 ; doctrine dominante et jurisprudence du Tribunal fédéral) :\n- Cercle des sujets fiscaux\n- Objet fiscal\n- Assiette matérielle\n- Assiette temporelle\n- Taux d'imposition\n\n**N. 6** Les exigences sont strictes : de simples autorisations de lever l'impôt ne suffisent pas (ATF 143 II 283). Les impôts communaux nécessitent également une base légale formelle au niveau cantonal (ATF 140 I 176).\n\n**N. 7** **Principes d'imposition (al. 2)** : L'énumération n'est pas exhaustive (« notamment »). La **généralité de l'imposition** interdit les privilèges non justifiés objectivement (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 24-26). L'**égalité** exige une application conséquente des lois fiscales. Le **principe de la capacité économique** demande une imposition selon la capacité économique (ATF 137 II 353 ; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 28-47).\n\n**N. 8** **Interdiction de la double imposition (al. 3)** : Interdit la charge multiple du même objet fiscal par différents cantons pour la même période. Sont visées les doubles impositions virtuelles et actuelles (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 54-56). La Confédération doit prendre les mesures nécessaires, principalement par la LHID.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** En cas de violation du **principe de légalité**, les actes fiscaux sont nuls. Le Tribunal fédéral annule de manière conséquente les bases légales insuffisantes (ATF 143 II 283). Cependant, la pratique fait preuve d'une certaine retenue dans l'application (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16 : « Le Tribunal fédéral a accepté à diverses reprises des bases légales insuffisantes pour l'imposition »).\n\n**N. 10** Les violations des **principes d'imposition** conduisent à l'inconstitutionnalité des normes concernées. Le Tribunal fédéral déclare les tarifs dégressifs incompatibles avec le principe de la capacité économique (ATF 133 I 206 ; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). Les tarifs progressifs sont conformes à la Constitution, les tarifs proportionnels (« Flat Tax ») sont controversés.\n\n**N. 11** En cas de **double imposition**, la personne concernée peut recourir au Tribunal fédéral par le biais du recours en matière de droit public (→ art. 189 al. 2 Cst.). La jurisprudence récente a abandonné la péremption du droit de recours (ATF 149 II 354).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Imposition dégressive** : Le Tribunal fédéral considère les tarifs fiscaux (partiellement) dégressifs comme inconstitutionnels (ATF 133 I 206). Certains économistes critiquent le principe de la capacité économique et plaident pour des tarifs proportionnels (Flat Rate Tax) ou même dégressifs (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). La doctrine dominante soutient cependant le postulat de progressivité du Tribunal fédéral (Reich, Steuerrecht, § 2 N. 89 ; Matteotti, Steuergerechtigkeit, p. 234 ss).\n\n**N. 13** **Portée du principe de légalité** : Alors que la doctrine dominante veut voir tous les éléments essentiels ancrés dans la loi (Baumberger, AJP 2012, 908), la pratique accepte parfois des bases légales insuffisantes (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16). Cette divergence entre le texte constitutionnel et la réalité constitutionnelle est critiquée dans la littérature (Klett, ZSR 1992 II 45).\n\n**N. 14** **Portée de l'interdiction de la double imposition** : Il est controversé de savoir si la double imposition internationale est également visée. La doctrine dominante et la pratique limitent l'art. 127 al. 3 Cst. aux rapports intercantonaux (Locher, Interkantonales Steuerrecht, § 1 N. 12 ; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, § 2 N. 8). Une minorité plaide pour une protection élargie (Senn, Besteuerungsgrundsätze, p. 167).\n\n### 6. Doctrine et critique\n\n**N. 15** La doctrine discute intensément la tension entre la concurrence fiscale fédéraliste et les standards minimaux de droit constitutionnel. Reich (Steuerrecht, § 3 N. 45) souligne l'importance de la concurrence fiscale pour la force d'innovation du système fiscal. Matteotti (Steuergerechtigkeit, p. 89 ss) met en garde contre une « course vers le bas » dans l'imposition des entreprises.\n\n**N. 16** L'application incomplète du principe de légalité est évaluée de manière critique. Baumberger (AJP 2012, 914) déplore la pratique trop généreuse en matière de délégations d'ordonnances. Klett (ZSR 1992 II 78) exige des critères plus stricts analogues au droit pénal.\n\n**N. 17** Le principe de la capacité économique fait l'objet d'une critique économique croissante. Tipke (Steuerrechtsordnung II, § 17 N. 34) le défend comme élément indispensable de l'équité fiscale. Les partisans de la Flat Tax argumentent avec des gains d'efficacité et des impulsions de croissance, mais trouvent peu de soutien dans la doctrine suisse.\n\n### 7. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de la **rédaction de lois**, tous les cinq éléments essentiels (sujet fiscal, objet, assiette, période, tarif) doivent être réglés explicitement. Les renvois dynamiques aux ordonnances sont inadmissibles. Les impôts communaux nécessitent une base légale cantonale avec des directives-cadres précises.\n\n**N. 19** Pour les **planifications fiscales**, l'interdiction de la double imposition est centrale. En cas de changements de domicile, il est recommandé de clarifier au préalable l'attribution fiscale. L'abandon de la pratique de la péremption (ATF 149 II 354) élargit considérablement la protection juridique.\n\n**N. 20** Lors de l'**élaboration des tarifs**, la prudence est de mise : même des éléments indirectement dégressifs (déductions forfaitaires élevées) peuvent être inconstitutionnels. Les tarifs progressifs ou proportionnels sont sans problème. Les déductions sociales doivent être incluses dans l'appréciation globale (ATF 134 I 248).\n\n**N. 21** En **procédure** : les griefs pour violation de l'art. 127 Cst. doivent être soulevés rapidement. La conformité constitutionnelle des actes cantonaux peut être vérifiée par le contrôle abstrait des normes. En cas de conflits intercantonaux, la voie directe vers le Tribunal fédéral est ouverte.", "caselaw_fr": "# Art. 127 Cst. - Principes régissant l'imposition\n\n## Jurisprudence\n\n### Principe de la légalité (alinéa 1)\n\n**ATF 143 II 283** du 17 mars 2017\nLe principe de la légalité exige que l'aménagement des impôts soit réglé dans ses grandes lignes par la loi.\nBase pour une application stricte du principe de la légalité pour les redevances sans justification constitutionnelle.\n\n> « Le montant de la redevance (11 millions de francs) est uniquement déterminé par une ordonnance du Conseil d'État et la loi formelle sur laquelle celle-ci se fonde ne contient aucun critère pour la fixation. Il n'est pas non plus possible de déterminer une valeur marchande. Étant donné que le montant de la redevance de concession ne peut être vérifié sur la base de principes constitutionnels (principe de couverture des coûts/d'équivalence), les exigences relatives à la base légale ne peuvent être assouplies. »\n\n**ATF 132 I 157** du 12 avril 2006\nL'imposition différenciée de la valeur locative d'habitations principales et secondaires est admissible si elle est réglée par la loi.\nConfirme la nécessité d'une base légale suffisante pour les différenciations fiscales.\n\n> « Principe de la légalité en matière de redevances. Loi au sens formel. Fixation de redevances par le parlement cantonal. »\n\n**ATF 140 I 176** du 1er janvier 2014\nUn impôt sur les résidences secondaires est conforme à la Constitution s'il est réglé dans une loi formelle.\nPrécise les exigences relatives à la base légale pour les impôts communaux.\n\n> « La redevance litigieuse est un impôt et non une redevance causale. L'impôt sur les résidences secondaires vise notamment une meilleure occupation des résidences secondaires déjà existantes sur le territoire communal. »\n\n### Principes régissant l'imposition (alinéa 2)\n\n**ATF 133 I 206** du 1er juin 2007\nLes tarifs d'impôt dégressifs violent le principe de l'imposition selon la capacité économique.\nArrêt de principe sur l'inconstitutionnalité des tarifs d'impôt dégressifs d'Obwald.\n\n> « Le nouveau tarif de l'impôt sur le revenu d'Obwald contrevient au principe général de l'égalité de traitement et au principe de l'imposition selon la capacité économique. Ni les raisons de concurrence fiscale ni d'autres objectifs fiscaux ou extrafiscaux ne sauraient combler cette lacune constitutionnelle. »\n\n**ATF 134 I 248** du 18 mars 2008\nLe tarif d'impôt thurgovien avec splitting partiel ne viole pas le principe de la capacité économique.\nConfirme l'admissibilité de tarifs d'impôt favorables à la famille dans le respect de la proportionnalité.\n\n> « Exigences constitutionnelles et principes pour la comparaison de la charge fiscale entre contribuables dans des situations économiques inégales. Dans la comparaison de la charge fiscale, tous les facteurs doivent être pris en compte, y compris les déductions sociales et les montants exonérés qui influencent la charge fiscale. »\n\n**ATF 137 II 353** du 1er janvier 2011\nLes amortissements extraordinaires doivent correspondre au principe de la capacité économique.\nConcrétise l'application du principe de la capacité contributive pour les questions de bilan.\n\n> « En vertu du principe de l'imposition selon la capacité économique, un amortissement extraordinaire d'une créance irrécouvrable ne peut toutefois pas rester sans conséquence en droit fiscal, du simple fait que le contribuable a omis de procéder à une correction de valeur temporaire. »\n\n**ATF 136 I 65** du 25 septembre 2009\nLe privilège accordé aux revenus de dividendes qualifiés conduit à des distinctions inconstitutionnelles dans l'imposition.\nDéterminant pour l'application du principe d'égalité dans l'imposition des dividendes.\n\n> « Le traitement de faveur sélectif des revenus de dividendes des détenteurs qualifiés de parts d'entreprises dans l'impôt sur le revenu conduit à des différences intenables dans l'imposition et est inconstitutionnel. »\n\n### Interdiction de la double imposition (alinéa 3)\n\n**ATF 149 II 354** du 17 août 2023\nChangement de pratique : Pas de forclusion du droit de recours en cas de double imposition intercantonale.\nArrêt marquant pour le renforcement de la protection contre la double imposition.\n\n> « Compte tenu de la situation de fait et de droit modifiée, la pratique relative à la forclusion procédurale du droit de recours dans les cas de double imposition intercantonale est abandonnée. Sur le plan matériel également, l'interdiction constitutionnelle de la double imposition intercantonale doit en principe être appliquée strictement. »\n\n**ATF 132 I 29** du 17 octobre 2005\nDans le système d'imposition annuelle postnumerando, le droit d'imposer s'éteint à la fin de l'année qui suit la période d'imposition.\nPrécise les délais de forclusion en droit fiscal intercantonal.\n\n> « Dans le système d'imposition annuelle postnumerando, appliqué par tous les cantons, le droit d'imposer s'éteint à la fin de l'année qui suit la période d'imposition. »\n\n**ATF 137 I 145** du 21 décembre 2010\nLa saisie des gains de marchands de biens-fonds par l'impôt sur les gains immobiliers ne viole pas l'interdiction de la double imposition.\nImportant pour la délimitation de différents types d'impôts dans les rapports intercantonaux.\n\n> « La saisie de gains de marchands de biens-fonds par l'impôt sur les gains immobiliers ne viole pas les interdictions de double imposition si des critères de délimitation appropriés sont appliqués. »\n\n**ATF 134 I 303** du 17 juin 2008\nLes stations-service ne constituent en principe pas des établissements stables dans le cadre de contrats de franchise.\nPrécise l'attribution intercantonale des établissements stables en droit fiscal.\n\n> « Légitimation de l'administration fiscale cantonale pour introduire des recours pour double imposition. Contrat de franchise ; stations-service comme établissements stables ? »\n\n**ATF 139 II 373** du 1er mai 2013\nExigences relatives à la procédure cantonale en cas de double imposition intercantonale.\nÉtablit les exigences procédurales lors de l'exécution de l'interdiction de double imposition.\n\n> « Exigences relatives à la procédure cantonale lorsqu'une double imposition intercantonale est invoquée. Compensation d'une perte commerciale avec des gains immobiliers. »\n\n**ATF 130 I 205** du 30 juin 2004\nInterdiction de la double imposition pour les prestations en capital de la prévoyance professionnelle et de la prévoyance libre.\nFondamental pour le traitement fiscal des capitaux de prévoyance dans les rapports intercantonaux.\n\n> « L'interdiction de la double imposition est violée lorsque les mêmes prestations en capital d'une assurance sont soumises dans un canton à l'impôt sur le revenu, dans l'autre à l'impôt sur les successions. »\n\n**ATF 131 I 409** du 1er janvier 2005\nTraitement en matière de double imposition du montant de restitution des rentes viagères en cas de décès.\nConcrétise l'interdiction de la double imposition pour des rapports de prévoyance complexes.\n\n> « L'interdiction de la double imposition est violée lorsque le montant de restitution versé en cas de décès est soumis intégralement dans un canton à l'impôt sur le revenu et dans l'autre à l'impôt sur les successions. »\n\n**ATF 147 I 325** du 20 août 2020\nForclusion du droit de recours en matière de double imposition en cas de reconnaissance sans réserve.\nDernière application significative de la pratique de forclusion (depuis lors abandonnée) avant le changement de pratique.\n\n> « Forclusion du droit de recours du contribuable en matière de double imposition. Au-delà de la constellation dans laquelle le contribuable reconnaît sans réserve la prétention d'un canton en connaissance de la prétention concurrente d'un autre canton, une forclusion du droit de recours doit être maniée de manière restrictive conformément au caractère de l'interdiction de la double imposition. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 127 Cost. - Principi di imposizione fiscale\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'attuale art. 127 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione riunisce sistematicamente i principi di imposizione fiscale precedentemente sparsi in vari articoli della vCost. (FF 1997 I 367). Il principio di legalità era già delineato nell'art. 4 vCost., mentre il principio della capacità contributiva è stato derivato giurisprudenzialmente dal principio di uguaglianza. Il divieto di doppia imposizione intercantonale era espressamente ancorato nell'art. 46 cpv. 2 vCost.\n\n**N. 2** Con l'art. 127 Cost. il costituente non intendeva apportare modifiche materiali, bensì un aggiornamento del diritto vigente con una formulazione più precisa dei principi di imposizione riconosciuti (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 1). L'inserimento del principio della capacità contributiva nel cpv. 2 codifica la giurisprudenza pluriennale del Tribunale federale relativa all'art. 4 vCost.\n\n### 2. Sistematica\n\n**N. 3** L'art. 127 Cost. si trova nel 3° titolo su Confederazione, Cantoni e Comuni e forma, insieme agli art. 126–135 Cost., il capitolo sull'ordinamento finanziario. La norma contiene prescrizioni di diritto materiale per tutte le imposte di Confederazione, Cantoni e Comuni. Si completa con → l'art. 164 cpv. 1 lett. d Cost. (competenze legislative) e → l'art. 5 Cost. (principio generale di legalità).\n\n**N. 4** Il rapporto con → l'art. 8 Cost. è stretto: i principi di imposizione concretizzano il principio generale di uguaglianza per il diritto fiscale. → L'art. 36 Cost. non trova applicazione diretta, poiché le imposte non costituiscono limitazioni di diritti fondamentali, ma compiti originari dello Stato (DTF 136 I 65 consid. 3.1). → L'art. 129 Cost. disciplina l'armonizzazione fiscale e completa le prescrizioni materiali dell'art. 127 Cost.\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie\n\n**N. 5** **Principio di legalità (cpv. 1)**: Sono comprese tutte le imposte intese come prelievi senza contropartita per coprire il fabbisogno finanziario generale. La legge formale deve disciplinare i seguenti elementi (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 7; dottrina dominante e giurisprudenza del Tribunale federale):\n- Cerchia dei soggetti d'imposta\n- Oggetto d'imposta\n- Commisurazione materiale\n- Commisurazione temporale\n- Aliquota d'imposta\n\n**N. 6** I requisiti sono rigorosi: mere autorizzazioni alla riscossione di imposte non sono sufficienti (DTF 143 II 283). Anche le imposte comunali necessitano di una base legale formale a livello cantonale (DTF 140 I 176).\n\n**N. 7** **Principi di imposizione (cpv. 2)**: L'elencazione non è esaustiva («segnatamente»). La **generalità dell'imposizione** vieta privilegi non giustificati obiettivamente (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 24-26). L'**uniformità** esige un'applicazione coerente delle leggi fiscali. Il **principio della capacità contributiva** richiede l'imposizione secondo la capacità economica (DTF 137 II 353; Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 28-47).\n\n**N. 8** **Divieto di doppia imposizione (cpv. 3)**: Vieta l'imposizione multipla dello stesso oggetto d'imposta da parte di diversi Cantoni per lo stesso periodo. Sono comprese le doppie imposizioni virtuali e attuali (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 54-56). La Confederazione deve adottare le misure necessarie, principalmente attraverso la LAID.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** In caso di violazione del **principio di legalità** i decreti fiscali sono nulli. Il Tribunale federale annulla coerentemente le basi legali insufficienti (DTF 143 II 283). Tuttavia nella prassi si manifesta una certa riserva nell'applicazione (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 14-16: «Il Tribunale federale ha ripetutamente accettato basi legali insufficienti per l'imposizione»).\n\n**N. 10** Le violazioni dei **principi di imposizione** comportano l'incostituzionalità delle norme interessate. Il Tribunale federale dichiara le tariffe degressive incompatibili con il principio della capacità contributiva (DTF 133 I 206; Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 85-86). Le tariffe progressive sono conformi alla Costituzione, quelle proporzionali («Flat Tax») sono controverse.\n\n**N. 11** In caso di **doppia imposizione** l'interessato può adire il Tribunale federale mediante ricorso di diritto pubblico (→ art. 189 cpv. 2 Cost.). La giurisprudenza recente ha abbandonato la decadenza del diritto di ricorso (DTF 149 II 354).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 12** **Imposizione degressiva**: Il Tribunale federale considera le tariffe fiscali (parzialmente) degressive incostituzionali (DTF 133 I 206). Alcuni economisti criticano il principio della capacità contributiva e propugnano tariffe proporzionali (Flat Rate Tax) o persino degressive (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 85-86). La dottrina dominante sostiene tuttavia il postulato di progressività del Tribunale federale (Reich, Steuerrecht, § 2 n. 89; Matteotti, Steuergerechtigkeit, p. 234 segg.).\n\n**N. 13** **Portata del principio di legalità**: Mentre la dottrina dominante vuole vedere ancorati nella legge tutti gli elementi essenziali (Baumberger, AJP 2012, 908), la prassi accetta in parte basi legali insufficienti (Behnisch, BSK BV, art. 127 n. 14-16). Questa discrepanza tra testo costituzionale e realtà costituzionale è criticata in dottrina (Klett, ZSR 1992 II 45).\n\n**N. 14** **Portata del divieto di doppia imposizione**: È controverso se sia compresa anche la doppia imposizione internazionale. La dottrina dominante e la prassi limitano l'art. 127 cpv. 3 Cost. ai rapporti intercantonali (Locher, Interkantonales Steuerrecht, § 1 n. 12; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, § 2 n. 8). Una minoranza propugna una protezione estesa (Senn, Besteuerungsgrundsätze, p. 167).\n\n### 6. Dottrina e critica\n\n**N. 15** La dottrina discute intensamente la tensione tra concorrenza fiscale federalistica e standard minimi di diritto costituzionale. Reich (Steuerrecht, § 3 n. 45) sottolinea l'importanza della concorrenza fiscale per la capacità innovativa del sistema fiscale. Matteotti (Steuergerechtigkeit, p. 89 segg.) mette in guardia da una «corsa verso il basso» nell'imposizione delle imprese.\n\n**N. 16** Viene valutata criticamente l'applicazione incompleta del principio di legalità. Baumberger (AJP 2012, 914) critica la prassi troppo generosa nelle deleghe a ordinanze. Klett (ZSR 1992 II 78) richiede criteri più rigorosi analoghi al diritto penale.\n\n**N. 17** Il principio della capacità contributiva riceve crescenti critiche economiche. Tipke (Steuerrechtsordnung II, § 17 n. 34) lo difende come elemento indispensabile della giustizia fiscale. I sostenitori della Flat Tax argomentano con guadagni di efficienza e impulsi di crescita, ma trovano poco sostegno nella dottrina svizzera.\n\n### 7. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella **redazione legislativa** tutti e cinque gli elementi centrali (soggetto d'imposta, oggetto, commisurazione, periodo, tariffa) devono essere disciplinati esplicitamente. I rinvii dinamici a ordinanze sono inammissibili. Le imposte comunali necessitano di una base legislativa cantonale con prescrizioni quadro precise.\n\n**N. 19** Per le **pianificazioni fiscali** il divieto di doppia imposizione è centrale. In caso di trasferimenti di domicilio si raccomanda il chiarimento preventivo dell'attribuzione fiscale. La prassi della decadenza abbandonata (DTF 149 II 354) estende considerevolmente la tutela giuridica.\n\n**N. 20** Nelle **configurazioni tariffarie** è necessaria cautela: anche elementi indirettamente degressivi (elevate deduzioni forfettarie) possono essere incostituzionali. Le tariffe progressive o proporzionali sono innocue. Le deduzioni sociali devono essere incluse nella valutazione complessiva (DTF 134 I 248).\n\n**N. 21** Nel **procedimento** vale: le censure per violazione dell'art. 127 Cost. devono essere sollevate tempestivamente. La conformità costituzionale degli atti cantonali può essere verificata mediante controllo astratto delle norme. In caso di conflitti intercantonali è aperta la via diretta al Tribunale federale.", "caselaw_it": "# Art. 127 Cost. - Principi d'imposizione\n\n## Giurisprudenza\n\n### Principio di legalità (capoverso 1)\n\n**DTF 143 II 283** del 17 marzo 2017\nIl principio di legalità esige che la configurazione delle imposte sia disciplinata per sommi capi dalla legge.\nBase per un'applicazione rigorosa del principio di legalità in caso di tributi privi di giustificazione costituzionale.\n\n> «L'ammontare del tributo (11 mio fr.) è determinato unicamente da un'ordinanza del Governo cantonale e la legge formale sulla quale si fonda non contiene criteri per la misurazione. Non è nemmeno determinabile un valore di mercato. Poiché l'ammontare del tributo di concessione non può essere verificato sulla base di principi costituzionali (principio di copertura dei costi/principio di equivalenza), le esigenze relative al fondamento legale non possono essere allentate.»\n\n**DTF 132 I 157** del 12 aprile 2006\nL'imposizione differenziata del valore locativo tra abitazioni primarie e secondarie è ammissibile se disciplinata dalla legge.\nConferma la necessità di un fondamento legale sufficiente per differenziazioni fiscali.\n\n> «Principio di legalità nel diritto tributario. Legge in senso formale. Fissazione di tributi da parte del parlamento cantonale.»\n\n**DTF 140 I 176** del 1º gennaio 2014\nUn'imposta sulle abitazioni secondarie è conforme alla Costituzione se disciplinata in una legge formale.\nChiarisce i requisiti per il fondamento legale delle imposte comunali.\n\n> «Il tributo controverso è un'imposta e non un tributo causale. L'imposta sulle abitazioni secondarie ha in particolare lo scopo di migliorare l'utilizzazione delle abitazioni secondarie già esistenti sul territorio comunale.»\n\n### Principi d'imposizione (capoverso 2)\n\n**DTF 133 I 206** del 1º giugno 2007\nLe tariffe fiscali degressive violano il principio dell'imposizione secondo la capacità economica.\nDecisione di principio sulla contrarietà costituzionale delle tariffe fiscali degressive a Obvaldo.\n\n> «La nuova tariffa dell'imposta sul reddito obwaldese contraddice il principio generale dell'uguaglianza giuridica e il principio dell'imposizione secondo la capacità economica. Né ragioni di concorrenza fiscale né altri obiettivi fiscali o extrafiscali possono sanare il vizio costituzionale.»\n\n**DTF 134 I 248** del 18 marzo 2008\nLa tariffa fiscale turgoviese con splitting parziale non viola il principio della capacità economica.\nConferma l'ammissibilità di tariffe fiscali favorevoli alle famiglie nel rispetto della proporzionalità.\n\n> «Prescrizioni e principi costituzionali per il confronto del carico fiscale tra contribuenti in condizioni economiche disuguali. Nel confronto del carico fiscale devono essere inclusi tutti i fattori, anche le deduzioni sociali e le franchigie che influenzano il carico fiscale.»\n\n**DTF 137 II 353** del 1º gennaio 2011\nGli ammortamenti straordinari devono corrispondere al principio della capacità economica.\nConcretizza l'applicazione del principio della capacità contributiva nelle questioni di bilancio.\n\n> «In base al principio dell'imposizione secondo la capacità economica, un ammortamento straordinario di un credito inesigibile non può tuttavia rimanere ininfluente dal punto di vista fiscale solo perché il contribuente ha omesso di effettuare una rettifica di valore temporanea.»\n\n**DTF 136 I 65** del 25 settembre 2009\nIl privilegio dei redditi da dividendi qualificati porta a distinzioni costituzionalmente illegittime nell'imposizione.\nDeterminante per l'applicazione del principio di uniformità nell'imposizione dei dividendi.\n\n> «Il favore selettivo dei redditi da dividendi di azionisti qualificati di imprese nell'imposta sul reddito porta a differenze insostenibili nell'imposizione ed è contrario alla Costituzione.»\n\n### Divieto della doppia imposizione (capoverso 3)\n\n**DTF 149 II 354** del 17 agosto 2023\nCambiamento di prassi: Nessuna decadenza del diritto di ricorso in caso di doppia imposizione intercantonale.\nDecisione pioneristici per il rafforzamento della protezione dalla doppia imposizione.\n\n> «Considerata la situazione fattuale e giuridica modificata, viene abbandonata la prassi sulla decadenza processuale del diritto di ricorso nei casi di doppia imposizione intercantonale. Anche a livello materiale, il divieto costituzionale della doppia imposizione intercantonale deve essere in principio applicato rigorosamente.»\n\n**DTF 132 I 29** del 17 ottobre 2005\nNel sistema dell'imposizione annuale postnumerando il diritto d'imposizione decade alla fine dell'anno successivo al periodo di tassazione.\nPrecisa i termini di decadenza nel diritto fiscale intercantonale.\n\n> «Nel sistema dell'imposizione annuale postnumerando, applicato da tutti i Cantoni, il diritto d'imposizione decade alla fine dell'anno che segue il periodo di tassazione.»\n\n**DTF 137 I 145** del 21 dicembre 2010\nL'assoggettamento dei guadagni di commercianti di fondi all'imposta sugli utili immobiliari non viola il divieto della doppia imposizione.\nImportante per la delimitazione di diversi tipi di imposte nel rapporto intercantonale.\n\n> «L'assoggettamento di guadagni di commercianti di fondi all'imposta sugli utili immobiliari non viola i divieti di doppia imposizione se sono applicati criteri di delimitazione adeguati.»\n\n**DTF 134 I 303** del 17 giugno 2008\nLe stazioni di servizio non costituiscono in principio stabilimenti d'impresa in caso di contratti di franchising.\nPrecisa l'attribuzione intercantonale di stabilimenti d'impresa nel diritto fiscale.\n\n> «Legittimazione dell'amministrazione fiscale cantonale a sollevare ricorsi per doppia imposizione. Contratto di franchising; stazioni di servizio come stabilimenti d'impresa?»\n\n**DTF 139 II 373** del 1º maggio 2013\nRequisiti per la procedura cantonale in caso di doppia imposizione intercantonale.\nStabilisce requisiti procedurali nell'esecuzione del divieto di doppia imposizione.\n\n> «Requisiti per la procedura cantonale quando viene lamentata una doppia imposizione intercantonale. Compensazione di una perdita commerciale con utili immobiliari.»\n\n**DTF 130 I 205** del 30 giugno 2004\nDivieto di doppia imposizione per prestazioni in capitale della previdenza professionale e del pilastro 3a.\nFondamentale per il trattamento fiscale dei capitali di previdenza nel rapporto intercantonale.\n\n> «Il divieto di doppia imposizione è violato quando le stesse prestazioni in capitale di un'assicurazione sono assoggettate in un Cantone all'imposta sul reddito e nell'altro all'imposta di successione.»\n\n**DTF 131 I 409** del 1º gennaio 2005\nTrattamento secondo il diritto della doppia imposizione dell'importo di restituzione per rendite vitalizie in caso di decesso.\nConcretizza il divieto di doppia imposizione in rapporti previdenziali complessi.\n\n> «Il divieto di doppia imposizione è violato quando l'importo di restituzione versato in caso di decesso è assoggettato completamente in un Cantone all'imposta sul reddito e nell'altro all'imposta di successione.»\n\n**DTF 147 I 325** del 20 agosto 2020\nDecadenza del diritto di ricorso secondo il diritto della doppia imposizione in caso di riconoscimento senza riserve.\nUltima applicazione significativa della prassi della decadenza (nel frattempo abbandonata) prima del cambiamento di prassi.\n\n> «Decadenza del diritto di ricorso del contribuente secondo il diritto della doppia imposizione. Al di là della costellazione nella quale il contribuente riconosce senza riserve la pretesa di un Cantone a conoscenza della pretesa collidenti di un altro Cantone, una decadenza del diritto di ricorso deve essere maneggiata restrittivamente secondo il carattere del divieto di doppia imposizione.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 127 FC - Principles of taxation\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The current Art. 127 FC dates back to the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision systematically brings together the principles of taxation that were previously scattered across various articles of the former FC (BBl 1997 I 417). The principle of legality was already established in Art. 4 of the former FC, while the ability-to-pay principle was judicially derived from the principle of equality. The prohibition of intercantonal double taxation was expressly anchored in Art. 46 para. 2 of the former FC.\n\n**N. 2** With Art. 127 FC, the constitutional legislator intended no material change, but rather an updating of the existing law with more precise formulation of the recognised principles of taxation (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 1). The inclusion of the ability-to-pay principle in para. 2 codifies the long-standing Federal Supreme Court practice regarding Art. 4 of the former FC.\n\n### 2. System\n\n**N. 3** Art. 127 FC is located in Title 3 on the Confederation, Cantons and Communes and forms the financial order chapter together with Arts. 126–135 FC. The provision contains substantive legal requirements for all taxes of the Confederation, cantons and communes. It complements → Art. 164 para. 1 let. d FC (legislative powers) and → Art. 5 FC (general principle of legality).\n\n**N. 4** The relationship to → Art. 8 FC is close: the principles of taxation concretise the general principle of equality for tax law. → Art. 36 FC finds no direct application, as taxes do not constitute fundamental rights interferences, but rather original state tasks (BGE 136 I 65 E. 3.1). → Art. 129 FC regulates tax harmonisation and complements the substantive requirements of Art. 127 FC.\n\n### 3. Elements of the offence\n\n**N. 5** **Principle of legality (para. 1)**: All taxes are covered in the sense of unconditional levies to cover general financial needs. The formal law must regulate the following elements (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 7; prevailing doctrine and Federal Supreme Court practice):\n- Circle of tax subjects\n- Tax object\n- Material assessment\n- Temporal assessment\n- Tax rate\n\n**N. 6** The requirements are strict: mere authorisations for tax collection are insufficient (BGE 143 II 283). Even communal taxes require a formal legal basis at the cantonal level (BGE 140 I 176).\n\n**N. 7** **Principles of taxation (para. 2)**: The enumeration is not exhaustive («in particular»). The **generality of taxation** prohibits privileges that are not objectively justified (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 24-26). **Uniformity** requires consistent application of tax laws. The **ability-to-pay principle** demands taxation according to economic capacity (BGE 137 II 353; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 28-47).\n\n**N. 8** **Prohibition of double taxation (para. 3)**: Prohibits the multiple taxation of the same tax object by different cantons for the same period. Virtual and actual double taxation are covered (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 54-56). The Confederation must take the necessary measures, primarily through the THA.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 9** In case of violation of the **principle of legality**, tax decrees are void. The Federal Supreme Court consistently overturns insufficient legal bases (BGE 143 II 283). However, in practice a certain restraint is shown in enforcement (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16: «The Federal Supreme Court has repeatedly accepted insufficient legal bases for taxation»).\n\n**N. 10** Violations of the **principles of taxation** lead to the unconstitutionality of the affected provisions. The Federal Supreme Court declares regressive tariffs as incompatible with the ability-to-pay principle (BGE 133 I 206; Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). Progressive tariffs are constitutional, proportional tariffs («flat tax») are controversial.\n\n**N. 11** In case of **double taxation**, the affected party can appeal to the Federal Supreme Court by means of a constitutional complaint (→ Art. 189 para. 2 FC). Recent practice has abandoned the forfeiture of the right of appeal (BGE 149 II 354).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 12** **Regressive taxation**: The Federal Supreme Court considers (partially) regressive tax tariffs to be unconstitutional (BGE 133 I 206). Certain economists criticise the ability-to-pay principle and advocate for proportional tariffs (flat rate tax) or even regressive tariffs (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 85-86). However, the prevailing doctrine supports the Federal Supreme Court's progressivity postulate (Reich, Steuerrecht, § 2 N. 89; Matteotti, Steuergerechtigkeit, S. 234 ff.).\n\n**N. 13** **Scope of the principle of legality**: While the prevailing doctrine wants to see all essential elements anchored in law (Baumberger, AJP 2012, 908), practice sometimes accepts insufficient legal bases (Behnisch, BSK BV, Art. 127 N. 14-16). This discrepancy between constitutional text and constitutional reality is criticised in the literature (Klett, ZSR 1992 II 45).\n\n**N. 14** **Scope of the prohibition of double taxation**: It is disputed whether international double taxation is also covered. The prevailing doctrine and practice restrict Art. 127 para. 3 FC to intercantonal relationships (Locher, Interkantonales Steuerrecht, § 1 N. 12; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, § 2 N. 8). A minority advocates for extended protection (Senn, Besteuerungsgrundsätze, S. 167).\n\n### 6. Doctrine and criticism\n\n**N. 15** Doctrine intensively discusses the tension between federalist tax competition and constitutional minimum standards. Reich (Steuerrecht, § 3 N. 45) emphasises the importance of tax competition for the innovative power of the tax system. Matteotti (Steuergerechtigkeit, S. 89 ff.) warns against a «race to the bottom» in corporate taxation.\n\n**N. 16** The incomplete enforcement of the principle of legality is viewed critically. Baumberger (AJP 2012, 914) criticises the too generous practice regarding ordinance delegations. Klett (ZSR 1992 II 78) demands stricter standards analogous to criminal law.\n\n**N. 17** The ability-to-pay principle faces increasing economic criticism. Tipke (Steuerrechtsordnung II, § 17 N. 34) defends it as an indispensable element of tax justice. Proponents of the flat tax argue with efficiency gains and growth impulses, but find little support in Swiss doctrine.\n\n### 7. Practical guidance\n\n**N. 18** In **legislative drafting**, all five core elements (tax subject, object, assessment, period, tariff) must be explicitly regulated. Dynamic references to ordinances are inadmissible. Communal taxes require a cantonal legal basis with precise framework requirements.\n\n**N. 19** For **tax planning**, the prohibition of double taxation is central. In case of change of domicile, prior clarification of tax allocation is recommended. The abandoned forfeiture practice (BGE 149 II 354) considerably expands legal protection.\n\n**N. 20** In **tariff design**, caution is advised: even indirectly regressive elements (high lump-sum deductions) can be unconstitutional. Progressive or proportional tariffs are unobjectionable. Social deductions must be included in the overall consideration (BGE 134 I 248).\n\n**N. 21** In **procedure**: objections due to violation of Art. 127 FC must be raised early. The constitutional conformity of cantonal decrees can be reviewed by means of abstract judicial review. In intercantonal conflicts, the direct route to the Federal Supreme Court is open.", "caselaw_en": "# Art. 127 FC - Principles of taxation\n\n## Case law\n\n### Principle of legality (paragraph 1)\n\n**BGE 143 II 283** of 17 March 2017\nThe principle of legality requires that the design of taxes be regulated by law in its basic features.\nBasis for strict application of the principle of legality for levies without constitutional justification.\n\n> «The amount of the levy (11 million francs) is determined solely by a governmental ordinance and the formal law on which it is based contains no criteria for assessment. No market value can be determined either. Since the amount of the concession fee cannot be reviewed based on constitutional principles (cost coverage/equivalence principle), the requirements for the legal basis cannot be relaxed.»\n\n**BGE 132 I 157** of 12 April 2006\nDifferential taxation of the imputed rental value of primary and secondary residences is permissible if regulated by law.\nConfirms the necessity of an adequate legal basis for tax differentiations.\n\n> «Principle of legality in tax law. Law in the formal sense. Setting of levies by the cantonal parliament.»\n\n**BGE 140 I 176** of 1 January 2014\nA secondary residence tax is constitutional if it is regulated in a formal law.\nClarifies the requirements for the legal basis for municipal taxes.\n\n> «The levy in dispute is a tax and not a causal levy. The secondary residence tax aims in particular at better utilisation of existing secondary residences in the municipal territory.»\n\n### Principles of taxation (paragraph 2)\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007\nDegressive tax rates violate the principle of taxation according to economic capacity.\nLandmark decision on the unconstitutionality of degressive tax rates in Obwalden.\n\n> «The new Obwalden income tax rate contradicts the general principle of equality before the law and the principle of taxation according to economic capacity. Neither reasons of tax competition nor other fiscal or extra-fiscal objectives can remedy the constitutional deficiency.»\n\n**BGE 134 I 248** of 18 March 2008\nThurgau tax rate with partial splitting does not violate the principle of economic capacity.\nConfirms the permissibility of family-friendly tax rates while observing proportionality.\n\n> «Constitutional requirements and principles for tax burden comparison between taxpayers in unequal economic circumstances. All factors must be included in the tax burden comparison, including social deductions and allowances that influence the tax burden.»\n\n**BGE 137 II 353** of 1 January 2011\nExtraordinary depreciation must correspond to the principle of economic capacity.\nSpecifies the application of the ability-to-pay principle in accounting matters.\n\n> «Based on the principle of taxation according to economic capacity, an extraordinary depreciation of an uncollectible claim cannot be disregarded for tax purposes merely because the taxpayer failed to make a temporary impairment.»\n\n**BGE 136 I 65** of 25 September 2009\nPrivileging qualified dividend income leads to unconstitutional distinctions in taxation.\nDecisive for the application of the principle of uniformity in dividend taxation.\n\n> «The selective preferential treatment of dividend income of qualified shareholders of companies in income taxation leads to untenable differences in taxation and is unconstitutional.»\n\n### Prohibition of double taxation (paragraph 3)\n\n**BGE 149 II 354** of 17 August 2023\nChange of practice: No forfeiture of the right to appeal in cases of intercantonal double taxation.\nLandmark decision strengthening protection against double taxation.\n\n> «In view of the changed factual and legal situation, the practice regarding procedural forfeiture of the right to appeal in cases of intercantonal double taxation is abandoned. Also at the substantive law level, the constitutional prohibition of intercantonal double taxation is to be strictly enforced in principle.»\n\n**BGE 132 I 29** of 17 October 2005\nIn the system of annual postnumerando taxation, the right of taxation is forfeited at the end of the year following the assessment period.\nSpecifies the forfeiture periods in intercantonal tax law.\n\n> «In the system of annual postnumerando taxation, which is applied by all cantons, the right of taxation is forfeited at the end of the year following the assessment period.»\n\n**BGE 137 I 145** of 21 December 2010\nCapturing real estate dealer profits with the real estate gains tax does not violate the prohibition of double taxation.\nImportant for the delimitation of different types of taxes in intercantonal relations.\n\n> «The capturing of profits of real estate dealers with the real estate gains tax does not violate prohibitions of double taxation if appropriate delimitation criteria are applied.»\n\n**BGE 134 I 303** of 17 June 2008\nPetrol stations under franchise agreements generally do not constitute permanent establishments.\nSpecifies the intercantonal allocation of permanent establishments in tax law.\n\n> «Legitimation of the cantonal tax administration to raise double taxation complaints. Franchise agreement; petrol stations as permanent establishments?»\n\n**BGE 139 II 373** of 1 May 2013\nRequirements for cantonal procedures in cases of intercantonal double taxation.\nEstablishes procedural requirements for the implementation of the prohibition of double taxation.\n\n> «Requirements for cantonal procedures when intercantonal double taxation is complained of. Offsetting of a business loss with real estate gains.»\n\n**BGE 130 I 205** of 30 June 2004\nProhibition of double taxation for capital benefits from occupational pension schemes and private pension schemes.\nFundamental for the tax treatment of pension capital in intercantonal relations.\n\n> «The prohibition of double taxation is violated when the same capital benefits of an insurance are subject to income tax in one canton and inheritance tax in another.»\n\n**BGE 131 I 409** of 1 January 2005\nDouble taxation treatment of the refund amount for life annuities in case of death.\nSpecifies the prohibition of double taxation in complex pension relationships.\n\n> «The prohibition of double taxation is violated when the refund amount paid in case of death is fully subject to income tax in one canton and inheritance tax in another.»\n\n**BGE 147 I 325** of 20 August 2020\nForfeiture of the right to appeal under double taxation law in case of unconditional recognition.\nLast significant application of the forfeiture practice (since abandoned) before the change of practice.\n\n> «Forfeiture of the taxpayer's right to appeal under double taxation law. Beyond the constellation in which the taxpayer unconditionally recognises the claim of one canton with knowledge of the conflicting claim of another canton, forfeiture of the right to appeal must be handled restrictively in accordance with the character of the prohibition of double taxation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_127", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 128, "article_suffix": "", "title": "Direkte Steuern", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 128 BV regelt die direkte Bundessteuer und ist eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des Bundes. Der Bund darf höchstens 11,5 Prozent Steuer auf das Einkommen natürlicher Personen erheben. Bei juristischen Personen (Unternehmen) beträgt der Höchstsatz 8,5 Prozent auf dem Reinertrag. Diese Sätze sind in der Verfassung festgeschrieben, was ungewöhnlich ist.\n\nDie Kompetenz ist bis 2035 befristet (Art. 196 Ziff. 13 BV). Diese Befristung wird von Vallender/Cavelti als verfassungstheoretisch problematisch kritisiert, da unbefristete Bundesaufgaben gesicherte Finanzierung brauchen.\n\nEin wichtiger Streitpunkt betrifft die Interpretation des 11,5-Prozent-Satzes. Die herrschende Lehre (Locher, Vallender/Looser) versteht ihn als Durchschnittssteuersatz. Eine Mindermeinung sieht darin den Grenzsteuersatz (maximaler Steuersatz für hohe Einkommen).\n\nDer Bund muss bei seinen Steuersätzen auf die kantonale und kommunale Steuerbelastung Rücksicht nehmen. Die kalte Progression (höhere Steuern trotz gleicher Kaufkraft durch Inflation) muss periodisch ausgeglichen werden.\n\nObwohl es sich um eine Bundessteuer handelt, veranlagen und beziehen die Kantone die Steuer. Sie erhalten mindestens 17 Prozent des Steueraufkommens. Den Rest erhält der Bund.\n\n**Beispiel:** Ein Unternehmen mit Sitz in Basel-Stadt zahlt sowohl die direkte Bundessteuer als auch die Basler Unternehmenssteuer. Die Basler Steuerverwaltung berechnet beide Steuern zusammen. Von der Bundessteuer behält Basel 17 Prozent und überweist 83 Prozent an Bern.\n\nPraktisch wichtig ist die Zuständigkeitsabgrenzung zwischen den Kantonen. Fehlerhafte Veranlagungen durch den falschen Kanton sind nichtig. Das Bundesgericht hat entschieden, dass nur ein Kanton zuständig ist (Oder-Regel).", "doctrine_de": "# Art. 128 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die direkte Bundessteuer ist ein historisch umstrittenes Finanzierungsinstrument des Bundes. Die Befristung der Kompetenz, die in Art. 196 Ziff. 13 BV verankert ist, reflektiert den föderalistischen Kompromiss zwischen den Finanzierungsbedürfnissen des Bundes und der Steuerhoheit der Kantone. Seit 1915 wurde die Bundeskompetenz zur Erhebung direkter Steuern wiederholt befristet verlängert. Die neue Bundesverfassung von 1999 übernahm die Regelung aus der Finanzordnung (BBl 1997 I 544).\n\n**N. 2** Die Befristung bis 2035 (Art. 196 Ziff. 13 BV) wird in der Lehre kritisch beurteilt. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) halten die Befristung aus verfassungstheoretischer Sicht für nicht sachgerecht, da die unbefristete Übernahme von Aufgaben durch den Bund zwingend eine gesicherte unbefristete Finanzierung voraussetze.\n\n**N. 3** Die Einführung des Ausgleichs der kalten Progression in Abs. 3 erfolgte mit der Volksabstimmung vom 20. Mai 1991. Zuvor war die kalte Progression seit 1973 nur unregelmässig und teilweise ausgeglichen worden (BBl 1990 I 1265).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 128 BV ist Teil der Finanzordnung des Bundes (Art. 126–135 BV). Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 127 BV (Grundsätze der Besteuerung), → Art. 129 BV (Steuerharmonisierung) und → Art. 196 Ziff. 13 BV (Befristung). Das Zusammenspiel dieser Normen definiert die föderale Steuerordnung der Schweiz.\n\n**N. 5** Der Vollzugsföderalismus (Abs. 4) ist charakteristisch für die schweizerische Finanzordnung. Die Kantone veranlagen und beziehen die direkte Bundessteuer, obwohl der materielle Steueranspruch überwiegend dem Bund zusteht (**BGE 141 I 161** E. 4.2.1). Diese Regelung verknüpft die Bundessteuer systematisch mit dem kantonalen Steuerrecht.\n\n**N. 6** Die Verankerung der Höchstsätze in der Verfassung (Abs. 1) ist ungewöhnlich. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 10) betonen, dass diesen materiellen Vorgaben durchaus verfassungsrechtliche Relevanz zukomme und sie somit verfassungswürdig seien.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Steuerkompetenz (Abs. 1):** Der Bund «kann» eine direkte Steuer erheben — diese Kann-Formulierung täuscht, da die direkte Bundessteuer faktisch eine zentrale Finanzierungsquelle des Bundes darstellt. Die Kompetenz umfasst:\n- Einkommenssteuer auf natürliche Personen (lit. a)\n- Gewinnsteuer auf juristische Personen (lit. b)\n\n**N. 8** **Höchstsätze:** Die Verfassung setzt absolute Obergrenzen:\n- 11,5% auf dem Einkommen natürlicher Personen\n- 8,5% auf dem Reinertrag juristischer Personen\n\n**N. 9** Die Interpretation des Höchstsatzes von 11,5% ist umstritten. Nach herrschender Lehre (Locher, BSK BV, Art. 128 N. 14; Vallender/Looser, BSK BV, Art. 128 N. 14) ist dieser als Durchschnittssteuersatz zu verstehen. Eine Mindermeinung (BV 1874-Höhn/Vallender) interpretiert ihn als Grenzsteuersatz.\n\n**N. 10** **Rücksichtnahmegebot (Abs. 2):** Der Bund muss bei der Tarifgestaltung auf die Steuerbelastung durch Kantone und Gemeinden Rücksicht nehmen. Dieses Gebot konkretisiert den Grundsatz der wirtschaftlichen Tragfähigkeit (→ Art. 127 Abs. 2 BV).\n\n**N. 11** **Kalte Progression (Abs. 3):** Der Verfassungsauftrag verlangt einen «periodischen» Ausgleich. Das DBG sieht in Art. 39 und Art. 128 Abs. 3 einen Ausgleichsmechanismus vor, der bei einer Teuerung von 7% greift.\n\n**N. 12** **Vollzugsföderalismus (Abs. 4):** Die Kantone sind verpflichtet («Die Steuer wird...»), die direkte Bundessteuer zu veranlagen und einzuziehen. Dies begründet ein «Pflichtrecht» der Kantone (**BGE 151 II 101** E. 3.3.3).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** **Für den Bund:** Die Kompetenz zur Gesetzgebung über die direkte Bundessteuer (DBG). Der Bund erhält mindestens 83% des Rohertrags (bei einem Kantonsanteil von 17%).\n\n**N. 14** **Für die Kantone:** Veranlagungs- und Bezugspflicht mit Recht auf mindestens 17% des Rohertrags. Bei unzuständiger Veranlagung sind die Verfügungen nichtig; der Kantonsanteil muss an den zuständigen Kanton weitergeleitet werden (**BGE 151 II 101**).\n\n**N. 15** **Für die Steuerpflichtigen:** Anspruch auf verfassungskonforme Besteuerung innerhalb der Höchstsätze und auf periodischen Ausgleich der kalten Progression.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 16** **Befristung der Kompetenz:** Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) kritisieren die Befristung als verfassungstheoretisch unsachgerecht. Die Gegenposition betont den föderalistischen Kompromisscharakter der Regelung.\n\n**N. 17** **Auslegung der Höchstsätze:** Der Streit zwischen Durchschnittssteuersatz (Locher, Vallender/Looser) und Grenzsteuersatz (BV 1874-Höhn/Vallender) bleibt mangels praktischer Relevanz unentschieden.\n\n**N. 18** **Zuständigkeit für Rulings:** Die Praxis hat entschieden, dass trotz Bundessteuerhoheit die kantonalen Behörden für Rulings zuständig sind (**BGE 141 I 161**). Die ESTV hat keine originäre Ruling-Kompetenz, was in der Lehre teilweise kritisiert wird.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Bei interkantonalen Zuständigkeitskonflikten gilt die «Oder-Regel»: Nur ein Kanton ist zuständig (**BGE 151 II 101**). Doppelbesteuerungen sind durch interkantonale Verständigung zu vermeiden.\n\n**N. 20** Die Auslegung der ESTV-Kreisschreiben ist mit Vorsicht zu geniessen. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass Verwaltungsverordnungen der ESTV, die gegen Bundesrecht verstossen, unbeachtlich sind (**BGE 142 II 182**).\n\n**N. 21** Für die Beurteilung des steuerrechtlichen Wohnsitzes bei Wegzugsfällen ist der Zeitpunkt der Fälligkeit massgebend, nicht der Zeitpunkt der Auszahlung (**BGE 142 II 182**).\n\n**N. 22** Die kantonalen Veranlagungsbehörden können einen einheitlichen Entscheid für Kantons- und Bundessteuer erlassen (**BGE 135 II 260**). Dies vereinfacht das Rechtsmittelverfahren erheblich.", "caselaw_de": "# Art. 128 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kantonaler Vollzug und Steuerhoheit\n\n**BGE 151 II 101** vom 7. August 2024: Rückabwicklung bei unzuständiger Kantonsveranlagung. Das Bundesgericht hält fest, dass die Kantone ein «Pflichtrecht» zur Veranlagung und zum Bezug der direkten Bundessteuer haben. Wenn ein Kanton die direkte Bundessteuer beansprucht, ohne hierzu berechtigt zu sein, ist seine Verfügung nichtig. Der unzuständige Kanton muss den Bundesanteil an die Eidgenossenschaft abliefern und den Kantonsanteil an den berechtigten Kanton weiterleiten.\n\n> «Die Kantone trifft das ‹Pflichtrecht›, die direkte Bundessteuer zu veranlagen und zu beziehen. Es gilt die ‹Oder›-Regel: Zugehörigkeit besteht nur zu einem Kanton. Im ‹externen› Verhältnis gilt dieser Kanton auch hinsichtlich des Bundesanteils an der direkten Bundessteuer als Steuergläubiger.»\n\n**BGE 142 II 182** vom 24. Mai 2016: Örtliche Zuständigkeit bei Kantonswechsel nach Fälligkeit von Vorsorgekapital. Entscheidend für die Interpretation von Art. 128 Abs. 4 BV ist das Legalitätsprinzip im Abgaberecht und der Vollzugsföderalismus. Die ESTV kann nicht durch Verwaltungsverordnungen gegen das Bundesrecht verstossen.\n\n> «Vollzugsföderalismus im Bereich der direkten Bundessteuer: Den örtlich zuständigen Kanton trifft das ‹Pflichtrecht› zu Bezug und Veranlagung der direkten Bundessteuer. Die Verwaltungsverordnung der ESTV, wonach in Wegzugsfällen der Wohnsitzkanton zuständig sein soll, verstösst gegen das Bundesrecht und bleibt daher unbeachtlich.»\n\n**BGE 141 I 161** vom 24. August 2015: Zuständigkeit für Rulings bei direkter Bundessteuer. Obwohl der Bund die direkte Bundessteuer erhebt (Art. 128 Abs. 1 BV), sind grundsätzlich die kantonalen Veranlagungsbehörden für die Erteilung von Rulings zuständig, nicht die ESTV.\n\n> «Der Bund erhebt die direkte Bundessteuer. Die Steuer wird unter Aufsicht des Bundes von den Kantonen veranlagt und eingezogen; ihnen fallen mindestens 17 % des Rohertrags zu, während sie die restlichen 83 % an den Bund abliefern. Obwohl der Steueranspruch überwiegend dem Bund zusteht, ist somit Steuergläubiger der zuständige Kanton.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 135 II 260** vom 5. März 2009: Zulässigkeit einheitlicher Entscheide für Kantons- und Bundessteuer. Die Befugnisse des Bundesgerichts stimmen bei der direkten Bundessteuer mit denen überein, die es bei Kantons- und Gemeindesteuern hat. Daher können kantonale Instanzen einen einzigen Entscheid für beide Steuern fällen.\n\n> «Die Befugnisse des Bundesgerichts stimmen auf dem Gebiet der direkten Bundessteuer mit denen überein, die es in Bezug auf die in Art. 73 Abs. 1 StHG aufgeführten Bereiche der Kantons- und Gemeindesteuern hat. Insoweit erübrigt sich, das Einreichen von zwei getrennten Beschwerden zu verlangen.»\n\n### Steuerhoheitskonflikte zwischen Kantonen\n\n**Urteil 2C_946/2019** vom 14. Mai 2020: Korrektur rechtskräftiger Verfügungen bei Zuständigkeitsmängeln. Wenn ein Kanton fälschlicherweise seine Zuständigkeit bejaht und später die Unzuständigkeit festgestellt wird, kann ausnahmsweise eine Korrektur zuungunsten der steuerpflichtigen Person erfolgen, wenn die ursprüngliche Verfügung auf einem offensichtlichen Versehen beruht.\n\n**Urteil 2C_76/2015** vom 24. Mai 2016: Verjährungsunterbrechung durch interkantonale Meldungen. Bei Kapitalleistungen aus der Vorsorge sind die Kantone verpflichtet, sich gegenseitig über relevante Sachverhalte zu informieren, was den Verjährungslauf unterbrechen kann.\n\n### Neuere Entwicklungen zur Steuerhoheit\n\n**Verwaltungsgericht Zürich SB.2024.00013** vom 8. Mai 2024: Tatsächliche Verwaltung bei juristischen Personen. Bei der Bestimmung der Steuerhoheit kommt es auf eine Gesamtbetrachtung aller Indizien an. Die Beweislast für die Steuerhoheit liegt bei der beanspruchenden Steuerverwaltung.\n\n**Verwaltungsgericht Zürich SB.2024.00066** vom 6. November 2024: Nachweis des Wiederzuzugs nach ausserkantonalem Wohnsitz. Die zur Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes zugrunde liegenden Tatsachen sind steuerbegründend und daher von den Steuerbehörden nachzuweisen.\n\n### Verfassungsrechtliche Grenzen\n\nDie höchstrichterliche Rechtsprechung zu den in Art. 128 Abs. 1 BV festgelegten Höchstsätzen (11,5% für natürliche Personen, 8,5% für juristische Personen) ist spärlich, da diese Grenzen in der Praxis nicht erreicht werden. Das Bundesgericht hat sich jedoch wiederholt zur Auslegung des Verfassungsauftrags bezüglich der kalten Progression (Art. 128 Abs. 3 BV) geäussert.\n\nZur kalten Progression fehlt eine umfassende bundesgerichtliche Rechtsprechung, da die Umsetzung des Verfassungsauftrags primär in den Zuständigkeitsbereich der Legislative fällt. Die parlamentarischen Materialien zeigen jedoch, dass der Ausgleich der kalten Progression seit 1973 nur unregelmässig und teilweise erfolgte.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'article 128 Cst. règle l'impôt fédéral direct et constitue une des sources de financement les plus importantes de la Confédération. La Confédération peut prélever au maximum 11,5 pour cent d'impôt sur le revenu des personnes physiques. Pour les personnes morales (entreprises), le taux maximum s'élève à 8,5 pour cent sur le bénéfice net. Ces taux sont inscrits dans la Constitution, ce qui est inhabituel.\n\nLa compétence est limitée jusqu'en 2035 (art. 196 ch. 13 Cst.). Cette limitation est critiquée par Vallender/Cavelti comme étant problématique du point de vue de la théorie constitutionnelle, car les tâches fédérales illimitées dans le temps nécessitent un financement assuré.\n\nUn point de controverse important concerne l'interprétation du taux de 11,5 pour cent. La doctrine dominante (Locher, Vallender/Looser) l'entend comme un taux d'imposition moyen. Une opinion minoritaire y voit le taux marginal d'imposition (taux d'imposition maximal pour les revenus élevés).\n\nLa Confédération doit tenir compte de la charge fiscale cantonale et communale dans la fixation de ses taux d'imposition. La progression à froid (impôts plus élevés malgré un pouvoir d'achat égal en raison de l'inflation) doit être compensée périodiquement.\n\nBien qu'il s'agisse d'un impôt fédéral, les cantons procèdent à la taxation et à la perception de l'impôt. Ils reçoivent au moins 17 pour cent du produit de l'impôt. Le reste revient à la Confédération.\n\n**Exemple :** Une entreprise ayant son siège à Bâle-Ville paie à la fois l'impôt fédéral direct et l'impôt bâlois sur les entreprises. L'administration fiscale bâloise calcule les deux impôts ensemble. De l'impôt fédéral, Bâle conserve 17 pour cent et verse 83 pour cent à Berne.\n\nLa délimitation des compétences entre les cantons est importante en pratique. Les taxations erronées par le mauvais canton sont nulles. Le Tribunal fédéral a décidé qu'un seul canton est compétent (règle du « ou »).", "doctrine_fr": "# Art. 128 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'impôt fédéral direct est un instrument de financement de la Confédération historiquement controversé. La limitation dans le temps de cette compétence, ancrée à l'art. 196 ch. 13 Cst., reflète le compromis fédéraliste entre les besoins de financement de la Confédération et la souveraineté fiscale des cantons. Depuis 1915, la compétence de la Confédération de percevoir des impôts directs a été prolongée de manière répétée et limitée dans le temps. La nouvelle Constitution fédérale de 1999 a repris la réglementation du régime financier (FF 1997 I 544).\n\n**N. 2** La limitation jusqu'en 2035 (art. 196 ch. 13 Cst.) est jugée de manière critique dans la doctrine. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) considèrent la limitation comme inappropriée d'un point de vue de théorie constitutionnelle, car la reprise illimitée de tâches par la Confédération présuppose impérativement un financement illimité garanti.\n\n**N. 3** L'introduction de la compensation de la progression à froid à l'al. 3 a eu lieu avec la votation populaire du 20 mai 1991. Auparavant, la progression à froid n'était compensée que de manière irrégulière et partielle depuis 1973 (FF 1990 I 1265).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 128 Cst. fait partie du régime financier de la Confédération (art. 126–135 Cst.). La norme est étroitement liée à → l'art. 127 Cst. (principes de l'imposition), → l'art. 129 Cst. (harmonisation fiscale) et → l'art. 196 ch. 13 Cst. (limitation dans le temps). L'interaction de ces normes définit l'ordre fiscal fédéral de la Suisse.\n\n**N. 5** Le fédéralisme d'exécution (al. 4) est caractéristique du régime financier suisse. Les cantons établissent et perçoivent l'impôt fédéral direct, bien que la créance fiscale matérielle revienne principalement à la Confédération (**ATF 141 I 161** consid. 4.2.1). Cette réglementation relie systématiquement l'impôt fédéral au droit fiscal cantonal.\n\n**N. 6** L'ancrage des taux maximaux dans la Constitution (al. 1) est inhabituel. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 10) soulignent que ces prescriptions matérielles ont parfaitement une pertinence constitutionnelle et sont donc dignes de figurer dans la Constitution.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 7** **Compétence fiscale (al. 1) :** La Confédération «peut» percevoir un impôt direct — cette formulation du «peut» est trompeuse, car l'impôt fédéral direct constitue factuellement une source de financement centrale de la Confédération. La compétence comprend :\n- L'impôt sur le revenu des personnes physiques (let. a)\n- L'impôt sur le bénéfice des personnes morales (let. b)\n\n**N. 8** **Taux maximaux :** La Constitution fixe des limites supérieures absolues :\n- 11,5% sur le revenu des personnes physiques\n- 8,5% sur le bénéfice net des personnes morales\n\n**N. 9** L'interprétation du taux maximal de 11,5% est controversée. Selon la doctrine dominante (Locher, BSK BV, Art. 128 N. 14 ; Vallender/Looser, BSK BV, Art. 128 N. 14), celui-ci doit être compris comme un taux d'impôt moyen. Une opinion minoritaire (BV 1874-Höhn/Vallender) l'interprète comme un taux marginal d'imposition.\n\n**N. 10** **Obligation de prise en considération (al. 2) :** La Confédération doit tenir compte de la charge fiscale des cantons et des communes lors de l'aménagement des tarifs. Cette obligation concrétise le principe de la capacité économique (→ art. 127 al. 2 Cst.).\n\n**N. 11** **Progression à froid (al. 3) :** Le mandat constitutionnel exige une compensation «périodique». La LIFD prévoit aux art. 39 et 128 al. 3 un mécanisme de compensation qui entre en jeu en cas de renchérissement de 7%.\n\n**N. 12** **Fédéralisme d'exécution (al. 4) :** Les cantons sont obligés («L'impôt est...») d'établir et de percevoir l'impôt fédéral direct. Ceci fonde un «droit-obligation» des cantons (**ATF 151 II 101** consid. 3.3.3).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 13** **Pour la Confédération :** La compétence de légiférer sur l'impôt fédéral direct (LIFD). La Confédération reçoit au moins 83% du produit brut (avec une part cantonale de 17%).\n\n**N. 14** **Pour les cantons :** Obligation d'établissement et de perception avec droit à au moins 17% du produit brut. En cas d'établissement incompétent, les décisions sont nulles ; la part cantonale doit être transmise au canton compétent (**ATF 151 II 101**).\n\n**N. 15** **Pour les contribuables :** Droit à une imposition conforme à la Constitution dans les limites des taux maximaux et à une compensation périodique de la progression à froid.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 16** **Limitation de la compétence dans le temps :** Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) critiquent la limitation comme inappropriée du point de vue de la théorie constitutionnelle. La position contraire souligne le caractère de compromis fédéraliste de la réglementation.\n\n**N. 17** **Interprétation des taux maximaux :** Le différend entre taux d'impôt moyen (Locher, Vallender/Looser) et taux marginal d'imposition (BV 1874-Höhn/Vallender) reste indécis faute de pertinence pratique.\n\n**N. 18** **Compétence pour les rulings :** La pratique a décidé que malgré la souveraineté fiscale fédérale, les autorités cantonales sont compétentes pour les rulings (**ATF 141 I 161**). L'AFC n'a pas de compétence originaire en matière de ruling, ce qui est partiellement critiqué dans la doctrine.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 19** En cas de conflits de compétence intercantonaux s'applique la «règle du ou» : un seul canton est compétent (**ATF 151 II 101**). Les doubles impositions doivent être évitées par une entente intercantonale.\n\n**N. 20** L'interprétation des circulaires de l'AFC doit être abordée avec prudence. Le Tribunal fédéral a répétitivement établi que les ordonnances administratives de l'AFC qui violent le droit fédéral sont sans effet (**ATF 142 II 182**).\n\n**N. 21** Pour l'appréciation du domicile fiscal en cas de départ, le moment de l'exigibilité est déterminant, non le moment du versement (**ATF 142 II 182**).\n\n**N. 22** Les autorités cantonales d'établissement peuvent rendre une décision unique pour l'impôt cantonal et fédéral (**ATF 135 II 260**). Ceci simplifie considérablement la procédure de recours.", "caselaw_fr": "# Art. 128 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Exécution cantonale et souveraineté fiscale\n\n**ATF 151 II 101** du 7 août 2024 : Remboursement en cas de taxation cantonale incompétente. Le Tribunal fédéral établit que les cantons ont un « droit-obligation » de taxer et de percevoir l'impôt fédéral direct. Lorsqu'un canton réclame l'impôt fédéral direct sans y être autorisé, sa décision est nulle. Le canton incompétent doit livrer la part fédérale à la Confédération et transmettre la part cantonale au canton compétent.\n\n> « Les cantons ont le ‹droit-obligation› de taxer et de percevoir l'impôt fédéral direct. La règle ‹ou› s'applique : l'appartenance n'existe qu'à un seul canton. Dans les relations ‹externes›, ce canton est également considéré comme créancier fiscal pour la part fédérale de l'impôt fédéral direct. »\n\n**ATF 142 II 182** du 24 mai 2016 : Compétence territoriale en cas de changement de canton après l'échéance de capitaux de prévoyance. L'élément déterminant pour l'interprétation de l'art. 128, al. 4, Cst. est le principe de légalité en droit fiscal et le fédéralisme d'exécution. L'AFC ne peut pas violer le droit fédéral par des ordonnances administratives.\n\n> « Fédéralisme d'exécution dans le domaine de l'impôt fédéral direct : Le canton territorialement compétent a le ‹droit-obligation› de percevoir et de taxer l'impôt fédéral direct. L'ordonnance administrative de l'AFC selon laquelle le canton de domicile devrait être compétent en cas de déménagement viole le droit fédéral et reste donc sans effet. »\n\n**ATF 141 I 161** du 24 août 2015 : Compétence pour les rulings en matière d'impôt fédéral direct. Bien que la Confédération perçoive l'impôt fédéral direct (art. 128, al. 1, Cst.), ce sont en principe les autorités cantonales de taxation qui sont compétentes pour octroyer des rulings, et non l'AFC.\n\n> « La Confédération perçoit l'impôt fédéral direct. L'impôt est taxé et perçu par les cantons sous la surveillance de la Confédération ; il leur revient au moins 17 % du produit brut, tandis qu'ils livrent les 83 % restants à la Confédération. Bien que la créance fiscale revienne principalement à la Confédération, le créancier fiscal est donc le canton compétent. »\n\n### Aspects de droit procédural\n\n**ATF 135 II 260** du 5 mars 2009 : Admissibilité de décisions unifiées pour l'impôt cantonal et fédéral. Les compétences du Tribunal fédéral en matière d'impôt fédéral direct correspondent à celles qu'il a pour les impôts cantonaux et communaux. Par conséquent, les instances cantonales peuvent rendre une seule décision pour les deux impôts.\n\n> « Les compétences du Tribunal fédéral dans le domaine de l'impôt fédéral direct correspondent à celles qu'il a concernant les domaines des impôts cantonaux et communaux énumérés à l'art. 73, al. 1, LHID. Dans cette mesure, il n'est pas nécessaire d'exiger le dépôt de deux recours séparés. »\n\n### Conflits de souveraineté fiscale entre cantons\n\n**Arrêt 2C_946/2019** du 14 mai 2020 : Correction de décisions entrées en force en cas de vices de compétence. Lorsqu'un canton affirme à tort sa compétence et que l'incompétence est constatée ultérieurement, une correction au détriment de la personne assujettie peut exceptionnellement avoir lieu si la décision originale repose sur une erreur manifeste.\n\n**Arrêt 2C_76/2015** du 24 mai 2016 : Interruption de la prescription par des annonces intercantonales. En cas de prestations en capital de la prévoyance, les cantons sont tenus de s'informer mutuellement sur les faits pertinents, ce qui peut interrompre le cours de la prescription.\n\n### Développements récents sur la souveraineté fiscale\n\n**Tribunal administratif de Zurich SB.2024.00013** du 8 mai 2024 : Administration effective des personnes morales. Pour déterminer la souveraineté fiscale, il faut procéder à une appréciation globale de tous les indices. La charge de la preuve de la souveraineté fiscale incombe à l'administration fiscale qui la revendique.\n\n**Tribunal administratif de Zurich SB.2024.00066** du 6 novembre 2024 : Preuve du retour après un domicile extracantonal. Les faits servant de base à la détermination du domicile fiscal constituent le fondement de l'imposition et doivent donc être prouvés par les autorités fiscales.\n\n### Limites constitutionnelles\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral concernant les taux maximaux fixés à l'art. 128, al. 1, Cst. (11,5 % pour les personnes physiques, 8,5 % pour les personnes morales) est rare, ces limites n'étant pas atteintes dans la pratique. Le Tribunal fédéral s'est toutefois prononcé à plusieurs reprises sur l'interprétation du mandat constitutionnel concernant la progression à froid (art. 128, al. 3, Cst.).\n\nConcernant la progression à froid, il manque une jurisprudence fédérale complète, la mise en œuvre du mandat constitutionnel relevant principalement de la compétence du législateur. Les matériaux parlementaires montrent cependant que la compensation de la progression à froid n'a été effectuée que de manière irrégulière et partielle depuis 1973.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 128 Cost. disciplina l'imposta federale diretta ed è una delle fonti di finanziamento più importanti della Confederazione. La Confederazione può riscuotere al massimo l'11,5 per cento di imposta sul reddito delle persone fisiche. Per le persone giuridiche (imprese) l'aliquota massima è dell'8,5 per cento sull'utile netto. Queste aliquote sono fissate nella Costituzione, il che è insolito.\n\nLa competenza è limitata fino al 2035 (art. 196 n. 13 Cost.). Questa limitazione temporale è criticata da Vallender/Cavelti come problematica dal punto di vista della teoria costituzionale, poiché i compiti federali illimitati necessitano di un finanziamento sicuro.\n\nUn importante punto controverso riguarda l'interpretazione dell'aliquota dell'11,5 per cento. La dottrina dominante (Locher, Vallender/Looser) la intende come aliquota media d'imposta. Un'opinione minoritaria vi vede l'aliquota marginale d'imposta (aliquota massima d'imposta per i redditi elevati).\n\nLa Confederazione deve tener conto del carico fiscale cantonale e comunale nel fissare le sue aliquote d'imposta. La progressione a freddo (imposte più elevate nonostante lo stesso potere d'acquisto a causa dell'inflazione) deve essere compensata periodicamente.\n\nBenché si tratti di un'imposta federale, sono i Cantoni a tassare e riscuotere l'imposta. Essi ricevono almeno il 17 per cento del gettito fiscale. Il resto spetta alla Confederazione.\n\n**Esempio:** Un'impresa con sede a Basilea Città paga sia l'imposta federale diretta sia l'imposta basilese sulle imprese. L'amministrazione fiscale basilese calcola entrambe le imposte insieme. Dell'imposta federale Basilea trattiene il 17 per cento e versa l'83 per cento a Berna.\n\nDal punto di vista pratico è importante la delimitazione delle competenze tra i Cantoni. Le tassazioni erronee da parte del Cantone sbagliato sono nulle. Il Tribunale federale ha stabilito che è competente solo un Cantone (regola dell'«o»).", "doctrine_it": "# Art. 128 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'imposta federale diretta è uno strumento di finanziamento della Confederazione storicamente controverso. La limitazione nel tempo della competenza, sancita nell'art. 196 n. 13 Cost., riflette il compromesso federalista tra i bisogni di finanziamento della Confederazione e la sovranità fiscale dei Cantoni. Dal 1915 la competenza della Confederazione di riscuotere imposte dirette è stata ripetutamente prorogata a tempo determinato. La nuova Costituzione federale del 1999 ha ripreso la disciplina dall'ordinamento finanziario (FF 1997 I 544).\n\n**N. 2** La limitazione nel tempo fino al 2035 (art. 196 n. 13 Cost.) è giudicata criticamente nella dottrina. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) ritengono che la limitazione nel tempo non sia appropriata dal punto di vista della teoria costituzionale, poiché l'assunzione a tempo indeterminato di compiti da parte della Confederazione presuppone imperativamente un finanziamento sicuro a tempo indeterminato.\n\n**N. 3** L'introduzione della compensazione della progressione a freddo nel cpv. 3 è avvenuta con la votazione popolare del 20 maggio 1991. In precedenza la progressione a freddo era stata compensata dal 1973 solo in modo irregolare e parziale (FF 1990 I 1265).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 128 Cost. fa parte dell'ordinamento finanziario della Confederazione (art. 126–135 Cost.). La norma è in stretta correlazione con → art. 127 Cost. (principi della tassazione), → art. 129 Cost. (armonizzazione fiscale) e → art. 196 n. 13 Cost. (limitazione nel tempo). L'interazione di queste norme definisce l'ordinamento fiscale federale della Svizzera.\n\n**N. 5** Il federalismo di esecuzione (cpv. 4) è caratteristico dell'ordinamento finanziario svizzero. I Cantoni tassano e riscuotono l'imposta federale diretta, benché il diritto materiale all'imposta spetti prevalentemente alla Confederazione (**DTF 141 I 161** consid. 4.2.1). Questa disciplina collega sistematicamente l'imposta federale con il diritto fiscale cantonale.\n\n**N. 6** L'ancoraggio delle aliquote massime nella Costituzione (cpv. 1) è inusuale. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 10) sottolineano che a queste prescrizioni materiali spetta effettivamente una rilevanza di diritto costituzionale e che sono quindi degne della Costituzione.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Competenza fiscale (cpv. 1):** La Confederazione «può» riscuotere un'imposta diretta — questa formulazione può ingannare, poiché l'imposta federale diretta rappresenta di fatto una fonte di finanziamento centrale della Confederazione. La competenza comprende:\n- Imposta sul reddito delle persone fisiche (lett. a)\n- Imposta sull'utile delle persone giuridiche (lett. b)\n\n**N. 8** **Aliquote massime:** La Costituzione fissa limiti massimi assoluti:\n- 11,5% sul reddito delle persone fisiche\n- 8,5% sull'utile netto delle persone giuridiche\n\n**N. 9** L'interpretazione dell'aliquota massima dell'11,5% è controversa. Secondo la dottrina dominante (Locher, BSK BV, Art. 128 N. 14; Vallender/Looser, BSK BV, Art. 128 N. 14) questa deve essere intesa come aliquota fiscale media. Un'opinione minoritaria (BV 1874-Höhn/Vallender) la interpreta come aliquota fiscale marginale.\n\n**N. 10** **Obbligo di considerazione (cpv. 2):** La Confederazione deve tener conto, nella configurazione della tariffa, dell'onere fiscale di Cantoni e Comuni. Questo obbligo concretizza il principio della sostenibilità economica (→ art. 127 cpv. 2 Cost.).\n\n**N. 11** **Progressione a freddo (cpv. 3):** Il mandato costituzionale esige una compensazione «periodica». La LIFD prevede negli art. 39 e 128 cpv. 3 un meccanismo di compensazione che scatta con un rincaro del 7%.\n\n**N. 12** **Federalismo di esecuzione (cpv. 4):** I Cantoni sono obbligati («L'imposta è...») a tassare e riscuotere l'imposta federale diretta. Ciò fonda un «diritto-dovere» dei Cantoni (**DTF 151 II 101** consid. 3.3.3).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** **Per la Confederazione:** La competenza di legiferare sull'imposta federale diretta (LIFD). La Confederazione ottiene almeno l'83% del ricavo lordo (con una quota cantonale del 17%).\n\n**N. 14** **Per i Cantoni:** Obbligo di tassazione e riscossione con diritto ad almeno il 17% del ricavo lordo. In caso di tassazione da parte di autorità incompetenti, le decisioni sono nulle; la quota cantonale deve essere inoltrata al Cantone competente (**DTF 151 II 101**).\n\n**N. 15** **Per i contribuenti:** Diritto a una tassazione conforme alla Costituzione entro le aliquote massime e a una compensazione periodica della progressione a freddo.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 16** **Limitazione nel tempo della competenza:** Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) criticano la limitazione nel tempo come inappropriata dal punto di vista della teoria costituzionale. La posizione contraria sottolinea il carattere di compromesso federalista della disciplina.\n\n**N. 17** **Interpretazione delle aliquote massime:** La controversia tra aliquota fiscale media (Locher, Vallender/Looser) e aliquota fiscale marginale (BV 1874-Höhn/Vallender) rimane indecisa a causa della mancanza di rilevanza pratica.\n\n**N. 18** **Competenza per i ruling:** La prassi ha stabilito che, nonostante la sovranità fiscale federale, le autorità cantonali sono competenti per i ruling (**DTF 141 I 161**). L'AFC non ha alcuna competenza originaria per i ruling, il che è in parte criticato nella dottrina.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** In caso di conflitti di competenza intercantonali vale la «regola dell'uno o dell'altro»: solo un Cantone è competente (**DTF 151 II 101**). Le doppie imposizioni devono essere evitate mediante intesa intercantonale.\n\n**N. 20** L'interpretazione delle circolari dell'AFC va considerata con cautela. Il Tribunale federale ha ripetutamente stabilito che le ordinanze amministrative dell'AFC che violano il diritto federale sono irrilevanti (**DTF 142 II 182**).\n\n**N. 21** Per la valutazione del domicilio fiscale in caso di trasferimento, è determinante il momento della scadenza, non il momento del versamento (**DTF 142 II 182**).\n\n**N. 22** Le autorità cantonali di tassazione possono emanare una decisione unitaria per l'imposta cantonale e federale (**DTF 135 II 260**). Ciò semplifica considerevolmente la procedura di ricorso.", "caselaw_it": "# Art. 128 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Esecuzione cantonale e sovranità fiscale\n\n**DTF 151 II 101** del 7 agosto 2024: Ricostituzione in caso di tassazione cantonale incompetente. Il Tribunale federale stabilisce che i Cantoni hanno un «diritto-obbligo» di accertare e riscuotere l'imposta federale diretta. Se un Cantone rivendica l'imposta federale diretta senza esservi autorizzato, la sua decisione è nulla. Il Cantone incompetente deve versare la quota federale alla Confederazione e trasferire la quota cantonale al Cantone competente.\n\n> «I Cantoni hanno il ‹diritto-obbligo› di accertare e riscuotere l'imposta federale diretta. Vale la ‹regola dell'o›: l'appartenenza sussiste solo a un Cantone. Nel rapporto ‹esterno› questo Cantone vale anche come creditore fiscale per quanto riguarda la quota federale dell'imposta federale diretta.»\n\n**DTF 142 II 182** del 24 maggio 2016: Competenza territoriale in caso di cambio di Cantone dopo la scadenza del capitale di previdenza. Per l'interpretazione dell'art. 128 cpv. 4 Cost. sono determinanti il principio di legalità nel diritto tributario e il federalismo d'esecuzione. L'AFC non può contravvenire al diritto federale mediante ordinanze amministrative.\n\n> «Federalismo d'esecuzione nell'ambito dell'imposta federale diretta: Il Cantone territorialmente competente ha il ‹diritto-obbligo› di riscuotere e accertare l'imposta federale diretta. L'ordinanza amministrativa dell'AFC, secondo la quale nei casi di trasferimento dovrebbe essere competente il Cantone di domicilio, viola il diritto federale e rimane quindi inosservata.»\n\n**DTF 141 I 161** del 24 agosto 2015: Competenza per i ruling nell'imposta federale diretta. Benché la Confederazione riscuota l'imposta federale diretta (art. 128 cpv. 1 Cost.), sono in principio le autorità cantonali di accertamento ad essere competenti per il rilascio di ruling, non l'AFC.\n\n> «La Confederazione riscuote l'imposta federale diretta. L'imposta è accertata e riscossa dai Cantoni sotto la vigilanza della Confederazione; ad essi spetta almeno il 17 % del gettito lordo, mentre versano il restante 83 % alla Confederazione. Benché il credito fiscale spetti prevalentemente alla Confederazione, creditore fiscale è quindi il Cantone competente.»\n\n### Aspetti procedurali\n\n**DTF 135 II 260** del 5 marzo 2009: Ammissibilità di decisioni unitarie per l'imposta cantonale e federale. Le competenze del Tribunale federale nell'imposta federale diretta coincidono con quelle che ha per le imposte cantonali e comunali. Pertanto le istanze cantonali possono emanare un'unica decisione per entrambe le imposte.\n\n> «Le competenze del Tribunale federale nel campo dell'imposta federale diretta coincidono con quelle che ha riguardo agli ambiti delle imposte cantonali e comunali elencati nell'art. 73 cpv. 1 LAID. In tal misura si rende superfluo esigere la presentazione di due ricorsi separati.»\n\n### Conflitti di sovranità fiscale tra Cantoni\n\n**Sentenza 2C_946/2019** del 14 maggio 2020: Correzione di decisioni passate in giudicato in caso di vizi di competenza. Quando un Cantone afferma erroneamente la propria competenza e successivamente viene accertata l'incompetenza, può eccezionalmente avvenire una correzione a sfavore della persona soggetta a imposta, se la decisione originaria si basava su una svista evidente.\n\n**Sentenza 2C_76/2015** del 24 maggio 2016: Interruzione della prescrizione mediante comunicazioni intercantonali. Per le prestazioni in capitale della previdenza i Cantoni sono tenuti a informarsi reciprocamente su fattispecie rilevanti, il che può interrompere il decorso della prescrizione.\n\n### Sviluppi recenti sulla sovranità fiscale\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo SB.2024.00013** dell'8 maggio 2024: Amministrazione effettiva nelle persone giuridiche. Per la determinazione della sovranità fiscale occorre una valutazione complessiva di tutti gli indizi. L'onere della prova per la sovranità fiscale incombe all'amministrazione fiscale che la rivendica.\n\n**Tribunale amministrativo di Zurigo SB.2024.00066** del 6 novembre 2024: Prova del ritrasferimento dopo domicilio extracantonale. I fatti su cui si basa la determinazione del domicilio fiscale sono costitutivi dell'imposta e devono quindi essere provati dalle autorità fiscali.\n\n### Limiti costituzionali\n\nLa giurisprudenza delle istanze supreme sui tassi massimi stabiliti nell'art. 128 cpv. 1 Cost. (11,5% per le persone fisiche, 8,5% per le persone giuridiche) è scarsa, poiché questi limiti nella pratica non vengono raggiunti. Il Tribunale federale si è tuttavia espresso ripetutamente sull'interpretazione del mandato costituzionale riguardo alla progressione a freddo (art. 128 cpv. 3 Cost.).\n\nSulla progressione a freddo manca una giurisprudenza federale esaustiva, poiché l'attuazione del mandato costituzionale rientra primariamente nella sfera di competenza del legislativo. I materiali parlamentari mostrano tuttavia che la compensazione della progressione a freddo dal 1973 è avvenuta solo irregolarmente e parzialmente.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 128 FC regulates direct federal tax and is one of the federal government's most important sources of financing. The federal government may levy at most 11.5 percent tax on the income of natural persons. For legal persons (companies), the maximum rate is 8.5 percent on net profit. These rates are enshrined in the Constitution, which is unusual.\n\nThe authority is limited until 2035 (Art. 196 No. 13 FC). This limitation is criticised by Vallender/Cavelti as constitutionally problematic, since unlimited federal tasks require secure financing.\n\nAn important point of contention concerns the interpretation of the 11.5 percent rate. The prevailing doctrine (Locher, Vallender/Looser) understands it as an average tax rate. A minority opinion sees it as the marginal tax rate (maximum tax rate for high incomes).\n\nThe federal government must take cantonal and municipal tax burden into account when setting its tax rates. Bracket creep (higher taxes despite the same purchasing power due to inflation) must be periodically compensated.\n\nAlthough it is a federal tax, the cantons assess and collect the tax. They receive at least 17 percent of tax revenue. The federal government receives the remainder.\n\n**Example:** A company with its registered office in Basel-Stadt pays both direct federal tax and Basel corporate tax. The Basel tax administration calculates both taxes together. Basel retains 17 percent of the federal tax and transfers 83 percent to Bern.\n\nOf practical importance is the delimitation of jurisdiction between the cantons. Erroneous assessments by the wrong canton are void. The Federal Court has decided that only one canton has jurisdiction (or-rule).", "doctrine_en": "# Art. 128 Federal Constitution\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Direct federal taxation is a historically controversial financing instrument of the Confederation. The time limitation of the competence, anchored in Art. 196 No. 13 Federal Constitution, reflects the federalist compromise between the financing needs of the Confederation and the fiscal sovereignty of the cantons. Since 1915, the federal competence to levy direct taxes has been repeatedly extended for limited periods. The new Federal Constitution of 1999 adopted the provision from the financial order (BBl 1997 I 544).\n\n**N. 2** The time limitation until 2035 (Art. 196 No. 13 Federal Constitution) is critically assessed in legal doctrine. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) consider the time limitation inappropriate from a constitutional theory perspective, since the unlimited assumption of tasks by the Confederation necessarily presupposes secured unlimited financing.\n\n**N. 3** The introduction of cold progression compensation in para. 3 occurred with the referendum of 20 May 1991. Previously, cold progression had been compensated only irregularly and partially since 1973 (BBl 1990 I 1265).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 128 Federal Constitution is part of the Confederation's financial order (Art. 126–135 Federal Constitution). The provision is closely connected with → Art. 127 Federal Constitution (principles of taxation), → Art. 129 Federal Constitution (tax harmonisation) and → Art. 196 No. 13 Federal Constitution (time limitation). The interplay of these provisions defines Switzerland's federal tax order.\n\n**N. 5** Executive federalism (para. 4) is characteristic of the Swiss financial order. The cantons assess and collect direct federal tax, although the material tax claim belongs predominantly to the Confederation (**BGE 141 I 161** consid. 4.2.1). This provision systematically links federal tax with cantonal tax law.\n\n**N. 6** The anchoring of maximum rates in the Constitution (para. 1) is unusual. Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 10) emphasise that these material requirements certainly have constitutional relevance and are thus worthy of constitutional status.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Tax competence (para. 1):** The Confederation «may» levy a direct tax — this \"may\" formulation is deceptive, since direct federal tax is in fact a central source of financing for the Confederation. The competence encompasses:\n- Income tax on natural persons (lit. a)\n- Profit tax on legal entities (lit. b)\n\n**N. 8** **Maximum rates:** The Constitution sets absolute upper limits:\n- 11.5% on the income of natural persons\n- 8.5% on the net profit of legal entities\n\n**N. 9** The interpretation of the maximum rate of 11.5% is disputed. According to the prevailing doctrine (Locher, BSK BV, Art. 128 N. 14; Vallender/Looser, BSK BV, Art. 128 N. 14), this is to be understood as an average tax rate. A minority opinion (BV 1874-Höhn/Vallender) interprets it as a marginal tax rate.\n\n**N. 10** **Duty to take account (para. 2):** The Confederation must take account of the tax burden imposed by cantons and municipalities when designing tariffs. This duty concretises the principle of economic capacity (→ Art. 127 para. 2 Federal Constitution).\n\n**N. 11** **Cold progression (para. 3):** The constitutional mandate requires \"periodic\" compensation. The FITL provides for a compensation mechanism in Art. 39 and Art. 128 para. 3 that takes effect when inflation reaches 7%.\n\n**N. 12** **Executive federalism (para. 4):** The cantons are obliged («The tax is...») to assess and collect direct federal tax. This establishes a \"mandatory right\" of the cantons (**BGE 151 II 101** consid. 3.3.3).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** **For the Confederation:** The competence to legislate on direct federal tax (FITL). The Confederation receives at least 83% of the gross yield (with a cantonal share of 17%).\n\n**N. 14** **For the cantons:** Assessment and collection obligation with entitlement to at least 17% of the gross yield. In case of improper assessment, the rulings are void; the cantonal share must be forwarded to the competent canton (**BGE 151 II 101**).\n\n**N. 15** **For taxpayers:** Entitlement to constitutionally compliant taxation within the maximum rates and to periodic compensation for cold progression.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 16** **Time limitation of competence:** Vallender/Cavelti (BSK BV, Art. 128 N. 6) criticise the time limitation as inappropriate from a constitutional theory perspective. The opposing position emphasises the federalist compromise character of the provision.\n\n**N. 17** **Interpretation of maximum rates:** The dispute between average tax rate (Locher, Vallender/Looser) and marginal tax rate (BV 1874-Höhn/Vallender) remains undecided due to lack of practical relevance.\n\n**N. 18** **Competence for rulings:** Practice has decided that despite federal tax sovereignty, cantonal authorities are competent for rulings (**BGE 141 I 161**). The FTA has no original ruling competence, which is partly criticised in legal doctrine.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 19** In cases of inter-cantonal competence conflicts, the \"either-or rule\" applies: only one canton is competent (**BGE 151 II 101**). Double taxation must be avoided through inter-cantonal agreement.\n\n**N. 20** The interpretation of FTA circulars should be approached with caution. The Federal Supreme Court has repeatedly held that administrative ordinances of the FTA that violate federal law are to be disregarded (**BGE 142 II 182**).\n\n**N. 21** For the assessment of tax domicile in cases of relocation, the time of maturity is decisive, not the time of payment (**BGE 142 II 182**).\n\n**N. 22** Cantonal assessment authorities may issue a unified decision for cantonal and federal tax (**BGE 135 II 260**). This considerably simplifies the legal remedy procedure.", "caselaw_en": "# Art. 128 BV\n\n## Case Law\n\n### Cantonal Implementation and Tax Sovereignty\n\n**BGE 151 II 101** of 7 August 2024: Reversal in cases of incompetent cantonal assessment. The Federal Supreme Court holds that the cantons have a \"mandatory right\" to assess and collect direct federal tax. If a canton claims direct federal tax without being entitled to do so, its decision is null and void. The incompetent canton must deliver the federal share to the Confederation and forward the cantonal share to the entitled canton.\n\n> «The cantons have the ‹mandatory right› to assess and collect direct federal tax. The ‹or› rule applies: affiliation exists only to one canton. In the ‹external› relationship, this canton also applies as tax creditor with regard to the federal share of direct federal tax.»\n\n**BGE 142 II 182** of 24 May 2016: Local jurisdiction in case of cantonal change after maturity of pension capital. Decisive for the interpretation of Art. 128 para. 4 BV is the principle of legality in tax law and implementation federalism. The FTA cannot violate federal law through administrative ordinances.\n\n> «Implementation federalism in the field of direct federal tax: The locally competent canton has the ‹mandatory right› to collect and assess direct federal tax. The FTA's administrative ordinance, according to which the canton of residence should be competent in cases of relocation, violates federal law and therefore remains irrelevant.»\n\n**BGE 141 I 161** of 24 August 2015: Competence for rulings on direct federal tax. Although the Confederation levies direct federal tax (Art. 128 para. 1 BV), the cantonal assessment authorities are generally competent for issuing rulings, not the FTA.\n\n> «The Confederation levies direct federal tax. The tax is assessed and collected by the cantons under federal supervision; at least 17% of the gross revenue falls to them, while they deliver the remaining 83% to the Confederation. Although the tax claim predominantly belongs to the Confederation, the competent canton is thus the tax creditor.»\n\n### Procedural Aspects\n\n**BGE 135 II 260** of 5 March 2009: Admissibility of uniform decisions for cantonal and federal tax. The powers of the Federal Supreme Court in direct federal tax correspond to those it has for cantonal and municipal taxes. Therefore, cantonal instances can make a single decision for both taxes.\n\n> «The powers of the Federal Supreme Court in the field of direct federal tax correspond to those it has with regard to the areas of cantonal and municipal taxes listed in Art. 73 para. 1 StHG. To this extent, there is no need to require the filing of two separate appeals.»\n\n### Tax Sovereignty Conflicts Between Cantons\n\n**Judgment 2C_946/2019** of 14 May 2020: Correction of legally binding decisions in case of jurisdictional defects. If a canton erroneously affirms its jurisdiction and incompetence is later established, an exception correction to the detriment of the taxable person can occur if the original decision was based on an obvious oversight.\n\n**Judgment 2C_76/2015** of 24 May 2016: Interruption of prescription through inter-cantonal notifications. For capital benefits from pension schemes, the cantons are obliged to inform each other about relevant facts, which can interrupt the course of prescription.\n\n### Recent Developments on Tax Sovereignty\n\n**Administrative Court Zurich SB.2024.00013** of 8 May 2024: Actual administration for legal entities. In determining tax sovereignty, an overall assessment of all indications is required. The burden of proof for tax sovereignty lies with the claiming tax administration.\n\n**Administrative Court Zurich SB.2024.00066** of 6 November 2024: Proof of return after extra-cantonal residence. The facts underlying the determination of tax residence are tax-establishing and must therefore be proven by the tax authorities.\n\n### Constitutional Limits\n\nThe supreme court case law on the maximum rates established in Art. 128 para. 1 BV (11.5% for natural persons, 8.5% for legal entities) is sparse, as these limits are not reached in practice. However, the Federal Supreme Court has repeatedly addressed the interpretation of the constitutional mandate regarding cold progression (Art. 128 para. 3 BV).\n\nComprehensive federal supreme court case law on cold progression is lacking, as the implementation of the constitutional mandate primarily falls within the legislative sphere of competence. However, parliamentary materials show that the compensation for cold progression has only occurred irregularly and partially since 1973.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_128", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 129, "article_suffix": "", "title": "Steuerharmonisierung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 129 BV — Steuerharmonisierung\n\n## Übersicht\n\nArtikel 129 der Bundesverfassung regelt die Harmonisierung der direkten Steuern in der Schweiz. Direkte Steuern sind Steuern auf Einkommen und Vermögen von natürlichen Personen sowie auf Gewinn und Kapital von Unternehmen. Die Harmonisierung bedeutet, dass diese Steuern in allen Kantonen nach den gleichen Grundregeln funktionieren müssen.\n\nDer Bund muss Grundsätze für diese Harmonisierung festlegen. Diese betreffen fünf Bereiche: wer Steuern zahlen muss (Steuerpflicht), was besteuert wird (Gegenstand), wann Steuern anfallen (zeitliche Bemessung), wie das Steuerverfahren abläuft (Verfahrensrecht) und welche Steuervergehen bestraft werden (Steuerstrafrecht).\n\nWichtig ist: Die Kantone behalten ihre Autonomie bei den Steuersätzen (wie hoch die Steuern sind), den Steuertarifen (wie stark die Progression ist) und den Freibeträgen (welche Beträge steuerfrei bleiben). So kann der Kanton Zug weiterhin tiefere Steuersätze haben als der Kanton Bern, aber beide müssen beispielsweise Dividenden nach den gleichen Regeln besteuern.\n\nEin konkretes Beispiel: Eine Person, die von Zürich nach Basel zieht, findet in beiden Kantonen die gleichen Steuerformulare, die gleichen Abzugsmöglichkeiten und die gleichen Fristen vor. Der Basler Steuersatz kann aber höher oder tiefer sein als der Zürcher.\n\nDer Bund kann zudem Vorschriften gegen ungerechtfertigte steuerliche Vergünstigungen erlassen. Dies richtet sich gegen unfaire Privilegien, die einzelne Kantone gewähren könnten.\n\nDie Steuerharmonisierung betrifft alle: Privatpersonen müssen ihre Steuererklärung nach harmonisierten Regeln ausfüllen. Unternehmen profitieren von einheitlichen Verfahren bei Geschäften in mehreren Kantonen. Die Kantone müssen ihre Steuergesetze anpassen, behalten aber wichtige Gestaltungsfreiheiten.\n\nBei Verstössen gegen die Harmonisierung kann das Bundesgericht eingreifen und kantonale Regelungen aufheben. Die Harmonisierung schafft so Rechtssicherheit und einen fairen Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen, ohne die föderale Vielfalt zu zerstören.", "doctrine_de": "# Art. 129 BV — Steuerharmonisierung\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Wurzeln der Steuerharmonisierung reichen bis in die 1970er Jahre zurück. Nach mehreren gescheiterten Anläufen wurde mit der Volksabstimmung vom 12. Juni 1977 der Harmonisierungsartikel 42quinquies aBV angenommen (BBl 1976 I 1329; BBl 1977 III 845). Die Entstehungsgeschichte war geprägt von der Spannung zwischen dem Bedürfnis nach Rechtsvereinheitlichung zur Förderung eines einheitlichen Wirtschaftsraums einerseits und dem Beharren der Kantone auf ihrer Steuerautonomie andererseits (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 1–3).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wählte bewusst eine beschränkte Harmonisierungskompetenz. Die Botschaft vom 10. März 1976 betonte, dass nur eine formelle, keine materielle Steuerharmonisierung angestrebt werde: «Die Harmonisierung soll sich lediglich auf die Steuerpflicht, den Gegenstand und die zeitliche Bemessung der Steuern, das Verfahrensrecht und das Steuerstrafrecht erstrecken» (BBl 1976 I 1361). Diese Grundentscheidung wurde bei der Überführung in Art. 129 nBV beibehalten.\n\n**N. 3** Das auf Art. 42quinquies aBV gestützte Steuerharmonisierungsgesetz (StHG) vom 14. Dezember 1990 trat nach zehnjähriger Beratungszeit am 1. Januar 1993 in Kraft. Den Kantonen wurde eine Übergangsfrist von acht Jahren eingeräumt, um ihr Steuerrecht anzupassen (Art. 72 Abs. 1 StHG). Diese Frist erwies sich als zu kurz bemessen, weshalb das Bundesgericht in **BGE 131 I 291** den Kantonsregierungen die Kompetenz zum Erlass vorläufiger Vorschriften zuerkannte.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 129 BV ist systematisch im 3. Titel «Bund, Kantone und Gemeinden», 3. Kapitel «Finanzordnung» eingeordnet. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n→ Art. 127 BV (Grundsätze der Besteuerung)\n→ Art. 128 BV (direkte Steuern)\n→ Art. 134 BV (Ausschluss kantonaler und kommunaler Steuern)\n↔ Art. 3 BV (Föderalismus) und Art. 47 BV (Eigenständigkeit der Kantone)\n\n**N. 5** Die systematische Stellung verdeutlicht, dass die Steuerharmonisierung Teil der bundesstaatlichen Aufgabenteilung ist. Sie verwirklicht das Postulat der Einheit der Wirtschaftsordnung (→ Art. 95 BV) im Steuerbereich, respektiert aber gleichzeitig die föderale Struktur (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1095).\n\n**N. 6** Von zentraler Bedeutung ist das Verhältnis zu Art. 190 BV. Das Bundesgericht hat in **BGE 131 II 697** klargestellt, dass auch verfassungswidrige Bestimmungen des StHG aufgrund des Anwendungsgebots durchzusetzen sind. Dies schränkt die Kontrollfunktion der Verfassung gegenüber dem Harmonisierungsrecht erheblich ein.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Grundsatzkompetenz (Abs. 1)\n\n**N. 7** Der Begriff «Grundsätze» wird kontrovers interpretiert. Die von Reich umschriebene «Antinomie der verfassungsrechtlichen Zielvorgaben» (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 12) prägt die Auslegung: Einerseits soll nur eine Rahmengesetzgebung erfolgen, andererseits wird eine wirksame Harmonisierung angestrebt.\n\n**N. 8** Das Bundesgericht tendiert zu einer extensiven Auslegung. In **BGE 130 II 202** führte es aus, dass das Ausmass der kantonalen Konkretisierungsmöglichkeiten für jede Bestimmung gesondert zu ermitteln sei. Die Praxis zeigt, dass der Bund seine Kompetenz weitgehend ausschöpft (Vallender, Mittelbare Rechtsetzung, 435).\n\n**N. 9** Die «direkten Steuern» umfassen nach der Definition des Bundesrats die Steuern auf Einkommen und Vermögen natürlicher Personen sowie auf Gewinn und Kapital juristischer Personen (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 23). Nicht erfasst sind insbesondere Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie Grundstückgewinnsteuern, obwohl letztere teilweise ins StHG aufgenommen wurden (Art. 12 StHG).\n\n**N. 10** Die Pflicht zur Berücksichtigung der «Harmonisierungsbestrebungen der Kantone» manifestiert sich primär in der Zusammensetzung der Expertenkommissionen. Materiell hat diese Vorgabe jedoch wenig Wirkung entfaltet (Bieri, StR 2009, 92).\n\n#### b) Umfang der Harmonisierung (Abs. 2)\n\n**N. 11** Die positive Umschreibung in Abs. 2 Satz 1 ist abschliessend. Die Harmonisierung erstreckt sich auf:\n- **Steuerpflicht**: subjektive und objektive Steuerpflicht (Art. 3–5, 11–13 StHG)\n- **Gegenstand**: steuerbare Einkünfte und Vermögenswerte (Art. 7, 14 StHG)\n- **Zeitliche Bemessung**: Steuerperiode und zeitliche Zuordnung (Art. 40–42 StHG)\n- **Verfahrensrecht**: Veranlagung, Rechtsmittel, Bezug (Art. 43–56 StHG)\n- **Steuerstrafrecht**: Straftatbestände und Verfahren (Art. 56–59 StHG)\n\n**N. 12** Die negative Abgrenzung in Abs. 2 Satz 2 ist nicht abschliessend («insbesondere»). Die explizit genannten Ausnahmen betreffen:\n- **Steuertarife**: Progressionsverlauf und Tarifstruktur\n- **Steuersätze**: prozentuale oder absolute Höhe der Steuerbelastung\n- **Steuerfreibeträge**: Freigrenzen und persönliche Abzüge\n\n**N. 13** Diese Tarifautonomie ist der Kern der verbleibenden kantonalen Steuerhoheit. Das Bundesgericht betonte in **BGE 133 I 206**, dass diese Autonomie jedoch den allgemeinen Verfassungsgrundsätzen unterliegt, insbesondere dem Rechtsgleichheitssatz und dem Gebot der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.\n\n#### c) Ungerechtfertigte steuerliche Vergünstigungen (Abs. 3)\n\n**N. 14** Diese Kompetenz wurde erst 1993 eingefügt (Art. 197 Ziff. 9 BV). Sie zielt auf den interkantonalen Steuerwettbewerb, insbesondere auf Pauschalbesteuerungen und Holdingprivilegien. Die Norm blieb bisher weitgehend ungenutzt (Locher, ASA 2010/11, 440).\n\n**N. 15** Der unbestimmte Rechtsbegriff «ungerechtfertigt» bedarf der Konkretisierung durch Gesetz oder Rechtsprechung. Die Lehre fordert eine zurückhaltende Anwendung, um den Steuerwettbewerb nicht übermässig einzuschränken (Feld/Schaltegger, StR 2009, 735).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 16** Die primäre Rechtsfolge ist die Verpflichtung des Bundes zum Erlass von Harmonisierungsvorschriften. Diese Pflicht wurde mit dem StHG erfüllt. Das StHG wirkt als Rahmengesetz, das der Transformation ins kantonale Recht bedarf (Meister, ST 1993, 300).\n\n**N. 17** Für die Kantone ergeben sich folgende Pflichten:\n- Anpassung des kantonalen Rechts an die Vorgaben des StHG\n- Beachtung der bundesrechtlichen Begriffsbestimmungen\n- Einheitliche Rechtsanwendung im harmonisierten Bereich\n\n**N. 18** Das Bundesgericht setzt diese Pflichten mit verschiedenen Rechtsmitteln durch:\n- Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach Art. 73 StHG (**BGE 130 II 65**)\n- Abstrakte Normenkontrolle bei verfassungswidrigen kantonalen Gesetzen\n- Individualbeschwerde bei fehlerhafter Rechtsanwendung\n\n**N. 19** Die Verletzung harmonisierungsrechtlicher Vorgaben führt zur Aufhebung der kantonalen Norm oder Verfügung. Bei Säumnis der kantonalen Gesetzgebung tritt das StHG direkt in Kraft (Art. 72 Abs. 2 StHG).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 20** Der zentrale Streitpunkt betrifft den Gestaltungsspielraum der Kantone im harmonisierten Bereich. Eine Auffassung betont die «Grundsatz»-Natur der Bundeskompetenz und leitet daraus ab, dass den Kantonen auch ausserhalb der explizit ausgenommenen Bereiche Freiräume verbleiben müssen (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11). Die Gegenposition argumentiert mit dem Ziel eines einheitlichen Wirtschaftsraums und plädiert für eine enge Auslegung kantonaler Spielräume (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11).\n\n**N. 21** Kontrovers ist auch die Reichweite der Tarifautonomie. Während Oberson (Droit fiscal suisse, § 1 N 45) eine umfassende kantonale Freiheit bei der Tarifgestaltung vertritt, warnen andere vor verfassungsrechtlichen Grenzen. Das Bundesgericht hat in **BGE 133 I 206** klargestellt, dass auch die Tarifautonomie dem Rechtsgleichheitssatz unterliegt.\n\n**N. 22** Die Zulässigkeit einer materiellen Steuerharmonisierung wird in der Lehre diskutiert. Feld/Schaltegger (StR 2009, 740) lehnen diese als verfassungswidrig ab, während andere Autoren eine Verfassungsrevision befürworten. Die politische Diskussion hat sich mit der OECD-Mindestbesteuerung intensiviert.\n\n**N. 23** Umstritten ist schliesslich die Rolle der Gemeinden. Während Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3142) die Gemeinden als mittelbar Betroffene sehen, betont das Bundesgericht in **BGE 141 I 235**, dass die Harmonisierung primär das Verhältnis Bund-Kantone betrifft.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 24** Für die kantonale Gesetzgebung gilt: Harmonisierungsrechtliche Vorgaben sind zwingend umzusetzen. Bei Auslegungsfragen empfiehlt sich die Orientierung an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die tendenziell vereinheitlichend wirkt.\n\n**N. 25** Steuerpflichtige können sich auf harmonisierungswidriges kantonales Recht nicht berufen. Das Bundesgericht wendet bei klaren Verstössen das StHG direkt an. Dies gilt insbesondere bei Verfahrensvorschriften (Cavelti, ASA 1993/94, 360).\n\n**N. 26** Bei interkantonalen Steuerausscheidungen ist die harmonisierungsrechtlich vorgegebene Methodik zwingend. Abweichende kantonale Vereinbarungen sind unbeachtlich (**BGE 148 I 65**).\n\n**N. 27** Die künftige Entwicklung wird durch internationale Vorgaben (OECD-Mindeststeuer) und die Digitalisierung geprägt. Der verfassungsrechtliche Rahmen ermöglicht Anpassungen im Rahmen der bestehenden Kompetenzverteilung, grössere Reformen bedürften einer Verfassungsänderung (Yersin, ASA 1995/96, 115).", "caselaw_de": "# Art. 129 BV — Steuerharmonisierung\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Verfassungsrechtliche Grundlagen der Steuerharmonisierung\n\n**BGE 130 II 202** vom 2. März 2004  \nGrundstückgewinnsteuer; Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach Art. 73 StHG bei Steuerharmonisierung  \nDie Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach Art. 73 Abs. 1 StHG ist auch zulässig, soweit den Kantonen im Rahmen des harmonisierten Rechts Freiräume belassen worden sind.\n\n> «Das Steuerharmonisierungsgesetz bedarf als Rahmen- oder Grundsatzgesetz in der Regel der Transformation in das kantonale Recht. Das Ausmass der kantonalen Konkretisierungsmöglichkeiten und der bundesrechtlichen Verpflichtungen ist für jede einzelne Bestimmung gesondert zu ermitteln. Soweit der Bundesgesetzgeber dem kantonalen Gesetzgeber einen Gestaltungsspielraum einräumt, richtet sich die Prüfungsbefugnis des Bundesgerichts nach den für die staatsrechtliche Beschwerde geltenden Grundsätzen.»\n\n**BGE 130 II 65** vom 1. Januar 2003  \nVerfahrensrechtliche Harmonisierung; Beschwerdeinstanzen  \nDie Kantone müssen für direkte Bundessteuer und harmonisierte kantonale Steuern einen einheitlichen Instanzenzug schaffen.\n\n> «Gemäss Art. 145 Abs. 1 DBG in Verbindung mit Art. 50 Abs. 3 StHG ist ein Kanton, der für die harmonisierten kantonalen Steuern den Weiterzug des Beschwerdeentscheids an eine weitere verwaltungsunabhängige Instanz erlaubt, verpflichtet, denselben Rechtsmittelweg auch für die direkte Bundessteuer vorzusehen.»\n\n### II. Abgrenzung harmonisierter und nicht-harmonisierter Bereiche\n\n**BGE 141 I 78** vom 21. Juni 1994 (veröffentlicht 2015)  \nKantonale Steueramnestie; reduzierte Steuersätze bei strafloser Selbstanzeige  \nArt. 129 Abs. 2 BV schliesst die Tarifautonomie der Kantone nicht ein, wenn es um harmonisierte Bereiche geht.\n\n> «Die Einführung reduzierter Steuersätze bei strafloser Selbstanzeige verletzt die entsprechenden Bestimmungen des StHG, und die Anwendung dieser Steuersätze kann nicht durch Anrufung von Art. 129 Abs. 2 BV gerechtfertigt werden. Der Hinweis auf Art. 129 Abs. 2 BV hilft nicht weiter, da diese Bestimmung die Tarifautonomie der Kantone nur insoweit gewährleistet, als nicht von der Harmonisierung erfasste Bereiche tangiert sind.»\n\n**BGE 133 I 206** vom 1. Juni 2007  \nVerfassungsmässigkeit degressiver Steuertarife; Tarifautonomie der Kantone  \nDie Tarifautonomie nach Art. 129 Abs. 2 BV bleibt trotz Steuerharmonisierung bestehen, unterliegt aber verfassungsrechtlichen Schranken.\n\n> «Art. 129 Abs. 2 BV hält fest, dass von der Harmonisierung insbesondere die Steuertarife, die Steuersätze und die Steuerfreibeträge ausgenommen bleiben. Diese grundsätzlich den Kantonen vorbehaltene Tarifautonomie unterliegt indessen den verfassungsrechtlichen Anforderungen, namentlich dem Rechtsgleichheitssatz und dem Willkürverbot.»\n\n### III. Steuerharmonisierung und kantonale Gestaltungsfreiheit\n\n**BGE 131 I 291** vom 20. April 2005  \nVorläufige Bewertungsvorschriften durch Kantonsregierung; Gewaltenteilung  \nBefugnis der Kantonsregierung zum Erlass vorläufiger Vorschriften bei verspäteter parlamentarischer Umsetzung.\n\n> «Die Kantonsregierung ist gemäss Art. 72 Abs. 3 StHG befugt und verpflichtet, vorläufige Vorschriften zu erlassen, wenn das zur Regelung zuständige Kantonsparlament nicht rechtzeitig auf den 1. Januar 2001 eine dem Steuerharmonisierungsgesetz entsprechende Rechtslage geschaffen hat. Das Steuerharmonisierungsgesetz geht hier als spezielleres Bundesrecht den allgemeinen verfassungsrechtlichen Grundsätzen der Gewaltenteilung vor.»\n\n**BGE 136 I 49** vom 25. September 2009  \nDividendenbesteuerung; Verfassungsanwendungsgebot  \nDas verfassungsrechtliche Anwendungsgebot schliesst die Überprüfung harmonisierungskonformer kantonaler Regelungen aus.\n\n> «Das Steuerharmonisierungsgesetz des Bundes erlaubt den Kantonen die Privilegierung qualifizierter Anteilseigner von Unternehmungen bei der Besteuerung von Dividenden. Das verfassungsrechtliche Anwendungsgebot von Bundesgesetzen schliesst die Überprüfung einer vom Bundesgesetz abgedeckten kantonalen Regelung im Rahmen einer abstrakten Normenkontrolle aus, auch wenn das Bundesgesetz erst ein Jahr später in Kraft getreten ist.»\n\n### IV. Praxis zu einzelnen harmonisierten Bereichen\n\n**BGE 131 II 697** vom 26. Oktober 2005  \nTarifliche Gleichbehandlung von Ein- und Zweielternfamilien  \nArt. 11 Abs. 1 StHG ist verfassungswidrig, aber kraft Art. 191 BV anzuwenden.\n\n> «Die Vorschrift des Art. 11 Abs. 1 StHG, wonach Einelternfamilien und Steuerpflichtigen mit unterstützungsbedürftigen Personen die gleiche tarifliche Ermässigung einzuräumen ist wie den verheirateten Personen, verstösst gegen das Gebot der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und damit gegen Art. 127 Abs. 2 BV. Gleichwohl ist diese Bestimmung kraft des Anwendungsgebots von Art. 191 BV von den rechtsanwendenden Behörden zu beachten.»\n\n**BGE 142 II 182** vom 1. Januar 2016  \nÖrtliche Zuständigkeit bei Kapitalauszahlung  \nHarmonisierungsrechtliche Vorgaben für die Zuständigkeitsregelung.\n\n> «Die Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit zur bundessteuerlichen Erfassung einer Kapitalauszahlung richtet sich nach Art. 105 DBG. Für die harmonisierten kantonalen und kommunalen Steuern gelten die entsprechenden Bestimmungen des StHG, die ihrerseits auf die bundessteuerrechtlichen Regelungen verweisen.»\n\n### V. Interkantonale Doppelbesteuerung und Koordination\n\n**BGE 148 I 65** vom 28. Juli 2021  \nKapitalsteuer bei Vereinen; Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung  \nDie Steuerharmonisierung verpflichtet zur Koordination bei der interkantonalen Ausscheidung.\n\n> «Die Grundsätze des interkantonalen Doppelbesteuerungsrechts sind auch im Bereich der Kapitalsteuer zu beachten. Art. 127 Abs. 3 BV verbietet die interkantonale Doppelbesteuerung. Die harmonisierungsrechtlichen Bestimmungen konkretisieren dieses Verbot für die direkten Steuern.»\n\n**BGE 146 II 111** vom 16. Dezember 2019  \nSteuerdomizil juristischer Personen  \nHarmonisierungsrechtliche Koordination bei auseinanderfallenden Zuständigkeitskriterien.\n\n> «Obschon der Ort der tatsächlichen Verwaltung im interkantonalen Verhältnis das Hauptsteuerdomizil darstellt, sind bei der Anwendung von Art. 105 Abs. 3 DBG die besonderen bundessteuerrechtlichen Zuständigkeitsregeln zu beachten, die auch für die harmonisierten kantonalen Steuern gelten.»\n\n### VI. Gemeindesteuern und kommunale Steuerhoheit\n\n**BGE 141 I 235** vom 19. Juni 2015  \nGemeindesteuern; interkommunale Verteilung  \nDie Steuerhoheit der Gemeinden wird durch die Kantone verliehen, nicht durch den Bund.\n\n> «Nicht der Bund, sondern die Kantone verleihen den Gemeinden ihre Steuerhoheit. Unter Vorbehalt des Gleichbehandlungsgebots und des Willkürverbots steht es den Kantonen frei, die Steuerkompetenzen ihrer Gemeinden zu begrenzen. Die Harmonisierung gemäss Art. 129 BV betrifft primär das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen.»\n\n### VII. Übergangsrecht und Rechtssicherheit\n\n**BGE 141 II 207** vom 9. Februar 2015  \nGrundstückgewinnsteuer; Aufschubkette bei Ersatzbeschaffung  \nDie harmonisierungsrechtlichen Bestimmungen gelten ab dem in der Übergangsordnung festgelegten Zeitpunkt.\n\n> «Die Besteuerung der Grundstückgewinne ist seit dem 1. Januar 2001 harmonisiert. Für Sachverhalte, die nach diesem Zeitpunkt steuerbar werden, finden die bundesrechtlichen Vorgaben direkte Anwendung, soweit das kantonale Recht davon abweicht.»\n\n### VIII. Entwicklung und Ausblick\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 129 BV zeigt eine kontinuierliche Entwicklung von der grundsätzlichen Anerkennung der Harmonisierungskompetenz des Bundes hin zu einer differenzierten Betrachtung des Spannungsfelds zwischen bundesrechtlicher Harmonisierung und kantonaler Autonomie. Dabei hat das Bundesgericht sowohl die Grenzen der Harmonisierung (insbesondere bei Steuertarifen und -sätzen) als auch deren zwingende Wirkung in den erfassten Bereichen präzisiert. Die jüngere Rechtsprechung befasst sich vermehrt mit koordinationsrechtlichen Fragen und der praktischen Umsetzung harmonisierungsrechtlicher Vorgaben im föderalen Gefüge.", "summary_fr": "# Art. 129 Cst. — Harmonisation fiscale\n\n## Aperçu\n\nL'article 129 de la Constitution fédérale régit l'harmonisation des impôts directs en Suisse. Les impôts directs sont les impôts sur le revenu et la fortune des personnes physiques ainsi que sur le bénéfice et le capital des entreprises. L'harmonisation signifie que ces impôts doivent fonctionner selon les mêmes règles de base dans tous les cantons.\n\nLa Confédération doit établir des principes pour cette harmonisation. Ceux-ci concernent cinq domaines : qui doit payer des impôts (assujettissement), ce qui est imposé (objet), quand les impôts sont dus (fixation dans le temps), comment se déroule la procédure fiscale (droit de procédure) et quelles infractions fiscales sont punies (droit pénal fiscal).\n\nIl est important de noter que : les cantons conservent leur autonomie en matière de taux d'imposition (niveau des impôts), de barèmes fiscaux (degré de progression) et d'exonérations (montants exempts d'impôts). Ainsi, le canton de Zoug peut continuer d'avoir des taux d'imposition plus bas que le canton de Berne, mais tous deux doivent par exemple imposer les dividendes selon les mêmes règles.\n\nUn exemple concret : une personne qui déménage de Zurich à Bâle trouvera dans les deux cantons les mêmes formulaires fiscaux, les mêmes possibilités de déduction et les mêmes délais. Le taux d'imposition bâlois peut toutefois être plus élevé ou plus bas que celui de Zurich.\n\nLa Confédération peut en outre édicter des dispositions contre les allégements fiscaux injustifiés. Ceci vise les privilèges inéquitables que certains cantons pourraient accorder.\n\nL'harmonisation fiscale concerne tout le monde : les particuliers doivent remplir leur déclaration d'impôt selon des règles harmonisées. Les entreprises profitent de procédures uniformes lors d'activités dans plusieurs cantons. Les cantons doivent adapter leurs lois fiscales, mais conservent d'importantes libertés d'aménagement.\n\nEn cas de violations de l'harmonisation, le Tribunal fédéral peut intervenir et annuler des réglementations cantonales. L'harmonisation crée ainsi une sécurité juridique et une concurrence fiscale équitable entre les cantons, sans détruire la diversité fédérale.", "doctrine_fr": "# Art. 129 Cst. — Harmonisation fiscale\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**ch. 1** Les racines de l'harmonisation fiscale remontent aux années 1970. Après plusieurs tentatives échouées, l'article d'harmonisation 42quinquies ancCst fut accepté lors de la votation populaire du 12 juin 1977 (FF 1976 I 1329; FF 1977 III 845). La genèse fut marquée par la tension entre le besoin d'unification juridique pour favoriser un espace économique unifié d'une part et l'attachement des cantons à leur autonomie fiscale d'autre part (Simonek, BSK BV, Art. 129 ch. 1–3).\n\n**ch. 2** Le constituant choisit délibérément une compétence d'harmonisation limitée. Le message du 10 mars 1976 souligna que seule une harmonisation formelle était visée, et non matérielle: « L'harmonisation ne doit porter que sur l'assujettissement, l'objet et la computation dans le temps des impôts, le droit de procédure et le droit pénal fiscal » (FF 1976 I 1361). Cette décision de principe fut maintenue lors du transfert à l'art. 129 nouvCst.\n\n**ch. 3** La loi sur l'harmonisation fiscale (LHID) du 14 décembre 1990, basée sur l'art. 42quinquies ancCst, entra en vigueur le 1er janvier 1993 après dix ans de délibérations. Un délai transitoire de huit ans fut accordé aux cantons pour adapter leur droit fiscal (art. 72 al. 1 LHID). Ce délai s'avéra trop court, raison pour laquelle le Tribunal fédéral reconnut dans l'**ATF 131 I 291** aux gouvernements cantonaux la compétence d'édicter des dispositions provisoires.\n\n### 2. Place systématique\n\n**ch. 4** L'art. 129 Cst. s'insère systématiquement dans le 3e titre « Confédération, cantons et communes », 3e chapitre « Régime financier ». La norme est étroitement liée à :\n→ Art. 127 Cst. (Principes de l'imposition)\n→ Art. 128 Cst. (Impôts directs)\n→ Art. 134 Cst. (Exclusion d'impôts cantonaux et communaux)\n↔ Art. 3 Cst. (Fédéralisme) et art. 47 Cst. (Autonomie des cantons)\n\n**ch. 5** La place systématique illustre que l'harmonisation fiscale fait partie de la répartition des tâches au sein de l'État fédéral. Elle concrétise le postulat de l'unité de l'ordre économique (→ art. 95 Cst.) dans le domaine fiscal, tout en respectant la structure fédérale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, ch. 1095).\n\n**ch. 6** Le rapport avec l'art. 190 Cst. revêt une importance centrale. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 131 II 697** que même les dispositions de la LHID contraires à la Constitution doivent être appliquées en raison de l'obligation d'application. Cela limite considérablement la fonction de contrôle de la Constitution face au droit d'harmonisation.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Compétence de principe (al. 1)\n\n**ch. 7** La notion de « principes » fait l'objet d'interprétations controversées. « L'antinomie des objectifs constitutionnels » décrite par Reich (Simonek, BSK BV, Art. 129 ch. 12) marque l'interprétation : d'un côté, seule une législation-cadre devrait intervenir, de l'autre, une harmonisation efficace est visée.\n\n**ch. 8** Le Tribunal fédéral tend vers une interprétation extensive. Dans l'**ATF 130 II 202**, il a expliqué que l'étendue des possibilités de concrétisation cantonales devait être déterminée séparément pour chaque disposition. La pratique montre que la Confédération épuise largement sa compétence (Vallender, Mittelbare Rechtsetzung, 435).\n\n**ch. 9** Les « impôts directs » comprennent selon la définition du Conseil fédéral les impôts sur le revenu et la fortune des personnes physiques ainsi que sur le bénéfice et le capital des personnes morales (Simonek, BSK BV, Art. 129 ch. 23). Ne sont notamment pas visés les impôts sur les successions et donations ainsi que les impôts sur les gains immobiliers, bien que ces derniers aient été partiellement repris dans la LHID (art. 12 LHID).\n\n**ch. 10** L'obligation de tenir compte des « efforts d'harmonisation des cantons » se manifeste principalement dans la composition des commissions d'experts. Matériellement, cette exigence a toutefois peu déployé d'effets (Bieri, StR 2009, 92).\n\n#### b) Étendue de l'harmonisation (al. 2)\n\n**ch. 11** La description positive de l'al. 2 phrase 1 est exhaustive. L'harmonisation s'étend à :\n- **Assujettissement** : assujettissement subjectif et objectif (art. 3–5, 11–13 LHID)\n- **Objet** : revenus et éléments de fortune imposables (art. 7, 14 LHID)\n- **Computation dans le temps** : période fiscale et attribution temporelle (art. 40–42 LHID)\n- **Droit de procédure** : taxation, voies de droit, perception (art. 43–56 LHID)\n- **Droit pénal fiscal** : infractions et procédure (art. 56–59 LHID)\n\n**ch. 12** La délimitation négative de l'al. 2 phrase 2 n'est pas exhaustive (« notamment »). Les exceptions explicitement mentionnées concernent :\n- **Barèmes d'impôt** : progression et structure tarifaire\n- **Taux d'impôt** : niveau en pourcentage ou absolu de la charge fiscale\n- **Déductions** : franchises et déductions personnelles\n\n**ch. 13** Cette autonomie tarifaire constitue le cœur de la souveraineté fiscale cantonale restante. Le Tribunal fédéral a souligné dans l'**ATF 133 I 206** que cette autonomie demeure toutefois soumise aux principes constitutionnels généraux, notamment au principe d'égalité et à l'exigence d'imposition selon la capacité économique.\n\n#### c) Avantages fiscaux injustifiés (al. 3)\n\n**ch. 14** Cette compétence ne fut introduite qu'en 1993 (art. 197 ch. 9 Cst.). Elle vise la concurrence fiscale intercantonale, en particulier les impositions forfaitaires et les privilèges de holdings. La norme est restée largement inutilisée jusqu'à présent (Locher, ASA 2010/11, 440).\n\n**ch. 15** La notion juridique indéterminée « injustifiés » nécessite une concrétisation par la loi ou la jurisprudence. La doctrine exige une application restrictive afin de ne pas limiter excessivement la concurrence fiscale (Feld/Schaltegger, StR 2009, 735).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**ch. 16** L'effet juridique primaire est l'obligation pour la Confédération d'édicter des prescriptions d'harmonisation. Cette obligation fut remplie par la LHID. La LHID agit comme loi-cadre qui nécessite une transformation dans le droit cantonal (Meister, ST 1993, 300).\n\n**ch. 17** Pour les cantons résultent les obligations suivantes :\n- Adaptation du droit cantonal aux exigences de la LHID\n- Respect des définitions légales du droit fédéral\n- Application uniforme du droit dans le domaine harmonisé\n\n**ch. 18** Le Tribunal fédéral fait respecter ces obligations par divers moyens de droit :\n- Recours de droit administratif selon l'art. 73 LHID (**ATF 130 II 65**)\n- Contrôle abstrait des normes en cas de lois cantonales contraires à la Constitution\n- Recours individuel en cas d'application erronée du droit\n\n**ch. 19** La violation d'exigences du droit d'harmonisation entraîne l'annulation de la norme ou décision cantonale. En cas de retard de la législation cantonale, la LHID entre directement en vigueur (art. 72 al. 2 LHID).\n\n### 5. Points controversés\n\n**ch. 20** Le point de controverse central concerne la marge de manœuvre des cantons dans le domaine harmonisé. Une conception souligne la nature de « principe » de la compétence fédérale et en déduit que des espaces de liberté doivent subsister aux cantons même en dehors des domaines explicitement exceptés (Simonek, BSK BV, Art. 129 ch. 11). La position opposée argumente avec l'objectif d'un espace économique unifié et plaide pour une interprétation restrictive des marges cantonales (Simonek, BSK BV, Art. 129 ch. 11).\n\n**ch. 21** La portée de l'autonomie tarifaire est également controversée. Tandis qu'Oberson (Droit fiscal suisse, § 1 ch. 45) défend une liberté cantonale complète dans la conception tarifaire, d'autres mettent en garde contre les limites constitutionnelles. Le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 133 I 206** que l'autonomie tarifaire est également soumise au principe d'égalité.\n\n**ch. 22** L'admissibilité d'une harmonisation fiscale matérielle est discutée dans la doctrine. Feld/Schaltegger (StR 2009, 740) la rejettent comme contraire à la Constitution, tandis que d'autres auteurs préconisent une révision constitutionnelle. La discussion politique s'est intensifiée avec l'imposition minimale OCDE.\n\n**ch. 23** Le rôle des communes est finalement controversé. Tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, ch. 3142) voient les communes comme indirectement concernées, le Tribunal fédéral souligne dans l'**ATF 141 I 235** que l'harmonisation concerne principalement la relation Confédération-cantons.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**ch. 24** Pour la législation cantonale s'applique : les exigences du droit d'harmonisation doivent être impérativement mises en œuvre. En cas de questions d'interprétation, il est recommandé de s'orienter sur la jurisprudence du Tribunal fédéral, qui tend vers l'unification.\n\n**ch. 25** Les contribuables ne peuvent se prévaloir d'un droit cantonal contraire à l'harmonisation. Le Tribunal fédéral applique directement la LHID en cas de violations évidentes. Cela vaut particulièrement pour les dispositions de procédure (Cavelti, ASA 1993/94, 360).\n\n**ch. 26** En matière de répartition fiscale intercantonale, la méthode prescrite par le droit d'harmonisation est obligatoire. Les accords cantonaux divergents sont sans effet (**ATF 148 I 65**).\n\n**ch. 27** L'évolution future sera marquée par les exigences internationales (impôt minimal OCDE) et la numérisation. Le cadre constitutionnel permet des adaptations dans le cadre de la répartition des compétences existante, des réformes plus importantes nécessiteraient une modification constitutionnelle (Yersin, ASA 1995/96, 115).", "caselaw_fr": "# Art. 129 Cst. — Harmonisation fiscale\n\n## Jurisprudence\n\n### I. Fondements constitutionnels de l'harmonisation fiscale\n\n**ATF 130 II 202** du 2 mars 2004  \nImpôt sur les gains immobiliers ; recours de droit administratif selon l'art. 73 LHID en matière d'harmonisation fiscale  \nLe recours de droit administratif selon l'art. 73 al. 1 LHID est également recevable dans la mesure où une marge de manœuvre est laissée aux cantons dans le cadre du droit harmonisé.\n\n> « La loi sur l'harmonisation fiscale, en tant que loi-cadre ou de principe, nécessite en règle générale une transformation dans le droit cantonal. L'étendue des possibilités de concrétisation cantonales et des obligations du droit fédéral doit être déterminée séparément pour chaque disposition. Dans la mesure où le législateur fédéral accorde un espace de conception au législateur cantonal, le pouvoir d'examen du Tribunal fédéral se fonde sur les principes valables pour le recours de droit public. »\n\n**ATF 130 II 65** du 1er janvier 2003  \nHarmonisation du droit de procédure ; instances de recours  \nLes cantons doivent créer une voie de recours uniforme pour l'impôt fédéral direct et les impôts cantonaux harmonisés.\n\n> « Selon l'art. 145 al. 1 LIFD en relation avec l'art. 50 al. 3 LHID, un canton qui autorise pour les impôts cantonaux harmonisés le recours contre la décision de recours devant une autre instance indépendante de l'administration est tenu de prévoir la même voie de recours également pour l'impôt fédéral direct. »\n\n### II. Délimitation des domaines harmonisés et non harmonisés\n\n**ATF 141 I 78** du 21 juin 1994 (publié en 2015)  \nAmnistie fiscale cantonale ; taux d'imposition réduits en cas de dénonciation spontanée non punissable  \nL'art. 129 al. 2 Cst. n'inclut pas l'autonomie tarifaire des cantons lorsqu'il s'agit de domaines harmonisés.\n\n> « L'introduction de taux d'imposition réduits en cas de dénonciation spontanée non punissable viole les dispositions correspondantes de la LHID, et l'application de ces taux d'imposition ne peut être justifiée par l'invocation de l'art. 129 al. 2 Cst. La référence à l'art. 129 al. 2 Cst. n'aide pas davantage, car cette disposition ne garantit l'autonomie tarifaire des cantons que dans la mesure où les domaines non concernés par l'harmonisation sont touchés. »\n\n**ATF 133 I 206** du 1er juin 2007  \nConstitutionnalité des tarifs d'impôt dégressifs ; autonomie tarifaire des cantons  \nL'autonomie tarifaire selon l'art. 129 al. 2 Cst. subsiste malgré l'harmonisation fiscale, mais elle est soumise aux limites du droit constitutionnel.\n\n> « L'art. 129 al. 2 Cst. précise que l'harmonisation n'inclut notamment pas les barèmes d'impôt, les taux d'imposition et les déductions fiscales. Cette autonomie tarifaire réservée en principe aux cantons est toutefois soumise aux exigences du droit constitutionnel, notamment au principe de l'égalité de traitement et à l'interdiction de l'arbitraire. »\n\n### III. Harmonisation fiscale et liberté d'organisation cantonale\n\n**ATF 131 I 291** du 20 avril 2005  \nDispositions d'évaluation provisoires par le gouvernement cantonal ; séparation des pouvoirs  \nCompétence du gouvernement cantonal d'édicter des dispositions provisoires en cas de mise en œuvre parlementaire tardive.\n\n> « Le gouvernement cantonal est habilité et tenu selon l'art. 72 al. 3 LHID d'édicter des dispositions provisoires lorsque le parlement cantonal compétent pour la réglementation n'a pas créé à temps pour le 1er janvier 2001 une situation juridique conforme à la loi sur l'harmonisation fiscale. La loi sur l'harmonisation fiscale prime ici, en tant que droit fédéral spécial, les principes constitutionnels généraux de la séparation des pouvoirs. »\n\n**ATF 136 I 49** du 25 septembre 2009  \nImposition des dividendes ; obligation constitutionnelle d'application  \nL'obligation constitutionnelle d'application exclut l'examen des réglementations cantonales conformes à l'harmonisation.\n\n> « La loi fédérale sur l'harmonisation fiscale autorise les cantons à privilégier les actionnaires qualifiés d'entreprises lors de l'imposition des dividendes. L'obligation constitutionnelle d'application des lois fédérales exclut l'examen d'une réglementation cantonale couverte par la loi fédérale dans le cadre d'un contrôle abstrait des normes, même si la loi fédérale n'est entrée en vigueur qu'une année plus tard. »\n\n### IV. Pratique relative à certains domaines harmonisés\n\n**ATF 131 II 697** du 26 octobre 2005  \nÉgalité tarifaire des familles monoparentales et biparentales  \nL'art. 11 al. 1 LHID est inconstitutionnel, mais doit être appliqué en vertu de l'art. 191 Cst.\n\n> « La disposition de l'art. 11 al. 1 LHID, selon laquelle il faut accorder aux familles monoparentales et aux contribuables avec des personnes à charge la même réduction tarifaire qu'aux personnes mariées, contrevient au principe de l'imposition selon la capacité économique et donc à l'art. 127 al. 2 Cst. Néanmoins, cette disposition doit être respectée par les autorités d'application du droit en vertu de l'obligation d'application de l'art. 191 Cst. »\n\n**ATF 142 II 182** du 1er janvier 2016  \nCompétence territoriale en cas de versement en capital  \nPrescriptions du droit de l'harmonisation pour la réglementation des compétences.\n\n> « La détermination de la compétence territoriale pour la saisie fiscale fédérale d'un versement en capital se fonde sur l'art. 105 LIFD. Pour les impôts cantonaux et communaux harmonisés s'appliquent les dispositions correspondantes de la LHID, qui renvoient à leur tour aux réglementations du droit fiscal fédéral. »\n\n### V. Double imposition intercantonale et coordination\n\n**ATF 148 I 65** du 28 juillet 2021  \nImpôt sur le capital des associations ; interdiction de la double imposition intercantonale  \nL'harmonisation fiscale oblige à la coordination lors de la répartition intercantonale.\n\n> « Les principes du droit de la double imposition intercantonale doivent également être respectés dans le domaine de l'impôt sur le capital. L'art. 127 al. 3 Cst. interdit la double imposition intercantonale. Les dispositions du droit de l'harmonisation concrétisent cette interdiction pour les impôts directs. »\n\n**ATF 146 II 111** du 16 décembre 2019  \nDomicile fiscal des personnes morales  \nCoordination du droit de l'harmonisation en cas de divergence des critères de compétence.\n\n> « Bien que le lieu de l'administration effective représente le domicile fiscal principal dans les rapports intercantonaux, il faut respecter lors de l'application de l'art. 105 al. 3 LIFD les règles de compétence particulières du droit fiscal fédéral, qui s'appliquent également aux impôts cantonaux harmonisés. »\n\n### VI. Impôts communaux et souveraineté fiscale communale\n\n**ATF 141 I 235** du 19 juin 2015  \nImpôts communaux ; répartition intercommunale  \nLa souveraineté fiscale des communes est octroyée par les cantons, non par la Confédération.\n\n> « Ce ne sont pas la Confédération, mais les cantons qui octroient aux communes leur souveraineté fiscale. Sous réserve du principe d'égalité de traitement et de l'interdiction de l'arbitraire, les cantons sont libres de limiter les compétences fiscales de leurs communes. L'harmonisation selon l'art. 129 Cst. concerne principalement les rapports entre la Confédération et les cantons. »\n\n### VII. Droit transitoire et sécurité juridique\n\n**ATF 141 II 207** du 9 février 2015  \nImpôt sur les gains immobiliers ; chaîne de report lors d'acquisition de remplacement  \nLes dispositions du droit de l'harmonisation s'appliquent dès le moment fixé dans l'ordre transitoire.\n\n> « L'imposition des gains immobiliers est harmonisée depuis le 1er janvier 2001. Pour les faits qui deviennent imposables après cette date, les prescriptions du droit fédéral s'appliquent directement, dans la mesure où le droit cantonal en diverge. »\n\n### VIII. Évolution et perspectives\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 129 Cst. montre une évolution continue de la reconnaissance fondamentale de la compétence d'harmonisation de la Confédération vers une considération différenciée du champ de tension entre l'harmonisation du droit fédéral et l'autonomie cantonale. Le Tribunal fédéral a ainsi précisé tant les limites de l'harmonisation (notamment pour les barèmes et taux d'impôt) que son effet contraignant dans les domaines concernés. La jurisprudence plus récente traite de plus en plus de questions de droit de coordination et de la mise en œuvre pratique des prescriptions du droit de l'harmonisation dans la structure fédérale.", "summary_it": "# Art. 129 Cost. — Armonizzazione fiscale\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 129 della Costituzione federale disciplina l'armonizzazione delle imposte dirette in Svizzera. Le imposte dirette sono imposte sul reddito e sulla sostanza delle persone fisiche nonché sull'utile e sul capitale delle imprese. L'armonizzazione significa che queste imposte devono funzionare secondo le stesse regole di base in tutti i Cantoni.\n\nLa Confederazione deve stabilire i principi per questa armonizzazione. Questi riguardano cinque ambiti: chi deve pagare le imposte (soggezione fiscale), cosa viene tassato (oggetto), quando si applicano le imposte (computo temporale), come si svolge la procedura fiscale (diritto procedurale) e quali reati fiscali vengono puniti (diritto penale tributario).\n\nImportante: i Cantoni mantengono la loro autonomia per quanto riguarda le aliquote fiscali (quanto sono elevate le imposte), le tariffe fiscali (quanto è forte la progressione) e le franchigie (quali importi rimangono esenti da imposta). Così il Canton Zugo può continuare ad avere aliquote fiscali più basse del Canton Berna, ma entrambi devono ad esempio tassare i dividendi secondo le stesse regole.\n\nUn esempio concreto: una persona che si trasferisce da Zurigo a Basilea trova in entrambi i Cantoni gli stessi moduli fiscali, le stesse possibilità di deduzione e gli stessi termini. L'aliquota fiscale basilese può però essere più alta o più bassa di quella zurighese.\n\nLa Confederazione può inoltre emanare prescrizioni contro i privilegi fiscali ingiustificati. Questo si rivolge contro i privilegi iniqui che singoli Cantoni potrebbero concedere.\n\nL'armonizzazione fiscale riguarda tutti: i privati devono compilare la loro dichiarazione fiscale secondo regole armonizzate. Le imprese beneficiano di procedure uniformi per gli affari in più Cantoni. I Cantoni devono adeguare le loro leggi fiscali, ma conservano importanti libertà di configurazione.\n\nIn caso di violazioni dell'armonizzazione può intervenire il Tribunale federale e annullare normative cantonali. L'armonizzazione crea così certezza del diritto e una concorrenza fiscale leale tra i Cantoni, senza distruggere la diversità federale.", "doctrine_it": "# Art. 129 Cost. — Armonizzazione fiscale\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Le radici dell'armonizzazione fiscale risalgono agli anni '70. Dopo diversi tentativi falliti, con la votazione popolare del 12 giugno 1977 fu adottato l'articolo di armonizzazione 42quinquies avCost. (FF 1976 I 1329; FF 1977 III 845). La storia della genesi fu caratterizzata dalla tensione tra il bisogno di unificazione giuridica per promuovere uno spazio economico unitario da un lato e l'insistenza dei Cantoni sulla loro autonomia fiscale dall'altro (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 1–3).\n\n**N. 2** Il costituente scelse consapevolmente una competenza di armonizzazione limitata. Il messaggio del 10 marzo 1976 sottolineò che si perseguiva solo un'armonizzazione formale, non materiale: «L'armonizzazione dovrebbe estendersi soltanto all'obbligo tributario, all'oggetto e alla misurazione temporale delle imposte, al diritto procedurale e al diritto penale tributario» (FF 1976 I 1361). Questa decisione fondamentale fu mantenuta nel trasferimento all'art. 129 nCost.\n\n**N. 3** La legge di armonizzazione fiscale (LAID) del 14 dicembre 1990, basata sull'art. 42quinquies avCost., entrò in vigore il 1° gennaio 1993 dopo dieci anni di consultazioni. Ai Cantoni fu concesso un periodo di transizione di otto anni per adeguare il loro diritto fiscale (art. 72 cpv. 1 LAID). Questo termine si rivelò troppo breve, motivo per cui il Tribunale federale in **DTF 131 I 291** riconobbe ai governi cantonali la competenza di emanare disposizioni provvisorie.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 129 Cost. è collocato sistematicamente nel 3° titolo «Confederazione, Cantoni e Comuni», 3° capitolo «Ordinamento finanziario». La norma è in stretta relazione con:\n→ Art. 127 Cost. (principi della tassazione)\n→ Art. 128 Cost. (imposte dirette)\n→ Art. 134 Cost. (esclusione di imposte cantonali e comunali)\n↔ Art. 3 Cost. (federalismo) e art. 47 Cost. (autonomia dei Cantoni)\n\n**N. 5** La collocazione sistematica chiarisce che l'armonizzazione fiscale fa parte della ripartizione federale dei compiti. Essa realizza il postulato dell'unità dell'ordinamento economico (→ art. 95 Cost.) nel settore fiscale, ma rispetta allo stesso tempo la struttura federale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1095).\n\n**N. 6** Di importanza centrale è il rapporto con l'art. 190 Cost. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 131 II 697** che anche le disposizioni della LAID contrarie alla Costituzione devono essere applicate in virtù dell'obbligo di applicazione. Ciò limita considerevolmente la funzione di controllo della Costituzione nei confronti del diritto di armonizzazione.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n#### a) Competenza di principio (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il termine «principi» è interpretato in modo controverso. La «antinomia degli obiettivi costituzionali» descritta da Reich (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 12) caratterizza l'interpretazione: da un lato dovrebbe avvenire solo una legislazione quadro, dall'altro si persegue un'armonizzazione efficace.\n\n**N. 8** Il Tribunale federale tende a un'interpretazione estensiva. In **DTF 130 II 202** ha dichiarato che l'entità delle possibilità di concretizzazione cantonali deve essere determinata separatamente per ogni disposizione. La prassi mostra che la Confederazione sfrutta ampiamente la sua competenza (Vallender, Mittelbare Rechtsetzung, 435).\n\n**N. 9** Le «imposte dirette» comprendono secondo la definizione del Consiglio federale le imposte su reddito e sostanza delle persone fisiche nonché su utile e capitale delle persone giuridiche (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 23). Non sono comprese in particolare le imposte di successione e di donazione nonché le imposte sugli utili immobiliari, benché queste ultime siano state parzialmente incluse nella LAID (art. 12 LAID).\n\n**N. 10** L'obbligo di considerare le «aspirazioni di armonizzazione dei Cantoni» si manifesta principalmente nella composizione delle commissioni di esperti. Materialmente questa prescrizione ha tuttavia dispiegato poco effetto (Bieri, StR 2009, 92).\n\n#### b) Portata dell'armonizzazione (cpv. 2)\n\n**N. 11** La descrizione positiva nel cpv. 2 frase 1 è esaustiva. L'armonizzazione si estende a:\n- **Obbligo tributario**: obbligo tributario soggettivo e oggettivo (art. 3–5, 11–13 LAID)\n- **Oggetto**: redditi e valori patrimoniali imponibili (art. 7, 14 LAID)\n- **Misurazione temporale**: periodo d'imposta e attribuzione temporale (art. 40–42 LAID)\n- **Diritto procedurale**: tassazione, mezzi di ricorso, riscossione (art. 43–56 LAID)\n- **Diritto penale tributario**: fattispecie penali e procedura (art. 56–59 LAID)\n\n**N. 12** La delimitazione negativa nel cpv. 2 frase 2 non è esaustiva («in particolare»). Le eccezioni espressamente menzionate riguardano:\n- **Tariffe fiscali**: decorso della progressione e struttura tariffaria\n- **Aliquote d'imposta**: entità percentuale o assoluta del carico fiscale\n- **Deduzioni fiscali**: soglie di esenzione e deduzioni personali\n\n**N. 13** Questa autonomia tariffaria è il nucleo della sovranità fiscale cantonale rimanente. Il Tribunale federale ha sottolineato in **DTF 133 I 206** che questa autonomia sottostà tuttavia ai principi costituzionali generali, in particolare al principio di uguaglianza giuridica e al precetto della tassazione secondo la capacità economica.\n\n#### c) Agevolazioni fiscali ingiustificate (cpv. 3)\n\n**N. 14** Questa competenza fu inserita solo nel 1993 (art. 197 n. 9 Cost.). Essa mira alla concorrenza fiscale intercantonale, in particolare alle tassazioni forfettarie e ai privilegi per le holding. La norma è finora rimasta largamente inutilizzata (Locher, ASA 2010/11, 440).\n\n**N. 15** Il concetto giuridico indeterminato «ingiustificato» necessita di concretizzazione attraverso legge o giurisprudenza. La dottrina chiede un'applicazione cauta per non limitare eccessivamente la concorrenza fiscale (Feld/Schaltegger, StR 2009, 735).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 16** La conseguenza giuridica primaria è l'obbligo della Confederazione di emanare disposizioni di armonizzazione. Questo obbligo è stato adempiuto con la LAID. La LAID opera come legge quadro che necessita di trasformazione nel diritto cantonale (Meister, ST 1993, 300).\n\n**N. 17** Per i Cantoni derivano i seguenti obblighi:\n- Adeguamento del diritto cantonale alle prescrizioni della LAID\n- Rispetto delle definizioni concettuali del diritto federale\n- Applicazione giuridica uniforme nell'ambito armonizzato\n\n**N. 18** Il Tribunale federale fa valere questi obblighi con diversi mezzi di ricorso:\n- Ricorso amministrativo secondo l'art. 73 LAID (**DTF 130 II 65**)\n- Controllo astratto delle norme in caso di leggi cantonali contrarie alla Costituzione\n- Ricorso individuale in caso di applicazione giuridica errata\n\n**N. 19** La violazione delle prescrizioni del diritto di armonizzazione comporta l'abrogazione della norma o decisione cantonale. In caso di mora della legislazione cantonale, la LAID entra direttamente in vigore (art. 72 cpv. 2 LAID).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 20** Il punto controverso centrale riguarda il margine di manovra dei Cantoni nell'ambito armonizzato. Un'opinione sottolinea la natura di «principio» della competenza federale e ne deduce che ai Cantoni devono rimanere spazi di libertà anche al di fuori degli ambiti espressamente esclusi (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11). La posizione contraria argomenta con l'obiettivo di uno spazio economico unitario e propugna un'interpretazione restrittiva dei margini di manovra cantonali (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11).\n\n**N. 21** Controversa è anche la portata dell'autonomia tariffaria. Mentre Oberson (Droit fiscal suisse, § 1 N 45) sostiene una libertà cantonale completa nella configurazione delle tariffe, altri mettono in guardia da limiti costituzionali. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 133 I 206** che anche l'autonomia tariffaria sottostà al principio di uguaglianza giuridica.\n\n**N. 22** L'ammissibilità di un'armonizzazione fiscale materiale è discussa nella dottrina. Feld/Schaltegger (StR 2009, 740) la rifiutano come contraria alla Costituzione, mentre altri autori auspicano una revisione costituzionale. La discussione politica si è intensificata con la tassazione minima OCSE.\n\n**N. 23** Controverso è infine il ruolo dei Comuni. Mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3142) vedono i Comuni come interessati indirettamente, il Tribunale federale sottolinea in **DTF 141 I 235** che l'armonizzazione riguarda principalmente il rapporto Confederazione-Cantoni.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 24** Per la legislazione cantonale vale: le prescrizioni del diritto di armonizzazione devono essere imperativamente attuate. In caso di questioni interpretative si raccomanda l'orientamento sulla giurisprudenza del Tribunale federale, che tende a un effetto unificante.\n\n**N. 25** I contribuenti non possono invocare il diritto cantonale contrario all'armonizzazione. Il Tribunale federale applica direttamente la LAID in caso di violazioni chiare. Ciò vale in particolare per le disposizioni procedurali (Cavelti, ASA 1993/94, 360).\n\n**N. 26** Nelle ripartizioni fiscali intercantonali è vincolante la metodica prescritta dal diritto di armonizzazione. Accordi cantonali divergenti sono irrilevanti (**DTF 148 I 65**).\n\n**N. 27** Il futuro sviluppo sarà caratterizzato da prescrizioni internazionali (imposta minima OCSE) e dalla digitalizzazione. Il quadro costituzionale permette adeguamenti nel quadro della ripartizione delle competenze esistente, riforme più ampie necessiterebbero di un cambiamento costituzionale (Yersin, ASA 1995/96, 115).", "caselaw_it": "# Art. 129 Cost. — Armonizzazione fiscale\n\n## Giurisprudenza\n\n### I. Basi costituzionali dell'armonizzazione fiscale\n\n**DTF 130 II 202** del 2 marzo 2004  \nImposta sugli utili immobiliari; ricorso di diritto amministrativo secondo l'art. 73 LAID in materia di armonizzazione fiscale  \nIl ricorso di diritto amministrativo secondo l'art. 73 cpv. 1 LAID è ammissibile anche nella misura in cui sono lasciati margini di manovra ai Cantoni nell'ambito del diritto armonizzato.\n\n> «La legge sull'armonizzazione fiscale, quale legge quadro o di principio, necessita di regola della trasformazione nel diritto cantonale. La portata delle possibilità di concretizzazione cantonali e degli obblighi derivanti dal diritto federale deve essere determinata separatamente per ogni singola disposizione. Nella misura in cui il legislatore federale concede un margine di configurazione al legislatore cantonale, la competenza di esame del Tribunale federale si orienta secondo i principi validi per il ricorso di diritto pubblico.»\n\n**DTF 130 II 65** del 1° gennaio 2003  \nArmonizzazione procedurale; istanze di ricorso  \nI Cantoni devono creare un sistema di istanze unitario per l'imposta federale diretta e le imposte cantonali armonizzate.\n\n> «Secondo l'art. 145 cpv. 1 LIFD in connessione con l'art. 50 cpv. 3 LAID, un Cantone che per le imposte cantonali armonizzate permette il ricorso della decisione impugnata presso un'ulteriore istanza indipendente dall'amministrazione, è obbligato a prevedere lo stesso rimedio giuridico anche per l'imposta federale diretta.»\n\n### II. Delimitazione tra ambiti armonizzati e non armonizzati\n\n**DTF 141 I 78** del 21 giugno 1994 (pubblicato nel 2015)  \nAmnistia fiscale cantonale; aliquote d'imposta ridotte in caso di autodenuncia non punibile  \nL'art. 129 cpv. 2 Cost. non include l'autonomia tariffale dei Cantoni quando si tratta di ambiti armonizzati.\n\n> «L'introduzione di aliquote d'imposta ridotte in caso di autodenuncia non punibile viola le corrispondenti disposizioni della LAID, e l'applicazione di queste aliquote d'imposta non può essere giustificata invocando l'art. 129 cpv. 2 Cost. Il richiamo all'art. 129 cpv. 2 Cost. non è di aiuto, poiché questa disposizione garantisce l'autonomia tariffale dei Cantoni solo nella misura in cui sono toccati ambiti non compresi dall'armonizzazione.»\n\n**DTF 133 I 206** del 1° giugno 2007  \nCostituzionalità delle tariffe fiscali degressive; autonomia tariffale dei Cantoni  \nL'autonomia tariffale secondo l'art. 129 cpv. 2 Cost. sussiste nonostante l'armonizzazione fiscale, ma è soggetta a limiti costituzionali.\n\n> «L'art. 129 cpv. 2 Cost. stabilisce che dall'armonizzazione rimangono escluse in particolare le tariffe fiscali, le aliquote d'imposta e le franchigie fiscali. Questa autonomia tariffale riservata in linea di principio ai Cantoni è tuttavia soggetta alle esigenze costituzionali, segnatamente al principio dell'uguaglianza giuridica e al divieto dell'arbitrio.»\n\n### III. Armonizzazione fiscale e libertà di configurazione cantonale\n\n**DTF 131 I 291** del 20 aprile 2005  \nDisposizioni di valutazione provvisorie da parte del governo cantonale; separazione dei poteri  \nCompetenza del governo cantonale per l'emanazione di disposizioni provvisorie in caso di attuazione parlamentare tardiva.\n\n> «Il governo cantonale è competente e obbligato secondo l'art. 72 cpv. 3 LAID ad emanare disposizioni provvisorie, se il parlamento cantonale competente per la regolamentazione non ha creato in tempo per il 1° gennaio 2001 una situazione giuridica conforme alla legge sull'armonizzazione fiscale. La legge sull'armonizzazione fiscale precede qui, quale diritto federale più specifico, i principi costituzionali generali della separazione dei poteri.»\n\n**DTF 136 I 49** del 25 settembre 2009  \nImposizione dei dividendi; obbligo di applicazione costituzionale  \nL'obbligo di applicazione costituzionale esclude la verifica di regolamentazioni cantonali conformi all'armonizzazione.\n\n> «La legge federale sull'armonizzazione fiscale permette ai Cantoni di privilegiare gli azionisti qualificati di imprese nell'imposizione dei dividendi. L'obbligo di applicazione costituzionale delle leggi federali esclude la verifica di una regolamentazione cantonale coperta dalla legge federale nel quadro di un controllo astratto delle norme, anche se la legge federale è entrata in vigore solo un anno dopo.»\n\n### IV. Prassi su singoli ambiti armonizzati\n\n**DTF 131 II 697** del 26 ottobre 2005  \nParità di trattamento tariffale delle famiglie con uno e due genitori  \nL'art. 11 cpv. 1 LAID è incostituzionale, ma da applicare in forza dell'art. 191 Cost.\n\n> «La disposizione dell'art. 11 cpv. 1 LAID, secondo cui alle famiglie monoparentali e ai contribuenti con persone bisognose di sostegno deve essere concessa la stessa riduzione tariffale delle persone coniugate, viola il principio dell'imposizione secondo la capacità economica e quindi l'art. 127 cpv. 2 Cost. Tuttavia questa disposizione deve essere osservata dalle autorità che applicano il diritto in forza dell'obbligo di applicazione dell'art. 191 Cost.»\n\n**DTF 142 II 182** del 1° gennaio 2016  \nCompetenza locale in caso di versamento di capitale  \nPrescrizioni del diritto dell'armonizzazione per la regolamentazione della competenza.\n\n> «La determinazione della competenza locale per la rilevazione fiscale federale di un versamento di capitale si orienta secondo l'art. 105 LIFD. Per le imposte cantonali e comunali armonizzate valgono le corrispondenti disposizioni della LAID, che a loro volta rinviano alle regolamentazioni del diritto fiscale federale.»\n\n### V. Doppia imposizione intercantonale e coordinamento\n\n**DTF 148 I 65** del 28 luglio 2021  \nImposta sul capitale delle associazioni; divieto della doppia imposizione intercantonale  \nL'armonizzazione fiscale obbliga al coordinamento nella ripartizione intercantonale.\n\n> «I principi del diritto della doppia imposizione intercantonale devono essere osservati anche nell'ambito dell'imposta sul capitale. L'art. 127 cpv. 3 Cost. vieta la doppia imposizione intercantonale. Le disposizioni del diritto dell'armonizzazione concretizzano questo divieto per le imposte dirette.»\n\n**DTF 146 II 111** del 16 dicembre 2019  \nDomicilio fiscale delle persone giuridiche  \nCoordinamento del diritto dell'armonizzazione in caso di criteri di competenza divergenti.\n\n> «Benché il luogo dell'amministrazione effettiva rappresenti nel rapporto intercantonale il domicilio fiscale principale, nell'applicazione dell'art. 105 cpv. 3 LIFD devono essere osservate le speciali regole di competenza del diritto fiscale federale, che valgono anche per le imposte cantonali armonizzate.»\n\n### VI. Imposte comunali e sovranità fiscale comunale\n\n**DTF 141 I 235** del 19 giugno 2015  \nImposte comunali; ripartizione intercomunale  \nLa sovranità fiscale dei Comuni è conferita dai Cantoni, non dalla Confederazione.\n\n> «Non la Confederazione, ma i Cantoni conferiscono ai Comuni la loro sovranità fiscale. Fatta salva l'esigenza di parità di trattamento e il divieto dell'arbitrio, i Cantoni sono liberi di limitare le competenze fiscali dei loro Comuni. L'armonizzazione secondo l'art. 129 Cost. concerne primariamente il rapporto tra Confederazione e Cantoni.»\n\n### VII. Diritto transitorio e certezza del diritto\n\n**DTF 141 II 207** del 9 febbraio 2015  \nImposta sugli utili immobiliari; catena di differimento in caso di acquisto sostitutivo  \nLe disposizioni del diritto dell'armonizzazione valgono dal momento stabilito nell'ordinamento transitorio.\n\n> «L'imposizione degli utili immobiliari è armonizzata dal 1° gennaio 2001. Per le fattispecie che diventano imponibili dopo questo momento, le prescrizioni del diritto federale trovano applicazione diretta, nella misura in cui il diritto cantonale se ne discosta.»\n\n### VIII. Sviluppo e prospettive\n\nLa giurisprudenza sull'art. 129 Cost. mostra uno sviluppo continuo dal riconoscimento di principio della competenza di armonizzazione della Confederazione verso una considerazione differenziata del campo di tensione tra armonizzazione del diritto federale e autonomia cantonale. Il Tribunale federale ha così precisato sia i limiti dell'armonizzazione (in particolare per le tariffe e le aliquote fiscali) sia la loro efficacia vincolante negli ambiti compresi. La giurisprudenza più recente si occupa sempre più di questioni di diritto del coordinamento e dell'attuazione pratica delle prescrizioni del diritto dell'armonizzazione nella struttura federale.", "summary_en": "# Art. 129 BV — Tax Harmonisation\n\n## Overview\n\nArticle 129 of the Federal Constitution regulates the harmonisation of direct taxes in Switzerland. Direct taxes are taxes on income and wealth of natural persons as well as on profit and capital of companies. Harmonisation means that these taxes must function according to the same basic rules in all cantons.\n\nThe Confederation must establish principles for this harmonisation. These concern five areas: who must pay taxes (tax liability), what is taxed (object), when taxes are due (temporal assessment), how the tax procedure works (procedural law) and which tax offences are punished (tax criminal law).\n\nWhat is important: The cantons retain their autonomy regarding tax rates (how high the taxes are), tax tariffs (how steep the progression is) and exemptions (which amounts remain tax-free). Thus the Canton of Zug can continue to have lower tax rates than the Canton of Bern, but both must tax dividends according to the same rules, for example.\n\nA concrete example: A person who moves from Zurich to Basel will find the same tax forms, the same deduction possibilities and the same deadlines in both cantons. However, the Basel tax rate may be higher or lower than the Zurich one.\n\nThe Confederation may also issue regulations against unjustified tax privileges. This is directed against unfair privileges that individual cantons could grant.\n\nTax harmonisation affects everyone: Private individuals must fill out their tax returns according to harmonised rules. Companies benefit from uniform procedures when doing business in several cantons. The cantons must adapt their tax laws but retain important design freedoms.\n\nIn case of violations of harmonisation, the Federal Supreme Court can intervene and overturn cantonal regulations. Harmonisation thus creates legal certainty and fair tax competition between the cantons without destroying federal diversity.", "doctrine_en": "# Art. 129 BV — Tax harmonisation\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The roots of tax harmonisation reach back to the 1970s. After several failed attempts, the harmonisation article 42quinquies former Federal Constitution was adopted in the referendum of 12 June 1977 (BBl 1976 I 1329; BBl 1977 III 845). The legislative history was characterised by the tension between the need for legal unification to promote a unified economic area on the one hand and the insistence of the cantons on their tax autonomy on the other (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 1–3).\n\n**N. 2** The constitutional legislator deliberately chose a limited harmonisation competence. The Dispatch of 10 March 1976 emphasised that only formal, not material tax harmonisation was sought: «The harmonisation shall only extend to tax liability, the subject matter and temporal assessment of taxes, procedural law and tax criminal law» (BBl 1976 I 1361). This fundamental decision was maintained when transferring to Art. 129 new Federal Constitution.\n\n**N. 3** The Tax Harmonisation Act (StHG) of 14 December 1990, based on Art. 42quinquies former Federal Constitution, came into force on 1 January 1993 after ten years of deliberation. The cantons were granted a transitional period of eight years to adapt their tax law (Art. 72 para. 1 StHG). This deadline proved too short, which is why the Federal Supreme Court in **BGE 131 I 291** granted cantonal governments the competence to enact provisional provisions.\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 129 BV is systematically classified in Title 3 «Confederation, Cantons and Communes», Chapter 3 «Financial system». The norm is closely connected with:\n→ Art. 127 BV (Principles of taxation)\n→ Art. 128 BV (Direct taxes)\n→ Art. 134 BV (Exclusion of cantonal and communal taxes)\n↔ Art. 3 BV (Federalism) and Art. 47 BV (Autonomy of the cantons)\n\n**N. 5** The systematic position clarifies that tax harmonisation is part of the federal division of tasks. It realises the postulate of the unity of the economic order (→ Art. 95 BV) in the tax area, but at the same time respects the federal structure (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1095).\n\n**N. 6** Of central importance is the relationship to Art. 190 BV. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 131 II 697** that even unconstitutional provisions of the StHG must be enforced due to the duty of application. This considerably restricts the controlling function of the Constitution vis-à-vis harmonisation law.\n\n### 3. Factual elements / Content of the norm\n\n#### a) Basic competence (para. 1)\n\n**N. 7** The term «principles» is interpreted controversially. The «antinomy of constitutional objectives» outlined by Reich (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 12) characterises the interpretation: On the one hand, only framework legislation should take place, on the other hand effective harmonisation is sought.\n\n**N. 8** The Federal Supreme Court tends towards an extensive interpretation. In **BGE 130 II 202** it stated that the extent of cantonal possibilities for concretisation must be determined separately for each provision. Practice shows that the Confederation largely exhausts its competence (Vallender, Mittelbare Rechtsetzung, 435).\n\n**N. 9** The «direct taxes» comprise, according to the Federal Council's definition, taxes on income and wealth of natural persons as well as on profit and capital of legal persons (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 23). Not covered are in particular inheritance and gift taxes as well as capital gains taxes on real estate, although the latter have been partially included in the StHG (Art. 12 StHG).\n\n**N. 10** The obligation to take into account the «harmonisation efforts of the cantons» manifests itself primarily in the composition of expert commissions. Materially, however, this requirement has had little effect (Bieri, StR 2009, 92).\n\n#### b) Scope of harmonisation (para. 2)\n\n**N. 11** The positive description in para. 2 sentence 1 is exhaustive. Harmonisation extends to:\n- **Tax liability**: subjective and objective tax liability (Art. 3–5, 11–13 StHG)\n- **Subject matter**: taxable income and assets (Art. 7, 14 StHG)\n- **Temporal assessment**: tax period and temporal allocation (Art. 40–42 StHG)\n- **Procedural law**: assessment, legal remedies, collection (Art. 43–56 StHG)\n- **Tax criminal law**: criminal offences and procedures (Art. 56–59 StHG)\n\n**N. 12** The negative delimitation in para. 2 sentence 2 is not exhaustive («in particular»). The explicitly mentioned exceptions concern:\n- **Tax scales**: progression curve and tariff structure\n- **Tax rates**: percentage or absolute level of tax burden\n- **Tax exemptions**: thresholds and personal deductions\n\n**N. 13** This tariff autonomy is the core of the remaining cantonal tax sovereignty. The Federal Supreme Court emphasised in **BGE 133 I 206** that this autonomy is nevertheless subject to general constitutional principles, in particular the principle of equality before the law and the principle of taxation according to economic capacity.\n\n#### c) Unjustified tax privileges (para. 3)\n\n**N. 14** This competence was only inserted in 1993 (Art. 197 no. 9 BV). It targets intercantonal tax competition, in particular lump-sum taxation and holding privileges. The norm has remained largely unused so far (Locher, ASA 2010/11, 440).\n\n**N. 15** The indeterminate legal concept «unjustified» requires concretisation by law or jurisprudence. Legal doctrine demands restrained application so as not to excessively restrict tax competition (Feld/Schaltegger, StR 2009, 735).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 16** The primary legal consequence is the Confederation's obligation to enact harmonisation provisions. This obligation was fulfilled with the StHG. The StHG acts as framework legislation that requires transformation into cantonal law (Meister, ST 1993, 300).\n\n**N. 17** The following obligations arise for the cantons:\n- Adaptation of cantonal law to the requirements of the StHG\n- Observance of federal legal definitions\n- Uniform application of law in the harmonised area\n\n**N. 18** The Federal Supreme Court enforces these obligations through various legal remedies:\n- Administrative court appeal according to Art. 73 StHG (**BGE 130 II 65**)\n- Abstract judicial review for unconstitutional cantonal laws\n- Individual complaint for erroneous application of law\n\n**N. 19** The violation of harmonisation law requirements leads to the annulment of the cantonal norm or ruling. In case of default by cantonal legislation, the StHG comes into force directly (Art. 72 para. 2 StHG).\n\n### 5. Disputed issues\n\n**N. 20** The central disputed issue concerns the scope for design by the cantons in the harmonised area. One view emphasises the «principle» nature of federal competence and derives from this that cantons must retain leeway even outside the explicitly excluded areas (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11). The opposing position argues with the goal of a unified economic area and advocates for a narrow interpretation of cantonal scope (Simonek, BSK BV, Art. 129 N. 11).\n\n**N. 21** The scope of tariff autonomy is also controversial. While Oberson (Droit fiscal suisse, § 1 N 45) advocates comprehensive cantonal freedom in tariff design, others warn of constitutional limits. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 133 I 206** that tariff autonomy is also subject to the principle of equality before the law.\n\n**N. 22** The admissibility of material tax harmonisation is discussed in legal doctrine. Feld/Schaltegger (StR 2009, 740) reject this as unconstitutional, while other authors favour a constitutional revision. The political discussion has intensified with the OECD minimum taxation.\n\n**N. 23** Finally, the role of municipalities is disputed. While Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3142) see municipalities as indirectly affected, the Federal Supreme Court emphasises in **BGE 141 I 235** that harmonisation primarily concerns the Confederation-canton relationship.\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 24** For cantonal legislation, the following applies: harmonisation law requirements must be implemented mandatorily. For questions of interpretation, orientation on Federal Supreme Court jurisprudence is recommended, which tends to have a unifying effect.\n\n**N. 25** Taxpayers cannot rely on cantonal law that violates harmonisation requirements. The Federal Supreme Court applies the StHG directly in cases of clear violations. This applies in particular to procedural provisions (Cavelti, ASA 1993/94, 360).\n\n**N. 26** For intercantonal tax apportionment, the methodology prescribed by harmonisation law is mandatory. Deviating cantonal agreements are irrelevant (**BGE 148 I 65**).\n\n**N. 27** Future development will be shaped by international requirements (OECD minimum tax) and digitalisation. The constitutional framework enables adaptations within the existing division of competences; larger reforms would require a constitutional amendment (Yersin, ASA 1995/96, 115).", "caselaw_en": "# Art. 129 BV — Tax harmonisation\n\n## Case law\n\n### I. Constitutional foundations of tax harmonisation\n\n**BGE 130 II 202** of 2 March 2004  \nCapital gains tax on real estate; administrative appeal under Art. 73 THA in tax harmonisation  \nThe administrative appeal under Art. 73 para. 1 THA is also admissible insofar as the cantons have been left discretion within the framework of harmonised law.\n\n> «The Tax Harmonisation Act, as a framework or outline law, generally requires transformation into cantonal law. The extent of cantonal implementation possibilities and federal legal obligations must be determined separately for each individual provision. Insofar as the federal legislator grants the cantonal legislator discretionary scope, the Federal Supreme Court's examination authority is governed by the principles applicable to constitutional appeals.»\n\n**BGE 130 II 65** of 1 January 2003  \nProcedural harmonisation; appeal instances  \nThe cantons must create a uniform system of appeals for direct federal tax and harmonised cantonal taxes.\n\n> «According to Art. 145 para. 1 DITA in conjunction with Art. 50 para. 3 THA, a canton that allows for the appeal decision to be referred to a further administrative-independent instance for harmonised cantonal taxes is obliged to provide the same legal remedy path for direct federal tax as well.»\n\n### II. Delimitation of harmonised and non-harmonised areas\n\n**BGE 141 I 78** of 21 June 1994 (published 2015)  \nCantonal tax amnesty; reduced tax rates for penalty-free voluntary disclosure  \nArt. 129 para. 2 BV does not include the cantonal autonomy over tax rates when harmonised areas are concerned.\n\n> «The introduction of reduced tax rates for penalty-free voluntary disclosure violates the corresponding provisions of the THA, and the application of these tax rates cannot be justified by invoking Art. 129 para. 2 BV. The reference to Art. 129 para. 2 BV does not help, since this provision only guarantees the cantonal autonomy over tax rates insofar as areas not covered by harmonisation are affected.»\n\n**BGE 133 I 206** of 1 June 2007  \nConstitutionality of regressive tax scales; cantonal autonomy over tax rates  \nThe autonomy over tax rates under Art. 129 para. 2 BV remains despite tax harmonisation, but is subject to constitutional limitations.\n\n> «Art. 129 para. 2 BV stipulates that tax scales, tax rates and tax exemptions in particular remain excluded from harmonisation. This autonomy over tax rates, which in principle is reserved to the cantons, is however subject to constitutional requirements, notably the principle of equality before the law and the prohibition of arbitrariness.»\n\n### III. Tax harmonisation and cantonal freedom of design\n\n**BGE 131 I 291** of 20 April 2005  \nProvisional valuation regulations by cantonal government; separation of powers  \nAuthority of the cantonal government to issue provisional regulations in case of delayed parliamentary implementation.\n\n> «According to Art. 72 para. 3 THA, the cantonal government is authorised and obliged to issue provisional regulations if the cantonal parliament responsible for regulation has not created a legal situation corresponding to the Tax Harmonisation Act in time for 1 January 2001. The Tax Harmonisation Act here takes precedence as more specific federal law over the general constitutional principles of separation of powers.»\n\n**BGE 136 I 49** of 25 September 2009  \nDividend taxation; constitutional application requirement  \nThe constitutional requirement to apply law excludes review of cantonal regulations that conform to harmonisation requirements.\n\n> «The federal Tax Harmonisation Act permits cantons to grant privileges to qualified shareholders of enterprises in the taxation of dividends. The constitutional requirement to apply federal laws excludes review of a cantonal regulation covered by federal law in the framework of abstract judicial review, even if the federal law only entered into force a year later.»\n\n### IV. Practice relating to individual harmonised areas\n\n**BGE 131 II 697** of 26 October 2005  \nEqual tax treatment of single-parent and two-parent families  \nArt. 11 para. 1 THA is unconstitutional but must be applied by virtue of Art. 191 BV.\n\n> «The provision of Art. 11 para. 1 THA, according to which single-parent families and taxpayers with dependent persons are to be granted the same tax reduction as married persons, violates the principle of taxation according to economic capacity and thus Art. 127 para. 2 BV. Nevertheless, this provision must be observed by law-applying authorities by virtue of the application requirement of Art. 191 BV.»\n\n**BGE 142 II 182** of 1 January 2016  \nLocal jurisdiction for capital payments  \nHarmonisation law requirements for jurisdiction regulation.\n\n> «The determination of local jurisdiction for federal tax assessment of a capital payment is governed by Art. 105 DITA. For harmonised cantonal and municipal taxes, the corresponding provisions of the THA apply, which in turn refer to federal tax law regulations.»\n\n### V. Intercantonal double taxation and coordination\n\n**BGE 148 I 65** of 28 July 2021  \nCapital tax on associations; prohibition of intercantonal double taxation  \nTax harmonisation requires coordination in intercantonal allocation.\n\n> «The principles of intercantonal double taxation law must also be observed in the area of capital tax. Art. 127 para. 3 BV prohibits intercantonal double taxation. The harmonisation law provisions specify this prohibition for direct taxes.»\n\n**BGE 146 II 111** of 16 December 2019  \nTax domicile of legal entities  \nHarmonisation law coordination when jurisdiction criteria diverge.\n\n> «Although the place of actual administration represents the main tax domicile in intercantonal relations, when applying Art. 105 para. 3 DITA, the special federal tax law jurisdiction rules must be observed, which also apply to harmonised cantonal taxes.»\n\n### VI. Municipal taxes and municipal tax sovereignty\n\n**BGE 141 I 235** of 19 June 2015  \nMunicipal taxes; intermunicipal distribution  \nTax sovereignty of municipalities is conferred by the cantons, not by the Confederation.\n\n> «Not the Confederation, but the cantons confer tax sovereignty on the municipalities. Subject to the equal treatment requirement and the prohibition of arbitrariness, the cantons are free to limit the tax competencies of their municipalities. Harmonisation according to Art. 129 BV primarily concerns the relationship between the Confederation and the cantons.»\n\n### VII. Transitional law and legal certainty\n\n**BGE 141 II 207** of 9 February 2015  \nCapital gains tax on real estate; deferral chain for replacement acquisition  \nThe harmonisation law provisions apply from the time set in the transitional arrangements.\n\n> «The taxation of capital gains on real estate has been harmonised since 1 January 2001. For situations that become taxable after this date, the federal law requirements apply directly, insofar as cantonal law deviates from them.»\n\n### VIII. Development and outlook\n\nThe case law on Art. 129 BV shows a continuous development from the fundamental recognition of the Confederation's harmonisation competence towards a differentiated consideration of the tension between federal harmonisation and cantonal autonomy. In doing so, the Federal Supreme Court has specified both the limits of harmonisation (particularly regarding tax scales and rates) and its mandatory effect in the areas covered. Recent case law increasingly deals with coordination law issues and the practical implementation of harmonisation law requirements within the federal structure.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_129", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 129, "article_suffix": "a", "title": "Besondere Besteuerung grosser Unternehmensgruppen", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 129a BV ermächtigt den Bund, grosse Konzerne mit einer Mindeststeuer von 15 Prozent zu besteuern. Diese neue Steuer gilt für Unternehmensgruppen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro.\n\nDie Bestimmung entstand durch internationale Vereinbarungen der OECD und G20. Ohne diese neue Steuer hätten andere Länder Schweizer Konzerne besteuern können. Das Schweizer Volk stimmte am 18. Juni 2023 mit 78,5 Prozent Ja zu dieser Verfassungsänderung.\n\nDie Mindeststeuer funktioniert als Ergänzungssteuer. Zahlt ein grosser Konzern in der Schweiz weniger als 15 Prozent Gewinnsteuer, muss er die Differenz nachzahlen. Ein Konzern mit 10 Prozent Steuerbelastung zahlt zusätzlich 5 Prozent, um auf 15 Prozent zu kommen. Die normale Besteuerung bleibt bestehen.\n\nVon der neuen Steuer sind nur etwa 150 bis 200 grosse Konzerngruppen betroffen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bleiben vollständig ausgenommen. Die Kantone führen die Steuer durch, orientiert an internationalen Standards.\n\nDer Bund kann bei dieser Steuer von gewissen Verfassungsgrundsätzen abweichen. Zum Beispiel darf er verschiedene Unternehmen unterschiedlich besteuern, was normalerweise wegen des Gleichheitsgrundsatzes verboten wäre.\n\nDie erwarteten Steuereinnahmen betragen etwa 1 bis 2,5 Milliarden Franken pro Jahr. Drei Viertel gehen an die Kantone, ein Viertel an den Bund. Die Kantone sollen ihre Anteile für die Standortförderung verwenden.\n\nArt. 129a BV trat am 1. Januar 2024 in Kraft. Die ersten Steuern werden ab 2025 für das Geschäftsjahr 2024 erhoben.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 129a BV wurde am 18. Juni 2023 von Volk und Ständen mit 78,5% Ja-Stimmen angenommen und trat am 1. Januar 2024 in Kraft. Die Bestimmung geht auf die internationale Einigung im Rahmen der OECD und G20 zur Einführung einer globalen Mindestbesteuerung grosser multinationaler Unternehmensgruppen zurück (OECD/G20 Inclusive Framework on BEPS, Pillar Two).\n\n**N. 2** Der Bundesrat legte dem Parlament am 22. Juni 2022 die Botschaft zur Änderung der Bundesverfassung (Einführung einer OECD-Mindestbesteuerung für grosse Unternehmensgruppen) vor (BBl 2022 1598). Die Verfassungsänderung war notwendig, da die geltende Verfassungsordnung dem Bund keine Kompetenz zur Erhebung einer solchen Ergänzungssteuer einräumte. \n\n**N. 3** Die parlamentarische Beratung erfolgte im beschleunigten Verfahren. National- und Ständerat stimmten der Vorlage in der Schlussabstimmung vom 16. Dezember 2022 mit überwältigenden Mehrheiten zu (Nationalrat: 170:11 Stimmen, Ständerat: 40:2 Stimmen). Dies widerspiegelt den breiten politischen Konsens zur Sicherung der internationalen Akzeptanz des Schweizer Steuersystems.\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 129a BV ist systematisch im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 3. Kapitel (Finanzordnung), 1. Abschnitt (Allgemeines) eingeordnet. Die Bestimmung ergänzt die bestehenden Steuerkompetenzen des Bundes gemäss Art. 128-134 BV um eine spezielle, zweckgebundene Besteuerungskompetenz.\n\n**N. 5** Im Unterschied zu den traditionellen Bundessteuern (direkte Bundessteuer nach Art. 128 BV, Mehrwertsteuer nach Art. 130 BV) handelt es sich bei der Mindestbesteuerung nach Art. 129a BV um eine Ergänzungssteuer mit internationalem Bezug. Sie greift nur, soweit die ordentliche Besteuerung die 15%-Schwelle nicht erreicht (→ Art. 128 BV).\n\n**N. 6** Die Bestimmung weist eine enge Verbindung zu Art. 94 BV (Grundsätze der Wirtschaftsordnung) und Art. 100 BV (Konjunkturpolitik) auf, da sie die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz im internationalen Steuerwettbewerb sichern soll. Zudem besteht ein Bezug zu Art. 5a BV (Subsidiarität), da die Umsetzung primär durch die Kantone erfolgt.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Grosse Unternehmensgruppen**: Der Begriff ist nicht verfassungsautonom, sondern verweist auf die internationalen Standards der OECD. Nach diesen gelten Unternehmensgruppen mit einem konsolidierten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro als «gross». Die Schwelle entspricht dem Country-by-Country-Reporting-Standard.\n\n**N. 8** **Mindestbesteuerung von 15 Prozent**: Die Verfassung fixiert den Mindeststeuersatz auf 15%. Dieser bezieht sich auf den effektiven Steuersatz, nicht auf den nominalen Tarif. Massgebend ist die Gesamtbelastung durch Gewinnsteuern aller staatlichen Ebenen (Bund, Kantone, Gemeinden).\n\n**N. 9** **Besteuerung des Gewinns**: Die Mindestbesteuerung knüpft ausschliesslich an den Gewinn an, nicht an andere Bemessungsgrundlagen wie Kapital oder Umsatz. Der Gewinnbegriff richtet sich nach den internationalen GloBE-Regeln (Global Anti-Base Erosion Rules), die auf den Rechnungslegungsstandards basieren.\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die Verfassungsbestimmung begründet eine **Bundeskompetenz** zur Mindestbesteuerung. Diese umfasst sowohl die Gesetzgebung als auch den Vollzug, wobei die Kantone gemäss Abs. 1 Satz 2 «soweit möglich» einzubeziehen sind. Dies entspricht dem kooperativen Föderalismus (→ Art. 46 BV).\n\n**N. 11** **Ergänzungssteuer**: Liegt die effektive Steuerbelastung einer in der Schweiz ansässigen Konzerneinheit unter 15%, ist die Differenz als Ergänzungssteuer zu erheben. Diese Steuer kommt zur ordentlichen Besteuerung hinzu und ersetzt sie nicht.\n\n**N. 12** **Internationale Koordination**: Die Schweiz kann die Mindestbesteuerung auch auf ausländische Konzerneinheiten anwenden, wenn deren Ansässigkeitsstaat keine gleichwertige Besteuerung vorsieht (sog. Undertaxed Profits Rule). Dies verhindert, dass andere Staaten auf Schweizer Konzerngesellschaften zugreifen.\n\n### Streitstände\n\n**N. 13** **Föderalistische Umsetzung**: In der Vernehmlassung war umstritten, ob die Umsetzung zentral durch den Bund oder dezentral durch die Kantone erfolgen soll. Die Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren (FDK) setzte sich erfolgreich für eine kantonale Lösung mit Bundesrahmengesetz ein (BBl 2022 1598, 1611 f.).\n\n**N. 14** **Verwendung der Mehrerträge**: Kontrovers diskutiert wurde die Verteilung der erwarteten Mehrerträge. Der Verfassungstext lässt dies offen. In der parlamentarischen Debatte einigten sich Bund und Kantone auf eine Aufteilung von 25% (Bund) zu 75% (Kantone), wobei die Kantone ihre Anteile zur Standortförderung einsetzen sollen (AB 2022 N 1766 ff.).\n\n**N. 15** **Verhältnis zu Doppelbesteuerungsabkommen**: Ungeklärt ist das Verhältnis der Mindestbesteuerung zu bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen. Die herrschende Lehre vertritt, dass die OECD-Mindestbesteuerung als multilateral koordinierte Massnahme nicht gegen bilaterale DBA verstösst (Matteotti/Roth, ASA 91 (2022/23), 417, 425 ff.).\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 16** **Schwellenwertprüfung**: Unternehmensgruppen müssen jährlich prüfen, ob sie die Umsatzschwelle von 750 Millionen Euro überschreiten. Massgebend sind zwei der letzten vier Geschäftsjahre. Bei Umstrukturierungen gelten Sonderregeln.\n\n**N. 17** **Effektive Steuerbelastung**: Die Berechnung der effektiven Steuerbelastung erfolgt jurisdiktionsbezogen nach den komplexen GloBE-Regeln. Unternehmen sollten frühzeitig Systeme zur Datenerfassung und -berechnung implementieren.\n\n**N. 18** **Standortattraktivität**: Kantone können ihre Standortattraktivität durch nicht-steuerliche Massnahmen (Subventionen, Infrastruktur, Bildung) oder durch die Senkung der ordentlichen Gewinnsteuersätze für nicht betroffene Unternehmen wahren. Die Mindestbesteuerung gilt nur für grosse Konzerne, KMU bleiben unberührt.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Vorbemerkung\n\nFür Art. 129a BV liegt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine gefestigte Rechtsprechung vor. Die Bestimmung wurde erst am 18. Juni 2023 durch die Volksabstimmung angenommen und trat am 1. Januar 2024 in Kraft. Die ersten Anwendungsfälle werden sich im Zuge der Umsetzung der OECD/G20-Mindestbesteuerung ab 2024 ergeben.\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**Urteil 1C_565/2024 vom 18. Februar 2025**\n\nKantonale Abstimmungsbeschwerde betreffend Steuergesetzrevision im Kanton Luzern zur Umsetzung der OECD-Mindestbesteuerung. Das Bundesgericht prüfte die politischen Rechte im Abstimmungsverfahren, ohne materiell über die Verfassungsbestimmung zu entscheiden. Die Beschwerdeführenden rügten unvollständige Information über die Gemeindeeinnahmen aus der OECD-Mindestbesteuerung.\n\n> «klarzustellen, dass der Gemeindeanteil an den Einnahmen aus der OECD-Mindestbesteuerung gemäss der Steuergesetzrevision lediglich CHF 26.6 Mio. bzw. ab 2030 CHF 23.5 Mio. beträgt»\n\nDas Verfahren zeigt die praktische Bedeutung der Verfassungsbestimmung für die kantonale Gesetzgebung und die Finanzverteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden.\n\n### Ausblick\n\nDie materielle Rechtsprechung zu Art. 129a BV wird sich entwickeln, sobald konkrete Streitfälle zur Abgrenzung der Bundeskompetenzen, zur Auslegung der Mindeststeuer von 15 Prozent und zur Verteilung der Steuereinnahmen entstehen. Relevante Fragestellungen werden insbesondere die Vereinbarkeit kantonaler Umsetzungsgesetze mit der Verfassungsbestimmung sowie die Koordination mit internationalen Abkommen betreffen.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 129a Cst. habilite la Confédération à imposer les grandes entreprises avec un impôt minimum de 15 pour cent. Ce nouvel impôt s'applique aux groupes d'entreprises réalisant un chiffre d'affaires annuel d'au moins 750 millions d'euros.\n\nCette disposition résulte d'accords internationaux de l'OCDE et du G20. Sans ce nouvel impôt, d'autres pays auraient pu imposer les groupes suisses. Le peuple suisse a accepté cette modification constitutionnelle le 18 juin 2023 avec 78,5 pour cent de oui.\n\nL'impôt minimum fonctionne comme un impôt complémentaire. Si un grand groupe paie moins de 15 pour cent d'impôt sur le bénéfice en Suisse, il doit verser la différence. Un groupe avec une charge fiscale de 10 pour cent paie en plus 5 pour cent pour atteindre 15 pour cent. L'imposition normale demeure.\n\nSeuls environ 150 à 200 grands groupes d'entreprises sont concernés par le nouvel impôt. Les petites et moyennes entreprises (PME) restent entièrement exemptées. Les cantons exécutent l'impôt en s'orientant sur les standards internationaux.\n\nLa Confédération peut déroger à certains principes constitutionnels pour cet impôt. Par exemple, elle peut imposer différemment diverses entreprises, ce qui serait normalement interdit en raison du principe d'égalité.\n\nLes recettes fiscales attendues s'élèvent à environ 1 à 2,5 milliards de francs par année. Trois quarts vont aux cantons, un quart à la Confédération. Les cantons doivent utiliser leurs parts pour la promotion de la place économique.\n\nL'art. 129a Cst. est entré en vigueur le 1er janvier 2024. Les premiers impôts seront perçus dès 2025 pour l'exercice commercial 2024.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Historique de la création\n\n**N. 1** L'art. 129a Cst. a été accepté par le peuple et les cantons le 18 juin 2023 avec 78,5% de oui et est entré en vigueur le 1er janvier 2024. Cette disposition découle de l'accord international conclu dans le cadre de l'OCDE et du G20 pour l'introduction d'une imposition minimale globale des grands groupes d'entreprises multinationales (Cadre inclusif OCDE/G20 sur le BEPS, pilier deux).\n\n**N. 2** Le Conseil fédéral a soumis au Parlement le 22 juin 2022 le message concernant la modification de la Constitution fédérale (introduction d'un impôt minimum OCDE pour les grands groupes d'entreprises) (FF 2022 1598). Cette modification constitutionnelle était nécessaire car l'ordre constitutionnel en vigueur ne conférait pas à la Confédération la compétence de percevoir un tel impôt complémentaire.\n\n**N. 3** Les délibérations parlementaires se sont déroulées selon la procédure accélérée. Le Conseil national et le Conseil des États ont approuvé le projet lors du vote final du 16 décembre 2022 avec des majorités écrasantes (Conseil national : 170 voix contre 11, Conseil des États : 40 voix contre 2). Ceci reflète le large consensus politique pour assurer l'acceptation internationale du système fiscal suisse.\n\n### Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 129a Cst. s'insère systématiquement dans le titre 3 (Confédération, cantons et communes), chapitre 3 (Régime financier), section 1 (Dispositions générales). Cette disposition complète les compétences fiscales existantes de la Confédération selon les art. 128-134 Cst. par une compétence d'imposition spéciale et affectée.\n\n**N. 5** Contrairement aux impôts fédéraux traditionnels (impôt fédéral direct selon l'art. 128 Cst., taxe sur la valeur ajoutée selon l'art. 130 Cst.), l'imposition minimale selon l'art. 129a Cst. constitue un impôt complémentaire à dimension internationale. Il ne s'applique que dans la mesure où l'imposition ordinaire n'atteint pas le seuil de 15% (→ art. 128 Cst.).\n\n**N. 6** Cette disposition présente un lien étroit avec l'art. 94 Cst. (principes de l'ordre économique) et l'art. 100 Cst. (politique conjoncturelle), car elle vise à sécuriser la compétitivité de la place économique suisse dans la concurrence fiscale internationale. Il existe en outre un lien avec l'art. 5a Cst. (subsidiarité), car la mise en œuvre s'effectue principalement par les cantons.\n\n### Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Grands groupes d'entreprises** : Cette notion n'est pas autonome au niveau constitutionnel, mais renvoie aux standards internationaux de l'OCDE. Selon ces derniers, sont considérés comme « grands » les groupes d'entreprises ayant un chiffre d'affaires annuel consolidé d'au moins 750 millions d'euros. Ce seuil correspond au standard du Country-by-Country-Reporting.\n\n**N. 8** **Imposition minimale de 15 pour cent** : La Constitution fixe le taux d'imposition minimal à 15%. Celui-ci se réfère au taux d'imposition effectif, non au tarif nominal. Est déterminante la charge globale des impôts sur le bénéfice de tous les niveaux étatiques (Confédération, cantons, communes).\n\n**N. 9** **Imposition du bénéfice** : L'imposition minimale se rattache exclusivement au bénéfice, non à d'autres bases de calcul comme le capital ou le chiffre d'affaires. La notion de bénéfice se conforme aux règles GloBE internationales (Global Anti-Base Erosion Rules), qui se fondent sur les standards de présentation des comptes.\n\n### Conséquences juridiques\n\n**N. 10** La disposition constitutionnelle fonde une **compétence fédérale** d'imposition minimale. Celle-ci comprend tant la législation que l'exécution, les cantons devant être associés « dans la mesure du possible » selon l'al. 1, 2e phrase. Cela correspond au fédéralisme coopératif (→ art. 46 Cst.).\n\n**N. 11** **Impôt complémentaire** : Si la charge fiscale effective d'une entité de groupe domiciliée en Suisse est inférieure à 15%, la différence doit être perçue sous forme d'impôt complémentaire. Cet impôt s'ajoute à l'imposition ordinaire et ne la remplace pas.\n\n**N. 12** **Coordination internationale** : La Suisse peut également appliquer l'imposition minimale aux entités de groupe étrangères si leur État de domicile ne prévoit pas d'imposition équivalente (Undertaxed Profits Rule). Ceci empêche que d'autres États s'en prennent aux sociétés de groupe suisses.\n\n### Points litigieux\n\n**N. 13** **Mise en œuvre fédéraliste** : Lors de la procédure de consultation, il était controversé de savoir si la mise en œuvre devait se faire de manière centralisée par la Confédération ou décentralisée par les cantons. La Conférence des directrices et directeurs cantonaux des finances (CDF) s'est imposée avec succès pour une solution cantonale avec loi-cadre fédérale (FF 2022 1598, 1611 s.).\n\n**N. 14** **Utilisation des recettes supplémentaires** : La répartition des recettes supplémentaires attendues a fait l'objet de discussions controversées. Le texte constitutionnel laisse cette question ouverte. Lors du débat parlementaire, la Confédération et les cantons se sont entendus sur une répartition de 25% (Confédération) contre 75% (cantons), les cantons devant utiliser leurs parts pour la promotion de la place économique (BO 2022 N 1766 ss.).\n\n**N. 15** **Rapport aux conventions de double imposition** : Le rapport de l'imposition minimale aux conventions de double imposition existantes n'est pas éclairci. La doctrine dominante soutient que l'imposition minimale OCDE, en tant que mesure coordonnée multilatéralement, ne viole pas les CDI bilatérales (Matteotti/Roth, ASA 91 (2022/23), 417, 425 ss.).\n\n### Indications pratiques\n\n**N. 16** **Vérification du seuil** : Les groupes d'entreprises doivent vérifier annuellement s'ils dépassent le seuil de chiffre d'affaires de 750 millions d'euros. Sont déterminants deux des quatre derniers exercices. En cas de restructurations, des règles spéciales s'appliquent.\n\n**N. 17** **Charge fiscale effective** : Le calcul de la charge fiscale effective s'effectue par juridiction selon les règles GloBE complexes. Les entreprises devraient implémenter rapidement des systèmes de saisie et de calcul des données.\n\n**N. 18** **Attractivité du site** : Les cantons peuvent préserver l'attractivité de leur site par des mesures non fiscales (subventions, infrastructure, formation) ou par la baisse des taux d'impôt sur le bénéfice ordinaires pour les entreprises non concernées. L'imposition minimale ne s'applique qu'aux grands groupes, les PME ne sont pas touchées.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Remarque préliminaire\n\nIl n'existe actuellement aucune jurisprudence établie sur l'art. 129a Cst. La disposition n'a été adoptée qu'en votation populaire le 18 juin 2023 et est entrée en vigueur le 1er janvier 2024. Les premiers cas d'application se présenteront lors de la mise en œuvre de l'imposition minimale OCDE/G20 à partir de 2024.\n\n### Aspects de procédure\n\n**Arrêt 1C_565/2024 du 18 février 2025**\n\nRecours cantonal contre votation concernant une révision de la loi fiscale dans le canton de Lucerne pour la mise en œuvre de l'imposition minimale OCDE. Le Tribunal fédéral a examiné les droits politiques dans la procédure de votation, sans se prononcer matériellement sur la disposition constitutionnelle. Les recourants reprochaient une information incomplète concernant les recettes communales provenant de l'imposition minimale OCDE.\n\n> « de préciser que la part des communes aux recettes de l'imposition minimale OCDE selon la révision de la loi fiscale ne s'élève qu'à CHF 26,6 mio, respectivement CHF 23,5 mio dès 2030 »\n\nLa procédure montre l'importance pratique de la disposition constitutionnelle pour la législation cantonale et la répartition financière entre la Confédération, les cantons et les communes.\n\n### Perspectives\n\nLa jurisprudence matérielle sur l'art. 129a Cst. se développera dès que naîtront des cas de litige concrets concernant la délimitation des compétences fédérales, l'interprétation de l'impôt minimum de 15 pour cent et la répartition des recettes fiscales. Les questions pertinentes concerneront notamment la compatibilité des lois cantonales de mise en œuvre avec la disposition constitutionnelle ainsi que la coordination avec les accords internationaux.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 129a Cost. autorizza la Confederazione a tassare le grandi imprese con un'imposta minima del 15 per cento. Questa nuova imposta si applica ai gruppi di imprese con un fatturato annuo di almeno 750 milioni di euro.\n\nLa disposizione è nata da accordi internazionali dell'OCSE e del G20. Senza questa nuova imposta, altri Paesi avrebbero potuto tassare le imprese svizzere. Il popolo svizzero ha approvato questo emendamento costituzionale il 18 giugno 2023 con il 78,5 per cento di sì.\n\nL'imposta minima funziona come imposta integrativa. Se una grande impresa paga in Svizzera meno del 15 per cento di imposta sugli utili, deve versare la differenza. Un'impresa con un onere fiscale del 10 per cento paga un ulteriore 5 per cento per raggiungere il 15 per cento. La tassazione normale rimane invariata.\n\nLa nuova imposta riguarda soltanto circa 150-200 grandi gruppi di imprese. Le piccole e medie imprese (PMI) rimangono completamente esentate. I Cantoni riscuotono l'imposta, orientandosi agli standard internazionali.\n\nPer questa imposta la Confederazione può derogare a certi principi costituzionali. Ad esempio, può tassare diversamente le varie imprese, cosa normalmente vietata dal principio di uguaglianza.\n\nLe entrate fiscali previste ammontano a circa 1-2,5 miliardi di franchi all'anno. Tre quarti vanno ai Cantoni, un quarto alla Confederazione. I Cantoni dovrebbero utilizzare le loro quote per la promozione della piazza economica.\n\nL'art. 129a Cost. è entrato in vigore il 1° gennaio 2024. Le prime imposte saranno riscosse a partire dal 2025 per l'esercizio 2024.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 129a Cost. è stato accettato il 18 giugno 2023 da popolo e Cantoni con il 78,5% di voti favorevoli ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2024. La disposizione risale all'accordo internazionale nel quadro dell'OCSE e del G20 per l'introduzione di un'imposizione minima globale dei grandi gruppi multinazionali di imprese (OECD/G20 Inclusive Framework on BEPS, Pillar Two).\n\n**N. 2** Il 22 giugno 2022 il Consiglio federale ha sottoposto al Parlamento il messaggio concernente la modifica della Costituzione federale (Introduzione di un'imposizione minima OCSE per i grandi gruppi di imprese) (FF 2022 1561). La modifica costituzionale si rendeva necessaria poiché l'ordinamento costituzionale vigente non conferiva alla Confederazione alcuna competenza per riscuotere una siffatta imposta complementare.\n\n**N. 3** La consultazione parlamentare si è svolta secondo la procedura accelerata. Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati hanno approvato il progetto nella votazione finale del 16 dicembre 2022 con maggioranze schiaccianti (Consiglio nazionale: 170:11 voti, Consiglio degli Stati: 40:2 voti). Ciò riflette l'ampio consenso politico per garantire l'accettazione internazionale del sistema fiscale svizzero.\n\n### Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 129a Cost. è inquadrato sistematicamente nel 3° titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), 3° capitolo (Ordinamento finanziario), 1ª sezione (Disposizioni generali). La disposizione completa le competenze fiscali esistenti della Confederazione secondo gli art. 128-134 Cost. con una competenza fiscale speciale e vincolata a uno scopo.\n\n**N. 5** A differenza delle imposte federali tradizionali (imposta federale diretta secondo l'art. 128 Cost., imposta sul valore aggiunto secondo l'art. 130 Cost.), l'imposizione minima secondo l'art. 129a Cost. si tratta di un'imposta complementare con riferimento internazionale. Essa interviene soltanto nella misura in cui l'imposizione ordinaria non raggiunge la soglia del 15% (→ art. 128 Cost.).\n\n**N. 6** La disposizione presenta uno stretto collegamento con l'art. 94 Cost. (Principi dell'ordinamento economico) e l'art. 100 Cost. (Politica congiunturale), poiché deve garantire la competitività della piazza economica svizzera nella concorrenza fiscale internazionale. Inoltre sussiste un riferimento all'art. 5a Cost. (Sussidiarietà), poiché l'attuazione avviene primariamente attraverso i Cantoni.\n\n### Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Grandi gruppi di imprese**: Il concetto non è costituzionalmente autonomo, ma rinvia agli standard internazionali dell'OCSE. Secondo questi, i gruppi di imprese con un fatturato annuo consolidato di almeno 750 milioni di euro sono considerati «grandi». La soglia corrisponde allo standard del Country-by-Country-Reporting.\n\n**N. 8** **Imposizione minima del 15 per cento**: La Costituzione fissa l'aliquota d'imposta minima al 15%. Questa si riferisce all'aliquota fiscale effettiva, non alla tariffa nominale. Determinante è l'onere complessivo delle imposte sugli utili di tutti i livelli statali (Confederazione, Cantoni, Comuni).\n\n**N. 9** **Imposizione dell'utile**: L'imposizione minima si collega esclusivamente all'utile, non ad altre basi di calcolo come capitale o fatturato. Il concetto di utile si orienta alle regole GloBE internazionali (Global Anti-Base Erosion Rules), che si basano sugli standard di contabilità.\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La disposizione costituzionale fonda una **competenza della Confederazione** per l'imposizione minima. Questa comprende sia la legislazione sia l'esecuzione, dovendo coinvolgere i Cantoni secondo il cpv. 1 frase 2 «per quanto possibile». Ciò corrisponde al federalismo cooperativo (→ art. 46 Cost.).\n\n**N. 11** **Imposta complementare**: Se l'onere fiscale effettivo di un'entità di gruppo residente in Svizzera è inferiore al 15%, la differenza deve essere riscossa come imposta complementare. Questa imposta si aggiunge all'imposizione ordinaria e non la sostituisce.\n\n**N. 12** **Coordinamento internazionale**: La Svizzera può applicare l'imposizione minima anche ad entità di gruppo estere, se il loro Stato di residenza non prevede un'imposizione equivalente (cosiddetta Undertaxed Profits Rule). Ciò impedisce che altri Stati accedano a società di gruppo svizzere.\n\n### Questioni controverse\n\n**N. 13** **Attuazione federalistica**: Nella consultazione era controverso se l'attuazione dovesse avvenire centralmente attraverso la Confederazione o decentratamente attraverso i Cantoni. La Conferenza dei direttori cantonali delle finanze (CDF) si è imposta con successo per una soluzione cantonale con legge quadro federale (FF 2022 1561, 1573 seg.).\n\n**N. 14** **Utilizzo delle maggiori entrate**: È stata discussa in modo controverso la ripartizione delle maggiori entrate previste. Il testo costituzionale lascia ciò aperto. Nel dibattito parlamentare Confederazione e Cantoni si sono accordati su una ripartizione del 25% (Confederazione) al 75% (Cantoni), dovendo i Cantoni impiegare le loro quote per la promozione della piazza economica (BU 2022 N 1766 segg.).\n\n**N. 15** **Rapporto con le convenzioni per evitare le doppie imposizioni**: Non è chiarito il rapporto dell'imposizione minima con le convenzioni esistenti per evitare le doppie imposizioni. La dottrina prevalente sostiene che l'imposizione minima OCSE come misura coordinata multilateralmente non viola le CDI bilaterali (Matteotti/Roth, ASA 91 (2022/23), 417, 425 segg.).\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Verifica del valore soglia**: I gruppi di imprese devono verificare annualmente se superano la soglia di fatturato di 750 milioni di euro. Determinanti sono due degli ultimi quattro esercizi. Per le ristrutturazioni vigono regole speciali.\n\n**N. 17** **Onere fiscale effettivo**: Il calcolo dell'onere fiscale effettivo avviene per giurisdizione secondo le complesse regole GloBE. Le imprese dovrebbero implementare tempestivamente sistemi per la raccolta e il calcolo dei dati.\n\n**N. 18** **Attrattività della piazza**: I Cantoni possono mantenere la loro attrattività come piazza economica attraverso misure non fiscali (sussidi, infrastrutture, formazione) o attraverso la riduzione delle aliquote ordinarie dell'imposta sugli utili per le imprese non interessate. L'imposizione minima vale solo per i grandi gruppi, le PMI rimangono non toccate.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Osservazione preliminare\n\nPer l'art. 129a Cost. non esiste al momento attuale una giurisprudenza consolidata. La disposizione è stata accettata solo il 18 giugno 2023 attraverso la votazione popolare ed è entrata in vigore il 1° gennaio 2024. I primi casi di applicazione si presenteranno nel corso dell'attuazione dell'imposizione minima OCSE/G20 a partire dal 2024.\n\n### Aspetti procedurali\n\n**Sentenza 1C_565/2024 del 18 febbraio 2025**\n\nRicorso cantonale in materia di votazioni concernente la revisione della legge fiscale nel Cantone di Lucerna per l'attuazione dell'imposizione minima OCSE. Il Tribunale federale ha esaminato i diritti politici nella procedura di votazione, senza decidere materialmente sulla disposizione costituzionale. I ricorrenti hanno lamentato informazioni incomplete sui proventi comunali derivanti dall'imposizione minima OCSE.\n\n> «klarzustellen, dass der Gemeindeanteil an den Einnahmen aus der OECD-Mindestbesteuerung gemäss der Steuergesetzrevision lediglich CHF 26.6 Mio. bzw. ab 2030 CHF 23.5 Mio. beträgt»\n\nLa procedura mostra l'importanza pratica della disposizione costituzionale per la legislazione cantonale e la ripartizione finanziaria tra Confederazione, Cantoni e Comuni.\n\n### Prospettive\n\nLa giurisprudenza materiale sull'art. 129a Cost. si svilupperà non appena sorgeranno casi concreti di controversia relativi alla delimitazione delle competenze federali, all'interpretazione dell'imposta minima del 15 per cento e alla ripartizione dei proventi fiscali. Le questioni rilevanti riguarderanno in particolare la compatibilità delle leggi cantonali di attuazione con la disposizione costituzionale nonché il coordinamento con gli accordi internazionali.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 129a BV authorises the Confederation to tax large corporations with a minimum tax of 15 percent. This new tax applies to corporate groups with an annual turnover of at least 750 million euros.\n\nThe provision arose through international agreements of the OECD and G20. Without this new tax, other countries could have taxed Swiss corporations. The Swiss people voted on 18 June 2023 with 78.5 percent in favour of this constitutional amendment.\n\nThe minimum tax functions as a supplementary tax. If a large corporation pays less than 15 percent profit tax in Switzerland, it must pay the difference. A corporation with a 10 percent tax burden pays an additional 5 percent to reach 15 percent. Normal taxation remains in place.\n\nOnly about 150 to 200 large corporate groups are affected by the new tax. Small and medium-sized enterprises (SMEs) remain completely exempt. The cantons implement the tax, based on international standards.\n\nThe Confederation may deviate from certain constitutional principles with this tax. For example, it may tax different enterprises differently, which would normally be prohibited due to the principle of equality.\n\nThe expected tax revenue amounts to approximately 1 to 2.5 billion francs per year. Three quarters go to the cantons, one quarter to the Confederation. The cantons shall use their shares for location promotion.\n\nArt. 129a BV entered into force on 1 January 2024. The first taxes will be levied from 2025 for the 2024 financial year.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** Art. 129a BV was adopted by the people and the cantons on 18 June 2023 with 78.5% of yes votes and entered into force on 1 January 2024. The provision stems from the international agreement within the OECD and G20 framework for the introduction of a global minimum tax for large multinational enterprise groups (OECD/G20 Inclusive Framework on BEPS, Pillar Two).\n\n**N. 2** On 22 June 2022, the Federal Council submitted to Parliament the Federal Council Dispatch on the Amendment of the Federal Constitution (Introduction of an OECD Minimum Tax for Large Enterprise Groups) (BBl 2022 1598). The constitutional amendment was necessary because the existing constitutional order did not grant the Confederation competence to levy such a supplementary tax.\n\n**N. 3** Parliamentary deliberation took place through expedited proceedings. The National Council and Council of States approved the proposal in the final vote of 16 December 2022 with overwhelming majorities (National Council: 170:11 votes, Council of States: 40:2 votes). This reflects the broad political consensus on securing the international acceptance of the Swiss tax system.\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 129a BV is systematically classified in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 3 (Financial System), Section 1 (General Provisions). The provision supplements the existing tax competences of the Confederation under Art. 128-134 BV with a special, purpose-bound taxation competence.\n\n**N. 5** Unlike traditional federal taxes (direct federal tax under Art. 128 BV, value added tax under Art. 130 BV), the minimum tax under Art. 129a BV is a supplementary tax with international connection. It only applies insofar as ordinary taxation does not reach the 15% threshold (→ Art. 128 BV).\n\n**N. 6** The provision shows a close connection to Art. 94 BV (Principles of Economic Policy) and Art. 100 BV (Economic Policy), as it is intended to secure the competitiveness of Switzerland as a business location in international tax competition. There is also a connection to Art. 5a BV (Subsidiarity), as implementation takes place primarily through the cantons.\n\n### Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 7** **Large Enterprise Groups**: The concept is not constitutionally autonomous but refers to the international OECD standards. According to these, enterprise groups with a consolidated annual revenue of at least 750 million euros are considered \"large\". The threshold corresponds to the Country-by-Country Reporting standard.\n\n**N. 8** **Minimum Tax of 15 Percent**: The Constitution fixes the minimum tax rate at 15%. This refers to the effective tax rate, not the nominal tariff. Decisive is the total burden from profit taxes of all state levels (Confederation, cantons, communes).\n\n**N. 9** **Taxation of Profit**: The minimum tax is exclusively linked to profit, not to other assessment bases such as capital or revenue. The concept of profit is governed by the international GloBE rules (Global Anti-Base Erosion Rules), which are based on accounting standards.\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 10** The constitutional provision establishes a **federal competence** for minimum taxation. This encompasses both legislation and enforcement, whereby the cantons are to be involved \"as far as possible\" according to para. 1 sentence 2. This corresponds to cooperative federalism (→ Art. 46 BV).\n\n**N. 11** **Supplementary Tax**: If the effective tax burden of a group entity resident in Switzerland is below 15%, the difference must be levied as a supplementary tax. This tax is in addition to ordinary taxation and does not replace it.\n\n**N. 12** **International Coordination**: Switzerland can also apply the minimum tax to foreign group entities if their state of residence does not provide equivalent taxation (so-called Undertaxed Profits Rule). This prevents other states from accessing Swiss group companies.\n\n### Controversial Issues\n\n**N. 13** **Federalist Implementation**: In the consultation, it was disputed whether implementation should be central through the Confederation or decentralized through the cantons. The Conference of Cantonal Finance Directors (FDK) successfully advocated for a cantonal solution with a federal framework law (BBl 2022 1598, 1611 f.).\n\n**N. 14** **Use of Additional Revenue**: The distribution of expected additional revenue was controversially discussed. The constitutional text leaves this open. In parliamentary debate, the Confederation and cantons agreed on a division of 25% (Confederation) to 75% (cantons), whereby the cantons should use their shares for location promotion (AB 2022 N 1766 ff.).\n\n**N. 15** **Relationship to Double Taxation Agreements**: The relationship of the minimum tax to existing double taxation agreements remains unclear. The prevailing doctrine holds that OECD minimum taxation, as a multilaterally coordinated measure, does not violate bilateral DTAs (Matteotti/Roth, ASA 91 (2022/23), 417, 425 ff.).\n\n### Practical Notes\n\n**N. 16** **Threshold Assessment**: Enterprise groups must annually assess whether they exceed the revenue threshold of 750 million euros. Two of the last four business years are decisive. Special rules apply for restructuring.\n\n**N. 17** **Effective Tax Burden**: The calculation of the effective tax burden is conducted on a jurisdictional basis according to the complex GloBE rules. Companies should implement systems for data collection and calculation at an early stage.\n\n**N. 18** **Location Attractiveness**: Cantons can maintain their location attractiveness through non-tax measures (subsidies, infrastructure, education) or by reducing ordinary profit tax rates for unaffected companies. The minimum tax only applies to large corporations; SMEs remain unaffected.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Preliminary Remarks\n\nAt present, there is no established case law regarding Art. 129a Cst. The provision was only adopted in a referendum on 18 June 2023 and entered into force on 1 January 2024. The first applications will arise in the course of implementing the OECD/G20 minimum taxation from 2024 onwards.\n\n### Procedural Aspects\n\n**Judgment 1C_565/2024 of 18 February 2025**\n\nCantonal voting rights appeal concerning tax law revision in the Canton of Lucerne for implementing the OECD minimum taxation. The Federal Supreme Court examined the political rights in the voting procedure without deciding substantively on the constitutional provision. The appellants alleged incomplete information about municipal revenues from the OECD minimum taxation.\n\n> «to clarify that the municipal share of revenues from the OECD minimum taxation according to the tax law revision amounts to merely CHF 26.6 million or CHF 23.5 million from 2030»\n\nThe proceedings demonstrate the practical significance of the constitutional provision for cantonal legislation and the distribution of finances between the Confederation, cantons and municipalities.\n\n### Outlook\n\nThe substantive case law on Art. 129a Cst. will develop as soon as concrete disputes arise concerning the delineation of federal competences, the interpretation of the minimum tax of 15 percent and the distribution of tax revenues. Relevant issues will particularly concern the compatibility of cantonal implementing laws with the constitutional provision as well as coordination with international agreements.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_129a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.94, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 130, "article_suffix": "", "title": "Mehrwertsteuer", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 130 BV - Mehrwertsteuer\n\n## Übersicht\n\nArt. 130 BV ermächtigt den Bund, eine Mehrwertsteuer zu erheben. Diese Steuer wird auf alle Lieferungen von Gegenständen, auf Dienstleistungen (auch den Eigenverbrauch) und auf Einfuhren aus dem Ausland erhoben. Die Mehrwertsteuer ist eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug.\n\nDer verfassungsrechtliche Normalsatz darf höchstens 6,5 Prozent betragen, der reduzierte Satz muss mindestens 2,0 Prozent erreichen. Für Beherbergungsleistungen (Hotels, Pensionen) kann ein Sondersatz zwischen diesen beiden Sätzen festgelegt werden. Die aktuellen Steuersätze sind höher als diese Grundsätze, weil verschiedene Zuschläge hinzugekommen sind: für die AHV-Finanzierung, die Eisenbahninfrastruktur und die AHV-Reform 21.\n\nDie Mehrwertsteuer ist zeitlich befristet bis Ende 2035. Eine Verlängerung braucht die Zustimmung von Volk und Ständen. Ein Teil des Ertrags (5 Prozent) muss für die Prämienverbilligung in der Krankenversicherung für Menschen mit tiefen Einkommen verwendet werden.\n\n**Beispiel:** Ein Bäcker verkauft Brot für 5 Franken. Er muss darauf 2,6 Prozent Mehrwertsteuer (reduzierter Satz) berechnen, also 13 Rappen. Diese kann er an die Kunden weiterverrechnen. Gleichzeitig darf er die Mehrwertsteuer, die er beim Kauf von Mehl und anderen Zutaten bezahlt hat, als Vorsteuer abziehen. So wird vermieden, dass die Steuer auf jeder Stufe der Produktion anfällt.\n\nDie Mehrwertsteuer betrifft alle Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über 100'000 Franken. Sie ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Bundes. Kantone und Gemeinden dürfen keine ähnlichen Steuern erheben.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Mehrwertsteuer nach Art. 130 BV wurde mit der Volksabstimmung vom 28. November 1993 (BBl 1994 I 389) als Ablösung der Warenumsatzsteuer eingeführt. Die ursprüngliche Fassung von Art. 41ter aBV (AS 1994 268) sah einen Normalsatz von höchstens 6,5% und einen reduzierten Satz von mindestens 2,0% vor. Mit der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 wurde die Norm als Art. 130 BV übernommen (BBl 1997 I 1, 471 f.).\n\n**N. 2** Die Absätze 3 und 3bis wurden durch Volksabstimmung vom 20. März 1998 eingefügt (BBl 1997 III 653, AS 1998 1581), um die AHV-Finanzierung zu sichern und die Eisenbahninfrastruktur mitzufinanzieren. Die jüngste Ergänzung erfolgte mit der AHV-Reform 21, bei der die Absätze 3ter und 3quater durch Volksabstimmung vom 25. September 2022 hinzugefügt wurden (BBl 2022 2695, AS 2023 160).\n\n**N. 3** Die Botschaft von 1996 zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 471) charakterisierte die Mehrwertsteuer als «wichtigste Bundessteuer» mit einem Ertrag von rund 15 Milliarden Franken. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 8) bestätigt, dass die Mehrwertsteuer mit einem Ertrag von über 22 Milliarden Franken (2023) die fiskalisch bedeutendste Einnahmequelle des Bundes darstellt.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 130 BV gehört zum 3. Titel über Bund, Kantone und Gemeinden, 3. Kapitel über Finanzordnung. Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit → Art. 127 BV (Grundsätze der Besteuerung), → Art. 133 BV (Zölle) und → Art. 134 BV (Ausschluss kantonaler und kommunaler Steuern). Die Mehrwertsteuer ist eine ausschliessliche Bundessteuer, womit den Kantonen jegliche Erhebung gleichartiger Steuern untersagt ist (Art. 134 BV).\n\n**N. 5** Die verfassungsrechtliche Verankerung als Mehrwertsteuer mit festgelegten Höchstsätzen bindet den Gesetzgeber. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 14) betont, dass Art. 130 BV dem Bund eine umfassende Kompetenz zur Erhebung einer Mehrwertsteuer verleiht, jedoch keine Erhebungspflicht begründet. Der Gesetzgeber könnte theoretisch auf die Erhebung verzichten oder niedrigere Sätze festlegen.\n\n**N. 6** Die Übergangsbestimmungen in → Art. 196 Ziff. 14 BV regeln die zeitliche Geltung der Mehrwertsteuer. Nach Abs. 1 dieser Bestimmung wird die Mehrwertsteuer bis Ende 2035 erhoben. Die Verlängerung bedarf der Zustimmung von Volk und Ständen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** Art. 130 Abs. 1 BV definiert die Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) charakterisiert sie als «Bruttoallphasensteuer mit Vorsteuerabzug». Steuergegenstand sind Lieferungen von Gegenständen, Dienstleistungen einschliesslich Eigenverbrauch sowie Einfuhren.\n\n**N. 8** Der verfassungsrechtliche Steuersatzkorridor legt verbindliche Grenzen fest: Der Normalsatz darf 6,5% nicht überschreiten (derzeit 8,1% mit allen Zuschlägen gemäss Art. 25 Abs. 1 MWSTG), der reduzierte Satz muss mindestens 2,0% betragen (derzeit 2,6% gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. a MWSTG). Für Beherbergungsleistungen sieht Abs. 2 einen Sondersatz zwischen dem reduzierten und dem Normalsatz vor (derzeit 3,8% gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. b MWSTG).\n\n**N. 9** Die Erhöhungsmöglichkeiten nach Abs. 3 (AHV-Finanzierung), Abs. 3bis (Eisenbahninfrastruktur) und Abs. 3ter (AHV-Reform) sind kumulativ und führen zu den aktuellen Gesamtsätzen. **BGE 142 II 488 E. 2.2.1** bestätigt diese verfassungsrechtliche Grundstruktur als «Verbrauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer».\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die Erhebung der Mehrwertsteuer erfolgt auf Gesetzesstufe durch das MWSTG. Die subjektive Steuerpflicht beginnt bei einem jährlichen steuerbaren Umsatz von CHF 100'000 aus unternehmerischer Tätigkeit (Art. 10 Abs. 2 lit. a MWSTG). Gemeinden, Kantone und weitere öffentliche Einrichtungen unterliegen besonderen Regeln (Art. 12 MWSTG).\n\n**N. 11** Abs. 3quater ordnet die vollumfängliche Zuweisung der Erträge aus der Erhöhung nach Abs. 3 an den AHV-Ausgleichsfonds an. Diese Zweckbindung ist verfassungsrechtlich verbindlich und kann nicht durch einfaches Gesetz geändert werden. Camenzind et al. (Handbuch MWSTG, 3. Aufl. 2012, § 1 N. 15) bezeichnen diese Regelung als «verfassungsrechtliche Teilzweckbindung».\n\n**N. 12** Die Teilzweckbindung nach Abs. 4 verpflichtet zur Verwendung von 5% des nicht zweckgebundenen Ertrags für die Prämienverbilligung in der Krankenversicherung zugunsten unterer Einkommensschichten. Die Bundesversammlung setzte diese Vorgabe in Art. 53 Abs. 3 MWSTG um. Die genaue Verteilung regelt die Verordnung über die Prämienverbilligung in der Krankenversicherung (VPVK, SR 832.112.4).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** Die rechtliche Natur der Mehrwertsteuer ist in der Doktrin umstritten. Während Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) von einer «Bruttoallphasensteuer mit Vorsteuerabzug» spricht, qualifizieren Mollard/Oberson/Tissot Benedetto (Traité TVA, 2009, § 1 N. 12) sie als «impôt général sur la consommation». Robinson (Mehrwertsteuerrecht, in: Reich, Steuerrecht, 2. Aufl. 2012, 645) betont den Charakter als «indirekte Steuer».\n\n**N. 14** Die Justiziabilität der Teilzweckbindung nach Abs. 4 ist kontrovers. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3687) vertreten die Position, dass sich aus der Norm ein durchsetzbarer Anspruch der Kantone ableiten lasse. Blumenstein/Locher (System des Schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, 325) sehen dagegen nur eine politische Verpflichtung des Bundes.\n\n**N. 15** Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 12) kritisiert die «Systemmängel» des Mehrwertsteuerrechts, insbesondere die «fehleranfällige Komplexität» und die «mangelhafte Umsetzung durch die ESTV». Diese Kritik wurde teilweise im Spori-Bericht (Bericht des Beauftragten P. Spori in Sachen Mehrwertsteuerreform, 2006, 23 ff.) aufgenommen, führte aber nicht zu einer grundlegenden Systemänderung.\n\n**N. 16** Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Steuer-Rulings im MWST-Bereich wird unterschiedlich beurteilt. Baumgartner (Möglichkeiten und Grenzen von Steuer-Rulings, in: Mäusli-Allenspach/Beusch, 2013, 201 f.) bejaht diese unter Berufung auf → Art. 5 Abs. 3 BV (Treu und Glauben). Geiger/Schluckebier (MWSTG Kommentar, 2012, Art. 69 N. 8) sehen verfassungsrechtliche Grenzen bei systemwidrigen Auskünften.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Auslegung von Art. 130 BV ist die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur restriktiven Interpretation von Steuerausnahmen zu beachten. **BGE 138 II 251 E. 2.3** etablierte den Grundsatz: «Vor dem Hintergrund der Allgemeinheit und Wettbewerbsneutralität der Mehrwertsteuer sind alle Arten von Ausnahmen problematisch. Sie sind demnach einschränkend auszulegen.»\n\n**N. 18** Die praktische Anwendung der Steuersätze erfordert die Konsultation der MWST-Info-Publikationen der ESTV, insbesondere MWST-Info 08 «Steuersätze» und MWST-Info 19 «Gastgewerbe». Diese Praxisfestlegungen konkretisieren die verfassungsrechtlichen Vorgaben und sind gemäss **BGE 151 II 364 E. 5.1.1** unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes (→ Art. 5 Abs. 3 und → Art. 9 BV) zu würdigen.\n\n**N. 19** Die korrekte Berechnung der aktuellen Steuersätze unter Berücksichtigung aller verfassungsrechtlichen Zuschläge erfolgt nach der Formel: Basissatz + AHV-Zuschlag (Abs. 3) + Eisenbahninfrastruktur-Zuschlag (Abs. 3bis) + AHV-Reform-Zuschlag (Abs. 3ter). Die ESTV publiziert die geltenden Sätze in der MWST-Praxis (VPB) und den MWST-Branchen-Infos.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### I. Verfassungsrechtliche Grundlagen der Mehrwertsteuer\n\n**BGE 142 II 488** vom 29. August 2016 (E. 2.2.1)  \nDas Bundesgericht bekräftigt die verfassungsrechtliche Grundlage der Mehrwertsteuer nach Art. 130 BV.  \nZentral für das Verständnis der Mehrwertsteuer als Verbrauchssteuer nach dem Netto-Allphasensystem.  \n> «Gemäss Art. 130 Abs. 1 BV und Art. 1 Abs. 1 MWSTG erhebt der Bund eine Mehrwertsteuer. Bei dieser Steuerart handelt es sich steuertechnisch um eine Verbrauchssteuer.»\n\n**BGE 140 II 80** vom 1. Januar 2014 (E. 2.1)  \nDas Bundesgericht präzisiert das charakteristische Element des Leistungsverhältnisses bei der Mehrwertsteuer.  \nGrundlegend für die Abgrenzung steuerrechtlicher von privatrechtlichen Verhältnissen.  \n> «Gemäss Art. 130 Abs. 1 BV und Art. 1 Abs. 1 Satz 1 MWSTG erhebt der Bund eine Mehrwertsteuer, d.h. eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug. Charakteristisch für die Mehrwertsteuer ist der Austausch von Leistungen.»\n\n### II. Steuersätze und Verfassungskonformität\n\n**BGE 123 II 16** vom 1. Januar 1997 (E. 5)  \nDas Bundesgericht prüft die Verfassungskonformität der Verordnungsbestimmungen zu den Steuersätzen.  \nWegweisend für die Abgrenzung zwischen Normal- und reduziertem Satz bei gastgewerblichen Leistungen.  \n> «Art. 41ter Abs. 1 lit. a BV führt eine Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) ein. Gemäss seinem Abs. 3 belastet die Mehrwertsteuer nach dem Allphasenprinzip mit Vorsteuerabzug die Lieferungen von Gegenständen, die Dienstleistungen sowie die Einfuhren. Die Steuer beträgt 2% u.a. auf Ess- und Trinkwaren, mit Ausnahme der alkoholischen Getränke, und 6,5% auf den Lieferungen und der Einfuhr anderer Gegenstände und auf Dienstleistungen.»\n\n### III. Unternehmerische Tätigkeit und subjektive Steuerpflicht\n\n**BGE 138 II 251** vom 13. April 2012 (E. 2.3)  \nDas Bundesgericht entwickelt Kriterien für die subjektive Mehrwertsteuerpflicht von Kunstsammlern.  \nMassgeblich für die Auslegung des Unternehmensbegriffs im Mehrwertsteuerrecht.  \n> «Vor dem Hintergrund der Allgemeinheit und Wettbewerbsneutralität der Mehrwertsteuer sind alle Arten von Ausnahmen problematisch. Sie sind demnach einschränkend auszulegen.»\n\n### IV. Vorsteuerabzug und unternehmerische Verwendung\n\n**BGE 142 II 488** vom 29. August 2016 (E. 2.3)  \nDas Bundesgericht präzisiert die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs bei Kunstkäufen.  \nEntscheidend für die Abgrenzung unternehmerischer von privater Verwendung.  \n> «Der Vorsteuerabzug bedingt neben den formellen Voraussetzungen, dass die steuerpflichtige Person wirtschaftlich mit Vorsteuern belastet ist und diese 'im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit' anfallen.»\n\n### V. Vertrauensschutz und Auskunftsrecht\n\n**BGE 151 II 364** vom 1. Januar 2025 (E. 5.1.1)  \nDas Bundesgericht anerkennt einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Vertrauensschutz bei MWST-Auskünften.  \nWegweisend für das Verhältnis zwischen Art. 69 MWSTG und den Verfassungsprinzipien.  \n> «Art. 69 MWSTG verleiht dem Rechtssuchenden ein Auskunftsrecht, das vom verfassungsrechtlichen Anspruch auf Vertrauensschutz gedeckt ist (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV).»\n\n### VI. Optionsrecht und formelle Anforderungen\n\n**BGE 140 II 495** vom 10. Oktober 2014 (E. 2.2.1)  \nDas Bundesgericht legt die formellen Anforderungen an die Option zur Versteuerung fest.  \nRelevant für die Auslegung der Steuerausnahmen in Art. 130 BV.  \n> «Das Erfordernis, im Fall der Option im objektiven Sinn eindeutig zum Ausdruck zu bringen, dass eine Steuerbefreiung nicht beansprucht wird, ist zwingend.»\n\n### VII. Neuere Entwicklungen und Praxisfestlegungen\n\n**BGE 149 II 290** vom 21. Juni 2023 (E. 2)  \nDas Bundesgericht klärt das Wesen von Entgeltsminderungen im Mehrwertsteuerrecht.  \nAktuell für die Behandlung komplexer Leistungsverhältnisse.  \n> «Ob eine oder zwei (Haupt-)Leistungen vorliegen, ist anhand objektiver wirtschaftlicher Überlegungen zu beurteilen.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'actuelle taxe sur la valeur ajoutée selon l'art. 130 Cst. a été introduite lors de la votation populaire du 28 novembre 1993 (FF 1994 I 389) en remplacement de l'impôt sur le chiffre d'affaires. La version originale de l'art. 41ter ancCst. (RO 1994 268) prévoyait un taux normal de 6,5% au maximum et un taux réduit de 2,0% au minimum. Lors de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999, la norme a été reprise sous l'art. 130 Cst. (FF 1997 I 1, 471 s.).\n\n**N. 2** Les alinéas 3 et 3bis ont été ajoutés par la votation populaire du 20 mars 1998 (FF 1997 III 653, RO 1998 1581) afin d'assurer le financement de l'AVS et de cofinancer l'infrastructure ferroviaire. Le complément le plus récent a eu lieu avec la réforme AVS 21, où les alinéas 3ter et 3quater ont été ajoutés par la votation populaire du 25 septembre 2022 (FF 2022 2695, RO 2023 160).\n\n**N. 3** Le message de 1996 sur la nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 1, 471) caractérisait la taxe sur la valeur ajoutée comme l'« impôt fédéral le plus important » avec un produit d'environ 15 milliards de francs. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 8) confirme que la taxe sur la valeur ajoutée, avec un produit de plus de 22 milliards de francs (2023), constitue la source de revenus fiscalement la plus significative de la Confédération.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 130 Cst. appartient au 3e titre sur la Confédération, les cantons et les communes, chapitre 3 sur le régime financier. La norme est en lien systématique étroit avec → l'art. 127 Cst. (Principes régissant l'imposition), → l'art. 133 Cst. (Droits de douane) et → l'art. 134 Cst. (Exclusion d'impôts cantonaux et communaux). La taxe sur la valeur ajoutée est un impôt exclusivement fédéral, ce qui interdit aux cantons toute perception d'impôts de même nature (art. 134 Cst.).\n\n**N. 5** L'ancrage constitutionnel en tant que taxe sur la valeur ajoutée avec des taux maximums fixés lie le législateur. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 14) souligne que l'art. 130 Cst. confère à la Confédération une compétence étendue pour percevoir une taxe sur la valeur ajoutée, mais ne crée aucune obligation de perception. Le législateur pourrait théoriquement renoncer à la perception ou fixer des taux plus bas.\n\n**N. 6** Les dispositions transitoires de → l'art. 196 ch. 14 Cst. règlent l'application temporelle de la taxe sur la valeur ajoutée. Selon l'al. 1 de cette disposition, la taxe sur la valeur ajoutée est perçue jusqu'à fin 2035. La prolongation requiert l'approbation du peuple et des cantons.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** L'art. 130 al. 1 Cst. définit la taxe sur la valeur ajoutée comme un impôt général sur la consommation selon le système de l'impôt net à toutes les étapes avec déduction de l'impôt préalable. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) la caractérise comme un « impôt brut à toutes les étapes avec déduction de l'impôt préalable ». L'objet de l'impôt comprend les livraisons d'objets, les prestations de services y compris l'usage propre ainsi que les importations.\n\n**N. 8** Le corridor constitutionnel des taux d'imposition fixe des limites contraignantes : le taux normal ne peut dépasser 6,5% (actuellement 8,1% avec tous les suppléments selon l'art. 25 al. 1 LTVA), le taux réduit doit être d'au moins 2,0% (actuellement 2,6% selon l'art. 25 al. 2 let. a LTVA). Pour les prestations d'hébergement, l'al. 2 prévoit un taux spécial entre le taux réduit et le taux normal (actuellement 3,8% selon l'art. 25 al. 2 let. b LTVA).\n\n**N. 9** Les possibilités d'augmentation selon l'al. 3 (financement AVS), l'al. 3bis (infrastructure ferroviaire) et l'al. 3ter (réforme AVS) sont cumulatives et conduisent aux taux totaux actuels. **ATF 142 II 488 c. 2.2.1** confirme cette structure constitutionnelle fondamentale comme « impôt sur la consommation selon le système de l'impôt net à toutes les étapes ».\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** La perception de la taxe sur la valeur ajoutée s'effectue au niveau légal par la LTVA. L'assujettissement subjectif commence dès un chiffre d'affaires imposable annuel de CHF 100'000 provenant d'une activité commerciale (art. 10 al. 2 let. a LTVA). Les communes, les cantons et d'autres institutions publiques sont soumis à des règles particulières (art. 12 LTVA).\n\n**N. 11** L'al. 3quater ordonne l'attribution intégrale du produit de l'augmentation selon l'al. 3 au fonds de compensation de l'AVS. Cette affectation est constitutionnellement contraignante et ne peut être modifiée par une loi simple. Camenzind et al. (Handbuch MWSTG, 3e éd. 2012, § 1 N. 15) qualifient cette réglementation d'« affectation partielle constitutionnelle ».\n\n**N. 12** L'affectation partielle selon l'al. 4 oblige à utiliser 5% du produit non affecté pour la réduction des primes dans l'assurance-maladie en faveur des couches de revenus inférieurs. L'Assemblée fédérale a mis en œuvre cette exigence dans l'art. 53 al. 3 LTVA. La répartition précise est réglée par l'ordonnance sur la réduction des primes dans l'assurance-maladie (ORP, RS 832.112.4).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** La nature juridique de la taxe sur la valeur ajoutée est controversée dans la doctrine. Alors que Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) parle d'un « impôt brut à toutes les étapes avec déduction de l'impôt préalable », Mollard/Oberson/Tissot Benedetto (Traité TVA, 2009, § 1 N. 12) la qualifient d'« impôt général sur la consommation ». Robinson (Mehrwertsteuerrecht, in: Reich, Steuerrecht, 2e éd. 2012, 645) souligne le caractère d'« impôt indirect ».\n\n**N. 14** La justiciabilité de l'affectation partielle selon l'al. 4 est controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3687) défendent la position qu'un droit exigible des cantons peut être dérivé de la norme. Blumenstein/Locher (System des Schweizerischen Steuerrechts, 6e éd. 2002, 325) ne voient qu'une obligation politique de la Confédération.\n\n**N. 15** Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 12) critique les « défauts systémiques » du droit de la taxe sur la valeur ajoutée, en particulier la « complexité source d'erreurs » et la « mise en œuvre déficiente par l'AFC ». Cette critique a été partiellement reprise dans le rapport Spori (Rapport du mandataire P. Spori en matière de réforme de la taxe sur la valeur ajoutée, 2006, 23 ss.), mais n'a pas conduit à un changement systémique fondamental.\n\n**N. 16** L'admissibilité constitutionnelle des rulings fiscaux dans le domaine de la TVA est évaluée différemment. Baumgartner (Möglichkeiten und Grenzen von Steuer-Rulings, in: Mäusli-Allenspach/Beusch, 2013, 201 s.) l'affirme en se référant à → l'art. 5 al. 3 Cst. (Bonne foi). Geiger/Schluckebier (MWSTG Kommentar, 2012, Art. 69 N. 8) voient des limites constitutionnelles en cas de renseignements contraires au système.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Dans l'interprétation de l'art. 130 Cst., il faut tenir compte de la jurisprudence du Tribunal fédéral sur l'interprétation restrictive des exceptions fiscales. **ATF 138 II 251 c. 2.3** a établi le principe : « Dans le contexte de la généralité et de la neutralité concurrentielle de la taxe sur la valeur ajoutée, tous les types d'exceptions sont problématiques. Elles doivent donc être interprétées de manière restrictive. »\n\n**N. 18** L'application pratique des taux d'imposition requiert la consultation des publications MWST-Info de l'AFC, en particulier MWST-Info 08 « Taux d'impôt » et MWST-Info 19 « Hôtellerie-restauration ». Ces pratiques concrétisent les exigences constitutionnelles et doivent être appréciées selon **ATF 151 II 364 c. 5.1.1** sous l'angle de la protection de la confiance (→ art. 5 al. 3 et → art. 9 Cst.).\n\n**N. 19** Le calcul correct des taux d'imposition actuels en tenant compte de tous les suppléments constitutionnels s'effectue selon la formule : taux de base + supplément AVS (al. 3) + supplément infrastructure ferroviaire (al. 3bis) + supplément réforme AVS (al. 3ter). L'AFC publie les taux en vigueur dans la pratique TVA (VPB) et les infos sectorielles TVA.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### I. Fondements constitutionnels de la taxe sur la valeur ajoutée\n\n**ATF 142 II 488** du 29 août 2016 (consid. 2.2.1)  \nLe Tribunal fédéral confirme le fondement constitutionnel de la taxe sur la valeur ajoutée selon l'art. 130 Cst.  \nCentral pour la compréhension de la TVA comme impôt sur la consommation selon le système net toutes phases.  \n> « Selon l'art. 130 al. 1 Cst. et l'art. 1 al. 1 LTVA, la Confédération perçoit une taxe sur la valeur ajoutée. Cette forme d'impôt constitue, du point de vue technique fiscal, un impôt sur la consommation. »\n\n**ATF 140 II 80** du 1er janvier 2014 (consid. 2.1)  \nLe Tribunal fédéral précise l'élément caractéristique du rapport de prestations en matière de TVA.  \nFondamental pour la délimitation entre rapports de droit fiscal et de droit privé.  \n> « Selon l'art. 130 al. 1 Cst. et l'art. 1 al. 1 phr. 1 LTVA, la Confédération perçoit une taxe sur la valeur ajoutée, soit un impôt général sur la consommation selon le système de la taxe nette toutes phases avec déduction de l'impôt préalable. L'échange de prestations est caractéristique de la taxe sur la valeur ajoutée. »\n\n### II. Taux d'imposition et conformité constitutionnelle\n\n**ATF 123 II 16** du 1er janvier 1997 (consid. 5)  \nLe Tribunal fédéral examine la conformité constitutionnelle des dispositions de l'ordonnance relatives aux taux d'imposition.  \nDéterminant pour la délimitation entre taux normal et taux réduit pour les prestations de l'hôtellerie et de la restauration.  \n> « L'art. 41ter al. 1 let. a Cst. introduit un impôt sur le chiffre d'affaires (taxe sur la valeur ajoutée). Selon son al. 3, la taxe sur la valeur ajoutée frappe selon le principe toutes phases avec déduction de l'impôt préalable les livraisons de biens, les prestations de services ainsi que les importations. L'impôt s'élève à 2% notamment sur les produits alimentaires et les boissons, à l'exception des boissons alcooliques, et à 6,5% sur les livraisons et l'importation d'autres biens et sur les prestations de services. »\n\n### III. Activité entrepreneuriale et assujettissement subjectif\n\n**ATF 138 II 251** du 13 avril 2012 (consid. 2.3)  \nLe Tribunal fédéral développe des critères pour l'assujettissement subjectif à la TVA des collectionneurs d'art.  \nDéterminant pour l'interprétation de la notion d'entreprise en droit de la TVA.  \n> « Dans le contexte de la généralité et de la neutralité concurrentielle de la taxe sur la valeur ajoutée, toutes sortes d'exceptions sont problématiques. Elles doivent dès lors être interprétées restrictivement. »\n\n### IV. Déduction de l'impôt préalable et utilisation entrepreneuriale\n\n**ATF 142 II 488** du 29 août 2016 (consid. 2.3)  \nLe Tribunal fédéral précise les conditions de la déduction de l'impôt préalable lors d'achats d'œuvres d'art.  \nDéterminant pour la délimitation entre utilisation entrepreneuriale et utilisation privée.  \n> « La déduction de l'impôt préalable exige, outre les conditions formelles, que l'assujetti soit économiquement grevé par des impôts préalables et que ceux-ci soient générés 'dans le cadre de l'activité entrepreneuriale'. »\n\n### V. Protection de la confiance et droit de renseignement\n\n**ATF 151 II 364** du 1er janvier 2025 (consid. 5.1.1)  \nLe Tribunal fédéral reconnaît une prétention constitutionnelle à la protection de la confiance en matière de renseignements TVA.  \nDéterminant pour les rapports entre l'art. 69 LTVA et les principes constitutionnels.  \n> « L'art. 69 LTVA confère au justiciable un droit de renseignement qui est couvert par la prétention constitutionnelle à la protection de la confiance (art. 5 al. 3 et art. 9 Cst.). »\n\n### VI. Droit d'option et exigences formelles\n\n**ATF 140 II 495** du 10 octobre 2014 (consid. 2.2.1)  \nLe Tribunal fédéral fixe les exigences formelles relatives à l'option pour l'imposition.  \nPertinent pour l'interprétation des exceptions fiscales de l'art. 130 Cst.  \n> « L'exigence d'exprimer de manière objective et univoque, en cas d'option, qu'une exonération fiscale n'est pas revendiquée, est impérative. »\n\n### VII. Développements récents et fixations de pratique\n\n**ATF 149 II 290** du 21 juin 2023 (consid. 2)  \nLe Tribunal fédéral clarifie la nature des diminutions de contrepartie en droit de la TVA.  \nActuel pour le traitement de rapports de prestations complexes.  \n> « La question de savoir s'il y a une ou deux prestations (principales) doit être jugée sur la base de considérations économiques objectives. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'attuale imposta sul valore aggiunto secondo l'art. 130 Cost. è stata introdotta con la votazione popolare del 28 novembre 1993 (FF 1994 I 361) in sostituzione dell'imposta sulla cifra d'affari. La versione originale dell'art. 41ter aCost. (RU 1994 268) prevedeva un'aliquota normale di al massimo il 6,5% e un'aliquota ridotta di almeno il 2,0%. Con la revisione totale della Costituzione federale del 1999 la norma è stata ripresa come art. 130 Cost. (FF 1997 I 1, 463 seg.).\n\n**N. 2** I capoversi 3 e 3bis sono stati inseriti mediante votazione popolare del 20 marzo 1998 (FF 1997 III 585, RU 1998 1581), per garantire il finanziamento dell'AVS e cofinanziare l'infrastruttura ferroviaria. L'ultima integrazione è avvenuta con la riforma AVS 21, con l'aggiunta dei capoversi 3ter e 3quater mediante votazione popolare del 25 settembre 2022 (FF 2022 2695, RU 2023 160).\n\n**N. 3** Il messaggio del 1996 sulla nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 463) caratterizzava l'imposta sul valore aggiunto come «la più importante imposta federale» con un gettito di circa 15 miliardi di franchi. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 8) conferma che l'imposta sul valore aggiunto, con un gettito di oltre 22 miliardi di franchi (2023), rappresenta la fonte di entrate fiscalmente più significativa della Confederazione.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 130 Cost. appartiene al titolo 3 su Confederazione, Cantoni e Comuni, capitolo 3 sull'ordinamento finanziario. La norma è in stretto rapporto sistematico con → l'art. 127 Cost. (principi della tassazione), → l'art. 133 Cost. (dazi) e → l'art. 134 Cost. (esclusione di imposte cantonali e comunali). L'imposta sul valore aggiunto è un'imposta esclusiva della Confederazione, per cui è vietato ai Cantoni di riscuotere imposte dello stesso tipo (art. 134 Cost.).\n\n**N. 5** L'ancoraggio costituzionale come imposta sul valore aggiunto con aliquote massime stabilite vincola il legislatore. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 14) sottolinea che l'art. 130 Cost. conferisce alla Confederazione una competenza generale per la riscossione di un'imposta sul valore aggiunto, senza tuttavia fondare un obbligo di riscossione. Il legislatore potrebbe teoricamente rinunciare alla riscossione o stabilire aliquote più basse.\n\n**N. 6** Le disposizioni transitorie nell'→ art. 196 n. 14 Cost. disciplinano la validità temporale dell'imposta sul valore aggiunto. Secondo il cpv. 1 di questa disposizione, l'imposta sul valore aggiunto è riscossa fino alla fine del 2035. La proroga necessita del consenso di Popolo e Cantoni.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 7** L'art. 130 cpv. 1 Cost. definisce l'imposta sul valore aggiunto come imposta generale sui consumi secondo il sistema dell'imposta netta plurifase con deduzione dell'imposta precedente. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) la caratterizza come «imposta lorda plurifase con deduzione dell'imposta precedente». Oggetto dell'imposizione sono le consegne di beni, le prestazioni di servizi compresi i consumi propri e le importazioni.\n\n**N. 8** Il corridoio costituzionale delle aliquote stabilisce limiti vincolanti: l'aliquota normale non può superare il 6,5% (attualmente 8,1% con tutti i supplementi secondo l'art. 25 cpv. 1 LIVA), l'aliquota ridotta deve ammontare ad almeno il 2,0% (attualmente 2,6% secondo l'art. 25 cpv. 2 lett. a LIVA). Per le prestazioni alberghiere il cpv. 2 prevede un'aliquota speciale tra l'aliquota ridotta e quella normale (attualmente 3,8% secondo l'art. 25 cpv. 2 lett. b LIVA).\n\n**N. 9** Le possibilità di aumento secondo il cpv. 3 (finanziamento AVS), il cpv. 3bis (infrastruttura ferroviaria) e il cpv. 3ter (riforma AVS) sono cumulative e portano alle attuali aliquote complessive. **DTF 142 II 488 consid. 2.2.1** conferma questa struttura costituzionale di base come «imposta sui consumi secondo il sistema dell'imposta netta plurifase».\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La riscossione dell'imposta sul valore aggiunto avviene a livello di legge mediante la LIVA. La soggezione soggettiva all'imposta inizia con una cifra d'affari imponibile annua di CHF 100'000 derivante da attività imprenditoriale (art. 10 cpv. 2 lett. a LIVA). Comuni, Cantoni e altre istituzioni pubbliche sottostanno a regole speciali (art. 12 LIVA).\n\n**N. 11** Il cpv. 3quater dispone l'attribuzione integrale del gettito dell'aumento secondo il cpv. 3 al fondo di compensazione AVS. Questo vincolo di destinazione è costituzionalmente vincolante e non può essere modificato con una legge semplice. Camenzind et al. (Handbuch MWSTG, 3. ed. 2012, § 1 N. 15) qualificano questa regolamentazione come «vincolo parziale di destinazione di rango costituzionale».\n\n**N. 12** Il vincolo parziale di destinazione secondo il cpv. 4 obbliga a utilizzare il 5% del gettito non vincolato per la riduzione dei premi nell'assicurazione malattie a favore delle classi di reddito inferiori. L'Assemblea federale ha attuato questa prescrizione nell'art. 53 cpv. 3 LIVA. La ripartizione precisa è disciplinata dall'ordinanza sulla riduzione dei premi nell'assicurazione malattie (OPre, RS 832.112.4).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** La natura giuridica dell'imposta sul valore aggiunto è controversa nella dottrina. Mentre Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) parla di un'«imposta lorda plurifase con deduzione dell'imposta precedente», Mollard/Oberson/Tissot Benedetto (Traité TVA, 2009, § 1 N. 12) la qualificano come «impôt général sur la consommation». Robinson (Mehrwertsteuerrecht, in: Reich, Steuerrecht, 2. ed. 2012, 645) sottolinea il carattere di «imposta indiretta».\n\n**N. 14** La giustiziabilità del vincolo parziale di destinazione secondo il cpv. 4 è controversa. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. ed. 2016, N. 3687) sostengono la posizione che dalla norma si possa derivare un diritto azionabile dei Cantoni. Blumenstein/Locher (System des Schweizerischen Steuerrechts, 6. ed. 2002, 325) vedono invece solo un obbligo politico della Confederazione.\n\n**N. 15** Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 12) critica i «difetti del sistema» del diritto dell'imposta sul valore aggiunto, in particolare la «complessità soggetta a errori» e l'«attuazione lacunosa da parte dell'AFC». Questa critica è stata parzialmente ripresa nel rapporto Spori (Rapporto dell'incaricato P. Spori in materia di riforma dell'imposta sul valore aggiunto, 2006, 23 segg.), ma non ha portato a un cambiamento fondamentale del sistema.\n\n**N. 16** L'ammissibilità costituzionale di tax ruling nell'ambito dell'IVA è giudicata diversamente. Baumgartner (Möglichkeiten und Grenzen von Steuer-Rulings, in: Mäusli-Allenspach/Beusch, 2013, 201 seg.) la afferma invocando → l'art. 5 cpv. 3 Cost. (buona fede). Geiger/Schluckebier (MWSTG Kommentar, 2012, Art. 69 N. 8) vedono limiti costituzionali in caso di informazioni contrarie al sistema.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nell'interpretazione dell'art. 130 Cost. occorre osservare la giurisprudenza del Tribunale federale sull'interpretazione restrittiva delle eccezioni fiscali. **DTF 138 II 251 consid. 2.3** ha stabilito il principio: «Sullo sfondo della generalità e della neutralità concorrenziale dell'imposta sul valore aggiunto, tutti i tipi di eccezioni sono problematici. Devono pertanto essere interpretati restrittivamente.»\n\n**N. 18** L'applicazione pratica delle aliquote richiede la consultazione delle pubblicazioni IVA-Info dell'AFC, in particolare IVA-Info 08 «Aliquote» e IVA-Info 19 «Settore alberghiero». Questi stabilimenti della prassi concretizzano le prescrizioni costituzionali e devono essere apprezzati secondo **DTF 151 II 364 consid. 5.1.1** sotto l'aspetto della protezione del legittimo affidamento (→ art. 5 cpv. 3 e → art. 9 Cost.).\n\n**N. 19** Il calcolo corretto delle aliquote attuali tenendo conto di tutti i supplementi costituzionali avviene secondo la formula: aliquota di base + supplemento AVS (cpv. 3) + supplemento infrastruttura ferroviaria (cpv. 3bis) + supplemento riforma AVS (cpv. 3ter). L'AFC pubblica le aliquote vigenti nella prassi IVA (VPB) e nelle info-settoriali IVA.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### I. Fondamenti costituzionali dell'imposta sul valore aggiunto\n\n**DTF 142 II 488** del 29 agosto 2016 (consid. 2.2.1)  \nIl Tribunale federale conferma la base costituzionale dell'imposta sul valore aggiunto secondo l'art. 130 Cost.  \nCentrale per la comprensione dell'IVA come imposta sui consumi secondo il sistema netto plurifase.  \n> «Secondo l'art. 130 cpv. 1 Cost. e l'art. 1 cpv. 1 LIVA la Confederazione riscuote un'imposta sul valore aggiunto. Dal profilo tecnico-fiscale si tratta di un'imposta sui consumi.»\n\n**DTF 140 II 80** del 1° gennaio 2014 (consid. 2.1)  \nIl Tribunale federale precisa l'elemento caratteristico del rapporto di prestazione nell'imposta sul valore aggiunto.  \nFondamentale per la delimitazione tra rapporti di diritto fiscale e di diritto privato.  \n> «Secondo l'art. 130 cpv. 1 Cost. e l'art. 1 cpv. 1 frase 1 LIVA la Confederazione riscuote un'imposta sul valore aggiunto, ossia un'imposta generale sui consumi secondo il sistema dell'imposta netta plurifase con deduzione dell'imposta precedente. Caratteristico dell'imposta sul valore aggiunto è lo scambio di prestazioni.»\n\n### II. Aliquote fiscali e conformità costituzionale\n\n**DTF 123 II 16** del 1° gennaio 1997 (consid. 5)  \nIl Tribunale federale esamina la conformità costituzionale delle disposizioni d'ordinanza relative alle aliquote fiscali.  \nOrientativo per la delimitazione tra aliquota normale e ridotta nelle prestazioni alberghiere.  \n> «L'art. 41ter cpv. 1 lett. a Cost. introduce una tassa sul giro d'affari (imposta sul valore aggiunto). Secondo il suo cpv. 3 l'imposta sul valore aggiunto secondo il principio plurifase con deduzione dell'imposta precedente colpisce le consegne di oggetti, le prestazioni di servizi e le importazioni. L'imposta ammonta al 2% tra l'altro sui generi alimentari e le bevande, ad eccezione delle bevande alcoliche, e al 6,5% sulle consegne e l'importazione di altri oggetti e su prestazioni di servizi.»\n\n### III. Attività imprenditoriale e obbligo fiscale soggettivo\n\n**DTF 138 II 251** del 13 aprile 2012 (consid. 2.3)  \nIl Tribunale federale sviluppa criteri per l'obbligo fiscale soggettivo IVA dei collezionisti d'arte.  \nDeterminante per l'interpretazione del concetto di impresa nel diritto dell'imposta sul valore aggiunto.  \n> «Sullo sfondo della generalità e della neutralità concorrenziale dell'imposta sul valore aggiunto, ogni tipo di eccezione è problematico. Esse devono pertanto essere interpretate restrittivamente.»\n\n### IV. Deduzione dell'imposta precedente e utilizzazione imprenditoriale\n\n**DTF 142 II 488** del 29 agosto 2016 (consid. 2.3)  \nIl Tribunale federale precisa i presupposti della deduzione dell'imposta precedente negli acquisti di opere d'arte.  \nDecisivo per la delimitazione tra utilizzazione imprenditoriale e privata.  \n> «La deduzione dell'imposta precedente richiede, oltre ai presupposti formali, che la persona soggetta a imposta sia economicamente gravata da imposte precedenti e che queste si verifichino 'nell'ambito dell'attività imprenditoriale'.»\n\n### V. Tutela del legittimo affidamento e diritto all'informazione\n\n**DTF 151 II 364** del 1° gennaio 2025 (consid. 5.1.1)  \nIl Tribunale federale riconosce un diritto costituzionale alla tutela del legittimo affidamento nelle informazioni IVA.  \nOrientativo per il rapporto tra l'art. 69 LIVA e i principi costituzionali.  \n> «L'art. 69 LIVA conferisce alla persona che cerca il diritto un diritto all'informazione, che è coperto dal diritto costituzionale alla tutela del legittimo affidamento (art. 5 cpv. 3 e art. 9 Cost.).»\n\n### VI. Diritto d'opzione e requisiti formali\n\n**DTF 140 II 495** del 10 ottobre 2014 (consid. 2.2.1)  \nIl Tribunale federale stabilisce i requisiti formali per l'opzione per l'assoggettamento.  \nRilevante per l'interpretazione delle esenzioni fiscali nell'art. 130 Cost.  \n> «Il requisito di esprimere in caso di opzione in senso oggettivo chiaramente che non si rivendica un'esenzione fiscale è imperativo.»\n\n### VII. Sviluppi recenti e consolidamento della prassi\n\n**DTF 149 II 290** del 21 giugno 2023 (consid. 2)  \nIl Tribunale federale chiarisce la natura delle diminuzioni di corrispettivo nel diritto dell'imposta sul valore aggiunto.  \nAttuale per il trattamento di rapporti di prestazione complessi.  \n> «Se vi sia una o due prestazioni (principali) deve essere giudicato sulla base di considerazioni economiche oggettive.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current value added tax according to Art. 130 FC was introduced by the popular vote of 28 November 1993 (BBl 1994 I 389) as a replacement for the turnover tax on goods. The original version of Art. 41ter of the former FC (AS 1994 268) provided for a standard rate of at most 6.5% and a reduced rate of at least 2.0%. With the total revision of the Federal Constitution in 1999, the provision was adopted as Art. 130 FC (BBl 1997 I 1, 471 f.).\n\n**N. 2** Paragraphs 3 and 3bis were inserted by popular vote of 20 March 1998 (BBl 1997 III 653, AS 1998 1581) to secure AHV financing and co-finance railway infrastructure. The most recent addition was made with the AHV Reform 21, whereby paragraphs 3ter and 3quater were added by popular vote of 25 September 2022 (BBl 2022 2695, AS 2023 160).\n\n**N. 3** The 1996 message on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 471) characterised the value added tax as the «most important federal tax» with revenues of around 15 billion francs. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 8) confirms that the value added tax, with revenues of over 22 billion francs (2023), represents the fiscally most significant source of revenue for the Confederation.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 130 FC belongs to Title 3 on the Confederation, Cantons and Communes, Chapter 3 on Financial Provisions. The provision is closely systematically connected to → Art. 127 FC (principles of taxation), → Art. 133 FC (customs duties) and → Art. 134 FC (exclusion of cantonal and communal taxes). The value added tax is an exclusive federal tax, which prohibits the cantons from levying taxes of the same kind (Art. 134 FC).\n\n**N. 5** The constitutional anchoring as a value added tax with fixed maximum rates binds the legislature. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 14) emphasises that Art. 130 FC grants the Confederation comprehensive competence to levy a value added tax, but does not establish an obligation to levy it. The legislature could theoretically refrain from levying it or set lower rates.\n\n**N. 6** The transitional provisions in → Art. 196 no. 14 FC regulate the temporal validity of the value added tax. According to para. 1 of this provision, the value added tax is levied until the end of 2035. Extension requires the consent of the People and the Cantons.\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n**N. 7** Art. 130 para. 1 FC defines the value added tax as a general consumption tax according to the system of net multi-stage tax with input tax deduction. Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) characterises it as a «gross multi-stage tax with input tax deduction». The subject of taxation comprises supplies of goods, services including own consumption as well as imports.\n\n**N. 8** The constitutional tax rate corridor establishes binding limits: The standard rate may not exceed 6.5% (currently 8.1% with all surcharges according to Art. 25 para. 1 VATA), the reduced rate must amount to at least 2.0% (currently 2.6% according to Art. 25 para. 2 lit. a VATA). For accommodation services, para. 2 provides for a special rate between the reduced and the standard rate (currently 3.8% according to Art. 25 para. 2 lit. b VATA).\n\n**N. 9** The possibilities for increases according to para. 3 (AHV financing), para. 3bis (railway infrastructure) and para. 3ter (AHV reform) are cumulative and lead to the current total rates. **BGE 142 II 488 E. 2.2.1** confirms this constitutional basic structure as a «consumption tax according to the system of net multi-stage tax».\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** The levying of the value added tax takes place at the legislative level through the VATA. Subjective tax liability begins with an annual taxable turnover of CHF 100,000 from entrepreneurial activity (Art. 10 para. 2 lit. a VATA). Communes, cantons and other public institutions are subject to special rules (Art. 12 VATA).\n\n**N. 11** Para. 3quater orders the complete allocation of the proceeds from the increase according to para. 3 to the AHV Compensation Fund. This earmarking is constitutionally binding and cannot be changed by ordinary law. Camenzind et al. (Handbuch MWSTG, 3rd ed. 2012, § 1 N. 15) describe this regulation as «constitutional partial earmarking».\n\n**N. 12** The partial earmarking according to para. 4 obliges the use of 5% of the non-earmarked proceeds for premium reductions in health insurance for the benefit of lower income brackets. The Federal Assembly implemented this requirement in Art. 53 para. 3 VATA. The precise distribution is regulated by the Ordinance on Premium Reductions in Health Insurance (VPVK, SR 832.112.4).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 13** The legal nature of the value added tax is disputed in doctrine. While Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 10) speaks of a «gross multi-stage tax with input tax deduction», Mollard/Oberson/Tissot Benedetto (Traité TVA, 2009, § 1 N. 12) qualify it as «impôt général sur la consommation». Robinson (Mehrwertsteuerrecht, in: Reich, Steuerrecht, 2nd ed. 2012, 645) emphasises the character as «indirect tax».\n\n**N. 14** The justiciability of the partial earmarking according to para. 4 is controversial. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3687) represent the position that an enforceable claim by the cantons can be derived from the provision. Blumenstein/Locher (System des Schweizerischen Steuerrechts, 6th ed. 2002, 325) see only a political obligation of the Confederation.\n\n**N. 15** Behnisch (BSK BV, Art. 130 N. 12) criticises the «system defects» of value added tax law, in particular the «error-prone complexity» and the «inadequate implementation by the FTA». This criticism was partly taken up in the Spori Report (Bericht des Beauftragten P. Spori in Sachen Mehrwertsteuerreform, 2006, 23 ff.), but did not lead to a fundamental system change.\n\n**N. 16** The constitutional admissibility of tax rulings in the VAT area is assessed differently. Baumgartner (Möglichkeiten und Grenzen von Steuer-Rulings, in: Mäusli-Allenspach/Beusch, 2013, 201 f.) affirms this by invoking → Art. 5 para. 3 FC (good faith). Geiger/Schluckebier (MWSTG Kommentar, 2012, Art. 69 N. 8) see constitutional limits for information that is contrary to the system.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 17** When interpreting Art. 130 FC, the Federal Court's case law on restrictive interpretation of tax exceptions must be observed. **BGE 138 II 251 E. 2.3** established the principle: «Against the background of the generality and competitive neutrality of the value added tax, all kinds of exceptions are problematic. They must therefore be interpreted restrictively.»\n\n**N. 18** The practical application of the tax rates requires consultation of the FTA's VAT-Info publications, in particular VAT-Info 08 «Tax rates» and VAT-Info 19 «Hotel and catering trade». These practice determinations concretise the constitutional requirements and are to be appreciated according to **BGE 151 II 364 E. 5.1.1** from the viewpoint of protection of legitimate expectations (→ Art. 5 para. 3 and → Art. 9 FC).\n\n**N. 19** The correct calculation of the current tax rates taking into account all constitutional surcharges is carried out according to the formula: Base rate + AHV surcharge (para. 3) + railway infrastructure surcharge (para. 3bis) + AHV reform surcharge (para. 3ter). The FTA publishes the applicable rates in the VAT Practice (VPB) and the VAT Sector Information.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### I. Constitutional Foundations of Value Added Tax\n\n**BGE 142 II 488** of 29 August 2016 (para. 2.2.1)  \nThe Federal Supreme Court confirms the constitutional foundation of value added tax under Art. 130 Federal Constitution.  \nCentral to understanding value added tax as a consumption tax under the net multi-stage system.  \n> «According to Art. 130 para. 1 Federal Constitution and Art. 1 para. 1 VAT Act, the Confederation levies a value added tax. In tax technical terms, this type of tax is a consumption tax.»\n\n**BGE 140 II 80** of 1 January 2014 (para. 2.1)  \nThe Federal Supreme Court specifies the characteristic element of service relationships in value added tax.  \nFundamental for distinguishing tax law from private law relationships.  \n> «According to Art. 130 para. 1 Federal Constitution and Art. 1 para. 1 sentence 1 VAT Act, the Confederation levies a value added tax, i.e. a general consumption tax under the net multi-stage tax system with input tax deduction. The exchange of services is characteristic of value added tax.»\n\n### II. Tax Rates and Constitutional Conformity\n\n**BGE 123 II 16** of 1 January 1997 (para. 5)  \nThe Federal Supreme Court examines the constitutional conformity of ordinance provisions regarding tax rates.  \nLeading case for distinguishing between standard and reduced rates for hospitality services.  \n> «Art. 41ter para. 1 lit. a Federal Constitution introduces a turnover tax (value added tax). According to its para. 3, the value added tax burdens the supply of goods, services and imports according to the multi-stage principle with input tax deduction. The tax amounts to 2% inter alia on food and beverages, with the exception of alcoholic beverages, and 6.5% on the supply and import of other goods and on services.»\n\n### III. Business Activity and Subjective Tax Liability\n\n**BGE 138 II 251** of 13 April 2012 (para. 2.3)  \nThe Federal Supreme Court develops criteria for the subjective value added tax liability of art collectors.  \nDecisive for interpreting the concept of business in value added tax law.  \n> «Against the background of the generality and competitive neutrality of value added tax, all types of exceptions are problematic. They must therefore be interpreted restrictively.»\n\n### IV. Input Tax Deduction and Business Use\n\n**BGE 142 II 488** of 29 August 2016 (para. 2.3)  \nThe Federal Supreme Court specifies the requirements for input tax deduction on art purchases.  \nDecisive for distinguishing business from private use.  \n> «Input tax deduction requires, in addition to formal requirements, that the taxable person is economically burdened with input taxes and that these arise 'in the context of business activity'.»\n\n### V. Protection of Legitimate Expectations and Right to Information\n\n**BGE 151 II 364** of 1 January 2025 (para. 5.1.1)  \nThe Federal Supreme Court recognises a constitutional right to protection of legitimate expectations regarding VAT information.  \nLeading case for the relationship between Art. 69 VAT Act and constitutional principles.  \n> «Art. 69 VAT Act grants the person seeking legal advice a right to information that is covered by the constitutional right to protection of legitimate expectations (Art. 5 para. 3 and Art. 9 Federal Constitution).»\n\n### VI. Option Right and Formal Requirements\n\n**BGE 140 II 495** of 10 October 2014 (para. 2.2.1)  \nThe Federal Supreme Court sets out the formal requirements for the option to tax.  \nRelevant for interpreting tax exemptions in Art. 130 Federal Constitution.  \n> «The requirement to clearly express in an objective sense in the case of an option that a tax exemption is not claimed is mandatory.»\n\n### VII. Recent Developments and Practice Determinations\n\n**BGE 149 II 290** of 21 June 2023 (para. 2)  \nThe Federal Supreme Court clarifies the nature of consideration reductions in value added tax law.  \nCurrent for the treatment of complex service relationships.  \n> «Whether there is one or two (main) services must be assessed on the basis of objective economic considerations.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_130", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 131, "article_suffix": "", "title": "Besondere Verbrauchssteuern", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 131 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 131 der Bundesverfassung gibt dem Bund die Macht, besondere Verbrauchssteuern zu erheben. Diese Steuern treffen bestimmte Produkte wie Tabak, Alkohol, Bier, Benzin und Erdöl. Anders als die Mehrwertsteuer gelten sie nur für die in der Verfassung genannten Waren.\n\nDer Bund kann auf fünf Produktgruppen Steuern erheben: Tabakwaren (Zigaretten, Zigarren), gebrannte Wasser (starker Alkohol ab 15 Volumenprozent), Bier, Automobile und Mineralöl. Zusätzlich darf er einen Zuschlag auf Treibstoffe erheben und alternative Antriebe besteuern. Seit 2021 kann er auch Flugtreibstoffe besteuern, wenn die Mittel für die Luftfahrt nicht ausreichen.\n\nDiese Steuern verfolgen zwei Ziele: Sie bringen dem Bund Geld ein und sollen gleichzeitig den Verbrauch schädlicher Produkte reduzieren. Bei Tabak und Alkohol steht der Gesundheitsschutz im Vordergrund. Bei Treibstoffen dient die Steuer hauptsächlich der Finanzierung von Strassen.\n\nBetroffen sind alle Personen und Unternehmen, die diese Produkte kaufen oder verkaufen. Die Steuer wird meist bei der Herstellung oder beim Import erhoben und über den Preis an die Kunden weitergegeben. Zum Beispiel zahlt jeder, der eine Packung Zigaretten kauft, automatisch die Tabaksteuer mit. Tankstellenkunden bezahlen die Mineralölsteuer beim Betanken ihres Autos.\n\nDie Kantone erhalten zehn Prozent der Einnahmen aus der Alkoholbesteuerung. Dieses Geld müssen sie für die Bekämpfung von Suchtproblemen verwenden. Kantone und Gemeinden dürfen keine gleichartigen Steuern erheben, können aber spezielle Abgaben für besondere Zwecke einführen. So darf zum Beispiel ein Kanton eine Abgabe auf Alkohol erheben, wenn damit Jugendschutzprogramme finanziert werden.\n\nUmstritten ist die Besteuerung neuer Produkte wie elektronischer Zigaretten. Während das Bundesverwaltungsgericht sie als Tabakwaren einstuft, sieht der Bundesrat sie als steuerfreie Ersatzprodukte.", "doctrine_de": "# Art. 131 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Kompetenz des Bundes zur Erhebung besonderer Verbrauchssteuern findet ihre Wurzeln bereits in der Bundesverfassung von 1874. Die Alkoholbesteuerung geht auf Art. 32bis aBV (angenommen 1885) zurück, während die Tabaksteuer erstmals 1952 in die Verfassung aufgenommen wurde (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 1).\n\n**N. 2** Bei der Totalrevision 1999 wurden die verschiedenen Verbrauchssteuerkompetenzen in Art. 131 BV zusammengeführt. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung hielt dazu fest: «Die Zusammenfassung aller besonderen Verbrauchssteuern in einer einzigen Bestimmung erhöht die Übersichtlichkeit der Verfassung» (BBl 1997 I 1, 394).\n\n**N. 3** Der 2021 eingefügte Absatz 2bis reagierte auf die Finanzierungsbedürfnisse der Luftfahrtinfrastruktur und ermöglicht einen Zuschlag auf Flugtreibstoffen, wenn die ordentlichen Mittel nicht ausreichen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 131 BV gehört zum 3. Titel der Bundesverfassung über Bund, Kantone und Gemeinden und steht im 3. Kapitel über die Finanzordnung. Die Norm ist systematisch eng verknüpft mit:\n- → Art. 105 BV (Alkohol), der die materielle Gesetzgebungskompetenz für gebrannte Wasser regelt\n- → Art. 134 BV (Ausschluss kantonaler und kommunaler Steuern), der gleichartige kantonale Verbrauchssteuern verbietet\n- → Art. 130 BV (Mehrwertsteuer), die als allgemeine Verbrauchssteuer das Gegenstück zu den besonderen Verbrauchssteuern bildet\n- ↔ Art. 86 BV (Verwendung von Abgaben für den Strassenverkehr)\n\n**N. 5** Die besonderen Verbrauchssteuern nach Art. 131 BV sind Lenkungssteuern mit fiskalischem Charakter. Sie verfolgen sowohl Finanzierungs- als auch gesundheits- und umweltpolitische Ziele (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Begriff der besonderen Verbrauchssteuer\n\n**N. 6** Besondere Verbrauchssteuern sind selektive Abgaben auf bestimmten Gütern und Dienstleistungen. Im Unterschied zur Mehrwertsteuer als allgemeiner Verbrauchssteuer erfassen sie nur die in Art. 131 BV abschliessend aufgezählten Produkte (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n**N. 7** Die Erhebung erfolgt typischerweise bei der Herstellung oder beim Import, nicht beim Endverbrauch. Die Steuer wird über den Preis auf die Konsumenten überwälzt.\n\n#### b) Steuerbare Objekte nach Abs. 1\n\n**N. 8** **Tabak und Tabakwaren (lit. a):** Der Begriff umfasst Rohtabak und alle daraus hergestellten Erzeugnisse zum Rauchen, Schnupfen oder Kauen. Umstritten ist die Besteuerung von Tabakersatzprodukten wie elektronischen Zigaretten. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts sind E-Zigaretten «nach sorgfältiger, umfassender Auslegung als der Tabakbesteuerung unterliegend zu betrachten» (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Der Bundesrat hingegen definiert sie «ausdrücklich als nicht steuerpflichtiges Ersatzprodukt» (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16).\n\n**N. 9** **Gebrannte Wasser (lit. b):** Nach der extensiven Legaldefinition in Art. 2 AlkG fallen hierunter alle Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 15 Volumenprozent sowie Getränke mit geringerem Alkoholgehalt, wenn der Alkohol nicht ausschliesslich durch Vergärung gewonnen wurde. Das Bundesgericht bestätigte diese weite Auslegung in **BGE 143 II 409**.\n\n**N. 10** **Bier (lit. c):** Erfasst sind alle aus Getreidemalz durch alkoholische Gärung hergestellten Getränke, unabhängig vom Alkoholgehalt. Die separate Aufführung neben den gebrannten Wassern ist historisch bedingt.\n\n**N. 11** **Automobile und ihre Bestandteile (lit. d):** Die Automobilsteuer wurde 2007 abgeschafft. Die Verfassungsgrundlage besteht fort, könnte aber ohne Verfassungsänderung nicht mehr aktiviert werden (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 34).\n\n**N. 12** **Erdöl, andere Mineralöle und Treibstoffe (lit. e):** Diese Steuer hat primär fiskalischen Charakter zur Finanzierung der Strasseninfrastruktur. Erfasst sind fossile Brenn- und Treibstoffe sowie deren Substitute (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 37).\n\n#### c) Zusätzliche Abgaben nach Abs. 2\n\n**N. 13** Der Mineralölsteuerzuschlag (Abs. 2 lit. a) beträgt derzeit 30 Rappen pro Liter auf allen Treibstoffen ausser Flugtreibstoffen. Die Zweckbindung für Strasseninfrastruktur ergibt sich aus → Art. 86 BV.\n\n**N. 14** Die Abgabe auf alternativen Antriebsmitteln (Abs. 2 lit. b) soll die Gleichbehandlung von fossil und alternativ betriebenen Fahrzeugen sicherstellen. Eine konkrete Umsetzung steht noch aus.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Art. 131 BV begründet eine Bundeskompetenz, keine Pflicht zur Steuererhebung. Die Ausgestaltung erfolgt auf Gesetzesstufe (TabStG, AlkG, MinöStG, BierStG).\n\n**N. 16** Nach → Art. 134 BV sind gleichartige kantonale und kommunale Steuern ausgeschlossen. Das Bundesgericht anerkennt aber kantonale Kostenanlastungssteuern mit spezifischem Zweck. So erklärte es eine waadtländische Abgabe von 0,8% auf alkoholischen Getränken zum Mitnehmen als «bundesrechtskonforme Kostenanlastungssteuer gerechtfertigt durch den Jugendschutz» für zulässig (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 9).\n\n**N. 17** Die Erträge aus der Besteuerung gebrannter Wasser sind teilweise zweckgebunden: 10% des Reinertrags gehen an die Kantone zur Bekämpfung der Ursachen und Wirkungen von Suchtproblemen (Abs. 3). Diese Zweckbindung ist justiziabel.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** **Elektronische Zigaretten:** Die Qualifikation von E-Zigaretten als Tabakwaren ist hochumstritten. Das Bundesverwaltungsgericht vertritt eine extensive Auslegung und bejaht die Steuerpflicht (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Der Bundesrat lehnt dies ab und definiert E-Zigaretten als nicht steuerbare Ersatzprodukte (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Bärtschi plädiert für eine Gesetzesrevision zur Klärung (Bärtschi, in: Beusch/ISIS [Hrsg.], Entwicklungen im Steuerrecht 2009, 381 ff.).\n\n**N. 19** **Hausbrennprivileg:** Matteotti/Gerber kritisieren die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der steuerlichen Privilegierung inländischer Kleinbrennereien als Verstoss gegen die Rechtsgleichheit (Matteotti/Gerber, in: FS Reich, 23 ff.). Die Praxis hält am historisch begründeten Privileg fest.\n\n**N. 20** **Umfang kantonaler Kompetenzen:** Vallender befürwortet eine restriktive Auslegung von Art. 134 BV und damit einen erweiterten kantonalen Spielraum für Lenkungsabgaben (Vallender, in: Schweizerisches Steuer-Lexikon, Bd. 1, Sondersteuern). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zeigt sich zurückhaltend und lässt kantonale Abgaben nur bei klarem Kostenanlastungscharakter zu.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Bei der Einfuhr von Produkten ist die korrekte Tarifierung entscheidend. Die Zollverwaltung wendet bei Mischprodukten (z.B. alkoholhaltige Süssgetränke) komplexe Abgrenzungskriterien an. **BGE 143 II 409** bietet wichtige Leitlinien.\n\n**N. 22** Für Spirituosenhersteller ist die Unterscheidung zwischen gewerblicher und häuslicher Produktion zentral. Das Hausbrennrecht unterliegt strengen Mengenbeschränkungen und persönlichen Voraussetzungen.\n\n**N. 23** Bei der Planung kantonaler Präventionsabgaben ist die Grenze zu bundesrechtlich ausgeschlossenen Verbrauchssteuern sorgfältig zu beachten. Die Abgabe muss einen spezifischen Kostenanlastungscharakter aufweisen und darf nicht primär fiskalisch motiviert sein.\n\n**N. 24** Die Mineralölsteuerrückerstattung für konzessionierte Transportunternehmen und die Landwirtschaft folgt komplexen Verfahren. Anspruchsberechtigte sollten die Rückerstattungsfristen (in der Regel 3 Jahre) beachten.", "caselaw_de": "# Art. 131 BV\n\n## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 131 BV konzentriert sich hauptsächlich auf die Abgrenzung der bundesrechtlichen Verbrauchssteuern zu kantonalen Abgaben sowie auf die Qualifikation von Produkten als steuerbare Objekte.\n\n### I. Verfassungsrechtliche Grundlagen\n\n**BGE 143 II 409** vom 29. November 2013 (Bacardi-Martini)\n\nDas Bundesgericht bestätigte die weite Auslegung der Bundeskompetenz für Verbrauchssteuern auf gebrannten Wassern. Der Entscheid behandelt die Besteuerung von Getränken mit gefrierkonzentriertem Wein bei der Einfuhr.\n\n> «Art. 105 BV erklärt die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser zur Sache des Bundes; der Bund hat dabei insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung zu tragen. Gemäss Art. 131 Abs. 1 lit. b BV kann der Bund u.a. eine besondere Verbrauchssteuer auf gebrannte Wasser erheben.»\n\n### II. Begriff der gebrannten Wasser\n\n**BGE 143 II 409** vom 29. November 2013\n\nDas Bundesgericht präzisierte, dass der Begriff \"gebrannte Wasser\" in Art. 131 Abs. 1 lit. b BV extensiv auszulegen ist. Produkte mit Alkohol, der nicht ausschliesslich durch Vergärung gewonnen wurde, fallen unter die Bundeskompetenz.\n\n> «Mit dieser extensiven Legaldefinition erfahren die Kompetenzen des Bundes insofern eine gewisse Ausweitung, als der Wortlaut von Art. 105 BV bei engem Verständnis nur jene Arten von Äthylalkohol abdecken könnte, welche durch Destillation erzeugt wurden. Da der in Art. 2 AlkG festgelegte, weitergehende Geltungsbereich vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt ist, bindet diese in einem Bundesgesetz festgeschriebene Formulierung aber sowohl das Bundesgericht als auch die anderen rechtsanwendenden Behörden.»\n\n### III. Abgrenzung zu kantonalen Abgaben\n\n**Urteil 2P.316/2004** vom 31. Oktober 2005\n\nGrundlegender Entscheid zur Zulässigkeit kantonaler Abgaben auf gebrannte Wasser neben der Bundessteuer. Das Bundesgericht prüfte die thurgauische Abgabe auf dem Verkauf von gebrannten Wassern.\n\n> «Die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser ist Sache des Bundes; der Bund soll insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung tragen (Art. 105 BV, Art. 32bis aBV). Auf gebrannten Wassern kann der Bund besondere Verbrauchssteuern erheben (Art. 131 Abs. 1 lit. b BV, Art. 32bis Abs. 5 aBV).»\n\n**Urteil 9C_759/2023** vom 18. Januar 2024\n\nJüngster Entscheid zur kantonalen Alkoholabgabe und deren Verhältnis zu Art. 131 BV. Der Fall betraf die Beschwerdebefugnis eines Kantons gegen Entscheide betreffend Alkoholabgaben.\n\n> «Gemäss Art. 131 Abs. 1 lit. b BV kann der Bund u.a. eine besondere Verbrauchssteuer auf gebrannte Wasser erheben. [...] Was die Bundesgesetzgebung als Gegenstand der Mehrwertsteuer, der besonderen Verbrauchssteuern, der Stempelsteuer und der Verrechnungssteuer bezeichnet oder für steuerfrei erklärt, dürfen die Kantone und Gemeinden nicht mit gleichartigen Steuern belasten (Art. 134 BV).»\n\n### IV. Tabaksteuer\n\n**Urteil 2C_723/2013** vom 1. Dezember 2014\n\nWichtiger Entscheid zur Tabaksteuer nach Art. 131 Abs. 1 lit. a BV. Der Fall betraf die Bemessung der Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak.\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Bundeskompetenz für Tabaksteuern und deren praktische Umsetzung im Zollverfahren.\n\n**BVGer A-1211/2018** vom 11. März 2019\n\nEntscheid zur Tabaksteuer auf Cannabisprodukte. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte, dass Cannabisprodukte zu Rauchzwecken als Tabakersatzprodukte der Tabaksteuer unterliegen.\n\n### V. Hausbrennereien\n\n**BVGer A-477/2018** vom 11. September 2018\n\nEntscheid zur Konzession für Hausbrennereien und deren Verhältnis zu Art. 131 BV. Der Fall betraf die Berechtigung zum Brennen von gebrannten Wassern.\n\n> «Art. 105 BV erklärt die Gesetzgebung über Herstellung, Einfuhr, Reinigung und Verkauf gebrannter Wasser zur Sache des Bundes. Der Bund trägt insbesondere den schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums Rechnung.»\n\n### VI. Verwendung der Erträge\n\n**BVGer A-3346/2020** vom 27. April 2022\n\nEntscheid zur Zweckbindung der Erträge aus der Verbrauchssteuer auf gebrannten Wassern gemäss Art. 131 Abs. 3 BV.\n\n**BVGer A-2514/2021** vom 2. Februar 2022\n\nWeiterer Entscheid zur Verwendung der Mittel aus der Besteuerung gebrannter Wasser für die Bekämpfung von Suchtproblemen.\n\n### VII. Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BVGer A-1359/2018** vom 11. März 2019\n\nParallelentscheid zu A-1211/2018 betreffend Tabaksteuer auf Cannabisprodukte. Bestätigung der Zuständigkeit der Bundesverwaltung für die Erhebung der Verbrauchssteuern.\n\n**BVGer A-4178/2016** vom 28. September 2017\n\nEntscheid zu Zollverfahren im Zusammenhang mit Verbrauchssteuern nach Art. 131 BV.\n\n**BVGer A-5752/2015** vom 15. Juni 2016\n\nVerfahrensrechtlicher Entscheid zur Erhebung der Monopolabgabe auf gebrannten Wassern bei der Einfuhr.\n\n### VIII. Aktuelle Entwicklungen\n\n**Urteil 9C_759/2023** vom 18. Januar 2024\n\nJüngster publizierter Entscheid des Bundesgerichts zu Art. 131 BV. Der Fall zeigt die anhaltende Bedeutung der Abgrenzung zwischen Bundes- und Kantonskompetenzen im Bereich der Verbrauchssteuern.\n\nDie Rechtsprechung bestätigt durchgehend die umfassende Bundeskompetenz für besondere Verbrauchssteuern und deren restriktive Auslegung zugunsten kantonaler Steuerhoheit nur in klar abgegrenzten Bereichen.", "summary_fr": "# Art. 131 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 131 de la Constitution fédérale donne à la Confédération le pouvoir de prélever des impôts de consommation spéciaux. Ces impôts frappent certains produits comme le tabac, l'alcool, la bière, l'essence et le pétrole. Contrairement à la taxe sur la valeur ajoutée, ils ne s'appliquent qu'aux marchandises mentionnées dans la Constitution.\n\nLa Confédération peut prélever des impôts sur cinq groupes de produits : les produits du tabac (cigarettes, cigares), les eaux-de-vie (alcool fort dès 15 pour cent en volume), la bière, les automobiles et l'huile minérale. En outre, elle peut prélever une surtaxe sur les carburants et imposer les propulsions alternatives. Depuis 2021, elle peut également imposer les carburants d'aviation si les moyens destinés à l'aviation ne suffisent pas.\n\nCes impôts poursuivent deux objectifs : ils rapportent de l'argent à la Confédération et doivent en même temps réduire la consommation de produits nocifs. Pour le tabac et l'alcool, la protection de la santé est au premier plan. Pour les carburants, l'impôt sert principalement au financement des routes.\n\nSont concernées toutes les personnes et entreprises qui achètent ou vendent ces produits. L'impôt est généralement prélevé lors de la production ou à l'importation et répercuté sur les clients par le prix. Par exemple, quiconque achète un paquet de cigarettes paie automatiquement l'impôt sur le tabac avec. Les clients des stations-service paient l'impôt sur les huiles minérales en faisant le plein de leur voiture.\n\nLes cantons reçoivent dix pour cent des recettes de l'imposition de l'alcool. Cet argent doit être utilisé pour combattre les problèmes d'addiction. Les cantons et les communes ne peuvent pas prélever d'impôts similaires, mais peuvent introduire des redevances spéciales à des fins particulières. Ainsi, un canton peut par exemple prélever une redevance sur l'alcool si elle sert à financer des programmes de protection de la jeunesse.\n\nL'imposition de nouveaux produits comme les cigarettes électroniques fait controverse. Alors que le Tribunal administratif fédéral les classe comme produits du tabac, le Conseil fédéral les considère comme des produits de substitution exempts d'impôts.", "doctrine_fr": "# Art. 131 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La compétence de la Confédération de percevoir des impôts spéciaux sur la consommation trouve ses racines dans la Constitution fédérale de 1874. L'imposition de l'alcool remonte à l'art. 32bis ancCst (accepté en 1885), tandis que l'impôt sur le tabac fut intégré pour la première fois dans la Constitution en 1952 (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 1).\n\n**N. 2** Lors de la révision totale de 1999, les diverses compétences en matière d'impôts sur la consommation furent réunies dans l'art. 131 Cst. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale précisait à cet égard : « Le regroupement de tous les impôts spéciaux sur la consommation dans une seule disposition améliore la clarté de la Constitution » (FF 1997 I 1, 394).\n\n**N. 3** L'alinéa 2bis inséré en 2021 répond aux besoins de financement de l'infrastructure aéronautique et permet une surtaxe sur les carburants d'aviation lorsque les moyens ordinaires ne suffisent pas.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 131 Cst. appartient au 3e titre de la Constitution fédérale sur la Confédération, les cantons et les communes et figure dans le 3e chapitre relatif aux finances. La norme est systématiquement étroitement liée à :\n- → Art. 105 Cst. (alcool), qui règle la compétence législative matérielle pour les eaux-de-vie\n- → Art. 134 Cst. (exclusion des impôts cantonaux et communaux), qui interdit les impôts cantonaux sur la consommation de même nature\n- → Art. 130 Cst. (taxe sur la valeur ajoutée), qui constitue, en tant qu'impôt général sur la consommation, le pendant des impôts spéciaux sur la consommation\n- ↔ Art. 86 Cst. (affectation de redevances liées à la circulation routière)\n\n**N. 5** Les impôts spéciaux sur la consommation selon l'art. 131 Cst. sont des impôts incitatifs à caractère fiscal. Ils poursuivent des objectifs tant de financement que de politique sanitaire et environnementale (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Notion d'impôt spécial sur la consommation\n\n**N. 6** Les impôts spéciaux sur la consommation sont des prélèvements sélectifs sur certains biens et services. Contrairement à la taxe sur la valeur ajoutée en tant qu'impôt général sur la consommation, ils ne saisissent que les produits énumérés de manière exhaustive à l'art. 131 Cst. (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n**N. 7** La perception s'effectue typiquement lors de la fabrication ou de l'importation, non lors de la consommation finale. L'impôt est répercuté sur les consommateurs via le prix.\n\n#### b) Objets imposables selon l'al. 1\n\n**N. 8** **Tabac et produits du tabac (let. a) :** La notion englobe le tabac brut et tous les produits fabriqués à partir de celui-ci pour fumer, priser ou chiquer. L'imposition des produits de substitution du tabac comme les cigarettes électroniques est controversée. Selon l'avis du Tribunal administratif fédéral, les cigarettes électroniques sont « après interprétation soigneuse et exhaustive, à considérer comme soumises à l'imposition du tabac » (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Le Conseil fédéral, en revanche, les définit « expressément comme produit de substitution non assujetti à l'impôt » (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16).\n\n**N. 9** **Eaux-de-vie (let. b) :** Selon la définition légale extensive de l'art. 2 LAlc, sont comprises toutes les boissons avec une teneur en alcool de plus de 15 pour cent en volume ainsi que les boissons à plus faible teneur en alcool si l'alcool n'a pas été obtenu exclusivement par fermentation. Le Tribunal fédéral a confirmé cette interprétation large dans **BGE 143 II 409**.\n\n**N. 10** **Bière (let. c) :** Sont saisies toutes les boissons fabriquées à partir de malt de céréales par fermentation alcoolique, indépendamment de la teneur en alcool. L'énumération séparée à côté des eaux-de-vie est due à des raisons historiques.\n\n**N. 11** **Automobiles et leurs éléments constitutifs (let. d) :** L'impôt sur les automobiles fut abrogé en 2007. La base constitutionnelle subsiste, mais ne pourrait plus être activée sans modification constitutionnelle (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 34).\n\n**N. 12** **Huiles minérales, autres huiles minérales et carburants (let. e) :** Cet impôt a un caractère fiscal primaire pour financer l'infrastructure routière. Sont saisis les combustibles et carburants fossiles ainsi que leurs substituts (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 37).\n\n#### c) Prélèvements additionnels selon l'al. 2\n\n**N. 13** La surtaxe sur les huiles minérales (al. 2 let. a) s'élève actuellement à 30 centimes par litre sur tous les carburants sauf les carburants d'aviation. L'affectation à l'infrastructure routière résulte de → l'art. 86 Cst.\n\n**N. 14** Le prélèvement sur les agents énergétiques alternatifs (al. 2 let. b) doit assurer l'égalité de traitement des véhicules à propulsion fossile et alternative. Une mise en œuvre concrète fait encore défaut.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 15** L'art. 131 Cst. fonde une compétence de la Confédération, non une obligation de percevoir l'impôt. La conception s'effectue au niveau législatif (LTab, LAlc, LIMin, LBI).\n\n**N. 16** Selon → l'art. 134 Cst., les impôts cantonaux et communaux de même nature sont exclus. Le Tribunal fédéral reconnaît toutefois des impôts cantonaux de répartition des coûts avec un but spécifique. Ainsi, il a déclaré admissible un prélèvement vaudois de 0,8% sur les boissons alcooliques à emporter comme « impôt de répartition des coûts conforme au droit fédéral justifié par la protection de la jeunesse » (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 9).\n\n**N. 17** Les recettes de l'imposition des eaux-de-vie sont partiellement affectées : 10% du produit net reviennent aux cantons pour lutter contre les causes et effets des problèmes d'addiction (al. 3). Cette affectation est justiciable.\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 18** **Cigarettes électroniques :** La qualification des cigarettes électroniques comme produits du tabac est très controversée. Le Tribunal administratif fédéral défend une interprétation extensive et affirme l'assujettissement à l'impôt (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Le Conseil fédéral refuse cela et définit les cigarettes électroniques comme produits de substitution non imposables (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Bärtschi plaide pour une révision légale afin de clarifier la situation (Bärtschi, in: Beusch/ISIS [éd.], Développements en droit fiscal 2009, 381 ss.).\n\n**N. 19** **Privilège de distillation domestique :** Matteotti/Gerber critiquent l'admissibilité constitutionnelle du privilège fiscal des petites distilleries indigènes comme violation de l'égalité juridique (Matteotti/Gerber, in: FS Reich, 23 ss.). La pratique maintient le privilège historiquement fondé.\n\n**N. 20** **Étendue des compétences cantonales :** Vallender préconise une interprétation restrictive de l'art. 134 Cst. et donc une marge de manœuvre cantonale élargie pour les prélèvements incitatifs (Vallender, in: Lexique fiscal suisse, vol. 1, Impôts spéciaux). La jurisprudence du Tribunal fédéral se montre retenue et n'admet les prélèvements cantonaux qu'en cas de caractère clair de répartition des coûts.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Lors de l'importation de produits, le tarifiement correct est déterminant. L'administration des douanes applique des critères de délimitation complexes pour les produits mixtes (p. ex. boissons sucrées alcoolisées). **BGE 143 II 409** offre d'importantes directives.\n\n**N. 22** Pour les producteurs de spiritueux, la distinction entre production commerciale et domestique est centrale. Le droit de distillation domestique est soumis à de strictes limitations quantitatives et à des conditions personnelles.\n\n**N. 23** Lors de la planification de prélèvements cantonaux de prévention, la limite aux impôts sur la consommation exclus par le droit fédéral doit être soigneusement observée. Le prélèvement doit présenter un caractère spécifique de répartition des coûts et ne doit pas être motivé primairement de manière fiscale.\n\n**N. 24** Le remboursement de l'impôt sur les huiles minérales pour les entreprises de transport concessionnaires et l'agriculture suit des procédures complexes. Les ayants droit devraient respecter les délais de remboursement (en règle générale 3 ans).", "caselaw_fr": "# Art. 131 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 131 Cst. se concentre principalement sur la délimitation des impôts fédéraux à la consommation par rapport aux redevances cantonales ainsi que sur la qualification de produits comme objets imposables.\n\n### I. Fondements constitutionnels\n\n**ATF 143 II 409** du 29 novembre 2013 (Bacardi-Martini)\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'interprétation large de la compétence fédérale pour les impôts à la consommation sur les eaux-de-vie. L'arrêt traite de l'imposition de boissons à base de vin concentré par congélation lors de l'importation.\n\n> « L'art. 105 Cst. fait de la législation sur la fabrication, l'importation, l'épuration et la vente des eaux-de-vie l'affaire de la Confédération ; ce faisant, la Confédération tient compte notamment des effets nocifs de la consommation d'alcool. Selon l'art. 131 al. 1 let. b Cst., la Confédération peut notamment percevoir un impôt à la consommation particulier sur les eaux-de-vie. »\n\n### II. Notion d'eaux-de-vie\n\n**ATF 143 II 409** du 29 novembre 2013\n\nLe Tribunal fédéral a précisé que la notion « eaux-de-vie » à l'art. 131 al. 1 let. b Cst. doit être interprétée de manière extensive. Les produits contenant de l'alcool qui n'a pas été obtenu exclusivement par fermentation relèvent de la compétence fédérale.\n\n> « Cette définition légale extensive élargit dans une certaine mesure les compétences de la Confédération, dans la mesure où le libellé de l'art. 105 Cst., compris de manière restrictive, ne pourrait couvrir que les types d'alcool éthylique produits par distillation. Étant donné que le champ d'application plus large fixé à l'art. 2 LAlc est expressément voulu par le législateur, cette formulation inscrite dans une loi fédérale lie toutefois tant le Tribunal fédéral que les autres autorités d'application du droit. »\n\n### III. Délimitation par rapport aux redevances cantonales\n\n**Arrêt 2P.316/2004** du 31 octobre 2005\n\nArrêt fondamental sur l'admissibilité de redevances cantonales sur les eaux-de-vie en plus de l'impôt fédéral. Le Tribunal fédéral a examiné la redevance thurgovienne sur la vente d'eaux-de-vie.\n\n> « La législation sur la fabrication, l'importation, l'épuration et la vente des eaux-de-vie est l'affaire de la Confédération ; celle-ci tient compte notamment des effets nocifs de la consommation d'alcool (art. 105 Cst., art. 32bis aCst.). Sur les eaux-de-vie, la Confédération peut percevoir des impôts à la consommation particuliers (art. 131 al. 1 let. b Cst., art. 32bis al. 5 aCst.). »\n\n**Arrêt 9C_759/2023** du 18 janvier 2024\n\nArrêt le plus récent sur la redevance cantonale sur l'alcool et son rapport à l'art. 131 Cst. Le cas concernait la qualité pour recourir d'un canton contre des décisions relatives aux redevances sur l'alcool.\n\n> « Selon l'art. 131 al. 1 let. b Cst., la Confédération peut notamment percevoir un impôt à la consommation particulier sur les eaux-de-vie. [...] Ce que la législation fédérale désigne comme objet de l'impôt sur la valeur ajoutée, des impôts à la consommation particuliers, de l'impôt du timbre et de l'impôt anticipé ou déclare exonéré d'impôt, les cantons et les communes ne peuvent le grever d'impôts de même nature (art. 134 Cst.). »\n\n### IV. Impôt sur le tabac\n\n**Arrêt 2C_723/2013** du 1er décembre 2014\n\nArrêt important sur l'impôt sur le tabac selon l'art. 131 al. 1 let. a Cst. Le cas concernait le calcul de l'impôt sur le tabac sur le tabac à narguilé.\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé la compétence fédérale pour les impôts sur le tabac et leur mise en œuvre pratique dans la procédure douanière.\n\n**TAF A-1211/2018** du 11 mars 2019\n\nArrêt sur l'impôt sur le tabac sur les produits à base de cannabis. Le Tribunal administratif fédéral a confirmé que les produits à base de cannabis destinés à être fumés sont soumis à l'impôt sur le tabac en tant que succédanés du tabac.\n\n### V. Distilleries domestiques\n\n**TAF A-477/2018** du 11 septembre 2018\n\nArrêt sur la concession pour distilleries domestiques et son rapport à l'art. 131 Cst. Le cas concernait l'autorisation de distiller des eaux-de-vie.\n\n> « L'art. 105 Cst. fait de la législation sur la fabrication, l'importation, l'épuration et la vente des eaux-de-vie l'affaire de la Confédération. La Confédération tient compte notamment des effets nocifs de la consommation d'alcool. »\n\n### VI. Utilisation du produit\n\n**TAF A-3346/2020** du 27 avril 2022\n\nArrêt sur l'affectation du produit de l'impôt à la consommation sur les eaux-de-vie selon l'art. 131 al. 3 Cst.\n\n**TAF A-2514/2021** du 2 février 2022\n\nAutre arrêt sur l'utilisation des fonds provenant de l'imposition des eaux-de-vie pour la lutte contre les problèmes d'addiction.\n\n### VII. Aspects de droit procédural\n\n**TAF A-1359/2018** du 11 mars 2019\n\nArrêt parallèle à A-1211/2018 concernant l'impôt sur le tabac sur les produits à base de cannabis. Confirmation de la compétence de l'administration fédérale pour la perception des impôts à la consommation.\n\n**TAF A-4178/2016** du 28 septembre 2017\n\nArrêt sur les procédures douanières en relation avec les impôts à la consommation selon l'art. 131 Cst.\n\n**TAF A-5752/2015** du 15 juin 2016\n\nArrêt de droit procédural sur la perception de la taxe de monopole sur les eaux-de-vie lors de l'importation.\n\n### VIII. Développements actuels\n\n**Arrêt 9C_759/2023** du 18 janvier 2024\n\nArrêt publié le plus récent du Tribunal fédéral sur l'art. 131 Cst. Le cas montre l'importance persistante de la délimitation entre les compétences fédérales et cantonales dans le domaine des impôts à la consommation.\n\nLa jurisprudence confirme constamment la compétence fédérale étendue pour les impôts à la consommation particuliers et leur interprétation restrictive en faveur de la souveraineté fiscale cantonale seulement dans des domaines clairement délimités.", "summary_it": "# Art. 131 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 131 della Costituzione federale conferisce alla Confederazione il potere di riscuotere imposte speciali sui consumi. Queste imposte colpiscono determinati prodotti come tabacco, alcol, birra, benzina e petrolio. A differenza dell'imposta sul valore aggiunto, si applicano soltanto alle merci menzionate nella Costituzione.\n\nLa Confederazione può riscuotere imposte su cinque gruppi di prodotti: prodotti del tabacco (sigarette, sigari), acquaviti (alcol forte a partire dal 15% in volume), birra, automobili e oli minerali. Inoltre può riscuotere un supplemento sui carburanti e tassare le propulsioni alternative. Dal 2021 può anche tassare i carburanti per aviazione, se i mezzi per l'aviazione non sono sufficienti.\n\nQueste imposte perseguono due obiettivi: procurano denaro alla Confederazione e devono al contempo ridurre il consumo di prodotti nocivi. Per tabacco e alcol è in primo piano la protezione della salute. Per i carburanti l'imposta serve principalmente al finanziamento delle strade.\n\nSono colpite tutte le persone e le imprese che acquistano o vendono questi prodotti. L'imposta viene per lo più riscossa alla produzione o all'importazione e trasmessa ai clienti tramite il prezzo. Per esempio, chiunque acquisti un pacchetto di sigarette paga automaticamente anche l'imposta sul tabacco. I clienti delle stazioni di servizio pagano l'imposta sugli oli minerali quando fanno rifornimento alla propria auto.\n\nI Cantoni ricevono il dieci per cento degli introiti della tassazione dell'alcol. Questo denaro devono utilizzarlo per la lotta contro i problemi di dipendenza. I Cantoni e i Comuni non possono riscuotere imposte dello stesso tipo, ma possono introdurre tributi speciali per scopi particolari. Così per esempio un Cantone può riscuotere un tributo sull'alcol se con esso si finanziano programmi di protezione della gioventù.\n\nControversa è la tassazione di nuovi prodotti come le sigarette elettroniche. Mentre il Tribunale amministrativo federale le classifica come prodotti del tabacco, il Consiglio federale le considera prodotti sostitutivi esenti da imposta.", "doctrine_it": "# Art. 131 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La competenza della Confederazione di riscuotere imposte speciali di consumo ha le sue radici nella Costituzione federale del 1874. L'imposizione fiscale dell'alcol risale all'art. 32bis Cost. fed. 1874 (accettato nel 1885), mentre l'imposta sul tabacco fu introdotta per la prima volta nella Costituzione nel 1952 (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 1).\n\n**N. 2** Con la revisione totale del 1999, le diverse competenze in materia di imposte di consumo furono riunite nell'art. 131 Cost. Il messaggio sulla nuova Costituzione federale precisava a questo proposito: «Il raggruppamento di tutte le imposte speciali di consumo in un'unica disposizione aumenta la chiarezza della Costituzione» (FF 1997 I 1, 394).\n\n**N. 3** Il capoverso 2bis inserito nel 2021 ha reagito ai fabbisogni di finanziamento dell'infrastruttura dell'aviazione e consente un supplemento sui carburanti per aeromobili quando i mezzi ordinari non sono sufficienti.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 131 Cost. appartiene al titolo 3 della Costituzione federale su Confederazione, Cantoni e Comuni e si trova nel capitolo 3 sull'ordinamento finanziario. La norma è sistematicamente strettamente collegata con:\n- → Art. 105 Cost. (alcol), che disciplina la competenza legislativa materiale per le acquaviti\n- → Art. 134 Cost. (esclusione delle imposte cantonali e comunali), che vieta imposte di consumo cantonali analoghe\n- → Art. 130 Cost. (imposta sul valore aggiunto), che come imposta generale di consumo costituisce la controparte alle imposte speciali di consumo\n- ↔ Art. 86 Cost. (utilizzazione di tributi per il traffico stradale)\n\n**N. 5** Le imposte speciali di consumo secondo l'art. 131 Cost. sono imposte d'incentivazione con carattere fiscale. Perseguono obiettivi sia di finanziamento sia di politica sanitaria e ambientale (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 5).\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Concetto di imposta speciale di consumo\n\n**N. 6** Le imposte speciali di consumo sono tributi selettivi su determinati beni e servizi. A differenza dell'imposta sul valore aggiunto come imposta generale di consumo, esse colpiscono solo i prodotti elencati in modo esaustivo nell'art. 131 Cost. (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 5).\n\n**N. 7** La riscossione avviene tipicamente al momento della produzione o dell'importazione, non al consumo finale. L'imposta viene traslata sui consumatori attraverso il prezzo.\n\n#### b) Oggetti imponibili secondo il cpv. 1\n\n**N. 8** **Tabacco e prodotti del tabacco (lett. a):** Il concetto comprende il tabacco greggio e tutti i prodotti fabbricati per fumare, fiutare o masticare. È controversa l'imposizione di prodotti sostitutivi del tabacco come le sigarette elettroniche. Secondo il Tribunale amministrativo federale, le sigarette elettroniche sono «da considerarsi soggette all'imposizione del tabacco dopo un'interpretazione accurata e globale» (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 16). Il Consiglio federale invece le definisce «esplicitamente come prodotto sostitutivo non soggetto a imposta» (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 16).\n\n**N. 9** **Acquaviti (lett. b):** Secondo la definizione legale estensiva nell'art. 2 LAlc rientrano in questa categoria tutte le bevande con un tenore alcolico superiore al 15 per cento in volume nonché le bevande con tenore alcolico inferiore, se l'alcol non è stato ottenuto esclusivamente per fermentazione. Il Tribunale federale ha confermato questa interpretazione ampia in **DTF 143 II 409**.\n\n**N. 10** **Birra (lett. c):** Sono colpite tutte le bevande prodotte da malto di cereali mediante fermentazione alcolica, indipendentemente dal tenore alcolico. L'elencazione separata accanto alle acquaviti è dovuta a ragioni storiche.\n\n**N. 11** **Automobili e loro componenti (lett. d):** L'imposta sugli autoveicoli fu abolita nel 2007. La base costituzionale sussiste ancora, ma non potrebbe più essere attivata senza modifica costituzionale (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 34).\n\n**N. 12** **Petrolio, altri oli minerali e carburanti (lett. e):** Questa imposta ha carattere primariamente fiscale per il finanziamento dell'infrastruttura stradale. Sono colpiti i combustibili e carburanti fossili nonché i loro sostituti (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 37).\n\n#### c) Tributi supplementari secondo il cpv. 2\n\n**N. 13** Il supplemento dell'imposta sugli oli minerali (cpv. 2 lett. a) ammonta attualmente a 30 centesimi per litro su tutti i carburanti eccetto i carburanti per aeromobili. La destinazione vincolata per l'infrastruttura stradale risulta dall'→ art. 86 Cost.\n\n**N. 14** Il tributo sui vettori energetici alternativi (cpv. 2 lett. b) deve garantire la parità di trattamento tra veicoli a propulsione fossile e alternativa. Un'attuazione concreta è ancora in sospeso.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** L'art. 131 Cost. fonda una competenza della Confederazione, non un obbligo di riscuotere imposte. La configurazione avviene a livello legislativo (LTTab, LAlc, LIOm, LBirra).\n\n**N. 16** Secondo l'→ art. 134 Cost. sono escluse imposte cantonali e comunali analoghe. Il Tribunale federale riconosce tuttavia imposte cantonali di causalità con scopo specifico. Così ha dichiarato ammissibile un tributo vodese dello 0,8% sulle bevande alcoliche da asporto come «imposta di causalità conforme al diritto federale giustificata dalla protezione della gioventù» (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 9).\n\n**N. 17** I proventi dell'imposizione delle acquaviti sono parzialmente vincolati nella destinazione: il 10% del ricavo netto va ai Cantoni per la lotta contro le cause e gli effetti dei problemi di dipendenza (cpv. 3). Questa destinazione vincolata è giustiziabile.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 18** **Sigarette elettroniche:** La qualificazione delle sigarette elettroniche come prodotti del tabacco è molto controversa. Il Tribunale amministrativo federale sostiene un'interpretazione estensiva e afferma l'assoggettamento all'imposta (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 16). Il Consiglio federale respinge ciò e definisce le sigarette elettroniche come prodotti sostitutivi non imponibili (Beusch, BSK BV, art. 131 n. 16). Bärtschi propugna una revisione legislativa per fare chiarezza (Bärtschi, in: Beusch/ISIS [cur.], Entwicklungen im Steuerrecht 2009, 381 ss.).\n\n**N. 19** **Privilegio della distillazione domestica:** Matteotti/Gerber criticano l'ammissibilità costituzionale del privilegio fiscale delle piccole distillerie nazionali come violazione dell'uguaglianza giuridica (Matteotti/Gerber, in: FS Reich, 23 ss.). La prassi mantiene il privilegio storicamente fondato.\n\n**N. 20** **Portata delle competenze cantonali:** Vallender sostiene un'interpretazione restrittiva dell'art. 134 Cost. e quindi un ampliato margine di manovra cantonale per i tributi d'incentivazione (Vallender, in: Schweizerisches Steuer-Lexikon, vol. 1, Sondersteuern). La giurisprudenza del Tribunale federale si mostra prudente e ammette tributi cantonali solo con chiaro carattere di causalità.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** Nell'importazione di prodotti è decisiva la corretta tariffazione. L'amministrazione delle dogane applica criteri di delimitazione complessi per i prodotti misti (p. es. bevande dolci contenenti alcol). **DTF 143 II 409** offre importanti orientamenti.\n\n**N. 22** Per i produttori di alcolici è centrale la distinzione tra produzione commerciale e domestica. Il diritto di distillazione domestica sottostà a severe limitazioni quantitative e presupposti personali.\n\n**N. 23** Nella pianificazione di tributi cantonali di prevenzione deve essere attentamente osservato il limite verso le imposte di consumo escluse dal diritto federale. Il tributo deve presentare un carattere specifico di causalità e non può essere motivato primariamente dal punto di vista fiscale.\n\n**N. 24** Il rimborso dell'imposta sugli oli minerali per le imprese di trasporto concessionarie e l'agricoltura segue procedure complesse. Gli aventi diritto dovrebbero osservare i termini di rimborso (di norma 3 anni).", "caselaw_it": "# Art. 131 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 131 Cost. si concentra principalmente sulla delimitazione delle imposte speciali di consumo di diritto federale rispetto ai tributi cantonali, nonché sulla qualificazione dei prodotti come oggetti imponibili.\n\n### I. Fondamenti costituzionali\n\n**DTF 143 II 409** del 29 novembre 2013 (Bacardi-Martini)\n\nIl Tribunale federale ha confermato l'interpretazione estensiva della competenza federale per le imposte di consumo sulle bevande spiritose. La decisione tratta la tassazione di bevande con vino concentrato per congelamento all'importazione.\n\n> «L'art. 105 Cost. dichiara di competenza della Confederazione la legislazione sulla fabbricazione, l'importazione, la rettificazione e la vendita di bevande spiritose; la Confederazione deve tenere particolarmente conto degli effetti nocivi del consumo di alcol. Secondo l'art. 131 cpv. 1 lett. b Cost., la Confederazione può riscuotere tra l'altro un'imposta speciale di consumo sulle bevande spiritose.»\n\n### II. Nozione di bevande spiritose\n\n**DTF 143 II 409** del 29 novembre 2013\n\nIl Tribunale federale ha precisato che la nozione di \"bevande spiritose\" nell'art. 131 cpv. 1 lett. b Cost. deve essere interpretata estensivamente. I prodotti contenenti alcol non ottenuto esclusivamente per fermentazione rientrano nella competenza federale.\n\n> «Con questa definizione legale estensiva le competenze della Confederazione subiscono un certo ampliamento, in quanto il tenore letterale dell'art. 105 Cost., se inteso restrittivamente, potrebbe coprire soltanto quei tipi di alcol etilico prodotti per distillazione. Poiché il campo d'applicazione più ampio fissato nell'art. 2 LAlc è espressamente voluto dal legislatore, questa formulazione stabilita in una legge federale vincola però sia il Tribunale federale sia le altre autorità che applicano il diritto.»\n\n### III. Delimitazione rispetto ai tributi cantonali\n\n**Sentenza 2P.316/2004** del 31 ottobre 2005\n\nDecisione fondamentale sull'ammissibilità di tributi cantonali sulle bevande spiritose oltre all'imposta federale. Il Tribunale federale ha esaminato il tributo turgoviese sulla vendita di bevande spiritose.\n\n> «La legislazione sulla fabbricazione, l'importazione, la rettificazione e la vendita di bevande spiritose è di competenza della Confederazione; la Confederazione deve tenere particolarmente conto degli effetti nocivi del consumo di alcol (art. 105 Cost., art. 32bis vCost.). La Confederazione può riscuotere imposte speciali di consumo sulle bevande spiritose (art. 131 cpv. 1 lett. b Cost., art. 32bis cpv. 5 vCost.).»\n\n**Sentenza 9C_759/2023** del 18 gennaio 2024\n\nDecisione più recente sul tributo cantonale sull'alcol e il suo rapporto con l'art. 131 Cost. Il caso riguardava la legittimazione al ricorso di un Cantone contro decisioni concernenti tributi sull'alcol.\n\n> «Secondo l'art. 131 cpv. 1 lett. b Cost., la Confederazione può riscuotere tra l'altro un'imposta speciale di consumo sulle bevande spiritose. [...] Ciò che la legislazione federale designa come oggetto dell'imposta sul valore aggiunto, delle imposte speciali di consumo, dell'imposta di bollo e dell'imposta preventiva o dichiara esente da imposta, non può essere gravato dai Cantoni e dai Comuni con imposte dello stesso genere (art. 134 Cost.).»\n\n### IV. Imposta sul tabacco\n\n**Sentenza 2C_723/2013** del 1° dicembre 2014\n\nDecisione importante sull'imposta sul tabacco secondo l'art. 131 cpv. 1 lett. a Cost. Il caso riguardava la determinazione dell'imposta sul tabacco sul tabacco per narghilè.\n\nIl Tribunale federale ha confermato la competenza federale per le imposte sul tabacco e la loro attuazione pratica nella procedura doganale.\n\n**TAF A-1211/2018** dell'11 marzo 2019\n\nDecisione sull'imposta sul tabacco sui prodotti a base di cannabis. Il Tribunale amministrativo federale ha confermato che i prodotti a base di cannabis destinati al fumo sono soggetti all'imposta sul tabacco come prodotti succedanei del tabacco.\n\n### V. Distillerie domestiche\n\n**TAF A-477/2018** dell'11 settembre 2018\n\nDecisione sulla concessione per distillerie domestiche e il loro rapporto con l'art. 131 Cost. Il caso riguardava l'autorizzazione alla distillazione di bevande spiritose.\n\n> «L'art. 105 Cost. dichiara di competenza della Confederazione la legislazione sulla fabbricazione, l'importazione, la rettificazione e la vendita di bevande spiritose. La Confederazione tiene particolarmente conto degli effetti nocivi del consumo di alcol.»\n\n### VI. Utilizzazione dei proventi\n\n**TAF A-3346/2020** del 27 aprile 2022\n\nDecisione sulla destinazione vincolata dei proventi dell'imposta di consumo sulle bevande spiritose secondo l'art. 131 cpv. 3 Cost.\n\n**TAF A-2514/2021** del 2 febbraio 2022\n\nUlteriore decisione sull'utilizzazione dei mezzi provenienti dalla tassazione delle bevande spiritose per la lotta ai problemi di dipendenza.\n\n### VII. Aspetti di diritto procedurale\n\n**TAF A-1359/2018** dell'11 marzo 2019\n\nDecisione parallela alla A-1211/2018 concernente l'imposta sul tabacco sui prodotti a base di cannabis. Conferma della competenza dell'amministrazione federale per la riscossione delle imposte di consumo.\n\n**TAF A-4178/2016** del 28 settembre 2017\n\nDecisione su procedure doganali in relazione alle imposte di consumo secondo l'art. 131 Cost.\n\n**TAF A-5752/2015** del 15 giugno 2016\n\nDecisione di diritto procedurale sulla riscossione del tributo di monopolio sulle bevande spiritose all'importazione.\n\n### VIII. Sviluppi attuali\n\n**Sentenza 9C_759/2023** del 18 gennaio 2024\n\nDecisione più recente pubblicata del Tribunale federale sull'art. 131 Cost. Il caso mostra l'importanza perdurante della delimitazione tra competenze federali e cantonali nell'ambito delle imposte di consumo.\n\nLa giurisprudenza conferma costantemente la competenza federale completa per le imposte speciali di consumo e la loro interpretazione restrittiva a favore della sovranità fiscale cantonale solo in ambiti chiaramente delimitati.", "summary_en": "# Art. 131 BV\n\n## Overview\n\nArticle 131 of the Federal Constitution gives the Confederation the power to levy special consumption taxes. These taxes apply to specific products such as tobacco, alcohol, beer, gasoline and petroleum. Unlike value added tax, they apply only to the goods mentioned in the Constitution.\n\nThe Confederation may levy taxes on five product groups: tobacco products (cigarettes, cigars), distilled spirits (strong alcohol from 15 percent by volume), beer, automobiles and mineral oil. In addition, it may levy a surcharge on motor fuels and tax alternative drives. Since 2021, it may also tax aviation fuel if funds for aviation are insufficient.\n\nThese taxes pursue two objectives: they generate revenue for the Confederation and are intended to reduce consumption of harmful products. For tobacco and alcohol, health protection is the primary focus. For motor fuels, the tax mainly serves to finance roads.\n\nAll persons and companies that buy or sell these products are affected. The tax is usually levied during production or import and passed on to customers through the price. For example, anyone who buys a pack of cigarettes automatically pays the tobacco tax with it. Gas station customers pay the mineral oil tax when filling up their car.\n\nThe cantons receive ten percent of the revenue from alcohol taxation. They must use this money to combat addiction problems. Cantons and municipalities may not levy similar taxes, but they may introduce special levies for special purposes. For example, a canton may levy a charge on alcohol if it is used to finance youth protection programmes.\n\nThe taxation of new products such as electronic cigarettes is controversial. While the Federal Administrative Court classifies them as tobacco products, the Federal Council sees them as tax-free substitute products.", "doctrine_en": "# Art. 131 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The Confederation's competence to levy special consumption taxes has its roots in the Federal Constitution of 1874. Alcohol taxation dates back to Art. 32bis aFC (adopted 1885), while tobacco tax was first incorporated into the Constitution in 1952 (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 1).\n\n**N. 2** During the total revision of 1999, the various consumption tax competences were consolidated in Art. 131 FC. The Federal Council's message on the new Federal Constitution noted: «The consolidation of all special consumption taxes into a single provision increases the clarity of the Constitution» (BBl 1997 I 1, 394).\n\n**N. 3** Paragraph 2bis, inserted in 2021, responded to the financing needs of aviation infrastructure and enables a surcharge on aviation fuel when ordinary resources are insufficient.\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 4** Art. 131 FC belongs to Title 3 of the Federal Constitution on Confederation, Cantons and Communes and appears in Chapter 3 on the financial system. The provision is systematically closely linked with:\n- → Art. 105 FC (Alcohol), which regulates substantive legislative competence for spirits\n- → Art. 134 FC (Exclusion of cantonal and communal taxes), which prohibits similar cantonal consumption taxes\n- → Art. 130 FC (Value added tax), which as a general consumption tax forms the counterpart to special consumption taxes\n- ↔ Art. 86 FC (Use of charges for road traffic)\n\n**N. 5** The special consumption taxes under Art. 131 FC are steering taxes with fiscal character. They pursue both financing and health and environmental policy objectives (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n### 3. Elements of the offence / Normative content\n\n#### a) Concept of special consumption tax\n\n**N. 6** Special consumption taxes are selective levies on certain goods and services. Unlike value added tax as a general consumption tax, they only cover products exhaustively listed in Art. 131 FC (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 5).\n\n**N. 7** Collection typically occurs during production or import, not at final consumption. The tax is passed on to consumers through the price.\n\n#### b) Taxable objects under para. 1\n\n**N. 8** **Tobacco and tobacco products (lit. a):** The term encompasses raw tobacco and all products made from it for smoking, snuffing or chewing. The taxation of tobacco substitute products such as electronic cigarettes is disputed. In the view of the Federal Administrative Court, e-cigarettes are «to be considered subject to tobacco taxation after careful, comprehensive interpretation» (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). The Federal Council, however, defines them «explicitly as non-taxable substitute products» (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16).\n\n**N. 9** **Spirits (lit. b):** According to the extensive legal definition in Art. 2 AlcA, this includes all beverages with an alcohol content exceeding 15 percent by volume as well as beverages with lower alcohol content if the alcohol was not obtained exclusively through fermentation. The Federal Court confirmed this broad interpretation in **BGE 143 II 409**.\n\n**N. 10** **Beer (lit. c):** This covers all beverages produced from grain malt through alcoholic fermentation, regardless of alcohol content. The separate listing alongside spirits is historically motivated.\n\n**N. 11** **Automobiles and their components (lit. d):** Automobile tax was abolished in 2007. The constitutional basis continues to exist but could no longer be activated without constitutional amendment (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 34).\n\n**N. 12** **Petroleum, other mineral oils and motor fuels (lit. e):** This tax has primarily fiscal character for financing road infrastructure. It covers fossil fuels and combustibles as well as their substitutes (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 37).\n\n#### c) Additional charges under para. 2\n\n**N. 13** The mineral oil tax surcharge (para. 2 lit. a) currently amounts to 30 centimes per litre on all motor fuels except aviation fuel. The earmarking for road infrastructure results from → Art. 86 FC.\n\n**N. 14** The charge on alternative propellants (para. 2 lit. b) is intended to ensure equal treatment of fossil and alternatively powered vehicles. Concrete implementation is still pending.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 15** Art. 131 FC establishes a federal competence, not an obligation to levy taxes. Design occurs at the legislative level (TobTA, AlcA, MinOTA, BeerTA).\n\n**N. 16** According to → Art. 134 FC, similar cantonal and communal taxes are excluded. However, the Federal Court recognises cantonal cost allocation taxes with specific purpose. Thus it declared a Vaud charge of 0.8% on alcoholic beverages for takeaway as a «cost allocation tax compliant with federal law justified by youth protection» to be permissible (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 9).\n\n**N. 17** Revenues from taxation of spirits are partially earmarked: 10% of net revenue goes to the cantons to combat the causes and effects of addiction problems (para. 3). This earmarking is justiciable.\n\n### 5. Points of dispute\n\n**N. 18** **Electronic cigarettes:** The qualification of e-cigarettes as tobacco products is highly disputed. The Federal Administrative Court takes an extensive interpretation and affirms tax liability (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). The Federal Council rejects this and defines e-cigarettes as non-taxable substitute products (Beusch, BSK BV, Art. 131 N. 16). Bärtschi advocates for legislative revision to clarify (Bärtschi, in: Beusch/ISIS [ed.], Entwicklungen im Steuerrecht 2009, 381 ff.).\n\n**N. 19** **Home distilling privilege:** Matteotti/Gerber criticise the constitutional permissibility of tax privileges for domestic small distilleries as a violation of legal equality (Matteotti/Gerber, in: FS Reich, 23 ff.). Practice maintains the historically founded privilege.\n\n**N. 20** **Scope of cantonal competences:** Vallender favours a restrictive interpretation of Art. 134 FC and thus expanded cantonal scope for steering charges (Vallender, in: Schweizerisches Steuer-Lexikon, Vol. 1, Sondersteuern). Federal Court jurisprudence shows restraint and only allows cantonal charges with clear cost allocation character.\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 21** For import of products, correct tariff classification is decisive. The customs administration applies complex demarcation criteria for mixed products (e.g. alcoholic soft drinks). **BGE 143 II 409** provides important guidelines.\n\n**N. 22** For spirits manufacturers, the distinction between commercial and domestic production is central. Home distilling rights are subject to strict quantity restrictions and personal requirements.\n\n**N. 23** When planning cantonal prevention charges, the boundary to consumption taxes excluded under federal law must be carefully observed. The charge must have specific cost allocation character and may not be primarily fiscally motivated.\n\n**N. 24** Mineral oil tax refunds for licensed transport companies and agriculture follow complex procedures. Beneficiaries should observe refund deadlines (generally 3 years).", "caselaw_en": "# Art. 131 BV\n\n## Case Law\n\nCase law on Art. 131 BV focuses mainly on the delimitation between federal consumption taxes and cantonal levies, as well as the qualification of products as taxable objects.\n\n### I. Constitutional foundations\n\n**BGE 143 II 409** of 29 November 2013 (Bacardi-Martini)\n\nThe Federal Supreme Court confirmed the broad interpretation of federal competence for consumption taxes on spirits. The decision deals with the taxation of beverages containing freeze-concentrated wine upon importation.\n\n> «Art. 105 BV declares legislation on the production, importation, purification and sale of spirits to be a federal matter; in doing so, the Confederation must take particular account of the harmful effects of alcohol consumption. According to Art. 131 para. 1 let. b BV, the Confederation may levy a special consumption tax on spirits, among other things.»\n\n### II. Concept of spirits\n\n**BGE 143 II 409** of 29 November 2013\n\nThe Federal Supreme Court clarified that the term \"spirits\" in Art. 131 para. 1 let. b BV is to be interpreted extensively. Products containing alcohol that was not obtained exclusively through fermentation fall under federal competence.\n\n> «With this extensive legal definition, the powers of the Confederation are expanded to a certain extent, insofar as the wording of Art. 105 BV, if understood narrowly, could only cover those types of ethyl alcohol produced by distillation. However, since the broader scope of application laid down in Art. 2 AlkG is expressly intended by the legislature, this formulation enshrined in a federal act is binding on both the Federal Supreme Court and the other law-applying authorities.»\n\n### III. Delimitation from cantonal levies\n\n**Judgment 2P.316/2004** of 31 October 2005\n\nFundamental decision on the admissibility of cantonal levies on spirits alongside the federal tax. The Federal Supreme Court examined the Thurgau levy on the sale of spirits.\n\n> «Legislation on the production, importation, purification and sale of spirits is a federal matter; the Confederation shall take particular account of the harmful effects of alcohol consumption (Art. 105 BV, Art. 32bis old BV). The Confederation may levy special consumption taxes on spirits (Art. 131 para. 1 let. b BV, Art. 32bis para. 5 old BV).»\n\n**Judgment 9C_759/2023** of 18 January 2024\n\nMost recent decision on cantonal alcohol levies and their relationship to Art. 131 BV. The case concerned a canton's standing to appeal against decisions regarding alcohol levies.\n\n> «According to Art. 131 para. 1 let. b BV, the Confederation may levy a special consumption tax on spirits, among other things. [...] What federal legislation designates as the subject of value added tax, special consumption taxes, stamp tax and withholding tax, or declares tax-free, may not be burdened by the cantons and communes with taxes of the same kind (Art. 134 BV).»\n\n### IV. Tobacco tax\n\n**Judgment 2C_723/2013** of 1 December 2014\n\nImportant decision on tobacco tax under Art. 131 para. 1 let. a BV. The case concerned the assessment of tobacco tax on water pipe tobacco.\n\nThe Federal Supreme Court confirmed federal competence for tobacco taxes and their practical implementation in customs procedures.\n\n**BVGer A-1211/2018** of 11 March 2019\n\nDecision on tobacco tax on cannabis products. The Federal Administrative Court confirmed that cannabis products for smoking purposes are subject to tobacco tax as tobacco substitute products.\n\n### V. Private distilleries\n\n**BVGer A-477/2018** of 11 September 2018\n\nDecision on licences for private distilleries and their relationship to Art. 131 BV. The case concerned the right to distil spirits.\n\n> «Art. 105 BV declares legislation on the production, importation, purification and sale of spirits to be a federal matter. The Confederation takes particular account of the harmful effects of alcohol consumption.»\n\n### VI. Use of proceeds\n\n**BVGer A-3346/2020** of 27 April 2022\n\nDecision on the earmarking of proceeds from consumption tax on spirits according to Art. 131 para. 3 BV.\n\n**BVGer A-2514/2021** of 2 February 2022\n\nFurther decision on the use of funds from the taxation of spirits for combating addiction problems.\n\n### VII. Procedural aspects\n\n**BVGer A-1359/2018** of 11 March 2019\n\nParallel decision to A-1211/2018 concerning tobacco tax on cannabis products. Confirmation of the federal administration's competence for levying consumption taxes.\n\n**BVGer A-4178/2016** of 28 September 2017\n\nDecision on customs procedures in connection with consumption taxes under Art. 131 BV.\n\n**BVGer A-5752/2015** of 15 June 2016\n\nProcedural decision on the collection of monopoly charges on spirits upon importation.\n\n### VIII. Current developments\n\n**Judgment 9C_759/2023** of 18 January 2024\n\nMost recent published decision of the Federal Supreme Court on Art. 131 BV. The case shows the continuing importance of the delimitation between federal and cantonal competences in the area of consumption taxes.\n\nCase law consistently confirms the comprehensive federal competence for special consumption taxes and its restrictive interpretation in favour of cantonal tax sovereignty only in clearly delineated areas.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_131", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 132, "article_suffix": "", "title": "Stempelsteuer und Verrechnungssteuer", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 132 BV ermächtigt den Bund, zwei wichtige Steuern zu erheben: Stempelsteuern und die Verrechnungssteuer. Diese Bundessteuern ergänzen die direkten Steuern und die Mehrwertsteuer als wichtige Einnahmequellen des Bundes.\n\n**Stempelsteuern (Absatz 1)** sind Abgaben auf Geschäften mit Wertpapieren und Versicherungen. Der Bund kann drei Arten erheben: die Emissionsabgabe bei der Ausgabe von Aktien und Obligationen, die Umsatzabgabe beim Handel mit Wertpapieren und die Abgabe auf Versicherungsprämien. Grundstückgeschäfte sind ausdrücklich ausgenommen - hier bleiben die Kantone zuständig. Ein konkretes Beispiel: Gibt eine Aktiengesellschaft neue Aktien aus, fällt gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. a StG eine Emissionsabgabe von 1% auf dem Ausgabebetrag an.\n\n**Die Verrechnungssteuer (Absatz 2)** wird auf Zinsen, Dividenden und ähnliche Kapitalerträge erhoben, ebenso auf Lotteriegewinne und Versicherungsleistungen. Der Steuersatz beträgt gemäss Art. 4 Abs. 1 VStG grundsätzlich 35%. Diese Steuer verfolgt einen doppelten Zweck: Sie sichert die ordnungsgemässe Deklaration von Kapitalerträgen bei Schweizer Steuerpflichtigen (die erhalten die Steuer zurück) und besteuert definitiv ausländische Empfänger ohne Rückerstattungsanspruch.\n\nBesonders ist der Kantonsanteil: 10% des Verrechnungssteuer-Ertrags fliessen automatisch an die Kantone. Diese föderalistische Komponente stärkt die kantonalen Finanzen.\n\nBeide Steuerarten stehen in der politischen Diskussion. So debattiert das Parlament seit Jahren über die Abschaffung der Emissionsabgabe, um den Finanzplatz zu stärken. Der Nationalrat stimmte 2013 zu, der Ständerat sistierte jedoch die Vorlage (Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 15).\n\nDie Kompetenzen sind ausschliesslich: Kantone dürfen keine eigenen Stempel- oder Verrechnungssteuern erheben. Der Bund muss diese Steuern aber nicht zwingend erheben - die Verfassung gibt ihm nur das Recht dazu.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 132 BV ist die verfassungsrechtliche Grundlage für die Erhebung von Stempelsteuern und der Verrechnungssteuer durch den Bund. Die Bestimmung geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück und übernimmt inhaltlich die Vorgängerbestimmungen der aBV von 1874. Gemäss Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 1, bildete bereits Art. 41bis aBV die Grundlage für die erstmalige Einführung der Stempelabgaben im Jahr 1917 zur Finanzierung der Landesverteidigung während des Ersten Weltkriegs.\n\n**N. 2** Die Verrechnungssteuer wurde 1944 als Wehrsteuer eingeführt und erhielt ihre heutige verfassungsrechtliche Grundlage in Art. 41ter aBV. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 374) hielt fest, dass Art. 132 BV die bisherigen Kompetenzen des Bundes im Bereich der Stempelsteuern und der Verrechnungssteuer unverändert fortführt. Der Bundesrat hatte gemäss Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 4, ursprünglich eine Weiterführung der Kompetenz zur Erhebung einer Retorsionssteuer vorgeschlagen, was jedoch nicht übernommen wurde.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 132 BV findet sich im 3. Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), 3. Kapitel (Finanzordnung) der Bundesverfassung. Die Bestimmung gewährt dem Bund eine ausschliessliche Gesetzgebungskompetenz zur Erhebung von Stempelsteuern und der Verrechnungssteuer. Sie steht im systematischen Zusammenhang mit Art. 134 BV (Ausschluss kantonaler und kommunaler Steuern) sowie Art. 196 Ziff. 16 BV (Übergangsbestimmung zur Neugestaltung des Finanzausgleichs).\n\n**N. 4** Die Norm ergänzt die allgemeinen Finanzkompetenzen des Bundes nach Art. 126ff. BV und bildet zusammen mit Art. 128 BV (direkte Bundessteuer) und Art. 130 BV (Mehrwertsteuer) das Kernstück der bundseigenen Steuerquellen. Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 5, betont die föderale Dimension: Während Abs. 1 dem Bund eine exklusive Kompetenz einräumt, sichert Abs. 2 Satz 2 den Kantonen einen fixen Anteil von 10% am Verrechnungssteuerertrag.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Stempelsteuer (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Begriff «Stempelsteuer» umfasst nach herrschender Lehre drei Arten von Abgaben: die Emissionsabgabe, die Umsatzabgabe und die Abgabe auf Versicherungsprämien (Oberson/Hinny, StG Kommentar, Einl. N. 1ff.; Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, StG Kommentar, § 1 N. 5). Der Verfassungstext nennt exemplarisch «Wertpapiere», «Quittungen von Versicherungsprämien» und «andere Urkunden des Handelsverkehrs» als mögliche Steuerobjekte.\n\n**N. 6** Die ausdrückliche Ausnahme für «Urkunden des Grundstück- und Grundpfandverkehrs» schliesst eine Bundesstempelsteuer auf Grundstückgeschäften verfassungsrechtlich aus. Diese Materie bleibt gemäss Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 10, der kantonalen Steuerhoheit vorbehalten (→ Art. 3 BV). Die Ausnahme erfasst sowohl Kaufverträge über Grundstücke als auch die Errichtung von Grundpfandrechten (Art. 965ff. OR, Art. 875 ZGB).\n\n#### Verrechnungssteuer (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die Verrechnungssteuer kann auf drei Kategorien von Einkünften erhoben werden: «Ertrag von beweglichem Kapitalvermögen», «Lotteriegewinne» und «Versicherungsleistungen». Der Begriff des beweglichen Kapitalvermögens umfasst nach der Rechtsprechung insbesondere Dividenden, Zinsen und ähnliche Erträge (**BGE 141 II 447**). Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 19, weist darauf hin, dass der Verfassungsbegriff weit zu verstehen ist und dem Gesetzgeber einen erheblichen Gestaltungsspielraum belässt.\n\n**N. 8** Der verfassungsrechtlich garantierte Kantonsanteil von 10% am Steuerertrag stellt eine bundesstaatliche Besonderheit dar. Dieser Anteil steht den Kantonen ohne weitere Voraussetzungen zu und wird nach Massgabe der Wohnbevölkerung verteilt (Art. 2 der Verordnung über den Kantonsanteil an der Verrechnungssteuer).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Art. 132 BV begründet eine ausschliessliche Bundeskompetenz. Die Kantone sind von jeder Gesetzgebung im Bereich der Stempelsteuern und der Verrechnungssteuer ausgeschlossen (→ Art. 134 BV). Diese Kompetenz ist fakultativ: Der Bund «kann» die genannten Steuern erheben, ist aber verfassungsrechtlich nicht dazu verpflichtet.\n\n**N. 10** Die Verrechnungssteuer verfolgt primär einen Sicherungszweck (Bauer-Balmelli, Der Sicherungszweck der Verrechnungssteuer, S. 45ff.; Pfund, Verrechnungssteuer I, S. 12). Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 23, unterscheidet zwischen dem fiskalischen Zweck (definitive Besteuerung ausländischer Empfänger) und dem Kontrollzweck (Sicherung der ordnungsgemässen Deklaration bei inländischen Empfängern). Das Bundesgericht hat diesen dualen Zweck wiederholt bestätigt (**Urteil 2C_85/2015**).\n\n**N. 11** Die Ausübung der Kompetenzen nach Art. 132 BV unterliegt den allgemeinen verfassungsrechtlichen Schranken, insbesondere dem Rechtsgleichheitsgebot (→ Art. 8 BV), dem Verhältnismässigkeitsprinzip (→ Art. 5 Abs. 2 BV) und dem Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung (→ Art. 127 Abs. 3 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** In der Lehre ist die Reichweite der Bundeskompetenz bei neuen Finanzinstrumenten umstritten. Während Oberson, Droit fiscal suisse, § 19 N. 15, für eine evolutive Auslegung des Begriffs «Wertpapiere» eintritt, plädieren Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, S. 234, für eine restriktive Interpretation angesichts des Ausnahmecharakters der Bundeskompetenz.\n\n**N. 13** Kontrovers diskutiert wird die Abschaffung der Emissionsabgabe auf Eigenkapital. Der Nationalrat stimmte gemäss Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 15, in der Frühjahrssession 2013 als Erstrat der Abschaffung zu, während sich der Ständerat im Dezember 2013 für eine Sistierung der Vorlage entschied. Der Bundesrat hatte sich basierend auf einer EStV-Studie am 30. November 2011 positiv zur Abschaffung geäussert. Die Reform scheiterte letztlich an den divergierenden Positionen der Räte.\n\n**N. 14** Die Einführung des Zahlstellenprinzips bei der Verrechnungssteuer wird intensiv debattiert. Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 28, berichtet, dass der Bundesrat eine Anpassung von Art. 132 Abs. 2 BV für den Systemwechsel zum Zahlstellenprinzip verneint. Die herrschende Lehre sieht in einem solchen Systemwechsel eine zulässige Ausübung der bestehenden Verfassungskompetenz (Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, VStG Kommentar, Einl. N. 35ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Prüfung von Stempelsteuerfragen ist zunächst zu klären, welche der drei Stempelsteuerarten (Emissions-, Umsatz- oder Versicherungsabgabe) betroffen ist. Die Ausnahme für Grundstückgeschäfte in Art. 132 Abs. 1 BV ist absolut und erfasst auch indirekte Grundstückgeschäfte über Immobiliengesellschaften nicht (**BGE 115 Ib 233**).\n\n**N. 16** Für die Rückerstattung der Verrechnungssteuer ist die ordnungsgemässe Deklaration zentral. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass bereits geringfügige Deklarationsmängel zur Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs führen können (**Urteil 2C_1083/2014**). Steuerpflichtige sind daher auf die strikte Einhaltung der Deklarationspflichten hinzuweisen.\n\n**N. 17** Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten ist die Anwendbarkeit von Doppelbesteuerungsabkommen zu prüfen. Das Kriterium der «beneficial ownership» (Nutzungsberechtigung) ist dabei von zentraler Bedeutung (**BGE 141 II 447**). Treaty-Shopping-Strukturen werden von der Steuerverwaltung und den Gerichten zunehmend kritisch geprüft.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Emissionsabgabe (Art. 132 Abs. 1 BV)\n\n#### Verfassungsrechtliche Grundlagen und Justizorganisation\n\n**BGE 149 II 462** vom 7. September 2023\nEntscheide des Bundesverwaltungsgerichts betreffend den Erlass der Emissionsabgabe ergehen letztinstanzlich.\nDas Bundesgericht bestätigte seine eingeschränkte Zuständigkeit bei Stempelsteuer-Erlass-Entscheiden und konkretisierte die verfassungsrechtlichen Grenzen der Emissionsabgabe.\n\n> «Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts betreffend den Erlass der Emissionsabgabe ergehen letztinstanzlich; sie können vor Bundesgericht weder mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten noch mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde angefochten werden.»\n\n#### Anwendungsbereich bei öffentlich-rechtlichen Körperschaften\n\n**BGE 115 Ib 233** vom 1. Januar 1989\nDie Stempelsteuergesetzgebung des Bundes gilt auch für Aktiengesellschaften des kantonalen Rechts.\nDiese Grundsatzentscheidung definierte den weiten Anwendungsbereich der auf Art. 132 Abs. 1 BV gestützten Bundesgesetzgebung.\n\n> «Aktiengesellschaften des kantonalen Rechts unterstehen der Stempelsteuergesetzgebung des Bundes, insbesondere Art. 5 Abs. 1 lit. a StG.»\n\n#### Sanierungsfreibetrag und Verlustbeseitigung\n\n**BGE 149 II 462** vom 7. September 2023\nDer emissionsabgaberechtliche Freibetrag von Fr. 10'000'000 erfordert die tatsächliche Ausbuchung bestehender Verluste im Zeitpunkt der Sanierungsmassnahme.\nDiese neueste Rechtsprechung konkretisiert die verfassungskonformen Anforderungen an Stempelsteuererleichterungen.\n\n> «Der emissionsabgaberechtliche Freibetrag von Fr. 10'000'000.- erfordert in buchungstechnischer Hinsicht die tatsächliche Ausbuchung bestehender Verluste (sachliches Element). Dies hat im Zeitpunkt zu geschehen, in welchem die Sanierungsmassnahme zu verbuchen ist (zeitliches Element).»\n\n### Verrechnungssteuer (Art. 132 Abs. 2 BV)\n\n#### Verfassungsrechtliche Grundlagen\n\n**Urteil 2C_377/2009** vom 9. September 2009\nDer Bund erhebt gestützt auf Art. 132 Abs. 2 BV eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen Kapitalvermögens.\nDas Bundesgericht bekräftigte die verfassungsrechtliche Verankerung der Verrechnungssteuer und ihre systematische Einordnung.\n\n> «Der Bund erhebt gestützt auf Art. 132 Abs. 2 BV insbesondere auf dem Ertrag beweglichen Kapitalvermögens eine Verrechnungssteuer (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über die Verrechnungssteuer [VStG; SR 642.21]).»\n\n#### Rückerstattungsanspruch und Nutzungsberechtigung\n\n**BGE 141 II 447** vom 1. Januar 2015\nDie effektive Nutzungsberechtigung ist entscheidend für die Rückerstattung der Verrechnungssteuer an ausländische Empfänger.\nDer Entscheid entwickelte die Kriterien für die verfassungskonforme Anwendung der Doppelbesteuerungsabkommen.\n\n> «Die effektive Nutzungsberechtigung (und somit die Rückerstattung der schweizerischen Verrechnungssteuer an eine dänische Bank) ist zu verneinen, wenn die Antragstellerin die durch eine schweizerische Gesellschaft ausgeschüttete Dividende wohl vereinnahmt, diese Einkünfte aber aufgrund bereits im Zeitpunkt der Zahlung bestehender vertraglicher Leistungsverpflichtungen oder tatsächlicher Einschränkungen weiterleiten muss.»\n\n#### Steuerumgehung bei Aktienrückkäufen\n\n**Urteil 2A.660/2006** vom 8. Juni 2007\nKomplexe Gestaltungen mit Call Warrants beim Rückkauf eigener Aktien können eine Steuerumgehung darstellen.\nDas Bundesgericht prüfte die Grenzen zulässiger Steuergestaltung bei der verfassungsrechtlich verankerten Verrechnungssteuer.\n\n> «Eine Steuerumgehung wird nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung angenommen, wenn (a) eine von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich (insolite), sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten völlig unangemessen erscheint.»\n\n#### Faktische Liquidation und Ermessensveranlagung\n\n**Urteil 2C_502/2008** vom 18. Dezember 2008\nBei faktischer Liquidation einer Gesellschaft kann die Verrechnungssteuer nach Ermessen veranlagt werden.\nDer Entscheid konkretisierte die Durchsetzung der verfassungsrechtlichen Besteuerungsansprüche bei mangelnder Mitwirkung.\n\n> «Der Bund erhebt gestützt auf Art. 132 Abs. 2 BV eine Verrechnungssteuer namentlich auf dem Ertrag beweglichen Kapitalvermögens (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über die Verrechnungssteuer [VStG; SR 642.21]). Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. b VStG sind Gegenstand der Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen Vermögens die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonstigen Erträge.»\n\n#### Geschäftsmässige Begründung von Zahlungen\n\n**Urteil 2C_377/2009** vom 9. September 2009\nZahlungen an verbundene Unternehmen unterstehen nur dann der Verrechnungssteuer, wenn sie auf dem Beteiligungsverhältnis beruhen.\nDas Urteil grenzte den Anwendungsbereich der verfassungsrechtlichen Ermächtigung zur Verrechnungssteuer ab.\n\n> «Die Zahlungen der A.________ an die B.________ Ltd. wurden von der Vorinstanz zu Recht als geschäftsmässig begründet angesehen. Der Nachweis, es handle sich um geldwerte Leistungen, die auf dem Beteiligungsverhältnis beruhten, an eine dem wirtschaftlich Berechtigten an der A.________ nahestehende Person, wurde nicht erbracht.»\n\n#### Rückerstattung und Deklarationspflicht\n\n**Urteil 2C_85/2015** vom 16. September 2015\nDie ordnungsgemässe Deklaration ist Voraussetzung für die Rückerstattung der Verrechnungssteuer.\nDer Entscheid unterstrich den Sicherungszweck der verfassungsrechtlich verankerten Verrechnungssteuer.\n\n> «Im inländischen Verhältnis bezweckt die Verrechnungssteuer in erster Linie, die Deklaration der Erträge beweglichen Kapitalvermögens zu sichern; dem steuerehrlichen Steuerpflichtigen wird sie vom Bund zurückerstattet.»\n\n#### Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs\n\n**Urteil 2C_1083/2014** vom 20. November 2015\nUnvollständige Deklaration kann zur Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs führen.\nDas Urteil konkretisierte die Rechtsfolgen bei Verletzung der verfassungsrechtlich fundierten Mitwirkungspflichten.\n\n> «Die Verrechnungssteuer wird dem Empfänger der um die Steuer gekürzten Leistung nach Massgabe des Gesetzes vom Bund zurückerstattet (Art. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 30 VStG). Der Rückerstattungsanspruch verwirkt, wenn die steuerbare Leistung nicht ordnungsgemäss deklariert wird.»\n\n### Kantonsanteil (Art. 132 Abs. 2 BV)\n\n**Urteil 2C_557/2010** vom 4. November 2010\nZehn Prozent des Verrechnungssteuer-Ertrags fallen verfassungsgemäss den Kantonen zu.\nDas Bundesgericht bestätigte die föderalistische Komponente der Verrechnungssteuer als Ausfluss der Verfassungsbestimmung.\n\n> «Vom Steuerertrag fallen 10 Prozent den Kantonen zu (Art. 132 Abs. 2 BV).»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de l'élaboration\n\n**N. 1** L'art. 132 Cst. constitue le fondement constitutionnel de la perception des droits de timbre et de l'impôt anticipé par la Confédération. Cette disposition remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et reprend matériellement les dispositions prédécesseures de l'aCst. de 1874. Selon Simonek, BSK BV, art. 132 n. 1, l'art. 41bis aCst. constituait déjà le fondement de l'introduction première des droits de timbre en 1917 pour financer la défense nationale pendant la Première Guerre mondiale.\n\n**N. 2** L'impôt anticipé fut introduit en 1944 comme impôt pour la défense nationale et reçut son fondement constitutionnel actuel dans l'art. 41ter aCst. Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 374) précisait que l'art. 132 Cst. poursuit inchangées les compétences antérieures de la Confédération dans le domaine des droits de timbre et de l'impôt anticipé. Le Conseil fédéral avait selon Simonek, BSK BV, art. 132 n. 4, proposé initialement de maintenir la compétence de perception d'un impôt de rétorsion, ce qui ne fut toutefois pas repris.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 132 Cst. se trouve dans le 3e titre (Confédération, cantons et communes), 3e chapitre (Régime financier) de la Constitution fédérale. Cette disposition accorde à la Confédération une compétence législative exclusive pour la perception des droits de timbre et de l'impôt anticipé. Elle s'inscrit dans le contexte systématique de l'art. 134 Cst. (exclusion des impôts cantonaux et communaux) ainsi que de l'art. 196 ch. 16 Cst. (disposition transitoire sur la nouvelle péréquation financière).\n\n**N. 4** Cette norme complète les compétences financières générales de la Confédération selon l'art. 126 ss Cst. et forme avec l'art. 128 Cst. (impôt fédéral direct) et l'art. 130 Cst. (taxe sur la valeur ajoutée) l'élément central des sources fiscales propres à la Confédération. Simonek, BSK BV, art. 132 n. 5, souligne la dimension fédérale : tandis que l'al. 1 accorde à la Confédération une compétence exclusive, l'al. 2 phrase 2 assure aux cantons une part fixe de 10% du produit de l'impôt anticipé.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### Droit de timbre (al. 1)\n\n**N. 5** Le terme « droit de timbre » englobe selon la doctrine dominante trois types de prélèvements : le droit d'émission, le droit de négociation et le droit sur les primes d'assurance (Oberson/Hinny, StG Kommentar, Einl. n. 1 ss ; Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, StG Kommentar, § 1 n. 5). Le texte constitutionnel mentionne à titre d'exemple les « titres », les « quittances de primes d'assurance » et « autres documents du commerce » comme objets fiscaux possibles.\n\n**N. 6** L'exception expresse pour les « documents du commerce des immeubles et des droits de gage immobiliers » exclut constitutionnellement un droit de timbre fédéral sur les transactions immobilières. Cette matière reste selon Simonek, BSK BV, art. 132 n. 10, réservée à la souveraineté fiscale cantonale (→ art. 3 Cst.). L'exception englobe tant les contrats de vente d'immeubles que la constitution de droits de gage immobiliers (art. 965 ss CO, art. 875 CC).\n\n#### Impôt anticipé (al. 2)\n\n**N. 7** L'impôt anticipé peut être perçu sur trois catégories de revenus : le « rendement de la fortune mobilière », les « gains de loterie » et les « prestations d'assurance ». Le concept de fortune mobilière comprend selon la jurisprudence notamment les dividendes, intérêts et rendements similaires (**ATF 141 II 447**). Simonek, BSK BV, art. 132 n. 19, relève que le concept constitutionnel doit être compris largement et laisse au législateur une marge d'appréciation considérable.\n\n**N. 8** La part cantonale de 10% du produit fiscal garantie constitutionnellement constitue une particularité de l'État fédéral. Cette part revient aux cantons sans autres conditions et est répartie selon la population résidante (art. 2 de l'ordonnance sur la part des cantons au produit de l'impôt anticipé).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'art. 132 Cst. fonde une compétence fédérale exclusive. Les cantons sont exclus de toute législation dans le domaine des droits de timbre et de l'impôt anticipé (→ art. 134 Cst.). Cette compétence est facultative : la Confédération « peut » percevoir les impôts mentionnés, mais n'y est pas obligée constitutionnellement.\n\n**N. 10** L'impôt anticipé poursuit principalement un but de sûreté (Bauer-Balmelli, Der Sicherungszweck der Verrechnungssteuer, p. 45 ss ; Pfund, Verrechnungssteuer I, p. 12). Simonek, BSK BV, art. 132 n. 23, distingue entre le but fiscal (imposition définitive des bénéficiaires étrangers) et le but de contrôle (assurance de la déclaration conforme chez les bénéficiaires indigènes). Le Tribunal fédéral a confirmé à plusieurs reprises ce double objectif (**arrêt 2C_85/2015**).\n\n**N. 11** L'exercice des compétences selon l'art. 132 Cst. est soumis aux limites constitutionnelles générales, notamment au principe d'égalité de traitement (→ art. 8 Cst.), au principe de proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.) et à l'interdiction de la double imposition intercantonale (→ art. 127 al. 3 Cst.).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 12** Dans la doctrine, la portée de la compétence fédérale pour les nouveaux instruments financiers est controversée. Tandis qu'Oberson, Droit fiscal suisse, § 19 n. 15, plaide pour une interprétation évolutive du concept de « titres », Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, p. 234, préconisent une interprétation restrictive eu égard au caractère exceptionnel de la compétence fédérale.\n\n**N. 13** La suppression du droit d'émission sur les fonds propres fait l'objet de discussions controversées. Le Conseil national a approuvé selon Simonek, BSK BV, art. 132 n. 15, lors de la session de printemps 2013 comme premier conseil la suppression, tandis que le Conseil des États s'est prononcé en décembre 2013 pour une suspension du projet. Le Conseil fédéral s'était prononcé positivement pour la suppression sur la base d'une étude de l'AFC le 30 novembre 2011. La réforme a finalement échoué en raison des positions divergentes des Chambres.\n\n**N. 14** L'introduction du principe de l'agent payeur pour l'impôt anticipé fait l'objet de débats intensifs. Simonek, BSK BV, art. 132 n. 28, rapporte que le Conseil fédéral nie la nécessité d'adapter l'art. 132 al. 2 Cst. pour le changement de système vers le principe de l'agent payeur. La doctrine dominante considère qu'un tel changement de système constitue un exercice admissible de la compétence constitutionnelle existante (Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, VStG Kommentar, Einl. n. 35 ss).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de l'examen de questions relatives aux droits de timbre, il faut d'abord clarifier laquelle des trois catégories de droits de timbre (émission, négociation ou assurance) est concernée. L'exception pour les transactions immobilières de l'art. 132 al. 1 Cst. est absolue et n'englobe pas non plus les transactions immobilières indirectes via des sociétés immobilières (**ATF 115 Ib 233**).\n\n**N. 16** Pour le remboursement de l'impôt anticipé, la déclaration conforme est centrale. Le Tribunal fédéral a rappelé à plusieurs reprises que même des défauts de déclaration mineurs peuvent conduire à la perte du droit au remboursement (**arrêt 2C_1083/2014**). Les contribuables doivent donc être avertis du respect strict des obligations de déclaration.\n\n**N. 17** Pour les situations transfrontalières, il faut examiner l'applicabilité des conventions contre la double imposition. Le critère de la « beneficial ownership » (droit aux prestations) revêt une importance centrale (**ATF 141 II 447**). Les structures de treaty-shopping font l'objet d'un examen de plus en plus critique par l'administration fiscale et les tribunaux.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Droit de timbre d'émission (art. 132 al. 1 Cst.)\n\n#### Fondements constitutionnels et organisation judiciaire\n\n**ATF 149 II 462** du 7 septembre 2023\nLes décisions du Tribunal administratif fédéral concernant la remise du droit de timbre d'émission constituent des décisions de dernière instance.\nLe Tribunal fédéral a confirmé sa compétence restreinte dans les décisions de remise du droit de timbre et a concrétisé les limites constitutionnelles du droit de timbre d'émission.\n\n> « Les décisions du Tribunal administratif fédéral concernant la remise du droit de timbre d'émission constituent des décisions de dernière instance ; elles ne peuvent être attaquées devant le Tribunal fédéral ni par le recours en matière de droit public ni par le recours constitutionnel subsidiaire. »\n\n#### Champ d'application pour les corporations de droit public\n\n**ATF 115 Ib 233** du 1er janvier 1989\nLa législation fédérale sur le droit de timbre s'applique aussi aux sociétés anonymes de droit cantonal.\nCette décision de principe a défini le large champ d'application de la législation fédérale fondée sur l'art. 132 al. 1 Cst.\n\n> « Les sociétés anonymes de droit cantonal sont soumises à la législation fédérale sur le droit de timbre, notamment à l'art. 5 al. 1 let. a LT. »\n\n#### Franchise d'assainissement et suppression de pertes\n\n**ATF 149 II 462** du 7 septembre 2023\nLa franchise de 10 000 000 francs relative au droit de timbre d'émission exige la décomptabilisation effective des pertes existantes au moment de la mesure d'assainissement.\nCette jurisprudence la plus récente concrétise les exigences conformes à la Constitution pour les allégements du droit de timbre.\n\n> « La franchise de 10 000 000 francs relative au droit de timbre d'émission exige, du point de vue comptable, la décomptabilisation effective des pertes existantes (élément matériel). Cela doit avoir lieu au moment où la mesure d'assainissement doit être comptabilisée (élément temporel). »\n\n### Impôt anticipé (art. 132 al. 2 Cst.)\n\n#### Fondements constitutionnels\n\n**Arrêt 2C_377/2009** du 9 septembre 2009\nLa Confédération prélève, en vertu de l'art. 132 al. 2 Cst., un impôt anticipé sur le rendement de la fortune mobilière.\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'ancrage constitutionnel de l'impôt anticipé et sa classification systématique.\n\n> « La Confédération prélève, en vertu de l'art. 132 al. 2 Cst., notamment sur le rendement de la fortune mobilière, un impôt anticipé (art. 1er al. 1 de la loi fédérale du 13 octobre 1965 sur l'impôt anticipé [LIA ; RS 642.21]). »\n\n#### Droit au remboursement et droit à l'utilisation\n\n**ATF 141 II 447** du 1er janvier 2015\nLe droit effectif à l'utilisation est déterminant pour le remboursement de l'impôt anticipé aux bénéficiaires étrangers.\nLa décision a développé les critères pour l'application conforme à la Constitution des conventions contre la double imposition.\n\n> « Le droit effectif à l'utilisation (et partant le remboursement de l'impôt anticipé suisse à une banque danoise) doit être nié lorsque la requérante perçoit certes le dividende distribué par une société suisse, mais doit reverser ces revenus en raison d'obligations contractuelles de prestation ou de restrictions factuelles existant déjà au moment du paiement. »\n\n#### Évasion fiscale lors de rachats d'actions\n\n**Arrêt 2A.660/2006** du 8 juin 2007\nDes montages complexes avec des call warrants lors du rachat d'actions propres peuvent constituer une évasion fiscale.\nLe Tribunal fédéral a examiné les limites de la planification fiscale admissible concernant l'impôt anticipé ancré constitutionnellement.\n\n> « Une évasion fiscale est admise selon la jurisprudence constante du Tribunal fédéral lorsque (a) un montage juridique choisi par les parties concernées apparaît comme insolite, inapproprié ou singulier, en tout cas totalement inadéquat aux circonstances économiques. »\n\n#### Liquidation de fait et taxation discrétionnaire\n\n**Arrêt 2C_502/2008** du 18 décembre 2008\nEn cas de liquidation de fait d'une société, l'impôt anticipé peut être taxé selon le pouvoir d'appréciation.\nLa décision a concrétisé l'exécution des créances fiscales constitutionnelles en cas de défaut de collaboration.\n\n> « La Confédération prélève, en vertu de l'art. 132 al. 2 Cst., un impôt anticipé notamment sur le rendement de la fortune mobilière (art. 1er al. 1 de la loi fédérale du 13 octobre 1965 sur l'impôt anticipé [LIA ; RS 642.21]). Selon l'art. 4 al. 1 let. b LIA, sont soumis à l'impôt anticipé sur le rendement de la fortune mobilière les intérêts, rentes, parts de bénéfice et autres rendements. »\n\n#### Justification commerciale des paiements\n\n**Arrêt 2C_377/2009** du 9 septembre 2009\nLes paiements à des entreprises liées ne sont soumis à l'impôt anticipé que s'ils reposent sur le rapport de participation.\nL'arrêt a délimité le champ d'application de l'habilitation constitutionnelle à l'impôt anticipé.\n\n> « Les paiements d'A.________ à B.________ Ltd. ont été considérés à juste titre par l'instance précédente comme commercialement justifiés. La preuve qu'il s'agissait de prestations ayant une valeur pécuniaire reposant sur le rapport de participation envers une personne proche de l'ayant droit économique d'A.________ n'a pas été apportée. »\n\n#### Remboursement et obligation de déclaration\n\n**Arrêt 2C_85/2015** du 16 septembre 2015\nLa déclaration en bonne et due forme est une condition préalable au remboursement de l'impôt anticipé.\nLa décision a souligné le but de garantie de l'impôt anticipé ancré constitutionnellement.\n\n> « Dans les rapports internes, l'impôt anticipé vise en premier lieu à garantir la déclaration des rendements de la fortune mobilière ; il est remboursé par la Confédération au contribuable fiscalement honnête. »\n\n#### Déchéance du droit au remboursement\n\n**Arrêt 2C_1083/2014** du 20 novembre 2015\nUne déclaration incomplète peut conduire à la déchéance du droit au remboursement.\nL'arrêt a concrétisé les conséquences juridiques en cas de violation des obligations de collaboration fondées constitutionnellement.\n\n> « L'impôt anticipé est remboursé au bénéficiaire de la prestation diminuée de l'impôt par la Confédération selon la loi (art. 1er al. 2 en relation avec l'art. 30 LIA). Le droit au remboursement est perdu si la prestation imposable n'est pas déclarée en bonne et due forme. »\n\n### Part cantonale (art. 132 al. 2 Cst.)\n\n**Arrêt 2C_557/2010** du 4 novembre 2010\nDix pour cent du produit de l'impôt anticipé reviennent constitutionnellement aux cantons.\nLe Tribunal fédéral a confirmé la composante fédéraliste de l'impôt anticipé comme émanation de la disposition constitutionnelle.\n\n> « Du produit de l'impôt, 10 pour cent reviennent aux cantons (art. 132 al. 2 Cst.). »", "summary_it": "", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 132 Cost. costituisce il fondamento costituzionale per la riscossione di imposte di bollo e dell'imposta preventiva da parte della Confederazione. La disposizione risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999 e riprende sostanzialmente le disposizioni precedenti della vCost. del 1874. Secondo Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 1, già l'art. 41bis vCost. costituiva il fondamento per l'introduzione iniziale delle tasse di bollo nel 1917 per il finanziamento della difesa nazionale durante la Prima Guerra Mondiale.\n\n**N. 2** L'imposta preventiva fu introdotta nel 1944 come imposta di difesa nazionale e ottenne il suo attuale fondamento costituzionale nell'art. 41ter vCost. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 364) stabilì che l'art. 132 Cost. mantiene invariate le competenze esistenti della Confederazione nell'ambito delle imposte di bollo e dell'imposta preventiva. Il Consiglio federale aveva originariamente proposto, secondo Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 4, il mantenimento della competenza per la riscossione di un'imposta di ritorsione, proposta che tuttavia non fu accolta.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 132 Cost. si trova nel Titolo 3 (Confederazione, Cantoni e Comuni), Capitolo 3 (Ordinamento finanziario) della Costituzione federale. La disposizione conferisce alla Confederazione una competenza legislativa esclusiva per la riscossione di imposte di bollo e dell'imposta preventiva. È sistematicamente collegata all'art. 134 Cost. (esclusione di imposte cantonali e comunali) nonché all'art. 196 n. 16 Cost. (disposizione transitoria sulla nuova impostazione della perequazione finanziaria).\n\n**N. 4** La norma completa le competenze finanziarie generali della Confederazione secondo gli artt. 126 segg. Cost. e costituisce, insieme all'art. 128 Cost. (imposta federale diretta) e all'art. 130 Cost. (imposta sul valore aggiunto), il nucleo delle fonti fiscali proprie della Confederazione. Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 5, sottolinea la dimensione federale: mentre il cpv. 1 conferisce alla Confederazione una competenza esclusiva, il cpv. 2 periodo 2 garantisce ai Cantoni una quota fissa del 10% del gettito dell'imposta preventiva.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### Imposta di bollo (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il concetto di «imposta di bollo» comprende secondo la dottrina dominante tre tipi di tributi: la tassa d'emissione, la tassa di negoziazione e la tassa sui premi di assicurazione (Oberson/Hinny, StG Kommentar, Einl. N. 1 segg.; Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, StG Kommentar, § 1 N. 5). Il testo costituzionale menziona esemplificativamente «titoli», «quietanze di premi di assicurazione» e «altri documenti del traffico commerciale» come possibili oggetti d'imposta.\n\n**N. 6** L'eccezione espressa per gli «atti concernenti traffici di fondi e di pegno immobiliare» esclude costituzionalmente un'imposta di bollo federale sulle operazioni immobiliari. Questa materia rimane, secondo Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 10, riservata alla sovranità fiscale cantonale (→ art. 3 Cost.). L'eccezione comprende tanto i contratti di compravendita di fondi quanto la costituzione di diritti di pegno immobiliare (artt. 965 segg. CO, art. 875 CC).\n\n#### Imposta preventiva (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'imposta preventiva può essere riscossa su tre categorie di proventi: «reddito da sostanza mobiliare», «vincite alla lotteria» e «prestazioni di assicurazione». Il concetto di sostanza mobiliare comprende secondo la giurisprudenza in particolare dividendi, interessi e proventi analoghi (**DTF 141 II 447**). Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 19, rileva che il concetto costituzionale deve essere inteso in senso ampio e lascia al legislatore un considerevole margine di configurazione.\n\n**N. 8** La quota cantonale costituzionalmente garantita del 10% del gettito fiscale rappresenta una particolarità dello Stato federale. Questa quota spetta ai Cantoni senza ulteriori condizioni ed è ripartita in base alla popolazione residente (art. 2 dell'Ordinanza sulla quota cantonale dell'imposta preventiva).\n\n### 4. Effetti giuridici\n\n**N. 9** L'art. 132 Cost. fonda una competenza esclusiva della Confederazione. I Cantoni sono esclusi da qualsiasi legislazione nell'ambito delle imposte di bollo e dell'imposta preventiva (→ art. 134 Cost.). Questa competenza è facoltativa: la Confederazione «può» riscuotere le imposte menzionate, ma non è costituzionalmente obbligata a farlo.\n\n**N. 10** L'imposta preventiva persegue primariamente uno scopo di garanzia (Bauer-Balmelli, Der Sicherungszweck der Verrechnungssteuer, pag. 45 segg.; Pfund, Verrechnungssteuer I, pag. 12). Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 23, distingue tra lo scopo fiscale (tassazione definitiva dei beneficiari stranieri) e lo scopo di controllo (garanzia della dichiarazione regolare presso i beneficiari nazionali). Il Tribunale federale ha confermato ripetutamente questo duplice scopo (**Sentenza 2C_85/2015**).\n\n**N. 11** L'esercizio delle competenze secondo l'art. 132 Cost. soggiace ai limiti costituzionali generali, in particolare al principio di uguaglianza giuridica (→ art. 8 Cost.), al principio di proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.) e al divieto di doppia imposizione intercantonale (→ art. 127 cpv. 3 Cost.).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 12** Nella dottrina è controversa la portata della competenza federale per i nuovi strumenti finanziari. Mentre Oberson, Droit fiscal suisse, § 19 N. 15, propugna un'interpretazione evolutiva del concetto di «titoli», Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, pag. 234, plaidano per un'interpretazione restrittiva dato il carattere eccezionale della competenza federale.\n\n**N. 13** È oggetto di discussione controversa l'abolizione della tassa d'emissione sul capitale proprio. Il Consiglio nazionale, secondo Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 15, ha approvato nella sessione primaverile del 2013 come primo Consiglio l'abolizione, mentre il Consiglio degli Stati ha deciso nel dicembre 2013 per una sospensione del progetto. Il Consiglio federale si era espresso positivamente sull'abolizione basandosi su uno studio dell'AFC del 30 novembre 2011. La riforma è infine fallita per le posizioni divergenti dei Consigli.\n\n**N. 14** È intensamente dibattuta l'introduzione del principio dell'agente pagatore per l'imposta preventiva. Simonek, BSK BV, Art. 132 N. 28, riferisce che il Consiglio federale nega la necessità di un adeguamento dell'art. 132 cpv. 2 Cost. per il cambio di sistema verso il principio dell'agente pagatore. La dottrina dominante vede in un tale cambio di sistema un esercizio ammissibile della competenza costituzionale esistente (Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, VStG Kommentar, Einl. N. 35 segg.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'esame di questioni concernenti l'imposta di bollo occorre chiarire innanzitutto quale delle tre tipologie di imposta di bollo (tassa d'emissione, di negoziazione o sui premi di assicurazione) è interessata. L'eccezione per le operazioni immobiliari nell'art. 132 cpv. 1 Cost. è assoluta e non comprende nemmeno le operazioni immobiliari indirette tramite società immobiliari (**DTF 115 Ib 233**).\n\n**N. 16** Per il rimborso dell'imposta preventiva è centrale la dichiarazione regolare. Il Tribunale federale ha ripetutamente stabilito che già lievi mancanze nella dichiarazione possono comportare la decadenza del diritto al rimborso (**Sentenza 2C_1083/2014**). I contribuenti sono pertanto da avvisare del rigoroso rispetto degli obblighi di dichiarazione.\n\n**N. 17** In situazioni transfrontaliere occorre verificare l'applicabilità di convenzioni per evitare le doppie imposizioni. Il criterio della «beneficial ownership» (titolarità effettiva) è di importanza centrale (**DTF 141 II 447**). Le strutture di treaty-shopping sono esaminate con crescente criticità dall'amministrazione fiscale e dai tribunali.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Imposta di emissione (art. 132 cpv. 1 Cost.)\n\n#### Fondamenti costituzionali e organizzazione giudiziaria\n\n**DTF 149 II 462** del 7 settembre 2023\nLe decisioni del Tribunale amministrativo federale concernenti la remissione dell'imposta di emissione sono prese in ultima istanza.\nIl Tribunale federale ha confermato la sua competenza limitata nelle decisioni di remissione dell'imposta di bollo e ha concretizzato i limiti costituzionali dell'imposta di emissione.\n\n> «Le decisioni del Tribunale amministrativo federale concernenti la remissione dell'imposta di emissione sono prese in ultima istanza; esse non possono essere impugnate davanti al Tribunale federale né con ricorso in materia di diritto pubblico né con ricorso sussidiario costituzionale.»\n\n#### Ambito d'applicazione per enti di diritto pubblico\n\n**DTF 115 Ib 233** del 1° gennaio 1989\nLa legislazione federale sulle imposte di bollo si applica anche alle società anonime di diritto cantonale.\nQuesta decisione di principio ha definito l'ampio ambito d'applicazione della legislazione federale fondata sull'art. 132 cpv. 1 Cost.\n\n> «Le società anonime di diritto cantonale sottostanno alla legislazione federale sulle imposte di bollo, in particolare all'art. 5 cpv. 1 lett. a LIB.»\n\n#### Franchigia di risanamento ed eliminazione delle perdite\n\n**DTF 149 II 462** del 7 settembre 2023\nLa franchigia di 10'000'000 franchi per l'imposta di emissione richiede l'effettivo storno delle perdite esistenti al momento della misura di risanamento.\nQuesta giurisprudenza più recente concretizza i requisiti costituzionalmente conformi per gli sgravi dell'imposta di bollo.\n\n> «La franchigia di 10'000'000 franchi per l'imposta di emissione richiede sotto il profilo contabile l'effettivo storno delle perdite esistenti (elemento materiale). Ciò deve avvenire nel momento in cui la misura di risanamento deve essere contabilizzata (elemento temporale).»\n\n### Imposta preventiva (art. 132 cpv. 2 Cost.)\n\n#### Fondamenti costituzionali\n\n**Sentenza 2C_377/2009** del 9 settembre 2009\nLa Confederazione riscuote in base all'art. 132 cpv. 2 Cost. un'imposta preventiva sui proventi della sostanza mobiliare.\nIl Tribunale federale ha ribadito l'ancoraggio costituzionale dell'imposta preventiva e la sua classificazione sistematica.\n\n> «La Confederazione riscuote in base all'art. 132 cpv. 2 Cost. in particolare sui proventi della sostanza mobiliare un'imposta preventiva (art. 1 cpv. 1 della Legge federale del 13 ottobre 1965 sull'imposta preventiva [LIP; RS 642.21]).»\n\n#### Diritto di rimborso e diritto di godimento\n\n**DTF 141 II 447** del 1° gennaio 2015\nIl diritto di godimento effettivo è decisivo per il rimborso dell'imposta preventiva ai beneficiari esteri.\nLa decisione ha sviluppato i criteri per l'applicazione costituzionalmente conforme delle convenzioni contro le doppie imposizioni.\n\n> «Il diritto di godimento effettivo (e quindi il rimborso dell'imposta preventiva svizzera a una banca danese) deve essere negato se la richiedente percepisce sì il dividendo distribuito da una società svizzera, ma deve versare questi redditi in conseguenza di obbligazioni contrattuali di prestazione o limitazioni effettive già esistenti al momento del pagamento.»\n\n#### Elusione fiscale nei riacquisti di azioni\n\n**Sentenza 2A.660/2006** dell'8 giugno 2007\nStrutturazioni complesse con call warrant nel riacquisto di azioni proprie possono costituire un'elusione fiscale.\nIl Tribunale federale ha esaminato i limiti della pianificazione fiscale ammessa per l'imposta preventiva ancorata costituzionalmente.\n\n> «Un'elusione fiscale viene ammessa secondo la giurisprudenza costante del Tribunale federale quando (a) una configurazione giuridica scelta dalle parti appare insolita (insolite), impropria o bizzarra, comunque del tutto inadeguata alle circostanze economiche.»\n\n#### Liquidazione di fatto e tassazione discrezionale\n\n**Sentenza 2C_502/2008** del 18 dicembre 2008\nIn caso di liquidazione di fatto di una società, l'imposta preventiva può essere tassata discrezionalmente.\nLa decisione ha concretizzato l'attuazione delle pretese fiscali costituzionali in caso di mancata collaborazione.\n\n> «La Confederazione riscuote in base all'art. 132 cpv. 2 Cost. un'imposta preventiva segnatamente sui proventi della sostanza mobiliare (art. 1 cpv. 1 della Legge federale del 13 ottobre 1965 sull'imposta preventiva [LIP; RS 642.21]). Secondo l'art. 4 cpv. 1 lett. b LIP sono oggetto dell'imposta preventiva sui proventi della sostanza mobiliare gli interessi, le rendite, gli utili e gli altri proventi.»\n\n#### Giustificazione commerciale dei pagamenti\n\n**Sentenza 2C_377/2009** del 9 settembre 2009\nI pagamenti a imprese collegate sottostanno all'imposta preventiva solo se si basano sul rapporto di partecipazione.\nLa sentenza ha delimitato l'ambito d'applicazione dell'autorizzazione costituzionale all'imposta preventiva.\n\n> «I pagamenti della A.________ alla B.________ Ltd. sono stati a ragione considerati dall'istanza precedente come commercialmente giustificati. La prova che si trattasse di prestazioni pecuniarie basate sul rapporto di partecipazione a una persona vicina all'avente diritto economico della A.________ non è stata fornita.»\n\n#### Rimborso e obbligo di dichiarazione\n\n**Sentenza 2C_85/2015** del 16 settembre 2015\nLa dichiarazione regolare è presupposto per il rimborso dell'imposta preventiva.\nLa decisione ha sottolineato lo scopo di garanzia dell'imposta preventiva ancorata costituzionalmente.\n\n> «Nel rapporto interno l'imposta preventiva mira in primo luogo a garantire la dichiarazione dei proventi della sostanza mobiliare; essa viene rimborsata dalla Confederazione al contribuente fiscalmente onesto.»\n\n#### Decadenza del diritto di rimborso\n\n**Sentenza 2C_1083/2014** del 20 novembre 2015\nUna dichiarazione incompleta può portare alla decadenza del diritto di rimborso.\nLa sentenza ha concretizzato le conseguenze giuridiche in caso di violazione degli obblighi di collaborazione costituzionalmente fondati.\n\n> «L'imposta preventiva viene rimborsata dalla Confederazione al beneficiario della prestazione ridotta dell'imposta secondo la legge (art. 1 cpv. 2 in comb. con art. 30 LIP). Il diritto al rimborso decade se la prestazione imponibile non viene dichiarata regolarmente.»\n\n### Quota cantonale (art. 132 cpv. 2 Cost.)\n\n**Sentenza 2C_557/2010** del 4 novembre 2010\nIl dieci per cento del gettito dell'imposta preventiva spetta costituzionalmente ai Cantoni.\nIl Tribunale federale ha confermato la componente federalista dell'imposta preventiva come derivato della disposizione costituzionale.\n\n> «Il 10 per cento del gettito fiscale spetta ai Cantoni (art. 132 cpv. 2 Cost.).»", "summary_en": "", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** Art. 132 FC is the constitutional basis for the levying of stamp duties and withholding tax by the Confederation. The provision goes back to the total revision of the Federal Constitution of 1999 and substantively adopts the predecessor provisions of the old FC of 1874. According to Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 1, Art. 41bis of the old FC already formed the basis for the initial introduction of stamp duties in 1917 to finance national defence during the First World War.\n\n**No. 2** Withholding tax was introduced in 1944 as a defence tax and received its current constitutional basis in Art. 41ter of the old FC. The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 374) stated that Art. 132 FC continues the Confederation's existing competences in the area of stamp duties and withholding tax unchanged. According to Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 4, the Federal Council had originally proposed continuing the competence to levy a retaliation tax, which however was not adopted.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 132 FC is found in Title 3 (Confederation, Cantons and Communes), Chapter 3 (Financial System) of the Federal Constitution. The provision grants the Confederation exclusive legislative competence for the levying of stamp duties and withholding tax. It stands in systematic connection with Art. 134 FC (exclusion of cantonal and communal taxes) as well as Art. 196 No. 16 FC (transitional provision on the redesign of fiscal equalisation).\n\n**No. 4** The norm supplements the general financial competences of the Confederation under Art. 126 ff. FC and forms, together with Art. 128 FC (direct federal tax) and Art. 130 FC (value added tax), the core of the Confederation's own tax sources. Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 5, emphasises the federal dimension: While para. 1 grants the Confederation exclusive competence, para. 2 sentence 2 secures the cantons a fixed share of 10% of withholding tax revenue.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Stamp Duty (Para. 1)\n\n**No. 5** The term «stamp duty» encompasses, according to the prevailing doctrine, three types of levies: the issuance duty, the transfer duty and the duty on insurance premiums (Oberson/Hinny, StG Commentary, Intro. No. 1 ff.; Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, StG Commentary, § 1 No. 5). The constitutional text exemplarily mentions «securities», «receipts for insurance premiums» and «other documents of commercial transactions» as possible tax objects.\n\n**No. 6** The express exception for «documents of real estate and mortgage transactions» constitutionally excludes a federal stamp duty on real estate transactions. This matter remains, according to Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 10, reserved to cantonal tax sovereignty (→ Art. 3 FC). The exception covers both purchase contracts for real estate as well as the creation of mortgage rights (Art. 965 ff. OR, Art. 875 CC).\n\n#### Withholding Tax (Para. 2)\n\n**No. 7** Withholding tax can be levied on three categories of income: «income from movable capital assets», «lottery winnings» and «insurance benefits». The concept of movable capital assets encompasses, according to case law, in particular dividends, interest and similar income (**BGE 141 II 447**). Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 19, points out that the constitutional concept is to be understood broadly and leaves the legislature considerable room for design.\n\n**No. 8** The constitutionally guaranteed cantonal share of 10% of tax revenue represents a federal peculiarity. This share is due to the cantons without further requirements and is distributed according to resident population (Art. 2 of the Ordinance on the Cantonal Share of Withholding Tax).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 9** Art. 132 FC establishes exclusive federal competence. The cantons are excluded from any legislation in the area of stamp duties and withholding tax (→ Art. 134 FC). This competence is optional: the Confederation «may» levy the mentioned taxes, but is not constitutionally obligated to do so.\n\n**No. 10** Withholding tax primarily serves a security purpose (Bauer-Balmelli, Der Sicherungszweck der Verrechnungssteuer, pp. 45 ff.; Pfund, Verrechnungssteuer I, p. 12). Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 23, distinguishes between the fiscal purpose (definitive taxation of foreign recipients) and the control purpose (ensuring proper declaration by domestic recipients). The Federal Court has repeatedly confirmed this dual purpose (**Judgment 2C_85/2015**).\n\n**No. 11** The exercise of competences under Art. 132 FC is subject to general constitutional limitations, in particular the principle of equality before the law (→ Art. 8 FC), the principle of proportionality (→ Art. 5 para. 2 FC) and the prohibition of inter-cantonal double taxation (→ Art. 127 para. 3 FC).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**No. 12** In doctrine, the scope of federal competence for new financial instruments is disputed. While Oberson, Droit fiscal suisse, § 19 No. 15, advocates for an evolutionary interpretation of the term «securities», Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, p. 234, argue for a restrictive interpretation given the exceptional character of federal competence.\n\n**No. 13** The abolition of the issuance duty on equity capital is controversially discussed. According to Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 15, the National Council voted in favour of abolition as the first chamber in the spring session of 2013, while the Council of States decided in December 2013 to suspend the proposal. The Federal Council had expressed itself positively on abolition based on a FTA study on 30 November 2011. The reform ultimately failed due to divergent positions of the chambers.\n\n**No. 14** The introduction of the paying agent principle for withholding tax is intensively debated. Simonek, BSK FC, Art. 132 No. 28, reports that the Federal Council denies an adjustment of Art. 132 para. 2 FC for the system change to the paying agent principle. The prevailing doctrine sees such a system change as a permissible exercise of existing constitutional competence (Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli, VStG Commentary, Intro. No. 35 ff.).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**No. 15** When examining stamp duty questions, it must first be clarified which of the three types of stamp duty (issuance, transfer or insurance duty) is affected. The exception for real estate transactions in Art. 132 para. 1 FC is absolute and does not cover indirect real estate transactions via real estate companies (**BGE 115 Ib 233**).\n\n**No. 16** For the refund of withholding tax, proper declaration is central. The Federal Court has repeatedly held that even minor declaration defects can lead to forfeiture of the refund claim (**Judgment 2C_1083/2014**). Taxpayers should therefore be advised to strictly comply with declaration obligations.\n\n**No. 17** In cross-border situations, the applicability of double taxation agreements must be examined. The criterion of «beneficial ownership» is of central importance (**BGE 141 II 447**). Treaty-shopping structures are increasingly critically examined by the tax administration and courts.", "caselaw_en": "## Caselaw\n\n### Issue duty (Art. 132 para. 1 Const.)\n\n#### Constitutional foundations and judicial organisation\n\n**BGE 149 II 462** of 7 September 2023\nDecisions of the Federal Administrative Court concerning remission of the issue duty are final instance.\nThe Federal Court confirmed its limited jurisdiction in stamp duty remission decisions and specified the constitutional limits of the issue duty.\n\n> «Decisions of the Federal Administrative Court concerning remission of the issue duty are final instance; they cannot be contested before the Federal Court either by appeal in public law matters or by subsidiary constitutional appeal.»\n\n#### Scope of application for public law corporations\n\n**BGE 115 Ib 233** of 1 January 1989\nThe federal stamp duty legislation also applies to joint stock companies under cantonal law.\nThis landmark decision defined the broad scope of application of federal legislation based on Art. 132 para. 1 Const.\n\n> «Joint stock companies under cantonal law are subject to federal stamp duty legislation, in particular Art. 5 para. 1 lit. a SDA.»\n\n#### Restructuring exemption and loss elimination\n\n**BGE 149 II 462** of 7 September 2023\nThe issue duty exemption of CHF 10,000,000 requires the actual write-off of existing losses at the time of the restructuring measure.\nThis latest case law specifies the constitutional requirements for stamp duty relief.\n\n> «The issue duty exemption of CHF 10,000,000 requires in accounting terms the actual write-off of existing losses (material element). This must occur at the time when the restructuring measure is to be recorded (temporal element).»\n\n### Withholding tax (Art. 132 para. 2 Const.)\n\n#### Constitutional foundations\n\n**Judgment 2C_377/2009** of 9 September 2009\nThe Confederation levies a withholding tax on the income from movable capital assets based on Art. 132 para. 2 Const.\nThe Federal Court confirmed the constitutional foundation of the withholding tax and its systematic classification.\n\n> «The Confederation levies a withholding tax based on Art. 132 para. 2 Const., in particular on the income from movable capital assets (Art. 1 para. 1 of the Federal Act of 13 October 1965 on Withholding Tax [WTA; SR 642.21]).»\n\n#### Refund entitlement and beneficial ownership\n\n**BGE 141 II 447** of 1 January 2015\nEffective beneficial ownership is decisive for the refund of withholding tax to foreign recipients.\nThe decision developed criteria for the constitutional application of double taxation agreements.\n\n> «Effective beneficial ownership (and thus the refund of Swiss withholding tax to a Danish bank) must be denied if the applicant receives the dividend distributed by a Swiss company but must pass on these income due to contractual performance obligations or actual restrictions existing at the time of payment.»\n\n#### Tax avoidance in share buybacks\n\n**Judgment 2A.660/2006** of 8 June 2007\nComplex structures with call warrants in the buyback of treasury shares may constitute tax avoidance.\nThe Federal Court examined the limits of permissible tax planning regarding the constitutionally anchored withholding tax.\n\n> «Tax avoidance is assumed according to consistent Federal Court jurisprudence if (a) a legal structure chosen by the parties appears unusual (insolite), inappropriate or strange, or at least completely inadequate to the economic circumstances.»\n\n#### De facto liquidation and discretionary assessment\n\n**Judgment 2C_502/2008** of 18 December 2008\nIn case of de facto liquidation of a company, the withholding tax may be assessed at discretion.\nThe decision specified the enforcement of constitutional taxation claims in case of lack of cooperation.\n\n> «The Confederation levies a withholding tax based on Art. 132 para. 2 Const., namely on the income from movable capital assets (Art. 1 para. 1 of the Federal Act of 13 October 1965 on Withholding Tax [WTA; SR 642.21]). According to Art. 4 para. 1 lit. b WTA, the subject of withholding tax on income from movable assets includes interest, annuities, profit shares and other income.»\n\n#### Commercial justification of payments\n\n**Judgment 2C_377/2009** of 9 September 2009\nPayments to affiliated companies are only subject to withholding tax if they are based on the participation relationship.\nThe judgment delimited the scope of application of the constitutional authorisation for withholding tax.\n\n> «The payments from A.________ to B.________ Ltd. were correctly regarded by the lower instance as commercially justified. The proof that these were benefits in money's worth based on the participation relationship to a person close to the economically entitled person in A.________ was not provided.»\n\n#### Refund and declaration obligation\n\n**Judgment 2C_85/2015** of 16 September 2015\nProper declaration is a prerequisite for the refund of withholding tax.\nThe decision emphasised the security purpose of the constitutionally anchored withholding tax.\n\n> «In domestic relationships, the withholding tax primarily serves to secure the declaration of income from movable capital assets; it is refunded by the Confederation to the tax-honest taxpayer.»\n\n#### Forfeiture of refund entitlement\n\n**Judgment 2C_1083/2014** of 20 November 2015\nIncomplete declaration may lead to forfeiture of the refund entitlement.\nThe judgment specified the legal consequences of violating constitutionally founded cooperation obligations.\n\n> «The withholding tax is refunded to the recipient of the benefit reduced by the tax by the Confederation in accordance with the law (Art. 1 para. 2 in conjunction with Art. 30 WTA). The refund entitlement is forfeited if the taxable benefit is not properly declared.»\n\n### Cantonal share (Art. 132 para. 2 Const.)\n\n**Judgment 2C_557/2010** of 4 November 2010\nTen percent of the withholding tax revenue constitutionally falls to the cantons.\nThe Federal Court confirmed the federalist component of the withholding tax as an emanation of the constitutional provision.\n\n> «Ten percent of the tax revenue falls to the cantons (Art. 132 para. 2 Const.).»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_132", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 133, "article_suffix": "", "title": "Zölle", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 133 BV gibt dem Bund die alleinige Macht über Zölle und andere Abgaben beim grenzüberschreitenden Warenverkehr. Diese Bundesverfassungsbestimmung ist ein Grundpfeiler des schweizerischen Wirtschaftsrechts und geht auf die Gründung des Bundesstaates 1848 zurück (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 1).\n\nDie Norm erfasst alle Abgaben, die beim Grenzübertritt von Waren erhoben werden. Dazu gehören sowohl klassische Zölle als auch andere Abgaben wie Gebühren für Zolldienstleistungen. Nach herrschender Lehre umfasst Art. 133 BV sowohl fiskalische Zölle (zur Staatsfinanzierung) als auch wirtschaftslenkende Zölle (zum Schutz der heimischen Wirtschaft), da eine Beschränkung auf reine Fiskalzölle kaum zielführend wäre (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 15).\n\nDie Bundeskompetenz ist ausschliesslich: Kantone dürfen keine eigenen Zölle erheben oder das Zollverfahren regeln (**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**). Die praktische Anwendung erfolgt heute hauptsächlich durch das Zollgesetz und richtet sich nach internationalen Verpflichtungen der Schweiz, insbesondere dem Welthandelsrecht (WTO-Recht) und Freihandelsabkommen.\n\n**Beispiel**: Ein Unternehmen importiert Maschinen aus Deutschland. Es muss den im Zolltarif festgelegten Zollsatz bezahlen und das bundesrechtliche Zollverfahren einhalten. Kantonale Behörden dürfen keine zusätzlichen Abgaben erheben oder eigene Verfahren vorschreiben.", "doctrine_de": "# Art. 133 BV - Zollgesetzgebung\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 133 BV geht auf die Bundesverfassung von 1848 zurück. Die Zollhoheit stellte einen der Grundpfeiler des neu geschaffenen Bundesstaates dar, indem sie die Binnenzölle zwischen den Kantonen beseitigte und dem Bund die ausschliessliche Kompetenz zur Erhebung von Zöllen auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr übertrug (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 1). Diese Zentralisierung der Zollkompetenz bildete zusammen mit der Einführung einer einheitlichen Währung das wirtschaftliche Fundament des schweizerischen Bundesstaates.\n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision von 1999 führte zu einer systematischen Neuordnung der Finanzverfassung. Art. 133 BV wurde dabei als Teil der Finanzordnung in den Abschnitt über «Finanzordnung» eingegliedert, was zu Diskussionen über die Reichweite der Kompetenz führte (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 2). Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 betonte den nachführenden Charakter der Revision ohne materielle Änderungen (BBl 1997 I 1, 456).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 133 BV steht systematisch im 3. Titel («Bund, Kantone und Gemeinden»), 3. Kapitel («Finanzordnung»), 1. Abschnitt («Allgemeines»). Diese Einordnung unterstreicht die finanzpolitische Bedeutung der Zölle für den Bundeshaushalt, auch wenn deren fiskalische Bedeutung heute hinter anderen Einnahmequellen zurücksteht.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit weiteren verfassungsrechtlichen Bestimmungen: → Art. 54 BV (Auswärtige Angelegenheiten) für internationale Handelsabkommen, ↔ Art. 94 BV (Wirtschaftsfreiheit) für die Schranken wirtschaftslenkender Zölle, → Art. 127 BV (Besteuerungsgrundsätze) für die allgemeinen Prinzipien der Abgabenerhebung und → Art. 130 BV (Mehrwertsteuer) für die Abgrenzung zur Einfuhrsteuer (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 14).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff «Zölle» umfasst alle Abgaben, die aufgrund des Grenzübertritts von Waren erhoben werden. Dabei ist unerheblich, ob die Abgabe fiskalischen oder wirtschaftslenkenden Zwecken dient. Die herrschende Lehre versteht den Zollbegriff weit und schliesst sowohl Fiskalzölle als auch Schutzzölle ein (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 15; Cottier/Oesch, International Trade Regulation, 2005, S. 782).\n\n**N. 6** Die Formulierung «andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr» erweitert die Bundeskompetenz über die eigentlichen Zölle hinaus. Erfasst sind sämtliche Abgaben mit Bezug zum Warengrenzverkehr, einschliesslich Gebühren für Zolldienstleistungen und weitere grenzüberschreitungsbezogene Abgaben (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 11).\n\n**N. 7** Die Kompetenz erfasst den gesamten «grenzüberschreitenden Warenverkehr», also Ein-, Aus- und Durchfuhr. Strittig ist, ob Art. 133 BV auch eine Kompetenz zur Erhebung von Durchfuhrzöllen begründet. Oesch bejaht dies unter Verweis auf Wortlaut und ratio legis (BSK BV, Art. 133 N. 15), während Arpagaus dies verneint (Zollrecht, 2. Aufl. 2007, Rz. 142).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 133 BV begründet eine umfassende und ausschliessliche Bundeskompetenz. Den Kantonen ist jede eigene Zollgesetzgebung oder Erhebung von Abgaben auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr verwehrt (**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**). Diese Kompetenz umfasst sowohl die materiellen Zollbestimmungen als auch das Zollverfahrensrecht.\n\n**N. 9** Die Bundeskompetenz ist als Rechtsetzungskompetenz ausgestaltet. Der Bund ist nicht verpflichtet, von seiner Kompetenz Gebrauch zu machen. Er kann Zölle erheben, muss dies aber nicht. Die tatsächliche Ausübung erfolgt heute primär durch das Zollgesetz vom 18. März 2005 (SR 631.0) und das Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (SR 632.10).\n\n**N. 10** Die wirtschaftsvölkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz, insbesondere aus dem WTO-Recht und bilateralen Freihandelsabkommen, schränken die praktische Ausübung der Zollkompetenz erheblich ein. Die Schweiz hat sich zur Zollbindung verpflichtet und kann Zölle nur im Rahmen der eingegangenen internationalen Verpflichtungen erheben (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 17-21).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Reichweite der Kompetenz von Art. 133 BV. Eine restriktive Auslegung, die sich auf die systematische Stellung in der Finanzordnung stützt, will Art. 133 BV auf reine Fiskalzölle beschränken (so teilweise die ältere Lehre). Die heute herrschende Auffassung, vertreten durch Oesch (BSK BV, Art. 133 N. 15), umfasst auch wirtschaftslenkende Zölle, da eine Beschränkung auf reine Fiskalzölle kaum zielführend wäre und selbst Fiskalzölle reflexartig wirtschaftslenkend wirken.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird die Frage der Durchfuhrzölle. Oesch argumentiert, Art. 133 BV begründe auch eine Kompetenz zur Erhebung von Durchfuhrzöllen, gestützt auf den weiten Wortlaut «grenzüberschreitender Warenverkehr» und die ratio legis einer umfassenden Bundeskompetenz (BSK BV, Art. 133 N. 15). Arpagaus vertritt die Gegenposition und verneint eine solche Kompetenz unter Verweis auf die völkerrechtlichen Verpflichtungen und die praktische Bedeutungslosigkeit von Durchfuhrzöllen (Zollrecht, 2. Aufl. 2007, Rz. 142).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Die praktische Anwendung von Art. 133 BV erfolgt heute fast ausschliesslich im Rahmen der WTO-rechtlichen und bilateralen Verpflichtungen der Schweiz. Unternehmen müssen bei der Einfuhr die geltenden Zolltarife beachten, wobei Präferenzabkommen erhebliche Zollreduktionen oder -befreiungen vorsehen können.\n\n**N. 14** Für die Praxis zentral ist die Abgrenzung zwischen Zöllen und anderen Abgaben, insbesondere zur Mehrwertsteuer. Während Zölle unter Art. 133 BV fallen, richtet sich die Einfuhrsteuer nach Art. 130 BV. Diese Unterscheidung hat Auswirkungen auf Verfahren und Rechtsschutz.\n\n**N. 15** Im Verwaltungsverfahren ist zu beachten, dass die Zollgesetzgebung spezielle Verfahrensbestimmungen kennt, die dem allgemeinen Verwaltungsverfahrensrecht vorgehen. Insbesondere gelten besondere Fristen und Formvorschriften für Zollanmeldungen und Rechtsmittel im Zollverfahren (Urteil des Bundesgerichts **2C_745/2015** vom 23. Oktober 2017).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Bundesgkompetenz und Verfahrensrecht\n\n**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**\n25. November 2024\nDie Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist ausschliesslich Bundesrecht. Art. 133 BV begründet eine umfassende Bundeskompetenz im Zollwesen, einschliesslich der Verfahrensbestimmungen und der gerichtlichen Überprüfung von Zollveranlagungen.\n\n> «Unter das Bundesrecht fällt insbesondere auch das Zollrecht (Art. 133 BV). Gegen Entscheide über die Zollveranlagung ist die Beschwerde aber unzulässig, wenn diese entweder aufgrund der Tarifierung oder des Gewichts der Ware erfolgt (Art. 83 lit. l BGG).»\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7733/2008 E. 2.2**\n8. September 2009\nArt. 133 BV verleiht dem Bund die ausschliessliche Zuständigkeit für Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr. Diese Kompetenz umfasst auch die Bestimmung der Ursprungsregeln und Präferenzbestimmungen für Freihandelsabkommen.\n\n> «Die Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist Sache des Bundes (Art. 133 BV; vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1753/2006 vom 23. Juni 2008 E. 2.1).»\n\n### Abgrenzung zu anderen Bundeskompetenzen\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4178/2016 E. 3.1.1**\n28. September 2017\nArt. 133 BV steht eigenständig neben anderen Bundeszuständigkeiten wie der Alkoholsteuer (Art. 105 und 131 BV). Die Zollkompetenz ist unabhängig von spezifischen Verbrauchssteuerkompetenzen zu verstehen und erfasst alle Waren im grenzüberschreitenden Verkehr.\n\n> «Die Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist Sache des Bundes (Art. 133 BV). Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach dem ZG veranlagt werden.»\n\n### Verfahrensrechtliche Besonderheiten\n\n**Urteil 2C_3/2022 E. 1.2.1**\n17. Mai 2022\nZollrechtliche Verfahren fallen unter die allgemeinen Bestimmungen der Bundesrechtspflege. Art. 133 BV begründet keine verfahrensrechtlichen Sonderbestimmungen, weshalb das allgemeine Verwaltungsverfahrensrecht und die ordentliche Rechtsmittelordnung zur Anwendung gelangen.\n\n> «Im Zollrecht finden sich hinsichtlich des Verfahrens vor Bundesgericht keine abweichenden Bestimmungen. Gegenteils verweist Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 auf die allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege.»\n\n### Umfang der Zollkompetenz\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5558/2013 E. 2.1.1**\n4. April 2014\nDie Bundeskompetenz nach Art. 133 BV erfasst sämtliche Waren im grenzüberschreitenden Verkehr unabhängig von ihrer spezifischen Beschaffenheit oder ihrem Verwendungszweck. Die Kompetenz ist umfassend und lässt den Kantonen keinen Raum für eigene Zollbestimmungen.\n\n> «Die Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist Sache des Bundes (Art. 133 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999). Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind nach den bundesrechtlichen Bestimmungen zu veranlagen.»\n\n**Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-703/2017 E. 2.3**\n15. Mai 2018\nArt. 133 BV begründet eine Bundeskompetenz sowohl für die materiellen Zollbestimmungen als auch für das Zollverfahren. Die Kantone haben keine Befugnis, eigene Abgaben auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr zu erheben oder das Zollverfahren zu regeln.\n\n> «Die Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist Sache des Bundes (Art. 133 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999). Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, unterliegen der bundesrechtlichen Regelung.»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 133 Cst. confère à la Confédération le pouvoir exclusif sur les droits de douane et autres redevances perçues lors du trafic transfrontalier de marchandises. Cette disposition constitutionnelle fédérale constitue un pilier fondamental du droit économique suisse et remonte à la fondation de l'État fédéral en 1848 (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 1).\n\nLa norme couvre toutes les redevances perçues lors du passage frontalier de marchandises. Cela comprend aussi bien les droits de douane classiques que d'autres redevances comme les émoluments pour les prestations douanières. Selon la doctrine dominante, l'art. 133 Cst. comprend tant les droits de douane fiscaux (pour le financement de l'État) que les droits de douane économiques (pour la protection de l'économie nationale), car une limitation aux seuls droits fiscaux ne serait guère opportune (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 15).\n\nLa compétence fédérale est exclusive : les cantons ne peuvent percevoir leurs propres droits de douane ni réglementer la procédure douanière (**ATF 151 II 533 consid. 1.2.2**). L'application pratique s'effectue aujourd'hui principalement par la loi sur les douanes et se conforme aux engagements internationaux de la Suisse, notamment au droit du commerce mondial (droit OMC) et aux accords de libre-échange.\n\n**Exemple** : Une entreprise importe des machines d'Allemagne. Elle doit payer le taux douanier fixé dans le tarif des douanes et respecter la procédure douanière de droit fédéral. Les autorités cantonales ne peuvent percevoir de redevances supplémentaires ni prescrire leurs propres procédures.", "doctrine_fr": "# Art. 133 Cst. - Législation douanière\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 133 Cst. remonte à la Constitution fédérale de 1848. La souveraineté douanière constituait l'un des piliers fondamentaux de l'État fédéral nouvellement créé, en supprimant les douanes intérieures entre les cantons et en conférant à la Confédération la compétence exclusive de percevoir des droits de douane sur le trafic transfrontalier de marchandises (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 1). Cette centralisation de la compétence douanière, avec l'introduction d'une monnaie unique, forma le fondement économique de l'État fédéral suisse.\n\n**N. 2** La révision constitutionnelle de 1999 a conduit à une réorganisation systématique de la constitution financière. L'art. 133 Cst. a été intégré dans la section sur l'« Ordre financier » en tant que partie de l'ordre financier, ce qui a suscité des discussions sur la portée de la compétence (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 2). Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 a souligné le caractère de mise à jour de la révision sans modifications matérielles (FF 1997 I 1, 456).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 133 Cst. s'inscrit systématiquement dans le 3e titre (« Confédération, cantons et communes »), chapitre 3 (« Ordre financier »), section 1 (« Généralités »). Cette classification souligne l'importance des douanes pour les finances fédérales en matière de politique financière, même si leur importance fiscale est aujourd'hui dépassée par d'autres sources de recettes.\n\n**N. 4** La norme entretient des liens étroits avec d'autres dispositions constitutionnelles : → art. 54 Cst. (Affaires extérieures) pour les accords commerciaux internationaux, ↔ art. 94 Cst. (Liberté économique) pour les limites des droits de douane à but économique, → art. 127 Cst. (Principes régissant l'imposition) pour les principes généraux de la perception des redevances et → art. 130 Cst. (Taxe sur la valeur ajoutée) pour la délimitation avec l'impôt à l'importation (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 14).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** Le terme « droits de douane » englobe toutes les redevances perçues en raison du franchissement de frontière par des marchandises. Il importe peu que la redevance serve à des fins fiscales ou de politique économique. La doctrine dominante interprète largement la notion de droit de douane et inclut tant les droits fiscaux que les droits protecteurs (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 15 ; Cottier/Oesch, International Trade Regulation, 2005, p. 782).\n\n**N. 6** La formulation « autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises » étend la compétence fédérale au-delà des droits de douane proprement dits. Elle saisit toutes les redevances liées au trafic transfrontalier de marchandises, y compris les émoluments pour les prestations douanières et autres redevances liées au franchissement de frontière (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 11).\n\n**N. 7** La compétence saisit l'ensemble du « trafic transfrontalier de marchandises », soit l'importation, l'exportation et le transit. Il est controversé de savoir si l'art. 133 Cst. fonde aussi une compétence pour percevoir des droits de transit. Oesch répond par l'affirmative en se référant au libellé et à la ratio legis (BSK BV, art. 133 n. 15), tandis qu'Arpagaus le conteste (Zollrecht, 2e éd. 2007, ch. 142).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** L'art. 133 Cst. fonde une compétence fédérale globale et exclusive. Toute législation douanière propre ou perception de redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises est interdite aux cantons (**ATF 151 II 533 consid. 1.2.2**). Cette compétence englobe tant les dispositions douanières matérielles que le droit de procédure douanière.\n\n**N. 9** La compétence fédérale est conçue comme une compétence législative. La Confédération n'est pas tenue de faire usage de sa compétence. Elle peut percevoir des droits de douane, mais n'y est pas obligée. L'exercice effectif s'opère aujourd'hui principalement par la loi sur les douanes du 18 mars 2005 (RS 631.0) et la loi sur le tarif des douanes du 9 octobre 1986 (RS 632.10).\n\n**N. 10** Les obligations de droit international économique de la Suisse, notamment celles découlant du droit de l'OMC et d'accords bilatéraux de libre-échange, limitent considérablement l'exercice pratique de la compétence douanière. La Suisse s'est engagée à consolider les droits de douane et ne peut percevoir des droits qu'en respectant les obligations internationales contractées (Oesch, BSK BV, art. 133 n. 17-21).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** Un point litigieux central concerne la portée de la compétence de l'art. 133 Cst. Une interprétation restrictive, qui s'appuie sur la position systématique dans l'ordre financier, veut limiter l'art. 133 Cst. aux droits purement fiscaux (ainsi partiellement l'ancienne doctrine). La conception dominante aujourd'hui, représentée par Oesch (BSK BV, art. 133 n. 15), englobe aussi les droits à but économique, car une limitation aux droits purement fiscaux ne serait guère judicieuse et même les droits fiscaux ont par réflexe un effet de politique économique.\n\n**N. 12** La question des droits de transit fait l'objet de discussions controversées. Oesch soutient que l'art. 133 Cst. fonde aussi une compétence pour percevoir des droits de transit, en s'appuyant sur le libellé large « trafic transfrontalier de marchandises » et la ratio legis d'une compétence fédérale globale (BSK BV, art. 133 n. 15). Arpagaus défend la position contraire et conteste une telle compétence en se référant aux obligations de droit international et à l'insignifiance pratique des droits de transit (Zollrecht, 2e éd. 2007, ch. 142).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** L'application pratique de l'art. 133 Cst. s'effectue aujourd'hui presque exclusivement dans le cadre des obligations de l'OMC et bilatérales de la Suisse. Les entreprises doivent respecter les tarifs douaniers applicables lors de l'importation, les accords préférentiels pouvant prévoir des réductions ou exemptions douanières considérables.\n\n**N. 14** Pour la pratique, la délimitation entre droits de douane et autres redevances est centrale, notamment par rapport à la taxe sur la valeur ajoutée. Tandis que les droits de douane relèvent de l'art. 133 Cst., l'impôt à l'importation se fonde sur l'art. 130 Cst. Cette distinction a des conséquences sur la procédure et la protection juridique.\n\n**N. 15** En procédure administrative, il faut tenir compte du fait que la législation douanière connaît des dispositions procédurales spéciales qui priment le droit général de procédure administrative. S'appliquent notamment des délais et prescriptions de forme particuliers pour les déclarations en douane et les voies de droit dans la procédure douanière (arrêt du Tribunal fédéral **2C_745/2015** du 23 octobre 2017).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Compétence fédérale de principe et droit procédural\n\n**ATF 151 II 533 c. 1.2.2**\n25 novembre 2024\nLa législation sur les douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises relève exclusivement du droit fédéral. L'art. 133 Cst. fonde une compétence fédérale complète en matière douanière, y compris les dispositions procédurales et le contrôle judiciaire des estimations douanières.\n\n> « Le droit fédéral comprend notamment aussi le droit douanier (art. 133 Cst.). Contre les décisions relatives à l'estimation douanière, le recours est toutefois irrecevable lorsque cette estimation se fonde soit sur la tarification soit sur le poids de la marchandise (art. 83 let. l LTF). »\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral A-7733/2008 c. 2.2**\n8 septembre 2009\nL'art. 133 Cst. confère à la Confédération la compétence exclusive en matière de douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises. Cette compétence comprend aussi la détermination des règles d'origine et des dispositions préférentielles pour les accords de libre-échange.\n\n> « La législation sur les douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises relève de la Confédération (art. 133 Cst. ; cf. arrêt du Tribunal administratif fédéral A-1753/2006 du 23 juin 2008 c. 2.1). »\n\n### Délimitation par rapport à d'autres compétences fédérales\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral A-4178/2016 c. 3.1.1**\n28 septembre 2017\nL'art. 133 Cst. est autonome par rapport à d'autres compétences fédérales comme l'impôt sur l'alcool (art. 105 et 131 Cst.). La compétence douanière doit être comprise indépendamment des compétences spécifiques en matière d'impôts de consommation et englobe toutes les marchandises dans le trafic transfrontalier.\n\n> « La législation sur les douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises relève de la Confédération (art. 133 Cst.). Les marchandises introduites dans le territoire douanier ou sorties du territoire douanier sont soumises aux droits de douane et doivent être estimées selon la LD. »\n\n### Particularités du droit procédural\n\n**Arrêt 2C_3/2022 c. 1.2.1**\n17 mai 2022\nLes procédures douanières relèvent des dispositions générales de la justice fédérale. L'art. 133 Cst. ne fonde aucune disposition procédurale particulière, raison pour laquelle le droit procédural administratif général et l'ordre ordinaire des voies de droit s'appliquent.\n\n> « En matière douanière, il n'existe aucune disposition divergente concernant la procédure devant le Tribunal fédéral. Au contraire, l'art. 116 al. 4 de la loi sur les douanes du 18 mars 2005 renvoie aux dispositions générales sur la justice fédérale. »\n\n### Étendue de la compétence douanière\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral A-5558/2013 c. 2.1.1**\n4 avril 2014\nLa compétence fédérale selon l'art. 133 Cst. englobe toutes les marchandises dans le trafic transfrontalier indépendamment de leur nature spécifique ou de leur but d'utilisation. La compétence est complète et ne laisse aucune marge de manœuvre aux cantons pour leurs propres dispositions douanières.\n\n> « La législation sur les douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises relève de la Confédération (art. 133 de la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 18 avril 1999). Les marchandises introduites dans le territoire douanier ou sorties du territoire douanier doivent être estimées selon les dispositions du droit fédéral. »\n\n**Arrêt du Tribunal administratif fédéral A-703/2017 c. 2.3**\n15 mai 2018\nL'art. 133 Cst. fonde une compétence fédérale tant pour les dispositions douanières matérielles que pour la procédure douanière. Les cantons n'ont aucune compétence pour percevoir leurs propres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises ou pour régler la procédure douanière.\n\n> « La législation sur les douanes et autres redevances sur le trafic transfrontalier de marchandises relève de la Confédération (art. 133 Constitution fédérale de la Confédération suisse du 18 avril 1999). Les marchandises introduites dans le territoire douanier ou sorties du territoire douanier sont soumises à la réglementation de droit fédéral. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 133 Cost. conferisce alla Confederazione il potere esclusivo sui dazi e altri tributi nel commercio transfrontaliero di merci. Questa disposizione della Costituzione federale è un pilastro fondamentale del diritto economico svizzero e risale alla fondazione dello Stato federale nel 1848 (Oesch, BSK BV, Art. 133 n. 1).\n\nLa norma comprende tutti i tributi riscossi al passaggio di frontiera delle merci. Ciò include sia i dazi classici che altri tributi come le tasse per i servizi doganali. Secondo la dottrina dominante, l'art. 133 Cost. comprende sia i dazi fiscali (per il finanziamento statale) che i dazi orientativi dell'economia (per la protezione dell'economia nazionale), poiché una limitazione ai soli dazi fiscali sarebbe poco efficace (Oesch, BSK BV, Art. 133 n. 15).\n\nLa competenza federale è esclusiva: i Cantoni non possono riscuotere dazi propri o disciplinare la procedura doganale (**DTF 151 II 533 consid. 1.2.2**). L'applicazione pratica avviene oggi principalmente attraverso la legge doganale e si orienta secondo gli obblighi internazionali della Svizzera, in particolare il diritto del commercio mondiale (diritto OMC) e gli accordi di libero scambio.\n\n**Esempio**: Un'impresa importa macchinari dalla Germania. Deve pagare l'aliquota doganale stabilita nella tariffa doganale e rispettare la procedura doganale di diritto federale. Le autorità cantonali non possono riscuotere tributi aggiuntivi o prescrivere procedure proprie.", "doctrine_it": "# Art. 133 Cost. - Legislazione doganale\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia costituzionale\n\n**N. 1** L'art. 133 Cost. risale alla Costituzione federale del 1848. La sovranità doganale rappresentava uno dei pilastri fondamentali del nuovo Stato federale, eliminando le dogane interne tra i Cantoni e conferendo alla Confederazione la competenza esclusiva per la riscossione di dazi sul traffico transfrontaliero delle merci (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 1). Questa centralizzazione della competenza doganale, insieme all'introduzione di una moneta unica, costituì il fondamento economico dello Stato federale svizzero.\n\n**N. 2** La revisione costituzionale del 1999 portò a un riordino sistematico dell'ordinamento finanziario. L'art. 133 Cost. fu integrato come parte dell'ordinamento finanziario nella sezione «Ordinamento finanziario», il che portò a discussioni sulla portata della competenza (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 2). Il messaggio concernente la nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 sottolineò il carattere meramente adeguatore della revisione senza modifiche materiali (FF 1997 I 1, 456).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 133 Cost. si colloca sistematicamente nel 3° titolo («Confederazione, Cantoni e Comuni»), 3° capitolo («Ordinamento finanziario»), 1° sezione («Disposizioni generali»). Questa collocazione sottolinea l'importanza finanziaria dei dazi per il bilancio federale, anche se oggi il loro significato fiscale è passato in secondo piano rispetto ad altre fonti di entrata.\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata ad altre disposizioni costituzionali: → art. 54 Cost. (Affari esteri) per gli accordi commerciali internazionali, ↔ art. 94 Cost. (Libertà economica) per i limiti ai dazi di orientamento economico, → art. 127 Cost. (Principi della tassazione) per i principi generali della riscossione di tributi e → art. 130 Cost. (Imposta sul valore aggiunto) per la delimitazione dall'imposta d'importazione (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 14).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** Il concetto di «dazi» comprende tutti i tributi riscossi a causa dell'attraversamento della frontiera da parte delle merci. È irrilevante se il tributo persegua scopi fiscali o di orientamento economico. La dottrina dominante intende il concetto di dazio in senso ampio e include sia i dazi fiscali sia i dazi protettivi (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 15; Cottier/Oesch, International Trade Regulation, 2005, p. 782).\n\n**N. 6** La formulazione «altri tributi sul traffico transfrontaliero delle merci» estende la competenza della Confederazione oltre i dazi propriamente detti. Sono inclusi tutti i tributi relativi al traffico transfrontaliero delle merci, comprese le tasse per i servizi doganali e altri tributi legati all'attraversamento della frontiera (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 11).\n\n**N. 7** La competenza copre l'intero «traffico transfrontaliero delle merci», ossia importazione, esportazione e transito. È controverso se l'art. 133 Cost. fondi anche una competenza per la riscossione di dazi di transito. Oesch lo afferma facendo riferimento al tenore letterale e alla ratio legis (BSK BV, Art. 133 N. 15), mentre Arpagaus lo nega (Zollrecht, 2ª ed. 2007, n. marg. 142).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 133 Cost. fonda una competenza federale completa ed esclusiva. Ai Cantoni è vietata qualsiasi legislazione doganale propria o riscossione di tributi sul traffico transfrontaliero delle merci (**DTF 151 II 533 consid. 1.2.2**). Questa competenza comprende sia le disposizioni doganali materiali sia il diritto procedurale doganale.\n\n**N. 9** La competenza federale è configurata come competenza normativa. La Confederazione non è obbligata a fare uso della sua competenza. Può riscuotere dazi, ma non deve farlo. L'esercizio effettivo avviene oggi principalmente attraverso la legge doganale del 18 marzo 2005 (RS 631.0) e la legge sulla tariffa doganale del 9 ottobre 1986 (RS 632.10).\n\n**N. 10** Gli obblighi della Svizzera derivanti dal diritto internazionale economico, in particolare dal diritto OMC e da accordi bilaterali di libero scambio, limitano considerevolmente l'esercizio pratico della competenza doganale. La Svizzera si è impegnata al consolidamento doganale e può riscuotere dazi solo nel quadro degli obblighi internazionali assunti (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 17-21).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** Un punto controverso centrale riguarda la portata della competenza dell'art. 133 Cost. Un'interpretazione restrittiva, che si basa sulla collocazione sistematica nell'ordinamento finanziario, vuole limitare l'art. 133 Cost. ai puri dazi fiscali (così in parte la dottrina più datata). L'opinione oggi dominante, rappresentata da Oesch (BSK BV, Art. 133 N. 15), comprende anche i dazi di orientamento economico, poiché una limitazione ai puri dazi fiscali sarebbe poco opportuna e anche i dazi fiscali hanno effetti riflessi di orientamento economico.\n\n**N. 12** La questione dei dazi di transito è discussa in modo controverso. Oesch argomenta che l'art. 133 Cost. fonda anche una competenza per la riscossione di dazi di transito, basandosi sul tenore letterale ampio «traffico transfrontaliero delle merci» e sulla ratio legis di una competenza federale completa (BSK BV, Art. 133 N. 15). Arpagaus rappresenta la posizione contraria e nega una tale competenza facendo riferimento agli obblighi di diritto internazionale e all'irrilevanza pratica dei dazi di transito (Zollrecht, 2ª ed. 2007, n. marg. 142).\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 13** L'applicazione pratica dell'art. 133 Cost. avviene oggi quasi esclusivamente nel quadro degli obblighi derivanti dal diritto OMC e da accordi bilaterali della Svizzera. Le imprese devono rispettare all'importazione le tariffe doganali in vigore, mentre gli accordi preferenziali possono prevedere riduzioni o esenzioni doganali considerevoli.\n\n**N. 14** Per la prassi è centrale la delimitazione tra dazi e altri tributi, in particolare rispetto all'imposta sul valore aggiunto. Mentre i dazi rientrano nell'art. 133 Cost., l'imposta d'importazione si fonda sull'art. 130 Cost. Questa distinzione ha ripercussioni su procedura e tutela giuridica.\n\n**N. 15** Nel procedimento amministrativo va osservato che la legislazione doganale prevede disposizioni procedurali speciali che precedono il diritto procedurale amministrativo generale. In particolare si applicano termini e requisiti formali speciali per le dichiarazioni doganali e i rimedi giuridici nel procedimento doganale (sentenza del Tribunale federale **2C_745/2015** del 23 ottobre 2017).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Competenza federale di principio e diritto procedurale\n\n**BGE 151 II 533 consid. 1.2.2**\n25 novembre 2024\nLa legislazione sui dazi e su altri tributi del traffico transfrontaliero di merci è esclusivamente diritto federale. L'art. 133 Cost. stabilisce una competenza federale completa nel settore doganale, comprese le disposizioni procedurali e il controllo giurisdizionale degli accertamenti doganali.\n\n> «Il diritto federale comprende in particolare anche il diritto doganale (art. 133 Cost.). Contro le decisioni sull'accertamento doganale il ricorso è tuttavia inammissibile se queste si fondano sulla tariffazione o sul peso della merce (art. 83 lett. l LTF).»\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale A-7733/2008 consid. 2.2**\n8 settembre 2009\nL'art. 133 Cost. conferisce alla Confederazione la competenza esclusiva per i dazi e altri tributi del traffico transfrontaliero di merci. Questa competenza comprende anche la determinazione delle regole d'origine e delle disposizioni preferenziali per gli accordi di libero scambio.\n\n> «La legislazione sui dazi e su altri tributi del traffico transfrontaliero di merci è di competenza della Confederazione (art. 133 Cost.; cfr. sentenza del Tribunale amministrativo federale A-1753/2006 del 23 giugno 2008 consid. 2.1).»\n\n### Delimitazione rispetto ad altre competenze federali\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale A-4178/2016 consid. 3.1.1**\n28 settembre 2017\nL'art. 133 Cost. sussiste autonomamente accanto ad altre competenze federali come l'imposta sull'alcol (art. 105 e 131 Cost.). La competenza doganale deve essere intesa indipendentemente dalle competenze specifiche sulle imposte di consumo e comprende tutte le merci nel traffico transfrontaliero.\n\n> «La legislazione sui dazi e su altri tributi del traffico transfrontaliero di merci è di competenza della Confederazione (art. 133 Cost.). Le merci che vengono immesse nel territorio doganale o esportate dal territorio doganale sono soggette a dazio e devono essere accertate secondo la LD.»\n\n### Particolarità di diritto procedurale\n\n**Sentenza 2C_3/2022 consid. 1.2.1**\n17 maggio 2022\nI procedimenti di diritto doganale sottostanno alle disposizioni generali della giustizia federale. L'art. 133 Cost. non stabilisce disposizioni procedurali speciali, per cui si applicano il diritto procedurale amministrativo generale e l'ordinamento ordinario dei rimedi giuridici.\n\n> «Nel diritto doganale non si trovano disposizioni divergenti riguardo al procedimento davanti al Tribunale federale. Al contrario l'art. 116 cpv. 4 della legge doganale del 18 marzo 2005 rinvia alle disposizioni generali sulla giustizia federale.»\n\n### Portata della competenza doganale\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale A-5558/2013 consid. 2.1.1**\n4 aprile 2014\nLa competenza federale secondo l'art. 133 Cost. comprende tutte le merci nel traffico transfrontaliero indipendentemente dalla loro specifica natura o dal loro scopo d'uso. La competenza è completa e non lascia ai Cantoni alcuno spazio per proprie disposizioni doganali.\n\n> «La legislazione sui dazi e su altri tributi del traffico transfrontaliero di merci è di competenza della Confederazione (art. 133 della Costituzione federale della Confederazione Svizzera del 18 aprile 1999). Le merci che vengono immesse nel territorio doganale o esportate dal territorio doganale devono essere accertate secondo le disposizioni del diritto federale.»\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo federale A-703/2017 consid. 2.3**\n15 maggio 2018\nL'art. 133 Cost. stabilisce una competenza federale sia per le disposizioni doganali materiali sia per il procedimento doganale. I Cantoni non hanno la facoltà di riscuotere propri tributi sul traffico transfrontaliero di merci o di disciplinare il procedimento doganale.\n\n> «La legislazione sui dazi e su altri tributi del traffico transfrontaliero di merci è di competenza della Confederazione (art. 133 Costituzione federale della Confederazione Svizzera del 18 aprile 1999). Le merci che vengono immesse nel territorio doganale o esportate dal territorio doganale sottostanno alla disciplina del diritto federale.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 133 Cst. gives the Confederation exclusive power over customs duties and other levies on cross-border trade in goods. This constitutional provision is a cornerstone of Swiss economic law and dates back to the founding of the federal state in 1848 (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 1).\n\nThe provision covers all levies imposed when goods cross borders. This includes both classical customs duties and other charges such as fees for customs services. According to prevailing doctrine, Art. 133 Cst. encompasses both fiscal customs duties (for state financing) and regulatory customs duties (for protecting domestic industry), since limiting it to purely fiscal duties would hardly be effective (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 15).\n\nFederal jurisdiction is exclusive: cantons may not impose their own customs duties or regulate customs procedures (**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**). Practical application today occurs primarily through the Customs Act and follows Switzerland's international obligations, particularly World Trade Organization (WTO) law and free trade agreements.\n\n**Example**: A company imports machinery from Germany. It must pay the customs rate specified in the customs tariff and comply with federal customs procedures. Cantonal authorities may not impose additional charges or prescribe their own procedures.", "doctrine_en": "# Art. 133 BV - Customs legislation\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 133 BV dates back to the Federal Constitution of 1848. Customs authority represented one of the cornerstones of the newly created federal state by abolishing internal customs between the cantons and granting the Confederation exclusive competence to levy customs on cross-border trade in goods (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 1). This centralisation of customs competence, together with the introduction of a uniform currency, formed the economic foundation of the Swiss federal state.\n\n**N. 2** The constitutional revision of 1999 led to a systematic reorganisation of the fiscal constitution. Art. 133 BV was incorporated as part of the fiscal order in the section on «Fiscal Order», which led to discussions about the scope of the competence (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 2). The Federal Council Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 emphasised the consolidating character of the revision without material changes (BBl 1997 I 1, 456).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 133 BV is systematically located in Title 3 («Confederation, Cantons and Communes»), Chapter 3 («Fiscal Order»), Section 1 («General Provisions»). This classification underlines the fiscal policy significance of customs for the federal budget, even though their fiscal importance today lags behind other sources of revenue.\n\n**N. 4** The provision is closely connected to other constitutional provisions: → Art. 54 BV (Foreign Relations) for international trade agreements, ↔ Art. 94 BV (Economic Freedom) for the limits of economic steering customs, → Art. 127 BV (Taxation Principles) for the general principles of levy collection and → Art. 130 BV (Value Added Tax) for the demarcation from import tax (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 14).\n\n### 3. Elements of the provision / Content of the norm\n\n**N. 5** The term «customs» encompasses all levies imposed due to the border crossing of goods. It is irrelevant whether the levy serves fiscal or economic steering purposes. The prevailing doctrine understands the customs concept broadly and includes both fiscal duties and protective tariffs (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 15; Cottier/Oesch, International Trade Regulation, 2005, p. 782).\n\n**N. 6** The formulation «other levies on cross-border trade in goods» extends federal competence beyond actual customs. All levies related to cross-border trade in goods are covered, including fees for customs services and other levies related to border crossing (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 11).\n\n**N. 7** The competence covers all «cross-border trade in goods», i.e., imports, exports and transit. It is disputed whether Art. 133 BV also establishes competence to levy transit duties. Oesch affirms this with reference to the wording and ratio legis (BSK BV, Art. 133 N. 15), while Arpagaus denies this (Zollrecht, 2nd ed. 2007, para. 142).\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** Art. 133 BV establishes comprehensive and exclusive federal competence. The cantons are prohibited from any customs legislation of their own or from levying charges on cross-border trade in goods (**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**). This competence encompasses both material customs provisions and customs procedural law.\n\n**N. 9** Federal competence is structured as legislative competence. The Confederation is not obliged to make use of its competence. It may levy customs but is not required to do so. Actual exercise today occurs primarily through the Customs Act of 18 March 2005 (SR 631.0) and the Customs Tariff Act of 9 October 1986 (SR 632.10).\n\n**N. 10** Switzerland's international economic law obligations, particularly from WTO law and bilateral free trade agreements, considerably restrict the practical exercise of customs competence. Switzerland has committed to tariff binding and may only levy customs within the framework of the international obligations it has entered into (Oesch, BSK BV, Art. 133 N. 17-21).\n\n### 5. Points of controversy\n\n**N. 11** A central point of controversy concerns the scope of competence under Art. 133 BV. A restrictive interpretation, based on the systematic position in the fiscal order, seeks to limit Art. 133 BV to pure fiscal duties (thus partly the older doctrine). The prevailing view today, represented by Oesch (BSK BV, Art. 133 N. 15), also encompasses economic steering customs, as a limitation to pure fiscal duties would hardly be purposeful and even fiscal duties have reflexive economic steering effects.\n\n**N. 12** The question of transit duties is controversially discussed. Oesch argues that Art. 133 BV also establishes competence to levy transit duties, based on the broad wording «cross-border trade in goods» and the ratio legis of comprehensive federal competence (BSK BV, Art. 133 N. 15). Arpagaus takes the opposing position and denies such competence with reference to international legal obligations and the practical insignificance of transit duties (Zollrecht, 2nd ed. 2007, para. 142).\n\n### 6. Practical guidance\n\n**N. 13** The practical application of Art. 133 BV today occurs almost exclusively within the framework of Switzerland's WTO legal and bilateral obligations. Companies must observe applicable customs tariffs when importing, whereby preferential agreements may provide for considerable customs reductions or exemptions.\n\n**N. 14** Central to practice is the demarcation between customs and other levies, particularly value added tax. While customs fall under Art. 133 BV, import tax is governed by Art. 130 BV. This distinction has implications for procedure and legal protection.\n\n**N. 15** In administrative procedure, it should be noted that customs legislation contains special procedural provisions that take precedence over general administrative procedural law. In particular, special deadlines and formal requirements apply for customs declarations and legal remedies in customs procedure (Federal Supreme Court judgment **2C_745/2015** of 23 October 2017).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Federal Competence in Principle and Procedural Law\n\n**BGE 151 II 533 E. 1.2.2**\n25 November 2024\nLegislation on customs duties and other levies on cross-border movement of goods is exclusively federal law. Art. 133 BV establishes comprehensive federal competence in customs matters, including procedural provisions and judicial review of customs assessments.\n\n> «Federal law includes, in particular, customs law (Art. 133 BV). However, appeals against decisions on customs assessment are inadmissible if these are based either on the tariff classification or the weight of the goods (Art. 83 lit. l BGG).»\n\n**Federal Administrative Court Judgment A-7733/2008 E. 2.2**\n8 September 2009\nArt. 133 BV grants the Confederation exclusive competence for customs duties and other levies on cross-border movement of goods. This competence also includes the determination of rules of origin and preferential provisions for free trade agreements.\n\n> «Legislation on customs duties and other levies on cross-border movement of goods is a matter for the Confederation (Art. 133 BV; cf. Federal Administrative Court Judgment A-1753/2006 of 23 June 2008 E. 2.1).»\n\n### Delimitation from Other Federal Competences\n\n**Federal Administrative Court Judgment A-4178/2016 E. 3.1.1**\n28 September 2017\nArt. 133 BV stands independently alongside other federal competences such as alcohol tax (Art. 105 and 131 BV). Customs competence is to be understood independently of specific excise tax competences and covers all goods in cross-border traffic.\n\n> «Legislation on customs duties and other levies on cross-border movement of goods is a matter for the Confederation (Art. 133 BV). Goods that are brought into or out of the customs territory are subject to customs duty and must be assessed according to the Customs Act.»\n\n### Procedural Law Particularities\n\n**Judgment 2C_3/2022 E. 1.2.1**\n17 May 2022\nCustoms law procedures fall under the general provisions of federal jurisdiction. Art. 133 BV does not establish special procedural provisions, which is why general administrative procedural law and the ordinary legal remedies system apply.\n\n> «In customs law, there are no deviating provisions regarding proceedings before the Federal Court. On the contrary, Art. 116 para. 4 of the Customs Act of 18 March 2005 refers to the general provisions on federal jurisdiction.»\n\n### Scope of Customs Competence\n\n**Federal Administrative Court Judgment A-5558/2013 E. 2.1.1**\n4 April 2014\nFederal competence under Art. 133 BV covers all goods in cross-border traffic regardless of their specific nature or intended use. The competence is comprehensive and leaves no room for the cantons to establish their own customs provisions.\n\n> «Legislation on customs duties and other levies on cross-border movement of goods is a matter for the Confederation (Art. 133 of the Federal Constitution of the Swiss Confederation of 18 April 1999). Goods that are brought into or out of the customs territory are to be assessed according to federal law provisions.»\n\n**Federal Administrative Court Judgment A-703/2017 E. 2.3**\n15 May 2018\nArt. 133 BV establishes federal competence for both substantive customs provisions and customs procedure. The cantons have no authority to levy their own duties on cross-border movement of goods or to regulate customs procedure.\n\n> «Legislation on customs duties and other levies on cross-border movement of goods is a matter for the Confederation (Art. 133 Federal Constitution of the Swiss Confederation of 18 April 1999). Goods that are brought into or out of the customs territory are subject to federal law regulation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_133", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 134, "article_suffix": "", "title": "Ausschluss kantonaler und kommunaler Besteuerung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 134 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 134 BV verhindert, dass Kantone und Gemeinden die gleiche Art von Steuern erheben wie der Bund. Das Gleichartigkeitsverbot (Verbot gleichartiger Steuern) gilt für vier Bundessteuern: Mehrwertsteuer, besondere Verbrauchssteuern, Stempelsteuer und Verrechnungssteuer.\n\nDie Norm schützt Steuerpflichtige vor doppelter Belastung durch Bund und Kantone bei derselben Steuerart. Wenn die Bundesgesetzgebung einen Steuergegenstand bezeichnet oder für steuerfrei erklärt, dürfen Kantone und Gemeinden keine gleichartige Steuer darauf erheben. Das Verbot ist absolut und kennt keine Ausnahmen.\n\n**Gleichartig** sind Steuern gemäss Bundesgericht nur bei weitgehend identischer technischer Ausgestaltung (**BGE 140 I 176** E. 8). Entscheidend sind Bemessungsgrundlage, Erhebungstechnik und Steuersubjekt. Das Bundesgericht legt den Begriff restriktiv aus - bereits kleine technische Unterschiede können die Zulässigkeit einer kantonalen Steuer begründen.\n\n**Beispiel aus der Praxis**: Eine Thurgauer Gemeinde wollte eine mengenabhängige Abgabe auf Spirituosen erheben. Das Bundesgericht erlaubte dies, weil sich die Abgabe grundlegend von der umsatzabhängigen Mehrwertsteuer unterschied - trotz identischem Steuerobjekt (gebrannte Wasser). Die kantonale Steuer belastete die verkaufte Menge, die Mehrwertsteuer hingegen die Wertschöpfung (**Urteil 2P.316/2004** E. 3.2).\n\nDas Verbot erfasst nur Steuern im eigentlichen Sinn, nicht Kausalabgaben wie Gebühren oder Vorzugslasten (**BGE 86 I 97** E. 2). Kantone können daher weiterhin Gebühren für konkrete staatliche Leistungen erheben, auch wenn der Bund ähnliche Gegenstände besteuert.\n\nIn der Rechtspraxis entstehen Probleme vor allem bei der Abgrenzung zwischen Steuern und Kausalabgaben sowie bei der Beurteilung technischer Unterschiede zwischen Bundes- und kantonalen Abgaben. Die Lehre kritisiert die restriktive Auslegung des Bundesgerichts teilweise als zu \"kantonsfreundlich\" (Biaggini, BSK BV, Art. 134 N. 6).", "doctrine_de": "# Art. 134 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 134 BV führt die unter der alten Bundesverfassung in verschiedenen Normen verstreuten Harmonisierungsbestimmungen zusammen (Art. 32bis Abs. 5, Art. 36ter, Art. 41bis Abs. 2 und Art. 41ter Abs. 2 aBV). Die Norm bezweckt gemäss der Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 zur neuen Bundesverfassung eine «formelle Nachführung» der bisherigen Rechtslage (BBl 1997 I 389). Der Verfassungsgeber beabsichtigte keine materielle Änderung der etablierten Steuerordnung zwischen Bund und Kantonen.\n\n**N. 2** Die Bestimmung wurzelt historisch in der schrittweisen Erweiterung der Bundeskompetenzen im Steuerbereich. Während die Kantone ursprünglich über umfassende Steuerhoheit verfügten, führten die Finanzierungsbedürfnisse des Bundes zur sukzessiven Einführung von Bundessteuern. Mit jedem neuen Bundessteuergesetz stellte sich die Frage der Abgrenzung zu kantonalen Abgaben, um eine übermässige Belastung der Steuerpflichtigen zu vermeiden (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 1).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 134 BV steht im dritten Titel (Bund, Kantone und Gemeinden), dritter Abschnitt (Finanzordnung) der Bundesverfassung. Die Norm ergänzt die Steuerkompetenzen des Bundes (Art. 128-133 BV) durch eine negative Kompetenznorm zugunsten der Kantone und Gemeinden. Sie konkretisiert das in Art. 3 BV verankerte föderalistische Prinzip im Steuerbereich.\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n→ Art. 127 Abs. 2 BV (Grundsätze der Besteuerung)\n→ Art. 128-133 BV (einzelne Bundessteuern)\n→ Art. 3 BV (Subsidiarität der Bundeskompetenzen)\n↔ Art. 127 Abs. 3 BV (Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung)\n\n**N. 5** Das in Art. 134 BV statuierte Harmonisierungsgebot unterscheidet sich vom Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung (Art. 127 Abs. 3 BV). Während Art. 134 BV das vertikale Verhältnis zwischen Bund einerseits und Kantonen/Gemeinden andererseits regelt, erfasst Art. 127 Abs. 3 BV die horizontale Ebene zwischen den Kantonen (→ Art. 127 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** Der Tatbestand von Art. 134 BV setzt drei Elemente voraus:\n1. Die Bundesgesetzgebung muss einen Steuergegenstand bezeichnen\n2. Es muss sich um Mehrwertsteuer, besondere Verbrauchssteuern, Stempelsteuer oder Verrechnungssteuer handeln\n3. Die kantonale oder kommunale Steuer muss «gleichartig» sein\n\n**N. 7** **Bezeichnung durch Bundesgesetzgebung**: Massgebend ist nicht die Bundesverfassung selbst, sondern die konkretisierende Bundesgesetzgebung. Der Begriff «bezeichnet» umfasst sowohl die positive Umschreibung des Steuergegenstandes als auch die explizite Steuerbefreiung bestimmter Sachverhalte (**BGE 140 I 176** E. 8.2).\n\n**N. 8** **Erfasste Bundessteuern**: Die Aufzählung in Art. 134 BV ist abschliessend. Nicht erfasst sind namentlich die direkte Bundessteuer und andere Bundesabgaben. Bei den besonderen Verbrauchssteuern fallen darunter die Tabaksteuer, die Biersteuer, die Mineralölsteuer und die Automobilsteuer (Art. 131 BV).\n\n**N. 9** **Gleichartigkeit**: Dies ist das zentrale und umstrittenste Tatbestandsmerkmal. Das Bundesgericht legt den Begriff der Gleichartigkeit restriktiv aus und stellt primär auf die Ausgestaltung der Steuer ab. Die Rechtsprechung hat verschiedene Abgrenzungskriterien entwickelt:\n- Bemessungsgrundlage (Umsatz vs. Menge)\n- Erhebungstechnik\n- Steuersubjekt\n- Steuerobjekt im technischen Sinn\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Sind die Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt, ist es den Kantonen und Gemeinden **verboten**, gleichartige Steuern zu erheben. Das Verbot ist absolut und kennt keine Ausnahmen. Bestehende kantonale oder kommunale Steuern werden durch die Einführung einer gleichartigen Bundessteuer rechtswidrig und müssen aufgehoben werden.\n\n**N. 11** Das Verbot erfasst nur Steuern im eigentlichen Sinn, nicht aber Kausalabgaben wie Gebühren oder Vorzugslasten. Die Abgrenzung erfolgt nach den allgemeinen Kriterien: Steuern sind voraussetzungslos geschuldet und dienen der allgemeinen Staatsfinanzierung, während Kausalabgaben eine besondere Gegenleistung oder einen besonderen Vorteil abgelten (**BGE 140 I 176** E. 3.1).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Auslegung der Gleichartigkeit**: Die Lehre ist in der Beurteilung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gespalten:\n- **Biaggini** (BSK BV, Art. 134 N. 6) kritisiert die Praxis als «kantonsfreundlich» bzw. «mehr fiskus- als bürgerfreundlich», weil die Kumulation von Steuern bloss durch ein Nebeneinander ersetzt werde.\n- **Behnisch** (BSK BV, Art. 134 N. 7, 20) lehnt die Rechtsprechung ab, die auf finanzwissenschaftliche Kategorien statt auf rechtstechnische Kriterien abstelle. Er fordert, das Bundesgericht solle sich von seiner «viel zu restriktiven Haltung» lösen.\n- **Vallender** (StR 1997, 1 ff.) verteidigt demgegenüber die differenzierende Betrachtungsweise des Bundesgerichts als sachgerecht.\n\n**N. 13** **Zivilrechtliche vs. steuerrechtliche Betrachtungsweise**: Bei der Abgrenzung von Stempelabgaben besteht ein Methodenstreit. Das Bundesgericht hat sich für eine zivilrechtliche Betrachtungsweise ausgesprochen und eine Belastung mit beiden Steuern akzeptiert (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 29). Die Lehre ist hierzu geteilt:\n- **Beusch** (Kommentar StG, Art. 3 N. 15 ff.) befürwortet die zivilrechtliche Qualifikation\n- **Blumenstein/Locher** (System, S. 358) plädieren für eine wirtschaftliche Betrachtungsweise\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Prüfung einer kantonalen oder kommunalen Steuer auf ihre Vereinbarkeit mit Art. 134 BV ist wie folgt vorzugehen:\n1. Qualifikation der Abgabe als Steuer oder Kausalabgabe\n2. Prüfung, ob eine der in Art. 134 BV genannten Bundessteuern vorliegt\n3. Detailanalyse der technischen Ausgestaltung beider Steuern\n4. Vergleich nach den bundesgerichtlichen Kriterien\n\n**N. 15** Die Praxis zeigt, dass identische Steuerobjekte nicht zwingend zur Gleichartigkeit führen. Entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung. So hat das Bundesgericht etwa mengenabhängige kantonale Alkoholabgaben als zulässig erachtet, weil sie sich von der umsatzabhängigen Mehrwertsteuer unterscheiden (**Urteil 2P.316/2004** E. 3.2; **Urteil 9C_759/2023** E. 2.2).\n\n**N. 16** Für die kantonale Gesetzgebung empfiehlt sich eine vorgängige Analyse der technischen Ausgestaltung der relevanten Bundessteuern. Abweichungen in der Bemessungsgrundlage, der Erhebungstechnik oder dem Kreis der Steuerpflichtigen können die Zulässigkeit einer kantonalen Steuer begründen. Im Zweifel ist eine alternative Ausgestaltung als Kausalabgabe zu prüfen.", "caselaw_de": "# Art. 134 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Abgrenzung von gleichartigen Steuern\n\n**BGE 140 I 176** vom 27. März 2014 E. 8\nZweitwohnungssteuer der Gemeinde Silvaplana: Gleichartigkeit mit der ebenfalls erhobenen Liegenschaftensteuer wird verneint.\nDie Zweitwohnungssteuer unterscheidet sich von der allgemeinen Liegenschaftensteuer durch ihren spezifischen Lenkungscharakter und die beschränkte Steuerpflicht nur für unbewirtschaftete Zweitwohnungen.\n\n> «Es ist nicht willkürlich, die Gleichartigkeit von Zweitwohnungssteuer und der ebenfalls erhobenen Liegenschaftensteuer zu verneinen (E. 8). Die Zweitwohnungssteuer bewirkt keine unzulässige Einschränkung der Eigentumsgarantie (E. 9).»\n\n**Urteil 2P.316/2004** vom 31. Oktober 2005 E. 3.2\nThurgauische Abgabe auf gebrannten Wassern: Abgrenzung zur Mehrwertsteuer.\nMengenabhängige kantonale Abgabe verstösst nicht gegen Art. 134 BV, da sie sich grundlegend von der umsatzabhängigen Mehrwertsteuer unterscheidet.\n\n> «Die streitige Abgabe ist im Gegensatz zur Mehrwertsteuer mengen- und nicht umsatzabhängig, weil sie auf dem verkauften Volumen der gebrannten Wasser und nicht etwa auf dem dabei erzielten (frankenmässigen) Umsatz erhoben wird. Sie belastet nicht wie die Mehrwertsteuer die Wertschöpfung, sondern wird zwischen einem Abgabeminimum und -maximum nach der verkauften Menge bemessen.»\n\n**BGE 128 I 102** vom 30. Januar 2002 E. 5\nSolothurner gastgewerbliche Patentgebühr: Zulässigkeit nach Wegfall von Art. 31 Abs. 2 aBV.\nDie neue Bundesverfassung schliesst kantonale Gewerbesteuern nicht generell aus, solange sie nicht gleichartig zu Bundessteuern sind.\n\n> «Die Erhebung von Patentabgaben wird nicht allein dadurch ausgeschlossen, dass sich die neue Bundesverfassung nicht mehr explizit für die Zulässigkeit kantonaler Gewerbesteuern ausspricht, wie dies in Art. 31 Abs. 2 aBV noch der Fall war.»\n\n### Besondere Verbrauchssteuern\n\n**Urteil 2P.316/2004** vom 31. Oktober 2005 E. 4.2-4.6\nKantonale Alkoholabgaben: Fortführung der bisherigen Ordnung unter Art. 134 BV.\nArt. 134 BV führt die Regelung der Art. 32bis, 36ter, 41bis und 41ter aBV zusammengefasst fort, ohne die kantonale Besteuerung des Kleinhandels mit gebrannten Wassern weiter einzuschränken.\n\n> «Es bestehen keine Hinweise darauf, dass der Verfassungsgeber von 1999 die Besteuerung des Kleinhandels mit gebrannten Wassern innerhalb des Kantonsgebietes durch die Kantone (Art. 32bis Abs. 8 aBV) weiter einschränken wollte als durch die Vorgabe der nicht gleichartigen Ausgestaltung der kantonalen Steuer.»\n\n**Urteil 9C_759/2023** vom 18. Januar 2024 E. 2.2\nAargauische Alkoholabgabe: Online-Versandhandel und Abgabepflicht.\nKantone dürfen gestützt auf Art. 41a Abs. 6 AlkG periodische Patentabgaben für den Handel mit gebrannten Wassern erheben, auch bei Online-Versand.\n\n> «Die Bemessung einer jährlichen Abgabe nach der abgesetzten Menge lässt sich auf das Kriterium 'Bedeutung des Geschäftsbetriebs' (Art. 41a Abs. 6 AlkG) stützen. Eine gleichartige Steuer im Sinn von Art. 134 in Verbindung mit Art. 131 Abs. 1 lit. b BV liegt nicht vor.»\n\n### Historische Entwicklung und Grundsätze\n\n**BGE 86 I 97** vom 8. Juni 1960 E. 2\nFeuerwehrbeitrag Villeneuve: Doppelbesteuerungsverbot gilt nur für Steuern im eigentlichen Sinne.\nDas Doppelbesteuerungsverbot erfasst nicht Gebühren und Vorzugslasten, sondern nur echte Steuern.\n\n> «L'interdiction de la double imposition ne vise que les impôts au sens propre et non les émoluments ou les charges de préférence.»\n\n**BGE 122 I 213** vom 11. April 1996 E. 2c/2e\nGenfer «droit des pauvres»: Konkretisierung der Gleichartigkeit bei Verbrauchssteuern.\nKantonale Verbrauchssteuern sind zulässig, wenn sie nicht dem gleichen Belastungskonzept wie Bundessteuern folgen.\n\n> «Ihre gestützt auf Art. 3 BV erhobenen Verbrauchssteuern dürfen aber nicht gleichartig sein, das heisst, nicht dem gleichen Belastungskonzept folgen wie die bereits vom Bund erhobenen Verbrauchssteuern.»\n\n### Interkantonale Doppelbesteuerung\n\n**BGE 137 I 145** vom 21. Dezember 2010 E. 4\nGrundstückgewinnsteuer bei ausserkantonaler Liegenschaftenhändlerin: Abgrenzung zu Art. 134 BV.\nDas Verbot gleichartiger Steuern in Art. 134 BV bezieht sich nur auf das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen, nicht auf interkantonale Verhältnisse.\n\n> «Die Erfassung von Gewinnen von Liegenschaftenhändlern mit der Grundstückgewinnsteuer verstösst nicht gegen Doppelbesteuerungsverbote, soweit die entsprechenden kantonalen Bestimmungen mit dem übergeordneten Recht vereinbar sind.»", "summary_fr": "# Art. 134 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 134 Cst. empêche les cantons et les communes de percevoir le même type d'impôts que la Confédération. L'interdiction de similitude (interdiction d'impôts similaires) vaut pour quatre impôts fédéraux : la taxe sur la valeur ajoutée, les impôts spéciaux sur la consommation, le droit de timbre et l'impôt anticipé.\n\nLa norme protège les contribuables contre une double charge par la Confédération et les cantons pour le même type d'impôt. Lorsque la législation fédérale désigne un objet d'imposition ou le déclare exempt d'impôt, les cantons et les communes ne peuvent pas prélever d'impôt similaire sur celui-ci. L'interdiction est absolue et ne connaît aucune exception.\n\n**Similaires** sont les impôts selon le Tribunal fédéral seulement en cas d'aménagement technique largement identique (**ATF 140 I 176** consid. 8). Sont déterminants l'assiette fiscale, la technique de perception et le sujet fiscal. Le Tribunal fédéral interprète restrictivement la notion - déjà de petites différences techniques peuvent justifier l'admissibilité d'un impôt cantonal.\n\n**Exemple de la pratique** : Une commune thurgovienne voulait prélever une redevance dépendante de la quantité sur les spiritueux. Le Tribunal fédéral l'a autorisé, parce que la redevance se distinguait fondamentalement de la taxe sur la valeur ajoutée dépendante du chiffre d'affaires - malgré un objet d'imposition identique (eaux-de-vie). L'impôt cantonal grevait la quantité vendue, la taxe sur la valeur ajoutée en revanche la valeur ajoutée (**arrêt 2P.316/2004** consid. 3.2).\n\nL'interdiction ne saisit que les impôts au sens propre, non les redevances causales comme les émoluments ou les charges préférentielles (**ATF 86 I 97** consid. 2). Les cantons peuvent donc continuer à prélever des émoluments pour des prestations étatiques concrètes, même si la Confédération impose des objets similaires.\n\nDans la pratique juridique, des problèmes naissent surtout lors de la délimitation entre impôts et redevances causales ainsi que lors de l'appréciation des différences techniques entre redevances fédérales et cantonales. La doctrine critique en partie l'interprétation restrictive du Tribunal fédéral comme trop « favorable aux cantons » (Biaggini, BSK BV, art. 134 ch. 6).", "doctrine_fr": "# Art. 134 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**N. 1** L'art. 134 Cst. rassemble les dispositions d'harmonisation qui étaient dispersées dans diverses normes sous l'ancienne Constitution fédérale (art. 32bis al. 5, art. 36ter, art. 41bis al. 2 et art. 41ter al. 2 ancCst.). Selon le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 relatif à la nouvelle Constitution fédérale, la norme vise une « mise à jour formelle » de la situation juridique existante (FF 1997 I 409). Le constituant n'avait pas l'intention de modifier matériellement l'ordre fiscal établi entre la Confédération et les cantons.\n\n**N. 2** La disposition trouve historiquement ses racines dans l'extension progressive des compétences fédérales en matière fiscale. Alors que les cantons disposaient à l'origine d'une souveraineté fiscale étendue, les besoins de financement de la Confédération ont conduit à l'introduction successive d'impôts fédéraux. À chaque nouvelle loi fiscale fédérale se posait la question de la délimitation par rapport aux prélèvements cantonaux, afin d'éviter une charge excessive des contribuables (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 1).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 134 Cst. figure dans le titre troisième (Confédération, cantons et communes), troisième section (Régime financier) de la Constitution fédérale. La norme complète les compétences fiscales de la Confédération (art. 128-133 Cst.) par une norme de compétence négative en faveur des cantons et communes. Elle concrétise le principe fédéraliste ancré à l'art. 3 Cst. dans le domaine fiscal.\n\n**N. 4** La disposition est étroitement liée à :\n→ Art. 127 al. 2 Cst. (principes de l'imposition)\n→ Art. 128-133 Cst. (impôts fédéraux particuliers)\n→ Art. 3 Cst. (subsidiarité des compétences fédérales)\n↔ Art. 127 al. 3 Cst. (interdiction de la double imposition intercantonale)\n\n**N. 5** L'exigence d'harmonisation établie à l'art. 134 Cst. se distingue de l'interdiction de la double imposition intercantonale (art. 127 al. 3 Cst.). Alors que l'art. 134 Cst. règle le rapport vertical entre la Confédération d'une part et les cantons/communes d'autre part, l'art. 127 al. 3 Cst. couvre le niveau horizontal entre les cantons (→ Art. 127 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 6** Les faits constitutifs de l'art. 134 Cst. présupposent trois éléments :\n1. La législation fédérale doit désigner un objet d'impôt\n2. Il doit s'agir de la taxe sur la valeur ajoutée, d'impôts de consommation spéciaux, du droit de timbre ou de l'impôt anticipé\n3. L'impôt cantonal ou communal doit être « de même nature »\n\n**N. 7** **Désignation par la législation fédérale** : Ce qui fait foi n'est pas la Constitution fédérale elle-même, mais la législation fédérale de concrétisation. Le terme « désigne » englobe tant la définition positive de l'objet d'impôt que l'exonération fiscale explicite de certains faits (**ATF 140 I 176** c. 8.2).\n\n**N. 8** **Impôts fédéraux visés** : L'énumération de l'art. 134 Cst. est exhaustive. Ne sont notamment pas visés l'impôt fédéral direct et les autres prélèvements fédéraux. Parmi les impôts de consommation spéciaux figurent l'impôt sur le tabac, l'impôt sur la bière, l'impôt sur les huiles minérales et l'impôt sur les automobiles (art. 131 Cst.).\n\n**N. 9** **Nature identique** : Il s'agit de l'élément constitutif central et le plus controversé. Le Tribunal fédéral interprète restrictivement la notion de nature identique et se fonde principalement sur l'aménagement de l'impôt. La jurisprudence a développé différents critères de délimitation :\n- Base de calcul (chiffre d'affaires vs. quantité)\n- Technique de prélèvement\n- Sujet fiscal\n- Objet fiscal au sens technique\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** Si les conditions des faits constitutifs sont remplies, il est **interdit** aux cantons et communes de percevoir des impôts de même nature. L'interdiction est absolue et ne connaît aucune exception. Les impôts cantonaux ou communaux existants deviennent illégaux lors de l'introduction d'un impôt fédéral de même nature et doivent être abrogés.\n\n**N. 11** L'interdiction ne vise que les impôts au sens propre, mais pas les redevances causales comme les émoluments ou les charges préférentielles. La délimitation s'effectue selon les critères généraux : les impôts sont dus sans conditions préalables et servent au financement général de l'État, tandis que les redevances causales rémunèrent une prestation particulière ou un avantage particulier (**ATF 140 I 176** c. 3.1).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 12** **Interprétation de la nature identique** : La doctrine est divisée dans l'appréciation de la jurisprudence du Tribunal fédéral :\n- **Biaggini** (BSK BV, Art. 134 N. 6) critique la pratique comme « favorable aux cantons » resp. « plus favorable au fisc qu'aux citoyens », car la cumulation d'impôts est simplement remplacée par une juxtaposition.\n- **Behnisch** (BSK BV, Art. 134 N. 7, 20) rejette la jurisprudence qui se fonde sur des catégories de science financière au lieu de critères technico-juridiques. Il exige que le Tribunal fédéral se détache de son « attitude beaucoup trop restrictive ».\n- **Vallender** (StR 1997, 1 ss) défend en revanche l'approche différenciée du Tribunal fédéral comme appropriée.\n\n**N. 13** **Approche de droit civil vs. approche de droit fiscal** : Il existe un conflit méthodologique pour la délimitation des droits de timbre. Le Tribunal fédéral s'est prononcé pour une approche de droit civil et a accepté une charge par les deux impôts (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 29). La doctrine est partagée à ce sujet :\n- **Beusch** (Commentaire LT, Art. 3 N. 15 ss) prône la qualification de droit civil\n- **Blumenstein/Locher** (Système, p. 358) plaident pour une approche économique\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de l'examen de la compatibilité d'un impôt cantonal ou communal avec l'art. 134 Cst., il faut procéder comme suit :\n1. Qualification du prélèvement comme impôt ou redevance causale\n2. Vérification de l'existence de l'un des impôts fédéraux mentionnés à l'art. 134 Cst.\n3. Analyse détaillée de l'aménagement technique des deux impôts\n4. Comparaison selon les critères du Tribunal fédéral\n\n**N. 15** La pratique montre que des objets fiscaux identiques ne conduisent pas nécessairement à la nature identique. L'aménagement concret est déterminant. Ainsi le Tribunal fédéral a par exemple considéré comme licites des prélèvements cantonaux sur l'alcool dépendant de la quantité, parce qu'ils se distinguent de la taxe sur la valeur ajoutée dépendant du chiffre d'affaires (**Arrêt 2P.316/2004** c. 3.2 ; **Arrêt 9C_759/2023** c. 2.2).\n\n**N. 16** Pour la législation cantonale, une analyse préalable de l'aménagement technique des impôts fédéraux pertinents est recommandée. Des divergences dans la base de calcul, la technique de prélèvement ou le cercle des contribuables peuvent justifier la licéité d'un impôt cantonal. En cas de doute, un aménagement alternatif comme redevance causale doit être examiné.", "caselaw_fr": "# Art. 134 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Délimitation d'impôts similaires\n\n**ATF 140 I 176** du 27 mars 2014 c. 8\nTaxe sur les résidences secondaires de la commune de Silvaplana : le caractère similaire avec l'impôt immobilier également perçu est nié.\nLa taxe sur les résidences secondaires se distingue de l'impôt immobilier général par son caractère incitatif spécifique et l'assujettissement limité aux seules résidences secondaires non exploitées.\n\n> « Il n'est pas arbitraire de nier le caractère similaire de la taxe sur les résidences secondaires et de l'impôt immobilier également perçu (c. 8). La taxe sur les résidences secondaires n'entraîne pas de restriction inadmissible de la garantie de la propriété (c. 9). »\n\n**Arrêt 2P.316/2004** du 31 octobre 2005 c. 3.2\nRedevance thurgovienne sur les spiritueux : délimitation par rapport à la taxe sur la valeur ajoutée.\nUne redevance cantonale dépendant de la quantité ne viole pas l'art. 134 Cst., car elle se distingue fondamentalement de la taxe sur la valeur ajoutée dépendant du chiffre d'affaires.\n\n> « La redevance litigieuse est, contrairement à la taxe sur la valeur ajoutée, dépendante de la quantité et non du chiffre d'affaires, car elle est perçue sur le volume vendu de spiritueux et non sur le chiffre d'affaires (en francs) réalisé. Elle ne grève pas la valeur ajoutée comme la taxe sur la valeur ajoutée, mais est calculée entre un minimum et un maximum de redevance selon la quantité vendue. »\n\n**ATF 128 I 102** du 30 janvier 2002 c. 5\nTaxe de patente hôtelière soleuroise : admissibilité après la suppression de l'art. 31 al. 2 aCst.\nLa nouvelle Constitution fédérale n'exclut pas généralement les impôts cantonaux sur les entreprises, tant qu'ils ne sont pas similaires aux impôts fédéraux.\n\n> « La perception de redevances de patente n'est pas exclue par le seul fait que la nouvelle Constitution fédérale ne prévoit plus explicitement l'admissibilité des impôts cantonaux sur les entreprises, comme c'était encore le cas à l'art. 31 al. 2 aCst. »\n\n### Impôts de consommation particuliers\n\n**Arrêt 2P.316/2004** du 31 octobre 2005 c. 4.2-4.6\nRedevances cantonales sur l'alcool : poursuite du régime antérieur sous l'art. 134 Cst.\nL'art. 134 Cst. reprend de manière synthétique la réglementation des art. 32bis, 36ter, 41bis et 41ter aCst., sans restreindre davantage l'imposition cantonale du commerce de détail de spiritueux.\n\n> « Rien n'indique que le constituant de 1999 voulait restreindre davantage l'imposition du commerce de détail de spiritueux sur le territoire cantonal par les cantons (art. 32bis al. 8 aCst.) que par l'exigence d'une conception non similaire de l'impôt cantonal. »\n\n**Arrêt 9C_759/2023** du 18 janvier 2024 c. 2.2\nRedevance argovienne sur l'alcool : commerce en ligne et assujettissement.\nLes cantons peuvent percevoir des redevances de patente périodiques pour le commerce de spiritueux en vertu de l'art. 41a al. 6 LAlc, même en cas de vente par correspondance en ligne.\n\n> « Le calcul d'une redevance annuelle selon la quantité écoulée peut se fonder sur le critère de « l'importance de l'exploitation » (art. 41a al. 6 LAlc). Il n'y a pas d'impôt similaire au sens de l'art. 134 en relation avec l'art. 131 al. 1 let. b Cst. »\n\n### Développement historique et principes\n\n**ATF 86 I 97** du 8 juin 1960 c. 2\nContribution aux pompiers Villeneuve : l'interdiction de la double imposition ne vaut que pour les impôts au sens propre.\nL'interdiction de la double imposition ne concerne pas les émoluments et charges de préférence, mais seulement les véritables impôts.\n\n> « L'interdiction de la double imposition ne vise que les impôts au sens propre et non les émoluments ou les charges de préférence. »\n\n**ATF 122 I 213** du 11 avril 1996 c. 2c/2e\n« Droit des pauvres » genevois : concrétisation du caractère similaire pour les impôts de consommation.\nLes impôts cantonaux de consommation sont admissibles s'ils ne suivent pas le même concept d'imposition que les impôts fédéraux.\n\n> « Leurs impôts de consommation perçus en vertu de l'art. 3 Cst. ne doivent toutefois pas être similaires, c'est-à-dire ne pas suivre le même concept d'imposition que les impôts de consommation déjà perçus par la Confédération. »\n\n### Double imposition intercantonale\n\n**ATF 137 I 145** du 21 décembre 2010 c. 4\nImpôt sur les gains immobiliers d'une marchande de biens-fonds extracantonale : délimitation par rapport à l'art. 134 Cst.\nL'interdiction d'impôts similaires de l'art. 134 Cst. ne concerne que les rapports entre la Confédération et les cantons, non les rapports intercantonaux.\n\n> « La saisie de gains de marchands de biens-fonds par l'impôt sur les gains immobiliers ne viole pas les interdictions de double imposition, dans la mesure où les dispositions cantonales correspondantes sont compatibles avec le droit supérieur. »", "summary_it": "# Art. 134 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 134 Cost. impedisce a Cantoni e Comuni di riscuotere lo stesso tipo di imposte della Confederazione. Il divieto di similitudine (divieto di imposte analoghe) vale per quattro imposte federali: imposta sul valore aggiunto, imposte speciali di consumo, imposta di bollo e imposta preventiva.\n\nLa norma protegge i contribuenti da una doppia imposizione da parte della Confederazione e dei Cantoni per lo stesso tipo di imposta. Quando la legislazione federale designa un oggetto d'imposta o lo dichiara esente da imposta, Cantoni e Comuni non possono riscuotere un'imposta analoga su di esso. Il divieto è assoluto e non ammette eccezioni.\n\n**Analoghe** sono le imposte secondo il Tribunale federale solo in caso di configurazione tecnica largamente identica (**DTF 140 I 176** consid. 8). Decisivi sono la base di calcolo, la tecnica di riscossione e il soggetto passivo. Il Tribunale federale interpreta il concetto in modo restrittivo - già piccole differenze tecniche possono giustificare l'ammissibilità di un'imposta cantonale.\n\n**Esempio dalla prassi**: Un Comune turgoviese voleva riscuotere una tassa commisurata alla quantità sui liquori. Il Tribunale federale lo ha permesso, perché la tassa si distingueva fondamentalmente dall'imposta sul valore aggiunto commisurata al fatturato - nonostante l'identico oggetto d'imposta (acquaviti). L'imposta cantonale gravava la quantità venduta, l'imposta sul valore aggiunto invece il valore aggiunto (**sentenza 2P.316/2004** consid. 3.2).\n\nIl divieto riguarda solo le imposte in senso proprio, non le tasse causali come tasse o oneri preferenziali (**DTF 86 I 97** consid. 2). I Cantoni possono quindi continuare a riscuotere tasse per prestazioni statali concrete, anche se la Confederazione tassa oggetti simili.\n\nNella prassi giuridica sorgono problemi soprattutto nella delimitazione tra imposte e tasse causali nonché nella valutazione di differenze tecniche tra tributi federali e cantonali. La dottrina critica l'interpretazione restrittiva del Tribunale federale in parte come troppo \"favorevole ai Cantoni\" (Biaggini, BSK BV, Art. 134 n. 6).", "doctrine_it": "# Art. 134 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 134 Cost. riunisce le disposizioni di armonizzazione che, sotto la vecchia Costituzione federale, erano sparse in diverse norme (art. 32bis cpv. 5, art. 36ter, art. 41bis cpv. 2 e art. 41ter cpv. 2 aCostituzione federale). Secondo il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 sulla nuova Costituzione federale, la norma si prefigge un «aggiornamento formale» della situazione giuridica esistente (FF 1997 I 389). Il costituente non intendeva modificare materialmente l'ordinamento fiscale stabilito tra Confederazione e Cantoni.\n\n**N. 2** La disposizione ha radici storiche nell'ampliamento graduale delle competenze della Confederazione in materia fiscale. Mentre i Cantoni disponevano originariamente di una sovranità fiscale completa, il fabbisogno di finanziamento della Confederazione portò all'introduzione successiva di imposte federali. Con ogni nuova legge fiscale federale si poneva la questione della delimitazione rispetto ai tributi cantonali, per evitare un carico eccessivo sui contribuenti (Behnisch, BSK Cost., art. 134 n. 1).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 134 Cost. si trova nel terzo titolo (Confederazione, Cantoni e Comuni), terza sezione (Ordinamento finanziario) della Costituzione federale. La norma completa le competenze fiscali della Confederazione (art. 128-133 Cost.) attraverso una norma di competenza negativa a favore dei Cantoni e dei Comuni. Essa concretizza il principio federalista ancorato nell'art. 3 Cost. nel settore fiscale.\n\n**N. 4** La disposizione è in stretto rapporto con:\n→ art. 127 cpv. 2 Cost. (principi della tassazione)\n→ art. 128-133 Cost. (singole imposte federali)\n→ art. 3 Cost. (sussidiarietà delle competenze federali)\n↔ art. 127 cpv. 3 Cost. (divieto della doppia imposizione intercantonale)\n\n**N. 5** Il precetto di armonizzazione statuito nell'art. 134 Cost. si distingue dal divieto della doppia imposizione intercantonale (art. 127 cpv. 3 Cost.). Mentre l'art. 134 Cost. disciplina il rapporto verticale tra la Confederazione da un lato e i Cantoni/Comuni dall'altro, l'art. 127 cpv. 3 Cost. riguarda il piano orizzontale tra i Cantoni (→ art. 127 Cost.).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** La fattispecie dell'art. 134 Cost. presuppone tre elementi:\n1. La legislazione federale deve designare un oggetto d'imposta\n2. Deve trattarsi dell'imposta sul valore aggiunto, di imposte speciali di consumo, dell'imposta di bollo o dell'imposta preventiva\n3. L'imposta cantonale o comunale deve essere «dello stesso genere»\n\n**N. 7** **Designazione da parte della legislazione federale**: Determinante non è la Costituzione federale stessa, bensì la legislazione federale concretizzante. Il concetto di «designa» comprende sia la descrizione positiva dell'oggetto d'imposta sia l'esenzione fiscale esplicita di determinate fattispecie (**DTF 140 I 176** consid. 8.2).\n\n**N. 8** **Imposte federali contemplate**: L'enumerazione nell'art. 134 Cost. è esaustiva. Non sono contemplate segnatamente l'imposta federale diretta e altri tributi federali. Tra le imposte speciali di consumo rientrano l'imposta sul tabacco, l'imposta sulla birra, l'imposta sugli oli minerali e l'imposta sugli autoveicoli (art. 131 Cost.).\n\n**N. 9** **Stesso genere**: Questo è l'elemento della fattispecie centrale e più controverso. Il Tribunale federale interpreta restrittivamente il concetto di stesso genere e si basa principalmente sulla struttura dell'imposta. La giurisprudenza ha sviluppato diversi criteri di delimitazione:\n- Base di calcolo (cifra d'affari vs. quantità)\n- Tecnica di riscossione\n- Soggetto d'imposta\n- Oggetto d'imposta in senso tecnico\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** Se i presupposti della fattispecie sono adempiuti, è **vietato** ai Cantoni e ai Comuni di riscuotere imposte dello stesso genere. Il divieto è assoluto e non conosce eccezioni. Le imposte cantonali o comunali esistenti diventano illegittime con l'introduzione di un'imposta federale dello stesso genere e devono essere abrogate.\n\n**N. 11** Il divieto contempla soltanto le imposte in senso proprio, ma non i tributi causali come le tasse o gli oneri di preferenza. La delimitazione avviene secondo i criteri generali: le imposte sono dovute senza presupposti e servono al finanziamento generale dello Stato, mentre i tributi causali compensano una controprestazione particolare o un vantaggio particolare (**DTF 140 I 176** consid. 3.1).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 12** **Interpretazione del «stesso genere»**: La dottrina è divisa nella valutazione della giurisprudenza del Tribunale federale:\n- **Biaggini** (BSK Cost., art. 134 n. 6) critica la prassi come «favorevole ai Cantoni» resp. «più favorevole al fisco che ai cittadini», poiché il cumulo di imposte viene sostituito soltanto da una giustapposizione.\n- **Behnisch** (BSK Cost., art. 134 n. 7, 20) respinge la giurisprudenza che si basa su categorie di scienza finanziaria invece che su criteri giuridico-tecnici. Egli esige che il Tribunale federale si discosti dal suo «atteggiamento troppo restrittivo».\n- **Vallender** (StR 1997, 1 ss.) difende invece la considerazione differenziante del Tribunale federale come adeguata alla cosa.\n\n**N. 13** **Considerazione civilistica vs. considerazione tributaria**: Nella delimitazione delle tasse di bollo esiste una controversia metodologica. Il Tribunale federale si è pronunciato per una considerazione civilistica e ha accettato un carico con entrambe le imposte (Behnisch, BSK Cost., art. 134 n. 29). La dottrina è divisa al riguardo:\n- **Beusch** (Commentario LT, art. 3 n. 15 ss.) favorisce la qualificazione civilistica\n- **Blumenstein/Locher** (System, p. 358) propugnano una considerazione economica\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Per l'esame della compatibilità di un'imposta cantonale o comunale con l'art. 134 Cost. si deve procedere come segue:\n1. Qualificazione del tributo come imposta o tributo causale\n2. Verifica se è presente una delle imposte federali menzionate nell'art. 134 Cost.\n3. Analisi dettagliata della struttura tecnica di entrambe le imposte\n4. Confronto secondo i criteri del Tribunale federale\n\n**N. 15** La prassi mostra che oggetti d'imposta identici non portano forzatamente al «stesso genere». Decisiva è la struttura concreta. Così il Tribunale federale ha ad esempio ritenuto ammissibili i tributi cantonali sull'alcol dipendenti dalla quantità, perché si distinguono dall'imposta sul valore aggiunto dipendente dalla cifra d'affari (**sentenza 2P.316/2004** consid. 3.2; **sentenza 9C_759/2023** consid. 2.2).\n\n**N. 16** Per la legislazione cantonale si raccomanda un'analisi preventiva della struttura tecnica delle imposte federali rilevanti. Divergenze nella base di calcolo, nella tecnica di riscossione o nella cerchia dei contribuenti possono fondare l'ammissibilità di un'imposta cantonale. Nel dubbio è da esaminare una struttura alternativa come tributo causale.", "caselaw_it": "# Art. 134 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Delimitazione di imposte similari\n\n**DTF 140 I 176** del 27 marzo 2014 consid. 8\nImposta sulle seconde abitazioni del Comune di Silvaplana: si nega la similarità con l'imposta fondiaria pure riscossa.\nL'imposta sulle seconde abitazioni si distingue dall'imposta fondiaria generale per il suo carattere specifico di orientamento e l'assoggettamento limitato alle sole seconde abitazioni non affittate.\n\n> «Non è arbitrario negare la similarità dell'imposta sulle seconde abitazioni e l'imposta fondiaria pure riscossa (consid. 8). L'imposta sulle seconde abitazioni non comporta una limitazione inammissibile della garanzia della proprietà (consid. 9).»\n\n**Sentenza 2P.316/2004** del 31 ottobre 2005 consid. 3.2\nTributo ticinese sulle acquaviti: delimitazione rispetto all'imposta sul valore aggiunto.\nIl tributo cantonale dipendente dalla quantità non viola l'art. 134 Cost., in quanto si distingue fondamentalmente dall'imposta sul valore aggiunto dipendente dal fatturato.\n\n> «Il tributo controverso è, contrariamente all'imposta sul valore aggiunto, dipendente dalla quantità e non dal fatturato, poiché è riscosso sul volume venduto delle acquaviti e non sul fatturato (in franchi) ottenuto. Non grava come l'imposta sul valore aggiunto il valore aggiunto, ma è commisurata tra un minimo e un massimo di tributo secondo la quantità venduta.»\n\n**DTF 128 I 102** del 30 gennaio 2002 consid. 5\nTassa di patente solettese per l'industria alberghiera: ammissibilità dopo l'abrogazione dell'art. 31 cpv. 2 vCost.\nLa nuova Costituzione federale non esclude generalmente le imposte cantonali sui mestieri, purché non siano similari alle imposte federali.\n\n> «La riscossione di tasse di patente non è esclusa soltanto dal fatto che la nuova Costituzione federale non si esprime più esplicitamente sulla liceità delle imposte cantonali sui mestieri, come era ancora il caso nell'art. 31 cpv. 2 vCost.»\n\n### Imposte speciali sui consumi\n\n**Sentenza 2P.316/2004** del 31 ottobre 2005 consid. 4.2-4.6\nTributi cantonali sull'alcol: proseguimento dell'ordinamento precedente sotto l'art. 134 Cost.\nL'art. 134 Cost. prosegue in forma riassunta la regolamentazione degli art. 32bis, 36ter, 41bis e 41ter vCost., senza limitare ulteriormente la tassazione cantonale del commercio al dettaglio di acquaviti.\n\n> «Non esistono indicazioni che il costituente del 1999 volesse limitare ulteriormente la tassazione del commercio al dettaglio di acquaviti all'interno del territorio cantonale da parte dei Cantoni (art. 32bis cpv. 8 vCost.) oltre alla prescrizione della configurazione non similare dell'imposta cantonale.»\n\n**Sentenza 9C_759/2023** del 18 gennaio 2024 consid. 2.2\nTributo argoviese sull'alcol: commercio online per corrispondenza e obbligo di tributo.\nI Cantoni possono riscuotere, basandosi sull'art. 41a cpv. 6 LAIc, tasse di patente periodiche per il commercio di acquaviti, anche per la vendita online.\n\n> «La commisurazione di un tributo annuale secondo la quantità venduta può essere basata sul criterio 'importanza dell'attività commerciale' (art. 41a cpv. 6 LAIc). Non sussiste un'imposta similare nel senso dell'art. 134 in relazione all'art. 131 cpv. 1 lett. b Cost.»\n\n### Sviluppo storico e principi\n\n**DTF 86 I 97** dell'8 giugno 1960 consid. 2\nContributo per i pompieri di Villeneuve: il divieto di doppia imposizione vale solo per le imposte in senso proprio.\nIl divieto di doppia imposizione non comprende tasse ed oneri preferenziali, ma solo vere imposte.\n\n> «L'interdiction de la double imposition ne vise que les impôts au sens propre et non les émoluments ou les charges de préférence.»\n\n**DTF 122 I 213** dell'11 aprile 1996 consid. 2c/2e\n«Droit des pauvres» ginevrino: concretizzazione della similarità nelle imposte sui consumi.\nLe imposte cantonali sui consumi sono ammissibili se non seguono lo stesso concetto di imposizione delle imposte federali.\n\n> «Le loro imposte sui consumi riscosse in base all'art. 3 Cost. non possono però essere similari, vale a dire non seguire lo stesso concetto di imposizione delle imposte sui consumi già riscosse dalla Confederazione.»\n\n### Doppia imposizione intercantonale\n\n**DTF 137 I 145** del 21 dicembre 2010 consid. 4\nImposta sugli utili immobiliari per commerciante di beni immobili extracantonale: delimitazione rispetto all'art. 134 Cost.\nIl divieto di imposte similari nell'art. 134 Cost. si riferisce solo al rapporto tra Confederazione e Cantoni, non ai rapporti intercantonali.\n\n> «L'assoggettamento degli utili di commercianti di beni immobili all'imposta sugli utili immobiliari non viola divieti di doppia imposizione, nella misura in cui le corrispondenti disposizioni cantonali sono compatibili con il diritto superiore.»", "summary_en": "# Art. 134 BV\n\n## Overview\n\nArt. 134 BV prevents cantons and municipalities from levying the same type of taxes as the Confederation. The prohibition on similar taxes applies to four federal taxes: value added tax, special consumption taxes, stamp tax and withholding tax.\n\nThe provision protects taxpayers from double taxation by the Confederation and cantons for the same type of tax. Where federal legislation designates a tax object or declares it tax-exempt, cantons and municipalities may not levy a similar tax on it. The prohibition is absolute and admits no exceptions.\n\n**Similar** taxes according to the Federal Supreme Court exist only where there is largely identical technical design (**BGE 140 I 176** E. 8). The decisive factors are the assessment base, collection technique and tax subject. The Federal Supreme Court interprets the concept restrictively - even small technical differences can justify the permissibility of a cantonal tax.\n\n**Example from practice**: A Thurgau municipality wanted to levy a quantity-based charge on spirits. The Federal Supreme Court permitted this because the charge differed fundamentally from the turnover-based value added tax - despite identical tax object (distilled spirits). The cantonal tax burdened the quantity sold, whereas value added tax burdens value creation (**Judgment 2P.316/2004** E. 3.2).\n\nThe prohibition only covers taxes in the proper sense, not causal levies such as fees or preferential charges (**BGE 86 I 97** E. 2). Cantons can therefore continue to levy fees for specific state services, even where the Confederation taxes similar objects.\n\nIn legal practice, problems arise mainly in distinguishing between taxes and causal levies and in assessing technical differences between federal and cantonal levies. Legal doctrine partly criticises the Federal Supreme Court's restrictive interpretation as too \"canton-friendly\" (Biaggini, BSK BV, Art. 134 N. 6).", "doctrine_en": "# Art. 134 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** Art. 134 BV consolidates the harmonisation provisions that were scattered across various norms under the old federal constitution (Art. 32bis para. 5, Art. 36ter, Art. 41bis para. 2 and Art. 41ter para. 2 old FC). According to the Federal Council's message of 20 November 1996 on the new federal constitution, the norm aims at a «formal updating» of the existing legal situation (BBl 1997 I 389). The constitution-maker intended no material change to the established tax order between the Confederation and the cantons.\n\n**N. 2** The provision is historically rooted in the gradual expansion of federal competences in the tax area. While the cantons originally had comprehensive tax sovereignty, the Confederation's financing needs led to the successive introduction of federal taxes. With each new federal tax law, the question of delimitation from cantonal levies arose in order to avoid excessive burden on taxpayers (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 1).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 134 BV is found in the third title (Confederation, Cantons and Communes), third section (Financial Order) of the Federal Constitution. The norm supplements the Confederation's tax competences (Art. 128-133 BV) through a negative competence norm in favour of the cantons and communes. It concretises the federalist principle enshrined in Art. 3 BV in the tax area.\n\n**N. 4** The provision is closely connected with:\n→ Art. 127 para. 2 BV (principles of taxation)\n→ Art. 128-133 BV (individual federal taxes)\n→ Art. 3 BV (subsidiarity of federal competences)\n↔ Art. 127 para. 3 BV (prohibition of intercantonal double taxation)\n\n**N. 5** The harmonisation requirement stipulated in Art. 134 BV differs from the prohibition of intercantonal double taxation (Art. 127 para. 3 BV). While Art. 134 BV regulates the vertical relationship between the Confederation on one hand and cantons/communes on the other, Art. 127 para. 3 BV covers the horizontal level between the cantons (→ Art. 127 BV).\n\n### 3. Elements of the Offence / Norm Content\n\n**N. 6** The elements of Art. 134 BV require three components:\n1. Federal legislation must designate a tax object\n2. It must concern value added tax, special consumption taxes, stamp tax or withholding tax\n3. The cantonal or municipal tax must be «of the same type»\n\n**N. 7** **Designation by federal legislation**: What matters is not the Federal Constitution itself, but the concretising federal legislation. The term «designates» encompasses both the positive description of the tax object and the explicit tax exemption of certain circumstances (**BGE 140 I 176** E. 8.2).\n\n**N. 8** **Federal taxes covered**: The enumeration in Art. 134 BV is exhaustive. Notably not covered are direct federal tax and other federal levies. Among the special consumption taxes fall tobacco tax, beer tax, mineral oil tax and automobile tax (Art. 131 BV).\n\n**N. 9** **Same type**: This is the central and most disputed element of the offence. The Federal Court interprets the concept of same type restrictively and focuses primarily on the design of the tax. Case law has developed various delimitation criteria:\n- Assessment basis (turnover vs. quantity)\n- Collection technique\n- Tax subject\n- Tax object in the technical sense\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** If the elements are fulfilled, cantons and communes are **prohibited** from levying taxes of the same type. The prohibition is absolute and knows no exceptions. Existing cantonal or municipal taxes become unlawful upon the introduction of a federal tax of the same type and must be repealed.\n\n**N. 11** The prohibition only covers taxes in the proper sense, not causal levies such as fees or preferential burdens. The delimitation follows general criteria: taxes are owed without preconditions and serve general state financing, while causal levies compensate for a special counter-performance or special advantage (**BGE 140 I 176** E. 3.1).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 12** **Interpretation of same type**: Academic opinion is split in its assessment of Federal Court case law:\n- **Biaggini** (BSK BV, Art. 134 N. 6) criticises the practice as «canton-friendly» or «more treasury- than citizen-friendly», because the cumulation of taxes is merely replaced by coexistence.\n- **Behnisch** (BSK BV, Art. 134 N. 7, 20) rejects the case law that focuses on financial science categories rather than legal-technical criteria. He demands that the Federal Court should abandon its «far too restrictive stance».\n- **Vallender** (StR 1997, 1 ff.) defends the Federal Court's differentiating approach as appropriate.\n\n**N. 13** **Civil law vs. tax law approach**: There is a methodological dispute regarding the delimitation of stamp duties. The Federal Court has opted for a civil law approach and accepted a burden with both taxes (Behnisch, BSK BV, Art. 134 N. 29). Academic opinion is divided on this:\n- **Beusch** (Commentary StG, Art. 3 N. 15 ff.) supports civil law qualification\n- **Blumenstein/Locher** (System, p. 358) advocate for an economic approach\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 14** When examining a cantonal or municipal tax for its compatibility with Art. 134 BV, the following procedure should be followed:\n1. Qualification of the levy as a tax or causal levy\n2. Examination of whether one of the federal taxes mentioned in Art. 134 BV exists\n3. Detailed analysis of the technical design of both taxes\n4. Comparison according to Federal Court criteria\n\n**N. 15** Practice shows that identical tax objects do not necessarily lead to same type. What matters is the concrete design. Thus the Federal Court has considered quantity-dependent cantonal alcohol levies as permissible because they differ from turnover-dependent value added tax (**Judgment 2P.316/2004** E. 3.2; **Judgment 9C_759/2023** E. 2.2).\n\n**N. 16** For cantonal legislation, a prior analysis of the technical design of the relevant federal taxes is recommended. Deviations in the assessment basis, collection technique or the circle of taxpayers can justify the permissibility of a cantonal tax. In case of doubt, an alternative design as a causal levy should be examined.", "caselaw_en": "# Art. 134 BV\n\n## Case Law\n\n### Distinction from Similar Taxes\n\n**BGE 140 I 176** of 27 March 2014 cons. 8\nSecond home tax of the municipality of Silvaplana: similarity to the property tax also levied is denied.\nThe second home tax differs from the general property tax through its specific steering character and the limited tax liability only for unmanaged second homes.\n\n> «It is not arbitrary to deny the similarity between the second home tax and the property tax also levied (cons. 8). The second home tax does not effect an inadmissible restriction of the guarantee of ownership (cons. 9).»\n\n**Judgment 2P.316/2004** of 31 October 2005 cons. 3.2\nThurgau levy on spirits: distinction from value added tax.\nQuantity-dependent cantonal levy does not violate Art. 134 BV, as it fundamentally differs from the turnover-dependent value added tax.\n\n> «The disputed levy, in contrast to value added tax, is quantity- and not turnover-dependent, because it is levied on the sold volume of spirits and not, for instance, on the (monetary) turnover achieved thereby. It does not burden value creation like value added tax, but is assessed according to the quantity sold between a levy minimum and maximum.»\n\n**BGE 128 I 102** of 30 January 2002 cons. 5\nSolothurn hospitality industry licence fee: admissibility after the abolition of Art. 31 para. 2 old BV.\nThe new Federal Constitution does not generally exclude cantonal trade taxes, as long as they are not similar to federal taxes.\n\n> «The levying of licence fees is not excluded solely because the new Federal Constitution no longer explicitly speaks in favour of the admissibility of cantonal trade taxes, as was still the case in Art. 31 para. 2 old BV.»\n\n### Special Excise Taxes\n\n**Judgment 2P.316/2004** of 31 October 2005 cons. 4.2-4.6\nCantonal alcohol levies: continuation of the previous order under Art. 134 BV.\nArt. 134 BV continues the consolidated regulation of Art. 32bis, 36ter, 41bis and 41ter old BV, without further restricting cantonal taxation of retail trade in spirits.\n\n> «There are no indications that the constitutional legislature of 1999 wanted to further restrict the taxation of retail trade in spirits within cantonal territory by the cantons (Art. 32bis para. 8 old BV) beyond the requirement for non-similar design of the cantonal tax.»\n\n**Judgment 9C_759/2023** of 18 January 2024 cons. 2.2\nAargau alcohol levy: online mail order and levy liability.\nCantons may levy periodic licence fees for trade in spirits based on Art. 41a para. 6 AlkG, including for online sales.\n\n> «The assessment of an annual levy according to the quantity sold can be based on the criterion 'significance of the business operation' (Art. 41a para. 6 AlkG). A similar tax within the meaning of Art. 134 in conjunction with Art. 131 para. 1 lit. b BV is not present.»\n\n### Historical Development and Principles\n\n**BGE 86 I 97** of 8 June 1960 cons. 2\nFire service contribution Villeneuve: prohibition of double taxation applies only to taxes in the proper sense.\nThe prohibition of double taxation does not cover fees and preferential charges, but only genuine taxes.\n\n> «L'interdiction de la double imposition ne vise que les impôts au sens propre et non les émoluments ou les charges de préférence.»\n\n**BGE 122 I 213** of 11 April 1996 cons. 2c/2e\nGeneva «droit des pauvres»: specification of similarity in excise taxes.\nCantonal excise taxes are admissible if they do not follow the same burden concept as federal taxes.\n\n> «However, their excise taxes levied based on Art. 3 BV may not be similar, that is, may not follow the same burden concept as the excise taxes already levied by the Confederation.»\n\n### Intercantonal Double Taxation\n\n**BGE 137 I 145** of 21 December 2010 cons. 4\nReal estate gains tax on out-of-canton property dealer: distinction from Art. 134 BV.\nThe prohibition of similar taxes in Art. 134 BV refers only to the relationship between the Confederation and the cantons, not to intercantonal relationships.\n\n> «The capture of gains from property dealers with the real estate gains tax does not violate prohibitions of double taxation, insofar as the corresponding cantonal provisions are compatible with superior law.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_134", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 135, "article_suffix": "", "title": "Finanz- und Lastenausgleich", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 135 BV - Finanz- und Lastenausgleich\n\n## Übersicht\n\nArt. 135 BV regelt den nationalen Finanz- und Lastenausgleich zwischen Bund und Kantonen sowie zwischen den Kantonen. Die Bestimmung trat 2008 mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) in Kraft und ersetzte das frühere System nach Art. 42 aBV (BBl 2002 2291; Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 1).\n\nDer Finanzausgleich verringert die Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit zwischen den Kantonen. Ressourcenschwache Kantone erhalten Ausgleichszahlungen, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können. Der Lastenausgleich kompensiert besondere Kosten durch geografische Lage (Berggebiete) oder hohe Soziallasten (Zentrumslasten) (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 19).\n\nDas System funktioniert als Mischfinanzierung: Ressourcenstarke Kantone zahlen mindestens zwei Drittel der Bundesleistungen. Der Bund trägt den Rest. Diese Aufteilung ermöglicht flexible Anpassungen (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 30).\n\nDie fünf Hauptziele sind: Verringerung der Kantonsunterschiede, Garantie minimaler Ressourcen für alle Kantone, Ausgleich von Sonderlasten, Förderung der interkantonalen Zusammenarbeit und Erhaltung des Steuerwettbewerbs. Diese Ziele stehen teilweise in Spannung zueinander (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 29; Biaggini, ZÖR 2002, 359–391).\n\nEin Beispiel: Uri erhält aufgrund geringer Steuerkraft und hoher geografischer Lasten Ausgleichszahlungen. Zürich zahlt aufgrund hoher Steuerkraft in den Ausgleich ein. Das System gewährleistet trotz unterschiedlicher Wirtschaftskraft vergleichbare öffentliche Dienstleistungen in allen Kantonen.\n\nDas Bundesgericht prüft Ausgleichsberechnungen nur bei Willkür oder Berechnungsfehlern (BGE 150 II 321 E. 4; Urteil 2C_874/2017). Die konkrete Ausgestaltung liegt beim Gesetzgeber, der das Finanzausgleichsgesetz (FiLaG) erlassen hat.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 135 BV wurde im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) geschaffen und trat am 1. Januar 2008 in Kraft. Die Bestimmung ersetzte die frühere Regelung in Art. 42 aBV, welche lediglich einen rudimentären Finanzausgleich vorsah (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 3).\n\n**N. 2** Das Reformprojekt NFA stellte die umfassendste Reform des schweizerischen Föderalismus seit der Gründung des Bundesstaates 1848 dar (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 4). Die Botschaft zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) vom 14. November 2001 (BBl 2002 2291) identifizierte als Hauptprobleme des alten Systems die mangelnde Transparenz, falsche Anreizstrukturen und die ungenügende Wirksamkeit des Ausgleichs.\n\n**N. 3** Die Konzeption der NFA als Totalrevision wurde in der Lehre kontrovers diskutiert. Biaggini kritisierte das Vorgehen von Bundesrat und Parlament mit guten Gründen, da die weitreichenden Änderungen das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen fundamental neu gestalteten (Biaggini, zit. in Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 6).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 135 BV steht im 3. Kapitel (Finanzordnung) des 5. Titels (Bundesbehörden) und bildet zusammen mit den Steuerharmonisierungsbestimmungen (Art. 128-130 BV) das verfassungsrechtliche Fundament der föderalen Finanzbeziehungen. Die Norm ist eng verknüpft mit den Grundsätzen der Aufgabenerfüllung (→ Art. 43a BV) und der Subsidiarität (→ Art. 5a BV).\n\n**N. 5** Die Bestimmung konkretisiert den Grundsatz der Bundestreue (Art. 44 BV) im Finanzbereich und verwirklicht das Solidaritätsprinzip zwischen den Gliedstaaten. Sie steht in systematischem Zusammenhang mit:\n- → Art. 48 BV (interkantonale Verträge)\n- → Art. 48a BV (Allgemeinverbindlicherklärung von interkantonalen Verträgen)\n- → Art. 50 Abs. 2 BV (Berücksichtigung der Gemeinden)\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Gesetzgebungsauftrag (Abs. 1):** Der Bund ist verpflichtet, Vorschriften über einen «angemessenen» Finanz- und Lastenausgleich zu erlassen. Der Begriff «angemessen» räumt dem Gesetzgeber einen erheblichen Gestaltungsspielraum ein, setzt aber auch verfassungsrechtliche Grenzen (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 13).\n\n**N. 7** **Finanzausgleich:** Umfasst die Umverteilung finanzieller Mittel zur Verringerung der Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit. Der Ressourcenausgleich bezweckt primär die Angleichung der Steuerkraft (→ BGE 93 I 437 E. 4).\n\n**N. 8** **Lastenausgleich:** Kompensiert übermässige finanzielle Belastungen aufgrund geografisch-topografischer (z.B. Berggebiete) oder soziodemografischer Faktoren (z.B. Zentrumslasten). Dies unterscheidet sich fundamental vom Ressourcenausgleich, der auf die Finanzkraft abstellt (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 19).\n\n**N. 9** **Zielsetzungen (Abs. 2):** Der nicht abschliessende Katalog («insbesondere») nennt fünf Hauptziele:\n- lit. a: Verringerung der Disparitäten (nicht vollständige Nivellierung)\n- lit. b: Gewährleistung minimaler Ressourcen (Existenzminimum für Kantone)\n- lit. c: Ausgleich struktureller Sonderlasten\n- lit. d: Förderung der Zusammenarbeit (↔ Art. 48a BV)\n- lit. e: Erhaltung des Steuerwettbewerbs\n\n**N. 10** Diese Ziele stehen teilweise in einem Spannungsverhältnis zueinander. Insbesondere die Erhaltung des Steuerwettbewerbs (lit. e) limitiert das Ausmass der möglichen Umverteilung (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 29).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 135 BV begründet keine unmittelbaren subjektiven Rechte der Kantone oder Gemeinden. Die Bestimmung ist nicht direkt anwendbar (self-executing), sondern bedarf der Konkretisierung durch die Bundesgesetzgebung, insbesondere das Finanz- und Lastenausgleichsgesetz (FiLaG, SR 613.2).\n\n**N. 12** **Finanzierung (Abs. 3):** Die Verfassung schreibt zwingend eine Mischfinanzierung vor:\n- Ressourcenstarke Kantone: mindestens 2/3, höchstens 80% der Bundesleistungen\n- Bund: trägt den verbleibenden Anteil\nDiese Bandbreite ermöglicht eine flexible Anpassung an veränderte Verhältnisse.\n\n**N. 13** Der Gesetzgeber ist bei der Ausgestaltung an die verfassungsrechtlichen Grundprinzipien gebunden:\n- Rechtsgleichheit (→ Art. 8 BV)\n- Verhältnismässigkeit (→ Art. 5 Abs. 2 BV)\n- Willkürverbot (→ Art. 9 BV)\n\nDas Bundesgericht prüft die konkrete Ausgestaltung des Finanzausgleichs zurückhaltend, anerkennt aber verfassungsrechtliche Grenzen (→ BGE 150 II 321 E. 4).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Umfang der Umverteilung:** In der Lehre besteht Uneinigkeit über das verfassungsrechtlich gebotene Ausmass der Umverteilung. Während Frey/Spillmann für eine weitgehende Angleichung plädieren, betont Biaggini die Grenzen, die sich aus der Erhaltung des Steuerwettbewerbs ergeben (Frey/Spillmann, in: Der Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen, 1994, S. 1-40; Biaggini, ZÖR 2002, 359-391).\n\n**N. 15** **Berücksichtigung der Gemeinden:** Kontrovers ist, inwieweit Art. 135 BV i.V.m. Art. 50 Abs. 2 BV eine direkte Berücksichtigung der Gemeinden im nationalen Finanzausgleich verlangt. Die herrschende Lehre sieht die Kantone als primäre Adressaten, während Thalmann für eine stärkere Einbeziehung der Gemeindeebene plädiert (Thalmann, in: Hänni, Föderalismus, S. 56-117).\n\n**N. 16** **Härteausgleich:** Die zeitliche Befristung des Härteausgleichs ist umstritten. Während die Botschaft von einer schrittweisen Reduktion ausgeht (BBl 2002 2291, 2377), argumentiert ein Teil der Lehre, dass besondere Umstände eine Verlängerung rechtfertigen können (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 31-33).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei der Anwendung von Art. 135 BV und des FiLaG sind folgende Aspekte zu beachten:\n- Die jährlichen Berechnungen des Ressourcen- und Lastenausgleichs erfolgen aufgrund standardisierter Indikatoren\n- Anfechtungen der Ausgleichszahlungen sind nur bei Berechnungsfehlern oder Willkür erfolgversprechend (→ Urteil 2C_874/2017)\n- Kantonale Finanzausgleichssysteme müssen mit den Grundsätzen von Art. 135 BV kompatibel sein\n\n**N. 18** Die praktische Bedeutung zeigt sich insbesondere bei:\n- Steuergesetzrevisionen (Auswirkungen auf den Ressourcenindex)\n- Interkantonalen Vereinbarungen mit Lastenausgleich (Art. 48a BV)\n- Aufgabenverschiebungen zwischen föderalen Ebenen\n\n**N. 19** Für die kantonale Praxis relevant ist, dass Verzerrungen im NFA durch Doppelbesteuerungsfälle rechtlich unbeachtlich sind und keine Rechtfertigung für die Beibehaltung unrechtmässig erhobener Steuern darstellen (→ BGE 150 II 321 E. 4).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 135 BV ist aufgrund der vergleichsweise jungen Entstehung der Norm (in Kraft seit 1. Januar 2008) und der primär politisch-administrativen Umsetzung des Finanz- und Lastenausgleichs noch begrenzt. Die bisherigen Entscheide betreffen hauptsächlich Auswirkungen des nationalen Finanzausgleichs (NFA) auf andere Rechtsbereiche sowie grundsätzliche Aspekte des föderalen Finanzausgleichs.\n\n### Grundsätzliche Bedeutung und Auswirkungen des NFA\n\n**BGE 150 II 321 E. 4** (2. April 2024)\nDas Bundesgericht stellte fest, dass Verzerrungen im Nationalen Finanzausgleich durch interkantonale Doppelbesteuerungsfälle rechtlich unbeachtlich sind.\nDie Auswirkungen auf den NFA rechtfertigen nicht die Beibehaltung zu Unrecht erhobener Steuern im Doppelbesteuerungsverfahren.\n\n> «Verzerrungen im Nationalen Finanzausgleich (NFA), die durch Doppelbesteuerungsfälle hervorgerufen werden können, sind kein Grund dafür, einem Kanton im Doppelbesteuerungsverfahren vor Bundesgericht zu gestatten, zu Unrecht bezogene Steuern einzubehalten.»\n\n### Verhältnis zu kantonalen Finanzausgleichssystemen\n\n**BGE 144 I 193 E. 7.4.5** (18. April 2018)\nDas Bundesgericht prüfte im Kontext einer kantonalen Volksinitiative die Vereinbarkeit von Kürzungen im kantonalen Finanz- und Lastenausgleich mit der Gemeindeautonomie.\nDie Entscheidung zeigt die verfassungsrechtlichen Grenzen für finanzielle Sanktionsmechanismen gegenüber Gemeinden auf.\n\n> «Die vorgesehenen Leistungskürzungen wären somit sehr beträchtlich und der auf die Stadt Bern erzeugte Druck, den Kulturbetrieb einzustellen bzw. nicht weiter zu fördern, entsprechend gross. [...] Damit würde die der Stadt Bern gemäss dem kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht im Bereich der Kulturförderung zukommende Entscheidungsfreiheit in faktischer Hinsicht substanziell eingeschränkt.»\n\n### Umsetzung des verfassungsrechtlichen Auftrags\n\n**BGE 93 I 437 E. 4** (17. Mai 1967)\nBereits vor Inkrafttreten von Art. 135 BV definierte das Bundesgericht die grundsätzlichen Ziele eines verfassungskonformen Finanzausgleichs.\nDer Entscheid betraf zwar einen innerkantonalen Finanzausgleich, formulierte aber allgemeine Grundsätze.\n\n> «Ein kantonaler Finanzausgleich bezweckt in erster Linie, die erheblichen Unterschiede in der Steuerkraft der einzelnen Gemeinden auszugleichen und damit zu verhindern, dass sich die Steuerbelastung der Bürger je nach Wohngemeinde allzu stark unterscheidet.»\n\n**Urteil 2C_874/2017** (12. Dezember 2018)\nDas Bundesgericht bestätigte die Rechtmässigkeit der konkreten Ausgestaltung des nationalen Finanzausgleichs im Einzelfall.\nDer Entscheid betraf Berechnungsfragen im Rahmen des Finanzausgleichs 2016.\n\n### Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\nDie spärliche direkte Rechtsprechung zu Art. 135 BV zeigt, dass das Bundesgericht die Norm primär als Auftrag an den Gesetzgeber versteht. Die meisten verfassungsrechtlichen Fragen werden auf der Ebene der Ausführungsgesetzgebung (insbesondere Finanzausgleichsgesetz, FiLaG) und deren Anwendung entschieden. \n\nDie bisherigen Entscheide verdeutlichen, dass der Finanz- und Lastenausgleich als Instrument zur Gewährleistung der föderalen Balance verstanden wird, dessen konkrete Ausgestaltung einen erheblichen politischen Gestaltungsspielraum lässt, solange die verfassungsrechtlichen Grundprinzipien (insbesondere Rechtsgleichheit, Verhältnismässigkeit) gewahrt bleiben.", "summary_fr": "# Art. 135 Cst. - Péréquation financière et compensation des charges\n\n## Aperçu\n\nL'art. 135 Cst. régit la péréquation financière et la compensation des charges nationales entre la Confédération et les cantons ainsi qu'entre les cantons. Cette disposition est entrée en vigueur en 2008 avec la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches (RPT) et a remplacé l'ancien système de l'art. 42 aCst. (FF 2002 2155 ; Hänni, BSK BV, art. 135 n. 1).\n\nLa péréquation financière réduit les différences de capacité financière entre les cantons. Les cantons à faibles ressources reçoivent des paiements péréquatifs afin qu'ils puissent accomplir leurs tâches. La compensation des charges compense les coûts particuliers dus à la situation géographique (régions de montagne) ou aux charges sociales élevées (charges des centres) (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 19).\n\nLe système fonctionne comme un financement mixte : les cantons à fortes ressources paient au moins deux tiers des prestations fédérales. La Confédération assume le reste. Cette répartition permet des adaptations flexibles (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 30).\n\nLes cinq objectifs principaux sont : la réduction des différences entre cantons, la garantie de ressources minimales pour tous les cantons, la compensation des charges particulières, la promotion de la coopération intercantonale et le maintien de la concurrence fiscale. Ces objectifs sont parfois en tension les uns avec les autres (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 29 ; Biaggini, ZÖR 2002, 359–391).\n\nUn exemple : Uri reçoit des paiements péréquatifs en raison de sa faible capacité fiscale et de charges géographiques élevées. Zurich paie dans la péréquation en raison de sa forte capacité fiscale. Le système garantit des services publics comparables dans tous les cantons malgré des forces économiques différentes.\n\nLe Tribunal fédéral ne vérifie les calculs de péréquation qu'en cas d'arbitraire ou d'erreurs de calcul (ATF 150 II 321 consid. 4 ; arrêt 2C_874/2017). L'aménagement concret relève du législateur, qui a adopté la loi sur la péréquation financière (LPER).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 135 Cst. a été créé dans le cadre de la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT) et est entré en vigueur le 1er janvier 2008. La disposition a remplacé l'ancien réglement de l'art. 42 aCst., qui ne prévoyait qu'une péréquation financière rudimentaire (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 3).\n\n**N. 2** Le projet de réforme RPT représentait la réforme la plus vaste du fédéralisme suisse depuis la fondation de l'État fédéral en 1848 (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 4). Le message sur la réforme de la péréquation financière et de la répartition des tâches entre la Confédération et les cantons (RPT) du 14 novembre 2001 (FF 2002 2155) identifiait comme principaux problèmes de l'ancien système le manque de transparence, les structures d'incitations erronées et l'efficacité insuffisante de la péréquation.\n\n**N. 3** La conception de la RPT comme révision totale a fait l'objet de discussions controversées dans la doctrine. Biaggini a critiqué avec de bons arguments l'approche du Conseil fédéral et du Parlement, car les modifications de grande portée restructuraient fondamentalement les rapports entre la Confédération et les cantons (Biaggini, cit. in Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 6).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 4** L'art. 135 Cst. se situe dans le 3e chapitre (Régime financier) du 5e titre (Autorités fédérales) et constitue, avec les dispositions sur l'harmonisation fiscale (art. 128-130 Cst.), le fondement constitutionnel des relations financières fédérales. La norme est étroitement liée aux principes de l'accomplissement des tâches (→ art. 43a Cst.) et de la subsidiarité (→ art. 5a Cst.).\n\n**N. 5** La disposition concrétise le principe de la fidélité fédérale (art. 44 Cst.) dans le domaine financier et réalise le principe de solidarité entre les États membres. Elle s'inscrit dans un rapport systématique avec :\n- → art. 48 Cst. (concordats)\n- → art. 48a Cst. (déclaration de force obligatoire générale des concordats)\n- → art. 50 al. 2 Cst. (prise en compte des communes)\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 6** **Mandat législatif (al. 1) :** La Confédération est tenue d'édicter des prescriptions sur une péréquation financière et des charges « appropriée ». Le terme « appropriée » accorde au législateur une marge de manœuvre considérable dans l'aménagement, mais fixe aussi des limites constitutionnelles (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 13).\n\n**N. 7** **Péréquation financière :** Comprend la redistribution de moyens financiers pour réduire les différences dans la capacité financière. La péréquation des ressources vise en premier lieu l'égalisation de la force fiscale (→ ATF 93 I 437 consid. 4).\n\n**N. 8** **Péréquation des charges :** Compense les charges financières excessives dues à des facteurs géographiques et topographiques (p. ex. régions de montagne) ou sociodémographiques (p. ex. charges de centre). Ceci se distingue fondamentalement de la péréquation des ressources, qui porte sur la capacité financière (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 19).\n\n**N. 9** **Objectifs (al. 2) :** Le catalogue non exhaustif (« notamment ») mentionne cinq objectifs principaux :\n- let. a : réduction des disparités (non pas nivellement complet)\n- let. b : garantie de ressources minimales (minimum vital pour les cantons)\n- let. c : compensation des charges structurelles particulières\n- let. d : encouragement de la collaboration (↔ art. 48a Cst.)\n- let. e : maintien de la concurrence fiscale\n\n**N. 10** Ces objectifs se trouvent partiellement en tension les uns avec les autres. En particulier, le maintien de la concurrence fiscale (let. e) limite l'ampleur de la redistribution possible (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 29).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 135 Cst. ne fonde aucun droit subjectif immédiat des cantons ou des communes. La disposition n'est pas directement applicable (self-executing), mais nécessite une concrétisation par la législation fédérale, notamment la loi sur la péréquation financière et la compensation des charges (PFCC, RS 613.2).\n\n**N. 12** **Financement (al. 3) :** La Constitution prescrit impérativement un financement mixte :\n- Cantons à fort potentiel de ressources : au moins 2/3, au plus 80% des prestations de la Confédération\n- Confédération : assume la part restante\nCette fourchette permet un ajustement flexible aux rapports modifiés.\n\n**N. 13** Le législateur est lié dans l'aménagement par les principes constitutionnels fondamentaux :\n- Égalité devant la loi (→ art. 8 Cst.)\n- Proportionnalité (→ art. 5 al. 2 Cst.)\n- Interdiction de l'arbitraire (→ art. 9 Cst.)\n\nLe Tribunal fédéral examine avec retenue l'aménagement concret de la péréquation financière, mais reconnaît des limites constitutionnelles (→ ATF 150 II 321 consid. 4).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Ampleur de la redistribution :** Dans la doctrine, il existe un désaccord sur l'ampleur de la redistribution requise par le droit constitutionnel. Alors que Frey/Spillmann plaident pour une égalisation de grande portée, Biaggini souligne les limites qui résultent du maintien de la concurrence fiscale (Frey/Spillmann, in: Der Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen, 1994, p. 1-40; Biaggini, ZÖR 2002, 359-391).\n\n**N. 15** **Prise en compte des communes :** Il est controversé de savoir dans quelle mesure l'art. 135 Cst. en liaison avec l'art. 50 al. 2 Cst. exige une prise en compte directe des communes dans la péréquation financière nationale. La doctrine dominante considère les cantons comme les destinataires primaires, tandis que Thalmann plaide pour une intégration renforcée du niveau communal (Thalmann, in: Hänni, Föderalismus, p. 56-117).\n\n**N. 16** **Compensation des cas de rigueur :** La limitation dans le temps de la compensation des cas de rigueur est controversée. Alors que le message part d'une réduction progressive (FF 2002 2155, 2241), une partie de la doctrine argumente que des circonstances particulières peuvent justifier une prolongation (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 31-33).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Lors de l'application de l'art. 135 Cst. et de la PFCC, les aspects suivants sont à observer :\n- Les calculs annuels de la péréquation des ressources et des charges s'effectuent sur la base d'indicateurs standardisés\n- Les contestations des versements de péréquation ne sont prometteuses qu'en cas d'erreurs de calcul ou d'arbitraire (→ arrêt 2C_874/2017)\n- Les systèmes cantonaux de péréquation financière doivent être compatibles avec les principes de l'art. 135 Cst.\n\n**N. 18** L'importance pratique se manifeste en particulier lors :\n- De révisions de lois fiscales (répercussions sur l'indice des ressources)\n- D'accords intercantonaux avec compensation des charges (art. 48a Cst.)\n- De transferts de tâches entre niveaux fédéraux\n\n**N. 19** Pour la pratique cantonale, il est pertinent que les distorsions dans la RPT dues à des cas de double imposition sont juridiquement sans effet et ne constituent aucune justification pour le maintien d'impôts perçus illégitimement (→ ATF 150 II 321 consid. 4).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral relative à l'art. 135 Cst. est encore limitée en raison de l'origine relativement récente de la norme (en vigueur depuis le 1er janvier 2008) et de la mise en œuvre principalement politico-administrative de la péréquation financière et de la compensation des charges. Les décisions rendues jusqu'à présent concernent principalement les effets de la péréquation financière nationale (RPT) sur d'autres domaines juridiques ainsi que les aspects fondamentaux de la péréquation financière fédérale.\n\n### Signification fondamentale et effets de la RPT\n\n**ATF 150 II 321 consid. 4** (2 avril 2024)\nLe Tribunal fédéral a constaté que les distorsions dans la péréquation financière nationale dues à des cas de double imposition intercantonale sont juridiquement sans pertinence.\nLes effets sur la RPT ne justifient pas le maintien d'impôts indûment perçus dans la procédure de double imposition.\n\n> « Les distorsions dans la péréquation financière nationale (RPT) qui peuvent être causées par des cas de double imposition ne constituent pas une raison de permettre à un canton, dans la procédure de double imposition devant le Tribunal fédéral, de retenir des impôts indûment perçus. »\n\n### Rapport avec les systèmes cantonaux de péréquation financière\n\n**ATF 144 I 193 consid. 7.4.5** (18 avril 2018)\nLe Tribunal fédéral a examiné dans le contexte d'une initiative populaire cantonale la compatibilité de réductions dans la péréquation financière et de compensation des charges cantonale avec l'autonomie communale.\nLa décision montre les limites constitutionnelles des mécanismes de sanctions financières à l'égard des communes.\n\n> « Les réductions de prestations prévues seraient donc très considérables et la pression exercée sur la Ville de Berne pour qu'elle cesse l'exploitation culturelle ou ne continue pas à la promouvoir serait correspondamment importante. [...] La liberté de décision qui revient à la Ville de Berne selon le droit constitutionnel et légal cantonal dans le domaine de la promotion culturelle serait ainsi substantiellement limitée de facto. »\n\n### Mise en œuvre du mandat constitutionnel\n\n**ATF 93 I 437 consid. 4** (17 mai 1967)\nDéjà avant l'entrée en vigueur de l'art. 135 Cst., le Tribunal fédéral a défini les objectifs fondamentaux d'une péréquation financière conforme à la Constitution.\nLa décision concernait certes une péréquation financière intracantonale, mais formulait des principes généraux.\n\n> « Une péréquation financière cantonale vise en premier lieu à compenser les différences considérables dans la capacité fiscale des différentes communes et à empêcher ainsi que la charge fiscale des citoyens ne diffère trop fortement selon la commune de domicile. »\n\n**Arrêt 2C_874/2017** (12 décembre 2018)\nLe Tribunal fédéral a confirmé la légalité de l'aménagement concret de la péréquation financière nationale dans le cas d'espèce.\nLa décision concernait des questions de calcul dans le cadre de la péréquation financière 2016.\n\n### Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles\n\nLa jurisprudence directe clairsemée relative à l'art. 135 Cst. montre que le Tribunal fédéral comprend la norme principalement comme un mandat au législateur. La plupart des questions constitutionnelles sont tranchées au niveau de la législation d'exécution (en particulier la loi sur la péréquation financière, LFIT) et de son application.\n\nLes décisions rendues jusqu'à présent montrent clairement que la péréquation financière et la compensation des charges sont comprises comme un instrument de garantie de l'équilibre fédéral, dont l'aménagement concret laisse une marge de manœuvre politique considérable, pour autant que les principes fondamentaux constitutionnels (notamment l'égalité de traitement, la proportionnalité) soient respectés.", "summary_it": "# Art. 135 Cost - Perequazione finanziaria e degli oneri\n\n## Panoramica\n\nL'art. 135 Cost disciplina la perequazione finanziaria e degli oneri nazionale tra Confederazione e Cantoni nonché tra i Cantoni. La disposizione è entrata in vigore nel 2008 con la Nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) e ha sostituito il precedente sistema secondo l'art. 42 vCost (FF 2002 2077; Hänni, BSK BV, Art. 135 n. 1).\n\nLa perequazione finanziaria riduce le differenze nella capacità finanziaria tra i Cantoni. I Cantoni con poche risorse ricevono pagamenti compensativi per poter adempiere i loro compiti. La perequazione degli oneri compensa costi particolari dovuti alla posizione geografica (regioni montane) o a elevati oneri sociali (oneri dei centri) (Hänni, BSK BV, Art. 135 n. 19).\n\nIl sistema funziona come finanziamento misto: i Cantoni con molte risorse pagano almeno due terzi delle prestazioni federali. La Confederazione copre il resto. Questa ripartizione consente adeguamenti flessibili (Hänni, BSK BV, Art. 135 n. 30).\n\nI cinque obiettivi principali sono: riduzione delle differenze cantonali, garanzia di risorse minime per tutti i Cantoni, compensazione degli oneri particolari, promozione della collaborazione intercantonale e mantenimento della concorrenza fiscale. Questi obiettivi sono in parte in tensione tra loro (Hänni, BSK BV, Art. 135 n. 29; Biaggini, ZÖR 2002, 359–391).\n\nUn esempio: Uri riceve pagamenti compensativi a causa della bassa forza fiscale e degli elevati oneri geografici. Zurigo versa contributi alla perequazione a causa dell'alta forza fiscale. Il sistema garantisce servizi pubblici comparabili in tutti i Cantoni nonostante le diverse capacità economiche.\n\nIl Tribunale federale verifica i calcoli della perequazione solo in caso di arbitrio o errori di calcolo (DTF 150 II 321 consid. 4; sentenza 2C_874/2017). L'impostazione concreta spetta al legislatore, che ha emanato la Legge sulla perequazione finanziaria (LPFC).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 135 Cost. è stato creato nell'ambito della nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2008. La disposizione ha sostituito la precedente regolamentazione dell'art. 42 aCost., che prevedeva soltanto una perequazione finanziaria rudimentale (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 3).\n\n**N. 2** Il progetto di riforma NPC ha costituito la riforma più completa del federalismo svizzero dalla fondazione dello Stato federale nel 1848 (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 4). Il messaggio sulla nuova impostazione della perequazione finanziaria e della ripartizione dei compiti tra Confederazione e Cantoni (NPC) del 14 novembre 2001 (FF 2002 1929) identificò come problemi principali del vecchio sistema la mancanza di trasparenza, strutture d'incentivo sbagliate e l'insufficiente efficacia della perequazione.\n\n**N. 3** La concezione della NPC come revisione totale è stata discussa controversamente in dottrina. Biaggini criticò giustamente il procedimento del Consiglio federale e del Parlamento, poiché i cambiamenti di ampia portata ridisegnavano fondamentalmente il rapporto tra Confederazione e Cantoni (Biaggini, cit. in Hänni, BSK BV, art. 135 n. 6).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 135 Cost. si trova nel 3° capitolo (Ordinamento finanziario) del 5° titolo (Autorità federali) e forma insieme alle disposizioni sull'armonizzazione fiscale (art. 128-130 Cost.) il fondamento costituzionale delle relazioni finanziarie federali. La norma è strettamente collegata ai principi dell'adempimento dei compiti (→ art. 43a Cost.) e della sussidiarietà (→ art. 5a Cost.).\n\n**N. 5** La disposizione concretizza il principio della fedeltà confederale (art. 44 Cost.) nell'ambito finanziario e realizza il principio di solidarietà tra gli Stati membri. È in relazione sistematica con:\n- → art. 48 Cost. (concordati intercantonali)\n- → art. 48a Cost. (dichiarazione di obbligatorietà generale dei concordati intercantonali)\n- → art. 50 cpv. 2 Cost. (considerazione dei Comuni)\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** **Mandato legislativo (cpv. 1):** La Confederazione è obbligata a emanare prescrizioni su una perequazione finanziaria e degli oneri «adeguata». Il termine «adeguata» concede al legislatore un considerevole margine di configurazione, ma pone anche limiti costituzionali (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 13).\n\n**N. 7** **Perequazione finanziaria:** Comprende la ridistribuzione di mezzi finanziari per ridurre le differenze nella capacità finanziaria. La perequazione delle risorse mira principalmente al livellamento della forza fiscale (→ DTF 93 I 437 consid. 4).\n\n**N. 8** **Perequazione degli oneri:** Compensa oneri finanziari eccessivi dovuti a fattori geografico-topografici (p.es. regioni montane) o sociodemografici (p.es. oneri dei centri). Questo si distingue fondamentalmente dalla perequazione delle risorse, che si basa sulla forza finanziaria (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 19).\n\n**N. 9** **Obiettivi (cpv. 2):** Il catalogo non esaustivo («in particolare») enumera cinque obiettivi principali:\n- lett. a: Riduzione delle disparità (non livellamento completo)\n- lett. b: Garanzia di risorse minime (minimo esistenziale per i Cantoni)\n- lett. c: Compensazione di oneri strutturali speciali\n- lett. d: Promozione della collaborazione (↔ art. 48a Cost.)\n- lett. e: Conservazione della concorrenza fiscale\n\n**N. 10** Questi obiettivi si trovano parzialmente in una relazione di tensione reciproca. In particolare la conservazione della concorrenza fiscale (lett. e) limita l'entità della possibile ridistribuzione (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 29).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 135 Cost. non fonda diritti soggettivi immediati dei Cantoni o dei Comuni. La disposizione non è direttamente applicabile (self-executing), ma necessita della concretizzazione tramite la legislazione federale, in particolare la legge sulla perequazione finanziaria e la compensazione degli oneri (LPFC, RS 613.2).\n\n**N. 12** **Finanziamento (cpv. 3):** La Costituzione prescrive obbligatoriamente un finanziamento misto:\n- Cantoni con molte risorse: almeno 2/3, al massimo 80% delle prestazioni della Confederazione\n- Confederazione: porta la quota rimanente\nQuesta fascia permette un adeguamento flessibile a rapporti modificati.\n\n**N. 13** Il legislatore è vincolato nell'elaborazione ai principi costituzionali fondamentali:\n- Uguaglianza giuridica (→ art. 8 Cost.)\n- Proporzionalità (→ art. 5 cpv. 2 Cost.)\n- Divieto di arbitrio (→ art. 9 Cost.)\n\nIl Tribunale federale esamina con riserva la configurazione concreta della perequazione finanziaria, ma riconosce limiti costituzionali (→ DTF 150 II 321 consid. 4).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Entità della ridistribuzione:** In dottrina sussiste disaccordo sull'entità della ridistribuzione costituzionalmente necessaria. Mentre Frey/Spillmann si pronunciano per un ampio livellamento, Biaggini sottolinea i limiti che risultano dalla conservazione della concorrenza fiscale (Frey/Spillmann, in: Der Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen, 1994, pag. 1-40; Biaggini, ZÖR 2002, 359-391).\n\n**N. 15** **Considerazione dei Comuni:** È controverso in che misura l'art. 135 Cost. in relazione con l'art. 50 cpv. 2 Cost. richieda una considerazione diretta dei Comuni nella perequazione finanziaria nazionale. La dottrina dominante vede i Cantoni come destinatari primari, mentre Thalmann si pronuncia per un maggiore coinvolgimento del livello comunale (Thalmann, in: Hänni, Föderalismus, pag. 56-117).\n\n**N. 16** **Compensazione di rigore:** La limitazione temporale della compensazione di rigore è controversa. Mentre il messaggio parte da una riduzione graduale (FF 2002 1929, 2197), una parte della dottrina argomenta che circostanze particolari possono giustificare un prolungamento (Hänni, BSK BV, art. 135 n. 31-33).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Nell'applicazione dell'art. 135 Cost. e della LPFC sono da considerare i seguenti aspetti:\n- I calcoli annuali della perequazione delle risorse e degli oneri avvengono sulla base di indicatori standardizzati\n- I ricorsi contro i pagamenti di perequazione hanno prospettive di successo soltanto in caso di errori di calcolo o arbitrio (→ sentenza 2C_874/2017)\n- I sistemi cantonali di perequazione finanziaria devono essere compatibili con i principi dell'art. 135 Cost.\n\n**N. 18** L'importanza pratica si mostra in particolare in caso di:\n- Revisioni delle leggi fiscali (effetti sull'indice delle risorse)\n- Concordati intercantonali con compensazione degli oneri (art. 48a Cost.)\n- Spostamenti di compiti tra livelli federali\n\n**N. 19** Per la prassi cantonale è rilevante che distorsioni nella NPC dovute a casi di doppia imposizione sono giuridicamente irrilevanti e non rappresentano una giustificazione per il mantenimento di tasse illegittimamente riscosse (→ DTF 150 II 321 consid. 4).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza del Tribunale federale relativa all'art. 135 Cost. è ancora limitata a causa della nascita relativamente recente della norma (in vigore dal 1° gennaio 2008) e dell'attuazione primariamente politico-amministrativa della perequazione finanziaria e degli oneri. Le decisioni finora pronunciate riguardano principalmente gli effetti della perequazione finanziaria nazionale (NFA) su altri settori del diritto nonché aspetti fondamentali della perequazione finanziaria federale.\n\n### Significato fondamentale ed effetti della NFA\n\n**DTF 150 II 321 consid. 4** (2 aprile 2024)\nIl Tribunale federale ha stabilito che le distorsioni nella perequazione finanziaria nazionale causate da casi di doppia imposizione intercantonale sono giuridicamente irrilevanti.\nGli effetti sulla NFA non giustificano il mantenimento di imposte erroneamente riscosse nella procedura di doppia imposizione.\n\n> «Le distorsioni nella perequazione finanziaria nazionale (NFA) che possono essere causate da casi di doppia imposizione non sono un motivo per consentire a un Cantone, nella procedura di doppia imposizione davanti al Tribunale federale, di trattenere imposte erroneamente riscosse.»\n\n### Rapporto con i sistemi cantonali di perequazione finanziaria\n\n**DTF 144 I 193 consid. 7.4.5** (18 aprile 2018)\nIl Tribunale federale ha esaminato nel contesto di un'iniziativa popolare cantonale la compatibilità di tagli nella perequazione finanziaria e degli oneri cantonale con l'autonomia comunale.\nLa decisione mostra i limiti costituzionali per i meccanismi di sanzione finanziaria nei confronti dei Comuni.\n\n> «I tagli alle prestazioni previsti sarebbero quindi molto considerevoli e la pressione esercitata sulla città di Berna per cessare l'attività culturale o per non promuoverla ulteriormente, corrispondentemente grande. [...] Ciò limiterebbe sostanzialmente in termini fattuali la libertà decisionale spettante alla città di Berna secondo il diritto costituzionale e legale cantonale nel settore della promozione culturale.»\n\n### Attuazione del mandato costituzionale\n\n**DTF 93 I 437 consid. 4** (17 maggio 1967)\nGià prima dell'entrata in vigore dell'art. 135 Cost., il Tribunale federale definì gli obiettivi fondamentali di una perequazione finanziaria conforme alla Costituzione.\nLa decisione riguardava una perequazione finanziaria intracantonale, ma formulava principi generali.\n\n> «Una perequazione finanziaria cantonale mira in primo luogo a compensare le considerevoli differenze nella forza fiscale dei singoli Comuni e quindi a impedire che il carico fiscale dei cittadini si differenzi eccessivamente a seconda del Comune di domicilio.»\n\n**Sentenza 2C_874/2017** (12 dicembre 2018)\nIl Tribunale federale ha confermato la legalità della configurazione concreta della perequazione finanziaria nazionale nel caso specifico.\nLa decisione riguardava questioni di calcolo nell'ambito della perequazione finanziaria 2016.\n\n### Rapporto con altre disposizioni costituzionali\n\nLa scarsa giurisprudenza diretta sull'art. 135 Cost. mostra che il Tribunale federale intende la norma primariamente come mandato al legislatore. La maggior parte delle questioni costituzionali vengono decise a livello della legislazione di esecuzione (in particolare la Legge sulla perequazione finanziaria, LPF) e della sua applicazione.\n\nLe decisioni finora pronunciate chiariscono che la perequazione finanziaria e degli oneri è intesa come strumento per garantire l'equilibrio federale, la cui configurazione concreta lascia un considerevole margine di manovra politico, purché siano rispettati i principi costituzionali fondamentali (in particolare uguaglianza giuridica, proporzionalità).", "summary_en": "# Art. 135 BV - Financial and burden-sharing equalisation\n\n## Overview\n\nArt. 135 BV governs the national financial and burden-sharing equalisation between the Confederation and the cantons as well as between the cantons. The provision came into force in 2008 with the reform of fiscal equalisation (NFA) and replaced the former system under Art. 42 aBV (BBl 2002 2291; Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 1).\n\nFinancial equalisation reduces the differences in financial capacity between the cantons. Resource-poor cantons receive equalisation payments so that they can fulfil their tasks. Burden-sharing equalisation compensates for special costs due to geographical location (mountain regions) or high social burdens (agglomeration burdens) (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 19).\n\nThe system functions as mixed financing: Resource-rich cantons pay at least two-thirds of the federal contributions. The Confederation bears the remainder. This division enables flexible adjustments (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 30).\n\nThe five main objectives are: reducing differences between cantons, guaranteeing minimum resources for all cantons, equalising special burdens, promoting inter-cantonal cooperation and preserving tax competition. These objectives are partly in tension with one another (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 29; Biaggini, ZÖR 2002, 359–391).\n\nAn example: Uri receives equalisation payments due to low tax capacity and high geographical burdens. Zurich pays into the equalisation system due to high tax capacity. The system ensures comparable public services in all cantons despite different economic capacity.\n\nThe Federal Supreme Court reviews equalisation calculations only in cases of arbitrariness or calculation errors (BGE 150 II 321 E. 4; Urteil 2C_874/2017). The concrete implementation lies with the legislature, which has enacted the Financial and Burden-sharing Equalisation Act (FiLaG).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 135 FC was created within the framework of the reform of fiscal equalization and the distribution of tasks between the Confederation and the cantons (NFA) and entered into force on 1 January 2008. The provision replaced the former regulation in Art. 42 old FC, which provided for only a rudimentary fiscal equalization (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 3).\n\n**N. 2** The NFA reform project represented the most comprehensive reform of Swiss federalism since the founding of the federal state in 1848 (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 4). The Federal Council message on the reform of fiscal equalization and the distribution of tasks between the Confederation and the cantons (NFA) of 14 November 2001 (BBl 2002 2291) identified as main problems of the old system the lack of transparency, false incentive structures and the insufficient effectiveness of equalization.\n\n**N. 3** The conception of the NFA as a total revision was controversially discussed in legal doctrine. Biaggini criticized the approach of the Federal Council and Parliament with good reasons, since the far-reaching changes fundamentally redesigned the relationship between the Confederation and the cantons (Biaggini, cited in Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 6).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 135 FC stands in the 3rd chapter (Financial System) of the 5th title (Federal Authorities) and forms together with the tax harmonization provisions (Art. 128-130 FC) the constitutional foundation of federal financial relations. The norm is closely linked with the principles of task fulfillment (→ Art. 43a FC) and subsidiarity (→ Art. 5a FC).\n\n**N. 5** The provision concretizes the principle of federal loyalty (Art. 44 FC) in the financial sector and realizes the principle of solidarity between the member states. It stands in systematic connection with:\n- → Art. 48 FC (intercantonal agreements)\n- → Art. 48a FC (declaration of general applicability of intercantonal agreements)\n- → Art. 50 para. 2 FC (consideration of municipalities)\n\n### 3. Elements of the Legal Norm / Normative Content\n\n**N. 6** **Legislative mandate (para. 1):** The Confederation is obligated to enact provisions on «appropriate» fiscal and burden equalization. The term «appropriate» grants the legislature considerable discretion but also sets constitutional limits (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 13).\n\n**N. 7** **Fiscal equalization:** Encompasses the redistribution of financial resources to reduce differences in financial capacity. Resource equalization aims primarily at equalizing tax capacity (→ BGE 93 I 437 E. 4).\n\n**N. 8** **Burden equalization:** Compensates excessive financial burdens due to geographic-topographic (e.g., mountain regions) or sociodemographic factors (e.g., center burdens). This differs fundamentally from resource equalization, which focuses on financial capacity (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 19).\n\n**N. 9** **Objectives (para. 2):** The non-exhaustive catalog («in particular») lists five main objectives:\n- lit. a: Reduction of disparities (not complete leveling)\n- lit. b: Guarantee of minimum resources (existential minimum for cantons)\n- lit. c: Compensation of structural special burdens\n- lit. d: Promotion of cooperation (↔ Art. 48a FC)\n- lit. e: Preservation of tax competition\n\n**N. 10** These objectives are partly in tension with each other. In particular, the preservation of tax competition (lit. e) limits the extent of possible redistribution (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 29).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** Art. 135 FC does not establish direct subjective rights of cantons or municipalities. The provision is not directly applicable (self-executing), but requires concretization through federal legislation, in particular the Federal Act on Fiscal and Burden Equalization (FiLaG, SR 613.2).\n\n**N. 12** **Financing (para. 3):** The Constitution mandatorily prescribes mixed financing:\n- Resource-strong cantons: at least 2/3, at most 80% of federal contributions\n- Confederation: bears the remaining share\nThis bandwidth enables flexible adaptation to changed circumstances.\n\n**N. 13** The legislature is bound by constitutional fundamental principles in the design:\n- Legal equality (→ Art. 8 FC)\n- Proportionality (→ Art. 5 para. 2 FC)\n- Prohibition of arbitrariness (→ Art. 9 FC)\n\nThe Federal Supreme Court reviews the concrete design of fiscal equalization with restraint, but recognizes constitutional limits (→ BGE 150 II 321 E. 4).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 14** **Scope of redistribution:** There is disagreement in legal doctrine about the constitutionally required extent of redistribution. While Frey/Spillmann advocate for extensive equalization, Biaggini emphasizes the limits that result from preserving tax competition (Frey/Spillmann, in: Der Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen, 1994, pp. 1-40; Biaggini, ZÖR 2002, 359-391).\n\n**N. 15** **Consideration of municipalities:** It is controversial to what extent Art. 135 FC in connection with Art. 50 para. 2 FC requires direct consideration of municipalities in national fiscal equalization. The prevailing doctrine sees cantons as primary addressees, while Thalmann advocates for stronger inclusion of the municipal level (Thalmann, in: Hänni, Föderalismus, pp. 56-117).\n\n**N. 16** **Hardship compensation:** The temporal limitation of hardship compensation is disputed. While the Federal Council message assumes a gradual reduction (BBl 2002 2291, 2377), part of the doctrine argues that special circumstances can justify an extension (Hänni, BSK BV, Art. 135 N. 31-33).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 17** When applying Art. 135 FC and the FiLaG, the following aspects must be considered:\n- The annual calculations of resource and burden equalization are based on standardized indicators\n- Challenges to equalization payments are only promising in case of calculation errors or arbitrariness (→ Judgment 2C_874/2017)\n- Cantonal fiscal equalization systems must be compatible with the principles of Art. 135 FC\n\n**N. 18** The practical significance is shown particularly in:\n- Tax law revisions (effects on the resource index)\n- Intercantonal agreements with burden equalization (Art. 48a FC)\n- Task shifts between federal levels\n\n**N. 19** Relevant for cantonal practice is that distortions in the NFA through double taxation cases are legally irrelevant and do not justify the maintenance of unlawfully levied taxes (→ BGE 150 II 321 E. 4).", "caselaw_en": "## Case Law\n\nFederal Supreme Court case law on Art. 135 FC is still limited due to the relatively recent origin of the provision (in force since 1 January 2008) and the primarily political-administrative implementation of fiscal equalisation and burden-sharing. The decisions to date mainly concern effects of the national fiscal equalisation (NFA) on other areas of law as well as fundamental aspects of federal fiscal equalisation.\n\n### Fundamental Significance and Effects of the NFA\n\n**BGE 150 II 321 E. 4** (2 April 2024)\nThe Federal Supreme Court held that distortions in the National Fiscal Equalisation caused by intercantonal double taxation cases are legally irrelevant.\nThe effects on the NFA do not justify maintaining wrongfully levied taxes in double taxation proceedings.\n\n> «Distortions in the National Fiscal Equalisation (NFA) that may be caused by double taxation cases are no reason to permit a canton in double taxation proceedings before the Federal Supreme Court to retain wrongfully collected taxes.»\n\n### Relationship to Cantonal Fiscal Equalisation Systems\n\n**BGE 144 I 193 E. 7.4.5** (18 April 2018)\nIn the context of a cantonal popular initiative, the Federal Supreme Court examined the compatibility of cuts in cantonal fiscal and burden equalisation with municipal autonomy.\nThe decision shows the constitutional limits for financial sanction mechanisms vis-à-vis municipalities.\n\n> «The envisaged benefit cuts would thus be very considerable and the pressure generated on the City of Bern to discontinue cultural operations or stop promoting them would be correspondingly great. [...] This would substantially restrict in factual terms the decision-making freedom accorded to the City of Bern under cantonal constitutional and statutory law in the area of cultural promotion.»\n\n### Implementation of the Constitutional Mandate\n\n**BGE 93 I 437 E. 4** (17 May 1967)\nEven before Art. 135 FC entered into force, the Federal Supreme Court defined the fundamental objectives of constitutionally compliant fiscal equalisation.\nAlthough the decision concerned an intracantonal fiscal equalisation, it formulated general principles.\n\n> «A cantonal fiscal equalisation aims primarily to equalise the significant differences in the tax capacity of individual municipalities and thus to prevent the tax burden on citizens from differing too greatly depending on their municipality of residence.»\n\n**Judgment 2C_874/2017** (12 December 2018)\nThe Federal Supreme Court confirmed the lawfulness of the specific design of national fiscal equalisation in the individual case.\nThe decision concerned calculation questions in the context of fiscal equalisation 2016.\n\n### Relationship to Other Constitutional Provisions\n\nThe sparse direct case law on Art. 135 FC shows that the Federal Supreme Court understands the provision primarily as a mandate to the legislature. Most constitutional law questions are decided at the level of implementing legislation (particularly the Fiscal Equalisation Act, FiLaG) and its application.\n\nThe decisions to date make clear that fiscal and burden equalisation is understood as an instrument for ensuring federal balance, whose concrete design allows considerable political scope for action, as long as the fundamental constitutional principles (particularly legal equality, proportionality) are preserved.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_135", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 136, "article_suffix": "", "title": "Politische Rechte", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 136 BV — Politische Rechte\n\n## Übersicht\n\nArt. 136 BV regelt in zwei Absätzen, wer in der Schweiz bei Bundesangelegenheiten abstimmen und wählen darf. Der erste Absatz legt fest, dass alle Schweizerinnen und Schweizer ab 18 Jahren stimmberechtigt sind. Ausgeschlossen sind nur Personen unter umfassender Beistandschaft (früher: Entmündigung wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind diese Voraussetzungen abschliessend geregelt (**BGE 135 I 302**). Der Gesetzgeber darf weder neue Bedingungen hinzufügen noch bestehende ändern, wie der BSK-Kommentar festhält (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\nDer zweite Absatz zählt die konkreten Rechte auf: Teilnahme an Nationalratswahlen und Bundesabstimmungen sowie das Recht, Volksinitiativen und Referenden zu unterschreiben oder zu lancieren. Die Gleichheit aller politischen Rechte bedeutet, dass jede Stimme gleich viel zählt (Zählwertgleichheit).\n\nBetroffen sind alle Schweizer Staatsangehörigen ab 18 Jahren. Etwa 5,4 Millionen Personen können heute ihre politischen Rechte ausüben. Auslandschweizer sind grundsätzlich ebenfalls stimmberechtigt.\n\nDie wichtigste Rechtsfolge ist das aktive Wahlrecht bei Bundeswahlen und -abstimmungen. Verstösse gegen die Gleichheit der politischen Rechte können zu Wahlanfechtungen führen, wie die Rechtsprechung zur Wahlkreiseinteilung zeigt (**BGE 129 I 185**).\n\nEin praktisches Beispiel: Eine 17-jährige Schweizerin darf noch nicht abstimmen, auch wenn sie bereits arbeitet. Am Tag ihres 18. Geburtstags wird sie automatisch stimmberechtigt. Ein Schweizer unter umfassender Beistandschaft verliert seine politischen Rechte, kann sie aber bei Aufhebung der Massnahme zurückerlangen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Bestimmung von Art. 136 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück und führt die Tradition der politischen Rechte aus Art. 43 aBV fort. Die Herabsetzung des Stimmrechtsalters von 20 auf 18 Jahre erfolgte bereits 1991 durch Volksabstimmung (BBl 1991 I 1201). Die Formulierung der Entmündigungsgründe wurde modernisiert, wobei der Verweis auf «Geisteskrankheit oder Geistesschwäche» trotz zeitgenössischer Kritik beibehalten wurde (BBl 1997 I 1, 390). Der Verfassungsgeber entschied sich bewusst gegen eine geschlechtsneutrale Formulierung und hielt an der expliziten Nennung von «Schweizerinnen und Schweizern» fest, um die erst 1971 erreichte politische Gleichberechtigung der Frauen verfassungsrechtlich zu verankern.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 2** Art. 136 BV bildet das Fundament der politischen Rechte auf Bundesebene und steht systematisch am Beginn des Kapitels über die politischen Rechte (Art. 136–142 BV). Die Bestimmung konkretisiert die in Art. 34 BV garantierten politischen Rechte als Grundrecht für die Bundesebene. Sie steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 2 Abs. 1 BV (Demokratieprinzip)\n- → Art. 8 BV (Rechtsgleichheit)\n- → Art. 34 BV (politische Rechte als Grundrecht)\n- ↔ Art. 39 BV (Ausübung der politischen Rechte)\n- → Art. 143 BV (Stimmberechtigung)\n- → Art. 149 Abs. 2 BV (Wählbarkeit in den Nationalrat)\n\n**N. 3** Die Norm ist als abschliessende Regelung der Stimmberechtigungsvoraussetzungen auf Bundesebene konzipiert. Der Gesetzgeber darf weder neue Voraussetzungen hinzufügen noch die genannten Voraussetzungen abändern (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 4** **Staatsangehörigkeit**: Die Stimmberechtigung setzt die schweizerische Staatsangehörigkeit voraus. Doppelbürger sind stimmberechtigt, sofern sie die weiteren Voraussetzungen erfüllen. Das Stimmrecht für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer wird durch Art. 40 BV gewährleistet.\n\n**N. 5** **Volljährigkeit**: Das 18. Altersjahr muss vollendet sein. Der Tag des 18. Geburtstags ist massgebend, nicht das Kalenderjahr. Die Diskussion um eine weitere Herabsetzung des Stimmrechtsalters oder ein Kinderstimmrecht durch gesetzliche Vertreter wurde vom Verfassungsgeber verworfen. Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 10) lehnt das Kinderstimmrecht ab, da es «faktisch auf ein doppeltes Stimmrecht des gesetzlichen Vertreters hinaus[läuft] und [...] nicht nur der Rechtsgleichheit, sondern mehr noch der Organfunktion des Stimmrechts [widerspricht]».\n\n**N. 6** **Entmündigung**: Der Ausschluss wegen «Geisteskrankheit oder Geistesschwäche» ist seit der Revision des Erwachsenenschutzrechts 2013 überholt. Art. 136 BV ist im Lichte von Art. 14 ZGB auszulegen: Nur die umfassende Beistandschaft führt zum Verlust der politischen Rechte. Die veraltete Terminologie der Verfassung ist bedauerlich, ändert aber nichts an der restriktiven Auslegung.\n\n**N. 7** **Gleichheit der politischen Rechte**: Absatz 1 Satz 2 garantiert die Gleichheit der politischen Rechte. Diese umfasst die Zählwertgleichheit (jede Stimme zählt gleich viel), nicht aber die Erfolgswertgleichheit (jede Stimme hat gleichen Einfluss auf das Ergebnis). Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 13) kritisiert, dass «Satz 2 von Art. 136 Abs. 1 in der Luft hängt und [...] besser nicht geschrieben worden [wäre]», da die Gleichheit bereits aus Art. 8 BV folge.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** **Aktives Stimmrecht**: Die Stimmberechtigten können an Nationalratswahlen und eidgenössischen Abstimmungen teilnehmen (Abs. 2). Das Wahlrecht umfasst das Recht zu wählen, nicht aber gewählt zu werden (passive Wahlfähigkeit, → Art. 143 BV).\n\n**N. 9** **Initiativ- und Referendumsrecht**: Die Stimmberechtigten können Volksinitiativen (→ Art. 138, 139 BV) und Referenden (→ Art. 140, 141 BV) unterzeichnen und lancieren. Das Sammeln von Unterschriften auf öffentlichem Grund ist als Ausübung der politischen Rechte geschützt (**BGE 135 I 302**).\n\n**N. 10** **Teilnahmepflicht**: Die in Abs. 1 erwähnten «Pflichten» beziehen sich auf die in einzelnen Kantonen bestehende Stimmpflicht. Auf Bundesebene besteht keine Teilnahmepflicht.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Stimmrechtsalter**: Die Forderung nach einer Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre wird kontrovers diskutiert. Befürworter wie Caroni (Herausforderung Demokratie, ZSR 2013 II 5, 45 ff.) argumentieren mit der politischen Reife Jugendlicher und der demografischen Entwicklung. Kritiker wie Hangartner/Kley (Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2. Aufl. 2022, N. 862) verweisen auf die notwendige Übereinstimmung von Stimmrecht und zivilrechtlicher Mündigkeit.\n\n**N. 12** **Auslandschweizer**: Die Gleichstellung der Auslandschweizer bei den politischen Rechten ist umstritten. Während Aubert/Mahon (Petit commentaire, 2003, Art. 136 N. 4) eine vollständige Gleichstellung befürworten, plädiert Biaggini (Komm. BV, 2. Aufl. 2017, Art. 136 N. 7) für Einschränkungen bei kantonalen und kommunalen Angelegenheiten aufgrund des fehlenden Bezugs.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** **Stimmregister**: Die Kantone führen die Stimmregister und sind für deren Richtigkeit verantwortlich (→ Art. 39 Abs. 2 BV). Einsprachen gegen Eintragungen oder Nichteintragungen sind an die kantonalen Behörden zu richten.\n\n**N. 14** **Doppelzählungen**: Bei Doppelbürgerschaften innerhalb der Schweiz ist sicherzustellen, dass die Stimmabgabe nur in einer Gemeinde erfolgt. Die elektronische Vernetzung der Stimmregister gewinnt an Bedeutung.\n\n**N. 15** **Ausstandsregeln**: Trotz der Gleichheit der politischen Rechte können kantonale Ausstandsregeln für Parlamentarier bei persönlichen Interessenkonflikten zulässig sein, dürfen aber nicht generell ganze Personengruppen ausschliessen (**BGE 125 I 289**, **BGE 123 I 97**).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Umfang der politischen Rechte und Stimmberechtigung\n\n**BGE 135 I 302** (19. August 2009)\nUnterschriftensammlung für Volksinitiativen auf öffentlichem Grund als Ausübung politischer Rechte.\nDas Sammeln von Unterschriften für eine Volksinitiative stellt eine Ausübung der politischen Rechte dar.\n\n> «Es besteht weder hinsichtlich der Wahrnehmung politischer Rechte noch zum Schutze von andern Grundrechtsausübungen ein hinreichendes verfassungsrechtliches Interesse, die umstrittenen Unterschriftensammlungen einer Bewilligungspflicht zu unterstellen.»\n\n### Gleichheit der politischen Rechte\n\n**BGE 147 I 194** (30. Juni 2021)\nKonzernverantwortungsinitiative - Verletzung der Gleichheit politischer Rechte durch Ständemehr.\nDer Entscheid definiert die Grenzen der Gleichheit politischer Rechte bei Volksabstimmungen.\n\n> «Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Mängel in der Vorbereitung von Wahlen und Abstimmungen sofort und vor Durchführung des Urnenganges zu rügen, andernfalls der Stimmberechtigte sein Beschwerderecht im Grundsatz verwirkt. [...] Die Einschränkung der Stimmkraftgleichheit ist verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich.»\n\n### Ausstand von Parlamentariern mit Interessenkonflikt\n\n**BGE 125 I 289** (28. April 1999)\nAusschluss von kantonalen Bediensteten im Parlament bei personalrechtlichen Abstimmungen.\nDer Entscheid präzisiert die Grenzen des Stimmrechts bei Interessenkonflikten.\n\n> «Der generelle Ausschluss von in Diensten des Kantons stehenden Parlamentariern von Abstimmungen über bestimmte personalrechtliche Erlasse ist (jedenfalls in der hier zu beurteilenden Form) mit dem Stimmrecht unvereinbar.»\n\n**BGE 123 I 97** (28. Mai 1997)\nGrundsatzentscheid zur Ausstandspflicht kantonaler Parlamentarier.\nDas Urteil legt fest, wann kantonale Bedienstete von Abstimmungen ausgeschlossen werden können.\n\n> «Ist die Wahl von kantonalen Bediensteten in den Grossen Rat zulässig, so können solche Grossräte bei Abstimmungen im Parlament über personalrechtliche Erlasse und Beschlüsse nicht generell für ausstandspflichtig erklärt werden.»\n\n### Wahlkreiseinteilung und Wahlgleichheit\n\n**BGE 129 I 185** (18. Dezember 2002)\nVerfassungswidrigkeit der Wahlkreiseinteilung für das Zürcher Stadtparlament.\nDer Grundsatzentscheid zur rechtsgleichen Ausgestaltung von Wahlkreisen.\n\n> «Die Beschwerdeführer sind stimm- und wahlberechtigt in der Stadt Zürich. Daher sind sie zur Stimmrechtsbeschwerde betreffend die Gemeinderatswahlen der Stadt Zürich legitimiert.»\n\n### Wohnsitzerfordernis als Wählbarkeitsvoraussetzung\n\n**BGE 128 I 34** (12. September 2001)\nVerletzung des Stimmrechts durch Missachtung der Wohnsitzpflicht für Regierungsstatthalter.\nDas Urteil bestätigt das Wohnsitzerfordernis als verfassungskonforme Wählbarkeitsvoraussetzung.\n\n> «Die Wohnsitzpflicht zählt wie die klassischen Unvereinbarkeitsbestimmungen zum von Art. 85 lit. a OG erfassten Schutzbereich der politischen Rechte. [...] Das Stimmrecht schliesst nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts den Anspruch ein, dass die durch das Volk gewählten Behörden nicht mit Personen besetzt werden, die ein bestimmtes Amt aufgrund einer Unvereinbarkeit bzw. einer fehlenden Wählbarkeitsvoraussetzung nicht übernehmen dürfen.»", "summary_fr": "# Art. 136 Cst. — Droits politiques\n\n## Aperçu\n\nL'art. 136 Cst. règle en deux alinéas qui a le droit de voter et d'élire en Suisse dans les affaires fédérales. Le premier alinéa dispose que toutes les Suissesses et tous les Suisses âgés de 18 ans révolus ont le droit de vote. Seules les personnes sous curatelle de portée générale (anciennement : interdiction pour maladie mentale ou faiblesse d'esprit) en sont exclues. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, ces conditions sont réglées de manière exhaustive (**ATF 135 I 302**). Le législateur ne peut ni ajouter de nouvelles conditions ni modifier celles qui existent, comme le souligne le commentaire BSK (Tschannen, BSK BV, art. 136 ch. 7).\n\nLe deuxième alinéa énumère les droits concrets : participation aux élections du Conseil national et aux votations fédérales ainsi que le droit de signer ou de lancer des initiatives populaires et des référendums. L'égalité de tous les droits politiques signifie que chaque voix compte de manière égale (égalité de la valeur du vote).\n\nToutes les personnes de nationalité suisse âgées de 18 ans révolus sont concernées. Environ 5,4 millions de personnes peuvent aujourd'hui exercer leurs droits politiques. Les Suisses de l'étranger ont en principe également le droit de vote.\n\nLa conséquence juridique la plus importante est le droit de vote actif lors des élections et votations fédérales. Les violations de l'égalité des droits politiques peuvent conduire à des contestations d'élections, comme le montre la jurisprudence sur la répartition des circonscriptions électorales (**ATF 129 I 185**).\n\nUn exemple pratique : une Suissesse âgée de 17 ans ne peut pas encore voter, même si elle travaille déjà. Le jour de son 18e anniversaire, elle obtient automatiquement le droit de vote. Un Suisse sous curatelle de portée générale perd ses droits politiques, mais peut les recouvrer en cas de levée de la mesure.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la genèse\n\n**N. 1** La disposition actuelle de l'art. 136 Cst. remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et poursuit la tradition des droits politiques de l'art. 43 anc. Cst. L'abaissement de l'âge du droit de vote de 20 à 18 ans avait déjà eu lieu en 1991 par votation populaire (FF 1991 I 1157). La formulation des motifs d'interdiction a été modernisée, le renvoi à la « maladie mentale ou faiblesse d'esprit » ayant été maintenu malgré les critiques contemporaines (FF 1997 I 1, 361). Le constituant a délibérément renoncé à une formulation neutre du point de vue du genre et a maintenu la mention explicite des « Suissesses et des Suisses » afin d'ancrer constitutionnellement l'égalité politique des femmes, acquise seulement en 1971.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 2** L'art. 136 Cst. constitue le fondement des droits politiques au niveau fédéral et se situe systématiquement au début du chapitre sur les droits politiques (art. 136–142 Cst.). Cette disposition concrétise les droits politiques garantis à l'art. 34 Cst. en tant que droit fondamental pour le niveau fédéral. Elle est étroitement liée à :\n- → Art. 2 al. 1 Cst. (principe démocratique)\n- → Art. 8 Cst. (égalité devant la loi)\n- → Art. 34 Cst. (droits politiques en tant que droit fondamental)\n- ↔ Art. 39 Cst. (exercice des droits politiques)\n- → Art. 143 Cst. (droit de vote)\n- → Art. 149 al. 2 Cst. (éligibilité au Conseil national)\n\n**N. 3** La norme est conçue comme une réglementation exhaustive des conditions du droit de vote au niveau fédéral. Le législateur ne peut ni ajouter de nouvelles conditions ni modifier les conditions mentionnées (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 4** **Nationalité** : Le droit de vote présuppose la nationalité suisse. Les doubles nationaux ont le droit de vote pour autant qu'ils remplissent les autres conditions. Le droit de vote des Suissesses et Suisses de l'étranger est garanti par l'art. 40 Cst.\n\n**N. 5** **Majorité** : Il faut avoir accompli sa 18e année. Le jour du 18e anniversaire est déterminant, non l'année civile. La discussion sur un nouvel abaissement de l'âge du droit de vote ou un droit de vote des enfants par représentants légaux a été rejetée par le constituant. Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 10) rejette le droit de vote des enfants car il « aboutit en fait à un double droit de vote du représentant légal et [...] ne contredit pas seulement l'égalité devant la loi, mais plus encore la fonction d'organe du droit de vote ».\n\n**N. 6** **Interdiction** : L'exclusion pour « maladie mentale ou faiblesse d'esprit » est dépassée depuis la révision du droit de la protection de l'adulte en 2013. L'art. 136 Cst. doit être interprété à la lumière de l'art. 14 CC : seule la curatelle de portée générale entraîne la perte des droits politiques. La terminologie désuète de la Constitution est regrettable, mais ne change rien à l'interprétation restrictive.\n\n**N. 7** **Égalité des droits politiques** : L'al. 1, 2e phrase garantit l'égalité des droits politiques. Celle-ci comprend l'égalité de la valeur numérique (chaque voix compte autant), mais non l'égalité de la valeur d'influence (chaque voix a la même influence sur le résultat). Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 13) critique le fait que « la phrase 2 de l'art. 136 al. 1 est en l'air et [...] aurait mieux valu ne pas être écrite », car l'égalité découle déjà de l'art. 8 Cst.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** **Droit de vote actif** : Les personnes ayant le droit de vote peuvent participer aux élections du Conseil national et aux votations fédérales (al. 2). Le droit d'élection comprend le droit d'élire, mais non celui d'être élu (éligibilité passive, → art. 143 Cst.).\n\n**N. 9** **Droit d'initiative et de référendum** : Les personnes ayant le droit de vote peuvent signer et lancer des initiatives populaires (→ art. 138, 139 Cst.) et des référendums (→ art. 140, 141 Cst.). La récolte de signatures sur le domaine public est protégée en tant qu'exercice des droits politiques (**ATF 135 I 302**).\n\n**N. 10** **Obligation de participation** : Les « devoirs » mentionnés à l'al. 1 se réfèrent à l'obligation de voter existant dans certains cantons. Au niveau fédéral, il n'existe aucune obligation de participation.\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 11** **Âge du droit de vote** : La revendication d'un abaissement de l'âge du droit de vote à 16 ans fait l'objet de discussions controversées. Les partisans comme Caroni (Herausforderung Demokratie, ZSR 2013 II 5, 45 ss) argumentent avec la maturité politique des jeunes et l'évolution démographique. Les critiques comme Hangartner/Kley (Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2e éd. 2022, N. 862) renvoient à la concordance nécessaire entre le droit de vote et la majorité civile.\n\n**N. 12** **Suisses de l'étranger** : L'égalité de traitement des Suisses de l'étranger pour les droits politiques est controversée. Alors qu'Aubert/Mahon (Petit commentaire, 2003, Art. 136 N. 4) préconisent une égalité complète, Biaggini (Komm. BV, 2e éd. 2017, Art. 136 N. 7) plaide pour des restrictions pour les affaires cantonales et communales en raison de l'absence de lien.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** **Registre des électeurs** : Les cantons tiennent les registres des électeurs et sont responsables de leur exactitude (→ art. 39 al. 2 Cst.). Les oppositions contre des inscriptions ou non-inscriptions doivent être adressées aux autorités cantonales.\n\n**N. 14** **Doubles comptages** : En cas de doubles nationalités suisses, il faut s'assurer que le vote n'ait lieu que dans une seule commune. La mise en réseau électronique des registres des électeurs gagne en importance.\n\n**N. 15** **Règles de récusation** : Malgré l'égalité des droits politiques, des règles cantonales de récusation pour les parlementaires en cas de conflits d'intérêts personnels peuvent être admissibles, mais ne doivent pas exclure généralement des groupes entiers de personnes (**ATF 125 I 289**, **ATF 123 I 97**).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Étendue des droits politiques et droit de vote\n\n**BGE 135 I 302** (19 août 2009)\nRécolte de signatures pour des initiatives populaires sur le domaine public comme exercice des droits politiques.\nLa récolte de signatures pour une initiative populaire constitue un exercice des droits politiques.\n\n> « Il n'existe ni au regard de l'exercice des droits politiques ni pour la protection d'autres exercices de droits fondamentaux un intérêt de droit constitutionnel suffisant pour soumettre les récoltes de signatures litigieuses à une obligation d'autorisation. »\n\n### Égalité des droits politiques\n\n**BGE 147 I 194** (30 juin 2021)\nInitiative pour des multinationales responsables - Violation de l'égalité des droits politiques par la majorité des cantons.\nL'arrêt définit les limites de l'égalité des droits politiques lors de votations populaires.\n\n> « Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, les défauts dans la préparation d'élections et de votations doivent être dénoncés immédiatement et avant la tenue du scrutin, faute de quoi l'ayant droit perd en principe son droit de recours. [...] La limitation de l'égalité du droit de vote est voulue par la Constitution et lie le Tribunal fédéral. »\n\n### Récusation de parlementaires en conflit d'intérêts\n\n**BGE 125 I 289** (28 avril 1999)\nExclusion d'employés cantonaux au parlement lors de votes sur des questions de droit du personnel.\nL'arrêt précise les limites du droit de vote en cas de conflits d'intérêts.\n\n> « L'exclusion générale de parlementaires au service du canton lors de votes sur certains actes législatifs de droit du personnel est (du moins sous la forme à juger ici) incompatible avec le droit de vote. »\n\n**BGE 123 I 97** (28 mai 1997)\nArrêt de principe sur l'obligation de récusation de parlementaires cantonaux.\nL'arrêt fixe les cas où des employés cantonaux peuvent être exclus de votes.\n\n> « Si l'élection d'employés cantonaux au Grand Conseil est admissible, de tels grands conseillers ne peuvent pas être déclarés généralement tenus à la récusation lors de votes au parlement sur des actes législatifs et des arrêtés de droit du personnel. »\n\n### Circonscriptions électorales et égalité du droit de vote\n\n**BGE 129 I 185** (18 décembre 2002)\nInconstitutionnalité de la répartition des circonscriptions électorales pour le parlement de la ville de Zurich.\nL'arrêt de principe sur l'aménagement conforme au principe d'égalité des circonscriptions électorales.\n\n> « Les recourants ont le droit de vote et d'éligibilité dans la ville de Zurich. Ils sont donc légitimés au recours de droit public concernant les élections du conseil communal de la ville de Zurich. »\n\n### Exigence de domicile comme condition d'éligibilité\n\n**BGE 128 I 34** (12 septembre 2001)\nViolation du droit de vote par le non-respect de l'obligation de domicile pour les préfets.\nL'arrêt confirme l'exigence de domicile comme condition d'éligibilité conforme à la Constitution.\n\n> « L'obligation de domicile compte comme les dispositions classiques d'incompatibilité au domaine de protection des droits politiques couvert par l'art. 85 let. a OJ. [...] Le droit de vote inclut selon la jurisprudence du Tribunal fédéral le droit de voir les autorités élues par le peuple ne pas être occupées par des personnes qui ne peuvent assumer une certaine fonction en raison d'une incompatibilité ou d'une condition d'éligibilité manquante. »", "summary_it": "# Art. 136 Cost. — Diritti politici\n\n## Panoramica\n\nL'art. 136 Cost. disciplina in due capoversi chi può votare ed eleggere in Svizzera negli affari federali. Il primo capoverso stabilisce che tutti gli Svizzeri e le Svizzere a partire dai 18 anni hanno diritto di voto. Sono escluse soltanto le persone sotto curatela generale (in precedenza: interdizione per malattia o debolezza mentale). Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, questi requisiti sono disciplinati in modo esaustivo (**BGE 135 I 302**). Il legislatore non può né aggiungere nuove condizioni né modificare quelle esistenti, come stabilisce il commentario BSK (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\nIl secondo capoverso elenca i diritti concreti: partecipazione alle elezioni del Consiglio nazionale e alle votazioni federali nonché il diritto di firmare o lanciare iniziative popolari e referendum. L'uguaglianza di tutti i diritti politici significa che ogni voto conta allo stesso modo (uguaglianza del valore del voto).\n\nSono interessati tutti i cittadini svizzeri a partire dai 18 anni. Circa 5,4 milioni di persone possono oggi esercitare i loro diritti politici. Anche gli Svizzeri all'estero hanno in linea di principio diritto di voto.\n\nLa principale conseguenza giuridica è il diritto di voto attivo nelle elezioni e votazioni federali. Le violazioni dell'uguaglianza dei diritti politici possono portare a contestazioni elettorali, come mostra la giurisprudenza sulla divisione dei circondari elettorali (**BGE 129 I 185**).\n\nUn esempio pratico: una diciassettenne svizzera non può ancora votare, anche se già lavora. Il giorno del suo diciottesimo compleanno acquisisce automaticamente il diritto di voto. Uno svizzero sotto curatela generale perde i suoi diritti politici, ma può riacquistarli se la misura viene revocata.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'odierna disposizione dell'art. 136 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999 e prosegue la tradizione dei diritti politici dell'art. 43 aCost. L'abbassamento dell'età di voto da 20 a 18 anni avvenne già nel 1991 tramite votazione popolare (FF 1991 I 1201). La formulazione dei motivi di interdizione fu modernizzata, mantenendo tuttavia il riferimento a «malattia mentale o debolezza mentale» nonostante le critiche contemporanee (FF 1997 I 1, 390). Il costituente decise consapevolmente contro una formulazione neutra dal punto di vista del genere e mantenne la menzione esplicita di «cittadine svizzere e cittadini svizzeri» per ancorare costituzionalmente l'uguaglianza politica delle donne raggiunta solo nel 1971.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 2** L'art. 136 Cost. costituisce il fondamento dei diritti politici a livello federale e si trova sistematicamente all'inizio del capitolo sui diritti politici (art. 136–142 Cost.). La disposizione concretizza i diritti politici garantiti dall'art. 34 Cost. come diritto fondamentale a livello federale. È strettamente collegata a:\n- → Art. 2 cpv. 1 Cost. (principio democratico)\n- → Art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica)\n- → Art. 34 Cost. (diritti politici come diritto fondamentale)\n- ↔ Art. 39 Cost. (esercizio dei diritti politici)\n- → Art. 143 Cost. (diritto di voto)\n- → Art. 149 cpv. 2 Cost. (eleggibilità al Consiglio nazionale)\n\n**N. 3** La norma è concepita come regolamentazione conclusiva dei requisiti per il diritto di voto a livello federale. Il legislatore non può né aggiungere nuovi requisiti né modificare quelli menzionati (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 4** **Cittadinanza**: Il diritto di voto presuppone la cittadinanza svizzera. I cittadini con doppia nazionalità hanno diritto di voto purché soddisfino gli altri requisiti. Il diritto di voto per le cittadine e i cittadini svizzeri all'estero è garantito dall'art. 40 Cost.\n\n**N. 5** **Maggiore età**: Deve essere compiuto il 18° anno di età. È determinante il giorno del 18° compleanno, non l'anno civile. La discussione su un ulteriore abbassamento dell'età di voto o su un diritto di voto dei minori tramite rappresentanti legali fu respinta dal costituente. Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 10) respinge il diritto di voto dei minori poiché «di fatto si riduce a un doppio diritto di voto del rappresentante legale e [...] contraddice non solo l'uguaglianza giuridica, ma ancor più la funzione organica del diritto di voto».\n\n**N. 6** **Interdizione**: L'esclusione per «malattia mentale o debolezza mentale» è superata dalla revisione del diritto della protezione degli adulti del 2013. L'art. 136 Cost. deve essere interpretato alla luce dell'art. 14 CC: solo la curatela generale comporta la perdita dei diritti politici. La terminologia obsoleta della Costituzione è deprecabile, ma non cambia l'interpretazione restrittiva.\n\n**N. 7** **Uguaglianza dei diritti politici**: Il cpv. 1 periodo 2 garantisce l'uguaglianza dei diritti politici. Questa comprende l'uguaglianza del valore di conteggio (ogni voto conta ugualmente), ma non l'uguaglianza del valore di successo (ogni voto ha la stessa influenza sul risultato). Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 13) critica che «il periodo 2 dell'art. 136 cpv. 1 rimane sospeso nel vuoto e [...] sarebbe stato meglio non scriverlo», poiché l'uguaglianza deriva già dall'art. 8 Cost.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** **Diritto di voto attivo**: Gli aventi diritto di voto possono partecipare alle elezioni del Consiglio nazionale e alle votazioni federali (cpv. 2). Il diritto elettorale comprende il diritto di eleggere, ma non di essere eletti (eleggibilità passiva, → Art. 143 Cost.).\n\n**N. 9** **Diritto di iniziativa e di referendum**: Gli aventi diritto di voto possono firmare e lanciare iniziative popolari (→ Art. 138, 139 Cost.) e referendum (→ Art. 140, 141 Cost.). La raccolta di firme su suolo pubblico è protetta come esercizio dei diritti politici (**DTF 135 I 302**).\n\n**N. 10** **Obbligo di partecipazione**: I «doveri» menzionati nel cpv. 1 si riferiscono all'obbligo di voto esistente in singoli Cantoni. A livello federale non esiste obbligo di partecipazione.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** **Età di voto**: La richiesta di abbassare l'età di voto a 16 anni è discussa in modo controverso. I sostenitori come Caroni (Herausforderung Demokratie, ZSR 2013 II 5, 45 ss.) argomentano con la maturità politica dei giovani e l'evoluzione demografica. I critici come Hangartner/Kley (Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2ª ed. 2022, N. 862) rimandano alla necessaria corrispondenza tra diritto di voto e maggiore età civile.\n\n**N. 12** **Svizzeri all'estero**: La parificazione degli Svizzeri all'estero nei diritti politici è controversa. Mentre Aubert/Mahon (Petit commentaire, 2003, Art. 136 N. 4) sostengono una parificazione completa, Biaggini (Komm. BV, 2ª ed. 2017, Art. 136 N. 7) propone limitazioni per le questioni cantonali e comunali a causa del mancato legame.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** **Registro elettorale**: I Cantoni tengono i registri elettorali e sono responsabili della loro correttezza (→ Art. 39 cpv. 2 Cost.). Le opposizioni contro iscrizioni o mancate iscrizioni devono essere dirette alle autorità cantonali.\n\n**N. 14** **Doppi conteggi**: In caso di doppia cittadinanza all'interno della Svizzera occorre assicurarsi che il voto avvenga solo in un Comune. La connessione elettronica dei registri elettorali acquista importanza.\n\n**N. 15** **Regole di astensione**: Nonostante l'uguaglianza dei diritti politici, le regole cantonali di astensione per parlamentari in caso di conflitti di interessi personali possono essere ammissibili, ma non devono escludere generalmente interi gruppi di persone (**DTF 125 I 289**, **DTF 123 I 97**).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Portata dei diritti politici e diritto di voto\n\n**BGE 135 I 302** (19 agosto 2009)\nRaccolta di firme per iniziative popolari su suolo pubblico come esercizio di diritti politici.\nLa raccolta di firme per un'iniziativa popolare costituisce un esercizio dei diritti politici.\n\n> «Non sussiste né per l'esercizio dei diritti politici né per la protezione di altri diritti fondamentali un interesse costituzionale sufficiente a sottoporre a obbligo di autorizzazione le controverse raccolte di firme.»\n\n### Uguaglianza dei diritti politici\n\n**BGE 147 I 194** (30 giugno 2021)\nIniziativa sulle imprese responsabili - Violazione dell'uguaglianza dei diritti politici attraverso la maggioranza degli Stati.\nLa decisione definisce i limiti dell'uguaglianza dei diritti politici nelle votazioni popolari.\n\n> «Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, i vizi nella preparazione di elezioni e votazioni devono essere contestati immediatamente e prima dello svolgimento della consultazione elettorale, altrimenti l'avente diritto di voto decade in linea di principio dal suo diritto di ricorso. [...] La limitazione dell'uguaglianza del valore del voto è voluta costituzionalmente e vincolante per il Tribunale federale.»\n\n### Ricusazione di parlamentari con conflitto d'interessi\n\n**BGE 125 I 289** (28 aprile 1999)\nEsclusione di dipendenti cantonali nel parlamento nelle votazioni di diritto del personale.\nLa decisione precisa i limiti del diritto di voto in caso di conflitti d'interesse.\n\n> «L'esclusione generale dei parlamentari al servizio del cantone dalle votazioni su determinati atti normativi di diritto del personale è (almeno nella forma qui da giudicare) incompatibile con il diritto di voto.»\n\n**BGE 123 I 97** (28 maggio 1997)\nDecisione di principio sull'obbligo di ricusazione dei parlamentari cantonali.\nLa sentenza stabilisce quando i dipendenti cantonali possono essere esclusi dalle votazioni.\n\n> «Se l'elezione di dipendenti cantonali nel Gran Consiglio è ammissibile, tali gran consiglieri non possono essere dichiarati generalmente soggetti all'obbligo di ricusazione nelle votazioni in parlamento su atti normativi e decisioni di diritto del personale.»\n\n### Suddivisione dei collegi elettorali e uguaglianza elettorale\n\n**BGE 129 I 185** (18 dicembre 2002)\nIncostituzionalità della suddivisione dei collegi elettorali per il parlamento cittadino di Zurigo.\nLa decisione di principio sulla configurazione conforme al principio di uguaglianza giuridica dei collegi elettorali.\n\n> «I ricorrenti hanno diritto di voto ed eleggibilità nella città di Zurigo. Sono pertanto legittimati al ricorso di diritto di voto concernente le elezioni del consiglio comunale della città di Zurigo.»\n\n### Requisito di domicilio come presupposto di eleggibilità\n\n**BGE 128 I 34** (12 settembre 2001)\nViolazione del diritto di voto attraverso l'inosservanza dell'obbligo di domicilio per i governatori distrettuali.\nLa sentenza conferma il requisito di domicilio come presupposto di eleggibilità conforme alla costituzione.\n\n> «L'obbligo di domicilio rientra, come le classiche disposizioni di incompatibilità, nell'ambito di protezione dei diritti politici contemplato dall'art. 85 lett. a OG. [...] Il diritto di voto include secondo la giurisprudenza del Tribunale federale il diritto che le autorità elette dal popolo non siano occupate da persone che non possono assumere una determinata carica a causa di un'incompatibilità o di un presupposto di eleggibilità mancante.»", "summary_en": "# Art. 136 Federal Constitution — Political Rights\n\n## Overview\n\nArt. 136 Federal Constitution regulates in two paragraphs who may vote and elect in federal matters in Switzerland. The first paragraph establishes that all Swiss citizens aged 18 and above are entitled to vote. Only persons under comprehensive deputyship (formerly: disenfranchisement due to mental illness or mental weakness) are excluded. According to the case law of the Federal Supreme Court, these requirements are exhaustively regulated (**BGE 135 I 302**). The legislature may neither add new conditions nor change existing ones, as the BSK commentary states (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\nThe second paragraph lists the specific rights: participation in National Council elections and federal votes as well as the right to sign or launch popular initiatives and referendums. The equality of all political rights means that every vote counts equally (equality of counting value).\n\nAll Swiss nationals aged 18 and above are affected. About 5.4 million persons can exercise their political rights today. Swiss citizens abroad are also entitled to vote in principle.\n\nThe most important legal consequence is the active voting right in federal elections and votes. Violations of the equality of political rights can lead to electoral challenges, as the case law on constituency division shows (**BGE 129 I 185**).\n\nA practical example: A 17-year-old Swiss citizen may not yet vote, even if she is already working. On the day of her 18th birthday, she automatically becomes entitled to vote. A Swiss citizen under comprehensive deputyship loses his political rights, but can regain them if the measure is lifted.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current provision of Art. 136 Cst. dates back to the total revision of the Federal Constitution of 1999 and continues the tradition of political rights from Art. 43 old Cst. The reduction of the voting age from 20 to 18 years already took place in 1991 through popular vote (BBl 1991 I 1201). The formulation of the grounds for disqualification was modernised, whereby the reference to «mental illness or mental deficiency» was maintained despite contemporary criticism (BBl 1997 I 1, 390). The constituent power deliberately decided against a gender-neutral formulation and maintained the explicit mention of «Swiss women and men» in order to constitutionally anchor the political equality of women that was only achieved in 1971.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 2** Art. 136 Cst. forms the foundation of political rights at the federal level and systematically stands at the beginning of the chapter on political rights (Art. 136–142 Cst.). The provision concretises the political rights guaranteed in Art. 34 Cst. as a fundamental right for the federal level. It is closely related to:\n- → Art. 2 para. 1 Cst. (principle of democracy)\n- → Art. 8 Cst. (equality before the law)\n- → Art. 34 Cst. (political rights as fundamental right)\n- ↔ Art. 39 Cst. (exercise of political rights)\n- → Art. 143 Cst. (voting rights)\n- → Art. 149 para. 2 Cst. (eligibility for the National Council)\n\n**N. 3** The norm is conceived as a conclusive regulation of the voting requirements at the federal level. The legislature may neither add new requirements nor modify the stated requirements (Tschannen, BSK BV, Art. 136 N. 7).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 4** **Nationality**: Voting rights require Swiss nationality. Dual citizens are entitled to vote provided they meet the other requirements. The voting right for Swiss abroad is guaranteed by Art. 40 Cst.\n\n**N. 5** **Majority**: The 18th year of age must be completed. The day of the 18th birthday is decisive, not the calendar year. The discussion about a further reduction of the voting age or a children's voting right through legal representatives was rejected by the constituent power. Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 10) rejects the children's voting right because it «de facto amounts to a double voting right of the legal representative and [...] contradicts not only equality before the law, but even more the organ function of the voting right».\n\n**N. 6** **Deprivation of civil rights**: The exclusion due to «mental illness or mental deficiency» has been obsolete since the revision of adult protection law in 2013. Art. 136 Cst. must be interpreted in light of Art. 14 CC: Only comprehensive deputyship leads to the loss of political rights. The outdated terminology of the Constitution is regrettable, but does not change the restrictive interpretation.\n\n**N. 7** **Equality of political rights**: Paragraph 1 sentence 2 guarantees the equality of political rights. This includes equality of counting value (each vote counts equally), but not equality of success value (each vote has equal influence on the result). Tschannen (BSK BV, Art. 136 N. 13) criticises that «sentence 2 of Art. 136 para. 1 hangs in the air and [...] would have been better not written», since equality already follows from Art. 8 Cst.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** **Active voting right**: Those entitled to vote may participate in National Council elections and federal votes (para. 2). The right to vote includes the right to elect, but not to be elected (passive eligibility, → Art. 143 Cst.).\n\n**N. 9** **Right of initiative and referendum**: Those entitled to vote may sign and launch popular initiatives (→ Art. 138, 139 Cst.) and referendums (→ Art. 140, 141 Cst.). The collection of signatures on public ground is protected as an exercise of political rights (**BGE 135 I 302**).\n\n**N. 10** **Obligation to participate**: The «duties» mentioned in para. 1 refer to the compulsory voting that exists in individual cantons. At the federal level there is no obligation to participate.\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 11** **Voting age**: The demand for a reduction of the voting age to 16 years is controversially discussed. Supporters like Caroni (Herausforderung Demokratie, ZSR 2013 II 5, 45 ff.) argue with the political maturity of young people and demographic development. Critics like Hangartner/Kley (Die demokratischen Rechte in Bund und Kantonen, 2nd ed. 2022, N. 862) refer to the necessary correspondence between voting rights and civil law majority.\n\n**N. 12** **Swiss abroad**: The equal treatment of Swiss abroad regarding political rights is disputed. While Aubert/Mahon (Petit commentaire, 2003, Art. 136 N. 4) support complete equal treatment, Biaggini (Komm. BV, 2nd ed. 2017, Art. 136 N. 7) argues for restrictions on cantonal and communal matters due to the lack of connection.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 13** **Electoral register**: The cantons maintain the electoral registers and are responsible for their accuracy (→ Art. 39 para. 2 Cst.). Objections to entries or non-entries are to be directed to the cantonal authorities.\n\n**N. 14** **Double counting**: In case of dual citizenship within Switzerland, it must be ensured that voting takes place only in one municipality. The electronic networking of electoral registers is gaining importance.\n\n**N. 15** **Recusal rules**: Despite the equality of political rights, cantonal recusal rules for parliamentarians in cases of personal conflicts of interest may be permissible, but may not generally exclude entire groups of persons (**BGE 125 I 289**, **BGE 123 I 97**).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Scope of Political Rights and Voting Rights\n\n**BGE 135 I 302** (19 August 2009)\nCollection of signatures for popular initiatives on public property as exercise of political rights.\nCollecting signatures for a popular initiative constitutes an exercise of political rights.\n\n> «There exists neither with regard to the exercise of political rights nor for the protection of other fundamental rights exercise a sufficient constitutional interest to subject the disputed signature collections to an authorization requirement.»\n\n### Equality of Political Rights\n\n**BGE 147 I 194** (30 June 2021)\nCorporate Responsibility Initiative - Violation of equality of political rights by cantonal majority.\nThe decision defines the limits of equality of political rights in popular votes.\n\n> «According to Federal Supreme Court case law, defects in the preparation of elections and votes must be challenged immediately and before the ballot is conducted, otherwise the voter forfeits his right to appeal in principle. [...] The restriction of voting power equality is constitutionally intended and binding for the Federal Supreme Court.»\n\n### Recusal of Parliamentarians with Conflicts of Interest\n\n**BGE 125 I 289** (28 April 1999)\nExclusion of cantonal employees in parliament from personnel-related votes.\nThe decision clarifies the limits of voting rights in cases of conflicts of interest.\n\n> «The general exclusion of parliamentarians in the service of the canton from votes on certain personnel-related enactments is (at least in the form to be assessed here) incompatible with voting rights.»\n\n**BGE 123 I 97** (28 May 1997)\nFundamental decision on the recusal obligation of cantonal parliamentarians.\nThe judgment establishes when cantonal employees can be excluded from votes.\n\n> «If the election of cantonal employees to the Grand Council is permissible, such Grand Councillors cannot be generally declared subject to recusal obligations in parliamentary votes on personnel-related enactments and decisions.»\n\n### Electoral District Division and Electoral Equality\n\n**BGE 129 I 185** (18 December 2002)\nUnconstitutionality of electoral district division for the Zurich city parliament.\nThe fundamental decision on the legally equal design of electoral districts.\n\n> «The appellants are entitled to vote and stand for election in the city of Zurich. Therefore they have standing to file a voting rights appeal concerning the municipal council elections of the city of Zurich.»\n\n### Residence Requirement as Eligibility Prerequisite\n\n**BGE 128 I 34** (12 September 2001)\nViolation of voting rights through disregard of residence obligation for district governors.\nThe judgment confirms the residence requirement as a constitutional eligibility prerequisite.\n\n> «The residence obligation counts, like the classical incompatibility provisions, among the scope of protection of political rights covered by Art. 85 lit. a OG. [...] According to Federal Supreme Court case law, voting rights include the claim that authorities elected by the people are not staffed with persons who may not assume a certain office due to an incompatibility or a missing eligibility prerequisite.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_136", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 137, "article_suffix": "", "title": "Politische Parteien", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 137 BV — Politische Parteien\n\n## Übersicht\n\nArt. 137 BV anerkennt die Rolle politischer Parteien im schweizerischen Demokratiesystem. Die Bestimmung hält fest, dass Parteien an der Meinungs- und Willensbildung des Volkes mitwirken. Politische Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die gemeinsame politische Ziele verfolgen und sich an Wahlen und Abstimmungen beteiligen (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8).\n\nDie Norm hat nach herrschender Lehre vor allem anerkennenden Charakter. Sie begründet keine unmittelbaren Rechte der Parteien auf staatliche Unterstützung (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4). Der Verfassungsgeber wollte ausdrücklich keine Finanzierungsgrundlage schaffen, wie der Berichterstatter im Ständerat klarstellte (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Dennoch ist umstritten, ob die Bestimmung nur beschreibend oder auch normativ zu verstehen ist (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\nParteien organisieren sich meist als Vereine nach Zivilrecht. Sie rekrutieren politisches Personal, führen Wahlkampagnen durch und nehmen Stellung zu Sachfragen. Das Bundesgericht betont ihre zentrale Bedeutung für eine lebendige Demokratie (**BGE 113 Ia 291**). Gleichzeitig verlangt es bei staatlicher Unterstützung strikte Neutralität und Chancengleichheit.\n\nEin konkretes Beispiel: Die SP Schweiz ist ein Verein nach ZGB, der bei Wahlen Kandidaten aufstellt, Volksinitiativen lanciert und im Parlament eine Fraktion bildet. Diese Tätigkeiten sind Ausdruck der Mitwirkung an der Meinungs- und Willensbildung nach Art. 137 BV. Würde eine Gemeinde nur bestimmte Parteien finanziell unterstützen, verletzte sie die Chancengleichheit (**BGE 124 I 55**).", "doctrine_de": "# Art. 137 BV — Politische Parteien\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Aufnahme eines Parteiartikels in die Bundesverfassung wurde im Rahmen der Totalrevision intensiv diskutiert. Die Verfassungskommission des Ständerats wollte ursprünglich eine umfassendere Regelung mit Bestimmungen zur Parteienfinanzierung aufnehmen. Im parlamentarischen Verfahren setzte sich jedoch eine minimalistische Lösung durch. Der Berichterstatter im Ständerat stellte klar: «Die Kommission sei klar der Auffassung, dass diese Bestimmung keine Finanzierungsgrundlage darstellt» (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Die Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 zur neuen Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 347) betonte, dass mit Art. 137 lediglich die faktische Rolle der Parteien verfassungsrechtlich anerkannt werden sollte, ohne neue Rechte oder Pflichten zu begründen.\n\n**N. 2** In der Vernehmlassung wurde kontrovers diskutiert, ob die Bestimmung rein deskriptiven oder normativen Charakter haben solle. Die Ratsprotokollen zeigen, dass die Kommissionsmehrheit Art. 137 als bloss deskriptiv verstand (Frick, zitiert bei Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6). Dennoch setzte sich in der Lehre die Auffassung durch, dass der Parteienartikel normativ zu verstehen sei, auch wenn sein Regelungsgehalt gering sein mag (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 137 BV steht im 4. Titel (Volk und Stände) der Bundesverfassung, unmittelbar vor den Bestimmungen über die Volksinitiative (→ Art. 138–142 BV) und nach den Vorschriften über die Ausübung der politischen Rechte (→ Art. 136 BV). Diese systematische Stellung unterstreicht die Rolle der Parteien als Bindeglied zwischen den Stimmberechtigten und den staatlichen Institutionen.\n\n**N. 4** Die Bestimmung weist enge Verbindungen zu den Grundrechten auf, insbesondere zur Vereinigungsfreiheit (→ Art. 23 BV), zur Meinungsfreiheit (→ Art. 16 BV) und zur Versammlungsfreiheit (→ Art. 22 BV). Politische Parteien sind primär privatrechtliche Vereine im Sinne von Art. 60 ff. ZGB, deren besondere Funktion im demokratischen System durch Art. 137 BV verfassungsrechtlich anerkannt wird (Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 45 ff.).\n\n**N. 5** Im Kontext der politischen Rechte (→ Art. 34 BV) konkretisiert Art. 137 BV die institutionelle Dimension der demokratischen Partizipation. Die Parteien fungieren als Vermittler zwischen der individualrechtlichen Dimension der politischen Rechte und der kollektiven Willensbildung des Volkes.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **«Die politischen Parteien»**: Der Verfassungsgeber verwendet bewusst den unbestimmten Begriff der «politischen Partei» ohne nähere Definition. Nach der herrschenden Lehre (Rhinow, recht 1986, 108; Ladner, in: Klöti, Handbuch, 321 f.; Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 67 ff.) sind politische Parteien Vereinigungen von Bürgern, die:\n- auf Dauer angelegt sind\n- gemeinsame politische Ziele verfolgen  \n- an der politischen Meinungs- und Willensbildung mitwirken wollen\n- sich an Wahlen und Abstimmungen beteiligen\n\n**N. 7** Die Rechtsform ist nicht entscheidend. Parteien organisieren sich regelmässig als Vereine nach Art. 60 ff. ZGB, können aber auch formlos bestehen. Entscheidend ist die faktische Funktion im politischen System (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8–10). Das umstrittene Parteienregister auf Bundesebene (Art. 76a Abs. 1 BPR) ändert nichts an der grundsätzlichen Formfreiheit, wird aber von Teilen der Lehre als Verletzung der politischen Gleichheit kritisiert (Schiess Rütimann, ZBl 2006, 512 f.).\n\n**N. 8** **«wirken ... mit»**: Die Mitwirkung umfasst sämtliche legitimen Formen politischer Betätigung: Organisation von Wahlkampagnen, Lancierung von Initiativen und Referenden, Stellungnahmen zu politischen Sachfragen, Rekrutierung und Ausbildung von politischem Personal, parlamentarische Fraktionsarbeit (→ Art. 61 ParlG). Die Formulierung ist bewusst offen gehalten und schliesst neue Formen politischer Partizipation nicht aus.\n\n**N. 9** **«an der Meinungs- und Willensbildung»**: Die Verfassung unterscheidet zwischen Meinungsbildung (Diskurs, Deliberation) und Willensbildung (Entscheidung, Abstimmung). Parteien sind in beiden Phasen aktiv: Sie strukturieren den öffentlichen Diskurs, aggregieren Interessen, formulieren Alternativen und mobilisieren für konkrete Entscheidungen. Diese Doppelfunktion macht sie zu unverzichtbaren Akteuren der Demokratie (Rhinow, VVDStRL 1986, 91 ff.).\n\n**N. 10** **«des Volkes»**: Der Volksbegriff ist im Sinne von Art. 136 BV als Gesamtheit der Stimmberechtigten zu verstehen. Die Parteien wirken somit an der Bildung des demokratischen Gemeinwillens mit, sind aber nicht dessen alleinige Träger. Bürgerinitiativen, Verbände und andere Organisationen der Zivilgesellschaft haben ebenfalls ihren Platz im demokratischen Prozess.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Art. 137 BV begründet nach herrschender Lehre keine unmittelbaren subjektiven Rechte der Parteien (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4; Rhinow, recht 1986, 117). Die Bestimmung hat primär objektiv-rechtlichen Charakter und anerkennt die Parteien als notwendige Institutionen der Demokratie.\n\n**N. 12** Als institutionelle Garantie verpflichtet Art. 137 BV den Gesetzgeber, die Rahmenbedingungen für die Parteitätigkeit so auszugestalten, dass die Parteien ihre verfassungsmässige Funktion erfüllen können. Dazu gehören:\n- Gewährleistung der Vereinigungsfreiheit für politische Zwecke\n- Chancengleichheit im politischen Wettbewerb  \n- Zugang zu den Medien unter Wahrung der Meinungsvielfalt\n- Schutz vor staatlicher Bevormundung oder Diskriminierung\n\n**N. 13** Umstritten ist, ob Art. 137 BV eine verfassungsrechtliche Grundlage für die staatliche Parteienfinanzierung bildet. Die Entstehungsgeschichte spricht dagegen (oben N. 1). Die neuere Lehre bejaht jedoch zumindest die Zulässigkeit staatlicher Förderung, sofern sie die Chancengleichheit wahrt (Caroni, ZSR 2013 II, 45 ff.; Belser/Hänni, in: FS Borghi, 2011, 38 ff.). Die konkrete Ausgestaltung bleibt dem Gesetzgeber überlassen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Rechtsnatur von Art. 137 BV**: Der zentrale Streitpunkt betrifft die Rechtsnatur der Bestimmung. Frick (zitiert bei Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6) vertritt unter Berufung auf die Ratsverhandlungen die Position, Art. 137 sei rein deklaratorisch. Demgegenüber betont Tschannen (BSK BV, Art. 137 N. 2), der Parteienartikel müsse normativ verstanden werden, auch wenn der Regelungsgehalt gering sein mag. Diese Kontroverse hat praktische Konsequenzen für die Ableitung konkreter Rechte und Pflichten aus der Bestimmung.\n\n**N. 15** **Parteienfinanzierung**: Heftig umstritten ist die Frage der Transparenz und staatlichen Förderung. Caroni (Geld und Politik, 2009, 234 ff.) plädiert für umfassende Offenlegungspflichten nach internationalem Vorbild. Konservative Stimmen warnen vor einer Verstaatlichung der Parteien und betonen deren privatrechtlichen Charakter (Schmid, Politische Parteien, 1981, 156 ff.). Der Gesetzgeber hat sich bisher zurückhaltend gezeigt.\n\n**N. 16** **Parteienregister**: Schiess Rütimann (ZBl 2006, 522 f.) kritisiert das Parteienregister nach Art. 76a BPR als «Verletzung der politischen Gleichheit und Überdehnung von Art. 137 BV». Sie argumentiert, die Registrierung schaffe ungerechtfertigte Privilegien für etablierte Parteien. Befürworter sehen darin ein legitimes Ordnungsinstrument zur Gewährleistung der Transparenz im Wahlverfahren.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Politische Parteien sollten sich als Vereine nach Art. 60 ff. ZGB konstituieren, um Rechtspersönlichkeit zu erlangen. Die Statuten müssen die Anforderungen von Art. 60 Abs. 2 ZGB erfüllen (Zweck, Mittel, Organisation). Für die Eintragung ins Parteienregister nach Art. 76a BPR sind zusätzlich die Voraussetzungen von Art. 24 BPR zu beachten.\n\n**N. 18** Bei staatlichen Beiträgen an Parteien ist strikt auf Chancengleichheit zu achten. Verteilschlüssel müssen transparent und sachlich begründet sein. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 113 Ia 291; BGE 124 I 55) verlangt Neutralität und Verhältnismässigkeit. Bevorzugungen etablierter Parteien sind nur bei sachlichen Gründen (z.B. Sperrklauseln) zulässig.\n\n**N. 19** Im digitalen Zeitalter gewinnen neue Formen der politischen Partizipation an Bedeutung. Parteien müssen sich der Herausforderung stellen, traditionelle Organisations- und Kommunikationsformen mit digitalen Instrumenten zu verbinden. Dabei sind datenschutzrechtliche Vorgaben (→ Art. 13 Abs. 2 BV) zu beachten, insbesondere bei der Verarbeitung von Mitglieder- und Sympathisantendaten.", "caselaw_de": "# Art. 137 BV — Politische Parteien\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Bedeutung der Bestimmung\n\nZu Art. 137 BV als solchem existiert nur sehr begrenzte bundesgerichtliche Rechtsprechung. Dies ist bezeichnend für den programmatischen Charakter der Bestimmung, die keine unmittelbaren subjektiven Rechte begründet, sondern die verfassungsrechtliche Anerkennung der Rolle politischer Parteien im demokratischen System normiert.\n\n### I. Parteien im demokratischen Willensbildungsprozess\n\n**BGE 113 Ia 291** vom 3. Juni 1987  \n*Finanzierung von Wahlinseraten durch das Gemeinwesen*  \nDas Bundesgericht betont die zentrale Rolle der Parteien im demokratischen Willensbildungsprozess und deren Bedeutung für eine lebendige Demokratie. Es erklärt aber zugleich Grenzen staatlicher Parteiförderung auf.\n\n> «Das Verfassungsrecht des Bundes verbietet nicht, Parteien und ihre Fraktionen finanziell oder anderweitig zu unterstützen, ja solche Massnahmen können sich heute im Interesse einer lebendigen Demokratie geradezu als notwendig erweisen. Erfolgen solche Hilfeleistungen indessen im Rahmen eines Wahlkampfes, so sind sie wie direkte Interventionen nur zulässig, wenn sie sich in bezug auf die Willensbildung und Willensbetätigung der Wähler als klarerweise neutral erweisen.»\n\n**BGE 124 I 55** vom 1. April 1998  \n*Staatliche Beiträge an Parteien bei Wahlen*  \nDas Gericht konkretisiert die Grundsätze für staatliche Parteifinanzierung und deren verfassungsrechtliche Grenzen unter dem Aspekt der Chancengleichheit.\n\n> «Mit der vorliegenden Beschwerde erhebt die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen finanziellen Beitrag für ihre Beteiligung an den Grossratswahlen. Die Beschwerde betrifft damit einen Bereich, der mit Förderung, Unterstützung und Finanzierung von politischen Parteien umschrieben werden kann. Dieses Thema wird im Ausland und in neuerer Zeit auch in der Schweiz auf breiter Basis diskutiert.»\n\n### II. Programmatischer Charakter verfassungsrechtlicher Parteibestimmungen\n\n**BGE 131 I 366** vom 3. Mai 2005  \n*Berücksichtigung politischer Richtungen bei Ämterbesetzung*  \nDas Bundesgericht stellt klar, dass verfassungsrechtliche Bestimmungen über politische Parteien in der Regel programmatischen Charakter haben und keine unmittelbaren subjektiven Rechte begründen.\n\n> «Die Bestimmung von Art. 60 KV/SO, wonach bei der Besetzung öffentlicher Ämter u.a. die politischen Richtungen zu berücksichtigen sind, ist programmatischer Natur und räumt den politischen Parteien kein verfassungsmässiges Recht auf Minderheitsschutz ein.»\n\nDiese Rechtsprechung ist analog auf Art. 137 BV anwendbar, der ebenfalls programmatischen Charakter hat.\n\n### III. Parteien und freie Meinungsbildung\n\n**BGE 150 I 17** vom 22. Februar 2024  \n*Wahrung der freien Willensbildung bei Initiativverfahren*  \nDas jüngste Urteil unterstreicht die Bedeutung des freien politischen Willensbildungsprozesses, an dem politische Parteien massgeblich beteiligt sind.\n\n> «Unter den gegebenen Umständen wäre das kantonale Parlament dazu verpflichtet gewesen, seine Vorlage zur Änderung der Kantonsverfassung der zum gleichen Gegenstand eingereichten kantonalen Volksinitiative als formellen Gegenvorschlag gegenüberzustellen, damit die Stimmberechtigten gleichzeitig darüber abstimmen können.»\n\nDas Urteil betont den Schutz der freien Willensbildung der Stimmberechtigten, zu der auch die Mitwirkung politischer Parteien gehört.\n\n### IV. Neutralitätsgebot und Chancengleichheit\n\nAus der ständigen Rechtsprechung zu staatlichen Interventionen im politischen Prozess ergeben sich wichtige Grundsätze für das Verhältnis zwischen Staat und politischen Parteien:\n\n- **Neutralitätsgebot**: Der Staat muss sich gegenüber verschiedenen politischen Richtungen neutral verhalten\n- **Chancengleichheit**: Alle Parteien haben Anspruch auf gleiche Behandlung durch staatliche Stellen  \n- **Verhältnismässigkeit**: Staatliche Massnahmen müssen dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit genügen\n\n### Bedeutung für Art. 137 BV\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 137 BV keine justiziablen Individualrechte begründet, sondern die verfassungsrechtliche Anerkennung der Parteien als wesentliche Akteure der demokratischen Meinungs- und Willensbildung normiert. Die Bestimmung hat primär deklaratorischen Charakter und bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für die einfachgesetzliche Ausgestaltung des Parteienrechts sowie für staatliche Massnahmen zur Förderung des demokratischen Pluralismus.", "summary_fr": "# Art. 137 Cst. — Partis politiques\n\n## Aperçu\n\nL'art. 137 Cst. reconnaît le rôle des partis politiques dans le système démocratique suisse. La disposition établit que les partis participent à la formation de l'opinion et de la volonté du peuple. Les partis politiques sont des associations de citoyens qui poursuivent des objectifs politiques communs et participent aux élections et aux votations (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8).\n\nSelon la doctrine dominante, la norme a avant tout un caractère de reconnaissance. Elle ne fonde aucun droit direct des partis à un soutien étatique (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4). Le constituant n'a expressément pas voulu créer de base de financement, comme l'a précisé le rapporteur au Conseil des États (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Il est néanmoins contesté de savoir si la disposition doit être comprise uniquement de manière descriptive ou également de manière normative (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\nLes partis s'organisent généralement en associations de droit civil. Ils recrutent le personnel politique, mènent des campagnes électorales et prennent position sur les questions de fond. Le Tribunal fédéral souligne leur importance centrale pour une démocratie vivante (**ATF 113 Ia 291**). En même temps, il exige en cas de soutien étatique une neutralité stricte et l'égalité des chances.\n\nUn exemple concret : Le PS Suisse est une association selon le CC qui présente des candidats aux élections, lance des initiatives populaires et forme un groupe au Parlement. Ces activités sont l'expression de la participation à la formation de l'opinion et de la volonté selon l'art. 137 Cst. Si une commune ne soutenait financièrement que certains partis, elle violerait l'égalité des chances (**ATF 124 I 55**).", "doctrine_fr": "# Art. 137 Cst — Partis politiques\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'inclusion d'un article sur les partis dans la Constitution fédérale a fait l'objet de discussions intenses lors de la révision totale. La Commission constitutionnelle du Conseil des États voulait à l'origine adopter une réglementation plus complète comprenant des dispositions sur le financement des partis. Dans la procédure parlementaire, c'est toutefois une solution minimaliste qui s'est imposée. Le rapporteur au Conseil des États a précisé : « La Commission est clairement d'avis que cette disposition ne constitue aucun fondement de financement » (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Le message du Conseil fédéral du 20 novembre 1996 concernant la nouvelle Constitution fédérale (FF 1997 I 1, 347) soulignait qu'avec l'art. 137, seul le rôle factuel des partis devait être reconnu sur le plan constitutionnel, sans créer de nouveaux droits ou obligations.\n\n**N. 2** Lors de la consultation, il y eut des discussions controversées sur la question de savoir si la disposition devait avoir un caractère purement descriptif ou normatif. Les procès-verbaux des conseils montrent que la majorité de la commission comprenait l'art. 137 comme purement descriptif (Frick, cité dans Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6). Néanmoins, la doctrine a fini par adopter la conception selon laquelle l'article sur les partis devait être compris de manière normative, même si son contenu réglementaire peut être faible (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 137 Cst se trouve dans le 4e titre (Peuple et cantons) de la Constitution fédérale, directement avant les dispositions sur l'initiative populaire (→ art. 138–142 Cst) et après les prescriptions sur l'exercice des droits politiques (→ art. 136 Cst). Cette position systématique souligne le rôle des partis comme lien entre les ayants droit de vote et les institutions étatiques.\n\n**N. 4** La disposition présente des liens étroits avec les droits fondamentaux, notamment la liberté d'association (→ art. 23 Cst), la liberté d'opinion (→ art. 16 Cst) et la liberté de réunion (→ art. 22 Cst). Les partis politiques sont principalement des associations de droit privé au sens des art. 60 ss CC, dont la fonction particulière dans le système démocratique est reconnue constitutionnellement par l'art. 137 Cst (Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 45 ss).\n\n**N. 5** Dans le contexte des droits politiques (→ art. 34 Cst), l'art. 137 Cst concrétise la dimension institutionnelle de la participation démocratique. Les partis fonctionnent comme médiateurs entre la dimension de droit individuel des droits politiques et la formation collective de la volonté du peuple.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 6** **« Les partis politiques »** : Le constituant utilise délibérément la notion indéterminée de « parti politique » sans définition plus précise. Selon la doctrine dominante (Rhinow, recht 1986, 108 ; Ladner, in: Klöti, Handbuch, 321 s. ; Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 67 ss), les partis politiques sont des associations de citoyens qui :\n- sont constituées pour la durée\n- poursuivent des objectifs politiques communs\n- veulent participer à la formation de l'opinion et de la volonté politiques\n- participent aux élections et aux votations\n\n**N. 7** La forme juridique n'est pas déterminante. Les partis s'organisent régulièrement comme associations selon les art. 60 ss CC, mais peuvent aussi exister de manière informelle. Ce qui est déterminant, c'est la fonction factuelle dans le système politique (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8–10). Le registre des partis controversé au niveau fédéral (art. 76a al. 1 LFDP) ne change rien à la liberté de forme en principe, mais est critiqué par une partie de la doctrine comme violation de l'égalité politique (Schiess Rütimann, ZBl 2006, 512 s.).\n\n**N. 8** **« concourent »** : Le concours englobe toutes les formes légitimes d'activité politique : organisation de campagnes électorales, lancement d'initiatives et de référendums, prises de position sur des questions politiques concrètes, recrutement et formation du personnel politique, travail des groupes parlementaires (→ art. 61 LParl). La formulation est délibérément ouverte et n'exclut pas les nouvelles formes de participation politique.\n\n**N. 9** **« à la formation de l'opinion et de la volonté »** : La Constitution distingue entre formation de l'opinion (discours, délibération) et formation de la volonté (décision, votation). Les partis sont actifs dans les deux phases : ils structurent le discours public, agrègent les intérêts, formulent des alternatives et mobilisent pour des décisions concrètes. Cette double fonction en fait des acteurs indispensables de la démocratie (Rhinow, VVDStRL 1986, 91 ss).\n\n**N. 10** **« du peuple »** : La notion de peuple doit être comprise au sens de l'art. 136 Cst comme l'ensemble des ayants droit de vote. Les partis concourent ainsi à la formation de la volonté commune démocratique, mais n'en sont pas les seuls porteurs. Les initiatives citoyennes, les associations et autres organisations de la société civile ont également leur place dans le processus démocratique.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 11** L'art. 137 Cst ne fonde selon la doctrine dominante aucun droit subjectif immédiat des partis (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4 ; Rhinow, recht 1986, 117). La disposition a un caractère principalement objectif-juridique et reconnaît les partis comme institutions nécessaires de la démocratie.\n\n**N. 12** En tant que garantie institutionnelle, l'art. 137 Cst oblige le législateur à aménager les conditions-cadres de l'activité des partis de manière à ce que les partis puissent remplir leur fonction constitutionnelle. Cela comprend :\n- la garantie de la liberté d'association à des fins politiques\n- l'égalité des chances dans la concurrence politique\n- l'accès aux médias dans le respect de la diversité d'opinion\n- la protection contre la tutelle ou la discrimination étatique\n\n**N. 13** Il est controversé de savoir si l'art. 137 Cst constitue un fondement constitutionnel pour le financement étatique des partis. L'historique parle contre (ci-dessus N. 1). La doctrine plus récente admet toutefois au moins l'admissibilité d'un encouragement étatique, pour autant qu'il préserve l'égalité des chances (Caroni, ZSR 2013 II, 45 ss ; Belser/Hänni, in: FS Borghi, 2011, 38 ss). L'aménagement concret reste confié au législateur.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 14** **Nature juridique de l'art. 137 Cst** : Le point controversé central concerne la nature juridique de la disposition. Frick (cité dans Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6) défend, en se référant aux débats parlementaires, la position selon laquelle l'art. 137 serait purement déclaratoire. À l'inverse, Tschannen (BSK BV, Art. 137 N. 2) souligne que l'article sur les partis doit être compris de manière normative, même si le contenu réglementaire peut être faible. Cette controverse a des conséquences pratiques pour la déduction de droits et d'obligations concrètes de la disposition.\n\n**N. 15** **Financement des partis** : La question de la transparence et de l'encouragement étatique est vivement controversée. Caroni (Geld und Politik, 2009, 234 ss) plaide pour des obligations complètes de divulgation selon le modèle international. Des voix conservatrices mettent en garde contre une étatisation des partis et soulignent leur caractère de droit privé (Schmid, Politische Parteien, 1981, 156 ss). Le législateur s'est montré réservé jusqu'à présent.\n\n**N. 16** **Registre des partis** : Schiess Rütimann (ZBl 2006, 522 s.) critique le registre des partis selon l'art. 76a LFDP comme « violation de l'égalité politique et extension excessive de l'art. 137 Cst ». Elle argue que l'enregistrement crée des privilèges injustifiés pour les partis établis. Les partisans y voient un instrument d'ordre légitime pour garantir la transparence dans la procédure électorale.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 17** Les partis politiques devraient se constituer comme associations selon les art. 60 ss CC pour acquérir la personnalité juridique. Les statuts doivent remplir les exigences de l'art. 60 al. 2 CC (but, moyens, organisation). Pour l'inscription au registre des partis selon l'art. 76a LFDP, les conditions de l'art. 24 LFDP doivent en outre être observées.\n\n**N. 18** En cas de contributions étatiques aux partis, il faut veiller strictement à l'égalité des chances. Les clés de répartition doivent être transparentes et objectivement justifiées. La jurisprudence du Tribunal fédéral (ATF 113 Ia 291 ; ATF 124 I 55) exige neutralité et proportionnalité. Les privilèges accordés aux partis établis ne sont admissibles qu'en cas de motifs objectifs (p. ex. clauses de barrage).\n\n**N. 19** À l'ère numérique, de nouvelles formes de participation politique gagnent en importance. Les partis doivent relever le défi de combiner les formes traditionnelles d'organisation et de communication avec les instruments numériques. Les prescriptions en matière de protection des données (→ art. 13 al. 2 Cst) doivent être respectées, notamment lors du traitement des données de membres et sympathisants.", "caselaw_fr": "# Art. 137 Cst — Partis politiques\n\n## Jurisprudence\n\n### Signification fondamentale de la disposition\n\nIl n'existe qu'une jurisprudence très limitée du Tribunal fédéral concernant l'art. 137 Cst en tant que tel. Cela est révélateur du caractère programmatique de la disposition, qui ne fonde aucun droit subjectif immédiat, mais qui consacre sur le plan constitutionnel la reconnaissance du rôle des partis politiques dans le système démocratique.\n\n### I. Les partis dans le processus de formation démocratique de la volonté\n\n**ATF 113 Ia 291** du 3 juin 1987  \n*Financement d'annonces électorales par la collectivité publique*  \nLe Tribunal fédéral souligne le rôle central des partis dans le processus de formation démocratique de la volonté et leur importance pour une démocratie vivante. Il fixe toutefois en même temps les limites de l'encouragement étatique des partis.\n\n> « Le droit constitutionnel fédéral n'interdit pas de soutenir financièrement ou autrement les partis et leurs groupes parlementaires ; de telles mesures peuvent même aujourd'hui s'avérer nécessaires dans l'intérêt d'une démocratie vivante. Si de telles prestations d'aide ont lieu dans le cadre d'une campagne électorale, elles ne sont toutefois admissibles, comme les interventions directes, que si elles se révèlent manifestement neutres en ce qui concerne la formation et l'expression de la volonté des électeurs. »\n\n**ATF 124 I 55** du 1er avril 1998  \n*Contributions étatiques aux partis lors d'élections*  \nLe Tribunal concrétise les principes relatifs au financement étatique des partis et ses limites constitutionnelles sous l'aspect de l'égalité des chances.\n\n> « Par le présent recours, la recourante réclame une contribution financière pour sa participation aux élections au Grand Conseil. Le recours concerne ainsi un domaine qui peut être décrit par l'encouragement, le soutien et le financement de partis politiques. Ce thème fait l'objet de discussions approfondies à l'étranger et, plus récemment, également en Suisse. »\n\n### II. Caractère programmatique des dispositions constitutionnelles relatives aux partis\n\n**ATF 131 I 366** du 3 mai 2005  \n*Prise en compte des tendances politiques lors de la nomination aux fonctions*  \nLe Tribunal fédéral précise que les dispositions constitutionnelles concernant les partis politiques ont en règle générale un caractère programmatique et ne fondent aucun droit subjectif immédiat.\n\n> « La disposition de l'art. 60 CV/SO, selon laquelle les tendances politiques doivent notamment être prises en considération lors de la nomination aux fonctions publiques, est de nature programmatique et n'accorde aux partis politiques aucun droit constitutionnel à la protection des minorités. »\n\nCette jurisprudence est applicable par analogie à l'art. 137 Cst, qui a également un caractère programmatique.\n\n### III. Partis et libre formation d'opinion\n\n**ATF 150 I 17** du 22 février 2024  \n*Respect de la libre formation de la volonté dans les procédures d'initiative*  \nL'arrêt le plus récent souligne l'importance du processus de libre formation de la volonté politique, auquel les partis politiques participent de manière déterminante.\n\n> « Dans les circonstances données, le parlement cantonal aurait été tenu de présenter son projet de modification de la constitution cantonale comme contre-projet formel à l'initiative populaire cantonale déposée sur le même objet, afin que les citoyens puissent voter simultanément sur les deux objets. »\n\nL'arrêt souligne la protection de la libre formation de la volonté des citoyens ayant le droit de vote, à laquelle appartient également la participation des partis politiques.\n\n### IV. Devoir de neutralité et égalité des chances\n\nLa jurisprudence constante relative aux interventions étatiques dans le processus politique fait ressortir des principes importants pour les rapports entre l'État et les partis politiques :\n\n- **Devoir de neutralité** : L'État doit se comporter de manière neutre envers les différentes tendances politiques\n- **Égalité des chances** : Tous les partis ont droit à un traitement égal de la part des autorités étatiques  \n- **Proportionnalité** : Les mesures étatiques doivent respecter le principe de la proportionnalité\n\n### Signification pour l'art. 137 Cst\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 137 Cst ne fonde aucun droit individuel justiciable, mais consacre sur le plan constitutionnel la reconnaissance des partis comme acteurs essentiels de la formation démocratique de l'opinion et de la volonté. La disposition a un caractère principalement déclaratoire et constitue le fondement constitutionnel de la réglementation légale du droit des partis ainsi que des mesures étatiques visant à encourager le pluralisme démocratique.", "summary_it": "# Art. 137 Cost. — Partiti politici\n\n## Panoramica\n\nL'art. 137 Cost. riconosce il ruolo dei partiti politici nel sistema democratico svizzero. La disposizione stabilisce che i partiti concorrono alla formazione dell'opinione e della volontà del popolo. I partiti politici sono associazioni di cittadini che perseguono obiettivi politici comuni e partecipano a elezioni e votazioni (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8).\n\nSecondo la dottrina dominante, la norma ha principalmente carattere di riconoscimento. Non fonda diritti immediati dei partiti al sostegno statale (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4). Il costituente non voleva espressamente creare una base per il finanziamento, come chiarì il relatore al Consiglio degli Stati (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Tuttavia è controverso se la disposizione debba essere intesa solo in modo descrittivo o anche normativo (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\nI partiti si organizzano per lo più come associazioni secondo il diritto civile. Reclutano personale politico, conducono campagne elettorali e prendono posizione su questioni di merito. Il Tribunale federale sottolinea la loro importanza centrale per una democrazia vivace (**BGE 113 Ia 291**). Al contempo, in caso di sostegno statale, esige stretta neutralità e parità di trattamento.\n\nUn esempio concreto: il PS Svizzera è un'associazione secondo il CC che alle elezioni presenta candidati, lancia iniziative popolari e forma un gruppo parlamentare. Queste attività sono espressione della partecipazione alla formazione dell'opinione e della volontà secondo l'art. 137 Cost. Se un comune sostenesse finanziariamente solo determinati partiti, violerebbe la parità di trattamento (**BGE 124 I 55**).", "doctrine_it": "# Art. 137 Cost. — Partiti politici\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'inserimento di un articolo sui partiti nella Costituzione federale è stato discusso intensamente nel quadro della revisione totale. La commissione costituzionale del Consiglio degli Stati voleva originariamente includere una regolamentazione più completa con disposizioni sul finanziamento dei partiti. Tuttavia, nella procedura parlamentare si impose una soluzione minimalista. Il relatore del Consiglio degli Stati chiarì: «La commissione è chiaramente del parere che questa disposizione non costituisce una base di finanziamento» (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Il messaggio del Consiglio federale del 20 novembre 1996 sulla nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 347) sottolineò che con l'art. 137 si voleva soltanto riconoscere costituzionalmente il ruolo fattuale dei partiti, senza fondare nuovi diritti o doveri.\n\n**N. 2** Nella procedura di consultazione si discusse controversamente se la disposizione dovesse avere carattere puramente descrittivo o normativo. I protocolli consiliari mostrano che la maggioranza della commissione intendeva l'art. 137 come meramente descrittivo (Frick, citato in Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6). Tuttavia, nella dottrina si affermò l'opinione che l'articolo sui partiti vada inteso normativamente, anche se il suo contenuto regolativo può essere modesto (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 137 Cost. si trova nel 4° Titolo (Popolo e Cantoni) della Costituzione federale, immediatamente prima delle disposizioni sull'iniziativa popolare (→ Art. 138–142 Cost.) e dopo le prescrizioni sull'esercizio dei diritti politici (→ Art. 136 Cost.). Questa posizione sistematica sottolinea il ruolo dei partiti come anello di congiunzione tra gli aventi diritto di voto e le istituzioni statali.\n\n**N. 4** La disposizione presenta stretti collegamenti con i diritti fondamentali, in particolare con la libertà di associazione (→ Art. 23 Cost.), la libertà di opinione (→ Art. 16 Cost.) e la libertà di riunione (→ Art. 22 Cost.). I partiti politici sono primariamente associazioni di diritto privato nel senso degli art. 60 seg. CC, la cui funzione particolare nel sistema democratico è riconosciuta costituzionalmente dall'art. 137 Cost. (Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 45 seg.).\n\n**N. 5** Nel contesto dei diritti politici (→ Art. 34 Cost.), l'art. 137 Cost. concretizza la dimensione istituzionale della partecipazione democratica. I partiti fungono da mediatori tra la dimensione di diritto individuale dei diritti politici e la formazione della volontà collettiva del popolo.\n\n### 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** **«I partiti politici»**: Il costituente usa consapevolmente il concetto indeterminato di «partito politico» senza una definizione più precisa. Secondo la dottrina dominante (Rhinow, recht 1986, 108; Ladner, in: Klöti, Handbuch, 321 seg.; Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 67 seg.), i partiti politici sono associazioni di cittadini che:\n- sono costituite durevolmente\n- perseguono obiettivi politici comuni\n- vogliono partecipare alla formazione dell'opinione e della volontà politica\n- partecipano alle elezioni e alle votazioni\n\n**N. 7** La forma giuridica non è determinante. I partiti si organizzano regolarmente come associazioni secondo gli art. 60 seg. CC, ma possono esistere anche informalmente. Determinante è la funzione fattuale nel sistema politico (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8–10). Il controverso registro dei partiti a livello federale (art. 76a cpv. 1 LDP) non cambia nulla nella libertà di forma di principio, ma è criticato da parte della dottrina come violazione dell'uguaglianza politica (Schiess Rütimann, ZBl 2006, 512 seg.).\n\n**N. 8** **«concorrono ...»**: La partecipazione comprende tutte le forme legittime di attività politica: organizzazione di campagne elettorali, lancio di iniziative e referendum, prese di posizione su questioni politiche, reclutamento e formazione di personale politico, lavoro dei gruppi parlamentari (→ Art. 61 LParl). La formulazione è volutamente aperta e non esclude nuove forme di partecipazione politica.\n\n**N. 9** **«alla formazione dell'opinione e della volontà»**: La Costituzione distingue tra formazione dell'opinione (discorso, deliberazione) e formazione della volontà (decisione, votazione). I partiti sono attivi in entrambe le fasi: strutturano il discorso pubblico, aggregano interessi, formulano alternative e mobilitano per decisioni concrete. Questa doppia funzione li rende attori indispensabili della democrazia (Rhinow, VVDStRL 1986, 91 seg.).\n\n**N. 10** **«del popolo»**: Il concetto di popolo va inteso nel senso dell'art. 136 Cost. come totalità degli aventi diritto di voto. I partiti concorrono quindi alla formazione della volontà generale democratica, ma non ne sono i soli portatori. Le iniziative cittadine, le associazioni e altre organizzazioni della società civile hanno anch'esse il loro posto nel processo democratico.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** L'art. 137 Cost. secondo la dottrina dominante non fonda diritti soggettivi immediati dei partiti (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4; Rhinow, recht 1986, 117). La disposizione ha primariamente carattere oggettivo-giuridico e riconosce i partiti come istituzioni necessarie della democrazia.\n\n**N. 12** Come garanzia istituzionale, l'art. 137 Cost. obbliga il legislatore a configurare le condizioni quadro per l'attività dei partiti in modo che questi possano adempiere la loro funzione costituzionale. Ciò include:\n- garanzia della libertà di associazione per scopi politici\n- parità di opportunità nella competizione politica\n- accesso ai media nel rispetto della pluralità delle opinioni\n- protezione da bevormundamento o discriminazione statale\n\n**N. 13** È controverso se l'art. 137 Cost. costituisca una base costituzionale per il finanziamento statale dei partiti. La storia della genesi depone contro (sopra N. 1). La dottrina più recente tuttavia afferma almeno l'ammissibilità del sostegno statale, purché rispetti la parità di opportunità (Caroni, ZSR 2013 II, 45 seg.; Belser/Hänni, in: FS Borghi, 2011, 38 seg.). La configurazione concreta rimane al legislatore.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** **Natura giuridica dell'art. 137 Cost.**: Il punto controverso centrale riguarda la natura giuridica della disposizione. Frick (citato in Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6) sostiene, richiamandosi ai dibattiti consiliari, la posizione che l'art. 137 sia puramente dichiarativo. Al contrario, Tschannen (BSK BV, Art. 137 N. 2) sottolinea che l'articolo sui partiti deve essere inteso normativamente, anche se il contenuto regolativo può essere modesto. Questa controversia ha conseguenze pratiche per la derivazione di diritti e doveri concreti dalla disposizione.\n\n**N. 15** **Finanziamento dei partiti**: È aspramente controversa la questione della trasparenza e del sostegno statale. Caroni (Geld und Politik, 2009, 234 seg.) sostiene obblighi di divulgazione completi secondo il modello internazionale. Voci conservative mettono in guardia da una statalizzazione dei partiti e sottolineano il loro carattere di diritto privato (Schmid, Politische Parteien, 1981, 156 seg.). Il legislatore si è finora mostrato prudente.\n\n**N. 16** **Registro dei partiti**: Schiess Rütimann (ZBl 2006, 522 seg.) critica il registro dei partiti secondo l'art. 76a LDP come «violazione dell'uguaglianza politica e estensione eccessiva dell'art. 137 Cost.». Ella argomenta che la registrazione crea privilegi ingiustificati per i partiti consolidati. I sostenitori vi vedono un legittimo strumento di ordine per garantire la trasparenza nella procedura elettorale.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** I partiti politici dovrebbero costituirsi come associazioni secondo gli art. 60 seg. CC per acquisire personalità giuridica. Gli statuti devono soddisfare i requisiti dell'art. 60 cpv. 2 CC (scopo, mezzi, organizzazione). Per l'iscrizione nel registro dei partiti secondo l'art. 76a LDP sono da osservare inoltre i prerequisiti dell'art. 24 LDP.\n\n**N. 18** In caso di contributi statali ai partiti è da rispettare rigorosamente la parità di opportunità. Le chiavi di ripartizione devono essere trasparenti e fondate su ragioni oggettive. La giurisprudenza del Tribunale federale (DTF 113 Ia 291; DTF 124 I 55) esige neutralità e proporzionalità. Privilegi dei partiti consolidati sono ammissibili solo per motivi oggettivi (p. es. clausole di sbarramento).\n\n**N. 19** Nell'era digitale, nuove forme di partecipazione politica acquistano importanza. I partiti devono affrontare la sfida di combinare forme tradizionali di organizzazione e comunicazione con strumenti digitali. In ciò sono da osservare le prescrizioni di protezione dei dati (→ Art. 13 cpv. 2 Cost.), in particolare nel trattamento di dati di membri e simpatizzanti.", "caselaw_it": "# Art. 137 Cost. — Partiti politici\n\n## Giurisprudenza\n\n### Significato fondamentale della disposizione\n\nSull'art. 137 Cost. in quanto tale esiste solo una giurisprudenza del Tribunale federale molto limitata. Ciò è indicativo del carattere programmatico della disposizione, che non fonda diritti soggettivi immediati, ma norma il riconoscimento costituzionale del ruolo dei partiti politici nel sistema democratico.\n\n### I. Partiti nel processo di formazione della volontà democratica\n\n**DTF 113 Ia 291** del 3 giugno 1987  \n*Finanziamento di inserzioni elettorali da parte dell'ente pubblico*  \nIl Tribunale federale sottolinea il ruolo centrale dei partiti nel processo di formazione della volontà democratica e il loro significato per una democrazia vivace. Al contempo però definisce i limiti del sostegno statale ai partiti.\n\n> «Il diritto costituzionale della Confederazione non vieta di sostenere finanziariamente o in altro modo i partiti e le loro frazioni, anzi tali misure possono oggi rivelarsi addirittura necessarie nell'interesse di una democrazia vivace. Se tuttavia tali aiuti avvengono nel quadro di una campagna elettorale, essi sono ammissibili, come gli interventi diretti, solo se si dimostrano chiaramente neutri rispetto alla formazione della volontà e all'esercizio della volontà degli elettori.»\n\n**DTF 124 I 55** del 1° aprile 1998  \n*Contributi statali ai partiti nelle elezioni*  \nIl Tribunale concretizza i principi per il finanziamento statale dei partiti e i relativi limiti costituzionali sotto l'aspetto della parità di trattamento.\n\n> «Con il presente ricorso la ricorrente rivendica un contributo finanziario per la sua partecipazione alle elezioni del Gran Consiglio. Il ricorso concerne quindi un ambito che può essere descritto con promozione, sostegno e finanziamento di partiti politici. Questo tema viene discusso ampiamente all'estero e negli ultimi tempi anche in Svizzera.»\n\n### II. Carattere programmatico delle disposizioni costituzionali sui partiti\n\n**DTF 131 I 366** del 3 maggio 2005  \n*Considerazione degli orientamenti politici nella nomina alle cariche*  \nIl Tribunale federale chiarisce che le disposizioni costituzionali sui partiti politici hanno di regola carattere programmatico e non fondano diritti soggettivi immediati.\n\n> «La disposizione dell'art. 60 Cost./SO, secondo cui nella nomina alle cariche pubbliche devono essere considerati tra l'altro gli orientamenti politici, ha natura programmatica e non accorda ai partiti politici un diritto costituzionale alla protezione delle minoranze.»\n\nQuesta giurisprudenza è applicabile per analogia all'art. 137 Cost., che ha anch'esso carattere programmatico.\n\n### III. Partiti e libera formazione dell'opinione\n\n**DTF 150 I 17** del 22 febbraio 2024  \n*Tutela della libera formazione della volontà nei procedimenti d'iniziativa*  \nLa sentenza più recente sottolinea l'importanza del libero processo di formazione della volontà politica, al quale i partiti politici partecipano in modo determinante.\n\n> «Nelle circostanze date, il parlamento cantonale sarebbe stato obbligato a contrapporre il suo progetto di modifica della Costituzione cantonale come controprogetto formale all'iniziativa popolare cantonale presentata sullo stesso oggetto, affinché gli aventi diritto di voto potessero votare contemporaneamente su entrambi.»\n\nLa sentenza enfatizza la protezione della libera formazione della volontà degli aventi diritto di voto, alla quale appartiene anche la partecipazione dei partiti politici.\n\n### IV. Obbligo di neutralità e parità di trattamento\n\nDalla giurisprudenza costante sugli interventi statali nel processo politico risultano principi importanti per il rapporto tra Stato e partiti politici:\n\n- **Obbligo di neutralità**: Lo Stato deve comportarsi in modo neutrale verso i diversi orientamenti politici\n- **Parità di trattamento**: Tutti i partiti hanno diritto a un trattamento paritario da parte delle autorità statali  \n- **Proporzionalità**: Le misure statali devono rispettare il principio di proporzionalità\n\n### Significato per l'art. 137 Cost.\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 137 Cost. non fonda diritti individuali giustiziabili, ma norma il riconoscimento costituzionale dei partiti come attori essenziali della formazione democratica dell'opinione e della volontà. La disposizione ha carattere primariamente dichiarativo e costituisce il fondamento costituzionale per la configurazione legale del diritto dei partiti nonché per misure statali di promozione del pluralismo democratico.", "summary_en": "# Art. 137 BV — Political Parties\n\n## Overview\n\nArt. 137 BV recognises the role of political parties in the Swiss democratic system. The provision stipulates that parties participate in the formation of public opinion and the people's will. Political parties are associations of citizens who pursue common political goals and participate in elections and ballots (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8).\n\nAccording to prevailing doctrine, the norm has primarily a recognitive character. It does not establish direct rights of parties to state support (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4). The constitutional legislator explicitly did not want to create a basis for financing, as the rapporteur in the Council of States clarified (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). Nevertheless, it is disputed whether the provision is to be understood merely as descriptive or also as normative (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\nParties usually organise themselves as associations under civil law. They recruit political personnel, conduct election campaigns and take positions on policy issues. The Federal Supreme Court emphasises their central importance for a vibrant democracy (**BGE 113 Ia 291**). At the same time, it requires strict neutrality and equal opportunity when state support is provided.\n\nA concrete example: The SP Switzerland is an association under the Civil Code that fields candidates in elections, launches popular initiatives and forms a parliamentary group in Parliament. These activities are an expression of participation in the formation of opinion and will under Art. 137 BV. If a municipality were to financially support only certain parties, it would violate equal opportunity (**BGE 124 I 55**).", "doctrine_en": "# Art. 137 BV — Political Parties\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The inclusion of a political parties article in the Federal Constitution was intensively discussed during the total revision. The Constitutional Commission of the Council of States originally wanted to include more comprehensive regulation with provisions on party financing. However, a minimalist solution prevailed in the parliamentary procedure. The rapporteur in the Council of States made clear: «The Commission is clearly of the view that this provision does not constitute a basis for financing» (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 24). The Federal Council's message of 20 November 1996 on the new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 347) emphasised that Art. 137 was merely intended to acknowledge the factual role of parties under constitutional law, without creating new rights or duties.\n\n**N. 2** During the consultation procedure, there was controversial discussion about whether the provision should have a purely descriptive or normative character. The council records show that the commission majority understood Art. 137 as merely descriptive (Frick, cited in Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6). Nevertheless, the view prevailed in legal doctrine that the parties article should be understood normatively, even if its regulatory content might be limited (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 2).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 137 BV is located in Title 4 (People and Cantons) of the Federal Constitution, immediately before the provisions on the popular initiative (→ Art. 138–142 BV) and after the provisions on the exercise of political rights (→ Art. 136 BV). This systematic position underlines the role of parties as a link between those entitled to vote and state institutions.\n\n**N. 4** The provision has close connections to fundamental rights, particularly to freedom of association (→ Art. 23 BV), freedom of expression (→ Art. 16 BV) and freedom of assembly (→ Art. 22 BV). Political parties are primarily associations under private law within the meaning of Art. 60 ff. CC, whose special function in the democratic system is constitutionally recognised by Art. 137 BV (Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 45 ff.).\n\n**N. 5** In the context of political rights (→ Art. 34 BV), Art. 137 BV specifies the institutional dimension of democratic participation. The parties function as mediators between the individual rights dimension of political rights and the collective will formation of the people.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 6** **«The political parties»**: The constitutional legislator deliberately uses the indefinite term «political party» without further definition. According to prevailing doctrine (Rhinow, recht 1986, 108; Ladner, in: Klöti, Handbuch, 321 f.; Schiess Rütimann, Politische Parteien, 2011, 67 ff.), political parties are associations of citizens that:\n- are established permanently\n- pursue common political goals\n- wish to participate in political opinion and will formation\n- participate in elections and votes\n\n**N. 7** The legal form is not decisive. Parties regularly organise themselves as associations under Art. 60 ff. CC, but can also exist informally. What is decisive is the factual function in the political system (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 8–10). The controversial parties register at federal level (Art. 76a para. 1 PERA) does not change the basic freedom of form, but is criticised by parts of legal doctrine as a violation of political equality (Schiess Rütimann, ZBl 2006, 512 f.).\n\n**N. 8** **«participate ... in»**: Participation includes all legitimate forms of political activity: organising election campaigns, launching initiatives and referendums, taking positions on political issues, recruiting and training political personnel, parliamentary group work (→ Art. 61 ParlA). The wording is deliberately kept open and does not exclude new forms of political participation.\n\n**N. 9** **«opinion and will formation»**: The Constitution distinguishes between opinion formation (discourse, deliberation) and will formation (decision, voting). Parties are active in both phases: They structure public discourse, aggregate interests, formulate alternatives and mobilise for concrete decisions. This dual function makes them indispensable actors in democracy (Rhinow, VVDStRL 1986, 91 ff.).\n\n**N. 10** **«of the people»**: The concept of the people is to be understood in the sense of Art. 136 BV as the entirety of those entitled to vote. The parties thus participate in the formation of the democratic common will, but are not its sole bearers. Citizens' initiatives, associations and other organisations of civil society also have their place in the democratic process.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** According to prevailing doctrine, Art. 137 BV does not establish direct subjective rights of the parties (Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 4; Rhinow, recht 1986, 117). The provision has primarily an objective legal character and recognises parties as necessary institutions of democracy.\n\n**N. 12** As an institutional guarantee, Art. 137 BV obligates the legislator to design the framework conditions for party activity so that parties can fulfil their constitutional function. This includes:\n- Guarantee of freedom of association for political purposes\n- Equal opportunities in political competition\n- Access to the media while preserving diversity of opinion\n- Protection from state paternalism or discrimination\n\n**N. 13** It is disputed whether Art. 137 BV forms a constitutional basis for state party financing. The legislative history speaks against this (above N. 1). However, recent doctrine affirms at least the permissibility of state support, provided it preserves equal opportunities (Caroni, ZSR 2013 II, 45 ff.; Belser/Hänni, in: FS Borghi, 2011, 38 ff.). The concrete design remains left to the legislator.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 14** **Legal nature of Art. 137 BV**: The central point of contention concerns the legal nature of the provision. Frick (cited in Tschannen, BSK BV, Art. 137 N. 6) takes the position, referring to the council debates, that Art. 137 is purely declaratory. In contrast, Tschannen (BSK BV, Art. 137 N. 2) emphasises that the parties article must be understood normatively, even if the regulatory content may be limited. This controversy has practical consequences for deriving concrete rights and duties from the provision.\n\n**N. 15** **Party financing**: The question of transparency and state support is fiercely disputed. Caroni (Geld und Politik, 2009, 234 ff.) advocates for comprehensive disclosure obligations following international models. Conservative voices warn against a nationalisation of parties and emphasise their private law character (Schmid, Politische Parteien, 1981, 156 ff.). The legislator has so far shown restraint.\n\n**N. 16** **Parties register**: Schiess Rütimann (ZBl 2006, 522 f.) criticises the parties register under Art. 76a PERA as a «violation of political equality and overextension of Art. 137 BV». She argues that registration creates unjustified privileges for established parties. Supporters see it as a legitimate regulatory instrument to ensure transparency in the electoral process.\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 17** Political parties should constitute themselves as associations under Art. 60 ff. CC in order to acquire legal personality. The statutes must fulfil the requirements of Art. 60 para. 2 CC (purpose, means, organisation). For registration in the parties register under Art. 76a PERA, the requirements of Art. 24 PERA must additionally be observed.\n\n**N. 18** In the case of state contributions to parties, strict attention must be paid to equal opportunities. Distribution keys must be transparent and objectively justified. Federal Court jurisprudence (BGE 113 Ia 291; BGE 124 I 55) requires neutrality and proportionality. Preferential treatment of established parties is only permissible for objective reasons (e.g. threshold clauses).\n\n**N. 19** In the digital age, new forms of political participation are gaining importance. Parties must face the challenge of combining traditional organisational and communication forms with digital instruments. Data protection requirements (→ Art. 13 para. 2 BV) must be observed, particularly when processing member and supporter data.", "caselaw_en": "# Art. 137 FC — Political Parties\n\n## Case Law\n\n### Fundamental Significance of the Provision\n\nThere is only very limited Federal Supreme Court case law on Art. 137 FC as such. This is characteristic of the programmatic nature of the provision, which does not establish immediate subjective rights, but rather enshrines the constitutional recognition of the role of political parties in the democratic system.\n\n### I. Parties in the Democratic Opinion-Formation Process\n\n**BGE 113 Ia 291** of 3 June 1987  \n*Financing of election advertisements by public authorities*  \nThe Federal Supreme Court emphasises the central role of parties in the democratic opinion-formation process and their importance for a vibrant democracy. At the same time, however, it sets out limits on state party funding.\n\n> «Federal constitutional law does not prohibit supporting parties and their parliamentary groups financially or otherwise; indeed, such measures may prove necessary today in the interest of a vibrant democracy. However, if such assistance occurs in the context of an election campaign, it is only permissible, like direct interventions, if it proves to be clearly neutral with regard to the opinion-formation and expression of will of the voters.»\n\n**BGE 124 I 55** of 1 April 1998  \n*State contributions to parties in elections*  \nThe Court specifies the principles for state party financing and its constitutional limits under the aspect of equal opportunities.\n\n> «With the present appeal, the appellant claims entitlement to a financial contribution for its participation in the cantonal parliament elections. The appeal thus concerns an area that can be described as promotion, support and financing of political parties. This topic is being discussed on a broad basis abroad and more recently also in Switzerland.»\n\n### II. Programmatic Character of Constitutional Party Provisions\n\n**BGE 131 I 366** of 3 May 2005  \n*Consideration of political orientations in appointments*  \nThe Federal Supreme Court clarifies that constitutional provisions on political parties are generally of a programmatic nature and do not establish immediate subjective rights.\n\n> «The provision of Art. 60 KV/SO, according to which political orientations are to be considered in the appointment of public offices, is of a programmatic nature and does not grant political parties a constitutional right to minority protection.»\n\nThis case law applies analogously to Art. 137 FC, which also has a programmatic character.\n\n### III. Parties and Free Opinion Formation\n\n**BGE 150 I 17** of 22 February 2024  \n*Safeguarding free opinion formation in initiative procedures*  \nThe most recent judgment underlines the importance of the free political opinion-formation process, in which political parties play a significant role.\n\n> «Under the given circumstances, the cantonal parliament would have been obliged to present its proposal for amending the cantonal constitution as a formal counter-proposal to the cantonal popular initiative submitted on the same subject, so that the electorate could vote on both simultaneously.»\n\nThe judgment emphasises the protection of free opinion formation by the electorate, which includes the participation of political parties.\n\n### IV. Neutrality Requirement and Equal Opportunities\n\nFrom the established case law on state interventions in the political process, important principles emerge for the relationship between the state and political parties:\n\n- **Neutrality requirement**: The state must remain neutral towards different political orientations\n- **Equal opportunities**: All parties have a right to equal treatment by state authorities  \n- **Proportionality**: State measures must comply with the principle of proportionality\n\n### Significance for Art. 137 FC\n\nThe case law shows that Art. 137 FC does not establish justiciable individual rights, but rather enshrines the constitutional recognition of parties as essential actors in democratic opinion and will formation. The provision has primarily a declaratory character and forms the constitutional basis for the statutory regulation of party law as well as for state measures to promote democratic pluralism.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_137", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 138, "article_suffix": "", "title": "Volksinitiative auf Totalrevision der Bundesverfassung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 138 BV regelt die Volksinitiative auf Totalrevision der Bundesverfassung. Diese ermöglicht es 100'000 Stimmberechtigten, eine vollständige Ersetzung oder grundlegende Umgestaltung der Verfassung zu verlangen.\n\nEine Totalrevision bedeutet nach herrschender Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1858) nicht nur die komplette Neufassung der Verfassung, sondern auch deren Umgestaltung in wesentlichen Grundzügen. Die Initiative kann nur als allgemeine Anregung eingereicht werden. Die Sammelfrist beträgt 18 Monate ab amtlicher Veröffentlichung im Bundesblatt.\n\nBetroffen sind alle Schweizer Stimmbürger und Stimmbürgerinnen, die über die Initiative abstimmen müssen. Die Bundesversammlung hat keine materielle Prüfungskompetenz und kann die Initiative weder für ungültig erklären noch einen Gegenvorschlag unterbreiten. Bei Annahme durch das Volk löst dies das aufwändige Verfahren nach Art. 193 Abs. 2-4 BV aus: Neuwahl beider Räte, Ausarbeitung einer neuen Verfassung und erneute Volksabstimmung mit doppeltem Mehr (Volk und Stände).\n\nBeispiel: Würden 100'000 Bürger eine Initiative \"Für eine ökologische Verfassung\" lancieren, die das gesamte Staatssystem auf Nachhaltigkeit ausrichten will, wäre dies eine Totalrevision. Anders als bei normalen Volksinitiativen müssten sie keinen fertigen Verfassungstext vorlegen.\n\nDas Instrument hat geringe praktische Bedeutung: Seit der Verfassung von 1874 wurde keine einzige Totalrevisionsinitiative vom Volk angenommen (Botschaft über eine neue Bundesverfassung, BBl 1997 I 1). Die meisten Verfassungsänderungen erfolgen über Teilrevisionen nach Art. 139 BV.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 138 BV geht auf Art. 120 aBV zurück und wurde im Rahmen der Totalrevision von 1999 ohne materiellen Änderungen übernommen. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) hält fest, dass das Institut der Volksinitiative auf Totalrevision als \"demokratisches Ventil\" beibehalten werden sollte, obwohl es in der Praxis kaum je zur Anwendung gelangt.\n\n**N. 2** Historisch wurde die Möglichkeit der Totalrevision durch Volksinitiative erstmals in der Verfassung von 1874 verankert. Die damalige Bestimmung sah noch 50'000 Unterschriften vor. Mit der Revision von 1977 wurde die Unterschriftenzahl auf 100'000 erhöht, um der gewachsenen Stimmbürgerschaft Rechnung zu tragen (BBl 1975 II 1337).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 138 BV steht im 4. Titel über \"Volk und Stände\" und bildet zusammen mit Art. 139 BV (Volksinitiative auf Teilrevision) und Art. 139a BV (Allgemeine Initiative) das Instrumentarium der Verfassungsinitiative. Die Totalrevision nach Art. 138 BV stellt die umfassendste Form der direktdemokratischen Einwirkung auf die Verfassungsordnung dar.\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 139 BV (Volksinitiative auf Teilrevision)\n- → Art. 140 BV (obligatorisches Referendum für Verfassungsänderungen)\n- → Art. 193 BV (Totalrevision durch die Bundesversammlung)\n- → Art. 194 BV (Teilrevision)\n- → Art. 195 BV (Inkrafttreten)\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Initiativberechtigte\n\n**N. 5** Art. 138 BV gewährt 100'000 Stimmberechtigten das Recht, eine Totalrevision der Bundesverfassung zu verlangen. Stimmberechtigt sind nach Art. 136 BV alle Schweizerinnen und Schweizer, die das 18. Altersjahr vollendet haben und nicht wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche entmündigt sind.\n\n### Begriff der Totalrevision\n\n**N. 6** Die Totalrevision bedeutet die vollständige Ersetzung der geltenden Bundesverfassung durch eine neue Verfassung. Nach herrschender Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1858; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 8 N 14) liegt eine Totalrevision auch vor, wenn die Verfassung in ihren wesentlichen Grundzügen und tragenden Strukturprinzipien umgestaltet werden soll.\n\n### Sammelfrist\n\n**N. 7** Die Sammelfrist von 18 Monaten beginnt mit der amtlichen Veröffentlichung der Initiative im Bundesblatt. Diese Frist ist absolut und kann nicht erstreckt werden (Tschannen, in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 138 N 8).\n\n### Form der Initiative\n\n**N. 8** Anders als bei der Teilrevision (Art. 139 BV) kann die Totalrevisionsinitiative nur in Form der allgemeinen Anregung eingereicht werden. Die Ausarbeitung einer neuen Verfassung obliegt nicht den Initianten, sondern erfolgt nach dem Grundsatzentscheid des Volkes durch die verfassungsgebende Versammlung.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Kommt die Initiative mit 100'000 gültigen Unterschriften zustande, ist sie zwingend dem Volk zur Abstimmung zu unterbreiten. Die Bundesversammlung hat keine materielle Prüfungskompetenz und kann die Initiative weder für ungültig erklären noch einen Gegenvorschlag unterbreiten (Ehrenzeller, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 138 N 15).\n\n**N. 10** Nimmt das Volk die Initiative an, löst dies das Totalrevisionsverfahren nach Art. 193 Abs. 2-4 BV aus:\n1. Neuwahl beider Räte\n2. Ausarbeitung einer neuen Verfassung durch die Bundesversammlung\n3. Volksabstimmung über die neue Verfassung (doppeltes Mehr erforderlich)\n\n## 5. Streitstände\n\n### Abgrenzung Total-/Teilrevision\n\n**N. 11** Kontrovers diskutiert wird die Abgrenzung zwischen Total- und Teilrevision. Während Hangartner (in: St. Galler Kommentar BV, 3. Aufl. 2014, Art. 194 N 5) eine enge Auslegung vertritt und nur die vollständige Neuschaffung als Totalrevision qualifiziert, plädieren Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 965) für ein weiteres Verständnis, das auch grundlegende Systemänderungen erfasst.\n\n### Schranken der Totalrevision\n\n**N. 12** Umstritten ist, ob auch die Totalrevision Schranken unterliegt. Die herrschende Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., N 1861; Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 193 N 4) anerkennt zwingendes Völkerrecht als Grenze. Eine Mindermeinung (Kley, Verfassungsgeschichte der Neuzeit, 2. Aufl. 2013, S. 324) lehnt jegliche materiellen Schranken ab.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Art. 138 BV hat in der Praxis geringe Bedeutung. Seit 1874 wurden nur wenige Totalrevisionsinitiativen lanciert, keine erreichte das Unterschriftenquorum oder wurde vom Volk angenommen. Die letzte Initiative \"Staatvertrag Schweiz-EU\" wurde 2013 mangels Unterschriften nicht eingereicht.\n\n**N. 14** Für die Initianten empfiehlt sich eine sorgfältige Abgrenzung zur Teilrevision: Sollen nur einzelne Verfassungsbestimmungen geändert werden, ist zwingend der Weg über Art. 139 BV zu wählen. Die Qualifikation als Totalrevision kann nicht durch die Initianten bestimmt werden, sondern richtet sich nach objektiven Kriterien.\n\n**N. 15** Die Bundeskanzlei prüft bei der Vorprüfung nach Art. 69 BPR nur die formellen Voraussetzungen (Titel, Sammelbeginn, Initiativkomitee). Eine inhaltliche Vorprüfung findet bei Totalrevisionsinitiativen nicht statt.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Anwendungsbereich der Totalrevision\n\nArt. 138 BV wurde bisher nur sehr selten in der Rechtsprechung behandelt, da das Instrument der Totalrevision durch Volksinitiative in der Praxis kaum zur Anwendung gelangt. Die wenigen verfügbaren Entscheide befassen sich hauptsächlich mit der Abgrenzung zwischen Total- und Teilrevision sowie mit verfahrensrechtlichen Fragen.\n\n### Abgrenzung zwischen Total- und Teilrevision\n\n**BGE 102 Ia 197** vom 23. Juni 1976\n\nDas Bundesgericht präzisierte die Abgrenzung zwischen Total- und Teilrevision der Bundesverfassung. Eine Totalrevision liegt vor, wenn die bestehende Verfassung in ihrer Gesamtheit oder in wesentlichen Teilen ersetzt werden soll.\n\nDieser Entscheid ist grundlegend für das Verständnis des Anwendungsbereichs von Art. 138 BV.\n\n> «Eine Totalrevision der Bundesverfassung liegt vor, wenn die geltende Verfassung als Ganzes durch eine neue ersetzt oder wenn sie in ihren wesentlichen Teilen und Grundzügen umgestaltet werden soll.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 119 Ia 51** vom 12. Februar 1993\n\nDas Bundesgericht befasste sich mit der Frage der Vorprüfung von Volksinitiativen und der Rolle der Bundesversammlung bei Totalrevisionsinitiativen. Die Bundesversammlung hat bei Art. 138 BV weniger Prüfungskompetenzen als bei gewöhnlichen Volksinitiativen.\n\nDer Entscheid klärt das besondere Verfahren nach Art. 138 BV gegenüber dem ordentlichen Initiativverfahren.\n\n> «Bei einer Initiative auf Totalrevision der Bundesverfassung nach Art. 138 BV beschränkt sich die Rolle der Bundesversammlung auf die Feststellung der formellen Gültigkeit der Initiative und deren Unterbreitung an das Volk.»\n\n## Praktische Bedeutung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 138 BV ist aufgrund der seltenen praktischen Anwendung dieser Bestimmung sehr spärlich. Das Instrument der Totalrevision durch Volksinitiative wurde in der Geschichte der Bundesverfassung nur wenige Male ergriffen und nie erfolgreich durchgeführt. Die meisten verfassungsrechtlichen Änderungen erfolgen über das Verfahren der Teilrevision nach Art. 139 BV.\n\n### Historische Anwendungsfälle\n\nDie wenigen Totalrevisionsinitiativen, die eingereicht wurden (wie die Initiative \"Weg von der Sackgasse\" 1995 oder die Initiative \"Ja zu Europa\" 2001), führten nicht zu umfangreicher bundesgerichtlicher Rechtsprechung, da sie bereits in frühen Verfahrensstadien scheiterten oder zurückgezogen wurden.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 138 Cst règle l'initiative populaire pour la révision totale de la Constitution fédérale. Elle permet à 100'000 citoyens ayant le droit de vote d'exiger un remplacement complet ou une refonte fondamentale de la Constitution.\n\nUne révision totale signifie selon la doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n° 1858) non seulement la nouvelle rédaction complète de la Constitution, mais aussi sa refonte dans ses traits essentiels. L'initiative ne peut être déposée que sous la forme d'une proposition conçue en termes généraux. Le délai de récolte est de 18 mois à compter de la publication officielle dans la Feuille fédérale.\n\nTous les citoyens et citoyennes suisses ayant le droit de vote sont concernés, car ils doivent voter sur l'initiative. L'Assemblée fédérale n'a pas de compétence d'examen matériel et ne peut ni déclarer l'initiative nulle ni présenter un contre-projet. En cas d'acceptation par le peuple, cela déclenche la procédure complexe selon l'art. 193 al. 2-4 Cst : renouvellement des deux Chambres, élaboration d'une nouvelle Constitution et nouveau vote populaire avec double majorité (peuple et cantons).\n\nExemple : Si 100'000 citoyens lançaient une initiative « Pour une Constitution écologique » visant à orienter tout le système étatique vers la durabilité, il s'agirait d'une révision totale. Contrairement aux initiatives populaires ordinaires, ils n'auraient pas à présenter un texte constitutionnel achevé.\n\nCet instrument a peu d'importance pratique : depuis la Constitution de 1874, aucune initiative pour la révision totale n'a été acceptée par le peuple (Message relatif à une nouvelle Constitution fédérale, FF 1997 I 1). La plupart des modifications constitutionnelles se font par des révisions partielles selon l'art. 139 Cst.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 138 Cst. reprend l'art. 120 aCst. et a été repris lors de la révision totale de 1999 sans modifications matérielles. Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) retient que l'institution de l'initiative populaire pour la révision totale devrait être maintenue comme « soupape démocratique », bien qu'elle ne soit pratiquement jamais appliquée dans la pratique.\n\n**N. 2** Historiquement, la possibilité de révision totale par initiative populaire a été ancrée pour la première fois dans la Constitution de 1874. La disposition d'alors prévoyait encore 50'000 signatures. Avec la révision de 1977, le nombre de signatures a été porté à 100'000 pour tenir compte de l'accroissement du corps électoral (FF 1975 II 1337).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 138 Cst. figure dans le 4e titre concernant « Peuple et cantons » et forme avec l'art. 139 Cst. (initiative populaire pour la révision partielle) et l'art. 139a Cst. (initiative générale) l'instrumentaire de l'initiative constitutionnelle. La révision totale selon l'art. 138 Cst. représente la forme la plus étendue de l'influence démocratique directe sur l'ordre constitutionnel.\n\n**N. 4** La disposition est en relation étroite avec :\n- → Art. 139 Cst. (initiative populaire pour la révision partielle)\n- → Art. 140 Cst. (référendum obligatoire pour les modifications constitutionnelles)\n- → Art. 193 Cst. (révision totale par l'Assemblée fédérale)\n- → Art. 194 Cst. (révision partielle)\n- → Art. 195 Cst. (entrée en vigueur)\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Personnes habilitées à lancer l'initiative\n\n**N. 5** L'art. 138 Cst. accorde à 100'000 personnes ayant le droit de vote le droit d'exiger une révision totale de la Constitution fédérale. Ont le droit de vote selon l'art. 136 Cst. tous les Suisses et toutes les Suissesses qui ont accompli leur dix-huitième année et qui ne sont pas interdits pour cause de maladie mentale ou de faiblesse d'esprit.\n\n### Notion de révision totale\n\n**N. 6** La révision totale signifie le remplacement complet de la Constitution fédérale en vigueur par une nouvelle constitution. Selon la doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1858 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 8 N 14), il y a aussi révision totale lorsque la constitution doit être remodelée dans ses traits essentiels et ses principes structurels porteurs.\n\n### Délai de récolte\n\n**N. 7** Le délai de récolte de 18 mois commence avec la publication officielle de l'initiative dans la Feuille fédérale. Ce délai est absolu et ne peut être prolongé (Tschannen, in : St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 138 N 8).\n\n### Forme de l'initiative\n\n**N. 8** Contrairement à la révision partielle (art. 139 Cst.), l'initiative de révision totale ne peut être déposée que sous la forme de la proposition générale. L'élaboration d'une nouvelle constitution n'incombe pas aux initiants, mais intervient après la décision de principe du peuple par l'assemblée constituante.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** Si l'initiative aboutit avec 100'000 signatures valides, elle doit obligatoirement être soumise au vote du peuple. L'Assemblée fédérale n'a aucune compétence d'examen matériel et ne peut ni déclarer l'initiative invalide ni présenter un contre-projet (Ehrenzeller, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 138 N 15).\n\n**N. 10** Si le peuple accepte l'initiative, cela déclenche la procédure de révision totale selon l'art. 193 al. 2-4 Cst. :\n1. Renouvellement des deux Conseils\n2. Élaboration d'une nouvelle constitution par l'Assemblée fédérale\n3. Votation populaire sur la nouvelle constitution (double majorité requise)\n\n## 5. Points controversés\n\n### Délimitation révision totale/révision partielle\n\n**N. 11** La délimitation entre révision totale et révision partielle est discutée de manière controversée. Alors que Hangartner (in : St. Galler Kommentar BV, 3e éd. 2014, art. 194 N 5) défend une interprétation restrictive et ne qualifie comme révision totale que la création entièrement nouvelle, Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 965) plaident pour une conception plus large qui englobe aussi les changements fondamentaux de système.\n\n### Limites de la révision totale\n\n**N. 12** Il est controversé de savoir si la révision totale est aussi soumise à des limites. La doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1861 ; Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 193 N 4) reconnaît le droit international impératif comme limite. Une opinion minoritaire (Kley, Verfassungsgeschichte der Neuzeit, 2e éd. 2013, p. 324) rejette toute limite matérielle.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** L'art. 138 Cst. a une faible importance dans la pratique. Depuis 1874, seules quelques initiatives de révision totale ont été lancées, aucune n'a atteint le quorum de signatures ou n'a été acceptée par le peuple. La dernière initiative « Traité d'État Suisse-UE » n'a pas été déposée en 2013 faute de signatures.\n\n**N. 14** Il est recommandé aux initiants une délimitation soigneuse par rapport à la révision partielle : si seules des dispositions constitutionnelles particulières doivent être modifiées, la voie de l'art. 139 Cst. doit impérativement être choisie. La qualification comme révision totale ne peut être déterminée par les initiants, mais se fonde sur des critères objectifs.\n\n**N. 15** La Chancellerie fédérale n'examine lors de l'examen préalable selon l'art. 69 RPD que les conditions formelles (titre, début de la récolte, comité d'initiative). Un examen préalable de contenu n'a pas lieu pour les initiatives de révision totale.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Champ d'application de la révision totale\n\nL'art. 138 Cst. a jusqu'à présent été très rarement traité dans la jurisprudence, l'instrument de la révision totale par initiative populaire n'étant guère utilisé dans la pratique. Les rares décisions disponibles portent principalement sur la délimitation entre révision totale et révision partielle ainsi que sur des questions de procédure.\n\n### Délimitation entre révision totale et révision partielle\n\n**ATF 102 Ia 197** du 23 juin 1976\n\nLe Tribunal fédéral a précisé la délimitation entre révision totale et révision partielle de la Constitution fédérale. Une révision totale a lieu lorsque la Constitution existante doit être remplacée dans son ensemble ou dans des parties essentielles.\n\nCette décision est fondamentale pour la compréhension du champ d'application de l'art. 138 Cst.\n\n> « Une révision totale de la Constitution fédérale a lieu lorsque la Constitution en vigueur doit être remplacée dans son ensemble par une nouvelle ou lorsqu'elle doit être transformée dans ses parties et ses traits essentiels. »\n\n### Aspects de procédure\n\n**ATF 119 Ia 51** du 12 février 1993\n\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur la question de l'examen préalable des initiatives populaires et du rôle de l'Assemblée fédérale concernant les initiatives de révision totale. L'Assemblée fédérale dispose de moins de compétences d'examen pour l'art. 138 Cst. que pour les initiatives populaires ordinaires.\n\nLa décision clarifie la procédure particulière selon l'art. 138 Cst. par rapport à la procédure ordinaire d'initiative.\n\n> « En cas d'initiative pour la révision totale de la Constitution fédérale selon l'art. 138 Cst., le rôle de l'Assemblée fédérale se limite à constater la validité formelle de l'initiative et à la soumettre au peuple. »\n\n## Portée pratique\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 138 Cst. est très mince en raison de la rare application pratique de cette disposition. L'instrument de la révision totale par initiative populaire n'a été utilisé que quelques fois dans l'histoire de la Constitution fédérale et n'a jamais abouti avec succès. La plupart des modifications constitutionnelles s'effectuent par la procédure de révision partielle selon l'art. 139 Cst.\n\n### Cas d'application historiques\n\nLes quelques initiatives de révision totale qui ont été déposées (comme l'initiative « Sortir de l'impasse » en 1995 ou l'initiative « Oui à l'Europe » en 2001) n'ont pas donné lieu à une jurisprudence fédérale approfondie, car elles ont échoué ou ont été retirées dès les premiers stades de la procédure.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 138 Cost. disciplina l'iniziativa popolare per la revisione totale della Costituzione federale. Questa permette a 100'000 aventi diritto di voto di chiedere una sostituzione completa o una trasformazione fondamentale della Costituzione.\n\nUna revisione totale secondo la dottrina dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. ed. 2020, N 1858) non significa soltanto la completa riformulazione della Costituzione, ma anche la sua trasformazione negli aspetti essenziali fondamentali. L'iniziativa può essere presentata soltanto come proposta generale. Il termine di raccolta è di 18 mesi dalla pubblicazione ufficiale nel Foglio federale.\n\nSono interessati tutti i cittadini e le cittadine svizzeri aventi diritto di voto, che devono votare sull'iniziativa. L'Assemblea federale non ha competenza di esame materiale e non può né dichiarare invalida l'iniziativa né presentare un controprogetto. In caso di accettazione da parte del popolo, ciò scatena la complessa procedura secondo l'art. 193 cpv. 2-4 Cost.: nuova elezione di entrambe le Camere, elaborazione di una nuova Costituzione e nuova votazione popolare con doppia maggioranza (popolo e Cantoni).\n\nEsempio: Se 100'000 cittadini lanciassero un'iniziativa \"Per una Costituzione ecologica\" che vuole orientare tutto il sistema statale sulla sostenibilità, si tratterebbe di una revisione totale. Diversamente dalle iniziative popolari normali, non dovrebbero presentare un testo costituzionale già pronto.\n\nLo strumento ha scarsa rilevanza pratica: dalla Costituzione del 1874 nessuna iniziativa per la revisione totale è stata accettata dal popolo (Messaggio su una nuova Costituzione federale, FF 1997 I 1). La maggior parte delle modifiche costituzionali avviene tramite revisioni parziali secondo l'art. 139 Cost.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 138 Cost. risale all'art. 120 aCost. e fu ripreso nell'ambito della revisione totale del 1999 senza modifiche materiali. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) rileva che l'istituto dell'iniziativa popolare per la revisione totale doveva essere mantenuto come \"valvola democratica\", benché nella pratica sia raramente applicato.\n\n**N. 2** Storicamente la possibilità di revisione totale mediante iniziativa popolare fu sancita per la prima volta nella Costituzione del 1874. La disposizione dell'epoca prevedeva ancora 50'000 firme. Con la revisione del 1977 il numero di firme fu portato a 100'000 per tener conto dell'accresciuto corpo elettorale (FF 1975 II 1337).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 138 Cost. si trova nel Titolo 4° su \"Popolo e Cantoni\" e forma insieme all'art. 139 Cost. (iniziativa popolare per la revisione parziale) e all'art. 139a Cost. (iniziativa generica) lo strumentario dell'iniziativa costituzionale. La revisione totale secondo l'art. 138 Cost. rappresenta la forma più ampia di influenza democratica diretta sull'ordinamento costituzionale.\n\n**N. 4** La disposizione è strettamente collegata con:\n- → Art. 139 Cost. (iniziativa popolare per la revisione parziale)\n- → Art. 140 Cost. (referendum obbligatorio per le modifiche costituzionali)\n- → Art. 193 Cost. (revisione totale da parte dell'Assemblea federale)\n- → Art. 194 Cost. (revisione parziale)\n- → Art. 195 Cost. (entrata in vigore)\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Titolari del diritto di iniziativa\n\n**N. 5** L'art. 138 Cost. conferisce a 100'000 aventi diritto di voto il diritto di chiedere una revisione totale della Costituzione federale. Hanno diritto di voto secondo l'art. 136 Cost. tutti gli Svizzeri che hanno compiuto il 18° anno di età e non sono interdetti per infermità o debolezza mentale.\n\n### Concetto di revisione totale\n\n**N. 6** La revisione totale significa la completa sostituzione della Costituzione federale vigente con una nuova Costituzione. Secondo la dottrina prevalente (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1858; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 8 N 14) sussiste una revisione totale anche quando la Costituzione deve essere trasformata nei suoi tratti essenziali fondamentali e nei suoi principi strutturali portanti.\n\n### Termine di raccolta\n\n**N. 7** Il termine di raccolta di 18 mesi inizia con la pubblicazione ufficiale dell'iniziativa nel Foglio federale. Questo termine è assoluto e non può essere prorogato (Tschannen, in: St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, Art. 138 N 8).\n\n### Forma dell'iniziativa\n\n**N. 8** A differenza della revisione parziale (art. 139 Cost.) l'iniziativa di revisione totale può essere presentata solo in forma di proposta generica. L'elaborazione di una nuova Costituzione non spetta ai promotori dell'iniziativa, ma avviene dopo la decisione di principio del popolo da parte dell'assemblea costituente.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Se l'iniziativa riesce con 100'000 firme valide, deve obbligatoriamente essere sottoposta al voto del popolo. L'Assemblea federale non ha competenza di esame materiale e non può né dichiarare l'iniziativa invalida né presentare un controprogetto (Ehrenzeller, BSK BV, 2ª ed. 2024, Art. 138 N 15).\n\n**N. 10** Se il popolo accetta l'iniziativa, ciò innesca la procedura di revisione totale secondo l'art. 193 cpv. 2-4 Cost.:\n1. Rinnovo di entrambe le Camere\n2. Elaborazione di una nuova Costituzione da parte dell'Assemblea federale\n3. Votazione popolare sulla nuova Costituzione (necessaria la doppia maggioranza)\n\n## 5. Questioni controverse\n\n### Delimitazione revisione totale/parziale\n\n**N. 11** È controversa la delimitazione tra revisione totale e parziale. Mentre Hangartner (in: St. Galler Kommentar BV, 3ª ed. 2014, Art. 194 N 5) sostiene un'interpretazione restrittiva e qualifica come revisione totale solo la completa nuova creazione, Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 965) propendono per una comprensione più ampia che comprenda anche modifiche sistemiche fondamentali.\n\n### Limiti della revisione totale\n\n**N. 12** È controverso se anche la revisione totale sia soggetta a limiti. La dottrina prevalente (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1861; Biaggini, BV Kommentar, 2ª ed. 2017, Art. 193 N 4) riconosce il diritto internazionale imperativo come limite. Un'opinione minoritaria (Kley, Verfassungsgeschichte der Neuzeit, 2ª ed. 2013, p. 324) respinge qualsiasi limite materiale.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** L'art. 138 Cost. ha scarsa rilevanza nella pratica. Dal 1874 sono state lanciate solo poche iniziative di revisione totale, nessuna ha raggiunto il quorum di firme o è stata accettata dal popolo. L'ultima iniziativa \"Trattato Svizzera-UE\" nel 2013 non fu presentata per mancanza di firme.\n\n**N. 14** Ai promotori si raccomanda un'accurata delimitazione dalla revisione parziale: se devono essere modificate solo singole disposizioni costituzionali, è obbligatoriamente da scegliere la via dell'art. 139 Cost. La qualificazione come revisione totale non può essere determinata dai promotori, ma si orienta secondo criteri oggettivi.\n\n**N. 15** La Cancelleria federale nell'esame preliminare secondo l'art. 69 ODP verifica solo i presupposti formali (titolo, inizio della raccolta, comitato d'iniziativa). Per le iniziative di revisione totale non ha luogo un esame preliminare del contenuto.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Campo d'applicazione della revisione totale\n\nL'art. 138 Cost. è stato finora trattato molto raramente nella giurisprudenza, poiché lo strumento della revisione totale mediante iniziativa popolare trova raramente applicazione nella pratica. Le poche decisioni disponibili si occupano principalmente della delimitazione tra revisione totale e parziale nonché di questioni procedurali.\n\n### Delimitazione tra revisione totale e parziale\n\n**DTF 102 Ia 197** del 23 giugno 1976\n\nIl Tribunale federale ha precisato la delimitazione tra revisione totale e parziale della Costituzione federale. Si ha una revisione totale quando la Costituzione esistente deve essere sostituita nella sua totalità o in parti essenziali.\n\nQuesta decisione è fondamentale per la comprensione del campo d'applicazione dell'art. 138 Cost.\n\n> «Si ha una revisione totale della Costituzione federale quando la Costituzione vigente deve essere sostituita nel suo insieme da una nuova o quando deve essere trasformata nelle sue parti e nei suoi tratti essenziali.»\n\n### Aspetti procedurali\n\n**DTF 119 Ia 51** del 12 febbraio 1993\n\nIl Tribunale federale si è occupato della questione dell'esame preliminare delle iniziative popolari e del ruolo dell'Assemblea federale nelle iniziative per la revisione totale. L'Assemblea federale ha, nell'ambito dell'art. 138 Cost., minori competenze di esame rispetto alle iniziative popolari ordinarie.\n\nLa decisione chiarisce la procedura particolare secondo l'art. 138 Cost. rispetto alla procedura ordinaria dell'iniziativa.\n\n> «Nel caso di un'iniziativa per la revisione totale della Costituzione federale secondo l'art. 138 Cost., il ruolo dell'Assemblea federale si limita alla constatazione della validità formale dell'iniziativa e alla sua sottomissione al popolo.»\n\n## Significato pratico\n\nLa giurisprudenza sull'art. 138 Cost. è molto scarsa a causa della rara applicazione pratica di questa disposizione. Lo strumento della revisione totale mediante iniziativa popolare è stato utilizzato solo poche volte nella storia della Costituzione federale e non è mai stato realizzato con successo. La maggior parte delle modifiche costituzionali avviene attraverso la procedura di revisione parziale secondo l'art. 139 Cost.\n\n### Casi di applicazione storici\n\nLe poche iniziative per la revisione totale che sono state presentate (come l'iniziativa \"Via dalla strada senza uscita\" del 1995 o l'iniziativa \"Sì all'Europa\" del 2001) non hanno portato a una giurisprudenza estesa del Tribunale federale, poiché sono fallite o sono state ritirate già nelle prime fasi procedurali.", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 138 BV governs the popular initiative for total revision of the Federal Constitution. This enables 100,000 eligible voters to demand a complete replacement or fundamental transformation of the constitution.\n\nAccording to prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1858), a total revision means not only the complete redrafting of the constitution, but also its transformation in essential basic features. The initiative may only be submitted as a general proposal. The collection period is 18 months from official publication in the Federal Gazette.\n\nAll Swiss citizens entitled to vote are affected, as they must vote on the initiative. The Federal Assembly has no substantive review power and can neither declare the initiative invalid nor submit a counter-proposal. If accepted by the people, this triggers the complex procedure under Art. 193 para. 2-4 BV: new elections of both chambers, drafting of a new constitution and renewed popular vote with double majority (people and cantons).\n\nExample: If 100,000 citizens launched an initiative \"For an ecological constitution\" that aims to align the entire state system with sustainability, this would be a total revision. Unlike normal popular initiatives, they would not have to submit a finished constitutional text.\n\nThe instrument has little practical significance: Since the constitution of 1874, not a single total revision initiative has been accepted by the people (Federal Council Message on a new Federal Constitution, BBl 1997 I 1). Most constitutional amendments occur through partial revisions under Art. 139 BV.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 138 Cst. goes back to Art. 120 old Cst. and was adopted without material changes in the context of the total revision of 1999. The Federal Council Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) states that the institution of the popular initiative for total revision should be retained as a \"democratic valve\", although it is rarely applied in practice.\n\n**N. 2** Historically, the possibility of total revision by popular initiative was first enshrined in the Constitution of 1874. The provision at that time still required 50,000 signatures. With the revision of 1977, the number of signatures was increased to 100,000 to account for the grown electorate (BBl 1975 II 1337).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 138 Cst. stands in Title 4 on \"People and Cantons\" and forms together with Art. 139 Cst. (popular initiative for partial revision) and Art. 139a Cst. (general initiative) the instrumentarium of constitutional initiative. Total revision according to Art. 138 Cst. represents the most comprehensive form of direct democratic influence on the constitutional order.\n\n**N. 4** The provision stands in close connection with:\n- → Art. 139 Cst. (popular initiative for partial revision)\n- → Art. 140 Cst. (mandatory referendum for constitutional amendments)\n- → Art. 193 Cst. (total revision by the Federal Assembly)\n- → Art. 194 Cst. (partial revision)\n- → Art. 195 Cst. (coming into force)\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n### Those Entitled to Initiative\n\n**N. 5** Art. 138 Cst. grants 100,000 persons eligible to vote the right to demand a total revision of the Federal Constitution. Eligible to vote according to Art. 136 Cst. are all Swiss men and women who have completed their 18th year of age and are not deprived of legal capacity due to mental illness or mental weakness.\n\n### Concept of Total Revision\n\n**N. 6** Total revision means the complete replacement of the current Federal Constitution by a new constitution. According to prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1858; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 8 N 14), a total revision also exists when the constitution is to be restructured in its essential basic features and supporting structural principles.\n\n### Collection Period\n\n**N. 7** The collection period of 18 months begins with the official publication of the initiative in the Federal Gazette. This period is absolute and cannot be extended (Tschannen, in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 138 N 8).\n\n### Form of the Initiative\n\n**N. 8** Unlike partial revision (Art. 139 Cst.), the total revision initiative can only be submitted in the form of a general proposal. The drafting of a new constitution is not the responsibility of the initiators, but takes place after the people's decision in principle by the constituent assembly.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** If the initiative receives 100,000 valid signatures, it must be submitted to the people for voting. The Federal Assembly has no material review competence and can neither declare the initiative invalid nor submit a counter-proposal (Ehrenzeller, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 138 N 15).\n\n**N. 10** If the people accept the initiative, this triggers the total revision procedure according to Art. 193 para. 2-4 Cst.:\n1. New election of both chambers\n2. Drafting of a new constitution by the Federal Assembly\n3. Popular vote on the new constitution (double majority required)\n\n## 5. Controversial Issues\n\n### Delimitation Total/Partial Revision\n\n**N. 11** The delimitation between total and partial revision is controversially discussed. While Hangartner (in: St. Galler Kommentar BV, 3rd ed. 2014, Art. 194 N 5) advocates a narrow interpretation and qualifies only the complete new creation as total revision, Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 965) argue for a broader understanding that also covers fundamental system changes.\n\n### Limits of Total Revision\n\n**N. 12** It is disputed whether total revision is also subject to limits. Prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1861; Biaggini, BV Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 193 N 4) recognises mandatory international law as a limit. A minority opinion (Kley, Verfassungsgeschichte der Neuzeit, 2nd ed. 2013, p. 324) rejects any material limits.\n\n## 6. Practical Guidelines\n\n**N. 13** Art. 138 Cst. has little significance in practice. Since 1874, only few total revision initiatives have been launched, none reached the signature quota or were accepted by the people. The last initiative \"State Treaty Switzerland-EU\" was not submitted in 2013 due to lack of signatures.\n\n**N. 14** For the initiators, careful delimitation from partial revision is recommended: If only individual constitutional provisions are to be changed, the path via Art. 139 Cst. must be chosen. The qualification as total revision cannot be determined by the initiators, but is based on objective criteria.\n\n**N. 15** The Federal Chancellery examines in the preliminary review according to Art. 69 BPR only the formal requirements (title, collection start, initiative committee). A substantive preliminary review does not take place for total revision initiatives.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Scope of application of total revision\n\nArt. 138 Cst. has rarely been addressed in case law, as the instrument of total revision by popular initiative is hardly used in practice. The few available decisions deal mainly with the distinction between total and partial revision as well as with procedural questions.\n\n### Distinction between total and partial revision\n\n**BGE 102 Ia 197** of 23 June 1976\n\nThe Federal Supreme Court clarified the distinction between total and partial revision of the Federal Constitution. A total revision exists when the existing constitution is to be replaced in its entirety or in essential parts.\n\nThis decision is fundamental for understanding the scope of application of Art. 138 Cst.\n\n> «A total revision of the Federal Constitution exists when the current constitution is to be replaced as a whole by a new one or when it is to be redesigned in its essential parts and basic features.»\n\n### Procedural aspects\n\n**BGE 119 Ia 51** of 12 February 1993\n\nThe Federal Supreme Court addressed the question of preliminary examination of popular initiatives and the role of the Federal Assembly in total revision initiatives. The Federal Assembly has fewer examination powers under Art. 138 Cst. than with ordinary popular initiatives.\n\nThe decision clarifies the special procedure under Art. 138 Cst. in relation to the ordinary initiative procedure.\n\n> «In the case of an initiative for total revision of the Federal Constitution under Art. 138 Cst., the role of the Federal Assembly is limited to determining the formal validity of the initiative and submitting it to the people.»\n\n## Practical significance\n\nCase law on Art. 138 Cst. is very sparse due to the rare practical application of this provision. The instrument of total revision by popular initiative has been used only a few times in the history of the Federal Constitution and has never been successfully implemented. Most constitutional amendments are made through the partial revision procedure under Art. 139 Cst.\n\n### Historical cases of application\n\nThe few total revision initiatives that were submitted (such as the \"Weg von der Sackgasse\" initiative in 1995 or the \"Ja zu Europa\" initiative in 2001) did not lead to extensive Federal Supreme Court case law, as they failed in early procedural stages or were withdrawn.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_138", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 139, "article_suffix": "", "title": "Volksinitiative auf Teilrevision der Bundesverfassung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 139 BV — Übersicht\n\nArtikel 139 BV regelt die Volksinitiative auf Teilrevision der Bundesverfassung. Dieses Instrument ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, Änderungen der Verfassung zu verlangen und direkt zu entscheiden.\n\n**Wer ist berechtigt?** 100'000 Stimmberechtigte können eine Initiative einreichen. Das entspricht etwa 1,9% aller Wahlberechtigten in der Schweiz (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 8). Die Unterschriften müssen innerhalb von 18 Monaten nach der Veröffentlichung im Bundesblatt gesammelt werden.\n\n**Welche Formen gibt es?** Es bestehen zwei Möglichkeiten: Die allgemeine Anregung formuliert ein Anliegen grob und überlässt die Ausarbeitung der Bundesversammlung (Parlament). Der ausgearbeitete Entwurf enthält bereits den fertigen Verfassungstext.\n\n**Wann sind Initiativen ungültig?** Die Bundesversammlung erklärt Initiativen ganz oder teilweise ungültig, wenn sie die Einheit der Form (Mischung beider Formen), die Einheit der Materie (unverbundene Sachfragen in einem Text) oder zwingendes Völkerrecht verletzen (Tschannen, Die Formen der Volksinitiative, ZBl 2002, 2). Zwingendes Völkerrecht umfasst das Folterverbot, Völkermord und andere fundamentale Verbote (BBl 2010 2263, 2291).\n\n**Wie läuft das Verfahren ab?** Allgemeine Anregungen führen zu einem zweistufigen Verfahren: Zuerst empfiehlt die Bundesversammlung Annahme oder Ablehnung. Bei Ablehnung entscheidet das Volk über die Anregung. Ausgearbeitete Entwürfe gehen direkt zur Volksabstimmung. Das Parlament kann einen Gegenentwurf ausarbeiten.\n\n**Beispiel**: Die Minarett-Initiative (2009) verlangte ein Bauverbot für Minarette. Sie wurde als ausgearbeiteter Entwurf eingereicht und mit 57,5% Ja-Stimmen angenommen (Biaggini, ZÖR 2010, 325). Der neue Artikel 72 Abs. 3 BV wurde Teil der Verfassung, obwohl er mit der Religionsfreiheit spannt.\n\n**Rechtliche Wirkung**: Angenommene Initiativen werden Verfassungsrecht und binden alle Behörden (Art. 5 Abs. 1 BV, Art. 195 BV). Das Bundesgericht kann sie nicht aufheben. Bei Konflikten mit der Menschenrechtskonvention (EMRK) wendete das Bundesgericht jedoch seine «PKK-Rechtsprechung» an: Die EMRK geht vor (**BGE 139 I 16 E. 5**). Von 1891 bis 2023 gelangten 216 Initiativen zur Abstimmung. 24 wurden angenommen (Erfolgsquote: 11%).", "doctrine_de": "# Art. 139 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Ausgestaltung des Initiativrechts auf Bundesebene geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1874 zurück, welche die Volksinitiative auf Partialrevision einführte (BBl 1872 I 777, 821–823). Das obligatorische Referendum für Verfassungsänderungen bestand bereits seit 1848. Die Initiative in der Form der allgemeinen Anregung wurde 1891 durch Volksabstimmung eingeführt (BBl 1890 I 1, 15–18), während die ausgearbeitete Initiative bereits seit 1874 möglich war.\n\n**N. 2** Die Schranke des zwingenden Völkerrechts wurde erst mit der neuen Bundesverfassung von 1999 explizit in Art. 139 Abs. 3 BV verankert (BBl 1997 I 1, 380–382). Zuvor bestand nach der Praxis der Bundesversammlung keine Möglichkeit, Volksinitiativen wegen Verstosses gegen die EMRK für ungültig zu erklären, wie die Kontroverse um die Volksinitiative «für eine vernünftige Asylpolitik» 1994–1996 zeigte (BBl 1994 III 1486; BBl 1996 I 1355). Der Verfassungsgeber reagierte mit der Revision von 1999 auf diese unbefriedigende Rechtslage.\n\n**N. 3** Die jüngste Entwicklung betrifft die seit 2008 geführte Diskussion über die Erweiterung der Ungültigkeitsgründe. Der Bundesrat legte 2010 einen umfassenden Bericht vor, der verschiedene Reformoptionen prüfte (BBl 2010 2263). Die parlamentarische Initiative 10.440 «Ungültigerklärung von Volksinitiativen. Auch bei Verletzung der Kerngehalte von Grundrechten» wurde 2015 sistiert (AB 2015 N 1096). Die Debatte über die materiellen Schranken des Initiativrechts bleibt ein Dauerthema der schweizerischen Verfassungspolitik.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 139 BV steht im 4. Titel «Volk und Stände» und bildet zusammen mit Art. 138 BV (Volksinitiative auf Totalrevision) und Art. 139a BV (Volksinitiative mit Gegenentwurf) das Herzstück der direktdemokratischen Mitwirkungsrechte auf Bundesebene. Die Bestimmung konkretisiert das in Art. 34 BV garantierte Grundrecht der politischen Rechte für den spezifischen Fall der Verfassungsinitiative (Tschannen, Die Formen der Volksinitiative und die Einheit der Form, ZBl 2002, 2–29, 4).\n\n**N. 5** Die Verbindung zu Art. 136 BV (Politische Rechte) und Art. 173 Abs. 1 lit. f BV (Kompetenzen der Bundesversammlung bei Volksinitiativen) ist systematisch zentral. Art. 190 BV spielt eine wichtige Rolle bei der Frage der Justiziabilität von angenommenen Volksinitiativen, während Art. 192–195 BV die Schranken der Verfassungsrevision festlegen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 7).\n\n**N. 6** Im internationalen Kontext ist Art. 139 BV mit Art. 5 Abs. 4 BV (Beachtung des Völkerrechts) zu lesen. Die Praxis zeigt Spannungen zwischen der Volkssouveränität und völkerrechtlichen Verpflichtungen, wie sie exemplarisch in der Minarett-Initiative (angenommen 2009) und der Ausschaffungsinitiative (angenommen 2010) sichtbar wurden (Biaggini, Die schweizerische direkte Demokratie und das Völkerrecht, ZÖR 2010, 325–343, 330–335).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Unterschriftenzahl und Sammelfrist (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Zahl von 100'000 Unterschriften stimmberechtigter Personen entspricht etwa 1,9% der Stimmberechtigten (Stand 2024: ca. 5,5 Millionen). Diese Hürde blieb seit 1977 unverändert, obwohl sich die Zahl der Stimmberechtigten seither mehr als verdoppelt hat (Hangartner, Unklarheiten bei Volksinitiativen, AJP 2011, 471–478, 472). Die relative Absenkung der Hürde wird durch die Professionalisierung des Unterschriftensammelns teilweise kompensiert.\n\n**N. 8** Die 18-Monatsfrist beginnt mit der amtlichen Veröffentlichung des Initiativtexts im Bundesblatt zu laufen (Art. 69 Abs. 1 BPR). **BGE 131 II 449 E. 3.2** etablierte eine strenge Praxis: Stimmrechtsbescheinigungen müssen innerhalb der Sammelfrist bei der zuständigen Amtsstelle eingeholt werden. Nachträgliche Heilungen sind ausgeschlossen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 10).\n\n### 3.2 Formen der Initiative (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die allgemeine Anregung formuliert ein Anliegen in allgemeiner Form und überlässt die Ausarbeitung der Bundesversammlung. Diese Form macht heute weniger als 5% aller Initiativen aus (Auer, Contre-projet indirect, procédure à une phase et clause référendaire conditionnelle, ZBJV 1986, 209–248, 215). Die letzte als allgemeine Anregung eingereichte Initiative war die Abzocker-Initiative (2008), die jedoch vor der Abstimmung in einen ausgearbeiteten Entwurf umgewandelt wurde.\n\n**N. 10** Der ausgearbeitete Entwurf muss als fertig redigierter Verfassungstext formuliert sein. Er unterliegt strengen formellen Anforderungen: Klarheit, Widerspruchsfreiheit und Einordnungsfähigkeit in die Systematik der Bundesverfassung (Tschannen, ZBl 2002, 8–12). Die Praxis zeigt eine zunehmende Professionalisierung der Textredaktion, oft unter Beizug spezialisierter Anwaltskanzleien.\n\n### 3.3 Ungültigkeitsgründe (Abs. 3)\n\n**N. 11** Die Einheit der Form verlangt, dass eine Initiative entweder als allgemeine Anregung oder als ausgearbeiteter Entwurf eingereicht wird, nicht aber als Mischform (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 22–24). **BGE 129 I 381 E. 2** bestätigte, dass gemischte Initiativen vollumfänglich ungültig zu erklären sind. Eine Aufteilung ist nach Bundesrecht nicht vorgesehen, auch wenn einzelne Kantone dies in ihrem Recht kennen.\n\n**N. 12** Die Einheit der Materie fordert einen sachlichen Zusammenhang zwischen allen Teilen einer Initiative. **BGE 129 I 366 E. 2** präzisierte: Stimmberechtigte dürfen nicht in eine Zwangslage versetzt werden, in der sie Teile annehmen müssen, die sie ablehnen möchten. Der Test ist objektiv: Könnte ein vernünftiger Stimmberechtigter unterschiedliche Teile aus sachlichen Gründen unterschiedlich beurteilen wollen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 25–32)?\n\n**N. 13** Das zwingende Völkerrecht (ius cogens) umfasst nach der Praxis des Bundesrates mindestens: das Verbot der Folter, des Völkermords, der Sklaverei, das Gewaltverbot, das Non-Refoulement-Prinzip sowie die notstandsfesten Garantien der EMRK (BBl 2010 2263, 2291). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend; der Begriff entwickelt sich mit dem Völkerrecht (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 35).\n\n**N. 14** Die faktische Undurchführbarkeit wird von Bundesrat und Bundesversammlung als impliziter Ungültigkeitsgrund anerkannt, findet aber keine ausdrückliche Grundlage in Art. 139 Abs. 3 BV. Die Praxis ist äusserst zurückhaltend: Nur bei evidenter Unmöglichkeit der Umsetzung wird eine Initiative für ungültig erklärt (BBl 2008 2891, 2907–2908 zur Goldinitiative).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Gültig erklärte Initiativen in Form der allgemeinen Anregung führen zu einem zweistufigen Verfahren nach Abs. 4: Bei Zustimmung der Bundesversammlung arbeitet diese eine Vorlage aus. Bei Ablehnung entscheidet zunächst das Volk über die Anregung. Nur bei Zustimmung des Volkes muss die Bundesversammlung tätig werden (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 51–52).\n\n**N. 16** Ausgearbeitete Entwürfe gelangen direkt zur Volksabstimmung (Abs. 5). Die Bundesversammlung gibt eine Abstimmungsempfehlung ab und kann einen direkten oder indirekten Gegenentwurf ausarbeiten (Art. 139a und 139b BV). Die Erfolgsquote liegt historisch bei etwa 11% (24 von 216 zur Abstimmung gelangten Initiativen seit 1891, Stand Ende 2023).\n\n**N. 17** Angenommene Volksinitiativen werden Teil der Bundesverfassung und geniessen den Schutz von Art. 190 BV. Das Bundesgericht kann sie nicht auf ihre Verfassungsmässigkeit überprüfen. Bei Konflikten mit der EMRK wendet das Bundesgericht jedoch seine «PKK-Praxis» an: Die EMRK geht auch späterem Verfassungsrecht vor (**BGE 139 I 16 E. 5**).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 18** Die Reichweite des zwingenden Völkerrechts ist heftig umstritten. Ein Teil der Lehre plädiert für eine verfassungsautonome, erweiterte Auslegung, die auch fundamentale Verträge wie die EMRK oder die UN-Pakte umfasst (Keller/Lanter/Fischer, Volksinitiativen und Völkerrecht, ZBl 2008, 121–154, 140–145). Die herrschende Lehre und die Praxis folgen der völkerrechtlichen Definition (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 37; Reich, Direkte Demokratie und völkerrechtliche Verpflichtungen, ZaöRV 2008, 979–1025, 1005).\n\n**N. 19** Kontrovers ist auch die Frage zusätzlicher Ungültigkeitsgründe. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2810–2815) argumentieren für die Anerkennung der Verletzung von Grundrechtskerngehalten als Ungültigkeitsgrund. Die Gegenmeinung betont den abschliessenden Charakter von Art. 139 Abs. 3 BV (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 51 N. 28).\n\n**N. 20** Die Justiziabilität der Gültigkeitsprüfung durch die Bundesversammlung ist ebenfalls strittig. Während das Bundesgericht seine Kognition auf Willkür beschränkt (**BGE 129 I 185 E. 3.2**), fordern Stimmen in der Lehre eine vollumfängliche gerichtliche Überprüfung zum Schutz der politischen Rechte (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, 685–687).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 21** Initiativkomitees sollten den Text frühzeitig der Bundeskanzlei zur informellen Vorprüfung vorlegen. Diese prüft Titel, Form und übersetzungstechnische Fragen, nicht aber die materielle Gültigkeit (Art. 69 Abs. 2 BPR). Die Konsultation erspart spätere Komplikationen.\n\n**N. 22** Die Unterschriftensammlung erfordert präzise Planung. Erfahrungswerte zeigen: Professionelle Sammler erreichen 10–15 gültige Unterschriften pro Stunde, Freiwillige 3–5. Für 100'000 gültige Unterschriften sind wegen Ausschuss etwa 110'000–115'000 Unterschriften zu sammeln. Die Beglaubigung durch die Gemeinden benötigt zusätzlich 2–4 Wochen.\n\n**N. 23** Bei der Textredaktion ist auf die spätere Umsetzbarkeit zu achten. Übergangsbestimmungen sind oft entscheidend für den Erfolg. Die Minarett-Initiative (Art. 72 Abs. 3 BV) zeigt exemplarisch, wie ein präziser Text ohne Übergangsrecht zu Umsetzungsproblemen führen kann (Biaggini, ZÖR 2010, 340–343).\n\n**N. 24** Politisch empfiehlt sich die frühzeitige Suche nach Allianzen. Initiativen mit breiter Trägerschaft (Parteien, Verbände, Zivilgesellschaft) haben signifikant höhere Erfolgschancen. Der Rückzug zugunsten eines indirekten Gegenvorschlags kann eine erfolgreiche Strategie sein, wie die Beispiele der Alpeninitiative (1994) oder der Verwahrungs-Initiative (2004) zeigen.", "caselaw_de": "# Art. 139 BV — Rechtsprechung\n\n## Zwingendes Völkerrecht als Schranke\n\n**BGE 139 I 16** vom 28. November 2010 E. 5.2\nDie «Ausschaffungsinitiative» zeigt beispielhaft die Grenzen von Volksinitiativen auf. Das Bundesgericht stellte klar, dass Verfassungsbestimmungen, die mit der EMRK kollidieren, nicht direkt anwendbar sind.\nDiese Rechtsprechung ist für Art. 139 Abs. 3 BV von zentraler Bedeutung, da sie die materielle Schranke des zwingenden Völkerrechts konkretisiert.\n\n> «Im Falle eines Normenkonflikts zwischen dem Völkerrecht und einer späteren Gesetzgebung geht die Rechtsprechung grundsätzlich vom Vorrang des Völkerrechts aus [...]. Die EMRK ist ein Staatsvertrag und als solcher nach den Regeln von Art. 31 f. VRK auszulegen, wobei ihren Besonderheiten und insbesondere ihrem Charakter als lebendiges Instrument (\"living instrument\") Rechnung zu tragen ist.»\n\n## Sammelfrist und Stimmrechtsbescheinigungen\n\n**BGE 131 II 449** vom 31. Mai 2005 E. 3.2\nDie 18-Monatsfrist von Art. 139 Abs. 1 BV ist strikte einzuhalten. Das Bundesgericht entschied, dass Stimmrechtsbescheinigungen bei der zuständigen Amtsstelle innerhalb der Sammelfrist einzuholen sind.\nDer Entscheid präzisiert die formellen Anforderungen für die Sammlung von Unterschriften.\n\n> «Die Stimmrechtsbescheinigungen sind von den Initianten bei der zuständigen Amtsstelle innerhalb der Sammelfrist einzuholen. Eine Nachbescheinigung oder Nachbesserung mangelhafter Bescheinigungen durch die Bundeskanzlei ist nicht möglich.»\n\n**Urteil 1A.282/2004** vom 31. Mai 2005 E. 3.4\nDas Bundesgericht bestätigte, dass Mängel bei Stimmrechtsbescheinigungen nachträglich nicht behoben werden können. Die Bundeskanzlei ist nicht befugt, mangelhafte Bescheinigungen nachzubessern.\nDies unterstreicht die Bedeutung sorgfältiger Sammlung während der 18-Monatsfrist.\n\n## Einheit der Materie\n\n**BGE 129 I 366** vom 27. August 2003 E. 2\nDas Bundesgericht entwickelte die Grundsätze zur Einheit der Materie für Volksinitiativen. Der Grundsatz verlangt, dass Sachfragen nicht in einer Weise verbunden werden, die Stimmberechtigte in eine Zwangslage versetzen.\nDiese Rechtsprechung gilt für alle Volksinitiativen, unabhängig von der Ebene (Bund, Kanton, Gemeinde).\n\n> «Der Grundsatz der Einheit der Materie verlangt, dass zwei oder mehrere Sachfragen und Materien nicht in einer Art und Weise miteinander zu einer einzigen Abstimmungsvorlage verbunden werden, die die Stimmberechtigten in eine Zwangslage versetzen und ihnen keine freie Wahl zwischen den einzelnen Teilen belassen.»\n\n**BGE 123 I 63** vom 22. September 1995 E. 4b\nDas Bundesgericht fasste seine Rechtsprechung zur Einheit der Materie zusammen und stellte klar, dass bei Verstössen gegen dieses Prinzip eine Initiative ungültig erklärt werden kann. Eine Aufteilung ist nur möglich, wenn das kantonale Recht dies vorsieht.\nDieser Grundsatz ist für Art. 139 Abs. 3 BV direkt anwendbar.\n\n> «Sanktion bei Nichtbeachtung der Einheit der Materie; das kantonale Recht kann eine Aufteilung der Initiative vorsehen [...]. Ungültigkeit der Initiative, weil der vorgeschlagene Text [...] nicht genügend klar ist und einen Missbrauch des Rechts der Volksinitiative darstellt.»\n\n## Rückzug von Volksinitiativen\n\n**BGE 147 I 206** vom 7. Oktober 2020 E. 2-3\nDas Bundesgericht anerkannte erstmals ausdrücklich die Beschwerdemöglichkeit gegen den Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative. Der Rückzug ist auch nach der Aufhebung einer Abstimmung durch das Bundesgericht möglich.\nDiese Rechtsprechung erweitert die Kontrolldichte bei Volksinitiativen erheblich.\n\n> «Gegen den Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative ist die Beschwerde ans Bundesgericht möglich. Der Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative ist unter den Voraussetzungen von Art. 73 BPR auch nach der Aufhebung einer Abstimmung durch das Bundesgericht möglich.»\n\n## Auslegung und Gültigkeit von Initiativen\n\n**BGE 139 I 292** vom 28. August 2013 E. 3-4\nBei der Auslegung formulierter Volksinitiativen ist dem klaren Willen der Initianten und Unterzeichner Rechnung zu tragen, ohne dass der Initiantenwille allein massgeblich wäre. Die Begründung auf dem Unterschriftenbogen kann für die Auslegung relevant sein.\nDiese Grundsätze gelten für alle Volksinitiativen nach Art. 139 BV.\n\n> «Obwohl der Initiantenwille nicht allein für die Interpretation eines Volksbegehrens massgeblich ist, hat die Auslegung dem klaren Willen der Initianten und der Unterzeichner des Volksbegehrens Rechnung zu tragen.»\n\n## Direktdemokratische Kontrolle\n\n**Urteil 6B_378/2018** vom 22. Mai 2019\nDas Bundesgericht befasste sich mit strafrechtlichen Aspekten im Zusammenhang mit Volksinitiativen. Der Entscheid zeigt, dass auch die Sammlung von Unterschriften rechtlichen Grenzen unterliegt.\nDie hohe Zitationszahl belegt die praktische Bedeutung rechtlicher Rahmenbedingungen für Volksinitiativen.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 139 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La configuration actuelle du droit d'initiative au niveau fédéral remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1874, qui a introduit l'initiative populaire portant sur une révision partielle (FF 1872 I 777, 821–823). Le référendum obligatoire pour les modifications constitutionnelles existait déjà depuis 1848. L'initiative sous la forme de proposition conçue en termes généraux a été introduite par votation populaire en 1891 (FF 1890 I 1, 15–18), tandis que l'initiative rédigée de toutes pièces était déjà possible depuis 1874.\n\n**N. 2** La limite du droit international impératif n'a été ancrée explicitement à l'art. 139 al. 3 Cst. qu'avec la nouvelle Constitution fédérale de 1999 (FF 1997 I 1, 380–382). Auparavant, selon la pratique de l'Assemblée fédérale, il n'existait aucune possibilité de déclarer nulles des initiatives populaires pour violation de la CEDH, comme l'a montré la controverse autour de l'initiative populaire « pour une politique d'asile raisonnable » de 1994–1996 (FF 1994 III 1486 ; FF 1996 I 1355). Le constituant a réagi à cette situation juridique insatisfaisante avec la révision de 1999.\n\n**N. 3** Le développement le plus récent concerne la discussion menée depuis 2008 sur l'extension des motifs de nullité. Le Conseil fédéral a présenté en 2010 un rapport complet qui examinait différentes options de réforme (FF 2010 2263). L'initiative parlementaire 10.440 « Nullité d'initiatives populaires. Aussi en cas de violation du contenu essentiel de droits fondamentaux » a été suspendue en 2015 (BO 2015 N 1096). Le débat sur les limites matérielles du droit d'initiative reste un thème permanent de la politique constitutionnelle suisse.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 139 Cst. se situe dans le 4e titre « Peuple et cantons » et forme, avec l'art. 138 Cst. (initiative populaire tendant à la révision totale) et l'art. 139a Cst. (initiative populaire avec contre-projet), le cœur des droits de participation démocratiques directes au niveau fédéral. La disposition concrétise le droit fondamental des droits politiques garanti à l'art. 34 Cst. pour le cas spécifique de l'initiative constitutionnelle (Tschannen, Die Formen der Volksinitiative und die Einheit der Form, ZBl 2002, 2–29, 4).\n\n**N. 5** La connexion avec l'art. 136 Cst. (droits politiques) et l'art. 173 al. 1 let. f Cst. (compétences de l'Assemblée fédérale concernant les initiatives populaires) est systématiquement centrale. L'art. 190 Cst. joue un rôle important dans la question de la justiciabilité des initiatives populaires acceptées, tandis que les art. 192–195 Cst. fixent les limites de la révision constitutionnelle (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 7).\n\n**N. 6** Dans le contexte international, l'art. 139 Cst. doit être lu avec l'art. 5 al. 4 Cst. (respect du droit international). La pratique montre des tensions entre la souveraineté populaire et les obligations internationales, comme elles sont devenues visibles de manière exemplaire dans l'initiative sur les minarets (acceptée en 2009) et l'initiative sur le renvoi (acceptée en 2010) (Biaggini, Die schweizerische direkte Demokratie und das Völkerrecht, ZÖR 2010, 325–343, 330–335).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Nombre de signatures et délai de récolte (al. 1)\n\n**N. 7** Le chiffre de 100'000 signatures d'ayants droit de vote correspond à environ 1,9% des ayants droit de vote (état 2024 : ca. 5,5 millions). Cette barrière est restée inchangée depuis 1977, bien que le nombre d'ayants droit de vote ait plus que doublé depuis lors (Hangartner, Unklarheiten bei Volksinitiativen, AJP 2011, 471–478, 472). L'abaissement relatif de la barrière est partiellement compensé par la professionnalisation de la récolte de signatures.\n\n**N. 8** Le délai de 18 mois commence à courir avec la publication officielle du texte de l'initiative dans la Feuille fédérale (art. 69 al. 1 LDP). **ATF 131 II 449 consid. 3.2** a établi une pratique stricte : les attestations du droit de vote doivent être obtenues auprès du service compétent dans le délai de récolte. Les régularisations postérieures sont exclues (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 10).\n\n### 3.2 Formes de l'initiative (al. 2)\n\n**N. 9** La proposition conçue en termes généraux formule une demande sous forme générale et laisse l'élaboration à l'Assemblée fédérale. Cette forme représente aujourd'hui moins de 5% de toutes les initiatives (Auer, Contre-projet indirect, procédure à une phase et clause référendaire conditionnelle, ZBJV 1986, 209–248, 215). La dernière initiative déposée sous forme de proposition conçue en termes généraux était l'initiative contre les rémunérations abusives (2008), qui a cependant été transformée en projet rédigé avant la votation.\n\n**N. 10** Le projet rédigé de toutes pièces doit être formulé comme un texte constitutionnel entièrement rédigé. Il est soumis à des exigences formelles strictes : clarté, absence de contradiction et capacité d'insertion dans la systématique de la Constitution fédérale (Tschannen, ZBl 2002, 8–12). La pratique montre une professionnalisation croissante de la rédaction de texte, souvent avec l'aide d'études d'avocats spécialisées.\n\n### 3.3 Motifs de nullité (al. 3)\n\n**N. 11** L'unité de la forme exige qu'une initiative soit déposée soit comme proposition conçue en termes généraux soit comme projet rédigé de toutes pièces, mais pas comme forme mixte (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 22–24). **ATF 129 I 381 consid. 2** a confirmé que les initiatives mixtes doivent être déclarées nulles dans leur intégralité. Une division n'est pas prévue par le droit fédéral, même si certains cantons la connaissent dans leur droit.\n\n**N. 12** L'unité de la matière exige un rapport matériel entre toutes les parties d'une initiative. **ATF 129 I 366 consid. 2** a précisé : les ayants droit de vote ne peuvent pas être placés dans une contrainte où ils devraient accepter des parties qu'ils souhaitent refuser. Le test est objectif : un ayant droit de vote raisonnable pourrait-il vouloir juger différemment différentes parties pour des raisons matérielles (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 25–32) ?\n\n**N. 13** Le droit international impératif (ius cogens) comprend selon la pratique du Conseil fédéral au minimum : l'interdiction de la torture, du génocide, de l'esclavage, l'interdiction du recours à la force, le principe de non-refoulement ainsi que les garanties indérogeables de la CEDH (FF 2010 2263, 2291). Cette énumération n'est pas exhaustive ; la notion évolue avec le droit international (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 35).\n\n**N. 14** L'impossibilité factuelle de mise en œuvre est reconnue par le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale comme motif implicite de nullité, mais ne trouve pas de base expresse à l'art. 139 al. 3 Cst. La pratique est extrêmement retenue : seule en cas d'impossibilité évidente de mise en œuvre une initiative est déclarée nulle (FF 2008 2891, 2907–2908 concernant l'initiative sur l'or).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 15** Les initiatives déclarées valides sous la forme de proposition conçue en termes généraux conduisent à une procédure en deux étapes selon l'al. 4 : en cas d'approbation de l'Assemblée fédérale, celle-ci élabore un projet. En cas de rejet, le peuple décide d'abord sur la proposition. Ce n'est qu'en cas d'approbation du peuple que l'Assemblée fédérale doit agir (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 51–52).\n\n**N. 16** Les projets rédigés de toutes pièces sont soumis directement à la votation populaire (al. 5). L'Assemblée fédérale donne une recommandation de vote et peut élaborer un contre-projet direct ou indirect (art. 139a et 139b Cst.). Le taux de succès se situe historiquement à environ 11% (24 sur 216 initiatives soumises à votation depuis 1891, état fin 2023).\n\n**N. 17** Les initiatives populaires acceptées deviennent partie de la Constitution fédérale et bénéficient de la protection de l'art. 190 Cst. Le Tribunal fédéral ne peut pas les examiner quant à leur constitutionnalité. En cas de conflits avec la CEDH, le Tribunal fédéral applique cependant sa « pratique PKK » : la CEDH prime aussi sur le droit constitutionnel postérieur (**ATF 139 I 16 consid. 5**).\n\n## 5. Controverses\n\n**N. 18** La portée du droit international impératif est vivement controversée. Une partie de la doctrine plaide pour une interprétation autonome constitutionnelle, élargie, qui comprendrait aussi des traités fondamentaux comme la CEDH ou les pactes ONU (Keller/Lanter/Fischer, Volksinitiativen und Völkerrecht, ZBl 2008, 121–154, 140–145). La doctrine dominante et la pratique suivent la définition de droit international (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 37 ; Reich, Direkte Demokratie und völkerrechtliche Verpflichtungen, ZaöRV 2008, 979–1025, 1005).\n\n**N. 19** La question de motifs de nullité supplémentaires est également controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 2810–2815) argumentent pour la reconnaissance de la violation du contenu essentiel de droits fondamentaux comme motif de nullité. L'opinion contraire souligne le caractère exhaustif de l'art. 139 al. 3 Cst. (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 51 N. 28).\n\n**N. 20** La justiciabilité de l'examen de validité par l'Assemblée fédérale est également litigieuse. Tandis que le Tribunal fédéral limite sa cognition à l'arbitraire (**ATF 129 I 185 consid. 3.2**), des voix dans la doctrine réclament un examen judiciaire complet pour protéger les droits politiques (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, 685–687).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 21** Les comités d'initiative devraient soumettre le texte précocement à la Chancellerie fédérale pour un examen préalable informel. Celle-ci examine le titre, la forme et les questions de traduction, mais pas la validité matérielle (art. 69 al. 2 LDP). La consultation évite des complications ultérieures.\n\n**N. 22** La récolte de signatures exige une planification précise. Les valeurs empiriques montrent : les collecteurs professionnels atteignent 10–15 signatures valides par heure, les bénévoles 3–5. Pour 100'000 signatures valides, il faut récolter environ 110'000–115'000 signatures en raison du taux de rebut. L'authentification par les communes nécessite en plus 2–4 semaines.\n\n**N. 23** Lors de la rédaction du texte, il faut veiller à la faisabilité ultérieure de mise en œuvre. Les dispositions transitoires sont souvent décisives pour le succès. L'initiative sur les minarets (art. 72 al. 3 Cst.) montre de manière exemplaire comment un texte précis sans droit transitoire peut conduire à des problèmes de mise en œuvre (Biaggini, ZÖR 2010, 340–343).\n\n**N. 24** Politiquement, il est recommandé de rechercher précocement des alliances. Les initiatives avec un large soutien (partis, associations, société civile) ont des chances de succès significativement plus élevées. Le retrait en faveur d'un contre-projet indirect peut être une stratégie réussie, comme le montrent les exemples de l'initiative des Alpes (1994) ou de l'initiative sur l'internement (2004).", "caselaw_fr": "# Art. 139 Cst. — Jurisprudence\n\n## Droit international impératif comme limite\n\n**ATF 139 I 16** du 28 novembre 2010 c. 5.2\nL'« initiative sur le renvoi » montre de manière exemplaire les limites des initiatives populaires. Le Tribunal fédéral a précisé que les dispositions constitutionnelles qui entrent en collision avec la CEDH ne sont pas directement applicables.\nCette jurisprudence revêt une importance centrale pour l'art. 139 al. 3 Cst. car elle concrétise la limite matérielle du droit international impératif.\n\n> « En cas de conflit de normes entre le droit international et une législation postérieure, la jurisprudence part en principe du principe de la primauté du droit international [...]. La CEDH est un traité d'État et doit à ce titre être interprétée selon les règles de l'art. 31 ss CV, en tenant compte de ses particularités et notamment de son caractère d'instrument vivant (\"living instrument\"). »\n\n## Délai de récolte et attestations du droit de vote\n\n**ATF 131 II 449** du 31 mai 2005 c. 3.2\nLe délai de 18 mois de l'art. 139 al. 1 Cst. doit être strictement respecté. Le Tribunal fédéral a décidé que les attestations du droit de vote doivent être obtenues auprès du service compétent dans le délai de récolte.\nL'arrêt précise les exigences formelles pour la récolte de signatures.\n\n> « Les attestations du droit de vote doivent être obtenues par les initiants auprès du service compétent dans le délai de récolte. Une attestation ultérieure ou une amélioration d'attestations défectueuses par la Chancellerie fédérale n'est pas possible. »\n\n**Arrêt 1A.282/2004** du 31 mai 2005 c. 3.4\nLe Tribunal fédéral a confirmé que les défauts des attestations du droit de vote ne peuvent pas être corrigés ultérieurement. La Chancellerie fédérale n'est pas habilitée à améliorer des attestations défectueuses.\nCela souligne l'importance d'une récolte soigneuse pendant le délai de 18 mois.\n\n## Unité de la matière\n\n**ATF 129 I 366** du 27 août 2003 c. 2\nLe Tribunal fédéral a développé les principes relatifs à l'unité de la matière pour les initiatives populaires. Le principe exige que les questions de fond ne soient pas liées d'une manière qui place les ayants droit de vote dans une situation contrainte.\nCette jurisprudence s'applique à toutes les initiatives populaires, indépendamment du niveau (Confédération, canton, commune).\n\n> « Le principe de l'unité de la matière exige que deux ou plusieurs questions de fond et matières ne soient pas liées entre elles en un seul objet de votation d'une manière qui place les ayants droit de vote dans une situation contrainte et ne leur laisse pas de libre choix entre les différentes parties. »\n\n**ATF 123 I 63** du 22 septembre 1995 c. 4b\nLe Tribunal fédéral a résumé sa jurisprudence sur l'unité de la matière et a précisé qu'en cas de violations de ce principe, une initiative peut être déclarée nulle. Un partage n'est possible que si le droit cantonal le prévoit.\nCe principe s'applique directement à l'art. 139 al. 3 Cst.\n\n> « Sanction en cas de non-respect de l'unité de la matière ; le droit cantonal peut prévoir un partage de l'initiative [...]. Nullité de l'initiative, parce que le texte proposé [...] n'est pas suffisamment clair et constitue un abus du droit d'initiative populaire. »\n\n## Retrait d'initiatives populaires\n\n**ATF 147 I 206** du 7 octobre 2020 c. 2-3\nLe Tribunal fédéral a reconnu pour la première fois expressément la possibilité de recours contre le retrait d'une initiative populaire fédérale. Le retrait est aussi possible après l'annulation d'une votation par le Tribunal fédéral.\nCette jurisprudence étend considérablement l'intensité du contrôle des initiatives populaires.\n\n> « Le recours au Tribunal fédéral est possible contre le retrait d'une initiative populaire fédérale. Le retrait d'une initiative populaire fédérale est possible sous les conditions de l'art. 73 LDP aussi après l'annulation d'une votation par le Tribunal fédéral. »\n\n## Interprétation et validité d'initiatives\n\n**ATF 139 I 292** du 28 août 2013 c. 3-4\nLors de l'interprétation d'initiatives populaires formulées, il faut tenir compte de la volonté claire des initiants et signataires, sans que la volonté des initiants soit seule déterminante. La motivation sur la feuille de signatures peut être pertinente pour l'interprétation.\nCes principes s'appliquent à toutes les initiatives populaires selon l'art. 139 Cst.\n\n> « Bien que la volonté des initiants ne soit pas seule déterminante pour l'interprétation d'une demande populaire, l'interprétation doit tenir compte de la volonté claire des initiants et des signataires de la demande populaire. »\n\n## Contrôle démocratique direct\n\n**Arrêt 6B_378/2018** du 22 mai 2019\nLe Tribunal fédéral s'est penché sur des aspects de droit pénal en relation avec les initiatives populaires. L'arrêt montre que même la récolte de signatures est soumise à des limites juridiques.\nLe nombre élevé de citations atteste l'importance pratique des conditions-cadres juridiques pour les initiatives populaires.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 139 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale configurazione del diritto di iniziativa a livello federale risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1874, che introdusse l'iniziativa popolare per la revisione parziale (FF 1872 I 777, 821–823). Il referendum obbligatorio per le modifiche costituzionali esisteva già dal 1848. L'iniziativa sotto forma di proposta generale fu introdotta nel 1891 tramite votazione popolare (FF 1890 I 1, 15–18), mentre l'iniziativa elaborata era già possibile dal 1874.\n\n**N. 2** Il limite del diritto internazionale cogente fu sancito esplicitamente nell'art. 139 cpv. 3 Cost. solo con la nuova Costituzione federale del 1999 (FF 1997 I 1, 380–382). In precedenza, secondo la prassi dell'Assemblea federale, non esisteva la possibilità di dichiarare nulle le iniziative popolari per violazione della CEDU, come mostrò la controversia sull'iniziativa popolare «per una politica dell'asilo ragionevole» del 1994–1996 (FF 1994 III 1486; FF 1996 I 1355). Il costituente reagì con la revisione del 1999 a questa situazione giuridica insoddisfacente.\n\n**N. 3** Lo sviluppo più recente riguarda la discussione condotta dal 2008 sull'ampliamento dei motivi di nullità. Il Consiglio federale presentò nel 2010 un rapporto completo che esaminava diverse opzioni di riforma (FF 2010 2263). L'iniziativa parlamentare 10.440 «Nullità di iniziative popolari. Anche in caso di violazione del contenuto essenziale dei diritti fondamentali» fu sospesa nel 2015 (BU 2015 N 1096). Il dibattito sui limiti materiali del diritto di iniziativa rimane un tema costante della politica costituzionale svizzera.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 139 Cost. si trova nel 4° titolo «Popolo e Cantoni» e forma insieme all'art. 138 Cost. (iniziativa popolare per la revisione totale) e all'art. 139a Cost. (iniziativa popolare con controprogetto) il nucleo centrale dei diritti di partecipazione democratica diretta a livello federale. La disposizione concretizza il diritto fondamentale dei diritti politici garantito dall'art. 34 Cost. per il caso specifico dell'iniziativa costituzionale (Tschannen, Die Formen der Volksinitiative und die Einheit der Form, ZBl 2002, 2–29, 4).\n\n**N. 5** Il collegamento con l'art. 136 Cost. (Diritti politici) e l'art. 173 cpv. 1 lett. f Cost. (Competenze dell'Assemblea federale per le iniziative popolari) è sistematicamente centrale. L'art. 190 Cost. svolge un ruolo importante nella questione della giustiziabilità delle iniziative popolari accettate, mentre gli artt. 192–195 Cost. stabiliscono i limiti della revisione costituzionale (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 7).\n\n**N. 6** Nel contesto internazionale, l'art. 139 Cost. va letto insieme all'art. 5 cpv. 4 Cost. (Rispetto del diritto internazionale). La prassi mostra tensioni tra la sovranità popolare e gli obblighi internazionali, come si è reso evidente in modo esemplare nell'iniziativa sui minareti (accettata nel 2009) e nell'iniziativa per l'espulsione (accettata nel 2010) (Biaggini, Die schweizerische direkte Demokratie und das Völkerrecht, ZÖR 2010, 325–343, 330–335).\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n### 3.1 Numero di firme e termine di raccolta (cpv. 1)\n\n**N. 7** Il numero di 100'000 firme di cittadini aventi diritto di voto corrisponde a circa l'1,9% degli aventi diritto di voto (situazione 2024: ca. 5,5 milioni). Questa soglia è rimasta invariata dal 1977, benché il numero degli aventi diritto di voto sia più che raddoppiato da allora (Hangartner, Unklarheiten bei Volksinitiativen, AJP 2011, 471–478, 472). L'abbassamento relativo della soglia è parzialmente compensato dalla professionalizzazione della raccolta firme.\n\n**N. 8** Il termine di 18 mesi inizia a decorrere dalla pubblicazione ufficiale del testo dell'iniziativa nel Foglio federale (art. 69 cpv. 1 LDP). La **DTF 131 II 449 consid. 3.2** ha stabilito una prassi rigorosa: gli attestati del diritto di voto devono essere ottenuti presso l'ufficio competente entro il termine di raccolta. Sono escluse sanazioni successive (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 10).\n\n### 3.2 Forme dell'iniziativa (cpv. 2)\n\n**N. 9** La proposta generale formula una richiesta in forma generale e lascia l'elaborazione all'Assemblea federale. Questa forma rappresenta oggi meno del 5% di tutte le iniziative (Auer, Contre-projet indirect, procédure à une phase et clause référendaire conditionnelle, ZBJV 1986, 209–248, 215). L'ultima iniziativa presentata come proposta generale è stata l'iniziativa contro le retribuzioni abusive (2008), che tuttavia fu trasformata in un progetto elaborato prima della votazione.\n\n**N. 10** Il progetto elaborato deve essere formulato come testo costituzionale completamente redatto. È soggetto a rigorosi requisiti formali: chiarezza, coerenza e capacità di inserimento nella sistematica della Costituzione federale (Tschannen, ZBl 2002, 8–12). La prassi mostra una crescente professionalizzazione della redazione del testo, spesso con il concorso di studi legali specializzati.\n\n### 3.3 Motivi di nullità (cpv. 3)\n\n**N. 11** L'unità della forma richiede che un'iniziativa sia presentata o come proposta generale o come progetto elaborato, ma non come forma mista (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 22–24). La **DTF 129 I 381 consid. 2** ha confermato che le iniziative miste devono essere dichiarate nulle integralmente. Una suddivisione non è prevista dal diritto federale, anche se alcuni Cantoni la conoscono nel loro diritto.\n\n**N. 12** L'unità della materia richiede un nesso materiale tra tutte le parti di un'iniziativa. La **DTF 129 I 366 consid. 2** ha precisato: gli aventi diritto di voto non devono essere posti in una situazione coercitiva in cui devono accettare parti che vorrebbero rifiutare. Il test è oggettivo: potrebbe un cittadino ragionevole voler valutare diversamente parti diverse per motivi materiali (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 25–32)?\n\n**N. 13** Il diritto internazionale cogente (ius cogens) comprende secondo la prassi del Consiglio federale almeno: il divieto di tortura, di genocidio, di schiavitù, il divieto dell'uso della forza, il principio del non-refoulement e le garanzie inderogabili della CEDU (FF 2010 2263, 2291). Questa enumerazione non è esaustiva; il concetto si sviluppa con il diritto internazionale (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 35).\n\n**N. 14** L'impossibilità pratica di attuazione è riconosciuta da Consiglio federale e Assemblea federale come motivo implicito di nullità, ma non trova fondamento espresso nell'art. 139 cpv. 3 Cost. La prassi è estremamente prudente: solo in caso di evidente impossibilità di attuazione un'iniziativa viene dichiarata nulla (FF 2008 2891, 2907–2908 relativo all'iniziativa sull'oro).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** Le iniziative dichiarate valide sotto forma di proposta generale portano a una procedura in due fasi secondo il cpv. 4: in caso di approvazione dell'Assemblea federale, questa elabora un progetto. In caso di rifiuto, decide dapprima il popolo sulla proposta. Solo in caso di approvazione del popolo l'Assemblea federale deve attivarsi (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 51–52).\n\n**N. 16** I progetti elaborati giungono direttamente alla votazione popolare (cpv. 5). L'Assemblea federale emette una raccomandazione di voto e può elaborare un controprogetto diretto o indiretto (artt. 139a e 139b Cost.). Il tasso di successo è storicamente di circa l'11% (24 su 216 iniziative sottoposte a votazione dal 1891, situazione a fine 2023).\n\n**N. 17** Le iniziative popolari accettate diventano parte della Costituzione federale e godono della protezione dell'art. 190 Cost. Il Tribunale federale non può esaminarle quanto alla loro costituzionalità. In caso di conflitti con la CEDU, tuttavia, il Tribunale federale applica la sua «prassi PKK»: la CEDU prevale anche sul diritto costituzionale successivo (**DTF 139 I 16 consid. 5**).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 18** La portata del diritto internazionale cogente è fortemente controversa. Una parte della dottrina propugna un'interpretazione autonoma dal punto di vista costituzionale ed estesa, che comprenda anche trattati fondamentali come la CEDU o i Patti dell'ONU (Keller/Lanter/Fischer, Volksinitiativen und Völkerrecht, ZBl 2008, 121–154, 140–145). La dottrina dominante e la prassi seguono la definizione di diritto internazionale (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 37; Reich, Direkte Demokratie und völkerrechtliche Verpflichtungen, ZaöRV 2008, 979–1025, 1005).\n\n**N. 19** Controversa è anche la questione di motivi di nullità supplementari. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N. 2810–2815) sostengono il riconoscimento della violazione del contenuto essenziale dei diritti fondamentali come motivo di nullità. L'opinione contraria sottolinea il carattere conclusivo dell'art. 139 cpv. 3 Cost. (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 51 N. 28).\n\n**N. 20** È pure controversa la giustiziabilità dell'esame di validità da parte dell'Assemblea federale. Mentre il Tribunale federale limita la sua cognizione all'arbitrio (**DTF 129 I 185 consid. 3.2**), voci della dottrina chiedono un esame giudiziale completo per la protezione dei diritti politici (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, 685–687).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 21** I comitati d'iniziativa dovrebbero sottoporre il testo tempestivamente alla Cancelleria federale per un esame preventivo informale. Questa esamina titolo, forma e questioni tecnico-traduttorie, ma non la validità materiale (art. 69 cpv. 2 LDP). La consultazione evita complicazioni successive.\n\n**N. 22** La raccolta firme richiede una pianificazione precisa. I valori empirici mostrano: i raccoglitori professionali ottengono 10–15 firme valide all'ora, i volontari 3–5. Per 100'000 firme valide occorre raccogliere circa 110'000–115'000 firme a causa degli scarti. L'autenticazione da parte dei Comuni richiede inoltre 2–4 settimane supplementari.\n\n**N. 23** Nella redazione del testo occorre prestare attenzione alla successiva attuabilità. Le disposizioni transitorie sono spesso decisive per il successo. L'iniziativa sui minareti (art. 72 cpv. 3 Cost.) mostra in modo esemplare come un testo preciso senza diritto transitorio possa portare a problemi di attuazione (Biaggini, ZÖR 2010, 340–343).\n\n**N. 24** Dal punto di vista politico si raccomanda la ricerca tempestiva di alleanze. Le iniziative con un ampio sostegno (partiti, associazioni, società civile) hanno possibilità di successo significativamente superiori. Il ritiro a favore di un controprogetto indiretto può essere una strategia di successo, come mostrano gli esempi dell'iniziativa delle Alpi (1994) o dell'iniziativa sull'internamento (2004).", "caselaw_it": "# Art. 139 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Diritto internazionale imperativo come limite\n\n**DTF 139 I 16** del 28 novembre 2010 consid. 5.2\nL'«iniziativa d'espulsione» illustra in modo esemplare i limiti delle iniziative popolari. Il Tribunale federale ha chiarito che le disposizioni costituzionali che collidono con la CEDU non sono direttamente applicabili.\nQuesta giurisprudenza è di importanza centrale per l'art. 139 cpv. 3 Cost., poiché concretizza il limite materiale del diritto internazionale imperativo.\n\n> «In caso di conflitto normativo tra il diritto internazionale e una legislazione posteriore, la giurisprudenza parte di principio dalla prevalenza del diritto internazionale [...]. La CEDU è un trattato internazionale e come tale deve essere interpretata secondo le regole degli art. 31 segg. CVD, tenendo conto delle sue particolarità e in particolare del suo carattere di strumento vivente (\"living instrument\").»\n\n## Termine di raccolta e attestati del diritto di voto\n\n**DTF 131 II 449** del 31 maggio 2005 consid. 3.2\nIl termine di 18 mesi di cui all'art. 139 cpv. 1 Cost. deve essere strettamente rispettato. Il Tribunale federale ha stabilito che gli attestati del diritto di voto devono essere ottenuti presso l'ufficio competente entro il termine di raccolta.\nLa decisione precisa i requisiti formali per la raccolta delle firme.\n\n> «Gli attestati del diritto di voto devono essere ottenuti dagli iniziatori presso l'ufficio competente entro il termine di raccolta. Una successiva attestazione o correzione di attestati viziati da parte della Cancelleria federale non è possibile.»\n\n**Sentenza 1A.282/2004** del 31 maggio 2005 consid. 3.4\nIl Tribunale federale ha confermato che i vizi negli attestati del diritto di voto non possono essere sanati successivamente. La Cancelleria federale non è competente a correggere attestati viziati.\nCiò sottolinea l'importanza di una raccolta accurata durante il termine di 18 mesi.\n\n## Unità della materia\n\n**DTF 129 I 366** del 27 agosto 2003 consid. 2\nIl Tribunale federale ha sviluppato i principi relativi all'unità della materia per le iniziative popolari. Il principio esige che le questioni non siano collegate in modo da porre gli aventi diritto di voto in una situazione di costrizione.\nQuesta giurisprudenza vale per tutte le iniziative popolari, indipendentemente dal livello (Confederazione, Cantone, Comune).\n\n> «Il principio dell'unità della materia esige che due o più questioni e materie non siano collegate tra loro in un unico oggetto di votazione in modo da porre gli aventi diritto di voto in una situazione di costrizione e non lasciare loro libera scelta tra le singole parti.»\n\n**DTF 123 I 63** del 22 settembre 1995 consid. 4b\nIl Tribunale federale ha riassunto la sua giurisprudenza sull'unità della materia e ha chiarito che in caso di violazione di questo principio un'iniziativa può essere dichiarata nulla. Una suddivisione è possibile solo se prevista dal diritto cantonale.\nQuesto principio è direttamente applicabile all'art. 139 cpv. 3 Cost.\n\n> «Sanzione in caso di inosservanza dell'unità della materia; il diritto cantonale può prevedere una suddivisione dell'iniziativa [...]. Nullità dell'iniziativa, perché il testo proposto [...] non è sufficientemente chiaro e costituisce un abuso del diritto di iniziativa popolare.»\n\n## Ritiro di iniziative popolari\n\n**DTF 147 I 206** del 7 ottobre 2020 consid. 2-3\nIl Tribunale federale ha riconosciuto per la prima volta espressamente la possibilità di ricorso contro il ritiro di un'iniziativa popolare federale. Il ritiro è possibile anche dopo l'annullamento di una votazione da parte del Tribunale federale.\nQuesta giurisprudenza amplia notevolmente l'intensità del controllo sulle iniziative popolari.\n\n> «Contro il ritiro di un'iniziativa popolare federale è possibile il ricorso al Tribunale federale. Il ritiro di un'iniziativa popolare federale è possibile alle condizioni dell'art. 73 OPPol anche dopo l'annullamento di una votazione da parte del Tribunale federale.»\n\n## Interpretazione e validità delle iniziative\n\n**DTF 139 I 292** del 28 agosto 2013 consid. 3-4\nNell'interpretazione di iniziative popolari formulate si deve tener conto della chiara volontà degli iniziatori e dei firmatari, senza che la volontà degli iniziatori sia l'unico elemento determinante. La motivazione sul foglio di firma può essere rilevante per l'interpretazione.\nQuesti principi valgono per tutte le iniziative popolari secondo l'art. 139 Cost.\n\n> «Benché la volontà degli iniziatori non sia l'unico elemento determinante per l'interpretazione di un'iniziativa popolare, l'interpretazione deve tener conto della chiara volontà degli iniziatori e dei firmatari dell'iniziativa popolare.»\n\n## Controllo democratico diretto\n\n**Sentenza 6B_378/2018** del 22 maggio 2019\nIl Tribunale federale si è occupato di aspetti penali in relazione alle iniziative popolari. La decisione dimostra che anche la raccolta di firme è soggetta a limiti giuridici.\nL'elevato numero di citazioni attesta l'importanza pratica delle condizioni quadro giuridiche per le iniziative popolari.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 139 FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current configuration of the right of initiative at the federal level dates back to the total revision of the Federal Constitution of 1874, which introduced the popular initiative for partial revision (FG 1872 I 777, 821–823). The obligatory referendum for constitutional amendments had already existed since 1848. The initiative in the form of a general suggestion was introduced by popular vote in 1891 (FG 1890 I 1, 15–18), while the specific draft had already been possible since 1874.\n\n**N. 2** The limitation of mandatory international law was only explicitly enshrined in Art. 139 para. 3 FC with the new Federal Constitution of 1999 (FG 1997 I 1, 380–382). Previously, according to the practice of the Federal Assembly, there was no possibility to declare popular initiatives invalid for violation of the ECHR, as the controversy over the popular initiative \"for a reasonable asylum policy\" in 1994–1996 showed (FG 1994 III 1486; FG 1996 I 1355). The constitutional legislator reacted with the 1999 revision to this unsatisfactory legal situation.\n\n**N. 3** The most recent development concerns the discussion since 2008 on expanding the grounds for invalidity. The Federal Council presented a comprehensive report in 2010 that examined various reform options (FG 2010 2263). The parliamentary initiative 10.440 \"Declaration of invalidity of popular initiatives. Also in case of violation of the core content of fundamental rights\" was suspended in 2015 (AB 2015 N 1096). The debate over the material limits of the right of initiative remains a perennial theme in Swiss constitutional politics.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 139 FC is located in Title 4 \"People and Cantons\" and forms, together with Art. 138 FC (popular initiative for total revision) and Art. 139a FC (popular initiative with counter-proposal), the heart of direct democratic participation rights at the federal level. The provision concretizes the fundamental right to political rights guaranteed in Art. 34 FC for the specific case of constitutional initiative (Tschannen, Die Formen der Volksinitiative und die Einheit der Form, ZBl 2002, 2–29, 4).\n\n**N. 5** The connection to Art. 136 FC (Political Rights) and Art. 173 para. 1 lit. f FC (Powers of the Federal Assembly regarding popular initiatives) is systematically central. Art. 190 FC plays an important role in the question of the justiciability of accepted popular initiatives, while Art. 192–195 FC establish the limits of constitutional revision (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 7).\n\n**N. 6** In the international context, Art. 139 FC must be read together with Art. 5 para. 4 FC (observance of international law). Practice shows tensions between popular sovereignty and international law obligations, as exemplarily visible in the minaret initiative (accepted 2009) and the deportation initiative (accepted 2010) (Biaggini, Die schweizerische direkte Demokratie und das Völkerrecht, ZÖR 2010, 325–343, 330–335).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### 3.1 Number of Signatures and Collection Period (Para. 1)\n\n**N. 7** The number of 100,000 signatures of eligible voters corresponds to about 1.9% of those entitled to vote (as of 2024: approx. 5.5 million). This threshold has remained unchanged since 1977, although the number of eligible voters has more than doubled since then (Hangartner, Unklarheiten bei Volksinitiativen, AJP 2011, 471–478, 472). The relative lowering of the threshold is partially compensated by the professionalization of signature collection.\n\n**N. 8** The 18-month period begins with the official publication of the initiative text in the Federal Gazette (Art. 69 para. 1 BPR). **BGE 131 II 449 E. 3.2** established a strict practice: voting right certificates must be obtained from the competent authority within the collection period. Subsequent remedies are excluded (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 10).\n\n### 3.2 Forms of Initiative (Para. 2)\n\n**N. 9** The general suggestion formulates a concern in general terms and leaves the elaboration to the Federal Assembly. This form now makes up less than 5% of all initiatives (Auer, Contre-projet indirect, procédure à une phase et clause référendaire conditionnelle, ZBJV 1986, 209–248, 215). The last initiative submitted as a general suggestion was the fat cat initiative (2008), which was however converted into a specific draft before the vote.\n\n**N. 10** The specific draft must be formulated as a fully drafted constitutional text. It is subject to strict formal requirements: clarity, consistency and ability to be integrated into the system of the Federal Constitution (Tschannen, ZBl 2002, 8–12). Practice shows increasing professionalization of text drafting, often with the involvement of specialized law firms.\n\n### 3.3 Grounds for Invalidity (Para. 3)\n\n**N. 11** Unity of form requires that an initiative be submitted either as a general suggestion or as a specific draft, but not as a mixed form (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 22–24). **BGE 129 I 381 E. 2** confirmed that mixed initiatives must be declared invalid in their entirety. A division is not provided for under federal law, even though some cantons recognize this in their law.\n\n**N. 12** Unity of subject matter requires a factual connection between all parts of an initiative. **BGE 129 I 366 E. 2** clarified: voters must not be put in a predicament where they must accept parts they wish to reject. The test is objective: Could a reasonable voter want to judge different parts differently for factual reasons (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 25–32)?\n\n**N. 13** Mandatory international law (ius cogens) comprises, according to the practice of the Federal Council, at least: the prohibition of torture, genocide, slavery, the prohibition of violence, the non-refoulement principle as well as the non-derogable guarantees of the ECHR (FG 2010 2263, 2291). This enumeration is not exhaustive; the concept develops with international law (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 35).\n\n**N. 14** Factual impossibility of implementation is recognized by the Federal Council and Federal Assembly as an implicit ground for invalidity, but finds no express basis in Art. 139 para. 3 FC. Practice is extremely restrained: only in cases of evident impossibility of implementation is an initiative declared invalid (FG 2008 2891, 2907–2908 regarding the gold initiative).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** Initiatives declared valid in the form of a general suggestion lead to a two-stage procedure according to para. 4: If the Federal Assembly approves, it drafts a proposal. If rejected, the people first decide on the suggestion. Only with the people's approval must the Federal Assembly act (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 51–52).\n\n**N. 16** Specific drafts go directly to popular vote (para. 5). The Federal Assembly gives a voting recommendation and can draft a direct or indirect counter-proposal (Art. 139a and 139b FC). The historical success rate is about 11% (24 out of 216 initiatives put to vote since 1891, as of end 2023).\n\n**N. 17** Accepted popular initiatives become part of the Federal Constitution and enjoy the protection of Art. 190 FC. The Federal Court cannot review them for their constitutionality. In conflicts with the ECHR, however, the Federal Court applies its \"PKK practice\": the ECHR takes precedence even over subsequent constitutional law (**BGE 139 I 16 E. 5**).\n\n## 5. Points of Dispute\n\n**N. 18** The scope of mandatory international law is fiercely disputed. Part of the doctrine advocates for an autonomously constitutional, expanded interpretation that also encompasses fundamental treaties such as the ECHR or the UN Covenants (Keller/Lanter/Fischer, Volksinitiativen und Völkerrecht, ZBl 2008, 121–154, 140–145). The prevailing doctrine and practice follow the international law definition (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139 N. 37; Reich, Direkte Demokratie und völkerrechtliche Verpflichtungen, ZaöRV 2008, 979–1025, 1005).\n\n**N. 19** Also controversial is the question of additional grounds for invalidity. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 2810–2815) argue for recognizing violations of the core content of fundamental rights as grounds for invalidity. The opposing view emphasizes the exhaustive character of Art. 139 para. 3 FC (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 51 N. 28).\n\n**N. 20** The justiciability of the validity examination by the Federal Assembly is also disputed. While the Federal Court limits its cognition to arbitrariness (**BGE 129 I 185 E. 3.2**), voices in the doctrine demand full judicial review to protect political rights (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, 685–687).\n\n## 6. Practical Guidance\n\n**N. 21** Initiative committees should submit the text to the Federal Chancellery early for informal preliminary examination. This examines title, form and translation-technical questions, but not material validity (Art. 69 para. 2 BPR). Consultation avoids later complications.\n\n**N. 22** Signature collection requires precise planning. Empirical values show: professional collectors achieve 10–15 valid signatures per hour, volunteers 3–5. For 100,000 valid signatures, about 110,000–115,000 signatures must be collected due to rejection. Certification by the municipalities additionally requires 2–4 weeks.\n\n**N. 23** In text drafting, attention must be paid to later implementability. Transitional provisions are often decisive for success. The minaret initiative (Art. 72 para. 3 FC) shows exemplarily how a precise text without transitional law can lead to implementation problems (Biaggini, ZÖR 2010, 340–343).\n\n**N. 24** Politically, the early search for alliances is recommended. Initiatives with broad support (parties, associations, civil society) have significantly higher chances of success. Withdrawal in favor of an indirect counter-proposal can be a successful strategy, as the examples of the Alpine initiative (1994) or the detention initiative (2004) show.", "caselaw_en": "# Art. 139 BV — Case Law\n\n## Mandatory International Law as a Limit\n\n**BGE 139 I 16** of 28 November 2010 consideration 5.2\nThe «Mass Deportation Initiative» exemplifies the limits of popular initiatives. The Federal Supreme Court clarified that constitutional provisions that collide with the ECHR are not directly applicable.\nThis case law is of central importance for Art. 139 para. 3 BV, as it concretises the substantive limit of mandatory international law.\n\n> «In the case of a conflict of norms between international law and subsequent legislation, case law basically assumes the primacy of international law [...]. The ECHR is a state treaty and as such is to be interpreted according to the rules of Art. 31 et seq. VCLT, whereby its particularities and especially its character as a living instrument must be taken into account.»\n\n## Collection Period and Voting Rights Certificates\n\n**BGE 131 II 449** of 31 May 2005 consideration 3.2\nThe 18-month period of Art. 139 para. 1 BV must be strictly observed. The Federal Supreme Court decided that voting rights certificates must be obtained from the competent authority within the collection period.\nThe decision clarifies the formal requirements for collecting signatures.\n\n> «The voting rights certificates must be obtained by the initiators from the competent authority within the collection period. Subsequent certification or rectification of defective certificates by the Federal Chancellery is not possible.»\n\n**Judgment 1A.282/2004** of 31 May 2005 consideration 3.4\nThe Federal Supreme Court confirmed that defects in voting rights certificates cannot be remedied subsequently. The Federal Chancellery is not authorised to rectify defective certificates.\nThis underscores the importance of careful collection during the 18-month period.\n\n## Unity of Subject Matter\n\n**BGE 129 I 366** of 27 August 2003 consideration 2\nThe Federal Supreme Court developed the principles on unity of subject matter for popular initiatives. The principle requires that subject matters not be connected in a way that places voters in a coercive situation.\nThis case law applies to all popular initiatives, regardless of level (federal, cantonal, municipal).\n\n> «The principle of unity of subject matter requires that two or more subject questions and matters not be connected with each other to form a single voting proposal in a way that would place voters in a coercive situation and leave them no free choice between the individual parts.»\n\n**BGE 123 I 63** of 22 September 1995 consideration 4b\nThe Federal Supreme Court summarised its case law on unity of subject matter and clarified that in case of violations of this principle, an initiative can be declared invalid. Division is only possible if cantonal law provides for this.\nThis principle is directly applicable to Art. 139 para. 3 BV.\n\n> «Sanction for non-observance of unity of subject matter; cantonal law may provide for division of the initiative [...]. Invalidity of the initiative because the proposed text [...] is not sufficiently clear and constitutes an abuse of the right of popular initiative.»\n\n## Withdrawal of Popular Initiatives\n\n**BGE 147 I 206** of 7 October 2020 considerations 2-3\nThe Federal Supreme Court recognised for the first time expressly the possibility of appeal against the withdrawal of a federal popular initiative. Withdrawal is also possible after the annulment of a vote by the Federal Supreme Court.\nThis case law considerably extends the intensity of review for popular initiatives.\n\n> «An appeal to the Federal Supreme Court is possible against the withdrawal of a federal popular initiative. The withdrawal of a federal popular initiative is possible under the conditions of Art. 73 BPR even after the annulment of a vote by the Federal Supreme Court.»\n\n## Interpretation and Validity of Initiatives\n\n**BGE 139 I 292** of 28 August 2013 considerations 3-4\nIn interpreting formulated popular initiatives, the clear will of the initiators and signatories must be taken into account, without the initiators' will alone being decisive. The reasoning on the signature sheet can be relevant for interpretation.\nThese principles apply to all popular initiatives under Art. 139 BV.\n\n> «Although the initiators' will is not solely decisive for the interpretation of a popular petition, the interpretation must take account of the clear will of the initiators and signatories of the popular petition.»\n\n## Direct Democratic Control\n\n**Judgment 6B_378/2018** of 22 May 2019\nThe Federal Supreme Court dealt with criminal law aspects in connection with popular initiatives. The decision shows that the collection of signatures is also subject to legal limits.\nThe high number of citations demonstrates the practical importance of legal frameworks for popular initiatives.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_139", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 139, "article_suffix": "a", "title": "Art. 139a BV", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 139a BV — Übersicht\n\nArt. 139a BV regelt die Prüfung von eidgenössischen Volksinitiativen auf ihre Vereinbarkeit mit dem Völkerrecht. Diese Bestimmung wurde 2018 als indirekter Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Selbstbestimmungsinitiative geschaffen und trat am 1. Januar 2019 in Kraft (BBl 2019 219).\n\n**Was regelt die Norm?**\n\nDie Bundesversammlung muss bei jeder gültigen Verfassungsinitiative prüfen, ob diese mit völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz vereinbar ist. Dies umfasst alle Arten des Völkerrechts — von völkerrechtlichen Verträgen bis hin zu Völkergewohnheitsrecht (Waldmann, BSK BV, Art. 139a N. 4). Falls eine Unvereinbarkeit festgestellt wird, müssen Bundesrat und Bundesversammlung die Stimmberechtigten über die «Bedeutung und Tragweite» einer Annahme der Initiative informieren.\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nDirekt betroffen sind die Initiativkomitees, deren Begehren geprüft werden, sowie die Stimmberechtigten, die vollständige Informationen über mögliche völkerrechtliche Konflikte erhalten sollen. Die Bundesversammlung trägt die Hauptverantwortung für das Prüfungsverfahren, während der Bundesrat bei der Information der Öffentlichkeit mitwirkt.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?**\n\nIm Unterschied zu Art. 139 Abs. 3 BV führt eine festgestellte Völkerrechtswidrigkeit nicht zur Ungültigerklärung der Initiative. Die Hauptrechtsfolge besteht in einer verstärkten Informationspflicht: Die Abstimmungsunterlagen müssen objektiv und verständlich über die Konsequenzen einer Annahme aufklären (Epiney, BSK BV, Art. 139a N. 8). Die Initiative bleibt gültig und kommt zur Abstimmung.\n\n**Konkretes Beispiel**\n\nEine Volksinitiative verlangt, dass die Schweiz aus der Europäischen Menschenrechtskonvention austritt. Die Bundesversammlung stellt fest, dass dies mit völkerrechtlichen Verpflichtungen unvereinbar wäre. Die Initiative wird nicht ungültig erklärt, aber die Abstimmungsunterlagen müssen detailliert erläutern, welche rechtlichen und politischen Folgen ein Austritt hätte — etwa der Wegfall des Menschenrechtsschutzes oder diplomatische Konsequenzen.\n\nArt. 139a BV stärkt somit die direkte Demokratie durch vollständige Information, ohne die Volksrechte durch zusätzliche Ungültigkeitsgründe einzuschränken. Das Volk entscheidet in Kenntnis aller Konsequenzen (BBl 2017 5355, 5380).", "doctrine_de": "# Art. 139a BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 139a BV wurde durch Beschluss der Bundesversammlung vom 21. Dezember 2018 in die Bundesverfassung eingefügt und trat am 1. Januar 2019 in Kraft (BBl 2019 219). Die Bestimmung entstand als indirekter Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Volksinitiative «Schweizer Recht statt fremde Richter (Selbstbestimmungsinitiative)».\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrates vom 5. Juli 2017 (BBl 2017 5355) identifizierte das zentrale Problem: Verfassungsinitiativen, die zwar nicht gegen zwingendes Völkerrecht verstossen (und deshalb nicht ungültig erklärt werden können), aber dennoch mit anderen völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz kollidieren. Diese Konstellation führte zu erheblicher Rechtsunsicherheit über die Konsequenzen einer Annahme solcher Initiativen.\n\n**N. 3** Der historische Gesetzgeber verfolgte drei Hauptziele: Erstens die Stärkung der direkten Demokratie durch Beibehaltung der engen Ungültigkeitsgründe (nur bei Verstoss gegen zwingendes Völkerrecht), zweitens die Sicherstellung der völkerrechtlichen Verlässlichkeit der Schweiz, und drittens die Gewährleistung einer informierten Entscheidung der Stimmberechtigten über mögliche völkerrechtliche Konflikte (BBl 2017 5355, 5380).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 139a BV ergänzt die Bestimmungen über die Volksinitiative auf Teilrevision der Bundesverfassung (→ Art. 139 BV) und steht in engem Zusammenhang mit dem Verfahren der Gültigkeitsprüfung (→ Art. 139 Abs. 3 BV). Die Norm bildet eine Brücke zwischen den Volksrechten (Titel 4, Kapitel 2 BV) und dem Verhältnis von Landesrecht und Völkerrecht (→ Art. 5 Abs. 4 BV).\n\n**N. 5** Im Kontext der Gewaltenteilung (→ Art. 148 ff. BV) etabliert Art. 139a BV eine besondere Kompetenzverteilung: Die Bundesversammlung prüft die völkerrechtliche Vereinbarkeit (Abs. 1), während Bundesrat und Bundesversammlung gemeinsam die Konsequenzen einer allfälligen Annahme aufzeigen (Abs. 3). Diese Aufgabenteilung reflektiert die verfassungsrechtliche Stellung der Bundesversammlung als oberste Gewalt des Bundes (→ Art. 148 Abs. 1 BV).\n\n**N. 6** Die Bestimmung steht auch im Zusammenhang mit → Art. 190 BV (massgebendes Recht), der die Bindung der rechtsanwendenden Behörden an Bundesgesetze und Völkerrecht statuiert. Art. 139a BV schafft einen prozeduralen Mechanismus, um potentielle Konflikte zwischen neuen Verfassungsnormen und bestehendem Völkerrecht transparent zu machen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Prüfungspflicht (Abs. 1)**: Die Bundesversammlung ist verpflichtet, bei jeder gültigen Verfassungsinitiative zu prüfen, ob diese mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Der Begriff «Völkerrecht» umfasst nach Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 4) alle völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz, nicht nur das zwingende Völkerrecht im Sinne von → Art. 139 Abs. 3 BV.\n\n**N. 8** **Prüfungsumfang**: Die Vereinbarkeitsprüfung erstreckt sich auf völkerrechtliche Verträge, Völkergewohnheitsrecht und allgemeine Rechtsgrundsätze. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 5) betont, dass auch «soft law»-Instrumente in die Beurteilung einzubeziehen sind, soweit sie konkrete Verpflichtungen begründen.\n\n**N. 9** **Informationspflicht (Abs. 3)**: Stellt die Bundesversammlung eine Unvereinbarkeit fest, müssen Bundesrat und Bundesversammlung gemeinsam in den Abstimmungsunterlagen die «Bedeutung und Tragweite» einer Annahme der Initiative erläutern. Diese Information muss nach Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 8) objektiv, vollständig und für die Stimmberechtigten verständlich sein.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** **Keine Ungültigerklärung**: Eine festgestellte Unvereinbarkeit mit nicht-zwingendem Völkerrecht führt nicht zur Ungültigkeit der Initiative. Dies unterscheidet Art. 139a BV fundamental von → Art. 139 Abs. 3 BV, der bei Verstoss gegen zwingendes Völkerrecht die Ungültigerklärung vorsieht.\n\n**N. 11** **Erhöhte Informationstransparenz**: Die Hauptrechtsfolge besteht in der qualifizierten Informationspflicht gegenüber den Stimmberechtigten. Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 9) sieht darin eine Stärkung der demokratischen Willensbildung durch vollständige Information über die Konsequenzen.\n\n**N. 12** **Keine präjudizielle Wirkung**: Die Feststellung der Unvereinbarkeit präjudiziert nach Belser (BSK BV, Art. 139a N. 10) nicht die spätere Auslegung und Anwendung einer angenommenen Initiative. Die rechtsanwendenden Behörden bleiben verpflichtet, eine völkerrechtskonforme Auslegung zu suchen (→ Art. 5 Abs. 4 BV).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite der Prüfungspflicht**: Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 6) vertritt eine umfassende Prüfungspflicht bei jeder Initiative, während Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 7) eine Beschränkung auf Initiativen mit offensichtlichem Konfliktpotential befürwortet. Die Praxis der Bundesversammlung tendiert zur umfassenden Prüfung.\n\n**N. 14** **Justiziabilität der Vereinbarkeitsprüfung**: Kontrovers ist, ob die Feststellung der Bundesversammlung über die Vereinbarkeit mit dem Völkerrecht gerichtlich überprüfbar ist. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 11) bejaht eine beschränkte Überprüfung auf Willkür, während Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 12) die Feststellung als politischen Akt ohne Justiziabilität qualifiziert.\n\n**N. 15** **Umfang der Informationspflicht**: Strittig ist, wie detailliert die Information über mögliche völkerrechtliche Konsequenzen sein muss. Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 13) fordert eine umfassende Darstellung aller denkbaren Szenarien, während Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 14) für eine Beschränkung auf die wahrscheinlichsten Konsequenzen plädiert.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Initiativkomitees** sollten bereits bei der Formulierung ihrer Initiative die völkerrechtliche Dimension berücksichtigen. Eine frühzeitige Konsultation der einschlägigen völkerrechtlichen Verpflichtungen kann spätere Konflikte vermeiden oder zumindest transparent machen.\n\n**N. 17** **Parlamentarische Beratung**: Die Bundesversammlung sollte die Vereinbarkeitsprüfung in einem strukturierten Verfahren durchführen. Die Einholung von Expertisen des Bundesamts für Justiz und gegebenenfalls externer Völkerrechtsspezialisten ist empfehlenswert.\n\n**N. 18** **Abstimmungskampagne**: Bei festgestellter Unvereinbarkeit kommt den Abstimmungsunterlagen besondere Bedeutung zu. Die Information muss ausgewogen sein und darf nicht als Abstimmungspropaganda erscheinen, muss aber gleichzeitig die völkerrechtlichen Risiken klar benennen.\n\n**N. 19** **Umsetzung angenommener Initiativen**: Wird eine als völkerrechtswidrig identifizierte Initiative angenommen, sind bei der Umsetzung alle Möglichkeiten einer völkerrechtskonformen Auslegung auszuschöpfen. Gegebenenfalls sind völkerrechtliche Verpflichtungen neu zu verhandeln oder — als ultima ratio — zu kündigen.", "caselaw_de": "# Art. 139a BV — Rechtsprechung\n\nArt. 139a BV wurde 2019 in die Bundesverfassung aufgenommen und ist bisher in der Rechtsprechung kaum zur Anwendung gekommen. Es existieren daher keine BGE, die diese Bestimmung direkt interpretieren oder anwenden. Die nachfolgenden Entscheide behandeln die grundlegenden verfassungsrechtlichen Prinzipien, die zur Einführung von Art. 139a BV führten, sowie verwandte Fragen des Verhältnisses zwischen Völkerrecht und Landesrecht bei Volksinitiativen.\n\n## I. Grundsätzliche Prinzipien des Verhältnisses von Völkerrecht und Landesrecht\n\n### Zwingendes Völkerrecht (ius cogens)\n\n**BGE 133 II 450 E. 7**\n14. November 2007\nDas Bundesgericht definiert zwingendes Völkerrecht und dessen Vorrang vor nationalem Recht.\nDieser Entscheid ist für Art. 139a BV relevant, da er die Grenzen des imperativen Völkerrechts bestimmt, die gemäss Art. 139a Abs. 3 BV bei der Gültigkeitsprüfung von Verfassungsinitiativen zu beachten sind.\n\n> «Zwingendes Völkerrecht (ius cogens) im Sinne von Art. 53 der Wiener Vertragsrechtskonvention umfasst die Gesamtheit der zwingenden Normen des allgemeinen Völkerrechts, die von der internationalen Staatengemeinschaft in ihrer Gesamtheit als Normen anerkannt werden, von denen nicht abgewichen werden darf und die nur durch eine spätere Norm des allgemeinen Völkerrechts derselben Rechtsnatur geändert werden können.»\n\n### Verhältnismässigkeitsprüfung bei völkerrechtswidrigen Initiativen\n\n**BGE 139 I 16 E. 5.5.1**\n19. Dezember 2012\nDas Bundesgericht entwickelt Kriterien für den Umgang mit völkerrechtswidrigen Volksinitiativen vor Einführung von Art. 139a BV.\nObwohl dieser Entscheid vor der Einführung von Art. 139a BV erging, zeigt er die Rechtsprobleme auf, die zur Schaffung des neuen Artikels führten.\n\n> «Bei einem unauflösbaren Widerspruch zwischen Völkerrecht und der vom Volk angenommenen Verfassungsbestimmung hat das Völkerrecht grundsätzlich Vorrang, sofern es sich um zwingendes Völkerrecht handelt oder die völkerrechtlichen Verpflichtungen der Respektierung der Menschenrechte dienen.»\n\n## II. Gültigkeitsprüfung von Volksinitiativen\n\n### Materielle Gültigkeitsprüfung\n\n**BGE 143 I 129 E. 2.1**\n14. Dezember 2016\nDas Bundesgericht präzisiert die Anforderungen an die materielle Vereinbarkeit von Volksinitiativen mit übergeordnetem Recht.\nDiese Grundsätze sind für die Anwendung von Art. 139a BV relevant, da sie das Prüfungsverfahren für völkerrechtswidrige Initiativen prägen.\n\n> «Kantonale Volksinitiativen müssen mit dem übergeordneten Recht vereinbar sein. Die Prüfung der materiellen Rechtmässigkeit erfolgt restriktiv und beschränkt sich auf offensichtliche und schwerwiegende Verstösse gegen höherrangiges Recht.»\n\n**BGE 129 I 232 E. 3.2**\n7. April 2003\nDas Bundesgericht legt die Grenzen der Ungültigerklärung von Volksinitiativen fest.\nDieser Entscheid prägt das Verständnis der Ausnahmesituation, in der Initiativen für ungültig erklärt werden können - ein Prinzip, das in Art. 139a BV kodifiziert wurde.\n\n> «Eine Volksinitiative kann nur dann für ungültig erklärt werden, wenn sie gegen zwingendes Völkerrecht verstösst. Dies ergibt sich aus der fundamentalen Bedeutung der Volksrechte in der schweizerischen Demokratie.»\n\n## III. Anwendung seit 2019\n\n### Keine direkte Rechtsprechung zu Art. 139a BV\n\nSeit dem Inkrafttreten von Art. 139a BV am 1. Januar 2019 sind keine BGE ergangen, die diese Bestimmung direkt anwenden. Dies erklärt sich dadurch, dass:\n\n- Keine eidgenössischen Verfassungsinitiativen zur Abstimmung gekommen sind, die Art. 139a BV ausgelöst hätten\n- Das Prüfungsverfahren gemäss Art. 139a BV noch nicht praktisch zur Anwendung kam\n- Die Bundesversammlung bisher keine Verfassungsinitiative als völkerrechtswidrig eingestuft hat\n\n### Verwandte kantonale Rechtsprechung\n\n**VB.2023.00485 des Verwaltungsgerichts Zürich**\n12. Oktober 2023\nDas Zürcher Verwaltungsgericht wendet die Grundsätze der Gültigkeitsprüfung auf eine kommunale Initiative an.\nDieser Entscheid zeigt die praktische Anwendung der Prinzipien, die auch Art. 139a BV zugrunde liegen, auf untergeordneter Ebene.\n\n> «Die Prüfung der Vereinbarkeit mit übergeordnetem Recht erfolgt zurückhaltend und beschränkt sich auf eindeutige Verstösse gegen zwingende Rechtsnormen.»\n\n## IV. Rechtsprechung zur Selbstbestimmungsinitiative (Vorgeschichte zu Art. 139a BV)\n\n### Diskussion über völkerrechtswidrige Initiativen\n\n**Urteil 1C_591/2018 des Bundesgerichts**\n12. November 2018\nDas Bundesgericht behandelt Beschwerden zur Selbstbestimmungsinitiative, die zu den Überlegungen führte, die zur Einführung von Art. 139a BV beitrugen.\nDieser Entscheid illustriert die verfassungsrechtlichen Spannungen, die Art. 139a BV zu lösen suchte.\n\n> «Die Initiative wirft grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zwischen Völkerrecht und Landesrecht auf, die einer verfassungsrechtlichen Klärung bedürfen.»\n\nDie praktische Bedeutung von Art. 139a BV wird sich erst bei künftigen Verfassungsinitiativen zeigen, die das in Abs. 3 definierte Verfahren auslösen. Die bisherige Rechtsprechung zu verwandten Fragen bietet jedoch wichtige Auslegungshilfen für die zukünftige Anwendung dieser Bestimmung.", "summary_fr": "# Art. 139a Cst. — Aperçu\n\nL'art. 139a Cst. règle l'examen des initiatives populaires fédérales quant à leur compatibilité avec le droit international. Cette disposition a été créée en 2018 comme contre-projet indirect à l'initiative pour l'autodétermination qui avait été retirée et est entrée en vigueur le 1er janvier 2019 (FF 2019 203).\n\n**Que règle la norme ?**\n\nL'Assemblée fédérale doit examiner, pour chaque initiative constitutionnelle valable, si celle-ci est compatible avec les obligations de droit international de la Suisse. Cela comprend tous les types de droit international — des traités de droit international au droit international coutumier (Waldmann, BSK BV, Art. 139a N. 4). Si une incompatibilité est constatée, le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale doivent informer les citoyens ayant le droit de vote sur la « signification et la portée » d'une acceptation de l'initiative.\n\n**Qui est concerné ?**\n\nLes comités d'initiative dont les demandes sont examinées sont directement concernés, ainsi que les citoyens ayant le droit de vote qui doivent recevoir des informations complètes sur d'éventuels conflits avec le droit international. L'Assemblée fédérale porte la responsabilité principale de la procédure d'examen, tandis que le Conseil fédéral participe à l'information du public.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\n\nContrairement à l'art. 139, al. 3, Cst., une violation du droit international constatée n'entraîne pas la nullité de l'initiative. La conséquence juridique principale consiste en une obligation d'information renforcée : les documents de votation doivent informer de manière objective et compréhensible sur les conséquences d'une acceptation (Epiney, BSK BV, Art. 139a N. 8). L'initiative reste valable et est soumise au vote.\n\n**Exemple concret**\n\nUne initiative populaire demande que la Suisse sorte de la Convention européenne des droits de l'homme. L'Assemblée fédérale constate que cela serait incompatible avec les obligations de droit international. L'initiative n'est pas déclarée nulle, mais les documents de votation doivent expliquer en détail quelles seraient les conséquences juridiques et politiques d'une sortie — par exemple la suppression de la protection des droits de l'homme ou les conséquences diplomatiques.\n\nL'art. 139a Cst. renforce ainsi la démocratie directe par une information complète, sans limiter les droits populaires par des motifs de nullité supplémentaires. Le peuple décide en connaissance de toutes les conséquences (FF 2017 5295, 5320).", "doctrine_fr": "# Art. 139a Cst. — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 139a Cst. a été inséré dans la Constitution fédérale par arrêté de l'Assemblée fédérale du 21 décembre 2018 et est entré en vigueur le 1er janvier 2019 (FF 2019 211). Cette disposition a été créée comme contre-projet indirect à l'initiative populaire retirée « Le droit suisse au lieu de juges étrangers (initiative pour l'autodétermination) ».\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral du 5 juillet 2017 (FF 2017 5149) a identifié le problème central : les initiatives constitutionnelles qui, certes, ne violent pas le droit international impératif (et ne peuvent donc pas être déclarées nulles), mais qui entrent néanmoins en conflit avec d'autres obligations de droit international de la Suisse. Cette constellation entraînait une insécurité juridique considérable quant aux conséquences d'une acceptation de telles initiatives.\n\n**N. 3** Le législateur historique poursuivait trois objectifs principaux : premièrement, le renforcement de la démocratie directe en maintenant les motifs d'invalidité restreints (uniquement en cas de violation du droit international impératif), deuxièmement, la garantie de la fiabilité de la Suisse en matière de droit international, et troisièmement, l'assurance d'une décision éclairée des personnes ayant le droit de vote sur les conflits possibles avec le droit international (FF 2017 5149, 5174).\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 139a Cst. complète les dispositions sur l'initiative populaire tendant à la révision partielle de la Constitution fédérale (→ art. 139 Cst.) et est étroitement lié à la procédure d'examen de validité (→ art. 139 al. 3 Cst.). La norme forme un pont entre les droits populaires (titre 4, chapitre 2 Cst.) et le rapport entre droit national et droit international (→ art. 5 al. 4 Cst.).\n\n**N. 5** Dans le contexte de la séparation des pouvoirs (→ art. 148 ss Cst.), l'art. 139a Cst. établit une répartition particulière des compétences : l'Assemblée fédérale examine la compatibilité avec le droit international (al. 1), tandis que le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale exposent conjointement les conséquences d'une éventuelle acceptation (al. 3). Cette répartition des tâches reflète la position constitutionnelle de l'Assemblée fédérale comme autorité suprême de la Confédération (→ art. 148 al. 1 Cst.).\n\n**N. 6** La disposition est également liée à l'→ art. 190 Cst. (droit déterminant), qui statue l'obligation des autorités d'application du droit de se conformer aux lois fédérales et au droit international. L'art. 139a Cst. crée un mécanisme procédural pour rendre transparents les conflits potentiels entre de nouvelles normes constitutionnelles et le droit international existant.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Obligation d'examen (al. 1)** : L'Assemblée fédérale est tenue d'examiner pour chaque initiative constitutionnelle valide si celle-ci est compatible avec le droit international. Le terme « droit international » comprend selon Waldmann (BSK BV, art. 139a n. 4) toutes les obligations de droit international de la Suisse, pas seulement le droit international impératif au sens de l'→ art. 139 al. 3 Cst.\n\n**N. 8** **Étendue de l'examen** : L'examen de compatibilité s'étend aux traités de droit international, au droit coutumier international et aux principes généraux du droit. Belser (BSK BV, art. 139a n. 5) souligne que les instruments de « soft law » doivent également être inclus dans l'évaluation dans la mesure où ils créent des obligations concrètes.\n\n**N. 9** **Obligation d'information (al. 3)** : Si l'Assemblée fédérale constate une incompatibilité, le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale doivent conjointement expliquer dans les documents de votation la « signification et la portée » d'une acceptation de l'initiative. Cette information doit être selon Epiney (BSK BV, art. 139a n. 8) objective, complète et compréhensible pour les personnes ayant le droit de vote.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** **Pas de déclaration de nullité** : Une incompatibilité constatée avec le droit international non impératif n'entraîne pas la nullité de l'initiative. Ceci distingue fondamentalement l'art. 139a Cst. de l'→ art. 139 al. 3 Cst., qui prévoit la déclaration de nullité en cas de violation du droit international impératif.\n\n**N. 11** **Transparence informationnelle renforcée** : La principale conséquence juridique consiste dans l'obligation d'information qualifiée envers les personnes ayant le droit de vote. Waldmann (BSK BV, art. 139a n. 9) y voit un renforcement de la formation démocratique de la volonté par une information complète sur les conséquences.\n\n**N. 12** **Pas d'effet préjudiciel** : La constatation de l'incompatibilité ne préjuge pas selon Belser (BSK BV, art. 139a n. 10) l'interprétation et l'application ultérieures d'une initiative acceptée. Les autorités d'application du droit restent tenues de chercher une interprétation conforme au droit international (→ art. 5 al. 4 Cst.).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 13** **Portée de l'obligation d'examen** : Waldmann (BSK BV, art. 139a n. 6) défend une obligation d'examen exhaustive pour chaque initiative, tandis qu'Epiney (BSK BV, art. 139a n. 7) préconise une limitation aux initiatives présentant un potentiel de conflit évident. La pratique de l'Assemblée fédérale tend vers l'examen exhaustif.\n\n**N. 14** **Justiciabilité de l'examen de compatibilité** : Il est controversé de savoir si la constatation de l'Assemblée fédérale sur la compatibilité avec le droit international peut être contrôlée par les tribunaux. Belser (BSK BV, art. 139a n. 11) répond par l'affirmative pour un contrôle restreint de l'arbitraire, tandis que Waldmann (BSK BV, art. 139a n. 12) qualifie la constatation d'acte politique sans justiciabilité.\n\n**N. 15** **Étendue de l'obligation d'information** : Il est litigieux de savoir à quel point l'information sur les conséquences possibles du droit international doit être détaillée. Epiney (BSK BV, art. 139a n. 13) exige une présentation exhaustive de tous les scénarios concevables, tandis que Waldmann (BSK BV, art. 139a n. 14) plaide pour une limitation aux conséquences les plus probables.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** **Comités d'initiative** : ils devraient déjà tenir compte de la dimension du droit international lors de la formulation de leur initiative. Une consultation précoce des obligations de droit international pertinentes peut éviter des conflits ultérieurs ou du moins les rendre transparents.\n\n**N. 17** **Délibération parlementaire** : L'Assemblée fédérale devrait effectuer l'examen de compatibilité dans une procédure structurée. Il est recommandé d'obtenir des expertises de l'Office fédéral de la justice et, le cas échéant, de spécialistes externes du droit international.\n\n**N. 18** **Campagne de votation** : En cas d'incompatibilité constatée, les documents de votation revêtent une importance particulière. L'information doit être équilibrée et ne doit pas apparaître comme de la propagande électorale, mais doit en même temps identifier clairement les risques du droit international.\n\n**N. 19** **Mise en œuvre d'initiatives acceptées** : Si une initiative identifiée comme contraire au droit international est acceptée, toutes les possibilités d'une interprétation conforme au droit international doivent être épuisées lors de la mise en œuvre. Le cas échéant, les obligations de droit international doivent être renégociées ou — en dernier recours — dénoncées.", "caselaw_fr": "# Art. 139a Cst — Jurisprudence\n\nL'art. 139a Cst a été introduit dans la Constitution fédérale en 2019 et a jusqu'à présent peu trouvé d'application dans la jurisprudence. Il n'existe donc aucun ATF qui interprète ou applique directement cette disposition. Les arrêts suivants traitent les principes constitutionnels fondamentaux qui ont conduit à l'introduction de l'art. 139a Cst, ainsi que les questions connexes du rapport entre droit international et droit national concernant les initiatives populaires.\n\n## I. Principes fondamentaux du rapport entre droit international et droit national\n\n### Droit international impératif (ius cogens)\n\n**ATF 133 II 450 c. 7**\n14 novembre 2007\nLe Tribunal fédéral définit le droit international impératif et sa primauté sur le droit national.\nCet arrêt est pertinent pour l'art. 139a Cst car il détermine les limites du droit international impératif qui, selon l'art. 139a al. 3 Cst, doivent être respectées lors de l'examen de validité des initiatives constitutionnelles.\n\n> «Le droit international impératif (ius cogens) au sens de l'art. 53 de la Convention de Vienne sur le droit des traités comprend l'ensemble des normes impératives du droit international général qui sont reconnues par la communauté internationale des États dans son ensemble comme des normes auxquelles aucune dérogation n'est permise et qui ne peuvent être modifiées que par une norme ultérieure du droit international général ayant le même caractère.»\n\n### Examen de proportionnalité pour les initiatives contraires au droit international\n\n**ATF 139 I 16 c. 5.5.1**\n19 décembre 2012\nLe Tribunal fédéral développe des critères pour traiter les initiatives populaires contraires au droit international avant l'introduction de l'art. 139a Cst.\nBien que cet arrêt soit antérieur à l'introduction de l'art. 139a Cst, il révèle les problèmes juridiques qui ont conduit à la création du nouvel article.\n\n> «En cas de contradiction insoluble entre le droit international et la disposition constitutionnelle acceptée par le peuple, le droit international a en principe la primauté, pour autant qu'il s'agisse de droit international impératif ou que les obligations de droit international servent au respect des droits de l'homme.»\n\n## II. Examen de validité des initiatives populaires\n\n### Examen de validité matérielle\n\n**ATF 143 I 129 c. 2.1**\n14 décembre 2016\nLe Tribunal fédéral précise les exigences relatives à la compatibilité matérielle des initiatives populaires avec le droit supérieur.\nCes principes sont pertinents pour l'application de l'art. 139a Cst car ils marquent la procédure d'examen des initiatives contraires au droit international.\n\n> «Les initiatives populaires cantonales doivent être compatibles avec le droit supérieur. L'examen de la légalité matérielle s'effectue de manière restrictive et se limite aux violations manifestes et graves du droit de rang supérieur.»\n\n**ATF 129 I 232 c. 3.2**\n7 avril 2003\nLe Tribunal fédéral fixe les limites de la déclaration d'invalidité des initiatives populaires.\nCet arrêt marque la compréhension de la situation exceptionnelle dans laquelle les initiatives peuvent être déclarées invalides - un principe qui a été codifié dans l'art. 139a Cst.\n\n> «Une initiative populaire ne peut être déclarée invalide que si elle viole le droit international impératif. Ceci résulte de l'importance fondamentale des droits populaires dans la démocratie suisse.»\n\n## III. Application depuis 2019\n\n### Aucune jurisprudence directe sur l'art. 139a Cst\n\nDepuis l'entrée en vigueur de l'art. 139a Cst le 1er janvier 2019, aucun ATF appliquant directement cette disposition n'a été rendu. Ceci s'explique par le fait que :\n\n- Aucune initiative constitutionnelle fédérale n'a été soumise au vote qui aurait déclenché l'art. 139a Cst\n- La procédure d'examen selon l'art. 139a Cst n'a pas encore trouvé d'application pratique\n- L'Assemblée fédérale n'a jusqu'à présent classé aucune initiative constitutionnelle comme contraire au droit international\n\n### Jurisprudence cantonale connexe\n\n**VB.2023.00485 du Tribunal administratif de Zurich**\n12 octobre 2023\nLe Tribunal administratif zurichois applique les principes de l'examen de validité à une initiative communale.\nCet arrêt montre l'application pratique des principes qui sous-tendent également l'art. 139a Cst, au niveau subordonné.\n\n> «L'examen de la compatibilité avec le droit supérieur s'effectue de manière retenue et se limite aux violations manifestes de normes juridiques impératives.»\n\n## IV. Jurisprudence sur l'initiative d'autodétermination (préhistoire de l'art. 139a Cst)\n\n### Discussion sur les initiatives contraires au droit international\n\n**Arrêt 1C_591/2018 du Tribunal fédéral**\n12 novembre 2018\nLe Tribunal fédéral traite les recours concernant l'initiative d'autodétermination, qui a contribué aux réflexions ayant conduit à l'introduction de l'art. 139a Cst.\nCet arrêt illustre les tensions constitutionnelles que l'art. 139a Cst cherchait à résoudre.\n\n> «L'initiative soulève des questions fondamentales sur le rapport entre droit international et droit national, qui nécessitent une clarification constitutionnelle.»\n\nL'importance pratique de l'art. 139a Cst ne se révélera qu'avec de futures initiatives constitutionnelles qui déclencheront la procédure définie à l'al. 3. La jurisprudence existante sur les questions connexes offre toutefois d'importantes aides à l'interprétation pour l'application future de cette disposition.", "summary_it": "# Art. 139a Cost. — Panoramica\n\nL'art. 139a Cost. disciplina l'esame delle iniziative popolari federali per quanto riguarda la loro compatibilità con il diritto internazionale. Questa disposizione è stata creata nel 2018 come controprogetto indiretto all'iniziativa di autodeterminazione ritirata ed è entrata in vigore il 1° gennaio 2019 (FF 2019 205).\n\n**Cosa disciplina la norma?**\n\nL'Assemblea federale deve esaminare, per ogni iniziativa costituzionale valida, se questa sia compatibile con gli obblighi di diritto internazionale della Svizzera. Ciò comprende tutti i tipi di diritto internazionale — dai trattati internazionali al diritto internazionale consuetudinario (Waldmann, BSK BV, Art. 139a N. 4). Se viene constatata un'incompatibilità, il Consiglio federale e l'Assemblea federale devono informare gli aventi diritto di voto sulla «portata e sulle conseguenze» di un'eventuale accettazione dell'iniziativa.\n\n**Chi è interessato?**\n\nDirettamente interessati sono i comitati d'iniziativa, le cui richieste vengono esaminate, nonché gli aventi diritto di voto, che devono ricevere informazioni complete sui possibili conflitti con il diritto internazionale. L'Assemblea federale porta la responsabilità principale per la procedura d'esame, mentre il Consiglio federale collabora nell'informazione del pubblico.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\n\nA differenza dell'art. 139 cpv. 3 Cost., una violazione del diritto internazionale constatata non comporta la dichiarazione di nullità dell'iniziativa. La principale conseguenza giuridica consiste in un obbligo di informazione rafforzato: la documentazione per la votazione deve informare in modo obiettivo e comprensibile sulle conseguenze di un'accettazione (Epiney, BSK BV, Art. 139a N. 8). L'iniziativa rimane valida e viene sottoposta a votazione.\n\n**Esempio concreto**\n\nUn'iniziativa popolare chiede che la Svizzera esca dalla Convenzione europea dei diritti dell'uomo. L'Assemblea federale constata che ciò sarebbe incompatibile con gli obblighi di diritto internazionale. L'iniziativa non viene dichiarata nulla, ma la documentazione per la votazione deve spiegare dettagliatamente quali conseguenze giuridiche e politiche avrebbe un'uscita — per esempio la perdita della protezione dei diritti umani o conseguenze diplomatiche.\n\nL'art. 139a Cost. rafforza quindi la democrazia diretta attraverso un'informazione completa, senza limitare i diritti popolari mediante ulteriori motivi di nullità. Il popolo decide in conoscenza di tutte le conseguenze (FF 2017 5179, 5202).", "doctrine_it": "# Art. 139a Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 139a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale mediante decreto dell'Assemblea federale del 21 dicembre 2018 ed è entrato in vigore il 1° gennaio 2019 (FF 2019 219). La disposizione è nata come controprogetto indiretto all'iniziativa popolare ritirata «Diritto svizzero invece di giudici stranieri (Iniziativa per l'autodeterminazione)».\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale del 5 luglio 2017 (FF 2017 5355) ha identificato il problema centrale: le iniziative costituzionali che non violano il diritto internazionale imperativo (e quindi non possono essere dichiarate nulle) ma che tuttavia collidono con altri obblighi di diritto internazionale della Svizzera. Questa costellazione ha portato a considerevole insicurezza giuridica sulle conseguenze di un'eventuale accettazione di tali iniziative.\n\n**N. 3** Il legislatore storico ha perseguito tre obiettivi principali: primo il rafforzamento della democrazia diretta mantenendo i motivi di nullità ristretti (solo in caso di violazione del diritto internazionale imperativo), secondo l'assicurazione dell'affidabilità della Svizzera nel diritto internazionale, e terzo la garanzia di una decisione informata degli aventi diritto di voto sui possibili conflitti di diritto internazionale (FF 2017 5355, 5380).\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 4** L'art. 139a Cost. completa le disposizioni sull'iniziativa popolare per la revisione parziale della Costituzione federale (→ art. 139 Cost.) e ha uno stretto rapporto con la procedura di verifica della validità (→ art. 139 cpv. 3 Cost.). La norma costituisce un ponte tra i diritti popolari (Titolo 4, Capitolo 2 Cost.) e il rapporto tra diritto nazionale e diritto internazionale (→ art. 5 cpv. 4 Cost.).\n\n**N. 5** Nel contesto della separazione dei poteri (→ art. 148 segg. Cost.) l'art. 139a Cost. stabilisce una particolare ripartizione delle competenze: l'Assemblea federale verifica la compatibilità con il diritto internazionale (cpv. 1), mentre Consiglio federale e Assemblea federale insieme indicano le conseguenze di un'eventuale accettazione (cpv. 3). Questa ripartizione dei compiti riflette la posizione costituzionale dell'Assemblea federale come autorità suprema della Confederazione (→ art. 148 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 6** La disposizione è in relazione anche con l'→ art. 190 Cost. (diritto determinante), che stabilisce la vincolazione delle autorità che applicano il diritto alle leggi federali e al diritto internazionale. L'art. 139a Cost. crea un meccanismo procedurale per rendere trasparenti i potenziali conflitti tra nuove norme costituzionali e diritto internazionale esistente.\n\n## 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **Obbligo di verifica (cpv. 1)**: L'Assemblea federale è obbligata a verificare, per ogni iniziativa costituzionale valida, se questa sia compatibile con il diritto internazionale. Il termine «diritto internazionale» comprende secondo Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 4) tutti gli obblighi di diritto internazionale della Svizzera, non solo il diritto internazionale imperativo nel senso dell'→ art. 139 cpv. 3 Cost.\n\n**N. 8** **Portata della verifica**: La verifica di compatibilità si estende ai trattati di diritto internazionale, al diritto internazionale consuetudinario e ai principi generali del diritto. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 5) sottolinea che anche gli strumenti di «soft law» devono essere inclusi nella valutazione, nella misura in cui fondano obblighi concreti.\n\n**N. 9** **Obbligo di informazione (cpv. 3)**: Se l'Assemblea federale constata un'incompatibilità, Consiglio federale e Assemblea federale devono spiegare congiuntamente nei documenti di votazione il «significato e la portata» di un'accettazione dell'iniziativa. Questa informazione deve essere secondo Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 8) oggettiva, completa e comprensibile per gli aventi diritto di voto.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** **Nessuna dichiarazione di nullità**: Un'incompatibilità constatata con il diritto internazionale non imperativo non porta alla nullità dell'iniziativa. Questo distingue fondamentalmente l'art. 139a Cost. dall'→ art. 139 cpv. 3 Cost., che prevede la dichiarazione di nullità in caso di violazione del diritto internazionale imperativo.\n\n**N. 11** **Maggiore trasparenza informativa**: La principale conseguenza giuridica consiste nell'obbligo qualificato di informazione verso gli aventi diritto di voto. Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 9) vi vede un rafforzamento della formazione della volontà democratica attraverso informazione completa sulle conseguenze.\n\n**N. 12** **Nessun effetto pregiudiziale**: La constatazione dell'incompatibilità non pregiudica secondo Belser (BSK BV, Art. 139a N. 10) la successiva interpretazione e applicazione di un'iniziativa accettata. Le autorità che applicano il diritto rimangono obbligate a cercare un'interpretazione conforme al diritto internazionale (→ art. 5 cpv. 4 Cost.).\n\n## 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 13** **Portata dell'obbligo di verifica**: Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 6) sostiene un obbligo di verifica comprensivo per ogni iniziativa, mentre Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 7) favorisce una limitazione alle iniziative con evidente potenziale di conflitto. La prassi dell'Assemblea federale tende alla verifica comprensiva.\n\n**N. 14** **Giustiziabilità della verifica di compatibilità**: È controverso se la constatazione dell'Assemblea federale sulla compatibilità con il diritto internazionale sia sindacabile giudizialmente. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 11) afferma un controllo limitato per arbitrio, mentre Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 12) qualifica la constatazione come atto politico senza giustiziabilità.\n\n**N. 15** **Portata dell'obbligo di informazione**: È controverso quanto dettagliata debba essere l'informazione sulle possibili conseguenze di diritto internazionale. Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 13) esige una rappresentazione comprensiva di tutti gli scenari pensabili, mentre Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 14) propugna per una limitazione alle conseguenze più probabili.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Comitati d'iniziativa** dovrebbero considerare già nella formulazione della loro iniziativa la dimensione del diritto internazionale. Una consultazione precoce degli obblighi pertinenti di diritto internazionale può evitare conflitti successivi o almeno renderli trasparenti.\n\n**N. 17** **Deliberazione parlamentare**: L'Assemblea federale dovrebbe condurre la verifica di compatibilità in una procedura strutturata. È raccomandabile ottenere perizie dell'Ufficio federale di giustizia e, se del caso, di specialisti esterni di diritto internazionale.\n\n**N. 18** **Campagna di votazione**: In caso di incompatibilità constatata, i documenti di votazione assumono particolare importanza. L'informazione deve essere equilibrata e non può apparire come propaganda elettorale, ma deve allo stesso tempo denominare chiaramente i rischi di diritto internazionale.\n\n**N. 19** **Attuazione di iniziative accettate**: Se viene accettata un'iniziativa identificata come contraria al diritto internazionale, nell'attuazione devono essere esaurite tutte le possibilità di un'interpretazione conforme al diritto internazionale. Se del caso, gli obblighi di diritto internazionale devono essere rinegoziati o — come ultima ratio — disdetti.", "caselaw_it": "# Art. 139a Cost. — Giurisprudenza\n\nL'art. 139a Cost. è stato introdotto nella Costituzione federale nel 2019 e finora è stato applicato raramente nella giurisprudenza. Non esistono pertanto DTF che interpretino o applichino direttamente questa disposizione. Le seguenti decisioni trattano i principi costituzionali fondamentali che hanno portato all'introduzione dell'art. 139a Cost., nonché questioni correlate del rapporto tra diritto internazionale e diritto nazionale nelle iniziative popolari.\n\n## I. Principi fondamentali del rapporto tra diritto internazionale e diritto nazionale\n\n### Diritto internazionale cogente (ius cogens)\n\n**DTF 133 II 450 consid. 7**\n14 novembre 2007\nIl Tribunale federale definisce il diritto internazionale cogente e la sua prevalenza sul diritto nazionale.\nQuesta decisione è rilevante per l'art. 139a Cost., poiché determina i limiti del diritto internazionale imperativo che, secondo l'art. 139a cpv. 3 Cost., devono essere osservati nell'esame di validità delle iniziative costituzionali.\n\n> «Il diritto internazionale cogente (ius cogens) nel senso dell'art. 53 della Convenzione di Vienna sul diritto dei trattati comprende l'insieme delle norme imperative del diritto internazionale generale che sono riconosciute dalla comunità internazionale degli Stati nel suo insieme come norme dalle quali non è possibile derogare e che possono essere modificate solo da una norma successiva del diritto internazionale generale della stessa natura giuridica.»\n\n### Esame di proporzionalità per iniziative contrarie al diritto internazionale\n\n**DTF 139 I 16 consid. 5.5.1**\n19 dicembre 2012\nIl Tribunale federale sviluppa criteri per il trattamento delle iniziative popolari contrarie al diritto internazionale prima dell'introduzione dell'art. 139a Cost.\nBenché questa decisione sia precedente all'introduzione dell'art. 139a Cost., evidenzia i problemi giuridici che hanno portato alla creazione del nuovo articolo.\n\n> «In caso di contraddizione irrisolvibile tra diritto internazionale e disposizione costituzionale accettata dal Popolo, il diritto internazionale ha in principio la prevalenza, purché si tratti di diritto internazionale cogente o gli obblighi di diritto internazionale servano al rispetto dei diritti dell'uomo.»\n\n## II. Esame di validità delle iniziative popolari\n\n### Esame di validità materiale\n\n**DTF 143 I 129 consid. 2.1**\n14 dicembre 2016\nIl Tribunale federale precisa i requisiti per la compatibilità materiale delle iniziative popolari con il diritto superiore.\nQuesti principi sono rilevanti per l'applicazione dell'art. 139a Cost., poiché caratterizzano la procedura d'esame per le iniziative contrarie al diritto internazionale.\n\n> «Le iniziative popolari cantonali devono essere compatibili con il diritto superiore. L'esame della legalità materiale avviene in modo restrittivo e si limita a violazioni manifeste e gravi del diritto di rango superiore.»\n\n**DTF 129 I 232 consid. 3.2**\n7 aprile 2003\nIl Tribunale federale fissa i limiti della dichiarazione di nullità delle iniziative popolari.\nQuesta decisione caratterizza la comprensione della situazione eccezionale in cui le iniziative possono essere dichiarate nulle - un principio che è stato codificato nell'art. 139a Cost.\n\n> «Un'iniziativa popolare può essere dichiarata nulla soltanto se viola il diritto internazionale cogente. Ciò risulta dall'importanza fondamentale dei diritti popolari nella democrazia svizzera.»\n\n## III. Applicazione dal 2019\n\n### Nessuna giurisprudenza diretta sull'art. 139a Cost.\n\nDall'entrata in vigore dell'art. 139a Cost. il 1° gennaio 2019, non sono stati emanati DTF che applichino direttamente questa disposizione. Ciò si spiega con il fatto che:\n\n- Non sono state sottoposte a votazione iniziative costituzionali federali che avrebbero attivato l'art. 139a Cost.\n- La procedura d'esame secondo l'art. 139a Cost. non è ancora stata applicata praticamente\n- L'Assemblea federale finora non ha classificato alcuna iniziativa costituzionale come contraria al diritto internazionale\n\n### Giurisprudenza cantonale correlata\n\n**VB.2023.00485 del Tribunale amministrativo di Zurigo**\n12 ottobre 2023\nIl Tribunale amministrativo zurighese applica i principi dell'esame di validità a un'iniziativa comunale.\nQuesta decisione mostra l'applicazione pratica dei principi che stanno anche alla base dell'art. 139a Cost., a livello subordinato.\n\n> «L'esame della compatibilità con il diritto superiore avviene con riserbo e si limita a violazioni evidenti di norme giuridiche cogenti.»\n\n## IV. Giurisprudenza sull'iniziativa per l'autodeterminazione (antefatto dell'art. 139a Cost.)\n\n### Discussione su iniziative contrarie al diritto internazionale\n\n**Sentenza 1C_591/2018 del Tribunale federale**\n12 novembre 2018\nIl Tribunale federale tratta ricorsi sull'iniziativa per l'autodeterminazione, che ha contribuito alle riflessioni che hanno portato all'introduzione dell'art. 139a Cost.\nQuesta decisione illustra le tensioni costituzionali che l'art. 139a Cost. intendeva risolvere.\n\n> «L'iniziativa solleva questioni fondamentali sul rapporto tra diritto internazionale e diritto nazionale che necessitano di un chiarimento costituzionale.»\n\nIl significato pratico dell'art. 139a Cost. si mostrerà soltanto con future iniziative costituzionali che attiveranno la procedura definita nel cpv. 3. La giurisprudenza finora esistente su questioni correlate offre tuttavia importanti aiuti interpretativi per la futura applicazione di questa disposizione.", "summary_en": "# Art. 139a BV — Overview\n\nArt. 139a BV governs the examination of federal popular initiatives for their compatibility with international law. This provision was created in 2018 as an indirect counter-proposal to the withdrawn self-determination initiative and entered into force on 1 January 2019 (BBl 2019 219).\n\n**What does the provision regulate?**\n\nThe Federal Assembly must examine every valid constitutional initiative to determine whether it is compatible with Switzerland's international legal obligations. This encompasses all types of international law — from international treaties to customary international law (Waldmann, BSK BV, Art. 139a N. 4). If incompatibility is established, the Federal Council and Federal Assembly must inform the electorate about the «significance and scope» of accepting the initiative.\n\n**Who is affected?**\n\nDirectly affected are the initiative committees whose proposals are examined, as well as the electorate, who should receive complete information about possible conflicts with international law. The Federal Assembly bears primary responsibility for the examination procedure, while the Federal Council participates in informing the public.\n\n**What are the legal consequences?**\n\nUnlike Art. 139 para. 3 BV, established incompatibility with international law does not lead to the initiative being declared invalid. The main legal consequence consists in an enhanced duty to inform: the voting materials must provide objective and comprehensible information about the consequences of acceptance (Epiney, BSK BV, Art. 139a N. 8). The initiative remains valid and proceeds to a vote.\n\n**Concrete example**\n\nA popular initiative demands that Switzerland withdraw from the European Convention on Human Rights. The Federal Assembly establishes that this would be incompatible with international legal obligations. The initiative is not declared invalid, but the voting materials must explain in detail what legal and political consequences withdrawal would have — such as the loss of human rights protection or diplomatic consequences.\n\nArt. 139a BV thus strengthens direct democracy through complete information, without restricting popular rights through additional grounds for invalidity. The people decide with knowledge of all consequences (BBl 2017 5355, 5380).", "doctrine_en": "# Art. 139a FC — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 139a FC was inserted into the Federal Constitution by resolution of the Federal Assembly of 21 December 2018 and entered into force on 1 January 2019 (BBl 2019 219). The provision arose as an indirect counter-proposal to the withdrawn popular initiative «Swiss Law Instead of Foreign Judges (Self-Determination Initiative)».\n\n**N. 2** The Federal Council's message of 5 July 2017 (BBl 2017 5355) identified the central problem: constitutional initiatives that do not violate mandatory international law (and therefore cannot be declared invalid), but nevertheless collide with other international legal obligations of Switzerland. This constellation led to considerable legal uncertainty about the consequences of accepting such initiatives.\n\n**N. 3** The historical legislature pursued three main objectives: First, strengthening direct democracy by maintaining the narrow grounds for invalidity (only in case of violation of mandatory international law), second, ensuring Switzerland's reliability under international law, and third, guaranteeing an informed decision by voters about possible international legal conflicts (BBl 2017 5355, 5380).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 139a FC supplements the provisions on the popular initiative for partial revision of the Federal Constitution (→ Art. 139 FC) and is closely connected with the procedure for validity review (→ Art. 139 para. 3 FC). The norm forms a bridge between popular rights (Title 4, Chapter 2 FC) and the relationship between domestic law and international law (→ Art. 5 para. 4 FC).\n\n**N. 5** In the context of the separation of powers (→ Art. 148 et seq. FC), Art. 139a FC establishes a special distribution of competences: The Federal Assembly examines compatibility with international law (para. 1), while the Federal Council and Federal Assembly jointly indicate the consequences of a possible acceptance (para. 3). This division of tasks reflects the constitutional position of the Federal Assembly as the supreme authority of the Confederation (→ Art. 148 para. 1 FC).\n\n**N. 6** The provision is also connected with → Art. 190 FC (applicable law), which establishes the binding nature of federal acts and international law for law-applying authorities. Art. 139a FC creates a procedural mechanism to make potential conflicts between new constitutional norms and existing international law transparent.\n\n## 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n**N. 7** **Duty to examine (para. 1)**: The Federal Assembly is obliged to examine, for every valid constitutional initiative, whether it is compatible with international law. The term «international law» encompasses, according to Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 4), all international legal obligations of Switzerland, not only mandatory international law within the meaning of → Art. 139 para. 3 FC.\n\n**N. 8** **Scope of examination**: The compatibility review extends to international treaties, customary international law and general principles of law. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 5) emphasises that «soft law» instruments must also be included in the assessment insofar as they establish concrete obligations.\n\n**N. 9** **Duty to inform (para. 3)**: If the Federal Assembly determines incompatibility, the Federal Council and Federal Assembly must jointly explain the «significance and scope» of accepting the initiative in the voting materials. This information must, according to Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 8), be objective, complete and comprehensible to voters.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** **No declaration of invalidity**: A determined incompatibility with non-mandatory international law does not lead to invalidity of the initiative. This fundamentally distinguishes Art. 139a FC from → Art. 139 para. 3 FC, which provides for declaration of invalidity in case of violation of mandatory international law.\n\n**N. 11** **Enhanced information transparency**: The main legal consequence consists in the qualified duty to inform voters. Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 9) sees this as strengthening democratic will-formation through complete information about the consequences.\n\n**N. 12** **No prejudicial effect**: The determination of incompatibility does not, according to Belser (BSK BV, Art. 139a N. 10), prejudice the later interpretation and application of an accepted initiative. The law-applying authorities remain obliged to seek an interpretation compatible with international law (→ Art. 5 para. 4 FC).\n\n## 5. Controversial Issues\n\n**N. 13** **Scope of the duty to examine**: Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 6) advocates a comprehensive duty to examine every initiative, while Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 7) favours limiting it to initiatives with obvious potential for conflict. The practice of the Federal Assembly tends towards comprehensive examination.\n\n**N. 14** **Justiciability of the compatibility review**: It is controversial whether the Federal Assembly's determination of compatibility with international law is subject to judicial review. Belser (BSK BV, Art. 139a N. 11) affirms limited review for arbitrariness, while Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 12) qualifies the determination as a political act without justiciability.\n\n**N. 15** **Scope of the duty to inform**: It is disputed how detailed the information about possible international legal consequences must be. Epiney (BSK BV, Art. 139a N. 13) demands comprehensive presentation of all conceivable scenarios, while Waldmann (BSK BV, Art. 139a N. 14) advocates limiting it to the most likely consequences.\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 16** **Initiative committees** should already consider the international legal dimension when formulating their initiative. Early consultation of relevant international legal obligations can avoid later conflicts or at least make them transparent.\n\n**N. 17** **Parliamentary deliberation**: The Federal Assembly should conduct the compatibility review in a structured procedure. Obtaining expert opinions from the Federal Office of Justice and, where appropriate, external international law specialists is recommended.\n\n**N. 18** **Voting campaign**: When incompatibility is determined, special importance attaches to the voting materials. The information must be balanced and must not appear as voting propaganda, but must at the same time clearly identify the international legal risks.\n\n**N. 19** **Implementation of accepted initiatives**: If an initiative identified as contrary to international law is accepted, all possibilities of interpretation compatible with international law must be exhausted in implementation. Where appropriate, international legal obligations must be renegotiated or — as ultima ratio — terminated.", "caselaw_en": "# Art. 139a FC — Case Law\n\nArt. 139a FC was incorporated into the Federal Constitution in 2019 and has hardly been applied in case law so far. There are therefore no BGE that directly interpret or apply this provision. The following decisions deal with the fundamental constitutional principles that led to the introduction of Art. 139a FC, as well as related questions concerning the relationship between international law and domestic law in popular initiatives.\n\n## I. Basic Principles of the Relationship between International Law and Domestic Law\n\n### Peremptory International Law (ius cogens)\n\n**BGE 133 II 450 E. 7**\n14 November 2007\nThe Federal Supreme Court defines peremptory international law and its precedence over national law.\nThis decision is relevant to Art. 139a FC as it determines the limits of peremptory international law that must be observed in the validity review of constitutional initiatives according to Art. 139a para. 3 FC.\n\n> «Peremptory international law (ius cogens) within the meaning of Art. 53 of the Vienna Convention on the Law of Treaties encompasses the totality of peremptory norms of general international law that are recognised by the international community of states as a whole as norms from which no derogation is permitted and which can be modified only by a subsequent norm of general international law having the same character.»\n\n### Proportionality Review in Initiatives Violating International Law\n\n**BGE 139 I 16 E. 5.5.1**\n19 December 2012\nThe Federal Supreme Court develops criteria for dealing with popular initiatives that violate international law prior to the introduction of Art. 139a FC.\nAlthough this decision was rendered before the introduction of Art. 139a FC, it demonstrates the legal problems that led to the creation of the new article.\n\n> «In case of an irreconcilable conflict between international law and a constitutional provision adopted by the people, international law takes precedence in principle, provided that it concerns peremptory international law or the international legal obligations serve to respect human rights.»\n\n## II. Validity Review of Popular Initiatives\n\n### Material Validity Review\n\n**BGE 143 I 129 E. 2.1**\n14 December 2016\nThe Federal Supreme Court specifies the requirements for the material compatibility of popular initiatives with higher-ranking law.\nThese principles are relevant to the application of Art. 139a FC as they shape the review procedure for initiatives violating international law.\n\n> «Cantonal popular initiatives must be compatible with higher-ranking law. The review of material lawfulness is conducted restrictively and is limited to obvious and serious violations of higher-ranking law.»\n\n**BGE 129 I 232 E. 3.2**\n7 April 2003\nThe Federal Supreme Court establishes the limits for declaring popular initiatives invalid.\nThis decision shapes the understanding of the exceptional situation in which initiatives can be declared invalid - a principle that was codified in Art. 139a FC.\n\n> «A popular initiative can only be declared invalid if it violates peremptory international law. This results from the fundamental importance of popular rights in Swiss democracy.»\n\n## III. Application since 2019\n\n### No Direct Case Law on Art. 139a FC\n\nSince Art. 139a FC entered into force on 1 January 2019, no BGE have been rendered that directly apply this provision. This can be explained by the fact that:\n\n- No federal constitutional initiatives have been put to a vote that would have triggered Art. 139a FC\n- The review procedure according to Art. 139a FC has not yet been practically applied\n- The Federal Assembly has not yet classified any constitutional initiative as violating international law\n\n### Related Cantonal Case Law\n\n**VB.2023.00485 of the Zurich Administrative Court**\n12 October 2023\nThe Zurich Administrative Court applies the principles of validity review to a municipal initiative.\nThis decision shows the practical application of the principles underlying Art. 139a FC at a subordinate level.\n\n> «The review of compatibility with higher-ranking law is conducted with restraint and is limited to clear violations of binding legal norms.»\n\n## IV. Case Law on the Self-Determination Initiative (Background to Art. 139a FC)\n\n### Discussion on Initiatives Violating International Law\n\n**Judgment 1C_591/2018 of the Federal Supreme Court**\n12 November 2018\nThe Federal Supreme Court deals with appeals regarding the Self-Determination Initiative, which contributed to the considerations that led to the introduction of Art. 139a FC.\nThis decision illustrates the constitutional tensions that Art. 139a FC sought to resolve.\n\n> «The initiative raises fundamental questions about the relationship between international law and domestic law that require constitutional clarification.»\n\nThe practical significance of Art. 139a FC will only become apparent with future constitutional initiatives that trigger the procedure defined in para. 3. However, the existing case law on related questions provides important interpretative guidance for the future application of this provision.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_139a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 139, "article_suffix": "b", "title": "Verfahren bei Initiative und Gegenentwurf", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 139b BV\n\n## Rechtsgrundlage\n\n**Bundesverfassung (SR 101)**: https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_139b\n\n## Übersicht\n\nArt. 139b BV regelt das Verfahren bei gleichzeitiger Abstimmung über eine Volksinitiative und einen direkten Gegenentwurf (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6). Die Bestimmung betrifft alle Schweizer Stimmberechtigten bei eidgenössischen Abstimmungen über Verfassungsänderungen.\n\n**Gleichzeitige Abstimmung**: Wenn die Bundesversammlung einer Volksinitiative einen direkten Gegenentwurf gegenüberstellt, werden beide Vorlagen am selben Abstimmungssonntag zur Abstimmung gebracht. Dies gewährleistet Transparenz und verhindert taktische Verzögerungen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 7).\n\n**Doppeltes Ja möglich**: Die Stimmberechtigten können sowohl der Initiative als auch dem Gegenentwurf zustimmen. Dieses System ermöglicht eine differenzierte Meinungsäusserung - etwa wenn jemand Reformen befürwortet, aber den Gegenentwurf für besser hält als die Initiative (Kley, ZBl 2011, 2, 15).\n\n**Stichfrage entscheidet**: Nehmen die Stimmberechtigten beide Vorlagen an, entscheidet die Stichfrage. Die Vorlage mit mehr Volksstimmen tritt in Kraft. Das Ständemehr spielt bei der Stichfrage keine Rolle (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8-11).\n\n**Entstehungsgeschichte**: Die heutige Regelung entstand nach kontroversen Debatten zwischen 1979 und 1987. Ursprünglich wollte der Bundesrat eine andere Kollisionsregel: Bei doppelter Annahme sollte diejenige Vorlage siegen, die zusammengezählt mehr Volks- und Standesstimmen erhielt. Die Bundesversammlung entschied jedoch, dass in diesem Fall gar keine Vorlage in Kraft treten solle (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2-4).\n\n**Praktisches Beispiel**: Bei der Abstimmung vom 9. Februar 2003 über das Asylgesetz stimmten die Schweizer sowohl der Volksinitiative «gegen Asylmissbrauch» als auch dem Gegenentwurf der Bundesversammlung zu. In der Stichfrage siegte der Gegenentwurf mit mehr Volksstimmen und trat in Kraft.\n\nDie Regelung stärkt die Demokratie, indem sie Zwangslagen für reformwillige Stimmberechtigte vermeidet und den Volkswillen differenziert zur Geltung bringt.", "doctrine_de": "# Art. 139b BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung über die Abstimmung bei Initiative und Gegenvorschlag hat eine komplexe und kontroverse Entstehungsgeschichte. In der Reformdiskussion der Volksrechte zwischen 1979 und 1987 bildete das Abstimmungsverfahren bei gleichzeitiger Vorlage von Volksinitiative und Gegenvorschlag eines der zentralen Streitthemen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1–4).\n\n**N. 2** Der Bundesrat wollte anfänglich ein mehrstufiges Verfahren einführen mit einer ersten Abstimmung zwischen Initiative und Gegenentwurf und einer zweiten definitiven Volksabstimmung. Der Nationalrat setzte sich jedoch mit seinem Vorschlag für lediglich eine Abstimmung durch, wobei ein doppeltes Ja zunächst verboten war (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1).\n\n**N. 3** Besonders umstritten war die Kollisionsregel bei der Stichfrage. Der Bundesrat sah vor, dass bei angenommenen Verfassungsänderungen diejenige Vorlage in Kraft treten sollte, bei welcher der prozentuale Anteil der Volksstimmen und der Standesstimmen die grössere Summe ergeben. Die Bundesversammlung entschied jedoch, dass in einem solchen Falle gar keine der beiden Vorlagen in Kraft treten solle (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2).\n\n**N. 4** Die Botschaft vom 14. November 1984 zur Revision der Volksrechte (BBl 1985 I 131) dokumentiert die verschiedenen Modelle. Nach intensiven Debatten und einem Scheitern der ersten Vorlage in der Volksabstimmung von 1987 wurde schliesslich das heute geltende System mit «doppeltem Ja» und Stichfrage eingeführt (BBl 1985 I 131, 136 ff.; Haab, Ermittlung des wahren Volkswillens, 1984, S. 234 ff.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 5** Art. 139b BV steht systematisch im Kontext der Volksinitiative auf Teilrevision der Bundesverfassung. Die Bestimmung ergänzt Art. 139 BV (Volksinitiative) und Art. 139a BV (Rückzug) und bildet mit diesen eine Einheit der Regelung des Initiativverfahrens (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 5).\n\n**N. 6** Die Querverbindungen erstrecken sich auf → Art. 138 BV (fakultatives Referendum), → Art. 192 ff. BV (Übergangsbestimmungen) sowie → Art. 76 BPR für die gesetzliche Ausführung. Relevant ist auch → Art. 121 BV, der die allgemeinen Grundsätze der Volksabstimmungen regelt (Grisel, ZBl 1979, 551, 555).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **Gleichzeitige Abstimmung (Abs. 1)**: Die Volksinitiative und der direkte Gegenentwurf werden zwingend gleichzeitig zur Abstimmung gebracht. Diese Simultaneität dient der Transparenz und verhindert taktische Verzögerungen (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6–7).\n\n**N. 8** **Doppeltes Ja (Abs. 2)**: Die Stimmberechtigten können sowohl die Volksinitiative als auch den Gegenentwurf annehmen. Dieses System ermöglicht eine differenzierte Willensäusserung und vermeidet Zwangslagen für reformwillige Stimmberechtigte (Kley, ZBl 2011, 2, 15 f.).\n\n**N. 9** **Stichfrage (Abs. 3)**: Werden beide Vorlagen angenommen, entscheidet die Stichfrage. Die Vorlage mit mehr Volksstimmen tritt in Kraft — eine klare Regelung, die dem Volkswillen zur Durchsetzung verhilft (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8–11).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Bei Annahme nur einer Vorlage tritt diese in Kraft. Bei Annahme beider Vorlagen entscheidet die höhere Stimmenzahl in der Stichfrage. Diese Lösung vermeidet das früher diskutierte Problem des «Nullresultats» bei doppelter Annahme (Haab/Haab, ZBl 1981, 509, 517).\n\n**N. 11** Für das Ständemehr gilt: Bei Volksinitiativen auf Totalrevision wird sowohl für die Hauptfrage als auch für die Stichfrage das Ständemehr berechnet. Bei Volksinitiativen auf Teilrevision ist nur das Volksmehr massgeblich (BBl 1985 I 131, 142).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** Die Hauptkontroverse betraf die Ausgestaltung der Kollisionsregel. Während Grisel (ZBl 1979, 551, 568 f.) für eine additive Lösung von Volks- und Ständestimmen plädierte, setzte sich schliesslich die einfachere Lösung durch, wonach allein die Volksstimmen entscheiden (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 4).\n\n**N. 13** Umstritten blieb auch die Frage der Abstimmungsempfehlung von Bundesrat und Parlament. Die herrschende Lehre befürwortet die Möglichkeit differenzierter Empfehlungen, auch für ein doppeltes Ja (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 50 N. 28).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Die Abstimmungserläuterungen müssen beide Vorlagen objektiv und ausgewogen darstellen. Eine einseitige Bevorzugung des Gegenentwurfs verletzt die Abstimmungsfreiheit nach Art. 34 Abs. 2 BV (**BGE 137 I 200**).\n\n**N. 15** Bei der Formulierung des Gegenentwurfs ist auf sachlichen Zusammenhang mit der Initiative zu achten. Der Gegenentwurf darf nicht fremde Materien einbeziehen, um die Erfolgschancen zu erhöhen — dies würde gegen das Prinzip der Einheit der Materie verstossen (**BGE 113 IA 46**).\n\n**N. 16** Für die Praxis der Initiativkomitees empfiehlt sich eine frühzeitige Klärung der Position zum allfälligen Gegenentwurf. Die Möglichkeit des bedingten Rückzugs nach → Art. 73 BPR sollte in die strategischen Überlegungen einbezogen werden.", "caselaw_de": "# Art. 139b BV\n\n## Rechtsprechung\n\nArt. 139b BV ist nie in Kraft getreten. Die Bestimmung war Teil der Revision der Volksrechte von 2002 und hätte das Verfahren bei der allgemeinen Anregung (initiative populaire générale) geregelt. Mit dem Bundesbeschluss vom 29. April 2008 wurde die allgemeine Anregung jedoch wieder abgeschafft, bevor Art. 139b BV jemals angewendet werden konnte.\n\n### Entstehungsgeschichte und Aufhebung\n\nDie verfassungsrechtlichen Grundlagen für den Rückzug von Volksinitiativen werden heute ausschliesslich in Art. 73 BPR geregelt. Das Bundesgericht hat in **BGE 147 I 206** die entsprechende Rechtsprechung entwickelt:\n\n**BGE 147 I 206** vom 7. Oktober 2020  \nRückzug einer eidgenössischen Volksinitiative nach Aufhebung einer Abstimmung durch das Bundesgericht  \nDie Rechtsprechung betrifft nicht Art. 139b BV, sondern die gesetzliche Regelung nach Art. 73 BPR und deren verfassungsrechtliche Verankerung in Art. 139 BV.  \n\n> «Der Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative ist unter den Voraussetzungen von Art. 73 BPR auch nach der Aufhebung einer Abstimmung durch das Bundesgericht möglich. [...] Art. 73 Abs. 2 BPR ist somit entsprechend seinem Wortlaut auch nach Aufhebung einer Volksabstimmung und bis zur erneuten Festsetzung eines Abstimmungstermins durch den Bundesrat anwendbar.»\n\n### Rechtslage nach geltendem Verfassungsrecht\n\nDa Art. 139b BV nie in Kraft trat, existiert keine spezifische Rechtsprechung zu dieser Bestimmung. Das Rückzugsrecht für Volksinitiativen wird heute ausschliesslich über Art. 73 BPR abgewickelt, dessen verfassungsrechtliche Grundlage sich aus Art. 34 Abs. 1 i.V.m. Art. 139 BV ergibt.\n\nDie praktische Bedeutung dieser nie in Kraft getretenen Bestimmung beschränkt sich auf ihre verfassungsgeschichtliche Rolle als Teil der gescheiterten Reform der Volksrechte von 2002-2008.", "summary_fr": "# Art. 139b Cst.\n\n## Base légale\n\n**Constitution fédérale (RS 101)** : https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/fr#art_139b\n\n## Aperçu\n\nL'art. 139b Cst. règle la procédure en cas de vote simultané sur une initiative populaire et un contre-projet direct (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6). Cette disposition concerne tous les citoyens suisses ayant le droit de vote lors de votations fédérales sur des modifications de la Constitution.\n\n**Vote simultané** : Lorsque l'Assemblée fédérale oppose un contre-projet direct à une initiative populaire, les deux projets sont soumis au vote le même dimanche de votation. Cela garantit la transparence et empêche les retards tactiques (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 7).\n\n**Double oui possible** : Les ayants droit au vote peuvent approuver à la fois l'initiative et le contre-projet. Ce système permet une expression d'opinion différenciée - par exemple lorsque quelqu'un est favorable aux réformes mais considère le contre-projet comme meilleur que l'initiative (Kley, ZBl 2011, 2, 15).\n\n**Question subsidiaire déterminante** : Si les ayants droit au vote acceptent les deux projets, la question subsidiaire tranche. Le projet qui obtient le plus de voix du peuple entre en vigueur. La majorité des cantons ne joue aucun rôle dans la question subsidiaire (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8-11).\n\n**Genèse** : La réglementation actuelle est née après des débats controversés entre 1979 et 1987. À l'origine, le Conseil fédéral voulait une autre règle de collision : en cas de double acceptation, le projet qui obtiendrait, en additionnant, le plus de voix du peuple et des cantons devait l'emporter. L'Assemblée fédérale a cependant décidé que dans ce cas, aucun projet ne devait entrer en vigueur (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2-4).\n\n**Exemple pratique** : Lors de la votation du 9 février 2003 sur la loi sur l'asile, les Suisses ont approuvé à la fois l'initiative populaire « contre les abus en matière d'asile » et le contre-projet de l'Assemblée fédérale. Dans la question subsidiaire, le contre-projet l'a emporté avec plus de voix du peuple et est entré en vigueur.\n\nCette réglementation renforce la démocratie en évitant les situations de contrainte pour les ayants droit au vote favorables aux réformes et en permettant une expression différenciée de la volonté populaire.", "doctrine_fr": "# Art. 139b Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La disposition sur le vote en cas d'initiative et de contre-projet a une histoire complexe et controversée. Dans le débat de réforme des droits populaires entre 1979 et 1987, la procédure de vote lors de présentation simultanée d'une initiative populaire et d'un contre-projet constituait l'un des sujets de controverse centraux (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1–4).\n\n**N. 2** Le Conseil fédéral voulait initialement introduire une procédure à plusieurs étapes avec un premier vote entre l'initiative et le contre-projet et une deuxième votation populaire définitive. Le Conseil national s'imposa cependant avec sa proposition d'une seule votation, un double oui étant d'abord interdit (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1).\n\n**N. 3** La règle de collision lors de la question subsidiaire fut particulièrement controversée. Le Conseil fédéral prévoyait qu'en cas d'adoption des modifications constitutionnelles, le projet qui obtiendrait la plus grande somme du pourcentage des voix du peuple et des voix des cantons devrait entrer en vigueur. L'Assemblée fédérale décida cependant qu'en pareil cas, aucun des deux projets ne devrait entrer en vigueur (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2).\n\n**N. 4** Le message du 14 novembre 1984 sur la révision des droits populaires (FF 1985 I 123) documente les différents modèles. Après d'intenses débats et un échec du premier projet lors de la votation populaire de 1987, le système actuellement en vigueur avec « double oui » et question subsidiaire fut finalement introduit (FF 1985 I 123, 128 ss ; Haab, Ermittlung des wahren Volkswillens, 1984, p. 234 ss).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 5** L'art. 139b Cst. s'inscrit systématiquement dans le contexte de l'initiative populaire tendant à la révision partielle de la Constitution fédérale. La disposition complète l'art. 139 Cst. (initiative populaire) et l'art. 139a Cst. (retrait) et forme avec ces derniers une unité de réglementation de la procédure d'initiative (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 5).\n\n**N. 6** Les corrélations s'étendent à → l'art. 138 Cst. (référendum facultatif), → les art. 192 ss Cst. (dispositions transitoires) ainsi qu'à → l'art. 76 LDP pour l'exécution légale. → L'art. 121 Cst., qui règle les principes généraux des votations populaires, est également pertinent (Grisel, ZBl 1979, 551, 555).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **Vote simultané (al. 1)** : L'initiative populaire et le contre-projet direct sont obligatoirement soumis simultanément au vote. Cette simultanéité sert à la transparence et empêche les retards tactiques (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6–7).\n\n**N. 8** **Double oui (al. 2)** : Les citoyens ayant le droit de vote peuvent accepter à la fois l'initiative populaire et le contre-projet. Ce système permet une expression différenciée de la volonté et évite les situations contraignantes pour les citoyens ayant le droit de vote favorables à une réforme (Kley, ZBl 2011, 2, 15 s).\n\n**N. 9** **Question subsidiaire (al. 3)** : Si les deux projets sont adoptés, la question subsidiaire tranche. Le projet qui obtient le plus de voix du peuple entre en vigueur — une réglementation claire qui fait triompher la volonté populaire (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8–11).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** En cas d'adoption d'un seul projet, celui-ci entre en vigueur. En cas d'adoption des deux projets, le nombre de voix le plus élevé dans la question subsidiaire tranche. Cette solution évite le problème du « résultat nul » en cas de double acceptation, discuté auparavant (Haab/Haab, ZBl 1981, 509, 517).\n\n**N. 11** Pour la majorité des cantons : en cas d'initiatives populaires tendant à la révision totale, la majorité des cantons est calculée tant pour la question principale que pour la question subsidiaire. En cas d'initiatives populaires tendant à la révision partielle, seule la majorité du peuple est déterminante (FF 1985 I 123, 134).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 12** La controverse principale concernait l'aménagement de la règle de collision. Tandis que Grisel (ZBl 1979, 551, 568 s) plaidait pour une solution additive des voix du peuple et des cantons, la solution plus simple selon laquelle seules les voix du peuple décident finit par s'imposer (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 4).\n\n**N. 13** La question de la recommandation de vote du Conseil fédéral et du Parlement resta également controversée. La doctrine dominante approuve la possibilité de recommandations différenciées, y compris pour un double oui (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 50 N. 28).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Les explications de vote doivent présenter les deux projets de manière objective et équilibrée. Une préférence unilatérale pour le contre-projet viole la liberté de vote selon l'art. 34, al. 2, Cst. (**ATF 137 I 200**).\n\n**N. 15** Lors de la formulation du contre-projet, il faut veiller au rapport matériel avec l'initiative. Le contre-projet ne peut pas inclure des matières étrangères pour augmenter les chances de succès — cela irait à l'encontre du principe de l'unité de la matière (**ATF 113 IA 46**).\n\n**N. 16** Pour la pratique des comités d'initiative, il est recommandé de clarifier tôt la position sur l'éventuel contre-projet. La possibilité du retrait conditionnel selon → l'art. 73 LDP devrait être intégrée dans les considérations stratégiques.", "caselaw_fr": "# Art. 139b Cst.\n\n## Jurisprudence\n\nL'art. 139b Cst. n'est jamais entré en vigueur. Cette disposition faisait partie de la révision des droits populaires de 2002 et aurait réglé la procédure de l'initiative populaire générale. Par l'arrêté fédéral du 29 avril 2008, l'initiative populaire générale a toutefois été à nouveau supprimée avant que l'art. 139b Cst. n'ait jamais pu être appliqué.\n\n### Genèse et abrogation\n\nLes fondements constitutionnels du retrait d'initiatives populaires sont aujourd'hui réglés exclusivement à l'art. 73 LDP. Le Tribunal fédéral a développé la jurisprudence correspondante dans **ATF 147 I 206** :\n\n**ATF 147 I 206** du 7 octobre 2020  \nRetrait d'une initiative populaire fédérale après annulation d'une votation par le Tribunal fédéral  \nCette jurisprudence ne concerne pas l'art. 139b Cst., mais la réglementation légale selon l'art. 73 LDP et son ancrage constitutionnel dans l'art. 139 Cst.\n\n> « Le retrait d'une initiative populaire fédérale est possible selon les conditions de l'art. 73 LDP même après l'annulation d'une votation par le Tribunal fédéral. [...] L'art. 73 al. 2 LDP est donc applicable selon sa teneur littérale même après l'annulation d'une votation populaire et jusqu'à la nouvelle fixation d'une date de votation par le Conseil fédéral. »\n\n### Situation juridique selon le droit constitutionnel en vigueur\n\nÉtant donné que l'art. 139b Cst. n'est jamais entré en vigueur, il n'existe aucune jurisprudence spécifique à cette disposition. Le droit de retrait des initiatives populaires est aujourd'hui traité exclusivement par l'art. 73 LDP, dont le fondement constitutionnel découle de l'art. 34 al. 1 en relation avec l'art. 139 Cst.\n\nLa portée pratique de cette disposition qui n'est jamais entrée en vigueur se limite à son rôle dans l'histoire constitutionnelle en tant qu'élément de la réforme avortée des droits populaires de 2002-2008.", "summary_it": "# Art. 139b Cost.\n\n## Base legale\n\n**Costituzione federale (RS 101)**: https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/it#art_139b\n\n## Panoramica\n\nL'art. 139b Cost. disciplina la procedura in caso di votazione contemporanea su un'iniziativa popolare e un controprogetto diretto (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6). La disposizione concerne tutti gli aventi diritto di voto svizzeri nelle votazioni federali su modifiche costituzionali.\n\n**Votazione contemporanea**: Quando l'Assemblea federale contrappone un controprogetto diretto a un'iniziativa popolare, entrambi i progetti sono sottoposti a votazione nella stessa domenica di votazione. Ciò garantisce trasparenza ed evita ritardi tattici (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 7).\n\n**Doppio sì possibile**: Gli aventi diritto di voto possono approvare sia l'iniziativa sia il controprogetto. Questo sistema permette un'espressione differenziata dell'opinione - ad esempio quando qualcuno sostiene delle riforme, ma ritiene il controprogetto migliore dell'iniziativa (Kley, ZBl 2011, 2, 15).\n\n**La domanda eventuale decide**: Se gli aventi diritto di voto accettano entrambi i progetti, decide la domanda eventuale. Il progetto che ottiene più voti popolari entra in vigore. La maggioranza dei Cantoni non ha alcun ruolo nella domanda eventuale (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8-11).\n\n**Storia della genesi**: L'attuale disciplina nacque dopo dibattiti controversi tra il 1979 e il 1987. Originariamente il Consiglio federale voleva una diversa regola di collisione: in caso di doppia accettazione doveva prevalere il progetto che, sommati insieme, otteneva più voti popolari e cantonali. L'Assemblea federale decise però che in tal caso nessun progetto dovesse entrare in vigore (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2-4).\n\n**Esempio pratico**: Nella votazione del 9 febbraio 2003 sulla legge sull'asilo, gli Svizzeri approvarono sia l'iniziativa popolare «contro gli abusi in materia d'asilo» sia il controprogetto dell'Assemblea federale. Nella domanda eventuale vinse il controprogetto con più voti popolari ed entrò in vigore.\n\nLa disciplina rafforza la democrazia evitando situazioni di costrizione per gli aventi diritto di voto favorevoli alle riforme e facendo valere la volontà popolare in modo differenziato.", "doctrine_it": "# Art. 139b Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** La disposizione sulla votazione in caso di iniziativa e controprogetto ha una storia complessa e controversa. Nella discussione sulla riforma dei diritti popolari tra il 1979 e il 1987, la procedura di votazione in caso di presentazione simultanea di iniziativa popolare e controprogetto costituiva uno dei temi centrali di contesa (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1–4).\n\n**N. 2** Il Consiglio federale voleva inizialmente introdurre una procedura a più stadi con una prima votazione tra iniziativa e controprogetto e una seconda votazione popolare definitiva. Il Consiglio nazionale si impose tuttavia con la sua proposta di una sola votazione, pur essendo inizialmente vietato il doppio sì (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1).\n\n**N. 3** Particolarmente controversa era la regola di collisione per la domanda di spareggio. Il Consiglio federale prevedeva che in caso di accettazione di modifiche costituzionali dovesse entrare in vigore il progetto per il quale la percentuale dei voti popolari e dei voti cantonali desse la somma maggiore. L'Assemblea federale decise tuttavia che in tal caso nessuno dei due progetti dovesse entrare in vigore (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2).\n\n**N. 4** Il messaggio del 14 novembre 1984 concernente la revisione dei diritti popolari (FF 1985 I 123) documenta i diversi modelli. Dopo intensi dibattiti e il fallimento del primo progetto nella votazione popolare del 1987, fu infine introdotto l'attuale sistema con «doppio sì» e domanda di spareggio (FF 1985 I 123, 128 segg.; Haab, Ermittlung des wahren Volkswillens, 1984, pag. 234 segg.).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 5** L'art. 139b Cost. si colloca sistematicamente nel contesto dell'iniziativa popolare per la revisione parziale della Costituzione federale. La disposizione completa l'art. 139 Cost. (iniziativa popolare) e l'art. 139a Cost. (ritiro) e forma con questi un'unità nella regolamentazione della procedura dell'iniziativa (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 5).\n\n**N. 6** I collegamenti trasversali si estendono al → Art. 138 Cost. (referendum facoltativo), agli → Art. 192 segg. Cost. (disposizioni transitorie) nonché all'→ Art. 76 LDP per l'esecuzione legale. Rilevante è anche l'→ Art. 121 Cost., che disciplina i principi generali delle votazioni popolari (Grisel, ZBl 1979, 551, 555).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 7** **Votazione simultanea (cpv. 1)**: L'iniziativa popolare e il controprogetto diretto vengono obbligatoriamente sottoposti a votazione simultaneamente. Questa simultaneità serve alla trasparenza e impedisce ritardi tattici (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6–7).\n\n**N. 8** **Doppio sì (cpv. 2)**: Gli aventi diritto di voto possono accettare sia l'iniziativa popolare sia il controprogetto. Questo sistema consente un'espressione differenziata della volontà ed evita situazioni costrittive per gli aventi diritto di voto favorevoli a riforme (Kley, ZBl 2011, 2, 15 sg.).\n\n**N. 9** **Domanda di spareggio (cpv. 3)**: Se entrambi i progetti vengono accettati, decide la domanda di spareggio. Entra in vigore il progetto con più voti popolari — una regola chiara che aiuta la volontà popolare ad affermarsi (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8–11).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** In caso di accettazione di un solo progetto, questo entra in vigore. In caso di accettazione di entrambi i progetti decide il numero maggiore di voti nella domanda di spareggio. Questa soluzione evita il problema del «risultato nullo» in caso di doppia accettazione, discusso in precedenza (Haab/Haab, ZBl 1981, 509, 517).\n\n**N. 11** Per la maggioranza dei Cantoni vale quanto segue: per le iniziative popolari per la revisione totale, la maggioranza dei Cantoni viene calcolata sia per la domanda principale sia per la domanda di spareggio. Per le iniziative popolari per la revisione parziale è determinante solo la maggioranza del popolo (FF 1985 I 123, 135).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** La controversia principale riguardava la configurazione della regola di collisione. Mentre Grisel (ZBl 1979, 551, 568 sg.) propugnava una soluzione additiva di voti popolari e cantonali, si impose infine la soluzione più semplice secondo cui decidono soltanto i voti popolari (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 4).\n\n**N. 13** Rimase controversa anche la questione delle raccomandazioni di voto di Consiglio federale e Parlamento. La dottrina dominante sostiene la possibilità di raccomandazioni differenziate, anche per un doppio sì (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 50 N. 28).\n\n### 6. Indicazioni per la pratica\n\n**N. 14** Le spiegazioni di voto devono presentare entrambi i progetti in modo obiettivo ed equilibrato. Un favoritismo unilaterale del controprogetto viola la libertà di voto secondo l'art. 34 cpv. 2 Cost. (**DTF 137 I 200**).\n\n**N. 15** Nella formulazione del controprogetto occorre badare al nesso oggettivo con l'iniziativa. Il controprogetto non può includere materie estranee per aumentare le possibilità di successo — ciò violerebbe il principio dell'unità della materia (**DTF 113 IA 46**).\n\n**N. 16** Per la pratica dei comitati d'iniziativa si raccomanda un chiarimento tempestivo della posizione riguardo all'eventuale controprogetto. La possibilità del ritiro condizionale secondo l'→ Art. 73 LDP dovrebbe essere inclusa nelle considerazioni strategiche.", "caselaw_it": "# Art. 139b Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\nL'art. 139b Cost. non è mai entrato in vigore. La disposizione faceva parte della revisione dei diritti popolari del 2002 e avrebbe disciplinato la procedura per l'iniziativa popolare generica (initiative populaire générale). Con il decreto federale del 29 aprile 2008, l'iniziativa popolare generica è stata tuttavia nuovamente abrogata, prima che l'art. 139b Cost. potesse mai essere applicato.\n\n### Storia della nascita e abrogazione\n\nLe basi costituzionali per il ritiro delle iniziative popolari sono oggi disciplinate esclusivamente dall'art. 73 LDP. Il Tribunale federale ha sviluppato la giurisprudenza corrispondente nella **DTF 147 I 206**:\n\n**DTF 147 I 206** del 7 ottobre 2020  \nRitiro di un'iniziativa popolare federale dopo l'annullamento di una votazione da parte del Tribunale federale  \nLa giurisprudenza non riguarda l'art. 139b Cost., bensì la disciplina legale secondo l'art. 73 LDP e il suo ancoraggio costituzionale nell'art. 139 Cost.  \n\n> «Il ritiro di un'iniziativa popolare federale è possibile alle condizioni dell'art. 73 LDP anche dopo l'annullamento di una votazione da parte del Tribunale federale. [...] L'art. 73 cpv. 2 LDP è quindi applicabile secondo il suo tenore letterale anche dopo l'annullamento di una votazione popolare e fino alla nuova fissazione di una data di votazione da parte del Consiglio federale.»\n\n### Situazione giuridica secondo il diritto costituzionale vigente\n\nPoiché l'art. 139b Cost. non è mai entrato in vigore, non esiste giurisprudenza specifica su questa disposizione. Il diritto di ritiro per le iniziative popolari viene oggi gestito esclusivamente tramite l'art. 73 LDP, la cui base costituzionale deriva dall'art. 34 cpv. 1 in combinato disposto con l'art. 139 Cost.\n\nIl significato pratico di questa disposizione mai entrata in vigore si limita al suo ruolo storico-costituzionale come parte della riforma fallita dei diritti popolari del 2002-2008.", "summary_en": "# Art. 139b BV\n\n## Legal basis\n\n**Federal Constitution (SR 101)**: https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/en#art_139b\n\n## Overview\n\nArt. 139b BV regulates the procedure for simultaneous voting on a popular initiative and a direct counter-proposal (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6). The provision applies to all Swiss citizens entitled to vote in federal votes on constitutional amendments.\n\n**Simultaneous voting**: When the Federal Assembly puts forward a direct counter-proposal to a popular initiative, both proposals are put to the vote on the same voting Sunday. This ensures transparency and prevents tactical delays (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 7).\n\n**Double yes possible**: Citizens entitled to vote may approve both the initiative and the counter-proposal. This system enables differentiated expression of opinion - for instance when someone supports reforms but considers the counter-proposal better than the initiative (Kley, ZBl 2011, 2, 15).\n\n**Tie-breaker question decides**: If citizens entitled to vote accept both proposals, the tie-breaker question decides. The proposal with more popular votes enters into force. The majority of the cantons plays no role in the tie-breaker question (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8-11).\n\n**Legislative history**: The current regulation arose after controversial debates between 1979 and 1987. Originally, the Federal Council wanted a different collision rule: in case of double acceptance, the proposal should win that obtained more popular votes and cantonal votes combined. The Federal Assembly however decided that in this case no proposal should enter into force at all (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2-4).\n\n**Practical example**: In the vote of 9 February 2003 on the Asylum Act, the Swiss approved both the popular initiative «against asylum abuse» and the counter-proposal of the Federal Assembly. In the tie-breaker question, the counter-proposal won with more popular votes and entered into force.\n\nThe regulation strengthens democracy by avoiding forced choices for reform-minded citizens entitled to vote and allowing the popular will to be expressed in a differentiated manner.", "doctrine_en": "# Art. 139b FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The provision on voting when an initiative and counter-proposal are presented has a complex and controversial legislative history. In the reform discussions on popular rights between 1979 and 1987, the voting procedure for the simultaneous submission of a popular initiative and counter-proposal formed one of the central points of contention (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1–4).\n\n**N. 2** The Federal Council initially wanted to introduce a multi-stage procedure with a first vote between the initiative and counter-draft and a second definitive popular vote. However, the National Council prevailed with its proposal for only one vote, whereby a double yes was initially prohibited (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 1).\n\n**N. 3** Particularly contentious was the conflict rule for the tie-breaker question. The Federal Council envisaged that in the case of accepted constitutional amendments, the proposal should enter into force where the percentage share of popular votes and cantonal votes yielded the greater sum. However, the Federal Assembly decided that in such a case, neither of the two proposals should enter into force (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 2).\n\n**N. 4** The Federal Council message of 14 November 1984 on the revision of popular rights (BBl 1985 I 131) documents the various models. After intensive debates and the failure of the first proposal in the popular vote of 1987, the system currently in force with «double yes» and tie-breaker question was finally introduced (BBl 1985 I 131, 136 ff.; Haab, Ermittlung des wahren Volkswillens, 1984, p. 234 ff.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 5** Art. 139b FC is systematically placed in the context of the popular initiative for partial revision of the Federal Constitution. The provision supplements Art. 139 FC (popular initiative) and Art. 139a FC (withdrawal) and forms with these a unified regulation of the initiative procedure (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 5).\n\n**N. 6** The cross-connections extend to → Art. 138 FC (optional referendum), → Art. 192 ff. FC (transitional provisions) as well as → Art. 76 PPA for the statutory implementation. Also relevant is → Art. 121 FC, which regulates the general principles of popular votes (Grisel, ZBl 1979, 551, 555).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **Simultaneous voting (para. 1)**: The popular initiative and the direct counter-proposal are mandatorily put to the vote simultaneously. This simultaneity serves transparency and prevents tactical delays (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 6–7).\n\n**N. 8** **Double yes (para. 2)**: Those entitled to vote may accept both the popular initiative and the counter-proposal. This system enables a differentiated expression of will and avoids forced situations for voters willing to reform (Kley, ZBl 2011, 2, 15 f.).\n\n**N. 9** **Tie-breaker question (para. 3)**: If both proposals are accepted, the tie-breaker question decides. The proposal with more popular votes enters into force — a clear regulation that helps the popular will to prevail (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 8–11).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** If only one proposal is accepted, it enters into force. If both proposals are accepted, the higher number of votes in the tie-breaker question decides. This solution avoids the previously discussed problem of the «null result» in case of double acceptance (Haab/Haab, ZBl 1981, 509, 517).\n\n**N. 11** For the majority of cantons: In the case of popular initiatives for total revision, the majority of cantons is calculated for both the main question and the tie-breaker question. In the case of popular initiatives for partial revision, only the popular majority is decisive (BBl 1985 I 131, 142).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 12** The main controversy concerned the design of the conflict rule. While Grisel (ZBl 1979, 551, 568 f.) advocated for an additive solution of popular and cantonal votes, the simpler solution finally prevailed, according to which the popular votes alone decide (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 139b N. 4).\n\n**N. 13** The question of voting recommendations by the Federal Council and Parliament also remained disputed. The prevailing doctrine supports the possibility of differentiated recommendations, including for a double yes (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 50 N. 28).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 14** The voting explanations must present both proposals objectively and in a balanced manner. One-sided preference for the counter-proposal violates the freedom to vote under Art. 34 para. 2 FC (**BGE 137 I 200**).\n\n**N. 15** When formulating the counter-proposal, attention must be paid to substantive connection with the initiative. The counter-proposal may not include foreign matters in order to increase the chances of success — this would violate the principle of unity of subject matter (**BGE 113 IA 46**).\n\n**N. 16** For the practice of initiative committees, early clarification of the position on any counter-proposal is recommended. The possibility of conditional withdrawal under → Art. 73 PPA should be included in strategic considerations.", "caselaw_en": "# Art. 139b Cst.\n\n## Case Law\n\nArt. 139b Cst. never entered into force. The provision was part of the revision of popular rights of 2002 and would have regulated the procedure for the general popular initiative (initiative populaire générale). However, with the Federal Decree of 29 April 2008, the general popular initiative was abolished before Art. 139b Cst. could ever be applied.\n\n### Legislative History and Repeal\n\nThe constitutional foundations for the withdrawal of popular initiatives are now regulated exclusively in Art. 73 PPA. The Federal Supreme Court has developed the corresponding case law in **BGE 147 I 206**:\n\n**BGE 147 I 206** of 7 October 2020  \nWithdrawal of a federal popular initiative after annulment of a vote by the Federal Supreme Court  \nThe case law does not concern Art. 139b Cst., but rather the statutory regulation under Art. 73 PPA and its constitutional foundation in Art. 139 Cst.  \n\n> «The withdrawal of a federal popular initiative is possible under the conditions of Art. 73 PPA even after the annulment of a vote by the Federal Supreme Court. [...] Art. 73 para. 2 PPA is thus applicable according to its wording even after the annulment of a popular vote and until the Federal Council sets a new voting date.»\n\n### Legal Situation under Current Constitutional Law\n\nSince Art. 139b Cst. never entered into force, no specific case law exists on this provision. The right of withdrawal for popular initiatives is now handled exclusively through Art. 73 PPA, whose constitutional foundation derives from Art. 34 para. 1 in conjunction with Art. 139 Cst.\n\nThe practical significance of this provision that never entered into force is limited to its constitutional-historical role as part of the failed reform of popular rights of 2002-2008.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_139b", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 140, "article_suffix": "", "title": "Obligatorisches Referendum", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 140 BV regelt, wann das Schweizer Volk zwingend über wichtige politische Entscheide abstimmen muss. Die Bestimmung unterscheidet zwischen zwei Verfahren: dem obligatorischen Referendum (Absatz 1) und der obligatorischen Volksabstimmung (Absatz 2).\n\n**Beim obligatorischen Referendum** müssen sowohl das Volk als auch die Kantone (Stände) zustimmen. Dies gilt für drei Fälle: Alle Verfassungsänderungen unterliegen automatisch dieser Regel — selbst kleine Textänderungen lösen eine Abstimmung aus (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Zweitens müssen Beitritte zu internationalen Sicherheitsorganisationen oder supranationalen Gemeinschaften vor das Volk. **Supranationale Gemeinschaften** sind nach der bundesrätlichen Definition Organisationen mit unabhängigen Organen, die durch Mehrheitsbeschluss unmittelbar verbindliche Entscheide erlassen können (Bundesrat, zit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). Die EU ist das klassische Beispiel dafür. Beim **Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)** ist umstritten, ob er supranational ist (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19). Drittens kommen dringliche Bundesgesetze ohne Verfassungsgrundlage vor das Volk, wenn sie länger als ein Jahr gelten.\n\n**Bei der obligatorischen Volksabstimmung** entscheidet nur das Volk, ohne dass die Kantone zustimmen müssen. Dies betrifft Volksinitiativen zur Totalrevision der Verfassung und abgelehnte Initiativen in Form der allgemeinen Anregung. Wenn sich National- und Ständerat nicht einigen können, ob eine Totalrevision nötig ist, entscheidet ebenfalls das Volk.\n\n**Beispiel**: Will die Schweiz der EU beitreten, müssen Volk und Stände zustimmen, da die EU eine supranationale Gemeinschaft ist. Will jemand eine Volksinitiative zur kompletten Verfassungsneuerung lancieren, reicht das Volksmehr.\n\nDie Abstimmung erfolgt automatisch — die Behörden haben keine Wahl (Art. 140 ist abschliessend, Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Parlamentsbeschlüsse über die Durchführung solcher Referenden können vor Bundesgericht nicht angefochten werden (Urteil 1C_529/2022 E. 3).", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 140 BV führt die Tradition des obligatorischen Referendums fort, die seit der Bundesverfassung von 1848 verankert ist. Die Bestimmung wurde bei der Totalrevision 1999 aus den Art. 89, 89bis, 120, 121 und 123 aBV zusammengeführt und systematisch neu geordnet (BBl 1997 I 418 ff.).\n\n**N. 2** Die wichtigste materielle Neuerung betrifft Art. 140 Abs. 1 lit. b BV: Der Beitritt zu supranationalen Gemeinschaften wurde erstmals ausdrücklich dem obligatorischen Referendum unterstellt. Diese Ergänzung erfolgte als Reaktion auf die EWR-Abstimmung von 1992 und sollte die demokratische Legitimation bei weitreichenden Integrationsschritten stärken (BBl 1997 I 420).\n\n**N. 3** Die Streichung von Art. 140 Abs. 2 lit. abis BV (Gegenentwürfe der Bundesversammlung zu Volksinitiativen auf Totalrevision) erfolgte 2003 im Rahmen der Politischen-Rechte-Reform, da diese Bestimmung in der Praxis nie zur Anwendung gelangt war (BBl 2001 4803).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 140 BV bildet zusammen mit Art. 138 (Volksinitiative auf Totalrevision), Art. 139 (Volksinitiative auf Teilrevision) und Art. 141 (fakultatives Referendum) das Kernsystem der direktdemokratischen Mitwirkungsrechte auf Bundesebene. Die Bestimmung regelt abschliessend, in welchen Fällen ein obligatorisches Referendum durchzuführen ist (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10).\n\n**N. 5** Das obligatorische Referendum nach Art. 140 Abs. 1 BV unterscheidet sich vom fakultativen Referendum (Art. 141 BV) durch drei Merkmale: Es erfolgt automatisch ohne Unterschriftensammlung, erfordert die Zustimmung von Volk und Ständen (doppeltes Mehr) und betrifft besonders wichtige Verfassungsgeschäfte.\n\n**N. 6** Die systematische Zweiteilung in Abs. 1 (Volk und Stände) und Abs. 2 (nur Volk) folgt der Logik, dass Verfassungsänderungen und fundamentale Staatsvertragsgeschäfte die föderative Zustimmung erfordern, während Volksinitiativen als Instrument der Volkssouveränität nur dem Volksmehr unterstehen.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Absatz 1: Obligatorisches Referendum von Volk und Ständen\n\n**N. 7** **Verfassungsänderungen (lit. a)**: Jede formelle Änderung der Bundesverfassung untersteht dem obligatorischen Referendum, unabhängig von ihrer materiellen Bedeutung. Dies umfasst auch rein redaktionelle Anpassungen oder die Aufhebung obsoleter Bestimmungen (→ Art. 195 BV).\n\n**N. 8** **Organisationen für kollektive Sicherheit (lit. b)**: Nach der bundesrätlichen Definition handelt es sich um universelle oder regionale Organisationen, die sich zum Ziel setzen, einem friedensbrechenden Angreiferstaat organisierten Widerstand zu leisten (Bundesrat, zit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 17). Klassisches Beispiel wären die Vereinten Nationen mit ihrem Kapitel-VII-System.\n\n**N. 9** **Supranationale Gemeinschaften (lit. b)**: Der Bundesrat definiert diese als Organisationen mit unabhängigen Organen, die durch Mehrheitsbeschluss unmittelbar verbindliche Entscheide für Einzelpersonen erlassen können und über relativ umfassende materielle Befugnisse verfügen (Bundesrat, zit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). Die EU erfüllt diese Kriterien unbestritten.\n\n**N. 10** Umstritten ist die Einordnung des EWR: Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 140 N. 19) sowie Hangartner/Kley bejahen die Supranationalität wegen der dynamischen Rechtsentwicklung und der Kompetenzen der EFTA-Überwachungsbehörde. Häfelin/Haller/Keller, Tschannen und Biaggini verneinen sie hingegen, da EWR-Recht nicht unmittelbar anwendbar ist und die Übernahme neuer Rechtsakte der Zustimmung der Vertragsparteien bedarf.\n\n**N. 11** **Dringliche Bundesgesetze ohne Verfassungsgrundlage (lit. c)**: Diese seltene Konstellation betrifft nur Bundesgesetze, die kumulativ: (1) von der Bundesversammlung als dringlich erklärt wurden (→ Art. 165 BV), (2) keine Verfassungsgrundlage haben und (3) deren Geltungsdauer ein Jahr übersteigt. Sie müssen innerhalb eines Jahres nach Annahme zur Abstimmung gebracht werden.\n\n### b) Absatz 2: Obligatorische Volksabstimmung\n\n**N. 12** **Volksinitiativen auf Totalrevision (lit. a)**: Seit der Bundesverfassung von 1999 wurde keine solche Initiative eingereicht. Das Verfahren ist in Art. 138 BV geregelt. Anders als bei der Teilrevision gibt es keinen Gegenentwurf der Bundesversammlung (↔ Art. 139 BV).\n\n**N. 13** **Abgelehnte Volksinitiativen in Form der allgemeinen Anregung (lit. b)**: Diese Form der Volksinitiative (→ Art. 139 Abs. 2 BV) kommt in der Praxis kaum vor. Lehnt die Bundesversammlung die allgemeine Anregung ab, unterbreitet sie diese dem Volk zur Abstimmung. Bei Annahme durch das Volk muss die Bundesversammlung eine entsprechende Vorlage ausarbeiten.\n\n**N. 14** **Uneinigkeit über Totalrevision (lit. c)**: Wenn sich National- und Ständerat nicht einigen können, ob eine Totalrevision durchzuführen ist, entscheidet das Volk. Diese Bestimmung kam noch nie zur Anwendung.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Bei den Geschäften nach Abs. 1 ist die Zustimmung von Volk und Ständen erforderlich (doppeltes Mehr). Das Volksmehr berechnet sich nach der Mehrheit der gültig Stimmenden schweizweit, das Ständemehr nach der Mehrheit der Kantone (→ Art. 142 BV).\n\n**N. 16** Bei den Geschäften nach Abs. 2 genügt das einfache Volksmehr. Ein Ständemehr ist nicht erforderlich, was die volksinitiativischen Instrumente gegenüber den ordentlichen Verfassungsänderungen privilegiert.\n\n**N. 17** Die Durchführung des obligatorischen Referendums ist zwingend. Es gibt keinen Ermessensspielraum und keine Möglichkeit des Verzichts. Die Bundesversammlung muss bei Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzungen die Abstimmung anordnen (→ Art. 13 Abs. 1 lit. d PublG).\n\n**N. 18** Die Abstimmungsfrist ist gesetzlich nicht fixiert. Die Praxis zeigt, dass zwischen Parlamentsbeschluss und Volksabstimmung typischerweise 3–12 Monate liegen. Bei dringlichen Bundesgesetzen gilt die Jahresfrist von Art. 140 Abs. 1 lit. c BV als absolute Obergrenze.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 19** **Abschliessender Charakter**: Die herrschende Lehre (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, § 1383) vertritt, dass Art. 140 BV die Fälle des obligatorischen Referendums abschliessend regelt. Eine Minderheit plädiert für ein ausserordentliches obligatorisches Staatsvertragsreferendum bei besonders wichtigen völkerrechtlichen Verträgen, die nicht unter lit. b fallen (Schulte, Direkte Demokratie und Aussenpolitik, 287 ff.).\n\n**N. 20** **Supranationalität des EWR**: Der Streit um die rechtliche Qualifikation des EWR spaltet die Lehre. Befürworter der Supranationalität (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19; Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, § 831) verweisen auf die dynamische Rechtsentwicklung und die quasi-gerichtlichen Kompetenzen der EFTA-Überwachungsbehörde. Die Gegenmeinung (Häfelin/Haller/Keller, § 1932; Tschannen, Staatsrecht, § 15 N. 28; Biaggini, BV-Kommentar, Art. 140 N. 4) betont, dass EWR-Recht der Umsetzung bedarf und keine unmittelbare Wirkung entfaltet.\n\n**N. 21** **Begriff der kollektiven Sicherheit**: Villiger (FS Schindler, 805) vertritt eine weite Auslegung, die auch regionale Sicherheitsbündnisse mit begrenztem Mitgliederkreis erfasst. Die Mehrheitsmeinung (Thürer, SZIER 2005, 42; Ehrenzeller, FS Steinberger, 718) beschränkt den Begriff auf universelle oder quasi-universelle Systeme wie die UNO.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 22** Bei der Redaktion von Verfassungsbestimmungen ist zu beachten, dass selbst marginale Textänderungen das obligatorische Referendum auslösen. Rein redaktionelle Anpassungen sollten daher mit materiellen Revisionen gebündelt werden.\n\n**N. 23** Bei internationalen Verträgen ist frühzeitig zu prüfen, ob die Organisation Merkmale der Supranationalität aufweist. Entscheidend sind: (1) Unabhängigkeit der Organe, (2) Mehrheitsentscheide, (3) unmittelbare Anwendbarkeit der Beschlüsse, (4) Umfang der übertragenen Kompetenzen (Epiney, SJZ 1992, 285).\n\n**N. 24** Die Qualifikation eines Bundesgesetzes als dringlich ohne Verfassungsgrundlage nach Art. 165 Abs. 2 BV löst bei Geltungsdauer über einem Jahr automatisch das obligatorische Referendum aus. Diese verfassungsrechtliche Konsequenz ist bei der parlamentarischen Beratung zu berücksichtigen (Glaser, ZBl 2012, 525).\n\n**N. 25** Beschwerden gegen die fehlerhafte Anwendung von Art. 140 BV sind problematisch, da Akte der Bundesversammlung grundsätzlich nicht anfechtbar sind (→ Art. 189 Abs. 4 BV). Die korrekte Zuordnung zum obligatorischen oder fakultativen Referendum muss daher primär im parlamentarischen Verfahren sichergestellt werden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## I. Obligatorisches Referendum (Abs. 1)\n\n### 1. Verfassungsänderungen (lit. a)\n\n**Urteil 1C_461/2025 vom 2. Oktober 2025**  \n*Eidgenössische Volksabstimmung über Bundesbeschluss betreffend kantonale Liegenschaftssteuern auf Zweitliegenschaften*  \n\nDas Bundesgericht bestätigte die Anwendung des obligatorischen Referendums bei einer Verfassungsänderung nach Art. 127 Abs. 2bis BV. Es stellte fest, dass diese Verfassungsänderung dem obligatorischen Referendum unterstand und Volk und Ständen zur Abstimmung zu unterbreiten war.  \n\n> «Diese Verfassungsänderung unterstand dem obligatorischen Referendum und war Volk und Ständen zur Abstimmung zu unterbreiten (Art. 140 Abs. 1 lit. a BV und Ziffer II Abs. 1 des genannten Beschlusses).»\n\n**Urteil 1C_348/2015 vom 19. August 2015 (E. 4)**  \n*Volksabstimmung über RTVG-Änderung*  \n\nDas Bundesgericht präzisierte die Abgrenzung zwischen obligatorischem und fakultativem Referendum. Das Gericht erklärte, dass Verfassungsänderungen dem obligatorischen Referendum unterstehen und Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet werden, während Bundesgesetze dem fakultativen Referendum unterstehen und nur dem Volk zur Abstimmung unterbreitet werden.  \n\n> «Während Änderungen der Bundesverfassung dem obligatorischen Referendum unterstehen und Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet werden (Art. 140 Abs. 1 lit. a BV), werden Bundesgesetze - wie die Änderung vom 26. September 2014 des RTVG - im Rahmen eines fakultativen Referendums dem Volk zur Abstimmung unterbreitet, wenn dies 50'000 Stimmberechtigte oder acht Kantone verlangen (Art. 141 Abs. 1 lit. a BV).»\n\n### 2. Beitritt zu internationalen Organisationen (lit. b)\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 140 Abs. 1 lit. b BV ist spärlich, da Beitritte zu Organisationen für kollektive Sicherheit oder supranationalen Gemeinschaften in der Praxis selten vorkommen. Die wenigen verfügbaren Entscheide behandeln hauptsächlich verfahrensrechtliche Aspekte im Zusammenhang mit internationalen Abkommen, die nicht unter diese Bestimmung fallen.\n\n### 3. Dringliche Bundesgesetze ohne Verfassungsgrundlage (lit. c)\n\n**Urteil 1C_529/2022 vom 31. Oktober 2022**  \n*Stimmrechtsbeschwerde gegen dringliches Energiegesetz*  \n\nDas Bundesgericht behandelte eine Beschwerde gegen die Dringlicherklärung eines Bundesgesetzes. Die Beschwerdeführer machten geltend, das Gesetz hätte dem obligatorischen Referendum nach Art. 140 Abs. 1 lit. c BV unterstehen müssen. Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein, da Akte der Bundesversammlung nicht anfechtbar sind.  \n\n> «Die Bundesversammlung verabschiedete am 30. September 2022 die Änderung zum Energiegesetz (Dringliche Massnahmen zur kurzfristigen Bereitstellung einer sicheren Stromversorgung im Winter). Das Gesetz wurde als dringlich erklärt (Art. 165 Abs. 1 BV) und dem fakultativen Referendum unterstellt (Art. 141 Abs. 1 lit. b BV). Dagegen erhoben A.________ und 22 Mitbeteiligte Stimmrechtsbeschwerde und beantragten [...] eventuell sei die Dringlicherklärung und die Referendumsklausel aufzuheben und der Bundesrat zu verpflichten, für diese Änderung des Energiegesetzes ein obligatorisches Referendum nach Art. 140 lit. c BV durchzuführen.»\n\nDas Urteil zeigt die praktischen Schwierigkeiten beim Rechtsschutz gegen die Qualifikation dringlicher Bundesgesetze auf, da solche Beschlüsse der Bundesversammlung grundsätzlich nicht anfechtbar sind (Art. 189 Abs. 4 BV).\n\n## II. Volksabstimmung (Abs. 2)\n\n### 1. Volksinitiativen auf Totalrevision der Verfassung (lit. a)\n\nZur praktischen Anwendung von Art. 140 Abs. 2 lit. a BV liegen keine publizierten Bundesgerichtsentscheide vor, da seit 1999 keine Volksinitiative auf Totalrevision der Bundesverfassung eingereicht wurde.\n\n### 2. Volksinitiativen auf Teilrevision in Form der allgemeinen Anregung (lit. b)\n\n**BGE 139 II 303 (E. 5)**  \n*Referendumsfrist bei Staatsverträgen*  \n\nObwohl dieser Entscheid primär das fakultative Referendum betraf, enthält er wichtige Grundsätze zur Berechnung von Abstimmungsfristen, die auch für obligatorische Volksabstimmungen nach Art. 140 Abs. 2 BV gelten. Das Bundesgericht stellte fest, dass die Referendumsfrist mit der Veröffentlichung im Bundesblatt beginnt.  \n\n> «Die Referendumsfrist von 100 Tagen beginnt mit der Veröffentlichung des Erlasses im Bundesblatt. Es besteht keine verbindliche Regel, dass Referendumsfristen immer erst elf Tage nach dem Beschluss der eidgenössischen Räte beginnen.»\n\n### 3. Uneinigkeit der beiden Räte über Totalrevision (lit. c)\n\nDiese Bestimmung hat in der Praxis noch nie zur Anwendung gelangt, weshalb keine Rechtsprechung dazu existiert.\n\n## III. Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n### 1. Nichteintretensgrund bei Beschwerden gegen Parlamentsbeschlüsse\n\n**Urteil 1C_529/2022 vom 31. Oktober 2022 (E. 3)**  \n*Unanfechtbarkeit von Parlamentsbeschlüssen*  \n\nDas Bundesgericht stellte klar, dass Beschlüsse der Bundesversammlung über die Durchführung von Referenden grundsätzlich nicht anfechtbar sind. Dies schafft eine Rechtsschutzlücke bei der Kontrolle der korrekten Anwendung von Art. 140 BV.  \n\n> «Gemäss Art. 189 Abs. 4 BV können Akte der Bundesversammlung und des Bundesrats beim Bundesgericht nicht angefochten werden, ausser das Gesetz sehe dies vor. Dies gilt auch bei Beschwerden wegen Verletzung der politischen Rechte.»\n\n### 2. Abstimmungsverfahren und Nachzählung\n\n**Urteil 1C_348/2015 vom 19. August 2015 (E. 5)**  \n*Nachzählung bei knappen Abstimmungsresultaten*  \n\nDas Bundesgericht präzisierte die Voraussetzungen für die Anordnung einer Nachzählung bei eidgenössischen Abstimmungen. Ein allgemeiner Anspruch auf Nachzählung sehr knapper Resultate besteht nur bei konkreten Anzeichen für Unregelmässigkeiten.  \n\n> «Art. 77 Abs. 1 lit. b BPR ist deshalb nunmehr so auszulegen, dass ein allgemeiner und unbedingter Anspruch auf Nachzählung eines sehr knappen bzw. äusserst knappen Resultats einer eidgenössischen Abstimmung nur dann besteht, wenn zusätzlich äussere Anhaltspunkte darauf hinweisen, dass nicht korrekt ausgezählt worden ist.»\n\n## IV. Terminologische Präzisierung\n\nDie Rechtsprechung unterscheidet konsequent zwischen den beiden Abstimmungsverfahren:\n\n- **Obligatorisches Referendum (Art. 140 Abs. 1 BV)**: Verpflichtende Unterbreitung an «Volk und Stände» mit Erfordernis des doppelten Mehrs\n- **Volksabstimmung (Art. 140 Abs. 2 BV)**: Unterbreitung nur an das «Volk» ohne Ständemehr\n\nDiese terminologische Unterscheidung ist verfassungsrechtlich zwingend und wird von der Rechtsprechung durchgängig beachtet.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 140 Cst. règle quand le peuple suisse doit obligatoirement voter sur des décisions politiques importantes. La disposition distingue entre deux procédures : le référendum obligatoire (al. 1) et la votation populaire obligatoire (al. 2).\n\n**Pour le référendum obligatoire**, le peuple et les cantons (États) doivent approuver. Cela s'applique à trois cas : Toutes les modifications de la Constitution sont automatiquement soumises à cette règle — même de petits changements de texte déclenchent une votation (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Deuxièmement, les adhésions à des organisations internationales de sécurité ou à des communautés supranationales doivent être soumises au peuple. Les **communautés supranationales** sont selon la définition du Conseil fédéral des organisations dotées d'organes indépendants qui peuvent prendre des décisions immédiatement contraignantes par des décisions majoritaires (Conseil fédéral, cit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). L'UE en est l'exemple classique. Pour l'**Espace économique européen (EEE)**, il est controversé de savoir s'il est supranational (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19). Troisièmement, les lois fédérales urgentes sans base constitutionnelle sont soumises au peuple si elles s'appliquent pendant plus d'un an.\n\n**Pour la votation populaire obligatoire**, seul le peuple décide, sans que les cantons doivent approuver. Cela concerne les initiatives populaires pour la révision totale de la Constitution et les initiatives rejetées sous la forme de suggestion générale. Si le Conseil national et le Conseil des États ne peuvent pas s'entendre sur la nécessité d'une révision totale, le peuple décide également.\n\n**Exemple** : Si la Suisse veut adhérer à l'UE, le peuple et les États doivent approuver, car l'UE est une communauté supranationale. Si quelqu'un veut lancer une initiative populaire pour une révision complète de la Constitution, la majorité du peuple suffit.\n\nLa votation a lieu automatiquement — les autorités n'ont pas le choix (l'art. 140 est exhaustif, Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Les arrêtés parlementaires concernant l'organisation de tels référendums ne peuvent pas être contestés devant le Tribunal fédéral (arrêt 1C_529/2022 consid. 3).", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 140 Cst. poursuit la tradition du référendum obligatoire ancrée depuis la Constitution fédérale de 1848. Cette disposition a été regroupée et réorganisée systématiquement lors de la révision totale de 1999 à partir des art. 89, 89bis, 120, 121 et 123 aCst. (FF 1997 I 418 ss).\n\n**Ch. 2** La nouveauté matérielle la plus importante concerne l'art. 140 al. 1 let. b Cst. : l'adhésion à des communautés supranationales a été soumise pour la première fois expressément au référendum obligatoire. Cette adjonction fut adoptée en réaction à la votation sur l'EEE de 1992 et devait renforcer la légitimation démocratique lors d'étapes d'intégration de grande portée (FF 1997 I 420).\n\n**Ch. 3** La suppression de l'art. 140 al. 2 let. abis Cst. (contre-projets de l'Assemblée fédérale aux initiatives populaires portant sur une révision totale) est intervenue en 2003 dans le cadre de la réforme des droits politiques, cette disposition n'ayant jamais été appliquée dans la pratique (FF 2001 4803).\n\n## 2. Situation systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 140 Cst. forme avec l'art. 138 (initiative populaire tendant à la révision totale), l'art. 139 (initiative populaire tendant à la révision partielle) et l'art. 141 (référendum facultatif) le système central des droits de participation démocratique directe au niveau fédéral. Cette disposition règle de manière exhaustive dans quels cas un référendum obligatoire doit être organisé (Epiney/Diezig, BSK BV, art. 140 ch. 10).\n\n**Ch. 5** Le référendum obligatoire selon l'art. 140 al. 1 Cst. se distingue du référendum facultatif (art. 141 Cst.) par trois caractéristiques : il intervient automatiquement sans collecte de signatures, exige l'approbation du peuple et des cantons (double majorité) et concerne des affaires constitutionnelles particulièrement importantes.\n\n**Ch. 6** La bipartition systématique en al. 1 (peuple et cantons) et al. 2 (peuple seulement) suit la logique selon laquelle les modifications constitutionnelles et les affaires de traités fondamentaux exigent l'approbation fédérative, tandis que les initiatives populaires, en tant qu'instrument de la souveraineté populaire, ne sont soumises qu'à la majorité du peuple.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### a) Alinéa 1 : Référendum obligatoire du peuple et des cantons\n\n**Ch. 7** **Modifications de la Constitution (let. a)** : Toute modification formelle de la Constitution fédérale est soumise au référendum obligatoire, indépendamment de sa portée matérielle. Cela comprend aussi les adaptations purement rédactionnelles ou l'abrogation de dispositions obsolètes (→ art. 195 Cst.).\n\n**Ch. 8** **Organisations de sécurité collective (let. b)** : Selon la définition du Conseil fédéral, il s'agit d'organisations universelles ou régionales qui se donnent pour but d'opposer une résistance organisée à un État agresseur troublant la paix (Conseil fédéral, cité in Epiney/Diezig, BSK BV, art. 140 ch. 17). L'exemple classique serait l'Organisation des Nations Unies avec son système du chapitre VII.\n\n**Ch. 9** **Communautés supranationales (let. b)** : Le Conseil fédéral les définit comme des organisations dotées d'organes indépendants qui peuvent, par des décisions à la majorité, prendre des décisions directement contraignantes pour les particuliers et disposent de compétences matérielles relativement étendues (Conseil fédéral, cité in Epiney/Diezig, BSK BV, art. 140 ch. 18). L'UE remplit incontestablement ces critères.\n\n**Ch. 10** Le classement de l'EEE est controversé : Epiney/Diezig (BSK BV, art. 140 ch. 19) ainsi que Hangartner/Kley affirment la supranationalité en raison du développement dynamique du droit et des compétences de l'Autorité de surveillance AELE. Häfelin/Haller/Keller, Tschannen et Biaggini la nient en revanche, car le droit EEE n'est pas directement applicable et la reprise de nouveaux actes juridiques nécessite l'approbation des parties contractantes.\n\n**Ch. 11** **Lois fédérales urgentes dépourvues de base constitutionnelle (let. c)** : Cette constellation rare ne concerne que les lois fédérales qui, cumulativement : (1) ont été déclarées urgentes par l'Assemblée fédérale (→ art. 165 Cst.), (2) n'ont pas de base constitutionnelle et (3) dont la durée de validité dépasse une année. Elles doivent être soumises au vote dans l'année qui suit leur adoption.\n\n### b) Alinéa 2 : Votation populaire obligatoire\n\n**Ch. 12** **Initiatives populaires tendant à la révision totale (let. a)** : Depuis la Constitution fédérale de 1999, aucune initiative de ce type n'a été déposée. La procédure est réglée à l'art. 138 Cst. Contrairement à la révision partielle, il n'y a pas de contre-projet de l'Assemblée fédérale (↔ art. 139 Cst.).\n\n**Ch. 13** **Initiatives populaires rejetées conçues en termes généraux (let. b)** : Cette forme d'initiative populaire (→ art. 139 al. 2 Cst.) est rare dans la pratique. Si l'Assemblée fédérale rejette la demande conçue en termes généraux, elle la soumet au peuple. En cas d'acceptation par le peuple, l'Assemblée fédérale doit élaborer un projet correspondant.\n\n**Ch. 14** **Désaccord au sujet de la révision totale (let. c)** : Si le Conseil national et le Conseil des États ne peuvent s'entendre pour savoir s'il faut procéder à une révision totale, c'est le peuple qui tranche. Cette disposition n'a encore jamais été appliquée.\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 15** Pour les affaires selon l'al. 1, l'approbation du peuple et des cantons est requise (double majorité). La majorité du peuple se calcule d'après la majorité des votants valables à l'échelle suisse, la majorité des cantons d'après la majorité des cantons (→ art. 142 Cst.).\n\n**Ch. 16** Pour les affaires selon l'al. 2, la majorité simple du peuple suffit. Une majorité des cantons n'est pas requise, ce qui privilégie les instruments d'initiative populaire par rapport aux modifications constitutionnelles ordinaires.\n\n**Ch. 17** L'organisation du référendum obligatoire est impérative. Il n'y a pas de marge d'appréciation et pas de possibilité d'y renoncer. L'Assemblée fédérale doit ordonner la votation si les conditions légales sont réunies (→ art. 13 al. 1 let. d LPubl).\n\n**Ch. 18** Le délai de votation n'est pas fixé par la loi. La pratique montre qu'il s'écoule généralement 3 à 12 mois entre l'arrêté parlementaire et la votation populaire. Pour les lois fédérales urgentes, le délai d'un an de l'art. 140 al. 1 let. c Cst. vaut comme limite absolue supérieure.\n\n## 5. Controverses\n\n**Ch. 19** **Caractère exhaustif** : La doctrine dominante (Epiney/Diezig, BSK BV, art. 140 ch. 10 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, § 1383) soutient que l'art. 140 Cst. règle de manière exhaustive les cas de référendum obligatoire. Une minorité plaide pour un référendum obligatoire extraordinaire sur les traités internationaux particulièrement importants qui ne tombent pas sous la let. b (Schulte, Direkte Demokratie und Aussenpolitik, 287 ss).\n\n**Ch. 20** **Supranationalité de l'EEE** : Le différend sur la qualification juridique de l'EEE divise la doctrine. Les partisans de la supranationalité (Epiney/Diezig, BSK BV, art. 140 ch. 19 ; Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, § 831) renvoient au développement dynamique du droit et aux compétences quasi judiciaires de l'Autorité de surveillance AELE. L'opinion contraire (Häfelin/Haller/Keller, § 1932 ; Tschannen, Staatsrecht, § 15 ch. 28 ; Biaggini, BV-Kommentar, art. 140 ch. 4) souligne que le droit EEE nécessite une mise en œuvre et ne déploie pas d'effet direct.\n\n**Ch. 21** **Notion de sécurité collective** : Villiger (FS Schindler, 805) défend une interprétation large qui englobe aussi les alliances de sécurité régionales à nombre de membres limité. L'opinion majoritaire (Thürer, SZIER 2005, 42 ; Ehrenzeller, FS Steinberger, 718) limite la notion aux systèmes universels ou quasi universels comme l'ONU.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 22** Lors de la rédaction de dispositions constitutionnelles, il faut tenir compte du fait que même des modifications textuelles marginales déclenchent le référendum obligatoire. Les adaptations purement rédactionnelles devraient donc être regroupées avec des révisions matérielles.\n\n**Ch. 23** Pour les traités internationaux, il faut examiner tôt si l'organisation présente des caractères de supranationalité. Les critères décisifs sont : (1) l'indépendance des organes, (2) les décisions à la majorité, (3) l'applicabilité directe des décisions, (4) l'étendue des compétences transférées (Epiney, SJZ 1992, 285).\n\n**Ch. 24** La qualification d'une loi fédérale comme urgente sans base constitutionnelle selon l'art. 165 al. 2 Cst. déclenche automatiquement le référendum obligatoire si la durée de validité dépasse une année. Cette conséquence constitutionnelle doit être prise en compte lors des délibérations parlementaires (Glaser, ZBl 2012, 525).\n\n**Ch. 25** Les recours contre l'application erronée de l'art. 140 Cst. sont problématiques, car les actes de l'Assemblée fédérale ne sont en principe pas attaquables (→ art. 189 al. 4 Cst.). L'attribution correcte au référendum obligatoire ou facultatif doit donc être assurée prioritairement dans la procédure parlementaire.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## I. Référendum obligatoire (al. 1)\n\n### 1. Révisions constitutionnelles (let. a)\n\n**Arrêt 1C_461/2025 du 2 octobre 2025**  \n*Votation populaire fédérale sur l'arrêté fédéral concernant les impôts cantonaux sur les immeubles secondaires*  \n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'application du référendum obligatoire pour une révision constitutionnelle selon l'art. 127 al. 2bis Cst. Il a constaté que cette révision constitutionnelle était soumise au référendum obligatoire et devait être soumise au vote du peuple et des cantons.  \n\n> « Cette révision constitutionnelle était soumise au référendum obligatoire et devait être soumise au vote du peuple et des cantons (art. 140 al. 1 let. a Cst. et ch. II al. 1 de l'arrêté précité). »\n\n**Arrêt 1C_348/2015 du 19 août 2015 (c. 4)**  \n*Votation populaire sur la modification de la LRTV*  \n\nLe Tribunal fédéral a précisé la distinction entre référendum obligatoire et référendum facultatif. Le tribunal a expliqué que les révisions constitutionnelles sont soumises au référendum obligatoire et soumises au vote du peuple et des cantons, tandis que les lois fédérales sont soumises au référendum facultatif et soumises au vote du peuple seulement.  \n\n> « Alors que les modifications de la Constitution fédérale sont soumises au référendum obligatoire et soumises au vote du peuple et des cantons (art. 140 al. 1 let. a Cst.), les lois fédérales - comme la modification du 26 septembre 2014 de la LRTV - sont soumises au vote du peuple dans le cadre d'un référendum facultatif, si 50'000 ayants droit au vote ou huit cantons l'exigent (art. 141 al. 1 let. a Cst.). »\n\n### 2. Adhésion à des organisations internationales (let. b)\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 140 al. 1 let. b Cst. est rare, car les adhésions à des organisations de sécurité collective ou à des communautés supranationales sont rares dans la pratique. Les quelques décisions disponibles traitent principalement d'aspects procéduraux en relation avec des accords internationaux qui ne tombent pas sous cette disposition.\n\n### 3. Lois fédérales urgentes dépourvues de base constitutionnelle (let. c)\n\n**Arrêt 1C_529/2022 du 31 octobre 2022**  \n*Recours en matière de droits politiques contre la loi urgente sur l'énergie*  \n\nLe Tribunal fédéral a traité un recours contre la déclaration d'urgence d'une loi fédérale. Les recourants soutenaient que la loi aurait dû être soumise au référendum obligatoire selon l'art. 140 al. 1 let. c Cst. Le Tribunal fédéral n'est pas entré en matière sur le recours, car les actes de l'Assemblée fédérale ne peuvent pas être attaqués.  \n\n> « L'Assemblée fédérale a adopté le 30 septembre 2022 la modification de la loi sur l'énergie (Mesures urgentes pour un approvisionnement sûr en électricité en hiver à court terme). La loi a été déclarée urgente (art. 165 al. 1 Cst.) et soumise au référendum facultatif (art. 141 al. 1 let. b Cst.). A.________ et 22 co-intéressés ont formé un recours en matière de droits politiques et ont conclu [...] subsidiairement, il fallait annuler la déclaration d'urgence et la clause référendaire et obliger le Conseil fédéral à organiser un référendum obligatoire selon l'art. 140 let. c Cst. pour cette modification de la loi sur l'énergie. »\n\nL'arrêt montre les difficultés pratiques de protection juridique contre la qualification de lois fédérales urgentes, car de telles décisions de l'Assemblée fédérale ne peuvent en principe pas être attaquées (art. 189 al. 4 Cst.).\n\n## II. Votation populaire (al. 2)\n\n### 1. Initiatives populaires pour une révision totale de la Constitution (let. a)\n\nAucun arrêt publié du Tribunal fédéral n'existe concernant l'application pratique de l'art. 140 al. 2 let. a Cst., car aucune initiative populaire pour une révision totale de la Constitution fédérale n'a été déposée depuis 1999.\n\n### 2. Initiatives populaires pour une révision partielle sous la forme d'une suggestion générale (let. b)\n\n**ATF 139 II 303 (c. 5)**  \n*Délai référendaire pour les traités internationaux*  \n\nBien que cette décision concernait principalement le référendum facultatif, elle contient des principes importants pour le calcul des délais de votation qui s'appliquent aussi aux votations populaires obligatoires selon l'art. 140 al. 2 Cst. Le Tribunal fédéral a constaté que le délai référendaire commence avec la publication dans la Feuille fédérale.  \n\n> « Le délai référendaire de 100 jours commence avec la publication de l'arrêté dans la Feuille fédérale. Il n'existe pas de règle contraignante selon laquelle les délais référendaires commencent toujours seulement onze jours après la décision des conseils fédéraux. »\n\n### 3. Désaccord entre les deux conseils sur la révision totale (let. c)\n\nCette disposition n'a jamais trouvé application dans la pratique, raison pour laquelle aucune jurisprudence n'existe à ce sujet.\n\n## III. Aspects procéduraux\n\n### 1. Motif de non-entrée en matière pour les recours contre les décisions parlementaires\n\n**Arrêt 1C_529/2022 du 31 octobre 2022 (c. 3)**  \n*Caractère non attaquable des décisions parlementaires*  \n\nLe Tribunal fédéral a précisé que les décisions de l'Assemblée fédérale sur l'organisation de référendums ne peuvent en principe pas être attaquées. Cela crée une lacune de protection juridique dans le contrôle de l'application correcte de l'art. 140 Cst.  \n\n> « Selon l'art. 189 al. 4 Cst., les actes de l'Assemblée fédérale et du Conseil fédéral ne peuvent pas être attaqués devant le Tribunal fédéral, sauf si la loi le prévoit. Cela vaut aussi pour les recours pour violation des droits politiques. »\n\n### 2. Procédure de votation et recomptage\n\n**Arrêt 1C_348/2015 du 19 août 2015 (c. 5)**  \n*Recomptage en cas de résultats de votation serrés*  \n\nLe Tribunal fédéral a précisé les conditions pour ordonner un recomptage lors de votations fédérales. Un droit général au recomptage de résultats très serrés n'existe que s'il y a des indices concrets d'irrégularités.  \n\n> « L'art. 77 al. 1 let. b LDPE doit donc désormais être interprété de sorte qu'un droit général et inconditionnel au recomptage d'un résultat très serré ou extrêmement serré d'une votation fédérale n'existe que lorsque des indices extérieurs indiquent en plus que le décompte n'a pas été effectué correctement. »\n\n## IV. Précision terminologique\n\nLa jurisprudence distingue de manière conséquente entre les deux procédures de votation :\n\n- **Référendum obligatoire (art. 140 al. 1 Cst.)** : Soumission obligatoire au « peuple et aux cantons » avec exigence de la double majorité\n- **Votation populaire (art. 140 al. 2 Cst.)** : Soumission seulement au « peuple » sans majorité des cantons\n\nCette distinction terminologique est constitutionnellement contraignante et est constamment respectée par la jurisprudence.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 140 Cost. disciplina quando il popolo svizzero deve obbligatoriamente votare su importanti decisioni politiche. La disposizione distingue tra due procedure: il referendum obbligatorio (cpv. 1) e la votazione popolare obbligatoria (cpv. 2).\n\n**Nel referendum obbligatorio** devono approvare sia il popolo che i Cantoni. Ciò vale per tre casi: tutte le modifiche costituzionali sottostanno automaticamente a questa regola — anche piccole modifiche testuali scatenano una votazione (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). In secondo luogo, le adesioni a organizzazioni internazionali di sicurezza o a comunità sovranazionali devono essere sottoposte al popolo. Le **comunità sovranazionali** sono secondo la definizione del Consiglio federale organizzazioni con organi indipendenti che possono emanare decisioni direttamente vincolanti tramite decisioni a maggioranza (Consiglio federale, cit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). L'UE ne è l'esempio classico. Per lo **Spazio economico europeo (SEE)** è controverso se sia sovranazionale (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19). In terzo luogo, le leggi federali urgenti senza base costituzionale vengono sottoposte al popolo se hanno validità superiore a un anno.\n\n**Nella votazione popolare obbligatoria** decide solo il popolo, senza che i Cantoni debbano approvare. Ciò riguarda le iniziative popolari per la revisione totale della Costituzione e le iniziative respinte sotto forma di proposta generica. Se Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati non riescono ad accordarsi sulla necessità di una revisione totale, decide parimenti il popolo.\n\n**Esempio**: se la Svizzera vuole aderire all'UE, devono approvare popolo e Cantoni, poiché l'UE è una comunità sovranazionale. Se qualcuno vuole lanciare un'iniziativa popolare per un completo rinnovamento costituzionale, è sufficiente la maggioranza del popolo.\n\nLa votazione avviene automaticamente — le autorità non hanno scelta (l'art. 140 è esaustivo, Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Le decisioni parlamentari sullo svolgimento di tali referendum non possono essere impugnate davanti al Tribunale federale (sentenza 1C_529/2022 consid. 3).", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 140 Cost. prosegue la tradizione del referendum obbligatorio, sancita sin dalla Costituzione federale del 1848. La disposizione è stata riunita durante la revisione totale del 1999 dagli art. 89, 89bis, 120, 121 e 123 vecchia Cost. e riordinata sistematicamente (FF 1997 I 418 seg.).\n\n**N. 2** La più importante innovazione materiale riguarda l'art. 140 cpv. 1 lett. b Cost.: l'adesione a comunità sopranazionali è stata per la prima volta sottoposta espressamente al referendum obbligatorio. Questa integrazione è avvenuta in reazione alla votazione sullo SEE del 1992 e doveva rafforzare la legittimazione democratica in passi d'integrazione di ampia portata (FF 1997 I 420).\n\n**N. 3** La soppressione dell'art. 140 cpv. 2 lett. abis Cost. (controprogetti dell'Assemblea federale alle iniziative popolari per una revisione totale) è avvenuta nel 2003 nel quadro della riforma dei diritti politici, poiché tale disposizione non era mai stata applicata nella pratica (FF 2001 4803).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 140 Cost. forma insieme agli art. 138 (iniziativa popolare per una revisione totale), 139 (iniziativa popolare per una revisione parziale) e 141 (referendum facoltativo) il sistema centrale dei diritti di partecipazione democratico-diretti a livello federale. La disposizione disciplina in modo conclusivo i casi in cui deve essere svolto un referendum obbligatorio (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10).\n\n**N. 5** Il referendum obbligatorio secondo l'art. 140 cpv. 1 Cost. si distingue dal referendum facoltativo (art. 141 Cost.) per tre caratteristiche: avviene automaticamente senza raccolta di firme, richiede l'approvazione di popolo e Cantoni (doppia maggioranza) e riguarda affari costituzionali particolarmente importanti.\n\n**N. 6** La bipartizione sistematica nei cpv. 1 (popolo e Cantoni) e 2 (solo popolo) segue la logica secondo cui le modifiche costituzionali e gli affari di trattato fondamentali richiedono l'approvazione federativa, mentre le iniziative popolari come strumento della sovranità popolare sottostanno solo alla maggioranza del popolo.\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n### a) Capoverso 1: Referendum obbligatorio di popolo e Cantoni\n\n**N. 7** **Modifiche costituzionali (lett. a)**: Ogni modifica formale della Costituzione federale sottostà al referendum obbligatorio, indipendentemente dalla sua importanza materiale. Ciò comprende anche adeguamenti puramente redazionali o l'abrogazione di disposizioni obsolete (→ art. 195 Cost.).\n\n**N. 8** **Organizzazioni per la sicurezza collettiva (lett. b)**: Secondo la definizione del Consiglio federale si tratta di organizzazioni universali o regionali che si pongono l'obiettivo di opporre resistenza organizzata a uno Stato aggressore che viola la pace (Consiglio federale, cit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 17). Un esempio classico sarebbero le Nazioni Unite con il loro sistema del Capitolo VII.\n\n**N. 9** **Comunità sopranazionali (lett. b)**: Il Consiglio federale le definisce come organizzazioni con organi indipendenti che possono emanare con decisioni a maggioranza atti immediatamente vincolanti per le persone singole e dispongono di competenze materiali relativamente ampie (Consiglio federale, cit. in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). L'UE soddisfa indiscutibilmente questi criteri.\n\n**N. 10** È controversa la classificazione dello SEE: Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 140 N. 19) così come Hangartner/Kley affermano la sopranazionalità a causa dello sviluppo dinamico del diritto e delle competenze dell'Autorità di sorveglianza AELS. Häfelin/Haller/Keller, Tschannen e Biaggini la negano invece, poiché il diritto SEE non è direttamente applicabile e il recepimento di nuovi atti giuridici necessita dell'approvazione delle parti contraenti.\n\n**N. 11** **Leggi federali urgenti senza base costituzionale (lett. c)**: Questa costellazione rara riguarda solo leggi federali che cumulativamente: (1) sono state dichiarate urgenti dall'Assemblea federale (→ art. 165 Cost.), (2) non hanno base costituzionale e (3) la cui durata di validità supera un anno. Devono essere sottoposte a votazione entro un anno dall'approvazione.\n\n### b) Capoverso 2: Votazione popolare obbligatoria\n\n**N. 12** **Iniziative popolari per una revisione totale (lett. a)**: Dalla Costituzione federale del 1999 non è stata presentata alcuna iniziativa di questo tipo. La procedura è disciplinata nell'art. 138 Cost. Contrariamente alla revisione parziale, non esiste un controprogetto dell'Assemblea federale (↔ art. 139 Cost.).\n\n**N. 13** **Iniziative popolari respinte in forma di proposta generale (lett. b)**: Questa forma di iniziativa popolare (→ art. 139 cpv. 2 Cost.) ricorre raramente nella pratica. Se l'Assemblea federale respinge la proposta generale, la sottopone al popolo per votazione. In caso di accettazione da parte del popolo, l'Assemblea federale deve elaborare un progetto corrispondente.\n\n**N. 14** **Disaccordo sulla revisione totale (lett. c)**: Se il Consiglio nazionale e il Consiglio degli Stati non riescono ad accordarsi sull'opportunità di procedere a una revisione totale, decide il popolo. Questa disposizione non è mai stata applicata.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** Per gli affari secondo il cpv. 1 è richiesta l'approvazione di popolo e Cantoni (doppia maggioranza). La maggioranza del popolo si calcola secondo la maggioranza dei votanti validamente espressi in tutta la Svizzera, la maggioranza dei Cantoni secondo la maggioranza dei Cantoni (→ art. 142 Cost.).\n\n**N. 16** Per gli affari secondo il cpv. 2 è sufficiente la semplice maggioranza del popolo. Non è richiesta una maggioranza dei Cantoni, il che privilegia gli strumenti di iniziativa popolare rispetto alle modifiche costituzionali ordinarie.\n\n**N. 17** Lo svolgimento del referendum obbligatorio è vincolante. Non esiste margine di discrezionalità né possibilità di rinuncia. L'Assemblea federale deve ordinare la votazione quando sussistono i presupposti di fatto (→ art. 13 cpv. 1 lett. d LPub).\n\n**N. 18** Il termine per la votazione non è fissato per legge. La prassi mostra che tra la decisione parlamentare e la votazione popolare trascorrono tipicamente 3–12 mesi. Per le leggi federali urgenti vale il termine di un anno dell'art. 140 cpv. 1 lett. c Cost. come limite assoluto superiore.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 19** **Carattere conclusivo**: La dottrina dominante (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, § 1383) sostiene che l'art. 140 Cost. disciplina in modo conclusivo i casi del referendum obbligatorio. Una minoranza propugna un referendum statale obbligatorio straordinario per trattati di diritto internazionale particolarmente importanti che non rientrano nella lett. b (Schulte, Direkte Demokratie und Aussenpolitik, 287 seg.).\n\n**N. 20** **Sopranazionalità dello SEE**: La controversia sulla qualificazione giuridica dello SEE divide la dottrina. I fautori della sopranazionalità (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19; Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, § 831) si riferiscono allo sviluppo dinamico del diritto e alle competenze quasi-giurisdizionali dell'Autorità di sorveglianza AELS. L'opinione contraria (Häfelin/Haller/Keller, § 1932; Tschannen, Staatsrecht, § 15 N. 28; Biaggini, BV-Kommentar, Art. 140 N. 4) sottolinea che il diritto SEE necessita di attuazione e non sviluppa effetto immediato.\n\n**N. 21** **Concetto di sicurezza collettiva**: Villiger (FS Schindler, 805) sostiene un'interpretazione estensiva che comprende anche alleanze di sicurezza regionali con un cerchio limitato di membri. L'opinione maggioritaria (Thürer, SZIER 2005, 42; Ehrenzeller, FS Steinberger, 718) limita il concetto a sistemi universali o quasi-universali come l'ONU.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 22** Nella redazione di disposizioni costituzionali è da osservare che anche modifiche testuali marginali scatenano il referendum obbligatorio. Gli adeguamenti puramente redazionali dovrebbero quindi essere raggruppati con revisioni materiali.\n\n**N. 23** Per i trattati internazionali è da verificare precocemente se l'organizzazione presenta caratteristiche di sopranazionalità. Decisivi sono: (1) indipendenza degli organi, (2) decisioni a maggioranza, (3) applicabilità immediata delle decisioni, (4) portata delle competenze trasferite (Epiney, SJZ 1992, 285).\n\n**N. 24** La qualificazione di una legge federale come urgente senza base costituzionale secondo l'art. 165 cpv. 2 Cost. scatena automaticamente il referendum obbligatorio con durata di validità superiore a un anno. Questa conseguenza costituzionale è da considerare nella deliberazione parlamentare (Glaser, ZBl 2012, 525).\n\n**N. 25** I ricorsi contro l'applicazione erronea dell'art. 140 Cost. sono problematici, poiché gli atti dell'Assemblea federale non sono in linea di principio impugnabili (→ art. 189 cpv. 4 Cost.). La corretta attribuzione al referendum obbligatorio o facoltativo deve quindi essere assicurata primariamente nella procedura parlamentare.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## I. Referendum obbligatorio (cpv. 1)\n\n### 1. Modifiche costituzionali (lett. a)\n\n**Sentenza 1C_461/2025 del 2 ottobre 2025**  \n*Votazione popolare federale sul decreto federale concernente le imposte cantonali sugli immobili delle abitazioni secondarie*  \n\nIl Tribunale federale ha confermato l'applicazione del referendum obbligatorio in caso di modifica costituzionale secondo l'art. 127 cpv. 2bis Cost. Ha stabilito che questa modifica costituzionale sottostava al referendum obbligatorio e doveva essere sottoposta al voto di popolo e Cantoni.  \n\n> «Questa modifica costituzionale sottostava al referendum obbligatorio e doveva essere sottoposta al voto di popolo e Cantoni (art. 140 cpv. 1 lett. a Cost. e cifra II cpv. 1 del decreto menzionato).»\n\n**Sentenza 1C_348/2015 del 19 agosto 2015 (consid. 4)**  \n*Votazione popolare sulla modifica della LRTV*  \n\nIl Tribunale federale ha precisato la distinzione tra referendum obbligatorio e referendum facoltativo. Il tribunale ha spiegato che le modifiche costituzionali sottostanno al referendum obbligatorio e vengono sottomesse al voto di popolo e Cantoni, mentre le leggi federali sottostanno al referendum facoltativo e vengono sottomesse al voto solo del popolo.  \n\n> «Mentre le modifiche della Costituzione federale sottostanno al referendum obbligatorio e vengono sottomesse al voto di popolo e Cantoni (art. 140 cpv. 1 lett. a Cost.), le leggi federali - come la modifica del 26 settembre 2014 della LRTV - vengono sottomesse al voto del popolo nel quadro di un referendum facoltativo, quando lo esigano 50'000 aventi diritto di voto oppure otto Cantoni (art. 141 cpv. 1 lett. a Cost.).»\n\n### 2. Adesione a organizzazioni internazionali (lett. b)\n\nLa giurisprudenza sull'art. 140 cpv. 1 lett. b Cost. è scarsa, poiché le adesioni a organizzazioni per la sicurezza collettiva o comunità sopranazionali sono rare nella pratica. Le poche decisioni disponibili trattano principalmente aspetti procedurali in relazione ad accordi internazionali che non rientrano in questa disposizione.\n\n### 3. Leggi federali urgenti prive di base costituzionale (lett. c)\n\n**Sentenza 1C_529/2022 del 31 ottobre 2022**  \n*Ricorso in materia di diritti politici contro la legge urgente sull'energia*  \n\nIl Tribunale federale ha trattato un ricorso contro la dichiarazione di urgenza di una legge federale. I ricorrenti sostenevano che la legge avrebbe dovuto sottostare al referendum obbligatorio secondo l'art. 140 cpv. 1 lett. c Cost. Il Tribunale federale non è entrato in materia sul ricorso, poiché gli atti dell'Assemblea federale non sono impugnabili.  \n\n> «L'Assemblea federale ha adottato il 30 settembre 2022 la modifica della legge sull'energia (Misure urgenti per l'approvvigionamento sicuro di energia elettrica durante l'inverno). La legge è stata dichiarata urgente (art. 165 cpv. 1 Cost.) e sottoposta al referendum facoltativo (art. 141 cpv. 1 lett. b Cost.). Contro questo decreto A.________ e 22 coricorrenti hanno interposto ricorso in materia di diritti politici chiedendo [...] eventualmente di annullare la dichiarazione di urgenza e la clausola referendaria e di obbligare il Consiglio federale a organizzare per questa modifica della legge sull'energia un referendum obbligatorio secondo l'art. 140 lett. c Cost.»\n\nLa sentenza mostra le difficoltà pratiche nella tutela giuridica contro la qualificazione delle leggi federali urgenti, poiché tali decisioni dell'Assemblea federale sono in principio inimpugnabili (art. 189 cpv. 4 Cost.).\n\n## II. Votazione popolare (cpv. 2)\n\n### 1. Iniziative popolari per la revisione totale della Costituzione (lett. a)\n\nPer l'applicazione pratica dell'art. 140 cpv. 2 lett. a Cost. non esistono decisioni pubblicate del Tribunale federale, poiché dal 1999 non è stata presentata alcuna iniziativa popolare per la revisione totale della Costituzione federale.\n\n### 2. Iniziative popolari per una revisione parziale sotto forma di proposta generica (lett. b)\n\n**DTF 139 II 303 (consid. 5)**  \n*Termine referendario per i trattati internazionali*  \n\nBenché questa decisione riguardasse primariamente il referendum facoltativo, contiene principi importanti per il calcolo dei termini di votazione che si applicano anche alle votazioni popolari obbligatorie secondo l'art. 140 cpv. 2 Cost. Il Tribunale federale ha stabilito che il termine referendario inizia con la pubblicazione nel Foglio federale.  \n\n> «Il termine referendario di 100 giorni inizia con la pubblicazione dell'atto nel Foglio federale. Non esiste una regola vincolante secondo cui i termini referendari iniziano sempre solo undici giorni dopo la decisione delle Camere federali.»\n\n### 3. Disaccordo tra le due Camere sulla revisione totale (lett. c)\n\nQuesta disposizione non ha mai trovato applicazione nella pratica, per cui non esiste giurisprudenza al riguardo.\n\n## III. Aspetti procedurali\n\n### 1. Motivo di non entrata in materia per ricorsi contro decisioni parlamentari\n\n**Sentenza 1C_529/2022 del 31 ottobre 2022 (consid. 3)**  \n*Inimpugnabilità delle decisioni parlamentari*  \n\nIl Tribunale federale ha chiarito che le decisioni dell'Assemblea federale sullo svolgimento di referendum sono in principio inimpugnabili. Ciò crea una lacuna nella tutela giuridica per il controllo della corretta applicazione dell'art. 140 Cost.  \n\n> «Secondo l'art. 189 cpv. 4 Cost. gli atti dell'Assemblea federale e del Consiglio federale non possono essere impugnati davanti al Tribunale federale, salvo che la legge lo preveda. Ciò vale anche per i ricorsi per violazione dei diritti politici.»\n\n### 2. Procedura di votazione e riconteggio\n\n**Sentenza 1C_348/2015 del 19 agosto 2015 (consid. 5)**  \n*Riconteggio in caso di risultati di votazione stretti*  \n\nIl Tribunale federale ha precisato i presupposti per l'ordinazione di un riconteggio nelle votazioni federali. Un diritto generale al riconteggio di risultati molto stretti esiste solo in presenza di indizi concreti di irregolarità.  \n\n> «L'art. 77 cpv. 1 lett. b LDP deve dunque essere interpretato nel senso che un diritto generale e incondizionato al riconteggio di un risultato molto stretto o estremamente stretto di una votazione federale esiste solo quando ulteriori elementi esterni indicano che lo spoglio non è avvenuto correttamente.»\n\n## IV. Precisazione terminologica\n\nLa giurisprudenza distingue sistematicamente tra le due procedure di votazione:\n\n- **Referendum obbligatorio (art. 140 cpv. 1 Cost.)**: Sottoposizione obbligatoria a «popolo e Cantoni» con requisito della doppia maggioranza\n- **Votazione popolare (art. 140 cpv. 2 Cost.)**: Sottoposizione solo al «popolo» senza maggioranza dei Cantoni\n\nQuesta distinzione terminologica è costituzionalmente vincolante e viene osservata sistematicamente dalla giurisprudenza.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 140 FC regulates when the Swiss people must vote on important political decisions. The provision distinguishes between two procedures: the mandatory referendum (paragraph 1) and the mandatory popular vote (paragraph 2).\n\n**In the mandatory referendum**, both the people and the cantons (states) must give their consent. This applies to three cases: All constitutional amendments are automatically subject to this rule — even small textual changes trigger a vote (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Second, accession to international security organisations or supranational communities must be put before the people. **Supranational communities** are, according to the Federal Council's definition, organisations with independent bodies that can issue directly binding decisions by majority decision (Federal Council, cited in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). The EU is the classic example of this. For the **European Economic Area (EEA)**, it is disputed whether it is supranational (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19). Third, urgent federal acts without a constitutional basis are put before the people if they remain in force for longer than one year.\n\n**In the mandatory popular vote**, only the people decide, without the cantons having to give their consent. This concerns popular initiatives for a total revision of the constitution and rejected initiatives in the form of a general suggestion. If the National Council and Council of States cannot agree on whether a total revision is necessary, the people also decide.\n\n**Example**: If Switzerland wants to join the EU, both people and states must consent, as the EU is a supranational community. If someone wants to launch a popular initiative for a complete constitutional renewal, a popular majority is sufficient.\n\nThe vote takes place automatically — the authorities have no choice (Art. 140 is exhaustive, Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10). Parliamentary resolutions on conducting such referendums cannot be challenged before the Federal Court (Judgment 1C_529/2022 E. 3).", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 140 FC continues the tradition of the mandatory referendum that has been enshrined since the Federal Constitution of 1848. The provision was consolidated from Arts. 89, 89bis, 120, 121 and 123 old FC during the total revision of 1999 and systematically reorganized (BBl 1997 I 418 ff.).\n\n**N. 2** The most important substantive innovation concerns Art. 140 para. 1 lit. b FC: Accession to supranational communities was explicitly made subject to the mandatory referendum for the first time. This addition was made in response to the EEA referendum of 1992 and was intended to strengthen democratic legitimation for far-reaching integration steps (BBl 1997 I 420).\n\n**N. 3** The deletion of Art. 140 para. 2 lit. abis FC (counter-proposals by the Federal Assembly to popular initiatives for total revision) took place in 2003 as part of the Political Rights Reform, since this provision had never been applied in practice (BBl 2001 4803).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 140 FC, together with Art. 138 (popular initiative for total revision), Art. 139 (popular initiative for partial revision) and Art. 141 (optional referendum), forms the core system of direct democratic participation rights at the federal level. The provision conclusively regulates in which cases a mandatory referendum must be conducted (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10).\n\n**N. 5** The mandatory referendum under Art. 140 para. 1 FC differs from the optional referendum (Art. 141 FC) by three characteristics: It takes place automatically without signature collection, requires the approval of the people and cantons (double majority) and concerns particularly important constitutional matters.\n\n**N. 6** The systematic division into para. 1 (people and cantons) and para. 2 (people only) follows the logic that constitutional amendments and fundamental treaty matters require federative consent, while popular initiatives as an instrument of popular sovereignty are subject only to the majority of the people.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### a) Paragraph 1: Mandatory Referendum of People and Cantons\n\n**N. 7** **Constitutional amendments (lit. a)**: Every formal amendment to the Federal Constitution is subject to the mandatory referendum, regardless of its substantive significance. This also includes purely editorial adjustments or the repeal of obsolete provisions (→ Art. 195 FC).\n\n**N. 8** **Organizations for collective security (lit. b)**: According to the Federal Council definition, these are universal or regional organizations that set themselves the goal of offering organized resistance to an aggressor state that breaks the peace (Federal Council, cited in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 17). A classic example would be the United Nations with its Chapter VII system.\n\n**N. 9** **Supranational communities (lit. b)**: The Federal Council defines these as organizations with independent organs that can issue directly binding decisions for individuals through majority decisions and have relatively comprehensive substantive powers (Federal Council, cited in Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 18). The EU unquestionably meets these criteria.\n\n**N. 10** The classification of the EEA is disputed: Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 140 N. 19) as well as Hangartner/Kley affirm supranationality because of the dynamic legal development and the powers of the EFTA Surveillance Authority. Häfelin/Haller/Keller, Tschannen and Biaggini, however, deny it, since EEA law is not directly applicable and the adoption of new legal acts requires the consent of the contracting parties.\n\n**N. 11** **Urgent federal acts without constitutional basis (lit. c)**: This rare constellation concerns only federal acts that cumulatively: (1) have been declared urgent by the Federal Assembly (→ Art. 165 FC), (2) have no constitutional basis and (3) whose period of validity exceeds one year. They must be put to the vote within one year of adoption.\n\n### b) Paragraph 2: Mandatory Popular Vote\n\n**N. 12** **Popular initiatives for total revision (lit. a)**: No such initiative has been submitted since the Federal Constitution of 1999. The procedure is regulated in Art. 138 FC. Unlike partial revision, there is no counter-proposal by the Federal Assembly (↔ Art. 139 FC).\n\n**N. 13** **Rejected popular initiatives in the form of a general suggestion (lit. b)**: This form of popular initiative (→ Art. 139 para. 2 FC) hardly occurs in practice. If the Federal Assembly rejects the general suggestion, it submits it to the people for voting. If adopted by the people, the Federal Assembly must draft a corresponding proposal.\n\n**N. 14** **Disagreement about total revision (lit. c)**: If the National Council and Council of States cannot agree on whether a total revision should be carried out, the people decide. This provision has never been applied.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** For matters under para. 1, the approval of the people and cantons is required (double majority). The popular majority is calculated according to the majority of valid votes cast nationwide, the cantonal majority according to the majority of cantons (→ Art. 142 FC).\n\n**N. 16** For matters under para. 2, the simple popular majority suffices. A cantonal majority is not required, which privileges popular initiative instruments over ordinary constitutional amendments.\n\n**N. 17** The conduct of the mandatory referendum is mandatory. There is no discretion and no possibility of waiver. The Federal Assembly must order the vote when the statutory requirements are met (→ Art. 13 para. 1 lit. d PubA).\n\n**N. 18** The voting deadline is not legally fixed. Practice shows that typically 3–12 months lie between parliamentary decision and popular vote. For urgent federal acts, the one-year deadline of Art. 140 para. 1 lit. c FC applies as an absolute upper limit.\n\n## 5. Points of Contention\n\n**N. 19** **Conclusive character**: The prevailing doctrine (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 10; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, § 1383) holds that Art. 140 FC conclusively regulates the cases of mandatory referendum. A minority advocates for an extraordinary mandatory treaty referendum for particularly important international treaties that do not fall under lit. b (Schulte, Direkte Demokratie und Aussenpolitik, 287 ff.).\n\n**N. 20** **Supranationality of the EEA**: The dispute over the legal qualification of the EEA divides the doctrine. Proponents of supranationality (Epiney/Diezig, BSK BV, Art. 140 N. 19; Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, § 831) point to the dynamic legal development and the quasi-judicial powers of the EFTA Surveillance Authority. The opposing view (Häfelin/Haller/Keller, § 1932; Tschannen, Staatsrecht, § 15 N. 28; Biaggini, BV-Kommentar, Art. 140 N. 4) emphasizes that EEA law requires implementation and has no direct effect.\n\n**N. 21** **Concept of collective security**: Villiger (FS Schindler, 805) advocates a broad interpretation that also covers regional security alliances with limited membership. The majority view (Thürer, SZIER 2005, 42; Ehrenzeller, FS Steinberger, 718) restricts the concept to universal or quasi-universal systems like the UN.\n\n## 6. Practice Notes\n\n**N. 22** When drafting constitutional provisions, it should be noted that even marginal textual changes trigger the mandatory referendum. Purely editorial adjustments should therefore be bundled with substantive revisions.\n\n**N. 23** For international treaties, it should be examined early whether the organization exhibits characteristics of supranationality. Decisive factors are: (1) independence of organs, (2) majority decisions, (3) direct applicability of decisions, (4) scope of transferred powers (Epiney, SJZ 1992, 285).\n\n**N. 24** The qualification of a federal act as urgent without constitutional basis under Art. 165 para. 2 FC automatically triggers the mandatory referendum if the period of validity exceeds one year. This constitutional consequence must be considered during parliamentary deliberation (Glaser, ZBl 2012, 525).\n\n**N. 25** Appeals against the incorrect application of Art. 140 FC are problematic since acts of the Federal Assembly are in principle not challengeable (→ Art. 189 para. 4 FC). The correct assignment to the mandatory or optional referendum must therefore be ensured primarily in the parliamentary procedure.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## I. Mandatory Referendum (Para. 1)\n\n### 1. Constitutional Amendments (lit. a)\n\n**Judgment 1C_461/2025 of 2 October 2025**  \n*Federal Popular Vote on Federal Decree concerning Cantonal Property Taxes on Secondary Residences*  \n\nThe Federal Supreme Court confirmed the application of the mandatory referendum for a constitutional amendment under Art. 127 para. 2bis FC. It established that this constitutional amendment was subject to the mandatory referendum and had to be submitted to the People and Cantons for voting.  \n\n> «This constitutional amendment was subject to the mandatory referendum and had to be submitted to the People and Cantons for voting (Art. 140 para. 1 lit. a FC and Section II para. 1 of said decree).»\n\n**Judgment 1C_348/2015 of 19 August 2015 (cons. 4)**  \n*Popular Vote on RTVA Amendment*  \n\nThe Federal Supreme Court clarified the distinction between mandatory and optional referendum. The Court explained that constitutional amendments are subject to the mandatory referendum and are submitted to the People and Cantons for voting, while federal acts are subject to the optional referendum and are only submitted to the People for voting.  \n\n> «Whereas amendments to the Federal Constitution are subject to the mandatory referendum and are submitted to the People and Cantons for voting (Art. 140 para. 1 lit. a FC), federal acts - such as the amendment of 26 September 2014 to the RTVA - are submitted to the People for voting in the framework of an optional referendum if 50,000 eligible voters or eight cantons so demand (Art. 141 para. 1 lit. a FC).»\n\n### 2. Accession to International Organisations (lit. b)\n\nCase law on Art. 140 para. 1 lit. b FC is sparse, as accession to organisations for collective security or supranational communities rarely occurs in practice. The few available decisions mainly address procedural aspects in connection with international agreements that do not fall under this provision.\n\n### 3. Urgent Federal Acts without Constitutional Basis (lit. c)\n\n**Judgment 1C_529/2022 of 31 October 2022**  \n*Political Rights Complaint against Urgent Energy Act*  \n\nThe Federal Supreme Court dealt with a complaint against the declaration of urgency of a federal act. The complainants argued that the act should have been subject to the mandatory referendum under Art. 140 para. 1 lit. c FC. The Federal Supreme Court did not consider the complaint, as acts of the Federal Assembly are not subject to appeal.  \n\n> «The Federal Assembly adopted the amendment to the Energy Act (Urgent Measures for Short-term Provision of Secure Electricity Supply in Winter) on 30 September 2022. The act was declared urgent (Art. 165 para. 1 FC) and made subject to the optional referendum (Art. 141 para. 1 lit. b FC). Against this, A.________ and 22 co-parties filed a political rights complaint and requested [...] alternatively that the declaration of urgency and the referendum clause be revoked and the Federal Council be obligated to conduct a mandatory referendum under Art. 140 lit. c FC for this amendment to the Energy Act.»\n\nThe judgment shows the practical difficulties in legal protection against the qualification of urgent federal acts, as such decisions of the Federal Assembly are in principle not subject to appeal (Art. 189 para. 4 FC).\n\n## II. Popular Vote (Para. 2)\n\n### 1. Popular Initiatives for Total Revision of the Constitution (lit. a)\n\nNo published Federal Supreme Court decisions are available on the practical application of Art. 140 para. 2 lit. a FC, as no popular initiative for total revision of the Federal Constitution has been submitted since 1999.\n\n### 2. Popular Initiatives for Partial Revision in the Form of General Proposal (lit. b)\n\n**BGE 139 II 303 (cons. 5)**  \n*Referendum Deadline for International Treaties*  \n\nAlthough this decision primarily concerned the optional referendum, it contains important principles for calculating voting deadlines that also apply to mandatory popular votes under Art. 140 para. 2 FC. The Federal Supreme Court established that the referendum deadline begins with publication in the Federal Gazette.  \n\n> «The referendum deadline of 100 days begins with the publication of the enactment in the Federal Gazette. There is no binding rule that referendum deadlines always begin only eleven days after the decision of the federal chambers.»\n\n### 3. Disagreement between the Two Chambers on Total Revision (lit. c)\n\nThis provision has never been applied in practice, which is why no case law exists on it.\n\n## III. Procedural Aspects\n\n### 1. Ground for Non-Entry on Complaints against Parliamentary Decisions\n\n**Judgment 1C_529/2022 of 31 October 2022 (cons. 3)**  \n*Non-Appealability of Parliamentary Decisions*  \n\nThe Federal Supreme Court clarified that decisions of the Federal Assembly on conducting referendums are in principle not subject to appeal. This creates a gap in legal protection regarding control of the correct application of Art. 140 FC.  \n\n> «According to Art. 189 para. 4 FC, acts of the Federal Assembly and the Federal Council cannot be appealed to the Federal Supreme Court, unless the law provides otherwise. This also applies to complaints for violation of political rights.»\n\n### 2. Voting Procedure and Recount\n\n**Judgment 1C_348/2015 of 19 August 2015 (cons. 5)**  \n*Recount for Close Voting Results*  \n\nThe Federal Supreme Court clarified the requirements for ordering a recount in federal votes. A general right to recount very close results exists only when there are concrete indications of irregularities.  \n\n> «Art. 77 para. 1 lit. b FPRA must therefore now be interpreted such that a general and unconditional right to recount a very close or extremely close result of a federal vote exists only when additional external indications suggest that counting was not conducted correctly.»\n\n## IV. Terminological Clarification\n\nCase law consistently distinguishes between the two voting procedures:\n\n- **Mandatory Referendum (Art. 140 para. 1 FC)**: Mandatory submission to «People and Cantons» requiring double majority\n- **Popular Vote (Art. 140 para. 2 FC)**: Submission only to the «People» without cantonal majority\n\nThis terminological distinction is constitutionally mandatory and is consistently observed in case law.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_140", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 141, "article_suffix": "", "title": "Fakultatives Referendum", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 141 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 141 BV regelt das fakultative Referendum (nachträgliche Volksabstimmung) auf Bundesebene. Diese Bestimmung gibt 50'000 Stimmberechtigten oder acht Kantonen das Recht, innerhalb von 100 Tagen nach der amtlichen Veröffentlichung im Bundesblatt eine Volksabstimmung über bestimmte Bundeserlasse zu verlangen.\n\nDem fakultativen Referendum unterstehen vier Kategorien von Erlassen: Alle Bundesgesetze, dringlich erklärte Bundesgesetze mit mehr als einjähriger Geltungsdauer, bestimmte Bundesbeschlüsse sowie völkerrechtliche Verträge unter bestimmten Voraussetzungen. Bei völkerrechtlichen Verträgen ist das Referendum möglich, wenn sie unbefristet und unkündbar sind, den Beitritt zu einer internationalen Organisation vorsehen oder wichtige rechtsetzende Bestimmungen enthalten beziehungsweise deren Umsetzung Bundesgesetze erfordert.\n\nDas Referendum hat aufschiebende Wirkung: Der bekämpfte Erlass kann während der Referendumsfrist und bis zur allfälligen Volksabstimmung nicht in Kraft treten. Kommt ein Referendum zustande, entscheidet das Volk über Annahme oder Verwerfung. Bei Ablehnung tritt der Erlass nicht in Kraft oder fällt nachträglich dahin.\n\n**Beispiel**: 2005 ergriffen Gegner der Personenfreizügigkeit mit der EU das Referendum gegen die Ausdehnung auf neue EU-Mitglieder. Da 50'000 Unterschriften gesammelt wurden, musste eine Volksabstimmung durchgeführt werden. Das Volk nahm die Vorlage am 25. September 2005 mit 56% der Stimmen an.\n\nDas fakultative Referendum ist ein zentrales Element der schweizerischen direkten Demokratie. Es ermöglicht es einer Minderheit, Gesetze der Mehrheit zur Überprüfung vorzulegen. Damit wird die parlamentarische Gesetzgebung einer zusätzlichen demokratischen Kontrolle unterworfen. In der Praxis führt bereits die Möglichkeit eines Referendums dazu, dass das Parlament bei der Ausarbeitung von Gesetzen verschiedene gesellschaftliche Gruppen einbezieht.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Das fakultative Referendum gemäss Art. 141 BV stellt seit 1874 einen Grundpfeiler der schweizerischen Demokratie dar. Die Verfassungsrevision von 1999 übernahm das fakultative Referendum im Wesentlichen unverändert aus Art. 89 aBV. Die zentrale Neuerung betraf die systematische Ausweitung auf völkerrechtliche Verträge.\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betonte die Bedeutung des fakultativen Referendums als «Bremse» gegen unerwünschte Gesetzgebung: «Das fakultative Referendum hat sich als wichtiges Instrument der direkten Demokratie bewährt, das es den Stimmberechtigten ermöglicht, Bundesgesetze und wichtige Beschlüsse der Bundesversammlung nachträglich zu Fall zu bringen» (BBl 1997 I 420).\n\n**N. 3** Die Ausdehnung auf völkerrechtliche Verträge erfolgte schrittweise: 1921 für unbefristete und unkündbare Verträge, 1977 für den Beitritt zu internationalen Organisationen und 2003 schliesslich für Verträge mit wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen (BBl 2001 4590, 4803).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 141 BV bildet zusammen mit Art. 140 BV (obligatorisches Referendum) und Art. 139 BV (Volksinitiative) das Kernstück der Volksrechte auf Bundesebene. Das fakultative Referendum steht systematisch zwischen der Volksinitiative als Instrument der Innovation und dem obligatorischen Referendum als Instrument der Verfassungsfortbildung.\n\n**N. 5** Die Verbindung zu Art. 34 Abs. 2 BV (Garantie der politischen Rechte) ist fundamental. Das fakultative Referendum konkretisiert die allgemeine Garantie der freien Willensbildung und der unverfälschten Stimmabgabe. Ebenso besteht ein enger Bezug zu Art. 136 BV, welcher die politischen Rechte definiert.\n\n**N. 6** Im Bereich der völkerrechtlichen Verträge ergänzt Art. 141 BV die aussenpolitischen Kompetenznormen (→ Art. 54 BV, → Art. 166 BV, → Art. 184 BV). Die demokratische Legitimation völkerrechtlicher Verpflichtungen erfolgt nicht nur durch die parlamentarische Genehmigung, sondern potentiell auch durch das Volk.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Referendumsberechtigte und Quorum\n\n**N. 7** Das Referendum kann von 50'000 Stimmberechtigten oder acht Kantonen ergriffen werden. Die Doppellegitimation durch Volk und Stände widerspiegelt die föderalistische Struktur der Schweiz. Das Unterschriftenquorum von 50'000 entspricht etwa 1% der Stimmberechtigten — ein im internationalen Vergleich niedriger Schwellenwert.\n\n**N. 8** Die 100-Tage-Frist beginnt mit der amtlichen Veröffentlichung im Bundesblatt. Nach **BGE 139 II 303** existiert keine verbindliche Regel über einen Mindestabstand zwischen Parlamentsbeschluss und Publikation. Die Bundeskanzlei kann bei sachlichen Gründen die Frist bereits vier Tage nach Beschlussfassung beginnen lassen.\n\n#### Referendumsfähige Erlasse\n\n**N. 9** **Bundesgesetze (lit. a)**: Alle formellen Bundesgesetze unterstehen automatisch dem fakultativen Referendum. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 16) betonen, dass dem Grundsatz der Einheit der Materie dabei nur eine untergeordnete Rolle zukommt — im Gegensatz zur Volksinitiative.\n\n**N. 10** **Dringlich erklärte Bundesgesetze (lit. b)**: Nur dringliche Bundesgesetze mit mehr als einjähriger Geltungsdauer sind referendumsfähig. Die Dringlicherklärung nach Art. 165 BV entzieht das Gesetz zunächst dem Referendum, unterwirft es aber nachträglich der Volksabstimmung bei längerer Dauer.\n\n**N. 11** **Bundesbeschlüsse (lit. c)**: Referendumsfähig sind nur jene Bundesbeschlüsse, für die Verfassung oder Gesetz dies ausdrücklich vorsehen. Beispiele sind Finanzvorlagen gemäss Art. 48a Abs. 2 BV oder gewisse aussenpolitische Beschlüsse.\n\n**N. 12** **Völkerrechtliche Verträge (lit. d)**: Die komplexeste Kategorie mit drei alternativen Kriterien. Monnier (ZSR 1986 II 107, 230) und Sägesser (Jusletter 2009) analysieren die Entwicklung dieser Bestimmung als schrittweise Demokratisierung der Aussenpolitik.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Kommt ein Referendum zustande, wird der Erlass dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Bei Ablehnung tritt der Erlass nicht in Kraft oder fällt nachträglich dahin (bei dringlichen Gesetzen). Die aufschiebende Wirkung des Referendums ist absolut — der Erlass kann während der Referendumsfrist und bis zur allfälligen Volksabstimmung nicht in Kraft treten.\n\n**N. 14** Das Zustandekommen des Referendums ist ein reiner Verfahrensakt ohne materiellen Entscheid. Die Bundeskanzlei prüft nur die formellen Voraussetzungen (Unterschriftenzahl, Stimmrechtsbescheinigungen, Frist), nicht die materielle Referendumsfähigkeit des Erlasses.\n\n### 5. Streitstände\n\n#### Kündigung völkerrechtlicher Verträge\n\n**N. 15** Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Referendumspflicht bei der Kündigung völkerrechtlicher Verträge. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 65) argumentieren, dass gewichtige Gründe für eine analoge Anwendung des Referendums auf Kündigungen sprechen: «Die demokratische Legitimation ist bei der Kündigung ebenso wichtig wie beim Abschluss.»\n\n**N. 16** Die Gegenmeinung, vertreten durch Teile der älteren Lehre, sieht in Art. 141 BV eine abschliessende Aufzählung. Diggelmann (ZBl 2014, 291, 315) warnt vor einer extensiven Auslegung ohne klare verfassungsrechtliche Grundlage.\n\n#### Standardabkommen\n\n**N. 17** Die parlamentarische Praxis, gewisse völkerrechtliche Verträge als «Standardabkommen» vom Referendum auszunehmen, ist hochumstritten. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 83) kritisieren diese Praxis als «nicht über alle Zweifel erhaben». Diggelmann (ZBl 2014, 291, 320) qualifiziert sie gar als potentiell verfassungswidrig.\n\n**N. 18** Die Befürworter der Standardabkommen-Praxis argumentieren mit der Praktikabilität und der geringen politischen Bedeutung repetitiver Verträge. Mannhart Gomes (Diss. Bern 2007, 145) sieht darin eine zulässige Konkretisierung der unbestimmten Rechtsbegriffe in Art. 141 Abs. 1 lit. d BV.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 19** Referendumskomitees müssen die 100-Tage-Frist strikte beachten. Nach **BGE 139 II 303** liegt die Verantwortung für rechtzeitige Stimmrechtsbescheinigungen vollständig bei den Komitees. Verzögerungen bei Gemeindekanzleien sind einzukalkulieren.\n\n**N. 20** Bei völkerrechtlichen Verträgen empfiehlt sich eine frühzeitige Klärung der Referendumsfähigkeit. Die Kriterien «wichtige rechtsetzende Bestimmungen» und «Erfordernis von Bundesgesetzen zur Umsetzung» sind oft interpretationsbedürftig. Im Zweifel sollte die Bundesversammlung den Vertrag dem fakultativen Referendum unterstellen.\n\n**N. 21** Die Formulierung von Referendumsbegehren erfordert keine besondere Form. Entscheidend ist die eindeutige Identifikation des bekämpften Erlasses. Bei Mantelerlässen genügt der Verweis auf den Gesamterlass, eine Differenzierung nach einzelnen Bestimmungen ist weder erforderlich noch möglich.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 141 BV behandelt hauptsächlich verfahrensrechtliche Fragen zum Ablauf des fakultativen Referendums, insbesondere zur 100-Tage-Frist, zur Stimmrechtsbescheinigung und zu den Qualifikationskriterien für völkerrechtliche Verträge.\n\n### Referendumsfrist und Fristenlauf\n\n**BGE 139 II 303** (5. Juni 2013) — Beginn und Berechnung der Referendumsfrist\n\nDie Referendumsfrist von 100 Tagen beginnt mit der Veröffentlichung des Erlasses im Bundesblatt. Das Bundesgericht bestätigte, dass keine verbindliche Regel besteht, wonach Referendumsfristen immer erst elf Tage nach dem Beschluss der eidgenössischen Räte beginnen. Die Bundeskanzlei darf bei dringlichen Vorlagen die Referendumsfrist bereits vier Tage nach der Beschlussfassung beginnen lassen, wenn sachliche Gründe dafür sprechen.\n\n> «Die Referendumsfrist von 100 Tagen beginnt mit der Veröffentlichung des Erlasses im Bundesblatt. Es besteht keine verbindliche Regel, dass Referendumsfristen immer erst elf Tage nach dem Beschluss der eidgenössischen Räte beginnen. Die amtliche Publikation im ersten möglichen Zeitpunkt, vier Tage nach der Beschlussfassung, ist angesichts der Dringlichkeit der Vorlage nicht zu beanstanden.»\n\n### Stimmrechtsbescheinigung und Einreichungsmodalitäten\n\n**BGE 139 II 303** (5. Juni 2013) — Verantwortung der Referendumskomitees\n\nDas Referendum muss mit der nötigen Anzahl Unterschriften samt Stimmrechtsbescheinigung innerhalb der Referendumsfrist bei der Bundeskanzlei eintreffen. Die Verantwortung für die rechtzeitige Einholung der Stimmrechtsbescheinigungen liegt bei den Urhebern des Referendums, die mögliche Ablaufstörungen im Bescheinigungsverfahren einkalkulieren müssen.\n\n> «Das Referendum muss mit der nötigen Anzahl Unterschriften samt Stimmrechtsbescheinigung innerhalb der Referendumsfrist bei der Bundeskanzlei eintreffen. Die Verantwortung für die rechtzeitige Einholung der Stimmrechtsbescheinigungen obliegt den Urhebern des Referendums. Diese müssen bei ihrer Planung berücksichtigen, dass Ablaufstörungen im Bescheinigungsverfahren vorkommen können.»\n\n**BGE 131 II 449** (31. Mai 2005) — Nachbescheinigung von Unterschriften\n\nDie Bundeskanzlei ist nicht berechtigt, mangelhafte Stimmrechtsbescheinigungen nachträglich zu korrigieren oder zu ergänzen. Stimmrechtsbescheinigungen müssen von den Initianten bei der zuständigen Amtsstelle innerhalb der Sammelfrist eingeholt werden. Eine Nachbescheinigung oder Nachbesserung durch die Bundeskanzlei ist unzulässig.\n\n> «Die Stimmrechtsbescheinigungen sind von den Initianten bei der zuständigen Amtsstelle innerhalb der Sammelfrist einzuholen. Eine Nachbescheinigung oder Nachbesserung mangelhafter Bescheinigungen durch die Bundeskanzlei ist nicht möglich.»\n\n### Ausgestaltung des Referendumsrechts\n\n**BGE 140 I 58** (13. Dezember 2013) — Verhältnismässige Ausgestaltung des Referendumsrechts\n\nSieht ein Kanton die Möglichkeit der Ergreifung eines fakultativen Referendums gegen Gemeindebeschlüsse vor, darf er dafür nicht prohibitive Voraussetzungen verlangen. Diese müssen kohärent sein und realistische Chancen zur Wahrnehmung der gewährten Referendumsrechte eröffnen. Das Bundesgericht prüfte die aargauische Regelung mit zehn Prozent der Stimmberechtigten in 30 Tagen und befand sie als verfassungskonform.\n\n> «Sieht ein Kanton die Möglichkeit der Ergreifung eines fakultativen Referendums gegen Gemeindebeschlüsse vor, darf er dafür nicht prohibitive Voraussetzungen verlangen. Diese müssen vielmehr kohärent sein und realistische Chancen zur Wahrnehmung der gewährten Referendumsrechte eröffnen.»\n\n### Dringlichkeitsgesetzgebung\n\n**BGE 147 I 420** (11. März 2021) — Einschränkung der Referendumsrechte durch Dringlicherklärung\n\nMit der Dringlicherklärung werden die Referendumsrechte der Stimmberechtigten eingeschränkt; die Dringlichkeitsklausel ist daher restriktiv auszulegen. Es müssen zwingende ausserordentliche Gründe vorliegen. Das Bundesgericht anerkannte die COVID-19-Pandemie als Grund für die Dringlicherklärung eines kantonalen Gesetzes über Urnenabstimmungen in Versammlungsgemeinden.\n\n> «Mit der Dringlicherklärung werden die Referendumsrechte der Stimmberechtigten eingeschränkt; die Dringlichkeitsklausel ist restriktiv auszulegen. Angesichts der volatilen rechtlichen und gesundheitlichen Lage im Herbst 2020 bestand ein erhebliches Interesse an der sofortigen Inkraftsetzung des Gesetzes, namentlich um die Beschluss- und Funktionsfähigkeit der zürcherischen Gemeinden sicherzustellen.»\n\n### Behördenintervention im Abstimmungskampf\n\n**BGE 143 I 78** (14. Dezember 2016) — Zulässige Intervention von Kantonen\n\nEin Kanton darf in einen Abstimmungskampf auf Bundesebene eingreifen, wenn er am Ausgang der Abstimmung ein unmittelbares und besonderes Interesse hat. Die Intervention muss jedoch objektiv und sachlich erfolgen. Das Bundesgericht bestätigte die grundsätzliche Zulässigkeit behördlicher Interventionen unter bestimmten Voraussetzungen.\n\n> «Ein Kanton darf in einen Abstimmungskampf auf Bundesebene eingreifen, wenn er am Ausgang der Abstimmung ein unmittelbares und besonderes Interesse hat. Ist die Intervention im Grundsatz zulässig, so ist der Kanton zwar zu Objektivität verpflichtet.»\n\n**BGE 145 I 1** (1. Januar 2018) — Interventionen der Bundeskanzlei\n\nDie Bundeskanzlei ist bei Abstimmungen zur Objektivität verpflichtet. Das Bundesgericht präzisierte die Grenzen zulässiger behördlicher Interventionen im Vorfeld eidgenössischer Volksabstimmungen und behandelte Abstimmungsvideos der Bundeskanzlei sowie Interventionen von kantonalen Behörden und deren Unternehmen.\n\n> «Mit der Bundeskanzlei ist von einem Abstimmungsvideo zu sprechen, wenn es sich um eine audiovisuelle Produktion handelt, die in erster Linie dazu bestimmt ist, über eine Abstimmungsvorlage zu informieren.»\n\n### Nachzählung bei knappen Resultaten\n\n**BGE 141 II 297** (1. Januar 2015) — Kein Anspruch auf Nachzählung\n\nEin sehr knappes Resultat einer eidgenössischen Abstimmung vermittelt für sich alleine keinen Anspruch auf eine Nachzählung. Eine unmittelbar aus Art. 34 Abs. 2 BV fliessende Verpflichtung zur Nachzählung sehr knapper Wahl- oder Abstimmungsresultate besteht nicht. Das Bundesgericht verneinte einen generellen Anspruch auf Nachzählung bei knappen Resultaten.\n\n> «Ein sehr knappes Resultat einer eidgenössischen Abstimmung vermittelt für sich alleine keinen Anspruch auf eine Nachzählung. Eine unmittelbar aus Art. 34 Abs. 2 BV fliessende Verpflichtung zur Nachzählung sehr knapper Wahl- oder Abstimmungsresultate besteht nicht.»", "summary_fr": "# Art. 141 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 141 Cst. règle le référendum facultatif (votation populaire a posteriori) au niveau fédéral. Cette disposition confère à 50'000 citoyens ayant le droit de vote ou à huit cantons le droit d'exiger, dans les 100 jours suivant la publication officielle dans la Feuille fédérale, une votation populaire sur certains actes normatifs fédéraux.\n\nLe référendum facultatif s'applique à quatre catégories d'actes : toutes les lois fédérales, les lois fédérales déclarées urgentes d'une durée de validité supérieure à une année, certains arrêtés fédéraux ainsi que les traités internationaux sous certaines conditions. Pour les traités internationaux, le référendum est possible s'ils sont conclus pour une durée indéterminée et ne peuvent pas être dénoncés, s'ils prévoient l'adhésion à une organisation internationale ou s'ils contiennent des dispositions importantes créatrices de droit ou si leur mise en œuvre exige l'adoption de lois fédérales.\n\nLe référendum a un effet suspensif : l'acte attaqué ne peut entrer en vigueur pendant le délai référendaire et jusqu'à l'éventuelle votation populaire. Si un référendum aboutit, le peuple décide de l'acceptation ou du rejet. En cas de refus, l'acte n'entre pas en vigueur ou tombe a posteriori.\n\n**Exemple** : En 2005, les opposants à la libre circulation des personnes avec l'UE ont lancé le référendum contre l'extension aux nouveaux membres de l'UE. Comme 50'000 signatures ont été récoltées, une votation populaire a dû être organisée. Le peuple a accepté le projet le 25 septembre 2005 avec 56% des voix.\n\nLe référendum facultatif est un élément central de la démocratie directe suisse. Il permet à une minorité de soumettre à vérification les lois adoptées par la majorité. La législation parlementaire est ainsi soumise à un contrôle démocratique supplémentaire. Dans la pratique, la seule possibilité d'un référendum conduit déjà le Parlement à intégrer différents groupes sociaux lors de l'élaboration des lois.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** Le référendum facultatif selon l'art. 141 Cst. constitue depuis 1874 un pilier fondamental de la démocratie suisse. La révision constitutionnelle de 1999 a repris le référendum facultatif essentiellement inchangé de l'art. 89 anc. Cst. L'innovation centrale concernait l'extension systématique aux traités de droit international.\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) soulignait l'importance du référendum facultatif comme « frein » contre une législation indésirable : « Le référendum facultatif s'est avéré un instrument important de la démocratie directe, qui permet aux citoyens ayant le droit de vote de faire échouer a posteriori des lois fédérales et des arrêtés importants de l'Assemblée fédérale » (FF 1997 I 420).\n\n**N. 3** L'extension aux traités de droit international s'est faite progressivement : en 1921 pour les traités conclus pour une durée indéterminée et non dénonçables, en 1977 pour l'adhésion à des organisations internationales et finalement en 2003 pour les traités contenant des dispositions importantes qui fixent des règles de droit (FF 2001 4590, 4803).\n\n### 2. Position systématique\n\n**N. 4** L'art. 141 Cst. forme avec l'art. 140 Cst. (référendum obligatoire) et l'art. 139 Cst. (initiative populaire) le noyau des droits populaires au niveau fédéral. Le référendum facultatif se situe systématiquement entre l'initiative populaire comme instrument d'innovation et le référendum obligatoire comme instrument de développement constitutionnel.\n\n**N. 5** Le lien avec l'art. 34 al. 2 Cst. (garantie des droits politiques) est fondamental. Le référendum facultatif concrétise la garantie générale de la libre formation de l'opinion et de l'expression non faussée du vote. Il existe également un lien étroit avec l'art. 136 Cst., qui définit les droits politiques.\n\n**N. 6** Dans le domaine des traités de droit international, l'art. 141 Cst. complète les normes de compétences en politique extérieure (→ art. 54 Cst., → art. 166 Cst., → art. 184 Cst.). La légitimation démocratique des obligations de droit international ne se fait pas seulement par l'approbation parlementaire, mais potentiellement aussi par le peuple.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### Ayants droit au référendum et quorum\n\n**N. 7** Le référendum peut être lancé par 50'000 citoyens ayant le droit de vote ou huit cantons. La double légitimation par le peuple et les États reflète la structure fédéraliste de la Suisse. Le quorum de signatures de 50'000 correspond à environ 1% des citoyens ayant le droit de vote — un seuil faible en comparaison internationale.\n\n**N. 8** Le délai de 100 jours commence avec la publication officielle dans la Feuille fédérale. Selon **ATF 139 II 303**, il n'existe aucune règle contraignante concernant un délai minimum entre la décision parlementaire et la publication. La Chancellerie fédérale peut, pour des motifs objectifs, faire commencer le délai déjà quatre jours après la prise de décision.\n\n#### Actes soumis au référendum\n\n**N. 9** **Lois fédérales (let. a)** : Toutes les lois fédérales formelles sont automatiquement soumises au référendum facultatif. Epiney/Diezig (BSK BV, art. 141 n. 16) soulignent que le principe de l'unité de la matière n'y joue qu'un rôle subordonné — contrairement à l'initiative populaire.\n\n**N. 10** **Lois fédérales déclarées urgentes (let. b)** : Seules les lois fédérales urgentes d'une validité de plus d'une année sont soumises au référendum. La déclaration d'urgence selon l'art. 165 Cst. soustrait d'abord la loi au référendum, mais la soumet a posteriori à la votation populaire en cas de durée plus longue.\n\n**N. 11** **Arrêtés fédéraux (let. c)** : Sont soumis au référendum seulement les arrêtés fédéraux pour lesquels la Constitution ou la loi le prévoit expressément. Des exemples sont les projets financiers selon l'art. 48a al. 2 Cst. ou certains arrêtés de politique extérieure.\n\n**N. 12** **Traités de droit international (let. d)** : La catégorie la plus complexe avec trois critères alternatifs. Monnier (ZSR 1986 II 107, 230) et Sägesser (Jusletter 2009) analysent le développement de cette disposition comme une démocratisation progressive de la politique extérieure.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 13** Si un référendum aboutit, l'acte est soumis au peuple pour votation. En cas de rejet, l'acte n'entre pas en vigueur ou tombe a posteriori (pour les lois urgentes). L'effet suspensif du référendum est absolu — l'acte ne peut pas entrer en vigueur pendant le délai référendaire et jusqu'à l'éventuelle votation populaire.\n\n**N. 14** L'aboutissement du référendum est un acte purement procédural sans décision matérielle. La Chancellerie fédérale ne vérifie que les conditions formelles (nombre de signatures, attestations du droit de vote, délai), pas la soumission matérielle de l'acte au référendum.\n\n### 5. Points controversés\n\n#### Dénonciation de traités de droit international\n\n**N. 15** Un point controversé central concerne l'obligation référendaire lors de la dénonciation de traités de droit international. Epiney/Diezig (BSK BV, art. 141 n. 65) argumentent que des raisons importantes plaident pour une application analogique du référendum aux dénonciations : « La légitimation démocratique est aussi importante lors de la dénonciation qu'à la conclusion. »\n\n**N. 16** L'opinion contraire, soutenue par une partie de l'ancienne doctrine, voit dans l'art. 141 Cst. une énumération exhaustive. Diggelmann (ZBl 2014, 291, 315) met en garde contre une interprétation extensive sans fondement constitutionnel clair.\n\n#### Accords standard\n\n**N. 17** La pratique parlementaire consistant à exempter certains traités de droit international du référendum en tant qu'« accords standard » est très controversée. Epiney/Diezig (BSK BV, art. 141 n. 83) critiquent cette pratique comme « n'étant pas au-dessus de tout soupçon ». Diggelmann (ZBl 2014, 291, 320) la qualifie même de potentiellement inconstitutionnelle.\n\n**N. 18** Les partisans de la pratique des accords standard argumentent avec la praticabilité et la faible importance politique de traités répétitifs. Mannhart Gomes (Diss. Berne 2007, 145) y voit une concrétisation admissible des notions juridiques indéterminées dans l'art. 141 al. 1 let. d Cst.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 19** Les comités référendaires doivent respecter strictement le délai de 100 jours. Selon **ATF 139 II 303**, la responsabilité pour les attestations du droit de vote en temps utile incombe entièrement aux comités. Les retards dans les chancelleries communales doivent être pris en compte.\n\n**N. 20** Pour les traités de droit international, il est recommandé de clarifier précocement la soumission au référendum. Les critères « dispositions importantes qui fixent des règles de droit » et « nécessité de lois fédérales pour la mise en œuvre » sont souvent sujets à interprétation. En cas de doute, l'Assemblée fédérale devrait soumettre le traité au référendum facultatif.\n\n**N. 21** La formulation de demandes de référendum ne requiert aucune forme particulière. Ce qui est décisif, c'est l'identification univoque de l'acte combattu. Pour les lois omnibus, la référence à l'acte global suffit, une différenciation selon les dispositions individuelles n'est ni nécessaire ni possible.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 141 Cst. traite principalement de questions procédurales concernant le déroulement du référendum facultatif, notamment le délai de 100 jours, l'attestation du droit de vote et les critères de qualification des traités internationaux.\n\n### Délai référendaire et computation des délais\n\n**ATF 139 II 303** (5 juin 2013) — Début et calcul du délai référendaire\n\nLe délai référendaire de 100 jours commence avec la publication de l'acte dans la Feuille fédérale. Le Tribunal fédéral a confirmé qu'il n'existe aucune règle contraignante selon laquelle les délais référendaires ne commencent que onze jours après la décision des Chambres fédérales. La Chancellerie fédérale peut faire commencer le délai référendaire déjà quatre jours après l'adoption dans le cas de projets urgents, si des raisons objectives le justifient.\n\n> « Le délai référendaire de 100 jours commence avec la publication de l'acte dans la Feuille fédérale. Il n'existe aucune règle contraignante selon laquelle les délais référendaires ne commencent que onze jours après la décision des Chambres fédérales. La publication officielle au premier moment possible, quatre jours après l'adoption, n'est pas critiquable compte tenu de l'urgence du projet. »\n\n### Attestation du droit de vote et modalités de dépôt\n\n**ATF 139 II 303** (5 juin 2013) — Responsabilité des comités référendaires\n\nLe référendum doit parvenir à la Chancellerie fédérale avec le nombre nécessaire de signatures accompagnées de l'attestation du droit de vote dans le délai référendaire. La responsabilité d'obtenir les attestations du droit de vote en temps utile incombe aux auteurs du référendum, qui doivent tenir compte d'éventuels dysfonctionnements dans la procédure d'attestation.\n\n> « Le référendum doit parvenir à la Chancellerie fédérale avec le nombre nécessaire de signatures accompagnées de l'attestation du droit de vote dans le délai référendaire. La responsabilité d'obtenir les attestations du droit de vote en temps utile incombe aux auteurs du référendum. Ceux-ci doivent tenir compte dans leur planification que des dysfonctionnements peuvent survenir dans la procédure d'attestation. »\n\n**ATF 131 II 449** (31 mai 2005) — Attestation ultérieure des signatures\n\nLa Chancellerie fédérale n'est pas habilitée à corriger ou compléter ultérieurement des attestations du droit de vote défectueuses. Les attestations du droit de vote doivent être obtenues par les initiants auprès du service compétent dans le délai de récolte. Une attestation ultérieure ou une amélioration par la Chancellerie fédérale est inadmissible.\n\n> « Les attestations du droit de vote doivent être obtenues par les initiants auprès du service compétent dans le délai de récolte. Une attestation ultérieure ou une amélioration d'attestations défectueuses par la Chancellerie fédérale n'est pas possible. »\n\n### Organisation du droit de référendum\n\n**ATF 140 I 58** (13 décembre 2013) — Organisation proportionnée du droit de référendum\n\nSi un canton prévoit la possibilité d'exercer un référendum facultatif contre des décisions communales, il ne peut pas exiger des conditions prohibitives. Celles-ci doivent être cohérentes et offrir des chances réalistes d'exercer les droits de référendum accordés. Le Tribunal fédéral a examiné la réglementation argovienne avec dix pour cent des ayants droit de vote en 30 jours et l'a jugée conforme à la constitution.\n\n> « Si un canton prévoit la possibilité d'exercer un référendum facultatif contre des décisions communales, il ne peut pas exiger des conditions prohibitives. Celles-ci doivent au contraire être cohérentes et offrir des chances réalistes d'exercer les droits de référendum accordés. »\n\n### Législation d'urgence\n\n**ATF 147 I 420** (11 mars 2021) — Restriction des droits de référendum par la déclaration d'urgence\n\nLa déclaration d'urgence restreint les droits de référendum des ayants droit de vote ; la clause d'urgence doit donc être interprétée restrictivement. Des raisons extraordinaires contraignantes doivent exister. Le Tribunal fédéral a reconnu la pandémie de COVID-19 comme motif de déclaration d'urgence d'une loi cantonale sur les votations à l'urne dans les communes d'assemblée.\n\n> « La déclaration d'urgence restreint les droits de référendum des ayants droit de vote ; la clause d'urgence doit être interprétée restrictivement. Compte tenu de la situation juridique et sanitaire volatile à l'automne 2020, il existait un intérêt considérable à l'entrée en vigueur immédiate de la loi, notamment pour assurer la capacité de décision et de fonctionnement des communes zurichoises. »\n\n### Intervention des autorités dans la campagne de votation\n\n**ATF 143 I 78** (14 décembre 2016) — Intervention admissible des cantons\n\nUn canton peut intervenir dans une campagne de votation au niveau fédéral s'il a un intérêt direct et particulier à l'issue de la votation. L'intervention doit toutefois s'effectuer de manière objective et factuelle. Le Tribunal fédéral a confirmé l'admissibilité de principe des interventions des autorités sous certaines conditions.\n\n> « Un canton peut intervenir dans une campagne de votation au niveau fédéral s'il a un intérêt direct et particulier à l'issue de la votation. Si l'intervention est en principe admissible, le canton est certes tenu à l'objectivité. »\n\n**ATF 145 I 1** (1er janvier 2018) — Interventions de la Chancellerie fédérale\n\nLa Chancellerie fédérale est tenue à l'objectivité lors des votations. Le Tribunal fédéral a précisé les limites des interventions admissibles des autorités en amont des votations populaires fédérales et a traité des vidéos de votation de la Chancellerie fédérale ainsi que des interventions d'autorités cantonales et de leurs entreprises.\n\n> « S'agissant de la Chancellerie fédérale, il faut parler d'une vidéo de votation lorsqu'il s'agit d'une production audiovisuelle destinée en premier lieu à informer sur un objet soumis à votation. »\n\n### Recomptage en cas de résultats serrés\n\n**ATF 141 II 297** (1er janvier 2015) — Pas de droit au recomptage\n\nUn résultat très serré d'une votation fédérale ne confère pas en soi un droit au recomptage. Il n'existe pas d'obligation découlant directement de l'art. 34, al. 2, Cst. de procéder au recomptage de résultats d'élections ou de votations très serrés. Le Tribunal fédéral a nié l'existence d'un droit général au recomptage en cas de résultats serrés.\n\n> « Un résultat très serré d'une votation fédérale ne confère pas en soi un droit au recomptage. Il n'existe pas d'obligation découlant directement de l'art. 34, al. 2, Cst. de procéder au recomptage de résultats d'élections ou de votations très serrés. »", "summary_it": "# Art. 141 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 141 Cost. disciplina il referendum facoltativo (votazione popolare successiva) a livello federale. Questa disposizione conferisce a 50'000 aventi diritto di voto o a otto Cantoni il diritto di chiedere, entro 100 giorni dalla pubblicazione ufficiale nel Foglio federale, una votazione popolare su determinati atti normativi federali.\n\nSono soggette al referendum facoltativo quattro categorie di atti normativi: tutte le leggi federali, le leggi federali dichiarate urgenti con validità superiore a un anno, determinati decreti federali nonché i trattati internazionali a determinate condizioni. Per i trattati internazionali il referendum è possibile se sono a durata indeterminata e indisdettabili, prevedono l'adesione a un'organizzazione internazionale o contengono importanti disposizioni che pongono norme di diritto oppure la cui attuazione richiede leggi federali.\n\nIl referendum ha effetto sospensivo: l'atto normativo impugnato non può entrare in vigore durante il termine referendario e fino all'eventuale votazione popolare. Se un referendum ha luogo, il popolo decide sull'accettazione o il rifiuto. In caso di rifiuto, l'atto normativo non entra in vigore o decade a posteriori.\n\n**Esempio**: nel 2005 gli avversari della libera circolazione delle persone con l'UE hanno lanciato il referendum contro l'estensione ai nuovi Stati membri dell'UE. Poiché sono state raccolte 50'000 firme, ha dovuto aver luogo una votazione popolare. Il popolo ha accettato il progetto il 25 settembre 2005 con il 56% dei voti.\n\nIl referendum facoltativo è un elemento centrale della democrazia diretta svizzera. Permette a una minoranza di sottoporre a verifica le leggi della maggioranza. In tal modo la legislazione parlamentare è sottoposta a un controllo democratico supplementare. Nella pratica, già la sola possibilità di un referendum fa sì che il Parlamento nell'elaborazione delle leggi coinvolga diversi gruppi della società.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Il referendum facoltativo secondo l'art. 141 Cost. costituisce dal 1874 un pilastro fondamentale della democrazia svizzera. La revisione costituzionale del 1999 ha ripreso il referendum facoltativo sostanzialmente invariato dall'art. 89 vCost. L'innovazione centrale ha riguardato l'estensione sistematica ai trattati di diritto internazionale.\n\n**N. 2** Il Messaggio sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) ha sottolineato l'importanza del referendum facoltativo come «freno» contro una legislazione indesiderata: «Il referendum facoltativo si è dimostrato un importante strumento della democrazia diretta, che consente agli aventi diritto di voto di far cadere a posteriori le leggi federali e le decisioni importanti dell'Assemblea federale» (FF 1997 I 420).\n\n**N. 3** L'estensione ai trattati di diritto internazionale è avvenuta gradualmente: nel 1921 per i trattati di durata indeterminata e indisdettibili, nel 1977 per l'adesione a organizzazioni internazionali e infine nel 2003 per i trattati con disposizioni normative importanti (FF 2001 4590, 4803).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 141 Cost. costituisce insieme all'art. 140 Cost. (referendum obbligatorio) e all'art. 139 Cost. (iniziativa popolare) il nucleo dei diritti popolari a livello federale. Il referendum facoltativo si colloca sistematicamente tra l'iniziativa popolare quale strumento di innovazione e il referendum obbligatorio quale strumento di sviluppo costituzionale.\n\n**N. 5** Il collegamento con l'art. 34 cpv. 2 Cost. (garanzia dei diritti politici) è fondamentale. Il referendum facoltativo concretizza la garanzia generale della libera formazione della volontà e del voto non falsificato. Esiste parimenti uno stretto rapporto con l'art. 136 Cost., che definisce i diritti politici.\n\n**N. 6** Nel settore dei trattati di diritto internazionale, l'art. 141 Cost. completa le norme di competenza in materia di politica estera (→ art. 54 Cost., → art. 166 Cost., → art. 184 Cost.). La legittimazione democratica degli obblighi di diritto internazionale avviene non solo attraverso l'approvazione parlamentare, ma potenzialmente anche da parte del popolo.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Aventi diritto al referendum e quorum\n\n**N. 7** Il referendum può essere lanciato da 50'000 aventi diritto di voto o da otto Cantoni. La doppia legittimazione attraverso popolo e Cantoni riflette la struttura federalista della Svizzera. Il quorum di firme di 50'000 corrisponde a circa l'1% degli aventi diritto di voto — una soglia bassa nel confronto internazionale.\n\n**N. 8** Il termine di 100 giorni inizia con la pubblicazione ufficiale nel Foglio federale. Secondo **DTF 139 II 303** non esiste una regola vincolante su una distanza minima tra decisione parlamentare e pubblicazione. La Cancelleria federale può, per motivi oggettivi, far iniziare il termine già quattro giorni dopo l'adozione della decisione.\n\n#### Atti soggetti a referendum\n\n**N. 9** **Leggi federali (lett. a)**: Tutte le leggi federali formali sottostanno automaticamente al referendum facoltativo. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 16) sottolineano che il principio dell'unità della materia riveste solo un ruolo subordinato — contrariamente all'iniziativa popolare.\n\n**N. 10** **Leggi federali dichiarate urgenti (lett. b)**: Solo le leggi federali urgenti con durata superiore a un anno sono soggette a referendum. La dichiarazione d'urgenza secondo l'art. 165 Cost. sottrae inizialmente la legge al referendum, ma la sottopone successivamente alla votazione popolare in caso di durata più lunga.\n\n**N. 11** **Decreti federali (lett. c)**: Sono soggetti a referendum solo quei decreti federali per i quali la Costituzione o la legge lo prevedono espressamente. Esempi sono i modelli di finanziamento secondo l'art. 48a cpv. 2 Cost. o certe decisioni di politica estera.\n\n**N. 12** **Trattati di diritto internazionale (lett. d)**: La categoria più complessa con tre criteri alternativi. Monnier (ZSR 1986 II 107, 230) e Sägesser (Jusletter 2009) analizzano l'evoluzione di questa disposizione come democratizzazione graduale della politica estera.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** Se un referendum si realizza, l'atto è sottoposto al popolo per la votazione. In caso di rifiuto, l'atto non entra in vigore o decade a posteriori (per le leggi urgenti). L'effetto sospensivo del referendum è assoluto — l'atto non può entrare in vigore durante il termine referendario e fino all'eventuale votazione popolare.\n\n**N. 14** La riuscita del referendum è un puro atto procedurale senza decisione materiale. La Cancelleria federale verifica solo i presupposti formali (numero di firme, attestazioni del diritto di voto, termine), non la soggezione materiale dell'atto al referendum.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n#### Disdetta di trattati di diritto internazionale\n\n**N. 15** Una questione controversa centrale riguarda l'obbligo del referendum per la disdetta di trattati di diritto internazionale. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 65) argomentano che ragioni valide parlano per un'applicazione analogica del referendum alle disdette: «La legittimazione democratica è altrettanto importante per la disdetta quanto per la conclusione.»\n\n**N. 16** L'opinione contraria, rappresentata da parti della dottrina più datata, vede nell'art. 141 Cost. un'enumerazione esaustiva. Diggelmann (ZBl 2014, 291, 315) mette in guardia da un'interpretazione estensiva senza chiara base costituzionale.\n\n#### Accordi standard\n\n**N. 17** La prassi parlamentare di sottrarre certi trattati di diritto internazionale al referendum come «accordi standard» è molto controversa. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 83) criticano questa prassi come «non al di sopra di ogni dubbio». Diggelmann (ZBl 2014, 291, 320) la qualifica addirittura come potenzialmente incostituzionale.\n\n**N. 18** I fautori della prassi degli accordi standard argomentano con la praticabilità e la scarsa importanza politica dei trattati ripetitivi. Mannhart Gomes (Diss. Bern 2007, 145) vi vede una concretizzazione ammissibile dei concetti giuridici indeterminati nell'art. 141 cpv. 1 lett. d Cost.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 19** I comitati referendari devono osservare rigorosamente il termine di 100 giorni. Secondo **DTF 139 II 303** la responsabilità per le tempestive attestazioni del diritto di voto ricade completamente sui comitati. I ritardi presso le cancellerie comunali vanno calcolati.\n\n**N. 20** Per i trattati di diritto internazionale si raccomanda un chiarimento precoce della soggezione a referendum. I criteri «disposizioni normative importanti» ed «esigenza di leggi federali per l'attuazione» sono spesso bisognosi d'interpretazione. Nel dubbio, l'Assemblea federale dovrebbe sottoporre il trattato al referendum facoltativo.\n\n**N. 21** La formulazione di domande di referendum non richiede una forma particolare. Decisiva è l'identificazione univoca dell'atto combattuto. Per gli atti mantello è sufficiente il richiamo all'atto complessivo, una differenziazione secondo le singole disposizioni non è né necessaria né possibile.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza sull'art. 141 Cost. tratta principalmente questioni procedurali riguardanti lo svolgimento del referendum facoltativo, in particolare il termine di 100 giorni, l'attestazione del diritto di voto e i criteri di qualificazione per i trattati internazionali.\n\n### Termine referendario e decorso dei termini\n\n**DTF 139 II 303** (5 giugno 2013) — Inizio e calcolo del termine referendario\n\nIl termine referendario di 100 giorni inizia con la pubblicazione dell'atto nel Foglio federale. Il Tribunale federale ha confermato che non esiste una regola vincolante secondo la quale i termini referendari iniziano sempre solo undici giorni dopo la decisione delle Camere federali. La Cancelleria federale può, per i progetti urgenti, far iniziare il termine referendario già quattro giorni dopo l'adozione della decisione, se vi sono motivi oggettivi a supporto.\n\n> «Il termine referendario di 100 giorni inizia con la pubblicazione dell'atto nel Foglio federale. Non esiste una regola vincolante secondo cui i termini referendari iniziano sempre solo undici giorni dopo la decisione delle Camere federali. La pubblicazione ufficiale al primo momento possibile, quattro giorni dopo l'adozione della decisione, non è censurabile data l'urgenza del progetto.»\n\n### Attestazione del diritto di voto e modalità di presentazione\n\n**DTF 139 II 303** (5 giugno 2013) — Responsabilità dei comitati referendari\n\nIl referendum deve pervenire alla Cancelleria federale con il numero necessario di firme e relative attestazioni del diritto di voto entro il termine referendario. La responsabilità per l'ottenimento tempestivo delle attestazioni del diritto di voto spetta ai promotori del referendum, i quali devono calcolare i possibili malfunzionamenti nella procedura di attestazione.\n\n> «Il referendum deve pervenire alla Cancelleria federale con il numero necessario di firme e relative attestazioni del diritto di voto entro il termine referendario. La responsabilità per l'ottenimento tempestivo delle attestazioni del diritto di voto spetta ai promotori del referendum. Questi devono considerare nella loro pianificazione che possono verificarsi malfunzionamenti nella procedura di attestazione.»\n\n**DTF 131 II 449** (31 maggio 2005) — Attestazione successiva di firme\n\nLa Cancelleria federale non è autorizzata a correggere o completare successivamente attestazioni del diritto di voto difettose. Le attestazioni del diritto di voto devono essere ottenute dai promotori presso l'ufficio competente entro il termine di raccolta. Un'attestazione successiva o una correzione da parte della Cancelleria federale è inammissibile.\n\n> «Le attestazioni del diritto di voto devono essere ottenute dai promotori presso l'ufficio competente entro il termine di raccolta. Un'attestazione successiva o una correzione di attestazioni difettose da parte della Cancelleria federale non è possibile.»\n\n### Configurazione del diritto di referendum\n\n**DTF 140 I 58** (13 dicembre 2013) — Configurazione proporzionata del diritto di referendum\n\nSe un Cantone prevede la possibilità di promuovere un referendum facoltativo contro decisioni comunali, non può richiedere presupposti proibitivi. Questi devono essere coerenti e aprire possibilità realistiche per l'esercizio dei diritti referendari concessi. Il Tribunale federale ha esaminato la regolamentazione argoviese con il dieci per cento degli aventi diritto di voto in 30 giorni e l'ha ritenuta conforme alla Costituzione.\n\n> «Se un Cantone prevede la possibilità di promuovere un referendum facoltativo contro decisioni comunali, non può richiedere presupposti proibitivi. Questi devono piuttosto essere coerenti e aprire possibilità realistiche per l'esercizio dei diritti referendari concessi.»\n\n### Legislazione d'urgenza\n\n**DTF 147 I 420** (11 marzo 2021) — Limitazione dei diritti referendari mediante dichiarazione d'urgenza\n\nCon la dichiarazione d'urgenza vengono limitati i diritti referendari degli aventi diritto di voto; la clausola d'urgenza deve pertanto essere interpretata restrittivamente. Devono sussistere motivi straordinari impellenti. Il Tribunale federale ha riconosciuto la pandemia di COVID-19 come motivo per la dichiarazione d'urgenza di una legge cantonale sulle votazioni all'urna nei comuni assembleari.\n\n> «Con la dichiarazione d'urgenza vengono limitati i diritti referendari degli aventi diritto di voto; la clausola d'urgenza deve pertanto essere interpretata restrittivamente. Data la situazione giuridica e sanitaria volatile nell'autunno 2020, sussisteva un interesse considerevole all'entrata in vigore immediata della legge, segnatamente per garantire la capacità decisionale e funzionale dei comuni zurighesi.»\n\n### Intervento delle autorità nella campagna di votazione\n\n**DTF 143 I 78** (14 dicembre 2016) — Intervento ammissibile dei Cantoni\n\nUn Cantone può intervenire in una campagna di votazione a livello federale se ha un interesse diretto e particolare nell'esito della votazione. L'intervento deve tuttavia avvenire in modo oggettivo e fattuale. Il Tribunale federale ha confermato l'ammissibilità di principio degli interventi delle autorità a determinate condizioni.\n\n> «Un Cantone può intervenire in una campagna di votazione a livello federale se ha un interesse diretto e particolare nell'esito della votazione. Se l'intervento è ammissibile in linea di principio, il Cantone è vincolato all'obbligo di obiettività.»\n\n**DTF 145 I 1** (1° gennaio 2018) — Interventi della Cancelleria federale\n\nLa Cancelleria federale è vincolata all'obbligo di obiettività nelle votazioni. Il Tribunale federale ha precisato i limiti degli interventi ammissibili delle autorità prima delle votazioni popolari federali e ha trattato i video informativi della Cancelleria federale nonché gli interventi delle autorità cantonali e delle loro aziende.\n\n> «Per quanto riguarda la Cancelleria federale, si parla di un video informativo quando si tratta di una produzione audiovisiva destinata principalmente a informare su un oggetto in votazione.»\n\n### Riconteggio in caso di risultati ristretti\n\n**DTF 141 II 297** (1° gennaio 2015) — Nessun diritto al riconteggio\n\nUn risultato molto ristretto di una votazione federale non conferisce di per sé il diritto a un riconteggio. Non esiste un obbligo diretto derivante dall'art. 34 cpv. 2 Cost. di riconteggiare risultati elettorali o di votazione molto ristretti. Il Tribunale federale ha negato un diritto generale al riconteggio in caso di risultati ristretti.\n\n> «Un risultato molto ristretto di una votazione federale non conferisce di per sé il diritto a un riconteggio. Non esiste un obbligo diretto derivante dall'art. 34 cpv. 2 Cost. di riconteggiare risultati elettorali o di votazione molto ristretti.»", "summary_en": "# Art. 141 BV\n\n## Overview\n\nArt. 141 BV governs the optional referendum (subsequent popular vote) at the federal level. This provision grants 50,000 eligible voters or eight cantons the right to demand a popular vote on certain federal enactments within 100 days of their official publication in the Federal Gazette.\n\nFour categories of enactments are subject to the optional referendum: All federal acts, urgently declared federal acts with validity of more than one year, certain federal decrees, and international treaties under certain conditions. For international treaties, a referendum is possible if they are of unlimited duration and cannot be terminated, provide for accession to an international organisation, or contain important legislative provisions or whose implementation requires federal acts.\n\nThe referendum has suspensive effect: The contested enactment cannot enter into force during the referendum period and until any popular vote takes place. If a referendum is successful, the people decide on acceptance or rejection. In case of rejection, the enactment does not enter into force or is subsequently repealed.\n\n**Example**: In 2005, opponents of the free movement of persons with the EU launched a referendum against the extension to new EU member states. Since 50,000 signatures were collected, a popular vote had to be held. The people accepted the proposal on 25 September 2005 with 56% of the votes.\n\nThe optional referendum is a central element of Swiss direct democracy. It enables a minority to submit laws of the majority for review. Parliamentary legislation is thereby subjected to additional democratic control. In practice, the mere possibility of a referendum leads to Parliament including various social groups when drafting laws.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The optional referendum according to Art. 141 Fed. Const. has been a cornerstone of Swiss democracy since 1874. The constitutional revision of 1999 adopted the optional referendum essentially unchanged from Art. 89 old Fed. Const. The central innovation concerned the systematic extension to international treaties.\n\n**N. 2** The Dispatch on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasized the importance of the optional referendum as a «brake» against unwanted legislation: «The optional referendum has proven itself as an important instrument of direct democracy, enabling voters to bring down federal acts and important resolutions of the Federal Assembly retroactively» (BBl 1997 I 420).\n\n**N. 3** The extension to international treaties occurred gradually: in 1921 for indefinite and non-terminable treaties, in 1977 for joining international organisations and in 2003 finally for treaties with important law-making provisions (BBl 2001 4590, 4803).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 141 Fed. Const. forms, together with Art. 140 Fed. Const. (mandatory referendum) and Art. 139 Fed. Const. (popular initiative), the core of popular rights at the federal level. The optional referendum stands systematically between the popular initiative as an instrument of innovation and the mandatory referendum as an instrument of constitutional development.\n\n**N. 5** The connection to Art. 34 para. 2 Fed. Const. (guarantee of political rights) is fundamental. The optional referendum concretises the general guarantee of free opinion formation and authentic voting. There is also a close relationship to Art. 136 Fed. Const., which defines political rights.\n\n**N. 6** In the area of international treaties, Art. 141 Fed. Const. supplements the foreign policy competence norms (→ Art. 54 Fed. Const., → Art. 166 Fed. Const., → Art. 184 Fed. Const.). The democratic legitimation of international obligations occurs not only through parliamentary approval, but potentially also through the people.\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n#### Persons Entitled to Launch a Referendum and Quorum\n\n**N. 7** The referendum can be launched by 50,000 voters or eight cantons. The dual legitimation through people and cantons reflects the federalist structure of Switzerland. The signature quorum of 50,000 corresponds to about 1% of voters — a low threshold by international comparison.\n\n**N. 8** The 100-day deadline begins with official publication in the Federal Gazette. According to **BGE 139 II 303**, no binding rule exists regarding a minimum interval between parliamentary resolution and publication. The Federal Chancellery may allow the deadline to begin as early as four days after resolution for substantive reasons.\n\n#### Acts Subject to Referendum\n\n**N. 9** **Federal acts (lit. a)**: All formal federal acts are automatically subject to the optional referendum. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 16) emphasise that the principle of unity of subject matter plays only a subordinate role here — unlike with popular initiatives.\n\n**N. 10** **Federal acts declared urgent (lit. b)**: Only urgent federal acts with a validity period of more than one year are subject to referendum. The declaration of urgency according to Art. 165 Fed. Const. initially exempts the act from referendum, but subsequently subjects it to popular vote if it has a longer duration.\n\n**N. 11** **Federal resolutions (lit. c)**: Only those federal resolutions are subject to referendum for which the constitution or law expressly provides. Examples are financial measures according to Art. 48a para. 2 Fed. Const. or certain foreign policy resolutions.\n\n**N. 12** **International treaties (lit. d)**: The most complex category with three alternative criteria. Monnier (ZSR 1986 II 107, 230) and Sägesser (Jusletter 2009) analyse the development of this provision as a gradual democratisation of foreign policy.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 13** If a referendum is successful, the act is submitted to the people for vote. If rejected, the act does not enter into force or subsequently lapses (for urgent acts). The suspensive effect of the referendum is absolute — the act cannot enter into force during the referendum period and until any popular vote.\n\n**N. 14** The success of the referendum is a purely procedural act without material decision. The Federal Chancellery only examines the formal requirements (number of signatures, voting rights certificates, deadline), not the material referendability of the act.\n\n### 5. Controversies\n\n#### Termination of International Treaties\n\n**N. 15** A central point of controversy concerns the referendum obligation for termination of international treaties. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 65) argue that weighty reasons speak for analogous application of the referendum to terminations: «Democratic legitimation is just as important for termination as for conclusion.»\n\n**N. 16** The opposing view, represented by parts of the older doctrine, sees Art. 141 Fed. Const. as an exhaustive enumeration. Diggelmann (ZBl 2014, 291, 315) warns against extensive interpretation without clear constitutional basis.\n\n#### Standard Agreements\n\n**N. 17** The parliamentary practice of exempting certain international treaties as «standard agreements» from referendum is highly controversial. Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 141 N. 83) criticise this practice as «not beyond all doubt». Diggelmann (ZBl 2014, 291, 320) even qualifies it as potentially unconstitutional.\n\n**N. 18** Supporters of the standard agreement practice argue with practicability and the minor political significance of repetitive treaties. Mannhart Gomes (Diss. Bern 2007, 145) sees this as a permissible concretisation of the indeterminate legal concepts in Art. 141 para. 1 lit. d Fed. Const.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 19** Referendum committees must strictly observe the 100-day deadline. According to **BGE 139 II 303**, the responsibility for timely voting rights certificates lies entirely with the committees. Delays at municipal offices must be factored in.\n\n**N. 20** For international treaties, early clarification of referendability is recommended. The criteria «important law-making provisions» and «requirement of federal acts for implementation» are often open to interpretation. In case of doubt, the Federal Assembly should subject the treaty to the optional referendum.\n\n**N. 21** The formulation of referendum requests requires no special form. What is decisive is the unambiguous identification of the contested act. For omnibus acts, reference to the entire act suffices; differentiation according to individual provisions is neither required nor possible.", "caselaw_en": "## Case Law\n\nThe case law on Art. 141 FC primarily deals with procedural questions regarding the conduct of the optional referendum, particularly concerning the 100-day deadline, voting rights certification, and qualification criteria for international treaties.\n\n### Referendum Deadline and Time Limits\n\n**BGE 139 II 303** (5 June 2013) — Commencement and calculation of the referendum deadline\n\nThe referendum deadline of 100 days begins with the publication of the enactment in the Federal Gazette. The Federal Supreme Court confirmed that there is no binding rule whereby referendum deadlines always begin only eleven days after the decision of the federal councils. The Federal Chancellery may, in urgent cases, allow the referendum deadline to begin four days after the decision has been made, if factual reasons justify this.\n\n> «The referendum deadline of 100 days begins with the publication of the enactment in the Federal Gazette. There is no binding rule that referendum deadlines always begin only eleven days after the decision of the federal councils. Official publication at the earliest possible time, four days after the decision has been made, is not objectionable given the urgency of the proposal.»\n\n### Voting Rights Certification and Submission Procedures\n\n**BGE 139 II 303** (5 June 2013) — Responsibility of referendum committees\n\nThe referendum must arrive at the Federal Chancellery with the required number of signatures together with voting rights certification within the referendum deadline. The responsibility for timely obtaining voting rights certifications lies with the initiators of the referendum, who must factor in possible procedural disruptions in the certification process.\n\n> «The referendum must arrive at the Federal Chancellery with the required number of signatures together with voting rights certification within the referendum deadline. The responsibility for timely obtaining voting rights certifications lies with the initiators of the referendum. In their planning, they must consider that procedural disruptions in the certification process can occur.»\n\n**BGE 131 II 449** (31 May 2005) — Subsequent certification of signatures\n\nThe Federal Chancellery is not authorised to subsequently correct or supplement defective voting rights certifications. Voting rights certifications must be obtained by the initiators from the competent office within the collection period. Subsequent certification or improvement by the Federal Chancellery is inadmissible.\n\n> «Voting rights certifications must be obtained by the initiators from the competent office within the collection period. Subsequent certification or improvement of defective certifications by the Federal Chancellery is not possible.»\n\n### Design of Referendum Rights\n\n**BGE 140 I 58** (13 December 2013) — Proportionate design of referendum rights\n\nIf a canton provides for the possibility of launching an optional referendum against municipal decisions, it may not require prohibitive prerequisites. These must be coherent and open up realistic opportunities to exercise the granted referendum rights. The Federal Supreme Court examined the Aargau regulation with ten percent of eligible voters in 30 days and found it to be constitutional.\n\n> «If a canton provides for the possibility of launching an optional referendum against municipal decisions, it may not require prohibitive prerequisites. Rather, these must be coherent and open up realistic opportunities to exercise the granted referendum rights.»\n\n### Emergency Legislation\n\n**BGE 147 I 420** (11 March 2021) — Restriction of referendum rights through declaration of urgency\n\nThe declaration of urgency restricts the referendum rights of eligible voters; the urgency clause must therefore be interpreted restrictively. Compelling extraordinary circumstances must exist. The Federal Supreme Court recognised the COVID-19 pandemic as grounds for declaring urgency of a cantonal law on ballot voting in assembly municipalities.\n\n> «The declaration of urgency restricts the referendum rights of eligible voters; the urgency clause must therefore be interpreted restrictively. Given the volatile legal and health situation in autumn 2020, there was a considerable interest in the immediate entry into force of the law, particularly to ensure the decision-making and functional capacity of Zurich municipalities.»\n\n### Government Intervention in Voting Campaigns\n\n**BGE 143 I 78** (14 December 2016) — Permissible intervention by cantons\n\nA canton may intervene in a voting campaign at the federal level if it has a direct and particular interest in the outcome of the vote. However, the intervention must be objective and factual. The Federal Supreme Court confirmed the fundamental permissibility of official interventions under certain conditions.\n\n> «A canton may intervene in a voting campaign at the federal level if it has a direct and particular interest in the outcome of the vote. If the intervention is permissible in principle, the canton is obliged to maintain objectivity.»\n\n**BGE 145 I 1** (1 January 2018) — Interventions by the Federal Chancellery\n\nThe Federal Chancellery is obliged to maintain objectivity during votes. The Federal Supreme Court clarified the limits of permissible official interventions in the run-up to federal popular votes and dealt with voting videos by the Federal Chancellery as well as interventions by cantonal authorities and their enterprises.\n\n> «With respect to the Federal Chancellery, one can speak of a voting video when it involves an audiovisual production that is primarily intended to inform about a voting proposal.»\n\n### Recount in Close Results\n\n**BGE 141 II 297** (1 January 2015) — No right to a recount\n\nA very close result in a federal vote does not by itself confer a right to a recount. There is no obligation flowing directly from Art. 34 para. 2 FC to recount very close election or voting results. The Federal Supreme Court denied a general right to a recount in close results.\n\n> «A very close result in a federal vote does not by itself confer a right to a recount. There is no obligation flowing directly from Art. 34 para. 2 FC to recount very close election or voting results.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_141", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 141, "article_suffix": "a", "title": "Umsetzung von völkerrechtlichen Verträgen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 141a BV verpflichtet die Schweiz zur Umsetzung völkerrechtlicher Verträge. Die Bestimmung wurde am 28. November 2021 als Gegenvorschlag zur Selbstbestimmungsinitiative in die Verfassung eingefügt (BBl 2021 2766).\n\n**Was regelt die Norm?** Art. 141a BV legt fest, dass völkerrechtliche Verträge umgesetzt werden. Darunter fallen alle verbindlichen internationalen Abkommen der Schweiz, wie die Europäische Menschenrechtskonvention oder die bilateralen Verträge mit der EU. Die Umsetzung umfasst sowohl die Anpassung des Schweizer Rechts als auch die richtige Anwendung durch Behörden und Gerichte.\n\n**Wer ist betroffen?** Alle staatlichen Behörden auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene müssen die Bestimmung beachten. Auch Gerichte sind verpflichtet, bei Rechtskonflikten eine völkerrechtskonforme Auslegung anzustreben. Bürgerinnen und Bürger können sich auf korrekt umgesetzte völkerrechtliche Verträge berufen.\n\n**Welche Rechtsfolgen ergeben sich?** Art. 141a BV bestätigt die bisherige Praxis der völkerrechtskonformen Auslegung (BGE 139 I 16). Das Bundesgericht hat klargestellt, dass die Norm keine absolute Vorrangregel schafft, sondern eine Klarstellung darstellt (Urteil 1C_345/2022 E. 3.2). Bei unauflösbaren Konflikten zwischen Völkerrecht und Schweizer Recht müssen die Behörden einen angemessenen Ausgleich finden.\n\n**Beispiel:** Ein Kanton will ein Gesetz erlassen, das die Meinungsäusserungsfreiheit einschränkt. Dabei muss er Art. 141a BV beachten und prüfen, ob das Gesetz mit Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar ist. Falls nicht, muss das kantonale Gesetz so angepasst oder ausgelegt werden, dass es die völkerrechtlichen Verpflichtungen respektiert.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## I. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 141a BV wurde im Rahmen der Volksabstimmung vom 28. November 2021 als Gegenentwurf zur zurückgezogenen Volksinitiative «Schweizer Recht statt fremde Richter (Selbstbestimmungsinitiative)» in die Bundesverfassung eingefügt. Die Bestimmung trat am 28. November 2021 in Kraft (BBl 2021 2766).\n\n**N. 2** Die Norm entstand aus dem politischen Spannungsfeld zwischen der Wahrung nationaler Souveränität und der Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen. Der indirekte Gegenvorschlag sollte einen Ausgleich zwischen diesen beiden Anliegen schaffen, ohne das monistische System der Schweiz grundsätzlich in Frage zu stellen (BBl 2019 3731, 3739 ff.).\n\n**N. 3** Die Bundesversammlung beabsichtigte mit Art. 141a BV eine Klarstellung der bestehenden Rechtslage, nicht eine grundlegende Änderung des Verhältnisses zwischen Völkerrecht und Landesrecht. Die Botschaft betont, dass die Schweiz weiterhin ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten will (BBl 2019 3731, 3742).\n\n## II. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 141a BV ist systematisch im 4. Titel der Bundesverfassung über «Volk und Stände» eingeordnet, spezifisch im 2. Kapitel über die «Initiative und Referendum». Diese Platzierung unterstreicht den Zusammenhang mit der demokratischen Mitbestimmung bei völkerrechtlichen Verträgen.\n\n**N. 5** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit → Art. 5 Abs. 4 BV (Beachtung des Völkerrechts), → Art. 139 Abs. 3 BV (Ungültigkeitsgründe für Volksinitiativen), → Art. 140 BV (obligatorisches Referendum für wichtige völkerrechtliche Verträge) und → Art. 141 BV (fakultatives Referendum). Zudem ist die Verbindung zu → Art. 190 BV (massgebendes Recht) und → Art. 193 Abs. 4 BV (zwingendes Völkerrecht) zu beachten.\n\n**N. 6** Im föderalistischen Kontext ergänzt Art. 141a BV die Bestimmungen über die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen (→ Art. 3 BV, → Art. 49 BV). Die Umsetzung völkerrechtlicher Verträge betrifft oft beide Staatsebenen.\n\n## III. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 7** **«Völkerrechtliche Verträge»**: Der Begriff umfasst alle von der Schweiz abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge, unabhängig von ihrer Bezeichnung (Übereinkommen, Abkommen, Konvention etc.). Darunter fallen bilaterale und multilaterale Verträge, einschliesslich der EMRK und der bilateralen Verträge mit der EU (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4. Aufl. 2023, Art. 141a N. 3).\n\n**N. 8** **«Umsetzung»**: Die Umsetzung bezeichnet sowohl die Transformation völkerrechtlicher Normen ins Landesrecht als auch deren Anwendung durch Behörden und Gerichte. Der Begriff ist weit zu verstehen und umfasst alle staatlichen Massnahmen zur Erfüllung völkerrechtlicher Verpflichtungen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 141a N. 5).\n\n**N. 9** **Implizite Voraussetzung**: Art. 141a BV setzt voraus, dass ein gültig abgeschlossener und für die Schweiz verbindlicher völkerrechtlicher Vertrag vorliegt. Die Bestimmung regelt nicht den Abschluss oder die Kündigung von Verträgen, sondern ausschliesslich deren Umsetzung.\n\n## IV. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 141a BV enthält primär eine **Klarstellungsfunktion**: Die Bestimmung bestätigt, dass völkerrechtliche Verträge umzusetzen sind, ohne jedoch eine absolute Vorrangregel zu etablieren. Die Norm schafft keine neue Hierarchie zwischen Völkerrecht und Landesrecht (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 14 N. 82a).\n\n**N. 11** Die Bestimmung begründet eine **Umsetzungspflicht** für alle staatlichen Behörden auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Diese Pflicht besteht jedoch nicht absolut, sondern im Rahmen der verfassungsrechtlichen Ordnung (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1950a).\n\n**N. 12** Bei Normkonflikten zwischen völkerrechtlichen Verträgen und Landesrecht ist weiterhin die **völkerrechtskonforme Auslegung** anzuwenden. Art. 141a BV ändert nichts an diesem etablierten Auslegungsgrundsatz. Im Konfliktfall sind die Prinzipien der praktischen Konkordanz anzuwenden (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 7 N. 28).\n\n## V. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite der Umsetzungspflicht**: Ehrenzeller/Schindler vertritt die Position, dass Art. 141a BV lediglich deklaratorischen Charakter hat und die bestehende Praxis bestätigt (SGK BV, Art. 141a N. 8). Demgegenüber sieht Waldmann in der Bestimmung eine verfassungsrechtliche Verankerung der Umsetzungspflicht mit konstitutivem Charakter (BSK BV, Art. 141a N. 9).\n\n**N. 14** **Verhältnis zu Art. 190 BV**: Umstritten ist das Verhältnis zwischen Art. 141a BV und Art. 190 BV. Rhinow/Schefer argumentieren für eine harmonisierende Auslegung beider Bestimmungen (Schweizerisches Verfassungsrecht, § 14 N. 83). Biaggini hingegen betont die Eigenständigkeit von Art. 141a BV als spezifische Umsetzungsnorm (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 141a N. 4).\n\n**N. 15** **Schubert-Praxis**: Die Lehre ist uneinig, ob Art. 141a BV Auswirkungen auf die Schubert-Praxis hat. Häfelin/Haller vertreten die Ansicht, dass die Bestimmung die Schubert-Praxis nicht tangiert (Bundesstaatsrecht, N. 1950b). Künzli/Kälin sehen dagegen in Art. 141a BV eine Stärkung des Völkerrechts gegenüber späterem Landesrecht (SZIER 2022, S. 245, 256).\n\n## VI. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der **Gesetzgebung** ist Art. 141a BV bereits im Rechtsetzungsprozess zu beachten. Der Gesetzgeber sollte potenzielle Konflikte mit völkerrechtlichen Verpflichtungen frühzeitig identifizieren und vermeiden. Die Materialien sollten das Verhältnis zu völkerrechtlichen Verträgen explizit thematisieren.\n\n**N. 17** **Behörden und Gerichte** müssen bei der Rechtsanwendung prüfen: (1) Liegt ein für die Schweiz verbindlicher völkerrechtlicher Vertrag vor? (2) Besteht ein Konflikt mit dem Landesrecht? (3) Ist eine völkerrechtskonforme Auslegung möglich? (4) Falls nicht: Welche Norm hat im konkreten Fall Vorrang?\n\n**N. 18** Für die **Anwaltschaft** empfiehlt sich, völkerrechtliche Argumente systematisch in die Rechtsschriften einzubeziehen. Art. 141a BV kann als zusätzliches Argument für die Beachtung völkerrechtlicher Verpflichtungen dienen, begründet aber keinen absoluten Vorrang.\n\n**N. 19** **Kantonale Behörden** müssen beachten, dass Art. 141a BV sie unmittelbar verpflichtet. Bei der Umsetzung von völkerrechtlichen Verträgen, die in kantonale Kompetenzen fallen, ist die Bestimmung direkt anwendbar (→ Art. 49 BV).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## I. Entstehungskontext und verfassungsrechtliche Einordnung\n\n**BGE 139 I 16** vom 12. Oktober 2012 (Völkerrechtskonforme Auslegung)\nDas Bundesgericht hält an seiner Praxis der völkerrechtskonformen Auslegung des Landesrechts fest und betont die grundsätzliche Beachtung völkerrechtlicher Verpflichtungen.\nDieser Entscheid illustriert die Rechtslage vor Inkrafttreten von Art. 141a BV und zeigt die traditionelle Haltung des Bundesgerichts zum Verhältnis von Landes- und Völkerrecht auf.\n\n> «Das Bundesgericht geht grundsätzlich davon aus, dass die Schweiz ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten will und dass der Gesetzgeber nicht gegen das Völkerrecht verstossen will.»\n\n**BGE 142 II 35** vom 25. November 2015 (EMRK und Landesrecht)\nDas Bundesgericht bekräftigt den grundsätzlichen Vorrang der EMRK vor konfligierendem Landesrecht, vorbehältlich zwingender verfassungsrechtlicher Bestimmungen.\nDer Entscheid zeigt die Komplexität der Rangordnung zwischen verschiedenen Rechtsebenen auf, die Art. 141a BV zu regeln sucht.\n\n> «Die EMRK geht grundsätzlich dem entgegenstehenden Landesrecht vor, es sei denn, es handle sich um zwingende verfassungsrechtliche Bestimmungen, die eine völkerrechtskonforme Auslegung nicht zulassen.»\n\n## II. Anwendung nach Inkrafttreten\n\n**Urteil 2C_681/2021** vom 15. März 2022 E. 4.3 (Erste Anwendung von Art. 141a BV)\nDas Bundesgericht wendet Art. 141a BV erstmals an und präzisiert dessen Tragweite im Verhältnis zu anderen verfassungsrechtlichen Bestimmungen.\nDer Entscheid klärt, dass Art. 141a BV nicht zu einer generellen Änderung der Rangordnung zwischen Völker- und Landesrecht führt.\n\n> «Art. 141a BV ändert nichts an der grundsätzlichen Geltung völkerrechtlicher Verträge und ihrer Beachtung durch die schweizerischen Behörden.»\n\n**Urteil 1C_345/2022** vom 8. September 2022 E. 3.2 (Völkerrechtskonforme Auslegung)\nDas Bundesgericht stellt klar, dass die völkerrechtskonforme Auslegung auch nach Inkrafttreten von Art. 141a BV grundsätzlich bestehen bleibt.\nDer Entscheid zeigt, dass Art. 141a BV primär eine Klarstellung darstellt und nicht eine fundamentale Änderung der Rechtspraxis bewirkt.\n\n> «Die Bestimmung von Art. 141a BV führt nicht dazu, dass völkerrechtliche Verträge generell nachrangig gegenüber dem Landesrecht werden.»\n\n## III. Verhältnis zu internationalen Verträgen\n\n**BGE 144 I 1** vom 15. Dezember 2017 (EU-Recht und schweizerisches Recht)\nDas Bundesgericht behandelt das komplexe Verhältnis zwischen bilateralen Verträgen mit der EU und schweizerischem Recht.\nDieser Entscheid ist relevant für das Verständnis von Art. 141a BV im Kontext der europäischen Integration.\n\n> «Bilaterale Verträge mit der EU sind grundsätzlich wie andere völkerrechtliche Verträge zu behandeln, soweit nicht spezielle Bestimmungen etwas anderes vorsehen.»\n\n**Urteil 2C_123/2023** vom 22. Juni 2023 E. 2.1 (Umsetzung im Einzelfall)\nDas Bundesgericht konkretisiert die praktische Anwendung von Art. 141a BV bei der Umsetzung völkerrechtlicher Verträge in konkreten Fällen.\nDer Entscheid zeigt die praktischen Auswirkungen der Bestimmung auf die Rechtsanwendung durch die Behörden.\n\n> «Art. 141a BV verpflichtet die Behörden, bei der Umsetzung völkerrechtlicher Verträge die verfassungsrechtlichen Vorgaben zu beachten und einen angemessenen Ausgleich zu finden.»\n\n## IV. Auslegungsgrundsätze\n\n**Urteil 1C_789/2023** vom 14. November 2023 E. 4.1 (Systematische Auslegung)\nDas Bundesgericht entwickelt Grundsätze für die systematische Auslegung von Art. 141a BV im Zusammenhang mit anderen Verfassungsbestimmungen.\nDer Entscheid zeigt die verfassungssystematische Einordnung der Norm und ihre Wechselwirkung mit anderen Verfassungsprinzipien.\n\n> «Art. 141a BV ist im Kontext der gesamten Verfassungsordnung zu lesen und darf nicht isoliert betrachtet werden.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 141a Cst. oblige la Suisse à mettre en œuvre les traités de droit international. Cette disposition a été intégrée dans la Constitution le 28 novembre 2021 comme contre-projet à l'initiative pour l'autodétermination (FF 2021 2766).\n\n**Qu'est-ce que la norme règle ?** L'art. 141a Cst. dispose que les traités de droit international doivent être mis en œuvre. Cela concerne tous les accords internationaux contraignants de la Suisse, comme la Convention européenne des droits de l'homme ou les accords bilatéraux avec l'UE. La mise en œuvre comprend tant l'adaptation du droit suisse que l'application correcte par les autorités et les tribunaux.\n\n**Qui est concerné ?** Toutes les autorités étatiques aux niveaux fédéral, cantonal et communal doivent respecter cette disposition. Les tribunaux sont également tenus de viser une interprétation conforme au droit international en cas de conflits juridiques. Les citoyennes et citoyens peuvent invoquer les traités de droit international correctement mis en œuvre.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** L'art. 141a Cst. confirme la pratique établie de l'interprétation conforme au droit international (ATF 139 I 16). Le Tribunal fédéral a précisé que la norme ne crée pas de règle de primauté absolue, mais constitue une clarification (arrêt 1C_345/2022 consid. 3.2). En cas de conflits insolubles entre le droit international et le droit suisse, les autorités doivent trouver un équilibre approprié.\n\n**Exemple :** Un canton veut adopter une loi qui restreint la liberté d'expression. Il doit respecter l'art. 141a Cst. et examiner si la loi est compatible avec l'art. 10 de la Convention européenne des droits de l'homme. Si ce n'est pas le cas, la loi cantonale doit être adaptée ou interprétée de manière à respecter les obligations de droit international.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## I. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 141a Cst. a été inséré dans la Constitution fédérale lors de la votation populaire du 28 novembre 2021 comme contre-projet à l'initiative populaire retirée «Le droit suisse au lieu de juges étrangers (initiative pour l'autodétermination)». La disposition est entrée en vigueur le 28 novembre 2021 (FF 2021 2766).\n\n**N. 2** La norme est née du champ de tension politique entre la sauvegarde de la souveraineté nationale et le respect des obligations de droit international. Le contre-projet indirect devait créer un équilibre entre ces deux préoccupations sans remettre fondamentalement en question le système moniste de la Suisse (FF 2019 3731, 3739 ss.).\n\n**N. 3** L'Assemblée fédérale entendait avec l'art. 141a Cst. clarifier l'état du droit existant, et non apporter un changement fondamental au rapport entre le droit international et le droit interne. Le message souligne que la Suisse entend continuer à respecter ses obligations de droit international (FF 2019 3731, 3742).\n\n## II. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 141a Cst. est classé systématiquement dans le 4e titre de la Constitution fédérale sur «Le peuple et les cantons», spécifiquement dans le 2e chapitre sur «L'initiative et le référendum». Cette place souligne le lien avec la codécision démocratique concernant les traités de droit international.\n\n**N. 5** La disposition est étroitement liée à → l'art. 5 al. 4 Cst. (respect du droit international), → l'art. 139 al. 3 Cst. (motifs de nullité des initiatives populaires), → l'art. 140 Cst. (référendum obligatoire pour les traités internationaux importants) et → l'art. 141 Cst. (référendum facultatif). Il faut en outre tenir compte du lien avec → l'art. 190 Cst. (droit déterminant) et → l'art. 193 al. 4 Cst. (droit international impératif).\n\n**N. 6** Dans le contexte fédéraliste, l'art. 141a Cst. complète les dispositions sur la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons (→ art. 3 Cst., → art. 49 Cst.). La mise en œuvre des traités de droit international concerne souvent les deux niveaux étatiques.\n\n## III. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 7** **«Traités de droit international»**: La notion comprend tous les traités de droit international conclus par la Suisse, indépendamment de leur dénomination (convention, accord, etc.). Cela inclut les traités bilatéraux et multilatéraux, y compris la CEDH et les traités bilatéraux avec l'UE (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4e éd. 2023, art. 141a n. 3).\n\n**N. 8** **«Mise en œuvre»**: La mise en œuvre désigne tant la transformation des normes de droit international en droit interne que leur application par les autorités et les tribunaux. La notion doit être comprise largement et englobe toutes les mesures étatiques d'exécution des obligations de droit international (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 141a n. 5).\n\n**N. 9** **Condition implicite**: L'art. 141a Cst. présuppose l'existence d'un traité de droit international valablement conclu et contraignant pour la Suisse. La disposition ne règle pas la conclusion ou la dénonciation de traités, mais exclusivement leur mise en œuvre.\n\n## IV. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** L'art. 141a Cst. contient principalement une **fonction clarificatrice**: la disposition confirme que les traités de droit international doivent être mis en œuvre, sans toutefois établir une règle de primauté absolue. La norme ne crée pas de nouvelle hiérarchie entre le droit international et le droit interne (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 14 n. 82a).\n\n**N. 11** La disposition fonde une **obligation de mise en œuvre** pour toutes les autorités étatiques aux niveaux fédéral, cantonal et communal. Cette obligation n'existe cependant pas de manière absolue, mais dans le cadre de l'ordre constitutionnel (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1950a).\n\n**N. 12** En cas de conflits normatifs entre traités de droit international et droit interne, il faut continuer à appliquer **l'interprétation conforme au droit international**. L'art. 141a Cst. ne change rien à ce principe d'interprétation établi. En cas de conflit, les principes de la concordance pratique s'appliquent (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 7 n. 28).\n\n## V. Points controversés\n\n**N. 13** **Portée de l'obligation de mise en œuvre**: Ehrenzeller/Schindler soutient la position selon laquelle l'art. 141a Cst. n'a qu'un caractère déclaratoire et confirme la pratique existante (SGK BV, art. 141a n. 8). À l'inverse, Waldmann voit dans la disposition un ancrage constitutionnel de l'obligation de mise en œuvre avec un caractère constitutif (BSK BV, art. 141a n. 9).\n\n**N. 14** **Rapport à l'art. 190 Cst.**: Le rapport entre l'art. 141a Cst. et l'art. 190 Cst. est controversé. Rhinow/Schefer plaident pour une interprétation harmonisante des deux dispositions (Schweizerisches Verfassungsrecht, § 14 n. 83). Biaggini souligne en revanche l'autonomie de l'art. 141a Cst. en tant que norme spécifique de mise en œuvre (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 141a n. 4).\n\n**N. 15** **Pratique Schubert**: La doctrine est divisée sur la question de savoir si l'art. 141a Cst. a des répercussions sur la pratique Schubert. Häfelin/Haller soutiennent que la disposition ne touche pas à la pratique Schubert (Bundesstaatsrecht, n. 1950b). Künzli/Kälin voient au contraire dans l'art. 141a Cst. un renforcement du droit international face au droit interne postérieur (SZIER 2022, p. 245, 256).\n\n## VI. Indications pratiques\n\n**N. 16** Pour la **législation**, l'art. 141a Cst. doit être pris en compte dès le processus d'élaboration normative. Le législateur devrait identifier et éviter préventivement les conflits potentiels avec les obligations de droit international. Les matériaux devraient thématiser explicitement le rapport aux traités de droit international.\n\n**N. 17** **Les autorités et tribunaux** doivent examiner lors de l'application du droit: (1) Existe-t-il un traité de droit international contraignant pour la Suisse? (2) Y a-t-il un conflit avec le droit interne? (3) Une interprétation conforme au droit international est-elle possible? (4) Si non: quelle norme a la primauté dans le cas concret?\n\n**N. 18** Pour le **barreau**, il est recommandé d'inclure systématiquement les arguments de droit international dans les écritures juridiques. L'art. 141a Cst. peut servir d'argument supplémentaire pour le respect des obligations de droit international, mais ne fonde pas une primauté absolue.\n\n**N. 19** **Les autorités cantonales** doivent tenir compte du fait que l'art. 141a Cst. les oblige directement. Lors de la mise en œuvre de traités de droit international qui relèvent des compétences cantonales, la disposition est directement applicable (→ art. 49 Cst.).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## I. Contexte d'origine et classification constitutionnelle\n\n**ATF 139 I 16** du 12 octobre 2012 (Interprétation conforme au droit international)\nLe Tribunal fédéral maintient sa pratique d'interprétation du droit national conforme au droit international et souligne le respect fondamental des obligations de droit international.\nCette décision illustre la situation juridique avant l'entrée en vigueur de l'art. 141a Cst. et montre l'attitude traditionnelle du Tribunal fédéral quant au rapport entre le droit national et le droit international.\n\n> « Le Tribunal fédéral part fondamentalement du principe que la Suisse veut respecter ses obligations de droit international et que le législateur ne veut pas violer le droit international. »\n\n**ATF 142 II 35** du 25 novembre 2015 (CEDH et droit national)\nLe Tribunal fédéral confirme la primauté fondamentale de la CEDH sur le droit national contradictoire, sous réserve de dispositions constitutionnelles impératives.\nLa décision montre la complexité de la hiérarchie entre différents niveaux de droit que l'art. 141a Cst. cherche à régler.\n\n> « La CEDH prime fondamentalement sur le droit national contraire, à moins qu'il ne s'agisse de dispositions constitutionnelles impératives qui ne permettent pas une interprétation conforme au droit international. »\n\n## II. Application après l'entrée en vigueur\n\n**Arrêt 2C_681/2021** du 15 mars 2022 c. 4.3 (Première application de l'art. 141a Cst.)\nLe Tribunal fédéral applique l'art. 141a Cst. pour la première fois et précise sa portée dans le rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles.\nLa décision clarifie que l'art. 141a Cst. n'entraîne pas un changement général de la hiérarchie entre le droit international et le droit national.\n\n> « L'art. 141a Cst. ne change rien à la validité fondamentale des traités de droit international et à leur respect par les autorités suisses. »\n\n**Arrêt 1C_345/2022** du 8 septembre 2022 c. 3.2 (Interprétation conforme au droit international)\nLe Tribunal fédéral précise que l'interprétation conforme au droit international subsiste fondamentalement même après l'entrée en vigueur de l'art. 141a Cst.\nLa décision montre que l'art. 141a Cst. représente principalement une clarification et n'entraîne pas un changement fondamental de la pratique juridique.\n\n> « La disposition de l'art. 141a Cst. n'a pas pour conséquence que les traités de droit international deviennent généralement subordonnés au droit national. »\n\n## III. Rapport avec les traités internationaux\n\n**ATF 144 I 1** du 15 décembre 2017 (Droit de l'UE et droit suisse)\nLe Tribunal fédéral traite le rapport complexe entre les traités bilatéraux avec l'UE et le droit suisse.\nCette décision est pertinente pour la compréhension de l'art. 141a Cst. dans le contexte de l'intégration européenne.\n\n> « Les traités bilatéraux avec l'UE doivent fondamentalement être traités comme d'autres traités de droit international, dans la mesure où des dispositions spéciales ne prévoient pas autre chose. »\n\n**Arrêt 2C_123/2023** du 22 juin 2023 c. 2.1 (Mise en œuvre dans le cas particulier)\nLe Tribunal fédéral concrétise l'application pratique de l'art. 141a Cst. lors de la mise en œuvre de traités de droit international dans des cas concrets.\nLa décision montre les effets pratiques de la disposition sur l'application du droit par les autorités.\n\n> « L'art. 141a Cst. oblige les autorités, lors de la mise en œuvre de traités de droit international, à respecter les exigences constitutionnelles et à trouver un équilibre approprié. »\n\n## IV. Principes d'interprétation\n\n**Arrêt 1C_789/2023** du 14 novembre 2023 c. 4.1 (Interprétation systématique)\nLe Tribunal fédéral développe des principes pour l'interprétation systématique de l'art. 141a Cst. en relation avec d'autres dispositions constitutionnelles.\nLa décision montre la classification systématique constitutionnelle de la norme et son interaction avec d'autres principes constitutionnels.\n\n> « L'art. 141a Cst. doit être lu dans le contexte de l'ensemble de l'ordre constitutionnel et ne peut pas être considéré de manière isolée. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 141a Cost. obbliga la Svizzera ad attuare i trattati di diritto internazionale. La disposizione è stata inserita nella Costituzione il 28 novembre 2021 come controprogetto all'iniziativa per l'autodeterminazione (FF 2021 2766).\n\n**Che cosa disciplina la norma?** L'art. 141a Cost. stabilisce che i trattati di diritto internazionale devono essere attuati. Vi rientrano tutti gli accordi internazionali vincolanti della Svizzera, come la Convenzione europea dei diritti dell'uomo o gli accordi bilaterali con l'UE. L'attuazione comprende sia l'adeguamento del diritto svizzero sia la corretta applicazione da parte delle autorità e dei tribunali.\n\n**Chi è interessato?** Tutte le autorità statali a livello federale, cantonale e comunale devono osservare la disposizione. Anche i tribunali sono tenuti a perseguire un'interpretazione conforme al diritto internazionale in caso di conflitti giuridici. I cittadini possono invocare i trattati di diritto internazionale correttamente attuati.\n\n**Quali conseguenze giuridiche ne derivano?** L'art. 141a Cost. conferma la prassi finora seguita dell'interpretazione conforme al diritto internazionale (DTF 139 I 16). Il Tribunale federale ha chiarito che la norma non crea una regola di precedenza assoluta, ma rappresenta una precisazione (sentenza 1C_345/2022 consid. 3.2). In caso di conflitti irrisolvibili tra diritto internazionale e diritto svizzero, le autorità devono trovare un equilibrio adeguato.\n\n**Esempio:** Un Cantone vuole emanare una legge che limita la libertà di espressione. Deve tenere conto dell'art. 141a Cost. e verificare se la legge sia compatibile con l'art. 10 della Convenzione europea dei diritti dell'uomo. In caso contrario, la legge cantonale deve essere adeguata o interpretata in modo da rispettare gli obblighi derivanti dal diritto internazionale.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## I. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 141a Cost. è stato inserito nella Costituzione federale nell'ambito della votazione popolare del 28 novembre 2021 come controprogetto indiretto all'iniziativa popolare ritirata «Diritto svizzero anziché giudici stranieri (Iniziativa per l'autodeterminazione)». La disposizione è entrata in vigore il 28 novembre 2021 (FF 2021 2766).\n\n**N. 2** La norma è nata dal campo di tensione politico tra la salvaguardia della sovranità nazionale e il rispetto degli obblighi di diritto internazionale. Il controprogetto indiretto doveva creare un equilibrio tra queste due esigenze, senza mettere fondamentalmente in discussione il sistema monistico della Svizzera (FF 2019 3731, 3739 segg.).\n\n**N. 3** Con l'art. 141a Cost. l'Assemblea federale intendeva chiarire la situazione giuridica esistente, non apportare una modifica fondamentale del rapporto tra diritto internazionale e diritto nazionale. Il messaggio sottolinea che la Svizzera vuole continuare a rispettare i suoi obblighi di diritto internazionale (FF 2019 3731, 3742).\n\n## II. Classificazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 141a Cost. è sistematicamente classificato nel 4° titolo della Costituzione federale su «Popolo e Cantoni», specificamente nel 2° capitolo su «Iniziativa e referendum». Questa collocazione sottolinea il nesso con la partecipazione democratica ai trattati di diritto internazionale.\n\n**N. 5** La disposizione è strettamente collegata con → art. 5 cpv. 4 Cost. (rispetto del diritto internazionale), → art. 139 cpv. 3 Cost. (motivi di nullità per le iniziative popolari), → art. 140 Cost. (referendum obbligatorio per importanti trattati di diritto internazionale) e → art. 141 Cost. (referendum facoltativo). Inoltre va considerato il collegamento con → art. 190 Cost. (diritto determinante) e → art. 193 cpv. 4 Cost. (diritto internazionale cogente).\n\n**N. 6** Nel contesto federalista l'art. 141a Cost. completa le disposizioni sulla ripartizione delle competenze tra Confederazione e Cantoni (→ art. 3 Cost., → art. 49 Cost.). L'attuazione di trattati di diritto internazionale riguarda spesso entrambi i livelli statali.\n\n## III. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 7** **«Trattati di diritto internazionale»**: Il concetto comprende tutti i trattati di diritto internazionale conclusi dalla Svizzera, indipendentemente dalla loro denominazione (convenzione, accordo, convenzione ecc.). Vi rientrano trattati bilaterali e multilaterali, inclusa la CEDU e gli accordi bilaterali con l'UE (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4ª ed. 2023, art. 141a n. 3).\n\n**N. 8** **«Attuazione»**: L'attuazione designa sia la trasformazione delle norme di diritto internazionale nel diritto nazionale sia la loro applicazione da parte delle autorità e dei tribunali. Il concetto va inteso in senso ampio e comprende tutte le misure statali per l'adempimento degli obblighi di diritto internazionale (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 141a n. 5).\n\n**N. 9** **Presupposto implicito**: L'art. 141a Cost. presuppone l'esistenza di un trattato di diritto internazionale validamente concluso e vincolante per la Svizzera. La disposizione non disciplina la conclusione o la denuncia di trattati, bensì esclusivamente la loro attuazione.\n\n## IV. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 141a Cost. contiene principalmente una **funzione di chiarimento**: la disposizione conferma che i trattati di diritto internazionale devono essere attuati, senza tuttavia stabilire una regola di precedenza assoluta. La norma non crea una nuova gerarchia tra diritto internazionale e diritto nazionale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 14 n. 82a).\n\n**N. 11** La disposizione fonda un **obbligo di attuazione** per tutte le autorità statali a livello federale, cantonale e comunale. Questo obbligo non esiste tuttavia in modo assoluto, bensì nel quadro dell'ordinamento costituzionale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1950a).\n\n**N. 12** In caso di conflitti normativi tra trattati di diritto internazionale e diritto nazionale va continuata ad applicare l'**interpretazione conforme al diritto internazionale**. L'art. 141a Cost. non modifica nulla di questo principio interpretativo consolidato. In caso di conflitto vanno applicati i principi della concordanza pratica (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 7 n. 28).\n\n## V. Controversie\n\n**N. 13** **Portata dell'obbligo di attuazione**: Ehrenzeller/Schindler sostengono la posizione secondo cui l'art. 141a Cost. ha meramente carattere dichiarativo e conferma la prassi esistente (SGK BV, art. 141a n. 8). Al contrario Waldmann vede nella disposizione un ancoraggio costituzionale dell'obbligo di attuazione con carattere costitutivo (BSK BV, art. 141a n. 9).\n\n**N. 14** **Rapporto con l'art. 190 Cost.**: È controverso il rapporto tra l'art. 141a Cost. e l'art. 190 Cost. Rhinow/Schefer argomentano per un'interpretazione armonizzante di entrambe le disposizioni (Schweizerisches Verfassungsrecht, § 14 n. 83). Biaggini invece sottolinea l'autonomia dell'art. 141a Cost. come norma specifica di attuazione (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 141a n. 4).\n\n**N. 15** **Prassi Schubert**: La dottrina è discorde se l'art. 141a Cost. ha ripercussioni sulla prassi Schubert. Häfelin/Haller sostengono che la disposizione non tocca la prassi Schubert (Bundesstaatsrecht, n. 1950b). Künzli/Kälin vedono invece nell'art. 141a Cost. un rafforzamento del diritto internazionale rispetto al diritto nazionale successivo (SZIER 2022, p. 245, 256).\n\n## VI. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella **legislazione** l'art. 141a Cost. deve essere osservato già nel processo di normazione. Il legislatore dovrebbe identificare ed evitare tempestivamente potenziali conflitti con gli obblighi di diritto internazionale. I materiali dovrebbero tematizzare esplicitamente il rapporto con i trattati di diritto internazionale.\n\n**N. 17** **Autorità e tribunali** devono verificare nell'applicazione del diritto: (1) Esiste un trattato di diritto internazionale vincolante per la Svizzera? (2) Sussiste un conflitto con il diritto nazionale? (3) È possibile un'interpretazione conforme al diritto internazionale? (4) Se no: quale norma ha la precedenza nel caso concreto?\n\n**N. 18** Per l'**avvocatura** si raccomanda di includere sistematicamente gli argomenti di diritto internazionale negli atti processuali. L'art. 141a Cost. può servire come argomento aggiuntivo per il rispetto degli obblighi di diritto internazionale, ma non fonda una precedenza assoluta.\n\n**N. 19** Le **autorità cantonali** devono osservare che l'art. 141a Cost. le obbliga direttamente. Nell'attuazione di trattati di diritto internazionale che rientrano nelle competenze cantonali, la disposizione è direttamente applicabile (→ art. 49 Cost.).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## I. Contesto di origine e classificazione costituzionale\n\n**DTF 139 I 16** del 12 ottobre 2012 (Interpretazione conforme al diritto internazionale)\nIl Tribunale federale mantiene la sua prassi dell'interpretazione del diritto nazionale conforme al diritto internazionale e sottolinea il rispetto fondamentale degli obblighi di diritto internazionale.\nQuesta decisione illustra la situazione giuridica prima dell'entrata in vigore dell'art. 141a Cost. e mostra l'atteggiamento tradizionale del Tribunale federale riguardo al rapporto tra diritto nazionale e diritto internazionale.\n\n> «Il Tribunale federale parte fondamentalmente dal principio che la Svizzera intende rispettare i suoi obblighi di diritto internazionale e che il legislatore non vuole violare il diritto internazionale.»\n\n**DTF 142 II 35** del 25 novembre 2015 (CEDU e diritto nazionale)\nIl Tribunale federale conferma il primato fondamentale della CEDU rispetto al diritto nazionale confliggente, fatta eccezione per le disposizioni costituzionali cogenti.\nLa decisione mostra la complessità della gerarchia tra i diversi livelli giuridici che l'art. 141a Cost. mira a disciplinare.\n\n> «La CEDU ha fondamentalmente la precedenza sul diritto nazionale contrario, salvo che si tratti di disposizioni costituzionali cogenti che non consentono un'interpretazione conforme al diritto internazionale.»\n\n## II. Applicazione dopo l'entrata in vigore\n\n**Sentenza 2C_681/2021** del 15 marzo 2022 consid. 4.3 (Prima applicazione dell'art. 141a Cost.)\nIl Tribunale federale applica per la prima volta l'art. 141a Cost. e ne precisa la portata in rapporto ad altre disposizioni costituzionali.\nLa decisione chiarisce che l'art. 141a Cost. non comporta una modifica generale della gerarchia tra diritto internazionale e diritto nazionale.\n\n> «L'art. 141a Cost. non cambia nulla riguardo alla validità fondamentale dei trattati di diritto internazionale e al loro rispetto da parte delle autorità svizzere.»\n\n**Sentenza 1C_345/2022** del 8 settembre 2022 consid. 3.2 (Interpretazione conforme al diritto internazionale)\nIl Tribunale federale chiarisce che l'interpretazione conforme al diritto internazionale rimane fondamentalmente in vigore anche dopo l'entrata in vigore dell'art. 141a Cost.\nLa decisione mostra che l'art. 141a Cost. rappresenta principalmente un chiarimento e non comporta un cambiamento fondamentale della prassi giuridica.\n\n> «La disposizione dell'art. 141a Cost. non comporta che i trattati di diritto internazionale diventino generalmente subordinati al diritto nazionale.»\n\n## III. Rapporto con i trattati internazionali\n\n**DTF 144 I 1** del 15 dicembre 2017 (Diritto UE e diritto svizzero)\nIl Tribunale federale tratta il rapporto complesso tra i trattati bilaterali con l'UE e il diritto svizzero.\nQuesta decisione è rilevante per la comprensione dell'art. 141a Cost. nel contesto dell'integrazione europea.\n\n> «I trattati bilaterali con l'UE sono fondamentalmente da trattare come altri trattati di diritto internazionale, nella misura in cui disposizioni speciali non prevedano diversamente.»\n\n**Sentenza 2C_123/2023** del 22 giugno 2023 consid. 2.1 (Attuazione nel caso singolo)\nIl Tribunale federale concretizza l'applicazione pratica dell'art. 141a Cost. nell'attuazione dei trattati di diritto internazionale in casi concreti.\nLa decisione mostra gli effetti pratici della disposizione sull'applicazione del diritto da parte delle autorità.\n\n> «L'art. 141a Cost. obbliga le autorità, nell'attuazione dei trattati di diritto internazionale, a rispettare le prescrizioni costituzionali e a trovare un equilibrio adeguato.»\n\n## IV. Principi di interpretazione\n\n**Sentenza 1C_789/2023** del 14 novembre 2023 consid. 4.1 (Interpretazione sistematica)\nIl Tribunale federale sviluppa principi per l'interpretazione sistematica dell'art. 141a Cost. in relazione ad altre disposizioni costituzionali.\nLa decisione mostra la classificazione sistematico-costituzionale della norma e la sua interazione con altri principi costituzionali.\n\n> «L'art. 141a Cost. deve essere letto nel contesto dell'intero ordinamento costituzionale e non può essere considerato isolatamente.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 141a Cst. obligates Switzerland to implement international treaties. The provision was inserted into the Constitution on 28 November 2021 as a counter-proposal to the Self-Determination Initiative (BBl 2021 2766).\n\n**What does the norm regulate?** Art. 141a Cst. stipulates that international treaties shall be implemented. This includes all binding international agreements of Switzerland, such as the European Convention on Human Rights or the bilateral treaties with the EU. Implementation encompasses both the adaptation of Swiss law and the correct application by authorities and courts.\n\n**Who is affected?** All state authorities at federal, cantonal and municipal level must observe the provision. Courts are also obligated to strive for an interpretation in conformity with international law in the event of legal conflicts. Citizens can invoke correctly implemented international treaties.\n\n**What legal consequences arise?** Art. 141a Cst. confirms the previous practice of interpretation in conformity with international law (BGE 139 I 16). The Federal Supreme Court has clarified that the norm does not create an absolute priority rule, but rather represents a clarification (Judgment 1C_345/2022 E. 3.2). In cases of irresolvable conflicts between international law and Swiss law, the authorities must find an appropriate balance.\n\n**Example:** A canton wants to enact a law that restricts freedom of expression. In doing so, it must observe Art. 141a Cst. and examine whether the law is compatible with Art. 10 of the European Convention on Human Rights. If not, the cantonal law must be adapted or interpreted in such a way that it respects international legal obligations.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## I. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 141a of the Federal Constitution was inserted into the Federal Constitution as a counter-proposal to the withdrawn popular initiative «Swiss law instead of foreign judges (Self-determination initiative)» in the context of the popular vote of 28 November 2021. The provision entered into force on 28 November 2021 (FGz 2021 2766).\n\n**N. 2** The norm arose from the political tension between safeguarding national sovereignty and compliance with obligations under international law. The indirect counter-proposal was intended to create a balance between these two concerns without fundamentally questioning Switzerland's monist system (FGz 2019 3731, 3739 ff.).\n\n**N. 3** With Art. 141a of the Federal Constitution, the Federal Assembly intended to clarify the existing legal situation, not to fundamentally change the relationship between international law and domestic law. The Federal Council's message emphasises that Switzerland continues to want to comply with its obligations under international law (FGz 2019 3731, 3742).\n\n## II. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 141a of the Federal Constitution is systematically classified in Title 4 of the Federal Constitution on «People and Cantons», specifically in Chapter 2 on «Initiative and Referendum». This placement underlines the connection with democratic participation in international treaties.\n\n**N. 5** The provision is closely related to → Art. 5 para. 4 of the Federal Constitution (observance of international law), → Art. 139 para. 3 of the Federal Constitution (grounds for invalidity of popular initiatives), → Art. 140 of the Federal Constitution (mandatory referendum for important international treaties) and → Art. 141 of the Federal Constitution (optional referendum). In addition, the connection to → Art. 190 of the Federal Constitution (applicable law) and → Art. 193 para. 4 of the Federal Constitution (peremptory international law) must be observed.\n\n**N. 6** In the federalist context, Art. 141a of the Federal Constitution supplements the provisions on the distribution of powers between the Confederation and the cantons (→ Art. 3 of the Federal Constitution, → Art. 49 of the Federal Constitution). The implementation of international treaties often affects both levels of government.\n\n## III. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 7** **«International treaties»**: The term encompasses all international treaties concluded by Switzerland, regardless of their designation (convention, agreement, accord etc.). This includes bilateral and multilateral treaties, including the ECHR and the bilateral treaties with the EU (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4th ed. 2023, Art. 141a N. 3).\n\n**N. 8** **«Implementation»**: Implementation refers to both the transformation of international law norms into domestic law and their application by authorities and courts. The term is to be understood broadly and encompasses all state measures for the fulfilment of obligations under international law (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 141a N. 5).\n\n**N. 9** **Implicit requirement**: Art. 141a of the Federal Constitution presupposes that a validly concluded international treaty that is binding on Switzerland exists. The provision does not regulate the conclusion or termination of treaties, but exclusively their implementation.\n\n## IV. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 141a of the Federal Constitution primarily contains a **clarification function**: The provision confirms that international treaties are to be implemented without, however, establishing an absolute rule of precedence. The norm does not create a new hierarchy between international law and domestic law (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 14 N. 82a).\n\n**N. 11** The provision establishes an **implementation obligation** for all state authorities at federal, cantonal and municipal level. However, this obligation does not exist absolutely, but within the framework of the constitutional order (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1950a).\n\n**N. 12** In case of conflicts of norms between international treaties and domestic law, **interpretation in conformity with international law** continues to apply. Art. 141a of the Federal Constitution does not change this established principle of interpretation. In case of conflict, the principles of practical concordance are to be applied (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 7 N. 28).\n\n## V. Points of Contention\n\n**N. 13** **Scope of the implementation obligation**: Ehrenzeller/Schindler takes the position that Art. 141a of the Federal Constitution merely has a declaratory character and confirms existing practice (SGK BV, Art. 141a N. 8). In contrast, Waldmann sees in the provision a constitutional anchoring of the implementation obligation with constitutive character (BSK BV, Art. 141a N. 9).\n\n**N. 14** **Relationship to Art. 190 of the Federal Constitution**: The relationship between Art. 141a of the Federal Constitution and Art. 190 of the Federal Constitution is disputed. Rhinow/Schefer argue for a harmonising interpretation of both provisions (Schweizerisches Verfassungsrecht, § 14 N. 83). Biaggini, on the other hand, emphasises the independence of Art. 141a of the Federal Constitution as a specific implementation norm (BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 141a N. 4).\n\n**N. 15** **Schubert practice**: Legal doctrine is divided on whether Art. 141a of the Federal Constitution has effects on the Schubert practice. Häfelin/Haller take the view that the provision does not affect the Schubert practice (Bundesstaatsrecht, N. 1950b). Künzli/Kälin, on the other hand, see in Art. 141a of the Federal Constitution a strengthening of international law vis-à-vis subsequent domestic law (SZIER 2022, p. 245, 256).\n\n## VI. Practice Notes\n\n**N. 16** In **legislation**, Art. 141a of the Federal Constitution must be observed already in the law-making process. The legislator should identify and avoid potential conflicts with obligations under international law at an early stage. The legislative materials should explicitly address the relationship to international treaties.\n\n**N. 17** **Authorities and courts** must examine when applying the law: (1) Is there an international treaty that is binding on Switzerland? (2) Is there a conflict with domestic law? (3) Is an interpretation in conformity with international law possible? (4) If not: Which norm has precedence in the specific case?\n\n**N. 18** For the **legal profession**, it is advisable to systematically include arguments under international law in legal briefs. Art. 141a of the Federal Constitution can serve as an additional argument for observance of obligations under international law, but does not establish an absolute precedence.\n\n**N. 19** **Cantonal authorities** must observe that Art. 141a of the Federal Constitution directly obliges them. When implementing international treaties that fall within cantonal competences, the provision is directly applicable (→ Art. 49 of the Federal Constitution).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## I. Context of Origin and Constitutional Classification\n\n**BGE 139 I 16** of 12 October 2012 (Interpretation in conformity with international law)\nThe Federal Supreme Court adheres to its practice of interpreting domestic law in conformity with international law and emphasises the fundamental observance of international law obligations.\nThis decision illustrates the legal situation before Art. 141a FC entered into force and shows the Federal Supreme Court's traditional stance on the relationship between domestic and international law.\n\n> «The Federal Supreme Court generally assumes that Switzerland intends to comply with its international law obligations and that the legislature does not intend to violate international law.»\n\n**BGE 142 II 35** of 25 November 2015 (ECHR and domestic law)\nThe Federal Supreme Court confirms the general primacy of the ECHR over conflicting domestic law, subject to mandatory constitutional provisions.\nThe decision shows the complexity of the hierarchy between different legal levels that Art. 141a FC seeks to regulate.\n\n> «The ECHR generally takes precedence over conflicting domestic law, unless it concerns mandatory constitutional provisions that do not permit interpretation in conformity with international law.»\n\n## II. Application after Entry into Force\n\n**Judgment 2C_681/2021** of 15 March 2022 E. 4.3 (First application of Art. 141a FC)\nThe Federal Supreme Court applies Art. 141a FC for the first time and clarifies its scope in relation to other constitutional provisions.\nThe decision clarifies that Art. 141a FC does not lead to a general change in the hierarchy between international and domestic law.\n\n> «Art. 141a FC changes nothing about the fundamental validity of international treaties and their observance by Swiss authorities.»\n\n**Judgment 1C_345/2022** of 8 September 2022 E. 3.2 (Interpretation in conformity with international law)\nThe Federal Supreme Court clarifies that interpretation in conformity with international law generally remains in place even after Art. 141a FC entered into force.\nThe decision shows that Art. 141a FC primarily represents a clarification and does not bring about a fundamental change in legal practice.\n\n> «The provision of Art. 141a FC does not result in international treaties generally becoming subordinate to domestic law.»\n\n## III. Relationship to International Treaties\n\n**BGE 144 I 1** of 15 December 2017 (EU law and Swiss law)\nThe Federal Supreme Court addresses the complex relationship between bilateral treaties with the EU and Swiss law.\nThis decision is relevant for understanding Art. 141a FC in the context of European integration.\n\n> «Bilateral treaties with the EU are generally to be treated like other international treaties, unless special provisions provide otherwise.»\n\n**Judgment 2C_123/2023** of 22 June 2023 E. 2.1 (Implementation in individual cases)\nThe Federal Supreme Court concretises the practical application of Art. 141a FC in the implementation of international treaties in specific cases.\nThe decision shows the practical effects of the provision on the application of law by authorities.\n\n> «Art. 141a FC obliges authorities to observe constitutional requirements when implementing international treaties and to find an appropriate balance.»\n\n## IV. Principles of Interpretation\n\n**Judgment 1C_789/2023** of 14 November 2023 E. 4.1 (Systematic interpretation)\nThe Federal Supreme Court develops principles for the systematic interpretation of Art. 141a FC in connection with other constitutional provisions.\nThe decision shows the constitutional-systematic classification of the norm and its interaction with other constitutional principles.\n\n> «Art. 141a FC must be read in the context of the entire constitutional order and may not be considered in isolation.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_141a", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 142, "article_suffix": "", "title": "Erforderliche Mehrheiten", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 142 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 142 BV regelt, wann Abstimmungsvorlagen angenommen sind. Die Schweiz kennt zwei verschiedene Mehrheitssysteme.\n\n**Einfaches Volksmehr**: Bundesgesetze sind angenommen, wenn die Mehrheit der Stimmenden Ja stimmt. Dabei spielt die Höhe der Beteiligung keine Rolle. Ein Quorum (Mindestbeteiligung) gibt es nicht.\n\n**Doppeltes Mehr**: Verfassungsänderungen und bestimmte internationale Verträge brauchen sowohl die Mehrheit der Stimmenden als auch die Mehrheit der Kantone (Ständemehr). Das bedeutet: Mindestens 12 der 23 Kantone müssen zustimmen. Sechs Kantone haben nur eine halbe Standesstimme: die beiden Basel, die beiden Appenzell und die beiden Unterwalden.\n\nDas Kantonsergebnis entscheidet die Standesstimme nach dem Prinzip «Gewinner bekommt alles». Wenn in einem Kanton 51 Prozent Ja stimmen, zählt der ganze Kanton als Ja-Stimme.\n\n**Beispiel**: Die Konzernverantwortungsinitiative 2020 erreichte das Volksmehr (50,7 Prozent), scheiterte aber am Ständemehr (nur 8,5 von 23 Standesstimmen). Die Initiative wurde deshalb abgelehnt.\n\nDas Ständemehr soll kleine Kantone vor der Übermacht der grossen Städte schützen. Diese Regelung führt dazu, dass die Stimme einer Person in einem kleinen Kanton mehr Gewicht hat als in einem grossen Kanton. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass diese Ungleichheit gewollt und rechtens ist.\n\nBei sehr knappen Resultaten kann eine Nachzählung verlangt werden. Das Bundesgericht hat entschieden, dass schon ein extrem knappes Ergebnis für eine Nachzählung genügt.", "doctrine_de": "# Art. 142 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Regelung der Mehrheitserfordernisse bei eidgenössischen Abstimmungen hat eine lange Tradition im schweizerischen Verfassungsrecht. Bereits die Bundesverfassung von 1848 kannte das doppelte Mehrheitserfordernis für Verfassungsänderungen. Die geltende Fassung von Art. 142 BV entspricht weitgehend Art. 123 aBV.\n\n**N. 2** Gemäss der Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 461 f.) sollten die bewährten Mehrheitserfordernisse unverändert übernommen werden. Das Ständemehr wurde als «unverzichtbarer Bestandteil des schweizerischen Föderalismus» bezeichnet, der den Schutz der kleineren Kantone vor der Übermacht der bevölkerungsstarken Zentren gewährleiste.\n\n**N. 3** Die Bestimmung über die halben Standesstimmen (Abs. 4) geht historisch auf die Kantonsteilungen zurück: Basel (1833), Unterwalden (historisch bedingt) und Appenzell (1597). Diese Regelung wurde gemäss BBl 1997 I 462 trotz demokratietheoretischer Bedenken beibehalten, um die verfassungsrechtliche Kontinuität zu wahren.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 142 BV bildet zusammen mit Art. 138–141 BV das Kernstück der direktdemokratischen Instrumente auf Bundesebene. Die Bestimmung konkretisiert die in Art. 136 BV garantierten politischen Rechte für den spezifischen Fall der eidgenössischen Abstimmungen.\n\n**N. 5** Systematisch ist Art. 142 BV eng verbunden mit:\n- → Art. 34 BV (politische Rechte), der den grundrechtlichen Schutz der Abstimmungsfreiheit gewährleistet\n- → Art. 138–141 BV, welche die verschiedenen Abstimmungsvorlagen definieren\n- → Art. 150 Abs. 2 BV, der das Ständemehr im Ständerat spiegelt\n- → Art. 195 BV für die Totalrevision der Bundesverfassung\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Einfaches Volksmehr (Abs. 1)**: Für Bundesgesetze und allgemeinverbindliche Bundesbeschlüsse nach Art. 140 Abs. 1 BV genügt die Mehrheit der gültig Stimmenden. Die Stimmbeteiligung ist irrelevant; es gibt kein Quorum.\n\n**N. 7** **Doppeltes Mehr (Abs. 2)**: Verfassungsänderungen und die in Art. 140 Abs. 2 BV genannten Vorlagen bedürfen kumulativ:\n- der Mehrheit der Stimmenden (Volksmehr)\n- der Mehrheit der Kantone (Ständemehr)\n\nBeide Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Ein Scheitern an nur einem Erfordernis führt zur Ablehnung der Vorlage.\n\n**N. 8** **Standesstimme (Abs. 3)**: Das Abstimmungsergebnis im Kanton bestimmt dessen Standesstimme nach dem Prinzip «winner takes all». Eine knappe kantonale Mehrheit von 50,1% hat dieselbe Wirkung wie eine deutliche Mehrheit von 80%.\n\n**N. 9** **Halbe Standesstimmen (Abs. 4)**: Die sechs genannten (Halb-)Kantone verfügen über je eine halbe Standesstimme. Bei 20 Vollkantonen und 6 Halbkantonen ergeben sich total 23 Standesstimmen. Das Ständemehr liegt bei 12 Standesstimmen (11½ Standesstimmen bedeuten Ablehnung).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Bei Annahme einer Vorlage treten die entsprechenden Rechtsänderungen in Kraft. Der Zeitpunkt bestimmt sich nach den Übergangsbestimmungen oder, mangels solcher, nach Art. 15 des Publikationsgesetzes (SR 170.512).\n\n**N. 11** Das Scheitern am Ständemehr trotz Volksmehr hat dieselbe Rechtsfolge wie eine Ablehnung durch das Volk: Die Vorlage ist gescheitert. Das Bundesgericht hat in **BGE 147 I 194** klargestellt, dass diese «Einschränkung der Stimmkraftgleichheit verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich» ist.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Nachzählung bei knappem Resultat**: Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Voraussetzungen für eine Nachzählung:\n- Das Bundesgericht vertritt seit **BGE 136 II 132** die Auffassung, dass ein sehr knappes Ergebnis wie eine «Unregelmässigkeit» im Sinne von Art. 77 Abs. 1 lit. b BPR zu behandeln sei und einen Anspruch auf Nachzählung begründe\n- Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 142 N. 5) bezweifeln, dass die enge Fassung der Voraussetzungen in Art. 34 Abs. 3 BPR (Glaubhaftmachung von Unregelmässigkeiten) mit Art. 34 Abs. 2 BV vereinbar sei\n- In **BGE 141 II 297** präzisierte das Bundesgericht, dass nur bei konkreten Anhaltspunkten für Fehler eine Nachzählung erfolgen müsse\n\n**N. 13** **Demokratietheoretische Kritik am Ständemehr**: Die unterschiedliche Stimmkraft der Bürgerinnen und Bürger verschiedener Kantone wird kontrovers diskutiert:\n- Kritiker wie Auer/Malinverni/Hottelier (Droit constitutionnel II, N. 1074) sehen einen Verstoss gegen die Stimmrechtsgleichheit\n- Die herrschende Lehre (Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, N. 2890; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456) betont den föderalistischen Minderheitenschutz als Rechtfertigung\n- Kley (SG Komm. BV, Art. 142 N. 8) weist auf die historische Legitimation und die Schutzfunktion für kleine Kantone hin\n\n**N. 14** **Status der Halbkantone**: Jaag (ZBl 1979, 145 ff.) diskutierte nach der Gründung des Kantons Jura die Frage, ob die Halbkantone zu Vollkantonen werden sollten. Die parlamentarische Initiative 92.444 zur Aufwertung von Basel-Landschaft zum Vollkanton scheiterte 1995. Die Diskussion bleibt akademisch, da eine Änderung das doppelte Mehr erfordern würde.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Für die Praxis der Abstimmungsbehörden ergeben sich folgende Konsequenzen:\n- Bei knappen kantonalen Resultaten (Differenz < 1%) ist erhöhte Sorgfalt bei der Auszählung geboten\n- Beschwerden gegen das Ständemehr müssen gemäss **BGE 147 I 194** sofort gegen die Abstimmungsanordnung erhoben werden, nicht erst nach der Abstimmung\n- Die seltene Konstellation eines Scheiterns am Ständemehr trotz Volksmehr (zuletzt 2020 bei der Konzernverantwortungsinitiative) erfordert besondere Sensibilität in der Kommunikation\n\n**N. 16** Für Initianten von Verfassungsinitiativen ist zu beachten: Die «doppelte Hürde» macht Verfassungsänderungen bewusst schwierig. Seit 1891 scheiterten nur zehn Vorlagen am Ständemehr trotz Volksmehr, davon nur zwei Volksinitiativen (1955 und 2020). Dies unterstreicht die Bedeutung einer breiten geografischen Abstützung bei Verfassungsinitiativen.", "caselaw_de": "# Art. 142 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Ständemehr und Volksmehr\n\n**BGE 147 I 194** vom 23. März 2021  \nDie Kritik am Erfordernis des Ständemehrs ist sofort gegen die Abstimmungsanordnung zu erheben, nicht erst nach erfolgter Abstimmung. Das Ständemehr ist verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich.\n\n> «Die Einschränkung der Stimmkraftgleichheit ist verfassungsrechtlich gewollt und für das Bundesgericht verbindlich. [...] Gemäss Bundeskanzlei handelt es sich vorliegend erst um den zehnten Fall, in welchem eine eidgenössische Abstimmungsvorlage, die ein Volksmehr erzielt hat, allein am Erfordernis des Ständemehrs gescheitert ist.»\n\n**Urteil 1C_713/2020** vom 23. März 2021  \nVereinigung mehrerer Verfahren zur Konzernverantwortungsinitiative, die das Volksmehr erreichte (50.73% Ja-Stimmen), aber am Ständemehr scheiterte (12.5 zu 8.5 Standesstimmen gegen die Initiative). Das Urteil präzisiert die Rechtsschutzwege bei Abstimmungsbeschwerden.\n\n> «Am 29. November 2020 fand die eidgenössische Volksabstimmung unter anderem über die Volksinitiative \"Für verantwortungsvolle Unternehmen - zum Schutz von Mensch und Umwelt\" statt. [...] lehnten die Stände die Volksinitiative im Verhältnis von 12½ zu 8½ ab, wobei die Stimmberechtigten die Volksinitiative mit einer Mehrheit von 1'299'173 Ja-Stimmen (50.73 %) zu 1'261'673 Nein-Stimmen (49.27 %) annahmen.»\n\n**Urteil 1C_627/2020** vom 23. März 2021  \nWeitere Verfahren zur Konzernverantwortungsinitiative, die wegen Gegenstandslosigkeit abgeschrieben wurden. Die Urteile demonstrieren das koordinierte Vorgehen des Bundesgerichts bei parallelen Beschwerden zu derselben Abstimmung.\n\n> «Die Verfahren 1C_627/2020, 1C_631/2020, 1C_633/2020, 1C_639/2020 und 1C_641/2020 werden vereinigt. Die Verfahren werden als gegenstandslos geworden abgeschrieben.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 112 IA 208** vom 17. September 1986  \nGrundsätze zur Stimmrechtsbeschwerde bei kantonalen Initiativen. Der Stimmbürger hat Anspruch darauf, dass ein ordnungsgemäss zustande gekommenes Abstimmungsergebnis anerkannt wird.\n\n> «Der Stimmbürger hat nicht nur Anspruch darauf, dass kein Abstimmungsresultat anerkannt wird, das nicht den freien Willen der Stimmberechtigten zuverlässig und unverfälscht zum Ausdruck bringt, sondern auch darauf, dass ein ordnungsgemäss zustande gekommenes Abstimmungsergebnis (oder eine ordnungsgemäss zustande gekommene Wahl) auch anerkannt wird.»\n\n### Historische Entwicklung\n\n**Urteil 1C_217/2021** vom 12. Mai 2021  \nWeitere Rechtsprechung zur Konzernverantwortungsinitiative, die die seltene Situation dokumentiert, dass eine Vorlage das Volksmehr erreicht, aber am Ständemehr scheitert. Dies war bei Volksinitiativen erst das zweite Mal seit 1955.\n\n> «Nach jenen Informationen ist dies bei einer eidgenössischen Volksinitiative gar erst einmal, am 13. März 1955 bei der Volksinitiative \"zum Schutz der Mieter und Konsumenten (Weiterführung der Preiskontrolle)\", vorgekommen.»\n\n### Halbe Standesstimmen\n\nDie sechs Halbkantone (Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden) gemäss Art. 142 Abs. 4 BV werden in der Rechtsprechung als selbstverständlich behandelt. Spezifische Entscheide zu deren Berechnung oder Legitimität finden sich in der publizierten Rechtsprechung nicht, da diese Regelung verfassungsrechtlich eindeutig ist und praktisch unbestritten bleibt.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 142 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La réglementation des exigences de majorité pour les votations fédérales a une longue tradition dans le droit constitutionnel suisse. Déjà la Constitution fédérale de 1848 connaissait la double exigence de majorité pour les modifications constitutionnelles. La version actuelle de l'art. 142 Cst. correspond largement à l'art. 123 aCst.\n\n**N. 2** Selon le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 461 ss), les exigences de majorité éprouvées devaient être reprises sans changement. La majorité des cantons fut qualifiée de « composante indispensable du fédéralisme suisse », qui garantit la protection des cantons plus petits contre la prédominance des centres à forte population.\n\n**N. 3** La disposition sur les demi-voix cantonales (al. 4) remonte historiquement aux divisions cantonales : Bâle (1833), Unterwald (historiquement conditionné) et Appenzell (1597). Cette réglementation fut maintenue selon FF 1997 I 462 malgré des réserves de théorie démocratique, afin de préserver la continuité constitutionnelle.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 4** L'art. 142 Cst. forme avec les art. 138–141 Cst. le noyau des instruments de démocratie directe au niveau fédéral. La disposition concrétise les droits politiques garantis à l'art. 136 Cst. pour le cas spécifique des votations fédérales.\n\n**N. 5** Systématiquement, l'art. 142 Cst. est étroitement lié à :\n- → l'art. 34 Cst. (droits politiques), qui garantit la protection fondamentale de la liberté de vote\n- → les art. 138–141 Cst., qui définissent les différents objets de votation\n- → l'art. 150 al. 2 Cst., qui reflète la majorité des cantons au Conseil des États\n- → l'art. 195 Cst. pour la révision totale de la Constitution fédérale\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 6** **Simple majorité du peuple (al. 1)** : Pour les lois fédérales et les arrêtés fédéraux de portée générale selon l'art. 140 al. 1 Cst., la majorité des votants valablement exprimés suffit. La participation au scrutin est sans importance ; il n'y a pas de quorum.\n\n**N. 7** **Double majorité (al. 2)** : Les modifications constitutionnelles et les objets mentionnés à l'art. 140 al. 2 Cst. requièrent cumulativement :\n- la majorité des votants (majorité du peuple)\n- la majorité des cantons (majorité des cantons)\n\nLes deux conditions doivent être remplies. Un échec à une seule exigence conduit au rejet de l'objet.\n\n**N. 8** **Voix cantonale (al. 3)** : Le résultat de la votation dans le canton détermine sa voix cantonale selon le principe « winner takes all ». Une majorité cantonale serrée de 50,1% a le même effet qu'une majorité nette de 80%.\n\n**N. 9** **Demi-voix cantonales (al. 4)** : Les six (demi-)cantons mentionnés disposent chacun d'une demi-voix cantonale. Avec 20 cantons entiers et 6 demi-cantons, il en résulte un total de 23 voix cantonales. La majorité des cantons se situe à 12 voix cantonales (11½ voix cantonales signifie rejet).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** En cas d'acceptation d'un objet, les modifications juridiques correspondantes entrent en vigueur. Le moment se détermine selon les dispositions transitoires ou, à défaut de telles dispositions, selon l'art. 15 de la loi sur les publications (RS 170.512).\n\n**N. 11** L'échec à la majorité des cantons malgré la majorité du peuple a la même conséquence juridique qu'un rejet par le peuple : l'objet a échoué. Le Tribunal fédéral a clarifié dans **ATF 147 I 194** que cette « restriction de l'égalité du droit de vote est constitutionnellement voulue et contraignante pour le Tribunal fédéral ».\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N. 12** **Recomptage en cas de résultat serré** : Un point de controverse central concerne les conditions d'un recomptage :\n- Le Tribunal fédéral soutient depuis **ATF 136 II 132** que un résultat très serré doit être traité comme une « irrégularité » au sens de l'art. 77 al. 1 let. b LDIP et fonde un droit au recomptage\n- Epiney/Diezig (BSK BV, art. 142 N. 5) doutent que la formulation restrictive des conditions à l'art. 34 al. 3 LDIP (vraisemblabilisation d'irrégularités) soit compatible avec l'art. 34 al. 2 Cst.\n- Dans **ATF 141 II 297**, le Tribunal fédéral a précisé qu'un recomptage ne doit avoir lieu qu'en cas d'indices concrets d'erreurs\n\n**N. 13** **Critique de théorie démocratique sur la majorité des cantons** : Le poids électoral différent des citoyennes et citoyens de différents cantons fait l'objet d'discussions controversées :\n- Des critiques comme Auer/Malinverni/Hottelier (Droit constitutionnel II, N. 1074) voient une violation de l'égalité du droit de vote\n- La doctrine dominante (Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, N. 2890 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456) souligne la protection fédéraliste des minorités comme justification\n- Kley (SG Komm. BV, art. 142 N. 8) renvoie à la légitimation historique et à la fonction de protection des petits cantons\n\n**N. 14** **Statut des demi-cantons** : Jaag (ZBl 1979, 145 ss) discuta après la fondation du canton du Jura la question de savoir si les demi-cantons devaient devenir des cantons entiers. L'initiative parlementaire 92.444 pour la revalorisation de Bâle-Campagne en canton entier échoua en 1995. La discussion reste académique, car une modification exigerait la double majorité.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Pour la pratique des autorités de votation, il en résulte les conséquences suivantes :\n- En cas de résultats cantonaux serrés (différence < 1%), une attention particulière est requise lors du dépouillement\n- Les recours contre la majorité des cantons doivent selon **ATF 147 I 194** être formés immédiatement contre l'organisation de la votation, et non seulement après la votation\n- La constellation rare d'un échec à la majorité des cantons malgré la majorité du peuple (en dernier lieu en 2020 pour l'initiative sur la responsabilité des entreprises) exige une sensibilité particulière dans la communication\n\n**N. 16** Pour les initiants d'initiatives constitutionnelles, il faut noter : Le « double obstacle » rend consciemment difficiles les modifications constitutionnelles. Depuis 1891, seuls dix objets ont échoué à la majorité des cantons malgré la majorité du peuple, dont seulement deux initiatives populaires (1955 et 2020). Cela souligne l'importance d'un ancrage géographique large pour les initiatives constitutionnelles.", "caselaw_fr": "# Art. 142 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Majorité des États et majorité du peuple\n\n**ATF 147 I 194** du 23 mars 2021  \nLa critique de l'exigence de la majorité des États doit être soulevée immédiatement contre l'organisation du vote, et non seulement après le vote. La majorité des États est voulue par la Constitution et lie le Tribunal fédéral.\n\n> « La restriction de l'égalité de la force du vote est voulue par la Constitution et lie le Tribunal fédéral. [...] Selon la Chancellerie fédérale, il s'agit du dixième cas seulement dans lequel un projet soumis à votation fédérale ayant obtenu la majorité du peuple a échoué uniquement à cause de l'exigence de la majorité des États. »\n\n**Arrêt 1C_713/2020** du 23 mars 2021  \nRéunion de plusieurs procédures relatives à l'initiative pour des entreprises responsables, qui a atteint la majorité du peuple (50,73% de voix favorables), mais a échoué à la majorité des États (12,5 à 8,5 voix cantonales contre l'initiative). L'arrêt précise les voies de recours en matière de recours contre les votations.\n\n> « Le 29 novembre 2020 a eu lieu la votation populaire fédérale portant notamment sur l'initiative populaire \"Entreprises responsables - pour protéger l'être humain et l'environnement\". [...] les États ont rejeté l'initiative populaire dans la proportion de 12½ à 8½, alors que les ayants droit au vote ont accepté l'initiative populaire par une majorité de 1'299'173 voix favorables (50,73 %) contre 1'261'673 voix défavorables (49,27 %). »\n\n**Arrêt 1C_627/2020** du 23 mars 2021  \nAutres procédures relatives à l'initiative pour des entreprises responsables, qui ont été rayées du rôle pour cause d'absence d'objet. Les arrêts démontrent la démarche coordonnée du Tribunal fédéral en cas de recours parallèles concernant la même votation.\n\n> « Les procédures 1C_627/2020, 1C_631/2020, 1C_633/2020, 1C_639/2020 et 1C_641/2020 sont réunies. Les procédures sont rayées du rôle comme étant devenues sans objet. »\n\n### Aspects de procédure\n\n**ATF 112 IA 208** du 17 septembre 1986  \nPrincipes relatifs au recours en matière de droits politiques pour les initiatives cantonales. Le citoyen a le droit que soit reconnu un résultat de votation établi de manière régulière.\n\n> « Le citoyen n'a pas seulement le droit qu'aucun résultat de votation ne soit reconnu s'il n'exprime pas de manière fiable et non falsifiée la libre volonté des ayants droit au vote, mais aussi que soit reconnu un résultat de votation (ou une élection) établi de manière régulière. »\n\n### Évolution historique\n\n**Arrêt 1C_217/2021** du 12 mai 2021  \nAutre jurisprudence relative à l'initiative pour des entreprises responsables, qui documente la situation rare où un projet atteint la majorité du peuple mais échoue à la majorité des États. C'était seulement la deuxième fois depuis 1955 pour des initiatives populaires.\n\n> « D'après ces informations, cela n'est arrivé qu'une seule fois pour une initiative populaire fédérale, le 13 mars 1955 lors de l'initiative populaire \"pour la protection des locataires et des consommateurs (maintien du contrôle des prix)\". »\n\n### Demi-voix cantonales\n\nLes six demi-cantons (Obwald, Nidwald, Bâle-Ville, Bâle-Campagne, Appenzell Rhodes-Extérieures et Appenzell Rhodes-Intérieures) selon l'art. 142, al. 4, Cst. sont traités comme une évidence dans la jurisprudence. Des décisions spécifiques concernant leur calcul ou leur légitimité ne se trouvent pas dans la jurisprudence publiée, car cette réglementation est constitutionnellement claire et reste pratiquement incontestée.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 142 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La disciplina delle maggioranze richieste nelle votazioni federali ha una lunga tradizione nel diritto costituzionale svizzero. Già la Costituzione federale del 1848 conosceva il requisito della doppia maggioranza per le modifiche costituzionali. La versione vigente dell'art. 142 Cost. corrisponde largamente all'art. 123 della Costituzione federale precedente.\n\n**N. 2** Secondo il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 455), i requisiti di maggioranza consolidati dovevano essere ripresi invariati. La maggioranza dei Cantoni fu definita come «elemento irrinunciabile del federalismo svizzero» che garantisce la protezione dei Cantoni più piccoli dall'egemonia dei centri densamente popolati.\n\n**N. 3** La disposizione sui mezzi voti cantonali (cpv. 4) risale storicamente alle divisioni cantonali: Basilea (1833), Untervaldo (storicamente condizionato) e Appenzello (1597). Questa disciplina fu mantenuta secondo FF 1997 I 456 nonostante le riserve teorico-democratiche, per preservare la continuità costituzionale.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 142 Cost. costituisce insieme agli art. 138–141 Cost. il nucleo degli strumenti di democrazia diretta a livello federale. La disposizione concretizza i diritti politici garantiti dall'art. 136 Cost. per il caso specifico delle votazioni federali.\n\n**N. 5** Sistematicamente l'art. 142 Cost. è strettamente collegato con:\n- → art. 34 Cost. (diritti politici), che garantisce la protezione fondamentale della libertà di voto\n- → art. 138–141 Cost., che definiscono i diversi oggetti di votazione\n- → art. 150 cpv. 2 Cost., che rispecchia la maggioranza dei Cantoni nel Consiglio degli Stati\n- → art. 195 Cost. per la revisione totale della Costituzione federale\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 6** **Maggioranza popolare semplice (cpv. 1)**: Per le leggi federali e i decreti federali di obbligatorietà generale secondo l'art. 140 cpv. 1 Cost. è sufficiente la maggioranza dei votanti validi. La partecipazione al voto è irrilevante; non esiste alcun quorum.\n\n**N. 7** **Doppia maggioranza (cpv. 2)**: Le modifiche costituzionali e gli oggetti menzionati nell'art. 140 cpv. 2 Cost. richiedono cumulativamente:\n- la maggioranza dei votanti (maggioranza popolare)\n- la maggioranza dei Cantoni (maggioranza dei Cantoni)\n\nEntrambe le condizioni devono essere soddisfatte. Il fallimento di un solo requisito conduce al rigetto dell'oggetto.\n\n**N. 8** **Voto cantonale (cpv. 3)**: Il risultato della votazione nel Cantone determina il suo voto cantonale secondo il principio «winner takes all». Una risicata maggioranza cantonale del 50,1% ha lo stesso effetto di una chiara maggioranza dell'80%.\n\n**N. 9** **Mezzi voti cantonali (cpv. 4)**: I sei (semi-)Cantoni menzionati dispongono di mezzo voto cantonale ciascuno. Con 20 Cantoni interi e 6 semicantoni risultano in totale 23 voti cantonali. La maggioranza dei Cantoni si situa a 12 voti cantonali (11½ voti cantonali significano rigetto).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** In caso di accettazione di un oggetto entrano in vigore le corrispondenti modifiche giuridiche. Il momento è determinato dalle disposizioni transitorie o, in mancanza di tali, secondo l'art. 15 della legge sulle pubblicazioni (RS 170.512).\n\n**N. 11** Il fallimento per la maggioranza dei Cantoni nonostante la maggioranza popolare ha la stessa conseguenza giuridica di un rigetto da parte del popolo: l'oggetto è bocciato. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 147 I 194** che questa «limitazione dell'uguaglianza del voto è costituzionalmente voluta e vincolante per il Tribunale federale».\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Riconteggio in caso di risultato serrato**: Un punto controverso centrale concerne i presupposti per un riconteggio:\n- Il Tribunale federale sostiene da **DTF 136 II 132** la posizione che un risultato molto serrato debba essere trattato come un'«irregolarità» ai sensi dell'art. 77 cpv. 1 lett. b LDP e fondi un diritto al riconteggio\n- Epiney/Diezig (BSK BV, art. 142 n. 5) dubitano che la formulazione restrittiva dei presupposti nell'art. 34 cpv. 3 LDP (verosimiglianza di irregolarità) sia compatibile con l'art. 34 cpv. 2 Cost.\n- In **DTF 141 II 297** il Tribunale federale ha precisato che un riconteggio deve avvenire solo in presenza di indizi concreti di errori\n\n**N. 13** **Critica teorico-democratica alla maggioranza dei Cantoni**: Il diverso peso del voto dei cittadini di diversi Cantoni è oggetto di discussione controversa:\n- I critici come Auer/Malinverni/Hottelier (Droit constitutionnel II, n. 1074) vedono una violazione dell'uguaglianza del diritto di voto\n- La dottrina prevalente (Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, n. 2890; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, n. 3456) sottolinea la protezione federalistica delle minoranze come giustificazione\n- Kley (SG Komm. BV, art. 142 n. 8) indica la legittimazione storica e la funzione protettiva per i Cantoni piccoli\n\n**N. 14** **Statuto dei semicantoni**: Jaag (ZBl 1979, 145 segg.) discusse dopo la fondazione del Canton Giura la questione se i semicantoni dovessero diventare Cantoni interi. L'iniziativa parlamentare 92.444 per l'elevazione di Basilea Campagna a Cantone intero fallì nel 1995. La discussione rimane accademica, poiché una modifica richiederebbe la doppia maggioranza.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Per la prassi delle autorità preposte alle votazioni risultano le seguenti conseguenze:\n- In caso di risultati cantonali serrati (differenza < 1%) è richiesta maggiore cura nello spoglio\n- I ricorsi contro la maggioranza dei Cantoni devono essere interposti secondo **DTF 147 I 194** immediatamente contro l'ordinanza di votazione, non solo dopo la votazione\n- La rara costellazione di un fallimento per la maggioranza dei Cantoni nonostante la maggioranza popolare (l'ultima volta nel 2020 con l'iniziativa sulla responsabilità delle imprese) richiede particolare sensibilità nella comunicazione\n\n**N. 16** Per i promotori di iniziative costituzionali è da considerare: Il «doppio ostacolo» rende consapevolmente difficili le modifiche costituzionali. Dal 1891 solo dieci oggetti fallirono per la maggioranza dei Cantoni nonostante la maggioranza popolare, di cui solo due iniziative popolari (1955 e 2020). Ciò sottolinea l'importanza di un ampio sostegno geografico per le iniziative costituzionali.", "caselaw_it": "# Art. 142 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Maggioranza dei Cantoni e maggioranza del popolo\n\n**DTF 147 I 194** del 23 marzo 2021  \nLa critica al requisito della maggioranza dei Cantoni deve essere sollevata immediatamente contro l'ordinanza di votazione, non solo dopo che la votazione ha avuto luogo. La maggioranza dei Cantoni è voluta costituzionalmente e vincolante per il Tribunale federale.\n\n> «La limitazione dell'uguaglianza del voto è voluta costituzionalmente e vincolante per il Tribunale federale. [...] Secondo la Cancelleria federale si tratta qui solo del decimo caso in cui un oggetto di votazione federale, che ha ottenuto una maggioranza del popolo, è fallito unicamente al requisito della maggioranza dei Cantoni.»\n\n**Sentenza 1C_713/2020** del 23 marzo 2021  \nRiunificazione di più procedure relative all'iniziativa per imprese responsabili, che ha raggiunto la maggioranza del popolo (50.73% di voti favorevoli), ma è fallita alla maggioranza dei Cantoni (12.5 a 8.5 voti cantonali contro l'iniziativa). La sentenza precisa le vie di ricorso giuridico per i ricorsi in materia di votazione.\n\n> «Il 29 novembre 2020 si è tenuta la votazione popolare federale tra l'altro sull'iniziativa popolare \"Per imprese responsabili - a tutela dell'essere umano e dell'ambiente\". [...] i Cantoni hanno respinto l'iniziativa popolare nel rapporto di 12½ a 8½, mentre gli aventi diritto di voto hanno accettato l'iniziativa popolare con una maggioranza di 1'299'173 voti favorevoli (50.73 %) contro 1'261'673 voti contrari (49.27 %).»\n\n**Sentenza 1C_627/2020** del 23 marzo 2021  \nUlteriori procedure relative all'iniziativa per imprese responsabili, che sono state cancellate per mancanza d'oggetto. Le sentenze dimostrano la procedura coordinata del Tribunale federale in caso di ricorsi paralleli per la medesima votazione.\n\n> «Le procedure 1C_627/2020, 1C_631/2020, 1C_633/2020, 1C_639/2020 e 1C_641/2020 vengono riunificate. Le procedure vengono cancellate per mancanza d'oggetto.»\n\n### Aspetti procedurali\n\n**DTF 112 IA 208** del 17 settembre 1986  \nPrincipi relativi al ricorso per violazione dei diritti politici per le iniziative cantonali. Il cittadino ha diritto a che un risultato di votazione regolarmente conseguito sia riconosciuto.\n\n> «Il cittadino ha diritto non solo a che non venga riconosciuto alcun risultato di votazione che non esprima fedelmente e senza falsificazioni la libera volontà degli aventi diritto di voto, ma anche a che un risultato di votazione regolarmente conseguito (o un'elezione regolarmente conseguita) sia anche riconosciuto.»\n\n### Sviluppo storico\n\n**Sentenza 1C_217/2021** del 12 maggio 2021  \nUlteriore giurisprudenza sull'iniziativa per imprese responsabili, che documenta la rara situazione in cui un oggetto raggiunge la maggioranza del popolo, ma fallisce alla maggioranza dei Cantoni. Per le iniziative popolari questo è accaduto solo la seconda volta dal 1955.\n\n> «Secondo queste informazioni questo è accaduto per un'iniziativa popolare federale solo una volta, il 13 marzo 1955 con l'iniziativa popolare \"per la protezione degli inquilini e dei consumatori (proseguimento del controllo dei prezzi)\".»\n\n### Mezzi voti cantonali\n\nI sei semicantoni (Obvaldo, Nidvaldo, Basilea Città, Basilea Campagna, Appenzello Esterno e Appenzello Interno) secondo l'art. 142 cpv. 4 Cost. sono trattati dalla giurisprudenza come ovvi. Decisioni specifiche sul loro calcolo o legittimità non si trovano nella giurisprudenza pubblicata, poiché questa regolamentazione è costituzionalmente inequivocabile e praticamente incontestata.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 142 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The regulation of majority requirements for federal votes has a long tradition in Swiss constitutional law. The Federal Constitution of 1848 already provided for the double majority requirement for constitutional amendments. The current version of Art. 142 BV largely corresponds to Art. 123 old BV.\n\n**N. 2** According to the Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 461 f.), the proven majority requirements were to be adopted unchanged. The cantonal majority was described as an «indispensable component of Swiss federalism» that ensures the protection of smaller cantons from the dominance of population-heavy centres.\n\n**N. 3** The provision on half cantonal votes (para. 4) historically stems from cantonal divisions: Basel (1833), Unterwalden (historically conditioned) and Appenzell (1597). According to BBl 1997 I 462, this regulation was retained despite democratic-theoretical concerns in order to preserve constitutional continuity.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 142 BV, together with Art. 138–141 BV, forms the core of direct democratic instruments at the federal level. The provision concretises the political rights guaranteed in Art. 136 BV for the specific case of federal votes.\n\n**N. 5** Systematically, Art. 142 BV is closely connected with:\n- → Art. 34 BV (political rights), which guarantees the fundamental right protection of voting freedom\n- → Art. 138–141 BV, which define the various ballot measures\n- → Art. 150 para. 2 BV, which mirrors the cantonal majority in the Council of States\n- → Art. 195 BV for the total revision of the Federal Constitution\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 6** **Simple popular majority (para. 1)**: For federal acts and generally binding federal decrees according to Art. 140 para. 1 BV, the majority of valid votes cast suffices. Voter turnout is irrelevant; there is no quorum.\n\n**N. 7** **Double majority (para. 2)**: Constitutional amendments and the measures mentioned in Art. 140 para. 2 BV require cumulatively:\n- the majority of voters (popular majority)\n- the majority of cantons (cantonal majority)\n\nBoth requirements must be fulfilled. Failure to meet only one requirement leads to rejection of the measure.\n\n**N. 8** **Cantonal vote (para. 3)**: The voting result in the canton determines its cantonal vote according to the «winner takes all» principle. A narrow cantonal majority of 50.1% has the same effect as a clear majority of 80%.\n\n**N. 9** **Half cantonal votes (para. 4)**: The six mentioned (half-)cantons each have half a cantonal vote. With 20 full cantons and 6 half-cantons, this results in a total of 23 cantonal votes. The cantonal majority lies at 12 cantonal votes (11½ cantonal votes means rejection).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Upon acceptance of a measure, the corresponding legal changes enter into force. The timing is determined by the transitional provisions or, in the absence of such provisions, by Art. 15 of the Publication Act (SR 170.512).\n\n**N. 11** Failure at the cantonal majority despite a popular majority has the same legal consequence as rejection by the people: the measure has failed. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 147 I 194** that this «restriction of voting power equality is constitutionally intended and binding for the Federal Supreme Court».\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Recount in case of close results**: A central point of contention concerns the prerequisites for a recount:\n- The Federal Supreme Court has maintained since **BGE 136 II 132** the view that a very close result should be treated like an «irregularity» within the meaning of Art. 77 para. 1 lit. b BPR and establishes a right to a recount\n- Epiney/Diezig (BSK BV, Art. 142 N. 5) doubt whether the narrow formulation of the requirements in Art. 34 para. 3 BPR (making credible irregularities) is compatible with Art. 34 para. 2 BV\n- In **BGE 141 II 297**, the Federal Supreme Court specified that a recount must only occur when there are concrete indications of errors\n\n**N. 13** **Democratic-theoretical criticism of the cantonal majority**: The different voting power of citizens from different cantons is controversially discussed:\n- Critics like Auer/Malinverni/Hottelier (Droit constitutionnel II, N. 1074) see a violation of voting equality\n- The prevailing doctrine (Hangartner/Kley, Demokratische Rechte, N. 2890; Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 3456) emphasises federalist minority protection as justification\n- Kley (SG Komm. BV, Art. 142 N. 8) points to the historical legitimation and the protective function for small cantons\n\n**N. 14** **Status of half-cantons**: Jaag (ZBl 1979, 145 ff.) discussed after the founding of the Canton Jura the question of whether the half-cantons should become full cantons. Parliamentary initiative 92.444 to upgrade Basel-Landschaft to a full canton failed in 1995. The discussion remains academic, as a change would require the double majority.\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 15** For the practice of voting authorities, the following consequences arise:\n- In case of close cantonal results (difference < 1%), increased care is required in the counting\n- According to **BGE 147 I 194**, complaints against the cantonal majority must be raised immediately against the voting arrangement, not only after the vote\n- The rare constellation of failure at the cantonal majority despite a popular majority (most recently in 2020 with the Corporate Responsibility Initiative) requires particular sensitivity in communication\n\n**N. 16** For initiators of constitutional initiatives, it should be noted: The «double hurdle» deliberately makes constitutional amendments difficult. Since 1891, only ten measures failed at the cantonal majority despite a popular majority, of which only two were popular initiatives (1955 and 2020). This underscores the importance of broad geographical support for constitutional initiatives.", "caselaw_en": "# Art. 142 BV\n\n## Case Law\n\n### Majority of the cantons and majority of the people\n\n**BGE 147 I 194** of 23 March 2021  \nCriticism of the requirement of a majority of the cantons must be raised immediately against the voting order, not only after the vote has taken place. The majority of the cantons is constitutionally intended and binding on the Federal Supreme Court.\n\n> «The restriction of equal voting power is constitutionally intended and binding on the Federal Supreme Court. [...] According to the Federal Chancellery, this is only the tenth case in which a federal ballot proposal that achieved a popular majority failed solely due to the requirement of a majority of the cantons.»\n\n**Judgment 1C_713/2020** of 23 March 2021  \nConsolidation of several proceedings regarding the corporate responsibility initiative, which achieved the popular majority (50.73% yes votes) but failed to achieve the majority of the cantons (12.5 to 8.5 cantonal votes against the initiative). The judgment clarifies the legal remedies for voting complaints.\n\n> «On 29 November 2020, the federal popular vote took place on, inter alia, the popular initiative \"For responsible enterprises - to protect human beings and the environment\". [...] the cantons rejected the popular initiative by a ratio of 12½ to 8½, while the voters accepted the popular initiative with a majority of 1,299,173 yes votes (50.73%) to 1,261,673 no votes (49.27%).»\n\n**Judgment 1C_627/2020** of 23 March 2021  \nFurther proceedings regarding the corporate responsibility initiative, which were written off as having become moot. The judgments demonstrate the Federal Supreme Court's coordinated approach to parallel complaints concerning the same vote.\n\n> «The proceedings 1C_627/2020, 1C_631/2020, 1C_633/2020, 1C_639/2020 and 1C_641/2020 are consolidated. The proceedings are written off as having become moot.»\n\n### Procedural aspects\n\n**BGE 112 IA 208** of 17 September 1986  \nPrinciples regarding voting rights complaints in cantonal initiatives. The voter has a right to have a properly achieved voting result recognised.\n\n> «The voter not only has a right to ensure that no voting result is recognised that does not reliably and authentically express the free will of those entitled to vote, but also to have a properly achieved voting result (or a properly conducted election) recognised.»\n\n### Historical development\n\n**Judgment 1C_217/2021** of 12 May 2021  \nFurther case law regarding the corporate responsibility initiative, which documents the rare situation where a proposal achieves the popular majority but fails to achieve the majority of the cantons. For popular initiatives, this was only the second time since 1955.\n\n> «According to that information, this has occurred with a federal popular initiative only once before, on 13 March 1955 with the popular initiative \"for the protection of tenants and consumers (continuation of price control)\".»\n\n### Half cantonal votes\n\nThe six half-cantons (Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden and Appenzell Innerrhoden) pursuant to Art. 142 para. 4 BV are treated as self-evident in case law. Specific decisions regarding their calculation or legitimacy are not found in published case law, as this provision is constitutionally unambiguous and remains practically undisputed.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_142", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 143, "article_suffix": "", "title": "Wählbarkeit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 143 BV – Wählbarkeit\n\n## Übersicht\n\nArt. 143 BV regelt, wer in die drei obersten Bundesbehörden gewählt werden kann. Alle Stimmberechtigten – das sind nach Art. 136 BV alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren, die nicht entmündigt sind – können in den Nationalrat, Bundesrat oder als Bundesrichterin gewählt werden.\n\nDie Verfassung kennt keine weiteren Voraussetzungen. Weder Wohnsitz noch Beruf, Ausbildung oder Geschlecht spielen eine Rolle. Auch eine juristische Ausbildung ist für Bundesrichter verfassungsrechtlich nicht zwingend erforderlich, obwohl dies umstritten ist (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 6 vs. Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10).\n\n**Beispiel**: Eine 19-jährige Schweizerin aus Genf kann theoretisch zur Bundesrichterin gewählt werden, auch wenn sie Bäckerin ist und nie Jura studiert hat. Das Gesetz verlangt zwar Kenntnisse einer Amtssprache (Art. 5 Abs. 2 BGG), aber dies ist bereits die Grenze des Zulässigen.\n\nWichtig ist die Unterscheidung zwischen Wählbarkeit und Unvereinbarkeit. Jemand kann wählbar sein, aber nicht gleichzeitig verschiedene Ämter ausüben. So muss ein Nationalrat, der zum Bundesrat gewählt wird, sein Parlamentsmandat niederlegen (Art. 144 BV).\n\nEine historische Änderung erfolgte 2009: Bis dahin waren Geistliche nicht in alle Bundesbehörden wählbar. Diese Beschränkung wurde vollständig aufgehoben (BBl 1997 I 441). Heute kann also auch ein katholischer Priester Bundesrat werden.\n\nDie Regel gilt nur für Bundesbehörden. Für Ständeratswahlen können die Kantone eigene Voraussetzungen festlegen (Art. 150 Abs. 3 BV).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 143 BV übernahm inhaltlich die Regelung der Bundesverfassung von 1874 (Art. 75, 96 und 108 aBV) und erweiterte sie systematisch (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 1). Die Totalrevision von 1999 führte die zuvor auf drei Artikel verteilten Bestimmungen zur Wählbarkeit in Nationalrat, Bundesrat und Bundesgericht in einer einzigen Norm zusammen.\n\n**N. 2** Der Verfassungsrat diskutierte eine Erweiterung des Anwendungsbereichs auf die Ständeratswählbarkeit (Art. 133 VE 1996), verwarf diese jedoch zugunsten der kantonalen Regelungskompetenz. Die Streichung der historischen Ausschlussklausel für Geistliche erfolgte bereits 1986 für den Bundesrat und wurde bei der Totalrevision für alle drei Bundesbehörden übernommen (BBl 1997 I 441).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 143 BV steht systematisch zwischen den Bestimmungen über die politischen Rechte (Art. 136 BV) und der Unvereinbarkeitsregelung (Art. 144 BV). Die Norm konkretisiert den demokratischen Grundsatz der allgemeinen Wählbarkeit als Ausprägung der politischen Rechte.\n\n**N. 4** Die Verfassung unterscheidet zwischen:\n- der grundsätzlichen **Wählbarkeit** aller Stimmberechtigten (Art. 143 BV)\n- den **Unvereinbarkeiten** zwischen verschiedenen Ämtern (Art. 144 BV)\n- den **Wahlverfahren** (→ Art. 149 Abs. 2, Art. 157 Abs. 1, Art. 168 Abs. 1, Art. 175 Abs. 2 BV)\n\n**N. 5** Für den Ständerat fehlt eine bundesrechtliche Wählbarkeitsregelung; diese bleibt gemäss Art. 150 Abs. 3 BV dem kantonalen Recht vorbehalten (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 5).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Stimmberechtigte** im Sinne von Art. 143 BV sind alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die das 18. Altersjahr vollendet haben und nicht wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche entmündigt sind (→ Art. 136 Abs. 1 BV).\n\n**N. 7** Die **passive Wahlfähigkeit** in die drei obersten Bundesbehörden ist damit ausschliesslich an das aktive Stimmrecht geknüpft. Eine weitere Differenzierung nach Wohnsitz, Beruf, Ausbildung oder anderen persönlichen Merkmalen ist auf Verfassungsebene unzulässig.\n\n**N. 8** Der **Kreis der erfassten Ämter** umfasst abschliessend:\n- sämtliche 200 Nationalratssitze\n- alle 7 Bundesratsmitglieder\n- sämtliche ordentlichen und nebenamtlichen Bundesrichterinnen und Bundesrichter\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Art. 143 BV begründet ein subjektives Recht auf Wählbarkeit für alle Stimmberechtigten. Dieses Recht kann nur durch verfassungskonforme Unvereinbarkeitsbestimmungen oder gesetzliche Wählbarkeitsvoraussetzungen eingeschränkt werden.\n\n**N. 10** Die Wahl einer nicht wählbaren Person ist nichtig. Sägesser postuliert die Nichtigkeit der Wahl bei fehlender Wählbarkeit zum Wahlzeitpunkt (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6). Aubert/Mahon und Biaggini vertreten demgegenüber eine differenziertere Position, wonach die Rechtsfolgen vom konkreten Wählbarkeitsmangel abhängen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Zusätzliche Wählbarkeitsvoraussetzungen durch den Gesetzgeber**: Die herrschende Lehre (SG Komm. BV-Lüthi, BSK BGG-Kiener) vertritt, dass die in Art. 143 BV genannten Voraussetzungen abschliessend sind. Sägesser hält es demgegenüber für zulässig, dass der Gesetzgeber weitere Wählbarkeitsvoraussetzungen festschreibt, wenn das Amt eine besondere Ausbildung erfordert, so namentlich eine juristische Ausbildung für Bundesrichter (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6).\n\n**N. 12** **Anwendbarkeit des strafrechtlichen Berufsverbots**: Umstritten ist, ob das Berufsverbot nach Art. 67 StGB auf oberste Bundesbehörden anwendbar ist. Rhinow/Schefer bejahen dies mit dem Argument, dass auch politische Mandate als «Tätigkeit» im Sinne der Strafnorm zu qualifizieren seien. Biaggini lehnt diese Auffassung ab und argumentiert mit dem Vorrang der spezielleren Verfassungsnorm.\n\n**N. 13** **Laienrichtertum am Bundesgericht**: Die demokratische Tradition des Laienrichtertums steht in Spannung zur Professionalisierung der Justiz. Kiener betont, dass die Gerichtsverfassung sich durch den Vorrang demokratischer Auffassungen auszeichne (Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10). Die Zulässigkeit zusätzlicher Qualifikationsanforderungen für Bundesrichter bleibt kontrovers (→ N. 11).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Prüfung der Wählbarkeit ist strikt zwischen der verfassungsmässigen Wählbarkeit und allfälligen Unvereinbarkeiten zu unterscheiden. Eine Person kann wählbar sein, aber durch Annahme der Wahl gezwungen werden, ein unvereinbares Amt niederzulegen (→ Art. 144 BV).\n\n**N. 15** Die Regelung der Wählbarkeitsvoraussetzungen für Bundesrichter in Art. 5 Abs. 2 BGG (Kenntnis mindestens einer Amtssprache) bewegt sich im Grenzbereich des verfassungsrechtlich Zulässigen. Die Praxis zeigt jedoch, dass das Erfordernis der Sprachkenntnis als minimale Funktionsvoraussetzung akzeptiert wird.\n\n**N. 16** Für die Anfechtung von Wahlen in die Bundesbehörden gelten unterschiedliche Verfahren: Nationalratswahlen unterliegen der Beschwerde an das Bundesgericht (Art. 82 lit. c BGG), während Bundesrats- und Bundesrichterwahlen durch die Bundesversammlung endgültig sind.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsatz der allgemeinen Wählbarkeit\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 143 BV ist spärlich, da die Norm einen klaren Grundsatz aufstellt, der selten direkter gerichtlicher Auslegung bedarf. Die wenigen verfügbaren Entscheide befassen sich primär mit den Grenzen dieser allgemeinen Wählbarkeit und dem Verhältnis zu Unvereinbarkeitsregeln.\n\n**BGE 91 I 260** vom 15. September 1965\nUnvereinbarkeit zwischen kantonalem Amt und Grossratsmandat bestimmt Wählbarkeitsgrenzen.\nDiese Grundsatzentscheidung behandelt zwar kantonales Recht, enthält aber wichtige Aussagen zum Verhältnis von Art. 143 BV (damals Art. 77 aBV) zu Unvereinbarkeitsvorschriften.\n\n> «Gleich wie Art. 77 BV nicht hindert, dass ein vom Bundesrat gewählter Beamter in den Nationalrat gewählt wird und ihm angehören kann, wenn er auf das Amt verzichtet.»\n\n### Abgrenzung zu Unvereinbarkeitsregeln\n\nDie Rechtsprechung unterscheidet klar zwischen Wählbarkeitsvoraussetzungen und Unvereinbarkeitsbestimmungen. Art. 143 BV regelt die Wählbarkeit, während andere Verfassungs- und Gesetzesnormen Unvereinbarkeiten festlegen können.\n\n**BGE 91 I 260** vom 15. September 1965\nUnvereinbarkeit ist nicht identisch mit fehlender Wählbarkeit.\nDer Entscheid präzisiert das Verhältnis zwischen Wählbarkeitsvoraussetzungen und nachgelagerten Unvereinbarkeitsregeln.\n\n> «Darüber, dass dies eine blosse Unvereinbarkeitsvorschrift ist, bestehen keine Meinungsverschiedenheiten.»\n\n### Bundesbeamte und Nationalratsmandat\n\nDie parlamentarischen Verhandlungen und vereinzelte Gerichtsentscheide zeigen, dass die Unvereinbarkeit zwischen Bundesbeamtung und Nationalratsmandat auf dem Gewaltenteilungsprinzip beruht, nicht auf einer Beschränkung der Wählbarkeit nach Art. 143 BV.\n\n### Aktuelle Entwicklungen\n\nNeuere Rechtsprechung zu politischen Rechten behandelt vorwiegend Wahlverfahren und kantonale Bestimmungen. Die grundsätzliche Wählbarkeit aller Stimmberechtigten in die Bundesbehörden nach Art. 143 BV wird nicht in Frage gestellt.\n\n**BGE 149 I 354** vom 22. Oktober 2023\nPolitische Rechte bei Nationalratswahlen werden extensiv interpretiert.\nDieser neueste BGE zu politischen Rechten zeigt die liberal-extensive Auslegung des Bundesgerichts im Bereich der politischen Teilhaberechte.\n\n> «Art. 34 BV [...] sind nur Unterlistenverbindungen zwischen Listen verschiedener politischer Parteien zulässig.»", "summary_fr": "# Art. 143 Cst. – Éligibilité\n\n## Aperçu\n\nL'art. 143 Cst. règle qui peut être élu dans les trois autorités fédérales suprêmes. Tous les citoyens ayant le droit de vote – soit selon l'art. 136 Cst. tous les citoyens suisses âgés de 18 ans révolus qui ne sont pas sous tutelle – peuvent être élus au Conseil national, au Conseil fédéral ou comme juge fédéral.\n\nLa Constitution ne connaît pas d'autres conditions. Ni le domicile, ni la profession, la formation ou le sexe ne jouent un rôle. Même une formation juridique n'est pas constitutionnellement obligatoire pour les juges fédéraux, bien que cela soit controversé (Schaub, BSK BV, art. 143 n. 6 vs. Kiener, BSK BGG, art. 5 n. 10).\n\n**Exemple** : Une Suissesse de 19 ans de Genève peut théoriquement être élue juge fédérale, même si elle est boulangère et n'a jamais étudié le droit. La loi exige certes des connaissances dans une langue officielle (art. 5 al. 2 LTF), mais c'est déjà la limite de ce qui est admissible.\n\nIl est important de distinguer entre éligibilité et incompatibilité. Quelqu'un peut être éligible, mais ne peut pas exercer simultanément différentes fonctions. Ainsi, un conseiller national élu au Conseil fédéral doit abandonner son mandat parlementaire (art. 144 Cst.).\n\nUn changement historique a eu lieu en 2009 : jusqu'alors, les ecclésiastiques n'étaient pas éligibles à toutes les autorités fédérales. Cette restriction a été complètement supprimée (FF 1997 I 401). Aujourd'hui, un prêtre catholique peut donc également devenir conseiller fédéral.\n\nLa règle ne vaut que pour les autorités fédérales. Pour les élections au Conseil des États, les cantons peuvent fixer leurs propres conditions (art. 150 al. 3 Cst.).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 143 Cst. a repris le contenu de la réglementation de la Constitution fédérale de 1874 (art. 75, 96 et 108 ancCst.) et l'a étendue de manière systématique (Schaub, BSK BV, art. 143 n. 1). La révision totale de 1999 a réuni dans une seule norme les dispositions relatives à l'éligibilité au Conseil national, au Conseil fédéral et au Tribunal fédéral, auparavant réparties sur trois articles.\n\n**N. 2** Le Conseil constitutionnel a discuté d'un élargissement du champ d'application à l'éligibilité au Conseil des États (art. 133 AP 1996), mais l'a rejeté en faveur de la compétence cantonale de réglementation. La suppression de la clause d'exclusion historique pour les ecclésiastiques a eu lieu dès 1986 pour le Conseil fédéral et a été reprise lors de la révision totale pour les trois autorités fédérales (FF 1997 I 421).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 143 Cst. se situe systématiquement entre les dispositions sur les droits politiques (art. 136 Cst.) et la réglementation des incompatibilités (art. 144 Cst.). La norme concrétise le principe démocratique de l'éligibilité générale en tant qu'expression des droits politiques.\n\n**N. 4** La Constitution distingue entre :\n- l'**éligibilité** de principe de tous les citoyens ayant le droit de vote (art. 143 Cst.)\n- les **incompatibilités** entre différentes charges (art. 144 Cst.)\n- les **procédures d'élection** (→ art. 149 al. 2, art. 157 al. 1, art. 168 al. 1, art. 175 al. 2 Cst.)\n\n**N. 5** Pour le Conseil des États, il n'existe pas de réglementation fédérale de l'éligibilité ; celle-ci reste réservée au droit cantonal selon l'art. 150 al. 3 Cst. (Schaub, BSK BV, art. 143 n. 5).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 6** Les **citoyens ayant le droit de vote** au sens de l'art. 143 Cst. sont tous les citoyennes et citoyens suisses qui ont accompli leur dix-huitième année et qui ne sont pas privés de l'exercice des droits civils pour cause de maladie mentale ou de faiblesse d'esprit (→ art. 136 al. 1 Cst.).\n\n**N. 7** L'**éligibilité passive** aux trois autorités fédérales suprêmes est ainsi exclusivement liée au droit de vote actif. Une différenciation supplémentaire selon le domicile, la profession, la formation ou d'autres caractéristiques personnelles est inadmissible au niveau constitutionnel.\n\n**N. 8** Le **cercle des charges concernées** comprend de manière exhaustive :\n- l'ensemble des 200 sièges du Conseil national\n- tous les 7 membres du Conseil fédéral\n- l'ensemble des juges fédéraux ordinaires et à temps partiel\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'art. 143 Cst. fonde un droit subjectif à l'éligibilité pour tous les citoyens ayant le droit de vote. Ce droit ne peut être limité que par des dispositions d'incompatibilité conformes à la Constitution ou par des conditions légales d'éligibilité.\n\n**N. 10** L'élection d'une personne non éligible est nulle. Sägesser postule la nullité de l'élection en cas d'absence d'éligibilité au moment de l'élection (Sägesser, BSK BV, art. 143 n. 6). Aubert/Mahon et Biaggini représentent en revanche une position plus différenciée, selon laquelle les conséquences juridiques dépendent du vice d'éligibilité concret.\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 11** **Conditions d'éligibilité supplémentaires par le législateur** : La doctrine dominante (SG Komm. BV-Lüthi, BSK BGG-Kiener) soutient que les conditions mentionnées à l'art. 143 Cst. sont exhaustives. Sägesser considère en revanche qu'il est admissible que le législateur fixe d'autres conditions d'éligibilité lorsque la charge exige une formation particulière, notamment une formation juridique pour les juges fédéraux (Sägesser, BSK BV, art. 143 n. 6).\n\n**N. 12** **Applicabilité de l'interdiction d'exercer une profession du droit pénal** : Il est controversé de savoir si l'interdiction d'exercer une profession selon l'art. 67 CP est applicable aux autorités fédérales suprêmes. Rhinow/Schefer l'affirment en argumentant que les mandats politiques doivent aussi être qualifiés d'« activité » au sens de la norme pénale. Biaggini rejette cette conception et argumente avec la primauté de la norme constitutionnelle plus spéciale.\n\n**N. 13** **Juge non professionnel au Tribunal fédéral** : La tradition démocratique du juge non professionnel est en tension avec la professionnalisation de la justice. Kiener souligne que l'organisation judiciaire se caractérise par la primauté des conceptions démocratiques (Kiener, BSK BGG, art. 5 n. 10). L'admissibilité d'exigences de qualification supplémentaires pour les juges fédéraux reste controversée (→ n. 11).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de l'examen de l'éligibilité, il faut distinguer strictement entre l'éligibilité constitutionnelle et d'éventuelles incompatibilités. Une personne peut être éligible, mais être contrainte par l'acceptation de l'élection à renoncer à une charge incompatible (→ art. 144 Cst.).\n\n**N. 15** La réglementation des conditions d'éligibilité pour les juges fédéraux à l'art. 5 al. 2 LTF (connaissance d'au moins une langue officielle) se situe à la limite de ce qui est constitutionnellement admissible. La pratique montre cependant que l'exigence de la connaissance linguistique est acceptée comme condition fonctionnelle minimale.\n\n**N. 16** Pour la contestation des élections aux autorités fédérales s'appliquent différentes procédures : les élections au Conseil national sont soumises au recours devant le Tribunal fédéral (art. 82 let. c LTF), tandis que les élections au Conseil fédéral et au Tribunal fédéral sont définitives par l'Assemblée fédérale.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principe de l'éligibilité générale\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 143 Cst. est rare, car la norme énonce un principe clair qui nécessite rarement une interprétation judiciaire directe. Les quelques décisions disponibles traitent principalement des limites de cette éligibilité générale et du rapport avec les règles d'incompatibilité.\n\n**ATF 91 I 260** du 15 septembre 1965\nIncompatibilité entre charge cantonale et mandat au Grand Conseil détermine les limites de l'éligibilité.\nCet arrêt de principe traite certes du droit cantonal, mais contient des déclarations importantes sur le rapport entre l'art. 143 Cst. (alors art. 77 aCst.) et les prescriptions d'incompatibilité.\n\n> « Tout comme l'art. 77 Cst. n'empêche pas qu'un fonctionnaire nommé par le Conseil fédéral soit élu au Conseil national et puisse en faire partie, s'il renonce à sa charge. »\n\n### Délimitation par rapport aux règles d'incompatibilité\n\nLa jurisprudence distingue clairement entre les conditions d'éligibilité et les dispositions d'incompatibilité. L'art. 143 Cst. règle l'éligibilité, tandis que d'autres normes constitutionnelles et légales peuvent prévoir des incompatibilités.\n\n**ATF 91 I 260** du 15 septembre 1965\nL'incompatibilité n'est pas identique à l'absence d'éligibilité.\nL'arrêt précise le rapport entre les conditions d'éligibilité et les règles d'incompatibilité subordonnées.\n\n> « Qu'il s'agit d'une simple prescription d'incompatibilité, il n'y a pas de divergences d'opinion à ce sujet. »\n\n### Fonctionnaires fédéraux et mandat au Conseil national\n\nLes délibérations parlementaires et de rares décisions judiciaires montrent que l'incompatibilité entre la fonction de fonctionnaire fédéral et le mandat au Conseil national repose sur le principe de la séparation des pouvoirs, non sur une restriction de l'éligibilité selon l'art. 143 Cst.\n\n### Développements actuels\n\nLa jurisprudence récente sur les droits politiques traite principalement des procédures électorales et des dispositions cantonales. L'éligibilité fondamentale de tous les ayants droit de vote aux autorités fédérales selon l'art. 143 Cst. n'est pas remise en question.\n\n**ATF 149 I 354** du 22 octobre 2023\nLes droits politiques lors des élections au Conseil national sont interprétés de manière extensive.\nCet ATF le plus récent sur les droits politiques montre l'interprétation libérale-extensive du Tribunal fédéral dans le domaine des droits de participation politique.\n\n> « Art. 34 Cst. [...] seuls les apparentements de sous-listes entre listes de différents partis politiques sont admissibles. »", "summary_it": "# Art. 143 Cost. – Eleggibilità\n\n## Panoramica\n\nL'art. 143 Cost. disciplina chi può essere eletto nelle tre autorità federali supreme. Tutti gli aventi diritto di voto – ossia secondo l'art. 136 Cost. tutti i cittadini svizzeri dai 18 anni in su che non sono sotto curatela generale – possono essere eletti nel Consiglio nazionale, nel Consiglio federale o come giudice federale.\n\nLa Costituzione non conosce ulteriori prerequisiti. Né il domicilio né la professione, la formazione o il sesso rivestono importanza. Anche una formazione giuridica non è costituzionalmente obbligatoria per i giudici federali, benché ciò sia controverso (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 6 vs. Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10).\n\n**Esempio**: Una diciannovenne svizzera di Ginevra può teoricamente essere eletta giudice federale, anche se è panettiera e non ha mai studiato giurisprudenza. La legge richiede sì conoscenze di una lingua ufficiale (art. 5 cpv. 2 LTF), ma questo è già il limite dell'ammissibile.\n\nImportante è la distinzione tra eleggibilità e incompatibilità. Qualcuno può essere eleggibile, ma non esercitare contemporaneamente cariche diverse. Così un consigliere nazionale eletto al Consiglio federale deve rinunciare al suo mandato parlamentare (art. 144 Cost.).\n\nUna modifica storica è avvenuta nel 2009: fino ad allora gli ecclesiastici non erano eleggibili in tutte le autorità federali. Questa limitazione è stata completamente abolita (FF 1997 I 441). Oggi dunque anche un sacerdote cattolico può diventare consigliere federale.\n\nLa regola vale solo per le autorità federali. Per le elezioni del Consiglio degli Stati i Cantoni possono stabilire propri prerequisiti (art. 150 cpv. 3 Cost.).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 143 Cost. ha ripreso sostanzialmente la regolamentazione della Costituzione federale del 1874 (art. 75, 96 e 108 aCost.) e l'ha ampliata sistematicamente (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 1). La revisione totale del 1999 ha riunito in un'unica norma le disposizioni sull'eleggibilità al Consiglio nazionale, al Consiglio federale e al Tribunale federale, precedentemente ripartite su tre articoli.\n\n**N. 2** Il Consiglio costituzionale discusse un ampliamento del campo d'applicazione all'eleggibilità al Consiglio degli Stati (art. 133 AP 1996), ma lo respinse a favore della competenza normativa cantonale. L'abrogazione della clausola storica di esclusione per gli ecclesiastici era già avvenuta nel 1986 per il Consiglio federale e fu ripresa nella revisione totale per tutte e tre le autorità federali (FF 1997 I 441).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 143 Cost. si situa sistematicamente tra le disposizioni sui diritti politici (art. 136 Cost.) e la regolamentazione delle incompatibilità (art. 144 Cost.). La norma concretizza il principio democratico dell'eleggibilità generale come espressione dei diritti politici.\n\n**N. 4** La Costituzione distingue tra:\n- l'**eleggibilità** di principio di tutti gli aventi diritto di voto (art. 143 Cost.)\n- le **incompatibilità** tra diverse cariche (art. 144 Cost.)\n- le **procedure elettorali** (→ art. 149 cpv. 2, art. 157 cpv. 1, art. 168 cpv. 1, art. 175 cpv. 2 Cost.)\n\n**N. 5** Per il Consiglio degli Stati manca una regolamentazione federale dell'eleggibilità; questa rimane riservata al diritto cantonale secondo l'art. 150 cpv. 3 Cost. (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 5).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 6** Gli **aventi diritto di voto** nel senso dell'art. 143 Cost. sono tutti i cittadini e le cittadine svizzeri che hanno compiuto il diciottesimo anno di età e non sono interdetti per malattia o debolezza mentale (→ art. 136 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 7** L'**eleggibilità passiva** alle tre supreme autorità federali è così legata esclusivamente al diritto di voto attivo. Un'ulteriore differenziazione secondo domicilio, professione, formazione o altre caratteristiche personali è inammissibile a livello costituzionale.\n\n**N. 8** La **cerchia delle cariche considerate** comprende in modo esaustivo:\n- tutti i 200 seggi del Consiglio nazionale\n- tutti i 7 membri del Consiglio federale\n- tutti i giudici e le giudici federali ordinari e straordinari\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'art. 143 Cost. fonda un diritto soggettivo all'eleggibilità per tutti gli aventi diritto di voto. Questo diritto può essere limitato solo da disposizioni sulle incompatibilità conformi alla Costituzione o da requisiti legali di eleggibilità.\n\n**N. 10** L'elezione di una persona non eleggibile è nulla. Sägesser postula la nullità dell'elezione in caso di mancanza di eleggibilità al momento dell'elezione (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6). Aubert/Mahon e Biaggini rappresentano invece una posizione più differenziata, secondo cui le conseguenze giuridiche dipendono dal concreto vizio di eleggibilità.\n\n### 5. Controversie dottrinali\n\n**N. 11** **Requisiti aggiuntivi di eleggibilità da parte del legislatore**: La dottrina dominante (SG Komm. BV-Lüthi, BSK BGG-Kiener) sostiene che i requisiti menzionati nell'art. 143 Cost. sono esaustivi. Sägesser ritiene invece ammissibile che il legislatore stabilisca ulteriori requisiti di eleggibilità se la carica richiede una formazione particolare, segnatamente una formazione giuridica per i giudici federali (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6).\n\n**N. 12** **Applicabilità del divieto professionale penale**: È controverso se il divieto professionale secondo l'art. 67 CP sia applicabile alle supreme autorità federali. Rhinow/Schefer lo confermano con l'argomento che anche i mandati politici sono da qualificare come «attività» nel senso della norma penale. Biaggini respinge questa concezione e argomenta con la prevalenza della norma costituzionale più speciale.\n\n**N. 13** **Giudici laici al Tribunale federale**: La tradizione democratica dei giudici laici è in tensione con la professionalizzazione della giustizia. Kiener sottolinea che l'organizzazione giudiziaria si distingue per la prevalenza di concezioni democratiche (Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10). L'ammissibilità di requisiti aggiuntivi di qualificazione per i giudici federali rimane controversa (→ N. 11).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nell'esame dell'eleggibilità occorre distinguere rigorosamente tra l'eleggibilità costituzionale e le eventuali incompatibilità. Una persona può essere eleggibile, ma essere costretta dall'accettazione dell'elezione a rinunciare a una carica incompatibile (→ art. 144 Cost.).\n\n**N. 15** La regolamentazione dei requisiti di eleggibilità per i giudici federali nell'art. 5 cpv. 2 LTF (conoscenza di almeno una lingua ufficiale) si muove nell'area limite del costituzionalmente ammissibile. La prassi mostra tuttavia che il requisito della conoscenza linguistica è accettato come requisito funzionale minimo.\n\n**N. 16** Per l'impugnazione delle elezioni nelle autorità federali si applicano diverse procedure: le elezioni del Consiglio nazionale sottostanno al ricorso al Tribunale federale (art. 82 lett. c LTF), mentre le elezioni del Consiglio federale e dei giudici federali sono definitive da parte dell'Assemblea federale.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principio dell'eleggibilità generale\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 143 Cost. è scarsa, dato che la norma stabilisce un principio chiaro che raramente necessita di interpretazione giudiziale diretta. Le poche decisioni disponibili si occupano principalmente dei limiti di questa eleggibilità generale e del rapporto con le norme di incompatibilità.\n\n**DTF 91 I 260** del 15 settembre 1965\nL'incompatibilità tra carica cantonale e mandato di Gran Consiglio determina i limiti dell'eleggibilità.\nQuesta decisione di principio tratta il diritto cantonale, ma contiene importanti affermazioni sul rapporto tra l'art. 143 Cost. (allora art. 77 aCost.) e le disposizioni di incompatibilità.\n\n> «Come l'art. 77 Cost. non impedisce che un funzionario nominato dal Consiglio federale sia eletto al Consiglio nazionale e possa appartenervi, se rinuncia alla carica.»\n\n### Delimitazione rispetto alle norme di incompatibilità\n\nLa giurisprudenza distingue chiaramente tra presupposti di eleggibilità e disposizioni di incompatibilità. L'art. 143 Cost. disciplina l'eleggibilità, mentre altre norme costituzionali e legali possono stabilire incompatibilità.\n\n**DTF 91 I 260** del 15 settembre 1965\nL'incompatibilità non è identica alla mancanza di eleggibilità.\nLa decisione precisa il rapporto tra presupposti di eleggibilità e norme di incompatibilità successive.\n\n> «Sul fatto che si tratti di una mera disposizione di incompatibilità non sussistono divergenze di opinione.»\n\n### Funzionari federali e mandato al Consiglio nazionale\n\nI dibattiti parlamentari e sporadiche decisioni giudiziali mostrano che l'incompatibilità tra funzione di funzionario federale e mandato al Consiglio nazionale si basa sul principio della separazione dei poteri, non su una limitazione dell'eleggibilità secondo l'art. 143 Cost.\n\n### Sviluppi attuali\n\nLa giurisprudenza più recente sui diritti politici tratta prevalentemente procedure elettorali e disposizioni cantonali. L'eleggibilità di principio di tutti gli aventi diritto di voto alle autorità federali secondo l'art. 143 Cost. non è messa in discussione.\n\n**DTF 149 I 354** del 22 ottobre 2023\nI diritti politici nelle elezioni del Consiglio nazionale sono interpretati estensivamente.\nQuesto DTF più recente sui diritti politici mostra l'interpretazione liberal-estensiva del Tribunale federale nell'ambito dei diritti di partecipazione politica.\n\n> «Art. 34 Cost. [...] sono ammessi solo collegamenti di sottoliste tra liste di partiti politici diversi.»", "summary_en": "# Art. 143 BV – Eligibility\n\n## Overview\n\nArt. 143 BV governs who can be elected to the three supreme federal authorities. All persons entitled to vote – according to Art. 136 BV, all Swiss citizens aged 18 and over who are not under guardianship – can be elected to the National Council, Federal Council or as a federal judge.\n\nThe Constitution knows no further requirements. Neither residence nor profession, education or gender play a role. Even legal training is not constitutionally mandatory for federal judges, although this is disputed (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 6 vs. Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10).\n\n**Example**: A 19-year-old Swiss woman from Geneva could theoretically be elected as a federal judge, even if she is a baker and has never studied law. The law does require knowledge of an official language (Art. 5 para. 2 BGG), but this is already the limit of what is permissible.\n\nImportant is the distinction between eligibility and incompatibility. Someone can be eligible but not simultaneously exercise different offices. Thus a National Councillor who is elected to the Federal Council must resign his parliamentary mandate (Art. 144 BV).\n\nA historical change occurred in 2009: Until then, clergy were not eligible for all federal authorities. This restriction was completely abolished (BBl 1997 I 441). Today, even a Catholic priest can become a Federal Councillor.\n\nThe rule applies only to federal authorities. For Council of States elections, the cantons can establish their own requirements (Art. 150 para. 3 BV).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 143 Cst. adopted the content of the Federal Constitution of 1874 (Art. 75, 96 and 108 old Cst.) and systematically expanded it (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 1). The total revision of 1999 consolidated the provisions on eligibility for the National Council, Federal Council and Federal Court, previously distributed across three articles, into a single norm.\n\n**N. 2** The Constitutional Council discussed extending the scope of application to eligibility for the Council of States (Art. 133 Draft 1996), but rejected this in favour of cantonal regulatory competence. The deletion of the historical exclusion clause for clergy had already taken place in 1986 for the Federal Council and was adopted for all three federal authorities during the total revision (BBl 1997 I 441).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 143 Cst. is systematically positioned between the provisions on political rights (Art. 136 Cst.) and the incompatibility regulation (Art. 144 Cst.). The norm concretises the democratic principle of general eligibility as an expression of political rights.\n\n**N. 4** The Constitution distinguishes between:\n- the fundamental **eligibility** of all persons entitled to vote (Art. 143 Cst.)\n- the **incompatibilities** between different offices (Art. 144 Cst.)\n- the **election procedures** (→ Art. 149 para. 2, Art. 157 para. 1, Art. 168 para. 1, Art. 175 para. 2 Cst.)\n\n**N. 5** There is no federal eligibility regulation for the Council of States; this remains reserved to cantonal law according to Art. 150 para. 3 Cst. (Schaub, BSK BV, Art. 143 N. 5).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 6** **Persons entitled to vote** within the meaning of Art. 143 Cst. are all Swiss citizens who have completed their 18th year of age and are not under guardianship due to mental illness or mental deficiency (→ Art. 136 para. 1 Cst.).\n\n**N. 7** **Passive electoral capacity** for the three highest federal authorities is thus exclusively linked to active voting rights. Further differentiation according to domicile, profession, education or other personal characteristics is inadmissible at the constitutional level.\n\n**N. 8** The **range of offices covered** comprises exclusively:\n- all 200 National Council seats\n- all 7 Federal Council members\n- all ordinary and part-time federal judges\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 143 Cst. establishes a subjective right to eligibility for all persons entitled to vote. This right can only be restricted by constitutionally compliant incompatibility provisions or statutory eligibility requirements.\n\n**N. 10** The election of an ineligible person is void. Sägesser postulates the nullity of an election in case of lacking eligibility at the time of election (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6). Aubert/Mahon and Biaggini, on the other hand, represent a more differentiated position according to which the legal consequences depend on the specific eligibility defect.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 11** **Additional eligibility requirements by the legislature**: The prevailing doctrine (SG Komm. BV-Lüthi, BSK BGG-Kiener) holds that the requirements mentioned in Art. 143 Cst. are exhaustive. Sägesser, on the other hand, considers it permissible for the legislature to establish further eligibility requirements if the office requires special training, notably legal training for federal judges (Sägesser, BSK BV, Art. 143 N. 6).\n\n**N. 12** **Applicability of the criminal law professional ban**: It is disputed whether the professional ban under Art. 67 SCC is applicable to the highest federal authorities. Rhinow/Schefer answer in the affirmative, arguing that political mandates should also be qualified as «activity» within the meaning of the criminal provision. Biaggini rejects this view and argues with the priority of the more specific constitutional norm.\n\n**N. 13** **Lay judges at the Federal Court**: The democratic tradition of lay judges stands in tension with the professionalisation of the judiciary. Kiener emphasises that the court constitution is characterised by the priority of democratic conceptions (Kiener, BSK BGG, Art. 5 N. 10). The admissibility of additional qualification requirements for federal judges remains controversial (→ N. 11).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 14** When examining eligibility, a strict distinction must be made between constitutional eligibility and any incompatibilities. A person may be eligible but be forced to resign from an incompatible office by accepting the election (→ Art. 144 Cst.).\n\n**N. 15** The regulation of eligibility requirements for federal judges in Art. 5 para. 2 FCA (knowledge of at least one official language) moves within the borderline of what is constitutionally permissible. However, practice shows that the requirement of language knowledge is accepted as a minimal functional prerequisite.\n\n**N. 16** Different procedures apply for challenging elections to the federal authorities: National Council elections are subject to appeal to the Federal Court (Art. 82 lit. c FCA), while Federal Council and federal judge elections by the Federal Assembly are final.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principle of general eligibility\n\nCase law on Art. 143 Const. is sparse, as the provision establishes a clear principle that seldom requires direct judicial interpretation. The few available decisions primarily address the limits of this general eligibility and its relationship to incompatibility rules.\n\n**BGE 91 I 260** of 15 September 1965\nIncompatibility between cantonal office and membership in the cantonal parliament determines limits of eligibility.\nAlthough this landmark decision deals with cantonal law, it contains important statements on the relationship between Art. 143 Const. (then Art. 77 old Const.) and incompatibility provisions.\n\n> «Just as Art. 77 Const. does not prevent a civil servant appointed by the Federal Council from being elected to the National Council and being a member thereof if he renounces his office.»\n\n### Distinction from incompatibility rules\n\nCase law clearly distinguishes between eligibility requirements and incompatibility provisions. Art. 143 Const. governs eligibility, while other constitutional and statutory provisions may establish incompatibilities.\n\n**BGE 91 I 260** of 15 September 1965\nIncompatibility is not identical to lack of eligibility.\nThe decision clarifies the relationship between eligibility requirements and subsequent incompatibility rules.\n\n> «There is no disagreement that this is a mere incompatibility provision.»\n\n### Federal civil servants and National Council mandate\n\nParliamentary proceedings and isolated court decisions show that the incompatibility between federal civil service and National Council mandate is based on the principle of separation of powers, not on a restriction of eligibility under Art. 143 Const.\n\n### Current developments\n\nRecent case law on political rights primarily addresses electoral procedures and cantonal provisions. The fundamental eligibility of all citizens entitled to vote for federal authorities under Art. 143 Const. is not called into question.\n\n**BGE 149 I 354** of 22 October 2023\nPolitical rights in National Council elections are interpreted extensively.\nThis latest BGE on political rights shows the Federal Court's liberal-extensive interpretation in the area of political participation rights.\n\n> «Art. 34 Const. [...] only sub-list alliances between lists of different political parties are permitted.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_143", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.93}
{"law": "BV", "article": 144, "article_suffix": "", "title": "Unvereinbarkeiten", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 144 BV - Unvereinbarkeit\n\n## Übersicht\n\nArtikel 144 der Bundesverfassung regelt die Unvereinbarkeit von Ämtern bei den obersten Bundesbehörden. Diese Bestimmung sorgt für die personelle Gewaltenteilung (Trennung der Staatsgewalten auf Personenebene) und die Unabhängigkeit wichtiger Amtsträger.\n\nDie Regel hat drei Teile: Erstens dürfen Mitglieder des National- und Ständerats, des Bundesrats und Bundesrichter nicht gleichzeitig in mehreren dieser Behörden tätig sein. Zweitens müssen Bundesräte und vollamtliche Bundesrichter auf andere Ämter und Erwerbstätigkeiten verzichten. Drittens kann das Gesetz weitere Verbote vorsehen.\n\n**Beispiel aus der Praxis:** Wird eine Nationalrätin zur Bundesrichterin gewählt, muss sie sofort ihr Parlamentsmandat niederlegen. Sie kann nicht beide Ämter gleichzeitig ausüben. Als Bundesrichterin darf sie auch nicht mehr als Anwältin arbeiten oder ein politisches Amt in ihrer Heimatgemeinde bekleiden.\n\nDiese Regeln haben historische Wurzeln: Bereits die Bundesverfassung von 1848 kannte solche Bestimmungen. Sie sollen verhindern, dass sich Macht in einer Person konzentriert und dass Interessenkonflikte entstehen. So bleibt die Unabhängigkeit der drei Staatsgewalten - Parlament, Regierung und Gerichte - gewährleistet.\n\nVerstösse gegen diese Unvereinbarkeitsregeln können zur Ungültigkeit einer Wahl oder sogar zur Amtsenthebung führen. Die Bestimmung funktioniert meist präventiv: Politikerinnen und Politiker prüfen bereits vor einer Kandidatur, ob sie ihr bisheriges Amt aufgeben müssten.", "doctrine_de": "# Art. 144 BV - Unvereinbarkeit\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Unvereinbarkeitsbestimmungen haben eine lange verfassungsrechtliche Tradition. Bereits die Bundesverfassung von 1848 kannte in Art. 66, 70, 85 und 97 entsprechende Regelungen. Die BV 1874 führte diese in Art. 77, 81, 97 und 108 fort (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 1). Bei der Totalrevision 1999 wurden die verschiedenen Bestimmungen systematisch in Art. 144 BV zusammengeführt. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., 377 f.) hielt fest, dass die Bestimmung die bisherigen Unvereinbarkeiten unverändert übernimmt und deren Systematisierung bezweckt.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 2** Art. 144 BV steht im 5. Kapitel «Bundesbehörden» und bildet zusammen mit → Art. 143 BV (Wählbarkeit) und → Art. 145 BV (Amtsdauer) die allgemeinen Bestimmungen für alle Bundesbehörden. Die Norm konkretisiert das Gewaltenteilungsprinzip (→ Art. 5 Abs. 1 BV) auf personeller Ebene.\n\n**N. 3** Die Bestimmung ist im Zusammenhang mit weiteren Unvereinbarkeitsregeln zu lesen: Art. 14 ParlG für Parlamentsmitglieder, Art. 61 RVOG für Bundesangestellte, Art. 6 ff. BGG für Bundesrichterinnen und -richter. Diese gesetzlichen Bestimmungen konkretisieren und ergänzen die verfassungsrechtlichen Vorgaben gemäss Art. 144 Abs. 3 BV.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Personelle Gewaltenteilung (Abs. 1)\n\n**N. 4** Art. 144 Abs. 1 BV verbietet die gleichzeitige Mitgliedschaft in mehreren obersten Bundesbehörden. Erfasst sind:\n- Mitglieder des Nationalrates\n- Mitglieder des Ständerates\n- Mitglieder des Bundesrates\n- Richterinnen und Richter des Bundesgerichts\n\n**N. 5** Der Begriff «gleichzeitig» ist streng auszulegen. Bereits die Wahl in eine andere Behörde löst die Unvereinbarkeit aus, nicht erst die Amtsausübung. Bei Doppelwahlen muss sich die betroffene Person unverzüglich für ein Amt entscheiden (Beeler, Personelle Gewaltentrennung, S. 85 ff.).\n\n**N. 6** Nicht explizit erfasst ist die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler. Die herrschende Lehre postuliert jedoch eine analoge Anwendung von Art. 144 Abs. 1 BV auf diese Position als Stabschef des Bundesrates (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10).\n\n#### 3.2 Einschränkung anderer Tätigkeiten (Abs. 2)\n\n**N. 7** Abs. 2 statuiert ein qualifiziertes Unvereinbarkeitsregime für Bundesratsmitglieder und vollamtliche Bundesrichterinnen und -richter. Verboten sind:\n- andere Ämter des Bundes oder eines Kantons\n- andere Erwerbstätigkeiten\n\n**N. 8** Der Begriff «anderes Amt» umfasst jede dauernde oder vorübergehende öffentliche Funktion mit hoheitlichem Charakter. Nicht erfasst sind reine Ehrenämter ohne Entscheidungsbefugnisse (Buffat, Les Incompatibilités, S. 122 ff.).\n\n**N. 9** «Erwerbstätigkeit» meint jede auf Erwerb gerichtete Tätigkeit, unabhängig von der Höhe des Entgelts. Die herrschende Lehre will jedoch Bundesräten Nebenbeschäftigungen gegen geringes und unregelmässiges Entgelt zugestehen, sofern diese die Amtsführung nicht beeinträchtigen (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n**N. 10** Für Bundesrichterinnen und -richter gilt die gleiche Grundregel, wobei Art. 6 Abs. 2 BGG explizit wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeiten sowie Lehraufträge zulässt. Die herrschende Lehre postuliert, dass entgeltliche Nebenbeschäftigungen erlaubt werden können, sofern diese die integre Amtsführung nicht beeinträchtigen (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n#### 3.3 Gesetzliche Unvereinbarkeiten (Abs. 3)\n\n**N. 11** Abs. 3 ermächtigt den Gesetzgeber, weitere Unvereinbarkeiten vorzusehen. Davon hat er in verschiedenen Erlassen Gebrauch gemacht:\n- Art. 14 ParlG: Unvereinbarkeit für Parlamentsmitglieder mit Bundesangestellten und weiteren Funktionen\n- Art. 6 ff. BGG: detaillierte Regelung für Bundesrichterinnen und -richter\n- Art. 20 RVOG: Unvereinbarkeit für persönliche Mitarbeiter der Departementschefs\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Die Unvereinbarkeit tritt kraft Verfassung ein. Bei Verstoss gegen Abs. 1 ist die später erfolgte Wahl nichtig. Die betroffene Person muss sich unverzüglich für eines der Ämter entscheiden.\n\n**N. 13** Bei Verstössen gegen Abs. 2 drohen disziplinarische Massnahmen bis zur Amtsenthebung. Für Bundesrichterinnen und -richter sieht Art. 11a ParlG ein Amtsenthebungsverfahren vor.\n\n**N. 14** Rechtshandlungen, die unter Verletzung der Unvereinbarkeitsregeln vorgenommen wurden, bleiben grundsätzlich gültig. Die Unvereinbarkeit betrifft nur das Dienstverhältnis, nicht die Gültigkeit der Amtshandlungen (Seferovic, Das Schweizerische Bundesgericht, S. 245).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** Umstritten ist die Zulässigkeit der Einsitznahme von Exekutivmitgliedern in Verwaltungsräten gemischtwirtschaftlicher Unternehmen. Poledna/Schweizer (ZBl 2014, 347 ff.) sehen darin einen Verstoss gegen Art. 144 Abs. 2 BV, während Buob (Aktiengesellschaften, S. 187 ff.) dies bei klarer gesetzlicher Grundlage für zulässig hält.\n\n**N. 16** Kontrovers diskutiert wird auch die Reichweite des Begriffs «Erwerbstätigkeit». Während eine restriktive Auslegung jede entgeltliche Tätigkeit erfasst, plädiert die herrschende Lehre für eine teleologische Reduktion bei geringfügigen Tätigkeiten (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14; Baumann et al., LeGes 2008/2, 217 ff.).\n\n**N. 17** Die analoge Anwendung auf den Bundeskanzler ist ebenfalls nicht unbestritten. Während die herrschende Lehre diese bejaht (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10), verweisen Kritiker auf den klaren Wortlaut der Verfassung und die bewusste Nichterwähnung (Gassmann, Gesetzgebungsbulletin 1/1999, XIII ff.).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Kandidatur für ein Bundesamt ist vorgängig zu prüfen, ob Unvereinbarkeiten bestehen. Insbesondere Bundesangestellte müssen vor einer Parlamentskandidatur ihr Dienstverhältnis klären.\n\n**N. 19** Mandate in Verwaltungsräten öffentlicher Unternehmen sind für Bundesratsmitglieder nur bei expliziter gesetzlicher Grundlage zulässig. Die blosse Eignervertretung des Bundes genügt nicht (Stöckli, SGP 2014, 3 ff.).\n\n**N. 20** Wissenschaftliche und publizistische Tätigkeiten von Bundesrichterinnen und -richtern sind zulässig, müssen aber Mass halten und dürfen die richterliche Unabhängigkeit nicht gefährden. Die Entgegennahme von Honoraren ist transparent zu handhaben (Portmann/Uhlmann, BPG, Art. 23 N. 15).", "caselaw_de": "# Art. 144 BV - Unvereinbarkeit\n\n## Rechtsprechung\n\n### Fehlende höchstrichterliche Rechtsprechung\n\nZu Art. 144 BV existiert keine publizierte Rechtsprechung des Bundesgerichts. Dies erklärt sich aus der Natur der Bestimmung: Die Unvereinbarkeitsregeln sind selbstexekutierende Verfassungsnormen, deren Beachtung primär durch die politischen Institutionen selbst sicherzustellen ist. Verstösse würden typischerweise im Rahmen der parlamentarischen Kontrolle oder durch administrative Verfahren behandelt, nicht durch gerichtliche Entscheidungen.\n\n### Verwaltungsrechtliche Entscheidungen zu Amtsunvereinbarkeiten\n\nDie spärliche Rechtsprechung zu Unvereinbarkeitsfragen betrifft hauptsächlich kantonale und kommunale Amtsträger sowie die Anwendung entsprechender kantonaler Bestimmungen. Diese Entscheidungen sind für die Auslegung von Art. 144 BV nur beschränkt relevant, da sie andere Rechtsnormen betreffen.\n\n### Parlamentarische Praxis\n\nDie praktische Anwendung von Art. 144 BV erfolgt primär durch die parlamentarische Praxis bei der Wahlprüfung und durch präventive Massnahmen der betroffenen Behörden. Entsprechende Verfahren führen nicht zu publizierten Gerichtsentscheidungen, sondern werden in den Geschäftsberichten der Bundesversammlung und der Verwaltung dokumentiert.\n\n### Rechtsvergleichende Aspekte\n\nWährend die Schweizer Rechtsprechung zu Art. 144 BV fehlt, existiert in anderen Rechtsordnungen umfangreiche Judikatur zu ähnlichen Inkompatibilitätsregeln. Diese kann für die Auslegung der schweizerischen Bestimmung herangezogen werden, wobei die spezifischen institutionellen Gegebenheiten des schweizerischen Regierungssystems zu beachten sind.\n\n### Bedeutung für die Rechtspraxis\n\nDas Fehlen gerichtlicher Entscheidungen zu Art. 144 BV ist nicht als Regelungslücke zu verstehen, sondern als Zeichen dafür, dass die Unvereinbarkeitsregeln in der Praxis weitgehend beachtet werden. Die politische Tragweite der Bestimmung und die Öffentlichkeitswirkung potentieller Verstösse sorgen für eine präventive Einhaltung der Vorschriften.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 144 Cst. - Incompatibilité\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** Les dispositions d'incompatibilité ont une longue tradition de droit constitutionnel. Déjà la Constitution fédérale de 1848 connaissait aux art. 66, 70, 85 et 97 des règles correspondantes. La CF 1874 les a poursuivies aux art. 77, 81, 97 et 108 (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 1). Lors de la révision totale de 1999, les différentes dispositions ont été regroupées systématiquement à l'art. 144 Cst. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 ss, 377 s.) stipulait que la disposition reprend sans modification les incompatibilités existantes et vise leur systématisation.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 2** L'art. 144 Cst. se trouve dans le 5e chapitre « Autorités fédérales » et forme avec → l'art. 143 Cst. (Éligibilité) et → l'art. 145 Cst. (Durée de fonction) les dispositions générales pour toutes les autorités fédérales. La norme concrétise le principe de la séparation des pouvoirs (→ art. 5 al. 1 Cst.) au niveau personnel.\n\n**N. 3** La disposition doit être lue en lien avec d'autres règles d'incompatibilité : l'art. 14 LParl pour les membres du Parlement, l'art. 61 LOGA pour les employés fédéraux, les art. 6 ss LTF pour les juges fédéraux. Ces dispositions légales concrétisent et complètent les exigences constitutionnelles selon l'art. 144 al. 3 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### 3.1 Séparation personnelle des pouvoirs (al. 1)\n\n**N. 4** L'art. 144 al. 1 Cst. interdit l'appartenance simultanée à plusieurs autorités fédérales suprêmes. Sont visés :\n- les membres du Conseil national\n- les membres du Conseil des États\n- les membres du Conseil fédéral\n- les juges du Tribunal fédéral\n\n**N. 5** Le terme « simultanément » doit être interprété strictement. Déjà l'élection à une autre autorité déclenche l'incompatibilité, et non pas seulement l'exercice de la fonction. En cas de doubles élections, la personne concernée doit choisir immédiatement pour une fonction (Beeler, Personelle Gewaltentrennung, p. 85 ss).\n\n**N. 6** La chancelière ou le chancelier fédéral ne sont pas explicitement visés. La doctrine dominante postule cependant une application analogique de l'art. 144 al. 1 Cst. à cette position en tant que chef d'état-major du Conseil fédéral (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10).\n\n#### 3.2 Restriction d'autres activités (al. 2)\n\n**N. 7** L'al. 2 statue un régime d'incompatibilité qualifié pour les membres du Conseil fédéral et les juges fédéraux à plein temps. Sont interdites :\n- d'autres charges de la Confédération ou d'un canton\n- d'autres activités lucratives\n\n**N. 8** Le terme « autre charge » comprend toute fonction publique permanente ou temporaire à caractère souverain. Ne sont pas visées les charges purement honorifiques sans pouvoirs de décision (Buffat, Les Incompatibilités, p. 122 ss).\n\n**N. 9** « Activité lucrative » signifie toute activité visant un gain, indépendamment de la hauteur de la rémunération. La doctrine dominante veut cependant accorder aux conseillers fédéraux des activités accessoires contre une rémunération faible et irrégulière, pour autant qu'elles ne portent pas atteinte à l'exercice de la fonction (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n**N. 10** Pour les juges fédéraux s'applique la même règle de base, l'art. 6 al. 2 LTF autorisant explicitement les activités scientifiques et artistiques ainsi que les mandats d'enseignement. La doctrine dominante postule que des activités accessoires rémunérées peuvent être autorisées, pour autant qu'elles ne portent pas atteinte à l'exercice intègre de la fonction (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n#### 3.3 Incompatibilités légales (al. 3)\n\n**N. 11** L'al. 3 autorise le législateur à prévoir d'autres incompatibilités. Il en a fait usage dans différents actes :\n- art. 14 LParl : incompatibilité pour les membres du Parlement avec les employés fédéraux et d'autres fonctions\n- art. 6 ss LTF : règlement détaillé pour les juges fédéraux\n- art. 20 LOGA : incompatibilité pour les collaborateurs personnels des chefs de département\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** L'incompatibilité entre en force de la Constitution. En cas de violation de l'al. 1, l'élection ultérieure est nulle. La personne concernée doit choisir immédiatement pour une des fonctions.\n\n**N. 13** En cas de violations de l'al. 2 menacent des mesures disciplinaires jusqu'à la destitution. Pour les juges fédéraux, l'art. 11a LParl prévoit une procédure de destitution.\n\n**N. 14** Les actes juridiques accomplis en violation des règles d'incompatibilité demeurent en principe valables. L'incompatibilité ne concerne que le rapport de service, non la validité des actes de fonction (Seferovic, Das Schweizerische Bundesgericht, p. 245).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 15** La licéité de la participation de membres de l'exécutif aux conseils d'administration d'entreprises d'économie mixte est controversée. Poledna/Schweizer (ZBl 2014, 347 ss) y voient une violation de l'art. 144 al. 2 Cst., tandis que Buob (Aktiengesellschaften, p. 187 ss) l'estime licite avec une base légale claire.\n\n**N. 16** La portée du terme « activité lucrative » est aussi discutée de manière controversée. Tandis qu'une interprétation restrictive saisit toute activité rémunérée, la doctrine dominante plaide pour une réduction téléologique pour les activités mineures (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14; Baumann et al., LeGes 2008/2, 217 ss).\n\n**N. 17** L'application analogique au chancelier fédéral n'est pas non plus incontestée. Tandis que la doctrine dominante l'affirme (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10), les critiques renvoient au libellé clair de la Constitution et à la non-mention consciente (Gassmann, Gesetzgebungsbulletin 1/1999, XIII ss).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de la candidature pour une charge fédérale, il faut examiner au préalable si des incompatibilités existent. Les employés fédéraux en particulier doivent clarifier leur rapport de service avant une candidature au Parlement.\n\n**N. 19** Les mandats dans les conseils d'administration d'entreprises publiques ne sont licites pour les membres du Conseil fédéral qu'avec une base légale explicite. La simple représentation du propriétaire de la Confédération ne suffit pas (Stöckli, SGP 2014, 3 ss).\n\n**N. 20** Les activités scientifiques et journalistiques des juges fédéraux sont licites, mais doivent garder la mesure et ne doivent pas mettre en danger l'indépendance judiciaire. L'acceptation d'honoraires doit être gérée de manière transparente (Portmann/Uhlmann, BPG, Art. 23 N. 15).", "caselaw_fr": "# Art. 144 Cst - Incompatibilités\n\n## Jurisprudence\n\n### Absence de jurisprudence de la plus haute instance judiciaire\n\nIl n'existe aucune jurisprudence publiée du Tribunal fédéral concernant l'art. 144 Cst. Ceci s'explique par la nature de cette disposition : les règles d'incompatibilité sont des normes constitutionnelles auto-exécutoires, dont le respect doit être assuré en premier lieu par les institutions politiques elles-mêmes. Les violations seraient typiquement traitées dans le cadre du contrôle parlementaire ou par des procédures administratives, et non par des décisions judiciaires.\n\n### Décisions de droit administratif concernant les incompatibilités de fonction\n\nLa jurisprudence clairsemée relative aux questions d'incompatibilité concerne principalement les détenteurs de charges cantonales et communales ainsi que l'application de dispositions cantonales correspondantes. Ces décisions ne sont que de manière limitée pertinentes pour l'interprétation de l'art. 144 Cst, car elles concernent d'autres normes juridiques.\n\n### Pratique parlementaire\n\nL'application pratique de l'art. 144 Cst s'effectue principalement par la pratique parlementaire lors de la vérification des élections et par des mesures préventives des autorités concernées. Les procédures correspondantes ne donnent pas lieu à des décisions de justice publiées, mais sont documentées dans les rapports de gestion de l'Assemblée fédérale et de l'administration.\n\n### Aspects de droit comparé\n\nAlors que la jurisprudence suisse concernant l'art. 144 Cst fait défaut, il existe dans d'autres ordres juridiques une jurisprudence étendue relative à des règles d'incompatibilité similaires. Celle-ci peut être utilisée pour l'interprétation de la disposition suisse, en tenant compte des particularités institutionnelles spécifiques du système gouvernemental suisse.\n\n### Signification pour la pratique juridique\n\nL'absence de décisions judiciaires concernant l'art. 144 Cst ne doit pas être comprise comme une lacune réglementaire, mais comme le signe que les règles d'incompatibilité sont largement respectées dans la pratique. La portée politique de cette disposition et l'effet sur l'opinion publique de violations potentielles assurent un respect préventif des prescriptions.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 144 Cost. - Incompatibilità\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** Le disposizioni sulle incompatibilità hanno una lunga tradizione di diritto costituzionale. Già la Costituzione federale del 1848 conosceva corrispondenti regolamentazioni negli art. 66, 70, 85 e 97. La Cost. 1874 proseguì queste negli art. 77, 81, 97 e 108 (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 1). Durante la revisione totale del 1999 le varie disposizioni furono sistematicamente riunite nell'art. 144 Cost. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 seg., 377 seg.) stabilì che la disposizione riprende immutate le incompatibilità precedenti e mira alla loro sistematizzazione.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 2** L'art. 144 Cost. si trova nel 5° capitolo «Autorità federali» e forma insieme all'→ art. 143 Cost. (eleggibilità) e all'→ art. 145 Cost. (durata di mandato) le disposizioni generali per tutte le autorità federali. La norma concretizza il principio della separazione dei poteri (→ art. 5 cpv. 1 Cost.) a livello personale.\n\n**N. 3** La disposizione deve essere letta in relazione con ulteriori regole di incompatibilità: art. 14 LParl per i membri del Parlamento, art. 61 LOGA per gli impiegati federali, art. 6 seg. LTF per i giudici federali. Queste disposizioni legali concretizzano e completano le prescrizioni di diritto costituzionale secondo l'art. 144 cpv. 3 Cost.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### 3.1 Separazione personale dei poteri (cpv. 1)\n\n**N. 4** L'art. 144 cpv. 1 Cost. vieta l'appartenenza simultanea a più autorità federali supreme. Sono compresi:\n- i membri del Consiglio nazionale\n- i membri del Consiglio degli Stati\n- i membri del Consiglio federale\n- i giudici del Tribunale federale\n\n**N. 5** Il concetto di «simultaneamente» deve essere interpretato rigorosamente. Già l'elezione in un'altra autorità scatena l'incompatibilità, non solo l'esercizio della carica. In caso di doppie elezioni la persona interessata deve decidere immediatamente per una carica (Beeler, Personelle Gewaltentrennung, p. 85 seg.).\n\n**N. 6** Non è esplicitamente compresa la Cancelliera o il Cancelliere della Confederazione. La dottrina dominante postula tuttavia un'applicazione analogica dell'art. 144 cpv. 1 Cost. a questa posizione quale capo di stato maggiore del Consiglio federale (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10).\n\n#### 3.2 Limitazione di altre attività (cpv. 2)\n\n**N. 7** Il cpv. 2 stabilisce un regime di incompatibilità qualificato per i membri del Consiglio federale e per i giudici federali che esercitano a tempo pieno. Sono vietati:\n- altri uffici della Confederazione o di un Cantone\n- altre attività lucrative\n\n**N. 8** Il concetto di «altro ufficio» comprende ogni funzione pubblica duratura o temporanea con carattere sovrano. Non sono compresi i puri uffici onorari senza competenze decisionali (Buffat, Les Incompatibilités, p. 122 seg.).\n\n**N. 9** «Attività lucrativa» significa ogni attività orientata al lucro, indipendentemente dall'entità del compenso. La dottrina dominante vuole tuttavia concedere ai consiglieri federali occupazioni accessorie contro compenso modesto e irregolare, purché non compromettano l'esercizio della carica (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n**N. 10** Per i giudici federali vale la stessa regola fondamentale, mentre l'art. 6 cpv. 2 LTF ammette esplicitamente attività scientifiche e artistiche nonché incarichi di insegnamento. La dottrina dominante postula che possono essere permesse occupazioni accessorie retribuite, purché non compromettano l'esercizio integro della carica (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n#### 3.3 Incompatibilità legali (cpv. 3)\n\n**N. 11** Il cpv. 3 autorizza il legislatore a prevedere ulteriori incompatibilità. Di ciò ha fatto uso in vari atti normativi:\n- Art. 14 LParl: incompatibilità per i membri del Parlamento con gli impiegati federali e ulteriori funzioni\n- Art. 6 seg. LTF: regolamentazione dettagliata per i giudici federali\n- Art. 20 LOGA: incompatibilità per i collaboratori personali dei capi dipartimento\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** L'incompatibilità entra in vigore in virtù della Costituzione. In caso di violazione del cpv. 1 l'elezione avvenuta successivamente è nulla. La persona interessata deve decidere immediatamente per una delle cariche.\n\n**N. 13** In caso di violazioni del cpv. 2 minacciano misure disciplinari fino alla destituzione. Per i giudici federali l'art. 11a LParl prevede una procedura di destituzione.\n\n**N. 14** Gli atti giuridici compiuti violando le regole di incompatibilità rimangono in principio validi. L'incompatibilità concerne solo il rapporto di servizio, non la validità degli atti d'ufficio (Seferovic, Das Schweizerische Bundesgericht, p. 245).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 15** È controversa l'ammissibilità della partecipazione di membri dell'esecutivo nei consigli d'amministrazione di imprese di economia mista. Poledna/Schweizer (ZBl 2014, 347 seg.) vi vedono una violazione dell'art. 144 cpv. 2 Cost., mentre Buob (Aktiengesellschaften, p. 187 seg.) lo ritiene ammissibile in presenza di chiara base legal.\n\n**N. 16** È discussa in modo controverso anche la portata del concetto di «attività lucrativa». Mentre un'interpretazione restrittiva comprende ogni attività retribuita, la dottrina dominante propugna una riduzione teleologica per le attività di poco conto (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14; Baumann et al., LeGes 2008/2, 217 seg.).\n\n**N. 17** Anche l'applicazione analogica al Cancelliere della Confederazione non è incontestata. Mentre la dottrina dominante l'afferma (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10), i critici rimandano al tenore chiaro della Costituzione e alla mancata menzione consapevole (Gassmann, Gesetzgebungsbulletin 1/1999, XIII seg.).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Per la candidatura a una carica federale deve essere verificato preliminarmente se sussistono incompatibilità. In particolare gli impiegati federali devono chiarire il loro rapporto di servizio prima di una candidatura parlamentare.\n\n**N. 19** I mandati nei consigli d'amministrazione di imprese pubbliche sono ammessi per i membri del Consiglio federale solo con esplicita base legale. La mera rappresentanza proprietaria della Confederazione non basta (Stöckli, SGP 2014, 3 seg.).\n\n**N. 20** Le attività scientifiche e pubblicistiche dei giudici federali sono ammesse, ma devono essere moderate e non possono mettere in pericolo l'indipendenza giudiziaria. L'accettazione di onorari deve essere gestita in modo trasparente (Portmann/Uhlmann, BPG, Art. 23 N. 15).", "caselaw_it": "# Art. 144 Cost. - Incompatibilità\n\n## Giurisprudenza\n\n### Mancanza di giurisprudenza del Tribunale federale\n\nPer l'art. 144 Cost. non esiste giurisprudenza pubblicata del Tribunale federale. Ciò si spiega con la natura della disposizione: le regole di incompatibilità sono norme costituzionali auto-esecutive, il cui rispetto deve essere garantito primariamente dalle stesse istituzioni politiche. Le violazioni sarebbero tipicamente trattate nell'ambito del controllo parlamentare o mediante procedure amministrative, non attraverso decisioni giudiziarie.\n\n### Decisioni di diritto amministrativo relative a incompatibilità di cariche\n\nLa scarsa giurisprudenza su questioni di incompatibilità riguarda principalmente titolari di cariche cantonali e comunali e l'applicazione delle corrispondenti disposizioni cantonali. Queste decisioni hanno una rilevanza limitata per l'interpretazione dell'art. 144 Cost., poiché concernono altre norme giuridiche.\n\n### Prassi parlamentare\n\nL'applicazione pratica dell'art. 144 Cost. avviene primariamente attraverso la prassi parlamentare nell'esame delle elezioni e mediante misure preventive delle autorità interessate. Le corrispondenti procedure non portano a decisioni giudiziarie pubblicate, ma vengono documentate nei rapporti di gestione dell'Assemblea federale e dell'Amministrazione.\n\n### Aspetti di diritto comparato\n\nMentre manca la giurisprudenza svizzera sull'art. 144 Cost., in altri ordinamenti giuridici esiste un'ampia giurisprudenza su regole di incompatibilità simili. Questa può essere utilizzata per l'interpretazione della disposizione svizzera, tenendo conto delle specifiche caratteristiche istituzionali del sistema di governo svizzero.\n\n### Significato per la prassi giuridica\n\nL'assenza di decisioni giudiziarie sull'art. 144 Cost. non deve essere intesa come una lacuna normativa, ma come segno del fatto che le regole di incompatibilità sono ampiamente rispettate nella prassi. La portata politica della disposizione e l'effetto sulla pubblica opinione di potenziali violazioni garantiscono un rispetto preventivo delle prescrizioni.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 144 BV - Incompatibility\n\n## Doctrine\n\n### 1. History of Enactment\n\n**N. 1** The incompatibility provisions have a long constitutional tradition. The Federal Constitution of 1848 already contained corresponding regulations in Art. 66, 70, 85 and 97. The BV 1874 continued these in Art. 77, 81, 97 and 108 (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 1). During the total revision of 1999, the various provisions were systematically consolidated in Art. 144 BV. The Federal Council Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., 377 f.) stated that the provision takes over the existing incompatibilities unchanged and aims at their systematisation.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 2** Art. 144 BV is located in Chapter 5 \"Federal Authorities\" and, together with → Art. 143 BV (Eligibility) and → Art. 145 BV (Terms of Office), forms the general provisions for all federal authorities. The norm concretises the principle of separation of powers (→ Art. 5 para. 1 BV) at the personal level.\n\n**N. 3** The provision must be read in connection with further incompatibility rules: Art. 14 ParlA for members of parliament, Art. 61 GAOA for federal employees, Art. 6 ff. FCA for federal judges. These statutory provisions concretise and supplement the constitutional requirements according to Art. 144 para. 3 BV.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### 3.1 Personal Separation of Powers (Para. 1)\n\n**N. 4** Art. 144 para. 1 BV prohibits simultaneous membership in multiple supreme federal authorities. Covered are:\n- Members of the National Council\n- Members of the Council of States\n- Members of the Federal Council\n- Judges of the Federal Supreme Court\n\n**N. 5** The term \"simultaneously\" must be interpreted strictly. Election to another authority already triggers the incompatibility, not just the exercise of office. In case of dual elections, the affected person must decide immediately for one office (Beeler, Personelle Gewaltentrennung, p. 85 ff.).\n\n**N. 6** The Federal Chancellor is not explicitly covered. However, the prevailing doctrine postulates an analogous application of Art. 144 para. 1 BV to this position as chief of staff of the Federal Council (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10).\n\n#### 3.2 Restriction of Other Activities (Para. 2)\n\n**N. 7** Para. 2 establishes a qualified incompatibility regime for Federal Council members and full-time federal judges. Prohibited are:\n- other offices of the Confederation or a canton\n- other gainful activities\n\n**N. 8** The term \"other office\" encompasses any permanent or temporary public function with sovereign character. Pure honorary offices without decision-making powers are not covered (Buffat, Les Incompatibilités, p. 122 ff.).\n\n**N. 9** \"Gainful activity\" means any activity aimed at gain, regardless of the amount of remuneration. However, the prevailing doctrine wants to allow Federal Councillors secondary occupations for small and irregular remuneration, provided these do not impair the conduct of office (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n**N. 10** The same basic rule applies to federal judges, whereby Art. 6 para. 2 FCA explicitly permits scientific and artistic activities as well as teaching assignments. The prevailing doctrine postulates that remunerated secondary occupations can be permitted, provided these do not impair the integrity of office conduct (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14).\n\n#### 3.3 Statutory Incompatibilities (Para. 3)\n\n**N. 11** Para. 3 authorises the legislature to provide for further incompatibilities. It has made use of this in various enactments:\n- Art. 14 ParlA: incompatibility for members of parliament with federal employees and further functions\n- Art. 6 ff. FCA: detailed regulation for federal judges\n- Art. 20 GAOA: incompatibility for personal staff of department heads\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** The incompatibility occurs by force of the Constitution. In case of violation of para. 1, the later election is void. The affected person must immediately decide for one of the offices.\n\n**N. 13** In case of violations of para. 2, disciplinary measures up to removal from office are threatened. For federal judges, Art. 11a ParlA provides for a removal procedure.\n\n**N. 14** Legal acts performed in violation of the incompatibility rules remain valid in principle. The incompatibility only affects the service relationship, not the validity of official acts (Seferovic, Das Schweizerische Bundesgericht, p. 245).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 15** The permissibility of executive members taking seats on boards of directors of mixed-economy enterprises is disputed. Poledna/Schweizer (ZBl 2014, 347 ff.) see this as a violation of Art. 144 para. 2 BV, while Buob (Aktiengesellschaften, p. 187 ff.) considers this permissible with a clear statutory basis.\n\n**N. 16** The scope of the term \"gainful activity\" is also controversially discussed. While a restrictive interpretation covers any remunerated activity, the prevailing doctrine pleads for a teleological reduction for minor activities (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 14; Baumann et al., LeGes 2008/2, 217 ff.).\n\n**N. 17** The analogous application to the Federal Chancellor is also not undisputed. While the prevailing doctrine affirms this (Schaub, BSK BV, Art. 144 N. 10), critics refer to the clear wording of the Constitution and the deliberate non-mention (Gassmann, Gesetzgebungsbulletin 1/1999, XIII ff.).\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 18** When candidating for a federal office, it must be examined in advance whether incompatibilities exist. Federal employees in particular must clarify their service relationship before a parliamentary candidacy.\n\n**N. 19** Mandates on boards of directors of public enterprises are only permissible for Federal Council members with an explicit statutory basis. Mere owner representation of the Confederation is insufficient (Stöckli, SGP 2014, 3 ff.).\n\n**N. 20** Scientific and journalistic activities of federal judges are permissible, but must be moderate and may not endanger judicial independence. The acceptance of honoraria must be handled transparently (Portmann/Uhlmann, BPG, Art. 23 N. 15).", "caselaw_en": "# Art. 144 BV - Incompatibility\n\n## Case law\n\n### Absence of Supreme Court Case Law\n\nNo published case law of the Federal Supreme Court exists on Art. 144 BV. This can be explained by the nature of the provision: The incompatibility rules are self-executing constitutional norms whose observance is to be ensured primarily by the political institutions themselves. Violations would typically be dealt with through parliamentary control or administrative procedures, not through judicial decisions.\n\n### Administrative Law Decisions on Incompatibility of Office\n\nThe sparse case law on incompatibility issues mainly concerns cantonal and municipal office holders as well as the application of corresponding cantonal provisions. These decisions are only of limited relevance for the interpretation of Art. 144 BV since they concern other legal norms.\n\n### Parliamentary Practice\n\nThe practical application of Art. 144 BV occurs primarily through parliamentary practice in the verification of elections and through preventive measures by the authorities concerned. Corresponding procedures do not lead to published court decisions, but are documented in the business reports of the Federal Assembly and the administration.\n\n### Comparative Legal Aspects\n\nWhile Swiss case law on Art. 144 BV is absent, extensive jurisprudence on similar incompatibility rules exists in other legal systems. This can be drawn upon for the interpretation of the Swiss provision, whereby the specific institutional characteristics of the Swiss system of government must be taken into account.\n\n### Significance for Legal Practice\n\nThe absence of judicial decisions on Art. 144 BV is not to be understood as a regulatory gap, but as a sign that the incompatibility rules are largely observed in practice. The political significance of the provision and the public impact of potential violations ensure preventive compliance with the regulations.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_144", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 145, "article_suffix": "", "title": "Amtsdauer", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 145 BV regelt, wie lange wichtige Bundesämter dauern. Mitglieder des Nationalrates und des Bundesrates werden für vier Jahre gewählt. Das gilt auch für die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler. Bundesrichterinnen und Bundesrichter haben eine längere Amtszeit von sechs Jahren.\n\nDiese Regelung betrifft alle, die in diese Ämter gewählt werden wollen oder bereits im Amt sind. Die verschiedenen Amtsdauern haben wichtige Gründe. Bei politischen Ämtern sorgen die vier Jahre dafür, dass die Gewählten regelmässig dem Volk Rechenschaft ablegen müssen. Das stärkt die Demokratie.\n\nDie sechsjährige Amtsdauer für Bundesrichter hat einen anderen Zweck. Sie soll die Unabhängigkeit der Justiz schützen. Richter können ihre Entscheide treffen, ohne Angst vor schneller Abwahl haben zu müssen. Gleichzeitig müssen sie sich alle sechs Jahre einer Wiederwahl stellen.\n\nNach Ablauf der Amtszeit enden alle Rechte und Pflichten des Amtes automatisch. Eine Verlängerung gibt es nicht. Die betroffene Person muss neu gewählt werden, wenn sie im Amt bleiben will. Eine vorzeitige Abberufung aus politischen Gründen ist nicht erlaubt.\n\nEin praktisches Beispiel: Eine Nationalrätin wird 2023 gewählt. Ihre Amtszeit endet automatisch 2027, auch wenn sie gerne weitermachen möchte. Will sie im Amt bleiben, muss sie sich 2027 zur Wiederwahl stellen. Ein Bundesrichter, der 2022 gewählt wurde, bleibt bis 2028 im Amt und muss sich dann ebenfalls neu zur Wahl stellen.\n\nDie unterschiedlichen Amtsdauern schaffen ein Gleichgewicht zwischen demokratischer Kontrolle und unabhängiger Rechtsprechung. Sie sind ein wichtiger Baustein der schweizerischen Gewaltenteilung.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n**N. 1 Entstehungsgeschichte**\n\nArt. 145 BV wurde in der Totalrevision von 1999 ohne substantielle Änderungen aus der bisherigen Verfassung übernommen. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 421) hält fest, dass die Bestimmung die bisher in verschiedenen Artikeln verstreuten Regelungen über die Amtsdauer zusammenführt. Die vierjährige Amtsdauer für Nationalrat und Bundesrat war bereits seit 1848 verfassungsrechtlich verankert, während die sechsjährige Amtsdauer der Bundesrichter erstmals 1874 eingeführt wurde. Die differenzierte Ausgestaltung der Amtsdauern sollte bewusst beibehalten werden, um den unterschiedlichen funktionalen Anforderungen der drei Staatsgewalten Rechnung zu tragen.\n\n**N. 2 Systematische Einordnung**\n\nArt. 145 BV steht im 5. Titel über die Bundesbehörden und ist systematisch zwischen den Bestimmungen über die Wählbarkeit (Art. 143 f. BV) und der Inkompatibilität (Art. 144 BV) einerseits und den Immunitätsbestimmungen (Art. 162 BV) andererseits eingeordnet. Die Norm bildet zusammen mit → Art. 143 BV (Wählbarkeit) und → Art. 144 BV (Unvereinbarkeiten) das verfassungsrechtliche Fundament für die personelle Ausgestaltung der Bundesbehörden. Im Kontext der Gewaltenteilung (→ Art. 144 Abs. 1 BV) kommt der unterschiedlichen Amtsdauer von politischen Behörden und Justizorganen besondere Bedeutung zu.\n\n**N. 3 Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\n\nDie Bestimmung regelt abschliessend die Amtsdauer für drei Kategorien von Bundesämtern. Der **Begriff der Amtsdauer** bezeichnet den zeitlichen Rahmen, für den eine Person in ein Amt gewählt wird (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 3). Die vierjährige Amtsdauer für Nationalrat, Bundesrat und Bundeskanzler entspricht der **Legislaturperiode**, wodurch die demokratische Legitimation und politische Kohärenz gesichert werden. Die sechsjährige Amtsdauer der Bundesrichter weicht bewusst davon ab, um die richterliche Unabhängigkeit zu stärken (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 7). Die Norm enthält keine Regelung über die **Wiederwählbarkeit**, die sich aus → Art. 143 BV (unbeschränkte Wählbarkeit) ergibt.\n\n**N. 4 Rechtsfolgen**\n\nMit Ablauf der Amtsdauer erlöschen die mit dem Amt verbundenen Rechte und Pflichten von Verfassungs wegen. Eine automatische Verlängerung oder stillschweigende Fortsetzung des Amtes ist ausgeschlossen. Die **feste Amtsdauer** bedeutet nach der Lehre (Kiener, BSK BV, Art. 145 N. 10), dass die demokratische Legitimation staatlicher Macht immer nur für eine überschaubare Dauer geleistet werden kann. Während der Amtsdauer besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Ausübung des Amtes; eine **vorzeitige Abberufung** aus politischen Gründen ist verfassungsrechtlich unzulässig (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 8). Aus nichtpolitischen Gründen (Amtsunfähigkeit, grobe Amtspflichtverletzung) kann jedoch eine Amtsenthebung erfolgen, wobei für Bundesrichter das Instrument der Nichtwiederwahl als funktionales Äquivalent dient (JAAC 68.49).\n\n**N. 5 Streitstände**\n\nDie Doktrin ist in zwei zentralen Fragen gespalten. Erstens besteht Uneinigkeit über die **Verfassungsmässigkeit der Altersgrenze** für Bundesrichter nach Art. 9 Abs. 2 BGG. Während die Botschaft Bundesrechtspflege die Vereinbarkeit mit Art. 143 BV bejaht, vertreten Fischbacher, Biaggini, Gächter und Kiener die Auffassung, die Regelung stehe nicht im Einklang mit Art. 143 BV, da sie eine neue Wählbarkeitsvoraussetzung festschreibe. Zweitens ist die **Zulässigkeit einer Amtsenthebung** von Bundesrichtern durch die Bundesversammlung umstritten. Biaggini, Kiener, Rhinow und Schefer halten eine solche Amtsenthebung mittels referendumspflichtigen Bundesbeschlusses für verfassungswidrig, während der St. Galler Kommentar (Ehrenzeller) und ein Gutachten zumindest Zweifel an der Verfassungsmässigkeit äussern. Ein dritter Streitpunkt betrifft die **optimale Amtsdauer** für Bundesrichter: Raselli (BSK BV, Art. 145 N. 35) fordert eine Verlängerung der Amtsdauer oder alternativ eine Wahl auf Lebenszeit unter Verzicht auf die Wiederwahlmöglichkeit, während Tschannen (BSK BV, Art. 145 N. 35) sich kritisch zu einer lebenslänglichen Amtszeit äussert.\n\n**N. 6 Praxishinweise**\n\nDie unterschiedlichen Amtsdauern haben erhebliche praktische Konsequenzen für die Amtsführung. Bei **Bundesrichtern** erfolgt alle sechs Jahre eine Gesamterneuerungswahl durch die Vereinigte Bundesversammlung (→ Art. 168 Abs. 1 BV), wobei gestaffelte Wahlen zur Kontinuität der Rechtsprechung beitragen. Die **Altersgrenze** von 68 Jahren (Art. 9 Abs. 2 BGG) führt dazu, dass Bundesrichter ihr Amt auch während einer laufenden Amtsperiode niederlegen müssen. Für **Nationalräte** bedeutet die vierjährige Amtsdauer, dass sie sich regelmässig dem Wählervotum stellen müssen, was die demokratische Rückbindung verstärkt. Bei **Bundesräten** hat sich trotz formeller Wiederwählbarkeit eine Praxis der faktischen Inamovibilität entwickelt — Nichtwiederwahlen sind äusserst selten. Die **Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler** wird zeitgleich mit dem Bundesrat für vier Jahre gewählt (→ Art. 175 Abs. 2 BV), wodurch die Kohärenz der Exekutive gesichert wird. Bei vorzeitigen Rücktritten erfolgen Ersatzwahlen nur für den Rest der laufenden Amtsdauer.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Richterliche Unabhängigkeit und Amtsdauer\n\n**BGE 147 I 1** vom 16. Juli 2020\nNichtwiederwahl eines Verwaltungsrichters aus Altersgründen; Vereinbarkeit mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen\n\nDas Bundesgericht bestätigt, dass feste Amtszeiten für Richterinnen und Richter ein zentrales Element der richterlichen Unabhängigkeit darstellen.\n\n> «Der Anspruch auf ein unabhängiges Gericht ist durch feste Amtszeiten gewährleistet. Die Praxis des Kantonsrats, Richterinnen und Richter der obersten kantonalen Gerichte nicht wiederzuwählen, wenn sie zu Beginn der neuen Amtsperiode das 65. Altersjahr bereits vollendet haben, ist mit dem Legalitätsprinzip vereinbar, auch wenn das kantonale Recht keine altersbezogene Regelung kennt.»\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlagen der Amtsdauer\n\n**BGE 112 IA 233** vom 15. Oktober 1986  \nWahl von Strafgerichtspräsidenten; stille Wahl bei Erneuerungswahlen\n\nDas Bundesgericht anerkennt die Bedeutung regelmässiger Erneuerungswahlen für die demokratische Legitimation richterlicher Ämter.\n\n> «Das Wahlrecht der Bürger wird nicht verletzt, wenn bei Erneuerungswahlen von Strafgerichtspräsidenten die hiefür vorgeschlagenen Kandidaten als in stiller Wahl gewählt erklärt werden, weil ihre Zahl mit derjenigen der zu besetzenden Ämter übereinstimmt. Wichtig ist allerdings, dass in der amtlichen Wahlausschreibung auf die Möglichkeit der stillen Wahl, das Vorschlagsrecht der Stimmbürger und auf die weiteren Regeln über die Durchführung der Wahl in genügender Weise hingewiesen wird.»\n\n### Amtsdauer als Disziplinarinstrument\n\n**JAAC 68.49** vom 14. August 2003\nDisziplinarische Verantwortlichkeit der Bundesrichter; System der kurzen Amtsperioden\n\nDie Rechtsprechung anerkennt das System kurzer, aber erneuerbarer Amtszeiten als funktionales Äquivalent zu formellen Disziplinarverfahren.\n\n> «Das schweizerische System der Wahl auf eine verhältnismässig kurze Amtsdauer mit Wiederwahlerfordernis bietet die Möglichkeit, einem Bundesrichter die Wiederwahl zu versagen, wenn seine Amtsunfähigkeit oder grobe Amtspflichtverletzungen erwiesen sind. Das Institut der kurzen Amtsperiode erfüllt zum Teil disziplinarische Funktionen und macht damit eine eigentliche disziplinarische Verantwortlichkeit entbehrlich. Das 'Notventil' der Nichtwiederwahl steht zwar nur alle sechs Jahre zur Verfügung.»\n\n### Parlamentarische Wahlverfahren\n\nDie Rechtsprechung zu parlamentarischen Wahlverfahren zeigt, dass die vierjährige Amtsdauer von Nationalrat und Bundesrat nicht nur als organisationsrechtliche Bestimmung, sondern als Grundlage für die Kontinuität und Legitimation der politischen Institutionen zu verstehen ist. Die regelmässige Erneuerung gewährleistet sowohl demokratische Kontrolle als auch institutionelle Stabilität.\n\n### Verhältnis zwischen verschiedenen Amtsdauern\n\nDie unterschiedlichen Amtsdauern (vier Jahre für die politischen Organe, sechs Jahre für die Bundesrichter) spiegeln die funktionalen Unterschiede zwischen den Gewalten wider. Während die kürzere politische Amtsdauer die demokratische Responsivität sichert, dient die längere richterliche Amtsdauer der Gewährleistung richterlicher Unabhängigkeit bei gleichzeitiger periodischer Rechenschaftspflicht.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 145 Cst. règle la durée des principales charges fédérales. Les membres du Conseil national et du Conseil fédéral sont élus pour quatre ans. Cela vaut également pour la chancelière ou le chancelier de la Confédération. Les juges fédéraux ont une durée de fonction plus longue de six ans.\n\nCette réglementation concerne toutes les personnes qui souhaitent être élues à ces charges ou qui sont déjà en fonction. Les différentes durées de fonction ont des raisons importantes. Pour les charges politiques, les quatre années garantissent que les élus doivent régulièrement rendre compte au peuple. Cela renforce la démocratie.\n\nLa durée de fonction de six ans pour les juges fédéraux a un autre objectif. Elle doit protéger l'indépendance de la justice. Les juges peuvent prendre leurs décisions sans craindre une révocation rapide. En même temps, ils doivent se soumettre à une réélection tous les six ans.\n\nÀ l'expiration de la durée de fonction, tous les droits et obligations de la charge prennent fin automatiquement. Il n'y a pas de prolongation. La personne concernée doit être réélue si elle veut rester en fonction. Une révocation anticipée pour des raisons politiques n'est pas autorisée.\n\nUn exemple pratique : une conseillère nationale est élue en 2023. Sa durée de fonction se termine automatiquement en 2027, même si elle aimerait continuer. Si elle veut rester en fonction, elle doit se présenter à la réélection en 2027. Un juge fédéral élu en 2022 reste en fonction jusqu'en 2028 et doit alors également se présenter à une nouvelle élection.\n\nLes différentes durées de fonction créent un équilibre entre le contrôle démocratique et une justice indépendante. Elles constituent un élément important de la séparation des pouvoirs suisse.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n**N. 1 Genèse**\n\nL'art. 145 Cst. a été repris de l'ancienne Constitution lors de la révision totale de 1999 sans modifications substantielles. Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 421) précise que la disposition regroupe les règles relatives à la durée du mandat qui étaient auparavant dispersées dans différents articles. La durée de mandat de quatre ans pour le Conseil national et le Conseil fédéral était déjà ancrée constitutionnellement depuis 1848, tandis que la durée de mandat de six ans des juges fédéraux fut introduite pour la première fois en 1874. La configuration différenciée des durées de mandat devait être consciemment maintenue afin de tenir compte des exigences fonctionnelles distinctes des trois pouvoirs de l'État.\n\n**N. 2 Classification systématique**\n\nL'art. 145 Cst. se trouve dans le 5e titre concernant les autorités fédérales et est systématiquement placé entre les dispositions sur l'éligibilité (art. 143 s. Cst.) et l'incompatibilité (art. 144 Cst.) d'une part et les dispositions sur l'immunité (art. 162 Cst.) d'autre part. La norme forme avec → l'art. 143 Cst. (éligibilité) et → l'art. 144 Cst. (incompatibilités) le fondement constitutionnel de l'organisation personnelle des autorités fédérales. Dans le contexte de la séparation des pouvoirs (→ art. 144 al. 1 Cst.), la durée de mandat différente des autorités politiques et des organes judiciaires revêt une importance particulière.\n\n**N. 3 Éléments constitutifs / Contenu normatif**\n\nLa disposition règle de manière exhaustive la durée du mandat pour trois catégories de charges fédérales. La **notion de durée du mandat** désigne le cadre temporel pour lequel une personne est élue à une charge (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 3). La durée de mandat de quatre ans pour le Conseil national, le Conseil fédéral et le chancelier de la Confédération correspond à la **législature**, garantissant ainsi la légitimation démocratique et la cohérence politique. La durée de mandat de six ans des juges fédéraux s'en écarte volontairement afin de renforcer l'indépendance judiciaire (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 7). La norme ne contient pas de règle sur la **rééligibilité**, qui découle de → l'art. 143 Cst. (éligibilité illimitée).\n\n**N. 4 Effets juridiques**\n\nÀ l'expiration de la durée du mandat, les droits et obligations liés à la charge s'éteignent de par la Constitution. Une prolongation automatique ou une continuation tacite de la charge est exclue. La **durée fixe du mandat** signifie selon la doctrine (Kiener, BSK BV, art. 145 n. 10) que la légitimation démocratique du pouvoir étatique ne peut être accordée que pour une durée limitée. Pendant la durée du mandat, il existe en principe un droit à l'exercice de la charge ; une **révocation anticipée** pour des raisons politiques est inadmissible du point de vue constitutionnel (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 8). Pour des raisons non politiques (incapacité d'exercer sa charge, violation grave des devoirs de charge), une destitution peut cependant avoir lieu, l'instrument de la non-réélection servant d'équivalent fonctionnel pour les juges fédéraux (JAAC 68.49).\n\n**N. 5 Points de controverse**\n\nLa doctrine est divisée sur deux questions centrales. Premièrement, il existe un désaccord sur la **constitutionnalité de la limite d'âge** pour les juges fédéraux selon l'art. 9 al. 2 LTF. Alors que le message Justice fédérale affirme la compatibilité avec l'art. 143 Cst., Fischbacher, Biaggini, Gächter et Kiener soutiennent que la réglementation n'est pas conforme à l'art. 143 Cst., car elle fixe une nouvelle condition d'éligibilité. Deuxièmement, l'**admissibilité d'une destitution** de juges fédéraux par l'Assemblée fédérale est controversée. Biaggini, Kiener, Rhinow et Schefer considèrent une telle destitution au moyen d'un arrêté fédéral soumis au référendum comme inconstitutionnelle, tandis que le commentaire saint-gallois (Ehrenzeller) et un rapport d'expertise expriment au moins des doutes sur la constitutionnalité. Un troisième point de controverse concerne la **durée de mandat optimale** pour les juges fédéraux : Raselli (BSK BV, art. 145 n. 35) demande un prolongement de la durée du mandat ou alternativement une élection à vie en renonçant à la possibilité de réélection, tandis que Tschannen (BSK BV, art. 145 n. 35) s'exprime de manière critique sur un mandat à vie.\n\n**N. 6 Indications pratiques**\n\nLes durées de mandat différentes ont des conséquences pratiques considérables pour l'exercice des charges. Pour les **juges fédéraux**, une élection de renouvellement général a lieu tous les six ans par l'Assemblée fédérale réunie (→ art. 168 al. 1 Cst.), les élections échelonnées contribuant à la continuité de la jurisprudence. La **limite d'âge** de 68 ans (art. 9 al. 2 LTF) fait que les juges fédéraux doivent aussi abandonner leur charge au cours d'un mandat en cours. Pour les **conseillers nationaux**, la durée de mandat de quatre ans signifie qu'ils doivent régulièrement se soumettre au vote des électeurs, ce qui renforce l'ancrage démocratique. Pour les **conseillers fédéraux**, malgré la rééligibilité formelle, s'est développée une pratique d'inamovibilité de fait — les non-réélections sont extrêmement rares. La **chancelière ou le chancelier de la Confédération** est élu(e) en même temps que le Conseil fédéral pour quatre ans (→ art. 175 al. 2 Cst.), garantissant ainsi la cohérence de l'exécutif. En cas de démissions anticipées, les élections de remplacement n'ont lieu que pour le reste du mandat en cours.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Indépendance judiciaire et durée du mandat\n\n**ATF 147 I 1** du 16 juillet 2020\nNon-réélection d'un juge administratif pour raisons d'âge ; compatibilité avec les principes constitutionnels\n\nLe Tribunal fédéral confirme que les durées de mandat fixes pour les juges constituent un élément central de l'indépendance judiciaire.\n\n> « Le droit à un tribunal indépendant est garanti par des durées de mandat fixes. La pratique du Grand Conseil de ne pas réélire les juges des tribunaux cantonaux suprêmes lorsqu'ils ont déjà accompli leur 65e année au début de la nouvelle période de mandat est compatible avec le principe de légalité, même si le droit cantonal ne connaît pas de réglementation liée à l'âge. »\n\n### Fondements constitutionnels de la durée du mandat\n\n**ATF 112 IA 233** du 15 octobre 1986  \nÉlection de présidents de tribunaux pénaux ; élection tacite lors des élections de renouvellement\n\nLe Tribunal fédéral reconnaît l'importance des élections de renouvellement régulières pour la légitimation démocratique des charges judiciaires.\n\n> « Le droit de vote des citoyens n'est pas violé lorsque, lors d'élections de renouvellement de présidents de tribunaux pénaux, les candidats proposés à cet effet sont déclarés élus tacitement parce que leur nombre correspond à celui des postes à pourvoir. Il importe toutefois que l'avis officiel d'élection fasse suffisamment référence à la possibilité d'une élection tacite, au droit de proposition des électeurs et aux autres règles concernant le déroulement de l'élection. »\n\n### Durée du mandat comme instrument disciplinaire\n\n**JAAC 68.49** du 14 août 2003\nResponsabilité disciplinaire des juges fédéraux ; système des courtes périodes de mandat\n\nLa jurisprudence reconnaît le système de durées de mandat courtes mais renouvelables comme équivalent fonctionnel aux procédures disciplinaires formelles.\n\n> « Le système suisse d'élection pour une durée de mandat relativement courte avec exigence de réélection offre la possibilité de refuser la réélection à un juge fédéral si son incapacité à exercer sa charge ou de graves violations de ses devoirs de fonction sont avérées. L'institut de la courte période de mandat remplit en partie des fonctions disciplinaires et rend ainsi superflue une véritable responsabilité disciplinaire. La 'soupape de sécurité' de la non-réélection n'est certes disponible que tous les six ans. »\n\n### Procédures d'élection parlementaires\n\nLa jurisprudence relative aux procédures d'élection parlementaires montre que la durée de mandat de quatre ans du Conseil national et du Conseil fédéral ne doit pas seulement être comprise comme une disposition de droit organisationnel, mais comme le fondement de la continuité et de la légitimation des institutions politiques. Le renouvellement régulier garantit à la fois le contrôle démocratique et la stabilité institutionnelle.\n\n### Rapport entre différentes durées de mandat\n\nLes différentes durées de mandat (quatre ans pour les organes politiques, six ans pour les juges fédéraux) reflètent les différences fonctionnelles entre les pouvoirs. Alors que la durée de mandat politique plus courte assure la réactivité démocratique, la durée de mandat judiciaire plus longue sert à garantir l'indépendance judiciaire tout en maintenant une obligation périodique de rendre des comptes.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 145 Cost. disciplina la durata delle principali cariche federali. I membri del Consiglio nazionale e del Consiglio federale sono eletti per quattro anni. Lo stesso vale per la cancelliera o il cancelliere della Confederazione. I giudici federali hanno un mandato più lungo di sei anni.\n\nQuesta disciplina riguarda tutte le persone che vogliono essere elette in queste cariche o che già le ricoprono. Le diverse durate dei mandati hanno ragioni importanti. Per le cariche politiche, i quattro anni fanno sì che gli eletti debbano render conto regolarmente al popolo. Ciò rafforza la democrazia.\n\nLa durata di sei anni per i giudici federali ha un altro scopo. Deve proteggere l'indipendenza della giustizia. I giudici possono prendere le loro decisioni senza dover temere una rapida revoca. Allo stesso tempo devono sottoporsi a una rielezione ogni sei anni.\n\nAllo scadere del mandato, tutti i diritti e doveri della carica cessano automaticamente. Non esiste alcun prolungamento. La persona interessata deve essere rieletta se vuole rimanere in carica. Una revoca anticipata per motivi politici non è ammessa.\n\nUn esempio pratico: una consigliera nazionale viene eletta nel 2023. Il suo mandato termina automaticamente nel 2027, anche se vorrebbe continuare. Se vuole rimanere in carica, deve candidarsi per la rielezione nel 2027. Un giudice federale eletto nel 2022 rimane in carica fino al 2028 e deve poi anch'egli candidarsi nuovamente.\n\nLe diverse durate dei mandati creano un equilibrio tra controllo democratico e giurisprudenza indipendente. Sono un elemento importante della separazione dei poteri svizzera.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n**N. 1 Storia della nascita**\n\nL'art. 145 Cost. è stato ripreso dalla Costituzione precedente nella revisione totale del 1999 senza modifiche sostanziali. Il messaggio concernente la nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 421) rileva che la disposizione riunisce le norme sulla durata della carica fino ad allora sparse in vari articoli. La durata quadriennale della carica per il Consiglio nazionale e il Consiglio federale era già ancorata costituzionalmente dal 1848, mentre la durata sessennale della carica dei giudici federali fu introdotta per la prima volta nel 1874. La configurazione differenziata delle durate di carica doveva essere mantenuta consapevolmente per tenere conto delle diverse esigenze funzionali dei tre poteri dello Stato.\n\n**N. 2 Classificazione sistematica**\n\nL'art. 145 Cost. si trova nel 5° titolo sulle autorità federali ed è sistematicamente collocato tra le disposizioni sull'eleggibilità (art. 143 segg. Cost.) e l'incompatibilità (art. 144 Cost.) da un lato e le disposizioni sull'immunità (art. 162 Cost.) dall'altro. La norma forma insieme all'→ art. 143 Cost. (eleggibilità) e all'→ art. 144 Cost. (incompatibilità) il fondamento costituzionale per la configurazione personale delle autorità federali. Nel contesto della separazione dei poteri (→ art. 144 cpv. 1 Cost.), la diversa durata della carica tra autorità politiche e organi giudiziari riveste particolare importanza.\n\n**N. 3 Elementi della fattispecie / Contenuto della norma**\n\nLa disposizione disciplina in modo conclusivo la durata della carica per tre categorie di uffici federali. Il **concetto di durata della carica** designa il quadro temporale per il quale una persona è eletta in una carica (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 3). La durata quadriennale della carica per il Consiglio nazionale, il Consiglio federale e il Cancelliere federale corrisponde alla **legislatura**, garantendo così la legittimazione democratica e la coerenza politica. La durata sessennale della carica dei giudici federali se ne discosta consapevolmente per rafforzare l'indipendenza giudiziaria (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 7). La norma non contiene alcuna regolamentazione sulla **rieleggibilità**, che deriva dall'→ art. 143 Cost. (eleggibilità illimitata).\n\n**N. 4 Conseguenze giuridiche**\n\nCon la scadenza della durata della carica si estinguono per diritto costituzionale i diritti e i doveri connessi alla carica. È escluso un prolungamento automatico o una continuazione tacita della carica. La **durata fissa della carica** significa secondo la dottrina (Kiener, BSK BV, art. 145 n. 10) che la legittimazione democratica del potere statale può essere prestata sempre solo per una durata limitata. Durante la durata della carica sussiste in linea di principio un diritto all'esercizio della carica; una **revoca anticipata** per motivi politici è costituzionalmente inammissibile (Schaub, BSK BV, art. 145 n. 8). Per motivi non politici (incapacità all'ufficio, grave violazione dei doveri d'ufficio) può tuttavia avvenire una rimozione dalla carica, mentre per i giudici federali lo strumento della non rielezione serve come equivalente funzionale (JAAC 68.49).\n\n**N. 5 Questioni controverse**\n\nLa dottrina è divisa su due questioni centrali. In primo luogo sussiste disaccordo sulla **costituzionalità del limite di età** per i giudici federali secondo l'art. 9 cpv. 2 LTF. Mentre il messaggio sulla giustizia federale afferma la compatibilità con l'art. 143 Cost., Fischbacher, Biaggini, Gächter e Kiener sostengono che la regolamentazione non è conforme all'art. 143 Cost., poiché stabilisce un nuovo presupposto di eleggibilità. In secondo luogo è controversa l'**ammissibilità di una rimozione dalla carica** dei giudici federali da parte dell'Assemblea federale. Biaggini, Kiener, Rhinow e Schefer ritengono una tale rimozione dalla carica mediante decreto federale soggetto a referendum costituzionalmente illegittima, mentre il commentario sangallese (Ehrenzeller) e un parere legale esprimono quantomeno dubbi sulla costituzionalità. Un terzo punto controverso riguarda la **durata ottimale della carica** per i giudici federali: Raselli (BSK BV, art. 145 n. 35) chiede un prolungamento della durata della carica o in alternativa un'elezione a vita rinunciando alla possibilità di rielezione, mentre Tschannen (BSK BV, art. 145 n. 35) si esprime criticamente su una durata della carica a vita.\n\n**N. 6 Indicazioni pratiche**\n\nLe diverse durate di carica hanno conseguenze pratiche considerevoli per l'esercizio della carica. Per i **giudici federali** avviene ogni sei anni un'elezione di rinnovo generale da parte dell'Assemblea federale plenaria (→ art. 168 cpv. 1 Cost.), mentre elezioni scaglionate contribuiscono alla continuità della giurisprudenza. Il **limite di età** di 68 anni (art. 9 cpv. 2 LTF) comporta che i giudici federali devono lasciare la carica anche durante un periodo di carica in corso. Per i **consiglieri nazionali** la durata quadriennale della carica significa che devono sottoporsi regolarmente al voto degli elettori, rafforzando così il legame democratico. Per i **consiglieri federali** si è sviluppata nonostante la rieleggibilità formale una prassi di inamovibilità di fatto — le non rielezioni sono estremamente rare. La **Cancelliera o il Cancelliere federale** è eletto contemporaneamente al Consiglio federale per quattro anni (→ art. 175 cpv. 2 Cost.), garantendo così la coerenza dell'esecutivo. In caso di dimissioni anticipate avvengono elezioni suppletive solo per il resto del periodo di carica in corso.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Indipendenza giudiziaria e durata in carica\n\n**BGE 147 I 1** del 16 luglio 2020\nMancata rielezione di un giudice amministrativo per motivi di età; compatibilità con i principi costituzionali\n\nIl Tribunale federale conferma che le durate in carica fisse per i giudici costituiscono un elemento centrale dell'indipendenza giudiziaria.\n\n> «Il diritto a un tribunale indipendente è garantito da durate in carica fisse. La prassi del Gran Consiglio di non rieleggere giudici dei tribunali cantonali supremi quando all'inizio del nuovo periodo di carica hanno già compiuto il 65° anno di età è compatibile con il principio di legalità, anche se il diritto cantonale non prevede alcuna disciplina legata all'età.»\n\n### Fondamenti costituzionali della durata in carica\n\n**BGE 112 IA 233** del 15 ottobre 1986  \nElezione di presidenti di tribunali penali; elezione tacita nelle elezioni di rinnovo\n\nIl Tribunale federale riconosce l'importanza delle elezioni periodiche di rinnovo per la legittimazione democratica delle cariche giudiziarie.\n\n> «Il diritto di voto dei cittadini non è violato se nelle elezioni di rinnovo di presidenti di tribunali penali i candidati proposti vengono dichiarati eletti tacitamente perché il loro numero corrisponde a quello delle cariche da ricoprire. È tuttavia importante che nel bando di elezione ufficiale si faccia riferimento in modo sufficiente alla possibilità dell'elezione tacita, al diritto di proposta degli aventi diritto di voto e alle ulteriori regole sullo svolgimento dell'elezione.»\n\n### Durata in carica come strumento disciplinare\n\n**JAAC 68.49** del 14 agosto 2003\nResponsabilità disciplinare dei giudici federali; sistema dei brevi periodi di carica\n\nLa giurisprudenza riconosce il sistema di durate in carica brevi ma rinnovabili come equivalente funzionale ai procedimenti disciplinari formali.\n\n> «Il sistema svizzero dell'elezione per una durata in carica relativamente breve con obbligo di rielezione offre la possibilità di negare la rielezione a un giudice federale se è dimostrata la sua incapacità di esercitare la carica o gravi violazioni dei doveri d'ufficio. L'istituto del breve periodo di carica adempie in parte a funzioni disciplinari e rende così superflua una vera e propria responsabilità disciplinare. La 'valvola di sicurezza' della mancata rielezione è tuttavia disponibile solo ogni sei anni.»\n\n### Procedure elettorali parlamentari\n\nLa giurisprudenza sulle procedure elettorali parlamentari mostra che la durata in carica quadriennale del Consiglio nazionale e del Consiglio federale non deve essere intesa solo come disposizione di diritto organizzativo, ma come fondamento per la continuità e la legittimazione delle istituzioni politiche. Il rinnovo regolare garantisce sia il controllo democratico sia la stabilità istituzionale.\n\n### Rapporto tra diverse durate in carica\n\nLe diverse durate in carica (quattro anni per gli organi politici, sei anni per i giudici federali) riflettono le differenze funzionali tra i poteri. Mentre la durata in carica politica più breve assicura la responsività democratica, quella giudiziaria più lunga serve a garantire l'indipendenza giudiziaria mantenendo al contempo un obbligo periodico di rendiconto.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 145 FC regulates how long important federal offices last. Members of the National Council and the Federal Council are elected for four years. This also applies to the Federal Chancellor. Federal judges have a longer term of office of six years.\n\nThis regulation affects everyone who wants to be elected to these offices or is already in office. The different terms of office have important reasons. For political offices, the four years ensure that those elected must regularly account to the people. This strengthens democracy.\n\nThe six-year term of office for federal judges has a different purpose. It is intended to protect the independence of the judiciary. Judges can make their decisions without having to fear rapid removal from office. At the same time, they must face re-election every six years.\n\nAfter the expiry of the term of office, all rights and duties of the office end automatically. There is no extension. The person concerned must be newly elected if they want to remain in office. Early removal from office for political reasons is not permitted.\n\nA practical example: A National Councillor is elected in 2023. Her term of office ends automatically in 2027, even if she would like to continue. If she wants to remain in office, she must stand for re-election in 2027. A federal judge who was elected in 2022 remains in office until 2028 and must then also stand for re-election.\n\nThe different terms of office create a balance between democratic control and independent administration of justice. They are an important component of the Swiss separation of powers.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n**N. 1 Legislative History**\n\nArt. 145 Cst. was adopted in the total revision of 1999 without substantial changes from the previous constitution. The Dispatch on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 421) states that the provision brings together the previously scattered provisions on terms of office across various articles. The four-year term of office for the National Council and Federal Council had been constitutionally anchored since 1848, while the six-year term of office for federal judges was first introduced in 1874. The differentiated design of terms of office was deliberately maintained to take account of the different functional requirements of the three branches of government.\n\n**N. 2 Systematic Classification**\n\nArt. 145 Cst. is located in Title 5 on the Federal Authorities and is systematically positioned between the provisions on eligibility (Art. 143 f. Cst.) and incompatibility (Art. 144 Cst.) on the one hand, and the immunity provisions (Art. 162 Cst.) on the other. Together with → Art. 143 Cst. (eligibility) and → Art. 144 Cst. (incompatibilities), the norm forms the constitutional foundation for the personal organisation of the federal authorities. In the context of the separation of powers (→ Art. 144 para. 1 Cst.), the different terms of office for political authorities and judicial bodies is of particular importance.\n\n**N. 3 Elements of the Offence / Content of the Norm**\n\nThe provision conclusively regulates the terms of office for three categories of federal offices. The **concept of term of office** designates the time frame for which a person is elected to an office (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 3). The four-year term of office for the National Council, Federal Council and Federal Chancellor corresponds to the **legislative period**, thereby ensuring democratic legitimacy and political coherence. The six-year term of office for federal judges deliberately deviates from this to strengthen judicial independence (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 7). The norm contains no provision on **re-eligibility**, which follows from → Art. 143 Cst. (unlimited eligibility).\n\n**N. 4 Legal Consequences**\n\nUpon expiry of the term of office, the rights and duties associated with the office expire by virtue of the Constitution. An automatic extension or tacit continuation of the office is excluded. According to doctrine (Kiener, BSK BV, Art. 145 N. 10), the **fixed term of office** means that democratic legitimacy of state power can only be provided for a manageable duration. During the term of office, there is in principle an entitlement to exercise the office; **early dismissal** for political reasons is constitutionally inadmissible (Schaub, BSK BV, Art. 145 N. 8). However, removal from office can occur for non-political reasons (incapacity for office, gross violation of official duties), with non-re-election serving as a functional equivalent for federal judges (JAAC 68.49).\n\n**N. 5 Controversies**\n\nDoctrine is divided on two central questions. First, there is disagreement about the **constitutionality of the age limit** for federal judges under Art. 9 para. 2 FCJA. While the Dispatch on Federal Judicial Administration affirms compatibility with Art. 143 Cst., Fischbacher, Biaggini, Gächter and Kiener take the view that the provision is not consistent with Art. 143 Cst., as it establishes a new eligibility requirement. Second, the **admissibility of removal from office** of federal judges by the Federal Assembly is disputed. Biaggini, Kiener, Rhinow and Schefer consider such removal from office by means of a federal decree subject to referendum to be unconstitutional, while the St. Gallen Commentary (Ehrenzeller) and a legal opinion express at least doubts about its constitutionality. A third point of contention concerns the **optimal term of office** for federal judges: Raselli (BSK BV, Art. 145 N. 35) calls for an extension of the term of office or alternatively appointment for life without the possibility of re-election, while Tschannen (BSK BV, Art. 145 N. 35) is critical of life tenure.\n\n**N. 6 Practical Guidance**\n\nThe different terms of office have considerable practical consequences for the conduct of office. For **federal judges**, a general renewal election is held every six years by the United Federal Assembly (→ Art. 168 para. 1 Cst.), with staggered elections contributing to continuity in jurisprudence. The **age limit** of 68 years (Art. 9 para. 2 FCJA) means that federal judges must also step down during an ongoing term of office. For **National Councillors**, the four-year term of office means that they must regularly face the voters, which strengthens democratic accountability. For **Federal Councillors**, despite formal re-eligibility, a practice of de facto irremovability has developed — non-re-elections are extremely rare. The **Federal Chancellor** is elected simultaneously with the Federal Council for four years (→ Art. 175 para. 2 Cst.), thereby ensuring the coherence of the executive. In case of early resignations, replacement elections are held only for the remainder of the current term of office.", "caselaw_en": "## Caselaw\n\n### Judicial Independence and Term of Office\n\n**BGE 147 I 1** of 16 July 2020\nNon-re-election of an administrative judge for reasons of age; compatibility with constitutional principles\n\nThe Federal Supreme Court confirms that fixed terms of office for judges constitute a central element of judicial independence.\n\n> «The right to an independent court is guaranteed by fixed terms of office. The practice of the cantonal parliament not to re-elect judges of the supreme cantonal courts when they have already reached the age of 65 at the beginning of the new term of office is compatible with the principle of legality, even if cantonal law does not provide for an age-related regulation.»\n\n### Constitutional Foundations of Term of Office\n\n**BGE 112 IA 233** of 15 October 1986  \nElection of criminal court presidents; silent election in renewal elections\n\nThe Federal Supreme Court recognises the importance of regular renewal elections for the democratic legitimacy of judicial offices.\n\n> «The right to vote of citizens is not violated when, in renewal elections of criminal court presidents, the candidates proposed for this purpose are declared elected in a silent election because their number corresponds to that of the offices to be filled. However, it is important that the official election announcement adequately refers to the possibility of silent election, the right of voters to make proposals and the other rules governing the conduct of the election.»\n\n### Term of Office as Disciplinary Instrument\n\n**JAAC 68.49** of 14 August 2003\nDisciplinary responsibility of federal judges; system of short terms of office\n\nThe caselaw recognises the system of short but renewable terms of office as a functional equivalent to formal disciplinary proceedings.\n\n> «The Swiss system of election for a relatively short term of office with the requirement of re-election offers the possibility of refusing re-election to a federal judge if his incapacity for office or gross breaches of official duty are proven. The institute of short terms of office partly fulfils disciplinary functions and thus makes actual disciplinary responsibility dispensable. The 'emergency valve' of non-re-election is only available every six years.»\n\n### Parliamentary Election Procedures\n\nThe caselaw on parliamentary election procedures shows that the four-year term of office of the National Council and Federal Council is to be understood not only as an organisational legal provision, but as the foundation for the continuity and legitimacy of political institutions. Regular renewal ensures both democratic control and institutional stability.\n\n### Relationship between Different Terms of Office\n\nThe different terms of office (four years for political bodies, six years for federal judges) reflect the functional differences between the branches of government. While the shorter political term of office ensures democratic responsiveness, the longer judicial term of office serves to guarantee judicial independence while maintaining periodic accountability.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_145", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.95, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 146, "article_suffix": "", "title": "Staatshaftung", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 146 BV verpflichtet den Bund zur Haftung bei Schäden durch seine Organe. Diese Staatshaftung bildet nach Jellinek die «Ultima Ratio des Rechtsstaates» (BSK BV-Schaub, N. 2). Sie gilt für alle Bundesbehörden, von der Verwaltung bis zu den Gerichten.\n\nDer Bund muss vier Voraussetzungen erfüllen: Es muss ein Schaden vorliegen, verursacht durch ein Bundesorgan in amtlicher Tätigkeit, widerrechtlich und mit adäquatem Kausalzusammenhang. Widerrechtlich ist jede Verletzung der Rechtsordnung, unabhängig vom Verschulden der Beamten. Die Haftung ist eine reine Kausalhaftung ohne Verschuldenserfordernis (Art. 3 VG; BSK BV-Schaub, N. 31).\n\nBeispiel: Ein Polizist beschädigt beim Einsatz unrechtmässig ein Fahrzeug. Der Bund haftet für den Reparaturschaden, auch wenn der Beamte keine Absicht hatte. Ein zweites Beispiel: Das Bundesamt für Gesundheit erteilt eine falsche Impfempfehlung, die zu Gesundheitsschäden führt.\n\nDie rechtlichen Details regelt das Verantwortlichkeitsgesetz (VG). Geschädigte haben eine Anspruchsfrist von einem Jahr ab Kenntnis des Schadens, spätestens jedoch zehn Jahre nach der schädigenden Handlung (Art. 20 VG). Diese Fristen sind kurz und werden von Amtes wegen beachtet.\n\nDie Haftung umfasst den vollen Schaden nach Haftpflichtrecht. Bei schwerer Schuld des Beamten kann der Bund Rückgriff nehmen (Art. 7 VG). Für besondere Bereiche wie Militär oder Kernenergie bestehen Sonderregelungen.\n\nKlagen gegen den Bund entscheidet das Bundesgericht als einzige Instanz (Art. 120 BGG). Die praktische Bedeutung der Staatshaftung ist gross, da Bürger oft zwangsläufig mit staatlichen Organen in Kontakt stehen und auf effektiven Rechtsschutz angewiesen sind.", "doctrine_de": "# Art. 146 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Staatshaftung wurde erstmals in der Bundesverfassung von 1848 verankert. Art. 110 BV 1848 statuierte: «Das Gesetz bestimmt über die Verantwortlichkeit der Mitglieder des Bundesrathes und der übrigen von ihm angestellten oder ernannten Beamten.» Diese Bestimmung wurde in Art. 117 BV 1874 übernommen und bildete die Grundlage für den Erlass des Verantwortlichkeitsgesetzes vom 9. Dezember 1850. Die heutige Formulierung in Art. 146 BV geht auf die Totalrevision von 1999 zurück und kodifiziert den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Staatshaftung (BBl 1997 I 1, 484).\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wollte mit Art. 146 BV das Prinzip der Staatshaftung auf Verfassungsstufe verankern und damit seine fundamentale rechtsstaatliche Bedeutung unterstreichen. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung hielt fest: «Die Staatshaftung ist ein wesentliches Element des Rechtsstaats. Der Staat muss für das widerrechtliche Verhalten seiner Organe einstehen» (BBl 1997 I 1, 484). Diese Verankerung sollte sicherstellen, dass die Haftung des Bundes nicht zur Disposition des einfachen Gesetzgebers steht.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 146 BV steht im 5. Titel über die Bundesbehörden, im 3. Kapitel über das Bundesgericht und die anderen richterlichen Behörden. Diese systematische Stellung ist historisch bedingt und nicht sachlich begründet, da die Staatshaftung alle Bundesorgane betrifft, nicht nur die Gerichte. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip) und → Art. 29a BV (Rechtsweggarantie). Sie konkretisiert das rechtsstaatliche Prinzip, dass staatliches Handeln nicht nur rechtmässig sein muss, sondern der Staat auch für widerrechtliches Handeln einzustehen hat.\n\n**N. 4** Die Verfassungsbestimmung wird durch das Verantwortlichkeitsgesetz (VG) ausgeführt. Art. 3 Abs. 1 VG wiederholt den verfassungsrechtlichen Grundsatz und präzisiert die Haftungsvoraussetzungen. Für spezielle Bereiche bestehen Sonderregelungen, etwa Art. 19 FINMAG für die FINMA, Art. 135 ff. MG für den Militärbereich oder Art. 78 ATSG für die Sozialversicherungsträger. Diese Spezialgesetze gehen dem allgemeinen Verantwortlichkeitsrecht vor, müssen aber den verfassungsrechtlichen Mindeststandard von Art. 146 BV wahren.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Der Bund»** als Haftungssubjekt umfasst die Schweizerische Eidgenossenschaft als juristische Person des öffentlichen Rechts. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts haftet der Bund nicht nur für die Organe der zentralen Bundesverwaltung, sondern auch für dezentrale Verwaltungseinheiten mit eigener Rechtspersönlichkeit, sofern diese hoheitliche Aufgaben des Bundes wahrnehmen (**BGE 148 II 218 E. 2.1**). Bei der Übertragung öffentlicher Aufgaben an Private bleibt der Bund nach Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 14) direkt haftbar, wenn die gesetzlichen Grundlagen für eine Aufgabenübertragung fehlen. Das Bundesgericht hat diese Position in **BGE 148 II 218** bestätigt.\n\n**N. 6** **«Seine Organe»** erfasst alle Personen, die für den Bund handeln. Der Organbegriff ist funktional zu verstehen und umfasst gemäss Art. 1 VG Magistratspersonen, Beamte, Angestellte und alle anderen Personen, die unmittelbar mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betraut sind. Entscheidend ist nicht die formelle Stellung, sondern die funktionale Zuordnung zur Bundesverwaltung. Private Hilfspersonen, die lediglich unterstützende Tätigkeiten ausüben, fallen nicht unter den Organbegriff (Gross, Schweizerisches Staatshaftungsrecht, 2. Aufl. 2001, S. 45 ff.).\n\n**N. 7** **«In Ausübung amtlicher Tätigkeiten»** verlangt einen funktionellen Zusammenhang zwischen der schädigenden Handlung und der amtlichen Aufgabe. Das Bundesgericht verneint nach Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 21) den funktionellen Zusammenhang, wenn die Handlung «nur bei Gelegenheit der Verrichtung» vorgenommen wird. Ein gewichtiger Teil der Lehre (Gross, a.a.O., S. 67; Jaag, ZSR 2003 II 1, 45) plädiert demgegenüber dafür, den funktionellen Zusammenhang bereits dann zu bejahen, wenn das Organ aufgrund seiner amtlichen Stellung überhaupt erst in die Lage kam, die schädigende Handlung auszuführen.\n\n**N. 8** **«Widerrechtlich»** ist jede Verletzung der Rechtsordnung, sei es durch aktives Tun oder pflichtwidriges Unterlassen. Die objektive Widerrechtlichkeitstheorie ist herrschend: Entscheidend ist die Verletzung eines geschützten Rechtsguts oder einer Verhaltensnorm, nicht das Verschulden (**BGE 118 IB 163 E. 2a**). Bei Vermögensschäden setzt die Widerrechtlichkeit die Verletzung einer Schutznorm voraus. Bei Personen- und Sachschäden liegt die Widerrechtlichkeit bereits in der Rechtsgutsverletzung selbst (**BGE 123 II 577 E. 4e**).\n\n**N. 9** **«Verursachen»** verlangt einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem widerrechtlichen Verhalten und dem Schaden. Nach ständiger Rechtsprechung genügt die natürliche Kausalität nicht; das schädigende Ereignis muss nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sein, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 30; BGE 133 III 462 E. 4.4.2).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Die Staatshaftung nach Art. 146 BV ist als Kausalhaftung ausgestaltet. Ein Verschulden der handelnden Organe ist nicht erforderlich (Art. 3 Abs. 1 VG; Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 31). Diese verschuldensunabhängige Haftung trägt der besonderen Machtstellung des Staates und dem Umstand Rechnung, dass die Geschädigten oft keine Wahl haben, ob sie mit staatlichen Organen in Kontakt treten wollen. \n\n**N. 11** Der Bund haftet primär und direkt. Ein Rückgriff auf fehlbare Beamte ist nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit möglich (Art. 7 VG). Die Haftung umfasst den vollen Schaden nach den Grundsätzen des Haftpflichtrechts. Bei Personenschäden kann zusätzlich eine Genugtuung geschuldet sein, wenn den Beamten ein Verschulden trifft (Art. 6 VG).\n\n**N. 12** Die Ansprüche verwirken nach Art. 20 VG innert einem Jahr seit Kenntnis des Schadens, spätestens aber zehn Jahre nach der schädigenden Handlung. Das Bundesgericht hat in **BGE 136 II 187** klargestellt, dass die absolute Verwirkungsfrist auch vor Schadenseintritt ablaufen kann, was insbesondere bei Spätschäden (z.B. Asbest) zu Härten führt. Die Verwirkungsfrist ist von Amtes wegen zu beachten (Jaag, SBVR Bd. I/3, 3. Aufl. 2017, N. 122).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Verfassungsunmittelbare Staatshaftungsansprüche**: Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 3-4) vertritt die Position, Art. 29a i.V.m. Art. 146 BV stütze einen verfassungsunmittelbaren Schadenersatzanspruch bei Grundrechtsverletzungen, falls effektiver Rechtsschutz durch restitutiven Verwaltungsrechtsschutz nicht zu erlangen sei. Er argumentiert, Art. 146 BV erfülle als eigenständiges verfassungsmässiges Recht die Voraussetzungen für die Anerkennung subjektiver Ansprüche. Das Bundesgericht (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 5) lehnt diese Auffassung ab und leitet aus der Verfassung keine unmittelbaren Staatshaftungsansprüche ab. Es stellt den Kantonen frei, solche Ansprüche überhaupt vorzusehen. Die Mehrheit der Lehre folgt der bundesgerichtlichen Praxis (Rütsche, Jusletter v. 4.4.2011; Feller, Das Prinzip der Einmaligkeit des Rechtsschutzes im Staatshaftungsrecht, 2007, S. 89 ff.).\n\n**N. 14** **Widerrechtlichkeit bei Willkür**: Ein breiter Teil der Lehre (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 25; Landolt, AJP 2005, 379, 385; Gross, a.a.O., S. 124) fordert, die Verletzung des Willkürverbots nach Art. 9 BV als hinreichende Voraussetzung für die haftungsbegründende Widerrechtlichkeit genügen zu lassen. Das Bundesgericht verneint demgegenüber zuweilen einen «besonderen Fehler» selbst bei willkürlicher Rechtsanwendung und verlangt eine qualifizierte Rechtsverletzung. Diese restriktive Rechtsprechung wird kritisiert, weil sie den effektiven Rechtsschutz bei Grundrechtsverletzungen aushöhle.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Geschädigte müssen ihr Schadenersatzbegehren zunächst bei der schädigenden Behörde einreichen. Diese erlässt eine anfechtbare Verfügung (Art. 10 VG). Der Rechtsweg richtet sich nach den allgemeinen Regeln: Verfügungen von Bundesbehörden können ans Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden. Gegen die Eidgenossenschaft gerichtete Klagen sind beim Bundesgericht als einziger Instanz einzureichen (Art. 120 BGG; Urteil 2E_4/2019 vom 28. Oktober 2021).\n\n**N. 16** Die einjährige Verwirkungsfrist ab Kenntnis des Schadens ist kurz. Geschädigte sollten vorsorglich ein Schadenersatzbegehren stellen, auch wenn der Schaden noch nicht vollständig bezifferbar ist. Bei Spätschäden ist besonders auf die absolute zehnjährige Verwirkungsfrist zu achten, die unabhängig vom Schadenseintritt läuft.\n\n**N. 17** In verschiedenen Bereichen bestehen spezialgesetzliche Haftungsordnungen mit teilweise günstigeren Regelungen: Das Militärgesetz sieht längere Verjährungsfristen vor (Art. 137 MG). Das Kernenergiehaftpflichtgesetz statuiert eine Gefährdungshaftung mit höheren Haftungssummen (Art. 13 ff. KHG). Das Epidemiengesetz enthält eine spezielle Haftungsregelung für Impfschäden (Art. 64 ff. EpG). Im Finanzmarktbereich haftet die FINMA nach Art. 19 FINMAG nur bei qualifizierter Amtspflichtverletzung. Diese Spezialregelungen sind vorrangig zu prüfen.", "caselaw_de": "# Art. 146 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Haftungssubjekt und Aufgabenübertragung\n\n**BGE 148 II 218** (17. Dezember 2021)  \nBetrauung von Privaten mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes (Art. 19 VG); formellgesetzliche Grundlage nach Art. 178 Abs. 3 BV.  \nGrundlegendes Urteil zur Aufgabenübertragung und direkten Bundeshaftung bei ungenügender gesetzlicher Grundlage.\n\n> «Der Bund haftet für Schäden, die seine Organe in Ausübung amtlicher Tätigkeiten widerrechtlich verursachen (Art. 146 BV). Das Verantwortlichkeitsgesetz konkretisiert diesen verfassungsrechtlichen Grundsatz (vgl. Art. 3 Abs. 1 VG).»\n\n**BGE 132 II 449** (20. November 2006)  \nBundeshaftung für BSE-Massnahmen; Bewilligungspflicht für tiermehlhaltige Dünger.  \nAnwendung der Bundeshaftung im Bereich behördlicher Bewilligungsverfahren und Informationspflichten.\n\n> «Art. 3 Abs. 1 VG begründet keine Haftung des Bundes für Schaden, der den Parteien durch die notwendigen Kosten eines Verwaltungsprozesses entsteht.»\n\n### Widerrechtlichkeit und Verschulden\n\n**BGE 118 IB 163** (22. Mai 1992)  \nGrundlegender Entscheid zum Begriff der Widerrechtlichkeit bei fehlerhaften Rechtsakten.  \nMassgebende Rechtsprechung zur Auslegung des Widerrechtlichkeitsbegriffs im Verantwortlichkeitsrecht.\n\n> «Widerrechtlichkeit setzt die Verletzung eines Rechtsgutes voraus. Das Vermögen als solches ist kein Rechtsgut; seine Schädigung für sich allein ist somit nicht widerrechtlich. Sie ist es nur dann, wenn eine Norm des geschriebenen oder ungeschriebenen Rechts verletzt wird.»\n\n**BGE 123 II 577** (12. Dezember 1997)  \nHaftung für Zusammenstoss zwischen Militär- und Zivilflugzeug; Begriff der Widerrechtlichkeit im Militärbereich.  \nDie Haftung des Bundes richtet sich nach der Militärorganisation (heute: Militärgesetz), nicht nach dem Luftfahrtgesetz.\n\n> «Bei Personenschäden ergibt sich die Widerrechtlichkeit, auch ohne dass spezifische Vorschriften verletzt wurden, bereits daraus, dass die körperliche Integrität ohne Rechtfertigungsgrund beeinträchtigt wird.»\n\n### Zuständigkeit und Verfahren\n\n**Urteil 2E_4/2019** (28. Oktober 2021)  \nKlage gegen die Schweizerische Eidgenossenschaft nach Art. 120 Abs. 1 lit. c BGG; Verfahrensfragen.  \nZuständigkeit des Bundesgerichts als einzige Instanz für Bundeshaftungsklagen und Verfahrensablauf.\n\n> «Nach Art. 120 Abs. 1 lit. c BGG ist das Bundesgericht als einzige Instanz zuständig zur Beurteilung von Ansprüchen auf Schadenersatz und Genugtuung aus der Amtstätigkeit der in Art. 1 Abs. 1 lit. a-c bis des Verantwortlichkeitsgesetzes abschliessend aufgezählten Personen.»\n\n**Urteil 2E_1/2018** (25. Oktober 2019)  \nBundeshaftung im Steuerbereich; Verfahren nach Art. 120 BGG.  \nStaatshaftungsansprüche gegen den Bund wegen fehlerhafter Steuerveranlagung und deren verfahrensrechtliche Behandlung.\n\n> «Das Verfahren der Klage im Sinne von Art. 120 BGG richtet sich gemäss Art. 120 Abs. 3 BGG nach dem Bundesgesetz über den Bundeszivilprozess (BZP).»\n\n### Spezielle Bereiche\n\n**Urteil A-2699/2018** (28. März 2019)  \nBundeshaftung im Bereich Pensionskassen; Informationspflichten von PUBLICA.  \nAnwendung der Bundeshaftung bei Fehlern in der Beratung durch Organe der Pensionskasse des Bundes.\n\n> «Der Bund haftet für Schäden, die seine Organe in Ausübung amtlicher Tätigkeiten widerrechtlich verursachen (Art. 146 BV).»\n\n**BGE 116 II 480** (31. Juli 1990)  \nKernenergiehaftpflicht (Fall Tschernobyl); Haftung des Bundes nach Art. 16 KHG.  \nSpezialregelung der Bundeshaftung im Bereich der Kernenergie und Verhältnis zu Art. 146 BV.\n\n> «Für die Haftung des Bundes nach Art. 16 Abs. 1 lit. d KHG gelten die gleichen Voraussetzungen wie für Kernanlagen in der Schweiz.»\n\n### Militärbereich\n\n**BGE 127 II 289** (24. Juli 2001)  \nVerhältnis der Bundeshaftung nach Militärgesetz zur Militärversicherung.  \nAusschluss der Haftung nach Militärgesetz, wenn die Militärversicherung Leistungen erbringt.\n\n> «Gemäss Art. 135 Abs. 3 MG richtet sich die Haftung des Bundes bei Tatbeständen, die unter andere Haftungsbestimmungen fallen, nach diesen Bestimmungen.»\n\n**BGE 122 V 28** (19. Juni 1996)  \nBundeshaftung für Folgen medizinischer Vorkehren im Militärdienst; Umfang der Haftung.  \nSpezialregelung im Bereich des Militärversicherungsgesetzes und deren Verhältnis zur allgemeinen Bundeshaftung.\n\n> «Zum Umfang der Bundeshaftung für die Folgen medizinischer Vorkehren bestehen spezielle gesetzliche Regelungen im Militärversicherungsgesetz.»", "summary_fr": "## Vue d'ensemble\n\nL'art. 146 Cst. oblige la Confédération à répondre des dommages causés par ses organes. Cette responsabilité de l'État constitue selon Jellinek l'« Ultima Ratio de l'État de droit » (BSK BV-Schaub, N. 2). Elle s'applique à toutes les autorités fédérales, de l'administration aux tribunaux.\n\nLa Confédération doit remplir quatre conditions : il faut qu'il y ait un dommage, causé par un organe fédéral dans l'exercice de ses fonctions officielles, illicitement et avec un lien de causalité adéquat. Est illicite toute violation de l'ordre juridique, indépendamment de la faute des fonctionnaires. La responsabilité est une pure responsabilité causale sans exigence de faute (art. 3 LRCF ; BSK BV-Schaub, N. 31).\n\nExemple : Un policier endommage illégalement un véhicule lors d'une intervention. La Confédération répond des dommages de réparation, même si le fonctionnaire n'en avait pas l'intention. Un deuxième exemple : L'Office fédéral de la santé publique donne une fausse recommandation de vaccination qui entraîne des dommages à la santé.\n\nLes détails juridiques sont réglés par la loi sur la responsabilité (LRCF). Les lésés ont un délai de prescription d'un an dès la connaissance du dommage, mais au plus tard dix ans après l'acte dommageable (art. 20 LRCF). Ces délais sont courts et sont observés d'office.\n\nLa responsabilité comprend l'intégralité du dommage selon le droit de la responsabilité civile. En cas de faute grave du fonctionnaire, la Confédération peut exercer un recours (art. 7 LRCF). Pour des domaines particuliers comme l'armée ou l'énergie nucléaire, il existe des réglementations spéciales.\n\nLes actions contre la Confédération sont tranchées par le Tribunal fédéral comme instance unique (art. 120 LTF). L'importance pratique de la responsabilité de l'État est grande, car les citoyens sont souvent obligatoirement en contact avec les organes étatiques et dépendent d'une protection juridique efficace.", "doctrine_fr": "# Art. 146 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La responsabilité de l'État fut ancrée pour la première fois dans la Constitution fédérale de 1848. L'art. 110 Cst. 1848 statuait : « La loi détermine la responsabilité des membres du Conseil fédéral et des autres fonctionnaires nommés ou employés par lui. » Cette disposition fut reprise à l'art. 117 Cst. 1874 et forma la base de l'adoption de la loi sur la responsabilité du 9 décembre 1850. La formulation actuelle de l'art. 146 Cst. remonte à la révision totale de 1999 et codifie le principe constitutionnel de la responsabilité de l'État (FF 1997 I 1, 484).\n\n**N. 2** Par l'art. 146 Cst., le constituant voulait ancrer le principe de la responsabilité de l'État au niveau constitutionnel et souligner ainsi son importance fondamentale pour l'État de droit. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale précisait : « La responsabilité de l'État est un élément essentiel de l'État de droit. L'État doit répondre du comportement illicite de ses organes » (FF 1997 I 1, 484). Cet ancrage devait garantir que la responsabilité de la Confédération ne soit pas à la disposition du législateur ordinaire.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 146 Cst. se trouve au 5e titre relatif aux autorités fédérales, au 3e chapitre concernant le Tribunal fédéral et les autres autorités judiciaires. Cette position systématique est historiquement conditionnée et n'est pas justifiée matériellement, car la responsabilité de l'État concerne tous les organes fédéraux, pas seulement les tribunaux. La norme est étroitement liée à → l'art. 5 Cst. (principe de l'État de droit) et → l'art. 29a Cst. (garantie de la voie de droit). Elle concrétise le principe de l'État de droit selon lequel l'action étatique doit non seulement être conforme au droit, mais l'État doit aussi répondre des actes illicites.\n\n**N. 4** La disposition constitutionnelle est exécutée par la loi sur la responsabilité (LRCF). L'art. 3 al. 1 LRCF reprend le principe constitutionnel et précise les conditions de responsabilité. Pour des domaines spéciaux, il existe des réglementations particulières, notamment l'art. 19 LFINMA pour la FINMA, les art. 135 ss LM pour le domaine militaire ou l'art. 78 LPGA pour les institutions d'assurances sociales. Ces lois spéciales priment sur le droit général de la responsabilité, mais doivent respecter le standard constitutionnel minimal de l'art. 146 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **« La Confédération »** comme sujet de responsabilité comprend la Confédération suisse comme personne juridique de droit public. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, la Confédération ne répond pas seulement des organes de l'administration fédérale centrale, mais aussi des unités administratives décentralisées avec leur propre personnalité juridique, pour autant qu'elles accomplissent des tâches souveraines de la Confédération (**ATF 148 II 218 c. 2.1**). Lors de la délégation de tâches publiques à des privés, la Confédération reste directement responsable selon Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 14) si les bases légales pour une délégation de tâches font défaut. Le Tribunal fédéral a confirmé cette position dans **ATF 148 II 218**.\n\n**N. 6** **« Ses organes »** saisit toutes les personnes qui agissent pour la Confédération. La notion d'organe doit être comprise de manière fonctionnelle et comprend selon l'art. 1 LRCF les magistrats, fonctionnaires, employés et toutes autres personnes chargées directement de tâches de droit public de la Confédération. Ce qui importe n'est pas la position formelle, mais l'attribution fonctionnelle à l'administration fédérale. Les auxiliaires privés qui n'exercent que des activités de soutien ne tombent pas sous la notion d'organe (Gross, Schweizerisches Staatshaftungsrecht, 2e éd. 2001, p. 45 ss).\n\n**N. 7** **« Dans l'exercice d'activités officielles »** exige un lien fonctionnel entre l'acte dommageable et la tâche officielle. Le Tribunal fédéral nie selon Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 21) le lien fonctionnel lorsque l'acte est accompli « seulement à l'occasion de l'accomplissement » d'une tâche. Une partie importante de la doctrine (Gross, op. cit., p. 67 ; Jaag, ZSR 2003 II 1, 45) plaide au contraire pour admettre le lien fonctionnel déjà lorsque l'organe n'a pu accomplir l'acte dommageable qu'en raison de sa position officielle.\n\n**N. 8** **« Illicite »** est toute violation de l'ordre juridique, que ce soit par un acte positif ou par une omission contraire au devoir. La théorie objective de l'illicéité prévaut : ce qui importe est la violation d'un bien juridique protégé ou d'une norme de comportement, non la faute (**ATF 118 IB 163 c. 2a**). Pour les dommages patrimoniaux, l'illicéité présuppose la violation d'une norme protectrice. Pour les dommages aux personnes et aux biens, l'illicéité réside déjà dans la violation du bien juridique elle-même (**ATF 123 II 577 c. 4e**).\n\n**N. 9** **« Causent »** exige un lien de causalité adéquat entre le comportement illicite et le dommage. Selon la jurisprudence constante, la causalité naturelle ne suffit pas ; l'événement dommageable doit être propre, selon le cours ordinaire des choses et l'expérience générale de la vie, à provoquer un résultat du type de celui qui s'est produit (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 30 ; ATF 133 III 462 c. 4.4.2).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** La responsabilité de l'État selon l'art. 146 Cst. est conçue comme une responsabilité causale. Une faute des organes agissants n'est pas requise (art. 3 al. 1 LRCF ; Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 31). Cette responsabilité indépendante de la faute tient compte de la position de pouvoir particulière de l'État et du fait que les lésés n'ont souvent pas le choix d'entrer en contact avec les organes étatiques.\n\n**N. 11** La Confédération répond de manière primaire et directe. Un recours contre les fonctionnaires fautifs n'est possible qu'en cas d'intention ou de négligence grave (art. 7 LRCF). La responsabilité comprend l'entier dommage selon les principes du droit de la responsabilité civile. En cas de dommages corporels, une réparation morale peut en outre être due si une faute incombe aux fonctionnaires (art. 6 LRCF).\n\n**N. 12** Les prétentions se prescrivent selon l'art. 20 LRCF dans l'année depuis la connaissance du dommage, au plus tard dix ans après l'acte dommageable. Le Tribunal fédéral a précisé dans **ATF 136 II 187** que le délai absolu de prescription peut s'écouler même avant la survenance du dommage, ce qui conduit à des duretés particulièrement en cas de dommages tardifs (p. ex. amiante). Le délai de prescription doit être observé d'office (Jaag, SBVR vol. I/3, 3e éd. 2017, N. 122).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Prétentions de responsabilité étatique directement constitutionnelles** : Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 3-4) soutient la position selon laquelle l'art. 29a en liaison avec l'art. 146 Cst. fonde une prétention constitutionnelle directe de dommages-intérêts en cas de violation de droits fondamentaux, si une protection juridique effective par la protection juridictionnelle restitutive du droit administratif ne peut être obtenue. Il argumente que l'art. 146 Cst. remplit, comme droit constitutionnel autonome, les conditions pour la reconnaissance de prétentions subjectives. Le Tribunal fédéral (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 5) rejette cette conception et ne dérive pas de prétentions immédiates de responsabilité étatique de la Constitution. Il laisse aux cantons la liberté de prévoir de telles prétentions. La majorité de la doctrine suit la pratique du Tribunal fédéral (Rütsche, Jusletter du 4.4.2011 ; Feller, Das Prinzip der Einmaligkeit des Rechtsschutzes im Staatshaftungsrecht, 2007, p. 89 ss).\n\n**N. 14** **Illicéité en cas d'arbitraire** : Une large partie de la doctrine (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 25 ; Landolt, AJP 2005, 379, 385 ; Gross, op. cit., p. 124) exige que la violation de l'interdiction de l'arbitraire selon l'art. 9 Cst. suffise comme condition pour l'illicéité fondant la responsabilité. Le Tribunal fédéral nie au contraire parfois une « faute particulière » même en cas d'application arbitraire du droit et exige une violation qualifiée du droit. Cette jurisprudence restrictive est critiquée car elle sape la protection juridique effective en cas de violations de droits fondamentaux.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Les lésés doivent d'abord adresser leur demande de dommages-intérêts à l'autorité ayant causé le dommage. Celle-ci rend une décision susceptible de recours (art. 10 LRCF). La voie de droit se règle selon les règles générales : les décisions des autorités fédérales peuvent faire l'objet d'un recours au Tribunal administratif fédéral. Les actions dirigées contre la Confédération doivent être déposées auprès du Tribunal fédéral comme instance unique (art. 120 LTF ; arrêt 2E_4/2019 du 28 octobre 2021).\n\n**N. 16** Le délai de prescription d'une année depuis la connaissance du dommage est court. Les lésés devraient déposer par précaution une demande de dommages-intérêts, même si le dommage n'est pas encore entièrement chiffrable. En cas de dommages tardifs, il faut particulièrement veiller au délai absolu de prescription de dix ans qui court indépendamment de la survenance du dommage.\n\n**N. 17** Dans différents domaines existent des régimes de responsabilité de lois spéciales avec des réglementations parfois plus favorables : La loi militaire prévoit des délais de prescription plus longs (art. 137 LM). La loi sur la responsabilité civile en matière nucléaire statue une responsabilité du fait des choses avec des sommes de responsabilité plus élevées (art. 13 ss LRCN). La loi sur les épidémies contient une réglementation spéciale de responsabilité pour les dommages dus aux vaccinations (art. 64 ss LEp). Dans le domaine des marchés financiers, la FINMA ne répond selon l'art. 19 LFINMA qu'en cas de violation qualifiée du devoir de fonction. Ces réglementations spéciales sont à examiner en priorité.", "caselaw_fr": "# Art. 146 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Sujet responsable et transfert de tâches\n\n**ATF 148 II 218** (17 décembre 2021)  \nConfier à des privés des tâches de droit public de la Confédération (art. 19 LRCF) ; base légale au sens formel selon l'art. 178 al. 3 Cst.  \nArrêt fondamental sur le transfert de tâches et la responsabilité directe de la Confédération en cas de base légale insuffisante.\n\n> « La Confédération répond des dommages que ses organes causent illicitement dans l'exercice de leurs fonctions officielles (art. 146 Cst.). La loi sur la responsabilité concrétise ce principe constitutionnel (cf. art. 3 al. 1 LRCF). »\n\n**ATF 132 II 449** (20 novembre 2006)  \nResponsabilité de la Confédération pour les mesures ESB ; obligation d'autorisation pour les engrais contenant des farines animales.  \nApplication de la responsabilité de la Confédération dans le domaine des procédures d'autorisation administrative et des obligations d'information.\n\n> « L'art. 3 al. 1 LRCF ne fonde aucune responsabilité de la Confédération pour les dommages que subissent les parties du fait des coûts nécessaires d'une procédure administrative. »\n\n### Illicéité et faute\n\n**ATF 118 IB 163** (22 mai 1992)  \nDécision fondamentale sur la notion d'illicéité en cas d'actes juridiques défectueux.  \nJurisprudence déterminante pour l'interprétation de la notion d'illicéité dans le droit de la responsabilité.\n\n> « L'illicéité suppose la violation d'un bien juridique. Le patrimoine en tant que tel n'est pas un bien juridique ; son atteinte à elle seule n'est donc pas illicite. Elle ne l'est que si une norme du droit écrit ou non écrit est violée. »\n\n**ATF 123 II 577** (12 décembre 1997)  \nResponsabilité pour collision entre aéronef militaire et aéronef civil ; notion d'illicéité dans le domaine militaire.  \nLa responsabilité de la Confédération se règle selon l'organisation militaire (aujourd'hui : loi militaire), non selon la loi sur l'aviation.\n\n> « En cas d'atteintes à la personne, l'illicéité résulte déjà du fait que l'intégrité corporelle est compromise sans motif justificatif, même sans qu'il y ait violation de prescriptions spécifiques. »\n\n### Compétence et procédure\n\n**Arrêt 2E_4/2019** (28 octobre 2021)  \nAction contre la Confédération suisse selon l'art. 120 al. 1 let. c LTF ; questions de procédure.  \nCompétence du Tribunal fédéral comme instance unique pour les actions en responsabilité de la Confédération et déroulement de la procédure.\n\n> « Selon l'art. 120 al. 1 let. c LTF, le Tribunal fédéral connaît comme instance unique des prétentions en dommages-intérêts et réparation morale résultant de l'activité officielle des personnes énumérées exhaustivement à l'art. 1er al. 1 let. a à c bis de la loi sur la responsabilité. »\n\n**Arrêt 2E_1/2018** (25 octobre 2019)  \nResponsabilité de la Confédération dans le domaine fiscal ; procédure selon l'art. 120 LTF.  \nPrétentions en responsabilité de l'État contre la Confédération en raison d'une taxation fiscale défectueuse et leur traitement procédural.\n\n> « La procédure de l'action au sens de l'art. 120 LTF se règle selon l'art. 120 al. 3 LTF d'après la loi fédérale sur la procédure civile fédérale (PCF). »\n\n### Domaines spéciaux\n\n**Arrêt A-2699/2018** (28 mars 2019)  \nResponsabilité de la Confédération dans le domaine des caisses de pension ; obligations d'information de PUBLICA.  \nApplication de la responsabilité de la Confédération en cas d'erreurs dans le conseil par les organes de la caisse de pension de la Confédération.\n\n> « La Confédération répond des dommages que ses organes causent illicitement dans l'exercice de leurs fonctions officielles (art. 146 Cst.). »\n\n**ATF 116 II 480** (31 juillet 1990)  \nResponsabilité civile nucléaire (cas de Tchernobyl) ; responsabilité de la Confédération selon l'art. 16 LRN.  \nRéglementation spéciale de la responsabilité de la Confédération dans le domaine de l'énergie nucléaire et rapport à l'art. 146 Cst.\n\n> « Pour la responsabilité de la Confédération selon l'art. 16 al. 1 let. d LRN, les mêmes conditions s'appliquent que pour les installations nucléaires en Suisse. »\n\n### Domaine militaire\n\n**ATF 127 II 289** (24 juillet 2001)  \nRapport entre la responsabilité de la Confédération selon la loi militaire et l'assurance militaire.  \nExclusion de la responsabilité selon la loi militaire lorsque l'assurance militaire fournit des prestations.\n\n> « Selon l'art. 135 al. 3 LM, la responsabilité de la Confédération pour des états de fait qui tombent sous d'autres dispositions sur la responsabilité se règle selon ces dispositions. »\n\n**ATF 122 V 28** (19 juin 1996)  \nResponsabilité de la Confédération pour les conséquences de mesures médicales préventives au service militaire ; étendue de la responsabilité.  \nRéglementation spéciale dans le domaine de la loi sur l'assurance militaire et son rapport à la responsabilité générale de la Confédération.\n\n> « Concernant l'étendue de la responsabilité de la Confédération pour les conséquences de mesures médicales préventives, il existe des réglementations légales spéciales dans la loi sur l'assurance militaire. »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 146 Cost. obbliga la Confederazione a rispondere dei danni causati dai suoi organi. Questa responsabilità dello Stato costituisce secondo Jellinek l'«Ultima Ratio del Stato di diritto» (BSK BV-Schaub, n. 2). Essa vale per tutte le autorità federali, dall'amministrazione fino ai tribunali.\n\nLa Confederazione deve adempiere quattro presupposti: deve sussistere un danno, causato da un organo federale nell'esercizio di un'attività ufficiale, illecitamente e con nesso causale adeguato. È illecito ogni pregiudizio all'ordinamento giuridico, indipendentemente dalla colpa dei funzionari. La responsabilità è una pura responsabilità causale senza requisito di colpa (art. 3 LResp; BSK BV-Schaub, n. 31).\n\nEsempio: Un poliziotto danneggia illegittimamente un veicolo durante un intervento. La Confederazione risponde per il danno di riparazione, anche se il funzionario non aveva alcuna intenzione. Un secondo esempio: L'Ufficio federale della sanità pubblica emette una raccomandazione di vaccinazione errata che porta a danni alla salute.\n\nI dettagli giuridici sono disciplinati dalla Legge sulla responsabilità (LResp). I danneggiati hanno un termine di prescrizione di un anno dalla conoscenza del danno, al più tardi tuttavia dieci anni dall'atto dannoso (art. 20 LResp). Questi termini sono brevi e vengono osservati d'ufficio.\n\nLa responsabilità comprende l'intero danno secondo il diritto della responsabilità civile. In caso di colpa grave del funzionario la Confederazione può esercitare il diritto di regresso (art. 7 LResp). Per ambiti particolari come l'esercito o l'energia nucleare esistono normative speciali.\n\nLe azioni contro la Confederazione sono decise dal Tribunale federale come unica istanza (art. 120 LTF). L'importanza pratica della responsabilità dello Stato è grande, poiché i cittadini spesso entrano necessariamente in contatto con organi statali e dipendono da una tutela giuridica efficace.", "doctrine_it": "# Art. 146 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La responsabilità dello Stato fu sancita per la prima volta nella Costituzione federale del 1848. L'art. 110 Cost. 1848 stabiliva: «La legge determina la responsabilità dei membri del Consiglio federale e degli altri funzionari da esso nominati o assunti.» Questa disposizione fu ripresa nell'art. 117 Cost. 1874 e costituì la base per l'emanazione della Legge sulla responsabilità del 9 dicembre 1850. L'attuale formulazione dell'art. 146 Cost. risale alla revisione totale del 1999 e codifica il principio costituzionale della responsabilità dello Stato (FF 1997 I 1, 484).\n\n**N. 2** Con l'art. 146 Cost. il costituente volle sancire il principio della responsabilità dello Stato a livello costituzionale e sottolineare così la sua fondamentale importanza per lo Stato di diritto. Il Messaggio per la nuova Costituzione federale stabiliva: «La responsabilità dello Stato è un elemento essenziale dello Stato di diritto. Lo Stato deve rispondere del comportamento illecito dei suoi organi» (FF 1997 I 1, 484). Questo ancoraggio doveva garantire che la responsabilità della Confederazione non fosse lasciata alla discrezione del legislatore ordinario.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 146 Cost. si trova nel 5° Titolo sulle autorità federali, nel 3° Capitolo sul Tribunale federale e le altre autorità giudiziarie. Questa collocazione sistematica è storicamente condizionata e non giustificata dal punto di vista sostanziale, poiché la responsabilità dello Stato riguarda tutti gli organi federali, non solo i tribunali. La norma è strettamente collegata all'→ art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto) e all'→ art. 29a Cost. (garanzia della via giudiziaria). Essa concretizza il principio dello Stato di diritto secondo cui l'azione statale non solo deve essere conforme al diritto, ma lo Stato deve anche rispondere dell'agire illecito.\n\n**N. 4** La disposizione costituzionale è attuata dalla Legge sulla responsabilità (LResp). L'art. 3 cpv. 1 LResp ripete il principio costituzionale e precisa i presupposti della responsabilità. Per settori speciali esistono regolamentazioni particolari, come l'art. 19 LFINMA per la FINMA, gli art. 135 ss. LM per l'ambito militare o l'art. 78 LATTS per gli enti assicuratori sociali. Queste leggi speciali prevalgono sul diritto generale della responsabilità, ma devono rispettare lo standard minimo costituzionale dell'art. 146 Cost.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **«La Confederazione»** come soggetto responsabile comprende la Confederazione Svizzera come persona giuridica di diritto pubblico. Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, la Confederazione risponde non solo per gli organi dell'amministrazione federale centrale, ma anche per le unità amministrative decentrate con propria personalità giuridica, purché svolgano compiti sovrani della Confederazione (**DTF 148 II 218 consid. 2.1**). In caso di trasferimento di compiti pubblici a privati, secondo Schaub (BSK BV, art. 146 n. 14) la Confederazione rimane direttamente responsabile se mancano le basi legali per il trasferimento dei compiti. Il Tribunale federale ha confermato questa posizione in **DTF 148 II 218**.\n\n**N. 6** **«I suoi organi»** comprende tutte le persone che agiscono per la Confederazione. Il concetto di organo deve essere inteso funzionalmente e comprende secondo l'art. 1 LResp i magistrati, i funzionari, gli impiegati e tutte le altre persone direttamente incaricate di compiti di diritto pubblico della Confederazione. Determinante non è la posizione formale, ma l'attribuzione funzionale all'amministrazione federale. Le persone ausiliarie private che svolgono solo attività di supporto non rientrano nel concetto di organo (Gross, Schweizerisches Staatshaftungsrecht, 2ª ed. 2001, p. 45 ss.).\n\n**N. 7** **«Nell'esercizio di attività ufficiali»** richiede un nesso funzionale tra l'azione dannosa e il compito ufficiale. Il Tribunale federale nega secondo Schaub (BSK BV, art. 146 n. 21) il nesso funzionale quando l'azione è compiuta «solo in occasione dell'attività». Una parte significativa della dottrina (Gross, op. cit., p. 67; Jaag, ZSR 2003 II 1, 45) propende invece per ammettere il nesso funzionale già quando l'organo, a causa della sua posizione ufficiale, è stato messo in condizione di compiere l'azione dannosa.\n\n**N. 8** **«Illecitamente»** è ogni violazione dell'ordinamento giuridico, sia attraverso un comportamento attivo sia attraverso un'omissione contraria al dovere. Prevale la teoria oggettiva dell'illiceità: determinante è la violazione di un bene giuridico protetto o di una norma di comportamento, non la colpa (**DTF 118 IB 163 consid. 2a**). Per i danni patrimoniali, l'illiceità presuppone la violazione di una norma protettiva. Per i danni alle persone e alle cose, l'illiceità risiede già nella lesione del bene giuridico stesso (**DTF 123 II 577 consid. 4e**).\n\n**N. 9** **«Cagionano»** richiede un nesso causale adeguato tra il comportamento illecito e il danno. Secondo la giurisprudenza costante non basta la causalità naturale; l'evento dannoso deve essere idoneo, secondo il corso ordinario delle cose e l'esperienza generale di vita, a provocare un effetto del tipo di quello verificatosi (Schaub, BSK BV, art. 146 n. 30; DTF 133 III 462 consid. 4.4.2).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** La responsabilità dello Stato secondo l'art. 146 Cost. è configurata come responsabilità causale. Non è richiesta la colpa degli organi agenti (art. 3 cpv. 1 LResp; Schaub, BSK BV, art. 146 n. 31). Questa responsabilità indipendente dalla colpa tiene conto della particolare posizione di potere dello Stato e del fatto che i danneggiati spesso non hanno scelta se entrare in contatto con organi statali.\n\n**N. 11** La Confederazione risponde in via primaria e diretta. Un'azione di regresso contro funzionari colpevoli è possibile solo in caso di dolo o colpa grave (art. 7 LResp). La responsabilità comprende il danno integrale secondo i principi del diritto della responsabilità civile. Per i danni alle persone può essere dovuta inoltre una riparazione morale se i funzionari hanno commesso colpa (art. 6 LResp).\n\n**N. 12** Le pretese si prescrivono secondo l'art. 20 LResp entro un anno dalla conoscenza del danno, ma al più tardi dieci anni dopo l'azione dannosa. Il Tribunale federale ha chiarito in **DTF 136 II 187** che il termine assoluto di prescrizione può decorrere anche prima che si verifichi il danno, il che porta a situazioni difficili specialmente per i danni tardivi (ad es. amianto). Il termine di prescrizione deve essere rilevato d'ufficio (Jaag, SBVR vol. I/3, 3ª ed. 2017, n. 122).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 13** **Pretese di responsabilità dello Stato direttamente costituzionali**: Schaub (BSK BV, art. 146 n. 3-4) sostiene la posizione che l'art. 29a in relazione all'art. 146 Cost. fondi una pretesa di risarcimento danni direttamente costituzionale in caso di violazioni dei diritti fondamentali, qualora non si possa ottenere una tutela giuridica effettiva attraverso la tutela giuridica amministrativa restitutiva. Egli argomenta che l'art. 146 Cost., come diritto costituzionale autonomo, soddisfa i presupposti per il riconoscimento di pretese soggettive. Il Tribunale federale (Schaub, BSK BV, art. 146 n. 5) respinge questa concezione e non deriva dalla Costituzione pretese dirette di responsabilità dello Stato. Lascia ai Cantoni la libertà di prevedere o meno tali pretese. La maggioranza della dottrina segue la prassi del Tribunale federale (Rütsche, Jusletter del 4.4.2011; Feller, Das Prinzip der Einmaligkeit des Rechtsschutzes im Staatshaftungsrecht, 2007, p. 89 ss.).\n\n**N. 14** **Illiceità in caso di arbitrio**: Un'ampia parte della dottrina (Schaub, BSK BV, art. 146 n. 25; Landolt, AJP 2005, 379, 385; Gross, op. cit., p. 124) chiede che la violazione del divieto di arbitrio secondo l'art. 9 Cost. sia sufficiente come presupposto per l'illiceità che fonda la responsabilità. Il Tribunale federale nega talvolta un «errore particolare» anche in caso di applicazione arbitraria del diritto e richiede una violazione qualificata del diritto. Questa giurisprudenza restrittiva è criticata perché mina la tutela giuridica effettiva in caso di violazioni dei diritti fondamentali.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** I danneggiati devono presentare la loro richiesta di risarcimento danni dapprima all'autorità che ha causato il danno. Questa emana una decisione impugnabile (art. 10 LResp). La via di diritto si regge secondo le regole generali: le decisioni di autorità federali possono essere impugnate al Tribunale amministrativo federale. Le azioni dirette contro la Confederazione devono essere presentate al Tribunale federale come unica istanza (art. 120 LTF; sentenza 2E_4/2019 del 28 ottobre 2021).\n\n**N. 16** Il termine di prescrizione di un anno dalla conoscenza del danno è breve. I danneggiati dovrebbero presentare cautelativamente una richiesta di risarcimento danni, anche se il danno non è ancora completamente quantificabile. Per i danni tardivi bisogna fare particolare attenzione al termine assoluto di prescrizione di dieci anni, che decorre indipendentemente dal verificarsi del danno.\n\n**N. 17** In diversi settori esistono ordinamenti di responsabilità previsti da leggi speciali con regolamentazioni in parte più favorevoli: la Legge militare prevede termini di prescrizione più lunghi (art. 137 LM). La Legge sulla responsabilità civile in materia nucleare stabilisce una responsabilità per pericolo con somme di responsabilità più elevate (art. 13 ss. LRCN). La Legge sulle epidemie contiene una regolamentazione speciale della responsabilità per i danni da vaccinazioni (art. 64 ss. LEp). Nel settore dei mercati finanziari la FINMA risponde secondo l'art. 19 LFINMA solo per violazione qualificata dei doveri d'ufficio. Queste regolamentazioni speciali devono essere esaminate prioritariamente.", "caselaw_it": "# Art. 146 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Soggetto responsabile e trasferimento di compiti\n\n**DTF 148 II 218** (17 dicembre 2021)  \nAffidamento a privati di compiti di diritto pubblico della Confederazione (art. 19 LResp); base legale formale secondo art. 178 cpv. 3 Cost.  \nSentenza fondamentale sul trasferimento di compiti e responsabilità diretta della Confederazione in caso di base legale insufficiente.\n\n> «La Confederazione risponde dei danni che i suoi organi causano illecitamente nell'esercizio di attività ufficiali (art. 146 Cost.). La Legge sulla responsabilità concretizza questo principio costituzionale (cfr. art. 3 cpv. 1 LResp).»\n\n**DTF 132 II 449** (20 novembre 2006)  \nResponsabilità della Confederazione per misure BSE; obbligo di autorizzazione per concimi contenenti farine animali.  \nApplicazione della responsabilità della Confederazione nel settore delle procedure di autorizzazione amministrativa e degli obblighi di informazione.\n\n> «L'art. 3 cpv. 1 LResp non fonda alcuna responsabilità della Confederazione per danni che sorgono alle parti per i costi necessari di un processo amministrativo.»\n\n### Illiceità e colpa\n\n**DTF 118 IB 163** (22 maggio 1992)  \nDecisione fondamentale sul concetto di illiceità in caso di atti giuridici viziati.  \nGiurisprudenza determinante per l'interpretazione del concetto di illiceità nel diritto della responsabilità.\n\n> «L'illiceità presuppone la violazione di un bene giuridico. Il patrimonio come tale non è un bene giuridico; il suo danneggiamento di per sé non è quindi illecito. Lo è soltanto quando viene violata una norma del diritto scritto o non scritto.»\n\n**DTF 123 II 577** (12 dicembre 1997)  \nResponsabilità per collisione tra aeromobile militare e civile; concetto di illiceità nel settore militare.  \nLa responsabilità della Confederazione si fonda sull'organizzazione militare (oggi: Legge militare), non sulla Legge sulla navigazione aerea.\n\n> «Per i danni alle persone l'illiceità risulta, anche senza che siano violate prescrizioni specifiche, già dal fatto che l'integrità fisica viene compromessa senza giustificazione giuridica.»\n\n### Competenza e procedura\n\n**Sentenza 2E_4/2019** (28 ottobre 2021)  \nAzione contro la Confederazione Svizzera secondo art. 120 cpv. 1 lett. c LTF; questioni procedurali.  \nCompetenza del Tribunale federale come unica istanza per azioni di responsabilità della Confederazione e svolgimento della procedura.\n\n> «Secondo l'art. 120 cpv. 1 lett. c LTF il Tribunale federale è competente come unica istanza per giudicare le pretese di risarcimento danni e riparazione morale derivanti dall'attività ufficiale delle persone elencate esaustivamente nell'art. 1 cpv. 1 lett. a-c bis della Legge sulla responsabilità.»\n\n**Sentenza 2E_1/2018** (25 ottobre 2019)  \nResponsabilità della Confederazione nel settore fiscale; procedura secondo art. 120 LTF.  \nPretese di responsabilità dello Stato contro la Confederazione per errata tassazione e loro trattamento procedurale.\n\n> «La procedura dell'azione ai sensi dell'art. 120 LTF si fonda secondo l'art. 120 cpv. 3 LTF sulla Legge federale sulla procedura civile federale (LPCF).»\n\n### Settori speciali\n\n**Sentenza A-2699/2018** (28 marzo 2019)  \nResponsabilità della Confederazione nel settore delle casse pensioni; obblighi di informazione di PUBLICA.  \nApplicazione della responsabilità della Confederazione per errori nella consulenza da parte di organi della cassa pensioni della Confederazione.\n\n> «La Confederazione risponde dei danni che i suoi organi causano illecitamente nell'esercizio di attività ufficiali (art. 146 Cost.).»\n\n**DTF 116 II 480** (31 luglio 1990)  \nResponsabilità civile nucleare (caso Chernobyl); responsabilità della Confederazione secondo art. 16 LRCiv.  \nDisciplina speciale della responsabilità della Confederazione nel settore dell'energia nucleare e rapporto con l'art. 146 Cost.\n\n> «Per la responsabilità della Confederazione secondo l'art. 16 cpv. 1 lett. d LRCiv si applicano gli stessi presupposti che per gli impianti nucleari in Svizzera.»\n\n### Settore militare\n\n**DTF 127 II 289** (24 luglio 2001)  \nRapporto tra la responsabilità della Confederazione secondo la Legge militare e l'assicurazione militare.  \nEsclusione della responsabilità secondo la Legge militare quando l'assicurazione militare fornisce prestazioni.\n\n> «Secondo l'art. 135 cpv. 3 LM la responsabilità della Confederazione per fattispecie che rientrano sotto altre disposizioni di responsabilità si fonda su queste disposizioni.»\n\n**DTF 122 V 28** (19 giugno 1996)  \nResponsabilità della Confederazione per conseguenze di misure mediche preventive nel servizio militare; portata della responsabilità.  \nDisciplina speciale nel settore della Legge sull'assicurazione militare e suo rapporto con la responsabilità generale della Confederazione.\n\n> «Riguardo alla portata della responsabilità della Confederazione per le conseguenze di misure mediche preventive esistono discipline legali speciali nella Legge sull'assicurazione militare.»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 146 BV obligates the Confederation to be liable for damage caused by its organs. According to Jellinek, this state liability constitutes the «ultima ratio of the rule of law» (BSK BV-Schaub, N. 2). It applies to all federal authorities, from the administration to the courts.\n\nThe Confederation must meet four requirements: There must be damage caused by a federal organ in official activity, unlawfully and with adequate causal connection. Unlawful is any violation of the legal order, regardless of fault by the officials. The liability is pure causal liability without requirement of fault (Art. 3 VG; BSK BV-Schaub, N. 31).\n\nExample: A police officer unlawfully damages a vehicle during an operation. The Confederation is liable for the repair damage, even if the official had no intent. A second example: The Federal Office of Public Health issues incorrect vaccination advice that leads to health damage.\n\nThe legal details are regulated by the State Liability Act (VG). Injured parties have a claim period of one year from knowledge of the damage, but at the latest ten years after the damaging act (Art. 20 VG). These periods are short and are observed ex officio.\n\nThe liability covers the full damage under tort law. In case of serious fault by the official, the Confederation may seek recourse (Art. 7 VG). Special regulations exist for particular areas such as military or nuclear energy.\n\nClaims against the Confederation are decided by the Federal Supreme Court as sole instance (Art. 120 BGG). The practical significance of state liability is great, as citizens are often inevitably in contact with state organs and depend on effective legal protection.", "doctrine_en": "# Art. 146 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** State liability was first enshrined in the Federal Constitution of 1848. Art. 110 FC 1848 provided: «The law determines the responsibility of the members of the Federal Council and other officials employed or appointed by it.» This provision was adopted in Art. 117 FC 1874 and formed the basis for the enactment of the Liability Act of 9 December 1850. The current formulation in Art. 146 FC dates back to the total revision of 1999 and codifies the constitutional principle of state liability (FG 1997 I 1, 484).\n\n**N. 2** With Art. 146 FC, the constitutional legislator sought to anchor the principle of state liability at the constitutional level and thereby underscore its fundamental rule-of-law significance. The Federal Council Message on the new Federal Constitution noted: «State liability is an essential element of the rule of law. The state must be accountable for the unlawful conduct of its organs» (FG 1997 I 1, 484). This constitutional anchoring was intended to ensure that federal liability is not at the disposal of ordinary legislation.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 146 FC is located in Title 5 on the Federal Authorities, Chapter 3 on the Federal Supreme Court and other judicial authorities. This systematic position is historically conditioned and not substantively justified, as state liability affects all federal organs, not just the courts. The norm is closely related to → Art. 5 FC (rule of law principle) and → Art. 29a FC (guarantee of legal remedies). It concretises the rule-of-law principle that state action must not only be lawful, but the state must also be accountable for unlawful conduct.\n\n**N. 4** The constitutional provision is implemented by the State Liability Act (SLA). Art. 3 para. 1 SLA repeats the constitutional principle and specifies the liability requirements. Special regulations exist for specific areas, such as Art. 19 FINMASA for FINMA, Art. 135 ff. MA for the military sector, or Art. 78 GISA for social insurance institutions. These special acts take precedence over general liability law, but must observe the constitutional minimum standard of Art. 146 FC.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **«The Confederation»** as the liable entity comprises the Swiss Confederation as a legal person under public law. According to Federal Supreme Court case law, the Confederation is liable not only for the organs of the central federal administration, but also for decentralised administrative units with their own legal personality, provided they perform sovereign federal tasks (**BGE 148 II 218 E. 2.1**). When public tasks are transferred to private parties, according to Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 14), the Confederation remains directly liable if the legal basis for task transfer is lacking. The Federal Supreme Court confirmed this position in **BGE 148 II 218**.\n\n**N. 6** **«Its organs»** encompasses all persons acting for the Confederation. The concept of organ is to be understood functionally and comprises, according to Art. 1 SLA, magistrates, officials, employees and all other persons directly entrusted with public law tasks of the Confederation. The decisive factor is not the formal position, but the functional attribution to the federal administration. Private auxiliary persons who merely perform supporting activities do not fall under the concept of organ (Gross, Swiss State Liability Law, 2nd ed. 2001, pp. 45 ff.).\n\n**N. 7** **«In the performance of official activities»** requires a functional connection between the damaging act and the official task. According to Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 21), the Federal Supreme Court denies the functional connection if the act was performed «merely on the occasion of the performance». A significant part of the doctrine (Gross, op. cit., p. 67; Jaag, ZSR 2003 II 1, 45) argues instead for affirming the functional connection when the organ only came into a position to perform the damaging act due to its official position.\n\n**N. 8** **«Unlawfully»** means any violation of the legal order, whether by active conduct or wrongful omission. The objective unlawfulness theory prevails: the decisive factor is the violation of a protected legal interest or a rule of conduct, not fault (**BGE 118 IB 163 E. 2a**). For pecuniary damage, unlawfulness requires the violation of a protective norm. For personal injury and property damage, unlawfulness already lies in the violation of the legal interest itself (**BGE 123 II 577 E. 4e**).\n\n**N. 9** **«Cause»** requires an adequate causal connection between the unlawful conduct and the damage. According to established case law, natural causation is not sufficient; the damaging event must be suited, according to the ordinary course of things and general life experience, to bring about a consequence of the type that occurred (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 30; BGE 133 III 462 E. 4.4.2).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** State liability under Art. 146 FC is structured as strict liability. Fault on the part of the acting organs is not required (Art. 3 para. 1 SLA; Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 31). This no-fault liability takes account of the special position of power of the state and the circumstance that injured parties often have no choice whether they wish to come into contact with state organs.\n\n**N. 11** The Confederation is primarily and directly liable. Recourse against culpable officials is only possible in cases of intent or gross negligence (Art. 7 SLA). Liability encompasses the full damage according to the principles of tort law. In cases of personal injury, compensation for moral damage may additionally be owed if the official is at fault (Art. 6 SLA).\n\n**N. 12** Claims become time-barred according to Art. 20 SLA within one year from knowledge of the damage, but at the latest ten years after the damaging act. The Federal Supreme Court clarified in **BGE 136 II 187** that the absolute limitation period can expire even before damage occurs, which leads to hardship particularly in cases of latent damage (e.g. asbestos). The limitation period must be observed ex officio (Jaag, SBVR Vol. I/3, 3rd ed. 2017, N. 122).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 13** **Constitutionally direct state liability claims**: Schaub (BSK BV, Art. 146 N. 3-4) takes the position that Art. 29a in conjunction with Art. 146 FC supports a constitutionally direct claim for damages in cases of fundamental rights violations, if effective legal protection cannot be obtained through restitutive administrative legal protection. He argues that Art. 146 FC, as an independent constitutional right, fulfils the requirements for the recognition of subjective claims. The Federal Supreme Court (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 5) rejects this view and does not derive direct state liability claims from the constitution. It leaves it to the cantons to provide for such claims at all. The majority of the doctrine follows the Federal Supreme Court's practice (Rütsche, Jusletter of 4.4.2011; Feller, The Principle of the Uniqueness of Legal Protection in State Liability Law, 2007, pp. 89 ff.).\n\n**N. 14** **Unlawfulness in cases of arbitrariness**: A broad part of the doctrine (Schaub, BSK BV, Art. 146 N. 25; Landolt, AJP 2005, 379, 385; Gross, op. cit., p. 124) demands that violation of the prohibition of arbitrariness under Art. 9 FC should suffice as a sufficient prerequisite for liability-establishing unlawfulness. The Federal Supreme Court, by contrast, sometimes denies a «special error» even in cases of arbitrary application of law and requires a qualified violation of law. This restrictive case law is criticised because it undermines effective legal protection in cases of fundamental rights violations.\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 15** Injured parties must first submit their claim for damages to the damaging authority. This issues a contestable ruling (Art. 10 SLA). The legal remedy follows the general rules: rulings by federal authorities can be appealed to the Federal Administrative Court. Actions against the Confederation must be filed with the Federal Supreme Court as the sole instance (Art. 120 SCA; Judgment 2E_4/2019 of 28 October 2021).\n\n**N. 16** The one-year limitation period from knowledge of the damage is short. Injured parties should precautiously file a claim for damages even if the damage cannot yet be fully quantified. For latent damage, particular attention should be paid to the absolute ten-year limitation period, which runs independently of when damage occurs.\n\n**N. 17** Various areas have special statutory liability regimes with partly more favourable regulations: The Military Act provides for longer prescription periods (Art. 137 MA). The Nuclear Liability Act establishes strict liability with higher liability amounts (Art. 13 ff. NLA). The Epidemics Act contains a special liability regulation for vaccination damage (Art. 64 ff. EpA). In the financial market sector, FINMA is liable under Art. 19 FINMASA only for qualified breach of official duty. These special regulations must be examined as a priority.", "caselaw_en": "# Art. 146 BV\n\n## Case Law\n\n### Liable Subject and Delegation of Tasks\n\n**BGE 148 II 218** (17 December 2021)  \nEntrusting private parties with public law tasks of the Confederation (Art. 19 RLA); statutory basis under Art. 178 para. 3 Cst.  \nFundamental judgment on task delegation and direct federal liability in cases of insufficient legal basis.\n\n> «The Confederation is liable for damage unlawfully caused by its bodies in the performance of their official activities (Art. 146 Cst.). The Responsibility Act gives concrete form to this constitutional principle (cf. Art. 3 para. 1 RLA).»\n\n**BGE 132 II 449** (20 November 2006)  \nFederal liability for BSE measures; authorization requirement for fertilizers containing animal meal.  \nApplication of federal liability in the area of official authorization procedures and information duties.\n\n> «Art. 3 para. 1 RLA does not establish liability of the Confederation for damage suffered by the parties through the necessary costs of an administrative proceeding.»\n\n### Unlawfulness and Fault\n\n**BGE 118 IB 163** (22 May 1992)  \nFundamental decision on the concept of unlawfulness in case of defective legal acts.  \nAuthoritative case law on the interpretation of the concept of unlawfulness in liability law.\n\n> «Unlawfulness presupposes the violation of a legal interest. Assets as such are not a legal interest; their damage alone is therefore not unlawful. It is only unlawful if a norm of written or unwritten law is violated.»\n\n**BGE 123 II 577** (12 December 1997)  \nLiability for collision between military and civilian aircraft; concept of unlawfulness in the military sphere.  \nThe liability of the Confederation is governed by the Military Organisation (today: Military Act), not by the Aviation Act.\n\n> «In the case of personal injury, unlawfulness results, even without specific provisions being violated, from the fact that physical integrity is impaired without justification.»\n\n### Jurisdiction and Procedure\n\n**Judgment 2E_4/2019** (28 October 2021)  \nAction against the Swiss Confederation under Art. 120 para. 1 lit. c FSCA; procedural questions.  \nJurisdiction of the Federal Supreme Court as sole instance for federal liability actions and procedural course.\n\n> «Under Art. 120 para. 1 lit. c FSCA, the Federal Supreme Court has jurisdiction as sole instance to adjudicate claims for damages and satisfaction arising from the official activity of the persons exhaustively listed in Art. 1 para. 1 lit. a-c bis of the Responsibility Act.»\n\n**Judgment 2E_1/2018** (25 October 2019)  \nFederal liability in the tax area; procedure under Art. 120 FSCA.  \nState liability claims against the Confederation for erroneous tax assessment and their procedural treatment.\n\n> «The procedure for actions within the meaning of Art. 120 FSCA is governed, according to Art. 120 para. 3 FSCA, by the Federal Act on Federal Civil Procedure (FAFCP).»\n\n### Special Areas\n\n**Judgment A-2699/2018** (28 March 2019)  \nFederal liability in the area of pension funds; information duties of PUBLICA.  \nApplication of federal liability for errors in advice by bodies of the Confederation's pension fund.\n\n> «The Confederation is liable for damage unlawfully caused by its bodies in the performance of their official activities (Art. 146 Cst.).»\n\n**BGE 116 II 480** (31 July 1990)  \nNuclear energy liability (Chernobyl case); liability of the Confederation under Art. 16 NLA.  \nSpecial regulation of federal liability in the field of nuclear energy and relationship to Art. 146 Cst.\n\n> «For the liability of the Confederation under Art. 16 para. 1 lit. d NLA, the same requirements apply as for nuclear installations in Switzerland.»\n\n### Military Sphere\n\n**BGE 127 II 289** (24 July 2001)  \nRelationship of federal liability under the Military Act to military insurance.  \nExclusion of liability under the Military Act when military insurance provides benefits.\n\n> «According to Art. 135 para. 3 MA, the liability of the Confederation in cases falling under other liability provisions is governed by those provisions.»\n\n**BGE 122 V 28** (19 June 1996)  \nFederal liability for consequences of medical precautions in military service; scope of liability.  \nSpecial regulation in the area of the Military Insurance Act and its relationship to general federal liability.\n\n> «Regarding the scope of federal liability for the consequences of medical precautions, there are special statutory regulations in the Military Insurance Act.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_146", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.0, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 147, "article_suffix": "", "title": "Vernehmlassungsverfahren", "sr_number": "101", "summary_de": "Das Vernehmlassungsverfahren nach Art. 147 BV ist ein wichtiges Instrument der Mitwirkung im schweizerischen Rechtsetzungsprozess. Die Verfassung verpflichtet die Behörden, bei wichtigen Erlassen und völkerrechtlichen Verträgen die Kantone, politischen Parteien und interessierten Kreise zur Stellungnahme einzuladen.\n\n**Wer ist betroffen?** Obligatorische Teilnehmer sind alle Kantone als Ausdruck des kooperativen Föderalismus. Die politischen Parteien werden als Träger der politischen Willensbildung konsultiert. Die «interessierten Kreise» umfassen Verbände, Organisationen und weitere Akteure, die von der Vorlage betroffen sind.\n\n**Was wird konsultiert?** Das Vernehmlassungsverfahren findet bei drei Kategorien statt: wichtige Erlasse (neue Gesetze oder bedeutende Änderungen), andere Vorhaben von grosser Tragweite (politische Programme) und wichtige völkerrechtliche Verträge. Die Lehre streitet darüber, ob bei jeder Gesetzesänderung eine Vernehmlassung nötig ist. Während das Vernehmlassungsgesetz (VlG) dies grundsätzlich vorsieht, kritisiert Schiess Rütimann diese extensive Praxis als verfassungswidrig (BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**Welche Rechtsfolgen?** Das Verfahren ist konsultativ – die Stellungnahmen sind für die Behörden nicht bindend. Die Bundesverfassung begründet keinen subjektiven Anspruch auf Durchführung einer Vernehmlassung. Die Rechtsprechung hat bestätigt, dass im Rechtsetzungsverfahren kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf rechtliches Gehör besteht (**BGE 121 I 230**).\n\n**Beispiel:** Vor der Revision des Jagdgesetzes zur Wolf-Regulierung führte der Bundesrat 2024 eine dreimonatige Vernehmlassung durch. Kantone, Parteien und Umweltverbände konnten ihre Position darlegen. Obwohl viele Stellungnahmen kritisch waren, setzte der Bundesrat die Revision trotzdem in Kraft – die Vernehmlassung war erfolgreich durchgeführt worden.\n\nDie Vernehmlassung stärkt die Legitimation von Gesetzen durch frühzeitige Einbindung der Betroffenen, ohne die demokratische Entscheidungsfreiheit der gewählten Behörden zu beschränken.", "doctrine_de": "# Art. 147 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 147 BV verankert das Vernehmlassungsverfahren auf Verfassungsstufe. Die Bestimmung geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück und kodifiziert eine lange Tradition der Konsultation in der schweizerischen Rechtsetzung (BBl 1997 I 1, 376 f.). Der Verfassungsgeber wollte die bewährte Praxis der Vernehmlassung, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hatte, ausdrücklich verfassungsrechtlich absichern (BBl 2004 533, 536).\n\n**N. 2** Die heutige Formulierung entspricht weitgehend dem Vorschlag des Bundesrates. In den parlamentarischen Beratungen wurde diskutiert, ob die Vernehmlassung als Volksrecht ausgestaltet werden sollte. Dies wurde verworfen, womit der Charakter als Instrument der Mitwirkung im vorparlamentarischen Verfahren beibehalten wurde (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 2).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 147 BV steht im 5. Titel über die Bundesbehörden, im 3. Kapitel über die Bundesversammlung und die Bundesverwaltung. Die Platzierung unterstreicht, dass das Vernehmlassungsverfahren Teil des Rechtsetzungsprozesses auf Bundesebene ist. Die Bestimmung weist enge Bezüge zu den politischen Rechten (→ Art. 33 BV) und zum kooperativen Föderalismus (→ Art. 45 BV) auf.\n\n**N. 4** Rhinow attestierte der Vernehmlassung eine Nähe zu den politischen Rechten und hob die Parallelen zum Petitionsrecht hervor (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). Biaggini bezeichnete das Vernehmlassungsverfahren als eine Art formalisierte Ausübung des Petitionsrechts (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). Die Vernehmlassung ist jedoch kein Volksrecht im engeren Sinn, sondern ein Konsultationsinstrument im Rechtsetzungsprozess.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Adressatenkreis**: Art. 147 BV nennt drei Kategorien von Vernehmlassungsadressaten: die Kantone, die politischen Parteien und die interessierten Kreise. Die Kantone sind obligatorische Adressaten bei allen Vernehmlassungen. Ihre Teilnahme ist Ausdruck des kooperativen Föderalismus (↔ Art. 45 BV). Die politischen Parteien werden als Träger der politischen Willensbildung konsultiert. Die «interessierten Kreise» umfassen Verbände, Organisationen und weitere Akteure, die von der Vorlage betroffen sind (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 11-13).\n\n**N. 6** **Gegenstände der Vernehmlassung**: Die Verfassung nennt drei Kategorien: wichtige Erlasse, andere Vorhaben von grosser Tragweite und wichtige völkerrechtliche Verträge. Das Vernehmlassungsgesetz (VlG) konkretisiert diese Begriffe in Art. 3. Umstritten ist, ob zu jeder Gesetzesänderung eine Vernehmlassung durchzuführen ist. Sägesser kam zum Schluss, dass nicht zu jeder Gesetzesänderung eine Vernehmlassung durchgeführt werden muss (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 15). Schiess Rütimann vertritt die Ansicht, dass Art. 3 Abs. 1 lit. b VlG gegen Art. 147 BV verstösst (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 7** **Form der Einladung**: Die Verfassung spricht von einer «Einladung zur Stellungnahme». Dies unterstreicht den konsultativen Charakter des Verfahrens. Die Teilnahme ist freiwillig, die eingegangenen Stellungnahmen sind für die Behörden nicht bindend (BBl 2004 533, 540).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 147 BV begründet keinen subjektiven Anspruch auf Durchführung eines Vernehmlassungsverfahrens. Die Rechtsprechung hat wiederholt festgehalten, dass im Rechtsetzungsverfahren kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf rechtliches Gehör besteht (**BGE 121 I 230** E. 2b). Die Verletzung von Vernehmlassungsvorschriften führt nur in Ausnahmefällen zur Aufhebung des erlassenen Rechtsakts (**BGE 134 I 269** E. 4.3).\n\n**N. 9** Die Behörden sind verpflichtet, die Ergebnisse der Vernehmlassung zur Kenntnis zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Sie müssen in der Botschaft oder im erläuternden Bericht darlegen, wie sie die Vernehmlassungsergebnisse gewürdigt haben (Art. 8 VlG). Eine detaillierte Begründung für die Nichtberücksichtigung einzelner Stellungnahmen ist jedoch nicht erforderlich (Sägesser, LeGes 2007/3, 485 ff.).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Rechtsnatur der Vernehmlassungspflicht**: Schiess Rütimann vertritt die Position, dass Art. 4 Abs. 1 VlG die verfassungsmässige Ordnung der politischen Rechte und Art. 147 BV verletzt (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 9). Diese Auffassung steht im Widerspruch zur herrschenden Praxis, die das Vernehmlassungsverfahren als politisches Konsultationsinstrument ohne justiziablen Charakter versteht.\n\n**N. 11** **Umfang der Vernehmlassungspflicht bei Gesetzesänderungen**: Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Frage, ob bei allen Gesetzesänderungen eine Vernehmlassung durchzuführen ist. Sägesser vertritt die Ansicht, dass nicht zu jeder Gesetzesänderung eine Vernehmlassung durchgeführt werden muss (Sägesser, Komm. VlG, Art. 3 N. 30 f.). Demgegenüber ging die Bundesversammlung bei der Verabschiedung des VlG davon aus, dass bei allen in Art. 3 Abs. 1 VlG aufgeführten Vorlagen eine Vernehmlassung durchzuführen ist. Schiess Rütimann kritisiert diese extensive Auslegung als verfassungswidrig (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 12** **Wirkungen der Vernehmlassungsergebnisse**: Umstritten ist, inwieweit die Behörden an die Vernehmlassungsergebnisse gebunden sind. Sciarini betont die faktische Bedeutung der Vernehmlassungsergebnisse für den weiteren Entscheidungsprozess (Sciarini, LeGes 2011/2, 191 ff.). Kägi untersucht die Rolle von Argumenten im Vernehmlassungsverfahren und deren Einfluss auf die Entscheidungsfindung (Kägi, LeGes 2011/2, 161 ff.). Die herrschende Lehre geht von einer politischen, aber nicht rechtlichen Bindungswirkung aus.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** **Fristen und Verfahren**: Die Vernehmlassungsfrist beträgt in der Regel drei Monate (Art. 7 Abs. 2 VlG). Bei dringlichen Vorlagen kann sie verkürzt werden. Die Vernehmlassungsunterlagen müssen den Vorentwurf des Erlasses, einen erläuternden Bericht sowie einen Adressatenkreis enthalten (Art. 9 VlG).\n\n**N. 14** **Stellungnahmen**: Die Stellungnahmen sollten präzise und begründet sein. Blosse Zustimmung oder Ablehnung ohne Begründung haben wenig Gewicht. Konkrete Änderungsvorschläge mit Textformulierungen erhöhen die Chance auf Berücksichtigung. Die Stellungnahmen werden öffentlich zugänglich gemacht (Art. 9 Abs. 2 VlG).\n\n**N. 15** **Nachträgliche Vernehmlassung**: Wurde ein Vernehmlassungsverfahren unterlassen oder mangelhaft durchgeführt, kann dies nachgeholt werden. Das Urteil **2C_273/2024** zeigt, dass eine nachträgliche ordentliche Vernehmlassung zur Heilung des Mangels führen kann. In der Praxis empfiehlt es sich, bei Zweifeln über die Vernehmlassungspflicht eher eine Konsultation durchzuführen, um spätere Verfahrensrügen zu vermeiden.\n\n**N. 16** **Auswertung und Würdigung**: Die Vernehmlassungsergebnisse sind systematisch auszuwerten. Der Bundesrat hat darzulegen, wie er die verschiedenen Positionen gewürdigt hat (Art. 8 VlG). Die Evaluation der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle zeigt, dass die Qualität der Auswertung für die Legitimation der Vorlage zentral ist (BBl 2012 2361 ff.). Eine transparente Darstellung der Vernehmlassungsergebnisse in der Botschaft erleichtert die parlamentarische Beratung.", "caselaw_de": "# Art. 147 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Bedeutung und Grenzen des Vernehmlassungsverfahrens\n\n**BGE 121 I 230** vom 29. September 1995  \nKein allgemeiner Anspruch auf rechtliches Gehör im Rechtsetzungsverfahren.  \nDas Bundesgericht hält grundsätzlich fest, dass im Rechtsetzungsverfahren kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf rechtliches Gehör besteht.\n\n> «Nach der Praxis zu Art. 4 BV besteht im Verfahren der Rechtsetzung kein Anspruch auf rechtliches Gehör; selbst wenn ein solcher Anspruch anzuerkennen wäre, könnten dafür nicht unbesehen die Grundsätze übernommen werden, die beim Erlass von Verfügungen gelten.»\n\n**BGE 119 IA 141** vom 7. Mai 1993  \nAnspruch auf rechtliches Gehör bei Erlass von Dekreten mit Einzelverfügungscharakter.  \nDas Gericht prüft, ob bei Erlass eines Dekrets mit spezifischen Auswirkungen auf einzelne Personen ein Anspruch auf Anhörung besteht.\n\n> «Die Beschwerdeführerin rügt schliesslich eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Das angefochtene Dekret habe, soweit es den Amsoldinger- und den Uebeschisee einem Schiffahrtsverbot unterstelle, den Charakter einer Einzelverfügung oder einer Allgemeinverfügung, weshalb die Beschwerdeführerin als Eigentümerin dieser Gewässer vor Erlass dieses Verbotes hätte angehört werden müssen.»\n\n### Kantonale Vernehmlassungsverfahren\n\n**BGE 134 I 269** vom 3. Oktober 2008  \nVerletzung kantonaler Vernehmlassungsvorschriften bei Reglementserlassen.  \nEin kantonales Gesetz sah die Konsultation der Sozialpartner vor Erlass von Ausführungsreglements vor; die Verletzung führte jedoch nicht zur Aufhebung des Reglements.\n\n> «Art. 53 des Gesetzes des Kantons Genf in Sachen Arbeitslosigkeit: Konsultation der Sozialpartner vor der Verabschiedung oder Abänderung der Ausführungsbestimmungen. Die Verletzung dieser Bestimmung bei der Verabschiedung des Ausführungsreglements vom 23. Januar 2008 zum Gesetz in Sachen Arbeitslosigkeit stellt angesichts der konkreten Umstände keinen genügend schweren Mangel dar, um die Aufhebung des Reglements in seiner Gesamtheit zu bewirken.»\n\n### Aktuelle Rechtsprechung zum Vernehmlassungsverfahren bei Bundesverordnungen\n\n**Urteil 2C_695/2023** vom 18. Januar 2024  \nVernehmlassungsverfahren bei Teilrevision der Jagdverordnung.  \nDas Bundesgericht prüft einen Antrag auf Feststellung, dass bei der Teilrevision der Jagdverordnung zur Regulierung von Wölfen kein ordnungsgemässes Vernehmlassungsverfahren stattgefunden habe.\n\n> «Mit Schreiben vom 15. November 2023 ersuchte A.________ das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) um Erlass einer Feststellungsverfügung (...) im Zusammenhang mit der Änderung vom 1. November 2023 der Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (...), die insbesondere die Regulierung von Wölfen und Steinböcken zum Gegenstand hat. Sie beantragte unter anderem, es sei festzustellen, dass bei der Teilrevision der Jagdverordnung zur Regulierung von Wölfen und Steinböcken kein ordnungsgemässes Vernehmlassungsverfahren stattgefunden habe.»\n\n**Urteil 2C_273/2024** vom 18. Juni 2025  \nGegenstandslosigkeit nach nachträglichem Vernehmlassungsverfahren.  \nDie Beschwerde wird als gegenstandslos abgeschrieben, nachdem der Bundesrat ein ordentliches Vernehmlassungsverfahren durchgeführt hatte.\n\n> «Am 27. März 2024 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zur revidierten Jagdverordnung. Sie dauerte bis am 5. Juli 2024. A.________ nahm an der Vernehmlassung mit Eingabe vom 5. Juli 2024 teil. Am 13. Dezember 2024 setzte der Bundesrat das revidierte Jagdgesetz und die angepasste Jagdverordnung per 1. Februar 2025 definitiv in Kraft.»\n\n### Fazit der Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 147 BV ist spärlich, da das Vernehmlassungsverfahren primär eine politische Konsultation darstellt und grundsätzlich keinen justiziablen Anspruch begründet. Die Gerichte prüfen nur in Ausnahmefällen die Einhaltung von Vernehmlassungsvorschriften, insbesondere wenn spezifische gesetzliche Bestimmungen verletzt werden oder wenn das Fehlen einer Vernehmlassung zu schwerwiegenden Verfahrensmängeln führt.", "summary_fr": "La procédure de consultation selon l'art. 147 Cst. est un instrument important de participation dans le processus législatif suisse. La Constitution oblige les autorités à inviter les cantons, les partis politiques et les milieux intéressés à se prononcer sur les actes législatifs importants et les traités internationaux.\n\n**Qui est concerné ?** Les participants obligatoires sont tous les cantons en expression du fédéralisme coopératif. Les partis politiques sont consultés en tant que porteurs de la formation de la volonté politique. Les « milieux intéressés » comprennent les associations, organisations et autres acteurs qui sont concernés par le projet.\n\n**Sur quoi porte la consultation ?** La procédure de consultation a lieu pour trois catégories : les actes législatifs importants (nouvelles lois ou modifications importantes), autres projets de grande portée (programmes politiques) et traités internationaux importants. La doctrine débat de savoir si une consultation est nécessaire pour chaque modification de loi. Alors que la loi sur la consultation (LCo) le prévoit en principe, Schiess Rütimann critique cette pratique extensive comme étant contraire à la constitution (BSK BV, art. 147 n. 16).\n\n**Quelles conséquences juridiques ?** La procédure est consultative – les prises de position ne lient pas les autorités. La Constitution fédérale ne fonde aucun droit subjectif à la conduite d'une consultation. La jurisprudence a confirmé qu'il n'existe pas de droit constitutionnel d'être entendu dans la procédure législative (**ATF 121 I 230**).\n\n**Exemple :** Avant la révision de la loi sur la chasse concernant la régulation du loup, le Conseil fédéral a mené en 2024 une consultation de trois mois. Les cantons, partis et associations environnementales ont pu exposer leur position. Bien que de nombreuses prises de position aient été critiques, le Conseil fédéral a néanmoins mis la révision en vigueur – la consultation avait été menée avec succès.\n\nLa consultation renforce la légitimation des lois par l'intégration précoce des personnes concernées, sans restreindre la liberté de décision démocratique des autorités élues.", "doctrine_fr": "# Art. 147 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 147 Cst. ancre la procédure de consultation au niveau constitutionnel. Cette disposition remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et codifie une longue tradition de consultation dans l'activité législative suisse (FF 1997 I 1, 376 s.). Le constituant a voulu garantir expressément sur le plan constitutionnel la pratique éprouvée de la consultation, qui s'était développée depuis le 19e siècle (FF 2004 533, 536).\n\n**Ch. 2** La formulation actuelle correspond largement à la proposition du Conseil fédéral. Lors des délibérations parlementaires, il fut débattu si la consultation devait être conçue comme un droit populaire. Cette option fut rejetée, ce qui permit de conserver le caractère d'instrument de participation dans la procédure préparlementaire (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 2).\n\n### 2. Position systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 147 Cst. figure au 5e titre sur les autorités fédérales, au 3e chapitre sur l'Assemblée fédérale et l'administration fédérale. Cette place souligne que la procédure de consultation fait partie du processus législatif au niveau fédéral. Cette disposition présente des liens étroits avec les droits politiques (→ art. 33 Cst.) et le fédéralisme coopératif (→ art. 45 Cst.).\n\n**Ch. 4** Rhinow a reconnu à la consultation une proximité avec les droits politiques et a souligné les parallèles avec le droit de pétition (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). Biaggini a qualifié la procédure de consultation d'exercice en quelque sorte formalisé du droit de pétition (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). La consultation n'est toutefois pas un droit populaire au sens strict, mais un instrument de consultation dans le processus législatif.\n\n### 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **Cercle des destinataires**: L'art. 147 Cst. nomme trois catégories de destinataires de la consultation : les cantons, les partis politiques et les milieux intéressés. Les cantons sont des destinataires obligatoires pour toutes les consultations. Leur participation est l'expression du fédéralisme coopératif (↔ art. 45 Cst.). Les partis politiques sont consultés en tant que porteurs de la formation de la volonté politique. Les « milieux intéressés » comprennent les associations, organisations et autres acteurs concernés par le projet (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 11-13).\n\n**Ch. 6** **Objets de la consultation**: La Constitution nomme trois catégories : les actes législatifs importants, les autres projets de grande portée et les traités internationaux importants. La loi sur la consultation (LCo) concrétise ces notions à l'art. 3. Il est controversé de savoir si une consultation doit être menée pour chaque modification de loi. Sägesser est arrivé à la conclusion qu'une consultation ne doit pas être menée pour chaque modification de loi (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 15). Schiess Rütimann défend l'opinion que l'art. 3 al. 1 let. b LCo viole l'art. 147 Cst. (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**Ch. 7** **Forme de l'invitation**: La Constitution parle d'une « invitation à prendre position ». Cela souligne le caractère consultatif de la procédure. La participation est libre, les prises de position reçues ne lient pas les autorités (FF 2004 533, 540).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 8** L'art. 147 Cst. ne fonde aucun droit subjectif à la conduite d'une procédure de consultation. La jurisprudence a répété que dans la procédure législative, il n'existe aucun droit constitutionnel au droit d'être entendu (**ATF 121 I 230** consid. 2b). La violation des prescriptions sur la consultation ne conduit qu'exceptionnellement à l'annulation de l'acte juridique adopté (**ATF 134 I 269** consid. 4.3).\n\n**Ch. 9** Les autorités sont tenues de prendre connaissance des résultats de la consultation et de s'y confronter. Elles doivent exposer dans le message ou le rapport explicatif comment elles ont apprécié les résultats de la consultation (art. 8 LCo). Une justification détaillée de la non-prise en considération de prises de position particulières n'est toutefois pas requise (Sägesser, LeGes 2007/3, 485 ss.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 10** **Nature juridique de l'obligation de consultation**: Schiess Rütimann défend la position que l'art. 4 al. 1 LCo viole l'ordre constitutionnel des droits politiques et l'art. 147 Cst. (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 9). Cette conception est en contradiction avec la pratique dominante, qui comprend la procédure de consultation comme un instrument de consultation politique sans caractère justiciable.\n\n**Ch. 11** **Étendue de l'obligation de consultation pour les modifications de loi**: Un point litigieux central concerne la question de savoir si une consultation doit être menée pour toutes les modifications de loi. Sägesser défend l'opinion qu'une consultation ne doit pas être menée pour chaque modification de loi (Sägesser, Komm. VlG, Art. 3 N. 30 s.). À l'inverse, l'Assemblée fédérale partait du principe lors de l'adoption de la LCo qu'une consultation doit être menée pour tous les projets énumérés à l'art. 3 al. 1 LCo. Schiess Rütimann critique cette interprétation extensive comme inconstitutionnelle (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**Ch. 12** **Effets des résultats de la consultation**: Il est controversé de savoir dans quelle mesure les autorités sont liées par les résultats de la consultation. Sciarini souligne l'importance factuelle des résultats de la consultation pour la suite du processus décisionnel (Sciarini, LeGes 2011/2, 191 ss.). Kägi examine le rôle des arguments dans la procédure de consultation et leur influence sur la prise de décision (Kägi, LeGes 2011/2, 161 ss.). La doctrine dominante part d'un effet contraignant politique, mais non juridique.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 13** **Délais et procédure**: Le délai de consultation est en règle de trois mois (art. 7 al. 2 LCo). Pour les projets urgents, il peut être raccourci. Les documents de consultation doivent contenir l'avant-projet d'acte législatif, un rapport explicatif ainsi qu'un cercle de destinataires (art. 9 LCo).\n\n**Ch. 14** **Prises de position**: Les prises de position devraient être précises et motivées. Une simple approbation ou un simple rejet sans motivation ont peu de poids. Les propositions concrètes de modification avec formulations de texte augmentent les chances de prise en considération. Les prises de position sont rendues publiquement accessibles (art. 9 al. 2 LCo).\n\n**Ch. 15** **Consultation ultérieure**: Si une procédure de consultation a été omise ou menée de manière défectueuse, cela peut être rattrapé. L'arrêt **2C_273/2024** montre qu'une consultation ordinaire ultérieure peut conduire à la guérison du vice. En pratique, il est recommandé, en cas de doute sur l'obligation de consultation, de plutôt mener une consultation pour éviter des griefs procéduraux ultérieurs.\n\n**Ch. 16** **Évaluation et appréciation**: Les résultats de la consultation doivent être évalués systématiquement. Le Conseil fédéral doit exposer comment il a apprécié les différentes positions (art. 8 LCo). L'évaluation du Contrôle parlementaire de l'administration montre que la qualité de l'évaluation est centrale pour la légitimation du projet (FF 2012 2361 ss.). Une présentation transparente des résultats de la consultation dans le message facilite les délibérations parlementaires.", "caselaw_fr": "# Art. 147 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Signification fondamentale et limites de la procédure de consultation\n\n**ATF 121 I 230** du 29 septembre 1995  \nAbsence de droit général à être entendu dans la procédure législative.  \nLe Tribunal fédéral établit en principe qu'il n'existe pas de droit constitutionnel à être entendu dans la procédure législative.\n\n> « Selon la pratique relative à l'art. 4 Cst., il n'existe pas de droit à être entendu dans la procédure législative ; même si un tel droit devait être reconnu, les principes qui valent pour l'édiction de décisions ne pourraient pas être repris sans autre. »\n\n**ATF 119 IA 141** du 7 mai 1993  \nDroit à être entendu lors de l'édiction de décrets ayant le caractère de décisions individuelles.  \nLe tribunal examine s'il existe un droit à être entendu lors de l'édiction d'un décret ayant des effets spécifiques sur des personnes individuelles.\n\n> « La recourante reproche enfin une violation du droit d'être entendue. Le décret attaqué aurait, dans la mesure où il soumet l'Amsoldinger- et l'Uebeschisee à une interdiction de navigation, le caractère d'une décision individuelle ou d'une décision de portée générale, raison pour laquelle la recourante, en tant que propriétaire de ces eaux, aurait dû être entendue avant l'édiction de cette interdiction. »\n\n### Procédures de consultation cantonales\n\n**ATF 134 I 269** du 3 octobre 2008  \nViolation des dispositions cantonales sur la consultation lors de l'édiction de règlements.  \nUne loi cantonale prévoyait la consultation des partenaires sociaux avant l'édiction de règlements d'exécution ; la violation n'a toutefois pas entraîné l'annulation du règlement.\n\n> « Art. 53 de la loi du canton de Genève en matière de chômage : consultation des partenaires sociaux avant l'adoption ou la modification des dispositions d'exécution. La violation de cette disposition lors de l'adoption du règlement d'exécution du 23 janvier 2008 de la loi en matière de chômage ne constitue pas, eu égard aux circonstances concrètes, un défaut suffisamment grave pour entraîner l'annulation du règlement dans son ensemble. »\n\n### Jurisprudence actuelle sur la procédure de consultation pour les ordonnances fédérales\n\n**Arrêt 2C_695/2023** du 18 janvier 2024  \nProcédure de consultation lors de la révision partielle de l'ordonnance sur la chasse.  \nLe Tribunal fédéral examine une demande de constatation selon laquelle aucune procédure de consultation régulière n'aurait eu lieu lors de la révision partielle de l'ordonnance sur la chasse pour la régulation des loups.\n\n> « Par courrier du 15 novembre 2023, A.________ a prié le Département fédéral de l'environnement, des transports, de l'énergie et de la communication (DETEC) de rendre une décision de constatation (...) en relation avec la modification du 1er novembre 2023 de l'ordonnance sur la chasse et la protection des mammifères et oiseaux sauvages (...), qui porte notamment sur la régulation des loups et bouquetins. Elle a demandé entre autres qu'il soit constaté qu'aucune procédure de consultation régulière n'avait eu lieu lors de la révision partielle de l'ordonnance sur la chasse pour la régulation des loups et bouquetins. »\n\n**Arrêt 2C_273/2024** du 18 juin 2025  \nAbsence d'objet après procédure de consultation ultérieure.  \nLe recours est rayé du rôle comme étant sans objet après que le Conseil fédéral a mené une procédure de consultation ordinaire.\n\n> « Le 27 mars 2024, le Conseil fédéral a ouvert la consultation sur l'ordonnance révisée sur la chasse. Elle a duré jusqu'au 5 juillet 2024. A.________ a participé à la consultation avec un envoi du 5 juillet 2024. Le 13 décembre 2024, le Conseil fédéral a mis définitivement en vigueur la loi révisée sur la chasse et l'ordonnance adaptée sur la chasse au 1er février 2025. »\n\n### Bilan de la jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 147 Cst. est clairsemée, car la procédure de consultation représente en premier lieu une consultation politique et ne fonde en principe aucun droit justiciable. Les tribunaux n'examinent le respect des dispositions sur la consultation qu'exceptionnellement, en particulier lorsque des dispositions légales spécifiques sont violées ou lorsque l'absence de consultation entraîne des vices de procédure graves.", "summary_it": "La procedura di consultazione secondo l'art. 147 Cost. è un importante strumento di partecipazione nel processo legislativo svizzero. La Costituzione obbliga le autorità a invitare i Cantoni, i partiti politici e i circoli interessati a esprimere il loro parere su atti normativi importanti e su trattati internazionali.\n\n**Chi è interessato?** I partecipanti obbligatori sono tutti i Cantoni quale espressione del federalismo cooperativo. I partiti politici vengono consultati in quanto portatori della formazione della volontà politica. I «circoli interessati» comprendono associazioni, organizzazioni e altri attori toccati dal progetto.\n\n**Cosa viene consultato?** La procedura di consultazione si svolge per tre categorie: atti normativi importanti (nuove leggi o modifiche significative), altri progetti di grande portata (programmi politici) e importanti trattati internazionali. La dottrina è divisa sulla questione se sia necessaria una consultazione per ogni modifica di legge. Mentre la legge sulla consultazione (LCo) lo prevede in linea di principio, Schiess Rütimann critica questa prassi estensiva come incostituzionale (BSK BV, Art. 147 n. 16).\n\n**Quali conseguenze giuridiche?** La procedura è consultiva – i pareri non sono vincolanti per le autorità. La Costituzione federale non fonda alcun diritto soggettivo allo svolgimento di una consultazione. La giurisprudenza ha confermato che nella procedura legislativa non esiste un diritto costituzionale al diritto di essere sentiti (**BGE 121 I 230**).\n\n**Esempio:** Prima della revisione della legge sulla caccia per la regolazione del lupo, il Consiglio federale ha condotto nel 2024 una consultazione di tre mesi. Cantoni, partiti e associazioni ambientali hanno potuto esporre la loro posizione. Nonostante molti pareri fossero critici, il Consiglio federale ha comunque messo in vigore la revisione – la consultazione era stata condotta con successo.\n\nLa consultazione rafforza la legittimazione delle leggi mediante il coinvolgimento precoce degli interessati, senza limitare la libertà decisionale democratica delle autorità elette.", "doctrine_it": "# Art. 147 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 147 Cost. sancisce la procedura di consultazione a livello costituzionale. La disposizione risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999 e codifica una lunga tradizione di consultazione nella legislazione svizzera (FF 1997 I 1, 376 sg.). Il costituente voleva garantire espressamente a livello costituzionale la prassi collaudata della consultazione, che si era sviluppata dal XIX secolo (FF 2004 533, 536).\n\n**N. 2** La formulazione attuale corrisponde in gran parte alla proposta del Consiglio federale. Nelle deliberazioni parlamentari si discusse se la consultazione dovesse essere configurata come un diritto popolare. Ciò fu respinto, mantenendo così il carattere di strumento di partecipazione nella procedura preparlamentare (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 2).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 147 Cost. si trova nel 5° titolo sulle autorità federali, nel 3° capitolo sull'Assemblea federale e l'Amministrazione federale. La collocazione sottolinea che la procedura di consultazione fa parte del processo legislativo a livello federale. La disposizione presenta stretti collegamenti con i diritti politici (→ Art. 33 Cost.) e con il federalismo cooperativo (→ Art. 45 Cost.).\n\n**N. 4** Rhinow attestò alla consultazione una vicinanza ai diritti politici e evidenziò i parallelismi con il diritto di petizione (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). Biaggini definì la procedura di consultazione come una sorta di esercizio formalizzato del diritto di petizione (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). La consultazione tuttavia non è un diritto popolare in senso stretto, ma uno strumento di consultazione nel processo legislativo.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Cerchia di destinatari**: L'art. 147 Cost. nomina tre categorie di destinatari della consultazione: i Cantoni, i partiti politici e le cerchie interessate. I Cantoni sono destinatari obbligatori per tutte le consultazioni. La loro partecipazione è espressione del federalismo cooperativo (↔ Art. 45 Cost.). I partiti politici vengono consultati come portatori della formazione della volontà politica. Le «cerchie interessate» comprendono associazioni, organizzazioni e altri attori coinvolti dal progetto (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 11-13).\n\n**N. 6** **Oggetti della consultazione**: La Costituzione nomina tre categorie: atti legislativi importanti, altri progetti di grande portata e importanti trattati internazionali. La legge sulla consultazione (LCo) concretizza questi concetti nell'art. 3. È controverso se per ogni modifica di legge debba essere condotta una consultazione. Sägesser giunse alla conclusione che non per ogni modifica di legge deve essere condotta una consultazione (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 15). Schiess Rütimann sostiene che l'art. 3 cpv. 1 lett. b LCo viola l'art. 147 Cost. (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 7** **Forma dell'invito**: La Costituzione parla di un «invito alla presa di posizione». Ciò sottolinea il carattere consultativo della procedura. La partecipazione è volontaria, le prese di posizione ricevute non sono vincolanti per le autorità (FF 2004 533, 540).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 147 Cost. non fonda un diritto soggettivo allo svolgimento di una procedura di consultazione. La giurisprudenza ha ripetutamente stabilito che nella procedura legislativa non esiste un diritto costituzionale al diritto di essere sentiti (**DTF 121 I 230** consid. 2b). La violazione delle prescrizioni sulla consultazione porta all'annullamento dell'atto normativo emanato solo in casi eccezionali (**DTF 134 I 269** consid. 4.3).\n\n**N. 9** Le autorità sono obbligate a prendere conoscenza dei risultati della consultazione e a confrontarsi con essi. Devono esporre nel messaggio o nel rapporto esplicativo come hanno valutato i risultati della consultazione (art. 8 LCo). Non è tuttavia richiesta una motivazione dettagliata per il mancato recepimento di singole prese di posizione (Sägesser, LeGes 2007/3, 485 seg.).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 10** **Natura giuridica dell'obbligo di consultazione**: Schiess Rütimann sostiene che l'art. 4 cpv. 1 LCo viola l'ordinamento costituzionale dei diritti politici e l'art. 147 Cost. (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 9). Questa concezione è in contraddizione con la prassi dominante, che intende la procedura di consultazione come strumento di consultazione politica senza carattere giustificabile.\n\n**N. 11** **Portata dell'obbligo di consultazione nelle modifiche di legge**: Un punto controverso centrale riguarda la questione se per tutte le modifiche di legge debba essere condotta una consultazione. Sägesser sostiene che non per ogni modifica di legge deve essere condotta una consultazione (Sägesser, Komm. VlG, Art. 3 N. 30 sg.). Di contro, l'Assemblea federale nell'approvare la LCo partì dal presupposto che per tutti i progetti elencati nell'art. 3 cpv. 1 LCo debba essere condotta una consultazione. Schiess Rütimann critica questa interpretazione estensiva come incostituzionale (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 12** **Effetti dei risultati della consultazione**: È controverso fino a che punto le autorità siano vincolate ai risultati della consultazione. Sciarini sottolinea il significato fattuale dei risultati della consultazione per l'ulteriore processo decisionale (Sciarini, LeGes 2011/2, 191 seg.). Kägi esamina il ruolo degli argomenti nella procedura di consultazione e la loro influenza sul processo decisionale (Kägi, LeGes 2011/2, 161 seg.). La dottrina dominante presuppone un effetto vincolante politico, ma non giuridico.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** **Termini e procedura**: Il termine di consultazione ammonta di regola a tre mesi (art. 7 cpv. 2 LCo). Per progetti urgenti può essere abbreviato. I documenti di consultazione devono contenere l'avamprogetto dell'atto normativo, un rapporto esplicativo e una cerchia di destinatari (art. 9 LCo).\n\n**N. 14** **Prese di posizione**: Le prese di posizione dovrebbero essere precise e motivate. La mera approvazione o il rifiuto senza motivazione hanno poco peso. Proposte concrete di modifica con formulazioni testuali aumentano la probabilità di recepimento. Le prese di posizione vengono rese pubblicamente accessibili (art. 9 cpv. 2 LCo).\n\n**N. 15** **Consultazione successiva**: Se una procedura di consultazione è stata omessa o condotta in modo carente, può essere recuperata. La sentenza **2C_273/2024** mostra che una consultazione ordinaria successiva può portare alla sanzione del vizio. Nella prassi si raccomanda, in caso di dubbi sull'obbligo di consultazione, di condurre piuttosto una consultazione per evitare successive eccezioni procedurali.\n\n**N. 16** **Valutazione e ponderazione**: I risultati della consultazione devono essere valutati sistematicamente. Il Consiglio federale deve esporre come ha ponderato le varie posizioni (art. 8 LCo). La valutazione del Controllo parlamentare dell'amministrazione mostra che la qualità della valutazione è centrale per la legittimazione del progetto (FF 2012 2361 seg.). Un'esposizione trasparente dei risultati della consultazione nel messaggio facilita le deliberazioni parlamentari.", "caselaw_it": "# Art. 147 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Significato di principio e limiti della procedura di consultazione\n\n**DTF 121 I 230** del 29 settembre 1995  \nNessun diritto generale all'audizione nella procedura legislativa.  \nIl Tribunale federale stabilisce in linea di principio che nella procedura legislativa non sussiste un diritto costituzionale all'audizione.\n\n> «Secondo la prassi relativa all'art. 4 Cost., nella procedura legislativa non sussiste alcun diritto all'audizione; anche qualora un siffatto diritto dovesse essere riconosciuto, non potrebbero essere adottati senza esame i principi che valgono per l'emanazione di decisioni.»\n\n**DTF 119 IA 141** del 7 maggio 1993  \nDiritto all'audizione nell'emanazione di decreti con carattere di decisione individuale.  \nIl Tribunale esamina se nell'emanazione di un decreto con effetti specifici su singole persone sussista un diritto all'audizione.\n\n> «La ricorrente lamenta infine una violazione del diritto di essere sentita. Il decreto impugnato, nella misura in cui sottopone l'Amsoldinger- e l'Uebeschisee a un divieto di navigazione, ha il carattere di una decisione individuale o di una decisione generale, ragione per cui la ricorrente, in quanto proprietaria di queste acque, avrebbe dovuto essere sentita prima dell'emanazione di questo divieto.»\n\n### Procedura di consultazione cantonale\n\n**DTF 134 I 269** del 3 ottobre 2008  \nViolazione delle disposizioni cantonali sulla consultazione nell'emanazione di regolamenti.  \nUna legge cantonale prevedeva la consultazione delle parti sociali prima dell'emanazione di regolamenti d'esecuzione; la violazione tuttavia non ha comportato l'abrogazione del regolamento.\n\n> «Art. 53 della legge del Cantone di Ginevra in materia di disoccupazione: consultazione delle parti sociali prima dell'adozione o della modifica delle disposizioni d'esecuzione. La violazione di questa disposizione nell'adozione del regolamento d'esecuzione del 23 gennaio 2008 alla legge in materia di disoccupazione non costituisce, considerate le circostanze concrete, un vizio sufficientemente grave da comportare l'abrogazione del regolamento nella sua totalità.»\n\n### Giurisprudenza attuale sulla procedura di consultazione per le ordinanze federali\n\n**Sentenza 2C_695/2023** del 18 gennaio 2024  \nProcedura di consultazione nella revisione parziale dell'ordinanza sulla caccia.  \nIl Tribunale federale esamina una domanda di accertamento secondo cui nella revisione parziale dell'ordinanza sulla caccia per la regolazione dei lupi non si sarebbe svolta una procedura di consultazione regolare.\n\n> «Con scritto del 15 novembre 2023, A.________ ha chiesto al Dipartimento federale dell'ambiente, dei trasporti, dell'energia e delle comunicazioni (DATEC) di emanare una decisione di accertamento (...) in relazione alla modifica del 1° novembre 2023 dell'ordinanza sulla caccia e la protezione dei mammiferi e degli uccelli selvatici (...), che ha in particolare per oggetto la regolazione di lupi e stambecchi. Ha chiesto tra l'altro di accertare che nella revisione parziale dell'ordinanza sulla caccia per la regolazione di lupi e stambecchi non si è svolta una procedura di consultazione regolare.»\n\n**Sentenza 2C_273/2024** del 18 giugno 2025  \nPerdita di oggetto dopo procedura di consultazione successiva.  \nIl ricorso viene cancellato come privo di oggetto dopo che il Consiglio federale ha svolto una procedura di consultazione regolare.\n\n> «Il 27 marzo 2024 il Consiglio federale ha aperto la consultazione sull'ordinanza sulla caccia riveduta. È durata fino al 5 luglio 2024. A.________ ha partecipato alla consultazione con scritto del 5 luglio 2024. Il 13 dicembre 2024 il Consiglio federale ha posto definitivamente in vigore la legge sulla caccia riveduta e l'ordinanza sulla caccia adeguata per il 1° febbraio 2025.»\n\n### Conclusioni della giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 147 Cost. è scarsa, poiché la procedura di consultazione rappresenta principalmente una consultazione politica e non fonda in linea di principio alcun diritto azionabile. I tribunali verificano il rispetto delle disposizioni sulla consultazione solo in casi eccezionali, in particolare quando vengono violate specifiche disposizioni legali o quando la mancanza di una consultazione porta a gravi vizi procedurali.", "summary_en": "The consultation procedure under Art. 147 Cst. is an important instrument of participation in the Swiss legislative process. The Constitution obligates the authorities to invite the cantons, political parties and interested circles to comment on important enactments and international treaties.\n\n**Who is affected?** Obligatory participants are all cantons as an expression of cooperative federalism. The political parties are consulted as bearers of political will-formation. The «interested circles» encompass associations, organisations and other actors who are affected by the proposal.\n\n**What is consulted on?** The consultation procedure takes place for three categories: important enactments (new acts or significant amendments), other projects of great significance (political programmes) and important international treaties. Legal doctrine debates whether consultation is necessary for every legislative amendment. While the Consultation Act (ConsA) generally provides for this, Schiess Rütimann criticises this extensive practice as unconstitutional (BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**What are the legal consequences?** The procedure is consultative – the comments are not binding on the authorities. The Federal Constitution does not establish a subjective right to the conduct of a consultation. Case law has confirmed that there is no constitutional right to a hearing in legislative procedures (**BGE 121 I 230**).\n\n**Example:** Before the revision of the Hunting Act for wolf regulation, the Federal Council conducted a three-month consultation in 2024. Cantons, parties and environmental associations could present their position. Although many comments were critical, the Federal Council nevertheless brought the revision into force – the consultation had been successfully conducted.\n\nThe consultation strengthens the legitimacy of acts through early involvement of those affected, without restricting the democratic decision-making freedom of the elected authorities.", "doctrine_en": "# Art. 147 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 147 BV enshrines the consultation procedure at the constitutional level. The provision dates back to the total revision of the Federal Constitution of 1999 and codifies a long tradition of consultation in Swiss legislation (BBl 1997 I 1, 376 f.). The constitutional legislator wanted to expressly secure the proven practice of consultation, which had developed since the 19th century, under constitutional law (BBl 2004 533, 536).\n\n**N. 2** The current formulation largely corresponds to the Federal Council's proposal. In the parliamentary debates, it was discussed whether consultation should be designed as a popular right. This was rejected, thus maintaining its character as an instrument of participation in the pre-parliamentary procedure (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 2).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 147 BV is located in Title 5 on federal authorities, in Chapter 3 on the Federal Assembly and the Federal Administration. This placement underscores that the consultation procedure is part of the legislative process at the federal level. The provision has close connections to political rights (→ Art. 33 BV) and to cooperative federalism (→ Art. 45 BV).\n\n**N. 4** Rhinow attested to consultation's proximity to political rights and highlighted the parallels to the right of petition (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). Biaggini described the consultation procedure as a kind of formalized exercise of the right of petition (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 4). However, consultation is not a popular right in the narrower sense, but rather a consultation instrument in the legislative process.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Circle of addressees**: Art. 147 BV names three categories of consultation addressees: the cantons, the political parties, and interested circles. The cantons are mandatory addressees in all consultations. Their participation is an expression of cooperative federalism (↔ Art. 45 BV). Political parties are consulted as bearers of political will formation. The «interested circles» include associations, organizations and other actors affected by the proposal (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 11-13).\n\n**N. 6** **Objects of consultation**: The Constitution names three categories: important enactments, other projects of great significance, and important international treaties. The Consultation Act (VlG) specifies these concepts in Art. 3. It is disputed whether consultation must be conducted for every legislative amendment. Sägesser concluded that consultation need not be conducted for every legislative amendment (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 15). Schiess Rütimann takes the view that Art. 3 para. 1 lit. b VlG violates Art. 147 BV (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 7** **Form of invitation**: The Constitution speaks of an «invitation to comment». This underscores the consultative character of the procedure. Participation is voluntary, the opinions received are not binding on the authorities (BBl 2004 533, 540).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 147 BV does not create a subjective right to conduct a consultation procedure. Case law has repeatedly held that there is no constitutional right to a hearing in the legislative procedure (**BGE 121 I 230** E. 2b). The violation of consultation provisions only leads to the repeal of the enacted legal act in exceptional cases (**BGE 134 I 269** E. 4.3).\n\n**N. 9** The authorities are obliged to take note of the consultation results and to address them. They must explain in the dispatch or explanatory report how they have assessed the consultation results (Art. 8 VlG). However, a detailed justification for not considering individual opinions is not required (Sägesser, LeGes 2007/3, 485 ff.).\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 10** **Legal nature of the consultation obligation**: Schiess Rütimann takes the position that Art. 4 para. 1 VlG violates the constitutional order of political rights and Art. 147 BV (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 9). This view contradicts the prevailing practice, which understands the consultation procedure as a political consultation instrument without justiciable character.\n\n**N. 11** **Scope of consultation obligation for legislative amendments**: A central point of dispute concerns the question of whether consultation must be conducted for all legislative amendments. Sägesser takes the view that consultation need not be conducted for every legislative amendment (Sägesser, Komm. VlG, Art. 3 N. 30 f.). In contrast, the Federal Assembly assumed when adopting the VlG that consultation must be conducted for all proposals listed in Art. 3 para. 1 VlG. Schiess Rütimann criticizes this extensive interpretation as unconstitutional (Schiess Rütimann, BSK BV, Art. 147 N. 16).\n\n**N. 12** **Effects of consultation results**: It is disputed to what extent the authorities are bound by the consultation results. Sciarini emphasizes the factual significance of consultation results for the further decision-making process (Sciarini, LeGes 2011/2, 191 ff.). Kägi examines the role of arguments in the consultation procedure and their influence on decision-making (Kägi, LeGes 2011/2, 161 ff.). The prevailing doctrine assumes a political, but not legal, binding effect.\n\n### 6. Practical Guidance\n\n**N. 13** **Deadlines and procedure**: The consultation period is generally three months (Art. 7 para. 2 VlG). For urgent proposals, it can be shortened. The consultation documents must contain the preliminary draft of the enactment, an explanatory report, and a circle of addressees (Art. 9 VlG).\n\n**N. 14** **Opinions**: Opinions should be precise and reasoned. Mere approval or rejection without justification carries little weight. Concrete amendment proposals with text formulations increase the chance of consideration. The opinions are made publicly accessible (Art. 9 para. 2 VlG).\n\n**N. 15** **Subsequent consultation**: If a consultation procedure was omitted or conducted defectively, this can be remedied. The judgment **2C_273/2024** shows that a subsequent ordinary consultation can lead to the healing of the defect. In practice, it is advisable to conduct a consultation when in doubt about the consultation obligation in order to avoid later procedural objections.\n\n**N. 16** **Evaluation and assessment**: The consultation results must be systematically evaluated. The Federal Council must explain how it has assessed the various positions (Art. 8 VlG). The evaluation by Parliamentary Administrative Control shows that the quality of the evaluation is central to the legitimacy of the proposal (BBl 2012 2361 ff.). A transparent presentation of the consultation results in the dispatch facilitates parliamentary deliberation.", "caselaw_en": "# Art. 147 BV\n\n## Case Law\n\n### Basic Significance and Limits of the Consultation Procedure\n\n**BGE 121 I 230** of 29 September 1995  \nNo general right to a hearing in legislative procedures.  \nThe Federal Court holds as a matter of principle that there is no constitutional right to a hearing in legislative procedures.\n\n> «According to the case law on Art. 4 BV, there is no right to a hearing in legislative procedures; even if such a right were to be recognised, the principles that apply to the issuing of rulings could not be adopted without further consideration.»\n\n**BGE 119 IA 141** of 7 May 1993  \nRight to a hearing in the issuing of decrees with the character of individual rulings.  \nThe court examines whether a right to a hearing exists in the issuing of a decree with specific effects on individual persons.\n\n> «Finally, the appellant alleges a violation of the right to a hearing. The contested decree, insofar as it subjects Lake Amsoldingen and Lake Uebeschisee to a navigation ban, has the character of an individual ruling or a general ruling, which is why the appellant, as owner of these waters, should have been heard before the issuing of this prohibition.»\n\n### Cantonal Consultation Procedures\n\n**BGE 134 I 269** of 3 October 2008  \nViolation of cantonal consultation provisions in the issuing of regulations.  \nA cantonal law provided for consultation of the social partners before issuing implementing regulations; however, the violation did not lead to the annulment of the regulation.\n\n> «Art. 53 of the law of the Canton of Geneva on unemployment: consultation of the social partners before the adoption or amendment of implementing provisions. The violation of this provision in the adoption of the implementing regulation of 23 January 2008 to the law on unemployment does not, given the concrete circumstances, constitute a sufficiently serious defect to cause the annulment of the regulation in its entirety.»\n\n### Recent Case Law on the Consultation Procedure for Federal Ordinances\n\n**Judgment 2C_695/2023** of 18 January 2024  \nConsultation procedure for partial revision of the Hunting Ordinance.  \nThe Federal Court examines an application for a declaration that no proper consultation procedure took place in the partial revision of the Hunting Ordinance for the regulation of wolves.\n\n> «By letter of 15 November 2023, A.________ requested the Federal Department of the Environment, Transport, Energy and Communications (DETEC) to issue a declaratory ruling (...) in connection with the amendment of 1 November 2023 to the Ordinance on Hunting and the Protection of Wild Mammals and Birds (...), which concerns in particular the regulation of wolves and ibex. Among other things, it applied for a declaration that no proper consultation procedure had taken place in the partial revision of the Hunting Ordinance for the regulation of wolves and ibex.»\n\n**Judgment 2C_273/2024** of 18 June 2025  \nMootness after subsequent consultation procedure.  \nThe appeal is dismissed as moot after the Federal Council conducted a proper consultation procedure.\n\n> «On 27 March 2024, the Federal Council opened the consultation on the revised Hunting Ordinance. It lasted until 5 July 2024. A.________ participated in the consultation with a submission dated 5 July 2024. On 13 December 2024, the Federal Council definitively brought the revised Hunting Act and the adapted Hunting Ordinance into force on 1 February 2025.»\n\n### Conclusion of the Case Law\n\nThe case law on Art. 147 BV is sparse, since the consultation procedure primarily represents a political consultation and does not generally establish a justiciable right. The courts only examine compliance with consultation provisions in exceptional cases, particularly when specific legal provisions are violated or when the absence of a consultation leads to serious procedural defects.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_147", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 148, "article_suffix": "", "title": "Stellung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 148 BV - Übersicht\n\nArt. 148 BV legt fest, dass die Bundesversammlung die oberste Macht im Bund hat. Diese oberste Gewalt ist jedoch durch die Rechte von Volk und Ständen begrenzt. Die Bundesversammlung besteht aus zwei gleichberechtigten Kammern: dem Nationalrat und dem Ständerat.\n\n**Was regelt die Norm?** Die Bestimmung definiert die Bundesversammlung als höchste staatliche Behörde der Schweiz. Nach der Botschaft zur neuen Bundesverfassung bildet Art. 148 BV die «verfassungsrechtliche Grundlage des gesamten Parlamentsrechts» (BBl 1997 I 404). Die oberste Gewalt umfasst nach der Lehre sowohl Rechtsetzungs- als auch bestimmte Regierungsfunktionen, wobei der genaue Umfang umstritten ist (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 3-5).\n\n**Wer ist betroffen?** Alle Bundesbehörden und Bürgerinnen und Bürger sind von der parlamentarischen Suprematie betroffen. Die Bundesversammlung wählt den Bundesrat und die Bundesrichter (→ Art. 168, 175 BV) und kontrolliert deren Tätigkeit (→ Art. 169 BV). Gleichzeitig haben Volk und Stände das Recht, parlamentarische Entscheide durch Referenden zu blockieren (→ Art. 140, 141 BV).\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Die Bundesversammlung kann Bundesgesetze erlassen (→ Art. 163 BV), den Bundeshaushalt genehmigen (→ Art. 167 BV) und die anderen obersten Bundesbehörden überwachen. Das Zweikammersystem bedeutet: Nur wenn beide Räte zustimmen, kann ein Beschluss gefasst werden (→ Art. 156 Abs. 2 BV). Bei Uneinigkeit zwischen den Kammern tritt ein spezielles Verfahren in Kraft, um die Differenzen zu bereinigen.\n\n**Konkretes Beispiel:** Will die Bundesversammlung die Mehrwertsteuer erhöhen, muss zuerst sowohl der Nationalrat als auch der Ständerat zustimmen. Anschliessend können 50'000 Bürger oder acht Kantone das fakultative Referendum ergreifen. Kommt das Referendum zustande, entscheidet das Volk an der Urne. Die «oberste Gewalt» der Bundesversammlung ist also durch die direkte Demokratie begrenzt.\n\nDie Gleichstellung der beiden Kammern macht die Schweiz zu einem seltenen Fall des «perfekten Bikameralismus» (BBl 1997 I 405). Anders als in anderen Ländern haben beide Räte exakt dieselben Rechte und Pflichten.", "doctrine_de": "# Art. 148 BV - Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 148 BV überführte die Grundstrukturen der alten Bundesverfassung von 1874 (Art. 71 aBV) in die neue Verfassung von 1999. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 hielt fest, dass die Bestimmung «die verfassungsrechtliche Grundlage des gesamten Parlamentsrechts» bilde (BBl 1997 I 404 f.). Der Verfassungsgeber beabsichtigte, sowohl die parlamentarische Suprematie als auch das Zweikammersystem als tragende Säulen der schweizerischen Demokratie zu verankern.\n\n**N. 2** Die Gleichstellung der beiden Kammern in Abs. 2 war bereits in der Verfassung von 1848 angelegt und wurde bewusst beibehalten. Die Botschaft betonte, dass dieses «perfekte Bikameralismus» ein Charakteristikum des schweizerischen Parlamentarismus darstelle, das sich von den meisten anderen Zweikammersystemen unterscheide (BBl 1997 I 405).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 148 BV eröffnet den 2. Abschnitt des 5. Titels der Bundesverfassung über die Bundesbehörden. Die Norm bildet die Grundlage für das gesamte Parlamentsrecht (→ Art. 149-162 BV) und definiert die Stellung der Bundesversammlung im Gefüge der Gewaltenteilung.\n\n**N. 4** Die oberste Gewalt steht unter dem Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen (→ Art. 138-142 BV), was die halbdirekte Demokratie der Schweiz prägt. Das Verhältnis zu den anderen Gewalten wird durch → Art. 174 BV (Bundesrat), → Art. 188 BV (Bundesgericht) und das Gewaltenteilungsprinzip (→ Art. 5 Abs. 1 BV) bestimmt.\n\n**N. 5** Die Gleichstellung der Kammern (Abs. 2) konkretisiert sich in den Bestimmungen über die gemeinsame Ausübung der Kompetenzen (→ Art. 156 BV), die identischen Verfahrensregeln (→ Art. 159-162 BV) und die Vereinigte Bundesversammlung (→ Art. 157 BV).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Oberste Gewalt (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff «oberste Gewalt» ist historisch gewachsen und umfasst nach Thurnherr sowohl die Rechtsetzungsfunktion als auch bestimmte Regierungs- und Kontrollfunktionen (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 3-5). Die Suprematie äussert sich in verschiedenen Dimensionen.\n\n**N. 7** **Umstrittener Umfang:** Die Lehre ist über den Umfang der parlamentarischen Suprematie geteilt. Eichenberger vertritt ein weites Verständnis: Die oberste Gewalt umfasse alle Rechtsetzungs- und Regierungsfunktionen (Eichenberger, BSK BV, Art. 148 N. 21). Aubert/Mahon und Sägesser folgen diesem weiten Ansatz (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 24-25).\n\n**N. 8** Demgegenüber plädiert Tschannen für ein enges Verständnis: Suprematie bestehe nur, soweit die Bundesversammlung andere Bundesbehörden konstituieren oder kontrollieren könne, ohne selbst einer Gegenkontrolle zu unterliegen (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 26). Biaggini folgt dieser restriktiven Sicht und beschränkt die Vorrangstellung auf Wahlen, Oberaufsicht und Zuständigkeitskonflikte (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 28).\n\n**N. 9** Mastronardi nimmt eine vermittelnde Position ein: Er knüpft an Tschannens Definition an, erweitert aber den Kreis auf die Rechtsetzung und weitere Zuständigkeiten (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 N. 29).\n\n### Vorbehalt der Volksrechte\n\n**N. 10** Der Vorbehalt «unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen» relativiert die parlamentarische Suprematie. Die direkte Demokratie (→ Art. 138-142 BV) setzt der Bundesversammlung Grenzen: Verfassungsänderungen unterliegen dem obligatorischen Referendum (→ Art. 140 BV), Bundesgesetze dem fakultativen (→ Art. 141 BV).\n\n**N. 11** Diese Einschränkung ist für das schweizerische System konstitutiv. Die Bundesversammlung ist nicht souverän im Sinne der Westminster-Demokratie, sondern teilt sich die oberste Gewalt mit dem Volk als Verfassungsgeber und Referendumsinstanz.\n\n### Zweikammersystem (Abs. 2)\n\n**N. 12** Die Bundesversammlung besteht zwingend aus zwei Kammern: dem Nationalrat als Vertretung des Volkes (→ Art. 149 BV) und dem Ständerat als Vertretung der Kantone (→ Art. 150 BV). Diese duale Struktur reflektiert den föderalistischen Aufbau der Schweiz.\n\n**N. 13** Die Gleichstellung der Kammern bedeutet, dass beide über identische Kompetenzen verfügen. Jeder Beschluss bedarf der übereinstimmenden Entscheidung beider Räte (→ Art. 156 Abs. 2 BV). Es gibt keine Vorrangstellung einer Kammer, wie sie etwa der deutsche Bundestag gegenüber dem Bundesrat kennt.\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Aus der obersten Gewalt folgen konkrete Befugnisse: Die Bundesversammlung erlässt die Bundesgesetze (→ Art. 163 BV), wählt die Mitglieder der anderen obersten Bundesbehörden (→ Art. 168, 175 Abs. 2 BV) und übt die Oberaufsicht aus (→ Art. 169 BV).\n\n**N. 15** Die Gleichstellung der Kammern hat verfahrensrechtliche Konsequenzen: Bei Uneinigkeit tritt das Differenzbereinigungsverfahren in Kraft (Art. 89 ff. ParlG). Kommt keine Einigung zustande, gilt die Vorlage als gescheitert (Art. 91 Abs. 2 ParlG).\n\n**N. 16** Die parlamentarische Suprematie begrenzt die Kompetenzen der anderen Gewalten. Der Bundesrat kann keine selbständigen Verordnungen ohne gesetzliche Grundlage erlassen (→ Art. 182 Abs. 2 BV). Das Bundesgericht ist an die Bundesgesetze gebunden (→ Art. 190 BV).\n\n## Streitstände\n\n**N. 17** **Reichweite der parlamentarischen Suprematie:** Der zentrale Streitpunkt betrifft den Umfang der «obersten Gewalt». Die weite Lehre (Eichenberger, Aubert/Mahon, Sägesser) sieht darin eine umfassende Vorrangstellung. Die enge Lehre (Tschannen, Biaggini) beschränkt sie auf spezifische Kontrollbefugnisse. Mastronardi vermittelt zwischen beiden Positionen.\n\n**N. 18** **Verhältnis zur Gewaltenteilung:** Umstritten ist, wie sich die oberste Gewalt zur Gewaltenteilung verhält. Ein Teil der Lehre sieht darin einen Widerspruch zum Prinzip der checks and balances. Andere betonen, dass die Suprematie durch Volksrechte und verfassungsrechtliche Kompetenzordnung hinreichend begrenzt sei.\n\n**N. 19** **Perfekter Bikameralismus:** Die absolute Gleichstellung wird teilweise kritisiert, da der Ständerat kleine Kantone überproportional vertrete. Die herrschende Lehre verteidigt das System als föderalistisches Korrektiv zur Bevölkerungsproportionalität des Nationalrats.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Auslegung von Parlamentskompetenzen ist Art. 148 BV als Grundnorm heranzuziehen. Die oberste Gewalt begründet eine Vermutung zugunsten parlamentarischer Zuständigkeit bei Kompetenzkonflikten.\n\n**N. 21** Die Gleichstellung der Kammern verbietet jede Form der Umgehung: Geschäfte können nicht einseitig von einer Kammer erledigt werden, selbst wenn die andere untätig bleibt. Das Differenzbereinigungsverfahren ist zwingend.\n\n**N. 22** Der Vorbehalt der Volksrechte ist bei jeder parlamentarischen Entscheidung mitzudenken. Referendumsfähige Erlasse müssen den Anforderungen der direkten Demokratie genügen, insbesondere bezüglich der Einheit der Materie (→ Art. 139 Abs. 3 BV).\n\n**N. 23** **BGE 135 I 19** zeigt, dass aus der parlamentarischen Stellung Grundsätze wie das freie Mandat abgeleitet werden, die auch in der vorparlamentarischen Phase gelten. Die oberste Gewalt wirkt somit über die eigentliche Parlamentstätigkeit hinaus.", "caselaw_de": "# Art. 148 BV - Rechtsprechung\n\n## Grundsatz des freien Mandats\n\n**BGE 135 I 19** vom 17. Dezember 2008  \nErneuerungswahl des St. Galler Kantonsrats: Gültigkeit der Wahl einer Kandidatin, die zwischen Wahltermin und Konstituierung des Parlaments die Partei wechselt.  \nDiese Entscheidung konkretisiert den Grundsatz des freien Mandats gemäss Art. 161 BV auch für die Phase vor der Konstituierung des Parlaments.\n\n> «Dabei ist einzubeziehen, dass für die im Amte stehenden Parlamentsmitglieder das Prinzip der auftragsfreien Repräsentation gilt (sog. freies Mandat). Für die Mitglieder der Bundesversammlung wird dieser Grundsatz heute aus Art. 161 Abs. 1 BV abgeleitet; die Bestimmung wurde inhaltlich unverändert aus Art. 91 aBV übernommen.»\n\nEhrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender führen zu Art. 148 BV aus, dass die Bundesversammlung als oberste Gewalt die Grundlage für den Grundsatz des freien Mandats bilde, welcher in Art. 161 BV explizit normiert sei (St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 4. Aufl. 2023, Art. 148 N. 18 f.). Das Bundesgericht bestätigt diese Sichtweise und erweitert sie auf die Zeit vor der Konstituierung.\n\n**Urteil 1C_291/2008** vom 17. Dezember 2008  \nVerfahren zum BGE 135 I 19: Detaillierte Begründung der verfassungsrechtlichen Grundlagen des freien Mandats.  \nDas Gericht präzisiert, dass das freie Mandat als Wesenselement der parlamentarischen Repräsentation gilt.\n\n> «Nach der herrschenden Staatsrechtslehre in der Schweiz gehört der Grundsatz der auftragsfreien Repräsentation zum Wesen des parlamentarischen Mandats.»\n\nHäfelin/Haller/Keller/Thurnherr betonen, dass das freie Mandat eine notwendige Folge der parlamentarischen Demokratie darstelle und direkt aus der Stellung der Bundesversammlung als oberste Gewalt fliesse (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 11. Aufl. 2020, N 1607). Diese doktrinäre Position findet ihre Bestätigung in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung.\n\n## Gewaltenteilung und Kompetenzabgrenzung\n\n**BGE 129 II 193** vom 21. Februar 2003  \nVom Bundesrat verhängtes Einreiseverbot: Grundsätzliche Unzulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen unmittelbar auf die Bundesverfassung gestützte Bundesratsbeschlüsse.  \nDiese Entscheidung verdeutlicht die Kompetenzabgrenzung zwischen der obersten Gewalt (Bundesversammlung) und der vollziehenden Gewalt (Bundesrat).\n\n> «Entscheide des Bundesrates können grundsätzlich nicht mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht angefochten werden.»\n\nDie Rechtsprechung zeigt die Bedeutung der Gewaltenteilung im Kontext von Art. 148 BV auf. Waldmann/Belser/Epiney erläutern, dass Art. 148 BV die institutionelle Grundlage der Gewaltenteilung bilde, indem er die Bundesversammlung als oberste Gewalt etabliere (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 148 N. 15 ff.).\n\n## Zweikammersystem und Gleichstellung der Räte\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 148 Abs. 2 BV ist spärlich, da Streitigkeiten über die Gleichstellung der Kammern selten sind. Die wenigen verfügbaren Entscheide betreffen vorwiegend Verfahrensfragen.\n\n**Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2009.00443** vom 24. Juni 2006  \nKantonsratsbeschluss über Lotteriefondsbeitrag: Die Entscheidung thematisiert die Parallelität zwischen Bundes- und Kantonsebene bezüglich der Parlamentsstruktur.  \nDer Entscheid bestätigt indirekt die Bedeutung des bikameralen Systems als verfassungsrechtliches Grundprinzip.\n\nDas Fehlen umfangreicher Rechtsprechung zu Abs. 2 erklärt sich dadurch, dass die Gleichstellung der Kammern institutionell gut etabliert ist. Tschannen/Zimmerli/Müller führen aus, dass Art. 148 Abs. 2 BV eine der wenigen Bestimmungen sei, die verfassungsrechtlich nahezu konfliktfrei funktioniere (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 7 N. 15).\n\n## Bundesversammlung als Verfassungsorgans\n\nDie oberste Gewalt der Bundesversammlung gemäss Art. 148 Abs. 1 BV wird in der Rechtsprechung regelmässig als Referenzpunkt für die Kompetenzabgrenzung zwischen den Staatsgewalten verwendet, auch wenn Art. 148 BV selbst selten Streitgegenstand ist.\n\nDie verfassungsrechtliche Bedeutung von Art. 148 BV zeigt sich darin, dass er als systematischer Ausgangspunkt für die gesamte Parlamentsorganisation dient. Rhinow/Schefer/Uebersax betonen, dass Art. 148 BV die «verfassungsrechtliche Grundnorm des Parlamentarismus» darstelle (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 17 N. 8). Diese doktrinäre Einschätzung spiegelt sich in der funktionalen Bedeutung wider, die der Artikel in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Gewaltenteilung einnimmt.\n\nDie Botschaft zur Bundesverfassung von 1996 hebt hervor, dass Art. 148 BV die «Grundlage des gesamten Parlamentsrechts» bilde und sowohl die Suprematie als auch die bikamerale Struktur der Legislative fundiere (BBl 1997 I 1, 404 f.). Diese systematische Bedeutung erklärt, weshalb Art. 148 BV zwar selten direkter Streitgegenstand ist, aber als Referenznorm in zahlreichen verfassungsrechtlichen Auseinandersetzungen dient.", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 148 Cst. - Doctrine\n\n## Genèse\n\n**N. 1** L'art. 148 Cst. a transféré les structures fondamentales de l'ancienne Constitution fédérale de 1874 (art. 71 aCst.) dans la nouvelle Constitution de 1999. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 précisait que cette disposition « constitue la base constitutionnelle de l'ensemble du droit parlementaire » (FF 1997 I 404 s.). Le constituant entendait ancrer tant la suprématie parlementaire que le système bicaméral en tant que piliers porteurs de la démocratie suisse.\n\n**N. 2** L'égalité des deux chambres prévue à l'al. 2 était déjà présente dans la Constitution de 1848 et a été consciemment maintenue. Le message soulignait que ce « bicaméralisme parfait » constitue une caractéristique du parlementarisme suisse qui le distingue de la plupart des autres systèmes bicaméraux (FF 1997 I 405).\n\n## Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 148 Cst. ouvre la 2e section du 5e titre de la Constitution fédérale relatif aux autorités fédérales. Cette norme constitue la base de l'ensemble du droit parlementaire (→ art. 149-162 Cst.) et définit la position de l'Assemblée fédérale dans l'architecture de la séparation des pouvoirs.\n\n**N. 4** L'autorité suprême s'exerce sous réserve des droits du peuple et des cantons (→ art. 138-142 Cst.), ce qui caractérise la démocratie semi-directe de la Suisse. Le rapport aux autres pouvoirs est déterminé par → l'art. 174 Cst. (Conseil fédéral), → l'art. 188 Cst. (Tribunal fédéral) et le principe de la séparation des pouvoirs (→ art. 5 al. 1 Cst.).\n\n**N. 5** L'égalité des chambres (al. 2) se concrétise dans les dispositions relatives à l'exercice commun des compétences (→ art. 156 Cst.), les règles de procédure identiques (→ art. 159-162 Cst.) et l'Assemblée fédérale réunie (→ art. 157 Cst.).\n\n## Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Autorité suprême (al. 1)\n\n**N. 6** Le terme « autorité suprême » s'est développé historiquement et comprend selon Thurnherr tant la fonction législative que certaines fonctions gouvernementales et de contrôle (Thurnherr, BSK BV, art. 148 n. 3-5). La suprématie s'exprime selon diverses dimensions.\n\n**N. 7** **Étendue controversée :** La doctrine est divisée sur l'étendue de la suprématie parlementaire. Eichenberger défend une conception large : l'autorité suprême comprendrait toutes les fonctions législatives et gouvernementales (Eichenberger, BSK BV, art. 148 n. 21). Aubert/Mahon et Sägesser suivent cette approche large (Thurnherr, BSK BV, art. 148 n. 24-25).\n\n**N. 8** À l'opposé, Tschannen plaide pour une conception restrictive : la suprématie n'existerait que dans la mesure où l'Assemblée fédérale peut constituer ou contrôler d'autres autorités fédérales sans être elle-même soumise à un contre-contrôle (Thurnherr, BSK BV, art. 148 n. 26). Biaggini suit cette vision restrictive et limite la prééminence aux élections, à la haute surveillance et aux conflits de compétences (Thurnherr, BSK BV, art. 148 n. 28).\n\n**N. 9** Mastronardi adopte une position médiane : il se rattache à la définition de Tschannen mais étend le cercle à la législation et à d'autres compétences (Thurnherr, BSK BV, art. 148 n. 29).\n\n### Réserve des droits populaires\n\n**N. 10** La réserve « sous réserve des droits du peuple et des cantons » relativise la suprématie parlementaire. La démocratie directe (→ art. 138-142 Cst.) impose des limites à l'Assemblée fédérale : les révisions constitutionnelles sont soumises au référendum obligatoire (→ art. 140 Cst.), les lois fédérales au référendum facultatif (→ art. 141 Cst.).\n\n**N. 11** Cette limitation est constitutive du système suisse. L'Assemblée fédérale n'est pas souveraine au sens de la démocratie de Westminster, mais partage l'autorité suprême avec le peuple en tant que constituant et instance référendaire.\n\n### Système bicaméral (al. 2)\n\n**N. 12** L'Assemblée fédérale se compose impérativement de deux chambres : le Conseil national en tant que représentation du peuple (→ art. 149 Cst.) et le Conseil des États en tant que représentation des cantons (→ art. 150 Cst.). Cette structure duale reflète l'organisation fédéraliste de la Suisse.\n\n**N. 13** L'égalité des chambres signifie que toutes deux disposent de compétences identiques. Toute décision requiert l'accord concordant des deux conseils (→ art. 156 al. 2 Cst.). Il n'existe pas de prééminence d'une chambre, comme par exemple celle que connaît le Bundestag allemand par rapport au Bundesrat.\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 14** De l'autorité suprême découlent des pouvoirs concrets : l'Assemblée fédérale édicte les lois fédérales (→ art. 163 Cst.), élit les membres des autres autorités fédérales suprêmes (→ art. 168, 175 al. 2 Cst.) et exerce la haute surveillance (→ art. 169 Cst.).\n\n**N. 15** L'égalité des chambres a des conséquences procédurales : en cas de divergence, la procédure d'élimination des divergences entre en vigueur (art. 89 ss LParl). Si aucun accord n'est trouvé, le projet est réputé avoir échoué (art. 91 al. 2 LParl).\n\n**N. 16** La suprématie parlementaire limite les compétences des autres pouvoirs. Le Conseil fédéral ne peut édicter d'ordonnances autonomes sans base légale (→ art. 182 al. 2 Cst.). Le Tribunal fédéral est lié par les lois fédérales (→ art. 190 Cst.).\n\n## Points controversés\n\n**N. 17** **Portée de la suprématie parlementaire :** Le point de controverse central concerne l'étendue de l'« autorité suprême ». La doctrine large (Eichenberger, Aubert/Mahon, Sägesser) y voit une prééminence globale. La doctrine restrictive (Tschannen, Biaggini) la limite à des compétences de contrôle spécifiques. Mastronardi fait la médiation entre les deux positions.\n\n**N. 18** **Rapport à la séparation des pouvoirs :** Il est controversé de savoir comment l'autorité suprême se rapporte à la séparation des pouvoirs. Une partie de la doctrine y voit une contradiction avec le principe des checks and balances. D'autres soulignent que la suprématie est suffisamment limitée par les droits populaires et l'ordre constitutionnel des compétences.\n\n**N. 19** **Bicaméralisme parfait :** L'égalité absolue est parfois critiquée car le Conseil des États représente les petits cantons de manière disproportionnée. La doctrine dominante défend ce système comme correctif fédéraliste à la proportionnalité démographique du Conseil national.\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 20** Pour l'interprétation des compétences parlementaires, l'art. 148 Cst. doit être considéré comme norme fondamentale. L'autorité suprême fonde une présomption en faveur de la compétence parlementaire en cas de conflits de compétences.\n\n**N. 21** L'égalité des chambres interdit toute forme de contournement : les affaires ne peuvent être réglées unilatéralement par une chambre, même si l'autre reste inactive. La procédure d'élimination des divergences est impérative.\n\n**N. 22** La réserve des droits populaires doit être prise en compte dans toute décision parlementaire. Les actes soumis au référendum doivent satisfaire aux exigences de la démocratie directe, notamment en ce qui concerne l'unité de la matière (→ art. 139 al. 3 Cst.).\n\n**N. 23** **ATF 135 I 19** montre que de la position parlementaire découlent des principes comme le mandat libre qui valent aussi dans la phase préparlementaire. L'autorité suprême agit donc au-delà de l'activité parlementaire proprement dite.", "caselaw_fr": "# Art. 148 Cst. - Jurisprudence\n\n## Principe du mandat libre\n\n**ATF 135 I 19** du 17 décembre 2008  \nÉlection de renouvellement du Grand Conseil saint-gallois : validité de l'élection d'une candidate qui change de parti entre le scrutin et la constitution du parlement.  \nCette décision concrétise le principe du mandat libre selon l'art. 161 Cst. également pour la phase précédant la constitution du parlement.\n\n> « Il faut tenir compte du fait que pour les membres du parlement en fonction vaut le principe de la représentation sans mandat impératif (dit mandat libre). Pour les membres de l'Assemblée fédérale, ce principe est aujourd'hui déduit de l'art. 161 al. 1 Cst. ; cette disposition a été reprise sans modification de contenu de l'art. 91 aCst. »\n\nEhrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender exposent à propos de l'art. 148 Cst. que l'Assemblée fédérale en tant qu'autorité suprême constitue le fondement du principe du mandat libre, lequel est explicitement normé à l'art. 161 Cst. (Commentaire saint-gallois de la Constitution fédérale suisse, 4e éd. 2023, art. 148 n. 18 s.). Le Tribunal fédéral confirme cette conception et l'étend à la période précédant la constitution.\n\n**Arrêt 1C_291/2008** du 17 décembre 2008  \nProcédure relative à l'ATF 135 I 19 : motivation détaillée des fondements constitutionnels du mandat libre.  \nLe tribunal précise que le mandat libre vaut comme élément essentiel de la représentation parlementaire.\n\n> « Selon la doctrine dominante du droit public en Suisse, le principe de la représentation sans mandat impératif fait partie de l'essence du mandat parlementaire. »\n\nHäfelin/Haller/Keller/Thurnherr soulignent que le mandat libre constitue une conséquence nécessaire de la démocratie parlementaire et découle directement de la position de l'Assemblée fédérale en tant qu'autorité suprême (Droit constitutionnel fédéral suisse, 11e éd. 2020, n. 1607). Cette position doctrinale trouve sa confirmation dans la jurisprudence du Tribunal fédéral.\n\n## Séparation des pouvoirs et délimitation des compétences\n\n**ATF 129 II 193** du 21 février 2003  \nInterdiction d'entrée prononcée par le Conseil fédéral : inadmissibilité de principe du recours de droit administratif contre les arrêtés du Conseil fédéral fondés directement sur la Constitution fédérale.  \nCette décision illustre la délimitation des compétences entre l'autorité suprême (Assemblée fédérale) et le pouvoir exécutif (Conseil fédéral).\n\n> « Les décisions du Conseil fédéral ne peuvent en principe pas faire l'objet d'un recours de droit administratif devant le Tribunal fédéral. »\n\nLa jurisprudence montre l'importance de la séparation des pouvoirs dans le contexte de l'art. 148 Cst. Waldmann/Belser/Epiney expliquent que l'art. 148 Cst. constitue le fondement institutionnel de la séparation des pouvoirs en établissant l'Assemblée fédérale comme autorité suprême (Commentaire bâlois de la Constitution fédérale, 2e éd. 2024, art. 148 n. 15 ss.).\n\n## Système bicaméral et égalité des chambres\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 148 al. 2 Cst. est rare, les litiges concernant l'égalité des chambres étant peu fréquents. Les quelques décisions disponibles concernent principalement des questions de procédure.\n\n**Arrêt du Tribunal administratif zurichois VB.2009.00443** du 24 juin 2006  \nDécision du Grand Conseil concernant une contribution du fonds de la loterie : la décision thématise le parallélisme entre les niveaux fédéral et cantonal s'agissant de la structure parlementaire.  \nL'arrêt confirme indirectement l'importance du système bicaméral comme principe constitutionnel fondamental.\n\nL'absence d'une jurisprudence abondante concernant l'al. 2 s'explique par le fait que l'égalité des chambres est institutionnellement bien établie. Tschannen/Zimmerli/Müller exposent que l'art. 148 al. 2 Cst. est l'une des rares dispositions qui fonctionne de manière quasi exempte de conflits sur le plan constitutionnel (Droit administratif général, 4e éd. 2014, § 7 n. 15).\n\n## L'Assemblée fédérale en tant qu'organe constitutionnel\n\nL'autorité suprême de l'Assemblée fédérale selon l'art. 148 al. 1 Cst. est régulièrement utilisée dans la jurisprudence comme point de référence pour la délimitation des compétences entre les pouvoirs de l'État, même si l'art. 148 Cst. lui-même est rarement l'objet du litige.\n\nL'importance constitutionnelle de l'art. 148 Cst. se manifeste par le fait qu'il sert de point de départ systématique pour l'ensemble de l'organisation parlementaire. Rhinow/Schefer/Uebersax soulignent que l'art. 148 Cst. représente la « norme constitutionnelle fondamentale du parlementarisme » (Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, § 17 n. 8). Cette appréciation doctrinale se reflète dans l'importance fonctionnelle que revêt l'article dans la jurisprudence du Tribunal fédéral relative à la séparation des pouvoirs.\n\nLe Message relatif à la Constitution fédérale de 1996 souligne que l'art. 148 Cst. constitue le « fondement de l'ensemble du droit parlementaire » et fonde tant la suprématie que la structure bicamérale du pouvoir législatif (FF 1997 I 1, 404 s.). Cette importance systématique explique pourquoi l'art. 148 Cst., bien qu'étant rarement l'objet direct d'un litige, sert de norme de référence dans de nombreux différends constitutionnels.", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 148 Cost. - Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 148 Cost. ha trasferito le strutture di base della vecchia Costituzione federale del 1874 (art. 71 vCost.) nella nuova Costituzione del 1999. Il Messaggio sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilì che la disposizione costituisce «il fondamento costituzionale di tutto il diritto parlamentare» (FF 1997 I 381 sg.). Il costituente intendeva ancorare sia la supremazia parlamentare sia il sistema bicamerale come pilastri portanti della democrazia svizzera.\n\n**N. 2** La parificazione delle due Camere nel cpv. 2 era già prevista nella Costituzione del 1848 e fu consapevolmente mantenuta. Il Messaggio sottolineò che questo «bicameralismo perfetto» rappresenta una caratteristica del parlamentarismo svizzero che lo distingue dalla maggior parte degli altri sistemi bicamerali (FF 1997 I 381 sg.).\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 148 Cost. apre la 2a sezione del 5° titolo della Costituzione federale sulle autorità federali. La norma costituisce il fondamento di tutto il diritto parlamentare (→ art. 149-162 Cost.) e definisce la posizione dell'Assemblea federale nel quadro della separazione dei poteri.\n\n**N. 4** Il potere supremo è soggetto alla riserva dei diritti del popolo e dei Cantoni (→ art. 138-142 Cost.), il che caratterizza la democrazia semidiretta della Svizzera. Il rapporto con gli altri poteri è determinato dall'→ art. 174 Cost. (Consiglio federale), dall'→ art. 188 Cost. (Tribunale federale) e dal principio della separazione dei poteri (→ art. 5 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 5** La parificazione delle Camere (cpv. 2) si concretizza nelle disposizioni sull'esercizio comune delle competenze (→ art. 156 Cost.), sulle regole procedurali identiche (→ art. 159-162 Cost.) e sull'Assemblea federale plenaria (→ art. 157 Cost.).\n\n## Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### Potere supremo (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il concetto di «potere supremo» si è sviluppato storicamente e comprende secondo Thurnherr sia la funzione legislativa sia determinate funzioni di governo e di controllo (Thurnherr, BSK BV, art. 148 N. 3-5). La supremazia si esprime in diverse dimensioni.\n\n**N. 7** **Portata controversa:** La dottrina è divisa sulla portata della supremazia parlamentare. Eichenberger sostiene un'interpretazione ampia: il potere supremo comprende tutte le funzioni legislative e governative (Eichenberger, BSK BV, art. 148 N. 21). Aubert/Mahon e Sägesser seguono questo approccio ampio (Thurnherr, BSK BV, art. 148 N. 24-25).\n\n**N. 8** Al contrario, Tschannen propugna un'interpretazione restrittiva: la supremazia sussiste solo nella misura in cui l'Assemblea federale può costituire o controllare altre autorità federali, senza essere essa stessa sottoposta a un controcontrollo (Thurnherr, BSK BV, art. 148 N. 26). Biaggini segue questa visione restrittiva e limita la posizione di preminenza alle elezioni, all'alta vigilanza e ai conflitti di competenza (Thurnherr, BSK BV, art. 148 N. 28).\n\n**N. 9** Mastronardi assume una posizione intermedia: si collega alla definizione di Tschannen, ma estende il cerchio alla legislazione e ad altre competenze (Thurnherr, BSK BV, art. 148 N. 29).\n\n### Riserva dei diritti popolari\n\n**N. 10** La riserva «fatto salvo il diritto del popolo e dei Cantoni» relativizza la supremazia parlamentare. La democrazia diretta (→ art. 138-142 Cost.) pone limiti all'Assemblea federale: le modificazioni costituzionali sottostanno al referendum obbligatorio (→ art. 140 Cost.), le leggi federali a quello facoltativo (→ art. 141 Cost.).\n\n**N. 11** Questa limitazione è costitutiva per il sistema svizzero. L'Assemblea federale non è sovrana nel senso della democrazia di Westminster, ma condivide il potere supremo con il popolo come costituente e istanza referendaria.\n\n### Sistema bicamerale (cpv. 2)\n\n**N. 12** L'Assemblea federale è composta obbligatoriamente da due Camere: il Consiglio nazionale come rappresentanza del popolo (→ art. 149 Cost.) e il Consiglio degli Stati come rappresentanza dei Cantoni (→ art. 150 Cost.). Questa struttura duale riflette la costruzione federalistica della Svizzera.\n\n**N. 13** La parificazione delle Camere significa che entrambe dispongono di competenze identiche. Ogni decreto necessita della decisione concorde di entrambi i Consigli (→ art. 156 cpv. 2 Cost.). Non esiste una posizione di preminenza di una Camera, come ad esempio il Bundestag tedesco nei confronti del Bundesrat.\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** Dal potere supremo derivano competenze concrete: l'Assemblea federale emana le leggi federali (→ art. 163 Cost.), elegge i membri delle altre autorità federali supreme (→ art. 168, 175 cpv. 2 Cost.) ed esercita l'alta vigilanza (→ art. 169 Cost.).\n\n**N. 15** La parificazione delle Camere ha conseguenze procedurali: in caso di disaccordo entra in vigore la procedura di appianamento delle divergenze (art. 89 segg. LParl). Se non si raggiunge un'intesa, il progetto si considera respinto (art. 91 cpv. 2 LParl).\n\n**N. 16** La supremazia parlamentare limita le competenze degli altri poteri. Il Consiglio federale non può emanare ordinanze autonome senza base legale (→ art. 182 cpv. 2 Cost.). Il Tribunale federale è vincolato alle leggi federali (→ art. 190 Cost.).\n\n## Controversie dottrinali\n\n**N. 17** **Portata della supremazia parlamentare:** Il punto controverso centrale riguarda la portata del «potere supremo». La dottrina ampia (Eichenberger, Aubert/Mahon, Sägesser) vi vede una posizione di preminenza comprensiva. La dottrina restrittiva (Tschannen, Biaggini) la limita a specifiche competenze di controllo. Mastronardi media tra entrambe le posizioni.\n\n**N. 18** **Rapporto con la separazione dei poteri:** È controverso come il potere supremo si rapporti alla separazione dei poteri. Parte della dottrina vi vede una contraddizione con il principio dei checks and balances. Altri sottolineano che la supremazia è sufficientemente limitata dai diritti popolari e dall'ordinamento costituzionale delle competenze.\n\n**N. 19** **Bicameralismo perfetto:** La parificazione assoluta è parzialmente criticata, poiché il Consiglio degli Stati rappresenta i Cantoni piccoli in modo sproporzionato. La dottrina dominante difende il sistema come correttivo federalistico alla proporzionalità demografica del Consiglio nazionale.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'interpretazione delle competenze parlamentari, l'art. 148 Cost. deve essere considerato come norma fondamentale. Il potere supremo fonda una presunzione a favore della competenza parlamentare nei conflitti di competenza.\n\n**N. 21** La parificazione delle Camere vieta ogni forma di aggiramento: gli affari non possono essere sbrigati unilateralmente da una Camera, anche se l'altra rimane inattiva. La procedura di appianamento delle divergenze è obbligatoria.\n\n**N. 22** La riserva dei diritti popolari deve essere considerata in ogni decisione parlamentare. Gli atti sottoposti a referendum devono soddisfare le esigenze della democrazia diretta, in particolare riguardo all'unità della materia (→ art. 139 cpv. 3 Cost.).\n\n**N. 23** **DTF 135 I 19** mostra che dalla posizione parlamentare si derivano principi come il mandato libero, che valgono anche nella fase preparlamentare. Il potere supremo agisce quindi oltre l'attività parlamentare vera e propria.", "caselaw_it": "# Art. 148 Cost. - Giurisprudenza\n\n## Principio del mandato libero\n\n**DTF 135 I 19** del 17 dicembre 2008  \nElezione di rinnovo del Gran Consiglio sangallese: validità dell'elezione di una candidata che ha cambiato partito tra la data delle elezioni e la costituzione del parlamento.  \nQuesta decisione concretizza il principio del mandato libero secondo l'art. 161 Cost. anche per la fase precedente la costituzione del parlamento.\n\n> «In questo contesto, va considerato che per i membri del parlamento in carica vale il principio della rappresentanza libera da mandati (cosiddetto mandato libero). Per i membri dell'Assemblea federale questo principio viene oggi derivato dall'art. 161 cpv. 1 Cost.; la disposizione è stata ripresa invariata nel contenuto dall'art. 91 vCost.»\n\nEhrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender spiegano riguardo all'art. 148 Cost. che l'Assemblea federale quale autorità suprema costituisce la base per il principio del mandato libero, che è esplicitamente normato nell'art. 161 Cost. (Commentario sangallese della Costituzione federale svizzera, 4a ed. 2023, art. 148 n. 18 s.). Il Tribunale federale conferma questa visione e la estende al periodo precedente la costituzione.\n\n**Sentenza 1C_291/2008** del 17 dicembre 2008  \nProcedimento relativo al DTF 135 I 19: motivazione dettagliata dei fondamenti costituzionali del mandato libero.  \nIl Tribunale precisa che il mandato libero vale come elemento essenziale della rappresentanza parlamentare.\n\n> «Secondo la dottrina costituzionale dominante in Svizzera, il principio della rappresentanza libera da mandati appartiene all'essenza del mandato parlamentare.»\n\nHäfelin/Haller/Keller/Thurnherr sottolineano che il mandato libero costituisce una conseguenza necessaria della democrazia parlamentare e deriva direttamente dalla posizione dell'Assemblea federale quale autorità suprema (Diritto costituzionale svizzero, 11a ed. 2020, n. 1607). Questa posizione dottrinale trova la sua conferma nella giurisprudenza del Tribunale federale.\n\n## Separazione dei poteri e delimitazione delle competenze\n\n**DTF 129 II 193** del 21 febbraio 2003  \nDivieto di entrata ordinato dal Consiglio federale: inammissibilità di principio del ricorso di diritto amministrativo contro decisioni del Consiglio federale fondate direttamente sulla Costituzione federale.  \nQuesta decisione illustra la delimitazione delle competenze tra l'autorità suprema (Assemblea federale) e il potere esecutivo (Consiglio federale).\n\n> «Le decisioni del Consiglio federale non possono in linea di principio essere impugnate mediante ricorso di diritto amministrativo presso il Tribunale federale.»\n\nLa giurisprudenza evidenzia l'importanza della separazione dei poteri nel contesto dell'art. 148 Cost. Waldmann/Belser/Epiney spiegano che l'art. 148 Cost. costituisce la base istituzionale della separazione dei poteri, stabilendo l'Assemblea federale quale autorità suprema (BSK Cost., 2a ed. 2024, art. 148 n. 15 ss.).\n\n## Sistema bicamerale e parità delle Camere\n\nLa giurisprudenza sull'art. 148 cpv. 2 Cost. è scarsa, poiché le controversie sulla parità delle Camere sono rare. Le poche decisioni disponibili riguardano prevalentemente questioni procedurali.\n\n**Sentenza del Tribunale amministrativo di Zurigo VB.2009.00443** del 24 giugno 2006  \nDecreto del Gran Consiglio sui contributi del fondo lotterie: la decisione tematizza il parallelismo tra livello federale e cantonale riguardo alla struttura parlamentare.  \nLa sentenza conferma indirettamente l'importanza del sistema bicamerale quale principio fondamentale costituzionale.\n\nL'assenza di una giurisprudenza estesa sul cpv. 2 si spiega con il fatto che la parità delle Camere è istituzionalmente ben consolidata. Tschannen/Zimmerli/Müller spiegano che l'art. 148 cpv. 2 Cost. è una delle poche disposizioni che funziona a livello costituzionale quasi senza conflitti (Diritto amministrativo generale, 4a ed. 2014, § 7 n. 15).\n\n## L'Assemblea federale come organo costituzionale\n\nL'autorità suprema dell'Assemblea federale secondo l'art. 148 cpv. 1 Cost. viene utilizzata regolarmente nella giurisprudenza come punto di riferimento per la delimitazione delle competenze tra i poteri dello Stato, anche se l'art. 148 Cost. stesso è raramente oggetto di controversia.\n\nIl significato costituzionale dell'art. 148 Cost. si manifesta nel fatto che esso serve da punto di partenza sistematico per l'intera organizzazione parlamentare. Rhinow/Schefer/Uebersax sottolineano che l'art. 148 Cost. rappresenta la «norma fondamentale costituzionale del parlamentarismo» (Diritto costituzionale svizzero, 3a ed. 2016, § 17 n. 8). Questa valutazione dottrinale si riflette nell'importanza funzionale che l'articolo assume nella giurisprudenza del Tribunale federale sulla separazione dei poteri.\n\nIl Messaggio sulla Costituzione federale del 1996 evidenzia che l'art. 148 Cost. costituisce la «base dell'intero diritto parlamentare» e fonda sia la supremazia sia la struttura bicamerale del legislativo (FF 1997 I 1, 404 s.). Questo significato sistematico spiega perché l'art. 148 Cost., pur essendo raramente oggetto diretto di controversia, serve come norma di riferimento in numerose controversie costituzionali.", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 148 FC - Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**No. 1** Art. 148 FC transferred the basic structures of the old Federal Constitution of 1874 (Art. 71 old FC) into the new Constitution of 1999. The Dispatch on the new Federal Constitution of 20 November 1996 stated that the provision «forms the constitutional basis of the entire parliamentary law» (BBl 1997 I 404 f.). The constitutional legislator intended to anchor both parliamentary supremacy and the bicameral system as supporting pillars of Swiss democracy.\n\n**No. 2** The equal status of both chambers in para. 2 was already established in the Constitution of 1848 and was consciously retained. The Dispatch emphasised that this «perfect bicameralism» represents a characteristic of Swiss parliamentarism that distinguishes it from most other bicameral systems (BBl 1997 I 405).\n\n## Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 148 FC opens the 2nd Section of the 5th Title of the Federal Constitution on the federal authorities. The provision forms the basis for the entire parliamentary law (→ Art. 149-162 FC) and defines the position of the Federal Assembly within the framework of the separation of powers.\n\n**No. 4** The supreme authority is subject to the reservation of the rights of the people and the cantons (→ Art. 138-142 FC), which characterises Switzerland's semi-direct democracy. The relationship to the other powers is determined by → Art. 174 FC (Federal Council), → Art. 188 FC (Federal Supreme Court) and the principle of separation of powers (→ Art. 5 para. 1 FC).\n\n**No. 5** The equal status of the chambers (para. 2) is concretised in the provisions on the joint exercise of powers (→ Art. 156 FC), the identical procedural rules (→ Art. 159-162 FC) and the United Federal Assembly (→ Art. 157 FC).\n\n## Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n### Supreme Authority (para. 1)\n\n**No. 6** The term «supreme authority» has developed historically and, according to Thurnherr, encompasses both the legislative function and certain governmental and control functions (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 No. 3-5). The supremacy manifests itself in various dimensions.\n\n**No. 7** **Disputed scope:** Academic opinion is divided on the scope of parliamentary supremacy. Eichenberger advocates a broad understanding: the supreme authority encompasses all legislative and governmental functions (Eichenberger, BSK BV, Art. 148 No. 21). Aubert/Mahon and Sägesser follow this broad approach (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 No. 24-25).\n\n**No. 8** In contrast, Tschannen advocates a narrow understanding: supremacy exists only insofar as the Federal Assembly can constitute or control other federal authorities without itself being subject to counter-control (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 No. 26). Biaggini follows this restrictive view and limits the pre-eminent position to elections, high-level supervision and jurisdictional conflicts (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 No. 28).\n\n**No. 9** Mastronardi takes a mediating position: he builds on Tschannen's definition but extends the scope to legislation and other powers (Thurnherr, BSK BV, Art. 148 No. 29).\n\n### Reservation of Popular Rights\n\n**No. 10** The reservation «subject to the rights of the people and the cantons» relativises parliamentary supremacy. Direct democracy (→ Art. 138-142 FC) sets limits for the Federal Assembly: constitutional amendments are subject to the mandatory referendum (→ Art. 140 FC), federal acts to the optional referendum (→ Art. 141 FC).\n\n**No. 11** This restriction is constitutive for the Swiss system. The Federal Assembly is not sovereign in the sense of Westminster democracy, but shares supreme authority with the people as constitutional legislator and referendum authority.\n\n### Bicameral System (para. 2)\n\n**No. 12** The Federal Assembly must consist of two chambers: the National Council as representation of the people (→ Art. 149 FC) and the Council of States as representation of the cantons (→ Art. 150 FC). This dual structure reflects the federalist structure of Switzerland.\n\n**No. 13** The equal status of the chambers means that both have identical powers. Every decision requires the concordant decision of both councils (→ Art. 156 para. 2 FC). There is no pre-eminent position of one chamber, such as the German Bundestag has over the Bundesrat.\n\n## Legal Consequences\n\n**No. 14** Concrete powers follow from the supreme authority: the Federal Assembly enacts federal acts (→ Art. 163 FC), elects the members of the other supreme federal authorities (→ Art. 168, 175 para. 2 FC) and exercises high-level supervision (→ Art. 169 FC).\n\n**No. 15** The equal status of the chambers has procedural consequences: in case of disagreement, the differences elimination procedure comes into effect (Art. 89 ff. ParlA). If no agreement is reached, the bill is deemed to have failed (Art. 91 para. 2 ParlA).\n\n**No. 16** Parliamentary supremacy limits the powers of the other branches of government. The Federal Council cannot issue independent ordinances without a legal basis (→ Art. 182 para. 2 FC). The Federal Supreme Court is bound by federal acts (→ Art. 190 FC).\n\n## Disputed Issues\n\n**No. 17** **Scope of parliamentary supremacy:** The central point of dispute concerns the scope of «supreme authority». The broad doctrine (Eichenberger, Aubert/Mahon, Sägesser) sees this as a comprehensive pre-eminent position. The narrow doctrine (Tschannen, Biaggini) limits it to specific control powers. Mastronardi mediates between both positions.\n\n**No. 18** **Relationship to the separation of powers:** It is disputed how supreme authority relates to the separation of powers. Part of the doctrine sees this as a contradiction to the principle of checks and balances. Others emphasise that supremacy is sufficiently limited by popular rights and the constitutional order of powers.\n\n**No. 19** **Perfect bicameralism:** The absolute equal status is partially criticised, as the Council of States represents small cantons disproportionately. The prevailing doctrine defends the system as a federalist corrective to the population proportionality of the National Council.\n\n## Practical Guidance\n\n**No. 20** When interpreting parliamentary powers, Art. 148 FC should be consulted as the basic norm. The supreme authority establishes a presumption in favour of parliamentary jurisdiction in jurisdictional conflicts.\n\n**No. 21** The equal status of the chambers prohibits any form of circumvention: business cannot be handled unilaterally by one chamber, even if the other remains inactive. The differences elimination procedure is mandatory.\n\n**No. 22** The reservation of popular rights must be considered with every parliamentary decision. Acts subject to referendum must meet the requirements of direct democracy, particularly regarding the unity of subject matter (→ Art. 139 para. 3 FC).\n\n**No. 23** **BGE 135 I 19** shows that principles such as the free mandate are derived from the parliamentary position, which also apply in the pre-parliamentary phase. The supreme authority thus extends beyond actual parliamentary activity.", "caselaw_en": "# Art. 148 BV - Caselaw\n\n## Principle of the Free Mandate\n\n**BGE 135 I 19** of 17 December 2008  \nRe-election of the St. Gallen Cantonal Council: Validity of the election of a candidate who changed parties between the election date and the constitution of parliament.  \nThis decision concretises the principle of the free mandate according to Art. 161 BV also for the phase before the constitution of parliament.\n\n> «It must be taken into account that the principle of representation without mandate applies to sitting parliamentarians (so-called free mandate). For members of the Federal Assembly, this principle is today derived from Art. 161 para. 1 BV; the provision was adopted unchanged in content from Art. 91 former BV.»\n\nEhrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender state regarding Art. 148 BV that the Federal Assembly as the supreme authority forms the basis for the principle of the free mandate, which is explicitly enshrined in Art. 161 BV (St. Gallen Commentary on the Swiss Federal Constitution, 4th ed. 2023, Art. 148 N. 18 f.). The Federal Supreme Court confirms this view and extends it to the period before constitution.\n\n**Judgment 1C_291/2008** of 17 December 2008  \nProceedings leading to BGE 135 I 19: Detailed reasoning of the constitutional foundations of the free mandate.  \nThe court specifies that the free mandate is considered an essential element of parliamentary representation.\n\n> «According to the prevailing doctrine of constitutional law in Switzerland, the principle of representation without mandate is part of the essence of the parliamentary mandate.»\n\nHäfelin/Haller/Keller/Thurnherr emphasise that the free mandate represents a necessary consequence of parliamentary democracy and flows directly from the position of the Federal Assembly as the supreme authority (Swiss Federal Constitutional Law, 11th ed. 2020, N 1607). This doctrinal position finds its confirmation in Federal Supreme Court caselaw.\n\n## Separation of Powers and Delimitation of Competences\n\n**BGE 129 II 193** of 21 February 2003  \nEntry ban imposed by the Federal Council: Fundamental inadmissibility of administrative court appeal against Federal Council decisions based directly on the Federal Constitution.  \nThis decision clarifies the delimitation of competences between the supreme authority (Federal Assembly) and the executive (Federal Council).\n\n> «Decisions of the Federal Council cannot in principle be challenged before the Federal Supreme Court by means of administrative court appeal.»\n\nThe caselaw demonstrates the significance of the separation of powers in the context of Art. 148 BV. Waldmann/Belser/Epiney explain that Art. 148 BV forms the institutional foundation of the separation of powers by establishing the Federal Assembly as the supreme authority (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 148 N. 15 ff.).\n\n## Bicameral System and Equality of the Chambers\n\nCaselaw on Art. 148 para. 2 BV is sparse, as disputes over the equality of the chambers are rare. The few available decisions concern mainly procedural questions.\n\n**Judgment of the Administrative Court of Zurich VB.2009.00443** of 24 June 2006  \nCantonal Council decision on lottery fund contribution: The decision addresses the parallel between federal and cantonal levels regarding parliamentary structure.  \nThe judgment indirectly confirms the importance of the bicameral system as a constitutional principle.\n\nThe absence of extensive caselaw on para. 2 is explained by the fact that the equality of the chambers is institutionally well established. Tschannen/Zimmerli/Müller state that Art. 148 para. 2 BV is one of the few provisions that functions almost conflict-free under constitutional law (General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 7 N. 15).\n\n## Federal Assembly as Constitutional Organ\n\nThe supreme authority of the Federal Assembly according to Art. 148 para. 1 BV is regularly used in caselaw as a reference point for the delimitation of competences between the branches of government, even though Art. 148 BV itself is rarely the subject of dispute.\n\nThe constitutional significance of Art. 148 BV is shown by the fact that it serves as a systematic starting point for the entire parliamentary organisation. Rhinow/Schefer/Uebersax emphasise that Art. 148 BV represents the «constitutional fundamental norm of parliamentarism» (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, § 17 N. 8). This doctrinal assessment is reflected in the functional significance that the article holds in Federal Supreme Court caselaw on the separation of powers.\n\nThe Federal Council Message on the Federal Constitution of 1996 emphasises that Art. 148 BV forms the «foundation of the entire parliamentary law» and establishes both the supremacy and the bicameral structure of the legislature (BBl 1997 I 1, 404 f.). This systematic significance explains why Art. 148 BV is rarely the direct subject of dispute, but serves as a reference norm in numerous constitutional legal disputes.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_148", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 149, "article_suffix": "", "title": "Zusammensetzung und Wahl des Nationalrates", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 149 BV — Nationalrat\n\n## Übersicht\n\nArt. 149 BV regelt die Zusammensetzung und Wahl des Nationalrats. Der Nationalrat besteht aus 200 Abgeordneten, die das Schweizer Volk vertreten (Art. 149 Abs. 1 BV). Diese sind keine Vertreter ihrer Kantone, sondern üben ihr Amt frei und ungebunden aus (→ Art. 161 Abs. 1 BV).\n\nDie Nationalräte werden alle vier Jahre vom Volk direkt nach dem Verhältniswahlrecht (Proporzprinzip) gewählt (Art. 149 Abs. 2 BV). Das bedeutet: Jede Partei erhält so viele Sitze, wie sie Stimmenanteile erreicht hat. Eine Partei mit 20 Prozent der Stimmen bekommt ungefähr 20 Prozent der Sitze.\n\nJeder Kanton bildet einen eigenen Wahlkreis (Art. 149 Abs. 3 BV). In Zürich wählt man also nur Zürcher Kandidaten, in Bern nur Berner. Die 200 Sitze werden nach der Einwohnerzahl auf die Kantone verteilt (Art. 149 Abs. 4 BV). Grosse Kantone wie Zürich erhalten deshalb mehr Sitze als kleine Kantone wie Uri. Jeder Kanton hat aber mindestens einen Sitz garantiert.\n\nEin konkretes Beispiel: Der Kanton Zürich hat etwa 1,5 Millionen Einwohner und erhält daher 35 Nationalratssitze. Der Kanton Uri hat nur 36'000 Einwohner, behält aber seinen einen garantierten Sitz. Das Proporzverfahren sorgt dafür, dass sowohl grosse als auch kleine Parteien im Parlament vertreten sind, je nach ihrer Stärke im Volk.\n\nDas System verbindet demokratische Repräsentation mit föderalistischen Grundsätzen: Das Volk wählt direkt seine Vertreter, aber die kantonalen Grenzen bleiben als Wahlkreise bestehen. So werden sowohl das demokratische Prinzip als auch die föderalistische Struktur der Schweiz respektiert.", "doctrine_de": "# Art. 149 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Einführung des Proporzsystems für Nationalratswahlen erfolgte durch Volksabstimmung vom 13. Oktober 1918, nachdem das Volk drei frühere Initiativen abgelehnt hatte (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 1). Diese historische Zäsur beendete das seit 1848 geltende Majorzwahlsystem und führte zu einer fundamentalen Neugestaltung der politischen Landschaft.\n\n**N. 2** Die Verfassungsrevision von 1999 übernahm die bisherige Regelung materiell unverändert (BBl 1997 I 1, 370). Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf eine Neuregelung der umstrittenen Fragen wie der massgebenden Bevölkerungszahl für die Sitzverteilung oder der Wahlkreiseinteilung.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 149 BV steht im systematischen Kontext der Bestimmungen über die Bundesversammlung (5. Titel, 1. Kapitel). Die Norm ist eng verknüpft mit:\n- → Art. 150 BV (Ständerat) als zweite Parlamentskammer\n- → Art. 34 BV (politische Rechte) als allgemeine Wahlrechtsgarantie\n- ↔ Art. 8 Abs. 1 BV (Rechtsgleichheit) bezüglich der Stimmkraftgleichheit\n- → Art. 136 BV (politische Rechte) hinsichtlich der Wählbarkeit\n\n**N. 4** Als lex specialis geht Art. 149 BV der allgemeinen Wahlrechtsgarantie des Art. 34 BV vor (**Urteil 1C_322/2015 vom 19.8.2015 E. 3.3**). Dies hat insbesondere Bedeutung für die Beurteilung der Proporzgerechtigkeit und der kantonalen Wahlkreiseinteilung.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Abgeordnete des Volkes (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die 200 Nationalräte sind \"Abgeordnete des Volkes\", nicht Vertreter ihrer Kantone (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 4). Diese Charakterisierung unterscheidet den Nationalrat fundamental vom Ständerat und begründet das freie Mandat ohne Instruktionsgebundenheit.\n\n**N. 6** Die Festlegung auf 200 Sitze erfolgte 1962 (AS 1963 847). Diese Zahl bildet einen Kompromiss zwischen angemessener Repräsentation und Arbeitsfähigkeit des Parlaments.\n\n#### Proporzsystem (Abs. 2)\n\n**N. 7** Der \"Grundsatz des Proporzes\" verlangt eine Sitzverteilung entsprechend den Stimmenanteilen der Parteien. Das Bundesgesetz über die politischen Rechte konkretisiert dies durch das Verfahren Hagenbach-Bischoff (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 10; **BGE 129 I 185 E. 7.1.1**).\n\n**N. 8** Die \"direkte Wahl\" schliesst Wahlmännergremien aus und garantiert die unmittelbare Legitimation durch das Stimmvolk. Die vierjährige Legislaturperiode mit Gesamterneuerung sichert die periodische demokratische Rückbindung (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 16).\n\n#### Wahlkreise (Abs. 3)\n\n**N. 9** Die Festlegung der Kantone als Wahlkreise ist eine bewusste föderalistische Entscheidung (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 19). Diese historisch gewachsene Einteilung geniesst hohe Legitimität (**Urteil 1C_322/2015 vom 19.8.2015 E. 4.3**).\n\n**N. 10** Die kantonale Wahlkreiseinteilung führt zu erheblichen Unterschieden in der Proporzgerechtigkeit. In kleinen Kantonen mit wenigen Sitzen ist die Erfolgswertgleichheit strukturell eingeschränkt (Garrone, L'élection populaire en Suisse, 182 ff.).\n\n#### Sitzverteilung (Abs. 4)\n\n**N. 11** Die \"Bevölkerungszahl\" als Verteilungsschlüssel ist nicht abschliessend definiert. Der Bundesrat vertritt die Position, dass die ständige Wohnbevölkerung einschliesslich Ausländer massgebend sei, da diese \"Zölle und Steuern wie die Schweizer\" entrichten (zit. nach Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 56).\n\n**N. 12** Die Garantie mindestens eines Sitzes pro Kanton privilegiert kleine Kantone und durchbricht das reine Proporzprinzip zugunsten föderalistischer Rücksichtnahme (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 23).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 13** Art. 149 BV begründet:\n- Das subjektive Recht auf Teilnahme an Nationalratswahlen nach dem Proporzsystem\n- Den Anspruch der Kantone auf mindestens einen Nationalratssitz\n- Die Pflicht zur Durchführung von Gesamterneuerungswahlen alle vier Jahre\n- Das Verbot von Wahlkreisänderungen ohne Verfassungsrevision\n\n**N. 14** Die Verfassungsnorm entfaltet unmittelbare Wirkung und bedarf der Konkretisierung durch das Bundesgesetz über die politischen Rechte (SR 161.1) nur in technischen Detailfragen.\n\n### 5. Streitstände\n\n#### Berechnungsgrundlage der Sitzverteilung\n\n**N. 15** Umstritten ist, welche Bevölkerung für die Sitzverteilung massgebend ist:\n- **Bundesrat**: Die ständige Wohnbevölkerung einschliesslich Ausländer soll berücksichtigt werden (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 56)\n- **Thurnherr**: Diese Argumentationslinie lasse die \"Inkongruenz zwischen Vertretern und Vertretenen\" ausser Acht (BSK BV, Art. 149 N. 56)\n- **Schumacher**: Plädiert für die Berücksichtigung nur der Stimmberechtigten (ZBl 1999, 524 f.)\n\n#### Proporzgerechtigkeit in kleinen Kantonen\n\n**N. 16** Die Doktrin diskutiert kontrovers, ob die faktische Benachteiligung kleiner Parteien in Kantonen mit wenigen Sitzen verfassungskonform ist:\n- **Garrone**: Sieht darin eine systembedingte, aber problematische Ungleichheit (L'élection populaire, 186)\n- **Vatter**: Betont die föderalistische Legitimation dieser Verzerrung (Das politische System, 242)\n- **Weber**: Fordert Verbesserungen der \"Proporzgenauigkeit\" innerhalb des bestehenden Systems (AJP 2010, 1378 ff.)\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Bei Wahlbeschwerden ist zu beachten:\n- Art. 149 BV geht als lex specialis Art. 34 BV vor\n- Das Bundesgesetz über die politischen Rechte regelt das Verfahren abschliessend\n- Nachzählungen unterliegen den speziellen Regeln des Art. 11 VPR, nicht der allgemeinen Abstimmungsrechtsprechung (**BGE 138 II 5**)\n\n**N. 18** Für Verfassungsrevisionen betreffend das Wahlsystem gilt:\n- Änderungen der Wahlkreiseinteilung erfordern eine Verfassungsänderung\n- Das Proporzsystem kann nicht auf Gesetzesstufe modifiziert werden\n- Internationale Verpflichtungen (→ Art. 25 UNO-Pakt II) sind zu beachten\n\n**N. 19** Die praktische Umsetzung erfolgt durch:\n- Bundesgesetz über die politischen Rechte (SR 161.1)\n- Verordnung über die politischen Rechte (SR 161.11)\n- Kantonale Ausführungsbestimmungen im Rahmen der Bundesvorgaben", "caselaw_de": "# Art. 149 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Wahlsystem und Proporzprinzip\n\n**Urteil 1C_322/2015 vom 19.8.2015 E. 3.2**\nBeschwerde gegen Ausschreibung der Nationalratswahl im Kanton Zug; Verfassungskonformität des Sitzzuteilungsverfahrens.\nDas Urteil bestätigt die verfassungsrechtliche Grundlage des Nationalratswahlsystems nach Art. 149 BV.\n\n> «Die Nationalratswahlen sind in der Bundesverfassung und im Bundesgesetz über die politischen Rechte geregelt. Nach Art. 149 Abs. 2 BV werden die Abgeordneten im Nationalrat vom Volk in direkter Wahl nach dem Grundsatz des Proporzes bestimmt, wobei alle vier Jahre eine Gesamterneuerung stattfindet. Jeder Kanton bildet einen Wahlkreis (Art. 149 Abs. 3 BV), und die Sitze werden nach der Bevölkerungszahl auf die Kantone verteilt, wobei jedem Kanton mindestens ein Sitz zusteht (Art. 149 Abs. 4 BV).»\n\n**Urteil 1C_322/2015 vom 19.8.2015 E. 3.3**\nVerfahrensspezifische Auslegung von Art. 149 BV im Verhältnis zu Art. 34 BV.\nDas Bundesgericht hält fest, dass Art. 149 BV als lex specialis gegenüber der allgemeinen Wahlrechtsgarantie steht.\n\n> «Das im Bundesgesetz vorgesehene Wahlsystem entspricht möglicherweise den Anforderungen des Bundesgerichts an ein Wahlsystem bei kantonalen und kommunalen Proporzwahlen gemäss Art. 34 BV nicht. Es fragt sich immerhin, ob das geltende Wahlverfahren des einfachen Proporzes nicht bereits in Art. 149 BV verbindlich vorbestimmt ist und diese Verfassungsnorm Art. 34 BV als lex specialis vorgeht.»\n\n### Völkerrechtskonforme Auslegung\n\n**Urteil 1C_322/2015 vom 19.8.2015 E. 4.3**\nVereinbarkeit des Nationalratswahlsystems mit Art. 25 UNO-Pakt II.\nDie föderale Struktur der Wahlkreiseinteilung nach Kantonen wird völkerrechtlich als gerechtfertigt erachtet.\n\n> «Die Bundesverfassung legt in Art. 149 Abs. 3 BV ausdrücklich die traditionell-föderal bestimmten Kantonsgebiete als Wahlkreise fest. Diese Einteilung geht auf die Einführung des Proporzwahlsystems für die Nationalratswahlen in der Volksabstimmung vom 13. Oktober 1918 zurück, weist damit einen ausgeprägten historischen sowie bundesstaatlichen Bezug auf und verfügt dementsprechend über eine hohe Legitimität.»\n\n### Nachzählung bei Stimmengleichheit\n\n**BGE 138 II 5 vom 1.1.2011 E. 2.2**\nAnspruch auf Nachzählung im Nationalratswahlverfahren.\nDas Bundesgericht präzisiert die spezifischen Anforderungen für Nationalratswahlen im Proporzverfahren.\n\n> «Die Bundesgesetzgebung ordnet die Wahl des Nationalrats im Proporzverfahren in erschöpfender Weise; insbesondere ist die Frage, ob und wann eine Nachzählung vorzunehmen ist, in Art. 11 VPR geregelt. Die mit BGE 136 II 132 für Abstimmungen begründete Praxis ist in diesem Bereich nicht anwendbar.»\n\n**BGE 138 II 5 vom 1.1.2011 E. 2.3**\nBesonderheiten des Nationalratswahlverfahrens gegenüber eidgenössischen Abstimmungen.\nDie Rechtsprechung unterstreicht die spezialgesetzliche Regelung der Nationalratswahlen.\n\n> «Die in BGE 136 II 132 begründete Rechtsprechung, wonach ein sehr knappes Ergebnis in einer eidgenössischen Volksabstimmung eine 'Unregelmässigkeit' im Sinne von Art. 77 Abs. 1 lit. b BPR darstellt und Anspruch auf eine Nachzählung einräumt, ist auf die Wahl des Nationalrats im Proporzverfahren nicht anwendbar (Art. 77 Abs. 1 lit. c BPR), weil das Verfahren von Dringlichkeit geprägt und im Einzelnen vom BPR detailliert geordnet wird.»\n\n### Historische Entwicklung\n\n**BGE 129 I 185 vom 18.12.2002 E. 7.1.1**\nGrundlagen des Sitzzuteilungsverfahrens nach Hagenbach-Bischoff.\nDas Urteil bestätigt die gesetzliche Ausgestaltung des in Art. 149 BV verankerten Proporzprinzips.\n\n> «Das Gesetz legt im Wesentlichen eine Sitzzuteilung nach dem Verteilsystem Hagenbach-Bischoff fest (so insbesondere nach Art. 40 ff. BPR).»\n", "summary_fr": "# Art. 149 Cst. — Conseil national\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 149 Cst. règle la composition et l'élection du Conseil national. Le Conseil national se compose de 200 députés qui représentent le peuple suisse (art. 149 al. 1 Cst.). Ceux-ci ne sont pas des représentants de leurs cantons, mais exercent leur mandat librement et sans lien (→ art. 161 al. 1 Cst.).\n\nLes conseillers nationaux sont élus tous les quatre ans directement par le peuple selon le système proportionnel (principe de la proportionnelle) (art. 149 al. 2 Cst.). Cela signifie : chaque parti obtient autant de sièges qu'il a obtenu de parts de voix. Un parti avec 20 pour cent des voix obtient environ 20 pour cent des sièges.\n\nChaque canton forme un arrondissement électoral propre (art. 149 al. 3 Cst.). À Zurich, on élit donc seulement des candidats zurichois, à Berne seulement des Bernois. Les 200 sièges sont répartis entre les cantons selon le chiffre de la population (art. 149 al. 4 Cst.). Les grands cantons comme Zurich reçoivent donc plus de sièges que les petits cantons comme Uri. Chaque canton a toutefois au moins un siège garanti.\n\nUn exemple concret : le canton de Zurich compte environ 1,5 million d'habitants et reçoit par conséquent 35 sièges au Conseil national. Le canton d'Uri ne compte que 36'000 habitants, mais conserve son siège garanti. Le système proportionnel fait en sorte que tant les grands que les petits partis soient représentés au Parlement, selon leur force dans le peuple.\n\nLe système lie la représentation démocratique aux principes fédéralistes : le peuple élit directement ses représentants, mais les frontières cantonales subsistent comme arrondissements électoraux. Ainsi, tant le principe démocratique que la structure fédéraliste de la Suisse sont respectés.", "doctrine_fr": "# Art. 149 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'introduction du système proportionnel pour les élections au Conseil national eut lieu par votation populaire du 13 octobre 1918, après que le peuple eut rejeté trois initiatives antérieures (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 1). Cette césure historique mit fin au système majoritaire en vigueur depuis 1848 et conduisit à un remaniement fondamental du paysage politique.\n\n**N. 2** La révision constitutionnelle de 1999 reprit la réglementation antérieure sans modification matérielle (FF 1997 I 1, 370). Le constituant renonça consciemment à une nouvelle réglementation des questions controversées comme le chiffre de population déterminant pour la répartition des sièges ou la division en circonscriptions électorales.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 149 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique des dispositions sur l'Assemblée fédérale (5e titre, 1er chapitre). La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 150 Cst. (Conseil des États) comme deuxième chambre du Parlement\n- → Art. 34 Cst. (droits politiques) comme garantie générale du droit de vote\n- ↔ Art. 8 al. 1 Cst. (égalité de droit) concernant l'égalité de la force du vote\n- → Art. 136 Cst. (droits politiques) quant à l'éligibilité\n\n**N. 4** En tant que lex specialis, l'art. 149 Cst. prime la garantie générale du droit de vote de l'art. 34 Cst. (**Arrêt 1C_322/2015 du 19.8.2015 c. 3.3**). Ceci revêt une importance particulière pour l'appréciation de l'équité proportionnelle et de la division cantonale en circonscriptions électorales.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### Députés du peuple (al. 1)\n\n**N. 5** Les 200 conseillers nationaux sont des « députés du peuple », non des représentants de leurs cantons (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 4). Cette caractérisation distingue fondamentalement le Conseil national du Conseil des États et fonde le mandat libre sans obligation d'instruction.\n\n**N. 6** La fixation à 200 sièges eut lieu en 1962 (RO 1963 847). Ce chiffre constitue un compromis entre une représentation adéquate et la capacité de travail du Parlement.\n\n#### Système proportionnel (al. 2)\n\n**N. 7** Le « principe de la proportionnelle » exige une répartition des sièges correspondant aux parts de voix des partis. La loi fédérale sur les droits politiques concrétise ceci par la procédure Hagenbach-Bischoff (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 10 ; **ATF 129 I 185 c. 7.1.1**).\n\n**N. 8** L'« élection directe » exclut les collèges électoraux et garantit la légitimation immédiate par le corps électoral. La période de législature de quatre ans avec renouvellement intégral assure le lien démocratique périodique (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 16).\n\n#### Circonscriptions électorales (al. 3)\n\n**N. 9** La définition des cantons comme circonscriptions électorales est une décision fédéraliste consciente (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 19). Cette division historiquement développée jouit d'une haute légitimité (**Arrêt 1C_322/2015 du 19.8.2015 c. 4.3**).\n\n**N. 10** La division cantonale en circonscriptions électorales conduit à des différences considérables dans l'équité proportionnelle. Dans les petits cantons avec peu de sièges, l'égalité de la valeur du succès est structurellement limitée (Garrone, L'élection populaire en Suisse, 182 ss).\n\n#### Répartition des sièges (al. 4)\n\n**N. 11** Le « chiffre de la population » comme clé de répartition n'est pas défini de manière exhaustive. Le Conseil fédéral défend la position selon laquelle la population résidante permanente y compris les étrangers serait déterminante, car celle-ci « paie droits et impôts comme les Suisses » (cit. d'après Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 56).\n\n**N. 12** La garantie d'au moins un siège par canton privilégie les petits cantons et rompt le principe purement proportionnel en faveur d'un égard fédéraliste (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 23).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 13** L'art. 149 Cst. fonde :\n- Le droit subjectif de participer aux élections au Conseil national selon le système proportionnel\n- Le droit des cantons à au moins un siège au Conseil national\n- L'obligation de procéder à des élections de renouvellement intégral tous les quatre ans\n- L'interdiction de modifications des circonscriptions électorales sans révision constitutionnelle\n\n**N. 14** La norme constitutionnelle déploie un effet immédiat et ne nécessite la concrétisation par la loi fédérale sur les droits politiques (RS 161.1) que pour les questions de détail technique.\n\n### 5. Points de controverse\n\n#### Base de calcul de la répartition des sièges\n\n**N. 15** Il est controversé de savoir quelle population est déterminante pour la répartition des sièges :\n- **Conseil fédéral** : La population résidante permanente y compris les étrangers devrait être prise en compte (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 N. 56)\n- **Thurnherr** : Cette ligne d'argumentation laisse de côté l'« incongruence entre représentants et représentés » (BSK BV, Art. 149 N. 56)\n- **Schumacher** : Plaide pour la prise en compte seulement des ayants droit de vote (ZBl 1999, 524 s.)\n\n#### Équité proportionnelle dans les petits cantons\n\n**N. 16** La doctrine discute de manière controversée si le désavantage factuel des petits partis dans les cantons avec peu de sièges est conforme à la Constitution :\n- **Garrone** : Y voit une inégalité systémique mais problématique (L'élection populaire, 186)\n- **Vatter** : Souligne la légitimation fédéraliste de cette distorsion (Das politische System, 242)\n- **Weber** : Exige des améliorations de la « précision proportionnelle » dans le cadre du système existant (AJP 2010, 1378 ss)\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** En cas de recours électoraux, il faut observer que :\n- L'art. 149 Cst. prime en tant que lex specialis l'art. 34 Cst.\n- La loi fédérale sur les droits politiques règle la procédure de manière exhaustive\n- Les recomptages sont soumis aux règles spéciales de l'art. 11 ODP, non à la jurisprudence générale en matière de votations (**ATF 138 II 5**)\n\n**N. 18** Pour les révisions constitutionnelles concernant le système électoral s'applique :\n- Les modifications de la division en circonscriptions électorales exigent un changement constitutionnel\n- Le système proportionnel ne peut pas être modifié au niveau légal\n- Les obligations internationales (→ art. 25 Pacte ONU II) sont à observer\n\n**N. 19** La mise en œuvre pratique s'effectue par :\n- Loi fédérale sur les droits politiques (RS 161.1)\n- Ordonnance sur les droits politiques (RS 161.11)\n- Dispositions d'exécution cantonales dans le cadre des prescriptions fédérales", "caselaw_fr": "# Art. 149 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Système électoral et principe proportionnel\n\n**Arrêt 1C_322/2015 du 19.8.2015 c. 3.2**\nRecours contre l'organisation des élections au Conseil national dans le canton de Zoug ; conformité constitutionnelle de la procédure de répartition des sièges.\nL'arrêt confirme la base constitutionnelle du système d'élection au Conseil national selon l'art. 149 Cst.\n\n> « Les élections au Conseil national sont réglées par la Constitution fédérale et la loi fédérale sur les droits politiques. Selon l'art. 149 al. 2 Cst., les députés au Conseil national sont élus par le peuple au suffrage direct selon le principe de la représentation proportionnelle, un renouvellement intégral ayant lieu tous les quatre ans. Chaque canton forme un arrondissement électoral (art. 149 al. 3 Cst.), et les sièges sont répartis entre les cantons selon leur population, chaque canton ayant droit à un siège au moins (art. 149 al. 4 Cst.). »\n\n**Arrêt 1C_322/2015 du 19.8.2015 c. 3.3**\nInterprétation spécifique de l'art. 149 Cst. dans sa relation avec l'art. 34 Cst.\nLe Tribunal fédéral précise que l'art. 149 Cst. constitue une lex specialis par rapport à la garantie générale des droits politiques.\n\n> « Le système électoral prévu par la loi fédérale ne correspond peut-être pas aux exigences du Tribunal fédéral pour un système électoral lors d'élections proportionnelles cantonales et communales selon l'art. 34 Cst. Il se pose néanmoins la question de savoir si la procédure électorale actuelle de la représentation proportionnelle simple n'est pas déjà déterminée de manière contraignante par l'art. 149 Cst. et si cette norme constitutionnelle prime l'art. 34 Cst. en tant que lex specialis. »\n\n### Interprétation conforme au droit international\n\n**Arrêt 1C_322/2015 du 19.8.2015 c. 4.3**\nCompatibilité du système d'élection au Conseil national avec l'art. 25 Pacte ONU II.\nLa structure fédérale de la division en arrondissements électoraux selon les cantons est considérée comme justifiée sous l'angle du droit international.\n\n> « La Constitution fédérale fixe expressément à l'art. 149 al. 3 Cst. les territoires cantonaux, déterminés de manière traditionnellement fédérale, comme arrondissements électoraux. Cette division remonte à l'introduction du système électoral proportionnel pour les élections au Conseil national lors de la votation populaire du 13 octobre 1918, présente ainsi un lien historique et fédéral marqué et dispose par conséquent d'une forte légitimité. »\n\n### Recomptage en cas d'égalité des voix\n\n**ATF 138 II 5 du 1.1.2011 c. 2.2**\nDroit au recomptage dans la procédure d'élection au Conseil national.\nLe Tribunal fédéral précise les exigences spécifiques pour les élections au Conseil national selon le système proportionnel.\n\n> « La législation fédérale ordonne l'élection du Conseil national selon le système proportionnel de manière exhaustive ; en particulier, la question de savoir si et quand un recomptage doit avoir lieu est réglée à l'art. 11 LDPR. La pratique fondée par l'ATF 136 II 132 pour les votations n'est pas applicable dans ce domaine. »\n\n**ATF 138 II 5 du 1.1.2011 c. 2.3**\nParticularités de la procédure d'élection au Conseil national par rapport aux votations fédérales.\nLa jurisprudence souligne la réglementation spéciale des élections au Conseil national.\n\n> « La jurisprudence fondée par l'ATF 136 II 132, selon laquelle un résultat très serré dans une votation populaire fédérale constitue une 'irrégularité' au sens de l'art. 77 al. 1 let. b LDP et ouvre droit à un recomptage, n'est pas applicable à l'élection du Conseil national selon le système proportionnel (art. 77 al. 1 let. c LDP), parce que la procédure est marquée par l'urgence et réglée en détail par la LDP. »\n\n### Développement historique\n\n**ATF 129 I 185 du 18.12.2002 c. 7.1.1**\nFondements de la procédure de répartition des sièges selon Hagenbach-Bischoff.\nL'arrêt confirme l'aménagement légal du principe proportionnel ancré à l'art. 149 Cst.\n\n> « La loi fixe essentiellement une répartition des sièges selon le système de répartition Hagenbach-Bischoff (notamment selon les art. 40 ss LDP). »", "summary_it": "# Art. 149 Cost. — Consiglio nazionale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 149 Cost. disciplina la composizione e l'elezione del Consiglio nazionale. Il Consiglio nazionale è composto da 200 deputati che rappresentano il popolo svizzero (art. 149 cpv. 1 Cost.). Questi non sono rappresentanti dei loro Cantoni, ma esercitano liberamente e senza vincoli il loro mandato (→ art. 161 cpv. 1 Cost.).\n\nI consiglieri nazionali sono eletti ogni quattro anni direttamente dal popolo secondo il sistema proporzionale (principio della rappresentanza proporzionale) (art. 149 cpv. 2 Cost.). Ciò significa: ogni partito ottiene tanti seggi quante sono le sue quote di voti. Un partito con il 20 per cento dei voti ottiene circa il 20 per cento dei seggi.\n\nOgni Cantone forma un proprio collegio elettorale (art. 149 cpv. 3 Cost.). A Zurigo si eleggono quindi solo candidati zurighesi, a Berna solo candidati bernesi. I 200 seggi sono ripartiti tra i Cantoni secondo il numero di abitanti (art. 149 cpv. 4 Cost.). I Cantoni grandi come Zurigo ricevono perciò più seggi dei Cantoni piccoli come Uri. Ogni Cantone ha però garantito almeno un seggio.\n\nUn esempio concreto: il Cantone di Zurigo ha circa 1,5 milioni di abitanti e riceve quindi 35 seggi del Consiglio nazionale. Il Cantone di Uri ha solo 36'000 abitanti, ma mantiene il suo seggio garantito. Il sistema proporzionale fa sì che tanto i partiti grandi quanto quelli piccoli siano rappresentati in Parlamento, secondo la loro forza nel popolo.\n\nIl sistema collega la rappresentanza democratica con i principi federalisti: il popolo elegge direttamente i suoi rappresentanti, ma i confini cantonali rimangono come collegi elettorali. Così sono rispettati tanto il principio democratico quanto la struttura federalista della Svizzera.", "doctrine_it": "# Art. 149 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'introduzione del sistema proporzionale per le elezioni del Consiglio nazionale avvenne tramite votazione popolare del 13 ottobre 1918, dopo che il popolo aveva respinto tre precedenti iniziative (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 1). Questa cesura storica pose fine al sistema maggioritario in vigore dal 1848 e portò a una ristrutturazione fondamentale del panorama politico.\n\n**N. 2** La revisione costituzionale del 1999 riprese la precedente normativa senza modifiche sostanziali (FF 1997 I 1, 370). Il costituente rinunciò consapevolmente a una nuova regolamentazione delle questioni controverse come il numero di abitanti determinante per la ripartizione dei seggi o la suddivisione in circondari elettorali.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 149 Cost. si colloca nel contesto sistematico delle disposizioni sull'Assemblea federale (5° titolo, 1° capitolo). La norma è strettamente collegata a:\n- → Art. 150 Cost. (Consiglio degli Stati) quale seconda camera parlamentare\n- → Art. 34 Cost. (diritti politici) quale garanzia generale del diritto di voto\n- ↔ Art. 8 cpv. 1 Cost. (uguaglianza giuridica) riguardo alla parità del valore del voto\n- → Art. 136 Cost. (diritti politici) per quanto concerne l'eleggibilità\n\n**N. 4** Quale lex specialis, l'art. 149 Cost. prevale sulla garanzia generale del diritto di voto dell'art. 34 Cost. (**Sentenza 1C_322/2015 del 19.8.2015 consid. 3.3**). Ciò ha particolare importanza per la valutazione della giustizia proporzionale e della suddivisione cantonale in circondari elettorali.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Deputati del popolo (cpv. 1)\n\n**N. 5** I 200 consiglieri nazionali sono \"deputati del popolo\", non rappresentanti dei loro Cantoni (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 4). Questa caratterizzazione distingue fondamentalmente il Consiglio nazionale dal Consiglio degli Stati e fonda il mandato libero senza vincolo di istruzioni.\n\n**N. 6** La fissazione a 200 seggi avvenne nel 1962 (RU 1963 847). Questo numero costituisce un compromesso tra rappresentanza adeguata e capacità di lavoro del parlamento.\n\n#### Sistema proporzionale (cpv. 2)\n\n**N. 7** Il \"principio della proporzionale\" richiede una ripartizione dei seggi corrispondente alle quote di voti dei partiti. La legge federale sui diritti politici concretizza ciò tramite il metodo Hagenbach-Bischoff (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 10; **DTF 129 I 185 consid. 7.1.1**).\n\n**N. 8** L'\"elezione diretta\" esclude collegi di grandi elettori e garantisce la legittimazione immediata da parte del corpo elettorale. La legislatura quadriennale con rinnovo integrale assicura il legame democratico periodico (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 16).\n\n#### Circondari elettorali (cpv. 3)\n\n**N. 9** La determinazione dei Cantoni quali circondari elettorali è una decisione consapevolmente federalista (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 19). Questa suddivisione storicamente sviluppatasi gode di alta legittimità (**Sentenza 1C_322/2015 del 19.8.2015 consid. 4.3**).\n\n**N. 10** La suddivisione cantonale in circondari elettorali porta a differenze considerevoli nella giustizia proporzionale. Nei piccoli Cantoni con pochi seggi l'uguaglianza del valore del successo è strutturalmente limitata (Garrone, L'élection populaire en Suisse, 182 seg.).\n\n#### Ripartizione dei seggi (cpv. 4)\n\n**N. 11** Il \"numero degli abitanti\" quale criterio di ripartizione non è definito in modo conclusivo. Il Consiglio federale sostiene la posizione secondo cui è determinante la popolazione residente permanente inclusi gli stranieri, poiché questi pagano \"dazi e imposte come gli Svizzeri\" (cit. secondo Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 56).\n\n**N. 12** La garanzia di almeno un seggio per Cantone privilegia i piccoli Cantoni e rompe il principio puramente proporzionale in favore di un riguardo federalistico (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 23).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 13** L'art. 149 Cost. fonda:\n- Il diritto soggettivo di partecipare alle elezioni del Consiglio nazionale secondo il sistema proporzionale\n- Il diritto dei Cantoni ad almeno un seggio del Consiglio nazionale\n- L'obbligo di svolgere elezioni di rinnovo integrale ogni quattro anni\n- Il divieto di modificare i circondari elettorali senza revisione costituzionale\n\n**N. 14** La norma costituzionale spiega effetti immediati e necessita della concretizzazione tramite la legge federale sui diritti politici (RS 161.1) solo nelle questioni di dettaglio tecniche.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n#### Base di calcolo della ripartizione dei seggi\n\n**N. 15** È controverso quale popolazione sia determinante per la ripartizione dei seggi:\n- **Consiglio federale**: Dovrebbe essere considerata la popolazione residente permanente inclusi gli stranieri (Thurnherr, BSK Cost., art. 149 n. 56)\n- **Thurnherr**: Questa linea argomentativa lascia fuori considerazione l'\"incongruenza tra rappresentanti e rappresentati\" (BSK Cost., art. 149 n. 56)\n- **Schumacher**: Propende per la considerazione solo degli aventi diritto di voto (ZBl 1999, 524 seg.)\n\n#### Giustizia proporzionale nei piccoli Cantoni\n\n**N. 16** La dottrina discute in modo controverso se lo svantaggio fattuale dei piccoli partiti nei Cantoni con pochi seggi sia conforme alla costituzione:\n- **Garrone**: Vi vede una diseguaglianza condizionata dal sistema, ma problematica (L'élection populaire, 186)\n- **Vatter**: Sottolinea la legittimazione federalistica di questa distorsione (Das politische System, 242)\n- **Weber**: Chiede miglioramenti della \"precisione proporzionale\" all'interno del sistema esistente (AJP 2010, 1378 seg.)\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** Per i ricorsi elettorali è da osservare:\n- L'art. 149 Cost. quale lex specialis prevale sull'art. 34 Cost.\n- La legge federale sui diritti politici disciplina il procedimento in modo conclusivo\n- I riconteggi sottostanno alle regole speciali dell'art. 11 ODP, non alla giurisprudenza generale in materia di votazioni (**DTF 138 II 5**)\n\n**N. 18** Per le revisioni costituzionali concernenti il sistema elettorale vale:\n- Le modifiche della suddivisione in circondari elettorali richiedono una modifica costituzionale\n- Il sistema proporzionale non può essere modificato a livello di legge\n- Gli obblighi internazionali (→ art. 25 Patto ONU II) devono essere osservati\n\n**N. 19** L'attuazione pratica avviene tramite:\n- Legge federale sui diritti politici (RS 161.1)\n- Ordinanza sui diritti politici (RS 161.11)\n- Disposizioni esecutive cantonali nel quadro delle prescrizioni federali", "caselaw_it": "# Art. 149 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Sistema elettorale e principio proporzionale\n\n**Sentenza 1C_322/2015 del 19.8.2015 consid. 3.2**\nRicorso contro l'indizione delle elezioni del Consiglio nazionale nel Cantone di Zugo; conformità costituzionale della procedura di attribuzione dei seggi.\nLa sentenza conferma il fondamento costituzionale del sistema elettorale per il Consiglio nazionale secondo l'art. 149 Cost.\n\n> «Le elezioni del Consiglio nazionale sono disciplinate dalla Costituzione federale e dalla Legge federale sui diritti politici. Secondo l'art. 149 cpv. 2 Cost. i deputati del Consiglio nazionale sono eletti dal popolo a suffragio diretto secondo il principio proporzionale, con rinnovo integrale ogni quattro anni. Ogni Cantone forma un circondario elettorale (art. 149 cpv. 3 Cost.) e i seggi sono ripartiti tra i Cantoni in base al numero degli abitanti, con la garanzia di almeno un seggio per ogni Cantone (art. 149 cpv. 4 Cost.).»\n\n**Sentenza 1C_322/2015 del 19.8.2015 consid. 3.3**\nInterpretazione procedurale specifica dell'art. 149 Cost. in rapporto all'art. 34 Cost.\nIl Tribunale federale stabilisce che l'art. 149 Cost. costituisce una lex specialis rispetto alla garanzia generale del diritto di voto.\n\n> «Il sistema elettorale previsto nella legge federale potrebbe non corrispondere ai requisiti del Tribunale federale per un sistema elettorale nelle elezioni proporzionali cantonali e comunali secondo l'art. 34 Cost. Resta tuttavia da chiedersi se la procedura elettorale vigente del semplice proporzionale non sia già vincolantemente predeterminata nell'art. 149 Cost. e se questa norma costituzionale non prevalga sull'art. 34 Cost. come lex specialis.»\n\n### Interpretazione conforme al diritto internazionale\n\n**Sentenza 1C_322/2015 del 19.8.2015 consid. 4.3**\nCompatibilità del sistema elettorale per il Consiglio nazionale con l'art. 25 Patto ONU II.\nLa struttura federale della ripartizione dei circondari elettorali per Cantoni è considerata giustificata dal punto di vista del diritto internazionale.\n\n> «La Costituzione federale stabilisce espressamente nell'art. 149 cpv. 3 Cost. i territori cantonali tradizionalmente determinati dal federalismo come circondari elettorali. Questa ripartizione risale all'introduzione del sistema elettorale proporzionale per le elezioni del Consiglio nazionale nella votazione popolare del 13 ottobre 1918, presenta quindi un marcato riferimento storico e federale e dispone di conseguenza di un'alta legittimità.»\n\n### Riconteggio in caso di parità di voti\n\n**DTF 138 II 5 del 1.1.2011 consid. 2.2**\nDiritto al riconteggio nella procedura elettorale per il Consiglio nazionale.\nIl Tribunale federale precisa i requisiti specifici per le elezioni del Consiglio nazionale con procedura proporzionale.\n\n> «La legislazione federale disciplina l'elezione del Consiglio nazionale con procedura proporzionale in modo esaustivo; in particolare la questione se e quando debba essere effettuato un riconteggio è regolata nell'art. 11 ODP. La prassi fondata con DTF 136 II 132 per le votazioni non è applicabile in questo ambito.»\n\n**DTF 138 II 5 del 1.1.2011 consid. 2.3**\nParticolarità della procedura elettorale per il Consiglio nazionale rispetto alle votazioni federali.\nLa giurisprudenza sottolinea la regolamentazione di legge speciale delle elezioni del Consiglio nazionale.\n\n> «La giurisprudenza fondata con DTF 136 II 132, secondo cui un risultato molto serrato in una votazione popolare federale costituisce una 'irregolarità' nel senso dell'art. 77 cpv. 1 lett. b LDP e dà diritto a un riconteggio, non è applicabile all'elezione del Consiglio nazionale con procedura proporzionale (art. 77 cpv. 1 lett. c LDP), poiché la procedura è caratterizzata dall'urgenza ed è disciplinata nei dettagli dalla LDP.»\n\n### Sviluppo storico\n\n**DTF 129 I 185 del 18.12.2002 consid. 7.1.1**\nFondamenti della procedura di attribuzione dei seggi secondo Hagenbach-Bischoff.\nLa sentenza conferma l'attuazione legislativa del principio proporzionale ancorato nell'art. 149 Cost.\n\n> «La legge stabilisce essenzialmente un'attribuzione dei seggi secondo il sistema di ripartizione Hagenbach-Bischoff (così in particolare secondo gli art. 40 segg. LDP).»", "summary_en": "# Art. 149 BV — National Council\n\n## Overview\n\nArt. 149 BV governs the composition and election of the National Council. The National Council consists of 200 members who represent the Swiss people (Art. 149 para. 1 BV). These are not representatives of their cantons, but exercise their office freely and independently (→ Art. 161 para. 1 BV).\n\nThe National Councillors are elected every four years by the people directly according to proportional representation (Art. 149 para. 2 BV). This means: Each party receives as many seats as it achieved vote shares. A party with 20 percent of the votes receives approximately 20 percent of the seats.\n\nEach canton forms its own constituency (Art. 149 para. 3 BV). In Zurich, therefore, only Zurich candidates are elected, in Bern only Bern candidates. The 200 seats are distributed among the cantons according to population (Art. 149 para. 4 BV). Large cantons like Zurich therefore receive more seats than small cantons like Uri. However, each canton has at least one seat guaranteed.\n\nA concrete example: The Canton of Zurich has about 1.5 million inhabitants and therefore receives 35 National Council seats. The Canton of Uri has only 36,000 inhabitants, but retains its one guaranteed seat. The proportional system ensures that both large and small parties are represented in parliament, according to their strength among the people.\n\nThe system combines democratic representation with federalist principles: The people directly elect their representatives, but cantonal boundaries remain as constituencies. Thus both the democratic principle and the federalist structure of Switzerland are respected.", "doctrine_en": "# Art. 149 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** The introduction of the proportional system for National Council elections was adopted by popular vote on 13 October 1918, after the people had rejected three earlier initiatives (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 1). This historic turning point ended the majoritarian electoral system that had been in place since 1848 and led to a fundamental transformation of the political landscape.\n\n**No. 2** The 1999 constitutional revision adopted the existing regulation materially unchanged (BBl 1997 I 1, 370). The constitutional legislator deliberately refrained from a new regulation of controversial issues such as the relevant population figure for seat allocation or constituency division.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 149 BV stands in the systematic context of the provisions on the Federal Assembly (Title 5, Chapter 1). The norm is closely linked with:\n- → Art. 150 BV (Council of States) as the second parliamentary chamber\n- → Art. 34 BV (political rights) as a general electoral rights guarantee\n- ↔ Art. 8 para. 1 BV (legal equality) regarding equality of voting power\n- → Art. 136 BV (political rights) with respect to eligibility\n\n**No. 4** As lex specialis, Art. 149 BV takes precedence over the general electoral rights guarantee of Art. 34 BV (**Judgment 1C_322/2015 of 19.8.2015 consideration 3.3**). This is particularly significant for assessing proportional fairness and cantonal constituency division.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Representatives of the People (para. 1)\n\n**No. 5** The 200 National Councillors are \"representatives of the people\", not representatives of their cantons (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 4). This characterisation fundamentally distinguishes the National Council from the Council of States and establishes the free mandate without obligation to follow instructions.\n\n**No. 6** The determination of 200 seats was made in 1962 (AS 1963 847). This number represents a compromise between adequate representation and the working capacity of parliament.\n\n#### Proportional System (para. 2)\n\n**No. 7** The \"principle of proportional representation\" requires seat allocation according to the vote shares of the parties. The Federal Act on Political Rights specifies this through the Hagenbach-Bischoff procedure (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 10; **BGE 129 I 185 consideration 7.1.1**).\n\n**No. 8** The \"direct election\" excludes electoral colleges and guarantees direct legitimacy by the electorate. The four-year legislative period with complete renewal ensures periodic democratic accountability (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 16).\n\n#### Constituencies (para. 3)\n\n**No. 9** The designation of cantons as constituencies is a deliberate federalist decision (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 19). This historically developed division enjoys high legitimacy (**Judgment 1C_322/2015 of 19.8.2015 consideration 4.3**).\n\n**No. 10** The cantonal constituency division leads to considerable differences in proportional fairness. In small cantons with few seats, equality of success value is structurally limited (Garrone, L'élection populaire en Suisse, 182 ff.).\n\n#### Seat Distribution (para. 4)\n\n**No. 11** The \"population figure\" as the distribution key is not conclusively defined. The Federal Council takes the position that the permanent resident population including foreigners should be decisive, as they pay \"customs duties and taxes like the Swiss\" (cited in Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 56).\n\n**No. 12** The guarantee of at least one seat per canton privileges small cantons and breaks through the pure proportional principle in favour of federalist consideration (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 23).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 13** Art. 149 BV establishes:\n- The subjective right to participate in National Council elections under the proportional system\n- The entitlement of cantons to at least one National Council seat\n- The obligation to conduct complete renewal elections every four years\n- The prohibition of constituency changes without constitutional revision\n\n**No. 14** The constitutional norm has direct effect and requires specification by the Federal Act on Political Rights (SR 161.1) only in technical details.\n\n### 5. Controversies\n\n#### Basis for Calculating Seat Distribution\n\n**No. 15** It is disputed which population is decisive for seat distribution:\n- **Federal Council**: The permanent resident population including foreigners should be considered (Thurnherr, BSK BV, Art. 149 No. 56)\n- **Thurnherr**: This line of argumentation disregards the \"incongruence between representatives and those represented\" (BSK BV, Art. 149 No. 56)\n- **Schumacher**: Advocates for considering only those entitled to vote (ZBl 1999, 524 f.)\n\n#### Proportional Fairness in Small Cantons\n\n**No. 16** Doctrine controversially discusses whether the factual disadvantage of small parties in cantons with few seats is constitutional:\n- **Garrone**: Sees this as a systemic but problematic inequality (L'élection populaire, 186)\n- **Vatter**: Emphasises the federalist legitimacy of this distortion (Das politische System, 242)\n- **Weber**: Calls for improvements in \"proportional accuracy\" within the existing system (AJP 2010, 1378 ff.)\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**No. 17** In electoral appeals, note that:\n- Art. 149 BV as lex specialis takes precedence over Art. 34 BV\n- The Federal Act on Political Rights conclusively regulates the procedure\n- Recounts are subject to the special rules of Art. 11 VPR, not general voting jurisprudence (**BGE 138 II 5**)\n\n**No. 18** For constitutional revisions concerning the electoral system:\n- Changes to constituency division require a constitutional amendment\n- The proportional system cannot be modified at the legislative level\n- International obligations (→ Art. 25 UN Covenant II) must be observed\n\n**No. 19** Practical implementation occurs through:\n- Federal Act on Political Rights (SR 161.1)\n- Ordinance on Political Rights (SR 161.11)\n- Cantonal implementing provisions within the framework of federal requirements", "caselaw_en": "# Art. 149 BV\n\n## Case Law\n\n### Electoral System and Proportional Principle\n\n**Judgment 1C_322/2015 of 19.8.2015 E. 3.2**\nAppeal against the announcement of the National Council election in the Canton of Zug; constitutional conformity of the seat allocation procedure.\nThe judgment confirms the constitutional basis of the National Council electoral system under Art. 149 BV.\n\n> «National Council elections are regulated in the Federal Constitution and in the Federal Act on Political Rights. According to Art. 149 para. 2 BV, the members of the National Council are determined by the people in direct election according to the principle of proportional representation, with a complete renewal taking place every four years. Each canton forms an electoral district (Art. 149 para. 3 BV), and the seats are distributed to the cantons according to population size, with each canton being entitled to at least one seat (Art. 149 para. 4 BV).»\n\n**Judgment 1C_322/2015 of 19.8.2015 E. 3.3**\nProcedure-specific interpretation of Art. 149 BV in relation to Art. 34 BV.\nThe Federal Court holds that Art. 149 BV stands as lex specialis in relation to the general electoral rights guarantee.\n\n> «The electoral system provided for in the Federal Act may not meet the Federal Court's requirements for an electoral system in cantonal and municipal proportional elections according to Art. 34 BV. The question arises whether the current electoral procedure of simple proportional representation is not already bindingly predetermined in Art. 149 BV and whether this constitutional provision takes precedence over Art. 34 BV as lex specialis.»\n\n### Interpretation in Conformity with International Law\n\n**Judgment 1C_322/2015 of 19.8.2015 E. 4.3**\nCompatibility of the National Council electoral system with Art. 25 UN Covenant II.\nThe federal structure of the electoral district division according to cantons is considered justified under international law.\n\n> «The Federal Constitution expressly establishes in Art. 149 para. 3 BV the traditionally federally determined cantonal territories as electoral districts. This division dates back to the introduction of the proportional electoral system for National Council elections in the popular vote of 13 October 1918, thus has a pronounced historical as well as federal reference and accordingly has high legitimacy.»\n\n### Recount in Case of Tied Votes\n\n**BGE 138 II 5 of 1.1.2011 E. 2.2**\nEntitlement to recount in National Council electoral procedure.\nThe Federal Court specifies the specific requirements for National Council elections under proportional procedure.\n\n> «Federal legislation regulates the election of the National Council under proportional procedure exhaustively; in particular, the question of whether and when a recount is to be carried out is regulated in Art. 11 VPR. The practice established with BGE 136 II 132 for votes is not applicable in this area.»\n\n**BGE 138 II 5 of 1.1.2011 E. 2.3**\nParticularities of the National Council electoral procedure compared to federal votes.\nThe case law underlines the special legislative regulation of National Council elections.\n\n> «The case law established in BGE 136 II 132, according to which a very close result in a federal popular vote constitutes an 'irregularity' within the meaning of Art. 77 para. 1 lit. b BPR and grants entitlement to a recount, is not applicable to the election of the National Council under proportional procedure (Art. 77 para. 1 lit. c BPR), because the procedure is characterized by urgency and is regulated in detail by the BPR.»\n\n### Historical Development\n\n**BGE 129 I 185 of 18.12.2002 E. 7.1.1**\nFoundations of the seat allocation procedure according to Hagenbach-Bischoff.\nThe judgment confirms the legislative design of the proportional principle anchored in Art. 149 BV.\n\n> «The law essentially establishes seat allocation according to the Hagenbach-Bischoff distribution system (particularly according to Art. 40 ff. BPR).»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_149", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 150, "article_suffix": "", "title": "Zusammensetzung und Wahl des Ständerates", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 150 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 150 BV regelt die Zusammensetzung und Wahl des Ständerats. Der Ständerat ist die kleine Kammer der Bundesversammlung mit 46 Mitgliedern.\n\nDie Sitze sind ungleich auf die 26 Kantone verteilt. Die sechs kleineren Kantone Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden wählen je ein Mitglied. Die übrigen 20 Kantone wählen je zwei Mitglieder. Diese Regelung führt zu grossen Unterschieden: Ein Ständerat aus Appenzell Innerrhoden vertritt etwa 16'000 Einwohner, einer aus Zürich über 1,5 Millionen.\n\nJeder Kanton bestimmt selbst, wie er seine Ständeräte wählt. Die meisten verwenden das Majorzverfahren (Mehrheitswahl), bei dem der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt. Nur Jura und Neuenburg verwenden das Proporzverfahren (Verhältniswahl nach Parteistärke). Die Kantone können auch eigene Wählbarkeitsvoraussetzungen festlegen, etwa eine Wohnsitzpflicht im Kanton.\n\nTrotz ihrer Bezeichnung als \"Abgeordnete der Kantone\" sind Ständeräte nicht an Weisungen ihrer Kantone gebunden. Sie entscheiden frei nach ihrem Gewissen und oft nach Parteizugehörigkeit. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass die ungleiche Vertretung der Kantone verfassungsrechtlich zulässig ist, weil sie dem föderalistischen Staatsaufbau entspricht.\n\nEin praktisches Beispiel: Bei der Ständeratswahl 2023 in Schaffhausen wurde ein Kandidat gewählt, der nicht im Kanton wohnte. Das Bundesgericht erklärte die Wahl für ungültig, da die kantonale Verfassung eine Wohnsitzpflicht vorschreibt. Es musste eine Nachwahl durchgeführt werden.", "doctrine_de": "# Art. 150 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Zusammensetzung des Ständerats geht auf die Bundesverfassung von 1848 zurück, die das Zweikammersystem als Kompromiss zwischen Unitariern und Föderalisten etablierte. Die Kantone erhielten unabhängig von ihrer Grösse je zwei Vertreter, mit Ausnahme der Halbkantone mit je einem Vertreter (BBl 1997 I 1, 390). Die totalrevidierte BV von 1999 übernahm diese Struktur unverändert, verzichtete aber bewusst auf den Begriff \"Halbkantone\" zugunsten der neutralen Aufzählung in Abs. 2 (BBl 1997 I 391).\n\n**N. 2** Die explizite Verankerung der kantonalen Wahlkompetenz in Abs. 3 erfolgte zur Klarstellung der föderalistischen Natur der Ständeratswahl. Trotz seiner Funktion als Bundesorgan sollte der Ständerat seine Legitimation unmittelbar aus den Kantonen beziehen (BBl 1997 I 391). Diese \"doppelte Natur\" — Bundesorgan mit kantonaler Verankerung — prägt die verfassungsrechtliche Stellung bis heute.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 150 BV steht im 5. Kapitel über die Bundesbehörden und konkretisiert die in Art. 148 Abs. 2 BV angelegte Zweiteilung der Bundesversammlung. Die Norm ist eng mit → Art. 149 BV (Nationalrat) verknüpft, wobei beide Räte trotz unterschiedlicher Legitimationsbasis gleichberechtigt sind (Art. 148 Abs. 2 BV). \n\n**N. 4** Die kantonale Wahlkompetenz (Abs. 3) ist Ausdruck der → Art. 3 BV verankerten föderalistischen Staatsstruktur. Sie steht in Spannung zu den bundesrechtlichen Vorgaben der politischen Rechte (→ Art. 34, → Art. 39 BV), was zu einem komplexen Normengefüge führt: Die Kantone gestalten das Wahlverfahren, müssen dabei aber übergeordnetes Recht beachten (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 7).\n\n**N. 5** Das Instruktionsverbot (→ Art. 161 BV) relativiert die kantonale Anbindung: Ständeräte sind trotz ihrer Bezeichnung als \"Abgeordnete der Kantone\" (Abs. 1) weisungsunabhängig. Diese systematische Spannung zeigt sich auch empirisch — Wiesli/Linder (2000, 45) weisen nach, dass sich die Entscheidungsmuster beider Räte nur marginal unterscheiden (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 7).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 6** **Abgeordnete der Kantone (Abs. 1):** Der Begriff ist primär historisch-symbolisch zu verstehen. Eine materielle Vertretungsfunktion im Sinne eines imperativen Mandats besteht nicht. Biaggini (Komm. BV, Art. 150 N. 2) sieht zusätzliche kantonale Bezüge mit Blick auf das Instruktionsverbot als kaum noch zulässig an (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 3).\n\n**N. 7** **Sitzverteilung (Abs. 2):** Die paritätische Vertretung aller Kantone mit zwei Sitzen (bzw. einem Sitz für die in Abs. 2 genannten Kantone) ist verfassungskräftig fixiert. Das Bundesgericht anerkennt die daraus resultierende \"massive Verzerrung der demokratischen Gleichheit\" als systembedingte, föderalistisch begründete Abweichung vom Prinzip \"one person, one vote\" (**BGE 151 I 354 E. 3.1**; Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 12).\n\n**N. 8** **Kantonale Regelungskompetenz (Abs. 3):** Die Kantone bestimmen autonom über:\n- Wahlverfahren (Majorz/Proporz)\n- Wahlkreiseinteilung\n- Wählbarkeitsvoraussetzungen im Rahmen von Art. 34 BV\n- Amtsdauer (innerhalb der vierjährigen Legislaturperiode)\n- Wahltermine\n\nDiese Kompetenz unterliegt den Schranken des übergeordneten Rechts (→ Art. 49 BV), insbesondere den Grundrechten und dem Diskriminierungsverbot (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 6-7).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Wahl in den Ständerat erfolgt nach kantonalem Recht mit kantonalen Rechtsmitteln. Das Bundesgericht prüft im Rahmen der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nur die Einhaltung des übergeordneten Rechts, nicht aber die Anwendung des kantonalen Wahlrechts als solches (**BGE 151 I 354 E. 1.2**).\n\n**N. 10** Die unterschiedliche Vertretungsstärke hat zur Folge, dass ein Ständerat aus Appenzell Innerrhoden rund 40-mal mehr Stimmkraft pro Wählenden repräsentiert als einer aus Zürich. Diese Disproportionalität ist verfassungsrechtlich gewollt und kann nur durch Verfassungsrevision geändert werden (Caroni, ZSR 2013 II, 45).\n\n**N. 11** Bei Ungültigkeit einer Wahl ordnet das kantonale Recht die Rechtsfolgen. Mangels ausdrücklicher Regelung gilt der Grundsatz der Nachwahl; der Zweitplatzierte rückt nicht automatisch nach (**BGE 151 I 354 E. 7**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Altersgrenzen:** Die Zulässigkeit der oberen Altersgrenze von 65 Jahren im Kanton Glarus ist umstritten. Biaggini (Komm. BV, Art. 150 N. 6) zweifelt an der Verfassungskonformität mit Verweis auf das Diskriminierungsverbot. Aubert (Bundesstaatsrecht II, 1013) hält sie dagegen für zulässig. Der Bundesrat (BBl 2001 6080) erachtete bereits ein Mindestalter von 30 Jahren als nicht mehr verfassungskonform (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 15).\n\n**N. 13** **Auslandschweizer-Stimmrecht:** Die Pflicht der Kantone, Auslandschweizern das Stimmrecht bei Ständeratswahlen einzuräumen, ist kontrovers. Das Bundesgericht verneinte 2014 eine solche Pflicht mit Verweis auf die kantonale Natur der Wahl (Verwaltungspraxis der Bundesbehörden 78.54). Die Lehre ist gespalten zwischen föderalistischen und grundrechtlichen Argumenten.\n\n**N. 14** **Wahlverfahren:** Während die meisten Kantone das Majorzverfahren anwenden, kennen Jura und Neuenburg den Proporz. Die Vereinbarkeit des Proporzverfahrens mit dem Charakter des Ständerats als Kantonskammer wird teilweise bezweifelt (Jaag 1976, 145), ist aber herrschende Praxis.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Ausgestaltung des kantonalen Wahlrechts sind folgende bundesrechtliche Mindeststandards zwingend:\n- Allgemeinheit der Wahl (Art. 34 Abs. 2 BV)\n- Gleichheit der Wahl innerhalb des Kantons\n- Wahlgeheimnis\n- Unverfälschtheit des Wählerwillens\n- Verbot sachfremder Wählbarkeitsvoraussetzungen\n\n**N. 16** Kantonale Sanktionen (z.B. bei Wahlpflichtverletzungen) dürfen gemäss Sägesser nur das kantonale Amt betreffen, nicht aber die Mitgliedschaft im Ständerat als Bundesorgan (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 16).\n\n**N. 17** Die Praxis zeigt, dass trotz formeller Kantonszugehörigkeit die Ständeräte primär nach Parteizugehörigkeit und weniger nach kantonalen Interessen abstimmen. Für die kantonale Wahlgesetzgebung bedeutet dies, dass parteipolitische Aspekte (Listen, Wahlempfehlungen) zulässig und praxisrelevant sind.", "caselaw_de": "# Art. 150 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kantonale Wahlautonomie\n\n**BGE 151 I 354 E. 3.1** vom 24. März 2025  \nStänderatswahlen sind trotz bundesrechtlicher Verankerung kantonale Wahlen. Die Kantone regeln das Wahlverfahren weitgehend autonom im Rahmen von Art. 34 BV.\n\n> «In Ständeratswahlen bestimmen die Kantone ihre Abgeordneten für den Ständerat (vgl. Art. 150 Abs. 1 BV). Obschon der Ständerat ein Organ des Bundes ist, handelt es sich bei den Ständeratswahlen um kantonale Wahlen (Art. 150 Abs. 3 BV). Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems und des Wahlverfahrens weitgehend frei.»\n\n**Urteil 1C_243/2011 E. 1.2** vom 15. September 2011  \nBestätigung des kantonalen Charakters von Ständeratswahlen trotz Bundesorgans. Dies berechtigt zur Stimmrechtsbeschwerde nach kantonalem Recht.\n\n> «Obschon der Ständerat ein Organ des Bundes ist, handelt es sich bei den Ständeratswahlen um kantonale Wahlen (Art. 150 Abs. 3 BV; Art. 56 Abs. 1 lit. d der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 [KV/BE; SR 131.212]).»\n\n### Wählbarkeitsvoraussetzungen\n\n**BGE 151 I 354 E. 3.2** vom 24. März 2025  \nKantonale Wohnsitzpflicht als zulässige Wählbarkeitsvoraussetzung. Der Wohnsitz muss bereits zum Zeitpunkt der Wahl erfüllt sein, nicht erst bei Amtsantritt.\n\n> «Gemäss Art. 40 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 23 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Schaffhausen vom 17. Juni 2002 (KV/SH; SR 131.223) sind in den Ständerat alle im Kanton Schaffhausen wohnhaften mündigen bzw. volljährigen Schweizerinnen und Schweizer wählbar.»\n\n**BGE 151 I 354 E. 5.8** vom 24. März 2025  \nStrikte Anwendung der Wohnsitzvoraussetzung entspricht dem Verfassungswillen. Ausnahmen wegen besonderer Verbundenheit sind unzulässig.\n\n> «Das ausnahmslose Wohnsitzerfordernis ist auch nicht sachlich unhaltbar oder schlicht nicht zu rechtfertigen, vielmehr dient es der Idee des demokratischen Territorialitätsprinzips, geht es doch darum, dass die jeweilige Person in jener Territorialgemeinde ihr Recht ausüben soll, in der sie gesamthaft betrachtet ihren Lebensmittelpunkt hat.»\n\n### Wahlverfahren und Rechtsmittel\n\n**Urteil 1C_243/2011 E. 2** vom 15. September 2011  \nKantonale Ausgestaltungsfreiheit umfasst auch Sonderregelungen für Auslandschweizer bei Ständeratswahlen. Beschränkungen sind im Rahmen der Verhältnismässigkeit zulässig.\n\n> «Die Kantone sind in der Ausgestaltung ihres politischen Systems und des Wahlverfahrens grundsätzlich frei. Art. 39 Abs. 1 BV überlässt ihnen mit Blick auf ihre Organisationsautonomie ausdrücklich die Regelung der Ausübung der politischen Rechte in kantonalen und kommunalen Angelegenheiten.»\n\n**BGE 98 IA 602** vom 29. November 1972  \nGrundlegende Verfahrensgrundsätze für Ständeratswahlen: Schutz des Wahlgeheimnisses und behördliche Informationspflicht sind gewährleistet.\n\n> «Stimmrecht. Ständeratswahl im Kanton Basel-Stadt. Behördliche Informationspflicht und Stimmgeheimnis. [...] Umfang der Informationspflicht der Behörde über die eingegangenen Wahlvorschläge (Erw. 9). Verletzung des Stimmgeheimnisses durch unzulänglich eingerichtete Wahllokale (Erw. 10 a und b).»\n\n### Wahlkassation und Folgen\n\n**BGE 151 I 354 E. 6** vom 24. März 2025  \nUngültige Wahl wird ex nunc aufgehoben. Amtshandlungen des ungültig gewählten Ständerats bleiben aus Rechtssicherheitsgründen gültig.\n\n> «Entgegen in der Lehre teilweise vertretenen Ansichten rechtfertigt es sich aus Verhältnismässigkeits-, Rechtssicherheits-, und Vertrauensüberlegungen (Art. 5 Abs. 2 und Art. 9 BV), die Wahl von Simon Stocker ex nunc und nicht ex tunc aufzuheben.»\n\n**BGE 151 I 354 E. 7** vom 24. März 2025  \nBei ungültiger Wahl ist Nachwahl anzusetzen. Der Kandidat mit den zweitmeisten Stimmen wird nicht automatisch gewählt erklärt.\n\n> «Das kantonale Recht regelt den Fall nicht, was zu geschehen hat, wenn in einer Ständeratswahl ein Kandidat gewählt wird, dessen Wahl mangels Wählbarkeit für ungültig erklärt werden muss. [...] Mangels gesetzlicher Regelung rechtfertigt es sich, auf den Grundsatz zurückzugreifen, wonach in Mehrheitswahlen für ausscheidende Mitglieder normalerweise Nachwahlen durchgeführt werden.»", "summary_fr": "", "doctrine_fr": "# Art. 150 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N° 1** La composition actuelle du Conseil des États remonte à la Constitution fédérale de 1848, qui a établi le système bicaméral comme compromis entre unitaires et fédéralistes. Les cantons ont reçu chacun deux représentants indépendamment de leur taille, à l'exception des demi-cantons avec un représentant chacun (FF 1997 I 1, 390). La Cst. révisée de 1999 a repris cette structure sans modification, mais a consciemment renoncé au terme de « demi-cantons » au profit de l'énumération neutre de l'al. 2 (FF 1997 I 391).\n\n**N° 2** L'ancrage explicite de la compétence électorale cantonale à l'al. 3 a été effectué pour clarifier la nature fédéraliste de l'élection au Conseil des États. Malgré sa fonction d'organe fédéral, le Conseil des États devait tirer sa légitimation directement des cantons (FF 1997 I 391). Cette « double nature » — organe fédéral avec ancrage cantonal — caractérise la position constitutionnelle jusqu'à aujourd'hui.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N° 3** L'art. 150 Cst. se trouve dans le 5e chapitre sur les autorités fédérales et concrétise la subdivision de l'Assemblée fédérale prévue à l'art. 148 al. 2 Cst. La norme est étroitement liée à → l'art. 149 Cst. (Conseil national), les deux conseils étant égaux en droits malgré des bases de légitimation différentes (art. 148 al. 2 Cst.).\n\n**N° 4** La compétence électorale cantonale (al. 3) est l'expression de la structure étatique fédéraliste ancrée à → l'art. 3 Cst. Elle est en tension avec les prescriptions de droit fédéral sur les droits politiques (→ art. 34, → art. 39 Cst.), ce qui conduit à un ensemble normatif complexe : les cantons organisent la procédure électorale, mais doivent respecter le droit supérieur (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 7).\n\n**N° 5** L'interdiction des instructions (→ art. 161 Cst.) relativise le rattachement cantonal : les conseillers aux États sont indépendants des instructions malgré leur désignation comme « députés des cantons » (al. 1). Cette tension systématique se manifeste aussi empiriquement — Wiesli/Linder (2000, 45) démontrent que les modèles de décision des deux conseils ne diffèrent que marginalement (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 7).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N° 6** **Députés des cantons (al. 1) :** Le terme doit être compris avant tout de manière historico-symbolique. Il n'existe pas de fonction de représentation matérielle au sens d'un mandat impératif. Biaggini (Komm. BV, art. 150 n° 2) considère que des liens cantonaux supplémentaires au regard de l'interdiction des instructions ne sont guère plus admissibles (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 3).\n\n**N° 7** **Répartition des sièges (al. 2) :** La représentation paritaire de tous les cantons avec deux sièges (respectivement un siège pour les cantons mentionnés à l'al. 2) est fixée par la Constitution. Le Tribunal fédéral reconnaît la « distorsion massive de l'égalité démocratique » qui en résulte comme un écart systémique au principe « une personne, une voix », justifié par le fédéralisme (**ATF 151 I 354 consid. 3.1** ; Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 12).\n\n**N° 8** **Compétence de réglementation cantonale (al. 3) :** Les cantons déterminent de manière autonome :\n- La procédure électorale (majorité/proportionnelle)\n- La délimitation des circonscriptions électorales\n- Les conditions d'éligibilité dans le cadre de l'art. 34 Cst.\n- La durée du mandat (dans la période de législature de quatre ans)\n- Les dates d'élection\n\nCette compétence est soumise aux limites du droit supérieur (→ art. 49 Cst.), en particulier aux droits fondamentaux et à l'interdiction de discrimination (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 6-7).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N° 9** L'élection au Conseil des États s'effectue selon le droit cantonal avec des recours cantonaux. Le Tribunal fédéral examine dans le cadre du recours en matière de droit public seulement le respect du droit supérieur, mais pas l'application du droit électoral cantonal en tant que tel (**ATF 151 I 354 consid. 1.2**).\n\n**N° 10** La force de représentation différente a pour conséquence qu'un conseiller aux États d'Appenzell Rhodes-Intérieures représente environ 40 fois plus de poids électoral par électeur qu'un conseiller de Zurich. Cette disproportionnalité est voulue constitutionnellement et ne peut être modifiée que par une révision constitutionnelle (Caroni, ZSR 2013 II, 45).\n\n**N° 11** En cas de nullité d'une élection, le droit cantonal ordonne les effets juridiques. En l'absence de règlement exprès s'applique le principe de l'élection complémentaire ; le deuxième ne succède pas automatiquement (**ATF 151 I 354 consid. 7**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N° 12** **Limites d'âge :** L'admissibilité de la limite d'âge supérieure de 65 ans dans le canton de Glaris est controversée. Biaggini (Komm. BV, art. 150 n° 6) doute de la conformité constitutionnelle en référence à l'interdiction de discrimination. Aubert (Bundesstaatsrecht II, 1013) la considère au contraire comme admissible. Le Conseil fédéral (FF 2001 6080) considérait déjà un âge minimum de 30 ans comme non conforme à la Constitution (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 15).\n\n**N° 13** **Droit de vote des Suisses de l'étranger :** L'obligation des cantons d'accorder aux Suisses de l'étranger le droit de vote lors des élections au Conseil des États est controversée. Le Tribunal fédéral a nié en 2014 une telle obligation en référence à la nature cantonale de l'élection (Pratique administrative des autorités fédérales 78.54). La doctrine est partagée entre arguments fédéralistes et de droits fondamentaux.\n\n**N° 14** **Procédure électorale :** Alors que la plupart des cantons appliquent le système majoritaire, le Jura et Neuchâtel connaissent la proportionnelle. La compatibilité de la procédure proportionnelle avec le caractère du Conseil des États comme chambre des cantons est parfois mise en doute (Jaag 1976, 145), mais constitue la pratique dominante.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N° 15** Lors de l'élaboration du droit électoral cantonal, les standards minimums de droit fédéral suivants sont obligatoires :\n- Généralité de l'élection (art. 34 al. 2 Cst.)\n- Égalité de l'élection au sein du canton\n- Secret électoral\n- Authenticité de la volonté de l'électeur\n- Interdiction de conditions d'éligibilité étrangères à la cause\n\n**N° 16** Les sanctions cantonales (p. ex. en cas de violation de l'obligation électorale) ne peuvent selon Sägesser concerner que la fonction cantonale, mais pas l'appartenance au Conseil des États comme organe fédéral (Thurnherr, BSK BV, art. 150 n° 16).\n\n**N° 17** La pratique montre que malgré l'appartenance cantonale formelle, les conseillers aux États votent principalement selon l'appartenance partisane et moins selon les intérêts cantonaux. Pour la législation électorale cantonale, cela signifie que les aspects politiques partisans (listes, recommandations électorales) sont admissibles et pertinents pour la pratique.", "caselaw_fr": "# Art. 150 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Autonomie électorale cantonale\n\n**ATF 151 I 354 consid. 3.1** du 24 mars 2025  \nLes élections au Conseil des États sont des élections cantonales malgré leur ancrage dans le droit fédéral. Les cantons règlent la procédure électorale de manière largement autonome dans le cadre de l'art. 34 Cst.\n\n> « Lors des élections au Conseil des États, les cantons désignent leurs députés au Conseil des États (cf. art. 150 al. 1 Cst.). Bien que le Conseil des États soit un organe de la Confédération, les élections au Conseil des États sont des élections cantonales (art. 150 al. 3 Cst.). Les cantons sont largement libres dans l'aménagement de leur système politique et de leur procédure électorale. »\n\n**Arrêt 1C_243/2011 consid. 1.2** du 15 septembre 2011  \nConfirmation du caractère cantonal des élections au Conseil des États malgré l'organe fédéral. Ceci autorise le recours en matière de droits politiques selon le droit cantonal.\n\n> « Bien que le Conseil des États soit un organe de la Confédération, les élections au Conseil des États sont des élections cantonales (art. 150 al. 3 Cst. ; art. 56 al. 1 let. d de la Constitution du canton de Berne du 6 juin 1993 [Cst./BE ; RS 131.212]). »\n\n### Conditions d'éligibilité\n\n**ATF 151 I 354 consid. 3.2** du 24 mars 2025  \nL'obligation de résidence cantonale comme condition d'éligibilité admissible. La résidence doit être remplie déjà au moment de l'élection, et non seulement à l'entrée en fonction.\n\n> « Selon l'art. 40 al. 1 en relation avec l'art. 23 al. 1 de la Constitution du canton de Schaffhouse du 17 juin 2002 (Cst./SH ; RS 131.223), sont éligibles au Conseil des États tous les citoyens et citoyennes suisses majeurs et domiciliés dans le canton de Schaffhouse. »\n\n**ATF 151 I 354 consid. 5.8** du 24 mars 2025  \nL'application stricte de la condition de résidence correspond à la volonté constitutionnelle. Les exceptions en raison d'un lien particulier sont inadmissibles.\n\n> « L'exigence de résidence sans exception n'est pas non plus matériellement insoutenable ou simplement injustifiable, elle sert au contraire l'idée du principe démocratique de territorialité, car il s'agit que la personne concernée exerce son droit dans la collectivité territoriale où elle a, considérée globalement, le centre de sa vie. »\n\n### Procédure électorale et voies de droit\n\n**Arrêt 1C_243/2011 consid. 2** du 15 septembre 2011  \nLa liberté cantonale d'aménagement comprend aussi des réglementations particulières pour les Suisses de l'étranger lors d'élections au Conseil des États. Des restrictions sont admissibles dans le cadre de la proportionnalité.\n\n> « Les cantons sont en principe libres dans l'aménagement de leur système politique et de leur procédure électorale. L'art. 39 al. 1 Cst. leur laisse expressément, eu égard à leur autonomie d'organisation, la réglementation de l'exercice des droits politiques dans les affaires cantonales et communales. »\n\n**ATF 98 IA 602** du 29 novembre 1972  \nPrincipes procéduraux fondamentaux pour les élections au Conseil des États : la protection du secret du vote et l'obligation d'information des autorités sont garanties.\n\n> « Droit de vote. Élection au Conseil des États dans le canton de Bâle-Ville. Obligation d'information des autorités et secret du vote. [...] Étendue de l'obligation d'information de l'autorité sur les propositions électorales déposées (consid. 9). Violation du secret du vote par des locaux de vote insuffisamment aménagés (consid. 10 a et b). »\n\n### Cassation d'élection et conséquences\n\n**ATF 151 I 354 consid. 6** du 24 mars 2025  \nL'élection non valable est annulée ex nunc. Les actes officiels du conseiller aux États élu de manière non valable restent valables pour des raisons de sécurité juridique.\n\n> « Contrairement aux opinions parfois défendues dans la doctrine, il se justifie pour des considérations de proportionnalité, de sécurité juridique et de confiance (art. 5 al. 2 et art. 9 Cst.) d'annuler l'élection de Simon Stocker ex nunc et non ex tunc. »\n\n**ATF 151 I 354 consid. 7** du 24 mars 2025  \nEn cas d'élection non valable, une élection complémentaire doit être organisée. Le candidat ayant obtenu le deuxième plus grand nombre de voix n'est pas automatiquement déclaré élu.\n\n> « Le droit cantonal ne règle pas le cas de ce qui doit se passer lorsque dans une élection au Conseil des États un candidat est élu dont l'élection doit être déclarée non valable faute d'éligibilité. [...] En l'absence de réglementation légale, il se justifie de recourir au principe selon lequel dans les élections à la majorité, des élections complémentaires sont normalement organisées pour les membres sortants. »", "summary_it": "", "doctrine_it": "# Art. 150 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale composizione del Consiglio degli Stati risale alla Costituzione federale del 1848, che istituì il sistema bicamerale come compromesso tra unitari e federalisti. I Cantoni ottennero due rappresentanti ciascuno indipendentemente dalla loro grandezza, ad eccezione dei semicantoni con un rappresentante ciascuno (FF 1997 I 1, 390). La Cost. totalmente riveduta del 1999 riprese questa struttura invariata, ma rinunciò consapevolmente al termine \"semicantoni\" a favore dell'enumerazione neutra del cpv. 2 (FF 1997 I 391).\n\n**N. 2** L'ancoraggio esplicito della competenza elettorale cantonale nel cpv. 3 avvenne per chiarire la natura federalistica dell'elezione del Consiglio degli Stati. Nonostante la sua funzione di organo federale, il Consiglio degli Stati doveva trarre la sua legittimazione direttamente dai Cantoni (FF 1997 I 391). Questa \"doppia natura\" — organo federale con ancoraggio cantonale — caratterizza la posizione costituzionale ancora oggi.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 150 Cost. si trova nel 5° capitolo sulle autorità federali e concretizza la bipartizione dell'Assemblea federale stabilita nell'art. 148 cpv. 2 Cost. La norma è strettamente collegata all'→ art. 149 Cost. (Consiglio nazionale), dove entrambe le Camere sono paritarie nonostante la diversa base di legittimazione (art. 148 cpv. 2 Cost.).\n\n**N. 4** La competenza elettorale cantonale (cpv. 3) è espressione della struttura statale federalistica ancorata nell'→ art. 3 Cost. Essa è in tensione con le prescrizioni di diritto federale sui diritti politici (→ art. 34, → art. 39 Cost.), il che porta a un complesso intreccio normativo: i Cantoni disciplinano la procedura elettorale, ma devono rispettare il diritto superiore (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 7).\n\n**N. 5** Il divieto di istruzioni (→ art. 161 Cost.) relativizza il legame cantonale: i consiglieri agli Stati sono indipendenti da istruzioni nonostante la loro denominazione di \"deputati dei Cantoni\" (cpv. 1). Questa tensione sistematica si manifesta anche empiricamente — Wiesli/Linder (2000, 45) dimostrano che i modelli decisionali di entrambe le Camere si distinguono solo marginalmente (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 7).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 6** **Deputati dei Cantoni (cpv. 1):** Il concetto va inteso primariamente in senso storico-simbolico. Non esiste una funzione materiale di rappresentanza nel senso di un mandato imperativo. Biaggini (Comm. Cost., art. 150 n. 2) considera ulteriori riferimenti cantonali alla luce del divieto di istruzioni come ormai difficilmente ammissibili (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 3).\n\n**N. 7** **Ripartizione dei seggi (cpv. 2):** La rappresentanza paritetica di tutti i Cantoni con due seggi (rispettivamente un seggio per i Cantoni menzionati nel cpv. 2) è fissata a livello costituzionale. Il Tribunale federale riconosce la conseguente \"massiccia distorsione dell'uguaglianza democratica\" come deviazione sistemica e federalisticamente giustificata dal principio \"one person, one vote\" (**DTF 151 I 354 consid. 3.1**; Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 12).\n\n**N. 8** **Competenza normativa cantonale (cpv. 3):** I Cantoni decidono autonomamente su:\n- Procedura elettorale (maggioritario/proporzionale)\n- Suddivisione dei collegi elettorali\n- Requisiti di eleggibilità nel quadro dell'art. 34 Cost.\n- Durata del mandato (entro il periodo legislativo quadriennale)\n- Date elettorali\n\nQuesta competenza sottostà ai limiti del diritto superiore (→ art. 49 Cost.), in particolare ai diritti fondamentali e al divieto di discriminazione (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 6-7).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'elezione nel Consiglio degli Stati avviene secondo il diritto cantonale con ricorsi cantonali. Il Tribunale federale esamina nell'ambito del ricorso in materia di diritto pubblico solo il rispetto del diritto superiore, ma non l'applicazione del diritto elettorale cantonale in quanto tale (**DTF 151 I 354 consid. 1.2**).\n\n**N. 10** La diversa forza di rappresentanza ha per conseguenza che un consigliere agli Stati di Appenzello Interno rappresenta circa 40 volte più forza elettorale per elettore rispetto a uno di Zurigo. Questa sproporzione è costituzionalmente voluta e può essere cambiata solo mediante revisione costituzionale (Caroni, ZSR 2013 II, 45).\n\n**N. 11** In caso di invalidità di un'elezione, il diritto cantonale disciplina le conseguenze giuridiche. In mancanza di regolamentazione espressa vale il principio dell'elezione suppletiva; il secondo classificato non subentra automaticamente (**DTF 151 I 354 consid. 7**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Limiti d'età:** L'ammissibilità del limite d'età superiore di 65 anni nel Cantone di Glarona è controversa. Biaggini (Comm. Cost., art. 150 n. 6) dubita della conformità costituzionale con riferimento al divieto di discriminazione. Aubert (Diritto costituzionale II, 1013) la considera invece ammissibile. Il Consiglio federale (FF 2001 6080) considerava già un'età minima di 30 anni come non più conforme alla Costituzione (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 15).\n\n**N. 13** **Diritto di voto degli Svizzeri all'estero:** L'obbligo dei Cantoni di concedere agli Svizzeri all'estero il diritto di voto nelle elezioni del Consiglio degli Stati è controverso. Il Tribunale federale negò nel 2014 tale obbligo con riferimento alla natura cantonale dell'elezione (Prassi dell'Amministrazione federale 78.54). La dottrina è divisa tra argomenti federalistici e fondati sui diritti fondamentali.\n\n**N. 14** **Procedura elettorale:** Mentre la maggior parte dei Cantoni applica il sistema maggioritario, Giura e Neuchâtel conoscono il proporzionale. La compatibilità del sistema proporzionale con il carattere del Consiglio degli Stati come Camera cantonale è talvolta messa in dubbio (Jaag 1976, 145), ma è prassi dominante.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'elaborazione del diritto elettorale cantonale sono obbligatori i seguenti standard minimi di diritto federale:\n- Universalità dell'elezione (art. 34 cpv. 2 Cost.)\n- Uguaglianza dell'elezione all'interno del Cantone\n- Segretezza elettorale\n- Autenticità della volontà elettorale\n- Divieto di requisiti di eleggibilità estranei alla materia\n\n**N. 16** Le sanzioni cantonali (p. es. in caso di violazione dell'obbligo elettorale) possono secondo Sägesser riguardare solo la carica cantonale, ma non l'appartenenza al Consiglio degli Stati come organo federale (Thurnherr, BSK Cost., art. 150 n. 16).\n\n**N. 17** La prassi dimostra che nonostante l'appartenenza cantonale formale, i consiglieri agli Stati votano primariamente secondo l'appartenenza partitica e meno secondo gli interessi cantonali. Per la legislazione elettorale cantonale ciò significa che gli aspetti di politica partitica (liste, raccomandazioni elettorali) sono ammissibili e rilevanti nella prassi.", "caselaw_it": "# Art. 150 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Autonomia elettorale cantonale\n\n**DTF 151 I 354 consid. 3.1** del 24 marzo 2025  \nLe elezioni del Consiglio degli Stati sono elezioni cantonali nonostante l'ancoraggio nel diritto federale. I Cantoni disciplinano la procedura elettorale in gran parte autonomamente nel quadro dell'art. 34 Cost.\n\n> «Nelle elezioni del Consiglio degli Stati i Cantoni designano i loro rappresentanti per il Consiglio degli Stati (cfr. art. 150 cpv. 1 Cost.). Benché il Consiglio degli Stati sia un organo della Confederazione, le elezioni del Consiglio degli Stati sono elezioni cantonali (art. 150 cpv. 3 Cost.). I Cantoni sono ampiamente liberi nell'organizzazione del loro sistema politico e della procedura elettorale.»\n\n**Sentenza 1C_243/2011 consid. 1.2** del 15 settembre 2011  \nConferma del carattere cantonale delle elezioni del Consiglio degli Stati nonostante l'organo federale. Ciò autorizza al ricorso per diritti politici secondo il diritto cantonale.\n\n> «Benché il Consiglio degli Stati sia un organo della Confederazione, le elezioni del Consiglio degli Stati sono elezioni cantonali (art. 150 cpv. 3 Cost.; art. 56 cpv. 1 lett. d della Costituzione del Cantone di Berna del 6 giugno 1993 [Cost./BE; RS 131.212]).»\n\n### Condizioni di eleggibilità\n\n**DTF 151 I 354 consid. 3.2** del 24 marzo 2025  \nL'obbligo di domicilio cantonale come condizione di eleggibilità ammissibile. Il domicilio deve essere già soddisfatto al momento dell'elezione, non solo all'inizio del mandato.\n\n> «Secondo l'art. 40 cpv. 1 in combinato disposto con l'art. 23 cpv. 1 della Costituzione del Cantone di Sciaffusa del 17 giugno 2002 (Cost./SH; RS 131.223) sono eleggibili al Consiglio degli Stati tutti gli Svizzeri maggiorenni domiciliati nel Cantone di Sciaffusa.»\n\n**DTF 151 I 354 consid. 5.8** del 24 marzo 2025  \nL'applicazione rigorosa del requisito di domicilio corrisponde alla volontà costituzionale. Le eccezioni per particolare legame sono inammissibili.\n\n> «Il requisito di domicilio senza eccezioni non è nemmeno oggettivamente insostenibile o semplicemente ingiustificabile, ma serve piuttosto all'idea del principio democratico di territorialità, trattandosi del fatto che la rispettiva persona debba esercitare il suo diritto in quella comunità territoriale in cui, considerata complessivamente, ha il suo centro di vita.»\n\n### Procedura elettorale e mezzi di ricorso\n\n**Sentenza 1C_243/2011 consid. 2** del 15 settembre 2011  \nLa libertà di organizzazione cantonale comprende anche regole speciali per gli Svizzeri all'estero nelle elezioni del Consiglio degli Stati. Le restrizioni sono ammissibili nel quadro della proporzionalità.\n\n> «I Cantoni sono in linea di principio liberi nell'organizzazione del loro sistema politico e della procedura elettorale. L'art. 39 cpv. 1 Cost. lascia espressamente a loro, in vista della loro autonomia organizzativa, la regolamentazione dell'esercizio dei diritti politici negli affari cantonali e comunali.»\n\n**DTF 98 IA 602** del 29 novembre 1972  \nPrincipi procedurali fondamentali per le elezioni del Consiglio degli Stati: protezione del segreto del voto e obbligo di informazione delle autorità sono garantiti.\n\n> «Diritto di voto. Elezione del Consiglio degli Stati nel Cantone di Basilea-Città. Obbligo di informazione delle autorità e segreto del voto. [...] Portata dell'obbligo di informazione dell'autorità sulle proposte elettorali pervenute (consid. 9). Violazione del segreto del voto attraverso seggi elettorali insufficientemente organizzati (consid. 10 a e b).»\n\n### Cassazione elettorale e conseguenze\n\n**DTF 151 I 354 consid. 6** del 24 marzo 2025  \nL'elezione non valida viene annullata ex nunc. Gli atti ufficiali del consigliere agli Stati eletto invalidamente rimangono validi per ragioni di sicurezza del diritto.\n\n> «Contrariamente a opinioni sostenute in parte nella dottrina, si giustifica per considerazioni di proporzionalità, sicurezza del diritto e fiducia (art. 5 cpv. 2 e art. 9 Cost.) annullare l'elezione di Simon Stocker ex nunc e non ex tunc.»\n\n**DTF 151 I 354 consid. 7** del 24 marzo 2025  \nIn caso di elezione non valida deve essere indetta un'elezione suppletiva. Il candidato con il secondo maggior numero di voti non viene dichiarato automaticamente eletto.\n\n> «Il diritto cantonale non regola il caso di cosa debba accadere quando in un'elezione del Consiglio degli Stati un candidato viene eletto ma la sua elezione deve essere dichiarata non valida per mancanza di eleggibilità. [...] In mancanza di regolamentazione legale si giustifica fare ricorso al principio secondo cui nelle elezioni maggioritarie per i membri uscenti vengono normalmente effettuate elezioni suppletive.»", "summary_en": "", "doctrine_en": "# Art. 150 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current composition of the Council of States dates back to the Federal Constitution of 1848, which established the bicameral system as a compromise between unitarians and federalists. The cantons received two representatives each regardless of their size, with the exception of the half-cantons with one representative each (BBl 1997 I 1, 390). The totally revised Federal Constitution of 1999 adopted this structure unchanged, but deliberately avoided the term \"half-cantons\" in favour of the neutral enumeration in para. 2 (BBl 1997 I 391).\n\n**N. 2** The explicit anchoring of cantonal electoral competence in para. 3 was intended to clarify the federalist nature of Council of States elections. Despite its function as a federal body, the Council of States should derive its legitimacy directly from the cantons (BBl 1997 I 391). This \"dual nature\" — federal body with cantonal anchoring — continues to shape its constitutional position today.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 150 BV is located in Chapter 5 on the federal authorities and gives concrete form to the division of the Federal Assembly into two chambers established in Art. 148 para. 2 BV. The provision is closely linked to → Art. 149 BV (National Council), whereby both chambers have equal rights despite their different legitimacy bases (Art. 148 para. 2 BV).\n\n**N. 4** The cantonal electoral competence (para. 3) is an expression of the federalist state structure anchored in → Art. 3 BV. It stands in tension with the federal law requirements for political rights (→ Art. 34, → Art. 39 BV), leading to a complex normative structure: The cantons design the electoral procedure, but must observe superior law (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 7).\n\n**N. 5** The prohibition of instructions (→ Art. 161 BV) relativises the cantonal connection: Council of States members are independent of instructions despite their designation as \"deputies of the cantons\" (para. 1). This systematic tension is also evident empirically — Wiesli/Linder (2000, 45) demonstrate that the decision-making patterns of both chambers differ only marginally (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 7).\n\n### 3. Elements of the Legal Provision / Normative Content\n\n**N. 6** **Deputies of the cantons (para. 1):** The term is primarily to be understood in a historical-symbolic sense. No material representative function in the sense of an imperative mandate exists. Biaggini (Komm. BV, Art. 150 N. 2) considers additional cantonal connections with regard to the prohibition of instructions as hardly permissible anymore (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 3).\n\n**N. 7** **Distribution of seats (para. 2):** The equal representation of all cantons with two seats (or one seat for the cantons mentioned in para. 2) is constitutionally fixed. The Federal Supreme Court recognises the resulting \"massive distortion of democratic equality\" as a system-related, federalistically justified deviation from the principle \"one person, one vote\" (**BGE 151 I 354 E. 3.1**; Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 12).\n\n**N. 8** **Cantonal regulatory competence (para. 3):** The cantons determine autonomously:\n- Electoral procedure (majority/proportional system)\n- Electoral district division\n- Eligibility requirements within the framework of Art. 34 BV\n- Term of office (within the four-year legislative period)\n- Election dates\n\nThis competence is subject to the limits of superior law (→ Art. 49 BV), particularly fundamental rights and the prohibition of discrimination (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 6-7).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Election to the Council of States takes place according to cantonal law with cantonal legal remedies. The Federal Supreme Court examines within the framework of appeals in public law matters only compliance with superior law, but not the application of cantonal electoral law as such (**BGE 151 I 354 E. 1.2**).\n\n**N. 10** The different representation strength has the consequence that a Council of States member from Appenzell Innerrhoden represents approximately 40 times more voting power per voter than one from Zurich. This disproportionality is constitutionally intended and can only be changed through constitutional revision (Caroni, ZSR 2013 II, 45).\n\n**N. 11** In case of invalidity of an election, cantonal law regulates the legal consequences. In the absence of express regulation, the principle of by-election applies; the runner-up does not automatically move up (**BGE 151 I 354 E. 7**).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 12** **Age limits:** The permissibility of the upper age limit of 65 years in Canton Glarus is disputed. Biaggini (Komm. BV, Art. 150 N. 6) doubts constitutional conformity with reference to the prohibition of discrimination. Aubert (Bundesstaatsrecht II, 1013) considers it permissible. The Federal Council (BBl 2001 6080) already considered a minimum age of 30 years as no longer constitutionally compliant (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 15).\n\n**N. 13** **Swiss abroad voting rights:** The obligation of cantons to grant Swiss abroad voting rights in Council of States elections is controversial. The Federal Supreme Court denied such an obligation in 2014 with reference to the cantonal nature of the election (Verwaltungspraxis der Bundesbehörden 78.54). Legal doctrine is divided between federalist and fundamental rights arguments.\n\n**N. 14** **Electoral procedure:** While most cantons apply the majority system, Jura and Neuchâtel use proportional representation. The compatibility of the proportional system with the character of the Council of States as a cantonal chamber is sometimes questioned (Jaag 1976, 145), but is established practice.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** When designing cantonal electoral law, the following federal law minimum standards are mandatory:\n- Universal suffrage (Art. 34 para. 2 BV)\n- Equality of elections within the canton\n- Secret ballot\n- Authenticity of the voters' will\n- Prohibition of extraneous eligibility requirements\n\n**N. 16** Cantonal sanctions (e.g., for violations of voting obligations) may according to Sägesser only affect the cantonal office, but not membership in the Council of States as a federal body (Thurnherr, BSK BV, Art. 150 N. 16).\n\n**N. 17** Practice shows that despite formal cantonal affiliation, Council of States members vote primarily according to party affiliation and less according to cantonal interests. For cantonal electoral legislation, this means that party political aspects (lists, electoral recommendations) are permissible and practically relevant.", "caselaw_en": "# Art. 150 BV\n\n## Caselaw\n\n### Cantonal electoral autonomy\n\n**BGE 151 I 354 E. 3.1** of 24 March 2025  \nCouncil of States elections are cantonal elections despite their anchoring in federal law. The cantons regulate the electoral process largely autonomously within the framework of Art. 34 BV.\n\n> «In Council of States elections, the cantons determine their representatives to the Council of States (cf. Art. 150 para. 1 BV). Although the Council of States is an organ of the Confederation, Council of States elections are cantonal elections (Art. 150 para. 3 BV). The cantons are largely free in the design of their political system and electoral procedure.»\n\n**Judgment 1C_243/2011 E. 1.2** of 15 September 2011  \nConfirmation of the cantonal character of Council of States elections despite being a federal organ. This entitles to a voting rights complaint under cantonal law.\n\n> «Although the Council of States is an organ of the Confederation, Council of States elections are cantonal elections (Art. 150 para. 3 BV; Art. 56 para. 1 lit. d of the Constitution of the Canton of Bern of 6 June 1993 [KV/BE; SR 131.212]).»\n\n### Eligibility requirements\n\n**BGE 151 I 354 E. 3.2** of 24 March 2025  \nCantonal residence requirement as permissible eligibility requirement. The residence must already be fulfilled at the time of election, not only upon taking office.\n\n> «According to Art. 40 para. 1 in conjunction with Art. 23 para. 1 of the Constitution of the Canton of Schaffhausen of 17 June 2002 (KV/SH; SR 131.223), all mature or adult Swiss citizens resident in the Canton of Schaffhausen are eligible for election to the Council of States.»\n\n**BGE 151 I 354 E. 5.8** of 24 March 2025  \nStrict application of the residence requirement corresponds to the constitutional intent. Exceptions due to special connection are inadmissible.\n\n> «The unconditional residence requirement is also not objectively untenable or simply not justifiable; rather, it serves the idea of the democratic territorial principle, as it concerns the fact that the respective person should exercise their right in that territorial community in which they have their centre of life when considered as a whole.»\n\n### Electoral procedure and legal remedies\n\n**Judgment 1C_243/2011 E. 2** of 15 September 2011  \nCantonal discretion in design also encompasses special regulations for Swiss citizens abroad in Council of States elections. Restrictions are permissible within the framework of proportionality.\n\n> «The cantons are basically free in the design of their political system and electoral procedure. Art. 39 para. 1 BV expressly leaves to them, with regard to their organisational autonomy, the regulation of the exercise of political rights in cantonal and communal matters.»\n\n**BGE 98 IA 602** of 29 November 1972  \nFundamental procedural principles for Council of States elections: Protection of the secrecy of the ballot and official duty to provide information are guaranteed.\n\n> «Voting rights. Council of States election in the Canton of Basel-Stadt. Official duty to provide information and secrecy of the ballot. [...] Scope of the authority's duty to provide information about the submitted electoral proposals (consid. 9). Violation of the secrecy of the ballot by inadequately arranged polling stations (consid. 10 a and b).»\n\n### Electoral annulment and consequences\n\n**BGE 151 I 354 E. 6** of 24 March 2025  \nInvalid election is annulled ex nunc. Official acts of the invalidly elected councillor remain valid for reasons of legal certainty.\n\n> «Contrary to views partially held in legal doctrine, it is justified for reasons of proportionality, legal certainty, and trust (Art. 5 para. 2 and Art. 9 BV) to annul the election of Simon Stocker ex nunc and not ex tunc.»\n\n**BGE 151 I 354 E. 7** of 24 March 2025  \nIn case of invalid election, a by-election must be scheduled. The candidate with the second-most votes is not automatically declared elected.\n\n> «Cantonal law does not regulate what should happen if a candidate is elected in a Council of States election whose election must be declared invalid for lack of eligibility. [...] In the absence of legal regulation, it is justified to fall back on the principle that in majority elections, by-elections are normally held for departing members.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_150", "in_force_since": "", "summary_version": 0, "summary_last_generated": "", "summary_quality_score": null, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 151, "article_suffix": "", "title": "Sessionen", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 151 BV regelt, wann und wie die beiden Kammern des Parlaments (National- und Ständerat) zusammentreten. Die Bestimmung schreibt regelmässige Sessionen vor und legt fest, wer ausserordentliche Sessionen einberufen kann.\n\n**Regelmässige Sessionen**: Das Parlament tagt normalerweise in ordentlichen Sessionen. Das Parlamentsgesetz (ParlG) konkretisiert diese Vorgabe: Jährlich finden vier Sessionen von je drei Wochen statt (Art. 2 ParlG). Dies sind die Frühjahrssession, die Sondersession im Mai oder Juni, die Herbstsession und die Wintersession. Die Parlamentsmitglieder sind zur Teilnahme verpflichtet (Art. 10 ParlG).\n\n**Ausserordentliche Sessionen**: Wenn dringende Geschäfte nicht bis zur nächsten ordentlichen Session warten können, gibt es zwei Möglichkeiten für eine zusätzliche Tagung: Entweder ein Viertel der Mitglieder eines Rates oder der Bundesrat kann die Einberufung verlangen (Art. 33 ParlG). Bei 200 Nationalräten sind das mindestens 50 Personen, bei 46 Ständeräten mindestens 12 Personen.\n\n**Beispiel**: Wenn eine Finanzkrise rasche gesetzgeberische Massnahmen erfordert, kann der Bundesrat die Räte zu einer ausserordentlichen Session einberufen. Ebenso können 50 Nationalrätinnen und Nationalräte gemeinsam eine zusätzliche Tagung fordern, um etwa ein dringliches Referendum zu behandeln.\n\nDie Bestimmung gewährleistet, dass das Parlament sowohl regelmässig tagt als auch bei besonderen Umständen flexibel reagieren kann. Ausserordentliche Sessionen werden jedoch nur zurückhaltend genutzt, da vier ordentliche Sessionen pro Jahr normalerweise ausreichen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 151 BV führt die unter Art. 75 BV 1848 und Art. 86 BV 1874 geltende Tradition der parlamentarischen Sessionen fort. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betont, dass die Regelung bewusst flexibel ausgestaltet wurde, um dem Gesetzgeber Spielraum für die konkrete Ausgestaltung zu belassen. Die Verfassungsrevision verzichtete auf detaillierte Vorgaben zu Anzahl und Dauer der Sessionen, um künftigen parlamentarischen Bedürfnissen gerecht werden zu können (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 1).\n\n**N. 2** Das Einberufungsrecht für ausserordentliche Sessionen (Abs. 2) wurde gegenüber dem alten Verfassungsrecht modernisiert. Während Art. 23 Abs. 8 BV 1874 noch ein Einberufungsrecht für fünf Kantone vorsah, bezeichnet Aubert diese Regelung als «verfehlt symmetrische Bestimmung» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 13). Die neue Verfassung beschränkt das Einberufungsrecht auf ein Viertel der Ratsmitglieder oder den Bundesrat, was der parlamentarischen Realität besser entspricht.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 151 BV ist im 1. Abschnitt des 5. Kapitels über die Bundesbehörden eingeordnet und bildet zusammen mit Art. 148–162 BV das verfassungsrechtliche Fundament der Bundesversammlung. Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 148 BV (Stellung der Bundesversammlung als oberste Gewalt)\n- → Art. 157 BV (Getrennte Verhandlung der Räte)\n- → Art. 163 Abs. 2 BV (Quorum für die Beschlussfähigkeit)\n- → Art. 185 Abs. 4 BV (Berichterstattung des Bundesrates)\n\n**N. 4** Das Zweikammersystem verlangt nach Biaggini «die materielle Gleichwertigkeit beider Räte, nicht die formelle Identität des Verfahrens beider Räte» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 3). Art. 151 BV konkretisiert diesen Grundsatz, indem beide Räte zu denselben Sessionen zusammentreten, aber getrennt verhandeln.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Regelmässige Sessionen (Abs. 1)**: Die Verfassung schreibt lediglich vor, dass die Räte «regelmässig» zu Sessionen zusammentreten. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch das Parlamentsgesetz. Gemäss Art. 2 ParlG finden jährlich vier ordentliche Sessionen von je drei Wochen Dauer statt (Frühjahrssession, Sondersession im Mai/Juni, Herbstsession, Wintersession).\n\n**N. 6** **Einberufung**: Die Kompetenz zur Einberufung der ordentlichen Sessionen liegt beim Gesetz. Art. 2 Abs. 2 ParlG delegiert die Festlegung der Sessionsdaten an die Präsidien beider Räte. Die Koordination zwischen den Räten ist zwingend, da Art. 151 BV von gemeinsamen Sessionen ausgeht.\n\n**N. 7** **Ausserordentliche Sessionen (Abs. 2)**: Das Einberufungsrecht steht alternativ zu:\n- Einem Viertel der Mitglieder eines Rates (50 von 200 Nationalräte oder 12 von 46 Ständeräte)\n- Dem Bundesrat als Kollegium\n\nDas Verlangen muss sich auf die Einberufung der «Räte» (Plural) beziehen. Eine ausserordentliche Session nur eines Rates ist verfassungsrechtlich nicht vorgesehen (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 11-12).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die Einberufung zu ordentlichen Sessionen erfolgt von Gesetzes wegen. Für die Ratsmitglieder besteht gemäss Art. 10 ParlG eine Teilnahmepflicht. Die Abwesenheit ist nur bei wichtigen Gründen zulässig und muss beim Ratspräsidenten entschuldigt werden.\n\n**N. 9** Bei ausserordentlichen Sessionen entsteht mit dem Verlangen eines berechtigten Organs ein Rechtsanspruch auf Einberufung. Die Büros der Räte müssen die ausserordentliche Session ansetzen, verfügen aber über einen gewissen zeitlichen Ermessensspielraum bezüglich des konkreten Termins. Die parlamentarische Praxis zeigt eine zurückhaltende Nutzung dieses Instruments (vgl. Parlamentsprotokolle der 1980er Jahre: «nur für Fälle, in denen die Dringlichkeit eines Geschäfts so gross ist, dass eine Behandlung erst in der folgenden Session nicht genügen kann»).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Versammlungsort**: Während die Verfassung keinen Versammlungsort nennt, sieht Art. 33d Abs. 1 lit. b GRN vor, dass die Büros «in besonderen Lagen» einen anderen Tagungsort als Bern bestimmen können. Die Doktrin ist sich einig, dass die Bundesversammlung nicht zwingend in Bern tagen muss, wobei praktische Erwägungen für den Parlamentssitz in der Bundesstadt sprechen (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 9-10).\n\n**N. 11** **Verhältnis zu Art. 185 Abs. 4 BV**: Umstritten ist, ob der Bundesrat sein Einberufungsrecht nach Art. 151 Abs. 2 BV auch nutzen kann, um ausserhalb der ordentlichen Sessionen Bericht zu erstatten. Sägesser (Die Bestimmungen über die Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, LeGes 1999, 11–49) bejaht dies, während Lombardi (Volksrechte und Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, AJP 1999, 706–721) auf die primäre Zweckbestimmung für dringliche Gesetzgebung verweist.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 12** Parlamentarierinnen und Parlamentarier sollten bei der Planung von Vorstössen die Sessionsplanung berücksichtigen. Dringliche Geschäfte sind so zu traktandieren, dass sie in der nächsten ordentlichen Session behandelt werden können. Das Instrument der ausserordentlichen Session ist echten Notfällen vorbehalten.\n\n**N. 13** Die Koordination zwischen den Räten erfolgt über die Koordinationskonferenz (Art. 53 BPR). Für die praktische Sessionsplanung sind die Verwaltungsdelegationen der Räte zuständig. Die Geschäftslast wird durch die in Art. 85 ParlG vorgesehene Berichterstattung über hängige Geschäfte transparent gemacht.\n\n**N. 14** Im Kontext des Notrechts gewinnt Art. 151 Abs. 2 BV besondere Bedeutung. Trümpler (Notrecht. Eine Taxonomie der Manifestationen und eine Analyse des intrakonstitutionellen Notrechts de lege lata und de lege ferenda, 2012, S. 187 ff.) weist auf die Funktion ausserordentlicher Sessionen als Instrument parlamentarischer Kontrolle in Krisensituationen hin.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Einleitende Bemerkung\n\nZu Art. 151 BV liegt keine veröffentlichte höchstrichterliche Rechtsprechung vor. Dies erklärt sich durch den organisationsrechtlichen Charakter der Norm, die primär interne parlamentarische Abläufe regelt und keine individuellen Rechtsansprüche begründet. Die Einberufung der Räte zu ordentlichen und ausserordentlichen Sessionen erfolgt nach den im Parlamentsgesetz (ParlG; SR 171.10) konkretisierten Verfahren, ohne dass dabei typischerweise Fragen auftreten, die einer gerichtlichen Klärung bedürften.\n\n### Parlamentarische Praxis zu ausserordentlichen Sessionen\n\nDie parlamentarischen Verhandlungen zeigen, dass Art. 151 Abs. 2 BV in der Praxis zurückhaltend angewendet wird. In den Parlamentsprotokollen der 1980er Jahre finden sich Diskussionen über die Zweckmässigkeit ausserordentlicher Sessionen, wobei betont wurde, dass «bei vier jährlichen Sessionen das Bedürfnis ausserordentlicher Sessionen bedeutend geringer» sei als zu Zeiten, «da die Räte nur einmal jährlich tagten». Ein ausserordentliches Instrument solle «nur für Fälle vorgesehen sein, in denen die Dringlichkeit eines Geschäfts so gross ist, dass eine Behandlung erst in der folgenden Session nicht genügen kann».\n\n### Verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung zum Parlamentsgesetz\n\n**Urteil 6B_186/2012 vom 11.1.2013 E. 3.2**\n\nDas Bundesgericht hielt in einem Strafverfahren wegen Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen fest:\n\n> «Nach Art. 47 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Dezember 2002 über die Bundesversammlung (Parlamentsgesetz, ParlG; SR 171.10) sind die Beratungen der Kommissionen vertraulich. Insbesondere wird nicht bekannt gegeben, wie die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Stellung genommen oder abgestimmt haben.»\n\nRelevanz: Zeigt die Konkretisierung der Verfassungsbestimmungen über die Bundesversammlung im Parlamentsgesetz und deren gerichtliche Anerkennung.\n\n**Urteil 1C_222/2018 vom 21.3.2019 E. 2.4**\n\nIm Zusammenhang mit dem Öffentlichkeitsgesetz bestätigte das Bundesgericht:\n\n> «Art. 47 des Bundesgesetzes vom 13. Dezember 2002 über die Bundesversammlung (Parlamentsgesetz, ParlG; SR 171.10) stellt eine Spezialbestimmung dar, wonach die Beratungen der Kommissionen vertraulich sind und insbesondere nicht bekannt gegeben wird, wie die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Stellung genommen oder abgestimmt haben.»\n\nRelevanz: Illustriert das Verhältnis zwischen verfassungsrechtlichen Organisationsnormen und deren gesetzlicher Ausgestaltung.\n\n### Fazit\n\nDie fehlende Rechtsprechung zu Art. 151 BV reflektiert den Charakter dieser Verfassungsbestimmung als prozeduraler Organisationsnorm. Die praktische Anwendung erfolgt im Rahmen der parlamentarischen Geschäftsordnung und des Parlamentsgesetzes, wobei die Gerichte nur bei Verletzung justiziabler Rechte angerufen werden können. Die bestehende Praxis zeigt eine zurückhaltende Nutzung der Möglichkeit ausserordentlicher Sessionen, was dem ursprünglichen Zweck als aussergewöhnliches Instrument für dringliche Geschäfte entspricht.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 151 Cst. règle quand et comment les deux Chambres du Parlement (Conseil national et Conseil des États) se réunissent. La disposition prescrit des sessions régulières et définit qui peut convoquer des sessions extraordinaires.\n\n**Sessions régulières** : Le Parlement siège normalement en sessions ordinaires. La loi sur le Parlement (LParl) concrétise cette exigence : quatre sessions de trois semaines chacune ont lieu annuellement (art. 2 LParl). Il s'agit de la session de printemps, de la session spéciale en mai ou juin, de la session d'automne et de la session d'hiver. Les membres du Parlement sont tenus de participer (art. 10 LParl).\n\n**Sessions extraordinaires** : Lorsque des affaires urgentes ne peuvent attendre la prochaine session ordinaire, il existe deux possibilités pour une séance supplémentaire : soit un quart des membres d'un Conseil, soit le Conseil fédéral peut demander la convocation (art. 33 LParl). Pour 200 conseillers nationaux, cela représente au moins 50 personnes, pour 46 conseillers aux États au moins 12 personnes.\n\n**Exemple** : Si une crise financière exige des mesures législatives rapides, le Conseil fédéral peut convoquer les Conseils en session extraordinaire. De même, 50 conseillères et conseillers nationaux peuvent ensemble demander une séance supplémentaire pour traiter par exemple un référendum urgent.\n\nLa disposition garantit que le Parlement siège à la fois régulièrement et peut réagir avec flexibilité en cas de circonstances particulières. Les sessions extraordinaires ne sont toutefois utilisées qu'avec retenue, car quatre sessions ordinaires par an suffisent normalement.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 151 Cst. perpétue la tradition des sessions parlementaires qui valait sous l'art. 75 Cst. 1848 et l'art. 86 Cst. 1874. Le message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligne que la réglementation a été conçue de manière délibérément flexible, afin de laisser au législateur une marge de manœuvre pour l'aménagement concret. La révision constitutionnelle a renoncé à des prescriptions détaillées sur le nombre et la durée des sessions, afin de pouvoir répondre aux futurs besoins parlementaires (Thurnherr, BSK BV, art. 151 n° 1).\n\n**N. 2** Le droit de convocation pour les sessions extraordinaires (al. 2) a été modernisé par rapport à l'ancien droit constitutionnel. Alors que l'art. 23 al. 8 Cst. 1874 prévoyait encore un droit de convocation pour cinq cantons, Aubert qualifie cette réglementation de « disposition symétrique manquée » (Thurnherr, BSK BV, art. 151 n° 13). La nouvelle constitution limite le droit de convocation à un quart des membres des conseils ou au Conseil fédéral, ce qui correspond mieux à la réalité parlementaire.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 151 Cst. est classé dans la 1re section du 5e chapitre sur les autorités fédérales et forme avec les art. 148–162 Cst. le fondement constitutionnel de l'Assemblée fédérale. La disposition est en relation étroite avec :\n- → Art. 148 Cst. (position de l'Assemblée fédérale comme autorité suprême)\n- → Art. 157 Cst. (délibération séparée des conseils)\n- → Art. 163 al. 2 Cst. (quorum pour la capacité de délibérer)\n- → Art. 185 al. 4 Cst. (rapport du Conseil fédéral)\n\n**N. 4** Le système bicaméral exige selon Biaggini « l'équivalence matérielle des deux conseils, non l'identité formelle de la procédure des deux conseils » (Thurnherr, BSK BV, art. 151 n° 3). L'art. 151 Cst. concrétise ce principe en prévoyant que les deux conseils se réunissent aux mêmes sessions, mais délibèrent séparément.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Sessions ordinaires (al. 1)** : La constitution prescrit seulement que les conseils se réunissent « régulièrement » en session. L'aménagement concret relève de la loi sur le Parlement. Selon l'art. 2 LParl, quatre sessions ordinaires de trois semaines chacune ont lieu chaque année (session de printemps, session spéciale en mai/juin, session d'automne, session d'hiver).\n\n**N. 6** **Convocation** : La compétence de convocation des sessions ordinaires appartient à la loi. L'art. 2 al. 2 LParl délègue la fixation des dates de session aux présidences des deux conseils. La coordination entre les conseils est obligatoire, car l'art. 151 Cst. part de sessions communes.\n\n**N. 7** **Sessions extraordinaires (al. 2)** : Le droit de convocation appartient alternativement à :\n- Un quart des membres d'un conseil (50 des 200 conseillers nationaux ou 12 des 46 conseillers aux États)\n- Le Conseil fédéral en tant que collège\n\nLa demande doit porter sur la convocation des « conseils » (pluriel). Une session extraordinaire d'un seul conseil n'est pas prévue par le droit constitutionnel (Thurnherr, BSK BV, art. 151 n° 11-12).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** La convocation aux sessions ordinaires s'effectue de plein droit. Pour les membres des conseils existe selon l'art. 10 LParl une obligation de participation. L'absence n'est admise qu'en cas de motifs importants et doit être excusée auprès du président du conseil.\n\n**N. 9** Pour les sessions extraordinaires naît avec la demande d'un organe habilité un droit à la convocation. Les bureaux des conseils doivent fixer la session extraordinaire, mais disposent d'une certaine marge d'appréciation temporelle concernant la date concrète. La pratique parlementaire montre une utilisation retenue de cet instrument (cf. procès-verbaux parlementaires des années 1980 : « seulement pour les cas où l'urgence d'une affaire est si grande qu'un traitement lors de la session suivante ne peut suffire »).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 10** **Lieu de réunion** : Alors que la constitution ne nomme aucun lieu de réunion, l'art. 33d al. 1 let. b RCN prévoit que les bureaux peuvent déterminer « dans des situations particulières » un autre lieu de session que Berne. La doctrine s'accorde pour dire que l'Assemblée fédérale ne doit pas obligatoirement siéger à Berne, des considérations pratiques plaidant toutefois pour le siège parlementaire dans la ville fédérale (Thurnherr, BSK BV, art. 151 n° 9-10).\n\n**N. 11** **Rapport avec l'art. 185 al. 4 Cst.** : Il est controversé de savoir si le Conseil fédéral peut aussi utiliser son droit de convocation selon l'art. 151 al. 2 Cst. pour faire rapport en dehors des sessions ordinaires. Sägesser (Die Bestimmungen über die Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, LeGes 1999, 11–49) l'affirme, tandis que Lombardi (Volksrechte und Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, AJP 1999, 706–721) se réfère à la finalité primaire pour la législation urgente.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 12** Les parlementaires devraient tenir compte de la planification des sessions lors de la planification d'interventions. Les affaires urgentes sont à mettre à l'ordre du jour de sorte qu'elles puissent être traitées lors de la prochaine session ordinaire. L'instrument de la session extraordinaire est réservé aux véritables cas d'urgence.\n\n**N. 13** La coordination entre les conseils s'effectue par la conférence de coordination (art. 53 RCN). Pour la planification pratique des sessions, les délégations administratives des conseils sont compétentes. La charge des affaires est rendue transparente par le rapport prévu à l'art. 85 LParl sur les affaires pendantes.\n\n**N. 14** Dans le contexte du droit de nécessité, l'art. 151 al. 2 Cst. revêt une importance particulière. Trümpler (Notrecht. Eine Taxonomie der Manifestationen und eine Analyse des intrakonstitutionellen Notrechts de lege lata und de lege ferenda, 2012, p. 187 ss) souligne la fonction des sessions extraordinaires comme instrument de contrôle parlementaire dans les situations de crise.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Remarque liminaire\n\nIl n'existe aucune jurisprudence publiée du Tribunal fédéral concernant l'art. 151 Cst. Cela s'explique par le caractère organisationnel de la norme, qui règle principalement les procédures parlementaires internes et ne fonde pas de droits individuels. La convocation des Chambres en sessions ordinaires et extraordinaires s'effectue selon les procédures concrétisées dans la loi sur l'Assemblée fédérale (LParl; RS 171.10), sans que des questions nécessitant une clarification judiciaire se posent typiquement.\n\n### Pratique parlementaire relative aux sessions extraordinaires\n\nLes débats parlementaires montrent que l'art. 151 al. 2 Cst. est appliqué avec retenue dans la pratique. Les procès-verbaux parlementaires des années 1980 contiennent des discussions sur l'opportunité de sessions extraordinaires, soulignant qu'« avec quatre sessions annuelles, le besoin de sessions extraordinaires est considérablement moindre » qu'à l'époque « où les Chambres ne siégeaient qu'une fois par an ». Un instrument extraordinaire ne devrait « être prévu que pour les cas où l'urgence d'une affaire est si grande qu'un traitement lors de la session suivante seulement ne peut suffire ».\n\n### Jurisprudence du droit administratif relative à la loi sur l'Assemblée fédérale\n\n**Arrêt 6B_186/2012 du 11.1.2013 c. 3.2**\n\nLe Tribunal fédéral a relevé dans une procédure pénale pour publication de délibérations officielles secrètes :\n\n> « Selon l'art. 47 al. 1 de la loi fédérale du 13 décembre 2002 sur l'Assemblée fédérale (loi sur l'Assemblée fédérale, LParl; RS 171.10), les délibérations des commissions sont confidentielles. En particulier, il n'est pas révélé comment les participants individuels ont pris position ou voté. »\n\nPertinence : Montre la concrétisation des dispositions constitutionnelles sur l'Assemblée fédérale dans la loi sur l'Assemblée fédérale et leur reconnaissance judiciaire.\n\n**Arrêt 1C_222/2018 du 21.3.2019 c. 2.4**\n\nEn relation avec la loi sur la transparence, le Tribunal fédéral a confirmé :\n\n> « L'art. 47 de la loi fédérale du 13 décembre 2002 sur l'Assemblée fédérale (loi sur l'Assemblée fédérale, LParl; RS 171.10) constitue une disposition spéciale selon laquelle les délibérations des commissions sont confidentielles et il n'est notamment pas révélé comment les participants individuels ont pris position ou voté. »\n\nPertinence : Illustre le rapport entre les normes constitutionnelles d'organisation et leur concrétisation légale.\n\n### Conclusion\n\nL'absence de jurisprudence concernant l'art. 151 Cst. reflète le caractère de cette disposition constitutionnelle comme norme procédurale d'organisation. L'application pratique s'effectue dans le cadre du règlement parlementaire et de la loi sur l'Assemblée fédérale, les tribunaux ne pouvant être saisis qu'en cas de violation de droits justiciables. La pratique existante montre une utilisation retenue de la possibilité de sessions extraordinaires, ce qui correspond au but originel d'instrument exceptionnel pour les affaires urgentes.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 151 Cost. disciplina quando e come si riuniscono le due Camere del Parlamento (Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati). La disposizione prescrive sessioni regolari e stabilisce chi può convocare sessioni straordinarie.\n\n**Sessioni regolari**: Il Parlamento si riunisce normalmente in sessioni ordinarie. La Legge sul Parlamento (LParl) concretizza questa prescrizione: ogni anno hanno luogo quattro sessioni di tre settimane ciascuna (art. 2 LParl). Si tratta della sessione primaverile, della sessione speciale in maggio o giugno, della sessione autunnale e della sessione invernale. I membri del Parlamento sono tenuti a partecipare (art. 10 LParl).\n\n**Sessioni straordinarie**: Quando affari urgenti non possono attendere fino alla prossima sessione ordinaria, esistono due possibilità per una riunione supplementare: o un quarto dei membri di un Consiglio oppure il Consiglio federale può chiedere la convocazione (art. 33 LParl). Con 200 consiglieri nazionali sono almeno 50 persone, con 46 consiglieri agli Stati almeno 12 persone.\n\n**Esempio**: Se una crisi finanziaria richiede misure legislative rapide, il Consiglio federale può convocare i Consigli per una sessione straordinaria. Analogamente, 50 consigliere e consiglieri nazionali possono insieme richiedere una riunione supplementare per trattare ad esempio un referendum urgente.\n\nLa disposizione garantisce che il Parlamento si riunisca sia regolarmente sia che possa reagire con flessibilità in circostanze particolari. Le sessioni straordinarie vengono tuttavia utilizzate con moderazione, dato che quattro sessioni ordinarie all'anno sono normalmente sufficienti.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 151 Cost. prosegue la tradizione delle sessioni parlamentari vigente secondo l'art. 75 Cost. 1848 e l'art. 86 Cost. 1874. Il Messaggio per una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolinea che la disciplina è stata volutamente configurata in modo flessibile, per lasciare al legislatore margine di manovra nella configurazione concreta. La revisione costituzionale ha rinunciato a disposizioni dettagliate su numero e durata delle sessioni, per poter soddisfare le future esigenze parlamentari (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 1).\n\n**N. 2** Il diritto di convocazione per sessioni straordinarie (cpv. 2) è stato modernizzato rispetto all'antico diritto costituzionale. Mentre l'art. 23 cpv. 8 Cost. 1874 prevedeva ancora un diritto di convocazione per cinque Cantoni, Aubert definisce questa disciplina come «disposizione simmetrica mancata» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 13). La nuova Costituzione limita il diritto di convocazione a un quarto dei membri delle Camere o al Consiglio federale, il che corrisponde meglio alla realtà parlamentare.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 151 Cost. è classificato nella 1ª sezione del 5° capitolo sulle autorità federali e forma, insieme agli art. 148–162 Cost., il fondamento costituzionale dell'Assemblea federale. La disposizione è strettamente collegata con:\n- → Art. 148 Cost. (posizione dell'Assemblea federale come autorità suprema)\n- → Art. 157 Cost. (deliberazioni separate delle Camere)\n- → Art. 163 cpv. 2 Cost. (quorum per la capacità di deliberare)\n- → Art. 185 cpv. 4 Cost. (rapporti del Consiglio federale)\n\n**N. 4** Il sistema bicamerale richiede secondo Biaggini «l'equivalenza materiale di entrambe le Camere, non l'identità formale della procedura di entrambe le Camere» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 3). L'art. 151 Cost. concretizza questo principio, in quanto entrambe le Camere si riuniscono nelle stesse sessioni, ma deliberano separatamente.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Sessioni regolari (cpv. 1)**: La Costituzione prescrive soltanto che le Camere si riuniscano «regolarmente» in sessione. La configurazione concreta avviene tramite la Legge sul Parlamento. Secondo l'art. 2 LParl si tengono annualmente quattro sessioni ordinarie di tre settimane ciascuna (sessione primaverile, sessione speciale di maggio/giugno, sessione autunnale, sessione invernale).\n\n**N. 6** **Convocazione**: La competenza per la convocazione delle sessioni ordinarie spetta alla legge. L'art. 2 cpv. 2 LParl delega la fissazione delle date delle sessioni alle presidenze di entrambe le Camere. Il coordinamento tra le Camere è obbligatorio, poiché l'art. 151 Cost. parte dal presupposto di sessioni comuni.\n\n**N. 7** **Sessioni straordinarie (cpv. 2)**: Il diritto di convocazione spetta alternativamente a:\n- Un quarto dei membri di una Camera (50 di 200 consiglieri nazionali o 12 di 46 consiglieri agli Stati)\n- Il Consiglio federale come collegio\n\nLa richiesta deve riferirsi alla convocazione delle «Camere» (plurale). Una sessione straordinaria di una sola Camera non è prevista dal diritto costituzionale (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 11-12).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** La convocazione per sessioni ordinarie avviene per legge. Per i membri delle Camere sussiste secondo l'art. 10 LParl un obbligo di partecipazione. L'assenza è ammissibile solo per motivi importanti e deve essere giustificata presso il presidente della Camera.\n\n**N. 9** Per le sessioni straordinarie nasce con la richiesta di un organo autorizzato un diritto alla convocazione. Gli uffici delle Camere devono fissare la sessione straordinaria, ma dispongono di un certo margine di apprezzamento temporale riguardo alla data concreta. La prassi parlamentare mostra un uso contenuto di questo strumento (cfr. verbali parlamentari degli anni 1980: «solo per casi in cui l'urgenza di un affare è così grande che un trattamento solo nella sessione seguente non può bastare»).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 10** **Luogo di riunione**: Mentre la Costituzione non nomina alcun luogo di riunione, l'art. 33d cpv. 1 lett. b RAN prevede che gli uffici possano determinare «in situazioni particolari» un altro luogo di adunanza diverso da Berna. La dottrina concorda sul fatto che l'Assemblea federale non deve necessariamente riunirsi a Berna, benché considerazioni pratiche parlino a favore della sede parlamentare nella città federale (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 9-10).\n\n**N. 11** **Rapporto con l'art. 185 cpv. 4 Cost.**: È controverso se il Consiglio federale possa utilizzare il suo diritto di convocazione secondo l'art. 151 cpv. 2 Cost. anche per riferire al di fuori delle sessioni ordinarie. Sägesser (Die Bestimmungen über die Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, LeGes 1999, 11–49) lo afferma, mentre Lombardi (Volksrechte und Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, AJP 1999, 706–721) si riferisce alla destinazione finalistica primaria per la legislazione urgente.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 12** Le parlamentari e i parlamentari dovrebbero considerare la pianificazione delle sessioni nella pianificazione delle iniziative. Gli affari urgenti devono essere messi all'ordine del giorno in modo che possano essere trattati nella prossima sessione ordinaria. Lo strumento della sessione straordinaria è riservato alle vere emergenze.\n\n**N. 13** Il coordinamento tra le Camere avviene tramite la Conferenza di coordinamento (art. 53 RCN). Per la pianificazione pratica delle sessioni sono competenti le delegazioni amministrative delle Camere. Il carico di lavoro è reso trasparente tramite il rapporto sugli affari pendenti previsto nell'art. 85 LParl.\n\n**N. 14** Nel contesto del diritto di necessità l'art. 151 cpv. 2 Cost. acquisisce particolare importanza. Trümpler (Notrecht. Eine Taxonomie der Manifestationen und eine Analyse des intrakonstitutionellen Notrechts de lege lata und de lege ferenda, 2012, p. 187 segg.) indica la funzione delle sessioni straordinarie come strumento di controllo parlamentare in situazioni di crisi.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Osservazione introduttiva\n\nPer l'art. 151 Cost. non esiste giurisprudenza pubblicata del Tribunale federale. Ciò si spiega con il carattere di diritto organizzativo della norma, che disciplina principalmente i procedimenti parlamentari interni e non fonda diritti individuali azionabili. La convocazione delle Camere per sessioni ordinarie e straordinarie avviene secondo le procedure concretizzate nella Legge sul Parlamento (LParl; RS 171.10), senza che si pongano tipicamente questioni che necessitino di chiarimento giudiziario.\n\n### Prassi parlamentare sulle sessioni straordinarie\n\nLe deliberazioni parlamentari mostrano che l'art. 151 cpv. 2 Cost. è applicato con riserva nella prassi. Nei protocolli parlamentari degli anni 1980 si trovano discussioni sull'opportunità delle sessioni straordinarie, dove si sottolineava che «con quattro sessioni annuali il bisogno di sessioni straordinarie è significativamente minore» rispetto ai tempi «in cui le Camere si riunivano solo una volta all'anno». Uno strumento straordinario dovrebbe «essere previsto solo per casi in cui l'urgenza di un affare è così grande che un trattamento solo nella sessione seguente non può bastare».\n\n### Giurisprudenza di diritto amministrativo sulla Legge sul Parlamento\n\n**Sentenza 6B_186/2012 dell'11.1.2013 consid. 3.2**\n\nIl Tribunale federale ha stabilito in un procedimento penale per pubblicazione di deliberazioni ufficiali segrete:\n\n> «Secondo l'art. 47 cpv. 1 della Legge federale del 13 dicembre 2002 sull'Assemblea federale (Legge sul Parlamento, LParl; RS 171.10), le deliberazioni delle commissioni sono confidenziali. In particolare non viene reso noto come i singoli partecipanti hanno preso posizione o votato.»\n\nRilevanza: Mostra la concretizzazione delle disposizioni costituzionali sull'Assemblea federale nella Legge sul Parlamento e il loro riconoscimento giudiziario.\n\n**Sentenza 1C_222/2018 del 21.3.2019 consid. 2.4**\n\nIn relazione alla Legge sulla trasparenza, il Tribunale federale ha confermato:\n\n> «L'art. 47 della Legge federale del 13 dicembre 2002 sull'Assemblea federale (Legge sul Parlamento, LParl; RS 171.10) costituisce una disposizione speciale secondo cui le deliberazioni delle commissioni sono confidenziali e in particolare non viene reso noto come i singoli partecipanti hanno preso posizione o votato.»\n\nRilevanza: Illustra il rapporto tra norme organizzative costituzionali e la loro configurazione legislativa.\n\n### Conclusione\n\nL'assenza di giurisprudenza sull'art. 151 Cost. riflette il carattere di questa disposizione costituzionale come norma organizzativa procedurale. L'applicazione pratica avviene nel quadro del regolamento parlamentare e della Legge sul Parlamento, dove i tribunali possono essere aditi solo in caso di violazione di diritti giustiziabili. La prassi esistente mostra un uso restrittivo della possibilità di sessioni straordinarie, il che corrisponde allo scopo originario come strumento eccezionale per affari urgenti.", "summary_en": "", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 151 FC continues the tradition of parliamentary sessions that applied under Art. 75 FC 1848 and Art. 86 FC 1874. The Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasises that the provision was deliberately designed to be flexible, leaving the legislature scope for concrete implementation. The constitutional revision refrained from detailed requirements on the number and duration of sessions in order to meet future parliamentary needs (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 1).\n\n**N. 2** The right to convene extraordinary sessions (para. 2) was modernised compared to the old constitutional law. Whereas Art. 23 para. 8 FC 1874 still provided for a right of convocation for five cantons, Aubert describes this regulation as a «misguided symmetrical provision» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 13). The new Constitution restricts the right to convene to one quarter of the council members or the Federal Council, which better corresponds to parliamentary reality.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 151 FC is classified in Section 1 of Chapter 5 on the federal authorities and together with Art. 148–162 FC forms the constitutional foundation of the Federal Assembly. The provision is closely connected with:\n- → Art. 148 FC (Position of the Federal Assembly as supreme authority)\n- → Art. 157 FC (Separate deliberation by the councils)\n- → Art. 163 para. 2 FC (Quorum for capacity to pass resolutions)\n- → Art. 185 para. 4 FC (Reporting by the Federal Council)\n\n**N. 4** According to Biaggini, the bicameral system requires «the material equivalence of both councils, not the formal identity of the procedure of both councils» (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 3). Art. 151 FC concretises this principle by having both councils convene for the same sessions but deliberate separately.\n\n### 3. Elements of the Legal Norm / Normative Content\n\n**N. 5** **Regular sessions (para. 1)**: The Constitution merely prescribes that the councils shall convene «regularly» for sessions. The concrete implementation is provided by the Parliament Act. According to Art. 2 ParlA, four ordinary sessions of three weeks' duration each take place annually (spring session, special session in May/June, autumn session, winter session).\n\n**N. 6** **Convocation**: The competence to convene ordinary sessions lies with the law. Art. 2 para. 2 ParlA delegates the determination of session dates to the presidiums of both councils. Coordination between the councils is mandatory, since Art. 151 FC assumes joint sessions.\n\n**N. 7** **Extraordinary sessions (para. 2)**: The right to convene belongs alternatively to:\n- One quarter of the members of a council (50 of 200 National Councillors or 12 of 46 Council of States members)\n- The Federal Council as a collegiate body\n\nThe request must relate to the convening of the «councils» (plural). An extraordinary session of only one council is not constitutionally provided for (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 11-12).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Convening for ordinary sessions occurs by operation of law. According to Art. 10 ParlA, council members have a duty to participate. Absence is only permitted for important reasons and must be excused to the council president.\n\n**N. 9** In the case of extraordinary sessions, a legal right to convocation arises with the request of an authorised organ. The bureaux of the councils must schedule the extraordinary session but have a certain temporal discretion regarding the specific date. Parliamentary practice shows restrained use of this instrument (cf. parliamentary protocols of the 1980s: «only for cases where the urgency of business is so great that treatment only in the following session would not suffice»).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 10** **Place of assembly**: While the Constitution does not specify a place of assembly, Art. 33d para. 1 lit. b SRO provides that the bureaux may determine a venue other than Bern «in special situations». The doctrine agrees that the Federal Assembly does not necessarily have to meet in Bern, although practical considerations speak for the parliamentary seat in the federal city (Thurnherr, BSK BV, Art. 151 N. 9-10).\n\n**N. 11** **Relationship to Art. 185 para. 4 FC**: It is disputed whether the Federal Council may also use its right to convene under Art. 151 para. 2 FC to report outside ordinary sessions. Sägesser (Die Bestimmungen über die Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, LeGes 1999, 11–49) affirms this, while Lombardi (Volksrechte und Bundesbehörden in der neuen Bundesverfassung, AJP 1999, 706–721) refers to the primary purpose designation for urgent legislation.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 12** Parliamentarians should consider session planning when planning motions. Urgent business should be placed on the agenda so that it can be dealt with in the next ordinary session. The instrument of the extraordinary session is reserved for genuine emergencies.\n\n**N. 13** Coordination between the councils takes place through the Coordination Conference (Art. 53 SPOR). The administrative delegations of the councils are responsible for practical session planning. The business load is made transparent through the reporting on pending business provided for in Art. 85 ParlA.\n\n**N. 14** In the context of emergency law, Art. 151 para. 2 FC gains special significance. Trümpler (Notrecht. Eine Taxonomie der Manifestationen und eine Analyse des intrakonstitutionellen Notrechts de lege lata und de lege ferenda, 2012, p. 187 ff.) points to the function of extraordinary sessions as an instrument of parliamentary control in crisis situations.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Introductory Remark\n\nThere is no published supreme court case law on Art. 151 Cst. This is explained by the organisational legal character of the provision, which primarily governs internal parliamentary procedures and does not establish individual legal claims. The convening of the chambers for ordinary and extraordinary sessions takes place according to the procedures specified in the Parliamentary Act (ParlA; SR 171.10), without typically giving rise to questions that would require judicial clarification.\n\n### Parliamentary Practice on Extraordinary Sessions\n\nParliamentary proceedings show that Art. 151 para. 2 Cst. is applied with restraint in practice. In the parliamentary records of the 1980s, there are discussions about the expediency of extraordinary sessions, where it was emphasised that «with four annual sessions, the need for extraordinary sessions is significantly less» than in times «when the chambers met only once a year». An extraordinary instrument should «only be provided for cases in which the urgency of a matter is so great that treatment only in the following session would not suffice».\n\n### Administrative Court Case Law on the Parliamentary Act\n\n**Judgment 6B_186/2012 of 11.1.2013 E. 3.2**\n\nThe Federal Supreme Court held in criminal proceedings for publication of official secret proceedings:\n\n> «According to Art. 47 para. 1 of the Federal Act of 13 December 2002 on the Federal Assembly (Parliamentary Act, ParlA; SR 171.10), the deliberations of committees are confidential. In particular, it is not disclosed how individual participants took positions or voted.»\n\nRelevance: Shows the concretisation of constitutional provisions on the Federal Assembly in the Parliamentary Act and their judicial recognition.\n\n**Judgment 1C_222/2018 of 21.3.2019 E. 2.4**\n\nIn connection with the Freedom of Information Act, the Federal Supreme Court confirmed:\n\n> «Art. 47 of the Federal Act of 13 December 2002 on the Federal Assembly (Parliamentary Act, ParlA; SR 171.10) constitutes a special provision according to which the deliberations of committees are confidential and in particular it is not disclosed how individual participants took positions or voted.»\n\nRelevance: Illustrates the relationship between constitutional organisational norms and their statutory implementation.\n\n### Conclusion\n\nThe absence of case law on Art. 151 Cst. reflects the character of this constitutional provision as a procedural organisational norm. Practical application takes place within the framework of the parliamentary rules of procedure and the Parliamentary Act, whereby the courts can only be called upon in case of violation of justiciable rights. Existing practice shows restrained use of the possibility of extraordinary sessions, which corresponds to the original purpose as an extraordinary instrument for urgent matters.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_151", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 152, "article_suffix": "", "title": "Vorsitz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 152 BV regelt die Wahl der Führungsorgane in National- und Ständerat. Jeder Rat wählt aus seinen eigenen Mitgliedern drei Personen: einen Präsidenten, einen ersten Vizepräsidenten und einen zweiten Vizepräsidenten. Diese Ämter dauern ein Jahr. Eine direkte Wiederwahl ist verboten.\n\n## Betroffene Personen und Institutionen\n\nDirekt betroffen sind alle Parlamentsmitglieder, die als Kandidaten für die Präsidien in Frage kommen. Die gewählten Personen leiten die Ratssitzungen und vertreten ihren Rat nach aussen. Indirekt wirkt sich die Norm auf alle Bürger aus, da sie die demokratische Führung des Parlaments sicherstellt.\n\n## Wahlverfahren und Rechtswirkungen\n\nDie Wahl erfolgt geheim in der letzten Woche der Wintersession für das folgende parlamentarische Jahr. Das absolute Mehr der gültigen Stimmen ist erforderlich (Art. 130 ParlG). Bei der Wahl achten die Räte informell auf eine angemessene Vertretung der Sprachregionen. \n\nDer Ratspräsident leitet die Sitzungen und hat beim Nationalrat bei Stimmengleichheit den Stichentscheid (Art. 50 Abs. 2 ParlG). Die Vizepräsidenten vertreten bei Verhinderung (Art. 34 ParlG). Das Wiederwahlverbot verhindert eine Machtkonzentration und stärkt das schweizerische Kollegialitätsprinzip.\n\n## Praktisches Beispiel\n\nWird Nationalrätin Müller 2024 zur Präsidentin gewählt, kann sie 2025 nicht wieder als Präsidentin kandidieren. Sie könnte aber zur Vizepräsidentin gewählt werden oder nach einer Pause wieder Präsidentin werden. Die Bundesverfassung verlangt diese Rotation seit 1848 als Schutz vor Machtkonzentration (BBl 1997 I 386).\n\n## Durchsetzung und Kontrolle\n\nVerstösse gegen das Wiederwahlverbot sind rechtlich unwirksam. Da parlamentarische Wahlen zu den \"interna corporis\" gehören, gibt es keinen Rechtsschutz vor Gericht. Die Kontrolle erfolgt durch parlamentarische Selbstkontrolle, politischen Druck und Medienberichterstattung. In 175 Jahren Verfassungsgeschichte wurde das Verbot stets eingehalten.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 152 BV entspricht im Wesentlichen dem früheren Art. 79 aBV (Bundesverfassung von 1874). Die Norm wurde im Rahmen der Totalrevision von 1999 praktisch unverändert übernommen. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält dazu fest: «Die Organisation der Bundesversammlung erfährt keine grundlegenden Änderungen. Die bisherigen Regelungen über die Wahl der Ratspräsidien haben sich bewährt und werden beibehalten» (BBl 1997 I 386).\n\n**N. 2** Die jährliche Rotation der Ratspräsidien hat ihre Wurzeln im schweizerischen Kollegialitätsprinzip und dem Gedanken der Machtbeschränkung. Bereits die Helvetische Verfassung von 1798 kannte zeitlich befristete Präsidien. Die Beschränkung auf ein Jahr mit Wiederwahlverbot etablierte sich definitiv mit der Bundesverfassung von 1848 und wurde seither nie in Frage gestellt (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 152 N. 2).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 152 BV steht im 3. Titel (Bundesbehörden), 1. Kapitel (Bundesversammlung), 2. Abschnitt (Organisation und Verfahren). Die Norm gehört zu den parlamentarischen Organisationsnormen und regelt als solche die interne Struktur der Bundesversammlung. Sie steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 151 BV (Sessionen)\n- → Art. 153 BV (Parlamentarische Kommissionen)\n- → Art. 156 BV (getrennte Verhandlungen)\n- → Art. 171 BV (Parlamentsgesetz)\n\n**N. 4** Die Bestimmung konkretisiert das Prinzip der parlamentarischen Autonomie (→ Art. 150 Abs. 2 BV). Als Organisationsnorm gehört sie zum Bereich der «interna corporis», welche grundsätzlich der gerichtlichen Überprüfung entzogen sind (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1682).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Wahlkörper**: «Jeder Rat» bezeichnet den National- und Ständerat jeweils separat. Beide Räte wählen ihre Präsidien unabhängig voneinander. Die Formulierung «aus seiner Mitte» bedeutet, dass nur Mitglieder des jeweiligen Rates wählbar sind (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 152 N. 3).\n\n**N. 6** **Wahlämter**: Die Norm verlangt die Wahl von drei Personen:\n- Eine Präsidentin oder ein Präsident\n- Eine erste Vizepräsidentin oder ein erster Vizepräsident  \n- Eine zweite Vizepräsidentin oder ein zweiter Vizepräsident\n\nDie geschlechterneutrale Formulierung wurde mit der Totalrevision 1999 eingeführt und entspricht Art. 7 Abs. 2 des Sprachengesetzes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 46 N. 28).\n\n**N. 7** **Amtsdauer**: Die Formulierung «für die Dauer eines Jahres» meint das parlamentarische Jahr, das jeweils mit der Wintersession beginnt. Die Wahl erfolgt traditionsgemäss in der letzten Woche der Wintersession für das folgende Jahr (Art. 8 Abs. 1 ParlG).\n\n**N. 8** **Wiederwahlverbot**: «Die Wiederwahl für das folgende Jahr ist ausgeschlossen» bedeutet ein absolutes Verbot der unmittelbaren Wiederwahl in dasselbe Amt. Nach Ablauf eines Jahres ist eine erneute Wahl jedoch zulässig. Das Verbot gilt amtsbezogen: Ein Ratspräsident kann im Folgejahr zum Vizepräsidenten gewählt werden (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 10 N. 15).\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Wahl der Präsidien hat folgende Rechtsfolgen:\n\n1. **Leitungsfunktion**: Der Präsident/die Präsidentin leitet die Ratssitzungen (Art. 33 ParlG)\n2. **Vertretungsbefugnis**: Aussendarstellung des Rates\n3. **Stichentscheid**: Bei Stimmengleichheit im Nationalrat (Art. 50 Abs. 2 ParlG)\n4. **Stellvertretung**: Die Vizepräsidenten vertreten bei Verhinderung (Art. 34 ParlG)\n\n**N. 10** Eine Verletzung des Wiederwahlverbots würde die Wahl verfassungswidrig machen. Die Durchsetzung erfolgt jedoch nicht gerichtlich, sondern durch parlamentarische Selbstkontrolle und politischen Druck (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 13 N. 42).\n\n## Streitstände\n\n**N. 11** **Rechtsnatur des Wiederwahlverbots**: In der Lehre ist umstritten, ob das Wiederwahlverbot zwingend ist oder dispositiv:\n- **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar BV, Art. 152 N. 5) vertritt die Auffassung, das Verbot sei absolut und könne auch durch einstimmigen Ratsbeschluss nicht umgangen werden.\n- **Waldmann** (BSK BV, Art. 152 N. 7) hält dagegen, dass in ausserordentlichen Situationen (z.B. Pandemie, Krieg) eine pragmatische Handhabung denkbar sei.\n- **Graf** (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, § 10 N. 18) nimmt eine vermittelnde Position ein: Das Verbot gelte grundsätzlich absolut, bei Unmöglichkeit der Neuwahl sei aber eine temporäre Fortsetzung der Amtsführung zulässig.\n\n**N. 12** **Justiziabilität**: Einigkeit besteht darüber, dass Wahlen nach Art. 152 BV als interna corporis nicht justiziabel sind. Strittig ist jedoch die Reichweite dieses Grundsatzes:\n- **Häfelin/Haller** (Bundesstaatsrecht, N 1683) schliessen jede gerichtliche Überprüfung kategorisch aus.\n- **Rhinow/Schefer** (Verfassungsrecht, § 46 N. 30) halten eine Justiziabilität bei schwerwiegenden Grundrechtsverletzungen für denkbar.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 13** **Wahlverfahren**: Die Wahlen erfolgen geheim und in separaten Wahlgängen für jedes Amt. Die Reihenfolge ist: 1. Präsident/in, 2. Erster Vizepräsident/in, 3. Zweiter Vizepräsident/in. Das absolute Mehr der gültigen Stimmen ist erforderlich (Art. 130 ParlG).\n\n**N. 14** **Rotation in der Praxis**: Es hat sich eine informelle Rotation etabliert: Der/die erste Vizepräsident/in wird üblicherweise zum/zur Präsident/in gewählt, der/die zweite wird erste/r Vizepräsident/in. Diese Praxis ist verfassungsrechtlich nicht vorgeschrieben, hat sich aber bewährt (Lüthi, Das Parlament, 2. Aufl. 2018, S. 142).\n\n**N. 15** **Sprachregionale Vertretung**: Bei der Wahl wird informell auf eine angemessene Vertretung der Sprachregionen geachtet. Dies ist keine Rechtspflicht, entspricht aber dem Geist von Art. 175 Abs. 4 BV analog (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar BV, Art. 152 N. 6).\n\n**N. 16** **Amtsniederlegung**: Ein gewähltes Präsidiumsmitglied kann sein Amt niederlegen. In diesem Fall findet eine Ersatzwahl für den Rest der Amtsdauer statt. Das Wiederwahlverbot gilt auch für Ersatzwahlen (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, § 10 N. 20).", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Übersicht\n\nArt. 152 BV regelt die interne Organisation der Bundesversammlung und ist daher nur selten Gegenstand gerichtlicher Entscheidungen. Die Wahl der Ratspräsidenten und Vizepräsidenten wird als parlamentarische Selbstorganisation (interna corporis) betrachtet, die grundsätzlich nicht der richterlichen Überprüfung unterliegt.\n\n## Justiziabilität parlamentarischer Organisation\n\nDie Rechtsprechung des Bundesgerichts hat wiederholt festgehalten, dass Fragen der parlamentarischen Organisation grundsätzlich nicht justiziabel sind. Dies betrifft insbesondere:\n\n- Die Modalitäten der Wahl von Parlamentsorganen\n- Die Interpretation parlamentarischer Geschäftsordnungen\n- Verfahrensfragen bei der Konstituierung der Räte\n\n**Keine spezifische Rechtsprechung zu Art. 152 BV verfügbar**\n\nEine systematische Durchsicht der verfügbaren Rechtsprechung ergab keine Entscheidungen, die sich direkt mit Art. 152 BV oder der Wahl der Ratspräsidenten befassen. Dies entspricht der allgemeinen Rechtslage, wonach interna corporis der Bundesversammlung der richterlichen Kontrolle entzogen sind.\n\n## Verwandte Rechtsprechung zur Parlamentsorganisation\n\nSoweit das Bundesgericht Fragen der Parlamentsorganisation behandelt hat, beschränkte es sich auf Bereiche mit Aussenwirkung oder Grundrechtsrelevanz:\n\n### Parlamentarische Immunität und Indemnität\n\nDas Bundesgericht hat in verschiedenen Entscheidungen die Grenzen parlamentarischer Privilegien konkretisiert, ohne jedoch die interne Organisation der Räte zu beurteilen.\n\n### Öffentlichkeit parlamentarischer Verhandlungen\n\nFragen der Transparenz parlamentarischer Tätigkeit können justiziabel sein, soweit sie die Informationsrechte der Bürger betreffen.\n\n## Rechtsschutz bei Verletzung von Art. 152 BV\n\nSollten Verstösse gegen Art. 152 BV (z.B. verfassungswidrige Wiederwahl eines Ratspräsidenten) auftreten, wäre der Rechtsschutz problematisch:\n\n- **Staatsrechtliche Beschwerde**: Grundsätzlich ausgeschlossen bei interna corporis\n- **Parlamentarische Selbstkontrolle**: Primärer Kontrollmechanismus\n- **Politische Verantwortlichkeit**: Kontrolle durch Öffentlichkeit und Wählerschaft\n\n## Bedeutung für die Verfassungspraxis\n\nDie fehlende Rechtsprechung zu Art. 152 BV bedeutet nicht, dass die Norm praktisch irrelevant wäre. Ihre Beachtung wird durch folgende Mechanismen sichergestellt:\n\n1. **Verfassungstreue der Parlamentsmitglieder**\n2. **Öffentliche Kontrolle und Medienberichterstattung**  \n3. **Politische Sanktionen bei Verfassungsverletzungen**\n4. **Präzedenzwirkung etablierter Verfassungspraxis**\n\n*Anmerkung: Diese Übersicht basiert auf einer systematischen Durchsicht der verfügbaren Rechtsprechung. Sollten künftig Entscheidungen zu Art. 152 BV ergehen, wird dieser Abschnitt entsprechend ergänzt.*", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 152 Cst. règle l'élection des organes dirigeants du Conseil national et du Conseil des États. Chaque conseil élit parmi ses propres membres trois personnes : un président, un premier vice-président et un second vice-président. Ces fonctions durent une année. La réélection directe est interdite.\n\n## Personnes et institutions concernées\n\nTous les membres du Parlement qui entrent en ligne de compte comme candidats aux présidences sont directement concernés. Les personnes élues dirigent les séances des conseils et représentent leur conseil à l'extérieur. La norme affecte indirectement tous les citoyens, car elle assure la direction démocratique du Parlement.\n\n## Procédure d'élection et effets juridiques\n\nL'élection se fait à bulletin secret lors de la dernière semaine de la session d'hiver pour l'année parlementaire suivante. La majorité absolue des suffrages valides est requise (art. 130 LParl). Lors de l'élection, les conseils veillent de manière informelle à une représentation adéquate des régions linguistiques.\n\nLe président du conseil dirige les séances et dispose au Conseil national de la voix prépondérante en cas d'égalité des voix (art. 50, al. 2, LParl). Les vice-présidents le remplacent en cas d'empêchement (art. 34 LParl). L'interdiction de réélection empêche une concentration du pouvoir et renforce le principe de collégialité suisse.\n\n## Exemple pratique\n\nSi la conseillère nationale Müller est élue présidente en 2024, elle ne peut pas se porter candidate à nouveau comme présidente en 2025. Elle pourrait cependant être élue vice-présidente ou redevenir présidente après une pause. La Constitution fédérale exige cette rotation depuis 1848 comme protection contre la concentration du pouvoir (FF 1997 I 386).\n\n## Application et contrôle\n\nLes violations de l'interdiction de réélection sont juridiquement sans effet. Les élections parlementaires relevant des « interna corporis », il n'existe pas de protection juridique devant les tribunaux. Le contrôle s'effectue par l'autocontrôle parlementaire, la pression politique et les comptes-rendus des médias. En 175 ans d'histoire constitutionnelle, l'interdiction a toujours été respectée.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Genèse\n\n**N. 1** L'art. 152 Cst. correspond pour l'essentiel à l'ancien art. 79 aCst. (Constitution fédérale de 1874). La norme fut reprise pratiquement sans changement dans le cadre de la révision totale de 1999. Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 précise à ce sujet : « L'organisation de l'Assemblée fédérale ne subira pas de changements fondamentaux. Les règles actuelles relatives à l'élection des présidiums des conseils ont fait leurs preuves et seront maintenues » (FF 1997 I 397).\n\n**N. 2** La rotation annuelle des présidiums des conseils trouve ses racines dans le principe suisse de collégialité et dans l'idée de limitation du pouvoir. Déjà la Constitution helvétique de 1798 connaissait des présidiums limités dans le temps. La limitation à une année avec interdiction de réélection s'établit définitivement avec la Constitution fédérale de 1848 et ne fut depuis jamais remise en question (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 152 n. 2).\n\n## Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 152 Cst. se trouve dans le 3e titre (Autorités fédérales), 1er chapitre (Assemblée fédérale), 2e section (Organisation et procédure). La norme fait partie des normes d'organisation parlementaire et règle en tant que telle la structure interne de l'Assemblée fédérale. Elle est étroitement liée avec :\n- → Art. 151 Cst. (Sessions)\n- → Art. 153 Cst. (Commissions parlementaires)\n- → Art. 156 Cst. (délibérations séparées)\n- → Art. 171 Cst. (loi sur le Parlement)\n\n**N. 4** La disposition concrétise le principe de l'autonomie parlementaire (→ art. 150 al. 2 Cst.). En tant que norme d'organisation, elle appartient au domaine des « interna corporis », qui sont en principe soustraits au contrôle juridictionnel (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n 1682).\n\n## Éléments du fait constitutif / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Corps électoral** : « Chaque conseil » désigne le Conseil national et le Conseil des États séparément. Les deux conseils élisent leurs présidiums indépendamment l'un de l'autre. La formulation « en son sein » signifie que seuls les membres du conseil respectif sont éligibles (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 152 n. 3).\n\n**N. 6** **Charges électives** : La norme exige l'élection de trois personnes :\n- Une présidente ou un président\n- Une première vice-présidente ou un premier vice-président\n- Une deuxième vice-présidente ou un deuxième vice-président\n\nLa formulation neutre du point de vue du genre fut introduite avec la révision totale de 1999 et correspond à l'art. 7 al. 2 de la loi sur les langues (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 46 n. 28).\n\n**N. 7** **Durée de fonction** : La formulation « pour la durée d'une année » vise l'année parlementaire, qui commence à chaque fois avec la session d'hiver. L'élection a lieu traditionnellement lors de la dernière semaine de la session d'hiver pour l'année suivante (art. 8 al. 1 LParl).\n\n**N. 8** **Interdiction de réélection** : « La réélection pour l'année suivante est exclue » signifie une interdiction absolue de la réélection immédiate dans la même charge. Après l'écoulement d'une année, une nouvelle élection est cependant admise. L'interdiction vaut par rapport à la charge : un président de conseil peut être élu vice-président l'année suivante (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 10 n. 15).\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'élection des présidiums a les conséquences juridiques suivantes :\n\n1. **Fonction de direction** : Le président/la présidente dirige les séances du conseil (art. 33 LParl)\n2. **Pouvoir de représentation** : Représentation externe du conseil\n3. **Vote prépondérant** : En cas d'égalité des voix au Conseil national (art. 50 al. 2 LParl)\n4. **Suppléance** : Les vice-présidents représentent en cas d'empêchement (art. 34 LParl)\n\n**N. 10** Une violation de l'interdiction de réélection rendrait l'élection contraire à la Constitution. L'application ne s'effectue cependant pas par voie judiciaire, mais par l'autocontrôle parlementaire et la pression politique (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 13 n. 42).\n\n## Points de controverse\n\n**N. 11** **Nature juridique de l'interdiction de réélection** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir si l'interdiction de réélection est impérative ou dispositive :\n- **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar BV, art. 152 n. 5) défend la position que l'interdiction est absolue et ne peut pas être contournée même par une décision unanime du conseil.\n- **Waldmann** (BSK BV, art. 152 n. 7) soutient au contraire que dans des situations extraordinaires (p. ex. pandémie, guerre), une application pragmatique serait envisageable.\n- **Graf** (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, § 10 n. 18) adopte une position intermédiaire : l'interdiction vaut en principe de manière absolue, mais en cas d'impossibilité d'une nouvelle élection, une poursuite temporaire de l'exercice de la charge serait admise.\n\n**N. 12** **Justiciabilité** : Il y a accord sur le fait que les élections selon l'art. 152 Cst. ne sont pas justiciables en tant qu'interna corporis. La portée de ce principe est cependant controversée :\n- **Häfelin/Haller** (Bundesstaatsrecht, n 1683) excluent catégoriquement tout contrôle juridictionnel.\n- **Rhinow/Schefer** (Verfassungsrecht, § 46 n. 30) considèrent qu'une justiciabilité serait envisageable en cas de violations graves des droits fondamentaux.\n\n## Indications pratiques\n\n**N. 13** **Procédure d'élection** : Les élections se déroulent au scrutin secret et en tours de scrutin séparés pour chaque charge. L'ordre est : 1. Président/e, 2. Premier/ère vice-président/e, 3. Deuxième vice-président/e. La majorité absolue des suffrages valables est requise (art. 130 LParl).\n\n**N. 14** **Rotation dans la pratique** : Il s'est établi une rotation informelle : le/la premier/ère vice-président/e est habituellement élu/e président/e, le/la deuxième devient premier/ère vice-président/e. Cette pratique n'est pas prescrite par le droit constitutionnel, mais s'est avérée (Lüthi, Das Parlament, 2e éd. 2018, p. 142).\n\n**N. 15** **Représentation des régions linguistiques** : Lors de l'élection, on veille de manière informelle à une représentation appropriée des régions linguistiques. Ceci n'est pas un devoir juridique, mais correspond à l'esprit de l'art. 175 al. 4 Cst. par analogie (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar BV, art. 152 n. 6).\n\n**N. 16** **Démission** : Un membre élu du présidium peut démissionner de sa charge. Dans ce cas, une élection de remplacement a lieu pour le reste de la durée de fonction. L'interdiction de réélection vaut aussi pour les élections de remplacement (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, § 10 n. 20).", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 152 Cst. règle l'organisation interne de l'Assemblée fédérale et fait par conséquent rarement l'objet de décisions judiciaires. L'élection des présidents et vice-présidents des conseils est considérée comme une auto-organisation parlementaire (interna corporis) qui échappe en principe au contrôle judiciaire.\n\n## Justiciabilité de l'organisation parlementaire\n\nLa jurisprudence du Tribunal fédéral a relevé à plusieurs reprises que les questions d'organisation parlementaire ne sont en principe pas justiciables. Cela concerne notamment :\n\n- Les modalités d'élection des organes parlementaires\n- L'interprétation des règlements parlementaires\n- Les questions de procédure lors de la constitution des conseils\n\n**Aucune jurisprudence spécifique à l'art. 152 Cst. disponible**\n\nUn examen systématique de la jurisprudence disponible n'a révélé aucune décision portant directement sur l'art. 152 Cst. ou sur l'élection des présidents de conseil. Cela correspond à la situation juridique générale selon laquelle les interna corporis de l'Assemblée fédérale échappent au contrôle judiciaire.\n\n## Jurisprudence connexe relative à l'organisation parlementaire\n\nDans la mesure où le Tribunal fédéral a traité des questions d'organisation parlementaire, il s'est limité aux domaines ayant des effets externes ou une pertinence en matière de droits fondamentaux :\n\n### Immunité et indemnité parlementaires\n\nLe Tribunal fédéral a concrétisé dans diverses décisions les limites des privilèges parlementaires, sans toutefois juger de l'organisation interne des conseils.\n\n### Publicité des débats parlementaires\n\nLes questions de transparence de l'activité parlementaire peuvent être justiciables dans la mesure où elles concernent les droits à l'information des citoyens.\n\n## Protection juridique en cas de violation de l'art. 152 Cst.\n\nSi des violations de l'art. 152 Cst. devaient survenir (p. ex. réélection inconstitutionnelle d'un président de conseil), la protection juridique serait problématique :\n\n- **Recours de droit public** : en principe exclu pour les interna corporis\n- **Autocontrôle parlementaire** : mécanisme de contrôle primaire\n- **Responsabilité politique** : contrôle par l'opinion publique et le corps électoral\n\n## Signification pour la pratique constitutionnelle\n\nL'absence de jurisprudence relative à l'art. 152 Cst. ne signifie pas que la norme soit pratiquement sans pertinence. Son respect est assuré par les mécanismes suivants :\n\n1. **Fidélité constitutionnelle des membres du Parlement**\n2. **Contrôle public et couverture médiatique**  \n3. **Sanctions politiques en cas de violation de la Constitution**\n4. **Effet de précédent de la pratique constitutionnelle établie**\n\n*Remarque : Cette vue d'ensemble se base sur un examen systématique de la jurisprudence disponible. Si des décisions relatives à l'art. 152 Cst. devaient être rendues à l'avenir, cette section sera complétée en conséquence.*", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 152 Cost. disciplina l'elezione degli organi direttivi del Consiglio nazionale e del Consiglio degli Stati. Ciascun Consiglio elegge dai propri membri tre persone: un presidente, un primo vicepresidente e un secondo vicepresidente. Questi uffici durano un anno. La rielezione diretta è vietata.\n\n## Persone e istituzioni interessate\n\nDirettamente interessati sono tutti i membri del Parlamento che possono essere candidati per le presidenze. Le persone elette dirigono le sedute consiliari e rappresentano il loro Consiglio verso l'esterno. Indirettamente la norma si ripercuote su tutti i cittadini, poiché garantisce la direzione democratica del Parlamento.\n\n## Procedura elettorale e effetti giuridici\n\nL'elezione avviene a scrutinio segreto nell'ultima settimana della sessione invernale per l'anno parlamentare seguente. È richiesta la maggioranza assoluta dei voti validi (art. 130 LParl). Nell'elezione i Consigli badano informalmente a un'adeguata rappresentanza delle regioni linguistiche.\n\nIl presidente del Consiglio dirige le sedute e al Consiglio nazionale ha voto decisivo in caso di parità (art. 50 cpv. 2 LParl). I vicepresidenti lo sostituiscono in caso di impedimento (art. 34 LParl). Il divieto di rielezione impedisce una concentrazione di potere e rafforza il principio svizzero di collegialità.\n\n## Esempio pratico\n\nSe la consigliera nazionale Müller viene eletta presidente nel 2024, non può candidarsi nuovamente come presidente nel 2025. Potrebbe però essere eletta vicepresidente o diventare nuovamente presidente dopo una pausa. La Costituzione federale esige questa rotazione dal 1848 come protezione contro la concentrazione di potere (FF 1997 I 386).\n\n## Attuazione e controllo\n\nLe violazioni del divieto di rielezione sono giuridicamente inefficaci. Poiché le elezioni parlamentari appartengono agli \"interna corporis\", non esiste tutela giuridica presso i tribunali. Il controllo avviene attraverso l'autocontrollo parlamentare, la pressione politica e i rapporti dei media. In 175 anni di storia costituzionale il divieto è sempre stato rispettato.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 152 Cost. corrisponde sostanzialmente al precedente art. 79 aCost. (Costituzione federale del 1874). La norma è stata ripresa praticamente immutata nel quadro della revisione totale del 1999. Il Messaggio concernente una nuova costituzione federale del 20 novembre 1996 rileva al riguardo: «L'organizzazione dell'Assemblea federale non subisce modifiche fondamentali. Le regolamentazioni vigenti concernenti l'elezione degli uffici di presidenza delle Camere si sono dimostrate valide e sono mantenute» (FF 1997 I 423).\n\n**N. 2** La rotazione annuale degli uffici di presidenza delle Camere affonda le sue radici nel principio svizzero della collegialità e nell'idea della limitazione del potere. Già la Costituzione elvetica del 1798 conosceva presidenze temporalmente limitate. La limitazione a un anno con divieto di rielezione si stabilì definitivamente con la Costituzione federale del 1848 e da allora non è mai stata messa in discussione (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 152 n. 2).\n\n## Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 152 Cost. si trova nel titolo 3° (Autorità federali), capitolo 1° (Assemblea federale), sezione 2ª (Organizzazione e procedura). La norma appartiene alle norme di organizzazione parlamentare e come tale disciplina la struttura interna dell'Assemblea federale. È in stretto rapporto con:\n- → Art. 151 Cost. (Sessioni)\n- → Art. 153 Cost. (Commissioni parlamentari)\n- → Art. 156 Cost. (deliberazioni separate)\n- → Art. 171 Cost. (Legge sul Parlamento)\n\n**N. 4** La disposizione concretizza il principio dell'autonomia parlamentare (→ art. 150 cpv. 2 Cost.). Come norma organizzativa appartiene al settore degli «interna corporis», che sono in linea di principio sottratti al controllo giurisdizionale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1682).\n\n## Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Organo elettorale**: «Ogni Camera» designa il Consiglio nazionale e il Consiglio degli Stati separatamente. Entrambe le Camere eleggono i loro uffici di presidenza indipendentemente l'una dall'altra. La formulazione «nel suo seno» significa che sono eleggibili solo i membri della rispettiva Camera (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 152 n. 3).\n\n**N. 6** **Cariche elettive**: La norma esige l'elezione di tre persone:\n- Una presidente o un presidente\n- Una prima vicepresidente o un primo vicepresidente  \n- Una seconda vicepresidente o un secondo vicepresidente\n\nLa formulazione neutrale rispetto al genere è stata introdotta con la revisione totale del 1999 e corrisponde all'art. 7 cpv. 2 della Legge sulle lingue (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, § 46 n. 28).\n\n**N. 7** **Durata della carica**: La formulazione «per la durata di un anno» intende l'anno parlamentare, che inizia di volta in volta con la sessione invernale. L'elezione avviene tradizionalmente nell'ultima settimana della sessione invernale per l'anno seguente (art. 8 cpv. 1 LParl).\n\n**N. 8** **Divieto di rielezione**: «È esclusa la rielezione per l'anno seguente» significa un divieto assoluto della rielezione immediata nella stessa carica. Dopo la scadenza di un anno è tuttavia ammessa una nuova elezione. Il divieto vale per carica: un presidente di Camera può essere eletto vicepresidente l'anno seguente (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 10 n. 15).\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'elezione degli uffici di presidenza ha le seguenti conseguenze giuridiche:\n\n1. **Funzione direttiva**: Il presidente/la presidente dirige le sedute della Camera (art. 33 LParl)\n2. **Potere di rappresentanza**: Rappresentanza esterna della Camera\n3. **Voto decisivo**: In caso di parità di voti nel Consiglio nazionale (art. 50 cpv. 2 LParl)\n4. **Sostituzione**: I vicepresidenti sostituiscono in caso di impedimento (art. 34 LParl)\n\n**N. 10** Una violazione del divieto di rielezione renderebbe l'elezione incostituzionale. L'attuazione non avviene tuttavia per via giudiziaria, ma attraverso l'autocontrollo parlamentare e la pressione politica (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 13 n. 42).\n\n## Controversie\n\n**N. 11** **Natura giuridica del divieto di rielezione**: Nella dottrina è controverso se il divieto di rielezione sia cogente o dispositivo:\n- **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar BV, art. 152 n. 5) sostiene che il divieto è assoluto e non può essere aggirato nemmeno con una decisione unanime della Camera.\n- **Waldmann** (BSK BV, art. 152 n. 7) ritiene invece che in situazioni straordinarie (p. es. pandemia, guerra) sia pensabile una gestione pragmatica.\n- **Graf** (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, § 10 n. 18) assume una posizione intermedia: il divieto vale in linea di principio in modo assoluto, ma in caso di impossibilità di nuova elezione è ammessa una continuazione temporanea dell'esercizio della carica.\n\n**N. 12** **Giustiziabilità**: Vi è consenso sul fatto che le elezioni secondo l'art. 152 Cost. come interna corporis non sono giustiziabili. È tuttavia controversa la portata di questo principio:\n- **Häfelin/Haller** (Bundesstaatsrecht, n. 1683) escludono categoricamente ogni controllo giurisdizionale.\n- **Rhinow/Schefer** (Verfassungsrecht, § 46 n. 30) ritengono pensabile una giustiziabilità in caso di gravi violazioni dei diritti fondamentali.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** **Procedura elettorale**: Le elezioni avvengono a scrutinio segreto e in scrutini separati per ogni carica. L'ordine è: 1. Presidente/a, 2. Primo/a vicepresidente/a, 3. Secondo/a vicepresidente/a. È richiesta la maggioranza assoluta dei voti validi (art. 130 LParl).\n\n**N. 14** **Rotazione nella prassi**: Si è stabilita una rotazione informale: il/la primo/a vicepresidente/a viene abitualmente eletto/a presidente/a, il/la secondo/a diventa primo/a vicepresidente/a. Questa prassi non è prescritta costituzionalmente, ma si è dimostrata valida (Lüthi, Das Parlament, 2ª ed. 2018, p. 142).\n\n**N. 15** **Rappresentanza delle regioni linguistiche**: Nell'elezione si bada informalmente a un'adeguata rappresentanza delle regioni linguistiche. Questo non è un obbligo giuridico, ma corrisponde allo spirito dell'art. 175 cpv. 4 Cost. per analogia (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar BV, art. 152 n. 6).\n\n**N. 16** **Dimissioni dalla carica**: Un membro eletto dell'ufficio di presidenza può dimettersi dalla carica. In questo caso ha luogo un'elezione suppletiva per il resto della durata della carica. Il divieto di rielezione vale anche per le elezioni suppletive (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, § 10 n. 20).", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Panoramica\n\nL'art. 152 Cost. disciplina l'organizzazione interna dell'Assemblea federale e pertanto è raramente oggetto di decisioni giudiziarie. L'elezione dei presidenti e vicepresidenti dei Consigli è considerata un'autoorganizzazione parlamentare (interna corporis) che, in linea di principio, non soggiace al controllo giudiziario.\n\n## Giustiziabilità dell'organizzazione parlamentare\n\nLa giurisprudenza del Tribunale federale ha stabilito ripetutamente che le questioni di organizzazione parlamentare non sono, in linea di principio, giustiziabili. Ciò riguarda in particolare:\n\n- Le modalità dell'elezione degli organi parlamentari\n- L'interpretazione dei regolamenti parlamentari\n- Le questioni procedurali nella costituzione dei Consigli\n\n**Nessuna giurisprudenza specifica sull'art. 152 Cost. disponibile**\n\nUn'analisi sistematica della giurisprudenza disponibile non ha rivelato decisioni che si occupino direttamente dell'art. 152 Cost. o dell'elezione dei presidenti dei Consigli. Ciò corrisponde alla situazione giuridica generale secondo cui gli interna corporis dell'Assemblea federale sono sottratti al controllo giudiziario.\n\n## Giurisprudenza correlata sull'organizzazione parlamentare\n\nNella misura in cui il Tribunale federale ha trattato questioni di organizzazione parlamentare, si è limitato ad ambiti con effetti esterni o rilevanza per i diritti fondamentali:\n\n### Immunità e indennità parlamentari\n\nIl Tribunale federale ha concretizzato in varie decisioni i limiti dei privilegi parlamentari, senza tuttavia giudicare l'organizzazione interna dei Consigli.\n\n### Pubblicità dei dibattiti parlamentari\n\nLe questioni di trasparenza dell'attività parlamentare possono essere giustiziabili nella misura in cui riguardano i diritti di informazione dei cittadini.\n\n## Tutela giuridica in caso di violazione dell'art. 152 Cost.\n\nQualora si verificassero violazioni dell'art. 152 Cost. (ad es. rielezione incostituzionale di un presidente di Consiglio), la tutela giuridica sarebbe problematica:\n\n- **Ricorso di diritto pubblico**: In linea di principio escluso per gli interna corporis\n- **Autocontrollo parlamentare**: Meccanismo di controllo primario\n- **Responsabilità politica**: Controllo da parte dell'opinione pubblica e dell'elettorato\n\n## Significato per la prassi costituzionale\n\nL'assenza di giurisprudenza sull'art. 152 Cost. non significa che la norma sia praticamente irrilevante. Il suo rispetto è assicurato dai seguenti meccanismi:\n\n1. **Fedeltà costituzionale dei membri del Parlamento**\n2. **Controllo pubblico e copertura mediatica**  \n3. **Sanzioni politiche in caso di violazioni costituzionali**\n4. **Effetto precedente della prassi costituzionale consolidata**\n\n*Nota: Questa panoramica si basa su un'analisi sistematica della giurisprudenza disponibile. Qualora in futuro vengano emanate decisioni sull'art. 152 Cost., questa sezione sarà integrata di conseguenza.*", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 152 FC regulates the election of executive organs in the National Council and Council of States. Each council elects three persons from among its own members: a president, a first vice-president and a second vice-president. These offices last one year. Direct re-election is prohibited.\n\n## Affected Persons and Institutions\n\nAll parliamentarians who may be considered as candidates for the presidencies are directly affected. The elected persons chair the council sessions and represent their council externally. The provision indirectly affects all citizens as it ensures democratic leadership of Parliament.\n\n## Election Procedure and Legal Effects\n\nThe election takes place by secret ballot in the last week of the winter session for the following parliamentary year. An absolute majority of valid votes is required (Art. 130 ParlA). When electing, the councils informally ensure appropriate representation of the language regions.\n\nThe president of the council chairs the sessions and, in the National Council, has the casting vote in case of a tie (Art. 50 para. 2 ParlA). The vice-presidents act as substitutes when the president is unable to attend (Art. 34 ParlA). The prohibition on re-election prevents concentration of power and strengthens the Swiss principle of collegiality.\n\n## Practical Example\n\nIf National Councillor Müller is elected president in 2024, she cannot run again as president in 2025. She could, however, be elected vice-president or become president again after a break. The Federal Constitution has required this rotation since 1848 as protection against concentration of power (FG 1997 I 386).\n\n## Enforcement and Control\n\nViolations of the prohibition on re-election are legally invalid. Since parliamentary elections belong to the \"interna corporis\", there is no judicial protection. Control is exercised through parliamentary self-control, political pressure and media reporting. In 175 years of constitutional history, the prohibition has always been observed.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Legislative History\n\n**N. 1** Art. 152 FC essentially corresponds to the former Art. 79 old FC (Federal Constitution of 1874). The provision was adopted practically unchanged within the framework of the total revision of 1999. The Federal Council Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 states: «The organisation of the Federal Assembly undergoes no fundamental changes. The existing regulations on the election of chamber presidencies have proven their worth and will be retained» (BBl 1997 I 386).\n\n**N. 2** The annual rotation of chamber presidencies has its roots in the Swiss principle of collegiality and the idea of limiting power. The Helvetic Constitution of 1798 already knew temporally limited presidencies. The restriction to one year with a prohibition on re-election was definitively established with the Federal Constitution of 1848 and has never since been questioned (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 152 N. 2).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 152 FC is located in Title 3 (Federal Authorities), Chapter 1 (Federal Assembly), Section 2 (Organisation and Procedure). The provision belongs to the parliamentary organisational norms and as such regulates the internal structure of the Federal Assembly. It is closely related to:\n- → Art. 151 FC (Sessions)\n- → Art. 153 FC (Parliamentary committees)\n- → Art. 156 FC (Separate deliberations)\n- → Art. 171 FC (Parliament Act)\n\n**N. 4** The provision gives concrete form to the principle of parliamentary autonomy (→ Art. 150 para. 2 FC). As an organisational norm it belongs to the area of «interna corporis», which are in principle withdrawn from judicial review (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 1682).\n\n## Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 5** **Electoral body**: «Each chamber» refers to the National Council and Council of States respectively and separately. Both chambers elect their presidencies independently of each other. The formulation «from among its members» means that only members of the respective chamber are eligible (Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, 2nd ed. 2024, Art. 152 N. 3).\n\n**N. 6** **Elected offices**: The provision requires the election of three persons:\n- A president\n- A first vice-president\n- A second vice-president\n\nThe gender-neutral formulation was introduced with the total revision of 1999 and corresponds to Art. 7 para. 2 of the Languages Act (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, § 46 N. 28).\n\n**N. 7** **Term of office**: The formulation «for the duration of one year» means the parliamentary year, which begins with the winter session each time. The election traditionally takes place in the last week of the winter session for the following year (Art. 8 para. 1 ParlA).\n\n**N. 8** **Prohibition on re-election**: «Re-election for the following year is excluded» means an absolute prohibition on immediate re-election to the same office. After the expiry of one year, however, a new election is permissible. The prohibition applies office-specifically: a chamber president can be elected vice-president in the following year (Graf/Theler/von Wyss, Parliamentary Law and Parliamentary Practice, 2014, § 10 N. 15).\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 9** The election of presidencies has the following legal consequences:\n\n1. **Leadership function**: The president chairs the chamber sessions (Art. 33 ParlA)\n2. **Power of representation**: External representation of the chamber\n3. **Casting vote**: In case of a tie in the National Council (Art. 50 para. 2 ParlA)\n4. **Substitution**: The vice-presidents represent in case of impediment (Art. 34 ParlA)\n\n**N. 10** A violation of the prohibition on re-election would make the election unconstitutional. However, enforcement does not occur judicially, but through parliamentary self-control and political pressure (Tschannen/Zimmerli/Müller, General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 13 N. 42).\n\n## Disputes\n\n**N. 11** **Legal nature of the prohibition on re-election**: In doctrine it is disputed whether the prohibition on re-election is mandatory or dispositive:\n- **Ehrenzeller** (St. Gallen Commentary FC, Art. 152 N. 5) takes the position that the prohibition is absolute and cannot be circumvented even by unanimous chamber resolution.\n- **Waldmann** (BSK FC, Art. 152 N. 7) argues against this, that in extraordinary situations (e.g. pandemic, war) a pragmatic handling would be conceivable.\n- **Graf** (Parliamentary Law and Parliamentary Practice, § 10 N. 18) takes a mediating position: The prohibition applies in principle absolutely, but in case of impossibility of new election, a temporary continuation of office would be permissible.\n\n**N. 12** **Justiciability**: There is agreement that elections according to Art. 152 FC as interna corporis are not justiciable. However, the scope of this principle is disputed:\n- **Häfelin/Haller** (Federal Constitutional Law, N 1683) categorically exclude any judicial review.\n- **Rhinow/Schefer** (Constitutional Law, § 46 N. 30) consider justiciability conceivable in cases of serious fundamental rights violations.\n\n## Practice Notes\n\n**N. 13** **Electoral procedure**: The elections are held secretly and in separate ballots for each office. The order is: 1. President, 2. First vice-president, 3. Second vice-president. The absolute majority of valid votes is required (Art. 130 ParlA).\n\n**N. 14** **Rotation in practice**: An informal rotation has been established: the first vice-president is usually elected president, the second becomes first vice-president. This practice is not constitutionally prescribed, but has proven its worth (Lüthi, The Parliament, 2nd ed. 2018, p. 142).\n\n**N. 15** **Language-regional representation**: In elections, informal attention is paid to appropriate representation of the language regions. This is not a legal obligation, but corresponds to the spirit of Art. 175 para. 4 FC by analogy (Ehrenzeller, St. Gallen Commentary FC, Art. 152 N. 6).\n\n**N. 16** **Resignation from office**: An elected presidency member can resign from office. In this case, a replacement election takes place for the remainder of the term of office. The prohibition on re-election also applies to replacement elections (Graf/Theler/von Wyss, Parliamentary Law, § 10 N. 20).", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Overview\n\nArt. 152 Cst. governs the internal organisation of the Federal Assembly and is therefore rarely the subject of judicial decisions. The election of the presidents and vice-presidents of the chambers is considered parliamentary self-organisation (interna corporis), which in principle is not subject to judicial review.\n\n## Justiciability of parliamentary organisation\n\nThe case law of the Federal Supreme Court has repeatedly held that questions of parliamentary organisation are in principle not justiciable. This concerns in particular:\n\n- The modalities of the election of parliamentary bodies\n- The interpretation of parliamentary rules of procedure\n- Procedural questions in the constitution of the chambers\n\n**No specific case law on Art. 152 Cst. available**\n\nA systematic review of the available case law revealed no decisions that deal directly with Art. 152 Cst. or the election of chamber presidents. This corresponds to the general legal situation whereby the interna corporis of the Federal Assembly are exempt from judicial control.\n\n## Related case law on parliamentary organisation\n\nInsofar as the Federal Supreme Court has dealt with questions of parliamentary organisation, it has limited itself to areas with external effects or fundamental rights relevance:\n\n### Parliamentary immunity and indemnity\n\nThe Federal Supreme Court has specified the limits of parliamentary privileges in various decisions, without however assessing the internal organisation of the chambers.\n\n### Publicity of parliamentary proceedings\n\nQuestions of transparency of parliamentary activity may be justiciable insofar as they concern citizens' information rights.\n\n## Legal protection in case of violation of Art. 152 Cst.\n\nShould violations of Art. 152 Cst. occur (e.g. unconstitutional re-election of a chamber president), legal protection would be problematic:\n\n- **Constitutional complaint**: In principle excluded for interna corporis\n- **Parliamentary self-control**: Primary control mechanism\n- **Political accountability**: Control by the public and electorate\n\n## Significance for constitutional practice\n\nThe lack of case law on Art. 152 Cst. does not mean that the provision would be practically irrelevant. Its observance is ensured by the following mechanisms:\n\n1. **Constitutional loyalty of parliamentarians**\n2. **Public control and media reporting**  \n3. **Political sanctions in case of constitutional violations**\n4. **Precedential effect of established constitutional practice**\n\n*Note: This overview is based on a systematic review of the available case law. Should decisions on Art. 152 Cst. be rendered in the future, this section will be supplemented accordingly.*", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_152", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 153, "article_suffix": "", "title": "Parlamentarische Kommissionen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 153 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 153 regelt die parlamentarischen Kommissionen der Bundesversammlung. Jeder Rat muss aus seinen eigenen Mitgliedern Kommissionen bilden. Das Parlamentsgesetz kann auch gemeinsame Kommissionen beider Räte vorsehen (Art. 49 ParlG für die Begnadigungskommission).\n\nDie Kommissionen erhalten wichtige Rechte zur Erfüllung ihrer Aufgaben: Sie können Auskünfte verlangen, Dokumente einsehen und Untersuchungen durchführen (Art. 150-151 ParlG). Diese Informationsrechte sind in der Verfassung verankert und ermöglichen eine wirksame parlamentarische Kontrolle der Regierung.\n\nKommissionen können bestimmte Aufgaben übertragen bekommen, jedoch nur solche ohne Rechtsetzung. Sie dürfen keine Gesetze oder Verordnungen erlassen, aber Einzelfallentscheide treffen oder Verwaltungshandlungen vornehmen.\n\nBeispiel aus der Praxis: Die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) überwachen die Bundesverwaltung. Sie können von jedem Departement Berichte verlangen und haben Zugang zu allen Akten. Bei der Untersuchung von Problemen in einem Bundesamt können sie Zeugen vorladen und deren Aussagen unter Wahrheitspflicht entgegennehmen (Art. 166 ParlG).\n\nDie Kommissionsarbeit ist grundsätzlich vertraulich (Art. 47 ParlG), aber die Ergebnisse werden öffentlich berichtet. So gewährleistet die Verfassung sowohl eine offene Beratungskultur als auch demokratische Transparenz bei parlamentarischen Kontrollfunktionen.", "doctrine_de": "# Art. 153 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 153 BV gehört zum neunten Abschnitt der Bundesverfassung über die Organisation der Bundesbehörden. Die Bestimmung geht auf Art. 84 der alten Bundesverfassung von 1874 zurück, der lediglich die Einsetzung von Kommissionen vorsah. Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 bezeichnet die Neuregelung als «vollständige Überarbeitung» der bisherigen Verfassungsgrundlagen (BBl 1997 I 1, 409). Der Verfassungsgeber wollte mit Art. 153 BV eine umfassende und moderne Grundlage für das parlamentarische Kommissionswesen schaffen.\n\n**N. 2** Die wichtigste Neuerung gegenüber der alten Verfassung ist Abs. 4, der die Informationsrechte der Kommissionen verfassungsrechtlich verankert. Die Botschaft betont, dass «die Kommissionen zur Erfüllung ihrer Aufgaben über Auskunftsrechte, Einsichtsrechte und Untersuchungsbefugnisse verfügen müssen» (BBl 1997 I 410). Diese Rechte waren zuvor nur auf Gesetzesstufe geregelt und erhielten durch die Verfassungsrevision eine höhere normative Verankerung.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 153 BV steht im systematischen Zusammenhang mit den übrigen Bestimmungen über die Bundesversammlung (Art. 148–173 BV). Die Norm ist eng verknüpft mit:\n- → Art. 148 Abs. 2 BV (Zwei-Kammer-System)\n- → Art. 169 BV (parlamentarische Oberaufsicht)\n- → Art. 156 BV (getrennte Verhandlungen der Räte)\n- → Art. 157 Abs. 1 lit. a BV (gemeinsame Verhandlungen)\n\n**N. 4** Die Ausführungsbestimmungen finden sich im Parlamentsgesetz vom 13. Dezember 2002 (ParlG, SR 171.10), insbesondere in den Art. 42–53 ParlG über die Kommissionen. Das Verhältnis zwischen Verfassungs- und Gesetzesstufe folgt dem Prinzip der Rahmengesetzgebung: Die Verfassung legt die Grundsätze fest, während das Parlamentsgesetz die Details regelt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3125).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Kommissionseinsetzung (Abs. 1)**: Beide Räte sind verpflichtet («setzt ein»), Kommissionen zu bilden. Die Zusammensetzung erfolgt aus den eigenen Ratsmitgliedern («aus seiner Mitte»). Nach Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, 4. Aufl. 2023, Art. 153 N 4) handelt es sich um eine Organisationspflicht, nicht bloss um eine Befugnis.\n\n**N. 6** **Gemeinsame Kommissionen (Abs. 2)**: Das Gesetz «kann» gemeinsame Kommissionen beider Räte vorsehen. Diese Kann-Vorschrift ermöglicht Ausnahmen vom Grundsatz getrennter Ratsverhandlungen. Gemeinsame Kommissionen bestehen derzeit für die Begnadigung (Art. 49 ParlG), die Redaktion (Art. 56–59 ParlG) und als Gerichtskommission (Art. 40a ParlG).\n\n**N. 7** **Befugnisübertragung (Abs. 3)**: Die Übertragung von Befugnissen an Kommissionen ist auf solche «nicht rechtsetzender Natur» beschränkt. Nach Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 153 N 15) umfasst dies Verwaltungsakte, vorbereitende Handlungen und Aufsichtsfunktionen, nicht aber die Rechtssetzung selbst, die dem Plenum vorbehalten bleibt.\n\n**N. 8** **Informationsrechte (Abs. 4)**: Die verfassungsmässigen Informationsrechte gliedern sich in drei Kategorien:\n- **Auskunftsrechte**: Pflicht der Verwaltung zur Information (Art. 150 ParlG)\n- **Einsichtsrechte**: Akteneinsicht und Dokumentenzugang (Art. 151 ParlG)\n- **Untersuchungsbefugnisse**: Besondere Kompetenzen der parlamentarischen Untersuchungskommissionen (Art. 153–169 ParlG)\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Art. 153 BV ergeben sich folgende Rechtsfolgen:\n\n**N. 10** **Organisationsautonomie**: Die Räte bestimmen autonom über Zahl, Grösse und Zuständigkeiten ihrer Kommissionen innerhalb der gesetzlichen Schranken (Art. 42 Abs. 2 ParlG). Die Kommissionsbildung ist ein parlamentarischer Innenbereich ohne direkte gerichtliche Kontrolle (**BGE 151 I 41**).\n\n**N. 11** **Informationspflichten**: Bundesrat und Verwaltung unterliegen gegenüber parlamentarischen Kommissionen erweiterten Informationspflichten. Nach Art. 150 Abs. 1 ParlG müssen sie «alle Auskünfte erteilen, die für die parlamentarische Tätigkeit erforderlich sind». Verweigerungen sind nur bei überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen zulässig (Art. 150 Abs. 2 ParlG).\n\n**N. 12** **Grenzen der Befugnisübertragung**: Kommissionen können keine generell-abstrakten Normen erlassen. Zulässig sind hingegen Verwaltungsverordnungen, Einzelfallentscheide und Realakte (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1850).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Reichweite der Untersuchungsbefugnisse**: Umstritten ist, wie weit die Untersuchungsbefugnisse gegenüber Privaten reichen. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 12 N 45) vertreten eine restriktive Auslegung, während Sägesser (Kommissionssystem des Bundesparlaments, 2000, S. 234) für erweiterte Befugnisse bei öffentlichem Interesse plädiert.\n\n**N. 14** **Verhältnis zu Gerichten**: Kontrovers ist die Informationspflicht der Gerichte gegenüber parlamentarischen Kommissionen. Das Bundesstrafgericht betonte in **AU.2007.1**, dass Untersuchungsbefugnisse die Unabhängigkeit der Justiz respektieren müssen. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 89) fordern eine strikte Trennung, während Graf (Parlamentarische Oberaufsicht, 2010, S. 167) für begrenzte Auskunftspflichten in Verwaltungsangelegenheiten der Gerichte argumentiert.\n\n**N. 15** **Öffentlichkeit vs. Vertraulichkeit**: Die Spannung zwischen dem Öffentlichkeitsprinzip und der Kommissionsvertraulichkeit bleibt ungelöst. Nach Art. 47 ParlG sind Kommissionsberatungen grundsätzlich vertraulich. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, Art. 153 N 18) sehen darin ein notwendiges Element der Beratungskultur, während Kritiker wie Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3145) mehr Transparenz fordern.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Kommissionseinsetzung**: Die Büros der Räte setzen zu Legislaturbeginn die ständigen Kommissionen ein (Art. 42 Abs. 1 ParlG). Spezialkommissionen können jederzeit durch Ratsbeschluss geschaffen werden. Die Fraktionsstärke ist bei der Zusammensetzung zu berücksichtigen (Art. 43 Abs. 3 ParlG).\n\n**N. 17** **Verfahren bei Informationsverweigerung**: Verweigert die Verwaltung Informationen, entscheidet die Delegation der Geschäftsprüfungskommissionen (Art. 154 ParlG). Gegen diesen Entscheid steht kein Rechtsmittel offen, was die Durchsetzung der Informationsrechte faktisch in die Hand des Parlaments legt.\n\n**N. 18** **Beweiserhebung in Untersuchungskommissionen**: Parlamentarische Untersuchungskommissionen verfügen über quasi-gerichtliche Befugnisse (Art. 166 ParlG). Zeugen können vorgeladen werden und unterliegen der Wahrheitspflicht. Die Verweigerung der Aussage ist nur bei gesetzlichen Zeugnisverweigerungsrechten zulässig. Die Praxis zeigt, dass diese Instrumente zurückhaltend eingesetzt werden (Bericht der PUK EFD vom 22. November 2002, BBl 2003 3807).\n\n**N. 19** **Koordination mit anderen Verfahren**: Bei parallelen Straf- oder Verwaltungsverfahren ist die Koordination essentiell. Die GPK-Praxis hat Grundsätze entwickelt: Keine Behinderung laufender Verfahren, aber auch kein Stillstand der parlamentarischen Aufsicht (Jahresbericht 2020 der GPK, BBl 2021 1294). Kommissionen sollen von Untersuchungshandlungen absehen, die unmittelbar in hängige Gerichtsverfahren eingreifen würden.", "caselaw_de": "# Art. 153 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Allgemeine Grundsätze zu parlamentarischen Kommissionen\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 153 BV ist spärlich, da die Bestimmung hauptsächlich organisatorische Aspekte des Parlamentsbetriebs regelt und selten Gegenstand von Beschwerden ist. Die verfügbaren Entscheide betreffen vorwiegend kantonale parlamentarische Kommissionen sowie spezifische Verfahrensfragen.\n\n### II. Kommissionsbildung und Zusammensetzung\n\n**BGE 151 I 41** vom 22. Mai 2024  \nKommissionswahlen auf kantonaler Ebene und deren gerichtliche Überprüfbarkeit  \nDas Bundesgericht stellte fest, dass die Wahl parlamentarischer Kommissionen nicht unter die direkten Volkswahlen fällt und daher nicht gemäss Art. 82 lit. c BGG anfechtbar ist.\n\n> «Gemäss der genannten Bestimmung beurteilt das Bundesgericht Beschwerden betreffend die politische Stimmberechtigung der Bürger und Bürgerinnen sowie betreffend Volkswahlen und -abstimmungen. Nicht erfasst werden indirekte Wahlen durch das Parlament.»\n\n**BGE 117 IA 408** vom 1. Januar 1991  \nAusschluss von Kommissionsmitgliedern wegen Interessenkonflikts  \nInteressenkonflikte können zum Ausschluss von Mitgliedern aus parlamentarischen Kommissionen führen. Das Bundesgericht wendete die Grundsätze der Unparteilichkeit (Art. 4 aBV, heute Art. 9 BV) auf parlamentarische Kommissionen an.\n\n> «Die Rechtsprechung leitet aus Art. 4 BV eine Art. 58 Abs. 1 BV entsprechende Garantie ab für den Fall, dass ein Entscheid – statt von einem Gericht – von einer Verwaltungsbehörde oder vom Parlament getroffen wird.»\n\n### III. Untersuchungskommissionen und besondere Befugnisse\n\n**Entscheid AN.2014.00001** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 7. Mai 2014  \nRechtliche Grundlagen für Untersuchungskommissionen auf Gemeindeebene  \nZur Einsetzung von Untersuchungskommissionen bedarf es einer rechtlichen Grundlage, da besondere Zuständigkeiten geschaffen werden.\n\n> «Zur Einsetzung einer Untersuchungskommission bedarf es einer rechtlichen Grundlage in der Gemeindeordnung, da eine Kommission mit besonderen Zuständigkeiten geschaffen wird.»\n\n**BGE 133 IV 40** vom 27. November 2006  \nInternationale Rechtshilfe für parlamentarische Untersuchungskommissionen  \nDas Bundesgericht anerkannte, dass auch parlamentarische Untersuchungskommissionen Adressaten internationaler Rechtshilfe sein können, sofern ihre Untersuchungen auf strafrechtliche Verfolgung abzielen.\n\n> «Die Rechtshilfe kann sowohl zur Unterstützung eines ordentlichen Strafverfahrens gewährt werden als auch für die Untersuchung einer parlamentarischen Kommission, welche auf die strafrechtliche Verfolgung ehemaliger Minister abzielt.»\n\n### IV. Auskunfts- und Einsichtsrechte\n\n**Entscheid 60/2016/10 und 60/2016/12** des Obergerichts Schaffhausen vom 20. September 2016  \nEinsicht in Sitzungsprotokolle von Kantonsratskommissionen  \nDie Einsichtnahme in Kommissionsprotokolle unterliegt besonderen Vorschriften und ist nicht unbeschränkt gewährt.\n\n**Entscheide VB.2021.00416** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 20. September 2021  \nInformationszugang zu parlamentarischen Aufsichtstätigkeiten  \nDie Transparenz parlamentarischer Kommissionen stösst an Grenzen, insbesondere bei Aufsichtsfunktionen.\n\n### V. Verfahrensgarantien\n\n**Entscheid VB.2015.00649** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 2. Dezember 2015  \nAusstandsverfahren bei parlamentarischen Untersuchungskommissionen  \nAuch bei parlamentarischen Untersuchungskommissionen müssen Verfahrensgarantien eingehalten werden, einschliesslich des Rechts auf Ausstandsbegehren.\n\n> «Das Erfordernis der formellen Beschwer muss nicht erfüllt sein, wenn jemand am vorinstanzlichen Verfahren zu Unrecht und ohne eigenes Verschulden nicht teilnehmen konnte.»\n\n### VI. Entwicklungslinien und offene Fragen\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 153 BV entwickelt sich hauptsächlich auf kantonaler und kommunaler Ebene. Zentrale Streitpunkte betreffen:\n\n- **Transparenz vs. Vertraulichkeit**: Das Spannungsfeld zwischen dem Öffentlichkeitsprinzip und der Notwendigkeit vertraulicher Beratungen\n- **Befugnisabgrenzung**: Die Reichweite der in Art. 153 Abs. 4 BV genannten Auskunfts-, Einsichts- und Untersuchungsbefugnisse\n- **Verfahrensgarantien**: Die Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze auf parlamentarische Kommissionsverfahren\n- **Rechtsmittel**: Die beschränkte gerichtliche Überprüfbarkeit parlamentarischer Kommissionsentscheide\n\nDie Rechtsprechung bestätigt, dass parlamentarische Kommissionen zwar über weitreichende Befugnisse verfügen, diese jedoch nicht unbegrenzt sind und rechtsstaatlichen Grundsätzen unterliegen müssen.", "summary_fr": "# Art. 153 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 153 règle les commissions parlementaires de l'Assemblée fédérale. Chaque conseil doit former des commissions à partir de ses propres membres. La loi sur le Parlement peut également prévoir des commissions communes aux deux conseils (art. 49 LParl pour la commission de grâce).\n\nLes commissions reçoivent d'importants droits pour accomplir leurs tâches : elles peuvent demander des renseignements, consulter des documents et mener des enquêtes (art. 150-151 LParl). Ces droits à l'information sont ancrés dans la Constitution et permettent un contrôle parlementaire efficace du gouvernement.\n\nLes commissions peuvent se voir confier certaines tâches, mais uniquement celles qui ne comportent pas d'édiction de droit. Elles ne peuvent pas édicter de lois ou d'ordonnances, mais peuvent prendre des décisions dans des cas d'espèce ou effectuer des actes administratifs.\n\nExemple tiré de la pratique : Les commissions de gestion (CdG) surveillent l'administration fédérale. Elles peuvent exiger des rapports de chaque département et ont accès à tous les dossiers. Lors de l'examen de problèmes dans un office fédéral, elles peuvent citer des témoins et recevoir leurs dépositions sous l'obligation de dire la vérité (art. 166 LParl).\n\nLe travail des commissions est en principe confidentiel (art. 47 LParl), mais les résultats font l'objet de rapports publics. Ainsi, la Constitution garantit à la fois une culture de délibération ouverte et une transparence démocratique dans les fonctions de contrôle parlementaires.", "doctrine_fr": "# Art. 153 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 153 Cst. appartient à la neuvième section de la Constitution fédérale sur l'organisation des autorités fédérales. La disposition remonte à l'art. 84 de l'ancienne Constitution fédérale de 1874, qui ne prévoyait que l'institution de commissions. Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 désigne la nouvelle réglementation comme une « refonte complète » des bases constitutionnelles existantes (FF 1997 I 1, 409). Le constituant voulait créer avec l'art. 153 Cst. une base complète et moderne pour le système parlementaire des commissions.\n\n**N. 2** La nouveauté la plus importante par rapport à l'ancienne Constitution est l'al. 4, qui ancre constitutionnellement les droits d'information des commissions. Le message souligne que « les commissions doivent disposer de droits de renseignement, de consultation et de pouvoirs d'enquête pour accomplir leurs tâches » (FF 1997 I 410). Ces droits n'étaient auparavant réglés qu'au niveau légal et ont obtenu un ancrage normatif supérieur grâce à la révision constitutionnelle.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 153 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique des autres dispositions sur l'Assemblée fédérale (art. 148–173 Cst.). La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 148 al. 2 Cst. (système bicaméral)\n- → Art. 169 Cst. (haute surveillance parlementaire)\n- → Art. 156 Cst. (délibérations séparées des conseils)\n- → Art. 157 al. 1 let. a Cst. (délibérations communes)\n\n**N. 4** Les dispositions d'exécution se trouvent dans la loi sur le Parlement du 13 décembre 2002 (LParl, RS 171.10), notamment aux art. 42–53 LParl sur les commissions. Le rapport entre le niveau constitutionnel et le niveau légal suit le principe de la législation-cadre : la Constitution fixe les principes, tandis que la loi sur le Parlement règle les détails (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n 3125).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Institution de commissions (al. 1)** : Les deux conseils sont tenus (« institue ») de former des commissions. La composition se fait parmi les membres du conseil concerné (« en son sein »). Selon Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, 4e éd. 2023, art. 153 n 4), il s'agit d'une obligation d'organisation et non d'une simple faculté.\n\n**N. 6** **Commissions communes (al. 2)** : La loi « peut » prévoir des commissions communes des deux conseils. Cette disposition facultative permet des exceptions au principe des délibérations séparées des conseils. Il existe actuellement des commissions communes pour la grâce (art. 49 LParl), la rédaction (art. 56–59 LParl) et comme commission judiciaire (art. 40a LParl).\n\n**N. 7** **Délégation de compétences (al. 3)** : La délégation de compétences aux commissions est limitée à celles « qui ne sont pas de nature législative ». Selon Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 153 n 15), cela comprend les actes administratifs, les actes préparatoires et les fonctions de surveillance, mais pas la législation elle-même, qui reste réservée à la plénum.\n\n**N. 8** **Droits d'information (al. 4)** : Les droits d'information constitutionnels se divisent en trois catégories :\n- **Droits de renseignement** : obligation de l'administration d'informer (art. 150 LParl)\n- **Droits de consultation** : consultation des actes et accès aux documents (art. 151 LParl)\n- **Pouvoirs d'enquête** : compétences particulières des commissions d'enquête parlementaires (art. 153–169 LParl)\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** L'art. 153 Cst. produit les effets juridiques suivants :\n\n**N. 10** **Autonomie d'organisation** : Les conseils déterminent de manière autonome le nombre, la taille et les compétences de leurs commissions dans les limites légales (art. 42 al. 2 LParl). La formation des commissions relève du domaine interne parlementaire sans contrôle judiciaire direct (**ATF 151 I 41**).\n\n**N. 11** **Obligations d'information** : Le Conseil fédéral et l'administration sont soumis à des obligations d'information étendues envers les commissions parlementaires. Selon l'art. 150 al. 1 LParl, ils doivent « fournir tous les renseignements nécessaires à l'activité parlementaire ». Les refus ne sont admis que si des intérêts publics ou privés prépondérants sont en jeu (art. 150 al. 2 LParl).\n\n**N. 12** **Limites de la délégation de compétences** : Les commissions ne peuvent pas édicter de normes générales-abstraites. Sont en revanche admises les ordonnances administratives, les décisions dans des cas d'espèce et les actes réels (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n 1850).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Portée des pouvoirs d'enquête** : La question de savoir jusqu'où s'étendent les pouvoirs d'enquête envers les particuliers est controversée. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 12 n 45) défendent une interprétation restrictive, tandis que Sägesser (Kommissionssystem des Bundesparlaments, 2000, p. 234) plaide pour des pouvoirs étendus en cas d'intérêt public.\n\n**N. 14** **Rapport aux tribunaux** : L'obligation d'information des tribunaux envers les commissions parlementaires est controversée. Le Tribunal pénal fédéral a souligné dans **AU.2007.1** que les pouvoirs d'enquête doivent respecter l'indépendance de la justice. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 89) exigent une séparation stricte, tandis que Graf (Parlamentarische Oberaufsicht, 2010, p. 167) argumente en faveur d'obligations limitées de renseignement pour les affaires administratives des tribunaux.\n\n**N. 15** **Publicité vs confidentialité** : La tension entre le principe de publicité et la confidentialité des commissions demeure non résolue. Selon l'art. 47 LParl, les délibérations des commissions sont en principe confidentielles. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, art. 153 n 18) y voient un élément nécessaire de la culture délibérative, tandis que des critiques comme Rhinow/Schefer/Uebersax (n 3145) réclament plus de transparence.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 16** **Institution des commissions** : Les bureaux des conseils instituent au début de la législature les commissions permanentes (art. 42 al. 1 LParl). Des commissions spéciales peuvent être créées à tout moment par décision du conseil. La force des groupes doit être prise en compte dans la composition (art. 43 al. 3 LParl).\n\n**N. 17** **Procédure en cas de refus d'information** : Si l'administration refuse des informations, la délégation des Commissions de gestion décide (art. 154 LParl). Aucun recours n'est ouvert contre cette décision, ce qui place de facto l'exécution des droits d'information entre les mains du Parlement.\n\n**N. 18** **Administration de la preuve dans les commissions d'enquête** : Les commissions d'enquête parlementaires disposent de compétences quasi-judiciaires (art. 166 LParl). Les témoins peuvent être cités et sont soumis à l'obligation de dire la vérité. Le refus de témoigner n'est admis qu'en cas de droits légaux de refus de témoignage. La pratique montre que ces instruments sont utilisés avec retenue (rapport de la CEP DFF du 22 novembre 2002, FF 2003 3807).\n\n**N. 19** **Coordination avec d'autres procédures** : En cas de procédures pénales ou administratives parallèles, la coordination est essentielle. La pratique des CdG a développé des principes : pas d'entrave aux procédures en cours, mais pas non plus d'arrêt de la surveillance parlementaire (rapport annuel 2020 des CdG, FF 2021 1294). Les commissions devraient s'abstenir d'actes d'enquête qui interviendraient directement dans des procédures judiciaires pendantes.", "caselaw_fr": "", "summary_it": "# Art. 153 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 153 disciplina le commissioni parlamentari dell'Assemblea federale. Ciascun Consiglio deve formare commissioni composti dai propri membri. La Legge sul Parlamento può anche prevedere commissioni comuni di entrambi i Consigli (art. 49 LParl per la commissione della grazia).\n\nLe commissioni ottengono importanti diritti per l'adempimento dei loro compiti: possono richiedere informazioni, consultare documenti e condurre inchieste (art. 150-151 LParl). Questi diritti all'informazione sono ancorati nella Costituzione e consentono un controllo parlamentare efficace del governo.\n\nLe commissioni possono ricevere determinati compiti in delega, tuttavia solo quelli senza normazione. Non possono emanare leggi o ordinanze, ma prendere decisioni in casi singoli o compiere atti amministrativi.\n\nEsempio dalla pratica: Le commissioni di gestione (CdG) sorvegliano l'Amministrazione federale. Possono richiedere rapporti da ogni dipartimento e hanno accesso a tutti gli atti. Nell'inchiesta di problemi in un ufficio federale possono convocare testimoni e raccogliere le loro dichiarazioni sotto obbligo di dire la verità (art. 166 LParl).\n\nIl lavoro delle commissioni è in linea di principio confidenziale (art. 47 LParl), ma i risultati vengono riferiti pubblicamente. Così la Costituzione garantisce sia una cultura di consultazione aperta sia la trasparenza democratica nelle funzioni di controllo parlamentare.", "doctrine_it": "# Art. 153 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 153 Cost. appartiene alla nona sezione della Costituzione federale sull'organizzazione delle autorità federali. La disposizione risale all'art. 84 della vecchia Costituzione federale del 1874, che prevedeva soltanto l'istituzione di commissioni. Il messaggio relativo alla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 qualifica la nuova regolamentazione come «rielaborazione completa» delle basi costituzionali finora vigenti (FF 1997 I 1, 428). Con l'art. 153 Cost. il costituente voleva creare una base ampia e moderna per il sistema commissionale parlamentare.\n\n**N. 2** La principale novità rispetto alla vecchia Costituzione è il capoverso 4, che sancira a livello costituzionale i diritti di informazione delle commissioni. Il messaggio sottolinea che «le commissioni devono disporre di diritti di informazione, diritti di consultazione e poteri d'inchiesta per adempiere i loro compiti» (FF 1997 I 447). Questi diritti erano in precedenza disciplinati soltanto a livello di legge e ottennero attraverso la revisione costituzionale un ancoraggio normativo più elevato.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 153 Cost. si colloca nel contesto sistematico delle altre disposizioni sull'Assemblea federale (art. 148–173 Cost.). La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 148 cpv. 2 Cost. (sistema bicamerale)\n- → Art. 169 Cost. (alta vigilanza parlamentare)\n- → Art. 156 Cost. (deliberazioni separate dei Consigli)\n- → Art. 157 cpv. 1 lett. a Cost. (deliberazioni comuni)\n\n**N. 4** Le disposizioni d'esecuzione si trovano nella legge del 13 dicembre 2002 sul Parlamento (LParl, RS 171.10), in particolare negli art. 42–53 LParl sulle commissioni. Il rapporto tra livello costituzionale e legislativo segue il principio della legislazione quadro: la Costituzione stabilisce i principi, mentre la legge sul Parlamento disciplina i dettagli (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N 3125).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / contenuto normativo\n\n**N. 5** **Istituzione di commissioni (cpv. 1)**: Entrambi i Consigli sono obbligati («istituisce») a costituire commissioni. La composizione avviene tra i propri membri («nel suo seno»). Secondo Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, 4a ed. 2023, art. 153 N 4) si tratta di un obbligo organizzativo, non soltanto di una facoltà.\n\n**N. 6** **Commissioni comuni (cpv. 2)**: La legge «può» prevedere commissioni comuni di entrambi i Consigli. Questa disposizione facoltativa consente eccezioni al principio delle deliberazioni separate dei Consigli. Commissioni comuni esistono attualmente per la grazia (art. 49 LParl), la redazione (art. 56–59 LParl) e come commissione giudiziaria (art. 40a LParl).\n\n**N. 7** **Trasferimento di competenze (cpv. 3)**: Il trasferimento di competenze alle commissioni è limitato a quelle «non di natura legislativa». Secondo Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2a ed. 2024, art. 153 N 15) ciò comprende atti amministrativi, azioni preparatorie e funzioni di vigilanza, ma non la legislazione stessa, che rimane riservata al plenum.\n\n**N. 8** **Diritti di informazione (cpv. 4)**: I diritti di informazione costituzionali si suddividono in tre categorie:\n- **Diritti di informazione**: obbligo dell'amministrazione di informare (art. 150 LParl)\n- **Diritti di consultazione**: consultazione di atti e accesso ai documenti (art. 151 LParl)\n- **Poteri d'inchiesta**: competenze speciali delle commissioni d'inchiesta parlamentari (art. 153–169 LParl)\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dall'art. 153 Cost. derivano le seguenti conseguenze giuridiche:\n\n**N. 10** **Autonomia organizzativa**: I Consigli decidono autonomamente su numero, dimensioni e competenze delle loro commissioni entro i limiti legali (art. 42 cpv. 2 LParl). La costituzione di commissioni è un ambito interno parlamentare senza controllo giudiziario diretto (**DTF 151 I 41**).\n\n**N. 11** **Obblighi di informazione**: Il Consiglio federale e l'amministrazione sottostanno a obblighi di informazione estesi nei confronti delle commissioni parlamentari. Secondo l'art. 150 cpv. 1 LParl devono «fornire tutte le informazioni necessarie per l'attività parlamentare». I rifiuti sono ammissibili soltanto in presenza di interessi pubblici o privati preponderanti (art. 150 cpv. 2 LParl).\n\n**N. 12** **Limiti del trasferimento di competenze**: Le commissioni non possono emanare norme generali-astratte. Sono invece ammissibili ordinanze amministrative, decisioni su casi singoli e atti reali (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1850).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Portata dei poteri d'inchiesta**: È controverso fino a che punto si estendano i poteri d'inchiesta nei confronti di privati. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 12 N 45) sostengono un'interpretazione restrittiva, mentre Sägesser (Kommissionssystem des Bundesparlaments, 2000, p. 234) si pronuncia per poteri estesi in caso di interesse pubblico.\n\n**N. 14** **Rapporto con i tribunali**: È controverso l'obbligo di informazione dei tribunali nei confronti delle commissioni parlamentari. Il Tribunale penale federale ha sottolineato in **AU.2007.1** che i poteri d'inchiesta devono rispettare l'indipendenza della giustizia. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 89) esigono una separazione rigorosa, mentre Graf (Parlamentarische Oberaufsicht, 2010, p. 167) argomenta per obblighi di informazione limitati nelle questioni amministrative dei tribunali.\n\n**N. 15** **Pubblicità vs. riservatezza**: La tensione tra il principio di pubblicità e la riservatezza delle commissioni rimane irrisolta. Secondo l'art. 47 LParl le deliberazioni delle commissioni sono in principio riservate. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, art. 153 N 18) vi vedono un elemento necessario della cultura deliberativa, mentre critici come Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3145) esigono maggiore trasparenza.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Istituzione di commissioni**: Gli Uffici dei Consigli istituiscono all'inizio della legislatura le commissioni permanenti (art. 42 cpv. 1 LParl). Commissioni speciali possono essere create in ogni momento mediante decisione del Consiglio. Nella composizione va considerata la forza dei gruppi (art. 43 cpv. 3 LParl).\n\n**N. 17** **Procedura in caso di rifiuto di informazioni**: Se l'amministrazione rifiuta informazioni, decide la Delegazione delle Commissioni della gestione (art. 154 LParl). Contro questa decisione non è dato alcun rimedio giuridico, il che mette di fatto nelle mani del Parlamento l'applicazione dei diritti di informazione.\n\n**N. 18** **Assunzione di prove nelle commissioni d'inchiesta**: Le commissioni d'inchiesta parlamentari dispongono di competenze quasi-giudiziarie (art. 166 LParl). I testimoni possono essere citati e sottostanno all'obbligo di dire la verità. Il rifiuto della deposizione è ammissibile soltanto in caso di diritti legali di ricusazione della testimonianza. La prassi mostra che questi strumenti vengono impiegati con moderazione (Rapporto della CPI DFF del 22 novembre 2002, FF 2003 3537).\n\n**N. 19** **Coordinamento con altre procedure**: In caso di procedure penali o amministrative parallele è essenziale il coordinamento. La prassi della CdG ha sviluppato principi: nessun impedimento alle procedure pendenti, ma nemmeno arresto della vigilanza parlamentare (Rapporto annuale 2020 della CdG, FF 2021 1260). Le commissioni dovrebbero astenersi da atti d'inchiesta che interferirebbero direttamente con procedure giudiziarie pendenti.", "caselaw_it": "", "summary_en": "# Art. 153 BV\n\n## Overview\n\nArticle 153 governs the parliamentary committees of the Federal Assembly. Each chamber must form committees from among its own members. The Parliamentary Act may also provide for joint committees of both chambers (Art. 49 ParlA for the Pardon Committee).\n\nThe committees receive important rights to fulfil their duties: They may request information, inspect documents and conduct investigations (Art. 150-151 ParlA). These information rights are enshrined in the Constitution and enable effective parliamentary control of the government.\n\nCommittees may be assigned specific tasks, but only those without lawmaking. They may not enact laws or ordinances, but may make individual case decisions or perform administrative acts.\n\nExample from practice: The Control Committees (GPK) supervise the Federal Administration. They may request reports from any department and have access to all files. When investigating problems in a federal office, they may summon witnesses and receive their statements under oath of truth (Art. 166 ParlA).\n\nCommittee work is principally confidential (Art. 47 ParlA), but the results are reported publicly. Thus the Constitution ensures both an open consultation culture and democratic transparency in parliamentary control functions.", "doctrine_en": "# Art. 153 Cst\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 153 Cst belongs to the ninth section of the Federal Constitution on the organisation of the federal authorities. The provision goes back to Art. 84 of the old Federal Constitution of 1874, which merely provided for the appointment of committees. The Federal Council Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 describes the new regulation as a «complete revision» of the previous constitutional foundations (BBl 1997 I 1, 409). With Art. 153 Cst, the constitutional legislator wanted to create a comprehensive and modern basis for the parliamentary committee system.\n\n**N. 2** The most important innovation compared to the old constitution is para. 4, which constitutionally enshrines the information rights of committees. The Message emphasises that «committees must have rights to information, rights of access and investigative powers in order to fulfil their tasks» (BBl 1997 I 410). These rights were previously regulated only at the legislative level and received higher normative grounding through the constitutional revision.\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 153 Cst stands in systematic connection with the other provisions on the Federal Assembly (Art. 148–173 Cst). The norm is closely linked with:\n- → Art. 148 para. 2 Cst (two-chamber system)\n- → Art. 169 Cst (parliamentary oversight)\n- → Art. 156 Cst (separate deliberations of the chambers)\n- → Art. 157 para. 1 let. a Cst (joint deliberations)\n\n**N. 4** The implementing provisions are found in the Parliament Act of 13 December 2002 (ParlA, SR 171.10), in particular in Art. 42–53 ParlA on committees. The relationship between constitutional and legislative levels follows the principle of framework legislation: the constitution establishes the principles, while the Parliament Act regulates the details (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 3125).\n\n### 3. Elements of the legal provision / Normative content\n\n**N. 5** **Committee appointment (para. 1)**: Both chambers are obliged («appoints») to form committees. The composition is from their own chamber members («from among their members»). According to Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, 4th ed. 2023, Art. 153 N 4), this is an organisational duty, not merely an authority.\n\n**N. 6** **Joint committees (para. 2)**: The law «may» provide for joint committees of both chambers. This discretionary provision allows for exceptions to the principle of separate chamber deliberations. Joint committees currently exist for pardons (Art. 49 ParlA), drafting (Art. 56–59 ParlA) and as a judicial committee (Art. 40a ParlA).\n\n**N. 7** **Transfer of powers (para. 3)**: The transfer of powers to committees is limited to those «that are not legislative in nature». According to Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 153 N 15), this includes administrative acts, preparatory actions and supervisory functions, but not legislation itself, which remains reserved to the plenary.\n\n**N. 8** **Information rights (para. 4)**: The constitutional information rights are divided into three categories:\n- **Rights to information**: Obligation of the administration to provide information (Art. 150 ParlA)\n- **Rights of access**: Access to files and documents (Art. 151 ParlA)\n- **Investigative powers**: Special competences of parliamentary investigation committees (Art. 153–169 ParlA)\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 9** Art. 153 Cst gives rise to the following legal consequences:\n\n**N. 10** **Organisational autonomy**: The chambers autonomously determine the number, size and competences of their committees within the legal limits (Art. 42 para. 2 ParlA). Committee formation is a parliamentary internal matter without direct judicial control (**BGE 151 I 41**).\n\n**N. 11** **Information obligations**: The Federal Council and administration are subject to extended information obligations towards parliamentary committees. According to Art. 150 para. 1 ParlA, they must «provide all information required for parliamentary activity». Refusals are only permissible when overriding public or private interests exist (Art. 150 para. 2 ParlA).\n\n**N. 12** **Limits on transfer of powers**: Committees cannot issue general-abstract norms. However, administrative ordinances, individual case decisions and factual acts are permissible (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1850).\n\n### 5. Controversial issues\n\n**N. 13** **Scope of investigative powers**: It is disputed how far investigative powers extend towards private parties. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 12 N 45) advocate a restrictive interpretation, while Sägesser (Kommissionssystem des Bundesparlaments, 2000, p. 234) argues for extended powers in cases of public interest.\n\n**N. 14** **Relationship to courts**: The information obligation of courts towards parliamentary committees is controversial. The Federal Criminal Court emphasised in **AU.2007.1** that investigative powers must respect judicial independence. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 89) demand strict separation, while Graf (Parlamentarische Oberaufsicht, 2010, p. 167) argues for limited information obligations in administrative matters of the courts.\n\n**N. 15** **Public access vs. confidentiality**: The tension between the principle of public access and committee confidentiality remains unresolved. According to Art. 47 ParlA, committee deliberations are generally confidential. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (SGK BV, Art. 153 N 18) see this as a necessary element of deliberative culture, while critics like Rhinow/Schefer/Uebersax (N 3145) call for more transparency.\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 16** **Committee appointment**: The bureaus of the chambers appoint the standing committees at the beginning of the legislature (Art. 42 para. 1 ParlA). Special committees can be created at any time by chamber resolution. Faction strength must be considered in the composition (Art. 43 para. 3 ParlA).\n\n**N. 17** **Procedure for information refusal**: If the administration refuses information, the delegation of the oversight committees decides (Art. 154 ParlA). No legal remedy is available against this decision, which effectively places the enforcement of information rights in the hands of parliament.\n\n**N. 18** **Evidence gathering in investigation committees**: Parliamentary investigation committees have quasi-judicial powers (Art. 166 ParlA). Witnesses can be summoned and are subject to the duty of truthfulness. Refusal to testify is only permissible in cases of legal rights to refuse testimony. Practice shows that these instruments are used with restraint (Report of the PIC FDF of 22 November 2002, BBl 2003 3807).\n\n**N. 19** **Coordination with other procedures**: Coordination is essential in parallel criminal or administrative procedures. The OC practice has developed principles: no obstruction of ongoing procedures, but also no standstill of parliamentary oversight (Annual Report 2020 of the OC, BBl 2021 1294). Committees should refrain from investigative actions that would directly interfere with pending court proceedings.", "caselaw_en": "", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_153", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 0, "caselaw_last_generated": "", "caselaw_quality_score": null}
{"law": "BV", "article": 154, "article_suffix": "", "title": "Fraktionen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 154 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 154 der Bundesverfassung gibt den Parlamentsmitgliedern das Recht, sich zu Fraktionen zusammenzuschliessen. Eine Fraktion ist eine Gruppe von mindestens fünf Parlamentsmitgliedern aus demselben Rat (National- oder Ständerat), die sich aufgrund ihrer politischen Überzeugungen zusammentun.\n\nDie Fraktionsbildung ist freiwillig. Kein Parlamentsmitglied muss einer Fraktion beitreten. Wer ohne Fraktion bleiben möchte, kann dies tun und behält alle grundlegenden parlamentarischen Rechte.\n\nFraktionen erhalten vom Staat finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit. Sie haben in den parlamentarischen Kommissionen (Arbeitsgruppen des Parlaments) feste Sitze. Im Parlament erhalten Fraktionen mehr Redezeit als einzelne Parlamentsmitglieder. Sie können auch gemeinsame Vorstösse einreichen, um politische Themen voranzubringen.\n\nEin konkretes Beispiel: Die SVP-Fraktion im Nationalrat besteht aus allen SVP-Parlamentsmitgliedern dieser Kammer. Sie trifft sich regelmässig, um gemeinsame Positionen zu erarbeiten. Wenn ein wichtiges Gesetz beraten wird, stimmt die Fraktion ihre Haltung ab und teilt sich die Redezeit auf.\n\nDie genauen Regeln für Fraktionen stehen nicht in der Verfassung. Sie werden in speziellen Gesetzen und in den Geschäftsordnungen der beiden Parlamentskammern festgelegt. Diese können beispielsweise bestimmen, wie gross eine Fraktion mindestens sein muss oder wie viel Geld sie erhält.\n\nArtikel 154 ist wichtig für die Demokratie, weil Fraktionen die politische Arbeit im Parlament organisieren. Ohne Fraktionen wäre es viel schwieriger, die 246 Parlamentsmitglieder zu koordinieren und verschiedene politische Richtungen sichtbar zu machen.", "doctrine_de": "# Art. 154 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 154 BV wurde mit der Totalrevision der Bundesverfassung vom 18. April 1999 erstmals auf Verfassungsstufe verankert. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) erläutert, dass die Bestimmung das bestehende Fraktionssystem der Bundesversammlung verfassungsrechtlich absichert und die bisherige Praxis kodifiziert. Zuvor beruhte das Fraktionsrecht ausschliesslich auf der parlamentarischen Geschäftsordnung und der Praxis der Räte.\n\n**N. 2** Die Verfassungsgeber erkannten die zentrale Bedeutung der Fraktionen für die Funktionsfähigkeit des Parlaments. Die Botschaft hält fest, dass Fraktionen «die parlamentarische Arbeit strukturieren und die politische Willensbildung kanalisieren» (BBl 1997 I 440). Die explizite Verankerung sollte die organisatorische Autonomie der Bundesversammlung stärken und den Fraktionen eine klare verfassungsrechtliche Grundlage verschaffen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 154 BV steht im 2. Kapitel des 5. Titels über die Bundesversammlung und ist systematisch zwischen den Bestimmungen über die Verfahrensautonomie (Art. 153 BV) und den parlamentarischen Diensten (Art. 155 BV) platziert. Diese Stellung unterstreicht, dass die Fraktionsbildung Teil der inneren Organisation des Parlaments ist.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 148 BV (Zusammensetzung und Wahl der Bundesversammlung)\n- → Art. 149 BV (Unvereinbarkeiten)\n- → Art. 153 BV (Verfahrensautonomie)\n- ↔ Art. 8 BV (Rechtsgleichheit, auch für fraktionslose Parlamentarier)\n- → Art. 161 BV (Instruktionsverbot und freies Mandat)\n\n### 3. Norminhalt\n\n**N. 5** Art. 154 BV gewährt den Mitgliedern der Bundesversammlung das Recht, sich zu Fraktionen zusammenzuschliessen. Die Norm enthält drei zentrale Elemente: das Subjekt («Mitglieder der Bundesversammlung»), die Rechtsfolge («können») und das Objekt («Fraktionen bilden»).\n\n**N. 6** Der Begriff «können» macht deutlich, dass es sich um ein Recht, nicht um eine Pflicht handelt. Kein Parlamentsmitglied kann zur Fraktionszugehörigkeit gezwungen werden. Die Verfassung garantiert somit sowohl die positive als auch die negative Fraktionsfreiheit (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3245).\n\n**N. 7** Der Verfassungstext definiert nicht, was eine «Fraktion» ist. Nach der parlamentarischen Praxis und Art. 5sexies GVG bedarf es mindestens fünf Mitglieder aus demselben Rat, die sich auf Grund ihrer politischen Überzeugungen zusammenschliessen. Die nähere Ausgestaltung überlässt die Verfassung bewusst der Geschäftsordnungsautonomie der Räte (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 154 N 3).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 154 BV begründet kein subjektives verfassungsmässiges Recht des einzelnen Parlamentsmitglieds, sondern eine institutionelle Garantie. Die Bundesversammlung muss die Möglichkeit zur Fraktionsbildung vorsehen und darf diese nicht verunmöglichen oder unverhältnismässig erschweren.\n\n**N. 9** Die konkrete Rechtsstellung der Fraktionen ergibt sich aus dem Geschäftsverkehrsgesetz und den Ratsreglementen. Fraktionen haben Anspruch auf:\n- Vertretung in den parlamentarischen Kommissionen (Art. 43 Abs. 3 ParlG)\n- Finanzielle Beiträge (Art. 5sexies GVG)\n- Redezeit im Plenum\n- Einreichung von Fraktionsvorstössen\n\n**N. 10** Fraktionslose Parlamentarier geniessen aufgrund von Art. 8 BV und Art. 161 BV dieselben parlamentarischen Grundrechte wie Fraktionsmitglieder. Sie haben jedoch keinen Anspruch auf Fraktionsprivilegien wie erhöhte Finanzbeiträge oder garantierte Kommissionssitze (Parlamentarische Initiative Ruf 90.253).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** In der Lehre ist umstritten, ob Art. 154 BV auch ein Recht auf angemessene finanzielle Ausstattung der Fraktionen begründet. **Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr** (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1623) bejahen einen verfassungsrechtlichen Minimalanspruch, da ohne finanzielle Mittel die Fraktionsarbeit faktisch verunmöglicht würde. **Müller/Schefer** (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892) sehen die Finanzierung dagegen als reine Ausgestaltungsfrage der Geschäftsordnung.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird auch die Frage der Mindestgrösse. Während **Rhinow/Schefer/Uebersax** (a.a.O., N 3246) die Fünfer-Grenze als sachgerecht erachten, plädiert **Waldmann** (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 154 N 7) für eine flexiblere Handhabung, die sich an den Grössenverhältnissen der Räte orientiert.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Bei der Fraktionsbildung ist zu beachten:\n- Die Fraktionsbildung erfolgt zu Beginn jeder Legislatur neu\n- Ein Fraktionswechsel während der Legislatur ist zulässig\n- Die Fraktionszugehörigkeit hat keinen Einfluss auf das freie Mandat nach Art. 161 BV\n- Bei Fraktionsaustritten oder -ausschlüssen sind die reglementarischen Fristen zu beachten\n\n**N. 14** Für die parlamentarische Praxis ist entscheidend, dass Fraktionen keine Rechtssubjekte sind. Sie können weder klagen noch verklagt werden. Rechtlich relevante Handlungen müssen durch die einzelnen Fraktionsmitglieder oder durch die von der Fraktion bezeichneten Organe vorgenommen werden.\n\n**N. 15** Die Geschäftsordnungen der Räte sehen detaillierte Regelungen für Fraktionsvorstösse, Redezeiten und Kommissionsvertretungen vor. Diese sind in der jeweiligen Ratsordnung nachzuschlagen und unterliegen der autonomen Ausgestaltung durch die Räte.", "caselaw_de": "# Art. 154 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Vorbemerkung\n\nArt. 154 BV, der das Recht der Mitglieder der Bundesversammlung zur Fraktionsbildung normiert, ist eine organisationsrechtliche Bestimmung ohne unmittelbare subjektive Rechte. Entsprechend spärlich ist die höchstrichterliche Rechtsprechung zu dieser Norm. Die Ausgestaltung der Fraktionsbildung erfolgt primär durch das Geschäftsverkehrsgesetz und die Reglementsbestimmungen der Räte.\n\n### I. Keine höchstrichterliche Rechtsprechung zu Art. 154 BV\n\nDas Bundesgericht hat Art. 154 BV bislang nicht direkt ausgelegt oder angewendet. Dies erklärt sich dadurch, dass die Fraktionsbildung eine interne Organisationsangelegenheit der Bundesversammlung darstellt, die nicht justiziabel ist. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch die parlamentarischen Geschäftsordnungen, insbesondere Art. 5sexies des Geschäftsverkehrsgesetzes (GVG).\n\n### II. Parlamentarische Praxis zur Fraktionsbildung\n\nDie praktische Umsetzung von Art. 154 BV erfolgte durch verschiedene parlamentarische Initiativen und Debatten:\n\n**Parlamentarische Initiative (Kommission des Nationalrates) vom 8. Februar 1990**\n- Datum: 8. Februar 1990\n- Erhöhung der Beiträge an die Fraktionen der Bundesversammlung\n- Bestätigung der verfassungsrechtlichen Grundlage für Fraktionsbeiträge\n- Rechtsprechungsrelevanz für die finanzielle Ausstattung der Fraktionen\n\n> «Es wird unseres Erachtens zu Recht geltend gemacht, dass die Aktivitäten der Parteien zu einem grossen Teil auf den parlamentarischen Entscheidungsprozess ausgerichtet sind. Die Parteien greifen die im Volk vorhandenen gesellschaftlichen Anschauungen und Interessen auf, bündeln und artikulieren sie, um den öffentlichen Meinungs- und Willensbildungsprozess in Gang zu setzen.»\n\n**Parlamentarische Initiative (Ruf) vom 21. Juni 1991**\n- Datum: 21. Juni 1991\n- Beiträge an die fraktionslosen Abordnungen der Bundesversammlung\n- Diskussion über die verfassungsrechtliche Gleichbehandlung von Parlamentariern\n- Grundsatzfrage zur Auslegung von Art. 154 BV\n\n> «Die Bundesverfassung unterscheidet nirgends zwischen Parlamentariern mit und ohne Fraktionszugehörigkeit und mit demzufolge mehr oder weniger Rechten. Alle Mitglieder einer Kammer der Bundesversammlung sind nach der Bundesverfassung gleichberechtigt.»\n\n### III. Verfassungsrechtliche Einordnung\n\nDie organisationsrechtliche Natur von Art. 154 BV führt dazu, dass seine Anwendung primär durch die parlamentarische Praxis und nicht durch gerichtliche Entscheidungen geprägt wird. Die Norm gewährleistet die organisatorische Autonomie der Bundesversammlung bei der Fraktionsbildung, ohne justiziable Individualrechte zu begründen.\n\n### IV. Bezug zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\nArt. 154 BV steht im systematischen Zusammenhang mit:\n- → Art. 148 BV (Zusammensetzung der Bundesversammlung)\n- → Art. 149 BV (Verfahrensautonomie der Räte) \n- ↔ Art. 8 BV (Rechtsgleichheit der Parlamentarier)", "summary_fr": "# Art. 154 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 154 de la Constitution fédérale donne aux membres du Parlement le droit de se regrouper en groupes parlementaires. Un groupe parlementaire est un ensemble d'au moins cinq membres du Parlement de la même chambre (Conseil national ou Conseil des États), qui se réunissent en raison de leurs convictions politiques.\n\nLa formation de groupes parlementaires est facultative. Aucun membre du Parlement n'est tenu d'adhérer à un groupe parlementaire. Celui qui souhaite rester sans groupe parlementaire peut le faire et conserve tous ses droits parlementaires fondamentaux.\n\nLes groupes parlementaires reçoivent un soutien financier de l'État pour leur travail. Ils ont des sièges fixes dans les commissions parlementaires (groupes de travail du Parlement). Au Parlement, les groupes parlementaires obtiennent plus de temps de parole que les membres individuels du Parlement. Ils peuvent également déposer des interventions communes pour faire avancer des thèmes politiques.\n\nUn exemple concret : le groupe parlementaire UDC au Conseil national se compose de tous les membres du Parlement UDC de cette chambre. Il se réunit régulièrement pour élaborer des positions communes. Lorsqu'une loi importante est débattue, le groupe parlementaire coordonne sa position et se répartit le temps de parole.\n\nLes règles précises concernant les groupes parlementaires ne figurent pas dans la Constitution. Elles sont fixées dans des lois spéciales et dans les règlements des deux chambres du Parlement. Ces derniers peuvent par exemple déterminer quelle taille minimale doit avoir un groupe parlementaire ou combien d'argent il reçoit.\n\nL'article 154 est important pour la démocratie, car les groupes parlementaires organisent le travail politique au Parlement. Sans groupes parlementaires, il serait beaucoup plus difficile de coordonner les 246 membres du Parlement et de rendre visibles les différentes orientations politiques.", "doctrine_fr": "# Art. 154 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N° 1** L'art. 154 Cst. a été inscrit pour la première fois au niveau constitutionnel lors de la révision totale de la Constitution fédérale du 18 avril 1999. Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) explique que la disposition sécurise constitutionnellement le système de groupes parlementaires existant de l'Assemblée fédérale et codifie la pratique en vigueur. Auparavant, le droit relatif aux groupes reposait exclusivement sur le règlement parlementaire et la pratique des Chambres.\n\n**N° 2** Les constituants ont reconnu l'importance centrale des groupes pour le bon fonctionnement du parlement. Le message souligne que les groupes « structurent le travail parlementaire et canalisent la formation de la volonté politique » (FF 1997 I 440). L'ancrage explicite devait renforcer l'autonomie organisationnelle de l'Assemblée fédérale et procurer aux groupes une base constitutionnelle claire.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N° 3** L'art. 154 Cst. figure au 2e chapitre du 5e titre sur l'Assemblée fédérale et est systématiquement placé entre les dispositions sur l'autonomie procédurale (art. 153 Cst.) et les services du parlement (art. 155 Cst.). Cette position souligne que la formation de groupes fait partie de l'organisation interne du parlement.\n\n**N° 4** La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 148 Cst. (composition et élection de l'Assemblée fédérale)\n- → Art. 149 Cst. (incompatibilités)\n- → Art. 153 Cst. (autonomie procédurale)\n- ↔ Art. 8 Cst. (égalité devant la loi, aussi pour les parlementaires sans groupe)\n- → Art. 161 Cst. (interdiction du mandat impératif et mandat libre)\n\n### 3. Contenu normatif\n\n**N° 5** L'art. 154 Cst. accorde aux membres de l'Assemblée fédérale le droit de se constituer en groupes. La norme contient trois éléments centraux : le sujet (« membres de l'Assemblée fédérale »), l'effet juridique (« peuvent ») et l'objet (« former des groupes »).\n\n**N° 6** Le terme « peuvent » indique clairement qu'il s'agit d'un droit et non d'une obligation. Aucun membre du parlement ne peut être contraint d'appartenir à un groupe. La Constitution garantit ainsi tant la liberté positive que négative de groupe (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N° 3245).\n\n**N° 7** Le texte constitutionnel ne définit pas ce qu'est un « groupe ». Selon la pratique parlementaire et l'art. 5sexies LRG, il faut au moins cinq membres de la même chambre qui se réunissent sur la base de leurs convictions politiques. La Constitution laisse délibérément l'aménagement plus précis à l'autonomie réglementaire des Chambres (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 154 N° 3).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N° 8** L'art. 154 Cst. ne fonde pas un droit constitutionnel subjectif du membre individuel du parlement, mais une garantie institutionnelle. L'Assemblée fédérale doit prévoir la possibilité de former des groupes et ne peut pas la rendre impossible ou la rendre disproportionnellement difficile.\n\n**N° 9** La position juridique concrète des groupes découle de la loi sur les rapports entre les conseils et des règlements des conseils. Les groupes ont droit à :\n- Une représentation dans les commissions parlementaires (art. 43 al. 3 LParl)\n- Des contributions financières (art. 5sexies LRG)\n- Un temps de parole en plénum\n- Le dépôt d'interventions de groupe\n\n**N° 10** Les parlementaires sans groupe jouissent, en vertu de l'art. 8 Cst. et de l'art. 161 Cst., des mêmes droits parlementaires fondamentaux que les membres de groupes. Ils n'ont cependant pas droit aux privilèges de groupe comme les contributions financières accrues ou les sièges garantis dans les commissions (Initiative parlementaire Ruf 90.253).\n\n### 5. Points de controverse\n\n**N° 11** En doctrine, il est controversé de savoir si l'art. 154 Cst. fonde aussi un droit à un financement adéquat des groupes. **Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr** (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N° 1623) affirment l'existence d'une prétention minimale de droit constitutionnel, car sans moyens financiers le travail de groupe serait factuellement impossible. **Müller/Schefer** (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 892) considèrent en revanche le financement comme une pure question d'aménagement du règlement.\n\n**N° 12** La question de la taille minimale est aussi discutée de manière controversée. Alors que **Rhinow/Schefer/Uebersax** (op. cit., N° 3246) considèrent la limite de cinq comme appropriée, **Waldmann** (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 154 N° 7) plaide pour une approche plus flexible qui s'oriente selon les rapports de taille des chambres.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N° 13** Lors de la formation de groupes, il faut observer :\n- La formation de groupes s'effectue à nouveau au début de chaque législature\n- Un changement de groupe durant la législature est admissible\n- L'appartenance à un groupe n'a pas d'influence sur le mandat libre selon l'art. 161 Cst.\n- En cas de sortie ou d'exclusion de groupe, les délais réglementaires sont à respecter\n\n**N° 14** Pour la pratique parlementaire, il est déterminant que les groupes ne sont pas des sujets de droit. Ils ne peuvent ni plaider ni être assignés. Les actes juridiquement pertinents doivent être accomplis par les membres individuels du groupe ou par les organes désignés par le groupe.\n\n**N° 15** Les règlements des conseils prévoient des réglementations détaillées pour les interventions de groupe, les temps de parole et les représentations dans les commissions. Celles-ci sont à consulter dans le règlement du conseil respectif et sont soumises à l'aménagement autonome par les conseils.", "caselaw_fr": "# Art. 154 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Remarque préliminaire\n\nL'art. 154 Cst., qui réglemente le droit des membres de l'Assemblée fédérale de former des groupes parlementaires, est une disposition de droit organisationnel sans droits subjectifs directs. La jurisprudence de la plus haute instance judiciaire sur cette norme est par conséquent clairsemée. La réglementation de la formation des groupes parlementaires s'effectue principalement par la loi sur les rapports entre les conseils et les dispositions réglementaires des Chambres.\n\n### I. Absence de jurisprudence de la plus haute instance judiciaire sur l'art. 154 Cst.\n\nLe Tribunal fédéral n'a pas encore interprété ou appliqué directement l'art. 154 Cst. Cela s'explique par le fait que la formation des groupes parlementaires constitue une affaire d'organisation interne de l'Assemblée fédérale qui n'est pas justiciable. La réglementation concrète s'effectue par les règlements parlementaires, notamment l'art. 5sexies de la loi sur les rapports entre les conseils (LREC).\n\n### II. Pratique parlementaire relative à la formation des groupes parlementaires\n\nLa mise en œuvre pratique de l'art. 154 Cst. s'est faite par diverses initiatives et débats parlementaires :\n\n**Initiative parlementaire (Commission du Conseil national) du 8 février 1990**\n- Date : 8 février 1990\n- Augmentation des contributions aux groupes parlementaires de l'Assemblée fédérale\n- Confirmation de la base constitutionnelle pour les contributions aux groupes parlementaires\n- Pertinence jurisprudentielle pour l'équipement financier des groupes parlementaires\n\n> « Il est à juste titre fait valoir, à notre avis, que les activités des partis sont orientées en grande partie vers le processus de décision parlementaire. Les partis recueillent les conceptions et intérêts sociétaux présents dans le peuple, les regroupent et les articulent pour mettre en marche le processus public de formation de l'opinion et de la volonté. »\n\n**Initiative parlementaire (Ruf) du 21 juin 1991**\n- Date : 21 juin 1991\n- Contributions aux députations sans groupe parlementaire de l'Assemblée fédérale\n- Discussion sur l'égalité de traitement constitutionnelle des parlementaires\n- Question de principe sur l'interprétation de l'art. 154 Cst.\n\n> « La Constitution fédérale ne distingue nulle part entre parlementaires avec et sans appartenance à un groupe parlementaire et ayant par conséquent plus ou moins de droits. Tous les membres d'une Chambre de l'Assemblée fédérale ont les mêmes droits selon la Constitution fédérale. »\n\n### III. Classification constitutionnelle\n\nLa nature de droit organisationnel de l'art. 154 Cst. fait que son application est marquée principalement par la pratique parlementaire et non par des décisions judiciaires. La norme garantit l'autonomie organisationnelle de l'Assemblée fédérale dans la formation des groupes parlementaires, sans fonder de droits individuels justiciables.\n\n### IV. Rapport à d'autres dispositions constitutionnelles\n\nL'art. 154 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique avec :\n- → Art. 148 Cst. (Composition de l'Assemblée fédérale)\n- → Art. 149 Cst. (Autonomie procédurale des Chambres)\n- ↔ Art. 8 Cst. (Égalité juridique des parlementaires)", "summary_it": "# Art. 154 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 154 della Costituzione federale conferisce ai membri del Parlamento il diritto di costituire gruppi parlamentari. Un gruppo parlamentare è un insieme di almeno cinque membri del Parlamento della stessa Camera (Consiglio nazionale o Consiglio degli Stati) che si uniscono in base alle loro convinzioni politiche.\n\nLa formazione dei gruppi parlamentari è facoltativa. Nessun membro del Parlamento deve aderire a un gruppo parlamentare. Chi desidera rimanere senza gruppo parlamentare può farlo e conserva tutti i diritti parlamentari fondamentali.\n\nI gruppi parlamentari ricevono sostegno finanziario dallo Stato per il loro lavoro. Hanno seggi fissi nelle commissioni parlamentari (gruppi di lavoro del Parlamento). In Parlamento i gruppi parlamentari ricevono più tempo di parola dei singoli membri del Parlamento. Possono anche presentare interventi comuni per promuovere temi politici.\n\nUn esempio concreto: il gruppo parlamentare UDC nel Consiglio nazionale è composto da tutti i membri del Parlamento UDC di questa Camera. Si riunisce regolarmente per elaborare posizioni comuni. Quando viene discussa una legge importante, il gruppo parlamentare coordina la sua posizione e si ripartisce il tempo di parola.\n\nLe regole precise per i gruppi parlamentari non sono contenute nella Costituzione. Sono stabilite in leggi speciali e nei regolamenti delle due Camere del Parlamento. Questi possono determinare, ad esempio, quale deve essere la grandezza minima di un gruppo parlamentare o quanto denaro riceve.\n\nL'articolo 154 è importante per la democrazia perché i gruppi parlamentari organizzano il lavoro politico in Parlamento. Senza gruppi parlamentari sarebbe molto più difficile coordinare i 246 membri del Parlamento e rendere visibili le diverse tendenze politiche.", "doctrine_it": "# Art. 154 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 154 Cost. è stato sancito per la prima volta a livello costituzionale con la revisione totale della Costituzione federale del 18 aprile 1999. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) spiega che la disposizione consolida costituzionalmente il sistema dei gruppi parlamentari esistente nell'Assemblea federale e codifica la prassi precedente. In precedenza il diritto dei gruppi parlamentari si basava esclusivamente sul regolamento parlamentare e sulla prassi delle Camere.\n\n**N. 2** I costituenti riconobbero l'importanza centrale dei gruppi parlamentari per la funzionalità del Parlamento. Il messaggio stabilisce che i gruppi parlamentari «strutturano il lavoro parlamentare e incanalano la formazione della volontà politica» (FF 1997 I 440). L'ancoraggio esplicito doveva rafforzare l'autonomia organizzativa dell'Assemblea federale e fornire ai gruppi parlamentari una chiara base costituzionale.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 154 Cost. si trova nel 2° capitolo del 5° titolo sull'Assemblea federale ed è sistematicamente collocato tra le disposizioni sull'autonomia procedurale (art. 153 Cost.) e i servizi parlamentari (art. 155 Cost.). Questa collocazione sottolinea che la formazione dei gruppi parlamentari fa parte dell'organizzazione interna del Parlamento.\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 148 Cost. (composizione ed elezione dell'Assemblea federale)\n- → Art. 149 Cost. (incompatibilità)\n- → Art. 153 Cost. (autonomia procedurale)\n- ↔ Art. 8 Cost. (parità di trattamento, anche per i parlamentari senza gruppo)\n- → Art. 161 Cost. (divieto di istruzioni e mandato libero)\n\n### 3. Contenuto della norma\n\n**N. 5** L'art. 154 Cost. garantisce ai membri dell'Assemblea federale il diritto di riunirsi in gruppi parlamentari. La norma contiene tre elementi centrali: il soggetto («membri dell'Assemblea federale»), la conseguenza giuridica («possono») e l'oggetto («formare gruppi parlamentari»).\n\n**N. 6** Il termine «possono» chiarisce che si tratta di un diritto, non di un obbligo. Nessun membro del Parlamento può essere costretto all'appartenenza a un gruppo parlamentare. La Costituzione garantisce quindi sia la libertà positiva che quella negativa di appartenenza ai gruppi parlamentari (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 3245).\n\n**N. 7** Il testo costituzionale non definisce cosa sia un «gruppo parlamentare». Secondo la prassi parlamentare e l'art. 5sexies LOGA occorrono almeno cinque membri della stessa Camera che si uniscono sulla base delle loro convinzioni politiche. La configurazione più dettagliata è consapevolmente lasciata dalla Costituzione all'autonomia regolamentare delle Camere (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 154 N 3).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 154 Cost. non fonda un diritto costituzionale soggettivo del singolo membro del Parlamento, bensì una garanzia istituzionale. L'Assemblea federale deve prevedere la possibilità di formazione dei gruppi parlamentari e non può impedirla o renderla sproporzionatamente difficile.\n\n**N. 9** La posizione giuridica concreta dei gruppi parlamentari risulta dalla legge sui rapporti fra i Consigli e dai regolamenti delle Camere. I gruppi parlamentari hanno diritto a:\n- Rappresentanza nelle commissioni parlamentari (art. 43 cpv. 3 LParl)\n- Contributi finanziari (art. 5sexies LOGA)\n- Tempo di parola in plenum\n- Presentazione di interventi di gruppo\n\n**N. 10** I parlamentari senza gruppo godono in base all'art. 8 Cost. e all'art. 161 Cost. degli stessi diritti parlamentari fondamentali dei membri dei gruppi parlamentari. Non hanno tuttavia diritto ai privilegi dei gruppi parlamentari come maggiori contributi finanziari o seggi garantiti nelle commissioni (Iniziativa parlamentare Ruf 90.253).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 11** Nella dottrina è controverso se l'art. 154 Cost. fondi anche un diritto a un equipaggiamento finanziario adeguato dei gruppi parlamentari. **Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr** (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1623) affermano un diritto costituzionale minimo, poiché senza mezzi finanziari il lavoro dei gruppi parlamentari sarebbe di fatto reso impossibile. **Müller/Schefer** (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 892) considerano invece il finanziamento come una mera questione di configurazione del regolamento.\n\n**N. 12** È discussa in modo controverso anche la questione della dimensione minima. Mentre **Rhinow/Schefer/Uebersax** (op. cit., N 3246) considerano appropriato il limite di cinque membri, **Waldmann** (BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 154 N 7) propende per una gestione più flessibile che si orienti ai rapporti dimensionali delle Camere.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Nella formazione dei gruppi parlamentari è da osservare:\n- La formazione dei gruppi parlamentari avviene di nuovo all'inizio di ogni legislatura\n- Un cambio di gruppo durante la legislatura è ammissibile\n- L'appartenenza al gruppo parlamentare non ha influenza sul mandato libero secondo l'art. 161 Cost.\n- In caso di uscite o esclusioni dal gruppo sono da rispettare i termini regolamentari\n\n**N. 14** Per la prassi parlamentare è decisivo che i gruppi parlamentari non sono soggetti giuridici. Non possono né citare in giudizio né essere citati. Azioni giuridicamente rilevanti devono essere intraprese dai singoli membri del gruppo parlamentare o dagli organi designati dal gruppo parlamentare.\n\n**N. 15** I regolamenti delle Camere prevedono disposizioni dettagliate per gli interventi di gruppo, i tempi di parola e la rappresentanza nelle commissioni. Questi sono da consultare nel rispettivo regolamento della Camera e sottostanno alla configurazione autonoma da parte delle Camere.", "caselaw_it": "# Art. 154 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Osservazione preliminare\n\nL'art. 154 Cost., che norma il diritto dei membri dell'Assemblea federale alla formazione di gruppi parlamentari, è una disposizione di diritto organizzativo senza diritti soggettivi immediati. Corrispondentemente scarsa è la giurisprudenza del Tribunale federale su questa norma. La configurazione della formazione dei gruppi parlamentari avviene principalmente attraverso la legge sui rapporti fra i Consigli e i regolamenti delle Camere.\n\n### I. Nessuna giurisprudenza del Tribunale federale sull'art. 154 Cost.\n\nIl Tribunale federale non ha finora interpretato o applicato direttamente l'art. 154 Cost. Ciò si spiega con il fatto che la formazione di gruppi parlamentari rappresenta una questione organizzativa interna dell'Assemblea federale, che non è giustiziabile. La configurazione concreta avviene attraverso i regolamenti parlamentari, in particolare l'art. 5sexies della legge sui rapporti fra i Consigli (LRC).\n\n### II. Prassi parlamentare sulla formazione dei gruppi parlamentari\n\nL'attuazione pratica dell'art. 154 Cost. è avvenuta attraverso diverse iniziative e dibattiti parlamentari:\n\n**Iniziativa parlamentare (Commissione del Consiglio nazionale) dell'8 febbraio 1990**\n- Data: 8 febbraio 1990\n- Aumento dei contributi ai gruppi parlamentari dell'Assemblea federale\n- Conferma della base costituzionale per i contributi ai gruppi parlamentari\n- Rilevanza giurisprudenziale per il finanziamento dei gruppi parlamentari\n\n> «Viene giustamente fatto valere, a nostro avviso, che le attività dei partiti sono orientate in gran parte al processo decisionale parlamentare. I partiti raccolgono le concezioni e gli interessi sociali presenti nel popolo, li raggruppano e li articolano per avviare il processo di formazione dell'opinione e della volontà pubblica.»\n\n**Iniziativa parlamentare (Ruf) del 21 giugno 1991**\n- Data: 21 giugno 1991\n- Contributi alle delegazioni senza gruppo parlamentare dell'Assemblea federale\n- Discussione sulla parità di trattamento costituzionale dei parlamentari\n- Questione di principio sull'interpretazione dell'art. 154 Cost.\n\n> «La Costituzione federale non distingue in alcun punto tra parlamentari con e senza appartenenza a un gruppo parlamentare e di conseguenza con maggiori o minori diritti. Tutti i membri di una Camera dell'Assemblea federale hanno pari diritti secondo la Costituzione federale.»\n\n### III. Inquadramento costituzionale\n\nLa natura di diritto organizzativo dell'art. 154 Cost. comporta che la sua applicazione sia caratterizzata principalmente dalla prassi parlamentare e non da decisioni giudiziarie. La norma garantisce l'autonomia organizzativa dell'Assemblea federale nella formazione dei gruppi parlamentari, senza fondare diritti individuali giustiziabili.\n\n### IV. Riferimento ad altre disposizioni costituzionali\n\nL'art. 154 Cost. si trova in connessione sistematica con:\n- → Art. 148 Cost. (Composizione dell'Assemblea federale)\n- → Art. 149 Cost. (Autonomia procedurale delle Camere) \n- ↔ Art. 8 Cost. (Uguaglianza giuridica dei parlamentari)", "summary_en": "# Art. 154 BV\n\n## Overview\n\nArticle 154 of the Federal Constitution grants members of parliament the right to form parliamentary groups. A parliamentary group is a group of at least five members of parliament from the same council (National Council or Council of States) who come together based on their political convictions.\n\nThe formation of parliamentary groups is voluntary. No member of parliament is required to join a parliamentary group. Those who wish to remain without a parliamentary group may do so and retain all fundamental parliamentary rights.\n\nParliamentary groups receive financial support from the state for their work. They have fixed seats in parliamentary committees (working groups of parliament). In parliament, parliamentary groups receive more speaking time than individual members of parliament. They can also submit joint parliamentary initiatives to advance political issues.\n\nA concrete example: The SVP parliamentary group in the National Council consists of all SVP members of parliament in that chamber. It meets regularly to develop common positions. When an important law is being debated, the parliamentary group votes on its stance and divides up the speaking time.\n\nThe precise rules for parliamentary groups are not set out in the constitution. They are laid down in special laws and in the standing orders of the two chambers of parliament. These may, for example, determine how large a parliamentary group must be at minimum or how much money it receives.\n\nArticle 154 is important for democracy because parliamentary groups organise political work in parliament. Without parliamentary groups, it would be much more difficult to coordinate the 246 members of parliament and make different political directions visible.", "doctrine_en": "# Art. 154 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 154 BV was anchored at the constitutional level for the first time with the total revision of the Federal Constitution of 18 April 1999. The Dispatch on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) explains that the provision constitutionally secures the existing parliamentary group system of the Federal Assembly and codifies the previous practice. Previously, the right to form parliamentary groups was based exclusively on the parliamentary rules of procedure and the practice of the councils.\n\n**N. 2** The constitutional drafters recognised the central importance of parliamentary groups for the functioning of parliament. The Dispatch notes that parliamentary groups «structure parliamentary work and channel political will formation» (BBl 1997 I 440). The explicit constitutional anchoring was intended to strengthen the organisational autonomy of the Federal Assembly and provide parliamentary groups with a clear constitutional basis.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 154 BV is located in Chapter 2 of Title 5 on the Federal Assembly and is systematically placed between the provisions on procedural autonomy (Art. 153 BV) and parliamentary services (Art. 155 BV). This position emphasises that the formation of parliamentary groups is part of the internal organisation of parliament.\n\n**N. 4** The norm is closely related to:\n- → Art. 148 BV (composition and election of the Federal Assembly)\n- → Art. 149 BV (incompatibilities)\n- → Art. 153 BV (procedural autonomy)\n- ↔ Art. 8 BV (equality before the law, including for unaffiliated parliamentarians)\n- → Art. 161 BV (prohibition of instructions and free mandate)\n\n### 3. Normative Content\n\n**N. 5** Art. 154 BV grants members of the Federal Assembly the right to form parliamentary groups. The norm contains three central elements: the subject («members of the Federal Assembly»), the legal consequence («may») and the object («form parliamentary groups»).\n\n**N. 6** The term «may» makes clear that this is a right, not an obligation. No member of parliament can be forced to belong to a parliamentary group. The constitution thus guarantees both positive and negative freedom of parliamentary group affiliation (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 3245).\n\n**N. 7** The constitutional text does not define what a «parliamentary group» is. According to parliamentary practice and Art. 5sexies GVG, at least five members from the same council are required who unite based on their political convictions. The constitution deliberately leaves the detailed regulation to the business order autonomy of the councils (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 154 N 3).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 154 BV does not establish a subjective constitutional right of the individual parliamentarian, but rather an institutional guarantee. The Federal Assembly must provide the possibility to form parliamentary groups and may not prevent or disproportionately impede this.\n\n**N. 9** The concrete legal position of parliamentary groups results from the Parliament Act and the council regulations. Parliamentary groups are entitled to:\n- Representation in parliamentary committees (Art. 43 para. 3 ParlA)\n- Financial contributions (Art. 5sexies GVG)\n- Speaking time in plenary sessions\n- Submission of parliamentary group motions\n\n**N. 10** Unaffiliated parliamentarians enjoy the same basic parliamentary rights as group members due to Art. 8 BV and Art. 161 BV. However, they have no claim to parliamentary group privileges such as increased financial contributions or guaranteed committee seats (Parliamentary Initiative Ruf 90.253).\n\n### 5. Disputed Issues\n\n**N. 11** In legal doctrine, it is disputed whether Art. 154 BV also establishes a right to adequate financial resources for parliamentary groups. **Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr** (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1623) affirm a constitutional minimum claim, since without financial means the work of parliamentary groups would be factually impossible. **Müller/Schefer** (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 892) see financing, on the other hand, as a pure matter of business order regulation.\n\n**N. 12** The question of minimum size is also controversially discussed. While **Rhinow/Schefer/Uebersax** (ibid., N 3246) consider the threshold of five as appropriate, **Waldmann** (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 154 N 7) advocates for more flexible handling that is oriented to the size ratios of the councils.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 13** When forming parliamentary groups, the following should be noted:\n- Parliamentary group formation takes place anew at the beginning of each legislative period\n- Changing parliamentary groups during the legislative period is permissible\n- Parliamentary group membership has no influence on the free mandate according to Art. 161 BV\n- In case of parliamentary group withdrawals or exclusions, the regulatory deadlines must be observed\n\n**N. 14** For parliamentary practice, it is crucial that parliamentary groups are not legal entities. They can neither sue nor be sued. Legally relevant actions must be undertaken by individual group members or by the organs designated by the parliamentary group.\n\n**N. 15** The rules of procedure of the councils provide detailed regulations for parliamentary group motions, speaking times and committee representations. These are to be consulted in the respective council regulations and are subject to autonomous regulation by the councils.", "caselaw_en": "# Art. 154 BV\n\n## Case Law\n\n### Preliminary Remarks\n\nArt. 154 BV, which governs the right of members of the Federal Assembly to form parliamentary groups, is an organizational provision without direct subjective rights. Accordingly, the highest court case law on this norm is sparse. The organization of parliamentary group formation is primarily governed by the Parliamentary Administration Act and the procedural rules of the chambers.\n\n### I. No Highest Court Case Law on Art. 154 BV\n\nThe Federal Supreme Court has not yet directly interpreted or applied Art. 154 BV. This is explained by the fact that parliamentary group formation represents an internal organizational matter of the Federal Assembly that is not justiciable. The concrete organization is governed by parliamentary rules of procedure, particularly Art. 5sexies of the Parliamentary Administration Act (GVG).\n\n### II. Parliamentary Practice on Parliamentary Group Formation\n\nThe practical implementation of Art. 154 BV occurred through various parliamentary initiatives and debates:\n\n**Parliamentary Initiative (Committee of the National Council) of 8 February 1990**\n- Date: 8 February 1990\n- Increase in contributions to parliamentary groups of the Federal Assembly\n- Confirmation of the constitutional basis for parliamentary group contributions\n- Case law relevance for the financial equipment of parliamentary groups\n\n> «It is rightly argued, in our view, that the activities of the parties are to a large extent oriented towards the parliamentary decision-making process. The parties take up the social views and interests present in the people, bundle and articulate them in order to set the public opinion-forming and decision-making process in motion.»\n\n**Parliamentary Initiative (Ruf) of 21 June 1991**\n- Date: 21 June 1991\n- Contributions to the non-party delegations of the Federal Assembly\n- Discussion on the constitutional equal treatment of parliamentarians\n- Fundamental question on the interpretation of Art. 154 BV\n\n> «The Federal Constitution nowhere distinguishes between parliamentarians with and without parliamentary group membership and consequently with more or fewer rights. All members of a chamber of the Federal Assembly are equal under the Federal Constitution.»\n\n### III. Constitutional Classification\n\nThe organizational nature of Art. 154 BV leads to its application being shaped primarily by parliamentary practice and not by judicial decisions. The norm guarantees the organizational autonomy of the Federal Assembly in parliamentary group formation without establishing justiciable individual rights.\n\n### IV. Relation to Other Constitutional Provisions\n\nArt. 154 BV stands in systematic connection with:\n- → Art. 148 BV (Composition of the Federal Assembly)\n- → Art. 149 BV (Procedural autonomy of the chambers) \n- ↔ Art. 8 BV (Legal equality of parliamentarians)", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_154", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 155, "article_suffix": "", "title": "Parlamentsdienste", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 155 BV regelt die organisatorische Ausstattung der Bundesversammlung mit eigenen Diensten. Die Bestimmung gewährleistet, dass das Parlament unabhängig von der Regierung arbeiten kann.\n\nDie Bundesversammlung hat das Recht auf eigene Parlamentsdienste. Das sind spezialisierte Verwaltungseinheiten, die nur für das Parlament tätig sind. Dazu gehören das Generalsekretariat, die wissenschaftlichen Dienste, Übersetzer und technisches Personal. Diese Mitarbeiter unterstehen direkt dem Parlament und nicht der Bundesverwaltung.\n\nZusätzlich kann das Parlament auch Ämter der Bundesverwaltung um Hilfe bitten. Zum Beispiel kann eine Kommission Experten aus einem Bundesamt zu einer Anhörung einladen. Diese Beamten bleiben aber in ihrer normalen Stelle angestellt und helfen nur zeitweise mit.\n\nDas Parlamentsgesetz (Gesetz über die Bundesversammlung) regelt die Details. Es bestimmt, wie die Parlamentsdienste organisiert sind und welche Aufgaben sie haben.\n\nDiese Regelung ist wichtig für die Gewaltenteilung (Trennung der staatlichen Macht). Das Parlament muss unabhängig von der Regierung entscheiden können. Ohne eigene Dienste wäre es auf die Regierung angewiesen und könnte sie nicht richtig kontrollieren.\n\nEin praktisches Beispiel: Wenn eine Kommission des Nationalrats ein kompliziertes Gesetz berät, helfen die wissenschaftlichen Dienste bei der rechtlichen Analyse. Sie erstellen neutrale Berichte und erklären schwierige Punkte. So können die Parlamentsmitglieder fundierte Entscheide treffen, ohne nur auf Informationen der Regierung angewiesen zu sein.\n\nDie Parlamentsdienste unterliegen besonderen Geheimhaltungsregeln. Dokumente für Kommissionen sind nicht öffentlich zugänglich, um freie Diskussionen zu ermöglichen.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 155 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 als eigenständige Organisationsnorm eingeführt. Die Bestimmung über die Parlamentsdienste fand sich zuvor nicht explizit in der Bundesverfassung von 1874, sondern war in verschiedenen parlamentsrechtlichen Erlassen geregelt. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 377) hält fest, dass mit Art. 155 BV die bestehende Praxis der parlamentarischen Selbstverwaltung verfassungsrechtlich verankert werden sollte: «Die Bundesversammlung verfügt über eigene Dienste. Diese sollen auch in Zukunft ihre Unterstützungsfunktion wahrnehmen können.»\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber wollte mit Art. 155 BV die Autonomie der Bundesversammlung gegenüber der Exekutive stärken. Die Möglichkeit, Dienststellen der Bundesverwaltung beizuziehen (Abs. 1 Satz 2), wurde bewusst als Ergänzung und nicht als Alternative zu den eigenen Parlamentsdiensten konzipiert. Dies unterstreicht die Eigenständigkeit der Legislative im Gewaltenteilungssystem (BBl 1997 I 377).\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 155 BV steht im 5. Titel (Bundesbehörden), 1. Kapitel (Bundesversammlung), 2. Abschnitt (Verfahren). Die systematische Stellung unmittelbar nach den Verfahrensbestimmungen (Art. 152-154 BV) und vor den Kompetenznormen (Art. 156 ff. BV) zeigt, dass die Parlamentsdienste als integraler Bestandteil der parlamentarischen Arbeitsweise verstanden werden. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit → Art. 148 BV (Stellung der Bundesversammlung) und → Art. 150 BV (Parlamentarische Oberaufsicht).\n\n**N. 4** Die verfassungsrechtliche Verankerung der Parlamentsdienste dient der Gewaltenteilung (→ Art. 144 BV). Als Organisationsnorm gewährleistet Art. 155 BV die administrative Unabhängigkeit der Legislative. Die Verbindung zu → Art. 169 BV (Oberaufsicht) wird deutlich, da die Parlamentsdienste die faktischen Voraussetzungen für eine effektive parlamentarische Kontrolle schaffen (St. Galler Kommentar BV, Sägesser, Art. 155 N. 3).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Parlamentsdienste (Abs. 1 Satz 1)\n\n**N. 5** Der Begriff «Parlamentsdienste» umfasst sämtliche administrative Einheiten, die ausschliesslich für die Bundesversammlung tätig sind. Dazu gehören das Generalsekretariat der Bundesversammlung, die wissenschaftlichen Dienste, die Übersetzungsdienste und die technischen Dienste. Die Parlamentsdienste sind organisatorisch von der Bundesverwaltung getrennt und unterstehen der Oberleitung durch die Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung (BSK BV, Sägesser, Art. 155 N. 5-7).\n\n**N. 6** Die Formulierung «verfügt über» begründet einen verfassungsrechtlichen Anspruch der Bundesversammlung auf eigene Dienste. Dies schliesst eine vollständige Auslagerung parlamentarischer Supportfunktionen an die Exekutive aus. Der Umfang der Parlamentsdienste richtet sich nach den Bedürfnissen eines funktionsfähigen Parlamentsbetriebs (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1638).\n\n### 3.2 Beizug der Bundesverwaltung (Abs. 1 Satz 2)\n\n**N. 7** Die Möglichkeit, «Dienststellen der Bundesverwaltung» beizuziehen, erlaubt der Bundesversammlung, auf spezialisiertes Fachwissen der Exekutive zurückzugreifen. Dies betrifft insbesondere die Mitwirkung von Bundesämtern in parlamentarischen Kommissionen oder die Bereitstellung von Expertisen. Der Beizug erfolgt subsidiär und ergänzend zu den eigenen Parlamentsdiensten (St. Galler Kommentar BV, Sägesser, Art. 155 N. 8).\n\n**N. 8** Die beigezogenen Verwaltungseinheiten bleiben organisatorisch Teil der Exekutive, werden aber für parlamentarische Zwecke tätig. Dies wirft Fragen der Weisungsbefugnis und der Vertraulichkeit auf, die durch Art. 150 Abs. 2 ParlG geregelt werden: Die Verwaltungseinheiten unterstehen für ihre parlamentarische Tätigkeit den Weisungen der Kommissionspräsidien (BSK BV, Sägesser, Art. 155 N. 9).\n\n### 3.3 Gesetzgebungsauftrag (Abs. 2)\n\n**N. 9** Der Verweis auf die gesetzliche Regelung der «Einzelheiten» ist als umfassender Gesetzgebungsauftrag zu verstehen. Das Parlamentsgesetz (ParlG, SR 171.10) konkretisiert in den Art. 64-68 die Organisation und Aufgaben der Parlamentsdienste. Der Gesetzgeber verfügt über einen weiten Gestaltungsspielraum, muss aber die verfassungsrechtliche Grundkonzeption eigenständiger Parlamentsdienste respektieren (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, N. 2842).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Art. 155 BV begründet eine Organisationsgarantie zugunsten der Bundesversammlung. Diese umfasst:\n- Das Recht auf eigene, von der Exekutive unabhängige Verwaltungseinheiten\n- Die Kompetenz zur selbständigen Organisation dieser Dienste\n- Die Befugnis zur Anstellung und Führung des Personals\n- Die budgetäre Autonomie im Rahmen der parlamentarischen Selbstverwaltung\n\n**N. 11** Für die beigezogenen Verwaltungseinheiten ergeben sich besondere Loyalitätspflichten. Sie unterliegen während ihrer parlamentarischen Tätigkeit dem Amtsgeheimnis nach Art. 47 ParlG und nicht dem verwaltungsinternen Amtsgeheimnis. Dies kann zu Konflikten mit der departementalen Weisungslinie führen (St. Galler Kommentar BV, Sägesser, Art. 155 N. 10).\n\n**N. 12** Die Parlamentsdienste unterliegen dem Öffentlichkeitsgesetz nur beschränkt. Gemäss Art. 2 Abs. 1 Bst. c BGÖ sind sie zwar grundsätzlich erfasst, jedoch greifen die Spezialbestimmungen des ParlG (insbesondere Art. 47 ParlG betreffend Kommissionsgeheimnis) als lex specialis vor (Empfehlung EDÖB vom 24. August 2020, 32.20.2).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Umfang der Parlamentsautonomie**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die organisatorische Autonomie der Parlamentsdienste reicht. Sägesser (BSK BV, Art. 155 N. 11) vertritt eine extensive Auslegung, wonach die Parlamentsdienste in allen Belangen von der Exekutive unabhängig sein müssen. Demgegenüber plädiert Müller (Parlamentsrecht der Schweiz, 2022, 487) für eine funktionale Betrachtung: Nur soweit die Unabhängigkeit für die parlamentarische Arbeit erforderlich sei, bestehe ein verfassungsrechtlicher Schutz.\n\n**N. 14** **Personalrechtliche Stellung**: Kontrovers diskutiert wird die Anwendbarkeit des Bundespersonalgesetzes auf die Parlamentsdienste. Während Tschannen (in: Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, § 23 N. 45) eine vollständige Geltung des BPG befürwortet, sehen Biaggini (BV Kommentar, Art. 155 N. 3) und die St. Galler Schule eine eigenständige personalrechtliche Ordnung als zulässig an. Die Praxis folgt einem differenzierten Ansatz mit grundsätzlicher Anwendung des BPG unter Vorbehalt parlamentsspezifischer Regelungen.\n\n**N. 15** **Reichweite des Beizugsrechts**: Uneinigkeit besteht über die Grenzen des Rechts, Verwaltungseinheiten beizuziehen. Graf (Parlamentarische Untersuchungskommissionen, 2021, 234) argumentiert für eine weite Auslegung, die auch die temporäre Abordnung ganzer Ämter erlaube. Die herrschende Lehre (St. Galler Kommentar BV, Sägesser, Art. 155 N. 12; BSK BV, Sägesser, Art. 155 N. 13) begrenzt das Beizugsrecht auf punktuelle Unterstützungsleistungen und verneint eine dauerhafte Integration von Verwaltungseinheiten in die parlamentarische Organisation.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Abgrenzung zwischen eigener Verwaltungstätigkeit der Parlamentsdienste und ihrer Stabsfunktion für das Parlament ist auf den konkreten Verwendungszweck abzustellen. Dokumente, die für parlamentarische Organe erstellt werden, unterstehen dem Kommissionsgeheimnis nach Art. 47 ParlG, während rein administrative Unterlagen dem BGÖ unterliegen können.\n\n**N. 17** Der Beizug von Verwaltungseinheiten sollte schriftlich vereinbart werden mit klarer Regelung der Weisungsbefugnisse, der Vertraulichkeitspflichten und der Kostentragung. Die Verwaltungseinheiten bleiben auch während des parlamentarischen Einsatzes ihrer Stammorganisation zugeordnet, was bei der Ressourcenplanung zu berücksichtigen ist.\n\n**N. 18** Für die praktische Zusammenarbeit zwischen Parlamentsdiensten und Bundesverwaltung empfiehlt sich die Bezeichnung von Kontaktpersonen auf beiden Seiten. Bei längerdauernden Projekten sind Vereinbarungen über die Modalitäten der Zusammenarbeit (Service Level Agreements) zweckmässig, um Kompetenzkonflikte zu vermeiden.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Öffentlichkeitsrechtliche Entscheide der Parlamentsdienste\n\n### Anwendbarkeit des Öffentlichkeitsgesetzes auf die Parlamentsdienste\n\n**Empfehlung EDÖB vom 24. August 2020 (Geschäftsnummer 32.20.2)**  \nDatum: 24. August 2020  \nKernentscheid: Die Parlamentsdienste unterstehen dem Öffentlichkeitsgesetz nur insoweit, als sie nicht unmittelbar für die Bundesversammlung oder einzelne Organe derselben tätig sind.  \nRelevanz: Grundlegende Klärung der Abgrenzung zwischen eigener Verwaltungstätigkeit der Parlamentsdienste und ihrer Tätigkeit als Stabsstelle für das Parlament.\n\n> «Die Parlamentsdienste selber unterstehen gemäss Botschaft dem Öffentlichkeitsgesetz nur insofern, als sie nicht unmittelbar für die Bundesversammlung und deren Organe tätig sind. So sind Unterlagen für die eidgenössischen Räte [...] aufgrund spezialrechtlicher Bestimmung (Art. 4 Abs. 1 ParlG) öffentlich, während Unterlagen für die parlamentarischen Kommissionen der Geheimhaltung unterliegen (Art. 47 ParlG).»\n\n**Empfehlung EDÖB vom 19. Juni 2009 (Geschäftsnummer 18.09.20)**  \nDatum: 19. Juni 2009  \nKernentscheid: Art. 47 ParlG stellt eine Spezialbestimmung im Sinne von Art. 4 BGÖ dar, die dem Öffentlichkeitsgesetz vorgeht.  \nRelevanz: Bestätigung des Vorrangs parlamentsrechtlicher Vertraulichkeitsbestimmungen vor dem allgemeinen Öffentlichkeitsrecht.\n\n> «Das Öffentlichkeitsgesetz gilt nebst der Bundesverwaltung u.a. auch für die Parlamentsdienste (Art. 2 Abs. 1 Bst. c BGÖ). Sie unterstehen dem Öffentlichkeitsgesetz allerdings nur insoweit, als dass sie nicht unmittelbar für die Bundesversammlung oder einzelne Organe derselben tätig sind.»\n\n**Empfehlung EDÖB vom 2. November 2009 (Geschäftsnummer 29.09.21)**  \nDatum: 2. November 2009  \nKernentscheid: Zusatzdokumente für parlamentarische Finanzkommissionen fallen unter den Vorbehalt der Art. 47 ParlG i.V.m. Art. 4 BGÖ.  \nRelevanz: Erweiterung des parlamentarischen Vertraulichkeitsschutzes auf Dokumente der Bundesverwaltung, die für die Parlamentsarbeit erstellt werden.\n\n> «Die Parlamentsdienste nur so weit dem Öffentlichkeitsgesetz unterstellt seien, als sie nicht unmittelbar für die Bundesversammlung oder einzelne ihrer Organe tätig seien. ‹Dies muss aus Gründen der Konsequenz sinngemäss auch für die übrige Bundesverwaltung gelten: Soweit Dokumente [...] für parlamentarische Zwecke erstellt werden›.»\n\n### Beschaffungswesen und Transparenz\n\n**Empfehlung EDÖB vom 6. Dezember 2016 (Geschäftsnummer 41.16.16)**  \nDatum: 6. Dezember 2016  \nKernentscheid: Beschaffungsstatistiken der Bundeskanzlei müssen Angaben zu Bundesrat und Bundesversammlung enthalten, soweit sie im Zuständigkeitsbereich der Bundeskanzlei liegen.  \nRelevanz: Abgrenzung der Transparenzpflichten zwischen verschiedenen Bundesorganen bei gemeinsamen Verwaltungsaufgaben.\n\n> «Das Schlichtungsverfahren bezieht sich somit auf die drei von der BK zugestellten Dokumente für die Jahre 2012, 2013 und 2014, insoweit sie die Beschaffungszahlungen des Bundesrates und der Bundesversammlung nicht erwähnen.»\n\n## Parlamentsrechtliche Entwicklungen zur Organisation\n\n### Reorganisation der Parlamentsdienste (1988)\n\n**Motion des Nationalrates 88.729 vom 29. September 1988**  \nDatum: 5. Oktober 1988 (Ständerat)  \nKernentscheid: Überweisung einer Motion betreffend Erfolgskontrolle der Parlamentsdienstereorganisation.  \nRelevanz: Parlamentarische Kontrolle der Umsetzung von Art. 155 BV durch regelmässige Berichterstattung.\n\n> «Die Verwaltungskommission führt alle zwei Jahre eine Erfolgskontrolle der Reorganisation durch und erstattet dem Parlament Bericht.»\n\n**Motion des Nationalrates 88.730 vom 29. September 1988**  \nDatum: 5. Oktober 1988 (Ständerat)  \nKernentscheid: Realisierung neuer Dienstleistungen für Parlamentsmitglieder, insbesondere PC-Arbeitsplätze mit Datenbankzugriff.  \nRelevanz: Frühe Digitalisierung der parlamentarischen Infrastruktur als Ausprägung von Art. 155 BV.\n\n> «In der zweiten Session nach Inkrafttreten des Bundesbeschlusses über die Reorganisation ist den Räten ein Beschlussentwurf über die Realisierung der neuen Dienstleistungen zugunsten der Parlamentsmitglieder [...] zu unterbreiten.»\n\n### Wahl des Generalsekretärs\n\n**Motion Zbinden 82.371 vom 20. März 1984**  \nDatum: 20. März 1984  \nKernentscheid: Wahl des Generalsekretärs der Bundesversammlung durch die Vereinigte Bundesversammlung statt durch das Büro.  \nRelevanz: Demokratisierung der Spitzenämter in den Parlamentsdiensten als Konkretisierung von Art. 155 BV.\n\n> «Bei der Wahl des Direktors der Eidgenössischen Finanzkontrolle oder des Generalsekretärs durch die Vereinigte Bundesversammlung [könnte dies] Anschlussbegehren auslösen [...], da keine Vergleiche mit ähnlichen Stellen ersichtlich sind.»\n\n## Entwicklung der Rechtsprechung\n\n### Frühe Phase (1984-1990): Organisationsreformen\n\nIn der Anfangsphase nach der Verfassungsrevision von 1874 stand die strukturelle Neuorganisation der Parlamentsdienste im Vordergrund. Die parlamentarischen Vorstösse aus den 1980er Jahren zeigen das Bestreben, die Parlamentsautonomie durch demokratischere Wahlverfahren zu stärken und neue technologische Möglichkeiten zu nutzen.\n\n### Digitalisierungsphase (1988-2000): Technische Modernisierung\n\nDie Entscheide aus den späten 1980er Jahren dokumentieren die frühe Digitalisierung des Parlaments. Besonders bedeutsam ist die Einführung von PC-Arbeitsplätzen für alle Parlamentsmitglieder, die als wegweisend für die moderne parlamentarische Arbeit gelten kann.\n\n### Transparenzphase (2003-heute): Öffentlichkeitsrechtliche Abgrenzung\n\nMit dem Inkrafttreten des Öffentlichkeitsgesetzes 2003 entwickelte sich eine differenzierte Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen der eigenen Verwaltungstätigkeit der Parlamentsdienste und ihrer Funktion als Stabsstelle für das Parlament. Die EDÖB-Empfehlungen seit 2009 konkretisieren diese Abgrenzung zunehmend.\n\n### Aktuelle Entwicklungen (2020-heute): Digitale Transparenz\n\nDie jüngste Rechtsprechung zeigt den Spannungsbereich zwischen parlamentarischer Autonomie und Transparenzanforderungen in der digitalen Gesellschaft. Besonders relevant sind Fragen der Datenschutz und der parlamentarischen Kontrollfunktion.\n\n## Verhältnis zu Art. 64 ff. ParlG\n\nDie Rechtsprechung bestätigt, dass Art. 155 BV durch das Parlamentsgesetz vollständig konkretisiert wird. **BGE 133 II 209** vom 25. Mai 2007 stellte bezüglich der Bundesgerichtsorganisation klar, dass die Einsichtnahme in amtliche Dokumente von Leitungsorganen unter den allgemeinen Voraussetzungen des Öffentlichkeitsgesetzes möglich ist, soweit nicht spezialgesetzliche Regelungen vorgreifen.\n\n**Empfehlung EDÖB vom 25. Juni 2014 (Geschäftsnummer 23.14.15)**  \nDatum: 25. Juni 2014  \nKernentscheid: Art. 47 ParlG geht als Spezialbestimmung dem Öffentlichkeitsgesetz vor, auch bei Dokumenten Dritter.  \nRelevanz: Weitreichender Schutz parlamentarischer Beratungsunterlagen.\n\n> «Das IGE ist der Meinung, dass durch die Auftragserteilung der Rechtskommission der Entwurf der Ausführungsverordnung automatisch die Qualität einer vertraulichen Kommissionsunterlage erhalten habe, somit nach Art. 47 ParlG vertraulich sei.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 155 Cst. règle l'organisation de l'Assemblée fédérale avec ses propres services. Cette disposition garantit que le parlement peut travailler indépendamment du gouvernement.\n\nL'Assemblée fédérale a le droit d'avoir ses propres services parlementaires. Ce sont des unités administratives spécialisées qui travaillent uniquement pour le parlement. Cela comprend le secrétariat général, les services scientifiques, les traducteurs et le personnel technique. Ces collaborateurs relèvent directement du parlement et non de l'administration fédérale.\n\nEn plus, le parlement peut aussi demander l'aide des offices de l'administration fédérale. Par exemple, une commission peut inviter des experts d'un office fédéral à une audition. Ces fonctionnaires restent cependant employés dans leur poste normal et n'aident que temporairement.\n\nLa loi sur le parlement (Loi sur l'Assemblée fédérale) règle les détails. Elle détermine comment les services parlementaires sont organisés et quelles tâches ils ont.\n\nCette réglementation est importante pour la séparation des pouvoirs (séparation du pouvoir étatique). Le parlement doit pouvoir décider indépendamment du gouvernement. Sans ses propres services, il dépendrait du gouvernement et ne pourrait pas le contrôler correctement.\n\nUn exemple pratique : lorsqu'une commission du Conseil national délibère sur une loi compliquée, les services scientifiques aident à l'analyse juridique. Ils établissent des rapports neutres et expliquent les points difficiles. Ainsi, les membres du parlement peuvent prendre des décisions fondées, sans dépendre uniquement des informations du gouvernement.\n\nLes services parlementaires sont soumis à des règles particulières de confidentialité. Les documents pour les commissions ne sont pas accessibles au public, afin de permettre des discussions libres.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 155 Cst. a été introduit comme norme d'organisation autonome dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition relative aux services du Parlement ne figurait pas explicitement dans la Constitution fédérale de 1874, mais était réglée dans diverses ordonnances de droit parlementaire. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 377) précise qu'avec l'art. 155 Cst., il s'agissait d'ancrer constitutionnellement la pratique existante de l'autoadministration parlementaire : « L'Assemblée fédérale dispose de ses propres services. Ceux-ci doivent pouvoir continuer à remplir leur fonction de soutien à l'avenir. »\n\n**N. 2** Avec l'art. 155 Cst., le constituant voulait renforcer l'autonomie de l'Assemblée fédérale face au pouvoir exécutif. La possibilité de faire appel aux services de l'administration fédérale (al. 1 phrase 2) a été délibérément conçue comme un complément et non comme une alternative aux propres services du Parlement. Cela souligne l'indépendance du pouvoir législatif dans le système de séparation des pouvoirs (FF 1997 I 377).\n\n## 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 155 Cst. se trouve dans le 5e titre (Autorités fédérales), 1er chapitre (Assemblée fédérale), 2e section (Procédure). Sa position systématique immédiatement après les dispositions de procédure (art. 152-154 Cst.) et avant les normes de compétence (art. 156 ss Cst.) montre que les services du Parlement sont conçus comme partie intégrante du fonctionnement parlementaire. La norme est étroitement liée à → l'art. 148 Cst. (Position de l'Assemblée fédérale) et → à l'art. 150 Cst. (Haute surveillance parlementaire).\n\n**N. 4** L'ancrage constitutionnel des services du Parlement sert la séparation des pouvoirs (→ art. 144 Cst.). En tant que norme d'organisation, l'art. 155 Cst. garantit l'indépendance administrative du pouvoir législatif. Le lien avec → l'art. 169 Cst. (Haute surveillance) devient évident, car les services du Parlement créent les conditions factuelles d'un contrôle parlementaire effectif (Commentaire saint-gallois Cst., Sägesser, art. 155 n. 3).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Services du Parlement (al. 1 phrase 1)\n\n**N. 5** Le terme « services du Parlement » englobe toutes les unités administratives qui travaillent exclusivement pour l'Assemblée fédérale. Cela comprend le Secrétariat général de l'Assemblée fédérale, les services scientifiques, les services de traduction et les services techniques. Les services du Parlement sont organisationnellement séparés de l'administration fédérale et sont placés sous la direction de la Délégation administrative de l'Assemblée fédérale (BSK Cst., Sägesser, art. 155 n. 5-7).\n\n**N. 6** La formulation « dispose de » fonde un droit constitutionnel de l'Assemblée fédérale à avoir ses propres services. Cela exclut une externalisation complète des fonctions de soutien parlementaire vers l'exécutif. L'étendue des services du Parlement se détermine selon les besoins d'un fonctionnement parlementaire opérationnel (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel fédéral, n. 1638).\n\n### 3.2 Recours à l'administration fédérale (al. 1 phrase 2)\n\n**N. 7** La possibilité de faire appel aux « services de l'administration fédérale » permet à l'Assemblée fédérale de recourir aux connaissances spécialisées de l'exécutif. Cela concerne notamment la participation d'offices fédéraux dans les commissions parlementaires ou la fourniture d'expertises. Le recours s'effectue de manière subsidiaire et complémentaire aux propres services du Parlement (Commentaire saint-gallois Cst., Sägesser, art. 155 n. 8).\n\n**N. 8** Les unités administratives consultées restent organisationnellement partie de l'exécutif, mais deviennent actives à des fins parlementaires. Cela soulève des questions de compétence d'instruction et de confidentialité, qui sont réglées par l'art. 150 al. 2 LParl : les unités administratives sont soumises pour leur activité parlementaire aux instructions des présidences de commission (BSK Cst., Sägesser, art. 155 n. 9).\n\n### 3.3 Mandat législatif (al. 2)\n\n**N. 9** Le renvoi au règlement légal des « modalités » doit être compris comme un mandat législatif complet. La Loi sur l'Assemblée fédérale (LParl, RS 171.10) concrétise dans les art. 64-68 l'organisation et les tâches des services du Parlement. Le législateur dispose d'une marge d'appréciation étendue, mais doit respecter la conception constitutionnelle de base de services du Parlement autonomes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Droit constitutionnel, n. 2842).\n\n## 4. Effets juridiques\n\n**N. 10** L'art. 155 Cst. fonde une garantie d'organisation en faveur de l'Assemblée fédérale. Celle-ci comprend :\n- Le droit à ses propres unités administratives indépendantes de l'exécutif\n- La compétence d'organisation autonome de ces services\n- Le pouvoir d'engagement et de direction du personnel\n- L'autonomie budgétaire dans le cadre de l'autoadministration parlementaire\n\n**N. 11** Pour les unités administratives consultées résultent des obligations particulières de loyauté. Elles sont soumises pendant leur activité parlementaire au secret de fonction selon l'art. 47 LParl et non au secret de fonction interne à l'administration. Cela peut conduire à des conflits avec la ligne d'instruction départementale (Commentaire saint-gallois Cst., Sägesser, art. 155 n. 10).\n\n**N. 12** Les services du Parlement ne sont soumis à la Loi sur la transparence que de manière limitée. Selon l'art. 2 al. 1 let. c LTrans, ils sont certes en principe couverts, mais les dispositions spéciales de la LParl (notamment l'art. 47 LParl concernant le secret de commission) priment en tant que lex specialis (Recommandation PFPDT du 24 août 2020, 32.20.2).\n\n## 5. Points litigieux\n\n**N. 13** **Étendue de l'autonomie parlementaire** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où va l'autonomie organisationnelle des services du Parlement. Sägesser (BSK Cst., art. 155 n. 11) défend une interprétation extensive, selon laquelle les services du Parlement doivent être indépendants de l'exécutif dans tous les domaines. À l'inverse, Müller (Droit parlementaire de la Suisse, 2022, 487) plaide pour une considération fonctionnelle : seule dans la mesure où l'indépendance est nécessaire pour le travail parlementaire existerait une protection constitutionnelle.\n\n**N. 14** **Position en droit du personnel** : L'applicabilité de la Loi sur le personnel de la Confédération aux services du Parlement fait l'objet de discussions controversées. Alors que Tschannen (in : Tschannen/Zimmerli/Müller, Droit administratif général, § 23 n. 45) préconise une application complète de la LPers, Biaggini (Commentaire Cst., art. 155 n. 3) et l'école saint-galloise considèrent un ordre juridique autonome en droit du personnel comme admissible. La pratique suit une approche différenciée avec une application de principe de la LPers sous réserve de réglementations spécifiques au Parlement.\n\n**N. 15** **Portée du droit de recours** : Il existe un désaccord sur les limites du droit de faire appel aux unités administratives. Graf (Commissions d'enquête parlementaires, 2021, 234) argumente pour une interprétation large qui permettrait même le détachement temporaire d'offices entiers. La doctrine dominante (Commentaire saint-gallois Cst., Sägesser, art. 155 n. 12 ; BSK Cst., Sägesser, art. 155 n. 13) limite le droit de recours aux prestations de soutien ponctuelles et nie une intégration durable d'unités administratives dans l'organisation parlementaire.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** Pour la délimitation entre activité administrative propre des services du Parlement et leur fonction d'état-major pour le Parlement, il faut se baser sur l'usage concret prévu. Les documents qui sont établis pour les organes parlementaires sont soumis au secret de commission selon l'art. 47 LParl, tandis que les documents purement administratifs peuvent être soumis à la LTrans.\n\n**N. 17** Le recours aux unités administratives devrait être convenu par écrit avec un règlement clair des compétences d'instruction, des obligations de confidentialité et de la prise en charge des coûts. Les unités administratives restent même pendant l'engagement parlementaire attribuées à leur organisation d'origine, ce qui est à prendre en compte dans la planification des ressources.\n\n**N. 18** Pour la collaboration pratique entre services du Parlement et administration fédérale, il est recommandé de désigner des personnes de contact des deux côtés. Pour les projets de longue durée, des conventions sur les modalités de collaboration (Service Level Agreements) sont opportunes pour éviter les conflits de compétence.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Décisions de droit public des Services du Parlement\n\n### Applicabilité de la loi sur la transparence aux Services du Parlement\n\n**Recommandation PFPDT du 24 août 2020 (numéro d'affaire 32.20.2)**  \nDate : 24 août 2020  \nDécision principale : Les Services du Parlement sont soumis à la loi sur la transparence uniquement dans la mesure où ils n'agissent pas directement pour l'Assemblée fédérale ou pour des organes particuliers de celle-ci.  \nPertinence : Clarification fondamentale de la délimitation entre l'activité administrative propre des Services du Parlement et leur activité d'état-major pour le Parlement.\n\n> « Les Services du Parlement eux-mêmes sont soumis selon le message à la loi sur la transparence uniquement dans la mesure où ils n'agissent pas directement pour l'Assemblée fédérale et ses organes. Ainsi, les documents destinés aux conseils fédéraux [...] sont publics en vertu d'une disposition de droit spécial (art. 4 al. 1 LParl), tandis que les documents destinés aux commissions parlementaires sont soumis au secret (art. 47 LParl). »\n\n**Recommandation PFPDT du 19 juin 2009 (numéro d'affaire 18.09.20)**  \nDate : 19 juin 2009  \nDécision principale : L'art. 47 LParl constitue une disposition spéciale au sens de l'art. 4 LTrans qui prime sur la loi sur la transparence.  \nPertinence : Confirmation de la primauté des dispositions de confidentialité du droit parlementaire sur le droit général de la transparence.\n\n> « La loi sur la transparence s'applique, outre à l'administration fédérale, notamment aussi aux Services du Parlement (art. 2 al. 1 let. c LTrans). Ils sont toutefois soumis à la loi sur la transparence uniquement dans la mesure où ils n'agissent pas directement pour l'Assemblée fédérale ou pour des organes particuliers de celle-ci. »\n\n**Recommandation PFPDT du 2 novembre 2009 (numéro d'affaire 29.09.21)**  \nDate : 2 novembre 2009  \nDécision principale : Les documents supplémentaires destinés aux commissions parlementaires des finances tombent sous la réserve des art. 47 LParl en relation avec l'art. 4 LTrans.  \nPertinence : Extension de la protection parlementaire de la confidentialité aux documents de l'administration fédérale établis pour le travail parlementaire.\n\n> « Les Services du Parlement ne sont soumis à la loi sur la transparence que dans la mesure où ils n'agissent pas directement pour l'Assemblée fédérale ou pour des organes particuliers de celle-ci. ‹Ceci doit par cohérence s'appliquer par analogie aussi au reste de l'administration fédérale : dans la mesure où des documents [...] sont établis à des fins parlementaires›. »\n\n### Marché public et transparence\n\n**Recommandation PFPDT du 6 décembre 2016 (numéro d'affaire 41.16.16)**  \nDate : 6 décembre 2016  \nDécision principale : Les statistiques des marchés publics de la Chancellerie fédérale doivent contenir des indications sur le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale dans la mesure où elles relèvent du domaine de compétence de la Chancellerie fédérale.  \nPertinence : Délimitation des obligations de transparence entre différents organes fédéraux pour des tâches administratives communes.\n\n> « La procédure de conciliation se rapporte ainsi aux trois documents transmis par la ChF pour les années 2012, 2013 et 2014, dans la mesure où ils ne mentionnent pas les paiements pour marchés publics du Conseil fédéral et de l'Assemblée fédérale. »\n\n## Développements de droit parlementaire relatifs à l'organisation\n\n### Réorganisation des Services du Parlement (1988)\n\n**Motion du Conseil national 88.729 du 29 septembre 1988**  \nDate : 5 octobre 1988 (Conseil des États)  \nDécision principale : Transmission d'une motion concernant le contrôle de l'efficacité de la réorganisation des Services du Parlement.  \nPertinence : Contrôle parlementaire de la mise en œuvre de l'art. 155 Cst. par des rapports réguliers.\n\n> « La Commission administrative effectue tous les deux ans un contrôle de l'efficacité de la réorganisation et fait rapport au Parlement. »\n\n**Motion du Conseil national 88.730 du 29 septembre 1988**  \nDate : 5 octobre 1988 (Conseil des États)  \nDécision principale : Réalisation de nouvelles prestations de service pour les membres du Parlement, en particulier des postes de travail PC avec accès aux banques de données.  \nPertinence : Numérisation précoce de l'infrastructure parlementaire comme expression de l'art. 155 Cst.\n\n> « Lors de la deuxième session après l'entrée en vigueur de l'arrêté fédéral sur la réorganisation, un projet d'arrêté sur la réalisation des nouvelles prestations de service en faveur des membres du Parlement [...] doit être soumis aux Chambres. »\n\n### Élection du secrétaire général\n\n**Motion Zbinden 82.371 du 20 mars 1984**  \nDate : 20 mars 1984  \nDécision principale : Élection du secrétaire général de l'Assemblée fédérale par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) au lieu du Bureau.  \nPertinence : Démocratisation des postes dirigeants des Services du Parlement comme concrétisation de l'art. 155 Cst.\n\n> « Lors de l'élection du directeur du Contrôle fédéral des finances ou du secrétaire général par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) [ceci pourrait] déclencher des demandes de suite [...], car aucune comparaison avec des postes similaires n'est apparente. »\n\n## Évolution de la jurisprudence\n\n### Phase initiale (1984-1990) : Réformes organisationnelles\n\nDans la phase initiale après la révision constitutionnelle de 1874, la réorganisation structurelle des Services du Parlement était au premier plan. Les interventions parlementaires des années 1980 montrent l'effort de renforcer l'autonomie parlementaire par des procédures électorales plus démocratiques et d'exploiter les nouvelles possibilités technologiques.\n\n### Phase de numérisation (1988-2000) : Modernisation technique\n\nLes décisions de la fin des années 1980 documentent la numérisation précoce du Parlement. L'introduction de postes de travail PC pour tous les membres du Parlement est particulièrement significative et peut être considérée comme précurseur du travail parlementaire moderne.\n\n### Phase de transparence (2003-aujourd'hui) : Délimitation de droit public\n\nAvec l'entrée en vigueur de la loi sur la transparence en 2003 s'est développée une jurisprudence différenciée sur la délimitation entre l'activité administrative propre des Services du Parlement et leur fonction d'état-major pour le Parlement. Les recommandations du PFPDT depuis 2009 concrétisent cette délimitation de manière croissante.\n\n### Développements actuels (2020-aujourd'hui) : Transparence numérique\n\nLa jurisprudence la plus récente montre le champ de tension entre autonomie parlementaire et exigences de transparence dans la société numérique. Les questions de protection des données et de fonction de contrôle parlementaire sont particulièrement pertinentes.\n\n## Rapport avec les art. 64 ss LParl\n\nLa jurisprudence confirme que l'art. 155 Cst. est entièrement concrétisé par la loi sur le Parlement. **ATF 133 II 209** du 25 mai 2007 a clarifié concernant l'organisation du Tribunal fédéral que la consultation de documents officiels d'organes de direction est possible selon les conditions générales de la loi sur la transparence, pour autant que des réglementations de droit spécial ne priment pas.\n\n**Recommandation PFPDT du 25 juin 2014 (numéro d'affaire 23.14.15)**  \nDate : 25 juin 2014  \nDécision principale : L'art. 47 LParl prime comme disposition spéciale sur la loi sur la transparence, même pour les documents de tiers.  \nPertinence : Protection étendue des documents de délibération parlementaires.\n\n> « L'IPI est d'avis qu'en donnant mandat à la Commission juridique, le projet d'ordonnance d'exécution a automatiquement acquis la qualité de document confidentiel de commission, qu'il est donc confidentiel selon l'art. 47 LParl. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 155 Cost. disciplina l'equipaggiamento organizzativo dell'Assemblea federale con servizi propri. La disposizione garantisce che il Parlamento possa lavorare indipendentemente dal Governo.\n\nL'Assemblea federale ha il diritto ai propri servizi parlamentari. Si tratta di unità amministrative specializzate che operano esclusivamente per il Parlamento. Tra questi vi sono il Segretariato generale, i servizi scientifici, i traduttori e il personale tecnico. Questi collaboratori dipendono direttamente dal Parlamento e non dall'Amministrazione federale.\n\nInoltre, il Parlamento può anche chiedere aiuto agli uffici dell'Amministrazione federale. Ad esempio, una commissione può invitare esperti di un ufficio federale a un'audizione. Questi funzionari rimangono però impiegati nel loro posto normale e collaborano solo temporaneamente.\n\nLa Legge sul Parlamento (Legge sull'Assemblea federale) regola i dettagli. Essa determina come sono organizzati i servizi parlamentari e quali compiti hanno.\n\nQuesta disciplina è importante per la separazione dei poteri (separazione del potere statale). Il Parlamento deve poter decidere indipendentemente dal Governo. Senza servizi propri sarebbe dipendente dal Governo e non potrebbe controllarlo adeguatamente.\n\nUn esempio pratico: quando una commissione del Consiglio nazionale esamina una legge complicata, i servizi scientifici aiutano nell'analisi giuridica. Essi redigono rapporti neutrali e spiegano punti difficili. Così i membri del Parlamento possono prendere decisioni fondate, senza dipendere solo dalle informazioni del Governo.\n\nI servizi parlamentari sottostanno a regole speciali di riservatezza. I documenti per le commissioni non sono accessibili al pubblico, per permettere discussioni libere.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 155 Cost. fu introdotto nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999 come norma organizzativa autonoma. La disposizione sui servizi parlamentari non si trovava in precedenza esplicitamente nella Costituzione federale del 1874, ma era disciplinata in vari atti di diritto parlamentare. Il messaggio su una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 405) rileva che con l'art. 155 Cost. si voleva ancorare a livello costituzionale la prassi esistente dell'autoamministrazione parlamentare: «L'Assemblea federale dispone di servizi propri. Questi dovranno anche in futuro poter svolgere la loro funzione di sostegno.»\n\n**N. 2** Con l'art. 155 Cost. il Costituente voleva rafforzare l'autonomia dell'Assemblea federale nei confronti dell'esecutivo. La possibilità di ricorrere a uffici dell'Amministrazione federale (cpv. 1 frase 2) fu concepita consapevolmente come complemento e non come alternativa ai servizi parlamentari propri. Ciò sottolinea l'autonomia del legislativo nel sistema di separazione dei poteri (FF 1997 I 405).\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 155 Cost. si trova nel titolo 5 (Autorità federali), capitolo 1 (Assemblea federale), sezione 2 (Procedura). La collocazione sistematica immediatamente dopo le disposizioni procedurali (art. 152-154 Cost.) e prima delle norme di competenza (art. 156 segg. Cost.) mostra che i servizi parlamentari sono intesi come parte integrante del lavoro parlamentare. La norma è strettamente collegata all'→ art. 148 Cost. (Posizione dell'Assemblea federale) e all'→ art. 150 Cost. (Alta vigilanza parlamentare).\n\n**N. 4** L'ancoraggio costituzionale dei servizi parlamentari serve alla separazione dei poteri (→ art. 144 Cost.). Come norma organizzativa, l'art. 155 Cost. garantisce l'indipendenza amministrativa del legislativo. Il collegamento con l'→ art. 169 Cost. (Alta vigilanza) diventa evidente, poiché i servizi parlamentari creano i presupposti fattivi per un controllo parlamentare efficace (Commentario di San Gallo Cost., Sägesser, art. 155 n. 3).\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Servizi parlamentari (cpv. 1 frase 1)\n\n**N. 5** Il concetto di «servizi parlamentari» comprende tutte le unità amministrative che operano esclusivamente per l'Assemblea federale. Vi appartengono il Segretariato generale dell'Assemblea federale, i servizi scientifici, i servizi di traduzione e i servizi tecnici. I servizi parlamentari sono organizzativamente separati dall'Amministrazione federale e sottostanno alla direzione della Delegazione amministrativa dell'Assemblea federale (BSK Cost., Sägesser, art. 155 n. 5-7).\n\n**N. 6** La formulazione «dispone di» fonda un diritto costituzionale dell'Assemblea federale ai servizi propri. Ciò esclude un'esternalizzazione completa delle funzioni di supporto parlamentari all'esecutivo. L'entità dei servizi parlamentari si orienta secondo i bisogni di un funzionamento parlamentare efficace (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto dello Stato federale, n. 1638).\n\n### 3.2 Ricorso all'Amministrazione federale (cpv. 1 frase 2)\n\n**N. 7** La possibilità di ricorrere a «uffici dell'Amministrazione federale» consente all'Assemblea federale di far capo al know-how specializzato dell'esecutivo. Ciò riguarda in particolare la collaborazione di uffici federali nelle commissioni parlamentari o la messa a disposizione di perizie. Il ricorso avviene in via sussidiaria e complementare ai servizi parlamentari propri (Commentario di San Gallo Cost., Sägesser, art. 155 n. 8).\n\n**N. 8** Le unità amministrative cui si fa ricorso rimangono organizzativamente parte dell'esecutivo, ma operano per fini parlamentari. Ciò solleva questioni di competenza direttiva e di riservatezza, che sono disciplinate dall'art. 150 cpv. 2 LParl: le unità amministrative sottostanno per la loro attività parlamentare alle direttive delle presidenze delle commissioni (BSK Cost., Sägesser, art. 155 n. 9).\n\n### 3.3 Mandato legislativo (cpv. 2)\n\n**N. 9** Il rinvio alla disciplina legale dei «particolari» è da intendersi come mandato legislativo comprensivo. La Legge sul Parlamento (LParl, RS 171.10) concretizza negli art. 64-68 l'organizzazione e i compiti dei servizi parlamentari. Il legislatore dispone di un ampio margine di configurazione, ma deve rispettare la concezione costituzionale fondamentale di servizi parlamentari autonomi (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale, n. 2842).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** L'art. 155 Cost. fonda una garanzia organizzativa a favore dell'Assemblea federale. Questa comprende:\n- Il diritto a unità amministrative proprie, indipendenti dall'esecutivo\n- La competenza di organizzare autonomamente questi servizi\n- La facoltà di assumere e dirigere il personale\n- L'autonomia di bilancio nel quadro dell'autoamministrazione parlamentare\n\n**N. 11** Per le unità amministrative cui si fa ricorso derivano speciali doveri di lealtà. Esse sottostanno durante la loro attività parlamentare al segreto d'ufficio secondo l'art. 47 LParl e non al segreto d'ufficio interno dell'amministrazione. Ciò può portare a conflitti con la linea direttiva dipartimentale (Commentario di San Gallo Cost., Sägesser, art. 155 n. 10).\n\n**N. 12** I servizi parlamentari sottostanno alla Legge sulla trasparenza solo limitatamente. Secondo l'art. 2 cpv. 1 lett. c LTras essi sono sì in linea di principio compresi, tuttavia le disposizioni speciali della LParl (in particolare l'art. 47 LParl concernente il segreto della commissione) prevalgono come lex specialis (Raccomandazione IFPDT del 24 agosto 2020, 32.20.2).\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 13** **Portata dell'autonomia parlamentare**: Nella dottrina è controverso fino a che punto si estenda l'autonomia organizzativa dei servizi parlamentari. Sägesser (BSK Cost., art. 155 n. 11) sostiene un'interpretazione estensiva, secondo cui i servizi parlamentari devono essere indipendenti dall'esecutivo in tutti gli aspetti. Al contrario, Müller (Diritto parlamentare della Svizzera, 2022, 487) propende per una considerazione funzionale: solo nella misura in cui l'indipendenza sia necessaria per il lavoro parlamentare sussiste una protezione costituzionale.\n\n**N. 14** **Posizione di diritto del personale**: È discussa in modo controverso l'applicabilità della Legge sul personale federale ai servizi parlamentari. Mentre Tschannen (in: Tschannen/Zimmerli/Müller, Diritto amministrativo generale, § 23 n. 45) sostiene un'applicazione completa della LPers, Biaggini (Commentario Cost., art. 155 n. 3) e la scuola di San Gallo vedono come ammissibile un ordinamento autonomo di diritto del personale. La prassi segue un approccio differenziato con applicazione in linea di principio della LPers con riserva di disciplinamenti specifici del parlamento.\n\n**N. 15** **Portata del diritto di ricorso**: Sussiste disaccordo sui limiti del diritto di ricorrere a unità amministrative. Graf (Commissioni d'inchiesta parlamentari, 2021, 234) argomenta per un'interpretazione ampia, che consentirebbe anche il distaccamento temporaneo di interi uffici. La dottrina dominante (Commentario di San Gallo Cost., Sägesser, art. 155 n. 12; BSK Cost., Sägesser, art. 155 n. 13) limita il diritto di ricorso a prestazioni di supporto puntuali e nega un'integrazione duratura di unità amministrative nell'organizzazione parlamentare.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** Nella delimitazione tra attività amministrativa propria dei servizi parlamentari e la loro funzione di stato maggiore per il parlamento occorre far capo al concreto scopo d'uso. Documenti che vengono elaborati per organi parlamentari sottostanno al segreto della commissione secondo l'art. 47 LParl, mentre documenti puramente amministrativi possono sottostare alla LTras.\n\n**N. 17** Il ricorso a unità amministrative dovrebbe essere concordato per scritto con chiara disciplina delle competenze direttive, dei doveri di riservatezza e dell'assunzione dei costi. Le unità amministrative rimangono anche durante l'impiego parlamentare assegnate alla loro organizzazione di origine, il che è da considerare nella pianificazione delle risorse.\n\n**N. 18** Per la collaborazione pratica tra servizi parlamentari e Amministrazione federale si raccomanda la designazione di persone di contatto da entrambe le parti. Per progetti di lunga durata sono opportuni accordi sulle modalità di collaborazione (Service Level Agreements) per evitare conflitti di competenza.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Decisioni di diritto pubblico dei Servizi del Parlamento\n\n### Applicabilità della Legge sulla trasparenza ai Servizi del Parlamento\n\n**Raccomandazione IFPDT del 24 agosto 2020 (numero di pratica 32.20.2)**  \nData: 24 agosto 2020  \nDecisione principale: I Servizi del Parlamento sottostanno alla Legge sulla trasparenza solo nella misura in cui non operano direttamente per l'Assemblea federale o singoli organi della stessa.  \nRilevanza: Chiarimento fondamentale della delimitazione tra l'attività amministrativa propria dei Servizi del Parlamento e la loro attività come servizio di stato maggiore per il Parlamento.\n\n> «I Servizi del Parlamento stessi sottostanno, secondo il messaggio, alla Legge sulla trasparenza soltanto nella misura in cui non operano direttamente per l'Assemblea federale e i suoi organi. Così i documenti per i Consigli federali [...] sono pubblici in base a una disposizione di diritto speciale (art. 4 cpv. 1 LParl), mentre i documenti per le commissioni parlamentari sottostanno al segreto (art. 47 LParl).»\n\n**Raccomandazione IFPDT del 19 giugno 2009 (numero di pratica 18.09.20)**  \nData: 19 giugno 2009  \nDecisione principale: L'art. 47 LParl costituisce una disposizione speciale nel senso dell'art. 4 LTras che prevale sulla Legge sulla trasparenza.  \nRilevanza: Conferma della prevalenza delle disposizioni di riservatezza del diritto parlamentare sul diritto generale della trasparenza.\n\n> «La Legge sulla trasparenza vale oltre che per l'Amministrazione federale tra l'altro anche per i Servizi del Parlamento (art. 2 cpv. 1 lett. c LTras). Essi sottostanno tuttavia alla Legge sulla trasparenza solo nella misura in cui non operano direttamente per l'Assemblea federale o singoli organi della stessa.»\n\n**Raccomandazione IFPDT del 2 novembre 2009 (numero di pratica 29.09.21)**  \nData: 2 novembre 2009  \nDecisione principale: I documenti aggiuntivi per le commissioni parlamentari delle finanze rientrano nella riserva dell'art. 47 LParl in combinato con l'art. 4 LTras.  \nRilevanza: Estensione della protezione parlamentare della riservatezza ai documenti dell'Amministrazione federale redatti per il lavoro parlamentare.\n\n> «I Servizi del Parlamento sono sottoposti alla Legge sulla trasparenza solo nella misura in cui non operino direttamente per l'Assemblea federale o singoli suoi organi. ‹Questo deve valere per ragioni di coerenza anche analogamente per il resto dell'Amministrazione federale: nella misura in cui i documenti [...] vengono redatti per scopi parlamentari›.»\n\n### Settore degli acquisti e trasparenza\n\n**Raccomandazione IFPDT del 6 dicembre 2016 (numero di pratica 41.16.16)**  \nData: 6 dicembre 2016  \nDecisione principale: Le statistiche degli acquisti della Cancelleria federale devono contenere indicazioni sul Consiglio federale e sull'Assemblea federale, nella misura in cui rientrino nell'ambito di competenza della Cancelleria federale.  \nRilevanza: Delimitazione degli obblighi di trasparenza tra diversi organi federali per compiti amministrativi comuni.\n\n> «La procedura di conciliazione si riferisce dunque ai tre documenti consegnati dalla CaF per gli anni 2012, 2013 e 2014, nella misura in cui non menzionano i pagamenti per gli acquisti del Consiglio federale e dell'Assemblea federale.»\n\n## Sviluppi del diritto parlamentare sull'organizzazione\n\n### Riorganizzazione dei Servizi del Parlamento (1988)\n\n**Mozione del Consiglio nazionale 88.729 del 29 settembre 1988**  \nData: 5 ottobre 1988 (Consiglio degli Stati)  \nDecisione principale: Trasmissione di una mozione concernente il controllo del successo della riorganizzazione dei Servizi del Parlamento.  \nRilevanza: Controllo parlamentare dell'attuazione dell'art. 155 Cost. attraverso rapporti regolari.\n\n> «La Commissione amministrativa effettua ogni due anni un controllo del successo della riorganizzazione e presenta rapporto al Parlamento.»\n\n**Mozione del Consiglio nazionale 88.730 del 29 settembre 1988**  \nData: 5 ottobre 1988 (Consiglio degli Stati)  \nDecisione principale: Realizzazione di nuove prestazioni di servizio per i membri del Parlamento, in particolare postazioni di lavoro PC con accesso alle banche dati.  \nRilevanza: Prima digitalizzazione dell'infrastruttura parlamentare come espressione dell'art. 155 Cost.\n\n> «Nella seconda sessione dopo l'entrata in vigore del decreto federale sulla riorganizzazione deve essere sottoposto ai Consigli un progetto di decreto sulla realizzazione delle nuove prestazioni di servizio a favore dei membri del Parlamento [...].»\n\n### Elezione del Segretario generale\n\n**Mozione Zbinden 82.371 del 20 marzo 1984**  \nData: 20 marzo 1984  \nDecisione principale: Elezione del Segretario generale dell'Assemblea federale da parte dell'Assemblea federale plenaria anziché dall'Ufficio.  \nRilevanza: Democratizzazione delle cariche dirigenziali nei Servizi del Parlamento come concretizzazione dell'art. 155 Cost.\n\n> «Nell'elezione del Direttore del Controllo federale delle finanze o del Segretario generale da parte dell'Assemblea federale plenaria [questo potrebbe] scatenare richieste successive [...], poiché non sono evidenti confronti con cariche simili.»\n\n## Sviluppo della giurisprudenza\n\n### Prima fase (1984-1990): Riforme organizzative\n\nNella fase iniziale dopo la revisione costituzionale del 1874, la riorganizzazione strutturale dei Servizi del Parlamento era in primo piano. Le iniziative parlamentari degli anni '80 mostrano lo sforzo di rafforzare l'autonomia parlamentare attraverso procedure elettorali più democratiche e di utilizzare nuove possibilità tecnologiche.\n\n### Fase di digitalizzazione (1988-2000): Modernizzazione tecnica\n\nLe decisioni della fine degli anni '80 documentano la prima digitalizzazione del Parlamento. Particolarmente significativa è l'introduzione di postazioni di lavoro PC per tutti i membri del Parlamento, che può essere considerata pionieristica per il lavoro parlamentare moderno.\n\n### Fase di trasparenza (2003-oggi): Delimitazione di diritto pubblico\n\nCon l'entrata in vigore della Legge sulla trasparenza nel 2003 si è sviluppata una giurisprudenza differenziata sulla delimitazione tra l'attività amministrativa propria dei Servizi del Parlamento e la loro funzione come servizio di stato maggiore per il Parlamento. Le raccomandazioni IFPDT dal 2009 concretizzano sempre più questa delimitazione.\n\n### Sviluppi attuali (2020-oggi): Trasparenza digitale\n\nLa giurisprudenza più recente mostra l'area di tensione tra autonomia parlamentare ed esigenze di trasparenza nella società digitale. Particolarmente rilevanti sono le questioni della protezione dei dati e della funzione di controllo parlamentare.\n\n## Rapporto con l'art. 64 segg. LParl\n\nLa giurisprudenza conferma che l'art. 155 Cost. è completamente concretizzato dalla Legge sul Parlamento. La **DTF 133 II 209** del 25 maggio 2007 ha chiarito riguardo all'organizzazione del Tribunale federale che la consultazione di documenti ufficiali degli organi direttivi è possibile secondo i presupposti generali della Legge sulla trasparenza, nella misura in cui non prevalgano regolamentazioni di diritto speciale.\n\n**Raccomandazione IFPDT del 25 giugno 2014 (numero di pratica 23.14.15)**  \nData: 25 giugno 2014  \nDecisione principale: L'art. 47 LParl prevale come disposizione speciale sulla Legge sulla trasparenza, anche per documenti di terzi.  \nRilevanza: Protezione estesa dei documenti di consultazione parlamentari.\n\n> «L'IPI è dell'opinione che attraverso l'incarico della Commissione degli affari giuridici il progetto del regolamento d'esecuzione abbia automaticamente ottenuto la qualità di documento riservato di commissione, pertanto sia riservato secondo l'art. 47 LParl.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 155 FC regulates the organisational equipment of the Federal Assembly with its own services. The provision ensures that parliament can work independently of the government.\n\nThe Federal Assembly has the right to its own parliamentary services. These are specialised administrative units that work exclusively for parliament. They include the Secretariat General, the scientific services, translators and technical personnel. These employees report directly to parliament and not to the federal administration.\n\nAdditionally, parliament can also ask offices of the federal administration for assistance. For example, a committee can invite experts from a federal office to a hearing. However, these civil servants remain employed in their normal positions and only assist temporarily.\n\nThe Parliamentary Act (Act on the Federal Assembly) regulates the details. It determines how the parliamentary services are organised and what tasks they have.\n\nThis regulation is important for the separation of powers (separation of state power). Parliament must be able to decide independently of the government. Without its own services, it would be dependent on the government and could not properly control it.\n\nA practical example: When a committee of the National Council deliberates on a complicated law, the scientific services help with the legal analysis. They prepare neutral reports and explain difficult points. This enables parliamentarians to make well-founded decisions without being dependent solely on information from the government.\n\nThe parliamentary services are subject to special confidentiality rules. Documents for committees are not publicly accessible in order to enable free discussions.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 155 Cst. was introduced as an independent organizational provision in the context of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision on parliamentary services was not previously found explicitly in the Federal Constitution of 1874, but was regulated in various parliamentary legal enactments. The Federal Council Message on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 377) states that Art. 155 Cst. was intended to constitutionally anchor the existing practice of parliamentary self-administration: «The Federal Assembly has its own services. These should continue to perform their support function in the future.»\n\n**N. 2** The constitutional legislator wanted to strengthen the autonomy of the Federal Assembly vis-à-vis the executive through Art. 155 Cst. The possibility of calling upon administrative units of the federal administration (para. 1 sentence 2) was deliberately conceived as a supplement and not as an alternative to the Parliament's own services. This underscores the independence of the legislature in the system of separation of powers (BBl 1997 I 377).\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 155 Cst. is located in Title 5 (Federal Authorities), Chapter 1 (Federal Assembly), Section 2 (Procedure). The systematic position immediately after the procedural provisions (Art. 152-154 Cst.) and before the competence norms (Art. 156 ff. Cst.) shows that parliamentary services are understood as an integral part of parliamentary work. The provision is closely connected to → Art. 148 Cst. (Position of the Federal Assembly) and → Art. 150 Cst. (Parliamentary Oversight).\n\n**N. 4** The constitutional anchoring of parliamentary services serves the separation of powers (→ Art. 144 Cst.). As an organizational norm, Art. 155 Cst. guarantees the administrative independence of the legislature. The connection to → Art. 169 Cst. (Oversight) becomes clear, as parliamentary services create the factual prerequisites for effective parliamentary control (St. Galler Commentary Cst., Sägesser, Art. 155 N. 3).\n\n## 3. Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n### 3.1 Parliamentary Services (Para. 1 Sentence 1)\n\n**N. 5** The term «parliamentary services» encompasses all administrative units that work exclusively for the Federal Assembly. This includes the Secretariat General of the Federal Assembly, the scientific services, the translation services and the technical services. The parliamentary services are organizationally separated from the federal administration and are subject to the overall direction of the Administrative Delegation of the Federal Assembly (BSK Cst., Sägesser, Art. 155 N. 5-7).\n\n**N. 6** The wording «has» establishes a constitutional claim of the Federal Assembly to its own services. This excludes complete outsourcing of parliamentary support functions to the executive. The scope of parliamentary services is determined by the needs of a functional parliamentary operation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Federal Constitutional Law, N. 1638).\n\n### 3.2 Calling Upon the Federal Administration (Para. 1 Sentence 2)\n\n**N. 7** The possibility of «calling upon administrative units of the federal administration» allows the Federal Assembly to draw on specialized expertise from the executive. This particularly concerns the participation of federal offices in parliamentary committees or the provision of expert opinions. The calling upon occurs subsidiarily and supplementary to the Parliament's own services (St. Galler Commentary Cst., Sägesser, Art. 155 N. 8).\n\n**N. 8** The administrative units called upon remain organizationally part of the executive but act for parliamentary purposes. This raises questions of authority to issue instructions and confidentiality, which are regulated by Art. 150 para. 2 ParlA: The administrative units are subject to the instructions of the committee presidiums for their parliamentary activity (BSK Cst., Sägesser, Art. 155 N. 9).\n\n### 3.3 Legislative Mandate (Para. 2)\n\n**N. 9** The reference to the legal regulation of «details» is to be understood as a comprehensive legislative mandate. The Parliamentary Act (ParlA, SR 171.10) specifies in Art. 64-68 the organization and tasks of parliamentary services. The legislator has wide discretion but must respect the constitutional basic conception of independent parliamentary services (Rhinow/Schefer/Uebersax, Constitutional Law, N. 2842).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** Art. 155 Cst. establishes an organizational guarantee in favor of the Federal Assembly. This includes:\n- The right to its own administrative units independent of the executive\n- The competence for independent organization of these services\n- The authority to hire and manage personnel\n- Budgetary autonomy within the framework of parliamentary self-administration\n\n**N. 11** For the administrative units called upon, special loyalty obligations arise. During their parliamentary activity, they are subject to official secrecy under Art. 47 ParlA and not to administrative internal official secrecy. This can lead to conflicts with the departmental chain of command (St. Galler Commentary Cst., Sägesser, Art. 155 N. 10).\n\n**N. 12** Parliamentary services are subject to the Freedom of Information Act only to a limited extent. According to Art. 2 para. 1 lit. c FOIA, they are covered in principle, but the special provisions of the ParlA (particularly Art. 47 ParlA concerning committee secrecy) take precedence as lex specialis (FDPIC Recommendation of 24 August 2020, 32.20.2).\n\n## 5. Points of Dispute\n\n**N. 13** **Scope of parliamentary autonomy**: In doctrine, there is dispute about how far the organizational autonomy of parliamentary services extends. Sägesser (BSK Cst., Art. 155 N. 11) advocates an extensive interpretation whereby parliamentary services must be independent from the executive in all matters. In contrast, Müller (Parliamentary Law of Switzerland, 2022, 487) pleads for a functional view: Only insofar as independence is necessary for parliamentary work does constitutional protection exist.\n\n**N. 14** **Personnel law status**: The applicability of the Federal Personnel Act to parliamentary services is controversially discussed. While Tschannen (in: Tschannen/Zimmerli/Müller, General Administrative Law, § 23 N. 45) favors complete application of the FPA, Biaggini (Cst. Commentary, Art. 155 N. 3) and the St. Gallen school consider an independent personnel law system admissible. Practice follows a differentiated approach with basic application of the FPA subject to Parliament-specific regulations.\n\n**N. 15** **Scope of the right to call upon**: There is disagreement about the limits of the right to call upon administrative units. Graf (Parliamentary Investigative Committees, 2021, 234) argues for a broad interpretation that also allows temporary secondment of entire offices. The prevailing doctrine (St. Galler Commentary Cst., Sägesser, Art. 155 N. 12; BSK Cst., Sägesser, Art. 155 N. 13) limits the right to call upon to specific support services and denies permanent integration of administrative units into the parliamentary organization.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 16** In delimiting between parliamentary services' own administrative activity and their staff function for Parliament, reference should be made to the concrete purpose of use. Documents created for parliamentary bodies are subject to committee secrecy under Art. 47 ParlA, while purely administrative documents may be subject to the FOIA.\n\n**N. 17** The calling upon of administrative units should be agreed in writing with clear regulation of authority to issue instructions, confidentiality obligations and cost bearing. Administrative units remain assigned to their parent organization even during parliamentary deployment, which must be considered in resource planning.\n\n**N. 18** For practical cooperation between parliamentary services and the federal administration, designation of contact persons on both sides is recommended. For longer-term projects, agreements on the modalities of cooperation (Service Level Agreements) are expedient to avoid competence conflicts.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Public Law Decisions of the Parliamentary Services\n\n### Applicability of the Freedom of Information Act to the Parliamentary Services\n\n**FDPIC Recommendation of 24 August 2020 (Case No. 32.20.2)**  \nDate: 24 August 2020  \nKey Decision: The Parliamentary Services are subject to the Freedom of Information Act only insofar as they do not act directly for the Federal Assembly or individual organs thereof.  \nRelevance: Fundamental clarification of the distinction between the Parliamentary Services' own administrative activities and their function as staff for Parliament.\n\n> «According to the message, the Parliamentary Services themselves are subject to the Freedom of Information Act only insofar as they do not act directly for the Federal Assembly and its organs. Thus, documents for the federal chambers [...] are public due to special legal provisions (Art. 4 para. 1 ParlA), while documents for parliamentary committees are subject to confidentiality (Art. 47 ParlA).»\n\n**FDPIC Recommendation of 19 June 2009 (Case No. 18.09.20)**  \nDate: 19 June 2009  \nKey Decision: Art. 47 ParlA constitutes a special provision within the meaning of Art. 4 FOIA that takes precedence over the Freedom of Information Act.  \nRelevance: Confirmation of the precedence of parliamentary confidentiality provisions over general freedom of information law.\n\n> «The Freedom of Information Act applies to the Parliamentary Services, among others, in addition to the Federal Administration (Art. 2 para. 1 lit. c FOIA). However, they are subject to the Freedom of Information Act only insofar as they do not act directly for the Federal Assembly or individual organs thereof.»\n\n**FDPIC Recommendation of 2 November 2009 (Case No. 29.09.21)**  \nDate: 2 November 2009  \nKey Decision: Additional documents for parliamentary finance committees fall under the reservation of Art. 47 ParlA in conjunction with Art. 4 FOIA.  \nRelevance: Extension of parliamentary confidentiality protection to Federal Administration documents created for parliamentary work.\n\n> «The Parliamentary Services are subject to the Freedom of Information Act only insofar as they do not act directly for the Federal Assembly or individual organs thereof. ‹For reasons of consistency, this must also apply analogously to the rest of the Federal Administration: insofar as documents [...] are created for parliamentary purposes›.»\n\n### Public Procurement and Transparency\n\n**FDPIC Recommendation of 6 December 2016 (Case No. 41.16.16)**  \nDate: 6 December 2016  \nKey Decision: Federal Chancellery procurement statistics must contain information on the Federal Council and Federal Assembly, insofar as they fall within the Federal Chancellery's area of responsibility.  \nRelevance: Delineation of transparency obligations between different federal organs for joint administrative tasks.\n\n> «The mediation procedure thus relates to the three documents submitted by the FCh for the years 2012, 2013 and 2014, insofar as they do not mention the procurement payments of the Federal Council and the Federal Assembly.»\n\n## Parliamentary Law Developments on Organisation\n\n### Reorganisation of the Parliamentary Services (1988)\n\n**National Council Motion 88.729 of 29 September 1988**  \nDate: 5 October 1988 (Council of States)  \nKey Decision: Referral of a motion concerning performance review of the Parliamentary Services reorganisation.  \nRelevance: Parliamentary control over the implementation of Art. 155 FC through regular reporting.\n\n> «The Administrative Committee conducts a performance review of the reorganisation every two years and reports to Parliament.»\n\n**National Council Motion 88.730 of 29 September 1988**  \nDate: 5 October 1988 (Council of States)  \nKey Decision: Implementation of new services for parliamentarians, particularly PC workstations with database access.  \nRelevance: Early digitalisation of parliamentary infrastructure as an expression of Art. 155 FC.\n\n> «In the second session after the federal decree on reorganisation enters into force, a draft resolution on the implementation of new services for parliamentarians [...] is to be submitted to the chambers.»\n\n### Election of the Secretary General\n\n**Zbinden Motion 82.371 of 20 March 1984**  \nDate: 20 March 1984  \nKey Decision: Election of the Secretary General of the Federal Assembly by the United Federal Assembly rather than by the Bureau.  \nRelevance: Democratisation of senior positions in the Parliamentary Services as a specification of Art. 155 FC.\n\n> «In the election of the Director of the Federal Audit Office or the Secretary General by the United Federal Assembly [this could] trigger follow-up requests [...], since no comparisons with similar positions are evident.»\n\n## Development of Case Law\n\n### Early Phase (1984-1990): Organisational Reforms\n\nIn the initial phase after the constitutional revision of 1874, the structural reorganisation of the Parliamentary Services was paramount. The parliamentary initiatives from the 1980s show the effort to strengthen parliamentary autonomy through more democratic election procedures and to utilise new technological possibilities.\n\n### Digitalisation Phase (1988-2000): Technical Modernisation\n\nThe decisions from the late 1980s document the early digitalisation of Parliament. Particularly significant is the introduction of PC workstations for all parliamentarians, which can be regarded as pioneering for modern parliamentary work.\n\n### Transparency Phase (2003-today): Public Law Delineation\n\nWith the entry into force of the Freedom of Information Act in 2003, differentiated case law developed on the distinction between the Parliamentary Services' own administrative activities and their function as staff for Parliament. The FDPIC recommendations since 2009 increasingly specify this distinction.\n\n### Current Developments (2020-today): Digital Transparency\n\nRecent case law shows the area of tension between parliamentary autonomy and transparency requirements in the digital society. Questions of data protection and parliamentary control functions are particularly relevant.\n\n## Relationship to Art. 64 ff. ParlA\n\nCase law confirms that Art. 155 FC is fully specified by the Parliament Act. **BGE 133 II 209** of 25 May 2007 clarified with regard to the Federal Court organisation that inspection of official documents of management bodies is possible under the general conditions of the Freedom of Information Act, provided that special statutory regulations do not take precedence.\n\n**FDPIC Recommendation of 25 June 2014 (Case No. 23.14.15)**  \nDate: 25 June 2014  \nKey Decision: Art. 47 ParlA takes precedence over the Freedom of Information Act as a special provision, even for third-party documents.  \nRelevance: Far-reaching protection of parliamentary consultation documents.\n\n> «The IPI is of the opinion that by commissioning the Legal Committee, the draft implementing ordinance automatically acquired the quality of a confidential committee document, thus being confidential according to Art. 47 ParlA.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_155", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 156, "article_suffix": "", "title": "Getrennte Verhandlung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 156 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 156 BV regelt, wie die Bundesversammlung (das Schweizer Parlament) arbeitet. Die Bundesversammlung besteht aus zwei Kammern: dem Nationalrat mit 200 Mitgliedern und dem Ständerat mit 46 Mitgliedern.\n\n**Getrennte Beratung**: Die beiden Räte beraten getrennt voneinander. Der Nationalrat tagt in seinem Saal, der Ständerat in seinem eigenen Saal. Jeder Rat diskutiert und entscheidet unabhängig über die Geschäfte.\n\n**Beide Räte müssen zustimmen**: Damit ein Gesetz oder ein anderer Beschluss gültig wird, müssen beide Räte genau dasselbe beschliessen. Stimmt nur ein Rat zu, reicht das nicht. Diese Regel gilt für alle wichtigen Entscheidungen wie Gesetze, das Staatsbudget oder internationale Verträge.\n\n**Wenn sich die Räte nicht einigen**: Manchmal sind die Räte unterschiedlicher Meinung. Dann gibt es spezielle Verfahren, um trotzdem zu einer Lösung zu kommen. Das ist besonders wichtig bei Volksinitiativen (Vorschläge aus dem Volk für Verfassungsänderungen), beim Staatsbudget oder bei der Umsetzung von Verfassungsrevisionen. Hier darf es keine Blockade geben.\n\n**Praktisches Beispiel**: Wenn der Nationalrat ein neues Umweltgesetz mit strengeren Regeln beschliesst, der Ständerat aber mildere Vorschriften will, müssen die Räte so lange verhandeln, bis sie eine gemeinsame Lösung finden. Erst dann wird das Gesetz gültig.\n\nDiese Regelung stellt sicher, dass sowohl das Volk (vertreten durch den Nationalrat) als auch die Kantone (vertreten durch den Ständerat) bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen können.", "doctrine_de": "# Art. 156 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Bestimmung über das Zweikammersystem und das Differenzbereinigungsverfahren hat ihre Wurzeln in der Verfassung von 1848, welche die paritätische Struktur der Bundesversammlung als Ausdruck des föderalistischen Kompromisses verankerte. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betonte, dass das bikamerale System «zu den tragenden Strukturelementen der schweizerischen Bundesstaatlichkeit» gehöre.\n\n**N. 2** Die Neufassung im Rahmen der Verfassungsrevision von 1999 führte keine inhaltlichen Änderungen ein, sondern modernisierte lediglich die Sprache. Neu aufgenommen wurde jedoch die explizite Verfassungsgrundlage für die gesetzliche Regelung des Differenzbereinigungsverfahrens in Abs. 3, was die bereits bestehende parlamentarische Praxis verfassungsrechtlich absicherte (BBl 1997 I 341).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 156 BV steht systematisch im Abschnitt über die Bundesversammlung (3. Kapitel, 1. Abschnitt) und konkretisiert die in → Art. 148 BV verankerte Zweiteilung des Parlaments. Die Norm ist eng verknüpft mit → Art. 157 BV (Gemeinsame Verhandlung in besonderen Fällen) und bildet die Grundlage für die Ausführungsbestimmungen im Parlamentsgesetz (SR 171.10).\n\n**N. 4** Im Kontext des Gesetzgebungsverfahrens (→ Art. 163–165 BV) stellt Art. 156 BV sicher, dass beide Räte als gleichberechtigte Akteure am Rechtssetzungsprozess beteiligt sind. Dies manifestiert den föderalistischen Grundcharakter der Bundesversammlung, in der Volk (Nationalrat) und Stände (Ständerat) gleichermassen repräsentiert sind (→ Art. 150 BV).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Getrennte Verhandlung (Abs. 1)**: Das Prinzip der getrennten Beratung bedeutet, dass National- und Ständerat ihre Sitzungen separat abhalten und unabhängig voneinander beraten. Nach Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 156 N. 3) ist dies Ausdruck der vollen Gleichberechtigung beider Kammern und verhindert die Dominanz eines Rates.\n\n**N. 6** **Übereinstimmung (Abs. 2)**: Das Konsensprinzip verlangt die inhaltliche Übereinstimmung beider Räte für jeden Bundesversammlungsbeschluss. Nach Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 156 N. 8) genügt nicht die blosse Mehrheit in einem Gesamtparlament, sondern es bedarf identischer Beschlüsse beider Kammern. Dies gilt für Gesetze, Verordnungen der Bundesversammlung, Bundesbeschlüsse und einfache Bundesbeschlüsse (→ Art. 163 BV).\n\n**N. 7** **Differenzbereinigungsverfahren (Abs. 3)**: Die Verfassung verpflichtet den Gesetzgeber, ein Verfahren vorzusehen, das bei Meinungsverschiedenheiten eine Lösung ermöglicht. Die in lit. a–d aufgeführten Bereiche sind gemäss Tschannen (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 156 N. 12) abschliessend, was bedeutet, dass in anderen Bereichen eine Blockade durch einen Rat möglich bleibt.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** **Keine Beschlussfassung ohne Konsens**: Solange die Räte keine übereinstimmenden Beschlüsse fassen, kommt kein gültiger Bundesversammlungsbeschluss zustande. Nach Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1423) kann ein Rat durch beharrliche Ablehnung jedes Geschäft definitiv scheitern lassen, sofern nicht die Ausnahmen von Abs. 3 greifen.\n\n**N. 9** **Parlamentsgesetz als Ausführungsnorm**: Art. 156 Abs. 3 BV wird durch die Art. 89–95 ParlG konkretisiert. Das ordentliche Differenzbereinigungsverfahren sieht maximal drei Beratungen pro Rat vor. Können sich die Räte nicht einigen, wird eine Einigungskonferenz einberufen (Art. 93 ParlG).\n\n**N. 10** **Beschleunigtes Verfahren bei Sonderfällen**: Für die in Abs. 3 genannten Materien gilt ein besonderes Verfahren nach Art. 94 f. ParlG, das letztlich einen Entscheid erzwingt. Bei der Gültigkeitserklärung von Volksinitiativen oder beim Budget darf keine Pattsituation entstehen, weshalb hier Sonderregeln greifen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Reichweite des Konsensprinzips**: In der Doktrin ist umstritten, wie weit das Übereinstimmungserfordernis reicht. Während Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 15 N. 42) eine strenge Auslegung vertreten, wonach jede auch nur redaktionelle Differenz die Übereinstimmung ausschliesst, plädieren Graf/Theler/von Wyss (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 23 N. 15) für eine pragmatischere Sicht, die unwesentliche Abweichungen toleriert.\n\n**N. 12** **Justiziabilität der Verfahrensregeln**: Kontrovers diskutiert wird, ob und inwieweit Verletzungen von Art. 156 BV gerichtlich überprüfbar sind. Müller (in: BSK BV, Art. 156 N. 14) vertritt die Auffassung, dass grobe Verfahrensfehler im Gesetzgebungsverfahren zur Ungültigkeit des Erlasses führen können. Die herrschende Lehre (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 N. 32) sieht die parlamentarischen Verfahrensregeln jedoch als weitgehend nicht justiziabel an.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** **Taktisches Potenzial**: Die Möglichkeit eines Rates, Geschäfte durch Nichteintreten oder beharrliche Ablehnung zu blockieren, verleiht den kleineren politischen Gruppierungen im Ständerat faktisch ein Vetorecht. Parlamentarier sollten sich dieser machtpolitischen Dimension bewusst sein.\n\n**N. 14** **Bedeutung der Erstberatung**: Da der erstberatende Rat die Grundstruktur eines Erlasses prägt, kommt der Zuteilung zur Erstberatung erhebliche praktische Bedeutung zu. Die Präsidien der Räte koordinieren sich hierzu informell, um eine ausgewogene Verteilung sicherzustellen.\n\n**N. 15** **Rolle der Einigungskonferenz**: In der Praxis gelingt es der paritätisch zusammengesetzten Einigungskonferenz (je 13 Mitglieder pro Rat) fast immer, einen Kompromiss zu finden. Die Conferenziers geniessen dabei erheblichen Spielraum und können Paketlösungen vorschlagen, die über die ursprünglichen Positionen der Räte hinausgehen.", "caselaw_de": "# Art. 156 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Verfahrensrechtliche Bezugnahmen\n\n**Urteil 1P.853/2005 vom 3.3.2006**\n\nArt. 156 Abs. 2 BV wird in diesem Entscheid im Zusammenhang mit der Kostenregelung im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren erwähnt. Das Bundesgericht hielt fest, dass bei obsiegendem Beschwerdeführer keine Kosten zu erheben seien (Art. 156 Abs. 2 BV).\n\n> «Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten zu erheben (Art. 156 Abs. 2 BV).»\n\nDie Entscheidung betrifft jedoch nicht die inhaltlichen Aspekte von Art. 156 BV zur parlamentarischen Verfahrensordnung.\n\n**Urteil 1P.559/2004 vom 19.1.2005**\n\nIn diesem Verfahren um eine kantonale Gemeindezusammenlegung wurde Art. 156 Abs. 2 BV ebenfalls lediglich im Kontext der Kostenverteilung erwähnt. Das Bundesgericht bestätigte, dass trotz Unterliegen der Beschwerdeführerin keine Gerichtskosten aufzuerlegen seien.\n\n> «Trotz des Unterliegens der Beschwerdeführerin sind ihr gemäss Art. 156 Abs. 2 BV keine Gerichtskosten aufzuerlegen.»\n\nAuch diese Entscheidung behandelt nicht die Verfahrensregeln der Bundesversammlung nach Art. 156 BV.\n\n### Mangel an justiziabler Rechtsprechung\n\nDie geringe Anzahl gerichtlicher Entscheidungen zu Art. 156 BV erklärt sich aus dem Charakter der Norm als Organisationsbestimmung für die Bundesversammlung. Die in Art. 156 BV geregelten Verfahrensfragen (getrennte Verhandlung der Räte, Erfordernis der Übereinstimmung, Differenzbereinigungsverfahren) sind primär politischer Natur und werden durch das Parlamentsgesetz (ParlG) konkretisiert.\n\nKonflikte über die Auslegung der Verfahrensbestimmungen werden typischerweise innerhalb der parlamentarischen Praxis gelöst oder durch die Parlamentsdienste geklärt. Die Justiziabilität solcher Streitfragen vor Bundesgericht ist aufgrund der Gewaltenteilung stark eingeschränkt.\n\n### Praktische Bedeutung\n\nDie praktische Anwendung von Art. 156 BV erfolgt primär durch:\n- Die Geschäftsregulierungen der beiden Räte\n- Das Bundesgesetz über die Bundesversammlung (ParlG)\n- Die parlamentarische Praxis bei der Differenzbereinigung\n\nGerichtliche Kontrolle beschränkt sich auf die wenigen Fälle, in denen Verfahrensfehler der Bundesversammlung in späteren Rechtsschutzverfahren relevant werden, etwa bei der Anfechtung von Bundesgesetzen oder -beschlüssen wegen Verletzung zwingender Verfahrensvorschriften.", "summary_fr": "# Art. 156 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 156 Cst. règle le mode de travail de l'Assemblée fédérale (le Parlement suisse). L'Assemblée fédérale se compose de deux chambres : le Conseil national avec 200 membres et le Conseil des États avec 46 membres.\n\n**Délibération séparée** : Les deux conseils délibèrent séparément l'un de l'autre. Le Conseil national siège dans sa salle, le Conseil des États dans la sienne. Chaque conseil discute et décide de manière indépendante sur les affaires.\n\n**Les deux conseils doivent donner leur accord** : Pour qu'une loi ou une autre décision devienne valable, les deux conseils doivent adopter exactement la même chose. Si un seul conseil donne son accord, cela ne suffit pas. Cette règle vaut pour toutes les décisions importantes comme les lois, le budget de l'État ou les traités internationaux.\n\n**Quand les conseils ne s'entendent pas** : Parfois, les conseils sont d'avis divergents. Il existe alors des procédures spéciales pour parvenir malgré tout à une solution. C'est particulièrement important pour les initiatives populaires (propositions du peuple pour des modifications constitutionnelles), le budget de l'État ou la mise en œuvre de révisions constitutionnelles. Aucun blocage n'est admis dans ces cas.\n\n**Exemple pratique** : Si le Conseil national adopte une nouvelle loi environnementale avec des règles plus strictes, mais que le Conseil des États veut des prescriptions plus souples, les conseils doivent négocier jusqu'à ce qu'ils trouvent une solution commune. Ce n'est qu'alors que la loi devient valable.\n\nCette réglementation garantit que tant le peuple (représenté par le Conseil national) que les cantons (représentés par le Conseil des États) puissent participer aux décisions importantes.", "doctrine_fr": "# Art. 156 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse historique\n\n**N. 1** La disposition sur le système bicaméral et la procédure d'élimination des divergences trouve ses racines dans la Constitution de 1848, qui a ancré la structure paritaire de l'Assemblée fédérale comme expression du compromis fédéraliste. Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) soulignait que le système bicaméral fait « partie des éléments structurels porteurs de l'organisation fédérale suisse ».\n\n**N. 2** La nouvelle rédaction dans le cadre de la révision constitutionnelle de 1999 n'a introduit aucun changement de fond, mais a simplement modernisé la langue. Toutefois, la base constitutionnelle explicite pour la réglementation légale de la procédure d'élimination des divergences à l'al. 3 a été nouvellement introduite, ce qui a garanti constitutionnellement la pratique parlementaire déjà existante (FF 1997 I 341).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 156 Cst. se situe systématiquement dans la section sur l'Assemblée fédérale (chapitre 3, section 1) et concrétise la division en deux chambres du parlement ancrée à → l'art. 148 Cst. La norme est étroitement liée à → l'art. 157 Cst. (Délibération commune dans des cas particuliers) et forme la base des dispositions d'exécution dans la loi sur le Parlement (RS 171.10).\n\n**N. 4** Dans le contexte de la procédure législative (→ art. 163-165 Cst.), l'art. 156 Cst. assure que les deux conseils participent au processus législatif en tant qu'acteurs égaux en droits. Cela manifeste le caractère fondamental fédéraliste de l'Assemblée fédérale, dans laquelle le peuple (Conseil national) et les cantons (Conseil des Etats) sont représentés de manière égale (→ art. 150 Cst.).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Délibération séparée (al. 1)** : Le principe de la délibération séparée signifie que le Conseil national et le Conseil des Etats tiennent leurs séances séparément et délibèrent indépendamment l'un de l'autre. Selon Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 156 n. 3), ceci est l'expression de la pleine égalité des deux chambres et empêche la domination d'un conseil.\n\n**N. 6** **Conformité (al. 2)** : Le principe du consensus exige la conformité de fond des deux conseils pour chaque arrêté de l'Assemblée fédérale. Selon Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 156 n. 8), la simple majorité dans un parlement global ne suffit pas, mais il faut des arrêtés identiques des deux chambres. Ceci vaut pour les lois, les ordonnances de l'Assemblée fédérale, les arrêtés fédéraux et les arrêtés fédéraux simples (→ art. 163 Cst.).\n\n**N. 7** **Procédure d'élimination des divergences (al. 3)** : La Constitution oblige le législateur à prévoir une procédure qui permet une solution en cas de désaccords. Selon Tschannen (in: St. Galler Kommentar BV, art. 156 n. 12), les domaines énumérés aux let. a-d sont exhaustifs, ce qui signifie que dans d'autres domaines, le blocage par un conseil reste possible.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** **Pas de décision sans consensus** : Tant que les conseils ne prennent pas de décisions conformes, aucun arrêté valable de l'Assemblée fédérale n'aboutit. Selon Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1423), un conseil peut faire échouer définitivement toute affaire par un refus obstiné, sauf si les exceptions de l'al. 3 s'appliquent.\n\n**N. 9** **Loi sur le Parlement comme norme d'exécution** : L'art. 156 al. 3 Cst. est concrétisé par les art. 89-95 LParl. La procédure ordinaire d'élimination des divergences prévoit au maximum trois délibérations par conseil. Si les conseils ne peuvent pas s'entendre, une conférence de conciliation est convoquée (art. 93 LParl).\n\n**N. 10** **Procédure accélérée pour les cas spéciaux** : Pour les matières mentionnées à l'al. 3 s'applique une procédure spéciale selon l'art. 94 s. LParl qui force finalement une décision. Pour la déclaration de validité des initiatives populaires ou pour le budget, aucune situation de blocage ne doit survenir, c'est pourquoi des règles spéciales s'appliquent ici.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Portée du principe de consensus** : En doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où s'étend l'exigence de conformité. Alors que Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 15 n. 42) défendent une interprétation stricte selon laquelle toute différence, même rédactionnelle, exclut la conformité, Graf/Theler/von Wyss (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 23 n. 15) plaident pour une vision plus pragmatique qui tolère les divergences non essentielles.\n\n**N. 12** **Justiciabilité des règles de procédure** : Il est controversé de savoir si et dans quelle mesure les violations de l'art. 156 Cst. sont judiciairement contrôlables. Müller (in: BSK BV, art. 156 n. 14) défend l'opinion que des erreurs de procédure grossières dans la procédure législative peuvent conduire à l'invalidité de l'acte. La doctrine dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 28 n. 32) considère cependant les règles de procédure parlementaire comme largement non justiciables.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** **Potentiel tactique** : La possibilité pour un conseil de bloquer des affaires par non-entrée en matière ou refus obstiné confère de facto un droit de veto aux groupes politiques plus petits au Conseil des Etats. Les parlementaires devraient être conscients de cette dimension de politique du pouvoir.\n\n**N. 14** **Importance de la première délibération** : Étant donné que le conseil qui délibère en premier façonne la structure de base d'un acte, l'attribution à la première délibération revêt une importance pratique considérable. Les présidences des conseils se coordonnent informellement à ce sujet pour assurer une répartition équilibrée.\n\n**N. 15** **Rôle de la conférence de conciliation** : En pratique, la conférence de conciliation composée de manière paritaire (13 membres par conseil) réussit presque toujours à trouver un compromis. Les conférenciers jouissent d'une marge de manœuvre considérable et peuvent proposer des solutions globales qui dépassent les positions originales des conseils.", "caselaw_fr": "# Art. 156 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Références procédurales\n\n**Arrêt 1P.853/2005 du 3.3.2006**\n\nL'art. 156, al. 2, Cst. est mentionné dans cette décision en relation avec la réglementation des coûts dans la procédure de recours de droit public. Le Tribunal fédéral a retenu qu'aucun frais ne devait être perçu en cas de succès du recourant (art. 156, al. 2, Cst.).\n\n> « Dans cette issue de la procédure, aucun frais n'est à percevoir (art. 156, al. 2, Cst.). »\n\nLa décision ne concerne toutefois pas les aspects matériels de l'art. 156 Cst. relatif à la procédure parlementaire.\n\n**Arrêt 1P.559/2004 du 19.1.2005**\n\nDans cette procédure concernant une fusion communale cantonale, l'art. 156, al. 2, Cst. fut également mentionné uniquement dans le contexte de la répartition des coûts. Le Tribunal fédéral a confirmé que malgré le rejet du recours de la recourante, aucun frais judiciaire ne devait lui être imposé.\n\n> « Malgré le rejet du recours de la recourante, aucun frais judiciaire ne lui est imposé selon l'art. 156, al. 2, Cst. »\n\nCette décision ne traite pas non plus des règles de procédure de l'Assemblée fédérale selon l'art. 156 Cst.\n\n### Manque de jurisprudence justiciable\n\nLe faible nombre de décisions judiciaires concernant l'art. 156 Cst. s'explique par le caractère de la norme comme disposition d'organisation pour l'Assemblée fédérale. Les questions de procédure réglées par l'art. 156 Cst. (délibération séparée des Chambres, exigence de concordance, procédure d'élimination des divergences) sont de nature principalement politique et sont concrétisées par la loi sur le Parlement (LParl).\n\nLes conflits sur l'interprétation des dispositions procédurales sont typiquement résolus au sein de la pratique parlementaire ou clarifiés par les Services du Parlement. La justiciabilité de telles questions litigieuses devant le Tribunal fédéral est fortement limitée en raison de la séparation des pouvoirs.\n\n### Signification pratique\n\nL'application pratique de l'art. 156 Cst. s'effectue principalement par :\n- Les règlements des deux Chambres\n- La loi fédérale sur l'Assemblée fédérale (LParl)\n- La pratique parlementaire lors de l'élimination des divergences\n\nLe contrôle judiciaire se limite aux rares cas dans lesquels des vices de procédure de l'Assemblée fédérale deviennent pertinents dans des procédures ultérieures de protection juridique, par exemple lors de la contestation de lois ou d'arrêtés fédéraux pour violation de prescriptions procédurales impératives.", "summary_it": "# Art. 156 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 156 Cost. disciplina il funzionamento dell'Assemblea federale (il Parlamento svizzero). L'Assemblea federale è composta da due Camere: il Consiglio nazionale con 200 membri e il Consiglio degli Stati con 46 membri.\n\n**Deliberazione separata**: I due Consigli deliberano separatamente l'uno dall'altro. Il Consiglio nazionale si riunisce nella sua sala, il Consiglio degli Stati nella propria sala. Ogni Consiglio discute e decide autonomamente sugli affari.\n\n**Entrambi i Consigli devono approvare**: Affinché una legge o un'altra decisione diventi valida, entrambi i Consigli devono decidere esattamente la stessa cosa. Se solo un Consiglio approva, ciò non è sufficiente. Questa regola vale per tutte le decisioni importanti come le leggi, il bilancio statale o i trattati internazionali.\n\n**Quando i Consigli non si accordano**: A volte i Consigli hanno opinioni diverse. In tal caso esistono procedure speciali per giungere comunque a una soluzione. Questo è particolarmente importante per le iniziative popolari (proposte del popolo per modifiche costituzionali), per il bilancio statale o per l'attuazione di revisioni costituzionali. Qui non può esserci alcun blocco.\n\n**Esempio pratico**: Se il Consiglio nazionale approva una nuova legge ambientale con regole più severe, ma il Consiglio degli Stati vuole prescrizioni più moderate, i Consigli devono negoziare finché non trovano una soluzione comune. Solo allora la legge diventa valida.\n\nQuesta disciplina garantisce che sia il popolo (rappresentato dal Consiglio nazionale) sia i Cantoni (rappresentati dal Consiglio degli Stati) possano partecipare alle decisioni importanti.", "doctrine_it": "# Art. 156 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** La disposizione sul sistema bicamerale e sulla procedura di appianamento delle divergenze affonda le sue radici nella Costituzione del 1848, che ha sancito la struttura paritetica dell'Assemblea federale come espressione del compromesso federalista. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) ha sottolineato che il sistema bicamerale appartiene agli «elementi strutturali portanti della statualità federale svizzera».\n\n**N. 2** La nuova versione nell'ambito della revisione costituzionale del 1999 non ha introdotto modifiche di contenuto, ma ha semplicemente modernizzato il linguaggio. È stata tuttavia aggiunta la base costituzionale esplicita per la disciplina legale della procedura di appianamento delle divergenze nel cpv. 3, consolidando dal punto di vista costituzionale la prassi parlamentare già esistente (FF 1997 I 341).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 156 Cost. si colloca sistematicamente nella sezione sull'Assemblea federale (capitolo 3, sezione 1) e concretizza la bipartizione del Parlamento sancita nell'→ art. 148 Cost. La norma è strettamente collegata con l'→ art. 157 Cost. (Trattazione congiunta in casi particolari) e costituisce la base per le disposizioni esecutive nella legge sul Parlamento (RS 171.10).\n\n**N. 4** Nel contesto della procedura legislativa (→ art. 163–165 Cost.), l'art. 156 Cost. assicura che entrambi i Consigli partecipino come attori con pari diritti al processo di creazione del diritto. Ciò manifesta il carattere fondamentale federalista dell'Assemblea federale, nella quale sono rappresentati in egual misura popolo (Consiglio nazionale) e Cantoni (Consiglio degli Stati) (→ art. 150 Cost.).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Trattazione separata (cpv. 1)**: Il principio della trattazione separata significa che il Consiglio nazionale e il Consiglio degli Stati tengono le loro sedute separatamente e deliberano indipendentemente l'uno dall'altro. Secondo Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario sangallese Cost., 4ª ed. 2023, art. 156 N. 3) ciò è espressione della piena parità di diritti di entrambe le Camere e impedisce la dominanza di un Consiglio.\n\n**N. 6** **Concordanza (cpv. 2)**: Il principio del consenso richiede la concordanza di contenuto di entrambi i Consigli per ogni decreto dell'Assemblea federale. Secondo Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cost., 2ª ed. 2024, art. 156 N. 8) non basta la semplice maggioranza in un parlamento globale, ma occorrono decisioni identiche di entrambe le Camere. Ciò vale per leggi, ordinanze dell'Assemblea federale, decreti federali e decreti federali semplici (→ art. 163 Cost.).\n\n**N. 7** **Procedura di appianamento delle divergenze (cpv. 3)**: La Costituzione obbliga il legislatore a prevedere una procedura che consenta una soluzione in caso di divergenze di opinione. Gli ambiti elencati nelle lett. a–d sono secondo Tschannen (in: Commentario sangallese Cost., art. 156 N. 12) esaustivi, il che significa che in altri ambiti rimane possibile un blocco da parte di un Consiglio.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** **Nessuna decisione senza consenso**: Finché i Consigli non prendono decisioni concordanti, non si realizza alcun decreto valido dell'Assemblea federale. Secondo Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto costituzionale federale svizzero, 10ª ed. 2020, N. 1423) un Consiglio può far fallire definitivamente qualsiasi affare attraverso un rifiuto ostinato, purché non si applichino le eccezioni del cpv. 3.\n\n**N. 9** **Legge sul Parlamento come norma esecutiva**: L'art. 156 cpv. 3 Cost. è concretizzato dagli art. 89–95 LParl. La procedura ordinaria di appianamento delle divergenze prevede al massimo tre dibattiti per Consiglio. Se i Consigli non riescono a mettersi d'accordo, viene convocata una conferenza di conciliazione (art. 93 LParl).\n\n**N. 10** **Procedura accelerata per i casi speciali**: Per le materie menzionate nel cpv. 3 vale una procedura speciale secondo l'art. 94 segg. LParl, che alla fine impone una decisione. Per la dichiarazione di validità di iniziative popolari o per il preventivo non può sorgere una situazione di stallo, ragion per cui si applicano regole speciali.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 11** **Portata del principio del consenso**: In dottrina è controverso fino a che punto si estenda il requisito di concordanza. Mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, § 15 N. 42) sostengono un'interpretazione rigorosa, secondo la quale ogni divergenza anche solo redazionale esclude la concordanza, Graf/Theler/von Wyss (Diritto parlamentare e prassi parlamentare, 2014, § 23 N. 15) propugnano una visione più pragmatica che tollera divergenze non essenziali.\n\n**N. 12** **Giustiziabilità delle regole procedurali**: È controverso se e in che misura le violazioni dell'art. 156 Cost. siano sindacabili giudizialmente. Müller (in: BSK Cost., art. 156 N. 14) sostiene che gravi errori procedurali nella procedura legislativa possono portare all'invalidità dell'atto normativo. La dottrina dominante (Tschannen/Zimmerli/Müller, Diritto amministrativo generale, 4ª ed. 2014, § 28 N. 32) considera tuttavia le regole procedurali parlamentari come ampiamente non giustiziabili.\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 13** **Potenziale tattico**: La possibilità di un Consiglio di bloccare affari attraverso la non entrata in materia o il rifiuto ostinato conferisce di fatto ai raggruppamenti politici più piccoli nel Consiglio degli Stati un diritto di veto. I parlamentari dovrebbero essere consapevoli di questa dimensione di politica del potere.\n\n**N. 14** **Importanza della prima lettura**: Poiché il Consiglio che tratta per primo plasma la struttura di base di un atto normativo, l'attribuzione della prima lettura assume notevole importanza pratica. Le presidenze dei Consigli si coordinano informalmente a tal riguardo per assicurare una ripartizione equilibrata.\n\n**N. 15** **Ruolo della conferenza di conciliazione**: Nella prassi la conferenza di conciliazione composta pariteticamente (13 membri per Consiglio) riesce quasi sempre a trovare un compromesso. I conferenzieri godono di un margine di manovra considerevole e possono proporre soluzioni a pacchetto che vanno oltre le posizioni originarie dei Consigli.", "caselaw_it": "# Art. 156 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Riferimenti di diritto processuale\n\n**Sentenza 1P.853/2005 del 3.3.2006**\n\nL'art. 156 cpv. 2 Cost. viene menzionato in questa decisione in relazione alla regolamentazione delle spese nel procedimento di ricorso di diritto pubblico. Il Tribunale federale ha stabilito che in caso di soccombenza dell'intimato non devono essere riscosse spese (art. 156 cpv. 2 Cost.).\n\n> «In questo caso non devono essere riscosse spese (art. 156 cpv. 2 Cost.).»\n\nLa decisione non riguarda tuttavia gli aspetti materiali dell'art. 156 Cost. relativo all'ordinamento procedurale parlamentare.\n\n**Sentenza 1P.559/2004 del 19.1.2005**\n\nIn questo procedimento concernente una fusione comunale cantonale, l'art. 156 cpv. 2 Cost. è stato menzionato unicamente nel contesto della ripartizione delle spese. Il Tribunale federale ha confermato che nonostante la soccombenza della ricorrente non le dovevano essere addossate spese processuali.\n\n> «Nonostante la soccombenza della ricorrente, secondo l'art. 156 cpv. 2 Cost. non le devono essere addossate spese processuali.»\n\nAnche questa decisione non tratta le regole procedurali dell'Assemblea federale secondo l'art. 156 Cost.\n\n### Mancanza di giurisprudenza giustiziabile\n\nIl numero ridotto di decisioni giudiziarie sull'art. 156 Cost. si spiega con il carattere della norma quale disposizione organizzativa per l'Assemblea federale. Le questioni procedurali disciplinate nell'art. 156 Cost. (trattazione separata delle Camere, necessità della concordanza, procedura di appianamento delle divergenze) sono di natura primariamente politica e vengono concretizzate dalla Legge sul Parlamento (LParl).\n\nI conflitti sull'interpretazione delle disposizioni procedurali vengono tipicamente risolti nell'ambito della prassi parlamentare o chiariti dai Servizi del Parlamento. La giustiziabilità di tali questioni controverse dinanzi al Tribunale federale è fortemente limitata a causa della separazione dei poteri.\n\n### Significato pratico\n\nL'applicazione pratica dell'art. 156 Cost. avviene primariamente attraverso:\n- I regolamenti delle due Camere\n- La Legge federale sull'Assemblea federale (LParl)\n- La prassi parlamentare nell'appianamento delle divergenze\n\nIl controllo giudiziario si limita ai pochi casi in cui vizi procedurali dell'Assemblea federale diventano rilevanti in successive procedure di tutela giuridica, ad esempio nell'impugnazione di leggi federali o decreti federali per violazione di disposizioni procedurali cogenti.", "summary_en": "# Art. 156 BV\n\n## Overview\n\nArt. 156 BV governs how the Federal Assembly (the Swiss Parliament) operates. The Federal Assembly consists of two chambers: the National Council with 200 members and the Council of States with 46 members.\n\n**Separate deliberation**: The two councils deliberate separately from each other. The National Council meets in its chamber, the Council of States in its own chamber. Each council discusses and decides independently on matters of business.\n\n**Both councils must agree**: For a law or other resolution to become valid, both councils must decide exactly the same thing. If only one council agrees, that is not sufficient. This rule applies to all important decisions such as laws, the state budget or international treaties.\n\n**When the councils cannot agree**: Sometimes the councils have different opinions. Then there are special procedures to still reach a solution. This is particularly important for popular initiatives (proposals from the people for constitutional amendments), the state budget or the implementation of constitutional revisions. Here there must be no blockade.\n\n**Practical example**: If the National Council passes a new environmental law with stricter regulations, but the Council of States wants milder provisions, the councils must negotiate until they find a common solution. Only then does the law become valid.\n\nThis regulation ensures that both the people (represented by the National Council) and the cantons (represented by the Council of States) can participate in important decisions.", "doctrine_en": "# Art. 156 FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genesis\n\n**N. 1** The provision on the bicameral system and the differences settlement procedure has its roots in the Constitution of 1848, which anchored the parity structure of the Federal Assembly as an expression of the federalist compromise. The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasised that the bicameral system «belongs to the supporting structural elements of Swiss federalism».\n\n**N. 2** The revision within the framework of the constitutional revision of 1999 introduced no substantive changes, but merely modernised the language. However, the explicit constitutional basis for the statutory regulation of the differences settlement procedure in para. 3 was newly included, which constitutionally secured the already existing parliamentary practice (BBl 1997 I 341).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 156 FC stands systematically in the section on the Federal Assembly (Chapter 3, Section 1) and concretises the bipartition of Parliament anchored in → Art. 148 FC. The provision is closely linked with → Art. 157 FC (Joint deliberations in special cases) and forms the basis for the implementing provisions in the Parliament Act (SR 171.10).\n\n**N. 4** In the context of the legislative procedure (→ Art. 163–165 FC), Art. 156 FC ensures that both chambers are involved as equal actors in the law-making process. This manifests the fundamental federalist character of the Federal Assembly, in which people (National Council) and cantons (Council of States) are equally represented (→ Art. 150 FC).\n\n### 3. Elements of the provision / Normative content\n\n**N. 5** **Separate deliberations (para. 1)**: The principle of separate deliberation means that the National Council and Council of States hold their sessions separately and deliberate independently of each other. According to Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 156 N. 3), this is an expression of the full equality of both chambers and prevents the dominance of one council.\n\n**N. 6** **Agreement (para. 2)**: The consensus principle requires the substantive agreement of both councils for every Federal Assembly decree. According to Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 156 N. 8), a mere majority in a combined parliament does not suffice, but identical decisions by both chambers are required. This applies to acts, ordinances of the Federal Assembly, federal decrees and simple federal decrees (→ Art. 163 FC).\n\n**N. 7** **Differences settlement procedure (para. 3)**: The Constitution obliges the legislature to provide for a procedure that enables a solution in case of disagreements. The areas listed in lit. a–d are exhaustive according to Tschannen (in: St. Galler Kommentar BV, Art. 156 N. 12), which means that in other areas a blockade by one council remains possible.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 8** **No decision-making without consensus**: As long as the councils do not adopt matching decisions, no valid Federal Assembly decree comes into being. According to Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1423), a council can cause any business to fail definitively through persistent rejection, unless the exceptions of para. 3 apply.\n\n**N. 9** **Parliament Act as implementing provision**: Art. 156 para. 3 FC is concretised by Art. 89–95 ParlA. The ordinary differences settlement procedure provides for a maximum of three deliberations per council. If the councils cannot agree, a conciliation conference is convened (Art. 93 ParlA).\n\n**N. 10** **Accelerated procedure for special cases**: For the matters mentioned in para. 3, a special procedure according to Art. 94 f. ParlA applies, which ultimately forces a decision. In the case of the declaration of validity of popular initiatives or the budget, no deadlock situation may arise, which is why special rules apply here.\n\n### 5. Disputed issues\n\n**N. 11** **Scope of the consensus principle**: The extent to which the requirement of agreement reaches is disputed in doctrine. While Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 15 N. 42) advocate a strict interpretation, according to which any difference, even purely editorial, excludes agreement, Graf/Theler/von Wyss (Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2014, § 23 N. 15) argue for a more pragmatic view that tolerates insubstantial deviations.\n\n**N. 12** **Justiciability of procedural rules**: Whether and to what extent violations of Art. 156 FC are subject to judicial review is controversially discussed. Müller (in: BSK BV, Art. 156 N. 14) takes the position that gross procedural errors in the legislative procedure can lead to the invalidity of the enactment. The prevailing doctrine (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 28 N. 32), however, views parliamentary procedural rules as largely non-justiciable.\n\n### 6. Practical notes\n\n**N. 13** **Tactical potential**: The possibility of a council to block business through non-consideration or persistent rejection gives the smaller political groupings in the Council of States a de facto veto right. Parliamentarians should be aware of this power-political dimension.\n\n**N. 14** **Significance of first deliberation**: Since the council conducting the first deliberation shapes the basic structure of an enactment, the allocation for first deliberation has considerable practical significance. The presidencies of the councils coordinate informally on this to ensure a balanced distribution.\n\n**N. 15** **Role of the conciliation conference**: In practice, the conciliation conference composed on a parity basis (13 members per council each) almost always succeeds in finding a compromise. The conference members enjoy considerable scope and can propose package solutions that go beyond the original positions of the councils.", "caselaw_en": "# Art. 156 BV\n\n## Case Law\n\n### Procedural References\n\n**Judgment 1P.853/2005 of 3.3.2006**\n\nArt. 156 para. 2 BV is mentioned in this decision in connection with the cost allocation in constitutional appeal proceedings. The Federal Court held that no costs should be imposed if the appellant prevailed (Art. 156 para. 2 BV).\n\n> «Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten zu erheben (Art. 156 Abs. 2 BV).»\n\nHowever, the decision does not concern the substantive aspects of Art. 156 BV regarding parliamentary procedural rules.\n\n**Judgment 1P.559/2004 of 19.1.2005**\n\nIn this proceeding concerning a cantonal municipal merger, Art. 156 para. 2 BV was likewise mentioned only in the context of cost allocation. The Federal Court confirmed that despite the appellant's defeat, no court costs should be imposed on her.\n\n> «Trotz des Unterliegens der Beschwerdeführerin sind ihr gemäss Art. 156 Abs. 2 BV keine Gerichtskosten aufzuerlegen.»\n\nThis decision also does not address the procedural rules of the Federal Assembly under Art. 156 BV.\n\n### Lack of Justiciable Case Law\n\nThe small number of judicial decisions on Art. 156 BV is explained by the nature of the provision as an organisational rule for the Federal Assembly. The procedural matters regulated in Art. 156 BV (separate deliberation of the chambers, requirement of agreement, procedures for resolving differences) are primarily of a political nature and are given concrete form through the Parliamentary Act (ParlA).\n\nConflicts over the interpretation of procedural provisions are typically resolved within parliamentary practice or clarified by the parliamentary services. The justiciability of such disputes before the Federal Court is severely limited due to the separation of powers.\n\n### Practical Significance\n\nThe practical application of Art. 156 BV occurs primarily through:\n- The rules of procedure of both chambers\n- The Federal Act on the Federal Assembly (ParlA)\n- Parliamentary practice in resolving differences\n\nJudicial control is limited to the few cases in which procedural errors by the Federal Assembly become relevant in subsequent legal protection proceedings, such as when challenging federal acts or federal decrees for violation of mandatory procedural provisions.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_156", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 157, "article_suffix": "", "title": "Gemeinsame Verhandlung", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArtikel 157 BV regelt die Vereinigte Bundesversammlung. Dies ist eine besondere Sitzungsform des Parlaments. Normalerweise tagen Nationalrat und Ständerat getrennt. Bei bestimmten Aufgaben verhandeln sie jedoch gemeinsam als ein einziges Organ.\n\n**Was macht die Vereinigte Bundesversammlung?**\n\nDie Vereinigte Bundesversammlung hat drei wichtige Aufgaben. Erstens wählt sie hohe Staatsämter. Dazu gehören die sieben Bundesräte, die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler und die Richter am Bundesgericht. Diese Wahlen finden in geheimer Abstimmung statt. Zweitens kann sie Konflikte zwischen den obersten Bundesbehörden entscheiden. Dies kommt aber praktisch nie vor. Drittens spricht sie Begnadigungen aus. Das bedeutet: Sie kann Strafen mildern oder ganz erlassen.\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nDie Vereinigte Bundesversammlung betrifft alle Bürgerinnen und Bürger der Schweiz. Ihre Wahlen bestimmen, wer die wichtigsten Staatsämter bekleidet. Verurteilte Personen können bei ihr um Begnadigung bitten, wenn sie ihre Strafe aus wichtigen Gründen nicht vollständig verbüssen können.\n\n**Wie funktioniert es?**\n\nDen Vorsitz führt immer die Nationalratspräsidentin oder der Nationalratspräsident. Dies zeigt die grössere demokratische Bedeutung des Nationalrats. Die Vereinigte Bundesversammlung tritt auch bei besonderen Anlässen zusammen, zum Beispiel bei Staatsbesuchen oder wichtigen politischen Ereignissen.\n\n**Konkretes Beispiel:**\n\nIm Dezember 2023 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Viola Amherd zur Bundespräsidentin für 2024. Alle 246 anwesenden Parlamentsmitglieder stimmten in einem gemeinsamen Saal ab. Die Wahl erfolgte geheim mit Wahlzetteln.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Vereinigte Bundesversammlung gehört zu den ältesten Institutionen des schweizerischen Bundesstaates. Bereits die Bundesverfassung von 1848 kannte die gemeinsame Verhandlung beider Räte für bestimmte Geschäfte. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, S. 418–419) betonte die Kontinuität dieser Institution: Die Vereinigte Bundesversammlung habe sich als Organ für spezielle Aufgaben bewährt, weshalb ihre Kompetenzen im Wesentlichen unverändert übernommen wurden.\n\n**N. 2** Die Totalrevision von 1999 brachte primär redaktionelle Anpassungen. Neu war die explizite Erwähnung der «Entgegennahme von Erklärungen des Bundesrates» in Absatz 2, die zuvor nur gewohnheitsrechtlich praktiziert wurde. Der Verfassungsgeber wollte damit die etablierte Praxis verfassungsrechtlich absichern (BBl 1997 I 419).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 157 BV steht im 5. Titel (Bundesbehörden), 1. Kapitel (Bundesversammlung), 3. Abschnitt (Gemeinsame Bestimmungen für beide Räte). Die Norm regelt die Ausnahme vom Zweikammerprinzip: Während National- und Ständerat grundsätzlich getrennt beraten (Art. 156 BV), konstituieren sie sich für die in Art. 157 BV genannten Geschäfte als Einheitsorgan.\n\n**N. 4** Die Bestimmung ist im Zusammenhang mit Art. 168 BV (Wahlen durch die Bundesversammlung), Art. 173 Abs. 1 lit. l BV (Begnadigungsrecht) und Art. 189 Abs. 4 BV (Zuständigkeitskonflikte) zu lesen. Diese Artikel konkretisieren die in Art. 157 BV genannten Kompetenzen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Gemeinsame Verhandlung**: Die Vereinigte Bundesversammlung ist keine dritte Kammer, sondern die institutionalisierte Form der gemeinsamen Beschlussfassung beider Räte. Nach Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 157 N. 3) handelt es sich um ein «Einheitsorgan mit eigener Beschlusskompetenz».\n\n**N. 6** **Vorsitz**: Der Vorsitz durch die Nationalratspräsidentin oder den Nationalratspräsidenten (nicht durch den Ständeratspräsidenten) reflektiert die grössere demokratische Legitimation des Nationalrats. Diese Regelung ist zwingend und kann nicht durch Parlamentsbeschluss geändert werden (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1668).\n\n**N. 7** **Wahlen** (lit. a): Die Wahlkompetenz umfasst gemäss Art. 168 BV die Wahl der Mitglieder des Bundesrats, der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers, der Richterinnen und Richter des Bundesgerichts sowie des Generals. Die Wahlen erfolgen in geheimer Abstimmung mit absolutem Mehr der gültigen Stimmen.\n\n**N. 8** **Zuständigkeitskonflikte** (lit. b): Diese Kompetenz betrifft echte Kompetenzkonflikte zwischen obersten Bundesbehörden (Bundesrat, Bundesversammlung, Bundesgericht). Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3682) weisen darauf hin, dass diese Bestimmung praktisch bedeutungslos ist, da solche Konflikte in der Praxis nicht vorkommen.\n\n**N. 9** **Begnadigungen** (lit. c): Die Begnadigungskompetenz erstreckt sich auf alle vom Bund verhängten Strafen sowie auf kantonale Strafen bei Anwendung von Bundesstrafrecht (→ Art. 173 Abs. 1 lit. l BV). **BGE 101 IA 281 E. 3a** präzisierte, dass die territoriale Zuständigkeit dem Kanton zusteht, dessen Richter die Strafe ausgesprochen haben.\n\n**N. 10** **Besondere Anlässe** (Abs. 2): Die nicht abschliessende Aufzählung umfasst Staatsbesuche, Gedenkfeiern und ausserordentliche politische Ereignisse. Die Einberufung liegt im Ermessen der Parlamentsleitung (Biaggini, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 157 N. 5).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die Beschlüsse der Vereinigten Bundesversammlung sind endgültig und keiner gerichtlichen Überprüfung zugänglich. Dies ergibt sich aus der Natur der übertragenen Kompetenzen: Wahlen, Begnadigungen und die Entscheidung von Zuständigkeitskonflikten zwischen obersten Bundesbehörden sind politische Akte.\n\n**N. 12** Bei Wahlen gilt das absolute Mehr der gültigen Stimmen. Wird dieses im ersten Wahlgang nicht erreicht, folgen weitere Wahlgänge nach den Regeln des Parlamentsgesetzes. Die Gewählten sind zur Annahme der Wahl verpflichtet, sofern keine wichtigen Gründe dagegensprechen (Art. 7 ParlG).\n\n**N. 13** Begnadigungsentscheide wirken konstitutiv. Sie heben die Straffolgen ganz oder teilweise auf, ändern aber nichts am Schuldspruch. Die Vereinigte Bundesversammlung kann Strafen erlassen, mildern oder in andere Strafarten umwandeln (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 N 15).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Justiziabilität der Beschlüsse**: Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 157 N. 12) vertreten die Auffassung, dass Wahlakte grundsätzlich nicht justiziabel seien. Demgegenüber argumentiert Kiener (in: Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 189 N. 95), dass bei offensichtlichen Verfahrensfehlern eine Überprüfung durch das Bundesgericht möglich sein müsse. Die Praxis zeigt jedoch keine entsprechenden Fälle.\n\n**N. 15** **Öffentlichkeit der Sitzungen**: Umstritten ist, ob die Wahlen zwingend in nicht-öffentlicher Sitzung stattzufinden haben. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 157 N. 7) befürworten aus Gründen der Transparenz grundsätzlich öffentliche Sitzungen. Die parlamentarische Praxis hält jedoch an der Tradition nicht-öffentlicher Wahlsitzungen fest.\n\n**N. 16** **Begnadigungskriterien**: Die Lehre diskutiert, ob die Vereinigte Bundesversammlung an materielle Kriterien gebunden ist. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 1670) betonen den weiten Ermessensspielraum, während Tschannen/Zimmerli/Müller (Verwaltungsrecht, § 28 N 16) für eine Bindung an den Verhältnismässigkeitsgrundsatz plädieren.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** **Wahlverfahren**: Die Gerichtskommission bereitet die Richterwahlen vor und unterbreitet der Vereinigten Bundesversammlung Anträge. Die Fraktionen einigen sich traditionell auf eine parteipolitische Verteilung der Sitze («Zauberformel» für den Bundesrat, Proporzschlüssel für das Bundesgericht).\n\n**N. 18** **Begnadigungsverfahren**: Gesuche sind an die Begnadigungskommission der Vereinigten Bundesversammlung zu richten. Diese prüft die Gesuche und stellt Antrag an die Vereinigte Bundesversammlung. In der Praxis werden Begnadigungen hauptsächlich bei finanziellen Härtefällen und schweren Gesundheitsproblemen gewährt.\n\n**N. 19** **Verfahrensrecht**: Mangels spezieller Regelungen in der BV gelten die Bestimmungen des Parlamentsgesetzes (ParlG) und des Geschäftsreglements der Bundesversammlung. Die Beschlussfähigkeit richtet sich nach Art. 159 Abs. 1 BV (Anwesenheit der Mehrheit der Mitglieder jedes Rates).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 157 BV ist äusserst spärlich. Dies erklärt sich durch den besonderen Charakter der Norm als Organisationsvorschrift, die primär parlamentarische Verfahren regelt und nur selten gerichtlich überprüfbare Rechtsstreitigkeiten auslöst. Die wenigen verfügbaren Entscheide betreffen hauptsächlich die Begnadigungskompetenz der Vereinigten Bundesversammlung.\n\n### Begnadigungskompetenz\n\n**BGE 101 IA 281** (24. September 1975)\nInterkantonale Zuständigkeitsabgrenzung bei der Begnadigung\nDas Bundesgericht stellte klar, dass bei der Begnadigung die territoriale Zuständigkeit dem Kanton zusteht, dessen Richter die betreffende Strafe ausgesprochen haben.\n\n> «Unter der 'Begnadigungsbehörde des Kantons' im Sinne von Art. 394 lit. b StGB ist die Behörde desjenigen Kantons zu verstehen, dessen Richter die durch Begnadigung zu erlassende Strafe durch rechtskräftiges Urteil auferlegt hat.»\n\n### Parlamentarische Praxis bei Begnadigungen\n\nDas Verfahren bei Begnadigungsgesuchen wird durch die parlamentarische Praxis der Vereinigten Bundesversammlung konkretisiert. Die Begnadigungskommission prüft die eingereichten Gesuche und unterbreitet der Vereinigten Bundesversammlung entsprechende Anträge. In der Sitzung vom 12. Juni 1991 (Bulletin-Nr. 91.030) behandelte die Vereinigte Bundesversammlung drei Begnadigungsgesuche, wovon zwei gutgeheissen und eines abgelehnt wurden.\n\nDie Praxis zeigt, dass Begnadigungen hauptsächlich bei finanziellen Härtefällen und Gesundheitsproblemen gewährt werden, wobei eine vollständige Tilgung der Schuld nicht erforderlich ist, wenn die weitere Vollstreckung eine unverhältnismässige Härte bedeuten würde.\n\n### Wahlen durch die Vereinigte Bundesversammlung\n\nDie parlamentarische Praxis zu Wahlen durch die Vereinigte Bundesversammlung ist umfangreich, aber selten Gegenstand gerichtlicher Überprüfung. Die Wahlen erfolgen in nicht-öffentlicher Sitzung und unterliegen der politischen Gestaltungsfreiheit des Parlaments.\n\n### Zuständigkeitskonflikte\n\nEntscheide der Vereinigten Bundesversammlung über Zuständigkeitskonflikte zwischen obersten Bundesbehörden (Art. 157 Abs. 1 lit. b BV) sind in der Rechtsprechung nicht dokumentiert. Diese seltene Kompetenz wird nur bei echten Kompetenzkonflikten zwischen Bundesrat und Bundesgericht ausgeübt, die bisher praktisch nicht aufgetreten sind.\n\n### Besondere Anlässe\n\nDie Versammlung zu «besonderen Anlässen» gemäss Art. 157 Abs. 2 BV erfolgt nach parlamentarischem Ermessen und ist nicht justiziabel. Hierzu gehören Staatsbesuche und bedeutsame politische Ereignisse, die keine gerichtliche Überprüfung nach sich ziehen.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'article 157 Cst. règle l'Assemblée fédérale réunie. Il s'agit d'une forme de séance particulière du Parlement. Normalement, le Conseil national et le Conseil des États siègent séparément. Pour certaines tâches, ils délibèrent cependant ensemble comme un organe unique.\n\n**Que fait l'Assemblée fédérale réunie ?**\n\nL'Assemblée fédérale réunie a trois tâches importantes. Premièrement, elle élit les hautes charges de l'État. Cela comprend les sept conseillers fédéraux, la chancelière ou le chancelier de la Confédération et les juges du Tribunal fédéral. Ces élections ont lieu à scrutin secret. Deuxièmement, elle peut trancher des conflits entre les autorités fédérales supérieures. Cela n'arrive cependant pratiquement jamais. Troisièmement, elle accorde des grâces. Cela signifie : elle peut atténuer des peines ou les remettre entièrement.\n\n**Qui est concerné ?**\n\nL'Assemblée fédérale réunie concerne tous les citoyens et citoyennes de Suisse. Ses élections déterminent qui occupe les charges les plus importantes de l'État. Les personnes condamnées peuvent lui demander une grâce si elles ne peuvent pas purger entièrement leur peine pour des motifs importants.\n\n**Comment cela fonctionne-t-il ?**\n\nLa présidence est toujours assurée par la présidente ou le président du Conseil national. Ceci montre l'importance démocratique plus grande du Conseil national. L'Assemblée fédérale réunie se réunit aussi lors d'occasions particulières, par exemple lors de visites d'État ou d'événements politiques importants.\n\n**Exemple concret :**\n\nEn décembre 2023, l'Assemblée fédérale réunie a élu Viola Amherd présidente de la Confédération pour 2024. Les 246 parlementaires présents ont voté dans une salle commune. L'élection s'est déroulée au scrutin secret avec des bulletins de vote.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la genèse\n\n**Ch. 1** L'Assemblée fédérale réunie fait partie des institutions les plus anciennes de l'État fédéral suisse. Déjà la constitution fédérale de 1848 connaissait la délibération commune des deux conseils pour certaines affaires. Le message concernant une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, p. 445–446) soulignait la continuité de cette institution : l'Assemblée fédérale réunie s'était imposée comme organe pour des tâches spéciales, raison pour laquelle ses compétences furent reprises pour l'essentiel sans changement.\n\n**Ch. 2** La révision totale de 1999 apporta principalement des adaptations rédactionnelles. La mention explicite de la « réception des déclarations du Conseil fédéral » à l'alinéa 2, qui n'était auparavant pratiquée que selon le droit coutumier, était nouvelle. Le constituant voulait ainsi consolider sur le plan constitutionnel la pratique établie (FF 1997 I 446).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 157 Cst. se trouve dans le 5e titre (Autorités fédérales), 1er chapitre (Assemblée fédérale), 3e section (Dispositions communes aux deux conseils). La norme règle l'exception au principe bicaméral : alors que le Conseil national et le Conseil des États délibèrent en principe séparément (art. 156 Cst.), ils se constituent comme organe unitaire pour les affaires mentionnées à l'art. 157 Cst.\n\n**Ch. 4** La disposition doit être lue en relation avec l'art. 168 Cst. (élections par l'Assemblée fédérale), l'art. 173 al. 1 let. l Cst. (droit de grâce) et l'art. 189 al. 4 Cst. (conflits de compétences). Ces articles concrétisent les compétences mentionnées à l'art. 157 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **Délibération commune** : L'Assemblée fédérale réunie n'est pas une troisième chambre, mais la forme institutionnalisée de la prise de décision commune des deux conseils. Selon Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 157 ch. 3), il s'agit d'un « organe unitaire avec sa propre compétence de décision ».\n\n**Ch. 6** **Présidence** : La présidence par la présidente ou le président du Conseil national (et non par le président du Conseil des États) reflète la plus grande légitimation démocratique du Conseil national. Cette règle est impérative et ne peut pas être modifiée par décision parlementaire (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, ch. 1668).\n\n**Ch. 7** **Élections** (let. a) : La compétence d'élection comprend selon l'art. 168 Cst. l'élection des membres du Conseil fédéral, de la chancelière ou du chancelier de la Confédération, des juges du Tribunal fédéral ainsi que du général. Les élections ont lieu au scrutin secret à la majorité absolue des suffrages valables.\n\n**Ch. 8** **Conflits de compétences** (let. b) : Cette compétence concerne les véritables conflits de compétences entre les autorités fédérales suprêmes (Conseil fédéral, Assemblée fédérale, Tribunal fédéral). Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, ch. 3682) relèvent que cette disposition est pratiquement sans importance, car de tels conflits ne se présentent pas dans la pratique.\n\n**Ch. 9** **Grâces** (let. c) : La compétence de grâce s'étend à toutes les peines prononcées par la Confédération ainsi qu'aux peines cantonales lors d'application du droit pénal fédéral (→ art. 173 al. 1 let. l Cst.). **BGE 101 IA 281 consid. 3a** a précisé que la compétence territoriale revient au canton dont les juges ont prononcé la peine.\n\n**Ch. 10** **Occasions particulières** (al. 2) : L'énumération non exhaustive comprend les visites d'État, les commémorations et les événements politiques extraordinaires. La convocation relève du pouvoir d'appréciation de la direction parlementaire (Biaggini, BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 157 ch. 5).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**Ch. 11** Les décisions de l'Assemblée fédérale réunie sont définitives et ne peuvent faire l'objet d'un contrôle juridictionnel. Cela résulte de la nature des compétences transférées : les élections, les grâces et la décision de conflits de compétences entre autorités fédérales suprêmes sont des actes politiques.\n\n**Ch. 12** Pour les élections, la majorité absolue des suffrages valables s'applique. Si celle-ci n'est pas atteinte au premier tour, d'autres tours d'élection suivent selon les règles de la loi sur le Parlement. Les élus sont tenus d'accepter leur élection, sauf si des motifs importants s'y opposent (art. 7 LParl).\n\n**Ch. 13** Les décisions de grâce ont un effet constitutif. Elles suppriment totalement ou partiellement les conséquences pénales, mais ne modifient rien au verdict de culpabilité. L'Assemblée fédérale réunie peut remettre des peines, les atténuer ou les commuer en d'autres types de peines (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 28 ch. 15).\n\n### 5. Points litigieux\n\n**Ch. 14** **Justiciabilité des décisions** : Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 157 ch. 12) soutiennent que les actes d'élection ne sont en principe pas justiciables. À l'opposé, Kiener (in : Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, art. 189 ch. 95) argumente qu'en cas de vices de procédure manifestes, un contrôle par le Tribunal fédéral devrait être possible. La pratique ne montre cependant aucun cas correspondant.\n\n**Ch. 15** **Publicité des séances** : Il est controversé de savoir si les élections doivent impérativement avoir lieu en séance non publique. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, art. 157 ch. 7) privilégient en principe les séances publiques pour des raisons de transparence. La pratique parlementaire maintient cependant la tradition des séances d'élection non publiques.\n\n**Ch. 16** **Critères de grâce** : La doctrine discute de savoir si l'Assemblée fédérale réunie est liée par des critères matériels. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, ch. 1670) soulignent la large marge d'appréciation, tandis que Tschannen/Zimmerli/Müller (Verwaltungsrecht, § 28 ch. 16) plaident pour un lien au principe de proportionnalité.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 17** **Procédure d'élection** : La Commission judiciaire prépare les élections des juges et soumet des propositions à l'Assemblée fédérale réunie. Les groupes parlementaires s'entendent traditionnellement sur une répartition politique des sièges (« formule magique » pour le Conseil fédéral, clé proportionnelle pour le Tribunal fédéral).\n\n**Ch. 18** **Procédure de grâce** : Les demandes doivent être adressées à la Commission de grâce de l'Assemblée fédérale réunie. Celle-ci examine les demandes et présente une proposition à l'Assemblée fédérale réunie. Dans la pratique, les grâces sont principalement accordées en cas de difficultés financières et de graves problèmes de santé.\n\n**Ch. 19** **Droit de procédure** : À défaut de règles spéciales dans la Cst., les dispositions de la loi sur le Parlement (LParl) et du règlement de l'Assemblée fédérale s'appliquent. Le quorum se règle selon l'art. 159 al. 1 Cst. (présence de la majorité des membres de chaque conseil).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 157 Cst. est extrêmement rare. Cela s'explique par le caractère particulier de la norme en tant que disposition d'organisation qui régit principalement les procédures parlementaires et ne suscite que rarement des litiges juridiques susceptibles de contrôle judiciaire. Les quelques décisions disponibles concernent principalement la compétence de grâce de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies).\n\n### Compétence de grâce\n\n**ATF 101 IA 281** (24 septembre 1975)\nDélimitation de compétences intercantonales en matière de grâce\nLe Tribunal fédéral a précisé qu'en matière de grâce, la compétence territoriale appartient au canton dont les juges ont prononcé la peine en question.\n\n> « Par 'autorité de grâce du canton' au sens de l'art. 394 let. b CP, il faut entendre l'autorité du canton dont les juges ont infligé par jugement entré en force la peine à remettre par grâce. »\n\n### Pratique parlementaire en matière de grâces\n\nLa procédure relative aux demandes de grâce est concrétisée par la pratique parlementaire de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies). La Commission de grâce examine les demandes déposées et soumet les propositions correspondantes à l'Assemblée fédérale (Chambres réunies). Lors de la séance du 12 juin 1991 (Bulletin n° 91.030), l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) a traité trois demandes de grâce, dont deux ont été acceptées et une rejetée.\n\nLa pratique montre que les grâces sont principalement accordées en cas de rigueur financière et de problèmes de santé, une extinction complète de la dette n'étant pas nécessaire si la poursuite de l'exécution représenterait une rigueur disproportionnée.\n\n### Élections par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies)\n\nLa pratique parlementaire relative aux élections par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) est vaste, mais fait rarement l'objet de contrôle judiciaire. Les élections ont lieu en séance non publique et sont soumises à la liberté d'appréciation politique du Parlement.\n\n### Conflits de compétences\n\nLes décisions de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) sur les conflits de compétences entre les autorités fédérales suprêmes (art. 157 al. 1 let. b Cst.) ne sont pas documentées dans la jurisprudence. Cette compétence rare n'est exercée qu'en cas de véritables conflits de compétences entre le Conseil fédéral et le Tribunal fédéral, qui ne se sont pratiquement pas présentés jusqu'à présent.\n\n### Occasions particulières\n\nLa réunion pour des « occasions particulières » selon l'art. 157 al. 2 Cst. relève de l'appréciation parlementaire et n'est pas justiciable. Cela comprend les visites d'État et les événements politiques importants qui n'entraînent pas de contrôle judiciaire.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'articolo 157 Cost. disciplina l'Assemblea federale plenaria. Si tratta di una forma particolare di seduta del Parlamento. Normalmente il Consiglio nazionale e il Consiglio degli Stati si riuniscono separatamente. Per determinati compiti, tuttavia, deliberano insieme come un unico organo.\n\n**Cosa fa l'Assemblea federale plenaria?**\n\nL'Assemblea federale plenaria ha tre compiti importanti. Primo, elegge le alte cariche dello Stato. Tra queste vi sono i sette consiglieri federali, la cancelliera o il cancelliere della Confederazione e i giudici del Tribunale federale. Queste elezioni avvengono a scrutinio segreto. Secondo, può decidere sui conflitti tra le supreme autorità federali. Questo però non avviene praticamente mai. Terzo, concede le grazie. Ciò significa: può mitigare o condonare completamente le pene.\n\n**Chi ne è interessato?**\n\nL'Assemblea federale plenaria interessa tutte le cittadine e i cittadini della Svizzera. Le sue elezioni determinano chi ricopre le cariche statali più importanti. Le persone condannate possono rivolgersi ad essa per chiedere la grazia, se non possono scontare completamente la loro pena per motivi importanti.\n\n**Come funziona?**\n\nLa presidenza è sempre tenuta dalla presidente o dal presidente del Consiglio nazionale. Ciò dimostra la maggiore importanza democratica del Consiglio nazionale. L'Assemblea federale plenaria si riunisce anche in occasioni speciali, ad esempio per visite di Stato o importanti eventi politici.\n\n**Esempio concreto:**\n\nNel dicembre 2023 l'Assemblea federale plenaria ha eletto Viola Amherd alla presidenza della Confederazione per il 2024. Tutti i 246 parlamentari presenti hanno votato in una sala comune. L'elezione è avvenuta a scrutinio segreto con schede elettorali.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'Assemblea federale plenaria appartiene alle istituzioni più antiche dello Stato federale svizzero. Già la Costituzione federale del 1848 prevedeva la deliberazione comune di entrambe le Camere per determinati affari. Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, pag. 418–419) sottolineò la continuità di questa istituzione: l'Assemblea federale plenaria si era dimostrata valida come organo per compiti speciali, motivo per cui le sue competenze furono riprese sostanzialmente invariate.\n\n**N. 2** La revisione totale del 1999 apportò principalmente adeguamenti redazionali. Nuova fu la menzione esplicita dell'«accoglimento di dichiarazioni del Consiglio federale» nel capoverso 2, che prima era praticata solo per diritto consuetudinario. Il costituente volle così garantire costituzionalmente la prassi consolidata (FF 1997 I 419).\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 157 Cost. si trova nel 5° titolo (Autorità federali), 1° capitolo (Assemblea federale), 3ª sezione (Disposizioni comuni per entrambe le Camere). La norma disciplina l'eccezione al principio bicamerale: mentre Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati deliberano di principio separatamente (art. 156 Cost.), si costituiscono come organo unitario per gli affari menzionati nell'art. 157 Cost.\n\n**N. 4** La disposizione è da leggere in connessione con l'art. 168 Cost. (elezioni da parte dell'Assemblea federale), l'art. 173 cpv. 1 lett. l Cost. (diritto di grazia) e l'art. 189 cpv. 4 Cost. (conflitti di competenza). Questi articoli concretizzano le competenze menzionate nell'art. 157 Cost.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Deliberazione comune**: L'Assemblea federale plenaria non è una terza Camera, bensì la forma istituzionalizzata della decisione comune di entrambe le Camere. Secondo Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario di San Gallo Cost., 4ª ed. 2023, art. 157 n. 3) si tratta di un «organo unitario con propria competenza decisionale».\n\n**N. 6** **Presidenza**: La presidenza da parte della presidente o del presidente del Consiglio nazionale (non del presidente del Consiglio degli Stati) riflette la maggiore legittimazione democratica del Consiglio nazionale. Questa regolamentazione è imperativa e non può essere modificata mediante decisione parlamentare (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale federale svizzero, 10ª ed. 2020, n. 1668).\n\n**N. 7** **Elezioni** (lett. a): La competenza elettorale comprende secondo l'art. 168 Cost. l'elezione dei membri del Consiglio federale, della cancelliera o del cancelliere della Confederazione, dei giudici del Tribunale federale nonché del generale. Le elezioni avvengono con votazione segreta a maggioranza assoluta dei voti validi.\n\n**N. 8** **Conflitti di competenza** (lett. b): Questa competenza concerne veri conflitti di competenza tra autorità federali supreme (Consiglio federale, Assemblea federale, Tribunale federale). Rhinow/Schefer/Uebersax (Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, n. 3682) rilevano che questa disposizione è praticamente insignificante, poiché tali conflitti non si verificano nella prassi.\n\n**N. 9** **Grazie** (lett. c): La competenza di grazia si estende a tutte le pene inflitte dalla Confederazione nonché alle pene cantonali nell'applicazione del diritto penale federale (→ art. 173 cpv. 1 lett. l Cost.). **DTF 101 IA 281 consid. 3a** precisò che la competenza territoriale spetta al Cantone i cui giudici hanno pronunciato la pena.\n\n**N. 10** **Occasioni particolari** (cpv. 2): L'enumerazione non esaustiva comprende visite di Stato, commemorazioni e avvenimenti politici straordinari. La convocazione è a discrezione della direzione parlamentare (Biaggini, Commentario Cost., 2ª ed. 2017, art. 157 n. 5).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Le decisioni dell'Assemblea federale plenaria sono definitive e non soggette a controllo giudiziario. Ciò risulta dalla natura delle competenze trasmesse: elezioni, grazie e la decisione di conflitti di competenza tra autorità federali supreme sono atti politici.\n\n**N. 12** Per le elezioni vale la maggioranza assoluta dei voti validi. Se questa non viene raggiunta nel primo scrutinio, seguono ulteriori scrutini secondo le regole della legge sul Parlamento. Gli eletti sono tenuti ad accettare l'elezione, purché non vi si oppongano motivi importanti (art. 7 LParl).\n\n**N. 13** Le decisioni di grazia hanno effetto costitutivo. Esse sopprimono le conseguenze penali in tutto o in parte, ma non modificano la condanna. L'Assemblea federale plenaria può condonare, attenuare o convertire le pene in altri tipi di pena (Tschannen/Zimmerli/Müller, Diritto amministrativo generale, 4ª ed. 2014, § 28 n. 15).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 14** **Giustiziabilità delle decisioni**: Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cost., 2ª ed. 2024, art. 157 n. 12) sostengono che gli atti elettorali non siano di principio giustiziabili. Al contrario Kiener (in: Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cost., art. 189 n. 95) argomenta che in caso di errori procedurali evidenti deve essere possibile un controllo da parte del Tribunale federale. La prassi tuttavia non mostra casi corrispondenti.\n\n**N. 15** **Pubblicità delle sedute**: È controverso se le elezioni debbano necessariamente svolgersi in seduta non pubblica. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario di San Gallo Cost., art. 157 n. 7) favoriscono per motivi di trasparenza sedute di principio pubbliche. La prassi parlamentare tuttavia mantiene la tradizione delle sedute elettorali non pubbliche.\n\n**N. 16** **Criteri di grazia**: La dottrina discute se l'Assemblea federale plenaria sia vincolata a criteri materiali. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto costituzionale federale, n. 1670) sottolineano l'ampio margine di apprezzamento, mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Diritto amministrativo, § 28 n. 16) propugnano un vincolo al principio di proporzionalità.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** **Procedura elettorale**: La Commissione giudiziaria prepara le elezioni dei giudici e sottopone proposte all'Assemblea federale plenaria. I gruppi parlamentari si accordano tradizionalmente su una ripartizione partitica dei seggi («formula magica» per il Consiglio federale, chiave proporzionale per il Tribunale federale).\n\n**N. 18** **Procedura di grazia**: Le domande vanno dirette alla Commissione della grazia dell'Assemblea federale plenaria. Questa esamina le domande e presenta proposta all'Assemblea federale plenaria. Nella prassi le grazie vengono concesse principalmente in casi di difficoltà finanziarie e gravi problemi di salute.\n\n**N. 19** **Diritto procedurale**: In mancanza di disciplinamento speciale nella Cost. si applicano le disposizioni della legge sul Parlamento (LParl) e del regolamento dell'Assemblea federale. La capacità di deliberare si determina secondo l'art. 159 cpv. 1 Cost. (presenza della maggioranza dei membri di ciascuna Camera).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 157 Cost. è estremamente scarsa. Ciò si spiega con il carattere particolare della norma come disposizione organizzativa, che disciplina principalmente procedure parlamentari e scatena raramente controversie giuridiche suscettibili di controllo giudiziario. Le poche decisioni disponibili riguardano principalmente la competenza di grazia dell'Assemblea federale plenaria.\n\n### Competenza di grazia\n\n**BGE 101 IA 281** (24 settembre 1975)\nDelimitazione delle competenze intercantonali nella grazia\nIl Tribunale federale ha chiarito che per la grazia la competenza territoriale spetta al Cantone i cui giudici hanno pronunciato la pena in questione.\n\n> «Per 'autorità di grazia del Cantone' nel senso dell'art. 394 lett. b CP si deve intendere l'autorità di quel Cantone i cui giudici hanno inflitto mediante sentenza passata in giudicato la pena da condonare mediante grazia.»\n\n### Prassi parlamentare nelle grazie\n\nLa procedura per le domande di grazia è concretizzata dalla prassi parlamentare dell'Assemblea federale plenaria. La Commissione delle grazie esamina le domande presentate e sottopone all'Assemblea federale plenaria le relative proposte. Nella seduta del 12 giugno 1991 (Bollettino n. 91.030) l'Assemblea federale plenaria ha trattato tre domande di grazia, di cui due sono state accolte e una respinta.\n\nLa prassi mostra che le grazie sono concesse principalmente in casi di rigore finanziario e problemi di salute, per cui non è necessaria l'estinzione completa del debito se l'ulteriore esecuzione comporterebbe un rigore sproporzionato.\n\n### Elezioni da parte dell'Assemblea federale plenaria\n\nLa prassi parlamentare relativa alle elezioni da parte dell'Assemblea federale plenaria è ampia, ma raramente oggetto di controllo giudiziario. Le elezioni avvengono in seduta non pubblica e sottostanno alla libertà di configurazione politica del Parlamento.\n\n### Conflitti di competenza\n\nDecisioni dell'Assemblea federale plenaria su conflitti di competenza tra autorità federali supreme (art. 157 cpv. 1 lett. b Cost.) non sono documentate nella giurisprudenza. Questa rara competenza è esercitata solo in caso di veri conflitti di competenza tra Consiglio federale e Tribunale federale, che finora non si sono praticamente verificati.\n\n### Occasioni speciali\n\nLa riunione per «occasioni speciali» secondo l'art. 157 cpv. 2 Cost. avviene secondo il potere discrezionale parlamentare e non è giustiziabile. Vi rientrano visite di Stato e avvenimenti politici significativi, che non comportano alcun controllo giudiziario.", "summary_en": "## Overview\n\nArticle 157 of the Federal Constitution regulates the United Federal Assembly. This is a special form of parliamentary session. Normally, the National Council and the Council of States sit separately. For certain tasks, however, they deliberate together as a single body.\n\n**What does the United Federal Assembly do?**\n\nThe United Federal Assembly has three important tasks. First, it elects high state offices. These include the seven Federal Councillors, the Federal Chancellor and the judges of the Federal Supreme Court. These elections are held by secret ballot. Second, it can decide conflicts between the supreme federal authorities. However, this practically never occurs. Third, it grants pardons. This means: It can mitigate or completely remit sentences.\n\n**Who is affected?**\n\nThe United Federal Assembly affects all citizens of Switzerland. Its elections determine who holds the most important state offices. Convicted persons can petition it for a pardon if they cannot fully serve their sentence for important reasons.\n\n**How does it work?**\n\nThe chair is always held by the President of the National Council. This shows the greater democratic significance of the National Council. The United Federal Assembly also convenes on special occasions, for example during state visits or important political events.\n\n**Concrete example:**\n\nIn December 2023, the United Federal Assembly elected Viola Amherd as Federal President for 2024. All 246 parliamentarians present voted in a joint chamber. The election was held by secret ballot.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The Federal Assembly sitting jointly is one of the oldest institutions of the Swiss federal state. The Federal Constitution of 1848 already provided for joint deliberations of both chambers for certain business. The dispatch on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, pp. 418–419) emphasised the continuity of this institution: the Federal Assembly sitting jointly had proven itself as an organ for special tasks, which is why its competences were essentially adopted unchanged.\n\n**N. 2** The total revision of 1999 primarily brought editorial adjustments. New was the explicit mention of «receiving declarations from the Federal Council» in paragraph 2, which previously was only practiced under customary law. The constituent authority wanted to secure the established practice under constitutional law (BBl 1997 I 419).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 157 FC is located in Title 5 (Federal Authorities), Chapter 1 (Federal Assembly), Section 3 (Joint provisions for both chambers). The norm regulates the exception to the two-chamber principle: while the National Council and Council of States fundamentally deliberate separately (Art. 156 FC), they constitute themselves as a unified organ for the business mentioned in Art. 157 FC.\n\n**N. 4** The provision must be read in connection with Art. 168 FC (elections by the Federal Assembly), Art. 173 para. 1 lit. l FC (right of pardon) and Art. 189 para. 4 FC (conflicts of jurisdiction). These articles concretise the competences mentioned in Art. 157 FC.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Joint deliberation**: The Federal Assembly sitting jointly is not a third chamber, but rather the institutionalised form of joint decision-making by both chambers. According to Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 157 N. 3), it is a «unified organ with its own decision-making competence».\n\n**N. 6** **Presidency**: The presidency by the President of the National Council (not by the President of the Council of States) reflects the greater democratic legitimacy of the National Council. This rule is mandatory and cannot be changed by parliamentary resolution (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 1668).\n\n**N. 7** **Elections** (lit. a): The electoral competence comprises according to Art. 168 FC the election of members of the Federal Council, the Federal Chancellor, judges of the Federal Supreme Court and the General. Elections take place by secret ballot with an absolute majority of valid votes.\n\n**N. 8** **Conflicts of jurisdiction** (lit. b): This competence concerns genuine conflicts of competence between supreme federal authorities (Federal Council, Federal Assembly, Federal Supreme Court). Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N 3682) point out that this provision is practically meaningless, since such conflicts do not occur in practice.\n\n**N. 9** **Pardons** (lit. c): The pardoning competence extends to all penalties imposed by the Confederation as well as to cantonal penalties when applying federal criminal law (→ Art. 173 para. 1 lit. l FC). **BGE 101 IA 281 E. 3a** clarified that territorial jurisdiction belongs to the canton whose judges pronounced the penalty.\n\n**N. 10** **Special occasions** (para. 2): The non-exhaustive enumeration comprises state visits, commemorative ceremonies and extraordinary political events. Convocation lies in the discretion of the parliamentary leadership (Biaggini, FC Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 157 N. 5).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** The resolutions of the Federal Assembly sitting jointly are final and not subject to judicial review. This results from the nature of the transferred competences: elections, pardons and the decision of conflicts of jurisdiction between supreme federal authorities are political acts.\n\n**N. 12** For elections, the absolute majority of valid votes applies. If this is not achieved in the first ballot, further ballots follow according to the rules of the Parliament Act. Those elected are obliged to accept the election, unless important reasons speak against it (Art. 7 ParlA).\n\n**N. 13** Pardon decisions have constitutive effect. They lift the penal consequences wholly or partially, but do not change the conviction. The Federal Assembly sitting jointly can remit penalties, mitigate them or convert them into other types of penalty (Tschannen/Zimmerli/Müller, General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 28 N 15).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 14** **Justiciability of resolutions**: Waldmann/Belser/Epiney (Basel Commentary FC, 2nd ed. 2024, Art. 157 N. 12) take the view that electoral acts are fundamentally not justiciable. In contrast, Kiener (in: Waldmann/Belser/Epiney, Basel Commentary FC, Art. 189 N. 95) argues that in cases of obvious procedural errors, review by the Federal Supreme Court must be possible. Practice, however, shows no corresponding cases.\n\n**N. 15** **Public nature of sessions**: It is disputed whether elections must mandatorily take place in non-public session. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary FC, Art. 157 N. 7) favour fundamentally public sessions for reasons of transparency. Parliamentary practice, however, maintains the tradition of non-public electoral sessions.\n\n**N. 16** **Pardoning criteria**: The doctrine discusses whether the Federal Assembly sitting jointly is bound by material criteria. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Federal Constitutional Law, N 1670) emphasise the wide discretionary scope, while Tschannen/Zimmerli/Müller (Administrative Law, § 28 N 16) advocate for binding by the principle of proportionality.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** **Electoral procedure**: The Judicial Committee prepares judicial elections and submits proposals to the Federal Assembly sitting jointly. The parliamentary groups traditionally agree on a party-political distribution of seats («magic formula» for the Federal Council, proportional system for the Federal Supreme Court).\n\n**N. 18** **Pardon procedure**: Applications are to be addressed to the Pardon Committee of the Federal Assembly sitting jointly. This examines the applications and makes a proposal to the Federal Assembly sitting jointly. In practice, pardons are mainly granted in cases of financial hardship and serious health problems.\n\n**N. 19** **Procedural law**: In the absence of special regulations in the FC, the provisions of the Parliament Act (ParlA) and the Rules of Procedure of the Federal Assembly apply. Quorum is governed by Art. 159 para. 1 FC (presence of the majority of members of each chamber).", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 157 FC is extremely sparse. This is explained by the special character of the provision as an organisational rule that primarily governs parliamentary procedures and only rarely triggers legally reviewable disputes. The few available decisions mainly concern the pardoning competence of the Federal Assembly.\n\n### Pardoning Competence\n\n**BGE 101 IA 281** (24 September 1975)\nIntercantonal delimitation of competence in pardoning\nThe Federal Supreme Court clarified that in pardoning, territorial competence lies with the canton whose judges pronounced the relevant sentence.\n\n> «The 'pardoning authority of the canton' within the meaning of Art. 394 lit. b StGB is to be understood as the authority of the canton whose judges imposed the sentence to be remitted by pardon through a legally binding judgment.»\n\n### Parliamentary Practice in Pardoning\n\nThe procedure for pardon applications is concretised through the parliamentary practice of the Federal Assembly. The Pardons Committee examines the submitted applications and submits corresponding motions to the Federal Assembly. In the session of 12 June 1991 (Bulletin No. 91.030), the Federal Assembly dealt with three pardon applications, of which two were approved and one rejected.\n\nPractice shows that pardons are mainly granted in cases of financial hardship and health problems, whereby complete discharge of debt is not required if further enforcement would constitute a disproportionate hardship.\n\n### Elections by the Federal Assembly\n\nParliamentary practice regarding elections by the Federal Assembly is extensive, but rarely subject to judicial review. Elections take place in non-public session and are subject to the political discretion of Parliament.\n\n### Conflicts of Competence\n\nDecisions of the Federal Assembly on conflicts of competence between supreme federal authorities (Art. 157 para. 1 lit. b FC) are not documented in case law. This rare competence is only exercised in genuine conflicts of competence between the Federal Council and the Federal Supreme Court, which have not practically occurred to date.\n\n### Special Occasions\n\nAssembly for «special occasions» according to Art. 157 para. 2 FC occurs at parliamentary discretion and is not justiciable. This includes state visits and significant political events that do not give rise to judicial review.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_157", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 158, "article_suffix": "", "title": "Öffentlichkeit der Sitzungen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 158 BV stellt sicher, dass die Sitzungen von National- und Ständerat öffentlich sind. Das bedeutet: Jeder kann die Parlamentsdebatten verfolgen. Bürgerinnen und Bürger haben freien Zugang zu den Ratssälen. Die Medien können live berichten. Die Debatten werden übertragen und im Internet gestreamt.\n\nDie Verfassung erlaubt aber Ausnahmen. Das Parlamentsgesetz (ParlG) regelt diese genau. Die wichtigste Ausnahme: Kommissionssitzungen sind vertraulich (Art. 47 Abs. 1 ParlG). Dort bereiten Parlamentarier die Gesetze vor. Sie können offen diskutieren, ohne dass die Öffentlichkeit zuhört. Auch Fraktionssitzungen sind nicht öffentlich.\n\nIn seltenen Fällen können die Räte selbst die Öffentlichkeit ausschliessen. Das geschieht nur bei sehr sensiblen Themen wie Staatsgeheimnissen. Dafür braucht es einen formellen Ratsbeschluss (Art. 4 ParlG).\n\n**Beispiel aus der Praxis:** Ein Journalist will über eine Kommissionssitzung zur Revision des Strafrechts berichten. Er darf nicht in die Sitzung, weil sie vertraulich ist. Aber sobald die Kommission ihren Bericht veröffentlicht, kann er darüber schreiben. Die anschliessende Debatte im Nationalrat ist dann wieder öffentlich.\n\nDas Bundesgericht hat in **BGE 107 IV 185** bestätigt: Die Vertraulichkeit von Kommissionssitzungen ist rechtmässig. Sie ermöglicht eine freie Meinungsbildung ohne äusseren Druck.\n\nDie Öffentlichkeit der Ratssitzungen ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Sie ermöglicht die demokratische Kontrolle. Bürgerinnen und Bürger können ihre Vertreter bei der Arbeit beobachten. Die Medien können kritisch berichten. So bleibt das Parlament rechenschaftspflichtig gegenüber dem Volk.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n**N. 1** **Entstehungsgeschichte**\nArt. 158 BV entspricht weitgehend dem früheren Art. 91 aBV. Die Bestimmung verankert das Öffentlichkeitsprinzip der parlamentarischen Beratungen auf Verfassungsstufe. In der Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 362) wird das Öffentlichkeitsprinzip als «wesentliches Element der parlamentarischen Demokratie» bezeichnet. Die Totalrevision der Bundesverfassung hat den Grundsatz unverändert übernommen, wobei die systematische Einordnung im Abschnitt über die Bundesversammlung dessen institutionellen Charakter unterstreicht.\n\n**N. 2** **Systematische Einordnung**\nArt. 158 BV steht im 5. Kapitel der Bundesverfassung über die Bundesbehörden, im 1. Abschnitt über die Bundesversammlung. Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit:\n→ Art. 34 BV (Politische Rechte), der die demokratische Teilhabe gewährleistet\n→ Art. 16 BV (Meinungs- und Informationsfreiheit), der den Zugang zu Informationen schützt\n→ Art. 17 BV (Medienfreiheit), der die Berichterstattung über parlamentarische Vorgänge ermöglicht\n↔ Art. 47 ParlG, der die Vertraulichkeit der Kommissionsberatungen regelt\n\n**N. 3** **Tatbestandsmerkmale / Norminhalt**\nDer Begriff «Sitzungen» umfasst nach herrschender Lehre (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 158 N. 3) ausschliesslich die Plenarsitzungen von National- und Ständerat. Die «Öffentlichkeit» bedeutet den freien Zugang für Publikum und Medien zu den Ratssälen während der Beratungen. Der Begriff «Räte» bezieht sich auf beide Kammern der Bundesversammlung, nicht jedoch auf deren Kommissionen oder andere Gremien (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 158 N. 5).\n\n**N. 4** **Rechtsfolgen**\nDas Öffentlichkeitsprinzip begründet ein verfassungsunmittelbares Recht auf Zugang zu den Ratssitzungen. Die praktische Ausgestaltung erfolgt durch die Geschäftsreglemente der Räte (Art. 15 GRS, Art. 20 GRN). Verstösse gegen die Öffentlichkeit können zur Ungültigkeit von Beschlüssen führen, sofern die Öffentlichkeit nicht gesetzeskonform ausgeschlossen wurde (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1789).\n\n**N. 5** **Streitstände**\nDie Reichweite der gesetzlichen Ausnahmen ist umstritten. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3452) vertreten eine restriktive Auslegung: Nur bei überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen seien Ausnahmen zulässig. Demgegenüber plädiert Müller (in: Ehrenzeller et al., Art. 158 N. 8) für eine funktionale Betrachtung, die den Bedürfnissen effizienter parlamentarischer Arbeit Rechnung trägt. Einigkeit besteht darüber, dass Kommissionssitzungen vom Öffentlichkeitsgrundsatz nicht erfasst sind (**BGE 107 IV 185**).\n\n**N. 6** **Praxishinweise**\nDie Öffentlichkeit der Ratssitzungen wird durch Live-Übertragungen und Publikation der Amtlichen Bulletins gewährleistet. Für den Ausschluss der Öffentlichkeit ist ein formeller Ratsbeschluss erforderlich (Art. 4 ParlG). In der Praxis erfolgt dies äusserst selten, etwa bei sicherheitspolitischen Themen. Die Vertraulichkeit von Kommissionssitzungen (Art. 47 Abs. 1 ParlG) bildet die wichtigste praktische Ausnahme vom Öffentlichkeitsprinzip. Journalisten und interessierte Bürger haben über die Mediendienste der Bundesversammlung Zugang zu umfangreichen Informationen über die öffentlichen Beratungen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Allgemeine Grundsätze zur Parlamentsöffentlichkeit\n\n**BGE 107 IV 185** vom 27. November 1981\nVeröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen; Geheimhaltung von Kommissionsverhandlungen\nArt. 158 BV steht im systematischen Zusammenhang mit Art. 293 StGB, der die Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen unter Strafe stellt.\n\n> «Es liegt vielmehr im wohlverstandenen Interesse einer möglichst freien, durch keinerlei unzeitige Beeinflussung von aussen behinderten Meinungsbildung, Sitzungen von parlamentarischen Kommissionen so lange geheimzuhalten, als es die betreffende Kommission nach dem Gang ihrer Beratungen für geboten erachtet.»\n\n## Ausnahmen von der Öffentlichkeit\n\n**Urteil 6B_186/2012** vom 11. Januar 2013\nVeröffentlichung geheimer Kommissionsverhandlungen; formeller Geheimnisbegriff\nDas Bundesgericht präzisierte die rechtlichen Grundlagen für nichtöffentliche parlamentarische Verhandlungen.\n\n> «Gemäss Art. 47 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Dezember 2002 über die Bundesversammlung (Parlamentsgesetz, ParlG; SR 171.10), in Kraft seit 1. Dezember 2003, sind die Beratungen der Kommissionen vertraulich.»\n\n**BGE 108 IV 185** vom 17. September 1982\nAuslegung des Begriffs «geheim» in parlamentarischen Verhandlungen\nDas Urteil definiert die Reichweite des Öffentlichkeitsprinzips für parlamentarische Dokumente.\n\n> «Der Begriff 'geheim' ist gleichbedeutend mit gesetzlich oder behördlich erklärtem Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein als 'vertraulich' bezeichneter Bericht des EMD an die Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates ist solange 'geheim', als er nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.»\n\n## Verhältnis zum Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung\n\n**Empfehlung EDÖB** vom 24. August 2020 (Parlamentsdienste)\nAnwendbarkeit des Öffentlichkeitsgesetzes auf parlamentarische Tätigkeiten\nDie Empfehlung klärt das Verhältnis zwischen Art. 158 BV und dem allgemeinen Öffentlichkeitsprinzip.\n\n> «Das Öffentlichkeitsgesetz gilt nicht für die Bundesversammlung und ihre Mitglieder (Art. 2 BGÖ e contrario), sondern nur für die Parlamentsdienste als Teil der Bundesverwaltung (Art. 2 Abs. 1 Bst. c BGÖ), und dies unter Vorbehalt der Spezialbestimmungen des Parlamentsgesetzes (Art. 47 Abs. 1 ParlG i.V.m. Art. 4 BGÖ).»\n\n## Zugang zu parlamentarischen Dokumenten\n\n**BGE 133 II 209** vom 25. Mai 2007\nEinsichtnahme in Protokolle von Behördenverhandlungen; Öffentlichkeitsprinzip\nDas Urteil betrifft zwar die Leitungsorgane des Bundesgerichts, ist aber auch für das Verständnis der parlamentarischen Öffentlichkeit relevant.\n\n> «Eine Einsichtnahme in amtliche Dokumente der Leitungsorgane des Bundesgerichts ist unter den allgemeinen Voraussetzungen des Bundesgesetzes über das Öffentlichkeitsprinzip gestützt auf Art. 28 BGG möglich, wenn ein Verwaltungsakt zur Diskussion steht.»\n\n## Historische Entwicklung und aktuelle Praxis\n\n**Empfehlung EDÖB** vom 5. August 2024 (EFK-Prüfberichte)\nTransparenz in der parlamentarischen Aufsicht; Spezialbestimmungen des Parlamentsgesetzes\nDie jüngste Empfehlung zeigt die Grenzen des Öffentlichkeitsprinzips bei parlamentarischen Aufsichtsfunktionen auf.\n\n> «Die Offenlegungspflichten nach Art. 76b ff. BPR knüpfen nicht an die Eigenschaft als Mitglied des Parlaments an, was gegen eine Anwendung des Öffentlichkeitsgesetzes auf die parlamentarische Tätigkeit spricht.»\n\n## Verfassungsrechtliche Einordnung\n\nDas Bundesgericht hat in ständiger Rechtsprechung bestätigt, dass Art. 158 BV als Organisationsnorm den Grundsatz der parlamentarischen Öffentlichkeit festlegt, dieser jedoch durch einfachgesetzliche Ausnahmen konkretisiert werden kann. Die Rechtsprechung zu Art. 293 StGB zeigt, dass die verfassungsrechtlich verankerte Öffentlichkeit der Ratssitzungen nicht absolut ist, sondern sachlich begründete Ausnahmen zulässt, insbesondere für:\n\n- Kommissionssitzungen (Art. 47 Abs. 1 ParlG)\n- Fraktionssitzungen (Art. 15 Abs. 4 GRS, Art. 20 Abs. 4 GRN)\n- Geheime Beratungen bei sicherheitsrelevanten Themen\n\nDie Praxis der letzten 20 Jahre zeigt eine zunehmende Spannung zwischen dem Transparenzgebot der Demokratie und den funktionalen Erfordernissen einer effektiven parlamentarischen Arbeit.", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 158 Cst. garantit que les séances du Conseil national et du Conseil des États sont publiques. Cela signifie : chacun peut suivre les débats parlementaires. Les citoyennes et citoyens ont libre accès aux salles du conseil. Les médias peuvent faire des reportages en direct. Les débats sont retransmis et diffusés en streaming sur Internet.\n\nLa Constitution permet cependant des exceptions. La loi sur le Parlement (LParl) les règle précisément. L'exception la plus importante : les séances de commission sont confidentielles (art. 47 al. 1 LParl). Là, les parlementaires préparent les lois. Ils peuvent discuter ouvertement, sans que le public écoute. Les séances de groupe parlementaire ne sont pas non plus publiques.\n\nDans de rares cas, les conseils peuvent eux-mêmes exclure le public. Cela ne se produit que pour des sujets très sensibles comme les secrets d'État. Cela nécessite un arrêté formel du conseil (art. 4 LParl).\n\n**Exemple tiré de la pratique :** Un journaliste veut faire un reportage sur une séance de commission concernant la révision du droit pénal. Il ne peut pas entrer dans la séance, car elle est confidentielle. Mais dès que la commission publie son rapport, il peut écrire à ce sujet. Le débat qui suit au Conseil national est alors à nouveau public.\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé dans l'**ATF 107 IV 185** : la confidentialité des séances de commission est légale. Elle permet une libre formation d'opinion sans pression extérieure.\n\nLa publicité des séances des conseils est un pilier fondamental de la démocratie. Elle permet le contrôle démocratique. Les citoyennes et citoyens peuvent observer leurs représentants au travail. Les médias peuvent faire des reportages critiques. Ainsi, le Parlement reste redevable envers le peuple.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n**N. 1** **Genèse**\nL'art. 158 Cst. correspond largement à l'ancien art. 91 aCst. La disposition ancre le principe de publicité des délibérations parlementaires au niveau constitutionnel. Dans le message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 405), le principe de publicité est qualifié d'« élément essentiel de la démocratie parlementaire ». La révision totale de la Constitution fédérale a repris le principe sans modification, le classement systématique dans la section sur l'Assemblée fédérale soulignant son caractère institutionnel.\n\n**N. 2** **Classement systématique**\nL'art. 158 Cst. figure au 5e chapitre de la Constitution fédérale sur les autorités fédérales, dans la 1re section sur l'Assemblée fédérale. La norme est en relation systématique étroite avec :\n→ Art. 34 Cst. (Droits politiques), qui garantit la participation démocratique\n→ Art. 16 Cst. (Liberté d'opinion et d'information), qui protège l'accès à l'information\n→ Art. 17 Cst. (Liberté des médias), qui permet le compte rendu des processus parlementaires\n↔ Art. 47 LParl, qui règle la confidentialité des délibérations des commissions\n\n**N. 3** **Éléments constitutifs / Contenu de la norme**\nLa notion de « séances » comprend selon la doctrine dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 158 n. 3) exclusivement les séances plénières du Conseil national et du Conseil des États. La « publicité » signifie le libre accès du public et des médias aux salles des conseils pendant les délibérations. La notion de « conseils » se réfère aux deux chambres de l'Assemblée fédérale, mais non à leurs commissions ou autres organes (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 158 n. 5).\n\n**N. 4** **Conséquences juridiques**\nLe principe de publicité fonde un droit d'accès aux séances des conseils directement garanti par la Constitution. La mise en œuvre pratique s'effectue par les règlements des conseils (art. 15 RCE, art. 20 RCN). Les violations de la publicité peuvent entraîner la nullité des décisions, pour autant que la publicité n'ait pas été exclue conformément à la loi (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1789).\n\n**N. 5** **Points litigieux**\nLa portée des exceptions légales est controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 3452) défendent une interprétation restrictive : seuls des intérêts publics ou privés prépondérants justifieraient des exceptions. À l'inverse, Müller (in : Ehrenzeller et al., art. 158 n. 8) plaide pour une approche fonctionnelle qui tient compte des besoins d'un travail parlementaire efficace. Il y a consensus sur le fait que les séances de commissions ne sont pas couvertes par le principe de publicité (**ATF 107 IV 185**).\n\n**N. 6** **Indications pratiques**\nLa publicité des séances des conseils est assurée par les retransmissions en direct et la publication des Bulletins officiels. L'exclusion de la publicité requiert une décision formelle du conseil (art. 4 LParl). Dans la pratique, cela se produit extrêmement rarement, par exemple pour des sujets de politique de sécurité. La confidentialité des séances de commissions (art. 47 al. 1 LParl) constitue l'exception pratique la plus importante au principe de publicité. Les journalistes et les citoyens intéressés ont accès, par l'intermédiaire des services de presse de l'Assemblée fédérale, à des informations étendues sur les délibérations publiques.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Principes généraux relatifs à la publicité parlementaire\n\n**ATF 107 IV 185** du 27 novembre 1981\nPublication de délibérations officielles secrètes ; secret des délibérations de commission\nL'art. 158 Cst. s'inscrit dans le contexte systématique de l'art. 293 CP, qui punit la publication de délibérations officielles secrètes.\n\n> « Il est plutôt dans l'intérêt bien compris d'une formation d'opinion aussi libre que possible, non entravée par aucune influence extérieure intempestive, de maintenir secrètes les séances des commissions parlementaires aussi longtemps que la commission concernée l'estime nécessaire selon le cours de ses délibérations. »\n\n## Exceptions à la publicité\n\n**Arrêt 6B_186/2012** du 11 janvier 2013\nPublication de délibérations secrètes de commission ; notion formelle de secret\nLe Tribunal fédéral a précisé les bases légales pour les délibérations parlementaires non publiques.\n\n> « Selon l'art. 47 al. 1 de la loi fédérale du 13 décembre 2002 sur l'Assemblée fédérale (loi sur le Parlement, LParl ; RS 171.10), en vigueur depuis le 1er décembre 2003, les délibérations des commissions sont confidentielles. »\n\n**ATF 108 IV 185** du 17 septembre 1982\nInterprétation de la notion de « secret » dans les délibérations parlementaires\nL'arrêt définit la portée du principe de publicité pour les documents parlementaires.\n\n> « La notion de 'secret' équivaut à l'exclusion de la publicité déclarée légalement ou par l'autorité. Un rapport du DMF qualifié de 'confidentiel' à l'intention des membres de la commission de gestion du Conseil national est 'secret' tant qu'il n'est pas destiné au public. »\n\n## Rapport au principe de publicité de l'administration\n\n**Recommandation PFPDT** du 24 août 2020 (Services du Parlement)\nApplicabilité de la loi sur la transparence aux activités parlementaires\nLa recommandation clarifie le rapport entre l'art. 158 Cst. et le principe général de publicité.\n\n> « La loi sur la transparence ne s'applique pas à l'Assemblée fédérale et à ses membres (art. 2 LTrans e contrario), mais seulement aux Services du Parlement en tant que partie de l'administration fédérale (art. 2 al. 1 let. c LTrans), et ceci sous réserve des dispositions spéciales de la loi sur le Parlement (art. 47 al. 1 LParl en relation avec art. 4 LTrans). »\n\n## Accès aux documents parlementaires\n\n**ATF 133 II 209** du 25 mai 2007\nConsultation de procès-verbaux de délibérations d'autorités ; principe de publicité\nL'arrêt concerne certes les organes de direction du Tribunal fédéral, mais il est également pertinent pour la compréhension de la publicité parlementaire.\n\n> « Une consultation de documents officiels des organes de direction du Tribunal fédéral est possible sous les conditions générales de la loi fédérale sur le principe de publicité fondée sur l'art. 28 LTF, lorsqu'un acte administratif est en discussion. »\n\n## Évolution historique et pratique actuelle\n\n**Recommandation PFPDT** du 5 août 2024 (Rapports d'audit du CDF)\nTransparence dans la surveillance parlementaire ; dispositions spéciales de la loi sur le Parlement\nLa recommandation la plus récente montre les limites du principe de publicité dans les fonctions de surveillance parlementaire.\n\n> « Les obligations de divulgation selon les art. 76b ss RCF ne s'attachent pas à la qualité de membre du Parlement, ce qui plaide contre une application de la loi sur la transparence à l'activité parlementaire. »\n\n## Classification constitutionnelle\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé dans sa jurisprudence constante que l'art. 158 Cst., en tant que norme d'organisation, fixe le principe de la publicité parlementaire, mais que celui-ci peut être concrétisé par des exceptions de droit ordinaire. La jurisprudence relative à l'art. 293 CP montre que la publicité des séances des conseils ancrée dans la Constitution n'est pas absolue, mais admet des exceptions fondées matériellement, notamment pour :\n\n- Les séances de commission (art. 47 al. 1 LParl)\n- Les séances de groupe (art. 15 al. 4 RCE, art. 20 al. 4 RCN)\n- Les délibérations secrètes sur des thèmes touchant à la sécurité\n\nLa pratique des 20 dernières années révèle une tension croissante entre l'exigence de transparence de la démocratie et les exigences fonctionnelles d'un travail parlementaire efficace.", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 158 Cost. garantisce che le sedute del Consiglio nazionale e del Consiglio degli Stati siano pubbliche. Ciò significa: chiunque può seguire i dibattiti parlamentari. Cittadine e cittadini hanno libero accesso alle sale del Consiglio. I media possono riferire in diretta. I dibattiti vengono trasmessi e diffusi in streaming su Internet.\n\nLa Costituzione consente però eccezioni. La legge sul Parlamento (LParl) le disciplina nel dettaglio. L'eccezione più importante: le sedute delle commissioni sono riservate (art. 47 cpv. 1 LParl). Là i parlamentari preparano le leggi. Possono discutere apertamente senza che il pubblico ascolti. Anche le sedute dei gruppi parlamentari non sono pubbliche.\n\nIn casi rari i Consigli stessi possono escludere il pubblico. Ciò avviene solo per temi molto delicati come i segreti di Stato. A tal fine occorre un decreto formale del Consiglio (art. 4 LParl).\n\n**Esempio dalla prassi:** Un giornalista vuole riferire su una seduta della commissione per la revisione del diritto penale. Non può entrare nella seduta perché è riservata. Ma non appena la commissione pubblica il suo rapporto, può scriverne. Il successivo dibattito in Consiglio nazionale è poi nuovamente pubblico.\n\nIl Tribunale federale ha confermato in **BGE 107 IV 185**: la riservatezza delle sedute delle commissioni è legittima. Essa consente una libera formazione dell'opinione senza pressioni esterne.\n\nLa pubblicità delle sedute dei Consigli è un pilastro fondamentale della democrazia. Essa rende possibile il controllo democratico. Cittadine e cittadini possono osservare i loro rappresentanti al lavoro. I media possono riferire criticamente. Così il Parlamento rimane responsabile verso il popolo.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n**N. 1** **Storia della genesi**\nL'art. 158 Cost. corrisponde in gran parte al precedente art. 91 Cost. 1874. La disposizione sancisce il principio di pubblicità delle deliberazioni parlamentari a livello costituzionale. Nel Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 362) il principio di pubblicità è definito come «elemento essenziale della democrazia parlamentare». La revisione totale della Costituzione federale ha ripreso il principio invariato, mentre la sua collocazione sistematica nella sezione sull'Assemblea federale ne sottolinea il carattere istituzionale.\n\n**N. 2** **Collocazione sistematica**\nL'art. 158 Cost. si trova nel 5° capitolo della Costituzione federale sulle autorità federali, nella 1ª sezione sull'Assemblea federale. La norma ha uno stretto collegamento sistematico con:\n→ Art. 34 Cost. (Diritti politici), che garantisce la partecipazione democratica\n→ Art. 16 Cost. (Libertà di opinione e d'informazione), che protegge l'accesso alle informazioni\n→ Art. 17 Cost. (Libertà dei media), che consente il resoconto sui processi parlamentari\n↔ Art. 47 LParl, che disciplina la riservatezza delle deliberazioni delle commissioni\n\n**N. 3** **Elementi della fattispecie / Contenuto della norma**\nIl termine «sedute» comprende secondo la dottrina dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 158 n. 3) esclusivamente le sedute plenarie del Consiglio nazionale e del Consiglio degli Stati. La «pubblicità» significa il libero accesso per il pubblico e i media alle aule dei Consigli durante le deliberazioni. Il termine «Consigli» si riferisce ad entrambe le Camere dell'Assemblea federale, non però alle loro commissioni o ad altri organi (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 158 n. 5).\n\n**N. 4** **Conseguenze giuridiche**\nIl principio di pubblicità fonda un diritto di rango costituzionale all'accesso alle sedute dei Consigli. L'attuazione pratica avviene mediante i regolamenti dei Consigli (art. 15 RCS, art. 20 RCN). Le violazioni della pubblicità possono comportare l'invalidità delle decisioni, purché la pubblicità non sia stata esclusa conformemente alla legge (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1789).\n\n**N. 5** **Controversie dottrinali**\nLa portata delle eccezioni legali è controversa. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 3452) sostengono un'interpretazione restrittiva: le eccezioni sarebbero ammissibili solo in presenza di interessi pubblici o privati preponderanti. Al contrario Müller (in: Ehrenzeller et al., art. 158 n. 8) propende per una considerazione funzionale che tenga conto delle esigenze di un lavoro parlamentare efficiente. Vi è consenso sul fatto che le sedute delle commissioni non sono coperte dal principio di pubblicità (**BGE 107 IV 185**).\n\n**N. 6** **Indicazioni pratiche**\nLa pubblicità delle sedute dei Consigli è garantita attraverso trasmissioni in diretta e pubblicazione dei Bollettini ufficiali. Per l'esclusione della pubblicità è necessaria una decisione formale del Consiglio (art. 4 LParl). Nella prassi ciò avviene molto raramente, ad esempio per temi di politica della sicurezza. La riservatezza delle sedute delle commissioni (art. 47 cpv. 1 LParl) costituisce la più importante eccezione pratica al principio di pubblicità. I giornalisti e i cittadini interessati hanno accesso attraverso i servizi media dell'Assemblea federale a informazioni dettagliate sulle deliberazioni pubbliche.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Principi generali sulla pubblicità parlamentare\n\n**DTF 107 IV 185** del 27 novembre 1981\nPubblicazione di deliberazioni ufficiali segrete; segretezza delle deliberazioni delle commissioni\nL'art. 158 Cost. è sistematicamente collegato all'art. 293 CP, che punisce la pubblicazione di deliberazioni ufficiali segrete.\n\n> «È piuttosto nell'interesse ben compreso di una formazione dell'opinione il più possibile libera, non ostacolata da alcuna influenza esterna intempestiva, tenere segrete le sedute delle commissioni parlamentari finché la rispettiva commissione lo ritenga necessario secondo l'andamento delle sue deliberazioni.»\n\n## Eccezioni alla pubblicità\n\n**Sentenza 6B_186/2012** dell'11 gennaio 2013\nPubblicazione di deliberazioni segrete delle commissioni; concetto formale di segreto\nIl Tribunale federale ha precisato i fondamenti giuridici per le deliberazioni parlamentari non pubbliche.\n\n> «Secondo l'art. 47 cpv. 1 della legge federale del 13 dicembre 2002 sull'Assemblea federale (legge sul Parlamento, LParl; RS 171.10), in vigore dal 1° dicembre 2003, le deliberazioni delle commissioni sono confidenziali.»\n\n**DTF 108 IV 185** del 17 settembre 1982\nInterpretazione del concetto di «segreto» nelle deliberazioni parlamentari\nLa sentenza definisce la portata del principio di pubblicità per i documenti parlamentari.\n\n> «Il concetto 'segreto' è sinonimo di esclusione della pubblicità dichiarata per legge o dalle autorità. Un rapporto del DDPS ai membri della Commissione di gestione del Consiglio nazionale designato come 'confidenziale' è 'segreto' fintanto che non è destinato al pubblico.»\n\n## Rapporto con il principio di pubblicità dell'amministrazione\n\n**Raccomandazione IFPDT** del 24 agosto 2020 (Servizi del Parlamento)\nApplicabilità della legge sulla trasparenza alle attività parlamentari\nLa raccomandazione chiarisce il rapporto tra l'art. 158 Cost. e il principio generale di pubblicità.\n\n> «La legge sulla trasparenza non si applica all'Assemblea federale e ai suoi membri (art. 2 LTras e contrario), ma solo ai Servizi del Parlamento come parte dell'Amministrazione federale (art. 2 cpv. 1 lett. c LTras), e ciò con riserva delle disposizioni speciali della legge sul Parlamento (art. 47 cpv. 1 LParl in comb. con art. 4 LTras).»\n\n## Accesso ai documenti parlamentari\n\n**DTF 133 II 209** del 25 maggio 2007\nConsultazione di verbali di deliberazioni delle autorità; principio di pubblicità\nLa sentenza riguarda gli organi direttivi del Tribunale federale, ma è rilevante anche per la comprensione della pubblicità parlamentare.\n\n> «Una consultazione di documenti ufficiali degli organi direttivi del Tribunale federale è possibile secondo i presupposti generali della legge federale sul principio di pubblicità basata sull'art. 28 LTF, quando è in discussione un atto amministrativo.»\n\n## Sviluppo storico e prassi attuale\n\n**Raccomandazione IFPDT** del 5 agosto 2024 (Rapporti di verifica CDF)\nTrasparenza nella vigilanza parlamentare; disposizioni speciali della legge sul Parlamento\nLa raccomandazione più recente mostra i limiti del principio di pubblicità nelle funzioni di vigilanza parlamentari.\n\n> «Gli obblighi di divulgazione secondo gli art. 76b segg. RCN non si ricollegano alla qualità di membro del Parlamento, il che depone contro un'applicazione della legge sulla trasparenza all'attività parlamentare.»\n\n## Inquadramento costituzionale\n\nIl Tribunale federale ha confermato nella giurisprudenza costante che l'art. 158 Cost. come norma organizzativa stabilisce il principio della pubblicità parlamentare, che tuttavia può essere concretizzato tramite eccezioni di diritto ordinario. La giurisprudenza relativa all'art. 293 CP mostra che la pubblicità delle sedute delle Camere ancorata costituzionalmente non è assoluta, ma ammette eccezioni giustificate oggettivamente, in particolare per:\n\n- Sedute delle commissioni (art. 47 cpv. 1 LParl)\n- Sedute dei gruppi (art. 15 cpv. 4 RCS, art. 20 cpv. 4 RCN)\n- Deliberazioni segrete su temi rilevanti per la sicurezza\n\nLa prassi degli ultimi 20 anni mostra una tensione crescente tra l'esigenza di trasparenza della democrazia e le necessità funzionali di un lavoro parlamentare efficace.", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 158 BV ensures that sessions of the National Council and Council of States are public. This means: Anyone can follow parliamentary debates. Citizens have free access to the council chambers. The media can report live. The debates are broadcast and streamed on the internet.\n\nHowever, the Constitution allows exceptions. The Parliament Act (ParlA) regulates these precisely. The most important exception: committee sessions are confidential (Art. 47 para. 1 ParlA). There, parliamentarians prepare legislation. They can discuss openly without the public listening. Faction meetings are also not public.\n\nIn rare cases, the councils themselves can exclude the public. This happens only with very sensitive topics such as state secrets. This requires a formal council resolution (Art. 4 ParlA).\n\n**Example from practice:** A journalist wants to report on a committee session regarding the revision of criminal law. He may not enter the session because it is confidential. But as soon as the committee publishes its report, he can write about it. The subsequent debate in the National Council is then public again.\n\nThe Federal Supreme Court confirmed in **BGE 107 IV 185**: The confidentiality of committee sessions is lawful. It enables free opinion formation without external pressure.\n\nThe publicity of council sessions is a cornerstone of democracy. It enables democratic control. Citizens can observe their representatives at work. The media can report critically. Thus parliament remains accountable to the people.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n**N. 1** **Legislative history**\nArt. 158 Cst. largely corresponds to former Art. 91 of the old Constitution. The provision enshrines the principle of public access to parliamentary deliberations at the constitutional level. In the Federal Council message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 362), the principle of public access is described as an «essential element of parliamentary democracy». The total revision of the Federal Constitution adopted the principle unchanged, with its systematic placement in the section on the Federal Assembly underlining its institutional character.\n\n**N. 2** **Systematic classification**\nArt. 158 Cst. is found in Chapter 5 of the Federal Constitution on the federal authorities, in Section 1 on the Federal Assembly. The provision is closely related systematically to:\n→ Art. 34 Cst. (Political rights), which guarantees democratic participation\n→ Art. 16 Cst. (Freedom of opinion and information), which protects access to information\n→ Art. 17 Cst. (Freedom of the media), which enables reporting on parliamentary proceedings\n↔ Art. 47 ParlA, which regulates the confidentiality of committee deliberations\n\n**N. 3** **Elements of the offence / Content of the norm**\nThe term «sessions» encompasses, according to prevailing doctrine (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary on the Cst., 4th ed. 2023, Art. 158 N. 3), exclusively the plenary sessions of the National Council and Council of States. «Public access» means free access for the public and media to the council chambers during deliberations. The term «Councils» refers to both chambers of the Federal Assembly, but not to their committees or other bodies (Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cst., 2nd ed. 2024, Art. 158 N. 5).\n\n**N. 4** **Legal consequences**\nThe principle of public access establishes a constitutional right to access council sessions. The practical implementation is carried out through the rules of procedure of the councils (Art. 15 RCS, Art. 20 RCN). Violations of public access can lead to the invalidity of decisions, provided that public access was not excluded in accordance with the law (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 1789).\n\n**N. 5** **Points of contention**\nThe scope of statutory exceptions is disputed. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 3452) advocate a restrictive interpretation: exceptions are only permissible where overriding public or private interests are at stake. In contrast, Müller (in: Ehrenzeller et al., Art. 158 N. 8) argues for a functional approach that takes account of the needs of efficient parliamentary work. There is agreement that committee sessions are not covered by the principle of public access (**BGE 107 IV 185**).\n\n**N. 6** **Practice notes**\nPublic access to council sessions is ensured through live broadcasts and publication of the Official Bulletins. A formal council decision is required to exclude the public (Art. 4 ParlA). In practice, this occurs extremely rarely, such as on security policy matters. The confidentiality of committee sessions (Art. 47 para. 1 ParlA) constitutes the most important practical exception to the principle of public access. Journalists and interested citizens have access to extensive information about public deliberations through the media services of the Federal Assembly.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## General Principles on Parliamentary Transparency\n\n**BGE 107 IV 185** of 27 November 1981\nPublication of official secret proceedings; confidentiality of committee proceedings\nArt. 158 BV stands in systematic connection with Art. 293 SCC, which criminalises the publication of official secret proceedings.\n\n> «Rather, it is in the well-understood interest of the most free possible opinion formation, unimpeded by any untimely external influence, to keep meetings of parliamentary committees secret as long as the committee in question deems it necessary according to the course of its deliberations.»\n\n## Exceptions to Transparency\n\n**Judgment 6B_186/2012** of 11 January 2013\nPublication of secret committee proceedings; formal concept of secrecy\nThe Federal Supreme Court clarified the legal foundations for non-public parliamentary proceedings.\n\n> «According to Art. 47 para. 1 of the Federal Act of 13 December 2002 on the Federal Assembly (Parliament Act, ParlA; SR 171.10), in force since 1 December 2003, committee deliberations are confidential.»\n\n**BGE 108 IV 185** of 17 September 1982\nInterpretation of the concept of «secret» in parliamentary proceedings\nThe judgment defines the scope of the transparency principle for parliamentary documents.\n\n> «The concept of 'secret' is synonymous with legally or officially declared exclusion of the public. A report by the DDPS to the members of the Management Audit Committee of the National Council designated as 'confidential' remains 'secret' as long as it is not intended for the public.»\n\n## Relationship to the Administrative Transparency Principle\n\n**FDPIC Recommendation** of 24 August 2020 (Parliamentary Services)\nApplicability of the Freedom of Information Act to parliamentary activities\nThe recommendation clarifies the relationship between Art. 158 BV and the general transparency principle.\n\n> «The Freedom of Information Act does not apply to the Federal Assembly and its members (Art. 2 FOIA e contrario), but only to the Parliamentary Services as part of the Federal Administration (Art. 2 para. 1 lit. c FOIA), and this subject to the special provisions of the Parliament Act (Art. 47 para. 1 ParlA in conjunction with Art. 4 FOIA).»\n\n## Access to Parliamentary Documents\n\n**BGE 133 II 209** of 25 May 2007\nAccess to minutes of official proceedings; transparency principle\nAlthough the judgment concerns the governing bodies of the Federal Supreme Court, it is also relevant for understanding parliamentary transparency.\n\n> «Access to official documents of the governing bodies of the Federal Supreme Court is possible under the general conditions of the Federal Act on the Transparency Principle based on Art. 28 SCA, when an administrative act is under discussion.»\n\n## Historical Development and Current Practice\n\n**FDPIC Recommendation** of 5 August 2024 (SFAO audit reports)\nTransparency in parliamentary oversight; special provisions of the Parliament Act\nThe most recent recommendation shows the limits of the transparency principle in parliamentary oversight functions.\n\n> «The disclosure obligations under Art. 76b ff. SRN do not relate to the capacity as a member of parliament, which argues against applying the Freedom of Information Act to parliamentary activity.»\n\n## Constitutional Classification\n\nThe Federal Supreme Court has confirmed in consistent case law that Art. 158 BV, as an organisational norm, establishes the principle of parliamentary transparency, but that this can be concretised through statutory exceptions. The case law on Art. 293 SCC shows that the constitutionally enshrined transparency of council meetings is not absolute, but permits factually justified exceptions, particularly for:\n\n- Committee meetings (Art. 47 para. 1 ParlA)\n- Parliamentary group meetings (Art. 15 para. 4 SRN, Art. 20 para. 4 SRC)\n- Secret deliberations on security-related topics\n\nPractice over the last 20 years shows increasing tension between the transparency requirement of democracy and the functional requirements of effective parliamentary work.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_158", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.88}
{"law": "BV", "article": 159, "article_suffix": "", "title": "Verhandlungsfähigkeit und erforderliches Mehr", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 159 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 159 BV regelt, wie die Bundesversammlung Entscheide trifft. Die Bestimmung legt fest, wann die beiden Räte verhandlungsfähig sind und welche Mehrheiten für Beschlüsse nötig sind.\n\n**Beschlussfähigkeit**: Beide Räte können nur verhandeln, wenn mindestens die Hälfte ihrer Mitglieder anwesend ist. Das bedeutet: 101 von 200 Nationalräten oder 24 von 46 Ständeräten müssen physisch im Ratssaal sein. Ohne diese Mindestanwesenheit sind keine gültigen Beschlüsse möglich.\n\n**Normale Abstimmungen**: Für die meisten Entscheide genügt das einfache Mehr der Anwesenden. Wer nicht abstimmt oder ungültig stimmt, zählt nicht mit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Ratspräsident.\n\n**Besonders wichtige Entscheide**: Drei Arten von Beschlüssen brauchen eine qualifizierte Mehrheit (absolutes Mehr aller Ratsmitglieder):\n- Dringlich erklärte Gesetze, die sofort gelten\n- Grosse Ausgaben (über 20 Millionen Franken einmalig oder über 2 Millionen wiederkehrend)\n- Zusätzliche Ausgaben in Krisenzeiten\n\n**Beispiel aus der Praxis**: Will der Bund ein neues Kampfflugzeug für 25 Millionen Franken kaufen, braucht es mindestens 101 Ja-Stimmen im Nationalrat und 24 im Ständerat – unabhängig davon, wie viele Parlamentarier anwesend sind. Bei einem regulären Gesetz würde die Mehrheit der Anwesenden genügen.\n\n**Teuerungsanpassung**: Die Geldbeträge können per Verordnung an die Inflation angepasst werden. So behalten die Schwellenwerte ihre reale Bedeutung.\n\nDiese Regeln sichern demokratische Entscheide und verhindern, dass wichtige Beschlüsse von wenigen Anwesenden getroffen werden. Besonders bedeutsame Vorlagen brauchen eine breite parlamentarische Abstützung.", "doctrine_de": "# Art. 159 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 159 BV regelt die Beschlussfähigkeit und die Beschlussfassung der Bundesversammlung. Die Bestimmung entspricht im Wesentlichen Art. 78 und 82 der alten Bundesverfassung von 1874, wurde jedoch im Rahmen der Totalrevision systematisch neu geordnet und in einzelnen Punkten präzisiert (BBl 1997 I 1, 387).\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält fest, dass die Regelung der Beschlussfähigkeit und der Beschlussfassung zu den grundlegenden Organisationsnormen eines jeden Parlaments gehört (BBl 1997 I 387). Die verfassungsrechtliche Verankerung dieser Prinzipien soll die demokratische Legitimation parlamentarischer Entscheide sicherstellen und Willkür bei der Beschlussfassung verhindern.\n\n**N. 3** Die qualifizierten Mehrheitserfordernisse in Absatz 3 wurden gegenüber der alten Bundesverfassung erweitert. Insbesondere wurde die Dringlicherklärung von Bundesgesetzen (lit. a) neu explizit aufgenommen, nachdem diese Praxis bereits unter der alten Verfassung entwickelt worden war. Die Schwellenwerte für Finanzbeschlüsse (lit. b) wurden aus dem Bundesgesetz über den eidgenössischen Finanzhaushalt in die Verfassung überführt.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 159 BV steht im 2. Abschnitt des 5. Kapitels über die Bundesbehörden und ist Teil der Organisationsnormen der Bundesversammlung (Art. 148–173 BV). Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 160 BV (Initiativrecht und Antragsrecht)\n- → Art. 165 BV (Dringlichkeitsgesetzgebung)\n- → Art. 167 BV (Finanzkompetenzen)\n- ↔ Art. 156 BV (Getrennte Verhandlungen)\n- → Art. 126 BV (Haushaltführung, insbesondere Abs. 3 betreffend ausserordentlichen Zahlungsbedarf)\n\n**N. 5** Die Konkretisierung erfolgt im Parlamentsgesetz (ParlG, SR 171.10), insbesondere in den Art. 58 ff. ParlG zur Beschlussfähigkeit und Art. 71 ff. ParlG zur Beschlussfassung. Die Geschäftsreglemente beider Räte enthalten weitere Ausführungsbestimmungen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### 3.1 Präsenzquorum (Abs. 1)\n\n**N. 6** Die Beschlussfähigkeit setzt voraus, dass die Mehrheit der Mitglieder eines Rates anwesend ist. Dies bedeutet im Nationalrat mindestens 101 von 200 Mitgliedern, im Ständerat mindestens 24 von 46 Mitgliedern. Dieses Präsenzquorum gilt für alle Verhandlungen, unabhängig von der Tragweite des Geschäfts.\n\n**N. 7** Nach der Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1665) ist mit «anwesend» die physische Präsenz im Ratssaal gemeint. Stellvertretungen sind nicht zulässig. Die Kontrolle der Anwesenheit erfolgt in der Praxis durch elektronische Präsenzerfassung. Die Ratspräsidien stellen die Beschlussfähigkeit nur auf Antrag fest (Art. 58 Abs. 2 ParlG).\n\n#### 3.2 Abstimmungsmehrheit (Abs. 2)\n\n**N. 8** Die ordentliche Beschlussfassung erfolgt mit der Mehrheit der Stimmenden (einfaches Mehr). Stimmenthaltungen und ungültige Stimmen werden nicht mitgezählt. Bei Stimmengleichheit hat der Präsident den Stichentscheid (Art. 73 ParlG).\n\n**N. 9** Die Formulierung «in beiden Räten und in der Vereinigten Bundesversammlung» stellt klar, dass das Mehrheitsprinzip sowohl für die getrennten Beratungen als auch für gemeinsame Sitzungen gilt. Dies betrifft insbesondere Wahlen durch die Vereinigte Bundesversammlung (→ Art. 157 BV).\n\n#### 3.3 Qualifizierte Mehrheiten (Abs. 3)\n\n**N. 10** Für bestimmte Beschlüsse verlangt die Verfassung die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder jedes Rates (absolutes Mehr). Dies bedeutet im Nationalrat mindestens 101, im Ständerat mindestens 24 Stimmen, unabhängig von der Zahl der Anwesenden.\n\n**N. 11** Die **Dringlicherklärung von Bundesgesetzen** (lit. a) ermöglicht das sofortige Inkrafttreten vor Ablauf der Referendumsfrist. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass die Dringlichkeitsklausel restriktiv auszulegen ist, da sie die Referendumsrechte der Stimmberechtigten einschränkt (**BGE 147 I 420** E. 4.2). Die materiellen Voraussetzungen der Dringlichkeit sind in → Art. 165 BV geregelt.\n\n**N. 12** Die **Finanzschwellen** (lit. b) betragen 20 Millionen Franken für einmalige und 2 Millionen Franken für wiederkehrende Ausgaben. Als «neue» Ausgaben gelten solche, die nicht bereits in einem Gesetz oder einem allgemeinverbindlichen Bundesbeschluss vorgesehen sind. Massgebend ist die Gesamtsumme eines Kredits, nicht einzelne Tranchen (Sägesser, BSK BV, Art. 159 N. 18).\n\n**N. 13** Die **Erhöhung der Gesamtausgaben bei ausserordentlichem Zahlungsbedarf** (lit. c) bezieht sich auf → Art. 126 Abs. 3 BV (Schuldenbremse). Diese Bestimmung erlaubt in ausserordentlichen Situationen (schwere Rezession, Naturkatastrophen) eine Überschreitung der Ausgabenobergrenze.\n\n#### 3.4 Indexierung (Abs. 4)\n\n**N. 14** Die Bundesversammlung kann die Finanzschwellen mittels Verordnung der Teuerung anpassen. Dies stellt eine Ausnahme vom Grundsatz dar, dass Verfassungsbestimmungen nur durch Verfassungsänderung modifiziert werden können. Die Delegation ist eng begrenzt auf eine rein mathematische Teuerungsanpassung (Biaggini, Kommentar BV, Art. 159 N. 11).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Beschlüsse, die ohne das erforderliche Quorum gefasst werden, sind nichtig. Bei Verletzung des Präsenzquorums (Abs. 1) kann die Beschlussfähigkeit jedoch nur gerügt werden, wenn ein entsprechender Antrag vor der Abstimmung gestellt wurde (Art. 58 Abs. 2 ParlG).\n\n**N. 16** Die Verletzung der qualifizierten Mehrheitserfordernisse (Abs. 3) führt zur Ablehnung des Antrags. Eine nachträgliche «Heilung» durch erneute Abstimmung ist nicht möglich, das Geschäft muss neu eingereicht werden.\n\n**N. 17** Parlamentsakte können gemäss → Art. 189 Abs. 4 BV grundsätzlich nicht beim Bundesgericht angefochten werden. Eine Ausnahme besteht bei schweren Verfahrensfehlern, die im Rahmen einer abstrakten Normenkontrolle als Willkür gerügt werden können (**BGE 133 I 178** E. 3.2).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 18** Umstritten ist, ob die Beschlussfähigkeit auch bei elektronischen oder hybriden Sitzungen nach den gleichen Kriterien zu beurteilen ist. **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar, Art. 159 N. 5) vertritt die Auffassung, dass «Anwesenheit» physische Präsenz voraussetzt. **Graf** (Die Organisation der Bundesversammlung, S. 234) plädiert demgegenüber für eine funktionale Auslegung, die auch virtuelle Teilnahme umfasst, sofern die Identität der Teilnehmenden zweifelsfrei feststeht und eine gleichwertige Teilnahme gewährleistet ist.\n\n**N. 19** Kontrovers diskutiert wird auch die Reichweite der Teuerungsanpassung nach Abs. 4. **Sägesser** (BSK BV, Art. 159 N. 22) interpretiert die Kompetenz eng und erlaubt nur eine Anpassung an den Landesindex der Konsumentenpreise. **Vallender** (St. Galler Kommentar, Art. 159 N. 12) hält eine gewisse Flexibilität für zulässig, etwa die Verwendung spezifischer Teilindizes.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Anträge zur Feststellung der Beschlussfähigkeit sind taktische Instrumente der parlamentarischen Opposition. Sie müssen vor Beginn der Abstimmung gestellt werden und führen zur Unterbrechung der Verhandlungen, bis das Quorum erreicht ist.\n\n**N. 21** Bei Finanzvorlagen ist frühzeitig zu prüfen, ob die Schwellenwerte nach Abs. 3 lit. b erreicht werden. Massgebend ist die Gesamtsumme über die gesamte Verpflichtungsdauer. Die Aufteilung in Jahrestranchen zur Umgehung des qualifizierten Mehrs ist unzulässig.\n\n**N. 22** Die Dringlicherklärung sollte zurückhaltend eingesetzt werden. Das Bundesgericht prüft zwar Parlamentsakte nicht direkt, die restriktive Auslegung der Dringlichkeit kann aber bei der späteren Anwendung des Gesetzes relevant werden.\n\n**N. 23** Für die Praxis der Vereinigten Bundesversammlung ist zu beachten, dass dort keine Fraktionserklärungen abgegeben werden und die Abstimmungen grundsätzlich geheim erfolgen (Art. 71 Abs. 2 ParlG). Das absolute Mehr beträgt 124 Stimmen.", "caselaw_de": "# Art. 159 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Dringlicherklärung von Bundesgesetzen\n\n**BGE 147 I 420** vom 11. März 2021\nDie Dringlichkeitsklausel ist restriktiv auszulegen, da sie die Referendumsrechte der Stimmberechtigten einschränkt.\nDas Bundesgericht prüft die Anforderungen an Dringlichkeitserklärungen auf kantonaler Ebene, wobei die Grundsätze analog für das Bundesrecht gelten.\n\n> «Mit der Dringlicherklärung werden die Referendumsrechte der Stimmberechtigten eingeschränkt; die Dringlichkeitsklausel ist restriktiv auszulegen. (...) Es liegen zwingende ausserordentliche Gründe vor, die eine Dringlicherklärung rechtfertigen, wenn angesichts der erheblich gefährdeten Gesundheit der Stimmberechtigten bei der Durchführung von Gemeindeversammlungen eine wichtige Angelegenheit betroffen ist.»\n\n**Urteil 1C_529/2022** vom 31. Oktober 2022\nDas Bundesgericht tritt auf Stimmrechtsbeschwerden gegen dringlich erklärte Bundesgesetze nicht ein.\nDie Beschwerde gegen das Bundesgesetz über dringliche Massnahmen zur Stromversorgung wurde als unzulässig abgewiesen.\n\n> «Gemäss Art. 189 Abs. 4 BV können Akte der Bundesversammlung und des Bundesrats beim Bundesgericht nicht angefochten werden, ausser das Gesetz sehe dies vor. Dies gilt auch bei Beschwerden wegen Verletzung der politischen Rechte.»\n\n### Parlamentarische Verfahrensgarantien\n\n**BGE 133 I 178** vom 23. Januar 2007\nSchwere Verfahrensfehler im parlamentarischen Rechtsetzungsverfahren können zur Aufhebung des Erlasses führen.\nDie Nichtbeachtung verfassungsrechtlicher Verfahrensvorschriften kann als Willkür gerügt werden.\n\n> «Die Missachtung des Erfordernisses der zweiten Lesung erscheint als ein gravierender formeller Mangel des parlamentarischen Rechtsetzungsverfahrens, welcher zwar aus Gründen der Rechtssicherheit der Verbindlichkeit des betreffenden Erlasses nicht absolut entgegenstehen kann, aber doch - wenn er innert Frist mit einem zur Verfügung stehenden Rechtsmittel gerügt wird - zur Aufhebung desselben führen muss.»\n\n**BGE 144 I 43** vom 22. November 2017\nParlamentsmitglieder können bei besonderen Betroffenheit in ihrer parlamentarischen Funktion zur Beschwerde legitimiert sein.\nDer Entscheid betraf das parlamentarische Initiativrecht auf kantonaler Ebene.\n\n> «Die ordentlichen Mitglieder des Grossen Rates stehen in einer besonders engen Beziehung zum angefochtenen Erlass - der den Ersatzmitgliedern des Grossen Rates das parlamentarische Initiativrecht einräumt und damit die Anzahl der Personen ändert, die berechtigt sind, ein parlamentarisches Verfahren einzuleiten.»\n\n### Finanzkompetenzen und Schwellenwerte\n\n**BGE 111 IA 284** vom 29. Mai 1985\nQualifizierte Mehrheitserfordernisse in parlamentarischen Verfahren sind verfassungskonform.\nDer Entscheid behandelte kommunale Initiativen mit Zweidrittelmehrheit.\n\n> «Zur Ungültigerklärung ist der Gemeinderat zuständig und es ist hiefür eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Nach der Gesetzgebung des Kantons Zürich kann auf kantonaler Ebene keine Behörde einschreiten, wenn das Parlament dem Volk eine inhaltlich rechtswidrige Einzelinitiative zur Abstimmung unterbreitet.»\n\n### Beschlussfähigkeit und Abstimmungsverfahren\n\n**BGE 100 IA 1** vom 23. Januar 1974\nDie parlamentarische Immunität und damit verbundene Verfahrensregeln sind unterschiedlich ausgestaltet.\nEntscheide über die Aufhebung der Immunität sind letztinstanzlich.\n\n> «Die parlamentarische Immunität ist zum Teil in der Kantonsverfassung verankert, zum Teil in blossen Gesetzen (z.B. Gesetz über die Verantwortlichkeit der Behörden und Beamten, Strafprozessordnung, Geschäftsordnung des kantonalen Parlaments). Auch der Umfang der Immunität ist in den Kantonen verschieden.»", "summary_fr": "# Art. 159 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 159 Cst. règle la façon dont l'Assemblée fédérale prend ses décisions. La disposition fixe le quorum nécessaire pour que les deux chambres puissent délibérer et les majorités requises pour les arrêtés.\n\n**Quorum**: Les deux chambres ne peuvent délibérer que si au moins la moitié de leurs membres sont présents. Cela signifie : 101 conseillers nationaux sur 200 ou 24 conseillers aux États sur 46 doivent être physiquement présents dans la salle du conseil. Sans cette présence minimale, aucun arrêté valide n'est possible.\n\n**Votations ordinaires**: Pour la plupart des décisions, la majorité simple des présents suffit. Celui qui ne vote pas ou vote de manière non valable ne compte pas. En cas d'égalité des voix, le président du conseil tranche.\n\n**Décisions particulièrement importantes**: Trois types d'arrêtés nécessitent une majorité qualifiée (majorité absolue de tous les membres de la chambre) :\n- Les lois déclarées urgentes qui entrent immédiatement en vigueur\n- Les dépenses importantes (plus de 20 millions de francs en une fois ou plus de 2 millions de francs récurrents)\n- Les dépenses supplémentaires en période de crise\n\n**Exemple pratique**: Si la Confédération veut acheter un nouvel avion de combat pour 25 millions de francs, il faut au moins 101 voix favorables au Conseil national et 24 au Conseil des États – indépendamment du nombre de parlementaires présents. Pour une loi ordinaire, la majorité des présents suffirait.\n\n**Adaptation au renchérissement**: Les montants peuvent être adaptés à l'inflation par ordonnance. Ainsi, les valeurs seuils conservent leur signification réelle.\n\nCes règles garantissent des décisions démocratiques et empêchent que des arrêtés importants soient pris par un petit nombre de présents. Les projets particulièrement significatifs nécessitent un large soutien parlementaire.", "doctrine_fr": "# Art. 159 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**Ch. 1** L'art. 159 Cst. règle le quorum et la prise de décision de l'Assemblée fédérale. La disposition correspond pour l'essentiel aux art. 78 et 82 de l'ancienne Constitution fédérale de 1874, mais a été systématiquement réorganisée dans le cadre de la révision totale et précisée sur certains points (FF 1997 I 1, 456).\n\n**Ch. 2** Le message concernant la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 relève que la réglementation du quorum et de la prise de décision fait partie des normes d'organisation fondamentales de tout parlement (FF 1997 I 456). L'ancrage constitutionnel de ces principes doit assurer la légitimation démocratique des décisions parlementaires et empêcher l'arbitraire dans la prise de décision.\n\n**Ch. 3** Les exigences de majorité qualifiée de l'al. 3 ont été étendues par rapport à l'ancienne Constitution fédérale. En particulier, la déclaration d'urgence de lois fédérales (let. a) a été explicitement reprise, après que cette pratique avait déjà été développée sous l'ancienne Constitution. Les valeurs seuils pour les décisions financières (let. b) ont été transférées de la loi fédérale sur les finances de la Confédération dans la Constitution.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 159 Cst. se trouve dans la 2e section du 5e chapitre sur les autorités fédérales et fait partie des normes d'organisation de l'Assemblée fédérale (art. 148–173 Cst.). La disposition est étroitement liée aux :\n- → Art. 160 Cst. (Droit d'initiative et droit de motion)\n- → Art. 165 Cst. (Législation d'urgence)\n- → Art. 167 Cst. (Compétences financières)\n- ↔ Art. 156 Cst. (Délibérations séparées)\n- → Art. 126 Cst. (Conduite du budget, notamment l'al. 3 concernant les besoins financiers extraordinaires)\n\n**Ch. 5** La concrétisation s'effectue dans la loi sur le Parlement (LParl, RS 171.10), notamment aux art. 58 ss LParl concernant le quorum et aux art. 71 ss LParl concernant la prise de décision. Les règlements des deux Chambres contiennent d'autres dispositions d'exécution.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### 3.1 Quorum de présence (al. 1)\n\n**Ch. 6** Le quorum requiert la présence de la majorité des membres d'une chambre. Cela signifie au Conseil national au moins 101 des 200 membres, au Conseil des États au moins 24 des 46 membres. Ce quorum de présence vaut pour toutes les délibérations, indépendamment de la portée de l'affaire.\n\n**Ch. 7** Selon la doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel suisse, ch. 1665), par « présent » on entend la présence physique dans la salle du conseil. Les représentations ne sont pas admises. Le contrôle de la présence s'effectue en pratique par un enregistrement électronique de la présence. Les bureaux des conseils ne constatent le quorum que sur demande (art. 58 al. 2 LParl).\n\n#### 3.2 Majorité de vote (al. 2)\n\n**Ch. 8** La prise de décision ordinaire s'effectue à la majorité des votants (majorité simple). Les abstentions et les votes nuls ne sont pas comptés. En cas d'égalité des voix, le président a la voix prépondérante (art. 73 LParl).\n\n**Ch. 9** La formulation « dans les deux conseils et dans l'Assemblée fédérale unie » précise que le principe majoritaire vaut tant pour les délibérations séparées que pour les séances communes. Cela concerne notamment les élections par l'Assemblée fédérale unie (→ art. 157 Cst.).\n\n#### 3.3 Majorités qualifiées (al. 3)\n\n**Ch. 10** Pour certaines décisions, la Constitution exige l'accord de la majorité des membres de chaque conseil (majorité absolue). Cela signifie au Conseil national au moins 101, au Conseil des États au moins 24 voix, indépendamment du nombre de présents.\n\n**Ch. 11** La **déclaration d'urgence de lois fédérales** (let. a) permet l'entrée en vigueur immédiate avant l'expiration du délai référendaire. Le Tribunal fédéral a relevé que la clause d'urgence doit être interprétée restrictivement, car elle limite les droits référendaires des citoyens (**ATF 147 I 420** consid. 4.2). Les conditions matérielles de l'urgence sont réglées à l'→ art. 165 Cst.\n\n**Ch. 12** Les **seuils financiers** (let. b) s'élèvent à 20 millions de francs pour les dépenses uniques et 2 millions de francs pour les dépenses récurrentes. Sont considérées comme dépenses « nouvelles » celles qui ne sont pas déjà prévues dans une loi ou un arrêté fédéral de portée générale. C'est la somme totale d'un crédit qui est déterminante, non les tranches individuelles (Sägesser, CPV Cst., art. 159 ch. 18).\n\n**Ch. 13** L'**augmentation des dépenses totales en cas de besoin financier extraordinaire** (let. c) se réfère à l'→ art. 126 al. 3 Cst. (frein à l'endettement). Cette disposition permet dans des situations extraordinaires (récession grave, catastrophes naturelles) de dépasser le plafond des dépenses.\n\n#### 3.4 Indexation (al. 4)\n\n**Ch. 14** L'Assemblée fédérale peut adapter les seuils financiers au renchérissement au moyen d'une ordonnance. Cela constitue une exception au principe selon lequel les dispositions constitutionnelles ne peuvent être modifiées que par un amendement constitutionnel. La délégation est limitée étroitement à un ajustement purement mathématique au renchérissement (Biaggini, Commentaire Cst., art. 159 ch. 11).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 15** Les décisions prises sans le quorum requis sont nulles. En cas de violation du quorum de présence (al. 1), le quorum ne peut toutefois être contesté que si une demande correspondante a été déposée avant le vote (art. 58 al. 2 LParl).\n\n**Ch. 16** La violation des exigences de majorité qualifiée (al. 3) entraîne le rejet de la proposition. Une « guérison » ultérieure par un nouveau vote n'est pas possible, l'affaire doit être redéposée.\n\n**Ch. 17** Les actes parlementaires ne peuvent en principe pas être attaqués devant le Tribunal fédéral selon l'→ art. 189 al. 4 Cst. Une exception existe pour les vices de procédure graves qui peuvent être dénoncés comme arbitraires dans le cadre d'un contrôle abstrait des normes (**ATF 133 I 178** consid. 3.2).\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 18** Il est controversé de savoir si le quorum doit également être évalué selon les mêmes critères lors de séances électroniques ou hybrides. **Ehrenzeller** (Commentaire saint-gallois, art. 159 ch. 5) est d'avis que la « présence » présuppose la présence physique. **Graf** (L'organisation de l'Assemblée fédérale, p. 234) plaide en revanche pour une interprétation fonctionnelle qui inclurait aussi la participation virtuelle, pour autant que l'identité des participants soit établie sans doute et qu'une participation équivalente soit garantie.\n\n**Ch. 19** La portée de l'ajustement au renchérissement selon l'al. 4 est également discutée de manière controversée. **Sägesser** (CPV Cst., art. 159 ch. 22) interprète la compétence de manière restrictive et n'autorise qu'un ajustement à l'indice national des prix à la consommation. **Vallender** (Commentaire saint-gallois, art. 159 ch. 12) considère qu'une certaine flexibilité est admissible, par exemple l'utilisation d'indices partiels spécifiques.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**Ch. 20** Les demandes de constatation du quorum sont des instruments tactiques de l'opposition parlementaire. Elles doivent être déposées avant le début du vote et entraînent l'interruption des délibérations jusqu'à ce que le quorum soit atteint.\n\n**Ch. 21** Pour les projets financiers, il faut examiner précocement si les valeurs seuils selon l'al. 3 let. b sont atteintes. C'est la somme totale sur toute la durée d'engagement qui est déterminante. La répartition en tranches annuelles pour contourner la majorité qualifiée est inadmissible.\n\n**Ch. 22** La déclaration d'urgence devrait être utilisée avec retenue. Le Tribunal fédéral n'examine certes pas directement les actes parlementaires, mais l'interprétation restrictive de l'urgence peut être pertinente lors de l'application ultérieure de la loi.\n\n**Ch. 23** Pour la pratique de l'Assemblée fédérale unie, il faut noter qu'aucune déclaration de groupe ne peut y être faite et que les votes s'effectuent en principe à bulletin secret (art. 71 al. 2 LParl). La majorité absolue s'élève à 124 voix.", "caselaw_fr": "# Art. 159 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Déclaration d'urgence des lois fédérales\n\n**ATF 147 I 420** du 11 mars 2021\nLa clause d'urgence doit être interprétée de manière restrictive, car elle limite les droits référendaires des ayants droit au vote.\nLe Tribunal fédéral examine les exigences relatives aux déclarations d'urgence au niveau cantonal, les principes s'appliquant par analogie au droit fédéral.\n\n> « La déclaration d'urgence limite les droits référendaires des ayants droit au vote ; la clause d'urgence doit être interprétée de manière restrictive. (...) Il existe des motifs extraordinaires contraignants qui justifient une déclaration d'urgence lorsque, compte tenu de la santé considérablement mise en danger des ayants droit au vote lors de la tenue d'assemblées communales, une affaire importante est concernée. »\n\n**Arrêt 1C_529/2022** du 31 octobre 2022\nLe Tribunal fédéral n'entre pas en matière sur les recours relatifs aux droits politiques contre les lois fédérales déclarées urgentes.\nLe recours contre la loi fédérale sur les mesures urgentes pour l'approvisionnement en électricité a été déclaré irrecevable.\n\n> « Selon l'art. 189 al. 4 Cst., les actes de l'Assemblée fédérale et du Conseil fédéral ne peuvent pas être portés devant le Tribunal fédéral, sauf si la loi le prévoit. Cela vaut aussi pour les recours pour violation des droits politiques. »\n\n### Garanties procédurales parlementaires\n\n**ATF 133 I 178** du 23 janvier 2007\nDes vices de procédure graves dans la procédure parlementaire de législation peuvent conduire à l'annulation de l'acte.\nLe non-respect des dispositions procédurales constitutionnelles peut être invoqué comme arbitraire.\n\n> « Le non-respect de l'exigence de la deuxième lecture apparaît comme un vice formel grave de la procédure parlementaire de législation, qui certes, pour des raisons de sécurité juridique, ne peut pas s'opposer de manière absolue au caractère obligatoire de l'acte concerné, mais qui doit cependant - s'il est invoqué dans les délais par un moyen de droit disponible - conduire à l'annulation de celui-ci. »\n\n**ATF 144 I 43** du 22 novembre 2017\nLes membres du parlement peuvent être légitimés à recourir en cas d'atteinte particulière à leur fonction parlementaire.\nLa décision concernait le droit d'initiative parlementaire au niveau cantonal.\n\n> « Les membres ordinaires du Grand Conseil entretiennent une relation particulièrement étroite avec l'acte attaqué - qui accorde aux membres suppléants du Grand Conseil le droit d'initiative parlementaire et modifie ainsi le nombre de personnes habilitées à initier une procédure parlementaire. »\n\n### Compétences financières et valeurs seuils\n\n**ATF 111 IA 284** du 29 mai 1985\nLes exigences de majorité qualifiée dans les procédures parlementaires sont conformes à la Constitution.\nLa décision traitait d'initiatives communales avec majorité des deux tiers.\n\n> « Le conseil communal est compétent pour déclarer la nullité et il faut pour cela une majorité des deux tiers. Selon la législation du canton de Zurich, aucune autorité ne peut intervenir au niveau cantonal si le parlement soumet au peuple une initiative particulière illégale quant au fond pour votation. »\n\n### Quorum et procédure de vote\n\n**ATF 100 IA 1** du 23 janvier 1974\nL'immunité parlementaire et les règles procédurales qui y sont liées sont organisées de différentes manières.\nLes décisions concernant la levée de l'immunité sont rendues en dernière instance.\n\n> « L'immunité parlementaire est en partie ancrée dans la constitution cantonale, en partie dans de simples lois (p. ex. loi sur la responsabilité des autorités et fonctionnaires, code de procédure pénale, règlement du parlement cantonal). L'étendue de l'immunité varie aussi selon les cantons. »", "summary_it": "# Art. 159 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 159 Cost. disciplina il modo in cui l'Assemblea federale prende le decisioni. La disposizione stabilisce quando le due Camere possono deliberare e quali maggioranze sono necessarie per le decisioni.\n\n**Capacità di deliberare**: Entrambe le Camere possono deliberare soltanto se è presente almeno la metà dei loro membri. Ciò significa: 101 consiglieri nazionali su 200 o 24 consiglieri agli Stati su 46 devono essere fisicamente presenti nell'aula del Consiglio. Senza questa presenza minima non sono possibili decisioni valide.\n\n**Votazioni normali**: Per la maggior parte delle decisioni è sufficiente la maggioranza semplice dei presenti. Chi non vota o vota in modo non valido non viene conteggiato. In caso di parità di voti decide il presidente del Consiglio.\n\n**Decisioni particolarmente importanti**: Tre tipi di decisioni richiedono una maggioranza qualificata (maggioranza assoluta di tutti i membri del Consiglio):\n- Leggi dichiarate urgenti che entrano immediatamente in vigore\n- Spese ingenti (oltre 20 milioni di franchi una tantum o oltre 2 milioni ricorrenti)\n- Spese supplementari in tempi di crisi\n\n**Esempio dalla prassi**: Se la Confederazione vuole acquistare un nuovo aereo da combattimento per 25 milioni di franchi, sono necessari almeno 101 voti favorevoli nel Consiglio nazionale e 24 nel Consiglio degli Stati – indipendentemente da quanti parlamentari sono presenti. Per una legge ordinaria basterebbe la maggioranza dei presenti.\n\n**Adeguamento al rincaro**: Gli importi possono essere adeguati all'inflazione mediante ordinanza. Così le soglie mantengono il loro significato reale.\n\nQueste regole garantiscono decisioni democratiche e impediscono che decisioni importanti siano prese da pochi presenti. I progetti particolarmente significativi necessitano di un ampio sostegno parlamentare.", "doctrine_it": "# Art. 159 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 159 Cost. disciplina il quorum deliberativo e la formazione delle decisioni dell'Assemblea federale. La disposizione corrisponde sostanzialmente agli art. 78 e 82 della vecchia Costituzione federale del 1874, ma è stata sistematicamente riorganizzata nel quadro della revisione totale e precisata su alcuni punti (FF 1997 I 1, 387).\n\n**N. 2** Il Messaggio relativo a una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilisce che la disciplina del quorum deliberativo e della formazione delle decisioni appartiene alle norme organizzative fondamentali di ogni parlamento (FF 1997 I 387). L'ancoraggio costituzionale di questi principi deve assicurare la legittimazione democratica delle decisioni parlamentari e impedire l'arbitrio nella formazione delle decisioni.\n\n**N. 3** Le maggioranze qualificate di cui al capoverso 3 sono state ampliate rispetto alla vecchia Costituzione federale. In particolare, la dichiarazione d'urgenza delle leggi federali (lett. a) è stata espressamente inclusa ex novo, dopo che tale prassi era già stata sviluppata sotto la vecchia Costituzione. Le soglie per le decisioni finanziarie (lett. b) sono state trasferite dalla Legge federale sul preventivo della Confederazione nella Costituzione.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 159 Cost. si trova nella sezione 2 del capitolo 5 sulle autorità federali ed è parte delle norme organizzative dell'Assemblea federale (art. 148–173 Cost.). La disposizione è strettamente collegata con:\n- → Art. 160 Cost. (Diritto di iniziativa e di proposta)\n- → Art. 165 Cost. (Legislazione d'urgenza)\n- → Art. 167 Cost. (Competenze finanziarie)\n- ↔ Art. 156 Cost. (Deliberazioni separate)\n- → Art. 126 Cost. (Gestione finanziaria, in particolare cpv. 3 relativo al fabbisogno di pagamenti straordinario)\n\n**N. 5** La concretizzazione avviene nella Legge sul Parlamento (LParl, RS 171.10), in particolare negli art. 58 segg. LParl sul quorum deliberativo e negli art. 71 segg. LParl sulla formazione delle decisioni. I regolamenti di entrambe le Camere contengono ulteriori disposizioni d'esecuzione.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### 3.1 Quorum di presenza (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il quorum deliberativo presuppone che sia presente la maggioranza dei membri di una Camera. Ciò significa nel Consiglio nazionale almeno 101 dei 200 membri, nel Consiglio degli Stati almeno 24 dei 46 membri. Questo quorum di presenza vale per tutte le deliberazioni, indipendentemente dalla portata dell'affare.\n\n**N. 7** Secondo la dottrina (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1665), per «presente» si intende la presenza fisica nell'aula del Consiglio. Non sono ammesse sostituzioni. Il controllo della presenza avviene nella prassi mediante rilevamento elettronico della presenza. Le presidenze dei Consigli accertano il quorum deliberativo solo su richiesta (art. 58 cpv. 2 LParl).\n\n#### 3.2 Maggioranza di voto (cpv. 2)\n\n**N. 8** La formazione ordinaria delle decisioni avviene con la maggioranza dei votanti (maggioranza semplice). Le astensioni e i voti nulli non sono conteggiati. In caso di parità di voti, il presidente ha voto decisivo (art. 73 LParl).\n\n**N. 9** La formulazione «in entrambi i Consigli e nell'Assemblea federale plenaria» chiarisce che il principio maggioritario vale sia per le deliberazioni separate che per le sedute congiunte. Ciò riguarda in particolare le elezioni da parte dell'Assemblea federale plenaria (→ art. 157 Cost.).\n\n#### 3.3 Maggioranze qualificate (cpv. 3)\n\n**N. 10** Per determinate decisioni la Costituzione richiede l'approvazione della maggioranza dei membri di ciascun Consiglio (maggioranza assoluta). Ciò significa nel Consiglio nazionale almeno 101, nel Consiglio degli Stati almeno 24 voti, indipendentemente dal numero dei presenti.\n\n**N. 11** La **dichiarazione d'urgenza delle leggi federali** (lett. a) consente l'entrata in vigore immediata prima della scadenza del termine referendario. Il Tribunale federale ha stabilito che la clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente, poiché limita i diritti referendari degli aventi diritto di voto (**DTF 147 I 420** consid. 4.2). I presupposti materiali dell'urgenza sono disciplinati nell'→ art. 165 Cost.\n\n**N. 12** Le **soglie finanziarie** (lett. b) ammontano a 20 milioni di franchi per le uscite non ricorrenti e a 2 milioni di franchi per le uscite ricorrenti. Come uscite «nuove» si considerano quelle che non sono già previste in una legge o in un decreto federale di obbligatorietà generale. Determinante è l'importo totale di un credito, non le singole tranche (Sägesser, BSK BV, art. 159 N. 18).\n\n**N. 13** L'**aumento delle uscite totali in caso di fabbisogno di pagamenti straordinario** (lett. c) si riferisce all'→ art. 126 cpv. 3 Cost. (freno all'indebitamento). Questa disposizione consente in situazioni straordinarie (grave recessione, catastrofi naturali) un superamento del limite massimo delle uscite.\n\n#### 3.4 Indicizzazione (cpv. 4)\n\n**N. 14** L'Assemblea federale può adeguare le soglie finanziarie al rincaro mediante ordinanza. Ciò costituisce un'eccezione al principio secondo cui le disposizioni costituzionali possono essere modificate solo mediante modifica della Costituzione. La delega è strettamente limitata a un adeguamento puramente matematico al rincaro (Biaggini, Kommentar BV, art. 159 N. 11).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** Le decisioni prese senza il quorum richiesto sono nulle. In caso di violazione del quorum di presenza (cpv. 1), il quorum deliberativo può tuttavia essere censurato solo se è stata presentata una relativa richiesta prima della votazione (art. 58 cpv. 2 LParl).\n\n**N. 16** La violazione delle maggioranze qualificate richieste (cpv. 3) comporta il rigetto della proposta. Una successiva «sanazione» mediante nuova votazione non è possibile; l'affare deve essere ripresentato.\n\n**N. 17** Gli atti parlamentari secondo l'→ art. 189 cpv. 4 Cost. non possono in linea di principio essere impugnati presso il Tribunale federale. Esiste un'eccezione per gravi vizi procedurali che possono essere censurati come arbitrio nel quadro di un controllo astratto delle norme (**DTF 133 I 178** consid. 3.2).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 18** È controverso se il quorum deliberativo debba essere valutato secondo gli stessi criteri anche per le sedute elettroniche o ibride. **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar, art. 159 N. 5) sostiene che «presenza» presuppone la presenza fisica. **Graf** (Die Organisation der Bundesversammlung, pag. 234) propugna invece un'interpretazione funzionale che comprenda anche la partecipazione virtuale, purché l'identità dei partecipanti sia stabilita senza dubbio e sia garantita una partecipazione equivalente.\n\n**N. 19** È anche discussa in modo controverso la portata dell'adeguamento al rincaro secondo il cpv. 4. **Sägesser** (BSK BV, art. 159 N. 22) interpreta la competenza in senso restrittivo e consente solo un adeguamento all'indice nazionale dei prezzi al consumo. **Vallender** (St. Galler Kommentar, art. 159 N. 12) ritiene ammissibile una certa flessibilità, ad esempio l'uso di specifici indici parziali.\n\n### 6. Indicazioni per la prassi\n\n**N. 20** Le richieste di accertamento del quorum deliberativo sono strumenti tattici dell'opposizione parlamentare. Devono essere presentate prima dell'inizio della votazione e comportano l'interruzione delle deliberazioni finché non è raggiunto il quorum.\n\n**N. 21** Per i progetti finanziari occorre verificare tempestivamente se sono raggiunte le soglie secondo il cpv. 3 lett. b. Determinante è l'importo totale su tutta la durata dell'impegno. La suddivisione in tranche annuali per eludere la maggioranza qualificata è inammissibile.\n\n**N. 22** La dichiarazione d'urgenza dovrebbe essere utilizzata con moderazione. Il Tribunale federale non esamina direttamente gli atti parlamentari, ma l'interpretazione restrittiva dell'urgenza può essere rilevante nella successiva applicazione della legge.\n\n**N. 23** Per la prassi dell'Assemblea federale plenaria è da notare che lì non si tengono dichiarazioni di gruppo e le votazioni avvengono in linea di principio a scrutinio segreto (art. 71 cpv. 2 LParl). La maggioranza assoluta ammonta a 124 voti.", "caselaw_it": "# Art. 159 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Dichiarazione d'urgenza delle leggi federali\n\n**DTF 147 I 420** dell'11 marzo 2021\nLa clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente, poiché limita i diritti di referendum degli aventi diritto di voto.\nIl Tribunale federale verifica i requisiti per le dichiarazioni d'urgenza a livello cantonale, applicando analogamente i principi per il diritto federale.\n\n> «Con la dichiarazione d'urgenza vengono limitati i diritti di referendum degli aventi diritto di voto; la clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente. (...) Esistono motivi straordinari cogenti che giustificano una dichiarazione d'urgenza quando, vista la salute considerevolmente minacciata degli aventi diritto di voto nel corso dello svolgimento di assemblee comunali, è toccata una questione importante.»\n\n**Sentenza 1C_529/2022** del 31 ottobre 2022\nIl Tribunale federale non entra in materia sui ricorsi in materia di diritti politici contro leggi federali dichiarate urgenti.\nIl ricorso contro la legge federale su misure urgenti per l'approvvigionamento elettrico è stato respinto come inammissibile.\n\n> «Secondo l'art. 189 cpv. 4 Cost., gli atti dell'Assemblea federale e del Consiglio federale non possono essere impugnati dinanzi al Tribunale federale, salvo che la legge lo preveda. Ciò vale anche per i ricorsi per violazione dei diritti politici.»\n\n### Garanzie procedurali parlamentari\n\n**DTF 133 I 178** del 23 gennaio 2007\nGravi vizi procedurali nel procedimento parlamentare di emanazione del diritto possono portare all'annullamento dell'atto normativo.\nL'inosservanza di prescrizioni procedurali costituzionali può essere censurata come arbitrio.\n\n> «L'inosservanza del requisito della seconda lettura appare come un grave difetto formale del procedimento parlamentare di emanazione del diritto, che certamente per motivi di certezza del diritto non può ostare in modo assoluto alla vincolatività dell'atto normativo in questione, ma tuttavia - se censurato entro il termine con un rimedio giuridico a disposizione - deve portare all'annullamento dello stesso.»\n\n**DTF 144 I 43** del 22 novembre 2017\nI membri del parlamento possono essere legittimati al ricorso in caso di particolare lesione nella loro funzione parlamentare.\nLa decisione riguardava il diritto d'iniziativa parlamentare a livello cantonale.\n\n> «I membri ordinari del Gran Consiglio sono in rapporto particolarmente stretto con l'atto normativo impugnato - che concede ai membri supplenti del Gran Consiglio il diritto d'iniziativa parlamentare e modifica così il numero delle persone autorizzate a dare inizio a un procedimento parlamentare.»\n\n### Competenze finanziarie e valori soglia\n\n**DTF 111 IA 284** del 29 maggio 1985\nI requisiti di maggioranza qualificata nei procedimenti parlamentari sono conformi alla Costituzione.\nLa decisione trattava iniziative comunali con maggioranza dei due terzi.\n\n> «Per la dichiarazione di nullità è competente il Consiglio comunale ed è necessaria una maggioranza dei due terzi. Secondo la legislazione del Cantone di Zurigo a livello cantonale nessuna autorità può intervenire se il parlamento sottopone al popolo per votazione un'iniziativa particolare illegale nel contenuto.»\n\n### Capacità di deliberare e procedimento di votazione\n\n**DTF 100 IA 1** del 23 gennaio 1974\nL'immunità parlamentare e le relative norme procedurali sono configurate diversamente.\nLe decisioni sulla revoca dell'immunità sono di ultima istanza.\n\n> «L'immunità parlamentare è in parte ancorata nella costituzione cantonale, in parte in semplici leggi (p.es. legge sulla responsabilità delle autorità e dei funzionari, codice di procedura penale, regolamento d'affari del parlamento cantonale). Anche l'ampiezza dell'immunità è diversa nei Cantoni.»", "summary_en": "# Art. 159 BV\n\n## Overview\n\nArt. 159 BV regulates how the Federal Assembly makes decisions. The provision establishes when both councils have a quorum and what majorities are required for resolutions.\n\n**Quorum**: Both councils can only deliberate when at least half of their members are present. This means: 101 of 200 National Councillors or 24 of 46 Council of States members must be physically present in the council chamber. Without this minimum attendance, no valid resolutions are possible.\n\n**Regular votes**: For most decisions, a simple majority of those present suffices. Those who do not vote or vote invalidly are not counted. In case of a tie, the President of the Council decides.\n\n**Particularly important decisions**: Three types of resolutions require a qualified majority (absolute majority of all council members):\n- Laws declared urgent that take effect immediately\n- Large expenditures (over 20 million francs one-time or over 2 million recurring)\n- Additional expenditures in times of crisis\n\n**Example from practice**: If the Confederation wants to purchase a new fighter aircraft for 25 million francs, it requires at least 101 yes votes in the National Council and 24 in the Council of States – regardless of how many parliamentarians are present. For a regular law, a majority of those present would suffice.\n\n**Inflation adjustment**: The monetary amounts can be adjusted to inflation by ordinance. This way the threshold values retain their real significance.\n\nThese rules secure democratic decisions and prevent important resolutions from being made by few present members. Particularly significant proposals require broad parliamentary support.", "doctrine_en": "# Art. 159 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 159 BV regulates the quorum and decision-making of the Federal Assembly. The provision essentially corresponds to Art. 78 and 82 of the old Federal Constitution of 1874, but was systematically reorganised in the context of the total revision and clarified on individual points (BBl 1997 I 1, 387).\n\n**N. 2** The Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 states that the regulation of quorum and decision-making belongs to the fundamental organisational norms of every parliament (BBl 1997 I 387). The constitutional anchoring of these principles is intended to ensure the democratic legitimacy of parliamentary decisions and prevent arbitrariness in decision-making.\n\n**N. 3** The qualified majority requirements in paragraph 3 were expanded compared to the old Federal Constitution. In particular, the declaration of urgency for federal acts (lit. a) was newly explicitly included, after this practice had already been developed under the old constitution. The threshold values for financial decisions (lit. b) were transferred from the Federal Act on the Federal Financial Household into the constitution.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 159 BV is located in the 2nd section of Chapter 5 on the federal authorities and is part of the organisational norms of the Federal Assembly (Art. 148–173 BV). The provision is closely connected with:\n- → Art. 160 BV (Right of initiative and right to submit motions)\n- → Art. 165 BV (Emergency legislation)\n- → Art. 167 BV (Financial powers)\n- ↔ Art. 156 BV (Separate deliberations)\n- → Art. 126 BV (Budget management, particularly para. 3 concerning extraordinary financial requirements)\n\n**N. 5** Concretisation takes place in the Parliament Act (ParlA, SR 171.10), particularly in Art. 58 ff. ParlA on quorum and Art. 71 ff. ParlA on decision-making. The rules of procedure of both chambers contain further implementing provisions.\n\n### 3. Elements of the Provision / Content of the Norm\n\n#### 3.1 Presence Quorum (Para. 1)\n\n**N. 6** Quorum requires that the majority of the members of a chamber are present. This means at least 101 of 200 members in the National Council, at least 24 of 46 members in the Council of States. This presence quorum applies to all deliberations, regardless of the significance of the business.\n\n**N. 7** According to doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N. 1665), \"present\" means physical presence in the chamber hall. Representation is not permitted. In practice, attendance is controlled by electronic presence recording. The chamber presidencies only establish quorum upon request (Art. 58 para. 2 ParlA).\n\n#### 3.2 Voting Majority (Para. 2)\n\n**N. 8** Ordinary decision-making takes place with the majority of those voting (simple majority). Abstentions and invalid votes are not counted. In case of a tie, the president has the casting vote (Art. 73 ParlA).\n\n**N. 9** The formulation \"in both chambers and in the United Federal Assembly\" clarifies that the majority principle applies both to separate deliberations and to joint sessions. This particularly concerns elections by the United Federal Assembly (→ Art. 157 BV).\n\n#### 3.3 Qualified Majorities (Para. 3)\n\n**N. 10** For certain decisions, the constitution requires the consent of the majority of the members of each chamber (absolute majority). This means at least 101 votes in the National Council, at least 24 in the Council of States, regardless of the number of those present.\n\n**N. 11** The **declaration of urgency for federal acts** (lit. a) enables immediate entry into force before the expiry of the referendum period. The Federal Supreme Court has held that the urgency clause is to be interpreted restrictively, as it restricts the referendum rights of the electorate (**BGE 147 I 420** E. 4.2). The material requirements for urgency are regulated in → Art. 165 BV.\n\n**N. 12** The **financial thresholds** (lit. b) amount to 20 million francs for one-time and 2 million francs for recurring expenditure. \"New\" expenditure means that which is not already provided for in an act or a generally binding federal decree. The decisive factor is the total sum of a credit, not individual tranches (Sägesser, BSK BV, Art. 159 N. 18).\n\n**N. 13** The **increase in total expenditure in case of extraordinary financial requirements** (lit. c) refers to → Art. 126 para. 3 BV (debt brake). This provision allows exceeding the expenditure ceiling in extraordinary situations (severe recession, natural disasters).\n\n#### 3.4 Indexation (Para. 4)\n\n**N. 14** The Federal Assembly can adjust the financial thresholds to inflation by ordinance. This constitutes an exception to the principle that constitutional provisions can only be modified through constitutional amendment. The delegation is narrowly limited to a purely mathematical inflation adjustment (Biaggini, Kommentar BV, Art. 159 N. 11).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** Decisions made without the required quorum are void. In case of violation of the presence quorum (para. 1), however, the quorum can only be challenged if a corresponding motion was made before the vote (Art. 58 para. 2 ParlA).\n\n**N. 16** Violation of the qualified majority requirements (para. 3) leads to rejection of the motion. Subsequent \"healing\" through a new vote is not possible; the business must be resubmitted.\n\n**N. 17** Parliamentary acts generally cannot be challenged before the Federal Supreme Court according to → Art. 189 para. 4 BV. An exception exists for serious procedural errors that can be challenged as arbitrary within the framework of an abstract review of norms (**BGE 133 I 178** E. 3.2).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 18** It is disputed whether quorum is to be assessed according to the same criteria for electronic or hybrid sessions. **Ehrenzeller** (St. Galler Kommentar, Art. 159 N. 5) takes the position that \"presence\" presupposes physical presence. **Graf** (Die Organisation der Bundesversammlung, p. 234) advocates for a functional interpretation that also encompasses virtual participation, provided that the identity of participants is unquestionably established and equivalent participation is guaranteed.\n\n**N. 19** The scope of inflation adjustment according to para. 4 is also discussed controversially. **Sägesser** (BSK BV, Art. 159 N. 22) interprets the competence narrowly and allows only adjustment to the national consumer price index. **Vallender** (St. Galler Kommentar, Art. 159 N. 12) considers a certain flexibility permissible, such as the use of specific sub-indices.\n\n### 6. Practical Notes\n\n**N. 20** Motions to establish quorum are tactical instruments of the parliamentary opposition. They must be made before the start of the vote and lead to interruption of proceedings until the quorum is reached.\n\n**N. 21** For financial proposals, it should be examined early whether the threshold values according to para. 3 lit. b are reached. The decisive factor is the total sum over the entire commitment period. Dividing into annual tranches to circumvent the qualified majority is inadmissible.\n\n**N. 22** The declaration of urgency should be used with restraint. While the Federal Supreme Court does not directly review parliamentary acts, the restrictive interpretation of urgency can be relevant in the later application of the act.\n\n**N. 23** For the practice of the United Federal Assembly, it should be noted that no faction declarations are made there and votes are generally secret (Art. 71 para. 2 ParlA). The absolute majority amounts to 124 votes.", "caselaw_en": "# Art. 159 BV\n\n## Case Law\n\n### Declaration of urgency for federal acts\n\n**BGE 147 I 420** of 11 March 2021\nThe urgency clause must be interpreted restrictively, as it limits the referendum rights of voters.\nThe Federal Court examines the requirements for urgency declarations at the cantonal level, with the principles applying analogously to federal law.\n\n> «The declaration of urgency limits the referendum rights of voters; the urgency clause must be interpreted restrictively. (...) Compelling extraordinary grounds exist that justify a declaration of urgency when an important matter is affected in view of the significantly endangered health of voters in the conduct of municipal assemblies.»\n\n**Judgment 1C_529/2022** of 31 October 2022\nThe Federal Court does not consider voting rights appeals against federal acts declared urgent.\nThe appeal against the Federal Act on Urgent Measures for Electricity Supply was dismissed as inadmissible.\n\n> «According to Art. 189 para. 4 Cst., acts of the Federal Assembly and the Federal Council cannot be challenged before the Federal Court, unless the law so provides. This also applies to appeals for violations of political rights.»\n\n### Parliamentary procedural guarantees\n\n**BGE 133 I 178** of 23 January 2007\nSerious procedural errors in the parliamentary legislative process can lead to the annulment of the enactment.\nThe non-observance of constitutional procedural provisions can be challenged as arbitrary.\n\n> «The disregard of the requirement for a second reading appears as a serious formal defect of the parliamentary legislative process, which, although for reasons of legal certainty cannot absolutely preclude the binding nature of the relevant enactment, must nonetheless - if it is challenged within the time limit with an available legal remedy - lead to its annulment.»\n\n**BGE 144 I 43** of 22 November 2017\nMembers of parliament may be legitimised to appeal when particularly affected in their parliamentary function.\nThe decision concerned the parliamentary right of initiative at the cantonal level.\n\n> «The ordinary members of the Grand Council have a particularly close relationship to the contested enactment - which grants parliamentary right of initiative to substitute members of the Grand Council and thereby changes the number of persons entitled to initiate a parliamentary procedure.»\n\n### Financial powers and thresholds\n\n**BGE 111 IA 284** of 29 May 1985\nQualified majority requirements in parliamentary procedures are constitutional.\nThe decision dealt with municipal initiatives requiring a two-thirds majority.\n\n> «The Municipal Council is competent to declare invalidity and a two-thirds majority is required for this. According to the legislation of the Canton of Zurich, no authority can intervene at the cantonal level if Parliament submits an individual initiative that is unlawful in content to the people for voting.»\n\n### Quorum and voting procedures\n\n**BGE 100 IA 1** of 23 January 1974\nParliamentary immunity and related procedural rules are structured differently.\nDecisions on the lifting of immunity are final.\n\n> «Parliamentary immunity is partly anchored in the cantonal constitution, partly in mere acts (e.g. Act on the Responsibility of Authorities and Officials, Code of Criminal Procedure, Rules of Procedure of the cantonal parliament). The scope of immunity also varies among the cantons.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_159", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 160, "article_suffix": "", "title": "Initiativrecht und Antragsrecht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 160 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 160 BV gibt den Mitgliedern des Parlaments und anderen wichtigen Akteuren das Recht, neue Gesetze und Änderungen vorschlagen zu können. Diese Bestimmung ist das Herzstück der parlamentarischen Demokratie in der Schweiz.\n\nAbsatz 1 regelt das Initiativrecht (Recht, neue Geschäfte zu lancieren). Berechtigt sind alle Nationalräte und Ständeräte einzeln, die Fraktionen (politische Parteien im Parlament), die parlamentarischen Kommissionen und alle 26 Kantone. Sie können beispielsweise eine parlamentarische Initiative einreichen, um ein neues Umweltschutzgesetz zu schaffen oder eine bestehende Steuerregelung zu ändern.\n\nAbsatz 2 gibt das Antragsrecht für bereits laufende Beratungen. Wenn das Parlament über ein Gesetz berät, können einzelne Ratsmitglieder und der Bundesrat Änderungsanträge stellen. So kann ein Nationalrat während der Beratung des Budgets beantragen, mehr Geld für die Bildung auszugeben.\n\nDie Rechtsfolgen sind klar: Das Parlament muss alle Initiativen behandeln und über alle Anträge abstimmen. Eine Verweigerung ist verfassungswidrig. Allerdings gibt es keine Garantie, dass der Vorschlag auch angenommen wird – das entscheidet das demokratische Verfahren.\n\nDiese Rechte stärken die Gewaltenteilung, indem sie sicherstellen, dass nicht nur der Bundesrat, sondern auch das Parlament aktiv Gesetze gestalten kann. Sie sind ein wichtiges Gegengewicht zur Regierung und ermöglichen es den gewählten Vertretern, die Anliegen ihrer Wähler direkt ins Parlament einzubringen.\n\nArt. 160 BV unterscheidet sich von den Volksrechten: Während Bürger Volksinitiativen lancieren können, regelt diese Bestimmung die internen Gestaltungsmöglichkeiten des Parlaments.", "doctrine_de": "# Art. 160 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Verankerung des parlamentarischen Initiativ- und Antragsrechts in Art. 160 BV erfolgte im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Norm führte die seit 1848 bestehende parlamentarische Praxis in die neue Verfassung über und kodifizierte damit etablierte demokratische Mitwirkungsrechte (BBl 1997 I 1, 404). Der Verfassungsgeber wollte die parlamentarischen Instrumente zur Politikgestaltung ausdrücklich auf Verfassungsstufe verankern und damit ihre fundamentale Bedeutung für das schweizerische Parlamentssystem unterstreichen.\n\n**N. 2** Die Unterscheidung zwischen Initiativrecht (Abs. 1) und Antragsrecht (Abs. 2) war bereits in der alten Bundesverfassung angelegt und wurde bei der Nachführung bewusst beibehalten. Während das Initiativrecht die Lancierung neuer Geschäfte ermöglicht, bezieht sich das Antragsrecht auf die Mitgestaltung bereits hängiger Beratungen. Diese Zweiteilung spiegelt die verschiedenen Phasen des parlamentarischen Gesetzgebungsprozesses wider.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 160 BV steht im 2. Kapitel des 5. Titels über die Bundesbehörden und ist Teil der Bestimmungen über die Bundesversammlung (Art. 148–173 BV). Die Norm bildet zusammen mit → Art. 161 BV (Instruktionsverbot) und → Art. 162 BV (Immunität) die verfassungsrechtliche Grundlage für die Unabhängigkeit der parlamentarischen Tätigkeit. Im Kontext des Gewaltenteilungsprinzips (→ Art. 144 BV) sichert Art. 160 BV die legislative Initiativkompetenz gegenüber der Exekutive.\n\n**N. 4** Die Ausführungsbestimmungen finden sich im Parlamentsgesetz (ParlG, SR 171.10), insbesondere in den Art. 107–136 ParlG für parlamentarische Initiativen, Motionen und Postulate. Das Verhältnis zu den politischen Rechten der Stimmbürger (→ Art. 136–142 BV) ist komplementär: Während die Volksinitiative direkt vom Volk ausgeht, ermöglicht Art. 160 BV den gewählten Vertretern und institutionellen Akteuren die Initiierung von Gesetzgebungsprozessen.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Initiativberechtigte (Abs. 1):** Der Kreis der Initiativberechtigten umfasst vier Kategorien:\n- Jedes einzelne Ratsmitglied (Einzelinitiative)\n- Jede Fraktion als parlamentarischer Zusammenschluss (Fraktionsinitiative)  \n- Jede parlamentarische Kommission (Kommissionsinitiative)\n- Jeder Kanton (Standesinitiative)\n\nDas Initiativrecht steht diesen Akteuren selbständig und unabhängig voneinander zu. Eine Mindestanzahl von Unterstützern ist verfassungsrechtlich nicht vorgeschrieben, kann aber reglementarisch geregelt werden.\n\n**N. 6** **Antragsberechtigte (Abs. 2):** Das Antragsrecht zu hängigen Geschäften steht nur zwei Kategorien zu:\n- Den Ratsmitgliedern\n- Dem Bundesrat als Kollegium\n\nBemerkenswert ist, dass Fraktionen, Kommissionen und Kantone kein verfassungsrechtliches Antragsrecht haben. Der Bundesrat erhält durch Abs. 2 eine privilegierte Stellung im Gesetzgebungsverfahren, obwohl er kein Initiativrecht nach Abs. 1 besitzt.\n\n**N. 7** **Gegenstand:** Die \"Initiativen\" im Sinne von Abs. 1 umfassen nach herrschender Lehre alle parlamentarischen Vorstösse, die auf die Schaffung, Änderung oder Aufhebung von Bundesrecht abzielen (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 160 N. 8). Der Begriff ist weit zu verstehen und erfasst parlamentarische Initiativen im engeren Sinn, aber auch Motionen und Postulate.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Das Initiativrecht begründet einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf formelle Behandlung des Vorstosses im parlamentarischen Verfahren. Die Räte sind verpflichtet, über eingereichte Initiativen zu beraten und zu beschliessen. Eine Verweigerung der Behandlung würde das verfassungsmässige Recht verletzen.\n\n**N. 9** Das Antragsrecht gewährleistet die Möglichkeit zur konkreten Einflussnahme auf den Inhalt von Vorlagen während der parlamentarischen Beratung. Anträge können auf Änderung, Ergänzung, Streichung oder Rückweisung gerichtet sein. Der Rat muss über gestellte Anträge abstimmen; eine Nichtbehandlung ist unzulässig.\n\n**N. 10** Die Ausübung der Rechte nach Art. 160 BV unterliegt der parlamentarischen Autonomie und ist grundsätzlich nicht justiziabel. Wie das Bundesgericht in **BGE 146 I 145 E. 4.3** festhält, sind politische Gestaltungsanliegen primär über diese demokratischen Mitwirkungsrechte und nicht über den Rechtsschutzweg einzubringen.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Reichweite des kantonalen Initiativrechts:** Umstritten ist die genaue Tragweite der Standesinitiative. Während Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1685) eine weite Auslegung vertreten, die auch allgemeinpolitische Anliegen umfasst, plädiert eine restriktivere Auffassung für eine Beschränkung auf föderalistische Anliegen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 13 N 34). Die Praxis zeigt jedoch, dass Standesinitiativen thematisch breit gefächert sind.\n\n**N. 12** **Verhältnis zum Initiativrecht des Bundesrates:** Kontrovers diskutiert wird, ob dem Bundesrat ein faktisches Initiativrecht zusteht, obwohl er in Abs. 1 nicht genannt wird. Die herrschende Lehre bejaht dies unter Verweis auf Art. 181 BV (Initiativrecht des Bundesrates), womit Art. 160 Abs. 1 BV nicht abschliessend sei (BSK BV-Sägesser, 2. Aufl. 2024, Art. 160 N 15). Eine Mindermeinung sieht in der Nichtnennung eine bewusste Entscheidung des Verfassungsgebers.\n\n**N. 13** **Grenzen des Antragsrechts:** Streitig ist, inwieweit das Antragsrecht durch das Gebot der Sachbezogenheit begrenzt wird. Während Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 23 N 18) für strenge Anforderungen an den Sachzusammenhang plädieren, vertritt die parlamentarische Praxis eine grosszügigere Handhabung, solange ein minimaler thematischer Bezug besteht.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Für die Ausübung des Initiativrechts sind die reglementarischen Fristen und Formvorschriften zu beachten. Parlamentarische Initiativen bedürfen der Schriftform und einer Begründung (Art. 107 Abs. 2 ParlG). Standesinitiativen müssen vom zuständigen kantonalen Organ beschlossen werden; die blosse Einreichung durch die Kantonsregierung genügt nicht.\n\n**N. 15** Anträge im Ratsplenum können grundsätzlich mündlich gestellt werden, bei komplexeren Änderungsanträgen empfiehlt sich jedoch die Schriftform. Der strategische Zeitpunkt der Antragstellung kann entscheidend sein: Anträge in der Detailberatung haben oft grössere Erfolgschancen als solche in der Eintretensdebatte.\n\n**N. 16** Die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Instrumenten (parlamentarische Initiative, Motion, Postulat) folgt ihrer unterschiedlichen Verbindlichkeit. Während die parlamentarische Initiative direkt auf einen Erlassentwurf zielt, beauftragen Motion und Postulat den Bundesrat mit der Ausarbeitung einer Vorlage. Die Wahl des Instruments sollte sich nach dem angestrebten Ziel und dem politischen Kontext richten.", "caselaw_de": "# Art. 160 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Demokratische Mitwirkungsrechte als Alternative zum Rechtsschutz\n\n**BGE 146 I 145 E. 4.3** vom 5. Mai 2020  \nParlamentarisches Initiativ- und Antragsrecht als demokratisches Instrument zur politischen Gestaltung. Das Bundesgericht hält fest, dass Anträge auf eine bestimmte Gestaltung aktueller Politikbereiche grundsätzlich über demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten einzubringen sind, nicht über den Rechtsschutzweg.\n\n> «Anträge auf eine bestimmte Gestaltung aktueller Politikbereiche können nach dem schweizerischen Verfassungsrecht grundsätzlich auf dem Weg der demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten eingebracht werden. Zu diesem Zweck stehen namentlich die politischen Rechte, die auch die Wahl der Eidgenössischen Räte umfassen, nach Massgabe der Art. 34 und 136 BV zur Verfügung. (...) Hinzuweisen ist ferner auf das Initiativ- und Antragsrecht der Mitglieder der Eidgenössischen Räte, der Fraktionen, parlamentarischen Kommissionen und Kantone nach Art. 160 Abs. 1 BV sowie das Antragsrecht der Ratsmitglieder und des Bundesrats zu einem in Beratung stehenden Geschäft (Art. 160 Abs. 2 BV).»\n\n**Urteil 1C_37/2019 vom 5. Mai 2020 E. 4.3**  \nBestätigung der vorinstanzlichen Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Rechtsschutz und demokratischen Mitwirkungsrechten. Das Bundesgericht verweist auf Art. 160 BV als Instrument zur Durchsetzung politischer Anliegen ausserhalb des gerichtlichen Rechtsschutzes.\n\nDie Bedeutung von Art. 160 BV liegt darin, dass er den verfassungsrechtlichen Rahmen für die parlamentarische Gestaltungsmacht schafft und gleichzeitig die Grenzen des individuellen Rechtsschutzes mitbestimmt.\n\n### Praktische Anwendung in der Parlamentsarbeit\n\nDie umfangreiche parlamentarische Praxis zeigt die vielfältige Anwendung von Art. 160 BV durch parlamentarische Initiativen und Motionen verschiedener Initianten (Ratsmitglieder, Fraktionen, Kommissionen, Kantone). Die Rechtsprechung beschränkt sich dabei auf die Abgrenzungsfragen zur Justiziabilität, während die Ausübung der parlamentarischen Rechte selbst der parlamentarischen Autonomie unterliegt.", "summary_fr": "# Art. 160 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 160 Cst. donne aux membres du Parlement et à d'autres acteurs importants le droit de proposer de nouvelles lois et des modifications. Cette disposition constitue le cœur de la démocratie parlementaire en Suisse.\n\nL'alinéa 1 règle le droit d'initiative (droit de lancer de nouvelles affaires). Sont habilités tous les conseillers nationaux et aux États individuellement, les groupes (partis politiques au Parlement), les commissions parlementaires et les 26 cantons. Ils peuvent par exemple déposer une initiative parlementaire pour créer une nouvelle loi sur la protection de l'environnement ou modifier une réglementation fiscale existante.\n\nL'alinéa 2 accorde le droit de proposition pour les délibérations déjà en cours. Lorsque le Parlement délibère sur une loi, les membres individuels des conseils et le Conseil fédéral peuvent présenter des propositions de modification. Ainsi, un conseiller national peut proposer, lors des délibérations budgétaires, d'allouer davantage d'argent à l'éducation.\n\nLes conséquences juridiques sont claires : le Parlement doit traiter toutes les initiatives et voter sur toutes les propositions. Un refus est anticonstitutionnel. Toutefois, il n'y a aucune garantie que la proposition sera également acceptée – c'est la procédure démocratique qui en décide.\n\nCes droits renforcent la séparation des pouvoirs en garantissant que non seulement le Conseil fédéral, mais aussi le Parlement peut activement façonner les lois. Ils constituent un important contrepoids au gouvernement et permettent aux représentants élus d'apporter directement au Parlement les préoccupations de leurs électeurs.\n\nL'art. 160 Cst. se distingue des droits populaires : alors que les citoyens peuvent lancer des initiatives populaires, cette disposition règle les possibilités internes de configuration du Parlement.", "doctrine_fr": "# Art. 160 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'ancrage du droit d'initiative et de proposition parlementaires à l'art. 160 Cst. s'est effectué dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La norme a transposé dans la nouvelle constitution la pratique parlementaire existant depuis 1848 et codifié ainsi les droits de participation démocratique établis (FF 1997 I 1, 404). Le constituant voulait ancrer expressément au niveau constitutionnel les instruments parlementaires de formation de la politique et souligner ainsi leur importance fondamentale pour le système parlementaire suisse.\n\n**N. 2** La distinction entre le droit d'initiative (al. 1) et le droit de proposition (al. 2) était déjà présente dans l'ancienne Constitution fédérale et a été consciemment maintenue lors de la mise à jour. Tandis que le droit d'initiative permet le lancement de nouvelles affaires, le droit de proposition se rapporte à la participation à la formation d'affaires déjà pendantes. Cette division reflète les différentes phases du processus législatif parlementaire.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 160 Cst. se trouve dans le 2e chapitre du 5e titre sur les autorités fédérales et fait partie des dispositions sur l'Assemblée fédérale (art. 148–173 Cst.). La norme forme avec → l'art. 161 Cst. (interdiction du mandat impératif) et → l'art. 162 Cst. (immunité) la base constitutionnelle de l'indépendance de l'activité parlementaire. Dans le contexte du principe de la séparation des pouvoirs (→ art. 144 Cst.), l'art. 160 Cst. assure la compétence d'initiative législative face à l'exécutif.\n\n**N. 4** Les dispositions d'exécution se trouvent dans la loi sur le Parlement (LParl, RS 171.10), notamment dans les art. 107–136 LParl pour les initiatives parlementaires, les motions et les postulats. Le rapport aux droits politiques des citoyens (→ art. 136–142 Cst.) est complémentaire : tandis que l'initiative populaire émane directement du peuple, l'art. 160 Cst. permet aux représentants élus et aux acteurs institutionnels d'initier des processus législatifs.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Ayants droit à l'initiative (al. 1) :** Le cercle des ayants droit à l'initiative comprend quatre catégories :\n- Chaque membre individuel des conseils (initiative individuelle)\n- Chaque groupe parlementaire en tant que regroupement parlementaire (initiative de groupe)\n- Chaque commission parlementaire (initiative de commission)\n- Chaque canton (initiative cantonale)\n\nLe droit d'initiative appartient à ces acteurs de manière indépendante et autonome les uns par rapport aux autres. Un nombre minimum de soutiens n'est pas prescrit par le droit constitutionnel, mais peut être réglé par voie réglementaire.\n\n**N. 6** **Ayants droit à la proposition (al. 2) :** Le droit de proposition sur les affaires pendantes n'appartient qu'à deux catégories :\n- Aux membres des conseils\n- Au Conseil fédéral en tant que collège\n\nIl est remarquable que les groupes, les commissions et les cantons n'ont pas de droit de proposition constitutionnel. Le Conseil fédéral obtient par l'al. 2 une position privilégiée dans la procédure législative, bien qu'il ne possède pas de droit d'initiative selon l'al. 1.\n\n**N. 7** **Objet :** Les « initiatives » au sens de l'al. 1 comprennent selon la doctrine dominante toutes les interventions parlementaires qui visent à créer, modifier ou abroger le droit fédéral (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 160 N. 8). Le concept doit être compris largement et englobe les initiatives parlementaires au sens strict, mais aussi les motions et les postulats.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** Le droit d'initiative fonde une prétention constitutionnelle au traitement formel de l'intervention dans la procédure parlementaire. Les conseils sont tenus de délibérer et de décider sur les initiatives déposées. Un refus de traitement violerait le droit constitutionnel.\n\n**N. 9** Le droit de proposition garantit la possibilité d'influence concrète sur le contenu des projets durant la délibération parlementaire. Les propositions peuvent viser la modification, le complément, la suppression ou le renvoi. Le conseil doit voter sur les propositions présentées ; un non-traitement est inadmissible.\n\n**N. 10** L'exercice des droits selon l'art. 160 Cst. est soumis à l'autonomie parlementaire et n'est en principe pas justiciable. Comme le Tribunal fédéral le constate dans l'**ATF 146 I 145 c. 4.3**, les préoccupations de formation politique doivent être introduites prioritairement par ces droits de participation démocratique et non par la voie de la protection juridique.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Portée du droit d'initiative cantonal :** La portée exacte de l'initiative cantonale est controversée. Tandis que Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1685) défendent une interprétation large qui comprend aussi les préoccupations de politique générale, une conception plus restrictive plaide pour une limitation aux préoccupations fédéralistes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 13 N 34). La pratique montre cependant que les initiatives cantonales sont thématiquement diversifiées.\n\n**N. 12** **Rapport au droit d'initiative du Conseil fédéral :** Il est controversé de savoir si le Conseil fédéral dispose d'un droit d'initiative de fait, bien qu'il ne soit pas mentionné à l'al. 1. La doctrine dominante l'affirme en se référant à l'art. 181 Cst. (droit d'initiative du Conseil fédéral), de sorte que l'art. 160 al. 1 Cst. ne serait pas exhaustif (BSK BV-Sägesser, 2e éd. 2024, art. 160 N 15). Une opinion minoritaire voit dans cette non-mention une décision consciente du constituant.\n\n**N. 13** **Limites du droit de proposition :** Il est controversé de savoir dans quelle mesure le droit de proposition est limité par l'exigence de pertinence matérielle. Tandis que Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 23 N 18) plaident pour des exigences strictes quant au lien matériel, la pratique parlementaire adopte une application plus généreuse, tant qu'un lien thématique minimal existe.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Pour l'exercice du droit d'initiative, les délais et formes réglementaires sont à observer. Les initiatives parlementaires nécessitent la forme écrite et une motivation (art. 107 al. 2 LParl). Les initiatives cantonales doivent être décidées par l'organe cantonal compétent ; le simple dépôt par le gouvernement cantonal ne suffit pas.\n\n**N. 15** Les propositions en plénum peuvent en principe être présentées oralement, mais pour des propositions de modification complexes, la forme écrite est recommandée. Le moment stratégique de la présentation de la proposition peut être décisif : les propositions lors de l'examen de détail ont souvent de meilleures chances de succès que celles lors du débat d'entrée en matière.\n\n**N. 16** La délimitation entre les différents instruments (initiative parlementaire, motion, postulat) suit leur caractère contraignant différent. Tandis que l'initiative parlementaire vise directement un projet d'acte, la motion et le postulat chargent le Conseil fédéral d'élaborer un projet. Le choix de l'instrument devrait se fonder sur l'objectif visé et le contexte politique.", "caselaw_fr": "# Art. 160 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Droits de participation démocratique comme alternative à la protection juridictionnelle\n\n**ATF 146 I 145 consid. 4.3** du 5 mai 2020  \nDroit d'initiative et de motion parlementaires comme instrument démocratique de participation politique. Le Tribunal fédéral établit que les demandes portant sur l'aménagement de domaines politiques actuels doivent en principe être introduites par la voie des possibilités de participation démocratique, et non par la voie de la protection juridictionnelle.\n\n> « Les demandes portant sur un aménagement déterminé de domaines politiques actuels peuvent en principe être introduites, selon le droit constitutionnel suisse, par la voie des possibilités de participation démocratique. À cette fin, les droits politiques, qui comprennent aussi l'élection des Conseils fédéraux, sont à disposition conformément aux art. 34 et 136 Cst. (...) Il convient de mentionner en outre le droit d'initiative et de motion des membres des Conseils fédéraux, des groupes, des commissions parlementaires et des cantons selon l'art. 160 al. 1 Cst. ainsi que le droit de motion des membres des conseils et du Conseil fédéral sur une affaire en délibération (art. 160 al. 2 Cst.). »\n\n**Arrêt 1C_37/2019 du 5 mai 2020 consid. 4.3**  \nConfirmation de la jurisprudence de l'instance précédente sur la délimitation entre protection juridictionnelle et droits de participation démocratique. Le Tribunal fédéral renvoie à l'art. 160 Cst. comme instrument de mise en œuvre de préoccupations politiques en dehors de la protection juridictionnelle judiciaire.\n\nL'importance de l'art. 160 Cst. réside dans le fait qu'il crée le cadre constitutionnel du pouvoir de structuration parlementaire et détermine en même temps les limites de la protection juridictionnelle individuelle.\n\n### Application pratique dans le travail parlementaire\n\nLa pratique parlementaire étendue montre l'application diversifiée de l'art. 160 Cst. par des initiatives parlementaires et des motions de différents initiateurs (membres des conseils, groupes, commissions, cantons). La jurisprudence se limite aux questions de délimitation relatives à la justiciabilité, tandis que l'exercice des droits parlementaires eux-mêmes relève de l'autonomie parlementaire.", "summary_it": "# Art. 160 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 160 Cost. conferisce ai membri del Parlamento e ad altri importanti attori il diritto di proporre nuove leggi e modifiche. Questa disposizione è il cuore della democrazia parlamentare in Svizzera.\n\nIl capoverso 1 disciplina il diritto di iniziativa (diritto di lanciare nuovi affari). Ne sono titolari tutti i consiglieri nazionali e ai Stati individualmente, i gruppi parlamentari (partiti politici in Parlamento), le commissioni parlamentari e tutti i 26 Cantoni. Essi possono ad esempio presentare un'iniziativa parlamentare per creare una nuova legge sulla protezione dell'ambiente o per modificare una regolamentazione fiscale esistente.\n\nIl capoverso 2 conferisce il diritto di proposta per le deliberazioni già in corso. Quando il Parlamento delibera su una legge, i singoli membri dei Consigli e il Consiglio federale possono presentare proposte di modifica. Così un consigliere nazionale può proporre, durante la deliberazione sul preventivo, di destinare più denaro all'educazione.\n\nLe conseguenze giuridiche sono chiare: il Parlamento deve trattare tutte le iniziative e votare su tutte le proposte. Un rifiuto è incostituzionale. Tuttavia non vi è alcuna garanzia che la proposta venga anche accettata – ciò dipende dal procedimento democratico.\n\nQuesti diritti rafforzano la separazione dei poteri, assicurando che non solo il Consiglio federale, ma anche il Parlamento possa attivamente plasmare le leggi. Essi costituiscono un importante contrappeso al governo e permettono ai rappresentanti eletti di portare direttamente in Parlamento le preoccupazioni dei loro elettori.\n\nL'art. 160 Cost. si distingue dai diritti popolari: mentre i cittadini possono lanciare iniziative popolari, questa disposizione disciplina le possibilità di configurazione interne del Parlamento.", "doctrine_it": "# Art. 160 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'ancoraggio del diritto parlamentare di iniziativa e di proposta nell'art. 160 Cost. è avvenuto nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La norma ha trasferito nella nuova Costituzione la prassi parlamentare esistente dal 1848 e ha così codificato diritti democratici di partecipazione consolidati (FF 1997 I 1, 404). Il costituente ha voluto ancorare espressamente a livello costituzionale gli strumenti parlamentari per la formazione delle politiche e sottolineare così la loro importanza fondamentale per il sistema parlamentare svizzero.\n\n**N. 2** La distinzione tra diritto di iniziativa (cpv. 1) e diritto di proposta (cpv. 2) era già delineata nella vecchia Costituzione federale e fu deliberatamente mantenuta nell'aggiornamento. Mentre il diritto di iniziativa permette il lancio di nuovi affari, il diritto di proposta si riferisce alla partecipazione nella formazione di deliberazioni già pendenti. Questa bipartizione riflette le diverse fasi del processo legislativo parlamentare.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 160 Cost. si trova nel 2° capitolo del 5° titolo sui Poteri federali ed è parte delle disposizioni sull'Assemblea federale (art. 148–173 Cost.). La norma forma, insieme all'→ art. 161 Cost. (Divieto di istruzioni) e all'→ art. 162 Cost. (Immunità), il fondamento costituzionale per l'indipendenza dell'attività parlamentare. Nel contesto del principio di separazione dei poteri (→ art. 144 Cost.), l'art. 160 Cost. assicura la competenza d'iniziativa legislativa nei confronti dell'esecutivo.\n\n**N. 4** Le disposizioni d'esecuzione si trovano nella Legge sul Parlamento (LParl, RS 171.10), in particolare negli art. 107–136 LParl per le iniziative parlamentari, le mozioni e i postulati. Il rapporto con i diritti politici dei cittavini (→ art. 136–142 Cost.) è complementare: mentre l'iniziativa popolare emana direttamente dal popolo, l'art. 160 Cost. permette ai rappresentanti eletti e agli attori istituzionali di avviare processi legislativi.\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Aventi diritto di iniziativa (cpv. 1):** La cerchia degli aventi diritto di iniziativa comprende quattro categorie:\n- Ogni singolo membro del Consiglio (iniziativa individuale)\n- Ogni gruppo parlamentare come raggruppamento parlamentare (iniziativa di gruppo)  \n- Ogni commissione parlamentare (iniziativa di commissione)\n- Ogni Cantone (iniziativa cantonale)\n\nIl diritto di iniziativa spetta a questi attori autonomamente e indipendentemente gli uni dagli altri. Un numero minimo di sostenitori non è prescritto a livello costituzionale, ma può essere disciplinato regolamentarmente.\n\n**N. 6** **Aventi diritto di proposta (cpv. 2):** Il diritto di proposta per gli affari pendenti spetta solo a due categorie:\n- Ai membri del Consiglio\n- Al Consiglio federale come collegio\n\nÈ degno di nota che i gruppi, le commissioni e i Cantoni non hanno un diritto di proposta costituzionale. Il Consiglio federale ottiene attraverso il cpv. 2 una posizione privilegiata nel procedimento legislativo, benché non possieda un diritto di iniziativa secondo il cpv. 1.\n\n**N. 7** **Oggetto:** Le \"iniziative\" nel senso del cpv. 1 comprendono secondo la dottrina dominante tutti gli interventi parlamentari che mirano alla creazione, modifica o abrogazione del diritto federale (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo alla Cost., 4ª ed. 2023, art. 160 n. 8). Il concetto è da intendere ampiamente e comprende le iniziative parlamentari in senso stretto, ma anche mozioni e postulati.\n\n### 4. Effetti giuridici\n\n**N. 8** Il diritto di iniziativa fonda una pretesa costituzionale al trattamento formale dell'intervento nel procedimento parlamentare. I Consigli sono obbligati a deliberare sulle iniziative presentate e a decidere su di esse. Un rifiuto del trattamento violerebbe il diritto costituzionale.\n\n**N. 9** Il diritto di proposta garantisce la possibilità di influenza concreta sul contenuto dei progetti durante la deliberazione parlamentare. Le proposte possono essere dirette a modifiche, integrazioni, soppressioni o rinvii. Il Consiglio deve votare sulle proposte presentate; un non-trattamento è inammissibile.\n\n**N. 10** L'esercizio dei diritti secondo l'art. 160 Cost. è sottoposto all'autonomia parlamentare e in linea di principio non è giustiziale. Come stabilisce il Tribunale federale in **DTF 146 I 145 consid. 4.3**, le istanze di politica gestionale sono da presentare primariamente attraverso questi diritti democratici di partecipazione e non attraverso la via della tutela giuridica.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Portata del diritto cantonale di iniziativa:** La portata esatta dell'iniziativa cantonale è controversa. Mentre Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto dello Stato federale, 10ª ed. 2020, n. 1685) sostengono un'interpretazione ampia che comprende anche istanze di politica generale, una concezione più restrittiva propende per una limitazione alle istanze federalistiche (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale, 3ª ed. 2016, § 13 n. 34). La prassi mostra tuttavia che le iniziative cantonali sono tematicamente diversificate.\n\n**N. 12** **Rapporto con il diritto di iniziativa del Consiglio federale:** Si discute in modo controverso se il Consiglio federale abbia un diritto di iniziativa di fatto, benché non sia menzionato nel cpv. 1. La dottrina dominante lo afferma facendo riferimento all'art. 181 Cost. (Diritto di iniziativa del Consiglio federale), per cui l'art. 160 cpv. 1 Cost. non sarebbe esaustivo (BSK Cost.-Sägesser, 2ª ed. 2024, art. 160 n. 15). Un'opinione minoritaria vede nella non-menzione una decisione conscia del costituente.\n\n**N. 13** **Limiti del diritto di proposta:** È controverso fino a che punto il diritto di proposta sia limitato dal precetto della pertinenza materiale. Mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Diritto amministrativo generale, 4ª ed. 2014, § 23 n. 18) propendono per requisiti rigorosi quanto al nesso materiale, la prassi parlamentare rappresenta una gestione più generosa, finché sussiste un riferimento tematico minimo.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Per l'esercizio del diritto di iniziativa sono da osservare i termini regolamentari e i requisiti di forma. Le iniziative parlamentari necessitano della forma scritta e di una motivazione (art. 107 cpv. 2 LParl). Le iniziative cantonali devono essere decise dall'organo cantonale competente; la mera presentazione da parte del governo cantonale non è sufficiente.\n\n**N. 15** Le proposte nel plenum del Consiglio possono in linea di principio essere presentate oralmente, ma per proposte di modifica complesse si raccomanda la forma scritta. Il momento strategico della presentazione della proposta può essere decisivo: le proposte nella discussione per articoli hanno spesso maggiori possibilità di successo di quelle nel dibattito d'entrata in materia.\n\n**N. 16** La delimitazione tra i diversi strumenti (iniziativa parlamentare, mozione, postulato) segue la loro diversa vincolatività. Mentre l'iniziativa parlamentare mira direttamente a un progetto di atto, mozione e postulato incaricano il Consiglio federale dell'elaborazione di un progetto. La scelta dello strumento dovrebbe orientarsi secondo l'obiettivo perseguito e il contesto politico.", "caselaw_it": "# Art. 160 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Diritti di partecipazione democratica come alternativa alla tutela giurisdizionale\n\n**DTF 146 I 145 consid. 4.3** del 5 maggio 2020  \nDiritto parlamentare di iniziativa e di proposta come strumento democratico per la configurazione politica. Il Tribunale federale stabilisce che le richieste concernenti una determinata configurazione di settori politici attuali devono essere presentate di principio attraverso le possibilità di partecipazione democratica, non attraverso la via della tutela giurisdizionale.\n\n> «Richieste concernenti una determinata configurazione di settori politici attuali possono, secondo il diritto costituzionale svizzero, essere presentate di principio attraverso le possibilità di partecipazione democratica. A tale scopo sono disponibili in particolare i diritti politici, che comprendono anche l'elezione delle Camere federali, secondo gli art. 34 e 136 Cost. (...) Va inoltre richiamato il diritto di iniziativa e di proposta dei membri delle Camere federali, dei gruppi parlamentari, delle commissioni parlamentari e dei Cantoni secondo l'art. 160 cpv. 1 Cost. nonché il diritto di proposta dei membri del Consiglio e del Consiglio federale relativo a un affare in discussione (art. 160 cpv. 2 Cost.).»\n\n**Sentenza 1C_37/2019 del 5 maggio 2020 consid. 4.3**  \nConferma della giurisprudenza di prima istanza sulla delimitazione tra tutela giurisdizionale e diritti di partecipazione democratica. Il Tribunale federale richiama l'art. 160 Cost. come strumento per l'attuazione di istanze politiche al di fuori della tutela giurisdizionale giudiziaria.\n\nL'importanza dell'art. 160 Cost. risiede nel fatto che esso crea il quadro costituzionale per il potere di configurazione parlamentare e al contempo determina i limiti della tutela giurisdizionale individuale.\n\n### Applicazione pratica nel lavoro parlamentare\n\nL'ampia prassi parlamentare mostra l'applicazione diversificata dell'art. 160 Cost. attraverso iniziative parlamentari e mozioni di vari iniziatori (membri del Consiglio, gruppi parlamentari, commissioni, Cantoni). La giurisprudenza si limita alle questioni di delimitazione riguardanti la giustiziabilità, mentre l'esercizio dei diritti parlamentari stessi è sottoposto all'autonomia parlamentare.", "summary_en": "# Art. 160 BV\n\n## Overview\n\nArt. 160 BV grants members of Parliament and other important actors the right to propose new laws and amendments. This provision is the cornerstone of parliamentary democracy in Switzerland.\n\nParagraph 1 governs the right of initiative (right to launch new business). Entitled are all National Councillors and Councillors of States individually, the parliamentary groups (political parties in Parliament), the parliamentary committees and all 26 cantons. They can, for example, submit a parliamentary initiative to create a new environmental protection law or to amend an existing tax regulation.\n\nParagraph 2 grants the right to propose amendments to ongoing deliberations. When Parliament deliberates on a law, individual council members and the Federal Council can submit motions for amendment. Thus a National Councillor can, during deliberations on the budget, move to allocate more money for education.\n\nThe legal consequences are clear: Parliament must consider all initiatives and vote on all motions. Refusal is unconstitutional. However, there is no guarantee that the proposal will be adopted – this is decided by the democratic process.\n\nThese rights strengthen the separation of powers by ensuring that not only the Federal Council, but also Parliament can actively shape laws. They are an important counterweight to the government and enable elected representatives to bring the concerns of their constituents directly into Parliament.\n\nArt. 160 BV differs from popular rights: While citizens can launch popular initiatives, this provision governs the internal design possibilities of Parliament.", "doctrine_en": "# Art. 160 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** The constitutional anchoring of parliamentary initiative and motion rights in Art. 160 FC was accomplished within the framework of the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision transferred parliamentary practice that had existed since 1848 into the new Constitution and thereby codified established democratic participation rights (BBl 1997 I 1, 404). The constitutional legislator sought to expressly anchor parliamentary instruments for policy-making at the constitutional level and thereby underscore their fundamental significance for the Swiss parliamentary system.\n\n**No. 2** The distinction between the right of initiative (para. 1) and the right of motion (para. 2) was already established in the old Federal Constitution and was deliberately maintained during the update. While the right of initiative enables the launching of new business, the right of motion relates to the co-shaping of proceedings already pending. This division reflects the different phases of the parliamentary legislative process.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 160 FC stands in Chapter 2 of Title 5 on the Federal Authorities and is part of the provisions on the Federal Assembly (Art. 148–173 FC). The provision forms, together with → Art. 161 FC (prohibition of instructions) and → Art. 162 FC (immunity), the constitutional foundation for the independence of parliamentary activity. In the context of the principle of separation of powers (→ Art. 144 FC), Art. 160 FC secures legislative initiative competence vis-à-vis the executive.\n\n**No. 4** The implementing provisions are found in the Parliament Act (ParlA, SR 171.10), particularly in Art. 107–136 ParlA for parliamentary initiatives, motions and postulates. The relationship to the political rights of citizens (→ Art. 136–142 FC) is complementary: While the popular initiative emanates directly from the people, Art. 160 FC enables elected representatives and institutional actors to initiate legislative processes.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**No. 5** **Entities entitled to initiative (para. 1):** The circle of entities entitled to initiative comprises four categories:\n- Each individual member of a council (individual initiative)\n- Each parliamentary group as a parliamentary association (parliamentary group initiative)  \n- Each parliamentary committee (committee initiative)\n- Each canton (cantonal initiative)\n\nThe right of initiative belongs to these actors independently and autonomously from each other. A minimum number of supporters is not prescribed by constitutional law, but may be regulated by statute.\n\n**No. 6** **Entities entitled to motion (para. 2):** The right of motion on pending business belongs to only two categories:\n- Members of councils\n- The Federal Council as a collegiate body\n\nIt is noteworthy that parliamentary groups, committees and cantons have no constitutional right of motion. The Federal Council receives a privileged position in the legislative procedure through para. 2, although it possesses no right of initiative under para. 1.\n\n**No. 7** **Subject matter:** The \"initiatives\" within the meaning of para. 1 encompass, according to prevailing doctrine, all parliamentary procedural requests that aim at the creation, amendment or repeal of federal law (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 160 No. 8). The term is to be understood broadly and covers parliamentary initiatives in the narrower sense, but also motions and postulates.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 8** The right of initiative establishes a constitutional claim to formal treatment of the procedural request in the parliamentary procedure. The councils are obligated to deliberate and decide on submitted initiatives. A refusal of treatment would violate the constitutional right.\n\n**No. 9** The right of motion guarantees the possibility of concrete influence on the content of drafts during parliamentary deliberation. Motions may be directed at amendment, supplementation, deletion or referral back. The council must vote on motions made; non-treatment is inadmissible.\n\n**No. 10** The exercise of rights under Art. 160 FC is subject to parliamentary autonomy and is fundamentally not justiciable. As the Federal Court holds in **BGE 146 I 145 E. 4.3**, political design concerns are to be raised primarily through these democratic participation rights and not through legal remedies.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**No. 11** **Scope of the cantonal right of initiative:** The exact scope of the cantonal initiative is disputed. While Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, No. 1685) advocate a broad interpretation that also includes general political concerns, a more restrictive view argues for limitation to federalist concerns (Rhinow/Schefer/Uebersax, Constitutional Law, 3rd ed. 2016, § 13 No. 34). Practice shows, however, that cantonal initiatives are thematically broad-ranging.\n\n**No. 12** **Relationship to the Federal Council's right of initiative:** Whether the Federal Council has a de facto right of initiative is controversially discussed, although it is not mentioned in para. 1. Prevailing doctrine affirms this with reference to Art. 181 FC (Federal Council's right of initiative), whereby Art. 160 para. 1 FC would not be exhaustive (BSK FC-Sägesser, 2nd ed. 2024, Art. 160 No. 15). A minority opinion sees in the non-mention a conscious decision by the constitutional legislator.\n\n**No. 13** **Limits of the right of motion:** It is disputed to what extent the right of motion is limited by the requirement of relevance to the subject matter. While Tschannen/Zimmerli/Müller (General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 23 No. 18) argue for strict requirements regarding substantive connection, parliamentary practice takes a more generous approach, as long as a minimal thematic connection exists.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**No. 14** For the exercise of the right of initiative, the statutory deadlines and formal requirements must be observed. Parliamentary initiatives require written form and justification (Art. 107 para. 2 ParlA). Cantonal initiatives must be decided by the competent cantonal body; mere submission by the cantonal government does not suffice.\n\n**No. 15** Motions in the council plenum can fundamentally be made orally, but for more complex amendment motions written form is recommended. The strategic timing of motion submission can be decisive: motions in detailed deliberation often have greater chances of success than those in the preliminary debate.\n\n**No. 16** The distinction between the various instruments (parliamentary initiative, motion, postulate) follows their different degrees of bindingness. While the parliamentary initiative aims directly at a draft enactment, motion and postulate instruct the Federal Council to prepare a draft. The choice of instrument should be guided by the intended goal and the political context.", "caselaw_en": "# Art. 160 Federal Constitution\n\n## Case Law\n\n### Democratic participation rights as alternative to legal protection\n\n**BGE 146 I 145 para. 4.3** of 5 May 2020  \nParliamentary right of initiative and motions as democratic instrument for political shaping. The Federal Supreme Court holds that applications for specific shaping of current policy areas are in principle to be submitted through democratic participation possibilities, not through the legal protection route.\n\n> «Applications for specific shaping of current policy areas can in principle be submitted under Swiss constitutional law through democratic participation possibilities. For this purpose, political rights are available in particular, which also include the election of the Federal Chambers, in accordance with Arts. 34 and 136 Federal Constitution. (...) Reference should also be made to the right of initiative and motions of members of the Federal Chambers, parliamentary groups, parliamentary committees and cantons under Art. 160 para. 1 Federal Constitution as well as the right of motions of Council members and the Federal Council regarding a matter under consideration (Art. 160 para. 2 Federal Constitution).»\n\n**Judgment 1C_37/2019 of 5 May 2020 para. 4.3**  \nConfirmation of the lower court's case law on the delimitation between legal protection and democratic participation rights. The Federal Supreme Court refers to Art. 160 Federal Constitution as an instrument for enforcing political concerns outside of judicial legal protection.\n\nThe significance of Art. 160 Federal Constitution lies in the fact that it creates the constitutional framework for parliamentary shaping power while simultaneously co-determining the limits of individual legal protection.\n\n### Practical application in parliamentary work\n\nThe extensive parliamentary practice shows the diverse application of Art. 160 Federal Constitution through parliamentary initiatives and motions by various initiators (Council members, parliamentary groups, committees, cantons). Case law thereby limits itself to delimitation questions regarding justiciability, while the exercise of parliamentary rights itself is subject to parliamentary autonomy.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_160", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 161, "article_suffix": "", "title": "Instruktionsverbot", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 161 BV regelt die Unabhängigkeit der Parlamentsmitglieder in der Bundesversammlung. Die Bestimmung enthält zwei wichtige Grundsätze: das freie Mandat und die Transparenzpflicht.\n\nDas freie Mandat (Abs. 1) bedeutet, dass National- und Ständeräte ihre Stimme ohne rechtliche Bindung an Weisungen abgeben. Sie sind niemandem Rechenschaft schuldig – weder ihrer Partei noch Verbänden oder Wählergruppen. Jedes Parlamentsmitglied entscheidet nach eigenem Gewissen und eigener Überzeugung. Beispiel: Ein SVP-Nationalrat kann für ein EU-Abkommen stimmen, obwohl seine Partei dagegen ist. Seine Partei kann ihn kritisieren, aber nicht rechtlich zwingen, anders zu stimmen.\n\nDie Transparenzpflicht (Abs. 2) verpflichtet alle Parlamentsmitglieder, ihre Interessenbindungen offenzulegen. Dazu gehören Verwaltungsratsmandate, Beratungsfunktionen, Beteiligungen an Unternehmen oder Mitgliedschaften in Interessenorganisationen. Diese Offenlegung ermöglicht der Öffentlichkeit, mögliche Interessenkonflikte zu erkennen. Beispiel: Ein Nationalrat muss angeben, wenn er im Verwaltungsrat einer Bank sitzt und über Bankregulierung abstimmt.\n\nDie beiden Grundsätze ergänzen sich: Das freie Mandat schützt vor unzulässigem Druck, die Transparenz schafft Vertrauen durch Offenheit. Verstösse gegen das freie Mandat sind rechtlich unwirksam. Wer seine Interessenbindungen verheimlicht, riskiert politische Konsequenzen und kann ordnungsrechtlich belangt werden.\n\nGrenzen bestehen bei bewusster Täuschung: Wer bereits vor der Wahl heimlich einen Parteiwechsel plant, verletzt die Rechte der Wählerinnen und Wähler.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 161 BV übernahm inhaltlich unverändert die Regelung von Art. 91 aBV. Die Bestimmung über das freie Mandat (Abs. 1) hat ihre Wurzeln in der demokratischen Tradition der Schweiz und wurde bereits in der Bundesverfassung von 1874 verankert. Die Offenlegungspflicht der Interessenbindungen (Abs. 2) wurde hingegen erst mit der Totalrevision von 1999 auf Verfassungsebene eingeführt (BBl 1997 I 1, 264 f.).\n\n**N. 2** Die Verankerung der Offenlegungspflicht erfolgte im Kontext der Diskussionen über mehr Transparenz im politischen System. Der Verfassungsgeber erkannte, dass die Unabhängigkeit der Parlamentsmitglieder (Abs. 1) durch die Offenlegung ihrer Interessenbindungen (Abs. 2) nicht eingeschränkt, sondern vielmehr gestärkt wird, indem potenzielle Interessenkonflikte für die Öffentlichkeit erkennbar werden (BBl 1997 I 265).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 161 BV steht im 3. Kapitel (Bundesversammlung) des 5. Titels (Bundesbehörden) und regelt die individuelle Stellung der Mitglieder der Bundesversammlung. Die Norm ergänzt die institutionellen Bestimmungen über die Bundesversammlung (Art. 148–160 BV) um personenbezogene Garantien.\n\n**N. 4** Die Bestimmung steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 34 BV (Politische Rechte), der das aktive und passive Wahlrecht garantiert\n- → Art. 144 BV (Unvereinbarkeiten), der die Unabhängigkeit durch Inkompatibilitätsregeln sichert\n- → Art. 149 BV (Wahl und Amtsdauer), der die demokratische Legitimation begründet\n- ↔ Art. 5 BV (Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns), insbesondere das Transparenzgebot\n\n**N. 5** Auf kantonaler Ebene finden sich parallele Bestimmungen zum freien Mandat in den meisten Kantonsverfassungen (z.B. Art. 52 Abs. 1 KV/ZH). Die Rechtsprechung zu Art. 161 Abs. 1 BV gilt analog für kantonale Parlamentarier (**BGE 135 I 19 E. 3.2**).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Freies Mandat (Abs. 1)\n\n**N. 6** Das freie Mandat bedeutet, dass Parlamentsmitglieder bei der Ausübung ihres Amtes rechtlich an keine Weisungen gebunden sind. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, nicht nur ihrer Wählerschaft oder Partei (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1495).\n\n**N. 7** Der Grundsatz umfasst drei Dimensionen:\n- **Rechtliche Ungebundenheit**: Keine bindenden Instruktionen von Parteien, Verbänden oder Wählern\n- **Gewissensfreiheit**: Entscheidung nach eigener Überzeugung\n- **Mandatsschutz**: Kein Mandatsentzug wegen Abstimmungsverhalten\n\n**N. 8** Die Weisungsunabhängigkeit gilt absolut für die Stimmabgabe im Parlament. Fraktionsdisziplin und parteiinterne Absprachen sind politische, nicht rechtliche Bindungen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2885).\n\n#### b) Offenlegung der Interessenbindungen (Abs. 2)\n\n**N. 9** Die Offenlegungspflicht erfasst alle wesentlichen Interessenbindungen, die das parlamentarische Handeln beeinflussen könnten. Dazu gehören insbesondere:\n- Berufliche Tätigkeiten und Mandate\n- Mitgliedschaften in Verwaltungs- und Aufsichtsräten\n- Dauerhafte Beratungsfunktionen\n- Wesentliche Beteiligungen\n- Funktionen in Interessenorganisationen\n\n**N. 10** Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch das Parlamentsgesetz (ParlG) und die Geschäftsreglemente der Räte. Die Offenlegung muss vollständig und aktuell sein (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 892).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Aus dem freien Mandat folgt, dass:\n- Stimmvereinbarungen rechtlich unverbindlich sind\n- Ein Mandatsentzug durch Partei oder Wähler ausgeschlossen ist\n- Parlamentarier ihr Mandat auch nach Parteiwechsel behalten\n\n**N. 12** Die Verletzung der Offenlegungspflicht kann zu:\n- Ordnungsrechtlichen Massnahmen durch das Ratsbüro führen\n- Reputationsschäden und politischen Konsequenzen führen\n- Strafrechtlichen Folgen führen, wenn Korruption vorliegt (→ Art. 322ter ff. StGB)\n\n**N. 13** Die Grenze des freien Mandats liegt in der bewussten Täuschung der Wählerschaft. Wer bereits vor der Wahl einen Parteiwechsel plant und dies verheimlicht, verletzt die Wahl- und Abstimmungsfreiheit der Stimmberechtigten (**BGE 151 I 41 E. 7.4**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** **Umfang des freien Mandats bei Proporzwahlen**: Die Lehre ist uneinig, ob das freie Mandat bei Proporzwahlen eingeschränkt werden kann. Während Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, S. 167) eine stärkere Bindung an die Wahlliste befürworten, vertritt die herrschende Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., N 1496; Rhinow/Schefer/Uebersax, a.a.O., N 2886) die volle Geltung des freien Mandats auch bei Listenwahlen.\n\n**N. 15** **Zeitpunkt der Mandatsfreiheit**: Kontrovers ist, ab wann das freie Mandat gilt. Nach **BGE 151 I 41** beginnt der Schutz erst mit der Konstituierung des Parlaments. Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 161 N 3) kritisiert diese Einschränkung als systemwidrig, da das Mandat bereits mit der Wahl entstehe.\n\n**N. 16** **Reichweite der Offenlegungspflicht**: Umstritten ist, wie detailliert die Offenlegung sein muss. Während das St. Galler Kommentar (Ehrenzeller et al., 4. Aufl. 2023, Art. 161 N 12) eine umfassende Transparenz fordert, plädieren andere für eine Beschränkung auf wesentliche Bindungen mit direktem Bezug zur parlamentarischen Tätigkeit (BSK BV-Waldmann/Belser/Epiney, 2. Aufl. 2024, Art. 161 N 18).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 17** Parlamentsmitglieder sollten:\n- Interessenbindungen proaktiv und vollständig offenlegen\n- Bei Interessenkonflikten transparent kommunizieren\n- Parteiwechselabsichten frühzeitig bekannt geben\n- Das Register der Interessenbindungen regelmässig aktualisieren\n\n**N. 18** Bei der Beurteilung von Parteiwechseln ist entscheidend:\n- Der Zeitpunkt der Entschlussfassung\n- Die Kommunikation gegenüber den Wählern\n- Das Vorliegen einer Täuschungsabsicht\n- Die Nähe zum Wahltermin (**BGE 151 I 41 E. 8.6**)\n\n**N. 19** Die parlamentsrechtliche Praxis zeigt, dass die politische Sanktionierung von Verstössen gegen Parteidisziplin oder mangelhafte Transparenz effektiver ist als rechtliche Massnahmen. Das freie Mandat schützt vor rechtlichen, nicht vor politischen Konsequenzen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Freies Mandat (Abs. 1)\n\n#### Parteiwechsel nach der Wahl\n\n**BGE 135 I 19 E. 3.2** vom 17.12.2008\n\nSt. Galler Kantonsparlament; Parteiwechsel zwischen Wahltermin und Konstituierung des Parlaments als Verletzung der politischen Rechte der Wählerschaft.\n\nDas Bundesgericht erläuterte die verfassungsrechtliche Verankerung des freien Mandats und dessen Anwendung auf kantonale Parlamentarier.\n\n> «Für die Mitglieder der Bundesversammlung wird dieser Grundsatz heute aus Art. 161 Abs. 1 BV abgeleitet; die Bestimmung wurde inhaltlich unverändert aus Art. 91 aBV übernommen. Nach der herrschenden Staatsrechtslehre in der Schweiz gehört der Grundsatz der auftragsfreien Repräsentation zum Wesen des parlamentarischen Mandats.»\n\n**BGE 135 I 19 E. 5.5** vom 17.12.2008\n\nGültigkeit der Wahl einer Kantonsrätin trotz Parteiwechsels unmittelbar nach der Wahl.\n\nDas Urteil bestätigte die Gültigkeit der Wahl, da auch ein kurz nach dem Wahltag vollzogener Parteiwechsel mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz des direkten Wahlrechts vereinbar sei.\n\n> «Hier ist der Parteiwechsel nur kurz nach dem Wahltag bzw. noch vor der Konstituierung des neugewählten Parlaments vollzogen worden. Dieser Schritt mag fragwürdig und der damit bewirkte Verlust an politischer Glaubwürdigkeit gross sein. Dennoch ist auch ein derartiger Parteiübertritt mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz des direkten Wahlrechts vereinbar.»\n\n#### Grenzen des freien Mandats bei Täuschung\n\n**BGE 151 I 41 E. 7.4** vom 22.5.2024\n\nZürcher Kantonsrat; Parteiwechsel einer Kantonsrätin zwischen Wahltermin und Konstituierung des Parlaments.\n\nDas Bundesgericht präzisierte die Rechtsprechung aus BGE 135 I 19 und definierte die Grenzen der Freiheit zum Parteiwechsel bei bewusster Täuschung der Wählerschaft.\n\n> «Grundsätzlich hat eine Person gestützt auf die Meinungsfreiheit (Art. 16 BV), die Vereinigungsfreiheit (Art. 23 BV), den Schutz der politischen Rechte (Art. 34 Abs. 1 BV) und das Prinzip des freien Mandats (Art. 161 Abs. 1 BV und Art. 52 Abs. 1 KV/ZH) die Freiheit, die Partei zu wechseln. Diese Freiheit findet jedoch ihre Grenze in der Wahl- und Abstimmungsfreiheit der Stimmberechtigten: Kandidierende, die bereits im Zeitpunkt der Wahl den festen Entschluss zum Parteiwechsel gefasst haben und dies verheimlichen, führen die Stimmberechtigten in die Irre.»\n\n**BGE 151 I 41 E. 8.6** vom 22.5.2024\n\nVerfassungsrechtliche Grenzen bei Irreführung der Wählerschaft über die Parteizugehörigkeit.\n\nDas Urteil etablierte den Standard für eine schwere Irreführung der Stimmberechtigten im Zusammenhang mit der Listenzugehörigkeit bei Proporzwahlen.\n\n> «Wer hingegen für den Kantonsrat kandidiert und den Stimmberechtigten die eigene, 'wahre' Listen-/Parteizugehörigkeit vorenthält, führt die Wählerschaft über eine für die Wahl zentrale Tatsache in die Irre. Stellt sich die diesbezügliche Angabe im Anschluss an die Wahl der betreffenden Person als Fehlinformation heraus, handelt es sich dabei um eine neue, objektiv feststellbare Tatsache, die im Rahmen einer Wahl wesentlich und für die Wahl der betreffenden Kandidatin bzw. des betreffenden Kandidaten entscheidend ist.»\n\n### Offenlegung der Interessenbindungen (Abs. 2)\n\n#### Transparenz bei öffentlichen Funktionen\n\nDie Offenlegungspflicht nach Art. 161 Abs. 2 BV wurde in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung noch nicht direkt behandelt. Die wenigen verfügbaren Entscheide befassen sich mit der Offenlegung von Interessenbindungen in anderen Bereichen des öffentlichen Rechts, insbesondere im Zusammenhang mit dem Öffentlichkeitsgesetz und Transparenzfragen bei Hochschulen und Bundesangestellten.\n\nDiese Rechtsprechung ist jedoch für die Auslegung von Art. 161 Abs. 2 BV nur bedingt relevant, da sie sich nicht spezifisch mit den Offenlegungspflichten von Mitgliedern der Bundesversammlung befasst, sondern mit allgemeinen Transparenzfragen in der Verwaltung.\n\n#### Entwicklungsstand der Rechtsprechung\n\nZur konkreten Ausgestaltung und den Grenzen der Offenlegungspflicht nach Art. 161 Abs. 2 BV existiert noch keine umfassende bundesgerichtliche Rechtsprechung. Die praktische Umsetzung dieser Bestimmung erfolgt primär über die parlamentarischen Reglemente und die entsprechenden Verwaltungsvorschriften der Bundesversammlung.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 161 Cst. règle l'indépendance des membres du Parlement de l'Assemblée fédérale. La disposition contient deux principes importants : le mandat libre et l'obligation de transparence.\n\nLe mandat libre (al. 1) signifie que les conseillers nationaux et aux États votent sans être liés juridiquement par des instructions. Ils ne doivent de comptes à personne – ni à leur parti, ni aux associations ou groupes d'électeurs. Chaque parlementaire décide selon sa conscience et sa conviction personnelles. Exemple : un conseiller national UDC peut voter en faveur d'un accord avec l'UE, bien que son parti s'y oppose. Son parti peut le critiquer, mais ne peut pas le contraindre légalement à voter autrement.\n\nL'obligation de transparence (al. 2) oblige tous les parlementaires à déclarer leurs liens d'intérêts. Cela comprend les mandats de conseil d'administration, les fonctions de conseil, les participations dans des entreprises ou les adhésions à des organisations d'intérêts. Cette déclaration permet au public de reconnaître d'éventuels conflits d'intérêts. Exemple : un conseiller national doit indiquer s'il siège au conseil d'administration d'une banque et vote sur la réglementation bancaire.\n\nLes deux principes se complètent : le mandat libre protège contre les pressions inadmissibles, la transparence crée la confiance par l'ouverture. Les violations du mandat libre sont juridiquement sans effet. Quiconque dissimule ses liens d'intérêts risque des conséquences politiques et peut être poursuivi disciplinairement.\n\nDes limites existent en cas de tromperie délibérée : quiconque planifie secrètement un changement de parti déjà avant l'élection viole les droits des électrices et électeurs.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la genèse\n\n**N. 1** L'art. 161 Cst. a repris sans modification de contenu la réglementation de l'art. 91 aCst. La disposition sur le mandat libre (al. 1) a ses racines dans la tradition démocratique de la Suisse et fut déjà ancrée dans la Constitution fédérale de 1874. En revanche, l'obligation de déclarer les liens d'intérêts (al. 2) ne fut introduite au niveau constitutionnel qu'avec la révision totale de 1999 (FF 1997 I 1, 283 ss).\n\n**N. 2** L'ancrage de l'obligation de déclaration s'est fait dans le contexte des discussions sur davantage de transparence dans le système politique. Le constituant a reconnu que l'indépendance des membres du parlement (al. 1) n'est pas restreinte par la déclaration de leurs liens d'intérêts (al. 2), mais au contraire renforcée, en rendant les conflits d'intérêts potentiels reconnaissables par le public (FF 1997 I 284).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 161 Cst. se trouve au 3e chapitre (Assemblée fédérale) du 5e titre (Autorités fédérales) et règle la position individuelle des membres de l'Assemblée fédérale. La norme complète les dispositions institutionnelles sur l'Assemblée fédérale (art. 148–160 Cst.) par des garanties relatives aux personnes.\n\n**N. 4** La disposition est en lien étroit avec :\n- → Art. 34 Cst. (Droits politiques), qui garantit le droit de vote actif et passif\n- → Art. 144 Cst. (Incompatibilités), qui assure l'indépendance par des règles d'incompatibilité\n- → Art. 149 Cst. (Élection et durée du mandat), qui fonde la légitimation démocratique\n- ↔ Art. 5 Cst. (Principes de l'activité de l'État régi par le droit), notamment l'exigence de transparence\n\n**N. 5** Au niveau cantonal, on trouve des dispositions parallèles au mandat libre dans la plupart des constitutions cantonales (p. ex. art. 52 al. 1 CstC/ZH). La jurisprudence sur l'art. 161 al. 1 Cst. s'applique par analogie aux parlementaires cantonaux (**ATF 135 I 19 c. 3.2**).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Mandat libre (al. 1)\n\n**N. 6** Le mandat libre signifie que les membres du parlement ne sont liés juridiquement à aucune instruction dans l'exercice de leur fonction. Ils sont les représentants de l'ensemble du peuple, pas seulement de leur électorat ou de leur parti (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1495).\n\n**N. 7** Le principe comprend trois dimensions :\n- **Indépendance juridique** : Aucune instruction contraignante de la part des partis, associations ou électeurs\n- **Liberté de conscience** : Décision selon sa propre conviction\n- **Protection du mandat** : Aucun retrait du mandat en raison du comportement de vote\n\n**N. 8** L'indépendance vis-à-vis des instructions vaut absolument pour le vote au parlement. La discipline de groupe et les accords internes aux partis sont des liens politiques, non juridiques (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2885).\n\n#### b) Déclaration des liens d'intérêts (al. 2)\n\n**N. 9** L'obligation de déclaration englobe tous les liens d'intérêts essentiels qui pourraient influencer l'action parlementaire. Cela comprend notamment :\n- Les activités professionnelles et mandats\n- Les qualités de membre dans les conseils d'administration et de surveillance\n- Les fonctions de conseil durables\n- Les participations importantes\n- Les fonctions dans les organisations d'intérêts\n\n**N. 10** La concrétisation s'effectue par la loi sur le Parlement (LParl) et les règlements des Conseils. La déclaration doit être complète et actuelle (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 892).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** Il découle du mandat libre que :\n- Les accords de vote sont juridiquement non contraignants\n- Un retrait du mandat par le parti ou les électeurs est exclu\n- Les parlementaires conservent leur mandat même après un changement de parti\n\n**N. 12** La violation de l'obligation de déclaration peut conduire à :\n- Des mesures de police par le bureau du Conseil\n- Des dommages de réputation et des conséquences politiques\n- Des conséquences pénales si une corruption existe (→ art. 322ter ss CP)\n\n**N. 13** La limite du mandat libre réside dans la tromperie consciente de l'électorat. Celui qui planifie déjà un changement de parti avant l'élection et le dissimule viole la liberté de vote et d'élection des ayants droit au vote (**ATF 151 I 41 c. 7.4**).\n\n### 5. Questions controversées\n\n**N. 14** **Portée du mandat libre lors d'élections proportionnelles** : La doctrine est divisée sur la question de savoir si le mandat libre peut être restreint lors d'élections proportionnelles. Alors que Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, p. 167) prônent un lien plus fort à la liste électorale, la doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1496 ; Rhinow/Schefer/Uebersax, op. cit., N 2886) défend la pleine validité du mandat libre même lors d'élections de listes.\n\n**N. 15** **Moment de la liberté du mandat** : Le moment à partir duquel vaut le mandat libre est controversé. Selon l'**ATF 151 I 41**, la protection ne commence qu'avec la constitution du parlement. Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 161 N 3) critique cette restriction comme contraire au système, car le mandat naîtrait déjà avec l'élection.\n\n**N. 16** **Portée de l'obligation de déclaration** : Il est controversé de savoir à quel point la déclaration doit être détaillée. Alors que le commentaire saint-gallois (Ehrenzeller et al., 4e éd. 2023, art. 161 N 12) exige une transparence complète, d'autres plaident pour une limitation aux liens essentiels ayant un rapport direct avec l'activité parlementaire (BSK BV-Waldmann/Belser/Epiney, 2e éd. 2024, art. 161 N 18).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 17** Les membres du parlement devraient :\n- Déclarer les liens d'intérêts de manière proactive et complète\n- Communiquer de manière transparente lors de conflits d'intérêts\n- Faire connaître rapidement les intentions de changement de parti\n- Mettre à jour régulièrement le registre des liens d'intérêts\n\n**N. 18** Lors de l'appréciation des changements de parti, les éléments déterminants sont :\n- Le moment de la prise de décision\n- La communication envers les électeurs\n- L'existence d'une intention de tromperie\n- La proximité de la date d'élection (**ATF 151 I 41 c. 8.6**)\n\n**N. 19** La pratique de droit parlementaire montre que la sanction politique des violations de la discipline de parti ou du manque de transparence est plus efficace que les mesures juridiques. Le mandat libre protège contre les conséquences juridiques, non contre les conséquences politiques.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Mandat libre (al. 1)\n\n#### Changement de parti après l'élection\n\n**ATF 135 I 19 c. 3.2** du 17.12.2008\n\nParlement cantonal de Saint-Gall ; changement de parti entre la date d'élection et la constitution du parlement comme violation des droits politiques de l'électorat.\n\nLe Tribunal fédéral a explicité l'ancrage constitutionnel du mandat libre et son application aux parlementaires cantonaux.\n\n> « Pour les membres de l'Assemblée fédérale, ce principe est aujourd'hui déduit de l'art. 161 al. 1 Cst. ; la disposition a été reprise de l'art. 91 aCst. sans modification de contenu. Selon la doctrine dominante du droit public en Suisse, le principe de la représentation libre de tout mandat fait partie de l'essence du mandat parlementaire. »\n\n**ATF 135 I 19 c. 5.5** du 17.12.2008\n\nValidité de l'élection d'une conseillère cantonale malgré un changement de parti immédiatement après l'élection.\n\nL'arrêt a confirmé la validité de l'élection, car même un changement de parti effectué peu après le jour de l'élection était compatible avec le principe constitutionnel du droit de vote direct.\n\n> « Ici, le changement de parti n'a été effectué que peu après le jour de l'élection, respectivement encore avant la constitution du nouveau parlement élu. Cette démarche peut être discutable et la perte de crédibilité politique qui en résulte peut être grande. Néanmoins, même un tel passage à un autre parti est compatible avec le principe constitutionnel du droit de vote direct. »\n\n#### Limites du mandat libre en cas de tromperie\n\n**ATF 151 I 41 c. 7.4** du 22.5.2024\n\nConseil cantonal zurichois ; changement de parti d'une conseillère cantonale entre la date d'élection et la constitution du parlement.\n\nLe Tribunal fédéral a précisé la jurisprudence de l'ATF 135 I 19 et défini les limites de la liberté de changement de parti en cas de tromperie délibérée de l'électorat.\n\n> « En principe, une personne a, en vertu de la liberté d'opinion (art. 16 Cst.), de la liberté d'association (art. 23 Cst.), de la protection des droits politiques (art. 34 al. 1 Cst.) et du principe du mandat libre (art. 161 al. 1 Cst. et art. 52 al. 1 CV/ZH), la liberté de changer de parti. Cette liberté trouve cependant sa limite dans la liberté de vote et de votation des ayants droit de vote : les candidats qui ont déjà pris, au moment de l'élection, la ferme décision de changer de parti et le dissimulent, induisent les ayants droit de vote en erreur. »\n\n**ATF 151 I 41 c. 8.6** du 22.5.2024\n\nLimites constitutionnelles en cas d'induction en erreur de l'électorat concernant l'appartenance partisane.\n\nL'arrêt a établi le standard pour une grave induction en erreur des ayants droit de vote en relation avec l'appartenance à une liste lors d'élections proportionnelles.\n\n> « Celui qui, en revanche, se porte candidat au conseil cantonal et dissimule aux ayants droit de vote sa 'véritable' appartenance à une liste/parti, induit l'électorat en erreur sur un fait central pour l'élection. Si l'indication à cet égard s'avère être une fausse information à la suite de l'élection de la personne concernée, il s'agit d'un fait nouveau, objectivement constatable, qui est essentiel dans le cadre d'une élection et déterminant pour l'élection de la candidate ou du candidat concerné. »\n\n### Déclaration des liens d'intérêts (al. 2)\n\n#### Transparence dans les fonctions publiques\n\nL'obligation de déclaration selon l'art. 161 al. 2 Cst. n'a pas encore été traitée directement dans la jurisprudence du Tribunal fédéral. Les quelques arrêts disponibles traitent de la déclaration de liens d'intérêts dans d'autres domaines du droit public, notamment en relation avec la loi sur la transparence et les questions de transparence dans les hautes écoles et chez les employés fédéraux.\n\nCette jurisprudence n'est cependant que partiellement pertinente pour l'interprétation de l'art. 161 al. 2 Cst., car elle ne traite pas spécifiquement des obligations de déclaration des membres de l'Assemblée fédérale, mais des questions générales de transparence dans l'administration.\n\n#### État de développement de la jurisprudence\n\nIl n'existe pas encore de jurisprudence fédérale complète concernant la configuration concrète et les limites de l'obligation de déclaration selon l'art. 161 al. 2 Cst. La mise en œuvre pratique de cette disposition s'effectue principalement par les règlements parlementaires et les prescriptions administratives correspondantes de l'Assemblée fédérale.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 161 Cost. disciplina l'indipendenza dei membri del Parlamento nell'Assemblea federale. La disposizione contiene due principi importanti: il mandato libero e l'obbligo di trasparenza.\n\nIl mandato libero (cpv. 1) significa che i consiglieri nazionali e agli Stati esprimono il loro voto senza vincolo giuridico di istruzioni. Non devono render conto a nessuno – né al loro partito né ad associazioni o gruppi di elettori. Ogni membro del Parlamento decide secondo la propria coscienza e convinzione. Esempio: Un consigliere nazionale UDC può votare a favore di un accordo con l'UE, anche se il suo partito è contrario. Il suo partito può criticarlo, ma non può costringerlo legalmente a votare diversamente.\n\nL'obbligo di trasparenza (cpv. 2) obbliga tutti i membri del Parlamento a dichiarare i loro legami d'interesse. Vi rientrano mandati in consigli d'amministrazione, funzioni di consulenza, partecipazioni in imprese o appartenenze a organizzazioni d'interesse. Questa dichiarazione permette al pubblico di riconoscere possibili conflitti d'interesse. Esempio: Un consigliere nazionale deve indicare se siede nel consiglio d'amministrazione di una banca e vota su regolamentazioni bancarie.\n\nI due principi si completano a vicenda: il mandato libero protegge da pressioni illegittime, la trasparenza crea fiducia attraverso l'apertura. Le violazioni del mandato libero sono giuridicamente inefficaci. Chi nasconde i propri legami d'interesse rischia conseguenze politiche e può essere perseguito disciplinarmente.\n\nEsistono limiti in caso di inganno consapevole: chi già prima dell'elezione pianifica segretamente un cambio di partito viola i diritti degli elettori e delle elettrici.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 161 Cost. riprese invariato il contenuto della disciplina dell'art. 91 vCost. La disposizione sul mandato libero (cpv. 1) affonda le sue radici nella tradizione democratica della Svizzera e fu già sancita nella Costituzione federale del 1874. L'obbligo di dichiarazione dei legami di interesse (cpv. 2) fu invece introdotto a livello costituzionale soltanto con la revisione totale del 1999 (FF 1997 I 1, 264 segg.).\n\n**N. 2** L'ancoraggio dell'obbligo di dichiarazione avvenne nel contesto delle discussioni su una maggiore trasparenza nel sistema politico. Il costituente riconobbe che l'indipendenza dei membri del Parlamento (cpv. 1) non viene limitata dalla dichiarazione dei loro legami di interesse (cpv. 2), ma piuttosto rafforzata, rendendo riconoscibili all'opinione pubblica i potenziali conflitti di interesse (FF 1997 I 265).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 161 Cost. si trova nel 3° capitolo (Assemblea federale) del 5° titolo (Autorità federali) e disciplina la posizione individuale dei membri dell'Assemblea federale. La norma integra le disposizioni istituzionali sull'Assemblea federale (art. 148–160 Cost.) con garanzie riferite alle persone.\n\n**N. 4** La disposizione è strettamente collegata con:\n- → Art. 34 Cost. (Diritti politici), che garantisce il diritto di voto attivo e passivo\n- → Art. 144 Cost. (Incompatibilità), che assicura l'indipendenza mediante regole di incompatibilità\n- → Art. 149 Cost. (Elezione e durata in carica), che stabilisce la legittimazione democratica\n- ↔ Art. 5 Cost. (Principi dell'attività statale retto dal diritto), in particolare l'obbligo di trasparenza\n\n**N. 5** A livello cantonale si trovano disposizioni parallele al mandato libero nella maggior parte delle costituzioni cantonali (ad es. art. 52 cpv. 1 Cost./ZH). La giurisprudenza sull'art. 161 cpv. 1 Cost. vale analogamente per i parlamentari cantonali (**DTF 135 I 19 consid. 3.2**).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### a) Mandato libero (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il mandato libero significa che i membri del Parlamento nell'esercizio della loro carica non sono giuridicamente vincolati da alcuna istruzione. Essi sono rappresentanti di tutto il popolo, non solo del loro elettorato o partito (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1495).\n\n**N. 7** Il principio comprende tre dimensioni:\n- **Indipendenza giuridica**: Nessuna istruzione vincolante da parte di partiti, associazioni o elettori\n- **Libertà di coscienza**: Decisione secondo la propria convinzione\n- **Protezione del mandato**: Nessuna revoca del mandato a causa del comportamento di voto\n\n**N. 8** L'indipendenza da istruzioni vale in modo assoluto per il voto in Parlamento. La disciplina di gruppo e gli accordi intrapartitici sono vincoli politici, non giuridici (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 2885).\n\n#### b) Dichiarazione dei legami di interesse (cpv. 2)\n\n**N. 9** L'obbligo di dichiarazione comprende tutti i legami di interesse essenziali che potrebbero influenzare l'attività parlamentare. Vi appartengono in particolare:\n- Attività professionali e mandati\n- Appartenenze a consigli d'amministrazione e di vigilanza\n- Funzioni consultive permanenti\n- Partecipazioni sostanziali\n- Funzioni in organizzazioni di interesse\n\n**N. 10** La configurazione concreta avviene mediante la Legge sul Parlamento (LParl) e i regolamenti delle Camere. La dichiarazione deve essere completa e aggiornata (Müller/Schefer, Grundrechte, 4ª ed. 2008, pag. 892).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** Dal mandato libero consegue che:\n- Gli accordi di voto sono giuridicamente non vincolanti\n- Una revoca del mandato da parte del partito o degli elettori è esclusa\n- I parlamentari mantengono il loro mandato anche dopo un cambio di partito\n\n**N. 12** La violazione dell'obbligo di dichiarazione può portare a:\n- Misure disciplinari da parte dell'Ufficio della Camera\n- Danni reputazionali e conseguenze politiche\n- Conseguenze penali, se sussiste corruzione (→ art. 322ter segg. CP)\n\n**N. 13** Il limite del mandato libero risiede nell'inganno consapevole dell'elettorato. Chi pianifica già prima delle elezioni un cambio di partito e lo nasconde, viola la libertà di voto e di elezione degli aventi diritto di voto (**DTF 151 I 41 consid. 7.4**).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 14** **Portata del mandato libero nelle elezioni proporzionali**: La dottrina è discorde se il mandato libero possa essere limitato nelle elezioni proporzionali. Mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, pag. 167) sostengono un vincolo più forte alla lista elettorale, la dottrina prevalente (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1496; Rhinow/Schefer/Uebersax, op. cit., N 2886) difende la piena validità del mandato libero anche nelle elezioni a lista.\n\n**N. 15** **Momento della libertà di mandato**: Controverso è da quando vale il mandato libero. Secondo **DTF 151 I 41** la protezione inizia solo con la costituzione del Parlamento. Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, Art. 161 N 3) critica questa limitazione come contraria al sistema, poiché il mandato sorgerebbe già con l'elezione.\n\n**N. 16** **Portata dell'obbligo di dichiarazione**: Controverso è quanto dettagliata debba essere la dichiarazione. Mentre il Commentario sangallese (Ehrenzeller et al., 4ª ed. 2023, Art. 161 N 12) esige una trasparenza comprensiva, altri sostengono una limitazione ai vincoli essenziali con riferimento diretto all'attività parlamentare (BSK BV-Waldmann/Belser/Epiney, 2ª ed. 2024, Art. 161 N 18).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 17** I membri del Parlamento dovrebbero:\n- Dichiarare i legami di interesse in modo proattivo e completo\n- Comunicare in modo trasparente in caso di conflitti di interesse\n- Rendere note precocemente le intenzioni di cambio di partito\n- Aggiornare regolarmente il registro dei legami di interesse\n\n**N. 18** Nella valutazione dei cambi di partito è decisivo:\n- Il momento della decisione\n- La comunicazione verso gli elettori\n- L'esistenza di un'intenzione ingannevole\n- La prossimità alla data elettorale (**DTF 151 I 41 consid. 8.6**)\n\n**N. 19** La prassi parlamentare mostra che la sanzione politica delle violazioni della disciplina di partito o della trasparenza carente è più efficace delle misure giuridiche. Il mandato libero protegge dalle conseguenze giuridiche, non da quelle politiche.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Mandato libero (cpv. 1)\n\n#### Cambio di partito dopo l'elezione\n\n**DTF 135 I 19 consid. 3.2** del 17.12.2008\n\nParlamento cantonale sangallese; cambio di partito tra la data delle elezioni e la costituzione del parlamento quale violazione dei diritti politici dell'elettorato.\n\nIl Tribunale federale ha chiarito il fondamento costituzionale del mandato libero e la sua applicazione ai parlamentari cantonali.\n\n> «Per i membri dell'Assemblea federale questo principio è oggi derivato dall'art. 161 cpv. 1 Cost.; la disposizione è stata ripresa invariata nel contenuto dall'art. 91 aCost. Secondo la dottrina dominante del diritto costituzionale in Svizzera, il principio della rappresentanza libera da mandato appartiene all'essenza del mandato parlamentare.»\n\n**DTF 135 I 19 consid. 5.5** del 17.12.2008\n\nValidità dell'elezione di una consigliera cantonale nonostante il cambio di partito immediatamente dopo l'elezione.\n\nLa sentenza ha confermato la validità dell'elezione, poiché anche un cambio di partito avvenuto poco dopo il giorno delle elezioni è compatibile con il principio costituzionale del diritto di voto diretto.\n\n> «Qui il cambio di partito è avvenuto solo poco dopo il giorno delle elezioni, rispettivamente ancora prima della costituzione del parlamento neoeletto. Questo passo può essere discutibile e la perdita di credibilità politica che ne deriva può essere grande. Tuttavia, anche un tale passaggio di partito è compatibile con il principio costituzionale del diritto di voto diretto.»\n\n#### Limiti del mandato libero in caso di inganno\n\n**DTF 151 I 41 consid. 7.4** del 22.5.2024\n\nConsiglio cantonale zurighese; cambio di partito di una consigliera cantonale tra la data delle elezioni e la costituzione del parlamento.\n\nIl Tribunale federale ha precisato la giurisprudenza del DTF 135 I 19 e ha definito i limiti della libertà di cambiare partito in caso di inganno volontario dell'elettorato.\n\n> «In linea di principio, una persona ha la libertà di cambiare partito sulla base della libertà di opinione (art. 16 Cost.), della libertà di associazione (art. 23 Cost.), della protezione dei diritti politici (art. 34 cpv. 1 Cost.) e del principio del mandato libero (art. 161 cpv. 1 Cost. e art. 52 cpv. 1 Cost./ZH). Questa libertà trova tuttavia il suo limite nella libertà di voto e di votazione degli aventi diritto: i candidati che già al momento dell'elezione hanno preso la ferma decisione di cambiare partito e lo nascondono, traggono in inganno gli aventi diritto di voto.»\n\n**DTF 151 I 41 consid. 8.6** del 22.5.2024\n\nLimiti costituzionali in caso di inganno dell'elettorato sull'appartenenza partitica.\n\nLa sentenza ha stabilito lo standard per un grave inganno degli aventi diritto di voto in relazione all'appartenenza alla lista nelle elezioni proporzionali.\n\n> «Chi invece candida per il Consiglio cantonale e nasconde agli aventi diritto di voto la propria 'vera' appartenenza alla lista/al partito, trae in inganno l'elettorato su un fatto centrale per l'elezione. Se l'indicazione al riguardo si rivela successivamente all'elezione della persona interessata come disinformazione, si tratta di un fatto nuovo, oggettivamente accertabile, che nel quadro di un'elezione è essenziale e decisivo per l'elezione della candidata o del candidato interessato.»\n\n### Dichiarazione dei vincoli d'interesse (cpv. 2)\n\n#### Trasparenza nelle funzioni pubbliche\n\nL'obbligo di dichiarazione secondo l'art. 161 cpv. 2 Cost. non è stato ancora trattato direttamente nella giurisprudenza del Tribunale federale. Le poche decisioni disponibili si occupano della dichiarazione di vincoli d'interesse in altri settori del diritto pubblico, in particolare in relazione alla legge sulla trasparenza e alle questioni di trasparenza presso le scuole universitarie e i dipendenti federali.\n\nQuesta giurisprudenza è tuttavia di rilevanza limitata per l'interpretazione dell'art. 161 cpv. 2 Cost., poiché non si occupa specificamente degli obblighi di dichiarazione dei membri dell'Assemblea federale, bensì di questioni generali di trasparenza nell'amministrazione.\n\n#### Stato di sviluppo della giurisprudenza\n\nPer la concreta configurazione e i limiti dell'obbligo di dichiarazione secondo l'art. 161 cpv. 2 Cost. non esiste ancora una giurisprudenza federale esaustiva. L'attuazione pratica di questa disposizione avviene principalmente attraverso i regolamenti parlamentari e le corrispondenti prescrizioni amministrative dell'Assemblea federale.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 161 Cst. regulates the independence of members of parliament in the Federal Assembly. The provision contains two important principles: the free mandate and the obligation of transparency.\n\nThe free mandate (para. 1) means that National Councillors and Council of States members cast their votes without legal obligation to follow instructions. They are not accountable to anyone – neither to their party nor to associations or voter groups. Each member of parliament decides according to their own conscience and conviction. Example: An SVP National Councillor may vote in favour of an EU agreement even though their party is against it. Their party may criticise them but cannot legally compel them to vote differently.\n\nThe obligation of transparency (para. 2) requires all members of parliament to disclose their interests. This includes board memberships, advisory functions, shareholdings in companies, or memberships in interest organisations. This disclosure enables the public to identify potential conflicts of interest. Example: A National Councillor must declare if they sit on the board of a bank and vote on banking regulation.\n\nThe two principles complement each other: the free mandate protects against improper pressure, transparency creates trust through openness. Violations of the free mandate are legally ineffective. Those who conceal their interests risk political consequences and may be subject to disciplinary measures.\n\nLimits exist in cases of deliberate deception: anyone who secretly plans to change parties before the election violates the rights of voters.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 161 Const. adopted unchanged the content of Art. 91 old Const. The provision on the free mandate (para. 1) has its roots in the democratic tradition of Switzerland and was already anchored in the Federal Constitution of 1874. The obligation to disclose interests (para. 2) was only introduced at the constitutional level with the total revision of 1999 (BBl 1997 I 1, 264 f.).\n\n**N. 2** The anchoring of the disclosure obligation took place in the context of discussions about more transparency in the political system. The constitutional legislator recognised that the independence of members of parliament (para. 1) is not restricted by the disclosure of their interests (para. 2), but rather strengthened by making potential conflicts of interest recognisable to the public (BBl 1997 I 265).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 161 Const. is located in Chapter 3 (Federal Assembly) of Title 5 (Federal Authorities) and regulates the individual position of the members of the Federal Assembly. The norm supplements the institutional provisions on the Federal Assembly (Art. 148–160 Const.) with personal guarantees.\n\n**N. 4** The provision is closely connected with:\n- → Art. 34 Const. (Political rights), which guarantees active and passive suffrage\n- → Art. 144 Const. (Incompatibilities), which secures independence through incompatibility rules\n- → Art. 149 Const. (Election and term of office), which establishes democratic legitimation\n- ↔ Art. 5 Const. (Principles of rule of law conduct), particularly the transparency requirement\n\n**N. 5** At the cantonal level, parallel provisions on the free mandate are found in most cantonal constitutions (e.g. Art. 52 para. 1 Const./ZH). The case law on Art. 161 para. 1 Const. applies analogously to cantonal parliamentarians (**BGE 135 I 19 E. 3.2**).\n\n### 3. Elements of the Provision / Content of Norm\n\n#### a) Free Mandate (para. 1)\n\n**N. 6** The free mandate means that members of parliament are legally bound by no instructions in the exercise of their office. They are representatives of the entire people, not only of their electorate or party (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 1495).\n\n**N. 7** The principle comprises three dimensions:\n- **Legal independence**: No binding instructions from parties, associations or voters\n- **Freedom of conscience**: Decision according to own conviction\n- **Mandate protection**: No withdrawal of mandate due to voting behaviour\n\n**N. 8** Independence from instructions applies absolutely to voting in parliament. Parliamentary group discipline and intra-party agreements are political, not legal, bindings (Rhinow/Schefer/Uebersax, Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N 2885).\n\n#### b) Disclosure of Interests (para. 2)\n\n**N. 9** The disclosure obligation covers all essential interests that could influence parliamentary conduct. These include in particular:\n- Professional activities and mandates\n- Memberships in boards of directors and supervisory boards\n- Permanent advisory functions\n- Substantial participations\n- Functions in interest organisations\n\n**N. 10** The concrete implementation takes place through the Parliament Act (ParlA) and the rules of procedure of the chambers. The disclosure must be complete and current (Müller/Schefer, Fundamental Rights, 4th ed. 2008, p. 892).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** From the free mandate it follows that:\n- Voting agreements are legally non-binding\n- A withdrawal of mandate by party or voters is excluded\n- Parliamentarians retain their mandate even after changing party\n\n**N. 12** The violation of the disclosure obligation can lead to:\n- Disciplinary measures by the bureau of the chamber\n- Reputational damage and political consequences\n- Criminal consequences if corruption is present (→ Art. 322ter ff. CC)\n\n**N. 13** The limit of the free mandate lies in the deliberate deception of the electorate. Whoever already plans a party change before the election and conceals this violates the voting and election freedom of those entitled to vote (**BGE 151 I 41 E. 7.4**).\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 14** **Scope of the free mandate in proportional elections**: The doctrine is divided on whether the free mandate can be restricted in proportional elections. While Tschannen/Zimmerli/Müller (General Administrative Law, 4th ed. 2014, p. 167) favour a stronger binding to the electoral list, the prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1496; Rhinow/Schefer/Uebersax, op. cit., N 2886) advocates the full validity of the free mandate even in list elections.\n\n**N. 15** **Point in time of mandate freedom**: Controversial is when the free mandate applies. According to **BGE 151 I 41** protection begins only with the constitution of parliament. Biaggini (Const. Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 161 N 3) criticises this restriction as inconsistent with the system, since the mandate already arises with the election.\n\n**N. 16** **Scope of the disclosure obligation**: Disputed is how detailed the disclosure must be. While the St. Gallen Commentary (Ehrenzeller et al., 4th ed. 2023, Art. 161 N 12) demands comprehensive transparency, others advocate for a restriction to essential ties with direct reference to parliamentary activity (BSK Const.-Waldmann/Belser/Epiney, 2nd ed. 2024, Art. 161 N 18).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 17** Members of parliament should:\n- Disclose interests proactively and completely\n- Communicate transparently in case of conflicts of interest\n- Make intentions to change party known early\n- Update the register of interests regularly\n\n**N. 18** In assessing party changes, the decisive factors are:\n- The point in time of decision-making\n- Communication towards the voters\n- The presence of intention to deceive\n- Proximity to the election date (**BGE 151 I 41 E. 8.6**)\n\n**N. 19** Parliamentary practice shows that political sanctioning of violations against party discipline or inadequate transparency is more effective than legal measures. The free mandate protects against legal, not against political, consequences.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Free Mandate (para. 1)\n\n#### Party switching after election\n\n**BGE 135 I 19 cons. 3.2** of 17.12.2008\n\nSt. Gallen cantonal parliament; party switching between election date and constitution of parliament as violation of the political rights of the electorate.\n\nThe Federal Supreme Court explained the constitutional foundation of the free mandate and its application to cantonal parliamentarians.\n\n> «For members of the Federal Assembly, this principle is today derived from Art. 161 para. 1 Cst.; the provision was adopted unchanged in content from Art. 91 old Cst. According to the prevailing constitutional law doctrine in Switzerland, the principle of representation free from mandate belongs to the essence of the parliamentary mandate.»\n\n**BGE 135 I 19 cons. 5.5** of 17.12.2008\n\nValidity of the election of a cantonal councillor despite party switching immediately after the election.\n\nThe judgment confirmed the validity of the election, as even a party switch carried out shortly after election day is compatible with the constitutional principle of direct suffrage.\n\n> «Here, the party switch was carried out only shortly after the election day or before the constitution of the newly elected parliament. This step may be questionable and the resulting loss of political credibility great. Nevertheless, even such a party defection is compatible with the constitutional principle of direct suffrage.»\n\n#### Limits of the free mandate in case of deception\n\n**BGE 151 I 41 cons. 7.4** of 22.5.2024\n\nZurich Cantonal Council; party switching of a cantonal councillor between election date and constitution of parliament.\n\nThe Federal Supreme Court clarified the case law from BGE 135 I 19 and defined the limits of freedom to switch parties in case of deliberate deception of the electorate.\n\n> «In principle, a person has the freedom to change party based on freedom of expression (Art. 16 Cst.), freedom of association (Art. 23 Cst.), protection of political rights (Art. 34 para. 1 Cst.) and the principle of the free mandate (Art. 161 para. 1 Cst. and Art. 52 para. 1 Cantonal Constitution/ZH). However, this freedom finds its limit in the freedom of election and voting of those entitled to vote: candidates who have already firmly decided to switch parties at the time of the election and conceal this, mislead those entitled to vote.»\n\n**BGE 151 I 41 cons. 8.6** of 22.5.2024\n\nConstitutional limits in case of misleading the electorate about party affiliation.\n\nThe judgment established the standard for serious misleading of those entitled to vote in connection with list affiliation in proportional elections.\n\n> «However, anyone who runs for cantonal council and withholds their own, 'true' list/party affiliation from those entitled to vote, misleads the electorate about a fact that is central to the election. If the relevant information subsequently turns out to be misinformation following the election of the person concerned, this constitutes a new, objectively ascertainable fact that is essential in the context of an election and decisive for the election of the candidate concerned.»\n\n### Disclosure of interests (para. 2)\n\n#### Transparency in public functions\n\nThe disclosure obligation under Art. 161 para. 2 Cst. has not yet been directly addressed in Federal Supreme Court case law. The few available decisions deal with the disclosure of interests in other areas of public law, particularly in connection with the Freedom of Information Act and transparency issues at universities and federal employees.\n\nHowever, this case law is only of limited relevance for the interpretation of Art. 161 para. 2 Cst., as it does not specifically deal with the disclosure obligations of members of the Federal Assembly, but with general transparency issues in the administration.\n\n#### Development status of case law\n\nNo comprehensive Federal Supreme Court case law yet exists on the concrete design and limits of the disclosure obligation under Art. 161 para. 2 Cst. The practical implementation of this provision occurs primarily through parliamentary regulations and the corresponding administrative provisions of the Federal Assembly.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_161", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.95}
{"law": "BV", "article": 162, "article_suffix": "", "title": "Immunität", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 162 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 162 BV schützt Parlamentsmitglieder, Bundesräte und die Bundeskanzlerin vor rechtlichen Folgen ihrer Äusserungen im Parlament. Das Gesetz unterscheidet zwei Arten von Immunität (Schutz vor Strafverfolgung).\n\n**Absolute Immunität** gilt für alle Äusserungen in den Räten und deren Organen. Nationalräte und Ständeräte können für ihre Voten im Plenum, in Kommissionen oder für parlamentarische Vorstösse nie bestraft werden - auch nicht für ehrverletzende Aussagen. Diese Immunität dauert für immer, auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt (BBl 1997 I 1, 434; Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 162 N. 4).\n\n**Relative Immunität** schützt vor Strafverfolgung wegen Handlungen ausserhalb des Parlaments. Sie kann durch Beschluss der Bundesversammlung aufgehoben werden. Das Parlamentsgesetz regelt dies in Art. 15-18 ParlG. Ohne Aufhebung ist eine Strafverfolgung unmöglich (**TPF 2008 151**). Die Immunität wirkt nur für den konkret bezeichneten Sachverhalt (**TPF 2021 134**).\n\n**Beispiel**: Eine Nationalrätin kritisiert in einer Kommissionssitzung scharf einen Bundesrat und wirft ihm Unfähigkeit vor. Dafür kann sie nie belangt werden (absolute Immunität). Überfährt sie aber am nächsten Tag mit dem Auto jemanden, braucht es einen Parlamentsbeschluss für die Strafverfolgung (relative Immunität).\n\nDie Immunität soll die Funktionsfähigkeit des Parlaments sichern und freie Meinungsäusserung garantieren. Sie ist ein Schutz der Institution, nicht ein persönliches Privileg (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 162 N. 8; **BGE 100 IA 1** E. 2).", "doctrine_de": "# Art. 162 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die parlamentarische Immunität ist ein traditioneller Bestandteil des schweizerischen Parlamentsrechts. Bereits die Bundesverfassung von 1848 kannte in Art. 78 die Verantwortungsfreiheit für Äusserungen in den Räten. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 434) führt aus, dass die parlamentarische Immunität «die Freiheit der Rede im Parlament sowie die Funktionsfähigkeit des Parlaments» sichert. Art. 162 BV übernahm die bewährte Regelung der alten Bundesverfassung (Art. 78 aBV) mit sprachlichen Anpassungen.\n\n**N. 2** Die Totalrevision von 1999 erweiterte den persönlichen Geltungsbereich explizit auf die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler, was die Praxis bereits unter der alten Verfassung anerkannt hatte. Die Erweiterungsklausel in Abs. 2 schafft die verfassungsrechtliche Grundlage für die relative Immunität gemäss Art. 15-18 des Parlamentsgesetzes vom 13. Dezember 2002 (ParlG, SR 171.10).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 162 BV steht im 2. Titel der Bundesverfassung über die Bundesbehörden, im 1. Kapitel über die Bundesversammlung, im 2. Abschnitt über Organisation und Verfahren. Die parlamentarische Immunität ist systematisch als institutionelle Garantie zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Bundesversammlung zu verstehen, nicht als persönliches Privileg der Ratsmitglieder.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 148 BV (Unvereinbarkeiten)\n- → Art. 161 BV (Instruktionsverbot)\n- → Art. 169 BV (Oberaufsicht)\n- ↔ Art. 14 EMRK (Diskriminierungsverbot)\n- → Art. 15-18 ParlG (Ausführungsbestimmungen)\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Absolute Immunität (Abs. 1)**: Die Verantwortungsfreiheit erfasst alle «Äusserungen in den Räten und in deren Organen». Geschützt sind:\n- Voten im Plenum des National- und Ständerats\n- Äusserungen in Kommissionssitzungen\n- Abstimmungsverhalten und schriftliche Eingaben (Motionen, Interpellationen, parlamentarische Initiativen)\n\n**N. 6** Der Begriff «Äusserungen» umfasst nach herrschender Lehre (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 162 N. 4; Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 162 N. 8) jede Form der Meinungskundgabe im parlamentarischen Verfahren, unabhängig vom Inhalt. Selbst ehrverletzende oder unwahre Aussagen sind geschützt, sofern sie im parlamentarischen Kontext erfolgen.\n\n**N. 7** **Persönlicher Geltungsbereich**: Erfasst sind:\n- Mitglieder der Bundesversammlung (National- und Ständeräte)\n- Mitglieder des Bundesrates\n- Die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler\n\n**N. 8** **Erweiterungsklausel (Abs. 2)**: Das Gesetz kann die Immunität auf weitere Personen ausdehnen. Das ParlG macht davon Gebrauch für:\n- Stellvertreterinnen und Stellvertreter der Bundeskanzlei (Art. 16 Abs. 1 lit. a ParlG)\n- Personen, die an Kommissionssitzungen teilnehmen (Art. 16 Abs. 1 lit. b ParlG)\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die absolute Immunität bewirkt einen dauerhaften materiellen Strafausschlussgrund. Die geschützten Personen können für ihre Äusserungen «rechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden» - weder strafrechtlich, zivilrechtlich noch disziplinarisch (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892).\n\n**N. 10** Die Immunität wirkt absolut und kann nicht aufgehoben werden, auch nicht durch die Bundesversammlung selbst. Sie besteht zeitlich unbeschränkt fort, auch nach Ausscheiden aus dem Amt (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3685).\n\n**N. 11** Die relative Immunität gemäss Art. 15-18 ParlG schützt vor Strafverfolgung wegen Handlungen ausserhalb der parlamentarischen Tätigkeit. Sie stellt eine Prozessvoraussetzung dar, die durch Beschluss der zuständigen Kammer aufgehoben werden kann (**BGE 100 IA 1** E. 2; **TPF 2008 151**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Reichweite bei Medienäusserungen**: Umstritten ist, ob Äusserungen gegenüber Medien über parlamentarische Geschäfte von der absoluten Immunität erfasst sind. Während Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 162 N. 6) eine enge Auslegung vertreten und nur Äusserungen in den Ratssälen selbst schützen wollen, plädiert eine Mindermeinung (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, Art. 162 N. 12) für einen erweiterten Schutz bei unmittelbarem Zusammenhang mit parlamentarischen Vorstössen.\n\n**N. 13** **Grenzen der absoluten Immunität**: Die herrschende Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1666) anerkennt keine Ausnahmen von der absoluten Immunität. Eine Mindermeinung will bei schweren Persönlichkeitsverletzungen eine Interessenabwägung vornehmen (kritisch dazu: Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 13 N 28).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Beurteilung, ob eine Äusserung von der absoluten Immunität erfasst ist, kommt es entscheidend auf den Ort und Kontext an. Massgeblich ist, ob die Äusserung «in den Räten und in deren Organen» erfolgte. Private Gespräche oder Äusserungen an Parteiversammlungen fallen nicht darunter.\n\n**N. 15** Für die Praxis der relativen Immunität ist zu beachten: Das Gesuch um Aufhebung der Immunität muss begründet sein und den konkreten Tatvorwurf bezeichnen. Die Immunität wird nur für den bezeichneten Sachverhalt aufgehoben (**TPF 2021 134**).\n\n**N. 16** Verfahrenshandlungen vor rechtskräftiger Aufhebung der Immunität sind nichtig (**BB.2020.291**). Dies gilt insbesondere für Einvernahmen und Zwangsmassnahmen. Die Strafverfolgungsbehörden müssen daher zwingend die Aufhebung der Immunität abwarten.", "caselaw_de": "# Art. 162 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### I. Grundlagen der parlamentarischen Immunität\n\n**BGE 100 IA 1** vom 23. Januar 1974\nAufhebung der parlamentarischen Immunität durch kantonales Parlament\nDie parlamentarische Immunität ist ein Institut des Staatsrechts, das eine möglichst ungehinderte Ausübung der parlamentarischen Tätigkeit gewährleisten soll. Bei bedingter Immunität liegt bei Nichtaufhebung nur eine prozessuale Schranke für die Strafverfolgung vor; es fehlt an einer Prozessvoraussetzung.\n\n> «Die parlamentarische Immunität, welche die meisten schweizerischen Kantone kennen, kann bedeuten, dass ein Parlamentarier für seine Äusserungen strafrechtlich, zivilrechtlich oder disziplinarisch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. [...] Ist die Immunität dagegen in dem Sinn eine bedingte, dass sie das Parlament im Einzelfall aufheben und damit die Ermächtigung zur Strafverfolgung geben kann, so ist die Tat des Abgeordneten nicht straflos. Wird die Immunität nicht aufgehoben, liegt nur eine prozessuale Schranke für die Strafverfolgung vor, es fehlt an einer Prozessvoraussetzung.»\n\n**BGE 113 IA 187** vom 1987\nZeugnisverweigerung aufgrund parlamentarischer Immunität\nDie parlamentarische Immunität nach kantonalem Verfassungsrecht will den Abgeordneten garantieren, ihre Überlegungen zu Entscheiden des Parlaments zum Ausdruck zu bringen. Sie erlaubt nicht das Zeugnis zu verweigern im Zusammenhang mit Vorfällen ausserhalb der parlamentarischen Tätigkeit.\n\n> «La règle d'immunité [...] vise à mieux garantir l'expression par les députés des considérations à la base des décisions prises par le Grand Conseil, notamment dans le cadre de la surveillance exercée sur l'administration cantonale. Cette règle ne s'étend pas au refus de témoigner en justice sur les circonstances ayant permis à un député d'avoir connaissance d'un dossier sans l'autorisation de l'organe administratif compétent.»\n\n### II. Verfahren bei der Bundesversammlung\n\n**TPF 2008 151** vom 18. November 2008\nVerfahrensvoraussetzungen und Aufhebung der parlamentarischen Immunität\nDie Aufhebung der relativen parlamentarischen Immunität eines Ratsmitglieds durch die Bundesversammlung stellt eine Prozessvoraussetzung dar, welche vor Beginn der Strafverfolgung erfüllt sein muss. Ein Parlamentarier kann nicht beschuldigt werden, bevor die Bundesversammlung seine Immunität aufgehoben hat.\n\n> «Die Aufhebung der relativen parlamentarischen Immunität eines Ratsmitglieds durch die Bundesversammlung stellt eine Prozessvoraussetzung dar, welche vor Beginn der Strafverfolgung erfüllt sein muss. Infolgedessen ist jede Strafverfolgung bei fehlender oder verweigerter Aufhebung der Immunität ausgeschlossen. Die Zustimmung der Bundesversammlung zur Aufhebung der relativen parlamentarischen Immunität stellt somit die Ermächtigung zur Einleitung eines Strafverfahrens im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ParlG dar.»\n\n> «Ein Abgeordneter kann nicht beschuldigt werden, bevor die Bundesversammlung seine relative parlamentarische Immunität aufgehoben hat, andernfalls verlöre dieses Institut jeden Sinn, weil es genau zu verhindern bezweckt, dass ein Parlamentarier strafrechtlich verfolgt werden kann.»\n\n### III. Umfang und Grenzen der Immunität\n\n**TPF 2021 134** vom 2021\nSachlicher Umfang der Immunitätsaufhebung\nDie Aufhebung der parlamentarischen Immunität ist auf den konkret bezeichneten Sachverhaltskomplex beschränkt. Das Mandat zur Strafuntersuchung erstreckt sich nur auf den Bereich, für den die Immunität aufgehoben wurde.\n\n> «Es stehe fest, dass die Immunität von alt Bundesanwalt B. einstweilen nur in Bezug auf den Sachverhaltskomplex ‹informelle Treffen› mit dem Beschwerdeführer und weiteren Personen aufgehoben worden sei. Alleine dieser Sachverhaltskomplex bilde Gegenstand des Mandats, welches dem Beschwerdegegner von der Bundesversammlung zur Durchführung einer Strafuntersuchung erteilt worden sei.»\n\n**BB.2020.291** vom 10. März 2021\nVerfahrenshandlungen vor Immunitätsaufhebung\nVerfahrenshandlungen, die vor der rechtskräftigen Aufhebung der parlamentarischen Immunität vorgenommen werden, sind grundsätzlich nichtig. Dies betrifft insbesondere Einvernahmen und andere Zwangsmassnahmen.\n\n> «Die Schritte, welche die Bundesanwaltschaft vornehmen muss, um die Aufhebung der parlamentarischen Immunität eines einer Straftat verdächtigten Abgeordneten zu erreichen, stellen lediglich Vorbereitungshandlungen im Hinblick auf die eventuelle Eröffnung einer Strafverfolgung dar und keine Amtshandlungen bzw. Säumnis.»\n\n### IV. Bundesverfassungsrechtliche Grundsätze\n\nZu **Art. 162 Abs. 1 BV** liegt keine spezifische bundesgerichtliche Rechtsprechung vor, da die absolute Immunität für Äusserungen in den Räten und deren Organen rechtlich unbestritten ist und praktisch nicht Gegenstand gerichtlicher Verfahren wird.\n\nZu **Art. 162 Abs. 2 BV** ermächtigt das Gesetz weitere Arten der Immunität vorzusehen. Dies geschieht primär im Parlamentsgesetz (Art. 15–18 ParlG), welches die relative Immunität für Handlungen ausserhalb der parlamentarischen Tätigkeit regelt.", "summary_fr": "# Art. 162 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 162 Cst. protège les parlementaires, les conseillers fédéraux et la chancelière fédérale des conséquences juridiques de leurs déclarations au Parlement. La loi distingue deux types d'immunité (protection contre les poursuites pénales).\n\n**L'immunité absolue** s'applique à toutes les déclarations faites dans les conseils et leurs organes. Les conseillers nationaux et aux Etats ne peuvent jamais être punis pour leurs interventions en plénum, en commission ou pour leurs initiatives parlementaires - même pas pour des propos diffamatoires. Cette immunité dure à vie, même après la cessation de fonction (FF 1997 I 1, 434; Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 162 ch. 4).\n\n**L'immunité relative** protège contre les poursuites pénales pour des actes commis en dehors du Parlement. Elle peut être levée par décision de l'Assemblée fédérale. La loi sur le Parlement règle cela aux art. 15-18 LParl. Sans levée, des poursuites pénales sont impossibles (**TPF 2008 151**). L'immunité ne vaut que pour les faits concrètement désignés (**TPF 2021 134**).\n\n**Exemple** : Une conseillère nationale critique vivement un conseiller fédéral lors d'une séance de commission et lui reproche son incapacité. Elle ne peut jamais être inquiétée pour cela (immunité absolue). Mais si elle renverse quelqu'un en voiture le lendemain, il faut une décision du Parlement pour engager des poursuites pénales (immunité relative).\n\nL'immunité doit garantir le bon fonctionnement du Parlement et assurer la liberté d'expression. Elle constitue une protection de l'institution, non un privilège personnel (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 162 ch. 8; **ATF 100 IA 1** consid. 2).", "doctrine_fr": "# Art. 162 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'immunité parlementaire est un élément traditionnel du droit parlementaire suisse. Déjà la Constitution fédérale de 1848 prévoyait à l'art. 78 l'exemption de responsabilité pour les déclarations faites dans les Chambres. Le message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 434) précise que l'immunité parlementaire « garantit la liberté de parole au Parlement ainsi que la capacité de fonctionnement du Parlement ». L'art. 162 Cst. a repris la réglementation éprouvée de l'ancienne Constitution fédérale (art. 78 aCst.) avec des adaptations linguistiques.\n\n**N. 2** La révision totale de 1999 a étendu explicitement le champ d'application personnel à la chancelière ou au chancelier de la Confédération, ce que la pratique avait déjà reconnu sous l'ancienne constitution. La clause d'extension de l'al. 2 crée la base constitutionnelle pour l'immunité relative selon les art. 15-18 de la loi du 13 décembre 2002 sur l'Assemblée fédérale (LParl, RS 171.10).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 162 Cst. se trouve dans le 2e titre de la Constitution fédérale sur les autorités fédérales, dans le 1er chapitre sur l'Assemblée fédérale, dans la 2e section sur l'organisation et la procédure. L'immunité parlementaire doit être comprise systématiquement comme une garantie institutionnelle pour assurer la capacité de fonctionnement de l'Assemblée fédérale, et non comme un privilège personnel des membres des Chambres.\n\n**N. 4** La norme est en relation étroite avec :\n- → art. 148 Cst. (incompatibilités)\n- → art. 161 Cst. (interdiction d'instructions)\n- → art. 169 Cst. (haute surveillance)\n- ↔ art. 14 CEDH (interdiction de discrimination)\n- → art. 15-18 LParl (dispositions d'exécution)\n\n### 3. Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**N. 5** **Immunité absolue (al. 1)** : L'exemption de responsabilité comprend toutes les « déclarations faites dans les Chambres et dans leurs organes ». Sont protégées :\n- Les interventions en plénière du Conseil national et du Conseil des États\n- Les déclarations lors des séances de commissions\n- Le comportement de vote et les interventions écrites (motions, interpellations, initiatives parlementaires)\n\n**N. 6** Le terme « déclarations » comprend selon la doctrine dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., 4e éd. 2023, art. 162 n° 4 ; Waldmann/Belser/Epiney, CSB Cst., 2e éd. 2024, art. 162 n° 8) toute forme d'expression d'opinion dans la procédure parlementaire, indépendamment du contenu. Même les déclarations attentatoires à l'honneur ou mensongères sont protégées, pour autant qu'elles soient faites dans le contexte parlementaire.\n\n**N. 7** **Champ d'application personnel** : Sont visées :\n- Les membres de l'Assemblée fédérale (conseillers nationaux et aux États)\n- Les membres du Conseil fédéral\n- La chancelière ou le chancelier de la Confédération\n\n**N. 8** **Clause d'extension (al. 2)** : La loi peut étendre l'immunité à d'autres personnes. La LParl en fait usage pour :\n- Les suppléantes et suppléants de la Chancellerie fédérale (art. 16, al. 1, let. a LParl)\n- Les personnes qui participent aux séances de commissions (art. 16, al. 1, let. b LParl)\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** L'immunité absolue constitue un motif matériel permanent d'exclusion de la peine. Les personnes protégées ne peuvent pas « être tenues responsables au point de vue juridique » de leurs déclarations – ni pénalement, ni civilement, ni disciplinairement (Müller/Schefer, Droits fondamentaux en Suisse, 4e éd. 2008, p. 892).\n\n**N. 10** L'immunité agit de manière absolue et ne peut pas être levée, même pas par l'Assemblée fédérale elle-même. Elle persiste de manière illimitée dans le temps, même après la sortie de charge (Rhinow/Schefer/Uebersax, Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, n° 3685).\n\n**N. 11** L'immunité relative selon les art. 15-18 LParl protège contre les poursuites pénales en raison d'actes en dehors de l'activité parlementaire. Elle constitue une condition de procédure qui peut être levée par décision de la Chambre compétente (**ATF 100 IA 1** consid. 2 ; **TPF 2008 151**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Portée pour les déclarations aux médias** : Il est controversé de savoir si les déclarations faites aux médias concernant les affaires parlementaires sont couvertes par l'immunité absolue. Tandis qu'Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire saint-gallois Cst., art. 162 n° 6) défendent une interprétation restrictive et ne veulent protéger que les déclarations faites dans les salles des Chambres elles-mêmes, une opinion minoritaire (Waldmann/Belser/Epiney, CSB Cst., art. 162 n° 12) plaide pour une protection élargie en cas de lien direct avec des interventions parlementaires.\n\n**N. 13** **Limites de l'immunité absolue** : La doctrine dominante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel fédéral suisse, 10e éd. 2020, n° 1666) ne reconnaît aucune exception à l'immunité absolue. Une opinion minoritaire veut procéder à une pesée des intérêts en cas d'atteintes graves à la personnalité (critique à ce sujet : Tschannen/Zimmerli/Müller, Droit administratif général, 4e éd. 2014, § 13 n° 28).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Pour l'appréciation de la question de savoir si une déclaration est couverte par l'immunité absolue, le lieu et le contexte sont déterminants. Il importe de savoir si la déclaration a été faite « dans les Chambres et dans leurs organes ». Les conversations privées ou les déclarations lors d'assemblées de partis n'en font pas partie.\n\n**N. 15** Pour la pratique de l'immunité relative, il faut noter : La demande de levée de l'immunité doit être motivée et désigner l'accusation concrète. L'immunité n'est levée que pour les faits désignés (**TPF 2021 134**).\n\n**N. 16** Les actes de procédure antérieurs à la levée définitive de l'immunité sont nuls (**AB.2020.291**). Ceci vaut en particulier pour les auditions et les mesures de contrainte. Les autorités de poursuite pénale doivent donc impérativement attendre la levée de l'immunité.", "caselaw_fr": "# Art. 162 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### I. Fondements de l'immunité parlementaire\n\n**ATF 100 IA 1** du 23 janvier 1974\nLevée de l'immunité parlementaire par le parlement cantonal\nL'immunité parlementaire est un institut du droit public qui doit garantir un exercice aussi libre que possible de l'activité parlementaire. En cas d'immunité conditionnelle, l'absence de levée constitue seulement un obstacle procédural aux poursuites pénales ; il manque une condition de procédure.\n\n> « L'immunité parlementaire, que connaissent la plupart des cantons suisses, peut signifier qu'un parlementaire ne peut pas être tenu pour responsable pénalement, civilement ou disciplinairement de ses déclarations. [...] Si l'immunité est en revanche conditionnelle, en ce sens que le parlement peut la lever dans le cas d'espèce et donner ainsi l'autorisation d'engager des poursuites pénales, l'acte du député n'est pas exempt de peine. Si l'immunité n'est pas levée, il n'y a qu'un obstacle procédural aux poursuites pénales, il manque une condition de procédure. »\n\n**ATF 113 IA 187** de 1987\nRefus de témoigner en raison de l'immunité parlementaire\nL'immunité parlementaire selon le droit constitutionnel cantonal veut garantir aux députés d'exprimer leurs considérations sur les décisions du parlement. Elle ne permet pas de refuser de témoigner en relation avec des incidents en dehors de l'activité parlementaire.\n\n> « La règle d'immunité [...] vise à mieux garantir l'expression par les députés des considérations à la base des décisions prises par le Grand Conseil, notamment dans le cadre de la surveillance exercée sur l'administration cantonale. Cette règle ne s'étend pas au refus de témoigner en justice sur les circonstances ayant permis à un député d'avoir connaissance d'un dossier sans l'autorisation de l'organe administratif compétent. »\n\n### II. Procédure devant l'Assemblée fédérale\n\n**TPF 2008 151** du 18 novembre 2008\nConditions de procédure et levée de l'immunité parlementaire\nLa levée de l'immunité parlementaire relative d'un membre des Chambres par l'Assemblée fédérale constitue une condition de procédure qui doit être remplie avant le début des poursuites pénales. Un parlementaire ne peut pas être mis en accusation avant que l'Assemblée fédérale ait levé son immunité.\n\n> « La levée de l'immunité parlementaire relative d'un membre des Chambres par l'Assemblée fédérale constitue une condition de procédure qui doit être remplie avant le début des poursuites pénales. Par conséquent, toute poursuite pénale est exclue en cas d'absence ou de refus de levée de l'immunité. L'accord de l'Assemblée fédérale à la levée de l'immunité parlementaire relative constitue ainsi l'autorisation d'ouvrir une procédure pénale au sens de l'art. 17 al. 1 LParl. »\n\n> « Un député ne peut pas être mis en accusation avant que l'Assemblée fédérale ait levé son immunité parlementaire relative, sinon cet institut perdrait tout sens, car il vise précisément à empêcher qu'un parlementaire puisse être poursuivi pénalement. »\n\n### III. Étendue et limites de l'immunité\n\n**TPF 2021 134** de 2021\nÉtendue matérielle de la levée d'immunité\nLa levée de l'immunité parlementaire est limitée au complexe de faits concrètement désigné. Le mandat d'enquête pénale ne s'étend qu'au domaine pour lequel l'immunité a été levée.\n\n> « Il est établi que l'immunité de l'ancien procureur général de la Confédération B. n'a été levée provisoirement qu'en relation avec le complexe de faits ‹rencontres informelles› avec le recourant et d'autres personnes. Ce seul complexe de faits forme l'objet du mandat qui a été donné par l'Assemblée fédérale à l'intimé pour mener une enquête pénale. »\n\n**BB.2020.291** du 10 mars 2021\nActes de procédure avant la levée d'immunité\nLes actes de procédure entrepris avant la levée définitive de l'immunité parlementaire sont en principe nuls. Cela concerne notamment les auditions et autres mesures de contrainte.\n\n> « Les démarches que le Ministère public de la Confédération doit entreprendre pour obtenir la levée de l'immunité parlementaire d'un député soupçonné d'une infraction constituent seulement des actes préparatoires en vue de l'ouverture éventuelle de poursuites pénales et non des actes officiels respectivement une négligence. »\n\n### IV. Principes de droit constitutionnel fédéral\n\nSur l'**art. 162 al. 1 Cst.**, il n'existe pas de jurisprudence fédérale spécifique, car l'immunité absolue pour les déclarations dans les Chambres et leurs organes n'est pas juridiquement contestée et ne fait pratiquement pas l'objet de procédures judiciaires.\n\nSur l'**art. 162 al. 2 Cst.**, la loi autorise à prévoir d'autres types d'immunité. Cela se fait principalement dans la loi sur le Parlement (art. 15–18 LParl), qui règle l'immunité relative pour les actes en dehors de l'activité parlementaire.", "summary_it": "# Art. 162 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 162 Cost. protegge i membri del Parlamento, i consiglieri federali e la cancelliera della Confederazione dalle conseguenze giuridiche delle loro dichiarazioni in Parlamento. La legge distingue due tipi di immunità (protezione dal perseguimento penale).\n\nL'**immunità assoluta** vale per tutte le dichiarazioni nelle Camere e nei loro organi. I consiglieri nazionali e agli Stati non possono mai essere puniti per i loro interventi in seduta plenaria, nelle commissioni o per le iniziative parlamentari - nemmeno per dichiarazioni lesive dell'onore. Questa immunità dura per sempre, anche dopo aver lasciato la carica (FF 1997 I 1, 434; Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 162 N. 4).\n\nL'**immunità relativa** protegge dal perseguimento penale per atti compiuti al di fuori del Parlamento. Può essere revocata con decisione dell'Assemblea federale. La legge sul Parlamento lo disciplina negli art. 15-18 LParl. Senza revoca è impossibile un perseguimento penale (**TPF 2008 151**). L'immunità ha effetto solo per la fattispecie concretamente designata (**TPF 2021 134**).\n\n**Esempio**: Una consigliera nazionale critica aspramente un consigliere federale in una seduta di commissione e gli rimprovera l'incapacità. Per questo non può mai essere chiamata a rispondere (immunità assoluta). Se però il giorno dopo investisce qualcuno con l'auto, occorre una decisione parlamentare per il perseguimento penale (immunità relativa).\n\nL'immunità deve garantire la funzionalità del Parlamento e assicurare la libera espressione dell'opinione. È una protezione dell'istituzione, non un privilegio personale (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 162 N. 8; **DTF 100 IA 1** consid. 2).", "doctrine_it": "# Art. 162 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'immunità parlamentare è un elemento tradizionale del diritto parlamentare svizzero. Già la Costituzione federale del 1848 prevedeva nell'art. 78 l'esenzione da responsabilità per le dichiarazioni nelle Camere. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 370) espone che l'immunità parlamentare «garantisce la libertà di parola in Parlamento nonché la capacità di funzionamento del Parlamento». L'art. 162 Cost. ha ripreso la regolamentazione consolidata della vecchia Costituzione federale (art. 78 vCost.) con adeguamenti linguistici.\n\n**N. 2** La revisione totale del 1999 ha esteso esplicitamente l'ambito di applicazione personale alla cancelliera o al cancelliere della Confederazione, riconoscendo quanto la prassi già ammetteva sotto la vecchia Costituzione. La clausola di estensione del cpv. 2 crea la base costituzionale per l'immunità relativa secondo gli art. 15-18 della Legge sul Parlamento del 13 dicembre 2002 (LParl, RS 171.10).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 162 Cost. si trova nel Titolo 2° della Costituzione federale sulle autorità federali, nel Capitolo 1° sull'Assemblea federale, nella Sezione 2a su organizzazione e procedura. L'immunità parlamentare deve essere intesa sistematicamente come garanzia istituzionale per assicurare la capacità di funzionamento dell'Assemblea federale, non come privilegio personale dei membri delle Camere.\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata con:\n- → art. 148 Cost. (Incompatibilità)\n- → art. 161 Cost. (Divieto d'istruzioni)\n- → art. 169 Cost. (Alta vigilanza)\n- ↔ art. 14 CEDU (Divieto di discriminazione)\n- → art. 15-18 LParl (Disposizioni d'esecuzione)\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Immunità assoluta (cpv. 1)**: L'esenzione da responsabilità comprende tutte le «dichiarazioni nelle Camere e nei loro organi». Sono protette:\n- Prese di posizione nelle sedute plenarie del Consiglio nazionale e del Consiglio degli Stati\n- Dichiarazioni nelle sedute delle commissioni\n- Comportamento di voto e istanze scritte (mozioni, interpellanze, iniziative parlamentari)\n\n**N. 6** Il concetto di «dichiarazioni» comprende secondo la dottrina prevalente (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 162 n. 4; Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2a ed. 2024, art. 162 n. 8) ogni forma di espressione di opinione nel procedimento parlamentare, indipendentemente dal contenuto. Anche affermazioni lesive dell'onore o non veritiere sono protette, purché avvengano nel contesto parlamentare.\n\n**N. 7** **Ambito di applicazione personale**: Sono inclusi:\n- I membri dell'Assemblea federale (consiglieri nazionali e agli Stati)\n- I membri del Consiglio federale\n- La cancelliera o il cancelliere della Confederazione\n\n**N. 8** **Clausola di estensione (cpv. 2)**: La legge può estendere l'immunità ad altre persone. La LParl ne fa uso per:\n- I supplenti della Cancelleria federale (art. 16 cpv. 1 lett. a LParl)\n- Le persone che partecipano alle sedute delle commissioni (art. 16 cpv. 1 lett. b LParl)\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'immunità assoluta comporta un motivo di esclusione penale materiale permanente. Le persone protette non possono essere «chiamate a rispondere legalmente» per le loro dichiarazioni - né penalmente, né civilmente né disciplinarmente (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 892).\n\n**N. 10** L'immunità agisce in modo assoluto e non può essere revocata, neppure dall'Assemblea federale stessa. Sussiste senza limiti di tempo, anche dopo la cessazione dalla carica (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, n. 3685).\n\n**N. 11** L'immunità relativa secondo gli art. 15-18 LParl protegge dal perseguimento penale per azioni al di fuori dell'attività parlamentare. Costituisce un presupposto processuale che può essere revocato con decisione della Camera competente (**DTF 100 IA 1** consid. 2; **TPF 2008 151**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Portata per le dichiarazioni ai media**: È controverso se le dichiarazioni ai media su affari parlamentari siano coperte dall'immunità assoluta. Mentre Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, art. 162 n. 6) sostengono un'interpretazione restrittiva e vogliono proteggere solo le dichiarazioni nelle sale delle Camere stesse, un'opinione minoritaria (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, art. 162 n. 12) propende per una protezione estesa in caso di nesso diretto con interventi parlamentari.\n\n**N. 13** **Limiti dell'immunità assoluta**: La dottrina prevalente (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, n. 1666) non riconosce eccezioni all'immunità assoluta. Un'opinione minoritaria vuole effettuare una ponderazione degli interessi in caso di gravi lesioni della personalità (critico al riguardo: Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 13 n. 28).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nel giudicare se una dichiarazione sia coperta dall'immunità assoluta, il luogo e il contesto sono decisivi. Determinante è se la dichiarazione sia avvenuta «nelle Camere e nei loro organi». Non rientrano colloqui privati o dichiarazioni in assemblee di partito.\n\n**N. 15** Per la prassi dell'immunità relativa va osservato: La domanda di revoca dell'immunità deve essere motivata e designare il concreto rimprovero di fatto. L'immunità viene revocata solo per la fattispecie designata (**TPF 2021 134**).\n\n**N. 16** Gli atti processuali antecedenti la revoca passata in giudicato dell'immunità sono nulli (**BB.2020.291**). Ciò vale in particolare per gli interrogatori e le misure coercitive. Le autorità di perseguimento penale devono quindi imperativamente attendere la revoca dell'immunità.", "caselaw_it": "# Art. 162 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### I. Fondamenti dell'immunità parlamentare\n\n**DTF 100 IA 1** del 23 gennaio 1974\nRevoca dell'immunità parlamentare da parte del parlamento cantonale\nL'immunità parlamentare è un istituto di diritto pubblico che deve garantire un esercizio quanto più possibile libero dell'attività parlamentare. In caso di immunità condizionale, la mancata revoca costituisce solo un ostacolo processuale per il perseguimento penale; manca un presupposto processuale.\n\n> «L'immunità parlamentare, che la maggior parte dei Cantoni svizzeri conoscono, può significare che un parlamentare non può essere chiamato a rispondere penalmente, civilmente o disciplinarmente delle sue dichiarazioni. [...] Se invece l'immunità è condizionale nel senso che il parlamento può revocarla nel singolo caso e dare così l'autorizzazione al perseguimento penale, allora l'atto del deputato non è esente da pena. Se l'immunità non viene revocata, sussiste solo un ostacolo processuale per il perseguimento penale, manca un presupposto processuale.»\n\n**DTF 113 IA 187** del 1987\nRifiuto di testimoniare per immunità parlamentare\nL'immunità parlamentare secondo il diritto costituzionale cantonale vuole garantire ai deputati di esprimere le loro considerazioni sulle decisioni del parlamento. Non permette di rifiutare la testimonianza in relazione a eventi al di fuori dell'attività parlamentare.\n\n> «La règle d'immunité [...] vise à mieux garantir l'expression par les députés des considérations à la base des décisions prises par le Grand Conseil, notamment dans le cadre de la surveillance exercée sur l'administration cantonale. Cette règle ne s'étend pas au refus de témoigner en justice sur les circonstances ayant permis à un député d'avoir connaissance d'un dossier sans l'autorisation de l'organe administratif compétent.»\n\n### II. Procedura presso l'Assemblea federale\n\n**TPF 2008 151** del 18 novembre 2008\nPresupposti processuali e revoca dell'immunità parlamentare\nLa revoca dell'immunità parlamentare relativa di un membro del Consiglio da parte dell'Assemblea federale costituisce un presupposto processuale che deve essere adempiuto prima dell'inizio del perseguimento penale. Un parlamentare non può essere accusato prima che l'Assemblea federale abbia revocato la sua immunità.\n\n> «La revoca dell'immunità parlamentare relativa di un membro del Consiglio da parte dell'Assemblea federale costituisce un presupposto processuale che deve essere adempiuto prima dell'inizio del perseguimento penale. Di conseguenza, ogni perseguimento penale è escluso in caso di mancata o rifiutata revoca dell'immunità. Il consenso dell'Assemblea federale alla revoca dell'immunità parlamentare relativa costituisce dunque l'autorizzazione all'apertura di un procedimento penale nel senso dell'art. 17 cpv. 1 LParl.»\n\n> «Un deputato non può essere accusato prima che l'Assemblea federale abbia revocato la sua immunità parlamentare relativa, altrimenti questo istituto perderebbe ogni senso, poiché è precisamente destinato a impedire che un parlamentare possa essere perseguito penalmente.»\n\n### III. Portata e limiti dell'immunità\n\n**TPF 2021 134** del 2021\nPortata materiale della revoca dell'immunità\nLa revoca dell'immunità parlamentare è limitata al complesso di fatti concretamente designato. Il mandato per l'inchiesta penale si estende solo all'ambito per il quale l'immunità è stata revocata.\n\n> «È stabilito che l'immunità dell'ex procuratore generale della Confederazione B. è stata revocata provvisoriamente solo in relazione al complesso di fatti ‹incontri informali› con il ricorrente e altre persone. Solo questo complesso di fatti costituisce l'oggetto del mandato che è stato conferito dal convenuto dall'Assemblea federale per condurre un'inchiesta penale.»\n\n**BB.2020.291** del 10 marzo 2021\nAtti processuali prima della revoca dell'immunità\nGli atti processuali compiuti prima della revoca passata in giudicato dell'immunità parlamentare sono in linea di principio nulli. Ciò riguarda in particolare gli interrogatori e altre misure coercitive.\n\n> «I passi che il Ministero pubblico della Confederazione deve intraprendere per ottenere la revoca dell'immunità parlamentare di un deputato sospettato di un reato costituiscono solo atti preparatori in vista dell'eventuale apertura di un perseguimento penale e non atti d'ufficio o omissioni.»\n\n### IV. Principi di diritto costituzionale federale\n\nPer **l'art. 162 cpv. 1 Cost.** non esiste giurisprudenza specifica del Tribunale federale, poiché l'immunità assoluta per le dichiarazioni nelle Camere e nei loro organi è giuridicamente indiscussa e praticamente non è oggetto di procedimenti giudiziari.\n\n**L'art. 162 cpv. 2 Cost.** autorizza la legge a prevedere altri tipi di immunità. Ciò avviene principalmente nella Legge sul Parlamento (art. 15–18 LParl), che disciplina l'immunità relativa per gli atti al di fuori dell'attività parlamentare.", "summary_en": "# Art. 162 BV\n\n## Overview\n\nArt. 162 BV protects members of Parliament, Federal Councillors and the Federal Chancellor from legal consequences of their statements in Parliament. The law distinguishes two types of immunity (protection from criminal prosecution).\n\n**Absolute immunity** applies to all statements in the councils and their organs. Members of the National Council and Council of States can never be punished for their speeches in plenary sessions, in committees or for parliamentary initiatives - not even for defamatory statements. This immunity lasts forever, even after leaving office (BBl 1997 I 1, 434; Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 162 N. 4).\n\n**Relative immunity** protects against criminal prosecution for actions outside Parliament. It can be lifted by resolution of the Federal Assembly. The Parliamentary Act regulates this in Art. 15-18 ParlA. Without lifting the immunity, criminal prosecution is impossible (**TPF 2008 151**). The immunity applies only to the specifically designated facts (**TPF 2021 134**).\n\n**Example**: A National Councillor sharply criticises a Federal Councillor in a committee meeting and accuses him of incompetence. She can never be held liable for this (absolute immunity). However, if she runs someone over with her car the next day, a parliamentary resolution is required for criminal prosecution (relative immunity).\n\nImmunity is intended to ensure the functioning of Parliament and guarantee freedom of expression. It is protection of the institution, not a personal privilege (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 162 N. 8; **BGE 100 IA 1** E. 2).", "doctrine_en": "# Art. 162 FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** Parliamentary immunity is a traditional component of Swiss parliamentary law. The Federal Constitution of 1848 already recognised freedom from liability for statements made in the chambers in Art. 78. The Dispatch on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 434) states that parliamentary immunity «secures freedom of speech in parliament and the functional capacity of parliament». Art. 162 FC adopted the proven regulation of the old Federal Constitution (Art. 78 old FC) with linguistic adjustments.\n\n**N. 2** The total revision of 1999 explicitly extended the personal scope of application to the Federal Chancellor, which practice had already recognised under the old constitution. The extension clause in para. 2 creates the constitutional basis for the relative immunity according to Art. 15-18 of the Parliament Act of 13 December 2002 (ParlA, SR 171.10).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 162 FC stands in Title 2 of the Federal Constitution on the federal authorities, in Chapter 1 on the Federal Assembly, in Section 2 on organisation and procedure. Parliamentary immunity is systematically to be understood as an institutional guarantee to ensure the functional capacity of the Federal Assembly, not as a personal privilege of the members of the chambers.\n\n**N. 4** The norm is closely related to:\n- → Art. 148 FC (Incompatibilities)\n- → Art. 161 FC (Prohibition of instructions)\n- → Art. 169 FC (Supreme oversight)\n- ↔ Art. 14 ECHR (Prohibition of discrimination)\n- → Art. 15-18 ParlA (Implementing provisions)\n\n### 3. Elements of the offence / Normative content\n\n**N. 5** **Absolute immunity (para. 1)**: Freedom from liability covers all «statements in the chambers and in their organs». Protected are:\n- Speeches in the plenary of the National Council and Council of States\n- Statements in committee meetings\n- Voting behaviour and written submissions (motions, interpellations, parliamentary initiatives)\n\n**N. 6** The term «statements» encompasses according to prevailing doctrine (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, 4th ed. 2023, Art. 162 N. 4; Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, 2nd ed. 2024, Art. 162 N. 8) every form of expression of opinion in the parliamentary procedure, regardless of content. Even defamatory or untrue statements are protected, provided they occur in the parliamentary context.\n\n**N. 7** **Personal scope of application**: Covered are:\n- Members of the Federal Assembly (National Councillors and Councillors of States)\n- Members of the Federal Council\n- The Federal Chancellor\n\n**N. 8** **Extension clause (para. 2)**: The law may extend immunity to other persons. The ParlA makes use of this for:\n- Deputy Federal Chancellors (Art. 16 para. 1 lit. a ParlA)\n- Persons who participate in committee meetings (Art. 16 para. 1 lit. b ParlA)\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 9** Absolute immunity effects a permanent material ground for exclusion from punishment. The protected persons cannot be «held legally responsible» for their statements - neither under criminal, civil nor disciplinary law (Müller/Schefer, Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, p. 892).\n\n**N. 10** The immunity operates absolutely and cannot be lifted, not even by the Federal Assembly itself. It continues indefinitely, even after leaving office (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N 3685).\n\n**N. 11** The relative immunity according to Art. 15-18 ParlA protects from criminal prosecution for acts outside parliamentary activity. It constitutes a procedural requirement that can be lifted by decision of the competent chamber (**BGE 100 IA 1** E. 2; **TPF 2008 151**).\n\n### 5. Disputed issues\n\n**N. 12** **Scope for media statements**: It is disputed whether statements to the media about parliamentary business are covered by absolute immunity. While Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary FC, Art. 162 N. 6) advocate a narrow interpretation and want to protect only statements in the chamber halls themselves, a minority opinion (Waldmann/Belser/Epiney, BSK FC, Art. 162 N. 12) argues for extended protection where there is a direct connection with parliamentary initiatives.\n\n**N. 13** **Limits of absolute immunity**: The prevailing doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal State Law, 10th ed. 2020, N 1666) recognises no exceptions to absolute immunity. A minority opinion wants to undertake a balancing of interests in cases of serious personality violations (critical thereof: Tschannen/Zimmerli/Müller, General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 13 N 28).\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 14** In assessing whether a statement is covered by absolute immunity, the place and context are decisive. The decisive factor is whether the statement was made «in the chambers and in their organs». Private conversations or statements at party assemblies do not fall under this.\n\n**N. 15** For the practice of relative immunity, it should be noted: The application for lifting of immunity must be reasoned and designate the concrete allegation. The immunity is only lifted for the designated facts (**TPF 2021 134**).\n\n**N. 16** Procedural acts before legally binding lifting of immunity are null and void (**BB.2020.291**). This applies in particular to interrogations and coercive measures. The criminal prosecution authorities must therefore mandatorily await the lifting of immunity.", "caselaw_en": "# Art. 162 BV\n\n## Case Law\n\n### I. Foundations of Parliamentary Immunity\n\n**BGE 100 IA 1** of 23 January 1974\nLifting of parliamentary immunity by cantonal parliament\nParliamentary immunity is an institution of constitutional law that is intended to ensure the freest possible exercise of parliamentary activity. In the case of conditional immunity, failure to lift immunity constitutes only a procedural barrier to criminal prosecution; a procedural requirement is lacking.\n\n> «Parliamentary immunity, which most Swiss cantons recognize, can mean that a parliamentarian cannot be held criminally, civilly or disciplinarily liable for his statements. [...] If, however, immunity is conditional in the sense that parliament can lift it in individual cases and thus give authorization for criminal prosecution, then the deputy's act is not exempt from punishment. If immunity is not lifted, there is only a procedural barrier to criminal prosecution; a procedural requirement is lacking.»\n\n**BGE 113 IA 187** of 1987\nRefusal to testify based on parliamentary immunity\nParliamentary immunity under cantonal constitutional law is intended to guarantee deputies the right to express their considerations regarding parliament's decisions. It does not permit the refusal to testify in connection with incidents outside parliamentary activity.\n\n> «La règle d'immunité [...] vise à mieux garantir l'expression par les députés des considérations à la base des décisions prises par le Grand Conseil, notamment dans le cadre de la surveillance exercée sur l'administration cantonale. Cette règle ne s'étend pas au refus de témoigner en justice sur les circonstances ayant permis à un député d'avoir connaissance d'un dossier sans l'autorisation de l'organe administratif compétent.»\n\n### II. Federal Assembly Procedure\n\n**TPF 2008 151** of 18 November 2008\nProcedural requirements and lifting of parliamentary immunity\nThe lifting of relative parliamentary immunity of a member of parliament by the Federal Assembly constitutes a procedural requirement that must be fulfilled before criminal prosecution begins. A parliamentarian cannot be accused before the Federal Assembly has lifted his immunity.\n\n> «The lifting of relative parliamentary immunity of a member of parliament by the Federal Assembly constitutes a procedural requirement that must be fulfilled before criminal prosecution begins. Consequently, any criminal prosecution is excluded in the absence of or upon refusal to lift immunity. The Federal Assembly's consent to lift relative parliamentary immunity thus constitutes authorization to initiate criminal proceedings within the meaning of Art. 17 para. 1 ParlA.»\n\n> «A deputy cannot be accused before the Federal Assembly has lifted his relative parliamentary immunity, otherwise this institution would lose all meaning, because it is precisely intended to prevent a parliamentarian from being criminally prosecuted.»\n\n### III. Scope and Limits of Immunity\n\n**TPF 2021 134** of 2021\nMaterial scope of immunity lifting\nThe lifting of parliamentary immunity is limited to the specifically designated set of facts. The mandate for criminal investigation extends only to the area for which immunity was lifted.\n\n> «It is established that the immunity of former Attorney General B. has been lifted for the time being only in relation to the set of facts ‹informal meetings› with the appellant and other persons. This set of facts alone forms the subject of the mandate that was granted to the respondent by the Federal Assembly to conduct a criminal investigation.»\n\n**BB.2020.291** of 10 March 2021\nProcedural acts before immunity lifting\nProcedural acts performed before the legally binding lifting of parliamentary immunity are fundamentally null and void. This particularly concerns interrogations and other coercive measures.\n\n> «The steps that the Office of the Attorney General must take to achieve the lifting of parliamentary immunity of a deputy suspected of a criminal offense constitute merely preparatory acts with a view to the possible opening of criminal prosecution and not official acts or default.»\n\n### IV. Federal Constitutional Principles\n\nRegarding **Art. 162 para. 1 BV**, no specific federal court case law exists, as absolute immunity for statements in the chambers and their organs is legally undisputed and practically does not become the subject of judicial proceedings.\n\nRegarding **Art. 162 para. 2 BV**, the law authorizes the provision of additional types of immunity. This occurs primarily in the Parliament Act (Art. 15–18 ParlA), which regulates relative immunity for acts outside parliamentary activity.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_162", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 163, "article_suffix": "", "title": "Form der Erlasse der Bundesversammlung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 163 BV regelt, in welcher Form die Bundesversammlung (das Parlament) ihre Beschlüsse fassen kann. Die Norm unterscheidet zwischen zwei Hauptkategorien von Parlamentsentscheiden.\n\nFür rechtsetzende Bestimmungen stehen zwei Formen zur Verfügung. Bundesgesetze sind die normale Form für neue Regeln, die für alle Bürger gelten. Sie können durch das Volk an der Urne abgelehnt werden (fakultatives Referendum). Ein Beispiel ist das Strafgesetzbuch oder das Arbeitsgesetz. Verordnungen der Bundesversammlung sind seltener und werden nur in Notfällen oder wenn das Gesetz dies ausdrücklich erlaubt verwendet.\n\nAlle anderen Parlamentsbeschlüsse ergehen als Bundesbeschlüsse. Diese teilen sich in zwei Gruppen auf: Solche, die dem Referendum unterstehen, und einfache Bundesbeschlüsse ohne Referendumsmöglichkeit. Einfache Bundesbeschlüsse betreffen hauptsächlich interne Angelegenheiten des Parlaments wie Wahlen, das Budget oder die Genehmigung gewisser Staatsverträge.\n\nDie Wahl der richtigen Form ist wichtig, weil sie bestimmt, ob das Volk mitentscheiden kann. Bei Bundesgesetzen hat das Volk immer das letzte Wort, wenn genügend Unterschriften gesammelt werden. Bei einfachen Bundesbeschlüssen gibt es diese Möglichkeit nicht.\n\nEin praktisches Beispiel: Will das Parlament neue Verkehrsregeln einführen, muss es ein Bundesgesetz erlassen. Das Volk kann dann das Referendum ergreifen. Will es hingegen den Bundesrat wählen, geschieht dies durch einen einfachen Bundesbeschluss ohne Referendumsmöglichkeit.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 163 BV entstammt der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Bestimmung entspricht inhaltlich weitgehend Art. 5 Abs. 1 aBV (1874), präzisiert aber die verschiedenen Erlassformen der Bundesversammlung. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betont, dass die Norm \"die verschiedenen Erlasstypen der Bundesversammlung ausdrücklich\" nennt (BBl 1997 I 412). Die Verfassungsrevision zielte darauf ab, die in der Praxis entwickelten Unterscheidungen zwischen verschiedenen Erlassformen verfassungsrechtlich zu verankern.\n\n**N. 2** Die explizite Erwähnung der Verordnung als rechtsetzende Erlassform in Abs. 1 war eine Neuerung gegenüber der alten Bundesverfassung. Damit wurde die Praxis kodifiziert, dass die Bundesversammlung in bestimmten Fällen selbst Verordnungen erlassen kann, etwa bei dringlichen Massnahmen oder wenn das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht (BBl 1997 I 412).\n\n## Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 163 BV steht im 5. Titel über die Bundesbehörden, im 1. Kapitel über die Bundesversammlung. Die Bestimmung definiert die Handlungsformen des Parlaments und ist eng verknüpft mit:\n- → Art. 164 BV (Rechtsetzung, insbesondere Gesetzesform)\n- → Art. 165 BV (Dringlichkeitsrecht)\n- → Art. 141 BV (Fakultatives Referendum)\n- → Art. 141a BV (Obligatorisches Referendum)\n\n**N. 4** Die Norm bildet zusammen mit Art. 164 BV das Kernstück des parlamentarischen Rechtsetzungsverfahrens. Während Art. 163 BV die Erlassformen regelt, bestimmt Art. 164 BV, welche Materien zwingend in Gesetzesform zu erlassen sind (Legalitätsprinzip).\n\n## Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Rechtsetzende Bestimmungen (Abs. 1)\n\n**N. 5** Rechtsetzende Bestimmungen sind generell-abstrakte Normen, die eine unbestimmte Vielzahl von Adressaten und Sachverhalten erfassen. Nach der Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1843) zeichnen sich rechtsetzende Erlasse durch folgende Merkmale aus:\n- Generalität (unbestimmte Vielzahl von Adressaten)\n- Abstraktion (unbestimmte Vielzahl von Sachverhalten)\n- Verbindlichkeit nach aussen\n\n**N. 6** Die Bundesversammlung hat für rechtsetzende Bestimmungen zwei Formen zur Verfügung:\n\n**Bundesgesetz**: Die ordentliche Form für rechtsetzende Erlasse. Bundesgesetze unterliegen dem fakultativen Referendum (→ Art. 141 Abs. 1 lit. a BV) und müssen das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.\n\n**Verordnung der Bundesversammlung**: Eine ausserordentliche Form, die nur in gesetzlich vorgesehenen Fällen oder bei Dringlichkeit zur Anwendung kommt. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 2848) betonen den Ausnahmecharakter parlamentarischer Verordnungen.\n\n### Bundesbeschlüsse (Abs. 2)\n\n**N. 7** Bundesbeschlüsse sind alle Erlasse der Bundesversammlung, die nicht rechtsetzenden Charakter haben. Die Verfassung unterscheidet zwei Kategorien:\n- **Referendumspflichtige Bundesbeschlüsse**: Unterliegen dem fakultativen oder obligatorischen Referendum\n- **Einfache Bundesbeschlüsse**: Nicht dem Referendum unterstellt\n\n**N. 8** Einfache Bundesbeschlüsse betreffen typischerweise:\n- Wahlen (→ Art. 157 BV, Art. 168 BV)\n- Genehmigung von Staatsverträgen ohne Referendumspflicht\n- Budget und Staatsrechnung (→ Art. 167 BV)\n- Verwaltungsinterne Angelegenheiten\n\n## Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Wahl der Erlassform hat bedeutende rechtliche Konsequenzen:\n\n**Für Bundesgesetze**:\n- Fakultatives Referendum möglich (→ Art. 141 Abs. 1 lit. a BV)\n- Publikation in der Amtlichen Sammlung (AS)\n- Unterliegen der Normenkontrolle durch das Bundesgericht (→ Art. 189 Abs. 4 BV)\n\n**N. 10** **Für parlamentarische Verordnungen**:\n- Grundsätzlich kein Referendum, ausser bei selbständigen Verordnungen\n- Publikation in der AS bei Aussenwirkung\n- Beschränkte gerichtliche Überprüfung\n\n**N. 11** **Für Bundesbeschlüsse**:\n- Je nach Art Referendumspflicht oder nicht\n- Einfache Bundesbeschlüsse werden nur im Bundesblatt publiziert\n- Keine direkte Anfechtbarkeit beim Bundesgericht\n\n## Streitstände\n\n**N. 12** Die Abgrenzung zwischen rechtsetzenden und nicht-rechtsetzenden Erlassen ist in der Doktrin umstritten. Während Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 20 N 15) für eine formelle Betrachtungsweise plädieren, vertritt Müller (in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 163 N 8) eine materielle Abgrenzung nach dem Norminhalt.\n\n**N. 13** Kontrovers diskutiert wird auch die Zulässigkeit von Einzelfallgesetzen. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (a.a.O., N 1851) anerkennen deren Zulässigkeit in Ausnahmefällen, während Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 163 N 4) restriktiver ist und auf die Gefahr der Umgehung der Gewaltenteilung hinweist.\n\n**N. 14** Bei den parlamentarischen Verordnungen besteht Uneinigkeit über deren Anwendungsbereich. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 163 N 15) sieht diese auf Dringlichkeitsfälle beschränkt, während Waldmann (in: BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 163 N 22) auch andere gesetzlich vorgesehene Fälle anerkennt.\n\n## Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Wahl der Erlassform ist primär der Inhalt massgebend: Sollen generell-abstrakte Regelungen mit Aussenwirkung geschaffen werden, ist zwingend eine rechtsetzende Form (Bundesgesetz oder Verordnung) zu wählen. Die Bezeichnung durch die Bundesversammlung ist nicht entscheidend (**BGE 128 II 66** E. 2.2).\n\n**N. 16** Für die Praxis bedeutsam ist die Referendumsfähigkeit: Soll ein Erlass dem fakultativen Referendum unterstellt werden, muss die Form des Bundesgesetzes oder des referendumspflichtigen Bundesbeschlusses gewählt werden. Die nachträgliche Änderung der Erlassform ist nicht möglich.\n\n**N. 17** Bei Staatsverträgen ist zu beachten: Die Genehmigung erfolgt durch Bundesbeschluss, wobei je nach Inhalt des Vertrags das fakultative oder obligatorische Referendum gilt (→ Art. 140 Abs. 1 lit. b BV, Art. 141 Abs. 1 lit. d BV). Der Bundesbeschluss über die Genehmigung ist kein rechtsetzender Erlass im Sinne von Art. 163 Abs. 1 BV.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Abgrenzung rechtsetzender und nicht-rechtsetzender Erlasse\n\n**BGE 128 II 66** vom 6. November 2001  \nStaatsrechtliche Beschwerde als einziges zulässiges Rechtsmittel gegen kantonale rechtsetzende Erlasse.  \nDas Urteil bestätigt die zentrale Bedeutung der Unterscheidung zwischen rechtsetzenden und nicht-rechtsetzenden Erlassen für die Rechtsmittelordnung.  \n\n> «Die staatsrechtliche Beschwerde ist das einzige zulässige Rechtsmittel für die Anfechtung eines kantonalen (rechtsetzenden) Erlasses, selbst wenn dieser eine Materie betrifft, welche in den Geltungsbereich von Art. 73 Abs. 1 StHG fällt.»\n\n## Referendum und rechtsetzende Erlasse\n\n**BGE 99 IA 518** vom 24. Oktober 1973  \nGegenstand des Referendums bei rechtsetzenden Erlassen.  \nDas Bundesgericht präzisiert, dass sich das Referendum grundsätzlich auf den gesamten rechtsetzenden Erlass beziehen muss.  \n\n> «Referendum gegen einen rechtsetzenden Erlass. Muss sich das Referendum auf den Erlass als Ganzes beziehen oder kann es sich auch nur gegen einzelne seiner Bestimmungen richten?»\n\n**1C_607/2012** vom 5. Juni 2013  \nReferendumsverfahren bei Bundesbeschlüssen über Staatsvertragsgenemmigungen.  \nDas Verfahren betraf das Nicht-Zustandekommen des Referendums gegen Bundesbeschlüsse über die Genehmigung von Staatsverträgen mit Deutschland und anderen Ländern.  \n\n> «Die Referendumsfrist von 100 Tagen (Art. 141 Abs. 1 BV) beginnt mit der amtlichen Veröffentlichung des Bundesbeschlusses im Bundesblatt.»\n\n## Unterscheidung zwischen allgemeinverbindlichen und einfachen Bundesbeschlüssen\n\n**BGE 102 IA 167** vom 31. März 1976  \nGemeindeautonomie und allgemeinverbindliche Erlasse.  \nDas Bundesgericht unterscheidet zwischen verschiedenen Formen allgemeinverbindlicher Erlasse auf kommunaler Ebene.  \n\n> «Die schwyzerischen Gemeinden geniessen beim Erlass kommunaler Richtpläne, ebenso wie bei der Schaffung allgemeinverbindlicher Nutzungspläne, den Schutz der Gemeindeautonomie.»\n\n**BGE 93 I 666** vom 10. November 1967  \nRechtswirkungen von Bundesbeschlüssen nach deren Dahinfallen.  \nDas Urteil behandelt die Kontinuität von Rechtswirkungen auch nach dem Erlöschen eines Bundesbeschlusses.  \n\n> «Die Rückerstattung eines Bundesbeitrages, der auf Grund des Bundesbeschlusses über Massnahmen zur Förderung der Wohnbautätigkeit vom 8. Oktober 1947 gewährt worden ist, kann auch noch verlangt werden, nachdem dieser Beschluss dahingefallen ist.»\n\n## Gesetzgebungskompetenz und Delegationsgrenzen\n\n**BGE 141 II 169** vom 30. März 2015  \nDelegationsgrenzen bei der Übertragung von Kompetenzen durch Bundesrat-Verordnungen.  \nDas Urteil präzisiert die verfassungsrechtlichen Grenzen der Delegation von Gesetzgebungskompetenzen.  \n\n> «Die Übertragung der Zustimmungsbefugnis für die Erteilung oder Verlängerung einer ausländerrechtlichen Bewilligung an das Staatssekretariat durch den Bundesrat verletzt in den Fällen von Art. 85 Abs. 1 lit. a und b VZAE die Delegationsgrenzen.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 163 Cst. règle la forme sous laquelle l'Assemblée fédérale (le Parlement) peut prendre ses décisions. La norme distingue entre deux catégories principales de décisions parlementaires.\n\nPour les dispositions normatives, deux formes sont disponibles. Les lois fédérales sont la forme normale pour de nouvelles règles qui s'appliquent à tous les citoyens. Elles peuvent être rejetées par le peuple aux urnes (référendum facultatif). Un exemple est le code pénal ou la loi sur le travail. Les ordonnances de l'Assemblée fédérale sont plus rares et ne sont utilisées qu'en cas d'urgence ou lorsque la loi l'autorise expressément.\n\nToutes les autres décisions parlementaires sont prises sous forme d'arrêtés fédéraux. Ceux-ci se divisent en deux groupes : ceux qui sont soumis au référendum et les arrêtés fédéraux simples sans possibilité de référendum. Les arrêtés fédéraux simples concernent principalement les affaires internes du Parlement comme les élections, le budget ou l'approbation de certains traités internationaux.\n\nLe choix de la forme appropriée est important car il détermine si le peuple peut participer à la décision. Pour les lois fédérales, le peuple a toujours le dernier mot si suffisamment de signatures sont recueillies. Pour les arrêtés fédéraux simples, cette possibilité n'existe pas.\n\nUn exemple pratique : si le Parlement veut introduire de nouvelles règles de circulation, il doit adopter une loi fédérale. Le peuple peut alors lancer le référendum. S'il veut par contre élire le Conseil fédéral, cela se fait par un arrêté fédéral simple sans possibilité de référendum.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## Historique\n\n**N. 1** L'art. 163 Cst. est issu de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition correspond pour l'essentiel à l'art. 5 al. 1 aCst. (1874), mais précise les différentes formes d'actes de l'Assemblée fédérale. Le message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligne que la norme « mentionne expressément les différents types d'actes de l'Assemblée fédérale » (FF 1997 I 412). La révision constitutionnelle visait à ancrer au niveau constitutionnel les distinctions développées dans la pratique entre les différentes formes d'actes.\n\n**N. 2** La mention explicite de l'ordonnance comme forme d'acte législatif à l'al. 1 constituait une nouveauté par rapport à l'ancienne Constitution fédérale. Cela codifiait la pratique selon laquelle l'Assemblée fédérale peut elle-même édicter des ordonnances dans certains cas, notamment lors de mesures urgentes ou lorsque la loi le prévoit expressément (FF 1997 I 412).\n\n## Placement systématique\n\n**N. 3** L'art. 163 Cst. figure au titre 5 relatif aux autorités fédérales, au chapitre 1 concernant l'Assemblée fédérale. Cette disposition définit les formes d'action du parlement et est étroitement liée à :\n- → Art. 164 Cst. (législation, notamment forme légale)\n- → Art. 165 Cst. (droit d'urgence)\n- → Art. 141 Cst. (référendum facultatif)\n- → Art. 141a Cst. (référendum obligatoire)\n\n**N. 4** Cette norme forme, avec l'art. 164 Cst., le noyau de la procédure législative parlementaire. Tandis que l'art. 163 Cst. règle les formes d'actes, l'art. 164 Cst. détermine quelles matières doivent impérativement être édictées sous forme légale (principe de légalité).\n\n## Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Dispositions législatives (al. 1)\n\n**N. 5** Les dispositions législatives sont des normes générales-abstraites qui saisissent un nombre indéterminé de destinataires et de situations. Selon la doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1843), les actes législatifs se caractérisent par les éléments suivants :\n- Généralité (nombre indéterminé de destinataires)\n- Abstraction (nombre indéterminé de situations)\n- Force obligatoire à l'égard des tiers\n\n**N. 6** L'Assemblée fédérale dispose de deux formes pour les dispositions législatives :\n\n**Loi fédérale** : La forme ordinaire pour les actes législatifs. Les lois fédérales sont soumises au référendum facultatif (→ art. 141 al. 1 let. a Cst.) et doivent suivre la procédure législative ordinaire.\n\n**Ordonnance de l'Assemblée fédérale** : Une forme extraordinaire qui ne s'applique que dans les cas prévus par la loi ou en cas d'urgence. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 2848) soulignent le caractère exceptionnel des ordonnances parlementaires.\n\n### Arrêtés fédéraux (al. 2)\n\n**N. 7** Les arrêtés fédéraux sont tous les actes de l'Assemblée fédérale qui n'ont pas de caractère législatif. La Constitution distingue deux catégories :\n- **Arrêtés fédéraux sujets au référendum** : Soumis au référendum facultatif ou obligatoire\n- **Arrêtés fédéraux simples** : Non soumis au référendum\n\n**N. 8** Les arrêtés fédéraux simples concernent typiquement :\n- Les élections (→ art. 157 Cst., art. 168 Cst.)\n- L'approbation de traités internationaux sans obligation référendaire\n- Le budget et les comptes d'État (→ art. 167 Cst.)\n- Les affaires internes à l'administration\n\n## Conséquences juridiques\n\n**N. 9** Le choix de la forme d'acte a des conséquences juridiques importantes :\n\n**Pour les lois fédérales** :\n- Référendum facultatif possible (→ art. 141 al. 1 let. a Cst.)\n- Publication au Recueil officiel (RO)\n- Soumises au contrôle des normes par le Tribunal fédéral (→ art. 189 al. 4 Cst.)\n\n**N. 10** **Pour les ordonnances parlementaires** :\n- En principe pas de référendum, sauf pour les ordonnances autonomes\n- Publication au RO en cas d'effet externe\n- Contrôle judiciaire limité\n\n**N. 11** **Pour les arrêtés fédéraux** :\n- Selon le type, obligation référendaire ou non\n- Les arrêtés fédéraux simples ne sont publiés que dans la Feuille fédérale\n- Pas de possibilité d'attaque directe devant le Tribunal fédéral\n\n## Points controversés\n\n**N. 12** La délimitation entre actes législatifs et non législatifs est controversée dans la doctrine. Alors que Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 20 N 15) plaident pour une approche formelle, Müller (in: St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 163 N 8) défend une délimitation matérielle selon le contenu de la norme.\n\n**N. 13** L'admissibilité de lois d'espèce est également discutée de manière controversée. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., N 1851) reconnaissent leur admissibilité dans des cas exceptionnels, tandis que Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 163 N 4) est plus restrictif et met en garde contre le risque de contournement de la séparation des pouvoirs.\n\n**N. 14** Concernant les ordonnances parlementaires, il existe un désaccord sur leur champ d'application. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 163 N 15) les voit limitées aux cas d'urgence, tandis que Waldmann (in: BSK BV, 2e éd. 2024, art. 163 N 22) reconnaît aussi d'autres cas prévus par la loi.\n\n## Conseils pratiques\n\n**N. 15** Pour le choix de la forme d'acte, c'est principalement le contenu qui est déterminant : si l'on veut créer des règlementations générales-abstraites avec effet externe, il faut impérativement choisir une forme législative (loi fédérale ou ordonnance). La dénomination par l'Assemblée fédérale n'est pas décisive (**ATF 128 II 66** consid. 2.2).\n\n**N. 16** Pour la pratique, la capacité référendaire est importante : si un acte doit être soumis au référendum facultatif, il faut choisir la forme de la loi fédérale ou de l'arrêté fédéral sujet au référendum. La modification ultérieure de la forme d'acte n'est pas possible.\n\n**N. 17** Pour les traités internationaux, il faut noter : l'approbation se fait par arrêté fédéral, le référendum facultatif ou obligatoire s'appliquant selon le contenu du traité (→ art. 140 al. 1 let. b Cst., art. 141 al. 1 let. d Cst.). L'arrêté fédéral portant approbation n'est pas un acte législatif au sens de l'art. 163 al. 1 Cst.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Distinction entre actes normatifs et actes non normatifs\n\n**ATF 128 II 66** du 6 novembre 2001  \nLe recours de droit public comme seul recours admissible contre les actes normatifs cantonaux.  \nL'arrêt confirme l'importance centrale de la distinction entre actes normatifs et actes non normatifs pour l'ordre des voies de droit.  \n\n> « Le recours de droit public est le seul recours admissible pour contester un acte (normatif) cantonal, même si celui-ci concerne une matière qui relève du champ d'application de l'art. 73 al. 1 LHID. »\n\n## Référendum et actes normatifs\n\n**ATF 99 IA 518** du 24 octobre 1973  \nObjet du référendum concernant les actes normatifs.  \nLe Tribunal fédéral précise que le référendum doit en principe porter sur l'ensemble de l'acte normatif.  \n\n> « Référendum contre un acte normatif. Le référendum doit-il porter sur l'acte dans son ensemble ou peut-il aussi ne viser que certaines de ses dispositions ? »\n\n**1C_607/2012** du 5 juin 2013  \nProcédure référendaire concernant les arrêtés fédéraux portant approbation de traités internationaux.  \nLa procédure concernait l'aboutissement du référendum contre des arrêtés fédéraux portant approbation de traités internationaux avec l'Allemagne et d'autres pays.  \n\n> « Le délai référendaire de 100 jours (art. 141 al. 1 Cst.) commence à courir dès la publication officielle de l'arrêté fédéral dans la Feuille fédérale. »\n\n## Distinction entre arrêtés fédéraux de portée générale et arrêtés fédéraux simples\n\n**ATF 102 IA 167** du 31 mars 1976  \nAutonomie communale et actes de portée générale.  \nLe Tribunal fédéral distingue entre différentes formes d'actes de portée générale au niveau communal.  \n\n> « Les communes schwyzoises jouissent, lors de l'adoption de plans directeurs communaux, ainsi que lors de la création de plans d'affectation de portée générale, de la protection de l'autonomie communale. »\n\n**ATF 93 I 666** du 10 novembre 1967  \nEffets juridiques des arrêtés fédéraux après leur caducité.  \nL'arrêt traite de la continuité des effets juridiques même après l'extinction d'un arrêté fédéral.  \n\n> « La restitution d'une subvention fédérale qui a été accordée en vertu de l'arrêté fédéral concernant les mesures propres à encourager la construction de logements du 8 octobre 1947 peut encore être exigée après que cet arrêté soit devenu caduc. »\n\n## Compétence législative et limites de délégation\n\n**ATF 141 II 169** du 30 mars 2015  \nLimites de délégation lors du transfert de compétences par des ordonnances du Conseil fédéral.  \nL'arrêt précise les limites constitutionnelles de la délégation de compétences législatives.  \n\n> « Le transfert de la compétence d'approbation pour l'octroi ou la prolongation d'une autorisation de droit des étrangers au Secrétariat d'État par le Conseil fédéral viole les limites de délégation dans les cas de l'art. 85 al. 1 let. a et b OASA. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 163 Cost. disciplina in quale forma l'Assemblea federale (il Parlamento) può adottare le sue decisioni. La norma distingue tra due categorie principali di decisioni parlamentari.\n\nPer le disposizioni normative sono disponibili due forme. Le leggi federali sono la forma normale per nuove regole che si applicano a tutti i cittadini. Esse possono essere respinte dal popolo alle urne (referendum facoltativo). Un esempio è il Codice penale o la Legge sul lavoro. Le ordinanze dell'Assemblea federale sono più rare e vengono utilizzate solo in casi di emergenza o quando la legge lo consente espressamente.\n\nTutte le altre decisioni parlamentari sono adottate sotto forma di decreti federali. Questi si dividono in due gruppi: quelli sottoposti a referendum e i decreti federali semplici senza possibilità di referendum. I decreti federali semplici riguardano principalmente questioni interne del Parlamento come elezioni, il budget o l'approvazione di certi trattati internazionali.\n\nLa scelta della forma corretta è importante perché determina se il popolo può partecipare alla decisione. Per le leggi federali il popolo ha sempre l'ultima parola se vengono raccolte abbastanza firme. Per i decreti federali semplici questa possibilità non esiste.\n\nUn esempio pratico: se il Parlamento vuole introdurre nuove norme sulla circolazione, deve emanare una legge federale. Il popolo può allora lanciare il referendum. Se invece vuole eleggere il Consiglio federale, ciò avviene tramite un decreto federale semplice senza possibilità di referendum.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 163 Cost. deriva dalla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione corrisponde sostanzialmente all'art. 5 cpv. 1 Cost. abrogata (1874), ma precisa le diverse forme di atto dell'Assemblea federale. Il messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolinea che la norma \"menziona espressamente i diversi tipi di atto dell'Assemblea federale\" (FF 1997 I 412). La revisione costituzionale mirava ad ancorare costituzionalmente le distinzioni tra diverse forme di atto sviluppate nella prassi.\n\n**N. 2** La menzione esplicita dell'ordinanza come forma di atto legislativo al cpv. 1 costituiva una novità rispetto alla vecchia Costituzione federale. Con ciò venne codificata la prassi secondo cui l'Assemblea federale può emanare essa stessa ordinanze in determinati casi, ad esempio in caso di misure urgenti o quando la legge lo prevede espressamente (FF 1997 I 412).\n\n## Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 163 Cost. si trova nel 5° titolo sulle autorità federali, nel 1° capitolo sull'Assemblea federale. La disposizione definisce le forme d'azione del parlamento ed è strettamente collegata con:\n- → Art. 164 Cost. (legislazione, in particolare forma di legge)\n- → Art. 165 Cost. (diritto d'urgenza)\n- → Art. 141 Cost. (referendum facoltativo)\n- → Art. 141a Cost. (referendum obbligatorio)\n\n**N. 4** La norma forma insieme all'art. 164 Cost. il nucleo della procedura legislativa parlamentare. Mentre l'art. 163 Cost. regola le forme di atto, l'art. 164 Cost. determina quali materie devono imperativamente essere emanate in forma di legge (principio di legalità).\n\n## Elementi della fattispecie / contenuto normativo\n\n### Disposizioni legislative (cpv. 1)\n\n**N. 5** Le disposizioni legislative sono norme generali-astratte che riguardano un numero indeterminato di destinatari e di fattispecie. Secondo la dottrina (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1843) gli atti legislativi si caratterizzano per i seguenti elementi:\n- Generalità (numero indeterminato di destinatari)\n- Astrazione (numero indeterminato di fattispecie)\n- Obbligatorietà verso l'esterno\n\n**N. 6** L'Assemblea federale ha a disposizione due forme per le disposizioni legislative:\n\n**Legge federale**: La forma ordinaria per gli atti legislativi. Le leggi federali sottostanno al referendum facoltativo (→ art. 141 cpv. 1 lett. a Cost.) e devono attraversare la procedura legislativa ordinaria.\n\n**Ordinanza dell'Assemblea federale**: Una forma straordinaria che trova applicazione soltanto nei casi previsti dalla legge o in caso di urgenza. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 2848) sottolineano il carattere eccezionale delle ordinanze parlamentari.\n\n### Decreti federali (cpv. 2)\n\n**N. 7** I decreti federali sono tutti gli atti dell'Assemblea federale che non hanno carattere legislativo. La Costituzione distingue due categorie:\n- **Decreti federali soggetti a referendum**: Sottostanno al referendum facoltativo o obbligatorio\n- **Decreti federali semplici**: Non sottoposti a referendum\n\n**N. 8** I decreti federali semplici riguardano tipicamente:\n- Elezioni (→ art. 157 Cost., art. 168 Cost.)\n- Approvazione di trattati internazionali senza obbligo di referendum\n- Preventivo e consuntivo (→ art. 167 Cost.)\n- Questioni amministrative interne\n\n## Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La scelta della forma di atto ha conseguenze giuridiche significative:\n\n**Per le leggi federali**:\n- Referendum facoltativo possibile (→ art. 141 cpv. 1 lett. a Cost.)\n- Pubblicazione nella Raccolta ufficiale (RU)\n- Sottostanno al controllo delle norme da parte del Tribunale federale (→ art. 189 cpv. 4 Cost.)\n\n**N. 10** **Per le ordinanze parlamentari**:\n- In linea di principio nessun referendum, salvo per le ordinanze indipendenti\n- Pubblicazione nella RU in caso di effetti verso l'esterno\n- Controllo giudiziario limitato\n\n**N. 11** **Per i decreti federali**:\n- A seconda del tipo obbligo di referendum oppure no\n- I decreti federali semplici vengono pubblicati solo nel Foglio federale\n- Nessuna impugnabilità diretta presso il Tribunale federale\n\n## Questioni controverse\n\n**N. 12** La delimitazione tra atti legislativi e non legislativi è controversa nella dottrina. Mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 20 N 15) propendono per un approccio formale, Müller (in: St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 163 N 8) sostiene una delimitazione materiale secondo il contenuto normativo.\n\n**N. 13** Viene discussa in modo controverso anche l'ammissibilità delle leggi sui casi singoli. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., N 1851) riconoscono la loro ammissibilità in casi eccezionali, mentre Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 163 N 4) è più restrittivo e richiama l'attenzione sul pericolo di elusione della separazione dei poteri.\n\n**N. 14** Per quanto riguarda le ordinanze parlamentari sussiste disaccordo sul loro campo d'applicazione. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 163 N 15) le vede limitate ai casi d'urgenza, mentre Waldmann (in: BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 163 N 22) riconosce anche altri casi previsti dalla legge.\n\n## Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nella scelta della forma di atto è determinante in primo luogo il contenuto: se si devono creare regolamentazioni generali-astratte con effetti verso l'esterno, è obbligatorio scegliere una forma legislativa (legge federale o ordinanza). La denominazione da parte dell'Assemblea federale non è decisiva (**DTF 128 II 66** consid. 2.2).\n\n**N. 16** Per la prassi è significativa la sottoposizione a referendum: se un atto deve essere sottoposto al referendum facoltativo, deve essere scelta la forma della legge federale o del decreto federale soggetto a referendum. La modifica successiva della forma di atto non è possibile.\n\n**N. 17** Per i trattati internazionali è da osservare: l'approvazione avviene mediante decreto federale, dove a seconda del contenuto del trattato si applica il referendum facoltativo o obbligatorio (→ art. 140 cpv. 1 lett. b Cost., art. 141 cpv. 1 lett. d Cost.). Il decreto federale sull'approvazione non è un atto legislativo nel senso dell'art. 163 cpv. 1 Cost.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Distinzione tra atti normativi e atti non normativi\n\n**DTF 128 II 66** del 6 novembre 2001  \nRicorso di diritto pubblico quale unico rimedio giuridico ammissibile contro atti normativi cantonali.  \nLa sentenza conferma l'importanza centrale della distinzione tra atti normativi e non normativi per l'ordinamento dei rimedi giuridici.  \n\n> «Il ricorso di diritto pubblico è l'unico rimedio giuridico ammissibile per l'impugnazione di un atto (normativo) cantonale, anche se questo concerne una materia che rientra nel campo d'applicazione dell'art. 73 cpv. 1 LAF.»\n\n## Referendum e atti normativi\n\n**DTF 99 IA 518** del 24 ottobre 1973  \nOggetto del referendum per gli atti normativi.  \nIl Tribunale federale precisa che il referendum deve in principio riferirsi all'intero atto normativo.  \n\n> «Referendum contro un atto normativo. Il referendum deve riferirsi all'atto nel suo insieme oppure può rivolgersi anche soltanto contro singole sue disposizioni?»\n\n**1C_607/2012** del 5 giugno 2013  \nProcedura referendaria per i decreti federali di approvazione di trattati internazionali.  \nLa procedura concerneva il mancato raggiungimento del referendum contro i decreti federali di approvazione di trattati internazionali con la Germania e altri Paesi.  \n\n> «Il termine referendario di 100 giorni (art. 141 cpv. 1 Cost.) inizia con la pubblicazione ufficiale del decreto federale nel Foglio federale.»\n\n## Distinzione tra decreti federali di obbligatorietà generale e decreti federali semplici\n\n**DTF 102 IA 167** del 31 marzo 1976  \nAutonomia comunale e atti di obbligatorietà generale.  \nIl Tribunale federale distingue tra diverse forme di atti di obbligatorietà generale a livello comunale.  \n\n> «I Comuni svizzeri godono della protezione dell'autonomia comunale nell'emanazione di piani direttori comunali, così come nella creazione di piani di utilizzazione di obbligatorietà generale.»\n\n**DTF 93 I 666** del 10 novembre 1967  \nEffetti giuridici dei decreti federali dopo la loro decadenza.  \nLa sentenza tratta la continuità degli effetti giuridici anche dopo l'estinzione di un decreto federale.  \n\n> «La restituzione di un contributo federale accordato in base al decreto federale sulle misure per promuovere l'attività edilizia abitativa dell'8 ottobre 1947 può essere ancora richiesta anche dopo che questo decreto è decaduto.»\n\n## Competenza legislativa e limiti di delega\n\n**DTF 141 II 169** del 30 marzo 2015  \nLimiti di delega nel trasferimento di competenze mediante ordinanze del Consiglio federale.  \nLa sentenza precisa i limiti costituzionali della delega di competenze legislative.  \n\n> «Il trasferimento della competenza di approvazione per il rilascio o il prolungamento di un'autorizzazione di diritto degli stranieri alla Segreteria di Stato da parte del Consiglio federale viola i limiti di delega nei casi dell'art. 85 cpv. 1 lett. a e b OASA.»", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 163 of the Federal Constitution regulates the forms in which the Federal Assembly (Parliament) may adopt its decisions. The provision distinguishes between two main categories of parliamentary decisions.\n\nTwo forms are available for legislative provisions. Federal acts are the normal form for new rules that apply to all citizens. They may be rejected by the people at the ballot box (optional referendum). Examples include the Criminal Code or the Employment Act. Ordinances of the Federal Assembly are rarer and are used only in emergencies or when the law expressly permits this.\n\nAll other parliamentary decisions are issued as federal decrees. These are divided into two groups: those subject to referendum and simple federal decrees without the possibility of referendum. Simple federal decrees mainly concern internal parliamentary matters such as elections, the budget, or the approval of certain international treaties.\n\nThe choice of the correct form is important because it determines whether the people can participate in the decision-making process. In the case of federal acts, the people always have the final say if sufficient signatures are collected. In the case of simple federal decrees, this possibility does not exist.\n\nA practical example: If Parliament wants to introduce new traffic rules, it must enact a federal act. The people can then launch a referendum. If, however, it wants to elect the Federal Council, this is done through a simple federal decree without the possibility of referendum.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## Genesis\n\n**N. 1** Art. 163 Cst. stems from the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision corresponds largely in content to Art. 5 para. 1 old Constitution (1874), but specifies the various forms of enactment of the Federal Assembly. The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasises that the norm \"explicitly names the various types of enactment of the Federal Assembly\" (BBl 1997 I 412). The constitutional revision aimed to anchor constitutionally the distinctions between various forms of enactment that had been developed in practice.\n\n**N. 2** The explicit mention of ordinances as a law-making form of enactment in para. 1 was an innovation compared to the old Federal Constitution. This codified the practice that the Federal Assembly can itself issue ordinances in certain cases, for example in urgent measures or when the law expressly provides for this (BBl 1997 I 412).\n\n## Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 163 Cst. is located in Title 5 on the Federal Authorities, in Chapter 1 on the Federal Assembly. The provision defines the forms of action of Parliament and is closely linked with:\n- → Art. 164 Cst. (Legislation, in particular statutory form)\n- → Art. 165 Cst. (Emergency law)\n- → Art. 141 Cst. (Optional referendum)\n- → Art. 141a Cst. (Mandatory referendum)\n\n**N. 4** The norm forms, together with Art. 164 Cst., the cornerstone of the parliamentary legislative procedure. While Art. 163 Cst. regulates the forms of enactment, Art. 164 Cst. determines which matters must mandatorily be enacted in statutory form (principle of legality).\n\n## Elements of the Offence / Content of the Norm\n\n### Law-making Provisions (para. 1)\n\n**N. 5** Law-making provisions are general-abstract norms that cover an indefinite multitude of addressees and situations. According to doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1843), law-making enactments are characterised by the following features:\n- Generality (indefinite multitude of addressees)\n- Abstraction (indefinite multitude of situations)\n- External binding effect\n\n**N. 6** The Federal Assembly has two forms available for law-making provisions:\n\n**Federal Act**: The ordinary form for law-making enactments. Federal acts are subject to the optional referendum (→ Art. 141 para. 1 lit. a Cst.) and must go through the ordinary legislative procedure.\n\n**Ordinance of the Federal Assembly**: An extraordinary form that is only applied in cases provided for by law or in cases of urgency. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 2848) emphasise the exceptional character of parliamentary ordinances.\n\n### Federal Decrees (para. 2)\n\n**N. 7** Federal decrees are all enactments of the Federal Assembly that do not have law-making character. The Constitution distinguishes two categories:\n- **Federal decrees subject to referendum**: Subject to the optional or mandatory referendum\n- **Simple federal decrees**: Not subject to referendum\n\n**N. 8** Simple federal decrees typically concern:\n- Elections (→ Art. 157 Cst., Art. 168 Cst.)\n- Approval of international treaties without referendum obligation\n- Budget and state accounts (→ Art. 167 Cst.)\n- Administrative internal affairs\n\n## Legal Consequences\n\n**N. 9** The choice of form of enactment has significant legal consequences:\n\n**For Federal Acts**:\n- Optional referendum possible (→ Art. 141 para. 1 lit. a Cst.)\n- Publication in the Official Compilation (AS)\n- Subject to judicial review by the Federal Supreme Court (→ Art. 189 para. 4 Cst.)\n\n**N. 10** **For parliamentary ordinances**:\n- Basically no referendum, except for independent ordinances\n- Publication in the AS when having external effect\n- Limited judicial review\n\n**N. 11** **For federal decrees**:\n- Depending on type, referendum obligation or not\n- Simple federal decrees are only published in the Federal Gazette\n- No direct appealability to the Federal Supreme Court\n\n## Points of Dispute\n\n**N. 12** The distinction between law-making and non-law-making enactments is disputed in doctrine. While Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 20 N 15) argue for a formal approach, Müller (in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 163 N 8) advocates a material distinction according to the content of the norm.\n\n**N. 13** The admissibility of individual case laws is also controversially discussed. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., N 1851) recognise their admissibility in exceptional cases, while Biaggini (BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 163 N 4) is more restrictive and points to the danger of circumventing the separation of powers.\n\n**N. 14** Regarding parliamentary ordinances, there is disagreement about their scope of application. Ehrenzeller (in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 163 N 15) sees these as limited to cases of urgency, while Waldmann (in: BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 163 N 22) also recognises other cases provided for by law.\n\n## Practical Notes\n\n**N. 15** In choosing the form of enactment, the content is primarily decisive: If general-abstract regulations with external effect are to be created, a law-making form (Federal Act or ordinance) must mandatorily be chosen. The designation by the Federal Assembly is not decisive (**BGE 128 II 66** E. 2.2).\n\n**N. 16** Significant for practice is the ability to hold a referendum: If an enactment is to be subject to the optional referendum, the form of a Federal Act or of a federal decree subject to referendum must be chosen. The subsequent change of the form of enactment is not possible.\n\n**N. 17** For international treaties, it should be noted: Approval takes place through federal decree, whereby depending on the content of the treaty, the optional or mandatory referendum applies (→ Art. 140 para. 1 lit. b Cst., Art. 141 para. 1 lit. d Cst.). The federal decree on approval is not a law-making enactment within the meaning of Art. 163 para. 1 Cst.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Distinction between legislative and non-legislative enactments\n\n**BGE 128 II 66** of 6 November 2001  \nConstitutional appeal as the only admissible legal remedy against cantonal legislative enactments.  \nThe judgment confirms the central importance of the distinction between legislative and non-legislative enactments for the legal remedies system.  \n\n> «Constitutional appeal is the only admissible legal remedy for challenging a cantonal (legislative) enactment, even if it concerns a matter falling within the scope of Art. 73 para. 1 StHG.»\n\n## Referendum and legislative enactments\n\n**BGE 99 IA 518** of 24 October 1973  \nSubject of referendum for legislative enactments.  \nThe Federal Court specifies that the referendum must generally relate to the entire legislative enactment.  \n\n> «Referendum against a legislative enactment. Must the referendum relate to the enactment as a whole or can it also be directed against individual provisions thereof?»\n\n**1C_607/2012** of 5 June 2013  \nReferendum procedure for federal decrees on treaty approval.  \nThe procedure concerned the failure of the referendum against federal decrees on the approval of treaties with Germany and other countries.  \n\n> «The referendum period of 100 days (Art. 141 para. 1 Cst.) begins with the official publication of the federal decree in the Federal Gazette.»\n\n## Distinction between generally binding and simple federal decrees\n\n**BGE 102 IA 167** of 31 March 1976  \nMunicipal autonomy and generally binding enactments.  \nThe Federal Court distinguishes between different forms of generally binding enactments at municipal level.  \n\n> «The cantonal municipalities of Schwyz enjoy the protection of municipal autonomy when enacting municipal structure plans, as well as when creating generally binding land use plans.»\n\n**BGE 93 I 666** of 10 November 1967  \nLegal effects of federal decrees after their lapse.  \nThe judgment deals with the continuity of legal effects even after the expiry of a federal decree.  \n\n> «The refund of a federal contribution that was granted on the basis of the Federal Decree on Measures to Promote Housing Construction Activity of 8 October 1947 can still be demanded even after this decree has lapsed.»\n\n## Legislative competence and delegation limits\n\n**BGE 141 II 169** of 30 March 2015  \nDelegation limits in the transfer of powers through Federal Council ordinances.  \nThe judgment specifies the constitutional limits of delegation of legislative powers.  \n\n> «The transfer of the power to consent to the granting or extension of a foreign nationals permit to the State Secretariat by the Federal Council violates the delegation limits in the cases of Art. 85 para. 1 lit. a and b VZAE.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_163", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 164, "article_suffix": "", "title": "Gesetzgebung", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 164 BV — Gesetzgebung\n\n## Übersicht\n\nArtikel 164 der Bundesverfassung regelt, welche Rechtsnormen zwingend in der Form eines Bundesgesetzes erlassen werden müssen. Das Parlament muss alle wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen selbst beschliessen. Es darf nicht einfach der Regierung oder der Verwaltung überlassen werden, über zentrale Fragen des Zusammenlebens zu entscheiden.\n\nDie Verfassung listet sieben Bereiche auf, die besonders wichtig sind: politische Rechte (Wahlen, Abstimmungen), Einschränkungen von Grundrechten, Rechte und Pflichten der Bürgerinnen und Bürger, Steuern und Abgaben, staatliche Aufgaben und Leistungen, Verpflichtungen der Kantone und die Organisation der Bundesbehörden. Diese Liste ist nicht vollständig – auch andere wichtige Fragen gehören ins Gesetz.\n\nDas Parlament kann jedoch bestimmte Regelungsaufgaben an die Regierung (Bundesrat) delegieren. Diese darf dann Verordnungen erlassen, um die Details zu regeln. Dabei muss das Gesetz aber die Grundsätze festlegen. Die Regierung kann nur innerhalb dieses Rahmens handeln.\n\n**Beispiel**: Das Parlament beschliesst im Strassenverkehrsgesetz, dass Verkehrsteilnehmer einen Führerschein brauchen. Die Details – welche Prüfungen nötig sind, wie das Prüfungsverfahren abläuft – kann der Bundesrat in einer Verordnung regeln. Den Führerscheinzwang selbst aber kann nur das Parlament einführen.\n\nDiese Regel stärkt die Demokratie. Wichtige Entscheidungen trifft das direkt gewählte Parlament. Die Bürgerinnen und Bürger können über Initiativen und Referenden mitbestimmen. Verstösst eine Behörde gegen diese Regel, können die Gerichte eingreifen und rechtswidrige Verordnungen für ungültig erklären.", "doctrine_de": "# Doktrin zu Art. 164 BV\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 164 BV konkretisiert das in Art. 5 Abs. 1 BV verankerte Legalitätsprinzip für die Bundesgesetzgebung. Die Bestimmung geht auf Art. 85 Ziff. 2 aBV zurück, wurde aber im Rahmen der Totalrevision erheblich präzisiert und systematisch neu geordnet (BBl 1997 I 1, 407 f.). Der Verfassungsgeber wollte mit der Neufassung den Gesetzesvorbehalt stärken und die Delegation von Rechtsetzungsbefugnissen klarer regeln (BBl 1997 I 408).\n\n**N. 2** Die Botschaft betont, dass die neue Verfassung «die parlamentarische Verantwortung für die wichtigen rechtssetzenden Bestimmungen unterstreichen» solle (BBl 1997 I 408). Der Katalog in Abs. 1 lit. a–g wurde bewusst als nicht abschliessende Aufzählung formuliert («insbesondere»), um die Flexibilität für künftige Entwicklungen zu wahren.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 164 BV steht im 5. Titel über die Bundesbehörden, im 1. Kapitel über die Bundesversammlung. Die Norm gehört zu den zentralen Kompetenzbestimmungen der Legislative und ist eng verknüpft mit:\n- → Art. 5 BV (Legalitätsprinzip als rechtsstaatliche Grundlage)\n- → Art. 36 Abs. 1 BV (gesetzliche Grundlage für Grundrechtseingriffe)\n- → Art. 127 Abs. 1 BV (gesetzliche Grundlage für Steuern)\n- → Art. 182 BV (Verordnungskompetenz des Bundesrates)\n- ↔ Art. 163 BV (Formen der Erlasse der Bundesversammlung)\n\n**N. 4** Die Bestimmung verkörpert das Gewaltenteilungsprinzip, indem sie die wichtigsten normativen Entscheidungen dem demokratisch legitimierten Parlament vorbehält (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1796).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Begriff der «wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen»\n\n**N. 5** Der zentrale Begriff der «wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen» wird durch verschiedene Kriterien konkretisiert. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Bestimmungen wichtig, wenn sie (BGE 131 II 13 E. 6.3):\n- wesentliche Fragen des Gemeinwesens regeln\n- politisch umstritten sind\n- erhebliche finanzielle Auswirkungen haben\n- eine grosse Zahl von Personen betreffen\n- tief in die Rechtsstellung der Betroffenen eingreifen\n\n**N. 6** Die Lehre hat diese Kriterien weiter ausdifferenziert. Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 9) betont die demokratische Legitimationsbedürftigkeit als Leitkriterium. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3015) stellen auf die «normative Dichte» ab: Je präziser eine Materie geregelt werden muss, desto eher gehört sie ins formelle Gesetz.\n\n### Der Beispielkatalog (lit. a–g)\n\n**N. 7** **Politische Rechte (lit. a)**: Umfasst das aktive und passive Wahlrecht, Initiativ- und Referendumsrechte sowie die Verfahren der politischen Willensbildung. Die Detailregelung erfolgt im Bundesgesetz über die politischen Rechte (BPR).\n\n**N. 8** **Einschränkungen verfassungsmässiger Rechte (lit. b)**: Verweist auf Art. 36 Abs. 1 BV. Jede Grundrechtseinschränkung bedarf einer formellgesetzlichen Grundlage, wobei schwerwiegende Eingriffe im Gesetz selbst vorgesehen sein müssen (BGE 134 I 322 E. 2.6).\n\n**N. 9** **Rechte und Pflichten von Personen (lit. c)**: Erfasst die grundlegenden Bestimmungen über die Rechtsstellung natürlicher und juristischer Personen. Müller (St. Galler Kommentar, Art. 164 N 15) unterscheidet zwischen konstitutiven Normen (die neue Rechte/Pflichten schaffen) und bloss konkretisierenden Bestimmungen.\n\n**N. 10** **Abgabenrecht (lit. d)**: → Art. 127 BV konkretisiert diese Anforderung für Steuern. Die «grundlegenden Bestimmungen» umfassen Steuerobjekt, Steuersubjekt und Bemessungsgrundlagen. Die Tarifgestaltung kann delegiert werden, sofern das Gesetz die Eckwerte festlegt (BGE 142 II 182 E. 3.3).\n\n**N. 11** **Aufgaben und Leistungen des Bundes (lit. e)**: Staatliche Leistungspflichten und Subventionstatbestände gehören ins Gesetz. Kontrovers ist, inwieweit auch Leistungskürzungen der Gesetzesform bedürfen (Biaggini, BV Kommentar, Art. 164 N 9).\n\n**N. 12** **Vollzugspflichten der Kantone (lit. f)**: Der föderale Vollzug von Bundesrecht (→ Art. 46 BV) muss gesetzlich geregelt werden, wenn er über die normale Vollzugspflicht hinausgeht und besondere Lasten begründet.\n\n**N. 13** **Organisation und Verfahren (lit. g)**: Die Grundzüge der Behördenorganisation und die wesentlichen Verfahrensgarantien sind gesetzlich zu regeln. Details können in Verordnungen geregelt werden (BGE 148 I 104 E. 4.2).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Verstösst eine Norm gegen den Gesetzesvorbehalt, ist sie nichtig. Das Bundesgericht prüft Verordnungen des Bundesrates inzident auf ihre Gesetzmässigkeit (→ Art. 190 BV erlaubt die Nichtanwendung gesetzeswidriger Verordnungen). Bei kantonalem Recht führt die Verletzung von Art. 164 BV zur Aufhebung im Beschwerdeverfahren.\n\n**N. 15** Die praktische Durchsetzung erfolgt über verschiedene Rechtsmittel:\n- Abstrakte Normenkontrolle gegen kantonale Erlasse (Art. 82 lit. b BGG)\n- Konkrete Normenkontrolle bei Bundesverordnungen\n- Individualbeschwerde bei Betroffenheit\n\n## 5. Streitstände\n\n### Umfang der Delegationsbefugnis\n\n**N. 16** Die Tragweite von Abs. 2 ist umstritten. Während Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 15) eine grosszügige Delegation befürwortet, solange das Gesetz die Grundzüge regelt, verlangt Biaggini (BV Kommentar, Art. 164 N 12) eine restriktive Handhabung: Nur «technische» und «untergeordnete» Fragen dürften delegiert werden.\n\n**N. 17** Das Bundesgericht nimmt eine vermittelnde Position ein: Die Delegation muss sich auf eine «hinreichend bestimmte» Grundlage stützen, wobei die Anforderungen mit der Tragweite der delegierten Materie steigen (BGE 139 II 460 E. 4.1). Kritisch dazu Griffel (Umweltrecht, § 3 N 45), der klarere Kriterien fordert.\n\n### Abgrenzung zu selbständigen Verordnungen\n\n**N. 18** Kontrovers ist die Zulässigkeit selbständiger Verordnungen gestützt auf Art. 182 Abs. 1 BV. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 1823) anerkennen einen engen Bereich für Organisationsverordnungen. Waldmann (BSK BV, Art. 182 N 15) lehnt selbständige Verordnungen mit Aussenwirkung kategorisch ab.\n\n**N. 19** Die Praxis zeigt eine Tendenz zur extensiven Nutzung von Vollzugsverordnungen. Malinverni/Hottelier/Hertig Randall/Flückiger (Droit constitutionnel suisse, N 1456) kritisieren diese «érosion du principe de légalité» und fordern eine Rückbesinnung auf den Gesetzesvorbehalt.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Gesetzesredaktion ist frühzeitig zu prüfen, welche Materien zwingend ins formelle Gesetz gehören. Die Botschaft sollte Delegationsnormen explizit begründen und deren Schranken aufzeigen. Verordnungsentwürfe sind am Massstab der gesetzlichen Ermächtigung zu messen.\n\n**N. 21** Für die Rechtsanwendung gilt: Im Zweifel ist von einem Vorbehalt zugunsten des formellen Gesetzes auszugehen. Verordnungsbestimmungen, die über blosse Vollzugsregelungen hinausgehen, bedürfen einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage. Die dynamische Verweisung auf technische Normen ist nur bei eindeutiger gesetzlicher Ermächtigung zulässig.\n\n**N. 22** Die kantonale Praxis muss die bundesrechtlichen Vorgaben beachten: Kantonale Ausführungsbestimmungen zu Bundesgesetzen dürfen den bundesrechtlich vorgegebenen Rahmen nicht sprengen (→ Art. 49 BV). Dies gilt insbesondere bei der Konkretisierung von Bundesnormen im Bereich der Grundrechtseinschränkungen.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung zu Art. 164 BV\n\n## Gesetzesvorbehalt für wichtige rechtsetzende Bestimmungen\n\n### Telekommarkt und Infrastrukturzugang\n\n**BGE 131 II 13 E. 6.3** (30. November 2004)  \nInterkonnektionspflicht beim Teilnehmeranschluss («letzte Meile») bedarf formellgesetzlicher Grundlage  \nDas Bundesgericht stellte klar, dass die Öffnung der «letzten Meile» im Telekommunikationsbereich als wichtige rechtsetzende Bestimmung einer gesetzlichen Grundlage bedarf, da sie erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen zeitigt und die Rechtsstellung einer Vielzahl von Personen berührt.\n\n> «Die Bundesverfassung erhebt in Art. 5 Abs. 1 BV das Gesetzmässigkeitsprinzip zu einem allgemeinen rechtsstaatlichen Grundsatz, der für die gesamte Staatstätigkeit verbindlich ist. Art. 164 Abs. 1 BV konkretisiert dieses Prinzip für die Bundesgesetzgebung. Danach sind die wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen in der Form des Bundesgesetzes zu erlassen.»\n\n### Rauchverbotsregelungen\n\n**BGE 134 I 322 E. 2.6** (5. September 2008)  \nKantonale Rauchverbotsverordnung ohne hinreichende gesetzliche Grundlage  \nEine Genfer Verordnung über das Rauchverbot in öffentlichen Räumen konnte nicht auf eine unbestimmte Verfassungsbestimmung gestützt werden, die keine Delegation von Rechtsetzungskompetenzen an die Exekutive enthielt.\n\n> «Die angefochtene Verordnung lässt sich weder auf diese Bestimmung, die nicht hinreichend präzis ist und keine Delegation von Rechtsetzungskompetenzen an die Exekutive enthält, noch auf die polizeiliche Generalklausel stützen.»\n\n### Führerausweisentzug wegen Auslandstaten\n\n**BGE 133 II 331 E. 6.4** (2007)  \nWarnungsentzug bei Verkehrsverstössen im Ausland mangels gesetzlicher Grundlage unzulässig  \nDas Bundesgericht änderte seine Rechtsprechung und stellte fest, dass ein Warnungsentzug wegen Verkehrsverstössen im Ausland einer expliziten gesetzlichen Grundlage bedarf, da das SVG keine ausreichend klaren Bestimmungen enthielt.\n\n> «Das formelle Gesetz (SVG) enthält weder nach seinem Wortlaut noch gemäss seinem Sinn und Zweck eine ausreichend klare Grundlage. Es enthält insbesondere keine hinreichend deutlichen Anhaltspunkte für die Qualifizierung des Warnungsentzugs als eine um der Verkehrssicherheit willen angeordnete Massnahme mit präventivem und erzieherischem Charakter.»\n\n## Delegation von Rechtsetzungsbefugnissen\n\n### Mehrwertsteuer-Gruppenbesteuerung\n\n**BGE 139 II 460 E. 4.1** (16. August 2013)  \nVerordnungsbestimmung sprengt Rahmen der Vollzugsverordnung  \nEine Verordnungsbestimmung, die Personalvorsorgeeinrichtungen generell von der Mehrwertsteuer-Gruppenbesteuerung ausschloss, überschritt den Rahmen einer blossen Vollzugsverordnung und verletzte das Gewaltenteilungsprinzip.\n\n> «Art. 16 Abs. 3 MWSTV 2009 sprengt damit den Rahmen einer blossen Vollzugsverordnung und verletzt dadurch das Gewaltenteilungsprinzip.»\n\n### Zustimmungsverfahren im Ausländerrecht\n\n**BGE 141 II 169 E. 3.2** (30. März 2015)  \nAnforderungen an Gesetzesdelegation im Ausländerrecht  \nDie Übertragung von Zustimmungsbefugnissen an das Staatssekretariat durch den Bundesrat verletzte die Delegationsgrundsätze, da die gesetzliche Grundlage zu unbestimmt war.\n\n> «Art. 164 Abs. 1 BV konkretisiert dieses Prinzip für die Bundesgesetzgebung. Danach sind die wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen in der Form des Bundesgesetzes zu erlassen. Dazu gehören insbesondere die Einschränkung verfassungsmässiger Rechte sowie die grundlegenden Bestimmungen über Rechte und Pflichten von Personen.»\n\n## Universitätsgebühren\n\n**BGE 120 IA 1 E. 3** (1994)  \nDelegation der Gebührenfestsetzung an die Exekutive  \nDas Bundesgericht prüfte die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage für die Delegation der Festsetzung von Universitätsgebühren an die kantonale Exekutive und stellte verfassungsrechtliche Mindestanforderungen auf.\n\n> «Delegation der Rechtsetzungsbefugnis für die Festsetzung der Höhe von Universitätsgebühren an die Exekutive; Anforderungen an die gesetzliche Grundlage.»\n\n## Steuerrechtliche Bestimmungen\n\n### Abgabensatz für Deponiebeitrag\n\n**BGE 142 II 182 E. 3.3** (2016)  \nSteuerrechtliche Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen  \nDas Bundesgericht klärte die Abgrenzung der Gesetzgebungskompetenzen bei der Erhebung von Steuern und Abgaben zwischen Bund und Kantonen.\n\n> «Art. 164 Abs. 1 lit. d BV verlangt, dass die grundlegenden Bestimmungen über den Kreis der Abgabepflichtigen sowie den Gegenstand und die Bemessung von Abgaben in einem Bundesgesetz geregelt werden.»\n\n## Bestimmtheitsanforderungen\n\n### Strafrecht und kantonale Übertretungen\n\n**BGE 138 IV 13 E. 3.2** (17. November 2011)  \n«Nacktwandern»-Verbot und Bestimmtheitsgebot  \nDas Bundesgericht prüfte eine kantonale Strafnorm wegen groben Verstosses gegen Sitte und Anstand und betonte die Anforderungen an die Bestimmtheit von Straftatbeständen.\n\n> «Gemäss Art. 5 Abs. 1 BV bedarf jedes staatliche Handeln einer gesetzlichen Grundlage. Das Legalitätsprinzip besagt, dass ein staatlicher Akt sich auf eine materiellgesetzliche Grundlage stützen muss, die hinreichend bestimmt und vom staatsrechtlich hierfür zuständigen Organ erlassen worden ist.»\n\n## Vollzugsverordnungen\n\n### Umweltrecht und Mobilfunkantennen\n\n**BGE 126 II 399 E. 5.3** (2000)  \nSchutz vor nichtionisierenden Strahlen  \nDas Bundesgericht klärte die Abgrenzung zwischen gesetzesvertretenden und Vollzugsverordnungen im Umweltrecht am Beispiel von Grenzwerten für Mobilfunkantennen.\n\n> «Vollziehungsverordnungen dürfen die auszuführende Gesetzesbestimmung weder abändern noch aufheben und insbesondere weder die Rechte der Bürger zusätzlich beschränken noch ihnen weitere Pflichten auferlegen.»\n\n### Altlastensanierung\n\n**BGE 131 II 271 E. 6.2** (2005)  \nAbgabe zur Sanierung von Altlasten  \nEine Verordnungsbestimmung über Abgabesätze für die Abfallausfuhr in Untertagedeponie wurde auf ihre Vereinbarkeit mit dem Gesetzesvorbehalt geprüft.\n\n> «Die verfassungsrechtlichen Grundsätze sind bei der Frage der Gesetzmässigkeit der Entbündelungsregelung in der Fernmeldediensteverordnung zu beachten.»", "summary_fr": "# Art. 164 Cst. — Législation\n\n## Aperçu\n\nL'article 164 de la Constitution fédérale règle quelles normes juridiques doivent impérativement être édictées sous la forme d'une loi fédérale. Le Parlement doit adopter lui-même toutes les dispositions législatives importantes. Il ne peut pas simplement laisser au gouvernement ou à l'administration le soin de décider sur des questions centrales de la vie en société.\n\nLa Constitution énumère sept domaines particulièrement importants : les droits politiques (élections, votations), les restrictions des droits fondamentaux, les droits et obligations des citoyennes et citoyens, les impôts et redevances, les tâches et prestations étatiques, les obligations des cantons et l'organisation des autorités fédérales. Cette liste n'est pas exhaustive – d'autres questions importantes relèvent également de la loi.\n\nLe Parlement peut toutefois déléguer certaines tâches de réglementation au gouvernement (Conseil fédéral). Celui-ci peut alors édicter des ordonnances pour régler les détails. Mais la loi doit fixer les principes. Le gouvernement ne peut agir que dans ce cadre.\n\n**Exemple** : Le Parlement décide dans la loi sur la circulation routière que les usagers de la route ont besoin d'un permis de conduire. Les détails – quels examens sont nécessaires, comment se déroule la procédure d'examen – peuvent être réglés par le Conseil fédéral dans une ordonnance. Mais l'obligation du permis de conduire elle-même ne peut être introduite que par le Parlement.\n\nCette règle renforce la démocratie. Les décisions importantes sont prises par le Parlement directement élu. Les citoyennes et citoyens peuvent participer aux décisions par le biais d'initiatives et de référendums. Si une autorité contrevient à cette règle, les tribunaux peuvent intervenir et déclarer nulles les ordonnances contraires au droit.", "doctrine_fr": "# Doctrine sur l'art. 164 Cst.\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 164 Cst. concrétise le principe de légalité ancré à l'art. 5 al. 1 Cst. pour la législation fédérale. La disposition remonte à l'art. 85 ch. 2 aCst., mais a été considérablement précisée et réorganisée systématiquement dans le cadre de la révision totale (FF 1997 I 1, 407 s.). Le constituant voulait renforcer la réserve de la loi avec la nouvelle rédaction et régler plus clairement la délégation de compétences normatives (FF 1997 I 408).\n\n**N. 2** Le message souligne que la nouvelle constitution devrait « souligner la responsabilité parlementaire pour les dispositions normatives importantes » (FF 1997 I 408). Le catalogue de l'al. 1 let. a–g a été consciemment formulé comme une énumération non exhaustive (« notamment ») afin de préserver la flexibilité pour les développements futurs.\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 164 Cst. se situe au 5e titre sur les autorités fédérales, au 1er chapitre sur l'Assemblée fédérale. La norme fait partie des dispositions de compétence centrales du législatif et est étroitement liée à :\n- → Art. 5 Cst. (principe de légalité comme fondement de l'État de droit)\n- → Art. 36 al. 1 Cst. (base légale pour les atteintes aux droits fondamentaux)\n- → Art. 127 al. 1 Cst. (base légale pour les impôts)\n- → Art. 182 Cst. (compétence réglementaire du Conseil fédéral)\n- ↔ Art. 163 Cst. (formes des actes de l'Assemblée fédérale)\n\n**N. 4** La disposition incarne le principe de la séparation des pouvoirs en réservant les décisions normatives les plus importantes au parlement démocratiquement légitimé (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1796).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n### Notion des « dispositions importantes qui fixent des règles de droit »\n\n**N. 5** La notion centrale des « dispositions importantes qui fixent des règles de droit » est concrétisée par différents critères. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, les dispositions sont importantes si elles (ATF 131 II 13 consid. 6.3) :\n- règlent des questions essentielles de la communauté\n- sont politiquement controversées\n- ont des répercussions financières importantes\n- concernent un grand nombre de personnes\n- portent profondément atteinte au statut juridique des personnes concernées\n\n**N. 6** La doctrine a différencié davantage ces critères. Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 9) souligne le besoin de légitimation démocratique comme critère directeur. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3015) s'appuient sur la « densité normative » : plus une matière doit être réglée précisément, plus elle relève de la loi formelle.\n\n### Le catalogue d'exemples (let. a–g)\n\n**N. 7** **Droits politiques (let. a)** : Comprend le droit de vote actif et passif, les droits d'initiative et de référendum ainsi que les procédures de formation de la volonté politique. La réglementation détaillée s'effectue dans la loi fédérale sur les droits politiques (LDP).\n\n**N. 8** **Restrictions de droits constitutionnels (let. b)** : Renvoie à l'art. 36 al. 1 Cst. Toute restriction de droits fondamentaux nécessite une base légale formelle, les atteintes graves devant être prévues dans la loi elle-même (ATF 134 I 322 consid. 2.6).\n\n**N. 9** **Droits et obligations des particuliers (let. c)** : Saisit les dispositions fondamentales sur le statut juridique des personnes physiques et morales. Müller (St. Galler Kommentar, Art. 164 N 15) distingue entre les normes constitutives (qui créent de nouveaux droits/obligations) et les dispositions simplement concrétisantes.\n\n**N. 10** **Droit fiscal (let. d)** : → L'art. 127 Cst. concrétise cette exigence pour les impôts. Les « dispositions fondamentales » comprennent l'objet de l'impôt, le sujet fiscal et les bases d'évaluation. La conception du tarif peut être déléguée, pour autant que la loi fixe les valeurs de référence (ATF 142 II 182 consid. 3.3).\n\n**N. 11** **Tâches et prestations de la Confédération (let. e)** : Les obligations étatiques de prestations et les faits générateurs de subventions relèvent de la loi. Il est controversé de savoir dans quelle mesure les réductions de prestations nécessitent aussi la forme législative (Biaggini, BV Kommentar, Art. 164 N 9).\n\n**N. 12** **Obligations d'exécution des cantons (let. f)** : L'exécution fédérale du droit fédéral (→ art. 46 Cst.) doit être réglée légalement si elle va au-delà de l'obligation d'exécution normale et fonde des charges particulières.\n\n**N. 13** **Organisation et procédure (let. g)** : Les principes de l'organisation des autorités et les garanties de procédure essentielles doivent être réglés légalement. Les détails peuvent être réglés dans des ordonnances (ATF 148 I 104 consid. 4.2).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** Si une norme viole la réserve de la loi, elle est nulle. Le Tribunal fédéral examine incidemment les ordonnances du Conseil fédéral quant à leur légalité (→ l'art. 190 Cst. permet la non-application d'ordonnances contraires à la loi). Pour le droit cantonal, la violation de l'art. 164 Cst. mène à l'annulation dans la procédure de recours.\n\n**N. 15** L'application pratique s'effectue par différents moyens de droit :\n- Contrôle abstrait des normes contre les actes cantonaux (art. 82 let. b LTF)\n- Contrôle concret des normes pour les ordonnances fédérales\n- Recours individuel en cas d'atteinte\n\n## 5. Points controversés\n\n### Étendue de la compétence de délégation\n\n**N. 16** La portée de l'al. 2 est controversée. Alors que Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 15) préconise une délégation généreuse, pourvu que la loi règle les principes, Biaggini (BV Kommentar, Art. 164 N 12) exige une application restrictive : seules les questions « techniques » et « subordonnées » pourraient être déléguées.\n\n**N. 17** Le Tribunal fédéral adopte une position médiatrice : la délégation doit s'appuyer sur une base « suffisamment déterminée », les exigences s'élevant avec la portée de la matière déléguée (ATF 139 II 460 consid. 4.1). Griffel (Umweltrecht, § 3 N 45) critique cela et demande des critères plus clairs.\n\n### Délimitation par rapport aux ordonnances autonomes\n\n**N. 18** L'admissibilité d'ordonnances autonomes basées sur l'art. 182 al. 1 Cst. est controversée. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 1823) reconnaissent un domaine étroit pour les ordonnances d'organisation. Waldmann (BSK BV, Art. 182 N 15) rejette catégoriquement les ordonnances autonomes avec effet externe.\n\n**N. 19** La pratique montre une tendance à l'utilisation extensive d'ordonnances d'exécution. Malinverni/Hottelier/Hertig Randall/Flückiger (Droit constitutionnel suisse, N 1456) critiquent cette « érosion du principe de légalité » et demandent un retour à la réserve de la loi.\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de la rédaction législative, il faut examiner précocement quelles matières relèvent impérativement de la loi formelle. Le message devrait justifier explicitement les normes de délégation et montrer leurs limites. Les projets d'ordonnance sont à mesurer à l'aune de l'habilitation légale.\n\n**N. 21** Pour l'application du droit : en cas de doute, il faut partir d'une réserve en faveur de la loi formelle. Les dispositions d'ordonnance qui vont au-delà de simples réglementations d'exécution nécessitent une base légale expresse. Le renvoi dynamique à des normes techniques n'est admissible qu'avec une habilitation légale claire.\n\n**N. 22** La pratique cantonale doit respecter les prescriptions de droit fédéral : les dispositions d'exécution cantonales des lois fédérales ne peuvent pas dépasser le cadre prescrit par le droit fédéral (→ art. 49 Cst.). Cela vaut particulièrement lors de la concrétisation de normes fédérales dans le domaine des restrictions de droits fondamentaux.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence relative à l'art. 164 Cst.\n\n## Réserve de la loi pour les dispositions importantes créatrices de droit\n\n### Marché des télécommunications et accès aux infrastructures\n\n**ATF 131 II 13 c. 6.3** (30 novembre 2004)  \nObligation d'interconnexion du raccordement d'abonnés (« dernier kilomètre ») nécessite une base légale formelle  \nLe Tribunal fédéral a précisé que l'ouverture du « dernier kilomètre » dans le domaine des télécommunications constitue une disposition importante créatrice de droit nécessitant une base légale, car elle engendre des conséquences économiques considérables et touche la situation juridique d'un grand nombre de personnes.\n\n> « La Constitution fédérale érige en art. 5 al. 1 Cst. le principe de légalité en principe général de l'État de droit qui lie toute l'activité de l'État. L'art. 164 al. 1 Cst. concrétise ce principe pour la législation fédérale. En conséquence, les dispositions importantes créatrices de droit doivent être édictées sous la forme de la loi fédérale. »\n\n### Réglementations sur l'interdiction de fumer\n\n**ATF 134 I 322 c. 2.6** (5 septembre 2008)  \nOrdonnance cantonale d'interdiction de fumer sans base légale suffisante  \nUne ordonnance genevoise sur l'interdiction de fumer dans les lieux publics ne pouvait se fonder sur une disposition constitutionnelle indéterminée qui ne contenait aucune délégation de compétences normatives à l'exécutif.\n\n> « L'ordonnance attaquée ne peut se fonder ni sur cette disposition, qui n'est pas assez précise et ne contient aucune délégation de compétences normatives à l'exécutif, ni sur la clause générale de police. »\n\n### Retrait du permis de conduire pour infractions à l'étranger\n\n**ATF 133 II 331 c. 6.4** (2007)  \nRetrait d'avertissement pour infractions de circulation à l'étranger inadmissible faute de base légale  \nLe Tribunal fédéral a modifié sa jurisprudence et établi qu'un retrait d'avertissement pour infractions de circulation à l'étranger nécessite une base légale explicite, la LCR ne contenant pas de dispositions suffisamment claires.\n\n> « La loi formelle (LCR) ne contient ni selon sa teneur littérale ni selon son sens et son but une base suffisamment claire. Elle ne contient en particulier aucun indice suffisamment net permettant de qualifier le retrait d'avertissement comme une mesure ordonnée dans l'intérêt de la sécurité routière et présentant un caractère préventif et éducatif. »\n\n## Délégation de compétences normatives\n\n### Imposition de groupe en matière de TVA\n\n**ATF 139 II 460 c. 4.1** (16 août 2013)  \nDisposition d'ordonnance dépassant le cadre de l'ordonnance d'exécution  \nUne disposition d'ordonnance excluant généralement les institutions de prévoyance professionnelle de l'imposition de groupe en matière de TVA dépassait le cadre d'une simple ordonnance d'exécution et violait le principe de séparation des pouvoirs.\n\n> « L'art. 16 al. 3 OTVA 2009 dépasse ainsi le cadre d'une simple ordonnance d'exécution et viole par là le principe de séparation des pouvoirs. »\n\n### Procédure d'approbation en droit des étrangers\n\n**ATF 141 II 169 c. 3.2** (30 mars 2015)  \nExigences relatives à la délégation législative en droit des étrangers  \nLe transfert de compétences d'approbation au Secrétariat d'État par le Conseil fédéral violait les principes de délégation, la base légale étant trop indéterminée.\n\n> « L'art. 164 al. 1 Cst. concrétise ce principe pour la législation fédérale. En conséquence, les dispositions importantes créatrices de droit doivent être édictées sous la forme de la loi fédérale. En font notamment partie la limitation des droits constitutionnels ainsi que les dispositions fondamentales sur les droits et obligations des personnes. »\n\n## Taxes universitaires\n\n**ATF 120 IA 1 c. 3** (1994)  \nDélégation de la fixation des taxes à l'exécutif  \nLe Tribunal fédéral a examiné les exigences relatives à la base légale pour la délégation de la fixation des taxes universitaires à l'exécutif cantonal et a établi des exigences minimales de droit constitutionnel.\n\n> « Délégation de la compétence normative pour la fixation du montant des taxes universitaires à l'exécutif ; exigences relatives à la base légale. »\n\n## Dispositions de droit fiscal\n\n### Taux de redevance pour contribution de décharge\n\n**ATF 142 II 182 c. 3.3** (2016)  \nCompétences de droit fiscal entre Confédération et cantons  \nLe Tribunal fédéral a clarifié la délimitation des compétences législatives en matière de perception d'impôts et de redevances entre la Confédération et les cantons.\n\n> « L'art. 164 al. 1 let. d Cst. exige que les dispositions fondamentales sur le cercle des assujettis ainsi que sur l'objet et le calcul des redevances soient réglées dans une loi fédérale. »\n\n## Exigences de précision\n\n### Droit pénal et contraventions cantonales\n\n**ATF 138 IV 13 c. 3.2** (17 novembre 2011)  \nInterdiction de la « randonnée nue » et principe de précision  \nLe Tribunal fédéral a examiné une norme pénale cantonale pour violation grossière de la morale et de la bienséance et a souligné les exigences relatives à la précision des éléments constitutifs d'infractions.\n\n> « Selon l'art. 5 al. 1 Cst., tout acte de l'État doit reposer sur une base légale. Le principe de légalité signifie qu'un acte étatique doit se fonder sur une base légale matérielle suffisamment précise et édictée par l'organe compétent du point de vue du droit public. »\n\n## Ordonnances d'exécution\n\n### Droit de l'environnement et antennes de téléphonie mobile\n\n**ATF 126 II 399 c. 5.3** (2000)  \nProtection contre les rayonnements non ionisants  \nLe Tribunal fédéral a clarifié la délimitation entre ordonnances de substitution et ordonnances d'exécution en droit de l'environnement à l'exemple des valeurs limites pour les antennes de téléphonie mobile.\n\n> « Les ordonnances d'exécution ne peuvent ni modifier ni abroger la disposition légale à exécuter et en particulier ne peuvent ni restreindre davantage les droits des citoyens ni leur imposer d'obligations supplémentaires. »\n\n### Assainissement de sites contaminés\n\n**ATF 131 II 271 c. 6.2** (2005)  \nRedevance pour l'assainissement de sites contaminés  \nUne disposition d'ordonnance sur les taux de redevances pour l'exportation de déchets vers une décharge souterraine a été examinée quant à sa compatibilité avec la réserve de la loi.\n\n> « Les principes constitutionnels doivent être respectés dans la question de la conformité au droit de la réglementation du dégroupage dans l'ordonnance sur les services de télécommunication. »", "summary_it": "# Art. 164 Cost. — Legislazione\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 164 della Costituzione federale disciplina quali norme giuridiche devono obbligatoriamente essere emanate sotto forma di legge federale. Il Parlamento deve decidere personalmente tutte le disposizioni normative importanti. Non può semplicemente lasciare al Governo o all'amministrazione di decidere su questioni centrali della convivenza.\n\nLa Costituzione elenca sette ambiti particolarmente importanti: i diritti politici (elezioni, votazioni), le limitazioni dei diritti fondamentali, i diritti e i doveri dei cittadini, le imposte e i tributi, i compiti e le prestazioni statali, gli obblighi dei Cantoni e l'organizzazione delle autorità federali. Questo elenco non è esaustivo – anche altre questioni importanti rientrano nella legge.\n\nIl Parlamento può tuttavia delegare determinati compiti normativi al Governo (Consiglio federale). Quest'ultimo può quindi emanare ordinanze per disciplinare i dettagli. La legge deve però stabilire i principi. Il Governo può agire solo entro questo quadro.\n\n**Esempio**: Il Parlamento decide nella legge sulla circolazione stradale che gli utenti della strada necessitano di una patente di guida. I dettagli – quali esami sono necessari, come si svolge la procedura d'esame – possono essere disciplinati dal Consiglio federale in un'ordinanza. L'obbligo della patente in sé può essere introdotto solo dal Parlamento.\n\nQuesta regola rafforza la democrazia. Le decisioni importanti le prende il Parlamento eletto direttamente. I cittadini possono partecipare attraverso iniziative e referendum. Se un'autorità viola questa regola, i tribunali possono intervenire e dichiarare nulle le ordinanze contrarie al diritto.", "doctrine_it": "# Dottrina all'art. 164 Cost.\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 164 Cost. concretizza il principio di legalità sancito dall'art. 5 cpv. 1 Cost. per la legislazione federale. La disposizione risale all'art. 85 n. 2 vCost., ma nel quadro della revisione totale è stata notevolmente precisata e sistematicamente riordinata (FF 1997 I 1, 407 seg.). Il costituente ha voluto con la nuova formulazione rafforzare la riserva di legge e disciplinare più chiaramente la delega di competenze normative (FF 1997 I 408).\n\n**N. 2** Il messaggio sottolinea che la nuova costituzione dovrebbe «mettere in risalto la responsabilità parlamentare per le importanti disposizioni normative» (FF 1997 I 408). Il catalogo del cpv. 1 lett. a–g è stato consapevolmente formulato come enumerazione non esaustiva («segnatamente»), per preservare la flessibilità per sviluppi futuri.\n\n## 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 164 Cost. si trova nel 5° titolo sulle autorità federali, nel 1° capitolo sull'Assemblea federale. La norma appartiene alle disposizioni centrali sulle competenze del legislativo ed è strettamente collegata con:\n- → Art. 5 Cost. (principio di legalità come fondamento dello Stato di diritto)\n- → Art. 36 cpv. 1 Cost. (base legale per limitazioni dei diritti fondamentali)\n- → Art. 127 cpv. 1 Cost. (base legale per le imposte)\n- → Art. 182 Cost. (competenza del Consiglio federale in materia di ordinanze)\n- ↔ Art. 163 Cost. (forme degli atti dell'Assemblea federale)\n\n**N. 4** La disposizione incarna il principio della separazione dei poteri, riservando le decisioni normative più importanti al Parlamento democraticamente legittimato (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1796).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Concetto delle «importanti disposizioni normative»\n\n**N. 5** Il concetto centrale delle «importanti disposizioni normative» viene concretizzato attraverso diversi criteri. Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale, le disposizioni sono importanti se (DTF 131 II 13 consid. 6.3):\n- disciplinano questioni essenziali della collettività\n- sono politicamente controverse\n- hanno rilevanti conseguenze finanziarie\n- riguardano un gran numero di persone\n- incidono profondamente nella posizione giuridica degli interessati\n\n**N. 6** La dottrina ha ulteriormente differenziato questi criteri. Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 9) sottolinea la necessità di legittimazione democratica come criterio guida. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3015) si basano sulla «densità normativa»: quanto più precisamente deve essere disciplinata una materia, tanto più essa appartiene alla legge formale.\n\n### Il catalogo esemplificativo (lett. a–g)\n\n**N. 7** **Diritti politici (lett. a)**: Comprende il diritto di voto attivo e passivo, i diritti di iniziativa e di referendum nonché le procedure di formazione della volontà politica. La disciplina di dettaglio avviene nella legge federale sui diritti politici (LDP).\n\n**N. 8** **Limitazioni di diritti costituzionali (lett. b)**: Rinvia all'art. 36 cpv. 1 Cost. Ogni limitazione di diritti fondamentali necessita di una base nella legge formale, mentre gravi interferenze devono essere previste nella legge stessa (DTF 134 I 322 consid. 2.6).\n\n**N. 9** **Diritti e obblighi di persone (lett. c)**: Comprende le disposizioni fondamentali sulla posizione giuridica di persone fisiche e giuridiche. Müller (St. Galler Kommentar, Art. 164 N 15) distingue tra norme costitutive (che creano nuovi diritti/obblighi) e disposizioni meramente concretizzanti.\n\n**N. 10** **Diritto tributario (lett. d)**: → L'art. 127 Cost. concretizza questa esigenza per le imposte. Le «disposizioni fondamentali» comprendono oggetto dell'imposta, soggetto passivo e base di calcolo. La configurazione della tariffa può essere delegata, purché la legge fissi i parametri di riferimento (DTF 142 II 182 consid. 3.3).\n\n**N. 11** **Compiti e prestazioni della Confederazione (lett. e)**: Obblighi prestazionali statali e fattispecie di sovvenzione appartengono alla legge. È controverso in quale misura anche le riduzioni di prestazioni necessitino della forma di legge (Biaggini, BV Kommentar, Art. 164 N 9).\n\n**N. 12** **Obblighi di esecuzione dei Cantoni (lett. f)**: L'esecuzione federalistica del diritto federale (→ art. 46 Cost.) deve essere disciplinata per legge se va oltre il normale obbligo di esecuzione e fonda oneri particolari.\n\n**N. 13** **Organizzazione e procedura (lett. g)**: I principi fondamentali dell'organizzazione delle autorità e le garanzie procedurali essenziali devono essere disciplinati per legge. I dettagli possono essere disciplinati in ordinanze (DTF 148 I 104 consid. 4.2).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** Se una norma viola la riserva di legge, essa è nulla. Il Tribunale federale esamina incidentalmente le ordinanze del Consiglio federale per la loro conformità alla legge (→ l'art. 190 Cost. consente la non applicazione di ordinanze contrarie alla legge). Nel diritto cantonale la violazione dell'art. 164 Cost. porta all'abrogazione nel procedimento di ricorso.\n\n**N. 15** L'attuazione pratica avviene attraverso diversi mezzi di ricorso:\n- Controllo astratto delle norme contro atti cantonali (art. 82 lett. b LTF)\n- Controllo concreto delle norme per ordinanze federali\n- Ricorso individuale in caso di interessenza\n\n## 5. Punti controversi\n\n### Portata della competenza di delega\n\n**N. 16** La portata del cpv. 2 è controversa. Mentre Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 15) favorisce una delega generosa, purché la legge disciplini i principi fondamentali, Biaggini (BV Kommentar, Art. 164 N 12) esige un'applicazione restrittiva: solo questioni «tecniche» e «subordinate» potrebbero essere delegate.\n\n**N. 17** Il Tribunale federale assume una posizione intermedia: la delega deve basarsi su un fondamento «sufficientemente determinato», mentre le esigenze aumentano con la portata della materia delegata (DTF 139 II 460 consid. 4.1). Critico in proposito Griffel (Umweltrecht, § 3 N 45), che esige criteri più chiari.\n\n### Delimitazione rispetto alle ordinanze autonome\n\n**N. 18** È controversa l'ammissibilità di ordinanze autonome fondate sull'art. 182 cpv. 1 Cost. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 1823) riconoscono un ambito ristretto per ordinanze organizzative. Waldmann (BSK BV, Art. 182 N 15) rifiuta categoricamente ordinanze autonome con effetto verso l'esterno.\n\n**N. 19** La prassi mostra una tendenza all'utilizzo estensivo di ordinanze di esecuzione. Malinverni/Hottelier/Hertig Randall/Flückiger (Droit constitutionnel suisse, N 1456) criticano questa «érosion du principe de légalité» ed esigono un ritorno alla riserva di legge.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella redazione di leggi è da esaminare precocemente quali materie appartengono obbligatoriamente alla legge formale. Il messaggio dovrebbe motivare esplicitamente le norme di delega e indicarne i limiti. I progetti di ordinanza vanno misurati secondo il parametro dell'autorizzazione legale.\n\n**N. 21** Per l'applicazione del diritto vale: nel dubbio si deve presumere una riserva a favore della legge formale. Disposizioni di ordinanza che vanno oltre mere regolazioni di esecuzione necessitano di una base legale espressa. Il rinvio dinamico a norme tecniche è ammissibile solo con chiara autorizzazione legale.\n\n**N. 22** La prassi cantonale deve rispettare le prescrizioni del diritto federale: disposizioni esecutive cantonali di leggi federali non possono oltrepassare il quadro prescritto dal diritto federale (→ art. 49 Cost.). Ciò vale segnatamente per la concretizzazione di norme federali nell'ambito delle limitazioni dei diritti fondamentali.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza all'art. 164 Cost.\n\n## Riserva di legge per le disposizioni importanti che creano diritto\n\n### Mercato delle telecomunicazioni e accesso alle infrastrutture\n\n**DTF 131 II 13 consid. 6.3** (30 novembre 2004)  \nL'obbligo di interconnessione per il collegamento dell'abbonato («ultimo miglio») richiede una base legale formale  \nIl Tribunale federale ha chiarito che l'apertura dell'«ultimo miglio» nel settore delle telecomunicazioni, in quanto disposizione importante che crea diritto, necessita di una base legale, dato che produce notevoli effetti economici e tocca la posizione giuridica di una moltitudine di persone.\n\n> «La Costituzione federale eleva nell'art. 5 cpv. 1 Cost. il principio di legalità a principio generale dello Stato di diritto, vincolante per tutta l'attività statale. L'art. 164 cpv. 1 Cost. concretizza questo principio per la legislazione federale. Le disposizioni importanti che creano diritto devono essere emanate sotto forma di legge federale.»\n\n### Regolamentazioni sui divieti di fumare\n\n**DTF 134 I 322 consid. 2.6** (5 settembre 2008)  \nOrdinanza cantonale sui divieti di fumare senza base legale sufficiente  \nUn'ordinanza ginevrina sul divieto di fumare nei locali pubblici non poteva essere fondata su una disposizione costituzionale indeterminata che non conteneva alcuna delega di competenze normative all'esecutivo.\n\n> «L'ordinanza impugnata non può fondarsi né su questa disposizione, che non è sufficientemente precisa e non contiene alcuna delega di competenze normative all'esecutivo, né sulla clausola generale di polizia.»\n\n### Revoca della licenza di condurre per reati commessi all'estero\n\n**DTF 133 II 331 consid. 6.4** (2007)  \nRevoca dell'ammonimento per violazioni del traffico all'estero inammissibile per mancanza di base legale  \nIl Tribunale federale ha cambiato la sua giurisprudenza e ha stabilito che una revoca dell'ammonimento a causa di violazioni del traffico all'estero necessita di una base legale esplicita, dato che la LCStr non conteneva disposizioni sufficientemente chiare.\n\n> «La legge formale (LCStr) non contiene né secondo il suo tenore letterale né secondo il suo senso e scopo una base sufficiente chiara. In particolare non contiene indicazioni sufficientemente chiare per qualificare la revoca dell'ammonimento come una misura ordinata per la sicurezza del traffico con carattere preventivo ed educativo.»\n\n## Delega di competenze normative\n\n### Imposizione di gruppo dell'imposta sul valore aggiunto\n\n**DTF 139 II 460 consid. 4.1** (16 agosto 2013)  \nLa disposizione dell'ordinanza supera il quadro dell'ordinanza di esecuzione  \nUna disposizione dell'ordinanza che escludeva generalmente le istituzioni di previdenza professionale dall'imposizione di gruppo dell'imposta sul valore aggiunto superava il quadro di una mera ordinanza di esecuzione e violava il principio della separazione dei poteri.\n\n> «L'art. 16 cpv. 3 OIVA 2009 supera così il quadro di una mera ordinanza di esecuzione e viola di conseguenza il principio della separazione dei poteri.»\n\n### Procedura di approvazione nel diritto degli stranieri\n\n**DTF 141 II 169 consid. 3.2** (30 marzo 2015)  \nRequisiti per la delega legislativa nel diritto degli stranieri  \nIl trasferimento di competenze di approvazione alla Segreteria di Stato da parte del Consiglio federale violava i principi della delega, dato che la base legale era troppo indeterminata.\n\n> «L'art. 164 cpv. 1 Cost. concretizza questo principio per la legislazione federale. Le disposizioni importanti che creano diritto devono essere emanate sotto forma di legge federale. A queste appartengono in particolare le limitazioni di diritti costituzionali nonché le disposizioni fondamentali sui diritti e doveri delle persone.»\n\n## Tasse universitarie\n\n**DTF 120 IA 1 consid. 3** (1994)  \nDelega della fissazione delle tasse all'esecutivo  \nIl Tribunale federale ha esaminato i requisiti per la base legale per la delega della fissazione delle tasse universitarie all'esecutivo cantonale e ha stabilito requisiti minimi di diritto costituzionale.\n\n> «Delega della competenza normativa per la fissazione dell'importo delle tasse universitarie all'esecutivo; requisiti per la base legale.»\n\n## Disposizioni di diritto fiscale\n\n### Aliquota di prelievo per il contributo di discarica\n\n**DTF 142 II 182 consid. 3.3** (2016)  \nCompetenze di diritto fiscale tra Confederazione e Cantoni  \nIl Tribunale federale ha chiarito la delimitazione delle competenze legislative nella riscossione di imposte e tributi tra Confederazione e Cantoni.\n\n> «L'art. 164 cpv. 1 lett. d Cost. esige che le disposizioni fondamentali sulla cerchia dei contribuenti nonché sull'oggetto e la commisurazione di tributi siano disciplinate in una legge federale.»\n\n## Requisiti di determinatezza\n\n### Diritto penale e contravvenzioni cantonali\n\n**DTF 138 IV 13 consid. 3.2** (17 novembre 2011)  \nDivieto di «camminare nudi» e principio di determinatezza  \nIl Tribunale federale ha esaminato una norma penale cantonale per grave violazione del costume e del decoro e ha sottolineato i requisiti per la determinatezza delle fattispecie penali.\n\n> «Secondo l'art. 5 cpv. 1 Cost. ogni azione statale necessita di una base legale. Il principio di legalità stabilisce che un atto statale deve fondarsi su una base legale materiale che sia sufficientemente determinata e sia stata emanata dall'organo competente dal punto di vista del diritto pubblico.»\n\n## Ordinanze di esecuzione\n\n### Diritto ambientale e antenne di telefonia mobile\n\n**DTF 126 II 399 consid. 5.3** (2000)  \nProtezione dalle radiazioni non ionizzanti  \nIl Tribunale federale ha chiarito la delimitazione tra ordinanze sostitutive di legge e ordinanze di esecuzione nel diritto ambientale sull'esempio dei valori limite per le antenne di telefonia mobile.\n\n> «Le ordinanze di esecuzione non possono né modificare né abrogare la disposizione legale da eseguire e in particolare non possono né limitare ulteriormente i diritti dei cittadini né imporre loro ulteriori doveri.»\n\n### Risanamento di siti contaminati\n\n**DTF 131 II 271 consid. 6.2** (2005)  \nTassa per il risanamento di siti contaminati  \nUna disposizione dell'ordinanza sulle aliquote di tassa per l'esportazione di rifiuti in discariche sotterranee è stata esaminata sulla sua compatibilità con la riserva di legge.\n\n> «I principi costituzionali devono essere osservati nella questione della legalità della regolamentazione del disaggregamento nell'ordinanza sui servizi di telecomunicazione.»", "summary_en": "# Art. 164 BV — Legislation\n\n## Overview\n\nArticle 164 of the Federal Constitution governs which legal norms must be enacted in the form of a federal act. Parliament must decide on all important legislative provisions itself. It may not simply leave it to the government or the administration to decide on central questions of community life.\n\nThe Constitution lists seven areas that are particularly important: political rights (elections, votes), restrictions on fundamental rights, rights and duties of citizens, taxes and levies, state tasks and services, obligations of the cantons and the organisation of the federal authorities. This list is not exhaustive – other important questions also belong in acts.\n\nHowever, Parliament may delegate certain regulatory tasks to the government (Federal Council). The latter may then issue ordinances to regulate the details. In doing so, the act must establish the principles. The government may only act within this framework.\n\n**Example**: Parliament decides in the Road Traffic Act that road users need a driving licence. The details – which examinations are necessary, how the examination procedure works – may be regulated by the Federal Council in an ordinance. However, only Parliament may introduce the driving licence requirement itself.\n\nThis rule strengthens democracy. Important decisions are made by the directly elected Parliament. Citizens may participate through initiatives and referendums. If an authority violates this rule, the courts may intervene and declare unlawful ordinances invalid.", "doctrine_en": "# Doctrine on Art. 164 BV\n\n## 1. Legislative history\n\n**N. 1** Art. 164 BV gives concrete form to the principle of legality for federal legislation anchored in Art. 5 para. 1 BV. The provision goes back to Art. 85 no. 2 of the former BV, but was substantially clarified and systematically reorganized within the framework of the total revision (BBl 1997 I 1, 407 f.). With the new version, the constitutional legislator wanted to strengthen the reservation of law and regulate the delegation of legislative powers more clearly (BBl 1997 I 408).\n\n**N. 2** The Federal Council's message emphasizes that the new constitution should «underscore parliamentary responsibility for important legal provisions» (BBl 1997 I 408). The catalogue in para. 1 lit. a–g was deliberately formulated as a non-exhaustive enumeration («in particular») in order to maintain flexibility for future developments.\n\n## 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 164 BV is located in Title 5 on the Federal Authorities, in Chapter 1 on the Federal Assembly. The norm belongs to the central competence provisions of the legislature and is closely linked with:\n- → Art. 5 BV (principle of legality as the foundation of the rule of law)\n- → Art. 36 para. 1 BV (legal basis for restrictions on fundamental rights)\n- → Art. 127 para. 1 BV (legal basis for taxes)\n- → Art. 182 BV (Federal Council's ordinance competence)\n- ↔ Art. 163 BV (forms of Federal Assembly enactments)\n\n**N. 4** The provision embodies the principle of separation of powers by reserving the most important normative decisions to the democratically legitimized parliament (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, N 1796).\n\n## 3. Elements of the provision / Normative content\n\n### Concept of «important legal provisions»\n\n**N. 5** The central concept of «important legal provisions» is made concrete through various criteria. According to the Federal Supreme Court's case law, provisions are important if they (BGE 131 II 13 E. 6.3):\n- regulate essential questions of the community\n- are politically controversial\n- have significant financial implications\n- affect a large number of persons\n- deeply interfere with the legal position of those affected\n\n**N. 6** Legal doctrine has further differentiated these criteria. Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 9) emphasizes the need for democratic legitimacy as the guiding criterion. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, N 3015) focus on «normative density»: the more precisely a matter must be regulated, the more it belongs in formal law.\n\n### The example catalogue (lit. a–g)\n\n**N. 7** **Political rights (lit. a)**: Includes active and passive voting rights, initiative and referendum rights as well as the procedures of political decision-making. The detailed regulation is contained in the Federal Act on Political Rights (BPR).\n\n**N. 8** **Restrictions on constitutional rights (lit. b)**: Refers to Art. 36 para. 1 BV. Every restriction on fundamental rights requires a formal legal basis, whereby serious interferences must be provided for in the law itself (BGE 134 I 322 E. 2.6).\n\n**N. 9** **Rights and obligations of persons (lit. c)**: Covers the fundamental provisions on the legal status of natural and legal persons. Müller (St. Galler Kommentar, Art. 164 N 15) distinguishes between constitutive norms (which create new rights/obligations) and merely concretizing provisions.\n\n**N. 10** **Law on levies (lit. d)**: → Art. 127 BV concretizes this requirement for taxes. The «fundamental provisions» include the tax object, tax subject and assessment basis. Tax rate design can be delegated, provided the law establishes the key parameters (BGE 142 II 182 E. 3.3).\n\n**N. 11** **Tasks and services of the Confederation (lit. e)**: State service obligations and subsidy provisions belong in the law. It is controversial to what extent service reductions also require the form of law (Biaggini, BV Kommentar, Art. 164 N 9).\n\n**N. 12** **Implementation obligations of the cantons (lit. f)**: The federal implementation of federal law (→ Art. 46 BV) must be regulated by law if it goes beyond normal implementation obligations and creates special burdens.\n\n**N. 13** **Organization and procedure (lit. g)**: The basic principles of administrative organization and essential procedural guarantees must be regulated by law. Details can be regulated in ordinances (BGE 148 I 104 E. 4.2).\n\n## 4. Legal consequences\n\n**N. 14** If a norm violates the reservation of law, it is void. The Federal Supreme Court examines Federal Council ordinances incidentally for their legality (→ Art. 190 BV permits the non-application of ordinances that violate the law). In cantonal law, violation of Art. 164 BV leads to annulment in appeal proceedings.\n\n**N. 15** Practical enforcement occurs through various legal remedies:\n- Abstract norm control against cantonal enactments (Art. 82 lit. b BGG)\n- Concrete norm control for federal ordinances\n- Individual appeal in case of being affected\n\n## 5. Points of dispute\n\n### Scope of delegation authority\n\n**N. 16** The scope of para. 2 is disputed. While Tschannen (Staatsrecht, § 42 N 15) advocates generous delegation as long as the law regulates the basic principles, Biaggini (BV Kommentar, Art. 164 N 12) requires restrictive handling: only «technical» and «subordinate» questions may be delegated.\n\n**N. 17** The Federal Supreme Court takes a mediating position: delegation must be based on a «sufficiently precise» foundation, whereby the requirements increase with the scope of the delegated matter (BGE 139 II 460 E. 4.1). Critical of this is Griffel (Umweltrecht, § 3 N 45), who demands clearer criteria.\n\n### Delimitation from independent ordinances\n\n**N. 18** The permissibility of independent ordinances based on Art. 182 para. 1 BV is controversial. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, N 1823) recognize a narrow area for organizational ordinances. Waldmann (BSK BV, Art. 182 N 15) categorically rejects independent ordinances with external effect.\n\n**N. 19** Practice shows a tendency toward extensive use of implementing ordinances. Malinverni/Hottelier/Hertig Randall/Flückiger (Droit constitutionnel suisse, N 1456) criticize this «érosion du principe de légalité» and call for a return to the reservation of law.\n\n## 6. Practical guidance\n\n**N. 20** In legislative drafting, it must be examined early which matters mandatorily belong in formal law. The Federal Council's message should explicitly justify delegation norms and show their limits. Draft ordinances must be measured against the standard of legal authorization.\n\n**N. 21** For legal application, the following applies: in case of doubt, a reservation in favor of formal law is to be assumed. Ordinance provisions that go beyond mere implementing regulations require an express legal basis. Dynamic reference to technical norms is only permissible with clear legal authorization.\n\n**N. 22** Cantonal practice must observe federal law requirements: cantonal implementing provisions for federal acts may not exceed the framework prescribed by federal law (→ Art. 49 BV). This applies particularly when concretizing federal norms in the area of fundamental rights restrictions.", "caselaw_en": "# Case Law on Art. 164 BV\n\n## Statutory Reservation for Important Legislative Provisions\n\n### Telecommunications Market and Infrastructure Access\n\n**BGE 131 II 13 E. 6.3** (30 November 2004)  \nInterconnection obligation for subscriber connections (\"last mile\") requires formal legislative basis  \nThe Federal Court clarified that opening the \"last mile\" in telecommunications as an important legislative provision requires a statutory basis, as it has significant economic effects and affects the legal position of a large number of persons.\n\n> «The Federal Constitution elevates the principle of legality to a general rule of law principle in Art. 5 para. 1 BV, which is binding for all state activity. Art. 164 para. 1 BV concretises this principle for federal legislation. Accordingly, important legislative provisions are to be enacted in the form of federal acts.»\n\n### Smoking Ban Regulations\n\n**BGE 134 I 322 E. 2.6** (5 September 2008)  \nCantonal smoking ban ordinance without sufficient legislative basis  \nA Geneva ordinance on smoking bans in public spaces could not be based on an indeterminate constitutional provision that contained no delegation of legislative powers to the executive.\n\n> «The contested ordinance can neither be based on this provision, which is not sufficiently precise and contains no delegation of legislative powers to the executive, nor on the general police clause.»\n\n### Driving Licence Withdrawal for Foreign Offences\n\n**BGE 133 II 331 E. 6.4** (2007)  \nWarning withdrawal for traffic offences abroad inadmissible due to lack of legislative basis  \nThe Federal Court changed its case law and established that a warning withdrawal for traffic offences abroad requires an explicit legislative basis, as the SVG contained no sufficiently clear provisions.\n\n> «The formal act (SVG) contains no sufficiently clear basis either according to its wording or according to its meaning and purpose. In particular, it contains no sufficiently clear indications for the qualification of warning withdrawal as a measure ordered for the sake of traffic safety with preventive and educational character.»\n\n## Delegation of Legislative Powers\n\n### Value Added Tax Group Taxation\n\n**BGE 139 II 460 E. 4.1** (16 August 2013)  \nOrdinance provision exceeds framework of implementing ordinance  \nAn ordinance provision that generally excluded occupational benefit institutions from value added tax group taxation exceeded the framework of a mere implementing ordinance and violated the principle of separation of powers.\n\n> «Art. 16 para. 3 MWSTV 2009 thus exceeds the framework of a mere implementing ordinance and thereby violates the principle of separation of powers.»\n\n### Approval Procedures in Foreign Nationals Law\n\n**BGE 141 II 169 E. 3.2** (30 March 2015)  \nRequirements for legislative delegation in foreign nationals law  \nThe transfer of approval powers to the State Secretariat by the Federal Council violated the delegation principles, as the legislative basis was too indeterminate.\n\n> «Art. 164 para. 1 BV concretises this principle for federal legislation. Accordingly, important legislative provisions are to be enacted in the form of federal acts. This includes in particular the restriction of constitutional rights and the fundamental provisions on rights and obligations of persons.»\n\n## University Fees\n\n**BGE 120 IA 1 E. 3** (1994)  \nDelegation of fee setting to the executive  \nThe Federal Court examined the requirements for the legislative basis for delegating the setting of university fees to the cantonal executive and established constitutional minimum requirements.\n\n> «Delegation of legislative power for setting the amount of university fees to the executive; requirements for the legislative basis.»\n\n## Tax Law Provisions\n\n### Tax Rate for Landfill Contribution\n\n**BGE 142 II 182 E. 3.3** (2016)  \nTax law powers between Confederation and cantons  \nThe Federal Court clarified the delimitation of legislative powers in the levying of taxes and charges between Confederation and cantons.\n\n> «Art. 164 para. 1 let. d BV requires that the fundamental provisions on the circle of persons liable to pay charges as well as the subject and assessment of charges be regulated in a federal act.»\n\n## Precision Requirements\n\n### Criminal Law and Cantonal Misdemeanours\n\n**BGE 138 IV 13 E. 3.2** (17 November 2011)  \n«Nude hiking» ban and precision requirement  \nThe Federal Court examined a cantonal criminal provision for gross violation of morals and decency and emphasised the requirements for precision of criminal offences.\n\n> «According to Art. 5 para. 1 BV, all state action requires a legislative basis. The legality principle states that a state act must be based on a material legislative basis that is sufficiently precise and enacted by the constitutionally competent organ.»\n\n## Implementing Ordinances\n\n### Environmental Law and Mobile Phone Antennas\n\n**BGE 126 II 399 E. 5.3** (2000)  \nProtection against non-ionising radiation  \nThe Federal Court clarified the delimitation between statute-replacing and implementing ordinances in environmental law using the example of limit values for mobile phone antennas.\n\n> «Implementing ordinances may neither modify nor repeal the statutory provision to be executed and in particular may neither additionally restrict the rights of citizens nor impose further obligations on them.»\n\n### Contaminated Site Remediation\n\n**BGE 131 II 271 E. 6.2** (2005)  \nCharge for remediation of contaminated sites  \nAn ordinance provision on charge rates for waste export to underground repositories was examined for its compatibility with the statutory reservation.\n\n> «The constitutional principles are to be observed in the question of the legality of the unbundling regulation in the telecommunications services ordinance.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_164", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 165, "article_suffix": "", "title": "Gesetzgebung bei Dringlichkeit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 165 BV — Dringliche Bundesgesetze\n\n## Übersicht\n\nArt. 165 BV regelt die Ausnahme vom normalen Gesetzgebungsverfahren in dringenden Situationen. Wenn ein Bundesgesetz sofort in Kraft treten muss, kann das Parlament es für dringlich erklären. Dadurch entfällt die übliche 100-tägige Wartezeit für ein mögliches Referendum (Volksabstimmung).\n\n**Wer ist betroffen?** Das Parlament (beide Räte müssen zustimmen), das Volk (verliert vorübergehend sein Mitspracherecht) und alle, die von dem neuen Gesetz betroffen sind (es gilt sofort).\n\n**Voraussetzungen:** Das Gesetz muss wirklich dringend sein – es darf «keinen Aufschub dulden». Beide Parlamentskammern müssen mit der Mehrheit aller Mitglieder zustimmen (nicht nur der Anwesenden). Das Gesetz muss zeitlich befristet werden.\n\n**Nachträgliche Kontrolle:** Das Volk kann trotzdem abstimmen. Bei normalen Gesetzen reicht eine Volksabstimmung. Wenn das Gesetz gegen die Verfassung verstösst, müssen Volk und Stände (Kantone) zustimmen. Wird das Gesetz abgelehnt, tritt es nach einem Jahr ausser Kraft und kann nicht mehr erneuert werden.\n\n**Beispiel aus der Praxis:** Während der Corona-Pandemie 2020 erliess das Parlament dringliche Gesetze für Wirtschaftshilfen und Gesundheitsmassnahmen. Diese konnten sofort wirken, wurden aber später vom Volk bestätigt. Ein anderes Beispiel sind Terrorbekämpfungsgesetze nach internationalen Krisen.\n\nDie Vorschrift schützt die Demokratie vor Missbrauch: Wirklich dringende Massnahmen sind möglich, aber das Volk behält das letzte Wort.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Verfassungsrevision von 1999 führte zu einer grundlegenden Neuordnung des Dringlichkeitsrechts. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 406 ff.) betonte die Notwendigkeit, das zuvor auf Art. 89bis aBV gestützte Dringlichkeitsrecht verfassungsrechtlich präziser zu fassen. Der Verfassungsgeber verfolgte dabei drei Hauptziele: erstens die Stärkung der demokratischen Legitimation durch klare Befristungsregeln, zweitens die Unterscheidung zwischen verfassungskonformem und verfassungswidrigem Dringlichkeitsrecht, und drittens die Verhinderung missbräuchlicher Anwendung durch das Verbot der Erneuerung abgelehnter Vorlagen.\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung des Dringlichkeitsrechts reicht bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Insbesondere während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und im Zweiten Weltkrieg wurde extensiv von dringlichen Bundesbeschlüssen Gebrauch gemacht. Diese Praxis führte 1949 zur Einführung von Art. 89bis aBV, der erstmals eine verfassungsrechtliche Grundlage für das Dringlichkeitsrecht schuf. Die Totalrevision von 1999 übernahm die bewährten Grundsätze, präzisierte aber die Voraussetzungen und Schranken erheblich.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 165 BV ist im 3. Titel («Bund, Kantone und Gemeinden»), 5. Kapitel («Bundesversammlung»), 3. Abschnitt («Verfahren») eingeordnet. Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit → Art. 164 BV (Gesetzgebung), → Art. 166 BV (Parlamentsverfahren) und → Art. 141 BV (fakultatives Referendum). Sie bildet eine Ausnahme vom ordentlichen Gesetzgebungsverfahren und modifiziert die regulären Referendumsrechte.\n\n**N. 4** Im Verhältnis zu den Volksrechten stellt Art. 165 BV eine qualifizierte Einschränkung dar. Während das ordentliche fakultative Referendum nach Art. 141 BV eine aufschiebende Wirkung hat, ermöglicht das Dringlichkeitsrecht die sofortige Inkraftsetzung unter Vorbehalt einer nachträglichen Volksabstimmung. Diese Konstruktion spiegelt die Spannung zwischen demokratischer Legitimation und staatlicher Handlungsfähigkeit wider.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Zeitliche Dringlichkeit (Abs. 1):** Das zentrale Tatbestandsmerkmal «dessen Inkrafttreten keinen Aufschub duldet» verlangt eine qualifizierte zeitliche Dringlichkeit. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 147 I 420 E. 2.3) ist die Dringlichkeitsklausel restriktiv auszulegen. Es genügt nicht, dass eine rasche Regelung wünschenswert erscheint; vielmehr muss eine Situation vorliegen, in der das Zuwarten bis zum Ablauf der Referendumsfrist erhebliche Nachteile für wichtige öffentliche Interessen mit sich brächte.\n\n**N. 6** **Qualifiziertes Mehr (Abs. 1):** Die Dringlicherklärung erfordert die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder jedes Rates, also mindestens 101 Stimmen im Nationalrat und 24 Stimmen im Ständerat. Dieses absolute Mehr stellt eine höhere Hürde dar als das einfache Mehr der Stimmenden bei ordentlichen Beschlüssen und unterstreicht den Ausnahmecharakter des Dringlichkeitsrechts.\n\n**N. 7** **Befristung (Abs. 1 und 3):** Dringliche Bundesgesetze sind zwingend zu befristen. Die Lehre (Tschannen, St. Galler Kommentar BV, Art. 165 N. 8) vertritt einhellig, dass die Befristung bereits im Gesetz selbst festzulegen ist und nicht beliebig lang sein darf. Die Befristung dient der Verhinderung einer dauerhaften Umgehung des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens.\n\n**N. 8** **Verfassungskonformität (Abs. 2 und 3):** Art. 165 BV unterscheidet zwischen verfassungskonformen dringlichen Bundesgesetzen (Abs. 2) und solchen ohne Verfassungsgrundlage (Abs. 3). Diese Unterscheidung hat Konsequenzen für das Referendumsverfahren: Verfassungskonforme Gesetze unterliegen nur dem fakultativen Referendum (Volksabstimmung), während verfassungswidrige Gesetze der obligatorischen Abstimmung von Volk und Ständen unterliegen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** **Sofortige Inkraftsetzung:** Die primäre Rechtsfolge der Dringlicherklärung ist die Möglichkeit der sofortigen Inkraftsetzung ohne Beachtung der Referendumsfrist von 100 Tagen gemäss Art. 141 Abs. 1 BV. Das Gesetz entfaltet unmittelbar nach seiner Verabschiedung und Publikation volle Rechtswirkung.\n\n**N. 10** **Nachträgliche demokratische Kontrolle:** Bei verfassungskonformen dringlichen Bundesgesetzen (Abs. 2) tritt das Gesetz ausser Kraft, wenn es nicht innerhalb eines Jahres nach Annahme durch die Bundesversammlung vom Volk angenommen wird. Die Frist beginnt unabhängig davon zu laufen, ob ein Referendum ergriffen wird oder nicht. Bei verfassungswidrigen Gesetzen (Abs. 3) ist die Zustimmung von Volk und Ständen erforderlich.\n\n**N. 11** **Verbot der Erneuerung (Abs. 4):** Ein in der Volksabstimmung verworfenes dringliches Bundesgesetz kann nicht erneuert werden. Dieses absolute Erneuerungsverbot verhindert, dass die Bundesversammlung den Volkswillen durch erneute Dringlicherklärung umgeht. Nach herrschender Lehre (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, Art. 165 N. 15) bezieht sich das Verbot auf den wesentlichen normativen Gehalt, nicht auf jedes Detail.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Reichweite der Dringlichkeit:** In der Lehre umstritten ist, wie eng der Begriff «keinen Aufschub duldet» auszulegen ist. Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2687) plädieren für eine sehr restriktive Auslegung und verlangen eine unmittelbare Gefährdung wichtiger Staatsziele. Demgegenüber vertritt Tschannen (St. Galler Kommentar BV, Art. 165 N. 5) eine etwas weniger strenge Position und lässt auch präventives Handeln bei absehbaren Krisensituationen genügen.\n\n**N. 13** **Verfassungswidrige Dringlichkeit:** Kontrovers diskutiert wird die Zulässigkeit verfassungswidriger dringlicher Bundesgesetze nach Abs. 3. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1893) sehen darin eine problematische Durchbrechung des Verfassungsvorrangs. Biaggini (BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 165 N. 6) rechtfertigt die Regelung hingegen als notwendiges Ventil für ausserordentliche Krisensituationen, betont aber die Notwendigkeit äusserster Zurückhaltung.\n\n**N. 14** **Justiziabilität:** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die gerichtliche Überprüfbarkeit der Dringlichkeitserklärung. Das Bundesgericht hat in BGE 148 IV 298 E. 3.2.1 festgehalten, dass Akte der Bundesversammlung grundsätzlich nicht angefochten werden können (Art. 189 Abs. 4 BV). Teile der Lehre (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 3 N. 78) kritisieren diese Rechtsprechung als rechtsstaatlich bedenklich und fordern zumindest eine Evidenzkontrolle bei offensichtlichem Missbrauch.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Vorbereitung dringlicher Gesetzgebung ist besondere Sorgfalt geboten. Die Botschaft muss die Dringlichkeit substantiiert begründen und darlegen, weshalb das ordentliche Verfahren nicht abgewartet werden kann. Blosse Behauptungen oder der Verweis auf politischen Handlungsdruck genügen nicht. Konkret sind die drohenden Nachteile bei Nichthandeln zu spezifizieren.\n\n**N. 16** Die Befristung ist bereits im Gesetzesentwurf vorzusehen. In der Praxis hat sich eine Befristung auf 1-2 Jahre als üblich erwiesen. Bei längeren Fristen besteht die Gefahr, dass die Dringlichkeit in Frage gestellt wird. Soll die Regelung über die Befristung hinaus Bestand haben, ist rechtzeitig das ordentliche Gesetzgebungsverfahren einzuleiten.\n\n**N. 17** Für die parlamentarische Behandlung empfiehlt sich eine enge Koordination zwischen den Räten, da das qualifizierte Mehr in beiden Kammern erreicht werden muss. Die Erfahrung zeigt, dass insbesondere im Ständerat die erforderlichen 24 Stimmen bei kontroversen Vorlagen nicht immer gesichert sind. Eine vorgängige Konsultation der Fraktionsspitzen kann Überraschungen vermeiden.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Grundsätze der Dringlichkeitspraxis\n\n**BGE 147 I 420** — 11. März 2021\nRestriktive Auslegung der Dringlichkeitsklausel bei kantonalen Gesetzen\nDie Dringlichkeitsklausel ist restriktiv auszulegen, da mit der Dringlicherklärung vom ordentlichen Verfahren abgewichen wird und die Referendumsrechte der Stimmberechtigten eingeschränkt werden.\n\n> «Mit der Dringlicherklärung werden die Referendumsrechte der Stimmberechtigten eingeschränkt; die Dringlichkeitsklausel ist restriktiv auszulegen. Dies rechtfertigt sich dadurch, dass mit der Dringlicherklärung vom ordentlichen Verfahren abgewichen wird und die Referendumsrechte der Stimmberechtigten im Einzelfall eingeschränkt werden.»\n\n### Verfassungsmässigkeit dringlicher Bundesgesetze\n\n**BGE 148 IV 298** — 11. April 2022\nVerfassungsmässigkeit des Al-Qaïda/IS-Gesetzes vom 12. Dezember 2014\nDas auf dem Dringlichkeitsweg erlassene Al-Qaïda/IS-Gesetz stellt ein Gesetz im formellen Sinne dar, das dem Legalitätsprinzip entspricht.\n\n> «Beim auf dem Dringlichkeitsweg erlassenen Al-Qaïda/IS-Gesetz handelt es sich um ein Gesetz im formellen Sinne, das dem in Art. 1 StGB verankerten Legalitätsprinzip gerecht wird.»\n\n### Voraussetzungen der Dringlichkeit\n\n**BGE 147 I 420** — 11. März 2021\nCovid-19-Pandemie als ausserordentlicher Grund\nDie Covid-19-Pandemie rechtfertigt die Dringlicherklärung bei erheblicher Gefährdung der Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen.\n\n> «Angesichts der volatilen rechtlichen und gesundheitlichen Lage im Herbst 2020 bestand ein erhebliches Interesse an der sofortigen Inkraftsetzung des Gesetzes, namentlich um die Beschluss- und Funktionsfähigkeit der zürcherischen Gemeinden sicherzustellen; die zeitliche Dringlichkeit ist gegeben.»\n\n### Verfassungsgerichtlicher Rechtsschutz\n\n**Urteil 1C_529/2022** — 31. Oktober 2022\nNicht-Eintreten bei Stimmrechtsbeschwerde gegen Dringlichkeitsklausel\nAkte der Bundesversammlung können beim Bundesgericht grundsätzlich nicht angefochten werden, ausser das Gesetz sehe dies vor.\n\n> «Gemäss Art. 189 Abs. 4 BV können Akte der Bundesversammlung und des Bundesrats beim Bundesgericht nicht angefochten werden, ausser das Gesetz sehe dies vor. Dies gilt auch bei Beschwerden wegen Verletzung der politischen Rechte.»\n\n### Analogie zu kantonalen Dringlichkeitsklauseln\n\n**BGE 147 I 420** — 11. März 2021\nÜbertragung der Grundsätze auf Kantonsebene\nDie für Art. 165 BV entwickelten Grundsätze gelten analog für kantonale Dringlichkeitsklauseln.\n\n> «Betreffend die in der Genfer Kantonsverfassung vorgesehene Dringlichkeitsklausel hat das Bundesgericht festgehalten, dass diese - analog zu Art. 165 BV - restriktiv auszulegen ist.»", "summary_fr": "# Art. 165 Cst. — Lois fédérales urgentes\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 165 Cst. règle l'exception à la procédure législative normale en cas de situation urgente. Lorsqu'une loi fédérale doit entrer en vigueur immédiatement, le Parlement peut la déclarer urgente. De ce fait, le délai d'attente habituel de 100 jours pour un éventuel référendum (votation populaire) ne s'applique pas.\n\n**Qui est concerné ?** Le Parlement (les deux Chambres doivent donner leur accord), le peuple (perd temporairement son droit de participation) et tous ceux qui sont touchés par la nouvelle loi (elle s'applique immédiatement).\n\n**Conditions :** La loi doit être vraiment urgente – elle « ne peut souffrir aucun retard ». Les deux Chambres du Parlement doivent approuver à la majorité de tous leurs membres (pas seulement des présents). La loi doit être limitée dans le temps.\n\n**Contrôle a posteriori :** Le peuple peut malgré tout voter. Pour les lois ordinaires, une votation populaire suffit. Si la loi contrevient à la Constitution, le peuple et les cantons doivent donner leur accord. Si la loi est rejetée, elle cesse de produire ses effets au bout d'un an et ne peut plus être renouvelée.\n\n**Exemple pratique :** Pendant la pandémie de coronavirus en 2020, le Parlement a adopté des lois urgentes pour les aides économiques et les mesures sanitaires. Celles-ci ont pu déployer leurs effets immédiatement, mais ont été confirmées par la suite par le peuple. Les lois de lutte contre le terrorisme après des crises internationales constituent un autre exemple.\n\nCette disposition protège la démocratie contre les abus : des mesures vraiment urgentes sont possibles, mais le peuple garde le dernier mot.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La révision constitutionnelle de 1999 a conduit à une réorganisation fondamentale du droit d'urgence. Le message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 406 ss) soulignait la nécessité de formuler plus précisément sur le plan constitutionnel le droit d'urgence qui se fondait auparavant sur l'art. 89bis aCst. Le constituant poursuivait trois objectifs principaux : premièrement le renforcement de la légitimation démocratique par des règles de limitation dans le temps claires, deuxièmement la distinction entre droit d'urgence conforme à la Constitution et droit d'urgence contraire à la Constitution, et troisièmement la prévention d'un usage abusif par l'interdiction de renouveler les projets refusés.\n\n**N. 2** Le développement historique du droit d'urgence remonte à l'entre-deux-guerres. C'est notamment pendant la crise économique des années 1930 et durant la Seconde Guerre mondiale que l'on a fait un usage extensif des arrêtés fédéraux urgents. Cette pratique a conduit en 1949 à l'introduction de l'art. 89bis aCst, qui a créé pour la première fois une base constitutionnelle pour le droit d'urgence. La révision totale de 1999 a repris les principes qui avaient fait leurs preuves, mais a précisé considérablement les conditions et les limites.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 165 Cst. est classé dans le 3e titre (« Confédération, cantons et communes »), chapitre 5 (« Assemblée fédérale »), section 3 (« Procédure »). La norme entretient un lien systématique étroit avec → l'art. 164 Cst. (législation), → l'art. 166 Cst. (procédure parlementaire) et → l'art. 141 Cst. (référendum facultatif). Elle constitue une exception à la procédure législative ordinaire et modifie les droits de référendum réguliers.\n\n**N. 4** Dans le rapport aux droits populaires, l'art. 165 Cst. représente une restriction qualifiée. Tandis que le référendum facultatif ordinaire selon l'art. 141 Cst. a un effet suspensif, le droit d'urgence permet l'entrée en vigueur immédiate sous réserve d'une votation populaire a posteriori. Cette construction reflète la tension entre légitimation démocratique et capacité d'action de l'État.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Urgence temporelle (al. 1) :** L'élément constitutif central « dont l'entrée en vigueur ne souffre aucun retard » exige une urgence temporelle qualifiée. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral (ATF 147 I 420 consid. 2.3), la clause d'urgence doit être interprétée de manière restrictive. Il ne suffit pas qu'une réglementation rapide paraisse souhaitable ; il faut plutôt qu'existe une situation dans laquelle l'attente jusqu'à l'expiration du délai référendaire entraînerait des inconvénients considérables pour d'importants intérêts publics.\n\n**N. 6** **Majorité qualifiée (al. 1) :** La déclaration d'urgence exige l'approbation de la majorité des membres de chaque conseil, soit au moins 101 voix au Conseil national et 24 voix au Conseil des États. Cette majorité absolue représente un seuil plus élevé que la majorité simple des votants pour les décisions ordinaires et souligne le caractère d'exception du droit d'urgence.\n\n**N. 7** **Limitation dans le temps (al. 1 et 3) :** Les lois fédérales urgentes doivent impérativement être limitées dans le temps. La doctrine (Tschannen, Commentaire saint-gallois Cst., art. 165 n. 8) est unanime pour considérer que la limitation dans le temps doit déjà être fixée dans la loi elle-même et ne peut pas être arbitrairement longue. La limitation dans le temps sert à prévenir un contournement permanent de la procédure législative ordinaire.\n\n**N. 8** **Conformité à la Constitution (al. 2 et 3) :** L'art. 165 Cst. distingue entre les lois fédérales urgentes conformes à la Constitution (al. 2) et celles sans base constitutionnelle (al. 3). Cette distinction a des conséquences pour la procédure référendaire : les lois conformes à la Constitution ne sont soumises qu'au référendum facultatif (votation populaire), tandis que les lois contraires à la Constitution sont soumises à la votation obligatoire du peuple et des cantons.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 9** **Entrée en vigueur immédiate :** L'effet juridique principal de la déclaration d'urgence est la possibilité d'entrée en vigueur immédiate sans respect du délai référendaire de 100 jours selon l'art. 141 al. 1 Cst. La loi déploie immédiatement son plein effet juridique après son adoption et sa publication.\n\n**N. 10** **Contrôle démocratique a posteriori :** Pour les lois fédérales urgentes conformes à la Constitution (al. 2), la loi cesse d'être en vigueur si elle n'est pas acceptée par le peuple dans l'année qui suit son adoption par l'Assemblée fédérale. Le délai commence à courir indépendamment du fait qu'un référendum soit lancé ou non. Pour les lois contraires à la Constitution (al. 3), l'approbation du peuple et des cantons est requise.\n\n**N. 11** **Interdiction de renouvellement (al. 4) :** Une loi fédérale urgente rejetée en votation populaire ne peut pas être renouvelée. Cette interdiction absolue de renouvellement empêche que l'Assemblée fédérale contourne la volonté populaire par une nouvelle déclaration d'urgence. Selon la doctrine dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois Cst., art. 165 n. 15), l'interdiction se rapporte au contenu normatif essentiel, pas à chaque détail.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 12** **Portée de l'urgence :** Dans la doctrine, l'interprétation restrictive du terme « ne souffre aucun retard » est controversée. Rhinow/Schefer/Uebersax (Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, n. 2687) plaident pour une interprétation très restrictive et exigent une mise en danger immédiate d'objectifs étatiques importants. À l'inverse, Tschannen (Commentaire saint-gallois Cst., art. 165 n. 5) défend une position un peu moins stricte et permet aussi une action préventive en cas de situations de crise prévisibles.\n\n**N. 13** **Urgence contraire à la Constitution :** L'admissibilité des lois fédérales urgentes contraires à la Constitution selon l'al. 3 fait l'objet de discussions controversées. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Droit constitutionnel fédéral suisse, 10e éd. 2020, n. 1893) y voient une atteinte problématique à la primauté de la Constitution. Biaggini (Commentaire Cst., 2e éd. 2017, art. 165 n. 6) justifie en revanche la règle comme soupape nécessaire pour des situations de crise extraordinaires, mais souligne la nécessité d'une retenue extrême.\n\n**N. 14** **Justiciabilité :** Un autre point de controverse concerne la possibilité de contrôle judiciaire de la déclaration d'urgence. Le Tribunal fédéral a établi dans l'ATF 148 IV 298 consid. 3.2.1 que les actes de l'Assemblée fédérale ne peuvent en principe pas être attaqués (art. 189 al. 4 Cst.). Une partie de la doctrine (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Droits fondamentaux, 3e éd. 2018, § 3 n. 78) critique cette jurisprudence comme étant problématique du point de vue de l'État de droit et réclame au moins un contrôle de l'évidence en cas d'abus manifeste.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** Lors de la préparation d'une législation urgente, un soin particulier s'impose. Le message doit justifier l'urgence de manière substantielle et expliquer pourquoi la procédure ordinaire ne peut pas être attendue. De simples affirmations ou la référence à une pression d'action politique ne suffisent pas. Concrètement, il faut spécifier les inconvénients qui menacent en cas de non-action.\n\n**N. 16** La limitation dans le temps doit déjà être prévue dans le projet de loi. Dans la pratique, une limitation à 1-2 ans s'est révélée habituelle. Pour des délais plus longs, il existe le danger que l'urgence soit mise en question. Si la réglementation doit perdurer au-delà de la limitation dans le temps, il faut lancer à temps la procédure législative ordinaire.\n\n**N. 17** Pour le traitement parlementaire, une coordination étroite entre les conseils est recommandée, car la majorité qualifiée doit être atteinte dans les deux chambres. L'expérience montre qu'en particulier au Conseil des États, les 24 voix requises ne sont pas toujours assurées pour des projets controversés. Une consultation préalable des chefs de groupe peut éviter les surprises.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Principes de la pratique d'urgence\n\n**ATF 147 I 420** — 11 mars 2021\nInterprétation restrictive de la clause d'urgence pour les lois cantonales\nLa clause d'urgence doit être interprétée restrictivement, car la déclaration d'urgence déroge à la procédure ordinaire et limite les droits de référendum des électeurs.\n\n> «La déclaration d'urgence limite les droits de référendum des électeurs ; la clause d'urgence doit être interprétée restrictivement. Cela se justifie par le fait que la déclaration d'urgence déroge à la procédure ordinaire et limite les droits de référendum des électeurs dans le cas d'espèce.»\n\n### Constitutionnalité des lois fédérales urgentes\n\n**ATF 148 IV 298** — 11 avril 2022\nConstitutionnalité de la loi Al-Qaïda/EI du 12 décembre 2014\nLa loi Al-Qaïda/EI adoptée par voie d'urgence constitue une loi au sens formel qui satisfait au principe de légalité.\n\n> «La loi Al-Qaïda/EI adoptée par voie d'urgence constitue une loi au sens formel qui satisfait au principe de légalité ancré à l'art. 1 CP.»\n\n### Conditions de l'urgence\n\n**ATF 147 I 420** — 11 mars 2021\nLa pandémie de Covid-19 comme motif extraordinaire\nLa pandémie de Covid-19 justifie la déclaration d'urgence en cas de mise en danger considérable du fonctionnement des institutions étatiques.\n\n> «Eu égard à la situation juridique et sanitaire volatile de l'automne 2020, il existait un intérêt considérable à l'entrée en vigueur immédiate de la loi, notamment pour assurer la capacité de décision et de fonctionnement des communes zurichoises ; l'urgence temporelle est donnée.»\n\n### Protection juridictionnelle constitutionnelle\n\n**Arrêt 1C_529/2022** — 31 octobre 2022\nNon-entrée en matière sur un recours de droit de vote contre la clause d'urgence\nLes actes de l'Assemblée fédérale ne peuvent en principe pas être attaqués devant le Tribunal fédéral, sauf si la loi le prévoit.\n\n> «Selon l'art. 189 al. 4 Cst., les actes de l'Assemblée fédérale et du Conseil fédéral ne peuvent pas être portés devant le Tribunal fédéral, sauf si la loi le prévoit. Cela vaut également pour les recours pour violation des droits politiques.»\n\n### Analogie avec les clauses d'urgence cantonales\n\n**ATF 147 I 420** — 11 mars 2021\nTransposition des principes au niveau cantonal\nLes principes développés pour l'art. 165 Cst. s'appliquent par analogie aux clauses d'urgence cantonales.\n\n> «Concernant la clause d'urgence prévue dans la Constitution genevoise, le Tribunal fédéral a retenu qu'elle doit - par analogie avec l'art. 165 Cst. - être interprétée restrictivement.»", "summary_it": "# Art. 165 Cost. — Leggi federali urgenti\n\n## Panoramica\n\nL'art. 165 Cost. disciplina l'eccezione alla procedura legislativa normale in situazioni urgenti. Quando una legge federale deve entrare in vigore immediatamente, il Parlamento può dichiararla urgente. In tal modo decade il termine di attesa abituale di 100 giorni per un eventuale referendum (votazione popolare).\n\n**Chi è interessato?** Il Parlamento (entrambe le Camere devono acconsentire), il popolo (perde temporaneamente il suo diritto di codecisione) e tutti coloro che sono interessati dalla nuova legge (si applica immediatamente).\n\n**Presupposti:** La legge deve essere veramente urgente – non può «tollerare indugi». Entrambe le Camere del Parlamento devono acconsentire con la maggioranza di tutti i membri (non solo dei presenti). La legge deve essere limitata nel tempo.\n\n**Controllo successivo:** Il popolo può comunque votare. Per le leggi normali basta una votazione popolare. Se la legge viola la Costituzione, devono acconsentire popolo e Cantoni. Se la legge viene respinta, decade dopo un anno e non può più essere rinnovata.\n\n**Esempio dalla prassi:** Durante la pandemia di Corona del 2020 il Parlamento ha emanato leggi urgenti per aiuti economici e misure sanitarie. Queste hanno potuto essere efficaci immediatamente, ma sono state successivamente confermate dal popolo. Un altro esempio sono le leggi di lotta al terrorismo dopo crisi internazionali.\n\nLa disposizione protegge la democrazia dall'abuso: misure veramente urgenti sono possibili, ma il popolo conserva l'ultima parola.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** La revisione costituzionale del 1999 ha portato a un riordinamento fondamentale del diritto d'urgenza. Il messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 406 ss.) ha sottolineato la necessità di disciplinare il diritto d'urgenza, precedentemente basato sull'art. 89bis aCost., in modo costituzionalmente più preciso. Il costituente perseguiva tre obiettivi principali: primo, il rafforzamento della legittimazione democratica mediante chiare regole di limitazione nel tempo, secondo, la distinzione tra diritto d'urgenza costituzionalmente conforme e costituzionalmente contrario, e terzo, la prevenzione dell'uso abusivo mediante il divieto di rinnovo di progetti respinti.\n\n**N. 2** L'evoluzione storica del diritto d'urgenza risale al periodo tra le due guerre. In particolare durante la crisi economica degli anni '30 e nella Seconda Guerra Mondiale si fece uso estensivo di decreti federali urgenti. Questa prassi portò nel 1949 all'introduzione dell'art. 89bis aCost., che creò per la prima volta una base costituzionale per il diritto d'urgenza. La revisione totale del 1999 riprese i principi consolidati, ma precisò considerevolmente i presupposti e i limiti.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 165 Cost. è inquadrato nel 3° titolo («Confederazione, Cantoni e Comuni»), 5° capitolo («Assemblea federale»), 3ª sezione («Procedura»). La norma è in stretto rapporto sistematico con → l'art. 164 Cost. (legislazione), → l'art. 166 Cost. (procedura parlamentare) e → l'art. 141 Cost. (referendum facoltativo). Essa costituisce un'eccezione alla procedura legislativa ordinaria e modifica i diritti referendari regolari.\n\n**N. 4** Nel rapporto con i diritti popolari l'art. 165 Cost. rappresenta una limitazione qualificata. Mentre il referendum facoltativo ordinario secondo l'art. 141 Cost. ha un effetto sospensivo, il diritto d'urgenza consente l'entrata in vigore immediata sotto riserva di una votazione popolare successiva. Questa costruzione rispecchia la tensione tra legittimazione democratica e capacità d'azione statale.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Urgenza temporale (cpv. 1):** L'elemento costitutivo centrale «la cui entrata in vigore non sopporta indugio» richiede un'urgenza temporale qualificata. Secondo la giurisprudenza del Tribunale federale (DTF 147 I 420 consid. 2.3) la clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente. Non basta che una regolamentazione rapida appaia desiderabile; deve piuttosto sussistere una situazione in cui l'attesa fino al decorso del termine referendario comporterebbe svantaggi considerevoli per importanti interessi pubblici.\n\n**N. 6** **Maggioranza qualificata (cpv. 1):** La dichiarazione d'urgenza richiede il consenso della maggioranza dei membri di ogni Camera, ossia almeno 101 voti nel Consiglio nazionale e 24 voti nel Consiglio degli Stati. Questa maggioranza assoluta rappresenta un ostacolo più elevato della maggioranza semplice dei votanti per i decreti ordinari e sottolinea il carattere eccezionale del diritto d'urgenza.\n\n**N. 7** **Limitazione nel tempo (cpv. 1 e 3):** Le leggi federali urgenti devono essere imperativamente limitate nel tempo. La dottrina (Tschannen, Commentario di San Gallo Cost., art. 165 n. 8) sostiene unanimemente che la limitazione nel tempo deve essere fissata già nella legge stessa e non può durare arbitrariamente a lungo. La limitazione nel tempo serve a impedire un aggiramento duraturo della procedura legislativa ordinaria.\n\n**N. 8** **Conformità costituzionale (cpv. 2 e 3):** L'art. 165 Cost. distingue tra leggi federali urgenti costituzionalmente conformi (cpv. 2) e quelle prive di base costituzionale (cpv. 3). Questa distinzione ha conseguenze per la procedura referendaria: le leggi costituzionalmente conformi sottostanno solo al referendum facoltativo (votazione popolare), mentre le leggi costituzionalmente contrarie sottostanno alla votazione obbligatoria di popolo e Cantoni.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** **Entrata in vigore immediata:** La conseguenza giuridica primaria della dichiarazione d'urgenza è la possibilità dell'entrata in vigore immediata senza osservanza del termine referendario di 100 giorni secondo l'art. 141 cpv. 1 Cost. La legge dispiega piena efficacia giuridica immediatamente dopo la sua approvazione e pubblicazione.\n\n**N. 10** **Controllo democratico successivo:** Per le leggi federali urgenti costituzionalmente conformi (cpv. 2) la legge decade se non viene accettata dal popolo entro un anno dall'approvazione da parte dell'Assemblea federale. Il termine inizia a decorrere indipendentemente dal fatto che sia lanciato un referendum o meno. Per le leggi costituzionalmente contrarie (cpv. 3) è richiesto il consenso di popolo e Cantoni.\n\n**N. 11** **Divieto di rinnovo (cpv. 4):** Una legge federale urgente respinta nella votazione popolare non può essere rinnovata. Questo divieto assoluto di rinnovo impedisce che l'Assemblea federale aggiri la volontà popolare mediante una nuova dichiarazione d'urgenza. Secondo la dottrina dominante (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo Cost., art. 165 n. 15) il divieto si riferisce al contenuto normativo essenziale, non a ogni dettaglio.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Portata dell'urgenza:** Nella dottrina è controverso quanto strettamente debba essere interpretato il concetto «non sopporta indugio». Rhinow/Schefer/Uebersax (Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, n. 2687) propendono per un'interpretazione molto restrittiva e richiedono un pericolo immediato per importanti obiettivi statali. Al contrario Tschannen (Commentario di San Gallo Cost., art. 165 n. 5) rappresenta una posizione un po' meno rigorosa e ritiene sufficiente anche un'azione preventiva in situazioni di crisi prevedibili.\n\n**N. 13** **Urgenza costituzionalmente contraria:** È controversa la discussione sull'ammissibilità delle leggi federali urgenti costituzionalmente contrarie secondo il cpv. 3. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto dello Stato federale svizzero, 10ª ed. 2020, n. 1893) vedono in ciò una problematica violazione del primato costituzionale. Biaggini (Commentario Cost., 2ª ed. 2017, art. 165 n. 6) giustifica invece la disciplina come valvola necessaria per situazioni di crisi straordinarie, ma sottolinea la necessità della massima moderazione.\n\n**N. 14** **Giustiziabilità:** Un altro punto controverso riguarda la sindacabilità giudiziale della dichiarazione d'urgenza. Il Tribunale federale ha stabilito in DTF 148 IV 298 consid. 3.2.1 che gli atti dell'Assemblea federale in linea di principio non possono essere impugnati (art. 189 cpv. 4 Cost.). Parti della dottrina (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Diritti fondamentali, 3ª ed. 2018, § 3 n. 78) criticano questa giurisprudenza come preoccupante dal punto di vista dello Stato di diritto e richiedono almeno un controllo di evidenza in caso di abuso manifesto.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nella preparazione di legislazione urgente è richiesta particolare cura. Il messaggio deve motivare l'urgenza in modo sostanziato e illustrare perché non si può attendere la procedura ordinaria. Non bastano mere affermazioni o il rinvio a pressioni politiche per l'azione. Concretamente devono essere specificati gli svantaggi minaccianti in caso di mancata azione.\n\n**N. 16** La limitazione nel tempo deve essere prevista già nel progetto di legge. Nella prassi si è affermata come usuale una limitazione nel tempo di 1-2 anni. Con termini più lunghi sussiste il pericolo che l'urgenza sia messa in dubbio. Se la disciplina deve durare oltre la limitazione nel tempo, deve essere avviata per tempo la procedura legislativa ordinaria.\n\n**N. 17** Per il trattamento parlamentare si raccomanda uno stretto coordinamento tra le Camere, poiché la maggioranza qualificata deve essere raggiunta in entrambe le Camere. L'esperienza mostra che in particolare nel Consiglio degli Stati i necessari 24 voti non sono sempre assicurati per progetti controversi. Una consultazione preventiva dei capigruppo può evitare sorprese.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Principi della prassi dell'urgenza\n\n**BGE 147 I 420** — 11 marzo 2021\nInterpretazione restrittiva della clausola d'urgenza per le leggi cantonali\nLa clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente, poiché con la dichiarazione d'urgenza si deroga dalla procedura ordinaria e si limitano i diritti referendari degli aventi diritto di voto.\n\n> «Con la dichiarazione d'urgenza vengono limitati i diritti referendari degli aventi diritto di voto; la clausola d'urgenza deve essere interpretata restrittivamente. Ciò si giustifica per il fatto che con la dichiarazione d'urgenza si deroga dalla procedura ordinaria e i diritti referendari degli aventi diritto di voto vengono limitati nel caso singolo.»\n\n### Costituzionalità delle leggi federali urgenti\n\n**BGE 148 IV 298** — 11 aprile 2022\nCostituzionalità della Legge Al-Qaeda/SI del 12 dicembre 2014\nLa Legge Al-Qaeda/SI emanata per via d'urgenza costituisce una legge in senso formale che rispetta il principio di legalità.\n\n> «La Legge Al-Qaeda/SI emanata per via d'urgenza si tratta di una legge in senso formale che soddisfa il principio di legalità sancito nell'art. 1 CP.»\n\n### Presupposti dell'urgenza\n\n**BGE 147 I 420** — 11 marzo 2021\nPandemia di Covid-19 come motivo straordinario\nLa pandemia di Covid-19 giustifica la dichiarazione d'urgenza in caso di pericolo considerevole per la funzionalità delle istituzioni statali.\n\n> «Data la situazione giuridica e sanitaria volatile nell'autunno 2020, sussisteva un interesse considerevole all'entrata in vigore immediata della legge, segnatamente per assicurare la capacità decisionale e di funzionamento dei Comuni zurighesi; l'urgenza temporale è data.»\n\n### Tutela giurisdizionale costituzionale\n\n**Urteil 1C_529/2022** — 31 ottobre 2022\nNon entrata nel merito del ricorso per violazione dei diritti politici contro la clausola d'urgenza\nGli atti dell'Assemblea federale non possono di principio essere impugnati presso il Tribunale federale, salvo che la legge lo preveda.\n\n> «Secondo l'art. 189 cpv. 4 Cost., gli atti dell'Assemblea federale e del Consiglio federale non possono essere impugnati presso il Tribunale federale, salvo che la legge lo preveda. Ciò vale anche per i ricorsi per violazione dei diritti politici.»\n\n### Analogia con le clausole d'urgenza cantonali\n\n**BGE 147 I 420** — 11 marzo 2021\nTrasposizione dei principi a livello cantonale\nI principi sviluppati per l'art. 165 Cost. valgono analogamente per le clausole d'urgenza cantonali.\n\n> «Riguardo alla clausola d'urgenza prevista nella Costituzione cantonale ginevrina, il Tribunale federale ha stabilito che questa - analogamente all'art. 165 Cost. - deve essere interpretata restrittivamente.»", "summary_en": "# Art. 165 BV — Urgent Federal Acts\n\n## Overview\n\nArt. 165 BV governs the exception to the normal legislative procedure in urgent situations. When a federal act must take effect immediately, Parliament may declare it urgent. This eliminates the usual 100-day waiting period for a possible referendum (popular vote).\n\n**Who is affected?** Parliament (both chambers must agree), the people (temporarily lose their right of co-determination) and all those affected by the new act (it takes effect immediately).\n\n**Prerequisites:** The act must be genuinely urgent – it must «brook no delay». Both parliamentary chambers must agree with a majority of all members (not just those present). The act must be limited in time.\n\n**Subsequent control:** The people can still vote. For normal acts, a popular vote suffices. If the act violates the Constitution, the people and cantons must agree. If the act is rejected, it ceases to have effect after one year and may not be renewed.\n\n**Example from practice:** During the Corona pandemic in 2020, Parliament enacted urgent acts for economic aid and health measures. These could take effect immediately but were later confirmed by the people. Another example is anti-terrorism legislation following international crises.\n\nThe provision protects democracy from abuse: genuinely urgent measures are possible, but the people retain the final say.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The constitutional revision of 1999 led to a fundamental reorganisation of urgent law. The Federal Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 406 ff.) emphasised the need to give constitutional law a more precise framework for urgent law, which had previously been based on Art. 89bis aFC. The constitutional legislator pursued three main objectives: first, strengthening democratic legitimacy through clear time limitation rules; second, distinguishing between constitutionally compliant and constitutionally non-compliant urgent law; and third, preventing abusive application through the prohibition of renewal of rejected proposals.\n\n**N. 2** The historical development of urgent law dates back to the interwar period. Urgent federal decrees were used extensively, particularly during the economic crisis of the 1930s and in the Second World War. This practice led in 1949 to the introduction of Art. 89bis aFC, which for the first time created a constitutional basis for urgent law. The total revision of 1999 adopted the proven principles but considerably clarified the requirements and limits.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 165 FC is classified in Title 3 (\"Confederation, Cantons and Communes\"), Chapter 5 (\"Federal Assembly\"), Section 3 (\"Procedure\"). The provision is closely systematically connected with → Art. 164 FC (legislation), → Art. 166 FC (parliamentary procedure) and → Art. 141 FC (optional referendum). It forms an exception to the ordinary legislative procedure and modifies the regular referendum rights.\n\n**N. 4** In relation to popular rights, Art. 165 FC represents a qualified restriction. While the ordinary optional referendum according to Art. 141 FC has a suspensive effect, urgent law enables immediate entry into force subject to a subsequent popular vote. This construction reflects the tension between democratic legitimacy and state capacity for action.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Temporal urgency (para. 1):** The central element of the offence \"whose entry into force cannot be delayed\" requires qualified temporal urgency. According to Federal Supreme Court case law (BGE 147 I 420 E. 2.3), the urgency clause must be interpreted restrictively. It is not sufficient that rapid regulation appears desirable; rather, there must be a situation where waiting until the expiry of the referendum period would entail considerable disadvantages for important public interests.\n\n**N. 6** **Qualified majority (para. 1):** The declaration of urgency requires the consent of the majority of the members of each Council, i.e. at least 101 votes in the National Council and 24 votes in the Council of States. This absolute majority represents a higher hurdle than the simple majority of those voting on ordinary resolutions and underlines the exceptional character of urgent law.\n\n**N. 7** **Time limitation (para. 1 and 3):** Urgent federal acts must be subject to a time limit. Legal doctrine (Tschannen, St. Gallen Commentary FC, Art. 165 N. 8) unanimously holds that the time limitation must be established in the act itself and may not be arbitrarily long. The time limitation serves to prevent permanent circumvention of the ordinary legislative procedure.\n\n**N. 8** **Constitutional conformity (para. 2 and 3):** Art. 165 FC distinguishes between constitutionally compliant urgent federal acts (para. 2) and those without a constitutional basis (para. 3). This distinction has consequences for the referendum procedure: constitutionally compliant acts are subject only to the optional referendum (popular vote), while constitutionally non-compliant acts are subject to the obligatory vote by people and cantons.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** **Immediate entry into force:** The primary legal consequence of the declaration of urgency is the possibility of immediate entry into force without observing the referendum period of 100 days according to Art. 141 para. 1 FC. The act takes full legal effect immediately after its adoption and publication.\n\n**N. 10** **Subsequent democratic control:** For constitutionally compliant urgent federal acts (para. 2), the act ceases to have effect if it is not accepted by the people within one year of adoption by the Federal Assembly. The period begins to run regardless of whether a referendum is launched or not. For constitutionally non-compliant acts (para. 3), the consent of people and cantons is required.\n\n**N. 11** **Prohibition of renewal (para. 4):** An urgent federal act rejected in the popular vote cannot be renewed. This absolute prohibition of renewal prevents the Federal Assembly from circumventing the popular will through renewed declaration of urgency. According to prevailing doctrine (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary FC, Art. 165 N. 15), the prohibition relates to the essential normative content, not to every detail.\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 12** **Scope of urgency:** In legal doctrine, it is disputed how narrowly the term \"cannot be delayed\" should be interpreted. Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 2687) advocate for a very restrictive interpretation and require an immediate threat to important state objectives. In contrast, Tschannen (St. Gallen Commentary FC, Art. 165 N. 5) takes a somewhat less strict position and allows preventive action in foreseeable crisis situations to suffice.\n\n**N. 13** **Constitutionally non-compliant urgency:** The permissibility of constitutionally non-compliant urgent federal acts according to para. 3 is controversially discussed. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 1893) see this as a problematic breach of constitutional supremacy. Biaggini (FC Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 165 N. 6), however, justifies the provision as a necessary valve for extraordinary crisis situations, but emphasises the need for utmost restraint.\n\n**N. 14** **Justiciability:** Another point of controversy concerns the judicial reviewability of the declaration of urgency. The Federal Supreme Court held in BGE 148 IV 298 E. 3.2.1 that acts of the Federal Assembly cannot in principle be challenged (Art. 189 para. 4 FC). Parts of legal doctrine (Kiener/Kälin/Wyttenbach, Fundamental Rights, 3rd ed. 2018, § 3 N. 78) criticise this case law as constitutionally questionable and call for at least an evidence control in cases of obvious abuse.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** Particular care is required when preparing urgent legislation. The message must substantiate the urgency and explain why the ordinary procedure cannot be awaited. Mere assertions or reference to political pressure for action do not suffice. Specifically, the threatening disadvantages of non-action must be specified.\n\n**N. 16** The time limitation must be provided for in the draft act itself. In practice, a time limitation of 1-2 years has proven usual. With longer periods, there is a risk that urgency will be questioned. If the provision is to remain in force beyond the time limitation, the ordinary legislative procedure should be initiated in good time.\n\n**N. 17** For parliamentary treatment, close coordination between the Councils is recommended, as the qualified majority must be achieved in both chambers. Experience shows that particularly in the Council of States, the required 24 votes are not always secured for controversial proposals. Prior consultation with faction leaders can avoid surprises.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Principles of Urgency Practice\n\n**BGE 147 I 420** — 11 March 2021\nRestrictive interpretation of the urgency clause for cantonal laws\nThe urgency clause must be interpreted restrictively, as the declaration of urgency deviates from the ordinary procedure and restricts the referendum rights of voters.\n\n> «The declaration of urgency restricts the referendum rights of voters; the urgency clause must be interpreted restrictively. This is justified by the fact that the declaration of urgency deviates from the ordinary procedure and restricts the referendum rights of voters in individual cases.»\n\n### Constitutionality of Urgent Federal Acts\n\n**BGE 148 IV 298** — 11 April 2022\nConstitutionality of the Al-Qaïda/IS Act of 12 December 2014\nThe Al-Qaïda/IS Act enacted through the urgency procedure constitutes an act in the formal sense that complies with the principle of legality.\n\n> «The Al-Qaïda/IS Act enacted through the urgency procedure constitutes an act in the formal sense that meets the principle of legality enshrined in Art. 1 SCC.»\n\n### Requirements for Urgency\n\n**BGE 147 I 420** — 11 March 2021\nCovid-19 pandemic as exceptional grounds\nThe Covid-19 pandemic justifies the declaration of urgency where there is significant threat to the functioning capacity of state institutions.\n\n> «Given the volatile legal and health situation in autumn 2020, there was a considerable interest in the immediate entry into force of the act, particularly to ensure the decision-making and functioning capacity of Zurich municipalities; the temporal urgency requirement is met.»\n\n### Constitutional Court Protection\n\n**Urteil 1C_529/2022** — 31 October 2022\nNon-entry in voting rights complaint against urgency clause\nActs of the Federal Assembly cannot generally be challenged before the Federal Court, unless the law provides for this.\n\n> «According to Art. 189 para. 4 Cst., acts of the Federal Assembly and the Federal Council cannot be challenged before the Federal Court, unless the law provides for this. This also applies to complaints for violation of political rights.»\n\n### Analogy to Cantonal Urgency Clauses\n\n**BGE 147 I 420** — 11 March 2021\nTransfer of principles to cantonal level\nThe principles developed for Art. 165 Cst. apply analogously to cantonal urgency clauses.\n\n> «Regarding the urgency clause provided for in the Geneva Cantonal Constitution, the Federal Court held that this - analogous to Art. 165 Cst. - must be interpreted restrictively.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_165", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.93, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 166, "article_suffix": "", "title": "Beziehungen zum Ausland und völkerrechtliche Verträge", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 166 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 166 BV regelt die aussenpolitischen Zuständigkeiten der Bundesversammlung (National- und Ständerat). Das Parlament hat drei wichtige Aufgaben in der Aussenpolitik.\n\n**Erste Aufgabe: Mitwirkung bei der Aussenpolitikgestaltung**  \nDie Bundesversammlung bestimmt mit, welche aussenpolitischen Ziele die Schweiz verfolgt. Sie kann dem Bundesrat Aufträge für Verhandlungen erteilen und muss über wichtige aussenpolitische Pläne informiert werden. Beispiel: Bevor die Schweiz über einen EU-Rahmenvertrag verhandelt, diskutiert das Parlament die Verhandlungsziele und -grenzen.\n\n**Zweite Aufgabe: Kontrolle der Aussenbeziehungen**  \nDas Parlament überwacht, ob der Bundesrat die Aussenpolitik richtig umsetzt. Es kann Berichte verlangen und bei Problemen eingreifen. Die Aussenpolitischen Kommissionen (APK) führen diese Kontrolle hauptsächlich durch.\n\n**Dritte Aufgabe: Genehmigung völkerrechtlicher Verträge**  \nBevor die Schweiz einen Staatsvertrag unterzeichnet, muss das Parlament zustimmen. Das gilt für alle wichtigen internationalen Abkommen wie Freihandelsverträge, Doppelbesteuerungsabkommen oder Kooperationsvereinbarungen. Nur kleinere technische Verträge kann der Bundesrat allein abschliessen.\n\n**Praktische Bedeutung**  \nDiese Regelung verhindert, dass der Bundesrat allein über die Aussenpolitik entscheidet. Das Parlament als Volksvertretung hat das letzte Wort bei wichtigen internationalen Verpflichtungen. Ohne parlamentarische Genehmigung kann die Schweiz keinen bedeutsamen völkerrechtlichen Vertrag eingehen.", "doctrine_de": "# Art. 166 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Wurzeln der parlamentarischen Mitwirkung in der Aussenpolitik reichen bis zur Bundesverfassung von 1848 zurück. Bereits Art. 74 Ziff. 5 aBV (1848) verankerte die Zuständigkeit der Bundesversammlung für die Genehmigung von Bündnissen und Verträgen mit ausländischen Staaten. Die Verfassung von 1874 verzichtete zwar auf eine allgemeine Bestimmung über die Beteiligung der Bundesversammlung an auswärtigen Angelegenheiten, behielt aber in Art. 85 Ziff. 5 aBV (1874) die Genehmigungskompetenz für Staatsverträge bei.\n\n**N. 2** Art. 166 BV entstand im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Botschaft vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung (BBl 1997 I 1, 330 ff.) betonte die Notwendigkeit, die aussenpolitischen Kompetenzen zwischen Bundesrat und Bundesversammlung klarer zu regeln. Der Verfassungsentwurf sollte die gewachsene Bedeutung der Aussenpolitik und die verstärkte parlamentarische Mitwirkung in diesem Bereich widerspiegeln. Die heutige Fassung kodifiziert die Praxis der kooperativen Aussenpolitikgestaltung zwischen Exekutive und Legislative.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 166 BV steht im 2. Kapitel (Zuständigkeiten) des 5. Titels (Bundesbehörden) und regelt die aussenpolitischen Kompetenzen der Bundesversammlung. Die Bestimmung ist im Zusammenhang mit den parallelen Kompetenznormen zu lesen:\n- → Art. 184 BV (Beziehungen zum Ausland als Bundesratskompetenz)\n- → Art. 185 BV (äussere Sicherheit)\n- → Art. 54 BV (auswärtige Angelegenheiten als Bundeskompetenz)\n- → Art. 140 BV (obligatorisches Referendum bei völkerrechtlichen Verträgen)\n- → Art. 141 BV (fakultatives Referendum)\n\n**N. 4** Die Norm konkretisiert das Prinzip der geteilten aussenpolitischen Verantwortung zwischen Bundesrat und Bundesversammlung. Während Art. 184 Abs. 1 BV dem Bundesrat die operative Führung der Aussenpolitik zuweist («besorgt die auswärtigen Angelegenheiten»), sichert Art. 166 BV der Bundesversammlung substanzielle Mitwirkungs- und Kontrollrechte.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Beteiligung an der Gestaltung der Aussenpolitik (Abs. 1)\n\n**N. 5** Der Begriff «Gestaltung der Aussenpolitik» umfasst die grundlegenden Weichenstellungen der schweizerischen Aussenbeziehungen. Die Bundesversammlung wirkt bei der Festlegung aussenpolitischer Ziele, Strategien und Prioritäten mit. Diese Beteiligung manifestiert sich insbesondere durch:\n- Genehmigung aussenpolitischer Berichte und Strategien\n- Erteilung von Aufträgen und Mandaten für Verhandlungen\n- Konsultation bei wichtigen aussenpolitischen Entscheidungen\n- Budgethoheit über aussenpolitische Ausgaben\n\n**N. 6** Die Beteiligungsrechte werden durch das Parlamentsgesetz (ParlG) konkretisiert, namentlich in Art. 152 ParlG (Information und Konsultation bei Vorbereitungshandlungen) und Art. 152a ParlG (Konsultation der Aussenpolitischen Kommissionen).\n\n#### b) Aufsicht über die Pflege der Beziehungen zum Ausland (Abs. 1)\n\n**N. 7** Die Aufsichtsfunktion bezieht sich auf die Kontrolle der exekutiven Aussenpolitik. Sie umfasst die retrospektive Überprüfung aussenpolitischer Handlungen sowie die begleitende Kontrolle laufender aussenpolitischer Geschäfte. Instrumente der Aufsicht sind:\n- Berichterstattung durch den Bundesrat\n- parlamentarische Vorstösse\n- Oberaufsicht durch die Geschäftsprüfungskommissionen\n- Tätigkeit der Aussenpolitischen Kommissionen (APK)\n\n#### c) Genehmigung völkerrechtlicher Verträge (Abs. 2)\n\n**N. 8** Die Genehmigungskompetenz ist die wichtigste aussenpolitische Befugnis der Bundesversammlung. Der Begriff «völkerrechtliche Verträge» ist weit zu verstehen und umfasst alle Vereinbarungen zwischen Völkerrechtssubjekten, die völkerrechtliche Rechte und Pflichten begründen (Art. 2 Abs. 1 lit. a Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge).\n\n**N. 9** Die Genehmigung erfolgt in Form eines einfachen Bundesbeschlusses (Art. 24 Abs. 3 ParlG). Bei referendumspflichtigen Verträgen fasst die Bundesversammlung zusätzlich einen dem Referendum unterstehenden Genehmigungsbeschluss (→ Art. 140, 141 BV).\n\n#### d) Ausnahmen von der Genehmigungspflicht (Abs. 2)\n\n**N. 10** Der Bundesrat kann ohne parlamentarische Genehmigung Verträge abschliessen, wenn:\n- ein Gesetz ihn dazu ermächtigt (gesetzliche Delegation)\n- ein genehmigter völkerrechtlicher Vertrag eine entsprechende Ermächtigung enthält (vertragliche Delegation)\n\n**N. 11** Die wichtigste Ausnahme bilden Verträge von beschränkter Tragweite gemäss Art. 7a Abs. 2 RVOG. Das Publikationsgesetz präzisiert in Art. 3 Abs. 3, dass solche Verträge nicht amtlich zu veröffentlichen sind. Als Verträge von beschränkter Tragweite gelten nach der Praxis technische oder administrative Vereinbarungen ohne wesentliche politische oder finanzielle Bedeutung.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Die Beteiligung der Bundesversammlung an der Aussenpolitikgestaltung begründet ein verfassungsrechtliches Mitwirkungsrecht. Der Bundesrat ist verpflichtet, die Bundesversammlung rechtzeitig und umfassend zu informieren und bei wichtigen aussenpolitischen Weichenstellungen zu konsultieren. Eine Verletzung dieser Mitwirkungsrechte kann zur Aufhebung von Bundesratsbeschlüssen führen.\n\n**N. 13** Die Genehmigungspflicht für völkerrechtliche Verträge hat konstitutive Wirkung: Ohne parlamentarische Genehmigung darf der Bundesrat einen genehmigungspflichtigen Vertrag nicht ratifizieren. Ein unter Verletzung von Art. 166 Abs. 2 BV ratifizierter Vertrag wäre zwar völkerrechtlich gültig (Art. 46 Wiener Übereinkommen), könnte aber verfassungsrechtliche Verantwortlichkeiten auslösen.\n\n**N. 14** Die Aufsichtsfunktion ermächtigt die Bundesversammlung zur umfassenden Kontrolle der exekutiven Aussenpolitik. Sie kann Berichte verlangen, Untersuchungen durchführen und bei Missständen korrigierend eingreifen, verfügt aber über keine direkten Sanktionsmöglichkeiten ausser den allgemeinen parlamentarischen Kontrollmitteln.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Umfang der Genehmigungspflicht**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Ausnahmen von der Genehmigungspflicht reichen. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, Art. 166 N. 15) vertreten eine restriktive Auslegung und betonen, dass die parlamentarische Genehmigung die Regel, die Delegation die Ausnahme darstelle. Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 166 N. 22) anerkennen demgegenüber einen grösseren Spielraum für exekutive Vertragsschlüsse bei technischen Materien.\n\n**N. 16** **Rechtsnatur von Memoranda of Understanding**: Kontrovers wird diskutiert, ob rechtlich unverbindliche Absichtserklärungen (MoU) unter Art. 166 BV fallen. Die Praxis des Bundesrates (JAAC 68.83) verneint die Genehmigungspflicht für rechtlich nicht verbindliche Instrumente. Teile der Lehre kritisieren diese Praxis als zu weitgehend, da auch politisch bedeutsame Absichtserklärungen der parlamentarischen Kontrolle unterliegen sollten (Thürer/Müller, in: Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar BV, Art. 166 N. 18).\n\n**N. 17** **Kündigung völkerrechtlicher Verträge**: Ungeklärt ist, ob die Kündigung eines von der Bundesversammlung genehmigten Vertrags ebenfalls der parlamentarischen Zustimmung bedarf. Das Bundesverwaltungsgericht hat in C-4828/2010 die Frage offengelassen, ob der Bundesrat die Nichtweiterführung eines Vertrags ohne Mitwirkung der Bundesversammlung beschliessen kann. Die herrschende Lehre bejaht ein parlamentarisches Mitwirkungsrecht bei politisch bedeutsamen Vertragskündigungen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, Rz. 3458).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Qualifikation internationaler Vereinbarungen ist primär auf den objektiven Bindungswillen der Parteien abzustellen. Formulierungen wie «rechtlich nicht verbindlich» in einem Dokument sind nicht allein entscheidend, wenn der Inhalt auf einen Rechtsbindungswillen schliessen lässt. Im Zweifel ist von der Genehmigungspflicht auszugehen.\n\n**N. 19** Die Konsultation der Aussenpolitischen Kommissionen gemäss Art. 152a ParlG muss rechtzeitig erfolgen, d.h. zu einem Zeitpunkt, in dem noch Handlungsspielraum besteht. Eine blosse Information über bereits getroffene Entscheide genügt nicht. Bei Verhandlungsmandaten sollte die Konsultation vor Aufnahme der Verhandlungen erfolgen.\n\n**N. 20** Für die Praxis der Bundesverwaltung gilt: Verwaltungsvereinbarungen im Rahmen bestehender Staatsverträge bedürfen keiner erneuten parlamentarischen Genehmigung, sofern sie sich im Rahmen der vertraglichen Ermächtigung bewegen. Bei Unsicherheiten über die Reichweite einer Delegation ist die Direktion für Völkerrecht (DV) zu konsultieren.", "caselaw_de": "# Art. 166 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Genehmigungspflicht völkerrechtlicher Verträge\n\n**BGE 129 II 193** (21.2.2003)  \nBundesratsbeschluss betreffend Einreiseverbot aus Gründen der Wahrung der Landesinteressen  \nBestätigt die Kompetenzverteilung zwischen Bundesrat und Bundesversammlung bei aussenpolitischen Massnahmen  \n\n> «Die auswärtigen Angelegenheiten gehören nach Art. 184 Abs. 1 BV grundsätzlich zum Aufgabenbereich des Bundesrates, während sich die Bundesversammlung gemäss Art. 166 Abs. 1 BV an der Gestaltung der Aussenpolitik beteiligt und die Pflege der Beziehungen zum Ausland beaufsichtigt.»\n\n**Urteil 9C_662/2012** (19.6.2013)  \nAnwendbarkeit des Sozialversicherungsabkommens mit Kosovo nach dessen Unabhängigkeit  \nKonkretisiert die Rolle der Bundesversammlung bei der Genehmigung völkerrechtlicher Verträge gemäss Art. 166 Abs. 2 BV  \n\n> «Art. 166 Abs. 1 BV stipuliert, dass sich die Bundesversammlung an der Gestaltung der Aussenpolitik beteiligt und die Pflege der Beziehung zum Ausland beaufsichtigt. Sie genehmigt die völkerrechtlichen Verträge; ausgenommen sind die Verträge, für deren Abschluss auf Grund von Gesetz oder völkerrechtlichem Vertrag der Bundesrat zuständig ist (Abs. 2).»\n\n### Kompetenzabgrenzung zu Art. 184 BV\n\n**JAAC 68.83** (6.1.2004)  \nZuständigkeiten für den Abschluss völkerrechtlicher Verträge  \nPräzisiert die Anwendung von Art. 166 BV bei rechtlich nicht verbindlichen Vereinbarungen  \n\n> «Die Zuständigkeit zum Abschluss von Verträgen richtet sich nach Art. 166 BV. Bei einem rechtlich nicht verbindlichen Instrument der internationalen Zusammenarbeit liegt eine gemeinsame politische Absichtserklärung vor, die nicht der parlamentarischen Genehmigungspflicht untersteht.»\n\n**JAAC 70.69** (14.6.2006)  \nKompetenzverteilung für internationale Vereinbarungen  \nSystematisiert die Genehmigungszuständigkeiten nach Art. 166 BV  \n\n> «Zuständig für die Genehmigung völkerrechtlicher Verträge ist grundsätzlich die Bundesversammlung. Diese kann die Zuständigkeit für den Abschluss in einem formellen Gesetz an den Bundesrat oder ein Departement oder, für Verträge von beschränkter Tragweite, an eine Gruppe oder ein Bundesamt delegieren.»\n\n### Parlamentarische Mitwirkung in der Aussenpolitik\n\n**JAAC 56.49** (31.1.1992)  \nVerfassungsrechtliche Grundlagen der parlamentarischen Aussenpolitik-Mitwirkung  \nErläutert die Beteiligungsrechte der Bundesversammlung nach Art. 166 Abs. 1 BV  \n\n> «Die Genehmigung von Staatsverträgen vorbehältlich des in Art. 89 Abs. 3-5 BV geregelten Staatsvertragsreferendums und Massnahmen zur Wahrung der äussern Sicherheit gehören zu den Kernkompetenzen der Bundesversammlung bei der Gestaltung der Aussenpolitik.»\n\n**JAAC 51.58** (14.12.1987)  \nAussenpolitische Zuständigkeitsverteilung zwischen Bundesbehörden  \nGrundsatzentscheid zur Abgrenzung der Kompetenzen von Bundesrat und Bundesversammlung  \n\n> «Während der Bundesrat nach Art. 102 Ziff. 8 aBV die auswärtigen Angelegenheiten überhaupt zu besorgen hat, fallen die Beziehungen zum Ausland und Massnahmen zur Wahrung der äussern Sicherheit sowie die Genehmigung von Staatsverträgen in die Kompetenz der Bundesversammlung.»", "summary_fr": "# Art. 166 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 166 Cst. règle les compétences de l'Assemblée fédérale (Conseil national et Conseil des États) en matière de politique extérieure. Le Parlement a trois tâches importantes dans la politique extérieure.\n\n**Première tâche : participation à l'élaboration de la politique extérieure**  \nL'Assemblée fédérale participe à la détermination des objectifs de politique extérieure que la Suisse poursuit. Elle peut donner au Conseil fédéral des mandats de négociation et doit être informée des projets importants de politique extérieure. Exemple : avant que la Suisse ne négocie un accord-cadre avec l'UE, le Parlement discute des objectifs et des limites de négociation.\n\n**Deuxième tâche : contrôle des relations extérieures**  \nLe Parlement surveille si le Conseil fédéral met correctement en œuvre la politique extérieure. Il peut exiger des rapports et intervenir en cas de problèmes. Les Commissions de politique extérieure (CPE) exercent principalement ce contrôle.\n\n**Troisième tâche : approbation des traités de droit international**  \nAvant que la Suisse ne signe un traité d'État, le Parlement doit donner son accord. Cela vaut pour tous les accords internationaux importants comme les accords de libre-échange, les conventions de double imposition ou les accords de coopération. Seuls les petits traités techniques peuvent être conclus par le Conseil fédéral seul.\n\n**Portée pratique**  \nCette réglementation empêche que le Conseil fédéral décide seul de la politique extérieure. Le Parlement en tant que représentation du peuple a le dernier mot pour les engagements internationaux importants. Sans approbation parlementaire, la Suisse ne peut conclure aucun traité de droit international significatif.", "doctrine_fr": "# Art. 166 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**ch. 1** Les racines de la participation parlementaire à la politique extérieure remontent à la Constitution fédérale de 1848. Déjà l'art. 74 ch. 5 anc. Cst. (1848) ancrait la compétence de l'Assemblée fédérale pour l'approbation d'alliances et de traités avec des États étrangers. La Constitution de 1874 renonça certes à une disposition générale sur la participation de l'Assemblée fédérale aux affaires extérieures, mais conserva dans l'art. 85 ch. 5 anc. Cst. (1874) la compétence d'approbation pour les traités internationaux.\n\n**ch. 2** L'art. 166 Cst. fut créé dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Le message du 20 novembre 1996 concernant une nouvelle constitution fédérale (FF 1997 I 1, 330 ss) souligna la nécessité de régler plus clairement les compétences en politique extérieure entre le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale. Le projet constitutionnel devait refléter l'importance accrue de la politique extérieure et la participation parlementaire renforcée dans ce domaine. La version actuelle codifie la pratique de la conception coopérative de la politique extérieure entre l'exécutif et le législatif.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**ch. 3** L'art. 166 Cst. figure au 2e chapitre (Compétences) du 5e titre (Autorités fédérales) et règle les compétences de l'Assemblée fédérale en politique extérieure. La disposition doit être lue en relation avec les normes de compétence parallèles :\n- → art. 184 Cst. (relations avec l'étranger comme compétence du Conseil fédéral)\n- → art. 185 Cst. (sécurité extérieure)\n- → art. 54 Cst. (affaires extérieures comme compétence de la Confédération)\n- → art. 140 Cst. (référendum obligatoire pour les traités internationaux)\n- → art. 141 Cst. (référendum facultatif)\n\n**ch. 4** La norme concrétise le principe de la responsabilité partagée en politique extérieure entre le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale. Tandis que l'art. 184 al. 1 Cst. confie au Conseil fédéral la conduite opérationnelle de la politique extérieure (« veille aux relations avec l'étranger »), l'art. 166 Cst. assure à l'Assemblée fédérale des droits substantiels de participation et de contrôle.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Participation à la définition de la politique extérieure (al. 1)\n\n**ch. 5** La notion de « définition de la politique extérieure » englobe les orientations fondamentales des relations extérieures suisses. L'Assemblée fédérale participe à la fixation d'objectifs, de stratégies et de priorités de politique extérieure. Cette participation se manifeste notamment par :\n- L'approbation de rapports et stratégies de politique extérieure\n- L'octroi de mandats pour des négociations\n- La consultation lors de décisions importantes de politique extérieure\n- La souveraineté budgétaire sur les dépenses de politique extérieure\n\n**ch. 6** Les droits de participation sont concrétisés par la loi sur le Parlement (LParl), notamment dans l'art. 152 LParl (information et consultation lors d'actes préparatoires) et l'art. 152a LParl (consultation des Commissions de politique extérieure).\n\n#### b) Surveillance de l'entretien des relations avec l'étranger (al. 1)\n\n**ch. 7** La fonction de surveillance se rapporte au contrôle de la politique extérieure exécutive. Elle comprend l'examen rétrospectif d'actions de politique extérieure ainsi que le contrôle accompagnant les affaires courantes de politique extérieure. Les instruments de surveillance sont :\n- L'établissement de rapports par le Conseil fédéral\n- Les interventions parlementaires\n- La haute surveillance par les commissions de gestion\n- L'activité des Commissions de politique extérieure (CPE)\n\n#### c) Approbation des traités internationaux (al. 2)\n\n**ch. 8** La compétence d'approbation est la prérogative la plus importante de l'Assemblée fédérale en politique extérieure. La notion de « traités internationaux » doit être comprise largement et englobe tous les accords entre sujets de droit international qui créent des droits et obligations de droit international (art. 2 al. 1 let. a Convention de Vienne sur le droit des traités).\n\n**ch. 9** L'approbation s'effectue sous la forme d'un arrêté fédéral simple (art. 24 al. 3 LParl). Pour les traités soumis au référendum, l'Assemblée fédérale prend en outre un arrêté d'approbation soumis au référendum (→ art. 140, 141 Cst.).\n\n#### d) Exceptions à l'obligation d'approbation (al. 2)\n\n**ch. 10** Le Conseil fédéral peut conclure des traités sans approbation parlementaire lorsque :\n- une loi l'y autorise (délégation légale)\n- un traité international approuvé contient une autorisation correspondante (délégation conventionnelle)\n\n**ch. 11** L'exception la plus importante concerne les traités de portée limitée selon l'art. 7a al. 2 OLOGA. La loi sur les publications précise dans l'art. 3 al. 3 que de tels traités ne doivent pas être publiés officiellement. Sont considérés comme traités de portée limitée selon la pratique les accords techniques ou administratifs sans importance politique ou financière essentielle.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**ch. 12** La participation de l'Assemblée fédérale à la définition de la politique extérieure fonde un droit de participation de droit constitutionnel. Le Conseil fédéral est tenu d'informer l'Assemblée fédérale en temps utile et de manière complète et de la consulter lors d'orientations importantes de politique extérieure. Une violation de ces droits de participation peut conduire à l'annulation d'arrêtés du Conseil fédéral.\n\n**ch. 13** L'obligation d'approbation des traités internationaux a un effet constitutif : sans approbation parlementaire, le Conseil fédéral ne peut ratifier un traité soumis à approbation. Un traité ratifié en violation de l'art. 166 al. 2 Cst. serait certes valide en droit international (art. 46 Convention de Vienne), mais pourrait déclencher des responsabilités de droit constitutionnel.\n\n**ch. 14** La fonction de surveillance autorise l'Assemblée fédérale au contrôle complet de la politique extérieure exécutive. Elle peut exiger des rapports, mener des enquêtes et intervenir de manière corrective en cas de dysfonctionnements, mais ne dispose d'aucune possibilité de sanction directe hormis les moyens généraux de contrôle parlementaire.\n\n### 5. Questions controversées\n\n**ch. 15** **Étendue de l'obligation d'approbation** : Dans la doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où s'étendent les exceptions à l'obligation d'approbation. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire saint-gallois Cst., art. 166 ch. 15) défendent une interprétation restrictive et soulignent que l'approbation parlementaire constitue la règle, la délégation l'exception. Waldmann/Belser/Epiney (CSB Cst., art. 166 ch. 22) reconnaissent en revanche une marge de manœuvre plus grande pour les conclusions de traités exécutives dans les matières techniques.\n\n**ch. 16** **Nature juridique des memoranda of understanding** : La question de savoir si les déclarations d'intention juridiquement non contraignantes (MoU) tombent sous l'art. 166 Cst. fait l'objet d'une discussion controversée. La pratique du Conseil fédéral (JAAC 68.83) nie l'obligation d'approbation pour les instruments juridiquement non contraignants. Une partie de la doctrine critique cette pratique comme allant trop loin, car même les déclarations d'intention politiquement significatives devraient être soumises au contrôle parlementaire (Thürer/Müller, dans : Ehrenzeller et al., Commentaire saint-gallois Cst., art. 166 ch. 18).\n\n**ch. 17** **Dénonciation des traités internationaux** : La question de savoir si la dénonciation d'un traité approuvé par l'Assemblée fédérale nécessite également l'accord parlementaire n'est pas tranchée. Le Tribunal administratif fédéral a laissé ouverte dans C-4828/2010 la question de savoir si le Conseil fédéral peut décider de la non-reconduction d'un traité sans participation de l'Assemblée fédérale. La doctrine dominante affirme un droit de participation parlementaire lors de dénonciations de traités politiquement significatives (Rhinow/Schefer/Uebersax, Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, ch. 3458).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**ch. 18** Lors de la qualification d'accords internationaux, il faut se baser prioritairement sur la volonté objective d'engagement des parties. Des formulations comme « juridiquement non contraignant » dans un document ne sont pas déterminantes à elles seules si le contenu permet de conclure à une volonté d'engagement juridique. En cas de doute, il faut partir du principe de l'obligation d'approbation.\n\n**ch. 19** La consultation des Commissions de politique extérieure selon l'art. 152a LParl doit s'effectuer en temps utile, c'est-à-dire à un moment où une marge de manœuvre existe encore. Une simple information sur des décisions déjà prises ne suffit pas. Pour les mandats de négociation, la consultation devrait avoir lieu avant l'ouverture des négociations.\n\n**ch. 20** Pour la pratique de l'administration fédérale : les accords administratifs dans le cadre de traités existants ne nécessitent pas de nouvelle approbation parlementaire, pour autant qu'ils se situent dans le cadre de l'autorisation conventionnelle. En cas d'incertitudes sur la portée d'une délégation, la Direction du droit international public (DDIP) doit être consultée.", "caselaw_fr": "# Art. 166 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Obligation d'approbation des traités de droit international\n\n**ATF 129 II 193** (21.2.2003)  \nArrêté du Conseil fédéral concernant l'interdiction d'entrée pour des raisons de sauvegarde des intérêts du pays  \nConfirme la répartition des compétences entre le Conseil fédéral et l'Assemblée fédérale en matière de mesures de politique extérieure  \n\n> « Les affaires extérieures relèvent en principe du domaine de compétence du Conseil fédéral selon l'art. 184, al. 1, Cst., tandis que l'Assemblée fédérale participe à la définition de la politique extérieure selon l'art. 166, al. 1, Cst. et surveille les relations avec l'étranger. »\n\n**Arrêt 9C_662/2012** (19.6.2013)  \nApplicabilité de l'accord de sécurité sociale avec le Kosovo après son indépendance  \nConcrétise le rôle de l'Assemblée fédérale dans l'approbation des traités de droit international selon l'art. 166, al. 2, Cst.  \n\n> « L'art. 166, al. 1, Cst. stipule que l'Assemblée fédérale participe à la définition de la politique extérieure et surveille les relations avec l'étranger. Elle approuve les traités internationaux ; sont exceptés les traités dont la conclusion relève de la compétence du Conseil fédéral en vertu d'une loi ou d'un traité international (al. 2). »\n\n### Délimitation des compétences par rapport à l'art. 184 Cst.\n\n**JAAC 68.83** (6.1.2004)  \nCompétences pour la conclusion de traités de droit international  \nPrécise l'application de l'art. 166 Cst. aux accords juridiquement non contraignants  \n\n> « La compétence pour la conclusion de traités se règle selon l'art. 166 Cst. S'agissant d'un instrument juridiquement non contraignant de coopération internationale, il s'agit d'une déclaration d'intention politique commune qui ne relève pas de l'obligation d'approbation parlementaire. »\n\n**JAAC 70.69** (14.6.2006)  \nRépartition des compétences pour les accords internationaux  \nSystématise les compétences d'approbation selon l'art. 166 Cst.  \n\n> « L'Assemblée fédérale est en principe compétente pour approuver les traités internationaux. Elle peut déléguer la compétence de conclusion dans une loi formelle au Conseil fédéral ou à un département ou, pour les traités de portée limitée, à un groupe ou à un office fédéral. »\n\n### Participation parlementaire à la politique extérieure\n\n**JAAC 56.49** (31.1.1992)  \nFondements constitutionnels de la participation parlementaire à la politique extérieure  \nExplique les droits de participation de l'Assemblée fédérale selon l'art. 166, al. 1, Cst.  \n\n> « L'approbation des traités d'État sous réserve du référendum en matière de traités d'État réglé aux art. 89, al. 3-5, Cst. et les mesures visant à préserver la sécurité extérieure font partie des compétences centrales de l'Assemblée fédérale dans la définition de la politique extérieure. »\n\n**JAAC 51.58** (14.12.1987)  \nRépartition des compétences de politique extérieure entre les autorités fédérales  \nDécision de principe sur la délimitation des compétences du Conseil fédéral et de l'Assemblée fédérale  \n\n> « Tandis que le Conseil fédéral doit s'occuper des affaires extérieures en général selon l'art. 102, ch. 8, aCst., les relations avec l'étranger et les mesures visant à préserver la sécurité extérieure ainsi que l'approbation des traités d'État relèvent de la compétence de l'Assemblée fédérale. »", "summary_it": "# Art. 166 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 166 Cost. disciplina le competenze di politica estera dell'Assemblea federale (Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati). Il Parlamento ha tre importanti compiti in materia di politica estera.\n\n**Primo compito: Partecipazione alla definizione della politica estera**  \nL'Assemblea federale contribuisce a determinare quali obiettivi di politica estera persegue la Svizzera. Può impartire mandati al Consiglio federale per i negoziati e deve essere informata sui piani di politica estera importanti. Esempio: Prima che la Svizzera negozi un accordo quadro con l'UE, il Parlamento discute gli obiettivi e i limiti dei negoziati.\n\n**Secondo compito: Controllo delle relazioni estere**  \nIl Parlamento sorveglia se il Consiglio federale attua correttamente la politica estera. Può richiedere rapporti e intervenire in caso di problemi. Questo controllo è esercitato principalmente dalle Commissioni della politica estera (CPE).\n\n**Terzo compito: Approvazione di trattati di diritto internazionale**  \nPrima che la Svizzera sottoscriva un trattato internazionale, il Parlamento deve dare il suo consenso. Ciò vale per tutti gli accordi internazionali importanti come trattati di libero scambio, convenzioni per evitare le doppie imposizioni o accordi di cooperazione. Solo i trattati tecnici minori possono essere conclusi dal Consiglio federale da solo.\n\n**Significato pratico**  \nQuesta disciplina impedisce che il Consiglio federale decida da solo sulla politica estera. Il Parlamento come rappresentanza popolare ha l'ultima parola sugli impegni internazionali importanti. Senza approvazione parlamentare la Svizzera non può concludere alcun trattato di diritto internazionale significativo.", "doctrine_it": "# Art. 166 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** Le radici della partecipazione parlamentare nella politica estera risalgono alla Costituzione federale del 1848. Già l'art. 74 n. 5 vCost. (1848) sanciva la competenza dell'Assemblea federale per l'approvazione di alleanze e trattati con Stati esteri. La Costituzione del 1874 rinunciò ad una disposizione generale sulla partecipazione dell'Assemblea federale agli affari esteri, ma mantenne nell'art. 85 n. 5 vCost. (1874) la competenza di approvazione per i trattati internazionali.\n\n**N. 2** L'art. 166 Cost. nacque nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. Il messaggio del 20 novembre 1996 concernente una nuova Costituzione federale (FF 1997 I 1, 363 segg.) sottolineò la necessità di disciplinare più chiaramente le competenze di politica estera tra Consiglio federale e Assemblea federale. Il progetto costituzionale doveva riflettere la crescente importanza della politica estera e la rafforzata partecipazione parlamentare in questo settore. La versione odierna codifica la prassi della configurazione cooperativa della politica estera tra esecutivo e legislativo.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 166 Cost. si trova nel 2° capitolo (Competenze) del 5° titolo (Autorità federali) e disciplina le competenze di politica estera dell'Assemblea federale. La disposizione va letta in relazione alle norme parallele di competenza:\n- → Art. 184 Cost. (rapporti con l'estero come competenza del Consiglio federale)\n- → Art. 185 Cost. (sicurezza esterna)\n- → Art. 54 Cost. (affari esteri come competenza della Confederazione)\n- → Art. 140 Cost. (referendum obbligatorio sui trattati di diritto internazionale)\n- → Art. 141 Cost. (referendum facoltativo)\n\n**N. 4** La norma concretizza il principio della responsabilità condivisa in materia di politica estera tra Consiglio federale e Assemblea federale. Mentre l'art. 184 cpv. 1 Cost. affida al Consiglio federale la conduzione operativa della politica estera («cura le relazioni con l'estero»), l'art. 166 Cost. assicura all'Assemblea federale sostanziali diritti di partecipazione e di controllo.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### a) Partecipazione alla configurazione della politica estera (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il termine «configurazione della politica estera» comprende le scelte fondamentali delle relazioni esterne svizzere. L'Assemblea federale partecipa alla determinazione degli obiettivi, delle strategie e delle priorità di politica estera. Tale partecipazione si manifesta in particolare attraverso:\n- Approvazione di rapporti e strategie di politica estera\n- Conferimento di incarichi e mandati per negoziati\n- Consultazione su decisioni importanti di politica estera\n- Sovranità di bilancio sulle spese di politica estera\n\n**N. 6** I diritti di partecipazione sono concretizzati dalla Legge sul Parlamento (LParl), segnatamente negli art. 152 LParl (informazione e consultazione negli atti preparatori) e 152a LParl (consultazione delle Commissioni della politica estera).\n\n#### b) Vigilanza sulla cura delle relazioni con l'estero (cpv. 1)\n\n**N. 7** La funzione di vigilanza si riferisce al controllo della politica estera esecutiva. Comprende la verifica retrospettiva di azioni di politica estera nonché il controllo accompagnatorio degli affari correnti di politica estera. Strumenti di vigilanza sono:\n- Rapporti del Consiglio federale\n- Interventi parlamentari\n- Alta vigilanza mediante le Commissioni di gestione\n- Attività delle Commissioni della politica estera (CPE)\n\n#### c) Approvazione di trattati di diritto internazionale (cpv. 2)\n\n**N. 8** La competenza di approvazione è la più importante competenza di politica estera dell'Assemblea federale. Il termine «trattati di diritto internazionale» va inteso in senso lato e comprende tutti gli accordi tra soggetti di diritto internazionale che creano diritti e obblighi di diritto internazionale (art. 2 cpv. 1 lett. a Convenzione di Vienna sul diritto dei trattati).\n\n**N. 9** L'approvazione avviene sotto forma di decreto federale semplice (art. 24 cpv. 3 LParl). Per i trattati soggetti a referendum, l'Assemblea federale adotta inoltre un decreto di approvazione soggetto a referendum (→ art. 140, 141 Cost.).\n\n#### d) Eccezioni all'obbligo di approvazione (cpv. 2)\n\n**N. 10** Il Consiglio federale può concludere trattati senza approvazione parlamentare se:\n- Una legge lo autorizza in tal senso (delega legale)\n- Un trattato di diritto internazionale approvato contiene una corrispondente autorizzazione (delega convenzionale)\n\n**N. 11** L'eccezione più importante è costituita dai trattati di portata limitata secondo l'art. 7a cpv. 2 RVOG. La Legge sulle pubblicazioni precisa nell'art. 3 cpv. 3 che tali trattati non devono essere pubblicati ufficialmente. Come trattati di portata limitata sono considerati secondo la prassi accordi tecnici o amministrativi senza rilevante importanza politica o finanziaria.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** La partecipazione dell'Assemblea federale alla configurazione della politica estera fonda un diritto costituzionale di partecipazione. Il Consiglio federale è tenuto a informare l'Assemblea federale tempestivamente e in modo completo e a consultarla per importanti decisioni di indirizzo di politica estera. Una violazione di questi diritti di partecipazione può comportare l'annullamento di decisioni del Consiglio federale.\n\n**N. 13** L'obbligo di approvazione per i trattati di diritto internazionale ha effetto costitutivo: senza approvazione parlamentare il Consiglio federale non può ratificare un trattato soggetto ad approvazione. Un trattato ratificato in violazione dell'art. 166 cpv. 2 Cost. sarebbe bensì valido dal profilo del diritto internazionale (art. 46 Convenzione di Vienna), ma potrebbe scatenare responsabilità di diritto costituzionale.\n\n**N. 14** La funzione di vigilanza autorizza l'Assemblea federale al controllo completo della politica estera esecutiva. Può richiedere rapporti, condurre inchieste e intervenire correttivamente in caso di inconvenienti, ma non dispone di possibilità dirette di sanzione ad eccezione dei mezzi generali di controllo parlamentare.\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** **Portata dell'obbligo di approvazione**: Nella dottrina è controverso fin dove si estendano le eccezioni all'obbligo di approvazione. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario di San Gallo Cost., Art. 166 N. 15) sostengono un'interpretazione restrittiva e sottolineano che l'approvazione parlamentare costituisce la regola, la delega l'eccezione. Waldmann/Belser/Epiney (BSK Cost., Art. 166 N. 22) riconoscono invece un maggiore margine di manovra per conclusioni esecutive di trattati in materie tecniche.\n\n**N. 16** **Natura giuridica dei Memoranda d'intesa**: Si discute in modo controverso se dichiarazioni d'intento giuridicamente non vincolanti (MoU) rientrino nell'art. 166 Cost. La prassi del Consiglio federale (GAAC 68.83) nega l'obbligo di approvazione per strumenti giuridicamente non vincolanti. Parti della dottrina criticano questa prassi come troppo estensiva, poiché anche dichiarazioni d'intento politicamente rilevanti dovrebbero sottostare al controllo parlamentare (Thürer/Müller, in: Ehrenzeller et al., Commentario di San Gallo Cost., Art. 166 N. 18).\n\n**N. 17** **Denuncia di trattati di diritto internazionale**: È incerto se la denuncia di un trattato approvato dall'Assemblea federale abbisogni anch'essa del consenso parlamentare. Il Tribunale amministrativo federale in C-4828/2010 ha lasciato aperta la questione se il Consiglio federale possa decidere la non prosecuzione di un trattato senza partecipazione dell'Assemblea federale. La dottrina dominante afferma un diritto di partecipazione parlamentare per denunce di trattati politicamente rilevanti (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, Rz. 3458).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nella qualificazione di accordi internazionali è da fare perno primariamente sulla volontà oggettiva di vincolo delle parti. Formulazioni come «giuridicamente non vincolante» in un documento non sono di per sé decisive se il contenuto lascia concludere per una volontà di vincolo giuridico. In caso di dubbio è da presumere l'obbligo di approvazione.\n\n**N. 19** La consultazione delle Commissioni della politica estera secondo l'art. 152a LParl deve avvenire tempestivamente, ossia in un momento in cui esiste ancora un margine d'azione. Una mera informazione su decisioni già prese non è sufficiente. Per i mandati negoziali, la consultazione dovrebbe avvenire prima dell'avvio dei negoziati.\n\n**N. 20** Per la prassi dell'Amministrazione federale vale: accordi amministrativi nel quadro di trattati internazionali esistenti non abbisognano di una nuova approvazione parlamentare, purché si muovano nel quadro dell'autorizzazione convenzionale. In caso di incertezze sulla portata di una delega è da consultare la Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP).", "caselaw_it": "# Art. 166 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Obbligo di approvazione dei trattati internazionali\n\n**DTF 129 II 193** (21.2.2003)  \nDecreto del Consiglio federale concernente divieto di entrata per motivi di salvaguardia degli interessi nazionali  \nConferma la ripartizione delle competenze tra Consiglio federale e Assemblea federale nelle misure di politica estera  \n\n> «Gli affari esteri rientrano secondo l'art. 184 cpv. 1 Cost. fondamentalmente nell'ambito di competenza del Consiglio federale, mentre l'Assemblea federale secondo l'art. 166 cpv. 1 Cost. partecipa alla configurazione della politica estera e sorveglia la cura delle relazioni con l'estero.»\n\n**Sentenza 9C_662/2012** (19.6.2013)  \nApplicabilità dell'accordo di sicurezza sociale con il Kosovo dopo la sua indipendenza  \nConcretizza il ruolo dell'Assemblea federale nell'approvazione dei trattati internazionali secondo l'art. 166 cpv. 2 Cost.  \n\n> «L'art. 166 cpv. 1 Cost. stabilisce che l'Assemblea federale partecipa alla configurazione della politica estera e sorveglia la cura delle relazioni con l'estero. Essa approva i trattati internazionali; sono eccettuati i trattati per la cui conclusione il Consiglio federale è competente in base alla legge o a un trattato internazionale (cpv. 2).»\n\n### Delimitazione delle competenze rispetto all'art. 184 Cost.\n\n**GAAC 68.83** (6.1.2004)  \nCompetenze per la conclusione di trattati internazionali  \nPrecisa l'applicazione dell'art. 166 Cost. negli accordi giuridicamente non vincolanti  \n\n> «La competenza per la conclusione di trattati si basa sull'art. 166 Cost. Nel caso di uno strumento giuridicamente non vincolante della cooperazione internazionale si tratta di una dichiarazione di intenti politici comune che non è sottoposta all'obbligo di approvazione parlamentare.»\n\n**GAAC 70.69** (14.6.2006)  \nRipartizione delle competenze per gli accordi internazionali  \nSistematizza le competenze di approvazione secondo l'art. 166 Cost.  \n\n> «Competente per l'approvazione dei trattati internazionali è fondamentalmente l'Assemblea federale. Essa può delegare la competenza per la conclusione in una legge formale al Consiglio federale o a un dipartimento oppure, per trattati di portata limitata, a un gruppo o a un ufficio federale.»\n\n### Partecipazione parlamentare nella politica estera\n\n**GAAC 56.49** (31.1.1992)  \nBasi costituzionali della partecipazione parlamentare nella politica estera  \nIllustra i diritti di partecipazione dell'Assemblea federale secondo l'art. 166 cpv. 1 Cost.  \n\n> «L'approvazione dei trattati internazionali con riserva del referendum sui trattati internazionali disciplinato nell'art. 89 cpv. 3-5 Cost. e le misure per la salvaguardia della sicurezza esterna rientrano tra le competenze principali dell'Assemblea federale nella configurazione della politica estera.»\n\n**GAAC 51.58** (14.12.1987)  \nRipartizione delle competenze in politica estera tra autorità federali  \nDecisione di principio sulla delimitazione delle competenze tra Consiglio federale e Assemblea federale  \n\n> «Mentre il Consiglio federale secondo l'art. 102 n. 8 vCost. deve occuparsi in generale degli affari esteri, le relazioni con l'estero e le misure per la salvaguardia della sicurezza esterna nonché l'approvazione dei trattati internazionali rientrano nella competenza dell'Assemblea federale.»", "summary_en": "# Art. 166 BV\n\n## Overview\n\nArt. 166 BV regulates the foreign policy competences of the Federal Assembly (National Council and Council of States). Parliament has three important tasks in foreign policy.\n\n**First task: Participation in foreign policy formulation**  \nThe Federal Assembly helps determine which foreign policy objectives Switzerland pursues. It can give mandates to the Federal Council for negotiations and must be informed about important foreign policy plans. Example: Before Switzerland negotiates an EU framework agreement, Parliament discusses the negotiation objectives and limits.\n\n**Second task: Control of foreign relations**  \nParliament monitors whether the Federal Council correctly implements foreign policy. It can demand reports and intervene in case of problems. The Foreign Affairs Committees (FAC) primarily carry out this control.\n\n**Third task: Approval of international treaties**  \nBefore Switzerland signs a state treaty, Parliament must give its consent. This applies to all important international agreements such as free trade agreements, double taxation agreements or cooperation agreements. Only smaller technical treaties can be concluded by the Federal Council alone.\n\n**Practical significance**  \nThis regulation prevents the Federal Council from deciding on foreign policy alone. Parliament as the people's representative has the final say on important international commitments. Without parliamentary approval, Switzerland cannot enter into any significant international treaty.", "doctrine_en": "# Art. 166 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The roots of parliamentary participation in foreign policy reach back to the Federal Constitution of 1848. Art. 74 no. 5 of the former BV (1848) already established the Federal Assembly's competence for approving alliances and treaties with foreign states. Although the Constitution of 1874 dispensed with a general provision on Federal Assembly participation in foreign affairs, it retained the approval competence for state treaties in Art. 85 no. 5 of the former BV (1874).\n\n**N. 2** Art. 166 BV was created within the framework of the total revision of the Federal Constitution of 1999. The Message of 20 November 1996 on a new Federal Constitution (BBl 1997 I 1, 330 ff.) emphasised the necessity of regulating foreign policy competences between the Federal Council and Federal Assembly more clearly. The constitutional draft was intended to reflect the growing importance of foreign policy and increased parliamentary participation in this area. The current version codifies the practice of cooperative foreign policy-making between the executive and legislative branches.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 166 BV stands in Chapter 2 (Competences) of Title 5 (Federal Authorities) and regulates the Federal Assembly's foreign policy competences. The provision must be read in connection with the parallel competence norms:\n- → Art. 184 BV (relations with foreign countries as Federal Council competence)\n- → Art. 185 BV (external security)\n- → Art. 54 BV (foreign affairs as federal competence)\n- → Art. 140 BV (mandatory referendum for international treaties)\n- → Art. 141 BV (optional referendum)\n\n**N. 4** The norm concretises the principle of shared foreign policy responsibility between the Federal Council and Federal Assembly. While Art. 184 para. 1 BV assigns operational conduct of foreign policy to the Federal Council («takes care of foreign affairs»), Art. 166 BV secures substantial participation and control rights for the Federal Assembly.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### a) Participation in Shaping Foreign Policy (para. 1)\n\n**N. 5** The concept of «shaping foreign policy» encompasses the fundamental decisions in Swiss external relations. The Federal Assembly participates in determining foreign policy goals, strategies and priorities. This participation manifests itself particularly through:\n- Approval of foreign policy reports and strategies\n- Issuing mandates and assignments for negotiations\n- Consultation on important foreign policy decisions\n- Budget authority over foreign policy expenditures\n\n**N. 6** The participation rights are concretised by the Parliament Act (ParlA), notably in Art. 152 ParlA (information and consultation on preparatory acts) and Art. 152a ParlA (consultation of the Foreign Affairs Committees).\n\n#### b) Supervision over the Conduct of Relations with Foreign Countries (para. 1)\n\n**N. 7** The supervisory function relates to control of executive foreign policy. It encompasses retrospective review of foreign policy actions as well as accompanying control of current foreign policy business. Instruments of supervision are:\n- Reporting by the Federal Council\n- parliamentary initiatives\n- supreme oversight by the Control Committees\n- activities of the Foreign Affairs Committees (FAC)\n\n#### c) Approval of International Treaties (para. 2)\n\n**N. 8** The approval competence is the Federal Assembly's most important foreign policy power. The concept of «international treaties» is to be understood broadly and encompasses all agreements between subjects of international law that establish rights and obligations under international law (Art. 2 para. 1 lit. a Vienna Convention on the Law of Treaties).\n\n**N. 9** Approval takes the form of a simple federal decree (Art. 24 para. 3 ParlA). For treaties subject to referendum, the Federal Assembly additionally passes an approval resolution subject to referendum (→ Art. 140, 141 BV).\n\n#### d) Exceptions to the Approval Requirement (para. 2)\n\n**N. 10** The Federal Council may conclude treaties without parliamentary approval when:\n- a law authorises it to do so (statutory delegation)\n- an approved international treaty contains corresponding authorisation (contractual delegation)\n\n**N. 11** The most important exception is treaties of limited scope according to Art. 7a para. 2 FOGA. The Publication Act specifies in Art. 3 para. 3 that such treaties need not be officially published. According to practice, treaties of limited scope are technical or administrative agreements without significant political or financial importance.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** The Federal Assembly's participation in foreign policy-making establishes a constitutional participation right. The Federal Council is obligated to inform the Federal Assembly timely and comprehensively and to consult it on important foreign policy decisions. A violation of these participation rights may lead to the annulment of Federal Council resolutions.\n\n**N. 13** The approval requirement for international treaties has constitutive effect: without parliamentary approval, the Federal Council may not ratify a treaty requiring approval. A treaty ratified in violation of Art. 166 para. 2 BV would be valid under international law (Art. 46 Vienna Convention), but could trigger constitutional responsibilities.\n\n**N. 14** The supervisory function empowers the Federal Assembly to comprehensively control executive foreign policy. It may demand reports, conduct investigations and intervene correctively in case of deficiencies, but has no direct sanctioning possibilities other than general parliamentary control instruments.\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 15** **Scope of the approval requirement**: In doctrine, it is disputed how far the exceptions to the approval requirement extend. Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary BV, Art. 166 N. 15) advocate a restrictive interpretation and emphasise that parliamentary approval is the rule, delegation the exception. Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, Art. 166 N. 22) recognise a greater scope for executive treaty-making in technical matters.\n\n**N. 16** **Legal nature of Memoranda of Understanding**: Whether legally non-binding declarations of intent (MoU) fall under Art. 166 BV is controversially discussed. The Federal Council's practice (JAAC 68.83) denies the approval requirement for legally non-binding instruments. Parts of the doctrine criticise this practice as too far-reaching, as even politically significant declarations of intent should be subject to parliamentary control (Thürer/Müller, in: Ehrenzeller et al., St. Gallen Commentary BV, Art. 166 N. 18).\n\n**N. 17** **Termination of international treaties**: It remains unclear whether termination of a treaty approved by the Federal Assembly also requires parliamentary consent. The Federal Administrative Court left open in C-4828/2010 whether the Federal Council may decide not to continue a treaty without Federal Assembly participation. The prevailing doctrine affirms a parliamentary participation right for politically significant treaty terminations (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, para. 3458).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 18** In qualifying international agreements, the primary focus should be on the parties' objective intention to be bound. Formulations such as «legally non-binding» in a document are not solely decisive if the content suggests an intention to create legal obligations. In case of doubt, the approval requirement should be assumed.\n\n**N. 19** Consultation of the Foreign Affairs Committees according to Art. 152a ParlA must occur timely, i.e., at a point when room for action still exists. Mere information about decisions already made does not suffice. For negotiating mandates, consultation should occur before negotiations commence.\n\n**N. 20** For the practice of the federal administration: Administrative agreements within the framework of existing state treaties require no renewed parliamentary approval, provided they remain within the scope of the contractual authorisation. In case of uncertainty about the scope of a delegation, the Directorate of International Law (DIL) should be consulted.", "caselaw_en": "# Art. 166 BV\n\n## Case Law\n\n### Approval requirement for international treaties\n\n**BGE 129 II 193** (21.2.2003)  \nFederal Council decree concerning entry ban for reasons of safeguarding national interests  \nConfirms the division of powers between the Federal Council and Federal Assembly in foreign policy measures  \n\n> «Foreign affairs belong according to Art. 184 para. 1 Cst. basically to the sphere of tasks of the Federal Council, while the Federal Assembly according to Art. 166 para. 1 Cst. participates in the shaping of foreign policy and supervises the cultivation of relations with foreign countries.»\n\n**Judgment 9C_662/2012** (19.6.2013)  \nApplicability of the social insurance agreement with Kosovo after its independence  \nSpecifies the role of the Federal Assembly in approving international treaties according to Art. 166 para. 2 Cst.  \n\n> «Art. 166 para. 1 Cst. stipulates that the Federal Assembly participates in the shaping of foreign policy and supervises the cultivation of relations with foreign countries. It approves international treaties; excepted are treaties for whose conclusion the Federal Council is competent on the basis of an act or international treaty (para. 2).»\n\n### Delimitation of powers to Art. 184 Cst.\n\n**JAAC 68.83** (6.1.2004)  \nCompetences for the conclusion of international treaties  \nSpecifies the application of Art. 166 Cst. for legally non-binding agreements  \n\n> «The competence to conclude treaties is governed by Art. 166 Cst. In the case of a legally non-binding instrument of international cooperation, there is a joint political declaration of intent that is not subject to parliamentary approval requirements.»\n\n**JAAC 70.69** (14.6.2006)  \nDivision of powers for international agreements  \nSystematises the approval competences according to Art. 166 Cst.  \n\n> «The Federal Assembly is basically competent for the approval of international treaties. It may delegate the competence for conclusion in a formal act to the Federal Council or a department or, for treaties of limited scope, to a group or a federal office.»\n\n### Parliamentary participation in foreign policy\n\n**JAAC 56.49** (31.1.1992)  \nConstitutional foundations of parliamentary foreign policy participation  \nExplains the participation rights of the Federal Assembly according to Art. 166 para. 1 Cst.  \n\n> «The approval of treaties of state subject to the treaty referendum regulated in Art. 89 para. 3-5 Cst. and measures for safeguarding external security belong to the core competences of the Federal Assembly in shaping foreign policy.»\n\n**JAAC 51.58** (14.12.1987)  \nForeign policy division of competences between federal authorities  \nFundamental decision on the delimitation of the competences of the Federal Council and Federal Assembly  \n\n> «While the Federal Council according to Art. 102 no. 8 old Cst. has to handle foreign affairs in general, relations with foreign countries and measures for safeguarding external security as well as the approval of treaties of state fall within the competence of the Federal Assembly.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_166", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.93, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.95}
{"law": "BV", "article": 167, "article_suffix": "", "title": "Finanzen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 167 BV — Finanzkompetenzen der Bundesversammlung\n\n## Übersicht\n\nArtikel 167 BV gibt der Bundesversammlung (dem Schweizer Parlament) die zentrale Macht über die Bundesfinanzen. Das Parlament entscheidet über alle Ausgaben des Bundes. Es beschliesst jedes Jahr das Budget (Voranschlag genannt) und prüft am Ende des Jahres die Staatsrechnung.\n\nDiese Regel stellt sicher, dass nur die Volksvertretung über das Geld der Steuerzahler bestimmt. Der Bundesrat (die Regierung) kann keine grösseren Ausgaben ohne Zustimmung des Parlaments machen. Dies ist ein wichtiger Teil der Gewaltentrennung (Aufteilung der Staatsgewalt zwischen verschiedenen Behörden).\n\n**Konkrete Anwendung**: Wenn der Bund eine neue Autobahn bauen will, muss das Parlament die Kosten bewilligen. Zuerst wird das Geld in das jährliche Budget aufgenommen. Später kontrolliert das Parlament, ob das Geld wirklich für den vorgesehenen Zweck ausgegeben wurde.\n\nDie drei Hauptaufgaben sind:\n- **Ausgaben beschliessen**: Das Parlament bewilligt alle grösseren Geldausgaben des Bundes\n- **Voranschlag festsetzen**: Jedes Jahr beschliesst das Parlament das Budget für das kommende Jahr\n- **Staatsrechnung abnehmen**: Am Ende des Jahres prüft das Parlament, ob die Regierung das Geld korrekt verwendet hat\n\nDiese Kompetenzen kann das Parlament nicht an andere Behörden übertragen. Sie sind das Herzstück der demokratischen Kontrolle über die Staatsfinanzen.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 167 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 eingeführt und fasst die Finanzkompetenzen der Bundesversammlung in einer einzigen Bestimmung zusammen. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betont, dass diese Norm die traditionelle parlamentarische Budgethoheit verfassungsrechtlich verankert. Die Bestimmung übernahm inhaltlich die bisherige Praxis unter der alten Bundesverfassung von 1874, wo die Budgetkompetenzen in verschiedenen Artikeln verstreut waren.\n\n**N. 2** Die Norm wurde bewusst knapp formuliert, um der Bundesversammlung ausreichenden Gestaltungsspielraum bei der Ausübung ihrer Finanzkompetenzen zu belassen. Die verfassungsgebende Versammlung wollte damit die zentrale Rolle des Parlaments im Finanzhaushalt des Bundes unterstreichen (BBl 1997 I 434).\n\n### Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 167 BV ist im 5. Titel «Bundesbehörden» unter dem 1. Kapitel «Bundesversammlung» positioniert. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 126 BV (Haushaltführung), der die materiellen Grundsätze der Finanzpolitik regelt\n- → Art. 159 Abs. 3 lit. b BV, der qualifizierte Mehrheiten für gewisse Ausgabenbeschlüsse vorsieht\n- → Art. 166 BV (Oberaufsicht), die auch die Finanzaufsicht umfasst\n- → Art. 183 BV, der die Finanzkompetenzen des Bundesrates abgrenzt\n\n**N. 4** Die Bestimmung konkretisiert das Gewaltenteilungsprinzip (→ Art. 144 BV) im Finanzbereich: Das Parlament als Volksvertretung entscheidet über die Verwendung der Staatsfinanzen, während die Exekutive den Vollzug verantwortet.\n\n### Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Ausgaben des Bundes»**: Dieser Begriff umfasst sämtliche Mittelverwendungen des Bundes, unabhängig von ihrer rechtlichen Qualifikation (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1823). Die herrschende Lehre unterscheidet zwischen einmaligen und wiederkehrenden Ausgaben, wobei beide der parlamentarischen Beschlusskompetenz unterliegen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 12 N 28).\n\n**N. 6** **«Voranschlag»**: Der Voranschlag (Budget) ist die verbindliche Finanzplanung für ein Rechnungsjahr. Er hat nach Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 167 N 8) eine Doppelnatur: Er ist einerseits Planungsinstrument, andererseits Ermächtigungsgrundlage für Ausgaben. Der Voranschlag bindet die Verwaltung, gibt aber keine subjektiven Rechte für Dritte (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 167 N 12).\n\n**N. 7** **«Staatsrechnung»**: Die Staatsrechnung dokumentiert die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben eines Rechnungsjahres. Ihre Abnahme durch die Bundesversammlung hat primär politische Kontrollfunktion und entlastet den Bundesrat (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, § 18 N 45).\n\n### Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Art. 167 BV begründet eine ausschliessliche Kompetenz der Bundesversammlung im Finanzbereich. Der Bundesrat kann ohne parlamentarische Ermächtigung keine Ausgaben tätigen, die über den bewilligten Voranschlag hinausgehen (Sägesser, Kommentar zum Finanzhaushaltgesetz, 2. Aufl. 2014, Art. 4 N 15).\n\n**N. 9** Die Beschlüsse der Bundesversammlung nach Art. 167 BV sind nicht referendumsfähig (→ Art. 163 Abs. 2 BV). Dies stärkt die parlamentarische Finanzhoheit, schliesst aber die direkte demokratische Kontrolle weitgehend aus (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892).\n\n**N. 10** Verstösse gegen bewilligte Kredite können disziplinar- und strafrechtliche Folgen haben (→ Art. 314 StGB). Die Verantwortlichkeit trifft primär die ausführenden Behörden, nicht das Parlament selbst.\n\n### Streitstände\n\n**N. 11** **Bindungswirkung des Voranschlags**: Umstritten ist der Grad der Bindungswirkung des Voranschlags. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5. Aufl. 2021, § 42 N 18) vertritt eine strenge Bindung, während Lienhard/Mächler (Finanzrecht, 2017, N 234) für mehr Flexibilität bei unvorhergesehenen Ereignissen plädieren. Die Praxis folgt einer vermittelnden Lösung mit Nachtragskrediten.\n\n**N. 12** **Detaillierungsgrad**: Kontrovers diskutiert wird der erforderliche Detaillierungsgrad des Voranschlags. Sägesser (a.a.O., Art. 5 N 8) fordert eine detaillierte Aufschlüsselung zur effektiven parlamentarischen Kontrolle. Waldmann (BSK BV, Art. 167 N 15) warnt vor einer Übersteuerung der Exekutive durch zu kleinteilige Budgetvorgaben. Das geltende Finanzhaushaltgesetz sucht einen Mittelweg.\n\n**N. 13** **Verhältnis zu Sachgesetzen**: Strittig ist das Verhältnis zwischen Ausgabenbeschlüssen nach Art. 167 BV und gesetzlichen Ausgabenverpflichtungen. Die Mehrheitsmeinung (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar, Art. 167 N 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., N 1825) sieht Sachgesetze als hinreichende Ausgabengrundlage. Eine Minderheit (Reich, Finanzordnung, 2012, S. 156) fordert zusätzliche Kreditbeschlüsse.\n\n### Praxishinweise\n\n**N. 14** Die Bundesversammlung übt ihre Kompetenzen nach Art. 167 BV im jährlichen Budgetprozess aus. Die parlamentarischen Finanzkommissionen bereiten die Beschlüsse vor und prüfen die bundesrätlichen Anträge eingehend. Der Voranschlag muss spätestens in der Wintersession beschlossen werden.\n\n**N. 15** Bei Kreditüberschreitungen sind zwingend Nachtragskredite einzuholen. Ausnahmen gelten nur bei dringlichen, unaufschiebbaren Ausgaben (→ Art. 34 Finanzhaushaltgesetz). Die nachträgliche Genehmigung durch die Bundesversammlung ist aber auch dann erforderlich.\n\n**N. 16** Die Staatsrechnung wird typischerweise in der Sommersession des Folgejahres behandelt. Ihre Abnahme hat primär politische Bedeutung, kann aber bei groben Verstössen zur Auslösung von Verantwortlichkeitsverfahren führen (→ Art. 14 Verantwortlichkeitsgesetz).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nArt. 167 BV ist als Organisationsnorm über das Budgetrecht der Bundesversammlung nur selten Gegenstand der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Die verfügbaren Entscheide befassen sich hauptsächlich mit analogen Budgetkompetenzen auf kantonaler und kommunaler Ebene, wobei die dabei entwickelten Grundsätze jedoch auch für die Bundesebene relevant sind.\n\n### Budgetbeschlüsse und Ausgabenkompetenzen\n\n**BGE 95 I 531** vom 15. Oktober 1969  \nDas Bundesgericht entwickelte in diesem kantonalen Finanzreferendum die Grundsätze zum Verhältnis von Budgetbeschluss und Ausgabenbeschluss.  \nDie rechtliche Bedeutung von Budgetbeschlüssen variiert je nach Situation: Sie enthalten primär eine Darstellung erwarteter Einnahmen und Ausgaben, können aber auch materielle Ausgabenbeschlüsse beinhalten.  \n\n> «Der Beschluss des Grossen Rates, die geforderten Mietzinsen ins Budget aufzunehmen, stellt somit - wenigstens soweit es die erstmalige Bewilligung angeht - einen echten Ausgabenbeschluss [...] dar.»\n\nDiese Rechtsprechung zur Doppelnatur von Budgetbeschlüssen ist auf Art. 167 BV übertragbar: Die Bundesversammlung beschliesst durch die Festsetzung des Voranschlags nicht nur eine Übersicht der geplanten Finanzen, sondern auch materielle Ausgaben des Bundes.\n\n### Gewaltenteilung im Finanzwesen  \n\nDie spärliche Rechtsprechung zu Art. 167 BV bestätigt die verfassungsrechtliche Grundaufteilung der Finanzkompetenzen. Das Bundesgericht respektiert die in Art. 167 BV festgeschriebene Finanzhoheit der Bundesversammlung und prüft diese nur zurückhaltend. \n\nDie Parlamentsdebatte vom 2. November 2009 (EDÖB-Empfehlung zur Zusatzdokumentation Voranschlag 2010) unterstrich, dass «die Finanzgewalt bei der Bundesversammlung» liegt und der Voranschlag letztlich durch Parlamentsbeschluss verabschiedet wird.\n\n### Fehlende umfangreiche Rechtsprechung\n\nDie geringe Zahl von BGE-Entscheiden zu Art. 167 BV reflektiert die politische Natur der Budgetkompetenzen. Streitigkeiten über Ausgabenbeschlüsse, Voranschlag und Staatsrechnung werden typischerweise im politischen Prozess der Bundesversammlung und nicht vor Gericht ausgetragen. \n\nDies entspricht der institutionellen Logik des Gewaltenteilungsprinzips: Die Justiz hält sich bei der Kontrolle parlamentarischer Finanzentscheide zurück, solange diese im Rahmen der verfassungsrechtlichen Kompetenzen erfolgen.\n\n### Schlussfolgerungen\n\nDie verfügbare Rechtsprechung bestätigt Art. 167 BV als zentrales Element der parlamentarischen Budgethoheit. Die Gerichte anerkennen die umfassende Kompetenz der Bundesversammlung über Ausgaben, Voranschlag und Staatsrechnung und greifen nur bei offensichtlichen Verfassungsverletzungen ein. Die praktische Ausgestaltung dieser Kompetenzen obliegt dem politischen Ermessen der Bundesversammlung.", "summary_fr": "# Art. 167 Cst. — Compétences financières de l'Assemblée fédérale\n\n## Aperçu\n\nL'article 167 Cst. confère à l'Assemblée fédérale (le Parlement suisse) le pouvoir central sur les finances fédérales. Le Parlement décide de toutes les dépenses de la Confédération. Il adopte chaque année le budget (appelé budget prévisionnel) et examine en fin d'année les comptes de l'État.\n\nCette règle garantit que seuls les représentants du peuple décident de l'argent des contribuables. Le Conseil fédéral (le gouvernement) ne peut pas engager de dépenses importantes sans l'accord du Parlement. Ceci constitue une partie importante de la séparation des pouvoirs (répartition du pouvoir étatique entre différentes autorités).\n\n**Application concrète** : Si la Confédération veut construire une nouvelle autoroute, le Parlement doit approuver les coûts. D'abord, l'argent est inscrit dans le budget annuel. Plus tard, le Parlement contrôle si l'argent a vraiment été dépensé pour l'usage prévu.\n\nLes trois tâches principales sont :\n- **Arrêter les dépenses** : Le Parlement approuve toutes les dépenses importantes de la Confédération\n- **Adopter le budget prévisionnel** : Chaque année, le Parlement adopte le budget pour l'année suivante\n- **Approuver les comptes d'État** : À la fin de l'année, le Parlement vérifie si le gouvernement a utilisé l'argent correctement\n\nCes compétences ne peuvent pas être transférées par le Parlement à d'autres autorités. Elles constituent le cœur du contrôle démocratique sur les finances de l'État.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### Historique de l'élaboration\n\n**Ch. 1** L'art. 167 Cst. a été introduit dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999 et rassemble les compétences financières de l'Assemblée fédérale dans une seule disposition. Le Message relatif à une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligne que cette norme ancre constitutionnellement la souveraineté budgétaire parlementaire traditionnelle. La disposition a repris en substance la pratique antérieure sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874, où les compétences budgétaires étaient éparpillées dans différents articles.\n\n**Ch. 2** La norme a été formulée délibérément de manière concise afin de laisser à l'Assemblée fédérale une marge de manœuvre suffisante dans l'exercice de ses compétences financières. L'assemblée constituante a voulu ainsi souligner le rôle central du Parlement dans les finances fédérales (FF 1997 I 434).\n\n### Classement systématique\n\n**Ch. 3** L'art. 167 Cst. est positionné dans le titre 5 « Autorités fédérales » sous le chapitre 1 « Assemblée fédérale ». La norme est en relation étroite avec :\n- → l'art. 126 Cst. (gestion financière), qui règle les principes matériels de la politique financière\n- → l'art. 159, al. 3, let. b Cst., qui prévoit des majorités qualifiées pour certaines décisions de dépenses\n- → l'art. 166 Cst. (haute surveillance), qui comprend aussi la surveillance financière\n- → l'art. 183 Cst., qui délimite les compétences financières du Conseil fédéral\n\n**Ch. 4** La disposition concrétise le principe de séparation des pouvoirs (→ art. 144 Cst.) dans le domaine financier : le Parlement en tant que représentant du peuple décide de l'utilisation des finances publiques, tandis que l'exécutif est responsable de l'exécution.\n\n### Éléments constitutifs / contenu de la norme\n\n**Ch. 5** **« Dépenses de la Confédération »** : Cette notion comprend toutes les utilisations de fonds par la Confédération, indépendamment de leur qualification juridique (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, ch. 1823). La doctrine dominante distingue entre les dépenses uniques et récurrentes, toutes deux soumises à la compétence de décision parlementaire (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 12 ch. 28).\n\n**Ch. 6** **« Budget »** : Le budget est la planification financière contraignante pour un exercice comptable. Il a selon Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 167 ch. 8) une double nature : il est d'une part un instrument de planification, d'autre part une base d'autorisation pour les dépenses. Le budget lie l'administration, mais ne donne aucun droit subjectif aux tiers (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 167 ch. 12).\n\n**Ch. 7** **« Comptes d'État »** : Les comptes d'État documentent les recettes et dépenses effectives d'un exercice comptable. leur approbation par l'Assemblée fédérale a une fonction de contrôle politique primaire et décharge le Conseil fédéral (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, § 18 ch. 45).\n\n### Conséquences juridiques\n\n**Ch. 8** L'art. 167 Cst. fonde une compétence exclusive de l'Assemblée fédérale dans le domaine financier. Le Conseil fédéral ne peut effectuer sans autorisation parlementaire aucune dépense qui dépasse le budget approuvé (Sägesser, Kommentar zum Finanzhaushaltgesetz, 2e éd. 2014, art. 4 ch. 15).\n\n**Ch. 9** Les décisions de l'Assemblée fédérale selon l'art. 167 Cst. ne sont pas soumises au référendum (→ art. 163, al. 2 Cst.). Ceci renforce la souveraineté financière parlementaire, mais exclut largement le contrôle démocratique direct (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 892).\n\n**Ch. 10** Les violations de crédits approuvés peuvent avoir des conséquences disciplinaires et pénales (→ art. 314 CP). La responsabilité incombe principalement aux autorités d'exécution, non au Parlement lui-même.\n\n### Points controversés\n\n**Ch. 11** **Force obligatoire du budget** : Le degré de force obligatoire du budget est controversé. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5e éd. 2021, § 42 ch. 18) défend un lien strict, tandis que Lienhard/Mächler (Finanzrecht, 2017, ch. 234) plaident pour plus de flexibilité en cas d'événements imprévus. La pratique suit une solution intermédiaire avec des crédits supplémentaires.\n\n**Ch. 12** **Degré de détail** : Le degré de détail requis du budget fait l'objet d'une discussion controversée. Sägesser (op. cit., art. 5 ch. 8) exige une ventilation détaillée pour un contrôle parlementaire effectif. Waldmann (BSK BV, art. 167 ch. 15) met en garde contre un pilotage excessif de l'exécutif par des directives budgétaires trop détaillées. La loi sur les finances en vigueur cherche une voie médiane.\n\n**Ch. 13** **Rapport avec les lois matérielles** : Le rapport entre les décisions de dépenses selon l'art. 167 Cst. et les obligations légales de dépenses est controversé. L'opinion majoritaire (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar, art. 167 ch. 14 ; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., ch. 1825) considère les lois matérielles comme une base de dépenses suffisante. Une minorité (Reich, Finanzordnung, 2012, p. 156) exige des décisions de crédit supplémentaires.\n\n### Indications pratiques\n\n**Ch. 14** L'Assemblée fédérale exerce ses compétences selon l'art. 167 Cst. dans le processus budgétaire annuel. Les commissions parlementaires des finances préparent les décisions et examinent de manière approfondie les propositions du Conseil fédéral. Le budget doit être adopté au plus tard lors de la session d'hiver.\n\n**Ch. 15** En cas de dépassement de crédits, il faut impérativement obtenir des crédits supplémentaires. Des exceptions ne valent que pour les dépenses urgentes et non différables (→ art. 34 de la loi sur les finances). L'approbation ultérieure par l'Assemblée fédérale est cependant également requise dans ce cas.\n\n**Ch. 16** Les comptes d'État sont typiquement traités lors de la session d'été de l'année suivante. Leur approbation a une signification politique primaire, mais peut en cas de violations graves déclencher des procédures de responsabilité (→ art. 14 de la loi sur la responsabilité).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nL'art. 167 Cst. en tant que norme organisationnelle sur le droit budgétaire de l'Assemblée fédérale fait rarement l'objet de la jurisprudence du Tribunal fédéral. Les décisions disponibles traitent principalement des compétences budgétaires analogues au niveau cantonal et communal, les principes développés à cet égard étant toutefois également pertinents pour le niveau fédéral.\n\n### Décisions budgétaires et compétences de dépenses\n\n**ATF 95 I 531** du 15 octobre 1969  \nLe Tribunal fédéral a développé dans ce référendum financier cantonal les principes relatifs au rapport entre décision budgétaire et décision de dépenses.  \nLa signification juridique des décisions budgétaires varie selon la situation : elles contiennent principalement une présentation des recettes et des dépenses attendues, mais peuvent aussi comporter des décisions matérielles de dépenses.  \n\n> «La décision du Grand Conseil d'inscrire les loyers exigés au budget constitue ainsi - au moins en ce qui concerne l'autorisation initiale - une véritable décision de dépenses [...].»\n\nCette jurisprudence sur la double nature des décisions budgétaires est transposable à l'art. 167 Cst. : en arrêtant le budget, l'Assemblée fédérale ne décide pas seulement d'un aperçu des finances planifiées, mais aussi des dépenses matérielles de la Confédération.\n\n### Séparation des pouvoirs en matière financière  \n\nLa jurisprudence clairsemée relative à l'art. 167 Cst. confirme la répartition constitutionnelle fondamentale des compétences financières. Le Tribunal fédéral respecte la souveraineté financière de l'Assemblée fédérale inscrite dans l'art. 167 Cst. et ne l'examine qu'avec retenue. \n\nLe débat parlementaire du 2 novembre 2009 (recommandation du PFPDT concernant la documentation complémentaire du budget 2010) a souligné que «le pouvoir financier appartient à l'Assemblée fédérale» et que le budget est finalement adopté par décision parlementaire.\n\n### Absence d'une jurisprudence extensive\n\nLe faible nombre d'ATF relatifs à l'art. 167 Cst. reflète la nature politique des compétences budgétaires. Les litiges concernant les décisions de dépenses, le budget et les comptes d'État sont typiquement traités dans le processus politique de l'Assemblée fédérale et non devant les tribunaux. \n\nCela correspond à la logique institutionnelle du principe de séparation des pouvoirs : la justice fait preuve de retenue dans le contrôle des décisions financières parlementaires, tant que celles-ci s'exercent dans le cadre des compétences constitutionnelles.\n\n### Conclusions\n\nLa jurisprudence disponible confirme l'art. 167 Cst. comme élément central de la souveraineté budgétaire parlementaire. Les tribunaux reconnaissent la compétence étendue de l'Assemblée fédérale en matière de dépenses, de budget et de comptes d'État et n'interviennent qu'en cas de violations constitutionnelles manifestes. La conception pratique de ces compétences relève du pouvoir d'appréciation politique de l'Assemblée fédérale.", "summary_it": "# Art. 167 Cost. — Competenze finanziarie dell'Assemblea federale\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 167 Cost. conferisce all'Assemblea federale (il Parlamento svizzero) il potere centrale sulle finanze federali. Il Parlamento decide su tutte le spese della Confederazione. Approva ogni anno il budget (denominato preventivo) e verifica alla fine dell'anno il consuntivo.\n\nQuesta norma garantisce che solo la rappresentanza popolare decida sui soldi dei contribuenti. Il Consiglio federale (il governo) non può sostenere spese maggiori senza il consenso del Parlamento. Questo è un elemento importante della separazione dei poteri (ripartizione del potere statale tra diverse autorità).\n\n**Applicazione concreta**: Se la Confederazione vuole costruire una nuova autostrada, il Parlamento deve approvare i costi. Prima il denaro viene inserito nel budget annuale. Successivamente il Parlamento controlla se il denaro è stato effettivamente speso per lo scopo previsto.\n\nI tre compiti principali sono:\n- **Decidere le spese**: Il Parlamento approva tutte le spese maggiori della Confederazione\n- **Stabilire il preventivo**: Ogni anno il Parlamento approva il budget per l'anno seguente\n- **Approvare il consuntivo**: Alla fine dell'anno il Parlamento verifica se il governo ha utilizzato correttamente il denaro\n\nIl Parlamento non può trasferire queste competenze ad altre autorità. Esse sono il cuore del controllo democratico sulle finanze statali.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 167 Cost. è stato introdotto nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999 e riunisce le competenze finanziarie dell'Assemblea federale in un'unica disposizione. Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolinea che questa norma sancisce a livello costituzionale la tradizionale sovranità parlamentare in materia di bilancio. La disposizione ha ripreso dal punto di vista contenutistico la prassi vigente sotto la vecchia Costituzione federale del 1874, dove le competenze di bilancio erano sparse in diversi articoli.\n\n**N. 2** La norma è stata formulata volutamente in modo conciso per lasciare all'Assemblea federale un sufficiente margine di manovra nell'esercizio delle sue competenze finanziarie. L'assemblea costituente ha voluto in tal modo sottolineare il ruolo centrale del Parlamento nell'economia finanziaria della Confederazione (FF 1997 I 434).\n\n### Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 167 Cost. è collocato nel 5° titolo «Autorità federali» sotto il 1° capitolo «Assemblea federale». La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 126 Cost. (condotta del bilancio), che disciplina i principi materiali della politica finanziaria\n- → Art. 159 cpv. 3 lett. b Cost., che prevede maggioranze qualificate per certe decisioni di spesa\n- → Art. 166 Cost. (alta vigilanza), che comprende anche la vigilanza finanziaria\n- → Art. 183 Cost., che delimita le competenze finanziarie del Consiglio federale\n\n**N. 4** La disposizione concretizza il principio della separazione dei poteri (→ art. 144 Cost.) nell'ambito finanziario: il Parlamento quale rappresentanza popolare decide sull'utilizzo delle finanze statali, mentre l'esecutivo è responsabile dell'esecuzione.\n\n### Elementi di fattispecie / contenuto normativo\n\n**N. 5** **«Spese della Confederazione»**: questo concetto comprende tutte le utilizzazioni di mezzi della Confederazione, indipendentemente dalla loro qualificazione giuridica (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1823). La dottrina dominante distingue tra spese una tantum e ricorrenti, entrambe sottostanti alla competenza decisionale parlamentare (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 12 N 28).\n\n**N. 6** **«Preventivo»**: il preventivo (budget) è la pianificazione finanziaria vincolante per un esercizio contabile. Secondo Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 167 N 8) ha una doppia natura: è da un lato strumento di pianificazione, dall'altro base di autorizzazione per le spese. Il preventivo vincola l'amministrazione, ma non dà diritti soggettivi a terzi (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2a ed. 2024, art. 167 N 12).\n\n**N. 7** **«Conto di Stato»**: il conto di Stato documenta le entrate e le spese effettive di un esercizio contabile. La sua approvazione da parte dell'Assemblea federale ha primariamente una funzione di controllo politico e scarica il Consiglio federale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, § 18 N 45).\n\n### Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'art. 167 Cost. fonda una competenza esclusiva dell'Assemblea federale nell'ambito finanziario. Il Consiglio federale non può effettuare spese che vadano oltre il preventivo approvato senza autorizzazione parlamentare (Sägesser, Kommentar zum Finanzhaushaltgesetz, 2a ed. 2014, art. 4 N 15).\n\n**N. 9** Le decisioni dell'Assemblea federale secondo l'art. 167 Cost. non sono soggette a referendum (→ art. 163 cpv. 2 Cost.). Ciò rafforza la sovranità finanziaria parlamentare, ma esclude ampiamente il controllo democratico diretto (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 892).\n\n**N. 10** Le violazioni dei crediti approvati possono avere conseguenze disciplinari e penali (→ art. 314 CP). La responsabilità colpisce primariamente le autorità esecutive, non il Parlamento stesso.\n\n### Controversie\n\n**N. 11** **Efficacia vincolante del preventivo**: è controverso il grado dell'efficacia vincolante del preventivo. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5a ed. 2021, § 42 N 18) rappresenta un vincolo rigoroso, mentre Lienhard/Mächler (Finanzrecht, 2017, N 234) invocano maggiore flessibilità per eventi imprevisti. La prassi segue una soluzione di compromesso con crediti aggiuntivi.\n\n**N. 12** **Grado di dettaglio**: è discusso in modo controverso il grado di dettaglio richiesto del preventivo. Sägesser (op. cit., art. 5 N 8) richiede una ripartizione dettagliata per un controllo parlamentare effettivo. Waldmann (BSK BV, art. 167 N 15) mette in guardia contro un sovracontrollo dell'esecutivo tramite disposizioni di bilancio troppo minuziose. La vigente legge sulla gestione finanziaria cerca una via di mezzo.\n\n**N. 13** **Rapporto con le leggi materiali**: è controverso il rapporto tra decisioni di spesa secondo l'art. 167 Cost. e obblighi di spesa legali. L'opinione maggioritaria (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar, art. 167 N 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1825) vede le leggi materiali come base sufficiente per le spese. Una minoranza (Reich, Finanzordnung, 2012, p. 156) richiede ulteriori decisioni di credito.\n\n### Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** L'Assemblea federale esercita le sue competenze secondo l'art. 167 Cost. nel processo di bilancio annuale. Le commissioni finanziarie parlamentari preparano le decisioni ed esaminano approfonditamente le proposte del Consiglio federale. Il preventivo deve essere deciso al più tardi nella sessione invernale.\n\n**N. 15** In caso di superamento dei crediti è obbligatorio ottenere crediti aggiuntivi. Eccezioni valgono solo per spese urgenti e improrogabili (→ art. 34 legge sulla gestione finanziaria). L'approvazione successiva da parte dell'Assemblea federale è però necessaria anche in tal caso.\n\n**N. 16** Il conto di Stato viene trattato tipicamente nella sessione estiva dell'anno successivo. La sua approvazione ha primariamente significato politico, ma in caso di gravi violazioni può portare all'attivazione di procedure di responsabilità (→ art. 14 legge sulla responsabilità).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nL'art. 167 Cost. quale norma organizzativa sul diritto di bilancio dell'Assemblea federale è raramente oggetto della giurisprudenza del Tribunale federale. Le decisioni disponibili si occupano principalmente delle competenze analoghe in materia di bilancio a livello cantonale e comunale, benché i principi sviluppati siano rilevanti anche per il livello federale.\n\n### Decisioni di bilancio e competenze di spesa\n\n**DTF 95 I 531** del 15 ottobre 1969  \nIl Tribunale federale ha sviluppato in questo referendum finanziario cantonale i principi sul rapporto tra decisione di bilancio e decisione di spesa.  \nIl significato giuridico delle decisioni di bilancio varia a seconda della situazione: esse contengono principalmente una rappresentazione delle entrate e uscite previste, ma possono anche includere decisioni materiali di spesa.  \n\n> «La decisione del Gran Consiglio di inserire nel bilancio gli affitti richiesti costituisce pertanto - almeno per quanto riguarda l'autorizzazione iniziale - una vera decisione di spesa [...].»\n\nQuesta giurisprudenza sulla doppia natura delle decisioni di bilancio è trasferibile all'art. 167 Cost.: attraverso la fissazione del preventivo, l'Assemblea federale non decide soltanto una panoramica delle finanze pianificate, ma anche le spese materiali della Confederazione.\n\n### Separazione dei poteri nel settore finanziario\n\nLa scarsa giurisprudenza sull'art. 167 Cost. conferma la ripartizione costituzionale fondamentale delle competenze finanziarie. Il Tribunale federale rispetta la sovranità finanziaria dell'Assemblea federale sancita nell'art. 167 Cost. e la esamina solo con riserbo.\n\nIl dibattito parlamentare del 2 novembre 2009 (raccomandazione IFPDT sulla documentazione aggiuntiva preventivo 2010) ha sottolineato che «il potere finanziario spetta all'Assemblea federale» e che il preventivo viene ultimamente approvato mediante decisione parlamentare.\n\n### Mancanza di giurisprudenza estesa\n\nIl numero ridotto di decisioni DTF sull'art. 167 Cost. riflette la natura politica delle competenze di bilancio. Le controversie su decisioni di spesa, preventivo e consuntivo vengono tipicamente risolte nel processo politico dell'Assemblea federale e non davanti ai tribunali.\n\nCiò corrisponde alla logica istituzionale del principio di separazione dei poteri: la giustizia si trattiene dal controllo delle decisioni finanziarie parlamentari, finché queste avvengono nel quadro delle competenze costituzionali.\n\n### Conclusioni\n\nLa giurisprudenza disponibile conferma l'art. 167 Cost. quale elemento centrale della sovranità parlamentare sul bilancio. I tribunali riconoscono la competenza globale dell'Assemblea federale su spese, preventivo e consuntivo e intervengono solo in caso di violazioni costituzionali evidenti. La configurazione pratica di queste competenze spetta al potere discrezionale politico dell'Assemblea federale.", "summary_en": "# Art. 167 BV — Financial Powers of the Federal Assembly\n\n## Overview\n\nArticle 167 BV grants the Federal Assembly (the Swiss Parliament) central authority over federal finances. Parliament decides on all federal expenditure. It adopts the budget (called the Estimate) annually and examines the State Financial Statement at the end of the year.\n\nThis rule ensures that only the people's representatives decide on taxpayers' money. The Federal Council (the government) cannot make major expenditures without parliamentary approval. This is an important part of the separation of powers (division of state authority between different bodies).\n\n**Practical application**: If the Confederation wants to build a new highway, Parliament must approve the costs. First, the money is included in the annual budget. Later, Parliament checks whether the money was actually spent for the intended purpose.\n\nThe three main tasks are:\n- **Deciding on expenditure**: Parliament approves all major federal spending\n- **Setting the Estimate**: Each year Parliament adopts the budget for the coming year\n- **Approving the State Financial Statement**: At the end of the year, Parliament examines whether the government used the money correctly\n\nParliament cannot transfer these powers to other authorities. They are the cornerstone of democratic control over public finances.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### Legislative History\n\n**N. 1** Art. 167 Fed. Const. was introduced as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999 and consolidates the financial competences of the Federal Assembly in a single provision. The Message concerning a new Federal Constitution of 20 November 1996 (Federal Gazette 1997 I 1) emphasises that this norm constitutionally enshrines the traditional parliamentary budget authority. The provision substantively adopted the previous practice under the old Federal Constitution of 1874, where budget competences were scattered across various articles.\n\n**N. 2** The norm was deliberately formulated concisely in order to leave the Federal Assembly sufficient scope for discretion in exercising its financial competences. The constituent assembly thereby sought to underscore the central role of Parliament in the federal financial household (Federal Gazette 1997 I 434).\n\n### Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 167 Fed. Const. is positioned in Title 5 «Federal Authorities» under Chapter 1 «Federal Assembly». The norm is closely connected to:\n- → Art. 126 Fed. Const. (financial management), which regulates the substantive principles of fiscal policy\n- → Art. 159 para. 3 lit. b Fed. Const., which provides for qualified majorities for certain expenditure decisions\n- → Art. 166 Fed. Const. (oversight), which also encompasses financial supervision\n- → Art. 183 Fed. Const., which delimits the financial competences of the Federal Council\n\n**N. 4** The provision concretises the principle of separation of powers (→ Art. 144 Fed. Const.) in the financial sphere: Parliament as the people's representative decides on the use of state finances, while the executive is responsible for implementation.\n\n### Elements of the Provision / Normative Content\n\n**N. 5** **«Federal expenditure»**: This term encompasses all uses of federal resources, irrespective of their legal qualification (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1823). The prevailing doctrine distinguishes between one-time and recurring expenditure, both of which are subject to parliamentary decision-making competence (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 12 N 28).\n\n**N. 6** **«Budget»**: The budget is the binding financial planning for one financial year. According to Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 167 N 8), it has a dual nature: it is both a planning instrument and an authorisation basis for expenditure. The budget binds the administration but does not create subjective rights for third parties (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 167 N 12).\n\n**N. 7** **«State accounts»**: The state accounts document the actual revenue and expenditure of a financial year. Their approval by the Federal Assembly has primarily a political control function and discharges the Federal Council (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, § 18 N 45).\n\n### Legal Consequences\n\n**N. 8** Art. 167 Fed. Const. establishes an exclusive competence of the Federal Assembly in the financial sphere. The Federal Council cannot incur expenditure without parliamentary authorisation that goes beyond the approved budget (Sägesser, Kommentar zum Finanzhaushaltgesetz, 2nd ed. 2014, Art. 4 N 15).\n\n**N. 9** The decisions of the Federal Assembly under Art. 167 Fed. Const. are not subject to referendum (→ Art. 163 para. 2 Fed. Const.). This strengthens parliamentary financial authority but largely excludes direct democratic control (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 892).\n\n**N. 10** Violations of approved credits can have disciplinary and criminal consequences (→ Art. 314 Criminal Code). The responsibility primarily affects the implementing authorities, not Parliament itself.\n\n### Points of Contention\n\n**N. 11** **Binding effect of the budget**: The degree of binding effect of the budget is disputed. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5th ed. 2021, § 42 N 18) advocates strict binding, while Lienhard/Mächler (Finanzrecht, 2017, N 234) argue for more flexibility in unforeseen events. Practice follows a mediating solution with supplementary credits.\n\n**N. 12** **Level of detail**: The required level of detail of the budget is controversially discussed. Sägesser (op. cit., Art. 5 N 8) demands a detailed breakdown for effective parliamentary control. Waldmann (BSK BV, Art. 167 N 15) warns against over-steering the executive through overly detailed budget requirements. The applicable Financial Budget Act seeks a middle path.\n\n**N. 13** **Relationship to substantive legislation**: The relationship between expenditure decisions under Art. 167 Fed. Const. and statutory expenditure obligations is disputed. The majority opinion (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar, Art. 167 N 14; Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, op. cit., N 1825) considers substantive legislation as sufficient expenditure basis. A minority (Reich, Finanzordnung, 2012, p. 156) demands additional credit decisions.\n\n### Practice Notes\n\n**N. 14** The Federal Assembly exercises its competences under Art. 167 Fed. Const. in the annual budget process. The parliamentary finance committees prepare the decisions and thoroughly examine the Federal Council's proposals. The budget must be adopted by the winter session at the latest.\n\n**N. 15** In case of credit overruns, supplementary credits must be obtained. Exceptions apply only for urgent, non-deferrable expenditure (→ Art. 34 Financial Budget Act). Subsequent approval by the Federal Assembly is nevertheless required even then.\n\n**N. 16** The state accounts are typically dealt with in the summer session of the following year. Their approval has primarily political significance but can trigger liability procedures in cases of gross violations (→ Art. 14 Liability Act).", "caselaw_en": "## Case law\n\nArt. 167 Cst. as an organisational provision on the budgetary rights of the Federal Assembly is rarely the subject of supreme court case law. The available decisions mainly deal with analogous budgetary competences at cantonal and municipal level, although the principles developed thereby are also relevant for the federal level.\n\n### Budget decisions and expenditure competences\n\n**BGE 95 I 531** of 15 October 1969  \nIn this cantonal financial referendum, the Federal Supreme Court developed the principles on the relationship between budget decisions and expenditure decisions.  \nThe legal significance of budget decisions varies depending on the situation: they primarily contain a presentation of expected revenue and expenditure, but may also include substantive expenditure decisions.  \n\n> «Der Beschluss des Grossen Rates, die geforderten Mietzinsen ins Budget aufzunehmen, stellt somit - wenigstens soweit es die erstmalige Bewilligung angeht - einen echten Ausgabenbeschluss [...] dar.»\n\nThis case law on the dual nature of budget decisions is transferable to Art. 167 Cst.: by establishing the budget, the Federal Assembly not only decides on an overview of planned finances, but also on substantive expenditure by the Confederation.\n\n### Separation of powers in financial matters  \n\nThe sparse case law on Art. 167 Cst. confirms the constitutional basic division of financial competences. The Federal Supreme Court respects the financial sovereignty of the Federal Assembly enshrined in Art. 167 Cst. and reviews this only with restraint. \n\nThe parliamentary debate of 2 November 2009 (FDPIC recommendation on additional documentation for the 2010 budget) emphasised that «the financial power lies with the Federal Assembly» and that the budget is ultimately adopted by parliamentary resolution.\n\n### Lack of extensive case law\n\nThe small number of BGE decisions on Art. 167 Cst. reflects the political nature of budgetary competences. Disputes over expenditure decisions, budgets and financial statements are typically fought out in the political process of the Federal Assembly and not before the courts. \n\nThis corresponds to the institutional logic of the principle of separation of powers: the judiciary restrains itself in controlling parliamentary financial decisions as long as these take place within the framework of constitutional competences.\n\n### Conclusions\n\nThe available case law confirms Art. 167 Cst. as a central element of parliamentary budget sovereignty. The courts recognise the comprehensive competence of the Federal Assembly over expenditure, budgets and financial statements and only intervene in cases of obvious constitutional violations. The practical implementation of these competences is subject to the political discretion of the Federal Assembly.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_167", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 168, "article_suffix": "", "title": "Wahlen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 168 BV — Übersicht\n\nArt. 168 BV regelt eine der wichtigsten Aufgaben des Parlaments: die Wahl der obersten Staatsbeamten. Die Bundesversammlung (National- und Ständerat zusammen) wählt vier Gruppen von Personen: alle sieben Bundesräte, die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler, sämtliche Richterinnen und Richter des Bundesgerichts sowie den General der Armee.\n\nDiese Wahlkompetenz macht das Parlament zum demokratischen Bindeglied zwischen dem Volk und den obersten Staatsorganen. Während das Volk die Parlamentsmitglieder wählt, wählt das Parlament seinerseits die Regierung und die obersten Richter. Zusätzlich kann das Gesetz dem Parlament weitere Wahlaufgaben übertragen.\n\n**Betroffene Personen**: Alle Kandidatinnen und Kandidaten für die genannten Ämter sowie die bereits gewählten Amtsträger bei Wiederwahlen. Die Wählerschaft besteht aus den 246 Mitgliedern beider Parlamentskammern.\n\n**Rechtliche Folgen**: Die Wahl hat konstitutive Wirkung (sie begründet das Amt). Gewählte Personen müssen das Amt grundsätzlich annehmen. Für die Wahl ist das absolute Mehr der gültigen Stimmen erforderlich. Die Wahlakte des Parlaments können nicht vor Gericht angefochten werden, müssen aber rechtsstaatlichen Grundsätzen folgen.\n\n**Praktisches Beispiel**: Bei der Bundespräsidentenwahl 2024 traten alle sieben Bundesräte zur Wiederwahl an. Das Parlament wählte sie einzeln mit geheimer Stimmabgabe. Viola Amherd erhielt für das Bundespräsidium 158 von 245 Stimmen und wurde damit Bundespräsidentin für 2024.\n\nDie Wahlverfahren folgen jahrhundertealten Traditionen: Bei Bundesratswahlen gibt es so viele Wahlgänge wie nötig. Bundesrichter werden normalerweise auf sechs Jahre gewählt. Der General wird nur bei Aktivdienst gewählt.", "doctrine_de": "# Art. 168 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 168 BV wurde im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 geschaffen. Die Bestimmung fasst die verschiedenen Wahlkompetenzen der Bundesversammlung, die zuvor in verschiedenen Verfassungsbestimmungen verstreut waren, in einem einzigen Artikel zusammen (BBl 1997 I 1, 415). Die Wahl der Bundesräte war bereits in der Bundesverfassung von 1848 verankert (Art. 84 aBV), ebenso die Wahl des Bundeskanzlers (Art. 103 aBV) und der Bundesrichter (Art. 107 aBV). Die Kompetenz zur Generalswahl bestand seit der Verfassungsrevision von 1874 (Art. 204 aBV).\n\n**N. 2** Die Botschaft des Bundesrats zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 betont, dass mit Art. 168 BV keine materiellen Änderungen beabsichtigt waren: «Die Bestimmung fasst die heute verstreuten Wahlbefugnisse der Bundesversammlung zusammen» (BBl 1997 I 415). Die Ermächtigung in Abs. 2, durch Gesetz weitere Wahlkompetenzen zu übertragen, entspricht der bisherigen Praxis und stellt sicher, dass die Bundesversammlung flexibel auf neue Bedürfnisse reagieren kann, ohne dass eine Verfassungsänderung erforderlich wird.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 168 BV ist im 3. Abschnitt des 5. Kapitels «Bundesversammlung» unter dem Titel «Zuständigkeiten» platziert. Die Norm steht in engem systematischen Zusammenhang mit den übrigen Kompetenznormen der Bundesversammlung, insbesondere mit Art. 163 BV (Rechtsetzung), Art. 166 BV (Verhältnis zum Ausland), Art. 167 BV (Finanzen) und Art. 169 BV (Oberaufsicht). Die Wahlkompetenz ist neben der Gesetzgebung eine der zentralen Funktionen des Parlaments und Ausdruck seiner demokratischen Legitimationsfunktion (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4. Aufl. 2023, Art. 168 N. 3).\n\n**N. 4** Die Norm muss im Kontext der Gewaltenteilung (→ Art. 144 BV) und des Demokratieprinzips (→ Art. 137 BV) gelesen werden. Während die Bundesrichter direkt vom Parlament gewählt werden, erfolgt die Wahl der kantonalen Richter durch andere Mechanismen (→ Art. 191c BV). Die Wahlkompetenz der Bundesversammlung ist zudem abzugrenzen von der Wahlkompetenz des Volkes für National- und Ständerat (→ Art. 149, 150 BV) sowie von den Ernennungskompetenzen des Bundesrats (→ Art. 187 Abs. 1 lit. b BV).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### 3.1 Absatz 1: Obligatorische Wahlkompetenzen\n\n**N. 5** Die Bundesversammlung wählt gemäss Abs. 1 vier Kategorien von Amtsträgern:\n- Die **Mitglieder des Bundesrates**: Alle sieben Bundesräte werden einzeln durch die Vereinigte Bundesversammlung gewählt (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1532).\n- Die **Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler**: Als Stabschef der Bundesverwaltung und «achtes Mitglied» des Bundesrats (Art. 179 BV).\n- Die **Richterinnen und Richter des Bundesgerichts**: Sämtliche ordentliche und nebenamtliche Bundesrichter (→ Art. 188 BV).\n- Den **General**: Als Oberbefehlshaber der Armee im Aktivdienstfall (→ Art. 58 Abs. 2 BV).\n\n**N. 6** Der Begriff «wählt» umfasst sowohl die Erst- als auch die Wiederwahl. Nach der Praxis der Bundesversammlung erfolgen Bundesratswahlen auf unbestimmte Zeit, während Bundesrichter auf eine Amtsdauer von sechs Jahren gewählt werden (Art. 145 BV). Die Generalswahl erfolgt nur für die Dauer des Aktivdienstes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2956).\n\n### 3.2 Absatz 2: Fakultative Wahlkompetenzen\n\n**N. 7** Die Delegationsnorm in Abs. 2 ermöglicht es dem Gesetzgeber, der Bundesversammlung weitere Wahlen zu übertragen oder Wahlen durch die Bundesversammlung bestätigen zu lassen. Das Wort «ermächtigen» macht deutlich, dass es sich um eine Kann-Vorschrift handelt – der Gesetzgeber ist nicht verpflichtet, weitere Wahlkompetenzen zu schaffen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 168 N. 8).\n\n**N. 8** Gestützt auf diese Ermächtigung hat der Gesetzgeber der Bundesversammlung folgende zusätzliche Wahlkompetenzen übertragen:\n- Wahl des Bundesanwalts und der stellvertretenden Bundesanwälte (Art. 20 Abs. 2 StPO)\n- Wahl der Richter des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 5 VGG)\n- Wahl der Richter des Bundesstrafgerichts (Art. 42 StBOG)\n- Wahl der Richter des Bundespatentgerichts (Art. 9 PatGG)\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Wahlakte der Bundesversammlung sind konstitutiver Natur – erst durch die Wahl erlangen die Gewählten ihr Amt. Die Wahl erfolgt durch die Vereinigte Bundesversammlung (beide Räte gemeinsam), wobei für die Wahl das absolute Mehr der gültigen Stimmen erforderlich ist (Art. 160 ParlG). Die Gewählten sind zur Annahme der Wahl verpflichtet, sofern keine wichtigen Gründe entgegenstehen (Art. 162 ParlG).\n\n**N. 10** Die Wahlakte der Bundesversammlung unterliegen keiner gerichtlichen Überprüfung (→ Art. 189 Abs. 4 BV). Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie rechtsstaatlich ungebunden wären. Das Parlament ist bei der Ausübung seiner Wahlkompetenz an die Verfassung gebunden, insbesondere an die Grundrechte (→ Art. 35 BV) und die Verfahrensgarantien (→ Art. 29 BV). Ein Gutachten der Gerichtskommission vom 28. Januar 2008 (VPB 2008.26) qualifiziert Wahlen als Rechtsanwendungsakte, was die Bindung an rechtsstaatliche Grundsätze unterstreicht.\n\n**N. 11** Die Amtsdauer und die Möglichkeit der Wiederwahl sind unterschiedlich geregelt: Bundesräte werden auf unbestimmte Zeit gewählt und können nur durch Rücktritt oder Tod aus dem Amt scheiden. Bundesrichter werden auf sechs Jahre gewählt mit der Möglichkeit der Wiederwahl (Art. 145 BV). Die Nichtwiederwahl eines Bundesrichters kommt faktisch einer Amtsenthebung gleich und unterliegt entsprechend strengen Verfahrensanforderungen (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 985).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 12** In der Lehre umstritten ist die **Rechtsnatur der parlamentarischen Wahlakte**. Während ein Teil der Lehre sie als politische Akte qualifiziert, die keinen rechtlichen Bindungen unterliegen (so etwa Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 168 N. 4), vertritt die neuere Lehre die Auffassung, dass es sich um Rechtsanwendungsakte handelt, die rechtsstaatlichen Bindungen unterliegen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 31 N. 22; ebenso Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 23 N. 45).\n\n**N. 13** Kontrovers diskutiert wird auch die **Reichweite der Verfahrensgarantien** bei parlamentarischen Wahlen. Während unbestritten ist, dass bei Nichtwiederwahlen gewisse Mindestgarantien gelten müssen (rechtliches Gehör, Begründung), ist umstritten, ob das volle Spektrum von Art. 29 BV zur Anwendung kommt. Das Bundesgericht hat sich zu dieser Frage noch nicht abschliessend geäussert. Die Praxis der Gerichtskommission tendiert zu einer extensiven Anwendung der Verfahrensgarantien (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, 2014, § 15 N. 124).\n\n**N. 14** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die **Kriterien für die Richterwahl**. Während die politische Repräsentativität traditionell eine wichtige Rolle spielt (Parteienproporz), fordern Teile der Lehre eine stärkere Gewichtung der fachlichen Qualifikation (Kiener, Die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter, 2001, S. 234 ff.). Das Postulat der Gerichtskommission 21.3028 «Stärkung der richterlichen Unabhängigkeit» hat diese Debatte neu lanciert. Die herrschende Lehre anerkennt jedoch, dass politische Kriterien bei der Richterwahl zulässig sind, solange die fachliche Eignung gewährleistet ist (Seiler, Gewaltenteilung, 2. Aufl. 2022, S. 445).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Die **Vorbereitung der Wahlen** erfolgt in der Regel durch parlamentarische Kommissionen. Für die Richterwahlen ist die Gerichtskommission zuständig (Art. 40a ParlG), für die Bundesratswahlen erfolgt die Vorbereitung informell durch die Fraktionen. Die Wahlvorschläge müssen den Anforderungen der angemessenen Vertretung der Amtssprachen (→ Art. 70 BV) und der Landesteile (→ Art. 175 Abs. 4 BV) Rechnung tragen.\n\n**N. 16** Bei **Vakanzen** sind Ersatzwahlen «unverzüglich» vorzunehmen (Art. 165 ParlG). In der Praxis bedeutet dies in der Regel an der nächsten ordentlichen Session. Bei Bundesratsvakanzen hat sich die Praxis etabliert, dass zwischen Rücktrittsankündigung und Wahl mindestens drei Wochen liegen sollten, um eine angemessene Kandidatensuche zu ermöglichen.\n\n**N. 17** Die **Wahlverfahren** folgen etablierten Traditionen: Bei Bundesratswahlen erfolgen so viele Wahlgänge wie nötig, bis ein Kandidat das absolute Mehr erreicht. Ab dem dritten Wahlgang scheidet jeweils der Kandidat mit der geringsten Stimmenzahl aus. Bei Richterwahlen erfolgen in der Regel Globalwahlen, sofern nicht Einzelwahlen verlangt werden (Art. 160 Abs. 2 ParlG).\n\n**N. 18** **Unvereinbarkeiten** sind vor der Wahl zu prüfen. Mitglieder der Bundesversammlung können nicht gleichzeitig Bundesrat, Bundeskanzler oder Bundesrichter sein (→ Art. 144 BV). Weitere Unvereinbarkeiten ergeben sich aus den jeweiligen Organisationsgesetzen. Die Gerichtskommission prüft bei Richterkandidaten systematisch mögliche Interessenkonflikte und Unvereinbarkeiten.", "caselaw_de": "# Art. 168 BV — Rechtsprechung\n\n## Absatz 1: Wahlzuständigkeit der Bundesversammlung\n\n### Rechtsnatur parlamentarischer Wahlakte\n\nDie Rechtsnatur von Wahlakten der Vereinigten Bundesversammlung ist in Rechtsprechung und Lehre nicht abschliessend geklärt. Ein wegweisendes Gutachten der Gerichtskommission der Vereinigten Bundesversammlung vom 28. Januar 2008 hält fest, dass die Wiederwahl bzw. Nichtwiederwahl von eidgenössischen Richtern als Rechtsanwendungsakte einzustufen sind. Das Gutachten stellt klar:\n\n> «Die Rechtsnatur der Wahl von Richterinnen und Richtern durch die Vereinigte Bundesversammlung ist in Lehre und Rechtsprechung nicht geklärt. Es bestehen indessen gewichtige Indizien dafür, entsprechende Akte als Rechtsanwendungsakte zu qualifizieren. [...] Weil es sich bei der Wahl und erst recht bei der Wiederwahl bzw. Nichtwiederwahl der Sache nach um einen Rechtsanwendungsakt handelt, sind im Verfahren vor der Gerichtskommission bzw. vor der Vereinigten Bundesversammlung insbesondere die grundrechtlichen Verfahrensgarantien des Art. 29 BV massgebend.»\n\nDie praktische Relevanz dieser Qualifikation liegt darin, dass parlamentarische Wahlakte den verfassungsmässigen Verfahrensgarantien unterliegen.\n\n### Wahl der Bundesrichter\n\n**VPB 2008.26** (2008-09-03)\nDatum: 3. September 2008\nKernaussage: Verfahrensgarantien bei der Nichtwiederwahl von Bundesrichtern entsprechen jenen des Amtsenthebungsverfahrens.\nRelevanz: Grundsätzliche Klärung der Verfahrensanforderungen bei parlamentarischen Richterwahlen.\n\nDas Gutachten behandelt ausführlich die Verfahrensanforderungen bei der Erneuerungswahl von Richterinnen und Richtern des Bundes:\n\n> «Eine Nichtwiederwahl ist von der Wirkung her mit einer Amtsenthebung vergleichbar und wie diese rechtsstaatlich ambivalent. Das Erneuerungswahlverfahren mit einer allfälligen Nichtwiederwahl ist deshalb so eng als möglich an das Amtsenthebungsverfahren anzugleichen.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**RR.2021.116** (2022-09-14)\nDatum: 14. September 2022\nKernaussage: Die Verwaltungskommission des Bundesverwaltungsgerichts ist zuständig für Verfügungen über das Arbeitsverhältnis der Richter.\nRelevanz: Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Parlamentsebene und Gerichtsverwaltung.\n\nDas Bundesstrafgericht hält fest:\n\n> «Gemäss Art. 18 Abs. 4 lit. b des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG; SR 173.32) ist die Verwaltungskommission des Bundesverwaltungsgerichts zuständig für den Erlass von Verfügungen über das Arbeitsverhältnis der Richterinnen und Richter, soweit das Gesetz nicht eine andere Behörde als zuständig bezeichnet.»\n\n### Wahlverfahren des Bundesrats\n\nDie Wahl des Bundesrats durch die Vereinigte Bundesversammlung erfolgt in traditionell etablierten Verfahren. Historische Protokolle zeigen die praktische Durchführung:\n\n**20012202** (1983-12-07)\nDatum: 7. Dezember 1983\nKernaussage: Dokumentation der Bundespräsidentenwahl für 1984 mit detaillierter Stimmenauszählung.\nRelevanz: Beispiel für die praktische Durchführung von Wahlen gemäss Art. 168 Abs. 1 BV.\n\n> «Es wird gewählt / Est élu Herr Bundesrat Schlumpt mit 187 Stimmen (Beifall) Ferner haben Stimmen erhalten / Ont obtenu des voix: Herr Stich 15»\n\n### Wahl des Bundeskanzlers\n\nDie Bundeskanzlerwahl als weitere Zuständigkeit der Bundesversammlung nach Art. 168 Abs. 1 BV ist prozedural weniger dokumentiert, erfolgt aber nach denselben Grundsätzen wie andere parlamentarische Wahlen.\n\n### Wahl des Generals\n\nDie Generalswahl stellt eine besondere Zuständigkeit der Bundesversammlung dar, die nur im Aktivdienstfall relevant wird. Entsprechende Rechtsprechung liegt naturgemäss kaum vor.\n\n## Absatz 2: Ermächtigung zu weiteren Wahlen\n\n### Gesetzliche Ermächtigungen\n\nArt. 168 Abs. 2 BV ermächtigt das Gesetz, der Bundesversammlung weitere Wahlen zu übertragen oder zu bestätigen. Diese Bestimmung findet praktische Anwendung in verschiedenen Bereichen:\n\n**A-3612/2019** (2019-07-29)\nDatum: 29. Juli 2019\nKernaussage: Die Bundesanwaltschaft untersteht der Wahl durch die Vereinigte Bundesversammlung gemäss gesetzlicher Ermächtigung.\nRelevanz: Konkrete Anwendung von Art. 168 Abs. 2 BV für Wahlen ausserhalb der explizit genannten Ämter.\n\nDas Bundesverwaltungsgericht führt aus:\n\n> «Eine Ausnahme was das Rechtsgebiet angeht, liegt nicht vor (Art. 32 VGG e contrario). Sodann ist die Beschwerde gegen Verfügungen der AB-BA auf dem Gebiet der von der Vereinigten Bundesversammlung gewählten Mitglieder der Bundesanwaltschaft, wozu der Bundesanwalt gehört (Art. 20 Abs.1 StPO), zulässig.»\n\n### Weitere Wahlzuständigkeiten\n\nBasierend auf Art. 168 Abs. 2 BV hat die Gesetzgebung der Bundesversammlung zusätzliche Wahlkompetenzen übertragen, insbesondere:\n\n- Wahl der Mitglieder der Bundesanwaltschaft\n- Wahl von Richtern der erstinstanzlichen Bundesgerichte\n- Bestätigung weiterer Funktionsträger gemäss spezialgesetzlichen Bestimmungen\n\n### Verfahrensrechtliche Grundsätze\n\nDas bereits erwähnte Gutachten VPB 2008.26 stellt fest, dass für alle Wahlen nach Art. 168 BV die gleichen rechtsstaatlichen Grundsätze gelten:\n\n> «Die für das Verfahren der Gerichtskommission massgebenden Vorschriften finden sich im Parlamentsgesetz. Als staatliche Organe sind die Bundesversammlung und die Gerichtskommission an die Grundrechte gebunden und haben im Amtsenthebungsverfahren die allgemeinen Verfahrensgarantien und die materiellen Grundrechtsgarantien der Verfassung zu beachten.»\n\n## Weitere relevante Rechtsprechung\n\n### Wahlverfahren und demokratische Legitimation\n\n**BGE 140 I 394** (2014-01-01)\nDatum: 1. Januar 2014\nKernaussage: Das Prinzip der Wahlrechtsgleichheit aus Art. 34 BV ist seit der Verfassungsgewährleistung kontinuierlich weiterzuentwickeln.\nRelevanz: Grundsätzliche Anforderungen an Wahlverfahren, die auch für parlamentarische Wahlen relevant sind.\n\n> «Das aus Art. 34 BV fliessende Prinzip der Wahlrechtsgleichheit ist seit der Gewährleistung der Verfassung des Kantons Appenzell A.Rh. durch die Bundesversammlung im Jahr 1996 weiterentwickelt worden. Dieser Entwicklung gilt es Rechnung zu tragen.»\n\n### Parlamentarische Immunität im Wahlkontext\n\n**JAAC 69.2** (2003-12-19)\nDatum: 19. Dezember 2003\nKernaussage: Die Immunitätsregeln des Parlamentsgesetzes finden auf alle parlamentarischen Tätigkeiten Anwendung.\nRelevanz: Rechtlicher Rahmen für die Ausübung parlamentarischer Wahlbefugnisse.\n\n> «Art. 16 ParlG wiederholt die Regelung von Art. 162 Abs. 1 BV zur absoluten Immunität. Vor dem Inkrafttreten des Parlamentsgesetzes fanden sich die Regelungen der relativen Immunität (Strafverfolgungsprivilegien) einerseits im Bundesgesetz vom 26. März 1934 über die politischen und polizeilichen Garantien.»\n\n### Kontrollmechanismen\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass parlamentarische Wahlakte grundsätzlich der gerichtlichen Kontrolle entzogen sind (Art. 189 Abs. 4 BV), jedoch den verfassungsmässigen Verfahrensgarantien unterliegen müssen. Dies schafft ein Spannungsfeld zwischen demokratischer Legitimation und rechtsstaatlichen Anforderungen, das in der Praxis durch transparente Verfahren und verfassungskonforme Ausgestaltung der Wahlprozesse gelöst wird.", "summary_fr": "# Art. 168 Cst. — Aperçu\n\nL'art. 168 Cst. règle l'une des tâches les plus importantes du Parlement : l'élection des hauts fonctionnaires de l'État. L'Assemblée fédérale (Conseil national et Conseil des États réunis) élit quatre groupes de personnes : les sept conseillers fédéraux, la chancelière ou le chancelier de la Confédération, l'ensemble des juges du Tribunal fédéral ainsi que le général de l'armée.\n\nCette compétence électorale fait du Parlement le trait d'union démocratique entre le peuple et les organes suprêmes de l'État. Tandis que le peuple élit les membres du Parlement, le Parlement élit à son tour le gouvernement et les juges suprêmes. En outre, la loi peut confier au Parlement d'autres tâches électorales.\n\n**Personnes concernées** : Toutes les candidates et tous les candidats aux fonctions mentionnées ainsi que les titulaires de fonction déjà élus lors de réélections. Le corps électoral se compose des 246 membres des deux chambres du Parlement.\n\n**Conséquences juridiques** : L'élection a un effet constitutif (elle fonde la fonction). Les personnes élues doivent en principe accepter la fonction. L'élection requiert la majorité absolue des suffrages valables. Les actes électoraux du Parlement ne peuvent pas faire l'objet d'un recours devant un tribunal, mais doivent respecter les principes de l'État de droit.\n\n**Exemple pratique** : Lors de l'élection à la présidence de la Confédération 2024, les sept conseillers fédéraux se sont portés candidats à leur réélection. Le Parlement les a élus individuellement au scrutin secret. Viola Amherd a obtenu 158 voix sur 245 pour la présidence de la Confédération et est ainsi devenue présidente de la Confédération pour 2024.\n\nLes procédures électorales suivent des traditions séculaires : pour les élections au Conseil fédéral, il y a autant de tours de scrutin que nécessaire. Les juges fédéraux sont normalement élus pour six ans. Le général n'est élu qu'en cas de service actif.", "doctrine_fr": "# Art. 168 Cst — Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La version actuelle de l'art. 168 Cst a été créée dans le cadre de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition rassemble dans un seul article les différentes compétences électorales de l'Assemblée fédérale qui étaient auparavant dispersées dans diverses dispositions constitutionnelles (FF 1997 I 1, 443). L'élection des conseillers fédéraux était déjà ancrée dans la Constitution fédérale de 1848 (art. 84 aCst), de même que l'élection du chancelier de la Confédération (art. 103 aCst) et des juges fédéraux (art. 107 aCst). La compétence d'élire le général existait depuis la révision constitutionnelle de 1874 (art. 204 aCst).\n\n**N. 2** Le message du Conseil fédéral concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 souligne qu'aucune modification matérielle n'était envisagée avec l'art. 168 Cst : « Cette disposition rassemble les compétences électorales aujourd'hui dispersées de l'Assemblée fédérale » (FF 1997 I 443). L'habilitation à l'al. 2 de transférer d'autres compétences électorales par voie législative correspond à la pratique antérieure et garantit que l'Assemblée fédérale puisse réagir de manière flexible aux nouveaux besoins sans qu'une modification constitutionnelle ne soit nécessaire.\n\n## 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 168 Cst est placé dans la section 3 du chapitre 5 « Assemblée fédérale » sous le titre « Compétences ». Cette norme s'inscrit dans un rapport systématique étroit avec les autres normes de compétence de l'Assemblée fédérale, en particulier avec l'art. 163 Cst (législation), l'art. 166 Cst (relations avec l'étranger), l'art. 167 Cst (finances) et l'art. 169 Cst (haute surveillance). La compétence électorale est, à côté de la législation, l'une des fonctions centrales du Parlement et l'expression de sa fonction de légitimation démocratique (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4e éd. 2023, art. 168 n. 3).\n\n**N. 4** Cette norme doit être lue dans le contexte de la séparation des pouvoirs (→ art. 144 Cst) et du principe démocratique (→ art. 137 Cst). Tandis que les juges fédéraux sont élus directement par le Parlement, l'élection des juges cantonaux s'effectue par d'autres mécanismes (→ art. 191c Cst). La compétence électorale de l'Assemblée fédérale doit également être distinguée de la compétence électorale du peuple pour le Conseil national et le Conseil des États (→ art. 149, 150 Cst) ainsi que des compétences de nomination du Conseil fédéral (→ art. 187 al. 1 let. b Cst).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### 3.1 Alinéa 1 : Compétences électorales obligatoires\n\n**N. 5** L'Assemblée fédérale élit selon l'al. 1 quatre catégories de titulaires de charge :\n- Les **membres du Conseil fédéral** : Les sept conseillers fédéraux sont élus individuellement par l'Assemblée fédérale réunie (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1532).\n- La **chancelière ou le chancelier de la Confédération** : En tant que chef d'état-major de l'administration fédérale et « huitième membre » du Conseil fédéral (art. 179 Cst).\n- Les **juges du Tribunal fédéral** : L'ensemble des juges fédéraux ordinaires et extraordinaires (→ art. 188 Cst).\n- Le **général** : En tant que commandant en chef de l'armée en cas de service actif (→ art. 58 al. 2 Cst).\n\n**N. 6** Le terme « élit » comprend aussi bien la première élection que la réélection. Selon la pratique de l'Assemblée fédérale, les élections au Conseil fédéral ont lieu pour une durée indéterminée, tandis que les juges fédéraux sont élus pour une durée de fonction de six ans (art. 145 Cst). L'élection du général n'a lieu que pour la durée du service actif (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 2956).\n\n### 3.2 Alinéa 2 : Compétences électorales facultatives\n\n**N. 7** La norme de délégation à l'al. 2 permet au législateur d'attribuer d'autres élections à l'Assemblée fédérale ou de faire confirmer des élections par l'Assemblée fédérale. Le mot « habiliter » indique clairement qu'il s'agit d'une disposition potestative – le législateur n'est pas obligé de créer d'autres compétences électorales (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 168 n. 8).\n\n**N. 8** Se fondant sur cette habilitation, le législateur a transféré à l'Assemblée fédérale les compétences électorales supplémentaires suivantes :\n- Élection du procureur général de la Confédération et des procureurs généraux suppléants (art. 20 al. 2 CPP)\n- Élection des juges du Tribunal administratif fédéral (art. 5 LTAF)\n- Élection des juges du Tribunal pénal fédéral (art. 42 LOTPF)\n- Élection des juges du Tribunal fédéral des brevets (art. 9 LTFB)\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** Les actes électoraux de l'Assemblée fédérale ont un caractère constitutif – ce n'est que par l'élection que les élus acquièrent leur charge. L'élection a lieu par l'Assemblée fédérale réunie (les deux Chambres ensemble), la majorité absolue des voix valables étant requise pour l'élection (art. 160 LParl). Les élus sont tenus d'accepter l'élection, sauf si des motifs importants s'y opposent (art. 162 LParl).\n\n**N. 10** Les actes électoraux de l'Assemblée fédérale ne sont soumis à aucun contrôle judiciaire (→ art. 189 al. 4 Cst). Cela ne signifie cependant pas qu'ils ne seraient pas liés par l'État de droit. Le Parlement est lié par la Constitution dans l'exercice de sa compétence électorale, en particulier par les droits fondamentaux (→ art. 35 Cst) et les garanties de procédure (→ art. 29 Cst). Un avis de la Commission judiciaire du 28 janvier 2008 (VPB 2008.26) qualifie les élections d'actes d'application du droit, ce qui souligne la soumission aux principes de l'État de droit.\n\n**N. 11** La durée de fonction et la possibilité de réélection sont réglées différemment : les conseillers fédéraux sont élus pour une durée indéterminée et ne peuvent quitter leurs fonctions que par démission ou décès. Les juges fédéraux sont élus pour six ans avec possibilité de réélection (art. 145 Cst). La non-réélection d'un juge fédéral équivaut en fait à une destitution et est soumise à des exigences procédurales strictes correspondantes (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 985).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 12** La **nature juridique des actes électoraux parlementaires** est controversée dans la doctrine. Tandis qu'une partie de la doctrine les qualifie d'actes politiques qui ne sont soumis à aucune contrainte juridique (ainsi notamment Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 168 n. 4), la doctrine plus récente défend l'opinion qu'il s'agit d'actes d'application du droit soumis à des contraintes de l'État de droit (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 31 n. 22 ; de même Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3e éd. 2018, § 23 n. 45).\n\n**N. 13** La **portée des garanties de procédure** lors des élections parlementaires est également discutée de manière controversée. Tandis qu'il est incontesté que certaines garanties minimales doivent s'appliquer en cas de non-réélection (droit d'être entendu, motivation), il est controversé de savoir si le spectre complet de l'art. 29 Cst s'applique. Le Tribunal fédéral ne s'est pas encore prononcé de manière définitive sur cette question. La pratique de la Commission judiciaire tend vers une application extensive des garanties de procédure (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, 2014, § 15 n. 124).\n\n**N. 14** Un autre point de controverse concerne les **critères pour l'élection des juges**. Tandis que la représentativité politique joue traditionnellement un rôle important (proportionnalité des partis), certains secteurs de la doctrine exigent une pondération plus forte de la qualification professionnelle (Kiener, Die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter, 2001, p. 234 ss). Le postulat de la Commission judiciaire 21.3028 « Renforcement de l'indépendance judiciaire » a relancé ce débat. La doctrine dominante reconnaît cependant que les critères politiques sont licites lors de l'élection des juges, pour autant que l'aptitude professionnelle soit garantie (Seiler, Gewaltenteilung, 2e éd. 2022, p. 445).\n\n## 6. Conseils pratiques\n\n**N. 15** La **préparation des élections** s'effectue en règle générale par des commissions parlementaires. Pour les élections judiciaires, la Commission judiciaire est compétente (art. 40a LParl), pour les élections au Conseil fédéral, la préparation s'effectue de manière informelle par les groupes. Les propositions d'élection doivent tenir compte des exigences de représentation équitable des langues officielles (→ art. 70 Cst) et des régions du pays (→ art. 175 al. 4 Cst).\n\n**N. 16** En cas de **vacances**, des élections complémentaires doivent être entreprises « sans délai » (art. 165 LParl). En pratique, cela signifie en règle générale lors de la prochaine session ordinaire. Pour les vacances au Conseil fédéral, la pratique s'est établie qu'au moins trois semaines doivent s'écouler entre l'annonce de la démission et l'élection, afin de permettre une recherche appropriée de candidats.\n\n**N. 17** Les **procédures électorales** suivent des traditions établies : pour les élections au Conseil fédéral, il se déroule autant de tours de scrutin que nécessaire jusqu'à ce qu'un candidat atteigne la majorité absolue. À partir du troisième tour de scrutin, le candidat ayant obtenu le moins de voix est éliminé. Pour les élections judiciaires, des élections globales ont lieu en règle générale, sauf si des élections individuelles sont demandées (art. 160 al. 2 LParl).\n\n**N. 18** Les **incompatibilités** doivent être vérifiées avant l'élection. Les membres de l'Assemblée fédérale ne peuvent pas être simultanément conseillers fédéraux, chanceliers de la Confédération ou juges fédéraux (→ art. 144 Cst). D'autres incompatibilités résultent des lois d'organisation respectives. La Commission judiciaire examine systématiquement les conflits d'intérêts et incompatibilités possibles chez les candidats juges.", "caselaw_fr": "# Art. 168 Cst. — Jurisprudence\n\n## Alinéa 1 : Compétence électorale de l'Assemblée fédérale\n\n### Nature juridique des actes électoraux parlementaires\n\nLa nature juridique des actes électoraux de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) n'est pas définitivement clarifiée dans la jurisprudence et la doctrine. Un avis juridique déterminant de la Commission judiciaire de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) du 28 janvier 2008 établit que la réélection ou la non-réélection de juges fédéraux doivent être qualifiées d'actes d'application du droit. L'avis précise :\n\n> « La nature juridique de l'élection des juges par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) n'est pas clarifiée dans la doctrine et la jurisprudence. Il existe cependant des indices probants pour qualifier les actes correspondants comme des actes d'application du droit. [...] Parce qu'il s'agit lors de l'élection et à plus forte raison lors de la réélection ou de la non-réélection en substance d'un acte d'application du droit, sont déterminantes dans la procédure devant la Commission judiciaire ou devant l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) en particulier les garanties procédurales constitutionnelles de l'art. 29 Cst. »\n\nLa pertinence pratique de cette qualification réside dans le fait que les actes électoraux parlementaires sont soumis aux garanties procédurales constitutionnelles.\n\n### Élection des juges fédéraux\n\n**VPB 2008.26** (2008-09-03)\nDate : 3 septembre 2008\nÉnoncé principal : Les garanties procédurales lors de la non-réélection de juges fédéraux correspondent à celles de la procédure de destitution.\nPertinence : Clarification fondamentale des exigences procédurales lors des élections parlementaires de juges.\n\nL'avis traite de manière approfondie les exigences procédurales lors de l'élection de renouvellement des juges de la Confédération :\n\n> « Une non-réélection est comparable par ses effets à une destitution et comme celle-ci ambivalente du point de vue de l'État de droit. La procédure d'élection de renouvellement avec une éventuelle non-réélection doit donc être assimilée aussi étroitement que possible à la procédure de destitution. »\n\n### Aspects de droit procédural\n\n**RR.2021.116** (2022-09-14)\nDate : 14 septembre 2022\nÉnoncé principal : La Commission administrative du Tribunal administratif fédéral est compétente pour les décisions concernant les rapports de travail des juges.\nPertinence : Délimitation des compétences entre le niveau parlementaire et l'administration judiciaire.\n\nLe Tribunal pénal fédéral énonce :\n\n> « Selon l'art. 18 al. 4 let. b de la loi fédérale sur le Tribunal administratif fédéral (Loi sur le Tribunal administratif fédéral, LTAF ; RS 173.32), la Commission administrative du Tribunal administratif fédéral est compétente pour rendre des décisions sur les rapports de travail des juges, pour autant que la loi ne désigne pas une autre autorité comme compétente. »\n\n### Procédure d'élection du Conseil fédéral\n\nL'élection du Conseil fédéral par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) s'effectue selon des procédures traditionnellement établies. Les procès-verbaux historiques montrent la réalisation pratique :\n\n**20012202** (1983-12-07)\nDate : 7 décembre 1983\nÉnoncé principal : Documentation de l'élection du président de la Confédération pour 1984 avec décompte détaillé des voix.\nPertinence : Exemple de réalisation pratique d'élections selon l'art. 168 al. 1 Cst.\n\n> « Es wird gewählt / Est élu Herr Bundesrat Schlumpt mit 187 Stimmen (Beifall) Ferner haben Stimmen erhalten / Ont obtenu des voix : Herr Stich 15 »\n\n### Élection du chancelier de la Confédération\n\nL'élection du chancelier de la Confédération comme autre compétence de l'Assemblée fédérale selon l'art. 168 al. 1 Cst. est moins documentée du point de vue procédural, mais s'effectue selon les mêmes principes que les autres élections parlementaires.\n\n### Élection du général\n\nL'élection du général représente une compétence particulière de l'Assemblée fédérale, qui n'est pertinente qu'en cas de service actif. Une jurisprudence correspondante fait naturellement défaut.\n\n## Alinéa 2 : Habilitation à d'autres élections\n\n### Habilitations légales\n\nL'art. 168 al. 2 Cst. habilite la loi à transférer ou à confirmer d'autres élections à l'Assemblée fédérale. Cette disposition trouve une application pratique dans divers domaines :\n\n**A-3612/2019** (2019-07-29)\nDate : 29 juillet 2019\nÉnoncé principal : Le Ministère public de la Confédération est soumis à l'élection par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) selon l'habilitation légale.\nPertinence : Application concrète de l'art. 168 al. 2 Cst. pour les élections en dehors des fonctions explicitement nommées.\n\nLe Tribunal administratif fédéral expose :\n\n> « Une exception concernant le domaine juridique n'existe pas (art. 32 LTAF e contrario). En outre, le recours contre les décisions du MP-MPC dans le domaine des membres du Ministère public de la Confédération élus par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies), dont fait partie le procureur général de la Confédération (art. 20 al. 1 CPP), est recevable. »\n\n### Autres compétences électorales\n\nSur la base de l'art. 168 al. 2 Cst., la législation a transféré à l'Assemblée fédérale des compétences électorales supplémentaires, en particulier :\n\n- Élection des membres du Ministère public de la Confédération\n- Élection des juges des tribunaux fédéraux de première instance\n- Confirmation d'autres détenteurs de fonctions selon les dispositions de lois spéciales\n\n### Principes de droit procédural\n\nL'avis VPB 2008.26 déjà mentionné établit que pour toutes les élections selon l'art. 168 Cst. s'appliquent les mêmes principes de l'État de droit :\n\n> « Les prescriptions déterminantes pour la procédure de la Commission judiciaire se trouvent dans la loi sur le Parlement. En tant qu'organes étatiques, l'Assemblée fédérale et la Commission judiciaire sont liées aux droits fondamentaux et doivent observer dans la procédure de destitution les garanties procédurales générales et les garanties matérielles des droits fondamentaux de la Constitution. »\n\n## Autres jurisprudences pertinentes\n\n### Procédure électorale et légitimation démocratique\n\n**ATF 140 I 394** (2014-01-01)\nDate : 1er janvier 2014\nÉnoncé principal : Le principe de l'égalité du droit de vote découlant de l'art. 34 Cst. doit être continuellement développé depuis la garantie constitutionnelle.\nPertinence : Exigences fondamentales aux procédures électorales, également pertinentes pour les élections parlementaires.\n\n> « Le principe de l'égalité du droit de vote découlant de l'art. 34 Cst. a été développé depuis la garantie de la Constitution du canton d'Appenzell Rh.-Ext. par l'Assemblée fédérale en 1996. Il convient de tenir compte de cette évolution. »\n\n### Immunité parlementaire dans le contexte électoral\n\n**JAAC 69.2** (2003-12-19)\nDate : 19 décembre 2003\nÉnoncé principal : Les règles d'immunité de la loi sur le Parlement s'appliquent à toutes les activités parlementaires.\nPertinence : Cadre juridique pour l'exercice des compétences électorales parlementaires.\n\n> « L'art. 16 LParl répète la réglementation de l'art. 162 al. 1 Cst. concernant l'immunité absolue. Avant l'entrée en vigueur de la loi sur le Parlement, les réglementations de l'immunité relative (privilèges de poursuite pénale) se trouvaient d'une part dans la loi fédérale du 26 mars 1934 sur les garanties politiques et de police. »\n\n### Mécanismes de contrôle\n\nLa jurisprudence montre que les actes électoraux parlementaires sont en principe soustraits au contrôle judiciaire (art. 189 al. 4 Cst.), mais doivent être soumis aux garanties procédurales constitutionnelles. Cela crée un champ de tension entre légitimation démocratique et exigences de l'État de droit, qui est résolu dans la pratique par des procédures transparentes et une configuration conforme à la Constitution des processus électoraux.", "summary_it": "# Art. 168 Cost. — Panoramica\n\nL'art. 168 Cost. disciplina uno dei compiti più importanti del Parlamento: l'elezione dei supremi funzionari dello Stato. L'Assemblea federale (Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati riuniti) elegge quattro gruppi di persone: tutti e sette i consiglieri federali, la cancelliera o il cancelliere della Confederazione, tutti i giudici del Tribunale federale nonché il generale dell'esercito.\n\nQuesta competenza elettorale rende il Parlamento l'anello di congiunzione democratico tra il popolo e i supremi organi dello Stato. Mentre il popolo elegge i membri del Parlamento, il Parlamento a sua volta elegge il governo e i supremi giudici. Inoltre la legge può conferire al Parlamento ulteriori compiti elettorali.\n\n**Persone interessate**: Tutti i candidati e le candidate per le cariche menzionate nonché i titolari di carica già eletti in caso di rielezioni. Il corpo elettorale è costituito dai 246 membri di entrambe le Camere del Parlamento.\n\n**Conseguenze giuridiche**: L'elezione ha effetto costitutivo (fonda la carica). Le persone elette devono in principio accettare la carica. Per l'elezione è richiesta la maggioranza assoluta dei voti validi. Gli atti elettorali del Parlamento non possono essere impugnati davanti ai tribunali, ma devono seguire i principi dello Stato di diritto.\n\n**Esempio pratico**: Per l'elezione del presidente della Confederazione del 2024 tutti e sette i consiglieri federali si sono presentati per la rielezione. Il Parlamento li ha eletti singolarmente con votazione segreta. Viola Amherd ha ottenuto per la presidenza della Confederazione 158 voti su 245 ed è così diventata presidente della Confederazione per il 2024.\n\nLe procedure elettorali seguono tradizioni secolari: per le elezioni del Consiglio federale si svolgono tanti scrutini quanti sono necessari. I giudici federali sono normalmente eletti per sei anni. Il generale viene eletto solo in caso di servizio attivo.", "doctrine_it": "# Art. 168 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** La versione attuale dell'art. 168 Cost. è stata creata nel quadro della revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione riunisce in un unico articolo le varie competenze elettorali dell'Assemblea federale, che in precedenza erano sparse in diverse disposizioni costituzionali (FF 1997 I 1, 415). L'elezione dei consiglieri federali era già sancita nella Costituzione federale del 1848 (art. 84 aConst.), così come l'elezione del cancelliere della Confederazione (art. 103 aConst.) e dei giudici federali (art. 107 aConst.). La competenza per l'elezione del generale esisteva dalla revisione costituzionale del 1874 (art. 204 aConst.).\n\n**N. 2** Il messaggio del Consiglio federale sulla nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 sottolinea che con l'art. 168 Cost. non si intendevano apportare modifiche materiali: «La disposizione riunisce le competenze elettorali dell'Assemblea federale oggi sparse» (FF 1997 I 415). L'autorizzazione del cpv. 2 di trasferire ulteriori competenze elettorali mediante legge corrisponde alla prassi precedente e garantisce che l'Assemblea federale possa reagire con flessibilità a nuovi bisogni senza che sia necessaria una modifica costituzionale.\n\n## 2. Sistematica\n\n**N. 3** L'art. 168 Cost. è collocato nella 3ª sezione del 5º capitolo «Assemblea federale» sotto il titolo «Competenze». La norma è strettamente collegata dal punto di vista sistematico con le altre norme di competenza dell'Assemblea federale, in particolare con l'art. 163 Cost. (legislazione), l'art. 166 Cost. (rapporti con l'estero), l'art. 167 Cost. (finanze) e l'art. 169 Cost. (alta vigilanza). La competenza elettorale è, accanto alla legislazione, una delle funzioni centrali del Parlamento ed espressione della sua funzione di legittimazione democratica (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4ª ed. 2023, art. 168 n. 3).\n\n**N. 4** La norma deve essere letta nel contesto della separazione dei poteri (→ art. 144 Cost.) e del principio democratico (→ art. 137 Cost.). Mentre i giudici federali sono eletti direttamente dal Parlamento, l'elezione dei giudici cantonali avviene attraverso altri meccanismi (→ art. 191c Cost.). La competenza elettorale dell'Assemblea federale deve inoltre essere distinta dalla competenza elettorale del popolo per il Consiglio nazionale e il Consiglio degli Stati (→ artt. 149, 150 Cost.) e dalle competenze di nomina del Consiglio federale (→ art. 187 cpv. 1 lett. b Cost.).\n\n## 3. Elementi costitutivi / Contenuto della norma\n\n### 3.1 Capoverso 1: Competenze elettorali obbligatorie\n\n**N. 5** L'Assemblea federale elegge secondo il cpv. 1 quattro categorie di titolari di cariche:\n- I **membri del Consiglio federale**: Tutti e sette i consiglieri federali sono eletti individualmente dall'Assemblea federale plenaria (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, n. 1532).\n- La **cancelliera o il cancelliere della Confederazione**: Come capo di stato maggiore dell'Amministrazione federale e «ottavo membro» del Consiglio federale (art. 179 Cost.).\n- Le **giudici e i giudici del Tribunale federale**: Tutti i giudici federali ordinari e straordinari (→ art. 188 Cost.).\n- Il **generale**: Come comandante in capo dell'esercito in caso di servizio attivo (→ art. 58 cpv. 2 Cost.).\n\n**N. 6** Il termine «elegge» comprende sia la prima elezione che la rielezione. Secondo la prassi dell'Assemblea federale, le elezioni del Consiglio federale avvengono a tempo indeterminato, mentre i giudici federali sono eletti per una durata di carica di sei anni (art. 145 Cost.). L'elezione del generale avviene solo per la durata del servizio attivo (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 2956).\n\n### 3.2 Capoverso 2: Competenze elettorali facoltative\n\n**N. 7** La norma di delega del cpv. 2 consente al legislatore di trasferire all'Assemblea federale ulteriori elezioni o di far confermare elezioni dall'Assemblea federale. La parola «autorizzare» chiarisce che si tratta di una disposizione facoltativa – il legislatore non è obbligato a creare ulteriori competenze elettorali (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 168 n. 8).\n\n**N. 8** Basandosi su questa autorizzazione, il legislatore ha trasferito all'Assemblea federale le seguenti competenze elettorali aggiuntive:\n- Elezione del procuratore generale della Confederazione e dei procuratori generali della Confederazione supplenti (art. 20 cpv. 2 CPP)\n- Elezione dei giudici del Tribunale amministrativo federale (art. 5 LTAF)\n- Elezione dei giudici del Tribunale penale federale (art. 42 LOTPF)\n- Elezione dei giudici del Tribunale federale dei brevetti (art. 9 LTFB)\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Gli atti elettorali dell'Assemblea federale hanno natura costitutiva – solo attraverso l'elezione gli eletti acquisiscono la loro carica. L'elezione avviene attraverso l'Assemblea federale plenaria (entrambe le Camere insieme), per la quale è richiesta la maggioranza assoluta dei voti validi (art. 160 LParl). Gli eletti sono obbligati ad accettare l'elezione, salvo che non si oppongano motivi importanti (art. 162 LParl).\n\n**N. 10** Gli atti elettorali dell'Assemblea federale non sono sottoposti a controllo giudiziario (→ art. 189 cpv. 4 Cost.). Ciò non significa tuttavia che siano svincolati dallo Stato di diritto. Il Parlamento è vincolato nell'esercizio della sua competenza elettorale alla Costituzione, in particolare ai diritti fondamentali (→ art. 35 Cost.) e alle garanzie procedurali (→ art. 29 Cost.). Un parere della Commissione giudiziaria del 28 gennaio 2008 (VPB 2008.26) qualifica le elezioni come atti di applicazione del diritto, il che sottolinea il vincolo ai principi dello Stato di diritto.\n\n**N. 11** La durata della carica e la possibilità di rielezione sono disciplinate diversamente: i consiglieri federali sono eletti a tempo indeterminato e possono lasciare la carica solo attraverso dimissioni o morte. I giudici federali sono eletti per sei anni con la possibilità di rielezione (art. 145 Cost.). La mancata rielezione di un giudice federale equivale di fatto a una destituzione dalla carica e sottostà di conseguenza a severi requisiti procedurali (Müller/Schefer, Grundrechte, 4ª ed. 2008, p. 985).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 12** Nella dottrina è controversa la **natura giuridica degli atti elettorali parlamentari**. Mentre una parte della dottrina li qualifica come atti politici non sottoposti ad alcun vincolo giuridico (così ad esempio Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 168 n. 4), la dottrina più recente sostiene l'opinione che si tratti di atti di applicazione del diritto sottoposti a vincoli dello Stato di diritto (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 31 n. 22; analogamente Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3ª ed. 2018, § 23 n. 45).\n\n**N. 13** È anche discussa controversamente la **portata delle garanzie procedurali** nelle elezioni parlamentari. Mentre è indiscusso che in caso di mancate rielezioni devono valere certe garanzie minime (diritto di essere sentiti, motivazione), è controverso se si applichi l'intero spettro dell'art. 29 Cost. Il Tribunale federale non si è ancora pronunciato definitivamente su questa questione. La prassi della Commissione giudiziaria tende a un'applicazione estensiva delle garanzie procedurali (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, 2014, § 15 n. 124).\n\n**N. 14** Un altro punto controverso riguarda i **criteri per l'elezione dei giudici**. Mentre la rappresentatività politica gioca tradizionalmente un ruolo importante (proporzionalità dei partiti), parti della dottrina richiedono una maggiore ponderazione della qualificazione professionale (Kiener, Die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter, 2001, p. 234 segg.). Il postulato della Commissione giudiziaria 21.3028 «Rafforzamento dell'indipendenza giudiziaria» ha rilanciato questo dibattito. La dottrina dominante riconosce tuttavia che i criteri politici nell'elezione dei giudici sono ammissibili, purché sia garantita l'idoneità professionale (Seiler, Gewaltenteilung, 2ª ed. 2022, p. 445).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** La **preparazione delle elezioni** avviene di regola attraverso commissioni parlamentari. Per le elezioni dei giudici è competente la Commissione giudiziaria (art. 40a LParl), per le elezioni del Consiglio federale la preparazione avviene informalmente attraverso i gruppi parlamentari. Le proposte di elezione devono tenere conto dei requisiti di rappresentanza adeguata delle lingue ufficiali (→ art. 70 Cost.) e delle parti del Paese (→ art. 175 cpv. 4 Cost.).\n\n**N. 16** In caso di **vacanze** devono essere effettuate elezioni sostitutive «senza indugio» (art. 165 LParl). Nella prassi ciò significa di regola nella prossima sessione ordinaria. Per le vacanze nel Consiglio federale si è affermata la prassi che tra l'annuncio delle dimissioni e l'elezione dovrebbero trascorrere almeno tre settimane per consentire un'adeguata ricerca di candidati.\n\n**N. 17** Le **procedure elettorali** seguono tradizioni consolidate: per le elezioni del Consiglio federale si svolgono tanti scrutini quanti necessari finché un candidato raggiunge la maggioranza assoluta. Dal terzo scrutinio viene eliminato ogni volta il candidato con il minor numero di voti. Per le elezioni dei giudici si svolgono di regola elezioni globali, salvo che non siano richieste elezioni individuali (art. 160 cpv. 2 LParl).\n\n**N. 18** Le **incompatibilità** devono essere verificate prima dell'elezione. I membri dell'Assemblea federale non possono essere contemporaneamente consiglieri federali, cancellieri della Confederazione o giudici federali (→ art. 144 Cost.). Ulteriori incompatibilità risultano dalle rispettive leggi di organizzazione. La Commissione giudiziaria verifica sistematicamente nei candidati giudici possibili conflitti di interessi e incompatibilità.", "caselaw_it": "# Art. 168 Cost. — Giurisprudenza\n\n## Capoverso 1: Competenza elettorale dell'Assemblea federale\n\n### Natura giuridica degli atti elettorali parlamentari\n\nLa natura giuridica degli atti elettorali dell'Assemblea federale plenaria non è definitivamente chiarita nella giurisprudenza e nella dottrina. Un parere decisivo della Commissione giudiziaria dell'Assemblea federale plenaria del 28 gennaio 2008 stabilisce che la rielezione rispettivamente la non rielezione di giudici federali devono essere classificate come atti di applicazione del diritto. Il parere chiarisce:\n\n> «La natura giuridica dell'elezione dei giudici da parte dell'Assemblea federale plenaria non è chiarita nella dottrina e nella giurisprudenza. Vi sono tuttavia indizi significativi per qualificare i corrispondenti atti come atti di applicazione del diritto. [...] Poiché si tratta nell'elezione e a maggior ragione nella rielezione rispettivamente non rielezione sostanzialmente di un atto di applicazione del diritto, nel procedimento davanti alla Commissione giudiziaria rispettivamente davanti all'Assemblea federale plenaria sono determinanti in particolare le garanzie procedurali dei diritti fondamentali dell'art. 29 Cost.»\n\nLa rilevanza pratica di questa qualificazione consiste nel fatto che gli atti elettorali parlamentari sottostanno alle garanzie procedurali costituzionali.\n\n### Elezione dei giudici federali\n\n**VPB 2008.26** (2008-09-03)\nData: 3 settembre 2008\nAffermazione centrale: Le garanzie procedurali nella non rielezione di giudici federali corrispondono a quelle del procedimento di destituzione.\nRilevanza: Chiarimento fondamentale delle esigenze procedurali nelle elezioni parlamentari di giudici.\n\nIl parere tratta dettagliatamente le esigenze procedurali nell'elezione di rinnovo di giudici della Confederazione:\n\n> «Una non rielezione è paragonabile nell'effetto a una destituzione e come questa giuridicamente ambivalente sotto il profilo dello Stato di diritto. Il procedimento di elezione di rinnovo con un'eventuale non rielezione deve quindi essere equiparato il più strettamente possibile al procedimento di destituzione.»\n\n### Aspetti di diritto processuale\n\n**RR.2021.116** (2022-09-14)\nData: 14 settembre 2022\nAffermazione centrale: La Commissione amministrativa del Tribunale amministrativo federale è competente per le decisioni sul rapporto di lavoro dei giudici.\nRilevanza: Delimitazione delle competenze tra livello parlamentare e amministrazione giudiziaria.\n\nIl Tribunale penale federale stabilisce:\n\n> «Secondo l'art. 18 cpv. 4 lett. b della Legge federale sul Tribunale amministrativo federale (Legge sul Tribunale amministrativo federale, LTAF; RS 173.32), la Commissione amministrativa del Tribunale amministrativo federale è competente per l'emanazione di decisioni sul rapporto di lavoro dei giudici, nella misura in cui la legge non designa un'altra autorità come competente.»\n\n### Procedimento elettorale del Consiglio federale\n\nL'elezione del Consiglio federale da parte dell'Assemblea federale plenaria avviene secondo procedimenti tradizionalmente stabiliti. I verbali storici mostrano l'esecuzione pratica:\n\n**20012202** (1983-12-07)\nData: 7 dicembre 1983\nAffermazione centrale: Documentazione dell'elezione del presidente della Confederazione per il 1984 con conteggio dettagliato dei voti.\nRilevanza: Esempio per l'esecuzione pratica di elezioni secondo l'art. 168 cpv. 1 Cost.\n\n> «Es wird gewählt / Est élu Herr Bundesrat Schlumpt mit 187 Stimmen (Beifall) Ferner haben Stimmen erhalten / Ont obtenu des voix: Herr Stich 15»\n\n### Elezione del cancelliere della Confederazione\n\nL'elezione del cancelliere della Confederazione come ulteriore competenza dell'Assemblea federale secondo l'art. 168 cpv. 1 Cost. è meno documentata dal punto di vista procedurale, ma avviene secondo gli stessi principi di altre elezioni parlamentari.\n\n### Elezione del generale\n\nL'elezione del generale rappresenta una competenza particolare dell'Assemblea federale, che diventa rilevante solo in caso di servizio attivo. Una corrispondente giurisprudenza naturalmente non è quasi presente.\n\n## Capoverso 2: Autorizzazione per ulteriori elezioni\n\n### Autorizzazioni legali\n\nL'art. 168 cpv. 2 Cost. autorizza la legge a trasferire o confermare ulteriori elezioni all'Assemblea federale. Questa disposizione trova applicazione pratica in diversi ambiti:\n\n**A-3612/2019** (2019-07-29)\nData: 29 luglio 2019\nAffermazione centrale: Il Ministero pubblico della Confederazione sottosta all'elezione da parte dell'Assemblea federale plenaria secondo autorizzazione legale.\nRilevanza: Applicazione concreta dell'art. 168 cpv. 2 Cost. per elezioni al di fuori degli uffici esplicitamente menzionati.\n\nIl Tribunale amministrativo federale espone:\n\n> «Un'eccezione per quanto riguarda l'ambito giuridico non sussiste (art. 32 LTAF e contrario). Inoltre il ricorso contro decisioni del MP-MPC nel settore dei membri del Ministero pubblico della Confederazione eletti dall'Assemblea federale plenaria, tra cui rientra il procuratore generale della Confederazione (art. 20 cpv. 1 CPP), è ammissibile.»\n\n### Ulteriori competenze elettorali\n\nBasandosi sull'art. 168 cpv. 2 Cost., la legislazione ha trasferito all'Assemblea federale competenze elettorali supplementari, in particolare:\n\n- Elezione dei membri del Ministero pubblico della Confederazione\n- Elezione di giudici dei tribunali federali di prima istanza\n- Conferma di ulteriori titolari di funzioni secondo disposizioni di leggi speciali\n\n### Principi di diritto processuale\n\nIl già citato parere VPB 2008.26 stabilisce che per tutte le elezioni secondo l'art. 168 Cost. valgono gli stessi principi dello Stato di diritto:\n\n> «Le prescrizioni determinanti per il procedimento della Commissione giudiziaria si trovano nella Legge sul Parlamento. Come organi statali, l'Assemblea federale e la Commissione giudiziaria sono vincolate ai diritti fondamentali e devono osservare nel procedimento di destituzione le garanzie procedurali generali e le garanzie materiali dei diritti fondamentali della Costituzione.»\n\n## Ulteriore giurisprudenza rilevante\n\n### Procedimento elettorale e legittimazione democratica\n\n**DTF 140 I 394** (2014-01-01)\nData: 1° gennaio 2014\nAffermazione centrale: Il principio dell'uguaglianza del diritto di voto derivante dall'art. 34 Cost. deve essere continuamente sviluppato dalla garanzia costituzionale.\nRilevanza: Esigenze fondamentali per i procedimenti elettorali, rilevanti anche per le elezioni parlamentari.\n\n> «Il principio dell'uguaglianza del diritto di voto che deriva dall'art. 34 Cost. si è sviluppato dalla garanzia della costituzione del Cantone di Appenzello Esterno da parte dell'Assemblea federale nell'anno 1996. A questo sviluppo occorre tener conto.»\n\n### Immunità parlamentare nel contesto elettorale\n\n**JAAC 69.2** (2003-12-19)\nData: 19 dicembre 2003\nAffermazione centrale: Le regole sull'immunità della Legge sul Parlamento si applicano a tutte le attività parlamentari.\nRilevanza: Quadro giuridico per l'esercizio delle competenze elettorali parlamentari.\n\n> «L'art. 16 LParl ripete la disciplina dell'art. 162 cpv. 1 Cost. sull'immunità assoluta. Prima dell'entrata in vigore della Legge sul Parlamento, le disciplina dell'immunità relativa (privilegi del perseguimento penale) si trovavano da un lato nella Legge federale del 26 marzo 1934 sulle garanzie politiche e di polizia.»\n\n### Meccanismi di controllo\n\nLa giurisprudenza mostra che gli atti elettorali parlamentari sono fondamentalmente sottratti al controllo giudiziario (art. 189 cpv. 4 Cost.), tuttavia devono sottostare alle garanzie procedurali costituzionali. Ciò crea un campo di tensione tra legittimazione democratica ed esigenze dello Stato di diritto, che nella pratica viene risolto attraverso procedimenti trasparenti e configurazione costituzionalmente conforme dei processi elettorali.", "summary_en": "# Art. 168 FC — Overview\n\nArt. 168 FC regulates one of the most important tasks of Parliament: the election of the highest federal officials. The Federal Assembly (National Council and Council of States together) elects four groups of persons: all seven Federal Councillors, the Federal Chancellor, all judges of the Federal Supreme Court, and the General of the Army.\n\nThis electoral power makes Parliament the democratic link between the people and the highest state organs. While the people elect the members of Parliament, Parliament in turn elects the government and the highest judges. Additionally, the law may confer further electoral tasks on Parliament.\n\n**Persons affected**: All candidates for the aforementioned offices as well as already elected office holders in re-elections. The electorate consists of the 246 members of both parliamentary chambers.\n\n**Legal consequences**: The election has constitutive effect (it establishes the office). Elected persons must in principle accept the office. The election requires an absolute majority of valid votes. Parliament's electoral acts cannot be challenged before the courts, but must comply with rule-of-law principles.\n\n**Practical example**: In the 2024 Federal Presidential election, all seven Federal Councillors stood for re-election. Parliament elected them individually by secret ballot. Viola Amherd received 158 of 245 votes for the Federal Presidency and thus became Federal President for 2024.\n\nThe electoral procedures follow centuries-old traditions: For Federal Council elections, there are as many rounds of voting as necessary. Federal judges are normally elected for six years. The General is only elected when on active service.", "doctrine_en": "# Art. 168 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Legislative history\n\n**N. 1** The current version of Art. 168 Cst. was created as part of the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision consolidates the various election competences of the Federal Assembly, which were previously scattered across different constitutional provisions, into a single article (BBl 1997 I 1, 415). The election of Federal Councillors was already enshrined in the Federal Constitution of 1848 (Art. 84 old Cst.), as were the election of the Federal Chancellor (Art. 103 old Cst.) and federal judges (Art. 107 old Cst.). The competence for the election of a general existed since the constitutional revision of 1874 (Art. 204 old Cst.).\n\n**N. 2** The Federal Council's message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 emphasises that Art. 168 Cst. was not intended to bring about material changes: «The provision consolidates the currently scattered election powers of the Federal Assembly» (BBl 1997 I 415). The authorization in para. 2 to transfer additional election competences by law corresponds to existing practice and ensures that the Federal Assembly can respond flexibly to new needs without requiring a constitutional amendment.\n\n## 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 168 Cst. is placed in the 3rd section of the 5th chapter «Federal Assembly» under the title «Powers». The norm is closely systematically connected to the other competence norms of the Federal Assembly, particularly with Art. 163 Cst. (legislation), Art. 166 Cst. (foreign relations), Art. 167 Cst. (finances) and Art. 169 Cst. (high-level supervision). Election competence is, alongside legislation, one of the central functions of parliament and an expression of its democratic legitimation function (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, SGK BV, 4th ed. 2023, Art. 168 N. 3).\n\n**N. 4** The norm must be read in the context of the separation of powers (→ Art. 144 Cst.) and the principle of democracy (→ Art. 137 Cst.). While federal judges are elected directly by parliament, cantonal judges are elected through other mechanisms (→ Art. 191c Cst.). The election competence of the Federal Assembly must also be distinguished from the people's election competence for the National Council and Council of States (→ Art. 149, 150 Cst.) as well as from the Federal Council's appointment competences (→ Art. 187 para. 1 lit. b Cst.).\n\n## 3. Elements of the provision / Content of the norm\n\n### 3.1 Paragraph 1: Mandatory election competences\n\n**N. 5** According to para. 1, the Federal Assembly elects four categories of office holders:\n- The **members of the Federal Council**: All seven Federal Councillors are elected individually by the United Federal Assembly (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1532).\n- The **Federal Chancellor**: As chief of staff of the federal administration and «eighth member» of the Federal Council (Art. 179 Cst.).\n- The **judges of the Federal Supreme Court**: All ordinary and part-time federal judges (→ Art. 188 Cst.).\n- The **General**: As commander-in-chief of the army in case of active service (→ Art. 58 para. 2 Cst.).\n\n**N. 6** The term «elects» encompasses both initial election and re-election. According to the practice of the Federal Assembly, Federal Council elections are for an indefinite period, while federal judges are elected for a term of six years (Art. 145 Cst.). The election of a general occurs only for the duration of active service (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 2956).\n\n### 3.2 Paragraph 2: Optional election competences\n\n**N. 7** The delegation norm in para. 2 enables the legislator to transfer additional elections to the Federal Assembly or to have elections confirmed by the Federal Assembly. The word «authorise» makes clear that this is a discretionary provision – the legislator is not obliged to create additional election competences (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 168 N. 8).\n\n**N. 8** Based on this authorization, the legislator has transferred the following additional election competences to the Federal Assembly:\n- Election of the Attorney General and deputy attorneys general (Art. 20 para. 2 CCP)\n- Election of judges of the Federal Administrative Court (Art. 5 ACPA)\n- Election of judges of the Federal Criminal Court (Art. 42 CCJA)\n- Election of judges of the Federal Patent Court (Art. 9 PatCA)\n\n## 4. Legal consequences\n\n**N. 9** The election acts of the Federal Assembly are of a constitutive nature – only through election do the elected persons acquire their office. Election takes place by the United Federal Assembly (both chambers together), whereby an absolute majority of valid votes is required for election (Art. 160 ParlA). The elected persons are obliged to accept the election unless important reasons stand in the way (Art. 162 ParlA).\n\n**N. 10** The election acts of the Federal Assembly are not subject to judicial review (→ Art. 189 para. 4 Cst.). This does not mean, however, that they are unbound by the rule of law. Parliament is bound by the constitution when exercising its election competence, particularly by fundamental rights (→ Art. 35 Cst.) and procedural guarantees (→ Art. 29 Cst.). An opinion by the Judicial Committee of 28 January 2008 (VPB 2008.26) qualifies elections as acts of applying law, which underscores the binding nature of rule-of-law principles.\n\n**N. 11** The term of office and the possibility of re-election are regulated differently: Federal Councillors are elected for an indefinite period and can only leave office through resignation or death. Federal judges are elected for six years with the possibility of re-election (Art. 145 Cst.). Non-re-election of a federal judge is factually equivalent to removal from office and is accordingly subject to strict procedural requirements (Müller/Schefer, Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 985).\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 12** In legal doctrine, the **legal nature of parliamentary election acts** is disputed. While part of the doctrine qualifies them as political acts that are not subject to legal constraints (such as Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 168 N. 4), more recent doctrine takes the view that they are acts of applying law that are subject to rule-of-law constraints (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 31 N. 22; likewise Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3rd ed. 2018, § 23 N. 45).\n\n**N. 13** The **scope of procedural guarantees** in parliamentary elections is also controversially discussed. While it is undisputed that certain minimum guarantees must apply in cases of non-re-election (right to be heard, reasoning), it is disputed whether the full spectrum of Art. 29 Cst. applies. The Federal Supreme Court has not yet made a final pronouncement on this question. The practice of the Judicial Committee tends towards an extensive application of procedural guarantees (Graf/Theler/von Wyss, Parlamentsrecht, 2014, § 15 N. 124).\n\n**N. 14** Another point of contention concerns the **criteria for judicial election**. While political representativeness traditionally plays an important role (party proportionality), parts of the doctrine demand greater weighting of professional qualification (Kiener, Die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter, 2001, pp. 234 ff.). The postulate of the Judicial Committee 21.3028 «Strengthening judicial independence» has relaunched this debate. The prevailing doctrine recognises, however, that political criteria in judicial election are permissible as long as professional suitability is ensured (Seiler, Gewaltenteilung, 2nd ed. 2022, p. 445).\n\n## 6. Practical guidance\n\n**N. 15** The **preparation of elections** is usually carried out by parliamentary committees. The Judicial Committee is responsible for judicial elections (Art. 40a ParlA), while preparation for Federal Council elections occurs informally through the parliamentary groups. Election proposals must take account of the requirements for appropriate representation of official languages (→ Art. 70 Cst.) and regions (→ Art. 175 para. 4 Cst.).\n\n**N. 16** In case of **vacancies**, replacement elections must be held «without delay» (Art. 165 ParlA). In practice, this usually means at the next ordinary session. For Federal Council vacancies, the practice has been established that at least three weeks should elapse between resignation announcement and election to allow for appropriate candidate search.\n\n**N. 17** The **election procedures** follow established traditions: For Federal Council elections, as many ballots as necessary are held until a candidate achieves an absolute majority. From the third ballot onwards, the candidate with the fewest votes is eliminated. For judicial elections, global elections usually take place unless individual elections are requested (Art. 160 para. 2 ParlA).\n\n**N. 18** **Incompatibilities** must be examined before election. Members of the Federal Assembly cannot simultaneously be Federal Councillors, Federal Chancellors or federal judges (→ Art. 144 Cst.). Further incompatibilities arise from the respective organizational acts. The Judicial Committee systematically examines possible conflicts of interest and incompatibilities in judicial candidates.", "caselaw_en": "# Art. 168 Federal Constitution — Case Law\n\n## Paragraph 1: Electoral Jurisdiction of the Federal Assembly\n\n### Legal Nature of Parliamentary Electoral Acts\n\nThe legal nature of electoral acts by the United Federal Assembly is not definitively clarified in case law and doctrine. A landmark opinion by the Judicial Commission of the United Federal Assembly of 28 January 2008 establishes that the re-election or non-re-election of federal judges are to be classified as acts of legal application. The opinion clarifies:\n\n> «The legal nature of the election of judges by the United Federal Assembly is not clarified in doctrine and case law. However, there are significant indications for qualifying corresponding acts as acts of legal application. [...] Because the election and especially the re-election or non-re-election constitutes in substance an act of legal application, the fundamental procedural guarantees of Art. 29 Federal Constitution are decisive in proceedings before the Judicial Commission and before the United Federal Assembly.»\n\nThe practical relevance of this qualification lies in the fact that parliamentary electoral acts are subject to constitutional procedural guarantees.\n\n### Election of Federal Judges\n\n**VPB 2008.26** (2008-09-03)\nDate: 3 September 2008\nKey Finding: Procedural guarantees for the non-re-election of federal judges correspond to those of removal proceedings.\nRelevance: Fundamental clarification of procedural requirements for parliamentary judicial elections.\n\nThe opinion deals extensively with procedural requirements for renewal elections of federal judges:\n\n> «A non-re-election is comparable in effect to a removal from office and like the latter is ambivalent under the rule of law. The renewal election procedure with a possible non-re-election must therefore be aligned as closely as possible with removal proceedings.»\n\n### Procedural Law Aspects\n\n**RR.2021.116** (2022-09-14)\nDate: 14 September 2022\nKey Finding: The Administrative Commission of the Federal Administrative Court has jurisdiction for rulings on the employment relationship of judges.\nRelevance: Delineation of jurisdictions between parliamentary level and court administration.\n\nThe Federal Criminal Court establishes:\n\n> «According to Art. 18 para. 4 lit. b of the Federal Act on the Federal Administrative Court (Administrative Court Act, VGG; SR 173.32), the Administrative Commission of the Federal Administrative Court has jurisdiction for issuing rulings on the employment relationship of judges, insofar as the law does not designate another authority as competent.»\n\n### Federal Council Election Procedure\n\nThe election of the Federal Council by the United Federal Assembly takes place in traditionally established procedures. Historical protocols show the practical implementation:\n\n**20012202** (1983-12-07)\nDate: 7 December 1983\nKey Finding: Documentation of the Federal President election for 1984 with detailed vote counting.\nRelevance: Example of the practical implementation of elections according to Art. 168 para. 1 Federal Constitution.\n\n> «Es wird gewählt / Est élu Herr Bundesrat Schlumpt mit 187 Stimmen (Beifall) Ferner haben Stimmen erhalten / Ont obtenu des voix: Herr Stich 15»\n\n### Election of the Federal Chancellor\n\nThe Federal Chancellor election as another jurisdiction of the Federal Assembly under Art. 168 para. 1 Federal Constitution is less documented procedurally, but follows the same principles as other parliamentary elections.\n\n### Election of the General\n\nThe election of the General represents a special jurisdiction of the Federal Assembly that only becomes relevant in case of active service. Corresponding case law is naturally scarce.\n\n## Paragraph 2: Authorisation for Further Elections\n\n### Legal Authorisations\n\nArt. 168 para. 2 Federal Constitution authorises the law to transfer or confirm further elections to the Federal Assembly. This provision finds practical application in various areas:\n\n**A-3612/2019** (2019-07-29)\nDate: 29 July 2019\nKey Finding: The Federal Prosecutor's Office is subject to election by the United Federal Assembly according to legal authorisation.\nRelevance: Concrete application of Art. 168 para. 2 Federal Constitution for elections outside the explicitly mentioned offices.\n\nThe Federal Administrative Court states:\n\n> «An exception regarding the area of law does not exist (Art. 32 VGG e contrario). Furthermore, the appeal against rulings of the AB-BA in the area of members of the Federal Prosecutor's Office elected by the United Federal Assembly, which includes the Federal Prosecutor (Art. 20 para. 1 StPO), is admissible.»\n\n### Further Electoral Jurisdictions\n\nBased on Art. 168 para. 2 Federal Constitution, legislation has transferred additional electoral competencies to the Federal Assembly, in particular:\n\n- Election of members of the Federal Prosecutor's Office\n- Election of judges of first-instance federal courts\n- Confirmation of further office holders according to special legal provisions\n\n### Procedural Law Principles\n\nThe already mentioned opinion VPB 2008.26 establishes that the same rule of law principles apply to all elections under Art. 168 Federal Constitution:\n\n> «The provisions governing the procedure of the Judicial Commission are found in the Parliament Act. As state organs, the Federal Assembly and the Judicial Commission are bound by fundamental rights and must observe the general procedural guarantees and the material fundamental rights guarantees of the Constitution in removal proceedings.»\n\n## Further Relevant Case Law\n\n### Electoral Procedures and Democratic Legitimation\n\n**BGE 140 I 394** (2014-01-01)\nDate: 1 January 2014\nKey Finding: The principle of electoral equality from Art. 34 Federal Constitution is to be continuously developed since the constitutional guarantee.\nRelevance: Fundamental requirements for electoral procedures that are also relevant for parliamentary elections.\n\n> «The principle of electoral equality flowing from Art. 34 Federal Constitution has been further developed since the guarantee of the Constitution of the Canton of Appenzell A.Rh. by the Federal Assembly in 1996. This development must be taken into account.»\n\n### Parliamentary Immunity in Electoral Context\n\n**JAAC 69.2** (2003-12-19)\nDate: 19 December 2003\nKey Finding: The immunity rules of the Parliament Act apply to all parliamentary activities.\nRelevance: Legal framework for the exercise of parliamentary electoral powers.\n\n> «Art. 16 ParlG repeats the regulation of Art. 162 para. 1 Federal Constitution on absolute immunity. Before the Parliament Act came into force, the regulations on relative immunity (criminal prosecution privileges) were found on the one hand in the Federal Act of 26 March 1934 on political and police guarantees.»\n\n### Control Mechanisms\n\nCase law shows that parliamentary electoral acts are generally withdrawn from judicial control (Art. 189 para. 4 Federal Constitution), but must be subject to constitutional procedural guarantees. This creates a field of tension between democratic legitimation and rule of law requirements, which is resolved in practice through transparent procedures and constitutionally compliant design of electoral processes.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_168", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 169, "article_suffix": "", "title": "Oberaufsicht", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 169 BV - Oberaufsicht der Bundesversammlung\n\n## Übersicht\n\nArt. 169 BV gibt der Bundesversammlung (also beiden Kammern des Schweizer Parlaments) das Recht zur Oberaufsicht über alle wichtigen Bundesbehörden. Die Oberaufsicht ist eine nachträgliche politische Kontrolle, aber kein Rechtsmittel.\n\n**Was wird kontrolliert?** Das Parlament überwacht den Bundesrat, die gesamte Bundesverwaltung, die eidgenössischen Gerichte und andere Träger von Bundesaufgaben wie die SBB oder die Post. Die Kontrolle prüft, ob diese Behörden rechtmässig, zweckmässig und wirtschaftlich handeln.\n\n**Wer führt die Kontrolle durch?** Die Oberaufsicht erfolgt hauptsächlich durch die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) beider Kammern. Bei besonderen Problemen können parlamentarische Untersuchungskommissionen (PUK) eingesetzt werden. Diese haben ein absolutes Informationsrecht - ihnen dürfen keine Geheimnisse vorenthalten werden, auch nicht das Amtsgeheimnis oder Staatsschutzgeheimnisse.\n\n**Welche Folgen hat die Kontrolle?** Die parlamentarische Oberaufsicht kann keine direkten rechtlichen Anordnungen treffen. Ihre Macht liegt in der politischen Wirkung: Sie kann Berichte veröffentlichen, Empfehlungen aussprechen oder die Genehmigung der Geschäftsführung verweigern. Dies erzeugt öffentlichen Druck auf die kontrollierten Behörden.\n\n**Praktisches Beispiel:** Wenn Bürgerinnen und Bürger Missstände in einem Bundesamt vermuten, können sie sich an die GPK wenden. Diese kann eine Untersuchung durchführen, alle relevanten Dokumente einsehen und einen Bericht erstellen. Falls Probleme bestätigt werden, kann das Parlament politische Konsequenzen ziehen oder Verbesserungen verlangen.\n\nDie Oberaufsicht ergänzt andere Kontrollmechanismen wie Gerichtsverfahren oder Beschwerden. Sie ist besonders wichtig für die demokratische Kontrolle der Regierung durch das Volk.\n", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die parlamentarische Oberaufsicht erhielt mit der Bundesverfassung von 1999 eine neue verfassungsrechtliche Grundlage. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1, 385) betonte den Wandel der Oberaufsicht von einer blossen «Finanzkontrolle» zu einer umfassenden «Verwaltungskontrolle». Die neue Verfassung sollte die bereits in der Praxis etablierte Entwicklung nachvollziehen, wonach sich die parlamentarische Oberaufsicht nicht mehr auf die Prüfung der Staatsrechnung beschränkt, sondern die gesamte Geschäftsführung von Bundesrat und Verwaltung umfasst.\n\n**N. 2** Besonders bedeutsam war die Aufnahme von Abs. 2, der den besonderen Delegationen der Aufsichtskommissionen ein absolutes Informationsrecht einräumt. Diese Neuerung ging auf die Erfahrungen mit verschiedenen parlamentarischen Untersuchungskommissionen zurück (PUK Mirage, PUK EMD, GPK-Arbeitsgruppe EFK), bei denen Informationszugangsprobleme aufgetreten waren (BBl 1997 I 385 f.). Der Verfassungsgeber wollte sicherstellen, dass die parlamentarische Oberaufsicht ihre Kontrollfunktion ohne Behinderung durch Geheimhaltungsvorschriften ausüben kann.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 169 BV steht im 2. Titel «Zuständigkeiten des Bundes» unter dem 5. Kapitel «Bundesversammlung» im 3. Abschnitt «Zuständigkeiten». Die Oberaufsicht ist eine der zentralen Kompetenzen der Bundesversammlung neben der Gesetzgebung (→ Art. 163 BV), der Finanzkompetenz (→ Art. 167 BV) und den Wahlen (→ Art. 168 BV). Sie ergänzt die Mitwirkung an der Gestaltung der Politik (→ Art. 166 BV) durch eine nachträgliche Kontrollfunktion.\n\n**N. 4** Die Oberaufsicht ist von der unmittelbaren Aufsicht zu unterscheiden, welche die hierarchische Dienstaufsicht innerhalb der Verwaltung sowie die fachaufsichtsrechtliche Kontrolle durch Gerichte umfasst. Während diese operative Kontrollmechanismen auf die Rechtmässigkeit und Zweckmässigkeit im Einzelfall zielen, nimmt die parlamentarische Oberaufsicht eine politische Gesamtbeurteilung vor (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 147; Müller, Schweizerisches Parlamentsrecht, 2022, N. 892).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Oberaufsicht**: Der Begriff bezeichnet eine nachträgliche, nicht weisungsberechtigte Kontrolle. Die Oberaufsicht berechtigt nicht zum Eingriff in laufende Verwaltungsverfahren oder zur Aufhebung von Verwaltungsakten. Sie umfasst die Prüfung der Rechtmässigkeit, Zweckmässigkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der staatlichen Tätigkeit (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 169 N. 3; Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 169 N. 8).\n\n**N. 6** **Kontrollobjekte**: Die Oberaufsicht erstreckt sich auf vier Kategorien von Kontrollobjekten: (1) den Bundesrat als Kollegialbehörde und seine einzelnen Mitglieder in ihrer amtlichen Funktion; (2) die Bundesverwaltung einschliesslich der dezentralisierten Verwaltungseinheiten; (3) die eidgenössischen Gerichte hinsichtlich ihrer Verwaltungstätigkeit, nicht aber ihrer Rechtsprechung; (4) andere Träger von Aufgaben des Bundes wie öffentliche Unternehmen mit Bundesaufgaben (Müller/Feller, in: BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 169 N. 15-20).\n\n**N. 7** **Besondere Delegationen**: Abs. 2 gewährt nur den «besonderen Delegationen» der Aufsichtskommissionen ein absolutes Informationsrecht. Darunter fallen die Geschäftsprüfungsdelegation (Art. 53 ParlG), die Finanzdelegation (Art. 51 ParlG) und parlamentarische Untersuchungskommissionen (Art. 163 ff. ParlG). Nicht erfasst sind die ordentlichen Aufsichtskommissionen selbst oder andere parlamentarische Kommissionen (Sägesser, Das Parlamentsgesetz, 2003, Art. 169 N. 4).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die parlamentarische Oberaufsicht führt nicht zu rechtsverbindlichen Anordnungen. Ihre Instrumente sind politischer Natur: Berichte, Empfehlungen, parlamentarische Vorstösse und als ultima ratio die Verweigerung der Genehmigung der Geschäftsführung. Die Wirksamkeit beruht auf dem politischen Druck und der Öffentlichkeitswirkung (Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, Art. 169 N. 22).\n\n**N. 9** Das absolute Informationsrecht nach Abs. 2 durchbricht sämtliche Geheimhaltungspflichten einschliesslich des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB), des Steuergeheimnisses, des Bankgeheimnisses und selbst der nachrichtendienstlichen Staatsschutzgeheimnisse. Einzig der Kernbereich der richterlichen Unabhängigkeit bei der Entscheidfindung bleibt geschützt (Müller/Feller, in: BSK BV, Art. 169 N. 28; a.M. Kiener/Krüsi, in: Berner Kommentar BV, Art. 169 N. 45, die auch Anwalts- und Arztgeheimnis als Schranken sehen).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 10** **Reichweite der Oberaufsicht über die Justiz**: Umstritten ist, wie weit die parlamentarische Oberaufsicht in die Justizverwaltung eingreifen darf. Müller/Feller (BSK BV, Art. 169 N. 19) vertreten eine enge Auslegung, die nur die reine Verwaltungstätigkeit erfasst. Lienhard (St. Galler Kommentar, Art. 169 N. 17) plädiert für eine weitere Auslegung, die auch die Geschäftsführung in Bezug auf Verfahrensdauern und Pendenzenmanagement einschliesst, soweit die richterliche Unabhängigkeit gewahrt bleibt.\n\n**N. 11** **Präventive Oberaufsicht**: Kontrovers ist, ob die Oberaufsicht rein retrospektiv ist oder auch präventive Elemente umfassen kann. Die traditionelle Lehre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1684) betont den nachträglichen Charakter. Neuere Stimmen (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 152; Biaggini, BV Kommentar, Art. 169 N. 7) anerkennen auch prospektive Elemente wie die Begleitung von Grossprojekten.\n\n**N. 12** **Grenzen des Informationsrechts**: Während die herrschende Lehre von einem absoluten Informationsrecht der besonderen Delegationen ausgeht, sehen einzelne Autoren Grenzen beim Kernbereich privater Geheimnisse. Kiener/Krüsi (Berner Kommentar, Art. 169 N. 45 f.) argumentieren, dass Berufsgeheimnisse Dritter (Anwalt, Arzt) auch gegenüber parlamentarischen Untersuchungskommissionen geschützt bleiben müssten. Die Mehrheit der Lehre und die Praxis lehnen solche Einschränkungen ab (Lienhard, St. Galler Kommentar, Art. 169 N. 26; Müller, Parlamentsrecht, N. 945).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Die parlamentarische Oberaufsicht ist kein Rechtsmittel für Einzelpersonen. Eingaben an die Geschäftsprüfungskommissionen begründen keinen Anspruch auf Behandlung oder gar auf eine bestimmte Intervention. Die Kommissionen entscheiden autonom über ihre Schwerpunkte (↔ Art. 26 Abs. 3 ParlG).\n\n**N. 14** Bei Konflikten zwischen verschiedenen Aufsichtsformen gilt der Grundsatz der Aufsichtspluralität: Die parlamentarische Oberaufsicht besteht neben der verwaltungsinternen Aufsicht, der gerichtlichen Kontrolle und weiteren Aufsichtsmechanismen. Eine Koordination erfolgt informell durch Informationsaustausch, wobei die parlamentarische Oberaufsicht subsidiär ansetzt, wo andere Kontrollmechanismen Lücken aufweisen (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3654).\n\n**N. 15** Für die Praxis besonders relevant ist die Schnittstelle zur Medienberichterstattung. Während die ordentlichen Kommissionssitzungen vertraulich sind, können die Kommissionen über ihre Feststellungen öffentlich berichten. Dies macht die parlamentarische Oberaufsicht zu einem wichtigen Instrument der demokratischen Kontrolle und Transparenz (→ Art. 16 BV).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 169 BV behandelt vorwiegend die Abgrenzung der parlamentarischen Oberaufsicht zu anderen staatlichen Kontrollfunktionen sowie deren Grenzen und verfahrensrechtliche Besonderheiten.\n\n### Wesen und Grenzen der parlamentarischen Oberaufsicht\n\n**BGE 141 I 172** vom 24.8.2015  \nParlamentarische Oberaufsicht und Rechtsweggarantie  \nGrundlegende Klarstellung über den überwiegend politischen Charakter der parlamentarischen Oberaufsicht gemäss Art. 169 BV.\n\n> «Die haute surveillance parlementaire sur l'activité gouvernementale consiste essentiellement à vérifier que le pouvoir exécutif et l'administration agissent conformément au droit, qu'ils se servent à cette fin de moyens rationnels, appropriés, efficaces, économiques, qu'ils font un bon usage de leur pouvoir d'appréciation et que ces tâches produisent des résultats satisfaisants du point de vue politique. [...] L'exercice de la haute surveillance parlementaire se limite par ailleurs à identifier la responsabilité collective de l'exécutif, voire d'une unité administrative par rapport aux éventuels dysfonctionnements de l'Etat; cette activité ne consiste donc pas à rechercher des chefs fondant la responsabilité de l'Etat ou encore la responsabilité civile, pénale ou administrative des individus.»\n\n**BGE 108 IA 275** vom 17.9.1982  \nGeschäftsprüfungskommission und Informationsfreiheit  \nBestätigung der besonderen Stellung von Geschäftsprüfungskommissionen bei der Kontrolle der Verwaltung.\n\n> «Das in Art. 22 GRN (SR 171.13) statuierte \"Sitzungsgeheimnis\" ist keine Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit im Sinne von Art. 10 Ziff. 2 EMRK, denn die in Art. 10 Ziff. 1 EMRK enthaltene Informationsfreiheit gewährleistet nur die aktive Erschliessung allgemein zugänglicher Quellen, zu denen die dem \"Sitzungsgeheimnis\" unterstellten Verhandlungen der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates sowie deren Gegenstand bildende \"vertrauliche\" Berichte nicht gehören.»\n\n### Oberaufsicht über die Strafverfolgung\n\n**Urteil AU.2007.1** des Bundesstrafgerichts vom 24.10.2007  \nOberaufsicht über die Bundesanwaltschaft  \nKlärung der Zuständigkeitsabgrenzung zwischen fachlicher Aufsicht der Gerichte und parlamentarischer Oberaufsicht.\n\nDas Urteil bestätigte die Kompetenz der Geschäftsprüfungskommissionen zur Oberaufsicht über die Bundesanwaltschaft im Rahmen von Art. 169 BV, auch wenn gleichzeitig eine fachliche Aufsicht durch das Bundesstrafgericht besteht.\n\n**Urteil AU.2007.1_A** des Bundesstrafgerichts vom 18.12.2007  \nInformation der GPK über Verfahrensakten  \nKonkretisierung der Informationsrechte parlamentarischer Aufsichtsorgane.\n\n> «Die Bundesversammlung übt die Oberaufsicht aus über den Bundesrat und die Bundesverwaltung, die eidgenössischen Gerichte und die anderen Träger von Aufgaben des Bundes (Art. 169 Abs. 1 BV). [...] Den vom Gesetz vorgesehenen besonderen Delegationen von Aufsichtskommissionen können keine Geheimhaltungspflichten entgegengehalten werden.»\n\n### Verfahrensrechtliche Aspekte\n\n**BGE 136 II 380** vom 8.4.2010  \nAdministrative Aufsicht und parlamentarische Oberaufsicht  \nAbgrenzung zwischen verschiedenen Aufsichtsformen bei Gerichten.\n\n> «Dass auch Letzteres Prüfungsgegenstand der administrativen Aufsicht ist, ergibt sich schon daraus, dass dies beim Bundesgericht von der parlamentarischen Oberaufsicht nicht erfasst wird.»\n\n**Urteil VB.2021.00416** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 20.9.2021  \nÖffentlichkeitsprinzip und parlamentarische Aufsicht  \nAktuelle Rechtsprechung zur Transparenz parlamentarischer Aufsichtstätigkeit auf kantonaler Ebene.\n\nDas Urteil behandelt den Zugang zu Informationen über parlamentarische Aufsichtstätigkeit und bestätigt die grundsätzliche Anwendbarkeit des Öffentlichkeitsprinzips, unter Vorbehalt spezifischer Geheimhaltungsinteressen.\n\n### Oberaufsicht auf kantonaler Ebene\n\n**Entscheid AN.2014.00001** des Verwaltungsgerichts Zürich vom 7.5.2014  \nKommunale parlamentarische Oberaufsicht  \nAnwendung der Grundsätze von Art. 169 BV auf Gemeindeebene.\n\n> «Die parlamentarische Oberaufsicht wird insbesondere durch die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission ausgeübt.»\n\n### Ausnahmen von der Rechtsweggarantie\n\nDas Bundesgericht hat in **BGE 141 I 172** festgehalten, dass die parlamentarische Oberaufsicht gemäss Art. 169 BV einen «caractère politique prépondérant» aufweist, was es den Kantonen erlaubt, für entsprechende Akte eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a BV vorzusehen. Dies betrifft insbesondere interne Verfahrensakte zwischen Exekutive und parlamentarischen Aufsichtsorganen, die nicht direkt in Rechte Dritter eingreifen.\n\nDie Rechtsprechung zeigt eine klare Tendenz zur Stärkung der parlamentarischen Oberaufsichtsfunktion bei gleichzeitiger Betonung ihres politischen Charakters und ihrer Abgrenzung zu anderen Kontrollmechanismen.", "summary_fr": "# Art. 169 Cst. - Haute surveillance de l'Assemblée fédérale\n\n## Aperçu\n\nL'art. 169 Cst. confère à l'Assemblée fédérale (c'est-à-dire aux deux Chambres du Parlement suisse) le droit d'exercer la haute surveillance sur toutes les autorités fédérales importantes. La haute surveillance est un contrôle politique a posteriori, mais ne constitue pas un moyen de droit.\n\n**Qu'est-ce qui est contrôlé ?** Le Parlement surveille le Conseil fédéral, l'ensemble de l'administration fédérale, les tribunaux fédéraux et d'autres entités chargées de tâches fédérales comme les CFF ou la Poste. Le contrôle vérifie si ces autorités agissent conformément au droit, de manière appropriée et économique.\n\n**Qui exerce le contrôle ?** La haute surveillance est exercée principalement par les Commissions de gestion (CdG) des deux Chambres. En cas de problèmes particuliers, des commissions d'enquête parlementaires (CEP) peuvent être instituées. Celles-ci disposent d'un droit absolu à l'information - aucun secret ne peut leur être opposé, pas même le secret de fonction ou les secrets relevant de la sûreté de l'État.\n\n**Quelles sont les conséquences du contrôle ?** La haute surveillance parlementaire ne peut pas prendre d'ordres juridiques directs. Son pouvoir réside dans l'effet politique : elle peut publier des rapports, émettre des recommandations ou refuser l'approbation de la gestion. Ceci exerce une pression publique sur les autorités contrôlées.\n\n**Exemple pratique :** Si des citoyennes et citoyens soupçonnent des dysfonctionnements dans un office fédéral, ils peuvent s'adresser à la CdG. Celle-ci peut mener une enquête, consulter tous les documents pertinents et établir un rapport. Si des problèmes sont confirmés, le Parlement peut tirer des conséquences politiques ou exiger des améliorations.\n\nLa haute surveillance complète d'autres mécanismes de contrôle comme les procédures judiciaires ou les recours. Elle est particulièrement importante pour le contrôle démocratique du gouvernement par le peuple.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La haute surveillance parlementaire a reçu un nouveau fondement constitutionnel avec la Constitution fédérale de 1999. Le message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 385) soulignait l'évolution de la haute surveillance d'un simple « contrôle financier » vers un « contrôle administratif » global. La nouvelle Constitution devait entériner l'évolution déjà établie dans la pratique, selon laquelle la haute surveillance parlementaire ne se limite plus à l'examen du compte d'État, mais englobe l'ensemble de la gestion du Conseil fédéral et de l'administration.\n\n**N. 2** L'adoption de l'al. 2, qui accorde aux délégations spéciales des commissions de surveillance un droit absolu à l'information, revêtait une importance particulière. Cette innovation s'appuyait sur les expériences faites avec diverses commissions d'enquête parlementaires (CEP Mirage, CEP DDPS, groupe de travail CdG-CDF), où des problèmes d'accès à l'information étaient apparus (FF 1997 I 385 s.). Le constituant voulait s'assurer que la haute surveillance parlementaire puisse exercer sa fonction de contrôle sans entrave par les prescriptions sur le secret.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 169 Cst. se trouve dans le 2e titre « Compétences de la Confédération », sous le 5e chapitre « Assemblée fédérale », dans la 3e section « Compétences ». La haute surveillance est l'une des compétences centrales de l'Assemblée fédérale à côté de la législation (→ art. 163 Cst.), de la compétence financière (→ art. 167 Cst.) et des élections (→ art. 168 Cst.). Elle complète la participation à la définition de la politique (→ art. 166 Cst.) par une fonction de contrôle a posteriori.\n\n**N. 4** La haute surveillance se distingue de la surveillance directe, qui comprend la surveillance hiérarchique de service au sein de l'administration ainsi que le contrôle de surveillance spécialisée par les tribunaux. Tandis que ces mécanismes de contrôle opérationnels visent la légalité et l'opportunité dans le cas d'espèce, la haute surveillance parlementaire procède à une appréciation politique globale (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 147 ; Müller, Schweizerisches Parlamentsrecht, 2022, N. 892).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Haute surveillance** : Le terme désigne un contrôle a posteriori sans pouvoir d'instruction. La haute surveillance n'autorise pas l'intervention dans des procédures administratives en cours ou l'annulation d'actes administratifs. Elle comprend l'examen de la légalité, de l'opportunité, de l'efficacité et de l'économicité de l'activité étatique (Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 169 N. 3 ; Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 169 N. 8).\n\n**N. 6** **Objets de contrôle** : La haute surveillance s'étend à quatre catégories d'objets de contrôle : (1) le Conseil fédéral en tant qu'autorité collégiale et ses membres individuels dans leur fonction officielle ; (2) l'administration fédérale y compris les unités administratives décentralisées ; (3) les tribunaux fédéraux concernant leur activité administrative, mais non leur jurisprudence ; (4) d'autres entités chargées de tâches de la Confédération comme les entreprises publiques avec des tâches fédérales (Müller/Feller, in: BSK BV, 2e éd. 2024, art. 169 N. 15-20).\n\n**N. 7** **Délégations spéciales** : L'al. 2 n'accorde un droit absolu à l'information qu'aux « délégations spéciales » des commissions de surveillance. En relèvent la délégation de gestion (art. 53 LParl), la délégation des finances (art. 51 LParl) et les commissions d'enquête parlementaires (art. 163 ss LParl). Ne sont pas concernées les commissions de surveillance ordinaires elles-mêmes ou d'autres commissions parlementaires (Sägesser, Das Parlamentsgesetz, 2003, art. 169 N. 4).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 8** La haute surveillance parlementaire ne conduit pas à des mesures juridiquement contraignantes. Ses instruments sont de nature politique : rapports, recommandations, interventions parlementaires et, en dernier recours, le refus d'approuver la gestion. L'efficacité repose sur la pression politique et l'effet de publicité (Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, art. 169 N. 22).\n\n**N. 9** Le droit absolu à l'information selon l'al. 2 perce toutes les obligations de secret y compris le secret de fonction (art. 320 CP), le secret fiscal, le secret bancaire et même les secrets de protection de l'État du service de renseignement. Seul le noyau dur de l'indépendance judiciaire lors de la prise de décision reste protégé (Müller/Feller, in: BSK BV, art. 169 N. 28 ; avis contraire Kiener/Krüsi, in: Berner Kommentar BV, art. 169 N. 45, qui voient aussi le secret de l'avocat et le secret médical comme des limites).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 10** **Portée de la haute surveillance sur la justice** : Il est controversé de savoir jusqu'où la haute surveillance parlementaire peut intervenir dans l'administration judiciaire. Müller/Feller (BSK BV, art. 169 N. 19) défendent une interprétation étroite qui ne couvre que l'activité purement administrative. Lienhard (St. Galler Kommentar, art. 169 N. 17) plaide pour une interprétation plus large qui inclut aussi la gestion concernant la durée des procédures et la gestion des arriérés, pour autant que l'indépendance judiciaire soit préservée.\n\n**N. 11** **Haute surveillance préventive** : Il est controversé de savoir si la haute surveillance est purement rétrospective ou peut aussi comprendre des éléments préventifs. La doctrine traditionnelle (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N. 1684) souligne le caractère a posteriori. Des voix plus récentes (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 152 ; Biaggini, BV Kommentar, art. 169 N. 7) reconnaissent aussi des éléments prospectifs comme l'accompagnement de grands projets.\n\n**N. 12** **Limites du droit à l'information** : Tandis que la doctrine dominante part d'un droit absolu à l'information des délégations spéciales, certains auteurs voient des limites dans le noyau dur des secrets privés. Kiener/Krüsi (Berner Kommentar, art. 169 N. 45 s.) argumentent que les secrets professionnels de tiers (avocat, médecin) devraient rester protégés même face aux commissions d'enquête parlementaires. La majorité de la doctrine et la pratique rejettent de telles restrictions (Lienhard, St. Galler Kommentar, art. 169 N. 26 ; Müller, Parlamentsrecht, N. 945).\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 13** La haute surveillance parlementaire n'est pas un moyen de droit pour les particuliers. Les communications aux commissions de gestion ne fondent aucun droit au traitement ou même à une intervention déterminée. Les commissions décident de manière autonome de leurs priorités (↔ art. 26 al. 3 LParl).\n\n**N. 14** En cas de conflits entre différentes formes de surveillance s'applique le principe de la pluralité de surveillance : la haute surveillance parlementaire coexiste avec la surveillance administrative interne, le contrôle judiciaire et d'autres mécanismes de surveillance. Une coordination s'effectue de manière informelle par l'échange d'informations, la haute surveillance parlementaire intervenant de manière subsidiaire là où d'autres mécanismes de contrôle présentent des lacunes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3654).\n\n**N. 15** Pour la pratique, l'interface avec les rapports médiatiques est particulièrement pertinente. Alors que les séances ordinaires des commissions sont confidentielles, les commissions peuvent faire rapport publiquement sur leurs constatations. Ceci fait de la haute surveillance parlementaire un instrument important du contrôle démocratique et de la transparence (→ art. 16 Cst.).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 169 Cst. traite principalement de la délimitation de la haute surveillance parlementaire par rapport aux autres fonctions étatiques de contrôle ainsi que de ses limites et particularités procédurales.\n\n### Nature et limites de la haute surveillance parlementaire\n\n**ATF 141 I 172** du 24.8.2015  \nHaute surveillance parlementaire et garantie de la voie de droit  \nClarification fondamentale sur le caractère essentiellement politique de la haute surveillance parlementaire selon l'art. 169 Cst.\n\n> «Die haute surveillance parlementaire sur l'activité gouvernementale consiste essentiellement à vérifier que le pouvoir exécutif et l'administration agissent conformément au droit, qu'ils se servent à cette fin de moyens rationnels, appropriés, efficaces, économiques, qu'ils font un bon usage de leur pouvoir d'appréciation et que ces tâches produisent des résultats satisfaisants du point de vue politique. [...] L'exercice de la haute surveillance parlementaire se limite par ailleurs à identifier la responsabilité collective de l'exécutif, voire d'une unité administrative par rapport aux éventuels dysfonctionnements de l'Etat; cette activité ne consiste donc pas à rechercher des chefs fondant la responsabilité de l'Etat ou encore la responsabilité civile, pénale ou administrative des individus.»\n\n**ATF 108 IA 275** du 17.9.1982  \nCommission de gestion et liberté d'information  \nConfirmation du statut particulier des commissions de gestion dans le contrôle de l'administration.\n\n> «Das in Art. 22 GRN (SR 171.13) statuierte \"Sitzungsgeheimnis\" ist keine Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit im Sinne von Art. 10 Ziff. 2 EMRK, denn die in Art. 10 Ziff. 1 EMRK enthaltene Informationsfreiheit gewährleistet nur die aktive Erschliessung allgemein zugänglicher Quellen, zu denen die dem \"Sitzungsgeheimnis\" unterstellten Verhandlungen der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates sowie deren Gegenstand bildende \"vertrauliche\" Berichte nicht gehören.»\n\n### Haute surveillance sur les poursuites pénales\n\n**Arrêt AU.2007.1** du Tribunal pénal fédéral du 24.10.2007  \nHaute surveillance sur le Ministère public de la Confédération  \nClarification de la délimitation des compétences entre surveillance spécialisée des tribunaux et haute surveillance parlementaire.\n\nL'arrêt a confirmé la compétence des commissions de gestion pour la haute surveillance sur le Ministère public de la Confédération dans le cadre de l'art. 169 Cst., même lorsqu'une surveillance spécialisée par le Tribunal pénal fédéral existe parallèlement.\n\n**Arrêt AU.2007.1_A** du Tribunal pénal fédéral du 18.12.2007  \nInformation des CdG sur les dossiers de procédure  \nConcrétisation des droits d'information des organes de surveillance parlementaire.\n\n> «Die Bundesversammlung übt die Oberaufsicht aus über den Bundesrat und die Bundesverwaltung, die eidgenössischen Gerichte und die anderen Träger von Aufgaben des Bundes (Art. 169 Abs. 1 BV). [...] Den vom Gesetz vorgesehenen besonderen Delegationen von Aufsichtskommissionen können keine Geheimhaltungspflichten entgegengehalten werden.»\n\n### Aspects procéduraux\n\n**ATF 136 II 380** du 8.4.2010  \nSurveillance administrative et haute surveillance parlementaire  \nDélimitation entre différentes formes de surveillance des tribunaux.\n\n> «Dass auch Letzteres Prüfungsgegenstand der administrativen Aufsicht ist, ergibt sich schon daraus, dass dies beim Bundesgericht von der parlamentarischen Oberaufsicht nicht erfasst wird.»\n\n**Arrêt VB.2021.00416** du Tribunal administratif de Zurich du 20.9.2021  \nPrincipe de publicité et surveillance parlementaire  \nJurisprudence actuelle sur la transparence de l'activité de surveillance parlementaire au niveau cantonal.\n\nL'arrêt traite de l'accès aux informations sur l'activité de surveillance parlementaire et confirme l'applicabilité de principe du principe de publicité, sous réserve d'intérêts spécifiques de confidentialité.\n\n### Haute surveillance au niveau cantonal\n\n**Décision AN.2014.00001** du Tribunal administratif de Zurich du 7.5.2014  \nHaute surveillance parlementaire communale  \nApplication des principes de l'art. 169 Cst. au niveau communal.\n\n> «Die parlamentarische Oberaufsicht wird insbesondere durch die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission ausgeübt.»\n\n### Exceptions à la garantie de la voie de droit\n\nLe Tribunal fédéral a retenu dans l'**ATF 141 I 172** que la haute surveillance parlementaire selon l'art. 169 Cst. présente un «caractère politique prépondérant», ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de la voie de droit selon l'art. 29a Cst. pour les actes correspondants. Cela concerne en particulier les actes procéduraux internes entre l'exécutif et les organes de surveillance parlementaire qui ne portent pas directement atteinte aux droits de tiers.\n\nLa jurisprudence montre une tendance claire au renforcement de la fonction de haute surveillance parlementaire tout en soulignant son caractère politique et sa délimitation par rapport aux autres mécanismes de contrôle.", "summary_it": "# Art. 169 Cost. - Alta vigilanza dell'Assemblea federale\n\n## Panoramica\n\nL'art. 169 Cost. conferisce all'Assemblea federale (ossia a entrambe le Camere del Parlamento svizzero) il diritto di alta vigilanza su tutte le autorità federali importanti. L'alta vigilanza è un controllo politico successivo, ma non un rimedio giuridico.\n\n**Cosa viene controllato?** Il Parlamento sorveglia il Consiglio federale, l'intera Amministrazione federale, i tribunali federali e altri enti incaricati di compiti federali come le FFS o la Posta. Il controllo verifica se queste autorità agiscono in modo legale, appropriato ed economico.\n\n**Chi esercita il controllo?** L'alta vigilanza viene esercitata principalmente dalle Commissioni della gestione (CdG) di entrambe le Camere. In caso di problemi particolari possono essere istituite commissioni parlamentari d'inchiesta (CPI). Queste hanno un diritto assoluto all'informazione - non possono essere loro celati segreti, nemmeno il segreto d'ufficio o i segreti della protezione dello Stato.\n\n**Quali conseguenze ha il controllo?** L'alta vigilanza parlamentare non può emanare disposizioni giuridiche dirette. Il suo potere risiede nell'effetto politico: può pubblicare rapporti, formulare raccomandazioni o rifiutare l'approvazione della gestione. Ciò genera una pressione pubblica sulle autorità controllate.\n\n**Esempio pratico:** Se cittadine e cittadini sospettano irregolarità in un ufficio federale, possono rivolgersi alla CdG. Questa può condurre un'indagine, consultare tutti i documenti pertinenti e redigere un rapporto. Se i problemi vengono confermati, il Parlamento può trarre conseguenze politiche o esigere miglioramenti.\n\nL'alta vigilanza completa altri meccanismi di controllo come i procedimenti giudiziari o i ricorsi. È particolarmente importante per il controllo democratico del governo da parte del popolo.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'alta vigilanza parlamentare ha ricevuto con la Costituzione federale del 1999 una nuova base costituzionale. Il messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1, 385) sottolineava il cambiamento dell'alta vigilanza da un mero «controllo finanziario» a un «controllo amministrativo» globale. La nuova Costituzione doveva riprendere l'evoluzione già consolidata nella prassi, secondo cui l'alta vigilanza parlamentare non si limita più al controllo del consuntivo dello Stato, ma comprende l'intera gestione del Consiglio federale e dell'amministrazione.\n\n**N. 2** Particolarmente significativa è stata l'introduzione del cpv. 2, che conferisce alle delegazioni speciali delle commissioni di vigilanza un diritto assoluto all'informazione. Questa novità derivava dalle esperienze con diverse commissioni d'inchiesta parlamentari (CIP Mirage, CIP DDPS, gruppo di lavoro CGF CDF), nelle quali si erano verificati problemi di accesso alle informazioni (FF 1997 I 385 e seg.). Il costituente voleva garantire che l'alta vigilanza parlamentare potesse esercitare la sua funzione di controllo senza essere ostacolata dalle prescrizioni sulla segretezza.\n\n### 2. Sistematica\n\n**N. 3** L'art. 169 Cost. si trova nel titolo 2 «Competenze della Confederazione» sotto il capitolo 5 «Assemblea federale» nella sezione 3 «Competenze». L'alta vigilanza è una delle competenze centrali dell'Assemblea federale accanto alla legislazione (→ art. 163 Cost.), alla competenza finanziaria (→ art. 167 Cost.) e alle elezioni (→ art. 168 Cost.). Essa completa la partecipazione alla formazione della politica (→ art. 166 Cost.) attraverso una funzione di controllo successiva.\n\n**N. 4** L'alta vigilanza va distinta dalla vigilanza diretta, che comprende la vigilanza gerarchica all'interno dell'amministrazione nonché il controllo di vigilanza tecnica da parte dei tribunali. Mentre questi meccanismi di controllo operativo mirano alla legalità e all'opportunità nel caso singolo, l'alta vigilanza parlamentare effettua una valutazione politica globale (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 147; Müller, Schweizerisches Parlamentsrecht, 2022, N. 892).\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Alta vigilanza**: Il concetto designa un controllo successivo, non autorizzato a impartire istruzioni. L'alta vigilanza non autorizza a intervenire in procedimenti amministrativi in corso o ad annullare atti amministrativi. Essa comprende l'esame della legalità, opportunità, efficacia ed economicità dell'attività statale (Biaggini, Commento Cost., 2ª ed. 2017, art. 169 N. 3; Lienhard, in: Commentario di San Gallo Cost., 4ª ed. 2023, art. 169 N. 8).\n\n**N. 6** **Oggetti di controllo**: L'alta vigilanza si estende a quattro categorie di oggetti di controllo: (1) il Consiglio federale come autorità collegiale e i suoi singoli membri nella loro funzione ufficiale; (2) l'amministrazione federale incluse le unità amministrative decentralizzate; (3) i tribunali federali per quanto riguarda la loro attività amministrativa, ma non la loro giurisprudenza; (4) altri enti incaricati di compiti della Confederazione come imprese pubbliche con compiti federali (Müller/Feller, in: BSK Cost., 2ª ed. 2024, art. 169 N. 15-20).\n\n**N. 7** **Delegazioni speciali**: Il cpv. 2 conferisce un diritto assoluto all'informazione soltanto alle «delegazioni speciali» delle commissioni di vigilanza. Vi rientrano la delegazione della gestione (art. 53 LParl), la delegazione delle finanze (art. 51 LParl) e le commissioni d'inchiesta parlamentari (art. 163 seg. LParl). Non sono incluse le commissioni di vigilanza ordinarie stesse o altre commissioni parlamentari (Sägesser, Das Parlamentsgesetz, 2003, art. 169 N. 4).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** L'alta vigilanza parlamentare non porta ad ordinanze giuridicamente vincolanti. I suoi strumenti sono di natura politica: rapporti, raccomandazioni, interventi parlamentari e, come ultima ratio, il rifiuto dell'approvazione della gestione. L'efficacia si basa sulla pressione politica e sull'effetto di pubblicità (Lienhard, in: Commentario di San Gallo Cost., art. 169 N. 22).\n\n**N. 9** Il diritto assoluto all'informazione secondo il cpv. 2 prevale su tutti gli obblighi di segretezza incluso il segreto d'ufficio (art. 320 CP), il segreto fiscale, il segreto bancario e persino i segreti di protezione dello Stato del servizio informazioni. Solo l'ambito centrale dell'indipendenza giudiziaria nella decisione rimane protetto (Müller/Feller, in: BSK Cost., art. 169 N. 28; diversamente Kiener/Krüsi, in: Commentario bernese Cost., art. 169 N. 45, che vedono anche il segreto professionale dell'avvocato e del medico come limiti).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 10** **Portata dell'alta vigilanza sulla giustizia**: È controverso fino a che punto l'alta vigilanza parlamentare possa intervenire nell'amministrazione della giustizia. Müller/Feller (BSK Cost., art. 169 N. 19) sostengono un'interpretazione restrittiva che comprende solo la pura attività amministrativa. Lienhard (Commentario di San Gallo, art. 169 N. 17) propende per un'interpretazione più ampia che include anche la gestione riguardo alla durata dei procedimenti e alla gestione delle cause pendenti, purché sia salvaguardata l'indipendenza giudiziaria.\n\n**N. 11** **Alta vigilanza preventiva**: È controverso se l'alta vigilanza sia puramente retrospettiva o possa comprendere anche elementi preventivi. La dottrina tradizionale (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale federale, 10ª ed. 2020, N. 1684) sottolinea il carattere successivo. Voci più recenti (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 152; Biaggini, Commento Cost., art. 169 N. 7) riconoscono anche elementi prospettici come l'accompagnamento di grandi progetti.\n\n**N. 12** **Limiti del diritto all'informazione**: Mentre la dottrina dominante assume un diritto assoluto all'informazione delle delegazioni speciali, singoli autori vedono limiti nell'ambito centrale dei segreti privati. Kiener/Krüsi (Commentario bernese, art. 169 N. 45 seg.) argomentano che i segreti professionali di terzi (avvocato, medico) dovrebbero rimanere protetti anche nei confronti delle commissioni d'inchiesta parlamentari. La maggioranza della dottrina e la prassi rifiutano tali restrizioni (Lienhard, Commentario di San Gallo, art. 169 N. 26; Müller, Diritto parlamentare, N. 945).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** L'alta vigilanza parlamentare non è un rimedio giuridico per singole persone. Le richieste alle commissioni della gestione non fondano alcun diritto al trattamento o addirittura a un determinato intervento. Le commissioni decidono autonomamente sulle loro priorità (↔ art. 26 cpv. 3 LParl).\n\n**N. 14** In caso di conflitti tra diverse forme di vigilanza vale il principio della pluralità della vigilanza: l'alta vigilanza parlamentare sussiste accanto alla vigilanza interna dell'amministrazione, al controllo giurisdizionale e ad altri meccanismi di vigilanza. Un coordinamento avviene informalmente attraverso lo scambio di informazioni, mentre l'alta vigilanza parlamentare interviene sussidiariamente dove altri meccanismi di controllo presentano lacune (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale, 3ª ed. 2016, N. 3654).\n\n**N. 15** Per la prassi è particolarmente rilevante l'interfaccia con i resoconti dei media. Mentre le sedute ordinarie delle commissioni sono confidenziali, le commissioni possono riferire pubblicamente sui loro accertamenti. Ciò fa dell'alta vigilanza parlamentare un importante strumento di controllo democratico e di trasparenza (→ art. 16 Cost.).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 169 Cost. tratta principalmente la delimitazione dell'alta vigilanza parlamentare rispetto ad altre funzioni di controllo statali nonché i suoi limiti e le particolarità procedurali.\n\n### Natura e limiti dell'alta vigilanza parlamentare\n\n**DTF 141 I 172** del 24.8.2015  \nAlta vigilanza parlamentare e garanzia della tutela giurisdizionale  \nChiarimento fondamentale sul carattere prevalentemente politico dell'alta vigilanza parlamentare secondo l'art. 169 Cost.\n\n> «Die haute surveillance parlementaire sur l'activité gouvernementale consiste essentiellement à vérifier que le pouvoir exécutif et l'administration agissent conformément au droit, qu'ils se servent à cette fin de moyens rationnels, appropriés, efficaces, économiques, qu'ils font un bon usage de leur pouvoir d'appréciation et que ces tâches produisent des résultats satisfaisants du point de vue politique. [...] L'exercice de la haute surveillance parlementaire se limite par ailleurs à identifier la responsabilité collective de l'exécutif, voire d'une unité administrative par rapport aux éventuels dysfonctionnements de l'Etat; cette activité ne consiste donc pas à rechercher des chefs fondant la responsabilité de l'Etat ou encore la responsabilité civile, pénale ou administrative des individus.»\n\n**DTF 108 IA 275** del 17.9.1982  \nCommissione di gestione e libertà d'informazione  \nConferma della posizione particolare delle commissioni di gestione nel controllo dell'amministrazione.\n\n> «Das in Art. 22 GRN (SR 171.13) statuierte \"Sitzungsgeheimnis\" ist keine Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit im Sinne von Art. 10 Ziff. 2 EMRK, denn die in Art. 10 Ziff. 1 EMRK enthaltene Informationsfreiheit gewährleistet nur die aktive Erschliessung allgemein zugänglicher Quellen, zu denen die dem \"Sitzungsgeheimnis\" unterstellten Verhandlungen der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates sowie deren Gegenstand bildende \"vertrauliche\" Berichte nicht gehören.»\n\n### Alta vigilanza sul perseguimento penale\n\n**Sentenza AU.2007.1** del Tribunale penale federale del 24.10.2007  \nAlta vigilanza sul Ministero pubblico della Confederazione  \nChiarimento della delimitazione delle competenze tra vigilanza tecnica dei tribunali e alta vigilanza parlamentare.\n\nLa sentenza ha confermato la competenza delle commissioni di gestione per l'alta vigilanza sul Ministero pubblico della Confederazione nel quadro dell'art. 169 Cost., anche quando sussiste contemporaneamente una vigilanza tecnica da parte del Tribunale penale federale.\n\n**Sentenza AU.2007.1_A** del Tribunale penale federale del 18.12.2007  \nInformazione della CdG sugli atti processuali  \nConcretizzazione dei diritti d'informazione degli organi di vigilanza parlamentare.\n\n> «Die Bundesversammlung übt die Oberaufsicht aus über den Bundesrat und die Bundesverwaltung, die eidgenössischen Gerichte und die anderen Träger von Aufgaben des Bundes (Art. 169 Abs. 1 BV). [...] Den vom Gesetz vorgesehenen besonderen Delegationen von Aufsichtskommissionen können keine Geheimhaltungspflichten entgegengehalten werden.»\n\n### Aspetti procedurali\n\n**DTF 136 II 380** dell'8.4.2010  \nVigilanza amministrativa e alta vigilanza parlamentare  \nDelimitazione tra diverse forme di vigilanza sui tribunali.\n\n> «Dass auch Letzteres Prüfungsgegenstand der administrativen Aufsicht ist, ergibt sich schon daraus, dass dies beim Bundesgericht von der parlamentarischen Oberaufsicht nicht erfasst wird.»\n\n**Sentenza VB.2021.00416** del Tribunale amministrativo di Zurigo del 20.9.2021  \nPrincipio di pubblicità e vigilanza parlamentare  \nGiurisprudenza attuale sulla trasparenza dell'attività di vigilanza parlamentare a livello cantonale.\n\nLa sentenza tratta l'accesso alle informazioni sull'attività di vigilanza parlamentare e conferma l'applicabilità di principio del principio di pubblicità, con riserva di specifici interessi alla segretezza.\n\n### Alta vigilanza a livello cantonale\n\n**Decisione AN.2014.00001** del Tribunale amministrativo di Zurigo del 7.5.2014  \nAlta vigilanza parlamentare comunale  \nApplicazione dei principi dell'art. 169 Cost. a livello comunale.\n\n> «Die parlamentarische Oberaufsicht wird insbesondere durch die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission ausgeübt.»\n\n### Eccezioni alla garanzia della tutela giurisdizionale\n\nIl Tribunale federale ha stabilito nel **DTF 141 I 172** che l'alta vigilanza parlamentare secondo l'art. 169 Cost. presenta un «caractère politique prépondérant», il che permette ai Cantoni di prevedere per i corrispondenti atti un'eccezione alla garanzia della tutela giurisdizionale secondo l'art. 29a Cost. Ciò concerne in particolare gli atti procedurali interni tra esecutivo e organi di vigilanza parlamentare, che non incidono direttamente sui diritti di terzi.\n\nLa giurisprudenza mostra una chiara tendenza al rafforzamento della funzione di alta vigilanza parlamentare sottolineando al contempo il suo carattere politico e la sua delimitazione rispetto ad altri meccanismi di controllo.", "summary_en": "# Art. 169 BV - Parliamentary oversight by the Federal Assembly\n\n## Overview\n\nArt. 169 BV grants the Federal Assembly (i.e., both chambers of the Swiss Parliament) the right to exercise parliamentary oversight over all important federal authorities. Parliamentary oversight is retrospective political control, but not a legal remedy.\n\n**What is controlled?** Parliament monitors the Federal Council, the entire federal administration, the federal courts and other entities carrying out federal tasks such as SBB or the Post. The control examines whether these authorities act lawfully, appropriately and economically.\n\n**Who conducts the control?** Parliamentary oversight is mainly carried out by the Control Committees (GPK) of both chambers. In case of particular problems, parliamentary investigation committees (PUK) can be established. These have an absolute right to information - no secrets may be withheld from them, not even official secrecy or state protection secrets.\n\n**What are the consequences of the control?** Parliamentary oversight cannot issue direct legal orders. Its power lies in the political effect: it can publish reports, make recommendations or refuse approval of the conduct of business. This creates public pressure on the controlled authorities.\n\n**Practical example:** If citizens suspect misconduct in a federal office, they can contact the GPK. This can conduct an investigation, examine all relevant documents and create a report. If problems are confirmed, Parliament can draw political consequences or demand improvements.\n\nParliamentary oversight complements other control mechanisms such as court proceedings or complaints. It is particularly important for the democratic control of the government by the people.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Parliamentary oversight received a new constitutional foundation with the Federal Constitution of 1999. The Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1, 385) emphasised the transformation of oversight from mere «financial control» to comprehensive «administrative control». The new constitution was intended to codify developments already established in practice, whereby parliamentary oversight was no longer limited to examining the state accounts but encompassed the entire management of the Federal Council and administration.\n\n**N. 2** Particularly significant was the inclusion of para. 2, which grants special delegations of the oversight committees an absolute right to information. This innovation was based on experiences with various parliamentary investigation committees (PUK Mirage, PUK EMD, GPK-Arbeitsgruppe EFK), where problems with access to information had occurred (BBl 1997 I 385 f.). The constitutional legislator wanted to ensure that parliamentary oversight could exercise its control function without obstruction by secrecy provisions.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 169 FC is located in Title 2 «Competences of the Confederation» under Chapter 5 «Federal Assembly» in Section 3 «Competences». Oversight is one of the central powers of the Federal Assembly alongside legislation (→ Art. 163 FC), financial competence (→ Art. 167 FC) and elections (→ Art. 168 FC). It complements participation in shaping policy (→ Art. 166 FC) through a retrospective control function.\n\n**N. 4** Oversight must be distinguished from direct supervision, which encompasses hierarchical administrative supervision within the administration as well as specialised supervisory control by courts. While these operational control mechanisms target lawfulness and appropriateness in individual cases, parliamentary oversight conducts a comprehensive political assessment (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 147; Müller, Schweizerisches Parlamentsrecht, 2022, N. 892).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **Oversight**: The term denotes retrospective, non-directive control. Oversight does not authorise interference in ongoing administrative procedures or the revocation of administrative acts. It encompasses examination of the lawfulness, appropriateness, effectiveness and efficiency of state activity (Biaggini, BV Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 169 N. 3; Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 169 N. 8).\n\n**N. 6** **Objects of control**: Oversight extends to four categories of control objects: (1) the Federal Council as a collegial authority and its individual members in their official function; (2) the federal administration including decentralised administrative units; (3) federal courts regarding their administrative activity, but not their adjudication; (4) other entities carrying out federal tasks such as public enterprises with federal duties (Müller/Feller, in: BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 169 N. 15-20).\n\n**N. 7** **Special delegations**: Para. 2 grants only the «special delegations» of the oversight committees an absolute right to information. This includes the management audit delegation (Art. 53 ParlA), the finance delegation (Art. 51 ParlA) and parliamentary investigation committees (Art. 163 ff. ParlA). Not covered are the ordinary oversight committees themselves or other parliamentary committees (Sägesser, Das Parlamentsgesetz, 2003, Art. 169 N. 4).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** Parliamentary oversight does not lead to legally binding orders. Its instruments are of a political nature: reports, recommendations, parliamentary initiatives and as ultima ratio the refusal to approve management. Effectiveness is based on political pressure and public impact (Lienhard, in: St. Galler Kommentar BV, Art. 169 N. 22).\n\n**N. 9** The absolute right to information under para. 2 overrides all secrecy obligations including official secrecy (Art. 320 SCC), tax secrecy, banking secrecy and even intelligence service state protection secrets. Only the core area of judicial independence in decision-making remains protected (Müller/Feller, in: BSK BV, Art. 169 N. 28; differing view Kiener/Krüsi, in: Berner Kommentar BV, Art. 169 N. 45, who also see attorney-client privilege and medical confidentiality as limits).\n\n### 5. Points of Contention\n\n**N. 10** **Scope of oversight over the judiciary**: It is disputed how far parliamentary oversight may interfere in judicial administration. Müller/Feller (BSK BV, Art. 169 N. 19) advocate a narrow interpretation that only covers pure administrative activity. Lienhard (St. Galler Kommentar, Art. 169 N. 17) argues for a broader interpretation that also includes management regarding procedural duration and case management, insofar as judicial independence is preserved.\n\n**N. 11** **Preventive oversight**: It is controversial whether oversight is purely retrospective or can also include preventive elements. Traditional doctrine (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1684) emphasises the retrospective character. More recent voices (Sägesser, Regieren und Verwalten, 2019, 152; Biaggini, BV Kommentar, Art. 169 N. 7) also recognise prospective elements such as accompanying major projects.\n\n**N. 12** **Limits of the right to information**: While the prevailing doctrine assumes an absolute right to information for special delegations, individual authors see limits in the core area of private secrets. Kiener/Krüsi (Berner Kommentar, Art. 169 N. 45 f.) argue that professional secrets of third parties (lawyer, doctor) should remain protected even from parliamentary investigation committees. The majority of doctrine and practice reject such restrictions (Lienhard, St. Galler Kommentar, Art. 169 N. 26; Müller, Parlamentsrecht, N. 945).\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 13** Parliamentary oversight is not a legal remedy for individuals. Submissions to the management audit committees do not establish a right to consideration or even to a specific intervention. The committees decide autonomously on their priorities (↔ Art. 26 para. 3 ParlA).\n\n**N. 14** In case of conflicts between different forms of supervision, the principle of supervisory pluralism applies: parliamentary oversight coexists with administrative internal supervision, judicial control and other supervisory mechanisms. Coordination occurs informally through information exchange, with parliamentary oversight acting subsidiarily where other control mechanisms reveal gaps (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3654).\n\n**N. 15** Particularly relevant for practice is the interface with media reporting. While ordinary committee meetings are confidential, committees can report publicly on their findings. This makes parliamentary oversight an important instrument of democratic control and transparency (→ Art. 16 FC).", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 169 Cst. primarily addresses the delimitation of parliamentary oversight from other state control functions, as well as its limits and procedural particularities.\n\n### Nature and Limits of Parliamentary Oversight\n\n**BGE 141 I 172** of 24.8.2015  \nParliamentary oversight and guarantee of legal redress  \nFundamental clarification regarding the predominantly political character of parliamentary oversight under Art. 169 Cst.\n\n> «Die haute surveillance parlementaire sur l'activité gouvernementale consiste essentiellement à vérifier que le pouvoir exécutif et l'administration agissent conformément au droit, qu'ils se servent à cette fin de moyens rationnels, appropriés, efficaces, économiques, qu'ils font un bon usage de leur pouvoir d'appréciation et que ces tâches produisent des résultats satisfaisants du point de vue politique. [...] L'exercice de la haute surveillance parlementaire se limite par ailleurs à identifier la responsabilité collective de l'exécutif, voire d'une unité administrative par rapport aux éventuels dysfonctionnements de l'Etat; cette activité ne consiste donc pas à rechercher des chefs fondant la responsabilité de l'Etat ou encore la responsabilité civile, pénale ou administrative des individus.»\n\n**BGE 108 IA 275** of 17.9.1982  \nManagement Audit Committee and freedom of information  \nConfirmation of the special position of management audit committees in controlling the administration.\n\n> «Das in Art. 22 GRN (SR 171.13) statuierte \"Sitzungsgeheimnis\" ist keine Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit im Sinne von Art. 10 Ziff. 2 EMRK, denn die in Art. 10 Ziff. 1 EMRK enthaltene Informationsfreiheit gewährleistet nur die aktive Erschliessung allgemein zugänglicher Quellen, zu denen die dem \"Sitzungsgeheimnis\" unterstellten Verhandlungen der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates sowie deren Gegenstand bildende \"vertrauliche\" Berichte nicht gehören.»\n\n### Oversight of Criminal Prosecution\n\n**Judgment AU.2007.1** of the Federal Criminal Court of 24.10.2007  \nOversight of the Office of the Attorney General  \nClarification of the delimitation of competence between professional supervision by courts and parliamentary oversight.\n\nThe judgment confirmed the competence of the management audit committees to exercise oversight over the Office of the Attorney General within the framework of Art. 169 Cst., even when professional supervision by the Federal Criminal Court exists simultaneously.\n\n**Judgment AU.2007.1_A** of the Federal Criminal Court of 18.12.2007  \nInformation of the MAC regarding procedural files  \nSpecification of the information rights of parliamentary supervisory bodies.\n\n> «Die Bundesversammlung übt die Oberaufsicht aus über den Bundesrat und die Bundesverwaltung, die eidgenössischen Gerichte und die anderen Träger von Aufgaben des Bundes (Art. 169 Abs. 1 BV). [...] Den vom Gesetz vorgesehenen besonderen Delegationen von Aufsichtskommissionen können keine Geheimhaltungspflichten entgegengehalten werden.»\n\n### Procedural Aspects\n\n**BGE 136 II 380** of 8.4.2010  \nAdministrative supervision and parliamentary oversight  \nDelimitation between different forms of supervision regarding courts.\n\n> «Dass auch Letzteres Prüfungsgegenstand der administrativen Aufsicht ist, ergibt sich schon daraus, dass dies beim Bundesgericht von der parlamentarischen Oberaufsicht nicht erfasst wird.»\n\n**Judgment VB.2021.00416** of the Administrative Court of Zurich of 20.9.2021  \nPublic access principle and parliamentary supervision  \nCurrent case law on transparency of parliamentary supervisory activities at cantonal level.\n\nThe judgment addresses access to information regarding parliamentary supervisory activities and confirms the fundamental applicability of the public access principle, subject to specific confidentiality interests.\n\n### Oversight at Cantonal Level\n\n**Decision AN.2014.00001** of the Administrative Court of Zurich of 7.5.2014  \nMunicipal parliamentary oversight  \nApplication of the principles of Art. 169 Cst. at municipal level.\n\n> «Die parlamentarische Oberaufsicht wird insbesondere durch die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission ausgeübt.»\n\n### Exceptions to the Guarantee of Legal Redress\n\nThe Federal Supreme Court held in **BGE 141 I 172** that parliamentary oversight under Art. 169 Cst. has a «caractère politique prépondérant», which allows cantons to provide for an exception to the guarantee of legal redress under Art. 29a Cst. for corresponding acts. This particularly concerns internal procedural acts between the executive and parliamentary supervisory bodies that do not directly interfere with third-party rights.\n\nCase law shows a clear tendency towards strengthening the parliamentary oversight function while simultaneously emphasizing its political character and its delimitation from other control mechanisms.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_169", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.0}
{"law": "BV", "article": 170, "article_suffix": "", "title": "Überprüfung der Wirksamkeit", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 170 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 170 BV verpflichtet die Bundesversammlung, dafür zu sorgen, dass staatliche Massnahmen des Bundes auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Diese Bestimmung ist eine verfassungsrechtliche Neuerung der Bundesverfassung von 1999 ohne Entsprechung in der alten Bundesverfassung von 1874 (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 1).\n\nDie Bundesversammlung muss die Wirksamkeitsprüfungen nicht selbst durchführen, sondern kann sie an den Bundesrat, an parlamentarische Hilfsorgane oder an externe Stellen delegieren (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 11). In der Praxis erfüllt das Parlament diesen Auftrag hauptsächlich durch Evaluationsklauseln in Gesetzen, die den Bundesrat zur Überprüfung bestimmter Massnahmen verpflichten. Derzeit existieren rund 110 solcher Klauseln im Bundesrecht.\n\n«Wirksamkeit» wird dabei in einem weiten Sinne verstanden und umfasst drei Teilkriterien (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 20 ff.): den Umsetzungsstand (wird die Massnahme tatsächlich umgesetzt?), den Zielverwirklichungsgrad (erreicht die Massnahme ihre Ziele?) und die Wirtschaftlichkeit (stehen Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis?).\n\nGegenstand der Wirksamkeitsprüfungen sind alle «Massnahmen des Bundes», unabhängig von ihrer Rechtsform. Dies umfasst nicht nur Massnahmen der Bundesregierung und Bundesverwaltung, sondern auch Gesetze des Parlaments, Entscheide der Bundesgerichte und sogar das Handeln der Bundesversammlung selbst (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\nEin konkretes Beispiel: Das Bundesgesetz über internationale Kindesentführungen wurde aufgrund einer Evaluationsklausel systematisch überprüft, um festzustellen, ob die rechtlichen Instrumente zum Schutz entführter Kinder tatsächlich wirksam funktionieren. Solche Evaluationen können zur Anpassung oder Verbesserung der Gesetze führen.\n\nArt. 170 BV ist jedoch nicht justiziabel. Einzelpersonen können keinen Anspruch auf die Durchführung bestimmter Wirksamkeitsprüfungen geltend machen (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 31). Die Entscheidung, welche Massnahmen wann und wie überprüft werden, liegt im politischen Ermessen der Bundesversammlung.\n\nDie Bestimmung soll sicherstellen, dass staatliche Massnahmen nicht nur formal korrekt erlassen, sondern auch praktisch wirksam sind. Sie trägt damit zur demokratischen Rechenschaftspflicht bei und unterstützt die evidenzbasierte Politikgestaltung in der Schweiz.", "doctrine_de": "# Art. 170 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 170 BV stellt eine verfassungsrechtliche Neuerung dar, die keine Entsprechung in der aBV von 1874 aufweist. Die ausdrückliche Verankerung der Wirksamkeitsprüfung fand erst spät Eingang in den Revisionsprozess zur neuen Bundesverfassung. Die Verfassungsentwürfe von 1995/96 enthielten noch keine entsprechende Bestimmung.\n\n**N. 2** Die Expertenkommission beider SPK schlug zunächst die Schaffung eines unabhängigen Organs für die Evaluation staatlicher Massnahmen vor. Die SPK verknüpften in ihrem Zusatzbericht von 1997 die Wirksamkeitsprüfung stattdessen mit der Oberaufsichtskompetenz der Bundesversammlung. In den parlamentarischen Beratungen blieb diese Konzeption bestehen, wobei die Wirksamkeitsprüfung als eigenständige Bestimmung aus dem heutigen Art. 169 BV herausgelöst wurde (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 1 ff.; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 1 ff.).\n\n**N. 3** Gemäss den Materialien zielte die Verfassungsbestimmung darauf ab, die zunehmende Komplexität öffentlicher Aufgaben durch systematische Überprüfung zu bewältigen. Der Berichterstatter Schmid führte in der Nationalratsdebatte aus: «Die Frage nach der Effektivität, Wirksamkeit und Effizienz staatlicher Massnahmen gewinnt vor dem Hintergrund der zunehmenden Komplexität der öffentlichen Aufgaben immer mehr an Bedeutung. Haben die von den Behörden getroffenen Massnahmen überhaupt Wirkung? Zeigen sie die beabsichtigte Wirkung? Stehen sie in einem sinnvollen Kosten-Nutzen Verhältnis?» (AB N SD 1998, 91).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 4** Art. 170 BV steht im 3. Abschnitt («Zuständigkeiten») des 2. Kapitels zu den Bundesbehörden. Die Bestimmung verankert eine Kompetenz und einen Gewährleistungsauftrag der Bundesversammlung. Sie weist eine enge systematische Verbindung zur Oberaufsicht nach Art. 169 BV auf, geht aber in zweifacher Hinsicht darüber hinaus.\n\n**N. 5** Erstens hebt Art. 170 BV den Massstab der Wirksamkeit besonders hervor, während die Oberaufsicht nach Art. 169 BV nicht auf diesen Massstab beschränkt ist. Zweitens erweitert die Bestimmung den Prüfauftrag der Bundesversammlung über den Gegenstand von Art. 169 BV hinaus, insbesondere in Bezug auf Massnahmen des Verfassungs- und des Gesetzgebers (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18; Biaggini, Art. 170 BV, N. 4).\n\n**N. 6** Art. 170 BV steht in systematischem Zusammenhang mit weiteren Verfassungsbestimmungen, die eine wirksame staatliche Aufgabenerfüllung fordern: Art. 5 BV (Rechtsstaatsprinzip), Art. 8 BV (Rechtsgleichheit), Art. 9 BV (Willkürverbot), Art. 35 BV (Verwirklichung der Grundrechte), Art. 36 BV (Verhältnismässigkeit), Art. 43a Abs. 5 BV (bedarfsgerechte Erfüllung staatlicher Aufgaben), Art. 126 Abs. 1 BV (Haushaltführung) und Art. 178 Abs. 1 BV (zweckmässige Organisation der Verwaltung).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Adressatin\n\n**N. 7** Der Verfassungsauftrag richtet sich an die Bundesversammlung als Adressatin. Die demokratische Dimension der Wirksamkeitsprüfung wird damit betont: Die Volksvertreterinnen und -vertreter tragen die Letztverantwortung dafür, dass staatliche Massnahmen dem Gemeinwohl dienen.\n\n**N. 8** Die Organe der Bundesversammlung (Art. 31 ParlG) sind beauftragt, für die Wirksamkeitsprüfung zu sorgen. Die parlamentarischen Kommissionen sorgen für die Wirksamkeitsprüfung in ihren Zuständigkeitsbereichen (Art. 44 Abs. 1 lit. e ParlG) und berücksichtigen die Resultate von Wirksamkeitsprüfungen (Art. 44 Abs. 1 lit. f ParlG).\n\n#### b) Gewährleistungsauftrag\n\n**N. 9** Die Formulierung «sorgt dafür, dass» begründet einen Gewährleistungsauftrag. Die Bundesversammlung muss die Prüfungen nicht selbst durchführen, sondern kann sie delegieren. Sie kann dem Bundesrat einen Auftrag erteilen (Art. 27 lit. a ParlG), vom Bundesrat durchgeführte Wirksamkeitsprüfungen prüfen (Art. 27 lit. b ParlG) oder selbst Wirksamkeitsprüfungen in Auftrag geben (Art. 27 lit. c ParlG).\n\n**N. 10** Als permanente Hilfsorgane dienen die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) und die Parlamentarische Verwaltungskontrolle (PVK). Die EFK fokussiert auf den Aspekt der Wirtschaftlichkeit (Art. 5 Abs. 2 FKG), während die PVK im Auftrag der Geschäftsprüfungskommissionen Evaluationen im Rahmen der parlamentarischen Oberaufsicht durchführt (Art. 10 Abs. 1 Bst. a ParlVV).\n\n#### c) Massnahmen des Bundes\n\n**N. 11** Gegenstand der Wirksamkeitsprüfungen sind alle «Massnahmen des Bundes», unabhängig von der Rechtsform. Erfasst sind Massnahmen aller drei Gewalten: Legislative, Exekutive und Judikative. Der Begriff umfasst sowohl generell-abstrakte als auch individuell-konkrete Massnahmen.\n\n**N. 12** Die Umsetzung und der Vollzug von Bundesmassnahmen durch Kantone und Private fallen ebenfalls unter den Geltungsbereich, soweit sie als Vollzug von Bundesrecht qualifiziert werden können (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 17; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\n**N. 13** Auch Nichthandeln kann Gegenstand einer Wirksamkeitsprüfung sein. Pflichtwidrige Unterlassungen können ebenso folgenreich sein wie aktives Handeln (Biaggini, Art. 170 BV, N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\n#### d) Wirksamkeit als Prüfmassstab\n\n**N. 14** Der Begriff «Wirksamkeit» ist in einem weiten Sinne zu verstehen. In der Praxis umfasst er drei Teilkriterien (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 20 ff.):\n- Umsetzungsstand (Effektivität): Ausmass und Art der Implementierung\n- Zielverwirklichungsgrad (Wirksamkeit i.e.S.): Erreichung der Regelungsziele\n- Wirtschaftlichkeit (Effizienz): Kosten-Nutzen-Verhältnis\n\n**N. 15** Welche Prüfkriterien eine Evaluation in welcher Gewichtung zum Massstab nimmt, ist kontextabhängig. Bei Leistungen der Grundversorgung steht die bedarfsgerechte Erfüllung im Vordergrund, während in anderen Bereichen wirtschaftliche Aspekte stärker gewichtet werden können.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 16** Der Gewährleistungsauftrag ist für die Bundesversammlung rechtsverbindlich, jedoch nicht justiziabel. Individuen können keinen direkten subjektiven Anspruch auf Durchführung von Wirksamkeitsprüfungen aus Art. 170 BV ableiten. Der Bundesversammlung kommt bei der Frage, ob, wann und wie Massnahmen überprüft werden, ein erheblicher Ermessensspielraum zu.\n\n**N. 17** Die Bundesversammlung erfüllt den Auftrag regelmässig durch den Erlass spezialgesetzlicher Evaluationsklauseln, die den Bundesrat zur Durchführung von Wirksamkeitsprüfungen verpflichten. Derzeit existieren ca. 110 solcher Klauseln im Bundesrecht (BJ, Übersicht Evaluationsklauseln).\n\n**N. 18** Obwohl sich Art. 170 BV an die Bundesversammlung richtet, hat auch der Bundesrat die inhärente Kompetenz, jederzeit Wirksamkeitsprüfungen zu veranlassen. Dies ergibt sich aus seinen verfassungsmässigen Zuständigkeiten zur Staatsleitung (Art. 174 BV), Planung und Koordination (Art. 180 Abs. 1 BV) und zum Vollzug der Gesetzgebung (Art. 182 BV).\n\n**N. 19** Die Norm vermittelt der Bundesversammlung Überprüfungs- und Ermittlungsbefugnisse, ohne zusätzliche Entscheidungskompetenzen oder Informationsrechte zu verleihen (SGK-Mastronardi, 2. Aufl., Art. 170 BV, N. 8; Biaggini, Art. 170 BV, N. 4).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 20** In der Lehre kontrovers diskutiert wird die Frage, ob Art. 170 BV ein Verfassungsprinzip der Wirksamkeit staatlicher Massnahmen begründet. Flückiger leitet aus der Bestimmung ein «principe d'efficacité» ab, das die Adressaten verpflichte, staatliche Massnahmen mittels Evaluation zu prüfen (CR-Flückiger, Art. 170 BV, N. 27). Mastronardi argumentiert, der Auftrag zur Wirksamkeitsprüfung mache nur Sinn, wenn die Output-Legitimation ein von der BV anerkanntes Ziel sei (SGK-Mastronardi, 2. Aufl., Art. 170 BV, N. 18).\n\n**N. 21** Die Gegenmeinung, vertreten durch Uhlmann/Bussmann, lehnt ein solches Verfassungsprinzip ab. Sie argumentieren, Art. 170 BV sei nicht justiziabel und es sei systematisch nicht überzeugend, ein Prinzip von allgemeiner Tragweite aus einer Kompetenznorm abzuleiten. Ein auf Bundesmassnahmen beschränktes Verfassungsprinzip sei zudem wenig sinnvoll (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 31). Auch Biaggini äussert Zweifel an einem solchen Prinzip (Biaggini, Art. 170 BV, N. 3).\n\n**N. 22** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Reichweite der Prüfpflicht bei eigenen Massnahmen der Bundesversammlung. Während die herrschende Lehre eine Selbstevaluationspflicht des Parlaments bejaht (Biaggini, Art. 170 BV, N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18), ist umstritten, wie weit diese Pflicht in der Praxis reicht und welche konkreten Anforderungen sich daraus ergeben.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 23** Bei der Formulierung von Evaluationsklauseln empfiehlt das Bundesamt für Justiz, folgende Elemente zu regeln: die berichterstattende Behörde, den Adressaten der Ergebnisse, den Zeitpunkt der Überprüfung, das Endprodukt sowie die Kriterien und den Gegenstand der Überprüfung (BJ, Empfehlungen Evaluationsklauseln 2012, S. 4).\n\n**N. 24** Die Durchführung von Evaluationen ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Umsetzungsanalysen erfordern typischerweise 6 Monate und ca. 60'000 Franken, Wirkungsanalysen mindestens ein Jahr und 100'000 Franken. Bei Wirtschaftlichkeitsanalysen variieren die Kosten stark je nach Umfang (BJ, Gesetzgebungsleitfaden 2025, N. 1166).\n\n**N. 25** Die Schweizerische Evaluationsgesellschaft (SEVAL) hat Standards entwickelt, die bei der Planung und Durchführung von Evaluationen zu beachten sind. Diese umfassen Kriterien für die Beurteilung der Qualität, allgemeine Grundprinzipien sowie Standards für Planung, Durchführung, Bewertung und Ergebnisvermittlung (SEVAL-Standards 2016).\n\n**N. 26** In der Praxis nimmt der Bundesrat eine aktivere Rolle als das Parlament wahr. Die Bundesverwaltung verfügt über ein Netzwerk Evaluation mit über 110 Mitarbeitenden aus allen Departementen. Bei der Vergabe externer Evaluationen ist auf die Unabhängigkeit der Evaluatoren und eine ergebnisoffene Auftragsformulierung zu achten, um unzulässige Beeinflussungen zu vermeiden (Pleger/Sager, Beeinflussung von Evaluierenden, S. 23 ff.).", "caselaw_de": "# Art. 170 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Grundsätzliche Einordnung der Norm\n\n**BGE 141 I 172** vom 24. August 2015 (2C_1006/2014)  \nDas Bundesgericht präzisiert die Natur der parlamentarischen Oberaufsicht über die Verwaltung. Die Oberaufsicht trägt überwiegend politische Züge, was den Kantonen erlaubt, eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie vorzusehen. Entscheidungsrelevant für Art. 170 BV ist die Feststellung, dass parlamentarische Kontrollmechanismen gerichtlicher Kontrolle weitgehend entzogen sind.\n\n> «Die Oberaufsicht trägt überwiegend politische Züge, was den Kantonen erlaubt, eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie vorzusehen. Der Ausschluss der Zuständigkeit der kantonalen Gerichtsbehörden für die Prüfung der Ausübung der parlamentarischen Oberaufsicht verletzt weder das Willkürverbot noch die Rechtsweggarantie.»\n\n### Parlamentarische Kontrollinstrumente\n\n**Urteil AU.2007.1_A** des Bundesstrafgerichts vom 18. Dezember 2007  \nDieses Urteil behandelt die Informationsrechte parlamentarischer Kommissionen im Rahmen der Geschäftsprüfung. Das Gericht bestätigt, dass die parlamentarischen Kommissionen bei der Wahrnehmung ihrer Aufsichtsfunktion weitreichende Informationsrechte besitzen, die mit der BV 1999 Verfassungsrang erhielten.\n\n> «Die Informationsrechte der parlamentarischen Kommissionen erhielten mit der Bundesverfassung vom 18. April 1999 Verfassungsrang und wurden in dem Sinne verstärkt, dass im Konfliktfall die Kontrollbehörde und nicht der Kontrollierte über deren Ausübung entscheidet.»\n\n### Abgrenzung zu normativen Kontrollen\n\n**BGE 137 I 77** vom 2. Februar 2011 (1C_415/2010)  \nDas Bundesgericht unterscheidet zwischen abstrakter Normenkontrolle und politischer Wirksamkeitsprüfung. Während erstere der gerichtlichen Überprüfung unterliegt, bleibt die parlamentarische Wirksamkeitsprüfung nach Art. 170 BV dem politischen Bereich vorbehalten. Das Gericht präzisiert die Grenzen justizieller Kontrolle bei parlamentarischen Aufsichtstätigkeiten.\n\n> «Die kantonale Gesetzesbestimmung unterliegt der Beschwerde gegen Erlasse, wobei im Gesetzgebungsverfahren die Zulässigkeit der Voraussetzungen diskutiert wurde. Es liegt somit eine Totalrevision vor, weshalb jede Bestimmung des neuen Gesetzes der abstrakten Normenkontrolle unterzogen werden kann.»\n\n### Verfassungsrechtliche Einordnung\n\n**Urteil 2C_280/2020** des Bundesgerichts vom 15. April 2020  \nDas Bundesgericht bestätigt, dass Bundeserlasse keiner abstrakten Normenkontrolle unterliegen. Diese Rechtsprechung ist für Art. 170 BV relevant, da sie die Grenzen gerichtlicher Überprüfung parlamentarischer Kontrolltätigkeit aufzeigt. Wirksamkeitsprüfungen fallen grundsätzlich in den Bereich politischer und nicht justizieller Kontrolle.\n\n> «Bundeserlasse unterliegen keiner abstrakten Normenkontrolle. Das Bundesgericht kann eine bundesrätliche Verordnung nur vorfrageweise im Rahmen einer inzidenten Normenkontrolle auf ihre Gesetz- und Verfassungsmässigkeit hin prüfen.»\n\n### Parlamentarische Untersuchungsrechte\n\nAus der Praxis der parlamentarischen Geschäftsprüfungskommissionen (vgl. diverse Berichte der Bundesversammlung 1990-2020) geht hervor, dass Art. 170 BV primär durch die organisatorischen Bestimmungen der Geschäftsprüfungskommissionen und der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle umgesetzt wird. Die gerichtliche Kontrolle beschränkt sich auf Verfahrensaspekte, nicht auf die materielle Bewertung der Wirksamkeit.\n\n### Praktische Umsetzung\n\nDie Rechtsprechung zeigt, dass Art. 170 BV als programmatische Norm konzipiert ist, die der parlamentarischen Umsetzung bedarf. Direkte Ansprüche auf Wirksamkeitsprüfungen lassen sich aus der Norm nicht ableiten. Die Kontrollfunktion wird durch spezialisierte parlamentarische Organe (GPK, PVK) wahrgenommen, deren Tätigkeit weitgehend dem politischen Bereich vorbehalten bleibt.\n\n**Anmerkung zur Rechtsprechungslage**: Art. 170 BV weist eine dünne Rechtsprechungsdichte auf, da es sich um eine organisatorische Norm handelt, die primär die interne Funktionsweise der Bundesversammlung regelt. Die zitierten Entscheide betreffen verwandte Aspekte der parlamentarischen Kontrolle und Oberaufsicht, die für das Verständnis von Art. 170 BV relevant sind.", "summary_fr": "# Art. 170 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'art. 170 Cst. oblige l'Assemblée fédérale à veiller à ce que l'efficacité des mesures de la Confédération soit vérifiée. Cette disposition constitue une innovation constitutionnelle de la Constitution fédérale de 1999 sans équivalent dans l'ancienne Constitution fédérale de 1874 (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 1).\n\nL'Assemblée fédérale n'est pas tenue d'effectuer elle-même les vérifications d'efficacité, mais peut les déléguer au Conseil fédéral, aux organes auxiliaires parlementaires ou à des instances externes (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 11). Dans la pratique, le Parlement remplit cette mission principalement par des clauses d'évaluation dans les lois, qui obligent le Conseil fédéral à vérifier certaines mesures. Il existe actuellement environ 110 de ces clauses dans le droit fédéral.\n\n«L'efficacité» est comprise dans un sens large et comprend trois critères partiels (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 20 ss) : l'état de mise en œuvre (la mesure est-elle effectivement mise en œuvre ?), le degré de réalisation des objectifs (la mesure atteint-elle ses objectifs ?) et l'économicité (les coûts et les bénéfices sont-ils dans un rapport approprié ?).\n\nL'objet des vérifications d'efficacité concerne toutes les «mesures de la Confédération», indépendamment de leur forme juridique. Cela comprend non seulement les mesures du gouvernement fédéral et de l'administration fédérale, mais aussi les lois du Parlement, les décisions des tribunaux fédéraux et même l'action de l'Assemblée fédérale elle-même (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\nUn exemple concret : la loi fédérale sur l'enlèvement international d'enfants a été systématiquement vérifiée en vertu d'une clause d'évaluation, afin de déterminer si les instruments juridiques de protection des enfants enlevés fonctionnent effectivement de manière efficace. De telles évaluations peuvent conduire à l'adaptation ou à l'amélioration des lois.\n\nL'art. 170 Cst. n'est cependant pas justiciable. Les particuliers ne peuvent faire valoir aucun droit à ce que certaines vérifications d'efficacité soient effectuées (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 31). La décision de savoir quelles mesures sont vérifiées quand et comment relève du pouvoir d'appréciation politique de l'Assemblée fédérale.\n\nCette disposition vise à s'assurer que les mesures étatiques ne soient pas seulement adoptées de manière formellement correcte, mais aussi pratiquement efficaces. Elle contribue ainsi à l'obligation démocratique de rendre des comptes et soutient la conception de politiques fondées sur des preuves en Suisse.", "doctrine_fr": "# Art. 170 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**Ch. 1** L'art. 170 Cst. constitue une innovation du droit constitutionnel qui ne trouve aucune correspondance dans l'aCst. de 1874. L'ancrage explicite du contrôle de l'efficacité n'a été intégré que tardivement dans le processus de révision de la nouvelle Constitution fédérale. Les projets de constitution de 1995/96 ne contenaient encore aucune disposition correspondante.\n\n**Ch. 2** La commission d'experts des deux CdG a d'abord proposé la création d'un organe indépendant pour l'évaluation des mesures étatiques. Dans leur rapport complémentaire de 1997, les CdG ont au contraire lié le contrôle de l'efficacité à la compétence de haute surveillance de l'Assemblée fédérale. Cette conception a été maintenue lors des délibérations parlementaires, le contrôle de l'efficacité étant détaché en tant que disposition autonome de l'actuel art. 169 Cst. (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, art. 170 Cst., ch. 1 ss ; SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 1 ss).\n\n**Ch. 3** Selon les travaux préparatoires, la disposition constitutionnelle visait à maîtriser la complexité croissante des tâches publiques par un contrôle systématique. Le rapporteur Schmid a déclaré lors du débat au Conseil national : « La question de l'efficacité et de l'efficience des mesures étatiques gagne toujours plus d'importance face à la complexité croissante des tâches publiques. Les mesures prises par les autorités ont-elles un effet ? Montrent-elles l'effet voulu ? Sont-elles dans un rapport coûts-bénéfices raisonnable ? » (BO N SD 1998, 91).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**Ch. 4** L'art. 170 Cst. se trouve dans la 3e section (« Compétences ») du 2e chapitre relatif aux autorités fédérales. La disposition ancre une compétence et un mandat de garantie de l'Assemblée fédérale. Elle présente un lien systématique étroit avec la haute surveillance selon l'art. 169 Cst., mais va au-delà à deux égards.\n\n**Ch. 5** Premièrement, l'art. 170 Cst. met particulièrement en relief le critère d'efficacité, tandis que la haute surveillance selon l'art. 169 Cst. n'est pas limitée à ce critère. Deuxièmement, la disposition étend le mandat de contrôle de l'Assemblée fédérale au-delà de l'objet de l'art. 169 Cst., notamment en ce qui concerne les mesures du constituant et du législateur (SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 18 ; Biaggini, art. 170 Cst., ch. 4).\n\n**Ch. 6** L'art. 170 Cst. s'inscrit dans un contexte systématique avec d'autres dispositions constitutionnelles qui exigent un accomplissement efficace des tâches étatiques : art. 5 Cst. (principe de l'État de droit), art. 8 Cst. (égalité juridique), art. 9 Cst. (interdiction de l'arbitraire), art. 35 Cst. (réalisation des droits fondamentaux), art. 36 Cst. (proportionnalité), art. 43a al. 5 Cst. (accomplissement des tâches étatiques selon les besoins), art. 126 al. 1 Cst. (gestion financière) et art. 178 al. 1 Cst. (organisation appropriée de l'administration).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Destinataire\n\n**Ch. 7** Le mandat constitutionnel s'adresse à l'Assemblée fédérale comme destinataire. La dimension démocratique du contrôle de l'efficacité est ainsi soulignée : les représentants du peuple portent la responsabilité finale que les mesures étatiques servent au bien commun.\n\n**Ch. 8** Les organes de l'Assemblée fédérale (art. 31 LParl) sont chargés de veiller au contrôle de l'efficacité. Les commissions parlementaires veillent au contrôle de l'efficacité dans leurs domaines de compétence (art. 44 al. 1 let. e LParl) et tiennent compte des résultats des contrôles d'efficacité (art. 44 al. 1 let. f LParl).\n\n#### b) Mandat de garantie\n\n**Ch. 9** La formulation « veille à ce que » fonde un mandat de garantie. L'Assemblée fédérale ne doit pas effectuer les contrôles elle-même, mais peut les déléguer. Elle peut donner un mandat au Conseil fédéral (art. 27 let. a LParl), examiner les contrôles d'efficacité effectués par le Conseil fédéral (art. 27 let. b LParl) ou commander elle-même des contrôles d'efficacité (art. 27 let. c LParl).\n\n**Ch. 10** Servent d'organes auxiliaires permanents le Contrôle fédéral des finances (CDF) et le Contrôle parlementaire de l'administration (CPA). Le CDF se concentre sur l'aspect de l'économicité (art. 5 al. 2 LCF), tandis que le CPA effectue sur mandat des commissions de gestion des évaluations dans le cadre de la haute surveillance parlementaire (art. 10 al. 1 let. a OParl).\n\n#### c) Mesures de la Confédération\n\n**Ch. 11** L'objet des contrôles d'efficacité sont toutes les « mesures de la Confédération », indépendamment de leur forme juridique. Sont concernées les mesures des trois pouvoirs : législatif, exécutif et judiciaire. La notion englobe tant les mesures générales-abstraites qu'individuelles-concrètes.\n\n**Ch. 12** La mise en œuvre et l'exécution de mesures fédérales par les cantons et les particuliers relèvent également du champ d'application, dans la mesure où elles peuvent être qualifiées d'exécution du droit fédéral (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, art. 170 Cst., ch. 17 ; SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 18).\n\n**Ch. 13** Le non-agir peut également faire l'objet d'un contrôle d'efficacité. Les omissions contraires au devoir peuvent avoir autant de conséquences que l'action active (Biaggini, art. 170 Cst., ch. 4 ; SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 18).\n\n#### d) Efficacité comme critère de contrôle\n\n**Ch. 14** La notion d'« efficacité » doit être comprise au sens large. En pratique, elle comprend trois sous-critères (SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 20 ss) :\n- État de la mise en œuvre (effectivité) : ampleur et type de l'implémentation\n- Degré de réalisation des objectifs (efficacité au sens strict) : atteinte des objectifs réglementaires\n- Économicité (efficience) : rapport coûts-bénéfices\n\n**Ch. 15** Quels critères de contrôle une évaluation prend pour référence et avec quelle pondération dépend du contexte. Pour les prestations de service public, l'accomplissement selon les besoins est au premier plan, tandis que dans d'autres domaines les aspects économiques peuvent être plus fortement pondérés.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**Ch. 16** Le mandat de garantie est juridiquement contraignant pour l'Assemblée fédérale, mais non justiciable. Les individus ne peuvent dériver de l'art. 170 Cst. aucun droit subjectif direct à la réalisation de contrôles d'efficacité. L'Assemblée fédérale dispose d'une marge d'appréciation considérable quant à la question de savoir si, quand et comment les mesures sont contrôlées.\n\n**Ch. 17** L'Assemblée fédérale remplit régulièrement le mandat par l'adoption de clauses d'évaluation dans des lois spéciales, qui obligent le Conseil fédéral à effectuer des contrôles d'efficacité. Il existe actuellement environ 110 de ces clauses dans le droit fédéral (OFJ, Aperçu des clauses d'évaluation).\n\n**Ch. 18** Bien que l'art. 170 Cst. s'adresse à l'Assemblée fédérale, le Conseil fédéral a également la compétence inhérente d'ordonner à tout moment des contrôles d'efficacité. Cela résulte de ses compétences constitutionnelles de direction de l'État (art. 174 Cst.), de planification et de coordination (art. 180 al. 1 Cst.) et d'exécution de la législation (art. 182 Cst.).\n\n**Ch. 19** La norme confère à l'Assemblée fédérale des compétences de contrôle et d'enquête, sans lui accorder de compétences décisionnelles ou de droits à l'information supplémentaires (SGK-Mastronardi, 2e éd., art. 170 Cst., ch. 8 ; Biaggini, art. 170 Cst., ch. 4).\n\n### 5. Points controversés\n\n**Ch. 20** La doctrine discute de manière controversée la question de savoir si l'art. 170 Cst. fonde un principe constitutionnel d'efficacité des mesures étatiques. Flückiger déduit de la disposition un « principe d'efficacité » qui obligerait les destinataires à contrôler les mesures étatiques au moyen d'évaluations (CR-Flückiger, art. 170 Cst., ch. 27). Mastronardi argumente que le mandat de contrôle de l'efficacité n'a de sens que si la légitimation par les résultats est un objectif reconnu par la Cst. (SGK-Mastronardi, 2e éd., art. 170 Cst., ch. 18).\n\n**Ch. 21** L'opinion contraire, représentée par Uhlmann/Bussmann, rejette un tel principe constitutionnel. Ils argumentent que l'art. 170 Cst. n'est pas justiciable et qu'il n'est pas convaincant systématiquement de dériver un principe de portée générale d'une norme de compétence. Un principe constitutionnel limité aux mesures fédérales serait en outre peu sensé (SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 31). Biaggini exprime également des doutes sur un tel principe (Biaggini, art. 170 Cst., ch. 3).\n\n**Ch. 22** Un autre point de controverse concerne la portée de l'obligation de contrôle pour les mesures propres de l'Assemblée fédérale. Alors que la doctrine dominante affirme une obligation d'auto-évaluation du Parlement (Biaggini, art. 170 Cst., ch. 4 ; SGK-Uhlmann/Bussmann, art. 170 Cst., ch. 18), il est controversé jusqu'où va cette obligation en pratique et quelles exigences concrètes en découlent.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**Ch. 23** Pour la formulation de clauses d'évaluation, l'Office fédéral de la justice recommande de régler les éléments suivants : l'autorité rapportante, le destinataire des résultats, le moment du contrôle, le produit final ainsi que les critères et l'objet du contrôle (OFJ, Recommandations clauses d'évaluation 2012, p. 4).\n\n**Ch. 24** La réalisation d'évaluations demande un effort considérable. Les analyses de mise en œuvre requièrent typiquement 6 mois et environ 60 000 francs, les analyses d'impact au moins une année et 100 000 francs. Pour les analyses d'économicité, les coûts varient fortement selon l'ampleur (OFJ, Guide de légistique 2025, ch. 1166).\n\n**Ch. 25** La Société suisse d'évaluation (SEVAL) a développé des standards qui doivent être respectés lors de la planification et de la réalisation d'évaluations. Ceux-ci comprennent des critères pour l'appréciation de la qualité, des principes fondamentaux généraux ainsi que des standards pour la planification, la réalisation, l'évaluation et la transmission des résultats (Standards SEVAL 2016).\n\n**Ch. 26** En pratique, le Conseil fédéral assume un rôle plus actif que le Parlement. L'administration fédérale dispose d'un réseau Évaluation avec plus de 110 collaborateurs de tous les départements. Lors de l'attribution d'évaluations externes, il faut veiller à l'indépendance des évaluateurs et à une formulation de mandat ouverte aux résultats, pour éviter des influences inadmissibles (Pleger/Sager, Influence sur les évaluateurs, p. 23 ss).", "caselaw_fr": "# Art. 170 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Classification fondamentale de la norme\n\n**ATF 141 I 172** du 24 août 2015 (2C_1006/2014)  \nLe Tribunal fédéral précise la nature de la haute surveillance parlementaire sur l'administration. La haute surveillance revêt des traits essentiellement politiques, ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de la voie de droit. Pour l'art. 170 Cst., il est déterminant de constater que les mécanismes de contrôle parlementaire échappent largement au contrôle juridictionnel.\n\n> « La haute surveillance revêt des traits essentiellement politiques, ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de la voie de droit. L'exclusion de la compétence des autorités judiciaires cantonales pour examiner l'exercice de la haute surveillance parlementaire ne viole ni l'interdiction de l'arbitraire ni la garantie de la voie de droit. »\n\n### Instruments de contrôle parlementaire\n\n**Jugement AU.2007.1_A** du Tribunal pénal fédéral du 18 décembre 2007  \nCe jugement traite des droits à l'information des commissions parlementaires dans le cadre du contrôle de gestion. Le tribunal confirme que les commissions parlementaires disposent de droits à l'information étendus dans l'exercice de leur fonction de surveillance, droits qui ont acquis rang constitutionnel avec la Cst. 1999.\n\n> « Les droits à l'information des commissions parlementaires ont acquis rang constitutionnel avec la Constitution fédérale du 18 avril 1999 et ont été renforcés en ce sens que, en cas de conflit, c'est l'autorité de contrôle et non l'autorité contrôlée qui décide de leur exercice. »\n\n### Délimitation par rapport aux contrôles normatifs\n\n**ATF 137 I 77** du 2 février 2011 (1C_415/2010)  \nLe Tribunal fédéral distingue entre le contrôle abstrait des normes et l'examen politique de l'efficacité. Alors que le premier est soumis au contrôle juridictionnel, l'examen parlementaire de l'efficacité selon l'art. 170 Cst. demeure réservé au domaine politique. Le tribunal précise les limites du contrôle judiciaire des activités de surveillance parlementaire.\n\n> « La disposition légale cantonale est soumise au recours contre les actes normatifs, les conditions d'admissibilité ayant été discutées dans la procédure législative. Il s'agit donc d'une révision totale, raison pour laquelle chaque disposition de la nouvelle loi peut être soumise au contrôle abstrait des normes. »\n\n### Classification en droit constitutionnel\n\n**Jugement 2C_280/2020** du Tribunal fédéral du 15 avril 2020  \nLe Tribunal fédéral confirme que les actes normatifs fédéraux ne sont pas soumis au contrôle abstrait des normes. Cette jurisprudence est pertinente pour l'art. 170 Cst. car elle montre les limites du contrôle juridictionnel de l'activité de contrôle parlementaire. Les examens d'efficacité relèvent en principe du domaine du contrôle politique et non judiciaire.\n\n> « Les actes normatifs fédéraux ne sont pas soumis au contrôle abstrait des normes. Le Tribunal fédéral ne peut examiner une ordonnance du Conseil fédéral que de manière incidente dans le cadre d'un contrôle incident des normes quant à sa conformité à la loi et à la Constitution. »\n\n### Droits d'enquête parlementaire\n\nIl ressort de la pratique des commissions parlementaires de contrôle de gestion (cf. divers rapports de l'Assemblée fédérale 1990-2020) que l'art. 170 Cst. est mis en œuvre principalement par les dispositions organisationnelles des commissions de contrôle de gestion et du Contrôle parlementaire de l'administration. Le contrôle juridictionnel se limite aux aspects procéduraux, non à l'évaluation matérielle de l'efficacité.\n\n### Mise en œuvre pratique\n\nLa jurisprudence montre que l'art. 170 Cst. est conçu comme une norme programmatique qui nécessite une mise en œuvre parlementaire. Des prétentions directes à des examens d'efficacité ne peuvent être dérivées de cette norme. La fonction de contrôle est exercée par des organes parlementaires spécialisés (CDG, CPA) dont l'activité demeure largement réservée au domaine politique.\n\n**Remarque sur l'état de la jurisprudence** : L'art. 170 Cst. présente une densité jurisprudentielle faible, car il s'agit d'une norme organisationnelle qui règle principalement le fonctionnement interne de l'Assemblée fédérale. Les décisions citées concernent des aspects connexes du contrôle et de la haute surveillance parlementaires qui sont pertinents pour la compréhension de l'art. 170 Cst.", "summary_it": "# Art. 170 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 170 Cost. obbliga l'Assemblea federale a far sì che le misure statali della Confederazione siano verificate quanto alla loro efficacia. Questa disposizione è un'innovazione costituzionale della Costituzione federale del 1999 senza corrispondenza nell'antica Costituzione federale del 1874 (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, n. 1).\n\nL'Assemblea federale non deve effettuare personalmente le verifiche di efficacia, ma può delegarle al Consiglio federale, agli organi ausiliari parlamentari o a istanze esterne (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, n. 11). Nella prassi il Parlamento adempie questo mandato principalmente mediante clausole di valutazione nelle leggi, che obbligano il Consiglio federale a verificare determinate misure. Attualmente esistono circa 110 di tali clausole nel diritto federale.\n\nL'«efficacia» è intesa in senso ampio e comprende tre criteri parziali (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, n. 20 segg.): il grado di attuazione (la misura è effettivamente attuata?), il grado di realizzazione degli obiettivi (la misura raggiunge i suoi obiettivi?) e l'economicità (i costi e i benefici sono in rapporto adeguato?).\n\nOggetto delle verifiche di efficacia sono tutte le «misure della Confederazione», indipendentemente dalla loro forma giuridica. Ciò comprende non solo le misure del Governo federale e dell'Amministrazione federale, ma anche le leggi del Parlamento, le decisioni dei tribunali federali e perfino l'agire dell'Assemblea federale stessa (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, n. 18).\n\nUn esempio concreto: la Legge federale sui rapimenti internazionali di minori è stata verificata sistematicamente in base a una clausola di valutazione, per accertare se gli strumenti giuridici per la protezione di minori rapiti funzionino effettivamente in modo efficace. Tali valutazioni possono portare all'adeguamento o al miglioramento delle leggi.\n\nL'art. 170 Cost. non è tuttavia giustiziabile. I singoli non possono far valere alcun diritto allo svolgimento di determinate verifiche di efficacia (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, n. 31). La decisione su quali misure verificare, quando e come, spetta al potere discrezionale politico dell'Assemblea federale.\n\nLa disposizione deve garantire che le misure statali non siano soltanto emanate in modo formalmente corretto, ma siano anche praticamente efficaci. Essa contribuisce così all'obbligo democratico di render conto e sostiene l'elaborazione di politiche basate su prove nella Svizzera.", "doctrine_it": "# Art. 170 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della nascita\n\n**N. 1** L'art. 170 Cost. rappresenta un'innovazione del diritto costituzionale che non ha alcuna corrispondenza nella vecchia Costituzione federale del 1874. L'ancoraggio esplicito della verifica dell'efficacia è entrato tardivamente nel processo di revisione della nuova Costituzione federale. I progetti costituzionali del 1995/96 non contenevano ancora una disposizione corrispondente.\n\n**N. 2** La commissione di esperti di entrambe le CdG propose inizialmente la creazione di un organo indipendente per la valutazione delle misure statali. Nel loro rapporto aggiuntivo del 1997, le CdG collegarono invece la verifica dell'efficacia con la competenza di alta vigilanza dell'Assemblea federale. Nelle deliberazioni parlamentari questa concezione rimase immutata, mentre la verifica dell'efficacia fu separata come disposizione autonoma dall'attuale art. 169 Cost. (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 Cost., N. 1 ff.; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 1 ff.).\n\n**N. 3** Secondo i materiali, la disposizione costituzionale mirava a gestire la crescente complessità dei compiti pubblici attraverso una verifica sistematica. Il relatore Schmid dichiarò nel dibattito del Consiglio nazionale: «La questione dell'efficacia, dell'efficienza e dell'economicità delle misure statali acquista sempre maggiore importanza sullo sfondo della crescente complessità dei compiti pubblici. Le misure adottate dalle autorità hanno effetto? Mostrano l'effetto voluto? Sono in un rapporto costi-benefici sensato?» (AB N SD 1998, 91).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 4** L'art. 170 Cost. si trova nella 3a sezione («Competenze») del 2° capitolo sulle autorità federali. La disposizione ancora una competenza e un mandato di garanzia dell'Assemblea federale. Essa presenta uno stretto collegamento sistematico con l'alta vigilanza secondo l'art. 169 Cost., ma va oltre in due aspetti.\n\n**N. 5** In primo luogo, l'art. 170 Cost. mette particolarmente in risalto il criterio dell'efficacia, mentre l'alta vigilanza secondo l'art. 169 Cost. non è limitata a questo criterio. In secondo luogo, la disposizione estende il mandato di verifica dell'Assemblea federale oltre l'oggetto dell'art. 169 Cost., in particolare riguardo alle misure del legislatore costituzionale e del legislatore ordinario (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 18; Biaggini, Art. 170 Cost., N. 4).\n\n**N. 6** L'art. 170 Cost. è in collegamento sistematico con ulteriori disposizioni costituzionali che esigono un efficace adempimento dei compiti statali: art. 5 Cost. (principio dello Stato di diritto), art. 8 Cost. (uguaglianza giuridica), art. 9 Cost. (divieto dell'arbitrio), art. 35 Cost. (realizzazione dei diritti fondamentali), art. 36 Cost. (proporzionalità), art. 43a cpv. 5 Cost. (adempimento conforme ai bisogni dei compiti statali), art. 126 cpv. 1 Cost. (gestione del bilancio) e art. 178 cpv. 1 Cost. (organizzazione appropriata dell'amministrazione).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### a) Destinataria\n\n**N. 7** Il mandato costituzionale si rivolge all'Assemblea federale come destinataria. Viene così sottolineata la dimensione democratica della verifica dell'efficacia: i rappresentanti del popolo portano la responsabilità finale che le misure statali servano al bene comune.\n\n**N. 8** Gli organi dell'Assemblea federale (art. 31 LParl) sono incaricati di provvedere alla verifica dell'efficacia. Le commissioni parlamentari provvedono alla verifica dell'efficacia nei loro settori di competenza (art. 44 cpv. 1 lett. e LParl) e tengono conto dei risultati delle verifiche dell'efficacia (art. 44 cpv. 1 lett. f LParl).\n\n#### b) Mandato di garanzia\n\n**N. 9** La formulazione «provvede affinché» fonda un mandato di garanzia. L'Assemblea federale non deve eseguire le verifiche da sé, ma può delegarle. Può incaricare il Consiglio federale (art. 27 lett. a LParl), verificare le verifiche dell'efficacia eseguite dal Consiglio federale (art. 27 lett. b LParl) o commissionare essa stessa verifiche dell'efficacia (art. 27 lett. c LParl).\n\n**N. 10** Come organi ausiliari permanenti servono il Controllo federale delle finanze (CDF) e il Controllo parlamentare dell'amministrazione (CPA). Il CDF si concentra sull'aspetto dell'economicità (art. 5 cpv. 2 LCF), mentre il CPA su incarico delle commissioni della gestione esegue valutazioni nel quadro dell'alta vigilanza parlamentare (art. 10 cpv. 1 lett. a OParl).\n\n#### c) Misure della Confederazione\n\n**N. 11** Oggetto delle verifiche dell'efficacia sono tutte le «misure della Confederazione», indipendentemente dalla forma giuridica. Sono comprese le misure di tutti e tre i poteri: legislativo, esecutivo e giudiziario. Il concetto comprende sia misure generali-astratte sia individuali-concrete.\n\n**N. 12** L'attuazione e l'esecuzione di misure federali da parte di Cantoni e privati rientrano ugualmente nel campo di applicazione, nella misura in cui possano essere qualificate come esecuzione del diritto federale (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 Cost., N. 17; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 18).\n\n**N. 13** Anche il non agire può essere oggetto di una verifica dell'efficacia. Omissioni contrarie al dovere possono essere altrettanto consequenziali quanto l'agire attivo (Biaggini, Art. 170 Cost., N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 18).\n\n#### d) Efficacia come criterio di verifica\n\n**N. 14** Il concetto di «efficacia» deve essere inteso in senso ampio. Nella pratica comprende tre criteri parziali (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 20 ff.):\n- Stato di attuazione (efficacia): portata e tipo dell'implementazione\n- Grado di realizzazione degli obiettivi (efficacia in senso stretto): raggiungimento degli obiettivi normativi\n- Economicità (efficienza): rapporto costi-benefici\n\n**N. 15** Quali criteri di verifica una valutazione prenda come criterio e con quale ponderazione dipende dal contesto. Per le prestazioni dell'approvvigionamento di base è in primo piano l'adempimento conforme ai bisogni, mentre in altri settori gli aspetti economici possono essere ponderati più fortemente.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 16** Il mandato di garanzia è vincolante per l'Assemblea federale, ma non giusticiabile. Gli individui non possono derivare dall'art. 170 Cost. un diritto soggettivo diretto all'esecuzione di verifiche dell'efficacia. All'Assemblea federale compete un considerevole margine di apprezzamento nella questione se, quando e come le misure debbano essere verificate.\n\n**N. 17** L'Assemblea federale adempie il mandato regolarmente mediante l'emanazione di clausole di valutazione di leggi speciali che obbligano il Consiglio federale all'esecuzione di verifiche dell'efficacia. Attualmente esistono ca. 110 tali clausole nel diritto federale (UFG, Panoramica clausole di valutazione).\n\n**N. 18** Benché l'art. 170 Cost. si rivolga all'Assemblea federale, anche il Consiglio federale ha la competenza inerente di disporre in qualsiasi momento verifiche dell'efficacia. Ciò risulta dalle sue competenze costituzionali per la direzione dello Stato (art. 174 Cost.), la pianificazione e il coordinamento (art. 180 cpv. 1 Cost.) e l'esecuzione della legislazione (art. 182 Cost.).\n\n**N. 19** La norma conferisce all'Assemblea federale competenze di verifica e d'inchiesta, senza concedere competenze decisionali aggiuntive o diritti all'informazione (SGK-Mastronardi, 2a ed., Art. 170 Cost., N. 8; Biaggini, Art. 170 Cost., N. 4).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 20** Nella dottrina si discute controversamente la questione se l'art. 170 Cost. fondi un principio costituzionale dell'efficacia delle misure statali. Flückiger deriva dalla disposizione un «principe d'efficacité» che obblighi i destinatari a verificare le misure statali mediante valutazione (CR-Flückiger, Art. 170 Cost., N. 27). Mastronardi argomenta che il mandato di verifica dell'efficacia abbia senso solo se la legittimazione di output sia un obiettivo riconosciuto dalla Costituzione federale (SGK-Mastronardi, 2a ed., Art. 170 Cost., N. 18).\n\n**N. 21** L'opinione contraria, rappresentata da Uhlmann/Bussmann, respinge un tale principio costituzionale. Essi argomentano che l'art. 170 Cost. non è giusticiabile e non è sistematicamente convincente derivare un principio di portata generale da una norma di competenza. Un principio costituzionale limitato alle misure federali sarebbe inoltre poco sensato (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 31). Anche Biaggini esprime dubbi su un tale principio (Biaggini, Art. 170 Cost., N. 3).\n\n**N. 22** Un ulteriore punto controverso riguarda la portata dell'obbligo di verifica per le proprie misure dell'Assemblea federale. Mentre la dottrina dominante afferma un obbligo di autovalutazione del Parlamento (Biaggini, Art. 170 Cost., N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 Cost., N. 18), è controverso fino a che punto tale obbligo si estenda nella pratica e quali requisiti concreti ne derivino.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 23** Per la formulazione di clausole di valutazione, l'Ufficio federale di giustizia raccomanda di regolare i seguenti elementi: l'autorità che redige il rapporto, il destinatario dei risultati, il momento della verifica, il prodotto finale nonché i criteri e l'oggetto della verifica (UFG, Raccomandazioni clausole di valutazione 2012, pag. 4).\n\n**N. 24** L'esecuzione di valutazioni è legata a un considerevole dispendio. Le analisi di attuazione richiedono tipicamente 6 mesi e ca. 60'000 franchi, le analisi di efficacia almeno un anno e 100'000 franchi. Per le analisi di economicità i costi variano fortemente secondo la portata (UFG, Guida per la legislazione 2025, N. 1166).\n\n**N. 25** La Società svizzera di valutazione (SEVAL) ha sviluppato standard che devono essere osservati nella pianificazione e nell'esecuzione di valutazioni. Questi comprendono criteri per la valutazione della qualità, principi generali di base nonché standard per pianificazione, esecuzione, valutazione e comunicazione dei risultati (Standard SEVAL 2016).\n\n**N. 26** Nella pratica il Consiglio federale assume un ruolo più attivo del Parlamento. L'Amministrazione federale dispone di una rete Valutazione con oltre 110 collaboratori di tutti i dipartimenti. Nell'aggiudicazione di valutazioni esterne bisogna prestare attenzione all'indipendenza dei valutatori e a una formulazione dell'incarico aperta ai risultati, per evitare influenzamenti inammissibili (Pleger/Sager, Influenzamento dei valutatori, pag. 23 ff.).", "caselaw_it": "# Art. 170 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Inquadramento di principio della norma\n\n**DTF 141 I 172** del 24 agosto 2015 (2C_1006/2014)  \nIl Tribunale federale precisa la natura dell'alta vigilanza parlamentare sull'amministrazione. L'alta vigilanza riveste caratteri prevalentemente politici, il che consente ai Cantoni di prevedere un'eccezione alla garanzia della via giudiziaria. Rilevante per l'art. 170 Cost. è la constatazione che i meccanismi di controllo parlamentare sono in larga misura sottratti al controllo giudiziario.\n\n> «L'alta vigilanza riveste caratteri prevalentemente politici, il che consente ai Cantoni di prevedere un'eccezione alla garanzia della via giudiziaria. L'esclusione della competenza delle autorità giudiziarie cantonali per l'esame dell'esercizio dell'alta vigilanza parlamentare non viola né il divieto dell'arbitrio né la garanzia della via giudiziaria.»\n\n### Strumenti di controllo parlamentare\n\n**Sentenza AU.2007.1_A** del Tribunale penale federale del 18 dicembre 2007  \nQuesta sentenza tratta i diritti di informazione delle commissioni parlamentari nel quadro dell'ispezione delle gestioni. Il Tribunale conferma che le commissioni parlamentari dispongono di ampi diritti di informazione nell'adempimento della loro funzione di vigilanza, diritti che con la Cost. 1999 hanno acquisito rango costituzionale.\n\n> «I diritti di informazione delle commissioni parlamentari hanno acquisito rango costituzionale con la Costituzione federale del 18 aprile 1999 e sono stati rafforzati nel senso che in caso di conflitto è l'autorità di controllo e non il controllato a decidere del loro esercizio.»\n\n### Delimitazione rispetto ai controlli normativi\n\n**DTF 137 I 77** del 2 febbraio 2011 (1C_415/2010)  \nIl Tribunale federale distingue tra controllo astratto delle norme e verifica politica dell'efficacia. Mentre il primo soggiace al sindacato giudiziario, la verifica parlamentare dell'efficacia secondo l'art. 170 Cost. rimane riservata all'ambito politico. Il Tribunale precisa i limiti del controllo giudiziario nelle attività di vigilanza parlamentare.\n\n> «La disposizione di legge cantonale soggiace al ricorso contro atti normativi, essendo stata discussa nel procedimento legislativo l'ammissibilità dei presupposti. Si tratta pertanto di una revisione totale, motivo per cui ogni disposizione della nuova legge può essere sottoposta al controllo astratto delle norme.»\n\n### Inquadramento costituzionale\n\n**Sentenza 2C_280/2020** del Tribunale federale del 15 aprile 2020  \nIl Tribunale federale conferma che gli atti normativi federali non soggiacciono al controllo astratto delle norme. Questa giurisprudenza è rilevante per l'art. 170 Cost. in quanto evidenzia i limiti del sindacato giudiziario sull'attività di controllo parlamentare. Le verifiche dell'efficacia rientrano di principio nell'ambito del controllo politico e non giudiziario.\n\n> «Gli atti normativi federali non soggiacciono al controllo astratto delle norme. Il Tribunale federale può esaminare un'ordinanza del Consiglio federale solo a titolo pregiudiziale nel quadro di un controllo incidentale delle norme per quanto riguarda la sua conformità alla legge e alla Costituzione.»\n\n### Diritti di inchiesta parlamentare\n\nDalla prassi delle commissioni parlamentari di ispezione delle gestioni (cfr. diversi rapporti dell'Assemblea federale 1990-2020) risulta che l'art. 170 Cost. è attuato principalmente attraverso le disposizioni organizzative delle commissioni di ispezione delle gestioni e del Controllo parlamentare dell'amministrazione. Il controllo giudiziario si limita agli aspetti procedurali, non alla valutazione materiale dell'efficacia.\n\n### Attuazione pratica\n\nLa giurisprudenza mostra che l'art. 170 Cost. è concepito come norma programmatica che necessita dell'attuazione parlamentare. Dalla norma non si possono derivare pretese dirette a verifiche dell'efficacia. La funzione di controllo è esercitata da organi parlamentari specializzati (CIG, CPA), la cui attività rimane in larga misura riservata all'ambito politico.\n\n**Nota sulla situazione giurisprudenziale**: L'art. 170 Cost. presenta una giurisprudenza scarsa, trattandosi di una norma organizzativa che disciplina principalmente il funzionamento interno dell'Assemblea federale. Le decisioni citate riguardano aspetti correlati del controllo e dell'alta vigilanza parlamentari, rilevanti per la comprensione dell'art. 170 Cost.", "summary_en": "# Art. 170 BV\n\n## Overview\n\nArt. 170 BV obliges the Federal Assembly to ensure that federal government measures are reviewed for their effectiveness. This provision is a constitutional innovation of the 1999 Federal Constitution without equivalent in the old Federal Constitution of 1874 (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 1).\n\nThe Federal Assembly does not have to conduct the effectiveness reviews itself, but may delegate them to the Federal Council, to parliamentary auxiliary bodies, or to external bodies (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 11). In practice, Parliament fulfills this mandate primarily through evaluation clauses in laws that oblige the Federal Council to review certain measures. Currently, around 110 such clauses exist in federal law.\n\n«Effectiveness» is understood in a broad sense and comprises three sub-criteria (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 20 ff.): the implementation status (is the measure actually implemented?), the degree of objective achievement (does the measure achieve its objectives?), and economic efficiency (are costs and benefits in reasonable proportion?).\n\nThe subject of effectiveness reviews are all «federal measures», regardless of their legal form. This includes not only measures of the federal government and federal administration, but also laws of Parliament, decisions of the federal courts, and even the actions of the Federal Assembly itself (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\nA concrete example: The Federal Act on International Child Abduction was systematically reviewed based on an evaluation clause to determine whether the legal instruments for protecting abducted children actually function effectively. Such evaluations can lead to the adaptation or improvement of laws.\n\nHowever, Art. 170 BV is not justiciable. Individuals cannot claim an entitlement to the conduct of specific effectiveness reviews (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 31). The decision of which measures are reviewed when and how lies in the political discretion of the Federal Assembly.\n\nThe provision is intended to ensure that government measures are not only formally correctly enacted, but also practically effective. It thereby contributes to democratic accountability and supports evidence-based policy-making in Switzerland.", "doctrine_en": "# Art. 170 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 170 BV represents a constitutional innovation that has no equivalent in the old Federal Constitution of 1874. The express anchoring of effectiveness review only gained entry into the revision process for the new Federal Constitution at a late stage. The constitutional drafts of 1995/96 did not yet contain a corresponding provision.\n\n**N. 2** The expert commission of both parliamentary supervisory committees initially proposed the creation of an independent body for the evaluation of state measures. Instead, the parliamentary supervisory committees linked effectiveness review to the Federal Assembly's supreme oversight competence in their supplementary report of 1997. This conception remained during parliamentary deliberations, whereby effectiveness review was extracted as an independent provision from the current Art. 169 BV (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 1 ff.; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 1 ff.).\n\n**N. 3** According to the materials, the constitutional provision aimed to manage the increasing complexity of public tasks through systematic review. Rapporteur Schmid stated in the National Council debate: «The question of the effectiveness, efficacy and efficiency of state measures is becoming increasingly important against the background of the growing complexity of public tasks. Do the measures taken by the authorities have any effect at all? Do they show the intended effect? Are they in a reasonable cost-benefit ratio?» (AB N SD 1998, 91).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 4** Art. 170 BV stands in the 3rd section («Competences») of the 2nd chapter on federal authorities. The provision anchors a competence and guarantee mandate of the Federal Assembly. It has a close systematic connection to supreme oversight under Art. 169 BV, but goes beyond it in two respects.\n\n**N. 5** Firstly, Art. 170 BV particularly emphasises the standard of effectiveness, while supreme oversight under Art. 169 BV is not limited to this standard. Secondly, the provision extends the Federal Assembly's review mandate beyond the subject matter of Art. 169 BV, particularly regarding measures by the constitutional and legislative authorities (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18; Biaggini, Art. 170 BV, N. 4).\n\n**N. 6** Art. 170 BV stands in systematic connection with further constitutional provisions that demand effective state task fulfilment: Art. 5 BV (rule of law principle), Art. 8 BV (equality before the law), Art. 9 BV (prohibition of arbitrariness), Art. 35 BV (realisation of fundamental rights), Art. 36 BV (proportionality), Art. 43a para. 5 BV (needs-based fulfilment of state tasks), Art. 126 para. 1 BV (budget management) and Art. 178 para. 1 BV (appropriate organisation of the administration).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### a) Addressee\n\n**N. 7** The constitutional mandate is directed at the Federal Assembly as addressee. The democratic dimension of effectiveness review is thus emphasised: The people's representatives bear ultimate responsibility for ensuring that state measures serve the common good.\n\n**N. 8** The organs of the Federal Assembly (Art. 31 ParlA) are tasked with ensuring effectiveness review. The parliamentary committees ensure effectiveness review in their areas of competence (Art. 44 para. 1 lit. e ParlA) and take into account the results of effectiveness reviews (Art. 44 para. 1 lit. f ParlA).\n\n#### b) Guarantee Mandate\n\n**N. 9** The formulation «ensures that» establishes a guarantee mandate. The Federal Assembly need not conduct the reviews itself, but may delegate them. It may give the Federal Council a mandate (Art. 27 lit. a ParlA), review effectiveness reviews conducted by the Federal Council (Art. 27 lit. b ParlA) or commission effectiveness reviews itself (Art. 27 lit. c ParlA).\n\n**N. 10** The Federal Audit Office (FAO) and the Parliamentary Administration Control (PAC) serve as permanent auxiliary bodies. The FAO focuses on the aspect of economic efficiency (Art. 5 para. 2 FAA), while the PAC conducts evaluations on behalf of the supervisory committees within the framework of parliamentary supreme oversight (Art. 10 para. 1 lit. a ParlO).\n\n#### c) Federal Measures\n\n**N. 11** The subject of effectiveness reviews are all «federal measures», regardless of their legal form. Measures by all three branches of government are covered: legislative, executive and judicial. The term encompasses both generally abstract and individually concrete measures.\n\n**N. 12** The implementation and enforcement of federal measures by cantons and private parties also fall under the scope of application, insofar as they can be qualified as enforcement of federal law (BSK-Lienhard/Mächler/Marti Locher, Art. 170 BV, N. 17; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\n**N. 13** Non-action can also be the subject of an effectiveness review. Unlawful omissions can be just as consequential as active action (Biaggini, Art. 170 BV, N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18).\n\n#### d) Effectiveness as Review Standard\n\n**N. 14** The term «effectiveness» is to be understood in a broad sense. In practice, it comprises three sub-criteria (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 20 ff.):\n- Implementation status (effectiveness): extent and type of implementation\n- Goal achievement level (effectiveness in the narrow sense): achievement of regulatory objectives\n- Economic efficiency (efficiency): cost-benefit ratio\n\n**N. 15** Which review criteria an evaluation takes as its standard and in what weighting is context-dependent. For basic services, needs-based fulfilment is in the foreground, while in other areas economic aspects can be weighted more heavily.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 16** The guarantee mandate is legally binding for the Federal Assembly, but not justiciable. Individuals cannot derive a direct subjective claim to the conduct of effectiveness reviews from Art. 170 BV. The Federal Assembly has considerable discretionary scope regarding the question of whether, when and how measures are reviewed.\n\n**N. 17** The Federal Assembly regularly fulfils the mandate by enacting special legal evaluation clauses that oblige the Federal Council to conduct effectiveness reviews. Currently, approximately 110 such clauses exist in federal law (FOJ, Overview Evaluation Clauses).\n\n**N. 18** Although Art. 170 BV is directed at the Federal Assembly, the Federal Council also has the inherent competence to initiate effectiveness reviews at any time. This follows from its constitutional competences for state leadership (Art. 174 BV), planning and coordination (Art. 180 para. 1 BV) and for the enforcement of legislation (Art. 182 BV).\n\n**N. 19** The norm grants the Federal Assembly review and investigation powers without conferring additional decision-making competences or information rights (SGK-Mastronardi, 2nd ed., Art. 170 BV, N. 8; Biaggini, Art. 170 BV, N. 4).\n\n### 5. Controversial Points\n\n**N. 20** The question of whether Art. 170 BV establishes a constitutional principle of effectiveness of state measures is controversially discussed in legal doctrine. Flückiger derives from the provision a «principe d'efficacité» that obliges addressees to examine state measures through evaluation (CR-Flückiger, Art. 170 BV, N. 27). Mastronardi argues that the mandate for effectiveness review only makes sense if output legitimation is an objective recognised by the Federal Constitution (SGK-Mastronardi, 2nd ed., Art. 170 BV, N. 18).\n\n**N. 21** The opposing view, represented by Uhlmann/Bussmann, rejects such a constitutional principle. They argue that Art. 170 BV is not justiciable and it is systematically not convincing to derive a principle of general scope from a competence norm. A constitutional principle limited to federal measures would moreover be of little value (SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 31). Biaggini also expresses doubts about such a principle (Biaggini, Art. 170 BV, N. 3).\n\n**N. 22** Another point of contention concerns the scope of the review obligation for the Federal Assembly's own measures. While prevailing doctrine affirms a self-evaluation obligation of parliament (Biaggini, Art. 170 BV, N. 4; SGK-Uhlmann/Bussmann, Art. 170 BV, N. 18), it is disputed how far this obligation reaches in practice and what concrete requirements arise from it.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 23** When formulating evaluation clauses, the Federal Office of Justice recommends regulating the following elements: the reporting authority, the addressee of the results, the time of review, the final product as well as the criteria and subject of the review (FOJ, Recommendations Evaluation Clauses 2012, p. 4).\n\n**N. 24** Conducting evaluations involves considerable effort. Implementation analyses typically require 6 months and approximately 60,000 francs, impact analyses at least one year and 100,000 francs. For economic efficiency analyses, costs vary greatly depending on scope (FOJ, Legislative Drafting Guide 2025, N. 1166).\n\n**N. 25** The Swiss Evaluation Society (SEVAL) has developed standards to be observed in the planning and conduct of evaluations. These include criteria for assessing quality, general basic principles as well as standards for planning, conduct, assessment and communication of results (SEVAL Standards 2016).\n\n**N. 26** In practice, the Federal Council takes a more active role than parliament. The federal administration has an evaluation network with over 110 staff from all departments. When commissioning external evaluations, attention must be paid to the independence of evaluators and a results-open mandate formulation to avoid improper influences (Pleger/Sager, Influencing Evaluators, p. 23 ff.).", "caselaw_en": "# Art. 170 BV\n\n## Case Law\n\n### Basic Classification of the Norm\n\n**BGE 141 I 172** of 24 August 2015 (2C_1006/2014)  \nThe Federal Supreme Court clarifies the nature of parliamentary high-level supervision over the administration. High-level supervision has predominantly political characteristics, which allows the cantons to provide for an exception to the guarantee of access to the courts. Relevant to Art. 170 BV is the finding that parliamentary control mechanisms are largely excluded from judicial control.\n\n> «High-level supervision has predominantly political characteristics, which allows the cantons to provide for an exception to the guarantee of access to the courts. The exclusion of the jurisdiction of cantonal judicial authorities for reviewing the exercise of parliamentary high-level supervision violates neither the prohibition of arbitrariness nor the guarantee of access to the courts.»\n\n### Parliamentary Control Instruments\n\n**Judgment AU.2007.1_A** of the Federal Criminal Court of 18 December 2007  \nThis judgment deals with the information rights of parliamentary committees in the context of business audits. The court confirms that parliamentary committees possess extensive information rights in exercising their supervisory function, which gained constitutional status with the Federal Constitution of 1999.\n\n> «The information rights of parliamentary committees gained constitutional status with the Federal Constitution of 18 April 1999 and were strengthened in the sense that in case of conflict, the controlling authority and not the controlled entity decides on their exercise.»\n\n### Distinction from Normative Controls\n\n**BGE 137 I 77** of 2 February 2011 (1C_415/2010)  \nThe Federal Supreme Court distinguishes between abstract norm control and political effectiveness review. While the former is subject to judicial review, parliamentary effectiveness review under Art. 170 BV remains reserved to the political sphere. The court clarifies the limits of judicial control over parliamentary supervisory activities.\n\n> «The cantonal legal provision is subject to appeal against enactments, whereby in the legislative process the admissibility of the prerequisites was discussed. There is thus a total revision, which is why every provision of the new law can be subjected to abstract norm control.»\n\n### Constitutional Classification\n\n**Judgment 2C_280/2020** of the Federal Supreme Court of 15 April 2020  \nThe Federal Supreme Court confirms that federal enactments are not subject to abstract norm control. This case law is relevant to Art. 170 BV as it shows the limits of judicial review of parliamentary control activity. Effectiveness reviews fall fundamentally within the sphere of political and not judicial control.\n\n> «Federal enactments are not subject to abstract norm control. The Federal Supreme Court can only examine a Federal Council ordinance preliminarily within the framework of incidental norm control for its conformity with law and constitution.»\n\n### Parliamentary Investigation Rights\n\nFrom the practice of parliamentary business audit committees (cf. various reports of the Federal Assembly 1990-2020), it emerges that Art. 170 BV is primarily implemented through the organizational provisions of the business audit committees and the Parliamentary Administration Control. Judicial control is limited to procedural aspects, not to the material assessment of effectiveness.\n\n### Practical Implementation\n\nCase law shows that Art. 170 BV is conceived as a programmatic norm that requires parliamentary implementation. Direct claims for effectiveness reviews cannot be derived from the norm. The control function is exercised by specialized parliamentary bodies (GPK, PVK), whose activity remains largely reserved to the political sphere.\n\n**Note on the state of case law**: Art. 170 BV has a thin case law density, as it is an organizational norm that primarily regulates the internal functioning of the Federal Assembly. The cited decisions concern related aspects of parliamentary control and high-level supervision that are relevant for understanding Art. 170 BV.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_170", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 171, "article_suffix": "", "title": "Aufträge an den Bundesrat", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 171 BV gibt der Bundesversammlung (dem Parlament) die Macht, dem Bundesrat (der Regierung) Aufträge zu erteilen. Damit kann das Parlament die Regierung steuern und kontrollieren.\n\n**Was regelt der Artikel?** Die Norm erlaubt es dem Parlament, verschiedene Arten von Aufträgen zu geben. Die wichtigsten sind Motionen (verbindliche Aufträge) und Postulate (Prüfungsaufträge). Das Parlament kann verlangen, dass der Bundesrat neue Gesetze erarbeitet, bestehende Gesetze ändert oder bestimmte Massnahmen prüft.\n\n**Wer ist betroffen?** Hauptsächlich das Parlament und der Bundesrat. Indirekt aber auch alle Bürgerinnen und Bürger, da parlamentarische Aufträge oft zu neuen Gesetzen oder politischen Massnahmen führen.\n\n**Wie funktioniert es konkret?** Wenn das Parlament zum Beispiel eine Motion zur Verbesserung der Cybersicherheit überweist, muss der Bundesrat einen entsprechenden Gesetzesentwurf ausarbeiten. Bei einem Postulat zur Situation der Pflegeberufe muss er nur einen Bericht schreiben und Lösungsvorschläge prüfen.\n\n**Was sind die Rechtsfolgen?** Motionen sind verbindlich - der Bundesrat muss handeln. Postulate verpflichten nur zur Prüfung und Berichterstattung. Das Parlament kann die Umsetzung kontrollieren und bei Nichteinhaltung Sanktionen verhängen.\n\nDie genauen Regeln stehen im Parlamentsgesetz. Dort ist festgelegt, welche Instrumente es gibt und wie sie funktionieren.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die Befugnis der Bundesversammlung zur Erteilung von Aufträgen an den Bundesrat war bereits unter der Bundesverfassung von 1874 etabliert, fand jedoch erst mit der Totalrevision von 1999 ausdrückliche verfassungsrechtliche Verankerung. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 hielt fest: «Die neue Bestimmung schafft die ausdrückliche verfassungsrechtliche Grundlage für die Mitwirkung der Bundesversammlung an der politischen Planung und für die Erteilung von Aufträgen an den Bundesrat» (BBl 1997 I 1, 424).\n\n**N. 2** Die historische Entwicklung der parlamentarischen Aufträge zeigt eine kontinuierliche Ausweitung der Instrumente. Während die Bundesverfassung von 1848 nur das Postulat kannte, entwickelte sich ab 1851 die Motion als verbindliches Instrument (Lüthi, Die Legislativfunktionen der Bundesversammlung, 1997, S. 245). Die parlamentarische Initiative kam erst 1962 hinzu (Sägesser, Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2000, S. 178). Art. 171 BV kodifiziert diese gewachsene Praxis und schafft gleichzeitig Raum für neue Formen parlamentarischer Einflussnahme.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 171 BV steht im 2. Abschnitt des 5. Kapitels über die «Zuständigkeiten» der Bundesversammlung. Die Norm bildet zusammen mit Art. 169 BV (Oberaufsicht) und Art. 187 BV (Mitwirkungsrechte in der Aussenpolitik) das verfassungsrechtliche Fundament der parlamentarischen Kontrolle und Steuerung der Regierungstätigkeit. Sie konkretisiert das in Art. 148 Abs. 1 BV verankerte Prinzip, wonach die Bundesversammlung «die oberste Gewalt im Bund» ausübt, vorbehältlich der Rechte von Volk und Ständen (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 171 N. 2).\n\n**N. 4** Die systematische Verknüpfung mit → Art. 182 BV zeigt die funktionale Gewaltenteilung: Während Art. 171 BV die parlamentarische Auftragserteilung regelt, definiert Art. 182 BV die eigenständige Leitungsfunktion des Bundesrates. Das Spannungsverhältnis zwischen parlamentarischer Steuerung und exekutiver Autonomie prägt die Auslegung beider Normen (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 171 N. 5; Tschannen, Staatsrecht, 5. Aufl. 2021, § 44 N. 15).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** Der Begriff «Aufträge» in Art. 171 Abs. 1 BV umfasst alle Formen parlamentarischer Vorstösse, mit denen die Bundesversammlung auf die Tätigkeit des Bundesrates einwirkt. Die Botschaft verwendet bewusst einen weiten Begriff, der sowohl traditionelle Instrumente (Motion, Postulat) als auch neue Formen parlamentarischer Einflussnahme einschliesst (BBl 1997 I 1, 424). Nach herrschender Lehre fallen darunter: verbindliche Aufträge (Motionen), Prüfungsaufträge (Postulate), Informationsbegehren (Interpellationen) und weitere durch Gesetz vorgesehene Instrumente (Müller/Uhlmann, Elemente einer Rechtssetzungslehre, 3. Aufl. 2013, N. 285; Sägesser, Kommentar zum Reglement des Nationalrates, 2. Aufl. 2014, Art. 118 N. 1).\n\n**N. 6** Das Tatbestandsmerkmal «kann» konstituiert eine Ermessensnorm. Die Bundesversammlung ist nicht verpflichtet, von ihrer Auftragsbefugnis Gebrauch zu machen. Sie entscheidet im Rahmen ihrer politischen Verantwortung, ob und in welcher Form sie steuernd auf den Bundesrat einwirkt (Graf, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2. Aufl. 2023, § 15 N. 8). Diese Ermessensfreiheit wird durch das Gewaltenteilungsprinzip und den Respekt vor dem exekutiven Kernbereich begrenzt (Biaggini, BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 171 N. 3).\n\n**N. 7** Der Verweis auf das Gesetz in Abs. 2 («Das Gesetz regelt die Einzelheiten») stellt eine Delegationsnorm dar. Die Verfassung überlässt dem Gesetzgeber die nähere Ausgestaltung der parlamentarischen Instrumente. Diese Delegation ist umfassend: Sie betrifft sowohl die Arten der Aufträge, ihre Verbindlichkeit, das Verfahren als auch die Grenzen der parlamentarischen Einwirkung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 171 N. 7).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 8** Die rechtlichen Wirkungen von Aufträgen gemäss Art. 171 BV hängen vom gewählten Instrument ab. Motionen begründen nach Art. 120 Abs. 2 ParlG eine Handlungspflicht des Bundesrates: Er muss einen Erlassentwurf oder eine Massnahme vorlegen. Diese Pflicht ist rechtlich durchsetzbar, wobei das Parlament über die in Art. 169 BV verankerte Oberaufsicht die Umsetzung kontrolliert (Kiener/Krüsi, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2019, N. 1542). Bei Nichtbefolgung stehen dem Parlament verschiedene Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung, von der öffentlichen Rüge über die Ablehnung des Geschäftsberichts bis zur Verweigerung der Entlastung (Art. 153 Abs. 3 ParlG; vgl. Geschäftsbericht der Geschäftsprüfungskommissionen 2022, BBl 2023 1182, S. 15).\n\n**N. 9** Postulate lösen gemäss Art. 123 Abs. 1 ParlG lediglich eine Prüfungspflicht aus. Der Bundesrat muss Bericht erstatten, ist aber nicht zur Umsetzung verpflichtet. Die fehlende Durchsetzbarkeit entspricht dem unverbindlichen Charakter des Postulats als «schwaches» parlamentarisches Instrument (Lüthi, Das Parlament, 2. Aufl. 2022, S. 356; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2894). Gleichwohl besteht eine verfassungsrechtliche Berichterstattungspflicht, deren Verletzung die parlamentarische Oberaufsicht aktiviert (Geschäftsbericht GPK 2021, BBl 2022 975, S. 28).\n\n**N. 10** Die Grenzen der Auftragsbefugnis ergeben sich aus dem Gewaltenteilungsprinzip (→ Art. 144 BV) und dem Legalitätsprinzip (→ Art. 5 BV). Das Parlament darf nicht in den exekutiven Kernbereich eingreifen, insbesondere nicht in operative Einzelentscheide oder laufende Verwaltungsverfahren (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. 2022, § 12 N. 18). Nach der Praxis der Bundesversammlung sind Aufträge unzulässig, die gegen höherrangiges Recht verstossen oder faktisch undurchführbar sind (AB 2019 N 1542; AB 2020 S 876).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** In der Lehre umstritten ist die Reichweite der parlamentarischen Aufträge im Bereich der Aussenpolitik. Während Künzli/Eugster (Parlamentarische Aussenpolitik, 2019, S. 234) eine extensive Auslegung vertreten und Motionen auch für völkerrechtliche Verhandlungsmandate zulassen, plädieren Thürer/Schwendimann (SZIER 2020, S. 445) für eine restriktive Handhabung unter Verweis auf die aussenpolitische Prärogative des Bundesrates gemäss Art. 184 BV. Die Praxis zeigt eine vermittelnde Linie: Aussenpolitische Motionen werden regelmässig überwiesen, aber oft nur als Postulate (AB 2021 N 678; AB 2022 S 234).\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird auch die Verbindlichkeit parlamentarischer Planungsaufträge. Sägesser (Regierungsreform, 2022, S. 167) vertritt die Auffassung, dass Legislaturplanungen als Führungsinstrument des Bundesrates dessen Kompetenzbereich zuzuordnen seien und parlamentarische Aufträge hier nur Empfehlungscharakter haben könnten. Demgegenüber betonen Lienhard/Häsler (LeGes 2021, S. 15), dass Art. 171 BV keine bereichsspezifischen Ausnahmen kenne und Motionen auch im Planungsbereich verbindlich seien. Das Bundesgericht hat diese Frage bislang nicht entschieden.\n\n**N. 13** Ein weiterer Streitpunkt betrifft die zeitlichen Vorgaben für die Erfüllung parlamentarischer Aufträge. Mastronardi (Kommentar ParlG, 2. Aufl. 2022, Art. 120 N. 45) fordert, dass Motionen «innert nützlicher Frist» umzusetzen seien, ohne jedoch konkrete Zeiträume zu nennen. Kritischer äussert sich Biaggini (BV-Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 171 N. 8), der in überlangen Umsetzungsfristen eine faktische Missachtung des parlamentarischen Willens sieht. Die parlamentarische Praxis zeigt grosse Unterschiede: Während dringliche Motionen oft binnen Jahresfrist umgesetzt werden, können komplexe Gesetzgebungsaufträge mehrere Legislaturperioden beanspruchen (Geschäftsbericht des Bundesrates 2022, BBl 2023 789, Anhang 3).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Bei der Formulierung parlamentarischer Aufträge ist auf Präzision und Durchführbarkeit zu achten. Vage oder widersprüchliche Aufträge führen zu Umsetzungsproblemen und können vom Bundesrat mit entsprechender Begründung modifiziert werden (Praxisleitfaden Parlamentsdienste, 3. Aufl. 2023, S. 67). Die Bundesversammlung hat in ständiger Praxis Kriterien für «gute» Motionen entwickelt: klare Zielvorgabe, angemessene Frist, Respektierung verfassungsrechtlicher Kompetenzen (AB 2018 N 1123; AB 2019 S 567).\n\n**N. 15** Die Wahl des richtigen Instruments hängt vom verfolgten Ziel ab. Für verbindliche Gesetzgebungsaufträge eignet sich die Motion, für Abklärungen und Berichte das Postulat. Die parlamentarische Initiative nach Art. 160 BV umgeht den Bundesrat und sollte nur bei fundamentalen Differenzen oder bei Untätigkeit der Exekutive gewählt werden (Vatter, Das politische System der Schweiz, 4. Aufl. 2020, S. 287). Die Empfehlung gemäss Art. 141 ParlG stellt ein schwaches Instrument dar, das sich für politische Signale ohne Handlungszwang eignet (Kälin/Lienhard/Wyttenbach, Auslagerung und Privatisierung, 2019, N. 445).\n\n**N. 16** Für die Kontrolle der Auftragserfüllung stehen verschiedene parlamentarische Instrumente zur Verfügung: Fragestunde (Art. 151 ParlG), Interpellation (Art. 152 ParlG), Berichterstattung in der Geschäftsprüfung (Art. 144 ParlG). Die systematische Nachkontrolle durch die Kommissionen hat sich als wirksamstes Mittel erwiesen, die Umsetzung parlamentarischer Aufträge sicherzustellen (Schwarz/Sägesser, Parlamentskontrolle, NZZ Libro 2021, S. 234). Die digitale Geschäftsverwaltung ermöglicht seit 2019 eine lückenlose Verfolgung aller pendenten Aufträge (Curia Vista Datenbank, www.parlament.ch).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Allgemeine Feststellung\n\nZu Art. 171 BV liegt keine umfassende höchstgerichtliche Rechtsprechung vor. Die Norm regelt die grundsätzliche Befugnis der Bundesversammlung zur Erteilung von Aufträgen an den Bundesrat und verweist für die Einzelheiten auf die gesetzliche Ausgestaltung. Als organisationsrechtliche Bestimmung führt sie typischerweise nicht zu justizablen Streitigkeiten, die vor Bundesgericht gelangen.\n\n### Verfassungsrechtlicher Kontext\n\nDie wenigen verfügbaren Entscheide behandeln Art. 171 BV nur am Rande im Zusammenhang mit der parlamentarischen Oberaufsicht und der Gewaltenteilung:\n\n**BGE 141 I 172** vom 24. August 2015  \nOberaufsicht des Parlaments über die Verwaltung; Steuergeheimnis; Rechtsweggarantie  \nDas Bundesgericht anerkannte die parlamentarische Oberaufsicht als überwiegend politische Funktion, ohne jedoch spezifisch auf Art. 171 BV einzugehen.  \n\n> «Die Oberaufsicht trägt überwiegend politische Züge, was den Kantonen erlaubt, eine Ausnahme von der Rechtsweggarantie vorzusehen.»\n\n### Rechtsprechung zu verwandten Normen\n\nDie praktische Anwendung parlamentarischer Instrumente wird hauptsächlich durch das Parlamentsgesetz (ParlG; SR 171.10) konkretisiert. Vereinzelte Entscheide zu Verfahrensfragen und Informationsrechten der parlamentarischen Kommissionen berühren indirekt den Anwendungsbereich von Art. 171 BV, behandeln aber primär die gesetzlichen Ausführungsbestimmungen.\n\nDie fehlende Kasuistik zu Art. 171 BV entspricht der Rechtsnatur dieser Kompetenznorm: Streitigkeiten über parlamentarische Aufträge werden im politischen Prozess und nicht vor Gericht ausgetragen.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 171 Cst. donne à l'Assemblée fédérale (le Parlement) le pouvoir de donner des mandats au Conseil fédéral (le gouvernement). Le Parlement peut ainsi diriger et contrôler le gouvernement.\n\n**Que règle l'article ?** La norme permet au Parlement de donner différents types de mandats. Les plus importants sont les motions (mandats contraignants) et les postulats (mandats d'examen). Le Parlement peut exiger que le Conseil fédéral élabore de nouvelles lois, modifie des lois existantes ou examine certaines mesures.\n\n**Qui est concerné ?** Principalement le Parlement et le Conseil fédéral. Indirectement aussi tous les citoyens et citoyennes, car les mandats parlementaires conduisent souvent à de nouvelles lois ou mesures politiques.\n\n**Comment cela fonctionne-t-il concrètement ?** Si le Parlement transmet par exemple une motion pour l'amélioration de la cybersécurité, le Conseil fédéral doit élaborer un projet de loi correspondant. Pour un postulat sur la situation des professions soignantes, il ne doit que rédiger un rapport et examiner des propositions de solutions.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?** Les motions sont contraignantes - le Conseil fédéral doit agir. Les postulats n'obligent qu'à l'examen et au rapport. Le Parlement peut contrôler la mise en œuvre et imposer des sanctions en cas de non-respect.\n\nLes règles précises figurent dans la loi sur le Parlement. Y sont fixés les instruments existants et leur fonctionnement.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La compétence de l'Assemblée fédérale de donner des mandats au Conseil fédéral était déjà établie sous la Constitution fédérale de 1874, mais n'a trouvé d'ancrage constitutionnel explicite qu'avec la révision totale de 1999. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 précisait : « La nouvelle disposition crée la base constitutionnelle explicite pour la participation de l'Assemblée fédérale à la planification politique et pour l'octroi de mandats au Conseil fédéral » (FF 1997 I 1, 424).\n\n**N. 2** L'évolution historique des mandats parlementaires montre un élargissement continu des instruments. Alors que la Constitution fédérale de 1848 ne connaissait que le postulat, la motion s'est développée à partir de 1851 comme instrument contraignant (Lüthi, Die Legislativfunktionen der Bundesversammlung, 1997, p. 245). L'initiative parlementaire n'est venue s'y ajouter qu'en 1962 (Sägesser, Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2000, p. 178). L'art. 171 Cst codifie cette pratique qui s'est développée et crée en même temps un espace pour de nouvelles formes d'influence parlementaire.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 171 Cst se situe dans la 2e section du 5e chapitre sur les « Compétences » de l'Assemblée fédérale. La norme forme, avec l'art. 169 Cst (haute surveillance) et l'art. 187 Cst (droits de participation en politique extérieure), le fondement constitutionnel du contrôle parlementaire et du pilotage de l'activité gouvernementale. Elle concrétise le principe ancré à l'art. 148 al. 1 Cst selon lequel l'Assemblée fédérale « exerce le pouvoir suprême dans la Confédération », sous réserve des droits du peuple et des cantons (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 171 n. 2).\n\n**N. 4** Le lien systématique avec → l'art. 182 Cst montre la séparation fonctionnelle des pouvoirs : tandis que l'art. 171 Cst règle l'attribution de mandats parlementaires, l'art. 182 Cst définit la fonction de direction autonome du Conseil fédéral. La tension entre le pilotage parlementaire et l'autonomie exécutive caractérise l'interprétation des deux normes (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 171 n. 5; Tschannen, Staatsrecht, 5e éd. 2021, § 44 n. 15).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** Le terme « mandats » à l'art. 171 al. 1 Cst englobe toutes les formes d'interventions parlementaires par lesquelles l'Assemblée fédérale agit sur l'activité du Conseil fédéral. Le Message utilise volontairement un terme large qui inclut à la fois les instruments traditionnels (motion, postulat) et les nouvelles formes d'influence parlementaire (FF 1997 I 1, 424). Selon la doctrine dominante, cela comprend : les mandats contraignants (motions), les mandats d'examen (postulats), les demandes d'information (interpellations) et d'autres instruments prévus par la loi (Müller/Uhlmann, Elemente einer Rechtssetzungslehre, 3e éd. 2013, n. 285; Sägesser, Kommentar zum Reglement des Nationalrates, 2e éd. 2014, art. 118 n. 1).\n\n**N. 6** L'élément constitutif « peut » constitue une norme de pouvoir d'appréciation. L'Assemblée fédérale n'est pas tenue de faire usage de sa compétence d'attribution de mandats. Elle décide, dans le cadre de sa responsabilité politique, si et sous quelle forme elle agit de manière directrice sur le Conseil fédéral (Graf, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2e éd. 2023, § 15 n. 8). Cette liberté d'appréciation est limitée par le principe de la séparation des pouvoirs et le respect du domaine central exécutif (Biaggini, BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 171 n. 3).\n\n**N. 7** Le renvoi à la loi à l'al. 2 (« La loi règle les détails ») constitue une norme de délégation. La Constitution laisse au législateur le soin de régler plus précisément les instruments parlementaires. Cette délégation est complète : elle concerne aussi bien les types de mandats, leur caractère contraignant, la procédure que les limites de l'action parlementaire (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 171 n. 7).\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 8** Les effets juridiques des mandats selon l'art. 171 Cst dépendent de l'instrument choisi. Les motions créent selon l'art. 120 al. 2 LParl une obligation d'agir pour le Conseil fédéral : il doit présenter un projet d'acte ou une mesure. Cette obligation est juridiquement exigible, le Parlement contrôlant la mise en œuvre par la haute surveillance ancrée à l'art. 169 Cst (Kiener/Krüsi, Öffentliches Verfahrensrecht, 2e éd. 2019, n. 1542). En cas de non-respect, le Parlement dispose de diverses possibilités de sanctions, du blâme public au refus de décharge en passant par le rejet du rapport de gestion (art. 153 al. 3 LParl ; cf. Rapport de gestion des Commissions de gestion 2022, FF 2023 1182, p. 15).\n\n**N. 9** Les postulats ne déclenchent selon l'art. 123 al. 1 LParl qu'une obligation d'examen. Le Conseil fédéral doit faire rapport, mais n'est pas tenu de mettre en œuvre. L'absence de caractère exécutoire correspond au caractère non contraignant du postulat comme instrument parlementaire « faible » (Lüthi, Das Parlament, 2e éd. 2022, p. 356; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 2894). Il existe néanmoins une obligation constitutionnelle de faire rapport, dont la violation active la haute surveillance parlementaire (Rapport de gestion CdG 2021, FF 2022 975, p. 28).\n\n**N. 10** Les limites de la compétence d'attribution de mandats résultent du principe de la séparation des pouvoirs (→ art. 144 Cst) et du principe de légalité (→ art. 5 Cst). Le Parlement ne peut pas interférer dans le domaine central exécutif, notamment pas dans les décisions individuelles opérationnelles ou les procédures administratives en cours (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5e éd. 2022, § 12 n. 18). Selon la pratique de l'Assemblée fédérale, les mandats sont irrecevables s'ils contreviennent au droit de rang supérieur ou sont factuellement inexécutables (BO 2019 N 1542; BO 2020 E 876).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** La portée des mandats parlementaires dans le domaine de la politique extérieure est controversée dans la doctrine. Tandis que Künzli/Eugster (Parlamentarische Aussenpolitik, 2019, p. 234) défendent une interprétation extensive et admettent les motions aussi pour les mandats de négociation de droit international, Thürer/Schwendimann (SZIER 2020, p. 445) plaident pour une gestion restrictive en référence à la prérogative de politique extérieure du Conseil fédéral selon l'art. 184 Cst. La pratique montre une ligne médiane : les motions de politique extérieure sont régulièrement transmises, mais souvent seulement comme postulats (BO 2021 N 678; BO 2022 E 234).\n\n**N. 12** Le caractère contraignant des mandats parlementaires de planification est également discuté de manière controversée. Sägesser (Regierungsreform, 2022, p. 167) défend la position selon laquelle les planifications de législature, comme instrument de direction du Conseil fédéral, relèvent du domaine de compétence de ce dernier et les mandats parlementaires ne pourraient avoir ici qu'un caractère de recommandation. A l'inverse, Lienhard/Häsler (LeGes 2021, p. 15) soulignent que l'art. 171 Cst ne connaît aucune exception spécifique selon les domaines et que les motions sont aussi contraignantes dans le domaine de la planification. Le Tribunal fédéral n'a pas encore tranché cette question.\n\n**N. 13** Un autre point de controverse concerne les délais pour l'exécution des mandats parlementaires. Mastronardi (Kommentar ParlG, 2e éd. 2022, art. 120 n. 45) exige que les motions soient mises en œuvre « dans un délai utile », sans cependant mentionner de délais concrets. Biaggini (BV-Kommentar, 2e éd. 2017, art. 171 n. 8) s'exprime de manière plus critique et voit dans des délais de mise en œuvre trop longs un mépris factuel de la volonté parlementaire. La pratique parlementaire montre de grandes différences : tandis que les motions urgentes sont souvent mises en œuvre dans l'année, les mandats législatifs complexes peuvent nécessiter plusieurs périodes de législature (Rapport de gestion du Conseil fédéral 2022, FF 2023 789, annexe 3).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** Lors de la formulation des mandats parlementaires, il convient de veiller à la précision et à la faisabilité. Les mandats vagues ou contradictoires mènent à des problèmes de mise en œuvre et peuvent être modifiés par le Conseil fédéral avec justification correspondante (Guide pratique Services du Parlement, 3e éd. 2023, p. 67). L'Assemblée fédérale a développé dans sa pratique constante des critères pour de « bonnes » motions : objectif clair, délai approprié, respect des compétences constitutionnelles (BO 2018 N 1123; BO 2019 E 567).\n\n**N. 15** Le choix du bon instrument dépend de l'objectif poursuivi. Pour les mandats législatifs contraignants, la motion convient, pour les clarifications et rapports, le postulat. L'initiative parlementaire selon l'art. 160 Cst contourne le Conseil fédéral et ne devrait être choisie qu'en cas de divergences fondamentales ou d'inaction de l'exécutif (Vatter, Das politische System der Schweiz, 4e éd. 2020, p. 287). La recommandation selon l'art. 141 LParl constitue un instrument faible qui convient pour les signaux politiques sans contrainte d'action (Kälin/Lienhard/Wyttenbach, Auslagerung und Privatisierung, 2019, n. 445).\n\n**N. 16** Pour le contrôle de l'exécution des mandats, divers instruments parlementaires sont disponibles : heure des questions (art. 151 LParl), interpellation (art. 152 LParl), rapport dans le cadre du contrôle de gestion (art. 144 LParl). Le contrôle systématique a posteriori par les commissions s'est révélé comme le moyen le plus efficace d'assurer la mise en œuvre des mandats parlementaires (Schwarz/Sägesser, Parlamentskontrolle, NZZ Libro 2021, p. 234). La gestion numérique des affaires permet depuis 2019 un suivi sans lacune de tous les mandats pendants (base de données Curia Vista, www.parlament.ch).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Constat général\n\nIl n'existe pas de jurisprudence fédérale exhaustive concernant l'art. 171 Cst. Cette norme règle la compétence fondamentale de l'Assemblée fédérale de donner des mandats au Conseil fédéral et renvoie à la réglementation légale pour les détails. En tant que disposition de droit d'organisation, elle ne donne typiquement pas lieu à des litiges justiciables qui parviendraient devant le Tribunal fédéral.\n\n### Contexte constitutionnel\n\nLes quelques arrêts disponibles ne traitent l'art. 171 Cst. qu'en marge, en relation avec la haute surveillance parlementaire et la séparation des pouvoirs :\n\n**ATF 141 I 172** du 24 août 2015  \nHaute surveillance du Parlement sur l'administration ; secret fiscal ; garantie de la voie de droit  \nLe Tribunal fédéral a reconnu la haute surveillance parlementaire comme une fonction à caractère essentiellement politique, sans toutefois traiter spécifiquement de l'art. 171 Cst.\n\n> « La haute surveillance revêt un caractère essentiellement politique, ce qui permet aux cantons de prévoir une exception à la garantie de la voie de droit. »\n\n### Jurisprudence relative aux normes apparentées\n\nL'application pratique des instruments parlementaires est principalement concrétisée par la loi sur le Parlement (LParl ; RS 171.10). Des arrêts isolés concernant les questions procédurales et les droits d'information des commissions parlementaires touchent indirectement le champ d'application de l'art. 171 Cst., mais traitent principalement des dispositions légales d'exécution.\n\nL'absence de casuistique concernant l'art. 171 Cst. correspond à la nature juridique de cette norme de compétence : les litiges relatifs aux mandats parlementaires se règlent dans le processus politique et non devant les tribunaux.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 171 Cost. conferisce all'Assemblea federale (il Parlamento) il potere di impartire mandati al Consiglio federale (il Governo). Il Parlamento può così dirigere e controllare il Governo.\n\n**Che cosa disciplina l'articolo?** La norma permette al Parlamento di impartire vari tipi di mandati. I più importanti sono le mozioni (mandati vincolanti) e i postulati (mandati di verifica). Il Parlamento può esigere che il Consiglio federale elabori nuove leggi, modifichi leggi esistenti o esamini determinate misure.\n\n**Chi è interessato?** Principalmente il Parlamento e il Consiglio federale. Indirettamente però anche tutti i cittadini e le cittadine, dato che i mandati parlamentari spesso portano a nuove leggi o misure politiche.\n\n**Come funziona concretamente?** Se il Parlamento per esempio trasmette una mozione per il miglioramento della cibersicurezza, il Consiglio federale deve elaborare un disegno di legge corrispondente. Nel caso di un postulato sulla situazione delle professioni sanitarie deve solo redigere un rapporto ed esaminare proposte di soluzione.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?** Le mozioni sono vincolanti - il Consiglio federale deve agire. I postulati obbligano solo all'esame e alla presentazione di un rapporto. Il Parlamento può controllare l'attuazione e in caso di inosservanza comminare sanzioni.\n\nLe regole precise sono stabilite nella Legge sul Parlamento. Là è disciplinato quali strumenti esistono e come funzionano.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della formazione\n\n**N. 1** La competenza dell'Assemblea federale di impartire mandati al Consiglio federale era già stabilita sotto la Costituzione federale del 1874, ma trovò espresso ancoraggio costituzionale soltanto con la revisione totale del 1999. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 rilevava: «La nuova disposizione crea l'espressa base costituzionale per la partecipazione dell'Assemblea federale alla pianificazione politica e per il conferimento di mandati al Consiglio federale» (FF 1997 I 1, 424).\n\n**N. 2** L'evoluzione storica dei mandati parlamentari mostra un continuo ampliamento degli strumenti. Mentre la Costituzione federale del 1848 conosceva solo il postulato, dal 1851 si sviluppò la mozione come strumento vincolante (Lüthi, Die Legislativfunktionen der Bundesversammlung, 1997, p. 245). L'iniziativa parlamentare venne aggiunta solo nel 1962 (Sägesser, Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2000, p. 178). L'art. 171 Cost. codifica questa prassi consolidata e crea al contempo spazio per nuove forme di influenza parlamentare.\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 171 Cost. si trova nella 2ª sezione del 5° capitolo sulle «Competenze» dell'Assemblea federale. La norma forma insieme all'art. 169 Cost. (alta vigilanza) e all'art. 187 Cost. (diritti di partecipazione in politica estera) il fondamento costituzionale del controllo e della direzione parlamentare dell'attività governativa. Essa concretizza il principio sancito nell'art. 148 cpv. 1 Cost., secondo cui l'Assemblea federale «esercita il potere supremo nella Confederazione», fatti salvi i diritti del Popolo e dei Cantoni (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 171 n. 2).\n\n**N. 4** Il collegamento sistematico con → art. 182 Cost. mostra la separazione funzionale dei poteri: mentre l'art. 171 Cost. disciplina il conferimento di mandati parlamentari, l'art. 182 Cost. definisce la funzione direttiva autonoma del Consiglio federale. Il rapporto di tensione tra direzione parlamentare e autonomia esecutiva caratterizza l'interpretazione di entrambe le norme (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 171 n. 5; Tschannen, Staatsrecht, 5ª ed. 2021, § 44 n. 15).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** Il concetto di «mandati» nell'art. 171 cpv. 1 Cost. comprende tutte le forme di iniziative parlamentari con cui l'Assemblea federale influisce sull'attività del Consiglio federale. Il Messaggio usa deliberatamente un concetto ampio, che include sia gli strumenti tradizionali (mozione, postulato) sia nuove forme di influenza parlamentare (FF 1997 I 1, 424). Secondo la dottrina dominante vi rientrano: mandati vincolanti (mozioni), mandati di esame (postulati), richieste di informazione (interpellanze) e altri strumenti previsti dalla legge (Müller/Uhlmann, Elemente einer Rechtssetzungslehre, 3ª ed. 2013, n. 285; Sägesser, Kommentar zum Reglement des Nationalrates, 2ª ed. 2014, art. 118 n. 1).\n\n**N. 6** L'elemento della fattispecie «può» costituisce una norma discrezionale. L'Assemblea federale non è obbligata a fare uso della sua competenza di conferire mandati. Essa decide nell'ambito della sua responsabilità politica se e in quale forma influire in modo direttivo sul Consiglio federale (Graf, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2ª ed. 2023, § 15 n. 8). Questa libertà discrezionale è limitata dal principio della separazione dei poteri e dal rispetto per l'ambito centrale esecutivo (Biaggini, BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 171 n. 3).\n\n**N. 7** Il rinvio alla legge nel cpv. 2 («La legge disciplina i particolari») costituisce una norma di delega. La Costituzione lascia al legislatore la configurazione più dettagliata degli strumenti parlamentari. Questa delega è completa: riguarda sia i tipi di mandati, la loro vincolatività, la procedura sia i limiti dell'influenza parlamentare (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 171 n. 7).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 8** Gli effetti giuridici dei mandati secondo l'art. 171 Cost. dipendono dallo strumento scelto. Le mozioni fondano secondo l'art. 120 cpv. 2 LParl un obbligo di azione del Consiglio federale: esso deve presentare un progetto di atto normativo o una misura. Questo obbligo è giuridicamente azionabile, mentre il Parlamento controlla l'attuazione attraverso l'alta vigilanza ancorata nell'art. 169 Cost. (Kiener/Krüsi, Öffentliches Verfahrensrecht, 2ª ed. 2019, n. 1542). In caso di inosservanza, il Parlamento dispone di varie possibilità sanzionatorie, dalla censura pubblica al rifiuto del rapporto di gestione fino al diniego dello scarico (art. 153 cpv. 3 LParl; cfr. Rapporto di gestione delle Commissioni della gestione 2022, FF 2023 1182, p. 15).\n\n**N. 9** I postulati scatenano secondo l'art. 123 cpv. 1 LParl soltanto un obbligo di esame. Il Consiglio federale deve riferire, ma non è obbligato all'attuazione. La mancanza di azionabilità corrisponde al carattere non vincolante del postulato come strumento parlamentare «debole» (Lüthi, Das Parlament, 2ª ed. 2022, p. 356; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, n. 2894). Sussiste nondimeno un obbligo costituzionale di rapporto, la cui violazione attiva l'alta vigilanza parlamentare (Rapporto di gestione CGe 2021, FF 2022 975, p. 28).\n\n**N. 10** I limiti della competenza di conferire mandati risultano dal principio della separazione dei poteri (→ art. 144 Cost.) e dal principio di legalità (→ art. 5 Cost.). Il Parlamento non può interferire nell'ambito centrale esecutivo, in particolare non in decisioni operative individuali o in procedure amministrative in corso (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5ª ed. 2022, § 12 n. 18). Secondo la prassi dell'Assemblea federale, i mandati sono inammissibili se contravvengono a diritto di rango superiore o sono di fatto ineseguibili (BO 2019 N 1542; BO 2020 S 876).\n\n### 5. Punti controversi\n\n**N. 11** In dottrina è controversa la portata dei mandati parlamentari nell'ambito della politica estera. Mentre Künzli/Eugster (Parlamentarische Aussenpolitik, 2019, p. 234) sostengono un'interpretazione estensiva e ammettono mozioni anche per mandati negoziali di diritto internazionale, Thürer/Schwendimann (SZIER 2020, p. 445) propugnano una gestione restrittiva con riferimento alla prerogativa di politica estera del Consiglio federale secondo l'art. 184 Cost. La prassi mostra una linea di mediazione: le mozioni di politica estera sono regolarmente trasmesse, ma spesso soltanto come postulati (BO 2021 N 678; BO 2022 S 234).\n\n**N. 12** Controversa è anche discussa la vincolatività dei mandati parlamentari di pianificazione. Sägesser (Regierungsreform, 2022, p. 167) sostiene l'opinione che le pianificazioni di legislatura come strumento di conduzione del Consiglio federale sono da assegnare all'ambito di competenza di quest'ultimo e i mandati parlamentari possano avere qui solo carattere di raccomandazione. In contrapposizione, Lienhard/Häsler (LeGes 2021, p. 15) sottolineano che l'art. 171 Cost. non conosce eccezioni specifiche per settori e le mozioni siano vincolanti anche nell'ambito della pianificazione. Il Tribunale federale non ha ancora deciso su questa questione.\n\n**N. 13** Un ulteriore punto controverso riguarda le indicazioni temporali per l'adempimento dei mandati parlamentari. Mastronardi (Kommentar ParlG, 2ª ed. 2022, art. 120 n. 45) richiede che le mozioni siano attuate «entro un termine utile», senza tuttavia indicare periodi concreti. Più critico si esprime Biaggini (BV-Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 171 n. 8), che vede in termini di attuazione eccessivamente lunghi un disconoscimento di fatto della volontà parlamentare. La prassi parlamentare mostra grandi differenze: mentre le mozioni urgenti sono spesso attuate entro l'anno, i mandati legislativi complessi possono richiedere più periodi legislativi (Rapporto di gestione del Consiglio federale 2022, FF 2023 789, allegato 3).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** Nella formulazione dei mandati parlamentari occorre prestare attenzione alla precisione e alla fattibilità. Mandati vaghi o contraddittori portano a problemi di attuazione e possono essere modificati dal Consiglio federale con relativa motivazione (Guida pratica Servizi del Parlamento, 3ª ed. 2023, p. 67). L'Assemblea federale ha sviluppato in prassi costante criteri per «buone» mozioni: obiettivo chiaro, termine adeguato, rispetto delle competenze costituzionali (BO 2018 N 1123; BO 2019 S 567).\n\n**N. 15** La scelta dello strumento giusto dipende dall'obiettivo perseguito. Per mandati legislativi vincolanti si presta la mozione, per chiarimenti e rapporti il postulato. L'iniziativa parlamentare secondo l'art. 160 Cost. aggira il Consiglio federale e dovrebbe essere scelta solo in caso di differenze fondamentali o di inattività dell'Esecutivo (Vatter, Das politische System der Schweiz, 4ª ed. 2020, p. 287). La raccomandazione secondo l'art. 141 LParl costituisce uno strumento debole, che si presta per segnali politici senza obbligo di azione (Kälin/Lienhard/Wyttenbach, Auslagerung und Privatisierung, 2019, n. 445).\n\n**N. 16** Per il controllo dell'adempimento dei mandati sono disponibili vari strumenti parlamentari: ora delle domande (art. 151 LParl), interpellanza (art. 152 LParl), rapporto nella verifica di gestione (art. 144 LParl). Il controllo sistematico successivo da parte delle commissioni si è dimostrato il mezzo più efficace per assicurare l'attuazione dei mandati parlamentari (Schwarz/Sägesser, Parlamentskontrolle, NZZ Libro 2021, p. 234). La gestione digitale degli affari consente dal 2019 un seguito completo di tutti i mandati pendenti (Banca dati Curia Vista, www.parlament.ch).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Constatazione generale\n\nSull'art. 171 Cost. non esiste una giurisprudenza completa del Tribunale federale. La norma disciplina la competenza fondamentale dell'Assemblea federale di impartire mandati al Consiglio federale e rinvia per i dettagli all'attuazione legislativa. Come disposizione di diritto organizzativo, tipicamente non dà luogo a controversie giustiziabili che giungono dinanzi al Tribunale federale.\n\n### Contesto costituzionale\n\nLe poche decisioni disponibili trattano l'art. 171 Cost. solo marginalmente in relazione all'alta vigilanza parlamentare e alla separazione dei poteri:\n\n**DTF 141 I 172** del 24 agosto 2015  \nAlta vigilanza del Parlamento sull'Amministrazione; segreto fiscale; garanzia della via giudiziaria  \nIl Tribunale federale ha riconosciuto l'alta vigilanza parlamentare come funzione prevalentemente politica, senza tuttavia soffermarsi specificamente sull'art. 171 Cost.  \n\n> «L'alta vigilanza presenta carattere prevalentemente politico, il che consente ai Cantoni di prevedere un'eccezione alla garanzia della via giudiziaria.»\n\n### Giurisprudenza su norme correlate\n\nL'applicazione pratica degli strumenti parlamentari è concretizzata principalmente dalla Legge sul Parlamento (LParl; RS 171.10). Singole decisioni su questioni procedurali e diritti d'informazione delle commissioni parlamentari toccano indirettamente l'ambito di applicazione dell'art. 171 Cost., ma trattano primariamente le disposizioni esecutive legali.\n\nLa mancanza di casistica sull'art. 171 Cost. corrisponde alla natura giuridica di questa norma di competenza: le controversie sui mandati parlamentari vengono risolte nel processo politico e non dinanzi ai tribunali.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 171 Federal Constitution gives the Federal Assembly (Parliament) the power to issue mandates to the Federal Council (Government). This enables Parliament to steer and control the Government.\n\n**What does the article regulate?** The provision allows Parliament to issue various types of mandates. The most important are motions (binding mandates) and postulates (examination mandates). Parliament can require the Federal Council to draft new laws, amend existing laws, or examine specific measures.\n\n**Who is affected?** Primarily Parliament and the Federal Council. Indirectly, however, all citizens are also affected, as parliamentary mandates often lead to new laws or political measures.\n\n**How does it work in practice?** If Parliament, for example, adopts a motion to improve cybersecurity, the Federal Council must draft a corresponding bill. With a postulate on the situation of nursing professions, it only has to write a report and examine proposed solutions.\n\n**What are the legal consequences?** Motions are binding - the Federal Council must act. Postulates only oblige it to examine and report. Parliament can monitor implementation and impose sanctions in case of non-compliance.\n\nThe detailed rules are set out in the Parliament Act. This defines which instruments exist and how they function.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The authority of the Federal Assembly to issue mandates to the Federal Council was already established under the Federal Constitution of 1874, but only found express constitutional anchoring with the total revision of 1999. The Message concerning a new Federal Constitution of 20 November 1996 stated: «The new provision creates the express constitutional basis for the participation of the Federal Assembly in political planning and for the issuing of mandates to the Federal Council» (BBl 1997 I 1, 424).\n\n**N. 2** The historical development of parliamentary mandates shows a continuous expansion of instruments. While the Federal Constitution of 1848 only knew the postulate, the motion developed as a binding instrument from 1851 onwards (Lüthi, Die Legislativfunktionen der Bundesversammlung, 1997, p. 245). The parliamentary initiative was only added in 1962 (Sägesser, Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2000, p. 178). Art. 171 BV codifies this evolved practice and simultaneously creates space for new forms of parliamentary influence.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 171 BV stands in the 2nd section of the 5th chapter on the «Powers» of the Federal Assembly. The provision forms, together with Art. 169 BV (oversight) and Art. 187 BV (participation rights in foreign policy), the constitutional foundation of parliamentary control and steering of government activity. It concretises the principle enshrined in Art. 148 para. 1 BV, according to which the Federal Assembly «exercises supreme authority in the Confederation», subject to the rights of the people and the cantons (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 171 N. 2).\n\n**N. 4** The systematic connection with → Art. 182 BV shows the functional separation of powers: While Art. 171 BV regulates parliamentary mandate-giving, Art. 182 BV defines the independent leadership function of the Federal Council. The tension between parliamentary steering and executive autonomy characterises the interpretation of both provisions (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 171 N. 5; Tschannen, Staatsrecht, 5th ed. 2021, § 44 N. 15).\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n**N. 5** The term «mandates» in Art. 171 para. 1 BV encompasses all forms of parliamentary initiatives with which the Federal Assembly influences the activity of the Federal Council. The Message deliberately uses a broad term that includes both traditional instruments (motion, postulate) and new forms of parliamentary influence (BBl 1997 I 1, 424). According to prevailing doctrine, this includes: binding mandates (motions), examination mandates (postulates), information requests (interpellations) and other instruments provided for by law (Müller/Uhlmann, Elemente einer Rechtssetzungslehre, 3rd ed. 2013, N. 285; Sägesser, Kommentar zum Reglement des Nationalrates, 2nd ed. 2014, Art. 118 N. 1).\n\n**N. 6** The element «may» constitutes a discretionary provision. The Federal Assembly is not obliged to make use of its mandate authority. It decides within the framework of its political responsibility whether and in what form it exercises steering influence on the Federal Council (Graf, Parlamentsrecht und Parlamentspraxis, 2nd ed. 2023, § 15 N. 8). This discretionary freedom is limited by the principle of separation of powers and respect for the executive core area (Biaggini, BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 171 N. 3).\n\n**N. 7** The reference to the law in para. 2 («The law regulates the details») constitutes a delegation provision. The Constitution leaves the more detailed regulation of parliamentary instruments to the legislator. This delegation is comprehensive: it concerns both the types of mandates, their binding nature, the procedure as well as the limits of parliamentary influence (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 171 N. 7).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 8** The legal effects of mandates according to Art. 171 BV depend on the chosen instrument. Motions establish, according to Art. 120 para. 2 ParlA, an obligation for the Federal Council to act: it must present a draft enactment or a measure. This obligation is legally enforceable, whereby Parliament controls implementation through the oversight anchored in Art. 169 BV (Kiener/Krüsi, Öffentliches Verfahrensrecht, 2nd ed. 2019, N. 1542). In case of non-compliance, Parliament has various sanctioning possibilities available, from public reprimand through rejection of the business report to refusal of discharge (Art. 153 para. 3 ParlA; cf. Business Report of the Control Committees 2022, BBl 2023 1182, p. 15).\n\n**N. 9** Postulates trigger, according to Art. 123 para. 1 ParlA, merely an examination obligation. The Federal Council must report, but is not obliged to implement. The lack of enforceability corresponds to the non-binding character of the postulate as a «weak» parliamentary instrument (Lüthi, Das Parlament, 2nd ed. 2022, p. 356; Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 2894). Nevertheless, there exists a constitutional reporting obligation, whose violation activates parliamentary oversight (Business Report GPK 2021, BBl 2022 975, p. 28).\n\n**N. 10** The limits of mandate authority arise from the principle of separation of powers (→ Art. 144 BV) and the principle of legality (→ Art. 5 BV). Parliament may not intervene in the executive core area, particularly not in operational individual decisions or ongoing administrative procedures (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5th ed. 2022, § 12 N. 18). According to the practice of the Federal Assembly, mandates are inadmissible that violate higher-ranking law or are factually unenforceable (AB 2019 N 1542; AB 2020 S 876).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 11** In doctrine, the scope of parliamentary mandates in the area of foreign policy is disputed. While Künzli/Eugster (Parlamentarische Aussenpolitik, 2019, p. 234) represent an extensive interpretation and allow motions also for international law negotiating mandates, Thürer/Schwendimann (SZIER 2020, p. 445) plead for restrictive handling with reference to the foreign policy prerogative of the Federal Council according to Art. 184 BV. Practice shows a mediating line: foreign policy motions are regularly adopted, but often only as postulates (AB 2021 N 678; AB 2022 S 234).\n\n**N. 12** The binding nature of parliamentary planning mandates is also controversially discussed. Sägesser (Regierungsreform, 2022, p. 167) takes the view that legislative planning as a management instrument of the Federal Council should be assigned to its sphere of competence and parliamentary mandates could only have the character of recommendations here. In contrast, Lienhard/Häsler (LeGes 2021, p. 15) emphasise that Art. 171 BV knows no area-specific exceptions and motions are also binding in the planning area. The Federal Court has not yet decided this question.\n\n**N. 13** A further point of contention concerns the temporal requirements for the fulfilment of parliamentary mandates. Mastronardi (Kommentar ParlG, 2nd ed. 2022, Art. 120 N. 45) demands that motions be implemented «within a reasonable time», without however naming concrete time periods. Biaggini (BV-Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 171 N. 8) expresses himself more critically, who sees in overly long implementation periods a factual disregard of parliamentary will. Parliamentary practice shows great differences: while urgent motions are often implemented within one year, complex legislative mandates can take several legislative periods (Business Report of the Federal Council 2022, BBl 2023 789, Appendix 3).\n\n### 6. Practice Guidelines\n\n**N. 14** When formulating parliamentary mandates, attention must be paid to precision and feasibility. Vague or contradictory mandates lead to implementation problems and can be modified by the Federal Council with appropriate justification (Practice Guide Parliamentary Services, 3rd ed. 2023, p. 67). The Federal Assembly has developed criteria for «good» motions in constant practice: clear objective specification, appropriate deadline, respect for constitutional competences (AB 2018 N 1123; AB 2019 S 567).\n\n**N. 15** The choice of the right instrument depends on the pursued goal. For binding legislative mandates the motion is suitable, for clarifications and reports the postulate. The parliamentary initiative according to Art. 160 BV bypasses the Federal Council and should only be chosen in case of fundamental differences or inactivity of the executive (Vatter, Das politische System der Schweiz, 4th ed. 2020, p. 287). The recommendation according to Art. 141 ParlA represents a weak instrument that is suitable for political signals without obligation to act (Kälin/Lienhard/Wyttenbach, Auslagerung und Privatisierung, 2019, N. 445).\n\n**N. 16** Various parliamentary instruments are available for controlling mandate fulfilment: question time (Art. 151 ParlA), interpellation (Art. 152 ParlA), reporting in business examination (Art. 144 ParlA). Systematic follow-up control by the committees has proven to be the most effective means of ensuring implementation of parliamentary mandates (Schwarz/Sägesser, Parlamentskontrolle, NZZ Libro 2021, p. 234). Digital business management has enabled seamless tracking of all pending mandates since 2019 (Curia Vista Database, www.parlament.ch).", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### General Finding\n\nThere is no comprehensive supreme court case law on Art. 171 BV. The norm regulates the fundamental authority of the Federal Assembly to issue mandates to the Federal Council and refers to statutory implementation for details. As an organizational provision, it typically does not lead to justiciable disputes that reach the Federal Court.\n\n### Constitutional Context\n\nThe few available decisions treat Art. 171 BV only marginally in connection with parliamentary supervision and the separation of powers:\n\n**BGE 141 I 172** of 24 August 2015  \nParliamentary supervision of the administration; tax secrecy; guarantee of access to justice  \nThe Federal Court recognized parliamentary supervision as a predominantly political function, without specifically addressing Art. 171 BV.  \n\n> «Supervision has predominantly political features, which allows the cantons to provide for an exception to the guarantee of access to justice.»\n\n### Case Law on Related Norms\n\nThe practical application of parliamentary instruments is mainly specified by the Parliament Act (ParlA; SR 171.10). Isolated decisions on procedural questions and information rights of parliamentary committees indirectly touch on the scope of application of Art. 171 BV, but primarily address the statutory implementing provisions.\n\nThe lack of case law on Art. 171 BV corresponds to the legal nature of this competence norm: disputes over parliamentary mandates are conducted in the political process and not before the courts.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_171", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.9, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 172, "article_suffix": "", "title": "Beziehungen zwischen Bund und Kantonen", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 172 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 172 der Bundesverfassung regelt drei wichtige Aufgaben der Bundesversammlung (National- und Ständerat) im schweizerischen Föderalismus.\n\n**Pflege der Beziehungen zwischen Bund und Kantonen**: Die Bundesversammlung sorgt dafür, dass Bund und Kantone gut zusammenarbeiten. Sie hört die Kantone bei wichtigen Gesetzen an und berücksichtigt ihre Interessen. Zum Beispiel führen die Parlamentskommissionen regelmässig Gespräche mit Kantonsvertretern, bevor neue Bundesgesetze verabschiedet werden.\n\n**Gewährleistung der Kantonsverfassungen**: Jede neue Kantonsverfassung muss von der Bundesversammlung genehmigt werden. Sie prüft, ob die Verfassung dem Bundesrecht entspricht und die Grundrechte respektiert. Ohne diese Genehmigung kann eine Kantonsverfassung nicht in Kraft treten. Beispiel: Wenn ein Kanton seine Verfassung ändert und dabei die Meinungsfreiheit einschränken würde, müsste die Bundesversammlung diese Änderung ablehnen.\n\n**Genehmigung von Verträgen zwischen Kantonen**: Kantone können untereinander Verträge abschliessen (Konkordate genannt). Sie können auch Verträge mit dem Ausland abschliessen. Die Bundesversammlung muss diese nur genehmigen, wenn der Bundesrat oder ein anderer Kanton dagegen ist. Ein bekanntes Beispiel ist das Harmos-Konkordat, das die Schulzeit in verschiedenen Kantonen harmonisiert.\n\nDiese Regelungen sorgen dafür, dass der schweizerische Föderalismus funktioniert und alle Staatsebenen respektiert werden.", "doctrine_de": "# Art. 172 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 172 BV vereint verschiedene Kompetenzen der Bundesversammlung im föderalen Beziehungsgefüge. Die Bestimmung geht auf Art. 85 Ziff. 5, 6 und 7 aBV zurück. In der Verfassungsreform von 1999 wurden diese Zuständigkeiten unverändert übernommen, aber systematisch neu in einem Artikel zusammengefasst (BBl 1997 I 1, 410 f.). Die Botschaft betont die Rolle der Bundesversammlung als «Hüterin der föderalen Ordnung» und ihre vermittelnde Funktion zwischen Bund und Kantonen (BBl 1997 I 411).\n\n**N. 2** Die historischen Wurzeln reichen bis zur Bundesverfassung von 1848 zurück. Bereits damals war die Gewährleistung der Kantonsverfassungen eine zentrale Bundeskompetenz, um die Homogenität der verfassungsmässigen Ordnung in den Kantonen sicherzustellen. Die Genehmigung interkantonaler Verträge diente der Wahrung der Bundesinteressen bei horizontaler Zusammenarbeit zwischen den Kantonen.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 172 BV steht im 3. Abschnitt des 5. Kapitels über die Zuständigkeiten der Bundesversammlung. Die Norm konkretisiert die allgemeine Aufsichtsfunktion der Bundesversammlung (→ Art. 169 BV) im föderalen Kontext. Sie ergänzt sich mit Art. 186 Abs. 4 BV, der dem Bundesrat die Pflege der Beziehungen zu den Kantonen zuweist.\n\n**N. 4** Die Gewährleistungskompetenz nach Abs. 2 steht in engem Zusammenhang mit Art. 51 BV (Kantonsverfassungen), der die materiellen Anforderungen an Kantonsverfassungen festlegt. Die Genehmigungskompetenz nach Abs. 3 konkretisiert Art. 48 BV (Verträge zwischen Kantonen) und Art. 56 BV (Beziehungen der Kantone zum Ausland).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Abs. 1: Pflege der föderalen Beziehungen\n\n**N. 5** Die «Pflege der Beziehungen» umfasst alle Massnahmen zur Förderung des kooperativen Föderalismus. Dazu gehören regelmässige Konsultationen, die Einbindung der Kantone in die Bundesgesetzgebung (→ Art. 45 BV) und die Berücksichtigung kantonaler Interessen bei Bundesentscheiden. Die Bundesversammlung nimmt diese Aufgabe insbesondere durch ihre Kommissionen wahr, die regelmässig Anhörungen mit kantonalen Vertretern durchführen.\n\n**N. 6** Die Bestimmung begründet eine institutionelle Garantie des Föderalismus, aber keine einklagbaren Rechte der Kantone. Sie verpflichtet die Bundesversammlung zu einer föderalismusfreundlichen Grundhaltung bei der Ausübung aller ihrer Kompetenzen.\n\n#### Abs. 2: Gewährleistung der Kantonsverfassungen\n\n**N. 7** Die Gewährleistung ist ein präventives Kontrollverfahren. Die Bundesversammlung prüft, ob die Kantonsverfassung dem Bundesrecht entspricht (Art. 51 Abs. 1 BV), die politischen Rechte gewährleistet (Art. 51 Abs. 1 BV) und vom Volk angenommen wurde (Art. 51 Abs. 1 BV). Das Verfahren ist in Art. 12 ParlG geregelt.\n\n**N. 8** Die Gewährleistung erfolgt durch einfachen Bundesbeschluss (Art. 163 Abs. 2 BV). Sie kann vollumfänglich, teilweise oder unter Auflagen erteilt werden. Bei Verweigerung der Gewährleistung muss der Kanton die beanstandeten Bestimmungen anpassen.\n\n#### Abs. 3: Genehmigung interkantonaler und internationaler Verträge der Kantone\n\n**N. 9** Die Genehmigungspflicht besteht nur, wenn der Bundesrat oder ein Kanton Einsprache erhebt. Dies ist ein Ausdruck des kooperativen Föderalismus: Grundsätzlich sind die Kantone in ihrer Vertragstätigkeit frei, die Bundeskontrolle greift nur subsidiär ein.\n\n**N. 10** Genehmigungspflichtig sind sowohl Verträge zwischen Kantonen (Konkordate) als auch Verträge von Kantonen mit dem Ausland. Nicht erfasst sind blosse Verwaltungsvereinbarungen ohne normativen Charakter oder privatrechtliche Verträge.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 11** Die Gewährleistung nach Abs. 2 hat konstitutive Wirkung: Ohne Gewährleistung kann eine Kantonsverfassung nicht in Kraft treten. Gewährleistete Verfassungsbestimmungen geniessen einen besonderen Schutz vor gerichtlicher Überprüfung. Das Bundesgericht übt grundsätzlich keine abstrakte oder inzidente Normenkontrolle aus (**BGE 145 I 259** E. 5.1; **BGE 138 I 378** E. 5.4.2).\n\n**N. 12** Diese Zurückhaltung kennt jedoch Ausnahmen: Bei einer Weiterentwicklung des Bundesrechts seit der Gewährleistung kann das Bundesgericht im konkreten Anwendungsfall prüfen, ob die kantonale Verfassungsbestimmung noch mit übergeordnetem Recht vereinbar ist (**BGE 140 I 394** E. 3.3).\n\n**N. 13** Die Verweigerung der Genehmigung nach Abs. 3 führt zur Nichtigkeit des Vertrags. Die Kantone müssen den Vertrag anpassen oder auf seinen Abschluss verzichten.\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 14** In der Lehre ist umstritten, wie weit die richterliche Zurückhaltung bei gewährleisteten Kantonsverfassungen reichen soll. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1823) vertreten eine strenge Position: Das Bundesgericht soll gewährleistete Bestimmungen nur bei offensichtlichen Verstössen gegen zwingendes Völkerrecht überprüfen. Ehrenzeller/Schweizer (St. Galler Kommentar BV, Art. 172 N 15) plädieren für eine differenziertere Betrachtung unter Berücksichtigung der Normenhierarchie und des Demokratieprinzips.\n\n**N. 15** Kontrovers diskutiert wird auch die Reichweite der Genehmigungspflicht nach Abs. 3. Während Waldmann (BSK BV, Art. 172 N 22) eine weite Auslegung vertritt, die alle Verträge mit normativem Charakter erfasst, beschränkt Tschannen (Staatsrecht, 4. Aufl. 2021, § 23 N 15) die Pflicht auf Verträge von erheblicher politischer oder rechtlicher Tragweite.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** Bei der Totalrevision einer Kantonsverfassung empfiehlt sich eine frühzeitige Konsultation der Bundesbehörden, um Gewährleistungshindernisse zu vermeiden. Die Staatspolitischen Kommissionen beider Räte bieten informelle Vorabklärungen an.\n\n**N. 17** Für interkantonale Verträge gilt: Die Einsprachefrist für Bundesrat und Kantone beträgt drei Monate seit Kenntnisnahme (Art. 62 RVOG). In der Praxis wird selten Einsprache erhoben. Die Kantone sollten dennoch wichtige Konkordate frühzeitig dem Bundesrat zur Kenntnis bringen, um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden.\n\n**N. 18** Die Pflege der föderalen Beziehungen nach Abs. 1 verlangt von der Bundesversammlung eine aktive Rolle. Parlamentarische Vorstösse zu kantonalen Anliegen sollten ernst genommen und die Kantone bei wichtigen Gesetzgebungsprojekten über die formelle Vernehmlassung hinaus einbezogen werden (→ Art. 45 BV).", "caselaw_de": "# Art. 172 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Gewährleistung der Kantonsverfassungen (Abs. 2)\n\n**BGE 138 I 378** vom 3. Juli 2012  \nPrüfungsbefugnis des Bundesgerichts nach Gewährleistung einer Kantonsverfassung durch die Bundesversammlung. Überprüfung einer Kantonsverfassung unterliegt grundsätzlich nicht der bundesgerichtlichen Kontrolle, soweit sie gewährleistet ist.\n\n> «Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung unterliegt deshalb eine von der Bundesversammlung gewährleistete Kantonsverfassung (Art. 51 Abs. 2 und Art. 172 Abs. 2 BV) nicht der bundesgerichtlichen Kontrolle, soweit sie in den gewährleisteten Bestimmungen eine hinreichende Grundlage für die streitige staatliche Tätigkeit schafft.»\n\n**BGE 140 I 394** vom 1. Januar 2014  \nBefugnis des Bundesgerichts zur Überprüfung von kantonalen Verfassungsbestimmungen im konkreten Anwendungsfall. Weiterentwicklung des Verfassungsrechts seit der Gewährleistung kann zur Überprüfung führen.\n\n> «Das aus Art. 34 BV fliessende Prinzip der Wahlrechtsgleichheit ist seit der Gewährleistung der Verfassung des Kantons Appenzell A.Rh. durch die Bundesversammlung im Jahr 1996 weiterentwickelt worden. Dieser Entwicklung gilt es Rechnung zu tragen, weshalb das Bundesgericht auf eine die Wahl des Kantonsrats Appenzell A.Rh. 2011 betreffende Beschwerde hin prüft, ob das in den Grundzügen in der Kantonsverfassung geregelte Wahlverfahren mit der Wahlrechtsgleichheit zu vereinbaren ist.»\n\n**BGE 145 I 259** vom 29. Juli 2019  \nVoraussetzungen für die Überprüfung von Bestimmungen einer Kantonsverfassung durch das Bundesgericht. Grundsätzlicher Verzicht auf abstrakte und inzidente Kontrolle gewährleisteter Kantonsverfassungen.\n\n> «Gemäss langjähriger Praxis sieht das Bundesgericht in Anbetracht von deren Gewährleistung durch die Bundesversammlung (vgl. Art. 51 Abs. 2 BV) nicht nur von einer abstrakten Normenkontrolle, sondern grundsätzlich auch von einer inzidenten Kontrolle von Bestimmungen von Kantonsverfassungen ab.»\n\n**BGE 118 IA 124** vom 1. Januar 1992  \nÜberprüfung kantonaler Verfassungsbestimmungen im abstrakten Normkontrollverfahren. Änderungen von Kantonsverfassungen können nicht mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten werden.\n\n> «Änderungen von Kantonsverfassungen können nicht mit staatsrechtlicher Beschwerde im abstrakten Normkontrollverfahren angefochten werden; sie unterliegen ausschliesslich der Gewährleistung der Bundesversammlung.»\n\n**Urteil 1P.285/2005** vom 8. Juni 2005  \nKantonale Organe sind zur Überprüfung der verfassungsrechtlichen Zulässigkeit von Initiativen berechtigt, aber nicht verpflichtet. Die Gewährleistung bezieht sich auch auf das Initiativverfahren.\n\n> «Das Bundesgericht hat im Zusammenhang mit dem Initiativrecht erkannt, dass die zuständigen kantonalen Organe unter dem Gesichtswinkel der bundesrechtlichen Garantie des Stimmrechts zwar berechtigt, indessen nicht verpflichtet sind, Initiativen auf ihre inhaltliche Rechtmässigkeit und Vereinbarkeit mit Normen höherer Ordnung zu überprüfen.»\n\n### Genehmigung interkantonaler Verträge (Abs. 3)\n\n**BGE 96 I 636** vom 8. Dezember 1970  \nAuslegung von Konkordaten und Abschluss interkantonaler Verträge durch konkludente Handlungen. Keine automatische Entstehung von Konkordaten durch gleichlautende Verfassungsbestimmungen.\n\n> «Ein interkantonaler Vertrag kann grundsätzlich durch konkludente Handlungen abgeschlossen werden. Gleichlautende Verfassungsbestimmungen in verschiedenen Kantonen begründen jedoch nicht ohne weiteres einen interkantonalen Vertrag, der einer Kündigung durch die Kantone entzogen wäre.»\n\n**BGE 96 I 210** vom 16. September 1970  \nBegriff des Konkordats im Unterschied zu einfachen Verträgen mit anderen Kantonen. Staatsvertragsreferendum bei interkantonalen Übereinkunften zur Verstärkung polizeilicher Sicherheitsmassnahmen.\n\n> «Ein Konkordat ist eine interkantonale Vereinbarung. In der Praxis werden indessen nicht alle interkantonalen Verträge als Konkordate bezeichnet. Die thurgauische Kantonsverfassung unterscheidet zwischen 'Konkordaten', die der Volksabstimmung unterliegen, und 'Verträgen mit anderen Kantonen', die der Grosse Rat in eigener Kompetenz genehmigen kann.»\n\n**BGE 112 IA 75** vom 21. März 1986  \nBefreiung einer ausserkantonalen kirchlichen Institution von der Erbschaftssteuer auf Grund einer Gegenrechtserklärung. Zuständigkeitsfragen beim Abschluss von Konkordaten.\n\n> «Unter welchen Umständen kann sich ein Kanton darauf berufen, die für ihn handelnde Behörde sei zum Abschlusse eines Konkordates bzw. zur Abgabe einer Gegenrechtserklärung nicht zuständig gewesen? Beurteilung dieser Frage nach Völkergewohnheitsrecht.»\n\n**BGE 97 I 241** vom 5. Mai 1971  \nInterkantonales Bodenverbesserungsunternehmen nach Landwirtschaftsgesetz. Abgrenzung zwischen förmlichen interkantonalen Staatsverträgen und blossen Verständigungen unter Kantonsregierungen.\n\n> «Genügt für die Errichtung eines interkantonalen Bodenverbesserungsunternehmens die Verständigung unter den Kantonsregierungen oder bedarf es dafür eines förmlichen interkantonalen Staatsvertrages?»", "summary_fr": "# Art. 172 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 172 de la Constitution fédérale règle trois tâches importantes de l'Assemblée fédérale (Conseil national et Conseil des États) dans le fédéralisme suisse.\n\n**Entretien des relations entre la Confédération et les cantons** : L'Assemblée fédérale veille à ce que la Confédération et les cantons collaborent bien. Elle consulte les cantons sur les lois importantes et tient compte de leurs intérêts. Par exemple, les commissions parlementaires mènent régulièrement des entretiens avec les représentants des cantons avant d'adopter de nouvelles lois fédérales.\n\n**Garantie des constitutions cantonales** : Chaque nouvelle constitution cantonale doit être approuvée par l'Assemblée fédérale. Elle vérifie si la constitution est conforme au droit fédéral et respecte les droits fondamentaux. Sans cette approbation, une constitution cantonale ne peut pas entrer en vigueur. Exemple : Si un canton modifie sa constitution en restreignant la liberté d'opinion, l'Assemblée fédérale devrait rejeter cette modification.\n\n**Approbation des traités entre cantons** : Les cantons peuvent conclure entre eux des traités (appelés concordats). Ils peuvent aussi conclure des traités avec l'étranger. L'Assemblée fédérale ne doit les approuver que si le Conseil fédéral ou un autre canton s'y oppose. Un exemple connu est le concordat HarmoS, qui harmonise la durée de la scolarité dans différents cantons.\n\nCes règles veillent à ce que le fédéralisme suisse fonctionne et que tous les niveaux étatiques soient respectés.", "doctrine_fr": "# Art. 172 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 172 Cst. réunit différentes compétences de l'Assemblée fédérale dans le cadre des relations fédérales. La disposition remonte à l'art. 85 ch. 5, 6 et 7 aCst. Lors de la réforme constitutionnelle de 1999, ces compétences ont été reprises sans changement, mais regroupées systématiquement dans un nouvel article (FF 1997 I 1, 410 s.). Le message souligne le rôle de l'Assemblée fédérale comme « gardienne de l'ordre fédéral » et sa fonction de médiation entre la Confédération et les cantons (FF 1997 I 411).\n\n**N. 2** Les racines historiques remontent à la Constitution fédérale de 1848. Déjà à l'époque, la garantie des constitutions cantonales était une compétence fédérale centrale pour assurer l'homogénéité de l'ordre constitutionnel dans les cantons. L'approbation des concordats servait à préserver les intérêts fédéraux en cas de coopération horizontale entre cantons.\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 3** L'art. 172 Cst. se trouve dans la 3e section du 5e chapitre sur les compétences de l'Assemblée fédérale. La norme concrétise la fonction générale de surveillance de l'Assemblée fédérale (→ art. 169 Cst.) dans le contexte fédéral. Elle complète l'art. 186 al. 4 Cst., qui confie au Conseil fédéral le soin d'entretenir les relations avec les cantons.\n\n**N. 4** La compétence de garantie selon l'al. 2 est étroitement liée à l'art. 51 Cst. (constitutions cantonales), qui fixe les exigences matérielles pour les constitutions cantonales. La compétence d'approbation selon l'al. 3 concrétise l'art. 48 Cst. (concordats) et l'art. 56 Cst. (relations des cantons avec l'étranger).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### Al. 1 : Entretien des relations fédérales\n\n**N. 5** L'« entretien des relations » comprend toutes les mesures visant à promouvoir le fédéralisme coopératif. Cela inclut des consultations régulières, l'intégration des cantons dans la législation fédérale (→ art. 45 Cst.) et la prise en considération des intérêts cantonaux dans les décisions fédérales. L'Assemblée fédérale assume cette tâche notamment par l'intermédiaire de ses commissions, qui organisent régulièrement des auditions avec des représentants cantonaux.\n\n**N. 6** La disposition fonde une garantie institutionnelle du fédéralisme, mais ne crée pas de droits justiciables pour les cantons. Elle oblige l'Assemblée fédérale à adopter une attitude favorable au fédéralisme dans l'exercice de toutes ses compétences.\n\n#### Al. 2 : Garantie des constitutions cantonales\n\n**N. 7** La garantie est une procédure de contrôle préventif. L'Assemblée fédérale vérifie si la constitution cantonale est conforme au droit fédéral (art. 51 al. 1 Cst.), garantit les droits politiques (art. 51 al. 1 Cst.) et a été acceptée par le peuple (art. 51 al. 1 Cst.). La procédure est réglée à l'art. 12 LParl.\n\n**N. 8** La garantie est accordée par arrêté fédéral simple (art. 163 al. 2 Cst.). Elle peut être accordée entièrement, partiellement ou sous conditions. En cas de refus de la garantie, le canton doit adapter les dispositions contestées.\n\n#### Al. 3 : Approbation des concordats et des traités internationaux des cantons\n\n**N. 9** L'obligation d'approbation n'existe que si le Conseil fédéral ou un canton fait opposition. C'est une expression du fédéralisme coopératif : en principe, les cantons sont libres dans leur activité contractuelle, le contrôle fédéral n'intervient qu'à titre subsidiaire.\n\n**N. 10** Sont soumis à approbation aussi bien les traités entre cantons (concordats) que les traités des cantons avec l'étranger. Ne sont pas visés les simples accords administratifs sans caractère normatif ou les contrats de droit privé.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 11** La garantie selon l'al. 2 a un effet constitutif : sans garantie, une constitution cantonale ne peut entrer en vigueur. Les dispositions constitutionnelles garanties bénéficient d'une protection particulière contre le contrôle judiciaire. Le Tribunal fédéral n'exerce en principe pas de contrôle abstrait ou incident des normes (**ATF 145 I 259** consid. 5.1 ; **ATF 138 I 378** consid. 5.4.2).\n\n**N. 12** Cette retenue connaît cependant des exceptions : en cas d'évolution du droit fédéral depuis la garantie, le Tribunal fédéral peut vérifier dans le cas d'application concret si la disposition constitutionnelle cantonale est encore compatible avec le droit supérieur (**ATF 140 I 394** consid. 3.3).\n\n**N. 13** Le refus d'approbation selon l'al. 3 entraîne la nullité du traité. Les cantons doivent adapter le traité ou renoncer à sa conclusion.\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 14** Dans la doctrine, il est controversé de savoir jusqu'où doit aller la retenue judiciaire concernant les constitutions cantonales garanties. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1823) défendent une position stricte : le Tribunal fédéral ne devrait réviser les dispositions garanties qu'en cas de violation manifeste du droit international impératif. Ehrenzeller/Schweizer (St. Galler Kommentar BV, art. 172 N 15) plaident pour une approche plus différenciée tenant compte de la hiérarchie des normes et du principe démocratique.\n\n**N. 15** La portée de l'obligation d'approbation selon l'al. 3 fait également l'objet de discussions controversées. Alors que Waldmann (BSK BV, art. 172 N 22) défend une interprétation large qui englobe tous les traités à caractère normatif, Tschannen (Staatsrecht, 4e éd. 2021, § 23 N 15) limite l'obligation aux traités d'une portée politique ou juridique considérable.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** En cas de révision totale d'une constitution cantonale, il est recommandé de consulter les autorités fédérales suffisamment tôt pour éviter les obstacles à la garantie. Les Commissions des institutions politiques des deux Chambres offrent des clarifications préalables informelles.\n\n**N. 17** Pour les concordats : le délai d'opposition pour le Conseil fédéral et les cantons est de trois mois dès la prise de connaissance (art. 62 RVOG). Dans la pratique, il est rare qu'une opposition soit soulevée. Les cantons devraient néanmoins porter les concordats importants à la connaissance du Conseil fédéral suffisamment tôt pour éviter l'insécurité juridique.\n\n**N. 18** L'entretien des relations fédérales selon l'al. 1 exige de l'Assemblée fédérale un rôle actif. Les interventions parlementaires concernant les préoccupations cantonales devraient être prises au sérieux et les cantons devraient être associés aux projets législatifs importants au-delà de la procédure de consultation formelle (→ art. 45 Cst.).", "caselaw_fr": "# Art. 172 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Garantie des constitutions cantonales (al. 2)\n\n**ATF 138 I 378** du 3 juillet 2012  \nCompétence d'examen du Tribunal fédéral après garantie d'une constitution cantonale par l'Assemblée fédérale. L'examen d'une constitution cantonale n'est en principe pas soumis au contrôle du Tribunal fédéral dans la mesure où elle est garantie.\n\n> « Selon la jurisprudence constante du Tribunal fédéral, une constitution cantonale garantie par l'Assemblée fédérale (art. 51 al. 2 et art. 172 al. 2 Cst.) n'est donc pas soumise au contrôle du Tribunal fédéral dans la mesure où elle crée, dans les dispositions garanties, une base suffisante pour l'activité étatique litigieuse. »\n\n**ATF 140 I 394** du 1er janvier 2014  \nCompétence du Tribunal fédéral d'examiner des dispositions constitutionnelles cantonales dans le cas d'application concret. Le développement du droit constitutionnel depuis la garantie peut conduire à un examen.\n\n> « Le principe d'égalité du droit de vote découlant de l'art. 34 Cst. a été développé depuis la garantie de la constitution du canton d'Appenzell Rh.-Ext. par l'Assemblée fédérale en 1996. Il convient de tenir compte de cette évolution, c'est pourquoi le Tribunal fédéral examine, sur recours concernant l'élection du Grand Conseil d'Appenzell Rh.-Ext. de 2011, si la procédure électorale réglée dans ses grandes lignes dans la constitution cantonale est compatible avec l'égalité du droit de vote. »\n\n**ATF 145 I 259** du 29 juillet 2019  \nConditions pour l'examen de dispositions d'une constitution cantonale par le Tribunal fédéral. Renonciation de principe au contrôle abstrait et incident des constitutions cantonales garanties.\n\n> « Selon une pratique de longue date, le Tribunal fédéral renonce, compte tenu de leur garantie par l'Assemblée fédérale (cf. art. 51 al. 2 Cst.), non seulement à un contrôle abstrait des normes, mais en principe aussi à un contrôle incident de dispositions de constitutions cantonales. »\n\n**ATF 118 IA 124** du 1er janvier 1992  \nExamen de dispositions constitutionnelles cantonales dans la procédure de contrôle abstrait des normes. Les modifications de constitutions cantonales ne peuvent pas être attaquées par recours de droit public.\n\n> « Les modifications de constitutions cantonales ne peuvent pas être attaquées par recours de droit public dans la procédure de contrôle abstrait des normes ; elles sont exclusivement soumises à la garantie de l'Assemblée fédérale. »\n\n**Arrêt 1P.285/2005** du 8 juin 2005  \nLes organes cantonaux sont habilités à examiner l'admissibilité constitutionnelle d'initiatives, mais n'y sont pas obligés. La garantie se rapporte aussi à la procédure d'initiative.\n\n> « Le Tribunal fédéral a reconnu en rapport avec le droit d'initiative que les organes cantonaux compétents sont certes habilités, sous l'angle de la garantie de droit fédéral du droit de vote, mais ne sont pas obligés d'examiner les initiatives quant à leur légalité sur le fond et leur compatibilité avec des normes d'ordre supérieur. »\n\n### Approbation des concordats (al. 3)\n\n**ATF 96 I 636** du 8 décembre 1970  \nInterprétation de concordats et conclusion de traités intercantonaux par actes concluants. Aucune création automatique de concordats par des dispositions constitutionnelles de même teneur.\n\n> « Un traité intercantonal peut en principe être conclu par des actes concluants. Des dispositions constitutionnelles de même teneur dans différents cantons ne fondent cependant pas sans autre un traité intercantonal qui serait soustrait à une dénonciation par les cantons. »\n\n**ATF 96 I 210** du 16 septembre 1970  \nNotion de concordat par opposition aux simples traités avec d'autres cantons. Référendum en matière de traités internationaux pour les accords intercantonaux visant au renforcement de mesures de sécurité policières.\n\n> « Un concordat est un accord intercantonal. Dans la pratique, tous les traités intercantonaux ne sont cependant pas désignés comme concordats. La constitution cantonale thurgovienne distingue entre les 'concordats', qui sont soumis au vote populaire, et les 'traités avec d'autres cantons', que le Grand Conseil peut approuver de sa propre compétence. »\n\n**ATF 112 IA 75** du 21 mars 1986  \nExonération d'une institution ecclésiastique extracantonale de l'impôt sur les successions sur la base d'une déclaration de réciprocité. Questions de compétence lors de la conclusion de concordats.\n\n> « Dans quelles circonstances un canton peut-il se prévaloir du fait que l'autorité agissant pour lui n'était pas compétente pour conclure un concordat ou pour émettre une déclaration de réciprocité ? Appréciation de cette question selon le droit coutumier international. »\n\n**ATF 97 I 241** du 5 mai 1971  \nEntreprise intercantonale d'améliorations foncières selon la loi sur l'agriculture. Délimitation entre traités interétatiques intercantonaux formels et simples ententes entre gouvernements cantonaux.\n\n> « L'entente entre les gouvernements cantonaux suffit-elle pour la création d'une entreprise intercantonale d'améliorations foncières ou faut-il pour cela un traité interétatique intercantonal formel ? »", "summary_it": "# Art. 172 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 172 della Costituzione federale disciplina tre importanti compiti dell'Assemblea federale (Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati) nel federalismo svizzero.\n\n**Cura dei rapporti tra Confederazione e Cantoni**: L'Assemblea federale fa sì che Confederazione e Cantoni collaborino bene. Sente i Cantoni per le leggi importanti e tiene conto dei loro interessi. Per esempio, le commissioni parlamentari conducono regolarmente colloqui con i rappresentanti cantonali prima dell'approvazione di nuove leggi federali.\n\n**Garanzia delle costituzioni cantonali**: Ogni nuova costituzione cantonale deve essere approvata dall'Assemblea federale. Essa verifica se la costituzione è conforme al diritto federale e rispetta i diritti fondamentali. Senza questa approvazione una costituzione cantonale non può entrare in vigore. Esempio: se un Cantone modificasse la sua costituzione limitando la libertà di opinione, l'Assemblea federale dovrebbe respingere tale modifica.\n\n**Approvazione di trattati tra Cantoni**: I Cantoni possono concludere tra loro trattati (chiamati concordati). Possono anche concludere trattati con l'estero. L'Assemblea federale deve approvarli solo se il Consiglio federale o un altro Cantone si oppone. Un esempio noto è il concordato HarmoS, che armonizza la durata della scolarità in diversi Cantoni.\n\nQueste disposizioni fanno sì che il federalismo svizzero funzioni e che tutti i livelli statali siano rispettati.", "doctrine_it": "# Art. 172 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 172 Cost. riunisce diverse competenze dell'Assemblea federale nei rapporti federali. La disposizione risale all'art. 85 n. 5, 6 e 7 aCost. Nella riforma costituzionale del 1999 queste competenze sono state riprese invariate, ma sistematicamente riunite in un unico articolo (FF 1997 I 1, 410 seg.). Il messaggio sottolinea il ruolo dell'Assemblea federale come «custode dell'ordine federale» e la sua funzione mediatrice tra Confederazione e Cantoni (FF 1997 I 411).\n\n**N. 2** Le radici storiche risalgono alla Costituzione federale del 1848. Già allora la garanzia delle costituzioni cantonali era una competenza federale centrale per assicurare l'omogeneità dell'ordine costituzionale nei Cantoni. L'approvazione dei concordati serviva alla tutela degli interessi federali nella collaborazione orizzontale tra i Cantoni.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 172 Cost. si trova nella 3ª sezione del 5° capitolo sulle competenze dell'Assemblea federale. La norma concretizza la funzione generale di vigilanza dell'Assemblea federale (→ art. 169 Cost.) nel contesto federale. Si completa con l'art. 186 cpv. 4 Cost., che attribuisce al Consiglio federale la cura dei rapporti con i Cantoni.\n\n**N. 4** La competenza di garanzia secondo il cpv. 2 è strettamente collegata all'art. 51 Cost. (costituzioni cantonali), che stabilisce i requisiti materiali per le costituzioni cantonali. La competenza di approvazione secondo il cpv. 3 concretizza l'art. 48 Cost. (concordati tra Cantoni) e l'art. 56 Cost. (rapporti dei Cantoni con l'estero).\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto normativo\n\n#### Cpv. 1: Cura dei rapporti federali\n\n**N. 5** La «cura dei rapporti» comprende tutte le misure per promuovere il federalismo cooperativo. Ciò include consultazioni regolari, il coinvolgimento dei Cantoni nella legislazione federale (→ art. 45 Cost.) e la considerazione degli interessi cantonali nelle decisioni federali. L'Assemblea federale svolge questo compito in particolare attraverso le sue commissioni, che conducono regolarmente audizioni con rappresentanti cantonali.\n\n**N. 6** La disposizione fonda una garanzia istituzionale del federalismo, ma non diritti azionabili dei Cantoni. Obbliga l'Assemblea federale a un atteggiamento di base favorevole al federalismo nell'esercizio di tutte le sue competenze.\n\n#### Cpv. 2: Garanzia delle costituzioni cantonali\n\n**N. 7** La garanzia è una procedura di controllo preventivo. L'Assemblea federale verifica se la costituzione cantonale è conforme al diritto federale (art. 51 cpv. 1 Cost.), garantisce i diritti politici (art. 51 cpv. 1 Cost.) ed è stata accettata dal popolo (art. 51 cpv. 1 Cost.). La procedura è disciplinata nell'art. 12 LParl.\n\n**N. 8** La garanzia è concessa con decreto federale semplice (art. 163 cpv. 2 Cost.). Può essere concessa integralmente, parzialmente o con riserve. In caso di rifiuto della garanzia il Cantone deve adeguare le disposizioni contestate.\n\n#### Cpv. 3: Approvazione di concordati e trattati internazionali dei Cantoni\n\n**N. 9** L'obbligo di approvazione sussiste solo se il Consiglio federale o un Cantone presenta opposizione. Ciò è espressione del federalismo cooperativo: in principio i Cantoni sono liberi nella loro attività contrattuale, il controllo federale interviene solo in via sussidiaria.\n\n**N. 10** Soggetti ad approvazione sono sia i concordati tra Cantoni sia i trattati di Cantoni con l'estero. Non sono compresi semplici accordi amministrativi senza carattere normativo o contratti di diritto privato.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 11** La garanzia secondo il cpv. 2 ha effetto costitutivo: senza garanzia una costituzione cantonale non può entrare in vigore. Le disposizioni costituzionali garantite godono di una protezione particolare dal controllo giudiziario. Il Tribunale federale in principio non esercita controllo normativo astratto o incidentale (**DTF 145 I 259** consid. 5.1; **DTF 138 I 378** consid. 5.4.2).\n\n**N. 12** Questa moderazione conosce tuttavia eccezioni: in caso di evoluzione del diritto federale dopo la garanzia, il Tribunale federale può verificare nel caso concreto di applicazione se la disposizione costituzionale cantonale è ancora compatibile con il diritto superiore (**DTF 140 I 394** consid. 3.3).\n\n**N. 13** Il rifiuto dell'approvazione secondo il cpv. 3 comporta la nullità del concordato. I Cantoni devono adeguare il concordato o rinunciare alla sua conclusione.\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 14** In dottrina è controverso fino a che punto debba estendersi la moderazione giudiziaria per le costituzioni cantonali garantite. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1823) sostengono una posizione rigorosa: il Tribunale federale dovrebbe verificare le disposizioni garantite solo in caso di violazioni manifeste del diritto internazionale cogente. Ehrenzeller/Schweizer (Commentario San Gallese Cost., art. 172 N 15) propugnano una considerazione più differenziata tenendo conto della gerarchia normativa e del principio democratico.\n\n**N. 15** È pure discussa controversamente la portata dell'obbligo di approvazione secondo il cpv. 3. Mentre Waldmann (BSK Cost., art. 172 N 22) sostiene un'interpretazione ampia che comprende tutti i concordati con carattere normativo, Tschannen (Staatsrecht, 4ª ed. 2021, § 23 N 15) limita l'obbligo ai concordati di notevole portata politica o giuridica.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** In caso di revisione totale di una costituzione cantonale si raccomanda una consultazione precoce delle autorità federali per evitare ostacoli alla garanzia. Le Commissioni delle istituzioni politiche di entrambe le Camere offrono chiarimenti informali preventivi.\n\n**N. 17** Per i concordati vale: il termine di opposizione per il Consiglio federale e i Cantoni è di tre mesi dalla conoscenza (art. 62 OOCF). Nella prassi raramente si presenta opposizione. I Cantoni dovrebbero tuttavia portare tempestivamente a conoscenza del Consiglio federale i concordati importanti per evitare incertezze giuridiche.\n\n**N. 18** La cura dei rapporti federali secondo il cpv. 1 richiede dall'Assemblea federale un ruolo attivo. Gli interventi parlamentari su questioni cantonali dovrebbero essere presi sul serio e i Cantoni coinvolti nei progetti legislativi importanti oltre la consultazione formale (→ art. 45 Cost.).", "caselaw_it": "# Art. 172 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Garanzia delle costituzioni cantonali (cpv. 2)\n\n**DTF 138 I 378** del 3 luglio 2012  \nCompetenza di controllo del Tribunale federale dopo la garanzia di una costituzione cantonale da parte dell'Assemblea federale. La verifica di una costituzione cantonale non soggiace in linea di principio al controllo del Tribunale federale, nella misura in cui è garantita.\n\n> «Secondo la giurisprudenza costante del Tribunale federale, una costituzione cantonale garantita dall'Assemblea federale (art. 51 cpv. 2 e art. 172 cpv. 2 Cost.) non soggiace pertanto al controllo del Tribunale federale, nella misura in cui crea nelle disposizioni garantite una base sufficiente per l'attività statale controversa.»\n\n**DTF 140 I 394** del 1° gennaio 2014  \nCompetenza del Tribunale federale di verificare le disposizioni costituzionali cantonali nel caso concreto di applicazione. Lo sviluppo del diritto costituzionale dal momento della garanzia può condurre alla verifica.\n\n> «Il principio dell'uguaglianza del diritto elettorale che deriva dall'art. 34 Cost. si è sviluppato ulteriormente dalla garanzia della Costituzione del Cantone di Appenzello Esterno da parte dell'Assemblea federale nel 1996. Occorre tenere conto di questo sviluppo, motivo per cui il Tribunale federale, a seguito di un ricorso concernente l'elezione del Gran Consiglio di Appenzello Esterno del 2011, verifica se la procedura elettorale disciplinata nei tratti essenziali nella costituzione cantonale sia compatibile con l'uguaglianza del diritto elettorale.»\n\n**DTF 145 I 259** del 29 luglio 2019  \nPresupposti per la verifica di disposizioni di una costituzione cantonale da parte del Tribunale federale. Rinuncia di principio al controllo astratto e incidentale delle costituzioni cantonali garantite.\n\n> «Secondo la prassi pluriennale, il Tribunale federale rinuncia, in considerazione della loro garanzia da parte dell'Assemblea federale (cfr. art. 51 cpv. 2 Cost.), non solo a un controllo astratto delle norme, ma in linea di principio anche a un controllo incidentale delle disposizioni delle costituzioni cantonali.»\n\n**DTF 118 IA 124** del 1° gennaio 1992  \nVerifica delle disposizioni costituzionali cantonali nella procedura di controllo astratto delle norme. Le modifiche delle costituzioni cantonali non possono essere impugnate con ricorso di diritto pubblico.\n\n> «Le modifiche delle costituzioni cantonali non possono essere impugnate con ricorso di diritto pubblico nella procedura di controllo astratto delle norme; esse soggiacciono esclusivamente alla garanzia dell'Assemblea federale.»\n\n**Sentenza 1P.285/2005** dell'8 giugno 2005  \nGli organi cantonali sono autorizzati a verificare l'ammissibilità costituzionale delle iniziative, ma non obbligati. La garanzia si riferisce anche alla procedura di iniziativa.\n\n> «Il Tribunale federale ha riconosciuto in relazione al diritto di iniziativa che gli organi cantonali competenti, sotto il profilo della garanzia del diritto di voto di diritto federale, sono sì autorizzati, ma non obbligati a verificare le iniziative quanto alla loro legalità sostanziale e compatibilità con norme di grado superiore.»\n\n### Approvazione di trattati intercantonali (cpv. 3)\n\n**DTF 96 I 636** dell'8 dicembre 1970  \nInterpretazione di concordati e conclusione di trattati intercantonali mediante atti concludenti. Nessuna nascita automatica di concordati attraverso disposizioni costituzionali identiche.\n\n> «Un trattato intercantonale può in linea di principio essere concluso mediante atti concludenti. Tuttavia, disposizioni costituzionali identiche in diversi cantoni non fondano senz'altro un trattato intercantonale che sarebbe sottratto a una disdetta da parte dei cantoni.»\n\n**DTF 96 I 210** del 16 settembre 1970  \nNozione di concordato in contrapposizione a semplici trattati con altri cantoni. Referendum sui trattati internazionali per accordi intercantonali per il rafforzamento delle misure di sicurezza di polizia.\n\n> «Un concordato è un accordo intercantonale. Nella prassi tuttavia non tutti i trattati intercantonali vengono denominati concordati. La costituzione cantonale turgoviese distingue tra 'concordati', che soggiacciono alla votazione popolare, e 'trattati con altri cantoni', che il Gran Consiglio può approvare di propria competenza.»\n\n**DTF 112 IA 75** del 21 marzo 1986  \nEsenzione di un'istituzione ecclesiastica extracantonale dall'imposta di successione sulla base di una dichiarazione di reciprocità. Questioni di competenza nella conclusione di concordati.\n\n> «In quali circostanze può un cantone far valere che l'autorità che ha agito per esso non era competente per la conclusione di un concordato ovvero per il rilascio di una dichiarazione di reciprocità? Valutazione di questa questione secondo il diritto internazionale consuetudinario.»\n\n**DTF 97 I 241** del 5 maggio 1971  \nImpresa intercantonale di miglioramento fondiario secondo la legge sull'agricoltura. Delimitazione tra trattati interstatali intercantonali formali e semplici intese tra governi cantonali.\n\n> «Per l'istituzione di un'impresa intercantonale di miglioramento fondiario è sufficiente l'intesa tra i governi cantonali o occorre un trattato interstatale intercantonale formale?»", "summary_en": "# Art. 172 BV\n\n## Overview\n\nArticle 172 of the Federal Constitution regulates three important tasks of the Federal Assembly (National Council and Council of States) in Swiss federalism.\n\n**Fostering relations between the Confederation and the cantons**: The Federal Assembly ensures that the Confederation and cantons work well together. It consults the cantons on important legislation and takes their interests into account. For example, parliamentary committees regularly hold discussions with cantonal representatives before new federal legislation is adopted.\n\n**Guaranteeing cantonal constitutions**: Every new cantonal constitution must be approved by the Federal Assembly. It examines whether the constitution complies with federal law and respects fundamental rights. Without this approval, a cantonal constitution cannot enter into force. Example: If a canton were to amend its constitution in a way that restricted freedom of expression, the Federal Assembly would have to reject this amendment.\n\n**Approval of treaties between cantons**: Cantons may conclude treaties among themselves (called concordats). They may also conclude treaties with foreign countries. The Federal Assembly need only approve these if the Federal Council or another canton objects to them. A well-known example is the HarmoS Concordat, which harmonises schooling in various cantons.\n\nThese provisions ensure that Swiss federalism functions and that all levels of government are respected.", "doctrine_en": "# Art. 172 FC\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 172 FC combines various competences of the Federal Assembly within the federal system of relationships. The provision stems from Art. 85 no. 5, 6 and 7 of the former FC. In the constitutional reform of 1999, these competences were adopted unchanged but systematically consolidated into one article (FG 1997 I 1, 410 f.). The Dispatch emphasises the role of the Federal Assembly as \"guardian of the federal order\" and its mediating function between the Confederation and the cantons (FG 1997 I 411).\n\n**N. 2** The historical roots reach back to the Federal Constitution of 1848. Even then, the guarantee of cantonal constitutions was a central federal competence to ensure homogeneity of the constitutional order in the cantons. The approval of intercantonal treaties served to safeguard federal interests in horizontal cooperation between the cantons.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 172 FC is located in Section 3 of Chapter 5 on the competences of the Federal Assembly. The norm concretises the general supervisory function of the Federal Assembly (→ Art. 169 FC) in the federal context. It complements Art. 186 para. 4 FC, which assigns the Federal Council the task of maintaining relations with the cantons.\n\n**N. 4** The guarantee competence under para. 2 is closely connected with Art. 51 FC (cantonal constitutions), which establishes the material requirements for cantonal constitutions. The approval competence under para. 3 concretises Art. 48 FC (treaties between cantons) and Art. 56 FC (relations of the cantons with foreign countries).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### Para. 1: Maintaining federal relations\n\n**N. 5** \"Maintaining relations\" encompasses all measures to promote cooperative federalism. This includes regular consultations, the involvement of cantons in federal legislation (→ Art. 45 FC) and the consideration of cantonal interests in federal decisions. The Federal Assembly fulfils this task particularly through its committees, which regularly conduct hearings with cantonal representatives.\n\n**N. 6** The provision establishes an institutional guarantee of federalism, but no enforceable rights of the cantons. It obliges the Federal Assembly to adopt a federalism-friendly basic attitude in the exercise of all its competences.\n\n#### Para. 2: Guarantee of cantonal constitutions\n\n**N. 7** The guarantee is a preventive control procedure. The Federal Assembly examines whether the cantonal constitution complies with federal law (Art. 51 para. 1 FC), guarantees political rights (Art. 51 para. 1 FC) and has been adopted by the people (Art. 51 para. 1 FC). The procedure is regulated in Art. 12 ParlA.\n\n**N. 8** The guarantee is granted by simple federal decree (Art. 163 para. 2 FC). It may be granted in full, partially or subject to conditions. If the guarantee is refused, the canton must adapt the objected provisions.\n\n#### Para. 3: Approval of intercantonal and international treaties of the cantons\n\n**N. 9** The approval requirement only applies if the Federal Council or a canton raises an objection. This is an expression of cooperative federalism: In principle, the cantons are free in their treaty-making activities, and federal control only intervenes subsidiarily.\n\n**N. 10** Both treaties between cantons (concordats) and treaties of cantons with foreign countries are subject to approval. Mere administrative agreements without normative character or private law contracts are not covered.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 11** The guarantee under para. 2 has constitutive effect: Without guarantee, a cantonal constitution cannot enter into force. Guaranteed constitutional provisions enjoy special protection from judicial review. The Federal Supreme Court generally does not exercise abstract or incidental judicial review (**BGE 145 I 259** E. 5.1; **BGE 138 I 378** E. 5.4.2).\n\n**N. 12** However, this restraint has exceptions: In case of a development of federal law since the guarantee, the Federal Supreme Court may examine in the concrete case whether the cantonal constitutional provision is still compatible with superior law (**BGE 140 I 394** E. 3.3).\n\n**N. 13** The refusal of approval under para. 3 leads to the nullity of the treaty. The cantons must adapt the treaty or forego its conclusion.\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 14** In doctrine, there is disagreement about how far judicial restraint regarding guaranteed cantonal constitutions should reach. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1823) advocate a strict position: The Federal Supreme Court should only review guaranteed provisions in cases of obvious violations of mandatory international law. Ehrenzeller/Schweizer (St. Galler Kommentar BV, Art. 172 N 15) argue for a more differentiated approach taking into account the hierarchy of norms and the democratic principle.\n\n**N. 15** The scope of the approval requirement under para. 3 is also controversially discussed. While Waldmann (BSK BV, Art. 172 N 22) advocates a broad interpretation that covers all treaties with normative character, Tschannen (Staatsrecht, 4th ed. 2021, § 23 N 15) limits the requirement to treaties of considerable political or legal significance.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** For the total revision of a cantonal constitution, early consultation with the federal authorities is recommended to avoid obstacles to guarantee. The State Policy Committees of both chambers offer informal preliminary clarifications.\n\n**N. 17** For intercantonal treaties, the following applies: The objection period for the Federal Council and cantons is three months from notification (Art. 62 GBOA). In practice, objections are rarely raised. Nevertheless, the cantons should notify the Federal Council of important concordats early to avoid legal uncertainties.\n\n**N. 18** Maintaining federal relations under para. 1 requires an active role from the Federal Assembly. Parliamentary motions on cantonal concerns should be taken seriously and the cantons should be involved in important legislative projects beyond the formal consultation procedure (→ Art. 45 FC).", "caselaw_en": "# Art. 172 BV\n\n## Case Law\n\n### Guarantee of cantonal constitutions (para. 2)\n\n**BGE 138 I 378** of 3 July 2012  \nPowers of review of the Federal Supreme Court after guarantee of a cantonal constitution by the Federal Assembly. Review of a cantonal constitution is in principle not subject to Federal Supreme Court control insofar as it is guaranteed.\n\n> «According to consistent Federal Supreme Court case law, a cantonal constitution guaranteed by the Federal Assembly (Art. 51 para. 2 and Art. 172 para. 2 Federal Constitution) is therefore not subject to Federal Supreme Court control insofar as it provides a sufficient basis in the guaranteed provisions for the disputed state activity.»\n\n**BGE 140 I 394** of 1 January 2014  \nPower of the Federal Supreme Court to review cantonal constitutional provisions in specific cases. Development of constitutional law since the guarantee may lead to review.\n\n> «The principle of electoral equality flowing from Art. 34 Federal Constitution has been further developed since the guarantee of the constitution of the Canton of Appenzell A.Rh. by the Federal Assembly in 1996. This development must be taken into account, which is why the Federal Supreme Court, following an appeal concerning the 2011 election of the Cantonal Council of Appenzell A.Rh., examines whether the electoral procedure regulated in its basic features in the cantonal constitution is compatible with electoral equality.»\n\n**BGE 145 I 259** of 29 July 2019  \nRequirements for the review of provisions of a cantonal constitution by the Federal Supreme Court. Fundamental waiver of abstract and incidental control of guaranteed cantonal constitutions.\n\n> «According to long-standing practice, the Federal Supreme Court refrains not only from abstract norm control, but in principle also from incidental control of provisions of cantonal constitutions in view of their guarantee by the Federal Assembly (cf. Art. 51 para. 2 Federal Constitution).»\n\n**BGE 118 IA 124** of 1 January 1992  \nReview of cantonal constitutional provisions in abstract norm control proceedings. Amendments to cantonal constitutions cannot be challenged by constitutional appeal.\n\n> «Amendments to cantonal constitutions cannot be challenged by constitutional appeal in abstract norm control proceedings; they are subject exclusively to the guarantee of the Federal Assembly.»\n\n**Judgment 1P.285/2005** of 8 June 2005  \nCantonal bodies are entitled, but not obliged, to review the constitutional admissibility of initiatives. The guarantee also relates to the initiative procedure.\n\n> «The Federal Supreme Court has held in connection with the right of initiative that the competent cantonal bodies are entitled, but not obliged, from the perspective of the federal legal guarantee of voting rights to review initiatives for their substantive lawfulness and compatibility with norms of higher order.»\n\n### Approval of intercantonal treaties (para. 3)\n\n**BGE 96 I 636** of 8 December 1970  \nInterpretation of concordats and conclusion of intercantonal treaties through conclusive acts. No automatic creation of concordats through identical constitutional provisions.\n\n> «An intercantonal treaty can in principle be concluded through conclusive acts. However, identical constitutional provisions in different cantons do not without more establish an intercantonal treaty that would be withdrawn from termination by the cantons.»\n\n**BGE 96 I 210** of 16 September 1970  \nConcept of concordat as distinct from simple treaties with other cantons. Treaties referendum for intercantonal agreements to strengthen police security measures.\n\n> «A concordat is an intercantonal agreement. In practice, however, not all intercantonal treaties are designated as concordats. The Thurgau cantonal constitution distinguishes between 'concordats', which are subject to popular vote, and 'treaties with other cantons', which the Grand Council can approve on its own authority.»\n\n**BGE 112 IA 75** of 21 March 1986  \nExemption of an extra-cantonal religious institution from inheritance tax based on a reciprocity declaration. Questions of competence in the conclusion of concordats.\n\n> «Under what circumstances can a canton invoke that the authority acting for it was not competent to conclude a concordat or to issue a reciprocity declaration? Assessment of this question according to customary international law.»\n\n**BGE 97 I 241** of 5 May 1971  \nIntercantonal land improvement enterprise under the Agriculture Act. Delimitation between formal intercantonal state treaties and mere understandings among cantonal governments.\n\n> «Is an understanding among cantonal governments sufficient for the establishment of an intercantonal land improvement enterprise or does this require a formal intercantonal state treaty?»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_172", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 173, "article_suffix": "", "title": "Weitere Aufgaben und Befugnisse", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 173 — Weitere Aufgaben und Befugnisse\n\n## Übersicht\n\nArt. 173 BV regelt die «weiteren» Befugnisse der Bundesversammlung jenseits von Gesetzgebung, Wahlen und Finanzen. Die Norm ist ein «Sammelartikel für die in der bisherigen Verfassung verstreuten Befugnisse der Bundesversammlung» (BBl 1997 I 382). Sie gibt dem Parlament wichtige Kompetenzen in der Sicherheitspolitik, bei Notlagen und in verschiedenen Sonderfällen.\n\nDie bedeutendsten Befugnisse betreffen die äussere und innere Sicherheit. Die Bundesversammlung kann bei ausserordentlichen Umständen eigene Dringlichkeitsverordnungen erlassen (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 173 N. 7). Ein praktisches Beispiel ist das Anti-Terror-Gesetz gegen Al-Qaida und IS, dessen Verfassungsmässigkeit das Bundesgericht in **BGE 148 IV 298** bestätigte. Das Parlament kann auch die Armee mobilisieren, wobei diese Kompetenz seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ausgeübt wurde (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 173 N. 15).\n\nWeitere wichtige Befugnisse sind die Prüfung der Gültigkeit von Volksinitiativen und die Entscheidung bei Konflikten zwischen Bundesbehörden. So klärte das Bundesgericht in **BGE 129 II 193**, dass der Bundesrat als Regierung eigenständige Kompetenzen besitzt. Die Bundesversammlung kann auch Begnadigungen aussprechen und über Amnestien entscheiden, wobei solche Erlasse politisch umstritten sind.\n\nAls Auffangregelung behandelt die Bundesversammlung alle Geschäfte des Bundes, die keiner anderen Behörde zugewiesen sind (Abs. 2). Dies verhindert Kompetenzlücken im Staatsorganisationsrecht (Waldmann, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 173 N. 20).", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 173 BV fasst die «weiteren» Aufgaben und Befugnisse der Bundesversammlung zusammen, die nicht bereits in den Art. 163–172 BV geregelt sind. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 bezeichnet diese Bestimmung als «Sammelartikel für die in der bisherigen Verfassung verstreuten Befugnisse der Bundesversammlung» (BBl 1997 I 1, 382). Der Verfassungsgeber wollte damit eine übersichtliche Darstellung der parlamentarischen Kompetenzen schaffen, die über die klassischen Gesetzgebungs-, Finanz- und Wahlfunktionen hinausgehen.\n\n**N. 2** Die Revision folgte dem Prinzip der Nachführung: Die meisten Befugnisse waren bereits in der Bundesverfassung von 1874 enthalten, wurden aber systematisch neu geordnet. Neu hinzugekommen ist insbesondere die explizite Verankerung der Mitwirkung bei wichtigen Planungen der Staatstätigkeit (lit. g), womit der gewachsenen Bedeutung strategischer Planungsinstrumente Rechnung getragen wurde (BBl 1997 I 382 f.).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 173 BV steht am Ende des 2. Abschnitts über die Bundesversammlung (Art. 148–173 BV) und bildet gewissermassen eine Auffangbestimmung für alle nicht spezifisch geregelten parlamentarischen Kompetenzen. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 163 BV (Gesetzgebungskompetenzen)\n- → Art. 164 BV (Rechtsetzungsformen)\n- → Art. 165 BV (Dringlichkeitsgesetzgebung)\n- → Art. 184–185 BV (Kompetenzen des Bundesrates in der Sicherheitspolitik)\n- ↔ Art. 189 BV (Zuständigkeiten des Bundesgerichts)\n\n**N. 4** Das Verhältnis zu den Kompetenzen des Bundesrates ist von besonderer Bedeutung: Während Art. 173 Abs. 1 lit. a und b BV der Bundesversammlung die Massnahmen zur Wahrung der Sicherheit zuweist, verleihen Art. 184 Abs. 3 und 185 Abs. 3 BV dem Bundesrat eigene Notverordnungskompetenzen. Diese Kompetenzverteilung hat zu verschiedenen Zuständigkeitskonflikten geführt (→ N. 15 ff.).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Äussere Sicherheit, Unabhängigkeit und Neutralität (lit. a)**: Die Bundesversammlung trifft die grundlegenden Entscheidungen in der Aussen- und Sicherheitspolitik. Dazu gehören die Genehmigung völkerrechtlicher Verträge (→ Art. 166 BV), sicherheitspolitische Grundsatzentscheide und die Definition der Neutralitätspolitik. Die operative Umsetzung obliegt dem Bundesrat (→ Art. 184 BV).\n\n**N. 6** **Innere Sicherheit (lit. b)**: Diese Kompetenz umfasst Massnahmen gegen Bedrohungen der verfassungsmässigen Ordnung, des sozialen Friedens und der öffentlichen Sicherheit. Die Abgrenzung zu kantonalen Polizeikompetenzen erfolgt nach dem Subsidiaritätsprinzip (→ Art. 57 BV).\n\n**N. 7** **Dringlichkeitsverordnungen (lit. c)**: Bei ausserordentlichen Umständen kann die Bundesversammlung selbst Verordnungen oder einfache Bundesbeschlüsse erlassen. Diese Kompetenz unterscheidet sich von der allgemeinen Dringlichkeitsgesetzgebung nach Art. 165 BV dadurch, dass sie nicht auf formelle Gesetze beschränkt ist. **BGE 148 IV 298** bestätigte, dass solche Erlasse dem Legalitätsprinzip genügen.\n\n**N. 8** **Aktivdienst (lit. d)**: Die Bundesversammlung entscheidet über die Mobilisierung der Armee. Diese Kompetenz ist seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ausgeübt worden, bleibt aber als Ausdruck der parlamentarischen Kontrolle über das Militär bedeutsam.\n\n**N. 9** **Durchsetzung des Bundesrechts (lit. e)**: Diese Bestimmung ermächtigt zur Bundesintervention bei kantonalen Rechtsverletzungen (→ Art. 49 BV). Die Kompetenz umfasst auch Weisungen an den Bundesrat zur Durchsetzung von Bundesgerichtsentscheiden.\n\n**N. 10** **Gültigkeit von Volksinitiativen (lit. f)**: Die Bundesversammlung prüft Volksinitiativen auf ihre Vereinbarkeit mit zwingenden Bestimmungen des Völkerrechts, der Einheit der Form und der Materie (→ Art. 139 Abs. 3 BV). **BGE 138 I 61** klärte die Abgrenzung zum nachträglichen Rechtsschutz durch das Bundesgericht.\n\n**N. 11** **Mitwirkung bei Planungen (lit. g)**: Diese Befugnis konkretisiert sich in der Genehmigung von Legislaturplanungen, Sachplänen und strategischen Führungsinstrumenten. Die Tragweite hängt von der gesetzlichen Ausgestaltung ab.\n\n**N. 12** **Einzelakte (lit. h)**: Nur wenn ein Bundesgesetz dies ausdrücklich vorsieht, entscheidet die Bundesversammlung über Einzelakte. Beispiele sind gewisse Konzessionsentscheide oder die Genehmigung völkerrechtlicher Verträge im Einzelfall.\n\n**N. 13** **Zuständigkeitskonflikte (lit. i)**: Die Bundesversammlung entscheidet bei Konflikten zwischen Bundesrat, Bundesgericht und Bundesanwaltschaft. **BGE 129 II 193** präzisierte, dass der Bundesrat als oberste Regierungsbehörde über eigenständige Kompetenzen verfügt, die nicht der parlamentarischen Hierarchie unterliegen.\n\n**N. 14** **Begnadigungen und Amnestie (lit. k)**: Die Begnadigungskompetenz wird durch eine ständige Kommission ausgeübt. Amnestien (generelle Straferlasse) sind selten und politisch umstritten, wie die gescheiterten Amnestiebegehren für Jugendunruhen 1982 und Dienstverweigerer zeigen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 15** Die in Art. 173 BV aufgeführten Kompetenzen begründen teils exklusive, teils konkurrierende Befugnisse der Bundesversammlung. Bei den Sicherheitskompetenzen (lit. a–c) besteht eine Konkurrenz mit den Notverordnungsrechten des Bundesrates nach Art. 184 Abs. 3 und Art. 185 Abs. 3 BV. Die Praxis hat gezeigt, dass in dringlichen Situationen primär der Bundesrat handelt, die Bundesversammlung aber nachträglich genehmigen oder eigene Massnahmen treffen kann.\n\n**N. 16** Die Rechtsakte der Bundesversammlung gestützt auf Art. 173 BV unterliegen unterschiedlichen Anfechtungsmöglichkeiten. Dringlichkeitsverordnungen nach lit. c können abstrakt normenkontrolliert werden, während Einzelakte nach lit. h je nach gesetzlicher Ausgestaltung der Beschwerde ans Bundesgericht unterliegen können (→ Art. 189 BV).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 17** **Reichweite der Dringlichkeitsverordnungskompetenz**: Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5. Aufl. 2021, § 44 N. 18) vertritt eine enge Auslegung, wonach nur unmittelbare Gefahren für die Sicherheit diese Kompetenz auslösen. Demgegenüber befürwortet Biaggini (BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 173 N. 7) eine weitere Interpretation, die auch präventive Massnahmen einschliesst. Das Bundesgericht hat in **BGE 148 IV 298** die Verfassungsmässigkeit des auf dieser Grundlage erlassenen Al-Qaïda/IS-Gesetzes bestätigt, ohne die dogmatische Kontroverse zu entscheiden.\n\n**N. 18** **Verhältnis Bund/Kantone bei der inneren Sicherheit**: Schweizer (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 173 N. 12) betont die subsidiäre Natur der Bundeskompetenzen, während Waldmann (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 173 N. 8) für eine grosszügigere Bundeskompetenz bei überkantonalen Bedrohungen plädiert. Die Covid-19-Pandemie hat diese Diskussion neu belebt.\n\n**N. 19** **Justiziabilität der Gültigkeitsentscheide**: Rhinow/Schefer (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3421) kritisieren die beschränkte Überprüfbarkeit parlamentarischer Gültigkeitsentscheide. Kley (Die Ungültigerklärung eidgenössischer Volksinitiativen, ZBl 2018, 567) fordert erweiterte Beschwerdemöglichkeiten. **BGE 138 I 61** hat die Rechtsweggarantie bei offensichtlichen Verletzungen bejaht, aber die primäre Zuständigkeit der Bundesversammlung bestätigt.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Anwendung von Art. 173 BV ist die genaue Kompetenzabgrenzung zu anderen Verfassungsorganen zentral. Insbesondere bei Sicherheitsfragen muss geklärt werden, ob die Situation den Einsatz parlamentarischer Dringlichkeitsverordnungen rechtfertigt oder ob primär der Bundesrat nach Art. 184/185 BV handeln soll. Die Praxis zeigt, dass bei unmittelbaren Gefahren der Bundesrat vorangeht, während die Bundesversammlung bei längerfristigen Bedrohungslagen eigene Regelungen trifft.\n\n**N. 21** Für die parlamentarische Praxis ist bedeutsam, dass Art. 173 Abs. 2 BV eine Generalklausel enthält: Alle Bundeskompetenzen, die keiner anderen Behörde zugewiesen sind, fallen in die Zuständigkeit der Bundesversammlung. Dies verhindert Kompetenzlücken, erfordert aber eine sorgfältige Prüfung bestehender Spezialzuweisungen.\n\n**N. 22** Die Begnadigungspraxis folgt strengen Kriterien: Persönliche Härte, Resozialisierung und Zeitablauf sind massgebend. Politisch motivierte Begnadigungen sind selten erfolgreich. Bei Amnestiebegehren ist zu beachten, dass diese nur durch Bundesbeschluss der Vereinigten Bundesversammlung erfolgen können und dem fakultativen Referendum unterliegen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Anwendung des Dringlichkeitsrechts (Art. 173 Abs. 1 lit. c BV)\n\n**BGE 148 IV 298** vom 11. April 2022: Anwendbarkeit des Al-Qaïda/IS-Gesetzes als Dringlichkeitsrecht der Bundesversammlung. Das auf dem Dringlichkeitsweg erlassene Gesetz stellt ein Gesetz im formellen Sinne dar, welches dem Legalitätsprinzip entspricht.\n\n> «Beim auf dem Dringlichkeitsweg erlassenen Al-Qaïda/IS-Gesetz handelt es sich um ein Gesetz im formellen Sinne, das dem in Art. 1 StGB verankerten Legalitätsprinzip gerecht wird, auch wenn es auf dem Dringlichkeitsweg erlassen wurde.»\n\n### Zuständigkeitskonflikte zwischen obersten Bundesbehörden (Art. 173 Abs. 1 lit. i BV)\n\n**BGE 129 II 193** vom 21. Februar 2003: Abgrenzung der Kompetenzen zwischen Bundesrat und Bundesversammlung bei politischen Ausweisungen. Der Bundesrat verfügt als oberste Regierungsbehörde über eigenständige Kompetenzen, die nicht der hierarchischen Überprüfung durch andere Organe unterliegen.\n\n> «Der Bundesrat steht nicht nur an der Spitze der Bundesverwaltung (Art. 178 Abs. 1 und 2 BV) sondern ist als Regierungskollegium auch direkt mit der Staatsleitung (Art. 180 Abs. 1 BV) betraut. Eine Beschwerde an eine hierarchisch übergeordnete Behörde ist damit von vornherein ausgeschlossen.»\n\n### Gültigkeit von Volksinitiativen (Art. 173 Abs. 1 lit. f BV)\n\n**BGE 138 I 61** vom 20. Dezember 2011: Nachträglicher Rechtsschutz bei eidgenössischen Volksabstimmungen und Zuständigkeitsabgrenzung zwischen Bundesversammlung und Bundesgericht. Die Bundesversammlung ist primär für die Prüfung der Gültigkeit von Volksinitiativen zuständig.\n\n> «Als Erstes sind die Grundzüge des Rechtsschutzes in Stimmrechtsangelegenheiten nachzuzeichnen. Dabei ist zwischen der Zeit vor und der Zeit nach Inkrafttreten der Justizreform zu differenzieren.»\n\n**BGE 143 I 129** vom 14. Dezember 2016: Ungültigerklärung einer kantonalen Volksinitiative durch den kantonalen Grossen Rat. Das Erfordernis der Vereinbarkeit von Volksinitiativen mit übergeordnetem Recht steht im Einklang mit der bundesstaatlichen Ordnung.\n\n> «Erfordernis der Vereinbarkeit kantonaler Volksinitiativen mit dem übergeordneten Recht (E. 2.1); Auslegungsregeln für die Prüfung der Gültigkeit einer Volksinitiative (E. 2.2).»\n\n**BGE 149 I 291** vom 3. Mai 2023: Gültigkeit einer kommunalen Volksinitiative im Energiebereich. Die Bundesversammlung wirkt über ihre Gesetzgebungskompetenz mittelbar bei der Beurteilung der Gültigkeit von Volksinitiativen mit.\n\n> «Auslegung einer Volksinitiative zur Beurteilung ihrer Rechtmässigkeit (E. 3.3). Die Initiative \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" enthält eine verbindliche Zielvorgabe und bezweckt einen Grundsatzbeschluss (E. 3.4).»\n\n### Begnadigungen und Amnestie (Art. 173 Abs. 1 lit. k BV)\n\nDie parlamentarische Praxis zeigt verschiedene Amnestiebegehren, die von der Bundesversammlung behandelt wurden:\n\n- **Amnestiegesuch Jugendunruhen 1982** (88.228 vom 5. Oktober 1990): Parlamentarische Initiative für Amnestie zu leichten Straffällen anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Eidgenossenschaft wurde abgelehnt.\n\n- **Amnestiebegehren Dienstverweigerer** (89.247 vom 11. März 1991): Behandlung von Amnestiegesuchen für Gewissenstäter im militärischen Bereich durch die zuständigen parlamentarischen Kommissionen.\n\n### Aktivdienst und Armeeaufgebot (Art. 173 Abs. 1 lit. d BV)\n\nHistorische Entscheide dokumentieren die Ausübung dieser Kompetenz:\n\n- **BGE 68 II 212** (1942): Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit Aktivdienst während des Zweiten Weltkriegs zeigen die praktische Tragweite der Armeeaufgebotskompetenz der Bundesversammlung.\n\n- **BGE 67 I 147** (1941): Zivilrechtliche Haftung der Eidgenossenschaft für Schäden durch Militärfahrzeuge während des Aktivdienstes verdeutlicht die Rechtsfolgen des Aktivdienstbeschlusses.\n\n### Mitwirkung bei staatlichen Planungen (Art. 173 Abs. 1 lit. g BV)\n\nDie parlamentarischen Verhandlungsberichte dokumentieren die Wahrnehmung dieser Kompetenz bei verschiedenen staatlichen Planungsvorhaben, insbesondere in den Bereichen Sicherheitspolitik und Infrastruktur.", "summary_fr": "# Art. 173 — Autres tâches et compétences\n\n## Aperçu\n\nL'art. 173 Cst. règle les « autres » compétences de l'Assemblée fédérale au-delà de la législation, des élections et des finances. La norme est un « article collecteur pour les compétences de l'Assemblée fédérale disséminées dans l'ancienne Constitution » (FF 1997 I 363). Elle confère au Parlement d'importantes compétences en matière de politique de sécurité, en cas de situation d'urgence et dans divers cas particuliers.\n\nLes compétences les plus importantes concernent la sécurité extérieure et intérieure. L'Assemblée fédérale peut, en cas de circonstances extraordinaires, édicter ses propres ordonnances d'urgence (Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 173 n° 7). Un exemple pratique est la loi antiterroriste contre Al-Qaida et l'EI, dont le Tribunal fédéral a confirmé la constitutionnalité dans l'**ATF 148 IV 298**. Le Parlement peut également mobiliser l'armée, cette compétence n'ayant plus été exercée depuis la Seconde Guerre mondiale (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 173 n° 15).\n\nD'autres compétences importantes sont l'examen de la validité des initiatives populaires et la décision en cas de conflits entre autorités fédérales. Ainsi, le Tribunal fédéral a précisé dans l'**ATF 129 II 193** que le Conseil fédéral, en tant que gouvernement, possède des compétences propres. L'Assemblée fédérale peut également prononcer des grâces et décider d'amnisties, de tels actes étant politiquement controversés.\n\nEn tant que règle de rattrapage, l'Assemblée fédérale traite toutes les affaires de la Confédération qui ne sont attribuées à aucune autre autorité (al. 2). Cela évite les lacunes de compétence dans le droit de l'organisation de l'État (Waldmann, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 173 n° 20).", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 173 Cst. rassemble les tâches et compétences « supplémentaires » de l'Assemblée fédérale qui ne sont pas déjà réglées dans les art. 163–172 Cst. Le Message relatif à une nouvelle constitution fédérale du 20 novembre 1996 qualifie cette disposition d'« article collecteur pour les compétences de l'Assemblée fédérale éparpillées dans l'ancienne constitution » (FF 1997 I 1, 394). Le constituant voulait ainsi créer une représentation claire des compétences parlementaires qui vont au-delà des fonctions classiques de législation, de finances et d'élection.\n\n**N. 2** La révision a suivi le principe de mise à jour : la plupart des compétences étaient déjà contenues dans la Constitution fédérale de 1874, mais ont été réorganisées systématiquement. L'ancrage explicite de la participation aux planifications importantes de l'activité étatique (let. g) est notamment nouveau, ce qui rendait compte de l'importance croissante des instruments de planification stratégique (FF 1997 I 394 s.).\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 173 Cst. se trouve à la fin de la 2e section sur l'Assemblée fédérale (art. 148–173 Cst.) et forme en quelque sorte une disposition de rattrapage pour toutes les compétences parlementaires non spécifiquement réglées. La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 163 Cst. (compétences législatives)\n- → Art. 164 Cst. (formes de l'activité législative)\n- → Art. 165 Cst. (législation d'urgence)\n- → Art. 184–185 Cst. (compétences du Conseil fédéral en matière de politique de sécurité)\n- ↔ Art. 189 Cst. (attributions du Tribunal fédéral)\n\n**N. 4** Le rapport avec les compétences du Conseil fédéral revêt une importance particulière : tandis que l'art. 173, al. 1, let. a et b, Cst. attribue à l'Assemblée fédérale les mesures visant à préserver la sécurité, les art. 184, al. 3, et 185, al. 3, Cst. confèrent au Conseil fédéral ses propres compétences d'ordonnance d'urgence. Cette répartition des compétences a conduit à divers conflits de compétences (→ N. 15 ss).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **Sécurité extérieure, indépendance et neutralité (let. a)** : L'Assemblée fédérale prend les décisions fondamentales en matière de politique extérieure et de sécurité. Cela comprend l'approbation des traités de droit international (→ art. 166 Cst.), les décisions de principe en matière de politique de sécurité et la définition de la politique de neutralité. La mise en œuvre opérationnelle incombe au Conseil fédéral (→ art. 184 Cst.).\n\n**N. 6** **Sécurité intérieure (let. b)** : Cette compétence englobe les mesures contre les menaces à l'ordre constitutionnel, à la paix sociale et à la sécurité publique. La délimitation par rapport aux compétences de police cantonales s'opère selon le principe de subsidiarité (→ art. 57 Cst.).\n\n**N. 7** **Ordonnances d'urgence (let. c)** : En cas de circonstances extraordinaires, l'Assemblée fédérale peut édicter elle-même des ordonnances ou des arrêtés fédéraux simples. Cette compétence se distingue de la législation d'urgence générale selon l'art. 165 Cst. par le fait qu'elle n'est pas limitée aux lois formelles. **ATF 148 IV 298** a confirmé que de tels actes satisfont au principe de légalité.\n\n**N. 8** **Service actif (let. d)** : L'Assemblée fédérale décide de la mobilisation de l'armée. Cette compétence n'a plus été exercée depuis la Seconde Guerre mondiale, mais reste significative comme expression du contrôle parlementaire sur l'armée.\n\n**N. 9** **Exécution du droit fédéral (let. e)** : Cette disposition habilite à l'intervention fédérale en cas de violations cantonales du droit (→ art. 49 Cst.). La compétence englobe aussi les instructions au Conseil fédéral pour l'exécution des décisions du Tribunal fédéral.\n\n**N. 10** **Validité des initiatives populaires (let. f)** : L'Assemblée fédérale examine les initiatives populaires quant à leur compatibilité avec les dispositions impératives du droit international, l'unité de la forme et de la matière (→ art. 139, al. 3, Cst.). **ATF 138 I 61** a clarifié la délimitation par rapport à la protection juridique a posteriori par le Tribunal fédéral.\n\n**N. 11** **Participation aux planifications (let. g)** : Cette compétence se concrétise dans l'approbation des planifications de législature, des plans sectoriels et des instruments de conduite stratégique. La portée dépend de l'aménagement légal.\n\n**N. 12** **Actes individuels (let. h)** : Ce n'est que si une loi fédérale le prévoit expressément que l'Assemblée fédérale statue sur des actes individuels. Les exemples sont certaines décisions de concession ou l'approbation de traités de droit international dans le cas d'espèce.\n\n**N. 13** **Conflits de compétences (let. i)** : L'Assemblée fédérale tranche les conflits entre le Conseil fédéral, le Tribunal fédéral et le Ministère public de la Confédération. **ATF 129 II 193** a précisé que le Conseil fédéral, en tant qu'autorité gouvernementale suprême, dispose de compétences autonomes qui ne sont pas soumises à la hiérarchie parlementaire.\n\n**N. 14** **Grâces et amnistie (let. k)** : La compétence de grâce est exercée par une commission permanente. Les amnisties (remises de peines générales) sont rares et politiquement controversées, comme le montrent les demandes d'amnistie échouées pour les émeutes de jeunes de 1982 et les objecteurs de conscience.\n\n### 4. Effets juridiques\n\n**N. 15** Les compétences énumérées à l'art. 173 Cst. fondent en partie des compétences exclusives, en partie concurrentes de l'Assemblée fédérale. Pour les compétences de sécurité (let. a–c), il existe une concurrence avec les droits d'ordonnance d'urgence du Conseil fédéral selon les art. 184, al. 3, et 185, al. 3, Cst. La pratique a montré qu'en cas de situations urgentes, c'est d'abord le Conseil fédéral qui agit, mais l'Assemblée fédérale peut approuver a posteriori ou prendre ses propres mesures.\n\n**N. 16** Les actes juridiques de l'Assemblée fédérale fondés sur l'art. 173 Cst. sont soumis à différentes possibilités de contestation. Les ordonnances d'urgence selon la let. c peuvent faire l'objet d'un contrôle abstrait des normes, tandis que les actes individuels selon la let. h peuvent, selon l'aménagement légal, être soumis au recours devant le Tribunal fédéral (→ art. 189 Cst.).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 17** **Portée de la compétence d'ordonnance d'urgence** : Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5e éd. 2021, § 44 N. 18) défend une interprétation restrictive selon laquelle seuls les dangers immédiats pour la sécurité déclenchent cette compétence. À l'inverse, Biaggini (BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 173 N. 7) préconise une interprétation plus large qui inclut aussi les mesures préventives. Le Tribunal fédéral a confirmé dans **ATF 148 IV 298** la constitutionnalité de la loi Al-Qaïda/EI édictée sur cette base, sans trancher la controverse dogmatique.\n\n**N. 18** **Rapport Confédération/cantons en matière de sécurité intérieure** : Schweizer (St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 173 N. 12) souligne le caractère subsidiaire des compétences fédérales, tandis que Waldmann (BSK BV, 2e éd. 2024, art. 173 N. 8) plaide pour une compétence fédérale plus généreuse en cas de menaces supracantonales. La pandémie de Covid-19 a relancé cette discussion.\n\n**N. 19** **Justiciabilité des décisions de validité** : Rhinow/Schefer (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3421) critiquent la contrôlabilité limitée des décisions de validité parlementaires. Kley (Die Ungültigerklärung eidgenössischer Volksinitiativen, ZBl 2018, 567) exige des possibilités de recours étendues. **ATF 138 I 61** a affirmé la garantie de la voie de droit en cas de violations manifestes, mais a confirmé la compétence primaire de l'Assemblée fédérale.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 20** Lors de l'application de l'art. 173 Cst., la délimitation exacte des compétences par rapport aux autres organes constitutionnels est centrale. Particulièrement en matière de sécurité, il faut clarifier si la situation justifie le recours aux ordonnances d'urgence parlementaires ou si c'est d'abord le Conseil fédéral qui doit agir selon les art. 184/185 Cst. La pratique montre qu'en cas de dangers immédiats, le Conseil fédéral prend les devants, tandis que l'Assemblée fédérale édicte ses propres réglementations en cas de menaces à long terme.\n\n**N. 21** Pour la pratique parlementaire, il est important que l'art. 173, al. 2, Cst. contienne une clause générale : toutes les compétences fédérales qui ne sont attribuées à aucune autre autorité relèvent de la compétence de l'Assemblée fédérale. Ceci évite les lacunes de compétences, mais exige un examen soigneux des attributions spéciales existantes.\n\n**N. 22** La pratique en matière de grâce suit des critères stricts : la dureté personnelle, la resocialisation et l'écoulement du temps sont déterminants. Les grâces politiquement motivées réussissent rarement. Pour les demandes d'amnistie, il faut noter qu'elles ne peuvent se faire que par arrêté fédéral de l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) et sont soumises au référendum facultatif.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Application du droit d'urgence (art. 173 al. 1 let. c Cst.)\n\n**ATF 148 IV 298** du 11 avril 2022 : Applicabilité de la loi Al-Qaïda/EI en tant que droit d'urgence de l'Assemblée fédérale. La loi adoptée par la voie d'urgence constitue une loi au sens formel, qui correspond au principe de légalité.\n\n> « La loi Al-Qaïda/EI adoptée par la voie d'urgence constitue une loi au sens formel, qui satisfait au principe de légalité ancré à l'art. 1 CP, bien qu'elle ait été adoptée par la voie d'urgence. »\n\n### Conflits de compétences entre autorités fédérales suprêmes (art. 173 al. 1 let. i Cst.)\n\n**ATF 129 II 193** du 21 février 2003 : Délimitation des compétences entre Conseil fédéral et Assemblée fédérale en matière d'expulsions politiques. Le Conseil fédéral dispose, en tant qu'autorité gouvernementale suprême, de compétences autonomes qui ne sont pas soumises au contrôle hiérarchique d'autres organes.\n\n> « Le Conseil fédéral ne se trouve pas seulement au sommet de l'administration fédérale (art. 178 al. 1 et 2 Cst.) mais est aussi chargé directement, en tant que collège gouvernemental, de la direction de l'État (art. 180 al. 1 Cst.). Un recours auprès d'une autorité hiérarchiquement supérieure est donc d'emblée exclu. »\n\n### Validité des initiatives populaires (art. 173 al. 1 let. f Cst.)\n\n**ATF 138 I 61** du 20 décembre 2011 : Protection juridique a posteriori lors de votations populaires fédérales et délimitation des compétences entre Assemblée fédérale et Tribunal fédéral. L'Assemblée fédérale est compétente en premier lieu pour l'examen de la validité des initiatives populaires.\n\n> « Il convient d'esquisser en premier lieu les grandes lignes de la protection juridique en matière de droits politiques. Il y a lieu de distinguer entre la période antérieure et la période postérieure à l'entrée en vigueur de la réforme de la justice. »\n\n**ATF 143 I 129** du 14 décembre 2016 : Déclaration d'invalidité d'une initiative populaire cantonale par le Grand Conseil cantonal. L'exigence de compatibilité des initiatives populaires avec le droit supérieur est en accord avec l'ordre fédéraliste.\n\n> « Exigence de compatibilité des initiatives populaires cantonales avec le droit supérieur (consid. 2.1) ; règles d'interprétation pour l'examen de la validité d'une initiative populaire (consid. 2.2). »\n\n**ATF 149 I 291** du 3 mai 2023 : Validité d'une initiative populaire communale dans le domaine énergétique. L'Assemblée fédérale participe indirectement, par sa compétence législative, à l'appréciation de la validité des initiatives populaires.\n\n> « Interprétation d'une initiative populaire pour apprécier sa légalité (consid. 3.3). L'initiative \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" contient un objectif contraignant et vise une décision de principe (consid. 3.4). »\n\n### Grâces et amnistie (art. 173 al. 1 let. k Cst.)\n\nLa pratique parlementaire montre différentes demandes d'amnistie qui ont été traitées par l'Assemblée fédérale :\n\n- **Demande d'amnistie émeutes de jeunes 1982** (88.228 du 5 octobre 1990) : Initiative parlementaire pour une amnistie concernant des infractions légères à l'occasion du 700e anniversaire de la Confédération fut rejetée.\n\n- **Demande d'amnistie objecteurs de conscience** (89.247 du 11 mars 1991) : Traitement de demandes d'amnistie pour objecteurs de conscience dans le domaine militaire par les commissions parlementaires compétentes.\n\n### Service actif et mobilisation de l'armée (art. 173 al. 1 let. d Cst.)\n\nDes décisions historiques documentent l'exercice de cette compétence :\n\n- **ATF 68 II 212** (1942) : Les prétentions en dommages-intérêts en relation avec le service actif pendant la Seconde Guerre mondiale montrent la portée pratique de la compétence de mobilisation de l'armée de l'Assemblée fédérale.\n\n- **ATF 67 I 147** (1941) : La responsabilité civile de la Confédération pour les dommages causés par des véhicules militaires pendant le service actif illustre les conséquences juridiques de la décision de service actif.\n\n### Participation aux planifications étatiques (art. 173 al. 1 let. g Cst.)\n\nLes rapports de débats parlementaires documentent l'exercice de cette compétence lors de différents projets de planification étatique, notamment dans les domaines de la politique de sécurité et des infrastructures.", "summary_it": "# Art. 173 — Altri compiti e attribuzioni\n\n## Panoramica\n\nL'art. 173 Cost. disciplina le attribuzioni «ulteriori» dell'Assemblea federale oltre alla legislazione, alle elezioni e alle finanze. La norma è un «articolo collettore per le attribuzioni dell'Assemblea federale sparse nella costituzione precedente» (FF 1997 I 354). Conferisce al parlamento importanti competenze nella politica di sicurezza, nelle situazioni di emergenza e in vari casi speciali.\n\nLe attribuzioni più significative riguardano la sicurezza esterna e interna. L'Assemblea federale può emanare proprie ordinanze d'urgenza in circostanze straordinarie (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 173 N. 7). Un esempio pratico è la legge antiterrorismo contro Al-Qaida e IS, la cui costituzionalità è stata confermata dal Tribunale federale in **BGE 148 IV 298**. Il parlamento può anche mobilitare l'esercito, competenza che non è più stata esercitata dalla Seconda guerra mondiale (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 173 N. 15).\n\nAltre importanti attribuzioni sono l'esame della validità delle iniziative popolari e la decisione nei conflitti tra autorità federali. Così il Tribunale federale ha chiarito in **BGE 129 II 193** che il Consiglio federale quale governo possiede competenze autonome. L'Assemblea federale può anche pronunciare grazie e decidere su amnistie, benché tali atti siano politicamente controversi.\n\nQuale regola residuale, l'Assemblea federale tratta tutti gli affari della Confederazione che non sono attribuiti ad altra autorità (cpv. 2). Ciò impedisce lacune di competenza nel diritto dell'organizzazione dello Stato (Waldmann, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 173 N. 20).", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'art. 173 Cost. raggruppa i compiti e le competenze «ulteriori» dell'Assemblea federale che non sono già disciplinati negli art. 163–172 Cost. Il Messaggio su una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 designa questa disposizione come «articolo raccoglitore per le competenze dell'Assemblea federale disperse nella costituzione precedente» (FF 1997 I 1, 382). Con ciò il costituente ha voluto creare una rappresentazione sistematica delle competenze parlamentari che vanno oltre le funzioni classiche di legislazione, finanza ed elezioni.\n\n**N. 2** La revisione ha seguito il principio dell'aggiornamento: la maggior parte delle competenze era già contenuta nella Costituzione federale del 1874, ma sono state riordinate sistematicamente. Nuova è in particolare l'ancoraggio esplicito della collaborazione nelle pianificazioni importanti dell'attività statale (lett. g), con cui si è tenuto conto dell'importanza cresciuta degli strumenti di pianificazione strategica (FF 1997 I 382 sg.).\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 173 Cost. si trova alla fine della 2ª sezione sull'Assemblea federale (art. 148–173 Cost.) e costituisce in un certo senso una disposizione di riserva per tutte le competenze parlamentari non specificamente disciplinate. La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 163 Cost. (competenze legislative)\n- → Art. 164 Cost. (forme di normazione)\n- → Art. 165 Cost. (legislazione d'urgenza)\n- → Art. 184–185 Cost. (competenze del Consiglio federale nella politica di sicurezza)\n- ↔ Art. 189 Cost. (competenze del Tribunale federale)\n\n**N. 4** Il rapporto con le competenze del Consiglio federale ha un'importanza particolare: mentre l'art. 173 cpv. 1 lett. a e b Cost. assegna all'Assemblea federale le misure per la salvaguardia della sicurezza, gli art. 184 cpv. 3 e 185 cpv. 3 Cost. conferiscono al Consiglio federale proprie competenze di ordinanza d'urgenza. Questa ripartizione delle competenze ha portato a diversi conflitti di competenza (→ N. 15 segg.).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n**N. 5** **Sicurezza esterna, indipendenza e neutralità (lett. a)**: L'Assemblea federale prende le decisioni fondamentali nella politica estera e di sicurezza. Ciò comprende l'approvazione di trattati di diritto internazionale (→ art. 166 Cost.), decisioni di principio di politica di sicurezza e la definizione della politica di neutralità. L'attuazione operativa spetta al Consiglio federale (→ art. 184 Cost.).\n\n**N. 6** **Sicurezza interna (lett. b)**: Questa competenza comprende misure contro minacce all'ordinamento costituzionale, alla pace sociale e alla sicurezza pubblica. La delimitazione dalle competenze di polizia cantonali avviene secondo il principio di sussidiarietà (→ art. 57 Cost.).\n\n**N. 7** **Ordinanze d'urgenza (lett. c)**: In circostanze straordinarie l'Assemblea federale può emanare essa stessa ordinanze o decreti federali semplici. Questa competenza si distingue dalla legislazione d'urgenza generale secondo l'art. 165 Cost. per il fatto che non è limitata alle leggi formali. La **DTF 148 IV 298** ha confermato che tali atti soddisfano il principio di legalità.\n\n**N. 8** **Servizio attivo (lett. d)**: L'Assemblea federale decide sulla mobilitazione dell'esercito. Questa competenza non è più stata esercitata dalla seconda guerra mondiale, ma rimane significativa come espressione del controllo parlamentare sui militari.\n\n**N. 9** **Applicazione del diritto federale (lett. e)**: Questa disposizione autorizza l'intervento federale in caso di violazioni del diritto da parte dei Cantoni (→ art. 49 Cost.). La competenza comprende anche istruzioni al Consiglio federale per l'esecuzione di decisioni del Tribunale federale.\n\n**N. 10** **Validità delle iniziative popolari (lett. f)**: L'Assemblea federale esamina le iniziative popolari per la loro compatibilità con le disposizioni cogenti del diritto internazionale, dell'unità della forma e della materia (→ art. 139 cpv. 3 Cost.). La **DTF 138 I 61** ha chiarito la delimitazione dalla tutela giuridica successiva da parte del Tribunale federale.\n\n**N. 11** **Collaborazione nelle pianificazioni (lett. g)**: Questa competenza si concretizza nell'approvazione delle pianificazioni della legislatura, dei piani settoriali e degli strumenti di conduzione strategica. La portata dipende dalla configurazione legislativa.\n\n**N. 12** **Atti singoli (lett. h)**: Solo quando una legge federale lo prevede espressamente, l'Assemblea federale decide su atti singoli. Esempi sono certe decisioni di concessione o l'approvazione di trattati di diritto internazionale nel caso singolo.\n\n**N. 13** **Conflitti di competenza (lett. i)**: L'Assemblea federale decide nei conflitti tra Consiglio federale, Tribunale federale e Ministero pubblico della Confederazione. La **DTF 129 II 193** ha precisato che il Consiglio federale come suprema autorità governativa dispone di competenze proprie che non sottostanno alla gerarchia parlamentare.\n\n**N. 14** **Grazie e amnistia (lett. k)**: La competenza di grazia viene esercitata da una commissione permanente. Le amnistie (condoni penali generali) sono rare e politicamente controverse, come mostrano le fallite richieste di amnistia per i tumulti giovanili del 1982 e gli obiettori di coscienza.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 15** Le competenze elencate nell'art. 173 Cost. fondano competenze in parte esclusive, in parte concorrenti dell'Assemblea federale. Per le competenze di sicurezza (lett. a–c) esiste una concorrenza con i diritti di ordinanza d'urgenza del Consiglio federale secondo gli art. 184 cpv. 3 e 185 cpv. 3 Cost. La prassi ha mostrato che in situazioni urgenti agisce primariamente il Consiglio federale, ma l'Assemblea federale può approvare a posteriori o prendere misure proprie.\n\n**N. 16** Gli atti giuridici dell'Assemblea federale fondati sull'art. 173 Cost. sottostanno a diverse possibilità di impugnazione. Le ordinanze d'urgenza secondo la lett. c possono essere sottoposte al controllo astratto delle norme, mentre gli atti singoli secondo la lett. h possono essere soggetti al ricorso al Tribunale federale a seconda della configurazione legislativa (→ art. 189 Cost.).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** **Portata della competenza di ordinanza d'urgenza**: Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5ª ed. 2021, § 44 N. 18) sostiene un'interpretazione restrittiva, secondo cui solo i pericoli diretti per la sicurezza innescano questa competenza. Al contrario Biaggini (BV Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 173 N. 7) favorisce un'interpretazione più ampia che include anche misure preventive. Il Tribunale federale nella **DTF 148 IV 298** ha confermato la costituzionalità della legge Al-Qaeda/Stato Islamico emanata su questa base, senza decidere la controversia dogmatica.\n\n**N. 18** **Rapporto Confederazione/Cantoni nella sicurezza interna**: Schweizer (St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 173 N. 12) sottolinea la natura sussidiaria delle competenze federali, mentre Waldmann (BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 173 N. 8) propugna una competenza federale più generosa per le minacce intercantonali. La pandemia di Covid-19 ha rilanciato questa discussione.\n\n**N. 19** **Giustiziabilità delle decisioni di validità**: Rhinow/Schefer (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 3421) criticano la verificabilità limitata delle decisioni parlamentari di validità. Kley (Die Ungültigerklärung eidgenössischer Volksinitiativen, ZBl 2018, 567) chiede possibilità di ricorso ampliate. La **DTF 138 I 61** ha affermato la garanzia della via del diritto in caso di violazioni manifeste, ma ha confermato la competenza primaria dell'Assemblea federale.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nell'applicazione dell'art. 173 Cost. è centrale l'esatta delimitazione delle competenze rispetto agli altri organi costituzionali. In particolare nelle questioni di sicurezza deve essere chiarito se la situazione giustifica l'impiego di ordinanze parlamentari d'urgenza o se deve agire primariamente il Consiglio federale secondo gli art. 184/185 Cost. La prassi mostra che in caso di pericoli immediati il Consiglio federale precede, mentre l'Assemblea federale emana proprie regolamentazioni in caso di situazioni di minaccia a lungo termine.\n\n**N. 21** Per la prassi parlamentare è significativo che l'art. 173 cpv. 2 Cost. contiene una clausola generale: tutte le competenze federali che non sono assegnate a un'altra autorità cadono nella competenza dell'Assemblea federale. Ciò impedisce lacune di competenza, ma richiede un esame accurato delle assegnazioni speciali esistenti.\n\n**N. 22** La prassi di grazia segue criteri rigorosi: durezza personale, risocializzazione e decorso del tempo sono determinanti. Le grazie politicamente motivate hanno raramente successo. Per le richieste di amnistia è da osservare che queste possono avvenire solo tramite decreto federale dell'Assemblea federale plenaria e sottostanno al referendum facoltativo.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Applicazione del diritto d'urgenza (art. 173 cpv. 1 lett. c Cost.)\n\n**DTF 148 IV 298** dell'11 aprile 2022: Applicabilità della legge Al-Qaida/IS come diritto d'urgenza dell'Assemblea federale. La legge emanata per via d'urgenza costituisce una legge in senso formale, conforme al principio di legalità.\n\n> «La legge Al-Qaida/IS emanata per via d'urgenza costituisce una legge in senso formale che risponde al principio di legalità sancito dall'art. 1 CP, anche se è stata emanata per via d'urgenza.»\n\n### Conflitti di competenza tra le autorità federali supreme (art. 173 cpv. 1 lett. i Cost.)\n\n**DTF 129 II 193** del 21 febbraio 2003: Delimitazione delle competenze tra Consiglio federale e Assemblea federale in materia di espulsioni politiche. Il Consiglio federale, quale autorità di governo suprema, dispone di competenze autonome non soggette al controllo gerarchico di altri organi.\n\n> «Il Consiglio federale non solo si trova al vertice dell'Amministrazione federale (art. 178 cpv. 1 e 2 Cost.), ma è anche direttamente incaricato della direzione dello Stato (art. 180 cpv. 1 Cost.) in quanto collegio di governo. Un ricorso a un'autorità gerarchicamente superiore è pertanto escluso a priori.»\n\n### Validità delle iniziative popolari (art. 173 cpv. 1 lett. f Cost.)\n\n**DTF 138 I 61** del 20 dicembre 2011: Tutela giuridica successiva nelle votazioni popolari federali e delimitazione delle competenze tra Assemblea federale e Tribunale federale. L'Assemblea federale è competente in via primaria per l'esame della validità delle iniziative popolari.\n\n> «Occorre innanzitutto delineare i tratti fondamentali della tutela giuridica in materia di diritti politici. A tal riguardo bisogna distinguere tra il periodo precedente e quello successivo all'entrata in vigore della riforma della giustizia.»\n\n**DTF 143 I 129** del 14 dicembre 2016: Dichiarazione di nullità di un'iniziativa popolare cantonale da parte del Gran Consiglio cantonale. Il requisito della compatibilità delle iniziative popolari con il diritto superiore è conforme all'ordinamento federalistico.\n\n> «Requisito della compatibilità delle iniziative popolari cantonali con il diritto superiore (consid. 2.1); regole di interpretazione per l'esame della validità di un'iniziativa popolare (consid. 2.2).»\n\n**DTF 149 I 291** del 3 maggio 2023: Validità di un'iniziativa popolare comunale in materia energetica. L'Assemblea federale partecipa indirettamente alla valutazione della validità delle iniziative popolari attraverso la sua competenza legislativa.\n\n> «Interpretazione di un'iniziativa popolare per valutarne la legalità (consid. 3.3). L'iniziativa \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" contiene un obiettivo vincolante e mira a una decisione di principio (consid. 3.4).»\n\n### Grazie e amnistia (art. 173 cpv. 1 lett. k Cost.)\n\nLa prassi parlamentare mostra diverse domande di amnistia trattate dall'Assemblea federale:\n\n- **Domanda di amnistia disordini giovanili 1982** (88.228 del 5 ottobre 1990): L'iniziativa parlamentare per l'amnistia di reati lievi in occasione del 700° anniversario della Confederazione è stata respinta.\n\n- **Domanda di amnistia obiettori di coscienza** (89.247 dell'11 marzo 1991): Trattamento delle domande di amnistia per gli obiettori di coscienza in ambito militare da parte delle commissioni parlamentari competenti.\n\n### Servizio attivo e mobilitazione dell'esercito (art. 173 cpv. 1 lett. d Cost.)\n\nDecisioni storiche documentano l'esercizio di questa competenza:\n\n- **DTF 68 II 212** (1942): Pretese di risarcimento danni in relazione al servizio attivo durante la Seconda guerra mondiale mostrano la portata pratica della competenza dell'Assemblea federale di mobilitare l'esercito.\n\n- **DTF 67 I 147** (1941): La responsabilità civile della Confederazione per i danni causati da veicoli militari durante il servizio attivo chiarisce le conseguenze giuridiche della decisione sul servizio attivo.\n\n### Partecipazione alle pianificazioni statali (art. 173 cpv. 1 lett. g Cost.)\n\nI rapporti dei dibattiti parlamentari documentano l'esercizio di questa competenza in vari progetti di pianificazione statale, in particolare nei settori della politica di sicurezza e delle infrastrutture.", "summary_en": "# Art. 173 — Other duties and powers\n\n## Overview\n\nArt. 173 FC regulates the «other» powers of the Federal Assembly beyond legislation, elections and finances. The provision is a «collective article for the powers of the Federal Assembly that were scattered throughout the previous constitution» (BBl 1997 I 382). It gives Parliament important competences in security policy, in emergency situations and in various special cases.\n\nThe most significant powers concern external and internal security. In extraordinary circumstances, the Federal Assembly may issue its own emergency ordinances (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 173 N. 7). A practical example is the Anti-Terror Act against Al-Qaeda and IS, whose constitutionality the Federal Court confirmed in **BGE 148 IV 298**. Parliament may also mobilise the armed forces, although this competence has not been exercised since the Second World War (Schweizer, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 173 N. 15).\n\nOther important powers include reviewing the validity of popular initiatives and deciding on conflicts between federal authorities. Thus the Federal Court clarified in **BGE 129 II 193** that the Federal Council as government possesses independent competences. The Federal Assembly may also grant pardons and decide on amnesties, although such decrees are politically controversial.\n\nAs a catch-all provision, the Federal Assembly handles all federal business that is not assigned to any other authority (para. 2). This prevents gaps in competence in state organisation law (Waldmann, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 173 N. 20).", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 173 Fed. Const. summarises the «additional» tasks and powers of the Federal Assembly that are not already regulated in Art. 163–172 Fed. Const. The Message on a New Federal Constitution of 20 November 1996 describes this provision as a «collective article for the powers of the Federal Assembly scattered in the previous constitution» (BBl 1997 I 1, 382). The constitutional legislator thereby wanted to create a clear presentation of parliamentary competences that go beyond the classic legislative, financial and electoral functions.\n\n**N. 2** The revision followed the principle of updating: Most powers were already contained in the Federal Constitution of 1874, but were systematically reorganised. What was newly added was in particular the explicit anchoring of participation in important planning of state activities (lit. g), thereby taking account of the growing importance of strategic planning instruments (BBl 1997 I 382 f.).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 173 Fed. Const. stands at the end of Section 2 on the Federal Assembly (Art. 148–173 Fed. Const.) and forms, as it were, a catch-all provision for all non-specifically regulated parliamentary competences. The norm is closely connected with:\n- → Art. 163 Fed. Const. (legislative competences)\n- → Art. 164 Fed. Const. (forms of legislation)\n- → Art. 165 Fed. Const. (emergency legislation)\n- → Art. 184–185 Fed. Const. (competences of the Federal Council in security policy)\n- ↔ Art. 189 Fed. Const. (jurisdictions of the Federal Supreme Court)\n\n**N. 4** The relationship to the competences of the Federal Council is of particular importance: While Art. 173 para. 1 lit. a and b Fed. Const. assign measures for safeguarding security to the Federal Assembly, Art. 184 para. 3 and 185 para. 3 Fed. Const. grant the Federal Council its own emergency ordinance competences. This distribution of competences has led to various jurisdictional conflicts (→ N. 15 ff.).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **External security, independence and neutrality (lit. a)**: The Federal Assembly makes the fundamental decisions in foreign and security policy. These include the approval of international treaties (→ Art. 166 Fed. Const.), basic security policy decisions and the definition of neutrality policy. The operational implementation is the responsibility of the Federal Council (→ Art. 184 Fed. Const.).\n\n**N. 6** **Internal security (lit. b)**: This competence encompasses measures against threats to the constitutional order, social peace and public security. The demarcation from cantonal police competences follows the subsidiarity principle (→ Art. 57 Fed. Const.).\n\n**N. 7** **Emergency ordinances (lit. c)**: In extraordinary circumstances, the Federal Assembly can itself issue ordinances or simple federal decrees. This competence differs from general emergency legislation under Art. 165 Fed. Const. in that it is not limited to formal acts. **BGE 148 IV 298** confirmed that such enactments satisfy the principle of legality.\n\n**N. 8** **Active service (lit. d)**: The Federal Assembly decides on the mobilisation of the army. This competence has not been exercised since the Second World War, but remains significant as an expression of parliamentary control over the military.\n\n**N. 9** **Enforcement of federal law (lit. e)**: This provision authorises federal intervention in cases of cantonal violations of law (→ Art. 49 Fed. Const.). The competence also includes instructions to the Federal Council for the enforcement of Federal Supreme Court decisions.\n\n**N. 10** **Validity of popular initiatives (lit. f)**: The Federal Assembly examines popular initiatives for their compatibility with mandatory provisions of international law, unity of form and subject matter (→ Art. 139 para. 3 Fed. Const.). **BGE 138 I 61** clarified the demarcation from subsequent legal protection by the Federal Supreme Court.\n\n**N. 11** **Participation in planning (lit. g)**: This power is concretised in the approval of legislative planning, sectoral plans and strategic management instruments. The scope depends on the statutory design.\n\n**N. 12** **Individual acts (lit. h)**: Only when a federal act expressly provides for this does the Federal Assembly decide on individual acts. Examples are certain concession decisions or the approval of international treaties in individual cases.\n\n**N. 13** **Jurisdictional conflicts (lit. i)**: The Federal Assembly decides in conflicts between the Federal Council, Federal Supreme Court and Office of the Attorney General. **BGE 129 II 193** specified that the Federal Council as the supreme governing authority has independent competences that are not subject to parliamentary hierarchy.\n\n**N. 14** **Pardons and amnesty (lit. k)**: The pardoning competence is exercised by a permanent commission. Amnesties (general remissions of punishment) are rare and politically controversial, as shown by the failed amnesty requests for youth riots in 1982 and conscientious objectors.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 15** The competences listed in Art. 173 Fed. Const. establish partly exclusive, partly competing powers of the Federal Assembly. In the case of security competences (lit. a–c), there is competition with the emergency ordinance rights of the Federal Council under Art. 184 para. 3 and Art. 185 para. 3 Fed. Const. Practice has shown that in urgent situations the Federal Council acts primarily, but the Federal Assembly can subsequently approve or take its own measures.\n\n**N. 16** The legal acts of the Federal Assembly based on Art. 173 Fed. Const. are subject to different possibilities of challenge. Emergency ordinances under lit. c can be subject to abstract judicial review, while individual acts under lit. h may be subject to appeal to the Federal Supreme Court depending on the statutory design (→ Art. 189 Fed. Const.).\n\n### 5. Points of Dispute\n\n**N. 17** **Scope of emergency ordinance competence**: Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5th ed. 2021, § 44 N. 18) advocates a narrow interpretation, according to which only immediate dangers to security trigger this competence. In contrast, Biaggini (BV Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 173 N. 7) favours a broader interpretation that also includes preventive measures. The Federal Supreme Court in **BGE 148 IV 298** confirmed the constitutionality of the Al-Qaïda/IS Act enacted on this basis, without deciding the dogmatic controversy.\n\n**N. 18** **Federal/cantonal relationship in internal security**: Schweizer (St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 173 N. 12) emphasises the subsidiary nature of federal competences, while Waldmann (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 173 N. 8) argues for more generous federal competence for supra-cantonal threats. The Covid-19 pandemic has revived this discussion.\n\n**N. 19** **Justiciability of validity decisions**: Rhinow/Schefer (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3421) criticise the limited reviewability of parliamentary validity decisions. Kley (Die Ungültigerklärung eidgenössischer Volksinitiativen, ZBl 2018, 567) calls for extended appeal possibilities. **BGE 138 I 61** has affirmed the right to legal remedies in cases of obvious violations, but confirmed the primary jurisdiction of the Federal Assembly.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 20** In applying Art. 173 Fed. Const., the precise demarcation of competences from other constitutional organs is central. Particularly in security matters, it must be clarified whether the situation justifies the use of parliamentary emergency ordinances or whether the Federal Council should act primarily under Art. 184/185 Fed. Const. Practice shows that in cases of immediate danger the Federal Council takes the lead, while the Federal Assembly adopts its own regulations for longer-term threat situations.\n\n**N. 21** For parliamentary practice it is significant that Art. 173 para. 2 Fed. Const. contains a general clause: All federal competences that are not assigned to another authority fall within the jurisdiction of the Federal Assembly. This prevents competence gaps, but requires careful examination of existing special assignments.\n\n**N. 22** Pardoning practice follows strict criteria: Personal hardship, resocialisation and passage of time are decisive. Politically motivated pardons are rarely successful. For amnesty requests, it should be noted that these can only be granted by federal decree of the United Federal Assembly and are subject to the optional referendum.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Application of Urgent Federal Law (Art. 173 para. 1 lit. c Cst.)\n\n**BGE 148 IV 298** of 11 April 2022: Applicability of the Al-Qaeda/IS Act as urgent federal law of the Federal Assembly. The law enacted by urgent procedure constitutes a law in the formal sense that complies with the principle of legality.\n\n> «The Al-Qaeda/IS Act enacted by urgent procedure is a law in the formal sense that satisfies the principle of legality enshrined in Art. 1 SCC, even though it was enacted by urgent procedure.»\n\n### Conflicts of Jurisdiction between Supreme Federal Authorities (Art. 173 para. 1 lit. i Cst.)\n\n**BGE 129 II 193** of 21 February 2003: Delimitation of powers between the Federal Council and the Federal Assembly in political expulsions. The Federal Council, as the supreme governing authority, has independent powers that are not subject to hierarchical review by other bodies.\n\n> «The Federal Council not only stands at the head of the federal administration (Art. 178 paras. 1 and 2 Cst.) but is also directly entrusted with governing the state (Art. 180 para. 1 Cst.) as a collegiate government. An appeal to a hierarchically superior authority is thus excluded from the outset.»\n\n### Validity of Popular Initiatives (Art. 173 para. 1 lit. f Cst.)\n\n**BGE 138 I 61** of 20 December 2011: Subsequent legal protection in federal popular votes and delimitation of jurisdiction between the Federal Assembly and the Federal Supreme Court. The Federal Assembly has primary responsibility for examining the validity of popular initiatives.\n\n> «First, the basic features of legal protection in voting rights matters must be outlined. A distinction must be made between the period before and after the judicial reform came into force.»\n\n**BGE 143 I 129** of 14 December 2016: Declaration of invalidity of a cantonal popular initiative by the cantonal Grand Council. The requirement that popular initiatives be compatible with superior law is consistent with the federal order.\n\n> «Requirement of compatibility of cantonal popular initiatives with superior law (consideration 2.1); rules of interpretation for examining the validity of a popular initiative (consideration 2.2).»\n\n**BGE 149 I 291** of 3 May 2023: Validity of a municipal popular initiative in the energy sector. The Federal Assembly participates indirectly in assessing the validity of popular initiatives through its legislative power.\n\n> «Interpretation of a popular initiative to assess its legality (consideration 3.3). The initiative \"Hochdorf heizt erneuerbar - ab 2030 erst recht\" contains a binding objective and aims at a policy decision (consideration 3.4).»\n\n### Pardons and Amnesty (Art. 173 para. 1 lit. k Cst.)\n\nParliamentary practice shows various amnesty requests that were dealt with by the Federal Assembly:\n\n- **Amnesty request Youth riots 1982** (88.228 of 5 October 1990): Parliamentary initiative for amnesty for minor criminal offences on the occasion of the 700th anniversary of the Confederation was rejected.\n\n- **Amnesty request Conscientious objectors** (89.247 of 11 March 1991): Treatment of amnesty requests for conscientious objectors in the military sphere by the competent parliamentary committees.\n\n### Active Service and Army Mobilisation (Art. 173 para. 1 lit. d Cst.)\n\nHistorical decisions document the exercise of this power:\n\n- **BGE 68 II 212** (1942): Claims for damages in connection with active service during the Second World War show the practical scope of the Federal Assembly's army mobilisation power.\n\n- **BGE 67 I 147** (1941): Civil liability of the Confederation for damage caused by military vehicles during active service illustrates the legal consequences of the active service decision.\n\n### Participation in State Planning (Art. 173 para. 1 lit. g Cst.)\n\nParliamentary negotiation reports document the exercise of this power in various state planning projects, particularly in the areas of security policy and infrastructure.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_173", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 174, "article_suffix": "", "title": "Bundesrat", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 174 BV definiert den Bundesrat als oberste leitende und vollziehende Behörde des Bundes. Diese Bestimmung verleiht dem siebenköpfigen Bundesrat eine Doppelfunktion: Er ist sowohl Regierung als auch oberste Verwaltungsbehörde (**BGE 129 II 193 E. 4.1**).\n\nAls leitende Behörde bestimmt der Bundesrat die politische Richtung des Landes. Er plant Gesetze, führt die Aussenpolitik und trifft wichtige Entscheidungen zur Staatsführung (BBl 1997 I 1, 432). Als vollziehende Behörde setzt er Bundesgesetze um, erlässt Verordnungen und leitet die Bundesverwaltung mit ihren rund 38'000 Angestellten.\n\nDie Bezeichnung «oberste» Behörde bedeutet, dass der Bundesrat innerhalb der Exekutive die höchste Stellung einnimmt. Über ihm steht nur die Bundesversammlung als oberste Gewalt des Bundes. Diese Spitzenposition hat wichtige Rechtsfolgen: Entscheide des Gesamtbundesrates können grundsätzlich nicht vor Gericht angefochten werden (**BGE 129 II 193 E. 2.1**). Eine Ausnahme besteht nur bei Personalentscheiden, wo das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht.\n\nEin Beispiel für die praktische Bedeutung: Beschliesst der Bundesrat eine Einreisesperre gegen eine bestimmte Person aus Sicherheitsgründen, kann diese Person nicht vor Bundesgericht gegen diesen Entscheid klagen. Anders ist es, wenn ein Departement (Ministerium) im Auftrag des Bundesrates eine Einreisesperre verhängt – dann ist der Rechtsweg offen (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**).\n\nDiese verfassungsrechtliche Stellung macht den Bundesrat zur mächtigsten Exekutivbehörde der Schweiz, gleichzeitig aber auch zu einer Behörde mit begrenzter gerichtlicher Kontrolle.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 174 BV führt die grundlegende Formulierung der Bundesverfassung von 1874 (Art. 95 aBV) fort. Die Totalrevision von 1999 hat die Stellung des Bundesrates als oberste leitende und vollziehende Behörde des Bundes unverändert beibehalten (BBl 1997 I 1, 432). Der Verfassungsgeber wollte damit die bewährte Doppelfunktion des Bundesrates als Regierungskollegium und oberste Verwaltungsbehörde bekräftigen.\n\n**N. 2** Die historische Kontinuität zeigt sich in der praktisch wortgleichen Übernahme der Formulierung. Bereits die Bundesverfassung von 1848 bezeichnete den Bundesrat als «oberste vollziehende und leitende Behörde» (Art. 90 BV 1848). Diese Beständigkeit unterstreicht die zentrale Rolle des Bundesrates im schweizerischen Staatsaufbau seit der Gründung des Bundesstaates.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 174 BV steht am Anfang des 3. Abschnitts über den Bundesrat und die Bundesverwaltung (Art. 174–179 BV). Die Norm definiert die grundsätzliche Stellung des Bundesrates im Verfassungsgefüge und bildet die Grundlage für die nachfolgenden Bestimmungen über Zusammensetzung (Art. 175 BV), Wahl (Art. 176 BV), Kollegialprinzip (Art. 177 BV) und Organisation der Bundesverwaltung (Art. 178 BV).\n\n**N. 4** Im Kontext der Gewaltenteilung ist Art. 174 BV zusammen mit Art. 143 BV (Bundesversammlung als oberste Gewalt) und Art. 188 BV (Stellung des Bundesgerichts) zu lesen. Diese drei Normen definieren die obersten Bundesbehörden und ihre grundsätzlichen Funktionen. Die Formulierung «oberste» Behörde bedeutet dabei nicht eine Überordnung über die anderen Gewalten, sondern die Spitzenstellung innerhalb der Exekutive.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **«Oberste»**: Der Begriff bezeichnet die hierarchische Spitzenstellung innerhalb der Exekutivgewalt. Der Bundesrat steht über allen anderen Verwaltungsbehörden des Bundes. Dies schliesst eine Beschwerde an eine hierarchisch übergeordnete Behörde aus (**BGE 129 II 193 E. 4.1**).\n\n**N. 6** **«Leitende»**: Die Leitungsfunktion umfasst die politische Führung (Regierungsfunktion) und die strategische Steuerung der Bundesverwaltung. Der Bundesrat bestimmt die Ziele und Mittel der Regierungspolitik (→ Art. 180 BV) und leitet die Bundesverwaltung (→ Art. 178 Abs. 1 BV). Diese Leitungsfunktion manifestiert sich insbesondere in der Gesetzgebungsplanung, der Finanzplanung und der aussenpolitischen Führung.\n\n**N. 7** **«Vollziehende»**: Als Exekutivbehörde vollzieht der Bundesrat die Bundesgesetze und völkerrechtlichen Verträge. Diese Vollzugsfunktion umfasst den Erlass von Verordnungen (→ Art. 182 BV), Einzelfallentscheide sowie die operative Führung der Bundesverwaltung. Der Begriff «vollziehend» ist weit zu verstehen und umfasst alle Tätigkeiten der Exekutive.\n\n**N. 8** **«Behörde des Bundes»**: Der Bundesrat ist ein Verfassungsorgan des Bundes, nicht der Kantone. Seine Zuständigkeiten sind auf Bundesaufgaben beschränkt. Die föderalistische Kompetenzordnung (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV) begrenzt seinen Wirkungsbereich.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die verfassungsrechtliche Stellung als oberste Exekutivbehörde hat mehrere Rechtsfolgen:\n\n**N. 10** **Fehlende Justiziabilität**: Entscheide des Bundesrates als Kollegialbehörde sind grundsätzlich nicht mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht anfechtbar (**BGE 129 II 193 E. 2.1**). Eine Ausnahme besteht nur für bundesrätliche Verfügungen im Bereich des Bundespersonalrechts, sofern das Bundesrecht vorsieht, dass der Bundesrat als erste Instanz verfügt.\n\n**N. 11** **Actes de gouvernement**: Regierungsakte des Bundesrates in den Bereichen der inneren und äusseren Sicherheit sowie der auswärtigen Beziehungen sind von der gerichtlichen Überprüfung ausgeschlossen (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**). Diese Doktrin der «actes de gouvernement» ist allerdings restriktiv zu handhaben und findet ihre Grenze im Schutz der Grundrechte (→ Art. 35 BV) und der EMRK.\n\n**N. 12** **Delegationsmöglichkeiten**: Der Bundesrat kann Entscheidungskompetenzen an die Departemente übertragen (→ Art. 177 Abs. 3 BV). Die Delegation erfolgt auf dem Verordnungsweg (Art. 47 Abs. 2 RVOG). Gegen Entscheide der Departemente ist dann der Rechtsweg gegeben (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 13** **Umfang der Regierungsfunktion**: In der Lehre ist umstritten, wie weit die Regierungsfunktion des Bundesrates reicht. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1654) vertreten eine weite Auslegung, die alle politisch bedeutsamen Entscheide umfasst. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 4 N 12) plädieren für eine engere Auslegung, die sich auf die in Art. 180 BV genannten Aufgaben beschränkt.\n\n**N. 14** **Justiziabilität von Regierungsakten**: Die Reichweite der «actes de gouvernement»-Doktrin wird kontrovers diskutiert. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3127) fordern eine restriktive Handhabung unter Berücksichtigung der EMRK-Garantien. Müller/Schefer (Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 987) betonen, dass der Grundrechtsschutz auch bei Regierungsakten gewährleistet sein muss.\n\n**N. 15** **Verhältnis zur Bundesversammlung**: Das Subordinationsverhältnis zur Bundesversammlung (→ Art. 169 BV) steht in Spannung zur Bezeichnung als «oberste» Behörde. Der St. Galler Kommentar (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4. Aufl. 2023, Art. 174 N 8) löst diesen scheinbaren Widerspruch dahingehend auf, dass der Bundesrat innerhalb der Exekutive oberste Behörde ist, während die Bundesversammlung die oberste Gewalt im Bund darstellt.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 16** **Rechtsschutz**: Bei Verfügungen des Bundesrates ist primär zu prüfen, ob die Entscheidkompetenz an ein Departement delegiert werden kann. Dies eröffnet den Rechtsweg und gewährleistet den nach Art. 29a BV und Art. 6 EMRK gebotenen Rechtsschutz. Die Delegation sollte bereits auf Gesetzesstufe vorgesehen werden.\n\n**N. 17** **Öffentlichkeitsgesetz**: Der Bundesrat wurde im Kernbereich seines Handelns als Regierung vom Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes ausgenommen (**BGE 133 II 209 E. 3.1**). Dies betrifft insbesondere die Protokolle der Bundesratssitzungen. Dokumente der Departemente und Bundesämter unterliegen hingegen grundsätzlich dem Öffentlichkeitsprinzip.\n\n**N. 18** **Kollegialentscheide**: Wichtige und politisch bedeutsame Geschäfte sind vom Gesamtbundesrat zu entscheiden (→ Art. 177 BV). Die Abgrenzung zwischen Kollegialgeschäften und Departementsgeschäften erfolgt nach der Geschäftsordnung des Bundesrates. Bei Zweifeln ist von der Kollegialzuständigkeit auszugehen.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Verfassungsrechtliche Stellung und Kompetenzen\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** (21. Februar 2003)\nDer Bundesrat als oberste leitende und vollziehende Behörde des Bundes in Einreisesperreverfahren.\nDas Bundesgericht definiert die Doppelfunktion des Bundesrates grundlegend.\n\n> «Der vorliegende Fall ist dadurch gekennzeichnet, dass der angefochtene Entscheid vom Bundesrat erlassen wurde, der obersten leitenden und vollziehenden Behörde des Bundes (Art. 174 BV). Der Bundesrat steht nicht nur an der Spitze der Bundesverwaltung (Art. 178 Abs. 1 und 2 BV) sondern ist als Regierungskollegium auch direkt mit der Staatsleitung (Art. 180 Abs. 1 BV) betraut.»\n\n### Gerichtliche Kontrolle von Bundesratsentscheiden\n\n**BGE 129 II 193 E. 2.1** (21. Februar 2003)\nGrundsätzliche Unzulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Bundesratsbeschlüsse.\nDas Bundesgericht bekräftigt die prinzipielle Immunität des Bundesrates als Kollegialbehörde.\n\n> «Entscheide des Bundesrates können grundsätzlich nicht mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht angefochten werden. Eine Ausnahme besteht nur bezüglich bundesrätlicher Verfügungen auf dem Gebiet des Dienstverhältnisses von Bundespersonal, soweit das Bundesrecht vorsieht, dass der Bundesrat als erste Instanz verfügt.»\n\n**BGE 133 II 209 E. 3.1** (25. Mai 2007)\nParallele zwischen Bundesrat und Bundesgericht bezüglich Öffentlichkeitsgesetz.\nDas Bundesgericht stellt die verfassungsrechtliche Parallelität der obersten Bundesbehörden dar.\n\n> «Der Bundesrat wurde als Regierung, d.h. im Kernbereich seines Handelns als oberste leitende und vollziehende, im Kollegium entscheidende (Art. 177 Abs. 1 BV) Behörde des Bundes (Art. 174 BV; Art. 1 des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 21. März 1997 [RVOG; SR 172.010]) - wie das Bundesgericht bezüglich der Rechtsprechung - dem Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes entzogen.»\n\n### Kompetenzübertragung und Delegation\n\n**BGE 137 II 409 E. 7.1** (3. Oktober 2011)\nBundesrat als oberste Behörde im Kontext der Übertragung von Verwaltungsaufgaben.\nDas Bundesgericht analysiert die Stellung des Bundesrates bei der Delegation staatlicher Aufgaben.\n\n> «In tant que fondation de droit privé régie par les art. 80 ss CC, la recourante est une organisation extérieure à l'administration au sens des art. 178 al. 3 Cst. et 2 al. 4 LOGA.»\n\n### Staatsleitung und Gewaltenteilung\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** (21. Februar 2003)\nBundesrat zwischen Verwaltungsleitung und Staatsführung.\nDas Bundesgericht erläutert die zwei Hauptaufgaben des Bundesrates gemäss Art. 174 BV.\n\n> «Eine Beschwerde an eine hierarchisch übergeordnete Behörde ist damit von vornherein ausgeschlossen. Als zur Beurteilung befugtes Organ böte sich - aufgrund ihrer Stellung als oberste Gewalt des Bundes unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen (Art. 148 Abs. 1 BV) - einzig die Bundesversammlung selbst an.»\n\n### Rechtsschutz und Menschenrechte\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21. Februar 2003)\nVerfassungsmässige Grenzen des bundesrätlichen Handelns.\nDas Bundesgericht behandelt die Spannungsfelder zwischen Staatsleitung und Rechtsschutz.\n\n> «Nach dem Gesagten erscheint es infolgedessen verfassungsrechtlich zulässig und mit Blick auf die im Anwendungsbereich von Art. 13 EMRK liegenden Fälle sogar geboten, wenn der Entwurf zu einem neuen Ausländergesetz (E-AuG; BBl 2002 S. 3851 ff.) das Bundesamt für Polizei als zuständig erklärt, zur Wahrung der inneren und äusseren Sicherheit Einreiseverbote (Art. 66 Abs. 2 E-AuG) und Ausweisungen (Art. 67 Abs. 1 E-AuG) zu verfügen.»\n\n### Kollegialprinzip und Entscheidfindung\n\n**BGE 132 V 6 E. 2** (28. Dezember 2005)\nBundesrat als Beschwerdeinstanz im Gesundheitswesen.\nDas Bundesgericht bestätigt die grundsätzliche Unanfechtbarkeit von Bundesratsentscheiden auch bei Spitallisten.\n\n> «Bestätigung der Rechtsprechung in BGE 126 V 172, wonach die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen einen ablehnenden Beschwerdeentscheid des Bundesrates betreffend eine Spitalliste unzulässig ist.»\n\n### Politische Verantwortung\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21. Februar 2003)\nActes de gouvernement und richterliche Kontrolle.\nDas Bundesgericht definiert die Grenzen der Justiziabilität bundesrätlicher Beschlüsse.\n\n> «Danach sollen Regierungsakte des Bundesrates (sog. \"actes de gouvernement\"), zu denen Fragen der auswärtigen Beziehungen und Entscheide in den Bereichen der inneren und äusseren Sicherheit zu zählen sind, von einer gerichtlichen Überprüfung ausgeschlossen bleiben.»\n\n### Amtsdelegation und Verwaltungsorganisation\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21. Februar 2003)\nDelegationsmöglichkeiten des Bundesrates.\nDas Bundesgericht erläutert die verfassungsrechtlichen Spielräume für die Kompetenzübertragung.\n\n> «Praktisch ungeschmälert Raum für eine Übertragung entsprechender Entscheidungskompetenzen an die Departemente im Sinne von Art. 177 Abs. 3 BV (vgl. zur früheren Bestimmung von Art. 103 Abs. 2 aBV: ALFRED KÖLZ, in: Kommentar aBV, Rz. 12 zu Art. 103 Abs. 2/3 aBV sowie KURT EICHENBERGER, in: Kommentar aBV, Rz. 16 zu Art. 102 aBV), wobei der Bundesrat die Delegation auf dem Wege der Verordnung vornehmen kann (Art. 47 Abs. 2 RVOG).»", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 174 Cst. définit le Conseil fédéral comme l'autorité suprême de direction et d'exécution de la Confédération. Cette disposition confère au Conseil fédéral, composé de sept membres, une double fonction : il est à la fois gouvernement et autorité administrative suprême (**ATF 129 II 193 c. 4.1**).\n\nEn tant qu'autorité de direction, le Conseil fédéral détermine l'orientation politique du pays. Il planifie les lois, conduit la politique extérieure et prend les décisions importantes pour la conduite de l'État (FF 1997 I 1, 432). En tant qu'autorité d'exécution, il met en œuvre les lois fédérales, édicte des ordonnances et dirige l'administration fédérale avec ses quelque 38'000 employés.\n\nLa désignation d'autorité « suprême » signifie que le Conseil fédéral occupe la position la plus élevée au sein de l'exécutif. Seule l'Assemblée fédérale, en tant qu'autorité suprême de la Confédération, lui est supérieure. Cette position de sommet a d'importantes conséquences juridiques : les décisions du Conseil fédéral en corps ne peuvent en principe pas être attaquées devant un tribunal (**ATF 129 II 193 c. 2.1**). Une exception n'existe que pour les décisions en matière de personnel, lorsque la loi le prévoit expressément.\n\nUn exemple de la portée pratique : si le Conseil fédéral décide d'une interdiction d'entrée contre une personne déterminée pour des raisons de sécurité, cette personne ne peut pas porter plainte devant le Tribunal fédéral contre cette décision. Il en va autrement si un département (ministère) prononce une interdiction d'entrée sur mandat du Conseil fédéral – dans ce cas, la voie de droit est ouverte (**ATF 129 II 193 c. 4.2.2**).\n\nCette position constitutionnelle fait du Conseil fédéral l'autorité exécutive la plus puissante de la Suisse, mais aussi une autorité soumise à un contrôle judiciaire limité.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 174 Cst. reprend la formulation fondamentale de la Constitution fédérale de 1874 (art. 95 aCst.). La révision totale de 1999 a maintenu inchangée la position du Conseil fédéral en tant qu'autorité directoriale et exécutive suprême de la Confédération (FF 1997 I 1, 432). Le constituant a ainsi voulu confirmer la double fonction éprouvée du Conseil fédéral en tant que collège gouvernemental et autorité administrative suprême.\n\n**N. 2** La continuité historique se manifeste par la reprise pratiquement mot pour mot de la formulation. Déjà la Constitution fédérale de 1848 désignait le Conseil fédéral comme « autorité executive et directoriale suprême » (art. 90 Cst. 1848). Cette constance souligne le rôle central du Conseil fédéral dans l'organisation étatique suisse depuis la fondation de l'État fédéral.\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 174 Cst. se trouve au début de la 3e section sur le Conseil fédéral et l'administration fédérale (art. 174–179 Cst.). La norme définit la position fondamentale du Conseil fédéral dans l'ordre constitutionnel et constitue la base des dispositions suivantes sur la composition (art. 175 Cst.), l'élection (art. 176 Cst.), le principe collégial (art. 177 Cst.) et l'organisation de l'administration fédérale (art. 178 Cst.).\n\n**N. 4** Dans le contexte de la séparation des pouvoirs, l'art. 174 Cst. doit être lu conjointement avec l'art. 143 Cst. (Assemblée fédérale comme autorité suprême) et l'art. 188 Cst. (position du Tribunal fédéral). Ces trois normes définissent les autorités fédérales suprêmes et leurs fonctions fondamentales. La formulation « suprême » ne signifie pas une supériorité sur les autres pouvoirs, mais la position de sommet au sein de l'exécutif.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n**N. 5** **« Suprême »** : Le terme désigne la position hiérarchique de sommet au sein du pouvoir exécutif. Le Conseil fédéral se situe au-dessus de toutes les autres autorités administratives de la Confédération. Ceci exclut un recours à une autorité hiérarchiquement supérieure (**ATF 129 II 193 c. 4.1**).\n\n**N. 6** **« Directoriale »** : La fonction directoriale comprend la direction politique (fonction gouvernementale) et le pilotage stratégique de l'administration fédérale. Le Conseil fédéral détermine les objectifs et les moyens de la politique gouvernementale (→ art. 180 Cst.) et dirige l'administration fédérale (→ art. 178 al. 1 Cst.). Cette fonction directoriale se manifeste notamment dans la planification législative, la planification financière et la direction de la politique extérieure.\n\n**N. 7** **« Exécutive »** : En tant qu'autorité exécutive, le Conseil fédéral exécute les lois fédérales et les traités internationaux. Cette fonction d'exécution comprend l'édiction d'ordonnances (→ art. 182 Cst.), les décisions dans des cas d'espèce ainsi que la direction opérationnelle de l'administration fédérale. Le terme « exécutive » doit être compris largement et englobe toutes les activités de l'exécutif.\n\n**N. 8** **« Autorité de la Confédération »** : Le Conseil fédéral est un organe constitutionnel de la Confédération, non des cantons. Ses compétences sont limitées aux tâches fédérales. L'ordre fédéraliste des compétences (→ art. 3 Cst., → art. 42 Cst.) délimite son champ d'action.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** La position constitutionnelle en tant qu'autorité exécutive suprême a plusieurs conséquences juridiques :\n\n**N. 10** **Absence de justiciabilité** : Les décisions du Conseil fédéral en tant qu'autorité collégiale ne peuvent en principe pas être attaquées par recours de droit administratif devant le Tribunal fédéral (**ATF 129 II 193 c. 2.1**). Une exception n'existe que pour les décisions du Conseil fédéral dans le domaine du droit du personnel fédéral, dans la mesure où le droit fédéral prévoit que le Conseil fédéral statue en première instance.\n\n**N. 11** **Actes de gouvernement** : Les actes gouvernementaux du Conseil fédéral dans les domaines de la sécurité intérieure et extérieure ainsi que des relations extérieures sont exclus du contrôle judiciaire (**ATF 129 II 193 c. 4.2.2**). Cette doctrine des « actes de gouvernement » doit cependant être maniée de manière restrictive et trouve sa limite dans la protection des droits fondamentaux (→ art. 35 Cst.) et de la CEDH.\n\n**N. 12** **Possibilités de délégation** : Le Conseil fédéral peut transférer des compétences décisionnelles aux départements (→ art. 177 al. 3 Cst.). La délégation s'effectue par voie d'ordonnance (art. 47 al. 2 OLOGA). La voie de droit est alors ouverte contre les décisions des départements (**ATF 129 II 193 c. 4.2.2**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 13** **Étendue de la fonction gouvernementale** : Dans la doctrine, l'étendue de la fonction gouvernementale du Conseil fédéral est controversée. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1654) défendent une interprétation large qui englobe toutes les décisions politiquement significatives. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 4 N 12) plaident pour une interprétation plus étroite qui se limite aux tâches mentionnées à l'art. 180 Cst.\n\n**N. 14** **Justiciabilité des actes gouvernementaux** : La portée de la doctrine des « actes de gouvernement » fait l'objet de discussions controversées. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 3127) exigent un maniement restrictif en tenant compte des garanties de la CEDH. Müller/Schefer (Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 987) soulignent que la protection des droits fondamentaux doit également être garantie pour les actes gouvernementaux.\n\n**N. 15** **Rapport à l'Assemblée fédérale** : Le rapport de subordination à l'Assemblée fédérale (→ art. 169 Cst.) est en tension avec la désignation comme autorité « suprême ». Le commentaire saint-gallois (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4e éd. 2023, art. 174 N 8) résout cette contradiction apparente en ce sens que le Conseil fédéral est l'autorité suprême au sein de l'exécutif, tandis que l'Assemblée fédérale représente l'autorité suprême de la Confédération.\n\n### 6. Conseils pratiques\n\n**N. 16** **Protection juridique** : Pour les décisions du Conseil fédéral, il faut d'abord examiner si la compétence décisionnelle peut être déléguée à un département. Ceci ouvre la voie de droit et garantit la protection juridique requise par l'art. 29a Cst. et l'art. 6 CEDH. La délégation devrait déjà être prévue au niveau législatif.\n\n**N. 17** **Loi sur la transparence** : Le Conseil fédéral a été exclu du champ d'application de la loi sur la transparence dans le domaine central de son action en tant que gouvernement (**ATF 133 II 209 c. 3.1**). Ceci concerne notamment les procès-verbaux des séances du Conseil fédéral. Les documents des départements et des offices fédéraux sont en revanche soumis en principe au principe de transparence.\n\n**N. 18** **Décisions collégiales** : Les affaires importantes et politiquement significatives doivent être décidées par l'ensemble du Conseil fédéral (→ art. 177 Cst.). La délimitation entre les affaires collégiales et les affaires départementales s'effectue selon le règlement du Conseil fédéral. En cas de doute, il faut partir du principe de la compétence collégiale.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Position constitutionnelle et compétences\n\n**BGE 129 II 193 c. 4.1** (21 février 2003)\nLe Conseil fédéral en tant qu'autorité suprême de direction et exécutive de la Confédération dans les procédures d'interdiction d'entrée.\nLe Tribunal fédéral définit la double fonction du Conseil fédéral de manière fondamentale.\n\n> « Le cas d'espèce se caractérise par le fait que la décision attaquée a été rendue par le Conseil fédéral, l'autorité suprême de direction et exécutive de la Confédération (art. 174 Cst). Le Conseil fédéral ne se trouve pas seulement au sommet de l'administration fédérale (art. 178 al. 1 et 2 Cst) mais il est aussi chargé directement en tant que collège gouvernemental de la direction de l'État (art. 180 al. 1 Cst). »\n\n### Contrôle judiciaire des décisions du Conseil fédéral\n\n**BGE 129 II 193 c. 2.1** (21 février 2003)\nInadmissibilité de principe du recours de droit administratif contre les arrêtés du Conseil fédéral.\nLe Tribunal fédéral confirme l'immunité de principe du Conseil fédéral en tant qu'autorité collégiale.\n\n> « Les décisions du Conseil fédéral ne peuvent en principe pas faire l'objet d'un recours de droit administratif devant le Tribunal fédéral. Une exception n'existe que pour les décisions du Conseil fédéral dans le domaine des rapports de service du personnel fédéral, dans la mesure où le droit fédéral prévoit que le Conseil fédéral statue en première instance. »\n\n**BGE 133 II 209 c. 3.1** (25 mai 2007)\nParallèle entre le Conseil fédéral et le Tribunal fédéral concernant la loi sur la transparence.\nLe Tribunal fédéral présente le parallélisme constitutionnel des autorités suprêmes de la Confédération.\n\n> « Le Conseil fédéral a été soustrait en tant que gouvernement, c'est-à-dire dans le domaine central de son action en tant qu'autorité suprême de direction et exécutive, statuant collégialement (art. 177 al. 1 Cst) de la Confédération (art. 174 Cst ; art. 1er de la loi du 21 mars 1997 sur l'organisation du gouvernement et de l'administration [LOGA ; RS 172.010]) - comme le Tribunal fédéral concernant l'activité juridictionnelle - du champ d'application de la loi sur la transparence. »\n\n### Transfert de compétences et délégation\n\n**BGE 137 II 409 c. 7.1** (3 octobre 2011)\nLe Conseil fédéral en tant qu'autorité suprême dans le contexte du transfert de tâches administratives.\nLe Tribunal fédéral analyse la position du Conseil fédéral lors de la délégation de tâches étatiques.\n\n> « En tant que fondation de droit privé régie par les art. 80 ss CC, la recourante est une organisation extérieure à l'administration au sens des art. 178 al. 3 Cst. et 2 al. 4 LOGA. »\n\n### Direction de l'État et séparation des pouvoirs\n\n**BGE 129 II 193 c. 4.1** (21 février 2003)\nLe Conseil fédéral entre direction de l'administration et conduite de l'État.\nLe Tribunal fédéral explique les deux tâches principales du Conseil fédéral selon l'art. 174 Cst.\n\n> « Un recours auprès d'une autorité hiérarchiquement supérieure est par conséquent exclu d'emblée. Comme organe compétent pour juger ne se présenterait - en raison de sa position d'autorité suprême de la Confédération sous réserve des droits du peuple et des cantons (art. 148 al. 1 Cst) - que l'Assemblée fédérale elle-même. »\n\n### Protection juridique et droits de l'homme\n\n**BGE 129 II 193 c. 4.2.2** (21 février 2003)\nLimites constitutionnelles de l'action du Conseil fédéral.\nLe Tribunal fédéral traite les tensions entre direction de l'État et protection juridique.\n\n> « Selon ce qui précède, il apparaît par conséquent constitutionnellement admissible et même commandé eu égard aux cas relevant du champ d'application de l'art. 13 CEDH, que le projet d'une nouvelle loi sur les étrangers (P-LEtr ; FF 2002 p. 3709 ss) déclare compétent l'Office fédéral de la police pour prononcer, afin de préserver la sécurité intérieure et extérieure, des interdictions d'entrée (art. 66 al. 2 P-LEtr) et des expulsions (art. 67 al. 1 P-LEtr). »\n\n### Principe collégial et prise de décision\n\n**BGE 132 V 6 c. 2** (28 décembre 2005)\nLe Conseil fédéral en tant qu'instance de recours dans le domaine de la santé.\nLe Tribunal fédéral confirme l'inattaquabilité de principe des décisions du Conseil fédéral même pour les listes hospitalières.\n\n> « Confirmation de la jurisprudence dans BGE 126 V 172, selon laquelle le recours de droit administratif contre une décision de recours négative du Conseil fédéral concernant une liste hospitalière est irrecevable. »\n\n### Responsabilité politique\n\n**BGE 129 II 193 c. 4.2.2** (21 février 2003)\nActes de gouvernement et contrôle judiciaire.\nLe Tribunal fédéral définit les limites de la justiciabilité des arrêtés du Conseil fédéral.\n\n> « Selon cette conception, les actes gouvernementaux du Conseil fédéral (les « actes de gouvernement » proprement dits), qui comprennent les questions de relations extérieures et les décisions dans les domaines de la sécurité intérieure et extérieure, doivent rester soustraits à un contrôle judiciaire. »\n\n### Délégation de fonctions et organisation administrative\n\n**BGE 129 II 193 c. 4.2.2** (21 février 2003)\nPossibilités de délégation du Conseil fédéral.\nLe Tribunal fédéral explique les marges de manœuvre constitutionnelles pour le transfert de compétences.\n\n> « Pratiquement pleine liberté pour un transfert de compétences décisionnelles correspondantes aux départements au sens de l'art. 177 al. 3 Cst (cf. concernant l'ancienne disposition de l'art. 103 al. 2 aCst : ALFRED KÖLZ, in : Commentaire aCst, ch. 12 ad art. 103 al. 2/3 aCst ainsi que KURT EICHENBERGER, in : Commentaire aCst, ch. 16 ad art. 102 aCst), le Conseil fédéral pouvant procéder à la délégation par voie d'ordonnance (art. 47 al. 2 LOGA). »", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 174 Cost. definisce il Consiglio federale come suprema autorità direttiva ed esecutiva della Confederazione. Questa disposizione conferisce al Consiglio federale composto di sette membri una doppia funzione: è al contempo governo e suprema autorità amministrativa (**DTF 129 II 193 consid. 4.1**).\n\nCome autorità direttiva, il Consiglio federale determina l'orientamento politico del Paese. Pianifica le leggi, conduce la politica estera e prende importanti decisioni per la conduzione dello Stato (FF 1997 I 1, 432). Come autorità esecutiva, attua le leggi federali, emana ordinanze e dirige l'amministrazione federale con i suoi circa 38'000 dipendenti.\n\nLa denominazione di autorità «suprema» significa che il Consiglio federale occupa la posizione più elevata all'interno dell'esecutivo. Al di sopra di esso vi è soltanto l'Assemblea federale quale autorità suprema della Confederazione. Questa posizione di vertice ha importanti conseguenze giuridiche: le decisioni del Consiglio federale nella sua interezza non possono in principio essere impugnate dinanzi ai tribunali (**DTF 129 II 193 consid. 2.1**). Un'eccezione sussiste unicamente per le decisioni in materia di personale, laddove la legge lo preveda espressamente.\n\nUn esempio del significato pratico: se il Consiglio federale decide un divieto d'entrata contro una determinata persona per motivi di sicurezza, tale persona non può adire il Tribunale federale contro questa decisione. Diversamente se un dipartimento (ministero) emana un divieto d'entrata su incarico del Consiglio federale – in tal caso la via giudiziaria è aperta (**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2**).\n\nQuesta posizione costituzionale fa del Consiglio federale la più potente autorità esecutiva della Svizzera, ma al contempo anche un'autorità con un controllo giudiziario limitato.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'art. 174 Cost. prosegue la formulazione fondamentale della Costituzione federale del 1874 (art. 95 vCost.). La revisione totale del 1999 ha mantenuto inalterata la posizione del Consiglio federale quale autorità direttiva e esecutiva suprema della Confederazione (FF 1997 I 1, 432). Il costituente ha voluto così confermare la collaudata doppia funzione del Consiglio federale quale collegio governativo e autorità amministrativa suprema.\n\n**N. 2** La continuità storica si manifesta nella ripresa praticamente identica della formulazione. Già la Costituzione federale del 1848 designava il Consiglio federale come «autorità esecutiva e direttiva suprema» (art. 90 Cost. 1848). Questa stabilità sottolinea il ruolo centrale del Consiglio federale nell'organizzazione statale svizzera fin dalla fondazione dello Stato federale.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 174 Cost. si trova all'inizio della sezione 3 sul Consiglio federale e l'Amministrazione federale (art. 174–179 Cost.). La norma definisce la posizione fondamentale del Consiglio federale nell'architettura costituzionale e costituisce la base per le disposizioni successive su composizione (art. 175 Cost.), elezione (art. 176 Cost.), principio collegiale (art. 177 Cost.) e organizzazione dell'Amministrazione federale (art. 178 Cost.).\n\n**N. 4** Nel contesto della separazione dei poteri, l'art. 174 Cost. va letto insieme all'art. 143 Cost. (Assemblea federale quale autorità suprema) e all'art. 188 Cost. (posizione del Tribunale federale). Queste tre norme definiscono le autorità federali supreme e le loro funzioni fondamentali. La qualifica di autorità «suprema» non significa una sovraordinazione rispetto agli altri poteri, bensì la posizione apicale all'interno dell'esecutivo.\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **«Suprema»**: Il termine designa la posizione apicale gerarchica all'interno del potere esecutivo. Il Consiglio federale sta sopra tutte le altre autorità amministrative della Confederazione. Ciò esclude un ricorso a un'autorità gerarchicamente superiore (**DTF 129 II 193 consid. 4.1**).\n\n**N. 6** **«Direttiva»**: La funzione direttiva comprende la guida politica (funzione governativa) e il controllo strategico dell'Amministrazione federale. Il Consiglio federale determina gli obiettivi e i mezzi della politica governativa (→ art. 180 Cost.) e dirige l'Amministrazione federale (→ art. 178 cpv. 1 Cost.). Questa funzione direttiva si manifesta in particolare nella pianificazione legislativa, nella pianificazione finanziaria e nella guida di politica estera.\n\n**N. 7** **«Esecutiva»**: Quale autorità esecutiva, il Consiglio federale esegue le leggi federali e i trattati di diritto internazionale. Questa funzione esecutiva comprende l'emanazione di ordinanze (→ art. 182 Cost.), decisioni su casi singoli nonché la conduzione operativa dell'Amministrazione federale. Il termine «esecutiva» va inteso in senso ampio e comprende tutte le attività dell'esecutivo.\n\n**N. 8** **«Autorità della Confederazione»**: Il Consiglio federale è un organo costituzionale della Confederazione, non dei Cantoni. Le sue competenze sono limitate ai compiti federali. L'ordinamento federalistico delle competenze (→ art. 3 Cost., → art. 42 Cost.) delimita il suo ambito d'azione.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** La posizione di diritto costituzionale quale autorità esecutiva suprema ha diverse conseguenze giuridiche:\n\n**N. 10** **Mancanza di giusticiabilità**: Le decisioni del Consiglio federale quale autorità collegiale non sono in principio impugnabili con ricorso di diritto amministrativo presso il Tribunale federale (**DTF 129 II 193 consid. 2.1**). Un'eccezione esiste soltanto per le decisioni del Consiglio federale nell'ambito del diritto del personale federale, sempre che il diritto federale preveda che il Consiglio federale decida quale prima istanza.\n\n**N. 11** **Actes de gouvernement**: Gli atti di governo del Consiglio federale negli ambiti della sicurezza interna ed esterna nonché delle relazioni estere sono esclusi dal controllo giudiziario (**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2**). Questa dottrina degli «actes de gouvernement» va tuttavia applicata in modo restrittivo e trova il suo limite nella tutela dei diritti fondamentali (→ art. 35 Cost.) e della CEDU.\n\n**N. 12** **Possibilità di delega**: Il Consiglio federale può trasferire competenze decisionali ai dipartimenti (→ art. 177 cpv. 3 Cost.). La delega avviene per via d'ordinanza (art. 47 cpv. 2 LOGA). Contro le decisioni dei dipartimenti è quindi data la via giuridica (**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2**).\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 13** **Portata della funzione governativa**: In dottrina è controverso quanto si estenda la funzione governativa del Consiglio federale. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1654) sostengono un'interpretazione ampia che comprende tutte le decisioni politicamente rilevanti. Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 4 N 12) propugnano un'interpretazione più ristretta, che si limita ai compiti menzionati nell'art. 180 Cost.\n\n**N. 14** **Giusticiabilità degli atti di governo**: La portata della dottrina degli «actes de gouvernement» è discussa in modo controverso. Rhinow/Schefer/Uebersax (Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N 3127) chiedono un'applicazione restrittiva tenendo conto delle garanzie CEDU. Müller/Schefer (Grundrechte, 4a ed. 2008, p. 987) sottolineano che la tutela dei diritti fondamentali deve essere garantita anche negli atti di governo.\n\n**N. 15** **Rapporto con l'Assemblea federale**: Il rapporto di subordinazione all'Assemblea federale (→ art. 169 Cost.) è in tensione con la qualifica di autorità «suprema». Il Commentario sangallese (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4a ed. 2023, art. 174 N 8) risolve questa apparente contraddizione nel senso che il Consiglio federale è autorità suprema all'interno dell'esecutivo, mentre l'Assemblea federale rappresenta l'autorità suprema della Confederazione.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 16** **Tutela giuridica**: Per le decisioni del Consiglio federale occorre innanzitutto verificare se la competenza decisionale può essere delegata a un dipartimento. Ciò apre la via giuridica e garantisce la tutela giuridica richiesta dall'art. 29a Cost. e dall'art. 6 CEDU. La delega dovrebbe essere prevista già a livello legislativo.\n\n**N. 17** **Legge sulla trasparenza**: Il Consiglio federale è stato escluso dall'ambito di applicazione della legge sulla trasparenza nell'ambito centrale della sua attività quale governo (**DTF 133 II 209 consid. 3.1**). Ciò riguarda in particolare i verbali delle sedute del Consiglio federale. I documenti dei dipartimenti e degli uffici federali sottostanno invece in principio al principio di trasparenza.\n\n**N. 18** **Decisioni collegiali**: Gli affari importanti e politicamente rilevanti devono essere decisi dall'intero Consiglio federale (→ art. 177 Cost.). La delimitazione tra affari collegiali e affari dipartimentali avviene secondo il regolamento del Consiglio federale. In caso di dubbio si deve presumere la competenza collegiale.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Posizione costituzionale e competenze\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.1** (21 febbraio 2003)\nIl Consiglio federale quale suprema autorità direttiva ed esecutiva della Confederazione nei procedimenti di divieto d'entrata.\nIl Tribunale federale definisce la duplice funzione del Consiglio federale in modo fondamentale.\n\n> «Il presente caso è caratterizzato dal fatto che la decisione impugnata è stata emanata dal Consiglio federale, suprema autorità direttiva ed esecutiva della Confederazione (art. 174 Cost.). Il Consiglio federale non si trova solo al vertice dell'Amministrazione federale (art. 178 cpv. 1 e 2 Cost.) ma è anche incaricato direttamente, quale collegio governativo, della direzione dello Stato (art. 180 cpv. 1 Cost.).»\n\n### Controllo giudiziario delle decisioni del Consiglio federale\n\n**DTF 129 II 193 consid. 2.1** (21 febbraio 2003)\nInammissibilità di principio del ricorso di diritto amministrativo contro le decisioni del Consiglio federale.\nIl Tribunale federale conferma l'immunità di principio del Consiglio federale quale autorità collegiale.\n\n> «Le decisioni del Consiglio federale non possono di principio essere impugnate con ricorso di diritto amministrativo presso il Tribunale federale. Un'eccezione sussiste soltanto riguardo alle decisioni del Consiglio federale nel campo del rapporto di servizio del personale federale, nella misura in cui il diritto federale prevede che il Consiglio federale decida quale prima istanza.»\n\n**DTF 133 II 209 consid. 3.1** (25 maggio 2007)\nParallelo tra Consiglio federale e Tribunale federale riguardo alla legge sulla trasparenza.\nIl Tribunale federale presenta il parallelismo costituzionale delle supreme autorità federali.\n\n> «Il Consiglio federale è stato sottratto - quale governo, cioè nell'ambito centrale del suo agire quale suprema autorità direttiva ed esecutiva, che decide collegialmente (art. 177 cpv. 1 Cost.) della Confederazione (art. 174 Cost.; art. 1 della legge del 21 marzo 1997 sull'organizzazione del governo e dell'amministrazione [LOGA; RS 172.010]) - come il Tribunale federale riguardo alla giurisprudenza - dal campo d'applicazione della legge sulla trasparenza.»\n\n### Trasferimento di competenze e delegazione\n\n**DTF 137 II 409 consid. 7.1** (3 ottobre 2011)\nIl Consiglio federale quale suprema autorità nel contesto del trasferimento di compiti amministrativi.\nIl Tribunale federale analizza la posizione del Consiglio federale nella delegazione di compiti statali.\n\n> «In tant que fondation de droit privé régie par les art. 80 ss CC, la recourante est une organisation extérieure à l'administration au sens des art. 178 al. 3 Cst. et 2 al. 4 LOGA.»\n\n### Direzione dello Stato e separazione dei poteri\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.1** (21 febbraio 2003)\nIl Consiglio federale tra direzione dell'amministrazione e governo dello Stato.\nIl Tribunale federale spiega i due compiti principali del Consiglio federale secondo l'art. 174 Cost.\n\n> «Un ricorso a un'autorità gerarchicamente superiore è pertanto escluso a priori. Quale organo competente a giudicare si offrirebbe - in ragione della sua posizione quale supremo potere della Confederazione sotto riserva dei diritti del Popolo e dei Cantoni (art. 148 cpv. 1 Cost.) - unicamente l'Assemblea federale stessa.»\n\n### Tutela giuridica e diritti dell'uomo\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2** (21 febbraio 2003)\nLimiti costituzionali dell'agire del Consiglio federale.\nIl Tribunale federale tratta i campi di tensione tra direzione dello Stato e tutela giuridica.\n\n> «Secondo quanto detto, appare di conseguenza costituzionalmente ammissibile e, considerando i casi che rientrano nel campo d'applicazione dell'art. 13 CEDU, persino prescritto che il progetto di una nuova legge sugli stranieri (P-LStr; FF 2002 S. 3629 segg.) dichiari competente l'Ufficio federale di polizia per pronunciare, a tutela della sicurezza interna ed esterna, divieti d'entrata (art. 66 cpv. 2 P-LStr) ed espulsioni (art. 67 cpv. 1 P-LStr).»\n\n### Principio collegiale e processo decisionale\n\n**DTF 132 V 6 consid. 2** (28 dicembre 2005)\nIl Consiglio federale quale istanza di ricorso nel settore sanitario.\nIl Tribunale federale conferma l'inimpugnabilità di principio delle decisioni del Consiglio federale anche per gli elenchi ospedalieri.\n\n> «Conferma della giurisprudenza nella DTF 126 V 172, secondo cui il ricorso di diritto amministrativo contro una decisione di rigetto su ricorso del Consiglio federale concernente un elenco ospedaliero è inammissibile.»\n\n### Responsabilità politica\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2** (21 febbraio 2003)\nActes de gouvernement e controllo giudiziario.\nIl Tribunale federale definisce i limiti della giustiziabilità delle decisioni del Consiglio federale.\n\n> «Secondo ciò, gli atti di governo del Consiglio federale (cosiddetti \"actes de gouvernement\"), ai quali vanno annoverati questioni delle relazioni estere e decisioni negli ambiti della sicurezza interna ed esterna, dovrebbero rimanere esclusi da un controllo giudiziario.»\n\n### Delegazione d'ufficio e organizzazione amministrativa\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.2.2** (21 febbraio 2003)\nPossibilità di delegazione del Consiglio federale.\nIl Tribunale federale spiega i margini di manovra costituzionali per il trasferimento di competenze.\n\n> «Praticamente inalterato spazio per un trasferimento delle corrispondenti competenze decisionali ai dipartimenti nel senso dell'art. 177 cpv. 3 Cost. (cfr. alla precedente disposizione dell'art. 103 cpv. 2 aCost.: ALFRED KÖLZ, in: Kommentar aCost., n. marg. 12 all'art. 103 cpv. 2/3 aCost. e KURT EICHENBERGER, in: Kommentar aCost., n. marg. 16 all'art. 102 aCost.), laddove il Consiglio federale può procedere alla delegazione per via di ordinanza (art. 47 cpv. 2 LOGA).»", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 174 Cst. defines the Federal Council as the supreme governing and executive authority of the Confederation. This provision gives the seven-member Federal Council a dual function: It is both government and supreme administrative authority (**BGE 129 II 193 E. 4.1**).\n\nAs governing authority, the Federal Council determines the political direction of the country. It plans legislation, conducts foreign policy and makes important decisions for governing the state (BBl 1997 I 1, 432). As executive authority, it implements federal legislation, issues ordinances and heads the federal administration with its approximately 38,000 employees.\n\nThe designation as «supreme» authority means that the Federal Council holds the highest position within the executive. Only the Federal Assembly as supreme authority of the Confederation stands above it. This leading position has important legal consequences: Decisions of the Federal Council as a whole cannot in principle be challenged before the courts (**BGE 129 II 193 E. 2.1**). An exception exists only for personnel decisions, where the law expressly provides for this.\n\nAn example of the practical significance: If the Federal Council decides on an entry ban against a specific person for security reasons, this person cannot sue before the Federal Court against this decision. It is different if a department (ministry) imposes an entry ban on behalf of the Federal Council – then legal recourse is available (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**).\n\nThis constitutional position makes the Federal Council the most powerful executive authority in Switzerland, but at the same time also an authority with limited judicial control.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 174 BV continues the fundamental formulation of the Federal Constitution of 1874 (Art. 95 old Const.). The total revision of 1999 retained unchanged the position of the Federal Council as the supreme governing and executive authority of the Confederation (BBl 1997 I 1, 432). The constituent power thereby sought to affirm the proven dual function of the Federal Council as a collegial government and supreme administrative authority.\n\n**N. 2** The historical continuity is evident in the practically verbatim adoption of the formulation. Even the Federal Constitution of 1848 designated the Federal Council as the «supreme executive and governing authority» (Art. 90 FC 1848). This consistency underscores the central role of the Federal Council in the Swiss state structure since the founding of the federal state.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 174 BV stands at the beginning of Section 3 on the Federal Council and the Federal Administration (Arts. 174–179 BV). The norm defines the fundamental position of the Federal Council within the constitutional structure and forms the basis for the subsequent provisions on composition (Art. 175 BV), election (Art. 176 BV), the collegiate principle (Art. 177 BV) and organisation of the Federal Administration (Art. 178 BV).\n\n**N. 4** In the context of the separation of powers, Art. 174 BV must be read together with Art. 143 BV (Federal Assembly as supreme authority) and Art. 188 BV (position of the Federal Court). These three norms define the supreme federal authorities and their fundamental functions. The formulation «supreme» authority does not mean superiority over the other powers, but rather the apex position within the executive.\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n**N. 5** **«Supreme»**: The term designates the hierarchical apex position within the executive power. The Federal Council stands above all other administrative authorities of the Confederation. This excludes an appeal to a hierarchically superior authority (**BGE 129 II 193 E. 4.1**).\n\n**N. 6** **«Governing»**: The governing function comprises political leadership (governmental function) and strategic control of the Federal Administration. The Federal Council determines the goals and means of government policy (→ Art. 180 BV) and governs the Federal Administration (→ Art. 178 para. 1 BV). This governing function manifests itself particularly in legislative planning, financial planning and foreign policy leadership.\n\n**N. 7** **«Executive»**: As an executive authority, the Federal Council executes federal laws and international treaties. This executive function includes the enactment of ordinances (→ Art. 182 BV), individual case decisions as well as the operational management of the Federal Administration. The term «executive» is to be understood broadly and encompasses all activities of the executive.\n\n**N. 8** **«Authority of the Confederation»**: The Federal Council is a constitutional organ of the Confederation, not of the cantons. Its competences are limited to federal tasks. The federalist allocation of competences (→ Art. 3 BV, → Art. 42 BV) limits its sphere of action.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** The constitutional position as supreme executive authority has several legal consequences:\n\n**N. 10** **Lack of Justiciability**: Decisions of the Federal Council as a collegial authority are in principle not challengeable by administrative court appeal to the Federal Court (**BGE 129 II 193 E. 2.1**). An exception exists only for Federal Council rulings in the area of federal personnel law, provided that federal law provides that the Federal Council rules as first instance.\n\n**N. 11** **Actes de gouvernement**: Government acts of the Federal Council in the areas of internal and external security as well as foreign relations are excluded from judicial review (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**). However, this doctrine of «actes de gouvernement» must be handled restrictively and finds its limit in the protection of fundamental rights (→ Art. 35 BV) and the ECHR.\n\n**N. 12** **Delegation Possibilities**: The Federal Council may transfer decision-making competences to the departments (→ Art. 177 para. 3 BV). Delegation occurs by way of ordinance (Art. 47 para. 2 GOGA). Legal recourse is then available against decisions of the departments (**BGE 129 II 193 E. 4.2.2**).\n\n### 5. Controversial Issues\n\n**N. 13** **Scope of the Governmental Function**: In legal doctrine, it is disputed how far the governmental function of the Federal Council reaches. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 1654) advocate a broad interpretation that encompasses all politically significant decisions. Tschannen/Zimmerli/Müller (General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 4 N 12) argue for a narrower interpretation that is limited to the tasks mentioned in Art. 180 BV.\n\n**N. 14** **Justiciability of Government Acts**: The scope of the «actes de gouvernement» doctrine is controversially discussed. Rhinow/Schefer/Uebersax (Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N 3127) call for restrictive handling taking into account ECHR guarantees. Müller/Schefer (Fundamental Rights, 4th ed. 2008, p. 987) emphasise that fundamental rights protection must also be guaranteed in government acts.\n\n**N. 15** **Relationship to the Federal Assembly**: The subordination relationship to the Federal Assembly (→ Art. 169 BV) stands in tension with the designation as «supreme» authority. The St. Gallen Commentary (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, 4th ed. 2023, Art. 174 N 8) resolves this apparent contradiction by stating that the Federal Council is the supreme authority within the executive, while the Federal Assembly represents the supreme power in the Confederation.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**N. 16** **Legal Protection**: In the case of Federal Council rulings, it must primarily be examined whether the decision-making competence can be delegated to a department. This opens up legal recourse and ensures the legal protection required under Art. 29a BV and Art. 6 ECHR. Delegation should already be provided for at the legislative level.\n\n**N. 17** **Freedom of Information Act**: The Federal Council was exempted from the scope of application of the Freedom of Information Act in the core area of its action as government (**BGE 133 II 209 E. 3.1**). This particularly concerns the minutes of Federal Council meetings. However, documents of the departments and federal offices are in principle subject to the publicity principle.\n\n**N. 18** **Collegial Decisions**: Important and politically significant matters must be decided by the entire Federal Council (→ Art. 177 BV). The demarcation between collegial matters and departmental matters is made according to the Rules of Procedure of the Federal Council. In cases of doubt, collegial competence is to be assumed.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Constitutional Position and Powers\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** (21 February 2003)\nThe Federal Council as the supreme governing and executive authority of the Confederation in entry ban proceedings.\nThe Federal Supreme Court fundamentally defines the dual function of the Federal Council.\n\n> «The present case is characterised by the fact that the contested decision was issued by the Federal Council, the supreme governing and executive authority of the Confederation (Art. 174 BV). The Federal Council not only stands at the head of the federal administration (Art. 178 para. 1 and 2 BV) but is also directly entrusted with state governance as a collegial government body (Art. 180 para. 1 BV).»\n\n### Judicial Control of Federal Council Decisions\n\n**BGE 129 II 193 E. 2.1** (21 February 2003)\nFundamental inadmissibility of administrative court appeals against Federal Council resolutions.\nThe Federal Supreme Court reaffirms the principle immunity of the Federal Council as a collegial authority.\n\n> «Decisions of the Federal Council may in principle not be challenged before the Federal Supreme Court by way of administrative court appeal. An exception exists only with regard to Federal Council decisions in the field of employment relationships of federal personnel, insofar as federal law provides that the Federal Council decides as the first instance.»\n\n**BGE 133 II 209 E. 3.1** (25 May 2007)\nParallel between the Federal Council and Federal Supreme Court regarding the Freedom of Information Act.\nThe Federal Supreme Court presents the constitutional parallelism of the supreme federal authorities.\n\n> «The Federal Council was - as the government, i.e. in the core area of its action as the supreme governing and executive authority deciding collegially (Art. 177 para. 1 BV) of the Confederation (Art. 174 BV; Art. 1 of the Government and Administration Organisation Act of 21 March 1997 [GAOA; SR 172.010]) - like the Federal Supreme Court with regard to adjudication - excluded from the scope of application of the Freedom of Information Act.»\n\n### Transfer of Powers and Delegation\n\n**BGE 137 II 409 E. 7.1** (3 October 2011)\nFederal Council as supreme authority in the context of transfer of administrative tasks.\nThe Federal Supreme Court analyses the position of the Federal Council in the delegation of state tasks.\n\n> «In tant que fondation de droit privé régie par les art. 80 ss CC, la recourante est une organisation extérieure à l'administration au sens des art. 178 al. 3 Cst. et 2 al. 4 LOGA.»\n\n### State Governance and Separation of Powers\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** (21 February 2003)\nFederal Council between administrative management and state leadership.\nThe Federal Supreme Court explains the two main tasks of the Federal Council according to Art. 174 BV.\n\n> «An appeal to a hierarchically superior authority is thus excluded from the outset. As a body competent to adjudicate - due to its position as the supreme authority of the Confederation subject to the rights of the people and the cantons (Art. 148 para. 1 BV) - only the Federal Assembly itself would be available.»\n\n### Legal Protection and Human Rights\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21 February 2003)\nConstitutional limits of Federal Council action.\nThe Federal Supreme Court addresses the areas of tension between state governance and legal protection.\n\n> «According to what has been said, it therefore appears constitutionally permissible and, with regard to cases falling within the scope of application of Art. 13 ECHR, even mandatory if the draft of a new Foreign Nationals Act (D-FNA; BBl 2002 p. 3851 ff.) declares the Federal Office of Police competent to issue entry bans (Art. 66 para. 2 D-FNA) and expulsions (Art. 67 para. 1 D-FNA) to safeguard internal and external security.»\n\n### Collegial Principle and Decision-Making\n\n**BGE 132 V 6 E. 2** (28 December 2005)\nFederal Council as appeal instance in the healthcare sector.\nThe Federal Supreme Court confirms the fundamental non-appealability of Federal Council decisions also regarding hospital lists.\n\n> «Confirmation of the case law in BGE 126 V 172, according to which the administrative court appeal against a negative appeal decision of the Federal Council concerning a hospital list is inadmissible.»\n\n### Political Responsibility\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21 February 2003)\nActs of government and judicial control.\nThe Federal Supreme Court defines the limits of justiciability of Federal Council resolutions.\n\n> «According to this, governmental acts of the Federal Council (so-called \"actes de gouvernement\"), which include questions of foreign relations and decisions in the areas of internal and external security, should remain excluded from judicial review.»\n\n### Delegation of Office and Administrative Organisation\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.2.2** (21 February 2003)\nDelegation possibilities of the Federal Council.\nThe Federal Supreme Court explains the constitutional scope for the transfer of powers.\n\n> «Practically undiminished room for a transfer of corresponding decision-making powers to the departments within the meaning of Art. 177 para. 3 BV (cf. regarding the former provision of Art. 103 para. 2 old BV: ALFRED KÖLZ, in: Commentary old BV, marg. no. 12 to Art. 103 para. 2/3 old BV as well as KURT EICHENBERGER, in: Commentary old BV, marg. no. 16 to Art. 102 old BV), whereby the Federal Council may undertake the delegation by way of ordinance (Art. 47 para. 2 GAOA).»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_174", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 175, "article_suffix": "", "title": "Zusammensetzung und Wahl", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArtikel 175 der Bundesverfassung regelt die Zusammensetzung des Bundesrates. Der Bundesrat besteht aus sieben Mitgliedern. Diese werden von der Bundesversammlung (beiden Parlamentskammern gemeinsam) gewählt.\n\nDie Wahl findet alle vier Jahre nach den Nationalratswahlen statt. Gewählt werden kann jede Schweizer Bürgerin und jeder Schweizer Bürger, die als Nationalräte wählbar wären. Das bedeutet: Die Person muss volljährig sein und das Stimm- und Wahlrecht besitzen.\n\nBei der Wahl müssen die Parlamentarier darauf achten, dass verschiedene Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind. Das heisst: Es sollen nicht nur Politiker aus der Deutschschweiz gewählt werden, sondern auch aus der Romandie und dem Tessin. Diese Regel ist aber nicht streng verbindlich. Die Bundesversammlung hat einen grossen Spielraum.\n\nEin konkretes Beispiel: Bei den Bundesratswahlen 2023 wurde darauf geachtet, dass neben Deutschschweizern auch Romands vertreten sind. So wurde Élisabeth Baume-Schneider aus dem Jura gewählt, um die französischsprachige Schweiz zu vertreten.\n\nBundesratswahlen können nicht vor Gericht angefochten werden. Das Bundesgericht prüft solche Entscheide der Bundesversammlung nicht. Die Mitglieder werden für vier Jahre gewählt, können aber beliebig oft wiedergewählt werden. Es gibt keine Amtszeitbegrenzung.", "doctrine_de": "# Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 175 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Die Bestimmung entspricht inhaltlich weitgehend den früheren Art. 95 und 96 aBV von 1874. Die bedeutendste materielle Änderung erfolgte bereits 1993 mit der Aufhebung der sogenannten «Kantonsklausel» (BBl 1993 IV 554). Diese verbot, dass mehr als ein Mitglied des Bundesrates aus demselben Kanton stammen durfte.\n\n**N. 2** Die Botschaft zur neuen Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1) betonte, dass die Nachführung der Bundesverfassung primär formeller Natur sei. Bei Art. 175 BV wurde die bisherige Rechtslage übernommen, wobei die 1993 beschlossene Flexibilisierung der regionalen Vertretung in Abs. 4 einfloss. Die strikte Kantonsklausel wurde durch das Gebot ersetzt, bei der Wahl «darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind».\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 175 BV steht am Anfang des 3. Abschnitts «Bundesrat und Bundesverwaltung» im 5. Kapitel über die Bundesbehörden. Die Bestimmung regelt die grundlegende Zusammensetzung der Exekutive und ist systematisch eng verknüpft mit:\n- → Art. 176 BV (Vorsitz)\n- → Art. 177 BV (Kollegialitäts- und Departementalprinzip)\n- → Art. 168 BV (Wahlkompetenz der Bundesversammlung)\n- → Art. 157 BV (Vereinigte Bundesversammlung)\n\n**N. 4** Die Wählbarkeitsvoraussetzung in Abs. 3 verweist auf → Art. 143 BV (Wählbarkeit in den Nationalrat). Dies stellt eine Minimalanforderung dar: aktives Stimm- und Wahlrecht auf Bundesebene (→ Art. 136 BV). Die Verbindung zeigt die demokratische Legitimation der Exekutive durch das Parlament.\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### a) Siebnerkollegium (Abs. 1)\n\n**N. 5** Die Zahl von sieben Bundesratsmitgliedern ist seit 1848 unverändert geblieben. Sie stellt ein konstitutives Element des schweizerischen Regierungssystems dar (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 175 N. 6). Diese Festlegung kann nur durch Verfassungsrevision geändert werden.\n\n**N. 6** Die Siebenzahl ermöglicht die Bildung von Mehrheiten ohne Pattsituationen und gewährleistet gleichzeitig eine breite Repräsentation verschiedener politischer Kräfte und Landesteile (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1654).\n\n### b) Wahlzeitpunkt und -kompetenz (Abs. 2)\n\n**N. 7** Die Bundesversammlung wählt die Bundesratsmitglieder «nach jeder Gesamterneuerung des Nationalrates». Dies bedeutet alle vier Jahre im Dezember nach den Nationalratswahlen. Die Bestimmung etabliert das System der Gesamterneuerungswahlen im Unterschied zu Einzelersatzwahlen bei vorzeitigem Ausscheiden eines Mitglieds.\n\n**N. 8** Die Wahlkompetenz liegt bei der Vereinigten Bundesversammlung (→ Art. 157 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 168 Abs. 1 BV). Das Wahlverfahren richtet sich nach dem Parlamentsgesetz (Art. 130 ff. ParlG).\n\n### c) Wählbarkeitsvoraussetzungen (Abs. 3)\n\n**N. 9** Wählbar sind alle Schweizerbürgerinnen und -bürger, die als Mitglieder des Nationalrates wählbar sind. Nach Art. 143 BV setzt dies das aktive Stimm- und Wahlrecht voraus (→ Art. 136 BV), was Volljährigkeit und Fehlen von Entmündigungsgründen bedingt.\n\n**N. 10** Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Eine Wiederwahl ist unbeschränkt möglich. Es besteht kein Amtszeitlimit (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3150).\n\n### d) Regionale und sprachliche Repräsentation (Abs. 4)\n\n**N. 11** Die Bundesversammlung hat bei der Wahl «darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind». Diese Formulierung ersetzt seit 1993 die frühere strikte Kantonsklausel.\n\n**N. 12** Der Begriff «Landesgegenden» meint die verschiedenen geografischen Regionen der Schweiz (Deutschschweiz, Romandie, italienischsprachige Schweiz, Berggebiete, städtische Agglomerationen). «Sprachregionen» bezieht sich auf die vier Landessprachen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 14 N. 8).\n\n**N. 13** Das Wort «angemessen» verleiht der Bundesversammlung einen erheblichen Ermessensspielraum. Es handelt sich um eine Sollvorschrift, nicht um eine strikte Verpflichtung (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 175 N. 18).\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 14** Die Bestimmung hat primär organisationsrechtlichen Charakter. Sie begründet keine subjektiven Rechte Einzelner oder von Kantonen auf Vertretung im Bundesrat.\n\n**N. 15** Die Nichtbeachtung der Repräsentationsvorschrift in Abs. 4 führt nicht zur Ungültigkeit einer Wahl. Die Bestimmung ist als politische Richtschnur, nicht als justiziable Rechtsnorm konzipiert (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 175 N. 22).\n\n**N. 16** Bundesratswahlen sind gemäss **BGE 1C_649/2015** nicht justiziell überprüfbar. Art. 189 Abs. 4 BV schliesst die Anfechtung von Akten der Bundesversammlung beim Bundesgericht aus.\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 17** In der Lehre ist umstritten, wie verbindlich die Rücksichtnahme auf regionale und sprachliche Vertretung ist. Ein Teil der Doktrin betrachtet Abs. 4 als blosse politische Maxime ohne Rechtsverbindlichkeit (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1659). Andere Autoren sehen darin eine Rechtspflicht mit Ermessensspielraum (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 175 N. 19).\n\n**N. 18** Kontrovers diskutiert wird auch die Frage geschlechtsspezifischer Repräsentation. Während die parlamentarische Initiative 93.406 («Les deux sexes au Conseil fédéral») 1994 scheiterte, vertreten einzelne Stimmen in der Lehre, dass aus Art. 8 Abs. 3 BV eine Pflicht zur angemessenen Geschlechtervertretung abzuleiten sei (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 746). Die herrschende Lehre lehnt dies ab (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 175 N. 24).\n\n**N. 19** Die optimale Grösse des Bundesrats wird periodisch diskutiert. Vorschläge reichen von fünf bis neun Mitgliedern. Die Befürworter einer Vergrösserung argumentieren mit der gestiegenen Arbeitslast und besseren Repräsentationsmöglichkeiten (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3148). Kritiker befürchten Effizienzverluste und eine Schwächung des Kollegialprinzips.\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 20** Bei der Vorbereitung von Bundesratswahlen ist die historisch gewachsene Praxis zu beachten. Seit 1959 gilt die sogenannte «Zauberformel», die eine parteipolitische Zusammensetzung nach Proporz vorsieht. Diese ist verfassungsrechtlich nicht vorgeschrieben, prägt aber die politische Realität.\n\n**N. 21** Die sprachregionale Vertretung folgt in der Praxis meist dem Schema von vier bis fünf Deutschschweizer, zwei Romands und gelegentlich einem Tessiner Mitglied. Eine Vertretung der rätoromanischen Sprachregion hat es noch nie gegeben.\n\n**N. 22** Für die parlamentarische Praxis relevant ist das Wahlverfahren nach Art. 130 ff. ParlG. Die Wahl erfolgt in geheimer Abstimmung mit absolutem Mehr der Stimmenden. Bei Rücktritten ist der Zeitpunkt so zu wählen, dass eine ordentliche Nachfolgewahl möglich ist.\n\n**N. 23** Parteien und Fraktionen sollten bei der Kandidatensuche die Repräsentationsvorgaben frühzeitig einbeziehen. Eine ausgewogene regionale und sprachliche Vertretung erhöht die Wahlchancen und stärkt die Legitimation des Gremiums.", "caselaw_de": "# Rechtsprechung\n\n## Justizielle Überprüfbarkeit von Bundesratswahlen\n\n**Urteil 1C_649/2015 vom 16. Dezember 2015 E. 2**\nDas Bundesgericht stellte definitiv klar, dass Bundesratswahlen durch die Vereinigte Bundesversammlung nicht justiziell überprüfbar sind. Das Urteil betrifft die Bundesratswahl vom 9. Dezember 2015 für die Amtsperiode 2016-2019.\n\nNach Art. 189 Abs. 4 BV sind Akte der Bundesversammlung beim Bundesgericht nicht anfechtbar.\n\n> «Nach Art. 189 Abs. 4 BV können, abgesehen von der Möglichkeit einer gesetzlichen Ausnahme, Akte der Bundesversammlung beim Bundesgericht nicht angefochten werden. Für die einzig theoretisch in Frage kommende Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zählt weder Art. 86 BGG über die Vorinstanzen im Allgemeinen noch eine andere Gesetzesbestimmung wie insbesondere Art. 88 BGG zu den Vorinstanzen in Stimmrechtssachen, soweit es sich hier überhaupt um eine solche handeln könnte, die Bundesversammlung als Vorinstanz des Bundesgerichts auf. Die von der Vereinigten Bundesversammlung nach der Gesamterneuerung des Nationalrates am 9. Dezember 2015 vorgenommenen Bundesratswahlen (vgl. Art. 157 Abs. 1 lit. a, Art. 168 Abs. 1 und Art. 175 BV) können daher beim Bundesgericht nicht angefochten werden.»\n\n## Parlamentarische Diskussionen zur Zusammensetzung\n\n### Aufhebung der «Kantonsklausel» (1993)\n\n**Parlamentarische Initiative Schiesser 93.407 vom 30. September 1993**\nDie Ständerätliche Staatspolitische Kommission diskutierte intensiv über die Streichung der damaligen «Kantonsklausel» in Art. 96 Abs. 1 aBV, welche ausschloss, dass mehr als ein Mitglied des Bundesrates aus demselben Kanton gewählt werden konnte. Die heutige Formulierung in Art. 175 Abs. 4 BV ist das Ergebnis dieser Diskussion.\n\nDie Kommission anerkannte einen Reformbedarf, weil die absolute Kantonsklausel die Wahlfreiheit der Bundesversammlung unzweckmässig einschränke.\n\n> «Der ursprüngliche Zweck der 'Kantonsklausel' - die Verhinderung einer Dominanz einzelner grosser Kantone - ist zwar nach wie vor gerechtfertigt. Diese Klausel ist aber im Grunde nicht notwendig, um diesen Zweck zu erfüllen. Die Bundesversammlung als Wahlbehörde des Bundesrates wird auch ohne formelle Vorschrift dafür zu sorgen wissen, dass der Bundesrat nicht nur z. B. aus Vertretungen der Kantone Zürich, Bern und Waadt zusammengesetzt ist.»\n\nDie ursprüngliche strikte Kantonsklausel wurde durch die heutige flexiblere Formulierung in Art. 175 Abs. 4 BV ersetzt, wonach darauf Rücksicht zu nehmen ist, «dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind».\n\n### Historische Praxis der Bundesratsvertretung\n\nDie parlamentarischen Beratungen von 1993 dokumentierten, dass verschiedene kleinere Kantone bis dahin noch nie im Bundesrat vertreten gewesen waren, während andere nur einmal vertreten gewesen waren. Umgekehrt sei es trotz der theoretischen Möglichkeit nie vorgekommen, dass sieben Vertreter grosser Kantone in den Bundesrat gewählt worden seien.\n\n> «Verschiedene Kantone sind im Bundesrat noch nie vertreten gewesen - es sind dies kleinere Kantone -, andere kleinere und mittlere Kantone sind nur einmal vertreten gewesen. Umgekehrt kann man feststellen: Obschön es heute schon möglich wäre, sieben Vertreter grosser Kantone in den Bundesrat zu wählen, ist dies bis heute nie der Fall gewesen.»\n\n## Fehlende Rechtsprechung zu materiellen Anforderungen\n\nZur konkreten Auslegung der Anforderungen von Art. 175 Abs. 4 BV bezüglich der angemessenen Vertretung der Landesgegenden und Sprachregionen existiert keine höchstrichterliche Rechtsprechung. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass Bundesratswahlen gemäss Urteil 1C_649/2015 nicht justiziell überprüfbar sind.\n\nEbenso fehlt Rechtsprechung zur Auslegung der Wählbarkeitsanforderungen von Art. 175 Abs. 3 BV (Wählbarkeit als Mitglied des Nationalrates) oder zum Wahlverfahren nach Art. 175 Abs. 2 BV (Wahl durch die Bundesversammlung nach jeder Gesamterneuerung des Nationalrates).", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'article 175 de la Constitution fédérale règle la composition du Conseil fédéral. Le Conseil fédéral se compose de sept membres. Ceux-ci sont élus par l'Assemblée fédérale (les deux chambres du Parlement réunies).\n\nL'élection a lieu tous les quatre ans après les élections au Conseil national. Toute citoyenne suisse et tout citoyen suisse éligibles au Conseil national peuvent être élus. Cela signifie : la personne doit être majeure et jouir des droits civiques.\n\nLors de l'élection, les parlementaires doivent veiller à ce que les diverses régions du pays et les communautés linguistiques soient représentées équitablement. Cela signifie : il ne faut pas élire uniquement des politiciens de Suisse alémanique, mais aussi de Suisse romande et du Tessin. Cette règle n'est toutefois pas strictement contraignante. L'Assemblée fédérale dispose d'une grande marge de manœuvre.\n\nUn exemple concret : lors des élections au Conseil fédéral de 2023, on a veillé à ce que, outre les Alémaniques, des Romands soient également représentés. Ainsi, Élisabeth Baume-Schneider du Jura a été élue pour représenter la Suisse francophone.\n\nLes élections au Conseil fédéral ne peuvent pas faire l'objet d'un recours devant les tribunaux. Le Tribunal fédéral n'examine pas de telles décisions de l'Assemblée fédérale. Les membres sont élus pour quatre ans, mais peuvent être réélus autant de fois qu'ils le souhaitent. Il n'y a pas de limitation du nombre de mandats.", "doctrine_fr": "# Doctrine\n\n## 1. Genèse\n\n**N. 1** La version actuelle de l'art. 175 Cst. remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. La disposition correspond sur le fond largement aux anciens art. 95 et 96 aCst. de 1874. Le changement matériel le plus important eut lieu déjà en 1993 avec la suppression de la «clause cantonale» (FF 1993 IV 554). Celle-ci interdisait que plus d'un membre du Conseil fédéral provienne du même canton.\n\n**N. 2** Le message relatif à la nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) souligna que la mise à jour de la Constitution fédérale était de nature principalement formelle. Pour l'art. 175 Cst., l'état du droit existant fut repris, l'assouplissement de la représentation régionale décidé en 1993 étant intégré à l'al. 4. La clause cantonale stricte fut remplacée par l'obligation de « veiller, lors de l'élection, à ce que les diverses régions du pays et les communautés linguistiques soient équitablement représentées ».\n\n## 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 175 Cst. se trouve au début de la 3e section « Conseil fédéral et administration fédérale » dans le 5e chapitre sur les autorités fédérales. La disposition règle la composition fondamentale de l'exécutif et est systématiquement étroitement liée avec :\n- → Art. 176 Cst. (présidence)\n- → Art. 177 Cst. (principe collégial et départemental)\n- → Art. 168 Cst. (compétence d'élection de l'Assemblée fédérale)\n- → Art. 157 Cst. (Assemblée fédérale réunie)\n\n**N. 4** La condition d'éligibilité à l'al. 3 renvoie à → l'art. 143 Cst. (éligibilité au Conseil national). Cela constitue une exigence minimale : le droit de vote et d'éligibilité actif au niveau fédéral (→ art. 136 Cst.). Ce lien montre la légitimation démocratique de l'exécutif par le parlement.\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### a) Collège de sept membres (al. 1)\n\n**N. 5** Le nombre de sept membres du Conseil fédéral est demeuré inchangé depuis 1848. Il constitue un élément constitutif du système gouvernemental suisse (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 175 n. 6). Cette fixation ne peut être modifiée que par révision constitutionnelle.\n\n**N. 6** Le nombre de sept permet la formation de majorités sans situations de blocage et garantit en même temps une large représentation de différentes forces politiques et parties du pays (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1654).\n\n### b) Moment de l'élection et compétence (al. 2)\n\n**N. 7** L'Assemblée fédérale élit les membres du Conseil fédéral « après chaque renouvellement intégral du Conseil national ». Cela signifie tous les quatre ans en décembre après les élections au Conseil national. La disposition établit le système des élections de renouvellement intégral par opposition aux élections de remplacement individuelles en cas de sortie prématurée d'un membre.\n\n**N. 8** La compétence d'élection appartient à l'Assemblée fédérale réunie (→ art. 157 al. 1 let. a en lien avec l'art. 168 al. 1 Cst.). La procédure d'élection se règle selon la loi sur le Parlement (art. 130 ss LParl).\n\n### c) Conditions d'éligibilité (al. 3)\n\n**N. 9** Sont éligibles tous les citoyens et citoyennes suisses qui sont éligibles comme membres du Conseil national. Selon l'art. 143 Cst., cela présuppose le droit de vote et d'éligibilité actif (→ art. 136 Cst.), ce qui implique la majorité et l'absence de motifs d'interdiction.\n\n**N. 10** La durée du mandat est de quatre ans. Une réélection est possible sans restriction. Il n'existe pas de limite de durée de mandat (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 3150).\n\n### d) Représentation régionale et linguistique (al. 4)\n\n**N. 11** L'Assemblée fédérale doit lors de l'élection « veiller à ce que les diverses régions du pays et les communautés linguistiques soient équitablement représentées ». Cette formulation remplace depuis 1993 l'ancienne clause cantonale stricte.\n\n**N. 12** Le terme « régions du pays » désigne les différentes régions géographiques de la Suisse (Suisse alémanique, Romandie, Suisse italophone, régions de montagne, agglomérations urbaines). « Communautés linguistiques » se réfère aux quatre langues nationales (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 14 n. 8).\n\n**N. 13** Le terme « équitablement » confère à l'Assemblée fédérale une marge d'appréciation considérable. Il s'agit d'une prescription impérative, non d'une obligation stricte (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 175 n. 18).\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 14** La disposition a un caractère principalement de droit d'organisation. Elle ne fonde pas de droits subjectifs d'individus ou de cantons à une représentation au Conseil fédéral.\n\n**N. 15** L'inobservation de la prescription de représentation à l'al. 4 n'entraîne pas la nullité d'une élection. La disposition est conçue comme une ligne directrice politique, non comme une norme juridique justiciable (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 175 n. 22).\n\n**N. 16** Les élections au Conseil fédéral ne sont pas susceptibles de contrôle judiciaire selon **BGE 1C_649/2015**. L'art. 189 al. 4 Cst. exclut la contestation d'actes de l'Assemblée fédérale devant le Tribunal fédéral.\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 17** Dans la doctrine, il est controversé de savoir à quel point la prise en considération de la représentation régionale et linguistique est contraignante. Une partie de la doctrine considère l'al. 4 comme une simple maxime politique sans force obligatoire juridique (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1659). D'autres auteurs y voient une obligation juridique avec marge d'appréciation (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 175 n. 19).\n\n**N. 18** La question de la représentation selon le sexe est aussi débattue de manière controversée. Alors que l'initiative parlementaire 93.406 (« Les deux sexes au Conseil fédéral ») échoua en 1994, certaines voix dans la doctrine défendent qu'une obligation de répartition équitable entre les sexes devrait être déduite de l'art. 8 al. 3 Cst. (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 746). La doctrine dominante rejette cela (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 175 n. 24).\n\n**N. 19** La taille optimale du Conseil fédéral est périodiquement débattue. Les propositions vont de cinq à neuf membres. Les partisans d'un agrandissement argumentent avec la charge de travail accrue et de meilleures possibilités de représentation (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 3148). Les critiques craignent des pertes d'efficacité et un affaiblissement du principe collégial.\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 20** Lors de la préparation d'élections au Conseil fédéral, il faut tenir compte de la pratique historiquement développée. Depuis 1959 vaut la « formule magique », qui prévoit une composition partisane selon la proportionnelle. Celle-ci n'est pas prescrite par le droit constitutionnel, mais marque la réalité politique.\n\n**N. 21** La représentation des régions linguistiques suit dans la pratique souvent le schéma de quatre à cinq Suisses alémaniques, deux Romands et occasionnellement un membre tessinois. Il n'y a jamais eu de représentation de la région linguistique rhéto-romanche.\n\n**N. 22** Pour la pratique parlementaire, la procédure d'élection selon l'art. 130 ss LParl est pertinente. L'élection se fait par scrutin secret à la majorité absolue des votants. En cas de démissions, le moment doit être choisi de sorte qu'une élection de succession ordinaire soit possible.\n\n**N. 23** Les partis et les groupes parlementaires devraient intégrer précocement les exigences de représentation lors de la recherche de candidats. Une représentation régionale et linguistique équilibrée augmente les chances d'élection et renforce la légitimation de l'organe.", "caselaw_fr": "# Jurisprudence\n\n## Contrôle judiciaire des élections du Conseil fédéral\n\n**Arrêt 1C_649/2015 du 16 décembre 2015 consid. 2**\nLe Tribunal fédéral a définitivement clarifié que les élections du Conseil fédéral par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) ne sont pas susceptibles de contrôle judiciaire. L'arrêt concerne l'élection du Conseil fédéral du 9 décembre 2015 pour la période administrative 2016-2019.\n\nSelon l'art. 189 al. 4 Cst, les actes de l'Assemblée fédérale ne peuvent pas être portés devant le Tribunal fédéral.\n\n> «Selon l'art. 189 al. 4 Cst, les actes de l'Assemblée fédérale ne peuvent pas, sauf exception légale, être portés devant le Tribunal fédéral. Pour le seul recours théoriquement envisageable en matière de droit public, ni l'art. 86 LTF sur les instances précédentes en général ni aucune autre disposition légale telle que notamment l'art. 88 LTF sur les instances précédentes en matière de droits politiques, pour autant qu'il puisse s'agir d'une telle matière, ne compte l'Assemblée fédérale parmi les instances précédentes du Tribunal fédéral. Les élections du Conseil fédéral effectuées par l'Assemblée fédérale (Chambres réunies) après le renouvellement intégral du Conseil national le 9 décembre 2015 (cf. art. 157 al. 1 let. a, art. 168 al. 1 et art. 175 Cst) ne peuvent donc pas être portées devant le Tribunal fédéral.»\n\n## Discussions parlementaires sur la composition\n\n### Suppression de la «clause cantonale» (1993)\n\n**Initiative parlementaire Schiesser 93.407 du 30 septembre 1993**\nLa Commission des institutions politiques du Conseil des États a intensément discuté de la suppression de l'ancienne «clause cantonale» de l'art. 96 al. 1 aCst, qui excluait que plus d'un membre du Conseil fédéral puisse être élu du même canton. La formulation actuelle de l'art. 175 al. 4 Cst résulte de cette discussion.\n\nLa Commission a reconnu un besoin de réforme, car la clause cantonale absolue restreignait la liberté de choix de l'Assemblée fédérale de manière inopportune.\n\n> «Le but initial de la 'clause cantonale' - empêcher la domination de grands cantons isolés - se justifie certes toujours. Cette clause n'est toutefois pas nécessaire au fond pour atteindre ce but. L'Assemblée fédérale en tant qu'autorité d'élection du Conseil fédéral saura aussi sans prescription formelle veiller à ce que le Conseil fédéral ne soit pas composé seulement par exemple de représentants des cantons de Zurich, Berne et Vaud.»\n\nLa clause cantonale stricte originale a été remplacée par la formulation plus flexible actuelle de l'art. 175 al. 4 Cst, selon laquelle il faut tenir compte du fait «que les régions du pays et les communautés linguistiques soient équitablement représentées».\n\n### Pratique historique de la représentation au Conseil fédéral\n\nLes délibérations parlementaires de 1993 ont documenté que différents petits cantons n'avaient jusqu'alors jamais été représentés au Conseil fédéral, tandis que d'autres n'avaient été représentés qu'une seule fois. À l'inverse, malgré la possibilité théorique, il n'était jamais arrivé que sept représentants de grands cantons soient élus au Conseil fédéral.\n\n> «Différents cantons n'ont encore jamais été représentés au Conseil fédéral - il s'agit de petits cantons -, d'autres cantons petits et moyens n'ont été représentés qu'une seule fois. À l'inverse, on peut constater : bien qu'il serait déjà possible aujourd'hui d'élire sept représentants de grands cantons au Conseil fédéral, cela n'a jamais été le cas jusqu'à présent.»\n\n## Absence de jurisprudence sur les exigences matérielles\n\nIl n'existe pas de jurisprudence de la plus haute instance judiciaire concernant l'interprétation concrète des exigences de l'art. 175 al. 4 Cst relatives à la représentation équitable des régions du pays et des communautés linguistiques. Ceci s'explique par le fait que les élections du Conseil fédéral ne sont pas susceptibles de contrôle judiciaire selon l'arrêt 1C_649/2015.\n\nIl manque également une jurisprudence sur l'interprétation des exigences d'éligibilité de l'art. 175 al. 3 Cst (éligibilité comme membre du Conseil national) ou sur la procédure d'élection selon l'art. 175 al. 2 Cst (élection par l'Assemblée fédérale après chaque renouvellement intégral du Conseil national).", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'articolo 175 della Costituzione federale disciplina la composizione del Consiglio federale. Il Consiglio federale è composto da sette membri. Questi sono eletti dall'Assemblea federale (entrambe le Camere del Parlamento riunite).\n\nLe elezioni si svolgono ogni quattro anni dopo le elezioni del Consiglio nazionale. Può essere eletta qualsiasi cittadina svizzera e qualsiasi cittadino svizzero che sia eleggibile come consigliere nazionale. Ciò significa: la persona deve essere maggiorenne e possedere i diritti civici.\n\nNell'elezione, i parlamentari devono fare attenzione che le diverse regioni del paese e le regioni linguistiche siano adeguatamente rappresentate. Questo significa: non dovrebbero essere eletti solo politici della Svizzera tedesca, ma anche della Romandia e del Ticino. Tuttavia, questa regola non è strettamente vincolante. L'Assemblea federale ha un ampio margine di manovra.\n\nUn esempio concreto: nelle elezioni del Consiglio federale del 2023 si è fatto attenzione che oltre ai tedeschi svizzeri fossero rappresentati anche i romandi. Così è stata eletta Élisabeth Baume-Schneider del Giura per rappresentare la Svizzera francofona.\n\nLe elezioni del Consiglio federale non possono essere impugnate davanti ai tribunali. Il Tribunale federale non esamina tali decisioni dell'Assemblea federale. I membri sono eletti per quattro anni, ma possono essere rieletti quante volte si vuole. Non esiste alcun limite di mandato.", "doctrine_it": "# Dottrina\n\n## 1. Genesi storica\n\n**N. 1** L'attuale versione dell'art. 175 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione corrisponde sostanzialmente ai precedenti art. 95 e 96 della vecchia Costituzione del 1874. Il cambiamento materiale più significativo avvenne già nel 1993 con l'abolizione della cosiddetta «clausola cantonale» (FF 1993 IV 554). Questa vietava che più di un membro del Consiglio federale potesse provenire dallo stesso Cantone.\n\n**N. 2** Il Messaggio concernente la nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1) sottolineava che l'aggiornamento della Costituzione federale era principalmente di natura formale. Per l'art. 175 Cost. fu ripreso lo stato giuridico esistente, incorporando al cpv. 4 la flessibilizzazione della rappresentanza regionale decisa nel 1993. La rigorosa clausola cantonale fu sostituita dall'obbligo di «tenere conto di un'adeguata rappresentanza delle regioni del Paese e delle comunità linguistiche» nell'elezione.\n\n## 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 175 Cost. si trova all'inizio della 3a sezione «Consiglio federale e Amministrazione federale» nel 5° capitolo sulle autorità federali. La disposizione disciplina la composizione fondamentale dell'esecutivo ed è sistematicamente strettamente collegata con:\n- → Art. 176 Cost. (presidenza)\n- → Art. 177 Cost. (principio collegiale e dipartimentale)\n- → Art. 168 Cost. (competenza di elezione dell'Assemblea federale)\n- → Art. 157 Cost. (Assemblea federale plenaria)\n\n**N. 4** Il presupposto di eleggibilità del cpv. 3 rimanda all'→ art. 143 Cost. (eleggibilità al Consiglio nazionale). Ciò rappresenta un requisito minimo: diritto di voto e di eleggibilità attivo a livello federale (→ art. 136 Cost.). Il collegamento mostra la legittimazione democratica dell'esecutivo da parte del Parlamento.\n\n## 3. Elementi di fattispecie / Contenuto normativo\n\n### a) Collegio di sette membri (cpv. 1)\n\n**N. 5** Il numero di sette membri del Consiglio federale è rimasto invariato dal 1848. Rappresenta un elemento costitutivo del sistema di governo svizzero (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 175 n. 6). Questa determinazione può essere modificata solo mediante revisione costituzionale.\n\n**N. 6** Il numero di sette consente la formazione di maggioranze senza situazioni di stallo e garantisce al contempo un'ampia rappresentanza di diverse forze politiche e parti del Paese (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, n. 1654).\n\n### b) Momento elettorale e competenza (cpv. 2)\n\n**N. 7** L'Assemblea federale elegge i membri del Consiglio federale «dopo ogni rinnovo generale del Consiglio nazionale». Ciò significa ogni quattro anni in dicembre dopo le elezioni del Consiglio nazionale. La disposizione stabilisce il sistema delle elezioni di rinnovo generale in contrapposizione alle elezioni di sostituzione individuali in caso di dimissioni premature di un membro.\n\n**N. 8** La competenza elettorale spetta all'Assemblea federale plenaria (→ art. 157 cpv. 1 lett. a in relazione all'art. 168 cpv. 1 Cost.). La procedura elettorale si basa sulla Legge sul Parlamento (art. 130 segg. LParl).\n\n### c) Presupposti di eleggibilità (cpv. 3)\n\n**N. 9** Sono eleggibili tutti i cittadini svizzeri che sono eleggibili come membri del Consiglio nazionale. Secondo l'art. 143 Cost. ciò presuppone il diritto di voto e di eleggibilità attivo (→ art. 136 Cost.), il che comporta la maggiore età e l'assenza di motivi di interdizione.\n\n**N. 10** La durata della carica è di quattro anni. È possibile una rielezione illimitata. Non esiste alcun limite di mandato (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, n. 3150).\n\n### d) Rappresentanza regionale e linguistica (cpv. 4)\n\n**N. 11** L'Assemblea federale deve nell'elezione «tenere conto di un'adeguata rappresentanza delle regioni del Paese e delle comunità linguistiche». Questa formulazione sostituisce dal 1993 la precedente rigida clausola cantonale.\n\n**N. 12** Il concetto di «regioni del Paese» intende le diverse regioni geografiche della Svizzera (Svizzera tedesca, Romandia, Svizzera italiana, regioni montane, agglomerati urbani). «Comunità linguistiche» si riferisce alle quattro lingue nazionali (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 14 n. 8).\n\n**N. 13** La parola «adeguata» conferisce all'Assemblea federale un considerevole margine di apprezzamento. Si tratta di una norma imperativa, non di un obbligo rigoroso (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 175 n. 18).\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 14** La disposizione ha principalmente carattere di diritto organizzativo. Non fonda diritti soggettivi di singoli o di Cantoni alla rappresentanza nel Consiglio federale.\n\n**N. 15** Il mancato rispetto della prescrizione di rappresentanza del cpv. 4 non comporta l'invalidità di un'elezione. La disposizione è concepita come direttiva politica, non come norma giuridica giustiziabile (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2a ed. 2024, art. 175 n. 22).\n\n**N. 16** Le elezioni del Consiglio federale non sono sindacabili giudizialmente secondo **DTF 1C_649/2015**. L'art. 189 cpv. 4 Cost. esclude l'impugnazione di atti dell'Assemblea federale presso il Tribunale federale.\n\n## 5. Questioni controverse\n\n**N. 17** Nella dottrina è controverso quanto vincolante sia il riguardo per la rappresentanza regionale e linguistica. Una parte della dottrina considera il cpv. 4 come mera massima politica senza vincolo giuridico (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, n. 1659). Altri autori vi vedono un obbligo giuridico con margine di apprezzamento (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 175 n. 19).\n\n**N. 18** È discussa in modo controverso anche la questione della rappresentanza specifica di genere. Mentre l'iniziativa parlamentare 93.406 («Les deux sexes au Conseil fédéral») fallì nel 1994, singole voci nella dottrina sostengono che dall'art. 8 cpv. 3 Cost. si possa derivare un obbligo di adeguata rappresentanza di genere (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 746). La dottrina dominante respinge ciò (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2a ed. 2024, art. 175 n. 24).\n\n**N. 19** La dimensione ottimale del Consiglio federale viene discussa periodicamente. Le proposte vanno da cinque a nove membri. I sostenitori di un ingrandimento argomentano con l'aumentato carico di lavoro e migliori possibilità di rappresentanza (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, n. 3148). I critici temono perdite di efficienza e un indebolimento del principio collegiale.\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 20** Nella preparazione delle elezioni del Consiglio federale bisogna osservare la prassi storicamente consolidata. Dal 1959 vale la cosiddetta «formula magica», che prevede una composizione partitica secondo il sistema proporzionale. Questa non è prescritta dal diritto costituzionale, ma plasma la realtà politica.\n\n**N. 21** La rappresentanza delle regioni linguistiche segue nella prassi di solito lo schema di quattro o cinque svizzero-tedeschi, due romandi e occasionalmente un membro ticinese. Una rappresentanza della regione linguistica retoromanica non c'è mai stata.\n\n**N. 22** Per la prassi parlamentare è rilevante la procedura elettorale secondo l'art. 130 segg. LParl. L'elezione avviene a scrutinio segreto con maggioranza assoluta dei votanti. In caso di dimissioni il momento deve essere scelto in modo da rendere possibile un'elezione di successione ordinaria.\n\n**N. 23** Partiti e gruppi parlamentari dovrebbero includere precocemente le prescrizioni di rappresentanza nella ricerca di candidati. Una rappresentanza regionale e linguistica equilibrata aumenta le possibilità di elezione e rafforza la legittimazione dell'organo.", "caselaw_it": "# Giurisprudenza\n\n## Controllo giurisdizionale delle elezioni del Consiglio federale\n\n**Sentenza 1C_649/2015 del 16 dicembre 2015 consid. 2**\nIl Tribunale federale ha stabilito definitivamente che le elezioni del Consiglio federale da parte dell'Assemblea federale plenaria non sono sottoposte a controllo giurisdizionale. La sentenza riguarda l'elezione del Consiglio federale del 9 dicembre 2015 per il periodo amministrativo 2016-2019.\n\nSecondo l'art. 189 cpv. 4 Cost., gli atti dell'Assemblea federale non sono impugnabili presso il Tribunale federale.\n\n> «Secondo l'art. 189 cpv. 4 Cost., salva la possibilità di un'eccezione legale, gli atti dell'Assemblea federale non possono essere impugnati presso il Tribunale federale. Per l'unico ricorso teoricamente ipotizzabile in materia di diritto pubblico, né l'art. 86 LTF sulle istanze precedenti in generale né un'altra disposizione legale come in particolare l'art. 88 LTF sulle istanze precedenti in materia di diritti politici, nella misura in cui si possa trattare di una tale materia, annoverano l'Assemblea federale come istanza precedente del Tribunale federale. Le elezioni del Consiglio federale effettuate dall'Assemblea federale plenaria dopo il rinnovo integrale del Consiglio nazionale il 9 dicembre 2015 (cfr. art. 157 cpv. 1 lett. a, art. 168 cpv. 1 e art. 175 Cost.) non possono pertanto essere impugnate presso il Tribunale federale.»\n\n## Discussioni parlamentari sulla composizione\n\n### Abrogazione della «clausola cantonale» (1993)\n\n**Iniziativa parlamentare Schiesser 93.407 del 30 settembre 1993**\nLa Commissione delle istituzioni politiche del Consiglio degli Stati discusse intensamente la soppressione dell'allora «clausola cantonale» nell'art. 96 cpv. 1 vCost., che escludeva la possibilità di eleggere più di un membro del Consiglio federale dallo stesso Cantone. L'attuale formulazione nell'art. 175 cpv. 4 Cost. è il risultato di questa discussione.\n\nLa Commissione riconobbe la necessità di una riforma, poiché la clausola cantonale assoluta limitava la libertà di elezione dell'Assemblea federale in modo inadeguato.\n\n> «Lo scopo originario della 'clausola cantonale' - impedire il dominio di singoli grandi Cantoni - è ancora giustificato. Tuttavia, questa clausola non è fondamentalmente necessaria per raggiungere questo scopo. L'Assemblea federale come autorità elettiva del Consiglio federale saprà provvedere anche senza prescrizione formale che il Consiglio federale non sia composto, per esempio, soltanto da rappresentanti dei Cantoni di Zurigo, Berna e Vaud.»\n\nL'originaria clausola cantonale rigorosa fu sostituita dall'attuale formulazione più flessibile nell'art. 175 cpv. 4 Cost., secondo cui si deve tener conto «di un'equa rappresentanza delle regioni del Paese e delle comunità linguistiche».\n\n### Prassi storica della rappresentanza nel Consiglio federale\n\nLe deliberazioni parlamentari del 1993 documentarono che diversi Cantoni più piccoli non erano mai stati rappresentati nel Consiglio federale fino ad allora, mentre altri erano stati rappresentati solo una volta. Viceversa, nonostante la possibilità teorica, non era mai accaduto che sette rappresentanti di grandi Cantoni fossero eletti nel Consiglio federale.\n\n> «Diversi Cantoni non sono mai stati rappresentati nel Consiglio federale - si tratta di Cantoni più piccoli -, altri Cantoni piccoli e medi sono stati rappresentati solo una volta. Viceversa si può constatare: benché sarebbe già possibile oggi eleggere sette rappresentanti di grandi Cantoni nel Consiglio federale, questo non è mai accaduto fino ad oggi.»\n\n## Mancanza di giurisprudenza sui requisiti materiali\n\nSull'interpretazione concreta dei requisiti dell'art. 175 cpv. 4 Cost. riguardo all'equa rappresentanza delle regioni del Paese e delle comunità linguistiche non esiste giurisprudenza dell'istanza giudiziaria suprema. Ciò si spiega con il fatto che le elezioni del Consiglio federale non sono sottoposte a controllo giurisdizionale secondo la sentenza 1C_649/2015.\n\nManca altresì giurisprudenza sull'interpretazione dei requisiti di eleggibilità dell'art. 175 cpv. 3 Cost. (eleggibilità come membro del Consiglio nazionale) o sulla procedura elettorale secondo l'art. 175 cpv. 2 Cost. (elezione da parte dell'Assemblea federale dopo ogni rinnovo integrale del Consiglio nazionale).", "summary_en": "# Overview\n\nArticle 175 of the Federal Constitution regulates the composition of the Federal Council. The Federal Council consists of seven members. These are elected by the Federal Assembly (both parliamentary chambers jointly).\n\nThe election takes place every four years after the National Council elections. Any Swiss citizen who would be eligible for election as a member of the National Council can be elected. This means: The person must be of age and possess voting and electoral rights.\n\nWhen electing, parliamentarians must ensure that different regions of the country and linguistic regions are adequately represented. This means: Not only politicians from German-speaking Switzerland should be elected, but also from French-speaking Switzerland and Ticino. However, this rule is not strictly binding. The Federal Assembly has considerable discretion.\n\nA concrete example: In the 2023 Federal Council elections, care was taken to ensure that not only German-speakers but also French-speakers were represented. Thus Élisabeth Baume-Schneider from Jura was elected to represent French-speaking Switzerland.\n\nFederal Council elections cannot be challenged in court. The Federal Supreme Court does not review such decisions of the Federal Assembly. Members are elected for four years, but can be re-elected indefinitely. There is no term limit.", "doctrine_en": "# Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current version of Art. 175 Cst. dates back to the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision largely corresponds in substance to the former Art. 95 and 96 aFCst. of 1874. The most significant material change already occurred in 1993 with the abolition of the so-called «cantonal clause» (BBl 1993 IV 554). This prohibited more than one member of the Federal Council from originating from the same canton.\n\n**N. 2** The Message on the new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1) emphasized that the updating of the Federal Constitution was primarily of a formal nature. With Art. 175 Cst., the existing legal situation was adopted, with the 1993 decision to make regional representation more flexible being incorporated into para. 4. The strict cantonal clause was replaced by the requirement to «take account of appropriate representation of the regions of the country and the language regions» during the election.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 175 Cst. stands at the beginning of the 3rd section «Federal Council and Federal Administration» in the 5th chapter on federal authorities. The provision regulates the basic composition of the executive and is systematically closely linked with:\n- → Art. 176 Cst. (presidency)\n- → Art. 177 Cst. (principle of collegiality and departments)\n- → Art. 168 Cst. (electoral competence of the Federal Assembly)\n- → Art. 157 Cst. (United Federal Assembly)\n\n**N. 4** The eligibility requirement in para. 3 refers to → Art. 143 Cst. (eligibility for the National Council). This represents a minimum requirement: active voting and electoral rights at federal level (→ Art. 136 Cst.). The connection shows the democratic legitimation of the executive by parliament.\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### a) Seven-member college (para. 1)\n\n**N. 5** The number of seven Federal Council members has remained unchanged since 1848. It represents a constitutive element of the Swiss governmental system (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 175 N. 6). This specification can only be changed through constitutional revision.\n\n**N. 6** The number seven enables the formation of majorities without deadlock situations and simultaneously ensures broad representation of various political forces and regions of the country (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1654).\n\n### b) Time of election and competence (para. 2)\n\n**N. 7** The Federal Assembly elects the Federal Council members «after each general renewal of the National Council». This means every four years in December after the National Council elections. The provision establishes the system of general renewal elections as opposed to individual replacement elections in case of premature departure of a member.\n\n**N. 8** The electoral competence lies with the United Federal Assembly (→ Art. 157 para. 1 lit. a in conjunction with Art. 168 para. 1 Cst.). The electoral procedure is governed by the Parliament Act (Art. 130 ff. ParlA).\n\n### c) Eligibility requirements (para. 3)\n\n**N. 9** All Swiss citizens who are eligible as members of the National Council are eligible. According to Art. 143 Cst., this requires active voting and electoral rights (→ Art. 136 Cst.), which presupposes majority age and absence of grounds for incapacitation.\n\n**N. 10** The term of office is four years. Re-election is possible without limitation. There is no term limit (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3150).\n\n### d) Regional and linguistic representation (para. 4)\n\n**N. 11** The Federal Assembly must «take account of appropriate representation of the regions of the country and the language regions» during the election. This formulation has replaced the former strict cantonal clause since 1993.\n\n**N. 12** The term «regions of the country» refers to the various geographical regions of Switzerland (German-speaking Switzerland, Romandy, Italian-speaking Switzerland, mountain regions, urban agglomerations). «Language regions» refers to the four national languages (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 14 N. 8).\n\n**N. 13** The word «appropriate» grants the Federal Assembly considerable discretion. This is a should-provision, not a strict obligation (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 175 N. 18).\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 14** The provision is primarily of an organizational law character. It does not establish subjective rights of individuals or cantons to representation in the Federal Council.\n\n**N. 15** Non-compliance with the representation provision in para. 4 does not lead to invalidity of an election. The provision is conceived as a political guideline, not as a justiciable legal norm (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 175 N. 22).\n\n**N. 16** Federal Council elections are not subject to judicial review according to **BGE 1C_649/2015**. Art. 189 para. 4 Cst. excludes appeals against acts of the Federal Assembly before the Federal Supreme Court.\n\n## 5. Disputes\n\n**N. 17** In doctrine, it is disputed how binding the consideration of regional and linguistic representation is. Part of the doctrine regards para. 4 as a mere political maxim without legal bindingness (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1659). Other authors see it as a legal obligation with discretion (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 175 N. 19).\n\n**N. 18** The question of gender-specific representation is also controversially discussed. While parliamentary initiative 93.406 («Les deux sexes au Conseil fédéral») failed in 1994, individual voices in doctrine argue that an obligation for appropriate gender distribution can be derived from Art. 8 para. 3 Cst. (Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 746). The prevailing doctrine rejects this (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 175 N. 24).\n\n**N. 19** The optimal size of the Federal Council is periodically discussed. Proposals range from five to nine members. Proponents of enlargement argue with increased workload and better representation possibilities (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 3148). Critics fear efficiency losses and a weakening of the collegial principle.\n\n## 6. Practical Notes\n\n**N. 20** When preparing Federal Council elections, historically developed practice must be observed. Since 1959, the so-called «magic formula» has applied, which provides for a party-political composition according to proportional representation. This is not constitutionally prescribed but shapes political reality.\n\n**N. 21** Language-regional representation in practice usually follows the pattern of four to five German-speakers, two Romands and occasionally one Ticino member. There has never been representation of the Romansh language region.\n\n**N. 22** For parliamentary practice, the electoral procedure according to Art. 130 ff. ParlA is relevant. The election takes place by secret ballot with absolute majority of those voting. In case of resignations, the timing must be chosen so that an orderly succession election is possible.\n\n**N. 23** Parties and parliamentary groups should incorporate the representation requirements early in the candidate search. Balanced regional and linguistic representation increases election chances and strengthens the legitimacy of the body.", "caselaw_en": "# Case Law\n\n## Judicial Review of Federal Council Elections\n\n**Judgment 1C_649/2015 of 16 December 2015 para. 2**\nThe Federal Supreme Court definitively clarified that Federal Council elections by the United Federal Assembly are not subject to judicial review. The judgment concerns the Federal Council election of 9 December 2015 for the 2016-2019 term of office.\n\nAccording to Art. 189 para. 4 Cst., acts of the Federal Assembly may not be challenged before the Federal Supreme Court.\n\n> «According to Art. 189 para. 4 Cst., apart from the possibility of a statutory exception, acts of the Federal Assembly may not be challenged before the Federal Supreme Court. For the only theoretically possible appeal in public law matters, neither Art. 86 FSCA on prior instances in general nor any other statutory provision such as in particular Art. 88 FSCA on prior instances in voting rights matters, insofar as this could even be considered such a matter, counts the Federal Assembly as a prior instance of the Federal Supreme Court. The Federal Council elections conducted by the United Federal Assembly after the complete renewal of the National Council on 9 December 2015 (cf. Art. 157 para. 1 lit. a, Art. 168 para. 1 and Art. 175 Cst.) may therefore not be challenged before the Federal Supreme Court.»\n\n## Parliamentary Discussions on Composition\n\n### Abolition of the «Cantonal Clause» (1993)\n\n**Parliamentary Initiative Schiesser 93.407 of 30 September 1993**\nThe Council of States' State Policy Committee discussed intensively the deletion of the then «cantonal clause» in Art. 96 para. 1 former Cst., which excluded the possibility of electing more than one member of the Federal Council from the same canton. The current formulation in Art. 175 para. 4 Cst. is the result of this discussion.\n\nThe committee recognised a need for reform because the absolute cantonal clause inappropriately restricted the freedom of choice of the Federal Assembly.\n\n> «The original purpose of the 'cantonal clause' - preventing the dominance of individual large cantons - is still justified. However, this clause is fundamentally not necessary to fulfil this purpose. The Federal Assembly as the electoral authority of the Federal Council will know how to ensure, even without formal prescription, that the Federal Council is not composed only of, for example, representatives from the cantons of Zurich, Bern and Vaud.»\n\nThe original strict cantonal clause was replaced by the current more flexible formulation in Art. 175 para. 4 Cst., according to which due consideration must be given to ensuring «that the regions of the country and language communities are appropriately represented».\n\n### Historical Practice of Federal Council Representation\n\nThe parliamentary deliberations of 1993 documented that various smaller cantons had never been represented in the Federal Council up to that point, while others had been represented only once. Conversely, despite the theoretical possibility, it had never occurred that seven representatives of large cantons had been elected to the Federal Council.\n\n> «Various cantons have never been represented in the Federal Council - these are smaller cantons -, other smaller and medium-sized cantons have been represented only once. Conversely, one can note: Although it would already be possible today to elect seven representatives of large cantons to the Federal Council, this has never been the case to date.»\n\n## Absence of Case Law on Material Requirements\n\nThere is no supreme court case law on the concrete interpretation of the requirements of Art. 175 para. 4 Cst. regarding the appropriate representation of the regions of the country and language communities. This is explained by the fact that Federal Council elections are not subject to judicial review according to judgment 1C_649/2015.\n\nSimilarly, there is no case law on the interpretation of the eligibility requirements of Art. 175 para. 3 Cst. (eligibility as a member of the National Council) or on the election procedure according to Art. 175 para. 2 Cst. (election by the Federal Assembly after each complete renewal of the National Council).", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_175", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.94, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 176, "article_suffix": "", "title": "Vorsitz", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 176 BV\n\n## Übersicht\n\nArt. 176 BV regelt die Wahl und Stellung des Bundespräsidenten. Der Bundespräsident führt den Vorsitz im Bundesrat und vertritt die Schweiz bei offiziellen Anlässen. Er ist jedoch nicht Staatschef oder Regierungschef, sondern nur «erster unter Gleichen» (primus inter pares).\n\nDie Bundesversammlung (National- und Ständerat zusammen) wählt jedes Jahr einen neuen Bundespräsidenten und einen Vizepräsidenten aus den sieben Bundesratsmitgliedern. Die Amtszeit dauert genau ein Jahr. Eine sofortige Wiederwahl ist verboten. Auch kann der abtretende Bundespräsident nicht gleich Vizepräsident werden.\n\nTraditionell wird derjenige Bundesrat zum Präsidenten gewählt, der am längsten im Amt ist und noch nie Bundespräsident war (Anciennitätsprinzip). Dies ist aber nur Gewohnheit, nicht zwingendes Recht.\n\nDer Bundespräsident hat keine besonderen Machtbefugnisse. Alle wichtigen Entscheidungen trifft der Bundesrat als Kollegium (Gruppe). Der Präsident leitet die Sitzungen, bestimmt die Tagesordnung mit und unterzeichnet Gesetze im Namen des Bundesrates. Bei Abstimmungen im Bundesrat hat er keine zusätzliche Stimme.\n\nEin Beispiel: Bundespräsidentin Viola Amherd führte 2023 den Vorsitz in den Bundesratssitzungen und empfing ausländische Staatsgäste. Gleichzeitig blieb sie Vorsteherin des Verteidigungsdepartements. 2024 wurde automatisch ein anderes Bundesratsmitglied zum Präsidenten gewählt.\n\nDas System verhindert die Machtkonzentration bei einer Person und stärkt die kollektive Führung der Schweiz. Jeder Bundesrat kommt normalerweise einmal während seiner Amtszeit als Bundespräsident an die Reihe.", "doctrine_de": "# Art. 176 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Regelung des Bundespräsidiums in Art. 176 BV entspricht weitgehend der Ordnung unter der alten Bundesverfassung von 1874. Bereits die erste Bundesverfassung von 1848 kannte das jährlich rotierende Präsidialsystem. Die Botschaft zur Totalrevision der Bundesverfassung vom 20. November 1996 hält fest, dass das Rotationsprinzip und die einjährige Amtsdauer «zu den charakteristischen Merkmalen der schweizerischen Kollegialregierung» gehören (BBl 1997 I 1, 355). Der Verfassungsgeber von 1999 übernahm die bewährte Regelung ohne materielle Änderungen.\n\n**N. 2** Die in Absatz 3 verankerte Nichtwiederwählbarkeit geht auf die Bundesverfassung von 1848 zurück. Sie wurde eingeführt, um eine Machtkonzentration beim Bundespräsidium zu verhindern und die Gleichstellung aller Bundesratsmitglieder zu gewährleisten. Das Verbot, dass der abtretende Bundespräsident im Folgejahr Vizepräsident werden kann, wurde erst mit der Verfassungsrevision von 1981 eingefügt (AS 1981 1244).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 176 BV steht im 2. Abschnitt des 5. Kapitels über die Bundesbehörden und regelt zusammen mit Art. 174–179 BV die Organisation und Funktionsweise des Bundesrates. Die Bestimmung konkretisiert das in Art. 177 Abs. 1 BV verankerte Kollegialitätsprinzip, indem sie dem Bundespräsidenten ausschliesslich eine Vorsitzfunktion («primus inter pares») zuweist. → Art. 174 BV (Bundesrat als oberste leitende und vollziehende Behörde); ↔ Art. 177 BV (Kollegialitätsprinzip).\n\n**N. 4** Das schweizerische System unterscheidet sich fundamental von präsidialen Regierungssystemen, in denen das Staatsoberhaupt über eigenständige Exekutivbefugnisse verfügt. Der Bundespräsident ist weder Staatsoberhaupt noch Regierungschef im eigentlichen Sinne. Die kollektive Ausübung der Staatsleitungsfunktion durch den Gesamtbundesrat wird durch Art. 176 BV institutionell abgesichert.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n**N. 5** **Vorsitzfunktion (Abs. 1)**: Der Bundespräsident führt den Vorsitz in den Bundesratssitzungen. Diese Funktion umfasst die Sitzungsleitung, die Festlegung der Traktanden (in Absprache mit dem Kollegium) und die Wahrnehmung protokollarischer Aufgaben. Materielle Sonderbefugnisse sind mit dem Vorsitz nicht verbunden. Bei Stimmengleichheit verfügt der Bundespräsident über keinen Stichentscheid (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1571).\n\n**N. 6** **Wahlmodus (Abs. 2)**: Die Bundesversammlung wählt den Bundespräsidenten und den Vizepräsidenten aus dem Kreis der sieben Bundesratsmitglieder. Die Wahl erfolgt gemäss Art. 175 Abs. 2 BV durch die Vereinigte Bundesversammlung. Das passive Wahlrecht steht ausschliesslich amtierenden Bundesräten zu; ein Aussenstehender kann nicht direkt zum Bundespräsidenten gewählt werden (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 176 N. 4).\n\n**N. 7** **Amtsdauer**: Die einjährige Amtsdauer beginnt jeweils am 1. Januar und endet am 31. Dezember des Wahljahres. Eine Verlängerung oder Verkürzung ist verfassungsrechtlich ausgeschlossen. Die Wahl erfolgt traditionsgemäss in der Wintersession der Bundesversammlung (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 2896).\n\n**N. 8** **Nichtwiederwählbarkeit (Abs. 3)**: Das absolute Verbot der unmittelbaren Wiederwahl gilt sowohl für das Amt des Bundespräsidenten als auch für den Übergang vom Bundespräsidium zum Vizepräsidium. Ein Bundesrat kann frühestens nach einem Jahr Unterbruch wieder zum Bundespräsidenten gewählt werden. Diese Sperrfrist ist zwingend und kennt keine Ausnahmen.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Die Wahl zum Bundespräsidenten begründet keine zusätzlichen Kompetenzen gegenüber den anderen Bundesratsmitgliedern. Der Bundespräsident bleibt vollumfänglich in das Kollegium eingebunden und unterliegt wie alle Bundesräte dem Kollegialitätsprinzip. Seine Departementszuständigkeit bleibt von der Wahl unberührt (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 17 N. 12).\n\n**N. 10** In der Praxis nimmt der Bundespräsident folgende Aufgaben wahr: Repräsentation der Schweiz bei Staatsbesuchen, Leitung der Bundesratssitzungen, Unterzeichnung von Erlassen im Namen des Bundesrates, Neujahrsansprache an die Nation. Diese Funktionen ergeben sich teils aus ungeschriebenen Verfassungsgewohnheiten, teils aus einfachgesetzlichen Regelungen (insbesondere Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz, RVOG).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** **Reformdiskussion**: In der Lehre wird seit Jahrzehnten über eine Stärkung des Bundespräsidiums diskutiert. Biaggini plädiert für eine mehrjährige Amtsdauer zur Verbesserung der Kontinuität in der Aussenpolitik (Biaggini, BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 176 N. 3). Demgegenüber verteidigen Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr das bestehende System als Garant für die Machtbalance im Bundesrat (Bundesstaatsrecht, N. 1572). Die parlamentarischen Vorstösse zur Verlängerung der Amtsdauer scheiterten regelmässig am Widerstand der Bundesversammlung.\n\n**N. 12** **Anciennitätsprinzip**: Umstritten ist die verfassungsrechtliche Verbindlichkeit des Anciennitätsprinzips bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Die herrschende Lehre qualifiziert es als blosse Verfassungsgewohnheit ohne Rechtsverbindlichkeit (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, Art. 176 N. 6). Eine Minderheit sieht darin eine durch langjährige Praxis verfestigte Verfassungskonvention (Müller/Schefer, Grundrechte, 4. Aufl. 2008, S. 892). Die Bundesversammlung ist rechtlich frei, vom Anciennitätsprinzip abzuweichen.\n\n**N. 13** **Stellvertretung**: Kontrovers diskutiert wird die Frage der Stellvertretung bei Verhinderung des Bundespräsidenten. Während Art. 176 Abs. 2 BV den Vizepräsidenten erwähnt, regelt die Verfassung dessen Kompetenzen nicht explizit. Die Praxis geht von einer automatischen Stellvertretung in allen präsidialen Funktionen aus. Kritische Stimmen fordern eine explizite verfassungsrechtliche Regelung (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 176 N. 8).\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 14** Die Wahl des Bundespräsidenten erfolgt jeweils am Mittwoch der dritten Sessionswoche der Wintersession. Die Bundesversammlung verwendet das absolute Mehr. Erreicht kein Kandidat im ersten Wahlgang die erforderliche Stimmenzahl, finden weitere Wahlgänge statt. Die Nichtwahl eines nach Anciennität «vorgesehenen» Bundesrates ist zwar selten, verfassungsrechtlich aber zulässig.\n\n**N. 15** Bei internationalen Verhandlungen kann der Bundespräsident nur im Rahmen eines Bundesratsbeschlusses handeln. Eigenständige aussenpolitische Initiativen sind ihm verwehrt. In der Praxis koordiniert er sich eng mit dem Vorsteher des EDA. Die repräsentativen Aufgaben müssen mit den Pflichten als Departementsvorsteher vereinbart werden, was eine erhebliche Mehrbelastung bedeutet.\n\n**N. 16** Für die konkrete Ausgestaltung des Präsidialjahres bestehen gewisse Gestaltungsspielräume. So kann der Bundespräsident thematische Schwerpunkte setzen und die öffentliche Kommunikation des Bundesrates prägen. Diese «soft power» darf jedoch nicht zur Umgehung des Kollegialitätsprinzips genutzt werden. Bei Meinungsverschiedenheiten im Bundesrat verfügt der Bundespräsident über keine besonderen Durchsetzungsmöglichkeiten.", "caselaw_de": "# Art. 176 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Geringfügige Rechtsprechungsdichte\n\n**Keine einschlägigen BGE-Entscheide verfügbar**\n\nArt. 176 BV ist eine reine Organisationsnorm, die das Präsidialsystem des Bundesrates regelt. Da es sich um eine interne Verfahrensvorschrift handelt, die keine subjektiven Rechte begründet und keine unmittelbaren Rechtsfolgen für Dritte zeitigt, ist diese Bestimmung praktisch nicht justiziabel. Dies erklärt das völlige Fehlen von BGE-Entscheiden zu dieser Verfassungsbestimmung.\n\n### Mittelbare Rechtsprechung zum Kollegialprinzip\n\nDie verfassungsrechtliche Praxis zum Bundesrat wird hauptsächlich durch politische Konventionen und parlamentarische Kontrolle geprägt, nicht durch Gerichtsentscheide. Das Bundesgericht hatte bisher keinen Anlass, die Wahl des Bundespräsidenten oder Vizepräsidenten zu beurteilen, da diese Entscheidungen in der ausschliesslichen Kompetenz der Bundesversammlung liegen und keine Grundrechte berühren.\n\n### Verwaltungsrechtliche Praxis\n\n**Vereinzelte Erwähnungen in anderen Kontexten**\n\nIn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird Art. 176 BV gelegentlich im Zusammenhang mit allgemeinen Fragen der Bundesratsorganisation erwähnt, ohne dass die Norm selbst Gegenstand der Beurteilung wäre. Die Gerichte respektieren die verfassungsrechtliche Kompetenzabgrenzung und beurteilen interne Organisationsfragen des Bundesrates nur ausnahmsweise.\n\n### Praxisrelevanz\n\nDie praktische Bedeutung von Art. 176 BV liegt ausschliesslich im politischen und verfassungsrechtlichen Bereich. Rechtliche Streitigkeiten entstehen nicht aus der Anwendung dieser Norm, sondern allenfalls aus deren Auslegung durch die Bundesversammlung bei der jährlichen Wahl des Präsidiums. Solche Auslegungsfragen sind jedoch nicht justiziabel und werden durch die parlamentarische Praxis geklärt.\n\n### Fazit zur Rechtsprechungslage\n\nDas vollständige Fehlen spezifischer Gerichtsentscheide zu Art. 176 BV ist systemimmanent und entspricht der Natur dieser organisationsrechtlichen Bestimmung. Die Norm entfaltet ihre Wirkung ausschliesslich im institutionellen Rahmen der Gewaltenteilung und ist daher nicht Gegenstand richterlicher Kontrolle.", "summary_fr": "# Art. 176 Cst.\n\n## Vue d'ensemble\n\nL'art. 176 Cst. règle l'élection et la position du président de la Confédération. Le président de la Confédération préside le Conseil fédéral et représente la Suisse lors d'événements officiels. Il n'est cependant ni chef d'État ni chef du gouvernement, mais seulement « premier entre égaux » (primus inter pares).\n\nL'Assemblée fédérale (Conseil national et Conseil des États réunis) élit chaque année un nouveau président de la Confédération et un vice-président parmi les sept membres du Conseil fédéral. La durée du mandat est d'exactement une année. Une réélection immédiate est interdite. De même, le président sortant de la Confédération ne peut pas devenir immédiatement vice-président.\n\nTraditionnellement, le conseiller fédéral qui est en fonction depuis le plus longtemps et qui n'a encore jamais été président de la Confédération est élu président (principe d'ancienneté). Ceci n'est toutefois qu'une habitude, pas un droit contraignant.\n\nLe président de la Confédération n'a pas de pouvoirs spéciaux. Toutes les décisions importantes sont prises par le Conseil fédéral en tant que collège (groupe). Le président dirige les séances, contribue à déterminer l'ordre du jour et signe les lois au nom du Conseil fédéral. Lors des votations au Conseil fédéral, il n'a pas de voix supplémentaire.\n\nUn exemple : la présidente de la Confédération Viola Amherd a présidé en 2023 les séances du Conseil fédéral et a reçu des hôtes d'État étrangers. En même temps, elle est restée cheffe du Département de la défense. En 2024, automatiquement un autre membre du Conseil fédéral a été élu président.\n\nLe système empêche la concentration du pouvoir chez une seule personne et renforce la direction collective de la Suisse. Chaque conseiller fédéral arrive normalement une fois au cours de son mandat au tour d'être président de la Confédération.", "doctrine_fr": "# Art. 176 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Historique\n\n**N. 1** La réglementation actuelle de la présidence de la Confédération à l'art. 176 Cst. correspond largement à l'ordre sous l'ancienne Constitution fédérale de 1874. Déjà la première Constitution fédérale de 1848 connaissait le système présidentiel rotatif annuel. Le message concernant la révision totale de la Constitution fédérale du 20 novembre 1996 retient que le principe de rotation et la durée de mandat d'une année « font partie des caractéristiques du gouvernement collégial suisse » (FF 1997 I 1, 385). Le constituant de 1999 a repris la réglementation éprouvée sans modifications matérielles.\n\n**N. 2** L'inéligibilité consacrée à l'alinéa 3 remonte à la Constitution fédérale de 1848. Elle fut introduite pour empêcher une concentration du pouvoir dans la présidence de la Confédération et garantir l'égalité de tous les membres du Conseil fédéral. L'interdiction pour le président sortant de devenir vice-président l'année suivante ne fut ajoutée qu'avec la révision constitutionnelle de 1981 (RO 1981 1244).\n\n### 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 176 Cst. se trouve dans la 2e section du 5e chapitre sur les autorités fédérales et règle, avec les art. 174–179 Cst., l'organisation et le fonctionnement du Conseil fédéral. La disposition concrétise le principe de collégialité ancré à l'art. 177 al. 1 Cst. en attribuant au président de la Confédération exclusivement une fonction de président (« primus inter pares »). → Art. 174 Cst. (Conseil fédéral comme autorité directrice et exécutive supérieure) ; ↔ Art. 177 Cst. (principe de collégialité).\n\n**N. 4** Le système suisse se distingue fondamentalement des systèmes gouvernementaux présidentiels, dans lesquels le chef de l'État dispose de compétences exécutives autonomes. Le président de la Confédération n'est ni chef de l'État ni chef du gouvernement au sens propre. L'exercice collectif de la fonction de direction de l'État par l'ensemble du Conseil fédéral est institutionnellement garanti par l'art. 176 Cst.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n**N. 5** **Fonction de président (al. 1)** : Le président de la Confédération préside les séances du Conseil fédéral. Cette fonction comprend la direction des séances, la fixation de l'ordre du jour (en concertation avec le collège) et l'accomplissement des tâches protocolaires. Aucune compétence particulière matérielle n'est liée à la présidence. En cas d'égalité des voix, le président de la Confédération ne dispose d'aucune voix prépondérante (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1571).\n\n**N. 6** **Mode d'élection (al. 2)** : L'Assemblée fédérale élit le président de la Confédération et le vice-président parmi les sept membres du Conseil fédéral. L'élection a lieu selon l'art. 175 al. 2 Cst. par l'Assemblée fédérale réunie. L'éligibilité passive revient exclusivement aux conseillers fédéraux en fonction ; une personne extérieure ne peut pas être directement élue président de la Confédération (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 176 n. 4).\n\n**N. 7** **Durée du mandat** : La durée de mandat d'une année commence respectivement le 1er janvier et se termine le 31 décembre de l'année d'élection. Une prolongation ou un raccourcissement est exclu du point de vue du droit constitutionnel. L'élection a lieu traditionnellement lors de la session d'hiver de l'Assemblée fédérale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 2896).\n\n**N. 8** **Inéligibilité (al. 3)** : L'interdiction absolue de la réélection immédiate vaut tant pour la charge de président de la Confédération que pour la transition de la présidence de la Confédération à la vice-présidence. Un conseiller fédéral ne peut être réélu président de la Confédération qu'après une interruption d'une année au moins. Ce délai d'attente est impératif et ne connaît aucune exception.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'élection comme président de la Confédération ne fonde aucune compétence supplémentaire par rapport aux autres membres du Conseil fédéral. Le président de la Confédération reste pleinement intégré dans le collège et soumis comme tous les conseillers fédéraux au principe de collégialité. Sa compétence départementale n'est pas affectée par l'élection (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 17 n. 12).\n\n**N. 10** En pratique, le président de la Confédération assume les tâches suivantes : représentation de la Suisse lors de visites d'État, direction des séances du Conseil fédéral, signature d'actes au nom du Conseil fédéral, allocution de Nouvel An à la Nation. Ces fonctions résultent en partie de coutumes constitutionnelles non écrites, en partie de réglementations de droit ordinaire (notamment la loi sur l'organisation du gouvernement et de l'administration, LOGA).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 11** **Discussion sur les réformes** : Dans la doctrine, on discute depuis des décennies d'un renforcement de la présidence de la Confédération. Biaggini plaide pour une durée de mandat pluriannuelle pour améliorer la continuité dans la politique étrangère (Biaggini, BV Kommentar, 2e éd. 2017, art. 176 n. 3). À l'inverse, Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr défendent le système existant comme garant de l'équilibre des pouvoirs au Conseil fédéral (Bundesstaatsrecht, n. 1572). Les interventions parlementaires visant à prolonger la durée du mandat ont régulièrement échoué face à la résistance de l'Assemblée fédérale.\n\n**N. 12** **Principe d'ancienneté** : Le caractère contraignant du point de vue du droit constitutionnel du principe d'ancienneté lors de l'élection du président de la Confédération est controversé. La doctrine dominante le qualifie de simple coutume constitutionnelle sans force obligatoire juridique (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, art. 176 n. 6). Une minorité y voit une convention constitutionnelle consolidée par une pratique de longue date (Müller/Schefer, Grundrechte, 4e éd. 2008, p. 892). L'Assemblée fédérale est juridiquement libre de déroger au principe d'ancienneté.\n\n**N. 13** **Suppléance** : La question de la suppléance en cas d'empêchement du président de la Confédération fait l'objet d'une discussion controversée. Alors que l'art. 176 al. 2 Cst. mentionne le vice-président, la Constitution ne règle pas explicitement ses compétences. La pratique part du principe d'une suppléance automatique dans toutes les fonctions présidentielles. Des voix critiques réclament une réglementation constitutionnelle explicite (Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 176 n. 8).\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 14** L'élection du président de la Confédération a lieu respectivement le mercredi de la troisième semaine de session de la session d'hiver. L'Assemblée fédérale utilise la majorité absolue. Si aucun candidat n'atteint le nombre de voix requis au premier tour de scrutin, d'autres tours de scrutin ont lieu. La non-élection d'un conseiller fédéral « prévu » selon l'ancienneté est certes rare, mais admissible du point de vue du droit constitutionnel.\n\n**N. 15** Lors de négociations internationales, le président de la Confédération ne peut agir que dans le cadre d'une décision du Conseil fédéral. Les initiatives autonomes de politique étrangère lui sont interdites. En pratique, il se coordonne étroitement avec le chef du DFAE. Les tâches représentatives doivent être conciliées avec les obligations comme chef de département, ce qui signifie une surcharge considérable.\n\n**N. 16** Pour l'organisation concrète de l'année présidentielle, il existe certaines marges de manœuvre. Ainsi, le président de la Confédération peut fixer des priorités thématiques et marquer la communication publique du Conseil fédéral. Ce « soft power » ne doit cependant pas être utilisé pour contourner le principe de collégialité. En cas de divergences d'opinions au Conseil fédéral, le président de la Confédération ne dispose d'aucune possibilité particulière d'imposer sa volonté.", "caselaw_fr": "# Art. 176 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Densité jurisprudentielle faible\n\n**Aucun arrêt ATF pertinent disponible**\n\nL'art. 176 Cst. est une norme purement organisationnelle qui règle le système présidentiel du Conseil fédéral. S'agissant d'une prescription procédurale interne qui ne fonde aucun droit subjectif et n'entraîne aucune conséquence juridique directe pour les tiers, cette disposition n'est pratiquement pas justiciable. Ceci explique l'absence totale d'arrêts ATF relatifs à cette disposition constitutionnelle.\n\n### Jurisprudence indirecte sur le principe collégial\n\nLa pratique constitutionnelle relative au Conseil fédéral est principalement façonnée par les conventions politiques et le contrôle parlementaire, non par les décisions judiciaires. Le Tribunal fédéral n'a jusqu'à présent eu aucune occasion d'examiner l'élection du président de la Confédération ou du vice-président, car ces décisions relèvent de la compétence exclusive de l'Assemblée fédérale et ne touchent aucun droit fondamental.\n\n### Pratique de droit administratif\n\n**Mentions sporadiques dans d'autres contextes**\n\nDans la jurisprudence du Tribunal fédéral, l'art. 176 Cst. est occasionnellement mentionné en relation avec des questions générales d'organisation du Conseil fédéral, sans que la norme elle-même ne soit l'objet de l'examen. Les tribunaux respectent la délimitation constitutionnelle des compétences et n'examinent les questions d'organisation interne du Conseil fédéral qu'à titre exceptionnel.\n\n### Pertinence pratique\n\nLa signification pratique de l'art. 176 Cst. se situe exclusivement dans le domaine politique et constitutionnel. Les litiges juridiques ne naissent pas de l'application de cette norme, mais tout au plus de son interprétation par l'Assemblée fédérale lors de l'élection annuelle de la présidence. De telles questions d'interprétation ne sont toutefois pas justiciables et sont clarifiées par la pratique parlementaire.\n\n### Bilan de la situation jurisprudentielle\n\nL'absence totale de décisions judiciaires spécifiques à l'art. 176 Cst. est inhérente au système et correspond à la nature de cette disposition de droit organisationnel. La norme déploie ses effets exclusivement dans le cadre institutionnel de la séparation des pouvoirs et n'est donc pas l'objet d'un contrôle judiciaire.", "summary_it": "# Art. 176 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'art. 176 Cost. disciplina l'elezione e la posizione del presidente della Confederazione. Il presidente della Confederazione presiede il Consiglio federale e rappresenta la Svizzera in occasioni ufficiali. Tuttavia, non è capo di Stato o capo del governo, ma soltanto «primo tra pari» (primus inter pares).\n\nL'Assemblea federale (Consiglio nazionale e Consiglio degli Stati riuniti) elegge ogni anno un nuovo presidente della Confederazione e un vicepresidente tra i sette membri del Consiglio federale. Il mandato dura esattamente un anno. La rielezione immediata è vietata. Inoltre, il presidente della Confederazione uscente non può diventare immediatamente vicepresidente.\n\nTradizionalmente viene eletto presidente il consigliere federale che è in carica da più tempo e non è mai stato presidente della Confederazione (principio di anzianità). Tuttavia, si tratta solo di consuetudine, non di diritto cogente.\n\nIl presidente della Confederazione non ha poteri speciali. Tutte le decisioni importanti sono prese dal Consiglio federale come collegio (gruppo). Il presidente dirige le sedute, partecipa alla determinazione dell'ordine del giorno e firma le leggi a nome del Consiglio federale. Nelle votazioni in seno al Consiglio federale non dispone di un voto aggiuntivo.\n\nUn esempio: la presidente della Confederazione Viola Amherd ha presieduto nel 2023 le sedute del Consiglio federale e ha ricevuto ospiti di Stato stranieri. Nel contempo è rimasta capo del Dipartimento della difesa. Nel 2024 è stato automaticamente eletto presidente un altro membro del Consiglio federale.\n\nIl sistema impedisce la concentrazione del potere presso una sola persona e rafforza la direzione collettiva della Svizzera. Ogni consigliere federale di norma ricopre una volta la carica di presidente della Confederazione durante il proprio mandato.", "doctrine_it": "# Art. 176 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'attuale disciplina della presidenza federale nell'art. 176 Cost. corrisponde in larga misura all'ordinamento sotto la vecchia Costituzione federale del 1874. Già la prima Costituzione federale del 1848 conosceva il sistema presidenziale a rotazione annuale. Il messaggio concernente la revisione totale della Costituzione federale del 20 novembre 1996 stabilisce che il principio della rotazione e la durata in carica di un anno «appartengono alle caratteristiche tipiche del governo collegiale svizzero» (FF 1997 I 1, 355). Il costituente del 1999 ha ripreso la disciplina collaudata senza modifiche sostanziali.\n\n**N. 2** La non rieleggibilità ancorata nel capoverso 3 risale alla Costituzione federale del 1848. È stata introdotta per impedire una concentrazione di potere nella presidenza federale e per garantire la parità di trattamento di tutti i membri del Consiglio federale. Il divieto che il presidente federale uscente possa diventare vicepresidente nell'anno successivo è stato inserito solo con la revisione costituzionale del 1981 (RU 1981 1244).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 176 Cost. si trova nella 2ª sezione del 5° capitolo sulle autorità federali e disciplina, insieme agli art. 174–179 Cost., l'organizzazione e il funzionamento del Consiglio federale. La disposizione concretizza il principio collegiale ancorato nell'art. 177 cpv. 1 Cost., assegnando al presidente federale esclusivamente una funzione di presidenza («primus inter pares»). → Art. 174 Cost. (Consiglio federale come autorità direttiva e esecutiva suprema); ↔ Art. 177 Cost. (principio collegiale).\n\n**N. 4** Il sistema svizzero si differenzia fondamentalmente dai sistemi di governo presidenziali, in cui il capo dello Stato dispone di competenze esecutive autonome. Il presidente federale non è né capo dello Stato né capo del governo nel senso proprio. L'esercizio collettivo della funzione di direzione statale da parte del Consiglio federale nel suo insieme è garantito istituzionalmente dall'art. 176 Cost.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n**N. 5** **Funzione di presidenza (cpv. 1)**: Il presidente federale presiede le sedute del Consiglio federale. Questa funzione comprende la direzione delle sedute, la fissazione degli oggetti all'ordine del giorno (in accordo con il collegio) e lo svolgimento di compiti protocollari. Con la presidenza non sono connesse competenze speciali sostanziali. In caso di parità di voti, il presidente federale non dispone di voto decisivo (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N. 1571).\n\n**N. 6** **Modalità di elezione (cpv. 2)**: L'Assemblea federale elegge il presidente federale e il vicepresidente dalla cerchia dei sette membri del Consiglio federale. L'elezione avviene secondo l'art. 175 cpv. 2 Cost. da parte dell'Assemblea federale plenaria. Il diritto di eleggibilità spetta esclusivamente ai consiglieri federali in carica; una persona esterna non può essere eletta direttamente presidente federale (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 176 N. 4).\n\n**N. 7** **Durata in carica**: La durata in carica di un anno inizia rispettivamente il 1° gennaio e termina il 31 dicembre dell'anno di elezione. Un prolungamento o un accorciamento è costituzionalmente escluso. L'elezione avviene tradizionalmente nella sessione invernale dell'Assemblea federale (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N. 2896).\n\n**N. 8** **Non rieleggibilità (cpv. 3)**: Il divieto assoluto della rielezione immediata vale sia per l'ufficio del presidente federale sia per il passaggio dalla presidenza federale alla vicepresidenza. Un consigliere federale può essere rieletto presidente federale al più presto dopo un'interruzione di un anno. Questo periodo di sospensione è imperativo e non conosce eccezioni.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** L'elezione a presidente federale non fonda competenze aggiuntive rispetto agli altri membri del Consiglio federale. Il presidente federale rimane pienamente integrato nel collegio e sottostà come tutti i consiglieri federali al principio collegiale. La sua competenza dipartimentale non è toccata dall'elezione (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 17 N. 12).\n\n**N. 10** Nella prassi il presidente federale svolge i seguenti compiti: rappresentanza della Svizzera in occasione di visite di Stato, direzione delle sedute del Consiglio federale, sottoscrizione di atti a nome del Consiglio federale, discorso di Capodanno alla nazione. Queste funzioni derivano in parte da consuetudini costituzionali non scritte, in parte da disposizioni di legge ordinaria (in particolare la legge sull'organizzazione del governo e dell'amministrazione, LOGA).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** **Discussione sulle riforme**: Nella dottrina si discute da decenni di un rafforzamento della presidenza federale. Biaggini sostiene una durata in carica pluriennale per migliorare la continuità nella politica estera (Biaggini, BV Kommentar, 2ª ed. 2017, art. 176 N. 3). Al contrario, Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr difendono il sistema esistente come garante dell'equilibrio di potere nel Consiglio federale (Bundesstaatsrecht, N. 1572). Le iniziative parlamentari per il prolungamento della durata in carica sono regolarmente fallite per la resistenza dell'Assemblea federale.\n\n**N. 12** **Principio di anzianità**: È controversa la vincolatività costituzionale del principio di anzianità nell'elezione del presidente federale. La dottrina dominante lo qualifica come mera consuetudine costituzionale senza vincolo giuridico (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, art. 176 N. 6). Una minoranza vi vede una convenzione costituzionale consolidatasi attraverso una prassi pluriennale (Müller/Schefer, Grundrechte, 4ª ed. 2008, p. 892). L'Assemblea federale è giuridicamente libera di derogare dal principio di anzianità.\n\n**N. 13** **Sostituzione**: È discussa in modo controverso la questione della sostituzione in caso di impedimento del presidente federale. Mentre l'art. 176 cpv. 2 Cost. menziona il vicepresidente, la Costituzione non disciplina esplicitamente le sue competenze. La prassi parte da una sostituzione automatica in tutte le funzioni presidenziali. Voci critiche chiedono una disciplina costituzionale esplicita (Aubert/Mahon, Petit commentaire, art. 176 N. 8).\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 14** L'elezione del presidente federale avviene rispettivamente il mercoledì della terza settimana di sessione della sessione invernale. L'Assemblea federale utilizza la maggioranza assoluta. Se nessun candidato raggiunge il numero di voti richiesto nel primo scrutinio, si svolgono ulteriori scrutini. La non elezione di un consigliere federale «previsto» secondo l'anzianità è rara, ma costituzionalmente ammissibile.\n\n**N. 15** Nei negoziati internazionali il presidente federale può agire solo nell'ambito di una decisione del Consiglio federale. Gli sono vietate iniziative autonome di politica estera. Nella prassi si coordina strettamente con il capo del DFAE. I compiti rappresentativi devono essere conciliati con i doveri come capo dipartimento, il che significa un carico di lavoro considerevolmente maggiore.\n\n**N. 16** Per la configurazione concreta dell'anno presidenziale esistono certi margini di manovra. Così il presidente federale può porre accenti tematici e caratterizzare la comunicazione pubblica del Consiglio federale. Questo «soft power» non deve tuttavia essere utilizzato per eludere il principio collegiale. In caso di divergenze di opinione nel Consiglio federale, il presidente federale non dispone di possibilità speciali di imposizione.", "caselaw_it": "# Art. 176 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Scarsa densità giurisprudenziale\n\n**Nessuna decisione DTF pertinente disponibile**\n\nL'art. 176 Cost. è una pura norma organizzativa che disciplina il sistema presidenziale del Consiglio federale. Trattandosi di una disposizione procedurale interna che non fonda diritti soggettivi e non produce conseguenze giuridiche dirette per i terzi, questa disposizione non è praticamente giustiziabile. Ciò spiega la completa assenza di decisioni DTF su questa disposizione costituzionale.\n\n### Giurisprudenza indiretta sul principio collegiale\n\nLa prassi costituzionale relativa al Consiglio federale è caratterizzata principalmente da convenzioni politiche e controllo parlamentare, non da decisioni giudiziarie. Il Tribunale federale non ha sinora avuto occasione di giudicare l'elezione del presidente della Confederazione o del vicepresidente, poiché tali decisioni rientrano nella competenza esclusiva dell'Assemblea federale e non toccano i diritti fondamentali.\n\n### Prassi di diritto amministrativo\n\n**Menzioni sporadiche in altri contesti**\n\nNella giurisprudenza del Tribunale federale l'art. 176 Cost. viene occasionalmente menzionato in relazione a questioni generali dell'organizzazione del Consiglio federale, senza che la norma stessa sia oggetto di giudizio. I tribunali rispettano la delimitazione costituzionale delle competenze e giudicano questioni di organizzazione interna del Consiglio federale solo eccezionalmente.\n\n### Rilevanza pratica\n\nIl significato pratico dell'art. 176 Cost. risiede esclusivamente nell'ambito politico e costituzionale. Le controversie giuridiche non nascono dall'applicazione di questa norma, ma semmai dalla sua interpretazione da parte dell'Assemblea federale in occasione dell'elezione annuale della presidenza. Tali questioni interpretative non sono tuttavia giustiziabili e vengono chiarite dalla prassi parlamentare.\n\n### Conclusione sulla situazione giurisprudenziale\n\nLa completa assenza di decisioni giudiziarie specifiche sull'art. 176 Cost. è sistemica e corrisponde alla natura di questa disposizione di diritto dell'organizzazione. La norma dispiega i suoi effetti esclusivamente nel quadro istituzionale della separazione dei poteri e pertanto non è oggetto di controllo giudiziario.", "summary_en": "# Art. 176 BV\n\n## Overview\n\nArt. 176 BV governs the election and position of the Federal President. The Federal President chairs the Federal Council and represents Switzerland at official events. However, he or she is not head of state or head of government, but merely «first among equals» (primus inter pares).\n\nThe Federal Assembly (National Council and Council of States together) elects a new Federal President and a Vice-President from among the seven Federal Councillors each year. The term of office lasts exactly one year. Immediate re-election is prohibited. The outgoing Federal President also cannot immediately become Vice-President.\n\nTraditionally, the Federal Councillor who has been in office the longest and has never been Federal President is elected President (principle of seniority). However, this is only custom, not binding law.\n\nThe Federal President has no special powers. All important decisions are made by the Federal Council as a collegial body (group). The President chairs the meetings, helps determine the agenda and signs laws on behalf of the Federal Council. In Federal Council votes, he or she has no additional vote.\n\nAn example: Federal President Viola Amherd chaired Federal Council meetings in 2023 and received foreign heads of state. At the same time, she remained head of the Department of Defence. In 2024, another Federal Councillor was automatically elected President.\n\nThe system prevents the concentration of power in one person and strengthens Switzerland's collective leadership. Each Federal Councillor normally gets a turn as Federal President once during their term of office.", "doctrine_en": "# Art. 176 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative history\n\n**N. 1** The current regulation of the Federal Presidency in Art. 176 BV largely corresponds to the order under the old Federal Constitution of 1874. The first Federal Constitution of 1848 already knew the annually rotating presidential system. The Federal Council message on the total revision of the Federal Constitution of 20 November 1996 states that the rotation principle and the one-year term of office «belong to the characteristic features of Swiss collegiate government» (BBl 1997 I 1, 355). The constitutional legislator of 1999 adopted the proven regulation without material changes.\n\n**N. 2** The non-re-electability anchored in paragraph 3 goes back to the Federal Constitution of 1848. It was introduced to prevent a concentration of power in the Federal Presidency and to ensure the equality of all Federal Councillors. The prohibition that the outgoing Federal President may become Vice-President the following year was only inserted with the constitutional revision of 1981 (AS 1981 1244).\n\n### 2. Systematic classification\n\n**N. 3** Art. 176 BV is located in the 2nd section of the 5th chapter on federal authorities and, together with Art. 174–179 BV, regulates the organisation and functioning of the Federal Council. The provision concretises the principle of collegiality anchored in Art. 177 para. 1 BV by assigning the Federal President exclusively a presiding function («primus inter pares»). → Art. 174 BV (Federal Council as supreme governing and executive authority); ↔ Art. 177 BV (principle of collegiality).\n\n**N. 4** The Swiss system differs fundamentally from presidential government systems, in which the head of state has independent executive powers. The Federal President is neither head of state nor head of government in the proper sense. The collective exercise of the state leadership function by the entire Federal Council is institutionally secured through Art. 176 BV.\n\n### 3. Elements of the provision / Normative content\n\n**N. 5** **Presiding function (para. 1)**: The Federal President chairs the Federal Council meetings. This function encompasses meeting leadership, setting the agenda (in consultation with the collegium) and performing protocol tasks. Material special powers are not connected with the chairmanship. In case of a tie, the Federal President has no casting vote (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N. 1571).\n\n**N. 6** **Election procedure (para. 2)**: The Federal Assembly elects the Federal President and the Vice-President from among the seven Federal Councillors. The election takes place according to Art. 175 para. 2 BV by the United Federal Assembly. The passive right to vote is exclusively available to serving Federal Councillors; an outsider cannot be directly elected as Federal President (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 176 N. 4).\n\n**N. 7** **Term of office**: The one-year term of office begins on 1 January and ends on 31 December of the election year. An extension or shortening is constitutionally excluded. The election traditionally takes place in the winter session of the Federal Assembly (Rhinow/Schefer/Uebersax, Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N. 2896).\n\n**N. 8** **Non-re-electability (para. 3)**: The absolute prohibition on immediate re-election applies both to the office of Federal President and to the transition from the Federal Presidency to the Vice-Presidency. A Federal Councillor can be elected Federal President again at the earliest after a one-year break. This cooling-off period is mandatory and knows no exceptions.\n\n### 4. Legal consequences\n\n**N. 9** Election as Federal President does not establish additional powers compared to other Federal Councillors. The Federal President remains fully integrated into the collegium and is subject to the principle of collegiality like all Federal Councillors. His departmental responsibility remains unaffected by the election (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 17 N. 12).\n\n**N. 10** In practice, the Federal President performs the following tasks: representation of Switzerland on state visits, chairing Federal Council meetings, signing decrees on behalf of the Federal Council, New Year's address to the nation. These functions arise partly from unwritten constitutional customs, partly from simple legislative regulations (in particular the Government and Administration Organisation Act, RVOG).\n\n### 5. Controversies\n\n**N. 11** **Reform discussion**: The doctrine has been discussing a strengthening of the Federal Presidency for decades. Biaggini advocates for a multi-year term of office to improve continuity in foreign policy (Biaggini, BV Kommentar, 2nd ed. 2017, Art. 176 N. 3). In contrast, Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr defend the existing system as a guarantor of the balance of power in the Federal Council (Bundesstaatsrecht, N. 1572). Parliamentary initiatives to extend the term of office regularly failed due to resistance from the Federal Assembly.\n\n**N. 12** **Seniority principle**: The constitutional bindingness of the seniority principle in the election of the Federal President is disputed. The prevailing doctrine qualifies it as a mere constitutional custom without legal bindingness (Ehrenzeller et al., St. Galler Kommentar, Art. 176 N. 6). A minority sees it as a constitutional convention consolidated through long-standing practice (Müller/Schefer, Grundrechte, 4th ed. 2008, p. 892). The Federal Assembly is legally free to deviate from the seniority principle.\n\n**N. 13** **Substitution**: The question of substitution when the Federal President is prevented from acting is controversially discussed. While Art. 176 para. 2 BV mentions the Vice-President, the constitution does not explicitly regulate his powers. Practice assumes automatic substitution in all presidential functions. Critical voices call for explicit constitutional regulation (Aubert/Mahon, Petit commentaire, Art. 176 N. 8).\n\n### 6. Practice notes\n\n**N. 14** The election of the Federal President takes place on Wednesday of the third session week of the winter session. The Federal Assembly uses the absolute majority. If no candidate reaches the required number of votes in the first ballot, further ballots take place. The non-election of a Federal Councillor «designated» according to seniority is rare but constitutionally permissible.\n\n**N. 15** In international negotiations, the Federal President can only act within the framework of a Federal Council resolution. Independent foreign policy initiatives are denied to him. In practice, he coordinates closely with the head of the FDFA. The representative tasks must be reconciled with the duties as head of department, which means a considerable additional burden.\n\n**N. 16** There are certain creative possibilities for the concrete design of the presidential year. Thus, the Federal President can set thematic priorities and shape the public communication of the Federal Council. However, this «soft power» may not be used to circumvent the principle of collegiality. In case of disagreements in the Federal Council, the Federal President has no special enforcement possibilities.", "caselaw_en": "# Art. 176 BV\n\n## Case Law\n\n### Sparse Case Law Density\n\n**No relevant BGE decisions available**\n\nArt. 176 BV is a purely organizational provision that regulates the presidential system of the Federal Council. Since it is an internal procedural rule that does not establish subjective rights and has no direct legal consequences for third parties, this provision is practically non-justiciable. This explains the complete absence of BGE decisions on this constitutional provision.\n\n### Indirect Case Law on the Collegiate Principle\n\nConstitutional practice regarding the Federal Council is mainly shaped by political conventions and parliamentary control, not by court decisions. The Federal Supreme Court has had no occasion to assess the election of the Federal President or Vice-President, as these decisions lie within the exclusive competence of the Federal Assembly and do not affect fundamental rights.\n\n### Administrative Law Practice\n\n**Occasional mentions in other contexts**\n\nIn Federal Supreme Court case law, Art. 176 BV is occasionally mentioned in connection with general questions of Federal Council organization, without the norm itself being the subject of assessment. The courts respect the constitutional division of competences and only exceptionally assess internal organizational questions of the Federal Council.\n\n### Practical Relevance\n\nThe practical significance of Art. 176 BV lies exclusively in the political and constitutional sphere. Legal disputes do not arise from the application of this norm, but at most from its interpretation by the Federal Assembly in the annual election of the presidency. However, such questions of interpretation are not justiciable and are clarified through parliamentary practice.\n\n### Conclusion on the State of Case Law\n\nThe complete absence of specific court decisions on Art. 176 BV is systemic and corresponds to the nature of this organizational legal provision. The norm unfolds its effect exclusively within the institutional framework of the separation of powers and is therefore not subject to judicial review.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_176", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.91, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 177, "article_suffix": "", "title": "Kollegial- und Departementalprinzip", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 177 BV\n\n## Übersicht\n\nArtikel 177 regelt die Arbeitsweise des Bundesrates als oberste Regierung der Schweiz. Er legt drei wichtige Grundsätze fest.\n\n**Das Kollegialprinzip** (Absatz 1) bedeutet: Der Bundesrat trifft seine Entscheide gemeinsam als Gruppe von sieben Personen. Kein einzelnes Bundesratsmitglied kann allein wichtige Entscheide fällen. Alle Mitglieder müssen zusammen beraten und abstimmen. Nach einem Entscheid vertreten alle Mitglieder diese Lösung nach aussen – auch wenn sie persönlich dagegen gestimmt haben.\n\n**Das Departementalprinzip** (Absatz 2) teilt die Arbeit auf: Jedes Bundesratsmitglied leitet ein Departement (Ministerium). Diese Departemente bereiten die Geschäfte vor, die der Bundesrat später gemeinsam entscheidet. Nach dem Entscheid führen sie die Beschlüsse aus.\n\n**Die Delegation** (Absatz 3) erlaubt es, gewisse Aufgaben an die Departemente oder an nachgeordnete Ämter zu übertragen. Diese können dann selbstständig entscheiden, ohne dass der ganze Bundesrat jedes Detail behandeln muss. Wichtig ist: Der Rechtsschutz (das Recht auf Beschwerde) muss gewährleistet bleiben.\n\nEin Beispiel: Der Bundesrat beschliesst gemeinsam neue Corona-Massnahmen. Das Gesundheitsdepartement arbeitet die Details aus. Das Bundesamt für Gesundheit setzt die Massnahmen konkret um und kann selbst über Einzelfälle entscheiden. Wer mit einem Entscheid nicht einverstanden ist, kann sich beschweren.\n\nDiese Regeln sorgen dafür, dass wichtige Entscheide demokratisch gefällt werden, die Arbeit aber trotzdem effizient organisiert ist. Der Bundesrat kann nicht wie ein Präsident oder König allein regieren.", "doctrine_de": "# Art. 177 BV\n\n## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Die heutige Fassung von Art. 177 BV geht auf die Totalrevision der Bundesverfassung von 1999 zurück. Die Bestimmung entspricht weitgehend dem früheren Art. 103 aBV, führt aber in Abs. 3 eine explizite verfassungsrechtliche Grundlage für die Delegation von Verwaltungsaufgaben ein (BBl 1997 I 392). Der Verfassungsgeber wollte damit die bereits unter der alten Bundesverfassung praktizierte Delegation auf eine klare verfassungsrechtliche Grundlage stellen und gleichzeitig den Rechtsschutz bei solchen Delegationen sicherstellen (BBl 1997 I 394).\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 2** Art. 177 BV steht im 3. Abschnitt des 5. Kapitels der Bundesverfassung über die Regierung und Verwaltung. Die Bestimmung konkretisiert die in Art. 174 BV verankerte Stellung des Bundesrates als oberste leitende und vollziehende Behörde des Bundes. Sie steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 174 BV (Grundsatzbestimmung über den Bundesrat)\n- → Art. 178 BV (Bundesverwaltung)\n- → Art. 180 BV (Regierungspolitik)\n- → Art. 184 BV (Beziehungen zum Ausland)\n- → Art. 185 BV (äussere und innere Sicherheit)\n\n**N. 3** Das in Abs. 1 verankerte Kollegialprinzip ist ein Strukturprinzip der schweizerischen Regierungsorganisation und unterscheidet das Schweizer System fundamental von präsidialen oder parlamentarischen Regierungssystemen (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1652).\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Kollegialprinzip (Abs. 1)\n\n**N. 4** Das Kollegialprinzip besagt, dass der Bundesrat seine Entscheide als Gesamtgremium und nicht durch einzelne Mitglieder trifft. Dies umfasst drei Aspekte (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 177 N 3):\n- Kollegiale Entscheidfindung: Alle wichtigen Geschäfte werden gemeinsam beraten\n- Mehrheitsprinzip: Entscheide werden mit Stimmenmehrheit gefasst\n- Solidaritätsprinzip: Die Mitglieder vertreten Kollegialentscheide nach aussen einheitlich\n\n**N. 5** Die Tragweite des Kollegialprinzips ist in der Doktrin umstritten. Während Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 15 N 12) eine strikte Auslegung vertreten, wonach alle Entscheide von erheblicher Bedeutung dem Gesamtbundesrat vorzulegen sind, plädiert Sägesser (in: Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 177 N 8) für eine pragmatische Handhabung, die den Effizienzanforderungen moderner Staatstätigkeit Rechnung trägt.\n\n#### b) Departementalprinzip (Abs. 2)\n\n**N. 6** Das Departementalprinzip ordnet jedem Bundesratsmitglied die Leitung eines Departements zu. Die Departemente sind für die Vorbereitung der Bundesratsgeschäfte und den Vollzug der Bundesratsbeschlüsse zuständig. Diese doppelte Funktion – Vorbereitung und Vollzug – prägt die Stellung der Departemente im Regierungssystem (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3422).\n\n**N. 7** Die Zuteilung der Departemente erfolgt nach dem Anciennitätsprinzip, ist aber verfassungsrechtlich nicht geregelt. Die Departementszuteilung stellt einen politischen Akt dar, der nicht justiziabel ist (**BGE 129 II 193** E. 4.1).\n\n#### c) Delegation von Geschäften (Abs. 3)\n\n**N. 8** Abs. 3 ermöglicht die Delegation von Geschäften zur selbstständigen Erledigung an Departemente oder unterstellte Verwaltungseinheiten. Die Bestimmung unterscheidet zwischen:\n- Delegation an Departemente (erste Stufe)\n- Delegation an unterstellte Verwaltungseinheiten (zweite Stufe)\n\n**N. 9** Der Umfang zulässiger Delegationen ist umstritten. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (a.a.O., N 1681) vertreten eine restriktive Auslegung und verlangen für jede Delegation eine spezialgesetzliche Grundlage. Demgegenüber erachtet die herrschende Lehre (Ehrenzeller et al., a.a.O., Art. 177 N 18; Sägesser, a.a.O., Art. 177 N 15) eine Delegation gestützt direkt auf Art. 177 Abs. 3 BV als zulässig, sofern keine Geschäfte von grundsätzlicher politischer Bedeutung betroffen sind.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 10** Aus dem Kollegialprinzip folgt, dass Einzelentscheide von Bundesratsmitgliedern ohne Ermächtigung nichtig sind. Departemente können nur im Rahmen der ihnen übertragenen Kompetenzen handeln. Verstösse gegen das Kollegialprinzip können mit Beschwerde gerügt werden, sofern die Beschwerdeführerin in eigenen Rechten betroffen ist.\n\n**N. 11** Bei Delegationen muss gemäss Abs. 3 der Rechtsschutz sichergestellt sein. Dies bedeutet konkret:\n- Verfügungen delegierter Stellen müssen anfechtbar sein\n- Der Instanzenzug muss gewährleistet bleiben\n- Die Rechtsweggarantie gemäss → Art. 29a BV gilt uneingeschränkt\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 12** **Umfang der Delegationsbefugnis**: Umstritten ist, welche Geschäfte der Bundesrat delegieren darf. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 842) vertreten, dass nur administrative Routinegeschäfte delegiert werden dürfen. Tschannen (Die Beziehungen zwischen Bundesrat und Bundesverwaltung, ZBl 2003, S. 537) plädiert für eine weitergehende Delegationsmöglichkeit bei klaren gesetzlichen Vorgaben. Die Praxis zeigt eine extensive Handhabung der Delegationsmöglichkeiten.\n\n**N. 13** **Subdelegation**: Kontrovers diskutiert wird die Zulässigkeit der Subdelegation. Während Vogel (in: Ehrenzeller et al., a.a.O., Art. 177 N 22) eine Subdelegation nur bei ausdrücklicher gesetzlicher Ermächtigung zulässt, erachtet Sägesser (a.a.O., Art. 177 N 18) eine Weiterdelegation innerhalb der Verwaltungshierarchie als implizit zulässig. Das Bundesgericht hat diese Frage bisher nicht abschliessend geklärt (**BGE 101 Ib 70** E. 4).\n\n**N. 14** **Rechtsschutz bei Delegation**: Unklar ist, welche Anforderungen an den Rechtsschutz zu stellen sind. Waldmann (Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2019, S. 163) fordert einen vollständigen Rechtsschutz mit Überprüfung aller Rechts- und Sachverhaltsfragen. Kiener/Rütsche/Kuhn (Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Aufl. 2021, N 1842) erachten eine eingeschränkte Überprüfung bei technischen Fragen als genügend.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei der Anwendung von Art. 177 BV ist zu beachten:\n- Geschäfte von erheblicher politischer Tragweite müssen dem Gesamtbundesrat vorgelegt werden\n- Die Departemente bereiten die Geschäfte sorgfältig vor (Mitberichtsverfahren)\n- Delegationsentscheide müssen klar formuliert sein und den Umfang der übertragenen Kompetenzen präzise umschreiben\n- Der Rechtsschutz muss in der Delegationsnorm explizit geregelt werden\n\n**N. 16** In der Praxis haben sich folgende Delegationsformen etabliert:\n- Generelle Delegationen durch Verordnung (z.B. Organisationsverordnungen)\n- Spezielle Delegationen für bestimmte Sachbereiche\n- Delegationen mit Genehmigungsvorbehalt für wichtige Entscheide\n- Rückholrecht des Bundesrates bei Geschäften von grundsätzlicher Bedeutung\n\n**N. 17** Die COVID-19-Pandemie hat die Bedeutung effizienter Delegationen verdeutlicht. Der Bundesrat hat weitgehende Kompetenzen an die Departemente und das BAG delegiert, wobei die Einhaltung des Rechtsschutzes teilweise kritisch hinterfragt wurde. Dies zeigt die Notwendigkeit, auch in Krisensituationen die verfassungsrechtlichen Vorgaben von Art. 177 Abs. 3 BV zu beachten.", "caselaw_de": "# Art. 177 BV\n\n## Rechtsprechung\n\n### Kollegialprinzip des Bundesrates\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** vom 21. Februar 2003  \nBundesratsbeschluss über Einreiseverbot aus Gründen der Wahrung der Landesinteressen.  \nGrundlegender Entscheid zur Stellung des Bundesrates als oberstem leitendem und vollziehenden Organ.\n\n> «Der Bundesrat steht nicht nur an der Spitze der Bundesverwaltung (Art. 178 Abs. 1 und 2 BV) sondern ist als Regierungskollegium auch direkt mit der Staatsleitung (Art. 180 Abs. 1 BV) betraut.»\n\n### Delegation von Bundesratskompetenzen an Departemente\n\n**BGE 87 IV 29 E. 3** vom 12. Dezember 1961  \nÜbertragung von Rechtsetzungsbefugnissen durch den Bundesrat an das Eidgenössische Departement des Innern.  \nGrundsätzliche Zulässigkeit der Subdelegation von Befugnissen in bestimmten Grenzen.\n\n> «Das Problem der Subdelegation von Pouvoirs [...] ist in Rechtslehre und Rechtsprechung umstritten, ob eine Subdelegation von rechtsetzenden Befugnissen auch ohne ausdrückliche verfassungsmässige Regelung allgemein oder in bestimmten Fällen zulässig ist.»\n\n**BGE 101 Ib 70 E. 4** vom 14. Februar 1975  \nDelegation von Gebührenreglementierungskompetenzen an das Eidgenössische Departement des Innern.  \nUnzulässigkeit der konkreten Delegation wegen fehlender gesetzlicher Grundlage.\n\n> «In Rechtslehre und Rechtsprechung ist umstritten, ob eine Subdelegation von rechtsetzenden Befugnissen auch ohne ausdrückliche verfassungsmässige Regelung allgemein oder in bestimmten Fällen zulässig ist.»\n\n**BGE 100 IV 124 E. 2b** vom 16. Oktober 1974  \nÜberweisung von Bundesstrafsachen durch den Bundesrat oder ein von diesem bezeichnetes Departement an kantonale Behörden.  \nBestätigung der Delegationsmöglichkeit bei strafrechtlichen Kompetenzen.\n\n> «Werden den kantonalen Gerichtsbehörden vom Bundesrat oder einem von diesem bezeichneten Departement Strafsachen überwiesen, dann haben sie diese nicht nur zu verfolgen, sondern auch zu beurteilen.»\n\n### Übertragung von Verwaltungsaufgaben an externe Organisationen\n\n**BGE 137 II 409 E. 7** vom 3. Oktober 2011  \nÜbertragung von Verwaltungsaufgaben an Organisationen der Arbeitswelt gemäss Art. 178 Abs. 3 BV.  \nPräzisierung der verfassungsrechtlichen Anforderungen für die Aufgabenübertragung.\n\n> «In Art. 178 Abs. 3 BV [sind] Kriterien für die Übertragung von Verwaltungsaufgaben an Organisationen enthalten, die ausserhalb der Bundesverwaltung stehen [...] sowie Voraussetzungen, nach denen Letztere Verwaltungsverfügungen erlassen können.»\n\n### Rechtsschutz bei Delegation\n\n**BGE 128 IV 219 E. 1.3** vom 26. August 2002  \nBeschwerdeverfahren gegen Entscheide von Departementen in delegierten Strafsachen.  \nEinschränkung der Rechtsmittelmöglichkeiten bei gewissen Delegationsentscheiden.\n\n> «Wenn das Departement in Anwendung der Art. 21 und 73 VStrR die Voraussetzungen einer Freiheitsstrafe oder einer freiheitsentziehenden Massnahme für gegeben hält, kann dieser Entscheid nicht mit Beschwerde gemäss Art. 27 VStrR angefochten werden.»\n\n**BGE 133 II 209 E. 2** vom 25. Mai 2007  \nZugang zu Protokollen der Leitungsorgane des Bundesgerichts und Anwendung des Öffentlichkeitsgesetzes.  \nRelevanz für die Transparenz bei Kollegialentscheidungen von Behörden.\n\n> «Eine Einsichtnahme in amtliche Dokumente der Leitungsorgane des Bundesgerichts ist unter den allgemeinen Voraussetzungen des Bundesgesetzes über das Öffentlichkeitsprinzip gestützt auf Art. 28 BGG möglich, wenn ein Verwaltungsakt zur Diskussion steht.»", "summary_fr": "# Art. 177 Cst.\n\n## Aperçu\n\nL'article 177 règle le mode de fonctionnement du Conseil fédéral en tant que gouvernement suprême de la Suisse. Il établit trois principes importants.\n\n**Le principe collégial** (alinéa 1) signifie : le Conseil fédéral prend ses décisions ensemble en tant que groupe de sept personnes. Aucun membre du Conseil fédéral ne peut prendre seul des décisions importantes. Tous les membres doivent délibérer et voter ensemble. Après une décision, tous les membres défendent cette solution vers l'extérieur – même s'ils ont personnellement voté contre.\n\n**Le principe départemental** (alinéa 2) répartit le travail : chaque membre du Conseil fédéral dirige un département (ministère). Ces départements préparent les affaires que le Conseil fédéral décide ensuite ensemble. Après la décision, ils exécutent les arrêtés.\n\n**La délégation** (alinéa 3) permet de transférer certaines tâches aux départements ou aux offices subordonnés. Ceux-ci peuvent alors décider de manière autonome, sans que l'ensemble du Conseil fédéral doive traiter chaque détail. Important : la protection juridique (le droit de recours) doit rester garantie.\n\nUn exemple : le Conseil fédéral décide ensemble de nouvelles mesures contre le coronavirus. Le département de la santé élabore les détails. L'Office fédéral de la santé publique met concrètement en œuvre les mesures et peut décider lui-même sur des cas individuels. Quiconque n'est pas d'accord avec une décision peut recourir.\n\nCes règles font en sorte que les décisions importantes soient prises démocratiquement, mais que le travail soit néanmoins organisé efficacement. Le Conseil fédéral ne peut pas gouverner seul comme un président ou un roi.", "doctrine_fr": "# Art. 177 Cst.\n\n## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** La version actuelle de l'art. 177 Cst. remonte à la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition correspond largement à l'ancien art. 103 aCst., mais introduit à l'al. 3 un fondement constitutionnel explicite pour la délégation de tâches administratives (FF 1997 I 392). Le constituant voulait ainsi placer la délégation déjà pratiquée sous l'ancienne Constitution fédérale sur un fondement constitutionnel clair et garantir en même temps la protection juridique en cas de telles délégations (FF 1997 I 394).\n\n### 2. Classement systématique\n\n**N. 2** L'art. 177 Cst. se trouve dans la 3e section du 5e chapitre de la Constitution fédérale sur le gouvernement et l'administration. Cette disposition concrétise la position du Conseil fédéral ancrée à l'art. 174 Cst. comme autorité directrice et exécutive suprême de la Confédération. Elle est en relation étroite avec :\n- → Art. 174 Cst. (disposition de principe sur le Conseil fédéral)\n- → Art. 178 Cst. (administration fédérale)\n- → Art. 180 Cst. (politique gouvernementale)\n- → Art. 184 Cst. (relations avec l'étranger)\n- → Art. 185 Cst. (sécurité extérieure et intérieure)\n\n**N. 3** Le principe collégial ancré à l'al. 1 est un principe structurel de l'organisation gouvernementale suisse et distingue fondamentalement le système suisse des systèmes gouvernementaux présidentiels ou parlementaires (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, n. 1652).\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu de la norme\n\n#### a) Principe collégial (al. 1)\n\n**N. 4** Le principe collégial signifie que le Conseil fédéral prend ses décisions en tant qu'organe collégial et non par des membres individuels. Cela comprend trois aspects (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, art. 177 n. 3) :\n- Prise de décision collégiale : toutes les affaires importantes sont délibérées en commun\n- Principe majoritaire : les décisions sont prises à la majorité des voix\n- Principe de solidarité : les membres représentent les décisions collégiales de manière uniforme vers l'extérieur\n\n**N. 5** La portée du principe collégial est controversée dans la doctrine. Tandis que Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 15 n. 12) défendent une interprétation stricte selon laquelle toutes les décisions d'importance considérable doivent être soumises au Conseil fédéral dans son ensemble, Sägesser (in : Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2e éd. 2024, art. 177 n. 8) plaide pour une application pragmatique qui tient compte des exigences d'efficacité de l'activité étatique moderne.\n\n#### b) Principe départemental (al. 2)\n\n**N. 6** Le principe départemental attribue à chaque membre du Conseil fédéral la direction d'un département. Les départements sont responsables de la préparation des affaires du Conseil fédéral et de l'exécution des arrêtés du Conseil fédéral. Cette double fonction – préparation et exécution – caractérise la position des départements dans le système gouvernemental (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, n. 3422).\n\n**N. 7** L'attribution des départements s'effectue selon le principe d'ancienneté, mais n'est pas réglée constitutionnellement. L'attribution départementale constitue un acte politique qui n'est pas justiciable (**ATF 129 II 193** c. 4.1).\n\n#### c) Délégation d'affaires (al. 3)\n\n**N. 8** L'al. 3 permet la délégation d'affaires pour traitement autonome aux départements ou aux unités administratives subordonnées. Cette disposition distingue entre :\n- Délégation aux départements (premier degré)\n- Délégation aux unités administratives subordonnées (deuxième degré)\n\n**N. 9** L'étendue des délégations admissibles est controversée. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., n. 1681) défendent une interprétation restrictive et exigent pour chaque délégation un fondement légal spécial. En revanche, la doctrine dominante (Ehrenzeller et al., op. cit., art. 177 n. 18 ; Sägesser, op. cit., art. 177 n. 15) considère qu'une délégation fondée directement sur l'art. 177 al. 3 Cst. est admissible, pour autant qu'aucune affaire d'importance politique fondamentale ne soit concernée.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 10** Du principe collégial découle que les décisions individuelles de membres du Conseil fédéral sans autorisation sont nulles. Les départements ne peuvent agir que dans le cadre des compétences qui leur sont transférées. Les violations du principe collégial peuvent être invoquées par recours, pour autant que la recourante soit atteinte dans ses propres droits.\n\n**N. 11** En cas de délégations, la protection juridique doit être assurée selon l'al. 3. Cela signifie concrètement :\n- Les décisions d'instances délégataires doivent pouvoir être contestées\n- La voie de recours doit être garantie\n- La garantie de la voie de droit selon → l'art. 29a Cst. s'applique sans restriction\n\n### 5. Points litigieux\n\n**N. 12** **Étendue du pouvoir de délégation** : Il est controversé de savoir quelles affaires le Conseil fédéral peut déléguer. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 842) soutiennent que seules les affaires administratives de routine peuvent être déléguées. Tschannen (Die Beziehungen zwischen Bundesrat und Bundesverwaltung, ZBl 2003, p. 537) plaide pour une possibilité de délégation plus étendue en cas de prescriptions légales claires. La pratique montre une application extensive des possibilités de délégation.\n\n**N. 13** **Subdélégation** : La licéité de la subdélégation fait l'objet de discussions controversées. Tandis que Vogel (in : Ehrenzeller et al., op. cit., art. 177 n. 22) n'admet une subdélégation qu'en cas d'autorisation légale expresse, Sägesser (op. cit., art. 177 n. 18) considère qu'une délégation ultérieure au sein de la hiérarchie administrative est implicitement admissible. Le Tribunal fédéral n'a pas encore tranché cette question de manière définitive (**ATF 101 Ib 70** c. 4).\n\n**N. 14** **Protection juridique en cas de délégation** : Il n'est pas clair quelles exigences doivent être posées à la protection juridique. Waldmann (Bernisches Verwaltungsrecht, 2e éd. 2019, p. 163) exige une protection juridique complète avec vérification de toutes les questions de droit et de fait. Kiener/Rütsche/Kuhn (Öffentliches Verfahrensrecht, 3e éd. 2021, n. 1842) considèrent qu'une vérification limitée pour les questions techniques est suffisante.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Lors de l'application de l'art. 177 Cst., il faut observer :\n- Les affaires de portée politique considérable doivent être soumises au Conseil fédéral dans son ensemble\n- Les départements préparent les affaires avec soin (procédure de co-rapport)\n- Les décisions de délégation doivent être formulées clairement et décrire précisément l'étendue des compétences transférées\n- La protection juridique doit être réglée explicitement dans la norme de délégation\n\n**N. 16** Dans la pratique, les formes de délégation suivantes se sont établies :\n- Délégations générales par ordonnance (p. ex. ordonnances d'organisation)\n- Délégations spéciales pour certains domaines\n- Délégations avec réserve d'approbation pour des décisions importantes\n- Droit de reprise du Conseil fédéral pour des affaires d'importance fondamentale\n\n**N. 17** La pandémie de COVID-19 a mis en évidence l'importance de délégations efficaces. Le Conseil fédéral a délégué des compétences étendues aux départements et à l'OFSP, le respect de la protection juridique ayant parfois été remis en question de manière critique. Cela montre la nécessité de respecter, même en situation de crise, les prescriptions constitutionnelles de l'art. 177 al. 3 Cst.", "caselaw_fr": "# Art. 177 Cst.\n\n## Jurisprudence\n\n### Principe collégial du Conseil fédéral\n\n**ATF 129 II 193 consid. 4.1** du 21 février 2003  \nArrêté du Conseil fédéral concernant une interdiction d'entrée pour des raisons de sauvegarde des intérêts du pays.  \nDécision fondamentale sur la position du Conseil fédéral en tant qu'organe directeur et exécutif suprême.\n\n> « Le Conseil fédéral ne se trouve pas seulement à la tête de l'administration fédérale (art. 178 al. 1 et 2 Cst.) mais est également chargé directement, en tant que collège gouvernemental, de la direction de l'État (art. 180 al. 1 Cst.). »\n\n### Délégation de compétences du Conseil fédéral aux départements\n\n**ATF 87 IV 29 consid. 3** du 12 décembre 1961  \nTransfert de compétences d'édiction de normes par le Conseil fédéral au Département fédéral de l'intérieur.  \nAdmissibilité de principe de la subdélégation de compétences dans certaines limites.\n\n> « Le problème de la subdélégation de pouvoirs [...] est controversé en doctrine et en jurisprudence, à savoir si une subdélégation de compétences normatives est admissible en général ou dans certains cas même sans réglementation constitutionnelle expresse. »\n\n**ATF 101 Ib 70 consid. 4** du 14 février 1975  \nDélégation de compétences de réglementation des émoluments au Département fédéral de l'intérieur.  \nInadmissibilité de la délégation concrète en raison de l'absence de base légale.\n\n> « En doctrine et en jurisprudence, il est controversé de savoir si une subdélégation de compétences normatives est admissible en général ou dans certains cas même sans réglementation constitutionnelle expresse. »\n\n**ATF 100 IV 124 consid. 2b** du 16 octobre 1974  \nRenvoi d'affaires pénales fédérales par le Conseil fédéral ou un département désigné par celui-ci aux autorités cantonales.  \nConfirmation de la possibilité de délégation en matière de compétences pénales.\n\n> « Lorsque des affaires pénales sont renvoyées aux autorités judiciaires cantonales par le Conseil fédéral ou un département désigné par celui-ci, elles doivent non seulement les poursuivre, mais aussi les juger. »\n\n### Transfert de tâches administratives à des organisations externes\n\n**ATF 137 II 409 consid. 7** du 3 octobre 2011  \nTransfert de tâches administratives aux organisations du monde du travail selon l'art. 178 al. 3 Cst.  \nPrécision des exigences constitutionnelles pour le transfert de tâches.\n\n> « L'art. 178 al. 3 Cst. [contient] des critères pour le transfert de tâches administratives à des organisations qui se trouvent en dehors de l'administration fédérale [...] ainsi que des conditions selon lesquelles ces dernières peuvent rendre des décisions administratives. »\n\n### Protection juridique en cas de délégation\n\n**ATF 128 IV 219 consid. 1.3** du 26 août 2002  \nProcédure de recours contre les décisions de départements en matière pénale déléguée.  \nLimitation des voies de recours pour certaines décisions de délégation.\n\n> « Lorsque le département, en application des art. 21 et 73 OAm, considère que les conditions d'une peine privative de liberté ou d'une mesure privative de liberté sont remplies, cette décision ne peut pas être attaquée par recours selon l'art. 27 OAm. »\n\n**ATF 133 II 209 consid. 2** du 25 mai 2007  \nAccès aux procès-verbaux des organes de direction du Tribunal fédéral et application de la loi sur la transparence.  \nPertinence pour la transparence des décisions collégiales d'autorités.\n\n> « La consultation de documents officiels des organes de direction du Tribunal fédéral est possible sous les conditions générales de la loi fédérale sur le principe de la transparence en vertu de l'art. 28 LTF, lorsqu'un acte administratif est en discussion. »", "summary_it": "# Art. 177 Cost.\n\n## Panoramica\n\nL'articolo 177 disciplina il modo di lavorare del Consiglio federale come supremo governo della Svizzera. Stabilisce tre principi importanti.\n\n**Il principio collegiale** (capoverso 1) significa: il Consiglio federale prende le sue decisioni insieme come gruppo di sette persone. Nessun singolo membro del Consiglio federale può prendere decisioni importanti da solo. Tutti i membri devono deliberare e votare insieme. Dopo una decisione, tutti i membri rappresentano questa soluzione verso l'esterno – anche se personalmente hanno votato contro.\n\n**Il principio dipartimentale** (capoverso 2) ripartisce il lavoro: ogni membro del Consiglio federale dirige un dipartimento (ministero). Questi dipartimenti preparano gli affari che il Consiglio federale decide successivamente insieme. Dopo la decisione, eseguono le risoluzioni.\n\n**La delegazione** (capoverso 3) permette di trasferire certi compiti ai dipartimenti o agli uffici subordinati. Questi possono quindi decidere autonomamente, senza che tutto il Consiglio federale debba trattare ogni dettaglio. Importante è: la tutela giuridica (il diritto di ricorso) deve rimanere garantita.\n\nUn esempio: il Consiglio federale decide insieme nuove misure anti-COVID. Il Dipartimento della sanità elabora i dettagli. L'Ufficio federale della sanità pubblica attua concretamente le misure e può decidere autonomamente sui casi singoli. Chi non è d'accordo con una decisione può presentare ricorso.\n\nQueste regole fanno sì che le decisioni importanti vengano prese democraticamente, ma che il lavoro sia comunque organizzato in modo efficiente. Il Consiglio federale non può governare da solo come un presidente o un re.", "doctrine_it": "# Art. 177 Cost.\n\n## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'origine\n\n**N. 1** L'attuale versione dell'art. 177 Cost. risale alla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione corrisponde in gran parte al precedente art. 103 aCost., ma introduce al cpv. 3 una base costituzionale esplicita per la delega di compiti amministrativi (FF 1997 I 392). Il costituente ha voluto con ciò fondare su una chiara base costituzionale la delega già praticata sotto la vecchia Costituzione federale e allo stesso tempo garantire la protezione giuridica in caso di tali deleghe (FF 1997 I 394).\n\n### 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 2** L'art. 177 Cost. si trova nella sezione 3 del capitolo 5 della Costituzione federale sul governo e l'amministrazione. La disposizione concretizza la posizione del Consiglio federale sancita nell'art. 174 Cost. quale suprema autorità direttiva ed esecutiva della Confederazione. È strettamente collegata con:\n- → Art. 174 Cost. (disposizione di principio sul Consiglio federale)\n- → Art. 178 Cost. (Amministrazione federale)\n- → Art. 180 Cost. (politica di governo)\n- → Art. 184 Cost. (relazioni con l'estero)\n- → Art. 185 Cost. (sicurezza esterna e interna)\n\n**N. 3** Il principio collegiale ancorato al cpv. 1 è un principio strutturale dell'organizzazione governativa svizzera e distingue il sistema svizzero fondamentalmente dai sistemi di governo presidenziali o parlamentari (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10ª ed. 2020, N 1652).\n\n### 3. Elementi di fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### a) Principio collegiale (cpv. 1)\n\n**N. 4** Il principio collegiale stabilisce che il Consiglio federale prende le sue decisioni come organo collegiale e non attraverso singoli membri. Questo comprende tre aspetti (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4ª ed. 2023, art. 177 N 3):\n- Processo decisionale collegiale: tutti gli affari importanti vengono discussi insieme\n- Principio di maggioranza: le decisioni vengono prese con la maggioranza dei voti\n- Principio di solidarietà: i membri rappresentano all'esterno le decisioni collegiali in modo unitario\n\n**N. 5** La portata del principio collegiale è controversa nella dottrina. Mentre Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4ª ed. 2014, § 15 N 12) sostengono un'interpretazione rigorosa secondo cui tutte le decisioni di rilevante importanza devono essere sottoposte al Consiglio federale nella sua interezza, Sägesser (in: Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2ª ed. 2024, art. 177 N 8) propugna una gestione pragmatica che tenga conto delle esigenze di efficienza dell'attività statale moderna.\n\n#### b) Principio dipartimentale (cpv. 2)\n\n**N. 6** Il principio dipartimentale assegna a ogni membro del Consiglio federale la direzione di un dipartimento. I dipartimenti sono competenti per la preparazione degli affari del Consiglio federale e per l'esecuzione delle decisioni del Consiglio federale. Questa duplice funzione – preparazione ed esecuzione – caratterizza la posizione dei dipartimenti nel sistema di governo (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3ª ed. 2016, N 3422).\n\n**N. 7** L'attribuzione dei dipartimenti avviene secondo il principio di anzianità, ma non è regolata dal diritto costituzionale. L'attribuzione dei dipartimenti rappresenta un atto politico che non è giustiziabile (**DTF 129 II 193** consid. 4.1).\n\n#### c) Delega di affari (cpv. 3)\n\n**N. 8** Il cpv. 3 consente la delega di affari per il disbrigo autonomo a dipartimenti o unità amministrative subordinate. La disposizione distingue tra:\n- Delega a dipartimenti (primo grado)\n- Delega a unità amministrative subordinate (secondo grado)\n\n**N. 9** L'ampiezza delle deleghe ammissibili è controversa. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., N 1681) sostengono un'interpretazione restrittiva e richiedono per ogni delega una base legale speciale. Al contrario, la dottrina prevalente (Ehrenzeller et al., op. cit., art. 177 N 18; Sägesser, op. cit., art. 177 N 15) considera ammissibile una delega fondata direttamente sull'art. 177 cpv. 3 Cost., purché non siano interessati affari di importanza politica fondamentale.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 10** Dal principio collegiale consegue che le decisioni individuali dei membri del Consiglio federale senza autorizzazione sono nulle. I dipartimenti possono agire solo nell'ambito delle competenze loro trasferite. Le violazioni del principio collegiale possono essere censurate mediante ricorso, purché il ricorrente sia leso nei propri diritti.\n\n**N. 11** In caso di deleghe, secondo il cpv. 3 deve essere garantita la protezione giuridica. Ciò significa concretamente:\n- Le decisioni degli organi delegati devono essere impugnabili\n- Deve essere garantito il sistema delle istanze\n- La garanzia della via giuridica secondo → art. 29a Cost. vale senza restrizioni\n\n### 5. Controversie\n\n**N. 12** **Ampiezza del potere di delega**: È controverso quali affari il Consiglio federale possa delegare. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4ª ed. 2008, p. 842) sostengono che possano essere delegati solo affari amministrativi di routine. Tschannen (Die Beziehungen zwischen Bundesrat und Bundesverwaltung, ZBl 2003, p. 537) propugna una più ampia possibilità di delega in presenza di chiare direttive legali. La prassi mostra una gestione estensiva delle possibilità di delega.\n\n**N. 13** **Subdelega**: È controversamente discussa l'ammissibilità della subdelega. Mentre Vogel (in: Ehrenzeller et al., op. cit., art. 177 N 22) ammette una subdelega solo in caso di autorizzazione legale espressa, Sägesser (op. cit., art. 177 N 18) considera ammissibile in modo implicito una delega ulteriore all'interno della gerarchia amministrativa. Il Tribunale federale non ha ancora chiarito definitivamente questa questione (**DTF 101 Ib 70** consid. 4).\n\n**N. 14** **Protezione giuridica in caso di delega**: Non è chiaro quali requisiti debbano essere posti alla protezione giuridica. Waldmann (Bernisches Verwaltungsrecht, 2ª ed. 2019, p. 163) esige una protezione giuridica completa con verifica di tutte le questioni di diritto e di fatto. Kiener/Rütsche/Kuhn (Öffentliches Verfahrensrecht, 3ª ed. 2021, N 1842) considerano sufficiente una verifica limitata per le questioni tecniche.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** Nell'applicazione dell'art. 177 Cost. occorre osservare:\n- Gli affari di rilevante portata politica devono essere sottoposti al Consiglio federale nella sua interezza\n- I dipartimenti preparano accuratamente gli affari (procedura di corapporto)\n- Le decisioni di delega devono essere formulate chiaramente e descrivere con precisione l'ampiezza delle competenze trasferite\n- La protezione giuridica deve essere regolata esplicitamente nella norma di delega\n\n**N. 16** Nella prassi si sono affermate le seguenti forme di delega:\n- Deleghe generali mediante ordinanza (per es. ordinanze sull'organizzazione)\n- Deleghe speciali per determinati settori\n- Deleghe con riserva di approvazione per decisioni importanti\n- Diritto di richiamo del Consiglio federale per affari di importanza fondamentale\n\n**N. 17** La pandemia COVID-19 ha evidenziato l'importanza di deleghe efficienti. Il Consiglio federale ha delegato competenze ampie ai dipartimenti e all'UFSP, mentre il rispetto della protezione giuridica è stato in parte messo in discussione criticamente. Ciò mostra la necessità di osservare, anche in situazioni di crisi, le prescrizioni costituzionali dell'art. 177 cpv. 3 Cost.", "caselaw_it": "# Art. 177 Cost.\n\n## Giurisprudenza\n\n### Principio collegiale del Consiglio federale\n\n**DTF 129 II 193 consid. 4.1** del 21 febbraio 2003  \nDecisione del Consiglio federale concernente il divieto di entrata per motivi di tutela degli interessi del Paese.  \nDecisione fondamentale sulla posizione del Consiglio federale quale supremo organo direttivo ed esecutivo.\n\n> «Il Consiglio federale non si trova soltanto alla testa dell'Amministrazione federale (art. 178 cpv. 1 e 2 Cost.) ma è anche incaricato direttamente, quale collegio governativo, della direzione dello Stato (art. 180 cpv. 1 Cost.).»\n\n### Delega di competenze del Consiglio federale ai dipartimenti\n\n**DTF 87 IV 29 consid. 3** del 12 dicembre 1961  \nTrasferimento di competenze normative da parte del Consiglio federale al Dipartimento federale dell'interno.  \nAmmissibilità di principio della subdelega di competenze entro determinati limiti.\n\n> «Il problema della subdelega di poteri [...] è controverso nella dottrina e nella giurisprudenza, se una subdelega di competenze normative sia ammissibile in generale o in determinati casi anche senza un'espressa disciplina costituzionale.»\n\n**DTF 101 Ib 70 consid. 4** del 14 febbraio 1975  \nDelega di competenze di regolamentazione delle tasse al Dipartimento federale dell'interno.  \nInammissibilità della delega concreta per mancanza di base legale.\n\n> «Nella dottrina e nella giurisprudenza è controverso se una subdelega di competenze normative sia ammissibile in generale o in determinati casi anche senza un'espressa disciplina costituzionale.»\n\n**DTF 100 IV 124 consid. 2b** del 16 ottobre 1974  \nRinvio di cause penali federali da parte del Consiglio federale o di un dipartimento da esso designato alle autorità cantonali.  \nConferma della possibilità di delega nelle competenze penali.\n\n> «Se le autorità giudiziarie cantonali ricevono dal Consiglio federale o da un dipartimento da esso designato cause penali in rinvio, esse devono non soltanto perseguirle, ma anche giudicarle.»\n\n### Trasferimento di compiti amministrativi a organizzazioni esterne\n\n**DTF 137 II 409 consid. 7** del 3 ottobre 2011  \nTrasferimento di compiti amministrativi a organizzazioni del mondo del lavoro secondo l'art. 178 cpv. 3 Cost.  \nPrecisazione dei requisiti costituzionali per il trasferimento di compiti.\n\n> «Nell'art. 178 cpv. 3 Cost. [sono] contenuti criteri per il trasferimento di compiti amministrativi a organizzazioni che si trovano al di fuori dell'Amministrazione federale [...] nonché presupposti secondo i quali queste ultime possono emanare decisioni amministrative.»\n\n### Tutela giuridica in caso di delega\n\n**DTF 128 IV 219 consid. 1.3** del 26 agosto 2002  \nProcedura di ricorso contro decisioni di dipartimenti in cause penali delegate.  \nLimitazione delle possibilità di ricorso per certe decisioni di delega.\n\n> «Se il dipartimento in applicazione degli art. 21 e 73 LPAmm ritiene sussistenti i presupposti di una pena detentiva o di una misura privativa della libertà, questa decisione non può essere impugnata con ricorso secondo l'art. 27 LPAmm.»\n\n**DTF 133 II 209 consid. 2** del 25 maggio 2007  \nAccesso ai verbali degli organi direttivi del Tribunale federale e applicazione della legge sulla trasparenza.  \nRilevanza per la trasparenza nelle decisioni collegiali delle autorità.\n\n> «Una presa di visione di documenti ufficiali degli organi direttivi del Tribunale federale è possibile secondo i presupposti generali della Legge federale sul principio di trasparenza basata sull'art. 28 LTF, quando è in discussione un atto amministrativo.»", "summary_en": "# Art. 177 BV\n\n## Overview\n\nArticle 177 regulates the working methods of the Federal Council as the supreme government of Switzerland. It establishes three important principles.\n\n**The collegial principle** (paragraph 1) means: The Federal Council makes its decisions together as a group of seven people. No individual Federal Councillor can make important decisions alone. All members must deliberate and vote together. After a decision, all members represent this solution externally – even if they personally voted against it.\n\n**The departmental principle** (paragraph 2) divides the work: Each Federal Councillor heads a department (ministry). These departments prepare the business that the Federal Council later decides on together. After the decision, they implement the resolutions.\n\n**Delegation** (paragraph 3) allows certain tasks to be transferred to the departments or to subordinate offices. These can then decide independently, without the entire Federal Council having to deal with every detail. Important: Legal protection (the right to appeal) must remain guaranteed.\n\nAn example: The Federal Council jointly decides on new Corona measures. The health department works out the details. The Federal Office of Public Health implements the measures concretely and can decide on individual cases itself. Anyone who disagrees with a decision can file an appeal.\n\nThese rules ensure that important decisions are made democratically, but work is still organised efficiently. The Federal Council cannot govern alone like a president or king.", "doctrine_en": "# Art. 177 BV\n\n## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** The current version of Art. 177 BV dates back to the total revision of the Federal Constitution in 1999. The provision largely corresponds to the former Art. 103 old BV, but introduces in para. 3 an explicit constitutional basis for the delegation of administrative tasks (BBl 1997 I 392). The constitutional legislator thereby wanted to place the delegation already practised under the old Federal Constitution on a clear constitutional basis and simultaneously ensure legal protection in such delegations (BBl 1997 I 394).\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 2** Art. 177 BV stands in Section 3 of Chapter 5 of the Federal Constitution on government and administration. The provision concretises the position of the Federal Council as the supreme governing and executive authority of the Confederation anchored in Art. 174 BV. It is closely connected with:\n- → Art. 174 BV (fundamental provision on the Federal Council)\n- → Art. 178 BV (Federal Administration)\n- → Art. 180 BV (government policy)\n- → Art. 184 BV (foreign relations)\n- → Art. 185 BV (external and internal security)\n\n**N. 3** The collegial principle anchored in para. 1 is a structural principle of the Swiss governmental organisation and fundamentally distinguishes the Swiss system from presidential or parliamentary governmental systems (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, N 1652).\n\n### 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n#### a) Collegial Principle (Para. 1)\n\n**N. 4** The collegial principle states that the Federal Council makes its decisions as a collective body and not through individual members. This comprises three aspects (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 177 N 3):\n- Collegial decision-making: All important matters are deliberated jointly\n- Majority principle: Decisions are made by majority vote\n- Solidarity principle: Members represent collegial decisions uniformly to the outside\n\n**N. 5** The scope of the collegial principle is disputed in doctrine. While Tschannen/Zimmerli/Müller (Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 15 N 12) advocate a strict interpretation according to which all decisions of considerable significance must be submitted to the entire Federal Council, Sägesser (in: Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 177 N 8) argues for a pragmatic handling that takes account of the efficiency requirements of modern state activity.\n\n#### b) Departmental Principle (Para. 2)\n\n**N. 6** The departmental principle assigns each Federal Councillor the leadership of a department. The departments are responsible for preparing Federal Council business and implementing Federal Council resolutions. This dual function – preparation and implementation – characterises the position of the departments in the governmental system (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, N 3422).\n\n**N. 7** The allocation of departments follows the seniority principle, but is not constitutionally regulated. The departmental allocation represents a political act that is not justiciable (**BGE 129 II 193** E. 4.1).\n\n#### c) Delegation of Business (Para. 3)\n\n**N. 8** Para. 3 enables the delegation of business for independent handling to departments or subordinate administrative units. The provision distinguishes between:\n- Delegation to departments (first level)\n- Delegation to subordinate administrative units (second level)\n\n**N. 9** The scope of permissible delegations is disputed. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (op. cit., N 1681) advocate a restrictive interpretation and require a special legal basis for each delegation. In contrast, the prevailing doctrine (Ehrenzeller et al., op. cit., Art. 177 N 18; Sägesser, op. cit., Art. 177 N 15) considers delegation based directly on Art. 177 para. 3 BV as permissible, provided that no business of fundamental political significance is concerned.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 10** From the collegial principle it follows that individual decisions by Federal Councillors without authorisation are null and void. Departments can only act within the scope of the competences transferred to them. Violations of the collegial principle can be challenged by appeal, provided the appellant is affected in their own rights.\n\n**N. 11** In the case of delegations, legal protection must be ensured according to para. 3. This means concretely:\n- Rulings of delegated bodies must be challengeable\n- The appeal procedure must remain guaranteed\n- The guarantee of legal remedies according to → Art. 29a BV applies without restriction\n\n### 5. Disputes\n\n**N. 12** **Scope of delegation authority**: It is disputed which business the Federal Council may delegate. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 842) maintain that only administrative routine business may be delegated. Tschannen (Die Beziehungen zwischen Bundesrat und Bundesverwaltung, ZBl 2003, p. 537) argues for more extensive delegation possibilities with clear legal requirements. Practice shows an extensive handling of delegation possibilities.\n\n**N. 13** **Sub-delegation**: The admissibility of sub-delegation is controversially discussed. While Vogel (in: Ehrenzeller et al., op. cit., Art. 177 N 22) permits sub-delegation only with express legal authorisation, Sägesser (op. cit., Art. 177 N 18) considers further delegation within the administrative hierarchy as implicitly permissible. The Federal Court has not yet conclusively clarified this question (**BGE 101 Ib 70** E. 4).\n\n**N. 14** **Legal protection in delegation**: It is unclear what requirements must be placed on legal protection. Waldmann (Bernisches Verwaltungsrecht, 2nd ed. 2019, p. 163) demands complete legal protection with review of all legal and factual questions. Kiener/Rütsche/Kuhn (Öffentliches Verfahrensrecht, 3rd ed. 2021, N 1842) consider limited review on technical questions as sufficient.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 15** In applying Art. 177 BV, the following must be observed:\n- Business of considerable political significance must be submitted to the entire Federal Council\n- The departments carefully prepare the business (co-reporting procedure)\n- Delegation decisions must be clearly formulated and precisely describe the scope of transferred competences\n- Legal protection must be explicitly regulated in the delegation norm\n\n**N. 16** In practice, the following forms of delegation have become established:\n- General delegations by ordinance (e.g. organisational ordinances)\n- Special delegations for specific subject areas\n- Delegations with approval reservation for important decisions\n- Right of the Federal Council to reclaim business of fundamental significance\n\n**N. 17** The COVID-19 pandemic has highlighted the importance of efficient delegations. The Federal Council has delegated extensive competences to the departments and the FOPH, whereby compliance with legal protection has been partially critically questioned. This shows the necessity of observing the constitutional requirements of Art. 177 para. 3 BV even in crisis situations.", "caselaw_en": "# Art. 177 BV\n\n## Case Law\n\n### Collegial Principle of the Federal Council\n\n**BGE 129 II 193 E. 4.1** of 21 February 2003  \nFederal Council decision on entry ban on grounds of safeguarding national interests.  \nFundamental decision on the position of the Federal Council as the supreme governing and executive body.\n\n> «The Federal Council not only stands at the head of the Federal Administration (Art. 178 para. 1 and 2 FC) but as a government collegium is also directly entrusted with the direction of state affairs (Art. 180 para. 1 FC).»\n\n### Delegation of Federal Council Powers to Departments\n\n**BGE 87 IV 29 E. 3** of 12 December 1961  \nTransfer of legislative powers by the Federal Council to the Federal Department of Home Affairs.  \nBasic admissibility of subdelegation of powers within certain limits.\n\n> «The problem of subdelegation of powers [...] is disputed in legal doctrine and case law, whether subdelegation of legislative powers is generally permissible or permissible in certain cases even without express constitutional regulation.»\n\n**BGE 101 Ib 70 E. 4** of 14 February 1975  \nDelegation of fee regulation powers to the Federal Department of Home Affairs.  \nInadmissibility of the specific delegation due to lack of legal basis.\n\n> «In legal doctrine and case law it is disputed whether subdelegation of legislative powers is generally permissible or permissible in certain cases even without express constitutional regulation.»\n\n**BGE 100 IV 124 E. 2b** of 16 October 1974  \nReferral of federal criminal cases by the Federal Council or a department designated by it to cantonal authorities.  \nConfirmation of the possibility of delegation for criminal law powers.\n\n> «If criminal cases are referred to cantonal judicial authorities by the Federal Council or a department designated by it, then they must not only prosecute them but also adjudicate them.»\n\n### Transfer of Administrative Tasks to External Organisations\n\n**BGE 137 II 409 E. 7** of 3 October 2011  \nTransfer of administrative tasks to social partner organisations pursuant to Art. 178 para. 3 FC.  \nClarification of constitutional requirements for the transfer of tasks.\n\n> «Art. 178 para. 3 FC contains criteria for the transfer of administrative tasks to organisations that stand outside the Federal Administration [...] as well as conditions under which the latter may issue administrative decisions.»\n\n### Legal Protection in Case of Delegation\n\n**BGE 128 IV 219 E. 1.3** of 26 August 2002  \nAppeal proceedings against decisions of departments in delegated criminal matters.  \nRestriction of legal remedies for certain delegation decisions.\n\n> «If the department, in application of Art. 21 and 73 VStrR, considers the conditions for a custodial sentence or a measure involving deprivation of liberty to be met, this decision cannot be challenged by appeal pursuant to Art. 27 VStrR.»\n\n**BGE 133 II 209 E. 2** of 25 May 2007  \nAccess to protocols of the governing bodies of the Federal Supreme Court and application of the Freedom of Information Act.  \nRelevance for transparency in collegial decisions of authorities.\n\n> «Access to official documents of the governing bodies of the Federal Supreme Court is possible under the general conditions of the Federal Act on the Principle of Public Access based on Art. 28 BGG, when an administrative act is under discussion.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_177", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.9}
{"law": "BV", "article": 178, "article_suffix": "", "title": "Bundesverwaltung", "sr_number": "101", "summary_de": "## Übersicht\n\nArt. 178 BV regelt die Organisation und Führung der Bundesverwaltung durch den Bundesrat. Die Bestimmung schafft die verfassungsrechtliche Grundlage für die Verwaltungsorganisation des Bundes und ermöglicht die Übertragung staatlicher Aufgaben an externe Organisationen.\n\n**Leitungsfunktion des Bundesrats**: Der Bundesrat führt die gesamte Bundesverwaltung und sorgt für ihre zweckmässige Organisation. Er kann Verwaltungseinheiten schaffen, ändern oder aufheben, solange er sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Diese Leitungsmacht umfasst sowohl strategische als auch operative Steuerung der Verwaltung.\n\n**Departementssystem**: Die Bundesverwaltung gliedert sich in sieben Departemente (Bundeskanzlei, EDA, EDI, EJPD, VBS, EFD, UVEK). Jedes Departement wird von einem Bundesratsmitglied geführt, das für die Geschäfte seines Bereichs verantwortlich ist. Die Zuteilung der Departemente erfolgt durch den Bundesrat selbst.\n\n**Aufgabenübertragung**: Staatliche Verwaltungsaufgaben können durch Gesetz an Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung übertragen werden. Dies betrifft sowohl öffentlich-rechtliche Körperschaften (wie Anstalten) als auch private Unternehmen (wie Aktiengesellschaften). Jede solche Übertragung benötigt eine formell-gesetzliche Grundlage.\n\n**Praktisches Beispiel**: Die Swissmedic (Schweizerisches Heilmittelinstitut) ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt, die durch das Heilmittelgesetz mit der Zulassung von Medikamenten betraut wurde. Sie steht ausserhalb der direkten Bundesverwaltung, erfüllt aber staatliche Aufgaben.\n\n**Rechtliche Folgen**: Bei unzureichender gesetzlicher Grundlage für Aufgabenübertragungen haftet der Bund direkt für entstehende Schäden. Die beauftragten Organisationen müssen sich an die Grundsätze des Verwaltungsrechts halten und unterliegen der Oberaufsicht der Bundesversammlung.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 178 BV entspricht im Wesentlichen dem früheren Art. 95 aBV. Die Verfassungsrevision von 1999 behielt die bewährte Struktur der Bundesverwaltung bei, fügte jedoch in Abs. 3 die ausdrückliche Möglichkeit zur Übertragung von Verwaltungsaufgaben an Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung ein (BBl 1997 I 1, 432). Diese Ergänzung kodifizierte die bereits bestehende Praxis der Aufgabenauslagerung und schuf eine klare verfassungsrechtliche Grundlage für die verschiedenen Formen der Verwaltungstätigkeit durch Private.\n\n**N. 2** Die Botschaft betont, dass die Aufnahme von Abs. 3 der zunehmenden Bedeutung von Auslagerungen Rechnung trägt und gleichzeitig deren demokratische Legitimation durch den Gesetzesvorbehalt sicherstellt (BBl 1997 I 432). Der Verfassungsgeber wollte damit Flexibilität in der Verwaltungsorganisation ermöglichen, ohne die parlamentarische Kontrolle preiszugeben.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 178 BV steht im 2. Abschnitt des 5. Kapitels über die Bundesbehörden und bildet zusammen mit Art. 174–177 BV das verfassungsrechtliche Fundament der Exekutive. Die Bestimmung konkretisiert die in Art. 174 BV verankerte Regierungsfunktion des Bundesrats für den Bereich der Verwaltungsführung.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 164 Abs. 1 Bst. g BV (Gesetzgebungskompetenz für die Organisation der Bundesbehörden)\n- → Art. 187 Abs. 1 Bst. a BV (Oberaufsicht der Bundesversammlung)\n- → Art. 146 BV (Staatshaftung)\n- → Art. 5 BV (Gesetzmässigkeit staatlichen Handelns)\n\n**N. 5** Das Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz (RVOG, SR 172.010) konkretisiert die Verfassungsnorm auf Gesetzesstufe und regelt die Details der Verwaltungsorganisation, insbesondere das 4-Kreise-Modell der Bundesverwaltung.\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### Leitungsfunktion des Bundesrats (Abs. 1)\n\n**N. 6** Der Begriff \"leitet\" umfasst nach herrschender Lehre sowohl die strategische Führung als auch die operative Steuerung der Bundesverwaltung (Sägesser, RVOG-Kommentar, 2019, Art. 8 N. 3; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 15 N. 8). Der Bundesrat ist dabei an die Grundsätze der Zweckmässigkeit und Zielgerichtetheit gebunden.\n\n**N. 7** Die \"zweckmässige Organisation\" verlangt eine effiziente, wirtschaftliche und wirksame Verwaltungsstruktur. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N. 1698) betonen, dass dies dem Bundesrat einen erheblichen Gestaltungsspielraum einräumt, der nur durch ausdrückliche gesetzliche Organisationsvorgaben begrenzt wird.\n\n#### Departementssystem (Abs. 2)\n\n**N. 8** Das Kollegialprinzip des Bundesrats (Art. 177 Abs. 1 BV) wird durch das Departementssystem ergänzt. Jedes der sieben Departemente untersteht einem Bundesratsmitglied, das für die Geschäftsführung verantwortlich ist (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 178 N. 12).\n\n**N. 9** Die Departementszuteilung erfolgt durch den Bundesrat selbst und kann jederzeit geändert werden. Dies unterscheidet das schweizerische System fundamental von Ministerialsystemen mit festen Ressorts (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N. 3456).\n\n#### Aufgabenübertragung (Abs. 3)\n\n**N. 10** Der Begriff \"Verwaltungsaufgaben\" ist weit zu verstehen und umfasst alle Tätigkeiten der Verwaltung, einschliesslich hoheitlicher Befugnisse (**BGE 137 II 409 E. 7.2**). Die Übertragung kann an Organisationen des öffentlichen Rechts (z.B. Anstalten, interkantonale Organisationen) oder des privaten Rechts (z.B. Aktiengesellschaften, Vereine) erfolgen.\n\n**N. 11** Der Gesetzesvorbehalt bedeutet, dass jede Aufgabenübertragung einer formell-gesetzlichen Grundlage bedarf. Bei der Übertragung hoheitlicher Befugnisse, insbesondere im Sicherheitsbereich, gelten erhöhte Anforderungen an die Bestimmtheit der gesetzlichen Grundlage (**BGE 148 II 218 E. 3.3**).\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 12** Aus der Leitungsfunktion des Bundesrats folgt seine umfassende Organisationskompetenz innerhalb der gesetzlichen Schranken. Er kann Verwaltungseinheiten schaffen, aufheben oder umstrukturieren (Art. 8 RVOG).\n\n**N. 13** Die Departementszuteilung begründet die Geschäftsführungskompetenz des jeweiligen Departementsvorstehers, nicht aber eine Entscheidkompetenz in Kollegialgeschäften (Art. 177 Abs. 1 BV).\n\n**N. 14** Bei der Aufgabenübertragung nach Abs. 3 bleiben Aufsicht und Verantwortung grundsätzlich beim Bund. Die beauftragte Organisation wird funktional in die Bundesverwaltung eingegliedert und untersteht dem Verantwortlichkeitsgesetz (Art. 19 VG), sofern die gesetzliche Grundlage ausreichend ist (**BGE 148 II 218 E. 2**).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 15** **Reichweite der Übertragbarkeit**: Müller (Die Auslagerung von Bundesaufgaben, 2020, S. 156) vertritt die Auffassung, dass Kernaufgaben der Staatsgewalt (z.B. Polizeigewalt, Strafverfolgung) nicht übertragbar seien. Waldmann (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 178 N. 23) hält dagegen eine Übertragung auch hoheitlicher Aufgaben für zulässig, sofern die gesetzliche Grundlage hinreichend bestimmt ist.\n\n**N. 16** **Implizite Entscheidkompetenzen**: Das Bundesgericht hat in **BGE 137 II 409 E. 7** entschieden, dass die Übertragung von Aufgaben die zur Erfüllung notwendigen Entscheidkompetenzen implizit einschliessen kann. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5. Aufl. 2021, § 41 N. 18) kritisiert dies als zu weitgehend und fordert eine explizite gesetzliche Regelung der Entscheidbefugnisse.\n\n**N. 17** **Demokratische Legitimation**: Ehrenzeller/Schindler (St. Galler Kommentar BV, Art. 178 N. 28) betonen die Notwendigkeit einer hinreichenden demokratischen Legitimation bei der Aufgabenübertragung. Sägesser (Ausgewählte Rechtsfragen zur Auslagerung, ZBl 2019, 234) sieht die parlamentarische Oberaufsicht als ausreichende Legitimation an.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 18** Bei der Prüfung einer Aufgabenübertragung ist zunächst die Zugehörigkeit der beauftragten Organisation zur Bundesverwaltung nach dem 4-Kreise-Modell zu klären. Die Abgrenzung erfolgt anhand typologischer Kriterien wie Rechtsform, Aufgabentyp und Steuerungsmöglichkeiten (**BVGE 2015/43 E. 6.2–6.4**).\n\n**N. 19** Die gesetzliche Grundlage muss mindestens regeln: Art und Umfang der übertragenen Aufgaben, Aufsichtsinstrumente, Finanzierung und allfällige hoheitliche Befugnisse. Bei Sicherheitsaufgaben sind zusätzlich die Befugnisse zur Anwendung unmittelbaren Zwangs explizit zu regeln.\n\n**N. 20** Für die Haftung gilt: Besteht eine genügende gesetzliche Grundlage, haftet die beauftragte Organisation nach Art. 19 VG. Fehlt diese, bleibt der Bund direktes Haftungssubjekt (**BGE 148 II 218 E. 2**). Die vertragliche Überwälzung der Haftung auf Private ist nur im Rahmen des VG möglich.", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\n### Übertragung von Verwaltungsaufgaben (Abs. 3)\n\n**BGE 137 II 409 E. 7** (3. Oktober 2011)  \nDas Bundesgericht legt die verfassungsrechtlichen Anforderungen für die Übertragung von Verwaltungsaufgaben gemäss Art. 178 Abs. 3 BV fest.  \nGrundlegende Präzisierung der Kriterien für die Delegation von Verwaltungsaufgaben an Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung und ihrer Entscheidungsbefugnisse.\n\n> «In Art. 178 Abs. 3 BV enthaltene Kriterien für die Übertragung von Verwaltungsaufgaben an Organisationen, die ausserhalb der Bundesverwaltung stehen sowie Voraussetzungen, nach denen Letztere Verwaltungsverfügungen erlassen können. Die Delegation von tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration peut comprendre implicitement le pouvoir décisionnel nécessaire à l'accomplissement desdites tâches, pour autant qu'une loi spéciale ne l'exclue pas. Il y a toutefois lieu de préciser que la délégation de tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration n'inclut pas automatiquement le transfert implicite d'une compétence décisionnelle.»\n\n**BGE 138 I 196 E. 4** (3. Mai 2012)  \nDas Bundesgericht stellt hohe Anforderungen an die gesetzliche Grundlage für die Übertragung staatlicher Aufgaben an private Organisationen.  \nBestätigung des Legalitätsprinzips bei der Auslagerung von Staatsaufgaben unter Betonung der Gewaltenteilung.\n\n> «Da die vereidigten Übersetzer nicht Teil der Genfer Staatsverwaltung bilden, bedarf die Auslagerung staatlicher Aufgaben an sie der Grundlage in einem formellen Gesetz. Das RTJ/GE kann sich weder auf ein kantonales Gesetz noch direkt auf die Art. 101, 119 oder Art. 125 KV/GE bzw. auf entsprechendes verfassungsrechtliches Gewohnheitsrecht stützen und entbehrt deshalb in Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips der erforderlichen gesetzlichen bzw. verfassungsrechtlichen Grundlage.»\n\n**BGE 148 II 218 E. 3.3** (2021)  \nDas Bundesgericht konkretisiert die besonderen Anforderungen bei der Übertragung sicherheitspolizeilicher Aufgaben an Private.  \nVerschärfung der Anforderungen an die formellgesetzliche Grundlage bei Sicherheitsaufgaben.\n\n> «Eine Betrauung mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes i.S.v. Art. 19 VG steht nach Art. 178 Abs. 3 BV unter dem Gesetzesvorbehalt. Besonders hohe Anforderungen an die formellgesetzliche Grundlage sind dabei im Bereich der Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben zu stellen. Weder das AsylG noch das BWIS enthält eine hinreichende gesetzliche Grundlage für die vorliegend in Frage stehende Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben an die Securitas AG.»\n\n### Verwaltungsorganisation und Departementssystem (Abs. 1-2)\n\n**BGE 148 II 92 E. 5.1** (22. Oktober 2021)  \nDas Bundesgericht ordnet die Eidgenössische Schiedskommission als Teil der dezentralen Bundesverwaltung ein.  \nAbgrenzung zwischen zentraler und dezentraler Bundesverwaltung sowie deren Unterstellung unter das BGÖ.\n\n> «Die Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Schiedskommission) gehört als ausserparlamentarische Kommission zur dezentralen Bundesverwaltung und fällt damit in den persönlichen Geltungsbereich des BGÖ. Die Schiedskommission ist eine durch Bundesrecht geschaffene, dem Bundesrat unterstellte ausserparlamentarische Kommission und damit nach der hier vertretenen Auffassung eine Verwaltungseinheit der dezentralen Bundesverwaltung.»\n\n### Haftung und staatliche Verantwortung\n\n**BGE 148 II 218 E. 2** (2021)  \nDas Bundesgericht klärt die Haftungsverhältnisse bei unzureichend delegierten Aufgaben.  \nBei fehlender genügender gesetzlicher Grundlage verbleibt die direkte Haftung beim Bund.\n\n> «Der Bund haftet für Schäden, die seine Organe in Ausübung amtlicher Tätigkeiten widerrechtlich verursachen (Art. 146 BV). Das Verantwortlichkeitsgesetz konkretisiert diesen verfassungsrechtlichen Grundsatz. Es ist auch auf alle anderen Personen anwendbar, insoweit sie unmittelbar mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betraut sind. Bei dieser Sachlage verbleibt der Bund direktes Haftungssubjekt für potentielle Haftungsansprüche.»\n\n### Bundesgerichtsbarkeit und Zuständigkeitsabgrenzung\n\nUrteil 2C_484/2010 vom 29. Juni 2012 E. 2.3  \nDas Bundesgericht präzisiert die Reichweite der organisatorischen Kompetenzen des Bundesrats im Verhältnis zu den Departementen.  \nKonkretisierung der Leitungsaufgaben des Bundesrats gegenüber der Bundesverwaltung.\n\nUrteil 2C_39/2018 vom 18. Juni 2019 E. 4.2  \nDas Bundesgericht behandelt Fragen zur dezentralen Bundesverwaltung und ihrer Kontrolle.  \nAbgrenzung zwischen zentraler und dezentraler Verwaltung im Rahmen des RVOG.", "summary_fr": "## Aperçu\n\nL'art. 178 Cst. règle l'organisation et la direction de l'administration fédérale par le Conseil fédéral. Cette disposition crée la base constitutionnelle de l'organisation administrative de la Confédération et permet le transfert de tâches étatiques à des organisations externes.\n\n**Fonction de direction du Conseil fédéral** : Le Conseil fédéral dirige l'ensemble de l'administration fédérale et veille à son organisation adéquate. Il peut créer, modifier ou supprimer des unités administratives, pour autant qu'il respecte les prescriptions légales. Ce pouvoir de direction comprend tant la conduite stratégique qu'opérationnelle de l'administration.\n\n**Système départemental** : L'administration fédérale se subdivise en sept départements (Chancellerie fédérale, DFAE, DFI, DFJP, DDPS, DFF, DETEC). Chaque département est dirigé par un membre du Conseil fédéral, responsable des affaires de son domaine. L'attribution des départements s'effectue par le Conseil fédéral lui-même.\n\n**Transfert de tâches** : Les tâches administratives de l'État peuvent être transférées par la loi à des organisations extérieures à l'administration fédérale. Ceci concerne tant les collectivités de droit public (comme les établissements) que les entreprises privées (comme les sociétés anonymes). Chaque transfert de ce type nécessite une base légale formelle.\n\n**Exemple pratique** : Swissmedic (Institut suisse des produits thérapeutiques) est un établissement de droit public chargé par la loi sur les produits thérapeutiques de l'autorisation des médicaments. Il se situe en dehors de l'administration fédérale directe, mais accomplit des tâches étatiques.\n\n**Conséquences juridiques** : En cas de base légale insuffisante pour le transfert de tâches, la Confédération répond directement des dommages causés. Les organisations mandatées doivent respecter les principes du droit administratif et sont soumises à la haute surveillance de l'Assemblée fédérale.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Historique de la disposition\n\n**N. 1** L'art. 178 Cst. correspond essentiellement à l'ancien art. 95 aCst. La révision constitutionnelle de 1999 a maintenu la structure éprouvée de l'administration fédérale, mais a ajouté à l'al. 3 la possibilité expresse de transférer des tâches administratives à des organisations extérieures à l'administration fédérale (FF 1997 I 1, 432). Ce complément a codifié la pratique existante de l'externalisation des tâches et créé une base constitutionnelle claire pour les différentes formes d'activité administrative par des privés.\n\n**N. 2** Le message souligne que l'adoption de l'al. 3 tient compte de l'importance croissante des externalisations et assure en même temps leur légitimation démocratique par la réserve de la loi (FF 1997 I 432). Le constituant voulait ainsi permettre la flexibilité dans l'organisation administrative sans abandonner le contrôle parlementaire.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 178 Cst. figure dans la 2e section du 5e chapitre sur les autorités fédérales et forme avec les art. 174–177 Cst. le fondement constitutionnel de l'exécutif. La disposition concrétise la fonction gouvernementale du Conseil fédéral ancrée à l'art. 174 Cst. pour le domaine de la conduite administrative.\n\n**N. 4** La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 164 al. 1 let. g Cst. (compétence législative pour l'organisation des autorités fédérales)\n- → Art. 187 al. 1 let. a Cst. (haute surveillance de l'Assemblée fédérale)\n- → Art. 146 Cst. (responsabilité de l'État)\n- → Art. 5 Cst. (légalité de l'action étatique)\n\n**N. 5** La loi sur l'organisation du gouvernement et de l'administration (LOGA, RS 172.010) concrétise la norme constitutionnelle au niveau légal et règle les détails de l'organisation administrative, en particulier le modèle des 4 cercles de l'administration fédérale.\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### Fonction de direction du Conseil fédéral (al. 1)\n\n**N. 6** Le terme « dirige » comprend selon la doctrine dominante aussi bien la conduite stratégique que le pilotage opérationnel de l'administration fédérale (Sägesser, RVOG-Kommentar, 2019, Art. 8 N. 3 ; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 15 N. 8). Le Conseil fédéral est lié par les principes d'opportunité et d'orientation vers les objectifs.\n\n**N. 7** L'« organisation appropriée » exige une structure administrative efficiente, économique et efficace. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N. 1698) soulignent que cela accorde au Conseil fédéral une marge d'appréciation considérable, limitée seulement par des prescriptions organisationnelles légales expresses.\n\n#### Système départemental (al. 2)\n\n**N. 8** Le principe collégial du Conseil fédéral (art. 177 al. 1 Cst.) est complété par le système départemental. Chacun des sept départements est subordonné à un membre du Conseil fédéral, responsable de la gestion des affaires (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar BV, 4e éd. 2023, Art. 178 N. 12).\n\n**N. 9** L'attribution des départements s'effectue par le Conseil fédéral lui-même et peut être modifiée à tout moment. Cela distingue fondamentalement le système suisse des systèmes ministériels avec des ressorts fixes (Rhinow/Schefer/Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N. 3456).\n\n#### Transfert de tâches (al. 3)\n\n**N. 10** Le terme « tâches administratives » doit être compris largement et englobe toutes les activités de l'administration, y compris les attributions souveraines (**ATF 137 II 409 consid. 7.2**). Le transfert peut s'effectuer à des organisations de droit public (p. ex. établissements, organisations intercantonales) ou de droit privé (p. ex. sociétés anonymes, associations).\n\n**N. 11** La réserve de la loi signifie que tout transfert de tâches nécessite une base légale formelle. Lors du transfert d'attributions souveraines, particulièrement dans le domaine de la sécurité, des exigences accrues s'appliquent quant à la précision de la base légale (**ATF 148 II 218 consid. 3.3**).\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 12** De la fonction de direction du Conseil fédéral découle sa compétence d'organisation globale dans les limites légales. Il peut créer, supprimer ou restructurer des unités administratives (art. 8 LOGA).\n\n**N. 13** L'attribution départementale fonde la compétence de gestion des affaires du chef de département respectif, mais non une compétence de décision dans les affaires collégiales (art. 177 al. 1 Cst.).\n\n**N. 14** Lors du transfert de tâches selon l'al. 3, la surveillance et la responsabilité demeurent en principe à la Confédération. L'organisation mandatée est intégrée fonctionnellement dans l'administration fédérale et est soumise à la loi sur la responsabilité (art. 19 LResp), pour autant que la base légale soit suffisante (**ATF 148 II 218 consid. 2**).\n\n### 5. Points controversés\n\n**N. 15** **Portée de la transférabilité** : Müller (Die Auslagerung von Bundesaufgaben, 2020, p. 156) défend l'opinion que les tâches centrales du pouvoir d'État (p. ex. pouvoir de police, poursuite pénale) ne sont pas transférables. Waldmann (BSK BV, 2e éd. 2024, Art. 178 N. 23) considère en revanche qu'un transfert même de tâches souveraines est admissible, pour autant que la base légale soit suffisamment précise.\n\n**N. 16** **Compétences décisionnelles implicites** : Le Tribunal fédéral a décidé dans l'**ATF 137 II 409 consid. 7** que le transfert de tâches peut inclure implicitement les compétences décisionnelles nécessaires à leur accomplissement. Tschannen (Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 5e éd. 2021, § 41 N. 18) critique cela comme trop étendu et exige une réglementation légale explicite des compétences décisionnelles.\n\n**N. 17** **Légitimation démocratique** : Ehrenzeller/Schindler (St. Galler Kommentar BV, Art. 178 N. 28) soulignent la nécessité d'une légitimation démocratique suffisante lors du transfert de tâches. Sägesser (Ausgewählte Rechtsfragen zur Auslagerung, ZBl 2019, 234) considère la haute surveillance parlementaire comme une légitimation suffisante.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 18** Lors de l'examen d'un transfert de tâches, il faut d'abord clarifier l'appartenance de l'organisation mandatée à l'administration fédérale selon le modèle des 4 cercles. La délimitation s'effectue selon des critères typologiques comme la forme juridique, le type de tâches et les possibilités de pilotage (**ATAF 2015/43 consid. 6.2–6.4**).\n\n**N. 19** La base légale doit au minimum régler : le type et l'étendue des tâches transférées, les instruments de surveillance, le financement et les éventuelles attributions souveraines. Pour les tâches de sécurité, les attributions d'application de la contrainte directe doivent en outre être réglées explicitement.\n\n**N. 20** Pour la responsabilité : s'il existe une base légale suffisante, l'organisation mandatée répond selon l'art. 19 LResp. À défaut, la Confédération reste le sujet de responsabilité direct (**ATF 148 II 218 consid. 2**). Le transfert contractuel de la responsabilité sur des privés n'est possible que dans le cadre de la LResp.", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\n### Transfert de tâches administratives (al. 3)\n\n**ATF 137 II 409 c. 7** (3 octobre 2011)  \nLe Tribunal fédéral établit les exigences constitutionnelles pour le transfert de tâches administratives selon l'art. 178 al. 3 Cst.  \nPrécision fondamentale des critères pour la délégation de tâches administratives à des organisations extérieures à l'administration fédérale et de leurs compétences décisionnelles.\n\n> «In Art. 178 Abs. 3 BV enthaltene Kriterien für die Übertragung von Verwaltungsaufgaben an Organisationen, die ausserhalb der Bundesverwaltung stehen sowie Voraussetzungen, nach denen Letztere Verwaltungsverfügungen erlassen können. Die Delegation von tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration peut comprendre implicitement le pouvoir décisionnel nécessaire à l'accomplissement desdites tâches, pour autant qu'une loi spéciale ne l'exclue pas. Il y a toutefois lieu de préciser que la délégation de tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration n'inclut pas automatiquement le transfert implicite d'une compétence décisionnelle.»\n\n**ATF 138 I 196 c. 4** (3 mai 2012)  \nLe Tribunal fédéral pose des exigences élevées concernant la base légale pour le transfert de tâches étatiques à des organisations privées.  \nConfirmation du principe de légalité lors de l'externalisation de tâches étatiques sous l'angle de la séparation des pouvoirs.\n\n> «Da die vereidigten Übersetzer nicht Teil der Genfer Staatsverwaltung bilden, bedarf die Auslagerung staatlicher Aufgaben an sie der Grundlage in einem formellen Gesetz. Das RTJ/GE kann sich weder auf ein kantonales Gesetz noch direkt auf die Art. 101, 119 oder Art. 125 KV/GE bzw. auf entsprechendes verfassungsrechtliches Gewohnheitsrecht stützen und entbehrt deshalb in Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips der erforderlichen gesetzlichen bzw. verfassungsrechtlichen Grundlage.»\n\n**ATF 148 II 218 c. 3.3** (2021)  \nLe Tribunal fédéral concrétise les exigences particulières lors du transfert de tâches de police de sécurité à des privés.  \nDurcissement des exigences concernant la base légale formelle pour les tâches de sécurité.\n\n> «Une Betrauung mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes i.S.v. Art. 19 VG steht nach Art. 178 Abs. 3 BV unter dem Gesetzesvorbehalt. Besonders hohe Anforderungen an die formellgesetzliche Grundlage sind dabei im Bereich der Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben zu stellen. Weder das AsylG noch das BWIS enthält eine hinreichende gesetzliche Grundlage für die vorliegend in Frage stehende Übertragung von sicherheitspolizeilichen Aufgaben an die Securitas AG.»\n\n### Organisation administrative et système départemental (al. 1-2)\n\n**ATF 148 II 92 c. 5.1** (22 octobre 2021)  \nLe Tribunal fédéral classe la Commission fédérale d'arbitrage comme partie de l'administration fédérale décentralisée.  \nDélimitation entre l'administration fédérale centrale et décentralisée ainsi que leur assujettissement à la LTrans.\n\n> «Die Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Schiedskommission) gehört als ausserparlamentarische Kommission zur dezentralen Bundesverwaltung und fällt damit in den persönlichen Geltungsbereich des BGÖ. Die Schiedskommission ist eine durch Bundesrecht geschaffene, dem Bundesrat unterstellte ausserparlamentarische Kommission und damit nach der hier vertretenen Auffassung eine Verwaltungseinheit der dezentralen Bundesverwaltung.»\n\n### Responsabilité et responsabilité étatique\n\n**ATF 148 II 218 c. 2** (2021)  \nLe Tribunal fédéral clarifie les rapports de responsabilité en cas de tâches insuffisamment déléguées.  \nEn l'absence de base légale suffisante, la responsabilité directe demeure auprès de la Confédération.\n\n> «Der Bund haftet für Schäden, die seine Organe in Ausübung amtlicher Tätigkeiten widerrechtlich verursachen (Art. 146 BV). Das Verantwortlichkeitsgesetz konkretisiert diesen verfassungsrechtlichen Grundsatz. Es ist auch auf alle anderen Personen anwendbar, insoweit sie unmittelbar mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betraut sind. Bei dieser Sachlage verbleibt der Bund direktes Haftungssubjekt für potentielle Haftungsansprüche.»\n\n### Juridiction fédérale et délimitation des compétences\n\nArrêt 2C_484/2010 du 29 juin 2012 c. 2.3  \nLe Tribunal fédéral précise la portée des compétences organisationnelles du Conseil fédéral par rapport aux départements.  \nConcrétisation des tâches de direction du Conseil fédéral vis-à-vis de l'administration fédérale.\n\nArrêt 2C_39/2018 du 18 juin 2019 c. 4.2  \nLe Tribunal fédéral traite des questions relatives à l'administration fédérale décentralisée et à son contrôle.  \nDélimitation entre administration centrale et décentralisée dans le cadre de l'OLOGA.", "summary_it": "## Panoramica\n\nL'art. 178 Cost. disciplina l'organizzazione e la direzione dell'Amministrazione federale da parte del Consiglio federale. La disposizione crea la base costituzionale per l'organizzazione amministrativa della Confederazione e consente la delega di compiti statali a organizzazioni esterne.\n\n**Funzione direttiva del Consiglio federale**: Il Consiglio federale dirige l'intera Amministrazione federale e provvede alla sua organizzazione funzionale. Può creare, modificare o sopprimere unità amministrative purché rispetti le prescrizioni legali. Questo potere direttivo comprende sia il controllo strategico che quello operativo dell'amministrazione.\n\n**Sistema dipartimentale**: L'Amministrazione federale si articola in seven dipartimenti (Cancelleria federale, DFAE, DFI, DFGP, DDPS, DFF, DATEC). Ogni dipartimento è diretto da un membro del Consiglio federale, responsabile degli affari del suo settore. L'attribuzione dei dipartimenti è effettuata dal Consiglio federale stesso.\n\n**Delega di compiti**: I compiti amministrativi statali possono essere delegati per legge a organizzazioni esterne all'Amministrazione federale. Ciò riguarda sia le corporazioni di diritto pubblico (come gli istituti) sia le imprese private (come le società anonime). Ogni delega di questo tipo necessita di una base legale formale.\n\n**Esempio pratico**: Swissmedic (Istituto svizzero per gli agenti terapeutici) è un istituto di diritto pubblico incaricato dalla legge sugli agenti terapeutici dell'omologazione di medicamenti. Si trova al di fuori dell'Amministrazione federale diretta, ma adempie compiti statali.\n\n**Conseguenze giuridiche**: In caso di base legale insufficiente per le deleghe di compiti, la Confederazione risponde direttamente per i danni causati. Le organizzazioni incaricate devono attenersi ai principi del diritto amministrativo e sono soggette all'alta vigilanza dell'Assemblea federale.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia dell'articolo\n\n**N. 1** L'art. 178 Cost. corrisponde sostanzialmente al precedente art. 95 aCost. La revisione costituzionale del 1999 mantenne la struttura collaudata dell'amministrazione federale, aggiungendo però al cpv. 3 la possibilità esplicita di trasferire compiti amministrativi a organizzazioni esterne all'amministrazione federale (FF 1997 I 1, 432). Questa integrazione codificò la prassi già esistente di esternalizzazione dei compiti e creò una base costituzionale chiara per le diverse forme di attività amministrativa svolta da privati.\n\n**N. 2** Il messaggio sottolinea che l'introduzione del cpv. 3 tiene conto della crescente importanza delle esternalizzazioni e al contempo garantisce la loro legittimazione democratica attraverso la riserva di legge (FF 1997 I 432). Il costituente voleva così permettere flessibilità nell'organizzazione amministrativa senza rinunciare al controllo parlamentare.\n\n### 2. Collocazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 178 Cost. si trova nella 2ª sezione del 5° capitolo sulle autorità federali e forma insieme agli art. 174–177 Cost. il fondamento costituzionale dell'esecutivo. La disposizione concretizza la funzione di governo del Consiglio federale sancita dall'art. 174 Cost. per l'ambito della direzione amministrativa.\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata a:\n- → Art. 164 cpv. 1 lett. g Cost. (competenza legislativa per l'organizzazione delle autorità federali)\n- → Art. 187 cpv. 1 lett. a Cost. (alta vigilanza dell'Assemblea federale)\n- → Art. 146 Cost. (responsabilità dello Stato)\n- → Art. 5 Cost. (legalità dell'attività statale)\n\n**N. 5** La legge sull'organizzazione del governo e dell'amministrazione (LOGA, RS 172.010) concretizza la norma costituzionale a livello legislativo e disciplina i dettagli dell'organizzazione amministrativa, in particolare il modello a 4 cerchi dell'amministrazione federale.\n\n### 3. Elementi costitutivi / Contenuto normativo\n\n#### Funzione dirigenziale del Consiglio federale (cpv. 1)\n\n**N. 6** Il termine \"dirige\" comprende secondo la dottrina dominante sia la direzione strategica che il controllo operativo dell'amministrazione federale (Sägesser, LOGA-Commento, 2019, art. 8 n. 3; Tschannen/Zimmerli/Müller, Diritto amministrativo generale, 4ª ed. 2014, § 15 n. 8). Il Consiglio federale è vincolato ai principi di appropriatezza e finalizzazione.\n\n**N. 7** L'\"organizzazione appropriata\" richiede una struttura amministrativa efficiente, economica ed efficace. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Diritto costituzionale svizzero, 10ª ed. 2020, n. 1698) sottolineano che questo accorda al Consiglio federale un considerevole margine di configurazione, limitato solo da prescrizioni organizzative legali esplicite.\n\n#### Sistema dipartimentale (cpv. 2)\n\n**N. 8** Il principio collegiale del Consiglio federale (art. 177 cpv. 1 Cost.) è completato dal sistema dipartimentale. Ciascuno dei sette dipartimenti sottostà a un membro del Consiglio federale responsabile della gestione degli affari (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commento di San Gallo Cost., 4ª ed. 2023, art. 178 n. 12).\n\n**N. 9** L'attribuzione dei dipartimenti avviene da parte del Consiglio federale stesso e può essere modificata in qualsiasi momento. Questo distingue fondamentalmente il sistema svizzero dai sistemi ministeriali con dicasteri fissi (Rhinow/Schefer/Uebersax, Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, n. 3456).\n\n#### Trasferimento di compiti (cpv. 3)\n\n**N. 10** Il termine \"compiti amministrativi\" deve essere inteso in senso ampio e comprende tutte le attività dell'amministrazione, incluse le competenze pubblicistiche (**DTF 137 II 409 consid. 7.2**). Il trasferimento può avvenire a organizzazioni di diritto pubblico (p. es. istituti, organizzazioni intercantonali) o di diritto privato (p. es. società anonime, associazioni).\n\n**N. 11** La riserva di legge significa che ogni trasferimento di compiti necessita di una base legale formale. Nel caso di trasferimento di competenze pubblicistiche, particolarmente in ambito di sicurezza, valgono requisiti più elevati riguardo alla determinatezza della base legale (**DTF 148 II 218 consid. 3.3**).\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 12** Dalla funzione dirigenziale del Consiglio federale deriva la sua competenza organizzativa globale entro i limiti legali. Esso può creare, sopprimere o ristrutturare unità amministrative (art. 8 LOGA).\n\n**N. 13** L'attribuzione dipartimentale fonda la competenza gestionale del rispettivo capo dipartimento, ma non una competenza decisionale negli affari collegiali (art. 177 cpv. 1 Cost.).\n\n**N. 14** Nel trasferimento di compiti secondo il cpv. 3 vigilanza e responsabilità rimangono in linea di principio presso la Confederazione. L'organizzazione incaricata viene integrata funzionalmente nell'amministrazione federale e sottostà alla legge sulla responsabilità (art. 19 LResp), purché la base legale sia sufficiente (**DTF 148 II 218 consid. 2**).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 15** **Portata della trasferibilità**: Müller (L'esternalizzazione dei compiti federali, 2020, p. 156) sostiene che i compiti centrali del potere statale (p. es. potere di polizia, perseguimento penale) non siano trasferibili. Waldmann (BSK Cost., 2ª ed. 2024, art. 178 n. 23) ritiene invece ammissibile un trasferimento anche di compiti pubblicistici, purché la base legale sia sufficientemente determinata.\n\n**N. 16** **Competenze decisionali implicite**: Il Tribunale federale ha deciso in **DTF 137 II 409 consid. 7** che il trasferimento di compiti può includere implicitamente le competenze decisionali necessarie per l'adempimento. Tschannen (Diritto dello Stato della Confederazione Svizzera, 5ª ed. 2021, § 41 n. 18) critica questo come troppo esteso e richiede una disciplina legale esplicita delle competenze decisionali.\n\n**N. 17** **Legittimazione democratica**: Ehrenzeller/Schindler (Commento di San Gallo Cost., art. 178 n. 28) sottolineano la necessità di una sufficiente legittimazione democratica nel trasferimento di compiti. Sägesser (Questioni giuridiche scelte sull'esternalizzazione, ZBl 2019, 234) considera l'alta vigilanza parlamentare come legittimazione sufficiente.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 18** Nell'esame di un trasferimento di compiti occorre innanzitutto chiarire l'appartenenza dell'organizzazione incaricata all'amministrazione federale secondo il modello a 4 cerchi. La delimitazione avviene mediante criteri tipologici come forma giuridica, tipo di compito e possibilità di controllo (**DTAF 2015/43 consid. 6.2–6.4**).\n\n**N. 19** La base legale deve disciplinare almeno: tipo e portata dei compiti trasferiti, strumenti di vigilanza, finanziamento ed eventuali competenze pubblicistiche. Per i compiti di sicurezza devono essere disciplinate esplicitamente anche le competenze per l'applicazione della coercizione diretta.\n\n**N. 20** Per la responsabilità vale: se esiste una base legale sufficiente, l'organizzazione incaricata risponde secondo l'art. 19 LResp. Se questa manca, la Confederazione rimane soggetto di responsabilità diretto (**DTF 148 II 218 consid. 2**). Il riversamento contrattuale della responsabilità su privati è possibile solo nel quadro della LResp.", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\n### Trasferimento di compiti amministrativi (cpv. 3)\n\n**DTF 137 II 409 consid. 7** (3 ottobre 2011)  \nIl Tribunale federale stabilisce i requisiti costituzionali per il trasferimento di compiti amministrativi secondo l'art. 178 cpv. 3 Cost.  \nPrecisazione fondamentale dei criteri per la delega di compiti amministrativi a organizzazioni esterne all'Amministrazione federale e delle loro competenze decisionali.\n\n> «Criteri contenuti nell'art. 178 cpv. 3 Cost. per il trasferimento di compiti amministrativi a organizzazioni che si trovano all'esterno dell'Amministrazione federale nonché presupposti secondo i quali queste ultime possono emanare decisioni amministrative. La délégation de tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration peut comprendre implicitement le pouvoir décisionnel nécessaire à l'accomplissement desdites tâches, pour autant qu'une loi spéciale ne l'exclue pas. Il y a toutefois lieu de préciser que la délégation de tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration n'inclut pas automatiquement le transfert implicite d'une compétence décisionnelle.»\n\n**DTF 138 I 196 consid. 4** (3 maggio 2012)  \nIl Tribunale federale pone elevati requisiti alla base legale per il trasferimento di compiti statali a organizzazioni private.  \nConferma del principio di legalità nell'esternalizzazione di compiti statali sottolineando la separazione dei poteri.\n\n> «Poiché i traduttori giurati non fanno parte dell'amministrazione statale ginevrina, l'esternalizzazione di compiti statali a loro favore necessita del fondamento in una legge formale. Il RTJ/GE non può fondarsi né su una legge cantonale né direttamente sugli art. 101, 119 o art. 125 Cost./GE rispettivamente sul corrispondente diritto costituzionale consuetudinario e pertanto manca, in violazione del principio della separazione dei poteri, del necessario fondamento legale rispettivamente costituzionale.»\n\n**DTF 148 II 218 consid. 3.3** (2021)  \nIl Tribunale federale concretizza i requisiti particolari per il trasferimento di compiti di polizia di sicurezza a privati.  \nInasprimento dei requisiti per la base legale formale nei compiti di sicurezza.\n\n> «Un incarico con compiti di diritto pubblico della Confederazione nel senso dell'art. 19 LAsi sottostà secondo l'art. 178 cpv. 3 Cost. alla riserva di legge. Particolarmente elevati requisiti per la base legale formale devono essere posti nell'ambito del trasferimento di compiti di polizia di sicurezza. Né la LAsi né la LSIS contiene una base legale sufficiente per il trasferimento in questione nel caso presente di compiti di polizia di sicurezza alla Securitas AG.»\n\n### Organizzazione amministrativa e sistema dipartimentale (cpv. 1-2)\n\n**DTF 148 II 92 consid. 5.1** (22 ottobre 2021)  \nIl Tribunale federale classifica la Commissione federale d'arbitrato come parte dell'Amministrazione federale decentralizzata.  \nDelimitazione tra Amministrazione federale centrale e decentralizzata nonché loro subordinazione alla LTras.\n\n> «La Commissione federale d'arbitrato per lo sfruttamento di diritti d'autore e diritti affini (Commissione d'arbitrato) appartiene quale commissione extraparlamentare all'Amministrazione federale decentralizzata e rientra pertanto nel campo d'applicazione personale della LTras. La Commissione d'arbitrato è una commissione extraparlamentare creata dal diritto federale, subordinata al Consiglio federale e pertanto secondo l'opinione qui sostenuta un'unità amministrativa dell'Amministrazione federale decentralizzata.»\n\n### Responsabilità e responsabilità statale\n\n**DTF 148 II 218 consid. 2** (2021)  \nIl Tribunale federale chiarisce i rapporti di responsabilità in caso di compiti delegati insufficientemente.  \nIn mancanza di base legale sufficiente, rimane la responsabilità diretta della Confederazione.\n\n> «La Confederazione risponde dei danni che i suoi organi causano illegalmente nell'esercizio di attività ufficiali (art. 146 Cost.). La Legge sulla responsabilità concretizza questo principio costituzionale. Essa è applicabile anche a tutte le altre persone, nella misura in cui sono direttamente incaricate di compiti di diritto pubblico della Confederazione. In questa situazione di fatto, la Confederazione rimane soggetto diretto di responsabilità per potenziali pretese di responsabilità.»\n\n### Giurisdizione federale e delimitazione delle competenze\n\nSentenza 2C_484/2010 del 29 giugno 2012 consid. 2.3  \nIl Tribunale federale precisa la portata delle competenze organizzative del Consiglio federale nel rapporto con i dipartimenti.  \nConcretizzazione dei compiti di direzione del Consiglio federale nei confronti dell'Amministrazione federale.\n\nSentenza 2C_39/2018 del 18 giugno 2019 consid. 4.2  \nIl Tribunale federale tratta questioni relative all'Amministrazione federale decentralizzata e al suo controllo.  \nDelimitazione tra amministrazione centrale e decentralizzata nel quadro dell'LOGA.", "summary_en": "## Overview\n\nArt. 178 BV regulates the organisation and management of the Federal Administration by the Federal Council. The provision creates the constitutional foundation for the federal administrative organisation and enables the transfer of state tasks to external organisations.\n\n**Leadership function of the Federal Council**: The Federal Council manages the entire Federal Administration and ensures its appropriate organisation. It may create, modify or dissolve administrative units, provided it complies with statutory requirements. This management authority encompasses both strategic and operational control of the administration.\n\n**Departmental system**: The Federal Administration is structured into seven departments (Federal Chancellery, FDFA, FDHA, FDJP, DDPS, FDF, DETEC). Each department is headed by a member of the Federal Council, who is responsible for the affairs of their area. The allocation of departments is decided by the Federal Council itself.\n\n**Task transfer**: State administrative tasks may be transferred by law to organisations outside the Federal Administration. This applies to both public law corporations (such as institutions) and private companies (such as corporations). Any such transfer requires a formal statutory basis.\n\n**Practical example**: Swissmedic (Swiss Agency for Therapeutic Products) is a public law institution that has been entrusted with the authorisation of medicinal products under the Therapeutic Products Act. It operates outside the direct Federal Administration but fulfils state tasks.\n\n**Legal consequences**: In case of insufficient statutory basis for task transfers, the Confederation is directly liable for resulting damages. The commissioned organisations must comply with the principles of administrative law and are subject to the supreme supervision of the Federal Assembly.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 178 Const. essentially corresponds to former Art. 95 of the old Constitution. The 1999 constitutional revision retained the proven structure of the federal administration, but added in para. 3 the express possibility of transferring administrative tasks to organisations outside the federal administration (BBl 1997 I 1, 432). This addition codified the already existing practice of task outsourcing and created a clear constitutional basis for the various forms of administrative activity by private parties.\n\n**N. 2** The Message emphasises that the inclusion of para. 3 takes account of the increasing importance of outsourcing while ensuring their democratic legitimation through the statutory reservation (BBl 1997 I 432). The constitutional legislator thereby sought to enable flexibility in administrative organisation without sacrificing parliamentary control.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 178 Const. is located in Section 2 of Chapter 5 on the federal authorities and, together with Art. 174–177 Const., forms the constitutional foundation of the executive. The provision concretises the governmental function of the Federal Council anchored in Art. 174 Const. for the area of administrative management.\n\n**N. 4** The provision is closely linked to:\n- → Art. 164 para. 1 let. g Const. (legislative competence for the organisation of federal authorities)\n- → Art. 187 para. 1 let. a Const. (supreme oversight by the Federal Assembly)\n- → Art. 146 Const. (state liability)\n- → Art. 5 Const. (legality of state action)\n\n**N. 5** The Government and Administration Organisation Act (GAOA, SR 172.010) concretises the constitutional provision at the statutory level and regulates the details of administrative organisation, in particular the 4-circle model of the federal administration.\n\n### 3. Constituent Elements / Content of the Provision\n\n#### Management Function of the Federal Council (para. 1)\n\n**N. 6** According to the prevailing doctrine, the term \"directs\" encompasses both the strategic leadership and the operational control of the federal administration (Sägesser, GAOA-Commentary, 2019, Art. 8 N. 3; Tschannen/Zimmerli/Müller, General Administrative Law, 4th ed. 2014, § 15 N. 8). The Federal Council is thereby bound by the principles of expediency and goal orientation.\n\n**N. 7** The \"expedient organisation\" requires an efficient, economical and effective administrative structure. Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr (Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N. 1698) emphasise that this grants the Federal Council considerable discretion, which is limited only by express statutory organisational requirements.\n\n#### Departmental System (para. 2)\n\n**N. 8** The collegial principle of the Federal Council (Art. 177 para. 1 Const.) is complemented by the departmental system. Each of the seven departments is subordinate to a Federal Councillor who is responsible for its management (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary Const., 4th ed. 2023, Art. 178 N. 12).\n\n**N. 9** The departmental allocation is made by the Federal Council itself and can be changed at any time. This fundamentally distinguishes the Swiss system from ministerial systems with fixed portfolios (Rhinow/Schefer/Uebersax, Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N. 3456).\n\n#### Transfer of Tasks (para. 3)\n\n**N. 10** The term \"administrative tasks\" is to be understood broadly and encompasses all activities of the administration, including sovereign powers (**BGE 137 II 409 consideration 7.2**). The transfer may be made to organisations under public law (e.g. institutions, intercantonal organisations) or private law (e.g. corporations, associations).\n\n**N. 11** The statutory reservation means that every transfer of tasks requires a formal statutory basis. When transferring sovereign powers, particularly in the security sector, heightened requirements apply to the precision of the statutory basis (**BGE 148 II 218 consideration 3.3**).\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**N. 12** From the Federal Council's management function follows its comprehensive organisational competence within statutory limits. It can create, abolish or restructure administrative units (Art. 8 GAOA).\n\n**N. 13** The departmental allocation establishes the management competence of the respective head of department, but not decision-making competence in collegial matters (Art. 177 para. 1 Const.).\n\n**N. 14** In the case of task transfer under para. 3, supervision and responsibility remain in principle with the Confederation. The commissioned organisation is functionally integrated into the federal administration and is subject to the Liability Act (Art. 19 LA), provided the statutory basis is sufficient (**BGE 148 II 218 consideration 2**).\n\n### 5. Points of Controversy\n\n**N. 15** **Scope of transferability**: Müller (The Outsourcing of Federal Tasks, 2020, p. 156) takes the view that core tasks of state power (e.g. police power, criminal prosecution) cannot be transferred. Waldmann (BSK Const., 2nd ed. 2024, Art. 178 N. 23) argues by contrast that a transfer of sovereign tasks is also permissible, provided the statutory basis is sufficiently precise.\n\n**N. 16** **Implicit decision-making competences**: The Federal Supreme Court decided in **BGE 137 II 409 consideration 7** that the transfer of tasks can implicitly include the decision-making competences necessary for their fulfilment. Tschannen (Constitutional Law of the Swiss Confederation, 5th ed. 2021, § 41 N. 18) criticises this as too far-reaching and calls for explicit statutory regulation of decision-making powers.\n\n**N. 17** **Democratic legitimation**: Ehrenzeller/Schindler (St. Gallen Commentary Const., Art. 178 N. 28) emphasise the necessity of sufficient democratic legitimation in the transfer of tasks. Sägesser (Selected Legal Issues on Outsourcing, ZBl 2019, 234) considers parliamentary supreme oversight as sufficient legitimation.\n\n### 6. Practical Guidelines\n\n**N. 18** When examining a task transfer, the affiliation of the commissioned organisation to the federal administration under the 4-circle model must first be clarified. The delimitation is made according to typological criteria such as legal form, type of task and control possibilities (**BVGE 2015/43 consideration 6.2–6.4**).\n\n**N. 19** The statutory basis must regulate at minimum: the type and scope of the transferred tasks, supervisory instruments, financing and any sovereign powers. For security tasks, the powers to apply direct coercion must additionally be explicitly regulated.\n\n**N. 20** For liability the following applies: If there is a sufficient statutory basis, the commissioned organisation is liable under Art. 19 LA. If this is lacking, the Confederation remains the direct liability subject (**BGE 148 II 218 consideration 2**). The contractual transfer of liability to private parties is only possible within the framework of the LA.", "caselaw_en": "## Case Law\n\n### Transfer of Administrative Tasks (para. 3)\n\n**BGE 137 II 409 E. 7** (3 October 2011)  \nThe Federal Supreme Court establishes the constitutional requirements for the transfer of administrative tasks pursuant to Art. 178 para. 3 FC.  \nFundamental clarification of the criteria for the delegation of administrative tasks to organisations outside the federal administration and their decision-making powers.\n\n> «Criteria contained in Art. 178 para. 3 FC for the transfer of administrative tasks to organisations that stand outside the federal administration as well as conditions under which the latter may issue administrative decisions. The delegation of tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration peut comprendre implicitement le pouvoir décisionnel nécessaire à l'accomplissement desdites tâches, pour autant qu'une loi spéciale ne l'exclue pas. Il y a toutefois lieu de préciser que la délégation de tâches publiques à un organisme extérieur à l'administration n'inclut pas automatiquement le transfert implicite d'une compétence décisionnelle.»\n\n**BGE 138 I 196 E. 4** (3 May 2012)  \nThe Federal Supreme Court sets high requirements for the legal basis for the transfer of state tasks to private organisations.  \nConfirmation of the principle of legality in the outsourcing of state tasks with emphasis on the separation of powers.\n\n> «Since the sworn translators do not form part of the Geneva state administration, the outsourcing of state tasks to them requires a basis in formal law. The RTJ/GE can rely neither on cantonal law nor directly on Arts. 101, 119 or Art. 125 Constitution of Geneva or on corresponding constitutional customary law and therefore lacks the required legal or constitutional basis in violation of the separation of powers principle.»\n\n**BGE 148 II 218 E. 3.3** (2021)  \nThe Federal Supreme Court specifies the special requirements for the transfer of security police tasks to private parties.  \nTightening of requirements for a formal legal basis in security tasks.\n\n> «An entrustment with public law tasks of the Confederation within the meaning of Art. 19 APA is subject to statutory reservation under Art. 178 para. 3 FC. Particularly high requirements for a formal legal basis are to be imposed in the area of transfer of security police tasks. Neither the AsylA nor the BWIS contains a sufficient legal basis for the transfer of security police tasks to Securitas AG in question here.»\n\n### Administrative Organisation and Departmental System (paras. 1-2)\n\n**BGE 148 II 92 E. 5.1** (22 October 2021)  \nThe Federal Supreme Court classifies the Federal Arbitration Commission as part of the decentralised federal administration.  \nDistinction between central and decentralised federal administration and their subordination to the FOIA.\n\n> «The Federal Arbitration Commission for the Exploitation of Copyrights and Related Rights (Arbitration Commission) belongs as an extra-parliamentary commission to the decentralised federal administration and thus falls within the personal scope of application of the FOIA. The Arbitration Commission is an extra-parliamentary commission created by federal law and subordinated to the Federal Council and thus, according to the view represented here, an administrative unit of the decentralised federal administration.»\n\n### Liability and State Responsibility\n\n**BGE 148 II 218 E. 2** (2021)  \nThe Federal Supreme Court clarifies the liability relationships in cases of inadequately delegated tasks.  \nIn the absence of sufficient legal basis, direct liability remains with the Confederation.\n\n> «The Confederation is liable for damage unlawfully caused by its organs in the exercise of official activities (Art. 146 FC). The Government Liability Act concretises this constitutional principle. It also applies to all other persons insofar as they are directly entrusted with public law tasks of the Confederation. In this situation, the Confederation remains the direct subject of liability for potential liability claims.»\n\n### Federal Jurisdiction and Delimitation of Competences\n\nJudgment 2C_484/2010 of 29 June 2012 E. 2.3  \nThe Federal Supreme Court clarifies the scope of the Federal Council's organisational competences in relation to the departments.  \nSpecification of the Federal Council's management tasks vis-à-vis the federal administration.\n\nJudgment 2C_39/2018 of 18 June 2019 E. 4.2  \nThe Federal Supreme Court addresses questions concerning the decentralised federal administration and its control.  \nDistinction between central and decentralised administration within the framework of the GOAS.", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_178", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.9, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.91}
{"law": "BV", "article": 179, "article_suffix": "", "title": "Bundeskanzlei", "sr_number": "101", "summary_de": "# Art. 179 BV — Übersicht\n\nDie Bundeskanzlei ist die zentrale Unterstützungsorganisation des Bundesrates ohne eigene Entscheidungskompetenzen. Als \"allgemeine Stabsstelle\" bereitet sie Bundesratsbeschlüsse vor, koordiniert die Regierungstätigkeit und hilft bei der Umsetzung. Die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler wird von der Bundesversammlung für vier Jahre gewählt und leitet diese wichtige Institution.\n\nDie Bundeskanzlei wirkt in drei Hauptbereichen: Erstens unterstützt sie den Bundesrat bei seinen Sitzungen und der Entscheidungsfindung (Art. 30 RVOG). Zweitens koordiniert sie die Kommunikation zwischen den Departementen und informiert die Öffentlichkeit über Regierungsbeschlüsse (Art. 34 RVOG). Drittens führt sie wichtige Verfahren wie Volksabstimmungen durch und prüft Volksinitiativen auf ihre Gültigkeit (Art. 69 ff. BPR).\n\nAnders als die Departemente kann die Bundeskanzlei grundsätzlich keine hoheitlichen Verfügungen erlassen. Ausnahmen bestehen nur bei den politischen Rechten: Sie entscheidet über das Zustandekommen von Referenden und die Gültigkeit von Volksinitiativen. Gegen solche Verfügungen ist die Beschwerde ans Bundesgericht möglich (**BGE 146 I 126**).\n\nEin praktisches Beispiel: Wenn eine neue Volksinitiative eingereicht wird, prüft die Bundeskanzlei, ob genügend gültige Unterschriften vorliegen. Sie kontrolliert die Stimmrechtsbescheinigungen und stellt fest, ob die Initiative zustande gekommen ist. Diese Verfügung kann vor Bundesgericht angefochten werden.\n\nDie Bundeskanzlei darf auch bei Abstimmungen informieren, wie das Bundesgericht bestätigte. Sie kann sogar Abstimmungsvideos veröffentlichen, solange sie sachlich und transparent über die Vorlagen informiert (**BGE 145 I 1**). Dabei muss sie aber neutral bleiben und darf nicht für ein bestimmtes Abstimmungsresultat werben.\n\nDie Verfassung schreibt vor, dass der Bundesrat eine Stabsstelle haben muss. Eine Abschaffung der Bundeskanzlei wäre nur durch eine Verfassungsänderung möglich. Die konkrete Organisation regeln das Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz (RVOG) und die Organisationsverordnung für die Bundeskanzlei (OV-BK).\n\nDer Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin hat eine besondere Stellung: Er oder sie ist sowohl Stabschef des Bundesrates als auch ein eigenständiges, von der Bundesversammlung gewähltes Organ. An Bundesratssitzungen nimmt er oder sie mit beratender Stimme teil und kann Anträge stellen (Art. 32 RVOG).", "doctrine_de": "# Art. 179 BV — Doktrin\n\n## 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 179 BV entstammt der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999. Die Bestimmung übernahm im Wesentlichen die Regelung des vormaligen Art. 105 aBV von 1874, führte jedoch erstmals die Bundeskanzlei explizit auf Verfassungsstufe als \"allgemeine Stabsstelle\" des Bundesrates ein (BBl 1997 I 463). Die Botschaft betonte die Doppelfunktion der Bundeskanzlei als administrative Schaltstelle und politische Koordinationsstelle der Landesregierung.\n\n**N. 2** Der Verfassungsgeber verzichtete bewusst auf eine detaillierte Aufgabenbeschreibung auf Verfassungsebene. Die konkrete Ausgestaltung der Stabsfunktion sollte flexibel durch Gesetz und Verordnung erfolgen können (BBl 1997 I 464). Diese Zurückhaltung ermöglicht eine Anpassung der Bundeskanzlei an veränderte politische und administrative Bedürfnisse.\n\n## 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 179 BV steht im 5. Abschnitt des 5. Kapitels über die Bundesbehörden, unmittelbar nach den Bestimmungen über den Bundesrat (Art. 174–178 BV) und vor den Regelungen zur Bundesverwaltung (Art. 180 BV). Diese Platzierung unterstreicht die Sonderstellung der Bundeskanzlei zwischen Regierung und Verwaltung.\n\n**N. 4** Die Norm steht in engem Zusammenhang mit Art. 30–34 des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes (RVOG) sowie der Organisationsverordnung für die Bundeskanzlei (OV-BK). Art. 179 BV bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für diese einfachgesetzlichen Regelungen (→ Art. 174 BV für die Organisation des Bundesrates; → Art. 180 BV für die Bundesverwaltung).\n\n## 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n### Allgemeine Stabsstelle\n\n**N. 5** Der Begriff \"allgemeine Stabsstelle\" charakterisiert die Bundeskanzlei als zentrales Unterstützungsorgan ohne eigene Entscheidkompetenzen in Sachgeschäften. Nach Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 179 N. 4) umfasst die Stabsfunktion drei Kernelemente: Vorbereitung, Koordination und Umsetzungsunterstützung von Bundesratsbeschlüssen.\n\n**N. 6** Die Generalklausel \"allgemeine\" Stabsstelle grenzt die Bundeskanzlei von den departementalen Generalsekretariaten ab, welche als spezielle Stabsstellen ihrer Departemente fungieren. Die Bundeskanzlei nimmt departementsübergreifende Querschnittsaufgaben wahr (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 179 N. 7).\n\n### Leitung durch Bundeskanzler/in\n\n**N. 7** Die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler wird gemäss Art. 145 BV von der Bundesversammlung für vier Jahre gewählt. Die Verfassung konstituiert damit ein eigenständiges Bundesorgan, das weder dem Bundesrat noch der Verwaltung im engeren Sinne angehört (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1568).\n\n**N. 8** Die Doppelrolle als Stabschef und gewähltes Bundesorgan verleiht dem Bundeskanzler eine besondere Stellung. Er nimmt gemäss Art. 32 RVOG mit beratender Stimme an den Bundesratssitzungen teil und verfügt über ein Antragsrecht in seinem Zuständigkeitsbereich.\n\n## 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Art. 179 BV folgt die verfassungsrechtliche Verankerung der Bundeskanzlei als notwendiges Organ der Bundesstaatsorganisation. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, eine funktionsfähige Stabsstelle für den Bundesrat vorzusehen. Eine Abschaffung der Bundeskanzlei wäre nur durch Verfassungsänderung möglich.\n\n**N. 10** Die Stabsfunktion begründet keine eigenständigen hoheitlichen Befugnisse gegenüber Dritten. Verfügungen der Bundeskanzlei bedürfen stets einer spezialgesetzlichen Grundlage, wie etwa im Bereich der politischen Rechte (Art. 69 ff. BPR) oder des Öffentlichkeitsprinzips (Art. 10 BGÖ).\n\n**N. 11** Die verfassungsrechtliche Stellung verleiht der Bundeskanzlei Legitimation für koordinierende und unterstützende Tätigkeiten in allen Bereichen der Regierungstätigkeit, einschliesslich der Information der Öffentlichkeit (vgl. **BGE 145 I 1 E. 5.2.2**).\n\n## 5. Streitstände\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird der Umfang der politischen Kommunikationsbefugnisse der Bundeskanzlei. Während Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3485) eine restriktive Auslegung der Stabsfunktion befürworten, plädiert Tschannen (in: Diggelmann/Hertig Randall/Schindler, Verfassungsrecht der Schweiz, Bd. III, 2020, § 65 N. 28) für ein weites Verständnis der Informationsaufgaben als impliziter Teil der modernen Regierungsführung.\n\n**N. 13** Umstritten ist ferner die Reichweite der Delegationsbefugnis für Beschwerdelegitimationen. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 892) vertreten eine enge Auslegung, während die Praxis des Bundesgerichts Delegationen innerhalb der zentralen Bundesverwaltung grundsätzlich zulässt (vgl. **BGE 140 II 539 E. 4.2**).\n\n**N. 14** Die rechtliche Qualifikation von Äusserungen des Bundeskanzlers ist ebenfalls strittig. Biaggini (BV Kommentar, 2. Aufl. 2017, Art. 179 N. 3) betont die Bindung an die Kollegialentscheide des Bundesrates, während andere Autoren einen gewissen eigenständigen Kommunikationsspielraum anerkennen (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 179 N. 12).\n\n## 6. Praxishinweise\n\n**N. 15** Bei Verfügungen der Bundeskanzlei ist stets die spezialgesetzliche Rechtsgrundlage zu prüfen. Die allgemeine Stabsfunktion gemäss Art. 179 BV genügt nicht für hoheitliches Handeln. Insbesondere im Bereich der politischen Rechte sind die detaillierten Verfahrensvorschriften des BPR zu beachten.\n\n**N. 16** Für die Anfechtung von Verfügungen der Bundeskanzlei gelten unterschiedliche Rechtsmittelwege. Während bei Verfügungen über das Zustandekommen von Referenden seit 2008 nur noch das Nicht-Zustandekommen anfechtbar ist (**BGE 146 I 126 E. 1**), sind andere Verfügungen im Bereich der politischen Rechte grundsätzlich beschwerdefähig.\n\n**N. 17** Im Rahmen von Öffentlichkeitsgesuchen fungiert die Bundeskanzlei sowohl als ersuchte Behörde für eigene Dokumente als auch als Koordinationsstelle für departementsübergreifende Gesuche (Art. 10 Abs. 3 BGÖ). Bei der Bearbeitung ist die doppelte Rolle zu beachten: eigene Zuständigkeit versus Koordinationsfunktion.", "caselaw_de": "# Art. 179 BV — Rechtsprechung\n\n## Allgemeine Stellung und Aufgaben der Bundeskanzlei\n\n### Stabsfunktion für den Bundesrat\n\n**BGE 145 I 1** vom 29.10.2018 **E. 5.2.2**\n\nDie Bundeskanzlei wirkt als allgemeine Stabsstelle des Bundesrates bei der Information der Stimmberechtigten mit. Das Bundesgericht hielt fest, dass die Bundeskanzlei als Stabsstelle des Bundesrates zuständig und berechtigt ist, den Bundesrat bei der Information der Stimmberechtigten über eidgenössische Abstimmungsvorlagen zu unterstützen.\n\n«Die Bundeskanzlei ist die Stabsstelle des Bundesrats (Art. 1 Abs. 1 der Organisationsverordnung vom 29. Oktober 2008 für die Bundeskanzlei [OV-BK; SR 172.210.10] i.V.m. Art. 30 Abs. 1 RVOG). Als solche unterstützt sie den Bundesrat bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben (Art. 1 Abs. 3 lit. a OV-BK i.V.m. Art. 30 Abs. 2 lit. a RVOG). Sie wirkt mit bei der Vorbereitung und Durchführung der Eidgenössischen Volksabstimmungen (Art. 3 Abs. 1 VPR sowie Art. 1 Abs. 4 lit. a OV-BK).»\n\n### Beschwerdelegitimation der Bundeskanzlei\n\n**BGE 140 II 539** vom 26.06.2014 **E. 4.2**\n\nDie Bundeskanzlei verfügt gemäss Art. 89 Abs. 2 lit. a BGG über eine gesetzliche Beschwerdebefugnis, die sie mittels Verordnung an nachgeordnete Verwaltungseinheiten delegieren kann. Das Bundesgericht präzisierte die Grenzen dieser Delegationsmöglichkeit.\n\n«Die der Bundeskanzlei und Departementen des Bundes von Gesetzes wegen zukommende Beschwerdebefugnis kann mittels Verordnung an eine Verwaltungseinheit der zentralen Bundesverwaltung delegiert werden (E. 4.2). Im konkreten Fall überträgt keine Norm des Bundesrechts die Befugnis zur Beschwerde ans Bundesgericht der Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen (E. 4.4).»\n\n## Politische Rechte und Bundeskanzlei\n\n### Volksinitiativen und Referenden\n\n**BGE 131 II 449** vom 31.05.2005 **E. 3.4**\n\nBei Volksinitiativen ist die Bundeskanzlei nicht befugt, mangelhafte Stimmrechtsbescheinigungen nachträglich zu korrigieren. Das Bundesgericht stellte die klaren Grenzen der Bundeskanzlei bei der Prüfung von Volksinitiativen fest.\n\n«Eine Nachbescheinigung oder Nachbesserung mangelhafter Bescheinigungen durch die Bundeskanzlei ist nicht möglich (E. 3.4).»\n\n**BGE 129 II 305** vom 06.06.2003 **E. 1.1**\n\nGegen ablehnende Verfügungen der Bundeskanzlei betreffend die Eintragung in das Parteienregister des Bundes ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde zulässig. Das Bundesgericht klärte den Rechtsmittelweg gegen Verfügungen der Bundeskanzlei.\n\n«Gegen eine die Eintragung ablehnende Verfügung der Bundeskanzlei ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegeben (E. 1.1).»\n\n**BGE 146 I 126** vom 14.02.2020 **E. 1**\n\nDas Bundesgericht bestätigte die beschränkte Anfechtbarkeit von Verfügungen der Bundeskanzlei über das Zustandekommen von Referenden. Gemäss der seit 2008 geltenden Regelung sind nur Verfügungen über das Nicht-Zustandekommen anfechtbar.\n\n«Gemäss der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung von Art. 80 Abs. 2 BPR ist gegen Verfügungen der Bundeskanzlei über das Nicht-Zustandekommen eines Referendums die Beschwerde an das Bundesgericht zulässig. Daraus folgt, dass die gegen eine Verfügung über das Zustandekommen eines Referendums gerichtete Beschwerde unzulässig ist (E. 1).»\n\n### Rechtliches Gehör bei Ungültigkeitserklärungen\n\n**BGE 100 Ib 1** vom 22.01.1974 **E. 2**\n\nBei Ungültigkeitserklärungen von Volksinitiativen muss die Bundeskanzlei den Initianten vorgängig Gelegenheit zur Äusserung gewähren. Das Bundesgericht etablierte wichtige Verfahrensgarantien für das Initiativverfahren.\n\n«Bei einer Ungültigkeitserklärung hat die Schweiz. Bundeskanzlei den Initianten Gelegenheit zu geben, sich vorgängig der Verfügung zu den angeblichen Ungültigkeitsgründen zu äussern (Erw. 2).»\n\n## Informationsaufgaben und Kommunikation\n\n### Abstimmungsvideos und Informationspflichten\n\n**BGE 145 I 1** vom 29.10.2018 **E. 5.1.3 und E. 5.2.2**\n\nDie Bundeskanzlei darf zur Erfüllung des bundesrätlichen Informationsauftrags Abstimmungsvideos veröffentlichen, unterliegt dabei aber den Grundsätzen der Sachlichkeit, Transparenz und Verhältnismässigkeit. Das Bundesgericht definierte die Grenzen der Bundeskanzlei bei der Abstimmungsinformation.\n\n«Mit der Beschwerde in Stimmrechtssachen kann somit in diesem Umfang geltend gemacht werden, ein von der Bundeskanzlei - allenfalls in Zusammenarbeit mit einem Departement - im Vorfeld einer eidgenössischen Volksabstimmung zur Information der Stimmberechtigten veröffentlichtes Abstimmungsvideo verletze den Anspruch der Stimmberechtigten auf eine freie Willensbildung und die unverfälschte Stimmabgabe gemäss Art. 34 Abs. 2 BV.»\n\n### Koordination der Regierungskommunikation\n\n**BGE 145 I 1** vom 29.10.2018 **E. 5.2.2**\n\nDie Bundeskanzlei stellt eine koordinierte Informations- und Kommunikationspolitik auf Regierungsstufe sicher und sorgt für rasche Information über Bundesratsbeschlüsse. Das Bundesgericht anerkannte die zentrale Rolle der Bundeskanzlei in der Regierungskommunikation.\n\n«Allgemein stellt sie eine langfristige und koordinierte Informations- und Kommunikationspolitik auf Regierungsstufe sicher und sorgt für eine möglichst rasche Information über die Beschlüsse des Bundesrates (Art. 1 Abs. 3 lit. c OV-BK i.V.m. Art. 34 Abs. 1 RVOG). Die Departemente informieren über ihre Tätigkeit in Absprache und Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlei.»\n\n## Historische Entwicklung der Rechtsprechung\n\n### Frühe Rechtsprechung zur Bundeskanzlei\n\n**BGE 100 Ib 1** vom 22.01.1974 **E. 1**\n\nDas Bundesgericht stellte bereits früh fest, dass die Bundeskanzlei anstelle des Bundesrates Verfügungen betreffend Volksbegehren erlässt. Dies markierte den Übergang von der politischen zur verwaltungsrechtlichen Behandlung solcher Verfahren.\n\n«Seit der Revision des OG im Jahre 1968 ist für den Erlass derartiger Verfügungen nunmehr anstelle des Bundesrates die Bundeskanzlei zuständig.»\n\n**BGE 147 I 206** vom 07.10.2020 **E. 2**\n\nDas Bundesgericht bestätigte die Anfechtbarkeit von Verfügungen der Bundeskanzlei über den Rückzug von Volksinitiativen. Dies erweiterte den gerichtlichen Rechtsschutz im Bereich der politischen Rechte.\n\n«Gegen den Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative ist die Beschwerde ans Bundesgericht möglich (E. 2). Der Rückzug einer eidgenössischen Volksinitiative ist unter den Voraussetzungen von Art. 73 BPR auch nach der Aufhebung einer Abstimmung durch das Bundesgericht möglich (E. 3).»", "summary_fr": "# Art. 179 Cst. — Aperçu\n\nLa Chancellerie fédérale est l'organisation centrale de soutien du Conseil fédéral sans compétences décisionnelles propres. En tant qu'« état-major général », elle prépare les décisions du Conseil fédéral, coordonne l'activité gouvernementale et aide à la mise en œuvre. La chancelière ou le chancelier fédéral est élu par l'Assemblée fédérale pour quatre ans et dirige cette institution importante.\n\nLa Chancellerie fédérale agit dans trois domaines principaux : Premièrement, elle soutient le Conseil fédéral lors de ses séances et de la prise de décisions (art. 30 LOGA). Deuxièmement, elle coordonne la communication entre les départements et informe le public sur les décisions gouvernementales (art. 34 LOGA). Troisièmement, elle mène des procédures importantes comme les votations populaires et vérifie la validité des initiatives populaires (art. 69 ss LDP).\n\nContrairement aux départements, la Chancellerie fédérale ne peut en principe pas rendre de décisions souveraines. Des exceptions n'existent que pour les droits politiques : elle décide de l'aboutissement des référendums et de la validité des initiatives populaires. Contre de telles décisions, le recours au Tribunal fédéral est possible (**ATF 146 I 126**).\n\nUn exemple pratique : Lorsqu'une nouvelle initiative populaire est déposée, la Chancellerie fédérale vérifie si suffisamment de signatures valides sont présentes. Elle contrôle les attestations du droit de vote et constate si l'initiative a abouti. Cette décision peut être attaquée devant le Tribunal fédéral.\n\nLa Chancellerie fédérale peut aussi informer lors de votations, comme l'a confirmé le Tribunal fédéral. Elle peut même publier des vidéos de votation, tant qu'elle informe de manière objective et transparente sur les objets (**ATF 145 I 1**). Elle doit cependant rester neutre et ne peut pas faire campagne pour un résultat de votation particulier.\n\nLa Constitution prescrit que le Conseil fédéral doit avoir un état-major. Une suppression de la Chancellerie fédérale ne serait possible que par une modification constitutionnelle. L'organisation concrète est réglée par la loi sur l'organisation du gouvernement et de l'administration (LOGA) et l'ordonnance sur l'organisation de la Chancellerie fédérale (Org ChF).\n\nLa chancelière ou le chancelier fédéral a une position particulière : il ou elle est à la fois chef d'état-major du Conseil fédéral et un organe autonome élu par l'Assemblée fédérale. Aux séances du Conseil fédéral, il ou elle participe avec voix consultative et peut présenter des requêtes (art. 32 LOGA).", "doctrine_fr": "# Art. 179 Cst. — Doctrine\n\n## 1. Historique\n\n**N. 1** L'art. 179 Cst. provient de la révision totale de la Constitution fédérale de 1999. Cette disposition a repris essentiellement la réglementation de l'ancien art. 105 aCst. de 1874, mais a introduit pour la première fois la Chancellerie fédérale explicitement au niveau constitutionnel en tant que « service d'état-major général » du Conseil fédéral (FF 1997 I 463). Le message a souligné la double fonction de la Chancellerie fédérale comme centre administratif et centre de coordination politique du gouvernement.\n\n**N. 2** Le constituant a consciemment renoncé à une description détaillée des tâches au niveau constitutionnel. L'aménagement concret de la fonction d'état-major devait pouvoir s'effectuer de manière flexible par la loi et l'ordonnance (FF 1997 I 464). Cette retenue permet une adaptation de la Chancellerie fédérale aux besoins politiques et administratifs changeants.\n\n## 2. Situation systématique\n\n**N. 3** L'art. 179 Cst. se trouve dans la 5e section du 5e chapitre sur les autorités fédérales, immédiatement après les dispositions sur le Conseil fédéral (art. 174–178 Cst.) et avant les réglementations sur l'administration fédérale (art. 180 Cst.). Cette position souligne le statut particulier de la Chancellerie fédérale entre le gouvernement et l'administration.\n\n**N. 4** La norme est étroitement liée aux art. 30–34 de la loi sur l'organisation du gouvernement et de l'administration (LOGA) ainsi qu'à l'ordonnance d'organisation de la Chancellerie fédérale (Org ChF). L'art. 179 Cst. forme la base constitutionnelle pour ces réglementations légales (→ art. 174 Cst. pour l'organisation du Conseil fédéral ; → art. 180 Cst. pour l'administration fédérale).\n\n## 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n### Service d'état-major général\n\n**N. 5** Le terme « service d'état-major général » caractérise la Chancellerie fédérale comme organe central de soutien sans compétences décisionnelles propres dans les affaires de fond. Selon Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire saint-gallois, 4e éd. 2023, art. 179 N. 4), la fonction d'état-major comprend trois éléments centraux : préparation, coordination et soutien à la mise en œuvre des décisions du Conseil fédéral.\n\n**N. 6** La clause générale « général » délimite la Chancellerie fédérale des secrétariats généraux départementaux, qui fonctionnent comme services d'état-major spéciaux de leurs départements. La Chancellerie fédérale assume des tâches transversales interdépartementales (Waldmann/Belser/Epiney, Commentaire bâlois Cst., 2e éd. 2024, art. 179 N. 7).\n\n### Direction par le chancelier / la chancelière\n\n**N. 7** La chancelière ou le chancelier de la Confédération est élu(e) selon l'art. 145 Cst. par l'Assemblée fédérale pour quatre ans. La Constitution constitue ainsi un organe fédéral autonome, qui n'appartient ni au Conseil fédéral ni à l'administration au sens strict (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Droit constitutionnel suisse, 10e éd. 2020, N 1568).\n\n**N. 8** Le double rôle de chef d'état-major et d'organe fédéral élu confère au chancelier une position particulière. Il participe selon l'art. 32 LOGA avec voix consultative aux séances du Conseil fédéral et dispose d'un droit de proposition dans son domaine de compétence.\n\n## 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** L'art. 179 Cst. entraîne l'ancrage constitutionnel de la Chancellerie fédérale comme organe nécessaire de l'organisation de l'État fédéral. Le législateur est tenu de prévoir un service d'état-major fonctionnel pour le Conseil fédéral. Une suppression de la Chancellerie fédérale ne serait possible que par une modification constitutionnelle.\n\n**N. 10** La fonction d'état-major ne fonde pas de prérogatives de puissance publique autonomes envers les tiers. Les décisions de la Chancellerie fédérale nécessitent toujours une base légale spéciale, comme par exemple dans le domaine des droits politiques (art. 69 ss LDP) ou du principe de publicité (art. 10 LTrans).\n\n**N. 11** La position constitutionnelle confère à la Chancellerie fédérale la légitimation pour des activités de coordination et de soutien dans tous les domaines de l'activité gouvernementale, y compris l'information du public (cf. **ATF 145 I 1 consid. 5.2.2**).\n\n## 5. Points controversés\n\n**N. 12** L'étendue des compétences de communication politique de la Chancellerie fédérale fait l'objet de discussions controversées. Alors que Rhinow/Schefer/Uebersax (Droit constitutionnel suisse, 3e éd. 2016, N 3485) privilégient une interprétation restrictive de la fonction d'état-major, Tschannen (in : Diggelmann/Hertig Randall/Schindler, Droit constitutionnel de la Suisse, vol. III, 2020, § 65 N. 28) plaide pour une compréhension large des tâches d'information comme partie implicite de la conduite gouvernementale moderne.\n\n**N. 13** La portée du pouvoir de délégation pour les légitimations de recours est également controversée. Müller/Schefer (Les droits fondamentaux en Suisse, 4e éd. 2008, p. 892) défendent une interprétation étroite, tandis que la pratique du Tribunal fédéral admet en principe les délégations au sein de l'administration fédérale centrale (cf. **ATF 140 II 539 consid. 4.2**).\n\n**N. 14** La qualification juridique des déclarations du chancelier est également litigieuse. Biaggini (Commentaire Cst., 2e éd. 2017, art. 179 N. 3) souligne le lien avec les décisions collégiales du Conseil fédéral, tandis que d'autres auteurs reconnaissent une certaine marge de communication autonome (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentaire saint-gallois, 4e éd. 2023, art. 179 N. 12).\n\n## 6. Indications pratiques\n\n**N. 15** Pour les décisions de la Chancellerie fédérale, il faut toujours vérifier la base légale spéciale. La fonction générale d'état-major selon l'art. 179 Cst. ne suffit pas pour l'action de puissance publique. Dans le domaine des droits politiques en particulier, les dispositions procédurales détaillées de la LDP doivent être observées.\n\n**N. 16** Pour la contestation des décisions de la Chancellerie fédérale, différentes voies de recours s'appliquent. Alors que pour les décisions sur l'aboutissement de référendums depuis 2008, seul le non-aboutissement est encore attaquable (**ATF 146 I 126 consid. 1**), d'autres décisions dans le domaine des droits politiques sont en principe susceptibles de recours.\n\n**N. 17** Dans le cadre de demandes d'accès aux documents, la Chancellerie fédérale fonctionne à la fois comme autorité requise pour ses propres documents et comme service de coordination pour les demandes interdépartementales (art. 10 al. 3 LTrans). Lors du traitement, le double rôle doit être pris en compte : compétence propre versus fonction de coordination.", "caselaw_fr": "# Art. 179 Cst. — Jurisprudence\n\n## Position générale et tâches de la Chancellerie fédérale\n\n### Fonction d'état-major pour le Conseil fédéral\n\n**ATF 145 I 1** du 29.10.2018 **consid. 5.2.2**\n\nLa Chancellerie fédérale collabore en tant que service d'état-major général du Conseil fédéral à l'information des personnes ayant le droit de vote. Le Tribunal fédéral a établi que la Chancellerie fédérale, en tant que service d'état-major du Conseil fédéral, est compétente et habilitée à soutenir le Conseil fédéral dans l'information des personnes ayant le droit de vote sur les objets soumis à votation fédérale.\n\n« La Chancellerie fédérale est le service d'état-major du Conseil fédéral (art. 1 al. 1 de l'ordonnance du 29 octobre 2008 sur l'organisation de la Chancellerie fédérale [Org ChF ; RS 172.210.10] en relation avec l'art. 30 al. 1 LOGA). En tant que tel, elle soutient le Conseil fédéral dans l'accomplissement de ses tâches (art. 1 al. 3 let. a Org ChF en relation avec l'art. 30 al. 2 let. a LOGA). Elle collabore à la préparation et à l'exécution des votations populaires fédérales (art. 3 al. 1 LDP ainsi que art. 1 al. 4 let. a Org ChF). »\n\n### Qualité pour recourir de la Chancellerie fédérale\n\n**ATF 140 II 539** du 26.06.2014 **consid. 4.2**\n\nLa Chancellerie fédérale dispose selon l'art. 89 al. 2 let. a LTF d'une qualité pour recourir légale qu'elle peut déléguer par voie d'ordonnance à des unités administratives subordonnées. Le Tribunal fédéral a précisé les limites de cette possibilité de délégation.\n\n« La qualité pour recourir qui revient de par la loi à la Chancellerie fédérale et aux départements de la Confédération peut être déléguée par voie d'ordonnance à une unité administrative de l'administration fédérale centrale (consid. 4.2). Dans le cas concret, aucune norme du droit fédéral ne transfère la compétence de recourir au Tribunal fédéral au Service spécialisé des contrôles de sécurité relatifs aux personnes (consid. 4.4). »\n\n## Droits politiques et Chancellerie fédérale\n\n### Initiatives populaires et référendums\n\n**ATF 131 II 449** du 31.05.2005 **consid. 3.4**\n\nPour les initiatives populaires, la Chancellerie fédérale n'est pas habilitée à corriger rétroactivement des attestations du droit de vote défaillantes. Le Tribunal fédéral a établi les limites claires de la Chancellerie fédérale lors de l'examen d'initiatives populaires.\n\n« Une nouvelle attestation ou un assainissement rétroactif d'attestations défaillantes par la Chancellerie fédérale n'est pas possible (consid. 3.4). »\n\n**ATF 129 II 305** du 06.06.2003 **consid. 1.1**\n\nContre les décisions négatives de la Chancellerie fédérale concernant l'inscription au registre des partis de la Confédération, le recours de droit administratif est admissible. Le Tribunal fédéral a clarifié la voie de recours contre les décisions de la Chancellerie fédérale.\n\n« Contre une décision refusant l'inscription de la Chancellerie fédérale, le recours de droit administratif est donné (consid. 1.1). »\n\n**ATF 146 I 126** du 14.02.2020 **consid. 1**\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'attaquabilité limitée des décisions de la Chancellerie fédérale sur l'aboutissement de référendums. Selon la réglementation en vigueur depuis 2008, seules les décisions sur le non-aboutissement sont attaquables.\n\n« Selon la version en vigueur depuis le 1er janvier 2008 de l'art. 80 al. 2 LDP, le recours au Tribunal fédéral est admissible contre les décisions de la Chancellerie fédérale sur le non-aboutissement d'un référendum. Il s'ensuit que le recours dirigé contre une décision sur l'aboutissement d'un référendum est irrecevable (consid. 1). »\n\n### Droit d'être entendu lors de déclarations de nullité\n\n**ATF 100 Ib 1** du 22.01.1974 **consid. 2**\n\nEn cas de déclaration de nullité d'initiatives populaires, la Chancellerie fédérale doit préalablement donner aux initiateurs l'occasion de s'exprimer. Le Tribunal fédéral a établi d'importantes garanties de procédure pour la procédure d'initiative.\n\n« En cas de déclaration de nullité, la Chancellerie fédérale suisse doit donner aux initiateurs l'occasion de s'exprimer préalablement à la décision sur les prétendus motifs de nullité (consid. 2). »\n\n## Tâches d'information et communication\n\n### Vidéos de votation et obligations d'information\n\n**ATF 145 I 1** du 29.10.2018 **consid. 5.1.3 et consid. 5.2.2**\n\nLa Chancellerie fédérale peut publier des vidéos de votation pour accomplir la mission d'information du Conseil fédéral, mais elle est soumise aux principes d'objectivité, de transparence et de proportionnalité. Le Tribunal fédéral a défini les limites de la Chancellerie fédérale dans l'information sur les votations.\n\n« Par le recours en matière de droits politiques, il peut ainsi être fait valoir dans cette mesure qu'une vidéo de votation publiée par la Chancellerie fédérale - éventuellement en collaboration avec un département - en amont d'une votation populaire fédérale pour informer les personnes ayant le droit de vote viole le droit des personnes ayant le droit de vote à une formation libre de leur opinion et à un vote non faussé selon l'art. 34 al. 2 Cst. »\n\n### Coordination de la communication gouvernementale\n\n**ATF 145 I 1** du 29.10.2018 **consid. 5.2.2**\n\nLa Chancellerie fédérale assure une politique d'information et de communication coordonnée au niveau gouvernemental et veille à une information rapide sur les décisions du Conseil fédéral. Le Tribunal fédéral a reconnu le rôle central de la Chancellerie fédérale dans la communication gouvernementale.\n\n« De manière générale, elle assure une politique d'information et de communication à long terme et coordonnée au niveau gouvernemental et veille à une information aussi rapide que possible sur les décisions du Conseil fédéral (art. 1 al. 3 let. c Org ChF en relation avec l'art. 34 al. 1 LOGA). Les départements informent sur leur activité en concertation et en collaboration avec la Chancellerie fédérale. »\n\n## Évolution historique de la jurisprudence\n\n### Jurisprudence ancienne sur la Chancellerie fédérale\n\n**ATF 100 Ib 1** du 22.01.1974 **consid. 1**\n\nLe Tribunal fédéral a établi tôt que la Chancellerie fédérale rend des décisions concernant les demandes populaires à la place du Conseil fédéral. Cela a marqué la transition du traitement politique au traitement de droit administratif de telles procédures.\n\n« Depuis la révision de l'OJ en 1968, c'est désormais la Chancellerie fédérale qui est compétente pour rendre de telles décisions à la place du Conseil fédéral. »\n\n**ATF 147 I 206** du 07.10.2020 **consid. 2**\n\nLe Tribunal fédéral a confirmé l'attaquabilité des décisions de la Chancellerie fédérale sur le retrait d'initiatives populaires. Cela a élargi la protection juridictionnelle dans le domaine des droits politiques.\n\n« Le recours au Tribunal fédéral est possible contre le retrait d'une initiative populaire fédérale (consid. 2). Le retrait d'une initiative populaire fédérale est possible sous les conditions de l'art. 73 LDP même après l'annulation d'une votation par le Tribunal fédéral (consid. 3). »", "summary_it": "# Art. 179 CF — Panoramica\n\nLa Cancelleria federale è l'organizzazione centrale di supporto del Consiglio federale senza proprie competenze decisionali. Come «stato maggiore generale» prepara le decisioni del Consiglio federale, coordina l'attività governativa e aiuta nell'attuazione. La Cancelliera federale o il Cancelliere federale viene eletto dall'Assemblea federale per quattro anni e dirige questa importante istituzione.\n\nLa Cancelleria federale opera in tre ambiti principali: In primo luogo sostiene il Consiglio federale nelle sue sedute e nel processo decisionale (art. 30 LOGA). In secondo luogo coordina la comunicazione tra i dipartimenti e informa l'opinione pubblica sulle decisioni governative (art. 34 LOGA). In terzo luogo conduce importanti procedure come le votazioni popolari ed esamina le iniziative popolari per la loro validità (art. 69 segg. LDP).\n\nDiversamente dai dipartimenti, la Cancelleria federale non può in linea di principio emanare decisioni sovrane. Eccezioni esistono solo per i diritti politici: essa decide sulla riuscita dei referendum e sulla validità delle iniziative popolari. Contro tali decisioni è possibile il ricorso al Tribunale federale (**DTF 146 I 126**).\n\nUn esempio pratico: quando viene presentata una nuova iniziativa popolare, la Cancelleria federale verifica se sono presenti abbastanza firme valide. Essa controlla le attestazioni del diritto di voto e stabilisce se l'iniziativa è riuscita. Questa decisione può essere impugnata davanti al Tribunale federale.\n\nLa Cancelleria federale può anche informare in caso di votazioni, come ha confermato il Tribunale federale. Essa può persino pubblicare video di votazione, purché informi in modo obiettivo e trasparente sui progetti (**DTF 145 I 1**). Tuttavia deve rimanere neutrale e non può fare campagna per un determinato risultato di votazione.\n\nLa Costituzione prescrive che il Consiglio federale deve avere uno stato maggiore. Un'abolizione della Cancelleria federale sarebbe possibile solo attraverso una modifica costituzionale. L'organizzazione concreta è disciplinata dalla Legge sull'organizzazione del Governo e dell'Amministrazione (LOGA) e dall'Ordinanza sull'organizzazione della Cancelleria federale (Org-CaF).\n\nLa Cancelliera federale o il Cancelliere federale ha una posizione particolare: è sia capo di stato maggiore del Consiglio federale sia un organo autonomo eletto dall'Assemblea federale. Alle sedute del Consiglio federale partecipa con voto consultivo e può presentare richieste (art. 32 LOGA).", "doctrine_it": "# Art. 179 Cost. — Dottrina\n\n## 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 179 Cost. deriva dalla revisione totale della Costituzione federale del 1999. La disposizione riprese sostanzialmente la regolamentazione del precedente art. 105 aVCost del 1874, tuttavia introdusse per la prima volta la Cancelleria federale esplicitamente a livello costituzionale come \"stato maggiore generale\" del Consiglio federale (FF 1997 I 463). Il messaggio sottolineò la doppia funzione della Cancelleria federale come centro di coordinamento amministrativo e politico del governo federale.\n\n**N. 2** Il costituente rinunciò consapevolmente a una descrizione dettagliata dei compiti a livello costituzionale. La concreta configurazione della funzione di stato maggiore doveva poter avvenire in modo flessibile attraverso legge e ordinanza (FF 1997 I 464). Questa moderazione consente un adattamento della Cancelleria federale ai mutevoli bisogni politici e amministrativi.\n\n## 2. Classificazione sistematica\n\n**N. 3** L'art. 179 Cost. si trova nella 5ª sezione del 5° capitolo sulle autorità federali, immediatamente dopo le disposizioni sul Consiglio federale (art. 174–178 Cost.) e prima delle regolamentazioni sull'Amministrazione federale (art. 180 Cost.). Questa collocazione sottolinea la posizione particolare della Cancelleria federale tra governo e amministrazione.\n\n**N. 4** La norma è strettamente collegata agli art. 30–34 della legge sull'organizzazione del governo e dell'amministrazione (LOGA) nonché all'ordinanza sull'organizzazione della Cancelleria federale (OOrg-CaF). L'art. 179 Cost. costituisce la base costituzionale per queste regolamentazioni di legge ordinaria (→ art. 174 Cost. per l'organizzazione del Consiglio federale; → art. 180 Cost. per l'Amministrazione federale).\n\n## 3. Elementi costitutivi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n### Stato maggiore generale\n\n**N. 5** Il concetto di \"stato maggiore generale\" caratterizza la Cancelleria federale come organo di supporto centrale senza proprie competenze decisionali negli affari materiali. Secondo Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentario di San Gallo, 4ª ed. 2023, art. 179 n. 4) la funzione di stato maggiore comprende tre elementi centrali: preparazione, coordinamento e supporto nell'attuazione delle decisioni del Consiglio federale.\n\n**N. 6** La clausola generale di stato maggiore \"generale\" delimita la Cancelleria federale dai segretariati generali dipartimentali, che fungono da stati maggiori speciali dei loro dipartimenti. La Cancelleria federale assume compiti trasversali interdipattimentali (Waldmann/Belser/Epiney, BSK Cost., 2ª ed. 2024, art. 179 n. 7).\n\n### Direzione da parte del Cancelliere\n\n**N. 7** La Cancelliera o il Cancelliere è eletto dall'Assemblea federale per quattro anni secondo l'art. 145 Cost. La Costituzione costituisce così un organo federale autonomo, che non appartiene né al Consiglio federale né all'amministrazione in senso stretto (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Diritto costituzionale svizzero, 10ª ed. 2020, n. 1568).\n\n**N. 8** Il doppio ruolo come capo di stato maggiore e organo federale eletto conferisce al Cancelliere una posizione particolare. Partecipa secondo l'art. 32 LOGA alle sedute del Consiglio federale con voto consultivo e dispone di un diritto di proposta nel suo ambito di competenza.\n\n## 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dall'art. 179 Cost. segue l'ancoraggio costituzionale della Cancelleria federale come organo necessario dell'organizzazione dello Stato federale. Il legislatore è obbligato a prevedere uno stato maggiore funzionale per il Consiglio federale. Una soppressione della Cancelleria federale sarebbe possibile solo attraverso una modifica costituzionale.\n\n**N. 10** La funzione di stato maggiore non fonda poteri sovrani autonomi nei confronti di terzi. Le decisioni della Cancelleria federale necessitano sempre di una base legale speciale, come ad esempio nell'ambito dei diritti politici (art. 69 segg. LDP) o del principio di trasparenza (art. 10 LTras).\n\n**N. 11** La posizione costituzionale conferisce alla Cancelleria federale la legittimazione per attività di coordinamento e supporto in tutti gli ambiti dell'attività governativa, inclusa l'informazione del pubblico (cfr. **DTF 145 I 1 consid. 5.2.2**).\n\n## 5. Controversie\n\n**N. 12** È discussa in modo controverso l'estensione delle competenze di comunicazione politica della Cancelleria federale. Mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (Diritto costituzionale svizzero, 3ª ed. 2016, n. 3485) propugnano un'interpretazione restrittiva della funzione di stato maggiore, Tschannen (in: Diggelmann/Hertig Randall/Schindler, Diritto costituzionale della Svizzera, vol. III, 2020, § 65 n. 28) pleidisce per una comprensione ampia dei compiti informativi come parte implicita della moderna conduzione del governo.\n\n**N. 13** È inoltre controversa la portata della competenza di delega per le legittimazioni ricorsuali. Müller/Schefer (Diritti fondamentali in Svizzera, 4ª ed. 2008, pag. 892) sostengono un'interpretazione restrittiva, mentre la prassi del Tribunale federale ammette in linea di principio deleghe all'interno dell'amministrazione federale centrale (cfr. **DTF 140 II 539 consid. 4.2**).\n\n**N. 14** È ugualmente controversa la qualificazione giuridica di dichiarazioni del Cancelliere. Biaggini (Commentario Cost., 2ª ed. 2017, art. 179 n. 3) sottolinea il vincolo alle decisioni collegiali del Consiglio federale, mentre altri autori riconoscono un certo margine di comunicazione autonomo (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Commentario di San Gallo, 4ª ed. 2023, art. 179 n. 12).\n\n## 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 15** In caso di decisioni della Cancelleria federale è sempre da verificare la base legale speciale. La funzione generale di stato maggiore secondo l'art. 179 Cost. non è sufficiente per l'azione sovrana. Particolarmente nell'ambito dei diritti politici sono da osservare le dettagliate disposizioni procedurali della LDP.\n\n**N. 16** Per l'impugnazione di decisioni della Cancelleria federale valgono diverse vie di ricorso. Mentre per le decisioni sulla riuscita di referendum dal 2008 è impugnabile solo la non riuscita (**DTF 146 I 126 consid. 1**), altre decisioni nell'ambito dei diritti politici sono in linea di principio ricorribli.\n\n**N. 17** Nel quadro di domande di trasparenza la Cancelleria federale funge sia come autorità richiesta per i propri documenti sia come centro di coordinamento per domande interdipartimentali (art. 10 cpv. 3 LTras). Nel trattamento è da considerare il doppio ruolo: competenza propria versus funzione di coordinamento.", "caselaw_it": "# Art. 179 CF — Giurisprudenza\n\n## Posizione generale e compiti della Cancelleria federale\n\n### Funzione di stato maggiore per il Consiglio federale\n\n**DTF 145 I 1** del 29.10.2018 **consid. 5.2.2**\n\nLa Cancelleria federale collabora come organo generale di stato maggiore del Consiglio federale nell'informazione degli aventi diritto di voto. Il Tribunale federale ha stabilito che la Cancelleria federale, quale organo di stato maggiore del Consiglio federale, è competente e autorizzata a sostenere il Consiglio federale nell'informazione degli aventi diritto di voto sui progetti di votazione federali.\n\n«La Cancelleria federale è l'organo di stato maggiore del Consiglio federale (art. 1 cpv. 1 dell'Ordinanza del 29 ottobre 2008 sull'organizzazione della Cancelleria federale [OOrg-CaF; RS 172.210.10] in combinato con l'art. 30 cpv. 1 LOGA). In tale qualità, sostiene il Consiglio federale nell'adempimento dei suoi compiti (art. 1 cpv. 3 lett. a OOrg-CaF in combinato con l'art. 30 cpv. 2 lett. a LOGA). Collabora alla preparazione e all'esecuzione delle votazioni popolari federali (art. 3 cpv. 1 LDP nonché art. 1 cpv. 4 lett. a OOrg-CaF).»\n\n### Legittimazione a ricorrere della Cancelleria federale\n\n**DTF 140 II 539** del 26.06.2014 **consid. 4.2**\n\nLa Cancelleria federale dispone secondo l'art. 89 cpv. 2 lett. a LTF di una legittimazione legale a ricorrere, che può delegare mediante ordinanza a unità amministrative subordinate. Il Tribunale federale ha precisato i limiti di questa possibilità di delega.\n\n«La legittimazione a ricorrere spettante per legge alla Cancelleria federale e ai Dipartimenti della Confederazione può essere delegata mediante ordinanza a un'unità amministrativa dell'Amministrazione federale centrale (consid. 4.2). Nel caso concreto nessuna norma del diritto federale trasferisce alla Divisione sicurezza delle persone la competenza di ricorrere al Tribunale federale (consid. 4.4).»\n\n## Diritti politici e Cancelleria federale\n\n### Iniziative popolari e referendum\n\n**DTF 131 II 449** del 31.05.2005 **consid. 3.4**\n\nPer le iniziative popolari la Cancelleria federale non è autorizzata a correggere successivamente attestati di diritto di voto viziati. Il Tribunale federale ha stabilito i chiari limiti della Cancelleria federale nell'esame delle iniziative popolari.\n\n«Un attestato successivo o un miglioramento successivo di attestati viziati da parte della Cancelleria federale non è possibile (consid. 3.4).»\n\n**DTF 129 II 305** del 06.06.2003 **consid. 1.1**\n\nContro le decisioni negative della Cancelleria federale concernenti l'iscrizione nel registro federale dei partiti è ammesso il ricorso di diritto amministrativo. Il Tribunale federale ha chiarito la via di ricorso contro le decisioni della Cancelleria federale.\n\n«Contro una decisione della Cancelleria federale che respinge l'iscrizione è dato il ricorso di diritto amministrativo (consid. 1.1).»\n\n**DTF 146 I 126** del 14.02.2020 **consid. 1**\n\nIl Tribunale federale ha confermato l'impugnabilità limitata delle decisioni della Cancelleria federale sulla riuscita dei referendum. Secondo la regolamentazione in vigore dal 2008 sono impugnabili solo le decisioni sulla non riuscita.\n\n«Secondo la versione dell'art. 80 cpv. 2 LDP in vigore dal 1° gennaio 2008, contro le decisioni della Cancelleria federale sulla non riuscita di un referendum è ammesso il ricorso al Tribunale federale. Ne consegue che il ricorso diretto contro una decisione sulla riuscita di un referendum è inammissibile (consid. 1).»\n\n### Diritto di essere sentito nelle dichiarazioni di nullità\n\n**DTF 100 Ib 1** del 22.01.1974 **consid. 2**\n\nNelle dichiarazioni di nullità di iniziative popolari la Cancelleria federale deve concedere preventivamente agli iniziatori la possibilità di esprimersi. Il Tribunale federale ha stabilito importanti garanzie procedurali per la procedura dell'iniziativa.\n\n«In caso di dichiarazione di nullità, la Cancelleria federale svizzera deve dare agli iniziatori la possibilità di esprimersi preventivamente alla decisione sui presunti motivi di nullità (consid. 2).»\n\n## Compiti informativi e comunicazione\n\n### Video di votazione e obblighi informativi\n\n**DTF 145 I 1** del 29.10.2018 **consid. 5.1.3 e consid. 5.2.2**\n\nLa Cancelleria federale può pubblicare video di votazione per adempiere il mandato informativo del Consiglio federale, ma è sottoposta ai principi di oggettività, trasparenza e proporzionalità. Il Tribunale federale ha definito i limiti della Cancelleria federale nell'informazione sulle votazioni.\n\n«Con il ricorso in materia di diritti politici si può quindi far valere in questa misura che un video di votazione pubblicato dalla Cancelleria federale - eventualmente in collaborazione con un Dipartimento - prima di una votazione popolare federale per informare gli aventi diritto di voto violi il diritto degli aventi diritto di voto a una libera formazione della volontà e a un voto non falsificato secondo l'art. 34 cpv. 2 CF.»\n\n### Coordinamento della comunicazione governativa\n\n**DTF 145 I 1** del 29.10.2018 **consid. 5.2.2**\n\nLa Cancelleria federale assicura una politica informativa e comunicativa coordinata a livello governativo e provvede a un'informazione rapida sulle decisioni del Consiglio federale. Il Tribunale federale ha riconosciuto il ruolo centrale della Cancelleria federale nella comunicazione governativa.\n\n«In generale, assicura una politica informativa e comunicativa a lungo termine e coordinata a livello governativo e provvede a un'informazione il più rapida possibile sulle decisioni del Consiglio federale (art. 1 cpv. 3 lett. c OOrg-CaF in combinato con l'art. 34 cpv. 1 LOGA). I Dipartimenti informano sulla loro attività d'intesa e in collaborazione con la Cancelleria federale.»\n\n## Evoluzione storica della giurisprudenza\n\n### Giurisprudenza primitiva sulla Cancelleria federale\n\n**DTF 100 Ib 1** del 22.01.1974 **consid. 1**\n\nIl Tribunale federale ha stabilito già precocemente che la Cancelleria federale emana decisioni concernenti le domande popolari al posto del Consiglio federale. Ciò ha segnato il passaggio dal trattamento politico a quello di diritto amministrativo di tali procedure.\n\n«Dalla revisione dell'OG nel 1968, per l'emanazione di tali decisioni è ora competente la Cancelleria federale al posto del Consiglio federale.»\n\n**DTF 147 I 206** del 07.10.2020 **consid. 2**\n\nIl Tribunale federale ha confermato l'impugnabilità delle decisioni della Cancelleria federale sul ritiro di iniziative popolari. Ciò ha esteso la tutela giurisdizionale nel settore dei diritti politici.\n\n«Contro il ritiro di un'iniziativa popolare federale è possibile il ricorso al Tribunale federale (consid. 2). Il ritiro di un'iniziativa popolare federale è possibile sotto le condizioni dell'art. 73 LDP anche dopo l'annullamento di una votazione da parte del Tribunale federale (consid. 3).»", "summary_en": "# Art. 179 BV — Overview\n\nThe Federal Chancellery is the central support organisation of the Federal Council without its own decision-making powers. As a \"general staff unit\", it prepares Federal Council decisions, coordinates government activities and assists with implementation. The Federal Chancellor is elected by the Federal Assembly for four years and heads this important institution.\n\nThe Federal Chancellery operates in three main areas: First, it supports the Federal Council in its meetings and decision-making (Art. 30 GOVA). Second, it coordinates communication between the departments and informs the public about government decisions (Art. 34 GOVA). Third, it conducts important procedures such as popular votes and examines popular initiatives for their validity (Art. 69 ff. FPR).\n\nUnlike the departments, the Federal Chancellery cannot generally issue sovereign administrative orders. Exceptions exist only in relation to political rights: it decides on whether referendums have come about and the validity of popular initiatives. Appeals to the Federal Supreme Court are possible against such orders (**BGE 146 I 126**).\n\nA practical example: When a new popular initiative is submitted, the Federal Chancellery examines whether sufficient valid signatures are present. It checks the certificates of voting rights and determines whether the initiative has come about. This order can be challenged before the Federal Supreme Court.\n\nThe Federal Chancellery may also provide information during votes, as the Federal Supreme Court confirmed. It can even publish voting videos, as long as it provides factual and transparent information about the proposals (**BGE 145 I 1**). However, it must remain neutral and may not campaign for a particular voting result.\n\nThe Constitution requires that the Federal Council must have a staff unit. Abolishing the Federal Chancellery would only be possible through a constitutional amendment. The specific organisation is regulated by the Government and Administration Organisation Act (GOVA) and the Organisation Ordinance for the Federal Chancellery (Org-O FC).\n\nThe Federal Chancellor has a special position: he or she is both chief of staff of the Federal Council and an independent organ elected by the Federal Assembly. He or she participates in Federal Council meetings with an advisory vote and can submit motions (Art. 32 GOVA).", "doctrine_en": "# Art. 179 BV — Doctrine\n\n## 1. Legislative History\n\n**N. 1** Art. 179 BV stems from the total revision of the Federal Constitution of 1999. The provision essentially adopted the regulation of the former Art. 105 old BV of 1874, but for the first time explicitly introduced the Federal Chancellery at the constitutional level as a \"general staff unit\" of the Federal Council (BBl 1997 I 463). The message emphasized the dual function of the Federal Chancellery as an administrative hub and political coordination office of the federal government.\n\n**N. 2** The constitutional legislator deliberately refrained from a detailed description of tasks at the constitutional level. The concrete design of the staff function should be able to be carried out flexibly through law and ordinance (BBl 1997 I 464). This restraint enables an adaptation of the Federal Chancellery to changing political and administrative needs.\n\n## 2. Systematic Classification\n\n**N. 3** Art. 179 BV stands in the 5th section of the 5th chapter on the federal authorities, immediately after the provisions on the Federal Council (Art. 174–178 BV) and before the regulations on the federal administration (Art. 180 BV). This placement underscores the special position of the Federal Chancellery between government and administration.\n\n**N. 4** The norm is closely related to Art. 30–34 of the Government and Administration Organisation Act (GAOA) as well as the Organisation Ordinance for the Federal Chancellery (OO-FC). Art. 179 BV forms the constitutional basis for these ordinary legislative regulations (→ Art. 174 BV for the organisation of the Federal Council; → Art. 180 BV for the federal administration).\n\n## 3. Elements of the Offence / Normative Content\n\n### General Staff Unit\n\n**N. 5** The term \"general staff unit\" characterises the Federal Chancellery as a central support body without its own decision-making powers in substantive matters. According to Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Gallen Commentary, 4th ed. 2023, Art. 179 N. 4), the staff function comprises three core elements: preparation, coordination and implementation support of Federal Council resolutions.\n\n**N. 6** The general clause \"general\" staff unit distinguishes the Federal Chancellery from the departmental secretaries general, which function as special staff units of their departments. The Federal Chancellery performs cross-departmental horizontal tasks (Waldmann/Belser/Epiney, BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 179 N. 7).\n\n### Management by Federal Chancellor\n\n**N. 7** The Federal Chancellor is elected by the Federal Assembly for four years according to Art. 145 BV. The Constitution thus constitutes an independent federal body that belongs neither to the Federal Council nor to the administration in the narrower sense (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Swiss Federal Constitutional Law, 10th ed. 2020, N 1568).\n\n**N. 8** The dual role as chief of staff and elected federal body gives the Federal Chancellor a special position. According to Art. 32 GAOA, he participates in Federal Council meetings with an advisory vote and has the right to make motions within his area of competence.\n\n## 4. Legal Consequences\n\n**N. 9** Art. 179 BV results in the constitutional anchoring of the Federal Chancellery as a necessary body of the federal state organisation. The legislator is obliged to provide a functional staff unit for the Federal Council. An abolition of the Federal Chancellery would only be possible through constitutional amendment.\n\n**N. 10** The staff function does not establish any independent sovereign powers vis-à-vis third parties. Rulings by the Federal Chancellery always require a specific legal basis, such as in the area of political rights (Art. 69 ff. FPA) or the principle of transparency (Art. 10 FTA).\n\n**N. 11** The constitutional position gives the Federal Chancellery legitimacy for coordinating and supporting activities in all areas of government activity, including informing the public (cf. **BGE 145 I 1 E. 5.2.2**).\n\n## 5. Controversies\n\n**N. 12** The scope of the Federal Chancellery's political communication powers is controversially discussed. While Rhinow/Schefer/Uebersax (Swiss Constitutional Law, 3rd ed. 2016, N 3485) advocate a restrictive interpretation of the staff function, Tschannen (in: Diggelmann/Hertig Randall/Schindler, Constitutional Law of Switzerland, Vol. III, 2020, § 65 N. 28) argues for a broad understanding of information tasks as an implicit part of modern governance.\n\n**N. 13** The scope of the delegation authority for appeal legitimations is also disputed. Müller/Schefer (Fundamental Rights in Switzerland, 4th ed. 2008, p. 892) advocate a narrow interpretation, while the practice of the Federal Court generally allows delegations within the central federal administration (cf. **BGE 140 II 539 E. 4.2**).\n\n**N. 14** The legal qualification of statements by the Federal Chancellor is also controversial. Biaggini (BV Commentary, 2nd ed. 2017, Art. 179 N. 3) emphasizes the binding nature of collegial decisions of the Federal Council, while other authors acknowledge a certain independent communication scope (Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, St. Gallen Commentary, 4th ed. 2023, Art. 179 N. 12).\n\n## 6. Practice Guidelines\n\n**N. 15** For rulings by the Federal Chancellery, the specific legal basis must always be examined. The general staff function according to Art. 179 BV is not sufficient for sovereign action. Particularly in the area of political rights, the detailed procedural provisions of the FPA must be observed.\n\n**N. 16** Different legal remedy paths apply for challenging rulings by the Federal Chancellery. While for rulings on the success of referendums since 2008 only the non-success can be challenged (**BGE 146 I 126 E. 1**), other rulings in the area of political rights are generally subject to appeal.\n\n**N. 17** In the context of transparency requests, the Federal Chancellery functions both as the requested authority for its own documents and as a coordination office for cross-departmental requests (Art. 10 para. 3 FTA). When processing, the dual role must be considered: own competence versus coordination function.", "caselaw_en": "# Art. 179 BV — Jurisprudence\n\n## General Position and Tasks of the Federal Chancellery\n\n### Staff Function for the Federal Council\n\n**BGE 145 I 1** of 29.10.2018 **E. 5.2.2**\n\nThe Federal Chancellery acts as a general staff unit of the Federal Council in informing voters. The Federal Court held that the Federal Chancellery, as a staff unit of the Federal Council, is competent and entitled to support the Federal Council in informing voters about federal referendum proposals.\n\n«The Federal Chancellery is the staff unit of the Federal Council (Art. 1 para. 1 of the Organisation Ordinance of 29 October 2008 for the Federal Chancellery [OV-BK; SR 172.210.10] in conjunction with Art. 30 para. 1 RVOG). As such, it supports the Federal Council in carrying out its tasks (Art. 1 para. 3 lit. a OV-BK in conjunction with Art. 30 para. 2 lit. a RVOG). It participates in the preparation and conduct of federal referendums (Art. 3 para. 1 VPR as well as Art. 1 para. 4 lit. a OV-BK).»\n\n### Standing to Appeal of the Federal Chancellery\n\n**BGE 140 II 539** of 26.06.2014 **E. 4.2**\n\nThe Federal Chancellery has, according to Art. 89 para. 2 lit. a BGG, a statutory right to appeal, which it can delegate to subordinate administrative units by means of ordinance. The Federal Court clarified the limits of this delegation possibility.\n\n«The right to appeal accorded by law to the Federal Chancellery and departments of the Confederation can be delegated by means of ordinance to an administrative unit of the central federal administration (E. 4.2). In the specific case, no norm of federal law transfers the power to appeal to the Federal Court to the Specialist Unit for Personnel Security Checks (E. 4.4).»\n\n## Political Rights and the Federal Chancellery\n\n### Popular Initiatives and Referendums\n\n**BGE 131 II 449** of 31.05.2005 **E. 3.4**\n\nFor popular initiatives, the Federal Chancellery is not authorised to subsequently correct defective voting rights certificates. The Federal Court established the clear limits of the Federal Chancellery in reviewing popular initiatives.\n\n«A subsequent certification or correction of defective certificates by the Federal Chancellery is not possible (E. 3.4).»\n\n**BGE 129 II 305** of 06.06.2003 **E. 1.1**\n\nAgainst negative rulings of the Federal Chancellery concerning registration in the federal party register, administrative court appeal is admissible. The Federal Court clarified the legal remedy against rulings of the Federal Chancellery.\n\n«Against a ruling of the Federal Chancellery rejecting registration, administrative court appeal is available (E. 1.1).»\n\n**BGE 146 I 126** of 14.02.2020 **E. 1**\n\nThe Federal Court confirmed the limited contestability of rulings by the Federal Chancellery on the validity of referendums. According to the regulation in force since 2008, only rulings on non-validity are contestable.\n\n«According to the version of Art. 80 para. 2 BPR in force since 1 January 2008, appeals to the Federal Court are admissible against rulings of the Federal Chancellery on the non-validity of a referendum. It follows that appeals directed against a ruling on the validity of a referendum are inadmissible (E. 1).»\n\n### Right to Be Heard in Declarations of Invalidity\n\n**BGE 100 Ib 1** of 22.01.1974 **E. 2**\n\nIn declarations of invalidity of popular initiatives, the Federal Chancellery must give the initiators an opportunity to comment beforehand. The Federal Court established important procedural guarantees for the initiative process.\n\n«In a declaration of invalidity, the Swiss Federal Chancellery must give the initiators an opportunity to comment on the alleged grounds of invalidity prior to the ruling (Cons. 2).»\n\n## Information Tasks and Communication\n\n### Referendum Videos and Information Duties\n\n**BGE 145 I 1** of 29.10.2018 **E. 5.1.3 and E. 5.2.2**\n\nThe Federal Chancellery may publish referendum videos to fulfil the Federal Council's information mandate, but is subject to the principles of objectivity, transparency and proportionality. The Federal Court defined the limits of the Federal Chancellery in referendum information.\n\n«With the appeal in voting rights matters, it can thus be claimed to this extent that a referendum video published by the Federal Chancellery - possibly in cooperation with a department - in advance of a federal referendum to inform voters violates the right of voters to free opinion formation and unimpaired voting according to Art. 34 para. 2 BV.»\n\n### Coordination of Government Communication\n\n**BGE 145 I 1** of 29.10.2018 **E. 5.2.2**\n\nThe Federal Chancellery ensures coordinated information and communication policy at government level and ensures rapid information about Federal Council decisions. The Federal Court recognised the central role of the Federal Chancellery in government communication.\n\n«In general, it ensures long-term and coordinated information and communication policy at government level and ensures the most rapid possible information about the decisions of the Federal Council (Art. 1 para. 3 lit. c OV-BK in conjunction with Art. 34 para. 1 RVOG). The departments inform about their activities in consultation and cooperation with the Federal Chancellery.»\n\n## Historical Development of Jurisprudence\n\n### Early Jurisprudence on the Federal Chancellery\n\n**BGE 100 Ib 1** of 22.01.1974 **E. 1**\n\nThe Federal Court established early on that the Federal Chancellery issues rulings concerning popular petitions instead of the Federal Council. This marked the transition from political to administrative treatment of such procedures.\n\n«Since the revision of the OG in 1968, the Federal Chancellery is now competent for issuing such rulings instead of the Federal Council.»\n\n**BGE 147 I 206** of 07.10.2020 **E. 2**\n\nThe Federal Court confirmed the contestability of rulings by the Federal Chancellery on the withdrawal of popular initiatives. This extended judicial protection in the area of political rights.\n\n«Against the withdrawal of a federal popular initiative, appeal to the Federal Court is possible (E. 2). The withdrawal of a federal popular initiative is also possible under the conditions of Art. 73 BPR after the cancellation of a referendum by the Federal Court (E. 3).»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_179", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.92, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.92, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
{"law": "BV", "article": 180, "article_suffix": "", "title": "Regierungspolitik", "sr_number": "101", "summary_de": "# Übersicht\n\nArt. 180 BV regelt die wichtigsten Aufgaben des Bundesrates als Regierung der Schweiz. Die Bestimmung legt fest, wie der Bundesrat das Land führt und die Öffentlichkeit informiert.\n\n**Was regelt Art. 180 BV?**\n\nAbsatz 1 gibt dem Bundesrat zwei zentrale Kompetenzen: Er muss die politischen Ziele und Mittel seiner Regierungspolitik bestimmen. Ausserdem muss er alle staatlichen Tätigkeiten planen und koordinieren. Das bedeutet, der Bundesrat legt fest, welche politischen Schwerpunkte die Schweiz verfolgt. Er erstellt Pläne für die verschiedenen Politikbereiche und sorgt dafür, dass die Bundesverwaltung, die Kantone und andere Behörden zusammenarbeiten.\n\nAbsatz 2 verpflichtet den Bundesrat zur Information der Öffentlichkeit. Er muss die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig und vollständig über seine Arbeit informieren. Diese Informationspflicht hat aber Grenzen: Wenn wichtige öffentliche oder private Interessen dagegen sprechen, darf der Bundesrat Informationen geheim halten.\n\n**Wer ist betroffen?**\n\nAlle Schweizer Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch auf Information über die Regierungstätigkeit. Besonders wichtig ist dies für Medienschaffende, die als «Wachhunde der Demokratie» fungieren. Die Bundesverwaltung, die Kantone und andere Behörden müssen mit dem Bundesrat zusammenarbeiten.\n\n**Welche Rechtsfolgen gibt es?**\n\nAus der Informationspflicht entsteht ein Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu amtlichen Dokumenten. Dieses Recht wird durch das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) konkretisiert. Wer Informationen vom Bundesrat verlangt, kann sich an das Bundesverwaltungsgericht wenden, wenn der Zugang verweigert wird.\n\n**Beispiel aus der Praxis:**\n\nEine Journalistin möchte wissen, wie viel Geld der Bund für Kriegsmaterial ausgibt. Sie stellt ein Gesuch um Zugang zu den entsprechenden Dokumenten. Der Bundesrat muss diese Informationen grundsätzlich herausgeben, es sei denn, die Veröffentlichung würde aussenpolitische Interessen der Schweiz gefährden oder Geschäftsgeheimnisse preisgeben.", "doctrine_de": "## Doktrin\n\n### 1. Entstehungsgeschichte\n\n**N. 1** Art. 180 BV geht auf die Verfassungsreform von 1999 zurück und fasst die bis dahin in verschiedenen Erlassen verstreuten Kompetenzen des Bundesrates zusammen. Die Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., insbesondere 368 f.) betonte, dass mit der Bestimmung keine materiellen Neuerungen verbunden seien, sondern lediglich eine systematische Bereinigung und Modernisierung erfolge.\n\n**N. 2** Die Informationspflicht nach Abs. 2 war in der alten Bundesverfassung nicht ausdrücklich verankert. Ihre Aufnahme stellte gemäss Botschaft (BBl 1997 I 369) eine «Nachführung» dar, welche die bereits bestehende Praxis des Bundesrates auf Verfassungsstufe hebe. Der Verfassungsgeber wollte damit das Transparenzprinzip als Grundsatz der schweizerischen Demokratie verfassungsrechtlich verankern.\n\n### 2. Systematische Einordnung\n\n**N. 3** Art. 180 BV steht im 3. Abschnitt des 5. Titels über die Bundesbehörden und regelt die Grundzüge der Regierungstätigkeit des Bundesrates. Die Norm steht in engem Zusammenhang mit:\n- → Art. 174 BV (oberste leitende und vollziehende Behörde)\n- → Art. 178 BV (Leitung der Bundesverwaltung)\n- → Art. 181 BV (Initiativrecht)\n- → Art. 182 ff. BV (spezifische Kompetenzen in einzelnen Politikbereichen)\n\n**N. 4** Für die Informationspflicht nach Abs. 2 sind zudem relevant:\n- → Art. 16 BV (Informationsfreiheit)\n- → Art. 17 BV (Medienfreiheit)\n- → Art. 34 BV (politische Rechte)\n- ↔ Art. 10 RVOG (gesetzliche Konkretisierung)\n- ↔ BGÖ (Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung)\n\n### 3. Tatbestandsmerkmale / Norminhalt\n\n#### a) Absatz 1: Regierungspolitik und Koordination\n\n**N. 5** Die Festlegung der «Ziele und Mittel der Regierungspolitik» umfasst die strategische Führung des Staates. Der Bundesrat definiert die politischen Prioritäten, legt die Schwerpunkte der Legislatur fest (→ Art. 146 ParlG) und bestimmt die Jahresziele. Diese Kompetenz ist nicht delegierbar (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10. Aufl. 2020, N 1824).\n\n**N. 6** Die Planungs- und Koordinationsfunktion bezieht sich auf die «staatlichen Tätigkeiten» insgesamt. Erfasst sind nicht nur die Tätigkeiten der Bundesverwaltung (→ Art. 178 BV), sondern auch die Koordination mit anderen Staatsgewalten und den Kantonen. Die Koordinationspflicht konkretisiert sich insbesondere in der Finanzplanung (→ Art. 183 BV) und der Gesetzgebungsplanung.\n\n#### b) Absatz 2: Informationspflicht\n\n**N. 7** Die Informationspflicht verlangt eine «rechtzeitige und umfassende» Information. «Rechtzeitig» bedeutet, dass die Information erfolgen muss, solange sie für die demokratische Willensbildung noch relevant ist (**BGE 139 I 114** E. 3.2). «Umfassend» verlangt eine vollständige, wahrheitsgetreue und sachliche Information ohne manipulative Elemente (**BGE 142 II 313** E. 5.3.2).\n\n**N. 8** Der Vorbehalt für «überwiegende öffentliche oder private Interessen» stellt eine verfassungsunmittelbare Schranke dar. Öffentliche Interessen umfassen namentlich die Landes- und Staatssicherheit (→ Art. 185 BV), die Beziehungen zum Ausland (→ Art. 184 BV) sowie die Funktionsfähigkeit der Behörden. Private Interessen betreffen insbesondere den Persönlichkeitsschutz und Geschäftsgeheimnisse.\n\n### 4. Rechtsfolgen\n\n**N. 9** Aus Abs. 1 folgt die Kompetenz und Pflicht des Bundesrates zur strategischen Staatsführung. Diese Führungsverantwortung kann der Bundesrat weder an die Verwaltung delegieren noch sich ihrer entziehen (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 25 N 7).\n\n**N. 10** Abs. 2 begründet eine objektiv-rechtliche Informationspflicht des Bundesrates. Mit dem Inkrafttreten des BGÖ am 1. Juli 2006 wurde diese durch ein subjektives Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten ergänzt (**BGE 142 II 313** E. 4.2). Das Öffentlichkeitsprinzip hat den früheren Grundsatz der Verwaltungsgeheimhaltung umgekehrt (Urteil des BGer 1C_122/2015 E. 5.1).\n\n### 5. Streitstände\n\n**N. 11** Umstritten ist die Reichweite der Informationspflicht im Bereich der Sicherheitspolitik. Während Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 180 N 12) eine weite Auslegung der Geheimhaltungsinteressen befürworten, plädieren Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2. Aufl. 2024, Art. 180 N 18) für eine restriktive Handhabung im Lichte des Demokratieprinzips.\n\n**N. 12** Kontrovers diskutiert wird auch das Verhältnis zwischen der verfassungsrechtlichen Informationspflicht und dem Kollegialitätsprinzip (→ Art. 177 Abs. 1 BV). Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 523) sehen einen Vorrang der Transparenz, während Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, N 3166) für eine Einzelfallabwägung eintreten.\n\n### 6. Praxishinweise\n\n**N. 13** Für die Durchsetzung des Informationsanspruchs ist primär das BGÖ-Verfahren massgeblich. Der Rechtsweg führt über ein Schlichtungsverfahren beim EDÖB zum Bundesverwaltungsgericht und schliesslich zum Bundesgericht (→ Art. 10 ff. BGÖ).\n\n**N. 14** Bei politisch sensitiven Informationsbegehren ist die Praxis des Bundesrates restriktiv. Dokumente aus dem Mitberichtsverfahren unterliegen regelmässig der Geheimhaltung (→ Art. 8 BGÖ). Die Gerichte wenden jedoch einen strengen Massstab an und verlangen eine konkrete Interessenabwägung im Einzelfall (**BGE 136 II 399** E. 2).\n\n**N. 15** Für die Medien gelten nach der Rechtsprechung erhöhte Schutzstandards. Das Bundesgericht anerkennt ihre besondere Funktion als «Wachhund» der Demokratie und gewährt ihnen privilegierten Zugang zu amtlichen Informationen (**BGE 139 I 114** E. 4).", "caselaw_de": "## Rechtsprechung\n\nDie Rechtsprechung zu Art. 180 BV konzentriiert sich überwiegend auf Abs. 2 und die daraus abgeleitete Informationspflicht des Bundesrates. Die Gerichte haben dabei das Öffentlichkeitsprinzip als verfassungsrechtliche Grundlage für den Zugang zu amtlichen Dokumenten entwickelt und dessen Grenzen definiert. Zu Abs. 1 (Regierungspolitik und Koordination) liegt vergleichsweise wenig Rechtsprechung vor, da diese Bestimmungen primär organisationsrechtlichen Charakter haben und seltener Gegenstand gerichtlicher Verfahren sind.\n\n### Verfassungsrechtliche Grundlage des Öffentlichkeitsprinzips\n\n**BGE 139 I 114** (26. April 2013)\nGebührenpflicht für den Zugang zu amtlichen Dokumenten durch Medienschaffende. Das Bundesgericht anerkennt die Medienfreiheit als wichtigen Aspekt der verfassungsrechtlichen Informationspflicht des Bundesrates und entwickelt besondere Schutzstandards für Medienschaffende beim Zugang zu amtlichen Dokumenten.\n\n> «Die Medien nehmen in einer demokratischen Gesellschaft eine besondere Funktion wahr, indem sie zur freien Meinungsbildung beitragen und als 'Wachhund' (watchdog) die Staatstätigkeit kontrollieren. Diese verfassungsrechtliche Funktion der Medien erfordert, dass sie effektiven Zugang zu Informationen über die Staatstätigkeit haben.»\n\n**BGE 142 II 313** (18. Mai 2016)\nGrundlegendes Urteil zum Öffentlichkeitsprinzip und seiner verfassungsrechtlichen Verankerung in Art. 180 Abs. 2 BV. Das Bundesgericht definiert die Tragweite der Informationspflicht des Bundesrates und entwickelt den Test für die Abwägung zwischen Transparenz und Geheimhaltungsinteressen.\n\n> «Das Öffentlichkeitsprinzip dient der Transparenz der Verwaltung und soll das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen und ihr Funktionieren fördern; es bildet zudem eine wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle demokratische Mitwirkung am politischen Entscheidungsprozess und für eine wirksame Kontrolle der staatlichen Behörden.»\n\n### Grenzen der Informationspflicht bei aussenpolitischen Interessen\n\n**BGE 129 II 193** (21. Februar 2003)\nEinreiseverbot gegen einen niedergelassenen Ausländer aus Gründen der Landesinteressen. Das Urteil behandelt zwar primär das Einreiseverbot, thematisiert aber auch die Staatsleitung des Bundesrates nach Art. 180 Abs. 1 BV und dessen Kompetenz zur Wahrung der Landesinteressen.\n\n> «Der Bundesrat steht nicht nur an der Spitze der Bundesverwaltung (Art. 178 Abs. 1 und 2 BV) sondern ist als Regierungskollegium auch direkt mit der Staatsleitung (Art. 180 Abs. 1 BV) betraut.»\n\n**Urteil 1C_222/2018** (21. März 2019)\nZugang zu Informationen über Kriegsmaterialausfuhrgesuche. Das Bundesgericht präzisiert die Ausnahme für aussenpolitische Interessen nach Art. 7 Abs. 1 lit. d BGÖ und deren Verhältnis zu Art. 180 Abs. 2 BV.\n\n> «Die aussenpolitischen Interessen der Schweiz können beeinträchtigt sein, wenn ein anderer Staat zu veröffentlichende Daten zum Nachteil der Schweiz ausnützen könnte. Insbesondere sollen durch eine allfällige Publikation von Informationen die aktuellen und künftigen Verhandlungspositionen der Schweiz nicht geschwächt werden.»\n\n### Anwendung des Öffentlichkeitsprinzips\n\n**Urteil 1C_50/2015** (2. Dezember 2015)\nZugang zu Beschaffungsstatistiken des Bundes. Das Urteil klärt das Verhältnis zwischen der verfassungsrechtlichen Informationspflicht nach Art. 180 Abs. 2 BV und spezialgesetzlichen Geheimhaltungsbestimmungen.\n\n> «Das Verhältnis des Transparenzgebots zu besonderen Vertraulichkeitsregeln lässt sich nicht generell festlegen, sondern ist von Fall zu Fall zu ermitteln. Abzuwägen sind die sich gegenüberstehenden Interessen im Einzelfall.»\n\n**Urteil 1C_122/2015** (18. Mai 2016)\nZugang zu Informationen der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Das Bundesgericht bestätigt, dass auch bei sensiblen Bereichen wie der internationalen Amtshilfe das Öffentlichkeitsprinzip grundsätzlich anwendbar ist, sofern keine überwiegenden Geheimhaltungsinteressen vorliegen.\n\n> «Mit dem Inkrafttreten des Öffentlichkeitsgesetzes am 1. Juli 2006 wurde der Grundsatz der Geheimhaltung der Verwaltungstätigkeit zu Gunsten des Öffentlichkeitsprinzips umgekehrt.»\n\n### Verhältnis zu anderen Verfassungsbestimmungen\n\n**Urteil 1C_296/2015** (18. Mai 2016)\nParallel zu BGE 142 II 313 behandelt dieses Urteil das Zusammenspiel zwischen Art. 180 Abs. 2 BV, der Medienfreiheit (Art. 17 BV) und der Informationsfreiheit (Art. 16 BV). Es zeigt auf, wie diese Grundrechte die Informationspflicht des Bundesrates verstärken.\n\n> «Der Öffentlichkeitsgrundsatz bildet eine wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle demokratische Mitwirkung am politischen Entscheidungsfindungsprozess und für eine wirksame Kontrolle der staatlichen Behörden.»\n\n### Neuere Entwicklungen im Bereich der Informationspflicht\n\n**Urteil A-6755/2016** des Bundesverwaltungsgerichts (23. Oktober 2017)\nAnwendung des Öffentlichkeitsprinzips in komplexen Fällen. Das Urteil zeigt die praktische Umsetzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben von Art. 180 Abs. 2 BV durch die Verwaltungsgerichte.\n\n> «Das Öffentlichkeitsgesetz konkretisiert die verfassungsrechtliche Informationspflicht des Bundesrates und schafft ein subjektives Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten.»\n\n**Urteil A-2565/2020** des Bundesverwaltungsgerichts (17. Januar 2022)\nJüngere Rechtsprechung zur Anwendung des Öffentlichkeitsprinzips zeigt die kontinuierliche Entwicklung der Praxis im Bereich von Art. 180 Abs. 2 BV und dessen gesetzlicher Konkretisierung durch das BGÖ.\n\n> «Bei der Interessenabwägung zwischen Transparenz und Geheimhaltung sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen von Art. 180 Abs. 2 BV massgeblich, die eine umfassende Information der Öffentlichkeit grundsätzlich vorsehen.»", "summary_fr": "# Aperçu\n\nL'art. 180 Cst. règle les principales tâches du Conseil fédéral en tant que gouvernement de la Suisse. La disposition fixe la manière dont le Conseil fédéral dirige le pays et informe l'opinion publique.\n\n**Que règle l'art. 180 Cst. ?**\n\nL'alinéa 1 confère au Conseil fédéral deux compétences centrales : il doit déterminer les objectifs et les moyens politiques de sa politique gouvernementale. En outre, il doit planifier et coordonner toutes les activités étatiques. Cela signifie que le Conseil fédéral fixe les priorités politiques que poursuit la Suisse. Il établit des plans pour les différents domaines politiques et veille à ce que l'administration fédérale, les cantons et les autres autorités collaborent.\n\nL'alinéa 2 oblige le Conseil fédéral à informer l'opinion publique. Il doit informer les citoyennes et les citoyens en temps utile et de manière complète sur son travail. Cette obligation d'informer a toutefois des limites : lorsque d'importants intérêts publics ou privés s'y opposent, le Conseil fédéral peut garder des informations secrètes.\n\n**Qui est concerné ?**\n\nToutes les citoyennes et tous les citoyens suisses ont droit à l'information sur l'activité gouvernementale. Ceci est particulièrement important pour les journalistes, qui fonctionnent comme « chiens de garde de la démocratie ». L'administration fédérale, les cantons et les autres autorités doivent collaborer avec le Conseil fédéral.\n\n**Quelles sont les conséquences juridiques ?**\n\nL'obligation d'informer fait naître un droit de l'opinion publique d'accéder aux documents officiels. Ce droit est concrétisé par la loi sur la transparence (LTrans). Quiconque exige des informations du Conseil fédéral peut s'adresser au Tribunal administratif fédéral si l'accès est refusé.\n\n**Exemple tiré de la pratique :**\n\nUne journaliste souhaite savoir combien d'argent la Confédération dépense pour le matériel de guerre. Elle présente une demande d'accès aux documents correspondants. Le Conseil fédéral doit en principe communiquer ces informations, sauf si la publication mettrait en danger les intérêts de politique extérieure de la Suisse ou révélerait des secrets d'affaires.", "doctrine_fr": "## Doctrine\n\n### 1. Genèse\n\n**N. 1** L'art. 180 Cst. remonte à la réforme constitutionnelle de 1999 et rassemble les compétences du Conseil fédéral qui étaient jusqu'alors dispersées dans différents actes. Le Message concernant une nouvelle Constitution fédérale du 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 ss, en particulier 368 s.) soulignait qu'aucune innovation matérielle n'était liée à cette disposition, mais qu'un assainissement systématique et une modernisation avaient simplement lieu.\n\n**N. 2** L'obligation d'informer selon l'al. 2 n'était pas expressément ancrée dans l'ancienne Constitution fédérale. Son adoption représentait selon le message (FF 1997 I 369) une « mise à jour » qui élevait au niveau constitutionnel la pratique déjà existante du Conseil fédéral. Le constituant voulait ainsi ancrer constitutionnellement le principe de transparence comme principe fondamental de la démocratie suisse.\n\n### 2. Classification systématique\n\n**N. 3** L'art. 180 Cst. figure dans la 3e section du 5e titre sur les autorités fédérales et règle les grandes lignes de l'activité gouvernementale du Conseil fédéral. La norme est étroitement liée à :\n- → Art. 174 Cst. (autorité directrice et exécutive suprême)\n- → Art. 178 Cst. (direction de l'administration fédérale)\n- → Art. 181 Cst. (droit d'initiative)\n- → Art. 182 ss Cst. (compétences spécifiques dans certains domaines politiques)\n\n**N. 4** Pour l'obligation d'informer selon l'al. 2 sont en outre pertinents :\n- → Art. 16 Cst. (liberté d'information)\n- → Art. 17 Cst. (liberté des médias)\n- → Art. 34 Cst. (droits politiques)\n- ↔ Art. 10 LOGA (concrétisation légale)\n- ↔ LTrans (Loi fédérale sur le principe de la transparence dans l'administration)\n\n### 3. Éléments constitutifs / Contenu normatif\n\n#### a) Alinéa 1 : Politique gouvernementale et coordination\n\n**N. 5** La définition des « objectifs et des moyens de la politique gouvernementale » comprend la direction stratégique de l'État. Le Conseil fédéral définit les priorités politiques, fixe les priorités de la législature (→ art. 146 LParl) et détermine les objectifs annuels. Cette compétence ne peut pas être déléguée (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10e éd. 2020, N 1824).\n\n**N. 6** La fonction de planification et de coordination se rapporte aux « activités étatiques » dans leur ensemble. Sont saisies non seulement les activités de l'administration fédérale (→ art. 178 Cst.), mais aussi la coordination avec les autres pouvoirs et les cantons. L'obligation de coordination se concrétise notamment dans la planification financière (→ art. 183 Cst.) et la planification législative.\n\n#### b) Alinéa 2 : Obligation d'informer\n\n**N. 7** L'obligation d'informer exige une information « en temps utile et de manière détaillée ». « En temps utile » signifie que l'information doit avoir lieu tant qu'elle est encore pertinente pour la formation de la volonté démocratique (**ATF 139 I 114** c. 3.2). « De manière détaillée » exige une information complète, véridique et objective sans éléments manipulateurs (**ATF 142 II 313** c. 5.3.2).\n\n**N. 8** La réserve pour les « intérêts publics ou privés prépondérants » constitue une limite directement constitutionnelle. Les intérêts publics comprennent notamment la sécurité nationale et étatique (→ art. 185 Cst.), les relations avec l'étranger (→ art. 184 Cst.) ainsi que la capacité de fonctionnement des autorités. Les intérêts privés concernent en particulier la protection de la personnalité et les secrets d'affaires.\n\n### 4. Conséquences juridiques\n\n**N. 9** De l'al. 1 découle la compétence et l'obligation du Conseil fédéral de direction stratégique de l'État. Cette responsabilité de direction, le Conseil fédéral ne peut ni la déléguer à l'administration ni s'y soustraire (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4e éd. 2014, § 25 N 7).\n\n**N. 10** L'al. 2 fonde une obligation d'informer de droit objectif du Conseil fédéral. Avec l'entrée en vigueur de la LTrans le 1er juillet 2006, celle-ci a été complétée par un droit subjectif d'accès aux documents officiels (**ATF 142 II 313** c. 4.2). Le principe de transparence a inversé l'ancien principe du secret administratif (arrêt du TF 1C_122/2015 c. 5.1).\n\n### 5. Controverses\n\n**N. 11** La portée de l'obligation d'informer dans le domaine de la politique de sécurité est controversée. Tandis qu'Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (Commentaire saint-gallois Cst., 4e éd. 2023, art. 180 N 12) préconisent une interprétation large des intérêts de maintien du secret, Waldmann/Belser/Epiney (Commentaire bâlois Cst., 2e éd. 2024, art. 180 N 18) plaident pour un maniement restrictif à la lumière du principe démocratique.\n\n**N. 12** Le rapport entre l'obligation constitutionnelle d'informer et le principe de collégialité (→ art. 177 al. 1 Cst.) fait aussi l'objet de discussions controversées. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4e éd. 2008, p. 523) voient une primauté de la transparence, tandis que Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3e éd. 2016, N 3166) prônent une pesée des intérêts au cas par cas.\n\n### 6. Indications pratiques\n\n**N. 13** Pour l'exécution de la prétention à l'information, c'est principalement la procédure LTrans qui est déterminante. La voie de droit passe par une procédure de conciliation auprès du PFPDT au Tribunal administratif fédéral et finalement au Tribunal fédéral (→ art. 10 ss LTrans).\n\n**N. 14** En cas de demandes d'information politiquement sensibles, la pratique du Conseil fédéral est restrictive. Les documents issus de la procédure de corapport sont régulièrement soumis au secret (→ art. 8 LTrans). Les tribunaux appliquent cependant un critère strict et exigent une pesée concrète des intérêts dans le cas particulier (**ATF 136 II 399** c. 2).\n\n**N. 15** Pour les médias s'appliquent selon la jurisprudence des standards de protection élevés. Le Tribunal fédéral reconnaît leur fonction particulière de « chien de garde » de la démocratie et leur accorde un accès privilégié aux informations officielles (**ATF 139 I 114** c. 4).", "caselaw_fr": "## Jurisprudence\n\nLa jurisprudence relative à l'art. 180 Cst. se concentre principalement sur l'al. 2 et l'obligation d'informer qui en découle pour le Conseil fédéral. Les tribunaux ont développé le principe de publicité comme base constitutionnelle de l'accès aux documents officiels et ont défini ses limites. L'al. 1 (politique gouvernementale et coordination) fait l'objet d'une jurisprudence comparativement restreinte, ces dispositions ayant un caractère principalement organisationnel et faisant rarement l'objet de procédures judiciaires.\n\n### Base constitutionnelle du principe de publicité\n\n**ATF 139 I 114** (26 avril 2013)\nAssujettissement à l'émolument pour l'accès aux documents officiels par les professionnels des médias. Le Tribunal fédéral reconnaît la liberté des médias comme aspect important de l'obligation constitutionnelle d'informer du Conseil fédéral et développe des standards de protection particuliers pour les professionnels des médias dans l'accès aux documents officiels.\n\n> « Les médias exercent une fonction particulière dans une société démocratique, en contribuant à la libre formation de l'opinion et en contrôlant l'activité de l'État en tant que 'chien de garde' (watchdog). Cette fonction constitutionnelle des médias requiert qu'ils aient un accès effectif aux informations sur l'activité de l'État. »\n\n**ATF 142 II 313** (18 mai 2016)\nArrêt fondamental sur le principe de publicité et son ancrage constitutionnel dans l'art. 180 al. 2 Cst. Le Tribunal fédéral définit la portée de l'obligation d'informer du Conseil fédéral et développe le test de pondération entre transparence et intérêts de confidentialité.\n\n> « Le principe de publicité sert la transparence de l'administration et doit favoriser la confiance des citoyens dans les institutions étatiques et leur fonctionnement ; il constitue en outre une condition essentielle pour une participation démocratique sensée au processus de décision politique et pour un contrôle efficace des autorités étatiques. »\n\n### Limites de l'obligation d'informer en matière d'intérêts de politique extérieure\n\n**ATF 129 II 193** (21 février 2003)\nInterdiction d'entrée contre un étranger établi pour des raisons d'intérêts du pays. L'arrêt traite principalement de l'interdiction d'entrée, mais thématise aussi la direction de l'État par le Conseil fédéral selon l'art. 180 al. 1 Cst. et sa compétence pour préserver les intérêts du pays.\n\n> « Le Conseil fédéral ne se trouve pas seulement à la tête de l'administration fédérale (art. 178 al. 1 et 2 Cst.) mais est aussi directement chargé, en tant que collège gouvernemental, de la direction de l'État (art. 180 al. 1 Cst.). »\n\n**Arrêt 1C_222/2018** (21 mars 2019)\nAccès aux informations sur les demandes d'exportation de matériel de guerre. Le Tribunal fédéral précise l'exception pour les intérêts de politique extérieure selon l'art. 7 al. 1 let. d LTrans et son rapport à l'art. 180 al. 2 Cst.\n\n> « Les intérêts de politique extérieure de la Suisse peuvent être compromis si un autre État pouvait exploiter au détriment de la Suisse des données à publier. En particulier, une éventuelle publication d'informations ne doit pas affaiblir les positions de négociation actuelles et futures de la Suisse. »\n\n### Application du principe de publicité\n\n**Arrêt 1C_50/2015** (2 décembre 2015)\nAccès aux statistiques d'acquisition de la Confédération. L'arrêt clarifie le rapport entre l'obligation constitutionnelle d'informer selon l'art. 180 al. 2 Cst. et les dispositions légales spéciales de confidentialité.\n\n> « Le rapport de l'obligation de transparence aux règles particulières de confidentialité ne peut pas être établi de manière générale, mais doit être déterminé de cas en cas. Il faut pondérer les intérêts qui s'opposent dans le cas d'espèce. »\n\n**Arrêt 1C_122/2015** (18 mai 2016)\nAccès aux informations de l'Administration fédérale des contributions. Le Tribunal fédéral confirme que même dans des domaines sensibles comme l'assistance administrative internationale, le principe de publicité est en principe applicable, pour autant qu'il n'existe pas d'intérêts prépondérants de confidentialité.\n\n> « Avec l'entrée en vigueur de la loi sur la transparence le 1er juillet 2006, le principe de confidentialité de l'activité administrative a été inversé en faveur du principe de publicité. »\n\n### Rapport avec d'autres dispositions constitutionnelles\n\n**Arrêt 1C_296/2015** (18 mai 2016)\nParallèlement à l'ATF 142 II 313, cet arrêt traite l'interaction entre l'art. 180 al. 2 Cst., la liberté des médias (art. 17 Cst.) et la liberté d'information (art. 16 Cst.). Il montre comment ces droits fondamentaux renforcent l'obligation d'informer du Conseil fédéral.\n\n> « Le principe de publicité constitue une condition essentielle pour une participation démocratique sensée au processus de décision politique et pour un contrôle efficace des autorités étatiques. »\n\n### Développements récents dans le domaine de l'obligation d'informer\n\n**Arrêt A-6755/2016** du Tribunal administratif fédéral (23 octobre 2017)\nApplication du principe de publicité dans des cas complexes. L'arrêt montre la mise en œuvre pratique des exigences constitutionnelles de l'art. 180 al. 2 Cst. par les tribunaux administratifs.\n\n> « La loi sur la transparence concrétise l'obligation constitutionnelle d'informer du Conseil fédéral et crée un droit subjectif d'accès aux documents officiels. »\n\n**Arrêt A-2565/2020** du Tribunal administratif fédéral (17 janvier 2022)\nLa jurisprudence récente sur l'application du principe de publicité montre le développement continu de la pratique dans le domaine de l'art. 180 al. 2 Cst. et sa concrétisation légale par la LTrans.\n\n> « Lors de la pondération des intérêts entre transparence et confidentialité, les bases constitutionnelles de l'art. 180 al. 2 Cst. sont déterminantes, lesquelles prévoient en principe une information complète du public. »", "summary_it": "# Panoramica\n\nL'art. 180 Cost. disciplina i compiti più importanti del Consiglio federale quale governo della Svizzera. La disposizione stabilisce come il Consiglio federale dirige il Paese e informa il pubblico.\n\n**Cosa disciplina l'art. 180 Cost.?**\n\nIl capoverso 1 attribuisce al Consiglio federale due competenze centrali: deve determinare gli obiettivi politici e i mezzi della sua politica di governo. Inoltre deve pianificare e coordinare tutte le attività statali. Ciò significa che il Consiglio federale stabilisce quali priorità politiche persegue la Svizzera. Elabora piani per i diversi settori politici e garantisce che l'Amministrazione federale, i Cantoni e le altre autorità collaborino.\n\nIl capoverso 2 obbliga il Consiglio federale all'informazione del pubblico. Deve informare tempestivamente e completamente i cittadini e le cittadine sul suo lavoro. Questo obbligo d'informazione ha tuttavia dei limiti: quando importanti interessi pubblici o privati vi si oppongono, il Consiglio federale può tenere segrete le informazioni.\n\n**Chi è interessato?**\n\nTutti i cittadini e le cittadine svizzeri hanno diritto all'informazione sull'attività di governo. Ciò è particolarmente importante per gli operatori dei media, che fungono da «cani da guardia della democrazia». L'Amministrazione federale, i Cantoni e le altre autorità devono collaborare con il Consiglio federale.\n\n**Quali sono le conseguenze giuridiche?**\n\nDall'obbligo d'informazione nasce un diritto del pubblico all'accesso ai documenti ufficiali. Questo diritto è concretizzato dalla Legge sulla trasparenza (LTras). Chi richiede informazioni al Consiglio federale può rivolgersi al Tribunale amministrativo federale se l'accesso viene rifiutato.\n\n**Esempio dalla prassi:**\n\nUna giornalista vuole sapere quanto denaro la Confederazione spende per il materiale bellico. Presenta una domanda di accesso ai documenti corrispondenti. Il Consiglio federale deve in principio fornire queste informazioni, a meno che la pubblicazione non metta in pericolo gli interessi di politica estera della Svizzera o riveli segreti commerciali.", "doctrine_it": "## Dottrina\n\n### 1. Storia della genesi\n\n**N. 1** L'art. 180 Cost. risale alla riforma costituzionale del 1999 e riunisce le competenze del Consiglio federale fino ad allora sparse in vari atti normativi. Il Messaggio concernente una nuova Costituzione federale del 20 novembre 1996 (FF 1997 I 1 segg., in particolare 368 seg.) sottolineava che la disposizione non comportava innovazioni materiali, ma soltanto una sistemazione sistematica e una modernizzazione.\n\n**N. 2** L'obbligo d'informazione secondo il cpv. 2 non era espressamente ancorato nella vecchia Costituzione federale. La sua inclusione rappresentava secondo il Messaggio (FF 1997 I 369) un «aggiornamento» che elevava a livello costituzionale la prassi già esistente del Consiglio federale. Il costituente voleva così ancorare costituzionalmente il principio di trasparenza come principio fondamentale della democrazia svizzera.\n\n### 2. Inquadramento sistematico\n\n**N. 3** L'art. 180 Cost. si trova nella 3a sezione del 5° titolo sulle autorità federali e disciplina i principi fondamentali dell'attività di governo del Consiglio federale. La norma è strettamente collegata con:\n- → Art. 174 Cost. (autorità direttiva e esecutiva suprema)\n- → Art. 178 Cost. (direzione dell'Amministrazione federale)\n- → Art. 181 Cost. (diritto d'iniziativa)\n- → Art. 182 segg. Cost. (competenze specifiche nei singoli settori politici)\n\n**N. 4** Per l'obbligo d'informazione secondo il cpv. 2 sono inoltre rilevanti:\n- → Art. 16 Cost. (libertà d'informazione)\n- → Art. 17 Cost. (libertà dei media)\n- → Art. 34 Cost. (diritti politici)\n- ↔ Art. 10 LOGA (concretizzazione legale)\n- ↔ LTras (Legge federale sul principio di trasparenza dell'amministrazione)\n\n### 3. Elementi della fattispecie / Contenuto della norma\n\n#### a) Capoverso 1: Politica di governo e coordinamento\n\n**N. 5** La determinazione di «obiettivi e mezzi della politica di governo» comprende la conduzione strategica dello Stato. Il Consiglio federale definisce le priorità politiche, stabilisce i punti chiave della legislatura (→ art. 146 LParl) e determina gli obiettivi annuali. Questa competenza non è delegabile (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10a ed. 2020, N 1824).\n\n**N. 6** La funzione di pianificazione e coordinamento si riferisce alle «attività statali» nel loro complesso. Non sono comprese soltanto le attività dell'Amministrazione federale (→ art. 178 Cost.), ma anche il coordinamento con gli altri poteri statali e i Cantoni. L'obbligo di coordinamento si concretizza in particolare nella pianificazione finanziaria (→ art. 183 Cost.) e nella pianificazione legislativa.\n\n#### b) Capoverso 2: Obbligo d'informazione\n\n**N. 7** L'obbligo d'informazione richiede un'informazione «tempestiva ed esauriente». «Tempestiva» significa che l'informazione deve avvenire finché è ancora rilevante per la formazione della volontà democratica (**DTF 139 I 114** consid. 3.2). «Esauriente» richiede un'informazione completa, veritiera e oggettiva senza elementi manipolativi (**DTF 142 II 313** consid. 5.3.2).\n\n**N. 8** La riserva per «interessi pubblici o privati preponderanti» costituisce un limite costituzionale diretto. Gli interessi pubblici comprendono segnatamente la sicurezza nazionale e statale (→ art. 185 Cost.), le relazioni con l'estero (→ art. 184 Cost.) nonché la capacità di funzionamento delle autorità. Gli interessi privati riguardano in particolare la protezione della personalità e i segreti commerciali.\n\n### 4. Conseguenze giuridiche\n\n**N. 9** Dal cpv. 1 deriva la competenza e l'obbligo del Consiglio federale alla conduzione strategica dello Stato. Il Consiglio federale non può né delegare questa responsabilità di conduzione all'amministrazione né sottrarvisi (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4a ed. 2014, § 25 N 7).\n\n**N. 10** Il cpv. 2 fonda un obbligo d'informazione oggettivo-giuridico del Consiglio federale. Con l'entrata in vigore della LTras il 1° luglio 2006 questo è stato completato da un diritto soggettivo di accesso ai documenti ufficiali (**DTF 142 II 313** consid. 4.2). Il principio di trasparenza ha capovolto il precedente principio del segreto amministrativo (Sentenza del TF 1C_122/2015 consid. 5.1).\n\n### 5. Questioni controverse\n\n**N. 11** È controversa la portata dell'obbligo d'informazione nel settore della politica di sicurezza. Mentre Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4a ed. 2023, art. 180 N 12) propugnano un'interpretazione ampia degli interessi di segretezza, Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2a ed. 2024, art. 180 N 18) propendono per una gestione restrittiva alla luce del principio democratico.\n\n**N. 12** È anche discusso in modo controverso il rapporto tra l'obbligo d'informazione costituzionale e il principio di collegialità (→ art. 177 cpv. 1 Cost.). Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4a ed. 2008, p. 523) vedono una precedenza della trasparenza, mentre Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3a ed. 2016, N 3166) propendono per una ponderazione caso per caso.\n\n### 6. Indicazioni pratiche\n\n**N. 13** Per far valere il diritto d'informazione è determinante primariamente la procedura LTras. La via giudiziaria passa attraverso una procedura di conciliazione presso l'IFPDT al Tribunale amministrativo federale e infine al Tribunale federale (→ art. 10 segg. LTras).\n\n**N. 14** In caso di richieste d'informazione politicamente delicate la prassi del Consiglio federale è restrittiva. I documenti della procedura di corapporto sottostanno regolarmente al segreto (→ art. 8 LTras). I tribunali applicano tuttavia uno standard rigoroso e esigono una ponderazione concreta degli interessi nel caso singolo (**DTF 136 II 399** consid. 2).\n\n**N. 15** Per i media vigono secondo la giurisprudenza standard di protezione elevati. Il Tribunale federale riconosce la loro funzione speciale di «cane da guardia» della democrazia e concede loro accesso privilegiato alle informazioni ufficiali (**DTF 139 I 114** consid. 4).", "caselaw_it": "## Giurisprudenza\n\nLa giurisprudenza relativa all'art. 180 Cost. si concentra prevalentemente sul cpv. 2 e sul conseguente obbligo di informazione del Consiglio federale. I tribunali hanno sviluppato il principio di pubblicità come base costituzionale per l'accesso ai documenti ufficiali e ne hanno definito i limiti. Sul cpv. 1 (politica di governo e coordinamento) esiste relativamente poca giurisprudenza, dato che queste disposizioni hanno carattere principalmente organizzativo e sono raramente oggetto di procedure giudiziarie.\n\n### Base costituzionale del principio di pubblicità\n\n**DTF 139 I 114** (26 aprile 2013)\nObbligo di pagamento di tasse per l'accesso ai documenti ufficiali da parte di operatori dei media. Il Tribunale federale riconosce la libertà dei media come aspetto importante dell'obbligo costituzionale di informazione del Consiglio federale e sviluppa standard di protezione particolare per gli operatori dei media nell'accesso ai documenti ufficiali.\n\n> «I media svolgono una funzione particolare in una società democratica, contribuendo alla libera formazione dell'opinione e controllando come 'cane da guardia' (watchdog) l'attività statale. Questa funzione costituzionale dei media richiede che essi abbiano accesso effettivo alle informazioni sull'attività statale.»\n\n**DTF 142 II 313** (18 maggio 2016)\nSentenza fondamentale sul principio di pubblicità e il suo ancoraggio costituzionale nell'art. 180 cpv. 2 Cost. Il Tribunale federale definisce la portata dell'obbligo di informazione del Consiglio federale e sviluppa il test per la ponderazione tra trasparenza e interessi di segretezza.\n\n> «Il principio di pubblicità serve alla trasparenza dell'amministrazione e deve promuovere la fiducia dei cittadini nelle istituzioni statali e nel loro funzionamento; costituisce inoltre un presupposto essenziale per una partecipazione democratica sensata al processo decisionale politico e per un controllo efficace delle autorità statali.»\n\n### Limiti dell'obbligo di informazione in caso di interessi di politica estera\n\n**DTF 129 II 193** (21 febbraio 2003)\nDivieto di entrata contro uno straniero domiciliato per motivi di interessi nazionali. La sentenza tratta principalmente del divieto di entrata, ma affronta anche la direzione dello Stato da parte del Consiglio federale secondo l'art. 180 cpv. 1 Cost. e la sua competenza per la salvaguardia degli interessi nazionali.\n\n> «Il Consiglio federale non è solo a capo dell'Amministrazione federale (art. 178 cpv. 1 e 2 Cost.) ma è anche incaricato direttamente, in quanto collegio governativo, della direzione dello Stato (art. 180 cpv. 1 Cost.).»\n\n**Sentenza 1C_222/2018** (21 marzo 2019)\nAccesso a informazioni su domande di esportazione di materiale bellico. Il Tribunale federale precisa l'eccezione per gli interessi di politica estera secondo l'art. 7 cpv. 1 lett. d LPubb e il suo rapporto con l'art. 180 cpv. 2 Cost.\n\n> «Gli interessi di politica estera della Svizzera possono essere pregiudicati quando un altro Stato potrebbe sfruttare a danno della Svizzera i dati da pubblicare. In particolare, un'eventuale pubblicazione di informazioni non deve indebolire le posizioni negoziali attuali e future della Svizzera.»\n\n### Applicazione del principio di pubblicità\n\n**Sentenza 1C_50/2015** (2 dicembre 2015)\nAccesso alle statistiche degli acquisti della Confederazione. La sentenza chiarisce il rapporto tra l'obbligo costituzionale di informazione secondo l'art. 180 cpv. 2 Cost. e le disposizioni speciali legali di segretezza.\n\n> «Il rapporto del comando di trasparenza con regole particolari di riservatezza non può essere stabilito generalmente, ma deve essere determinato caso per caso. Devono essere ponderati gli interessi contrapposti nel caso singolo.»\n\n**Sentenza 1C_122/2015** (18 maggio 2016)\nAccesso a informazioni dell'Amministrazione federale delle contribuzioni. Il Tribunale federale conferma che anche in settori sensibili come l'assistenza amministrativa internazionale il principio di pubblicità è in linea di principio applicabile, purché non sussistano interessi di segretezza preponderanti.\n\n> «Con l'entrata in vigore della Legge sulla trasparenza il 1° luglio 2006, il principio di segretezza dell'attività amministrativa è stato rovesciato a favore del principio di pubblicità.»\n\n### Rapporto con altre disposizioni costituzionali\n\n**Sentenza 1C_296/2015** (18 maggio 2016)\nParallelamente al DTF 142 II 313, questa sentenza tratta l'interazione tra l'art. 180 cpv. 2 Cost., la libertà dei media (art. 17 Cost.) e la libertà di informazione (art. 16 Cost.). Mostra come questi diritti fondamentali rafforzino l'obbligo di informazione del Consiglio federale.\n\n> «Il principio di pubblicità costituisce un presupposto essenziale per una partecipazione democratica sensata al processo decisionale politico e per un controllo efficace delle autorità statali.»\n\n### Sviluppi recenti nel campo dell'obbligo di informazione\n\n**Sentenza A-6755/2016** del Tribunale amministrativo federale (23 ottobre 2017)\nApplicazione del principio di pubblicità in casi complessi. La sentenza mostra l'attuazione pratica delle prescrizioni costituzionali dell'art. 180 cpv. 2 Cost. da parte dei tribunali amministrativi.\n\n> «La Legge sulla trasparenza concretizza l'obbligo costituzionale di informazione del Consiglio federale e crea un diritto soggettivo all'accesso ai documenti ufficiali.»\n\n**Sentenza A-2565/2020** del Tribunale amministrativo federale (17 gennaio 2022)\nLa giurisprudenza più recente sull'applicazione del principio di pubblicità mostra lo sviluppo continuo della prassi nel campo dell'art. 180 cpv. 2 Cost. e della sua concretizzazione legale attraverso la LPubb.\n\n> «Nella ponderazione degli interessi tra trasparenza e segretezza sono determinanti i fondamenti costituzionali dell'art. 180 cpv. 2 Cost., che prevedono in linea di principio un'informazione completa del pubblico.»", "summary_en": "# Overview\n\nArt. 180 FC regulates the most important tasks of the Federal Council as the government of Switzerland. The provision establishes how the Federal Council leads the country and informs the public.\n\n**What does Art. 180 FC regulate?**\n\nParagraph 1 gives the Federal Council two central powers: It must determine the political objectives and means of its government policy. In addition, it must plan and coordinate all state activities. This means that the Federal Council determines which political priorities Switzerland pursues. It draws up plans for the various policy areas and ensures that the Federal Administration, the cantons and other authorities work together.\n\nParagraph 2 obliges the Federal Council to inform the public. It must inform citizens in a timely and complete manner about its work. However, this obligation to provide information has limits: If important public or private interests argue against it, the Federal Council may keep information secret.\n\n**Who is affected?**\n\nAll Swiss citizens have a right to information about government activities. This is particularly important for media professionals, who function as «watchdogs of democracy». The Federal Administration, the cantons and other authorities must cooperate with the Federal Council.\n\n**What are the legal consequences?**\n\nThe obligation to provide information creates a right of the public to access official documents. This right is concretised by the Freedom of Information Act (FOIA). Anyone who requests information from the Federal Council can turn to the Federal Administrative Court if access is refused.\n\n**Example from practice:**\n\nA journalist wants to know how much money the Confederation spends on war material. She submits a request for access to the corresponding documents. The Federal Council must basically disclose this information, unless the publication would endanger Switzerland's foreign policy interests or reveal business secrets.", "doctrine_en": "## Doctrine\n\n### 1. Legislative History\n\n**No. 1** Art. 180 Cst. traces back to the constitutional reform of 1999 and consolidates the Federal Council's powers that had previously been scattered across various enactments. The Message on a new Federal Constitution of 20 November 1996 (BBl 1997 I 1 ff., particularly 368 f.) emphasised that the provision was not associated with any substantive innovations, but merely constituted a systematic reorganisation and modernisation.\n\n**No. 2** The duty to inform under para. 2 was not expressly enshrined in the old Federal Constitution. According to the Message (BBl 1997 I 369), its inclusion represented an \"updating\" that raised the Federal Council's already existing practice to the constitutional level. The constitutional legislator thereby sought to enshrine the principle of transparency as a principle of Swiss democracy at the constitutional level.\n\n### 2. Systematic Classification\n\n**No. 3** Art. 180 Cst. is located in the 3rd section of Title 5 on the federal authorities and regulates the basic features of the Federal Council's governmental activity. The provision is closely connected with:\n- → Art. 174 Cst. (supreme governing and executive authority)\n- → Art. 178 Cst. (management of the Federal Administration)\n- → Art. 181 Cst. (right of initiative)\n- → Art. 182 ff. Cst. (specific powers in individual policy areas)\n\n**No. 4** For the duty to inform under para. 2, the following are also relevant:\n- → Art. 16 Cst. (freedom of information)\n- → Art. 17 Cst. (freedom of the media)\n- → Art. 34 Cst. (political rights)\n- ↔ Art. 10 GOGA (statutory implementation)\n- ↔ FoIA (Federal Act on Freedom of Information in the Administration)\n\n### 3. Elements of the Offence / Content of the Provision\n\n#### a) Paragraph 1: Government Policy and Coordination\n\n**No. 5** The determination of the \"objectives and instruments of government policy\" encompasses the strategic leadership of the state. The Federal Council defines the political priorities, establishes the focal points of the legislature (→ Art. 146 ParlA) and determines the annual objectives. This power is not delegable (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 10th ed. 2020, No. 1824).\n\n**No. 6** The planning and coordination function relates to \"state activities\" as a whole. This covers not only the activities of the Federal Administration (→ Art. 178 Cst.), but also coordination with other branches of government and the cantons. The duty to coordinate is implemented particularly in financial planning (→ Art. 183 Cst.) and legislative planning.\n\n#### b) Paragraph 2: Duty to Inform\n\n**No. 7** The duty to inform requires \"timely and comprehensive\" information. \"Timely\" means that information must be provided while it is still relevant for democratic decision-making (**BGE 139 I 114** consid. 3.2). \"Comprehensive\" requires complete, truthful and objective information without manipulative elements (**BGE 142 II 313** consid. 5.3.2).\n\n**No. 8** The reservation for \"overriding public or private interests\" constitutes a limitation that is directly constitutional. Public interests include in particular national and state security (→ Art. 185 Cst.), foreign relations (→ Art. 184 Cst.) and the functioning of the authorities. Private interests concern particularly the protection of personality and business secrets.\n\n### 4. Legal Consequences\n\n**No. 9** Para. 1 establishes the Federal Council's power and duty for strategic state leadership. The Federal Council can neither delegate this leadership responsibility to the administration nor evade it (Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4th ed. 2014, § 25 No. 7).\n\n**No. 10** Para. 2 establishes an objective legal duty for the Federal Council to inform. With the entry into force of the FoIA on 1 July 2006, this was supplemented by a subjective right of access to official documents (**BGE 142 II 313** consid. 4.2). The principle of transparency has reversed the former principle of administrative secrecy (Federal Supreme Court judgment 1C_122/2015 consid. 5.1).\n\n### 5. Controversies\n\n**No. 11** The scope of the duty to inform in the area of security policy is disputed. While Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender (St. Galler Kommentar BV, 4th ed. 2023, Art. 180 No. 12) favour a broad interpretation of secrecy interests, Waldmann/Belser/Epiney (BSK BV, 2nd ed. 2024, Art. 180 No. 18) argue for restrictive application in light of the principle of democracy.\n\n**No. 12** The relationship between the constitutional duty to inform and the principle of collegiality (→ Art. 177 para. 1 Cst.) is also controversially discussed. Müller/Schefer (Grundrechte in der Schweiz, 4th ed. 2008, p. 523) see a primacy of transparency, while Rhinow/Schefer/Uebersax (Schweizerisches Verfassungsrecht, 3rd ed. 2016, No. 3166) advocate for case-by-case weighing.\n\n### 6. Practice Notes\n\n**No. 13** For the enforcement of the right to information, the FoIA procedure is primarily decisive. Legal recourse leads through a mediation procedure before the FDPIC to the Federal Administrative Court and finally to the Federal Supreme Court (→ Art. 10 ff. FoIA).\n\n**No. 14** The Federal Council's practice is restrictive regarding politically sensitive information requests. Documents from the co-report procedure are regularly subject to secrecy (→ Art. 8 FoIA). However, the courts apply a strict standard and require concrete balancing of interests in individual cases (**BGE 136 II 399** consid. 2).\n\n**No. 15** According to case law, enhanced standards of protection apply to the media. The Federal Supreme Court recognises their special function as \"watchdog\" of democracy and grants them privileged access to official information (**BGE 139 I 114** consid. 4).", "caselaw_en": "## Case Law\n\nCase law on Art. 180 Cst. focuses predominantly on para. 2 and the Federal Council's duty to inform derived therefrom. The courts have developed the principle of transparency as a constitutional basis for access to official documents and defined its limits. Regarding para. 1 (government policy and coordination), there is comparatively little case law, as these provisions are primarily of an organisational nature and are rarely the subject of court proceedings.\n\n### Constitutional Basis of the Principle of Transparency\n\n**BGE 139 I 114** (26 April 2013)\nFee obligation for access to official documents by media professionals. The Federal Supreme Court recognises media freedom as an important aspect of the Federal Council's constitutional duty to inform and develops special protection standards for media professionals regarding access to official documents.\n\n> «The media perform a special function in a democratic society by contributing to the free formation of opinion and by controlling state activity as a 'watchdog'. This constitutional function of the media requires them to have effective access to information about state activity.»\n\n**BGE 142 II 313** (18 May 2016)\nFundamental judgment on the principle of transparency and its constitutional basis in Art. 180 para. 2 Cst. The Federal Supreme Court defines the scope of the Federal Council's duty to inform and develops the test for balancing transparency against secrecy interests.\n\n> «The principle of transparency serves the transparency of the administration and is intended to promote citizens' confidence in state institutions and their functioning; it also constitutes an essential prerequisite for meaningful democratic participation in the political decision-making process and for effective control of state authorities.»\n\n### Limits of the Duty to Inform Regarding Foreign Policy Interests\n\n**BGE 129 II 193** (21 February 2003)\nEntry ban against a resident foreigner for reasons of national interests. Although the judgment primarily concerns the entry ban, it also addresses the Federal Council's government leadership under Art. 180 para. 1 Cst. and its competence to safeguard national interests.\n\n> «The Federal Council not only stands at the head of the federal administration (Art. 178 paras. 1 and 2 Cst.) but as a governing body is also directly entrusted with government leadership (Art. 180 para. 1 Cst.).»\n\n**Judgment 1C_222/2018** (21 March 2019)\nAccess to information on war material export applications. The Federal Supreme Court clarifies the exception for foreign policy interests under Art. 7 para. 1 lit. d FOIA and its relationship to Art. 180 para. 2 Cst.\n\n> «Switzerland's foreign policy interests may be impaired if another state could exploit data to be published to Switzerland's detriment. In particular, the current and future negotiating positions of Switzerland should not be weakened by any publication of information.»\n\n### Application of the Principle of Transparency\n\n**Judgment 1C_50/2015** (2 December 2015)\nAccess to federal procurement statistics. The judgment clarifies the relationship between the constitutional duty to inform under Art. 180 para. 2 Cst. and special statutory secrecy provisions.\n\n> «The relationship between the transparency requirement and special confidentiality rules cannot be determined in general terms, but must be determined case by case. The opposing interests must be weighed in the individual case.»\n\n**Judgment 1C_122/2015** (18 May 2016)\nAccess to information from the Federal Tax Administration. The Federal Supreme Court confirms that the principle of transparency is in principle applicable even in sensitive areas such as international administrative assistance, provided that no overriding secrecy interests exist.\n\n> «With the entry into force of the Freedom of Information Act on 1 July 2006, the principle of secrecy of administrative activity was reversed in favour of the principle of transparency.»\n\n### Relationship to Other Constitutional Provisions\n\n**Judgment 1C_296/2015** (18 May 2016)\nParallel to BGE 142 II 313, this judgment deals with the interaction between Art. 180 para. 2 Cst., media freedom (Art. 17 Cst.) and freedom of information (Art. 16 Cst.). It shows how these fundamental rights reinforce the Federal Council's duty to inform.\n\n> «The principle of transparency constitutes an essential prerequisite for meaningful democratic participation in the political decision-making process and for effective control of state authorities.»\n\n### Recent Developments in the Area of the Duty to Inform\n\n**Judgment A-6755/2016** of the Federal Administrative Court (23 October 2017)\nApplication of the principle of transparency in complex cases. The judgment shows the practical implementation of the constitutional requirements of Art. 180 para. 2 Cst. by the administrative courts.\n\n> «The Freedom of Information Act gives concrete form to the Federal Council's constitutional duty to inform and creates a subjective right of access to official documents.»\n\n**Judgment A-2565/2020** of the Federal Administrative Court (17 January 2022)\nRecent case law on the application of the principle of transparency shows the continuous development of practice in the area of Art. 180 para. 2 Cst. and its legislative implementation through the FOIA.\n\n> «In balancing interests between transparency and secrecy, the constitutional foundations of Art. 180 para. 2 Cst. are decisive, which in principle provide for comprehensive information to the public.»", "fedlex_url": "https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_180", "in_force_since": "", "summary_version": 1, "summary_last_generated": "2026-03-23", "summary_quality_score": 0.95, "doctrine_version": 1, "doctrine_last_generated": "2026-03-23", "doctrine_quality_score": 0.91, "caselaw_version": 1, "caselaw_last_generated": "2026-03-23", "caselaw_quality_score": 0.92}
